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Timestamp: 2020-08-11 10:30:04+00:00

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Die betriebliche Altersversorgung nach IFRS - GRIN
Die betriebliche Altersversorgung nach IFRS
Auswirkung auf die Finanzanalyse
2 Begriff und Wesen der betrieblichen Altersversorgung
3 Die betriebliche Altersversorgung in den IFRS
3.1 Rechnungslegung nach den IFRS
3.2 Reglungsinhalt des IAS 19 – Leistungen an Arbeitnehmer
4 Bilanzierung der betrieblichen Altersversorgung nach IFRS
4.1 Differenzierung hinsichtlich der Art des Pensionsplans
4.1.1 Beitragsorientierte Pensionspläne
4.1.2 Leistungsorientierte Pensionspläne
4.2 Bewertung leistungsorientierter Pensionspläne
4.2.1 Ermittlung der Pensionsverpflichtung
4.2.2 Ermittlung der Pensionsrückstellung
4.2.3 Ermittlung der Pensionsaufwendungen
5 Auswirkungen der betrieblichen Altersversorgung im Rahmen derFinanzanalyse
5.1 Ziel, Gegenstand und Ablauf der Finanzanalyse
5.2 Finanzanalytische Probleme bei Pensionsverpflichtungen
5.2.1 Hinsichtlich der Beurteilung der finanziellen Stabilität
5.2.2 Hinsichtlich der Beurteilung der Ertragskraft
5.3 Finanzanalytische Möglichkeiten zur Problembehebung
5.4 Finanzanalytische Grenzen
Abb. 1: Anwendungsbereich der IFRS in Deutschland
Abb. 2: Klassifizierung der Leistungen an Arbeitnehmer
Abb. 3: Methode der laufenden Einmalprämien
Abb. 4: Ermittlung der Pensionsrückstellung nach IAS
Abb. 5: Ermittlung der Pensionsaufwendungen nach IAS
Abb. 6: Untersuchungsgegenstände der Finanzanalyse
Abb. 7: Auswirkungen der Finanzierungsart auf die Bilanzstruktur
Abb. 8: Auswirkungen der Finanzierungsart auf ausgewählte Finanzkennzahlen
Abb. 9: Ausweismöglichkeiten von Pensionsaufwendungen
Die Abbildung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in den Jahresabschlüs-sen deutscher Unternehmen steht seit Jahren verstärkt in der Diskussion. Als Gründe kann die hohe quantitative Bedeutung im Jahresabschluss selbst, so-wie die im Zusammenhang mit der Bilanzierung resultierenden Gestaltungs-möglichkeiten genannt werden.1 Letztere sind insbesondere auf den vermehr-ten Einsatz der International Financial Reporting Standards (IFRS) zurückzufüh-ren. Die darin enthaltenen Wahlrechte ermöglichen es dem Bilanzierenden, fundamentale Bilanzkennzahlen durch die individuelle Ausgestaltung der bAV gezielt zu beeinflussen. Klare Aussagen hinsichtlich der wirtschaftlichen und finanziellen Lage von Unternehmen werden für externe Bilanzadressaten kaum noch möglich. Insbesondere dann, wenn im Rahmen eines Betriebsvergleiches Unternehmen miteinander verglichen werden sollen, bergen die im Zuge der Bilanzierung einhergehenden Wahlmöglichkeiten ein kaum zu lösendes Prob­lem der mangelnden Vergleichbarkeit in sich. Um dennoch zuverlässige Aussa-gen zur finanziellen Lage eines Unternehmens treffen zu können, müssen die im Jahresabschluss publizierten Daten im Rahmen der Finanzanalyse auf ein einheitliches Maß korrigiert werden.2
Basierend auf diesen Hintergründen befasst sich die vorliegende Arbeit mit den Auswirkungen der bAV im Rahmen der Finanzanalyse. Um dem Leser mit den dafür notwendigen Zusammenhängen und Grundbegriffen vertraut zu machen, wird einführend auf den für Pensionspläne relevanten Standard, IAS 19,3 sowie die darin enthaltenen Bilanzierungsvorschriften eingegangen. Anschließend werden die im Rahmen der Finanzanalyse auftretenden Problemfelder ange-sprochen sowie die zur Behebung zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Grenzen diskutiert.
Neben der gesetzlichen und der privaten Altersvorsorge nimmt die bAV die zweite Säule im sog. „3-Säulen-Modell“4 ein. Was grundsätzlich darunter zu verstehen ist, ergibt sich aus dem Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (BetrAVG). In der Legaldefinition des § 1 Abs. 1 wird es als Sammelbegriff aller Leistungen in Verbindung mit Alters-, Invaliditäts- oder Hin-terbliebenenversorgung subsumiert, die ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern aus Anlass eines Arbeitsverhältnisses gewährt. Im allgemeinen Sprach-gebrauch haben sich jedoch synonym die Begriffe der Pensionszusage oder Pensionsverpflichtung durchgesetzt.5
War die bAV in der Vergangenheit noch als rein freiwillige Leistung des Arbeit-gebers zu verstehen, haben rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer seit Anfang 2002 einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung.6 Demnach können Arbeitnehmer auf Teile ihres monatlichen Entgelts verzichten, um später bei Pensionseintritt in den Genuss einer Betriebsrente zu kommen. Vom Charakter her können Pensionsverpflichtungen somit als gestundetes Entgelt bereits er-brachter Arbeitsleistungen verstanden werden.7 Dieser Lohnverzicht seitens des Arbeitnehmers kann wirtschaftlich gesehen als Kreditgewährung an den Arbeitgeber verstanden werden.8 Betrachtet man diese Kreditbeziehung ge-nauer, lässt sich feststellen, dass diese in der Phase der Anwartschaft einer Nullkuponanleihe ähnelnd und in der nach dem Versorgungsfall stattfindenden Auszahlungsphase mit einem Bankkredit vergleichbar ist.9 Insofern scheint es gerechtfertigt, Pensionsverpflichtungen den Finanzschulden zuzuordnen.10
Für die bilanzielle Abbildung der bAV werden immer mehr Unternehmen die dafür vorgesehenen internationalen Standards berücksichtigen müssen. Dies zeigt sich zum einen in der seit 2005 durch die IAS-Verordnung11 für kapital-marktorientierte Unternehmen12 zur Pflicht gewordenen Aufstellung des Kon-zernabschlusses nach IFRS. Zum anderen an den immer zahlreicher werden-den Wahlmöglichkeiten eines befreienden IFRS-Abschlusses. So wird nicht ka-pitalmarktorientierten Mutterunternehmen eine freiwillige Aufstellung des Kon-zernabschlusses nach IFRS gem. § 315a Abs. 3 HGB ermöglicht und selbst auf Einzelabschlussebene kann gem. § 325 Abs. 2a HGB für Offenlegungszwecke zusätzlich ein IFRS-Einzelabschluss erstellt werden. Zu beachten bleibt jedoch, dass aufgrund der in der deutschen Rechnungslegung kodifizierten Maßgeb-lichkeit des § 5 Abs. 1 EStG weiterhin ein nach handels- und steuerrechtlichen Vorschriften erstellter HGB-Einzelabschluss aufgrund hieran anknüpfender Rechtsfolgen wie die Steuer- und Ausschüttungsermittlung erforderlich sein wird.13 Abb. 1 fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen.
Abb. 1: Anwendungsbereich der IFRS in Deutschland14
Sofern es zur Bilanzierung nach IFRS kommt, muss der Standard IAS 19 „Leis-tungen an Arbeitnehmer“ (employee benefits) bei den in Abb. 2 klassifizierten Tatbeständen angewandt werden. Dabei handelt es sich grundsätzlich15 um alle Formen der Vergütung, die ein Unternehmen seinen Arbeitnehmern im Aus-tausch ihrer erbrachten Arbeitsleistung gewährt.
Abb. 2: Klassifizierung der Leistungen an Arbeitnehmer16
Kurzfristige Leistungen an Arbeitnehmer liegen gem. IAS 19.8 insbesondere bei Löhnen, Gehältern und Sozialversicherungsbeiträgen vor, sofern diese inner-halb eines Jahres fällig werden. Leistungen nach Beendigung des Arbeitsver-hältnisses befassen sich gem. IAS 19.24 mit der Bilanzierung der bAV sowie mit anderen Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, wie Le-bensversicherungen oder medizinischer Versorgung. Unter der Kategorie der anderen langfristig fälligen Leistungen werden gem. IAS 19.126 vor allem lang-fristige Erwerbsunfähigkeitsleistungen, Jubiläumsgelder oder langfristige Ge-winn- und Erfolgsbeteiligungen zusammengefasst. Die Leistungen anlässlich der Beendigung des Arbeitsverhältnisses umfassen gem. IAS 19.132 Aspekte der Altersteilzeit, Vorruhestand sowie Freisetzungen oder Abfindungen.
Kernstück des IAS 19 bilden die Leistungen nach Beendigung des Arbeitsver-hältnisses, vor allem die der bAV. Diese soll im Folgenden hinsichtlich ihrer Bi-lanzierung näher untersucht werden.
1 Vgl. Kütting, K./ Keßler, M. (2009), S. 465.
2 Vgl. Lachnit, L./ Müller, S. (2004), S. 500.
3 Die International Accounting Standards (IAS) gelten als die „älteren“ Standards, die später durch die „neueren“ IFRS ergänzt wurden. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll die Abkür-zung IFRS als Oberbegriff beider Standards verwendet werden.
4 Vgl. Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge e.V. (2005), S. 8f.
5 Vgl. Peterson, J. (2002), S. 11.
6 Sofern es der Tarifvertrag zulässt. Vgl. Förster, W. et al. (2001), S. 1406.
7 Vgl. Heubeck, K./ Seeger, N. (2004), S. 997.
8 Vgl. Gohdes, E./ Meier, K. (2003), S. 1377.
9 Vgl. Teller, S./ Stäglich, J. (2004), S. 302f.
10 Dabei handelt es sich jedoch um Fremdkapital besonderer Art. Im Vergleich zu anderem Fremdkapital, wie dem Bankkredit, ermöglichen Pensionsverpflichtungen einen Innenfinan-zierungseffekt und wirken sich zudem nicht negativ auf die Gläubigerstruktur aus. Vgl. Goh-des, E./ Meier, K. (2003), S. 1377f.
11 Vgl. Artikel 4 der EU-Verordnung Nr. 1606/2002 vom 19 Juli. 2002.
12 Kapitalmarktorientiert ist ein Unternehmen, wenn es einen organisierten Markt i.S.d. § 2 Abs. 5 WpHG durch von ihr ausgegebene Wertpapiere in Anspruch nimmt. Vgl. § 264d HGB-E nach dem Gesetzentwurf zur Modernisierung des Bilanzrechts (BilMoG).
13 Vgl. Heuser, P./ Theile, C. (2005), S. 22.
14 In Anlehnung an: Pellens et al. (2008), S. 50.
15 IAS 19 deckt die Leistungen an Arbeitnehmer nicht vollständig ab. Darüber hinaus können sich Leistungen aus IFRS 2 (aktienorientierte Vergütung) ergeben. Vgl. dafür: Heuser, P./ Theile, C. (2005), S. 436 - 463.
16 In Anlehnung an: KPMG (2006), S. 56.
V131132
9783640375516
9783640375592
betriebliche Altersversorgung, Pensionsverpflichtungen, IAS 19
Josef Gilgen (Autor), 2009, Die betriebliche Altersversorgung nach IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131132
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References: § 1
 § 315
 § 325
 § 5
 § 2
 § 264