Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/zustellung-einer-beschlussverfuegung-3140109
Timestamp: 2019-11-15 23:33:34+00:00

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Zustel­lung einer Beschluss­ver­fü­gung | Rechtslupe
Für die Zustel­lung einer im Beschluss­we­ge erwirk­ten einst­wei­li­gen Ver­fü­gung genügt seit dem 1.07.2014 die Über­mitt­lung einer vom Gericht beglau­big­ten Abschrift des Eil­rechts­ti­tels.
Seit dem Inkraft­tre­ten der Neu­fas­sung des § 317 ZPO durch das Gesetz zur För­de­rung des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs mit den Gerich­ten vom 10.10.2013 1 am 1.07.2014 wer­den Urtei­le den Par­tei­en von Amts wegen grund­sätz­lich in Abschrift zuge­stellt, die nach § 169 Abs. 2 Satz 1 ZPO von der Geschäfts­stel­le des Gerichts zu beglau­bi­gen ist. Aus­fer­ti­gun­gen eines Urteils wer­den nach § 317 Abs. 2 Satz 1 ZPO nur noch auf Antrag einer Par­tei erteilt, wobei die­se Aus­fer­ti­gung regel­mä­ßig weder Tat­be­stand noch Ent­schei­dungs­grün­de ent­hält (§ 317 Abs. 2 Satz 3 Halb­satz 1 ZPO). Damit ist die Über­sen­dung einer beglau­big­ten Abschrift zur Regel­form der Urteils­zu­stel­lung gewor­den und für den Beginn der Rechts­mit­tel­fris­ten aus­rei­chend 2. Dem­entspre­chend bedarf auch die Amts­zu­stel­lung einer im Urteils­we­ge erlas­se­nen einst­wei­li­gen Ver­fü­gung ledig­lich der Über­mitt­lung einer vom Gericht beglau­big­ten Urteils­ab­schrift.
Nichts ande­res gilt seit dem 1.07.2014 für die Zustel­lung einer Beschluss­ver­fü­gung 3. Gemäß §§ 936, 922 Abs. 2 ZPO hat der Antrag­stel­ler die von ihm im Beschluss­we­ge erwirk­te einst­wei­li­ge Ver­fü­gung dem Antrags­geg­ner im Par­tei­be­trieb zustel­len zu las­sen. Gemäß § 192 Abs. 1 und 2 ZPO hat er hier­für das zuzu­stel­len­de Schrift­stück dem mit der Zustel­lung beauf­trag­ten Gerichts­voll­zie­her zu über­ge­ben. Eben­so wie für eine Urteils­ver­fü­gung genügt für eine Beschluss­ver­fü­gung die Über­ga­be und Zustel­lung einer vom Gericht beglau­big­ten Abschrift (§ 329 Abs. 1 Satz 2, § 317 Abs. 2 Satz 1, § 169 Abs. 2 Satz 1 ZPO). Die Zustel­lung einer beglau­big­ten Abschrift ist stets dann aus­rei­chend, aber auch erfor­der­lich, wenn das Gesetz kei­ne ande­re Rege­lung ent­hält 4. Durch den Akt der Beglau­bi­gung durch den Urkunds­be­am­ten der Geschäfts­stel­le soll die Über­ein­stim­mung zwi­schen Urschrift und Abschrift hin­rei­chend sicher­ge­stellt wer­den 5. Es gibt kei­nen erkenn­ba­ren sach­li­chen Grund dafür, an die Zustel­lung (und damit: an die Wirk­sam­keit und Voll­zie­hung) einer Beschluss­ver­fü­gung stren­ge­re Anfor­de­run­gen zu stel­len als an die (die Zwangs­voll­stre­ckungs­vor­aus­set­zun­gen nach § 750 Abs. 1 Satz 1 ZPO her­bei­füh­ren­de) Zustel­lung einer Urteils­ver­fü­gung 6.
Es spricht auch viel für die Auf­fas­sung, dass ein dies­be­züg­li­cher Zustel­lungs­man­gel durch Über­mitt­lung einer vom Gerichts­voll­zie­her beglau­big­ten ein­fa­chen Abschrift des Eil­rechts­ti­tels gemäß § 189 ZPO geheilt wer­den kann.
Nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wird der Man­gel der unter­blie­be­nen Zustel­lung einer beglau­big­ten Abschrift einer Kla­ge­schrift durch die von der Geschäfts­stel­le des Gerichts ver­an­lass­te Über­mitt­lung einer (mit der Ori­gi­nal­ur­kun­de über­ein­stim­men­den) ein­fa­chen Abschrift die­ses Schrift­stücks geheilt 7. Glei­ches gilt bei der Zustel­lung ledig­lich einer ein­fa­chen statt einer beglau­big­ten Abschrift einer Nach­weis­ur­kun­de im Sin­ne von § 750 Abs. 2 ZPO 8. § 189 ZPO ist im Ein­klang mit der Ziel­set­zung des Gesetz­ge­bers grund­sätz­lich weit aus­zu­le­gen. Er hat den Sinn, die förm­li­chen Zustel­lungs­vor­schrif­ten nicht zum Selbst­zweck erstar­ren zu las­sen, son­dern die Zustel­lung auch dann als bewirkt anzu­se­hen, wenn der Zustel­lungs­zweck ander­wei­tig, näm­lich durch tat­säch­li­chen Zugang, erreicht wird. Der Zweck der Zustel­lung ist es, dem Adres­sa­ten ange­mes­se­ne Gele­gen­heit zu ver­schaf­fen, von einem Schrift­stück Kennt­nis zu neh­men, und den Zeit­punkt der Bekannt­ga­be zu doku­men­tie­ren 9. Ist die Gele­gen­heit zur Kennt­nis­nah­me für den Zustel­lungs­adres­sa­ten gewähr­leis­tet und steht der tat­säch­li­che Zugang des betref­fen­den Schrift­stücks bei ihm fest, bedarf es daher beson­de­rer Grün­de, die Zustel­lungs­wir­kung ent­ge­gen dem Wort­laut des § 189 ZPO nicht ein­tre­ten zu las­sen 10. Sol­che Grün­de kön­nen etwa dann gege­ben sein, wenn das Gesetz die Zustel­lung einer Aus­fer­ti­gung vor­sieht, um von vorn­her­ein jeg­li­che Zwei­fel an der Authen­ti­zi­tät und Amt­lich­keit des zuge­stell­ten Schrift­stücks aus­zu­schlie­ßen 11.
n Anbe­tracht die­ser Grund­sät­ze liegt es nahe, dass der Man­gel der unter­blie­be­nen Zustel­lung der vom Urkunds­be­am­ten der Geschäfts­stel­le beglau­big­ten Abschrift einer Beschluss­ver­fü­gung durch die vom Gerichts­voll­zie­her ver­an­lass­te Über­mitt­lung einer von ihm selbst beglau­big­ten (mit der Ori­gi­nal­ur­kun­de über­ein­stim­men­den) ein­fa­chen Abschrift des Eil­rechts­ti­tels geheilt wer­den kann. Über die­se Fra­ge ist jedoch höchst­rich­ter­lich bis­lang nicht ent­schie­den, und in der Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te herrscht inso­weit kein ein­heit­li­ches Mei­nungs­bild. Zwar wird die Hei­lung eines Zustel­lungs­man­gels der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung nach § 189 ZPO nun­mehr über­wie­gend als grund­sätz­lich mög­lich ange­se­hen 12. Nicht geklärt ist aber, ob die Über­mitt­lung einer blo­ßen Kopie (ein­fa­chen Abschrift) der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung für eine Hei­lung des Zustel­lungs­man­gels aus­reicht 13. Eine sol­che Hei­lungs­mög­lich­keit wird im Hin­blick auf die Authen­ti­zi­tät und Amt­lich­keit des zuzu­stel­len­den Schrift­stücks als pro­ble­ma­tisch ange­se­hen. Die­sen Beden­ken könn­te indes­sen, wor­auf das Beru­fungs­ge­richt hin­ge­wie­sen hat, Genü­ge getan sein, wenn eine ein­fa­che Abschrift der Beschluss­ver­fü­gung durch den zustel­len­den Gerichts­voll­zie­her beglau­bigt wor­den ist und dem Emp­fän­ger hier­durch zurei­chend Gewiss­heit über die Authen­ti­zi­tät und Amt­lich­keit des Eil­rechts­ti­tels ver­schafft wird.
Die­se Fra­ge bedurf­te aller­dings im hier ent­schie­de­nen Fall kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung.
Kla­ge auf Stun­den­gut­schrift auf dem Arbeits­zeit­kon­to Der Antrag, einem Arbeits­zeit­kon­to Stun­den "gut­zu­schrei­ben", ist hin­rei­chend bestimmt, wenn der Arbeit­ge­ber für den Arbeit­neh­mer ein Zeit­kon­to führt, auf dem zu erfas­sen­de Arbeits­zei­ten nicht auf­ge­nom­men…
BGH, Beschlüs­se vom 27.01.2016 XII ZB 684/​14, NJW 2016, 1180, 1181 Rn. 16; und vom 15.02.2018 – V ZR 76/​17, NJOZ 2018, 1145 Rn. 4, jeweils mwN[↩]
so auch OLG Mün­chen, GRUR 2018, 444, 446 Rn. 39; OLG Ham­burg, Urteil vom 25.07.2018 3 U 51/​18, BeckRS 2018, 17282 Rn. 16 ff mwN; BeckOKZPO/​Mayer, § 922 Rn. 11 [Stand: 1.12 2018]; Zöller/​G. Voll­kom­mer, ZPO, 32. Aufl., § 922 Rn. 11 und § 929 Rn. 12a; zur Rechts­la­ge vor dem 1.07.2014 s. OLG Zwei­brü­cken, Urteil vom 21.05.2015 4 U 145/​14, BeckRS 2015, 20470 Rn. 34 ff, 36 mwN[↩]
s. etwa BGH, Urtei­le vom 22.12 2015 – VI ZR 79/​15, BGHZ 208, 255, 257 ff Rn. 9 ff; und vom 13.09.2017 – IV ZR 26/​16, NJW 2017, 3721 Rn. 11[↩]
BGH, Urteil vom 22.12 2015 aaO S. 259 Rn. 13[↩]
OLG Ham­burg aaO Rn. 18 ff, 21[↩]

References: § 317
 § 169
 § 317
 § 192
 § 317
 § 169
 § 750
 § 189
 § 750
 § 189
 § 189
 § 189
 § 922
 § 922
 § 929