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Timestamp: 2020-07-14 07:30:27+00:00

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Betrieblich veranlasste Zuwendungen - und ihre Pauschalversteuerung | Rechtslupe
Betrieblich veranlasste Zuwendungen - und ihre Pauschalversteuerung
Betrieb­lich ver­an­lass­te Zuwen­dun­gen – und ihre Pau­schal­ver­steue­rung
Die Pau­scha­lie­rungs­wahl­rech­te nach § 37b Abs. 1 Satz 1 EStG und nach § 37b Abs. 2 Satz 1 EStG kön­nen unab­hän­gig von­ein­an­der aus­ge­übt wer­den. Sie sind aber jeweils ein­heit­lich für sämt­li­che Sach­zu­wen­dun­gen an Nicht­arbeit­neh­mer einer­seits und sämt­li­che Sach­zu­wen­dun­gen an eige­ne Arbeit­neh­mer ande­rer­seits wahr­zu­neh­men. Aus­ge­übt wer­den die Pau­scha­lie­rungs­mög­lich­kei­ten nach § 37b Abs. 1 und Abs. 2 durch Abga­be einer ent­spre­chen­den Lohn­steu­er-Anmel­dung gemäß § 37b Abs. 4 Satz 1 EStG.
Die in § 37b EStG ein­ge­räum­ten Wahl­rech­te sind wider­ruf­lich. Der Wider­ruf ist durch Abga­be einer geän­der­ten Pausch­steu­er­an­mel­dung gegen­über dem Betriebs­stät­ten­fi­nanz­amt zu erklä­ren. Die ander­wei­ti­ge Aus­übung des Wahl­rechts ist ein rück­wir­ken­des Ereig­nis i.S. des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO.
Die Nach­for­de­rung von Lohn­steu­er durch Steu­er­be­scheid kommt in Betracht, wenn die Lohn­steu­er vor­schrifts­wid­rig nicht ange­mel­det wor­den ist und es sich um eine eige­ne Steu­er­schuld des Adres­sa­ten han­delt. Eine sol­che liegt vor, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für eine Pau­scha­lie­rung der Lohn­steu­er nach § 37b EStG gege­ben sind [1].
Nach § 37b Abs. 1 Satz 1 EStG kön­nen Steu­er­pflich­ti­ge die Ein­kom­men­steu­er (für Nicht-Arbeit­neh­mer) ein­heit­lich für alle inner­halb eines Wirt­schafts­jah­res gewähr­ten betrieb­lich ver­an­lass­ten Zuwen­dun­gen, die zusätz­lich zur ohne­hin ver­ein­bar­ten Leis­tung oder Gegen­leis­tung erbracht wer­den (§ 37b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG) und für Geschen­ke i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG (§ 37b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG), die nicht in Geld bestehen, mit einem Pausch­steu­er­satz von 30 % erhe­ben.
§ 37b Abs. 1 EStG gilt gemäß § 37b Abs. 2 Satz 1 EStG auch für betrieb­lich ver­an­lass­te Zuwen­dun­gen an Arbeit­neh­mer des Steu­er­pflich­ti­gen, soweit die Zuwen­dun­gen nicht in Geld bestehen und zusätz­lich zum ohne­hin geschul­de­ten Arbeits­lohn erbracht wer­den.
Die Vor­schrift räumt dem Steu­er­pflich­ti­gen (Unter­neh­men) nach all­ge­mei­ner Mei­nung ein Pau­scha­lie­rungs­wahl­recht ("kön­nen") ein [2]. Der in § 37b EStG zum Steu­er­pflich­ti­gen erklär­te Zuwen­den­de kann die grund­sätz­lich beim Zuwen­dungs­emp­fän­ger ent­ste­hen­de Ein­kom­men­steu­er im Wege der Pau­scha­lie­rung als eige­ne über­neh­men. Die Sach­zu­wen­dun­gen und die Pausch­steu­er blei­ben dann bei der Ein­künf­teer­mitt­lung des Zuwen­dungs­emp­fän­gers außer Ansatz.
Das Pau­scha­lie­rungs­wahl­recht muss nach § 37b Abs. 1 Satz 1 EStG bei Sach­zu­wen­dun­gen an Nicht­arbeit­neh­mer (Kun­den, Geschäfts­freun­de, deren Arbeit­neh­mer) "für alle" Zuwen­dun­gen und Geschen­ke eines Wirt­schafts­jah­res ein­heit­lich aus­ge­übt wer­den. Ent­spre­chen­des gilt für die Pau­scha­lie­rungs­mög­lich­keit bei Sach­zu­wen­dun­gen an eige­ne Arbeit­neh­mer des Steu­er­pflich­ti­gen nach § 37b Abs. 2 EStG. Auch inso­weit hat der Steu­er­pflich­ti­ge nur die Wahl zwi­schen dem voll­stän­di­gen Ver­zicht auf Pau­scha­lie­rung und der Pau­scha­lie­rung sämt­li­cher Sach­zu­wen­dun­gen.
Die Pau­scha­lie­rungs­wahl­rech­te nach § 37b Abs. 1 Satz 1 EStG und nach § 37b Abs. 2 Satz 1 EStG kön­nen aller­dings unab­hän­gig von­ein­an­der wahr­ge­nom­men wer­den [3]. Davon gehen auch die Finanz­be­hör­den aus [4]. Die anders­lau­ten­de Vor­stel­lung des Gesetz­ge­bers, nach der das Pau­scha­lie­rungs­wahl­recht nach § 37b Abs. 1 EStG (Nicht­arbeit­neh­mer) und das nach § 37b Abs. 2 EStG (Arbeit­neh­mer) vom Steu­er­pflich­ti­gen nur ein­heit­lich aus­ge­übt wer­den kön­ne [5], fin­det sich im Geset­zes­wort­laut nicht wie­der. Die absatz­wei­se Tren­nung nach Per­so­nen­grup­pen spricht viel­mehr für zwei "eigen­stän­di­ge Pau­scha­lie­rungs­krei­se". Dem steht die Ver­wei­sung in Abs. 2 auf Abs. 1 nicht ent­ge­gen. Aus ihr ergibt sich ledig­lich, dass auch inner­halb des Emp­fän­ger­krei­ses der Arbeit­neh­mer die Ein­kom­men­steu­er wie bei Sach­zu­wen­dun­gen an Nicht­arbeit­neh­mer gemäß § 37b Abs. 1 EStG und damit im jewei­li­gen "Pau­scha­lie­rungs­kreis" ein­heit­lich zu pau­scha­lie­ren ist. Auch spricht der struk­tu­rel­le Unter­schied der Ein­kom­men­steu­er­erhe­bung bei Nicht­arbeit­neh­mern (Fik­ti­on der pau­scha­len Ein­kom­men­steu­er als Lohn­steu­er) und der Ein­kom­men­steu­er­erhe­bung im Wege der Vor­aus­zah­lung durch Abzug vom Arbeits­lohn (Lohn­steu­er, § 38 Abs. 1 Satz 1 EStG) bei Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit für eine per­so­na­le Teil­bar­keit des Pau­scha­lie­rungs­wahl­rechts [6].
Aus­ge­übt wer­den die Pau­scha­lie­rungs­mög­lich­kei­ten nach § 37b Abs. 1 und Abs. 2 EStG weil antrag­los aus­ge­stal­tet [7]- durch Abga­be einer ent­spre­chen­den Lohn­steu­er-Anmel­dung nach § 37b Abs. 4 EStG.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Juni 2016 – VI R 54/​15
BGH, Urtei­le vom 16.10.2013 – VI R 78/​12, BFHE 243, 242, BStBl – II 2015, 495; – VI R 57/​11, BFHE 243, 237, BStBl – II 2015, 457, und – VI R 52/​11, BFHE 243, 233, BStBl – II 2015, 455, sowie vom 12.12 2013 – VI R 47/​12, BFHE 244, 29, BStBl – II 2015, 490[↩]
BGH, Urtei­le in BFHE 243, 242, BStBl – II 2015, 495; in BFHE 243, 237, BStBl – II 2015, 457; und in BFHE 243, 233, BStBl II 2015, 455; Eis­gru­ber in Kirch­hof, EStG, 15. Aufl., § 37b Rz 25 f.; Graw in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 37b Rz A 18; Lin­ge­mann in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, § 37b EStG Rz 9, 27; Schmidt/​Loschelder, EStG, 35. Aufl., § 37b Rz 13; Blümich/​Ettlich, § 37b EStG Rz 31; Küttner/​Seidel, Per­so­nal­buch 2016, Stich­wort Lohn­steu­er­pau­scha­lie­rung, Rz 60; Hartz/​Meeßen/​Wolf, AB- C‑Führer Lohn­steu­er, Stich­wort Pau­scha­lie­rung der Ein­kom­men­steu­er für Sach­zu­wen­dun­gen, Rz 41; Nier­mann, Der Betrieb ‑DB- 2015, 1242, 1243; Mohr, DStZ 2015, 588, 589; Urban, DStZ 2007, 299, 308; BMF, Schrei­ben vom 19.05.2015 – IV C 6‑S 2297b/​14/​10001, BStBl I 2015, 468, Tz 3; BT-Drs.- 16/​2712, S. 55[↩]
HHR/​Lingemann, § 37b EStG Rz 27; Schmidt/​Loschelder, a.a.O., § 37b Rz 10; Eis­gru­ber in Kirch­hof, a.a.O., § 37b Rz 25; Hartz/​Meeßen/​Wolf, AB- C‑Führer Lohn­steu­er, Stich­wort Pau­scha­lie­rung der Ein­kom­men­steu­er für Sach­zu­wen­dun­gen, Rz 46 ff.; Lind­berg in Frot­scher, EStG, Frei­burg 2011, § 37b Rz 10a; Stick­an in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 37b Rz 43 und 73; Nier­mann, DB 2015, 1242, 1244; Mohr, DStZ 2015, 588, 589; Weber, Neue Wirt­schafts-Brie­fe 2015, 2136, 2146; Hart­mann, DStR 2008, 1418, 1419; a.A. Graw in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 37b Rz C 19; Blümich/​Ettlich, § 37b EStG Rz 31; Urban, DStZ 2007, 299, 308[↩]
BMF, Schrei­ben in BStBl I 2015, 468, Rz 4 Satz 2[↩]
BT-Drs.- 16/​2712, S. 56[↩]
HHR/​Lingemann, § 37b EStG Rz 27; Hart­mann, DStR 2008, 1418, 1419[↩]
Eis­gru­ber in Kirch­hof, a.a.O., § 37b Rz 27; Hartz/​Meeßen/​Wolf, AB- C‑Führer Lohn­steu­er, Stich­wort Pau­scha­lie­rung der Ein­kom­men­steu­er für Sach­zu­wen­dun­gen, Rz 41 f.; Schmidt/​Loschelder, a.a.O., § 37b Rz 13; BMF-Schrei­ben in BStBl – I 2015, 468, sowie BGH, Urteil vom 24.09.2015 – VI R 69/​14, BFHE 251, 247, BStBl – II 2016, 176, zu § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG[↩]
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References: § 37
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