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Timestamp: 2018-02-26 01:45:53+00:00

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JA – Rückführung – Eine Einleitung | Aktionsgemeinschaft zur Verwirklichung der Rechte des Kindes e.V.
JA – Rückführung – Eine Einleitung
Die Schwere der diesem Kind zugefügten seelischen Verletzung lässt sich in Worten kaum ausdrücken. Miriam wurde unter Mithilfe des Jugendamtes schwerst traumatisiert. Die Fachkraft ignorierte, dass das Kind durch einen Antrag der Pflegeeltern beim Vormundschaftsgericht gemäss § 1632 (4) BGB auf eine einstweilige Verbleibensanordnung vor dem schwerwiegenden seelisch verletzenden Eingriff hätte geschützt werden müssen. Und, falls bei einer gründlichen Klärung Vormundschaftsgericht und Jugendamt zur Auffassung gelangt wären, dass dieses Kind zurück zu seiner Mutter soll, hätte zumindest eine langsame und schonende Anbahnung zur Bedingung gemacht werden müssen.
Doch es ist nicht im Sinne des KJHG, Kinderschutz zur Dispositon zu stellen! Im KJHG, § 1, Abs. 3 ist verankert, dass Jugendhilfe „Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen“ soll. Auch wird im § 37 KJHG festgelegt, dass Bedingung für die Rückkehr die „nachhaltige Verbesserung“ der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie sein muss. Ist dies nicht der Fall, so ist die dauerhafte Fremdunterbringung auch im KJHG § 34 und § 37 abgesichert!
Dazu hat ein Kind auch heute Anspruch auf das Bewahren von primären Bindungen gegenüber „Pflegepersonen“, wie es im noch immer gültigen § 1632 (4) BGB sichergestellt worden ist, und es darf nicht zu Eltern zurückkehren, die es sexuell oder körperlich misshandelt haben! Die §§ 1666 und 1666 a BGB über den Missbrauch der elterlichen Sorge sind durch das KJHG nicht schwächer geworden! Dies scheint bei Fachleuten der Jugendhilfe, bei Vormundschaftsgerichten und bei politisch Verantwortlichen in Vergessenheit zu geraten!
Jedes Pflegekind bewegt sich in einem mehr oder weniger starken Spannungsfeld zwischen Pflegefamilie und Herkunftsfamilie. Es ist geprägt von Identitäts- und Loyalitätskonflikten, muss mit der Aussenseiterrolle in unserer Gesellschaft zurechtkommen, nicht bei seinen leiblichen Eltern zu leben. Es geht Kindern in Pflegestellen nur dan gut, wenn Jugendamt, leibliche Eltern und Pflegeeltern im Interesse des Kindes bestmöglich zusammenarbeiten und die seelisch-sozialen Zugehörigkeiten des Kindes anerkennen, je nachdem, wo das Kind sie entwickelt hat: in der Herkunftsfamilie oder in der Pflegefamilie. Dieses Ideal wird in der Praxis oft nicht erreicht, vor allem dann nicht, wenn in der Planungsphase von Pflegeverhältnissen wichtige Grundregeln nicht berücksichtigt werden, wie z.B. dass voraussichtliche Rückführungskinder nicht zu ehemalige Adoptionsbewerbern in Pflege gegeben werden dürfen oder dass ein Kind für eine Dauerpflege ein Stück Einverständnis -wie auch immer- seiner Herkunftseltern benötigt. Die sozialen Dienste arbeiten häufig nicht intensiv genug an diesem Einverständnis. Ohne dieses Einverständnis ist eine Pflegefamilie jedoch nicht die richtige Jugendhilfemassnahme. Viele Pflegekinder werden dauerhaft im Loyalitätskonflikt aufgerieben.
Dennoch sind Rückführungen, die das Kind erneut seelisch schädigen, hier keine Alternative! Es sollte schon bei der Planung der Hilfen für das Kind allen Beteiligten bewusst gemacht werden: Je früher im Leben ein Kind in eine Pflegefamilie kam und je länger es dort gelebt hat, desto schwerer ist es für das Kind, zu seinen leiblichen Elternteilen Bindung aufzubauen und wieder zu ihnen zurückzukehren. Familienunterbringung kann nicht einfach gleichgesetzt werden mit anderen Jugendhilfemassnahmen, z.B. einer Unterbringung im Heim. In einer Pflegefamilie zu leben, bedeutet für das kleine Kind, dass es sich festlegt, sich bindet wie an Vater und Mutter. Nur in Ausnahmefällen und wenn alle Beteiligten von Anfang an sehr verantwortlich daran arbeiten, dass das Kind seine Zugehörigkeit zu den leiblichen Eltern durch häufige Kontakte behalten kann, kann ein kleines Kind, das vorübergehend in einer Pflegefamilie lebt, wieder zurückgeführt werden!
Ob Rückführung von Kindern in ihre Herkunftsfamilien oder eine dauerhafte Fremdunterbringung notwendig ist, muss für jedes einzelne Kind möglichst frühzeitig sorgfältig abgewogen werden. Das KJHG bietet im Rahmen der §§ 27, 33 und 36 die Grundlage für die erforderlichen Handlungsschritte, für Langzeitmassnahmen ausserhalb der Familie ebenso wie vorübergehende Jugendhilfemassnahmen.
1. Keine Rückkehr zu Elternteilen, die ihr Kind schwer misshandelt und traumatisiert haben
Wurde ein Kind irgendwann in seinem Leben körperlich, seelisch oder sexuell misshandelt, so ist eine Rückführung im Kindesalter auszuschliessen, selbst wenn das Kind gern zurückkehren will und wenn Elternteile angeben, sich geändert zu haben. Auch wenn die vernichtende, ängstigende und bedrohende Situation vom Kind in Unbewusste abgedrängt worden ist, bleibt sie existent. Ein Kind darf nicht wieder mit dem Menschen leben, der schon einmal seine Existenz gefährdet hat oder ihm beängstigende, lebensgefährdende, persönlichkeitszerstörende, körperliche oder seelische Schmerzen zugefügt hat. Auch wenn ein Elternteil den anderen Elternteil schwer verletzt oder misshandelt, ist dies ebenfalls eine seelisch zerstörende Erfahrung für ein Kind. Auch hier ist die Rückführung zum Elternteil, der Gewalt ausgeübt hat, auszuschliessen.
Kein Kind darf in die belastende Situation zurückgeschickt werden, die ursprünglich Anlass für die Fremdplazierung war. Voraussetzung für die Rückführung eines Kindes ist deshalb, dass sich die Lebensbedingungen der Eltern oder des Elternteils real verbessert haben und dass die Vernachlässigungs- oder Gewährungssituation nicht mehr besteht und das soziale Konfliktpotential deutlich reduziert wurden (§ 37 KJHG).
Säuglinge entwickeln nur dichte Bindung zu Menschen, die sie täglich oder mehrmals wöchentlich ausgiebig sehen. Deshalb benötigen Eltern von Säuglingen bei der Hilfeplanung konfrontative Aufklärung darüber, dass ihr Kind sich in der Pflegefamilie schnell verwurzeln wird. Ist eine Beziehung zwischen Säugling oder Kleinkind zu dem Elternteil über einen längeren Zeitraum abgebrochen, dann wäre eine Rückführung nahezu ein Neuanfang, ein zweiter tiefer Bruch im Leben. Wochenpflege und das Verbringen der Wochenenden mit den leiblichen Eltern ist für einen Säugling ebenfalls so belastend, dass langfristige Persönlichkeitsstörungen verursacht werden. Säuglinge dürften eigentlich nur für maximal ein halbes Jahr bei einer hohen Dichte von Kontakten fremduntergebracht werden.
Können Eltern diese Bedingungen nicht einhalten, so müssen sie früh im hinblick auf eine Langzeitunterbringung ihres Kindes beraten werden, um schwerwiegende seelische Verletzungen ihres Kindes zu vermeiden. Dies schliesst nicht aus, dass die Eltern Eltern bleiben und Elternrechte innehaben, dass sie ihr Besuchsrecht wahrnehmen. Doch sie müssen durch Beratung ihres ASD schmerzlich lernen, ihrem Kind sein langfristiges Zuhause in der Pflegefamilie zuzubilligen.
12.Hilfen für die leiblichen Eltern und das Kind nach der Rückführung

References: § 1632
 § 1
 § 37
 § 34
 § 37
 § 1632