Source: https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?ResultFunctionToken=efc8672f-135e-4076-9025-a130a1c69767&Abfrage=Gesamtabfrage&SearchInAsylGH=&SearchInAvn=&SearchInAvsv=&SearchInBegut=&SearchInBgblAlt=&SearchInBgblAuth=&SearchInBgblPdf=&SearchInBks=&SearchInBundesnormen=&SearchInDok=&SearchInDsk=&SearchInErlaesse=&SearchInGbk=&SearchInGemeinderecht=&SearchInJustiz=&SearchInBvwg=&SearchInLvwg=&SearchInLgbl=&SearchInLgblNO=&SearchInLgblAuth=&SearchInLandesnormen=&SearchInNormenliste=&SearchInPruefGewO=&SearchInPvak=&SearchInRegV=&SearchInSpg=&SearchInUbas=&SearchInUmse=&SearchInUvs=&SearchInVerg=&SearchInVfgh=&SearchInVwgh=&ImRisSeitVonDatum=&ImRisSeitBisDatum=&ImRisSeit=Undefined&ResultPageSize=100&Suchworte=Euobserver&Dokumentnummer=ASYLGHT_20120508_B2_425_565_1_2012_00
Timestamp: 2019-10-19 17:49:43+00:00

Document:
RIS - Ausweisung, familiäre Situation, gesteigertes Vorbringen, Glaubwürdigkeit, Interessensabwägung, mangelnde Asylrelevanz, non refoulement, private Verfolgung, soziale Verhältnisse, staatlicher Schutz, unverzügliche Ausreiseverpflichtung B2 425565-1/2012 - Asylgerichtshof (AsylGH)
Entscheidungstext B2 425565-1/2012
B2 425565-1/2012
B2 425.565-1/2012/6E
Der Asylgerichtshof hat gemäß §§ 61 Abs. 1, 75 AsylG 2005 idF BGBl. I Nr. 100/2005 (AsylG 2005) iVm § 66 Abs. 4 AVG 1991 durch die Richterin Mag. Barbara Magele als Vorsitzende und den Richter Dr. Karl Ruso als Beisitzer über die Beschwerde des XXXX, StA.: Republik Kosovo, gegen den Bescheid des Bundesasylamtes vom 06.03.2012, Zl. 12 01.948 - EAST West, zu Recht erkannt:
Die Beschwerde vom 16.03.2012 wird gemäß §§ 3, 8 Abs. 1 und 10 Abs. 1 Z 2 AsylG 2005 abgewiesen.
1. Der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger der Republik Kosovo und Angehöriger der albanischen Volksgruppe, reiste am 11.02.2012 illegal in das Bundesgebiet ein und stellte am 16.02.2012 einen Antrag auf internationalen Schutz.
Bei seiner Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes am selben Tag gab er an, 12 Jahre lang die Schule besucht, aber nie gearbeitet zu haben. Seine Eltern und drei seiner Geschwister würden im Kosovo leben, ein Bruder und ein Cousin in Österreich. Zu seinen Fluchtgründen befragt, gab er an, dass er sein Heimatland aus wirtschaftlichen Gründen verlassen habe; er wollte arbeiten. Im Falle einer Rückkehr fürchte er, ohne Arbeit nicht überleben zu können.
Bei seiner niederschriftlichen Einvernahme vor dem Bundesasylamt am 20.02.2012 gab der Beschwerdeführer an, dass die Eltern und ein Bruder gemeinsam im Elternhaus in einem Dorf der Gemeinde XXXX leben würden. Auch er habe sich dort bis sechs Monate vor seiner Ausreise aufgehalten; die letzten Monate habe er allein in XXXX gelebt. Die beiden erwachsenen Schwestern würden gleichfalls in XXXX leben. Er habe in seinem Heimatdorf acht Jahre lang die Grundschule besucht und anschließend eine Allgemeinbildende Höhere Schule in XXXX. Sein älterer Bruder lebe schon seit rund acht Jahren in Österreich und verfüge über eine Niederlassungsbewilligung. Mit diesem habe er zuletzt bei dessen Aufenthalt im Kosovo - vor knapp sieben Monaten - Kontakt gehabt.
Er habe den Kosovo verlassen, weil er bei drei Personen insgesamt knapp 100.000 Euro Schulden beim Kartenspielen gemacht habe, und dieses Geld nicht habe zurückzahlen können. Deshalb wolle auch seine Familie nichts von ihm hören und habe ihn sein Vater "auf die Straße gesetzt". Das Kartenspiel beschrieb der Beschwerdeführer als Variante des "Jolly" und machte dazu - auf wiederholtes Nachfragen des Bundesasylamtes - folgende näheren Angaben:
"Dieses Spiel spielt man mit 10 Karten, drei oder vier Personen und so spielt man mit Geld. ...Ich habe schon erklärt, dieses Spiel spielen 4 Personen mit 10 Karten. ...Wie schon erklärt, es spielen 4 Personen, dann werden die Karten geteilt und wer die besseren Karten hat, der hat gewonnen. ...Bessere Karten sind, wenn man drei gleiche Karten hat, oder mehr und die sind dann besser. ...Wie schon gesagt, es sind die Karten gleich, nur wer hat bessere, das heißt drei oder mehr gleiche. ...Jeder legt 100 bis 500 Euro und wer besser ist, gewinnt. ...Die Karten sind insgesamt 52 Stück und mit diesen Karten spielt man. ...Gleiche Karten wie man Jolly oder Poker spielt."
Das Geld für die Spieleinsätze habe er sich zunächst von Freunden in XXXX ausgeborgt, später von den anderen Spielern. Er selbst habe gedacht, dass er einmal gewinnen werde. Seine Geldgeber hätten gehofft, dass sie "von mir etwas nehmen können, aber ich besitze nichts".
Er habe vor sechs Monaten aufgehört zu spielen. Einen Monat später sei er das erste Mal bedroht worden, danach noch weitere zwei Mal. Dies sei in XXXX auf der Straße geschehen. Man habe von ihm gefordert, das Geld zurückzugeben, sonst werde er umgebracht. Man habe ihm zudem verboten, zur Polizei zu gehen. Physische Übergriffe habe es nicht gegeben. Das Geld für die Schleppung nach Österreich (¿ 2.500) habe er sich von einem (anderen) Freund ausgeborgt.
Beweismittel könne er für sein Vorbringen nicht vorlegen. Im Falle seiner Rückkehr könne es passieren, dass "mich diese Leute umbringen, falls sie mich treffen".
Nach Vorhalt von Feststellungen zur Situation im Kosovo, insbesondere zur Frage der Grundversorgung und der Arbeit der Sicherheitsbehörden, erklärte der Beschwerdeführer: "Es stimmt, aber ich habe nicht die Probleme mit der Polizei, ich bin wegen den Schulden geflüchtet."
Bei einer weiteren niederschriftlichen Einvernahme vor dem Bundesasylamt am 23.02.2012 bestätigte der Beschwerdeführer die Richtigkeit seiner bisherigen Angaben und bestätigte, diese aufrecht erhalten zu wollen. Sollte er im Kosovo zur Polizei gehen, werde er von seinen Verfolgern umgebracht.
2. Mit dem angefochtenen Bescheid des Bundesasylamtes vom 06.03.2012 wurde der Antrag des Beschwerdeführers bezüglich der Zuerkennung des Status des Asylberechtigten gemäß § 3 Abs. 1 iVm 2 Abs. 1 Z 13 AsylG 2005 (Spruchpunkt I) sowie des Status des subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf den Herkunftsstaat Kosovo gemäß § 8 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG 2005 (Spruchpunkt II) abgewiesen. Weiters wurde der Beschwerdeführer gemäß § 10 Abs. 1 Z 2 AsylG 2005 aus dem österreichischen Bundesgebiet in die Republik Kosovo ausgewiesen (Spruchpunkt III). Überdies wurde einer Beschwerde gegen diesen Bescheid gemäß § 38 Abs 1 Z 1 AsylG 2005 die aufschiebende Wirkung aberkannt.
Begründend wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der Beschwerdeführer den Kosovo ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen verlassen habe. Das unbelegte Vorbringen betreffend seine Spielschulden sei in sich widersprüchlich und gänzlich unglaubwürdig. Insbesondere habe der Beschwerdeführer keine konkreten Angaben zur Art des Kartenspiels machen können. Selbst wenn man seinen Behauptungen Glauben schenken würde, wäre das Vorbringen aufgrund der Schutzfähigkeit des Herkunftsstaates nicht asylrelevant. Eine refoulementschutzrechtlich relevante Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr in den Kosovo sei nicht gegeben und stelle seine Ausweisung auch keinen Eingriff in die durch Art. 8 EMRK geschützten Rechte dar.
Die aufschiebende Wirkung der Beschwerde habe aberkannt werden können, da der Beschwerdeführer aus einem sicheren Herkunftsstaat stamme.
3. Gegen den Bescheid des Bundesasylamtes vom 06.03.2012 wurde vom Beschwerdeführer fristgerecht Beschwerde erhoben und behauptet, er habe lediglich die Seiten 22-60 von insgesamt 62 des angefochtenen Bescheides erhalten.
In einem der Beschwerde handschriftlich beigelegten Teil wiederholte der Beschwerdeführer zunächst im Wesentlichen sein bisheriges Vorbringen und führte darüber hinaus an, dass seine Verfolger sehr gefährlich seien. Auch seien in vergleichbaren Fällen bereits Menschen im Kosovo getötet worden. Zudem wolle seine Familie ihn nicht mehr zurück, weil er sehr viel Alkohol getrunken und im Ramadan nicht gefastet und gebetet habe. Seine Familie habe ihn deshalb "einfach auf die Straße gesetzt" und im Dorf würde man ihn deswegen "hassen".
4. Mit Beschluss des Asylgerichtshofes vom 29.03.2012, GZ B2 425.565-1/2012/3Z, wurde der Beschwerde gemäß § 38 Abs. 2 AsylG 2005 die aufschiebende Wirkung zuerkannt.
Mit Schreiben des Asylgerichtshofs vom 03.04.2012 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass seine Darstellung betreffend die Übergabe eines unvollständigen erstinstanzlichen Bescheides nicht habe verifiziert werden können, weshalb von einer vollständigen und rechtmäßigen Zustellung des Bescheides des Bundesasylamtes ausgegangen werde. Ungeachtet dessen werde ihm der gesamte Bescheid erneut übermittelt und eine Frist von einer Woche zur Ergänzung der Beschwerde eingeräumt.
Diese Frist ließ der Beschwerdeführer bis zum heutigen Tag ungenutzt verstreichen.
1.1. Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger der Republik Kosovo und gehört der albanischen Volksgruppe an. Er wurde in XXXX, geboren, wo er auch 8 Jahre lang die Grundschule besuchte. Danach besuchte er noch 4 Jahre lang eine Allgemeinbildende Höhere Schule in XXXX. Zumindest bis sechs Monate vor seiner Ausreise nach Österreich lebte er mit den Eltern und seinem jüngeren Bruder zusammen im Elternhaus in XXXX. Der Beschwerdeführer war im Kosovo bisher nicht berufstätig.
Im Elternhaus im Kosovo leben jedenfalls seine Eltern und sein jüngerer Bruder unter gesicherten sozialen Verhältnissen. Überdies leben in der Gemeinde XXXX noch seine beiden älteren Schwestern. Zudem verfügt er über Freunde in XXXX, die im zumindest übergangsweise Unterkunft und finanzielle Unterstützung bieten könnten. Bei einer Rückkehr in den Kosovo könnte der Beschwerdeführer neuerlich im Elternhaus (oder bei Freunden in XXXX) Unterkunft finden; seine Existenz wäre, wie schon vor der Ausreise, jedenfalls durch Unterstützung seiner Angehörigen und Freunde sowie durch staatliche Leistungen als gesichert anzusehen.
In Österreich lebt seit rund 8 Jahren sein älterer Bruder, es besteht jedoch weder ein Abhängigkeitsverhältnis, noch eine besonders enge Beziehung zu diesem. Es gibt keine stichhaltigen Hinweise für substantielle Bindungen des Beschwerdeführers zu in Österreich dauerhaft aufenthaltsberechtigten Personen.
Der Beschwerdeführer hatte keine Probleme mit der kosovarischen Polizei oder anderen Behörden in seinem Heimatland. Er war weder staatlicher noch staatlich geduldeter Verfolgung ausgesetzt. Er hat den Kosovo ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen verlassen.
Das Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend eine Verfolgung durch Kriminelle aufgrund von Spielschulden erweist sich schon abstrakt als nicht asylrelevant, wenngleich überdies auch gänzlich unglaubwürdig. Nicht glaubhaft war im Übrigen auch der vom Beschwerdeführer behauptete nachhaltige Bruch mit seiner Familie. Es kann insgesamt nicht festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Kosovo Opfer einer Verfolgung von asylrelevanter Intensität werden würde.
Es kann nicht festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer im Fall der Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung in den Kosovo in seinem Recht auf das Leben gefährdet, der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen würde oder von der Todesstrafe bedroht wäre.
Der Beschwerdeführer ist in Österreich nicht integriert; er spricht nicht Deutsch. Er ist nicht selbsterhaltungsfähig, nimmt aber derzeit auch keine Leistungen aus der Grundversorgung in Anspruch. Er ging in Österreich nie einer legalen Beschäftigung nach. Der Beschwerdeführer ist strafrechtlich unbescholten.
1.2. Zur Situation im Kosovo wird folgendes festgestellt:
(EUobserver .com: Huge obstacles on Kosovo's way to EU visa-free travel, 20.1.2012; http:// euobserver.com/15/114969, Zugriff 26.1.2012)
Ein Polizeiinspektorat (PIK) agiert als eine unabhängige Abteilung innerhalb des Innenministeriums. Die Zuständigkeit für die Untersuchung strafrechtlicher Verfehlungen des
Polizeipersonals wird somit von einer unabhängigen Einrichtung gewährleistet. Die Aufgabe des PIK besteht in einer Verbesserung der Polizeiarbeit und fungiert als Aufsichtsorgan in Fällen von Polizeiübergriffen und Polizeifehlverhalten.
Das PIK untersuchte 2010 insgesamt 1.185 Fälle von Beschwerden, davon wurden 577 Beschwerden von Bürgern, 13 Fälle von Institutionen und 595 Fälle von der Polizei selbst eingereicht. Von diesen wurden 408 Fälle seitens der PIK weiter untersucht und 541 Fälle an die sog. Professional Standards Unit (PSU) innerhalb der Polizei weitergeleitet. Gerichtsentscheidungen waren in insgesamt 106 Fällen anhängig, und 100 Fälle wurden vor dem Senior Police Appointment und Discipline Committee untersucht.
Von den von der PIK untersuchten 408 Fällen machten 20 Prozent Anschuldigungen betreffend ernster Disziplinarvergehen aus. Davon betrafen 20 Prozent Fehlverhalten als Polizeibeamter, 13 Prozent übertriebene Anwendung von Waffengewalt, 12 Prozent betrafen strafrechtliche Tatbestände (die an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurden), 9 Prozent ernste Gehorsamsverweigerung, 2 Prozent Korruptionsfälle und weitere unterschiedliche ernste Vergehen.
Die PSU untersuchte auch kleinere Vergehen und verhängte dabei Verwaltungsstrafen. Insgesamt untersuchte die PSU 2010 639 Fälle, welche Vorfälle kleinerer Gehorsamsverweigerungen und Beschädigung und Verlust von Polizeieigentum betrafen.
Es gibt genügend Polizeistationen im ganzen Land, wo man grundsätzlich Anzeigen erstatten kann. Weiters können Anzeigen auch beim a) Büro der Staatsanwaltschaften, b) bei der EULEX Staatsanwaltschaft und, c) bei der Ombudsperson-Institution eingereicht werden.
Strafrechtliche Anzeigen werden seitens der KP(S) aufgenommen und verfolgt. Fehlleistungen von einzelnen Polizeiorganen können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Sollte eine Person kein Vertrauen in die Dienste der KP(S) haben, besteht die Möglichkeit sich auch direkt an die UNMIK- (jetzt: EULEX; Anm.) Polizei, oder an die Staatsanwaltschaft zu wenden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den Ombudsmann zu konsultieren.
(Bericht zur Fact Finding Mission in den Kosovo 14.-19.5.2006: Juni 2006)
Ein mächtiger Verbündeter im Kampf des Staates gegen die Korruption und die organisierte Kriminalität stellt die europäische Rechtsstaatsmission EULEX dar. Diese unterstützt derzeit die kosavarischen Behörden bei ihren diesbezüglichen Bekämpfungsmaßnahmen und ist dabei auch selbst operativ tätig. Dabei gelang es durch eine auch medial viel Aufmerksamkeit hervorgerufene spektakuläre Aktion erstmals Untersuchungen von mutmaßlichen Korruptionsfällen in höchsten politischen Kreisen durchzuführen. Eine enorm positive Entwicklung auf diesem Gebiet, allein wenn man die psychologische Wirkung solcher Aktionen auf die Bevölkerung vorstellt, da die Regierung Thaci zwar insgesamt als positiv aber dennoch korrupt angesehen wird.
2.1. Die Feststellungen zur Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers sowie zu seiner Ausbildung, Berufstätigkeit und zu seiner familiären Situation im Kosovo und in Österreich ergeben sich aus seinem diesbezüglich glaubwürdigen Vorbringen. Es gibt keinen Hinweis, dass seine im Kosovo lebenden Verwandten einer existenziellen Notlage ausgesetzt sind oder dies vor seiner Ausreise waren - insbesondere hat der Beschwerdeführer solches in seinem Verfahren nie behauptet. Der Beschwerdeführer hat überdies erklärt, rund sechs Monate lang in XXXX gelebt zu haben, wobei er von Freunden (finanziell) unterstützt worden sei. Er konnte nicht glaubhaft darlegen, dass es ihm nicht mehr möglich wäre, neuerlich in seinem Elternhaus Unterkunft zu finden. Die diesbezügliche unbelegte Behauptung des Beschwerdeführers - basierend auf einem Abbruch der Beziehung seitens seiner Familie insbesondere aufgrund seines Alkoholkonsums - war nicht glaubhaft. Dies insbesondere, weil sich schon sein Kernvorbringen als gänzlich unglaubwürdig erwies und die diesbezüglichen Behauptungen im Verlauf des Verfahrens nicht widerspruchsfrei waren und zudem systematisch gesteigert wurden. So behauptete der Beschwerdeführer in seiner Einvernahme vor dem Bundesasylamt zunächst, von seinem Vater wegen Spielschulden "auf die Straße gesetzt" worden zu sein - zu einem Zeitpunkt, als er sich allerdings in XXXX aufgehalten haben will. In der gegenständlichen Beschwerde begründete er den Bruch mit seiner Familie jedoch mit seinem exzessiven Alkoholkonsum und der wiederholten Verletzung religiöser Gebote, wie der Pflicht zum Gebet oder jener zum Fasten im Ramadan. Gesteigert wurde diese Behauptung auch insofern, als der Beschwerdeführer sich deswegen als vom gesamten Dorf gehasster Außenseiter darstellte.
Der Beschwerdeführer hat dargelegt, dass sein Bruder seit Jahren in Österreich lebt und er ihn zuletzt Monate vor seiner Ausreise bei dessen Besuch im Kosovo getroffen habe. Ein Abhängigkeitsverhältnis oder eine besonders intensive Beziehung zu diesem Bruder wurde vom Beschwerdeführer nie behauptet. Es besteht auch kein gemeinsamer Haushalt. Darüber hinaus hat der Beschwerdeführer keine substantiellen Bindungen zu seinen in Österreich lebenden Cousin glaubhaft gemacht.
Konkrete Probleme mit der Polizei oder anderen staatlichen Behörden wurden vom Beschwerdeführer ausdrücklich verneint. Der Beschwerdeführer hat bei Antragstellung glaubhaft (und ausschließlich) erklärt, dass er den Kosovo aus wirtschaftlichen Gründen, um Arbeit zu finden, verlassen habe.
Bereits das Bundesasylamt hat das im Verlauf der Einvernahmen erstattete Vorbringen des Beschwerdeführers - Verfolgung durch Kriminelle aufgrund hoher Spielschulden - im angefochtenen Bescheid als nicht asylrelevant erachtet, da es sich dabei um ein Kriminaldelikt handeln würde. Hinreichender Schutz der Behörden ist diesbezüglich gegeben.
Überdies ist das diesbezügliche Vorbringen auch - wie das Bundesasylamt bereits ausgeführt hat - nicht glaubwürdig, da der Beschwerdeführer (insbesondere) nicht nachvollziehbar schildern konnte, wie es zu den behaupteten Schulden gekommen sein soll. Umso mehr, als er auch nicht einmal in der Lage war, darzustellen, wie das verlustbringende Kartenspiel konkret abgelaufen sein soll. Auch in der Beschwerde findet sich kein Versuch, die Glaubwürdigkeit des Vorbringens zu erhöhen. Hinsichtlich der durch Länderberichte belegten Schutzfähigkeit der Behörden führt der Beschwerdeführer lediglich aus, dass es im Kosovo immer wieder zu Morden aufgrund ausständiger Schulden komme. Eine generelle Schutzunfähigkeit der Behörden im Kosovo kann daraus nicht abgeleitet werden, zumal der Beschwerdeführer das diesbezügliche Vorbringen auch nicht belegen konnte.
Es gibt keinen Hinweis, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Kosovo einer Situation ausgesetzt sein könnte, die einer unmenschlichen Behandlung im Sinne des Art. 3 EMRK gleichkommen würde. Es konnte nicht festgestellt werden, dass seine Existenz nicht in gleicher Weise wie vor dem Verlassen des Kosovo gesichert wäre, zumal sich seine diesbezüglichen Behauptungen betreffend einen völligen Bruch mit seiner Familie - wie bereits oben dargelegt - als unglaubwürdig erwiesen.
Der Beschwerdeführer hat im gesamten Verfahren keinerlei gesundheitliche Probleme behauptet. Da er seinen Antrag überdies zunächst (nur) mit dem Wunsch begründet hat, in Österreich arbeiten zu wollen, besteht auch kein Zweifel an seiner Arbeitsfähigkeit. Eine Beschäftigung im Kosovo hat der Beschwerdeführer ausdrücklich verneint. Auch gibt es keinen Hinweis, dass er in Österreich je legal beschäftigt gewesen wäre. Damit kann auch nicht von einer Selbsterhaltungsfähigkeit im Bundesgebiet ausgegangen werden.
Es gibt zudem keinen Hinweis auf Deutschkenntnisse oder substantielle Integrationsschritte des Beschwerdeführers in Österreich. Auch der Beschwerdeführer selbst hat im Verfahren nichts dergleichen behauptet. Der Beschwerdeführer lebt derzeit bei seinem älteren Bruder in Linz. Dass seine persönlichen Beziehungen zum Herkunftsstaat Kosovo deutlich intensiver sind als jene zu Österreich, ergibt sich nicht nur daraus, dass der Beschwerdeführer beinahe sein gesamtes Leben (23 von knapp 24 Lebensjahren) im Kosovo verbracht hat, sondern auch daraus, dass im Kosovo nach wie vor seine Eltern und sein jüngerer Bruder leben, mit denen er auch (fast) bis zur Ausreise nach Österreich zusammengelebt hat. Zum in Österreich lebenden Bruder gab es hingegen über Jahre hinweg nur sporadischen Kontakt. Die Feststellungen, dass der Beschwerdeführer strafrechtlich unbescholten ist und keine Leistungen aus der Grundversorgung in Anspruch nimmt, ergeben sich aus den eingeholten Auskünften aus dem Betreuungsinformationssystem zur Grundversorgung und aus dem Strafregister, jeweils vom 26.3.2012.
2.2. Die Feststellungen zur allgemeinen, politischen und wirtschaftlichen Lage im Kosovo ergeben sich aus den oben angeführten Quellen, denen der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde nicht substantiell entgegen getreten ist. Aus seinem Vorbringen, dass es im Kosovo zu Morden von Kriminellen an ihren Schuldnern komme kann jedenfalls keine Gefährdung der allgemeinen Sicherheitslage bzw. generelle Schutzunfähigkeit der Behörden im Kosovo abgeleitet werden.
Aus dem festgestellten Sachverhalt ergibt sich nicht, dass dem Beschwerdeführer in seinem Heimatland Verfolgung aus einem der in der GFK genannten Gründe droht. Das Vorbringen des Beschwerdeführers - Verfolgung aufgrund von Spielschulden durch seine Kreditgeber - erwies sich als unglaubwürdig.
Wesentlich ist dabei auch, dass - selbst bei Wahrunterstellung des Vorbringens - die zuständigen Behörden im Kosovo dem Beschwerdeführer weder den Schutz verweigert hatten, noch zur Gewährung desselben nicht in der Lage wären. Es wurde vielmehr nicht einmal ein Versuch unternommen, behördliche Hilfe zu erlangen, obwohl der Beschwerdeführer seine angeblichen Verfolger ganz konkret hätte benennen können.
Überdies würde es sich bei den vom Beschwerdeführer behaupteten Vorfällen lediglich um gemeinkriminelle Akte, die dem kosovarischen Staat nicht zugerechnet werden können (vgl. etwa VwGH 13.11.2001, Zl. 2000/01/0098; 08.07.2000, 99/20/0203; 21.09.2000, 98/20/0557), handeln. Er kann nach den getroffenen Feststellungen über den Herkunftsstaat durch die dortigen Behörden wirksamen Schutz vor der behaupteten Bedrohung finden. Diesen Feststellungen zufolge ist ein wirksames System der polizeilichen Gefahrenabwehr eingerichtet und es gehen die kosovarischen Behörden etwaigen Anzeigen professionell nach. Dass der Beschwerdeführer durch die dortigen Behörden nicht wirksam Schutz vor Bedrohung der behaupteten Art finden kann, hat er weder im vorliegenden Verfahren glaubhaft dargetan, noch ist dies aufgrund der umfassenden Feststellungen über die Situation im Kosovo ersichtlich bzw. ist auch nicht davon auszugehen, dass ein solcher Schutz aus Gründen, die in der GFK ihren Ursprung haben, versagt worden wäre. Probleme mit den Behörden im Kosovo hat der Beschwerdeführer im Übrigen ausdrücklich verneint.
Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes kommt zudem einer von Privatpersonen bzw. privaten Gruppierungen ausgehenden Verfolgung nur dann Asylrelevanz zu, wenn der Staat nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, diese Verfolgungshandlungen hintan zu halten. Von einer mangelnden Schutzfähigkeit des Staates kann nicht bereits dann gesprochen werden, wenn der Staat nicht in der Lage ist, seine Bürger gegen jedwede Übergriffe seitens Dritter präventiv zu schützen. Entscheidend für die Frage, ob eine ausreichend funktionierende Staatsgewalt besteht, ist vielmehr, ob für einen von dritter Seite aus den in der Flüchtlingskonvention genannten Gründen Verfolgten trotz staatlichen Schutzes der Eintritt eines - asylrelevante Intensität erreichenden - Nachteiles aus dieser Verfolgung mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist (VwGH 13.11.2008, 2006/01/0191). Aus den Feststellungen über die Lage im Kosovo ist - wie vorhin bereits ausgeführt - ersichtlich, dass eine ausreichende Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit gegeben ist.
Zur Abweisung des Asylantrages sei erwähnt, dass auch ein wirtschaftlicher Nachteil unter bestimmten Voraussetzungen als Verfolgung im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention zu qualifizieren sein kann, im Ergebnis jedoch nur dann, wenn durch den Nachteil die Lebensgrundlage massiv bedroht ist und der Nachteil in einem Kausalzusammenhang mit den Gründen der Flüchtlingskonvention steht. Eine solche Bedrohung der Lebensgrundlage ist den Feststellungen zufolge nicht gegeben, und konnte vom Beschwerdeführer nicht einmal ansatzweise glaubhaft gemacht werden. Der Beschwerdeführer verfügte über eine Unterkunft im Elternhaus, die ihm auch nach einer Rückkehr zur Verfügung stehen wird. Seine gegenteilige Behauptung war nicht glaubwürdig. Unabhängig davon hätte er auch Freunde in XXXX, bei denen er bereits einige Zeit gewohnt hat und wo er gegebenenfalls neuerlich (zumindest übergangsweise) Unterkunft finden könnte. Überdies gibt es keinen stichhaltigen Hinweis auf substantielle wirtschaftliche Probleme des Beschwerdeführers und seiner Familie in den Jahren vor seiner Ausreise.
Für die Annahme einer Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr in den Kosovo besteht somit kein Anlass.
Die konkrete individuelle Lebenssituation des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der festgestellten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Herkunftsstaat führt nicht dazu, dass eine allfällige Abschiebung den Beschwerdeführer in eine unmenschliche Lage im Sinne von Art. 3 EMRK bringen würde. Der Beschwerdeführer ist ein knapp 24-jähriger Mann, der im Falle einer Rückkehr in den Kosovo, wie vor seiner Ausreise, in seinem Elternhaus (oder notfalls bei Freunden in XXXX) Unterkunft finden könnte. Damit wäre er aufgrund der nach den Feststellungen über die Situation im Kosovo gegebenen Grundversorgung mit Lebensmitteln - erforderlichenfalls unter Inanspruchnahme von Sozialhilfe, von humanitärer Hilfe und Unterstützung durch seine Familie - jedenfalls in der Lage, seine Grundbedürfnisse zu decken.
Durch die Möglichkeit, Unterkunft bei seinen Eltern (und notfalls bei Freunden in XXXX) zu finden, stellt sich die Unterkunftssituation jedenfalls als deutlich besser gesichert dar, als die laut dem Erkenntnis des VwGH vom 16.07.2003, Zahl:
2003/01/0059, als zwar prekär, aber unter dem Gesichtspunkt des Art. 3 EMRK als noch erträglich beurteilte Situation der Unterbringung einer fünfköpfigen Familie in einem beheizbaren Zelt in der Größe von 9 Quadratmetern. Im Übrigen wäre auch eine derartige Notunterkunft einem jungen, gesunden und alleinstehenden Mann wie dem Beschwerdeführer problemlos zumutbar.
Überdies ist der Beschwerdeführer gesund und arbeitsfähig, weshalb es ihm möglich sein sollte, seine Existenz im Kosovo eigenständig zumindest durch Gelegenheitsarbeiten zu sichern.
Es gibt keinen Hinweis, dass der Beschwerdeführer in Österreich ein Familienleben führen würde. Der Beschwerdeführer hat im Verfahren angegeben, in Österreich bei seinem Bruder zu wohnen. Dass der Beschwerdeführer bei seinem Bruder Unterkunft gefunden hat, ist jedoch nicht als besonderes Abhängigkeitsverhältnis, sondern als eine dem Verwandtschaftsgrad entsprechende Unterstützung einzustufen, zumal sich der Beschwerdeführer erst seit wenigen Wochen in Österreich aufhält und zu seinem Bruder zudem bis zur Einreise des Beschwerdeführers nach Österreich keine besonders enge Beziehung bestanden hat. Selbst wenn man vom Bestehen eines durch Art. 8 EMRK geschützten Familienlebens zwischen dem Beschwerdeführer und seinem in Österreich niedergelassenen Bruder ausginge, bleibt jedoch festzuhalten, dass die Intensität derartiger familiärer Bindungen als weit geringer anzusehen wäre als jene zwischen einem Ehegatten (und früheren Lebensgefährten) zu seiner Partnerin und einem der Ehe entstammenden fünfjährigen Kind, die nach der Rechtsprechung des EGMR (Darren Omoregie gegen Norwegen vom 31.07.2008, Nr. 265/07) als einer Ausweisung eines Asylwerbers nicht entgegenstehend beurteilt wurden. Darüberhinaus wurde der Ausweisungsentscheidung in der Beschwerde auch nicht substantiell entgegen getreten.
Nach ständiger Rechtssprechung der Gerichtshöfe öffentlichen Rechts kommt dem öffentlichen Interesse aus der Sicht des Schutzes und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung iSd Art. 8 Abs. 2 EMRK ein hoher Stellenwert zu. Der Verfassungsgerichtshof und der Verwaltungsgerichtshof haben in ihrer Judikatur ein öffentliches Interesse in dem Sinne bejaht, als eine über die Dauer des Asylverfahrens hinausgehende Aufenthaltsverfestigung von Personen, die sich bisher bloß auf Grund ihrer Asylantragsstellung im Inland aufhalten durften, verhindert werden soll (VfSlg. 17.516 und VwGH vom 26.06.2007, Zl. 2007/01/0479).
Die Dauer des Aufenthaltes des Beschwerdeführers im Bundesgebiet ist mit rund 10 Wochen jedenfalls als sehr kurz zu bezeichnen und wird weiters dadurch relativiert, dass seine Einreise illegal und sein Aufenthalt bloß aufgrund der vorläufigen Aufenthaltsberechtigung als Asylwerber erfolgt ist.
In Hinblick auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer sein gesamtes Leben bis zu seiner Ausreise nach Österreich im Kosovo verbracht hat, wo er bis zu seiner Ausreise im Februar 2012 gewohnt hat, ist davon auszugehen, dass anhaltende Bindungen zum Herkunftsstaat bestehen, zumal dort engste Familienangehörige unter gesicherten wirtschaftlichen Umständen (im Heimatort) und ohne ersichtliche Probleme leben. Bezüglich des Beschwerdeführers finden sich insgesamt keine schlüssigen Belege für einen Grad der Integration in Österreich, der einer Ausweisung unter dem Aspekt des Schutzes des Privatlebens nach Art. 8 EMRK entgegenstehen würde. Der Beschwerdeführer geht in Österreich keiner legalen Beschäftigung nach. Er spricht nicht Deutsch und hat auch sonst keinerlei substantielle Integrationsbestrebungen glaubhaft dargelegt.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer nicht straffällig geworden ist, bewirkt keine relevante Verstärkung der persönlichen Interessen, vielmehr stellen das Fehlen ausreichender Unterhaltsmittel und die Begehung von Straftaten eigene Gründe für die Erlassung von aufenthaltsbeendenden Maßnahmen dar (VwGH 24.07.2002, 2002/18/0112).
Gemäß dieser Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes konnte im vorliegenden Fall die Durchführung einer mündlichen Verhandlung beim Asylgerichtshof unterbleiben, da der maßgebliche Sachverhalt aus der Aktenlage in Verbindung mit der Beschwerde samt Ergänzung geklärt war. Was das Vorbringen des Beschwerdeführers in der Beschwerde betrifft, so findet sich in dieser kein neues bzw. kein ausreichend konkretes Tatsachenvorbringen hinsichtlich allfälliger sonstiger Fluchtgründe des Beschwerdeführers.
Die Behauptung eines Bruches mit seiner Familie und der heimatlichen Dorfgemeinde erwies sich als unglaubwürdig, wäre aber angesichts alternativer Unterkunftsmöglichkeiten für den Beschwerdeführer und seiner Arbeitsfähigkeit ohnehin nicht entscheidungsrelevant.
Ausweisung, familiäre Situation, gesteigertes Vorbringen, Glaubwürdigkeit, Interessensabwägung, mangelnde Asylrelevanz, non refoulement, private Verfolgung, soziale Verhältnisse, staatlicher Schutz, unverzügliche Ausreiseverpflichtung
ASYLGHT_20120508_B2_425_565_1_2012_00

References: § 66
 § 3
 § 8
 § 2
 § 10
 § 38
 Art. 8
 § 38
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 8
 EGMR 
 Art. 8
 Art. 8