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Timestamp: 2018-02-22 18:11:35+00:00

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News Kommentare - Internetpfarrei im Sinne von Padre Alex - Mag. Mag. Dr. Alexander Pytlik
GEMEINSAME INTERNATIONALE ERKLÄRUNG ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik in Aktuelle Fürbitten, News Kommentare um 21:05
GEMEINSAME INTERNATIONALE ERKLÄRUNG ZUR UNTERSTÜTZUNG DER MENSCHENRECHTE VON CHRISTEN UND VERFOLGTEN IM NAHEN OSTEN
Der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhles (= Vatikan = Papst) bei den Vereinten Nationen und anderen Internationalen Organisationen in Genf, Seine Exzellenz Erzbischof Silvano Maria Tomasi, C.S., hat für den heutigen zweiten Jahrestag der Erwählung Seiner Heiligkeit Papst Franziskus eine erfreuliche Mitteilung. Als Akt der Solidarität mit jenen Christen und Menschen anderer Gemeinschaften, die unter der fortlaufenden schweren Verletzung ihrer Menschenrechte leiden, hat eine Kerngruppe dreier Völkerrechtssubjekte, nämlich bestehend aus der Russischen Föderation, dem Heiligen Stuhl und dem Libanon, eine gemeinsame Erklärung verfasst, die ich unterhalb aus dem englischen Originaltext von den Vatikanseiten übersetzt habe und somit exklusiv in deutscher Sprache anbiete. Es ist offenbar zum ersten Mal, dass vor dem Menschenrechtsrat explizit die Kategorie der Christen benannt wird. Mit der Hervorhebung der für die Christen gefährlichen Situation im Mittleren Osten werden gleichzeitig sämtliche Missbräuche angesprochen, welche Personen jeglichen religiösen, ethnischen und kulturellen Hintergrundes erleiden, einfach nur weil sie ihre Religionsfreiheit und Glaubensfreiheit ausüben wollen, ohne dass sie verfolgt und getötet würden. Diese Erklärung wurde heute bei der Sitzung des Menschenrechtsrates im Genfer "Palais des Nations" präsentiert, nachdem ihr bereits eine große Zahl von Völkerrechtssubjekten (nach meiner Zählung 64, zum großen Teil Staaten) per Unterschrift formell beigetreten ist (ich führe sie unterhalb der Erklärung an), was einen positiven politischen Willen zur Unterstützung der Menschenrechte und zur Beseitigung der benannten Menschenrechtsverletzungen signalisiert:
[MEINE DEUTSCHE ÜBERSETZUNG DES "JOINT STATEMENT ON SUPPORTING THE HUMAN RIGHTS OF CHRISTIANS AND OTHER COMMUNITIES, PARTICULARLY IN THE MIDDLE EAST":]
Gemeinsame Erklärung zur "Unterstützung der Menschenrechte von Christen und anderen Gemeinschaften, besonders im Nahen Osten" bei der 28. Sitzung des Menschenrechtsrates (Genf, 13. März 2015)
Der Nahe Osten lebt in einem Zustand der Instabilität und des Konfliktes, der sich neuerdings verschlimmert hat. Die Konsequenzen sind für die gesamte Bevölkerung der Region katastrophal. Die Existenz vieler religiöser Gemeinschaften ist ernsthaft gefährdet. Christen sind davon jetzt besonders betroffen. Heutzutage ist sogar ihr Überleben in Frage gestellt.
Bemühungen zum Aufbau einer besseren Zukunft für alle werden behindert. Wir sind Zeugen einer Situation, in der Gewalt, religiöser und ethnischer Hass, fundamentalistischer Radikalismus, Extremismus, Intoleranz, Vertreibung, Zerstörung des gesellschaftlichen Gefüges ganzer Gesellschaften und Gemeinschaften die Charakteristika eines unbrauchbaren politischen und sozialen Modells werden, wodurch die ganze Existenz vieler Gemeinschaften gefährdet wird, insbesondere der christlichen Gemeinschaft.
Millionen von Menschen wurden entweder vertrieben oder dazu gezwungen, ihre angestammten Gebiete zu verlassen. Jene, die in Konfliktzonen oder in den von Terroristengruppen kontrollierten Gebieten bleiben, leben mit der dauernden Bedrohung von Menschenrechtsverletzungen, Unterdrückung und Missbräuchen. Beide, Gemeinschaften und Einzelne, werden Opfer barbarischer Gewalthandlungen: sie werden ihrer Wohnstätten beraubt, aus ihren Geburtsstätten verjagt, in die Sklaverei verkauft, getötet, geköpft und lebendig verbrannt. Unzählige christliche Kirchen uralte Heiligtümer aller Religionen wurden zerstört. Die Situation der Christen im Nahen Osten, in einem Gebiet, wo sie seit Jahrhunderten leben und das Recht haben, zu verbleiben, weckt größte Sorgen. Mehr und mehr gibt es Anhaltspunkte, sich um die Zukunft der Christengemeinschaften ernsthaft zu sorgen, die zweitausend Jahre Existenz in dieser Region verzeichnen, wo das Christentum seinen vollen Platz hat und seine lange Geschichte begann. Die positiven Beiträge der Christen in den verschiedenen Ländern und Gesellschaften des Nahen Ostens sind bestens bekannt und fruchtbringend.
Wir sind zuversichtlich, dass sich die Regierungen sowie alle zivilen und religiösen Führer im Nahen Osten uns anschließen werden beim Herangehen an diese alarmierende Situation durch den gemeinsamen Aufbau einer Kultur friedlichen Zusammenlebens. In unserer globalisierten Welt ist Pluralismus eine Bereicherung. Die Präsenz und die Beiträge der ethnischen und religiösen Gemeinschaften spiegeln eine uralte Vielfalt und ein gemeinsames Erbe wider. Eine Zukunft ohne die verschiedenen Gemeinschaften im Nahen Osten wird mit einem hohen Risiko neuer Formen von Gewalt und Ausgrenzung sowie der Abwesenheit von Friede und Entwicklung verbunden sein.
Wir appellieren an die Internationale Gemeinschaft, die tief verwurzelte historische Präsenz aller ethnischen und religiösen Gemeinschaften im Mittleren Osten zu unterstützen. Hier kamen Weltreligionen zum Vorschein, einschließlich das Christentum. Nun erleben sie eine ernsthafte existentielle Bedrohung durch den sogenannten "Islamischen Staat" (Daesh) sowie durch Alqaida und durch verbündete Terroristengruppen, was das Leben aller dieser Gemeinschaften zerstört und das Risiko einer kompletten Auslöschung für die Christen schafft. Diese Unterstützung wird den Ländern der Region helfen, gesunde pluralistische Gesellschaften und vernünftige politische Systeme wieder aufzubauen, damit Menschenrechte und fundamentale Freiheit für alle gewährleistet werden. Deshalb ersuchen wir alle Staaten, ihr Engagement neu zu bekräftigen, was die Respektierung der Rechte eines jeden, insbesondere was das Recht auf Religionsfreiheit betrifft, was in den fundamentalen internationalen Menschenrechtsdokumenten enthalten ist.
[ENDE MEINER ÜBERSETZUNG DIESES EXTREM WICHTIGEN AUFRUFES VON MEHR ALS 60 VÖLKERRECHTSSUBJEKTEN.]
Folgende Völkerrechtssubjekte bzw. Länder haben diesem (in englischer Sprache formulierten) Aufruf sofort beigepflichtet, wobei die drei verfassenden Länder zuerst genannt werden und alle anderen in alphabetischer Reihenfolge (ich habe 64 gezählt - dies heißt jedoch nicht, dass nicht unterzeichnende Staaten die Inhalte der Erklärung ablehnen würden):
Russland (Russische Föderation), Libanon, Heiliger Stuhl; Albanien, Andorra, Argentinien, Armenien, Australien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, El Salvador, Finnland, Frankreich, Griechenland, Guatemala, Haiti, Honduras, Island, Irak, Irland, Israel, Italien, Kanada, Kongo, Kroatien, Kuba, Liechtenstein, Luxemburg, Mali, Malta, Monaco, Niederlande, Norwegen, Österreich, Panama, Paraguay, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Republik Korea, Rumänien, Sambia, San Marino, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Somalia, Souveräner Ritterorden von Malta (Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes von Jerusalem von Rhodos und von Malta) , Spanien, Syrien, Tschechien (Tschechische Republik), Ungarn, Venezuela, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, Vereinigte Staaten von Amerika, Weißrussland, Zypern.
Voll Schmerz denken wir im Gebet an die vielen verfolgten Menschen vor allem im Nahen Osten, aber auch in Afrika und anderen Teilen der Welt. Voll Freude danken wir heute Seiner Heiligkeit Papst Franziskus, der ihnen allen immer wieder eine Stimme leiht. So möge er als Petrusnachfolger und anerkanntes friedensstiftendes Völkerrechtssubjekt der Katholischen Kirche und der Welt mit seinem Wirken noch lange erhalten bleiben! Euer Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
HEILIGER POLYKARP, PATRON DER KIRCHE ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik in News Kommentare, Türkei und Zypern um 13:00
Am heutigen Festtag des heiligen Märtyrerbischofs Polykarp, Patron der Kirche von Smyrna (İzmir), übernehme ich zunächst einfach den gesamten Text jener schönen Broschüre, die in der St.-Polykarp-Kirche beim heutigen Sitz des lateinischen Metropoliten und Erzbischofs von Izmir (Türkei) angeboten wird. Abgebildet werden unter anderem die Innenansicht und die Fresken der wunderbar gepflegten Kirche des heiligen Polykarp, ihre Außenansicht, der Hauptaltar und die Kuppel sowie die Statue der Madonna und das Martyrium des Heiligen. Hier also der Text ohne Bilder, wobei ich dabei kleine Tippfehler ausbessere:
HEILIGER POLYKARP, BISCHOF UND MÄRTYRER, PATRON DER KIRCHE VON SMYRNA (IZMIR)
DIE KIRCHE SANKT POLYKARP (Necatibey Caddesi Nr. 2, 35212 İzmir)
Die Kirche St. Polycarp ist die älteste Kirche von İzmir. 1620 wurde mit Erlaubnis des türkischen Sultans Suliman des Großen eine Kapelle errichtet, die dem Gottesdienst der Christen dienen solle. Diese Kapelle befand sich damals innerhalb der Gebäude des französischen Konsulates. 1630 wurde dann eine Kirche mit anschließendem Kloster erbaut, die dann zur Pfarrkirche für die französische Gemeinde erhoben wurde. Diese Kirche wurde 1688 durch einen Brand zerstört. Die jetzige Kirche stammt aus dem Jahre 1690. Sie wurde mehrmals beschädigt, aber immer wieder restauriert. Im Jahre 1898 wurde der Bau vergrößert und neu ausgemalt. Die Fresken im Inneren der Kirche sind ein Werk des französischen Architekten Raymond Charles Péré, der in İzmir lebte. Ein weiteres Werk seines Schaffens ist der Uhrturm in Konak. Sein Bildnis ist auf dem Fresko, das die Verbrennung des heiligen Polykarp darstellt, festgehalten. Dieses Fresko ist rechts vom Hauptaltar. Raymond Péré ist der Mann mit dem schwarzen Schnurrbart, der wartet, bis er an der Reihe ist, um gefoltert zu werden.
In der Kirche ist auch eine Statue der Muttergottes, die Maria ganz in Schwarz gekleidet zeigt. Es wird berichtet, dass diese Muttergottesstatue von Katholiken, die aus Persien flüchten mussten, mitgebracht wurde. Sie steht in der Mitte des rechten Seitenschiffes. In der Kirche sind am Fußboden auch einige Grabstätten von Gemeindemitgliedern zu erkennen, die nach damaligem Brauch hier beigesetzt wurden. Die Gebeine wurden später jedoch andernorts bestattet. Die Pfarrei St. Polykarp wurde stets von Kapuzinern betreut. Ihr Kloster wurde 1929 an die Kirche angebaut, nachdem das frühere Gebäude am 13. September 1922 durch Feuer zerstört worden war. Dieses Kloster ist jetzt der offizielle Sitz des Erzbischofs von Izmir.
DER HEILIGE POLYKARP, BISCHOF UND MARTYRER (ca. 70 - 156 nach Christus)
SCHUTZPATRON VON IZMIR
Die Tradition berichtet, dass der heilige Polycarp aus einer Sklavenfamilie stammt. Als zehnjähriger Knabe wurde er von einer wohlhabenden christlichen Frau mit dem Namen Callisto gekauft und wie ein eigener Sohn erzogen. So wuchs er zu einem begabten jungen, frommen Mann heran. Wegen seines Glaubens und seines frommen christlichen Lebens, seiner Kenntnis der Lehre Jesu und der Überlieferung der Apostel wurde er vom heiligen Apostel Johannes als sein Nachfolger vorgesehen und zum Bischof von İzmir bestellt. Seine Amtszeit war keine leichte Zeit. Die christliche Gemeinde litt unter Verfolgung und auch unter inneren Auseinandersetzungen. Bischof Polykarp war den ihm anvertrauten Gläubigen Halt und Stütze. Dank seiner Bemühungen war es gelungen, ein Schisma zu verhindern und einen Streit, der über das Datum der Feier des Osterfestes ausgebrochen war, zu schlichten (die Ostkirche feierte Ostern gleichzeitig mit dem jüdischen Paschafest, während die westliche Kirche dies nach der Tradition des heiligen Petrus nicht tat). Bischof Polykarp starb im hohen Alter den Märtyrertod in einer Arena nahe von İzmir. Sein Leichnam wurde verbrannt. Vor seiner Hinrichtung wurde er nochmals aufgefordert, seinem Glauben abzuschwören und damit sein Leben zu retten. Er aber sagte darauf: "86 Jahre lang habe ich Christus als meinem Herrn gedient. Er hat mir nichts Böses angetan. Wie könnte ich meinen König verleugnen, der mich erlöst hat!" Der heilige Polykarp ist bis heute der Schutzpatron von İzmir. Sein Fest wird am 23. Februar gefeiert. Dieser Tag ist nach der Überlieferung der Tag seines Martertodes. Heute noch wird an diesem Tag der Brief des heiligen Ignatius von Antiochien an den heiligen Polykarp vorgelesen.
DIE SIEBEN KIRCHEN DER OFFENBARUNG
Geschichtlich gesehen ist İzmir, das alte Smyrna, die einzige überlebende Kirche der sieben kleinasiatischen Kirchen, von denen die Offenbarung des heiligen Johannes spricht. Das Wort "Kirche" bedeutet im biblischen Sinn eher Gemeinde als Gebäude. Der heilige Evangelist Johannes schrieb in der geheimen Offenbarung von der nahegelegenen Insel Patmos an die sieben Gemeinden von Ephesus, Philadelphia, Pergamon, Thyatira, Sardes, Smyrna und Laodizea. Alle diese Kirchen waren an historischen Stätten, deren Ruinen man besichtigen kann. Sie sind in einigen Stunden Autofahrt von İzmir aus zu erreichen.
[ENDE DER ERKLÄRUNGEN ZUR KIRCHE DES HEILIGEN POLYKARP GEMÄSS OFFIZIELLER BROSCHÜRE.]
Aber es geht in der Broschüre weiter, denn wie ich schon öfters wiederholte, ist der Besuch der Christen und ihrer Heiligtümer in anderen Ländern besonders wichtig. Und so listet dieselbe deutschsprachige Broschüre der St.-Polykarp-Kirche direkt am Sitz des lateinischen Metropoliten und derzeitigen Vorsitzenden der katholischen Türkischen Bischofskonferenz noch drei katholische und eine anglikanische Kirche in der impulsiven Großstadt Izmir auf:
ANDERE KATHOLISCHE UND ANGLIKANISCHE KIRCHEN IN IZMIR
1. DIE JOHANNES-KATHEDRALE: Die Hauptkirche in İzmir ist die Basilika des heiligen Johannes (Şehit Nevres Bulvarı Nr. 3). Dieser Dom wurde 1874 eingeweiht. Die Kirche von Lyon (Frankreich) ist die Schwesterkirche von Smyrna, weil Smyrna die ersten Missionare nach Frankreich sandte. Der heilige Irenäus von Lyon ist in Smyrna geboren. Die Kirche von Lyon hat deshalb beim Bau dieser Kirche mitgeholfen. Der Hauptaltar wurde vom seligen Papst Pius IX. gestiftet. [Bis zur Renovierung und feierlichen Wiedereröffnung als allen zugängliche Kathedrale und Hauptkirche der Region diente sie vor allem den Angehörigen der NATO-Luftwaffe zur Feier der Heiligen Liturgie.]
2. DIE KIRCHE ST. MARIA (Halit Ziya Bulvarı Nr. 67): sie wird von den Franziskanern betreut. Diese Kirche, die 1667 erbaut wurde, diente als Dom bis zum Bau der St.-Johannes-Basilika. Die religiösen Symbole, die diese Kirche schmücken, sind Kopien alter christlicher Symbole, die in Smyrna und Umgebung entdeckt wurden. Hier finden die Gottesdienste in italienischer Sprache statt.
3. DIE ROSENKRANZKIRCHE (1481 Sokak, Alsancak) nahe dem Bahnhof von Alsancak wird von den Dominikanern geleitet. Es ist ein wunderschönes Gotteshaus, das 1904 erbaut wurde. Die Kirche besitzt einen sehr hohen Marmoraltar. Die Messen werden in türkischer, italienischer und französischer Sprache gefeiert.
DIE ANGLIKANISCHE KIRCHE hat auch St. Johannes Evangelist als Patron und befindet sich gegenüber vom Bahnhof Alsancak. In einem anschließenden Gebäude befindet sich das britische Vizekonsulat. Die Kirche wurde am 7. April 1902 eingeweiht. Die Gottesdienste sind in englischer Sprache.
[ENDE DER TEXTE UND HINWEISE AUF DER POLYKARP-BROSCHÜRE IN DEUTSCHER SPRACHE.]
Sehr erfreulich ist diesbezüglich ein wissenschaftliches Symposium, das sich bereits vor drei Wochen den Heiligen der Stadt Smyrna/Izmir bzw. des viel größeren Metropolitan-Erzbistums widmete, worüber Prälat Dr. Nikolaus Wyrwoll verdienstvollerweise berichtet. Der Vorsitzende der katholischen Türkischen Bischofskonferenz, der lateinische Erzbischof von İzmir, Dr. Dr. Ruggero Franceschini OFMCap, hatte sich schon seit dem letzten Papstbesuch in der Türkei auf die für Februar 2015 angesetzte historische Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel gefreut, und dieser Besuch wurde nun tatsächlich zu einem Erfolg. Es freut mich daher, dass ich an dieser Stelle sehr vieles aus der gründlichen Darlegung zum "Besuch des Ökumenischen Patriarchen in Izmir/Smyrna, Freitag 6. bis Montag 9. Februar 2015" von Prälat Wyrwoll übernehmen kann. Auch im St. Georgsblatt erscheint sein Bericht: "Mit einem wissenschaftlichen Symposion (Freitag, 6. bis Samstag 7. Februar 2015) über die Heiligen der Stadt Smyrna/Izmir stärkt Patriarch Bartholomaios die wachsende orthodoxe Gemeinde in Izmir." "Am Freitag um 18 Uhr eröffnete der Patriarch das Symposion. Thema waren die, die alle Gläubigen verbinden: die Heiligen. Diesmal ging es besonders um die Heiligen der Gründungszeit des Bistums: um den Apostel und Evangelisten Johannes, den ersten Bischof von Smyrna, Bukolos, und seinen Nachfolger Polykarp, die Märtyrin Photini und um Irenäus von Lyon. Bukolos, Polykarp und Photini sind die Patrone des Bistums. Das erste Referat hielt Prof. Dr. Konstantin Belesos aus Athen, ehemaliger Student des Ostkirchlichen Institutes Regensburg. Bis Samstagabend referierten griechische und türkische Professoren, der Pfarrer der katholischen Kathedrale nahm als Zuhörer teil. Feierlicher Abschluss des Symposions war die orthodoxe Vesper in der katholischen Kathedrale unter Vorsitz des Ökumenischen Patriarchen und des Erzbischofs Ruggero Franceschini. Die riesige Kirche war gefüllt mit den orthodoxen und katholischen Christen, Pilgern aus Griechenland und Gläubigen aller Kirchen und Religionen der Stadt. Als Geschenk der orthodoxen und katholischen Christen der Stadt überreichte der Erzbischof dem Patriarchen am Ende der Vesper ein Enkolpion (das Medaillon mit dem Bild Christi auf dem Arm Mariens, das die orthodoxen Bischöfe tragen wie die katholischen Bischöfe das Brustkreuz). Der Patriarch legte es gleich an und begrüßte die Gemeinde in italienischer Sprache. Nach der Vesper zog die ganze Gemeinde in den Eingangsbereich, die Bischöfe enthüllten eine große Marmortafel zur Erinnerung an diesen ersten Besuch eines Ökumenischen Patriarchen in der katholischen Kathedrale."
Aber auch weitere Teile des wertvollen Berichtes von Prälat Wyrwoll möchte ich den Lesern nicht vorenthalten, wird dadurch ein weiteres Mal die in den letzten Jahren neu gewonnene Normalität an Religionsfreiheit und freiem christlichen Austausch in weiten Teilen der Türkei ersichtlich. Es geht zunächst um das Bukolosfest und die restarurierte Museumskirche desselben heiligen Voukolos (Bukolos), die bereits in einem Blogeintrag erwähnt wurde: "Der heilige Bukolos ist der erste Bischof von Smyrna. Die große Kirche zum heiligen Bukolos ist vom türkischen Staat nach den Wünschen des Patriarchen mit einer gläsernen Kuppel restauriert worden und wird als Museum betrieben. Sie kann (ab sofort) für Gottesdienste genutzt werden. Die Gottesdienste und Veranstaltungen dieser Tage waren erfüllt von ermutigenden Zeichen der Ökumene und vom lebhaften Interesse der muslimischen Bevölkerung. An den Gottesdiensten und Vorträgen nahm die gesamte Synode des Ökumenischen Patriarchates teil. Die Vorträge fanden in der Handelskammer (Ticaret odası) statt, unter großer Anteilnahme der Stadtverwaltung, der Bürger und der Presse. Mit einer feierlichen orthodoxen Liturgie in der Kirche des heiligen Bukolos wurde das Symposion eröffnet, es wurde abgeschlossen mit einer feierlichen orthodoxen Vesper in der katholischen Kathedrale St. Johannes Evangelist. An der ersten Liturgie in St. Bukolos nahmen der Vali [Gouverneur] und die Bürgermeister der Stadt teil. Mit dem katholischen Erzbischof Ruggero Franceschini waren die Pfarrer der neun katholischen Pfarreien der Stadt gekommen, der Rektor der katholischen Kathedrale und Mons. Nikolaus Wyrwoll vom Ostkirchlichen Institut Regensburg. Bei der feiernden Gemeinde waren viele Kinder und Enkel der Griechen, die beim Bevölkerungsaustausch 1923/1924 nach Griechenland ziehen mussten. Seit 1924 war die Kirche verlassen, die orthodoxe Gemeinde wird die Kirche wieder übernehmen, sobald sie stark genug ist. Seit 2013 ist Archimandrit Kyrillos Pfarrer der orthodoxen Gemeinde in Smyrna mit der kleinen Pfarrkirche St. Photini. Die Kirche hatte der griechische Generalkonsul in Izmir im Jahre 1981 von der holländischen evangelischen Gemeinde gekauft. Pfarrer Kyrill rechnet mit hundert einheimischen griechischen Pfarrkindern, mit einer viel größeren Zahl von Russen, Bulgaren, Georgiern, Rumänen. Seit der Krise in Griechenland kommen Christen von dort dazu, die in und um Izmir Arbeit finden. Credo und Vaterunser werden in jeder heiligen Liturgie griechisch, türkisch, russisch, georgisch und arabisch gebetet, die Fürbitten werden auch russisch gesungen. Die Prozession der Osternacht 2014 ging von St. Photini hinüber in die viel größere katholische Kathedrale. 2015 werden nun die Karfreitags- und Osternachtliturgie in St. Bukolos gefeiert, hier im Museumsgelände ist Platz genug für die Prozessionen." Von Archimandrit Kyrillos Sikis hatten wir in meinem Blogbuch schon durch ein übersetztes Interview mit Metropolit Franceschini gehört. In diesem Jahr werden die orthodoxen und orientalischen Christen Ostern ja eine Woche später als die lateinischen Christen feiern, wobei in Zypern oder auch in Antakya letztere sich aus ökumenischen Gründen diesem Osterdatum anschließen (vgl. auch den wiederum sehr erfreulichen Jahresbericht über die katholische Seelsorge im türkischen Antakya, also im traditionellen Patriarchalsitz Antiochia, in L'Osservatore Romano vom 10. Januar 2015 unter dem passenden Titel: "Außergewöhnliche Normalität".)
Kehren wir zurück zum Bericht von Prälat Wyrwoll und damit schon zum Sonntag, dem 8. Februar 2015: "Am Sonntagmorgen wurde die heilige Liturgie mit allen Metropoliten und einigen Soldaten und Offizieren der NATO in der völlig überfüllten Pfarrkirche St. Photini gefeiert. Der Oberst der griechischen Soldaten überreichte dem Patriarchen eine große Gedenkmedaille. Gegen Mittag fuhren viele auf den Burgberg im Stadtteil Konak zu der Stelle, wo der heilige Bischof Polykarp lebendig verbrannt wurde. Ein kleines 'Wunder': wir wagten wegen des starken Regens nicht, aus dem Bus zu steigen. Der Patriarch trifft ein, die Sonne bricht durch! Der Ortsbürgermeister pflanzt mit dem Patriarchen einen Baum, dabei wird der Märtyrerhymnus aus der griechischen Liturgie gesungen, Wyrwoll singt das Regina Coeli. Alle steigen in den Bus, der Regen beginnt wieder und begleitet uns bis in die Nacht. Zum Mittagessen in einer zum Restaurant und Veranstaltungsort umgebauten Brikettfabrik hatte der Ortsbürgermeister von Konak eingeladen. Dann ging es weiter zum Ortsteil Bornova, der Patriarch besuchte den Ortsbürgermeister von Bornova. In der wieder aufgebauten Kirche Zum Heiligen Kreuz sangen wir den Kreuzeshymnus. Der Ortsbürgermeister von Bornova begrüßte uns in dieser als Museum betriebenen Kirche. Er sprach die Hoffnung aus, dass die orthodoxe Gemeinde wenigstens am Kreuzfest im September 2015 hier Gottesdienst feiern werde. Zusammen mit dem Patriarchen pflanzte er einen Baum und empfing uns dann in den Gebäuden der Stadtverwaltung, wo eine ständige Fotoausstellung über den Bevölkerungsaustausch 1923 zu sehen ist. Alle Fotos sind in griechischer und in türkischer Sprache erläutert. Ich war innerlich erregt, weil die Bilder mich an meine Vertreibung 1946 aus Schlesien erinnerten, wo wir noch das Eintreffen der aus der Ukraine vertriebenen Polen erlebt hatten. Wie der Zufall will, stellte sich am Dienstag der Fahrer (*1975) des Taxis zum Flughafen vor als 'Kritikos' = Kreter, türkisch 'Girit', Enkel von 1923 aus Kreta vertriebenen Muslimen: 'Mein Großvater konnte nur griechisch, mein Vater griechisch und türkisch, ich nur türkisch. Wir alten Kreter wohnen alle in Bornova.' Am Sonntag beim Abendessen waren wir Gäste des Ortsbürgermeisters Bornova."
Am Montag, dem 9. Februar 2015, um 11.30 Uhr verlieh die Wirtschaftsuniversität im Ortsteil Narlıdere einen Dr. h. c. in Soziologie an Patriarch Bartholomaios. Dabei schrieb er folgendes ins Ehrenbuch: "Bugünden itibaren bu ilim ailesinin bir ferdi olarak kabul edilmemiz bizim için bir onur ve sevinç vesilesidir. Bu Kararı alan şahsıyetlere - ve bundan sonra değerli dostlarımıza - şükranlarımızı arzederiz. Dualarımız, bu kurumla ve sevgili talebeleri ve hocaları ile sabit kalacaktır. Bu Üniversite'nin hazırladığı aydın yeni nesil ülkemize ve dünyaya hayırlı olsun. Teşekkürlerimiz ve hayırdualarımızla - İstanbul Rum Patriği I. Bartholomeos. 9 Şubat 2015." Wir erkennen daran, dass Bartholomäus selbst demütig den Ökumene-Titel weglässt. Das erste türkische Ehrendoktorat hatte er übrigens schon am 19. Dezember 2013 von der Boğaziçi Universität erhalten. Prälat Wyrwoll berichtet also bereits zur zweiten türkischen Ehrendoktorwürde: "Die ganze Feier in der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula Magna verlief in englischer Sprache. In seiner Vorlesung ["BUILDING BRIDGES. Interfaith Dialogue, Ecological Awareness, and Culture of Solidarity"] betonte Bartholomaios den fundamentalen Beitrag der Religion für den Frieden, für die Ehrfurcht vor den Menschen aller Religionen, Kulturen, Sprachen, für die Ehrfurcht vor der Natur. Den Gästen aus Europa fiel auf, dass Erzbischof Bartholomaios schriftlich und mündlich mit dem Titel 'Ökumenischer Patriarch' vorgestellt wurde. Der Gebrauch dieses Titels war in den ersten Jahrzehnten der Republik unter Androhung von Gefängnisstrafen verboten, erst seit kurzem wird dieser Titel wieder verwendet. Die um 1800 aus Turkmenistan eingewanderten Aleviten haben in Narlıdere Zuflucht gefunden. Ihr erstes Gebetshaus mit Wohnungen ist heute Museum. Viele hatten sich heute frei genommen und füllten den Platz, reichten eine traditionelle Suppe und zeigten in den traditionellen Trachten einen Teil der Tänze (und Gesänge) ihres Donnerstag-Abendgottesdienstes. Anschließend pflanzten Patriarch und Ortsbürgermeister von Narlıdere einen Baum und ließen drei strahlend weiße Tauben fliegen. Nach dem Mittagessen am Meer als Gäste des Ortsbürgermeisters fuhren mehrere Busse nach Selçuk-Ephesus in den Ortsteil Şirince, der bis 1923 nur von Orthodoxen bewohnt war. Deren traditionellen Weinanbau haben die Muslime weiter geführt. Die Frauen nutzten die seitdem leere Kirche des heiligen Dimitrios, um dort ihre Handarbeiten anzufertigen. So ist das Gebäude bis heute erhalten, auch die Ikonostase (ohne Ikonen), alles ist frisch gestrichen, einige Reste von Fresken sind noch zu erkennen. Trotz des Dauerregens war die Kirche zur feierlichen Vesper um 17.30 Uhr gefüllt mit den Metropoliten, den Vertriebenenverbänden aus Nordgriechenland, mit den heutigen Dorfbewohnern. Patriarch und Bürgermeister saßen rechts vor der Ikonostase, die Sänger standen links. Und noch ein Wunder: nach den Psalmen wagte sich ein Hund durch die dichte Menge bis zum Altar, ging zur Seite und setzte sich genau vor den Patriarchen und schaute ihn vertrauensvoll an. Tatsächlich reichte ihm der Patriarch etwas hinunter, der Hund legte sich friedlich neben den Patriarchen und blieb dort bis zum Ende der Vesper. Der Bürgermeister sprach bewegende Worte der Freude darüber, dass wieder gottesdienstliches Leben in die alten Mauern gekommen sei, Türken und Griechen wieder öfter zusammen sein werden. Er lud ein in die Basilika des heiligen Johannes: dort werde Patriarch Bartholomaios am Freitag 8. Mai 2015, Liturgie feiern. Am Abend (des Montags 9. Februar 2015) flogen der Patriarch und die Metropoliten nach Istanbul zurück, die Synode wählte am Dienstag den Pfarrer Jean Renneteau der orthodoxen Gemeinde in Genf zum Weihbischof für das russische Exarchat in Paris. In Smyrna feierten die verbliebenen Gäste am Dienstag heilige Liturgie in der Pfarrkirche St. Photini, und viele machten eine Wallfahrt zur gerade restaurierten Kirche des heiligen Charalambos in Çeşme gegenüber der Insel Kos, die heute als städtisches Kulturzentrum verwendet wird." So weit also die präzisen Schilderungen von Prälat Wyrwoll über diese erfreulichen christlich-ökumenischen Begegnungen im Februar 2015 auf dem Gebiet des Erzbistums Izmir. Ende Februar vollendet Patriarch Bartholomaios I. übrigens sein 75. Lebensjahr.
So haben wir uns ausführlich und aktuell in ein Zentrum unserer christlichen Ursprünge versetzt, nach Izmir in die Türkei, also nach Smyrna, dessen Patron Polykarp bis heute ist und wo im Moment auch der Vorsitzende der katholischen Türkischen Bischofskonferenz seinen Sitz hat und gleich zwei riesige Bistümer leitet. Die christliche Gemeinschaft von Smyrna ist somit eine der ältesten der Welt, und sie sah seit ihren Ursprüngen die Präsenz der heiligen Apostel Johannes und Paulus. Johannes verbrachte den letzten Teil seines Lebens bekanntlich in Ephesus, 70 km von Izmir, und er wird auch als der Gründer dieser Ortskirche (Teilkirche) betrachtet. Mit Erlaubnis der türkischen Regierung war übrigens zum ersten Mal wieder am 27. Mai 2012 beim Grab des heiligen Apostels Johannes in Ephesus eine feierliche Pontifikalmesse zelebriert worden. Der heilige Polykarp, der nach den Worten seines eigenen Schülers, des heiligen Irenäus von Lyon, "Schüler (Jünger) der Apostel und Freund derer war, die den Herrn gesehen hatten", wurde in Ephesus um das Jahr 70 in einer christlichen Familie während der Regierung und Verfolgung des Kaisers Vespasian geboren. Seine Eltern vertrauten das Kind einer frommen und vornehmen Frau an, Callisto (Callista), die es in Liebe nach besten christlichen Maßstäben aufzog. Von sehr sensibler Natur war der Junge den Werken der Barmherzigkeit so verbunden, dass er das Vermögen der Adoptivmutter an die Armen verteilte. Als sich jedoch die Geldreserven wunderbarerweise wieder füllten, änderte Callisto (Callista) den Namen des Kindes von Pankratius zu Polykarp, was nämlich "viele Früchte" bedeutet. In seiner Jugend hatte er also noch den greisen Apostel Johannes und andere Zeugen der apostolischen Zeit gehört. So war er also tatsächlich ein Schüler desselben heiligen Evangelisten Johannes, der das Evangelium gemeinsam mit den Begleitern St. Bukolos und St. Ignatius von Antiochien in Asien verkündete. Indem er sich alle johanneischen Lehren zu eigen machte, teilte Polykarp alle Nöte des geliebten Jüngers bis zum Exil auf Patmos. Johannes weihte dann Bukolos zum Bischof von Smyrna, wobei er diesem Polykarp als unterstützenden Mitarbeiter beigab. In Smyrna wurde dann Polykarp zum Priester geweiht und hatte die Aufgabe der Sorge für die Waisen. Doch St. Bukolos sah seinen Tod kommen und bestimmte den demütigen Polykarp zu seinem Nachfolger. So regierte Polykarp als Hirte vom Jahr 100 weg mehr als 50 Jahre. Wir dürfen davon ausgehen, dass er als letzter Zeuge des Apostelzeitalters über weite Gebiete Kleinasiens als Autorität anerkannt war. So galt er als wesentliche Stütze des Kampfes gegen die entstehende Gnosis, einer radikalen Lehre der Selbsterlösung, als ob sich der Mensch aus eigener geistiger Kraft heraus erlösen könnte. Einen Verwandten dieser Irrlehre, den Marcion hat er (als "Erstgeborenen des Satans") öffentlich zur Rede gestellt (Iren., adv. haer. III, 3,4; Euseb, h. e. IV, 14,7; Mart. Polyc. cod. Mosq. epil. 3). Auch bemühte sich Polykarp um die Rückgewinnung von abgefallenen Gnostikern und Markioniten (Irenäus, adv. haer, III, 3,4). Alle seine Gedanken und Gesten waren Gott geweiht, und so konnte er kraft dessen viele Wunder wirken: er hat alleine durch Gebet ein Feuer von der Stadt Smyrna abgehalten und ließ es regnen, um eine Periode der Trockenheit zu beenden. Er befreite von Dämonen und heilte Kranke, sodass sich viele Heiden zu Christus Jesus bekehrten.
Ignatius schrieb während seiner Überführung nach Rom sowohl Polykarps Gemeinde in Smyrna als auch ihm selbst je einen Brief. Zu Beginn des bischöflichen Wirkens von Polykarp wurde der heilige Ignatius nämlich zum Tode verurteilt und in Ketten nach Rom gebracht, um den Raubtieren zum Fraß vorgeworfen zu werden. Auf dem Weg in die Hauptstadt des Reiches hielt Ignatius, um den heiligen Bischof Polykarp ein letztes Mal zu umarmen. In Troas angelangt, schrieb Ignatius zum Dank für die Gastfreundschaft einen Brief, mit dem er ihm auch die (Seel)Sorge der antiochenischen Kirche anvertraute. In diesem Schreiben übermittelt Ignatius dem Polykarp einige Lehren zu den Pflichten des Hirten, die auch heute gelten: "Pflichten des Bischofs. Ignatius, auch Theophorus, das heißt Gottesträger, genannt, an Polykarp, den Bischof der Kirche von Smyrna, der selbst zum Bischof hat Gott den Vater und den Herrn Jesus Christus, Gruß und Heil! Ich ermuntere dich in der Gnade, mit der du bekleidete bist, deinen Lauf zu beschleunigen und alle zu ermahnen, damit sie gerettet werden. Werde deiner Stellung als Bischof gerecht mit aller Sorge des Fleisches und des Geistes. Sorge für die Einheit, denn sie geht über alles. Ertrage alle Menschen, wie der Herr dich erträgt! Habe Geduld mit allen in Liebe - wie du es ja auch tust! Gibt dich unablässig dem Gebet hin. Bete um noch größere Einsicht, als du sie schon hast! Sei wachsam in dem unermüdlichen Geist, den du besitzt! Sprich zu jedem einzelnen im Sinne Gottes! Als ein vollkommener Kämpfer trage die Last der Krankheiten aller wie ein geübter Athlet (Vgl. Jes 53,4; Mt 8,17). Je größer die Mühe, um so größer der Lohn. 'Wenn du nur die guten Schüler liebst, wirst Du keinen Dank ernten.' (Vgl. Lk 6,32) Führe vielmehr in aller Milde besonders jene zum Gehorsam, die vom Verderben bedroht sind. Nicht jede Wunde wird mit demselben Pflaster geheilt. Fieberanfälle stille mit feuchten Umschlägen! Sei klug wie eine Schlange und arglos wie die Taube! (Vgl. Mt 10,16) Weil du selbst leiblich und geistlich zugleich bist, darum sollst du alles, was die vor die Augen kommt, mit Nachsicht behandeln. Was aber das Unsichtbare anlangt, bete, dass es dir aufgeht, damit dir nichts fehlt und damit du alle Gnadengaben überreich besitzt. Wie ein Steuermann nach den Winden verlangt und ein vom Sturm Überfallener nach dem Hafen, so verlangt die Zeit nach dir, damit du mit den Deinen zu Gott gelangst. Sei nüchtern wie ein Athlet Gottes. Wie auch du überzeugt bist, sind Unsterblichkeit und ewiges Leben der Siegespreis. In jeder Hinsicht bin ich für dich ein Sühnopfer, ich und meine Ketten, die du geküsst hast. Die nur dem Anschein nach glaubwürdig sind und Irrlehren vortragen, sollen dich nicht erschüttern. Steh fest wie ein Amboss unter den Schlägen. Es gehört zu einem guten Athleten, Schläge hinzunehmen und zu siegen. Besonders für Gott müssen wir alles ertragen, damit auch er uns erträgt. Werde noch eifriger, als du es schon bist! Wäge die Zeiten ab! Warte auf den, der über der Zeit steht, den Zeitlosen, den Unsichtbaren, der für uns sichtbar wurde, den Ungreifbaren, den Leidensunfähigen, der für uns leidensfähig wurde und auf jegliche Wiese um unseretwillen gelitten hat." (Diesen Auszug von Ignatius von Antiochien [+ nach 107] aus dem Brief an Bischof Polykarp habe ich entnommen dem Lektionar zum Stundenbuch II/4. Die Feier des Stundengebetes. Lektionar für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebrauchs. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Heft 4, 1. - 9. Woche im Jahreskreis. Zweite Jahresreihe, Freiburg i. B. 1994, S. 229 f. [8. Woche im Jahreskreis, Freitag, Zweite Lesung], wobei folgende Quelle angegeben wird: Epistola ad Polycarpum, Nr. 5, 1 - 8, 1.3: Opera patrum apostolicorum, Ed. Funk, Bd. 1 [Thübingen 1878] 248 - 253.)
Wie schon in der oben zitierten Polykarpbroschüre kurz angesprochen, reiste der schon sehr gealterte heilige Bischof um das Jahr 155 nach Rom, um mit Papst Anicet eine Einigung über den Ostertermin zu erreichen (Euseb, h. e. V, 24,16 f. vgl. IV,14,1), wobei er eben die kleinasiatische Praxis und somit den quartodezimanischen Standpunkt, auch mit den Schwerpunkten eines stellvertretenden Fastens für die Juden und des Blickes auf die Wiederkunft des auferstandenen Jesus Christus. Obwohl die Einigung nicht zustandekam, wurde Polykarp in Rom mit höchsten Ehren behandelt. Die Milde und Heiligkeit von Polykarp ließen dadurch seine Liebe nicht schmälern, im Gegenteil, der Papst und Bischof Polykarp tauschten im gegenseitigen Respekt der Unterschiede zwischen den örtlichen Teilkirchen den Friedensgruß aus. Als Polykarp am Aufbrechen war, überließ ihm der Papst auch den Vorsitz bei der Heiligsten Eucharistie, und auf Knien bat er Polykarp, gesegnet zu werden. So war also dieser heilige Bischof von Smyrna eine der beherrschenden Gestalten der sich bildenden Großkirche im Kleinasien des 2. Jahrhunderts. Kurz nach seiner Rückkehr nach Smyrna startete jedoch eine wütende Verfolgung, die von Marc Aurelius über alle Kirchen Asiens entfesselt wurde. In diesem erdrückenden Kontext fand der heilige Polykarp mit 86 Jahren einen glorreichen Tod, nach einer Gruppe von 12 Märtyrern aus Philadelphia. Obschon die Märtyrer jegliche Qualen erlitten - heute leider wieder all zu präsent durch weltweit agierende Terrorgebilde -, bevor sie den Wildtieren zum Fraß hingeworfen wurden, bewahrte Polykarp seine friedliche Natur und wollte in der Stadt bleiben, um seine geistliche Herde nicht zu verlassen. Aber als seine Gläubigen darauf bestanden, sich dem Tod nicht bewusst und übereilt auszusetzen, zog er sich in ein kleines Landhaus zurück, nicht weit weg von der Stadt, wo er Tag und Nacht für alle Menschen und alle Kirchen der ganzen Welt betete. Als Polykarp dann nach dem durch Folter erzwungenen Geständnis eines Sklaven entdeckt wurde, begegnete der heilige Greis den Soldaten, die ihn spätabends festnehmen sollten, mit einem strahlenden Gesicht und lud sie ein, mit ihm zu essen, wobei er sie nur um einen Moment des Gebetes bat. Als die Stunde des Abmarsches kam, ließen ihn die Soldaten auf einen Esel aufsitzen, um ihn so nach Smyrna zu schaffen. Die Soldaten waren von tiefer Furcht ergriffen und auch von Reue, ihre Aufgabe so erledigt zu haben. Der Polizeichef kam ihm entgegen und ließ ihn auf seinen Wagen steigen, um ihn vom Glauben abzubringen, damit er Caesar opfere. Doch als er sah, dass dies Zeitvergeudung war, stieß er ihn auf die Straße, wobei sich Polykarp am Bein verletzte und zu Fuß weiterging.
Als der heilige Polykarp so in das Stadium gelangte, das voll von schreienden und blutrünstigen Menschen war, vernahmen die Christen eine göttliche Stimme: "Hab' Mut Polykarp!" Der Prokonsul rief ihn auf, Christus zu widersagen: "Habe Mitleid mit Deinem Alter", und er sagte viele andere Dinge, welche die Verfolger unter diesen Umständen gewöhnlich damals sagten, aber der Heilige antwortete: "86 Jahre lang habe ich Christus als meinem Herrn gedient. Er hat mir nichts Böses angetan. Wie könnte ich meinen König verleugnen, der mich erlöst hat!" Der Prokonsul sagte daraufhin: "Wen Du Deine Meinung nicht änderst, überlasse ich Dich den Tieren." Und Polykarp: "Rufe sie, aber ich werde meine Meinung nicht ändern, um von einer besseren in eine schlechtere Situation zu gelangen." "Ich werde Dich verbrennen, wenn Du die Gefahr der Tiere herabwürdigst", sagte der Prokonsul. Polykarp, voll Freude und Kraft, antwortete: "Du bedrohst mich mit einem Feuer, das einen Moment brennt und dann aufhört; ich fürchte hingegen das Feuer des Gerichtes Gottes und die ewige Qual der Ruchlosen. Warum noch warten, tu, was Du tun willst." Da der Bote drei Mal verkündet hatte, dass Polykarp zugegen war, bestand die Menge darauf, ihn den Löwen zum Fraß vorzuwerfen. Aber in dem Moment, als die Kämpfe mit den Tieren beendet waren, schrien sie: "Verbrennt ihn lebendig!" Sehr schnell bereiteten Bürger das Holz für das Feuer, und in der Mitte der Holzstapel wollten sie ihn festnageln, aber Polykarp sagte: "Lasst mich frei: Der, der mir die Kraft gibt, das Feuer auszuhalten, wird mir auch die Macht geben, unbewegt auf dem Holz zu bleiben." Der Heilige erhob die Augen zum Himmel und dankte Gott, dass er ihn für würdig gehalten habe, mit allen Märtyrern an Seinem Leiden teilzuhaben, und als sein Amen ausgesprochen war, wurde das Feuer entzündet. Eine große Flamme entzündete sich, aber das Feuer nahm sofort die Form einer Höhle, wie eine vom Wind aufgeblasene Verhüllung, die den Körper des Märtyrers umgab, ohne ihn zu berühren. Mit dem Heiligen in der Mitte schien kein Fleisch zu verbrennen, sondern eher Brot gebacken oder Gold und Silber zum Glühen gebracht zu werden, wobei davon ein Duft von Weihrauch und anderen guten Aromen ausging. Da man feststellte, dass der Körper des Märtyrers unverbrannt blieb, befahlen die Heiden dem Henker, sein Leben mit dem Schwert zu beenden. Das Blut floss dabei in solchem Überfluss, dass das Feuer gelöscht wurde. Die Menge war zutiefst erstaunt. Das geschah also am heutigen Tag, dem 23. Februar des Jahres 156.
Die wertvollen Überreste des Märtyrers waren zur Verbrennung bestimmt, aber Gläubigen gelang es, einige Gebeine einzusammeln, die sie an einem würdigen Ort beisetzten, wo sie in jedem Jahr freudig diesen Tag der Geburt des Polykarp für den Himmel zelebrierten. Einige Fragmente der Gebeine von Polykarp wurden dann den Kirchen gegeben, damit seine Reliquien verehrt werden konnten, und davon ist ein kleiner Knochenteil des Schädels bis heute in Izmir, nämlich in einem wertvollen Reliquiar, das während der Novene (neun Tage Vorbereitung) und am Festtag (also heute) den Gläubigen zur Verehrung präsentiert wird. Hinzu kommt, dass das Martyrium des Polykarp (Martyrium Polycarpi) unter den Märtyrerakten (nach Acta 7) das älteste aufgezeichnete ist: es war in Briefform unmittelbar nach dem Tod des Heiligen geschrieben worden, nämlich von der Gemeinschaft in Smyrna an die Kirche von Philomelion in Phrygien. Polykarps Angabe vor seinem Richter, er habe Christus 86 Jahre gedient (Mart. Polyc. 9,3), fasst sein ganzes Leben unter dem Gesichtspunkt der Herrschaft Christi zusammen. Wir sahen ihn als einen vom vom Heiligen Geist erfüllten Greis gefasst das Martyrium auf sich nehmen, und dieses ruhmreiche Martyrium erinnert uns an so viele Christen weltweit, die ähnliche Qualen erleiden müssen, nur weil sie getauft und gefirmt sind und an diesen einzigen Erlöser Jesus Christus glauben. Exemplarisch denken wir vielleicht sogleich an die kürzlich bestialisch hingerichteten 21 koptisch-christlichen ägyptischen Arbeiter in Libyen. Der in der Deutschen Bischofskonferenz für die Weltkirche verantwortliche Metropolit von Bamberg, Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick, hat dazu dieses Gebet formuliert: "Herr und Gott, wir sind entsetzt und traurig über den Tod der koptischen Christen in Libyen. Wir klagen an und fragen: Wie können Menschen so grausam sein und Dich, ihren Gott, so beleidigen, indem sie Deine geliebten Geschöpfe, ihre Mitmenschen, quälen und töten? Wir klagen auch vor Dir, Herr und Gott, und fragen Dich: Konntest Du nicht diesen Kelch an den Ermordeten vorübergehen lassen, sie retten und zu ihren Familien in Ägypten zurückbringen? Trotz unserer Klagen und Fragen haben wir Hoffnung und Vertrauen und bitten Dich inständig: Lass die getöteten koptischen Christen und alle Opfer von Gewalt und Terror, bei Dir Frieden und die Fülle des Lebens finden. Tröste die Familien, Ehegatten und Kinder, Eltern, Verwandte und Freunde in ihrem Schmerz, lass sie nicht verbittern und nicht auf Rache sinnen, gib ihnen Gedanken der Versöhnung. Lass das Blut der Getöteten als Samenkörner aufgehen und Früchte des Friedens bringen für die Länder des Nahen Ostens. Bringe die Extremisten zu Vernunft und lass sie einsehen, dass Du der einzige und wahre Gott, Freiheit und Gerechtigkeit, Einheit und Liebe für alle Menschen willst. Sende den Verantwortlichen in der Politik, in der Gesellschaft und in den Religionsgemeinschaften Deinen Geist, damit sie ihrem Auftrag entsprechen, dem Wohl aller dienen und eine Zivilisation der Liebe weltweit aufbauen. Guter Gott über die Herzen der Menschen und den Lauf der Geschichte: Bekehre uns alle und mache uns zu Werkzeugen Deines Friedens für eine bessere Zukunft und eine Welt, die Deinem Willen entspricht. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn und Bruder. AMEN."
Der "apostolische Lehrer und prophetische Bischof" (Mart. Polyc. 16,2) Polykarp genoss auch später hohes Ansehen und war für den schon genannten Irenäus ein wichtiges Bindeglied in der Traditions- und Sukzessionslinie der Großkirche, d. h. der ununterbrochenen Nachfolge der Bischöfe durch die heilige Weihe. Tertullian zählt ihn zu den ("viri apostolici", de praescr. haer. 32), den Gewährsmännern der apostolischen Überlieferung. Einer, der heute an seinem Wirkungsort in den Fußstapfen des heiligen Polykarp schreitet, ist der regierende katholische Bischof von Smyrna, der Kapuziner-Erzbischof Dr. Dr. Ruggero Franceschini. Die regelmäßig erscheinende, von der italienischen Vereinigung AMCOR (Amici Chiese d'Oriente ["Freunde der Kirchen des Orient]) herausgegebene Zeitschrift "ANATOLIA OGGI" ("Anatolien heute") berichtet über viele der von ihm segensreich begonnenen und empfohlenen Aktivitäten. Online sind derzeit Ausgaben der Jahre 2012 (Mai) bis 2014 (Dezember) verfügbar. Vom 14. - 17. Jahrhundert war die Nachfolge der lateinischen Bischöfe von Smyrna ja nur noch titularmäßig gegeben, und bis zum 19. Jahrhundert war dann ein Apostolisches Vikariat vorhanden. Schließlich konnte Papst Pius VII. die antike Erzdiözese Smyrna mit der Bulle Apostolatus officium wieder in die Normalität eines voll ausgestatteten Metropolitanbistums (allerdings ohne Suffraganbistümer) versetzen. Bei den Verdiensten des heutigen lateinischen Metropoliten, der derzeit auch das Apostolische Vikariat Anatolien und die interrituelle katholische Bischofskonferenz leitet, ist die Ausgabe Nr. 70 (2/2013) von ANATOLIA OGGI zu seinem goldenem Priesterjubiläum hervorzuheben. Natürlich hat er rechtzeitig zum 75. Geburtstag (Stichtag somit der 1. September 2014) dem Heiligen Vater seinen Rücktritt angeboten, aber bis jetzt ist dieser nicht angenommen worden. Schon 1985 war er als Kapuzinerpater Maurizio der Obere der Mission in Iskenderun (Alexandretta) geworden, und 1986 wurde er zum regulären Oberen der Kapuzinermission in der Türkei gewählt. 1990 musste er nochmals zurück nach Parma, weil er nach den Jahren 1979 - 1985 nochmals als Provinzial die Gesamtverantwortung für die Kapuziner übernehmen sollte. Von dort aus nahm er sich besonders den Aufgaben in der Türkei an, und die Pastoralbesuche der Präfekten der Kongregation für die Ostkirchen (Simon Kardinal Lourdusamy im Juni 1990 und Achille Kardinal Silvestrini im Mai 1992) konnten deutlich erkennen, wie sehr die Arbeit der Kapuziner trotz damals noch zahlreicher administrativer Schwierigkeiten Früchte zeitigte. Bekanntlich fällt in der Türkei auch die lateinische Kirche in die Kompetenz der römischen Ostkirchenkongregation.
Am 2. Juli 1993 wurde Provinzial P. Maurizio Franceschini mit seinem Taufnamen Ruggero vom heiligen Papst Johannes Paul II. zum Apostolischen Vikar des Apostolischen Vikariates von Anatolien ernannt (gleichzeitig zum Titularbischof von Sicilibba beim früheren Karthago). In der Kathedrale von Mersin wurde er dann am 3. Oktober 1993 zum Bischof geweiht. Heute ist er wieder der Ordinarius dieser Teilkirche, nämlich als Apostolischer Administrator. Bis November 2004 (also in 11 Jahren Regierungszeit) konnte Bischof Ruggero Franceschini einige erfolgreiche Initiativen verzeichnen (ziemlich zu Beginn seines bischöflichen Wirkens versuchte allerdings ein Auto, ihn absichtlich zu überfahren - Gott sei Dank erholte er sich von den zahlreichen Brüchen sehr bald): er konnte die unbesetzten Stationen in Adana, Trabzon und Samsun wiedereröffnen (in der genannten Jubiläumsausgabe Nr. 70 [2/2013] von ANATOLIA OGGI sind schöne Photographien zu sehen, wie er selbst Hand anlegte); er konnte in Kappadokien (Uçhisar in der Provinz Nevşehir) ein kleines Haus in eine Gebetsoase umwandeln; er konnte durch den Aufbau von regionalen und zentralen Kontakten erreichen, dass der erste Sitz des heiligen Petrus in Antiochia (Antakya) und somit die Petrusgrotte als wichtiges Zentrum der ganzen Christenheit wiederentdeckt werde; er begann mit der Konstruktion eines Pauluszentrums in Tarsus; er förderte die enge Zusammenarbeit mit den antiken Kirchen der Armenier, der Syrer und der Chaldäer, die seit den ersten Jahrhunderten hier präsent sind; und er erreichte mit den orthodoxen Brüdern und Schwestern einen freundschaftlichen Kontakt, den es so noch nicht gegeben hatte, und er führte oft den Dialog mit der muslimischen Welt. Am 12. Oktober 2004 ernannte ihn der heilige Papst Johannes Paul II. zum neuen Metropoliten und Erzbischof von Smyrna (Izmir), und am 5. Dezember 2004 nahm er Besitz von diesem traditionsreichen Erzbistum. Nach der Ermordung des neuen Apostolischen Vikars für Anatolien am 3. Juni 2010, nämlich des Kapuzinerbischofs Luigi Padovese, wurde Erzbischof Franceschini auch wieder Ordinarius für das Vikariat Anatolien, als Apostolische Administrator. (Bereits am 5. Februar 2006 war der Priester Andrea Santoro in Trabzon umgebracht worden.) So wurde Erzbischof Ruggero Franceschini OFMCap 2010 auch wieder Vorsitzender der katholischen Türkischen Bischofskonferenz, was seit 2005 Mitbruder Padovese gewesen war. Immer wieder bat man um einen neuen Bischof für das Apostolische Vikariat, und es bleibt abzuwarten, ob in diesem Jahr möglicherweise gleich mehrere lateinische Bischofssitze in der Türkei neu besetzt werden. Auch im großen Erzbistum Izmir öffnet Erzbischof Ruggero katholische Pfarreien wieder, vor allem mit Hilfe von Fidei-donum-Priestern wie in einem Viertel der Großstadt Izmir. Insgesamt sind es mindestens sieben Kirchen, die Erzbischof Franceschini restaurieren bzw. auch zum täglichen Gebet wieder öffnen konnte. Und das große Ziel der Wiedereröffnung der Mutterkirche, der Kathedrale zum heiligen Johannes Evangelist, für die gesamte Öffentlichkeit ging auch noch in Erfüllung, obwohl dies sogar manche Gesprächspartner in Rom fast nicht geglaubt hätten. Ich habe in meinem Blogbuch darüber berichtet. Nebenbei wird nun auch die Georgskirche in der Nähe von Alanya restauriert, auch dies wieder mit tatkräftiger Unterstützung der kommunalen Behörden. Sie wird dann nicht nur den vielen orthodoxen Christen aus Russland und der Ukraine zur Verfügung stehen, sondern allen christlichen Gruppen.
Abschließen möchte ich diesen Blogeintrag zu Ehren des heiligen Polykarp mit einer weiteren erfreulichen Meldung aus der Türkei: SAT-7 TÜRK ist der erste und einzige christliche TV-Kanal, der ab sofort auf dem von der türkischen Regierung regulierten Satelliten Türksat 4A sendet. Nun können mehr als 50 Millionen Zuschauer in der Türkei und viele weitere türkisch sprechende Zuschauer in Europa und Zentralasien SAT-7 TÜRK ansehen. Der christliche Sender SAT-7 für den mittleren Osten und Nordafrika begann 2006 mit Sendungen in arabischer und persischer Sprache. Das türkischsprachige Programm musste sich bisher mit diesen Programmen andere Sendekanäle teilen und war lediglich im Internet 24 Stunden am Tag auf Sendung. Jetzt geht es für SAT-7 also einen großen Schritt vorwärts, weil Türksat der populärste Satellit mit dem größten Publikum in der Türkei mit mehr als 50 Millionen Zuschauern ist. Damit kann sich der christliche Sender, der als moderat evangelikal, aber keineswegs fundamentalistisch eingeschätzt werden kann, einem breiteren Publikum in Zentralasien, Europa und im Nahen Osten präsentieren. "Wir sind überwältigt und glauben wirklich, es ist ein Wunder, dass wir jetzt über Türksat senden", meint der geschäftsführende Direktor von SAT-7 TÜRK, Melih Ekener. SAT-7 TÜRK ist bestens vertraut mit der Herstellung von verschiedenen Arten von Programmen wie Drama, Dokumentation, Musik, Gottesdienst, Kinder-, Frauen- und Jugendprogrammen und seit kurzem auch Live-Shows. Die meisten Programme werden in den SAT-7-TÜRK-Studios in Istanbul produziert. "Wir machen Programme, die die kulturellen Werte des Landes respektieren und schätzen", so Melih Ekener, "und eröffnen der Welt so die Möglichkeit, unsere Wahrnehmung des Landes wie eine oft fehlende Farbe zu sehen." Dass die türkischen Behörden dieses Engagement von SAT-7 TÜRK würdigen und eine Frequenz auf dem offiziellen staatlichen Satelliten erteilt haben, ist für Ekener ein historischer Moment. Ein Programm von Christen aus der Türkei, das für die Gemeinden und darüber hinaus da ist und von dem bedeutenden christliche Erbe des Landes erzählt, wäre vor zehn Jahren noch nicht möglich gewesen. Türksat ist europaweit zu empfangen. SAT-7 TÜRK sendet auf Türksat 4A 42° Ost, 11,824 GHz Vertikal, SR 8000 3/4. Direkte Informationen zum Empfang in türkischer Sprache unter www.sat7turk.com. Dies ist eine große Freude für alle Christen, aber nicht zuletzt auch für den derzeitigen Präsidenten der katholischen Türkischen Bischofskonferenz, Dr. Dr. Ruggero Franceschini OFMCap, der heute den Stuhl des heiligen Bischofs Polykarp einnehmen darf. Vergessen wir nicht, dass dieser Boden auch heiliges Ursprungsland des Christentums war und ist. Im Gebet mit allen Lesern und Leserinnen in dieser Fastenzeit 2015 verbunden, grüßt herzlich Euer Padre Alex - Dr. Alexander Pytlik
DIE VON PAPST FRANZISKUS GESCHAFFENE ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik in Kirchenrecht, News Kommentare um 20:11
Aufgrund der ersten Presseerklärung der nunmehr voll besetzten (17 Mitglieder) und aktiven Päpstlichen Kommission für den Schutz der Minderjährigen biete ich heute, am Gedenktag der seligen Augustinerin Anna Katharina Emmerich, eine Aktualisierung zur reichhaltigen Arbeit der Katholischen Kirche auf dem Sektor der Prävention und Strafverfolgung innerkirchlicher Täter betreffend sexuellen Missbrauch. Seine Heiligkeit Papst Franziskus hat den Weg seiner Vorgänger konsequent fortgesetzt und sogar noch entschieden verstärkt. Schon vor einem Jahr, nämlich am 16. Januar 2014, konnte der Heilige Stuhl somit glaubwürdig auf seinen Einsatz betreffend die Konvention für die Rechte der Kinder hinweisen (vgl. die Präsentation von Erzbischof Silvano Maria Tomasi in Genf und die Erklärung von Direktor Pater Federico Lombardi SJ aus diesem Anlass). Bei der 65. Sitzung des Komitees für die Rechte des Kindes erklärte Erzbischof Tomasi zunächst unter Bezugnahme auf das John Jay College Research Team, The Causes and Context of Sexual Abuse of Minors by Catholic Priests in the United States, 1950 - 2010, Washington D.C, 2011, dass unter den weltweit angesehensten Berufen Missbrauchstäter zu finden seien, und "am meisten zu bedauern, Mitglieder des Klerus und anderes Kirchenpersonal eingeschlossen." (Alle Übersetzungen in diesem Blogeintrag stammen jeweils von mir selbst, sei es aus dem Englischen, sei es aus dem Italienischen.) Im Blick auf diese Wirklichkeit habe der Heilige Stuhl Programme und Vorgehensweisen entwickelt, um den Missbrauch zu eliminieren und mit den entsprechenden staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten. "Der Heilige Stuhl ist auch engagiert, den Missbrauchsopfern aufmerksam zuzuhören und den Auswirkungen zu begegnen, die solche Situationen auf Überlebende des Missbrauchs und auf deren Familien haben. Die große Mehrheit des Kirchenpersonals und der Institutionen auf lokaler Ebene hat ein breitgefächertes Angebot des Dienstes für Kinder angeboten, und sie setzen damit fort, indem sie diese ausbilden, ihre Familien unterstützen und auf ihre physischen, emotionalen und geistlichen Bedürfnisse eingehen. Ungeheuerliche Missbrauchsverbrechen gegen Kinder wurden korrekterweise gerichtlich behandelt und von den zuständigen staatlichen Behörden in den betreffenden Ländern bestraft."
Zur umfassenden Antwort des Heiligen Stuhles gegenüber dem Phänomen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen sagte Erzbischof Tomasi weiter: "Auf der Ebene des Heiligen Stuhles als des Souveräns des Staates der Vatikanstadt fiel die Antwort auf den sexuellen Missbrauch gemäß seiner direkten Verantwortung über das Territorium des Staates der Vatikanstadt aus. Diesbezüglich wurde eine Sondergesetzgebung in Kraft gesetzt, um internationale rechtliche Verpflichtungen zu integrieren, und diese Gesetze betreffen den Staat und seine sehr kleine Bevölkerung." Hier erkennt der Leser auch sehr schön, dass nicht das Territorium des Vatikanstaates Völkerrechtssubjekt oder ein selbständiger Staat ist, sondern einzig der Vatikan selbst, also der Heilige Stuhl und damit der Papst in Person (als einzige natürliche Person der Welt) ist Völkerrechtssubjekt. Erzbischof Tomasi führte somit präzise aus, wo genau welche Verantwortung gegeben ist. Für das Territorium verwies der Erzbischof auf das Gesetz des Staates der Vatikanstadt Nr. VIII vom 11. Juli 2013, das ergänzende Normen zu den Strafgesetzsachen enthalte, und auf das Gesetz Nr. IX vom selben 11. Juli 2013, das wiederum Ergänzungen zum Strafgesetzbuch und zum Strafverfahren mit sich gebracht hatte. Darunter fallen aber nicht nur "Beamte" auf dem Territorium des Staates der Vatikanstadt, sondern z. B. auch diplomatisches Personal in den Botschaften (Nuntiaturen) des Heiligen Stuhles auf der ganzen Welt. Und so führte Erzbischof Tomasi weiter aus, dass der Heilige Stuhl auf internationaler Ebene schon 1990 durch die Ratifizierung des "Übereinkommen über die Rechte des Kindes" (Kinderrechtskonvention) eine konkrete Handlung gesetzt hatte. Wie Pater Lombardi diesbezüglich erinnert, war der Vatikan damit am 20. April 1990 einer der allerersten Völkerrechtssubjekte, und er schloss dabei den von ihm abhängigen Kleinstaat ein. Am 24. Oktober 2001 schloss sich der Heilige Stuhl dann noch dem Zusatzprotokoll über Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie (als 11. unterzeichnetes Völkerrechtssubjekt) und ebenso jenem gegen Kinder in bewaffneten Konflikten an (als 7. unterzeichnetes Völkerrechtssubjekt). Der Vatikan fördere und unterstütze diese internationalen Instrumente. Gleichzeitig habe der Heilige Stuhl als Zentralorgan der Katholischen Kirche Richtlinien ausgegeben, um die Arbeit der lokalen Teilkirchen zu erleichtern, was die Entwicklung wirksamer Maßnahmen innerhalb der jeweiligen Jurisdiktion in Übereinstimmung mit der kirchenrechtlichen Gesetzgebung betrifft. Völkerrechtlich agieren jedoch nicht die Katholische Kirche oder ihre Teilkirchen, sondern einzig und alleine der Heilige Stuhl, und nur von ihm abhängig der Staat der Vatikanstadt. Deshalb muss an dieser Stelle auch mit Pater Lombardi betont werden, dass die regierenden Bischöfe und höheren Oberen nicht einfach als Delegierte des Papstes agieren. Aus diesem Grund können bei Unterscheidung der rechtlichen Ebenen Fragen zu spezifischen Missbrauchsfällen in katholischen Institutionen verschiedener Länder (Pater Lombardi gibt das Beispiel Irland oder die von den "Legionären Christi" geleiteten Werke) nicht auf Basis der Kinderrechtskonvention gestellt werden. Hier sind die betreffenden Staaten mit ihren Gesetzgebungen selbst zu sehen, und analog dazu - so Pater Lombardi - sei der Heilige Stuhl auch nicht durch die Kinderrechtskonvention verpflichtet, auf Informationsbitten betreffend die kirchenrechtlichen Vorgehensweisen einzugehen. Leser meines Blogbuches wissen, dass entsprechende Informationen der Kirche durch das naturrechtlich zu gewichtende Transparenzprinzip motiviert sein müssen.
Sieben Schlüsselprinzipien benennt Erzbischof Tomasi, die der Heilige Stuhl auf allen Ebenen in Übereinstimmung mit dem Internationalen Recht und mit dem Naturrecht verfolgt, nämlich: "1) das Kind hat ein angeborenes Recht als menschliches Wesen und als menschliche Person vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen Tod; 2) die Rechte und Pflichten der Kinder müssen im Kontext der Familie betrachtet werden; 3) die volle Achtung der Rechte und Pflichten der Kinder erfordert den besonderen Schutz und die spezielle Förderung der Rechte und Pflichten der Familien; 4) das Wohlergehen des Kindes ist die primäre Verantwortung seiner/ihrer Eltern und der Familie; und 5) hat das Kind Rechte und Pflichten im Hinblick auf den Schutz seines/ihres eigenen Lebens, und Eltern haben parallel dazu Pflichten und Rechte, das Leben des Kindes von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod zu schützen; 6) das Kind hat ein Recht und eine Pflicht, erzogen zu werden, und die Eltern haben parallel dazu Pflichten und Rechte zur Erziehung des Kindes; und 7) hat das Kind Rechte und Pflichten betreffend die Religionsfreiheit, unter Berücksichtigung der Pflichten und Rechte der Eltern, ihr Kind gemäß der eigenen moralischen und religiösen Überzeugungen zu erziehen." Bevor wir nun abschließend zum ganz aktuellen Papstbrief kommen, schulde ich aber noch die Übersetzung der letzten Ergänzung der Missbrauchsbestimmungen in der Katholischen Kirche vom 3. November 2014 (Prot.-Nr. 62.411, in Rechtskraft seit 11. November 2014), wobei die Form des Erlasses dieses allgemeinen Ausführungsdekretes (vgl. can. 31 § 1 CIC) zur genaueren Gesetzesanwendung (inbesondere zu Art. 27 SST) nichts Neues ist, sondern vielmehr ein üblicher Vorgang, was auch leicht am Anmerkungsapparat der geltenden Bestimmungen gemäß "Sacramentorum Sanctitatis Tutela" erkennbar ist. Hier also meine deutsche Übersetzung aus dem Italienischen:
"RESCRIPTUM EX AUDIENTIA SS.MI" ÜBER DIE EINRICHTUNG EINES KOLLEGIUMS INNERHALB DER KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE ZUR ÜBERPRÜFUNG DER [AN DIE ORDENTLICHE VERSAMMLUNG GERICHTETEN] REKURSE VON GEISTLICHEN BETREFFEND DIE DELICTA GRAVIORA [SCHWERWIEGENDEREN STRAFTATEN]:
Das Motu Proprio Sacramentorum Sanctitatis Tutela (SST) vom 30. April 2001, das am 21. Mai 2010 auf den neuesten Stand gebracht wurde, definiert, welche Delikte in die unmittelbare Kompetenz der Kongregation für die Glaubenslehre (vgl. Artikel 1 - 6) fallen, gemäß Artikel 52 der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus.
Zur Beurteilung der oben genannten Delikte bedient sich die Kongregation für die Glaubenslehre des Strafprozesses, sei es gerichtlich, sei es auf dem Verwaltungsweg (vgl. Art. 21 § 1 und § 2, Nr. 1 SST), wobei für die schwersten Fälle die Möglichkeit besteht, sie unmittelbar der Entscheidung des Papstes anheimzustellen (vgl. Art. 21 § 2, Nr. 2 SST). Was die Delikte gegen den Glauben angeht, ist vereinbart, dass die Kompetenz in erster Instanz beim Ordinarius oder Hierarchen liegt (vgl. Art. 2 § 2 SST).
Aufgrund der Anzahl der Rekurse und der Notwendigkeit, eine schnellere Prüfung derselben zu garantieren, hat nach eingehender Überlegung in der dem unterzeichneten Kardinalstaatssekretär am 3. November 2014 gewährten Audienz
der Heilige Vater Franziskus
angeordnet wie folgt:
1. wird im Innern der Kongregation für die Glaubenslehre ein besonderes Kollegium errichtet, bestehend aus sieben Kardinälen oder Bischöfen, die sowohl Mitglieder des Dikasteriums als auch Nichtangehörige sein können;
2. der Präsident und die Mitglieder des genannten Kollegiums werden vom Papst ernannt;
3. das Kollegium ist eine Instanz, der sich die Ordentliche Versammlung (Feria IV) der Kongregation zur höheren Effizienz bei der Prüfung der in Art. 27 SST erwähnten Rekurse bedient, ohne dass ihre diesbezüglichen Kompetenzen verändert werden, wie sie im selben Art. 27 SST festgeschrieben sind;
4. wenn der Täter bischöflicher Würde ist, wird sein Rekurs von der Ordentlichen Versammlung geprüft, die auch besondere Fälle für den Papst entscheiden kann. Außerdem können ihr weitere Fälle nach dem Urteil des Kollegiums unterbreitet werden.
5. es wird die Sorge des Kollegiums sein, die Ordentliche Versammlung über die eigenen Entscheidungen regelmäßig zu informieren;
6. eine geeignete interne Ordnung wird die Arbeitsweisen des Kollegiums bestimmen.
Der Heilige Vater hat angeordnet, dass das vorliegende allgemeine Ausführungsdekret durch die Veröffentlichung in "L'Osservatore Romano" promulgiert werde, am 11. November 2014 in Kraft trete und nachfolgend im offiziellen Publikationsorgan Acta Apostolicae Sedis veröffentlicht werde.
Aus dem Vatikan am 3. November 2014
+ Pietro Kardinal Parolin
[ENDE MEINER ÜBERSETZUNG DER EINFÜHRUNG EINES PRÜFUNGSKOLLEGIUMS INNERHALB DER GLAUBENSKONGREGATION BEI REKURSEN.]
Erst vor knapp drei Wochen wurde das in meiner Übersetzung benannte Kollegium von Seiner Heiligkeit Papst Franziskus besetzt, nämlich am 21. Januar 2015. Mit dem Präsidenten, dem bekannten Auxiliarbischof Charles Jude Scicluna (aus Malta), sind es also nun tatsächlich sieben Mitglieder, und außerdem sind auch zwei Ersatzmitglieder vom Heiligen Vater ernannt worden. Die interne Ordnung für das Kollegium ist mir noch nicht bekannt, soferne sie schon erlassen wäre. In Fortsetzung der soeben angebotenen Übersetzung des neuen allgemeinen Ausführungsdekretes und aller meiner Blogeinträge zu einigen wichtigen Dokumenten und Fortschritten der Katholischen Kirche in ihrem universalen Kampf gegen den sexuellen Missbrauch - auch und besonders in den eigenen Reihen - biete ich also nun noch eine eigene deutsche Übersetzung des sehr wichtigen Briefes Seiner Heiligkeit Papst Franziskus vom Festtag der Darstellung des Herrn 2015 (2. Februar) an die Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenzen und an die Oberen der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften apostolischen Lebens auf der ganzen Welt, was die Päpstliche Kommission für den Schutz der Minderjährigen betrifft. Dieser Brief war ja der Anlass des ganzen hier angebotenen Blogeintrages, um den Lesern und Leserinnen zu zeigen, wie kontinuierlich die Katholische Kirche weltweit die Sorge der Missbrauchsprävention fortentwickelt:
BRIEF DES HEILIGEN VATERS AN DIE PRÄSIDENTEN DER BISCHOFSKONFERENZEN UND AN DIE OBEREN DER INSTITUTE DES GEWEIHTEN LEBENS UND DER GESELLSCHAFTEN APOSTOLISCHEN LEBENS ÜBER DIE PÄPSTLICHE KOMMISSION FÜR DEN SCHUTZ DER MINDERJÄHRIGEN:
Im März des letzten Jahres habe ich die Päpstliche Kommission für den Schutz der Minderjährigen errichtet, die bereits im Dezember 2013 vorangekündigt worden war, und zwar mit der Absicht, Vorschläge und Initiativen anzubieten, die auf die Verbesserung der Normen und Vorgehensweise zum Schutz aller Minderjährigen und der verwundbaren Erwachsenen abzielen. Zur Teilhabe daran habe ich hoch qualifizierte Persönlichkeiten berufen, die für ihren Einsatz auf diesem Gebiet bekannt sind.
Im darauf folgenden Juli (2014) gab mir die Begegnung mit einigen Personen, die von Priestern sexuellen Missbrauch erlitten hatten, die Gelegenheit, direkter und erschütterter Zeuge der Intensität ihrer Qualen und der Festigkeit ihres Glaubens zu sein. Dies hat mich in meiner Überzeugung weiter bestärkt, dass wir fortsetzen müssen, alles uns Mögliche zu tun, um das Übel sexuellen Missbrauchs gegen Minderjährige in der Kirche auszurotten und um einen Weg der Versöhnung und Heilung zugunsten jener zu eröffnen, die missbraucht worden sind.
Aus diesen Gründen habe ich im vergangenen Dezember einige neue Kommissionmitglieder hinzugefügt, welche die Teilkirchen der ganzen Welt repräsentieren. Und in wenigen Tagen werden sich alle Mitglieder zum ersten Mal in Rom treffen.
Auf diesem Hintergrund bin ich überzeugt, dass die Kommission ein neues und durchschlagendes Instrument sein wird können, um mir zu helfen, den Einsatz der ganzen Kirche zu beleben und zu fördern - auf den verschiedenen Ebenen: Bischofskonferenzen, Diözesen, Institute des geweihten Lebens und Gesellschaftlichen apostolischen Lebens usw. -, damit die notwendigen Maßnahmen zur Sicherstellung des Schutzes der Minderjährigen und der verwundbaren Erwachsenen umgesetzt sowie gerechte und barmherzige Antworten gegeben werden.
Die Familien müssen wissen, dass die Kirche keine Bemühungen scheut, um ihre Kinder zu beschützen, und sie haben das Recht, sich mit vollem Vertrauen an sie als ein sicheres Zuhause zu wenden. Deshalb kann keine wie auch immer geartete andere Form von Rücksichtnahmen einen Vorrang erhalten, wie zum Beispiel der Wunsch, den Skandal zu vermeiden, weil es nämlich absolut keinen Platz für jene im Dienstamt gibt, welche die Minderjährigen missbrauchen.
Ebenso muss aufmerksam darauf geachtet werden, dass das von der Kongregation für die Glaubenslehre am 3. Mai 2011 herausgegebene Rundschreiben vollständig umgesetzt werde, welches dazu gedacht war, den Bischofskonferenzen zu helfen, Leitlinien für die Behandlung von Fällen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Kleriker zu erstellen. Es ist wichtig, dass sich die Bischofskonferenzen eines Instrumentes zur regelmäßigen Prüfung der Normen und der Kontrolle ihrer Anwendung bedienen.
Dem Diözesanbischof und den höheren Oberen kommt die Kontrollfunktion zu, ob in den Pfarreien und in den anderen Institutionen der Kirche die Sicherheit der Minderjährigen und der verwundbaren Erwachsenen garantiert werde. Als Ausdruck der Verpflichtung der Kirche, das Mitleid Jesu gegenüber jenen zu zeigen, die sexuellen Missbrauch erlitten haben, und auch gegenüber ihren Familien, werden die Diözesen und Institute des geweihten Lebens sowie die Gesellschaftlichen apostolischen Lebens aufgerufen, Programme pastoraler Hilfe zu ermitteln, die sich hinkünftig psychologischer und spiritueller Dienste bedienen können. Die Hirten und Verantwortlichen der religiösen Gemeinschaften sollen sich bereit halten für die Begegnung mit den Opfern und ihren Angehörigen: dabei handelt es sich um wertvolle Chancen, zuzuhören und all jene um Entschuldigung zu bitten, die gelitten haben.
Aus allen diesen Gründen erbitte ich Eure volle und aufmerksame Zusammenarbeit mit der Kommission für den Schutz der Minderjährigen. Die Arbeit, die ich ihr anvertraut habe, beinhaltet die Hilfestellung für Euch und Eure Konferenzen betreffend die gegenüber dem sexuellen Missbrauch zu gebende Antwort, nämlich durch den gegenseitigen Austausch der am besten bewährten Vorgehensweisen ("prassi virtuose") und der Programme zur Erziehung, zur Weiterbildung und zum Unterricht.
Der Herr Jesus flöße jedem von uns, den Dienern der Kirche, jene Liebe und jenen Vorrang für die Kleinen ein, die Seine Gegenwart unter den Menschen gekennzeichnet hat und die sich in eine besondere Verantwortung für das Wohl der Minderjährigen und der verwundbaren Erwachsenen übertrage. Die heiligste Maria, Mutter der Zärtlichkeit und der Barmherzigkeit, helfe uns, damit wir unserer Schuldigkeit großzügig und entschieden nachkommen, die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit demütig anzuerkennen und wiedergutzumachen, und wir der Aufgabe immer treu bleiben, jene zu schützen, die Jesus in bevorzugter Weise liebt.
Aus dem Vatikan am 2. Februar 2015, dem Fest der Darstellung des Herrn
[ENDE MEINER ÜBERSETZUNG DES PAPSTBRIEFES AN DIE BISCHOFSKONFERENZEN UND ORDENSGEMEINSCHAFTEN ZUR MISSBRAUCHSKOMMISSION.]
In diesem Papstbrief sind mit dem schönen Begriff "prassi virtuose" die "am besten bewährten Vorgehensweisen" angesprochen. In Italien bietet auf staatsrechtlicher Ebene der Oberste Rat für das Gerichtswesen (C.S.M. = il Consiglio Superiore della Magistratura) als autonome Disziplinierungsbehörde gegenüber den Richtern eine schöne Zusammenfassung vom 27. Juli 2010, was unter "prassi virtuose" verstanden werden kann. Mir gefällt dieser Begriff, weil er im Grunde und im jeweiligen Idealfall das am besten angewandte Naturrecht für den Prozess- und Methodik-Bereich anspricht. Ein Beispiel für Leitlinien habe ich in meinem Blogbuch gebracht. Erfreulicherweise berichtet der Erzbischof von Boston, Sean Patrick Kardinal O'Malley OFMCap, als Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz der Minderjährigen nunmehr über die voll gegebene Handlungsfähigkeit derselben. Wir dürfen also erwarten, dass die Kommission demnächst auch auf der Internetseite des Heiligen Stuhles ihren prominenten Platz einnehmen wird. Wie Kardinal Seán übernehme auch ich das Vatikan-Video von der Pressekonferenz des 7. Februar 2015, wobei er dabei von Schwester Kayula Lesa aus Sambia und von Peter Saunders aus Südwest-London für die Hilsforganisation NAPAC flankiert wird:
Demnach soll also jede Bischofskonferenz eine Kontaktperson benennen, damit eine ständige Kommunikation zwischen den Bischofskonferenzen und Ordensgemeinschaften und der nunmehr etablierten Päpstlichen Kommission gegen Missbrauch stattfinden kann. Durch die insgesamt 17 Mitglieder der Kommission sind alle Erdteile mit ihren Erfahrungen vertreten. Derzeit werden Seminare entwickelt zur Fortbildung des Kurienpersonals und der weltweit verstreuten Bischöfe betreffend den Schutz der anvertrauten Kinder, natürlich in Zusammenarbeit mit der Kongregation für die Bischöfe und mit der Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Die Päpstliche Kommission bereitet auch Materialien für einen großen Gebetstag vor, der allen gewidmet ist, die durch sexuellen Missbrauch verletzt worden sind. Weiters sollen alle katholischen Spendenorganisationen angehalten werden, vor der Vergabe von Mitteln besondere Erfordernisse für den Schutz der Kinder zu verlangen. Wörtlich sagte der Kapuziner-Kardinal O'Malley: "Die Kommission etabliert im Moment eine Reihe von Arbeitsgruppen, um die Kompetenz einzelner abzurufen, die nicht Mitglieder sind, die uns aber wertvolle Hilfestellung geben können. Eine Arbeitsgruppe hat die Aufgabe erhalten, Überlebende zu erreichen, die durch ihre Mitwirkung zu unseren Bemühungen beitragen können, insbesondere was die Prävention und einige Richtlinien betrifft." Beten und handeln auch wir in den Anliegen dieser so wichtigen Päpstlichen Kommission, denn damit kann die Kirche nicht nur im deutschen und amerikanischen Sprachraum, sondern auf der ganzen Welt eine maßgebliche Vorreiterrolle zur Prävention sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und abhängiger Erwachsener einnehmen. Euer Padre Alex - Dr. Alexander Pytlik
TÜRKEI: 10 JAHRE CHRISTLICHE ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik in News Kommentare, Türkei und Zypern um 19:15
Schon das (jeweils mit der Adventzeit beginnende) neue Kirchenjahr brachte in einem großen Rückblick positive Entwicklungen für Christen in der Türkei zutage (dazu gleich weiter unten), und nun begann auch das ganze neue Jahr 2015 mit einer erfreulichen Nachricht für religiöse Minderheiten in derselben Türkei. Warum ich in meinem Blogbuch dazu positive Nachrichten bringe, hat auch damit zu tun: all das Negative und Kritische liest man überall anders auch in deutscher Sprache, und manches ist dabei leider durch Vorurteile, veraltete Informationen oder gar völlige Unkenntnis der realen Situation am jeweiligen Ort verursacht. Abgesehen vom alten Prinzip, immer auch die andere Seite zu hören und so gut wie möglich zu verstehen, sollten aber gerade im Fall der Türkei auch positive Entwicklungen gewürdigt werden, die hoffentlich so bleiben und sich verstärken. So lesen wir auf den Seiten des Ökumenischen Patriarchats vom heutigen offiziellen Mittagessen im Dolmabahce-Palast von Istanbul, das vom türkischen Ministerpräsidenten Prof. Ahmet Davutoğlu für die nicht-muslimischen Minderheiten ausgerichtet wurde, "um den Führungsverantwortlichen der in der Türkei lebenden Minderheiten die Ehre zu geben." Auch Seine Allheiligkeit Patriarch Bartholomäus nahm selbstverständlich daran teil, und die Photographien beim Ökumenischen Patriarchat zeigen die durchaus gute Stimmung.
Im neuen Jahrtausend wurde die positive Gesamtentwicklung in verschiedenen Regionen der Türkei - abgesehen von streng-nationalistischen und islamistischen Sondergruppen - nicht nur von Regierungsseite befördert, sondern - offenbar in einer Art positiven Wettbewerbs - auch und immer mehr von Oppositionspolitikern unterschiedlicher Parteien. In meinem Blogbuch war bereits von zahlreichen Renovierungen verschiedener Kirchengebäude die Rede, und dies wurde in den letzten Jahren auch sehr oft von den jeweiligen Behörden konstruktiv oder mit deutlicher Sympathie begleitet. Noch nicht erwähnt hatte ich diesbezüglich die am 25. Januar 2013 begonnene Renovierung der berühmten Höhlenkirche zum heiligen Petrus in Antiochia (am Orontes). Mit Stichtag 17. September 2014 waren die Arbeiten zu 85 % erledigt (vgl. auch diese Videoseite), und erfreulicherweise konnte die hochheilige Weihnacht von den gut integrierten katholischen Christen bereits wieder in der vollständig restaurierten Grotte begangen werden, somit also nach zwei Jahren. Am 28. Dezember 2014 kam dann noch der schon erwähnte türkische Ministerpräsident, der nämlich dieselbe Petrusgrotte und ein neues Museum offiziell eröffnete. Zum Essen wurden an seinen Tisch die Religionsverantwortlichen von Antakya geladen: für die sunnitischen Muslime, für die Aleviten, für die Katholiken, für die Orthodoxen und für die Juden. Das Renovierungsprojekt verdankt sich genauso wie die Restaurierung des Klosterbereiches vom heiligen Simeon Stylites (dem Jüngeren) aber nicht nur dem dortigen guten interreligiösen Klima, sondern vor allem auch dem touristischen Weitblick des früheren Präfekten und heutigen Generaldirektors der türkischen Polizei, M. Cellatin Lekeziz. Und dank des seligen Paul VI. können katholische Pilger in der St.-Petrus-Grotte seit 1967 einen vollkommenen Ablass erwerben. Fast schon 20 Jahre berichtet der eifrige Kapuzinerpater Domenico Bertogli mit der jährlich erscheinenden Zeitschrift "Cronaca di Antiochia" und gleichzeitig im Internet fortlaufend in jedem Monat detailliert und somit chronologisch aus der ihm anvertrauten Pfarrei auf traditionellem Patriarchatsboden, die er bereits Ende 1987 mit einem kleinen Kirchenraum im Zentrum übernommen hatte.
Und heute durften sich besonders die Assyrer bzw. syrisch-orthodoxen Christen der Türkei freuen, weil in Yeşilköy (ein Ortsteil von Bakırköy im Großraum von İstanbul unter dem Patronat des heiligen Stephanus am Marmarameer) nach den Aussagen des türkischen Ministerpräsidenten eine neue Kirche errichtet werden soll. Die präzise Örtlichkeit ist noch zu klären, aber angesichts der bisherigen von jedem unvoreingenommenen Beobachter erkennbaren positiven Gesamtentwicklung im begonnenen dritten Jahrtausend (vgl. dazu ein wichtiges Interview mit Dr. Thomas Volk bei der Päpstlichen Stiftung "Kirche in Not") wird dieses schon länger im Gespräch befindliche Projekt nun auch umgesetzt werden. Sowohl syrisch-orthodoxe als auch syrisch-katholische Christen haben bekanntlich aufgrund der enormen Flüchtlingsströme aus Syrien und dem Irak in der Türkei zahlenmäßig zugenommen. Nach Regierungsangaben ist dies seit der Gründung der modernen Republik, also seit 1923, offenbar der erste deklarierte Neubau einer Kirche. Davutoğlu bekräftigte beim heutigen gemeinsamen Mittagessen, dass keine Religion, die in der Vergangenheit in der Türkei gelebt habe, als fremd angesehen werden könne. Damit brachte er auch die Rede des derzeitgen Staatspräsidenten nach der erstmaligen Direktwahl des Staatsoberhauptes im Vorjahr in Erinnerung, der nämlich dabei ausdrücklich Assyrer und Christen als gleichwertige Staatsbürger angesprochen hatte. Allerdings steht beispielsweise die rechtliche Anerkennung der lateinischen Kirche als ganzer aus, woran der Vorsitzende der katholischen Türkischen Bischofskonferenz kurz nach dem Besuch Seiner Heiligkeit Papst Franziskus erinnert hatte. Am heutigen Neujahrstreffen nahmen auch noch der Präsident der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Prof. Mehmet Görmez; Großrabbiner İsak Haleva; der türkische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Mehmet Paçacı; der armenisch-apostolische Patriarchalvikar Erzbischof Aram Ateşyan; der armenisch-katholische Administrator Erzbischof Boghos Levon Zekiyan; der syrisch-orthodoxe Metropolit Mor Filüksinos Yusuf Çetin und der syrisch-katholische Patriarchalvikar für die Türkei, Chorbischof Yusuf Sağ, teil. Der türkische Ministerpräsident verurteilte heute auch Attacken auf Moscheen in Europa und rief die von ihm eingeladenen Religionsverantwortlichen auf, gemeinsam gegen Islamophobie aufzutreten.
Genau dies tut der Gründungspfarrer der mehrheitlich deutschsprachigen römisch-katholischen (Personal-)Pfarrei in Antalya schon seit langem. Prälat Rainer Korten konnte beim Festakt zum 10jährigen Jubiläum der christlichen Gemeinde von Antalya vor einem Monat auch den Festvortrag halten. Mittlerweile hat er auch einen Nachfolger erhalten, nämlich Pfarrer Ludger Paskert. Unter dem Patronat der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und mit Förderung des zuständigen lateinischen Ortsordinarius, des Metropoliten von Izmir, konnte das Engagement der im folgenden genannten Persönlichkeiten einen erfreulichen Erfolg im Sinne echter Religionsfreiheit erzielen. Ganz kurz war der zuständige Erzbischof noch der Kapuziner Giuseppe Germano Bernardini, aber seit 11. Oktober 2004 war für Antalya und Alanya der heutige Vorsitzende der katholischen Türkischen Bischofskonferenz zuständig, nämlich Erzbischof Ruggero Franceschini, ebenso Kapuziner. Aufgrund des 75. Geburtstages hat auch er bereits um seine Emeritierung gebeten, aber Seine Heiligkeit Papst Franziskus hat seinen Rücktritt noch nicht angenommen und ihn nach seiner Apostolischen Reise in die Türkei auf dem Petersplatz danach noch besonders gelobt. Das Wohlwollen des genannten Metropoliten wurde dann besonders erkennbar in der kirchenrechtlichen Eingliederung der musterhaften Gründung in Antalya als Personalpfarrei im großen Erzbistum Smyrna (Izmir) im Jahr 2010. Der von Erzbischof Franceschini bestätigte und ernannte Gründungspfarrer Prälat Korten hat nun am 6. Dezember 2014, am Fest des heiligen Bischofs Nikolaus, seine Festrede zum zehnjährigen Jubiläum mit einer kurzen Geschichte begonnen (alle im folgenden zitierten Texte übernehme ich der hervorragenden Internetseite der Pfarrei Antalya):
"Ein vom Äußeren her streng wirkender Sufi erschien vor den Toren des Palastes. Niemand wagte ihn aufzuhalten, als er geradewegs auf den Thron zuschritt, den Ibrahim ben Adam innehatte. 'Was wünscht Du', fragte der König. 'Einen Platz, um in der Karawanserei uschlafen.' 'Das ist hier keine Karawanserei, das ist mein Palast.' 'Darf ich fragen, wem dieser Ort vor euch gehörte?' 'Meinem Vater, der ist tot.' 'Und wem gehörte er vor diesem?' 'Meinem Großvater, der ist auch tot.' 'Und dieser Ort, den Menschen nur eine kurze Weile bewohnen und dann weiterziehen - sagtet ihr wirklich - er sei keine Karawanserei?' Diese Geschichte gibt die Antwort auf die Frage: was wolltet ihr vor 11 Jahren, als ihr das Ansinnen stelltet, in Antalya und Alanya für die vielen deutschsprachigen Dauerresidenten und Touristen eine christliche Kirche zu eröffnen. Die Antwort: wir hatten Appetit, einem Elementarbedürfnis nachzukommen, das jedem Menschen auf dieser Erde zusteht. Wir wollten einen Ort finden - einer Karawanserei ähnlich - damit wir nicht vergessen, dass wir nur vorübergehend Bürger dieser Erde sind und dann weiterziehen. Wir wollten einen Ort haben, der uns trotz Sonne, Meer, Berge und vielen türkischen Annehmlichkeiten immer erinnert, nicht lebensfremd zu werden, als farblose Partygänger über diese Welt zu gehen, uns selbst zu betrügen, als seien wir nicht unterwegs, sondern könnten uns irgendwo für immer festsetzen. Deshalb haben wir das Menschenrecht erbeten, hier eine kleine Kirche - sprich Karawanserei - einzurichten, so wie in Deutschland die vielen Menschen islamischen Glaubens das Recht haben, ihre Orte (Moscheen) zu haben, damit auch sie die Chance haben, dem Leben mehr Qualität zu geben, als nur zu arbeiten, zu essen und zu trinken. Denn am erbärmlichsten ist es, nicht zu wissen, woher man kommt, und wohin man geht. Das ist die gemeinsame humane Basis, wenn Menschen nicht nur nach den äußeren Lebensmitteln suchen, sondern nach einer Lebensmitte. Wenn wir unser gemeinsames Ziel kennen, brauchen wir bei aller Verschiedenheit der Wege keine Angst zu haben, aneinander zu geraten, im Gegenteil, dann bringen wir einander Respekt, Neugierde und Hochachtung in reichem Maße entgegen.
Das ist meine persönliche Bilanz, und da weiß ich mich mit vielen Gemeindemitgliedern einig nach 11 Jahren Antalya und Alanya: wer ver-inner-licht hat - und Verinnerlichung ist die Frucht jeder Religion -, wer also realistischerweise verinnerlicht hat, dass unser Dasein ein Unterwegs-sein ist, dass Kirchen und Moscheen unsere notwendigen geistigen Karawansereien sind, dem fällt die Fähigkeit fast automatisch zu, voneinander zu lernen und offen genug zu sein, miteinander in Frieden und Hochachtung zu leben. Wenn wir heute offiziell auf 10 Jahre aus diesem Blickwinkel zurückschauen, können wir dankbar sagen: wir sind als deutschsprachige Gemeinde von Christen und Christinnen in Antalya und Alanya angenommen worden, konnten hier unbeschwert und ohne irgendeine Gefahr in unserem Kirchlein zusammenkommen, haben viel Wohlwollen von unseren direkten Nachbarn gespürt, konnten besonders in der ersten Zeit mit Hilfe von AKDİM auch etwas hinter die Kulissen türkischen Alltagslebens schauen und auch unsererseits etwas zurückgeben, nämlich den vielen Besuchern nicht nur aus Deutschland, sondern aus zahlreichen Ländern - von Korea bis Amerika waren uns Menschen besuchen - unser Gästebuch berichtet davon -, von unseren Erfahrungen erzählen, als kleine Minderheit von Christen in einer großen Mehrheit von Muslimen zu leben. Das geht!! Erlauben Sie mir die kleine Eitelkeit, besonders die vielen deutschen und internationalen Reisegruppen (jährlich ca. 40) zu erwähnen, die in die Türkei kamen, um die reichen kulturellen Schätze zu bestaunen und die meistens ihre Reise wegen des Flughafens in Antalya beendeten. Ich konnte viel über die reichen menschlichen Schätze berichten, besonders den Schatz der vielen Kinder und Jugendlichen, und damit auch manchem deutschen Vor-urteil den Stachel ziehen, denn deutsche Medien befleißigen sich gern, den Splitter im Auge der Türkei zu suchen, ohne den Balken im deutschen Auge wahrzunehmen. In diese Sinne könnte man aus dem Garten der Toleranz in Belek-Kadriye noch viel mehr machen. Dort stehen Moschee, Kirche und Synagoge unmittelbar einträchtig beieinander, aber eben nur als stumme Bauten. Es fehlen die Menschen, die den zahlreichen Touristen, die dort eine kurze Station einlegen, von unseren Erfahrungen erzählen und sie ermuntern, zu Hause auszuprobieren, dass es geht: zusammenzuleben, trotz verschiedener Kulturen, trotz verschiedener Religionen, trotz verschiedener Gebräuche und Eigenheiten.
Verehrte Gäste, liebe Gemeindemitglieder! Vor 11 Jahren hatten wir mit dem ersten inoffiziellen Gottesdienst in Alanya begonnen, im letzten Jahr mit einem schönen Konzert daran erinnert, heute erinnern wir uns des ersten Gottesdienstes am 1. Advent 2004 hier in unserem Nikolaus-Kirchlein, nachdem wir zuvor seitens der türkischen Behörden anerkannt wurden. Das war die eine Anerkennung, schnell haben wir die andere Anerkennung durch die Menschen erleben dürfen: wir hatten technische Probleme, weil in dem ehemaligen Internetcafé, was heute unsere Kirche ist, vier Stromzähler waren und wir gar nicht wussten, wo der Strom blieb. Junge Arbeiter des Elektrizitätswerkes kamen und gingen, es kamen andere, das Problem bestand weiter, Monate!! Nach eindringlicher Bitte kam dann ein Chef des Werkes, und nach wenigen Minuten hieß es: 'Problem yok.' Und dieser Chef schrieb in unser Gästebuch diesen Text: die Arbeiter der Kirche und die Arbeiter des E-Werkes haben sich viele Male getroffen, um ein Problem zu lösen, und sind Freude geworden. Jetzt ist das Problem gelöst, es lebe die türkisch-deutsche Freundschaft. Dieser Grundtenor hat uns durch das Jahrzehnt als christliche Gemeinde oftmals begleitet. So ist es mir ein aufrichtiges Bedürfnis, der Türkei, den Städten Antalya und Alanya zu danken, dass sie vielen deutschen Landsleuten und Gästen die Möglichkeit eröffnet haben, hier ein qualitativ anspruchsvolles Leben zu führen, wobei ja die Türkei - so glaube und hoffe ich - mit den deutschen Residenten und Touristen auch nicht schlecht gefahren ist. Danken möchte ich aber auch den Gründungsvätern Herrn Konsul a. D. Manfred Gerwinat, der heute geistigerweise in unserer Mitte ist, Herrn Rechtsanwalt Bilal Kalaycı und Herrn Architekten Klaus Besirsky, aber auch allen, die von der ersten Stunde an diese Gemeinden getragen haben. Das Zusammenspiel und das herausragende Engagement Einzelner lässt uns nach zehn Jahren dankbar feststellen: was zunächst als Experiment galt, ist mit Hilfe Gottes und vieler Tatkräftiger geglückt. Das sollte aber auch an solch einem Tag bedacht werden, weil es Lebenserfahrung ist: was in langer Zeit unter manchen Mühen aufgebaut wurde, kann in kurzer Zeit auch wieder zerstört werden. Die Ein-geweihten erinnern sich an die Geschichte, mit der wir vor zehn Jahren begonnen haben, von der Rettungsstation, die zum Clubhaus mutierte. Clubs gibt es zahlreich in Antalya, eine Kirche gibt es nur einmal."
Der soeben angesprochene verdiente Konsul a. D. war ja leider verhindert, aber Manfred Gerwinat und seine Frau Hildegard sandten einen Brief an die "St. Nikolaus-Kirche Antalya und Alanya/Türkei": "Lassen Sie uns hier nur ganz kurz Rückschau halten: Als ich im Sommer 2002 meinen Dienst als Leiter des Deutschen Konsulats in Antalya antrat, wurde mir an der Fülle und der großen Tragik mancher Notfälle - auch von Residenten- schnell folgendes klar: Sonne, Meer, türkische Gastfreundschaft und vieles mehr reichen leider nicht alleine aus, wenn existentielle Krisen hereinbrechen, schwere Krankheiten auftreten oder sich der Tod in der Familie ankündigt. Zusätzlich schafften damals die Schatten des herannahenden Irak-Krieges neue Unsicherheiten. Wir mussten auch erstmals Krisenvorsorge für Deutsche in der Südtürkei in Gang setzen. Eine seelsorgerliche Betreuung fehlte völlig, war aber dringen nötig. Bis auf ein bis zwei Besuche von deutschen Geistlichen beider Kirchen aus Istanbul pro Jahr gab es keinerlei kirchliche Betreuung. Wir sahen die Not, führten viele Gespräche, überlegten und beteten darüber. Als sich die Gelegenheit durch den Besuch einer hochrangigen Delegation aus Ankara im Herbst 2003 in Antalya ergab, war der Zeitpunkt zum raschen Handeln gekommen. Dies wurde die Geburtsstunde von St. Nikolaus! Prälat Korten war wenige Tage zuvor in Antalya eingetroffen. Er war zum Bleiben entschlossen. Die Anfangsschwierigkeiten der Gemeindegründung waren zahlreich, vor allem durch die örtliche Bürokratie. Wir kämpften auch erfolgreich gegen ein 'St. Nikolaus Evi', denn eine Kirche kann und darf kein reiner Kulturclub sein, wenn man dem Anspruch christlicher Verkündigung und echter Gemeinschaft und Lebenshilfe gerecht werden will. Die Entstehung von St. Nikolaus als ökumenische Gemeinde ist und bleibt ein besonderes Geschenk von Gott. Heute, nach 10 Jahren, stellen wir dankbar fest, wie es in der Apostelgeschichte 28,31 von Paulus in Rom heißt: 'Er verkündete das Reich Gottes und trug ungehindert und mit allem Freimut die Lehre über Jesus Christus, den Herrn, vor.' Möge diese Botschaft, bei aller Freude über den zwischenmenschlichen Austausch und das ökumenische Miteinander, auch weiterhin der zentrale Mittelpunkt der Gemeindearbeit in Antalya und Alanya sein und bleiben!"
Und der neue von der Deutschen Bischofskonferenz und ihrem Auslandssekretariat mit Zustimmung des Metropolitanerzbischofs von Izmir ernannte Pfarrer Ludger Paskert hatte zu Beginn der Feierstunde die Begrüßung vorgenommen und dabei unter anderem gesagt: "Zehn Jahre St. Nikolaus Kirche Antalya, das ist ein Grund zum Feiern. Freuen wir uns über das bedenkenswerte Ereignis, welches wir heute in Erinnerung rufen: Mit Hilfe von Politikern und Behörden dieses Landes, in welchem wir gern als Gäste leben, und mit kluger Beharrlichkeit der Gründungsinitiatoren, hier sind der damalige Konsul Gerwinat und Pfarrer Korten zu nennen, wurde hier für eine christliche Gemeinde ein Rechtsstatus geschaffen, welcher auf der soliden Basis des türkischen Rechts steht. Das ist ein Zeichen echter Freundschaft und Anerkennung. Dafür sind wir alle dankbar. Professor Dr. Hüseyin Bağcı von der Middle East Technical University Ankara sagte mir, die Gründung des Kirchenvereins sei ein Meilenstein in Sachen Anerkennung christlicher Gemeinden in der Türkei gewesen. Wir freuen uns, hier in dieser geliebten Stadt Antalya wie in Alanya als deutsche christliche Gemeinde leben zu können. Immer sind wir bedacht auf ein gutes Miteinander, besonders mit den geliebten und geschätzten Muslimen und ihren Gemeinden." Pfarrer Paskert konnte zu diesem Jubiläum "10 Jahre Kirchenverein und Kirche St. Nikolaus, Antalya" wichtige regionale Autoritäten begrüßen, nämlich: als Vertreter des Oberbürgermeisters Menderes Türel den Generalsekretär İbrahim Evrim; den Bürgermeister des zuständigen Stadtteiles Muratpaşa, Rechtsanwalt Ümit Uysal, sowie den heutigen Leiter des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland Antalya, Konsul Martin Vetter. In ökumenischer Gesinnung waren auch anwesend der orthodoxe Mitbruder Vater Michail und die evangelischen Amtsträger James Bultema sowie Karl-Heinz Pastoors. Und keine lebendige Pfarrei ist ohne ehrenamtliches Engagement zu denken, sei es der Organistendienst, sei es der Blumenschmuck, sei es im konkreten Fall der Pfarrei St. Nikolaus in Antalya die kürzlich gestartete Hilfsaktion für syrischen Flüchtlinge an der türkisch-syrischen Grenze, oder wenn wir an das seit neun Jahren aktive Büchereiteam denken. Pfarrer Paskert würdigte besonders seinen zuvor mehrfach erwähnten Vorgänger, der ja eine Schlüsselperson für die erfreuliche Geschichte dieser Pfarrei in Antalya ist: "Ganz besonders freuen wir uns, heute als Festredner den Gründer dieser Gemeinde in unserer Mitte zu haben, der über elf Jahre als guter Hirte für die Christen hier vor Ort und aus nah und fern seinen Dienst versehen hat, Herrn Prälat Monsignore Rainer Korten."
Mit diesem Eintrag möchte ich auch klarmachen, dass Kritisieren und Jammern alleine zu wenig sind, vielmehr geht es ums Kennenlernen am jeweiligen Ort, es geht oft um die Initiative einiger weniger Personen, durch die ein Prozess in Gang gesetzt werden kann, der dann mit Gottes Hilfe möglicherweise einen Domino-Effekt nach sich zieht. Darum rufe ich auch alle Leser und Leserinnen auf: besuchen wir doch in der Türkei und in jenen Nachbarländern, welche die Religionsfreiheit im Gegensatz zu ihr zum Teil überhaupt nicht gewähren, die christlichen Gemeinden, unabhängig von ihrer Konfession, denn wie Patriarch Bartholomäus beim Papstbesuch in der Türkei erinnert hat: "Die heutigen Christenverfolger fragen nicht, welcher Kirche ihre Opfer angehören. Die Einheit, über die wir heute so viele Worte verlieren, ist bereits in manchen Gegenden Wirklichkeit, unglücklicherweise allerdings im Martyrium." Bevor nun am 6. Dezember 2014 in Antalya zum 10jährigen Jubiläum das Te Deum in seiner deutschen Fassung ("Großer Gott, wir loben Dich") gesungen wurde, verwies Pfarrer Paskert eben auf Gott selbst, "der dieser Gemeinde eine segensreiche Zeit geschenkt hat und sie weiterhin mit seinem Segen begleiten möge." Das von ihm dabei gesprochene Gebet soll nun auch diesen meinen ersten Blogeintrag fürs Jahr 2015 abschließen: "Allmächtiger Gott, Du hast gewollt, dass Dein Volk Kirche heiße, denn wir sind das Haus, in dem Deine Herrlichkeit wohnt. Gib, dass die Gläubigen, die sich hier in der Kirche St. Nikolaus, Antalya, in Deinem Namen versammeln, Dich ehren, Dich lieben und auf Dein Wort hören, damit sie in der Kraft Deines Geistes reich werden an guten Früchten und einst das ewige Erbe erlangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!"
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