Source: https://www.baltic-bay-clinical-consulting.de/beratung-ausbildung/praevention/anwendungsempfehlungen.html
Timestamp: 2019-03-24 00:52:19+00:00

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Anwendungsempfehlungen - Baltic Bay Clinical Consulting
Auszug aus den „Gemeinsamen Richtlinien der Träger der Rentenversicherung nach § 31 Abs. 1 Satz 1 und 2 SGB VI (Prävention)“
Die Richtlinien regeln die Erbringung von stationären (und nunmehr auch ambulanten – Einfügung durch den Verfasser) medizinischen Präventionsleistungen zur Sicherung der Erwerbsfähigkeit von Versicherten mit einer besonders gesundheitsgefährdenden, ihre Erwerbstätigkeit ungünstig beeinflussenden Beschäftigung.
Durch die Zulassung der ambulanten Leistungserbringung hat die Rentenversicherung die Möglichkeit, ambulante berufsbegleitende Massnahmen durchzuführen. Ziel der Massnahmen soll sein, die gesundheitliche Kompetenz und Motivation zu erhöhen, Risikofaktoren abzubauen und berufliche und soziale Belastungsfaktoren zu bewältigen. Dazu sollen keine neuen Strukturen aufgebaut werden, die Präventionsmassnahmen sollen in ambulanten oder stationären Rehabilitationseinrichtungen durchgeführt werden.
Gemeinsame Richtlinien der Träger der gesetzlichen Rentenversicherung nach §31 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB VI über medizinische Leistungen für Versicherte, die eine besonders gesundheitsgefährdende, ihre Erwerbsfähigkeit ungünstig beeinflussende Beschäftigung ausüben (Richtlinien zur Sicherung der Erwerbsfähigkeit)
(1) Die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung können für Versicherte, die eine besonders gesundheitsgefährdende, ihre Erwerbsfähigkeit ungünstig beeinflussende Beschäftigung ausüben, medizinische Leistungen zur Sicherung der Erwerbsfähigkeit als sonstige Leistungen nach § 31 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGBVI erbringen.
(2) Durch eine möglichst frühzeitige Intervention soll das Grundprinzip des Vorrangs der Prävention gemäß § 3 SGB IX im Rahmen der Aufgabenstellung der gesetzlichen Rentenversicherung verwirklicht und der Eintritt von Behinderungen einschließlich chronischer Krankheiten vermieden werden. Die Richtlinien basieren auf dem Teilhabekonzept der ICF. Die nachfolgenden Leistungen sollen drohenden Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit der Versicherten vorbeugen und deren Teilhabe am Erwerbsleben sichern.
(1) Leistungen nach § 1 kommen in Betracht für Versicherte mit einer besonders gesundheitsgefährdenden, ihre Erwerbsfähigkeit ungünstig beeinflussenden Beschäftigung, die zwar noch nicht psychisch oder organisch erkrankt sind oder deren psychische oder organpathologische Veränderungen noch keinen Krankheitswert haben, bei denen jedoch nach ärztlicher Feststellung erste Störungen vorliegen. Diese können isoliert oder in Wechselwirkung mit Kontextfaktoren auftreten.
beginnende Funktionsstörungen verschiedener Organsysteme
Berücksichtigung finden sollten hier auch individuelle verhaltensbedingte Faktoren, wie in den Anwendungsempfehlungen beispielhaft dargelegt.
(3) Versicherte mit manifesten Befunden, bei denen bereits umfangreiche therapeutische Leistungen erforderlich sind, scheiden für Leistungen nach diesen Richtlinien aus. Für sie sind erforderlichenfalls medizinische Leistungen zur Rehabilitation nach den §§ 15 SGBVI, 26 SGBIX zu veranlassen.
(4) Als Beschäftigte im Sinne des §1 gelten insbesondere solche
mit besonders schwerer körperlicher Belastung,
mit besonderer psychischer Belastung,
mit erheblicher mechanischer Beanspruchung insbesondere durch Vibration, Erschütterung, Druck oder Zwangshaltung,
mit ständige Stehen oder Sitzen,
unter erheblicher Einwirkung von Lärm, Hitze, Kälte, Nässe, Stäuben, Gasen, Dämpfen, Temperaturschwankungen oder unter ungünstigen klimatischen Bedingungen oder mit Feuchtarbeiten,
mit besonders hohen Daueranforderungen an Konzentration, Reaktionsvermögen und Verantwortung,
bei sich häufig ändernden Arbeitsschichten im Wechsel von Tag und Nacht und erheblichen Anforderungen an das individuelle Anpassungsvermögen,
wenn diese Beschäftigungen mit den vorgenannten Merkmalen längere Zeit ausgeübt werden. Tätigkeitsübergreifende Einflussfaktoren aus dem Arbeitsumfeld sind in den Anwendungsempfehlungen beispielhaft dargelegt.
Für Leistungen nach § 1 haben Versicherte die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, die
In den letzten zwei Jahren vor der Antragstellung sechs Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen für eine versicherungspflichtige Beschäftigung der Tätigkeit oder Tätigkeit haben oder
innerhalb von zwei Jahren nach Beendigung einer Ausbildung eine versicherte Beschäftigung aufgenommen und bis zum Antrag ausgeübt haben oder nach einer solchen Beschäftigung bis zum Antrag arbeitsunfähig oder arbeitslos gewesen sind oder
bei Antragstellung die Wartezeit von 15 Jahren erfüllt haben.
(1) Die Leistungen nach § 1 sind darauf auszurichten, die Erwerbsfähigkeit des Versicherten zu erhalten. Die Leistungen umfassen allgemeine und spezielle, auf die individuelle Gesundheitsgefährdung und den Arbeitsplatz bezogene gesundheitsfördernde Maßnahmen.
aktive Bewegungstherapie ( u.a. Ausdauertherapie, Muskelaufbautraining)
Vermittlung von Entspannungstechniken (autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson)
Physiotherapie und physikalische Therapie ( u. a. Krankengymnastik, Elektrotherapie, Inhalationen, Massagen, Moorpackungen)
Anleitung zu gesundheitsbewusstem Verhalten einschließlich Massnahmen zur Gesundheitsbildung, wie in den Anwendungsempfehlungen beispielhaft dargelegt.
(2) Die Therapiekonzepte sind so anzulegen, dass die Leistungen grundsätzlich einen Zeitraum von insgesamt nicht mehr als 21 Tagen umfassen.
(1) Die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung bestimmen im Einzelfall Art, Dauer, Umfang, Beginn und Durchführung der Leistungen sowie die Rehabilitationseinrichtungen unter Berücksichtigung von § 9 SGB IX.
(2) Leistungen nach § 1 sollen in der Regel nicht vor Ablauf von vier Jahren nach Durchführung solcher oder ähnlicher Leistungen erbracht werden, deren Kosten von einem Reha-Träger i.S.d SGB IX getragen worden sind.
Die Vorschriften zum Übergangsgeld nach §§ 20 ff. SGB VI und 45 ff. SGB IX sowie über ergänzende Leistungen nach § 28 SGB VI finden Anwendung.
Auf Leistungen nach § 1 findet die Vorschrift über Zuzahlung bei medizinischen und bei sonstigen Leistungen (§ 32 SGB VI) Anwendung.
Diese Richtlinien ergehen im Benehmen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
Sie treten am ……. In Kraft.
In angemessenen Zeitabständen wird geprüft, ob die Richtlinien aufgrund zwischenzeitlich gewonnener Erfahrungen verbessert oder wesentlich veränderten Verhältnissen angepasst werden müssen.
Anwendungsempfehlungen zu den Gemeinsamen Richtlinien der Träger der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 31 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB VI
1. Bei den persönlichen Voraussetzungen nach § 2 der Gemeinsamen Richtlinien handelt es sich um multidimensionale und multifaktorielle Umstände. Mit den persönlichen Voraussetzungen sollen diejenigen Umstände erfasst werden, mit denen eine bereits im Frühstadium sich abzeichnende Beeinträchtigung der Aktivitäten und Teilhabe im Zusammenhang mit der Erwerbsfähigkeit erkannt werden kann Als konzeptioneller Bezugsrahmen gilt die ICF.
Einer drohenden Beeinträchtigung der Aktivitäten und Teilhabe im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit liegen nicht nur personenbezogene Merkmale zugrunde. Sie kann auch aus dem ungünstigen Zusammenwirken von gesundheitlichen Problemen einer Person und ihrem Lebensumfeld, von ungünstigen Faktoren aus dem Arbeitsumfeld und/oder von individuellen verhaltensbedingten Faktoren entstehen.
1.1. Individuelle verhaltensbedingte Faktoren
Individuelle verhaltensbedingte Faktorenbezeichnen individualtypische und nicht nur vorübergehend auftretende Verhaltensweisen eines Versicherten. Sie alleine sind noch keine ausreichende Begründung für Leistungen im Sinne der Richtlinien zur Sicherung der Erwerbsfähigkeit, sollten aber bei der Durchführung von Leistungen im Zusammenhang mit der Ausübung einer besonders gesundheitsgefährdenden Beschäftigung Berücksichtigung finden. Beispiele für individuelle verhaltensbedingte Faktoren sind:
1.2. Einflussfaktoren aus dem Arbeitsumfeld
2. Massnahmen zur Gesundheitsbildung (vgl. § 4 der gemeinsamen Richtlinien) sind z. B.
Allgemeines Gesundheitstraining,
Informationsveranstaltungen, (Risikofaktoren, gesundheitsbewusstes Verhalten u.s.w.), Stressbewältigungstraining,
Beratung im Umgang mit Medikamenten und Suchtmitteln,
Ernährungsberatung und -schulung,
Beratung in Bezug auf berufsbezogene Fragen,
Angebote zur Gewichtsreduktion, Raucherentwöhnung, Bewältigung von Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen.
Auch bei präventiven Leistungen liegt der Schwerpunkt auf aktivierenden Massnahmen. Die Ausrichtung des Therapieplans muss den individuellen Gegebenheiten Rechnung tragen.
(aus den Originalvorlagen übertragen von Prof. Dr. Manfred Zielke BBCC 24.1.2011)

References: § 31
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 § 9
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 § 28
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 § 4