Source: http://palikanon.de/khuddaka/jataka/j458.htm
Timestamp: 2017-04-23 17:47:20+00:00

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458 Udaya-Jataka
Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 458. Die Erzählung von Udaya (Udaya-Jataka)
„Du sitzt allein“ §A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen unzufriedenen Mönch. §D. Die Begebenheit wird im Kusa-Jataka [1] erzählt werden. — Als aber der Meister jenen Mönch angeredet und gefragt hatte: „Ist es wahr, Mönch, dass du unzufrieden bist?“, und dieser zur Antwort gab: „Es ist wahr, Herr“, sprach der Meister weiter: „O Mönch, warum bist du durch die Macht der Begierde mit dieser so zum Heile führenden Lehre unzufrieden geworden? Die Weisen der Vorzeit, die in der prächtigen, zwölf Yojanas im Umkreis messenden Stadt Surundhana die Herrschaft führten und mit einem den Göttermädchen an Schönheit gleichenden Weibe siebenhundert Jahre lang in einem Gemache wohnten, missbrauchten ihre Sinne nicht und sahen es in sinnlicher Begierde nicht einmal an.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Ehedem herrschte im Reiche Kasi in der Stadt Surundhana der König von Kasi; dieser hatte keinen Sohn und keine Tochter. Er sagte aber zu seinen Gattinnen: „Wünscht euch Söhne!“ Damals verließ der Bodhisattva die Brahmawelt und nahm im Schoße der ersten Gemahlin des Königs seine Wiedergeburt. Da er aber durch seine Geburt das Herz vieler Menschen erfreute, gab man ihm den Namen Udayabhadda (= Ursprung des Glücks). Als der Prinz das Alter erreicht hatte, dass er gehen konnte, verließ ein anderes Wesen die Brahmawelt und nahm seine Wiedergeburt als ein Mädchen im Schoße einer anderen Gemahlin des Königs; ihr gab man ebenfalls den Namen Udayabhadda [2].
§1. „Du sitzest allein, du Reine, in schöner Haltung, herauf zum Söller stiegst du, Tadellose; ich bitte dich mit deinen Nymphenaugen [4]: die eine Nacht lass uns zusammen bleiben!“
§2. „Von festgetürmtem Wall umgeben, von starken Tortürmen und Erkern,
bewacht von Kriegern schwertumgürtet ist schwer zugänglich diese Stadt.
§3. Dass hier ein zarter junger Mann hereinkommt, das kommt sonst nicht vor; doch sage mir, aus welchem Grunde
wünschst du Vereinigung mit mir?“
§4. „Ich bin ein Dämon, schöne Frau, ich kam hierher um deinetwillen.
Erfreue du mich, Heil sei dir!
Ich geb dir auch die goldne Schüssel.“
§5. „Ob Gott, ob Dämon oder auch ob Mensch, nach keinem ich verlang als nach Udaya. Geh du nur wieder, Dämon, groß von Macht, entferne dich und komme niemals wieder!“
§6. „Den größten Reiz, den Liebesfreunde kennen, um dessentwillen man auch Unrecht tut, lass ihn nicht schwinden, nur bedacht auf Reinheit! Ich geb dir goldgefüllt die Silberschüssel.“
§7. „Ein Mann, der eine Frau bewegen will, dass sie sich hingibt, steigert doch den Preis. Das Gegenteil tust du nach Götterart, denn jedes Mal bringst weniger du her.“
§8. „Die Jugend und die Schönheit, schöne Frau, nimmt bei den Menschen immer ab auf Erden; und um der Schönheit willen wird dein Geld auch weniger, denn älter bist du heute.
§9. Und während ich dich so beschaute, du ruhmgekrönte Königstochter,
nahm immer mehr die Schönheit ab
in dem Umlauf von Tag und Nacht.
§10. In diesem Alter, das du hast,
du sehr verständ'ge Königstochter,
sollst du den heil'gen Wandel führen; so steigert sich die Schönheit dein.“
§11. „Die Götter altern nicht so wie die Menschen, an ihren Gliedern gibt es keine Falten; dich frage ich, du Dämon groß von Macht: Warum wohl altert nicht der Götter Leib?“
§12. „Die Götter altern nicht so wie die Menschen, an ihren Gliedern gibt es keine Falten; von Tag zu Tag wird größer nur bei ihnen die Götterschönheit und ihr heller Glanz.“
§13. „Sind wohl in Furcht darüber viele Leute?
Der Weg, ist er bekannt, weil viel' ihn gehen?
Ich frage dich, du Dämon groß von Macht:
‘Auf welchem Weg gibt's keine Furcht vorm Jenseits?’“
§14. „Wenn man mit Wort und Sinn das Rechte will, wenn mit dem Körper man nichts Böses tut, viel Trank und Speis im Hause hat zum Spenden, wenn gläubig, mild, freigebig und leutselig, wenn freundlich man ist, liebevoll, sanft redend: auf diesem Weg gibt 's keine Furcht vorm Jenseits.“
§15. „Du unterweisest mich, o Dämon, wie eine Mutter, wie ein Vater;
du schön Gestalteter, dich frag ich: Wer bist du, Hochgewachsener?“
§16. „Ich bin Udaya, schöne Frau,
um des Vertrages willen kam ich.
Nachdem ich dich gesprochen, geh ich; befreit bin ich von dem Vertrage.“
§17. „Wenn du Udaya bist und hierher um des Vertrages willen kamst,
so lehre mich, du Königssohn,
wie wieder wir vereint sein können.“
§18. „Rasch fliegt das Alter wie ein Augenblick, nichts Festes gibt es, alle Wesen sterben, es altert auch der unbeständ'ge Körper; nicht lasse nach, Udaya, wandle heilig!
§19. Wenn die gesamte Erde voll von Schätzen einem allein gehörte, keinem andern, der Lustbefreite würd' darauf verzichten; nicht lasse nach, Udaya, wandle heilig!
§20. Die Mutter und der Vater und die Brüder, die Gattin auch, die man für Geld erkaufte, auch sie müssen verzichten aufeinander; nicht lasse nach, Udaya, wandle heilig!
§21. Merk, dass dein Körper ist der andern Speise, erkenne auch, dass beides niedrig ist,
ob du zum Heil, zum Unheil wirst geboren [5]; nicht lasse nach, Udaya, wandle heilig!“
§22. „Gut hat gesprochen dieser Dämon: Gar kurz nur ist des Menschen Leben, elend ist es und eng begrenzt
und reich mit Unglück ausgestattet.
Darum will ich die Welt verlassen,
aufgeben Königreich und Hauptstadt [6].“
§C. Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen und die Wahrheiten verkündigt hatte, verband er das Jataka (am Ende der Wahrheitsverkündigung aber gelangte jener unzufriedene Mönch zur Frucht der Bekehrung) mit folgenden Worten: „Damals war die Königstochter die Mutter Rahulas [7], Sakka aber war ich.“ Ende der Erzählung von Udaya
[1] Dies ist das Jataka 531. [2] Dasselbe Wort wie der Name des Prinzen, nur in der weiblichen Form. [Männernamen enden auf einem kurzen „a“, Frauennamen auf einem langen „ā“, die diakritischen Zeichen sind hier regelmäßig weggelassen.]
[3] Das heißt hier nichts anderes als „sie ihre Tugend verkündigen lassen“.
[4] Diese Nymphen, pali „kinnari“, bilden das Gefolge des Gottes Kuvera, des Gottes des Reichtums.
[5] D. h. ob du als Mensch oder als Tier wiedergeboren wirst.
[6] Wegen des Versmaßes statt des im Texte stehenden „Kasi und Surundhana“.
[7] Also Buddhas eigene Frau.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15

§16

§17

§18

§19

§20

§21

§22