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Timestamp: 2017-10-17 19:01:21+00:00

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The Construction of Identities in Narrative Interviews—A Methodological Suggestion from Relational Network Theory | Bernhard | Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research
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Volume 15, No. 3, Art. 1 – September 2014
Identitätskonstruktionen in narrativen Interviews. Ein Operationalisierungsvorschlag im Anschluss an die relationale Netzwerktheorie
Zusammenfassung: In dem Artikel wird eine Forschungsstrategie vorgeschlagen, die eine Integration von Studien zur situativen Identitätskonstruktion in small stories und autobiografischen Identitätskonstruktionen in narrativen Interviews (big stories) erlaubt. Grundlage dafür ist eine Operationalisierung des Identitätsbegriffs im Anschluss an die neuere Netzwerktheorie um Harrison C. WHITE. Identitäten folgen aus relationalen Positionierungen, die lokal, typisiert, laufbahnbezogen oder personalisiert vollzogen werden können. Narrative Interviews zeichnen sich dadurch aus, dass in ihnen die lokal-interaktive Identitätskonstruktion der Biograf/innen wesentlich über die Entfaltung einer big story (d.h. einer personalen Identität) geschieht. Anhand eines Textbeispiels wird gezeigt, dass sich solche autobiografischen Erzählungen aus einer Vielzahl von kleinen Storys zusammensetzen, in denen identitäre Positionierungen auf unterschiedlichen Identitätsebenen vorgenommen werden. Die Debatte um small stories und big stories einerseits und der Whitesche Theorieansatz andererseits können voneinander profitieren. Für das Identitätsmodell der relationalen Soziologie stellen autobiografische Interviews eine wichtige, bislang wenig genutzte Informationsquelle dar. Zugleich lässt sich im Anschluss an WHITEs Identitätstheorie begründen, warum eine umfassende Identitätsanalyse über das artifizielle Setting narrativer Interviews hinausgehen muss.
Keywords: narratives Interview; Positioning Theory; Positionierungstheorie; relationale Soziologie; Biografieforschung; Netzwerkforschung; Harrison C. White; Identität; small stories
1. Einleitung – big oder small stories?
2. Narrationen: Große Erzählung und lokale Inszenierung
3. Identitätskonstruktionen und -verschachtelungen in narrativen Interviews
3.1 Die Stoßrichtung der phänomenologischen Netzwerktheorie nach WHITE
3.2 Positionierungstheorie als methodologische Richtschnur
5. Fazit: Die Interviewsituation als Anlass und Bühne
Im Zuge des narrative turn haben Erzählungen im weitesten Sinne die Aufmerksamkeit der Sozial- und Geisteswissenschaften auf sich gezogen. Ein relativ junger Strang der narrativen Forschung interessiert sich für die unzähligen kleinen Geschichten, die wir uns in unserem Alltag – bei der Arbeit, in der Küche oder auf dem Weg zum Einkaufen am Telefon – erzählen (BAMBERG 1999; OCHS & CAPPS 2001; WORTHAM 2001). Dabei interessieren weniger die Inhalte solcher small stories (BAMBERG & GEORGAKOPOULOU 2008) als vielmehr die Tatsache, dass sie die Funktion haben, den Erzähler/die Erzählerin, die Erzählten und/oder die Zuhörer/innen mit bestimmten Eigenschaften zu versehen und moralische Ansprüche zu erheben. Alltagsgeschichten konstruieren auf diese Weise sowohl personale (STRYKER & BURKE 2000) als auch soziale bzw. kollektive Identitäten (CERULO 1997) in Interaktionen. Dieser Zugang zum Erzählten steht in einem Spannungsverhältnis zur in der qualitativen Forschung und insbesondere in der Biografieforschung mittlerweile klassischen Fokussierung auf "große Erzählungen", die in narrativen Interviews hervorgebracht werden (KÜSTERS 2009; ROSENTHAL 2011; SCHÜTZE 1983a). Dort geht es gerade um den großen Bogen, die Lebensgeschichte in Dynamik und Verlauf, hervorgebracht von Biograf/innen in einer von der täglichen Handlungslast befreiten Interviewsituation. Die big stories werden für Sozialwissenschaftler/innen zum Datenmaterial, aus dem sie die biografische Strukturierung individueller Lebensverläufe im Ganzen und auch die institutionellen und anderweitigen sozialen Prägungen, die diesen Laufbahnen über die Zeit ihren Stempel aufgedrückt haben, herauslesen können (FUCHS-HEINRITZ 2005; KOHLI 1985). [1]
Dieser Beitrag setzt bei dem Spannungsverhältnis von small und big stories an und stellt eine Strategie zur Operationalisierung von Identitätskonstruktionen in narrativen Interviews im Anschluss an die neuere relationale Netzwerktheorie um Harrison C. WHITE vor: [2]
Narrative Interviews sind sehr spezifische, situativ installierte Arenen der Identitätskonstruktion. Als Ebene der Identitätsbildung lassen sich lokale, typisierte, laufbahnspezifische und personale Identitäten differenzieren. Mit dem einleitenden narrativen Stimulus werden die Interviewten dazu angehalten, eine personale Identität in autobiografischer Form zu entwickeln. Sie tun dies, indem sie zahlreiche small stories in die "große Erzählung" ihres Lebens einflechten und auf diese Weise diverse identitäre Positionierungen auf allen Identitätsebenen vornehmen. Im Zeitverlauf betrachtet fügen sich die vergangenen Identitäten des Biografen/der Biografin zu einer "Laufbahn", die das Gerüst für die eigentheoretischen Interpretationen in der Jetztzeit des Interviews und in Interaktion mit dem Interviewer/der Interviewerin (DEPPERMANN 2013) bildet. Als Methodologie der Analyse der Positionierungen in den small stories sowie der big story in der Interaktion von Interviewer/in und Biograf/in dient die Positionierungstheorie. [3]
Die Argumentation zielt nicht darauf ab, die Debatte zwischen Vertreter/innen der small- und der big-story-Perspektive dahingehend zu bereichern, dass die eine gegen die andere Seite ausgespielt wird. Stattdessen soll sie aus dem Blickwinkel der Sozialtheorie von Harrison C. WHITE (1992, 2008) aufgegriffen und in dessen begrifflichem Instrumentarium um ties, Storys und Identitäten aufgehoben werden. Für die narrative Forschung beider Ausrichtungen hat dieses Vorgehen den Vorzug, neben methodischen auch neue inhaltliche und gesellschaftstheoretische Anschlüsse zu ermöglichen. Das Storytelling im Alltag und in narrativen Interviews wird zueinander in Beziehung gesetzt und gleichzeitig innerhalb eines allgemeinen gesellschaftstheoretischen Forschungsprogramms lokalisiert. Für die Whitesche Theorie kann dieser Beitrag hingegen als Versuch der Öffnung eines weitgehend quantitativ orientierten Forschungsstranges (SCOTT 1988; SCOTT & CARRINGTON 2011) für das Instrumentarium der qualitativen Sozialforschung gelesen werden. Vor diesem Hintergrund trägt er dem Umstand Rechnung, dass die nachholende theoretische Einholung der Netzwerkanalysen – bei der Harrison C. WHITE federführend war und ist – neue Anschlüsse für qualitative Gegenstandszugänge geschaffen hat, deren Versprechungen methodologisch und methodisch allerdings erst noch einzulösen sind. [4]
Die Argumentation wird in vier Schritten vorgetragen. Im folgenden zweiten Abschnitt wird die Diskussion um big und small stories umrissen und gezeigt, wie die hier vorgestellte Forschungsstrategie zu dieser beiträgt. In Abschnitt drei wird zunächst die Stoßrichtung der relationalen Netzwerktheorie als Hintergrund für das mehrschichtige Identitätsmodell von Harrison C. WHITE vorgestellt (Abschnitt 3.1) und dann die Positionierungstheorie als Rahmen für den Einsatz von qualitativen Interpretationsroutinen eingeführt (Abschnitt 3.2). Im vierten Abschnitt wird der Operationalisierungsvorschlag auf einen Textauszug aus einem narrativen Interview angewendet. Das Fazit resümiert das Vorgehen mit Blick auf die besonderen Umstände der Identitätskonstruktionen in narrativen Interviews und weist auf die Notwendigkeit einer Integration von Identitätsanalysen in und außerhalb von narrativen Interviews hin (Abschnitt 5). [5]
Die in Deutschland maßgeblich von Fritz SCHÜTZE vorangetriebene Biografieforschung sucht nach elementaren Prozessstrukturen des Lebenslaufs, wie z.B. positiven oder negativen Verlaufskurven (1983b, 1984, 1987, 2001; HERMANNS 1988; SACKMANN 2007). Die Theorie der elementaren Prozessstrukturen verortet sich im Mittelgrund zwischen makrosoziologischen Forschungen zu z.B. Kohorteneffekten und interpretativ-individualistischen Forschungen zu personalen Deutungsmustern (SCHÜTZE 1983a, S.284). Die Verlaufsdimension des Lebens wird dabei als Schnittpunkt der Kreuzung sozialer und individueller Einflussfaktoren theoretisiert: "Der Kern jeden Erzählens besteht darin, daß die Änderung der Identität des zentral betroffenen Geschichtenträgers und der kollektiven Identitäten, in die er verwickelt war, zum Ausdruck gebracht wird" (SCHÜTZE 1987, S.27). Um diesem theoretischen Anspruch gerecht zu werden, müssen Erhebungs- und Auswertungsmethode einen Zugang sowohl zum tatsächlichen Geschehen als auch zur Deutung und Bewertung durch den Erzähler/die Erzählerin bzw. die Biografieträger/innen ermöglichen. In diesem Zusammenhang sind die Annahmen der Biografieforschung zur kognitiven Struktur von Erinnerungen und Erzählen sowie zur Logik von Stegreiferzählungen entscheidend. Erfahrungen werden im Rückgriff auf "kognitive Figuren des Prozessgeschehens" (SCHÜTZE 1984; KÜSTERS 2009, S.26) "reanimiert", die Strukturierungszwänge – namentlich die Zugzwänge des Erzählens – mit sich bringen. Erzählungen erlauben damit einen besonders authentischen Zugriff auf die eigenerlebte Erfahrung des/der Erzählenden, insbesondere auf "Zeit-, Orts- und Motivationsbezüge, seine elementaren und höherstufigen Orientierungskategorien, seine Aktivitäts- und Reaktionsbedingungen, seine Planungsstrategien, seine grundlegenden Standpunkt- bzw. Basispositionen und seine Planungs- und Realisierungskapazitäten" (SCHÜTZE 1987, S.14). Dabei ist wichtig festzuhalten, dass Erzählungen das Geschehen nicht einfach abbilden, sondern lediglich Methoden zulassen, die den Durchgriff auf das tatsächlich Erlebte möglich machen (ROSENTHAL 2011). [6]
Auch wenn die Narrationsanalyse nicht zwangsläufig auf narrative Passagen beschränkt bleiben muss (RADENBACH & ROSENTHAL 2012), ist es grundsätzlich erstrebenswert, durch spezielle Fragetechniken Antworten zu generieren, die zu einem hohen Anteil in der Textsorte der Erzählungen vorgebracht werden (LUCIUS-HOENE & DEPPERMANN 2004a, S.141-170). Dafür ist die Technik der Interviewführung entscheidend, wobei die Neigung und Möglichkeit zum Erzählen je nach Situation, Erzählenden und Interviewenden natürlich variiert. Die Interviewsituation des narrativen Interviews ist in hohem Maße außeralltäglich: Am Anfang steht die undifferenzierte Aufforderung beispielsweise das ganze Leben zu erzählen, verbunden mit dem klaren Hinweis an die interviewende Person, diesen Stimulus nach Möglichkeit nicht durch Vorinterpretationen und Andeutungen zu verwässern oder zu verzerren. Ab diesem Zeitpunkt werden dem/der Interviewten umfassende Rederechte zugewiesen, die hinsichtlich thematischer Offenheit, Dauer und mit Blick auf den weitgehenden Ausschluss von Sprecher/innenwechseln in vergleichbarer Form sonst nur in institutionell spezifisch gerahmten Gesprächssituationen wie Beratungen oder Therapiesitzungen üblich sind. Die Methodenliteratur bereitet die Interviewer/innen daher auf eine Phase der Verhandlung der Eingangsfrage vor, die letztlich zum Ziel hat, den Interviewten die Abweichung von der Normalitätserwartung an Gespräche zu bestätigen (FRIEBERTSHÄUSER 1997; HOLTGREWE 2009). Hier sowie über das ganze Interview hinweg arbeiten die Interviewer/innen an der Aufrechterhaltung dieser Situationsdefinition. [7]
Im Kontrast zu dem Nachdruck, den die klassische Biografieforschung der Etablierung und Bewahrung einer erzählgenerierenden Interviewsituation widmet und widmen muss, lässt sich der theoretische Kontext der Small-story-Forschung entwickeln. Diese setzt nicht notwendig an eigens hergestellten Forschungsinterviews an, sondern folgt den Erzählungen in die Gesellschaft (BAMBERG 2011; GEORGAKOPOULOU 2006; LUCIUS-HOENE 2000, 2010; WORTHAM 2000). Von Interesse sind gerade solche Storys, die im Alltag in unterschiedlichen Situationen – beim gemeinsamen Kochen, am Telefon, in der Kaffeebar etc. – hervorgebracht werden. Sie sind Teil natürlicher, alltagstypischer Situationen und können in diesen leicht als nebensächlich betrachtet werden.1) Diese Einbettung verleiht den small stories ihren besonderen Charakter: Sie werden spontan hervorgebracht, bleiben häufig unvollständig, bruchstückhaft und unsystematisch, können sich widersprechen und erheben lediglich partielle Identitätsansprüche (GEORGAKOPOULOU 2006). Wie beim biografisch-narrativen Interview beeinflusst die Situationsdefinition die Erzählung, allerdings geht man gerade nicht davon aus, dass asymmetrisch verteilte Rederechte eine Möglichkeitsbedingung guter Erzählungen sind. Die Identitätspräsentation erfolgt eher kleinteilig, im Wechselspiel zwischen Erzähler/innen und (nicht-wissenschaftlichen) Zuhörer/innen. Aus dem "telling a story to another" wird ein "telling a story with another" (OCHS & CAPPS 2001, S.2). Mit dem Bedeutungsverlust der Situationssteuerung durch die Wissenschaftler/innen gehen weitere Abweichungen von den Hintergrundannahmen der Narrationsstrukturanalyse einher. Small stories werden nicht von Erzählzwängen strukturiert, müssen nicht notwendig in der Textsorte einer Erzählung vorliegen und sie erheben keinen (auch keinen mittelbaren) Repräsentationsanspruch auf das Leben jenseits der Interviewsituation. [8]
Alles Erzählen ist auf zwei Ebenen untersuchbar, nämlich erstens mit Blick auf den Inhalt und zweitens mit Blick auf die Dokumentation von Identität im Hier und Jetzt, d.h. auf die Funktion, die das Erzählen für die Positionierung des Erzählers/der Erzählerin, der Erzählcharaktere und des Gegenübers hat. Die Small-stories-Perspektive verlagert die Aufmerksamkeit von den biografischen Strukturen des/der Erzählenden und den Erzählgehalten auf die Funktion des Erzählens als Mittel der lokalisierten Identitätskonstruktion.
"Narratives are thus focused upon not as tool for reflecting on (chunks of) lives but as constructive means that are functional in the creation of characters in space and time, which in turn are instrumental for the creation of positions vis-à-vis co-conversationalists" (BAMBERG & GEORGAKOPOULOU 2008, S.379). [9]
Der Narrations- bzw. der Storybegriff ist dabei bewusst weit gefasst und löst sich gänzlich von der Beschränkung auf eine Textsorte2) (BAMBERG 2010, 2011, S.107). Die Analyse interessiert sich für Techniken der Behauptung, Bearbeitung und Veränderung von situativen Identitätsansprüchen (STRAUSS 1968 [1959]), einschließlich von z.B. Hinweisen, mit denen sich Interaktionsteilnehmer/innen wechselseitig anzeigen, wie sie sich interaktiv zu positionieren gedenken (hier ist der Anschluss an die Positionierungstheorie naheliegend, s. unten). Identitäten sind der Interaktion nicht vorgängig, vielmehr dokumentieren sie sich in ihr. [10]
Die Chancen auf eine kombinierte, etwa komplementäre Herangehensweise werden unterschiedlich eingeschätzt. Einige Autor/innen der Big-story-Perspektive halten eine Verknüpfung aus methodischer Sicht für sinnvoll und vielversprechend. In diesem Sinne schlägt GOBLIRSCH (2005) vor, situative und biografische Dimensionen von Identität (eben: small und big stories) in einer integrierten Forschungsstrategie zu verbinden. Biografische Strukturierung, also "lebenslaufbezogene Selbst- und Fremdschematisierungen" (S.206) auf der einen Seite und spontane Positionierungen auf der anderen Seite fließen demnach beide in die Situation des narrativen Interviews ein und prägen das dortige Geschehen. Biografische Strukturierungen bilden einen ermöglichenden und begrenzenden Hintergrund für die Identitätsperformanz in der Interviewsituation. Sie beeinflussen, welche Positionierungen und Positionierungskapazitäten einer Person zur Verfügung stehen sowie die Relevanzsetzungen, die für eine Auswahl aus diesem Repertoire Voraussetzung sind. Die interaktiven Identitätsperformanzen werden damit letztlich auf biografische Strukturierungen als generativen Kern zurückgeführt.3) [11]
Vertreter der Small-story-Perspektive sind skeptischer, was die Möglichkeiten einer integrierten Forschungsstrategie angeht und dies unabhängig davon, ob man small stories in Big-story-Forschung aufnimmt oder andersherum. Wie BAMBERG (2007) argumentiert, bringt eine Einbeziehung der großen Erzählungen narrativer Interviews in die Small-story-Perspektive keinen Gewinn, weil es bei Letzterer um einen grundsätzlich anderen Fokus gehe:
"When we study narratives, we are neither accessing speakers' past experiences nor their reflections on their past experiences (and through them how they reflect their selves). Rather, we study talk; talk that does not reveal immediately or directly (and potentially not even indirectly) the speaker's internal organization of his/her self (if there actually is such a thing)" (S.171). [12]
Der Versuch, eine "große Geschichte" zu rekonstruieren, setze zudem auf einem gegenstandstheoretisch unzutreffenden Glauben an die Einheitlichkeit der Erfahrung des Selbst auf. Small-story-Studien zu situativen Identitätspraktiken zeigten, "that there is a strong tendency to strategically avoid fixity, or at least to entertain different, often contradictory, positions that are held simultaneously" (BAMBERG 2006, S.75). Auch Vorschläge der Integration von small stories in die Analyse von umfassenden Lebenserzählungen aus der anderen Richtung (z.B. von GOBLIRSCH [2005] oder FREEMAN [2007]) erwiesen sich nicht als überzeugende Forschungsstrategie. Hier würden Small-story-Analysen auf ein "add-on" (BAMBERG 2007, S.172) reduziert, mit dem besonders interessante Interviewpassagen Berücksichtigung fänden, ohne dass die Auswahl dieser Passagen theoretisch hinreichend motiviert werde. [13]
Im Folgenden wird die Idee einer Integration von small und big stories aufgegriffen und in der Tradition der Whiteschen Identitätstheorie weitergeführt. Mithilfe der Unterscheidung von Identitätsebenen kann das Verhältnis von small und big stories in einem anderen Licht betrachtet und theoretisch durchdrungen werden. So ist ein Einsatz beider Perspektiven möglich, der im Kontrast zu bisherigen Integrationsversuchen motivieren kann zu verstehen, warum beide Perspektiven für sich genommen relevant sind und der darüber hinaus theoretisch herleitet, in welchem Verhältnis small und big stories zueinanderstehen. Um diesen Ansatz zu entwickeln, wird in Abschnitt 3 zunächst der Struktur- und Identitätsbegriff der phänomenologischen Netzwerktheorie vorgestellt und mithilfe der Positionierungstheorie operationalisiert. Die Anwendung auf ein Textbeispiel (Abschnitt 4) macht deutlich, wie sich die großen Selbst-Erzählungen in narrativen Interviews aus der Verflechtung und Verschachtelung von Identitäten in zahlreichen fragmentarischen small stories ergeben (Abschnitt 5). [14]
Zuschnitt und Ausrichtung der von WHITE begründeten und bis heute wesentlich geprägten kulturellen Netzwerkforschung können ohne den wissenschaftlichen Kontext ihrer Entstehung nicht verstanden werden. Die erste Version der wegweisenden Monografie "Identity and Control" erschien im Jahr 1992 zu einem Zeitpunkt, zu dem die Netzwerkforschung bereits auf zwei Jahrzehnte schnellen Bedeutungswachstums zurückblicken konnte, getrieben von einer unermüdlichen Weiterentwicklung des Methodenapparats. Allerdings wies die Netzwerkforschung auch eine starke Schlagseite zugunsten strukturalistischer Ansätze mit einem – damit eng zusammenhängenden – massiven Theoriedefizit auf (BERNHARD 2008; EMIRBAYER & GOODWIN 1994). Das Potenzial der Netzwerkforschung entging dabei der allgemeinen soziologischen Theorie nicht; "Sozialkapital" und "Einbettung" (BOURDIEU 1983; COLEMAN 1988, 1990; GRANOVETTER 1985; KRIPPNER 2001) wurden zu theoretischen Leitmetaphern, mit denen sie die Netzwerkforschung in ihre Denksysteme einzuholen versuchte. [15]
WHITE (2008) geht hier konsequent den entgegengesetzten Weg: Anstatt bestehende Theorien in das Reich der Netzwerke zu verlängern, werden ihm die Strukturen von Netzwerken zum gedanklichen Leitmotiv bei seinem Vorstoß in das Reich der soziologischen Theorie. Dieser Vorstoß umfasst sowohl die Ausweitung des Anwendungsbereichs der strukturalen Methoden auf sog. "kulturelle" Phänomene wie Sprache und Diskurse (KIRCHNER & MOHR 2010) als auch die Neufassung des theoretischen Bezugsrahmens der Netzwerkforschung. [16]
Drei Dinge sind für das Theorieprojekt der phänomenologischen Netzwerkforschung4) charakteristisch:
Explizierung des Kulturellen: Die klassische Netzwerkforschung hat in der Tradition der strukturellen Soziologie das Ziel verfolgt, Ordnungen und Musterungen hinter bzw. in sozialen Erscheinungsformen herauszuarbeiten. Kultur, verstanden als Bedeutungsgehalt der betrachteten Sozialereignisse, spielte dabei notwendigerweise eine konstitutive Rolle (vgl. z.B. die frühen Arbeiten zur Blockmodellanalyse von WHITE, BOORMAN & BREIGER 1976). Allerdings wurde der kulturellen Dimension nur mittelbar Aufmerksamkeit geschenkt und ihr Eigenleben und Verursachungspotenzial vernachlässigt. Das änderte sich spätestens mit der besagten Veröffentlichung von "Identity and Control" und den daran anschließenden Arbeiten (z.B. MOHR 1994; PADGETT & ANSELL 1993). Fortan wird das Kulturelle als Storys, Diskurs, Konvention, Daumenregeln etc. benannt und dadurch als das dialektische Andere der Strukturen verfügbar gehalten (GODART & WHITE 2010; WHITE 2000).
Verallgemeinerung des Netzwerkgedankens: Die Netzwerkforschung hat ihr ebenso simples wie überzeugendes Grundmodell der Grafentheorie entlehnt (JANSEN 2003). Demnach lassen sich soziale Strukturen als Knoten und Kanten beschreiben, so beispielsweise Beziehungen (der Abneigung, Anziehung, Bewunderung, des Austauschs etc.) zwischen Personen, Handelszentren, Wirtschaftsunternehmen etc. Die Strukturen werden aus der Komplexität der Sozialwelt durch eine doppelte Abstraktion herausgeschnitten: durch die Bündelung zahlreicher Einzelereignisse und Situationen zu einer wie auch immer gearteten Beziehung zwischen zwei Knoten und durch die damit verbundene selektive Isolierung des Ausschnittes aus der Sozialwelt, auf den man sich konzentriert. So gewinnt die Netzwerkanalyse in Form von mono- oder multiplexen Netzwerken die spezifischen Kontexte, in denen sich die von ihr beschriebenen Elemente und Beziehungen wechselseitig konstituieren. WHITE (2008) generalisiert diese Herangehensweise nun, indem er die notwendigen Abstraktionen der Strukturanalyse wieder für die im Gegenstandsbereich vorkommende Textur öffnet. Aus Relationierungen (auch: Kanten oder ties) werden Geschichten von Beziehungen (sog. tie-stories) und aus Knoten werden Identitäten. So findet die soziale Bedeutung (meaning) der Strukturen unmittelbar Berücksichtigung. Ansammlungen von Identitäten und ihren auf Geschichten basierenden Beziehungen untereinander (den ties-stories) können sich zu dauerhaften Konfigurationen (sog. netdoms) verfestigen, und sich in komplexe Gebilde (wie Disziplinen, Institutionen, Regimen) einordnen.5)
Strukturen als komplexe Identitätsverkettungen: In der phänomenologischen Netzwerkforschung werden Strukturen also durch Storys indexiert und sozial wirksam. Diese Grundeigenschaft reproduziert sich auf unterschiedlichen Ebenen der Abstraktion, d.h. in kleinen und flüchtigen Strukturen (z.B. Wörtern in einem Small Talk) ebenso wie in solchen, die sich über weitere Bereiche des Sozialen erstrecken und sich aus hochgradig abstrakten Identitäten zusammensetzen (z.B. Konfigurationen aus Nationalstaaten). WHITE (insb. 1992) spricht in diesem Zusammenhang von "Skaleninvarianz", ein Konzept, zu dem ihn offensichtlich NADEL (1962) inspiriert hat. Die Strukturebenen ordnen sich nicht überlappungsfrei wie die Jahresringe eines Baumstamms, sondern kreuzen sich in ständig wechselnden Konstellationen und binden dabei Identitäten ganz unterschiedlicher Komplexität und mit je eigenen weiterführenden Verkettungen zusammen. Analytisch lässt sich jedes soziale Phänomen in solche dynamischen Kopplungen von Strukturketten zerlegen. Besonders interessant dabei ist, dass so gezeigt werden kann, wie sich Elemente unterschiedlicher Dauer, Reichweite und sozialer Bedeutung kontextspezifisch zusammenfügen. [17]
Aus dem Gesagten sollte bereits deutlich geworden sein, dass der Identitätsbegriff der relationalen Netzwerktheorie mit dem alltäglichen Gebrauch von "Identität" (häufig mit Bezug zu Individuen oder Kollektiven) bricht. Identität ist ein äußerst abstraktes Konzept, mit dem grundlegende Prozesse sozialer Ordnungsbildung in einer Order-from-noise-Perspektive – das heißt, aus dem Chaos heraus – eingefangen werden sollen (hier besteht eine Wahlverwandtschaft zu LUHMANN, s. FUHSE 2009b). Identitäten bilden sich zusammen mit den Kontexten (Beziehungen), die sie sichtbar und wirksam machen. Substanziell sind WHITEs Identitäten also zunächst nur über ihre Identifizierbarkeit definiert. Nehmen wir an, in einer Fußgängerzone, die gefüllt ist mit Personen, die sich nicht weiter kennen (einer Öffentlichkeit im Sinne GOFFMANs [2003 (1974)]), spielt sich folgende Szene ab: Jemand ruft: "Haltet den Dieb!" und unmittelbar darauf rennt eine andere Person durch die Menschenmenge davon. Analytisch betrachtet hat der Ausruf (in diesem Sinne ein Anruf) potenziell drei Identitäten aus einer zuvor amorphen Masse herausgelöst: einen vermeintlichen Täter, ein Opfer und (eine Reihe von) Augenzeug/innen. Diese Identitäten können sich entweder verflüchtigen (wenn der Täter entkommt und sich niemand weiter um das Opfer kümmert, sodass es bald wieder von Menschen umspült ist, die den Vorfall nicht beobachtet haben können) oder verfestigen (wenn der Täter aufgegriffen und/oder die Polizei verständigt wird) und in andere Kontexte eingebunden werden (wenn das Opfer als ältere Dame identifiziert wird, sich die Presse für den Fall interessiert, sich weitere Opfer melden, zusammenschließen und gemeinsam Schutz vor Verbrechen fordern etc.). [18]
Diesen Grundgedanken arbeitet WHITE (2008, S.1-19) nun dahin gehend aus, dass er Identitäten nach Ebenen unterscheidet:
Lokale Identitäten: Identitäten erster Ordnung sind schlicht Ausdruck der omnipräsenten Kontrollversuche inmitten von Chaos und Unsicherheit. Identitäten der ersten Identitätsebene bezeichnen wir hier als lokale Identitäten. Sie bleiben entweder rein ephemere Ereignisse, die keine strukturellen Spuren hinterlassen oder sie verbinden sich mit anderen Identitäten zu dauerhafteren Konfigurationen.
Typisierte Identitäten: Im letzteren Fall können einer Identität über die Zeit einigermaßen stabile Bedeutungszuschreibungen zuwachsen, und sie kann sich damit auf einer anderen Identitätsebene ansiedeln. WHITE führt Rollenbeziehungen als Beispiel für Identitäten dieser zweiten Ordnungsebene an. Grundlegend unterscheidet sich diese Identitätsebene von der Erstgenannten darin, dass die Identitäten typisiert vorliegen.
Laufbahnidentitäten: Die dritte Identitätsebene bindet die ephemeren und dauerhafteren Identitäten der vorgelagerten Ordnungen als zeitlich strukturierten, mehr oder weniger kontinuierlichen Verlauf zusammen. Mit ihr richtet sich der Blick auf die Spur, die lokale Identitäten und typisierte Identitäten über die Zeit durch den sozialen Raum ziehen lässt. Bei Personen verweist diese Identitätsebene auf den Lebenslauf als mehr oder weniger reibungsgeladene Abfolge von Etappen der Zugehörigkeit zu Kontexten auf unterschiedlichen Strukturebenen.
Interpretierte bzw. personale Identitäten: Die vierte Identitätsebene versieht diese trajectories von Identitäten mit der zusätzlichen Dimension der (Selbst-) Interpretation. Auf dieser Ebene sind zum Beispiel Eigentheorien von Personen (die personalen Identitäten des Alltagsverständnisses), corporate identities oder narrative Identitätsdarstellungen in Interaktionen angesiedelt.
Identitäten als Styles: Die letzte Identitätsebene entsteht auf Basis der vorangegangen vier. Sie inkorporiert neben den lokalen und rollenbasierten Verflechtungen sowie den Laufbahnen der Identitäten durch den sozialen Kosmos auch die narrativ-rhetorische vierte Identitätsebene. Die Selbstdarstellungen und Interpretationen Letzterer werden auf der höheren Abstraktionsebene also selbst wiederum als Charakteristikum einer Identitätsverflechtung sichtbar, die in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Ausprägung erfährt. Die fünfte Identitätsdimension ist unauflöslich mit einem Wechsel von der Teilnehmer/innen- zur Beobachtungsperspektive verbunden. Identitäten dieser Ordnungsebene sind styles in WHITEs Verwendung des Begriffs (2008, S.112-170). Die Menschen, auf die wir uns in unserem Alltagswissen selbstverständlich beziehen, realisieren sich auf der fünften Identitätsebene als Personen (S.18). [19]
WHITE geht davon aus, dass all diese Identitäten (die Knoten eines Netzwerks) von Storys (den Kanten) konstituiert werden. Sie entstehen in Kontexten, in denen Identitäten aller Ebenen gleichzeitig vorkommen können und die selbst wiederum (darin Molekülen gleich) in umfassendere Konstellationen der Vergesellschaftung eingebunden sind. Die Identitäten werden in die zeitliche Struktur von Geschichten eingewoben (auch: emplotment), die sich vorhandener Storys bzw. story sets bedienen. Im obigen Beispiel werden über das Wort "Dieb" bestimmte Bedeutungshorizonte herangeholt, die bei der Zuweisung von Identitäten helfen und die Anschlusshorizonte mit sich führen (Straftat, Polizei, Presse usw.). Identitäten sind also stets gerahmt in verfügbaren und indexierten Storys. Zwar gibt es innerhalb der Netzwerkforschung mittlerweile avancierte Versuche, die Bedeutungsdimension der Storys einzuholen. Diese orientierten sich jedoch an der quantitativen Methodologie (FRANZOSI 1997; KIRCHNER & MOHR 2010; MOHR 1998). Im Folgenden wird im Anschluss an die Positionierungstheorie ein Operationalisierungsvorschlag gemacht, der der Logik der qualitativen Sozialforschung folgt und deren Erkenntnispotenzial nutzbar macht. Identitäten aller Ebenen werden dazu methodisch als Positionierungen behandelt. [20]
Die Positionierungstheorie hat sich seit den 1990er Jahren in der theoretischen Psychologie entwickelt und etabliert (HARRÉ & MOGHADDAM 2003; HARRÉ & VAN LANGENHOVE 1999a). Als konstruktivistischer Ansatz wendet sie sich im Anschluss an WITTGENSTEIN, VYGOTSKY und BAKTHIN radikal von klassischen Konzepten der Psychologie, wie etwa dem des Bedürfnisses oder dem eines inneren Geistes, ab und öffnet sich für soziale und insbesondere interaktionistische Anschlüsse (HARRÉ & VAN LANGENHOVE 1999b). Die Positionierungstheorie studiert lokale Ordnungen als "ever-shifting patterns of mutual and contestable rights and obligations of speaking and action" (S.1). Positionen sind Eigenschaftsbündel, die über die Zuweisung von Rechten und Pflichten in Interaktionen zwischen Personen, Gruppen oder innerhalb einer Person geschnürt werden. Analytisch lässt sich Positionierung differenzieren in die Triade aus Position, storyline und social forces bzw. act/action (HARRÉ, MOGHADDAM, CAIRNIE, ROTHBART & SABAT 2009): Positionen entstehen bei der Rekonfiguration von Ereignissen zu zeitlich strukturierten Geschichten mit einer storyline – wie WHITEs Identitäten emergieren sie als notwendige Dreh- und Angelpunkte diskursiver Prozesse. Das Geschichtenerzählen übersetzt zugleich ein Tun in eine für Außenstehende verstehbare Handlung. Dadurch erzielt eine Positionierung soziale Wirkung (social force). Positionierung kann also verstanden werden als "the discursive construction of personal stories that make a person's actions intelligible and relatively determinate as social acts and within which the members of the conversation have specific locations" (VAN LANGENHOVE & HARRÈ 1999, S.16). Enaktiert wird die Triade der Positionierung in Episoden, d.h. in "any sequence of happenings in which human beings engage which has some principle of unity" (HARRÉ & VAN LANGENHOVE 1999b, S.2). [21]
Die positionierungstheoretische Herangehensweise hat ein differenziertes Instrumentarium der Positionierungsanalyse hervorgebracht. Beispielsweise unterscheidet man freiwillige von auferlegten Positionierungen, Selbst- von Fremdpositionierungen und latente von manifesten Positionierungen (VAN LANGENHOVE & HARRÉ 1999). Weiterhin werden auch Ausdrucksweisen und kommunikative Funktionen von Gefühlsausdrücken (emotionale Positionierungen) untersucht (WALTON, COYLE & LYONS 2003) oder Umdeutungen von Positionierungen im Fortgang sozialer Prozesse (Repositionierungen) (TIRADO & GÁLVEZ 2007). Diese Interpretationsroutinen lassen sich auf ein breites Spektrum von sozialen Phänomenen anwenden, von der europäischen Integration (SLOCUM & VAN LANGENHOVE 2003), über intrapersonale Gespräche (MOGHADDAM 1999) bis zur Konstruktion von Autobiografien (HARRÉ & VAN LANGENHOVE 1999c). [22]
Auch bei dem oben angeführten Beispiel kann die Positionierungsanalyse weiterhelfen, Positionierungsarbeit (bzw. lokale Identitäten) aufzudecken: Der Satz "Haltet den Dieb!" konstituiert den Dieb über eine Fremdpositionierung, die explizit und zudem unfreiwillig ist (lieber wäre es dem Betreffenden wohl, unerkannt zu entwischen). Wenn wir davon ausgehen, dass der Satz von einer älteren Dame ohne Handtasche hervorgebracht wird, dann positioniert sich die rufende Dame damit auch als Opfer. Die wechselseitige Positionierung schließt an die gemeinhin verfügbaren storylines von Täter/in und Opfer an, hier mit den spezifischen Konnotierungen eines Handtaschenraubs. Der Ausruf enthält darüber hinaus latente Positionierungen für anwesende Dritte, entweder als Augenzeug/innen der Tat oder als möglicherweise Intervenierende, die die Rufende beim Wort nehmen, dem Fliehenden nachrennen und ihn stellen. Inwieweit die Umstehenden auf diese Weise die Positionen von Held/innen bzw. Augenzeug/innen einnehmen oder unbeteiligt bleiben, wird der weitere Verlauf zeigen. Für das Erste sind diese Identitäten Dritten nur angeboten und als Positionierungspotenzial verfügbar. Folgt die Szene dem evozierten Skript des Handtaschenraubs und kommt es zu einer Aussage des Opfers bei der Polizei, entsteht eine neue Komplexität von Positionierungen, die sich abspielt zwischen der Jetztzeit der Aussage im Polizeipräsidium und der erzählten Tatzeit (LUCIUS-HOENE & DEPPERMANN 2004a). Anders liegt der Fall, wenn sich herausstellt, dass die Szene Teil der Aufführung einer subversiven Theatergruppe war, die die Zivilcourage der konsumierenden Mittelschicht auf die Probe (oder: infrage) stellen will. Dann handelte es sich um eine Täuschung im Sinne GOFFMANs (2003 [1974]), bei der die Beteiligten asymmetrisch über das eigentliche Geschehen informiert sind und daher zu verschiedenen Situationsdefinitionen kommen – zumindest solange die Täuschung einiger Beteiligten aufrechterhalten werden kann. Ähnlich wie im symbolischen Interaktionismus etablieren sich Identitäten in der Positionierungstheorie im Wechselspiel von Anspruch und interaktiver Ratifizierung (STRAUSS 1968 [1959]). [23]
Drei Dinge können hier festgehalten werden. Die Positionierungstheorie weist, 1. eine Reihe von Wahlverwandtschaften zur Identitätstheorie von Harrison C. WHITE auf, insbesondere den relationalen Ansatz und den Anschluss an den narrative turn der Sozialwissenschaften. Das prädestiniert sie dazu, dessen Forschungsprogramm methodologisch zu bereichern. In diesem Sinne ist die Positionierungsanalyse 2. nahtlos mit feinanalytischen Instrumentarien der qualitativen Sozialforschung verknüpfbar (LUCIUS-HOENE & DEPPERMANN 2004b). Man kann sie als Methodologie für im engeren Sinne methodische Schritte der qualitativen Textanalyse einsetzen. Darüber hinaus bietet die Positionierungstheorie 3. für sich genommen ein elaboriertes Instrumentarium zur Analyse von Positionierungen in sozialen Prozessen mit erwartbarem Feedback. Das Ideal solcher Prozesse sind Interaktionen von Personen, allerdings bleibt das Analysepotenzial des Ansatzes mitnichten auf diese beschränkt. Im nächsten Abschnitt wird der Operationalisierungsvorschlag an einem Textbeispiel demonstriert und im Zuge dessen die Brücke zur Ausgangsfrage nach den Identitätskonstruktionen in narrativen Interviews geschlagen. [24]
Das nachfolgende Textbeispiel ist einer Studie über Selbstständigkeit als Weg aus der Arbeitslosigkeit entnommen.6) In der Studie wurden in der zweiten Jahreshälfte 2011 insgesamt 40 Personen in narrativen Interviews zu ihrer Erwerbsbiografie befragt. Die Mehrzahl der Befragten befand sich unmittelbar vor der Selbstständigkeit in Arbeitslosigkeit und erhielt die Gründungsförderung des Sozialgesetzbuchs II (das sogenannte "Einstiegsgeld"). Die zitierte Passage entstammt dem Interview mit Frau Albert (Pseudonym), einer Selbstständigen in den Vierzigern, die ihr Geld mit Ankauf, Verkauf und Lieferung von Möbeln über eine Internetplattform verdient. Frau Albert weist seit ihrem Hauptschulabschluss eine wechselhafte Erwerbsbiografie auf, in der sie – zusammen mit einem Lebensabschnittspartner – auch schon früher einmal selbstständig war. Sie hat einen pragmatischen Lebensansatz, auch in Bezug auf ihren Erwerbsstatus: Die Selbstständigkeit ist für sie in erster Linie ein Weg zum Geldverdienen. Allerdings merkt sie im Interview an, dass sie sich eine abhängige Beschäftigung zunehmend weniger vorstellen kann. Die folgende Sequenz spielt sich gegen Ende der ersten Hälfte des Interviews ab, nach Abschluss der Eingangsnarration und der darauf bezogenen Nachfragen. Die Interviewerin bringt gerade vorab formulierte Fragen zu den Voraussetzungen von Selbstständigkeit ein. In den vorausgehenden Abschnitten war ein Gründungscoaching in der Vorgründungsphase Thema.
Tabelle 1: Textbeispiel7). Bitte klicken Sie hier oder auf die Abbildung für eine Vergrößerung. [25]
Hier liegen zahlreiche ineinander verschachtelte, aufeinanderfolgende und aufeinander bezogene Identitätskonstruktionen vor, die positionierungsanalytisch aufgeschlossen werden können. Die Grundsituation ist folgende: Nachdem Frau Albert unmittelbar zuvor die Marktstrategie eines Dönerstandes kritisch beurteilt hatte, fragt die Interviewerin nach, wie sie die Fähigkeit zur Einschätzung von Marktbedingungen erworben habe. Nach einer Reformulierung der Frage in Richtung Qualifizierung (Z.546-547) setzt die Befragte zu einem längeren Monolog an, in der eigentheoretische, beobachtende und anekdotische Abschnitte einander abwechseln (Z.548-597) und der mit einer eigentheoretisch-resümierenden Rückkehr zum Thema Qualifizierung schließt (Z.597-599). Aus positionierungstheoretischer Sicht ist wichtig, dass in solchen Passagen mehrere Textebenen einander überlagern: Identitätskonstruktionen finden statt durch die Positionierungen des erzählten Ich, des erzählten Anderen sowie in der Situation des Erzählens gegenüber der Interviewerin (LUCIUS-HOENE & DEPPERMANN 2004a). Beispielsweise können Positionierungen in der erzählten Zeit vorgenommen werden, die von anderen Charakteren einer Story oder dem erzählten Ich (beide in der erzählten Zeit) bearbeitet werden, aber auch von dem erzählenden Ich oder dem Interviewer/der Interviewerin (in der Erzählzeit). Die Identitäten in den Storys und die Identitäten in der Interviewsituation sind also nicht unabhängig voneinander. Unsere Analyse dringt von innen (den erzählten Positionierungen) nach außen (mit dem Fluchtpunkt der manifest interaktiven Positionierung in der Interviewsituation) vor. Sie beginnt mit der nicht nur für diesen Textausschnitt zentralen Story zu einem befreundeten ehemaligen Siemens-Mitarbeiter (Z.585-597). [26]
Diese Story nimmt eine freundschaftliche Beziehung zum Ausgangspunkt. Gleich zu Beginn wird allerdings deutlich, dass der Freund hier nicht zufällig auftaucht, sondern sich in besonderer Weise für die Rolle, die er in der Geschichte übernehmen wird, eignet. Er hat Erfahrungen als Unternehmensberater (ob er diese Tätigkeit noch ausübt, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen), hat bei einer prestigeträchtigen Firma gearbeitet und dort eine "hohe Führungsposition" bekleidet (Z.586-587). Dieser Fremdpositionierung des Interaktanten als kompetent und erfolgreich steht die Selbstpositionierung des erzählten Ichs (nicht: des erzählenden Ichs!) als "ratlos" und "pleite" (Z.588-591) diametral gegenüber. Das ist die Grundlage für eine Beratungsbeziehung mit der erzählten Gründerin als Beratungsempfängerin und dem erzählten Unternehmensberater als Beratendem. Die Positionierung als Freund am Beginn der Sequenz erfährt durch diese Positionierungen der Interaktant/innen eine Präzisierung, die den nachfolgend in szenischer Verdichtung wiedergegebenen Dialog rahmt. Darin wird im Sinne WHITEs ein Wechsel der Identitätsebene von einer typisierten Identität zu einer lokalen Identität vollzogen. [27]
Worum geht es nun in dem Dialog? Die lokale Identität des erzählten Ich befindet sich in einer Situation, in der sie "wieder aufgebaut" werden muss. Sie erzählt dem Beratenden von ihren finanziellen Nöten, woraufhin dieser ihr "vorrechnet" (Z.591), dass sie nicht pleite sei, sondern lediglich "einen Monat weniger Umsatz" gemacht habe und deshalb zeitweise über weniger Geld verfüge (Z.593-594). Der beratende Freund repositioniert sie damit von einer gescheiterten Existenzgründerin zu einer Existenzgründerin mit durchaus erwartbaren, normalen und vor allem temporären und überwindbaren Liquiditätsproblemen. Das Repositionierungsangebot kommt in einer Situation, in der das erzählte Ich die Entscheidung zur Selbstständigkeit infrage stellt, weil die Verdienstmöglichkeiten nicht den Vorstellungen entsprechen. Nun bietet sich die Möglichkeit, die unzureichenden Einnahmen und das drohende Scheitern der Gründung neu zu interpretieren und sich zum Durchhalten zu motivieren. Die Interviewte nimmt diese Möglichkeit wahr. Das Repositionierungsangebot wird akzeptiert und angeeignet, bspw. indem die Interviewte die Quintessenz der Story, das "net aufgeben" (Z.583), in ihre Eigentheorie einbaut (vgl. Z.576) und sie damit für die Konstruktion ihrer personalen Identität verwendet. Die Interaktion markiert einen kritischen Punkt in der Selbstinterpretation ihrer Tätigkeit als Selbstständige und sie charakterisiert die Beziehung zu dem Freund, denn immerhin wird der Wortwechsel als typisch für die Unterstützungsleistung des erzählten Anderen präsentiert (Z.588, Z.596-597). So erklärt sich, warum sie der Interaktion mit dem Freund so große Bedeutung beimisst, dass sie sie 1. erinnert, 2. im Kontext des narrativen Interviews erzählt und dies 3. auch noch als Narration mit hohem Detaillierungsgrad. [28]
In einer vorangehenden Passage (Z.570-578) entwickelt die Interviewte das Motiv der Hartnäckigkeit als für sie kennzeichnend. Sie beginnt mit einer Anekdote (Z.570-574) aus der Zeit, in der sie mit ihrem Ex-Mann zusammen einen gastronomischen Betrieb führte. Sie nimmt eine vorherige Erwähnung von dem Personal "steinreicher" (Z.565) Unternehmer/innen als Anlass, um ihre persönlichen Erfahrungen mit Personal zu schildern. Auf die thematische Eröffnung (Z.570-571) folgt eine metanarrative Ankündigungsphrase, mit der sie sich direkt an die Interviewerin wendet und zugleich anderen Orts bereits Erzähltes aufruft, das über zwei Jahrzehnte zurückliegt (Z.571). Sie beschreibt dann typische Interaktionen von Rollenidentitäten zwischen ihr als Anfang Zwanzigjähriger und Frauen, von denen einige "über 50" (Z.572) waren. Den Aufeinandertreffen wohnt ein Widerspruch inne: Formal ist sie die Vorgesetzte, kann Anweisungen geben und tut dies auch (Z.573). Die Besetzung der Rollen von Chefin und Untergebenen steht dem normalerweise Erwartbaren (der evozierten storyline) jedoch entgegen: Sie ist jung (bemerkenswert ist, dass sie ihr genaues Alter ohne Zögern erinnert) und vor allem deutlich jünger als ihre Gegenüber, sie ist klein gewachsen (sie beschreibt sich im Interview wiederholt als körperlich klein), hat blonde Haare und nennt sich "Haserl" (Z.573, dazu s. unten). [29]
Gerade die letzten beiden Eigenschaften betonen die Gender-Dimension: Sie ist jung, klein, blond und weiblich. All das charakterisiert sie als Protagonistin im Kontrast zu den implizit bleibenden stereotypen Eigenschaften einer (älteren, großen, männlichen) Führungskraft. Ihre Mitarbeiterinnen bleiben vergleichsweise blass. Über sie erfahren wir nur Geschlecht und ungefähres Alter. Umso wichtiger sind die Mitarbeiterinnen für die Positionierungsaktivitäten in der Sequenz. Zwar schreibt sich die Erzählende die genannten Eigenschaften aus heutiger Sicht selbst zu (Selbstpositionierung), sie tut dies aber in Spiegelung der Fremdpositionierungen, denen sie in den Interaktionen mit ihren Mitarbeiterinnen ausgesetzt war. Diese haben sie eben als unpassende Rollenbesetzung gesehen. Die Erzählende kann die Perspektive der Älteren nachvollziehen und versteht auch, dass sie die älteren Frauen "gar net ernst" (Z.574) nehmen konnten. Distanz zu dieser Außensicht auf sich hält sie dadurch aufrecht, dass sie die Bezeichnung "Haserl" in ihre Selbstpositionierung einbaut. Da für die Erzählende sonst zwar alltagssprachliche Verschleifungen, aber keine dialektalen Ausdrücke typisch sind, wirkt die Bezeichnung hier referiert, als habe sie ein/e Andere/r genauso im Munde geführt. Zu einem deutlichen Bruch in der Selbstpositionierung kommt es dann in der Wiedergabe der in wörtlicher Rede darstellten Anweisung "So machen wir's." (Z.573). Damit wird klar, dass sie sich bei der Interpretation ihrer Rolle gegenüber den Angestellten letztlich nicht an der Wirkung auf die Mitarbeiterinnen orientiert hat. [30]
In zwei Schritten verallgemeinert die Interviewte die Belegerzählung vom Aufeinandertreffen mit ihren Angestellten. Im ersten Schritt resümiert sie deren Sicht auf die Zusammenarbeit (Z.574), im zweiten Schritt generalisiert sie dies durch die Ausweitung des Geltungsbereichs – aus den Einschätzungen des "Personals" (Z.570) werden die Einschätzungen der "Leute" (Z.575) und aus dem verständlichen Nicht-Ernstnehmen (Z.574) wird allgemeines Verkennen (Z.575). Der gestiegene Abstraktionsgrad geht mit einem Wechsel in die Gegenwart der Interviewsituation sowie mit dem Übergang zu einer eigentheoretischen Sequenz (personale Identität) einher (Z.574-578). Jetzt führt sie Hartnäckigkeit ("Biss", Z.578) und "eisernen" Willen (Z.576) als prägende Charaktereigenschaften ein. Dabei verlängert und modifiziert sie die Logik der Selbstdarstellung in der Anekdote. Das signalisiert die Konstanz der Eigenschaften und Herausforderungen, denen sie sich gegenübersieht. Es bleibt bei der Spannung zwischen Außensicht ("nett" [Z.575], "freundlich" [Z.576]) und Innenleben (Wille, Biss), nur dass die Befragte sich nun merklicher von der Fremdpositionierung distanziert und die Selbstpositionierung emphatischer vornimmt. Fremd- und Selbstpositionierung geraten explizit in Widerspruch. Sie betont nun nicht mehr, dass sie die Sicht der anderen nachvollziehen kann, sondern legt die Eigenschaftszuschreibungen den anderen im Rahmen einer Argumentation in den Mund.8) Die syntaktische Parallelkonstruktion und die begleitende, etwas lamentierende Prosodie deuten an, dass sie wiederholt mit diesen (oder: derartigen) Einschätzungen konfrontiert und dadurch mittlerweile etwas gereizt ist (interaktive emotionale Positionierung). [31]
Der Fremdbeschreibung stellt sie sodann in apodiktischer Form ihre Selbstpositionierung gegenüber. Sie nutzt die Fallhöhe, die sie zuvor aufgebaut hat, zur Kontrastierung von Außen- und Innensicht: Aus dem jungen, kleinen, blonden "Haserl" wird eine Person mit Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen (Z.576-578). Damit kommt sie zum Kern der Eigentheorie (personale Identität). Die erste typisierende Identität konstituiert sie als Ko-Chefin eines gastronomischen Betriebes, d.h. mit Bezug zu einer Rollenkonstellation und in Andeutung konkreter widersprüchlicher Identitäten in Interaktionen (lokale Identität). Die zweite typisierende Identität ist allgemeiner gehalten. An die Stelle von (äußerlich sichtbaren) Eigenschaften, die in konkreten Situationen zum Tragen kommen können, rücken hier reflektierende Merkmale, die sich auf die gesamte Person (nicht nur auf eine Rolle) beziehen. Die vorgelagerten typisierten Identitäten bereiten die abschließende personale Identitätspräsentation vor. Sie schreibt sich die genannten Charaktermerkmale nicht nur zu, sondern zeigt Anlässe, in denen sie zur Geltung gebracht werden können. Die stereotypen Identitätszumutungen, von denen sie erzählt, verlangen ihr die Eigenschaften ab, die sie für sich in Anspruch nimmt. Die Reibungen, die das erzeugt, schwingen in dem Nachdruck mit, mit dem sie dies gegenüber der Interviewerin hier tut (Z.576-577, einleitend: Z.571). [32]
Im nächsten Abschnitt wird ausgearbeitet, was mit "Biss" gemeint ist, nicht Sturheit, sondern wohlverstandene Hartnäckigkeit (Z.578-583). Für die negativ besetzte Sturheit ("an etwas festhalten, was keinen Sinn hat", Z.579) führt sie kursorisch einen Bekannten an, der "stur" an seinem Geschäftskonzept festhalte (Z.581-582). Viel mehr erfahren wir von diesem ebenfalls selbstständigen Bekannten nicht.9) Man kann weiter schließen, dass der Betreffende das sture Verhalten immer noch an den Tag legt (Verwendung des Präsens in Z.581 und Z.582) und dass sich die Erzählende wiederholt mit diesem Umstand auseinandergesetzt hat ("da denk ich manchmal", Z.582). Das Urteil hat auch in der Erzählzeit noch Bestand, wurde aber auch schon vorher so formuliert (Z.581-582). Die Erfahrungen aus dieser typisierten Identitätskonstellation (Bekanntschaft) führen ihr die Kehrseite der Hartnäckigkeit vor Augen und veranlassen sie zu einer für ihren Sprachduktus ungewöhnlich harschen Abwertung seines Tuns. Das Adjektiv "idiotisch" (Z.580) wird der Anekdote vorgeschickt, "Sturheit" zieht sich als Charakteristikum durch, "Dummheit" (Z.583) rundet sie ab. Anders als in der small story zum Freund und Ex-Siemensmanager übernimmt sie in dieser Beziehung die Rolle der kompetenten Expertin. Auch das zeigt, dass sie dessen Repositionierungsangebot (Z.591-595) angenommen und verarbeitet hat. Sie hat die Krise mit Hartnäckigkeit überwunden. [33]
Kommen wir zum Beginn des Textauszugs. Mit ihrer Frage schließt die Interviewerin an kritische Bemerkungen zu einer Dönerbude an, die die Befragte zuvor gemacht hat. Ihrer Einschätzung nach hat die Dönerbude einen schlechten Standort gewählt und ist deshalb nicht überlebensfähig. In der nachgeschobenen Frage (Z.542-543) wird eine Kompetenzzuschreibung vorgenommen, die der Befragten erlaubt, sich als kompetente Marktanalystin zu positionieren. Diese zögert jedoch, das Positionierungsangebot anzunehmen, stellt allerdings die dahinter liegende Kompetenzzuweisung nicht infrage ("Weiß net", Z.544-545) und ratifiziert sie implizit in ihren weiteren Ausführungen (Z.548-554). Die Interviewerin versucht ihr die Annahme des Sprecher/innenwechsels (SACKS, SCHEGLOFF & JEFFERSON 1974) zu erleichtern, indem sie eine konkretisierende Nachfrage hinterher schiebt. Sie fragt zunächst nach einer Qualifizierung für die Analysetätigkeit und öffnet dann die Kategorie ("in die Richtung", Z.546). Die erneute Frage erleichtert der Befragten tatsächlich den Einstieg über eine Umdeutung des Qualifizierungsbegriffs. Mit dem Lachen nach dem nonchalanten "Nö" (Z.547) kommentiert sie sich selbst und bringt zugleich das für sie typische Verständnis zum Ausdruck, sich auch ohne formale Bildung behaupten zu können (personale Identität). Das Lachen hängt mit der Fallhöhe zwischen der Kompetenz zur Beurteilung von Marktprojekten und ihrer an dieser Stelle zum zweiten Mal vorgebrachten Zurückweisung des Positionierungsangebots zusammen, sowie mit der folgenden Umdeutung des Qualifizierungskonzeptes (Z.547-548). Nach einer kurzen Pause (Z.548) setzt die Gründerin dann zu einer längeren eigentheoretischen Passage an (Z.548-554), in der sie sich als lebenspraktische und lebenserfahrene Person charakterisiert und dann in einer für den Textauszug rahmenden Gegenüberstellung praktisches und schulisches Wissen gegeneinanderstellt (Z.551-554). Mit diesem Kontrast von Wissensformen schließt sie implizit an die einleitende Kompetenzzuweisung der Interviewerin an (die sie damit zugleich endgültig billigt), bearbeitet das Qualifizierungsthema und bereitet inhaltlich ihre Hilfsbedürftigkeit hinsichtlich des Businessplans sowie anderer "Zahlen"-bezogener Probleme (Z.597) vor. Sie beendet ihren Redebeitrag mit dem Hinweis, dass sie immer da, wo ihr die formale Bildung fehle, "Leute" (Z.599) frage. [34]
Als Ganzes betrachtet zeigt der Textauszug in typischer Weise, wie die Verschachtelung von Positionierungen in small stories der Bearbeitung sowie der Konstruktion der großen Lebenserzählung dient, und wie dies in die Interaktion mit der Interviewerin eingebettet ist. Fr. Albert erscheint als untypische Gründerin, deren Weg in die Selbstständigkeit einem Hürdenlauf ähnelt, den sie mit Ausdauer und Mühe durchsteht. Sie sieht sich ständigen Herausforderungen ausgesetzt, die ihren Ursprung in den Besonderheiten der Selbstständigkeit (Businessplan, "Zahlen", Pleite), ihrer Außenwirkung ("Haserl") und ihrem Mangel an formaler Bildung ("nix studiert", Z.598) haben. Die personale Identität muss sich nach Maßgabe der Charaktereigenschaften Hartnäckigkeit und pragmatischer Lebensklugheit behaupten. Diese Eigenschaften werden einerseits expressis verbis gegenüber der Interviewerin ins Feld geführt (z.B. Z.552 oder Z.576), andererseits im Rahmen von Geschichten praktisch vor- und aufgeführt. So werden die lokalen, typisierten und laufbahnbezogenen Identitäten in den Dienst der personalen Identität gestellt. Sie sind funktional für deren Ausarbeitung und Präsentation im Interview. Die Autobiografie bedeutet folglich mehreres zur gleichen Zeit: Sie rahmt die small stories als Teil einer personalen Identität der Erzählerin, und sie wird zum Mittel der lokalen Identitätskonstruktion gegenüber der Interviewerin, wobei sie das nur vor dem Hintergrund werden kann, dass sich in der Situation die typisierten Identitäten von Interviewerin und Befragter gegenüberstehen. [35]
Das Fallbeispiel zeigt, wie narrative Interviews als Arenen der Identitätskonstruktion auf verschiedenen Ebenen fungieren. Mit der ersten Identitätsebene fasst WHITE potenziell flüchtige Identitätsbildungsprozesse. In seinem Denkmodell sind sie notwendige Folge von Kontrollambitionen, d.h. von Versuchen, Ordnung im Chaos zu schaffen. Solche Identitätsbildungsprozesse sind tentativ und omnipräsent. Sie können von Identitäten höherer Ordnungsebenen vorstrukturiert sein und diese insofern enaktieren, oder sie können verpuffen, ohne strukturelle Spuren zu hinterlassen. Im Textbeispiel findet sich die erste Identitätsebene näherungsweise in der Darstellung der Interaktion mit dem Siemens-Freund. Typisierte Identitäten wie bspw. Rollen finden sich in narrativen Interviews in Form von Erzählungen von wechselseitigen Erwartungen in wiederkehrenden Kontexten, wie in der Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen, von der Fr. Albert berichtet. Zudem ist die narrative Interviewsituation selbst durch die typisierten Identitäten von Interviewer/in und Interviewten geprägt. Die dritte Identitätsebene bezieht sich auf Umbildungen und Konflikte von Identitäten im Zeitverlauf. Sie findet ihren narrativen Niederschlag in Erzählungen von Brüchen, Ereignisabfolgen oder Übergängen. Im Textbeispiel wird eine Laufbahnidentität als implizit bleibende Bildungs- und Erwerbsbiografie angedeutet (Schule, kein Studium, frühere Selbstständigkeit mit Führungsaufgaben, jetzige Selbstständigkeit). Personale Identitäten ähneln am ehesten dem Alltagsverständnis von Identität, das auf die Frage "Wer bin ich?" abhebt. Im zitierten Abschnitt deutet Fr. Albert eine Eigentheorie um Eigenschaften wie Zielstrebigkeit und Fantasie an. Mit der fünften Identitätsebene ist ein Wechsel in der Beobachter/innenperspektive verbunden. Über die Verflechtung von Identitätsebenen der ersten vier Ebenen in small stories hinaus sind hierzu die Identitätskonstruktionen der Befragten außerhalb eines Interviews einzubeziehen. Die Rekonstruktion einer Identität als style ist letztlich nur möglich, wenn man den Identitäten auf ihrem Weg durch die Gesellschaft folgt. Die Analyse narrativer Interviews kann für den Identitätsstil einer Person nur Anhaltspunkte bieten und könnte im obigen Fall beispielsweise durch Beobachtungen des Arbeitsalltags der Gründerin oder durch eine Analyse ihres Businessplans ergänzt werden. Tabelle 2 gibt einen Überblick über die Ebenen der Identitätskonstruktion in narrativen Interviews.
In narrativen Interviews
Im Textbeispiel
potenziell flüchtig, wenn nicht in anderen Identitäten aufgehoben, omnipräsent
situative Enaktierungen (von Identitäten anderer Ebenen)
Interaktion mit Siemens-Freund (Z.588-595)
typisierte Identität
bestimmbare Gegenüber, wechselseitige Erwartbarkeiten, z.B. rollenbasierte Beziehungen
Erzählungen von kontextspezifischen Behauptungen von Identität in wiederkehrenden Kontexten, objektiver Lebenslauf
Vorgesetzte und Mitarbeiterinnen (Z.571-574)
Laufbahnidentität
Identitätsumbildungen, Konflikte in und zwischen Rollen
Erzählungen von z.B. Brüchen, Ereignisabfolgen oder Übergängen
angedeuteter Bildungs- und Erwerbsverlauf
Selbstverständnis, Leitfragen: Wer bin ich? Wer will ich sein (für mich, für andere)?
Eigentheorien zum Werdegang, Interesse an Präsentation, interaktive Konstruktion von Identität
Eigentheorien mit Zuschreibung von Eigenschaften von z.B. Zielstrebigkeit (Z.576-577) und Fantasie (Z. 549)
Identität als Style
Realisierung von Personen, Wechsel zur Beob.perspektive des Wissenschaftlers bzw. der Wissenschaftlerin
Integration von small stories auf allen Ebenen, Berücksichtigung von narrativem Interview als Erhebungssituation, ergänzende Erhebungen und Analysen
Arbeitshypothese: Fr. Albert als unwahrscheinliche Gründerin gegen Widerstände
Tabelle 2: Ebenen der Identitätskonstruktion in narrativen Interviews [36]
Narrative Interviews sind Arenen der Identitätskonstruktion, darin sind sich Vertreter/innen der Small- und der Big-story-Perspektive einig. Umstritten ist dagegen eine Reihe anderer Fragen, insbesondere: Welcher Art sind die Identitätskonstruktionen – lassen sie einen Schluss auf eine Person und deren ge- und erlebte Biografie zu oder bleiben sie lokal beschränkt? Wird in narrativen Interviews ein dauerhaftes Selbst zum Ausdruck gebracht oder aufgrund der Anforderungen der spezifischen Situation lediglich in den sozialen Raum hineinprojiziert? Im Anschluss an die Identitätstheorie der relationalen Soziologie lassen sich narrative Interviews als Situationen verstehen, in denen die Aufforderung zur Entwicklung einer personalen Identität als Rahmen durchgesetzt werden soll. Damit sind komplementäre Positionierungen verbunden: einerseits die der Interviewenden, die als Wissenschaftler/innen verantwortlich sind für die Situationsdefinition und – wo nötig – deren Erklärung, und die aufmerksam, aber (emotional und evaluativ) weitgehend unbeteiligt zuhören sollen, und andererseits die Position der Interviewten, die als Expert/innen ihres Lebens angesprochen werden und gehalten sind, eine Skizze vorzulegen, die sich mit klassischen Fragen der personalen Identität auseinandersetzt (BAMBERG 2010). Neben der Interaktionssituation ist auch der Inhalt des Erzählten sozial vorformatiert (WHITE 2008, S.186). Erwartet wird eine Schilderung in autobiografischer Form, mit einer über alle Entwicklungen und Brüche hinweg einheitlichen Person als Fixpunkt der Erzählung. [37]
Die Interviewsituation ruft eine komplexe Konstellation von Identitäten hervor: Im und für den Interviewverlauf bilden sich lokale Identitäten, die bei ihren Positionierungen auf die typisierenden Identitäten von Wissenschaftler/innen und Befragten zugreifen, wobei die als Befragte konstituierte Seite im Interview den Auftrag erhält, ihre lokale Identität als personale Identität zu entwerfen. In narrativen Interviews ist die autobiografisch angelegte Konstruktion einer personalen Identität das zentrale Mittel der situativen Positionierung. Die Autobiografie wird zur big story, weil sie darauf angelegt ist, einen Durchgang durch soziale Zeiten und Räume zu skizzieren, bei dem der Effekt der Einheitlichkeit des Lebens gerade dadurch erzeugt wird, dass man sich mit Brüchen, Inkonsistenzen, aber auch mit Konsistenzen zwischen diesen Sozialräumen (netdoms) auseinandersetzt. Die big story basiert also auf einer Reihe von small stories, in denen die präsentierte Person im Gewand zahlreicher lokaler und typisierter Identitäten auftritt, die mit anderen dort in Beziehung stehen. Im Zeitverlauf betrachtet fügen sich die vergangenen Charaktere des Biografen/der Biografin zu einer Laufbahn, einen Lebenslauf, der wiederum das Gerüst für die eigentheoretischen Interpretationen des erzählten Erlebten in der Jetztzeit des Interviews bildet, mit denen sich der oder die Befragte als Person präsentiert. Dieser Blick auf das narrative Interview differiert notwendig von dem der Interaktionsteilnehmer/innen. Mit ihm wird das narrative Interview zur Quelle der wissenschaftlich betriebenen Erkenntnis einer Person, und erst mit dieser letzten Wendung, mit der Betrachtung der Interaktion als Erhebungssituation, kann die Analyse von Personen als Stile beginnen. Mit ihr wird der Wechsel zur fünften Identitätsebene vollzogen (siehe Tabelle 2). [38]
Nimmt man mit der Small-story-Perspektive die interaktive Identitätskonstruktion und -ratifizierung in der Interviewsituation zum Ausgangspunkt, dann lässt sich die Analyse von da aus in zwei Richtungen weitertreiben. 1. In Richtung des Erzählten wird die big story des erzählten Lebens in ihre Small-story-Komponenten zerlegt. Dafür wird methodisch eine Als-ob-Position angenommen, die das Berichtete daraufhin befragt, in welchen Kontexten sich der Biograf/die Biografin einordnet, welche relationalen Bezüge zu anderen Identitäten (und zu welchen?) dabei hergestellt werden und wie sich so je kontextspezifische Identitäten als vergangene Durchgangspunkte des big self (FREEMAN 2007, S.159) herausbilden. Dieses Interesse am Inhalt der großen Erzählung, ihrer aboutness (BAMBERG 2007, S.171), teilt der hier vorgeschlagene Ansatz mit der Biografieforschung. Nichtsdestotrotz bleibt der Bezug zur Interviewsituation dabei stets erhalten, denn die autobiografische Erzählung ist in der Erhebungssituation des narrativen Interviews nichts anderes als das primäre Mittel der interaktiven Identitätskonstruktion des/der Befragten gegenüber der befragenden Person. [39]
2. In eine andere Richtung stößt die Identitätsanalyse vor, wenn man die Unterscheidung von personaler Identität und Identität als Stil in Erinnerung ruft. In narrativen Interviews wird die Aufforderung durchgesetzt, personale Identitäten zu entwerfen. Das geschieht in der erzähltheoretisch begründeten Annahme, dass man über die autobiografischen Texte zu dem erlebten Leben vordringen kann. Mit Blick auf die theoretische Unterscheidung von Identitäten der vierten (personale Identität) und fünften Ebene (Identitäten als styles) wird deutlich, dass sich ein Stil grundsätzlich nicht in einer einzelnen – auch nicht in einer narrativ-biografisch angelegten – Situation offenbaren kann. Denn während es auf der vierten Identitätsebene darum geht, "what a person perceives to be his or her self" (2008, S.17), geht es auf der fünften Identitätsebene um "the form in which persons are realized" (S.18). Das heißt, dass die Theoretisierung und die Realisierung von Personen zu unterscheiden sind. Nur Ersteres kann vollumfänglich überhaupt in singulären Interaktionen geschehen, Letzteres ist mit Notwendigkeit auf mehrere Situationen und Kontexte bezogen. In einer Metapher WHITEs ausgedrückt: Die autobiografische Stegreiferzählung kann uns die Melodie eines Lebens (mit den small stories als Noten) geben, nicht aber den Rhythmus. Erst der Rhythmus von Übergängen zwischen sozialen Kontexten und Situationen – dem "profile of switchings" (S.114) – offenbart den Stil einer Person. Für die Identitätsanalyse folgt daraus die Aufgabe, den Identitäten auf ihrem Weg durch soziale Formationen zu folgen, was sie methodologisch der multi-sited ethnography näher bringt (MARCUS 1995; NADAI & MAEDER 2005). [40]
Für die Biografieforschung ist das eine nicht zu unterschätzende Herausforderung: Sie kann nicht mehr hoffen, in der Situation des Interviews ein Leben repräsentiert zu finden, sondern muss weitere Beobachtungspunkte suchen, die den Biografieträger/die Biografieträgerin in anderen Situationen und anderen Positionierungen fassbar machen. Die Auswertung erweitert sich dann zu der Aufgabe, identitäre Positionierungen, die den Forschenden aus mehreren Kontexten zugänglich sind, miteinander sowie mit identitären Positionierungen zu verknüpfen, die in diesen Kontexten erzählt werden und die nur dadurch in die Identitätsanalyse einfließen können. [41]
Die empirisch-analytische Bewegung weg vom narrativen Interview folgt Michael BAMBERGs programmatischem Plädoyer für eine Verlagerung der Forschungsaktivität von big auf small stories (2006). Während BAMBERG jedoch so weit geht, die herausgehobene Bedeutung narrativer Interviews für die Identität von Personen per se infrage zu stellen, da diese aufgrund der besonderen Erhebungsumstände nicht für das normale, alltägliche Leben stehen könnten (es handele sich um Situationen, in denen das Leben "auf Urlaub" sei, BAMBERG 2007, S.173), argumentiere ich mit FREEMAN (2007), dass die Interviews gleichberechtigter Teil des betrachteten Lebens sind. Sie sind sogar mehr als das: Narrative Interviews bleiben für die Biografieforschung zentral, weil sich in ihnen eine Kompetenz beweisen muss, die für moderne Individuen unabdingbar ist: Die Kompetenz zur Darstellung und Selbstinterpretation des eigenen Lebens als biografische Entwicklung (personale Identität). [42]
1) Es ist programmatisch zu verstehen, dass hier von außerwissenschaftlichen Alltagssituationen die Rede ist. Es steht keineswegs der Möglichkeit im Wege, Identitätskonstruktionen in wissenschaftlichen Erhebungssituationen zu erfassen. So kommen beispielsweise Gruppeninterviews regelmäßig bei der Positionierungsanalyse zum Einsatz (z.B. BAMBERG 1997). <zurück>
2) Das bringt den Begriff dem Story-Verständnis näher, das in der amerikanischen relationalen Soziologie vorherrscht (z.B. FUHSE 2009a, TILLY 2002). <zurück>
3) Der Ansatz von GOBLIRSCH weist damit einen Bias auf: Die biografische Strukturierung wirkt hier in ähnlicher Weise wie BOURDIEUs Habitus (1976), d.h. als einheitliche, situationsübergreifende und vorgängige Kraft, die in der Interviewsituation (und andernorts) wirkt, ohne von der Tatsache oder den Umständen ihrer Aktualisierung selbst wiederum wesentlich beeinflusst zu werden. <zurück>
4) Zum Begriff der phänomenologischen Netzwerkforschung bzw. -theorie vgl. FUHSE (2008). <zurück>
5) Die Wiedereinführung der Bedeutungsebene bringt eine Veränderung des ontologischen Status mit sich: Während klassische Netzwerke Beobachtungskonstrukte der Forschenden sind, kommen netdoms in der beobachteten Realität als Realität vor. <zurück>
6) Im Sinne SILVERMANs (2005) wird das Argument hier anhand einer längeren Sequenz veranschaulicht, nicht in anekdotischen Kurzzitaten. <zurück>
7) Der kursiv gedruckte Abschnitt von Zeile 554-570 wird hier nicht eingehend diskutiert. <zurück>
8) Die beiden charakterisierenden Nebensatzfragmente "Weil ich bin ja so nett. Und ich bin ja so freundlich" (Z.575-576) lassen sich im Kontext lesen als: "Die Leute verkennen mich, weil sie sagen: Ich bin ja so nett" (und "so freundlich"). <zurück>
9) In Z.581 scheint sie dazu anzusetzen, den Bekannten selbst als stur zu bezeichnen, unterbricht sich dann aber und bezieht das Adjektiv auf sein Verhalten. <zurück>
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Stefan BERNHARD arbeitet im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, wo er seit 2012 die permanente Arbeitsgruppe "Qualitative Methoden" leitet. Er hat Soziologie in Bamberg und Galway (Irland) studiert und war als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Soziologische Theorie an der Universität Bamberg tätig. Von 2005 bis 2008 schrieb er als Stipendiat des DFG-Graduiertenkollegs "Märkte und Sozialräume in Europa" an einer Dissertation über die europäische Sozialpolitik.
Tel.: +49 (0)911 179-7582
E-Mail: stefan.bernhard@iab.de
URL: http://www.iab.de/123/section.aspx/Mitarbeiter/640 und http://www.stefan-bernhard.de/
Bernhard, Stefan (2014). Identitätskonstruktionen in narrativen Interviews. Ein Operationalisierungsvorschlag im Anschluss an die relationale Netzwerktheorie [42 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 15(3), Art. 1,
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs140311.
Copyright (c) 2014 Stefan Bernhard

References: Art. 1
 Art. 13
 Art. 18
 Art. 28
 Art. 30
 Art. 21
 Art. 1