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Timestamp: 2020-08-06 19:49:16+00:00

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Rentenversicherungszeiten bei DDR-Bestandsübersiedlern | RentenBote
1. Februar 2017 VerbraucherBote Altersrente
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de zur die Bewer­tung von in der DDR zurück­ge­leg­ten ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Zei­ten von Per­so­nen, die aus der DDR vor dem 18.05.1990 in die dama­li­ge Bun­des­re­pu­blik über­ge­sie­delt sind, nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.
Die Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zur Ent­schei­dung (§ 93a Abs. 2 BVerfGG) lagen hier nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht vor. Der Ver­fas­sungs­be­schwer­de kommt kei­ne grund­sätz­li­che ver­fas­sungs­recht­li­che Bedeu­tung zu (§ 93 Abs. 2 Buch­sta­be a BVerfGG). Ihre Annah­me ist auch nicht zur Durch­set­zung des als ver­letzt bezeich­ne­ten Grund­rechts ange­zeigt (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be b BVerfGG).
Das Vor­brin­gen des Beschwer­de­füh­rers setzt sich inso­fern nicht in einer den Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de genü­gen­den Art und Wei­se damit aus­ein­an­der, dass sich weder aus dem in Art. 30 Abs. 5 Satz 1 des Eini­gungs­ver­tra­ges genann­ten Bun­des­ge­setz, dem Ren­ten­über­lei­tungs­ge­setz, noch aus dem nach­fol­gen­den Ren­ten­über­lei­tungs-Ergän­zungs­ge­setz eine Pflicht zur Bewer­tung von im Bei­tritts­ge­biet zurück­ge­leg­ten ren­ten­recht­li­chen Zei­ten nach dem Fremd­ren­ten­ge­setz über den Anwen­dungs­be­reich des § 259a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB VI hin­aus ergibt.
Das Bun­de­ver­fas­sungs­ge­richt hat zwar bis­lang nicht über die Fra­ge ent­schie­den, ob die von den Berech­tig­ten aus dem Fremd­ren­ten­ge­setz abge­lei­te­ten Anwart­schaf­ten dem Eigen­tums­schutz des Art. 14 Abs. 1 GG dann unter­lie­gen, wenn sie sich zusam­men mit den in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung der Bun­des­re­pu­blik erwor­be­nen Ren­ten­an­wart­schaf­ten zu einer ren­ten­recht­li­chen Gesamt­rechts­po­si­ti­on ver­bin­den 8. Die Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de genügt hin­ge­gen auch inso­weit nicht den sich aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG erge­ben­den Anfor­de­run­gen. Rich­tet sich dem­nach die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen eine gericht­li­che Ent­schei­dung, bedarf es in der Regel einer ins Ein­zel­ne gehen­den argu­men­ta­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung mit der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung und ihrer kon­kre­ten Begrün­dung 9. Auf die Aus­füh­run­gen des Beru­fungs­ge­richts geht der Beschwer­de­füh­rer hin­ge­gen nicht ein. Nach des­sen Ansicht besteht ein grund­ge­setz­li­cher Eigen­tums­schutz für eine sol­che ren­ten­recht­li­che Gesamt­po­si­ti­on nicht, weil eine nach dem Fremd­ren­ten­ge­setz erwor­be­ne Ren­ten­an­wart­schaft und eine spä­ter hin­zu­kom­men­de (bei einem Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger der Bun­des­re­pu­blik erwor­be­ne) Ren­ten­an­wart­schaft auch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt teil­bar sei und des­halb bei­de Anwart­schaf­ten unter­schied­li­chen recht­li­chen Schick­sa­len zugäng­lich sei­en.
Eine unzu­läs­si­ge unech­te Rück­wir­kung wegen der Ände­rung der Bewer­tung der in der DDR zurück­ge­leg­ten ren­ten­recht­li­chen Zei­ten legt der Beschwer­de­füh­rer eben­so nicht sub­stan­ti­iert und schlüs­sig dar.
Eine unech­te Rück­wir­kung ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­fas­sungs­recht­lich grund­sätz­lich zuläs­sig. Aus dem Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes und dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zip kön­nen sich jedoch Gren­zen der Zuläs­sig­keit erge­ben. Die­se sind aller­dings erst über­schrit­ten, wenn die vom Gesetz­ge­ber ange­ord­ne­te unech­te Rück­wir­kung zur Errei­chung des Geset­zes­zwecks nicht geeig­net oder erfor­der­lich ist oder wenn die Bestands­in­ter­es­sen der Betrof­fe­nen die Ver­än­de­rungs­grün­de des Gesetz­ge­bers über­wie­gen 10. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass in Ren­ten­an­wart­schaf­ten von vorn­her­ein die Mög­lich­keit von Ände­run­gen in gewis­sen Gren­zen ange­legt sind. Eine Unab­än­der­lich­keit der bei der Begrün­dung bestehen­den Bedin­gun­gen wider­sprä­che dem Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­hält­nis, das im Unter­schied zum Pri­vat­ver­si­che­rungs­ver­hält­nis von Anfang an nicht auf dem rei­nen Ver­si­che­rungs­prin­zip, son­dern wesent­lich auf dem Gedan­ken des sozia­len Aus­gleichs beruht 11. Daher gebührt dem Gesetz­ge­ber auch für Ein­grif­fe in bestehen­de Ren­ten­an­wart­schaf­ten Gestal­tungs­frei­heit. Inso­weit kommt es indes­sen dar­auf an, dass für die­se Ein­grif­fe legi­ti­mie­ren­de Grün­de gege­ben sind 12. Sol­che Grün­de lie­gen bei Rege­lun­gen vor, die dazu die­nen, die Funk­ti­ons- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Sys­tems der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung im Inter­es­se aller zu erhal­ten, zu ver­bes­sern oder ver­än­der­ten wirt­schaft­li­chen Bedin­gun­gen anzu­pas­sen 13.
Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz gebie­tet dem Gesetz­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln 14. Aus ihm erge­ben sich je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber, die von einem blo­ßen Will­kür­ver­bot bis zu einer stren­gen Bin­dung an die Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­se rei­chen 15. Bei der Über­prü­fung eines Geset­zes auf sei­ne Ver­ein­bar­keit mit dem Gleich­heits­satz ist vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zu unter­su­chen, ob der Gesetz­ge­ber die zweck­mä­ßigs­te oder gerech­tes­te Lösung gefun­den hat, son­dern nur, ob er die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gren­zen sei­ner Gestal­tungs­frei­heit über­schrit­ten hat 16.
Im Rah­men einer mög­li­chen Recht­fer­ti­gung der Ungleich­be­hand­lung las­sen die Aus­füh­run­gen des Beschwer­de­füh­rers eben­so wie bei der Rüge der Ver­let­zung des Grund­sat­zes des Ver­trau­ens­schut­zes eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Fra­ge ver­mis­sen, ob die fort­wäh­ren­de Anwen­dung des Fremd­ren­ten­ge­set­zes auf die vor dem 1.01.1937 gebo­re­nen Ver­si­cher­ten gerecht­fer­tigt ist, weil sie zum Zeit­punkt der Ein­füh­rung des § 259a SGB VI im Jahr 1992 rela­tiv nah an der Gren­ze zur Regel­al­ters­ren­te waren und dem danach gebo­re­nen Per­so­nen­kreis die Mög­lich­keit ver­blie­ben ist, sich auf die geän­der­te Bewer­tung ein­zu­stel­len. Der Beschwer­de­füh­rer setzt sich inso­fern auch nicht mit der bereits erwähn­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus­ein­an­der, wonach in Ren­ten­an­wart­schaf­ten von vorn­her­ein die Mög­lich­keit von Ände­run­gen in gewis­sen Gren­zen ange­legt ist 11.
vgl. BVerfGE 116, 96, 124[↩]
vgl. BVerfGE 88, 40, 45; 101, 331, 345 f.[↩]
Insol­venz­si­che­rung für einen betrieb­li­chen Über­gangs­zu­schuss
Berück­sich­ti­gungs­zei­ten wegen Pfle­ge – und die Antrags­fris­ten
Schul- und Stu­di­en­zei­ten in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung
Start­gut­schrift für ren­ten­fern Ver­si­cher­te in der VBL

References: Art. 30
 § 259
 Art. 14
 § 23
 § 92
 § 259