Source: https://www.politik-talk.net/showthread.php?2675-Macht-Arbeit-frei&s=8d15836e19abb79d4f43b40069d5f7b8
Timestamp: 2019-02-18 01:57:19+00:00

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Thema: Macht Arbeit frei?
13.11.2012, 10:10 #1
Was bedeutet "Arbeit"? Wozu arbeiten wir? Werden wir durch Arbeit glücklich? Immer weniger Menschen in den Industriestaaten arbeiten in Berufen, die Werte schaffen. Immer mehr sind mit sogenannten Dienstleistungen beschäftigt oder mit Wissens- Arbeit. Die Wissens- Arbeiter tüfteln daran, Arbeit effektiver zu machen. Arbeitsplätze werden knapp. Ein Viertel der Erwerbsfähigen ist in Deutschland prekär oder gar nicht beschäftigt. Von 8 Stunden arbeitet der Durchschnittsverdiener nur ganze 1,5 Stunden für sich selbst. Wir reiben uns die Augen, wenn wir von Milliarden hören, die an der Börse verzockt werden.
Welche Werte sind es, die täglich neu geschaffen werden müssen? Interessiert es den Mikrochip- Produzenten, ob seine Chips in Miltitärtechnik stecken?
Die Frage "was machst du?" hat längst die Frage "wer bist du?" verdrängt. Wir ordnen unser gegenüber nach seiner Kaufkraft ein. In einem reichen Land wie dem unseren, wozu müssen alle ständig mit (Erwerbs-) Arbeit beschäftigt sein? Wäre ein Grundeinkommen sinnvoll?
Arbeit soll mehr sein, als nur Brotwerwerb. Wie wichtig ist Arbeit für Jugendliche? Können wir uns nur durch Arbeit entfalten? Menschen, die arbeitslos werden oder in Rente gehen- sind sie nichts mehr wert? Ist es legitim, zu sagen "ich will gar nicht arbeiten"? Ist die Pflege von Kindern, Alten und Kranken weniger wert als ein Arbeitsplatz als Programmierer? "Arbeitsplätze schaffen" ist der Schlachtruf von Politikern, Unternehmern und Arbeitslosen. Können Menschen nur durch Lohnarbeit von dummen Gedanken abgehalten werden? Ist Mensch weniger erpressbar, wenn seine Lebensgrundlagen auch ohne Lohnarbeit gesichert sind?
Streß, Depressionen, Angsterkrankungen nehmen zu und haben den Krebs als Todesursache von Platz zwei verdrängt. Welche Alternativen zur täglichen Maloche gibt es?
Die Gegenseite zur Arbeit ist der Konsum. Was brauchen wir, was ist entbehrlich? Spart etwa das Auto Zeit, wenn wir bedenken, wie lange wir dafür arbeiten müssen? Unterhaltungselektronik wird immer attraktiver- werden die Inhalte inhaltsvoller? Die Kurzlebigkeit der Konsum- Produkte, die Verschwendung von Ressourcen, der Ärger mit unausgereifter Technik- macht Konsumieren Freude?
"Arbeit macht frei" stand am Tor von Auschwitz. Noch immer scheinen Viele daran zu glauben.
13.11.2012, 12:16 #2
Konsum ist mir wenig wichtig.
Leider können sich viele aus ihrer Tretmühle Arbeit nicht befreien, da sie finanziellen Zwängen unterliegen.
Dass jede 2. Arbeitsstelle unnötig ist, gebe ich Dir recht. Deutschland verwaltet sich tot.
Jedwede Arbeit sollte einen angemessenen Preis (Lohn) erhalten. Leider wird der Lohn jedoch durch Zwangsmaßnahmen quasi reguliert. Dies verzerrt den Wert der Ware Arbeit sehr.
Würde man den Arbeitsmarkt unreguliert machen, würde es auch keine Billigjobber geben, man könnte komplett auf Mindestlöhne verzichten.
Um Personen aber unabhängig von Zwängen machen, bedürfte es eines Bedingslosen Grundeinkommens. Sobald man dies an Bedingungen knüpft reguliert man die Ware Arbeit schon, da dadurch Zwänge zur Abeitsaufnahme entstehen, und in dessen Folge verfällt dann auch der Marktwert für Arbeit.
Als kleines Kind fragte ich mal meinen Vater, warum er eine Klofrau grüßte, nach dem Motto: "Warum Grüßt du die, das ist doch nur eine Putze".
Die Antwort meines Vaters war: "Das ist nicht nur eine Putze, das ist ein ehrenwerter Beruf. Würdest du gerne Toiletten sauber machen und den Dreck von anderen wegmachen? Die Frau verdient nur wenig für das was sie macht. Da muss man ihr dankbar dafür sein, dass sie überhaupt diese Arbeit macht. Freundlichkeit ist das mindeste was man der Frau schuldet, weil wenn sie aus Frust diese Arbeit nicht richtig macht, dann hast du das Problem auf eine verdreckte Toilette gehen zu müssen."
Das hat mich bis heute geprägt.
13.11.2012, 12:40 #3
Um Personen aber unabhängig von Zwängen machen, bedürfte es eines Bedingungslosen Grundeinkommens.
Das Bedingungslose Grundeinkommen ist bedenkenswert. Fragt sich nur, welches Modell sinnvoll ist. Peter Althaus, CDU, schlug 600 € vor- das liegt unter Hartz IV. Götz Werner, der wohl prominenteste Vertreter des BGE neben Katja Kipping von den Linken, propagiert 1000 € für jeden.Susanne Wiest geht von 1.500 € für sich und ihr Kind aus, siehe Petition im Bundestag. Wie soll ein vernünftiges, armuts- abfederndes BGE erreicht werden? 100.000 ziehen für das BGE durchs Regierungsviertel- das wäre was. Warum geschieht das nicht? Befragt danach, ob sie weiter arbeiten würden, wenn ihnen ein BGE zukäme, antworteten 80 % der Befragten: "Ja". Befragt danach, wieviel Prozent ihrer Mitmenschen sie diese Weiter- Arbeit zutrauen, war die Antwort: "20 %". Trauen wir einander nicht über den Weg? Funktioniert die Manipulationsmaschine zu gut? Brauchen wir massenhafte Armut, um etwas zu tun?
13.11.2012, 12:54 #4
Wenn Du schaust, wie viele Menschen sinnvolle Arbeit machen, also sich nicht nur Verwaltungstätigkeiten hingeben, so wird nur jede 2. oder 3. Arbeitsstunde in Deutschland wirklich gebraucht.
Der Rest wird von anderen mit sinnloser Arbeit verprasst, mit dessen Gehalt sie von Produzierenden im Grunde schmarotzen.
Ist es sinnvoller Leute mit Verwaltung zu beschäftigen und dafür haufen Geld auszugeben, um zu verhindern, dass sich gewisse Arbeitsfaule nicht um ihre Arbeit drücken können?
Ist es sinnvoll dass alles reguliert und tausendfach überprüft wird, sowie jeder dem Nachbarn nach Stasi-Manier ins Leben schaut nur um Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu schaffen und einen Makel darin zu finden?
600 Euro im Monat nach Sozialversicherung ist oft höher als Hartz-IV. H4 wird in dem Punkt überbewertet, was den Betrag angeht. Ich habe mir mal ausrechnen lassen, was mir als H4 zustehen würde. Es wären 530,-- Euro als Alleinstehender gewesen (H4 inkl KdU). Als Paar + 100 Eus mehr für Wohnung wären es pro Person unter 500 Eus gewesen. Als 4-Köpfige Familie mit Kleinkindern sogar unter 400 Eus inkl KdU pro Person.
Wer behauptet, dass Hartz-IV höher als Arbeitseinkommen ist hat keine Ahnung davon. Jedwede Zusatzeinnahme, wie Kindergeld oder Erziehungsgeld wird als Einkommen gewertet bei Hartz-IV und dies wird dann sofort von dem Anspruch auf H4 abgezogen. Das Kinder-Betreuungsgeld das von der CSU nun eingeführt werden soll bringt Hartz-IV keinen Cent. Es schmälert nur den H4-Bezug 1:1.
Zudem sei gesagt, dass Althaus den Betrag von 600 Eus vor vielen Jahren genannt hat. Heute müsste man inflationsbereinigt von 650-700 Eus ausgehen...
Sind darin Krankenversicherung und andere notwendigen Ausgaben enthalten?
14.11.2012, 00:42 #6
Da ist dann schon Krankenversicherung abgezogen. Andere Sozialversicherungen sind dann nicht mehr vorgesehen. Braucht man ja auch nicht...
Oliver, geisterst du auch durch andere Foren als "Anarchist" rum?
Hab nämlich genau den Thread auch schon in anderem Forum gesehen
Im übrigen sei gesagt, dass ich das Modell nach Althaus ablehne.
Es geht von nem Großen Bürgergeld aus, dass besagte 600 Eus ausmacht und ein Kleines Bürgergeld welches Hälfte ist - das Kleine Bürgergeld können Gutverdiener beantragen und bekommen dafür dann Steuernachlässe.
Desweiteren soll das Bürgergeld über MwSt finanziert werden, was in einer immer globaler werdender Welt absolut schwachsinnig ist.
Kurzum: Sozialer Anstrich soll es sein - im Endeffekt würde es aber nur zu ner noch krasseren Umverteilung von Unten nach Oben kommen.
14.11.2012, 11:11 #7
Auch das BGE-Modell von Prof. Götz Werner geht von einer Finanzierung über die MwSt. aus. Was genau findest du daran schwachsinnig? Interessiert mich mal.
Mich überzeugte bisher das BGE- Modell von attac, AG "genug für alle". Darin steht auch, dass ein BGE zuerst in südlichen Ländern einzuführen sei.
Ja, ich bin nicht nur hier "Anarchist". Es ist interessant, ein Thema in verschiedenen Foren zu diskutieren. Was meinst Du, was es da für Unterschiede gibt...
Das alles mache ich nicht zu meiner persönlichen Belustigung. Ich halte Vorträge und moderiere "echte" Diskussionen.
14.11.2012, 21:42 #9
Also ich persönlich finde natürlich das BGE-Grundkonzept der Piratenpartei Deutschland am Besten.
Allerdings ist es nicht in Zahlen zu beziffern, da keinerlei Zahlen vorliegen,
und auch nicht recherchiert werden kann wie hoch die tatsächlichen Sozialausgaben des Bundes, der Länder und der Gemeinden sind, die in einen Topf zusammengefasst werden könnten und welcher Zusatzbetrag dann noch anfallen könnte.
Die Zahlen die recherchiert werden können sind höchst undurchsichtig.
Hat vermutlich seinen Grund (man könnte ja dann rausfinden wer zB von Sozialausgaben profitiert - Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Weiterbildung, etc pp).
Daher kann man es nur grob aussagen, und da heißt es: 1/3 des Volkseinkommens soll als BGE bereit stehen.
Laut Schäuble betragen die derzeitigen Sozialausgaben des Bundes, der Länder und der Gemeinden, sowie der Sozialversicherungen, angeblich knapp 40% des Volkseinkommens (aber diese Aussage halte ich für wenig glaubwürdig).
Das Konzept enthält aber keinerlei Wohngeld.
Dadurch kann es für einige H4 einschneidend sein, die bislang zB größere Wohnung finanziert bekommen oder in Ballungszentren hohe Mieten zahlen.
Piraten lehnen eben Lobbyismus ab. Es wäre Lobbyismus wenn man da bei Wohnungskosten unterschiede machen würde.
Das Konzept stellt sicher dass dann jeder den gleichen Betrag bekommt und damit auskommen muss. Kommt man damit in seinem Wohnumfeld nicht klar, muss man Gürtel enger schnallen, umziehen oder sich nen Job suchen, um sich das weiterhin leisten zu können.
Desweiteren soll BGE nur Deutschen Staatsbürgern zustehen.
Nicht-Deutsche sollen andere Sätze bekommen.
Dies soll zum einen Integration von Ausländern fördern, sowie Zuzug von Ausländern um in Genuß des BGE zu kommen verhindern.
Zahlen hin oder her- ein BGE muss armutsverhindernd sein, sonst ist es sinnlos. Warum sollte das BGE nur Deutschen zustehen? "Attac- Genugf für alle" meint, dass gleiches Recht am gleichen Ort für alle zu herrschen habe. Natürlich kann es dann ein Problem mit Ausländern geben, die hier her ziehen. Deshalb setzt "attac" auch bei den armen Ländern an. In Namibia gibt es bereits Erfahrungen mit dem BGE: "Nach nur sechs Monaten war der Anteil mangelernährter Kleinkinder von 42 auf 17 Prozent gesunken. Der Anteil der Kinder, die die Grundschule beenden, stieg im Laufe des Projekts von 40 auf 90 Prozent. Die Zahl der Selbstständigen stieg um 300 Prozent. Anders als bei Mikrokrediten für Kleinunternehmen schafft ein bedingungsloses Grundeinkommen Kaufkraft und wirkt somit ökonomisch und sozial nachhaltig. Auch die Machtverhältnisse im Ort haben sich geändert. Die Stellung der Frau hat sich verbessert. Die Menschen im Dorf sind selbstbewusster geworden gegenüber den weißen Farmern. Hungerlöhne und schlechte Arbeitsbedingungen können sie jetzt ablehnen, da für ihre Grundbedürfnisse gesorgt ist."
Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-fr...ossen-brotlaib
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