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Timestamp: 2016-10-25 10:34:06+00:00

Document:
U 44/04 (26.11.2004)
Allianz Suisse Versicherungen, Hohlstrasse 552, 8048 Z�rich, Beschwerdef�hrerin,
Die 1934 geborene G.________ f�hrt seit Jahren eine Praxis als Naturheil�rztin in S.________. Sie ist bei der Allianz Suisse Versicherungen (nachfolgend: Allianz) gegen die gesundheitlichen und erwerblichen Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen im Rahmen des Bundesgesetzes �ber die Unfallversicherung freiwillig versichert. Am 29. M�rz 1999 verletzte sich G.________ bei einem Sturz an beiden Schultern (Humeruskopffraktur beidseits). Die Allianz erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld). Am 18. Januar 2000 wurde G.________ in der Klinik X.________ an der rechten Schulter operiert. Wegen protrahierten Verlaufs mit persistierenden Restbeschwerden und Bewegungseinschr�nkung wurde im Rahmen eines station�ren Kuraufenthaltes vom 8. bis 24. April 2000 intensive physikalische Therapie unter �rztlicher Leitung durchgef�hrt. Zur Abkl�rung der weiteren Leistungspflicht liess die Allianz G.________ durch Dr. med. M.________, Chirurgie FMH, und Prof. Dr. med. L.________, Neurologie FMH, untersuchen (Expertisen vom 31. Oktober 2001 und 14. Januar 2002).
Mit Verf�gung vom 14. Mai 2002 stellte die Allianz die Versicherungsleistungen zum 1. November 2001 ein. Daran hielt der Unfallversicherer mit Einspracheentscheid vom 16. Dezember 2002 fest.
Die Allianz f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Rechtsbegehren, der kantonale Gerichtsentscheid sei aufzuheben.
G.________ l�sst die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragen. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Streitig und zu pr�fen ist, ob die Allianz aus dem Unfall vom 29. M�rz 1999 auch ab 1. November 2001 Leistungen zu erbringen hat. Dabei stellt sich vorab die Frage, ob die geklagten Beschwerden, im Wesentlichen Sensibilit�tsst�rungen und L�hmungserscheinungen im rechten Arm, und die dadurch bedingte Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit nat�rlich kausale Unfallfolgen darstellen.
Das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) ist nicht anwendbar (BGE 129 V 4 Erw. 1.2 mit Hinweisen).
Im angefochtenen Entscheid wird der Begriff des nat�rlichen Kausalzusammenhangs (vgl. BGE 119 V 337 Erw. 1 mit Hinweisen) sowie die Rechtsprechung zum Beweiswert von Arztberichten (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) zutreffend dargelegt. Richtig sind auch die vorinstanzlichen Ausf�hrungen zur Beweislastverteilung in Bezug auf die Frage, ob der Unfall jede kausale Bedeutung f�r den Gesundheitsschaden verloren hat (vgl. RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 2 mit Hinweis). Darauf wird verwiesen.
3.1 Das kantonale Gericht hat erwogen, auf Grund des Gutachtens des Prof. Dr. med. L.________ vom 14. Januar 2002 sei davon auszugehen, dass die geklagten Sensibilit�tsst�rungen und L�hmungserscheinungen im rechten Arm nicht auf eine neurologische Ursache zur�ckzuf�hren seien. Damit sei indessen nicht rechtsgen�glich erstellt, dass die Beschwerden nach dem 1. November 2001 nicht mehr unfallkausal seien. Gem�ss Dr. med. M.________ seien die Beschwerden im rechten Arm mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit Folge des Unfallereignisses vom 29. M�rz 1999. Dass der Allgemeinchirurg in seiner Stellungnahme vom 25. Januar 2002 angebe, er k�nne sich Prof. Dr. med. L.________ ohne weiteres anschliessen, sei lediglich ein scheinbarer Widerspruch. Sinngem�ss seien die Aussagen der beiden Fach�rzte dahingehend zu verstehen, �dass die Beschwerdef�hrerin ihren rechten Arm seit dem Unfall nicht mehr voll gebrauchen kann und keine neurologische Ursache f�r diese Beschwerden gefunden werden konnte�.
3.2 Dem h�lt die Allianz zu Recht entgegen, dass weder Dr. med. M.________ als Chirurg noch Prof. Dr. med. L.________ als Neurologe in ihrem jeweiligen Fachgebiet einen organischen Befund erheben konnten, auf welchen die nach dem 1. November 2001 geklagten Beschwerden zur�ckgef�hrt werden k�nnen. Die von Dr. med. M.________ objektivierten subjektiven Schmerzangaben der Versicherten betreffen haupts�chlich den neurologischen Fachbereich. Prof. Dr. med. L.________ hat aus neurologischer Sicht aber weder eine Nervensch�digung des rechten Armes mit Hyp�sthesie und muskul�rer Hypotrophie noch �berhaupt einen klaren organischen Befund nachweisen k�nnen. Dies spricht aus somatischer Sicht gegen den nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Sturz vom 29. M�rz 1999 und den ab November 2001 geklagten Beschwerden der rechten oberen Extremit�t.
Immerhin ist festzustellen, dass Dr. med. M.________ im Gegensatz zu Prof. Dr. med. L.________ unfallfremde Faktoren verneint. Sodann weichen die Gutachter auch bei den Befunden voneinander ab. W�hrend Dr. med. M.________ der Deltoideus rechts und auch die Oberarm- und Vorderarmmuskulatur rechts etwas hypotroph erschienen, waren nach Prof. Dr. med. L.________ Trophik und Tonus der rechten oberen Extremit�t normal. Im Weitern kontrastiert die vom neurologischen Experten festgestellte unfallfremde �berlagerung der geschilderten Paresen und Sensibilit�tsst�rungen mit dem psychisch unauff�lligen Befund. Prof. Dr. med. L.________ bezeichnete die Explorandin als zeitlich, �rtlich und auch autopsychisch voll orientiert. Schliesslich h�lt der Neurologe fest, bei der - allerdings fraglichen - starken �berlagerung k�nne ein organischer Kern der Beschwerden nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden.
Es stellt sich die Frage, ob dem Gutachten des Prof. Dr. med. L.________ vom 14. Januar 2002 Beweiswert zukommt. Das kantonale Gericht hat dies bejaht. Dagegen l�sst die Versicherte vorbringen, Prof. Dr. med. L.________ sei ein Vertrauensarzt der Allianz, somit nicht neutral. Beim Untersuch sei die �Chemie� zwischen dem Experten und ihr in einem offenkundig �berdurchschnittlichen Masse gest�rt gewesen. Es stelle sich der Eindruck ein, Prof. Dr. med. L.________ habe sie von Beginn an in die �psychosomatische Ecke� stellen wollen. Der Gutachter sei arrogant und unsympathisch aufgetreten. Der �Untersuch� habe lediglich eine halbe Stunde gedauert. Str�mungsmessungen oder dergleichen seien �berhaupt nicht vorgenommen worden. Sodann gehe der Experte zu Unrecht, wohl irrt�mlich oder mangels genauen Aktenstudiums, davon aus, es h�tten in der ersten Behandlungszeit keine Hinweise auf schwerwiegendere neurologische Ausf�lle bestanden. Diese Umst�nde weckten nicht zu unterdr�ckende Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Prof. Dr. med. L.________. Auf das Gutachten vom 14. Januar 2002 k�nne daher nicht abgestellt werden.
4.1 Der Expertise vom 14. Januar 2002 kommt Beweiswert zu, sofern und soweit sie schl�ssig erscheint, nachvollziehbar begr�ndet und in sich widerspruchsfrei ist und auch keine Indizien bestehen, die gegen ihre Zuverl�ssigkeit sprechen. Die Tatsache allein, dass Prof. Dr. med. L.________ vom Unfallversicherer mit der Begutachtung beauftragt wurde, l�sst nicht schon auf mangelnde Objektivit�t oder auf Befangenheit schliessen. Dies gilt auch, wenn der von der Beschwerdegegnerin als Vertrauensarzt der Allianz bezeichnete Experte als betriebsintern eingesetzter Facharzt eines nach Art. 68 Abs. 1 UVG zugelassenen privaten Unfallversicherers zu betrachten w�re. Es bedarf besonderer Umst�nde, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit des Gutachters objektiv als begr�ndet erscheinen lassen. Objektivit�t und Unvoreingenommenheit des Gutachters beurteilen sich indessen nach einem strengen Massstab (in RKUV 2003 Nr. U 484 S. 251 nicht publizierte Erw. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 125 V 353 f. Erw. 3b/ee; vgl. auch BGE 128 III 15 Erw. 4a).
4.2 Das Verhalten eines Experten w�hrend der Exploration kann objektiv den Anschein von Befangenheit erwecken (vgl. BGE 125 I 122 Erw. 3a). Zu denken ist etwa an �usserungen, welche die Glaubhaftigkeit der Angaben des Exploranden oder der Explorandin zum Gesundheitszustand und zur Selbsteinsch�tzung der Arbeitsf�higkeit von vornherein mehr oder weniger offen verneinen, oder sogar absch�tzige Bemerkungen pers�nlicher Natur. Sodann k�nnen auch die Art und Weise, wie die Untersuchung durchgef�hrt wird, und in diesem Zusammenhang auch die Dauer der Massnahme unter Umst�nden objektiv Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Experten wecken. Gem�ss Aktennotiz vom 11. Januar 2002 beklagte sich die Beschwerdegegnerin am Tag nach dem Untersuch bei der zust�ndigen Sachbearbeiterin der Allianz. Nach den Erkenntnissen des Prof. Dr. med. L.________ seien ihre Probleme mit der Hand resp. Ring- und Kleinfinger nicht neurologischer Natur, sondern rein psychisch bedingt. Sie k�nne das doch kaum glauben. Sie gehe sicher nicht zum Psychiater, wenn sie kein Gef�hl in den Fingern habe. Aus diesen �usserungen ist zu schliessen, dass die Beschwerdegegnerin sich vorab daran st�rte, dass der Gutachter sie sozusagen als �Fall f�r den Psychiater� betrachtete. Im Umstand allein, dass Prof. Dr. med. L.________ ein psychosomatisches Geschehen vermutete oder sogar annahm, kann indessen kein Indiz f�r Befangenheit erblickt werden.
Im Weiteren trifft zwar zu, dass Prof. Dr. med. L.________ bei der Beurteilung davon ausging, dass anf�nglich schwerwiegendere neurologische Ausf�lle nicht bestanden h�tten. Aktenm�ssig f�nden sich erste Hinweise mehr als ein Jahr nach dem Unfall (in einer Aktennotiz der Allianz vom 16. Juni 2000). Diese Annahme ist offensichtlich unrichtig. Bereits am 18. Februar 2000 hatte die Versicherte der zust�ndigen Sachbearbeiterin gegen�ber erw�hnt, sie h�tte schon L�hmungserscheinungen im Arm gehabt. Gem�ss Bericht der Klinik X.________ vom 25. Januar 2000 sodann war als Komplikation der Operation vom 18. Januar 2000 eine schmerzhafte acealis Neuralgie aufgetreten, die durch Schmerztherapie und vor allem Akupunktur verbessert worden sei. Selbst wenn aus dieser Diskrepanz ebenfalls nicht auf Befangenheit geschlossen werden kann, wird dadurch doch die materielle Beweiskraft des Gutachtens in Frage gestellt.
Daher ist eine nochmalige orthop�dische, neurologische und allenfalls psychiatrische Begutachtung mit klarer Fragestellung zur nat�rlichen Kausalit�t der geklagten Funktionseinschr�nkungen und -ausf�lle der rechten oberen Extremit�t zum Unfall vom 29. M�rz 1999 f�r die Zeit ab 21. November 2001 erforderlich. Zu diesem Zwecke ist die Sache an das kantonale Gericht zur�ckzuweisen.
Nach der Praxis hat die obsiegende Allianz keinen Anspruch auf Parteientsch�digung (Art. 159 Abs. 1 und 2 OG in Verbindung mit Art. 135 OG; Urteil K. vom 10. Februar 2004 [U 199/02] Erw. 6).
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid vom 19. November 2003 aufgehoben und die Sache an das Verwaltungsgericht von Appenzell Ausserrhoden zur�ckgewiesen wird, damit es im Sinne der Erw�gungen verfahre und �ber die Leistungspflicht aus dem Unfall vom 29. M�rz 1999 ab 1. November 2001 neu entscheide.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht von Appenzell Ausserrhoden und dem Bundesamt f�r Gesundheit (BAG) zugestellt.

References: BGE 
 BGE 
 Art. 68
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 135