Source: https://www.defrent.de/2015/03/was-steht-eigentlich-in-den-uebersetzer-agb-drin-2/
Timestamp: 2019-11-11 23:09:57+00:00

Document:
Was steht eigentlich in den Übersetzer-AGB drin? Teil 2: DeFrEnT | Christopher Köbel
Chapter 1. Wer mit wem und wie?
Chapter 2. Wer muss was machen?
Chapter 3. Tausche Übersetzung gegen Geld
Chapter 4. Wenn etwas schiefgelaufen ist…
Chapter 5. In aller Kürze
Die von DeFrEnT gestellten AGB sind als PDF auf unserer Webseite hinterlegt. Dazu gibt es Für- und Wider-Stimmen. Während die Einen ihre AGB für eine Art Geschäftsgeheimnis halten und ausschließlich mit konkreten Angeboten zusammen verschicken, finden Andere, dass die Regeln, nach denen man spielt, jedem potentiellen Kunden zugänglich sein sollten. Für letztere sind veröffentlichte AGB ein Teil des Entscheidungsprozesses der Kunden, für erstere bloß eine willkommene Beute für Abmahnanwälte oder AGB-Raubkopierer. Dumpingübersetzer, Semiprofessionelle und andere Kollegen, die knapp bei Kasse sind, können sich oft keine eigenen AGB leisten oder sind Anhänger einer Umsonstkultur, die ebenso bedenkenlos wie illegal die Vertragstexte ihrer Konkurrenten kopieren und nur Logo und Namen austauschen. Und dann sind wir schon wieder bei Abmahnanwälten und fruchtlosen „rechtsfreier Raum“-Diskussionen, also lassen wir das und kommen zum Thema:
§ 1 von DeFrEnTs AGB stellt klar, dass der jeweilige Kunde den Vertrag mit meinem Einzelunternehmen DeFrEnT schließt, dass es zwischen „Verbrauchern“ (Privatkunden) und Geschäftskunden Unterschiede in der Behandlung geben kann und dass die AGB bei Auftragserteilung automatisch vom Kunden angenommen werden. Bei Verbrauchern gilt das streng genommen nur, wenn ich den Privatkunden im Angebot explizit darauf hinweise und die AGB mitschicke – aber das gehört ohnehin zur Standardprozedur.
§ 2 fügt hinzu, dass meine AGB statt die des Käufers gelten, wenn jemand etwas bei mir einkauft. Dies nennen Juristen eine „Abwehrklausel„. Wenn ein Kunde bestimmte Dinge anders regeln möchte, z.B. weil in seinem Unternehmen bestimmte Rechnungsmodalitäten oder Geheimhaltungserklärungen Standardprozedur sind, muss er das vor Auftragserteilung schriftlich mit mir vereinbaren.
Übrigens: Falls gegenseitig Ver- und Einkaufsbedingungen (beides sind AGB) gestellt und explizit oder implizit akzeptiert wurden, gelten entweder beide AGB oder keine AGB oder beide AGB nur insoweit, als sie übereinstimmen (großes Rechts-Roulette, siehe BGB § 305c (2) plus BGB § 154 oder § 155 sowie die Ausführungen hier und hier). Das heißt: Falls einer meiner Kunden auch AGB stellt („Einkaufsbedingungen“), müssen beide die jeweiligen AGB sorgfältig lesen, für alle Widersprüche einzelvertragliche Klauseln vereinbaren (Einzelvertrag sticht AGB, siehe Teil 1) und vermutlich auch beide Abwehrklauseln für ungültig erklären, damit die für beide Seiten akzeptablen Regelungen in den Ein- und Verkaufsbedingungen erhalten bleiben, statt beide komplett nichtig zu werden.
Nach § 3 kommt der Vertrag nur dann wirklich zustande, wenn auf mein Angebot („So würde ich das machen.“) ein Auftrag des Kunden („Klingt gut, mach.“) und eine Auftragsbestätigung („OK, mach ich tatsächlich.“) hin- und hergelaufen ist – mindestens die Auftragsbestätigung muss dabei in Schriftform erfolgen. Mit Privatkunden, die wegen „beglaubigten“ Urkundenübersetzungen bei mir vorbei schneien, vereinbare ich übrigens abweichend von § 3 öfters, dass die Schriftform nicht nötig ist und die mündliche Zusage langt: Als „Pfand“ dafür, dass der Kunde die Leistung auch wirklich bezahlt, habe ich ja sein Originaldokument.
In § 4 kommt bei mir die Mitwirkungspflicht, die grob sagt: „Wenn der Kunde mir Informationen vorenthält, die ich für die korrekte Übersetzung bräuchte, dann bin ich auch nicht schuld daran, wenn das Ergebnis nicht stimmt.“ Diese Regelung sollte an sich unnötig sein, denn jeder Kunde hat ein Interesse daran, dass er den größtmöglichen Nutzen aus seiner eingekauften Leistung bezieht.
Für Übersetzungen bedeutet das: Je mehr Informationen ich bekomme, desto besser wird der fertige Text. Die Minimalinformationen sind natürlich der Originaltext und die Sprache, in die dieser übersetzt werden soll, aber die AGB legen darüber hinaus auch Verwendungszweck und Zielpublikum als essentielle Informationen fest. Die Antworten auf die Fragen „Für wen ist die Übersetzung bestimmt, für Laien oder für Fachleute, für Kunden oder für Mitarbeiter?“, „Welches Ziel soll damit erreicht werden?“, „Soll die Übersetzung von möglichst vielen Lesern weltweit verstanden werden oder sich gezielt an die Leser eines bestimmten Landes richten?“ ergeben sich zwar oft aus dem Text und manchmal aus der Auftragsanfrage, im Zweifelsfall werde ich aber beim Kunden nachfragen.
Die §§ 5 und 6 regeln dann im Gegenzug, was ich meinen Kunden schuldig bin: Eine korrekte, mit den Auftragszielen übereinstimmende Übersetzung. In der Regel liefere ich Dateien im selben Format zurück, in dem ich sie erhalten habe (bei PDF vereinbare ich stattdessen oft MS Word als Lieferformat). Weil sich ein Text immer mal als bockiger erweisen kann, als man es beim ersten Überfliegen gedacht hätte, sind die von mir genannten Termine normalerweise „Circa-Lieferfristen“, das heißt, es kann auch mal länger dauern. Die Regel ist aber eher, dass ich früher liefere. Und falls ein Kunde tatsächlich einmal 100-prozentige Terminsicherheit benötigt, kann auch das vereinbart werden. Bemängelt ein Kunde meine Leistung, muss er den oder die Fehler konkret benennen („Find‘ ich doof“ reicht nicht!) und ich darf zweimal selbst versuchen, nachzubessern – erst danach darf der Kunde den Fehler auf meine Kosten beheben lassen oder vom Vertrag zurücktreten.
Spätestens 30 Tage nach Rechnungsdatum habe ich mein Geld zu bekommen, abweichend vom Gesetz auch bei Geschäftskunden (§ 7). Die Neuregelung der Frist im „Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr“ vom 22.07.2014 macht nämlich den Bock zum Gärtner und verlängert die Zahlungsfrist für Geschäftskunden, anstatt den Zahlungsverzug dadurch zu bekämpfen, Kunden zum rechtzeitigen Bezahlen zu erziehen. Ohne mich. Offen bin ich hingegen für Vereinbarungen, die ein bestimmtes Rechnungsdatum vorsehen (v.a. bei größeren Unternehmen mit festen Buchhaltungs- und Budgetzyklen). Rechnungen von DeFrEnT kommen im Übrigen auf dem Postweg – wenn Sie möchten, kann ich aber auch vorab ein PDF mailen.
In den §§ 8 und 9 ist geregelt, wie DeFrEnT haftet, falls durch eine Fehlübersetzung ein Schaden eintritt. Nur die Ruhe: Für diesen Fall ist mein Unternehmen per Haftpflicht und Vermögenshaftpflicht versichert. Das heißt umgekehrt vermutlich auch, dass die Versicherung genau prüfen wird, ob tatsächlich ein Schaden entstanden ist, unberechtigte Forderungen wird sie dann für mich abwehren, aber ich musste sie zum Glück („zum Können“?) noch nie in Anspruch nehmen. Nicht haftbar gemacht werden kann ich für Schäden, die aus höherer Gewalt resultieren – also Erdbeben, Sintfluten, Feuersbrünste oder Mangel an Koffein. Naja – letzteres zählt vermutlich nicht.

References: § 1

§ 2
 § 305
 § 154
 § 155
 § 3
 § 3
 § 4