Source: https://www.bgbau-medien.de/dguv/201_005/titel.htm?gesamt=1
Timestamp: 2018-09-19 20:30:04+00:00

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DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Titel
DGUV Information 201-005
zur Gefährdungsbeurteilung nach
Tätigkeiten mit Boden sowie bei Grundwasser-
und Bodensanierungsarbeiten
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Inhalt
5 Aufnahmepfade
6 Gefährdungsermittlung und Gefährdungsbewertung
6.1.1 Aufgaben des Auftraggebers
6.1.2 Spezielle Anforderungen bei biologischen Arbeitsstoffen
6.1.3 Informationsbeschaffung
6.2 Boden und Grundwasser
6.3 Boden- und Grundwassersanierung
6.3.1 Biologische Bodensanierung im On-site/off-site-Verfahren
6.3.2 Biologische in-situ-Sanierung von Boden und Grundwasser und on-site-Verfahren zur Reinigung von Grundwasser
6.4 Einordnung von Tätigkeiten in Schutzstufen
7.2 Boden und Grundwasser
7.3.3 Spritzwasser,Wasser
Anhang 1: Anforderungen und Anwendung der BioStoffV bezüglich der Gefährdungsbeurteilung
Anhang 2: Verfahrenstypische Arbeitsschritte
Anhang 3: Beispielhafte Aufzählung Biologischer Arbeitsstoffe
Anhang 4: Beispielhafte Aufzählung weiterer möglicher Erkrankungen bei Bodenarbeiten im Ausland
Anhang 5: Glossar
Anhang 6: Symbol für Biogefährdung
Anhang 7: Memocard für Arbeiten auf Milzbrandverdachtsstandorten
Anhang 8: Vorschriften, Regeln, Literatur
Diese BG-Information wurde vom Fachausschuss Tiefbau der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung  DGUV erarbeitet.
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), 1 Anwendungsbereich
Diese Handlungsanleitung findet Anwendung bei Arbeiten mit Boden und Grundwasser in Deutschland, die naturgemäß Mikroorganismen enthalten. Bei Tätigkeiten außerhalb Deutschlands müssen gegebenenfalls weitere Gefährdungen berücksichtigt werden, s. hierzu Anhang 4 .
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), 2 Begriffsbestimmungen
Tätigkeiten im Sinne der Biostoffverordnung sind das Herstellen und Verwenden von biologischen Arbeitsstoffen. Zu den Tätigkeiten zählt auch der berufliche Umgang mit Menschen,Tieren, Pflanzen, biologischen Produkten und Gegenständen,wenn bei diesen Tätigkeiten biologische Arbeitsstoffe freigesetzt werden können und Beschäftigte dabei mit den biologischen Arbeitsstoffen direkt in Kontakt kommen können.
Gezielte Tätigkeiten im Sinne der Biostoffverordnung liegen vor, wenn alle drei folgenden Sachverhalte gleichzeitig gegeben sind:
Die biologischen Arbeitsstoffe sindmindestens der Spezies nach bekannt.
Die Tätigkeiten sind auf einen odermehrere biologische Arbeitsstoffe unmittelbar ausgerichtet.
Nicht gezielte Tätigkeiten liegen vor, wenn mindestens einer der drei Sachverhalte nach Nummer 3 nicht gegeben ist.
Kontamination im Sinne der Biostoffverordnung ist eine über die gesundheitlich unbedenkliche Grundbelastung hinausgehende Belastung des Arbeitsplatzes mit Biologischen Arbeitsstoffen.
Gemäß BioStoffV sind Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ihrem Infektionsrisiko entsprechend einer Schutzstufe von 1 bis 4 zuzuordnen, die Maßnahmen sind demgemäß auszuwählen. Dabei sind mindestens die allgemeinen Hygienemaßnahmen der Schutzstufe 1 anzuwenden. Diese allgemeinen Hygienemaßnahmen sind in der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 500 Allgemeine Hygienemaßnahmen:Mindestanforderungen aufgeführt. Siehe hierzu auch Abschnitt 7.2 .
Auch im Boden, der stark mit Taubenkot verunreinigt ist, ist mit Biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 3 zu rechnen (vgl. BG-Information Gesundheitsgefährdungen durch Taubenkot  Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BGI 892)).
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), 5 Aufnahmepfade
Bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen sind verschiedene Aufnahmewege zu beachten:
Mikroorganismen in der Luft haben i.d.R. Teilchengrößen, die einatembar sind. Sie können sich in allen Lungenteilen bis hin zu den Lungenbläschen niederschlagen.
Berühren des Mundes mit verschmutzten Händen,Handschuhen oder Gegenständen.
Essen,Trinken oder Rauchen ohne vorherige Reinigung der Hände. Verzehr von Nahrungsmitteln, die durch Aufbewahren in verschmutzten Bereichen kontaminiert wurden.
Verletzungen, z.B. Bisswunden oder auch Kratzer sowie vorbestehende Hautveränderungen wie Ekzeme ermöglichen Mikroorganismen das Eindringen in den Körper. Aufgeweichte Haut bei Feuchtarbeiten oder trockene und rissige Haut sowie Spritzer in die Augen müssen ebenfalls als Eintrittspforte berücksichtigt werden.
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), 6 Gefährdungsermittlung und Gefährdungsbewertung
Liegen dem Auftraggeber Informationen über bestimmte Gefährdungen vor, so muss dieser entsprechend § 5 Absatz 3 Unfallverhütungsvorschrift Grundsätze der Prävention (BGV A1) die Informationen vorab an den Auftragnehmer weiterleiten. Hat der Auftraggeber keine oder keine ausreichende Informationen und der Auftragnehmer hat einen begründeten Verdacht, dass Gefährdungen vorliegen,muss er seinerseits noch vor Aufnahme der Tätigkeit Erkundigungen zu Art und Ausmaß möglicher Gefährdungen einholen. Eine Abstimmung der Schutzmaßnahmen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer ist vor Aufnahme der Tätigkeiten zu treffen. Vergibt der Auftragnehmer Aufträge, die er übernommen hat, an Nachunternehmer weiter, so treffen ihn die Pflichten des Auftraggebers selbst. Insbesondere hat er den Nachunternehmer bei der Gefährdungsbeurteilung bezüglich der betriebsspezifischen Gefahren zu unterstützen.
Der Auftrag erteilende Unternehmer hat sich zu vergewissern, dass die Beschäftigten des Fremdunternehmers hinsichtlich der Gefahren für ihre Sicherheit und Gesundheit während ihrer Tätigkeit eine angemessene Anweisung erhalten. (vgl. BGV A1).
Tätigkeiten mit Boden oder Grundwasser sind i.d.R. nicht gezielte Tätigkeiten im Sinne der BioStoffV. Gezielte Tätigkeiten können in Ausnahmefällen bei der Boden- oder Grundwassersanierung vorkommen, siehe Abschnitt 6.3.
Sind alle Mikroorganismen der Anreicherungskultur zumindest der Spezies nach bekannt (z.B. bei kommerziellen Spezialpräparaten), so handelt es sich umeine gezielte Tätigkeit imSinne der Biostoffverordnung. Die Zuordnung zu einer Schutzstufe erfolgt unter Berücksichtigung der Einstufung der eingesetzten Mikroorganismen in Risikogruppen und anhand des Ausmaßes einer Exposition durch die entsprechende Tätigkeit. Enzympräparate sind wie Starterkulturen anzusehen.
Vor Beginn der Bodenarbeiten ist eine sorgfältige historische Erkundung zu empfehlen. Im Rahmen der historischen Erkundung ist das biologische Gefährdungspotenzial des zu bearbeitenden Geländes zu ermitteln und zu bewerten.
Dabei ist besonders auf Gerbereistandorte oder andere Standorte der Lederindustrie zu achten. Hierfür können Altlastenkataster, die aufgrund des Bundesbodenschutzgesetztes angelegt wurden, herangezogen werden. Auch Daten der Landesgesundheitsämter oder Veterinärämter können hierfür genutzt werden.
Tätigkeiten, bei denen Böden mechanisch bewegt werden, können zu einer Entwicklung von Stäuben führen. Diese Stäube können inhalativ aufgenommen und in geringerem Umfang durch Verschlucken auch in den Magen/Darm-Trakt gelangen.
Weiterhin kann es bei händischen Tätigkeiten auch zu einem direkten Hautkontakt und damit zur Aufnahme biologischer Arbeitsstoffe, z.B. über verletzte oder geschädigte Hautpartien, kommen.
Tätigkeiten und Umgangmit Grundwasser umfassen z.B. die Förderung von Grundwasser imRahmen von Absenkungsmaßnahmen,Verlegen von Rohrleitungen, Einbau von Drainagen.
Dabei überwiegt als Expositionsmöglichkeit der Hautkontakt. Allerdings kann es bei verschiedenen Tätigkeiten, wie dem Ableiten von gefördertem Grundwasser in offene Systeme, auch zur Bildung von Aerosolen und damit zur Möglichkeit der inhalativen Aufnahme kommen.
Bei Arbeiten auf Milzbrandverdachtsstandorten sollte für die Gefährdungsbeurteilung wie in der Abbildung 2 beispielhaft dargestellt, vorgegangen werden. Besonders relevant ist dabei eine sorgfältige historische Erkundung. Hierfür sind auch Daten der verantwortlichen Behörden, z.B. Landesgesundheitsämter oder Veterinärämter, heranzuziehen.War das Einzugsgebiet für die in den entsprechenden Anlagen verwerteten Leder bzw. Felle lediglich lokal und sind in der Vergangenheit keine Milzbranderkrankungen aufgetreten, ist das Risiko als relativ gering zu beurteilen. Kamen die Felle jedoch aus dem Ausland oder sind z.B. keine Daten mehr verfügbar, sind weitere Untersuchungen durchzuführen. Diese sollten zunächst auf Schwerpunkte (z.B.Wäscherei) beschränkt bleiben. Siehe hierzu auch Leitfaden zu Erkundung ehemaliger Gerbereistandorte.
Ein wichtiger Verfahrensschritt bei der Bodensanierung ist die mechanische Bearbeitung des Bodens, z.B. beim Anlegen oder Umsetzen von Mieten. Dabei werden größere Mengen Staub freigesetzt, der Sporen und Mikroorganismen enthält, die über die Atmung aufgenommen werden können.
Weiterhin kommt es beim Versprühen von Nährlösungen/Prozesswasser zur Bildung von Nebel, der gleichfalls biologische Arbeitsstoffe enthalten kann.
Die Herstellung organischer Zuschlagstoffe als Strukturverbesserer entspricht im Prinzip der Grünschnittkompostierung. Die dabei anfallenden Arbeiten sind daher mit einer ähnlichen Exposition der Arbeitnehmer gegenüber Mikroorganismen vergleichbar (vgl. TRBA 214 Abfallbehandlungsanlagen einschließlich Sortieranlagen in der Abfallwirtschaft).
Bei diesen Verfahren ist eine Exposition gegenüber den biologischen Arbeitsstoffen nur beim Umgang mit Prozesswasser und Nährlösungen, z.B. bei Wartungs- und Reingungsarbeiten, bei Anlagenreparaturen sowie beim Ansetzen von Nährlösungen möglich. Der wichtigste Aufnahmepfad verläuft über die Haut. Die Bildung von Aerosolen und damit eine inhalative Aufnahme ist nur bei Havariefällen zu erwarten.
Abbildung 2: Entscheidungsdiagramm für die Gefährdungsbeurteilung bei Milzbrandverdachtsstandorten: hier beispielhaft Gerbereistandorte
Im Folgenden einige Anhaltspunkte zur Einordnung in Schutzstufen:
unbelasteter Boden, unbelastetes Grundwasser,
kein Zusatz biologischer Arbeitstoffe,
kein Einsatz von Prozesswasser,
wenn Nährlösungen innerhalb von 24 Stunden verbraucht werden,
wenn Nährlösungen innerhalb von einer Woche verbraucht werden und
keine organischen Substrate zugesetzt sind oder
die Nährlösung gekühlt (< 9°C) wird
wenn Anreicherungskulturen keine Mikroorganismen der Risikogruppe 2 oder höher enthalten. Die erforderlichen Untersuchungen sind vor Einbringen der Kulturen in den Boden durchzuführen. Flüssige Anreicherungskulturen müssen auf der Baustelle wie Nährlösungen behandelt werden,
kein Hinweis auf das Vorhandensein von Mikroorganismen der Risikogruppe 3 (z.B. Bacillus anthracis, Erreger des Milzbrandes, negative PCR),
wenn hygienisierte kompostierte Substrate, Rindenmulch, Stroh oder Grünschnittkompost verwendet werden.
Verdacht auf eine erhöhtes Vorhandensein von Mikroorganismen der Risikogruppe 2 (z.B. in nicht hygienisierten flüssigen Medien oder festen organischen Substraten),
Einsatz von Prozesswasser,
Einsatz von Nährlösungen und Anreicherungskulturen, die nicht die Bedingungen der Schutzstufe 1 erfüllen,
Einsatz undefinierter Anreicherungskulturen (z.B. Klärschlamm) bzw. Enzympräparate,
Verdacht auf Milzbranderreger (z.B. positiver PCR-Test, negativer Viabilitätstest, s. Abbildung 2), z.B. bei Standorten der Lederindustrie (siehe hierzu auch Gefährdungsbeurteilung entsprechend Abbildung 2).
Nachweis von Milzbranderregern, z.B. bei Standorten der Lederindustrie (siehe hierzu auch Gefährdungsbeurteilung entsprechend Abbildung 1)
Diese Arbeitsschutzmaßnahmen für Arbeiten in kontaminierten Bereichen sind in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 524 Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereichen sowie in der BG-Regel Arbeiten in kontaminierten Bereiche (BGR 128) des Fachausschusses Tiefbau festgelegt.
Für die Herstellung und Handhabung von Anreicherungskulturen in Laboratorien siehe auch die Anforderungen der TRBA 100 Schutzmaßnahmen für gezielte und nicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien.
Staub- und Nebelbildung ist zu vermeiden (siehe auch BG-Information Mineralischer Staub (BGI 5047)). Für Staub, der keine erbgutverändernde, krebserzeugende, fibrogene, allergisierende oder toxischeWirkung aufweist, gilt nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 900 Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) der Allgemeine Staubgrenzwert für alveolengängigen Staub (A-Staub) von 3mg/m3 und für einatembaren Staub (E-Staub) von 10 mg/m3.
Geeignete Kabinenschutzbelüftungsanlagen siehe Merkblatt für Fahrerkabinen mit Anlagen zur Atemluftversorgung auf Erdbaumaschinen und Spezialmaschinen des Tiefbaus (BGI 581).
Geeignete Atemschutzgeräte siehe Regel Benutzung von Atemschutzgeräten" (BGR 190).
Für Atemschutz gelten die unter Abschnitt 7.3.2 Nebel aufgeführten Schutzmaßnahmen.
Die kontaminierten Bereiche sind vor dem Zutritt Unbefugter zu schützen, einzuzäunen und mit dem Hinweis Milzbrandgefahr unter Verwendung des Symbols für Biogefährdung, (s. Abschnitt 7.3.4 bzw. Anhang 6) zu kennzeichnen. Die Schwarz/Weiß-Anlage ist in die Umzäunung einzubeziehen.
Sind auf dem Standort lebensfähige Milzbranderreger nachweisbar, sind diese Tätigkeiten im Sinne des § 2 Abs. 3 in Verbindung mit Anhang II der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (Baustellenverordnung  BaustellV) als besonders gefährliche Arbeiten einzustufen. Danach ist beim Einsatz von Beschäftigtenmehrerer Arbeitgeber vor Einrichtung der Baustelle ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan aufzustellen, um eine gegenseitige Gefährdung zu vermeiden. Weitere ggf. erforderliche Maßnahmen sind der Verordnung zu entnehmen.
Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung  AVV) erfolgen (BGBl. III/FNA 2129-27-2-14).Maßgeblich ist die Herkunft der Abfälle, nicht die einzelnen Inhaltsstoffe. Spezielle Schlüssel für bakterienbelastete Böden und Wässer gibt es nicht. Folgende AVV-Schlüssel scheinen hierfür geeignet zu sein:
Spezielle arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vor Antritt der Tätigkeit (Erstuntersuchung) zur Früherkennung von Gesundheitsstörungen, arbeitsbedingten Erkrankungen und Berufskrankheiten sind zu veranlassen. Hierzu gehören unter anderem Vorsorgeuntersuchungen, die nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) verpflichtend sind oder demBeschäftigten anzubieten sind. Der Unternehmer hat damit einen Arzt mit arbeitsmedizinischer Fachkunde oder mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin zu beauftragen und diesem ausreichend Zeit zur Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorgemaßnahmen zur Verfügung zu stellen (s. § 7 ArbMedVV).
Bei bekanntem Erregerspektrum ist bei einem oder mehreren zutreffenden Mikroorganismen nach dem speziellen Teil des arbeitsmedizinischen Grundsatzes 42 Tätigkeiten mit Infektionsgefahren der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zu untersuchen.
Bei Tätigkeiten auf Milzbrandverdachtsstandorten ist die Vorsorgeuntersuchung nach dem arbeitsmedizinischen Grundsatz 42 Tätigkeitenmit Infektionsgefahr, Abschnitt Bacillus anthracis durchzuführen.
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Anhang 1: Anforderungen und Anwendung der BioStoffV bezüglich der Gefährdungsbeurteilung
Zu § 3 der BioStoffV  Definition der Risikogruppen
TRBA 464 Einstufung von Parasiten in Risikogruppen,
TRBA 466 Einstufung von Bakterien in Risikogruppen
Merkblätter Sichere Biotechnologie; Eingruppierung biologischer Agenzien (BGI 631634) der Berufsgenossenschaft der Chemischen Industrie
Zu § 5 der BioStoffV  Informationen für die Gefährdungsbeurteilung
Entsprechend § 7 der BioStoffV sind Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen einer Schutzstufe von 1 bis 4 zuzuordnen. Die Sicherheitsmaßnahmen sind entsprechend auszuwählen.
Ist die Zuordnung zu einer Schutzstufe z.B. aufgrund unzureichender Informationen nicht möglich, sind entsprechend § 7 der BioStoffV nach dem Stand der Technik Art, Ausmaß und Dauer der Exposition der Beschäftigten gegenüber biologischen Arbeitsstoffen zu ermitteln und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen.
Dabei sind mindestens die allgemeinen Hygienemaßnamen der Schutzstufe 1 festzulegen. Diese allgemeinen Hygienemaßnahmen sind in der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 500 Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen aufgeführt.
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Anhang 2: Verfahrenstypische Arbeitsschritte
Verfahrenstypische Arbeitsschritte
Expositionsmöglichkeit
Spritz-wasser
Biobeet/
Boden-wäsche
Fest-stoff-reaktor
Fest-bett-reaktor
Suspen-sions-reaktor
Auskoffern, Be- und Entladen, Transport
Klassieren, Separieren
Bearbeitung des Bodens mit landwirt-schaftlichen
Aufbau von Biobeten oder Mieten
Umsetzung der Miete
Einbau von Drainage-schichten oder
Belüftungs-schläuchen
Ausbringen von Nährstoffen oder biologischen
Arbeitsstoffen durch Sprühtechnik
Arbeitsstoffen mit Schleuder-streuern
Mischen des Bodens mit trockenen Zuschlagstoffen
Ansetzen von Nährlösungen oder
Anzucht von Mikro-organismen in
Anzucht von Mikro-organismen auf festen
Medien (Stroh)
Abteufen von Einleit- und Entnahme-brunnen
Einleitung von Nährstoffen oder
Befüllen und Entleeren von Bioreaktoren
Probenahmen Boden
Probenahmen Wasser
Wartungs- und Reinigungs-arbeiten,
Beprobung und Austausch von Abfüllfiltern
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Anhang 3: Beispielhafte Aufzählung Biologischer Arbeitsstoffe
Beispielhafte Aufzählung Biologischer Arbeitsstoffe
Mikroorganismus Kontakt-
möglichkeit Mögliche
Erkrankungen Bemerkungen
Acinetobacter spec.
(z.B. A. calcoaceticus) Anzucht und Tätigkeiten mit
Gewässer Hirnhautentzündung
Wundinfektion B, S
Bacillus anthracis Ehemalige
(selten: Lungenmilzbrand) (I)1
Clostridiumspec.
(z. B. C. perfringens) Erdboden; unsachgemäße
von Substraten,
Nährlösungen Wundinfektionen
(z. B. Gasbrand) B
Clostridium tetani weltweit im Erdboden;
Lagerung von Substraten,
Nährlösungen Wundstarrkrampf I
(z. B. Ps. aeruginosa,
Ps. alcaligenes) Anzucht und Tätigkeiten mit
Feuchtbiotope, Erdboden,
Pflanzen Wundinfektion,
Lungenentzündung B, S
Nocardia spec.
(z. B.N. asteroides,
N. farcinica) Anzucht und Tätigkeiten mit
und Feuchtbiotope Abszessbildung in
Lunge, Hirn oder Haut B, S
(z. B. B. cepacia) Anzucht und Tätigkeiten mit
und Oberflächengewässer Hautabszesse B, S
(z.B. Enterococcus
spec., Enterobacter
spec.) Gülle/Klärschlamm
als Starterkultur;
nicht hygienisierter
Kompost, Pferdemist Infektionen B
Actinomyces spec.
Streptomyces spec. Eintrag fester organischer
(z. B. Rindenmulch,
Stroh, Kompost) Exogen allergische
Alveolitis (EAA); Atemwegserkrankungen S
(z. B. A. fumigatus) Eintrag fester organischer
Stroh, Kompost) Atemwegserkrankungen,
der Pilzsporen A, S
(z. B. A. alternata) Erdboden Atemwegsinfektionen,
Hautinfektionen B
Trichophyton spec. Eintrag fester
(z. B. Stroh,
Kompost,Mist) Pilzerkrankungen
der Haut (Dermatomykosen)
Microsporum spec. Erdboden, Eintrag
fester organischer
Substanzen (z. B.
Stroh,Kompost,Mist) Atemwegserkrankungen,
der Haut (Dermatomykosen) B, A
neoformans Erdbodenmit
bes. von Tauben Systemmykose
in Lunge,Gehirn,
Knochen,Milz,
Leber ( Informationen
s. BGI 892)
Hantaviren Mit Exkrementen
(Kot und Urin) von
Nagetieren verunreinigter
Boden Grippeähnliche
Erkrankungmit Beeinträchtigung
(Nephropathia
epidemica)
A = mögliche allergene Wirkungen
B = aus Wasser- und Bodenproben isolierte Spezies
S = Können bei Sanierungen eingesetzt werden, ein Abbau von Gefahrstoffen
wurde für diese Gattungen bzw. Spezies dieser Gattungen beschrieben
I = Impfstoff vorhanden
1 Schutzimpfung in Deutschland kurzfristig nicht verfügbar; Totimpfstoff in USA
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Anhang 4: Beispielhafte Aufzählung weiterer möglicher Erkrankungen bei Bodenarbeiten im Ausland
Beispielhafte Aufzählung weiterer möglicher Erkrankungen bei Bodenarbeiten im Ausland
Sporenherkunft Krankheit Befallene
Organsysteme Hauptsächliches
Vogel- und Fledermaus-exkremente Histoplasmose Lunge,Milz, Leber,
Augen,Gehirn,
Haut USA (mittlerer
Westen, Zentral- und
Südamerika),
Karibik,Afrika, Indonesien,
vereinzelt Endemiegebiete
Nicht bekannt Blastomykose Lunge,Haut Milz,
Leber,Gehirn,
Knochen USA, Kanada, Lateinamerika,
Israel, Saudi Arabien
und sporadisch
Kot von Nagetieren
Kokzidioido-mykose Lunge,Milz Leber,
Gehirn, Knochen In trockenen und
Gebieten der westlichen
(Kalifornien, Arizona,
Texas, NewMexico),
Human Lateinisch, sinngemäß vom Menschen stammend bzw. den Menschen betreffend. Auch mit der Bedeutung menschlich.
Kokzidioidomykose Wüstenfieber,meist nur als Befall der Atemwege mit grippeartigem Verlauf. Zusätzlich zum Wüstenfieber kann bei einer generalisierten Infektion fast jedes Organ befallen werden.
oral lateinisch sinngemäß durch den Mund,zum Mund bzw. zur Mundhöhle gehörig, auch mit der Bedeutung mündlich.
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Anhang 6: Symbol für Biogefährdung
W16 Warnung vor Biogefährdung
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Anhang 7: Memocard für Arbeiten auf Milzbrandverdachtsstandorten
Memocard für Arbeiten auf Milzbrandverdachtsstandorten
DGUV Information 201-005: Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV), Anhang 8: Vorschriften, Regeln, Literatur
Vorschriften, Regeln, Literatur
Nachstehend sind insbesondere die zu beachtenden einschlägigen Vorschriften und Regeln zusammengestellt:
Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Arbeitssicherheitsgesetz - ASiG),
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (Baustellenverordnung - BauStVO),
Verordnung für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstung bei der Arbeit (PSA-Benutzungsverordnung - PSA-BV),
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen (Biostoffverordnung - BioStoffV) mit Technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe (TRBA), insbesondere:
TRBA 406 "Sensibilisierende Stoffe"
TRBA 220 "Sicherheit und Gesundheit bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen" (identisch mit GUV-R 145 - Kooperationsmodell)
TRBA 500 "Allgemeine Hygienemaßnahmen:Mindestanforderungen"
Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen (Gefahrstoffverordnung Gef-StoffV),
Verordnung über die Sicherheitsstufen und Sicherheitsmaßnahmen bei gentechnischen Arbeiten in gentechnischen Anlagen (Gentechnik-Sicherheitsverordnung GenTSV).
(Bezugsquelle: zuständiger Unfallversicherungsträger
Internet: http://www.dguv.de/inhalt/praevention/vorschr_regeln/index.jsp )
Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit (BGV A2),
Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung amArbeitsplatz (BGV A8),
Bauwirtschaft (Überleitungsvorschrift) (BGV A10),
Bauarbeiten (BGV C22).
BG- oder GUV-Regeln
Arbeiten in kontaminierten Bereichen (BGR 128),
Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz Umgangmit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen (GUV-R 145, inhaltsgleich mit TRBA 220 – Kooperationsmodell)
Fahrerkabinen mit Anlagen zur Atemluftversorgung auf Erdbaumaschinen und Spezialmaschinen des Tiefbaues (BGI 581)
BGI 504-26: Auswahlkriterien für die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem
Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz G 26 "Atemschutzgeräte"
BGIA-Arbeitsmappe. Messungen von Gefahrstoffen, Loseblattsammlung. Hrsg.: Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitssicherheit - BGIA
9450 Verfahren zur Bestimmung der Endotoxinkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz (Bezugsquelle: Erich Schmid Verlag, Bielefeld).
3. Weitere Literaturstellen
(Bezugsquelle: Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Hamburger Chaussee 25, 24220 Flintbek)
"Leitfaden zur Erkundung ehemaliger Gerbereistandorte", BMBF-Forschungsvorhaben: Modellhafte Gefährdungsabschätzung ehemaliger Gerbereistandorte unter besonderer Berücksichtigung der einzelnen Produktionsverfahren. Projektträger:Umweltbundesamt. Förderkennzeichen 1460789. Federführung: Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, Projektleitung: Dr. Ulrike Ströh-Neben, 1998.
(Bezugsquelle:mhp-Verlag GmbH,Marktplatz 13, 65183 Wiesbaden oder http://www.vah-online.de )
Desinfektionsmittelliste des VAH (Verbundes für angewandte Hygiene e.V.) früher Desinfektionsmittelliste der deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie DGHM.
(Bezugsquelle: http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Biologische-Arbeitsstoffe/ABAS/aus-dem-ABAS/Mykotoxinbericht.html?__nnn=true&__nnn=true )
Sachstandsbericht "Die Bedeutung von Mykotoxinen im Rahmen der arbeitsplatzbezogenen Gefährdungsbeurteilung", siehe auch Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft 67 (2007) S. 407 - 417.
Webcode: M1506-1

References: § 5
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