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Timestamp: 2018-01-23 07:50:03+00:00

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BAG, Urteil vom 22.10.2008, 4 AZR 793/07 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 22.10.2008, 4 AZR 793/07
Schlagworte: Bezugnahmeklausel, Tarifvertrag: Bezugnahme
Aktenzeichen: 4 AZR 793/07
Leitsätze: Eine nach dem 31. Dezember 2001 einzelvertraglich vereinbarte dynamische Bezugnahme auf einen bestimmten Tarifvertrag ist jedenfalls dann, wenn eine Tarifgebundenheit des Arbeitgebers an den im Arbeitsvertrag genannten Tarifvertrag nicht in einer für den Arbeitnehmer erkennbaren Weise zur auflösenden Bedingung der Vereinbarung gemacht worden ist, eine konstitutive Verweisungsklausel, die durch einen Verbandsaustritt des Arbeitgebers oder einen sonstigen Wegfall seiner Tarifgebundenheit nicht berührt wird ("unbedingte zeitdynamische Verweisung"; Bestätigung der Rechtsprechung des Senats, vergleiche BAG vom 18. April 2007, 4 AZR 652/05, BAGE 122, 74).
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Paderborn, Urteil vom 07.12.2006, 1 Ca 1111/06 Landesarbeitsgericht Hamm (Westfalen), Urteil vom 09.08.2007, 15 Sa 170/07
4 AZR 793/07
22. Ok­to­ber 2008
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Ok­to­ber 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Be­p­ler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Creutz­feldt und Dr. Tre­ber so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Har­de­busch und Hess für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 9. Au­gust 2007 - 15 Sa 170/07 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Gel­tung ei­nes ta­rif­li­chen Lohn­ab­kom­mens für das zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis und dar­aus re­sul­tie­ren­de Vergütungs­ansprüche des Klägers.
Der Kläger ist Mit­glied der IG Me­tall und seit dem 1. April 1964 in Voll­zeit als Schlos­ser bei der Be­klag­ten und ih­ren Rechts­vorgänge­rin­nen beschäftigt. Am 2. Mai 2002 schlos­sen der Kläger und ei­ne der Rechts­vorgänge­rin­nen der Be­klag­ten, die S Ma­schi­nen­bau GmbH, ei­nen For­mu­lar­ar­beits­ver­trag. Der Ver­trag lau­tet aus­zugs­wei­se wie folgt:
„An­stel­lungs­ver­trag für Ta­rif­an­ge­stell­te / ge­werb­li­che Mit­ar­bei­ter
1. Der An­spruch auf Ent­loh­nung be­steht nach der von dem An­ge­stell­ten je­weils aus­geübten Tätig­keit und zwar in Höhe des ent­spre­chen­den Ta­rif­ge­hal­tes des je­weils gülti­gen Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges für die kaufmänni­schen und tech­ni­schen An­ge­stell­ten Me­tall- u. Elek­tro­in­dus­trie des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len.
2. Ent­spre­chend sei­ner zur Zeit aus­geübten Tätig­keit wird der Ar­beit­neh­mer in die Lohn­grup­pe 7 ein-ge­stuft.
Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­den die je­weils gel­ten­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen für die me­tall­ver­ar­bei­ten­den
In­dus­trie im Lan­de NRW An­wen­dung.
An­re­chen­ba­re Beschäfti­gungs­verhält­nis­se: Ein­tritt: 1.4.64.“
Nach die­sem Ver­trags­schluss ging das Ar­beits­verhält­nis im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs auf die zu die­sem Zeit­punkt ta­rif­ge­bun­de­ne Be­klag­te über. Je­den­falls bis zum 31. De­zem­ber 2005 war die Be­klag­te Mit­glied im Ar­beit­ge­ber­ver­band für die Ge­bie­te Pa­der­born, Büren, War­burg und Höxter e. V. (nach­fol­gend: Ar­beit­ge­ber­ver­band) und der Fach­grup­pe Me­tall des Ver­ban­des. Zwi­schen den Par­tei­en ist um­strit­ten, ob die Be­klag­te ab dem 1. Ja­nu­ar 2006 noch ta­rif­ge­bun­de­nes Mit­glied des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des war oder sie ab die­sem Zeit­punkt wirk­sam ei­ne Mit­glied­schaft oh­ne Ta­rif­bin­dung - sog. OT-Mit­glied­schaft - be­gründet hat­te.
Am 22. April 2006 ver­ein­bar­ten der Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Nord­rhein-West­fa­len und die IG Me­tall ein Ab­kom­men über die Ta­rif-löhne in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Nord­rhein-West­fa­lens (nach­fol­gend: Lohn­ab­kom­men). Nach § 2 Abs. 2 und Abs. 3 des Lohn­ab­kom­mens steht Voll­zeit­beschäftig­ten ein ta­rif­li­cher Ein­mal­be­trag iHv. 310,00 Eu­ro brut­to und mit Wir­kung ab dem 1. Ju­ni 2006 ei­ne Erhöhung des ge­mein­sa­men Eck­lohns der Mo­nats­grund­lohn­ta­bel­le um 3 % zu.
Der Kläger hat mit sei­ner Kla­ge von der Be­klag­ten nach er­folg­lo­ser vor­ge­richt­li­cher Gel­tend­ma­chung un­ter Hin­weis auf das Lohn­ab­kom­men den Ein­mal­be­trag und für den Mo­nat Ju­ni 2006 die drei­pro­zen­ti­ge Erhöhung sei­ner Vergütung iHv. 93,39 Eu­ro brut­to ver­langt. Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses sei der For­mu­lar­ar­beits­ver­trag vom 2. Mai 2002. Des­sen § 8 sei nicht zu ent­neh­men, dass le­dig­lich nicht ta­rif­ge­bun­de­ne wie ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer be­han­delt wer­den soll­ten, so­lan­ge der Ar­beit­ge­ber selbst ta­rif­ge­bun­den sei. An­ge­sichts der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts könne der Kläger auf der Grund­la­ge der ver­ein­bar­ten dy­na­mi­schen Ver­wei­sungs­klau­sel auch bei ei­nem Weg­fall der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Be­klag­ten die ver­ein­bar­te Ta­rif­loh­nerhöhung nach dem Lohn­ab­kom­men ver­lan­gen. Bei dem anläss­lich
ei­nes Be­triebsüber­gangs am 2. Mai 2002 ge­schlos­se­nen Ver­trag han­de­le es sich um ei­ne neue ver­trag­li­che Re­ge­lung. An­de­ren­falls wäre es aus­rei­chend ge­we­sen, den un­veränder­ten Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses mit­zu­tei­len. Der An­spruch er­ge­be sich zu­dem auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ver­bands­zu­gehörig­keit. Die Be­klag­te ha­be nicht nach­wei­sen können, dass sie ih­re Mit­glied­schaft mit Ta­rif­bin­dung be­en­det und ei­ne oh­ne Ta­rif­bin­dung be­gründet ha­be.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 403,39 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 16. Ju­li 2006 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Seit dem 1. Ja­nu­ar 2006 sei sie nicht mehr ta­rif­ge­bun­den. Sie ha­be ih­re Mit­glied­schaft im Ar­beit-ge­ber­ver­band be­reits am 16. Ju­ni 2005 frist­ge­recht zum Jah­res­en­de gekündigt und durch ei­ne neue Bei­tritts­erklärung mit Wir­kung vom 1. Ja­nu­ar 2006 ei­ne sog. OT-Mit­glied­schaft in die­sem Ar­beit­ge­ber­ver­band be­gründet. An das Lohn-ab­kom­men sei sie da­her nicht mehr ge­bun­den. Aus der Be­zug­nah­me­klau­sel in § 8 des Ar­beits­ver­tra­ges könne der Kläger sei­ne Ansprüche nicht ab­lei­ten. Die Klau­sel sei als Gleich­stel­lungs­ab­re­de iSd. frühe­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus­zu­le­gen, die le­dig­lich die feh­len­de Ta­rif­ge­bun­den­heit ei­nes Ar­beit­neh­mers er­set­zen soll. Darüber hin­aus müsse bei de­ren Aus­le­gung berück­sich­tigt wer­den, dass der Kläger be­reits seit 1964 bei der Be­klag­ten so­wie ih­ren Rechts­vorgänge­rin­nen beschäftigt und Mit­glied der IG Me­tall sei. Sch­ließlich ha­be der Ver­trag vom 2. Mai 2002 nicht kon­sti­tu­tiv ein neu­es Ar­beits­verhält­nis be­gründen wol­len. Die Ab­re­de ha­be le­dig­lich de­kla­ra­to­risch zum Aus­druck brin­gen sol­len, dass die bis­he­ri­gen ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen fort­bestünden. Un­abhängig da­von ge­nieße die Be­klag­te Ver­trau­ens­schutz im Hin­blick auf die frühe­re Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Aus­le­gung von Gleich­stel­lungs­ab­re­den. Der Se­nat ha­be noch nach In­kraft­tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes in der Ent­schei­dung vom 19. März 2003 (- 4 AZR 331/02 -) sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung bestätigt, wo­nach ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf ei­nen Ta­rif­ver­trag im Ar­beits­ver­trag ei­nes ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­bers als Gleich­stel­lungs­ab­re­de zu ver­ste­hen sei. Als
Stich­tag für die Um­set­zung der Recht­spre­chungsände­rung kom­me ent­we­der der 1. Ja­nu­ar 2003 oder aber, nach­dem der Se­nat am 14. De­zem­ber 2005 sei­ne Recht­spre­chungsände­rung an­gekündigt ha­be, der 15. De­zem­ber 2005 in Be­tracht. Mit der Recht­spre­chungsände­rung wei­che der Se­nat zu­dem von der Recht­spre­chung an­de­rer Se­na­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts ab. Ei­ne Bin­dung der Be­klag­ten an das Lohn­ab­kom­men würde zu­dem dem Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 9. März 2006 (- C-499/04 - [Wer­hof]) wi­der­spre­chen.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ihr statt­ge­ge­ben. Mit der zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on strebt die Be­klag­te die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils an. Der Kläger be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge zu Recht ent­spro­chen. Der Kläger hat An­spruch auf Vergütung nach dem Lohn­ab­kom­men und dem­zu­fol­ge auf Zah­lung des in § 2 Abs. 2 und Abs. 3 Lohn­ab­kom­men ge­re­gel­ten Ein­mal­be­trags so­wie ei­ner um 3 % erhöhten Vergütung für den Mo­nat Ju­ni 2006.
I. Das Lohn­ab­kom­men fin­det auf­grund der Be­zug­nah­me­klau­sel in § 8 des Ar­beits­ver­tra­ges auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung.
1. Die Aus­le­gung ei­nes For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges wie des streit­ge­genständ­li­chen durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann vom Re­vi­si­ons­ge­richt oh­ne Ein­schränkung über­prüft wer­den (st. Rspr., vgl. nur Se­nat 30. Au­gust 2000 - 4 AZR 581/99 - BA­GE 95, 296). Nach §§ 133, 157 BGB sind Verträge so aus­zu­le­gen, wie die Par­tei­en sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen muss­ten. Da­bei ist vom Wort­laut aus­zu­ge­hen, aber zur Er­mitt­lung des wirk­li­chen Wil­lens der Par­tei­en sind auch die außer­halb der Erklärung lie­gen­den Umstände ein­zu­be­zie­hen, so­weit sie ei­nen
Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklärung zu­las­sen. Dies gilt auch für dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­klau­seln (Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 24, BA­GE 122, 74, 81).
2. Die Aus­le­gung der Klau­sel er­gibt, dass § 8 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 2. Mai 2002 ei­ne un­be­ding­te zeit­dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf die „je­wei­li­gen ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen für die me­tall­ver­ar­bei­ten­de In­dus­trie im Lan­de NRW“ enthält, die auch das Lohn­ab­kom­men vom 22. April 2006 er­fasst. Die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de iSd. frühe­ren Recht­spre­chung des Se­nats, wo­nach ei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung in ei­nem Ar­beits­ver­trag ab dem Ein­tritt be­stimm­ter Umstände, na­ment­lich dem Weg­fall der Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers, nur noch sta­tisch wirkt (Se­nat 25. Sep­tem­ber 2002 - 4 AZR 294/01 - BA­GE 103, 9, 14 mwN), sind im vor­lie­gen­den Fall nicht erfüllt. Die Be­zug­nah­me­klau­sel wur­de nicht von ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber ver­ein­bart.
a) Ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de ist ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge in ei­nem vom ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber vor-for­mu­lier­ten Ar­beits­ver­trag, mit der die­ser die bei ihm beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer un­abhängig da­von, ob sie ta­rif­ge­bun­den sind oder nicht, so stel­len will, als wären sie an die­ses Ta­rif­werk ge­bun­den. Die da­hin ge­hen­de Aus­le­gung ei­ner Be­zug­nah­me­klau­sel setzt vor­aus, dass der Ar­beit­ge­ber im Zeit­punkt der Ver­ein­ba­rung der Be­zug­nah­me selbst an den in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag ta­rif­ge­bun­den war. Nur dann hat­te er die Pflicht, ge­genüber den ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern den in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag an­zu­wen­den. Und nur un­ter die­ser Vor­aus­set­zung konn­te sich für ihn ein durch den Weg­fall sei­ner Ta­rif­ge­bun­den­heit auflösend be­ding­tes In­ter­es­se er­ge­ben, die nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer mit den ta­rif­ge­bun­de­nen gleich­zu­stel­len, dh. sie ver­trags­recht­lich so zu stel­len, wie ein ta­rif­ge­bun­de­ner Ar­beit­neh­mer nach § 4 Abs. 1 TVG ta­rif­recht­lich steht (Se­nat 1. De­zem­ber 2004 - 4 AZR 50/04 - BA­GE 113, 40; 25. Sep­tem­ber 2002 - 4 AZR 294/01 - BA­GE 103, 9, 14, jew. mwN).
Ei­ne Ta­rif­ge­bun­den­heit der S Ma­schi­nen­bau GmbH ist von der Be­klag­ten nicht dar­ge­tan wor­den. So­weit die Be­klag­te in ei­nem nach Ab­lauf der Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz gel­tend macht, „dass die Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft S Ma­schi­nen­bau GmbH ... bis En­de 2005 Mit­glied mit Ta­rif­bin­dung im Ar­beit­ge­ber­ver­band war“, han­delt es sich um ei­nen in der Re­vi­si­ons­in­stanz nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO un­be­acht­li­chen neu­en Sach­vor­trag. Dem Vor­brin­gen lässt sich zu­dem nicht ent­neh­men, dass die Ta­rif­ge­bun­den­heit der S Ma­schi­nen­bau GmbH, die erst nach der am 16. Fe­bru­ar 2002 er­folg­ten Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Vermögen ih­rer Rechts­vorgänge­rin neu ge­gründet wor­den war, be­reits zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses mit dem Kläger am 2. Mai 2002 be­stan­den hat.
Der nach­fol­gen­de Ein­tritt der ta­rif­ge­bun­de­nen Be­klag­ten in das Ar­beits­verhält­nis im We­ge der Rechts­nach­fol­ge führt zu kei­ner an­de­ren Aus­le­gung der Be­zug­nah­me­klau­sel (Se­nat 25. Sep­tem­ber 2002 - 4 AZR 294/01 - BA­GE 103, 9, 14 mwN).
b) Ein an­de­res Er­geb­nis er­gibt sich nicht aus dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten, bei dem Ver­trags­schluss am 2. Mai 2002 sei tatsächlich „nicht kon­sti­tu­tiv ein neu­es Ar­beits­verhält­nis be­gründet“ wor­den, son­dern die Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses hätten nur die­je­ni­gen Ar­beits­be­din­gun­gen de­kla­ra­to­risch wie­der­holt, die be­reits bei der Rechts­vorgänge­rin der S Ma­schi­nen­bau GmbH ge­gol­ten hätten. Auch in die­sem Fall würde es sich bei der Be­zug­nah­me­klau­sel nicht um ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de han­deln. Denn ei­ne Ta­rif­ge­bun­den­heit der Rechts­vorgänge­rin der S Ma­schi­nen­bau GmbH ist gleich­falls nicht dar­ge­tan. Bei dem Vor­trag der Be­klag­ten hier­zu in dem nach Ab­lauf der Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz han­delt es sich gleich­falls um ei­nen in der Re­vi­si­ons­in­stanz un­be­acht­li­chen neu­en Tat-sa­chen­vor­trag. Die­sem kann zu­dem we­der ent­nom­men wer­den, wann die Rechts­vorgänge­rin die ein­schlägi­ge Be­zug­nah­me­klau­sel mit dem Kläger ab­ge­schlos­sen ha­ben soll und ob zu die­sem Zeit­punkt ei­ne Ta­rif­bin­dung be­stand, noch, ob die Rechts­vorgänge­rin durchgängig seit dem 1. April 1964 ta­rif­ge­bun­den ge­we­sen ist.
c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten und ei­ni­gen in der Li­te­ra­tur geäußer­ten Stim­men (Ni­co­lai DB 2006, 670, 673; Si­mon/Kock/Halbs­guth ZIP 2006, 726, 727 f.; Löwisch/Feld­mann Anm. EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 32; Schie­fer SAE 2008, 22, 24; Ol­bertz BB 2007, 2737, 2739; Si­mon/We­nin­ger BB 2007, 2127, 2128; Zer­res NJW 2006, 3533, 3537; diff. Me­lot de Beau­re­gard NJW 2006, 2522, 2525; aA Bay­reu­ther Anm. AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 53; Hein­lein NJW 2008, 321, 324; Reichold JZ 2006, 725, 727; Hou­ben SAE 2007, 109, 113; Rei­ne­cke BB 2006, 2637, 2641; Thüsing NZA 2006, 473, 474 f.; Busch­mann AuR 2006, 203, 204; Brecht-Heitz­mann Anm. EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 35; Brecht-Heitz­mann/Le­wek ZTR 2007, 127, 131) steht das Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 9. März 2006 (- C-499/04 - [Wer­hof] Eu­GHE I 2006, 2397) der wort­l­au­tori­en­tier­ten Aus­le­gung der Ver­wei­sungs­klau­sel nicht ent­ge­gen.
Zwar be­ruht im vor­lie­gen­den Rechts­streit die An­wen­dung des ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­tra­ges auf ei­ner mit der ta­ri­fun­ge­bun­de­nen Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten ab­ge­schlos­se­nen in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel und da­mit auch auf den Rechts­fol­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs. In­so­weit ist Art. 3 RL 77/187/EWG bzw. 2001/23/EG ein mögli­cher Prüfungs­maßstab (so auch Brecht-Heitz­mann Anm. EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 35; Ni­co­lai DB 2006, 670, 672). Die in Fra­ge ste­hen­de Aus­le­gung der streit­ge­genständ­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel al­lein hat aber of­fen­sicht­lich kei­ne eu­ro­pa­recht­li­chen Bezüge (vgl. nur Thüsing NZA 2006, 473, 475; wei­ter­hin Se­nat 19. Sep­tem­ber 2007 - 4 AZR 711/06 - Rn. 33, AP BGB § 613a Nr. 328 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 78; Hein­lein NJW 2008, 321, 324; Ha­nau RdA 2007, 180, 182; Rei­ne­cke BB 2006, 2637, 2641; Busch­mann AuR 2006, 203, 204; Hou­ben SAE 2007, 109, 113; Brecht-Heitz­mann Anm. EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 35).
Der Se­nat hat be­reits in sei­nem Ur­teil vom 18. April 2007 (- 4 AZR 652/05 - Rn. 37, BA­GE 122, 74, 84 f.) aus­geführt, dass ei­ne Ein­schränkung der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit im hier be­han­del­ten Zu­sam­men­hang nicht an­ge­nom­men wer­den kann. Denn die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit schützt den Ar­beit­ge­ber hier al­len­falls da­vor, nor­ma­tiv an Ta­rif­verträge ge­bun­den zu
wer­den, die von ei­nem Ver­band ab­ge­schlos­sen wer­den, in dem er nicht Mit­glied ist (s. auch Se­nat 19. Sep­tem­ber 2007 - 4 AZR 711/06 - AP BGB § 613a Nr. 328 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 78). Ei­ne sol­che Bin­dung be­steht vor-lie­gend je­doch nicht. Die Be­klag­te ist auf­grund der ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel nicht nor­ma­tiv an ei­nen (frem­den) Ta­rif­ver­trag ge­bun­den, son­dern le­dig­lich schuld­recht­lich an ei­ne Ver­ein­ba­rung in ei­nem von ih­rer Rechts­vorgänge­rin ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag. Die Wirk­sam­keit der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen In­be­zug­nah­me von Ta­rif­verträgen in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung als Aus-druck pri­vat­au­to­no­mer Ge­stal­tungs­macht berührt we­der die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit des­sen, der das Ar­beits­verhält­nis ver­trag­lich der ein­schlägi­gen ta­rif­ver­trag­li­chen Ord­nung un­ter­stel­len woll­te und dies auch durch Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers zum Ver­trags­schluss er­reicht hat, noch die­je­ni­ge der Per­so­nen, die auf­grund pri­vat­au­to­no­mer Ent­schließung in die­se Rechts­po­si­ti­on ein­ge­tre­ten sind (Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 37, BA­GE 122, 74, 85 f.; Bay­reu­ther Anm. AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 53; Brecht-Heitz­mann Anm. EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 35; Brecht-Heitz­mann/Le­wek ZTR 2007, 127, 131; Thüsing NZA 2006, 473, 474 f.).
3. Im Übri­gen ist die Kla­ge auch dann be­gründet, wenn die S Ma­schi­nen­bau GmbH zur­zeit des Ver­trags­schlus­ses am 2. Mai 2002 ta­rif­ge­bun­den ge­we­sen sein soll­te. Die Aus­le­gung der Klau­sel in § 8 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en vom 2. Mai 2002 er­gibt auch in die­sem Fall, dass es sich um ei­ne un­be­ding­te dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me ua. des Lohn­ab­kom­mens han­delt, die nicht von der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten abhängig ist. Ein et­wai­ger späte­rer Wech­sel der Be­klag­ten in ei­ne sog. OT-Mit­glied­schaft ist des­halb für de­ren ar­beits­ver­trag­li­che Ver­pflich­tun­gen oh­ne Be­deu­tung.
a) Ei­ne ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf die je­weils gel­ten­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen ist je­den­falls dann, wenn die Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers an die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge nicht in ei­ner für den Ar­beit­neh­mer er­kenn­ba­ren Wei­se zur auflösen­den Be­din­gung der Ver­ein­ba­rung ge­macht wor­den ist, ei­ne kon­sti­tu­ti­ve Ver­wei­sungs­klau­sel, die durch ei­nen Ver­bands­aus­tritt des Ar­beit­ge­bers oder ei­nen
sons­ti­gen Weg­fall der Ta­rif­ge­bun­den­heit nicht berührt wird („un­be­ding­te zeit-dy­na­mi­sche Ver­wei­sung“).
aa) Während nach der frühe­ren Recht­spre­chung des Se­nats bei Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers Ver­wei­sungs­klau­seln wie die­je­ni­ge aus dem Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en in al­ler Re­gel als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­den aus­zu­le­gen wa­ren, hat der Se­nat im Ur­teil vom 14. De­zem­ber 2005 (- 4 AZR 536/04 - BA­GE 116, 326) an­gekündigt, die­se Recht­spre­chung da­hin­ge­hend zu ändern, dass sich die Aus­le­gung von Ver­wei­sungs­klau­seln in Ar­beits­verträgen, die nach dem 1. Ja­nu­ar 2002 ab­ge­schlos­sen wor­den sind, in ers­ter Li­nie am Wort­laut der Ver­wei­sungs­klau­sel zu ori­en­tie­ren hat. So­weit ein Ver­trags­part­ner Re­ge­lungs­zie­le ver­folgt, die im Wort­laut kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben, können die­se da­nach nur in die Aus­le­gung ein­ge­hen, wenn sie für den Ver­trags­part­ner in an­de­rer Wei­se mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit zum Aus­druck kom­men.
bb) In der Ent­schei­dung vom 18. April 2007 (- 4 AZR 652/05 - BA­GE 122, 74) hat der Se­nat die­se Ankündi­gung um­ge­setzt. Ei­ne in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Klau­sel, die ih­rem Wort­laut nach oh­ne Ein­schränkung auf ei­nen be­stimm­ten Ta­rif­ver­trag in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung ver­weist, ist im Re­gel­fall da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die­ser Ta­rif­ver­trag in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung gel­ten soll und dass die­se Gel­tung nicht von Fak­to­ren abhängt, die nicht im Ver­trag ge­nannt oder sonst für bei­de Par­tei­en er­sicht­lich zur Vor­aus­set­zung ge­macht wor­den sind. Die­se Aus­le­gungs­re­gel gilt nicht nur, wenn auf ei­nen be­stimm­ten Ta­rif­ver­trag ver­wie­sen wird, son­dern auch, wenn - wie vor­lie­gend - oh­ne Ein­schränkung das ge­sam­te Ta­rif­werk ei­ner Bran­che in Be­zug ge­nom­men wird. Das hat der Se­nat be­reits in sei­ner Ent­schei­dung vom 14. De­zem­ber 2005 aus­geführt (- 4 AZR 536/04 - BA­GE 116, 326). Die Be­zug­nah­me­klau­sel kann bei ei­ner et­wai­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers an den im Ar­beits­ver­trag ge­nann­ten Ta­rif­ver­trag grundsätz­lich kei­ne an­de­re Wir­kung ha­ben als bei ei­nem nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber. In bei­den Fällen un­ter­liegt die Dy­na­mik der Be­zug­nah­me­klau­sel kei­ner auflösen­den Be­din­gung. Der Se­nat hat die­se Recht­spre­chungsände­rung in sei­ner Ent­schei­dung vom 18. April 2007
be­gründet und sich mit den in der Li­te­ra­tur er­ho­be­nen Be­den­ken be­reits ausführ­lich aus­ein­an­der­ge­setzt (- 4 AZR 652/05 - Rn. 35 mwN, BA­GE 122, 74, 84 f.). An die­ser Recht­spre­chung hält der Se­nat aus­drück­lich fest.
Die Klau­sel ist mit dem gewähl­ten Wort­laut vom Ar­beit­ge­ber ge­stellt wor­den. Er hat des­halb auch die Rechts­fol­gen ei­ner sol­chen Erklärung und de­ren mögli­che Ri­si­ken zu tra­gen. Will er die un­mit­tel­bar aus dem Wort­laut fol­gen­den Rechts­wir­kun­gen ver­mei­den, kann und muss er selbst dafür sor­gen, dass ent­spre­chen­de Vor­be­hal­te in ei­ner für sei­nen Ver­trags­part­ner, den Ar­beit­neh­mer, hin­rei­chend er­kenn­ba­ren Form zum Aus­druck kom­men. Ein Be­triebs­er­wer­ber, der - wie hier - selbst nicht am Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges be­tei­ligt war, kann durch ei­ne Über­prüfung der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen des Be­triebs­veräußerers im Vor­feld des Er­werbs die­je­ni­gen Rech­te und Pflich­ten fest­stel­len, in die er nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ein­tritt (Me­lot de Beau­re­gard NJW 2006, 2522, 2524; Kast BB 2008, 450). Darüber hin­aus gibt es für ihn ver­schie­de­ne rechts­geschäft­li­che Möglich­kei­ten, sich von der un­be­dingt zeit­dy­na­mi­schen Bin­dung zu lösen (vgl. Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 35 mwN, BA­GE 122, 74, 84 f.). Sch­ließlich ist die un­be­dingt zeit­dy­na­mi­sche Wir­kung der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me auch bis­lang schon in den Fällen ein­ge­tre­ten, in de­nen der Ar­beit­ge­ber bei Ver­trags­schluss nicht ta­rif­ge­bun­den war, weil hier ein Gleich­stel­lungs­zweck nicht be­ste­hen kann (vgl. Se­nat 1. De­zem­ber 2004 - 4 AZR 50/04 - BA­GE 113, 40, 42 mwN).
cc) Das Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 9. März 2006 (- C-499/04 - [Wer­hof] Eu­GHE I 2006, 2397) steht die­ser Aus­le­gung nicht ent­ge­gen (oben un­ter 2 c).
dd) Ei­ner An­ru­fung des Großen Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts nach § 45 Abs. 2 ArbGG be­darf es nicht. Die Recht­spre­chungsände­rung ist nur für die Aus­le­gung von Ver­wei­sungs­klau­seln ent­schei­dungs­er­heb­lich, die nach dem 31. De­zem­ber 2001 ver­ein­bart wor­den sind. Hin­sicht­lich der Aus­le­gung ei­ner sol­chen Klau­sel liegt kei­ne der jet­zi­gen Recht­spre­chung des Se­nats ent­ge­gen­ste­hen­de Recht­spre­chung ei­nes an­de­ren Se­nats oder des Großen Se­nats des
Bun­des­ar­beits­ge­richts vor (Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 38, BA­GE 122, 74, 86). Das gilt na­ment­lich für die von der Re­vi­si­on an­geführ­te Ent­schei­dung des Sieb­ten Se­nats (21. Ju­li 2004 - 7 AZR 589/03 - Rn. 17, EzA BGB 2002 § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 5), die ei­nen sog. Alt­ver­trag vom 9. Ju­ni 1989 zum Ge­gen­stand hat­te.
b) In An­wen­dung die­ser Grundsätze bei der Ver­trags­aus­le­gung er­weist sich die Ver­wei­sungs­klau­sel in § 8 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en vom 2. Mai 2002 be­reits nach ih­rem ein­deu­ti­gen Wort­laut als ei­ne un­be­ding­te zeit­dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf das ein­schlägi­ge Ta­rif­werk in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung, die auch das Lohn­ab­kom­men vom 22. April 2006 er­fasst, und die nicht von der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Ar­beit­ge­be­rin abhängig ist.
aa) Nach dem Wort­laut von § 8 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 2. Mai 2002 „fin­den die je­weils gel­ten­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen für die me­tall­ver­ar­bei­ten­de In­dus­trie im Lan­de NRW An­wen­dung“. Dass dies nur so lan­ge gel­ten soll, wie die Ar­beit­ge­be­rin ta­rif­ge­bun­den ist, und dass dies aus der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten bei Ver­trags­schluss am 2. Mai 2002 folgt, ist dem Wort­laut der Klau­sel nicht zu ent­neh­men.
bb) Auch sons­ti­ge Umstände, die für ei­ne Ein­schränkung des Ver­trags­wort­lauts spre­chen könn­ten, sind nicht er­kenn­bar. Ins­be­son­de­re die Mit­glied­schaft des Klägers in der IG Me­tall führt nicht zu ei­nem an­de­ren Aus­le­gungs­er­geb­nis. Die Be­klag­te hat schon nicht dar­ge­legt, dass der S Ma­schi­nen­bau GmbH die Ta­rif­ge­bun­den­heit des Klägers be­kannt ge­we­sen ist. Von da­her ist schon nicht er­sicht­lich, aus wel­chen Gründen der Kläger, wie es die Be­klag­te meint, ha­be er­ken­nen können, dass ihm ein­zel­ver­trag­lich nicht mehr ver­spro­chen wer­den soll­te als ihm ta­rif­recht­lich zu­stand.
So­weit die Re­vi­si­on sich in die­sem Zu­sam­men­hang auf die Ent­schei­dung des Se­nats vom 21. Au­gust 2002 (- 4 AZR 263/01 - BA­GE 102, 275) be­zieht, über­sieht sie, dass der Se­nat im Ur­teil vom 18. April 2007 (- 4 AZR 652/05 - BA­GE 122, 74) die­se Recht­spre­chung aus­drück­lich nicht auf­ge­grif­fen, son­dern die Ver­trags­aus­le­gung auf ih­re Grund­nor­men in §§ 133, 157 BGB
zurück­geführt hat. Wenn ein Ver­trags­part­ner vom Wort­laut des Ver­tra­ges ab­wei­chen­de Re­ge­lungs­zie­le ver­folgt, können die­se nur dann in die Aus­le­gung ein­ge­hen, wenn sie für den an­de­ren Teil mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit zum Aus­druck kom­men. Dass die Par­tei­en der Ta­rif­bin­dung des Klägers be­son­de­re Be­deu­tung bei­ge­mes­sen hätten, hat im Ver­trags­text kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den und ist auch sonst nicht er­sicht­lich. Mögli­che Mo­ti­ve der Ver­trags­par­tei­en können für sich ge­nom­men kei­nen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Aus­le­gung der Ver­wei­sungs­klau­sel ha­ben (Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 29, 32, BA­GE 122, 74, 82 ff.).
c) Ge­genüber der ge­richt­li­chen An­wen­dung die­ser Aus­le­gungs­re­geln kann sich die Be­klag­te nicht auf schützens­wer­tes Ver­trau­en be­ru­fen. In der Ent­schei­dung vom 18. April 2007 (- 4 AZR 652/05 - BA­GE 122, 74) hat der Se­nat ausführ­lich be­gründet, wel­che Fak­to­ren für die Gewährung ei­nes Ver­trau­ens­schut­zes und die Fest­le­gung des Stich­tags 1. Ja­nu­ar 2002 für die Ände­rung sei­ner Recht­spre­chung zur Aus­le­gung von ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­seln maßgeb­lich sind. Hier­an hält der Se­nat auch in An­be­tracht der zwi­schen­zeit­lich geäußer­ten Kri­tik (Höpfner NZA 2008, 91, 93; Spiel­ber­ger NZA 2007, 1086, 1089; Schie­fer SAE 2008, 22, 26; Gaul/Nau­mann DB 2007, 2594, 2596; Si­mon/We­nin­ger BB 2007, 2127, 2128; Bay­reu­ther Anm. AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 53; Cle­menz NZA 2007, 769, 773; Ol­bertz BB 2007, 2737, 2740) fest.
aa) Höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung ist kein Ge­set­zes­recht und er­zeugt da­mit kei­ne ver­gleich­ba­re Rechts­bin­dung (Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 47 mwN, BA­GE 122, 74, 88 f.). Des­halb kann ein Ge­richt grundsätz­lich oh­ne Ver­s­toß ge­gen Art. 20 Abs. 3 GG von ei­ner frühe­ren Recht­spre­chung ab­wei­chen, selbst wenn ei­ne we­sent­li­che Ände­rung der Verhält­nis­se oder der all­ge­mei­nen An­schau­ung nicht ein­ge­tre­ten ist. Ein Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes liegt in ei­ner sol­chen Recht­spre­chungsände­rung je­den­falls dann nicht, wenn die­se sich im Rah­men ei­ner vor­her­seh­ba­ren Ent­wick­lung hält (vgl. nur BVerfG 4. Au­gust 2004 - 1 BvR 1557/01 - NVwZ 2005, 81, 82; BVerfG 6. Mai 2008 - 2 BvR 1926/07 - NZA-RR 2008, 607;
BGH 5. März 2008 - VIII ZR 95/07 - NJW 2008, 1438, 1439; so­wie Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 47 mwN, BA­GE 122, 74, 88 f.).
bb) Ei­ne Ein­schränkung der Rück­wir­kung der Recht­spre­chungsände­rung ist je­doch ge­bo­ten, wenn die mit der Rück­wir­kung be­las­te­te Par­tei auf die Wei­terführung der Recht­spre­chung ver­trau­en durf­te und die An­wen­dung der geänder­ten Rechts­auf­fas­sung auch un­ter Berück­sich­ti­gung der be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Pro­zess­geg­ners ei­ne un­zu­mut­ba­re Härte be­deu­ten würde (ausf. Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 49 mwN, BA­GE 122, 74, 89). Zur Er­mitt­lung des Zeit­punkts, ab wel­chem es den Klau­sel­ver­wen­dern zu­mut­bar war, auf hin­rei­chen­de Klar­heit der von ih­nen ab­ge­ge­be­nen Erklärun­gen hin­zu­wir­ken und die Fol­gen mögli­cher Un­klar­hei­ten und Un­voll­kom­men­hei­ten in den von ih­nen selbst ge­stell­ten ty­pi­schen Ver­wei­sungs­klau­seln auch selbst zu tra­gen, ist ei­ne ty­pi­sie­ren­de Abwägung der Par­tei­in­ter­es­sen vor­zu­neh­men (ausf. Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 54, BA­GE 122, 74, 91). Die­se In­ter­es­sen­abwägung führt im Er­geb­nis zu ei­ner Stich­tags­re­ge­lung, die auch im In­ter­es­se von Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit zur Gewährung ei­nes Ver­trau­ens­schut­zes und zu sei­ner zeit­li­chen Be­gren­zung er­for­der­lich und ge­eig­net ist.
cc) Maßgeb­lich für die Fest­le­gung des Stich­tags ist nicht al­lein „die Einführung der AGB-Prüfung im Ar­beits­recht“ (Spiel­ber­ger NZA 2007, 1086, 1087). Die erst­ma­li­ge Ko­di­fi­zie­rung der In­halts­kon­trol­le von vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­verträgen ist für die voll­zo­ge­ne Recht­spre­chungsände­rung nicht ent­schei­dend. Vor­ran­gig von Be­deu­tung ist der da­mit ein­her­ge­hen­de, vom Ge­setz­ge­ber aus­gelöste Pa­ra­dig­men­wech­sel. Die da­mit ver­bun­de­ne Fest­le­gung des Zeit­punk­tes ei­nes re­le­van­ten Wer­te­wan­dels mar­kiert die Zeit­gren­ze, die auch und ge­ra­de im Ar­beits­recht bei der Fest­le­gung von Ver­trau­ens­schutz zu ei­ner neu­en Ge­wich­tung der bei­der­sei­ti­gen be­rech­tig­ten In­ter­es­sen führen muss. Der Ge­setz­ge­ber hat mit der Schuld­rechts­no­vel­le ua. ei­ne er­neu­te nach­hal­ti­ge Auf­for­de­rung an die Ver­wen­der von For­mu­lar­verträgen er­ho­ben, das von ih­nen Ge­woll­te auch in der ent­spre­chen­den verständ­li­chen (§ 307 Abs. 1 Satz 2 BGB) Form ein­deu­tig zum Aus­druck zu brin­gen. Der Se­nat sieht es des­halb un­ter
die­sem Ge­sichts­punkt un­ter Berück­sich­ti­gung der ge­genläufi­gen und nun­mehr ab dem 1. Ja­nu­ar 2002 wei­ter gestärk­ten be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer für die Ar­beit­ge­ber ab In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form nicht mehr als un­zu­mut­ba­re Härte an, wenn sie die Rechts­fol­gen der von ih­nen selbst nach die­sem Zeit­punkt her­vor­ge­brach­ten Dif­fe­renz zwi­schen dem Erklärten und dem Ge­woll­ten auch selbst zu tra­gen ha­ben (so schon Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 58 mwN, BA­GE 122, 74, 93 f.).
dd) Durch die Ent­schei­dung des Se­nats vom 19. März 2003 (- 4 AZR 331/02 - BA­GE 105, 284) wird der Stich­tag nicht in Fra­ge ge­stellt (so aber Schie­fer SAE 2008, 22, 26; Gaul/Nau­mann DB 2007, 2594, 2596; Si­mon/We­nin­ger BB 2007, 2127, 2128; Spiel­ber­ger NZA 2007, 1086, 1087; Ol­bertz BB 2007, 2737, 2740). Ge­gen­stand die­ser Ent­schei­dung war ein sog. Alt­ver­trag aus dem Jahr 1997. Für sol­che Verträge wen­det der Se­nat die Grundsätze der frühe­ren Recht­spre­chung nach wie vor an (s. et­wa BAG 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 767/06 - AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 61 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 37). Des­halb kommt die­ser Ent­schei­dung bei der ty­pi­sier­ten In­ter­es­sen­abwägung (un­ter bb) und bei der Be­ur­tei­lung der maßgeb­li­chen Fak­to­ren für die Fest­le­gung des Stich­tags (un­ter cc) kei­ne maßgeb­li­che Be­deu­tung zu. Für die Be­klag­te kann die­se Ent­schei­dung darüber hin­aus schon des­halb kein schützens­wer­tes Ver­trau­en be­gründet ha­ben, weil die hier in Fra­ge ste­hen­de Be­zug­nah­me­klau­sel be­reits am 2. Mai 2002 ver­ein­bart wur­de.
ee) Die Fest­le­gung des Stich­tags für die Gewährung von Ver­trau­ens­schutz für sog. Alt­verträge steht ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten auch nicht in ei­nem Wer­tungs­wi­der­spruch zu den Re­ge­lun­gen des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes in Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB. Die Re­vi­si­on über­sieht, dass die Se­nats­recht­spre­chung sich nicht auf ei­ne An­wen­dung der am 1. Ja­nu­ar 2002 in Kraft ge­tre­te­nen ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen stützt. Maßstab der Aus­le­gung der Ver­trags­klau­sel sind die §§ 133, 157 BGB (Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 24, BA­GE 122, 74, 81). Des­halb be­steht kei­ne Ver­gleich­bar­keit mit den Fällen, die das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz in der Über­g­angs­vor-
schrift des Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB re­gelt. Da­her kann bei der Fest­le­gung ei­nes Stich­ta­ges, bis zu dem Ver­trau­ens­schutz gewährt wer­den soll, kein Wer­tungs­wi­der­spruch zu ei­ner ge­setz­li­chen Über­g­angs­re­ge­lung be­ste­hen, die sich mit ei­nem an­de­ren Sach­ver­halt be­fasst.
Selbst wenn man je­doch mit der Be­klag­ten an­neh­men woll­te, die Wer­tung der Über­g­angs­be­stim­mung des Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB spiel­te im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang ei­ne Rol­le, würde sich dar­aus kein Ver­trau­ens­schutz für die Be­klag­te er­ge­ben können. Die Über­g­angs­re­ge­lung be­fasst sich nur mit der An­wen­dung der §§ 305 ff. BGB auf be­reits vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ge­schlos­se­ne Dau­er­schuld­verhält­nis­se. Für die da­nach ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge sind aus­sch­ließlich die §§ 305 ff. BGB nF ein­schlägig.
ff) Die Gewährung von Ver­trau­ens­schutz kommt auch nicht des­halb in Be­tracht, weil ei­ne Re­ge­lung in ei­nem sog. Alt­ver­trag zu be­ur­tei­len ist, wie es die Be­klag­te meint. Maßgeb­lich ist der In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges vom 2. Mai 2002. Durch die­se ver­trag­li­che Ab­re­de ha­ben der Kläger und die S Ma­schi­nen­bau GmbH das gem. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB auf sie über­ge­gan­ge­ne Ar­beits­verhält­nis auf ei­ne neue recht­li­che Grund­la­ge ge­stellt, die für die Aus­le­gung der Be­zug­nah­me­klau­sel ein­schlägig ist. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten han­delt es sich da­bei nicht nur um ei­ne schrift­li­che „de­kla­ra­to­ri­sche“ Fi­xie­rung be­ste­hen­der Ar­beits­be­din­gun­gen.
Für ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lung spricht be­reits der Wort­laut der Ver­ein­ba­rung. Das For­mu­lar ist über­schrie­ben mit „An­stel­lungs­ver­trag für Ta­rif­an­ge­stell­te/ge­werb­li­che Mit­ar­bei­ter“, was dar­auf schließen lässt, dass hier ei­ne kon­sti­tu­ti­ve Ver­ein­ba­rung der ver­trags­sch­ließen­den Par­tei­en ge­schlos­sen oder do­ku­men­tiert wird, die den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses un­mit­tel­bar re­gelt (s. auch Se­nat 12. De­zem­ber 2007 - 4 AZR 998/06 - AP TVG § 4 Nr. 29 = EzA TVG § 4 Nr. 44). Auch ver­wen­det die S Ma­schi­nen­bau GmbH ein vollständi­ges und ei­genständi­ges Ver­trags­for­mu­lar. Darüber hin­aus wird in § 1 des Ar­beits­ver­tra­ges der Be­ginn des Ver­tra­ges mit dem 17. Mai 2002 fest­ge­legt und in § 9 le­dig­lich der „Ein­tritt“ in den Be­trieb als an­zu­rech­nen­des Beschäfti­gungs­verhält­nis fest­ge­hal­ten, was gleich­falls ge­gen ei­nen le­dig­lich de­kla­ra­to­ri­schen
Nach­weis der be­reits be­ste­hen­den Ar­beits­be­din­gun­gen spricht. An­halts­punk­te dafür, dass le­dig­lich ein Nach­weis geführt wer­den soll, sind dem Ver­trags­for­mu­lar nicht zu ent­neh­men. Sons­ti­ge Umstände, die trotz des un­ter­zeich­ne­ten Ver­tra­ges für ei­ne sol­che An­nah­me spre­chen könn­ten, sind nicht er­sicht­lich. Die Be­klag­te hat schon nicht dar­ge­tan, wel­che ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen zu­vor bei der Rechts­vorgänge­rin ge­gol­ten ha­ben sol­len. Ein Ver­gleich war da­mit nicht möglich. Nur aus ihm hätte sich trotz des auf ei­nen neu­en, ei­genständi­gen Ver­trags­schluss deu­ten­den Wort­lauts des Ver­tra­ges vom 2. Mai 2002 mögli­cher­wei­se er­ge­ben können, dass le­dig­lich ein Nach­weis von früher Ver­ein­bar­tem er­fol­gen soll­te.
Ge­gen die An­nah­me ei­ner neu­en ver­trag­li­chen Re­ge­lung spricht auch nicht ei­ne von der Be­klag­ten an­geführ­te „Verände­rungs­sper­re“ nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB. Die­se Sper­re be­trifft aus­sch­ließlich Rech­te und Pflich­ten, die sich vor dem Be­triebsüber­gang beim Veräußerer aus ei­nem nor­ma­tiv gel­ten­den Ta­rif­ver­trag er­ga­ben. Ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen, auch ei­ne Be­zug­nah­me auf ei­nen Ta­rif­ver­trag oder ein Ta­rif­werk, die beim Be­triebs­veräußerer ge­trof­fen wor­den sind, sind von Be­triebs­er­wer­ber und über­nom­me­nem Ar­beit­neh­mer je­der­zeit abänder­bar; es kann auch ein ins­ge­samt neu­er Ar­beits­ver­trag ver­ein­bart wer­den (vgl. BAG 7. No­vem­ber 2007 - 5 AZR 1007/06 - AP BGB § 613a Nr. 329 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 79). Von da­her trifft auch das Ar­gu­ment der Be­klag­ten nicht zu, es ha­be we­gen der frühe­ren Ta­rif­gel­tung kei­ne Re­ge­lungs­not­wen­dig­keit ge­ge­ben. Eben­so we­nig kann aus der Mit­glied­schaft des Klägers in der IG Me­tall ein feh­len­der Rechts­bin­dungs­wil­le der S Ma­schi­nen­bau GmbH ge­fol­gert wer­den, weil das in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­werk be­reits auf­grund der bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­bin­dung ge­gol­ten hätte. Es fehlt be­reits an ei­ner Dar­le­gung, dass der Rechts­vorgänge­rin die Ta­rif­ge­bun­den­heit des Klägers be­kannt ge­we­sen ist. Darüber hin­aus enthält der Ver­trag auch ei­genständi­ge Re­ge­lun­gen, et­wa zum Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses bei der S Ma­schi­nen­bau GmbH, in dem das Ar­beits­verhält­nis bei der vor­an­ge­gan­ge­nen Ar­beit­ge­be­rin des Klägers le­dig­lich als „an­re­chen­ba­res Beschäfti­gungs­verhält­nis“ ge­kenn­zeich­net wird.
gg) Sch­ließlich ist ein Ver­trau­ens­schutz auch nicht für den Fall zu gewähren, dass ei­ne der Be­zug­nah­me im Ar­beits­ver­trag vom 2. Mai 2002 ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung auch schon vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ent­hal­ten ge­we­sen sein soll­te. Bei dem neu­en Ar­beits­ver­trags­schluss, der nicht le­dig­lich ei­nen Nach­weis von früher Ver­ein­bar­tem dar­stellt, be­stand hin­rei­chen­der An­lass, das Ge­woll­te deut­lich zum Aus­druck zu brin­gen (Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 60, BA­GE 122, 74, 94 f.).
II. Ob der An­spruch des Klägers auch in­fol­ge kon­gru­en­ter Ta­rif­ge­bun­den­heit der Par­tei­en be­gründet ist, kann vor­lie­gend da­hin­ste­hen. Von da­her ist nicht darüber zu ent­schei­den, ob der Se­nat die gut nach­voll­zieh­bar dar­ge­leg­ten Be­den­ken des Lan­des­ar­beits­ge­richts teilt, die Sat­zung des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des genüge nicht den­je­ni­gen An­for­de­run­gen, die an die wirk­sa­me Be­gründung ei­ner sog. OT-Mit­glied­schaft (vgl. da­zu et­wa Se­nat 4. Ju­ni 2008 - 4 AZR 419/07 - Rn. 37 ff., NZA 2008, 1366, 1369 f.) zu stel­len sind.
III. Der Zins­an­spruch ist nach § 288 Abs. 1, § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB iVm. § 15 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 MTV Me­tall­in­dus­trie, § 2 Abs. 2 Lohn­ab­kom­men im
gel­tend ge­mach­ten Um­fang be­gründet.
IV. Die Kos­ten der er­folg­lo­sen Re­vi­si­on hat nach § 97 Abs. 1 ZPO die Be­klag­te zu tra­gen.
zur Übersicht 4 AZR 793/07

References: § 2
 § 8
 § 8
 § 2
 § 8
 § 8
 § 4
 § 559
 § 3
 § 1
 § 3
 Art. 3
 § 3
 § 613
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 § 3
 § 613
 § 613
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 § 3
 § 8
 § 613
 § 45
 § 620
 § 8
 § 8
 § 1
 Art. 20

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 § 3
 Art. 229
 § 5
 Art. 229
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 § 613
 § 4
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 § 9
 § 613
 § 613
 § 613
 § 288
 § 286
 § 15
 § 2
 § 97