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Timestamp: 2020-01-29 00:01:48+00:00

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Fusg.ch — § 2 Fusion > II. Bewertungsfragen bei der Fusion > 3. Synergien und Kosten
II. Bewertungsfragen bei der Fusion1. Mitgliedschaftliche Kontinuität2. Bewertung der einzelnen Unternehmen3. Synergien und Kosten
4. Umtauschverhältnis5. KapitalerhöhungIII. Materielles und VerfahrenIV. GesellschafterV. GläubigerVI. Arbeitnehmer
Neben den «Stand alone»-Werten der an der Fusion beteiligten Unternehmen sind weitere relevante Umstände i.S.v. Art. 7 Abs. 1 FusG zu berücksichtigen. Die Botschaft erwähnt unter anderem die Synergien,145 die beispielsweise bei einer Steigerung der Umsätze durch eine Kosteneinsparung realisiert werden können. Dieser Einschätzung haben sich sowohl die herrschende Lehre146 als auch die Rechtsprechung147 angeschlossen.
Die potenziellen Synergien lassen sich nach ihrem Hintergrund und nach dem Ort, an dem sie anfallen, bzw. den Partnern, die sie nutzen können, aufgliedern:
Universelle Synergien kann jeder potenzielle Partner mit einem fähigen Management und geeigneten Ressourcen realisieren. Dazu gehören beispielsweise Kosteinsparungen durch die zusätzliche Grösse des Unternehmens. Da universelle Synergien von allen Fusionspartnern genutzt werden können, werden sie meistens den wirtschaftlichen Verkäufern (d.h. den Gesellschaftern des übertragenden Rechtsträgers) zugerechnet.
Spezifische Synergien können nur von einem bestimmten Partner genutzt werden. Diese wirken sich bei der Berechnung des Umtauschverhältnisses in der Regel ebenfalls zugunsten der Gesellschafter jener Einheit aus, welche das Synergiepotenzial eingebracht hat, es sei denn, dass nur die andere Seite diese Synergien nutzen und ihre spezifischen Fähigkeiten auch auf andere Weise gewinnbringend einsetzen könnte.
Beschränkte Synergien sind eine Mischung von universellen und spezifischen Synergien, die nur durch eine limitierte Anzahl bestimmter Fusionspartner realisiert werden können. Der Wert beschränkter Synergien wird üblicherweise je nach Ausgangslage, Verhandlungsgeschick und Verhandlungsmacht zwischen den beteiligten Rechtsträgern aufgeteilt.148
Generell sind die Synergien den Gesellschaftern der beteiligten Rechtsträger im Verhältnis der jeweiligen Beiträge dieser Rechtsträger an die durch die Fusion realisierbaren Synergien zuzuteilen. Da sich die Zuordnung von Synergien zum einen oder anderen Rechtsträger in der Praxis oft schwierig gestaltet, wird in der Lehre zum Teil die Auffassung vertreten, die Synergien seien den Gesellschaftern proportional zum «Stand alone»-Wert der beteiligten Rechtsträger zuzuteilen.149 Eine solche proportionale Allokation führt aber nicht in jedem Fall zu adäquaten Ergebnissen.150 Ist der übernehmende Rechtsträger z.B. in weiteren Geschäftsbereichen tätig, die von der Fusion nicht berührt ­werden und entsprechend keinen Beitrag an die durch den Zusammenschluss realisierbaren Synergien leisten können, wäre eine proportionale Zuteilung im Verhältnis zur Gesamtgrösse der fusionierenden Unternehmen nicht adäquat. Stattdessen käme unter Umständen eine Allokation im Verhältnis zur Grösse der von der Fusion unmittelbar erfassten Geschäftsbereiche beider Unter­nehmen infrage.
Zu berücksichtigen sind darüber hinaus auch die Entwicklungsaussichten der an der Fusion beteiligten Gesellschaften:151 Eine Gesellschaft, deren Fortbestand nur dank einer Fusion mit einem stärkeren Partner realistisch ist, verliert durch diese Tatsache an Wert. Ebenfalls zu berücksichtigen sind die Kosten, welche bei der Durchführung der Transaktion selber entstehen (bspw. für Due Diligence, Erstellung von Fusionsvertrag und Fusionsbericht, Fusionsprüfung etc.), aber auch die Integrations- oder Restrukturierungskosten.152 Aufgrund des Einbezugs all dieser Umstände wird der Wert des aus der Fusion hervorgehenden Unternehmens («Fusionswert») kaum je mit der Summe der Einzelwerte der beiden Fusionspartner übereinstimmen.153
Die Summe der «Stand alone»-Werte beider Gesellschaften beläuft sich auf CHF 6 400 000 (CHF 4 500 000 für Gesellschaft A plus CHF 1 900 000 für Gesellschaft B). Die Synergien nach Abzug der Transaktionskosten betragen CHF 600 000. Der Wert des aus der Fusion hervorgehenden Unternehmens ist somit CHF 7 000 000.
Botschaft, 4401.
Böckli, § 3 N 89 f.; Eugster, 40 ff.; BSK FusG-Tschäni/Gaberthüel, Art. 7 N 9; von Salis-Lütolf, 36; Glanzmann, Umstrukturierungen, N 208. Die Berücksichtigung von nach der Fusion zu realisierenden Synergien bei der Festlegung des Umtauschverhältnisses ablehnend: Vogel/Heiz/Behnisch/Sieber/Opel, OFK-FusG, FusG 7 N 19; Altenburger/Calderan/Lederer, N 40.
Entscheid des Kantonsgerichts Graubünden PZ 07/99 vom 16. August 2007, N 6, be­­stätigt vom Bundesgericht in BGE 134 III 255.
Copeland/Koller/Murrin, 159 f.; zurückhaltend bei der asymmetrischen Zuordnung von Synergien ist Böckli, § 3 N 89a.
Schenker, Fusion, 776, Fn 44; Böckli, § 3 N 89; von Salis-Lütolf, 36; Eugster, 40 ff.
Schneller, 74; Böckli, § 3 N 89.
Konkurrenten können die Fusion auch als Chance nutzen, neue Kunden zu gewinnen oder Angestellte abzuwerben. Kunden bitten während des Fusionsvollzugs gerne um Preisnachlässe oder andere Vergünstigungen, welche die Vertreter des Fusionsunternehmens gewähren müssen, um die Kunden nicht zu verlieren, vgl. Copeland/­Koller/Murrin, 158 f.
Vgl. auch Böckli, § 3 N 89.

References: § 2
 Art. 7
 § 3
 Art. 7
 BGE 
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3