Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=56313&fassungsNr=1
Timestamp: 2017-04-27 03:24:37+00:00

Document:
RV/0721-W/11-RS1
wie RV/0021-F/09-RS1
(Der UFS kam weiters dem im Vorlageantrag gestellten Antrag des Bw. auf neuerliche Einvernahme eines Zeugen nicht nach. )
Wird der Bw vom Finanzamt vor Ergehen der Berufungsvorentscheidung mehrfach aufgefordert, konkrete Fragen zu als Betriebsausgaben geltend gemachten (zum Teil geschätzten) Aufwendungen zu beantworten und Belege vorzulegen, kommt er seiner Verpflichtung (§ 138 BAO), notwendige Ergänzungen des Sachverhaltes vorzunehmen, aber nicht vollständig nach und klärt die offenen Fragen auch im Vorlageantrag nicht auf und legt diesem keine Beweismittel bei, können dem Grunde und der Höhe nach nicht nachgewiesene bzw. nicht einmal glaubhaft gemachte Aufwendungen nicht als Betriebsausgaben anerkannt werden. Eine Verpflichtung des UFS, den Bw neuerlich zur Fragenbeantwortung und Beweismittelvorlage aufzufordern, besteht unter diesen Umständen nicht. Zusatzinformationen betroffene Normen:
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Bw., W., vertreten durch STH Steuer-Treuhand Gesellschaft m.b.H., 5020 Salzburg, Weiserhofstraße 8/12, gegen die Bescheide des Finanzamtes Wien 9/18/19 Klosterneuburg betreffend Feststellung von Einkünften gemäß
§ 188 BAO für die Jahre 2007 und 2008 entschieden: Die Berufung wird als unbegründet abgewiesen. Die angefochtenen Bescheide bleiben unverändert. Entscheidungsgründe
Bei der Berufungswerberin (Bw.), einer Personengesellschaft in der Rechtsform einer Gesellschaft nach bürgerlichem Recht, fand (auch) für die Streitjahre eine Außenprüfung nach § 147 BAO statt. Aus Tz 1 des gemäß
§ 150 BAO erstellten Berichtes über die Außenprüfung ist zu entnehmen, dass den als Betriebsausgaben geltend gemachten Aufwendungen für Fremdleistungen iZm der Person Dr. J. mangels Werthaltigkeit der Abzug verwehrt wurde. Die dem Bericht als Beilage angeschlossene erweiterte Bescheidbegründung lautet wie folgt: "A. Sachverhalt Die Abgabepflichtige (KGesnbR) betreibt am Standort 1190 S-Gasse 30 eine Werbeagentur und erbrachte im Prüfungszeitraum vorwiegend Leistungen im Bereich des Direktmarketings.
Laut Angabe der Abgabepflichtigen soll es sich dabei um Aufwendungen handeln, die für Akquisitionsleistungen
von Herrn Dr. J. entrichtet wurden. Herr Dr. J. sollte für die Abgabepflichtige internationale Neukunden akquirieren.
Im Prüfungszeitraum wurden keine
internationalen Neukunden durch Herrn Dr. J. akquiriert.
- Belege über die Verrechnung von Fremdkosten Vereinbarung MC
war, dass Herr Dr. J. einerseits den internationalen Kunden PC in Paris betreuen
und parallel dazu Neugeschäft entwickeln
sollte. Die Zusammenarbeit sollte mit 1. Jänner 2007 beginnen und wurde nicht befristet. Sie kann frühestens per 30. Dezember 2007 unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist von beiden Vertragsparteien beendet werden. Die Vereinbarung sieht vor, dass Herr Dr. J. während der Vertragslaufzeit ausschließlich für die Abgabepflichtige tätig sein wird. Rechnungen und belegte Aufwendungen, die Herrn Dr. J. für seine Tätigkeit anfallen würden, sollen zur Gänze von der Abgabepflichtigen übernommen werden. Bei Abschluss von Neugeschäft sollte Herrn Dr. J ein Erfolgshonorar in Höhe von 20% des "Income" als Erfolgsprämie ausbezahlt werden.
Belege über die Verrechnung von Fremdkosten Weiters wurden der Ap im Verlaufe des Prüfungsverfahrens folgende Belege über die Verrechnung von Fremdkosten des Jahres 2007 vorgelegt:
Die Belege wurden allesamt von Herrn Dr. J. ausgestellt und sind an die Abgabepflichtige z.H. Herrn FK adressiert. Sämtliche Belege wurden jeweils von Herrn Dr. J. und von Herrn FK unterfertigt. Herr Dr. J. quittiert
mit seiner Unterschrift den Erhalt
des auf dem jeweiligen Beleg angeführten Betrages
, während Herr FK im Gegenzug für die Abgabepflichtige den Erhalt
von Originalrechnungen
an Fremdkosten im gleichen Umfang bestätigt. Die Rechnungsentgelte wurden jeweils am Tag der Belegausstellung in bar entrichtet. Auf den Belegen über die Verrechnung von Fremdkosten ist außerdem vermerkt, dass es sich bei den Rechnungsentgelten um kein Honorar
, sondern um die Übernahme von gesammelten Rechnungen für Aktivitäten, die für die Abgabepflichtige anfielen, handelt. Den Belegen sollen eine Kopie der Vereinbarung v. 28.11.2006 sowie die entsprechenden Originalrechnungen der Fremdkosten beigeschlossen sein.
Die von Herrn Dr. J. an die Abgabepflichtige ausgestellten Belege über die Verrechnung von Fremdkosten wurden in der laufenden Buchhaltung der Jahre 2007 und 2008 nicht
erfasst. Die Einbuchung der Rechnungsentgelte erfolgte jeweils zum 31.12. in Form von Um- und Nachbuchungen. Im Jahr 2007 wurden diesbezüglich entsprechend der vorgelegten Belege insgesamt vier Umbuchungen in Höhe von insgesamt EUR 103.558,-- vorgenommen, im Jahr 2008 erfolgte die Einbuchung des Aufwandsbetrages in Höhe von EUR 93.417,-- über eine einzige Um- und Nachbuchung. Als Gegenkonto wurde jeweils das Privatkonto angesprochen. Anzumerken ist weiters, dass in der Kapitalkontenentwicklung zu der von der Abgabepflichtigen ursprünglich eingereichten Bilanz des Jahres 2007 weder die Aufwandsbuchung noch die Privatbuchung enthalten sind.
Als weitere Maßnahme zur Überprüfung der Werthaltigkeit sowie der betrieblichen Veranlassung der betreffenden Aufwendungen wurde am 11.01.2010 ein Auskunftsersuchen an Dr. J.
übermittelt, in dem er als Auskunftsperson zu folgenden Fragen in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für die Abgabepflichtige Stellung nehmen sollte:
"Spesen, die sich aus den Akquisitionsbemühungen im Sinne von D. direkt ergeben, die im Original dem CEO vorgelegt wurden, seinerseits mit dem Stempel "Betrag abgegolten in Österreich steuerlich geltend gemacht" retourniert wurden." Antwort zu Frage 3: "Die Übernahme der Originalrechnungen und der Entgelte erfolgte jeweils im Wiener Büro..."
3. Fragenvorhalt an die Abgabepflichtige v. 04.02.2010 Nachdem auch aus der Beantwortung des Auskunftsersuchens v. 11.01.2010 kein Nachweis, ob bzw. welche Leistungen von Herrn Dr. J. für die in Abzug gebrachten Aufwendungen erbracht wurden, ableitbar ist, und darüber hinaus auch kein Nachweis für die Entrichtung der Rechnungsentgelte vorliegt, wurde mit 04.02.2010 zwecks Abklärung dieser offenen Punkte ein Fragenvorhalt an die Abgabepflichtige verfasst.
Zu Pkt. a) Nachweis
des Zahlungsflusses
hält die Abgabepflichtige fest, dass die Übergabe der Originalrechnungen und der Entgelte jeweils im Wiener Büro erfolgte, und dass für 2010 eine Banküberweisung vereinbart wurde. Zuvor wurden die Rechnungsentgelte jeweils in bar
Zu Pkt b) Leistungsbeschreibung
wird in der Vorhaltsbeantwortung auf die Agenturvereinbarung v. 28.11.2006 verwiesen, wonach Herr Dr. J. den internationalen Kunden PF in Paris betreuen sollte. Als Beispiel für die Akquisition von Neukunden
wurde der Kunde "E."
angeführt. Dabei soll es sich um einen Auftrag aus Brüssel zur Erhöhung der Wahlbeteiligung bei EU-Wahlen handeln. Konkrete Unterlagen oder Nachweise wurden der Beantwortung nicht beigeschlossen.
vorgelegt wurden die in Pkt c) und d) des maßgeblichen Vorhaltes angeforderten Unterlagen bestehend aus dem Original
v. 28.11.2006 und den Originalbelegen
bezüglich der Verrechnung von Fremdkosten
4. Neuerlicher Fragenvorhalt v. 13.04.2010 Nachdem auch aus der Vorhaltsbeantwortung v. 03.03.2010 keine konkreten Angaben zu entnehmen sind, ob bzw. welche Leistungen von Herrn Dr. J. für die in Abzug gebrachten Fremdleistungsaufwendungen erbracht wurden, und ob ein betrieblicher Zusammenhang mit den in Abzug gebrachten Aufwendungen vorliegt, wurde mit 13.04.2010 ein weiterer Vorhalt an die Abgabepflichtige verfasst.
In der Vereinbarung v. 28.11.2006 und in der Vorhaltsbeantwortung v. 03.03.2010 wird ausgeführt, dass ein Leistungshintergrund der Tätigkeit von Herrn Dr. J. in der Betreuung
des internationalen Kunden PC in Paris
besteht. Der Vorhaltsbeantwortung ist somit zu entnehmen, dass es sich um ein bestehendes Kundenverhältnis handeln muss.
In der am 21.04.2010 eingelangten Vorhaltsbeantwortung
wurden zu diesem Punkt keine Angaben
gemacht. Weder wurden die an die Abgabepflichtige zwecks Leistungsnachweises gerichteten Fragestellungen beantwortet, noch wurden von der Abgabepflichtigen Nachweise in Form von Vertragsunterlagen oder Ausgangsrechnungen vorgelegt, die auf (Vor)Leistungen des Herrn Dr. J. für den Kunden PC hindeuten würden.
Darüber hinaus wurde die Abgabepflichtige mittels Vorhalt v. 13.04.2010 ersucht, die von ihr zuvor gemachten Angaben über die Entwicklung von Neugeschäft zu präzisieren. In ihrer Vorhaltsbeantwortung v. 03.03.2010 führte sie als einziges Beispiel für die Entwicklung von Neugeschäft, den Kunden "E."
an. Dabei soll es sich ihren Angaben zufolge um einen Auftrag aus Brüssel zur Erhöhung der Wahlbeteiligung bei EU-Wahlen handeln.
In ihrer am 21.04.2010 eingelangten Vorhaltsbeantwortung verweist die Abgabepflichtige in Bezug auf die Entwicklung
von Neugeschäft
auf die von ihr zuvor in der Vorhaltsbeantwortung v. 03.03.2010 gemachten Angaben, ohne dass sie diese näher erläutert.
5. Einvernahme durch Finanzstrafbehörde In weiterer Folge wurde der Vertreter der Abgabepflichtigen am 25.06.2010 im Rahmen einer Einvernahme durch die Finanzstrafbehörde aufgefordert, folgende Unterlagen iZm den als Fremdleistungsaufwendungen in Abzug gebrachten Betriebsausgaben vorzulegen:
B. Rechtliche Würdigung Die von der Abgabepflichtigen in den Jahren 2007 und 2008 in Abzug gebrachten Aufwendungen für "Bezogene Leistungen (Fremdarbeit)" sind nach Maßgabe des in § 4 Abs. 4 EStG 1988
verankerten Betriebsausgabenbegriffs abzugsfähig. Demnach sind Betriebsausgaben Aufwendungen
oder Ausgaben
, die durch den Betrieb veranlasst
a) Es muss sich um Aufwendungen
b) Die Aufwendungen müssen betrieblich
- einerseits ein Leistungsverbrauch
(Gütern oder Dienstleistungen) erfolgte, und
- andererseits ein Abgang
Die Abgabepflichtige nennt gegenüber der Abgabebehörde als Leistungshintergrund für den in Abzug gebrachten Aufwand, dass Herr Dr. J. für sie in den prüfungsrelevanten Jahren 2007 und 2008 im Ausland Akquisitionsleistungen
erbracht haben soll. Sie beruft sich dabei auf eine Vereinbarung v. 28.11.2006 (siehe Sachverhaltsdarstellung), in der diese Leistungen wie folgt näher bezeichnet wurden:
des internationalen Kunden PC
" Betreuung des internationalen Kunden PC
In der Vereinbarung v. 28.11.2006 und in der Vorhaltsbeantwortung v. 03.03.2010 wird dazu ausgeführt, dass ein Leistungshintergrund der Tätigkeit von Herrn Dr. J. in der Betreuung
bestehen soll. Der Vorhaltsbeantwortung ist somit zu entnehmen, dass es sich um ein bestehendes Kundenverhältnis handeln muss.
Als zweite wesentliche Leistungskomponente des Tätigkeitsbereiches von Herrn Dr. J. führt die Abgabepflichtige an, dass dieser für sie internationale Neukunden akquirieren sollte. Herr Dr. J. hatte im Prüfungszeitraum seinen ordentlichen Wohnsitz in Paris und sollte von dort aus Akquisitionsleistungen
für die Abgabepflichtige erbringen. Als Entgelt für seine Tätigkeit sollten ihm einerseits die für seine Tätigkeit angefallenen und belegten Fremdkosten ersetzt werden, andererseits stünde ihm im Fall einer erfolgreichen Vermittlung ein Erfolgshonorar in Höhe von 20% des "Income" als Erfolgsprämie zu.
4.) Als weitere Maßnahme in einer Reihe von Überprüfungsmaßnahmen in Bezug auf Werthaltigkeit der in Abzug gebrachten Aufwendungen wurde von der Ap mit 12.04.2010 ein weiterer schriftlicher Vorhalt an die Abgabepflichtige verfasst. Ziel des weiteren Vorhalteverfahrens war es, dass die Abgabepflichtige die von ihr zuvor gemachten Angaben präzisieren und durch Vorlage geeigneter Unterlagen nachweisen sollte. Im Besonderen wurde die Abgabepflichtige aufgefordert, das von ihr in der vorigen Vorhaltsbeantwortung genannte Projekt "E. " durch Vorlage von Unterlagen wie insbesondere Vertragsentwürfe, Vorvereinbarungen etc. nachzuweisen. Bedauerlicherweise kam die Abgabepflichtige auch diesem Ersuchen nicht nach, weshalb auch nach dem neuerlichen Vorhalteverfahren keine Nachweise für die behaupteten Leistungen von Herrn Dr. J. vorliegen.
Wenn die Abgabepflichtige sich auf die Vereinbarung v. 28.11.2006 und die darin angeführten Tätigkeitsbereiche des Herrn Dr. J. bezieht, so unterließ sie es, diese Aufgabenbereiche durch geeignete Unterlagen zu stützen. So konnten durch die Ap im Verlaufe des Ap-Verfahrens weder Unterlagen vorgefunden werden, welche die Betreuung des internationalen Kunden PC in den für die Abzugsfähigkeit der Aufwendungen maßgeblichen Jahren 2007 und 2008 dokumentieren könnten, noch wurden Unterlagen vorgelegt, die auf die "Entwicklung von Neugeschäft" und damit die Akquisition von "Neukunden" schließen lassen würden. Im Gegenteil! So wird von der Abgabepflichtigen nicht einmal bestritten, dass in den maßgeblichen Jahren von Herrn Dr. J.
überhaupt keine Neukunden akquiriert wurden, zumal von Herrn Dr. J. stets behauptet wurde, dass nur Fremdkosten und kein Erfolgshonorar verrechnet wurde. Schließlich mangelt es auch den von der Abgabepflichtigen genannten Projekt "E. " am Nachweis bzw. an der Glaubhaftmachung entsprechender Vorleistungen durch die Person Dr. J..
wesentliche Voraussetzung für das Vorliegen werthaltiger Aufwendungen muss neben einem Leistungsverbrauch
auch ein Abgang
zu verzeichnen sein. Das Betriebsvermögen nach dem Leistungsverbrauch muss sich gegenüber jenem im Zeitpunkt davor verringert haben. Dies sollte im konkreten Fall durch den Abbau liquider Mittel oder vorerst durch die Passivierung einer Verbindlichkeit und erst in weiterer Folge durch den Abbau liquider Mittel erkennbar sein.
Bezüglich der vorgelegten Belege konnte durch die Ap festgestellt werden, dass keine der auf den Belegen angeführten Zahlungsbewegungen in der laufenden Buchhaltung der Abgabepflichtigen Deckung findet. Das im Rahmen der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988
laufend zu führende Buchhaltungskonto "Kassa in Inlandswährung" der Jahre 2007 und 2008 weist keine entsprechenden Vermögensminderungen auf. Im Gegenteil, auf dem entsprechenden Buchhaltungskonto wurden überhaupt keine Zahlungsbewegungen an Herrn Dr. J. vorgefunden.
Das Finanzamt erließ für diese beiden Jahre - für 2007 im wiederaufgenommenen Verfahren - Bescheide über die Feststellung von Einkünften, die diesen Prüfungsfeststellungen folgten. In der gegen die Sachbescheide gerichteten Berufung brachte die Bw. - zunächst durch ihren steuerlichen Vertreter - vor, es sei von der Bw. im Zuge der Betriebsprüfung wiederholt eine gemeinsame Besprechung unter Heranziehung des Hrn. Dr. J (als Empfänger der in Zweifel stehenden und im Zuge der Betriebsprüfung nicht anerkannten Aufwendungen) beantragt worden, zumal die schriftliche Darstellung des in Frage stehenden Sachverhaltes nicht in ausreichendem Umfang der Aufklärung dienen konnten. Die Bw. meinten, dass im Zuge dieser Besprechung die Zweifel über die steuerliche Anerkennung der Aufwendungen hätten aufgeklärt werden und dies in der Folge zu einer anderen Entscheidung hätte führen können. Es werde daher der Antrag gestellt, die persönliche und gemeinsame Möglichkeit zur Darlegung des Sachverhalts und der in diesem Zuge erbrachten Leistungen im Rahmen des Berufungsverfahrens einzuräumen. Im Akt liegt eine an die steuerliche Vertretung der Bw. gerichtete E-Mail eines Gesellschafters der Bw., in dem dieser den "Einspruch" als völlig kontraproduktiv und unbrauchbar bezeichnete. Er ergänzte die Berufung sodann mit Ausführungen, die das Abgabeneinhebungsverfahren betreffen und daher nichts zur Sache beitragen können. Ein vom Finanzamt erteilter Mängelbehebungsauftrag, wonach der Berufung die beantragten Änderungen und eine Begründung fehlten, wurde von der steuerlichen Vertretung damit beantwortet, dass der Bw. ein Kredit von 160.000 € zur Verfügung gestanden sei, von dem die entsprechenden Barabhebungen getätigt worden seien. Es werde ferner auf die schon im Vorfeld vorgelegten Originalunterlagen verwiesen, die hinsichtlich ihrer Beurteilung im Zusammenhang mit einem persönlichen Besprechungstermin zu einem anderen Ergebnis führen würden. Weiters werde der Antrag auf Zuziehung des Geschäftspartners Dr. J. zu einem persönlichen Besprechungstermin gestellt. Nachgereicht würden der Kreditvertrag in Kopie, Belege Paris, eidesstattliche Erklärung von Dr. J. über Geschäfte/Verträge mit der Bw. In weiterer Folge wurde der Kreditvertrag über Schweizer Franken vorgelegt, wobei als Kreditzweck "Renovierung und Ausbau des Souterrains zu einem Büro" angegeben ist. Weitere bislang nicht bekannte Unterlagen wurden nicht übermittelt. Über die Berufung wurde erwogen:
Aus der Berufung sowie der Beantwortung des Mängelbehebungsantrages ist ersichtlich, dass die Anerkennung von als Betriebsausgaben geltend gemachten Aufwendungen für Dr. J. begehrt wird. Es kann aus den Ausführungen geschlossen werden, dass die Absetzbarkeit deshalb erfolgen soll, weil tatsächlich Zahlungen getätigt worden seien. Die Begründung ist zwar - wie unten zu zeigen sein wird - nicht geeignet, die Betriebsausgabeneigenschaft der geltend gemachten Aufwendungen zu dokumentieren. Die Berufung entspricht aber inhaltlich nunmehr gerade noch den Voraussetzungen des § 250 BAO, weshalb über sie materiell zu entscheiden ist. 2. Rechtsgrundlagen
§ 167 Abs. 2 BAO hat die Abgabenbehörde unter sorgfältiger Berücksichtigung der Ergebnisse des Abgabenverfahrens nach freier Überzeugung zu beurteilen, ob eine Tatsache als erwiesen anzunehmen ist oder nicht. Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungs-gerichtshofes (vgl zB VwGH 9.9.2004, 99/15/0250) ist von mehreren Möglichkeiten jene als erwiesen anzunehmen, die gegenüber allen anderen Möglichkeiten eine überragende Wahr-scheinlichkeit für sich hat und alle anderen Möglichkeiten ausschließt oder zumindest weniger wahrscheinlich erscheinen lässt. 3. Als erwiesen angenommener Sachverhalt
Die Berufungsbehörde nimmt es als erwiesen an, dass tatsächlich keine Zahlungen an Dr. J. erfolgt sind. Sollten aber - entgegen der Aktenlage - tatsächlich Zahlungen getätigt worden sein, liegt ihnen keine betriebliche Veranlassung zugrunde. Diese Annahme beruht auf folgender Beweiswürdigung: Verwiesen wird zunächst auf die wörtlich wiedergegebene erweiterte Bescheidbegründung des Finanzamtes, in der schlüssig und nachvollziehbar dargelegt wird, warum den Ausführungen der Bw. kein Glauben geschenkt werden kann. Insbesondere ist es im höchsten Ausmaß unglaubwürdig, dass Geldbeträge derartiger Höhe bar übergeben worden sein sollen. Gegen den Standpunkt der Bw. spricht weiters, dass eine sofortige Verbuchung der Beträge nicht erfolgt ist. Völlig unglaubwürdig bei Vorliegen einer betrieblichen Veranlassung der Aufwendungen ist die Rechtfertigung der Bw., dass zunächst die Zahlung aus dem privaten Bereich erfolgt sei, wobei auch hierfür keinerlei Belege vorgelegt werden konnten. Welcher Beweiskraft in diesem Zusammenhang die Aufnahme eines Kredits mit dem Kreditzweck "Renovierung und Ausbau des Souterrains zu einem Büro" zukommen soll, macht die Bw. nicht einsichtig. Auch der Umstand, dass die Bw. ausweichend auf die Fragen der Amtspartei reagiert hat, keine Unterlagen über die behaupteten Zahlungen vorlegen konnte oder wollte, und keine Möglichkeit ausgelassen hat, das Verfahren zu verzögern, spricht dafür, dass die angeblich erbrachten Zahlungen bloß vorgetäuscht worden sind. Hinzuweisen ist darauf, dass die Bw. nicht nur deshalb erhöhte Mitwirkungspflicht trifft, weil Sachverhaltselemente vorliegen, die ihre Wurzeln im Ausland haben (sh. VwGH 26.7.2000, 95/14/0145), sondern auch deshalb, weil die Behauptungen der Bw. mit den Erfahrungen des täglichen Lebens in Widerspruch stehen (sh. Ritz, BAO4, § 115 Rz 13 mit umfangreichen Judikaturangaben). Demgegenüber hat die Abgabenbehörde erster Instanz ihre amtswegige Ermittlungspflicht nach § 115 BAO bis zur Grenze des Zumutbaren wahrgenommen, der Bw. Gelegenheit geboten, Unterlagen und sonstige Beweismittel vorzulegen, und auch eine schriftliche Aussage des angeblichen Empfängers der Zahlung eingeholt, der aber wiederum nur ausweichend auf die gestellten Fragen geantwortet hat. Der neuerliche Beweisantrag auf auf "Zuziehung des Geschäftspartners Dr. J. zu einem persönlichen Besprechungstermin" war daher schon wegen Unerheblichkeit abzulehnen; es besteht für die Abgabenbehörden keinerlei Verpflichtung, eine Person so oft als Zeuge bzw. Auskunftsperson einzuvernehmen, bis ihre Aussage den Vorstellungen des Steuerpflichtigen entspricht. Hinzu kommt, dass bei Würdigung des Verhaltens der Bw. ihr auch Verschleppungsabsicht unterstellt werden kann. 4. Rechtlich folgt daraus:
Da somit die Leistung der behaupteten Zahlungen weder nachgewiesen noch zumindest glaubhaft gemacht werden konnte, erfolgte die Nichtanerkennung seitens des Finanzamtes zu Recht. Wien, am 17. November 2011 nach oben

References: § 188
 § 147

§ 150
 § 4
 § 4
 § 250

§ 167
 § 115
 § 115