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Timestamp: 2018-09-21 10:17:16+00:00

Document:
privatrecht:stoerung_der_geschaeftsgrundlage
2018/05/16 07:50 mfreund 2017/01/24 14:10 Externe Bearbeitung
privatrecht:stoerung_der_geschaeftsgrundlage [2017/01/24 14:10]
privatrecht:stoerung_der_geschaeftsgrundlage [2018/05/16 07:50] (aktuell)
§314 BGB -> [[Kündigung von Dauerschuldverhältnissen aus wichtigem Grund]] §314 BGB -> [[Kündigung von Dauerschuldverhältnissen aus wichtigem Grund]]
+ Haben sich Umstände, die zur Grundlage des Vertrags geworden
+ sind, nach Vertragsschluss schwerwiegend verändert und hätten die Parteien
+ den Vertrag nicht oder mit anderem Inhalt geschlossen,​ wenn sie diese Veränderung
+ vorausgesehen hätten, so kann gemäß § 313 Abs. 1 BGB Anpassung
+ des Vertrags verlangt werden, soweit einem Teil unter Berücksichtigung aller
+ Umstände des Einzelfalls,​ insbesondere der vertraglichen oder gesetzlichen
+ Risikoverteilung,​ das Festhalten am unveränderten Vertrag nicht zugemutet
+ werden kann. Einer Veränderung der Umstände steht es nach § 313 Abs. 2
+ BGB gleich, wenn wesentliche Vorstellungen,​ die zur Grundlage des Vertrags
+ geworden sind, sich als falsch herausstellen. Ist eine Anpassung des Vertrags
+ nicht möglich oder einem Teil nicht zumutbar, so kann der benachteiligte Teil
+ nach § 313 Abs. 3 Satz 1 BGB vom Vertrag zurücktreten. An die Stelle des
+ Rücktrittsrechts tritt für Dauerschuldverhältnisse nach § 313 Abs. 3 Satz 2 BGB
+ das Recht zur Kündigung.((BGH,​ Urteil vom 1. Februar 2018 - I ZR 82/17 - Gefäßgerüst))
+ Nach diesen Grundsätzen kann die Änderung einer gefestigten höchstrichterlichen Rechtsprechung nach § 313 Abs. 1 und 2 BGB eine Anpassung eines Vertrags rechtfertigen,​ wenn der Geschäftswille der Parteien - wie regelmäßig
+ - auf der gemeinschaftlichen Erwartung vom Fortbestand einer bestimmten Rechtslage aufgebaut war. Die Frage, ob und inwieweit gegebenenfalls eine Anpassung des Vertrags gemäß § 313 Abs. 3 Satz 1 BGB möglich und zumutbar
+ ist oder der benachteiligte Vertragspartner eines Dauerschuldverhältnisses nach § 313 Abs. 3 Satz 2 BGB das Recht zur Kündigung hat, ist unter Berücksichtigung der Interessen beider Parteien zu entscheiden. Es genügt nicht, dass
+ ein weiteres Festhalten am Vereinbarten nur für eine Partei unzumutbar erscheint; vielmehr muss das Abgehen vom Vereinbarten der anderen Partei auch zumutbar sein.((BGH, Urteil vom 11. Januar 2018 - I ZR 85/17 - Krankenhausradio;​ m.V.a. BGH, Urteil vom 1. Februar 2018 - I ZR 82/17 - Gefäßgerüst;​ m.V.a. BGH, Urteil vom 25. November 2009 - XII ZR 8/08, NJW 2010, 440 Rn. 28; BGH, GRUR 2016, 278 Rn. 12 - Hintergrundmusik in Zahnarztpraxen))
+ Unter diesen Umständen kommt auch die fristlose Kündigung von urheberrechtlichen Lizenzverträgen in Betracht, sofern sich im Hinblick auf eine konkrete urheberrechtlich relevante Verwertungshandlung eine gefestigte
+ Rechtsprechung gebildet hat und sich diese - beispielsweise veranlasst durch eine Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union - ändert.((BGH,​ Urteil vom 11. Januar 2018 - I ZR 85/17 - Krankenhausradio;​ m.V.a. BGH, Urteil vom 1. Februar 2018 - I ZR 82/17 - Gefäßgerüst;​ m.V.a. BGH, GRUR 2016, 278 Rn. 13 ff. - Hintergrundmusik in Zahnarztpraxen))
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unterscheiden sich die Kündigung aus wichtigem Grund und wegen Wegfalls der Geschäftsgrundlage im Anwendungsbereich und im Zumutbarkeitsmaßstab. Während die außerordentliche Kündigung eines Dauerschuldverhältnisses nach § 314 BGB ein vertragsimmanentes Mittel zur Auflösung der Vertragsbeziehung darstellt, handelt es sich bei der Auflösung eines Vertrags wegen Wegfalls der Geschäftsgrundlage nach § 313 BGB um eine von vornherein auf besondere Ausnahmefälle beschränkte rechtliche Möglichkeit,​ die zur Vermeidung untragbarer,​ mit Recht und Gerechtigkeit schlechthin unvereinbarer Folgen unabweisbar erscheinen muss. An die Vertragsauflösung aufgrund Wegfalls der Geschäftsgrundlage sind daher strengere Anforderungen zu stellen als an die außerordentliche Kündigung eines Dauerschuldverhältnisses.((BGH,​ Urteil vom 8. Mai 2014 - I ZR 210/12 - fishtailparka;​ m.V.a. BGH, Urteil vom 26. September 1996 I ZR 265/95, BGHZ 133, 316, 320, 327 Altunterwerfung I)) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unterscheiden sich die Kündigung aus wichtigem Grund und wegen Wegfalls der Geschäftsgrundlage im Anwendungsbereich und im Zumutbarkeitsmaßstab. Während die außerordentliche Kündigung eines Dauerschuldverhältnisses nach § 314 BGB ein vertragsimmanentes Mittel zur Auflösung der Vertragsbeziehung darstellt, handelt es sich bei der Auflösung eines Vertrags wegen Wegfalls der Geschäftsgrundlage nach § 313 BGB um eine von vornherein auf besondere Ausnahmefälle beschränkte rechtliche Möglichkeit,​ die zur Vermeidung untragbarer,​ mit Recht und Gerechtigkeit schlechthin unvereinbarer Folgen unabweisbar erscheinen muss. An die Vertragsauflösung aufgrund Wegfalls der Geschäftsgrundlage sind daher strengere Anforderungen zu stellen als an die außerordentliche Kündigung eines Dauerschuldverhältnisses.((BGH,​ Urteil vom 8. Mai 2014 - I ZR 210/12 - fishtailparka;​ m.V.a. BGH, Urteil vom 26. September 1996 I ZR 265/95, BGHZ 133, 316, 320, 327 Altunterwerfung I))
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References: §314
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