Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=19.09.2013&Aktenzeichen=A%2011%20S%20689/13
Timestamp: 2019-12-10 00:12:38+00:00

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VGH Baden-Württemberg, 19.09.2013 - A 11 S 689/13 - dejure.org
https://dejure.org/2013,32927
VGH Baden-Württemberg, 19.09.2013 - A 11 S 689/13 (https://dejure.org/2013,32927)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 19.09.2013 - A 11 S 689/13 (https://dejure.org/2013,32927)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 19. September 2013 - A 11 S 689/13 (https://dejure.org/2013,32927)
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§ 60 Abs 1 AufenthG 2004, Art 9 Abs 1 EGRL 83/2004, Art 9 Abs 1 EURL 95/2011
Verfolgung eines aus Kabul stammenden Hindu bei der Ausübung seiner Religion im Sinne des Art. 9 Abs. 1 i.V.m Art. 10 Abs. 1 Buchst. b) der Qualifikationsrichtlinie; Gruppenverfolgung von Hindus in Afghanistan
AufenthG § 60 Abs. 1, GR-Charta Art. 10 Abs. 1, RL 2004/83/EG Art. 9 Abs. 1
Afghanistan, Hindu, Religionszugehörigkeit, religiöse Verfolgung, Verletzung der Religionsfreiheit, Religionsfreiheit, Sikhs
Afghanistan Hindus, Sikhs/Gruppenverfolgung
ESVGH 64, 122
a.A. für das Jahr 2006/2007: VG Wiesbaden, Urteil vom 17. Februar 2006 - 7 E 559/05.A(1) - VG Minden, Urteil vom 8. Juni 2006 - 9 K 1891/06.A - VG München, Urteil vom 30. Januar 2007 - M 23 K 06.50875 -(mangels Zentralgewalt); VG Leipzig, Urteil vom 21. März 2007 - 1 A 30746/03.A - für 2008: SächsOVG Urteil vom 26. August 2008 - A 1 B 499/07 - VG Gelsenkirchen, Urteil vom 21. Februar 2013 - 5a K 3406/12.A -, juris; für 2009: HessVGH, Urteil vom 2. April 2009 - 8 A 1132/07.A - VG Bremen, Urteil vom 10. Dezember 2009 - 2 K 2140/05.A - VG Cottbus, Urteil vom 18. August 2009 - 7 K 268/09.A - für 2010: VG Stuttgart, Urteil vom 29. Januar 2013 - A 6 K 4443/12 -, (aufgehoben durch VGH Baden Württemberg, Urteil vom 19. September 2013, a.a.O.); jeweils zitiert nach juris.
Wie auch der VGH Baden Württemberg, vgl. Urteil vom 19. September 2013 - A 11 S 689/13 -, juris, geht das Gericht zunächst davon aus, dass eine religiöse Betätigung des hinduistischen Glaubens in Kabul erfolgen kann, ohne dass daran Verfolgungshandlungen i.S.d. § 3a AsylVfG geknüpft sind.
vgl. Bundesamt, Lage der Religionsgemeinschaften in ausgewählten islamischen Ländern, August 2011 - Abschnitt Afghanistan - S. 13 f.; International Organization for Migration - IOM -, Auskunft vom 20. September 2011 an das Bundesamt, Ziff. V.; Auswärtiges Amt, Lagebericht Februar 2014, S. 11; im Einzelnen und mit vielen weiteren Nachweisen VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. September 2013, a.a.O., Rn. 52 ff., m.w.N.
vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. September 2013, a.a.O., Rn. 58, 59, m.w.N.
vgl. dazu OVG NRW, Beschlüsse vom 04. Februar 2013 - 13 A 1303/12.A - , und vom 04. März 2013 - 13 A 446/13.A -, juris; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. September 2013, a.a.O..
vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. September 2013, a.a.O.; a.A. VG Gelsenkirchen, Urteil vom 21. Februar 2013 - 5a K 3406/12.A -, juris.
Nach Auswertung der Erkenntnisquellen schließt sich das Gericht abschließend der Auffassung des VGH Baden-Württemberg, vgl. Urteil vom 19. September 2013, a.a.O., an, dass die Situation für Hindus und Sikhs, Ausfluss der allgemeinen Situation in Afghanistan ist, die beschriebenen allgemeinen Missständen allerdings nicht Ergebnis eines gezielten Vorgehens gegen diese Minderheit ist.
vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. September 2013, a.a.O..
vgl. auch VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. September 2013, a.a.O..
Ist der Asylsuchende unverfolgt ausgereist, liegt eine Verfolgungsgefahr und damit eine begründete Furcht vor Verfolgung vor, wenn ihm bei verständiger Würdigung der gesamten Umstände seines Falles mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Verfolgung droht, so dass ihm nicht zuzumuten ist, im Heimatstaat zu bleiben oder dorthin zurückzukehren (vgl. VGH BW, Urteil vom 19.09.2013 - A 11 S 689/13 - juris Rn. 16 ff.).
Demnach ist es als Eingriff in die Religionsfreiheit zu prüfen, wenn auf die Entschließungsfreiheit des Schutzsuchenden, seine Religion in einer bestimmten Weise zu praktizieren, durch die Bedrohung mit Gefahren für Leib, Leben oder Freiheit eingewirkt wird (VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, juris, m.w.N.).
Vorauszusetzen ist damit gem. Art. 9 Abs. 1 Buchst. a) QRL, dass die Eingriffshandlungen einer Verletzung der grundlegenden Menschenrechte gleichkommen, von denen gemäß Art. 15 Abs. 2 EMRK in keinem Fall abgewichen werden darf (VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, juris).
Ein hinreichend schwerer Eingriff in die Religionsfreiheit gemäß Art. 9 Abs. 1 QRL setzt nicht voraus, dass der Ausländer seinen Glauben nach Rückkehr in sein Herkunftsland tatsächlich in einer Weise ausübt, die ihn der Gefahr der Verfolgung aussetzt; vielmehr kann bereits der unter dem Druck der Verfolgungsgefahr erzwungene Verzicht auf die Glaubensbetätigung die Qualität einer Verfolgung erreichen (VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, juris, m.w.N.).
Wann der flüchtlingsrechtlich zu fordernde Grad an Schwere erreicht ist, hängt von dem durch objektive Aspekte - wie der Bedeutung der gefährdeten Rechtsgüter - und subjektive Gesichtspunkte - etwa der Unverzichtbarkeit der Ausübung seiner Religion in der Öffentlichkeit - gezeichneten Gesamtbilds im Einzelfall ab (vgl. VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, juris).
Maßgeblich ist dabei, wie der einzelne Gläubige seinen Glauben lebt und ob die verfolgungsträchtige Glaubensbetätigung für ihn persönlich nach seinem Glaubensverständnis unverzichtbar ist; dabei reicht es nicht aus, dass der Ausländer eine enge Verbundenheit mit seinem Glauben hat, wenn er diesen - jedenfalls im Aufnahmestaat - nicht in einer Weise lebt, die ihn im Herkunftsstaat der Gefahr der Verfolgung aussetzen würde (VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, juris).
Die Furcht vor Verfolgung ist begründet, wenn dem Ausländer die vorgenannten Gefahren aufgrund der in seinem Herkunftsland gegebenen Umstände in Anbetracht seiner individuellen Lage tatsächlich, d.h. mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit drohen (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, Juris).
Das Gewicht der Diskriminierung gegenüber den Hindus und Sikhs in Afghanistan kommt auch darin zum Ausdruck, dass sich ihre Anzahl im Jahre 2013 nach Feststellung obergerichtlicher Rechtsprechung auf insgesamt rund 3000 reduziert hat, vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. September 2013 - A 11 S 689/13 -, juris Rn. 73 f.; vgl. auch Seite 5 des angefochtenen Bescheides vom 5. September 2013.
vgl. insoweit auch: OVG NRW, Beschluss vom 4. März 2013 - 13 A 446/13 -, juris Rn. 12; eine Gruppenverfolgung der Hindus in Afghanistan verneinend: VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. September 2013 - A 11 S 689/13 -, juris (2. Leitsatz).
Ergänzend ist auszuführen, dass diese Auffassung durch den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Urteil vom 19. September 2013 mit überzeugenden Ausführungen bestätigt wurde (VGH Baden-Württemberg, U.v. 19.9.2013 - A 11 S 689/13 - juris Rn. 65 ff.).
So ist etwa das Problem der illegalen Landnahmen und die mangelnde Durchsetzbarkeit von Rückgabeansprüchen kein spezifisches gegen Hindus gerichtetes Phänomen, sondern auch andere Bevölkerungsgruppen sind hiervon betroffen (vgl. VGH BW, U.v. 19.9.2013 - A 11 S 689/13 - juris Rn. 89).
Dabei ist die Furcht vor Verfolgung begründet, wenn dem Ausländer die vorgenannten Gefahren aufgrund der in seinem Herkunftsland gegebenen Umstände in Anbetracht seiner individuellen Lage tatsächlich, d. h. mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit drohen (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, juris).
vgl. Hessischer VGH, Urteil vom 4.9.2014 - 8 A 2434/11.A -, juris, Rn. 15; OVG NRW, Urteil vom 14.2.2014 - 1 A 1139/13.A -, juris, Rn. 35; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.9.2013 - A 11 S 689/13 -, juris, Rn. 24; zu Art. 16 a GG: BVerwG, Beschlüsse vom 26.10.1989 - 9 B 405.89 -, juris, Rn. 8 und vom 3.8.1990 - 9 B 45.90 -, juris, Rn. 2.
VG Göttingen, 16.10.2014 - 4 A 108/13
Afghanistan, Sikhs, Tempel, Ältestenrat, Kabul, Abschiebungsverbot, …

References: § 60
 Art. 9
 Art. 10
 § 60
 Art. 10
 Art. 9
 § 3
 Art. 9
 Art. 15
 Art. 9
 Art. 16