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Timestamp: 2016-10-23 22:16:04+00:00

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106 V 48
106 V 4811. Urteil vom 15. April 1980 i.S. Wegmann gegen Schweizerische Unfallversicherungsanstalt und Versicherungsgericht des Kantons Z�rich
Art. 76 LAMA. Rente d�gressive et transitoire en cas de mutilation peu importante d'un doigt. Faits � partir de page 48
BGE 106 V 48 S. 48
A.- Ernst Wegmann verunfallte am 15. September 1975 an seinem Arbeitsplatz und erlitt dabei eine offene Querfraktur des linken Zeigefingers mit Fraktur des distalen K�pfchens der Mittelphalanx. Der Kreisarzt der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) stellte am 16. September 1976 als bleibende Behinderung einen Streckausfall im Mittelgelenk des verletzten Fingers von 20 Grad und im Nagelgelenk von 35 Grad fest. Beim Faustschluss sperre der Zeigefinger um 2 cm. Medizinisch-theoretisch k�nne man noch nicht von einer messbaren Verminderung der Erwerbsf�higkeit sprechen.
Am 26. Januar 1976 nahm Ernst Wegmann die bisherige T�tigkeit als Mechaniker-Meister wieder vollst�ndig auf. Anfangs M�rz 1976 wurde er in das technische Lager der Fabrik versetzt, wo er sich als Magaziner bet�tigte. Er erkl�rte am 19. September 1976 gegen�ber dem SUVA-Sachbearbeiter, dass die Versetzung ins Magazin nur teilweise unfallbedingt gewesen sei. Er habe mit seinem Vorgesetzten Meinungsverschiedenheiten gehabt.
N., der direkte Vorgesetzte des Versicherten, f�hrte am 20. Oktober 1976 vor dem SUVA-Sachbearbeiter aus, dass die Mechanikerarbeit vorab Fingerfertigkeit erfordere. Er sch�tze die unfallbedingte Leistungseinbusse von Ernst Wegmann auf durchschnittlich 20%. Man habe ihn ausschliesslich wegen der Unfallfolgen auf den Magazinerposten versetzt. Dort sei er mit einem Meisterlohn (er komme auf einen Jahresbruttolohn von Fr. ...) grunds�tzlich �berbezahlt. Der Vorg�nger an dieser Stelle habe monatlich Fr. 2'300.-- verdient. Ohne Unfall h�tte Ernst Wegmann auf den 1. Januar 1976 wie alle andern Mitarbeiter in seiner Abteilung eine Lohnerh�hung von BGE 106 V 48 S. 49Fr. 100.-- monatlich erhalten. Laut Auskunft der Personalabteilung wurde gegen�ber Ernst Wegmann auf eine Sal�rreduktion verzichtet, da es sich um einen langj�hrigen Mitarbeiter handle, doch sei mit einer langsamer verlaufenden Lohnentwicklung zu rechnen.
Mit Verf�gung vom 11. Januar 1977 er�ffnete die SUVA Ernst Wegmann, dass ihm f�r die Zeit vom 18. Januar 1976 bis 31. Januar 1979 eine Rente ausgerichtet werde. Nach Ablauf dieser Zeit falle die Rente ohne vorherige Anzeige dahin, weil dann eine messbare unfallbedingte Beeintr�chtigung der Erwerbsf�higkeit nicht mehr bestehen werde. Den Grad der Erwerbsunf�higkeit setzte die SUVA f�r die Zeit bis zum 31. Juli 1978 auf 20%, ab dann auf 10% fest.
B.- Beschwerdeweise Verlangte Ernst Wegmann, die Verf�gung der SUVA sei dahingehend abzu�ndern, dass auch nach dem 31. Januar 1979 eine Rente von 10% auszurichten sei. Am 21. Februar 1978 wies das Versicherungsgericht des Kantons Z�rich die Beschwerde ab.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst Ernst Wegmann seinen Antrag erneuern. In der Begr�ndung wird im wesentlichen ausgef�hrt, dass die Versetzung vom Werkmeister zur tiefer bewerteten Stelle des Magaziners bereits eine dauernde Invalidit�t von 10% bedeute. Die Leistungseinbusse als Mechaniker-Meister betrage laut N. 20%, und es k�nnte argumentiert werden, dass auch in Zukunft am bisherigen Arbeitsplatz eine solche Invalidit�t gegeben sei. Da Ernst Wegmann wegen der Unfallfolgen Magaziner bleibe, ergebe sich eine Invalidit�t von weit mehr als 10%...
1. Nach Art. 76 KUVG haben verunfallte Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn von weiterer �rztlicher Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten ist und der Unfall eine voraussichtlich bleibende Erwerbsunf�higkeit hinterl�sst. Die Rente betr�gt bei g�nzlicher Erwerbsunf�higkeit 70% des zuletzt erzielten Jahresverdienstes (Art. 77 KUVG). Die f�r den Rentenanspruch massgebende Invalidit�t entspricht dem Verh�ltnis zwischen dem Erwerbseinkommen, das der Versicherte ohne Invalidit�t zu erzielen verm�chte, und dem Einkommen, welches er BGE 106 V 48 S. 50trotz des versicherten Gesundheitsschadens nach seinen beruflichen F�higkeiten zumutbarerweise noch zu erwerben f�hig ist (BGE 98 V 166).
Die Renten werden - unter Vorbehalt der Revision gem�ss Art. 80 KUVG - grunds�tzlich auf unbestimmte Zeit gew�hrt. Rechtsprechung und Doktrin haben jedoch seit jeher die Zusprechung abgestufter und befristeter Renten als zul�ssig erkannt. Es soll damit F�llen Rechnung getragen werden, in welchen bereits anl�sslich der Rentenfestsetzung Vorauszusehen ist, dass sich die Auswirkungen auf die Erwerbsf�higkeit zufolge Anpassung und Angew�hnung des Versicherten an die Unfallfolgen in absehbarer Zeit ausgleichen werden (EVGE 1956 S. 8; unver�ffentlichte Urteile Brem vom 24. August 1972, Vitulli vom 11. April 1973, Romano Vom 11. April 1975, Toquero vom 23. Januar 1976 und Vinals vom 26. Januar 1977; MAURER, Recht und Praxis der Schweizerischen obligatorischen Unfallversicherung, 2. Aufl., S. 218, 230 Ziff. 9 und S. 245 Ziff. 6a).
2. Die Bemessung der Rente mit 20% bis 31. Juli 1978 und 10% ab 1. August 1978 ist nicht angefochten. Streitig ist einzig die Frage, ob die Terminierung der Rente Rechtens ist bzw. ob eine zeitlich unbefristete Rente h�tte zugesprochen werden m�ssen.
a) Es ist eine Erfahrungstatsache, dass Fingerverst�mmelungen geringeren Ausmasses trotz des bleibenden Defekts nach einer gewissen Phase der Anpassung und Angew�hnung keine oder nur noch eine minimale Verminderung der Erwerbsf�higkeit bewirken. Dieser Faktor ist bei der Festsetzung der Rente zu ber�cksichtigen und daher in solchen F�llen in der Regel eine zeitlich befristete Rente zuzusprechen (EVGE 1952 S. 81, 1951 S. 78, 1938 S. 81; unver�ffentlichte Urteile Vinals vom 26. Januar 1977 und Jeandupeux Vom 18. Juni 1959).
Da der Unfallschaden des Beschwerdef�hrers einen verh�ltnism�ssig geringen Funktionsausfall der linken Hand bewirkt, hat die SUVA zu Recht der vorstehend genannten Praxis des Eidg. Versicherungsgerichts Rechnung getragen. Es konnte aufgrund der unfallmedizinischen Erfahrung beim Beschwerdef�hrer erwartet werden, dass er die Behinderung der linken Hand durch vermehrte funktionelle Umstellung auf die rechte allm�hlich wettmache. Der Beschwerdef�hrer kann sich im weiteren damit behelfen, dass er kleine und kleinste Gegenst�nde BGE 106 V 48 S. 51etwa mit dem Daumen und dem Mittelfinger der linken Hand fasst und handhabt. Nach einiger �bung d�rfte so auch f�r kompliziertere Handgriffe die fr�here Fertigkeit der linken Hand ann�hernd wieder erreicht werden. Aufgrund dieser erfahrungsgem�ss zu erwartenden Anpassung und Angew�hnung an den Unfallschaden durfte die SUVA berechtigtermassen annehmen, die Invalidit�t w�rde sich im Laufe der Zeit verringern und schliesslich unter den von der Praxis f�r die Ausrichtung einer Rente angenommenen Grenzwert fallen (unver�ffentlichtes Urteil Romano vom 11. April 1975; MAURER, a.a.O., S. 229). Die Bemessung der Invalidit�t (20% bis 31. Juli 1978, ab dann 10%) und der erforderlichen Anpassungs- und Angew�hnungszeit ist nicht zu beanstanden.
b) Was der Beschwerdef�hrer dagegen vorbringt, ist unbehelflich. Nicht entscheidend kann sein, dass der Beschwerdef�hrer Linksh�nder ist (EVGE 1951 S. 78). Diese Erschwernis l�sst sich ohne �berm�ssige Anstrengung durch Umgew�hnung beheben. Nicht geh�rt werden kann ferner der Einwand, die Terminierung der Rente bereits am 11. Januar 1977 sei nicht gerechtfertigt, da selbst nach Auffassung der SUVA die Frage, ob die zu erwartende, Besserung bis 31. Januar 1979 eintrete, besser in diesem Zeitpunkt beurteilt Werden k�nne. Die Zusprechung einer terminierten Rente ist statthaft, wenn die zuk�nftige Angew�hnung voraussehbar und wahrscheinlich ist; sie braucht nicht sicher zu sein (EVGE 1931 S. 101). Sowohl Voraussehbarkeit als auch Wahrscheinlichkeit der Anpassung und Angew�hnung waren vorliegendenfalls gegeben.
Schon im Zeitpunkt der Verf�gung (11. Januar 1977) eine dauernde Invalidit�t von 10% anzunehmen, rechtfertigt sich entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers nicht. Die Sch�tzung der unfallbedingten Leistungseinbusse mit 20% durch N. am 20. Oktober 1976 kann sich nur auf die Arbeitsf�higkeit des Beschwerdef�hrers bis zur Versetzung ins Magazin beziehen und ber�cksichtigt daher die zu erwartende Angew�hnung und Anpassung an den Unfallschaden nicht. Der Umstand ferner, dass der Beschwerdef�hrer ins Magazin versetzt wurde und somit ab anfangs M�rz 1976 den bisherigen Beruf als Mechaniker-Meister nicht mehr aus�bte, ist f�r die Festsetzung der Invalidit�t im vorliegenden Fall ohne Belang. Entscheidend ist vielmehr, dass der Beschwerdef�hrer nach unfallmedizinischer Erfahrung in absehbarer Zeit infolge Angew�hnung BGE 106 V 48 S. 52und Anpassung aller Wahrscheinlichkeit nach als Mechaniker-Meister nicht mehr in rentenbegr�ndendem Ausmass erwerbsunf�hig w�re. Unter diesem Gesichtspunkt k�nnen weder die Versetzung in die angeblich tiefer bewertete Stelle im Magazin noch die entgangenen Reallohnerh�hungen im Jahre 1976 und 1977 Beachtung finden. Angesichts der Lohnerh�hung per 1. Januar 1978 scheint im �brigen nicht festzustehen, dass die Lohnentwicklung - wie behauptet - langsamer verlaufen wird.
98 V 166
Art. 76 LAMA,
Art. 77 KUVG,
Art. 80 KUVG

References: Art. 76

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 Art. 76
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 Art. 80
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Art. 76

Art. 77

Art. 80