Source: https://www.lsvd.de/recht/rechtsprechung/lebenspartnerschaft/lebenspartnerschaft/kuenstliche-befruchtung.html
Timestamp: 2017-08-16 17:34:57+00:00

Document:
-- Anerkennung der Vaterschaft
----- EGMR
----- Bundesverfassungsgericht
----- Bundesgerichtshof
----- Zivilgerichte
----- Strafrecht
Zur Anfechtung der Vaterschaft des Ehemannes, um die Anerkennung des Kindes durch seinen natürlichen Vater zu ermöglichen.
Zwischen dem aus einer dauerhaften außerehelichen Beziehung seiner Eltern hervorgegangenen, als ehelich geltenden Kind und seinem natürlichen Vater besteht kraft Gesetzes seit seiner Geburt ein Familienleben gemäß Art. 8 EMRK, selbst wenn die Eltern nie zusammengelebt haben und der Vater nicht zur Pflege und Erziehung des Kindes beiträgt.
Liegt ein Familienleben vor, besteht die positive Verpflichtung des Staates, die Herstellung vollständiger gesetzlicher Familienbande zwischen dem natürlichen Vater und seinem Kind vom Augenblick der Geburt an oder sobald wie möglich danach zu erlauben. Eine gesetzliche Regelung, die es einem Vater nur bei Heirat der Mutter durch eine Stiefelternadoption ermöglicht, eine rechtliche Beziehung zu seinem Kind zu begründen, ist nicht mit dem Begriff der Achtung des Familienlebens vereinbar.
Die Achtung des Familienlebens verlangt, dass sich die biologische und soziale Realität gegenüber einer gesetzlichen Vaterschaftsvermutung durchsetzt, die dem festgestellten Sachverhalt und den Wünschen der Betroffenen widerspricht, ohne jemandem zum Vorteil zu gereichen.
EGMR, Urt. v. 27. 10.1994 - 18535/91 (Fall Kroon u.a. v. Niederlande); Series A Nr. 297; FamRZ 2003, 813, m. Anm. Rixe, Georg, 815
Das Interesse einer Person an der Feststellung ihrer Abstammung kann im Einzelfall dazu fuhren, dass der vermutete verstorbene Vater exhumiert wird. Vorausgesetzt wird, dass die Person ihr Interesse an dieser Feststellung nachhaltig unter Beweis gestellt hat und die Familie des Verstorbenen für ihre Verweigerung einer entsprechenden Maßnahme keine überzeugenden Motive vorbringen kann.
EGMR (3. Sektion), Urt. v. 13.07.2006 - 58757/00 (Fall Jäggi v. Schweiz) deutsche Übersetzung; FamRZ 2006, 1354
Die Regelung des § 1600 Abs. 2 BGB, dass der leibliche Vater eines Kindes die rechtliche Vaterschaft eines anderen Mannes nicht anfechten kann, wenn zwischem dem rechtlichen Vater und dem Kind eine sozial-familiäre Beziehung besteht, vesrtößt nicht gegen das Recht des leiblichen Vaters auf Achtung seines Privatlebens (Art 8 EMRK).
EGMR (5. Sektion), Urt. v. 22.03.2012 - 45071/09 (Fall Ahrens v. Deutschland) - deutsche Übersetzung
EGMR (5. Sektion), Urt. v. 22.03.2012 - 23338/09 (Fall Kautzor v. Deutschland) - deutsche Übersetzung; NJW 2013, 1937
EGMR (5. Sektion), Beschl. v. 11.12.2012 - 11858/10 (Fall Kopikar v. Deutschland) - deutsche Übersetzung
§ 1600 BGB ist deshalb mit Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG unvereinbar, soweit er den leiblichen Vater eines Kindes ausnahmslos von der Anfechtung der für sein Kind anerkannten Vaterschaft zur Erlangung der eigenen rechtlichen Vaterschaft ausschließt.
BVerfG, Beschl. v. 9.04.2003 - 1 BvR 1493/96 u. 1724/01; BVerfGE 108, 82; NJW 2003, 2151; FamRZ 2003, 816; FF 2003, 134; FPR 2003, 471; ZfJ 2004, 23; JAmt 2003, 301; StAZ 2003, 210; Kind-Prax 2003, 141; JAmt 2003, 301; Rpfleger 2003, 417
BVerfG, Urt. v. 13.02.2007 - 1 BvR 421/05; BVerfGE 117, 202; NJW 2007, 753; FamRZ 2007, 441, m. Anm. Balthasar, Stephan, 448; FuR 2007, 258; FF 2007, 96; JAmt 2007, 92; JZ 2007, 629, m. Anm. Balthasar, Stephan, 635; StAZ 2007, 113; DVBl. 2007, 381; DuD 2007, 222; RDV 2007, 117; EuGRZ 2007, 54
Das Verfahren der verwandtschaftsrechtlichen Zuordnung eines außerehelich geborenen Kindes durch Anerkenntnis eines Mannes und Zustimmung der Kindesmutter ist verfassungsgemäß.
Es verstößt nicht gegen das Persönlichkeitsrecht des vermeintlichen leiblichen Vaters aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG, dass ihm weder ein Recht auf gerichtliche Feststellung der biologischen Vaterschaft neben der bestehenden rechtlichen Vaterschaft noch ein Recht auf Klärung der Abstammung des Kindes von ihm zusteht, wenn zwischen dem Kind und dem rechtlichen Vater eine sozial-familiäre Beziehung besteht.
BVerfG (2. Kammer des Ersten Senats) Beschl. v. 13.10.2008 - 1 BvR 1548/03; NJW 2009, 425; FamRZ 2008, 2257; FamRB 2009, 111; StAZ 2009, 145; JAmt 2009, 259
Das von Art. 6 Abs. 2 GG geschützte Elternrecht des rechtlichen Vaters wird verletzt, wenn die Gerichte die Erforderlichkeit der Klärung der Abstammung im Anfechtungsverfahren maßgeblich mit dem Interesse des Kindes an der Abstammung begründen und dabei unter Verkennung des Elternrechts des rechtlichen Vaters dessen Interesse und das des Kindes am Erhalt der zwischen ihnen bestehenden rechtlichen Bindung und sozialen Beziehung nicht hinreichend würdigen. Das ist der Fall, wenn kein anderer Mann als leiblicher Vater für die Übernahme der Elternverantwortung in Betracht kommt und der rechtliche Vater das Kind (zeitweise) betreut und nach der Trennung der Eltern Umgangskontakt mit diesem gepflegt hat.
BVerfG (2. Kammer des Ersten Senats), Beschl. v. 21.05.2008 - 1 BvR 1192/08; NJW 2009, 425
Die Lebenspartnerin einer Frau, die während bestehender Lebenspartnerschaft ein Kind geboren hat, kann nicht als Mutter dieses Kindes in das Geburtenregister eingetragen werden.
BVerfG (2. Kammer des Ersten Senats) Beschl. v. 02.07.2010 - 1 BvR 666/10; NJW 2011, 988; FamRZ 2010, 1621; StAZ 2011, 13
ebenso: AG Hamburg, Beschl. v. 10.01.2009 - 60 III 224/08; StAZ 2009, 275
Es ist mit dem Elternrecht des Art 6 Abs. 2 GG vereinbar, den mutmaßlichen biologischen Vater von der Vaterschaftsanfechtung selbst dann auszuschließen, wenn er vorträgt, vor und in den Monaten nach der Geburt eine sozial-familiäre Beziehung zum Kind aufgebaut zu haben, wenn dies zum Schutz der rechtlich-sozialen Familie notwendig ist.
BVerfG (1. Kammer des Ersten Senats), Beschl. v. 04.12.2013 - 1 BvR 1154/10; FamRZ 2014, 191; StAZ 2014, 79; FF 2014, 72; JAmt 2014, 89; EuGRZ 2014, 266
BVerfG, Beschl. v. 17.12.2013 - 1 BvL 6/10; BVerfGE 135, 48; NJW 2014, 1364; FamRZ 2014, 449, m. Anm. Tobias Helms, FamRZ 2014, 459 ; StAZ 2014, 80; ZKJ 2014, 15, m. Anm. Klaus-Jürgen Grün, 195; JAmt 2014, 88; ZAR 2014, 240, m. Anm. Andreas Pfersich, 244; EuGRZ 2014, 254; NJ 2014, 155; MDR 2014, 225; Asylmagazin 2014, 92, m. Anm. Dirk Siegfried, 65; Streit 2014, 119; Aufs. Andrea Kießling, Der Staat 2015, 1; Aufs. Marei Pelzer, NVwZ 2014, 700
1. Es ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, den biologischen Vater zum Schutz der rechtlich-sozialen Familie von der Vaterschaftsanfechtung auszuschließen, selbst wenn er zeitweise eine sozial-familiäre Beziehung zum Kind aufgebaut hat. In dieser Konstellation kommt dem leiblichen Vater lediglich ein Umgangsrecht zu (vgl BVerfG, 09.04.2003, 1 BvR 1724/01, BVerfGE 108, 82 <87 f, 90, 106, 109, 112 f>; BVerfG, 04.12.2013, 1 BvR 1154/10.
2. Dies steht in Einklang mit der Rspr des EGMR. Die Entscheidung darüber, ob dem biologischen Vater in dem Fall, dass die rechtliche Vaterschaft mit der Rolle als sozialer Vater übereinstimmt, die Anfechtung der Vaterschaft gestattet werden soll, liegt innerhalb des Regelungsspielraums des Staates (vgl etwa EGMR, 22.03.2012, 23338/09 <Rn 78 ff>).
3. Diese Grundsätze gelten auch, wenn - wie hier - der leibliche Vater von der Geburt des Kindes für mehrere Jahre mit diesem zusammengelebt und auch weiterhin Unterhaltskontakte gehalten hat, es jedoch versäumte, nach § 1600d BGB seine Vaterschaft gerichtlich feststellen zu lassen, obwohl ihm dies möglich gewesen wäre.
4. Der maßgebliche Zeitpunkt für die Feststellung, ob zwischen rechtlichem Vater und Kind eine sozial-familiäre Beziehung besteht (§ 1600 Abs 2, Abs 4 S 1 BGB), ist grundsätzlich der Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung (vgl BGH, 06.12.2006, XII ZR 164/04 <Rn 17>).
BVerfG (1. Kammer des Ersten Senats), Beschl. 24.02.2015 - 1 BvR 562/13
BVerfG, Urt. v. 19.04.2016 - 1 BvR 3309/13; BVerfGE 141, 186; NJW 2016, 1939, m. Aufs. Bettina Heiderhoff, 1918; FamRZ 2016, 877, m. Anm. Andreas Spickhoff, 885, und Bespr. Alexander Schwonberg, 1424, sowie Bespr. Julia Caroline Scherpe, 1824; NZFam 2016, 400, m. Anm. Martin Löhnig, Ina Plettenberg, Maria-Viktoria Runge-Rannow, 408; StAZ 2016, 306; JAmt 2016, 331; ZKJ 2016, 261, m. Aufs. Klaus-Jürgen Grün, 448; MDR 2016, 589; EuGRZ 2016, 196; Aufs. Rüdiger Zuck, NZM 2016, 657
BGH, Urt. v. 20.01.1999 - XII ZR 117/97; NJW 1999, 1632; FamRZ 1999, 716; ZfJ 1999, 189; DAVorm 199,301; StAZ 1999, 207; RPfleger 1999, 221; MDR 1999, 548
OLG Köln, Urt. 30.8.2001 - 14 UF 119/01; MDR 2002, 458
Zur Frage der Verwertbarkeit einer heimlich eingeholten DNA-Analyse im Vaterschaftsanfechtungsverfahren.
Eine heimlich veranlasste DNA-Vaterschaftsanalyse ist rechtswidrig und im Vaterschaftsanfechtungsverfahren gegen den Willen des Kindes oder seines gesetzlichen Vertreters nicht verwertbar, auch nicht zur schlüssigen Darlegung von Zweifeln an der Vaterschaft i.S.v. § 1600b BGB.
BGH, Urteil v. 12.01.2005 - XII ZR 227/03; BGHZ 162, 1; NJW 2005, 497; FamRZ 2005, 340; StAZ 2005, 102; JAmt 2005, 140; FuR 2005, 275; FF 2005, 150; JZ 2005, 624, m. Anm. Ohly, Ansgar, 626; Kind-Prax 2005, 104; MDR 2005, 632; MedR 2005, 287
BGH, Urteil v. 12.01.2005 - XII ZR 60/03; FamRZ 2005, 342; RDV 2005, 62; ZEuP 2006, 436
Zur Verwertbarkeit eines gerichtlichen Abstammungsgutachtens, das nicht hätte eingeholt werden dürfen, weil die Anfechtung der Vaterschaft auf eine heimlich eingeholte DNA-Analyse gestützt war (Fortführung von Senat, BGHZ 162, 1 = NJW 2005, 497).
Das heimlich eingeholte Abstammungsgutachten bleibt unverwertbar. Gegen ein prozessordnungswidrig beschlossenes gerichtliches Abstammungsgutachten kann sich das Kind im Zwischenverfahren wehren. Wurde davon kein Gebrauch gemacht, ist das sodann eingeholte gerichtliche Abstammungsgutachten verwertbar.
BGH, Urt. v. 01.03.2006 - XII ZR 210/04; BGHZ 166, 283; NJW 2006, 1657; FuR 2006, 270; JAmt 2006, 304; ZJK 2006, 417
Zur Auslegung der schriftsätzlich erklärten Bereitschaft, sich einer außergerichtlichen Abstammungsbegutachtung zu unterziehen, als rechtlich bindende Verpflichtungserklärung.
Es besteht keine gesetzliche Verpflichtung, eine Vaterschaftsbegutachtung durchzuführen.
Die schriftsätzlich erklärte Bereitschaft, sich einer außergerichtlichen Abstammungsbegutachtung zu unterziehen, kann lediglich als Absichtserklärung im Sinne einer Ankündigung eines künftigen tatsächlichen Verhaltens auszulegen sein, wenn sich der Erklärende nicht in rechtgeschäftlich bindender Weise verpflichten wollte und der Erklärungsempfänger dies auch nicht so verstehen durfte.
BGH, Urt. v. 06.12.2006 - XII ZR 97/04; NJW 2007, 912; FF 2007, 57; MDR 2007, 467
Zur Verfassungsmäßigkeit des § 1600 Abs. 2 BGB, der es dem (angeblichen) leiblichen Vater verwehrt, die Vaterschaft eines rechtlichen Vaters anzufechten, wenn zwischen diesem und dem Kind eine sozialfamiliäre Beziehung besteht.
Zum Verhältnis zwischen der Definition einer sozialfamiliären Beziehung in § 1600 Abs. 3 Satz 1 BGB und den Regelannahmen des § 1600 Abs. 3 Satz 2 BGB.
Zur Unzulässigkeit einer isolierten Abstammungsfeststellungsklage, mit der keine statusrechtlichen Folgen begehrt werden.
BGH, Urt. v. 06.12.2006 - XII ZR 164/04; BGHZ 170, 161; NJW 2007, 1677; FamRZ 2007, 538, m. Anm. Luthin, Horst, 542; FuR 2007, 167; StAZ 2007, 235; MDR 2007, 723
Ein anonymer Anruf und der bloße Vortrag fehlender Ähnlichkeit zwischen den Parteien reicht für einen Anfangsverdacht im Sinne des § 1600 b Abs. 1 S. 2 BGB nicht aus.
Ein ohne Zustimmung des Kindes oder seines gesetzlichen Vertreters eingeholtes privates DNA-Vaterschaftsgutachten darf gegen den Willen des Kindes bzw. seines gesetzlichen Vertreters im Verfahren der Vaterschaftsanfechtung nicht verwertet werden.
BGH, Urt. v. 12.12. 2007 - XII ZR 173/04; FuR 2008, 147; NJW-RR 2008, 449
Die Rechtsausübungssperre des § 1600d Abs. 4 BGB kann im Regressprozess des Scheinvaters gegen den mutmaßlichen Erzeuger des Kindes in besonders gelagerten Einzelfällen mit der Folge durchbrochen werden, dass die Vaterschaft des Beklagten inzident festgestellt werden kann.
Nach Abschaffung der gesetzlichen Amtspflegschaft für nichteheliche Kinder zum 01.07.1998 kommt dies in Betracht, wenn der Kläger andernfalls rechtlos gestellt wäre, weil weder die Kindesmutter noch der mutmaßliche Erzeuger bereit sind, dessen Vaterschaft gerichtlich feststellen zu lassen (Abgrenzung zu Senatsurteil BGHZ 121, 299).
BGH, Urt. v. 16.04.2008 - XII ZR 144/06; BGHZ 176, 327; NJW 2008, 2433, m. Anm. Maurer, Hans-Ulrich, 2436; FamRZ 2008, 1424, m. Anm. Wellenhofer, Marina, 1427; FuR 2008, 400; JR 2004, 148, m. Aufs. Peschel-Gutzeit, Lore, 133; ZFE 2008, 349; MDR 2008, 1040
Beruft sich in Verfahren zwischen den Eltern eines Kindes, die deren rechtliche Beziehungen untereinander betreffen, ein Elternteil auf die Nichtabstammung des Kindes vom rechtlichen Vater, so ist stets anhand einer umfassenden Interessenabwägung zu prüfen, ob eine Ausnahme von der Rechtsausübungssperre des § 1599 Abs. 1 BGB zuzulassen ist. Besonderes Gewicht hat im Rahmen dieser Abwägung der Frage zuzukommen, ob und in welcher Intensität die schutzwürdigen Interessen des Kindes und der Familienfriede durch eine solche Ausnahme berührt werden (Abgrenzung zu dem Senatsbeschluss vom 15. Dezember 1982 - IVb ZB 544/80 - NJW 1983, 824). Ist die Nichtabstammung des Kindes vom rechtlichen Vater zwischen den Parteien unstreitig, ist (hier: im Rahmen der Prüfung nach § 1587 c BGB) eine Durchbrechung der Rechtsausübungssperre regelmäßig in Betracht zu ziehen.
BGH, Beschl. v. 25.06.2008 - XII ZB 163/06: NJW 2008, 3429; FamRZ 2008, 1836; FPR 2008, 578; ZFE 2008, 428; FuR 2009, 601; MDR 2008, 1218
BGH, Urt. v. 30.07.2008 - XII ZR 18/07; NJW 2008, 3061; FamRZ 2008, 1921; JAmt 2008, 591; FuR 2008, 551; MDR 2008, 1340;
Zum Umfang der Amtsaufklärungspflicht und zur Darlegungslast des Klägers für das Nichtbestehen einer sozial-familiären Beziehung zwischen dem rechtlichen Vater und dem Kind im Falle der Anfechtung der Vaterschaft durch den biologi-schen Vater.
BGH, Urt. v. 30.07.2008 - XII ZR 150/06; NJW 2008, 2985; FamRZ 2008, 1821; JAmt 2008, 593; MDR 2008, 1217
BGH, Urt. v. 15.05.2013 - XII ZR 49/11; BGHZ 197, 242; NJW 2013, 2589, m. Aufs. Juana Remus, Doris Liebscher, 2558; FamRZ 2013, 1209, m. Anm. Bettina Heiderhoff, 1212; FF 2013, 299, m. Anm. Herbert Grziwotz, 303; JAmt 2013, 587; ZKJ 2013, 410, m. Aufs. Klaus-Jürgen Grün, ZKJ 2013, 446; StAZ 2013, 283; JR 2014, 525, m. Anm. Kyrill Makoski, 529; MDR 2013, 849; Aufs. Wolfgang Keuter, FuR 2014, 261; Anm. Martin Löhnig, Mareike Preisner, FamFR 2013, 340; Bespr. Marina Wellenhofer, JuS 2013, 1038; Bespr. Martin Löhnig, JA 2014, 69; Anm. Walther Siede, FamRB 2013, 245
BGH, Beschl. v. 24.08.2016 - XII ZB 351/15; NJW 2016, 3174; FamRZ 2016, 1849, m. Anm. Anatol Dutta, Stephan Hammer, 1852; StAZ 2017, 13; MDR 2016, 1207; Anm. Walther Siede, FamRB 2016, 460
Das Bundesverfassungsgericht hat die Verfassungsbeschwerde gegen den Beschluss des Bundesgerichtshofs nicht zur Entscheidung angenommen.
BVerfG (2. Kammer des Zweiten Senats), Beschl. v. 11.01.2017 - 1 BvR 2322/16
Eine Vaterschaftsanfechtung ist auch bei bewusst falschem Vaterschaftsanerkenntnis möglich. Eine Anfechtung innerhalb der zweijährigen Anfechtungsfrist ist nicht wegen Rechtsmissbrauchs unzulässig, weil vom Kind auf den Bestand der Anerkennung vertraut worden ist.
Eine Kindeswohlprüfung ist nur bei einer Vaterschaftsanfechtung durch den gesetzlichen Vertreter des Kindes nach § 1600a Abs. 4 BGB vorgesehen. Jedenfalls bei Anfechtung durch den Mann ist es verfassungskonform, keine Kindeswohlprüfung vorzunehmen.
OLG Köln, Urt. v. 25.10.2001 - 14 UF 106/01, NJW 2002, 901; FamRZ 2002, 629, StAZ 2003, 111
Mit dem Vaterschaftsklärungsgesetz vom 26. März 2008 sollte – entsprechend dem Auftrag des BVerfG – den Familienmitgliedern (dem rechtlicher Vater, der Mutter und dem Kind) ein Anspruch zur Klärung der Abstammung eingeräumt werden. Nicht in den Kreis der Klärungsberechtigten einbezogen werden sollte der potentielle leibliche Vater, der nicht rechtlicher, sondern nur sog. biologischer Vater des Kindes ist. Der Anspruch steht nur dem rechtlichen Vater, der Mutter und dem Kind ggü. den anderen beiden Familienmitgliedern zu.
OLG Frankfurt a.M, Beschl. v. 06.05.2009 - 1 UF 68/09; ZKJ 2010, 72
OLG Karlsruhe, Beschl. v. 17.07.2009 - 2 UF 49/09; FamRZ 2010, 221; NJW-RR 2010, 365; Amt 2010, 305
Die Durchführung eines Klärungsverfahrens nach § 1598 a BGB kann rechtsmissbräuchlich sein. Das kommt in Betracht, wenn eine auf Vaterschaftsanfechtung gerichtete Klage auf Grundlage eines Abstammungsgutachtens rechtskräftig abgewiesen worden ist, welches nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erstattet worden ist und ein eindeutiges Ergebnis hat.
OLG Stuttgart, Beschl. v. 10.08.2009 - 17 WF 181/09; FamRZ 2010, 53; NJW-RR 2010, 77; JAmt 2010, 84
Liegen zwei pränatale Vaterschaftsanerkennungen vor, so entfaltet diejenige Anerkennung, bei der zuerst der zweiaktige Tatbestand von Erklärung und Zustimmung jeweils in der vorgeschriebenen Form erfüllt ist, Sperrwirkung nach § 1594 Abs. 2 BGB gegenüber der späteren Anerkennung.
OLG München, Beschl. v. 03.12.2009 - 31 Wx 129/09; FamRZ 2010, 743; StAZ 2010, 46; FGPrax 2010, 72; NJW-RR 2010, 580
Da der Samenspender der Mutter des mit seinem Samen gezeugten Kindes nicht beigewohnt hat, kann er die rechtliche Vaterschaft eines anderen Mannes auch dann nicht anfechten, wenn feststeht, dass er der biologische Vater des Kindes ist.
AG Köln, Urt. v. 11.08.2010 - 315 F 226/09
§ 1600 Abs. 1 Nr. 2 BGB muss verfassungskonform dahin ausgelegt werden, dass ein Mann, der einer Lebenspartnerin für die Insemination seinen Samen gespendet hat, berechtigt ist, die Vaterschaft eines anderen Mannes an dem so gezeugten Kind anzufechten, es sei denn, dass der Samenspender in einer Vereinbarung mit der Mutter von vorneherein auf jede väterliche Verantwortlichkeit verzichtet hat.
OLG Köln, Beschl. v. 17.05.2011 - 14 UF 160/10
1. Der Anwendungsbereich des § 1598a BGB beschränkt sich auf Einwilligung in eine genetische Abstammungsuntersuchung und die Duldung der Entnahme einer für diese Untersuchung geeigneten genetischen Probe innerhalb der rechtlichen Familie.
2. Weitere Versuche, die Norm für nicht vorgesehene Feststellungbegehren zu nutzen, sind damit obsolet (vgl. BVerfG. Urt. v. 19.04.2016, 1 BvR 3309/13, FamRZ 2016, 877).
3. § 1598a BGB gewährt insbesondere keinen Anspruch auf förmliche, rechtsfolgenlose Feststellung der biologischen Vaterschaft. Dies verbieten bereits die rechtlichen Voraussetzungen eines Feststellungsantrags. Zudem besteht ausweislich der aus den Gesetzgebungsmaterialien ersichtlichen legislativen Erwägungen insoweit ausdrücklich keine planwidrige Regelungslücke.
OLG Frankfurt, Beschl. v. 12.08.2016 - 6 UF 143/16; NJW 2017, 92; NZFam 2016, 1054
1. Wer mit Zustimmung der Mutter die Vaterschaft über ein Kind anerkennt, obwohl er nicht der leibliche Vater ist und die Herstellung einer Lebensgemeinschaft mit Mutter und Kind nicht beabsichtigt, macht keine "unrichtigen" Angaben und macht sich daher nicht nach § 169 StGB und § 92 Abs. 2 Nr. 2 AuslG (§ 95 Abs. 2 Nr. 2 AufenthG) strafbar, wenn er gegenüber dem Standesamt wahrheitswidrig behauptet, der biologische Erzeuger des Kindes zu sein, um der Mutter den Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung zu ermöglichen.
2. Auch die bewusst wahrheitswidrige Anerkennung der Vaterschaft, die in Kenntnis der fehlenden biologischen Abstammung, aber mit Zustimmung der Kindesmutter erfolgt, stellt eine wirksame konstitutive Festlegung der Vaterschaft dar, die weder sittenwidrig noch nichtig oder anfechtbar ist. Ein Rückgriff auf die für die Nichtigkeit oder Anfechtbarkeit von Willenserklärungen geltenden allgemeinen Vorschriften ist ausgeschlossen.
OLG Hamm, Urt. v. 20.11.2007 - 1 Ss 58/07; NJW 2008, 1240; FamRZ 2008, 1783; StAZ 2008, 244
1. Die Wirksamkeit der Vaterschaftsanerkennung hängt nicht von der biologischen Abstammung des Kindes ab. Auch eine im Wissen um die fehlende biologische Vaterschaft erfolgte Anerkennung ist wirksam (Rn. 10).
2. Nach dem Recht der Vaterschaftsanerkennung ist diese für ein rechtlich vaterloses Kind mit Zustimmung der Mutter unabhängig von der biologischen Vaterschaft ohne jede weitere Voraussetzung möglich. Der Gesetzgeber hat die Vaterschaftsanerkennung der autonomen Entscheidung der Eltern überlassen und hat gerade dies bei der Einführung von § 1600 Abs. 1 Nr. 5 BGB nochmals bekräftigt (vgl. BTDrucks 16/3291, S. 1 und 11). Er hat darauf verzichtet, die Gründe für eine konkrete Anerkennung zu erforschen oder zu reglementieren. Die Betroffenen können eine Vaterschaft durch Anerkennung aus beliebigen Motiven herbeiführen; das gilt auch dann, wenn sie damit rechnen oder sogar wissen, dass der Anerkennende nicht biologischer Vater des Kindes ist (Rn. 48).
VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 29.6.2009 - 4 S 1028/07
1. Die Aufwendungen einer empfängnisunfähigen Frau für die medizinisch angezeigte künstliche Befruchtung sind auch dann als Krankheitskosten zu beurteilen und damit steuermindernd als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 EStG zu berücksichtigen, wenn die Frau in einer Lebenspartnerschaft oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt.
2. Ebenso wie bei Ehepaaren und heterosexuellen Lebenspartnerschaften kann in entsprechenden Fällen einer künstlichen Befruchtung zur Umgehung einer vorhandenen Sterilität eines Partners auch bei gleichgeschlechtlichen Frauenpaaren eine tatsächliche Zwangslage nicht verneint werden.
3. Unschädlich ist, dass die IVF in solchen Fällen mit heterologem Samen durchgeführt wird.
4. Diese Grundsätze gelten auch, wenn die Frau die IVF bei einer ausländischen Samenbank vornehmen lässt.
BFH, Gerichtsbescheid v. 15.02.2017 - VI R 47/15

References: EGMR

 Art. 8

EGMR 
 § 1600

EGMR 

EGMR 

EGMR 

§ 1600
 Art. 6
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 6
 § 1600
 § 1600
 § 1600
 § 1600
 § 1600
 § 1600
 § 1600
 § 1599
 § 1587
 § 1600
 § 1598
 § 1594

§ 1600
 § 1598
 § 1598
 § 169
 § 92
 § 1600
 § 33