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Timestamp: 2017-09-23 16:23:08+00:00

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90 Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Juristischen Fakultät der Universität Regensburg vorgelegt von Kathrin Greve Erstberichterstatter:
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Jones, Powles, International Criminal Practice, S. 284 f.
Jones, Powles, International Criminal Practice, S. 285.
zugefügt wurden, unter die von der Anklagebehörde vorgelegte Definition von Folter fallen könnten,2837 sollte es bis zum ersten diesbezüglichen Urteil noch drei Jahre dauern.
a. Bewertung von Vergewaltigung als Folter im Fall Akayesu Die mit dem Verfahren gegen Akayesu befasste Strafkammer verglich Vergewaltigung mit
Folter und erklärte, sie sei bei Erfüllung der Tatbestandselemente der Folter als solche zu werten:
Like torture, rape is used for such purposes as intimidation, degradation, humiliation, discrimination, punishment, control or destruction of a person. Like torture, rape is a violation of personal dignity, and rape in fact constitutes torture when inflicted by or at the instigation of or with the consent or acquiescence of a public official or other person acting in an official capacity.2838 b. Übernahme dieser Bewertung im Celebici-Fall Ausdrücklich und unter Bezug auf Urteile bzw. Berichte verschiedener Organe der Vereinten Nationen2839 erklärte die Strafkammer im Fall Celebici die Erfassung von Vergewaltigung und anderen Formen sexueller Nötigung durch den Tatbestand der Folter im Sinne von Art. 2 b ICTY bzw. Art. 3 ICTY, 3 I a GK, wenn alle Tatbestandsmerkmale dieser Normen erfüllt seien.2840 Unter Betonung des schweren körperlichen und seelischen Leids und der Schmerzen, die durch Vergewaltigung zugefügt werden, übernahm die Strafkammer die Wertungen des ICTR im Urteil gegen Jean-Paul Akayesu, ebenso wie jüngere internationale Urteile zu Menschenrechtskonventionen, die entschieden hatten, dass Vergewaltigung dann die Voraussetzungen der Folter erfüllt, wenn sie unter Beteiligung eines bzw. einer Angehörigen des öffentlichen Dienstes begangen wird.2841 Von besonderer Bedeutung ist dabei die Ablehnung der Ansicht, eine solche Verletzung könne im Zusammenhang eines bewaffneten Konflikts zu „privaten“ S. o. S. 195.
Oktober 1998, IT-96-21-T, §§ 481-493 zitiert Sükran Aydin v. Turkey, Urteil des EuGMR vom 25.9.1997, § 40, Nr. 4; Report of the Special Rapporteur on Torture, Mr. Nigel S. Rodley, submitted pursuant to Commission on Human Rights resolution 1992/32, 12.1.995, UN Doc. E/CN.4/1995/34, § 16; McDougall, Final Report, 22.6.1998, UN Doc. E/CN.4/Sub.2/1998/13, § 55; Inter-American Commission on Human Rights, Dr. Fernando Mejía Egocheaga and Raquel Martín de Mejia v. Peru, Entscheidung vom 1.3.1996, Bericht Nr. 5/96, Fall Nr.
10.970, www.cidh.oas.org/annualrep/95eng/Peru10970.htm (12.11.2004), S. 17-19.
Oktober 1998, IT-96-21-T, § 496.
Oktober 1998, IT-96-21-T, § 495.
Zwecken verübt werden und somit nicht den öffentliche Charakter haben, der notwendig ist, um die Definition von Folter zu erfüllen.2842 Die Kammer identifizierte eine Vielzahl von Zwecken, zu denen die Vergewaltigungen begangen wurden, einschließlich der Erlangung von Informationen, Einschüchterung, Nötigung und Bestrafung, und stellte außerdem fest, dass Vergewaltigung, wenn sie ausschließlich an Frauen begangen wird, eine Diskriminierung von Frauen darstellt und damit in Verfolgung eines der verbotenen Zwecke der Folter verübt wird.2843 c. Begründung der Bewertung als Folter auf der Basis menschenrechtlicher Entscheidungen im Fall Furundzija Die mit dem Fall Furundzija befasste Strafkammer zitierte verschiedene Rechtsquellen, die belegen, dass Folter viele verschiedene Formen annehmen kann.2844 Internationales Fallrecht2845 und die Berichte des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen zur Folter2846 zeigten eine Bewegung dahingehend, dass zunehmend die Verwendung von Vergewaltigung während Haft und Befragung als Mittel der Folter und damit Verletzungen des Völkerrechts angesprochen werde.2847 Vergewaltigung werde in solchen Fällen durch den Verhörenden bzw. die Verhörende oder andere Personen angewendet, die mit der Befragung der festgehaltenen Person in Verbindung stünden, um zu bestrafen, einzuschüchtern, zu nötigen oder das Opfer zu demütigen, oder um Informationen bzw. ein Geständnis des Opfers oder einer dritten Person zu erlangen.2848 Aus menschenrechtlicher Sicht könne Vergewaltigung unter solchen Bedingungen Folter darstellen, wie insbesondere die Entscheidungen des Europäischen Prosecutor v. Zejnil Delalic, Zdravko Mucic, Hazim Delic, Esad Landzo, Trial Chamber II, Judgment, 16.
Oktober 1998, IT-96-21-T, §§ 941, 963.
Prosecutor v. Anto Furundzija, Trial Chamber II, Judgment, 10. Dezember 1998, IT-95-17/1-T, § 163.
Prosecutor v. Anto Furundzija, Trial Chamber II, Judgment, 10. Dezember 1998, IT-95-17/1-T, § 163 zitiert Zekri Aksoy v. Turkey, Urteil des EuGMR vom 18.12.1996, § 61; Sükran Aydin v. Turkey, Urteil des EuGMR vom 25.9.1997, §§ 62-88; Inter-American Commission on Human Rights, Dr. Fernando Mejía Egocheaga and Raquel Martín de Mejía v. Peru, Entscheidung vom 1.3.1996, Bericht Nr. 5/96, Fall Nr. 10.970, www.cidh.oas.org/annualrep/95eng/Peru10970.htm (12.11.2004), S. 17-19.
Prosecutor v. Anto Furundzija, Trial Chamber II, Judgment, 10. Dezember 1998, IT-95-17/1-T, § 163 zitiert u.a. Report of the Special Rapporteur on Torture, Mr. Nigel S. Rodley, submitted pursuant to Commission on Human Rights resolution 1992/32, 12.1.1995, UN Doc. E/CN.4/1995/34, §§ 15-24.
Gerichtshofs für Menschenrechte im Fall Aydin2849 und der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte im Fall Mejía2850 belegten.2851 Abhängig von den Tatumständen könne Vergewaltigung im Völkerstrafrecht aber auch den Status eines von Folter unterschiedlichen Verbrechens erlangen, so die Kammer.2852 d. Keine Thematisierung im Fall Musema Das Urteil gegen Musema geht nur am Rande auf Folter ein; auch eine Feststellung zur Bewertung sexueller Gewalt als Folter fehlt.
e. Vergewaltigung als Indiz für die Begehung von Folter im Fall Kunarac und andere Noch weiter als das Urteil gegen Furundzija ging die Rechtsmittelkammer im Fall Kunarac, die Vergewaltigung als Indiz für die Begehung von Folter bezeichnete: Sexuelle Gewalt führe notwendigerweise zu schwerem Schmerz oder Leid körperlicher oder seelischer Natur und rechtfertige so ihre Charakterisierung als einen Akt der Folter.2853 Schmerzen bzw. Leid in dem Ausmaß, wie es für eine Bejahung der Folter erforderlich ist, können demnach mit einer Vergewaltigung als bewiesen gelten.2854 f. Übernahme der Ergebnisse des Kunarac-Urteils in Kvocka und andere Ähnlich wie im Fall Kunarac und andere äußerte sich der ICTY im Urteil gegen Kvocka und andere: Hinsichtlich des Kriteriums der Schmerzen bzw. Leiden, die dem Opfer zugefügt werden müssen, um die Kriterien der Folter zu erfüllen, verwies die Strafkammer auf Veröffentlichungen des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen zur Folter, von Menschenrechtsinstitutionen und Juristinnen bzw. Juristen, wonach es einige Handlungen gibt, die per se Folter darstellen.2855 Darunter sei beispielsweise sexuelle Gewalt oder Drohungen mit seProsecutor v. Anto Furundzija, Trial Chamber II, Judgment, 10. Dezember 1998, IT-95-17/1-T, § 163 zitiert Sükran Aydin v. Turkey, Urteil des EuGMR vom 25.9.1997, §§ 83-86.
Prosecutor v. Anto Furundzija, Trial Chamber II, Judgment, 10. Dezember 1998, IT-95-17/1-T, § 163 zitiert Inter-American Commission on Human Rights, Dr. Fernando Mejía Egocheaga and Raquel Martín de Mejía v.
Peru, Entscheidung vom 1.3.1996, Bericht Nr. 5/96, Fall Nr. 10.970, www.cidh.oas.org/annualrep/95eng/Peru10970.htm (12.11.2004), S. 17-19.
Prosecutor v. Anto Furundzija, Trial Chamber II, Judgment, 10. Dezember 1998, IT-95-17/1-T, § 164.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Appeals Chamber, Judgment, 12. Juni 2002, IT-96-23-A & IT-96-23/1-A, § 150 m.w.N.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Appeals Chamber, Judgment, 12. Juni 2002, IT-96-23-A & IT-96-23/1-A, § 151.
Prosecutor v. Miroslav Kvocka and Others, Trial Chamber I, Judgment, 2. November 2001, IT-98-30/1-T, § 144 zitiert Report of the Special Rapporteur on the question of torture and other cruel, inhuman or degrading treatment or punishment, 3.7.2001, UN Doc. A/56/156, §§ 8-25; Human Rights Committee, Victor P. Domukovsky et al. v. Georgia, UN Doc. CCPR/C/62/D/624/1995, 29.5.1998, § 18.6; Ireland v. United Kingdom, Urteil des EuGMR vom 18.1.1978, § 167; Copelon, Recognizing the Egregious in the Everyday, S. 291.
xueller Gewalt an Verwandten des Opfers.2856 Vergewaltigung kann nach ständiger Rechtsprechung des ICTY im Einklang mit den Entscheidungen von Menschenrechtsinstitutionen Folter darstellen, falls die anderen Tatbestandselemente erfüllt werden.2857 Aufgrund der erarbeiteten Definitionen wurden sexuelle Gewalt und Vergewaltigung nicht nur gemäß Art. 5 g ICTY, 3 g, 4 e ICTR verurteilt, sondern auch als Verstoß gegen Art. 2, 2858 32859 5 f,2860 h,2861 i ICTY2862 und Art. 2 II b,2863 3 i ICTR.2864
5. Erarbeitung einer Definition von Versklavung (Art. 5 c ICTY, Art. 3 c ICTR) Von den untersuchten Urteilen geht nur das im Fall Kunarac und andere auf sexuelle Gewalt als Versklavung ein. Bereits die Haager Landkriegsordnung verbietet in Art. 6 I 2, 52 I 1 die unverhältnismäßige Inanspruchnahme der Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung zu Dienstleistungen, ebenso wie Art. 40, 51 II, III, 95 GK IV. Art. 6 c IMT und Art. 5 c IMTF2865 sowie Art. II 1 c KRG nennen Versklavung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.2866 Prosecutor v. Miroslav Kvocka and Others, Trial Chamber I, Judgment, 2. November 2001, IT-98-30/1-T, § 144.
Prosecutor v. Miroslav Kvocka and Others, Trial Chamber I, Judgment, 2. November 2001, IT-98-30/1-T, § 145 zitiert Sükran Aydin v Turkey, Entscheidung der EKMR, 26.8.1997, § 82; Prosecutor v. Zejnil Delalic, Zdravko Mucic, Hazim Delic, Esad Landzo, Trial Chamber II, Judgment, 16. Oktober 1998, IT-96-21-T, §§ 495 f., 941-943; Prosecutor v. Anto Furundzija, Trial Chamber II, Judgment, 10. Dezember 1998, IT-95-17/1-T, §§ 163, 171; Prosecutor v. Jean-Paul Akayesu, Trial Chamber I, Judgment, 2. September 1998, ICTR-96-4-T, § 597.
Oktober 1998, IT-96-21-T, § 1121, bestätigt in Prosecutor v. Zejnil Delalic, Zdravko Mucic, Hazim Delic, Esad Landzo, Appeals Chamber, Judgment, 20. Februar 2001, IT-96-21-A, §§ 510, 518, 527 Prosecutor v. Zejnil Delalic, Zdravko Mucic, Hazim Delic, Esad Landzo, Trial Chamber II, Judgment, 16.
Oktober 1998, IT-96-21-T, §§ 943, 965; Prosecutor v. Anto Furundzija, Trial Chamber II, Judgment, 10.
Dezember 1998, IT-95-17/1-T, §§ 269, 275, 296; Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, §§ 883, 886, 888; Prosecutor v. Miroslav Kvocka and Others, Trial Chamber I, Judgment, 2. November 2001, IT-98-30/1-T, §§ 560, 578, 761.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, §§ 883, 888.
Prosecutor v. Miroslav Kvocka and Others, Trial Chamber I, Judgment, 2. November 2001, IT-98-30/1-T, §§ 578, 761; ebenso Prosecutor v. Radislav Krstic, Trial Chamber I, Judgment, 2. August 2001, IT-98-33-T, §§ 537 f, 618, 727; Prosecutor v. Dragan Nikolic, Trial Chamber II; Sentencing Judgment, 18. Dezember 2003, ITS, § 119 (iii), (vii).
Prosecutor v. Radislav Krstic, Trial Chamber I, Judgment, 2. August 2001, IT-98-33-T, §§ 615-618, 727.
Prosecutor v. Jean-Paul Akayesu, Trial Chamber I, Judgment, 2. September 1998, ICTR-96-4-T, § 734;
Prosecutor v. Alfred Musema, Trial Chamber I, Judgment and Sentence, 27. Januar 2000, ICTR-96-13-T, § 936.
Art. 6 c IMT lautet: “Crimes against humanity: namely, murder, extermination, enslavement, deportation, and other inhumane acts committed against any civilian population, before or during the war, or persecutions on political, racial, or religious grounds in execution of or in connection with any crime within the jurisdiction of the Tribunal, whether or not in violation of domestic law of the country where perpetrated.” (Hervorhebung der Verfasserin.) a. Herleitung einer Definition von sexueller Gewalt als Versklavung im Fall Kunarac und andere Die Strafkammer stellte am Anfang ihrer Erwägungen zu Versklavung klar, dass es sich dabei nicht um eine umfassende Darstellung handle, da die Anklagepunkte sich im vorliegenden Fall auf die Versklavung von Frauen und Kindern und einige Hinweise zu Zwangsarbeit oder
-diensten bezögen.2867 Vom Übereinkommen betreffend die Sklaverei ausgehend, überprüfte sie die relevanten Definitionen in internationalen Instrumenten2868 und im Recht des untergegangenen Bundesstaats Jugoslawien2869 sowie die Anklagen vor dem und Urteile des IMT2870 und des IMTF2871 bzw.
Entscheidungen gemäß Kontrollratsgesetz Nr. 10.2872 Ausführlich zitierte sie das Urteil des
US-Militärgerichtshofs im Fall Pohl:
Art. 5 c IMTF ist bis auf die Beschränkung der Verfolgungen aus politischen oder rassischen Gründen gleich lautend, beide Statute sind abgedruckt in: Morris, Scharf, Rwanda, Bd. 2, S. 473-479, 485-489.

References: Art. 2
 Art. 3
 § 40
 § 16
 § 55
 § 496
 § 495
 § 163
 § 163
 § 61
 § 163
 § 163
 § 163
 § 164
 § 150
 § 151
 § 144
 § 18
 § 167
 Art. 5
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 40
 Art. 6
 Art. 5
 § 144
 § 145
 § 82
 § 597
 § 1121
 § 119
 § 734
 § 936

Art. 6

Art. 5