Source: http://www.mediationslupe.de/aktuell/vollstreckbarerklaerung-eines-schiesspruchs-und-das-verbot-der-billigkeitsentscheidung-5403?pk_campaign=feed&pk_kwd=vollstreckbarerklaerung-eines-schiesspruchs-und-das-verbot-der-billigkeitsentscheidung
Timestamp: 2016-09-30 11:39:36+00:00

Document:
Vollstreckbarerklärung eines Schiedsspruchs – und das Verbot der Billigkeitsentscheidung | Mediationslupe
Mediationslupe » Aktuelles » Vollstreckbarerklärung eines Schiedsspruchs – und das Verbot der Billigkeitsentscheidung
Vollstreckbarerklärung eines Schiedsspruchs – und das Verbot der Billigkeitsentscheidung	5. Februar 2016 | AktuellesGeschätzte Lesezeit: 3 Minuten	Ein Schiedsspruch kann nach § 1059 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. d ZPO unter anderem aufgehoben werden, wenn das schiedsrichterliche Verfahren einer Bestimmung des 10. Buches der Zivilprozessordnung (§§ 1025 bis 1066 ZPO) oder einer zulässigen Vereinbarung der Parteien nicht entsprochen hat und anzunehmen ist, dass sich dies auf den Schiedsspruch ausgewirkt hat.
Gemäß § 1051 Abs. 3 Satz 1 ZPO hat das Schiedsgericht nur dann nach Billigkeit zu entscheiden, wenn die Parteien es ausdrücklich dazu ermächtigt haben.
Auch nach Nr. 23.3 der (hier vereinbarten) Schiedsgerichtsordnung der aus dem Deutschen Institut für Schiedsgerichtswesen e.V. hervorgegangenen Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit e.V. darf das Schiedsgericht nur dann nach Billigkeit (ex aequo et bono, amiable composition) entscheiden, wenn die Parteien es ausdrücklich dazu ermächtigt haben.
Eine Billigkeitsentscheidung zeichnet sich dadurch aus, dass sich das Schiedsgericht nicht von rechtlichen Maßstäben leiten lässt1. Im vorliegenden Fall hat das Schiedsgericht die Schadenshöhe dagegen nach den Maßstäben des § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO unter Würdigung aller Umstände nach freier Überzeugung geschätzt. Eine Schätzung nach § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO ist nur zulässig, soweit die festgestellten Umstände hierfür noch eine genügende Grundlage bieten; dagegen muss das Gericht von jeder Schätzung absehen, wenn diese mangels greifbarer Anhaltspunkte völlig in der Luft hängen würde2. Eine Schadensschätzung, die nach § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO unter Würdigung aller Umstände nach freier Überzeugung erfolgt, ist eine Form der dem Schiedsgericht erlaubten Tatsachenermittlung (vgl. § 1042 Abs. 4 Satz 2 ZPO) und keine Billigkeitsentscheidung im Sinne von § 1051 Abs. 3 Satz 1 ZPO3. Um eine Billigkeitsentscheidung handelt es sich dagegen, wenn das Schiedsgericht den zu ersetzenden Schaden nicht auf der Grundlage von Tatsachen ermittelt.
Davon kann im vorliegenden Fall keine Rede sein. Ob die vorhandene Tatsachengrundlage einem staatlichen Gericht für die Anwendung von § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO hätte genügen dürfen, bedarf keiner Klärung. Im Verfahren auf Vollstreckbarerklärung eines Schiedsspruchs kann nicht überprüft werden, ob die herangezogenen Grundlagen ausreichen und das Ergebnis auch materiell richtig ist4.
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 16. Dezember 2015 – I ZB 109/14vgl. OLG München, SchiedsVZ 2011, 159, 166; Wilske/Markert in Beck‘scher Online-Kommentar ZPO, Stand: 1.03.2015, § 1051 Rn. 12; Schlosser in Stein/Jonas, ZPO, 23. Aufl., § 1051 Rn. 24↩vgl. BGH, Urteil vom 22.05.1984 – III ZR 18/83, BGHZ 91, 243, 256 f.↩vgl. MünchKomm-.ZPO/Münch, 4. Aufl., § 1051 Rn. 53↩vgl. OLG München, SchiedsVZ 2011, 159, 166↩	Leser dieses Artikels lasen auch:Ablehnung eines SchiedsrichtersStreitwertabhängige SchiedsrichtervergütungDer Zwischenentscheid eines SchiedsgerichtsEinwendungen gegen die Kostenerstattung in…Schiedsklausel – und die unwirksame…Vollstreckbarerklärung eines inländischen SchiedsspruchsDie Zuständigkeit des Schiedsgerichts – und der…	Weiterlesen auf der Mediationslupe:
Themenseiten zu diesem Artikel: Billigkeitsentscheidung, Schiedsgericht, Schiedsspruch, Vollstreckbarerklärung	Weitere Beiträge aus diesem Rechtsgebiet: Aktuelles
Leser dieses Artikels lasen auch:Landesschlichtungsgesetz Rheinland-Pfalz Eineinhalb Jahre nach Inkrafttreten des Landeschlichtungsgesetzes zog die rheinland-pfälzische Landesjustizverwaltung nun eine erste positive Bilanz. Nach einer Erhebung bei den rheinland-pfälzischen Schiedspersonen für das Kalenderjahr…
September 2016 August 2016 Juli 2016 Juni 2016 April 2016 März 2016 Februar 2016 Januar 2016 Dezember 2015 November 2015 Oktober 2015 Mai 2015 April 2015 Januar 2015 Oktober 2014 September 2014 August 2014 Juli 2014 Juni 2014 Mai 2014 März 2014 Februar 2014 Januar 2014 November 2013 September 2013 August 2013 Juli 2013 Juni 2013 Mai 2013 April 2013 März 2013 Februar 2013 Mai 2012 April 2012 Februar 2012 Januar 2012 Dezember 2011 November 2011 August 2011 Juni 2011 März 2011 Januar 2011 Dezember 2010 Oktober 2010 August 2010 Juli 2010 Juni 2010 April 2010 Februar 2010 Januar 2010 Dezember 2009 November 2009 September 2009 Juli 2009 Juni 2009 Mai 2009 April 2009 März 2009 Dezember 2008 April 2008 Februar 2008 Januar 2008 November 2007 März 2007 Dezember 2006 November 2006 April 2006 Februar 2006 Dezember 2005 November 2005 Oktober 2005 September 2005 Juristische Portale

References: § 1059
 § 1051
 § 287
 § 287
 § 287
 § 1042
 § 1051
 § 287
 § 1051
 § 1051
 § 1051