Source: https://gmbhg.kommentar.de/Abschnitt-3/Aufgabenkreis-der-Gesellschafter/Definitionen?search=62
Timestamp: 2020-07-05 19:45:02+00:00

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Stand: 04.07.2020 (Gesetz) ; 07.10.2019 (Kommentierung)
2Die Befugnisse der Gesellschafter in ihrer Gesamtheit – der sogenannten Gesellschafterversammlung – gehen über die dem einzelnen Gesellschafter zustehenden Rechte allerdings hinaus. Schließlich stellt die Gesellschafterversammlung nach dem gesetzlichen Leitbild des GmbHG das oberste Organ einer typischen GmbH dar.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 45 Rn. 5; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 45 Rn. 81. Den Gesellschaftern als den Eigentümern der GmbH kommt grundsätzlich eine allumfassende Zuständigkeitskompetenz zu.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 89; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 1. Durch Beschluss kann die Gesellschafterversammlung grundsätzlich jede Entscheidung an sich ziehen und den Geschäftsführern Weisungen erteilen.
7Ferner ist der Katalog des § 46 GmbHG auch nicht zwingend. Vielmehr können die Gesellschafter, wie sich aus § 45 GmbHG ergibt, den Aufgabenkreis der Gesellschafter durch den Gesellschaftsvertrag einschränken oder erweitern.Siehe die Kommentierung der einzelnen Nummern des § 46 GmbHG im Abschnitt Expertenhinweise f ür Möglichkeiten der Einschränkung der jeweiligen Kompetenzen der Gesellschafterversammlung sowie die Übersicht weiterer Zuständigkeiten im Abschnitt Expertenhinweise unter 2) k).
10§ 46 GmbHG ist eine der zentralen Kompetenznormen des GmbHG. Er weist bestimmte Geschäfte der Gesellschafterversammlung zu und entzieht sie damit der Zuständigkeit der Geschäftsführung. Der Zuständigkeitenkatalog des § 46 GmbHG ist dabei allerdings weder vollständig noch abschließend.Siehe die Kommentierung der einzelnen Nummern des § 46 GmbHG für Möglichkeiten der Einschränkung der jeweiligen Kompetenzen der Gesellschafterversammlung sowie die Übersicht weiterer Zuständigkeiten im Abschnitt 2) k)
17Zum Jahresabschluss (§ 264 HGB) zählt die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung (§ 242 III HGB) sowie der Anhang (§ 264 I HGB). Nicht zum Jahresabschluss gehört der Lagebericht (§ 289 HGB), der daher auch nicht von den Gesellschaftern förmlich festgestellt werden muss. Gleichwohl steht es den Gesellschaftern frei, auch über den Lagebericht zu beschließen. Die Kompetenz hierzu folgt aus dem aus § 37 I GmbHG abgeleiteten Weisungsrecht der Gesellschafter gegenüber der Geschäftsführung.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 2; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 2,3; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 7, 8.
27Nach § 46 Nr. 1a GmbHG ist die Gesellschafterversammlung ferner zuständig für die Entscheidung über die Offenlegung eines nach internationalen Rechnungslegungsstandards aufgestellten Einzelabschlusses. Bedeutung hat diese Kompetenz allerdings nur für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften im Sinne des § 267 III HGB, weil nur diese nach § 325 IIa HGB die Möglichkeit haben, anstelle des weiterhin nach dem HGB aufzustellenden Jahresabschlusses einen nach internationalen Rechnungslegungsstandards aufgestellten Einzelabschluss offenzulegen.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 22; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 52.
30§ 46 Nr. 1a GmbHG ist abdingbar. Die Kompetenz zur Offenlegung und Billigung des nach internationalen Rechnungslegungsstandards erstellten Einzelabschlusses kann durch den Gesellschaftsvertrag auf andere Organe der Gesellschaft, wie die Geschäftsführung, übertragen werden.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 47a; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 56.
32Auch die Kompetenz der Gesellschafterversammlung zur Billigung eines Konzernabschlusses kann durch den Gesellschaftsvertrag auf andere Organe der Gesellschaft übertragen werden.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 57; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 47b.
34§ 46 Nr. 2 GmbHG gilt dabei sowohl für Geldeinlagen als auch für den Geldanteil bei gemischten Einlagen und für ein etwa zu erbringendes Agio.BGH, Urt. v. 15.10.2007 – II ZR 216/06 = NZG 2008, 73. Für Sacheinlagen (§ 7 III GmbHG) gilt § 46 Nr. 2 GmbHG hingegen nicht, da Sacheinlagen nach § 7 III GmbHG bereits vor der Anmeldung der Gesellschaft zur Eintragung in das Handelsregister vollständig zu leisten sind.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 65; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 51. § 46 Nr. 2 GmbHG gilt ferner nicht für Zahlungen, die aufgrund der Differenzhaftung bei überbewerteten Sacheinlagen nach § 9 GmbHG, verbotener Rückzahlungen nach § 31 GmbHGBGH, Urt. v. 08.12.1986 – II ZR 55/86 = NJW 1987, 779. oder der Unterbilanzhaftung zu leisten sind.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 51.
35Die Beschlussfassung über die Einforderung der Einlage richtet sich nach den allgemeinen Vorschriften der §§ 47 ff. GmbHG.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 67. Bei der Beschlussfassung sind alle Gesellschafter stimmberechtigt, auch die Gesellschafter, die noch eine Resteinlagenschuld zu begleichen haben. Das Stimmverbot des § 47 IV GmbHG greift insofern nicht ein.H.M., vgl. BGH, Urt. v. 09.07.1990 – II ZR 9/90 = NJW 1991, 172, 173 f.; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 68; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 13; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 55.
36Der Anspruch auf Zahlung der Einlage wird gegenüber den bei der Beschlussfassung anwesenden Gesellschaftern mit der Beschlussfassung fällig und durchsetzbar. Gegenüber den bei der Beschlussfassung nicht anwesenden Gesellschaftern bedarf es nach herrschender Meinung zusätzlich einer Anforderung der rückständigen Einlage durch die Geschäftsführer.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 72; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 49.
37Der Anspruch der Gesellschaft gegen die betroffenen Gesellschafter auf Zahlung der Einlage ist von den Geschäftsführern geltend zu machen. Kommt der Geschäftsführer seiner Verpflichtung zur Einforderung der Einlage allerdings schuldhaft nicht nach, so können die Gesellschafter den Anspruch auf Zahlung der Einlage im Namen der Gesellschaft im Rahmen einer actio pro socio selbst gegen den einlagepflichtigen Gesellschafter geltend machen.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 71; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 58.
38§ 46 Nr. 2 GmbHG ist abdingbar. Die Gesellschafter können die Kompetenz zur Einforderung der Einlagen auch auf die Geschäftsführung oder ein anderes Organ der Gesellschaft übertragen. Möglich ist es ferner, im Gesellschaftsvertrag die Fälligkeit und Zahlungs­bedingungen der Einlageforderungen festzulegen.Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 11; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 25.
41Die Beschlussfassung richtet sich nach den allgemeinen Vorschriften (§§ 47 ff. GmbHG). Bei der Beschlussfassung sind sämtliche Gesellschafter stimmberechtigt.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 78. Das Stimmrechts­verbot nach § 47 Abs. 4 GmbHG findet insoweit keine Anwendung.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 79; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 62.
42Die Zuständigkeit der Gesellschafter für die Beschlussfassung über die Rückforderung von Nachschüssen nach § 46 Nr. 3 GmbHG ist - im Gegensatz zur Zuständigkeit der Gesellschafter für die Einforderung von Nachschüssen nach § 26 I GmbHG – abdingbar und kann per Gesellschaftsvertrag auch einem anderen Organ der Gesellschaft übertragen werden.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 30; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 80. Aus Gründen der Kapitalerhaltung und des Gläubigerschutzes ist § 30 II GmbHG allerdings zwingend, sodass die Voraussetzungen für eine Rückzahlung von Nachschüssen durch den Gesellschaftsvertrag nicht erleichtert sondern nur erschwert werden dürfen.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 61.
45Bei einer Teilung von Geschäftsanteilen sind die Vorgaben des § 5 II GmbHG zu beachten, der vorschreibt, dass der Nennbetrag eines jeden Geschäftsanteils auf volle Euro lauten muss. Bei einer Teilung von Geschäftsanteilen gehen die mit dem Geschäftsanteil verbundenen Mitgliedschaftsrechte und -pflichten anteilig auf die geteilten Geschäftsanteile über, soweit die Rechte teilbar sind, was insbesondere auch für offene Einlageforderungen gilt.Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 17a. Unteilbare Mitgliedschaftsrechte (z.B. das Auskunfts- und Einsichtsrecht nach § 51a I GmbHG) gelten für jeden Geschäftsanteil.Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 17c.
46Bei der Zusammenlegung von Geschäftsanteilen ist zu beachten, dass keine Einlagen oder Nachschüsse auf die betroffenen Geschäftsanteile ausstehen dürfen und diese nicht mit Rechten Dritter belastet sind.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 32; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 89; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 66.
47Die Teilung oder Zusammenlegung von Geschäftsanteilen stellt keine Änderung des Gesellschaftsvertrages dar, sodass die besonderen Voraussetzungen des § 53 GmbHG keine Anwendung finden. Vielmehr richtet sich die Beschlussfassung nach den allgemeinen Regeln (§§ 47 ff. GmbHG).Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 85; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 65. Sieht der Gesellschaftsvertrag keine abweichenden Regelungen vor, bedarf der Beschluss somit der einfachen Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Bei der Beschlussfassung sind alle Gesellschafter stimmberechtigt. § 47 IV GmbHG steht dem nicht entgegen.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 65; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 85. Die Zustimmung des von der Teilung betroffenen Gesellschafters ist nicht erforderlich.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 31d. Die Zusammenlegung von Geschäftsanteilen setzt hingegen die Zustimmung des betroffenen Gesellschafters voraus.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 32a.
48§ 46 Nr. 4 GmbHG ist abdingbar. Die Zuständigkeit für die Beschlussfassung über die Teilung und Zusammenlegung von Geschäftsanteilen kann im Gesellschaftsvertrag auf andere Gesellschaftsorgane übertragen werden.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 64; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 95.
51Auch die Beschlussfassung über die Einziehung richtet sich nach den allgemeinen Vorschriften (§ 47 ff. GmbHG) und bedarf daher grundsätzlich der einfachen Stimmmehrheit, sofern der Gesellschaftsvertrag keine andere Regelung vorsieht. Erfolgt die Einziehung aus wichtigem Grund, besteht für den betroffenen Gesellschafter ein Stimmverbot nach § 47 IV GmbHG.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 67; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 1. Aufl. (2012), § 46 Rn. 93. Im Fall der freiwilligen Einziehung eines Geschäftsanteils besteht dagegen nach herrschender Meinung kein Stimmverbot für den betroffenen Gesellschafter.
52§ 46 Nr. 4 GmbHG ist nach herrschender Meinung auch hinsichtlich der Einziehung dispositiv.Mollenkopf in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), § 46 GmbHG Rn. 19; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 95. Die herrschende Meinung erkennt aber, dass die Einziehung, die zur Beendigung der Gesellschafterversammlung führt, einen schweren Eingriff darstellt. Sie fordert deshalb, dass die Satzungsregelung so präzise und abschließend sein müsse, dass praktisch kein Entscheidungsspielraum verbleibt. Da aber immer die Entscheidung, ob bei Vorliegen der Voraussetzungen die Einziehung tatsächlich erfolgen soll, zu treffen ist, ist ein solcher Fall praktisch kaum denkbar. Mit Blick auf die erheblichen Konsequenzen der Einziehung auf Gesellschafterebene (Änderung der Mehrheitsverhältnisse, Finanzierung der Gesellschaft etc.) sollte die Einziehung daher der Gesellschafterversammlung vorbehalten bleiben, zumal die Einziehung einer Satzungsänderung nahe kommt. Zudem bleibt dann die Trennung zwischen der Gesellschaftsebene und der Gesellschafterebene erhalten.
53Zur Wirksamkeit des Einziehungsbeschlusses muss die Einziehung ferner dem betroffenen Gesellschafter gegenüber erklärt werden. Die Leistung einer Abfindung ist für die Wirksamkeit des Einziehungsbeschlusses hingegen nicht erforderlich, es sei denn, der Gesellschaftsvertrag setzt dies voraus.BGH, Urt. v. 24.01.2012 – II ZR 109/11 = NZG 2012, 259; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 92.
54Die der Gesellschafterversammlung nach § 46 Nr. 5 GmbHG zugewiesene Kompetenz zur Bestellung, Abberufung und Entlastung von Geschäftsführern ist mit der Kompetenz zur Prüfung und Überwachung der Geschäftsführung (§ 46 Nr. 6 GmbHG) eine der wesentlichen Kompetenzen der Gesellschafterversammlung.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 34; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 97. und Kennzeichen der hervorgehobenen Stellung der Gesellschafterversammlung in der GmbH.
57Eine Ausnahme von dieser Zuständigkeitszuweisung des § 46 Nr. 5 GmbHG gilt jedoch bei mitbestimmten Gesellschaften nach dem Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) und dem Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten und Vorständen der Unter­nehmen des Bergbaus und der Eisen und Stahl erzeugenden Industrie (MontanMitbestG). In diesen Fällen obliegt die Bestellung und Abberufung der Geschäftsführer nämlich zwingend dem obligatorischen Aufsichtsrat (vgl. § 31 I MitbestG bzw. § 12 MontanmitbestG).Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 69; Zöllner in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 46 Rn. 34. Bei einem freiwillig eingerichteten Aufsichtsrat und dem nach dem Drittelbeteiligungsgesetz einzurichtenden Aufsichtsrat bleibt die Kompetenz zur Bestellung und Abberufung der Geschäftsführer nach § 46 Nr. 5 GmbHG hingegen bei der Gesellschafterversammlung, soweit der Gesellschaftsvertrag keine abweichende Regelung enthält.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 69; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 34a.
58Eine weitere Ausnahme von der Zuständigkeitszuweisung des § 46 Nr. 5 GmbHG betrifft den Fall des gerichtlich bestellten Notgeschäftsführers (vgl. § 29 BGB). Ein vom Gericht bestellter Notgeschäftsführer kann nur vom Gericht selbst wieder abberufen werden, wenn er sein Amt nicht selbst niederlegt.OLG München, Urt. v. 30.06.1993 – 7 U 6945/92 = GmbHR 1994, 259; Mollenkopf in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), § 46 GmbHG Rn. 21; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 34. Die Gesellschafterversammlung kann allerdings ein Ende der Notgeschäftsführung durch die Neubestellung des fehlenden Geschäftsführers erreichen, weil dadurch der Grund für die Bestellung einer Notgeschäftsführung entfällt, und sodann die Abberufung des Notgeschäftsführers beim Amtsgericht beantragen. Von der Bestellung eines Geschäftsführers ist die Anstellung des Geschäftsführers mittels eines schuldrechtlichen Dienstvertrages zu unterscheiden. Als sogenannte Annexkompetenz zur Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern umfasst die Zuständigkeit der Gesellschafterversammlung nach § 46 Nr. 5 GmbHG allerdings auch den Abschluss, die Änderung oder die Beendigung des Anstellungsvertrages des Geschäftsführers.Mollenkopf in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), § 46 GmbHG Rn. 23; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 27 f.; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 124. Im Anwendungsbereich des MitbestG und des MontanMitbestG fällt diese Annexkompetenz in den Zuständigkeitsbereich des Aufsichtsrates.
59Die Beschlussfassung über die Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern vollzieht sich nach den allgemeinen Regeln der §§ 47 ff. GmbHG. Grundsätzlich genügt daher die einfache Stimmenmehrheit. Soll ein Gesellschafter zum Geschäftsführer bestellt oder als Geschäftsführer abberufen werden, hat auch dieser ein Stimmrecht, es sei denn, der Gesellschafter-Geschäftsführer soll aus wichtigem Grund abberufen werden. In diesem Fall unterliegt der Gesellschafter dem in § 47 IV GmbHG geregelten Stimmverbot, da niemand Richter in eigener Sache sein soll.BGH, Urt. v. 29.09.1955 – II ZR 225/54 = NJW 1955, 1716; Mollenkopf in: Henssler/Strohn, Gesellschafts­recht, 3. Aufl. (2016), § 46 GmbHG Rn. 22; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 GmbHG Rn. 20.
63Die Zuständigkeit zur Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern nach § 46 Nr. 5 GmbHG ist abdingbar und kann durch Gesellschaftsvertrag auf andere Organe der Gesellschaft übertragen werden, jedoch nicht auf andere Geschäftsführer. Möglich ist auch, einzelnen Gesellschaftern ein Entsenderecht oder das Recht einzuräumen, selbst Geschäftsführer zu sein.Mollenkopf in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), § 46 GmbHG Rn. 20; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 GmbHG Rn. 19.
65Als Folge der Entlastung verliert die Gesellschaft das Recht, Schadensersatz- oder sonstige Ansprüche gegen die Geschäftsführung aus Gründen geltend zu machen, die von der Entlastung umfasst sind.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 144; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 94a. Auch eine Abberufung des Geschäftsführers aus wichtigem Grund kann auf solche Gründe nicht mehr gestützt werden.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 144; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 94a. Die Entlastung umfasst allerdings nur die Ansprüche, die allen Gesellschaftern bekannt waren oder die für die Gesellschafter bei sorgfältiger Prüfung der von den Geschäftsführern vorgelegten Berichte und Unterlagen erkennbar waren.
67Der Entlastungsbeschluss wird grundsätzlich nach den allgemeinen Regeln der §§ 47 ff. GmbHG gefasst, sodass die einfache Mehrheit ausreicht. Nach § 47 IV GmbHG unterliegen die Gesellschafter-Geschäftsführer, die von der Beschlussfassung betroffen sind, einem Stimmverbot.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 42; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 97.
68Die Zuständigkeit für die Entlastung kann per Gesellschaftsvertrag auf andere Organe der Gesellschaft übertragen werden, jedoch nicht auf die Geschäftsführer selbst.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 48; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 187.
69Die Gesellschafterversammlung ist vom GmbHG als das oberste Kontroll- und Überwachungsorgan der Gesellschaft vorgesehen.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 189. Ausdruck dieser hervorgehobenen Stellung der Gesellschafterversammlung in der Gesellschaft ist das Recht der Gesellschafter, der Geschäftsführung Weisungen zu erteilen und die umfassende Prüfungs- und Überwachungskompetenz nach § 46 Nr. 6 GmbHG, die den Gesellschaftern gemeinsam zusteht. Daneben stehen jedem Gesellschafter individuelle Kontroll- und Informationsrechte zu, wie das Auskunfts- und Einsichtsrecht nach § 51a GmbHG.
71Die Reichweite der zulässigen Maßnahmen wird vom GmbHG nicht näher festgelegt und bleibt den Gesellschaftern innerhalb weiter Grenzen, die lediglich durch den Verhältnis­mäßigkeitsgrundsatz begrenzt werden, selbst überlassen.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 50; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 197; Mollenkopf in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), § 46 GmbHG Rn. 31. Dabei darf den Geschäftsführern allerdings nicht durch eine vollständige Kontrolle auch unbedeutender Einzelmaßnahmen jeglicher Spielraum für unternehmerische Entscheidungen genommen werden, da dies einer nicht vom GmbHG vorgesehenen Degradierung der Geschäftsführer zu einem bloßen Ausführungsorgan der Gesellschafter gleichkäme.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 197.
72Ist ein Geschäftsführer der Auffassung, dass ein Gesellschafterbeschluss unzulässig ist, kann er diesen nach herrschender Meinung zwar nicht selbst anfechten, aber auf Feststellung klagen, dass die beschlossene Maßnahme rechtswidrig ist.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 201; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 118.
73Die Beschlussfassung erfolgt nach den allgemeinen Regeln (§§ 47 ff. GmbHG) mit einfacher Mehrheit, sofern der Gesellschaftsvertrag keine abweichenden Regelungen enthält. Ein Gesellschafter kann nach § 47 IV GmbHG von der Beschlussfassung ausgeschlossen sein, wenn er als Gesellschafter-Geschäftsführer von den zu beschließenden Maßregeln betroffen ist.Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 45; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 50.
74Die Kompetenzen der Gesellschafter nach § 46 Nr. 6 GmbHG können auf andere Organe der Gesellschaft (Aufsichtsrat, Beirat) übertragen werden.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 51; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 202. Die Kompetenz der Gesellschafter zur Überwachung der Geschäftsführer darf allerdings nicht vollständig abbedungen werden, da dies einer unzulässigen Abschaffung der Gesellschafterversammlung als oberstes Organ der Gesellschaft gleichkäme. Eine Letztzuständigkeit soll der Gesellschafterversammlung bei Vorliegen wichtiger Gründe daher verbleiben.Str., vgl. Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 47, 48; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 203; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 51.
76Die Umsetzung des Beschlusses obliegt als gesetzlichem Vertreter der Gesellschaft allerdings dem Geschäftsführer, ebenso wie die Anmeldung der Prokura und ihres Erlöschens (§ 78 GmbHG).Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 55; Mollenkopf in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), § 46 GmbHG Rn. 34 f.; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 49. Auch der Widerruf der Prokura oder Handlungsvollmacht obliegt dem Geschäftsführer, da der Widerruf nach § 46 Nr. 7 GmbHG keinen Gesellschafterbeschluss voraussetzt, wenn die Gesellschafter nicht im Gesellschaftsvertrag oder Gesellschafter­beschluss etwas Abweichendes bestimmt haben.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 53; Mollenkopf in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), § 46 GmbHG Rn. 34 f.; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 49.
77Ein Geschäftsführer kann selbst nicht zum Prokuristen bestellt werden.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 52; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 210; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 120. Ein Gesellschafter hingegen schon.
78Die Beschlussfassung nach § 46 Nr. 7 GmbHG richtet sich nach den allgemeinen Regeln (§§ 47 ff. GmbHG). Soll ein Gesellschafter zum Prokuristen oder Handlungsbevollmächtigten bestellt werden, hat dieser kein Stimmrecht (§ 47 IV GmbHG).Str.: Für ein Stimmverbot: Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 52; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016); § 46 Rn. 221; Schindler in: Beck'scher Online-Kommentar GmbHG, Ziemons/Jaeger, 36. Edition, Stand: 01.02.2018, § 46 Rn. 87; Gegen ein Stimmverbot: Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 52; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 128.
79§ 46 Nr. 7 GmbHG ist dispositiv. Die Gesellschafterversammlung kann daher die Kompetenz zur Erteilung der Prokura und Handlungsvollmacht durch Gesellschafterbeschluss oder entsprechende Regelung in der Satzung auch auf ein anderes Organ der Gesellschaft, sogar auf die Geschäftsführung selbst, übertragen.Schindler in: Beck'scher Online-Kommentar GmbHG, Ziemons/Jaeger, 36. Edition, Stand: 01.02.2018, § 46 Rn. 88; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 225.
83§ 46 Nr. 8 Alt. 1 GmbHG gilt nur für Ersatzansprüche der Gesellschaft, die sich gegen ehemalige oder derzeitige Geschäftsführer oder Gesellschafter richten. Die Vorschrift wird über ihren Wortlaut hinaus aber auch auf Ersatzansprüche der Gesellschaft gegen andere Organmitglieder, wie Mitglieder des Aufsichtsrats oder eines Beirats, sowie Liquidatoren ausgedehnt.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 59; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 146; Liebscher in: Münchene Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 243. Umfasst sind allerdings jeweils nur die Ansprüche der Gesellschaft; Ansprüche der Gesellschafter oder Dritter sind von § 46 Nr. 8 Alt. 1 GmbHG somit nicht betroffen.
84Ferner umfasst § 46 Nr. 8 Alt. 1 GmbHG nur Ersatzansprüche, die aus der Gründung der Gesellschaft oder der Geschäftsführung entstanden sind. Der Begriff der Ersatzansprüche ist allerdings weit zu verstehen, sodass alle auf eine Pflichtverletzung eines Geschäftsführers oder Gesellschafters bei der Gründung oder Geschäftsführung zurückgehende Ansprüche umfasst werden, insbesondere Schadensersatzansprüche, Unterlassungsansprüche und Herausgabeansprüche sowie Auskunfts- und Rechenschaftsansprüche.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 58; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 147; Liebscher in: MünchenerKommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 232 ff.
85Jede Form der Geltendmachung – egal ob positiv oder negativ – bedarf eines Gesellschafterbeschlusses, d.h. nicht nur die Anspruchserhebung oder Einleitung eines Gerichtsverfahrens, sondern auch jede Form der Erledigung wie ein Erlass oder Verzicht. Sollen Ansprüche im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes geltend gemacht werden, bedarf es vorher allerdings keines Gesellschafterbeschlusses.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 60; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 244.
86Der Gesellschafterbeschluss ist materielles Erfordernis für die Geltendmachung der Ansprüche, sodass eine ohne entsprechenden Gesellschafterbeschluss erhobene Klage wegen Fehlens einer materiellen Anspruchsvoraussetzung als unbegründet abzuweisen ist.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 142; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 61; BGH, Urt. v. 20.11.1958 – II ZR 17/57 = NJW 1959, 194.
87Die Beschlussfassung richtet sich nach den allgemeinen Regeln (§§ 47 ff. GmbHG). Der von der Geltendmachung betroffene Gesellschafter unterliegt einem Stimmverbot nach § 47 IV GmbHG.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 62; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 65. Ein Stimmverbot gilt überdies auch für den Gesellschafter, der mit dem unmittelbar betroffenen Gesellschafter gemeinsam die Pflichtverletzung begangen hat oder sich an dieser beteiligt hat.BGH, Urt. v. 20.01.1986 – II ZR 73/85Z = NJW 1986, 2051.
89§ 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG gilt nicht für mitbestimmte GmbH’s. Die mitbestimmte GmbH wird im Prozess mit einem Geschäftsführer zwingend vom obligatorischen Aufsichtsrat vertreten (vgl. §§ 52 GmbHG, 112 AktG). Hat die GmbH einen freiwilligen Aufsichtsrat, vertritt auch dieser die GmbH im Prozess gegen einen Geschäftsführer, wenn sich aus dem Gesellschaftsvertrag nichts anderes ergibt.Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 69; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2012), § 46 Rn. 56.
91§ 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG gilt nur für Verfahren mit einem Geschäftsführer. Ob die Vorschrift auch für ausgeschiedene Geschäftsführer gilt, wird in Rechtsprechung und Literatur nicht einheitlich beantwortet, aber mehrheitlich wohl befürwortet.BGH, Urt. v. 20.11.1958 – II ZR 17/57 = NJW 1959, 194; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 270; a.A.: OLG Brandenburg, Urt. v. 17.02.2010 – 7 U 82/09 = GmbHR 1998, 600; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 67; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 167; Roth in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 46 Rn. 57. In jedem Fall gilt die Beschlusskompetenz nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG, wenn es um die Wirksamkeit der Beendigung einer Geschäftsführerstellung geht.
92Solange die Gesellschafterversammlung noch keinen Beschluss über die Vertretung der Gesellschaft gefasst haben, bleiben die vom Prozess nicht betroffenen Geschäftsführer weiterhin im Rahmen ihrer satzungsmäßigen Vertretungsbefugnis vertretungsberechtigt.BGH, Urt. v. 24.02.1992 – II ZR 79/91 = NJW-RR 1992, 993; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 68; Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 164.
93Die Beschlussfassung richtet sich nach den allgemeinen Vorschriften (§§ 47 ff. GmbHG). Der Gesellschafter-Geschäftsführer, der Partei des Rechtsstreits sein soll, unterliegt nach § 47 IV GmbHG einem Stimmverbot. Soll ein Gesellschafter zum Vertreter bestellt werden, darf dieser hingegen mitstimmen.Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 273; Zöllner/Noack in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 21. Aufl. (2017), § 46 Rn. 70.
94§ 46 Nr. 8 GmbHG ist in beiden Alternativen abdingbar.Karsten Schmidt in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2014), Bd. II, § 46 Rn. 143; Liebscher in: Münchener Kommentar zum GmbHG, Bd. II, 2. Aufl. (2016), § 46 Rn. 290 f. Die Zuständigkeit kann durch den Gesellschaftsvertrag auf ein anderes Gesellschaftsorgan übertragen werden. Es kann auch auf das Erfordernis einer Beschlussfassung ganz verzichtet werden und die unmittelbare Geltendmachung von Ersatzansprüchen ohne vorherigen Gesellschafterbeschluss zugelassen werden.
Über den Autor Michael Falter:
Ich bin spezialisiert auf das Gesellschaftsrecht und M&A. Dabei berate ich Mandanten in allen Fragen mit Bezug zu Fusionen und Akquirisitonen und vertrete Mandanten in streitigen sowie Schiedsgerichtsverfahren mit Bezug zu Gesellschaftsrechtlichen sowie Auseinandersetzungen in der Folge von M&A-Vorgängen. Ich habe Mandanten in grenzüberschreitenden Projekten, teilweise in Multi-Juristdiktionalen M&A-Projekten beraten sowie in komplexen joint venture-Vereinbarungen. Meine M&A Erfahrung umfaßt die Akquisition von Firmen unter Verwaltung (distressed M& A).
Weiterhin berate ich in allen allgemeinen Gesellschaftsrechtlichen Fragen einschließlich Restrukturierungen. Meine Branchenerfahrung umfaßt den Handels sowie die Modeindustrie, die chemische Industrie, Versicherungen, den Lebensmittelhandel sowie die Immobilien- und Baubranche. Regional bin ich in Europa, dem Mittleren Osten und den Vereinigten Staaten tätig.
Streitbeilegung, Litigation, Mediation
Seit 2020 Partner bei Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Seit 2016 Managing Partner bei DWF Germany Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Seit 2012 Managing Partner bei BridgehouseLaw Germany Rechtsanwaltsgesellschaft mbH Köln
2008 to 2012 Associate bei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton LLP
2007 to 2008 Associate bei Shearman & Sterling LLP
2005 bis 2007 Landgericht Karlsruhe, Germany
2001 bis 2005 Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Abschluß in Jura und Anthropologie
1998 bis 2001 Studium an der Brandon University, Canada; Hauptfach Native Studies (B.G.S.)
1990 bis 2001 Bundeswehr

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