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Timestamp: 2016-10-24 23:40:44+00:00

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113 IV 3210. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 16. Januar 1987 i.S. Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt gegen X. und Kons. (Nichtigkeitsbeschwerde)
Art. 19 ch. 2 let. a LStup. Cas grave. 1. S'agissant de stup�fiants qui peuvent �tre consomm�s de diverses mani�res, pour chacune desquelles la quantit� n�cessaire pour mettre en danger la sant� de nombreuses personnes est diff�rente, il faut se fonder sur la plus petite de ces quantit�s susceptibles de cr�er ce danger (pr�cision de la jurisprudence). 2. Une quantit� de 36 g d'amph�tamine peut mettre en danger la sant� de nombreuses personnes. Consid�rants � partir de page 33
BGE 113 IV 32 S. 33
2. Dem Beschwerdegegner H. wurde zur Last gelegt, er habe rund 300 g Amphetamin zwecks Weitergabe an Drittpersonen produziert. Die erste Instanz sah darin einen schweren Fall im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG. Das Appellationsgericht verneinte dagegen das Vorliegen eines schweren Falles im Sinne dieser Bestimmung, nahm aber Gewerbsm�ssigkeit nach Art. 19 Ziff. 2 lit. c BetmG an.
Gest�tzt auf ein Gutachten, wonach Amphetamin bei oraler Einnahme und einer Tagesdosis von 40-80 mg nach rund 180 Tagen bzw. bei intraven�ser Applikation und einer Tagesdosis von 500 mg nach rund 42 Tagen eine psychische Abh�ngigkeit bewirke, nahm das Appellationsgericht an, die "qualifizierende Menge" liege bei der ersten Anwendungsart bei ca. 144-288 g und bei der zweiten bei rund 420 g; da die Gef�hrlichkeit einer Droge aber nicht ausschliesslich von der Menge, sondern von weiteren Umst�nden, wie etwa der Anwendungsart, der zur Abh�ngigkeit f�hrenden Zeitspanne usw., abh�nge und nach st�ndiger und allgemein verbreiteter Erfahrung das Fixen die wirkungsvollere und deshalb weitaus gef�hrlichere Applikationsart als das Rauchen, das Schnupfen oder die orale Einnahme sei, sei f�r die Annahme eines qualifizierten Falles im Sinne des Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG die f�r die intraven�se Applikation massgebende Menge von 420 g zugrunde zu legen. Das Appellationsgericht verwarf damit die von der ersten Instanz unter Hinweis auf BGE 106 IV 232 vertretene Auffassung, wonach von der Applikationsart auszugehen sei, bei der die kleinere Menge zu Abh�ngigkeit f�hre und die aus diesem Grunde die gef�hrlichere sei.
3. Nach Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG liegt ein schwerer Fall vor, wenn der T�ter "weiss oder annehmen muss, dass sich die Widerhandlung auf eine Menge von Bet�ubungsmitteln bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann". Mit dieser Umschreibung des die Qualifikation begr�ndenden Gef�hrdungspotentials wird nicht die konkrete Verteilung und Verwendung des Stoffes erfasst, sondern das aus der Stoffmenge sich ergebende abstrakte Risiko (BGE 111 IV 102 E. 2b). Von der Applikationsart, der betroffenen Personengruppe und dergleichen abh�ngige Risikofaktoren fallen daher ausser Betracht, zumal sich der H�ndler in aller Regel nicht darum k�mmert noch wissen kann, von wem, wie und in welcher BGE 113 IV 32 S. 34Dosis die Droge schliesslich konsumiert werden wird (s. BGE 107 IV 151, 106 IV 232). Bei abh�ngigkeitserzeugenden Bet�ubungsmitteln, die auf unterschiedliche Art konsumiert werden k�nnen und bei denen entsprechend der Applikationsart verschieden grosse Mengen n�tig sind, um die Gesundheit vieler Menschen zu gef�hrden, ist daher - soll der vom Gesetz bezweckte Schutz erreicht werden - von der geringsten Stoffmenge auszugehen, die jene Gefahr bewirken kann. Etwas anderes wollte auch in BGE 107 IV 152 mit dem Hinweis auf die intraven�se Applikation als die gef�hrlichere Konsumart nicht gesagt werden, zumal bei Kokain, das in diesem Entscheid zur Diskussion stand, bei jener Anwendungsart tats�chlich geringere Stoffmengen die vom Gesetz verp�nte Wirkung entfalten k�nnen als bei nasalem Genuss. Soweit deshalb unter Zitierung dieses Entscheides in BGE 108 IV 66 E. 3 f�r die Bemessung der nach Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG erheblichen Menge von der gef�hrlicheren Konsumart und der bei dieser �blichen Rauschgiftdosis ausgegangen wurde, geschah dies weiterhin f�r Kokain, und es kann daraus nicht der Schluss gezogen werden, es sei auch dann auf die intraven�se Applikation als die "gef�hrlichere Konsumart" abzustellen, wenn dabei - wie dies gem�ss dem vorliegenden Gutachten bei Amphetamin der Fall zu sein scheint - f�r die Gef�hrdung der Gesundheit vieler Menschen eine gr�ssere Stoffmenge n�tig ist als bei einer "weniger gef�hrlichen" Applikationsart, wie etwa bei der oralen Einnahme. Die Art der Applikation ist entgegen den insoweit missverst�ndlichen Andeutungen in BGE 109 IV 144, 108 IV 66 und BGE 107 IV 152 kein selbst�ndiges Kriterium neben der Stoffmenge, sondern sie ist lediglich f�r die Bemessung der kleinsten Menge, welche die Gesundheit vieler Menschen gef�hrden kann, von Bedeutung. Bei Kokain ist dies die intraven�se Applikation (BGE 108 IV 67 oben), bei einem andern Bet�ubungsmittel kann es eine andere Anwendungsart sein.
4. a) Das Bundesgericht hat sich bis anhin noch nicht mit der Frage befassen m�ssen, welche Menge Amphetamin im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann. Anl�sslich eines vom Kassationshof im Jahre 1983 mit einem Expertenkollegium durchgef�hrten Kolloquiums (s. BGE 109 IV 144) �usserten die Fachleute die Meinung, dass die Angabe von vertretbaren Grenzwerten f�r Amphetamin und �hnliche Substanzen nicht m�glich sei; es wurde indessen BGE 113 IV 32 S. 35angedeutet, dass die Daten f�r Stimulantien vom Wirkungstyp des Amphetamins ungef�hr jenen f�r Kokain entsprechen k�nnten. F�r Kokain aber wurden 18 g als f�r die Gesundheit vieler Menschen gef�hrliche Menge angesehen. Zwischen diesem Wert und den im angefochtenen Urteil gest�tzt auf ein Gutachten angegebenen Amphetaminmengen von 144-288 g bzw. 420 g besteht eine so erhebliche Diskrepanz, dass sich der Kassationshof veranlasst sah, verschiedene Experten, die am Kolloquium vom Mai 1983 in Basel teilgenommen hatten, zur Frage der Gef�hrlichkeit des Amphetamins zu konsultieren. Dazu bestand unter den gegebenen Umst�nden auch deswegen Grund, weil nach der deutschen Rechtsprechung, auf die der Kassationshof in seinem Rundschreiben die angefragten Experten aufmerksam machte, 1,5 g Heroinhydrochlorid, 5 g Kokainhydrochlorid und 10 g Amphetaminbase eine "nicht geringe Menge" im Sinne von � 29 Abs. 3 Ziff. 4 und � 30 Abs. 1 Ziff. 4 dt.BtMG darstellen (s. NStZ 1986 S. 33 mit Hinweis auf die Ergebnisse des 6. Symposiums der toxikologischen Sachverst�ndigen der Landeskriminal�mter und des Bundeskriminalamtes vom 21./22. Mai 1986 in Berlin, s. dazu NStZ 1985 S. 163 f.), und demnach zwischen Kokain und Amphetamin ein Verh�ltnis von 1:2 angenommen wird.
Die Meinungen der Fachleute, welche auf das Rundschreiben des Kassationshofes antworteten, gehen auseinander. Mehrere Experten betonen, dass Angaben �ber die im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG gef�hrlichen Mengen bei Drogen allgemein und beim Amphetamin im besonderen schwierig sind. Ein Fachmann h�lt die relevante Menge f�r prinzipiell nicht bestimmbar. Nach der Auffassung einiger Experten ist aufgrund der heutigen Kenntnisse die Annahme eines Verh�ltnisses von 1:2 zwischen Kokain und Amphetamin vertretbar und kann somit die Menge von 36 g Amphetamin im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen. Andere Fachleute nehmen eine kleinere oder eine gr�ssere (1:5) Verh�ltniszahl an.
b) Unter Ber�cksichtigung dieser Stellungnahmen sowie der Tatsache, dass Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG einzig die Bet�ubungsmittelmenge, durch welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr gebracht werden kann, zum qualifizierenden Moment erhebt, h�lt der Kassationshof in �bereinstimmung mit der zitierten bundesdeutschen Rechtsprechung die Annahme eines Verh�ltnisses von 1:2 zwischen Kokain und Amphetamin f�r begr�ndet. Das bedeutet, dass die Menge von 36 g Amphetamin im Sinne von BGE 113 IV 32 S. 36Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann. Die Sache ist daher in Gutheissung der eidgen�ssischen Nichtigkeitsbeschwerde zur neuen Entscheidung im Sinne der Erw�gungen an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
107 IV 152,
109 IV 144,
106 IV 232,
111 IV 102 suite... ,
107 IV 151,
108 IV 66,
108 IV 67
Art. 19 ch. 2 let. a LStup,
Art. 19 Ziff. 2 lit. c BetmG

References: Art. 19

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