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Timestamp: 2020-05-28 00:54:00+00:00

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Allgemeine Geschäftsbedingungen von Fernwärmeunternehmen - und die Vertragslaufzeiten | Rechtslupe
13. Februar 2014 Rechtslupe
All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen von Fern­wär­me­un­ter­neh­men – und die Ver­trags­lauf­zei­ten
Auch All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen von Fern­wär­me­un­ter­neh­men wer­den nur auf­grund einer rechts­ge­schäft­li­chen Ein­beziehungs­vereinbarung Inhalt eines Ver­tra­ges über die Ver­sor­gung mit Fern­wär­me.
Ist der Ver­trag über die Ver­sor­gung mit Fern­wär­me kon­klu­dent durch die Ent­nah­me von Fern­wär­me aus dem Ver­sor­gungs­netz zustan­de gekom­men, so sind die "Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen" nicht Ver­trags­in­halt gewor­den. Zwar bedurf­te es im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall nicht der in § 305 Abs. 2 BGB genann­ten Ein­be­zie­hungs­vor­aus­set­zun­gen, da die Abneh­me­rin als Unter­neh­me­rin gehan­delt hat (vgl. § 344 HGB, § 13 Abs. 3 GmbHG). Aller­dings fehlt es an einer – auch im kauf­män­ni­schen Ver­kehr erfor­der­li­chen – rechts­ge­schäft­li­chen Ver­ein­ba­rung über die Gel­tung der Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen 1.
Zwar ver­wen­den Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men – wie auch ande­re Unter­neh­men, die Waren oder Dienst­leis­tun­gen anbie­ten – typi­scher­wei­se All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen. Bran­chen­üb­lich­keit allein reicht aber nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs für die Beacht­lich­keit All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen nicht aus 2. Denn allein aus die­sem Umstand folgt noch nicht mit der erfor­der­li­chen Klar­heit, dass das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men aus­schließ­lich auf der Basis sei­ner eige­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen abschlie­ßen will. Zudem sind gera­de im Bereich der Fern­wär­me Son­der­ver­trä­ge, die zu ande­ren als den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen abge­schlos­sen wer­den, nicht unüb­lich. Schon des­halb ist das in der blo­ßen Bereit­stel­lung von Fern­wär­me lie­gen­de kon­klu­den­te Ange­bot des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens zum Abschluss eines Ver­tra­ges über die Lie­fe­rung von Fern­wär­me vom Emp­fän­ger­ho­ri­zont (hier aus Sicht des Abneh­mers) nicht zwei­fels­frei dahin zu ver­ste­hen, dass für das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men nur ein Ver­trags­schluss zu ihren Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen in Betracht kommt.
Auch aus § 1 Abs. 1 und § 2 Abs. 3 AVB­Fern­wär­meV ergibt sich nicht, dass die Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens unab­hän­gig von einer ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en Ver­trags­in­halt gewor­den wären. Die Auf­fas­sung, die AVB­Fern­wär­meV ord­ne die Gel­tung der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens "kraft Geset­zes" oder "kraft Ver­ord­nung" an, fin­det im Ver­ord­nungs­text kei­ne Stüt­ze. § 1 Abs. 1 AVB­Fern­wär­meV bestimmt ledig­lich, dass die Bestim­mun­gen der §§ 2 bis 34 AVB­Fern­wär­meV Anwen­dung fin­den und Bestand­teil des Ver­sor­gungs­ver­tra­ges sind, wenn Fern­wär­me­un­ter­neh­men für den Anschluss an die Fern­wär­me­ver­sor­gung oder für die Ver­sor­gung mit Fern­wär­me Ver­trags­mus­ter oder Ver­trags­be­din­gun­gen ver­wen­den, die für eine Viel­zahl von Ver­trä­gen for­mu­liert sind. § 2 Abs. 3 AVB­Fern­wär­meV ver­pflich­tet das Fern­wär­me­un­ter­neh­men ledig­lich, jedem Neu­kun­den bei Ver­trags­schluss die dem Ver­trag zugrun­de lie­gen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen aus­zu­hän­di­gen. Bei­de Bestim­mun­gen tref­fen aber kei­ne Rege­lung zur Ein­be­zie­hung der vom Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men gestell­ten All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen in den Ver­trag. Hier­für spricht auch § 2 Abs. 2 AVB­Fern­wär­meV, der bei Zustan­de­kom­men eines Ver­tra­ges durch die Ent­nah­me von Fern­wär­me anord­net, dass die Ver­sor­gung zu den für gleich­ar­ti­ge Ver­sor­gungs­ver­hält­nis­se gel­ten­den Prei­sen erfolgt. Die­ser Rege­lung hät­te es nicht bedurft, wenn die Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen nebst den dazu­ge­hö­ri­gen Preis­re­ge­lun­gen ohne­hin bereits auf­grund § 1 Abs. 1 und § 2 Abs. 3 AVB­Fern­wär­meV Bestand­teil des kon­klu­dent durch Ent­nah­me von Fern­wär­me geschlos­se­nen Ver­sor­gungs­ver­tra­ges wären.
Soweit gel­tend gemacht wird, der Ver­ord­nungs­ge­ber sei bei Erlass der AVB­Fern­wär­meV davon aus­ge­gan­gen, dass bei einem Ver­trag über die Ver­sor­gung mit Fern­wär­me, der durch Ent­nah­me von Fern­wär­me zustan­de gekom­men ist, die jewei­li­gen All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen des Fern­wär­me­un­ter­neh­mens sozu­sa­gen "auto­ma­tisch" Ver­trags­be­stand­teil wer­den, ver­hilft dies der Ein­be­zie­hung der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht zum Erfolg. Selbst wenn dies zutrifft, kann – auch mit Rück­sicht auf die oben erör­ter­te Rege­lung des § 2 Abs. 2 AVB­Fern­wär­meV – nicht ange­nom­men wer­den, dass die Bestim­mun­gen der AVB­Fern­wär­meV eine sol­che "auto­ma­ti­sche" Gel­tung der All­ge­mei­nen Ver­trags­be­din­gun­gen (kon­sti­tu­tiv) regel­ten. Auf die wei­te­re Fra­ge, ob eine dahin­ge­hen­de Rege­lung des Ver­ord­nungs­ge­bers durch die Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge der AVB­Fern­wär­meV (Art. 243 EGBGB bzw. zuvor § 27 AGBG) gedeckt wäre, kommt es des­halb nicht an.
Eine bestimm­te Ver­trags­lauf­zeit ist auch nicht über § 2 Abs. 2 Satz 2 AVB­Fern­wär­meV Ver­trags­in­halt gewor­den. Zwar wird in der Lite­ra­tur die Auf­fas­sung ver­tre­ten, bei einem durch Ent­nah­me von Fern­wär­me zustan­de gekom­me­nen Ver­trag gel­te gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 AVB­Fern­wär­meV die bei ver­gleich­ba­ren Ver­sor­gungs­ver­hält­nis­sen übli­cher­wei­se von dem Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zu Grun­de geleg­te Ver­trags­lauf­zeit 3. Zur Begrün­dung wird ange­führt, dass der in die­ser Vor­schrift ver­wen­de­te Begriff des Prei­ses umfas­send zu ver­ste­hen und alle preis­be­stim­men­den Kom­po­nen­ten eines Ver­trags­ver­hält­nis­ses ein­zu­be­zie­hen sei­en 4.
Die­ser Auf­fas­sung folgt der Bun­des­ge­richts­hof nicht. Der Rege­lungs­ge­halt des § 2 Abs. 2 Satz 2 AVB­Fern­wär­meV beschränkt sich dar­auf, die Gel­tung der für gleich­ar­ti­ge Ver­sor­gungs­ver­hält­nis­se gel­ten­den Prei­se anzu­ord­nen; hier­aus lässt sich nicht ent­neh­men, dass dies auch für sons­ti­ge Abre­den gel­ten soll­te. Die Ver­trags­lauf­zeit mag im Rah­men der Preis­kal­ku­la­ti­on für das Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men eine Rol­le spie­len, kann aber auch im wei­tes­ten Sin­ne nicht als "Preis" für die Lie­fe­rung von Ener­gie ange­se­hen wer­den.
Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus den Aus­füh­run­gen des Bun­des­ge­richts­hofs zu § 2 Abs. 2 Satz 2 AVB­Fern­wär­meV im Urteil vom 17.10.2012 5. Soweit der Bun­des­ge­richts­hof in jener Ent­schei­dung aus­ge­führt hat, § 2 Abs. 2 Satz 2 AVB­Fern­wär­meV rege­le, wel­chen Inhalt ein durch Ent­nah­me von Fern­wär­me zustan­de gekom­me­ner Ver­trag habe, so bezog sich dies auf die – in jenem Rechts­streit allein strei­ti­ge – Fra­ge des Prei­ses; ledig­lich inso­weit ord­net § 2 Abs. 2 Satz 2 AVB­Fern­wär­meV an, dass die für gleich­ar­ti­ge Ver­sor­gungs­ver­hält­nis­se gel­ten­den Bestim­mun­gen (Prei­se) gel­ten.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Janu­ar 2014 – VIII ZR 111/​13
vgl. BGH, Urteil vom 12.02.1992 – VIII ZR 84/​91, BGHZ 117, 190, 194 ff.; BGH, Urteil vom 24.10.2002 – I ZR 104/​00, NJW-RR 2003, 754 unter – II 2 b aa[↩]
BGH, Urteil vom 04.02.1992 – X ZR 105/​90, WM 1992, 916 unter II. 2[↩]
Klotz, RdE 2011, 88, 92; Witzel/​Topp, All­ge­mei­ne Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen für Fern­wär­me, 2. Aufl., S. 212; Wollschläger/​Meyer, IR 2009, 82, 84[↩]
Klotz, aaO[↩]
BGH, Urteil vom 17.10.2012 – VIII ZR 292/​11, BGHZ 195, 144[↩]
Kün­di­gungs­fris­ten in der Fern­wär­me­ver­sor­gung § 32 Abs. 1 AVB­Fern­wär­meV ist auf Ver­trä­ge über die Ver­sor­gung mit Fern­wär­me, die auf unbe­stimm­te Zeit abge­schlos­sen sind, nicht anwend­bar. Aus § 32 Abs.…
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References: § 305
 § 344
 § 13
 § 1
 § 2
 § 1
 § 2
 § 2
 § 1
 § 2
 § 2
 § 27
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 32
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