Source: http://klahrgesellschaft.at/Buecher/Hautmann.html
Timestamp: 2017-09-22 15:06:31+00:00

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Alfred Klahr Gesellschaft - Quellen & Studien 2000, Hans Hautmann
Hans Hautmann: Die Alfred Klahr Gesellschaft und ihre Tätigkeit
Die Alfred Klahr Gesellschaft. Archiv- und Bibliotheksverein (AKG) ist eine gemeinnützige Organisation, deren Tätigkeit ausschließlich wissenschaftlichen und volksbildnerischen Zwecken dient. Sie wurde zum Zweck der Verwahrung, Verwaltung und wissenschaftlichen Erschließung der Archiv- und Bibliotheksbestände der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) ins Leben gerufen, mit dem Ziel, sie als ein nationales Kulturgut zu sichern.
Der Verein ist nach Dr. Alfred Klahr (1904–1944) benannt, der in der Zeit des Kampfes gegen den deutschen Faschismus den Gedanken einer eigenständigen österreichischen Nation marxistisch begründete und damit entscheidend zur Wiederherstellung der demokratischen Republik Österreich am 27. April 1945 beitrug.
Die Namensgebung ist zugleich Programm. Die AKG tritt für die Festigung der Unabhängigkeit der demokratischen Republik Österreich, für die österreichische Neutralität, für die Förderung des österreichischen Nationalbewusstseins und humanistischer sowie internationalistischer Gesinnung in Österreich ein. Sie will mit ihrer Tätigkeit einen Beitrag zur Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung leisten. Im § II. (4) des Statuts der AKG heißt es: „Eine solche wissenschaftliche Geschichtsaufarbeitung umfasst alle Traditionen der Arbeiterbewegung, insbesondere die Beiträge der Kommunisten und Kommunistinnen bei der Durchsetzung sozialpolitischer und demokratischer Rechte, im Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung, Faschismus und Krieg, für die Freiheit und nationale Unabhängigkeit Österreichs, für die Entwicklung des österreichischen Nationalbewusstseins, im Kampf für den Frieden und internationale Solidarität, für die humanistischen Ideale und Werte des Sozialismus und der Rechte der Frauen. Sie umfasst aber auch die kritische und selbstkritische Aufarbeitung von Fehlern, Irrtümern und Deformationen in der österreichischen und internationalen Arbeiterbewegung.“
Die AKG ist eine überparteiliche Vereinigung, die allen offen steht, die mit ihren Grundsätzen sympathisieren. Ihr obliegt es, die Bestände des Archivs und der Bibliothek der KPÖ für wissenschaftliche Forschungen auf der Grundlage der Archivbenützungsordnung bereit zu stellen, ein Mitteilungsblatt herauszugeben, öffentliche Veranstaltungen, Ausstellungen und Seminare zu organisieren sowie die Zusammenarbeit und den wissenschaftlichen Austausch mit Institutionen und Personen im In- und Ausland, die den Zielen der AKG förderlich sind, zu pflegen.
Die Motive für die Gründung der AKG erwuchsen aus den schwerwiegenden weltpolitischen Veränderungen der Jahre 1989 und 1991. Das Verschwinden des sozialistischen Staatensystems stürzte die Kommunistische Partei Österreichs in eine tiefe Krise. Abgesehen von den heftigen innerparteilichen Auseinandersetzungen um die nun einzuschlagende politische Linie waren es handfeste objektive Gründe, bedrängende Notwendigkeiten, die das weitere Schicksal des Parteiarchivs auf die Tagesordnung setzten: Der Zwang zur Reduzierung des Stocks an Parteiangestellten und zum Auszug aus dem Haus am Höchstädtplatz, wodurch die Bibliothek und das Archiv der KPÖ das Dach über dem Kopf verloren.
Diese Umstände führten 1992 dazu, dass es in der Führung der KPÖ zu Überlegungen dahingehend kam, wie das Archiv zu erhalten sei, mit welchen Möglichkeiten und mit welcher Ausstattung. Aber trotz der Bemühungen den Übergang auf eine neue Basis zu vollziehen blieb die Situation weiterhin prekär und unsicher, weil die Erörterung der Archivproblematik von Sitzung zu Sitzung aufgeschoben wurde und eine Entscheidung ausblieb.
Dergestalt war die Lage, in der dann eine Initiative den Durchbruch bewirkte. Im Februar 1993 rief eine Gruppe von Personen dazu auf, konkrete Schritte zur Erhaltung des Archivs und der Bibliothek in die Wege zu leiten. Unterzeichner des Appells waren: Otto Brichacek (Initiator), Vinzenz Böröcz, Mag. Helmut Fellner, Gerti Fritz, Dr. Friedl Garscha, Betty Hirsch, Dr. Margareta Klug, Robert Lahl, Dr. Hans Mikosch, Prof. Dr. Gerhard Oberkofler, Prof. Dr. Eduard Rabofsky, Rudi Safranek, Rosi und Rudi Schober, Mia Schönfeld, Arch. Dr. h.c. Grete Schütte-Lihotzky, Milli und Valentin Strecha, Prof. Dr. Fritz Weber, Philip Wimmer, Hans Wolker und Raimund Zimpernik. An den Bundesvorstand der KPÖ wurde ein Antrag zur Gründung eines eigenen Vereins zu diesem Zweck gestellt, der im April 1993 zur Behandlung kam und mit zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen zum Beschluss erhoben wurde. Der Bundesvorstand der KPÖ beauftragte den ehemaligen Parteivorsitzenden Franz Muhri, in Konsultation mit dem Archivleiter Dr. Willi Weinert und anderen Personen, Vorschläge für die Struktur und Aufgabenstellung des Vereins zu erarbeiten und die Voraussetzungen zu schaffen, die für die Gründung des Vereins rechtlich, finanziell und personell als nötig erachtet wurden.
Auf mehreren Sitzungen im Sommer und Herbst 1993 beriet ein ProponentInnenkomitee, bestehend aus Dr. Winfried Garscha, Mag. Michael Graber, Univ.Doz. Dr. Hans Hautmann, Mag. Waltraud Fritz-Klackl, Rechtsanwalt Dr. Walther Leeb, Franz Muhri, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Oberkofler, Dr. Willi Weinert und Rechtsanwalt Dr. Jakob Zanger diese Fragen. Es wurde das Vereinsstatut erstellt, die Zusammensetzung des künftigen Vorstandes beraten und mit der Mitgliederwerbung begonnen.
Am 13. November 1993 fand in Wien-Penzing, Drechslergasse 42, die konstituierende Generalversammlung der AKG statt. Im Namen des Proponentenkomitees hielt Hans Hautmann das Referat Die Gründung der Alfred Klahr Gesellschaft und ihre Aufgaben. Die Wahl des Vorstandes und der Rechnungsprüfer brachte folgendes Ergebnis:
Präsident: Hans Hautmann
VizepräsidentInnen: Margareta Klug, Gerhard Oberkofler, Irma Schwager
Kassier: Robert Bondy
Schriftführer: Winfried Garscha
Weitere Vorstandsmitglieder: Eva Barilich, Vinzenz Böröcz, Otto Brichacek, Maria Cäsar, Josef Enzesdorfer, Helmut Fellner, Waltraud Fritz-Klackl, Michael Graber, Anton Hofer, Franz Kain, Walther Leeb, Max Muchitsch, Franz Muhri, Eduard Rabofsky, Rudolf Schober, Fini Seif, Erich Stöckl, Jakob Zanger, Heinz Zaslawski
Rechnungsprüfer: Heinz Allwein, Maria Jahnas, Gertrude Springer
Die Generalversammlung beschloss eine öffentliche Erklärung über die Gründung der Gesellschaft, verbunden mit der Aufforderung zum Beitritt und zur Mitarbeit. Als jährlicher Mitgliedsbeitrag wurden 250.– öS festgesetzt.
Einen Monat später, am 13. Dezember 1993, nahm mit der Abhaltung der ersten Vorstandssitzung die eigentliche Vereinstätigkeit ihren Anfang. Seither hat sich ein fester Rhythmus herausgebildet: Vorstandssitzungen finden fünfmal im Jahr (Februar, April, Juni, Oktober, Dezember) jeweils an Montagen um 12 Uhr statt. Die wichtigsten Beschlüsse der ersten Vorstandssitzung waren: a) die Bestellung von Dr. Willi Weinert zum wissenschaftlichen Leiter der AKG; b) die Betrauung von Fini Seif mit der Funktion einer Sekretärin; c) die Eröffnung eines Kontos und Maßnahmen zur Fortsetzung der Mitgliederwerbung, darunter die Erstellung eines Faltprospekts mit Informationen über die AKG.
Der damalige Stand der Mitglieder betrug 152 und hat sich seither bei 170 bis 200 eingependelt. Da zu diesem Zeitpunkt die Umbauarbeiten im Haus in der Drechslergasse zum Zweck der Adaptierung der Räume für die Unterbringung des Archivs und der Bibliothek begannen, domizilierte die AKG vorübergehend in Wien-Donaustadt, Wurmbrandgasse 17. Die fehlende Heimstätte zog der Art und dem Umfang der Tätigkeit der AKG vorerst ihre Grenzen. Der Schwerpunkt der Aktivitäten im Jahr 1994 lag daher auf organisatorischem Gebiet, darin, die notwendigen Voraussetzungen für das Vereinsleben zu schaffen. Dazu gehörten die Prozedur der behördlichen Eintragung im Vereinskataster der Bundespolizeidirektion Wien, die Mitgliederwerbung, Spendenaufrufe, Fragen der technischen Ausstattung mit einem Fax-Gerät und einem geeigneten Computer sowie die Herausgabe der »Mitteilungen«
Die erste Nummer der »Alfred Klahr Gesellschaft – Mitteilungen« (i.d.F. »Mitteilungen«) erschien, nachdem zunächst der Falter an die Mitglieder versandt worden war, im Juni 1994. Seither erscheinen die »Mitteilungen« viermal jährlich (im März, Juni, September und Dezember). Neben Informationen über die Vereinstätigkeit, Neuzugängen zum Archiv und Buchbesprechungen enthalten sie wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung und der KPÖ bzw. zu aktuellen politischen Fragen. Autoren solcher Artikel waren bis heute u.a. Max Muchitsch, Hans Hautmann, Irma Schwager, Jakob Zanger, Otto Brichacek, Robert Bondy, Franz Muhri, Winfried Garscha, Gertrude Springer, Maria Cäsar, Gerhard Jagschitz, Claudia Kuretsidis-Haider, Alois Peter, Hans Wolker, Thomas Schönfeld, Willi Weinert, Gerhard Oberkofler, Peter Goller, Franz Kain, Ernst Bruckmüller, Heinz Zaslawski, Karl Flanner, Günther Grabner, Gerhard Mack, Manfred Mugrauer, Gabriella Hauch, Otto Treml, Konstantin Putz und Thomas Roithner.
Am 20. Juni 1994 führte die AKG ihre erste öffentliche Veranstaltung durch. Aus Anlass des 50. Todestages von Alfred Klahr hielt die Gesellschaft vor seinem Wohnhaus in Wien-Leopoldstadt, Novaragasse 17, eine Gedenkfeier ab, bei der Hans Hautmann in einer Rede Leben und Wirken Alfred Klahrs würdigte. Die Veranstaltung war gut besucht und wurde von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern als Kundgebung empfunden, die der Persönlichkeit dieses großen österreichischen Patrioten und Kommunisten angemessen war.
Am 5. November 1994 fand in Wien-Floridsdorf, Galvanigasse 17, erstmals die jährlich durchzuführende ordentliche Generalversammlung statt. Neben Statutenänderungen genehmigte die Generalversammlung nach dem Ausscheiden von fünf Vorstandsmitgliedern (Rabofsky und Böröcz durch Tod, Barilich, Enzesdorfer und Fritz-Klackl durch freiwilligen Verzicht) die Aufnahme von Mag. Claudia Kuretsidis-Haider und Christine Schindler in den Vorstand. Zu einer längeren, teilweise emotionalen Diskussion kam es in der Frage des Abbruchs des antifaschistischen Denkmals Alfred Hrdlickas und Fritz Webers auf dem Höchstädtplatz. Präsident Hautmann schlug an Stelle des Antrags der Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Jenni eine Resolution vor, die ohne Gegenstimmen bei neun Enthaltungen angenommen wurde und folgenden Wortlaut hatte:
„Die Generalversammlung der Alfred Klahr Gesellschaft hat die Frage des antifaschistischen Denkmals am Höchstädtplatz diskutiert und ihr Befremden über den Abbruch seitens der WB-Beteiligungsgesellschaft zum Ausdruck gebracht. Sie hat Erklärungen dazu entgegengenommen und die bindende Zusage, dass das Monument in seiner ursprünglichen Form auf dem KPÖ-eigenen Grund am Höchstädtplatz bis spätestens 27. April 1995 wiedererrichtet wird. Die Generalversammlung der Alfred Klahr Gesellschaft bekundet ihre Überzeugung, dass dieses Versprechen eingehalten wird.“
Im Februar 1995 waren die Umbauarbeiten in der Drechslergasse beendet. Die AKG konnte damit ihren provisorischen Sitz in der Wurmbrandgasse im 22. Bezirk verlassen und in ihre endgültige Heimstätte übersiedeln, was für die wissenschaftliche Leitung und das Sekretariat große Vorteile mit sich brachte. Ab dem Zeitpunkt der Übersiedlung wurden Zug um Zug die Archiv- und Bibliotheksbestände aus ihrem Zwischenlager in die Drechslergasse transportiert und dort aufgestellt.
Am 8. Mai 1995 veranstaltete die AKG in der Drechslergasse ein Symposium zum Thema 50 Jahre Zweite Republik. Widerstand – Kampf um Österreichs Unabhängigkeit – Befreiung. Auf ihm gaben Beteiligte wie Mali Fritz, Theodor Heinisch, Karl Flanner und Jakob Zanger ebenso Statements ab wie Historiker, unter ihnen Anton Staudinger, Herbert Steiner und Fritz Hausjell. Das Symposium, an dem 60 Personen teilnahmen, verlief erfolgreich; es entwickelte sich eine Diskussion mit interessanten und wichtigen Beiträgen, u.a. von Walter Ultmann, Heinrich Klein, Raimund Zimpernik, Ludwig Raffelsberger, Margarete Klug und Winfried Garscha.
Auch die vier Nummern der »Mitteilungen« im Gedenkjahr 1995 standen in dessen Zeichen und behandelten die Themen Widerstand gegen das NS-Regime, Befreiung 1945, Staatsvertrag und Neutralität in mehreren informativen Beiträgen.
Zu den Aufgaben der AKG gehört die Pflege von Beziehungen zu ähnlichen Institutionen im In- und Ausland. Auch das wurde 1995 in Angriff genommen, im Inland beispielsweise durch den Beitritt zur Vereinigung österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit Sitz in Innsbruck oder die Verbindung mit dem Industrieviertelmuseum in Wiener Neustadt, im Ausland durch die Kontaktaufnahme mit der Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal und der Marx-Memorial-Library in London. Mit den genannten Institutionen fand ein regelmäßiger Austausch an wissenschaftlichen Informationen statt und es wurden, sofern es die Umstände und finanziellen Möglichkeiten zuließen, gemeinsame Veranstaltungen organisiert.
Am 19. Juni 1995 fand eine Besprechung des Präsidiums der AKG unter Beiziehung von Dr. Leeb, Dr. Zanger und Dr. Weinert mit den Verantwortlichen in der KPÖ statt. Sie hatte den Vertrag zwischen der KPÖ und der AKG zum Gegenstand. Rechtlich blieb (und bleibt künftig) die Kommunistische Partei Österreichs die Eigentümerin der Archiv- und Bibliotheksbestände und die AKG bleibt jene Institution, der sie zur Erfüllung ihres Vereinszweckes leihweise zur Verfügung gestellt werden. Der Vertrag hatte die Aufgabe dieses Verhältnis in klare und rechtlich relevante Formen zu gießen. Über den Text wurde am 19. Juni Übereinstimmung erzielt und der Vorstand der AKG genehmigte ihn in der Sitzung vom 2. Oktober 1995 mit kleinen Ergänzungen.
Ende Oktober erschienen in der Reihe Biografische Texte zur Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung, die seinerzeit von der Historischen Kommission der KPÖ betreut wurde, die Erinnerungen von Vinzenz Böröcz, des Mitbegründers und Vorstandsmitglieds der AKG, der 1994 verstorben war. Ab dem Böröcz-Band übernahm die AKG die Herausgabe dieser Reihe.
Die alljährliche Generalversammlung der AKG am 18. November 1995 fand diesmal in neuer Form statt. Auf Einladung von Präsident Hautmann hielt Univ.-Prof. Dr. Gerhard Jagschitz, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, einen Vortrag mit dem Titel Ein Jahr EU-Mitgliedschaft Österreichs – Ergebnisse und Erfahrungen. Jagschitz, ein bekannter Faschismus-Forscher, zählt zu den Protagonisten der Anti-EU-Bewegung in Österreich. In seinem Referat ging er auf die Bilanz des ersten Jahres der EU-Mitgliedschaft Österreichs ein, schilderte die Mittel und Methoden der EU-Lobby im Vorfeld der Volksabstimmung und erörterte neben den konkreten Auswirkungen des Vollbeitritts für die österreichische Bevölkerung auch die Zukunftsperspektiven der Anti-EU-Bewegung. Im Anschluss daran beantwortete er Diskussionsbeiträge und Anfragen aus dem Auditorium. Die Ausführungen von Univ.-Prof. Jagschitz wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Generalversammlung als wertvoller Informationsgewinn empfunden.
Seither ist es Brauch, die Generalversammlungen mit Vorträgen von Gästen einzuleiten, sie auf diese Weise ansprechender zu gestalten und ihnen den Charakter einer bloßen Pflichtübung zur Erfüllung des Vereinsrechts zu nehmen.
Eine Diskussion entwickelte sich um den Antrag des Mitglieds Valentin Strecha, den § II. (3) des Statuts umzuformulieren. Mehrere Delegierte plädierten mit der Begründung, dass der Passus der gegenwärtigen politischen Lage nicht mehr entspreche, für einen anderen und über den Strecha-Antrag teilweise hinausgehenden Wortlaut. Präsident Hautmann schlug vor die einzelnen Textvarianten dem Vorstand zu übermitteln, um sie in diesem Gremium in Ruhe beraten zu können und den am besten geeigneten Wortlaut auszuformulieren. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Die Generalversammlung 1996 beschloss dann folgenden neuen Wortlaut des § II. (3):
„Wiederherstellung der durch den EU-Beitritt eingeschränkten Souveränität und Neutralität der demokratischen Republik Österreich; Förderung des österreichischen Nationalbewusstseins und humanistischer sowie internationalistischer Gesinnung.“
Ein weiterer Beschluss betraf die Kooptierung von Mag. Heimo Halbrainer in den Vorstand, eines Historikers aus Graz, dessen Forschungsschwerpunkt der kommunistische Widerstand in der Steiermark während der NS-Zeit ist.
Nachdem von Vizepräsidenten Dr. Oberkofler, Leiter des Universitätsarchivs in Innsbruck, der Entwurf einer Benützungsordnung erstellt worden war, beschloss der Vorstand Anfang 1996 den definitiven Text. Es war das eine komplizierte Materie, weil einschlägige gesetzliche Bestimmungen wie Urheberrecht, Datenschutzgesetz und Personenstandsgesetz berücksichtigt werden mussten. Die AKG orientierte sich dabei am allgemeinen Standard der Ordnungen in den österreichischen Archiven. Die Benützungsordnung hat folgenden Wortlaut:
Die Benützungsordnung dient den in den Statuten der „Alfred Klahr Gesellschaft. Archiv- und Bibliotheksverein“ (in der Folge: AKG) festgelegten Zwecken, in denen es heißt: „Verwahrung, Verwaltung und wissenschaftliche Erschließung der Archiv- und Bibliotheksbestände der Kommunistischen Partei Österreichs und ihrer Leihgaben mit dem Ziel, sie als ein nationales Kulturgut zu sichern.“ – „Mit seiner Tätigkeit will der Verein einen weiteren Beitrag zur Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung leisten.“
§1 Das Archiv und die Bibliothek der AKG sind öffentlich zugänglich. Jeder Benützerin/Jeder Benützer ist verpflichtet, sich zu Beginn der Arbeit der wissenschaftlichen Leiterin/dem wissenschaftlichen Leiter persönlich und mit einem Lichtbildausweis ausgewiesen vorzustellen. Sie/Er verpflichtet sich darüber hinaus, die nachstehende Benützungsordnung sowie die Weisungen des Archivpersonals zu befolgen. Um die Benützungsbewilligung ist schriftlich bei der wissenschaftlichen Leiterin/beim wissenschaftlichen Leiter anzusuchen. Wird sie verweigert, kann dagegen beim Vorstand der AKG Einspruch erhoben werden.
§2Jede Benützerin/Jeder Benützer hat das Benützungsformular für jedes bearbeitete Thema vollständig auszufüllen. Dem Benützungsformular wird eine Kopie jener Seiten des Personaldokumentes beigegeben, aus denen Ausstellungsort, Datum, Behördennummer und Foto samt Unterschrift ersichtlich sind.
§3 Folgende Bestände sind gegen die vom Vorstand der AKG festgesetzte Benützungsgebühr ohne Einschränkung zugänglich:
a) der gesamte Bibliotheksbestand;
b) das „Schnittarchiv“ (eine Sammlung von Zeitungsausschnitten);
c) das „Wirtschafts- und Industriearchiv“ (eine Sammlung von Zeitungsausschnitten).
§4 Die Erteilung der Benützungsgenehmigung begründet keinen Anspruch auf Einsicht in Findbücher, Karteien und andere Findhilfsmittel zur Ermittlung und Auswertung von Archivalien.
§5 Befinden sich Archivalien bereits in Benützung, hat keine andere Benützerin/kein anderer Benützer Anspruch auf deren Aushändigung.
§6 Die Bearbeitung der vorgelegten Archivalien hat prinzipiell in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten des Archivs der AKG zu erfolgen.
§7 Die Ausgabe der Archivalien erfolgt nach den Möglichkeiten der wissenschaftlichen Leiterin/des wissenschaftlichen Leiters der AKG bzw. des Archivpersonals.
§8 Der Abschluss der Archivarbeit sowie jede Unterbrechung derselben für mehr als vier Wochen ist der Archivleitung anzuzeigen.
§9 Für die Benützung der Archivalien des Archivs der AKG besteht eine gleitende Archivsperre von dreißig Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Aktenvorgang abgeschlossen worden ist. Für Personalakten sowie für auf Personen speziell bezugnehmende Akten beträgt die Sperrfrist dreißig Jahre nach dem Tod des Betreffenden. Ein Gleiches gilt von Akten, die Rechte Dritter tangieren, für deren Person. Für spezielle und ausgesprochen KPÖ-interne Akten bedarf der Zugang einer gesonderten Zustimmung der wissenschaftlichen Leiterin/des wissenschaftlichen Leiters im Einvernehmen mit dem Vorstand der AKG und dem Eigentümer dieser Akten.
§10 Ausnahmen von der Archivsperre können nur in besonderen Fällen und im Falle besonderer Qualifikation der Benützerin/des Benützers für diese/diesen persönlich auf schriftlichen Antrag vom Vorstand der AKG im Einvernehmen mit der wissenschaftlichen Leiterin/dem wissenschaftlichen Leiter des Archivs der AKG gewährt werden, wobei besonders auf die Einhaltung des Datenschutzgesetzes, des Urheberrechtes, des Personenstandsgesetzes und gleichzuhaltender gesetzlicher Bestimmungen in der jeweils gültigen Fassung zu achten ist. Die AKG hat das Grundrecht zu beobachten, dass jedermann Anspruch auf Geheimhaltung der ihn betreffenden personenbezogenen Daten besitzt, soweit er daran ein schutzwürdiges Interesse, insbesondere in Hinblick auf Achtung seines Privat- und Familienlebens, hat. Nach der Europäischen Menschenrechtskonvention gilt, dass im Zweifelsfall der Geheimhaltung der Vorrang zu geben ist, dass also das private Interesse gegenüber einem öffentlichen überwiegen soll.
§11 Benützungsansuchen sind ohne Rücksicht auf die Entstehungszeit der Archivalien und die Qualifikation der Benützungswerberin/des Benützungswerbers abzuweisen, wenn dies aus folgenden Gründen geboten erscheint:
a) im überwiegenden Interesse der in ihren Statuten formulierten Zielsetzungen der AKG;
b) wenn rechtsgültige Verfügungsbeschränkungen von Privatpersonen vorliegen, wie Anordnungen einer Erblasserin/eines Erblassers oder einer Erbin/eines Erben betreffend Nachlass;
c) wenn die Benützung von Archivalien wegen noch vorzunehmender Ordnungsarbeiten vorübergehend nicht möglich ist.
§12 Die Anfertigung von Foto- bzw. Xerokopien von Archivalien und Fotos ist mit Ausnahme geschlossener Bestände gegen eine Bearbeitungs- und Schutzgebühr nach dem jeweils geltenden Tarif möglich. Die Genehmigung zur Anfertigung von Fotos und Kopien erteilt die wissenschaftliche Leiterin/der wissenschaftliche Leiter des Archivs der AKG. Die Kosten trägt die Benützerin/der Benützer.
§13 Die Einholung entsprechender Reproduktionserlaubnisse ist Sache der Benützerin/des Benützers. Die Reproduktion muss gemäß den Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes erfolgen. Die Benützerin/Der Benützer haftet für Forderungen als Folge nicht eingeholter Bildrechte bzw. unkorrekter Quellennachweise.
§14 Sind für die Beantwortung von Anfragen an das Archiv der AKG seitens der wissenschaftlichen Leiterin/des wissenschaftlichen Leiters aufwändige Recherchen notwendig, ist von dieser/diesem eine vorher festgesetzte und mitgeteilte Bearbeitungsgebühr einzuheben.
§15 Jede Benützerin/Jeder Benützer ist verpflichtet, bei Zitaten, die sich auf Bestände des Archivs der AKG beziehen, die Herkunft genau und vollständig anzugeben.
§16 Für Inhalt und Form der auf Beständen des Archivs der AKG beruhenden Veröffentlichungen übernimmt die AKG keine Verantwortung.
§17 Von allen Veröffentlichungen, die auf Archivalien des Archivs der AKG beruhen, ist für die Bibliothek der AKG ein Belegexemplar unaufgefordert und kostenlos zur Verfügung zu stellen.
§18 Die Archivalien und Bücher sind sorgfältig zu behandeln und vor jeder Beschädigung zu bewahren. Insbesondere ist streng darauf zu achten, dass sie in ihrer Reihung und Anordnung nicht verändert und nicht mit anderen Beständen vermischt werden. Für von ihr/ihm verursachte Schäden an Akten, Fotos u.a. ist die Benützerin/der Benützer haftbar.
§19 Die Bibliothek des Archivs der AKG ist eine Präsenzbibliothek.
§20 Taschen müssen vor Beginn der Arbeit in den dafür vorgesehenen Kästen deponiert werden.
§21 In den Räumen des Archivs der AKG besteht Rauch-, Ess- und Trinkverbot.
§22 Im Falle der Nichteinhaltung der Benützungsordnung ist von der wissenschaftlichen Leiterin/dem wissenschaftlichen Leiter der AKG das Recht zur weiteren Benützung zu entziehen. Dagegen kann die Benützerin/der Benützer beim Vorstand der AKG Einspruch erheben.
Weiters wurde eine Hausordnung ausgearbeitet und beschlossen, in der solche Dinge wie die Sicherung gegen Feuergefahr und gegen Einbruch sowie das Verhältnis zur mitbenützenden Organisation des Hauses in der Drechslergasse, der Bezirksorganisation Penzing der KPÖ, geregelt wurden.
Eine höchst erfreuliche Initiative, die der AKG 1996 zugute kam, ging von der Kulturvereinigung der Polizeibediensteten aus, einer Organisation, die nach 1945 von den Kommunisten in der Wiener Polizei gegründet wurde, seinerzeit viele Mitglieder hatte und eine sehr ersprießliche Tätigkeit entfaltete. Im Zuge der Auflösung dieser Vereinigung wurde ein Teil des Vereinsvermögens der AKG als Spende zur Verfügung gestellt, eine beträchtliche Summe, die zur Verbesserung der technischen Ausstattung des Archivs und Bürobetriebes verwendet wurde. Darüber hinaus erbte die AKG die Bibliothek der ehemaligen Kulturvereinigung mit sehr schönen und wertvollen Beständen.
Zu den bereits bestehenden Verbindungen zu einschlägigen Institutionen im In- und Ausland kamen 1996 zwei weitere Verbindungen in Form eines korporativen wechselseitigen Mitgliedsbeitritts hinzu, zur Theodor-Kramer-Gesellschaft und zur Jura-Soyfer-Gesellschaft in Wien. Auch zum Widerstandsmuseum in Ebensee wurden Kontakte aufgenommen. Mit den genannten Institutionen findet seither ein regelmäßiger Austausch an wissenschaftlichen Informationen statt, der allen Seiten Nutzen bringt.
Die Generalversammlung wurde am 9. November 1996 in Wien-Floridsdorf, Galvanigasse 15–17, abgehalten. Den einleitenden Vortrag hielt Herr Universitätsprofessor Dr. Ernst Bruckmüller vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, ein anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der österreichischen Nation. Das Referat widmete sich einem Teilbereich der Thematik, der Frage nämlich, wie und in welchen Formen sich Nationalbewusstsein – und im Konkreten das österreichische Nationalbewusstsein – über Bilder, kollektive Erfahrungen und Erinnerungen, identitätsstiftende Objekte und historische Ereignisse symbolisiert. Prof. Bruckmüller erläuterte dies anhand der Ergebnisse jüngster Meinungsumfragen der empirischen Sozialforschung und analysierte die aus ihnen hervorgehenden Trends, die insgesamt auf das erfreuliche Resultat einer stetigen Erweiterung und Festigung des Bewusstseins von der eigenständigen österreichischen Nation hinauslaufen. Im Anschluss daran beantwortete er Diskussionsbeiträge und Anfragen aus dem Auditorium.
Nach einer Pause begann die eigentliche Generalversammlung mit dem Bericht des Präsidenten Hautmann. Er wies darauf hin, dass das Hauptziel, die Bedingungen für das normale, tagtägliche Funktionieren des Archiv- und Bibliotheksbetriebs und die Benützbarkeit der Bestände für Außenstehende und deren wissenschaftliche Arbeitsvorhaben herzustellen, noch nicht erreicht sei, weil die Bestände derart groß sind, dass in der Drechslergasse Unterbringungsprobleme entstanden. Wie sie gelöst werden können und sollen, erläuterte der Bericht von Dr. Weinert, den für den krankheitshalber verhinderten wissenschaftlichen Leiter der Präsident verlas. Der Vorschlag ging dahin, den sehr umfangreichen und platzaufwändigen Bestand an Tageszeitungen, der für die Zwecke der AKG, weil auch in anderen Bibliotheken vorhanden, nicht unbedingt notwendig ist, zu veräußern und die zahlreichen Doubletten an Büchern auszusortieren und an Antiquariate bzw. interessierte Mitglieder zu verkaufen.
Robert Bondy, der den Kassabericht erstattete, teilte mit, dass er seine Funktion als Kassier mit Jahresende abgeben werde, weil er schon anlässlich der Übernahme dieser Tätigkeit den Wunsch hatte, sie nur bis Ende 1995 auszuüben. Seine Geschäfte übernahm bis zu der statutengemäß im Herbst 1997 von der Generalversammlung durchzuführenden Neuwahl des gesamten Vorstandes der AKG das Vorstandsmitglied Otto Podolsky.
Am 23. November 1996 fand in der Galvanigasse in Wien-Floridsdorf das Symposium 60 Jahre Internationale Brigaden statt, bei dem die AKG gemeinsam mit der KPÖ und der Vereinigung österreichischer Freiwilliger in der spanischen Republik 1936–1939 und Freunde des demokratischen Spanien als Veranstalter auftrat. Hans Hautmann eröffnete die Tagung; die Referate hielten Alois Peter, Hans Landauer, Manfred Mugrauer, Ana Pérez (Obfrau der Vereinigung der Freunde der Internationalen Brigaden) und Walter Baier. Das ganztägige Symposium, das mit einer Ehrung der noch lebenden österreichischen Interbrigadisten ausklang, war sehr gut besucht und fand in den Medien Beachtung.
Durch die Größe der Archiv- und Bibliotheksbestände ergaben sich Unterbringungsprobleme. Zum Teil mussten sie, noch in Schachteln, auf den Gängen und im Veranstaltungssaal in der Drechslergasse deponiert werden. Bei einem Teil war die AKG sogar gezwungen, sie in andere Lokalitäten auszulagern. Immerhin gelang es, einen Teil der sehr platzbeanspruchenden Zeitungsbände und -jahrgänge dank der Vermittlung von Prof. Oberkofler an die Universitätsbibliothek Innsbruck zu verkaufen, Bestände, die in der Drechslergasse nicht unbedingt benötigt werden, weil es sie in Dutzenden anderen Wiener Bibliotheken auch gibt. Bei dem anderen, immer noch größeren Teil der Zeitungsbestände wurden Verkaufsverhandlungen eingeleitet und im Laufe des Jahres 1997 zum Abschluss gebracht. Dasselbe galt und gilt für die Bücher. Die AKG hat einen großen und entsprechend platzraubenden Stock von Doubletten, ja sogar Drei- und Vierfachexemplaren. Der Vorschlag diese Bestände Interessierten anzubieten und an sie zu verkaufen wurde im Juni realisiert, als für eine Woche eine Art Bücherbasar in der Drechslergasse abgehalten wurde. Im Dezember 1997 folgte eine Wiederholung dieser Aktion.
Die beiden zentralen öffentlichen Veranstaltungen der AKG im Jahr 1997 waren die Hommage für Karl Paryla und das Symposium 80 Jahre Oktoberrevolution.
Am 13. Juni 1997 hielt die AKG in der Wiener Urania eine Gedenkveranstaltung für Karl Paryla und seine Jahre im Neuen Theater in der Scala ab. Die Idee dazu wurde geboren, als beim Tod Karl Parylas am 14. Juli 1996 seiner Person von Seiten offizieller Instanzen nicht jene Würdigung zuteil wurde, die diesem Mann, einem der bedeutendsten österreichischen Schauspieler und Regisseure unseres Jahrhunderts, gebührte. Bei vielen, die ihn kannten und als Schauspieler erlebt haben, löste das, gelinde gesagt, Befremden aus. Das war der Grund, warum wir uns in der AKG eines Tages den Kopf darüber zerbrachen, wie man das wenigstens zum Teil wieder gutmachen könnte. Und das Ergebnis des Nachdenkens war die Hommage.
Zwischen der Scala bzw. Paryla und der AKG bestand aber noch ein weiterer wesentlicher Zusammenhang, der uns für eine derartige Initiative prädestinierte. Die Scala als volksbildnerische Bühne, als Theater der Werktätigen, war ein nicht wegzudenkender Bestandteil der kulturellen Traditionen der KPÖ nach 1945 und hätte ohne die finanzielle, politische und moralische Unterstützung seitens der KPÖ und ihrer Mitglieder sicherlich nicht acht Jahre lang existieren können. Darüber hinaus vertritt die AKG jene Prinzipien, denen sich die Mitglieder der Sozietät der Scala (Persönlichkeiten wie Wolfgang Heinz, Emil Stöhr, Otto Tausig, Karl Paryla) stets verbunden fühlten: die Parteinahme für die Ideale des Antifaschismus, der Demokratie, des Sozialismus und des Friedens.
Schon im Zuge der organisatorischen Vorbereitung war zu verspüren, dass die AKG mit der Hommage einem Wunsch nachkam, den viele als solchen empfanden. Alle von uns angesprochenen Personen, die wir um Mitwirkung baten, waren für die Idee von Anfang an eingenommen und sagten ihre Teilnahme spontan zu: Otto Tausig, Lilly Schmuck-Tausig und Hella Reichmann-Ferstl als seinerzeitige Mitglieder des Scala-Ensembles, Dr. Klara Hautmann-Kiss als einstige Bühnenbildnerin, Dr. Evelyne Deutsch-Schreiner als Verfasserin einer 1992 erschienenen Paryla-Biografie, Dr. Wilhelm Pellert als Autor der ersten wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte der Scala und Prof. Arthur West als Schriftsteller, Publizist und persönlicher Freund Karl Parylas. Ihre Beiträge, Erzählungen, Anekdoten, Rezitationen fanden beim Publikum in dem mit 150 Besuchern restlos gefüllten Saal der Urania großen Anklang. Zwischendurch wurden Videosequenzen, Tondokumente und Szenenfotos aus Scala-Aufführungen eingeblendet, in denen Karl Paryla zu sehen und zu hören war. Die Moderation der über zwei Stunden dauernden Veranstaltung besorgte der Präsident der Alfred Klahr Gesellschaft, Hans Hautmann.
Die Hommage war für die AKG ein Schritt in ein Neuland der Öffentlichkeitsarbeit, der Versuch Menschen aus der Sphäre der Kultur- und Theaterschaffenden anzusprechen. Das Echo aus dem Publikum zeigte, dass das Experiment erfolgreich war.
Bei dem Symposium 80 Jahre Oktoberrevolution am 8. November 1997 in Wien fungierte die AKG neben der KPÖ, der KJÖ-Junge Linke und der Sozialistischen Jugend Oberösterreich als Mitveranstalter und übernahm einen Teil der organisatorischen Arbeiten. Auch hier war der Besuch mit über hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr gut, die Diskussion lebhaft und – wie bei dem Thema kaum anders zu erwarten – kontroversiell. Die beiden Hauptreferate hielten Prof. Dr. Harald Neubert, Mitglied des marxistischen Arbeitskreises bei der Historischen Kommission der PDS, und Hans Hautmann, Letzterer zum Thema Die Oktoberrevolution und Österreich. Im zweiten Teil des Symposiums diskutierten Prof. Neubert, KPÖ-Vorsitzender Walter Baier und Miroslav Ransdorf, stellvertretender Vorsitzender der KP Böhmens und Mährens, die Frage der Zukunft des Sozialismus.
Von Willi Weinert stammte die Idee im Zusammenhang mit dem in den neuen Mitgliedskarten der KPÖ von zwölf auf achtundvierzig Personen erweiterten Kreis der Frauen und Männer des antifaschistischen Widerstandskampfes der KPÖ zu diesen Namen eine Broschüre mit Kurzbiografien herauszubringen. Sie erschien, herausgegeben von der AKG, mit einer von Willi Weinert verfassten historischen Einleitung im Herbst 1997. Diese Publikation ist höchst informativ und wertvoll, weil sie die überragende Rolle der österreichischen Kommunistinnen und Kommunisten im Kampf gegen die barbarische Hitlerdiktatur, ihre Hingabe und Opferbereitschaft für das Wiedererstehen eines unabhängigen, demokratischen Österreich wie selten zuvor verdeutlicht.
Mit der Generalversammlung am 22. November 1997 in Wien-Floridsdorf, Galvanigasse, trat insofern eine Zäsur ein, als die statutengemäß festgelegte vierjährige Funktionsperiode des Vorstandes ablief und ein neuer Vorstand zu wählen war. Vor dem Beginn der Generalversammlung fand ein Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema Situation und Aktualität der österreichischen Nation statt. Da der Referent, Prof. Felix Kreissler (Paris), erkrankt war, wurden – in Absprache mit ihm – von Winfried Garscha Auszüge aus seinem letzten Buch (Kultur als subversiver Widerstand) vorgetragen.
Die Neuwahl des Vorstandes brachte, bei jeweils einstimmigen Voten, folgendes Ergebnis:
Kassier: Otto Podolsky
Weitere Vorstandsmitglieder: Robert Bondy, Maria Cäsar, Irene Filip, Michael Graber, Hanns Haas, Heimo Halbrainer, Anton Hofer, Claudia Kuretsidis-Haider, Walther Leeb, Max Muchitsch, Manfred Mugrauer, Franz Muhri, Christine Schindler, Rudolf Schober, Fini Seif, Erich Stöckl, Jakob Zanger, Heinz Zaslawski
Über die Rechnungsprüfer wurde nicht abgestimmt, da deren Wahlperiode sechs Jahre dauert.
Am 17. Jänner 1998 führte die AKG gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Wiener Neustadt, dem Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung Wien und dem Industrieviertelmuseum Wiener Neustadt ein Symposium in der Aula der Europa-Hauptschule in Wiener Neustadt durch, das die große Generalstreikbewegung des Jänner 1918 für den Frieden zum Gegenstand hatte. Referenten waren Rudolf Neck (Der Jännerstreik 1918 – eine historische Ortung im Rahmen der Geschichte der Arbeiterbewegung), Wolfgang Maderthaner (Die Streikbewegung des Jahres 1918 und die Reaktion des sozialdemokratischen Parteivorstandes), Hans Hautmann (Die ökonomische, soziale und politische Lage der österreichischen Industriearbeiter im ersten Weltkrieg) und Karl Flanner (‘Das Gefühl des Menschseins wieder gegeben’ – Der Streik aus dem Leben der Arbeiter). Die AKG übernahm einen Teil der organisatorischen Vorbereitungsarbeiten und war mit ihren Mitgliedern und Freunden, die mit dem Bus anreisten, stattlich im Publikum vertreten. In der regionalen Presse sowie im niederösterreichischen Radio fand die Veranstaltung – übrigens die einzige in Österreich, die zu diesem wichtigen Ereignis aus der Geschichte unserer Arbeiterbewegung abgehalten wurde – ein positives Echo.
Anlässlich des fünfzigsten Jahrestages der Okkupation Österreichs durch Hitlerdeutschland fand am 11. März 1998 in Wien-Alsergrund, Maria-Theresien-Straße 11, eine Gedenkveranstaltung statt, zu der die KPÖ gemeinsam mit der AKG einlud. Neben einer Video-Vorführung und Lesung hielten Walter Baier, Bundesvorsitzender der KPÖ, und Winfried Garscha, Präsidiumsmitglied der AKG, Reden, Letzterer zum Thema Der März 1938 in der österreichischen Geschichte.
Im April 1998 wurde der Plan ventiliert und im Vorstand diskutiert in absehbarer Zukunft ein Jahrbuch der AKG ähnlich dem des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes herauszugeben. Die Absicht, die damit verfolgt werden sollte, bestand darin, umfangreichere wissenschaftliche Arbeiten zur Geschichte der Arbeiterbewegung, basierend auch auf unseren Archivbeständen, zu publizieren und dafür qualifizierte Historikerinnen und Historiker heranzuziehen. Man einigte sich, vorerst einen Art Probeband herauszubringen, der gleichzeitig auch als Referenzband fungieren soll, in dem sich die AKG ausführlich der Öffentlichkeit vorstellt und mit dem die AKG durch interessante wissenschaftliche Beiträge für die Güte ihrer Arbeit den Nachweis erbringen will. Das Ergebnis dieser Diskussion ist die vorliegende Schrift.
Die internationalen Verbindungen erfuhren 1998 ebenfalls eine Bereicherung. Im August besuchte Frau Dr. Ana Pérez Österreich und hatte mit Irene Filip und Hans Hautmann in Linz eine Besprechung, in der es um die Kooperation der AKG mit dem Dokumentationszentrum der Internationalen Brigaden mit Sitz im Historischen Bezirksmuseum in Albacete ging. Diese Vereinbarung wurde im Vorstand besprochen und von diesem befürwortet. Ihr Inhalt ist die Bereitschaftserklärung der AKG Materialien aus unserem Archiv über die österreichischen Spanienkämpfer der Vereinigung der Freunde der Interbrigadisten in Spanien in Form von Kopien bzw. Mikrofilmen zur Verfügung zu stellen und zu diesem Zweck die bei uns befindlichen Dokumente gründlich zu sichten und zu katalogisieren. Diese Arbeit haben im Zusammenwirken mit Willi Weinert die beiden Vorstandsmitglieder Irene Filip und Manfred Mugrauer übernommen. Der Kooperationsvertrag mit Albacete war ein positiver Schritt im Hinblick auf die Verbreiterung der Kontakte der AKG zu befreundeten Organisationen im Ausland und der Anbahnung einer engeren Zusammenarbeit mit ihnen.
Die dritte und größte öffentliche Veranstaltung der AKG im Jahr 1998 war das Symposium 1848–1918. Die beiden bürgerlich-demokratischen Revolutionen Österreichs im historischen Vergleich. Es fand am 31. Oktober von 10 bis 17 Uhr im Saal der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten in der Maria-Theresien-Straße statt. Referenten waren Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Häusler (‘Noch sind nicht alle Märzen vorbei.’ Zur politischen Traditionsbildung der österreichischen Revolution von 1848), Univ.-Prof. Dr. Hans Hautmann (‘Alles, was Produktionsmittel ist, muss den Arbeitern gehören.’ Klassenkräfte und Klassenkämpfe in der österreichischen Revolution 1917–1920) und Univ.-Doz. Dr. Gabriella Hauch (‘Von Schwestern und Genossinnen.’ Handlungsspielräume von Frauen in den Revolutionen von 1848 und 1918). Das Symposium fand bei den etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen positiven Widerhall, was sich auch in der lebhaften Diskussion zu den drei Referaten äußerte, die als wissenschaftlich anregend empfunden wurden und Neues beinhalteten. Den Vortrag von Gabriella Hauch brachten die »Mitteilungen« der AKG in der Nr. 4, Dezember 1998.
Den Gastvortrag auf der Generalversammlung am 14. November 1998 hielt der Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, Honorarprofessor Dr. Lorenz Mikoletzky, zum Thema Das (staatliche) österreichische Archivwesen unter besonderer Berücksichtigung des Archivs der Republik. In der Diskussion, geführt von Schönfeld, Graber, Zaslawski, Anthofer und Podolsky, wurden Fragen zu den Archivsperren, der Abgabepflicht der Akten sowie den Kontrollmechanismen des Staates und des Datenschutzes erörtert. Weinert und Hautmann zeigten dem Gast die Bestände des Archivs und der Bibliothek der AKG in der Drechslergasse. Abschließend lud Generaldirektor Mikoletzky die Mitglieder und den Vorstand der AKG zu einer Führung im Österreichischen Staatsarchiv ein und bot an, in seinem Haus eine Veranstaltung der AKG durchführen zu lassen.
Dr. Margarete Klug schied aus Krankheitsgründen als Vizepräsidentin aus dem Vorstand aus. Zur neuen Vizepräsidentin wurde Mag. Claudia Kuretsidis-Haider bestimmt. Mag. Konstantin Putz, ein Historiker aus Oberösterreich, wurde einstimmig in den Vorstand kooptiert.
Eine der Haupttätigkeiten der AKG im Jahr 1999 war die Vorbereitung des „Referenzbandes“, zu dem Präsident Hautmann in der Vorstandssitzung am 15. Februar ein Dispositionspapier über Inhalt, Finanzierung und Vertrieb vorlegte. Als Endtermin der Ablieferung der Beiträge wurde der 1. Oktober 1999 festgelegt.
Am 12. April 1999 kam der Vorstand der AKG und eine Reihe von Mitgliedern der Einladung von Generaldirektor Mikoletzky nach und besuchte das Österreichische Staatsarchiv in Wien-Landstraße, Nottendorfer Gasse 2. Die von Generaldirektor Mikoletzky amüsant und kurzweilig gestaltete Führung durch die mit modernsten technischen Einrichtungen versehenen Archivräumlichkeiten dauerte eine Stunde. Im Anschluss daran fand in der Drechslergasse eine Vorstandssitzung statt.
Schon Ende 1998 wurde bei der Erörterung der Aktivitäten der AKG im Jahr 1999 von Präsident Hautmann der Vorschlag gemacht, aus Anlass des 40. Jahrestages der Weltjugendfestspiele in Wien 1959 dazu eine Veranstaltung durchzuführen. In den Vorstandssitzungen am 15. Februar, 12. April und 21. Juni wurde der Plan konkretisiert. Die Veranstaltung, die am 10. September 1999 in der Maria-Theresien-Straße stattfand, war mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die bis dahin bestbesuchte der AKG. Es zeigte sich, dass mit dieser Idee die AKG einem Wunsch vieler nachkam, die damals als FÖJler dabei waren und denen der Abend Gelegenheit gab wieder zusammenzutreffen, alte Bekanntschaften aufzufrischen und Erinnerungen auszutauschen. Präsident Hautmann moderierte, führte Gespräche mit dem damaligen Bundessekretär der FÖJ, Karl Reiter, sowie mit Gisela Streiter, die den Tag der Mädchen im Rahmen des Festivals mitorganisiert hatte, und verlas Geheimberichte des seinerzeitigen Chefs der Staatspolizei, Oswald Peterlunger, über das Festival, die mit ihrer unfreiwilligen Komik Heiterkeit erregten. Es wurden Fotos über einen Diaprojektor gezeigt und zuletzt ein halbstündiger Schwarzweißfilm aus dem Archiv der AKG, eine sowjetische Produktion mit deutschem Text, die in Inhalt, Form und Machart selbst schon ein zeitgeschichtlich hochinteressantes Dokument darstellt. Der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer emotional sehr berührende Abend dauerte, mit einer Pause, fast drei Stunden.
Zum Wiener Festival von 1959 erschien in der September-Nummer 1999 der »Mitteilungen« der AKG auch ein ausführlicher Artikel, den Hans Hautmann verfasste.
Die Generalversammlung am 13. November 1999 wurde mit einem Vortrag von Rechtsanwalt Dr. Alfred-Johannes Noll zum Thema „Humanitäre Intervention' - ein legitimer Kriegsgrund? eingeleitet. Im Zusammenhang mit dem Krieg der NATO gegen Jugoslawien legte er dar, dass die Intervention keine legale völkerrechtliche Grundlage besaß, der Charta der Vereinten Nationen widersprach und darauf abzielte, eine Militärallianz (die NATO) an die Stelle einer internationale Organisation (der UNO) zu setzen. Bei der Neuwahl der RechnungsprüferInnen wurden Maria Jahnas, Gertrude Springer und Heinz Allwein in ihrer Funktion bestätigt.
Im Mittelpunkt der Tätigkeit des Jahres 2000 standen die Herausgabe des vorliegenden Sammelbandes Quellen und Studien. Die Alfred Klahr Gesellschaft und ihr Archiv. Beiträge zur österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie die Vorbereitung und Organisation des Symposiums Der große Streik des September/Oktober 1950. Weiters wurde eine Liste mit Vorschlägen für Diplomarbeiten und Dissertationen erstellt, deren Zweck es ist, Studentinnen und Studenten der Geschichtswissenschaft, Politologie und Publizistik dazu zu motivieren, bislang unzulänglich erforschte Themenbereiche aus der Geschichte der KPÖ und der österreichischen Zeitgeschichte auf der Basis der reichen Bestände des Archivs der AKG in Angriff zu nehmen.
Die hier angeführten Aktivitäten in den sechs Jahren des Bestehens der AKG waren nur die wichtigsten. Die alltägliche Kleinarbeit, bewältigt vom Dreigestirn Weinert, Seif und Podolsky, gab dafür die unentbehrliche Basis ab. Dafür sei den Genannten herzlich gedankt.
(Abgeschlossen Ende September 2000)

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