Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=08.01.2009&Aktenzeichen=IX%20ZR%20217%2F07
Timestamp: 2019-05-20 23:49:25+00:00

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BGH, 08.01.2009 - IX ZR 217/07 - dejure.org
https://dejure.org/2009,665
BGH, 08.01.2009 - IX ZR 217/07 (https://dejure.org/2009,665)
BGH, Entscheidung vom 08.01.2009 - IX ZR 217/07 (https://dejure.org/2009,665)
BGH, Entscheidung vom 08. Januar 2009 - IX ZR 217/07 (https://dejure.org/2009,665)
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InsO § 91; GenG § 73
Erwerb eines Pfandrechts durch die Genossenschaft am Anspruch eines Genossen auf Auszahlung des künftigen Auseinandersetzungsguthabens nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens; Anforderungen an eine der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vorangehende Entstehung eines Pfandrechts; Übertragung der zur Aufrechnung nach § 95 Insolvenzordnung (InsO) entwickelten Grundsätze auf die Entstehung eines Pfandrechts auf § 91 Abs. 1 InsO; Erstreckung des Verpfändungsverbots des § 22 Abs. 4 Genossenschaftsgesetz (GenG) auf das Auseinandersetzungsguthaben; Qualifizierung eines Anspruchs auf das Auseinandersetzungsguthaben vor Beendigung der Mitgliedschaft des Genossen
Kein Pfandrecht der Genossenschaft an Auseinandersetzungsguthaben ihres Genossen bei Entstehung der Forderung erst durch Ausschlussverfahren nach Insolvenzeröffnung
Pfandrecht; Auseinandersetzungsguthaben nicht insolvenzfest; Auszahlung des Genossenschaftsanteils; Insolvenz des Genossenschaftsmitglieds
Zu den Voraussetzungen, unter denen eine Genossenschaft am Anspruch eines Genossen auf Auszahlung des künftigen Auseinandersetzungsguthabens nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens über dessen Vermögen ein Pfandrecht erwirbt
Auseinandersetzungsanspruch eines Genossen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens über dessen Vermögen
Erwerbsschranken nach § 91 InsO bei gläubigergesteuerter Rechtsentstehung und Rechtsüberleitung
take-maracke.de (Entscheidungsbesprechung)
Das Auseinandersetzungsguthaben in der Insolvenz des Genossenschaftsmitglieds (RA Andreas Doose, RA Reinhold Schmid-Sperber; ZInsO 2009, 1144)
LG Lübeck, 08.11.2007 - 14 S 256/06
NJW-RR 2009, 755
ZIP 2009, 380
MDR 2009, 530
WM 2009, 416
DB 2008, 389
DB 2009, 389
NZG 2009, 355
Wenn der Zessionar oder Pfandrechtsgläubiger bereits vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine gesicherte Rechtsposition hinsichtlich der abgetretenen oder gepfändeten Forderung erlangt hat, ist die Abtretung oder Verpfändung insolvenzfest (BGH, Urteil vom 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, ZInsO 2009, 383 Rn. 28;… vom 10. November 2011, aaO Rn. 9).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats stellt die Entstehung der Forderung keine Bedingung der Pfändung dar (BGHZ 157, 350, 354;… 167, 363, 365 Rn. 6;… 170, 196, 201 Rn. 14;… BGH, Urt. v. 20. März 2003 - IX ZR 166/02, ZIP 2003, 808, 809; v. 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, ZIP 2009, 380, 382 Rn. 27;… Jaeger/Henckel, InsO § 140 Rn. 20).
Zwar hat der Senat entschieden, dass eine Aufrechnung bei aufschiebend bedingten Forderungen nach § 95 Abs. 1 InsO voraussetzt, dass die Forderung in ihrem rechtlichen Kern aufgrund gesetzlicher Bestimmungen oder vertraglicher Vereinbarungen bereits gesichert ist und fällig wird, ohne dass es einer weiteren Rechtshandlung bedarf (BGH, Urteil vom 29. Juni 2004 - IX ZR 147/03, BGHZ 160, 1, 4;… vom 17. November 2005 - IX ZR 162/04, ZIP 2006, 87 Rn. 18; vom 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, ZIP 2009, 380 Rn. 32;… vom 7. Mai 2013 - IX ZR 191/12, ZIP 2013, 1180 Rn. 11).
Im letztgenannten Fall hat der Abtretungsempfänger keine gesicherte Rechtsposition (BGHZ 167, 363, 365 f; BGH, Urt. v. 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, WM 2009, 416, 418 Rn. 32;… Urt. v. 25. Juni 2009, aaO).
Ebenso kollidiert eine vor Verfahrenseröffnung erfolgte Abtretung einer künftigen Forderung, wenn diese noch vor Verfahrenseröffnung entsteht, nicht mit § 91 Abs. 1 InsO (BGH, Urteil vom 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, WM 2009, 416 Rn. 27).
Die vorbezeichnete Auslegung von § 15 KO steht nicht in Einklang mit der jüngeren Rechtsprechung, welche das Erwerbsverbot des § 91 InsO nur dann zurücktreten lässt, wenn der Dritte bereits vor der Insolvenzeröffnung eine gesicherte Rechtsposition hinsichtlich der ihm abgetretenen oder verpfändeten Forderung erlangt hat (…BGHZ 167, 363, 365 Rn. 6; BGH, Urt. v. 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, ZIP 2009, 380, 382 Rn. 28).
Voraussetzung ist dann aber, dass die Forderung in ihrem rechtlichen Kern aufgrund gesetzlicher Bestimmungen oder vertraglicher Vereinbarungen bereits gesichert ist und fällig wird, ohne dass es einer weiteren Rechtshandlung bedarf (BGH, Urteil vom 29. Juni 2004 - IX ZR 147/03, BGHZ 160, 1, 4; vom 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, ZIP 2009, 380 Rn. 32;… MünchKomm-InsO/Brandes, 2. Aufl., § 95 Rn. 10;… HK-InsO/Kayser, 6. Aufl., § 95 Rn. 15; anders noch BGH, Urteil vom 27. Mai 2003 - IX ZR 51/02, BGHZ 155, 87, 93 f zu § 15 KO: es sei unerheblich, dass ein Rückzahlungsanspruch erst nach Ausübung des Rücktrittsrechts entstehe).
In der allgemeinen insolvenzrechtlichen Interessenwertung wird der Gläubiger durch eine Aufrechnungsmöglichkeit in ähnlicher Weise geschützt wie durch ein Absonderungsrecht (BGH, Urteil vom 9. Mai 1960 - II ZR 95/58, WM 1960, 720, 721 unter 3. b; vom 24. März 1994 - IX ZR 149/93, WM 1994, 1045, 1046 unter 1. c;… Beschluss vom 29. Mai 2008 - IX ZB 51/07, BGHZ 177, 1 Rn. 29 f; Urteil vom 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, WM 2009, 416 Rn. 32 unter Hinweis auf die gleiche Schutzwürdigkeit der Gläubiger; differenzierend Urteil vom 15. Juli 2004 - IX ZR 224/03, BGHZ 160, 107, 111 unter II. 3. zur Konzernverrechnungsklausel).
Weil die Schuldnerin den Eintritt der Bedingung - den Ankauf der Forderungen durch die Klägerin - noch verhindern könnte, indem sie die Forderungen nicht andient, gehörten diese noch zum Vermögen der Schuldnerin (vgl. BGHZ 155, 87, 93;… 167, 363, 365 f Rn. 6;… BGH, Urt. v. 13. März 2008 - IX ZR 14/07, ZIP 2008, 885, 886 Rn. 9; v. 8. Januar 2009 - IX ZR 217/07, ZIP 2009, 380, 382 Rn. 29;… v. 25. Juni 2009 - IX ZR 98/08, WM 2009, 1515, 1516 Rn. 11, z. V. in BGHZ bestimmt).
Das Urteil des Bundesgerichtshof vom 08.01.2009 (IX ZR 217/07 Rn. 26 - 28) hat klargestellt, dass im Falle einer vorinsolvenzlichen Abtretung oder Verpfändung zwar die Verfügung mit Abschluss des Abtretungs- oder Verpfändungsvertrages beendet ist, jedoch maßgeblich auf den Rechtsübergang abzustellen ist, denn der Rechtsübergang bei der Abtretung oder Verpfändung einer künftigen Forderung wird erst mit dem Entstehen der Forderung wirksam.

References: § 91
 § 73
 § 95
 § 91
 § 22
 § 91
 § 140
 § 95
 § 91
 § 15
 § 91
 § 95
 § 95
 § 15