Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsrat_hat_Anspruch_auf_Fachzeitschrift_Abonnement_Arbeitsrecht_im_Betrieb_LAG_Ba-Wue_4TaBV3-13.html
Timestamp: 2017-01-20 20:01:46+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 4 TaBV 3/13
Auch wenn al­len Be­triebs­rats­mit­glie­dern vom Ar­beit­ge­ber ein In­ter­net­zu­gang oh­ne Zeit- und Da­ten­men­gen­be­schränkung ein­geräumt wird, kann für den Be­triebs­rat da­ne­ben der Be­zug ei­ner Fach­zeit­schrift er­for­der­lich sein.
Arbeitsgericht Stuttgart, Beschluss vom 27.02.2013, 19 BV 189/1Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 19.03.2014, 7 ABN 91/13
19 BV 189/12 (ArbG Stutt­gart)
Verkündet am: 25.09.2013
...Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­bergIm Na­men des Vol­kes Be­schluss
1. Be­triebs­rat - An­trag­stel­ler -
Verf.-Bev.:Rechts­anwälte ...
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 4. Kam­mer - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt S., den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter G. und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter K. auf die Anhörung der Be­tei­lig­ten am 25.09.2013 für Recht er­kannt:
1. Die Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 27.02.2013 (19 BV 189/12) wird zurück­ge­wie­sen.
2. Die An­schluss­be­schwer­de des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 27.02.2013 (19 BV 189/12) wird eben­falls zurück­ge­wie­sen.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten sich darüber, ob die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 ver­pflich­tet ist, dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ne­ben dem frei­en Zu­gang zum In­ter­net auch noch die Zeit­schrif­ten „Ar­beits­recht im Be­trieb“ (AiB) und „Ar­beit und Recht“ (AuR) aus dem BUND-Ver­lag als In­for­ma­ti­ons­mit­tel für sei­ne Tätig­keit zur Verfügung zu stel­len.
Die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 ist ein Un­ter­neh­men des I-Kon­zerns. Sie beschäftig­te bis­lang ca. 1.000 Ar­beit­neh­mer in meh­re­ren Be­trie­ben an meh­re­ren Stand­or­ten. Im Be­trieb H beschäftig­te sie ca. 235 Ar­beit­neh­mer. Mit Wir­kung zum 01.07.2013 wur­de die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 kom­plett um­struk­tu­riert. Meh­re­re Un­ter­neh­mens­be­rei­che wur­den aus­ge­glie­dert und auf an­de­re Un­ter­neh­men des I-Kon­zerns über­tra­gen. In­zwi­schen beschäftigt die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 ins­ge­samt nur noch ca. 130 Ar­beit­neh­mer, da­von 90 am Stand­ort H. Die ver­blie­be­nen Stand­or­te bil­den nun nur noch ei­nen Be­trieb.
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 ist der für den Be­trieb H ge­bil­de­te neunköpfi­ge Be­triebs­rat, der der­zeit noch im Rah­men des Über­g­angs­man­dats gemäß § 21a Be­trVG tätig ist. Die Neu­wahl des Be­triebs­rats fin­det am 06.11.2013 statt.
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 fass­te am 30.03.2012 den Be­schluss, dass die Fach­zeit­schrif­ten AiB und AuR be­zo­gen wer­den sol­len als In­for­ma­ti­ons­mit­tel durch Jah­res­abon­ne­ments. Dies teil­te er der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 mit E-Mail vom 30.03.2012 mit. Die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 lehn­te es ab, dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 die­se In­for­ma­ti­ons­mit­tel zur Verfügung zu stel­len und die Kos­ten für ein sol­ches Abon­ne­ment zu über­neh­men.
Das Jah­res­abon­ne­ment für die AiB würde 135,60 € und das Jah­res­abon­ne­ment für die AuR würde 148,80 € kos­ten.
Die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 stellt dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 fol­gen­de Li­te­ra­tur zur Verfügung:
Ar­beits­ge­set­ze, Samm­lung Beck-Tex­te im dtv
Fit­ting/En­gels/Schmidt/Tre­bin­ger: Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz mit Wahl­ord­nung - Hand­kom­men­tar, 25. Aufl. 2010
Däubler/Kitt­ner/Kle­be/Wed­de: Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Kom­men­tar für die Pra­xis mit Wahl­ord­nung und EBR-Ge­setz, 12. Aufl. 2010
Schoof: Be­triebs­rats­pra­xis von A-Z. Das Handwörter­buch für die be­trieb­li­che In­ter­es­sen­ver­tre­tung mit Ar­beits­hil­fen auf CD-ROM, 9. Aufl. 2010
Ar­beits­zeit­ge­setz - Ba­sis­kom­men­tar mit Ne­ben­ge­set­zen und La­den­schluss, Bund-Ver­lag
Be­trVG di­gi­tal 7.0 - Kom­men­tar für die Pra­xis, BUND-Ver­lag
CD-ROM „Pra­xis­ge­rech­te Lösun­gen - Hil­fen für be­triebs­spe­zi­fi­sche Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen“, Ver­si­on 3.3.1 (2010)
De­bitz/Gru­ber/Rich­ter/Wid­mann: Psy­chi­sche Fak­to­ren in der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, 6. Aufl. 2012
Außer­dem hat je­des Be­triebs­rats­mit­glied ei­nen In­ter­net­zu­gang oh­ne Zeit- und Da­ten­men­gen­be­schränkung.
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 ging da­von aus, dass die bei­den Zeit­schrif­ten für sei­ne Tätig­keit er­for­der­lich sei­en. Er müsse sich - ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 - nicht auf die In­for­ma­ti­onsmöglich­kei­ten im In­ter­net ver­wei­sen las­sen. Die­ses bie­tet zwar ei­ne Flut an In­for­ma­tio­nen, die es al­ler­dings er­schwe­re, in an­ge­mes­se­ner Zeit ei­ne Ant­wort auf die re­cher­chier­ten Fra­gen zu fin­den. Zu­dem sei­en die Be­triebs­rats­mit­glie­der als Nicht­ju­ris­ten nicht in der La­ge, die Qua­lität und Re­le­vanz der im In­ter­net zur Verfügung ge­stell­ten In­for­ma­tio­nen zu be­ur­tei­len. Re­gelmäßig statt­fin­den­de Schu­lungs- und Bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen könn­ten darüber hin­aus die Auf­ga­be, ihn mit dem not­wen­di­gen Wis­sen aus­zu­stat­ten, nicht al­lein erfüllen. Ne­ben dem Be­zug der Zeit­schrift AiB sei auch der Be­zug der Zeit­schrift AuR er­for­der­lich, da es sich bei dem Un­ter­neh­men der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 um ein sol­ches mit eu­ropäischem Be­zug han­de­le und der Be­triebs­rat sich da­her auch mit eu­ro­pa­recht­li­chen Fra­gen­stel­lun­gen kon­fron­tiert se­he. Aus die­sem Grund benöti­ge er ne­ben der Zeit­schrift AiB auch die Zeit­schrift AuR, die über den ak­tu­el­len Stand re­le­van­ter ju­ris­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen im Ar­beits­recht, im Ver­fas­sungs- und Eu­ro­pa­recht so­wie über Fra­gen der Gleich­be­rech­ti­gung im Ar­beits­le­ben in­for­mie­re.
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 be­an­trag­te:
1. Der An­trags­geg­ner wird ver­pflich­tet, dem An­trag­stel­ler die Zeit­schrift „Ar­beits­recht im Be­trieb“ aus dem BUND Ver­lag als Abon­ne­ment zur Verfügung zu stel­len.
2. Der An­trags­geg­ner wird ver­pflich­tet, dem An­trag­stel­ler die Zeit­schrift „Ar­beit und Recht“ aus dem BUND Ver­lag zur Verfügung zu stel­len.
Die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 be­an­trag­te:
Die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 ging da­von aus, dass der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 kei­nen Zeit­schrif­ten­be­zug benöti­ge, um sich hin­sicht­lich der ar­beits­recht­li­chen Recht­spre­chung und Ge­setz­ge­bung auf dem Lau­fen­den zu hal­ten. Die von ihm benötig­ten In­for­ma­tio­nen sei­en im großen Um­fang so­wohl in ho­her Qua­lität, als auch in ge­eig­ne­ter Auf­be­rei­tung im In­ter­net kos­ten­los verfügbar. Darüber hin­aus verfüge der Be­triebs­rat über zahl­rei­che ar­beits­recht­li­che Kom­men­ta­re und sons­ti­ge ar­beits­recht­li­che Li­te­ra­tur. Zu berück­sich­ti­gen sei auch, dass den Be­triebs­rats­mit­glie­dern in den letz­ten Jah­ren zur An­eig­nung von Fach­wis­sen um­fang­rei­che Schu­lun­gen be­wil­ligt und fi­nan­ziert wor­den sei­en. Sch­ließlich würde es auch dem Grund­satz der „Waf­fen­gleich­heit“ im Verhält­nis zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat wi­der­spre­chen, wenn man die­sem ei­nen An­spruch auf ei­nen Zeit­schrif­ten­be­zug zu­bil­li­gen würde, während die Per­so­nal­ab­tei­lung hier­auf ver­zich­te.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Be­schluss vom 27.02.2013 die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 ver­pflich­tet, dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 die Zeit­schrift AiB als Abon­ne­ment zu Verfügung zu stel­len und im Übri­gen den An­trag des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 auf Zur­verfügung­stel­lung der AuR zurück­ge­wie­sen. Es führ­te zur Be­gründung aus, der An­spruch nach § 40 Abs. 2 Be­trVG ent­fal­le nicht we­gen der Möglich­keit zur kos­ten­lo­sen In­ter­net­re­cher­che. Die Be­triebs­rats­mit­glie­der sei­en als Nicht­ju­ris­ten nicht in der La­ge, aus den im In­ter­net ge­ge­be­nen­falls er­mit­tel­ten Er­geb­nis­sen die „Spreu vom Wei­zen zu tren­nen“. Sie sei­en des­halb auf ei­ne sach­ge­rech­te und ak­tu­el­le Auf­be­rei­tung und Be­hand­lung der Rechts­fra­gen an­ge­wie­sen, so­mit auf ei­ne Zeit­schrift, die den Verständ­nismöglich­kei­ten der Be­triebs­rats­mit­glie­der ge­recht wird. Dies sei die AiB. Aus dem Grund­satz der Waf­fen­gleich­heit fol­ge nicht, dass we­gen des Ver­zichts der Per­so­nal­ab­tei­lung auf Print­me­di­en auch der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 hier­auf ver­zich­ten müsse, zu­mal die Per­so­nal­ab­tei­lung auf die Rechts­ab­tei­lung zurück­grei­fen könne. Die Kos­ten in Höhe von 135,60 € sei­en der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 zu­mut­bar. Für ei­nen Be­zug der AuR be­ste­he da­ge­gen kei­ne Er­for­der­lich­keit, da nicht er­kenn­bar sei, wel­che eu­ro­pa­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen für die kon­kre­te Be­triebs­ratstätig­keit im Be­trieb von Be­deu­tung sein könn­ten.
Die­ser Be­schluss wur­de den Be­tei­lig­ten je­weils am 20.03.2013 zu­ge­stellt. Ge­gen die­sen Be­schluss rich­tet sich die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2, die am 18.04.2013 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ging und in­ner­halb der bis 21.06.2013 verlänger­ten Be­gründungs­frist am 19.06.2013 be­gründet wur­de. Dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 wur­de ei­ne Be­ant­wor­tungs­frist ge­setzt bis 25.07.2013. Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 leg­te am 13.05.2013 ei­ne An­schluss­be­schwer­de ein, die er am 24.07.2013 be­gründe­te.
Die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 meint, das Rechts­schutz­in­ter­es­se des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 für die­ses Ver­fah­ren sei ent­fal­len, da der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 der­zeit nur noch ein Über­g­angs­man­dat ha­be. Im Übri­gen rügt die Be­tei­lig­te Zif­fer 1 ei­ne Ver­let­zung ma­te­ri­el­len Rechts. Sie meint wei­ter­hin, dass an­ge­sichts vielfälti­ger kos­ten­frei­er Möglich­kei­ten der In­ter­net­re­cher­che kei­ne Er­for­der­lich­keit zum Be­zug ei­ner Fach­zeit­schrift be­ste­he. Sie ver­weist bei­spiel­haft auf den News­let­ter „Ar­beits­recht ak­tu­ell“ des In­sti­tuts für Ar­beits­recht und Ar­beits­be­zie­hun­gen in der Eu­ropäischen Uni­on der Uni­ver­sität Trier, auf die Ent­schei­dungs­do­ku­men­ta­tio­nen des Bun­des­ar­beits­ge­richts und ein­zel­ner Lan­des­ar­beits­ge­rich­te, aber auch auf die In­ter­net­an­ge­bo­te des DGB und ge­werk­schafts­na­her Or­ga­ni­sa­tio­nen oder Rechts­anwälte. Mit zu­neh­men­dem di­gi­ta­lem Fort­schritt be­ste­he kei­ne Not­wen­dig­keit mehr zum (zusätz­li­chen) Be­zug kos­ten­pflich­ti­ger Print­me­di­en, zu­mal nicht in ei­nem IT-Un­ter­neh­men wie der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2. Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 könne recht­lich al­len­falls die Wahl ha­ben, ent­we­der ei­nen In­ter­net­zu­gang zu er­hal­ten oder Fach­zeit­schrif­ten zu er­hal­ten; bei­des ne­ben­ein­an­der ste­he ihm nicht zu. Hilfs­wei­se meint sie, dass dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 je­den­falls nicht zwei Zeit­schrif­ten glei­cher Aus­rich­tung zustünden. Sie ver­weist noch­mals auf den Grund­satz der Waf­fen­gleich­heit. Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 ha­be sich am be­triebsübli­chen Aus­stat­tungs­ni­veau zu ori­en­tie­ren. Sie ha­be auch kei­ne ei­ge­ne Rechts­ab­tei­lung, son­dern die Per­so­nal­ab­tei­lung könne nur auf die Kon­zern­rechts­ab­tei­lung zurück­grei­fen.
Die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 be­an­tragt:
Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 27.02.2013, 19 BV 189/12, wird ab­geändert und die Anträge des An­trag­stel­lers wer­den zurück­ge­wie­sen.
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 be­an­tragt,
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 be­an­tragt im Rah­men der An­schluss­be­schwer­de,
den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 27.02.2013 ab­zuändern und die An­trags­geg­ne­rin über Zif­fer 1 des Be­schlus­ses hin­aus zu ver­pflich­ten, dem An­trag­stel­ler auch die Zeit­schrift „Ar­beit und Recht“ aus dem BUND Ver­lag zur Verfügung zu stel­len.
Die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 be­an­tragt,
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 ver­tei­digt den ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss, so­weit er mit die­sem ob­siegt hat, un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens.
In Be­zug auf die Zeit­schrift AuR trägt er vor, dass sich die­se nach dem Selbst­verständ­nis des BUND-Ver­la­ges - an­ders als die AiB - vor­nehm­lich als Fach­zeit­schrift für deut­sches und eu­ropäisches Ar­beits­recht ver­ste­he. Die­se Zeit­schrift ha­be des­halb ei­ne an­de­re Aus­rich­tung als die AiB. Eu­ro­pa­recht­li­che Fra­gen würden zu­neh­mend das deut­sche Ar­beits­recht durch­drin­gen, zum Bei­spiel in Fra­gen der Dis­kri­mi­nie­rung und des Ur­laubs­rechts. Die­se Kennt­nis­se benöti­ge der Be­tei­lig­te Zif­fer 1.
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 stellt klar, dass für den Fall, dass ihm nur ei­ne Zeit­schrift zu­ste­hen soll­te, er primär die AiB be­zie­hen möch­te.Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze samt den da­zu­gehören­den An­la­gen ver­wie­sen.
So­wohl die Be­schwer­de als auch die An­schluss­be­schwer­de sind zulässig. Sie sind aber bei­de un­be­gründet.
Die gemäß § 87 Abs. 1 ArbGG statt­haf­te Be­schwer­de wur­de form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet (§§ 87 Abs. 2, 66 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG iVm. §§ 519, 520 ZPO). Sie ist auch im Übri­gen zulässig.
Die Be­schwer­de ist aber nicht be­gründet.
Der An­trag des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ist ent­ge­gen der An­sicht der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 zulässig. Ihm fehlt es ins­be­son­de­re nicht am Rechts­schutz­bedürf­nis.
Das Rechts­schutz­bedürf­nis kann nicht mit der Be­gründung ver­neint wer­den, dass der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 seit der Un­ter­neh­mens­um­struk­tu­rie­rung ab 01.07.2013 nur noch ein Über­g­angs­man­dat hat gemäß § 21a Be­trVG bis zur Wahl ei­nes neu­en Be­triebs­ra­tes, die am 06.11.2013 statt­fin­den soll. Denn zu Ei­nen be­steht die Amts­zeit des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 der­zeit noch. Selbst wenn aber im Lau­fe ei­nes ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens (auch in der Be­schwer­de­instanz) die Amts­zeit en­den würde, würde die Zuständig­keit auf den neu gewähl­ten Be­triebs­rat über­ge­hen, der dann als Be­tei­lig­ter des Be­schluss­ver­fah­rens einrücken würde (DKKW/Busch­mann Be­trVG 12. Aufl., § 21a Rn. 40). Ei­ne ver­fah­rens­be­en­den­de oder das Rechts­schutz­bedürf­nis aus­sch­ließen­de Dis­kon­ti­nuität be­steht so­mit nicht.
Der An­trag des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ist auch be­gründet.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 zu Recht ver­pflich­tet, dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ein Abon­ne­ment der Zeit­schrift AiB zur Verfügung zu stel­len. Der An­spruch er­gibt sich aus § 40 Abs. 2 Be­trVG.
1. Nach § 40 Abs. 2 Be­trVG hat der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat un­ter an­de­rem für die lau­fen­de Geschäftsführung sach­li­che Mit­tel als auch In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik im er­for­der­li­chen Um­fang zur Verfügung zu stel­len.
Dem Be­triebs­rat ob­liegt die Prüfung, ob ein von ihm ver­lang­tes Sach­mit­tel oder die von ihm ver­lang­te In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik zur Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben er­for­der­lich ist und vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung zu stel­len ist. Die Ent­schei­dung hierüber darf er nicht al­lein an sei­nen sub­jek­ti­ven Bedürf­nis­sen aus­rich­ten. Von ihm wird viel­mehr ver­langt, dass er die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und die sich ihm stel­len­den Auf­ga­ben berück­sich­tigt. Da­bei hat er die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft an ei­ner sach­ge­rech­ten Ausübung des Be­triebs­rats­amts und be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers, auch so­weit sie auf ei­ne Be­gren­zung der Kos­ten­tra­gungs­pflicht ge­rich­tet sind, ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen. Die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats über die Er­for­der­lich­keit des ver­lang­ten Sach­mit­tels un­ter­liegt der ar­beits­ge­richt­li­chen Kon­trol­le. Die­se ist auf die Prüfung be­schränkt, ob das ver­lang­te Sach­mit­tel auf­grund der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on der Er­le­di­gung der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben des Be­triebs­rats dient und der Be­triebs­rat bei sei­ner Ent­schei­dung nicht nur die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft berück­sich­tigt, son­dern auch be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers Rech­nung ge­tra­gen hat. Dient das je­wei­li­ge Sach­mit­tel der Er­le­di­gung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­ga­ben und hält sich die In­ter­es­sen­abwägung des Be­triebs­rats im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­raums, kann das Ge­richt die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats nicht durch sei­ne ei­ge­ne er­set­zen. (BAG 17. Fe­bru­ar 2010 - 7 ABR 54/09 - ju­ris). Es ist so­mit die Er­for­der­lich­keit zwei­stu­fig zu prüfen. Zu­erst ist die Dien­lich­keit des be­gehr­ten sach­li­chen Mit­tels zu prüfen. So­dann ist ei­ne In­ter­es­sen­abwägung vor­zu­neh­men.
2. Bei der Zeit­schrift AiB han­delt es sich zwei­fels­oh­ne um ein sach­li­ches Mit­tel.
3. Der Be­zug der Zeit­schrift AiB ist für die Erfüllung der Be­triebs­ratstätig­keit des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 auch dien­lich.
Ne­ben ar­beits­recht­li­chen Ge­set­zen und den ent­spre­chen­den Kom­men­ta­ren je­den­falls zum Be­trVG, sind nämlich auch Zeit­schrif­ten zur Auf­ga­ben­erfüllung dien­lich, die ge­eig­net sind, dem Be­triebs­rat die für sei­ne Tätig­kei­ten not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen zu ver­mit­teln. Die dem Be­triebs­rat ob­lie­gen­den Auf­ga­ben las­sen sich nämlich sach­ge­recht nur durch lau­fen­de und ak­tu­el­le Un­ter­rich­tung über die mit den Auf­ga­ben und Pro­blem­stel­lun­gen zu­sam­menhängen­den ar­beits- und so­zi­al­recht­li­chen Ent­wick­lun­gen in Recht­spre­chung - 9 -
und Ge­setz­ge­bung so­wie ins­be­son­de­re Er­kennt­nis­sen über mögli­che Hand­lungs­spielräume bei der Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz lösen. Sol­che In­for­ma­tio­nen kann sich ein Be­triebs­rat nicht al­lein durch Un­ter­rich­tung in den ein­schlägi­gen Ge­set­zen oder de­ren Kom­men­tie­run­gen in Erläute­rungsbüchern ver­schaf­fen, son­dern er ist zur ver­ant­wort­li­chen Wahr­neh­mung sei­ner Be­fug­nis­se auch auf die Un­ter­rich­tung durch re­gelmäßig er­schei­nen­de Pu­bli­ka­tio­nen an­ge­wie­sen, in de­nen die­se The­men nach neu­es­tem Stand fach­lich dar­ge­stellt wer­den (BAG 21. April 1983 - 6 ABR 70/82 - BA­GE 42, 259). Die­se Dien­lich­keit wur­de für die Zeit­schrift AiB durch das BAG be­reits aus­drück­lich fest­ge­stellt (BAG 21. April 1983 aaO).
4. Das Be­geh­ren des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ist auch un­ter Berück­sich­ti­gung der ge­genläufi­gen In­ter­es­sen der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 be­rech­tigt und er­for­der­lich.
a) Als sol­che ge­genläufi­ge In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers sind ins­be­son­de­re die Kos­ten ein­zu­stel­len. Die­se müssen im Verhält­nis zur Leis­tungsfähig­keit des Be­triebs noch ver­tret­bar sein (BAG 21. April 1983 aaO).
Auch das Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers selbst kann im Ein­zel­fall ein Abwägungs­kri­te­ri­um sein. Zwar lässt die Sach­mit­tel­aus­stat­tung des Ar­beit­ge­bers kei­nen Schluss dar­auf zu, ob der Be­triebs­rat ein be­stimm­tes Sach­mit­tel benötigt. Im Ein­zel­fall kann aber zum Bei­spiel in klei­ne­ren Be­trie­ben mit ge­rin­ger wirt­schaft­li­cher Leis­tungs­kraft, in de­nen der In­ha­ber selbst aus Kos­ten­gründen vom Ein­satz teu­rer Ar­beits­mit­tel ab­sieht, auch vom Be­triebs­rat er­war­tet wer­den, dass er eben­falls von ei­ner sol­chen For­de­rung zur Verfügungs­stel­lung ab­sieht (BAG 17. Fe­bru­ar 2010 aaO).
Eben­so ist zu berück­sich­ti­gen, dass ei­ne „Ver­dop­pe­lung“ gleich­ge­rich­te­ter In­for­ma­ti­ons­quel­len nicht er­for­der­lich ist. Im Rah­men der Zur­verfügung­stel­lung von Fach­zeit­schrif­ten hat das BAG be­reits ent­schie­den, dass wenn dem Be­triebs­rat zu ei­nem The­ma be­reits meh­re­re Pu­bli­ka­tio­nen zur Verfügung ste­hen, die sei­nem In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis ge­recht wer­den, es darüber hin­aus­ge­hen­der be­triebs- oder be­triebs­rats­be­zo­ge­ner Dar­le­gun­gen be­darf, aus wel­chen Gründen die An­schaf­fung ei­ner wei­te­ren Fach­zeit­schrift, de­ren schwer­punktmäßige The­men­stel­lung durch be­reits vor­han­de­ne ab­ge­deckt ist, für die sach­ge­rech­te Erfüllung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben not­wen­dig ist (BAG 25. Ja­nu­ar 1995 - 7 ABR 37/94 - AP Be­trVG 1972 § 40 Rn. 46). Die­ser Grund­ge­dan­ke der nicht er­for­der­li­chen „Ver­dop­pe­lung“ gleich­ge­rich­te­ter In-
for­ma­ti­ons­quel­len lässt sich oh­ne Wei­te­res auch auf das Verhält­nis zwi­schen Ar­beits­mit­tel (Zeit­schrift) und In­for­ma­ti­ons­mit­tel (In­ter­net) über­tra­gen.
b) In An­wen­dung die­ser Grundsätze ist vor­lie­gend von der Er­for­der­lich­keit des Be­zugs der AiB aus­zu­ge­hen.
aa) Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 ver­weist zu Recht dar­auf, dass et­wai­ge kos­ten­freie In­ter­net­re­cher­chen ein be­triebs­rats­spe­zi­fi­sches In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis nicht (vollständig) glei­cher­maßen ab­de­cken können wie der (je­den­falls ergänzen­de) Be­zug ei­ner Fach­zeit­schrift.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 wur­de in der Ent­schei­dung des BAG vom 17. Fe­bru­ar 2010 (aaO) nicht der Rechts­satz auf­ge­stellt, dass sich der Be­triebs­rat im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­raums ent­schei­den müsse, ob er ent­we­der ei­nen kos­ten­frei­en In­ter­net­zu­gang wol­le oder auf an­de­re Sach­mit­tel zurück­grei­fen wol­le. Viel­mehr wur­de le­dig­lich fest­ge­stellt, dass sich die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats für ei­nen In­ter­net­zu­gang im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­raums be­wegt und die Zur­verfügung­stel­lung des In­ter­net­zu­gangs zur Auf­ga­ben­erfüllung des Be­triebs­rats dien­lich ist. Zu Recht wur­de in die­ser Ent­schei­dung aus­geführt, dass durch das In­ter­net Sach­in­for­ma­tio­nen zu je­dem nur denk­ba­ren The­ma ein­ge­holt wer­den können. So wird der Stand der ar­beits- und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung in unzähli­gen Quel­len des In­ter­nets fast ta­ges­ak­tu­ell wie­der­ge­ge­ben. Home­pages der Ge­setz­ge­bungs­or­ga­ne und ver­schie­de­ner Ge­rich­te stel­len wich­ti­ge Ge­set­zes­vor­ha­ben und Ent­schei­dun­gen dar. Der Be­triebs­rat kann sich mit Hil­fe der im In­ter­net zur Verfügung ste­hen­den Such­ma­schi­nen zu ein­zel­nen be­trieb­li­chen Pro­blem­stel­lun­gen um­fas­send in­for­mie­ren, oh­ne auf Zu­falls­fun­de in Zeit­schrif­ten oder Zei­tun­gen, ver­al­te­ten Kom­men­tie­run­gen oder Ge­richts­ent­schei­dun­gen an­ge­wie­sen zu sein. Da­bei be­schränkt sich der Be­zug zu den Auf­ga­ben des Be­triebs­rats nicht auf Rechts­fra­gen. Auch In­for­ma­tio­nen von pri­va­ten oder staat­li­chen - für die Wahr­neh­mung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben re­le­van­ten - In­sti­tu­tio­nen, die in al­ler Re­gel über ei­nen In­ter­net­auf­tritt verfügen, können ein­ge­holt und ge­nutzt wer­den. Des Wei­te­ren sind zum Bei­spiel For­mu­lie­rungs­hil­fen zu Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen oder not­wen­di­ge Adres­sen von Behörden zugäng­lich. Die auf­ga­ben­be­zo­ge­nen Be­rei­che, in de­nen sich der Be­triebs­rat im In­ter­net ef­fi­zi­ent - 11 -
und ef­fek­tiv In­for­ma­tio­nen be­schaf­fen kann, sind na­he­zu all­um­fas­send (BAG 17. Fe­bru­ar 2010 aaO).
Trotz der um­fas­sen­den In­for­ma­ti­onsmöglich­kei­ten ist aber nicht zu ver­ken­nen, dass es sich bei Be­triebsräten um ju­ris­ti­sche Lai­en han­delt, die - wie das Ar­beits­ge­richt be­reits völlig zu Recht aus­geführt hat - an­ge­sichts der Fülle an In­for­ma­tio­nen und In­for­ma­ti­onsmöglich­kei­ten kaum in der La­ge sind, die „Spreu vom Wei­zen zu tren­nen“, al­so die für die Be­triebs­rats­ar­beit re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen vor al­lem in zu­mut­ba­rer Zeit her­aus­zu­fil­tern. Sie bedürfen da­her (zu­min­dest ergänzend) ei­nes In­for­ma­ti­ons­mit­tels, dass spe­zi­ell auf ih­re Bedürf­nis­se und ih­ren Er­kennt­nis­ho­ri­zont ab­ge­stimmt ist.
Hin­zu kommt, dass Be­triebsräte nicht nur über die ak­tu­el­le Recht­spre­chung vor al­lem in Fra­gen der Be­triebs­ver­fas­sung in­for­miert sein soll­ten. Sie müssen auch in die La­ge ver­setzt wer­den, die­se Kennt­nis in der tägli­chen Pra­xis im Be­trieb um­zu­set­zen. Ge­nau auf die­ses Bedürf­nis ist die Zeit­schrift AiB auch aus­ge­rich­tet, die die Fol­gen auf die be­trieb­li­che Pra­xis für Be­triebsräte be­schreibt und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen gibt.
Außer­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass es in der Be­triebs­rats­ar­beit nicht nur dar­um geht, pas­sen­de In­for­ma­tio­nen zu ak­tu­ell auf­ge­tre­te­nen Pro­ble­men zu fin­den. Fach­zeit­schrif­ten die­nen auch da­zu, über ih­re The­men­aus­wahl den Le­ser­kreis auch für The­men zu sen­si­bi­li­sie­ren, die die­ser bis­lang mögli­cher­wei­se noch nicht im Fo­kus hat­te, die aber für künf­ti­ge Initia­ti­ven frucht­bar ge­macht wer­den können.
Der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 ist zwar ein­zuräum­en, dass auch das In­ter­net ein Kom­men­tie­ren, Erläutern, in den Zu­sam­men­hang stel­len, so­wie ei­ne The­men­sen­si­bi­li­sie­rung grundsätz­lich leis­ten kann. Je­doch ist der Zeit­auf­wand, der zur Ab­de­ckung all die­ser be­rech­tig­ten Bedürf­nis­se er­for­der­lich wäre, für die Be­triebs­rats­mit­glie­der un­zu­mut­bar und kann im Übri­gen auch nicht im In­ter­es­se der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 lie­gen, die die­sen erhöhten Auf­wand schließlich über § 37 Abs. 2 Be­trVG be­zah­len müss­te.
bb) Auch über die Waf­fen­gleich­heit kann die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 den An­spruch des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 nicht zu Fall brin­gen.
Wie be­reits dar­ge­stellt, hat das Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers kei­nen Ein­fluss auf die Not­wen­dig­keit der Sach­mit­tel für den Be­triebs­rat. Es gibt kei­ne „Waf­fen­gleich­heit nach un­ten“. Dass der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 die Be­tei­lig­te Zif­fer 2 durch die Wahl ei­nes sach­li­chen Mit­tels, das sich die Per­so­nal­ab­tei­lung der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 selbst nicht gönnt, über­for­dern würde, ist nicht er­sicht­lich.
Hin­zu­kommt, dass die Per­so­nal­ab­tei­lung der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 al­lein schon des­halb über­le­gen ist, weil sie zwar nicht auf ei­ne ei­ge­ne Rechts­ab­tei­lung, wohl aber auf die in ei­ner an­de­ren Kon­zern­ge­sell­schaft aus­ge­la­ger­te Rechts­ab­tei­lung zurück­grei­fen kann.
c) Die Kos­ten von jähr­lich 135,60 € sind der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 zu­mut­bar und über­for­dern die­se nicht.
Die An­schluss­be­schwer­de des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ist zulässig.
1. Auch wenn für das Be­schluss­ver­fah­ren ei­ne aus­drück­li­che ge­setz­li­che Re­ge­lung zur An­schluss­be­schwer­de fehlt, ist die­se statt­haft. § 87 Abs. 2 Satz 1 ArbGG erklärt über § 64 Abs. 6 ArbGG auch § 524 ZPO für an­wend­bar (Oe­s­ter­le in Düwell/Lip­ke ArbGG 3. Aufl. Rn. 18).
2. Die An­schluss­be­schwer­de wur­de auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt.
a) Ei­ne An­schluss­be­ru­fung ist gemäß § 524 Abs. 2 ZPO möglich auch nach Ab­lauf der Be­ru­fungs­frist, je­doch längs­tens bis zum Ab­lauf der Er­wi­de­rungs­frist. Da im Be­schluss­ver­fah­ren ei­ne ge­setz­li­che Er­wi­de­rungs­frist nicht exis­tiert, be­darf es ei­ner aus­drück­li­chen Frist­set­zung durch den Vor­sit­zen­den, an­de­ren­falls die An­schluss­be­schwer­de bis zum Anhörungs­ter­min ein­ge­legt wer­den kann. Wur­de da­ge­gen ei­ne Frist ge­setzt, ist die An­schluss­be­schwer­de nur bis zum Ab­lauf die­ser Frist möglich (Oe­s­ter­le in Düwell/Lip­ke ArbGG 3. Aufl. Rn. 21).
Vor­lie­gend wur­de dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ei­ne Frist ge­setzt bis 25.07.2013. Die Ein­rei­chung der An­schluss­be­schwer­de am 13.05.2013 war recht­zei­tig.
b) Je­doch ist die An­schluss­be­schwer­de gemäß §§ 87 Abs. 2 Satz 1, 64 Abs. 6 ArbGG iVm. § 524 Abs. 3 ZPO in der An­schluss­schrift zu be­gründen. Dies ist vor­lie­gend nicht er­folgt, son­dern erst mit wei­te­rem Schrift­satz am 24.07.2013.
Dies ist aber unschädlich. Denn die Be­gründung er­folg­te noch in­ner­halb der ge­setz­ten Frist. Das Er­for­der­nis der gleich­zei­ti­gen Be­gründung in der An­schluss­schrift würde in die­sem Fal­le ei­nen bloßen For­ma­lis­mus dar­stel­len. Denn der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 hätte mit der Be­gründung die An­schluss­be­schwer­de auch frist­ge­recht noch­mals ein­le­gen können (Schu­mann/Kra­mer Die Be­ru­fung in Zi­vil­sa­chen 7. Aufl. Rn. 371).
Die An­schluss­be­schwer­de ist aber nicht be­gründet.
Zur Zulässig­keit des An­trags auf Zur­verfügung­stel­lung der AuR wird, ins­be­son­de­re be­zo­gen auf das Rechts­schutz­bedürf­nis, auf obi­ge Ausführun­gen zu B. II a) ver­wie­sen.
Der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 hat kei­nen An­spruch auf Zur­verfügung­stel­lung auch der Zeit­schrift AuR. Es be­steht in­so­weit kei­ne Er­for­der­lich­keit.
1. Auch die Zeit­schrift AuR erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen der Dien­lich­keit für die Be­triebs­ratstätig­keit. Es gel­ten in­so­fern die glei­chen Grundsätze wie zur Zeit­schrift AiB. Die Dien­lich­keit wird von den Be­tei­lig­ten auch nicht in Ab­re­de ge­stellt.
2. Das Be­geh­ren des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 auf Be­zug ei­ner wei­te­ren Zeit­schrift zusätz­lich zur AiB ist aber un­ter Berück­sich­ti­gung der ge­genläufi­gen In­ter­es­sen der Be­tei­lig­ten Zif­fer 2 nicht mehr er­for­der­lich.
a) We­gen der Grundsätze zur Er­for­der­lich­keit wird auf obi­ge Ausführun­gen zu B. IIb. 4a) ver­wie­sen. Ei­ne „Ver­dop­pe­lung“ gleich­ge­rich­te­ter In­for­ma­ti­ons­quel­len ist nicht er­for­der­lich.
b) Vor­lie­gend ist fest­zu­stel­len, dass so­wohl die AiB, als auch die AuR dem all­ge­mei­nen In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis der Be­triebs­rats­mit­glie­der die­nen soll. Ir­gend­ein be­son­de­rer be­triebs- oder be­triebs­rats­be­zo­ge­ner Be­darf für den Er­werb ei­ner zusätz­li­chen Fach­zeit­schrift wur­de nicht dar­ge­tan. Es mag zwar sein, dass sich die Aus­rich­tung der AuR von der AiB (leicht) un­ter­schei­det und dass die AuR sich im Verhält­nis zur AiB verstärkt mit eu­ro­pa­recht­li­chen The­men be­fasst. Je­den­falls sol­len bei­de Zeit­schrif­ten aber zur Ab­de­ckung des all­ge­mei­nen be­triebs­rats­be­zo­ge­nen In­for­ma­ti­ons­be­darfs des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 be­stimmt sein. Der Be­zug der AuR ist nicht zur Ab­de­ckung not­wen­di­ger be­son­de­rer Spe­zi­al­kennt­nis­se ge­dacht. Wel­che Aus­rich­tung ei­ner Zeit­schrift für die Ab­de­ckung sei­nes all­ge­mei­nen In­for­ma­ti­ons­be­darfs der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 für ge­eig­ne­ter hält, un­terfällt sei­nem ei­ge­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum. Ei­ne „Ver­dop­pe­lung“ kommt aber nicht in Be­tracht.
Vor­lie­gend hat der Be­tei­lig­te Zif­fer 1 hilfs­wei­se ei­ne Aus­wahl ge­trof­fen. Er hat mit­ge­teilt, vor­ran­gig die AiB be­zie­hen zu wol­len. Dem Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 ist da­her die AiB, nicht aber zusätz­lich die AuR zur Verfügung zu stel­len.
V. Ne­ben­ent­schei­dun­gen:
1. Ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung ist we­gen der Ge­richts­kos­ten­frei­heit gemäß § 2 Abs. 2 GKG nicht ver­an­lasst.
2. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung ei­ner Rechts­be­schwer­de gemäß § 92 Abs. 1 Satz 2 ArbGG iVm. § 72 Abs. 2 ArbGG lie­gen nicht vor	m.hensche.de
zur Übersicht 4 TaBV 3/13 Kontakt

References: § 21
 § 40
 § 87
 § 21
 § 21
 § 40
 § 40
 § 40
 § 37
 § 87
 § 64
 § 524
 § 524
 § 524
 § 2
 § 92
 § 72