Source: https://www.dansef.de/Bundesgerichtshof-zum-Erbrecht-nichtehelicher-Kinder/
Timestamp: 2019-08-18 16:07:05+00:00

Document:
Bundesgerichtshof zum Erbrecht nichtehelicher Kinder | Deutsche Anwalts-, Notar- und Steuerberatervereinigung für Erb- und Familienrecht e.V.
Bun­des­ge­richts­hof zum Erbrecht nicht­ehe­li­cher Kin­der
(Stutt­gart) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 26.10.2011 ent­schie­den, dass der in Art. 12 § 10 Abs. 2 Satz 1 des Geset­zes über die recht­li­che Stel­lung der nicht­ehe­li­chen Kin­der vom 19. August 1969 (NEhelG a.F.) fest­ge­schrie­be­ne Aus­schluss vor dem 1. Juli 1949 gebo­re­ner nicht­ehe­li­cher Kin­der vom Nach­lass des Vaters für vor dem 29. Mai 2009 ein­ge­tre­te­ne Erb­fäl­le wei­ter­hin Bestand hat.
Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 26.10.2011 zu sei­nem Urteil, Az.: IV ZR 150/10.
Der im Jahr 1940 nicht­ehe­lich gebo­re­ne Klä­ger hat im Wege der Stu­fen­kla­ge Pflicht­teils- und Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­sprü­che aus dem Erb­fall nach sei­nem im Jahr 2006 ver­stor­be­nen Vater gel­tend gemacht. Die Beklag­te, eine ehe­li­che Toch­ter des Erb­las­sers, ist des­sen durch Tes­ta­ment bestimm­te Allein­er­bin.
Bis zum 30. Juni 1970 gal­ten ein nicht­ehe­li­ches Kind und sein Vater nicht als ver­wandt. Daher fand inso­fern eine gesetz­li­che Erb­fol­ge nicht statt. Art. 12 § 10 Abs. 2 Satz 1 NEhelG a.F. hielt die­sen Aus­schluss zum Nach­teil vor dem 1. Juli 1949 gebo­re­ner nicht­ehe­li­cher Kin­der auf­recht. In einer Ent­schei­dung vom 28. Mai 2009 (Beschwer­de Nr. 3545/04, NJW-RR 2009, 1603 = Fam­RZ 2009, 1293) hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te jedoch fest­ge­stellt, dies kön­ne das auch nicht­ehe­li­chen Kin­dern zuste­hen­de Recht auf Ach­tung ihres Fami­li­en­le­bens aus Art. 8 Abs. 1 der Euro­päi­schen Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (EMRK) beein­träch­ti­gen und dis­kri­mi­nie­rend sein (Art. 14 EMRK). Mit Blick hier­auf hat der deut­sche Gesetz­ge­ber im April 2011 die Stich­tags­re­ge­lung in Art. 12 § 10 Abs. 2 NEhelG a.F. — rück­wir­kend — für ab dem 29. Mai 2009 ein­ge­tre­te­ne Erb­fäl­le auf­ge­ho­ben.
Die Vor­in­stan­zen hat­ten die Kla­ge abge­wie­sen. Dage­gen rich­te­te sich die Revi­si­on des Klä­gers. Die­se hat der Bun­des­ge­richts­hof nun zurück­ge­wie­sen, so Henn.
Auch eine Berück­sich­ti­gung der genann­ten Garan­ti­en der Euro­päi­schen Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten selbst führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers. Der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te lässt sich viel­mehr ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber nicht ver­pflich­tet war, die Rechts­la­ge auch für die Zeit vor Ver­kün­dung der Ent­schei­dung vom 28. Mai 2009 zu ändern.

References: Art. 12
 § 10
 Art. 12
 § 10
 Art. 8
 Art. 12
 § 10