Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%202012,%20106
Timestamp: 2019-03-20 16:20:28+00:00

Document:
BFH, 09.02.2011 - I R 54, 55/10, I R 54/10, I R 55/10 - dejure.org
BFH, 09.02.2011 - I R 54, 55/10, I R 54/10, I R 55/10
§ 2 Abs 1 GewStG 1999, § 2 Abs 2 S 2 GewStG 1999, § 8 Nr 1 GewStG 1999, § 14 Nr 1 KStG 1999, § 14 Nr 2 KStG 1999
Gewerbesteuerliche Organschaft zwischen in Großbritannien ansässigem Organträger und inländischer Organgesellschaft über inländische Zwischenholding
Gewerbesteuerliche Organschaft zwischen einem in Großbritannien ansässigen Organträger und einer inländischen Organgesellschaft über eine inländische Zwischenholding; Unmittelbare Beteiligung eines Unternehmens an einem anderen Unternehmen als Voraussetzung für die wirtschaftlichen Eingliederung eines beherrschten Unternehmens in ein anderes gewerblich herrschendes Unternehmen; Haltung einer Beteiligung i.R.e. Organkette über die Zwischenschaltung einer vermögensverwaltenden Holdinggesellschaft im Falle einer alleinigen Organträgerschaft des herrschenden Unternehmens
Zur gewerbesteuerlichen Organschaft zwischen einem in Großbritannien ansässigen Organträger und einer inländischen Organgesellschaft
Grenzüberschreitende gewerbesteuerliche Organschaft anerkannt
Grenzüberschreitende Organschaft über inländische Zwischenholding
Wirtschaftliche Eingliederung in eine britische Kapitalgesellschaft
Kurznachricht zu "Die Anwendung der deutschen Organschaft bei grenzüberschreitenden Sachverhalt" von StB/CPA Dr. Arne Schnitger, LL.M. und Dipl.-Kffr. Christina Berliner, original erschienen in: IStR 2011, 753 - 762.
Grenzenlose Organschaft
Grenzüberschreitende gewerbesteuerliche Organschaft
Körperschaftsteuersubjekte
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 09.02.2011, Az.: I R 54, 55/10 (Gewerbesteuerliche Organschaft zwischen einem in Großbritannien ansässigen Organträger und einer inländischen Organgesellschaft ...)" von Prof. Dr. Jörg Manfred Mössner, original erschienen in: IStR 2011, 345 - 350.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 09.02.2011; Az.: I R 54/10, 55/10 (Grenzüberschreitende gewerbesteuerliche Organschaft anerkannt)" von RA/FASteuerR/StB Marc H. Kotyrba, original erschienen in: BB 2011, 1379 - 1383.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 09.02.2011, Az.: I R 54, 55/10 (Organschaft: Gewerbesteuerliche Organschaft zwischen einem in Großbritannien ansässigen Organträger und einer inländischen ...)" von WP/StB Prof. Dr. Helmut Rehm und RA/StB Jürgen Nagler, original erschienen in: GmbHR 2011, 547 - 553.
Kurznachricht zu "Abschied (auslandsbeherrschter) inländischer Kapitalgesellschaften von der deutschen Ertragssteuerpflicht? - Erste Anmerkungen zum überraschenden Urteil des BFH v. 9.2.2011 (I R 54, 55/10, DStR 2011, 762)" von WP/StB Prof. Dr. Thomas Rödder und RA/FAStR/Dipl.-Kfm. Dr. Jens Schönfeld, original erschienen in: DStR 2011, 886 - 890.
Kurznachricht zu "Die grenzüberschreitende gewerbesteuerliche Organschaft" von StB Gunnar Tetzlaff und StB Robert Pockelwald, original erschienen in: StuB 2011, 414 - 419.
Kurznachricht zu "Keine Diskriminierung nach Art. XX Abs. 4 DBA-Großbritannien in Fällen ausländerbeherrschter Inlandskapitalgesellschaften" von RegDir Wolfgang Mitschke, original erschienen in: IStR 2011, 537 - 542.
Kurznachricht zu "Grenzüberschreitende Organschaft - wo stehen wir?" von Prof. Dr. Gerrit Frotscher, original erschienen in: IStR 2011, 697 - 703.
Kurznachricht zu "Das Treaty Override zur Verhinderung einer Keinmalbesteuerung aus Sicht der Finanzverwaltung" von RegDir Wolfgang Mischke, original erschienen in: DStR 2011, 2221 - 2229.
Kurznachricht zu "Die geplante Neuregelung der ertragsteuerlichen Organschaft" von WP/StB Dr. Martin Lenz und StB Dr. Gerrit Adrian und StBin Eva Handwerker, original erschienen in: BB 2012, 2851 - 2859.
Kurznachricht zu "Organschaftliche Ausgleichszahlungen im DBA-Recht" von RA/FASteuerR Dr. Florian Haase, M.I.Tax, original erschienen in: IStR 2012, 659 - 663.
Kurznachricht zu "Keine sog. Organschaft über die Grenze aufgrund des DBA-Diskriminierungsverbots" von RA/FASteuerR/StB Dr. Stefan Behrens, original erschienen in: BB 2012, 485 - 490.
Kurznachricht zu "Grenzüberschreitende Organschaft - Finanzverwaltung lehnt neuere BFH-Rechtsprechung ab" von Dipl.-Fw. Karsten Kusch und Thomas Schöneborn, LL.M., original erschienen in: NWB 2012, 1231 - 1236.
Kurznachricht zu "Keine Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Gruppenbesteuerung? - Nichtanwendungserlass des BMF zum BFH-Urteil vom 9. 2. 2011 - I R 54, 55/10" von Dr. Kai Schulz-Trieglaff, LL.M., original erschienen in: StuB 2012, 191 - 194.
Kurznachricht zu "Unionsrechtliche Problembereiche bei der Hinausverschmelzung von Organträger-Kapitalgesellschaften" von WP/StB Prof. Dr. Gerhard Kraft und Stefan Michel, original erschienen in: IStR 2012, 882 - 885.
Kurznachricht zu "Organträger-Personengesellschaft mit ausländischen Gesellschaftern: Zur Anwendung des § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 7 KStG" von Ewald Dötsch und Alexandra Pung, original erschienen in: DB 2014, 1215 - 1218.
BFH, 14.07.2010 - I R 54/10
BFH, 14.07.2010 - I R 55/10
BFHE 232, 476
ZIP 2011, 1059 (Ls.)
BB 2011, 1379
BB 2012, 1124
DB 2011, 853
BStBl II 2012, 106
NZG 2011, 598
Mit Schreiben vom ... 2011 stellte die Klägerin unter Hinweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 09.02.2011 I R 54, 55/10 (BStBl II 2012, 106) den Antrag, die Gewerbesteuermessbeträge für die Jahre 1996 bis 2000 auf "Null DM/EUR" herabzusetzen.
Der BFH habe jedoch in seinem Urteil vom 09.02.2011 (I R 55/10, a. a. O., 982) festgestellt, dass auch ausländische Gesellschaften Organträger sein könnten.
Im Urteil vom 09.02.2011 (I R 55/10 a. a. O.), das den Fall einer inländischen Organgesellschaft und eines britischen Organträgers unter Beachtung des Art. XX Abs. 4 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und zur Verhinderung der Steuerverkürzung vom 26.11.1964 in der Fassung des Revisionsprotokolls vom 23.03.1970 (DBA-Großbritannien 1964/1970) behandele, habe der BFH seine Entscheidung mit der Ungleichbehandlung inländischer Gesellschaften, die von einer ausländischen Gesellschaft beherrscht würden, und inländischen Gesellschaften, die von einer inländischen Gesellschaft beherrscht würden, begründet.
Die Rechtslage habe sich durch das BFH-Urteil I R 55/10 dahingehend geändert, dass auch ausländische Gesellschaften Organträger sein könnten.
Das Urteil I R 55/10 könne kein anderes Ergebnis begründen, denn es sei über den Einzelfall hinaus nicht anwendbar.
Vielmehr muss anhand äußerer Merkmale erkennbar sein, dass die Konzernleitung durch die Obergesellschaft selbst ausgeübt wird (BFH Urteil vom 09.02.2011 I R 54, 55/10, I R 54/10, I R 55/10, BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106).
bb) Auch unter Zugrundelegung der Rechtsprechung des BFH in seinem Urteil vom 09.02.2011 (I R 55/10), nach der auch eine ausländische Person Organträgerin im Sinne von § 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG (in der Fassung von 1999) sein kann, ergibt sich im Streitfall kein anderes Ergebnis.
ee) In Anbetracht dessen kann es schließlich dahingestellt bleiben, ob die Anwendungsgrundsätze des Urteils des BFH vom 09.02.2011 I R 54, 55/10 (BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106) für das Gesellschafterdiskriminierungsverbot des Art. XX Abs. 4 DBA-Großbritannien 1964/1970 überhaupt auf die Rechtslage von 1998 übertragbar wären.
Der Senat kann in diesem Zusammenhang auch unentschieden lassen, ob er der Entscheidung des I. Senats des BFH vom 09.02.2011 I R 54, 55/10 (BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106) darin folgen würde, dass die am 18.07.2008 eingefügte Nr. 77 des OECD-Kommentars nicht von Bedeutung sei oder aber ob diese Nr. 77 im Lichte der Auslegungsbestimmung des Art. 32 VertrRÜ als ergänzendes Auslegungsmittel zu berücksichtigen wäre.
Dies gilt aber nicht für seinerzeit schon bestehende Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, wie auch im Streitfall bei dem --bereits am 27. Oktober 1979 in Kraft getretenen (vgl. Art. 29 Abs. 2 DBA-Ungarn, BGBl II 1979, 1031)-- DBA-Ungarn; den Willen der Vertragsparteien jener Abkommen können die neueren Kommentierungen der OECD nicht widerspiegeln (ständige Rechtsprechung, vgl. zuletzt Senatsurteil vom 9. Februar 2011 I R 54, 55/10, BFHE 232, 476;… konkret für den Partnership Report z.B. Weggenmann in Wassermeyer/Richter/Schnittker, a.a.O., Rz 8.42 f., 8.67; Kempermann, daselbst, Rz 3.15;… Jankowiak, a.a.O., S. 138 ff., 143 ff.;… Gosch in Schaumburg/Piltz [Hrsg.], Veräußerungsgewinne im Internationalen Steuerrecht, 2004, S. 103, 112).
Sie beruft sich insoweit auf das Senatsurteil vom 9. Februar 2011 I R 54, 55/10 (BFHE 232, 476) zum Diskriminierungsverbot des Art. XX Abs. 4 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und zur Verhinderung der Steuerverkürzung vom 26. November 1964 (BGBl II 1966, 359, BStBl I 1966, 730) i.d.F. des Revisionsprotokolls vom 23. März 1970 (BGBl II 1971, 46, BStBl I 1971, 140) --DBA-Großbritannien 1964/1970--.
Insofern ist der Sachverhalt des Streitfalls nicht mit jenem Sachverhalt vergleichbar, über welchen der Senat in seinem Urteil in BFHE 232, 476 zu entscheiden hatte: Dort wurden Zinsen an eine in Deutschland ansässige, als Zwischenholding fungierende GmbH gezahlt.
Eine Hinzurechnung konnte zudem ggf. bei grenzüberschreitenden Sachverhalten wie bei rein inländischen Sachverhalten in Organschaftsfällen unterbleiben (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 09.02.2011, I R 54/10, I R 55/10, BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106; dazu Nichtanwendungserlass, BMF-Schreiben vom 27.12.2011, IV C 2 - S 2770/11/10002, BStBl I 2012, 119).
Und es mag schließlich zutreffen, dass der EuGH in seiner Spruchpraxis oftmals den Blick nur auf die einseitige Belastung des Steuerinländers im Inland richtet und die fehlende "Gegenbelastung" des Steuerausländers im Ausland ausblendet (z.B. --auch zur gewerbesteuerrechtlichen Hinzurechnungen nach § 8 GewStG-- EuGH-Urteil vom 26. Oktober 1999 C-294/97, Eurowings Luftverkehr, Slg. 1999, I-7447, BStBl II 1999, 851; s.a. z.B. Englisch, Internationales Steuerrecht --IStR-- 2010, 215, 217; Rehm/Nagler, GmbH-Rundschau 2009, 1227;… Meilicke, IStR 2006, 130, und in Kessler/Förster/Watrin [Hrsg.], Unternehmensbesteuerung, Festschrift für Norbert Herzig, 2010, S. 231; Mössner, IStR 2010, 778; s.a. Thömmes, Schön, Gosch und Sydow in Jahrbuch der Fachanwälte für Steuerrecht 2012/2013, S. 33; offen Senatsurteil vom 9. Februar 2011 I R 54, 55/10, BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106).
Beide Gewerbeerträge sind vielmehr (ebenso wie die Gewinne für die Zwecke der Körperschaftsteuer) getrennt zu errechnen, sie sind sodann aber beim Organträger als dessen --eigener (s. Senatsurteil in BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106; anders --aber nur aus abkommensrechtlicher Sicht-- Lüdicke, IStR 2011, 740)-- organschaftlicher Gesamt-Gewerbeertrag zusammenzufassen.
Es bedarf unter den Gegebenheiten des Streitfalls keiner Antwort darauf, wie es sich verhielte, wenn nach den Maßstäben des § 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 1999 nicht die ausländische Kapitalgesellschaft als Organgesellschaft und die inländische Kapitalgesellschaft als Organträgerin, sondern umgekehrt die ausländische Kapitalgesellschaft als Organträgerin und die inländische Kapitalgesellschaft als Organgesellschaft fungieren würden (s. dazu u.U. EuGH-Urteil, Eurowings Luftverkehr in Slg. 1999, I-7447, BStBl II 1999, 851, s. zu einer solchen "Beteiligungsrichtung" auch Senatsurteile in BFHE 236, 159, BStBl II 2012, 507, und in BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106).
Auch aus dem Senatsurteil vom 9. Februar 2011 I R 54, 55/10 (BFHE 232, 476) zur grenzüberschreitenden gewerbesteuerrechtlichen Organschaft kann die Klägerin keine Nichtbesteuerung der vGA herleiten.
Schon darin unterscheidet sich der Streitfall von dem Sachverhalt, der dem Senatsurteil in BFHE 232, 476 zugrunde lag, bei dem es allein über die Betriebsstättenfiktion in § 2 Abs. 2 Satz 2 des Gewerbesteuergesetzes 1999, die der Senat für abkommensrechtlich unbeachtlich erkannt hat, zu einer inländischen Besteuerung hätte kommen können.
aa) Das abkommensrechtliche Diskriminierungsverbot setzt zum einen voraus, dass die andere oder benachteiligende Besteuerung tatbestandlich an die Beteiligung nichtansässiger Gesellschafter anknüpft (vgl. Senatsurteil vom 9. Februar 2011 I R 54, 55/10, BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106, zum Merkmal der Inlandsansässigkeit eines Organträgers;… Rust in Vogel/ Lehner, DBA, 6. Aufl., Art. 24 Rz 165;… Bruns in Schönfeld/ Ditz, a.a.O., Art. 24 Rz 165).
Es widerspricht aber der ständigen, der überwiegenden Schrifttumsmeinung folgenden Spruchpraxis des Senats, einer späteren (Weiter-)Entwicklung einschlägiger OECD-Verlautbarungen streitentscheidende Bedeutung für die Auslegung eines bereits zuvor verhandelten Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung beizumessen; es gilt insofern ein sog. statischer, kein sog. dynamischer Auslegungsmodus (z.B. Senatsurteile vom 9. Februar 2011 I R 54, 55/10, BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106; vom 25. Mai 2011 I R 95/10, BFHE 234, 63; vom 8. Dezember 2010 I R 92/09, BFHE 232, 137, BStBl II 2011, 488;… vom 23. September 2008 I R 57/07, BFH/NV 2009, 390; Senatsbeschluss vom 19. Mai 2010 I B 191/09, BFHE 229, 322, BStBl II 2011, 156, jeweils m.w.N.).

References: § 2
 § 2
 § 8
 § 14
 § 14
 § 14
 § 2
 Art. 32
 Art. 29
 EuGH 
 § 8
 § 2
 § 2
 Art. 24
 Art. 24