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Timestamp: 2019-07-16 20:59:58+00:00

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Robo-Advisor Vergleichsrechner | Geldhelden
Robo-Advisor ist die Bezeichnung für eine Untergruppe von Unternehmen im Wirtschaftszweig Finanztechnologie. Die Bezeichnung ist ein Kofferwort, zusammengesetzt aus den englischen Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater). Robo-Advisors haben das Ziel, die Dienstleistungen eines traditionellen Finanzberaters zu digitalisieren und zu automatisieren. Die meisten Robo-Advisor stützen ihre Anlagestrategie auf regelbasierte Modelle zur Bestimmung der Portfoliostruktur, die dementsprechend überwacht und gegebenenfalls angepasst wird.
Als Finanzdienstleister betreiben Robo-Advisor ein erlaubnispflichtiges Gewerbe. Je nach Art der Dienstleistung sind unterschiedliche Genehmigungen erforderlich. Die Anlageberatung, Anlagevermittlung bzw. der Vertrieb von Finanzinstrumenten unterliegt grundsätzlich der Aufsicht, so in Deutschland der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), in Österreich der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) und in der Schweiz der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA. Beschränkt sich die Tätigkeit auf bestimmte Finanzinstrumente, wie z. B. zum öffentlichen Vertrieb zugelassene Fondsanteile, greift die Bereichsausnahme des § 2 Absatz 6 Satz 1 Nummer 8 Kreditwesengesetz (KWG) und es gelten die Bestimmungen nach § 34 (f) Gewerbeordnung (GewO) für Finanzanlagenvermittler sowie § 34 (h) Gewerbeordnung (GewO) für Honorar-Finanzanlagenberater. Die Vermögensverwaltung erfordert nach § 32 Kreditwesengesetz (KWG) die Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Während funktional vergleichbare Software Vermögensverwaltern bereits vor der Jahrtausendwende zur Verfügung stand, ermöglichen Robo-Advisor nun mit Hilfe des Internets den Direktzugriff auf diese Funktionen durch Endkunden. Mit niedrigeren Einstiegshürden, niedrigeren Kosten und intuitiv bedienbaren Oberflächen wird so einem größeren Teil an Nutzern die Möglichkeit gegeben, eine solche Software zu verwenden.
Robo-Advisor sind in den Vereinigten Staaten am verbreitetsten, aber auch in Europa und anderen Teilen der Welt sind mittlerweile verschiedene Angebote verfügbar. Ballungszentren stellen hier insbesondere das Silicon Valley und New York in den USA, sowie Großbritannien und Deutschland in Europa dar.
Neben Robo-Advisor in Form von Tech-Startups entwickeln mittlerweile auch einige traditionelle Banken und Finanzdienstleister vergleichbare Angebote.
Die weltweit führenden Robo-Advisors stammen aus den USA. Das mit Abstand größte Anlagevermögen verwalten die Robo-Advisor von Vanguard („Vanguard Financial Advisor Services“, seit 2015,) gefolgt von Charles Schwab („Schwab Intelligent Portfolios“, seit 2015,) sowie den Startups Betterment (2008 gegründet), Wealthfront (2008) und Personal Capital (2009).
Die bekanntesten Robo-Advisors sind Nutmeg (Start 2011), MoneyFarm (2011), Swanest (2014), Scalable Capital (2014), eVestor (2016) und Wealth Horizon.
Zu den bekanntesten Robo-Advisors in China gehören CreditEase, Ginmon, ToumiRA und Xuanji.
Zu den bekanntesten Robo-Advisors gehören die Startups Ginmon (Frankfurt a. M., Shanghai), growney (Berlin), Scalable Capital (München/London), LIQID (Berlin), Vaamo (Frankfurt a. M.), Visualvest (Frankfurt a. M.) und Whitebox (Freiburg). Bankseitige Angebote sind unter anderem ROBIN (Deutsche Bank), Easyfolio (Frankfurt a. M.), Fintego (European Bank for Financial Services, Tochtergesellschaft von Comdirect/ Commerzbank), cominvest (comdirect Bank AG), Wüstenrot ETF Managed Depot (Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank), Quirion (Quirin Bank) und Zeedin (Hauck & Aufhäuser). Daneben existieren ebenfalls Angebote von Technologieunternehmen, die sich auf das B2B-Segment spezialisiert haben, d. h. ihre Technologie anbieten, jedoch kein eigenes Endkundengeschäft anbieten. Dazu gehören u. a. die Unternehmen WeAdvise (München) und Fincite (Frankfurt).
Österreichische Anbieter sind unter anderem Finabro, Savity, Partner Bank, und Spängler.
Erster Robo-Advisor der Schweiz ist das VZ Finanzportal des Finanzdienstleisters VZ VermögensZentrum (Start 2010). Weitere Anbieter sind TrueWealth (2014, seit 2016 mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank[19]), Descartes Finance (2015), die UBS („UBS Advice“, 2015), die Glarner Kantonalbank („Investomat“, 2015), Allianz Suisse mit ELVIA e-invest (2017) und Bank Werthstein.
Grundsätzlich basieren die Anlagestrategien der in Deutschland aktiven Robo-Advisors auf drei verschiedenen Portfolio- bzw. Risikomanagement-Ansätzen. Diese werden weitestgehend auch von traditionellen Vermögensverwaltern verwendet und basieren auf der modernen Kapitalmarkttheorie und quantitativen Risikomanagementverfahren.
Buy and hold (B&H)
Hier wird grundsätzlich zwischen den Varianten mit und ohne Rebalancing unterschieden. B&H ohne Rebalancing bedeutet, dass die erstmals erworbenen Stückzahlen der jeweiligen Investmentanteile bis zum Ende des Anlagezeitraums unverändert im Portfolio verbleiben. Beim B&H mit Rebalancing werden die relativen und nicht die absoluten Stückzahlen der Anteile konstant gehalten. Da sich die prozentualen Gewichte der einzelnen Anteile im Zeitablauf aufgrund von Kursbewegungen ändern, sorgt regelmäßiges Rebalancing dafür, dass die relativen Ursprungsgewichte immer wieder hergestellt werden. B&H ohne Rebalancing hat den Vorteil, dass keine weiteren Transaktionskosten anfallen. Jedoch können die Portfoliogewichte im Laufe der Zeit erheblich von den ursprünglich gewählten Gewichten abweichen. Regelmäßiges Rebalancing vermeidet dies, ist aber mit Transaktionskosten verbunden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass langfristige Gewinner systematisch verkauft und langfristige Verlierer systematisch nachgekauft werden, was die langfristige Performance beeinträchtigt.
Einige Robo-Advisory-Lösungen fokussieren sich vorwiegend auf die Begrenzung der möglichen Downside-Risiken für den Anleger und nicht auf die Optimierung möglicher Renditepotentiale. Das verwendete Risikomaß hierfür ist hauptsächlich der Value-at-Risk (VaR), der das Verlustvolumen angibt, das mit einer Wahrscheinlichkeit von p % in einem definierten Anlagezeitraum nicht überschritten wird. Dabei wird anhand eines Fragebogens die Risikotoleranz des Kunden ermittelt und diesem anschließend ein individuelles Risikomaß zugeordnet.
Weitere Anlageansätze basieren auf dem Fama-French-Dreifaktorenmodell. Diese Theorie erweitert das Capital Asset Pricing Model (CAPM), das die Rendite einer Aktie anhand der allgemeinen Marktrendite erklärt, um zwei zusätzliche Faktoren: der Marktkapitalisierung (Small-Cap-Prämie) und dem Verhältnis von Buch- zu Marktwert (Value-Prämie). Dadurch soll das Verhalten von Aktienrenditen besser abgebildet werden als mit dem CAPM.
Bestehende Robo-Advisory-Lösungen verwenden den Ansatz zumeist in Kombination mit einer antizyklischen Portfoliosteuerung. Dabei wird abhängig von der jeweiligen Bewertung eines Assets und entsprechender Kennzahlen festgestellt, ob eine Anlageklasse relativ zu den anderen Portfoliobausteinen über- oder unterbewertet ist. Dadurch werden sowohl die investorspezifischen Risikoprofile in unterschiedlichen Marktphasen möglichst konstant gehalten, als auch entstehende Risikocluster abgebaut.
Verwaltetes Anlagevermögen
Mit Vanguard, Charles Schwab, Betterment und Wealthfront sind die größten Robo-Advisor in den USA beheimatet, während Nutmeg (Großbritannien) und Scalable Capital (Deutschland und Großbritannien) die führenden Anbieter in Europa sind. Das verwaltete Anlagevermögen der führenden Robo-Advisor in Deutschland und den USA (Stand: Oktober 2018):
Verwaltetes Anlagevermögen in Deutschland (in Millionen Euro)
Robo-Advisor	aktiv seit	Anlagevermögen
Scalable Capital	2016	1.300
Liqid	2016	350
Cominvest	2017	200
Quirion	2014	135
Growney	2016	100
Verwaltetes Anlagevermögen in den USA (in Milliarden US-Dollar)
Vanguard	2016	112,0
Charles Schwab	2015	33,3
Betterment	2008	14,1
Wealthfront	2011	11,1
Während A. T. Kearney in den USA bis 2020 einen Anstieg auf ein verwaltetes Anlagevermögen von 255 Milliarden Dollar prognostiziert, rechnet BI Intelligence bis zu diesem Zeitpunkt global mit 8,1 Billionen Dollar.
Die Kosten für Robo-Advisors lassen sich unterteilen in Kosten für die Vermögensverwaltung, also die eigentliche Robo-Dienstleistung, und – bei fondsbasierten Robo-Advisors – die laufenden Kosten für die Fonds.
Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest im August 2018 belaufen sich die Kosten für einen Musteranleger insgesamt bei den günstigsten Anbietern auf jährlich rund 0,6 Prozent der Anlagesumme. Der teuerste Robo im Test kostet pro Jahr sogar 1,87 Prozent. Zum Vergleich: Ausgewogene Mischfonds kosten nach Angaben der Stiftung Warentest im Schnitt 1,92 Prozent pro Jahr. Die Robo-Dienstleistung allein kostet zwischen 0,39 und 1,2 Prozent der Anlagesumme pro Jahr und beinhaltet meist auch Depot- und Umschichtungskosten.
Die laufenden Fondskosten hängen vor allem von der Art der Fonds ab, welche die Robo-Advisors zur Geldanlage nutzen. ETF sind hier deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds.
Robo-Advisor basieren grob auf zwei verschiedenen Ansätzen: zum einen wird dem Kunden ein fixes Portfolio aus Indexfonds (ETFs) vermittelt. Die Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen bleibt dabei immer gleich (statische Asset-Allocation). In regelmäßigen Abständen wird das Portfolio rebalanciert. Zum anderen wird in dynamische Ansätze unterschieden. Hier passen die Robo-Advisor das Portfolio der aktuellen Marktsituation an. Die Anpassung erfolgt mittels mathematischer Algorithmen. Allen Ansätzen gemeinsam ist (üblicherweise über einen Fragebogen) Ermittlung der Risikoneigung des Kunden. Darauf basierend wird das Portfolio erstellt. Das Portfolio wird anschließend überwacht, um das Investment im vorher definierten Risikobereich zu halten. Die Anbieter unterscheiden sich dabei oftmals in der Häufigkeit und dem Umfang, in dem derartige Anpassungen erfolgen.
Bei der Erstellung der Portfolios wird häufig auf Börsengehandelte Fonds (ETF) – meist handelt es sich um Indexfonds – gesetzt, da diese eine kostengünstige, schnell umsetzbare Diversifikation ermöglichen.
Die aktuell am Markt befindlichen Robo-Advisor lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:
Beratungstools: Bei dieser Form wird lediglich eine Software angeboten, um ein geeignetes Portfolio für den Nutzer zu ermitteln. Der Kauf der Portfoliobestandteile muss der Nutzer jedoch selbstständig übernehmen.
Fondslösungen: Der Anbieter bündelt vorab erstellte Portfolios in einem Dachfonds, den der Kunde über die Börse erwerben kann.
Verwaltete Depots: Robo-Advisor dieser Kategorie haben das umfassendste Angebot. Für den Kunden wird ein Portfolio ermittelt und die Anlage dann entsprechend im Depotkonto einer Partnerbank umgesetzt und überwacht.
Da Robo-Advisor selbst meist keine eigene Banklizenz besitzen, agieren sie oftmals in Zusammenarbeit mit einer Partnerbank. Die Partnerbank führt dabei das Depot, in dem die Vermögenswerte gehalten werden, und führt die Transaktionen durch. Das angelegte Geld unterliegt daher als Sondervermögen dem Schutz vor fremdem Zugriff.
In den Vereinigten Staaten gelten Robo-Advisor als Investmentberater und müssen sich entsprechend bei der United States Securities and Exchange Commission (SEC) registrieren. In Deutschland wird unterschieden zwischen Finanzanlagenvermittlern und Vermögensverwaltern. Die meisten Robo-Advisor agieren als Finanzanlagenvermittler gemäß § 34 f. Gewerbeordnung (GewO). Sie dürfen Kundenportfolios nicht ohne Genehmigung des Kunden umschichten. Der strenger gefasste § 34h Gewerbeordnung (GewO) regelt den Tatbestand der Honorar-Finanzanlageberatung. Robo-Advisor mit dieser Erlaubnis dürfen sich nicht an einzelne Anbieter binden und dürfen keine Provisionen oder andere Vorteile von Produktanbietern oder Banken annehmen. Einige Anbieter sind regulierte Vermögensverwalter und erfüllen die strengeren Vorgaben nach § 32 Kreditwesengesetz (KWG). Diesen ist erlaubt, Anlageentscheidungen direkt umzusetzen, ohne dazu vom Kunden aufgefordert zu werden bzw. sich dies jeweils vorab genehmigen lassen zu müssen.

References: § 2
 § 34
 § 34
 § 32
 § 34
 § 34
 § 32