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RHG oder neulich im BR: - Seite 6 - hobbybrauer.de
RHG oder neulich im BR:
Re: RHG oder neulich im BR:
Beitrag von Johnny H » Donnerstag 21. Januar 2016, 14:53
cyme hat geschrieben: [...]
Wie wäre es, angelehnt an Filme, es Dogma-Bier zu nennen? Hopfen, Getreide, Hefe und Wasser? Oder ist hier jemand, der RGH hin oder her, es nicht albern findet, dass saccharomyces pastorianus nicht mit Weizenmalz in Kontakt kommen darf? Eine selbstauferlegte Beschränkung ist ja durchaus etwas, das aus Künstlern viel herauslocken kann.
Lustig, die "selbstauferlegte Beschränkung" am Beispiel Dogma 95 wollte ich im alten Forum (Antwort 94, S. 4) auch schon mal ins Spiel bringen:
Also müsste man einen Satz Regeln erstellen, die einerseits einfach sind, andererseits aber auch streng eingehalten werden.
Weiterhin finde ich aber auch, dass die Regeln so einfach sein sollten, dass sie von Klein- und Hobbybrauern auch eingehalten werden können. Eigene Brunnen würde das m.E. schon mal ausschließen, und das Selbstvermälzen ist auch ganz schön schwierig.
Mir würde so eine Mischung aus Punk-Ethos (im Sinne von: jeder kann und darf sich ausdrücken) und Lars von Triers Dogma 95 aufs Bier übertragen vorschweben: zehn kurze Regeln, die prinzipiell jeder umsetzen kann, die aber auch kompromisslos durchgezogen werden müssen.
Also (damit es weh tut) hier mal das folgende als Denkanstoß:
1) Nur selbstvermälztes Getreide oder Rohfrucht (noch zu diskutieren, ob nur Gerste oder ob auch andere Getreidesorten erlaubt sind), kein GM-Getreide
2) Nur Doldenhopfen
3) Nur Flüssighefe
4) Nur lokales, nicht aufbereitetes Wasser
5) Keine Filtration (hier kann man bestimmt eine Porengröße festlegen, so dass z.B. ein Sputnik noch erlaubt ist)
6) Keine Pasteurisation
7) Keine künstlichen Zutaten (das müsste noch genau definiert werden, aber PVPP wäre definitiv raus)
8) Kein Spunden mit externem CO2, nur gärungsbedingtes CO2 darf verwendet werden
9) Druckgärung nur bis zu xxBar
Streng und dogmatisch genug? Leicht soll es nicht sein, aber der Kreativität trotzdem genug Raum einräumen.
Beitrag von hubschu » Donnerstag 21. Januar 2016, 14:58
Hallo Braugemeinschaft
Das Jubiläumsjahr hat erst begonnen und das RHG geht ab wie die Post
Da bin ich einmal froh ein Eidgenoss zu sein und darf brauen wie ich möchte
Ich mach euch einen Vorschlag, wir übernehmen das Zepter in Berlin und integrieren euch in die Schweiz (so als Bierbrau-Flüchtling). Ihr könnt euch "Grosser nörlicher Kanton" nennen . Aber nur die die auf das RHG verzichten können.
Gruss an alle und nehmt es nicht zu ernst
Beitrag von philipp » Donnerstag 21. Januar 2016, 15:10
Johnny H hat geschrieben: 4) Nur lokales, nicht aufbereitetes Wasser
Das ist, was bei mir bliebe. Aber auch nur, weil ich die Milchsäure immer wieder vergesse. ;-)
Beitrag von Johnny H » Donnerstag 21. Januar 2016, 15:48
Ketzer ;)
Beitrag von chixxi » Donnerstag 21. Januar 2016, 16:02
Hier auch ein Eidgenosse, aber ich geniesse diese "Theater" hier sehr und lese seit Anfang an mit. (Ausserdem hat mich das Thema angespornt mal nach zu forschen was in der Schweiz erlaubt ist, aber das ist nicht halb so spannend...)
Beitrag von Gasflasche » Donnerstag 21. Januar 2016, 16:25
cyme hat geschrieben: Das war jetzt nicht speziell auf dich bezogen, sondern allgemein. Stellenweise wird halt alles natürliche schon sehr romantisiert gesehen und verdrängt, dass es Substanzen gibt, die 100% bio und 100% giftig sind. Sicher klingen Fungizide nicht appetitlich, aber sie sind mir allemal lieber als Mykotoxine.
In dem Fall, muss ich meine Worte zurückziehen & dich ansonsten einfach zustimmen Ich kann auch kaum noch meine Frust unterdrücken bei Aussagen wie "ja aber es ist natürlich, also ist es nichts schädliches.." Schimmel essen, will dann aber keiner.. (und zu Recht)
cyme hat geschrieben:
gasflasche hat geschrieben: Ich wohne aber in BaWü...
Als Hobbybrauer darfst du sogar in Bayern fast alles. Naja, das Plutonium Pilsener oder das Black Powder Stout könnten möglicherweise Probleme verursachen...
Ich muss zugeben, dass ich so ganz manchmal in einem kurzen Moment von Unachtsamkeit, den Gedanken durch den Kopf blitzen lasse, mal mein Bier in der weiten Zukunft kommerziell zu verkaufen.
Auch wenn ich damit jetzt viel zu weit denke, ich nie davon leben könnte usw.. ist mir der ganze Realismus aber irgendwie auch "wurscht" & will es einfach schon mal wissen, was machbar wäre wenn.. Wäre blöd die Rezeptur am Ende umschmeißen zu müssen.
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Beitrag von Rob5 » Donnerstag 21. Januar 2016, 21:36
Gasflasche hat geschrieben: @Rob5
Vielleicht bin ich einfach zu blöd, um es zu verstehen...
Aber ich sehe halt einen Konflikt in der Tatsache: die BierV verweist unter anderem auf §17 der Verordnung zur Durchführung des Vorläufigen Biergesetzes. In diesem §17 steht in Absatz 1 unter anderem:
(1) Bei der Bereitung von Bier dürfen, soweit im § 9 Abs. 7 und 8 des Gesetzes nicht Ausnahmen vorgesehen sind, nur die im § 9 Abs. 1, 2 und 4 des Gesetzes zugelassenen Braustoffe und Brauersatzstoffe verwendet werden. Die Vorschriften der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung sind anzuwenden. ...
Wenn man ausdrücklich "nur" die Zutaten konform §9 Vorläufiges Biergesetz verwenden darf, wie kann man genau gesehen dann überhaupt noch Rücksicht auf die ZZulV nehmen? Ich verstehe das dann nämlich so, dass diese ZZulV zulassen kann was sie will, es aber eigentlich eh "wurscht" ist, da das Vorl. Biergesetz den ganzen Kram eigentlich wieder ausschliesst.
Man könnte schon beim Wortlaut anfangen und sagen: Brau- und Brauersatzstoffe sind keine Zusatzstoffe zu technologischen Zwecken. Wobei mit Röstmalz beim Abmaischen oder gar im Läuterbottich letztlich auch nur ein technologischer Zweck verfolgt wird – färben. Und ja, Milchsäure ist als Zusatzstoff zugelassen.
flying hat geschrieben: Er wollte wohl aus verkaufsstrategischen Gründen nicht Biermischgetränk draufschreiben.
Das haben schon andere nach einer Untersagung versucht und sind damit auf die Nase gefallen (Schwarzer Abt z.B.). Übrigens stand auch bei Camba beim Milk-Stout "Biermischgetränk" drauf, wenn ich mich recht erinnere ("Bier" und "Milchgetränk"). Was ein Biermischgetränk ist und als solches deklariert werden darf, richtet sich nach den Anschauungen im Verkehr. Und das ist eben noch immer, dass zwei fertige Produkte nach Abschluss ihrer Herstellung in einem bestimmten - im Regelfall auch anzugebenden Mischungsverhältnis (QUID) - gemischt werden. Wer ein Lebensmittel vorsätzlich unter einer falschen Bezeichnung in den Verkehr bringt, begeht eine Straftat.
flying hat geschrieben: Nenn mir mal Beispiele? Es gibt Witbier, Gosen, Porter mit Zucker, Erdbeeren, Kirschen usw., Honigbier (letztes wieder hier ein Startup), Kräuterbier und und und. Die Aufmachungen erinnern eindeutig an Bier. Ich kenne kein Beipiel was nicht auf den Markt gebracht wird, sofern es einen Markt dafür gibt.
Nur weil viele etwas machen, heißt das nicht, dass dies im Einklang mit der rechtlichen Lage ist. Es parken auch ganz viele auf Gehwegen und bekommen kein Knöllchen oder kleine Lebensmittelläden öffnen mit dem Vollsortiment an Sonntagen unter Verstoß gegen das L-Ladenschlussgesetz. Dass so etwas auch über lange Zeiträume passiert, führt nicht dazu, dass dies erlaubt ist.
Beitrag von herbie01 » Freitag 22. Januar 2016, 08:34
Rob5 hat geschrieben: Nur weil viele etwas machen, heißt das nicht, dass dies im Einklang mit der rechtlichen Lage ist. Es parken auch ganz viele auf Gehwegen und bekommen kein Knöllchen oder kleine Lebensmittelläden öffnen mit dem Vollsortiment an Sonntagen unter Verstoß gegen das L-Ladenschlussgesetz. Dass so etwas auch über lange Zeiträume passiert, führt nicht dazu, dass dies erlaubt ist.
So ähnlich hat Oliver Lemke vor einigen Wochen auch auf der Podiumsdiskussion argumentiert. Man dürfe in Deutschland alles ins Bier werfen, es sei alles erlaubt. Was offensichtlich stimmt, ist dass im Moment keiner deshalb belangt wird (Bayern mal ausgenommen). Ich meine, mal mit einem Brauer gesprochen zu haben, der vor einer gerichtlichen Klärung zurückschreckte, weil die das Gegenteil bewirken könnte. Nach dem Motto: Lieber keine schlafenden Hunde wecken. Das Gericht könnte ja zu dem Ergebnis kommen: ja, das RHG gilt und wir müssen jetzt dutzende Brauer abmahnen und "Biere" aus dem Verkehr ziehen...
Beitrag von flying » Freitag 22. Januar 2016, 10:10
Mag sein aber ich denke die Gegenseite hat noch mehr Angst davor vor Gericht mit fliegenden Fahnen unterzugehen..? Man beachte nur das Beispiel mit dem glutenfreien Pilsner.
Die wollen auch keine schlafenden Hunde wecken. Die Katze ist nämlich schon lange aus dem Sack!
Beitrag von El Gordo » Freitag 22. Januar 2016, 17:21
Angeregt durch diesen schönen Thread habe ich beschlossen, dass es doch mal wieder Zeit für ein Samba Pale wird:
Allerdings dieses mal mit US 05 und 30 IBU und ordentlich Comet im Whirlpool.
Neu wird auch die Packung Nudeln, die muss da unbedingt mit rein, sonst gelingt es nicht.
Freu mich schon auf die Gesichter der Leute, wenn sie erfahren, was da alles in dem leckeren Bier drin ist
Beitrag von Fe2O3 » Freitag 22. Januar 2016, 17:25
El Gordo hat geschrieben: Neu wird auch die Packung Nudeln, die muss da unbedingt mit rein, sonst gelingt es nicht.
Warum Mie-Nudeln?!
"Weils geht"?
Beitrag von Fossy » Freitag 22. Januar 2016, 17:30
Fe2O3 hat geschrieben:
Würd mich jetzt auch mal interessieren ...
Beitrag von El Gordo » Freitag 22. Januar 2016, 17:34
Weil da keine Eier drin sind.
Beitrag von Johnny H » Freitag 22. Januar 2016, 17:35
Ich habe mal bei Rogue Ales in deren Pub in Portland, OR, ein Soba-Bier (jap. Buchweizennudeln) getrunken. Der Geschmack war, wie soll ich sagen, gewöhnungsbedürftig... aber warum nicht?
Beitrag von ggansde » Freitag 22. Januar 2016, 17:37
ich würde diesen asiatischen Nudeln bzgl. RHG nicht trauen. Nimm doch lieber Cecco Spaghetti, da ist auch kein Ei drin.
Beitrag von cyme » Freitag 22. Januar 2016, 17:37
Wenn ich das nächste Mal ein Samba Pale Ale braue, will ich die Multiflocken statt Haferflocken nehmen. Damit wirklich alles an Getreide drin ist, was reingeht.
Beitrag von cyrano330 » Freitag 22. Januar 2016, 17:45
Naja. Im RHG - was wie ich meine nicht die schlechteste Erfindung ist - steht ja auch nur drin, dass es nur "Bier" heißen darf, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Ein Ale wird eben immer ein Ale bleiben und eben kein Bier. Ich versteh die Aufregung nicht. Soll doch jeder draufschreiben was er will.
Beitrag von gulp » Freitag 22. Januar 2016, 17:55
cyrano330 hat geschrieben: Naja. Im RHG - was wie ich meine nicht die schlechteste Erfindung ist - steht ja auch nur drin, dass es nur "Bier" heißen darf, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Ein Ale wird eben immer ein Ale bleiben und eben kein Bier. Ich versteh die Aufregung nicht. Soll doch jeder draufschreiben was er will.
Im Original Märchengebot von 1516 sind sie da noch großzügiger. Da ist auch Bier was nicht nach dem Reinheitsgebot hergestellt ist:
>>>Ganz besonders wollen wir, daß forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Faß Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden.<<<<<<<
Beitrag von El Gordo » Freitag 22. Januar 2016, 17:56
Da bringst Du mich aber auf eine Idee. Erst durch eine untergärige Hefe wäre das Samba Bier perfekt!
Beitrag von cyme » Freitag 22. Januar 2016, 18:21
Nicht die WY 2112/WLP 810. Das Samba Pale Ale, das ich damit gemacht habe, steht heute noch im Keller. Wird zum Kochen verwendet, zum trinken war es immer etwas, hm, unrund.
Beitrag von El Gordo » Freitag 22. Januar 2016, 18:32
Ja ich weiss. Untergärig kommt das nicht so gut. Werd ich auch nicht machen.
So und jetzt zurück zum Thema, worum es immer hier auch gehen mag.
P.S.: RHG Threads sind übrigens wie Stehaufmännchen. Man muss sie nur anstupfen und schon gehen sie wieder ab.
Beitrag von Johnny H » Freitag 22. Januar 2016, 18:35
El Gordo hat geschrieben: Da bringst Du mich aber auf eine Idee. Erst durch eine untergärige Hefe wäre das Samba Bier perfekt!
Ich verstehe nicht, was das Getue soll. Flexible Interpretation der Vorschriften ist hier gefragt. Warum nimmst Du nicht gleich eine Weinhefe? Oder noch besser: eine Sake-Hefe? Passt doch auch viel besser zu den Asia-Nudeln.
Beitrag von Rudiratlos » Freitag 22. Januar 2016, 18:39
Stichwort RHG!
Für alle in und um Niederbayern/Oberpfalz:
Die Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung Medien-Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Brauerbund heute ein 60-seitiges DIN-A4-Sonderheft "500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot" in die Tageszeitung gelegt. Viel Werbung und viel glorifizierendes Reinheitsgebot-blabla, aber auch bisschen was interessantes.
Beitrag von cyme » Freitag 22. Januar 2016, 19:46
El Gordo hat geschrieben: Ja ich weiss. Untergärig kommt das nicht so gut. Werd ich auch nicht machen.
Och, der Mexican Lager Stamm könnte nicht schlecht sein. Oder einen Cream Ale Blend, nicht Fisch, nicht Fleisch.
Beitrag von Rob5 » Freitag 22. Januar 2016, 20:26
Das ist auch noch immer so und war seit der Kodifizierung nie anders. Weder das VorlBierG noch die BierV noch deren Vorgänger definier(t)en, was Bier ist. Siehe Posting #183.
Die BierV regelt den Schutz der verkehrsüblichen Bezeichnung Bier, und zwar so, dass nur eine Teilmenge der Biere unter der verkehrsüblichen Bezeichnung Bier verkehrsfähig ist. Das ändert aber nichts daran, dass jene Biere, denen die Verwendung der verkehrsüblichen Bezeichnung versagt wird, weiterhin Biere sind. Klingt verrückt, ist aber so. Wie Ladeberger aber schon schrieb (s. verlinktes Posting) stellt sich dieses Problem für in Deutschland hergestellte Biere eigentlich nicht, weil formal schon die Herstellung unrechtmäßig ist. Dieser verkehrsrechtliche Bezeichnungsschutz kam vor rund 100 Jahren zu einem ganz anderen Zweck ins Gesetz: Getränke, bei denen die Herstellung aufgrund der Bereitungsvorschrift (heute) § 9 VorlBierG nicht untersagt ist (weil es kein unter Verwendung von Hefe gegorenes Getränk ist, welches im Wesentlichen aus Wasser, Hopfen und Malz oder pflanzlichen Malzersatzstoffen hergestellt wird und welches nach Aussehen, Geruch und Geschmack von der Verkehrsanschauung nicht als Bier angesehen wird), sollte die Bezeichnung Bier verwehrt werden (z.B. Ingwerbier). Heute ist die Regelung aufgrund der LMIV eigentlich redundant. Das war auch schon unter der LMKV i.V.m. § 11 LFGB a.F. so. Denn Lebensmittel unter irreführender Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung in den Verkehr zu bringen, ist verboten.
Dass der Schutz der Bezeichnung 50 Jahre später eine ganz andere Funktion bekam, nämlich im Ausland rechtmäßig hergestellten Bieren, die auch nach der inländischen Verkehrsauffassung stets Biere waren, dennoch die (damals) Verkehrsbezeichnung "Bier" in Deutschland zu versagen und diese damit vom Markt fernzuhalten, war nicht die ursprüngliche Intention (aber natürlich ein angenehmer Nebeneffekt, den man versuchte zu verteidigen).
Jetzt geht der Wahnsinn also richtig los: Bier-Lok für Bayern: 500 Jahre bayerisches Reinheitsgebot.
Beitrag von cyrano330 » Freitag 22. Januar 2016, 20:55
Sterben Menschen? Nicht? Dann ist's gut.
Egal ob irgendwelche Sachen drin sind die nach RHG nicht rein sollen.
Ich braue ausschließlich und nur nach RHG und nur BIO. Kann sein das ich gesteinigt werde - aber vermissen tue ich deshalb nix.
Dieser ganze RHG-Blödsinn zielt doch nur auf die Definition von Bier ab. Was ist es eigentlich, dass die Gegner des RHG so auf die Palme bringt? Das sie das - vermutlich wohlschmeckende Getränk aus eigener Produktion - nicht Bier nennen dürfen?
Also mir wärs egal.... Auch wenn es nicht mein Geschmack wäre...
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Beitrag von Tibor » Freitag 22. Januar 2016, 23:56
cyrano330 hat geschrieben: Sterben Menschen? Nicht? Dann ist's gut.
Besser bang jeloofe als kühn jefalle.
Beitrag von afri » Samstag 23. Januar 2016, 00:08
cyrano330 hat geschrieben: Kann sein das ich gesteinigt werde
Wohl kaum. Ich schätze, eine nicht geringe Anzahl der hier anwesenden HB hat bereits Experimente weg vom RHG gemacht (ich auch) und ist froh, das ohne rechtliche Konsequenzen tun zu dürfen. Beim Hobbybräu stellt sich in aller Regel die Frage gar nicht erst.
Schön dass man die Wahl hat. Meine Biere sind in aller Regel aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser (außerdem mit Speise statt Zucker carbonisiert). Von Zeit zu Zeit teste ich mal andere Dinge wie Holunderblüten, Waldmeister, Zitrusfruchtschalen, Hanf- oder Lemongrastee und das schmeckt dann oder es tut es nicht, aber ich kann und darf das. Das finde ich richtig gut. Und ob ich das Gebräu nun Harald oder Bier nenne, juckt auch keinen. Es lebe die Freiheit des Hobbybrauers.
Beitrag von Gasflasche » Samstag 23. Januar 2016, 00:34
Persönlich habe ich nichts gegen dem RHG an sich. Im Gegenteil: ich würde es für mich mal als eine Herausforderung sehen, es absolut und strickt (also keine Weichmacherei mit "nur die eine Ausnahme" ) anzuwenden und danach zu brauen. Das Maximum aus dem Minimum holen sozusagen.
Aber, ich würde es (im kommerziellen Rahmen!!) lieber als eine Möglichkeit und nicht als eine Verpflichtung sehen. Genau wie du Bio-Bier braust, was ein schönes Extra ist oder sein kann, was aber nicht sein muss. So könnte es auch das RHG-Bier geben, als Klasse für sich die kann, aber nicht muss.
Jetzt kommt mir die ganze Sache eher als eine in der Öffentlichkeit (!!) für Marketing misbrauchte und rundum verlogene Sache vor. Ich würde beinahe sogar das Wort "Verrat" in den Mund nehmen. Ich rede jetzt aber nicht über Hobbybrauer oder "der Konsument". Aber von den Interessenparteien die das RHG erst mal zu ihren Gunsten "anpassen" und danach noch meinen, RHG muss sein, totschweigend, dass dieses RHG aber das alte RHG nicht mehr ist. Es werden mindestens über Desinformation Hürden für Neu-Brauer gelegt die eigentlich keine sind, aber trotzdem so empfunden werden und bestimmt schon einige Menschen davon abgebracht haben, ihr Bier auf den Markt zu bringen. Wenn ich nicht so verdammt störrisch wäre, ich hätte mir die Idee nicht mal in den Kopf kommen lassen, überhaupt mal davon zu träumen..
Ich sehe das ganze als Absicht, Protektionismus. "Wir unter uns und das soll so bleiben."
Es gibt aber m.E. genug Beispiele in der Welt, dass man die Zeit zwar vielleicht eine Weile ein bisschen bremsen kann, aber nicht aufhalten.
In dem Sinn wäre es m.E. eigentlich eher gerade im Interesse der Verfechter dieses RHGs, ausgerechnet das RHG als Zwang zu kippen: das Alleinstellungsmerkmal wäre plötzlich wieder eine richtige Unterscheidung. Wenn ihr Produkt nämlich so gut & heilig ist, wovor sollten sie dann Angst haben?
Aber gut, das ist alles nur meine persönliche Meinung & Gefühl, ich will Niemanden ins Visier nehmen Gott sei Dank, dürfen wir Hobbybrauer noch ziemlich tun was wir wollen.. Und komischerweise, scheinen auch die RHG-Konsumenten nicht von dem unreinen "Zeugs" abgeneigt
Beitrag von herbie01 » Samstag 23. Januar 2016, 09:10
Erstmal müssen wir natürlich unterscheiden: die RHG-Debatte interessiert uns hier
- nicht als Produzenten, denn wir sind Hobbybrauer (mit Ausnahmen)
- sondern als Konsumenten.
cyrano330 hat geschrieben: Dieser ganze RHG-Blödsinn zielt doch nur auf die Definition von Bier ab.
Dann stimmt, wie mehrfach beschrieben, nicht. Lies Dir nochmal den Camba Milk Stout Fall durch.
cyrano330 hat geschrieben: Was ist es eigentlich, dass die Gegner des RHG so auf die Palme bringt? Das sie das - vermutlich wohlschmeckende Getränk aus eigener Produktion - nicht Bier nennen dürfen?
Nein, dass ist nicht der Punkt (s.o.). Oder nur ein Nebenpunkt. Ärgerlich ist:
1. dass irgendwer völlig plan- und ziellos definiert hat, was rein darf und was nicht. Entbehrt jeglichem, gar historischen, Zusammenhangs.
2. dass PVPP und anderer Mist im Bier erlaubt ist, aber Bio-Honig nicht
3. dass dem Konsumenten vorgegaukelt wird, nur Hopfen und Malz seien im Bier, aber gleichzeitig jede Menge Müll reingekippt werden darf
4. dass gleichzeitig Leuten, die tatsächlich nur mit Hopfen und Malz brauen wollen und dazu vielleicht noch mit Koriander und Orangenschalen, dies unter Verweis auf das RHG verboten wird.
5. dass der Konsument so weit verblödet wurde, dass er denkt, wenn nicht RHG draufsteht, dann ist das sofort Chemieplörre (obwohl eher das Gegenteil der Fall ist)
6. dass die Weißbierbrauer (deren Produkt nach 1516 nicht erlaubt wäre), ihren Bruch des RHG mit "edlere Zutat Weizen" rechtfertigen
7. und damit durchkommen
8. dass ständig irgendein Schlaumeier kommt und meint: "dann hol Dir doch ne Ausnahmegenehmigung", oder "mach einfach, das wird nicht geahndet" bis hin zu "ist doch heute eh alles erlaubt, sieht man daran, dass alle das machen". Warum das RHG um alles in der Welt schützen, wenn doch 1. und 2. und 3. und 5. dagegen sprechen?
9. dass es noch Leute gibt, die glauben dass man mit 3 Zutaten mehr Vielfalt erreichen könne als mit 10 Zutaten
10. dass man sich ständig rechtfertigen muss
Ich glaube, dass der Brauerbund o.ä. schon ein wenig zittert wegen des Jubiläums. Die wollen noch ihre Party abhalten und hoffen, dass vorher keiner mehr ein allzugroßes Fass aufmacht (schon gar keins, wo unerlaubte Zutaten drin sind). Wenn die Feierlichkeiten mal durch sind, wird die Diskussion auch öffentlich noch an Fahrt aufnehmen und es wird sich was tun (müssen). WAS das sein kann, ist eine andere Frage. Man könnte
A. das RHG einfach abschaffen (ich glaube, das wollen die wenigsten)
B. das RHG von 1516 in seiner eigentlichen Form re-definieren. Damit darf wirklich nichts mehr in's Bier ausser Hopfen, Gerste und Wasser. Da das doch SEHR eng ist, kann man die Liste sinnvoll erweitern. Sinnvoll könnte z.b. Weizen und anderes Getreide, natürliche Zutaten wie Honig und Gewürze, etc. sein. Nicht sinnvoll sind z.B. die industriellen Hilfsmittel, die heutzutage erlaubt sind. Alles was extra reinkommt, muss klar gelistet werden. Auch PVPP oder so Zeug, was angeblich wieder rausgefiltert wird.
D. oder wer nicht nach dem "echten" RHG brauen möchte, schreibt halt nicht RHG drauf und kann es trotzdem verkaufen. Wenn er einen Käufer findet. Auch hier sollten alle Zutaten genannt werden müssen.
Beitrag von grüner Drache » Samstag 23. Januar 2016, 09:45
Gasflasche hat geschrieben:
Im letzten Satz des von mir zitierten Vorredners kommt deutlich heraus, warum das RHG durch seine für jedermann verständliche Eingrenzung von den bekannten Zutaten " Wasser, Malz,Hopfen und Hefe" wichtige Vorbedingungen an das Produkt Bier stellt.
Die so hergestellten Biere kann man mit anderen Bieren gut vergleichen. Oft, und ich glaube auch im zitierten br - Beitrag des Anfangsthread, wird Bier in der letzten Zeit in der Bewertung von "Geschmacksexperten" mit Wein verglichen.
Schaut,bzw. hört, man sich solche Verkostungsberichte bei der Arbeit an, so klingt deren Vokabular ja auch recht ähnlich (Wein/Bier). Sagt solch ein Somelier "... ein Hauch von schwarzen Beeren" - soll dann der Brauer sagen: " Kein Wunder, sind ja auch welche drin!" ?!
Also, man muss ja auch bei einer Basis bleiben, will man diese schöne Entwicklung, die das Bier gerade macht, nicht durch allzu viele verschiedene Stilblüten zerfahren !
Es gilt ja eben auch den eingefleischten Fernsehpilstrinker dort abzuholen, wo er sich mit seiner Kenntnis übers Bier gerade befindet. Und der Mythos Bier sagt eigentlich jedem irgendetwas, auch wenn es eben eine Geschichte voller Missverständnisse ist, es gibt zur Zeit jedem die Gewissheit von einer " irgendwie gearteten" Kontrolle, so dass eben nicht nur der Preis die Art und Weise bestimmt, wie das Produkt gemacht wird. Es gibt eben auch eine Einschränkung - die bei hervorstechenden Produkten doch auch einen höheren Preis rechtfertigt.
Auch hierzu bietet der zitierte Artikel des br ein gutes Beispiel :
Die Crew-Republik!
Ich habe auf ner Craft-beer-Messe in Bochum im Herbst das erste mal en Ale von denen probiert, zusammen mit Bekannten. Sofort vielen die Fruchtaromen nach "Maracuja" oder so auf, und ein Kumpel meinte: " Das kann doch unmöglich nach dem Reinheitsgebot gebraten sein!"
Doch - ist es eben doch! - und das ist auch gut so !
Beitrag von Jm010265 » Samstag 23. Januar 2016, 11:26
Jetzt klinke ich mich nochmal ein.
http://www.brunnenbraeu.de/Bilder/Reinheitsgebot18.pdf
Der Autor?:
http://www.hausgebraut.de/index.php?pag ... es_133&p=2
wenn er es ist, ist er der Leiter Berufsschule Karlstadt der Abteilung für Brauer.
MfG Jm010265
Beitrag von Gasflasche » Samstag 23. Januar 2016, 15:38
Alt-Phex hat geschrieben: Mal ne andere blöde Frage.
Bei obergärigen Bier ist der Zusatz von Zucker ja erlaubt, müsste man das aufs Etikett
schreiben oder nicht ? - Bei kommerziellem Bier natürlich.
In Artikel 2, Absatz 2 f) der Lebensmittelinformationsverordnung steht folgendes:
„Zutat“ jeden Stoff und jedes Erzeugnis, einschließlich Aromen, Lebensmittelzusatzstoffen und Lebensmittelenzymen, sowie jeden Bestandteil einer zusammengesetzten Zutat,der bei der Herstellung oder Zubereitung eines Lebensmittels verwendet wird und der — gegebenenfalls in veränderter Form — im Enderzeugnis vorhanden bleibt; Rückstände gelten nicht als „Zutaten“
Wenn wir es genau nehmen, ist der Zucker noch vorhanden in Form von Alkohol & CO2, also in veränderter Form. Ich würde es dann eventuell so verstehen, dass der Zusatz von Zucker dann wohl doch auf dem Etikett stehen müsste.. In wie weit es (noch) Ausnahmen für Bier gibt, weiß ich aber nicht genau, halte ich aber für möglich.
Auf der anderen Seite könnte man auch meinen, es bleiben nur Rückstände von Zucker (so wie Zucker ist) zurück, also müsste es doch nicht drauf..
Beitrag von Hagen » Samstag 23. Januar 2016, 16:10
Jm010265 hat geschrieben: Jetzt klinke ich mich nochmal ein.
Ist Markus Metzer aus Karlstadt, 1. Vorstand des VHD
Beitrag von Jm010265 » Samstag 23. Januar 2016, 17:26
Ich lese das so ,das Zucker aus Rübenzucker zu Extraktgewinnung rein darf.
Ich war gerade bei "meinem" Braumeister.
Naja er war ein wenig geschockt.
Er trifft Herrn Metzger in ca .4 Wochen-er will das mal mit Ihm bequatschen.
Gruß Jm010265
Beitrag von Gasflasche » Donnerstag 28. Januar 2016, 16:54
flying hat geschrieben: Wieso denn? Warum sollte es schwieriger sein den Nachguss mit Sauerwürze einzustellen als mit Milchsäure?
So mal aus Neugier: wie würdest du mit Sauermalz dein Nachgusswasser genau ansäuern?
Beitrag von El Gordo » Donnerstag 28. Januar 2016, 17:36
Ich glaube er meint Sauergut. Das ist flüssig.
Beitrag von Gasflasche » Donnerstag 28. Januar 2016, 18:18
Bis jetzt ist Sauergut herzustellen für mich noch einen Traum
Einzige Alternative für Milchsäure die ich jetzt habe, wäre ein bisschen Sauermalz "extra" zu maischen und im Nachgusswasser zu kippen.. Aber irgendwie, kommt's mir als viel Aufwand vor
Beitrag von flying » Donnerstag 28. Januar 2016, 18:32
Kauf halt eine Flasche Kindl Berliner Weisse und stell damit den pH-Wert ein.

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