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Timestamp: 2019-02-18 18:06:20+00:00

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VPB 69.29
(Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 3. Juni 2004 i.S. S.J.M., Pakistan, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 27)
Art. 32-34 und Art. 37 AsylG. Art. 45 Abs. 1 Bst. b AsylG und Art. 39 Bst. a VwVG. Art. 105 Abs. 1 Bst. c und Art. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG. Nichteintreten auf ein Asylgesuch. Offensichtliche Unangemessenheit einer eintägigen Ausreisefrist in Anbetracht der langen Verfahrensdauer.
1. Die Ansetzung einer bloss eintägigen Ausreisefrist in Nichteintretensentscheiden verletzt den Grundsatz der Verhältnismässigkeit, wenn die gesetzlich vorgesehene Frist zur Behandlung des Asylgesuchs von der Vorinstanz ohne Verschulden des Beschwerdeführers erheblich überschritten wird. Feststellung der offensichtlichen Unangemessenheit der eintägigen Ausreisefrist nach mehr als eineinhalb Jahren Verfahrensdauer (E. 5a-d).
2. Zurückhaltung der Schweizerischen Asylrekurskommission bezüglich Bestimmung der Ausreisefrist; Anweisung an die Vorinstanz, eine angemessene Ausreisefrist anzusetzen (E. 5d).
Art. 32 à 34 et art. 37 LAsi. Art. 45 al. 1 let. b LAsi et art. 39 let. a PA. Art. 105 al. 1 let. c et art. 106 al. 1 let. c LAsi. Non-entrée en matière sur une demande d'asile. Délai de départ d'un jour manifestement disproportionné par rapport à la (longue) durée de la procédure.
1. En cas de décision de non-entrée en matière, la limitation du délai de départ à un seul jour viole le principe de proportionnalité lorsque le délai imposé par la loi à l'autorité de première instance pour traiter la demande a été largement dépassé sans que cela soit imputable à la faute du requérant. En l'espèce, la fixation d'un délai de départ d'un jour, alors que la procédure d'asile a duré plus d'une année et demie, est manifestement disproportionnée (consid. 5a à d).
2. En matière de détermination des délais de départ, la Commission suisse de recours en matière d'asile observe une certaine réserve: elle se limite à exiger de l'autorité de première instance qu'elle fixe des délais de départ proportionnés (consid. 5d).
Art. 32-34 e art. 37 LAsi. Art. 45 cpv. 1 lett. b LAsi e art. 39 lett. a PA. Art. 105 cpv. 1 lett. c e art. 106 cpv. 1 lett. c LAsi. Non entrata nel merito di domande d'asilo. Un termine di partenza di un giorno è manifestamente inadeguato nel caso di procedure di lunga durata.
1. La fissazione di un termine di partenza di un giorno nelle decisioni di non entrata nel merito viola il principio della proporzionalità allorquando il termine per la trattazione delle domande d'asilo previsto dalla legge è stato oltrepassato in modo importante senza colpa del richiedente l'asilo. Manifesta inadeguatezza del termine di partenza di un giorno per procedura d'asilo di durata superiore all'anno e mezzo (consid. 5a-d).
2. La Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo esamina con un certo riserbo la questione della fissazione dei termini di partenza. Essa si limita, se del caso, a chiedere all'Ufficio federale dei rifugiati di fissare un termine appropriato (consid. 5d).
Der Beschwerdeführer machte zur Begründung des am 21. Oktober 2002 gestellten Asylgesuchs geltend, in Karachi im Frühsommer 2002 der Partei des Volkes der Mohajir («Muttahida Quami Movement», MQM) beigetreten zu sein. Am 30. September 2002 habe sich eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen der MQM und der verfeindeten Gruppierung MQM-H (Splittergruppe der MQM, «Mohajir Qami Movement [Haqiqi])», ereignet. Es seien zwei Personen ums Leben gekommen. Die Polizei sei eingeschritten, wobei der Beschwerdeführer sich der beabsichtigten Festnahme durch Flucht habe entziehen können. Nachdem die Polizei einige Tage nach der Demonstration zweimal bei ihm zu Hause vorgesprochen habe, sei er wenig später aus Angst vor den behördlichen Ermittlungen ausser Landes geflohen.
Das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) trat mit Verfügung vom 29. April 2004 gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte gleichzeitig dessen Wegweisung aus der Schweiz. Der Ausreisetermin wurde auf den Tag nach Eintritt der Rechtskraft der erlassenen Verfügung festgesetzt.
Mit Beschwerde vom 7. Mai 2004 beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss, die Verfügung des BFF sei aufzuheben und es sei auf sein Asylgesuch einzutreten. Von einer Wegweisung sei abzusehen.
Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 17. Mai 2004 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde.
Die Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hebt die Verfügung des BFF insofern auf, als darin der Ausreisetermin auf den Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung festgesetzt wurde. Im Übrigen weist die ARK die Beschwerde ab.
5. Das BFF hat in seiner Verfügung festgelegt, dass der Beschwerdeführer die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlassen hat (Ziff. 3 des Dispositivs). Mit seiner Formulierung in der Beschwerdeschrift, wonach er noch einige Zeit lang in der Schweiz bleiben möchte, hat er sinngemäss auch diese vorinstanzliche Anordnung angefochten.
a. Das BFF hat die kürzeste gesetzlich zulässige Ausreisefrist, nämlich einen Tag, festgesetzt (Art. 45 Abs. 1 Bst. b AsylG, Art. 39 Bst. a des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG], SR 172.021; vgl. auch Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 1 = VPB 57.31).
b. Die ARK ist zwar nicht zuständig, über Gesuche um Verlängerung der Ausreisefrist zu befinden (vgl. EMARK Mitteilungen 1994 Nr. 1 = VPB 59.54). Hingegen fällt die Prüfung der Frage, ob eine angesetzte Ausreisefrist angemessen ist, sehr wohl in die Kompetenz der ARK, zumal es sich dabei um eine nicht unbedeutende Vollzugsmodalität bezüglich der Wegweisung handelt (vgl. Art. 105 Abs. 1 Bst. c und Art. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG; vgl. auch EMARK 1994 Nr. 21 = VPB 59.46, wo nicht von einer grundsätzlichen Unzuständigkeit ausgegangen wurde).
c. Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch am 21. Oktober 2002 gestellt. Er befindet sich mithin seit eineinhalb Jahren in der Schweiz. Er hält sich in einer Asylbewerberunterkunft auf und ist, soweit aktenkundig, nicht erwerbstätig.
Im Urteil EMARK 2002 Nr. 15 (= VPB 67.2 E. 5e) hat die ARK basierend auf den alten Gesetzesbestimmungen, welche bei Nichteintretensentscheiden die Möglichkeit des sofortigen Vollzugs (Art. 45 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 5. Oktober 1979 [AsylG von 1979], AS 1980 1718) und eine Behandlungsfrist durch die erste Instanz von 20 Tagen (Art. 37 AsylG von 1979) vorsahen, entschieden, dass die Anordnung des sofortigen Vollzugs der Wegweisung den Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzen kann, wenn die gesetzliche Behandlungsfrist längst abgelaufen ist. In jenem Fall lag die Gesuchseinreichung im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung mehr als eineinhalb Jahre zurück.
d. Vorliegend hat der Beschwerdeführer sein Asylgesuch am 21. Oktober 2002 gestellt. Die letzte Verfahrenshandlung seitens der Asylbehörden erfolgte am 1. April 2003 (kantonale Befragung). Die Behandlungsfrist, welche als blosse Ordnungsvorschrift zu verstehen ist, wurde gemäss Neufassung von Art. 37 AsylG auf zehn Tage reduziert. Den Akten kann nicht entnommen werden, dass der Beschwerdeführer das Verfahren verzögert hätte. Das BFF hat gleichwohl die vor dem Hintergrund von Art. 45 Abs. 1 Bst. b AsylG kürzest mögliche Ausreisefrist angesetzt. Vorliegend muss die Ansetzung einer bloss eintägigen Ausreisefrist in Anbetracht des eineinhalbjährigen Aufenthaltes des Beschwerdeführers in der Schweiz und mangels fallspezifischer Gründe für eine derart knappe Frist als offensichtlich unverhältnismässig bezeichnet werden (vgl. dazu die zum sofortigen Vollzug gemäss altem Recht [Art. 45 Abs. 2 AsylG von 1979] entwickelte und unter EMARK 2002 Nr. 15 E. 5e = VPB 67.2, publizierte Praxis, welche sinngemäss auch für die vorliegende Konstellation nach neuem Recht gilt), weshalb die Ziff. 3 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung aufzuheben ist.
Bezüglich der Bestimmung der angemessenen Ausreisefrist legt sich die ARK allerdings Zurückhaltung auf, da sie der für den Vollzug zuständigen Bundesbehörde eine gewisse «marge de manœuvre» einräumen will. Sie hält bei offensichtlicher Unangemessenheit der Frist dieses Faktum fest unter Anweisung an die Vorinstanz, eine angemessene Frist zu setzen. Das BFF ist mithin anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine angemessene Ausreisefrist anzusetzen.

References: Art. 32
 Art. 37
 Art. 45
 Art. 39
 Art. 105
 Art. 106

Art. 32
 art. 37
 Art. 45
 art. 39
 Art. 105
 art. 106

Art. 32
 art. 37
 Art. 45
 art. 39
 Art. 105
 art. 106
 Art. 32
 Art. 39
 Art. 105
 Art. 106
 Art. 37
 Art. 45