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Timestamp: 2019-10-17 13:38:45+00:00

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BAG – 1 AZR 706/13
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25.02.2015, 1 AZR 706/13
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln vom 21. März 2013 – 7 Sa 261/12 – wird auf seine Kosten zurückgewiesen.
Das Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln vom 21. März 2013 – 7 Sa 261/12 – wird dahingehend berichtigt, dass der im Tenor genannte Betrag „357,97“ ersetzt wird durch den Betrag „357,77“.
1 AZR 706/13 > Rn 1
1 AZR 706/13 > Rn 2
1 AZR 706/13 > Rn 3
1 AZR 706/13 > Rn 4
1 AZR 706/13 > Rn 5
1 AZR 706/13 > Rn 6
1 AZR 706/13 > Rn 7
1 AZR 706/13 > Rn 8
1 AZR 706/13 > Rn 9
1 AZR 706/13 > Rn 10
Der Kläger hat – soweit für die Revision noch von Interesse – zuletzt sinngemäß beantragt, die Beklagte zu verurteilen, an den Kläger
1 AZR 706/13 > Rn 11
1 AZR 706/13 > Rn 12
1 AZR 706/13 > Rn 13
1 AZR 706/13 > Rn 14
A. Die Revision ist hinsichtlich des auf April 2010 entfallenden Betrags von 92,64 Euro nicht ordnungsgemäß begründet und daher unzulässig. Die Begründung der Revision genügt nicht den Anforderungen der § 72 Abs. 5 ArbGG, § 551 Abs. 3 ZPO. Der Kläger geht auf die Ausführungen des Berufungsgerichts, ihm sei für den 15. – 17., 19., 24. – 27. April 2010 die Vergütung auch für die Arbeitsunterbrechungen gezahlt worden, nicht ein. Dies gilt gleichermaßen für den 10. Oktober 2010 und den 6. Januar 2011 (jeweils 11,81 Euro) sowie für den 28. Juli 2011 (6,03 Euro).
1 AZR 706/13 > Rn 15
1 AZR 706/13 > Rn 16
1 AZR 706/13 > Rn 17
1 AZR 706/13 > Rn 18
1 AZR 706/13 > Rn 19
1 AZR 706/13 > Rn 20
1 AZR 706/13 > Rn 21
1 AZR 706/13 > Rn 22
1 AZR 706/13 > Rn 23
1 AZR 706/13 > Rn 24
(a) Der Begriff der Pause ist in der Vorschrift nicht definiert, sondern wird dort vorausgesetzt. Er hat denselben Inhalt wie der Begriff der Ruhepause in § 4 ArbZG und in seiner allgemeinen Bedeutung (BAG 29. Oktober 2002 – 1 AZR 603/01 – zu I 3 b dd der Gründe, BAGE 103, 197). Pausen sind im Voraus feststehende Unterbrechungen der Arbeit, in denen der Arbeitnehmer weder Arbeit zu leisten noch sich dafür bereitzuhalten hat und frei über die Nutzung des Zeitraums bestimmen kann (vgl. BAG 16. Dezember 2009 – 5 AZR 157/09 – Rn. 10; 23. September 1992 – 4 AZR 562/91 – zu I 2 der Gründe; Baeck/Deutsch 3. Aufl. § 4 ArbZG Rn. 9; ErfK/Wank 15. Aufl. § 4 ArbZG Rn. 1; Schliemann 2. Aufl. § 4 ArbZG Rn. 6, jeweils mwN). Weil sie keine Arbeit, sondern eine Unterbrechung der Arbeit sind (§ 4 Satz 1 ArbZG), zählen sie nicht zur Arbeitszeit, § 2 Abs. 1 Satz 1 ArbZG (BAG 18. November 2009 – 5 AZR 774/08 – Rn. 13) und müssen nicht nach § 611 Abs. 1 BGB vergütet werden (vgl. BAG 20. April 2011 – 5 AZR 200/10 – Rn. 21 mwN, BAGE 137, 366).
1 AZR 706/13 > Rn 25
1 AZR 706/13 > Rn 26
1 AZR 706/13 > Rn 27
1 AZR 706/13 > Rn 28
1 AZR 706/13 > Rn 29
dd) Die Pausenregelung in § 9 Abs. 1 BV 2011 verstößt nicht deshalb gegen § 4 Satz 1 ArbZG, weil es sich nicht um eine „im Voraus“ feststehende Arbeitsunterbrechung handelt. Eine Festlegung von Lage und Dauer der gesetzlichen Pause vor Beginn der täglichen Arbeitszeit verlangt § 4 Satz 1 ArbZG nicht (BAG 13. Oktober 2009 – 9 AZR 139/08 – Rn. 47, BAGE 132, 195; ebenso bereits BAG 22. Juli 2003 – 1 ABR 28/02 – zu II 3 c dd der Gründe, BAGE 107, 78; Baeck/Deutsch 3. Aufl. § 4 ArbZG Rn. 24; Schliemann 2. Aufl. § 4 ArbZG Rn. 19, jeweils mwN). Dies gilt gleichermaßen für die in § 9 Abs. 2 BV 2011 vorgesehenen zusätzlichen Pausen.
1 AZR 706/13 > Rn 30
1 AZR 706/13 > Rn 31
(2) Das Erfordernis des im Voraus Feststehens soll sicherstellen, dass der Arbeitnehmer sich auf die Pause einrichten und sie auch tatsächlich zur Erholung nutzen kann (ErfK/Wank 14. Aufl. § 4 ArbZG Rn. 4). Die Ruhepause soll nicht durch kontinuierliche Weiterarbeit überlagert und „vergessen“ werden (BAG 13. Oktober 2009 – 9 AZR 139/08 – Rn. 47, BAGE 132, 195). Diesem Zweck genügt es, wenn dem Arbeitnehmer – wie von § 9 Abs. 1 Satz 2 BV 2011 vorgesehen – Beginn und Dauer der Ruhepause zu Beginn der täglichen Arbeitszeit mitgeteilt werden.
1 AZR 706/13 > Rn 32
1 AZR 706/13 > Rn 33
1 AZR 706/13 > Rn 34
1 AZR 706/13 > Rn 35
1 AZR 706/13 > Rn 36
1 AZR 706/13 > Rn 37
1 AZR 706/13 > Rn 38
1 AZR 706/13 > Rn 39
aa) Nach § 106 Satz 1 GewO hat der Arbeitgeber sein Weisungsrecht nach billigem Ermessen auszuüben. Eine Leistungsbestimmung entspricht billigem Ermessen, wenn die wesentlichen Umstände des Falls abgewogen und die beiderseitigen Interessen angemessen berücksichtigt worden sind. Ob die beiderseitigen Interessen angemessen berücksichtigt worden sind, unterliegt der vollen gerichtlichen Kontrolle, § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB (BAG 9. April 2014 – 10 AZR 637/13 – Rn. 26).
1 AZR 706/13 > Rn 40
1 AZR 706/13 > Rn 41
1 AZR 706/13 > Rn 42
a) Im Umfang der gesetzlichen Mindestpausen war der Kläger in diesen Zeiträumen schon aus Rechtsgründen nicht leistungsfähig (§ 297 BGB). § 4 Satz 1 ArbZG verpflichtet – bußgeld- und strafbewehrt (§ 22 Abs. 1 Nr. 2, § 23 ArbZG) – den Arbeitgeber, die Arbeit mindestens in dem vorgeschriebenen Umfang zu unterbrechen. Damit entbindet die Norm gleichzeitig den Arbeitgeber von der Verpflichtung, Arbeitsleistung anzunehmen und setzt den Arbeitnehmer außerstande, seine Arbeitsleistung zu bewirken.
1 AZR 706/13 > Rn 43
1 AZR 706/13 > Rn 44
1 AZR 706/13 > Rn 45
1 AZR 706/13 > Rn 46
(1) Die für das Arbeitsverhältnis maßgebliche Regelarbeitszeit bestimmt sich unstreitig nach § 2 Nr. 1 MTV und beträgt 160 Stunden monatlich (vgl. BAG 21. Juni 2011 – 9 AZR 236/10 – Rn. 52 und 72, BAGE 138, 148; 22. April 2009 – 5 AZR 629/08 – Rn. 13). In diesem Umfang ist der Kläger – ohne die Arbeitsunterbrechungen – beschäftigt bzw. vergütet worden. Das steht zwischen den Parteien außer Streit.
1 AZR 706/13 > Rn 47
(2) Soweit die Beklagte durch die Schichteinteilung von der Möglichkeit des § 2 Nr. 2 MTV, den Arbeitnehmer mehr als 160 Stunden monatlich zur Arbeit heranzuziehen, Gebrauch gemacht hat und Arbeitsunterbrechungen nicht wirksam angeordnet haben sollte, hätte der Kläger, der während der angeordneten Zeiten unstreitig weder gearbeitet hat, noch sich zur Arbeit bereit halten musste, seine Arbeitsleistung zumindest wörtlich anbieten müssen. Das ist nicht erfolgt. Der Kläger hat die von der Beklagten festgelegten Ruhe- und Zusatzpausen genommen, ohne bei der jeweiligen Anordnung dagegen zu protestieren. Er hat nicht deutlich gemacht, dass er – unter Beachtung des § 4 ArbZG – an dem betreffenden Arbeitstag eine Ruhepause zu einem anderen als von der Beklagten bestimmten Zeitpunkt einlegen und/oder keine Zusatzpause nehmen möchte.
1 AZR 706/13 > Rn 48
1 AZR 706/13 > Rn 49
1 AZR 706/13 > Rn 50
(a) Nach der Theorie der Wirksamkeitsvoraussetzung führt die Verletzung von Mitbestimmungsrechten des Betriebsrats im Verhältnis vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer jedenfalls zur Unwirksamkeit von Maßnahmen oder Rechtsgeschäften, die den Arbeitnehmer belasten. Das soll verhindern, dass der Arbeitgeber dem Einigungszwang mit dem Betriebsrat durch Rückgriff auf arbeitsvertragliche Gestaltungsmöglichkeiten ausweicht. Dem Arbeitgeber darf aus einer betriebsverfassungsrechtlichen Pflichtwidrigkeit auch im Rahmen des Arbeitsverhältnisses kein Vorteil erwachsen. Maßnahmen zum Nachteil der Arbeitnehmer sind dabei nur solche, die bereits bestehende Rechtspositionen der Arbeitnehmer schmälern. Die Verletzung von Mitbestimmungsrechten des Betriebsrats führt allerdings nicht dazu, dass sich individualrechtliche Ansprüche der betroffenen Arbeitnehmer ergäben, die zuvor noch nicht bestanden haben (BAG 3. September 2014 – 5 AZR 109/13 – Rn. 17; 11. Januar 2011 – 1 AZR 310/09 – Rn. 33, jeweils mwN). Dies gilt nicht nur, wenn eine Beteiligung des Betriebsrats gänzlich unterbleibt, sondern auch, wenn der Arbeitgeber gegen die nach § 77 Abs. 4 Satz 1 BetrVG zwingenden Vorgaben aus einer Betriebsvereinbarung verstößt.
1 AZR 706/13 > Rn 51
1 AZR 706/13 > Rn 52
1 AZR 706/13 > Rn 53
Hann D. Wege
Pausengewährung

References: § 72
 § 551
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 2
 § 611
 § 9
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 9
 § 4
 § 9
 § 106
 § 315
 § 4
 § 23
 § 2
 § 2
 § 4
 § 77