Source: http://nci-br.netzwerkit.de/docs/nci-aktuell-archiv-08-12.htm
Timestamp: 2018-08-16 06:31:00+00:00

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NCI Aktuell Archiv: Dezember 2008
NCI Aktuell Archiv Dezember 2008
Neue Telefonnummern nach hektischen Umzügen
So kurz vor den Weihnachtsfeiertagen mußten so ca. 400 Mitarbeiter ganz schnell von der Hofmannstraße in die Martinstraße umziehen. Warum es der Arbeitgeberin plötzlich so eilig war, kann man nur vermuten, die Umzüge wurden aber durchgeführt und sind jetzt abgeschlossen.
Erstaunlich bei der ganzen Aktion ist, dass die Kollegen, jetzt auch noch neue Telefonnummern bekommen haben. Offensichtlich hat man es nicht geschafft, oder es war gar nicht gewollt, die alten Telefonnummern der Hofmannstraße beizubehalten. Besonders ärgerlich dabei ist, dass eigentlich jeder zum Jahresende sowieso eine neue Telefonnummer bekommen sollte, da ja die gesamte Telefonanlage ausgewechselt werden soll. Diese neue Telefonanlage verschiebt sich jedoch, das wurde bereits ausführlich kommuniziert.
Man muß sich bei solchen Aktionen immer fragen: Sparen wir uns eigentlich zu Tode? Sparen, koste es was es wolle? Warum bekommen jetzt 400 Mitarbeiter für nur wenige Tage eine neue Telefonnummer? Die neue Telefonanlage steht doch schon kurz vor der Installation in den Startlöchern. War da keine andere Lösung zu finden?
Pech gehabt: Rechtsanwalt verschlampt Kündigungsschutzklage
Wie schon kürzlich von Viola beschrieben, muss man eine Kündigungsschutzklage spätestens drei Wochen nach Zugang der Kündigung beim Arbeitsgericht erheben (§4 KSchG). Aber keine Regel ohne Ausnahme:
War ein Arbeitnehmer trotz Anwendung aller ihm nach Lage der Umstände zuzumutenden Sorgfalt verhindert, die Klage innerhalb von drei Wochen zu erheben, so ist auf seinen Antrag die Klage nachträglich zuzulassen ... Der Antrag ist nur innerhalb von zwei Wochen nach Behebung des Hindernisses zulässig. (§5 KSchG)
Dass an die zuzumutenden Sorgfalt sehr hohe Anforderungen gestellt werden, macht in seinem Urteil vom 11.12.2008 das Bundesarbeitsgericht (BAG) klar. Ein Arbeitnehmer hatte zwei Tage nach der Kündigung einen Rechtsanwalt beauftragt, Kündigungsschutzklage zu erheben. Als er sich dann erst zwei Wochen nach dem Ablauf der Frist nach dem Stand der Dinge erkundigte, erfuhr er, dass der Anwalt die Klage verschlampt hatte. Das BAG wies in einer Revison die Klage auf Zulassung einer verspäteten Klage nach §5 KSchG zurück, das Versäumnis seines Prozessbevollmächtigten sei dem Kläger zuzurechnen.
Wähle deinen Rechtsanwalt sorgfältig aus. Wie überall gibt es auch in dieser Branche solche und solche. Sprich mit Kollegen über dieses Thema. Besuche selbst Gerichtsverhandlungen und mache dir ein eigenes Bild. Und das alles natürlich rechtzeitig.
Und: Einmal vor Ablauf der Frist kurz nachzufragen hätte im beschriebenen Fall bestimmt nicht geschadet.
NSN: Neue Telefone - jetzt doch nicht zum Jahresende
Ursprünglich war angekündigt, dass bis zum 31.12.2008 die Telefonanlage bei NSN Deutschland ausgewechselt und jeder Mitarbeiter sowohl ein neues Telefon, als auch eine neue Telefonnummer bekommen sollte. Nun, jeder hat gemerkt, dass es bis heute noch keine neuen Telefone gibt. Wir haben alle noch unsere alten Apparate. Warum das so ist, wird uns dann sogar mitgeteilt: "der VoIP Rollout in Germany wird sich auf das erste Quartal 2009 verschieben". Der Austausch der existierenden IP-Telefone durch die neuen IP-Telefone ist für Anfang bis Ende Februar 2009 geplant und die alten Telefonnummern sind noch bis Anfang Februar 2009 gültig. Hatte man den Mitarbeitern nicht irgendwann gesagt, dass diese neue Anlage ganz turbo toll sein soll und das sich darüber hinaus auch noch durch die Ablösung der jetzigen SIS-Voice Verträge, Kosteneinsparungen von ca. 300.000,-- € pro Monat ergeben?
Nun fragt sich natürlich der kritische Leser: Wenn das Telefonieren doch so teuer ist und man mit dieser neuen Anlage so viel Geld sparen könnte, ja warum verzögert sich denn dauernd der "Rollout"? Wollen wir jetzt Geld sparen oder nicht? Oder lohnt es sich schlicht gar nicht mehr, diese Anlage zu installieren? Wartet man jetzt erst mal ab, was aus dem deutschen Personal überhaupt wird?
In der Info Mail, die die NSN Mitarbeiter am 19.12.2008 erhalten haben gibt es natürlich einen Link auf eine Intranet-Webpage. Dort findet sich ein Foliensatz, der immer noch den Stand von Juli 2008 aufweist und erzählt: "Die Einführung des Systems wird bis Ende 2008 abgeschlossen sein." Nicht mal den Foliensatz hat man überarbeitet, bzw. aktualisiert. Wie halbherzig hier doch alles geschieht.
Folgender Appell dieser Folie in der persönlichen Anrede "Du" gilt bestimmt immer noch:
Aktualisiere Deine im NSN Phonebook hinterlegten persönlichen Daten
Um eine effiziente und kostengünstige Kommunikation zu ermöglichen, sollten die im Phonebook hinterlegten Daten immer aktuell sein. Überprüfe Deine im Phonebook hinterlegten Daten und ändere diese bei Bedarf. Nach Umzügen werden die Daten nicht automatisch angepasst, sondern müssen von jedem Mitarbeiter selbst vorgenommen werden.
Also die Daten immer schön aktuell halten, das spart Kosten.
Betriebsbedingte Kündigung - die größten Irrtümer
Wie kommt es eigentlich zu betriebsbedingten Kündigungen? Nun, diese Frage wurde schon länglich, ausschweifend und erschöpfend auf www.nci-net.de analysiert. Da es aber anscheinend immer wieder andere Mitarbeiter trifft, muss diese Thematik in regelmäßigen Abständen neu aufgerollt werden. Versuchen wir diesmal, die Sache rückwärts anzugehen. Was sind denn die großen Irrtümer in puncto Kündigung.
Wunschtraum, jeder ist ersetzbar. Das schmeichelt der Seele leider gar nicht, denn wir fühlen uns ja so gerne unersetzlich. Aber jede Umorganisation hat bewiesen: es geht auch ohne mich. Sogar Heinrich von Pierer wurde eines Tages durch einen anderen abgelöst und die Welt hat nicht aufgehört sich weiter zu drehen.
Stimmt auch nicht. Es gibt zwar durchaus gewissen gesetzlichen Schutz vor Kündigungen, beispielsweise Schwerbehinderung, Schwangerschaft, Schutzfristen, etc., tariflichen Kündigungsschutz z.B. ab 50 Lebensjahren, wenn man seit 15 Jahren der Firma angehört. Allerdings gilt dies nur im Tarifkreis und auch nur für Gewerkschaftsmitglieder. Darüber hinaus gibt es Firmenselbstbindungen, beispielsweise die Unkündbarkeit ab 25 Jahren Firmenzugehörigkeit. Die Statuten für Jubilare werden allerdings derzeit bei NSN überarbeitet. Man hüte sich aber generell auf diesen Sonderkündigungsschutz zu bauen. Die Arbeitgeberin wendet raffinierte Strategien an, um Kündigungsschutz zu umgehen. Dafür gibt es eine Unzahl von Beratern, die nichts anderes tun, als sich überlegen, wo kann man was und wie machen, damit die bestehenden Gesetze umgangen werden können. Diese Berater bieten Schulungen, Seminare, Kongresse, Workshops etc. an, die reichlich von den Arbeitgebern besucht werden.
Eine Kündigung kann per Mail erfolgen
Falsch, nach § 623 BGB bedarf eine Kündigung der Schriftform, die elektronische Form ist ausgeschlossen.
Der Arbeitgeber kann jeden betriebsbedingt kündigen
Täte er gerne, erzählt er auch immer wieder. Nur: so einfach ist das auch wieder nicht. Lassen wir mal den Sonderfall der Betriebsschließung beiseite, da gelten wiederum eigene Regeln. Konzentrieren wir uns mal darauf, dass die Arbeitgeberin sagen wir mal 10 Prozent der Belegschaft abbauen will und das über betriebsbedingte Kündigen abwickeln möchte.
a) Die Arbeitgeberin muss dafür erst mal eine unternehmerische Entscheidung treffen, in der definiert wird, welche Arbeitsplätze entfallen sollen. Derzeitiges Paradebeispiel hierfür bei NSN ist der betriebsärztliche Dienst (BÄD). NSN hat die unternehmerische Entscheidung getroffen, dass dieser BÄD nicht mehr hausintern angeboten wird, sondern über eine Fremdfirma. Dies ist eine unternehmerische Entscheidung. Sie ist nachvollziehbar. Das medizinische Personal wird gemäß dieser Entscheidung nicht mehr gebraucht. Also könnte die Arbeitgeberin dieses medizinische Personal betriebsbedingt kündigen. So hätte es die Arbeitgeberin auch gerne, läuft aber nicht.
b) Als nächstes wird das Personal sagen, dass es bereit ist auf anderen vergleichbaren Stellen im Unternehmen zu arbeiten. Jetzt wird der Arbeitnehmer beweisen, dass es Stellen gibt, auf denen er arbeiten könnte, die Arbeitgeberin wird dagegen beweisen wollen, dass es eben keine Stelle gibt. Wirkliche Probleme bekommen dabei die absolut einmaligen Berufsgruppen. Der Papst beispielsweise ist einmalig. Es kann nur einen geben, es gibt keinen zweiten. Deswegen sollte man als Mitarbeiter immer darauf bedacht sein, dass der persönliche Job nicht einmalig ist. So schwer das dem persönlichen Ego auch fallen mag. Lieber bin ich Softwareentwickler, davon gibt es hunderte als hybridaktivierter Systemsoftwarespeciallist, wenn es von dieser Berufsgruppe nur mich als einzigen gibt. Je breiter der Arbeitsvertrag gespannt ist, desto besser für den Mitarbeiter im Falle einer Kündigung. So könnte beispielsweise das medizinische Personal, das sehr viel Verwaltungsarbeit gemacht hat, durchaus einen Verwaltungsposten außerhalb der Medizin übernehmen. Dann sind die Events halt nicht mehr medizinisch orientiert, sondern vertrieblich, wo ist der Unterschied in der Organisation derselben?
c) Jetzt muss der Arbeitnehmer nur noch eine Stelle im Betrieb finden, die er mit seiner Vorbildung und Berufserfahrung auch machen könnte, die ein jüngerer Kollege mit weniger Firmenjahren inne hat, oder eine offene Stelle im Stellenmarkt. Dokumentation des internen Stellenmarktes ist in dieser Situation wichtig. Alle passenden Stellen ausdrucken, aufheben und tabellarische Übersichten erstellen. (Kommt gut vor Gericht.)
Also die Arbeitgeberin kann zwar kündigen, muss aber o. g. Punkte dafür beachten.
Der Betriebsrat kann gar nichts gegen Kündigungen tun
Es stimmt in der Tat: Verhindern kann der Betriebsrat Kündigungen nicht. Aber er hat ein Mitbestimmungsrecht bei Kündigungen und muss vor einer Kündigung angehört werden, (Kündigungs-Gerüchte). Die NSN Betriebsräte werden ihr Recht der Mitbestimmung nutzen und Widersprüche für Kündigungen schreiben. Die Arbeitgeberin hat in den letzten Jahren die Betriebsräte gut geschult. Den Betriebsräten wurden immer wieder Kündigungen vorgelegt, so dass die Betriebsräte sowohl argumentativ als auch von Seiten der Logistik gut aufgestellt sind. Denn die Fristen für Kündigungswidersprüche sind per Gesetz knapp. Der Betriebsrat hat bei ordentlichen Kündigungen gerade mal eine Woche Zeit zu widersprechen, bei außerordentlichen Kündigungen gar nur drei Tage. Für Einzelfälle mag diese Frist ausreichen, wenn aber 500 Kündigungen auf einmal kommen, werden Kündigungswidersprüche für den Betriebsrat eine Herausforderung. Aber Herausforderungen (challenge) lieben wir alle, da kann man sich endlich mal wieder beweisen.
Wenn man eine Kündigung hat, ist man draußen
Falsch: Wenn man eine Kündigung in der Hand hat und man meint, dass selbige ungerechtfertigt oder aus anderen Gründen rechtsunwirksam ist, muss man als Arbeitnehmer nach dem § 4 Kündigungsschutzgesetz eine Anrufung des Arbeitsgerichts vornehmen. Also man muss eine Klage bei Gericht einreichen, um überprüfen zu lassen, ob die Kündigung auch rechtswirksam ist. Wie überall gibt es auch dafür Fristen, man hat nur 3 Wochen Zeit, nachdem man die Kündigung erhalten hat. Man muss sich also sputen und muss innerhalb von drei Wochen seine Klage bei Gericht einreichen um sie überprüfen zu lassen. Versäumt man diesen Zeitraum, gilt die Kündigung als wirksam.
Gegen eine falsche Kündigung muss man gar nichts unternehmen.
Leider auch falsch. Wenn man gegen eine Kündigung nicht innerhalb von drei Wochen eine „Anrufung des Arbeitsgerichts“ (§ 4 Kündigungsschutzgesetz), also eine Klage einreicht, hat man seine Kündigung akzeptiert und sie ist rechtswirksam. Die Arbeitgeberin darf durchaus „falsch“ kündigen, die Rechtswirksamkeit muss jedoch über das Arbeitsgericht überprüft werden.
Dagegen kann man gar nichts machen
Nun, wer dieser Meinung ist, der sollte in der Tat das tun, was die Arbeitgeberin von ihm verlangt. Wer aber bereit ist, seine Rechte auch aktiv zu vertreten, was bei NCI-Lesern nicht ganz ausgeschlossen ist, der sollte sich seiner Rechte bewusst werden, Betriebsräte nicht als Feinde des Managements bezeichnen, das tut das Management bereits selbst, Rechtsanwälte als Helfer in Streitfällen betrachten und den Gang vor Gericht nicht scheuen.
IGM-Forderungen für 2009
Unter dem Titel "Keine Entlassungen in 2009" stellt die IG Metall ihre Forderungen und beabsichtigte Aktionen vor.
Darunter findet sich u.a., dass: „...in Zukunft die Verlagerung oder Schließung von Betrieben nur noch mit einer Mehrheit von Zweidritteln der Mitglieder des Aufsichtsrates möglich sein. Bei Stilllegung, Verlegung oder Einschränkung von Betriebsteilen sollen außerdem die Betriebsräte ein Vetorecht erhalten.“
Nachdem gerade bei NSN in Mch-H ein Pilotversuch läuft, durch ein willkürliches Zurechtschnitzen eines Betriebes mit anschließender Betriebsschließung die Sozialauswahl bei betriebsbedingten Kündigungen zu umgehen, wäre dies in der Tat ein wichtiger Schritt auch zum Erhalt der Sozialauswahl lt. Kündigungsschutzgesetz.
Nein, diesmal geht es nicht um Mobbing, sondern um die Belastung der Atemluft in Büros durch Tonerstäube, die aus Laserdruckern oder Kopierern stammen. Dass die winzigen Partikel, wenn sie in die Lunge gelangen, krebserregend sein können ist unbestritten; dies wurde durch Versuche mit Ratten nachgewiesen, die Ergebnisse wurden dann auf den Menschen umgerechnet, nicht gerade eine zuverlässige Methode, aber andere Daten liegen nicht vor.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat nun eine Risikobewertung herausgegeben, anscheinend um "Verunsicherung von Beschäftigten" entgegenzuwirken. ("Tonerstäube am Arbeitsplatz") Danach werde in Büros durchschnittlich nur eine mittlere Tonerstaubbelastung von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht, der Grenzwert liegt z.Z. bei 60 µg/m³. Dieser so genannte Risikogrenzwert wurde vom Bundesarbeitsministerium in diesem Jahr festgelegt und bedeutet, dass vier von 10.000 Menschen, die ein Arbeitsleben lang diese Luft geatmet haben, an Krebs sterben werden. "Mit diesem Risiko muss man leben." meint der Verantwortliche bei der BAuA. (Gilt aber nicht für die vier.) Die BAuA gibt also Entwarnung.
Dass wir in unserem Arbeitsleben auch anderen Gefährdungsstoffen begegnen, blieb dabei unberücksichtigt. Und die ganze Betrachtung bezieht sich nur auf ein durchschnittliches Büro. Erleben wir nicht laufend, dass überall "verdichtet" wird, also immer weniger Kubikmeter Atemluft pro Mitarbeiter. Das bedeutet doch auch immer mehr Drucker und damit Tonerstaub pro Kubikmeter.
Aber 2018 "naht" Erleichterung (wer's erlebt), ab dann gilt ein neuer Risikogrenzwert, bei dem sterben nur mehr vier von 100.000, wenn man da nicht inzwischen erneut daran dreht, falls die Hersteller es nicht schaffen, die Grenzwerte zu erreichen.
Bis dahin müssen wir uns eben mit einfacheren Mitteln behelfen:
Laserdrucker oder Kopierer mit niedrigen Emissionswerten verwenden
möglichst wenig drucken und kopieren.
Laserdrucker oder Kopierer möglichst weit vom Schreibtisch weg aufstellen
oft lüften, auch "Druckerräume" gut belüften
Büroflächen mit feuchtem Lappen reinigen
ja, auch das hilft: Größere Bürofläche pro Mitarbeiter
Merkblatt: Kopiergeräte und Drucker im Büro
Also jetzt geht aber was durcheinander. Wie können denn bereits erste betriebsbedingte Kündigungen ("Kündigungs-Gerüchte") gegen "Umzugsverweigerer" ausgesprochen werden und keiner bekommt es mit? Wenn es betriebsbedingte Kündigungen gibt, dann wird das in aller Regel zunächst bei der Arbeitsagentur angemeldet. Die Arbeitsagentur will nämlich wissen, was auf sie zukommt. (Wurde denn bereits bei der Arbeitsagentur etwas angemeldet?) Wenn dagegen wegen "Umzugsverweigerung" gekündigt werden sollte, dann kann es sich doch nur um eine verhaltensbedingte Kündigung handeln. Das sind zwei völlig verschiedene Sachverhalte. O.K. die Wirkung ist dieselbe, man ist gekündigt und seinen Job los, aber die Konsequenzen sind doch unterschiedlich. Eine verhaltensbedingte Kündigung setzt ein Fehlverhalten voraus. In aller Regel muss da erst eine Abmahnung ausgesprochen werden, bevor dann eine Kündigung ausgesprochen wird (außer vielleicht bei Diebstahl, aber das ist eine Straftat, darüber reden wir hier nicht)
Nun, so leicht kann die Arbeitgeberin allerdings keine Kündigungen aussprechen, weder eine betriebsbedingte, noch eine verhaltensbedingte. Warum nicht? Das Zauberwort hierfür ist: Mitbestimmung bei Kündigungen, geregelt in § 102 des Betriebsverfassungsgesetzes. Dieses Gesetz gilt natürlich nur, wenn es einen Betriebsrat gibt. Die NSN Mitarbeiter sind in der glücklichen Lage über jenes Mitbestimmungsorgan zu verfügen. Dieses Privileg hat nicht jede Firma. Nun in § 102 ist dann geregelt, wie eine Kündigung zu erfolgen hat. Wenn dieser Algorithmus nicht eingehalten wird, ja was ist dann? Dann ist die Kündigung unwirksam.
Also, eine ohne Anhörung des Betriebsrats ausgesprochene Kündigung ist unwirksam. Dem Gekündigten kann ja gar nichts besseres passieren, als die Umgehung des Betriebsrates. Diese Klage gewinnt man leicht. Man muss das allerdings tatsächlich vom Gericht klären lassen. Aber wer heute noch keine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hat, der sollte sich auf jeden Fall Rückstellungen für zukünftige Prozesse in sein privates Budget einstellen. Sollten bei NSN Kündigungen ausgesprochen werden, wird ganz schnell die Berichterstattung der Gerichtsprozesse wieder aufleben. In der großen Kündigungswelle 2003 wurden die Prozesse penibel dokumentiert. Diese Berichte sind heute noch amüsant zu lesen.
Wenn Kündigungen ausgesprochen werden würden, ohne den Betriebsrat anzuhören, würde natürlich gleichzeitig der Betriebsrat aufjaulen und sofort gegen die Arbeitgeberin vorgehen, denn die Mitbestimmungsrechte wären ja umgangen worden. Da fühlt man sich dann übergangen und gebietet dem sofort Einhalt. Geregelt in § 23 BetrVG Verletzung gesetzlicher Pflichten:
(3) Der Betriebsrat oder eine im Betrieb vertretene Gewerkschaft können bei groben Verstößen des Arbeitgebers gegen seine Verpflichtungen aus diesem Gesetz beim Arbeitsgericht beantragen, dem Arbeitgeber aufzugeben, eine Handlung zu unterlassen.
Der Sachverhalt von "groben Verstößen" wäre in diesem Fall sicher gegeben. Nächster Prozess, diesmal geführt vom Betriebsrat. Na, und dann würde das alles in der Zeitung stehen und die Prozessberichte hätten hohe Zugriffsraten. Die Arbeitgeberin hätte dann gegen ihre eigenen Richtlinien, den Code of Conduct verstoßen. Und es wäre alles ganz schrecklich. Wir sind doch alle verpflichtet, uns an die bestehenden Gesetze zu halten. Der Code of Conduct ist mittlerweile sogar in einer Gesamtbetriebsvereinbarung assimiliert wurden, und zwar als zweiter Teil der Arbeitsordnung. Was eine Betriebsvereinbarung ist, ist natürlich auch geregelt (§ 77 BetrVG) und es ist sogar geregelt, dass sie gültig sind:
(4) Betriebsvereinbarungen gelten unmittelbar und zwingend.
Die Juristen sind so. Erst definieren sie eine Regel, dann definieren sie, dass diese Regel auch gültig ist. In der Mathematik ist das anders: da definiert man eine Regel und muss beweisen, ob es stimmt oder nicht.
Also, was wäre jetzt schöner als jenes Szenario: Arbeitgeberin kündigt ohne Anhörung des Betriebsrates. Die Gekündigten reichen Klage ein, der Betriebsrat klagt auf Unterlassung jener Handlung, alles steht in der Zeitung und im Zweifelsfall drohen der Arbeitgeberin Ausschluss aus öffentlichen Aufträgen. Das ganze würde Dimensionen a la Hermann Harry Schmitz Das Buch der Katastrophen. Erzählungen annehmen und weil das Ganze eine riesen Lachnummer wäre, würde so etwas natürlich niemals passieren.
Cromme gönnt sich einen kräftigen Schluck aus der Pulle
Man gönnt sich ja sonst nichts … Siemens-Aufsichtsratschef Cromme will zur Hauptversammlung sein eigenes Gehalt (im letzten Jahr waren das schlappe 310.000 Euro) erhöhen lassen, um eben mal schnell 50%; Begründung: „Die Anforderungen an Aufsichtsratsmitglieder und die Arbeitsbelastung, insbesondere für den Vorsitzenden, sind beständig gestiegen.“
Die Arbeitsbelastung? Selbst wenn, seit wann wird bei uns die Zahl der vergossenen Schweißtropfen bezahlt, und nicht das Ergebnis? Cromme hat erst dann eine Gehaltserhöhung verdient, wenn die Arbeitsplätze bei Siemens wieder sicher sind!
Die vielen händeringend Jobs suchenden Kollegen in der Siemens-beE hätten dafür wohl kaum Verständnis.
Demos - Wie in alten Zeiten
Was tun, wenn man sich einsam fühlt? Man gehe auf eine Demo – dort trifft man Freunde, viele alte Bekannte und Kollegen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat und alle freuen sich auf ein Wiedersehen. Die Stimmung ist meist gut. Demos hatten wir bei NSN in letzter Zeit viele. Am 11.11. am Wittelsbacher Platz, am 19.11. in der Hofmannstraße und letztens am 02.12.2008 die Demo in der Martinstraße, während der Aufsichtsratssitzung von NSN. Die absolut harten Demonstrationen fanden früher natürlich immer vor den Hauptversammlungen der Siemens AG statt. Immer im Januar, in aller Regel waren das die kältesten Tage im Jahr, minus zehn Grad Celsius keine Seltenheit. Aber tiefe Temperaturen haben uns noch nie abgeschreckt, das stecken wir bei Demos locker weg - zwei Stunden, kein Problem.
Die aktuellen Demos waren nur von den Außentemperaturen gemäßigter, von der Stimmung waren sie frostig. Die Demo in der Martinstraße sollte die gleichzeitig stattfindende Aufsichtsratssitzung aufmerksam auf die Stimmung am Standort Martinstraße machen. Nun, laut Meldungen wären 450 Demonstranten da gewesen und kräftig laut war es auch. Eigentlich perfekt. Von den Aufsichtsräten der Arbeitgeberseite hat sich natürlich keiner blicken lassen, nur Arbeitnehmervertreter traten vor die Mitarbeiter. Ich hätte mich ja auch nicht der Masse gestellt, man weiß ja nie, am Ende steht man an einer Trillerpfeife zu nahe. Aber, trotz Abwesenheit der Arbeitgebervertreter des Aufsichtsrates, es war eine durchaus schöne Demo.
Verwunderlich ist eigentlich nur die Pressemeldung der IG-Metall im NSN-Dialog. Obwohl es eine Veranstaltung der Martinstraße war, finden sich im NSN-Dialog Artikel an erster Stelle Fotos von Transparenten wie "kein 2. Bochum in der Hofmannstraße". Der Spruch "Stoppt den Kahlschlag" ist auch nicht mehr ganz neu, den hatten wir bereits im Mai 2007. Das einzige Plakat, das die Martinstraßen-Thematik beschreibt, folgt im IG-Metall Ranking an letzter Stelle. Noch mal festgehalten: der Betriebsrat der Martinstraße und die betrieblichen Vertreter waren Organisator dieser Veranstaltung.
Im NSN-Dialog steht dann Folgendes zu lesen: "Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Georg Nassauer, Hofmannstraßen-Betriebsrat Alexander Sowa, der Betriebsratsvorsitzende der Martinstraße Horst Schön und IG Metall-Vertreter Michael Leppek schilderten nochmals kurz die Entwicklung seit dem 11. November".
Ja, warum wird in diesem Artikel ein Alexander Sowa so herausgehoben? Er ist doch nur ein einfaches Betriebsratsmitglied aus der Hofmannstraße. Hätte hier nicht der Betriebsratsvorsitzende der Martinstraße Horst Schön an erster Stelle genannt werden müssen? Er ist doch schließlich der Hausherr bzw. der "Herr im Haus im Betriebsrat", der Vorsitzende halt. Und warum hat nicht der Betriebsratsvorsitzender der Hofmannstraße gesprochen? Oder sein Stellvertreter? Der Vorsitzende und sein Stellvertreter sind doch schließlich die Sprecher für den Betriebsrat. Warum wurde Alexander Sowa derart prägnant in den Vordergrund gestellt – auf der Versammlung und im NSN-Dialog? Er war ja sogar vorbereitet darauf, er hatte ein Konzeptpapier in der Hand von dem er abgelesen hatte. Laufen da etwa schon Planungen für die nächste Betriebsratswahl? Sollte Alexander Sowa möglicherweise damit schon jetzt in der Martinstraße eingeführt und bekannt gemacht werden? Die Zusammenarbeit im Betriebsrat der Martinstraße läuft über alle Fraktionen sehr gut.
Müssen wir jetzt befürchten, dass diese derzeit sehr gute Zusammenarbeit im Betriebsrat der Martinstraße, durch eine „Heuss/Sowa-Mentalität“ nachhaltig belastet werden könnte?
Da verlaufe ich mich gerade im NSN Intranet auf den Seiten der Personalabteilung. (Nur im NSN-Intranet!) Heute heißt das natürlich Human Resources, denn wir denken nicht mehr an die Menschen, sondern nur noch in Ressourcen.
Auf dieser Seite findet man alles mögliche, z. B. die Präsentationen von Mitarbeiterveranstaltungen, also die Folien, die auf Veranstaltungen gezeigt wurden, Q&A Papiere, die Antworten auf Fragen, die noch keiner gestellt hat, Hinweise auf Umzüge, etc. Eine durchaus informative Seite, die man bestimmt gelegentlich brauchen kann.
Doch was findet man denn unter Support Links ? Unter dem Link zur Betrieblichen Sozialarbeit steht: "Selbstberechnung Arbeitslosengeld". Wie bitte? Die Personalabteilung, pardon Human Resources, setzt einen Link auf Arbeitslosengeldberechnung? Eine Anfrage, wie viel man netto verdient, wenn man von Vollzeit auf Teilzeit wechselt, kann HR nicht beantworten, aber der Rechner für Arbeitslosengeld ist schon jetzt gesetzt?
Was kommt denn da noch auf uns zu, wenn wir uns jetzt schon auf die Höhe unsers Arbeitslosengeldes einstellen sollen?
Die Siemens Vorstände kaufen wieder Siemens Aktien
Wer hätte das gedacht? Die Siemens Vorstände kaufen wieder Aktien. Zum Preis von 42 Euro haben einige Vorstände der Siemens AG wieder die Siemens Aktien eingekauft. Einer hat allerdings auch verkauft. ( www.insiderdaten.de In der Liste bitte "Siemens AG" auswählen)
Noch zu Kleinfelds Zeiten hat es so was nicht gegeben. Unter Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld wurden Aktien von den Vorständen verkauft, gekauft wurden sie nicht. Erst seitdem Peter Löscher, der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, begonnen hat, Anfang 2008 selbst Aktien einzukaufen, haben seine Vorstandskollegen mitgezogen und ebenfalls eingekauft. Nicht wie früher nur verkauft.
AUB-Affäre: Schelsky beschuldigt in einem Interview der SZ Walter Huber
siehe SZ vom Montag:
Der von Schelsky darin beschuldigte Walter Huber ist ehrenamtlicher Bundesarbeitsrichter und der ebenfalls erwähnte Klaus Armbrüster war Bundesarbeitsrichter!
Wie lange Walter Huber (der auch bei den schlimmen Ereignissen in der Hofmannstraße 2003 nicht ganz unbeteiligt war) wohl noch Deutschland-Personalchef der Siemens AG bleiben wird? Wann distanzieren sich Aufsichtsrat und auch Peter Löscher von ihm, im Interesse der Glaubwürdigkeit eines konsequenten Siemens-Neuanfangs?
LTE – wo sind die aktuellen Stellenausschreibungen?
Wie wir alle wissen, soll das neue Entwicklungszentrum der LTE Technologie also der Long-Term-Evolution Produkte, nach Ulm verlegt werden. Etwas eleganter ausgedrückt: die LTE Ressourcen sollen in Ulm gebündelt werden. Was LTE ist, das wissen wir bereits, LTE ist die neueste Handy-Technologie der vierten Generation.
Ulm ist in Deutschland und damit steht ein Hochlohnland plötzlich im Mittelpunkt einer Entwicklung. Das klingt zunächst mal toll. Ärgerlich dabei, dass der Standort München LTE-mäßig leer ausgehen soll. Aber das soll uns zunächst mal gar nicht interessieren. Schauen wir uns doch mal im internen Stellenmarkt um. Am 4.12.2008 sind im internen Stellenmarkt 55 offene Stellen mit dem Suchbegriff LTE zu finden. Bei genauer Durchsicht, wo auf diesem Planeten aktuell die offene Stellen ausgeschrieben sind ergibt sich folgendes.
Land offene Stellen
West Europe 2
Was können wir da sehen? Offene Stellen, die den Suchbegriff LTE enthalten, werden derzeit in neun Ländern ausgeschrieben. Dabei stellt den Großteil der offenen Stellen China und Polen, dort sind 33 von 55 offenen Stellen ausgeschrieben, also 60 %. In den restlichen 7 Ländern, darunter Deutschland und Finnland sind nur wenige offenen Stellen zu finden.
Kann man, wenn man sich diese Stellenausschreibungen ansieht, glauben, dass in Deutschland die Arbeitspakete nicht mehr abgearbeitet werden können? Das klingt doch eher danach, dass Kapazitäten woanders aufgebaut werden sollen. Was ist eigentlich in Polen und China? Weiß das jemand?

References: §5
 § 623
 § 4
 § 102
 § 102
 § 23