Source: https://www.kj-valentin.at/wp/kindergarten/
Timestamp: 2020-07-03 10:47:01+00:00

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Kindergarten - Mani's Blog
Im Rahmen meiner Berufsausbildung an der Lehranstalt für pastorale Berufe in Wien, habe ich als Abschluss- und Diplomarbeit über die „Seelsorge im Kindergarten“ eine schriftliche Arbeit verfasst. Ich staune noch immer, was ich mit dieser Arbeit für mich persönlich geleistet habe! Mit großer Freude bin ich bis zum heutigen Tag in den Kindergärten aktiv. Seit Oktober 2004 in der Pfarre St. Valentin und seit September 2019 (durch den Pfarrverband „Enns-Donau-Winkel“) in der Pfarre Ernsthofen. Das Kindergartengesetz des Landes Niederösterreich sieht eine seelsorgliche Begleitung vor. Keine Angst: Es geht nicht um „Missionierung“ an Kleinkindern! Wir begleiten die Kinder in ihrer religiösen Entwicklung! Wollen ihnen die Schönheit Gottes und seiner Schöpfung zeigen, die Freundschaft zu Jesus anbieten und vertiefen! Der Mensch ist ja auch ein religiöses Wesen! Unvergesslich sind mir viele Vormittage in den Kindergärten, denn die kleinen Kindern sind für mich die größten Theologinnen und Theologen! Aber auch die nun schon „großen“ Kinder von damals erzählen mir heute, wie sehr ihnen die Besuche vom „Kirchen-Manuel“ bedeutet haben. Ein Menschenleben prägend! Viele Eltern sind sehr dankbar und äußern das auch bei persönlichen Begegnungen, wie sehr sie diesen Dienst der Pfarre an ihren Kindern schätzen! Was will man(uel) mehr? Möge viel Segen ausgehen von diesen Stunden im Kreise unserer Kleinsten! Sie sind die Zukunft!
Unsere gemeinsamen Treffen: Erntedankfest, Martinsfest, Adventkranzsegnungsfest, Aschenkreuzfest, Palmsonntagsfest, Ostereier-Suchfest im Pfarrhofgarten, Marienfest im Mai, Feriensegensfest
Nö-Kindergartengesetz § 29 – Religiöse Erziehung
Der Kindergartenerhalter und die Kindergartenleitung haben den gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften die religiöse Erziehung der Kinder ihres Bekenntnisses im öffentlichen Kindergarten im Gesamtausmaß von höchstens einer Stunde wöchentlich zu gewähren. Die Eltern (Erziehungsberechtigten) können die Kinder jederzeit schriftlich von der Teilnahme abmelden.
Kindergartengesetz des Landes Niederösterreich
KINDERGARTENPASTORAL … kann bedeuten mit Kindern auf einer Entdeckungsreise zu den Geheimnissen unseres Lebens und Glaubens unterwegs zu sein.
KIRCHE – der Auftrag der Kirche in der Kinderpastoral 8
Die grundsätzliche Aussage 8
Das Kind als selbstständige Persönlichkeit 8
Gemeinsames Leben und gemeinsamer Glaube 9
Kirche als Lebensraum für Kinder 10
Religiöse Erziehung „ist gleich“ ganzheitliche Erziehung 11
Eltern als Katecheten und Katechumenen 12
Verschiedene Wertvorstellungen und Prioritäten 12
Anforderungen an Verkündigung und Katechese 13
Konkrete Aufgaben und Spannungsfelder der Kinderpastoral 13
Kinder im Gottesdienst 13
Ein Definitionsversuch von „Kindergartenpastoral“ 14
KINDER – die Entwicklung des Kindergartenkindes 17
Das Kindergartenalter 17
Das Kind im Kindergarten 17
Religiöse Entwicklung 19
Symbolentwicklung 21
Sprachentwicklung 25
DER/DIE PASTORALASSISTENT/IN IM KINDERGARTEN 26
Das Kindergartengesetz des Landes Niederösterreich 26
Die Rolle des PAss im Kindergarten – Rollendefinition 27
„Beziehungen“ im Kindergarten 29
PRAKTISCHE UMSETZUNGSMÖGLICHKEITEN 32
Umsetzungsmöglichkeiten – Methoden 32
Schwerpunkte in der Kindergartenarbeit 37
Feste und Feiern im Kindergarten 37
Erfahrungen und Tipps zu religiösen Einheiten 39
Wie „baue“ ich den KIGA in die Pfarre ein? 41
RESÜMEE 43
Schlussfolgerungen – die Vision eines Kindergartens 43
Quellen- und Literaturliste 48
Im Rahmen meines Pfarrpraktikums im niederösterreichischen Purgstall kam ich mit der Institution Kindergarten und seinen Kindern in Kontakt. Die Arbeit mit 3 bis 6 jährigen Kindern war für mich etwas Unbekanntes und Herausforderndes. Auf Anfrage der Kindergartenleitung besuchte ich in regelmäßigen Abständen als sogenannter „Arbeiter des Pfarrers“ die Mädchen und Buben. Wie kann man pastoral mit Kindern in dieser Altersstufe arbeiten? Was ist im Kindergarten wichtig zu beachten? Welche Inhalte sind wichtig und wie kann ich sie vermitteln? – diese und ähnliche Fragestellungen tauchten bei mir auf. Und so begab ich mich auf die Suche nach Literatur für dieses Themenfeld und nahm mit Menschen, die Erfahrungen in der Kleinkindpädagogik haben, Kontakt auf. Mit guten Vorsätzen und voller Tatendrang ging ich ans „Werk“. Mit viel Freude und großer Begeisterung besuchte ich fortan den „Landeskindergarten I“ von Purgstall. Die Herausforderung sich über religiöse Themen mit Kleinkindern im Kindergarten auseinander zu setzen stieg. Weiters wurde mir auch bewusst, dass dieses mögliche Arbeits-Feld der Begegnung zwischen Kindergarten und Kirche, sehr oft „brach“ liegt. Mir persönlich ist es zu einer großen Aufgabe geworden, dieses oft vergessene oder vernachlässigte Feld der Pastoral zu einem, zu meinem, Thema zu machen. Mit den Kindern spielen, über das Leben und Gott sprechen, sowie die ehrliche und aufrichtige Art und Weise der Mädchen und Buben haben mich vom ersten Tag an gefesselt und innerlich berührt. Aus diesen Gründen ist wahrscheinlich auch jedem klar, warum ich für meine Diplomarbeit dieses Thema gewählt habe. Diese vorliegende Arbeit über die „Kindergartenpastoral“ fasst die wichtigsten Schwerpunkte und Erfahrungen meiner Arbeit im (erlebten) Kindergartenalltag zusammen. Aus „klugen“ Büchern kamen die Theorien und Ansätze, manches Praktische wurde von mir erörtert und ergänzt. In der Kirche sind wir als Volk Gottes, wie es das 2. Vatikanum in Lumen Gentium definiert und als eine Weg- und Glaubensgemeinschaft gemeinsam unterwegs. Eine Gemeinschaft von Frauen und Männern eine „communio“ von Erwachsenen und Kindern. Dieses Bild der Gemeinschaft und des gemeinsamen Weges bzw. der gemeinsamen Reise möchte ich gerne für die Definition der Pastoral im Kindergarten verwenden. Wir als Kindergartenkinder, Buben und Mädchen, als Kindergärtnerinnen und als in der Pastoral tätige Menschen gehen gemeinsam auf eine Entdeckungsreise zu den Geheimnissen unseres Lebens und Glaubens.
Danken möchte ich den Kindern und dem Team des Landeskindergarten I von Purgstall für die gute Zusammenarbeit und die vielen schönen Erfahrungen und Erlebnisse in „eurem“ Kindergarten. Weiters danke ich meiner Begleiterin Frau Mag. Gertie Wagerer für ihre Hilfe und Unterstützung bei der Erarbeitung dieses Themas. Schlussendlich sage ich auch „Danke“ meinem Vater Prok. Josef Sattelberger für das Korrekturlesen.
Rezepte – in der Küche sind etwas ganz Normales: Hinweise, wie man kochen und backen kann; Ergebnisse von „Versuch und Irrtum“; Rezepte wollen gute Erfahrungen weitergeben, damit die Vorbereitung Spaß macht und das Essen schmeckt. So etwas wie „Rezepte“ halten Sie in den Händen: „Rezepte für die Kindergartenpastoral.“ Diese Arbeit will gute (Kindergarten-)Erfahrungen festhalten und weiterreichen. Sie will zeigen, wie wir es gemacht haben, wie es uns „geschmeckt“ hat, wie wir diese und jene Schwierigkeiten gemeistert haben. Die Ausführungen und Vorschläge wollen nicht schematisch und erst recht nicht herz- und glaubenslos nachgemacht werden; sie verstehen sich nicht als Tipps zum flotten Aufwärmen in der schnellen Küche. Vielmehr möchte ich mit dieser Arbeit anderen und mir persönlich Mut machen, es selbst zu versuchen, „frisch“ zu kochen, mit eigenen Zutaten und auf dem eigenen Herd; die eigenen Erfahrungen sollen entdeckt und, eigene „Lebens-Mittel“ (Lebens-Mitte) und Gewürze sollen eingesetzt werden. In dieser Arbeit stehen die Menschen im Mittelpunkt, die uns im Kindergarten begegnen und mit denen wir gemeinsam unterwegs sein dürfen. Meine „Kochrezeptsammlung“ über die „Kindergartenpastoral“ setzt sich aus vier großen Blöcken zusammen: Der erste Block, den es zu behandeln und „abzugrasen“ gilt, ist die Kirche und ihr spezieller Auftrag in der Kinderpastoral. In einer Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen und Anliegen der Kirche in Bezug auf die Kinderpastoral, versuche ich zum Abschluss des ersten Blockes eine mögliche Definition und Ziele der „Kindergartenpastoral“ zu formulieren. Der zweite Block ist dem Kind, genauer gesagt dem Kindergartenkind, gewidmet. Hier wird die Rede von dem speziellen Kindergartenalter bis hin zu den einzelnen Entwicklungen in Sprache, Symbolik und Religiosität des drei bis sechs Jahre alten Kindes sein. Anschließend folgt als dritter Block „der Pastoralassistent im Kindergarten“. Hier möchte ich kurz auf die rechtlichen Gegebenheiten im Land Niederösterreich eingehen, die Rollen des Pastoralassistenten im Kindergarten klären und einen Einblick in die Institution Kindergarten verschaffen. Als vierter Block kommt das „Praktische“, nämlich die konkreten Versuche einer Umsetzung im Bezug auf die Kindergartenpastoral. Alte und neue Methoden werden vorgestellt, Schwerpunkte skizziert und über praktische Tipps und Tricks im Kindergartenalltag berichtet und nach-gedacht. Immer wieder kommen persönliche Erfahrungen und Eindrücke aus einem Arbeitsjahr in Bezug auf meine praktische pastorale Tätigkeit im Kindergarten zum Tragen.
Ich wünsche ihnen viel Spaß beim Ausprobieren, Kochen und Essen. Mahlzeit!
1. KINDERPASTORAL – der Auftrag der Kirche in der Kinderpastoral[1]
Die grundsätzlichen Ansätze, die von der österreichischen Bischofskonferenz 1983 zustimmend und empfehlend für die Seelsorger, Pfarrgemeinderäte und Apostolatsgruppen gelten, zeigen, dass es einer neuen Sichtweise im Blick auf das Kind bedarf und daraus eine Neuorientierung unseres Lebens und Glaubens am Kind erfolgen sollte.
1.1. Die Grundsätzliche Aussage: Die pastorale Sorge für die Kinder geht davon aus, wie ein Kind das Menschsein erlebt, mit seinen Freuden und Problemen, in seinen Gruppen, Beziehungen und in seiner Einsamkeit. Die Kinderpastoral ist bemüht, diesen Anhalts- und Erfahrungspunkten des Kindes Aufmerksamkeit zu schenken. Wir können von den Kindern das Grundvertrauen auf Gott lernen. Dieser Haltung, in der Verbindung mit der Gestaltung unseres Gemeindelebens, mit den Bedürfnissen der Kinder nach Anerkennung und aktivem Mittun, Mitleben und Miterleben sollen wir Raum in unserer Pastoral geben. Als Ausgangspunkt und mögliche Zielsetzung können uns die Worte Jesu sein Anliegen verdeutlichen und uns weiterhelfen: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Mk 10,14f) Und genau mit dieser Bibelstelle wird unser heutiges Bild von der Gesellschaft auf den Kopf gestellt. Das Kind bekommt einen besonderen Stellenwert in einer oft sehr erwachsenorientierten Gesellschaft. Hier wird plötzlich das Kind in seinem Kleinsein zum Vorbild, im sich beschenken lassen und der absoluten Vertrauenshaltung. Jesus, der von den Kindern ausgehend, eine Umkehr und ein Umdenken fordert, lässt uns erkennen, dass wir uns für eine kinderfreundliche und damit menschenfreundlichere Welt einsetzen müssen.
1.2. Das Kind als selbstständige Persönlichkeit: Dem Kind kommt ein eigener Wert als selbstständige Person zu; bei aller Notwendigkeit des Erwachsen-Werdens ist das Kind-Sein ein bleibender Teil des Mensch-Seins. Es ist verständlich, dass gerade das Kind notwendigerweise die Hilfe und Unterstützung der „Erwachsenen“ braucht, um erwachsen zu werden. Dennoch geht es hier nicht um einen „halben Menschen“ oder um einen sogenannten „kleinen Erwachsenen“, sondern es geht um ein eigenständiges Wesen mit freiem Willen und einem eigenen Bewusstsein. Kinder leben ihr Leben oft bewusster als viele Erwachsene. Das „Kind-Sein“ des Kindes ist aber nicht nur als Entwicklungsstufe anzusehen, die es braucht, um erwachsen, reifer zu werden, sondern auch als bleibender Wert im „Mensch-Sein“. Auch der Erwachsene sollte die Anlagen des „ewigen Kind-Seins“, mit den Begabungen und Fähigkeiten, als bleibenden Wert er-halten und be-halten. Die grundgelegten Fähigkeiten wie Daseinsvertrauen, Offenheit für die Zukunft, spielerische Phantasien, Ursprünglichkeit des Denkens und Fühlens gehören zum reifen und erwachsenen Menschen – nicht aber zu verwechseln mit unreifen und kindischen Erscheinungen einer unaufgearbeiteten Kindheit.
Gegenseitige Hilfe zur Entfaltung des Mensch-Seins: Erwachsene und Kinder können voneinander lernen und einander helfen, weiterhelfen, ihr Menschsein und Menschwerden zu entfalten. Das Kind in seiner unbekümmerten Art kann den Erwachsenen sensibel und offen werden lassen für die wesentlichen Dinge im Leben. Gerade im kindlichen Hinterfragen liegt sehr oft die eigentliche Sinnfrage verborgen. Kinder sind meist ein Zeichen der Hoffnung, das sie uns Erwachsenen in dieser Bezogenheit auf das Wesentliche voraus haben. Das Kind gewinnt durch die liebevolle Zuwendung und Versorgung durch die Eltern und anderer Menschen die entscheidenden Grundkenntnisse und Grundhaltungen für das Leben: von der Sprache, dem Umgang mit den eigenen geistigen und körperlichen Fähigkeiten, den alltäglichen Dingen bis zum gemeinsamen Entdecken des Lebens. Immer wieder werden die Menschseinsmöglichkeiten aufs Neue gemeinsam entdeckt und aus den Tiefen der Nicht-Beachtung gehoben. Hier geht es darum eine Haltung anzunehmen, deren Wert wir selbst immer wieder mit den Kindern gemeinsam entdecken können.
1.3. Gemeinsames Leben und gemeinsamer Glaube: Die Kinder und Erwachsenen sind angehalten das Leben miteinander zu teilen, aber auch die Bedeutung des Glaubens für ihr Leben zu erfahren und zu erkennen. Kinder wollen von Natur aus alles sehen, begreifen, anfassen und erleben. Dabei ist das alltägliche Leben die wichtigste „Schule“, um diese Erfahrungen erlebbar zu machen. Kinder sollen bei allem, was das alltägliche Leben ausmacht, dabei sein. Anhand des Verhaltens der Eltern, Großeltern und Geschwister lernen sie, wie diese mit Freude, Trauer, Hoffnung und Liebe an Grenzerfahrungen stoßen und mit Streit und Versöhnung im Alltag umgehen und leben. Kinder sollen und dürfen nicht ausgeschlossen sein aus dem Leben. Denn wie und wo sollen sie erfahren und erleben können, wie wir Erwachsenen das Leben mit seinen Schwierigkeiten, Belastungen und Freuden versuchen zu meistern und wo wir Sinn(-Angebote) finden und wovon wir überzeugt sind? Das setzt aber einerseits voraus, dass sich unser Glaube vom kindlichen, einfachen naiven Glauben zu einem reflektierten und verantwortbaren Erwachsenenglauben entwickelt hat. Denn auch den Glauben „lernt“ das Kind am besten von seinen Eltern, wenn das Kind dabei in seinen Eltern Menschen findet, die diesen Glauben mit ihm teilen. Diese Erfahrung schließt den Glauben als Lebenserfahrung bei den Eltern aber auch in der Gemeinschaft der Kirche mit ein. Mit den Fragen der Kinder nach dem Woher, Wohin und Warum soll keinesfalls ein theologischer Exkurs beginnen. Kinder wollen einfache und verständliche Antworten wie sie uns oft die Bibel in den Geschichten und Gleichnissen liefert. Diese Erzählungen deuten das Leben, erfüllt von Glauben und Vertrauen. Das heißt aber auch: wir müssen wieder die „Sprache der Bibel“ lernen, um ohne Spitzfindigkeiten die frohe Botschaft weitergeben zu können, wie wir sie selbst zu begreifen vermögen.
1.4. Kirche als Lebensraum für Kinder: Die Kirche soll den Kindern Raum für ihr Leben geben und Glauben anbieten. Dem Beispiel Jesu gemäß müssen Erwachsene von den Bedürfnissen der Kinder ausgehen. Sein Wirken setzt bei den Bedürfnissen der Menschen an, bei denen, die etwas erhoffen und brauchen; er stillt Hunger, macht Kranke gesund und hilft aus aktueller Not heraus. Jesus scheut sich nicht, seine Gefühle zu zeigen. Gerade Kinder zeigen im allgemeinen sehr klare Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen. Haben Kinder Hunger oder Durst, werden sie es klar definieren und einfordern. Sie verlangen auch nach Freude, Trauer, Spielen mit anderen Kindern, gemeinsamen Unternehmungen und interessanten Beschäftigungen. Kinder brauchen ebenso das Gefühl von Vertrauen (können), Autorität und Führung, sich mit sich selbst auseinandersetzen, sich mit der Umwelt beschäftigen, aber sie wollen auch lieben und geliebt werden. Die Frohe Botschaft kann und darf nicht an den Kindern und ihren Bedürfnissen vorbei verkündet werden. Der Auftrag an die Kirche ist es, den Kindern Leben im weiteren Sinn zu ermöglichen. Dazu muss auch die Pfarrgemeinde den Kindern den Platz geben und schaffen, der die Gemeinschaft fördert und die Einzelperson zur Entfaltung bringen kann. Dabei müssen Kinder als wichtige Mitglieder der Gemeinschaft anerkannt werden. Gerade Kinder mit ihren feinfühligen Sensoren und „Antennen“ für Schwächen, die aufgedeckt werden sollen, stellen unbequeme aber notwendige Fragen. Mit Kindern kann ein wesentlicher Faktor für Lebendigkeit, Frohsinn und Unbeschwertheit in das gemeinsame Feiern, den Gottesdienst einfließen. Die Kinder sorgen für die Ehrlichkeit unserer Seelsorge, für die Glaubhaftigkeit unserer Verkündigung und für eine menschengerechte Gemeinschaft. Von Kindern und Jugendlichen gewinnt die Gemeinde Leben, Hoffnung und Zukunft. Dabei darf eines nicht in Vergessenheit geraten: Begegnungen und menschliche Beziehungen gestalten und formen unsere Überzeugung. Eine Grundhaltung sollte es sein, den Kindern eine kinderfreundliche Atmosphäre in unseren Pfarrgemeinden anzubieten und erleben zu lassen.
1.5. Religiöse Erziehung „ist gleich“ ganzheitliche Erziehung: Glaubenserziehung geschieht nur dann, wenn der Erzieher, die Erzieherin selbst religiös bemüht ist, wenn der Glaube bei ihm persönlich anzutreffen ist. Jede verantwortungsbewusste Erziehung durch einen um den Glauben bemühten und aus dem Glauben lebenden Menschen ist auch religiöse Erziehung. Weiters darf man nicht vergessen, dass viele menschliche Haltungen bereits religiös sind. Schließlich muss man vorerst miteinander reden können um dann miteinander beten zu können. Der „Katechet“ sollte ein Erzieher im vollen und umfassenden Sinn sein. In ein Bild gebracht kann das heißen: Dass man den Bau eines Hauses nicht unbedingt mit dem Dach beginnen sollte. Seelsorge ist Heilsdienst am ganzen Menschen, an Leib und Seele. Religiöse Erziehung sollte also eine ganzheitliche Erziehung sein, eine Erziehung, die auf Grundhaltungen aufbaut und weiterbauen kann. Dieser besondere ganzheitliche Dienst an den Kindern ist zum Beispiel das Ziel von kirchlichen Kindergärten. Wichtig ist also, dass wir nicht nur Glaubenswissen vermitteln sondern auch religiöse und menschliche Bildung weitergeben. Denn der Glaube zeigt sich nicht nur im religiösen Tun, er wird auch sichtbar im alltäglichen Umgang miteinander (z.B.: Gespräch, Arbeit, Feier, Spiel, …).
1.6. Eltern als Katecheten und Katechumenen: Eltern sollten sich bewusst sein, dass sie die ersten und wesentlichen Erzieher ihrer Kinder sind und das nicht nur chronologisch, sondern ganz konkret durch ihre gesamte Lebenshaltung. „Mit-Erzieher“ (= Kindergarten, Schule, …) können ergänzen oder gewisse Korrekturen anstreben, aber mehr können sie nicht leisten. Diese Tatsache im Bezug auf die „Miterzieher“ trifft besonders auf die religiöse Erziehung zu. Eine bewusste religiöse Erziehung durch Wort und vor allem Beispiel der Eltern kann den Glauben der Kinder fördern. Selbst wenn viele Eltern den Wunsch haben, dass ihr Kind „religiös“ erzogen wird, hat ihr eigenes persönliches Beispiel und Vorbild größere Wirksamkeit. Jedoch fühlen sich viele Eltern in Bezug auf die religiöse Erziehung ihrer Kinder überfordert bzw. glauben zu wenig für diese Aufgabe zu wissen. Wenn Kinder eines Tages religiöse Fragen stellen, sind die Eltern gefordert, den Kindern Antworten anzubieten bzw. selbst für sich persönlich eine mögliche Antwort zu finden. Für viele Eltern kann sich dann die Frage stellen: Kann ich in meiner Begrenztheit ein Vorbild für meine Kinder sein? In diesen Momenten kann den Eltern bewusst werden, dass sie Katecheten und Katechumenen zugleich sind. Eltern sind nicht nur Belehrende und Erklärende, sondern auch Lernende, somit ist die religiöse Erziehung von Kindern Gabe und Aufgabe zugleich. Und gerade diese Eltern sind Bildungsangeboten, Erziehungshilfen und Austausch gegenüber aufgeschlossen. Wichtig ist es nun, den Eltern den Wesenszug unseres Glaubens zu vermitteln: „Wir sind als Kirche immer unterwegs“. Kinderseelsorge hat also nicht nur direkt (an dem Kind) zu geschehen, sondern muss indirekt auch ein Heilsdienst an den Eltern sein.
1.7. Verschiedene Wertvorstellungen und Prioritäten in Gesellschaft, Familie, Kindergarten, Schule und Pfarre: Kinder brauchen personale Zuwendung, Gemeinschaft und Freunde. Gemeinschaft und Freundschaft brauchen Zeit zum Wachsen und dieser Prozess findet nicht von heute auf morgen statt. Für das Kind liegt der Sinn in der Gegenwart, während für die Erwachsenen und Eltern der Sinn in der Zukunft liegt. Wichtig ist sicher beides, Gegenwart und Zukunft. Wer Kinder ernst nimmt, kann die wichtige Zeit der Kindheit nicht nur als Durchgangsstadium betrachten und werten, sondern muss ihren Eigenwert erkennen und anerkennen. Grundsätzlich ist zu bemerken, dass Gemeinschaft für ein Kind lebenswichtiger sein kann, als eine Spezialausbildung (Tanz- bzw. Musikunterricht) neben Kindergarten und Schule. Die Verantwortlichen in der Pfarrgemeinde müssen immer bedenken, dass Kinderpastoral nicht die Sicherstellung des Nachwuchses gewährleistet, sondern Angebote der Glaubensgemeinschaft an das Kind sind.
1.8. Anforderungen an Verkündigung und Katechese: Vordergründig ist zu sagen, dass ein lebendiges (Glaubens-) Zeugnis immer wichtiger ist als theologische Informationen. Das Kind kann am besten in kleinen Gruppen das Gespräch und die Gemeinschaft erleben. Denn in diesen kleinen Gruppen und Gemeinschaften wird das Kind persönlich angesprochen, es ist nicht nur ein Empfangender sondern auch ein Gebender zugleich. Und gerade in diesem Umfeld wird auf Dauer nicht nur Glaubenswissen sondern vielmehr lebbare Glaubenshaltung vermittelt.
1.9. Konkrete Aufgaben und Spannungsfelder der Kinderpastoral: Grundsätzlich soll kirchliche Kinderarbeit für alle Kinder offen sein:
Nicht alle wollen sich binden – und sind doch ansprechbar;
nicht alle wollen regelmäßig mittun – und möchten doch öfter dabei sein;
nicht alle wollen etwas versprechen – und sind doch für Vieles zu haben;
nicht alle suchen eine stärkere Prägung – und erfahren doch durch Beispiel und Atmosphäre Hilfe;
nicht alle bekommen von den Eltern die Zustimmung – und würden doch gern mittun;
nicht alle sind in unseren Gemeinden beheimatet – und brauchen doch bei uns Raum.
1.10. Kinder im Gottesdienst: Für die Mitfeier von Kindern bei Feiern, Messen, Gottesdiensten und Andachten sollten folgende Punkte beachtet werden:
Das Kind wird sich in der Kirche heimisch fühlen, wenn es Dinge anschauen und angreifen darf, wenn es sich bewegen darf. Wenn sich Erwachsene Kindern gegenüber freundlich verhalten. Die Kinder sollten erleben können, dass sie unser aller Kinder sind.
Das Kind soll Liturgie in ihren vielfältigen Formen kennen lernen, nicht nur die Eucharistiefeier in verschiedenster Gestaltung, sondern auch selbstständige Wortgottesfeiern, Andachten, Prozessionen, Wallfahrten und Bußgottesdienste.
Alle Gottesdienste, an denen Kinder teilnehmen, sollen Elemente enthalten, die besonders auch auf die Kinder bezogen sind (z.B. die Kinder direkt ansprechen, eine für sie verständliche Geschichte erzählen, ein Spiel von Erwachsenen und Kindern, verständliche Zeichensprache, Bilder, usw.)
Das Kind sollte von seinem Platz aus gut sehen und hören, um das Geschehen verfolgen zu können. Auf seine Fragen im liturgischen Geschehen soll es eine verständliche Antwort bekommen.
Je weniger das Kind in seinem Lebensausdruck (Bewegungsdrang, Gestik, Neugier, Fragehaltung) eingeschränkt wird, umso weniger wird es zu einem Störfaktor in der Gemeinde.
Das Kirchenjahr bietet viele Anlässe zu religiösen Feiern mit Kindern. Die Heiligenfeste (z.B. Hl. Martin, Nikolaus, …) bieten sich besonders zur Feier von eigenen Kindergottesdiensten und Kinderfesten an . Bei allen (gottesdienstlichen) Feiern sollte den Kindern ein aktives und tätiges Mitfeiern ermöglicht werden.
1.11. Ein Definitionsversuch von „Kindergartenpastoral“
„Lieber Gott, deine Welt ist so schön. Wann hast du dir das bloß alles ausdacht und gemacht? Du musst jetzt ganz schön müde sein! Hast du nun gar nichts mehr zu tun?“[2]
Stefanie, 5 Jahre
„Gott ist der Chef der Welt. Da bin ich froh, und Gott hat alle lieb.“[3]
Kindergartenkinder versuchen früh, die Welt, in der sie leben, zu begreifen. Sie möchten Zusammenhänge verstehen lernen und die Hintergründe des Lebens enträtseln.
Kindergartenpastoral kann bedeuten mit Kindern auf einer Entdeckungsreise zu den Geheimnissen unseres Lebens und Glaubens unterwegs zu sein.
„Pastoral“[4] kommt vom lateinischen Wort „Pastor“[5] und bedeutet Hirte. Pastoral meint die praktische Seelsorge. Kindergartenpastoral bezeichnet demnach die Seelsorge und Begleitung von Kindergartenkindern. Sie kann vom Besuch bis zum einfachen „Ich bin für dich da“ des kirchlichen Vertreters bzw. Vertreterin im Kindergarten bis zu liturgischen Angeboten und speziellen Kinder(garten)gottesdiensten reichen.
Ziele der Kindergartenpastoral können sein:
Die religionspädagogische Arbeit einschließlich der dazugehörenden Elternarbeit praxisnah im Kindergarten anregen und unterstützen.
Die Vernetzung und Zusammenarbeit von Pfarrgemeinde und Kindergärten fördern.
Einen Raum für persönliche Lebens- und Glaubenserfahrungen bieten.
Die Pfarrgemeinde und das gesellschaftliche Umfeld miteinander ins Gespräch bringen.
Förderung der theologischen und religionspädagogischen Kompetenz der Kindergärtnerinnen und Kindergartenhelferinnen.
Kindergartenpastoral als „religiöse Begleitung“ im Vorschulalter
Was braucht ein Kindergartenkind? Die Montessori-Pädagogin Sofia Cavalletti sagt sehr eindrucksvoll, wie wir Vorschulkinder religiös begleiten können:[6]
an die Freude der Kinder über Gott glauben
ihre Freude, ihr Staunen über das Schöne, Neue, Interessante als Antwort auf ihren Schöpfergott zu sehen
die Zeit abwarten zu können, wo Kinder differenzierte Antworten brauchen
Respekt vor der menschlichen Entwicklung zu haben
Die Situation des Kindes zu beachten ist und bleibt die wichtigste Voraussetzung und Grundstein der religiösen Begleitung. An den Erzieherinnen und Erziehern liegt es, wie das religiöse Grundbedürfnis, das jedes Kind in sich hat, durch eine entsprechende Umgebung im Kind wachsen kann. Wenn wir religiöse Begleitung als „Hilfe zur Selbsthilfe“ sehen, als Chance, um das, was Gott in jedem Kind grundgelegt hat, zur Entfaltung zu bringen, dann müssen wir manche religiöse Praktiken kritisch sehen und überdenken.
Das Kind macht Erfahrungen im Kindergarten. Kinder, die in den Kindergarten kommen, sammeln viele neue Eindrücke. Im Umgang mit Gleichaltrigen und mit der Kindergärtnerin erfahren sie verschiedenste Lebensmuster und Wertordnungen. Diese menschlichen Grunderfahrungen sind für eine gesunde Entwicklung des Kindes von größter Bedeutung. Wenn die religiösen Erzieher durch ihr Verhalten, ihr Sein und ihr Tun auf die andere „Wirklichkeit – Gott“ hinweisen möchten, ohne dabei vorerst von Gott zu reden, dann haben diese menschlichen Grunderfahrungen eine ganz besondere Bedeutung. Spätestens dann, wenn die Erzieher zu und von Gott reden, entdeckt das Kind Gott im Menschsein des Erwachsenen. So wie Eltern und Erzieher sind, so stellt sich das junge Kind Gott unbewusst vor.
Religiöse Begleitung im Kindergarten und der Unterschied zum Religionsunterricht
Die religiöse Begleitung hat im Kindergarten eine ganz andere Form und Intention als der Religionsunterricht in der Schule.
Im Kindergarten geht es vorerst darum:
hinzuhorchen
und mitzugehen.
Religiöse Begleitung ist bei Vorschulkindern nur wirksam für das Leben, wenn die Erzieher dann, wenn das Kind aufnahmebereit ist und fragt, da ist!
Wenn Kinder in einer Klein-, Teil- oder Gesamtgruppe einen „Mini-Frontal-Religionsunterricht“ erfahren, dann ist von einem befreienden Glauben für das Kind nichts mehr spürbar. Durch liebevolle Begleitung, im Wahrnehmen der Welt des Kindes können wir den Kindern von heute helfen, Gott zu entdecken. „Hilf mir es selbst zu tun!“ – Dieser Kernsatz der Montessori-Pädagogik hat auch für die religiöse Begleitung eine wichtige Bedeutung. Nicht wir und das, was wir vermitteln steht im Vordergrund, sondern Gott, der im Kind wirkt.
2. KINDER – die Entwicklung des Kindergartenkindes
2.1. Das Kindergartenalter[7]
Das „Kindergartenalter“ beginnt mit dem vollendeten 3. Lebensjahr und endet mit dem Schuleintritt des Kindes.
Wenn aus dem „Baby“ ein Kindergartenkind wird[8]
Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, wenn das kleine Kind zum ersten Mal den engen Bereich der Familie verlässt und in der neuen Umgebung einer Kindergruppe weitere Schritte in die Selbstständigkeit geht. Für manche Kinder vollzieht sich dieser Schritt bereits in einer Spielgruppe, für die meisten aber mit dem Einstieg in den Kindergarten. Der erste Kindergartentag bedeutet nicht nur für viele Kinder einen wichtigen Einschnitt im Lebens, sondern auch für die Eltern.
Die neue Rolle als Kindergartenkind
Das Kind erlebt nun einen neuen Status: es fühlt sich „älter“ und „größer“ und entwickelt ein Wir-Gefühl für die Kindergartengruppe. Allmählich entsteht das Gefühl, ein erfahrenes Kindergartenkind zu sein, das sich den neuen Anforderungen gewachsen fühlt. Mit dem Eintritt des Kindes in den Kindergarten verändern sich auch die Beziehungen innerhalb der Familie, weil das Kind jetzt unabhängiger und selbstständiger wird. Das Kind lernt so viele Fähigkeiten in den neu entstehenden Beziehungen mit Kindern und Erzieherinnen. Eltern müssen oft erst lernen mit dieser zunehmenden Unabhängigkeit der Kinder zurechtzukommen. Sogar schon am ersten Kindergartentag kommt es vor, dass manche Kinder zum Erstaunen der Eltern gar kein Übermaß an Zuwendung als Starthilfe brauchen.
Mit dem Besuch des Kindergartens wechselt das Kind regelmäßig für feste Tageszeiten zwischen der häuslichen Umgebung und der des Kindergartens. Das Kind muss sich auf neue Räume einstellen, auf einen bestimmten Zeitlauf und Zeitrhythmus, auf neue Regeln. Außerdem verändert sich seine soziale Situation: Es ist nun Mitglied einer größeren Gruppe von Kindern. Dieses Umschalten zwischen der familiären und der „offenen“ Umgebung passiert vor allem in der morgendlichen Bring-(und auch in der Abhol-) Situation. Dieser Unterschied der beiden Lebensbereiche führt auch zu unterschiedlichen Wahrnehmungen von Eltern und Erzieherinnen am Kind. Die Eltern kennen das Kind „vor und nach dem Kindergarten“, die Kindergärtnerin „nach und vor der Familie“. Auch für die Eltern ist der Kindergarten ein neues „Terrain“. Der Tagesablauf wird jetzt vom Kindergarten mitbestimmt und zusätzliche Termine wegen Elternabenden und Elternmitarbeit fallen an. Andererseits gibt es nun für die meisten Mütter mehr „freie“ Zeit am Vormittag, sofern sie nicht arbeiten gehen. Übergänge von einer Lebenssituation in die andere sind immer von starken Emotionen begleitet. Neben Gefühlen des Verlusts und des Abschieds gibt es die Vorfreude und Neugier auf das Kommende, den Stolz auf den neuen Status und die Begeisterung über die vielen neuen Erlebnisse.
2.2. Das Kind im Kindergarten
Kommunikationsformen im Kleinkindalter[9]
Das Zuschauen ist nicht nur eine typische Verhaltensweise von jüngeren Kindern, sondern eine Anpassungsstrategie, die Kindern in allen Alterstufen zu Beginn des Kindergartenbesuchs die Eingliederung in die Gruppe erleichtern. Lotte Schenk-Danzinger beschreibt in ihrem Buch Entwicklungspsychologie 6 Kategorien von sozialen Verhaltensweisen von Kindern im Kindergartenalter:
das völlige Unbeteiligt-Sein;
das einsame Alleinspiel;
die Zuschauerrolle;
das parallel verlaufende Spiel von Kindern, die nebeneinander spielen, ohne Kontakt miteinander aufzunehmen;
das assoziierte Spiel, wobei Kontakte des Gebens und Nehmens, des Nachahmens und Nachfolgens beobachtet werden konnten, aber keine Arbeitsteilung, keine Organisation, keine Unterordnung;
das organisierte Spiel, das auf ein Ziel gerichtet war, z.B. Spiele mit Regeln oder die Errichtung gemeinsamer Bauten.
Interessant hierbei ist, dass das Parallelspiel bei 2 – 4 jährigen Kindern das häufigste überhaupt ist. Weiters gibt es soziale Formen der Unter- bzw. Überordnung im Gruppenleben von Kindergartenkindern:
das Folgeleisten, Sich dirigieren-Lassen von anderen Kindern;
das unabhängige Spiel, bei dem weder befohlen noch befolgt wird;
Folgen und Befehlen: Manche Kinder sind je nach der Situation bereit, die Befehle anderer auszuführen, aber auch in der Lage, selbst Befehle zu erteilen;
das Teilen einer Führerrolle mit anderen Kindern, abwechselnd oder gemeinsam;
die alleinige Führerschaft.
Auch die Kommunikation im Kindergartenalter ist eine sehr komplexe und vielschichtige Angelegenheit, mit allen Formen, Prägungen und Ausrichtungen von sozialen Beziehungsgeflechten von Kindergartenkindern.
2.3. Religiöse Entwicklung
Das Kindergartenkind – Weitere Erfahrungen mit Gott[10]
Das Kindergartenkind hat schon recht genaue Vorstellungen und spezielle Beschreibungen von Gott, die sich in den nächsten Jahren anreichern und vertiefen werden. Zwar kann das Kind nicht formulieren, was es von ihm zu sagen weiß, aber erlebt und erfahren hat es eine ganze Menge mit ihm. Im Folgenden wird versucht einen Überblick zu verschaffen:
Das Kind weiß, dass Gott größer und mächtiger ist als seine Eltern. In religiös geprägten Familien wird es erleben, dass die Eltern ihn bitten und ihm danken. Eigentlich verhalten sich die Eltern zu Gott, wie ein Kind sich zu seinen Eltern verhält. Und wie ein Kind zu seinen Eltern gehört, so gehören auch die Eltern zu Gott. Auch das Kind gehört zu Gott, er behütet seinen Tag und seine Nacht, ihm dankt es für alles Schöne und Gute. Gott nimmt Anteil an allem, was das Kind tut: es erzählt ihm im Gebet von seinem Spiel, ja von seinem Spielzeug, von seinen Freunden die mit ihm spielen, kurz, von jedem Ereignis, das den Tag auszeichnet. Gott hat etwas mit dem Essen und Trinken zu tun. Die Mutter kocht zwar die Speisen, und trotzdem bedankt man sich bei Gott (und der Mutter) für das Mittagessen. Gott hat etwas mit dem Wachsen und Blühen zu tun, ja mit dem Werden des Kindes im Mutterleib. Gott hat auch etwas mit dem Mond und der Sonne zu tun, mit Schnee und Regen, mit Sturm und Kälte. Gott hat auch etwas mit dem Krankwerden zu tun, denn die Eltern bitten ihn um Genesung für ihr Kind. Schon das Kind im Kindergartenalter weiß, dass dieser Gott sich widersprüchlich verhält. Er lässt die Kinder zur Welt kommen. Lässt er sie auch krank werden? Ist er vielleicht gar für den Tod verantwortlich? Später wird das Kind diesen Gott den „Herrn über Leben und Tod“ nennen lernen. Die Erfahrung, die bittere Erfahrung, kann es schon in den ersten Lebensjahren gemacht haben. Irgendwann erkrankt oder stirbt in der Familie ein Mensch, vielleicht ein Teil der Großeltern. Das Kind hat das Gefühl, dass ihm Gott diesen Menschen „weggenommen“ hat. Hat Gott meinen Opa trotzdem noch lieb, auch wenn er in die Erde gelegt und eingegraben wurde? Wenn der Tod also etwas mit Gott zu tun hat – dann ist er vielleicht nicht nur schlecht und abscheulich? Das Kind beginnt, einen Sinn in dem Verlust des lieben Menschen zu erahnen, dass Gott gut bleibt, auch wenn er mit dem Tod zu tun hat. Traurigkeit, Trauer und Freude liegen dicht beieinander. Und all das hat mit Gott zu tun. Gott ist unbegreiflich. Diese Erfahrungen macht das Kind sehr rasch. An Krankheit, Verlust und Tod erfährt das Kind, die große Frage nach dem Warum. Das Warum, das sich ein Leben lang nicht auflösen kann, das als Beunruhigung stehen bleibt und herausgefordert wird, damit umgehen zu lernen. Es ist keine leichte Sache mit diesem Gott. Mit vier Jahren versucht das Kind, sich eine größere Sicherheit zu schaffen. Die Macht der Naturwissenschaften tut sich als Eigengewicht auf. Das Kind sagt: „Aber wenn ich immer brav meine Zitrone trinke und mich warm anziehe, dann werde ich nicht krank.“ Den Gedankengang, der in dem kleinen Kinderkopf sich abspielt, können wir erraten: Was das Kind noch nicht formulieren kann, lautet ungefähr folgendermaßen: „Bei Gott gibt es Freude und Leid. Ich will aber von Leid nichts wissen. Ich will nur Freude haben. Also muss ich mich nach jenen Kräften umsehen, die mich vor Leid bewahren können.“ In diesem Fall sind es die Vitamine und das richtige Anziehen entsprechend der Jahreszeit. Das Kind möchte das Zwielichtige in Gott auslöschen. Die Welt soll heil sein und Gott soll nur zuständig sein für Glück und Freude. Das Kind möchte noch mit seinen Wünschen die Welt verändern, es möchte noch die Wirklichkeit umzwingen in ein harmloses, immer gelingendes Gedeihen. Das Kind begehrt gegen die Unberechenbarkeit und Unbegreiflichkeit Gottes auf. Es erlebt den ganzen Zwiespalt seiner Dunkelheit und Helligkeit. Das Kind im Kindergartenalter kann nicht darüber hinwegsehen. Diese Erfahrungen, die unsere Kinder schon in den ersten Lebensjahren machen, wollen wir Erwachsenen oft nicht wahr haben. Das Kind wehrt sich noch gegen die Widersprüchlichkeit und Unvereinbarkeit seines Gottesbildes. Und wir „Großen“ wollen den Widerspruch Gottes nicht mehr wahrhaben. Wir Erwachsenen können eine Menge von Kindergartenkindern an Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Offenheit lernen.
2.4. Symbolentwicklung[11]
Die Symbolentwicklung ist ein Aspekt des Glaubens und behandelt die Umstände, wie ein Mensch, in unserem Fall das Kindergartenkind, Symbole und andere Aspekte der Sprache im Prozess der Sinnfindung und der Verortung von Wert- und Machtzentren versteht, sich aneignet und benutzt. Es geht um die Frage, wie ein Mensch symbolisches Material interpretiert, vor allen Dingen solche Symbole, die für das Individuum von Bedeutung sind.
Ein Kind auf der ersten Stufe der Symbolentwicklung macht gewöhnlich keinen Unterschied zwischen den Symbolen und den Inhalten, die sie verkörpern. Es hat eben erst gelernt, Namen und Dinge zu assoziieren. Die Verschmelzung von Phantasie und Wirklichkeit gibt dem Gebrauch und dem Verständnis von Symbolen eine globale und numinose (= göttliche / unbegreifliche) Qualität. Märchen und Mythen werden nicht von der Wirklichkeit unterschieden. Symbole des Göttlichen sind oft anthropomorphistisch. Es werden Vorstellungen von Unsichtbarkeit, Seele und Luft gebraucht, um einen Gott zu beschreiben, der in diese Welt eingreifen kann. Daher lässt sich das Symbolverständnis für die erste Stufe so zusammenfassen:
Symbolisierungen der ersten Stufe treffen keine Unterscheidungen zwischen der Realität und der Phantasie, dem Wirklichen und dem Schein.
Symbolisierungen der ersten Stufe machen keinen Unterschied zwischen dem Symbol und dessen, was symbolisiert wird.
Die Symbole des Göttlichen sind oftmals anthropomorphistisch.
Symbolisierungen der ersten Stufe weisen eine Unbeständigkeit und einen Mangel an Grenzen im Einklang mit den obigen drei Punkten auf.
Zunächst muss betont werden, dass sich der Begriff „Symbol“ nicht auf ganz bestimmte Themen wie „Gott“, „Kirche“, „Himmel“ oder „Gebet“ verkürzen lässt, in denen transzendente Phänomene offensichtlich angesprochen sind. Symbole fungieren als Brücken in zweierlei Weise:
Symbole überbrücken die Erfahrung des vorsprachlichen Kindes mit der späteren Erfahrung des Kindes, für das Sprechen die höchste Form der Kommunikation ist. Der Bub oder das Mädchen kann die inneren Bilder der Objekte verändern, weiß aber, dass das konkrete Objekt eine eigene Existenz hat.
Symbole sind Werkzeuge für die Vereinigung und Wiedervereinigung von Bereichen und Personen, zu denen letztlich auch das eigene Ich gehört. In dieser Hinsicht dienen Symbole eher dazu, gedankliche Bilder zu überbrücken, als sie abzuspalten, indem sie diese der äußeren Welt darbieten, um so verändert werden zu können.
Das Spiel und das Ritual bieten hervorragende „Arenen“ für die Ausweitung analogischer Symbolismen. Das Spiel bietet einen bedrohungsfreien Raum, in dem solche Bilder des Lebens frei verändert werden können. Es ist ein Übergangsraum, ein Raum zwischen den Welten der eher irdischen Anforderungen, in denen das Kind experimentieren kann. Weit mehr aber bietet das Ritual einen gemeinschaftlichen Kontext für bildhaftes Leben. Hier kommen die Ebenen der Beziehung und die der bildhaften Vorstellungen auf eine Weise zusammen, die den Verstand übersteigt. In religiösen Ritualen zwischen den Generationen haben das Kind und der Erwachsene die sonst nicht gegebene Möglichkeit, an Inhalten der letztgültigen Belange der gemeinsamen Gemeinschaft teilzuhaben. Diese Erfahrungen können die Glaubensentwicklung im Vorschul- Kindergartenalter stark beschleunigen und fördern. Folgende kurze Zusammenfassung ist einem Religionspädagogikbuch entnommen: In jedem Sozialisationsprozess spielen Symbole für Werte und Sinndeutungen eine Rolle[12]. Symbole sind also Werte, Gebärden, Handlungen, aber auch Dinge, die einen unanschaulichen Gehalt (Lebenssinn, aber auch einzelne Werte wie Liebe, Vertrauen, Verpflichtung zur Hilfe) anschaulich und verdichtet verdeutlichen bzw. mitteilbar machen. So umarmen sich Liebende und wissen ohne viele Worte, dass sie aufeinander zählen können. Symbole in der Sozialisation sind religiöser Hausschmuck und Bräuche. Symbole, Bräuche und Zeichenhandlungen sind weit wirksamer und aussagekräftiger als viele Worte und Belehrungen. Eine wesentliche religionspädagogische Aufgabe ist die Einführung in die vorhandene Symbolwelt, wie sie sich etwa im Gebet, in Literatur und Liedern, in religiösen Festen und im entsprechenden Brauchtum, aber auch in biblischen Bildern (z.B. Weinstock, Paradies), in den kirchlichen Bauten und Werken der biblischen Kunst darstellt. Eine große Aufgabe besteht in der Hinführung zur aktiven Symbolbildung. Schon im Kindergartenalter und erst recht im Jugendalter soll der Heranwachsende lernen, Gestik, Sprache, musische Fähigkeiten zum Ausdruck seiner Anbetung, Versöhnungsbereitschaft, seiner Hoffnungen und Freuden einzusetzen. Eine dem Alter angepasste Symbolerziehung ist eine wichtige Aufgabe im Rahmen der religiösen Erziehung und Begleitung von Kindergartenkindern.
Praxisbeispiel: Die Adventkranzfeier im Kindergarten (Symbole: Kranz und Licht)
Im jedem einzelnen Gruppenraum wird mit den Kindern der Platz (eventuell im „religiösen Bereich“) für einen Kranz vorbereitet und entsprechend dekoriert. Der Aufstellplatz soll räumlich die Möglichkeit bieten, sich als Gruppe um den Kranz versammeln zu kommen.
Nach dem Vorbereiten des Aufstellplatzes für den Adventkranz treffen sich alle Gruppen, um zu feiern. Eine jede Gruppe bringt seinen selbstgebunden Kranz in den etwas verdunkelten Gemeinschaftsraum mit.
Jede Kindergruppe bringt etwas für die gemeinsame Feier mit. (z.B. Tischtuch, Weihwasserschale mit Zweiglein, Stola, eventuell eine Adventlaterne). Die mitgebrachten Feierutensilien werden in die Mitte des Raumes aufgestellt.
Als Einleitung in die Feier beginnt der Leiter/die Leiterin mit einem Kurzgespräch. Welche besondere Zeit beginnt? Wie lange dauert es bis zum Geburtsfest von Jesus? (Diese Formulierung wird deshalb gebraucht, damit den Kindern bewusst wird, warum wir uns so lange auf dieses Fest vorbereiten.)
Botschaft: Die Adventkränze mit den vier Kerzen helfen uns beim Warten. Vom Warten kenne ich auch eine Geschichte. Der kleine Jakob konnte es auch kaum erwarten …
Geschichte vom Warten: „Jakob wartet auf Weihnachten“ von Lene Mayer – Skumanz
Gedicht zum Vorlesen:
Wie schön die erste Kerze brennt,
am ersten Sonntag ist Advent!
Wir sitzen froh um unseren Kranz
und schauen in den Kerzenglanz.
Der Kranz, der uns das Zeichen gibt,
wie Gott uns nah ist und uns liebt,
hat keinen Anfang und kein End –
Wie schön die erste Kerze brennt.
Kleine Zweige sind für jedes Kind vorbereitet. Als „An-Denken“ und Erinnerung an die Feier nehmen die Kinder diese kleinen Zweige mit nach Hause.
Wir freuen uns, guter Gott, wenn wir jeden Tag miteinander die Kerzen auf dem Adventkranz anzünden können. Hilf uns, dass es eine schöne Zeit bei uns wird. Amen.
Entzünden der ersten Kerzeund gemeinsames Singen der 1 Strophe von dem bekannten Lied „Wir sagen euch an den lieben Advent.“
In einer „Prozession“ gehen die einzelnen Gruppen singend oder bei entsprechender Musik mit ihrem Kranz (Vorsichtsmaßnahme: ausgelöschte Kerze!) in ihren Gruppenraum zurück. Der Adventkranz wird auf den vorbereiteten Platz gestellt.
Die Zweiglein schmücken dann anschließend den Jausentisch und werden bis zum Nachhausegehen im „religiösen Bereich“ der Gruppe aufgelegt.
Ein von den Kindergärtnerinnen und Kindern vorbereitetes Adventgrußkärtchen schmückt die Zweige.
2.5. Sprachentwicklung[13]
Die menschliche Sprache hat nach Karl Bühler grundsätzlich drei Funktionen:
Die Kundgabe, das Verkünden von Stimmungen, Gefühlen, inneren Lagen, von Gefahr und Bedrohung.
Die Auslösung von Verhaltensweisen der Umwelt
Und die Darstellung von Sachverhalten.
Die Sprache hat weiters zwei Ebenen: der innere Aspekt (das, was gemeint ist) vom Ganzen zum Teil und der äußere Aspekt (das, was gesagt wird) vom Teil zum Ganzen. Beide Ebenen und Aspekte bilden eine Einheit. Je vollkommener die Sprache ist, desto besser die Deckung des Ausdrucks beider Ebenen.
Der Wortschatz und auch die grammatischen Formen bauen sich schön langsam durch die Nachahmung und Analogiebildungen des Kindes auf. Schön langsam gehen die „richtigen“ Formen der Sprachgestaltung in den Sprachschatz des Kindes ein, das heißt die Kinder übernehmen viel von den Erwachsenen. Die Konditionierung der Sprache ist ein komplexer Prozess, dessen Erfolge von den Techniken der Eltern und des Umfelds abhängen.
Das Gedächtnis, das in der frühen Kindheit noch recht unzuverlässig und wenig dauerhaft war, verbessert sich deutlich. Beim Denken kommt dem Kind die genauere Wahrnehmung zugute, aber auch die Förderung der Sprachentwicklung durch den Kindergarten und die Schule. Im 3. und 4. Lebensjahr, also im Kindergartenalter, verlagert sich das Neugierverhalten von den sensomotorischen Bewältigungen – „begreifen durch Begreifen“ auf die geistige Bewältigung mit Hilfe der Sprache. In dieser Entwicklung gibt es zwei Perioden und zwar, die Frage nach dem Namen (Was ist das?) und die Frage nach dem Zweck (warum denn?). Diese spontane und gesteigerte sprachliche Aktivität des Kindes im sogenannten Fragealter hat wiederum drei Funktionen:
Die Wortschatzerweiterung und Begriffsbildung
Den Informationsgewinn über den Zweck von Dingen und Handlungen.
Die Beantwortung von Kinderfragen ist schichtenspezifisch sehr verschieden. Manche Eltern sind diesen Situationen oft nicht gewachsen. Das heißt konkret, dass die Kinder nicht zum Fragen ermutigt werden, sondern leider oft abgewiesen bzw. mit einfachen Floskeln abgespeist werden.
Die ersten Kindesworte sind Namen und Bestandteile von Gegenständen. Im Laufe des Kindergarten-/Vorschulalters entwickeln sich Gattungsbegriffe und die Begriffsbildung.
Das wichtigste Medium des Sozialkontaktes ist das Sprechen. Kinder verwenden die Sprache nicht nur um soziale Kontakte zu pflegen und aufzubauen, sondern auch für das nachahmende Sprechen. Allein spielende Kinder üben oftmals mit großer Ausdauer das Monologisieren des Sprechen aus, häufig mit sinnlosen Wortfolgen und Reimen. Sprachlich geförderte Kinder sprechen mehr mit sich selbst, als weniger geförderte. Das sogenannte egozentrische Sprechen hat mehrere Bedeutungen: die reine Funktionsübung, das Rollenspiel und das laute Denken. Diese Verhaltensformen sind ein Beweis für das Vorhandensein einer beachtlichen Überschussenergie im Bereich der sprachlichen Lernfähigkeit. Das Kleinkind ist also sprachlich gesehen egozentrisch und sozial zugleich. Einerseits lernt das Kind durch diese Verhaltensweisen das Sprechen und anderseits kommt es zu einer Kontaktsicherung.
3. DER/DIE PASTORALASSISTENT/IN IM KINDERGARTEN – der Brückenschlag
3.1. Das Kindergartengesetz des Landes Niederösterreich
§ 3 des niederösterreichischen Kindergartengesetzes:
Insbesondere hat der Kindergarten durch geeignete Spiele und durch die erzieherische Wirkung, welche die Gemeinschaft bietet, die körperliche, seelische und geistige Entwicklung der Kinder zu fördern und zu einer grundlegenden religiösen und ethischen Bildung beizutragen. Überdies hat er nach erprobten Methoden der Kleinkindpädagogik, unter Ausschluss jedes schulischen Unterrichts, im Zusammenwirken mit den Eltern die Kinder zu fördern. Die Bedürfnisse der Kinder haben dabei im Mittelpunkt zu stehen.
§ 26 des niederösterreichischen Kindergartengesetzes:
Der Kindergartenerhalter und die Kindergartenleiterin haben den gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften die religiöse Erziehung der Kinder ihres Bekenntnisses im öffentlichen Kindergarten im Gesamtausmaß von höchstens einer Stunde wöchentlich zu gewähren. Die Eltern (Erziehungsberechtigten) können die Kinder jederzeit schriftlich von der Teilnahme abmelden.[14]
Durch das niederösterreichische Kindergartengesetz ist die Kindergärtnerin verpflichtet, den Kindern auch durch religiöse Erziehung zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu verhelfen. Auch wird im § 3 erwähnt, dass der Kindergarten die Aufgabe hat, zu einer grundlegenden religiösen und ethischen Bildung beizutragen. Weiters wird darauf hingewiesen, dass den gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften die religiöse Erziehung der Kinder ihres Bekenntnisses im öffentlichen Kindergarten im Gesamtausmaß von höchstens einer Stunde wöchentlich zu gewähren ist. Die Erziehungsberechtigten haben jederzeit die Möglichkeit ihr Kind schriftlich von der Teilnahme an der religiösen Erziehung abzumelden.
Durch den § 26 ist es Priestern, Diakonen und PastoralassistentInnen in Niederösterreich möglich und erlaubt, Kindergartenkinder zu besuchen. Dies wird aber nur sinnvoll sein, wenn ein gutes Einvernehmen zwischen dem Kindergarten und der Pfarrgemeinde vorhanden ist und der Wille zur Zusammenarbeit von den Bedürfnissen der Kinder geprägt ist.[15]
3.2. Die Rolle des PAss. im Kindergarten – Rollendefinition – Wer bin ich?
Ist eine „religiöse Begleitung“ durch pastorale, kirchliche VertreterInnen der Pfarre sinnvoll und wünschenswert?
Kindergärtnerinnen wünschen sich auf keinen Fall einen „Mini-Religionsunterricht“ durch die Pfarre. Eine religiöse Begleitung durch pastorale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erscheint aber vielen Kindergärtnerinnen sinnvoll, bereichernd und wünschenswert, weil …
Kinder in ihrer Lebenssituation auch von „Außenstehenden“ wahr- und angenommen werden möchten,
der Aufbau einer Beziehung zur Pfarrgemeinde durch den Kindergarten wesentlich unkomplizierter möglich ist,
die Begegnung mit einer pfarrlich-pastoralen Bezugsperson auf menschlicher Ebene positive Reaktionen bei Kindern und deren Familien auslöst,
Feste die mit dem Kindergarten (und nicht für die Pfarre) gefeiert werden, natürlicher aus der Situation wachsen können..
Mögliche Gedanken eines Pastoralassistenten, einer Pastoralassistentin bzw. Pfarrers oder Diakons über den Besuch im Kindergarten:
„Was ich nicht will“
Ich will keine „Mini-Religionsstunde“ halten.
Ich erwarte nicht, Kinder zu treffen, die still und brav im Sesselkreis sitzend auf den Besuch warten und dann froh sind, wenn ich wieder gehe.
Meine Besuche mit der Kindergärtnerin besprechen und vorbereiten.
Ich möchte den Kindern spüren lassen, dass ich sie mag, ob sie mich augenblicklich beachten oder nicht, ob sie mittun oder nicht.
Mit Freundlichkeit, Geduld und Fröhlichkeit auf die Kinder eingehen, auch wenn sie mein Besuchsprogramm umstoßen.
Ich will versuchen, auf die Fragen und Lebenssituationen einzugehen. Dazu ist es nötig, dass ich die Kinder persönlich kenne und sie beim Namen anspreche.
Ich muss kindgemäß sprechen und erzählen, d.h. nicht theologisch abstrakt sondern einfach und in kurzen Sätzen.
Ich möchte vor allem durch Geschichten und biblische Erzählungen den Kindern die Möglichkeit geben, sich darin selbst zu finden und ihnen Zeit lassen, etwas aufzunehmen.
Bei meinem Besuch möchte ich auch, dass die Kinder mitreden und mitgestalten und durch Spiel, Lied, Tanz, … kurzum ganzheitlich ihre Freude ausdrücken können.
Ich würde mich freuen, wenn nach meinem Besuch bei den Kindern eine gute Stimmung zurückbleibt, die sich dann auf Pfarrgemeinde, Kirche und in der Freude auf Jesus und Gott überträgt.
„Kinder kann nur verstehen, wer sich zu ihnen hinunterbeugt“
3.3. „Beziehungen“ im Kindergarten
Aus meiner persönlichen Erfahrung als Pastoralpraktikant in der Pfarre Purgstall an der Erlauf / Niederösterreich, kenne ich im Rahmen meiner Kindergartenbesuche viele „Beziehungen“ eines pfarrlich-pastoralen Vertreters bzw. Vertreterin mit Menschen im (direkt bzw. indirekt) und um den Kindergarten
Als Pastoralassistent, Pastoralassistentin, Diakon oder Priester, kurz und einfacher gesagt, als pfarrlich-pastoraler VertreterIn steht man im Rahmen eines regelmäßigen Kindergartenbesuches in vielen Beziehungen, Bekanntschaften und Strukturen.
PfarrlicheR VertreterIn ist in Beziehung mit der Kindergartenleitung. In meinem Fall mit der Kindergartendirektorin. Der Kontakt und die Beziehung mit der Leitung ist sehr wichtig, denn von ihr hängt sehr viel ab, ob und wie man als pfarrlicher Vertreter mitarbeiten kann und darf. Als Leiterin hat sie die pädagogische Führung des Kindergartens und ist daher auch für die religiöse Erziehung innerhalb der Kindergartengruppen zuständig. In den meisten Fällen ist jedoch die Kindergartenleiterin, eine der Kindergärtnerinnen und selbst auch als solche im Kindergarten tätig und für eine Gruppe verantwortlich.
PfarrlicheR VertreterIn ist in Beziehung mit der einzelnen Kindergärtnerin. Da man meistens die Gruppen einzeln besucht, ist die Beziehung zur Leiterin der Gruppe wichtig. Mit ihr werden die Themenschwerpunkte besprochen bzw. die einzelnen Besuchstermine vereinbart. Aus meiner eigenen Erfahrung ist diese Zusammenarbeit für beide Seiten sehr bereichernd und wichtig. Als Leiterin der einzelnen Kindergruppe ist sie auch für die religiöse Erziehung und Begleitung innerhalb ihrer Gruppe zuständig. Da der pfarrliche Vertreter ja nur in gewissen Abständen den Kindergarten besucht, ist für die „alltäglichen religiösen Angebote und Impulse“ (z.B. Tischgebet, …) die Kindergärtnerin auf sich selbst und ihren persönlichen Zugang gestellt. Gemeinsame religiöse Einheiten sollten miteinander gut geplant sein, um niemanden zu übergehen bzw. vorzuarbeiten. Eine große Bereicherung für beide Seiten ist sicher die gemeinsame Erarbeitung und das gemeinsame Feiern von Festen im Laufe eines Jahres, wie zum Beispiel das Martinfest oder das Erntedankfest um hier einige Beispiele zu nennen. Je besser der pfarrliche Vertreter und die einzelne Kindergärtnerin zusammenarbeiten, ist sicher ausschlaggebend für die dauerhafte Qualität der (religiösen und religionspädagogischen) Arbeit mit den Kindern.
PfarrlicheR VertreterIn ist in Beziehung mit dem Team der Kindergärtnerinnen und Kindergartenhelferinnen. Kurz sei hier eine Teambesprechung angeführt, in der über pädagogische Vorgangsweisen beraten wird, bzw. diese zum persönlichen Erfahrungsaustausch der einzelnen Kindergärtnerinnen dient. Aber nicht nur zu Teambesprechungen treffen sich die „Tanten“ und Kindergartenhelferinnen, sondern auch um gemeinsam zu „jausnen“ und einen Kaffee zu trinken. Aus meinen persönlichen Erfahrungen weiß ich, wie notwendig und wichtig es ist auch über Privates wie Haus, Garten, Mann, Kinder, Probleme zu sprechen. Dann wenn die Kinder in den Jausenraum geschickt wurden, war auch die Zeit für eine „Pause“ der Kindergartencrew, wobei man immer ein Auge bei den Kindern haben musste. In Rückmeldungen habe ich immer wieder gehört, wie wichtig es für das Kindergartenpersonal war, dass ich an diesen Kaffeepausen und den daraus entstandenen Gesprächen teilgenommen habe. Ich war kurz gesagt, einer von ihnen.
PfarrlicheR VertreterIn ist in Beziehung mit dem einzelnen Kind. Bei meinen Besuchen im Kindergarten war es immer Brauch, die erste Zeit mit den Kindern zu spielen bzw. bei dem gerade laufenden Programm mitzumachen. Auf diese Art und Weise war und wurde ich einer von „ihnen“ und sofort in die Gruppe aufgenommen und involviert. Beim Spielen kam es dann schon einmal öfters vor, dass ein Kind von Erlebnissen und Geschichten zu erzählen begonnen hat. Besonders die Buben, sind auf mich regelrecht „geflogen“ und ich nehme an, weil ich ein Mann bin und sie sonst im Kindergartenbereich nur Frauen um sich haben. Eine Kindergärtnerin erzählte mir nach einem Besuch ihre Beobachtungen: „Die Burschen hatten auf einmal einen erwachsenen Rivalen und großen Bruder bzw. „Ersatz-Vater“ vor sich und die Mädchen wurden zu „Weiberln“ in ihrem Gehabe und Umgang mit dir.“
PfarrlicheR VertreterIn ist in Beziehung mit den Kindern in der Gruppe. Ebenfalls war es bei meinen Besuchen immer Brauch, dass wir uns nach der Jause in einem Sesselkreis getroffen haben. Die Kinder wussten das schon bald und richteten dann immer völlig selbstständig, ohne das die Kindergärtnerin darauf hinweisen musste, den Sesselkreis her. Kleinere Streitereien gab es dann immer, bei wem bzw. zwischen welchen Kindern ich sitzen sollte bzw. müsste. Mein Platz wurde dann auch meist sehr energisch verteidigt und freigehalten. „Heute sitzt der Manuel bei mir!“ diese Aussagen waren keine Seltenheit. Wichtig war es mir, im Kreis auch kein Kind zu vernachlässigen bzw. zu übersehen, obwohl sich das als sehr schwer und als eine große Herausforderung herausstellte. Auch war es mir wichtig, dass jedes Kind zu Wort kommt und etwas machen bzw. mithelfen durfte, was in den kleinen Gruppen auch kein Problem war. Die ganze Gruppe freute sich schon immer Tage voraus auf meinen Besuch und das drückte sich einer gewissen positiven Unruhe aus. Das bedeutet für mich ein Qualitätssiegel für meine Arbeit mit den Kindern.
PfarrlicheR VertreterIn ist in Beziehung mit den Eltern, Erziehungsberechtigten, Großeltern und Geschwistern. Als pfarrlicher Vertreter kommt man nicht nur mit den Kindern in Berührung, sondern auch mit den Eltern, Großeltern und Geschwistern. Solche Kontaktbereiche waren , wenn die Eltern oder Großeltern ihre Schützlinge vom Kindergarten abgeholt bzw. das Kind später in den Kindergarten gekommen ist. Auch ist der Elternabend eine Chance, die man nutzen sollte um sich persönlich und seine (religionspädagogischen) Aufgaben und Anliegen vorzustellen. Weiters erlebte ich als wichtige Kontaktstelle das „Tratscherl“ am Kirchenplatz nach den Sonntagmessen. Viele Eltern haben mir erzählt, was ihr Kind von unserem gemeinsamen Kindergarten-Vormittag zuhause erzählt haben. Wie begeistert sie heim gekommen sind und was sie alles erlebt und erzählt bekommen haben. Manchmal ist es auch vorgekommen, dass ich ein lautes, kindliches „Hallo Manuel!“ gehört habe im Supermarkt oder auf der Straße. „Das ist der Manuel von der Kirche, der uns immer besucht“: so oder ähnlich wurde ich dann von den Kindern ihren Eltern vorgestellt. Viele Eltern haben meine Besuche im Kindergarten sehr geschätzt und auch entsprechend gewürdigt. Anscheinend hatte meine Arbeit im Kindergarten eine große Breitenwirkung, denn schon bald kamen Anfragen von den anderen Kindergärten, ob ich nicht auch sie besuchen könnte.
4. PRAKTISCHE UMSETZUNGSMÖGLICHKEITEN
4.1. Umsetzungsmöglichkeiten und Methoden
Im niederösterreichischen Kindergartengesetz aus dem Jahr 1996 steht im § 3 – Ziele und Aufgaben des Kindergarten unter anderem:
„ … Insbesondere hat der Kindergarten durch geeignete Spiele und durch die erzieherische Wirkung, welche die Gemeinschaft bietet, die körperliche, seelische und geistige Entwicklung der Kinder zu fördern und zu einer grundlegenden religiösen und ethischen Bildung beizutragen. Überdies hat er nach erprobten Methoden der Kleinkindpädagogik, unter Ausschluss jedes schulischen Unterrichts, im Zusammenwirken mit den Eltern die Kinder zu fördern. Die Bedürfnisse der Kinder haben dabei im Mittelpunkt zu stehen.“
Erprobte Methoden der Kleinkindpädagogik und die Bedürfnisse sind also dem niederösterreichischen Gesetzgeber sehr wichtig. Unter „erprobten Methoden“ versteht die Leiterin des Kindergartenreferates der Diözese St. Pölten Sr. Ulrike Schaussberger: Ganzheitlichkeit, situationsorientiert, nicht ALLES für ALLE, Angebote statt Bildungseinheiten und offen sein für die Fragen der Kinder.[16]
Methodische Überlegungen:[17]
Das Erzählen und das Betrachten von Bilderbüchern mit Kindergartenkindern. Kurz gesagt, welche Methoden des „Weitersagens“ gibt es? Voraussetzung eines jeden „Weitersagens“ von biblischen Erzählungen ist, dass die Auswahl der biblischen „Stories“ von der Erlebniswelt und den Fragen der Kinder bestimmt wird. Weiters ist wichtig, dass der Erzieher die biblischen Erzählungen in der „Erwachsenenbibel“ nachliest und selbst ein Betroffener wird.
Vertiefungsmöglichkeiten biblischer Erzählungen:
Das Erzählen: Das Erzählen nimmt eine Vorrangstellung ein. Es ist eine Kunst, die durch genaues Text-Beobachten und das Erzählen selbst geübt werden kann. Lebendig erzählen – aber wie? Im Folgenden möchte ich einige Tipps anführen:
Der Anfang der Erzählung bedarf oft einer Sacherklärung (Beschreibung der Landschaft, …).
Eine Chance für lebendiges Erzählen bietet die direkte Rede.
Gegenwartsnahe Formulierungen tragen zu einem besseren Verständnis bei.
Den Schluss sollte man präzise, kurz und ohne moralische Hinwiese setzen.
Die Zuhörer in eigenes Nachdenken entlassen (ein Moment der Stille nach dem Erzählen, das Entzünden einer Kerze oder das Einschalten einer Meditationsmusik kann dieses Nachdenken fördern).
Vor allem sollen die biblischen Erzählungen nicht durch eigene Erklärungen unnötig verlängert werden.
Grundsätzlich lässt sich zusammenfassen: Biblische Geschichten müssen letztlich im Erzählen selbst wachsen, Gestalt annehmen und zum Leben kommen.
Das Anschauen von Bilderbüchern im Kindergarten. Bilder haben eine große Tragweite. In der Praxis haben sich vielfach die Bilderbibelbücher bewährt, die lebendig und lebensnah wichtige Ereignisse zum dazupassenden Text darstellen und sich nicht in Nebensächlichkeiten verlieren. Bilderbücher sollen nur in einer Kleingruppe angeschaut und eingeführt werden, weil die Kinder sonst nicht die Möglichkeit haben, das Bild zum Wort zu sehen und mit der Kindergärtnerin bzw. dem pfarrlichen Besucher (PastoralassistentIn, Priester, Diakon) ins Gespräch zu kommen.
Das Rollenspiel im Kindergarten: Ein Rollenspiel hat das Ziel, Inhalte zu vertiefen und weiterleben zu lassen. Einige methodische Hinweise zu Rollenspielen im Kindergarten:
Der Rollenspielinhalt muss den Kinder nicht nur gut vertraut, sondern auch bei den Kindern beliebt sein. Das Spiel ist der Ausdruck eines Eindrucks!
Das Rollenspiel ist so zu organisieren, dass womöglich alle Kinder eine Rolle bekommen.
Der Rollenspielleiter könnte selbst auch eine Rolle übernehmen oder die für den Ablauf des Spieles notwendigen Zwischentexte sprechen.
Das dafür geeignete und möglichst einfache Material von den Kindern selbst organisieren lassen. (Decke, Stab, Tücher, …)
Das Anschauen von Dias im Kindergarten: Das Anschauen von Dias hat in gewisser Weise Gemeinschaftscharakter. (Zu den Bilderbüchern aus den Reihen: „Was uns die Bibel erzählt“, Verlag Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart und „Bilder der Bibel“ von Emil Maier, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart) Hier seinen noch einige Erfahrungswerte angeführt:
Ein aus dem Bilderbuch vertrautes Bild wirkt „neu“ durch die Größe der Bildfläche.
Dias sind ein geeignetes Medium für die Gestaltung von Festen.
Durch Musikuntermalung wird der meditative Charakter des Anschauens betont.
Durch eine knappe Textformulierung und kurze Pausen kann man Kinder zu einer meditativen Vertiefung des biblischen Inhalts führen.
Das „Kleine-Welt.Spiel“ im Kindergarten: Bemalte Holzkegel und dazupassende Spielutensilien sind in der Anfertigung billig und zeitlos. Auch vorhandenes Material, wie Holzhäuser, Bäume, … können für „Kleine-Welt-Spiele“ gut eingesetzt werden. Der besondere Vorteil des Spielmaterials ist der, dass die Kinder beim Tisch sitzend die Figuren handeln lassen können und durch das Sitzen mehr Sicherheit beim Reden gegeben ist. Viele spontane Äußerungen kommen bei dieser Art des Puppenspielens heraus. Durch die „Größe“ ist es auch möglich, vorhandenes Material in die Spielszene einzubauen.
Anderes Figurenmaterial im Kindergarten: Weiters können auch andere Figurenarten sehr gut eingesetzt werden um biblische Geschichten wieder zum Lebens zu erwecken.
Papprollenfiguren aus (wie der Name schon sagt) Papprollen, die entsprechend bemalt werden.
Stabfiguren sind aus Karton ausgeschnittene und bemalte Figuren die an Holzstäben geführt werden. Solche Stabpuppen werden von Kindergartenkindern gerne in Eigenregie hergestellt.
Im Rahmen des Kindergartens und der methodischen Überlegungen ist es auch notwendig sich mit den Gruppen- und Sozialformen auseinander zu setzen:[18]
Wir unterscheiden im Kindergarten altersgleiche (Altersgruppe) und altersgemischte Gruppen (Familiengruppe, 3-6jährige Kinder). Von der Gruppenform hängt die Auswahl des Bildungsgutes ab, zum Beispiel eine einfache Erzählung oder eine Erzählung mit schwierigerem Inhalt. Das Bildungsgut selbst kann in verschiedenen Sozialformen dargeboten werden.
Unter „Sozialformen“ versteht man das Bestreben, das Bildungsangebot in verschieden großen Gruppen anzubieten (Groß-, Teil-, Kleingruppe). Bei geplanten Aktivitäten ergibt sich für die Erzieher die Frage, durch welche Sozialform das dargestellte Bildungs- und Erziehungsziel erreicht werden kann. Auch hängt die Mitarbeit der Kinder vielfach von der Sozialform ab. In der Kindergartenpädagogik kennt man 5 Sozialformen:
Kleingruppe (=3-5 Kinder)
Teilgruppe (= 1/3 – ½ der Gruppe)
Für den Besuch eines kirchlichen Vertreters erscheint mir Folgendes wichtig in Bezug auf die Sozialformen: In einer Familiengruppe breiter Altersstreuung (3-6 Jahre) ist es notwendig, jüngere Kinder bei Erzählungen, Gesprächen, etc. anderweitig zu beschäftigen. Jüngere Kinder sind meist inhaltlich und von der Zeit her überfordert und verbinden „Kirche“ später meist mit „MUSS“ und „FAD“. Die Sorge, dass durch die Kleingruppen- oder Teilgruppenarbeit bei einem Besuch durch einen Pfarrvertreter die anderen Kinder „vernachlässigt“ werden, ist unberechtigt. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt: „Weniger ist oft mehr!“
Zum besseren Verständnis möchte ich ein Beispiel aus der Praxis anführen. Dieses Praxismodell soll zeigen, wie durch geplantes, methodisches Vorgehen eine ganze Gruppe trotz Kleingruppenarbeit aktiv am Geschehen beteiligt sein kann.
Bilderbuch: „Jesus und der Sturm“
Vorausgegangen ist eine intensive Beschäftigung mit dem Thema „Angst“ und die biblische Erzählung. Zur Vertiefung der biblischen Erzählung wurde mit dem Pastoralassistenten geplant, dass er mit 1-2 Kleingruppen das Bilderbuch anschaut. Das Anschauen des Bilderbuches und das anschließende Falten eines Schiffes geschah in einem ruhigen Teil des Raumes. Während der Pastoralassistent mit der einen Gruppe das Bilderbuch durchblätterte, faltete die Kindergärtnerin mit 1 bis 2 Kleingruppen ebenfalls ein Schifferl, ohne auf das Thema Bezug zu nehmen. Nachdem sich die erste Gruppe bereits nach dem gemeinsamen Bilderbuchbetrachten mit Zeichnen (Apostel und Jesus) allein beschäftigte, setzte sich der Pastoralassistent zu den Kindern, die ebenfalls dabei waren, Schifferl zu falten. Die Faltschiffe verwendete er als Einstieg zum Bilderbuch. Er hatte sogleich das Interesse der Gruppe, die sich ihrerseits durch seine Zuwendung angesprochen fühlte. Als gemeinsamer Abschluss wurden die Faltschiffe auf ein großes „Seetuch“ im religiösen Bereich gestellt. ( Ein „religiöser Bereich“ ist ein fixer und ständiger Bereich im Gruppenraum, konkret ist er ein kleiner Tisch mit dazugehöriger Pinnwand, der religiös – thematisch gestaltet wird). Ganz zum Schluss versammelten sich alle im religiösen Bereich und es wurde eine Kerze angezündet. Der Pastoralassistent stellte das Bilderbuch dazu und sang mit den Kindern einen dazupassenden einfachen Kehrvers. Zwischen den Kehrversen wurden kurze Sätze aus dem Bilderbuch vorgelesen.
4.2. Schwerpunkte in der Kindergartenarbeit
Der Kindergarten ist bemüht, in der religiösen Begleitung die Praxis der verschiedenen Religionsbekenntnisse zu respektieren und so weit als möglich Raum zu geben. Kinder im Glauben erziehen heißt nicht, Wissen vermitteln, und sie auf ihren Weg schicken, sondern Kinder im Glauben erziehen heißt vielmehr, sie begleiten und sie fähig machen für die Wirklichkeit „GOTT“. Die religiöse Erziehung ist den Menschen zugewandt und offen für eine Entwicklung. In der Vorbereitung auf ein religiöses Fest und der Festgestaltung erleben Kinder in einer Gemeinschaft was es heißt Glauben erleben – Glauben mit-teilen.[19] Daher sind die Schwerpunkte in der Kindergartenarbeit auf den religiösen Bereich bezogen kurz und bündig zusammenzufassen: Feste mit Kindern vorbereiten und gemeinsam feiern und darin den Glauben an Gott erleben und diesen Glauben mitteilen.
4.3. Feste und Feiern im Kindergarten[20]
„Es muss feste Bräuche geben“, sagte der Fuchs.
„Was heißt fester Brauch?“, fragte der kleine Prinz.
„Auch etwas in Vergangenheit Geratenes“, sagte der Fuchs.
„Es ist das, was einen Tag vom anderen unterscheidet eine Stunde von der anderen Stunde.“[21]
(Aus: „Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupèry“)
Einige Kindergärtnerinnen aus dem Bezirk Lilienfeld haben sich zusammengetan und wichtige Gedanken und Anregungen zu Festen und Feiern im Kindergarten formuliert, zusammengefasst möchte ich für die Arbeit eines pfarrlichen Vertreters folgende Ansätze und Denkanstösse herausgreifen:
Fest und Feiern sind Ausdruck menschlicher Beziehungen. Feste sind eine Möglichkeit, ein Stück Bejahung zu leben, „JA“ zu sagen zu Menschen, Situationen, das Leben zu feiern. Jede menschliche Beziehung braucht Geben und Nehmen. Auch ein Fest lebt von beiden vom Geben und Nehmen. Weiters gibt ein Fest Freude, Mut und Lebenskraft.
Das Kind und das Fest – pädagogische Richtlinien: Ein Fest ist nur ein Fest, wenn das Kind spürt, dass die ErzieherIn sich selbst mit dem Sinn des Festes auseinandergesetzt und er/sie auch eine Mitfeiernde, ein Mitfeiernder ist. Im Mittelpunkt des Feierns steht der Festgedanke und die Gruppe, die mit ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten ein Fest erleben, genießen und gestalten will. Kinder „festen und feiern“ mit wenigen Mitteln. Besonders Kindergartenkindern ist eine Verzweckung fremd (Selbstdarstellung, Prestige, …). Ein Fest kann nur gelingen, wenn das einzelne Kind sich als Person erlebt. Ein bejahtes Kind ist auch ein sozialfähiges, das auf andere zugehen und feiern kann.
Die Festvorbereitung: Die Vorbereitung auf ein Fest beginnt beim Hinhorchen und Hinschauen auf die Gruppe. An welche Erfahrungen können die Kinder anknüpfen? Sind die Kinder offen für Schönes? Für Stille,…? Eine gute Festvorbereitung ist ein wesentlicher Teil des Festes. Als FestvorbereiterIn muss ich mich nicht nur mit dem Inhalt des Festes, sondern vor allem mit der Gruppe und deren Sozialverhalten und der emotionalen Befindlichkeit auseinandersetzen. Ganz wichtig ist auch, dass man die Festvorbereitung nicht mit Perfektion und Leistungsdruck verwechselt. In der Vorbereitungszeit ist es gut, den Kindern die Möglichkeit zu geben, durch eine „Vorbereitete Umgebung“ sich mit dem Festinhalt auseinander zu setzen. Eine Festvorbereitung (Planung) ist für die Gruppe ein Rahmenplan. Die eigentliche Vorbereitung auf das Fest geschieht vielfach durch neue und manchmal ganz andere Impulse der Kinder, die aber erst geweckt werden, wenn die Kindergärtnerin Anreize durch Material und Ideen gibt. Erst gegen Ende der Vorbereitungszeit sollten gemeinsam mit den Kindern die Feierelemente für das Fest auswählt und festgelegt werden. Feierelemente für ein Fest, wie z.B. eine Laterne sollten nicht um jeden Preis einheitlich gestaltet werden. Gedichte und Lieder tragen zum Verständnis des Festes bei und sind obendrein eine kleine Gedächtnisübung.
Verschiedene Festformen: Grundsätzlich unterscheidet man unter Festen innerhalb der Gruppe ob sie mit oder ohne Eltern gefeiert werden. Feste innerhalb der Kindergartengruppe haben eine intimere Atmosphäre. Feste können sich aus einer Situation spontan entwickeln oder sie „stehen im Kalender“ wie z.B. Geburtstage und Feste, die einen religiösen Hintergrund haben.
Religiöse Feste: Wenn jüngere Kinder und Neuanfänger in einer Gruppe überwiegen ist es sinnvoll, religiöse Feste nur intern in der Gruppe zu feiern. „Neue Eltern“ müssen vielfach erst durch den Kindergarten lernen, was feiern heißt: Dass für Feste nicht „gelernt“ wird, dass nicht ein reibungsloser Ablauf im Vordergrund steht und dass schon gar nicht dafür geprobt wird. Wenn manche Feste (Erntedank, St. Martin, …) mit einer Gemeinde oder Pfarre traditionell verknüpft sind, dann sollte man besonders darauf achten, dass die Kinder nicht überfordert oder übersehen werden. Manchmal braucht es auch den Mut, von traditionellen Festen im größeren Rahmen (mit anderen Gruppen, mit einer Gemeinde, …) auszusteigen, um wieder feiern zu lernen. Wenn ein außenstehender Erwachsener ein Fest mitgestaltet (wie z.B. beim Nikolausfest) so soll dies eine für die Kinder vertraute Person sein. Hier könnte die pfarrliche Bezugsperson einen guten Dienst als „Brückenbauer“ leisten.
Feste mit anderen Gruppen: Wenn mehrere Gruppen miteinander (z.B. Erntedank, …) feiern, kann das zu einer positiven Atmosphäre im Haus beitragen. Jede Gruppe trägt etwas zum Gelingen des gemeinsamen Festes bei. Es besteht so die Chance, Konkurrenzdenken abzubauen.
Feste mit Eltern: Ob ein Fest mit den Eltern gefeiert wird, hängt vielfach von der Gruppensituation ab und davon, ob Eltern bereit sind, Mitfeiernde und nicht Zuschauer zu sein. Aus diesem Grund ist es notwendig, sich mit den Eltern zu besprechen, was man unter einen Fest versteht und warum man bei einem Fest keine „Fotoreporter“ will. Diese Zusammenfassung über Feste und Feiern möchte ich abschließen und mit einem Kinderzitat auf den Punkt bringen: „Wenn wir zuhause ein Fest haben, dann ist alles ein bisschen so ganz anders, auch wenn es nicht anders ist.“ Bernhard, 6 Jahre.
4.4. Der „Arbeiter vom Pfarrer“ kommt wieder – Erfahrungen aus einem Kindergartenjahr im Bezug auf „religiöse Einheiten“
Unter „religiösen Einheiten“ verstehe ich die ganzheitliche und kindgerechte Beschäftigung (hinzuhorchen – wahrzunehmen – nachzuspüren – mitzugehen) mit einem religiösen Thema innerhalb einer Kindergartengruppe. Eine solche „Einheit“ dauert zirka 10 Minuten und hat meistens den selben Ablauf bzw. ähnlichen Aufbau. Das Wissen, dass wir immer im (Sessel-)Kreis beginnen und meistens mit einem Lied oder Tanz aufhören, gibt den Kindern Sicherheit, schafft Vertrautheit und wird in einem positiven Sinn zu einer Gewohnheit. Einer solchen „religiösen Einheit“ geht immer das gemeinsame Spielen voraus. Durch das Spielen und gemeinsame „normale“ Tun im Kindergartenalltag kommt man mit den Kindern auf eine natürliche und unaufgezwungene Art und Weise in Kontakt. Auch muss ich ehrlich zugeben, dass es als „erwachsener“ Mensch doch auch hin und wieder ganz schön ist, wie ein „Kind“ mit Kindern spielen zu dürfen. Beim Vorbereiten und Durchführen meiner Kindergartenbesuche sind mir die gewohnten Abläufe, das gemeinsame Singen, Tanzen, Basteln und Spielen, das Mitbringen und Herzeigen von „schönen“ Dingen (Symbolen, Bildern, Kirchengegenständen, …), das lebendige Erzählen und das auf gleicher Augenhöhe mit den Kindern im Kreis sitzen wichtig geworden. Auch die Lieder sind mir im Bezug auf meine Besuche ans Herz gewachsen. Zwar habe ich nicht immer ein Lied vorbereitet mitgebracht, aber meistens haben die Kinder dann doch ein Lied eingefordert und gewünscht. Wenn man dann die Lieder noch mit Bewegungen kombiniert sind die Kinder Feuer und Flamme für diese Art des gemeinsamen Gestaltens. Weiters habe ich auch versucht, dass jedes Kindergartenkind zu Wort kommt, etwas erzählen darf, aber natürlich immer nur, wenn es wollte. Und die Erfahrung hat mir gezeigt, dass die meisten Mädchen und Buben sich gerne einbringen, kurze Begebenheiten und Erfahrungen erzählen wollen und fast überall ihren „Senf“ dazugeben können. Meine Kindergartenkinder haben sich auch immer über kleine „Mitbringsel“ gefreut, wie zum Beispiel ein kleines Bildchen oder eine Kopie von einem Schaf oder dergleichen. Das Basteln war auch manchmal von mir her eingeplant, wobei darauf immer zu achten war, dass die Basteleien einfach und nicht zuviel Zeit in Anspruch nahmen (z.B. Kreuz aus Papier reißen). Diese kleinen „Geschenke“ und Basteleien haben den Effekt, dass man sie mit nach Hause nehmen kann. Dem Kind wird auf diese Art und Weise ein Anstoß zum Erzählen mit nach Hause gegeben. Wenn ich dann später beim Begleiten von Sternsingergruppen oder sonstigen „pastoralen“ und privaten Besuchen in die Häuser und Wohnungen kam, wo „meine“ Kindergartenkinder leben, dann entdeckte ich oft auf der Pinnwand beim Telefon, im „Herrgottswinkel“ oder in den Kinderzimmern unsere kleinen „religiösen“ Bastelwerke und Bilder. Diese Wirklichkeit, dass diese kleinen Gegenstände einen großen Stellenwert bei Kindern und Eltern besitzen, dass sie sogar an „besonderen“ Plätzen aufgehängt wurden, hat mich sehr berührt und motiviert. Immer wieder ergaben sich Gespräche mit Eltern und Großeltern bezüglich meiner Besuche im Kindergarten. Daher ist es wichtig, auch einmal an einem Elternabend teilzunehmen, sich und seine Anliegen vorzustellen und mit den Eltern in Kontakt zu kommen. Ein wichtiges Gestaltungselement war auch immer mein Kindergartentascherl, das ich wieder „ausgegraben“ habe und welches mir einen guten Dienst erwiesen und viele Anknüpfungspunkte geboten hat. Jedes Kind hat ein Kindergartentascherl und so brauchte auch ich als „Arbeiter des Pfarrers“, wie die Kinder zu sagen pflegten, ein solches. In diesem Tascherl waren dann immer die mitgebrachten Anschauungsmittel, Dinge und Symbole, soweit sie hineingepasst haben. Auch war das Tascherl beim 1. Besuch im Kindergarten ein Teil meiner Vorstellung bei den Kindern mit der Intention: „Auch ich bin schon in den Kindergarten gegangen“, und Fotos aus dieser Zeit unterstrichen diese Begebenheit und faszinierten die Kinder. Beim 2. Besuch habe ich dann das obligatorische Tascherl nicht mehr mitgehabt, was natürlich sofort von den Kindern beanstandet wurde: „Wo hast du heute dein Tascherl?“ war die große Frage. Beim 3. Besuch war es dann wieder mit dabei und wurde sehr wichtig, weil doch immer interessante Dinge in dem „Tascherl“ zu finden waren. Die Zusammenarbeit mit der Kindergärtnerin ist das Um und Auf von solchen „Aktionen“. Ich habe die Anwesenheit der Kindergärtnerin immer als sehr bereichernd und unterstützend empfunden. Weil es ja im besten Fall so ist, dass die Kindergärtnerin die besprochenen und erlebten „Einheiten“ im Kindergartenalltag weiterführt und auf sie Bezug nimmt, so weit dies möglich ist. Meine 2 großen Anliegen in meiner Arbeit im Kindergarten (im Blick auf: Kinder, Eltern und Kindergärtnerinnen) sind, die Kirche und alles was sie ausmacht und trägt, lebendig und vor allem menschlich und sympathisch zu machen. In Bezug auf meine Tätigkeit und Arbeit im Kindergarten ist mir ein tiefgehender Satz vom Religionspädagogen Albert Biesinger wichtig geworden: „Wer einem Kind Gott schenkt, macht ihm das größte Geschenk.“[22]
4.5. Wie „baue“ ich den Kindergarten in die Pfarre ein – ein möglicher Brückenschlag
Im Laufe eines Arbeitsjahres bzw. Kirchenjahres gibt es einige Anknüpfungspunkte zwischen Kindergarten und Pfarrgemeinde. Wie baue ich den Kindergarten in die Pfarre ein oder umgekehrt, wie baue ich die Pfarre in den Kindergarten ein? Wie bringe ich diese 2 „Institutionen“ miteinander in Verbindung, in Kontakt und wie kann ein „Brückenschlag“ erfolgen. Wichtig ist sicher eine gute gemeinsame Basis und ein aufeinander zugehen. Auch ist darauf zu achten, dass keiner den anderen für etwas oder zu etwas benutzt. Die zuständigen Verantwortlichen sollten sich gemeinsame Ziele ausmachen und formulieren, sodass jeder auf seine Rechnung kommt. Ein großer Brückenschlag zwischen Pfarre und Kindergarten sind, so glaube ich zumindest, schon die regelmäßigen Besuche eines/einer pfarrlich-pastoralen VertreterIn. Weitere Anknüpfungspunkte sind sicher die traditionellen religiösen Feste und Feiern im Kindergarten, wie zum Beispiel der Heilige Martin mit einem kleinen Fest der Eltern und Kinder in der Kirche, das Erntedankfest bei dem auch der Herr Pfarrer den Kindergarten besucht oder eigene Kleinkinderwortgottesdienste, bis hin zur Gestaltung von einzelnen Teilen der Hl. Messe (zum Beispiel am Muttertagsonntag). Weitere Anknüpfungspunkte seien auch noch aufgezeigt und sollen zur Anregung dienen: Adventkranzfeier, Gestaltung eines Fastenkreuzes, Fest des Hl. Nikolaus, Erntedank, Kindersonntag und Aschermittwoch, um ein paar Beispiele zu nennen. Bei allen Möglichkeiten und Gedanken darf man jedoch das eigentlich Wichtige nicht vergessen oder übersehen: das Kindergartenkind! Einige „Regeln“ bezüglich (religiöse) Feste und Feiern im und mit dem Kindergarten wurden schon erörtert und thematisiert, auf sie möchte ich noch mal sehr hinweisen. Mit dem Kind kommen auch die Eltern, Geschwister und vielleicht sogar die Großeltern, auch auf sie darf man nicht vergessen, auch sie müssen immer mitbedacht und „eingebaut“ werden.
Wichtig scheint mir Kontakt- und Begegnungsräume zwischen Kindergarten (Kind, Eltern, …) und Pfarrgemeinde auf eine ehrliche und offene Art (an-zu-)bieten.
Während dieser Arbeit und der persönlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema zog vor meinem geistigen Auge all das Erlebte und Erarbeitete meines pastoralen „Kindergartenjahres“ vorbei. Mir sind die Kleinkinder, welche uns im Kindergarten begegnen, sehr wichtig geworden. Aus diesem Grund ist es für mich persönlich notwendig und gut, sich mit diesem Lebensalter der Kindergartenkinder in der Literatur und in der persönlichen Erfahrung auseinander zu setzen. Wer Kinder verstehen will, der muss sich schon die Mühe machen, sich zu ihnen und ihrer Lebenswelt „hinunterzubeugen“. Für uns Menschen, die in der Pastoral ihren Dienst tun, wird beides wichtig sein, das Kind und die Anliegen der Kirche. Die Kirche ist auch für Kinder da! „Kinderkirche“ – Kirche für Kinder – Kinder in der Kirche – „Kirche“ im Kindergarten – eine echte Chance der Pastoral! Vieles ist möglich im Umgang mit Kindergartenkindern, vieles muss gut überlegt werden, um mit Kindern zu arbeiten, so manches muss man selbst einmal überdenken, um danach gut mit Buben und Mädchen in diesem Alter arbeiten zu können. Eine Persönlichkeit ist gefordert im Umgang mit den „Kids“ von heute. Den Glauben an den liebenden Gott zu einem Thema zu machen, ist unsere Berufung, Aufgabe und Herausforderung. Ich bin auf viel Neues gestoßen, viele neue Sichtweisen und Ansätze durfte ich kennen lernen. Ich verstehe diese Arbeit als einen (meinen) gut gepackten Rucksack mit dem Rüstzeug für die pastorale Arbeit im Kindergarten. Viele gute Rezepte habe ich aufgeschrieben, von kompetenten Frauen und Männern, die sich mit diesem Themenfeld auseinandergesetzt haben. Auch meine persönlichen Rezeptversuche sind in diesem „Kochbuch“ zu finden und angeführt. Ich möchte mich auch in der Zukunft mit dem Thema „Kindergarten“ auseinandersetzen und hoffe, viele neue Erfahrungen machen zu können. Ich persönlich sehe die Arbeit im Kindergarten als eine große Chance für die Kinder von heute und für uns als heutige Kirche. Ich möchte aber auch alle interessierten Kolleginnen und Kollegen dazu ermutigen, sich auf diese spannende Entdeckungsreise mit unseren Kindergartenkindern einzulassen.
Am Ende meiner Ausführungen folgt abschließend die Vision eines Kindergartens aus der Perspektive einer dreifachen Mutter:
Da gibt es einen Garten, der auf den ersten Blick romantisch, ja, ein bisschen verwildert wirkt. Auf keinen Fall ist die Blumenwiese mit einem englischen Rasen zu vergleichen. Auch die Bäume sind kaum beschnitten, aber doch anders als in einem Wald. Sie sind kleiner, haben schon in Bodennähe Äste und manch kleines Baumhaus verbirgt sich in den dichten Kronen. In den großzügig angelegten Beeten wachsen die verschiedensten Kräuter und Pflanzen. Es duftet nach Pfefferminze und Lavendel. Viele Vögel und Kleintiere sind hier zu Hause. Die Büsche und Bäume tragen allerlei Früchte: Himbeeren, Stachelbeeren, Äpfel, Kirschen und Pfirsiche hängen daran. Die Äpfel sind meist grün und unreif, die Kirschen dagegen schon fast schwarz, dick und süß.
Eine wilde Rosenhecke rankt sich neben Wein und Efeu an einer Mauer hoch. Der Garten ist hügelig und verwinkelt. Alles wirkt saftig und blühend. Dem Betrachter wird auch schnell klar, woran das liegt: eine kleine Quelle entspringt neben einem grauen Felsen auf dem Hügel und wird zu einem kleinen Bach, der in der Mitte des Gartens fließt. Irgendwie wirkt der Garten, als ob er etwas ganz Besonderes sei, obwohl keine exotischen Früchte oder teuren Gewächse zu finden sind.
Auf einmal ertönt ein fröhlicher Ruf: „Fang’ mich doch,“ und eine ganze Horde Kinder rennt zwischen den Bäumen herum. Das Lachen und Rufen vermischt sich mit den Stimmen der Vögel und dem leisen Geplätscher des Baches. Die Kinder sind so zwischen drei und sechs Jahre und wirken sehr verschieden. Helle und dunkle Haut gibt es, – rote, blonde und dunkle Haare. Der kleinste Junge wirkt halb so groß wie ein lang aufgeschossenes Mädchen. Manche Kinder sind ordentlich und geschmackvoll gekleidet, andere haben abgetragene, bunt zusammengewürfelte Kleidung an und ungekämmte Haare.
Alle Kinder haben eine Gemeinsamkeit: Sie fühlen sich in ihrem Garten zu Hause! Alles ist für sie erreichbar, kein Baum zu steil, kein Apfel hängt zu hoch. Ja, dieser Garten ist für Kinder angelegt worden – das erkennt der Betrachter jetzt deutlich. Viel Arbeit und Liebe zum Detail versteckt sich in der scheinbar zufälligen Anordnung von Beeten, Bäumen und schattigen Ecken, in denen kleine Baumstümpfe zu Stühlen gruppiert stehen. Jetzt rennen neue Kinder in den Garten, um am Bach zu spielen. Sie haben Schaufeln, Schiffchen und Kübeln dabei. Doch – wo kommen die Kinder her? Sie wirken nicht nur verschieden, sie sprechen sogar mehrere Sprachen, in denen sie sich miteinander unterhalten.
Diese Kinder kommen von zu Hause, aus ihren Familien. Manche kennen Stachelbeeren und Pfefferminze, andere wieder nicht. Manche haben daheim einen großen Garten, andere nur eine kleine Wohnung ohne Balkon. Und dann kann es noch sein, dass das Kind in der Wohnung ohne Balkon mit fünf anderen Menschen drei Zimmer teilt, während das Kind mit dem großen Garten sich ganz verloren in den acht Räumen des Hauses fühlt, seit der Vater ausgezogen ist und die Mutter mit ihm alleine darin lebt.
Egal woher die Kinder kommen – dieser Garten ist für sie angelegt worden. Es ist wirklich ein ganz besonderer Garten, nicht nur weil alles viel niedriger ist als anderswo. Nein der Garten verbirgt ein großes Geheimnis. Wenn die Kinder aus dem Bach trinken, wird nicht nur ihr Durst, sondern auch der Hunger ihrer Seele nach Angenommensein gestillt. Denn das Wasser besitzt heilende Kräfte. Kleine Verletzungen, wie ein Misserfolg beim Wettrennen oder ein hämisches Gelächter des Bruders heilt schneller. Auf den Baumhäusern können gehetzte und erschöpfte Kinder, die täglich zu Sportterminen und Musikstunden gefahren werden, einfach ausruhen. Wenn der Wind ihnen dort eben ein leises Lied summt, können sie tief durchatmen. Gefüllt mit neuer Kraft klettern sie vom Baum herunter.
Der Lavendel ist besonders beliebt. Man darf ihn abpflücken und mit nach Hause nehmen. Wenn man ihn dann in den Schrank legt, verschwindet der stechende Geruch von Eifersucht auf jene Kinder, bei deren Bildern nie jemand fragt: „Soll das eine Eisenbahn sein?“, wenn man doch ein Pferd gemalt hat. Die Rosenblüten dagegen bringen nichts zum Verschwinden. Im Gegenteil, wenn man an ihnen riecht, bekommt man Mut. Mut, auch einmal „Nein!“ zur besten Freundin zu sagen, die sonst immer eingeschnappt ist, wenn man nach einer Stunde nicht mehr Barbie spielen will. Die Pfefferminze dürfen die Kinder auch mitnehmen und daraus Tee kochen. Er wirkt entspannend und gibt eine Extraportion Selbstvertrauen. Besonders, wenn man zum ersten Mal ins Krankenhaus oder zum Fußballverein soll, wirkt eine Tasse Wunder.
Bei Langeweile, darf Obst gegessen werden. In jeder Frucht steckt eine andere Idee: Die Pfirsiche machen eher neugierig – einer reicht für mindestens zehn Fragen! Wenn ein Kind Himbeeren isst, kann es danach malen, obwohl im die ganze Zeit vorher nichts Rechtes eingefallen ist. Die Äpfel dagegen sind genau richtig, wenn man Rollenspiele machen will. Plötzlich gibt es eine Affenbande anstatt „Vater, Mutter, Kind“ und kein Baum im Garten ist für die „Affen“ hoch genug. Die Stachelbeeren helfen beim Basteln. Auf einmal klappt es mit der Blumenkette aus Papier viel besser. Und die Kirschen, ja, die süßen, schwarzen Kirschen, – die sind zum Träumen. Damit kann man sich so gut in ein schattiges Eckchen verziehen – sich ausmalen, wie es wäre, wenn …
Ja, und die Baumstümpfe sind zum gemeinsamen Gespräch da: Zum Gespräch miteinander und mit Gott. Es wird erzählt, gesungen und gebetet. Es gibt hier niemanden, der einen unterbricht und alles besser weiß. Niemanden, der darüber lacht, dass man Angst davor hat allein bei einer Freundin zu übernachten. Jedes Kind weiß: „Ich darf reden oder schweigen. Ich kann laut beten oder leise. Aber immer gehöre ich dazu. Immer weiß ich, dass Gott bei mir ist und mich lieb hat, egal, ob ich froh bin, oder traurig oder sauer.“
Das Allerschönste jedoch ist ein Bad in der Quelle. Sie entspringt aus dem Felsen, der Jesus Christus heißt, der die Quelle des Lebens ist. Jedes einzelne Kind wird dabei von der Liebe Gottes umhüllt. Es darf soviel von diesem Wasser des Lebens trinken, wie es will. Egal, ob allein oder mit anderen – das regelmäßige Quellbad macht einfach Spaß und man fühlt sich danach wohler.
Damit der Garten so richtig genutzt werden kann, braucht es Gartenfachleute, die das Geheimnis des Wassers, der Früchte und Pflanzen kennen. Ihre Aufgaben sind vielfältig und anspruchsvoll. Sie haben sehr viel Arbeit im Verborgenen, die oft nicht gesehen wird, weil ja der Garten so „natürlich“ wirkt. So müssen sie besonders gegen das Unkraut des „burn-out“ und der Resignation kämpfen. Es vermischt sich gern mit der Flechte der Konkurrenz und des Misstrauens, die schnell alles überwuchern.
Wenn die Kinder nicht da sind, braucht der Garten also Pflege. Überall muss gegossen und geschnitten, Neues gepflanzt und Altes ausgegraben werden. Wenn die Kinder dann wieder kommen, geben die Gartenfachleute ihnen Tipps, ob sie heute lieber Lavendel oder Pfefferminze pflücken sollen. Sie rufen die Kinder regelmäßig zusammen, um das Gespräch auf den Baumstümpfen zu pflegen. Es sind Menschen die merken, wann ein Kind mal eine Pause im Baumhaus braucht. Menschen die selber gerne von dem Obst essen und sich auf ihr Bad in der Quelle freuen.
Für jedes Kind gibt es einmal im Leben diese Zeit im Garten. Es ist eine Zeit des Loslassens von zu Hause, eine Zeit des Entdeckens von so viel anderem. Es ist die Zeit, in der sie lernen, ihr Vertrauen auf sich, auf andere und auf Gott zu setzen. Es ist die Zeit, in der die unvoreingenommene Begegnung mit anderen Menschen und mit Gott leichter fällt als jemals wieder im Leben. Es ist die kostbare Kindergartenzeit!
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[1] vgl. Texte der Pastoralkommission Österreichs für die Seelsorger, Pfarrgemeinderäte und Apostolatsgruppen, Kinderpastoral, ÖPI – Österreichisches Pastoralinstitut, Wien 1983.
[2] Schindler Regine, Was Kinder von Gott erwarten. Gebetstexte von Kindern und was sie uns damit sagen wollen, Lahr 1993, Klappentext.
[3] ebd. Schindler Regine, Klappentext
[4] vgl. Das neue Duden-Lexikon, Band 7, Mannheim – Wien – Zürich, 1984, Seite 2885.
[5] vgl. ebd. Das neue Duden-Lexikon
[6] vgl. Cavalletti Sofia, Das religiöse Potential des Kindes – religiöse Erziehung im Rahmen des Montessori-Pädagogik, Freiburg 1990, Seite 29.
[7] vgl. Schenk-Danzinger Lotte, Entwicklungspsychologie, Das Kind im Kindergarten, Wien 1988, Seite 221 ff.
[8] Schaussberger Ulrike, Wenn aus dem „Baby“ ein Kindergartenkind wird, in Kirche Bunt 34/2002 Seite 14.
[9] vgl. Schenk-Danzinger Lotte, Entwicklungspsychologie, Kommunikationsformen im Kleinkindalter,
Wien 1988, Seite 221-224.
[10] vgl. Leist Marielene, Erste Erfahrungen mit Gott – Mit Kinder die Welt des Glaubens entdecken, Freiburg – Basel – Wien 1971, Seite 56-58.
[11] vgl. Schnitzpahn Gerhard, Der evangelische Kindergarten. Ein religionspädagogischer Beitrag zur Bestimmung des evangelischen Profils, Stuttgart-Berlin-Köln 1999, Seite 302-308.
[12] vgl. Gschier Hannes, Religionspädagogik 1, Theoretische Grundlagen und Arbeitsmaterialien, Wien 1987, Seite 122-124.
[13] vgl. Schenk-Danzinger Lotte, Entwicklungspsycholgie, Wien 1999, Seite 97f., 132f.
[14] Kindergartengesetz des Landes Niederösterreich 1996, LGBl. 5060 – Stammgesetz 120/96.
[15] vgl. Kindergartenreferat der Diözese St. Pölten, KIREF – Nachrichten, Gesetzliche Möglichkeiten, 35/3/1994, Seite 22.
[16] vgl. Kindergartenreferat der Diözese St. Pölten, KIREF – Nachrichten, 46/2/1997, Seite 21-22.
[17] vgl. Kindergartenreferat der Diözese St. Pölten, KIREF – Nachrichten, 1/1995, Seite 21.
[18] vgl. Kindergartenreferat der Diözese St. Pölten, KIREF – Nachrichten, 3/1991, Seite 3.
[19] vgl. Kindergartenreferat der Diözese St. Pölten, KIREF – Nachrichten, Seite 4, 27/3/1992.
[20] vgl. Kindergartenreferat der Diözese St. Pölten, KIREF – Nachrichten, 43/3/1996, Seite 3-5.
[21] Saint-Exupèry Antoine, Der Kleine Prinz, Zürich 1999, Seite 53.
[22] Biesinger Albert, Kinder nicht um Gott betrügen. Anstiftungen für Mütter und Väter, Freiburg 2001, Seite 150.

References: § 29

§ 3

§ 26
 § 3
 § 26
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