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Timestamp: 2020-05-28 21:41:33+00:00

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Hessisches LAG, Urteil vom 29.01.2002, 7 Sa 836/01 - HENSCHE Arbeitsrecht
Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 29.01.2002, 7 Sa 836/01
Aktenzeichen: 7 Sa 836/01
Entscheidungsdatum: 29.01.2002
Leitsätze: 1. Ein variabler Gehaltsanteil, der von der Erfüllung bestimmter, vom Arbeitgeber vorgegebener Ziele abhängt, wird bei Zielerreichung fällig. Ist der Inhalt des vorgegebenen Zieles wegen unklarer Formulierung ungewiss, kommen dem Arbeitnehmer Erleichterungen der Darlegungslast zu Gute nach dem Rechtsgedanken des § 5 AGBG (a. F.) und des §2 Absatz 1 Nachweisgesetz . Den Arbeitnehmer trifft keine Pflicht, den Arbeitgeber zur Klarstellung des unklar formulierten Zieles zu veranlassen.
2. Wenn der Arbeitgeber kein Ziel vorgibt, kann der Arbeitnehmer nur dann Ansprüche aus §615 BGB oder §325 BGB a. F. geltend machen, wenn er darlegt, welche Ziele der Arbeitgeber hätte festlegen müssen und dass er selbst diese Ziele auch erreicht hätte.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 08.03.2001, 13 Ca 5845/00
Urt. v. 29.01.2002, Az.: 7 Sa 836/01
Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt vom 08. März 2001,13 Ca 5845/00 , teil­wei­se ab­geändert.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 3.067,75 Eu­ro nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 06. Sep­tem­ber 2000 zu zah­len.
Die Kos­ten des Rechts­streits hat der Kläger zu 14,3 % die Be­klag­te zu 85,7 % zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten um Ge­halts­zah­lungs­ansprüche aus ei­nem be­en­de­ten Ar­beits­verhält­nis.
Der Kläger war bei der Be­klag­ten vom 01.06.1999 bis zum 31.03.2000 als Ac­count Ma­na­ger beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te durch Auf­he­bungs­ver­trag vom Fe­bru­ar 2000.
Grund­la­ge der Beschäfti­gung war der Ar­beits­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en vom 21.04.1999, für des­sen In­halt auf den Ver­trags­text (An­la­ge K 1, Bl. 5-7 d.A.) Be­zug ge­nom­men wird. Das Auf­ga­ben­ge­biet des Klägers um­fass­te die Ak­qui­si­ti­on (Kun­den­ge­win­nung).
Der Kläger er­hielt ein jähr­li­ches Brut­to­fest­ge­halt von 120.000,00 DM, mo­nat­lich 10.000,00 DM brut­to. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten wei­ter ei­nen va­ria­blen Ge­halts­an­teil, der nach ei­ner Pro­be­zeit von drei Mo­na­ten ge­zahlt wer­den soll­te.
Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten ei­ne "Sco­re­card" (An­la­ge K 2. Bl. 8 d.A.), auf de­ren In­halt Be­zug ge­nom­men wird.
Mit der am 28.08.2000 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen und der Be­klag­ten am 06.09.2000 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat der Kläger die Zah­lung ei­nes va­ria­blen Ge­halts­an­teils für die zehn Mo­na­te des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­tend ge­macht.
Der Kläger ist der An­sicht ge­we­sen, mo­nat­lich sei­en bei Ziel­er­rei­chung wei­te­re 4.000,00 DM als va­ria­bler Ge­halts­be­stand­teil zu zah­len ge­we­sen. Im Streit sei nur das persönli­che Ziel "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null", wel­ches ei­nes von vier Zie­len dar­stel­le.
Der Kläger hat be­haup­tet, er ha­be die­ses vor­ge­ge­be­ne Ziel erfüllt, so dass 1/4 von 4.000,00 DM mal sie­ben Mo­na­te für Ok­to­ber 1999 bis März 2000 (aus­sch­ließlich der drei­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit), al­so 7.000,00 DM of­fen stünden.
Der Kläger ist der An­sicht ge­we­sen, dass er kei­nen be­stimm­ten Er­folg, son­dern sei­ne Bemühung als Ar­beit­neh­mer ge­schul­det ha­be. Ei­ne mögli­che Nich­terfüllung von Zie­len könne ih­re Ur­sa­che im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ar­beit­ge­bers ha­ben. Durch die Er­stel­lung von Ziel­vor­ga­ben dürf­ten die Wer­tun­gen des KSchG nicht um­gan­gen wer­den. Leis­tungsmängel be­rech­tig­ten nicht zum Ein­be­halt von Pro­vi­sio­nen, zu­mal kei­ne Ab­mah­nung des­we­gen er­folgt sei. Das Ar­beits­verhält­nis ha­be er be­en­det, da er ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz ge­habt ha­be.
Die Be­klag­te ha­be es zu ver­tre­ten, dass für Sep­tem­ber 1999 trotz mehr­fa­cher Auf­for­de­rung sei­ner­seits und sei­ner Kol­le­gen kei­ne Zie­le ver­ein­bart wor­den sei­en. Die Zie­le sei­en am 29.09.1999 kei­nes­wegs ein­ver­nehm­lich ver­ein­bart wor­den, son­dern un­ter Kündi­gungs­an­dro­hung von der Be­klag­ten dik­tiert wor­den.
Die Zie­le der Sco­re­card "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null", "Kun­den­do­ku­men­ta­ti­on" in dem Wa­ren­wirt­schafts­sys­tem NA­TIK und "Er­stel­len ei­nes Ac­count­pla­nes" für die DFS-Deut­sche Flug­si­che­rung ha­be er erfüllt. Er sei nie­mals auf ir­gend­wel­che Versäum­nis­se auf­merk­sam ge­macht wor­den.
Un­ter der Be­zeich­nung "TOK" ha­be von al­len Ac­count Ma­na­gern auf ei­nem gel­ben Form­blatt fest­ge­hal­ten wer­den sol­len:
Ver­gleich der Be­stel­lung des Kun­den mit dem An­ge­bot
Nen­nung des Lie­fe­ran­ten und des an­ge­frag­ten Ein­kaufs­prei­ses bzw. der an­zu­wen­den­den Ra­bat­tie­rung
Bestäti­gung der Bau­bar­keit (nicht Lauffähig­keit) der an­ge­frag­ten Kon­fi­gu­ra­ti­on
Mit­tei­lung, ob, wann und wo evtl. In­stal­la­ti­on als M. Dienst­leis­tung er­fol­gen soll
Sons­ti­ge In­for­ma­tio­nen, wie z. B. Ne­ben­ab­re­den
In­ter­ner Ver­tei­ler.
Die Be­klag­te ha­be kei­nen qua­li­fi­zier­ten Ver­triebs­in­nen­dienst, so dass die Ac­count Ma­na­ger je­den Schritt hätten über­wa­chen müssen, was aber nur ein­ge­schränkt möglich ge­we­sen sei.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 7.000,00 DM brut­to nebst 4 % Zin­sen auf den Net­to­be­trag seit dem 06.09.2000 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­haup­tet, die Sco­re­card be­schrei­be zunächst drei stra­te­gi­sche Ziel­vor­ga­ben, de­nen all­ge­meingültig al­le Mit­ar­bei­ter un­ter­wor­fen sei­en. Die von den ein­zel­nen Mit­ar­bei­tern persönlich zu erfüllen­den Ziel­vor­ga­ben sei­en un­ter der Ru­brik "Persönli­ches Ziel" in­di­vi­du­ell de­fi­niert. Der Kläger ha­be vier persönli­che Ziel­vor­ga­ben ge­habt, nämlich
im zu­ge­teil­ten Kun­den­um­feld Um­satz mit M. stei­gern
DL Pro­jek­te iden­ti­fi­zie­ren und ge­win­nen
Ge­win­nung von 4 Neu­kun­den für Max­pert
Die Qua­lität und Quan­tität der Kun­den­in­for­ma­ti­on in Na­tik ver­bes­sern.
Die letz­te Ziel­vor­ga­be (4) sei wie­der­um durch sechs Un­ter­tei­lun­gen kon­kre­ti­siert wor­den, von de­nen Zif­fer 5) be­inhal­tet ha­be: "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen 0".
Die Be­klag­te hat be­haup­tet, der Kläger ha­be die Er­war­tun­gen nicht erfüllt, was auch zu dem Auf­he­bungs­ver­trag geführt ha­be. Er ha­be die Un­ter­zif­fern 1), 2) und 5) der persönli­chen Ziel­vor­ga­be Nr. 4) nicht erfüllt (Be­weis: Zeug­nis des D. Über die­se Be­wer­tung sei­ner Leis­tun­gen sei der Kläger auch per E-Mail vom 24.05.2000 (An­la­ge B 1. Bl. 20 d.A.) in­for­miert wor­den.
Bei dem im Ar­beits­ver­trag vor­ge­se­he­nen va­ria­blen An­teil am Ge­halt han­de­le es sich nicht um ei­nen fes­ten Be­stand­teil des Ar­beits­ent­gelts. Es sei die Zah­lung ei­ner in­di­vi­du­ell ver­ein­bar­ten, leis­tungs­be­zo­ge­nen Prämie ver­spro­chen wor­den. Auch wenn der Kläger sein Ar­beits­verhält­nis bei ihr ei­nen Mo­nat früher als ge­plant auf­ge­nom­men ha­be, soll­te nach dem Ar­beits­ver­trag die Ziel Ver­ein­ba­rung erst zum 30.09.1999 in­di­vi­du­ell ver­ein­bart wer­den. Für den Mo­nat Sep­tem­ber sei kei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen wor­den, was sie nicht zu ver­tre­ten ha­be. Die Ziel­vor­ga­ben für Ok­to­ber 1999 bis März 2000 sei­en erst bei ei­nem Gespräch am 29.09.1999 ein­ver­nehm­lich ge­trof­fen wor­den.
Der Kläger ha­be die Ziel­vor­ga­be "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" nicht er­reicht. "TOK" ste­he für "tech­ni­sches OK" und be­zie­he sich so­wohl auf rein tech­ni­sche Kon­fi­gu­ra­tio­nen als auch auf die Ab­wick­lung von Ar­beits­abläufen, die der Kläger ei­gen­ver­ant­wort­lich zu er­le­di­gen ge­habt ha­be. Letz­te­res be­inhal­te die Prüfung von Aus­schrei­bun­gen, die Er­stel­lung von An­ge­bo­ten, die Preis­ge­stal­tung un­ter be­son­de­rer Berück­sich­ti­gung von Kon­kur­renz­an­ge­bo­ten und die vollständi­ge Auf­trags­ab­wick­lung. Be­inhal­tet sei auch die Über­wa­chung und sach­ge­rech­te Hand­ha­bung be­ste­hen­der ver­trag­li­cher Ver­pflich­tung wie z. B. bei War­tungs­verträgen und Kun­den­be­zie­hun­gen.
Im Fall "S." ha­be der Kläger we­der die fälli­gen Up­dates des lau­fen­den War­tungs­ver­tra­ges vor­ge­nom­men noch ei­nen neu­en War­tungs­ver­trag an­ge­bo­ten, nach­dem der al­te Ver­trag am 18.11.1999 ab­ge­lau­fen ge­we­sen sei. Der Kun­de sei verärgert ge­we­sen und ein neu­er War­tungs­ver­trag ha­be nur mit ei­nem Net­to­preis­ab­schlag er­reicht wer­den können.
Im Fall "DFS" sei zu be­ach­ten, dass die DFS ih­re ei­ge­nen Geschäfts­be­din­gun­gen durch­set­ze und da­her be­son­ders auf die Preis­ge­stal­tung und auf Kon­kur­renz­an­ge­bo­te zu ach­ten sei. Der Kläger ha­be der DFS un­ter dem 23.12.1999 ein Preis­an­ge­bot ge­macht, das die Kon­kur­renz­an­ge­bo­te er­heb­lich un­ter­bo­ten hätte und ih­re Be­nach­tei­li­gun­gen und Ri­si­ken aus den Geschäfts­be­din­gun­gen der DFS nicht berück­sich­tigt ha­be. Bei der Be­schaf­fung von 28 Mo­ni­to­ren des Her­stel­lers Hew­lett Pa­ckard für die­sen Auf­trag ha­be der Kläger nicht das kostengüns­tigs­te An­ge­bot her­aus­ge­sucht. Er ha­be die Be­schaf­fung ei­ner un­er­fah­re­nen Sach­be­ar­bei­te­rin über­tra­gen, oh­ne ent­spre­chen­de Vor­ga­ben zu ma­chen. Ei­ne be­reits er­folg­te Or­der ha­be mit beträcht­li­chem Auf­wand rück­ab­ge­wi­ckelt wer­den müssen. Sie verfüge durch­aus über ein Wa­ren­wirt­schafts­sys­tem, in das die sich ändern­de Preis­ge­stal­tung der Her­stel­ler und Dis­tri­bu­to­ren ein­ge­spielt wer­de. Der Kläger ha­be das Sys­tem nicht ge­nutzt.
Im Fall "G." ha­be der Kläger am 26.11.1999 ei­nen Ser­ver ge­lie­fert und da­bei ei­ne nicht ge­eig­ne­te ISDN-Kar­te ein­ge­baut. Die neue Kar­te sei erst am 10.02.2000 ein­ge­baut wor­den, wo­bei die ers­te un­ge­eig­ne­te Kar­te nicht ha­be zurück­ge­ge­ben wer­den können we­gen geöff­ne­ter Ori­gi­nal­pa­ckung. Der ein­ge­tre­te­ne Ima­ge­scha­den sei beträcht­lich. Die Lauffähig­keit sei ge­schul­det und auch zu­vor durch den Kläger über­prüfbar ge­we­sen, da der Her­stel­ler HP die Kom­pa­ti­bi­lität gängi­ger Fremd­pro­duk­te mit ei­ge­nen Pro­duk­ten zer­ti­fi­zie­re.
In ei­nem wei­te­ren Fall sei es zu ei­ner Dop­pel­be­stel­lung ge­kom­men, da der Kläger ent­ge­gen ei­ner an­ders­lau­ten­den An­wei­sung vom 05.11.1999 münd­lich te­le­fo­nisch am 16.11.1999 ei­ne Be­stel­lung auf­ge­ge­ben ha­be.
Der Kläger hat zu den Ein­z­elfällen er­wi­dert:
Zum Fall "S." sei zu sa­gen, dass War­tungs­verträge von der Ab­tei­lung Dienst­leis­tung der Be­klag­ten ak­qui­riert und ab­ge­schlos­sen so­wie über­wacht würden und nicht Auf­ga­be des Ver­trie­bes ge­we­sen sei­en. Die­se Ar­bei­ten sei­en vom Be­griff "TOK" nicht um­fasst ge­we­sen.
Im Fall "DFS" han­de­le es sich um den Be­reich der An­ge­bots­er­stel­lung, der eben­falls nicht un­ter den Be­griff "Tech­ni­sches OK" fal­le. Da die Be­klag­te we­der ein La­ger noch ein Wa­ren­wirt­schafts­sys­tem un­ter­hal­ten ha­be, hätten al­le Prei­se bei ver­schie­de­nen Dis­tri­bu­to­ren an­ge­fragt wer­den müssen. Ei­ne nach der Be­stel­lung er­folg­te Son­der­ak­ti­on sei ihm nicht be­kannt ge­we­sen. Die Berück­sich­ti­gung der AGB der DFS gehöre zur An­ge­bots­er­stel­lung.
Im Fall "G."sei die Bau­bar­keit, nicht die Lauffähig­keit zu bestäti­gen ge­we­sen. Der Kun­de ha­be von dem nicht vor­her­seh­ba­ren Pro­blem nichts mit­be­kom­men, die neue Kar­te sei am übernächs­ten Tag ein­ge­baut wor­den. Zum Fall der Dop­pel­be­stel­lung sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass erst die schrift­li­che Be­stel­lung fälsch­lich nicht aus­ge­wie­sen ha­be, dass es sich nur um ei­ne schrift­li­che Bestäti­gung han­de­le. Te­le­fo­ni­sche Be­stel­lun­gen sei­en im Sys­tem­haus­be­trieb we­gen Dring­lich­keit un­umgäng­lich.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 08.03.2001 ab­ge­wie­sen. Auf den In­halt des Tat­be­stan­des und der Ent­schei­dungs­gründe des dem Kläger am 10.04.2001 zu­ge­stell­ten Ur­teils (Bl. 57-69 d.A.) wird Be­zug ge­nom­men.
Mit dem am 09.05.2001 ein­ge­leg­ten, in­ner­halb der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am Mon­tag, dem 11.06.2001 be­gründe­ten Rechts­mit­tel der Be­ru­fung er­strebt der Kläger ei­ne Abände­rung des Ur­teils vom 08.03.2001.
Der Kläger ist der An­sicht, das erst­in­stanz­li­che Ur­teil ent­hal­te ei­ne fal­sche Ver­tei­lung der Dar­le­gungs­last über den In­halt der Ziel­ver­ein­ba­rung und über de­ren Erfüllung. Er ma­che Ansprüche auf Ar­beits­vergütung nach §611 BGB , hilfs­wei­se Scha­dens­er­satz­ansprüche nach §325 BGB , hilfs­wei­se An­nah­me­ver­zugs­lohn nach §§615 , 611 BGB gel­tend.
Der Kläger meint, dass Ansprüche aus der Sco­re-Card Re­ge­lung ar­beits­ver­trag­li­che Ent­gelt­ansprüche sei­en. Der ver­ein­bar­te va­ria­ble An­teil sei Ent­gelt im en­ge­ren Sin­ne. Er selbst ha­be kei­ne Ob­lie­gen­heit ge­habt, die un­kla­ren Be­grif­fe in der Ziel­ver­ein­ba­rung "Sco­re-Card" klar­zu­stel­len. Nach Sinn und Zweck des Nach­weis­ge­set­zes müsse die Un­klar­heit der Re­ge­lun­gen zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers ge­hen und zu sei­nen Guns­ten ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung ein­tre­ten.
Auch im Be­reich der all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen gel­te, dass Un­klar­hei­ten zu Las­ten des Ver­wen­ders gin­gen, was hier ana­log an­ge­wandt wer­den könne. Die Sco­re-Card sei ein­sei­tig durch den Ar­beit­ge­ber wie ei­ne all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung ge­stellt wor­den. Die An­for­de­run­gen, die der Be­griff "TOK" ent­hal­ten sol­le, sei­en von der Be­klag­ten nachträglich kon­stru­iert wor­den. Der Be­griff "TOK" ha­be nur ei­ne schrift­li­che Auf­lis­tung auf ei­nem gel­ben Form­blatt be­trof­fen, nicht mehr als ein schrift­li­ches Auf­zeich­nungs- und In­for­ma­ti­ons­sys­tem. Es sei wi­der­sin­nig, ei­ne Ar­beits­leis­tung mit Feh­lern "ge­gen Null" fest­zu­le­gen, da ei­ne sol­che Ziel­vor­ga­be lo­gi­scher­wei­se fast nicht mehr un­ter­schrit­ten wer­den könne.
Auch die an­de­ren in der Sco­re­card ge­nann­ten Zie­le beschäftig­ten sich mit Pro­to­kol­lie­rungs­funk­tio­nen wie et­wa die Ver­bes­se­rung der Kun­den­in­for­ma­tio­nen in Na­tik, das Er­stel­len ei­nes Ac­count­pla­nes und die Kun­den­do­ku­men­ta­ti­on.
Die Be­klag­te ha­be ver­trags­wid­rig kei­ne er­reich­ba­ren Zie­le vor­ge­ge­ben und be­fin­de sich mit der Vor­ga­be der Zie­le im Gläubi­ger­ver­zug. Er sei im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes so zu stel­len, als ob erfüll­ba­re Ziel­vor­ga­ben ge­macht wor­den sei­en. Dem ent­spre­che auch die ver­gleich­ba­re In­ter­es­sen­la­ge beim Aus­kunfts- und Rech­nungs­le­gungs­an­spruch des an­ge­stell­ten Han­dels­ver­tre­ters. Im Fall S. meint der Kläger, dass die Nicht­verlänge­rung des War­tungs­ver­tra­ges ei­ne Ent­schei­dung des Kun­den ge­we­sen sei, mit der er nichts zu tun ge­habt ha­be. Die Verlänge­rung von War­tungs­verträgen gehöre nicht zu sei­ner Auf­ga­be. Im Fall ... sei die Kom­pa­ti­bi­lität nicht vor­aus­sag­bar ge­we­sen; dar­auf ha­be er die Be­klag­te, in de­ren al­lei­ni­gen Ver­ant­wor­tungs­be­reich das Pro­blem fie­le, auch hin­ge­wie­sen. Bei der Dop­pel­be­stel­lung ha­be die Sach­be­ar­bei­te­rin Frau L., ei­nen Feh­ler ge­macht, als sie die nach­fol­gen­de schrift­li­che Be­stel­lung irrtümlich nicht als bloße Bestäti­gung aus­ge­wie­sen ha­be.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 08.03.2001, 13 Ca 5845/00 ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 3.579,04 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 06.09.2000 zu zah­len.
Die Be­klag­te be­haup­tet, Sinn und Zweck des Prämi­en­ver­spre­chens im Zu­sam­men­hang mit der Sco­re­card sei ge­we­sen, die Stei­ge­rung und Ver­bes­se­rung von Ar­beits- und Be­triebs­er­geb­nis­sen zu be­loh­nen. Es ha­be sich al­so um ein In­stru­ment der Qua­litäts­si­che­rung und -stei­ge­rung ge­han­delt. Sie sei ge­ra­de in ih­rer Bran­che auf ih­ren Ruf der Lie­fe­rung bes­ter Qua­lität an­ge­wie­sen.
Es sei un­sin­nig, dass die prämi­en­auslösen­de Ziel­er­rei­chung sich in der Ausfüllung ei­nes gel­ben Form­blat­tes zu Do­ku­men­ta­ti­ons­zwe­cken erschöpfen sol­le. Ein Prämi­en­an­spruch ha­be nicht schon an ge­ringfügi­gen Fehl­leis­tun­gen schei­tern sol­len, so dass "ge­gen Null" ver­ein­bart wor­den sei.
Der Ab­schluss und die Verlänge­rung von War­tungs­verträgen sei we­sent­li­cher Be­stand­teil ih­res Un­ter­neh­mens­zwe­ckes. Als Ver­triebs­be­auf­trag­ter sei der Kläger hierfür zuständig ge­we­sen. Hin­sicht­lich der ISDN-Kar­te sei fest­zu­stel­len, dass die Kar­te der Fir­ma US-Ro­bo­tics nicht zer­ti­fi­ziert und nicht kom­pa­ti­bel ge­we­sen sei. Der Kläger ha­be die Kom­pa­ti­bi­lität leicht durch öffent­lich zugäng­li­che Quel­len der Her­stel­ler fest­stel­len können. Je­den­falls hätte der Kläger die Lauffähig­keit vor Aus­lie­fe­rung tes­ten müssen. Ei­ne kom­pa­ti­ble ISDN-Kar­te sei erst am 28.01.2000 ein­ge­baut wor­den. Der Kun­de ha­be das Sys­tem al­so zwei Mo­na­te nicht feh­ler­frei nut­zen können, was ei­nen ent­spre­chen­den Ima­ge­scha­den be­wirkt ha­be. Die Feh­ler des Klägers hätten vier ih­rer wich­tigs­ten Kun­den be­trof­fen.
Die gemäß §8 Ab­satz 2 , §64 Ab­satz 1 ArbGG stau­haf­te und nach dem Be­schwer­de­wert gemäß §64 Ab­satz 2 b) ArbGG zulässi­ge Be­ru­fung ist frist­ge­recht und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
Die zulässi­ge Be­ru­fung des Klägers ist über­wie­gend be­gründet.
Der Kläger hat An­spruch auf Zah­lung ei­ner Pro­vi­si­on aus sei­nem Ar­beits­ver­trag vom 21.04.1999 in Ver­bin­dung mit der Sco­re­card "Pro­vi­si­ons­re­le­van­te Zie­le und Kri­te­ri­en für FY 1999" für die Mo­na­te Ok­to­ber, No­vem­ber und De­zem­ber 1999 und Ja­nu­ar. Fe­bru­ar und März 2000. Der An­spruch in Höhe von 1.000,00 DM = 511,19 Eu­ro pro Mo­nat er­gibt sich für die ge­nann­ten Mo­na­te aus der Erfüllung des in der Sco­re­card ge­nann­ten persönli­chen Zie­les "die Qua­lität und Quan­tität der Kun­den­in­for­ma­tio­nen in Na­tik ver­bes­sern", wo­bei auch der Un­ter­punkt die­ses persönli­chen Zie­les "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" in den ge­nann­ten Mo­na­ten erfüllt wor­den ist. Da­ge­gen ist ein An­spruch für den Mo­nat Sep­tem­ber 1999 nicht ge­ge­ben, da für die­sen Mo­nat kei­ne gülti­ge Ziel­ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­sen wor­den ist und die Be­klag­te hierfür nicht im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes Zah­lun­gen leis­ten muss.
Nach Ab­schnitt III des zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­ten Ar­beits­ver­tra­ges erhält der Kläger ne­ben sei­nem Brut­to­fest­ge­halt von mo­nat­lich 10.000,00 DM ei­nen "va­ria­blen An­teil von 40 %, der sich aus de­fi­nier­ten Zie­len zu­sam­men­setzt, die nach der Pro­be­zeit von drei Mo­na­ten ver­ein­bart wer­den und ab dann ge­halts­bil­dend sind." Nach Ab­schnitt I des Ver­tra­ges be­ginnt das Ar­beits­verhält­nis zum 01. Ju­li 1999 oder früher.
Die Par­tei­en ha­ben darüber Ei­nig­keit er­zielt, dass die Sco­re­card (Bl. 8 d.A.) vier Zie­le auf­ge­stellt hat, wo­bei die letz­te Ziel­vor­ga­be "die Qua­lität und Quan­tität der Kun­den­in­for­ma­ti­on in Na­tik ver­bes­sern" wie­der­um in sechs Un­ter­tei­lun­gen kon­kre­ti­siert wor­den ist. Auf das Jah­res­ge­halt des Klägers von 120.000,00 DM ge­rech­net konn­te der Kläger pro er­reich­ter Ziel­vor­ga­be und Mo­nat ei­nen Be­trag von 1.000,00 DM er­rei­chen. Strei­tig ist nur, ob der Kläger die Ziel­vor­ga­ben des vier­ten Zie­les "die Qua­lität und Quan­tität der Kun­den­in­for­ma­ti­on in Na­tik ver­bes­sern" er­reicht hat, wo­bei die Be­klag­te sich zu­letzt dar­auf be­schränkt hat, die Ziel­vor­ga­be sei des­halb nicht er­reicht wor­den, weil der Un­ter­punkt "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" nicht erfüllt wor­den sei. Die Be­haup­tung, der Kläger ha­be auch die an­de­ren Un­ter­punk­te "Kun­den­do­ku­men­ta­ti­on" und "Er­stel­len ei­nes Ac­count­pla­nes" nicht erfüllt, hat die Be­klag­te nach der ers­ten Kla­ge­er­wi­de­rung nicht wei­ter aus­geführt. Nach­dem der Kläger im Schrift­satz vom 13.10.2000, Sei­te 4 (Bl. 25 d.A.) die Erfüllung die­ser bei­den Un­ter­punk­te sub­stan­ti­iert be­haup­tet hat, hat die Be­klag­te hier­zu im Schrift­satz vom 20.11.2000. Sei­te 3 (Bl. 29 d.A.) nur noch pau­schal be­haup­tet, der Kläger ha­be kei­ne der ein­ver­nehm­lich de­fi­nier­ten Ziel­vor­ga­ben er­reicht, ins­be­son­de­re nicht die Vor­ga­be "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null". Die Be­haup­tun­gen des Klägers, er ha­be al­le re­le­van­ten Da­ten der ihm zu­ge­teil­ten Kun­den in das Wa­ren­wirt­schafts­sys­tem "Na­tik" ein­ge­tra­gen und zwar mehr­fach, ist da­her als un­strei­tig an­zu­se­hen. Denn gemäß §138 Ab­satz 2 ZPO hat sich je­de Par­tei über die vom Geg­ner be­haup­te­ten Tat­sa­chen zu erklären. Gemäß §138 Ab­satz 3 ZPO sind Tat­sa­chen, die nicht aus­drück­lich be­strit­ten wer­den, als zu­ge­stan­den an­zu­se­hen, wenn nicht die Ab­sicht, sie be­strei­ten zu wol­len, aus den übri­gen Erklärun­gen der Par­tei her­vor­geht. Die An­for­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rungs­last des Be­strei­ten­den hängen da­von ab, wie der Geg­ner vor­ge­tra­gen hat (BGH, Ur­teil vom 03.02.1999, VIII ZR 14/98 , NJW 1999, 1404, 1405; Zöller. ZPO-Kom­men­tar. 22. Auf­la­ge 2001, §138. Rz. 8 a). Die Be­klag­te hat auf die kon­kre­ten Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen des Klägers, durch wel­che Hand­lun­gen er die ge­nann­ten Zie­le erfüllt hat, nicht mit dem Be­strei­ten die­ser Tat­sa­chen oder ei­ner an­de­ren Sach­dar­stel­lung er­wi­dert. Die all­ge­mei­ne For­mel, das ge­sam­te Vor­brin­gen des Geg­ners wer­de be­strit­ten, so­weit es nicht aus­drück­lich zu­ge­stan­den wer­de (Schrift­satz vom 20.11.2000, Bl. 27 d.A.) ist als ei­ne un­be­acht­li­che Leer­for­mel zu be­wer­ten (vgl. Baum­bach u. a., Kom­men­tar zur ZPO, 60. Auf­la­ge 2002. §138, Rz. 33).
Nach die­sen Maßstäben gilt auch die Be­haup­tung des Klägers, er ha­be den Ac­count­plan für die DFS-Deut­sche Flug­si­che­rung ter­min- und sach­ge­recht er­stellt und am 24.12.1999 über­ge­ben, man­gels wei­te­ren Vor­tra­ges der Be­klag­ten hier­zu als un­strei­tig.
Der Kläger hat auch die wei­te­re An­for­de­rung der Un­ter­ab­tei­lung der Ziel­vor­ga­be des persönli­chen Zie­les "die Qua­lität und Quan­tität der Kun­den­in­for­ma­ti­on in Na­tik ver­bes­sern", nämlich die Vor­ga­be "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" erfüllt. Da­zu ist zunächst fest­zu­stel­len, wel­chen In­halt die­se Vor­ga­be hat­te, da erst nach ei­ner ent­spre­chen­den Fest­stel­lung geklärt wer­den kann, ob die Zie­le des Un­ter­ab­schnitts der Vor­ga­be er­reicht wor­den sind.
Die Kam­mer ist un­ter Berück­sich­ti­gung des beid­sei­ti­gen ge­sam­ten Pro­zess­vor­trags ( §286 Ab­satz 1 Satz 1 ZPO ) der Über­zeu­gung, dass es sich bei dem Un­ter­ab­schnitt "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" zu dem über­ge­ord­ne­ten Ziel "die Qua­lität und Quan­tität der Kun­den­in­for­ma­tio­nen in Na­tik ver­bes­sern" um ei­ne rei­ne Do­ku­men­ta­ti­ons­an­for­de­rung oh­ne wei­ter­ge­hen­de in­halt­li­che An­for­de­run­gen an die Qua­lität der Ar­beits­leis­tung han­del­te. Da­bei kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Be­klag­te als Ar­beit­ge­be­rin oder der Kläger als an­spruch­stel­len­de Par­tei für die Be­deu­tung der stich­wort­ar­tig in der Sco­re­card nie­der­ge­leg­ten Zie­le dar­le­gungs­pflich­tig ist. Denn auch wenn der Kläger für den In­halt des ge­nann­ten Zie­les darie­gungs­pflich­tig wäre, stände zur Über­zeu­gung der Kam­mer fest, dass der Be­griff "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" sich auf ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on aus­geführ­ter Ar­beits­vorgänge auf ei­nem Be­richts­zet­tel be­zieht. Dies er­gibt sich be­reits dar­aus, dass das über­ge­ord­ne­te Ziel, das Wa­ren­wirt­schafts­sys­tem Na­tik so zu hand­ha­ben, dass die Qua­lität und Quan­tität der Kun­den­in­for­ma­ti­on ver­bes­sert wird, rei­ne Do­ku­men­ta­ti­ons­funk­ti­on hat. Auch al­le an­de­ren Un­ter­punk­te die­ses über­ge­ord­ne­ten Zie­les be­zie­hen sich auf Do­ku­men­ta­ti­ons­funk­tio­nen wie das Er­stel­len ei­nes Ac­count­pla­nes für die DFS, die Kun­den­do­ku­men­ta­ti­on (An­sprech­part­ner. Or­ga­ni­gramm, Bud­get. Pro­jek­te), so­wie re­gelmäßige Pro­jekt­lis­ten und Fo­re­cast. Auch die bei­den an­de­ren Punk­te, nämlich die Ver­tre­tung von Kol­le­gen und die Re­ak­ti­ons­zeit bei An­fra­gen und An­ge­bo­ten un­ter zwei Ta­gen be­zie­hen sich auf die Er­schei­nung ge­genüber Kun­den und die Si­cher­stel­lung ei­nes ge­ord­ne­ten Be­trie­bes beim Aus­fall von Kol­le­gen so­wie die Schnel­lig­keit der Auf­trags­ab­wick­lung, nicht je­doch auf die Qua­lität oder die Quan­tität der Ar­beits­leis­tung.
Die Ausführun­gen des Klägers in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung, mit dem vier­ten Ziel ha­be si­cher­ge­stellt wer­den sol­len, dass je­der in Fra­ge kom­men­de Mit­ar­bei­ter ei­ne Pro­vi­si­on er­hal­ten könne, auch wenn an­de­re An­for­de­run­gen nicht erfüllt würden, weil die Do­ku­men­ta­ti­on wirk­lich je­der leis­ten könne, pas­sen nach An­sicht der Kam­mer zu den im vier­ten Ziel auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen. Die­se An­ga­be des Klägers er­scheint der Kam­mer glaub­haft, zu­mal die in­halt­li­chen An­for­de­run­gen an Ar­beits­leis­tung und -gu­te so­wie persönli­chen Ein­satz be­reits durch die ers­ten drei Zie­le der Um­satz­stei­ge­rung und Neu­kun­den­ge­win­nung er­fasst wer­den.
Da­ge­gen sind die Ausführun­gen der Be­klag­ten, un­ter den Be­griff "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" fal­le die tech­ni­sche Lauffähig­keit der im­ple­men­tier­ten Soft- und Hard­ware, für die Kam­mer an­ge­sichts des Wort­lauts der Sco­re­card nicht nach­voll­zieh­bar. Wenn die von der Be­klag­ten ge­schil­der­ten Vorfälle in den Fällen "S.", "DFS", "G." und "Dop­pel­be­stel­lung", wel­che sie für Ar­beits­feh­ler hält, un­ter den Be­griff "Tech­ni­sches OK" fal­len soll­ten, wäre ein in­halt­lich feh­ler­frei­es Ar­bei­ten in fast 100 % al­ler Auf­ga­ben Vor­aus­set­zung für die Er­rei­chung der fünf­ten Un­ter­grup­pe der vier­ten Ziel­vor­ga­be. Al­le an­de­ren Un­ter­grup­pen wären da­ge­gen oh­ne Be­zug zur Qua­lität der Ar­beits­leis­tung, da sie Do­ku­men­ta­tio­nen, Schnel­lig­keit der Be­ar­bei­tung und Ver­tre­tung der Kol­le­gen be­tref­fen. Ei­ne sol­che nachträglich er­folg­te Aus­le­gung des Be­grif­fes "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" wi­der­spricht dem Wort­laut und der sys­te­ma­ti­schen Ein­ord­nung des Un­ter­punk­tes in die vier­te Ziel­vor­ga­be der persönli­chen Zie­le.
Un­klar­hei­ten bei der Fest­stel­lung, wel­chen Be­deu­tungs­in­halt die Ziel­vor­ga­ben, sei­en sie ver­ein­bart oder ein­sei­tig durch den Ar­beit­ge­ber fest­ge­legt wor­den, ge­hen zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers. Dies er­gibt sich be­reits aus ei­ner ent­spre­chen­den An­wen­dung der Un­klar­hei­ten­re­gel des AGB-Ge­set­zes al­ter Fas­sung (§5 AGBG), wo­nach Zwei­fel bei der Aus­le­gung all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen zu Las­ten des Ver­wen­ders ge­hen. Die nun­mehr nach §305 Ab­satz II BGB auch im Be­reich des Ar­beits­rechts gel­ten­de Vor­schrift war zwar im Jahr 1999 gemäß §23 Ab­satz 1 AGBG für ar­beits­recht­li­che Verträge nicht un­mit­tel­bar an­wend­bar. Der An­wen­dungs­aus­schluss des §23 I AGBG be­deu­te­te aber nicht, dass die dem AGB-Ge­setz zu­grun­de lie­gen­den Rechts­ge­dan­ken, so­weit er­for­der­lich und an­ge­mes­sen, nicht in der ar­beits­recht­li­chen Ver­trags­aus­le­gung berück­sich­tigt wer­den konn­te. Da­bei kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Un­klar­hei­ten­re­gel aus ei­ner ana­lo­gen An­wen­dung des AGB-Ge­set­zes her­ge­lei­tet wird (so LAG Hamm. Ur­teil vom 09.09.1999, 16 Sa 1751/98. MDR 2000, 651) oder sich an­hand der nach §§134 , 138 , 242 , 315 BGB durch die Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten ar­beits­recht­li­chen Grundsätze er­gibt (so BAG, Ur­teil vom 13.12.2000, 10 AZR 168/00 , BB 2001, 938 zu über­ra­schen­den Klau­seln; of­fen ge­las­sen in BAG, Ur­teil vom 27.04.2000, 8 AZR 301/99 , Ju­ris zu über­ra­schen­den Ver­trags­stra­fen­klau­seln und BAG, Ur­teil vom 16.10.1991, 5 AZR 35/91 , AP nr. 1 zu §19 BErzGG zur Un­klar­hei­ten­re­gel). Denn auch nach all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Grundsätzen kann der Ar­beit­ge­ber, der ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung ab­sch­ließt, oh­ne den ge­nau­en In­halt der An­for­de­run­gen mit dem be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ab­zuklären, sich nicht nachträglich dar­auf be­ru­fen, die persönli­chen Zie­le hätten In­hal­te um­fasst, die aus dem Wort­laut und dem sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang der Ziel­ver­ein­ba­rung nicht er­sicht­lich sind. Ein Ziel­ver­ein­ba­rungs­sys­tem zeich­net sich da­durch aus, dass im vor­aus die zu er­rei­chen­den Zie­le im We­ge ei­nes Ver­tra­ges mit dem Ar­beit­neh­mer fest­ge­legt wer­den. Nach Ab­lauf der ent­spre­chen­den Pe­ri­ode wird der Grad der Ziel­er­rei­chung mit dem Ar­beit­neh­mer be­spro­chen und nach ei­nem be­stimm­ten Sys­tem be­wer­tet (Münche­ner Hand­buch zum Ar­beits­recht - Kreßel, Band I, §67, Rz. 120). Es ist zwi­schen den Par­tei­en zwar strei­tig, ob die Be­klag­te den In­halt der Sco­re­card ein­sei­tig "nach ei­ner Pseu­do­dis­kus­si­on mit der Dro­hung mit ei­ner Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses" fest­ge­setzt hat oder die Ziel­set­zun­gen in ei­nem Mit­ar­bei­ter­gespräch fest­ge­legt wor­den sind. Falls die Be­haup­tun­gen des Klägers über ei­ne ein­sei­ti­ge Fest­le­gun­gen zu­tref­fen soll­ten, wäre der tie­fe­re Sinn ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung als par­ti­zi­pa­to­ri­sches Führungs­in­stru­ment zwar ver­fehlt wor­den (vgl. Geff­ken, NZA 2000,1033 ff [BAG 23.02.2000 - 7 AZR 825/98] ). Das würde der Wirk­sam­keit der vor­ge­ge­be­nen zie­le je­doch nicht ent­ge­gen­ste­hen. In bei­den Fällen steht je­doch fest, dass kei­ne ge­naue­re De­fi­ni­ti­on des In­halts der in der Sco­re­card ge­nann­ten Zie­le er­folgt ist. Ei­ne Er­kun­di­gungs- oder Be­an­stan­dungs­pflicht des Ar­beit­neh­mers, der die Un­ge­nau­ig­keit der Fest­le­gun­gen kann­te oder hätte er­ken­nen können, be­stand nicht. Denn da auf­grund des Ar­beits­ver­tra­ges und der Ver­ein­ba­rung ei­nes va­ria­blen Ge­halts­an­teils be­stand zwi­schen den Par­tei­en ei­ne Son­der­ver­bin­dung, die zu ei­nem Aus­kunfts­an­spruch des Be­rech­tig­ten über sei­ne wahr­schein­lich ge­mach­ten Ansprüche auf er­folgs­abhängi­ge Vergütung geführt hat (vgl. BAG, Ur­teil vom 21.11.2000, 9 AZR 665/99 , ARST, 2002,14,15). Da der Kläger so­mit ei­nen An­spruch ge­gen den Ar­beit­ge­ber auf Aus­kunft über den ge­nau­er de­fi­nier­ten In­halt des Be­griffs "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" hat­te, um sei­ne er­folgs­abhängi­gen Vergütungs­ansprüche be­zif­fern zu können, kann ihm nicht gleich­zei­tig ei­ne Er­kun­di­gungs­pflicht auf­er­legt wer­den. Die Er­tei­lung der Aus­kunft bei Fest­le­gung der Zie­le wäre ei­ne Ob­lie­gen­heit der Be­klag­ten ge­we­sen. So­weit sie ihr nicht nach­ge­kom­men ist, liegt ei­ne aus sich her­aus nicht verständ­li­che und meh­re­ren In­ter­pre­ta­ti­onsmöglich­kei­ten zugäng­li­che, so­mit un­kla­re Re­ge­lung vor. Die­se Un­klar­heit geht nach zu Las­ten der Be­klag­ten, wel­che die Zie­le so un­klar de­fi­niert hat.
Die­se Ver­tei­lung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last ent­spricht auch dem Rechts­ge­dan­ken des §2 Ab­satz 1 Nach­weis­ge­setz . Da­nach hat der Ar­beit­ge­ber spätes­tens ei­nen Mo­nat nach dem ver­ein­bar­ten Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses die we­sent­li­chen Ver­trags­be­din­gun­gen schrift­lich nie­der­zu­le­gen und die un­ter­zeich­ne­te Nie­der­schrift dem Ar­beit­neh­mer aus­zuhändi­gen. Nach §2 Ab­satz 1 Satz 2 Zif­fer 6 Nach­weisG er­streckt sich die Nach­weis­pflicht auch auf die Zu­sam­men­set­zung und die Höhe des Ar­beits­ent­gel­tes ein­sch­ließlich der Zu­schläge, der Zu­la­gen, Prämi­en und Son­der­zah­lun­gen so­wie an­de­rer Be­stand­tei­le des Ar­beits­ent­gel­tes und de­ren Fällig­keit. Aus der dem Nach­weis­ge­setz zu­grun­de lie­gen­den Richt­li­nie 91/533/EWG des Ra­tes der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten vom 14.10.1991 er­gibt sich zwar kei­ne zwin­gend vor­ge­schrie­be­ne Rechts­fol­ge für die Nich­terfüllung die­ser Ver­pflich­tung zur Er­stel­lung ei­nes ent­spre­chen­den Nach­wei­ses ( EuGH, Ur­teil vom 08.02.2001, Rs. C-350/99 . AP Nr. 4 zu §2 NachwG). Die deut­sche Um­set­zung der Richt­li­nie durch das Nach­weis­ge­setz enthält auch kei­ne Re­ge­lung ei­ner Be­weis­last­um­kehr im Fall, dass der Ver­pflich­tung zur Nach­wei­ser­stel­lung durch den Ar­beit­ge­ber nicht nach­ge­kom­men wird (hier­zu LAG Hamm. Ur­teil vom 14.08.1998, 10 Sa 777/97, MDR 1999, 618 m.w.N.). Nach dem Rechts­ge­dan­ken der §§427 , 444 ZPO a.F. kann die Nich­ter­stel­lung ei­nes Nach­wei­ses je­doch zu Be­wei­ser­leich­te­run­gen für die an­spruch­stel­len­de Par­tei führen (so LAG Hamm, Ur­teil vom 17.12.1998, 4 Sa 635/98 , Ju­ris; LAG Köln. Ur­teil vom 31.07.1998, 11 Sa 1484/97. NZA 1999, 545 ff; ArbG Lübeck, Ur­teil vom 21.01.1999,1 Ca 2776/98 . Ju­ris). Die Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en im Ar­beits­ver­trag über ei­ne er­folgs­abhängi­ge Vergütung ist al­lein nicht ge­eig­net, die Höhe des Ar­beits­ent­gel­tes des Klägers ab­sch­ließend zu be­stim­men. Dies ist auch durch die Ein­be­zie­hung der Re­ge­lun­gen der Sco­re­card auf­grund der un­kla­ren For­mu­lie­run­gen über das vier­te persönli­che Ziel, ins­be­son­de­re der For­mu­lie­rung "TOK Feh­ler­quo­te ge­gen Null" nicht möglich. Es liegt da­her ei­ne ver­gleich­ba­re In­ter­es­sen­la­ge vor zu dem Fall, dass der Ar­beit­ge­ber kei­nen aus­rei­chend kla­ren und in sich verständ­li­chen Nach­weis über die Ge­haltshöhe er­stellt. In die­sem Fall kann bei ei­ner plau­si­blen Dar­le­gung des an­spruch­stel­len­den Ar­beit­neh­mers über den In­halt der nach der Ziel­ver­ein­ba­rung ge­for­der­ten Leis­tung ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung ent­spre­chend dem Rechts­ge­dan­ken der §§427 , 444 ZPO a.F. er­fol­gen. Die­se plau­si­ble und glaub­haf­te Dar­le­gung hat der Kläger mit sei­nen Ausführun­gen zur rei­nen Do­ku­men­ta­ti­ons­funk­ti­on der in Un­ter­punkt 5 des Punk­tes 4 der persönli­chen Zie­le -wie aus­geführt- er­bracht.
Da die Un­ter­grup­pe der vier­ten Ziel­vor­ga­be so­mit nur Do­ku­men­ta­ti­ons­zwe­cke ver­folg­te und die Be­klag­te nicht be­strit­ten hat, dass der Kläger die­se Do­ku­men­ta­ti­on erfüllt hat, braucht über die von den Par­tei­en erörter­ten Ein­zel­fra­gen ei­ner be­haup­te­ten man­gel­haf­ten Ar­beits­leis­tung nicht ent­schie­den zu wer­den. Al­le Fälle be­tref­fen nicht die Do­ku­men­ta­ti­on der Ar­beits­leis­tung. Auch im Fall der Dop­pel­be­stel­lung, wenn man sie un­ter den Be­griff des "Tech­ni­schen OK" fas­sen woll­te, hat nicht der Kläger, son­dern die zuständi­ge wei­te­re Mit­ar­bei­te­rin ei­ne dop­pel­te, d. h. wei­te­re Be­stel­lung auf­ge­ge­ben, oh­ne zu kenn­zeich­nen, dass be­reits ei­ne te­le­fo­ni­sche Be­stel­lung vor­lag. Ei­ne die Erfüllung des Ziels hin­dern­de Fehl­leis­tung des Klägers ist al­so in kei­nem Fall zu er­ken­nen.
Der Zins­an­spruch er­gibt sich aus dem Ge­sichts­punkt der Rechtshängig­keit nach §291 BGB in Ver­bin­dung mit §288 Ab­satz 1 BGB .
Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Pro­vi­si­on für den Mo­nat Sep­tem­ber 1999, auch wenn er die En­de Sep­tem­ber in der Sco­re­card fest­ge­leg­ten Zie­le auch im Sep­tem­ber 1999 er­reicht ha­ben soll­te. Denn die Sco­re­card galt im Sep­tem­ber 1999 noch nicht.
Der Kläger kann Ansprüche auch nicht un­ter den Ge­sichts­punk­ten des Ver­zugs­lohns nach §§615 , 611 BGB a.F. oder des Scha­dens­er­sat­zes nach §325 BGB a.F. gel­tend ma­chen. Nach dem Ar­beits­ver­trag vom 21.04.1999 ist ein va­ria­bler An­teil der Ar­beits­vergütung, der sich aus de­fi­nier­ten Zie­len zu­sam­men­setzt, erst dann ge­schul­det, wenn die de­fi­nier­ten Zie­le nach ei­ner Pro­be­zeit von drei Mo­na­ten ver­ein­bart wor­den sind. Der Kläger hat zwar schon zum 01.06.1999 bei der Be­klag­ten sei­ne Tätig­keit auf­ge­nom­men, so dass die Pro­be­zeit von drei Mo­na­ten zum 01. Sep­tem­ber 1999 ab­ge­lau­fen ist. Da für den Mo­nat Sep­tem­ber aber kei­ne Zie­le ver­ein­bart wor­den sind, bleibt völlig un­klar, wel­che Zie­le ver­ein­bart wor­den wären, wenn die Be­klag­te frist­ge­recht Zie­le vor­ge­ge­ben hätte. Es be­steht kein Er­fah­rungs­satz des In­halts, dass die En­de Sep­tem­ber 1999 ver­ein­bar­te oder ein­sei­ti­ge vor­ge­leg­te Sco­re­card gleich­lau­tend auch im Sep­tem­ber 1999 Gültig­keit ge­habt hätte. Der Kläger kann sich nicht dar­auf be­ru­fen, dass die Be­klag­te "erfüll­ba­re Zie­le" hätte vor­ge­ben müssen, die er dann auch erfüllt hätte. Denn bei der Be­stim­mung der Zie­le han­delt es sich um ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht des Ar­beit­ge­bers, wel­ches die­ser gemäß §315 Ab­satz 1 BGB nach bil­li­gem Er­mes­sen aus­zufüllen hat. Ei­ne Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges über die Einräum­ung ei­ner leis­tungs­abhängi­gen va­ria­blen Vergütung führt da­zu, dass dem Leis­tungs­be­stim­mungs­recht des Ar­beits­ge­bers auch ei­ne Leis­tungs­be­stim­mungs­pflicht ent­spricht, da der Ar­beit­neh­mer an­dern­falls um Vergütungs­be­stand­tei­le ge­bracht wer­den würde. Die verzöger­te oder un­ter­las­se­ne Leis­tungs­be­stim­mung kann da­her zu ei­nem Scha­dens­er­satz­an­spruch führen (So­er­gel, Kom­men­tar zum BGB. 12. Auf­la­ge 1990, §315. Rz. 35). Wenn die Be­stim­mung verzögert oder nicht ge­trof­fen wird, ist nach §315 Ab­satz 3 BGB a.F. Rechts­fol­ge die­ser Verzöge­rung, dass die Be­stim­mung durch Ur­teil ge­trof­fen wer­den kann (für die ver­wei­ger­te Be­stim­mung Münche­ner Kom­men­tar zum BGB-Gott­wald, §315, Rz. 29). Die Son­der­re­ge­lung des §315 Ab­satz 3 BGB schließt es aus, dass der Kläger als Gläubi­ger der Vergütung die Be­klag­te als Schuld­ne­rin der Vergütung mit der Leis­tungs­be­stim­mung der Zie­le nach §326 BGB a.F. in Ver­zug setzt, um auf ei­ne Scha­dens­er­satz­for­de­rung über­zu­ge­hen, in­dem er die Be­klag­te zur Vor­nah­me der Be­stim­mung auf­for­dert. (BGH, Ur­teil vom 17.05.1971, VIII ZR 16/70 , LM Nr. 11 zu §315 BGB; Münche­ner Kom­men­tar, a.a.O., §315, Rz. 27).
Die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Leis­tungs­be­stim­mung durch das Ge­richt gemäß §315 Ab­satz 3 Satz 2 BGB lie­gen vor.
Der Kläger hat ei­ne Verzöge­rung der Leis­tungs­be­stim­mung schlüssig und un­wi­der­spro­chen be­haup­tet mit dem Vor­trag, "trotz mehr­ma­li­ger Auf­for­de­rung" durch sei­ne Kol­le­gen und ihn ha­be der völlig über­for­der­te Be­triebs­lei­ter Die­ter Blei­se kei­nen Ver­ein­ba­rungs­ent­wurf vor­ge­legt (Schrift­satz vom 30.01.2001. S. 2, Bl. 44 d.A.). Die Verzöge­rung ist durch den Zeit­ab­lauf ei­ner völli­gen Ver­wei­ge­rung gleich­zu­stel­len.
Bei der Be­mes­sung der Kri­te­ri­en ist der Ar­beit­ge­ber im Rah­men des bil­li­gen Er­mes­sens frei und an Vor­ga­ben nicht ge­bun­den. Die­se Tat­sa­che schließt es schon aus, an­zu­neh­men, die Be­klag­te ha­be Zie­le set­zen müssen, die zu ei­nem wei­te­ren va­ria­blen Ge­halts­an­spruch des Klägers geführt hätten. Der Vor­trag des Klägers ist nicht aus­rei­chend, um fest­zu­stel­len, wel­che Zie­le die Be­klag­te für den Mo­nat Sep­tem­ber bil­li­ger­wei­se hätte set­zen müssen und in wel­chem Um­fang er sie erfüllt hätte. Der Kläger hat ge­ra­de kei­ne für bil­lig er­ach­te­te Zie­le be­nannt, son­dern stützt sei­ne Zah­lungs­for­de­rung für Sep­tem­ber 1999 al­lein auf die Tat­sa­che, dass die Be­klag­te kei­ne Zie­le vor­ge­ge­ben oder ver­ein­bart hat. Die Tat­sa­che, dass für Sep­tem­ber 1999 kein Ziel be­stand, führt al­lein noch nicht zu ei­nem Vergütungs­an­spruch oder ei­nem Scha­dens­er­satz­an­spruch des Klägers. Es fehlt für die An­nah­me, der Kläger hätte im Mo­nat Sep­tem­ber ei­nen va­ria­blen Ge­halts­an­spruch von ge­nau 1.000,00 DM er­zielt, jeg­li­che Tat­sa­chen­grund­la­ge, so das auch für ei­ne Schätzung in ent­spre­chen­der An­wen­dung des §287 Ab­satz 1 Satz 1 ZPO kein Raum ist. Ge­ra­de am Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses in der Ein­ar­bei­tungs­zeit be­steht kei­ne Ver­mu­tung dafür, dass der Kläger schon leis­tungs­abhängi­ge Vergütungs­be­stand­tei­le hätte er­hal­ten können, wenn die Leis­tungs­be­stim­mung recht­zei­tig ge­trof­fen wor­den wäre.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §92 Ab­satz 1 Satz 1 ZPO .
Für die Zu­las­sung des Rechts­mit­tels der Re­vi­si­on be­stand kei­ne ge­setz­lich be­gründ­ba­re Ver­an­las­sung.
zur Übersicht 7 Sa 836/01

References: § 5
 §2
 §615
 §325
 §611
 §325
 §8
 §64
 §64
 §138
 §138
 §138
 §138
 §286
 §305
 §23
 §23
 §19
 §67
 §2
 §2
 §2
 §291
 §288
 §325
 §315
 §315
 §315
 §315
 §315
 §326
 §315
 §315
 §315
 §287
 §92