Source: http://eupat.ffii.org/archiv/zitate/index.de.html
Timestamp: 2013-06-20 10:10:43+00:00

Document:
Zitate zu Patentierbarkeit und Patentpolitik
Was Experten und Entscheider sagen
Einschlägige Zitate aus Rechtstexten, wirtschaftwissenschaftlichen Analysen, politischen Beschlüssen und Aussagen von Programmierern, Informatikern, Wissenschaftlern, Politikern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
Informatiker, Programmierer und Ingenieure
Rechtsgelehrte, Richter
Mathematiker, Geisteswissenschaftler, Generalisten
Patentstrategen
1. Informatiker, Programmierer und Ingenieure
Reback 2002: Meine Einführung in die Realitäten des Patentwesens
FFII 2002: Schnelle Einführung
Pierre Haren, Vorstand von ILOG 2001
Alcatel 2002: Patente erschweren Produktentwicklung
Marcel Martin (FR): Ich musste dieses Projekt einstellen ...
Ein berühmter amerikanischer Anwalt erinnert sich.
Meine eigene Einführung in die Realitäten des Patentsystems kam in den 1980er Jahren, als mein Mandant, Sun Microsystems - damals eine kleine Firma - von IBM einer Patentverletzung beschuldigt wurde. Unter Androhung eines massiven Gerichtsverfahrens verlangte IBM ein Meeting, um seine Ansprüche darzulegen. Vierzehn IBM-Anwälte und ihre Assistenten, alle in die obligaten blauen Anzüge gekleidet, drängten sich in den größten Konferenzraum, den Sun hatte.
Der oberste blaue Anzug dirigierte die Präsentation von sieben Patenten, die nach IBM's Behauptung verletzt wurden. Das prominenteste darunter war IBM's berüchtigtes "Fette-Linien-Patent": Um eine dünne Linie auf einem Computerbildschirm zu einer breite Linie zu machen, geht man von den Enden der dünnen Linie jeweils die gleiche Strecke aufwärts und abwärts und verbindet dann die vier Punkte. Sie haben diese Technik zur Umwandlung einer Linie in ein Rechteck vermutlich im Geometrieunterricht der siebten Klasse gelernt, und zweifellos glauben sie, sie sei von Euklid oder irgend so einem 3000 Jahre alten Denker erfunden worden. Die Prüfer der US-Patentbehörde waren anderer Ansicht und erteilten IBM ein Patent für das Verfahren.
Ein missliches Schweigen folgte. Die blauen Anzüge berieten sich nicht einmal untereinander. Sie saßen nur da, versteinert. Schließlich antwortete der oberste blaue Anzug. "OK," sagte er, "vielleicht verletzen sie diese sieben Patente nicht. Aber wir haben 10.000 US-Patente. Wollen Sie wirklich, dass wir nach Armonk[IBM-Hauptquartier in New York] zurückgehen und sieben Patente finden, die Sie tatsächlich verletzen? Oder wollen Sie es sich das hier einfacher machen und uns einfach 20 Millionen Dollar zahlen?" Nach einem bescheidenen Bisschen an Verhandlung stellte Sun IBM einen Scheck aus, und die blauen Anzüge zogen weiter zur nächsten Firma auf Ihrer Abschussliste.
In Amerikas Wirtschaft wiederholen sich Beutezüge dieser Art jede Woche. Das Patent als Anreiz für Erfindungen hat schon lange Platz gemacht für das Patent als Instrument zum unverblümten Abwürgen von Innovation.
EUK & BSA 2002-02-20: Vorschlag, alle nützlichen Ideen patentierbar zu machen
Stellen Sie sich vor Sie besitzen eine kleine Softwarefirma. Sie haben eine starkes Softwareprodukt entwickelt. Dieses Werk ist eine schöpferische Kombination von 1000 Rechenregeln (Algorithmen) und einer Menge Daten. Die Rechenregeln fanden Ihre Programmierer nach jeweils ein paar Minuten oder Stunden Nachdenken. Die Entwicklung des gesamten Werkes erforderte 20 Mannjahre. 900 der Rechenregeln waren vor 20 Jahren schon bekannt. 50 sind heute patentiert. Sie besitzen 3 dieser Patente. Um sich die 3 Rechenregeln zu schützen, sind Sie zum Patentamt geeilt, haben ihre Geschäftsstrategie offenbart und Anwaltskosten bezahlt. IBM und Microsoft setzen derweil Ihre Ideen in klingende Münze um und weisen Sie darauf hin, dass Sie ca 20-30 von 50000 Patenten aus deren Portfolio verletzen. Sie einigen sich gütlich: 3% Ihrer jährlichen Einnahmen gehen an IBM, 2% an Microsoft, 2% .... Dennoch erreichen Sie bald die Gewinnzone. Jetzt sind sie eine attraktive Firma. Eine Patentagentur wendet sich an Sie. Sie verletzen 2-3 von deren Patenten, heißt es. Die Ansprüche sind sehr breit. Die Agentur will 100.000 EUR. Eine gerichtliche Klärung könnte 10 Jahre dauern und 1 Million EUR kosten. Sie zahlen. Einen Monat später steht die nächste Patentagentur auf der Matte ... Bald sind Sie pleite. Sie suchen Schutz. Microsoft bietet an, Sie für einen symbolischen Preis zu kaufen. Sie akzeptieren. Unter einem reinen Urheberrechtssystem wären Sie jetzt unabhängig und reich. Mithilfe von Patenten ist es Microsoft und anderen gelungen, Ihr geistiges Eigentum zu stehlen.
Software is like other fields of engineering in many ways. But there is a fundamental difference: computer programs are built out of ideal mathematical objects. A program always does exactly what it says. You can build a castle in the air supported by a line of zero thickness, and it will stay up.
Physical machinery isn't so predictable, because physical objects are quirky. If a program says to count the numbers from one to a thousand, it will do exactly that. If you build the counter out of machinery, a belt might slip and count the number 58 twice, or a truck might go by outside and you'll skip 572. These problems make designing reliable physical machinery very hard.
When we programmers put a while statement inside an if statement, we don't have to worry about whether the while statement will run such a long time that it will burn out the if statement, or that it will rub against the if statement and wear it out. We don't have to worry that it will vibrate at the wrong speed and the if statement will resonate and crack. We don't have to worry about physical replacement of the broken if statement. We don't have to worry about whether the if statement can deliver enough current to the while statement without a voltage drop. There are many problems of hardware design that we don't have to worry about.
The result is that software is far easier to design, per component, than hardware. This is why designers today use software rather than hardware wherever they can. This is also why teams of a few people often develop computer programs of tremendous complexity.
People naively say to me, "If your program is innovative, then won't you get the patent?" This question assumes that one product goes with one patent.
In some fields, such as pharmaceuticals, patents often work that way. Software is at the opposite extreme: a typical patent covers many dissimilar programs and even an innovative program is likely to infringe many patents.
That's because a substantial program must combine a large number of different techniques, and implement many features. Even if a few are new inventions, that still leaves plenty that are not. Each technique or feature less than two decades old is likely to be patented already by someone else. Whether it is actually patented is a matter of luck.
I've explained how patents impede progress. Do they also encourage it?
Patents may encourage a few people to look for new ideas to patent. This isn't a big help because we had plenty of innovation without patents. (Look at the journals and advertisements of 1980 and you'll see.) New ideas are not the limiting factor for progress in our field. The hard job in software is developing large systems.
People developing systems have new ideas from time to time. Naturally they use these ideas. Before patents, they published the ideas too, for kudos. As long as we have a lot of software development, we will have a steady flow of new published ideas.
The patent system impedes development. It makes us ask, for each design decision, "Will we get sued?" And the answer is a matter of luck. This leads to more expensive development and less of it.
With less development, programmers will have fewer ideas along the way. Patents can actually reduce the number of patentable ideas that are published.
A decade ago, the field of software functioned without patents. Without patents, it produced innovations such as windows, virtual reality, spreadsheets, and networks. And because of the absence of patents, programmers could develop software using these innovations.
We did not ask for the change that was imposed on us. There is no doubt that software patents tie us in knots. If there's no clear and vital public need to tie us up in bureaucracy, untie us and let us get back to work!
Software ähnelt mehr der Mathematik (nicht patentierbar) als der Chemie (die häufig als Erfolgserfahrung des Patentwesens angeführt wird)
Die amerikanische Erfahrung mit Softwarepatenten ist katastrophal. Bevor man sie nachahmt, sollte man daran denken, die Amerikaner von ihrem System abzubringen.
Dazu müsste man eine Lobbygruppe organisieren, die bei den großen amerikanischen Firmen vorstellig wird.
Die europäischen Softwarefirmen leben lieber mit der Notwendigkeit, ständig ihre Produkte verbessern zu müssen, als mit der Notwendigkeit, ständig Patente anmelden, Wettbewerber verklagen und sich selbst wegen möglicher unbeabsichtigter Patentverletzungen ängstigen zu müssen.
Das Problem der Freien Software ist ein orthogonales Problem (ein anderer Schauplatz). Es wäre durchaus denkbar, freie Software zu schreiben und vor ihrer Veröffentlichung Patente anzumelden, um so ein undurchdringliches Gestrüpp rechtlicher Probleme zu erzeugen.
Das Argument, dass Software-Neugründer (IT-Startups) ohne Patente nicht an Risikokapital herankämen, ist eine Lüge. Ich habe noch nie solche Fälle kennengelernt.
My observation is that patents have not been a positive force in stimulating innovation at Cisco. Competition has been the motivator; bringing new products to market in a timely manner is critical. Everything we have done to create new products would have been done even if we could not obtain patents on the innovations and inventions contained in these products. I know this because no one has ever asked me "can we patent this?" before deciding whether to invest time and resources into product development.
The time and money we spend on patent filings, prosecution, and maintenance, litigation and licensing could be better spent on product development and research leading to more innovation. But we are filing hundreds of patents each year for reasons unrelated to promoting or protecting innovation.
Moreover, stockpiling patents does not really solve the problem of unintentional patent infringement through independent development. If we are accused of infringement by a patent holder who does not make and sell products, or who sells in much smaller volume than we do, our patents do not have sufficient value to the other party to deter a lawsuit or reduce the amount of money demanded by the other company. Thus, rather than rewarding innovation, the patent system penalizes innovative companies who successfully bring new products to the marketplace and it subsidizes or rewards those who fail to do so.
In einem Bericht aus dem Jahre 2002 klagt der französische Telekomgigant über die von Patenten verursachte Rechtsunsicherheit:
FTC 2002: Anhörungen über Wettbewerbsbehinderung durch Patente
As I'm sure this committee is aware, there is a general animosity to pure software patents within and outside of the industry due to, one, the perceived allowance of what I'll diplomatically call overbroad patent claims, and two, the historically non-proprietary culture of the software engineering industry.
In sum, largely because the current patent system is poorly fashioned for the software design tool industry, the industry has evolved to minimize the impact that patents have on competition and has relied on other more market-oriented drivers of innovation. I believe this is a missed opportunity for accelerating technological and economic growth in the industry.
As a small company, one of the biggest risks I face is uncertainty in the marketplace. I can minimize my risk by understanding my competitor's products very well, by understanding my products very well, by understanding what the consumers and customers want. But I've found in the past year that I really can't understand the patent landscape and that I'm sitting with a nuclear bomb on top of my products that could go off at any point and cause me to simply not have a business anymore.
I recently took one of my lead developers, a gentleman who's widely considered a leader in his field -- he sits on both the MPEG and the ITU committees, is deeply involved with the entire intellectual property landscape around digital video -- and asked him to evaluate a particular patent that we've been hearing about in the marketplace.
We did a quick search on the USPTO website, which by the way is very useful, and uncovered no less than 120 patents that claim to be within the general scope of this particular patent, which was widely cited.
The poor guy spent the better part of five days examining all these different patents and came back to me saying, "I haven't the slightest idea whether or not we infringe on these patents, and frankly, they all seem to infringe on one another."
The end result being that I have no idea whether my product infringes on upwards of 120 different patents, all of which are held by large companies who could sue me without thinking about it.
The end result, much like Borland, I have now issued a directive that we reallocate roughly 20 to 35 percent of our developer's resources and sign on two separate law firms to increase our patent portfolio to be able to engage in the patent spew conflict. I think the concept here would be called saber rattling. I need to be able to say, "Yeah, I've got that patented too, so go away and leave me alone."
Auf den FTC-Anhörungen von 2002 erklärte Kaplan:
Intouch is an e-business company that owns many patents and has been attacked with patents, including by Amazon. Joshua Kaplan is their president and CEO. These excerpts are from his statement at the FTC hearings of 2002:
There are patents that come out today with hundreds of claims, unintelligible to almost anyone except the people who drew them. And yet, people who violate them jeopardize sometimes a lifetime of investment or their division or their product. That system doesn't work well to spur innovation or carry out the constitutional mandate.
Indeed, for those of you who were here this morning and listened to the people in the software industry talk about how threatening this is to their businesses, as I see it, patents today are often entrenching the established at the expense of allowing the newcomer to come in. I question today whether a Steve Jobs could start an Apple or a Bill Gates could start a Microsoft in view of the web and thicket of patents that is out there.
Autodesk ist Weltführer, manche sagen Monopolist, im Bereich der CAD-Software. Vorstandsmitglied Jim Warren wurde als Pionier der Softwareentwicklung bekannt, gründete das legendäre Dr. Dobb's Journal. In seiner Zeugenaussage auf der Anhörung des US-Patentamtes 1994 erklärt Warren leidenschaftlich und wortgewaltig, warum die Patentanwälte mit ihren Versuchen, Algorithmen unter die patentierbaren Erfindunge einzuordnen, die Wahrheit, die Interessen der Softwarebranche und die Verfassung der Vereinigten Staaten mit Füßen treten.
Although all that I "invented" were innovative, all utilized complex procedures and all were valued by those who paid millions to use what my innovative entrepreneurial risk created, it never occurred to me to patent them, and I could not have patented those "useful arts" if I had wanted to.
The fundamental question is: Do we want to permit the monopoly possession of everything that works like logical intellectual processes. I hope not.
The mind has always been sacrosanct. The claim that intellectual processes and logical procedures (that do not primarily manipulate devices) can be possessed and monopolized extends greed and avarice much too far. Algorithmic intellectual processes must remain unpatentable -- even when represented by binary coding in a computer; even when executed by the successor to the calculator.
What frightens and infuriates so many of us about software patents is that they seek to monopolize our intellectual processes when their representation and performance is aided by a machine.
Everything that is represented or performed by software is first a completely-detailed algorithmic intellectual process. There are no exceptions, other than by error.
Thus, I respectfully object to the title for these hearings -- "Software-Related Inventions" -- since you are not primarily concerned with gadgets that are controlled by software. The title illustrates an inappropriate and seriously-misleading bias. In fact, in more than a quarter-century as a computer professional and observer and writer in this industry, I don't recall ever hearing or reading such a phrase -- except in the context of legalistic claims for monopoly, where the claimants were trying to twist the tradition of patenting devices in order to monopolize the execution of intellectual processes.
There is absolutely no evidence, whatsoever -- not a single iota -- that software patents have promoted or will promote progress.
The company for which I am speaking, Autodesk, holds some number of software patents and has applied for others -- which, of course, remain secret under current U.S. law. However, all are defensive -- an infuriating waste of our technical talent and financial resources, made necessary only by the lawyer's invention of software patents.
Autodesk has faced at least 17 baseless patent claims made against it and has spent over a million dollars defending itself, with millions more certain to pour down the bottomless patent pit unless we halt this debacle. Fortunately -- unlike smaller software producers -- we have the financial and technical resources to rebuff such claims. We rebutted all but one of the claims, even before the patent-holders could file frivolous law-suits, and will litigate the remaining claim to conclusion. Note that your Office has issued at least 16 patents that we have successfully rebutted, and we never paid a penny in these attempted extortions that your Office assisted.
But it was an enormous waste of resources that could have better been invested in useful innovation. These unending baseless claims benefit patent lawyers, but they certainly do not promote progress.
We offer two recommendations, the second having twelve parts -- so to speak, the 12 Apostles of Redress:
FIRST: Issue a finding that software, as I have defined it, implements intellectual processes that have no physical incarnation; processes that are exclusively analytical, intellectual, logical and algorithmic in nature. Use this finding plus the clearly-stated Constitutional intent, to declare that the Patent Office acted in error when it granted software patents. Declare that software patents monopolize intellectual and algorithmic processes, and also fail to fulfill the Constitutional mandate to promote progress -- that in fact, they clearly threaten it.
SECOND: Until -- and only until -- software patents are definitively prohibited, reject or at least freeze all such applications that have not yet been granted, pending conclusive action on all of the following twelve recommendations:
REDRESS SERIOUS ERRORS OF PREVIOUS ADMINISTRATIONS: Issue a finding that there have been extensive and serious errors of judgment in a large percentage of software patents granted in the past, and immediately recall all software patents for re-review and possible revocation.
Let us stand on each others' shoulders, rather than on each others' toes.
Der Gründer von Lotus erklärt auf der Anhörung im US-Patentamt 1994, warum Patente für die Softwarebranche schlecht sind.
Because it is impossible to know what patent applications are in the application pipeline, it is entirely possible, even likely, to develop software which incorporates features that are the subject of another firm's patent application. Thus, there is no avoiding the risk of inadvertently finding oneself being accused of a patent infringement simply because no information was publicly available at the time which could have offered guidance of what to avoid.
The period of patent protection, 17 years, no longer makes sense in an era when an entire generation of technology passes within a few years.
If some future litigant is successful in upholding rights to one of these "bad" patents, it will require expensive and time-consuming litigation, whose outcome is frankly uncertain, to defend the rights of creators which should never have been challenged in the first place.
I do not look up any patents on principle, because (a) it's a horrible waste of time and (b) I don't want to know.
Avery Lee, Autor von http://www.geocities.com/virtualdub/, einem Werkzeug zur Umwandlung von Ton- und Bild-Datenformaten, hat traurige Nachrichten zu verkünden:
I'm a professional software developer who early summer 1998 wrote a computer program that I decided to put on my homepage. The program turned out to be a tremendous success and was quickly distributed in millions of copies, obviously filling a need among many computer users. I quickly started to improve my program and release new versions. That same autumn I was contacted by a large company with a competing product, who claimed that my program infringed on certain patents they had been granted. Consulting SEPTO gave no reason to take infringement claims seriously since computer programs are not patentable as such, but in early 1999 my legal advisor explained that the legal uncertainty lately introduced by EPO would perhaps make the claims valid. That eventually forced me to stop making my program available.
Do you believe a corporation should have the right to control what computer programs I can write and publish?
OCS ./ HIT: Geometrie-Patent beendet Shareware-Projekt
Ich musste dieses Projekt einstellen, denn ich kann nicht eine Armee von Anwälten bezahlen, um mich jedesmal zu verteidigen, wenn Oberthur oder jemand anders mir mir neue Bedingungen für das Weitermachen diktieren will. Entwickler reagieren sehr empfindlich auf juristischen Terror dieser Art. Wenn Softwarepatente in Europa legalisiert werden, wird dies zwangsläufig zu einer weiteren Drosselung der Softwareproduktion führen.
2. Rechtsgelehrte, Richter
Michel Vivant 1998 in "Lamy Droit Informatique"
Dr. Matthew Lee 1994: Kräfte hinter den Änderungen der EPA-Praxis nach 1985
Bundespatentgericht 2002: Die Doktrin vom Technischen Beitrag macht alle Geschäftsmethoden Patentierbar
Schäfers 2003: Patentprüfung in Bioinformatik nicht mehr leistbar
Ist Software nun schließlich patentierbar?
Zweifellos noch nicht.
In Wirklichkeit sind die Gesetzesregeln des Übereinkommens und der nationalen Gesetze klar: Sie fordern unmissverständlich die Nicht-Patentierbarkeit von Software. Das Spiel, das heute gespielt wird, besteht darin, in einer oder der anderen Weise diese Regeln zu verdrehen, z.B. indem man sich, wie oben beschrieben, die Gesamtheit aus Hardware und Software als eine virtuelle Maschine denkt, die (künftig ...) patentierbar sein könnte. Unter dieser Voraussetzung kann man dann patentrechtlich argumentieren. Die auf diese Weise auf dem einen oder anderen Wege erhältlichen Patente haben allerdings nur denjenigen Wert, den man ihnen beimisst --- oder der sich durch einen Konsens ergibt, dieser Frage nicht genauer nachgehen zu wollen. Tatsächlich kann die Verdrehung der Gesetzesregeln nur insoweit Wirkung entfalten, wie sich ein Konsens darüber herstellen lässt, ob man dieses Spiel gegen die bestehenden Gesetzesregeln spielen soll oder nicht. Hierbei handelt es sich nicht mehr um eine juristische Frage im strengen Sinne.
Auf diesem Gebiet müssen wir uns an der Entwicklung der geschriebenen Regeln orientieren (im Sinne einer etwaigen Streichung von Patentierungsausschlüssen).
BGH-Beschluss "Dispositionsprogramm" 1976-06-22
BGH-Beschluss "Walzstabteilung" 1980-09-16
Der BGH erklärt, warum eine neue Regel zur Optimierung der Stahlverwendung in einem Walzwerk keine technische Erfindung ist.
/swpat/papiere/bgh-dispo76/index.de.html
Gert Kolle, heute Abteilungsleiter im EPA, war in den 70er Jahren der führende Rechtsdogmatiker in Fragen der Begrenzung der Patentierbarkeit im Hinblick auf informatische Geistesleistungen. Auch heute gibt es wenige Texte, die die Problematik klarer darlegen als Kolles meistzitierter Artikel von 1977. Wir zitieren eine Passage, die belegt, wie gut bekannt die Thematik bereits damals war.
Die Automatische Datenverarbeitung (ADV) ist heute zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel in allen Bereichen der menschlichen Gesellschaft geworden und wird dies auch in Zukunft bleiben. Sie ist ubiquitär. ... Ihre instrumendale Bedeutung, ihre Hilfs- und Dienstleistungsfunktion unterscheidet die ADV von den ... Einzelgebieten der Technik und ordnet sie eher solchen Bereichen zu wie z.B. der Betriebswirtschaft, deren Arbeitsergebnisse und Methoden ... von allen Wirtschaftsunternehmen benötigt werden und für die daher prima facie ein Freihaltungsbedürfnis indiziert ist.
EPA 1978: Pr|fungsrichtlinien
/swpat/analyse/epue52/index.de.html
Programme für Datenverarbeitungsanlagen können verschiedene Formen haben, beispielsweise Algorithmen, Flussdiagramme oder Serien codierter Befehle, die auf einem Band oder anderen maschinenlesbaren Aufzeichnungsträgern gespeichert werden können; sie können als Sonderfall entweder für eine mathematische Methode oder eine Wiedergabe von Informationen betrachtet werden. Wenn der Beitrag zum bisherigen Stand der Technik lediglich in einem Programm für Datenverarbeitungsanlagen besteht, ist der Gegenstand nicht patentierbar, unabhängig davon, in welcher Form er in den Ansprüchen dargelegt ist. So wäre z.B. ein Patentanspruch für eine Datenverarbeitungsanlage, die dadurch gekennzeichnet ist, dass das besondere Programm in ihr gespeichert ist, oder für ein Verfahren zum Betrieb einer durch dieses Programm gesteuerten Datenverarbeitungsanlage in Steuerabhängigkeit von diesem Programm ebenso zu beanstanden wie ein Patentanspruch für das Programm als solches oder für das auf Magnettonband aufgenommene Programm.
Bei der Prüfung der Frage, ob eine Erfindung vorliegt, muss der Prüfer ... die Form oder die Art des Patentanspruchs außer acht lassen und sich auf den Inhalt konzentrieren, um festzustellen, welchen neuen Beitrag die beanspruchte angebliche "Erfindung"
zum Stand der Technik leistet. Stellt dieser Beitrag keine Erfindung dar, so liegt kein patentierbarer Gegenstand vor. Dieser Sachverhalt ist durch [obige] Beispiele anhand verschiedener Wege zur Beanspruchung eines Programms für eine Datenverarbeitungsanlage erläutert.
In diesem Standard-Lehrwerk wird die dem Art 52 EPÜ und der deutschen Rechtsprechung zugrundeliegende Gesetzessystematik erklärt. Zum Abschluss wird auf den Druck einiger Patentjuristen und Anmelder berichtet, die die Grenzen auf dem Wege einer Rechtsfortbildung aufweichen möchten, und es wird erklärt, warum dies rechtswidrig ist. Leider nahm das EPA hierauf keine Rücksicht. Es begann 1986 mit dem Rechtsbruch. Der BGH zog 1992 nach.
1. Die Begrenzung des Patentschutzes auf das Gebiet der Technik hat zur Folge, dass wesentliche geistige Leistungen von hohem wirtschaftlichem Wert unberücksichtigt bleiben.
So pflegen das Erarbeiten des Lösungsprinzips, das einem Computerprogramm zugrundeliegt, seine Umsetzung in Programmvorstufe wie Ablaufplan oder Datenflussplan und schließlich das maschinenlesbare Programm selbst beträchtlichen Aufwand zu erfordern. Die geistigen Leistungen, die dabei erbracht werden, sind gewiss nicht generell geringer als bei vielen patentwürdigen technischen Erfindungen. Wirtschaftlich ist Datenverarbeitungs-Software oft von bedeutendem Wert; ...
Der BGH lehnt es freilich ab, auf das Erfordernis des technischen Charakters zu verzichten.
Durch Ausdehnung des Technikbegriffs den Anwendungsbereich des Patentschutzes zu erweitern, hält der BGH ebenfalls nicht für richtig.
Nationaler Forschungsrat der USA 2000
Im Falle seiner Lockerung werde Schritt für Schritt allen Lehren für verstandesmäßige Tätigkeit der Patentschutz eröffnet; hiergegen bestünden Bedenken insbesondere wegen der Freihaltebedürfnisse in Bezug auf Arbeitsergebnisse und Methoden der Betriebswirtschaft (für Management, Organisation, Rechnungswesen, Finanzierung, Werbung, Marketing usw.), die von allen Wirtschaftsunternehmen benötigt würden, und auf Algorithmen, wie sie Computerprogrammen zugrundeliegen.
Auf der anderen Seite wird eine Überprüfung des Ausschlusses nichttechnischer Handlungsanweisungen verlangt, da er vorwiegend historisch bedingt und nicht mehr zeitgemäß sei.
2. Für das geltende Recht wird es bei der vom BGH bekräftigten Begrenzung des Patentschutzes auf technische Erfindungen sein Bewenden haben müssen. Neben der ausdrücklichen Regelung in §1 Abs 2 PatG und Art 52 Abs 2 EPÜ erlaubt es auch die bestehende institutionelle und organisatorische Ausgestaltung des Patentwesens, die durchweg auf das Gebiet der Technik zugeschnitten ist, nicht, hierüber durch richterliche Rechtsfortbildung hinauszugehen.
Eine gesetzgeberische Fortentwicklung hätte jedenfalls daran festzuhalten, dass Ausschlussrechte von nicht übersehbarer Tragweite vermieden werden müssen; mindestens Entdeckungen, wissenschaftlichen Theorien und mathematischen Methoden müsste deshalb der Patentschutz verschlossen bleiben.
3. Dagegen ist im Bereich der nichttechnischen Handlungsanweisungen und der Informationsvermittlung nicht notwendigerweise der mögliche Anwendungsbereich von Neuerungen so breit, dass die Reichweite eines Ausschlussrechts unkalkulierbar werden muss. Ob sich die Zulassung zum Patentschutz empfiehlt, hängt davon ab, wie die Schutz- und Belohnungsinteressen im Vergleich zu den Freihaltebedürfnissen zu werten sind.
Tendenziell dürfte hierbei das Freihaltebedürfnis schwerer wiegen als bei technischen Erfindungen, weil Ausschlussrechte an Neuerungen, die der Mensch ohne Einsatz von Naturkräften benutzen kann, weniger als solche an technischen Erfindungen durch außerhalb seiner selbst liegende Objekte definiert sind und deshalb regelmäßig unmittelbarer und stärker in seine Handlungsfreiheit eingreifen. Insbesondere wären von Ausschlussrechten an kommerziellen Neuerungen erhebliche wettbewerbsbeschränkende Effekte zu befürchten.
Kein hinreichendes Argument für die Gewährung von Patentschutz ist der Umstand, dass die geistige Leistung, der sie zugutekommen soll, anderweitig nicht oder nicht umfassend geschützt ist. Vielmehr können die Grenzen des nach geltendem Recht erreichbaren Schutzes auch Anzeichen dafür sein, dass den Freihaltungsinteressen der Vorrang gebührt.
Dies ist so weit vom Wortlaut entfernt, dass eine Bestrafung aufgrund eines infolge dieser gesetzwidrigen Auslegung erteilten Patentes mit dem Gesetzlichkeitsprinzip (Art. 103 Absatz 2 des Grundgesetzes) in Widerspruch steht. Es ist eine völlige Neuformulierung der Schranke in Absatz 3, die mit dem Wortlaut des Gesetzes nichts mehr gemein hat. Die technische Beschwerdekammer überschreitet damit klar die Grenzen richterlicher Tätigkeit. Wer die Formulierung "als solche" durch die Formulierung "ohne technischen Charakter" ersetzen möchte, muss dies durch eine entsprechende Änderung des Vertragstextes nach den dafür erforderlichen Verfahren bewirken. Die Rechtsprechung kann dies nicht.
Die Behauptung, die Beschränkung des Ausschlusses von Software von der Patentierbarkeit auf Software als solche in Absatz 3 habe den Zweck, im Lichte der Entwicklung der Informationstechnik durch Anerkennung der Patentierbarkeit den technischen Fortschritt zu fördern, überzeugt nicht. Falls der Gesetzgeber einen solchen Zweck verfolgt haben sollte, hätte er den Ausschluss in Absatz 2 von vornherein nicht vorgesehen. Die Unterstellung eines mit dem gewünschten Ergebnis übereinstimmenden Gesetzeszweckes ist zwar keine korrekte Anwendung der teleologischen Auslegungsmethode, zeigt aber deutlich die Bereitschaft der technischen Beschwerdekammer, die eigenen Wertungen an die Stelle der Wertung des Gesetzgebers zu setzen.
Dieser Seufzer zeigt, wie lange das Patentsystem schon lange außer Kontrolle ist.
"Die Patentierbarkeit chemischer Erfindungen", 1907, Argumentation gegen die Heranziehung ökonomischer Regeln zur Bestimmung des Geltungsbereichs des Patentsystems.
Wie weit gesetzlicher Schutz in verschiedenen Bereichen der Industrie gehen sollte, ist primär eine Frage für Juristen.
Auszüge aus Sudien über die Wirkungen des Patentwesens auf den Software-Bereich und die Volkswirtschaft im allgemeinen. Zeigt, dass das Patentsystem in vielen Bereichen seit langem kaputt ist. Gesammelt von Gordom Irlam und veröffentlicht von der Liga für die ProgrammierFreiheit.
Handbuch des Deutschen Patentsrechts, 1900
After jurisprudence has taken hold of any area treated by the law, it is up to science to develop it and all the other disciplines must resign; from now on it is the method of judicial thinking which must rule.
"Patente und industrieller Fortschritt, Gesetze und damit verbundene Probleme", 1942, Überprüfung der Qualifikation von Walter Hamilton, über das Ziel von Patenten zu schreiben.
Was sind das für Qualifikationen? Ist er Anwalt? Hat er jemals als Jurist praktiziert? Besitzt er einen juristischen Titel? ... Professor Hamilton ... war vor seiner Professur an der Yale Law School Professor der Wirtschaftswissenschaften ... Scheinbar ist eine befriedigende Antwort nicht möglich ... soweit es die vorangestellten Fragen zu seiner Qualifikation betrifft, als Experte zum Zweck von Patenten und des Patentsystems zu sprechen.
Stephan Kinsella ist eingetragener Patentanwalt und bestreitet seinen Lebensunterhalt mit der Hilfe für andere Personen beim Erwerb von Patenten. Er ist ein scharfer Kritiker des Patentsystems und seiner Kollegen. Als einer dieser Kollegen den Jura-Professor der Universität Stanford, Lawrence Lessig als einen "Patentpolitik betreibenden, prunkvollen Pädagogen" bezeichnete, kommentierte Kinsella:
Meiner Ansicht nach fallen tatsächlich die meisten Patentanwälte --grundsätzlich alle Anwälte-- in die Kategorie des "Patentpolitik betreibenden, prunkvollen Pädagogen", mit der Folge, dass sie gedankenlos Thesen 'pro' Patente von sich geben. Dies kommt daher, dass die meisten Patent-, aber auch andere Anwälte mit Interessen in diesem Bereich, ohne Verstand das Papageienartig wiederholen, was ihnen im Jurastudium an drastisch vereinfachten wirtschaftlichen Grundregeln eingetrichtert wurde. Nahezu jeder Patentanwalt wiederholt gebetsmühlenartig das Mantra, dass "wir Patente bräuchten, um den Fortschritt zu stimulieren," so als ob sie sorgfältig darüber nachgedacht hätten. Natürlich hat das fast keiner getan. Sie wiederholen das, was sie in den Werken des Supreme Court und CAFC (Court of Appeals for the Federal Circuit, dem obersten Bundesgericht für Patentrechtsfragen) lasen, als ob die Meinung der Regierungsfunktionäre die Heilige Schrift schlechthin wäre. Man muss kein Genie sein um herauszufinden, warum die meisten Patentanwälte das Patentsystem gutheissen; und es ist nicht, weil sie sich mit der Materie beschäftigt hätten und zu dem unparteiischen Schluss gelangt wären, diese Gesellschaft wäre mit einem Patentsystem besser dran -- sie wollen nur nicht an dem System kratzen, das ihnen ihr Einkommen sichert.
/swpat/papiere/eubsa-swpat0202/index.de.html
Dr. Joachim Wuermeling MdEP und Softwarepatente
In einem Brief an den Europa-Abgeordneten Dr. Joachim Wuermeling schreibt Harald Schäfers, Leiter einer Rechtsanwaltskanzlei für IT- und Wirtschaftsrecht:
Wir machen uns - insbesondere auch im Namen unserer Mandanten (IT-Unternehmen) - Sorgen wegen der zur Entscheidung anstehenden Patentrichtlinie. Wir beraten hauptsächlich kleinere Softwareunternehmen.
Erst kürzlich hatten wir eine Patentkonkurrenz prüfen (einen eventuellen Konflikt mit einem konkreten US-Patent) lassen und wir schalteten dafür eine hochspezialisierte, deutsche Patentanwaltskanzlei ein.
Die Diagnose dieser Kanzlei (für ca. 4000,00 Euro netto) war: Für die Prüfung, ob eine Verletzung des gezielt benannten US-Patents vorliegt verlangt ein US-amerikanischer Patentanwalt 25.000,00 USD Vorschuss. Schlimmer aber ist, dass nach deren Prognose die Aussage des amerikanischen Kollegen nicht lauten wird: "ja - Patentverletzung" oder "nein - keine Patentverletzung". Die Antwort wird - nach der Prognose der deutschen Spezialisten sein -: "Möglicherweise", "Es ist nicht auszuschließen, dass ...". Damit soll nicht mangelhafte Ausbildung der Kollegen gerügt werden, denn schon die deutschen Spezialisten erkannten: Recherchen, geschweige denn: Prüfungen, sind zumindest im Bereich der Bioinformatiksoftwarepatente oft nicht mehr wirklich leistbar.
3. Wirtschaftswissenschaftler
Developed and developing countries have historically provided that certain things do not constitute inventions for the purpose of patent protection. Included in these are those set out, for example, in Article 52 of the European Patent Convention (EPC):
Even though subsequent EPO practice and jurisprudence have to some extent diluted the scope of these Articles,13 it would seem entirely reasonable for most developing countries to adopt this list of exclusions as a minimum.
Summary of Recommendations Relating to the Patent System
Exclude from patentability computer programs and business methods
Rechtlicher Ausgangspunkt für die Betrachtungen ist das Europäische Patentübereinkommen (EPÜ). Es wurde 1973 in München unterzeichnet und zählt 20 Vertragsstaaten. Europäische Patente werden generell für Erfindungen erteilt, die neu sind, auf erfinderischer Tätigkeit beruhen und gewerblich anwendbar sind. Expressis verbis ausgeschlossen sind gemäß Art. 52 Abs. 2 lit. c EPÜ jedoch "Programme für Datenverarbeitungsanlagen". Dennoch hat das Europäische Patentamt (EPA) vielfach Patente für technische Erfindungen erteilt, bei denen ein Computerprogramm verwendet wird. Das EPA geht nämlich davon aus, dass durch das EPÜ nicht alle Computerprogramme von der Patentierbarkeit ausgeschlossen sind und verweist auf den technischen Charakter3 einer Erfindung als wesentliche Voraussetzung für ihre Patentierbarkeit. Es unterscheidet folglich zwischen patentfähigen und nicht patentfähigen Computerprogrammen nach dem Kriterium der Technizität. Demnach ist ein rein abstraktes Werk ohne technischen Charakter nicht patentfähig; es muss ein zusätzlicher technischer Effekt (Mehreffekt) vorliegen. Das EPA schafft damit einen zusätzlichen Ausschlusstatbestand, der sich aus Wortlaut und Systematik des Art. 52 EPÜ nicht ergibt und nur mit einem Zirkelschluss begründet werden kann. Da der technische Charakter einer Erfindung Voraussetzung für ihre Patentierbarkeit ist und das EPÜ ein Patentierungsverbot für Computerprogramme enthält, muss es nach dem Verständnis des EPA Computerprogrammen ohne zusätzlichen technischen Effekt an der Technizität mangeln. Diese Auslegung zäumt das Pferd von hinten auf und ist mit dem Wortlaut des Art. 52 EPÜ nicht vereinbar.
Aus ökonomischer Sicht ist die Sinnhaftigkeit eines Patentschutzes danach zu beurteilen, ob dieser effiziente Anreize für die Investition in Forschung und Entwicklung setzt. Immaterielle Güter zeichnen sich dadurch aus, dass sie beliebig und kostenlos reproduzierbar sind und der Konsum von Wissen durch eine Person eine andere Person nicht daran hindert, dieses Wissen ebenfalls zu konsumieren. Der Einzelne wird deshalb nur so viel in die Produktion von Wissen investieren, wie er durch seinen eigenen Konsum rechtfertigen kann. Dies führt insgesamt zu einer ineffizient niedrigen Produktion von Wissen. Deshalb müssen Anreize, z.B. durch Patente, geschaffen werden, die die kostenintensive Produktion von Wissen in einem darüber hinausgehenden Maß bewirken. Ökonomisch gesehen wird bei einem Patent ein (ineffizientes) Monopol vorübergehend gewährt, um Produktionsanreize zu setzen. Das soeben dargestellte Modell ist weitgehend statisch. Kompliziertere Szenarien haben demgegenüber gezeigt, dass eine Verstärkung des Patentschutzes keineswegs zwingend zu einem vermehrten Forschungsaufwand führt. Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme, dass weitgehender immaterialgüterrechtlicher Schutz zu höherer Investitionstätigkeit führt, vermochten Untersuchungen, die unter ähnlichen Bedingungen wie die der Softwareindustrie operiert6, eine generelle Zunahme der Ausgaben für Forschung und Entwicklung nicht nachzuweisen7. Empirische Studien über das Verhalten von kleinen und mittleren Unternehmen im Softwarebereich haben gezeigt, dass Patente für diese zu den am wenigsten effizienten Methoden des Investitionsschutzes zählen.
Vor diesem Hintergrund ist eine Ausdehnung des Patentschutzes auf Computerprogramme kritisch zu bewerten. Die Entwicklung von Software ist generell nicht kapitalintensiv, außerdem bestehen auf diesen Märkten bereits Netzeffekte, die wiederum Konzentrationstendenzen begünstigen. Durch Softwarepatente werden insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen erhebliche Marktbarrieren entstehen. Open-Source-Softwareprodukte stellen ex definitione den Programmcode allen Interessierten zur Verfügung und könnten Patentschutz deshalb generell nicht in Anspruch nehmen. Die mit dem Patentschutz verbundene vorübergehende Monopolstellung eines Unternehmens ist geeignet, die Konzentrationstendenzen auf dem Markt für Softwareprodukte weiter zu verstärken und den Wettbewerb zu behindern.
Henkel 2002/12/29: Warum die EU Patent auf Software verbieten sollte
Innovationen im Software-Bereich bauen, mehr als in anderen Branchen, auf vorhergehenden Innovationen auf. Aus diesem Grunde wiegt der negative Aspekt von Patenten, weiterführende Entwicklungen zu erschweren, bei Software besonders schwer. Lizenzierungen lösen dieses Problem aufgrund der mit ihnen verbundenen Transaktionskosten nur sehr bedingt.
Nur weil Software noch kein virtuelles Bhopal erlebt hat, heisst das nicht, es könne nicht so kommen. Tatsächlich erneuern die giftigen Wolken der Restriktion, die durch die Hallen des e-Commerce ziehen, alte Änste vor der Industrie. ... Es gibt reichlich historische Belege dafür, wie ein Übermass an Patenten den Entwicklungsprozess neuer, aufstrebender Industrien enorm gebremst hat.
Die Folgen dieser grundlegenden de facto-Ausweitung des Patentrechts auf Erfindungen der Informationstechnik sind zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar. Da diese Ausweitung ohne jeden Weitblick des Gesetzgebers stattfand und da das Patentrecht hier völlig neue Ufer betritt, wäre es angebracht dieses Phänomen zu untersuchen um sicherzustellen, dass diese Ausweitung der Patentierbarkeit der Wissenschaft und Kultur positive Impulse vermittelt, wie vom Kongress beabsichtigt.
Hierfür müssen viele Ursachen in Betracht gezogen werden. ...
In diesem 1982 herausgegebenen Bericht finden sich Statistiken über die Nutzung das Patentsystems als Informations- und Ertragsquelle. Er stellt das gesamte Patentsystem an sich in Frage. Der Originalentwurf empfahl die komplette Abschaffung des Systems. Ein späterer Entwurf dagegen empfahl stattdessen die Erhöhung der Standards zur Patentierbarkeit und die Beschränkung verschiedener Missbrauchsmöglichkeiten.
Da die Vorteile des Patentsystems so geringfügig sind und das Gesamtergebnis einer Kosten/Nutzenrechnung negativ sein dürfte, gibt es keine ökonomische Rechtfertigung für die Ausweitung der Patentmonopole durch eine Erhöhung der Laufzeit oder Erweiterung der Basis für Patentierbarkeit oder Patentverletzung (zB: Patente auf Pflanzen oder Software). Wie auch immer, nach unserer Ansicht gibt es hinreichend ökonomische Gründe nach bestehender Rechtsordnung, die negativen Folgen des Patentsystems durch striktere Prüfung, die Verkürzung der Laufzeit und Wirkungsbreite des Patentschutzes sowie verschärfte Handhabung von unerwünschten Praktiken bei der Patentlizenzierung einzudämmen.
An historical awareness of the political economy of patent reform suggests that this task is not easy at the domestic policy level. This is basically because those who perceive they would lose by such reform are concentrated, powerful and active defenders of their interests. In contrast, those who would gain by patent reform are diffuse and hardly aware of their interest in the matter.
Machlup 1958: Die wirtschaftlichen Grundlagen des Patentwesens
4. Mathematiker, Geisteswissenschaftler, Generalisten
Aus einem Brief an Isaac McPherson
Wenn die Natur ein Ding am wenigsten tauglich für alleiniges Eigentum gemacht hat, so ist das die denkende Kraft, die man "Idee" nennt, die ein Individuum nur solange alleinig besitzt, solange es sie für sich behält; aber in dem Moment, in dem sie ausgeplaudert wird, bringt sie sich selbst in den Besitz eines jeden, und der Empfänger kann sich ihrer nicht entledigen. Ebenso ist es ihr eigentümlich, dass niemand weniger besitzt, denn jeder besitzt sie als ganzes. Der, der eine Idee von mir erhält, erhält damit Unterweisungen für sich selbst, ohne mich um meine zu bringen, so wie der, der seine Fackel an meiner entzündet, das Licht empfängt, ohne mich ins Dunkel zu stürzen. Dass sich Ideen frei vom einem zum anderen über den Erdball verbreiten sollen, zur moralischen und gegenseitigen Anleitung des Menschen, und der Verbesserung seiner Lebensumstände, scheint einzigartig und gütig von der Natur eingerichtet worden zu sein. ... Erfindungen können also, ihrer Natur nach, kein besitzbares Gut sein.
http://lists.ffii.org/archive/mails/offen/2002/Feb/0021.html
Wirtschafts- und Sozialausschuss der Europäischen Gemeinschaft 2002/09
STELLUNGNAHME des Ausschusses der Regionen vom 18. November 1999 zum Thema "Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen angesichts der Globalisierung - Wie man sie fördern kann" (KOM (1998) 718 Endfassung)
Wahlprogramm der Belgischen Sozialistischen Partei 2003
Jean-Pierre Chevènement, ehemaliger französischer Minister in diversen Ressorts und Präsidenschaftskandidat 2002
Jean-Yves Le Déaut, Abgeordneter der Moselregion in der Französischen Nationalversammlung
FDP Parteitagsbeschluss 2001/05
Dr. Martin Mayer, medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, 2000-09
Erklärung der Nachwuchsorganisationen der Christdemokratischen und Konservativen Parteien Europas 2000-10-28
Jean-Michel Yolin, Leiter der Abteilung "Innovation" im französischen Wirtschaftsministerium und Autor des Berichtes "Internet et Entreprises, mirage ou opportunités?", merkt in einem Gespräch über den Fall SCO ./ IBM/Linux an:
Patente dienten einmal dazu, Forschung und Entwicklung rentabel zu machen. Inzwischen stehen sie aber nicht mehr im Dienste der Innovation sondern sind zu einem Mittel zu verkommen, das Gelände zu verminen und unerwünschte Innovatoren auszustechen. Man jagt ihnen einfach im entscheidenden Moment Anwälte auf den Hals, wenn sie gerade dabei sind, Kapital oder Kunden zu akquirieren.
Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen im Angesicht der Globalisierung -- Stellungnahme des Ausschusses der Regionen : warnt vor der Gefahr von Softwarepatentene
Der Ausschuß der Regionen möchte die Aufmerksamkeit der Kommission auf die Tatsache lenken, daß der Patentschutz nicht universal ist, sowie auf die Gefahren der systematischen Patentierung des geistigen Eigentums hinweisen. Diese Fragen betreffen hauptsächlich die neuen Technologien und vor allem die Informationstechnologien und die Biowissenschaften, die Gegenstand einer inhaltsreichen und leidenschaftlichen Diskussion sind.
Im Fall der Software haben die seit den siebziger Jahren in den großen, von dem Thema betroffenen Staaten geführten Diskussionen alle zu dem Ergebnis geführt, daß das System der Urheberrechte gelten soll, obwohl es den Besonderheiten des Bereichs nicht umfassend gerecht wird. Die europäische Richtlinie vom 1. Januar 1993 zeigte insbesondere den goldenen Mittelweg zur Förderung der "Interoperabilität" von Programmen, um wettbewerbsschädliche Strategien mit dem Ziel einer marktbeherrschenden Stellung zu konterkarieren. Seit mehreren Jahren ist die amerikanische Rechtsprechung dazu übergegangen, die Ausstellung von Patenten für "Softwareelemente" zu gewähren, was sie bis dahin abgelehnt hatte. Und der Druck Amerikas auf Europa zur Gewährung der Patentfähigkeit auf europäischer Ebene nimmt immer mehr zu.
Dabei sind die Risiken hier sehr hoch. Ein derartiges Vorgehen bedroht die Innovationsdynamik in dieser Industrie, da sie zu einer Isolierung der Kenntnisse und Verfahren führt, die jegliche Kombination unterbindet. So finden sich unter der Vielzahl in den Vereinigten Staaten angemeldeter und eingetragener Patenten zahlreiche Verfahren oder sogar Algorithmen. Viele scheinen von den Merkmalen Neuheit und Originalität, die eigentlich Voraussetzung für die Ausstellung eines Patents sind, weit entfernt zu sein.
Sollte die Ausstellung von Patenten für Software zur festen Einrichtung werden, so wäre das eine Waffe zur Stärkung der Vormachtstellung der größten amerikanischen Marktführer in diesem Bereich. Sie wäre eine direkte Bedrohung für die Masse der innovatorischen KMU, sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten und anderswo. Schließlich würde sie ein sehr großes Handicap für die europäische Softwareindustrie darstellen, die trotz des hier eingesetzten hochwertigen Fachwissens große Schwierigkeiten hat, im Handel wettbewerbsfähig zu sein.
Unter den Zukunftsfragen der europäischen Softwarebranche kommt der Einrichtung einer eventuellen Patentierbarkeit von Software ein besonders dringlicher Charakter zu, da die europäischen Entwicklungen in diesem Bereich schon weit fortgeschritten sind und da das Europäische Patentamt ständig vollendete Tatsachen schafft. Vor der Einrichtung eines Patentschutzes für Software (wie ihn die Vereinigten Staaten von uns fordern) hält die Sozialistische Partei es für unerlässlich, sich zu vergewissern, dass das Fehlen von Softwarepatenten für die europäischen Softwarehäuser wirklich nachteilhaft ist. Die wirtschaftlichen Studien geben eher Anlass zu der Annahme, dass Softwarepatente heute eine Waffe in den Händen der Großunternehmen sind, die davon Gebrauch machen, um lästige Innovationen zu verhindern und die Entwicklung freier Software zu beschränken. Die besonders schlechte amerikanische Erfahrung mit Softwarepatenten sollte zu Denken geben.
Das Patentwesen passt möglicherweise nicht zum Rhythmus der Innovation im Bereich der Software : die zum Erwerb eines Patentes erforderliche Zeit ist ebenso wie die Patentlaufzeit (20 Jahre) zu lang. Die Innovation im Softwaresektor ähnelt ihrem Wesen nach mathematischen Entdeckungen: neues Rechenverfahren, neuer Algorithmus, Anwendung eines bekannten mathematischen Verfahrens auf ein spezielles Problem. Wie und wo soll die Trennlinie zwischen Softwareprozess und einem gedanklichen Verfahren gezogen werden? Man sollte sich auch vergegenwärtigen, dass Software bereits jetzt in unserem System des geistigen Eigentums einen bedeutenden Rechtschutz genießt.
Die Verhandlungen auf europäischer Ebene erfordern daher klare Positionen: solange keine begünstigenden Auswirkungen auf die Innovation zu erkennen sind, meinen die Sozialisten, dass
die Patentierbarkeit von Software abzulehnen ist.
die beim Europäischen Patentamtes festgestellten Fehlentwicklungen zu bekämpfen sind.
Auf S. 110 steht zu lesen:
Die Ausweitung des Bereichs des Patentierbaren auf Software, ein wirtschaftlicher Unsinn der unsere Unternehmen behindern und diesen Sektor bremsen wuerde, muss verweigert werden.
Das Patentsystem hat sich in den letzten Jahren weit über den Bereich seiner historischen, ökonomischen und moralischen Existenzberechtigung hinaus ausgedehnt. Diese Ausdehnung ist das Ergebnis von Gerichtsentscheidungen des Europäischen Patentamts (EPA), die bisweilen im Gegensatz zum Geist der Gesetze stehen, wie sie von den Gesetzgebern verabschiedet wurden, wobei die Unterzeichnerstaaten des Münchener Übereinkommens meist nicht über die nötigen Mittel verfügen, um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Entscheidungen zu kontrollieren. Insbesondere glaube ich, dass das EPA, indem es allen Ernstes behauptete, ein "Computerprogramm mit technischen Wirkungen" sei kein "Computerprogramm als solches" und könne daher zum Gegenstand von Patentansprüchen werden, eindeutig seine Macht missbraucht hat. Das EPA hat eine Rechtsprechung entwickelt, die in offensichtlichem Gegensatz zu dem internationalen Vertrag steht, mit dessen Einhaltung es betraut wurde. Denn alle Computerprogramme haben einen technischen Effekt, wie die Europäischen Patentberater zu Recht anmahnten, die sich 1997 im EPA zu einem "Runden Tisch" versammelten.
Diese unkontrollierte Ausweitung des Patentsystems in den Bereich der Software hinein gefährdet in zunehmendem Maße die europäischen IT-Unternehmen, die Autoren freier Software und die Grundarchitektur der Informationsgesellschaft. Mehr als 10000 Softwarepatente wurden in den letzten 10 Jahren bei den nationalen Patentämtern durch vom EPA inspirierte juristische Winkelzüge angemeldet, während selbst die Anmeldungsanleitungen der Patentämter noch immer klar sagen, dass Computerprogramme nicht patentierbar sind. Mehr als 75% dieser Patente wurden von außereuropäischen Unternehmen angemeldet. Nicht wenige dieser Softwarepatente beziehen sich auf Verfahren des elektronischen Geschäftsverkehrs sowie Organisations- und Lehrmethoden.
Juristische Standardwerke wie Lamy Droit Informatique weisen allerdings darauf hin, dass diese Patente angesichts der offensichtlichen Widersprüche zwischen dem geltenden Gesetz und der Rechtsprechung des EPA keinerlei Wert haben außer demjenigen, den die jeweiligen Gerichte ihnen zuzuerkennen bereit sind. Im Falle eines Rechtsstreits besteht kein Verlass darauf, dass ein nationaler Richter die Ansprüche dieser Patente anerkennen würde, da sie sich offensichtlich auf Gegenstände beziehen, deren Patentierung dem Geist des Gesetzes widerspricht. Daher warten die Inhaber der Softwarepatente, der E-Geschäftsmethoden-Patente und der Internet-Patente nur noch auf eines, bevor sie sich entschließen, die französischen und europäischen Protagonisten der Neuen Wirtschaft anzugreifen: die Revision des Münchener Übereinkommens, die sich anschickt, den Ausschluss der Computerprogramme von der Patentierbarkeit zu beseitigen.
Ich würde mich Ihnen verbunden fühlen, wenn Sie in den kommenden Konsultationen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene alle Ihnen zu Gebote stehenden Mittel einsetzen würden, um zu verlangen,
dass im November 2000 Art 52 des Münchener Übereinkommens nicht geändert wird und somit das Trojanische Pferd nicht aktiviert wird, das derzeit beim EPA schläft, wo zahlreiche missbräuchlich an außereuropäische Unternehmen vergebene Internet-Patente von einem Tag auf den anderen die Neue Wirtschaft Frankreichs und Europas bedrohen können.
dass die Begriffe "technisch", "gewerbliche Anwendung" und "Programm als solches" derart geklärt werden, dass kein Informationswerk und kein immaterielles Produkt (einschließlich of Informationssystemen laufende Software) als unmittelbar oder mittelbar patentverletzender Gegenstand in Betracht kommen kann.
dass materielle Produkte oder materielle Erweiterungen von immateriellen Produkten (z.B. MP3-Abspielgeräte) patentiert werden könnten, sofern die Kriterien der Neuheit, Technizität und industriellen Anwendbarkeit dieses materiellen Produktes erfüllt werden, und zwar unabhängig von den darin verwendeten Softwareelementen betrachtet.
dass unverzüglich eine offene und demokratische Diskussion auf Grundlage ausführlicher wissenschaftlicher Studien über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkungen des Patentsystems auf die Informationsgesellschaft in Angriff genommen wird.
dass eine frei verfügbare und über freie Software zugängliche umfassende Patentdatenbank aufgebaut wird, um den KMU die Mittel an die Hand zu geben, mit Patentgefahren in Europa und der Welt besser fertig zu werden.
Da das Europäische Patentamt keinerlei Studie publiziert hat, um die Ausweitung der Patentierbarkeit auf Computerprogramme zu rechtfertigen, obwohl Wirtschaftswissenschaftler bewiesen haben, dass das Patentsystem zu einer Minderung der Innovation in der Softwareökonomie führen könnte, scheint es mir ferner an der Zeit, eine Betriebsprüfung des Europäischen Patentamtes in Auftrag zu geben, um nach Mitteln zu suchen, wie man die Entscheidungen dieser Institution besser kontrollieren und in Einklang mit dem Allgemeininteresse und den Grundprinzipien einer unparteiischen Rechtsprechung bringen kann.
Gründer werden durch die Debatte über die mögliche Patentierbarkeit von Software und Geschäftsideen auch in Europa verunsichert. Hier muss schnell Klarheit geschaffen werden.
Computerprogramme "als solche" sind nach dem Europäischen Patent-Übereinkommen (EPÜ) nicht patentierbar. In den USA dagegen ist grundsätzlich alles menschengemachte patentierbar.
Bei Software-Entwicklern und in der Open-Source-Szene besteht erhebliche Verunsicherung, weil befürchtet wird, dass über die Novelle des EPÜ und eine angekündigte Richtlinie der Europäischen Kommission in Europa amerikanische Verhältnisse eingeführt werden sollen.
In den USA wird der Wettbewerb bereits erheblich auch durch die Patentierung von Geschäftsideen behindert. Viel zitiertes Beispiel ist das Patent von Amazon auf das one-click-Verfahren bei der Bestellung von Gütern im Internet.
Allerdings ist bereits in den letzten Jahren in Europa Software zunehmend als Bestandteil technischer Verfahren patentiert worden, denn: Technische Verfahren, die Computerprogramme beinhalten, sind patentierbar. Beispiel dafür ist eine computergesteuerte Werkzeugmaschine, die insgesamt patentierbar ist. Es mangelt derzeit an eingehenden ökonomischen Analysen, die die Wirkungen einer möglichen Patentierung von Software beschreiben. Wir sehen allerdings die Gefahr einer weiteren Verstärkung von Bürokratie mit dem Effekt, dass dringend notwendige Innovationen behindert werden.
Die Ermöglichung der Patentierung von Software würde darüber hinaus erhebliche technische und administrative Probleme schaffen: in der Zeit, die Anmeldung eines Patentes derzeit benötigt (derzeit 2 Jahre), ist das Patent längst veraltet. Die Dokumentation der Patente wäre extrem aufwendig. Kleine und mittlere Unternehmen würden durch die Patentierung benachteiligt: Große Firmen, die über die Ressourcen verfügen, die Patententwicklung zu verfolgen und Patente anzumelden könnten auf diese Weise zusätzliche Erträge erwirtschaften. Der Wettbewerb würde sich von der schnellen Umsetzung von Innovationen auf juristische Streitereien verlagern und der technische Fortschritt würde behindert werden. Das muss verhindert werden!
In technologiepolitischen Fachkreisen hört man immer wieder die Behauptung, das Patentsystem müsse auf gewisse Bereiche der Informationstechnik ausgeweitet werden, weil sonst deren Investitionen nicht genügend geschützt würden. Diese Behauptung wurde bisher allerdings immer nur als abstrakte Grundwahrheit weitergegeben und niemals anhand von Tatsachen der deutschen oder europäischen IT-Wirtschaft belegt.
Selbst wenn es gelänge, Bereiche der Informationstechnik zu finden, in denen Patente nachweislich vorteilhaft wirken oder gewirkt haben, müsste man noch immer untersuchen, ob eventuelle schädliche Nebenwirkungen der Patentierung diese Vorteile nicht überwiegen.
Aber während bei der Legislative noch vollkommene Unklarheit herrscht, schreitet die Judikative bereits zur Tat, gewährt Tausende von Softwarepatenten und drängt auf Änderung der Gesetzesregeln. Es ist daher höchste Zeit für uns als Gesetzgeber, uns um diese Fragen zu kümmern.
Die Vorentscheidung zugunsten von Softwarepatenten des Verwaltungsrates des Europäischen Patentamtes lässt aufhorchen. Hier wurde auf Verwaltungsebene eine Schlüsselentscheidung für die Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts vorbereitet. Das Thema Softwarepatente ist allerdings zu wichtig für unsere wirtschaftliche Zukunft, als dass es länger in den Hinterzimmern multinationaler Gremien und den juristischen Spezialzirkeln geführt werden darf.
Wir sollten sehr kritisch prüfen, ob wir auf dem schnellebigen Gebiet der Software einen exklusiven Patentschutz wollen. Denn die Patentierung von Software ist ein höchst zweischneidiges Unterfangen. Dem Schutzinteresse Einzelner steht die Innovationsfähigkeit der gesamten Branche gegenüber. Es sollte aufhorchen lassen, dass der zweitgrößte Softwarehersteller der Welt ORACLE sich aus diesem Grund massiv gegen Softwarepatente ausspricht. Insbesondere die in Europa starke und zukunftsträchtige Bewegung der freien Software (OpenSource wie LINUX) wäre durch Softwarepatente in ihren Grundfesten gefährdet.
Softwarepatente bergen die Gefahr in sich, daß die Großen der Branche dank Finanz und Personalkraft kleine und mittelständische Softwareschmieden mittels der Patentierung existenziell gefährden werden. Die Verfahren gegen Microsoft belegen aber deutlich, wie wichtig und schwierig Wettbewerb schon heute im Softwarebusiness ist. Die heftigen Debatten um Softwarepatente in den USA, aufgekommen durch die Patente für amazon.com, sollten Europa eine Mahnung sein. Wir sollten nicht um jeden Preis alles von Amerika übernehmen.
Europa wäre gut beraten, bei den Softwarepatenten an die meist klein- und mittelständische Struktur seiner Softwareindustrie zu denken. Es wirft kein gutes Licht auf das Gewicht die Bundesregierung, dass sie sich nicht im Verwaltungsrat gegen die Softwarepatentierung durchsetzen konnte. Die Märkte von morgen sind die Märkte von Ideen. Die Gedanken, auch die zu Software geronnenen, sollten aus liberaler Sicht weitestgehend frei bleiben.
Unter dem Titel "Standort zukunft.de" treffen die Liberalen auf ihrem Düsseldorfer Parteitag im Mai 2001 allerlei Aussagen zur digitalen Ökonomie.
Software genießt heute weltweit umfassenden Schutz durch das Urheberrecht. Damit ist den Herstellern und Programmierern ein starkes absolutes Recht verliehen, um ihre Interessen umfassend gegenüber Dritten wahrnehmen zu können. Indes kennt die US-amerikanische Rechtsordnung auch die Patentierbarkeit von Software. Im Gegensatz zum Urheberrecht schützt das Patent jedoch nicht das fertige Produkt, sondern dehnt den Schutz auf die Methode oder gar ein softwarebasierendes Geschäftsmodell aus. Die Entwicklung in den USA zeigt schon heute deutlich, dass die Patentierung von Software sich negativ auf die Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle auswirken kann. Denn einzelne Softwarepatente können im Bereich der sogenannten Individualsoftware ganze Märkte blockieren.
Sowohl nach deutschem Patentrecht als auch nach dem Europäischen Patentübereinkommen sind Computerprogramme als solche derzeit nicht patentierbar. Die FDP spricht sich dafür aus, an dieser Rechtslage im Grundsatz festzuhalten.
Statt der beabsichtigten generellen Ausdehnung des Patentschutzes für Software in Europa muss ein zweijähriges Moratorium beschlossen werden.
Auf der 'Diplomatischen Konferenz 2000' der Europäischen Patentämter ist vorgesehen, 'Programme für Datenverarbeitungsanlagen' aus der Ausnahmevorschrift Art. 52(2), europäisches Patentübereinkommen, zu streichen, und somit generell die Patentierung von Software zu ermöglichen.
In der Fachwelt gibt es gegen diese Absicht die berechtigte Befürchtung, dass durch den Revisionsvorschlag
Monopolstellungen großer Softwarehäuser gestärkt und erweitert,
insgesamt der Fortschritt in der Softwareentwicklung deutlich gebremst würden.
Eine derart verheerende Entwicklung, die sich in den USA schon jetzt abzeichnet, darf in Europa nicht stattfinden. Deshalb muss vor einer weiteren Rechtssetzung für den Schutz von Software eine gründliche, öffentliche Diskussion von Fachwelt und Politik auf der Basis der folgenden Grundsätze geführt werden.
Ziele des Rechtsschutzes für Software:
Der Text der EU-Richtlinie enthält vor allem im Vorspann und in den Erwägungsgründen viel moralische Lyrik, mit der Kritiker abgeschmettert und Parlamentariergewissen beschwichtigt werden können. Klare Grenzen und Definitionen fehlen. Schwammige oder in sich widersprüchliche Bestimmungen sorgen dafür, dass Rechtsnormen, wie sie das 1977 in Kraft getretene Europäische Patentübereinkommen vorgibt, systematisch ausgehöhlt werden können -- zum Beispiel das zentrale Prinzip der ärztlichen Therapiefreiheit. Nach Artikel 52,4 des Übereinkommens dürfen diagnostische, therapeutische und chirurgische Verfahren am menschlichen und tierischen Koerper nicht patentiert werden. Diesen Grundsatz beizubehalten, verspricht die Richtlinie in Erwägungsgrund 35, jedenfalls im Hinblick auf die Verfahren als ganzes. Teilschritte von Verfahren können jedoch sehr wohl patentiert werden. Nach dem Motto: Keine Tür darf dem Arzt zum Wohle der Patienten verschlossen sein, über die Nutzung der Türgriffe entscheidet aber der Patentinhaber.
Eine ähnliche juristische Spitzfindigkeit findet sich in dem für die EU-Richtlinie zentralen Artikel 5. Im ersten Abschnitt ist festgelegt, dass der menschliche Körper in allen Entwicklungsstadien nicht patentierbar ist, ebenso wenig wie die bloße Entdeckung eines seiner Bestandteile (Beispiel Gene). Im zweiten Abschnitt heisst es jedoch, dass Teile, die mit Hilfe eines technischen Verfahrens isoliert wurden, sehr wohl patentierbar sind. Wer sich mit der Regelung näher befasst, wie der Nationale Ethikrat der Dänen oder Kritiker in Frankreich, kommt nicht umhin festzustellen, dass bei Genen und Teilsequenzen von Genen die vermeintliche Ausnahme die Regel ist. Gene liegen immer isoliert vor, wenn sie entschlüsselt werden.
Man könne schließlich eine solch zentrale Frage der Wirtschaftspolitik "nicht von Malta und Liechtenstein bestimmen lassen", erklärt ein Ministerialer. Notfalls könne man auch das Abkommen insgesamt platzen lassen und innerhalb der EU eine eigene Patentpolitik entwickeln.
6. Patentstrategen
Josef Straus: Patente als Waffe hochentwickelter Länder
V. Strategic Considerations
Recently my firm had to explore the patent situation world-wide for one the major banks. All existing U.S. patents and all published European patent documents have been searched regarding any potential risk for the banking business. The search was performed on the basis of a profile combining both the leading banks, service providers in that field and also key-terms relevant in the field of banking. The search revealed more than 5000 patent documents which could possibly have an impact on the activities of the bank. The next step will be to evaluate those patents regarding scope of protection and the possible relevancy. The task being a list of patents which might be infringed by the bank's business. Possible counter-measures are envisaged in a next step (oppositions, negotiations etc.).
It is assumed that the evaluation of all patents will need two or three patent experts, combined with two or three IT-experts from the bank itself and a time period of three to six months. This is the "defensive" measure. As an "offensive" measure it is advisable that banks start filing patent applications wherever possible and promising. Of course, the liberal practice in the U.S. requires to file almost any business method for patent. These business methods are always implemented by a computer (I have not seen any other example). This computer implementation in most cases gives the opportunity to look for some sort of a "technical effect" or "technical consideration" or "technical problem" etc. which might help to obtain a European patent, in the long run. When studying a business method computer software program it turns out that in most cases that program includes at least one aspect (feature) which might qualify under the European standards as "technical". It is an advisable measure for any bank these days to try to develop a patent portfolio in order to have at least some arguments in hand when approached by others for patent infringement.
Patentlobbyismus und Schriftgelehrsamkeit im Namen Max Plancks
Prof. Josef Straus, der in allen Kommittees der Patentorganisationen (WIPO, AIPPI, EPA etc) vertreten ist und die Bundesregierung in Patentfragen berät, betont immer wieder, dass (1) ohne Patente kein Anreiz zu Neuerungen bestehe (2) Patente dazu dienen, die Dritte Welt auf Distanz zu halten. Vermutlich überschätzt Straus die Wirkung von Patenten.
Da im System des freien Welthandels Produkte vielerorts billiger hergestellt werden können als in den hochentwickelten Ländern, hängt der wirtschaftliche Erfolg europäischer Unternehmen in zunehmendem Maße davon ab, ob es ihnen gelingt, durch Innovationen Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Dieser Anreiz zu Innovationen kann jedoch nur bestehen, wenn ein rechtlicher Schutz der Erfindungen sichergestellt ist. Sind die Erfindungen rechtlich geschützt, können sie als "intellectual property" einen Hauptteil des Unternehmensvermögens darstellen. Der Bedarf an Juristen, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren, die Kenntnisse im Patentrecht haben, steigt dieser Entwicklung entsprechend.
Eine Sammlung von Aussagen zahlreicher Europäischer Politiker, IT-Manager und Iintellektueller zur Unterstützung der Eurolinux-Position. Lang: Citations sur les Brevets Logiciels
Englische und französische Zitate über "Geistiges Eigentum" und die Informationsallmende, gesammelt von Bernard Lang.
Eine Variante der LPF-Sammlung, die Gordon Irlam an ein e-post-basiertes Forum schickte.
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 BGH 
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 Art. 52
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