Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/aktenwidrige-tatsachenfeststellungen-als-verstoss-gegen-den-ueberzeugungsgrundsatz-341004
Timestamp: 2020-08-08 05:53:55+00:00

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Aktenwidrige Tatsachenfeststellungen als Ver­stoß gegen den Über­zeu­gungs­grund­satz | Rechtslupe
Akten­wid­ri­ge Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen als Ver­stoß gegen den Über­zeu­gungs­grund­satz
Ein Ver­stoß gegen den Über­zeu­gungs­grund­satz, der als Ver­fah­rens­man­gel (§ 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO) ge­rügt wer­den kann, liegt auch vor, wenn das Ge­richt ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Ak­ten­in­halt über­geht oder ak­ten­wid­ri­ge Tat­sa­chen an­nimmt (§ 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO).
Gemäß § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO ent­schei­det das Gericht nach sei­ner frei­en, aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­ne­nen Über­zeu­gung. Es gehört hier­nach zur Auf­ga­be des Tat­sa­chen­ge­richts, sich im Wege der frei­en Beweis­wür­di­gung sei­ne Über­zeu­gung von dem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt zu bil­den. Dem hat es das Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens zu Grun­de zu legen. Wie es sei­ne Über­zeu­gung bil­det, wie es also die ihm vor­lie­gen­den Tat­sa­chen und Bewei­se wür­digt, unter­liegt sei­ner „Frei­heit“. Die Ein­hal­tung der dar­aus ent­ste­hen­den ver­fah­rens­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen ist nicht schon dann in Fra­ge gestellt, wenn ein Betei­lig­ter das vor­lie­gen­de Tat­sa­chen­ma­te­ri­al anders wür­di­gen oder aus ihm ande­re Schlüs­se zie­hen will als das Gericht. Die „Frei­heit“ des Gerichts ist aber dann über­schrit­ten, wenn es ent­we­der sei­ner Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung nicht das Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens zu Grun­de legt, son­dern nach sei­ner Rechts­auf­fas­sung ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Akten­in­halt über­geht oder akten­wid­ri­ge Tat­sa­chen annimmt, oder wenn die von ihm gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­run­gen gegen die Denk­ge­set­ze ver­sto­ßen; die­se Ver­stö­ße gegen den Über­zeu­gungs­grund­satz kön­nen als Ver­fah­rens­män­gel gerügt wer­den [1].
Ein Ver­stoß gegen das Gebot, recht­li­ches Gehör zu gewäh­ren (§ 108 Abs. 2 VwGO, Art. 103 Abs. 1 GG), liegt vor, wenn das Gericht sei­ner Ver­pflich­tung, die für die Ent­schei­dung erheb­li­chen Aus­füh­run­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen, nicht nach­kommt [2].
stRspr; vgl. Urtei­le vom 02.02.1984 – 6 C 134.81, BVerw­GE 68, 338, 339 f. = Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 145; und vom 19.01.1990 – 4 C 28.89, BVerw­GE 84, 271, 272 f. = Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 225; Beschlüs­se vom 26.05.1999 – 8 B 193.98, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 4 und vom 17.05.2011 – 8 B 88.10[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.11.1992 – 1 BvR 168/​89 u.a., BVerfGE 87, 363, 392; BVerwG, Urtei­le vom 29.11.1985 – 9 C 49.85, Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 177 und vom 20.11.1995 – 4 C 10.95, Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 267 ; jeweils m.w.N.[↩]
Recht­li­ches Gehör und der erfor­der­li­che Tat­sa­chen­vor­trag Art. 103 Abs. 1 GG garan­tiert den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, dass sie Gele­gen­heit erhal­ten, sich vor Erlass einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zu dem die­ser zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt zu äußern…
Aktenwidrige Tatsachenrechtliches GehörRevisionsgrundÜberzeugungsgrundsatzVerwaltungsprozess

References: § 108
 Art. 103
 § 108
 § 108
 § 108
 § 108
 § 108
 Art. 103