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Timestamp: 2020-01-23 04:27:58+00:00

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Bei hoch ansteckenden Infektionen ist schnelles Handeln gefragt – sonst ist der Ausbruch da: Das Gesundheitsamt der Region Hannover informiert über das Infektionsschutzgesetz sowie die Meldepflicht für Ärzte und Labore.
Ein Mann geht an einem Freitag mit massiven Masern-Symptomen zu einem Arzt. Dieser veranlasst zwar eine Labordiagnostik und weist den Patienten außerdem in ein Krankenhaus ein, aber das zuständige Gesundheitsamt in Hannover informieren weder der Arzt noch das Krankenhaus. Erst, als der Arbeitgeber des Erkrankten eine Woche später (!) sich mit seinen Fragen an das Gesundheitsamt wendet, erfährt die Behörde von der vermuteten Maserninfektion. Für Dr. med. Mustafa Yilmaz, Leiter des Fachbereichs Gesundheit der Region Hannover, ist dieser Fall das Paradebeispiel einer missglückten Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen und Ärzten, Labor und Gesundheitsamt.
Bereits der Verdacht einer Maserninfektion ist dem Gesundheitsamt zu melden
"Das Gesundheitsamt muss die Gelegenheit haben, weitere Ansteckungen zu verhindern", beschreibt Yilmaz die Arbeit seiner Behörde und verweist auf das Infektionsschutzgesetz (IfSG), in dem die Meldepflicht für Ärztinnen und Ärzte sowie für die Leiterinnen und Leiter von Laboren gemäß §§ 6 und 7 festgehalten ist. Dem Gesetzestext entsprechend, müssen Ärztinnen und Ärzte bei bestimmten ansteckenden Krankheiten wie Masern, aber auch bei Meningokokken-Erkrankungen oder zum Beispiel Tuberkulose dem Gesundheitsamt bereits den Verdacht melden. Im Fall der Ärztinnen und Ärzte laufe das am Ende auf zwei Meldungen hinaus, räumt Dr. med. Constanze Wasmus, Leiterein Team allgemeiner Infektionsschutz und Umweltmedizin des Fachbereichs Gesundheit der Region Hannover, ein. Neben dem Verdacht sei nach Erhalt des Laborbefunds die Bestätigung der Erkrankung zu melden - oder eben der negative Befund.
Um eventuell herrschende Missverständnisse auszuräumen, erläutert Wasmus den Unterschied zwischen der Meldung von Krankheitserregern durch das Labor an das Gesundheitsamt und der Anzeige einer meldepflichtigen Krankheit durch die Ärztin oder den Arzt: "Der ärztliche Meldebogen enthält neben den Kontaktdaten der betroffenen Person noch andere wichtige Informationen über die Lebensumstände des Patienten", so Wasmus. Aus dem Formular der Ärztin oder des Arztes erfahre das Gesundheitsamt zum Beispiel, ob sich der Patient in einem Krankenhaus oder Heim aufhalte, und außerdem, wo er arbeite und darüber hinaus, wo er sich angesteckt haben könnte.
Wichtige Informationen für das Gesundheitsamt im ärztlichen Meldebogen
Erst auf die Bestätigung der vermuteten Diagnose durch das Labor zu warten, koste zu viel wertvolle Zeit, betont Wasmus: "Dann haben wir schon den Ausbruch." Bei dem Verdacht auf Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis sei es wichtig, dass bereits am ersten Tag Antibiotika an enge Kontaktpersonen gegeben würden. Auch im Falle von Masern sei es essenziell, möglichst schnell zu handeln. So nahm das Gesundheitsamt zu dem in Hannover an Masern erkrankten Mann sofort Kontakt auf, als es durch den Arbeitgeber von der Erkrankung erfuhr. Der Patient lebte in einer großen Wohngemeinschaft mit mehreren Erwachsenen, Kindern und einer schwangeren Frau. "Aber die meisten Mitbewohner waren geimpft und der Rest steckte sich glücklicherweise nicht an", berichtet Wasmus. "Es hätte aber auch anders kommen können."
Die Meldepflicht für Ärztinnen und Ärzte gemäß §§ 6 und 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG)
In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass Ärztin­nen/ Ärz­te oder Leiterinnen/Leiter von Labo­ren ihrer Verpflichtung zur Meldung von meldepflichtigen Erkrankungen an das zuständige Gesundheitsamt nicht nachgekommen sind. Aus diesem Grund hat sich der Fachbereich Gesundheit der Region Hannover dazu entschlossen, Sie erneut darauf hinzuweisen, dass die Meldungen nach den §§ 6 und 7 IfSG unverzüglich, das heißt spätestens 24 Stunden nach Kenntnis, dem Gesundheitsamt vorliegen müssen.
Nach § 6 Absatz 1 IfSG ist bereits der Verdacht auf eine der dort genannten Erkrankungen durch den feststellenden Arzt zu melden, spätestens aber die durch Laborergebnis gesicherte Erkrankung. Ein Krankheitsverdacht im Sinne des Infektionsschutzgesetzes besteht gemäß Gesetzeskommentierung, sobald tatsächlich bestehende Symptome einen fachlich Vorgebildeten vermuten lassen, dass eine bestimmte übertragbare Krankheit vorliegt, so dass er die zur abschließenden Klärung erforderlichen diagnostischen Maßnahmen einleitet.
Nach § 7 Absatz 1 IfSG sind die Nachweise für die dort genannten Krankheitserreger lediglich dann durch die Laborleiterinnen und Laborleiter zu melden, wenn sie auf eine akute Infektion hinweisen. Die Meldung durch die Laborleiterinnen und Laborleiter nach § 7 IfSG entbindet in keinem Fall die feststellenden Ärztinnen/Ärzte von ihrer Meldepflicht nach § 6 IfSG, auch weil die Meldung der Labore andere Informationen enthält als die der Ärztinnen und Ärzte.
Gleichzeitig informieren wir Sie darüber, dass Versäumnisse und Verstöße gegen diese Pflichten Ordnungswidrigkeiten gemäß § 73 IfSG darstellen und von der Region Hannover geahndet werden. Ärztinnen und Ärzte müssen deshalb zukünftig bei einer Meldepflichtverletzung mit einem Bußgeldverfahren nach § 65 des Ordnungswidrigkeitengesetzes (OWiG) oder einer Verwarnung gemäß § 56 OWiG rechnen. Eine solche Verwarnung ist ein milderes, dem Bußgeldverfahren vorgeschaltetes Verfahren zur Ahndung von Ordnungswidrigkeiten. Betroffene sollen damit auf ihren Verstoß hingewiesen werden, ohne dass übermäßige Verwaltungskosten anfallen, die der Betroffene in einem Bußgeldverfahren zu zahlen hätte.
Das Gesundheitsamt der Region Hannover bittet aus diesem Grunde alle Ärztinnen und Ärzte in der Region Hannover um Beachtung ihrer Meldepflichten. Bitte nutzen Sie für Ihre Meldung das aktuelle Meldeformular auf der Internetpräsenz der Region Hannover.

References: § 6
 § 7
 § 7
 § 6
 § 73
 § 65
 § 56