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Schuldnerberatung Archives | Seite 11 von 12
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11. August 2015 /6 Kommentare/in Insolvenzrecht, Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
24. Juni 2015 /0 Kommentare/in Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
Unterhaltspflichten werden nach der Pfändungstabelle berücksichtigt, indem jede Unterhaltspflicht Ihren Pfändungsfreibetrag erhöht. Der Pfändungsfreibetrag ist der Teil Ihres Einkommens, den Sie aus Ihrem Einkommen in der Verbraucherinsolvenz oder der Regelinsolvenz behalten dürfen.
Ihre Unterhaltspflichten i.S.d. Pfändungstabelle
Um anhand der Pfändungstabelle Ihre Pfändungsfreigrenze zu bestimmen, also den Betrag, ab dem erst gepfändet werden kann, nehmen Sie Ihr Nettoeinkommen und bestimmen Sie nun die Anzahl Ihrer Unterhaltspflichten. Den in der Tabelle ausgewiesenen Betrag können Sie behalten.
Diese Unterhaltspflichten gelten für die Pfändungstabelle:
Unterhaltspflichten bestehen
– auf Grund gesetzlicher Verpflichtung Ihrem Ehegatten gegenüber (§§1360,1360 a,1361BGB)
– gegenüber einem früheren Ehegatten (§§ 1569–1586 a BGB, 26Abs.1,37Abs. 1,39Abs. 2EheG)
– gegenüber seinem Lebenspartner oder einem früheren Lebenspartner
– gegenüber Verwandten in gerader Linie (§ 1601 BGB). Dazu zählen:
– nichteheliche Kinder (§§ 1615 a ff. BGB)
– Adoptivkinder (§§ 1754 ff. BGB)
– Mutter eines nichtehelichen Kindes (§§ 1615 l, 1615 n BGB)
Damit Ihre Unterhaltspflicht in der Pfändungstabelle Berücksichtigung findet, sollte sie Sie es der Person auch gewähren oder für Dritte (z. B. Lebensgefährtin, Stiefkind) Sozialleistungen entgegennehmen. Wenn Sie weder Natural- noch Barunterhalt gewähren, ist die unterhaltsberechtigte Person in der Pfändungstabelle nicht zu berücksichtigen (LG Amberg JurBüro 2011, 605).
Es gelten nur gesetzliche Unterhaltspflichten
Ihre Unterhaltsverpflichtung muss sich aus einem Gesetz ergeben. Tut sie es nicht, liegt keine Unterhaltspflicht i. S. der Pfändungstabelle vor, denn es halndelt sich um freiwilligen Unterhalt. Unschädlich ist aber, wenn eine gesetzliche Verpflichtung vertraglich näher geregelt ist (OLG Frankfurt Rpfleger 1980, 198).
Es ist also für die Pfändungstabelle unbeachtlich, wenn Sie anderen Personen Unterhalt leisten, ohne gesetzlich dazu verpflichtet zu sein – z. B.:
– nichtehelicher Lebenspartner (LG Osnabrück Rpfleger 1999, 34)
– Stief- und Pflegekinder (OLG Köln OLGR 2009, 775)
– Dies gilt auch, wenn diese Personen in Ihrem Haushalt leben (BGH NJW 1969, 2007).
Zur Berechnung Ihres pfändungsfreien Einkommens unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Unterhaltspflichten können Sie gerne unseren Pfändungsrechner nutzen. Mit dem Pfändungsrechner ist es möglich schnell und bequem Ihre persönlichen Pfändungsfreigrenzen zu bestimmen.
https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png 0 0 Andre Kraus https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png Andre Kraus2015-06-24 16:07:272019-07-02 11:52:24Wie wirken sich Unterhaltspflichten auf das pfändbare Einkommen aus?
Privatinsolvenz Voraussetzungen: Wer kann einen Antrag stellen?
24. Juni 2015 /0 Kommentare/in Privatinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
Die Verbraucherinsolvenz kann von allen Privatpersonen beantragt werden. Dies gilt unabhängig von ihrer Erwerbstätigkeit. Einen Antrag auf Privatinsolvenz können Sie stellen, wenn Sie
Arbeitslosengeld I oder II beziehen
Hausfrau oder -mann sind
Kleinsunternehmer sind
Das im Jahr 2001 in Deutschland eingeführte Privatinsolvenzverfahren soll allen in finanzielle Schieflage geratenen Privatpersonen die Möglichkeit geben, einen neuen Lebensabschnitt ohne Schulden zu beginnen – unabhängig davon, wie viel Ihre Gläubiger am Ende erhalten.
ANTRAG UNABHÄNGIG VON DER STAATSANGEHÖRIGKEIT
Aus denselben Erwägungen können selbstverständlich auch ausländische Staatsbürger mit Wohnort in Deutschland Privatinsolvenz beantragen.
ANTRAG AUCH ALS ehemals Selbstständiger
Auch für Kleinunternehmer kommt Privatinsolvenz in Betracht. Sie können Privatinsolvenz beantragen, wenn Sie Gewerbetreibender oder Freiberufler sind. Hierbei gibt es 3 Voraussetzungen:
Sie haben Ihre selbstständige Tätigkeit beendet
Sie haben 19 oder weniger Gläubiger
Keine Ihrer Verbindlichkeit stammt aus einem Arbeitsverhältnis mit einem früheren Arbeitnehmer
Ansonsten können Sie einen Antrag auf Regelinsolvenz stellen.
Schuldenstand ist nicht wichtig
Eine weitere Voraussetzungen einer Privatinsolvenz ist, dass Sie zahlungsunfähig sind. Unwichtig ist dabei, wie hoch Ihre Schulden sind. Sie können sich durch eine Verbraucherinsolvenz entschulden, wenn Sie Ihre Schulden nicht bezahlen können?
https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png 0 0 Andre Kraus https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png Andre Kraus2015-06-24 15:02:322017-01-16 13:12:54Privatinsolvenz Voraussetzungen: Wer kann einen Antrag stellen?
2. Mai 2015 /6 Kommentare/in Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
Verkürzung der Insolvenz – So berechnen Sie den notwendigen Betrag
Seit der Reform der Insolvenzordnung im Juli 2014 können Sie die Dauer der Privatinsolvenz und die Dauer der Regelinsolvenz von sechs auf drei Jahre oder von sechs auf fünf Jahre verkürzen. Die Grundlage liefert § 300 der Insolvenzordnung (InsO). Hier erfahren Sie, welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen.
Berechnung des Betrages zur Verkürzung der Insolvenz auf drei Jahre
Für die Verkürzung der Insolvenz auf drei Jahre müssen Sie innerhalb der 3 Jahre 35% Ihrer Schulden zuzüglich der Verfahrenskosten an die Gläubiger zurückzahlen.
Sie haben eine allgemeine Frage zum Thema „Verkürzung des Insolvenzverfahrens“? Wir beantworten sie hier kostenlos!
https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png 0 0 Andre Kraus https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png Andre Kraus2015-05-02 17:18:302019-11-26 11:01:36Privatinsolvenz auf 3 Jahre verkürzen
27. April 2015 /0 Kommentare/in Außergerichtlicher Vergleich, Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
Geschenke und Spenden in der Privatinsolvenz
2. April 2015 /6 Kommentare/in Insolvenzrecht, Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Michael Helfen
Geschenke und Spenden in der Insolvenz
Diese Zuwendungen dürfen sie während der Insolvenz behalten
Welche Zuwendungen darf ich während der Insolvenz behalten?
Wer das Insolvenzverfahren beginnt, der weiß, dass Arbeitseinkommen oberhalb des Pfändungsfreibetrags an den Insolvenzverwalter und damit an die Gläubiger abgeführt wird. Doch was geschieht, wenn man Geldgeschenke oder andere Zuwendungen wie Spenden in der Privatinsolvenz erhält?
Außerdem könnten Sie sich fragen, ob Sie selbst vor oder während der Insolvenz Geld verschenken dürfen, etwa an Freunde oder Bekannte. Diese Fragen möchten wir Ihnen im Folgenden beantworten.
Stadium ist entscheidend
Während der Wohlverhaltensphase
Welche Schenkungen darf ich selbst vornehmen?
gebräuchliches Geschenk geringen Wertes
Anfechtung einer Spende
Stadium des Verfahrens ist entscheidend
Nachdem die Eröffnung des Verfahrens ordnungsgemäß beantragt wurde, vergeht noch eine kurze Bearbeitungszeit bei Gericht, bis das Privatinsolvenzverfahren beginnt.
Der Ablauf des Verfahrens gliedert sich in zwei Verfahrensabschnitte: das eigentliche Insolvenzverfahren und die Wohlverhaltensperiode. Grundsätzlich bestehen für Sie als Insolvenzschuldner während des gesamten Verfahrens umfangreiche Auskunfts- und Mitwirkungspflichten. Darunter auch die Pflicht, jeden Vermögenszuwachs beim Insolvenzverwalter anzuzeigen (Mehr zu den Obliegenheiten des Schuldners in der Insolvenz).
Die Frage, ob Sie eine erhaltene Schenkung in der Privatinsolvenz behalten dürfen, richtet sich zunächst einmal danach, ob Sie
im eigentlichen Insolvenzverfahren sind
oder bereits die Wohlverhaltensperiode begonnen haben
Schenkungen, die Sie während des eröffneten Insolvenzverfahrens erhalten – egal ob Gegenstände, sonstige Sachwerte oder Geld – fallen grundsätzlich in die Insolvenzmasse und werden vom Insolvenzverwalter verwertet. Dasselbe Schicksal teilen auch Erbschaften und Lottogewinne. Wir empfehlen unseren Mandanten somit dringend, dem Insolvenzverwalter jede Form der Vermögenszunahme in der ersten Insolvenzperiode anzuzeigen. Verschweigen Sie in dieser Phase der Insolvenz ein Geschenk an Sie, so gefährden Sie damit Ihre Restschuldbefreiung.
Nach Abschluss des ca. ein Jahr dauernden ersten Verfahrensabschnittes, in dem das Vermögen verwertet und der Erlös an die Gläubiger ausgeschüttet wird, beginnt für Sie die Wohlverhaltensperiode. In diesem Stadium des Verfahrens wird die Auskunfts- und Anzeigepflicht reduziert. In der Wohlverhaltensperiode bietet sich also bereits die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Neuanfangs. Sie dürfen nun wieder Sparguthaben oder anderes Vermögen aufbauen, beispielsweise Sparverträge mit Vermögenswirksamen Leistungen des Arbeitgebers etc.
Schenkungen dürfen Sie im Gegensatz zur vorherigen Insolvenzperiode ebenfalls wieder komplett behalten, Erbschaften dürfen Sie immerhin bereits zur Hälfte (§ 295 Abs. 1 Nr. 2 InsO) vereinnahmen. Alternativ können Sie eine Erbschaft auch ausschlagen, so dass sie einem anderen Verwandten zugute kommt.
Welche Schenkungen darf ich selbst vor und während der Insolvenz vornehmen?
Der Gedanke, Vermögen vor der drohenden Insolvenz durch Schenkungen z. B. an Familienangehörige oder andere nahestehende Personen zu retten, kommt vielen in den Sinn. Doch das Gesetz sieht eine Reihe von Sicherungsmechanismen vor, die das verhindern. Die Insolvenzordnung (§§ 129 ff. InsO) berechtigt den Insolvenzverwalter bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen zur Anfechtung von Rechtshandlungen, die die Insolvenzgläubiger benachteiligen.
Eine Schenkung, die Sie als Insolvenzschuldner bis zu vier Jahre vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorgenommen haben, kann unter Umständen gem. § 134 InsO anfechtbar sein. Diese Frist berechnet sich rückwirkend ab Eingang des Antrags auf Insolvenzeröffnung. Anfechtbarkeit bedeutet konkret, dass der Insolvenzverwalter diese Schenkung rückgängig machen und das Geschenkte wieder herausverlangen kann. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob derjenige, dem Sie einen Gefallen tun wollten – also der Beschenkte selbst – von Ihrer drohenden Zahlungsunfähigkeit wusste.
Allerdings können wir Sie insoweit beruhigen: die Anfechtbarkeit gilt nicht für gebräuchliche Geschenke geringen Werts
Was versteht man unter einem gebräuchlichen Geschenk geringen Wertes?
Was unter einem solchen gebräuchlichen Geschenk geringen Werts genau zu verstehen ist, definiert das Gesetz allerdings nicht. Sicherlich fallen darunter Geschenke zu Weihnachten sowie Geburtstags- oder Hochzeitsgeschenke, die allgemein üblich sind. Die Bestimmung der Gebräuchlichkeit eines Geschenks ist jedoch einzelfallabhängig und soll auch die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Vermögenslage des Schenkers zum Zeitpunkt der Schenkung berücksichtigen.
Ob ein Geschenk geringen Wert hat, wird überwiegend nach objektiven Maßstäben bestimmt, jedenfalls kann bei einem Wert von 5000 Euro nicht mehr von Geringwertigkeit ausgegangen werden. Wenn Sie also beispielsweise vor Insolvenzeröffnung Ihrem Kind ein ganzes Grundstück zum Geburtstag schenken, ist höchstwahrscheinlich mit einer Anfechtung dieser Schenkung durch den Insolvenzverwalter zu rechnen.
Auch gemischte Schenkungen können von dem Insolvenzverwalter rückgängig gemacht werden. Wenn Sie zum Beispiel einen Gegenstand oder eine Immobilie bewusst deutlich unter Marktwert verkaufen, kann der Insolvenzverwalter je nach Einzelfall entweder die Sache oder den Differenzbetrag zurückverlangen.
Anfechtung einer Spende durch den Insolvenzverwalter
Für eine Spende, die Sie vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens tätigen, gelten die gleichen Grundsätze wie für eine Schenkung. In beiden Fällen handelt es sich um eine unentgeltliche Leistung. Unentgeltlich ist eine Leistung dann, wenn sie ohne eine entsprechende Gegenleistung erfolgt, die sich darauf bezieht.
Nach der Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Koblenz liegt eine unentgeltliche Leistung dann vor, wenn der Vermögenswert des Verfügenden aufgegeben wird, ohne dass diesem oder einem Dritten ein entsprechender Gegenwert zufließen soll. (vgl. OLG Koblenz, 13.02.2013 – 3 U 1494/12)
Spenden zu wohltätigen oder gemeinnützigen Zwecken können allerdings auch als gebräuchliche Gelegenheitsgeschenke angesehen werden, so dass die Rückforderung dann nicht befürchtet werden muss.
Bitte beachten Sie aber hierbei: dies gilt nur, solange der Spendenbetrag geringwertig ist.
Auch hier können keine genauen Grenzwerte für Beträge angegeben werden, da die Umstände des Einzelfalls ausschlaggebend sind. Gerne beraten wir Sie umfassend zu den konkreten Fragen Ihres konkreten Falls. Rufen Sie uns einfach an.
Urteile zur Frage, was unter einem unentgeltlichen Geschäft im Sinne des § 134 InsO zu verstehen ist:
Ein Vergleich, der die bei verständiger Würdigung des Sachverhalts oder der Rechtslage bestehende Ungewissheit durch gegenseitiges Nachgeben beseitigen soll, enthält im Regelfall keine unentgeltlichen Leistungen, BGH, Urteil vom 19.4.2007 – IX ZR 79/05
Eine anfechtbare unentgeltliche Leistung i. S. des § 134 InsO liegt nicht vor, wenn der Schuldner auf Grund einer Regelung im qualifizierten Makleralleinauftrag Zahlungen leistet, die eine Schadensersatzpflicht des Schuldners im Falle einer Eigenvermittlung des Objekts vorsieht, OLG Frankfurt/M., v. 06.05.2011 – 19 U 18/11
Ein Vergleich, der die bei verständiger Würdigung des Sachverhalts oder der Rechtslage bestehende Ungewissheit durch gegenseitiges Nachgeben beseitigen soll, enthält im Regelfall keine unentgeltlichen Leistungen, BGH, Urteil vom 9.11.2006 – IX ZR 285/03
Erfüllt eine GmbH & Co. KG die Gehaltsansprüche des Geschäftsführers ihrer Komplementär-GmbH aus einem mit der GmbH abgeschlossenen Anstellungsvertrag, liegt darin keine unentgeltliche Leistung i.S. d. § 134 Abs. 1 InsO, wenn die im Übrigen vermögenslose GmbH einen vollwertigen Erstattungsanspruch gegen die KG hat, OLG Hamm, Urt. v. 25. 8. 2010 – I-8 U 129/09
Vereinbart der Schuldner mit seinem Vertragspartner, dass eine Belohnung für ein bestimmtes Verhalten zur Hälfte an dessen Ehegatten gezahlt wird, um insoweit den Schenkungsteuerfreibetrag auszunutzen, und wird anschließend entsprechend verfahren, so ist die Zahlung an den Ehegatten auch dann als unentgeltliche, ohne Gegenleistung erbrachte Zuwendung anfechtbar, wenn der beabsichtigte steuerliche Erfolg aus Rechtsgründen nicht eingetreten ist, BGH, 20.07.2006 – IX ZR 226/03
Hat der Vollstreckungsschuldner seinem geschäftsunfähigen Kind in Gläubigerbenachteiligungsabsicht ein Geldguthaben auf einem Festgeldkonto bei einer Bank zugewendet und dieses Guthaben kurze Zeit später wieder abgeräumt und für eigene Zwecke verwendet, so ist der dem Anfechtungsgläubiger nach erfolgter Absichtsanfechtung zustehende Wertersatzanspruch aus Gründen des Schutzes Geschäftsunfähiger in entsprechender Anwendung des § 7 Abs. 2 AnfG a. F. auf die bei dem Kind noch vorhandene Bereicherung beschränkt. Herauszugebende Bereicherung kann hiernach der dem Kind gegen seinen Vater zustehende Schadensersatzanspruch wegen Verletzung der elterlichen Vermögenssorgepflicht aus § 1626 Abs. 1, § 1664 BGB sein, BFH, 22.06.2004 – VII R 16/02
Veranlasst der Geschäftsführer einer insolventen Gesellschaft aus deren Guthaben die Bezahlung einer Werklohnrechnung seiner ebenfalls insolventen Einzelhandelsfirma, ist dies nicht anfechtbar, wenn der Zahlungsempfänger die Werkleistung mangelfrei erbracht hat und die Werklohnforderung damit zum Zahlungszeitpunkt fällig war. Das in der Werkleistung liegende Vermögensopfer steht der Annahme einer unentgeltlichen Leistung selbst dann entgegen, wenn die Werklohnforderung wirtschaftlich wertlos war, OLG Koblenz, 13.05.2004 – 5 U 1539/03
Begleicht der Schuldner die gegen einen Dritten gerichtete Forderung des Anfechtungsgegners, kann seine Leistung entgeltlich sein, wenn sich der Zahlungsempfänger gegenüber seinem Schuldner durch Aufrechnung hätte Befriedigung verschaffen können, BGH, 18.04.2013 – IX ZR 90/10
Wie kann ich die Rückforderung eines Geschenks oder einer Spende durch den Insolvenzverwalter abwenden?
Schenkungen, die Sie während des eröffneten Insolvenzverfahrens erhalten – egal ob Gegenstände, sonstige Sachwerte oder Geld – fallen grundsätzlich in die Insolvenzmasse.
Sie können selbst als Insolvenzschuldner nur bedingt etwas gegen die Anfechtung unternehmen. Der Beschenkte oder der Spendenempfänger kann jedoch der Rückforderung durch den Insolvenzgläubiger durch die Erhebung einer bestimmten Einrede – der Einrede der Entreicherung – entgegentreten. In diesem Fall muss der Empfänger nachweisen, dass sich das, was er vom Insolvenzschuldner beispielsweise als Geschenk oder Spende bekommen hat, nicht mehr in seinem Besitz befindet, und dass er nicht wusste bzw. nicht hätte wissen können, dass diese unentgeltliche Leistung die Gläubiger benachteiligt. Dazu muss der Empfänger jedoch überzeugend darlegen, wofür die Mittel verwendet worden sind.
Neben der Schenkungsanfechtung nach § 134 InsO kann der Insolvenzverwalter bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen auch auf weitere Möglichkeiten der Insolvenzanfechtung zurückgreifen, die durch die Insolvenzordnung vorgesehen sind. Dazu gehören die Anfechtung unmittelbar nachteiliger Rechtshandlungen (§ 132 InsO), die kurz vor der Insolvenz vorgenommen worden sind, oder auch die vorsätzliche Benachteiligung von Gläubigern in den letzten zehn Jahren vor der Insolvenz (§ 133 InsO).
Eine detaillierte Beschreibung der Anfechtungstatbestände finden Sie hier.
Viele weitere hilfreiche Informationen zur Anfechtbarkeit von Vermögensübertragungen haben wir auf den folgenden Seiten für Sie zusammengetragen:
Im Insolvenzverfahren Vermögensbestandteile übertragen
Gerne beraten wir Sie umfassend zu den einzelnen Anfechtungstatbeständen. Rufen Sie uns an, damit wir Ihre Fragen ausführlich besprechen können
Ein Rückforderungsverlangen durch einen Insolvenzverwalter sollte aber immer erst geprüft und nicht voreilig befriedigt werden. Ebenso ist Vorsicht bei Versuchen geboten, Vermögen vor dem Zugriff der Insolvenzgläubiger zu retten.
Wir unterstützen unsere Mandanten bei der Bewertung solcher komplexen Sachverhalte und zeigen ihnen die verschiedenen Handlungsoptionen und Risiken auf. Gerne beraten wir Sie zu der Frage, welche Gegenstände Sie in der Insolvenz behalten dürfen, ob Ihr Auto in die Insolvenzmasse fällt, welchen Betrag einer Versicherung Sie behalten dürfen oder wie Sie mit einer Erbschaft umgehen.
Im Rahmen unserer Dienstleistung bieten wir auch eine Beratung zur Vermögenssicherung an, bei der wir unsere Mandanten darin unterstützen, rechtlich zulässige Gestaltungen zu treffen, um Ihr Vermögen auf rechtmäßige Art und Weise zu sichern.
Wenden Sie sich einfach an unsere unverbindliche und kostenfreie Beratungshotline! Unsere erfahrenen Mitarbeiter stehen Ihnen bei Fragen jederzeit gerne zur Verfügung.
18. März 2015 /0 Kommentare/in Außergerichtlicher Vergleich, Insolvenzrecht, Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
Achten Sie darauf, dass das Ende des Vergleiches feststeht. Sehr oft explodieren die Kosten eines Vergleiches, wenn die Dauer der Dienstleistung nicht von vornherein feststeht. So lassen sich einige Schuldnerberatungen monatlichen Raten mit ungewisser Zeitdauer eines Vergleiches bezahlen. Oftmals werden in diesen Fällen sehr lange Abfragen bei den Gläubigern oder ergebnislose Verhandlungen durchgeführt – teilweise über mehr als ein halbes oder gar ein ganzes Jahr. Kommt ein Vergleich nicht zustande, geben Sie während der gesamten Vergleichsdauer einen Betrag aus, der sich letztlich auf einen erheblichen Endbetrag summiert. Bitten Sie den Schuldnerberater ausdrücklich darum, Ihnen darzustellen, nach welchen Schritten die Dienstleistung endet und wieviel dafür anfällt – lassen Sie nicht die Erklärung genügen, dass der Ablauf ungewiss sei.
https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png 0 0 Andre Kraus https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png Andre Kraus2015-03-18 11:06:442019-04-25 12:20:27Merkmale seriöser Schuldnerberatung: Preistransparenz – die Kosten einer Entschuldung (Insolvenz oder Vergleich) stehen zu Beginn der Entschuldung fest
Merkmale seriöser Schuldnerberatung: Wie Sie seriöse Berater erkennen
2. März 2015 /0 Kommentare/in Insolvenzrecht, Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
Unserer Meinung nach gehört es zu einer umfassenden Schuldnerberatung, dass Sie über die Wege einer Entschuldung beraten werden: über einen Vergleich und ein Insolvenzverfahren.
Keine seriöse Schuldnerberatung: Ein Insolvenzantrag wird ausschließlich negativ beschrieben
Oftmals kommt es vor, dass ein Insolvenzantrag ausschließlich in einem schwarzen Licht dargestellt wird. Dabei wird Schuldnern Hoffnung auf einen Vergleich gemacht – unabhängig von ihrer tatsächlichen finanziellen Lage. Dies ist unserer Meinung nicht richtig, denn dabei wird die in vielen Fällen einzige Möglichkeit eines Insolvenzverfahrens unterschlagen. Hierbei wird oftmals keine konkrete Dauer eines Vergleiches festgelegt. Oftmals werden gleichzeitig monatlichen Raten mit ungewisser Zeitdauer vereinbart. Obwohl ein Vergleich aussichtslos ist, wird ein solcher Schuldnerberater so lange ein Honorar bekommen, bis ein Schuldner – sehr oft entnervt – aufgibt und einen Insolvenzantrag anstrebt. Oftmals sollen Ratsuchende monatliche Beträge an den Berater zahlen, die dieser dann, statt sie wie vorgegeben, an die Gläubiger weiterzuleiten, als „Verwaltungspauschale“ selbst einbehält.
Seriöse Schuldnerberatung: Sichere Entschuldung durch Insolvenzantrag als Möglichkeit, wenn ein Schuldner zu geringe finanzielle Mittel für einen Vergleich hat
Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Einleitung des Insolvenzverfahrens oftmals die einzige Möglichkeit ist, die Gläubiger von weiteren Maßnahmen und Kosten abzuhalten. Wenn Sie die Rate für einen Vergleich einfach nicht aufbringen können, werden die Gläubiger einen solchen Vergleich nicht annehmen. Ein erfahrener Schuldnerberater kann dies erkennen und sollte in solchen Fällen die Durchführung eines Insolvenzverfahrens empfehlen. Sie werden dann von Ihren Schulden befreit – unabhängig davon, wieviel Sie Ihren Gläubigern zurückzahlen.
https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png 0 0 Andre Kraus https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png Andre Kraus2015-03-02 12:12:512016-06-15 14:09:42Merkmale seriöser Schuldnerberatung: Wie Sie seriöse Berater erkennen
2. März 2015 /1 Kommentar/in Insolvenzrecht, Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png 0 0 Andre Kraus https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png Andre Kraus2015-03-02 12:09:062019-12-03 09:59:16P-Konto: Die Vorteile und Nachteile eines Pfändungsschutzkontos in der Entschuldung
Schritte der Gläubiger gegen Schuldner: So gehen Gläubiger gegen Schuldner vor
2. März 2015 /0 Kommentare/in Allgemeines Insolvenzrecht, Außergerichtlicher Vergleich, Insolvenzrecht, Privatinsolvenz, Regelinsolvenz, Schuldnerberatung /von Andre Kraus
Wenn ein Schuldner nicht weiter zahlen kann, unternehmen die Gläubiger gewisse Schritte, die sich immer wieder gleichen. Oftmals kommt es erst durch diese Schritte zur Schuldensituation. Schuldner können oftmals erst dann nicht ihre gesamten Schulden tragen, wenn die sehr hohen Inkassogebühren einsetzen.
Erster Schritt: Zahlungsaufforderungen und Mahnungen
Der erste Schritt eines Gläubigers ist eine Zahlungsaufforderung gefolgt von einer Mahnung. Dieser Mahnlauf erfolgt zunächst intern durch den Gläubiger selbst. In dieser Phase wächst die Forderung das erste Mal an: es entstehen sogenannte Verzugszinsen.
Zweiter Schritt: Inkasso – Abgabe an ein Inkassounternehmen
Hiernach leiten Gläubiger ihre Forderung oftmals an ein Inkassobüro. Ein Inkassounternehmen wird entweder mit der Beitreibung beauftragt oder kauft die Forderung gar an. Optimalerweise setzt eine Schuldnerberatung bereits hier an. Wir teilen Ihren Gläubigern mit, dass Sie zahlungsunfähig sind. In diesem Fall dürfen Ihnen keine Gebühren durch das Inkassounternehmen auferlegt werden. Diese Kosten wären nicht notwendig im Sinne von § 788, 91 ZPO und daher auch vom Gläubiger selbst zu tragen. Meistens reagieren Schuldner verspätet und begeben sich erst nach den ersten Vollstreckungsmaßnahmen in eine Schuldnerberatung. In solchen Fällen wachsen die Schulden gerade während der Arbeit eines Inkassounternehmens sehr stark an.
Dritter Schritt: Mahnbescheid
Der nächste Schritt liegt oftmals im Antrag eines Gläubigers auf den Erlass eines Mahnbescheids. Wenn Sie davon ausgehen, dass die Forderungen unbegründet sind, sollten Sie Widersprch einlegen. In diesem Fall überprüft das Gericht den Bestand und die Höhe der Forderungen der Gläubiger.
Vierter Schritt: Vollstreckungsbescheid
Wenn Sie von dem Bestand der Forderung ausgegangen sind und keinen Widerspruch gegen den Mahnbescheid eingelegt haben, erlässt das Amtsgericht auf Antrag des Gläubigers einen Vollstreckungsbescheid. Sollten Sie gegen den vorangegangenen Mahnbescheid verspätet Widerspruch eingelegt haben, können Sie gegen den Widerspruchbescheid einen Einspruch einlegen – dann wird das Gericht widerum den Bestand der Forderung prüfen. Diesen sollten Sie nur einlegen, wenn Sie davon ausgehen, dass die Forderung nicht besteht.
Fünfter Schritt: Zwangsvollstreckung
Die Zwangsvollstreckung ist zumeist der letzte Schritt des Vorgehens eines Gläubigers. Sie kann geschehen, wenn der Vollstreckungsbescheid rechtskräftig geworden ist. Hierbei kommt es typischerweise zu einer Kontopfändung, einer Lohnpfändung oder weniger oft zum Besuch eines Gerichtsvollziehers. Auch die Abgabe eines Vermögensverzeichnisses stellt eine Vollstreckungsmaßnahme dar.
https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png 0 0 Andre Kraus https://anwalt-kg.de/wp-content/uploads/2016/04/kgr-logo-rot-weiss-transparent-300px.png Andre Kraus2015-03-02 12:07:282016-04-29 16:32:50Schritte der Gläubiger gegen Schuldner: So gehen Gläubiger gegen Schuldner vor

References: § 300
 § 134
 § 134
 § 134
 § 134
 § 7
 § 1626
 § 1664
 § 134
 § 788