Source: https://www.duv-verband.de/Besteuerungsrecht-von-Abfindungszahlungen-an-eine-in-die-Schweiz-verzogene-zuvor-im-Inland-taetige-Arbeitnehmerin-Bindungswirkung-von-Verstaendigungsvereinbarungen-ueberdachende-Besteuerung-Anfec/
Timestamp: 2018-03-19 10:44:12+00:00

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Besteue­rungs­recht von Abfin­dungs­zah­lun­gen an eine in die Schweiz ver­zo­ge­ne, zuvor im Inland täti­ge Arbeit­neh­me­rin — Bin­dungs­wir­kung von Ver­stän­di­gungs­ver­ein­ba­run­gen — über­da­chen­de Besteue­rung — Anfech | DUV Deutscher Unternehmenssteuer Verband e.V.
Besteue­rungs­recht von Abfin­dungs­zah­lun­gen an eine in die Schweiz ver­zo­ge­ne, zuvor im Inland täti­ge Arbeit­neh­me­rin — Bin­dungs­wir­kung von Ver­stän­di­gungs­ver­ein­ba­run­gen — über­da­chen­de Besteue­rung — Anfech
1. Art. 15 Abs. 1 DBA-Schweiz 1971 ermög­licht kein deut­sches Besteue­rungs­recht für eine Abfin­dungs­zah­lung, die eine zuvor in Deutsch­land woh­nen­de Per­son nach ihrem Weg­zug in die Schweiz von ihrem…
(duv) 1. Art. 15 Abs. 1 DBA-Schweiz 1971 ermög­licht kein deut­sches Besteue­rungs­recht für eine Abfin­dungs­zah­lung, die eine zuvor in Deutsch­land woh­nen­de Per­son nach ihrem Weg­zug in die Schweiz von ihrem bis­he­ri­gen inlän­di­schen Arbeit­ge­ber aus Anlass der Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses erhält (Bestä­ti­gung der stän­di­gen Recht­spre­chung).
Die Revi­si­on ist unbe­grün­det. Das FG hat die Kla­ge der Klä­ge­rin (als sog. Dritt­be­trof­fe­ne) gegen die Lohn­steu­er­an­mel­dung der Bei­ge­la­de­nen für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum (vgl. § 41a EStG 2002, § 167 Abs. 1 Satz 1 der Abga­ben­ord­nung) zu Recht als zuläs­sig (vgl. Senats­ur­teil vom 12. Okto­ber 1995 I R 39/95, BFHE 179, 91, BSt­Bl II 1996, 87; Bun­des­fi­nanz­hof –BFH – , Urtei­le vom 20. Juli 2005 VI R 165/01, BFHE 209, 571, BSt­Bl II 2005, 890, und vom 5. Okto­ber 2005 VI R 152/01, BFHE 211, 249, BSt­Bl II 2006, 94) und begrün­det ange­se­hen.
Wie der Senat wie­der­holt ent­schie­den hat (z.B. Urtei­le vom 24. Febru­ar 1988 I R 143/84, BFHE 152, 500, BSt­Bl II 1988, 819; vom 27. August 2008 I R 81/07, BFHE 222, 560, BSt­Bl II 2009, 632; vom 10. Juli 1996 I R 83/95, BFHE 181, 155, BSt­Bl II 1997, 341; Beschluss vom 12. Sep­tem­ber 2006 I B 27/06, BFH/NV 2007, 13, jeweils m.w.N.), folgt dar­aus, dass Abfin­dun­gen anläss­lich der Been­di­gung eines Dienst­ver­hält­nis­ses nicht im Tätig­keits­staat, son­dern im Ansäs­sig­keits­staat zu besteu­ern sind. Denn bei Abfin­dun­gen han­delt es sich unbe­scha­det des­sen, dass sie nach dem inso­weit maß­ge­ben­den inner­staat­li­chen Recht (vgl. Art. 3 Abs. 2 DBA-Schweiz 1971) Arbeits­lohn (§ 19 EStG 2002) sind, nicht um ein zusätz­li­ches Ent­gelt für eine frü­he­re Tätig­keit i.S. des Art. 15 Abs. 1 Satz 2 DBA-Schweiz 1971. Sie wer­den nicht für eine kon­kre­te im Inland oder Aus­land aus­ge­üb­te Tätig­keit gezahlt, son­dern gera­de für den Ver­lust des Arbeits­plat­zes. Ein blo­ßer Anlass­zu­sam­men­hang zwi­schen Zah­lung und Tätig­keit genügt nach dem Abkom­mens­wort­laut (“dafür”) indes nicht. Die Finanz­ver­wal­tung hat sich dem prin­zi­pi­ell ange­schlos­sen (BMF-Schrei­ben vom 14. Sep­tem­ber 2006, BSt­Bl I 2006, 532, dort Tz. 6.3).
cc) Das schließt es nicht aus, die Abkom­mens­pra­xis der Ver­trags­staa­ten, wie sie in der Ver­stän­di­gungs­ver­ein­ba­rung zum Aus­druck kommt, bei der Abkom­mens­aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen; es gilt der Grund­satz der Ent­schei­dungs­har­mo­nie. In Ein­klang damit ste­hen die Grund­sät­ze zur Aus­le­gung von Ver­trä­gen nach Art. 31 des Wie­ner Über­ein­kom­mens über das Recht der Ver­trä­ge vom 23. Mai 1969 –WÜRV– (BGBl II 1985, 927), in inner­staat­li­ches Recht trans­for­miert seit Inkraft­tre­ten des Zustim­mungs­ge­set­zes vom 3. August 1985 (BGBl II 1985, 926) am 20. August 1987 (BGBl II 1987, 757): Ein Ver­trag ist danach nach Treu und Glau­ben in Über­ein­stim­mung mit der gewöhn­li­chen, sei­ner Bestim­mung in ihrem Zusam­men­hang zukom­men­den Bedeu­tung im Lich­te sei­nes Zie­les und Zwe­ckes aus­zu­le­gen. Außer dem bei der Aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen­den und in Art. 31 Abs. 2 WÜRV näher beschrie­be­nen sys­te­ma­ti­schen “Zusam­men­hang” sind nach Art. 31 Abs. 3 WÜRV in glei­cher Wei­se zu berück­sich­ti­gen: a) jede spä­te­re Über­ein­kunft zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en über die Aus­le­gung des Ver­tra­ges oder die Anwen­dung sei­ner Bestim­mun­gen sowie b) jede spä­te­re Übung bei der Anwen­dung des Ver­trags, aus der die Über­ein­stim­mung der Ver­trags­par­tei­en über sei­ne Aus­le­gung her­vor­geht. So gese­hen kann ein über­ein­stim­men­des Abkom­mens­ver­ständ­nis und eine gemein­sa­me “Übung” der betei­lig­ten Finanz­ver­wal­tun­gen für eine Abkom­mens­aus­le­gung bedeut­sam sein (s. z.B. Senats­ur­tei­le vom 25. Okto­ber 2006 I R 81/04, BFHE 215, 237, sowie I R 18/04, BFH/NV 2007, 875, bei­de zu lei­ten­den Ange­stell­ten als sog. Grenz­gän­ger i.S. von Art. 15 Abs. 4, Art. 15a DBA-Schweiz 1971), das aber immer nur inso­fern, als sie nicht dem Wort­laut des Abkom­mens zuwi­der­läuft (vgl. Senats­ur­teil vom 27. August 2008 I R 64/07, BFHE 222, 553, BSt­Bl II 2009, 97). Abge­se­hen davon, dass das Wie­ner Über­ein­kom­men (nach Art. 4 WÜRV) nur auf Ver­trä­ge Anwen­dung fin­det, die von Staa­ten geschlos­sen wer­den, nach­dem das Über­ein­kom­men für sie in Kraft getre­ten ist –und damit, ohne dass dem wei­ter nach­zu­ge­hen wäre, nach Lage der Din­ge nicht für das DBA-Schweiz 1971 – , erzwin­gen auch die­se Grund­sät­ze eine Rege­lungs­aus­le­gung also immer nur nach Maß­ga­be des Abkom­mens­wort­lauts; die­ser stellt in abschlie­ßen­der Wei­se die “Grenz­mar­ke” für das “rich­ti­ge” Abkom­mens­ver­ständ­nis dar.
Dar­an schei­tert die vom FA und vom BMF ver­foch­te­ne Aus­le­gung im Streit­fall: Der Abkom­mens­text ist aus Sicht des erken­nen­den Senats aus den beschrie­be­nen Grün­den hin­rei­chend ein­deu­tig. Wenn eine Staa­ten­pra­xis den­noch wech­sel­sei­tig von der bis­he­ri­gen Abkom­mens­aus­le­gung abweicht, so wird dadurch nicht eine Aus­le­gung, die ins­be­son­de­re auf dem Abkom­mens­wort­laut grün­det, bestä­tigt. Viel­mehr läuft dies auf eine –für den Steu­er­pflich­ti­gen steu­er­ver­schär­fen­de und damit belas­ten­de– Abkom­mens­än­de­rung hin­aus und ist es allein aus dem bila­te­ra­len Bemü­hen zu erklä­ren, etwai­gen Nicht­be­steue­run­gen der betref­fen­den Abfin­dun­gen vor­zu­beu­gen. Die Umset­zung die­ses Bemü­hens mag (unbe­scha­det des Abkom­mens­prin­zips der nur vir­tu­el­len Dop­pel­be­steue­rung) gerecht­fer­tigt und vor allem in der abkom­mens­recht­lich (in Art. 26 Abs. 3 Satz 1 DBA-Schweiz 1971) ver­ein­bar­ten Bekun­dung ange­legt sein, Schwie­rig­kei­ten oder Zwei­fel, die bei der Aus­le­gung oder Anwen­dung des Abkom­mens ent­ste­hen, in gegen­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men zu besei­ti­gen. Sie kann vor dem Hin­ter­grund des Abkom­mens­tex­tes indes aus deut­scher Sicht nur gelin­gen, wenn die “spä­te­re Übung” oder “Über­ein­kunft” in posi­ti­ves und mit dem Abkom­men gleich­ran­gi­ges Recht erho­ben wird. Es gilt erneut der ver­fas­sungs­recht­li­che Geset­zes­vor­be­halt. Auf der Basis einer blo­ßen Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung gelingt das des­we­gen nicht (vgl. Senats­ur­teil in BFHE 157, 39, BSt­Bl II 1990, 4; s. auch H. Lou­ko­ta, Steu­er und Wirt­schaft Inter­na­tio­nal –SWI– 2000, 299, 304 ff.; s. auch abgren­zend Senats­ur­tei­le vom 4. Juni 2008 I R 62/06, BFHE 222, 255, BSt­Bl II 2008, 793; vom 20. August 2008 I R 39/07, BFHE 222, 509, BSt­Bl II 2009, 234). Ob das –wie das BMF vor­trägt– nach den Ver­fas­sungs­ord­nun­gen ande­rer Staa­ten abwei­chend gehand­habt wer­den kann und wird (vgl. dazu, ins­be­son­de­re in Bezug auf die Nie­der­lan­de, Pro­kisch in Vogel/Lehner, a.a.O., Art. 15 Rz 17a f.; Was­ser­mey­er in Debatin/Wassermeyer, a.a.O., Art. 15 MA Rz 144; s. auch aus öster­rei­chi­scher Sicht M. Lang/Schuch, DBA-Öster­reich, Art. 21 Rz 13; H. Lou­ko­ta, SWI 2000, 299; Kopf in Fest­schrift Lou­ko­ta, a.a.O., S. 253), ist inso­fern unbe­acht­lich.

References: Art. 15
 Art. 15
 § 41
 § 167
 Art. 3
 Art. 15
 Art. 31
 Art. 31
 Art. 31
 Art. 15
 Art. 15
 Art. 4
 Art. 26
 Art. 15
 Art. 15
 Art. 21