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Timestamp: 2019-03-24 19:58:59+00:00

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Übersicht ACM-Mitteilungen | Arbeitsgemeinschaft Cannabis Medizin e. V.
Übersicht ACM-Mitteilungen
ACM-Mitteilungen vom 23. März 2019
Am 20. März 2019, auch bekannt als Weltglückstag und in diesem Jahr auch Frühlingsbeginn, fand im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags eine öffentliche Anhörung zu vier Gesetzentwürfen der Fraktionen Die Linke, Bündnis 90/die GRÜNEN, FDP und AFD statt. Die eingeladenen Verbände und Einzelsachverständige hatten zum Teil vorher schriftliche Stellungnahmen zu den Anträgen eingereicht.
Entsprechend der Fraktionsstärke hatten zunächst die Vertreter der CDU/CSU-Fraktion die Möglichkeit, die Sachverständigen und Vertreter der Verbände 31 Minuten zu befragen. Dann folgte die SPD mit 19 Minuten, danach die AFD, FDP, die Linke und abschließend die Fraktion Bündnis 90/die GRÜNEN mit 9 Minuten Fragezeit. Interessant wurde die Anhörung ab etwa Minute 34 mit den Fragen der SPD-Fraktion. Die vollständige Anhörung kann in der Mediathek des Deutschen Bundestags angeschaut werden. Es wurde deutlich, dass sich die AFD für eine rückwärtsgewandte Politik bei der medizinischen Verwendung von Cannabis einsetzt, während sich SPD, FDP, Linke und Grüne für Verbesserungen stark machen.
Ob sich das CDU-geführte Ministerium für Gesundheit über die bereits in einem Referentenentwurf vorgeschlagenen Verbesserungen zu weiteren Erleichterungen durchringen wird, kann bisher nicht abgeschätzt werden. Viele Sachverständige und Verbandsvertreter, darunter Dr. Eva Milz, Dr. Knud Gastmeier, Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl, Georg Wurth und Thomas Isenberg haben deutlich gemacht, dass Verbesserungen notwendig sind, um sicherzustellen, dass Patientinnen und Patienten, die cannabisbasierte Medikamente aus medizinischen Gründen benötigen, diese auch erhalten. Uns ist aber klar, dass Argumente allein nicht ausreichen. Ich hatte dazu vor 15 Jahren in einem Einladungskommentar für die Fachzeitschrift Lancet die Frage aufgeworfen, wie man den durch Cannabis induzierten psychologischen Stress – das CIPS-Syndrom – bei Politikern abbauen kann. Zudem dürfen wir die Widerstände gegen die ärztliche Entscheidungshoheit für die Möglichkeit des medizinischen Einsatzes von Cannabis-Medikamenten bei ihren Patienten nicht unterschätzen.
Ich denke, dass die Vertreter der ACM und weitere Sachverständige ihr Bestes geben haben, um den Gesetzgeber davon zu überzeugen, dass es notwendig ist, die Erwartungen, die viele Menschen mit dem Gesetz verbunden haben und in der Folgezeit häufig zerstört wurden, in der Zukunft durch geeignete Nachbesserungen am Gesetz zu erfüllen.
Im Vorfeld der Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags am 20. März 2019 hatten Professorin Dr. Kirsten-Müller-Vahl (2. Vorsitzende der ACM) und ich zum Teil allein und zum Teil zu zweit Gespräche mit Mitgliedern des Gesundheitsausschusses geführt. Dies war unter anderem deshalb wichtig, weil in dieser Legislaturperiode alle drogenpolitischen Sprecher der im Bundestag vertretenen Parteien neu in dieses Amt gekommen sind, überwiegend, weil die früheren Sprecher Dr. Harald Terpe (Grüne), Frank Tempel (Linke) und Burkhard Blienert (SPD), die sich in den vergangenen Jahren für das Thema sehr engagiert hatten, seit 2017 aus dem Bundestag ausgeschieden sind.
In einem dieser Gespräche ging es um die Frage, warum die drogenpolitischen Sprecher des Deutschen Bundestags zwar für das Thema Cannabis in der Schmerztherapie zuständig sind, jedoch nicht für das Thema Opiate in der Schmerztherapie. Die drogenpolitischen Sprecher sind sowohl für das Thema Legalisierung für den Freizeitkonsum als auch für den medizinischen Einsatz cannabisbasierter Medikamente zuständig. Nun haben vor allem viele konservative Politiker die Befürchtung, dass eine Liberalisierung im Bereich Cannabis als Medizin der erste Schritt zur generellen Legalisierung sein könnte. Auf der anderen Seite gibt es Politiker, die genau dies hoffen.
Bei den Opiaten ist es selbstverständlich, dass das Problem Heroinabhängigkeit nicht mit der Verwendung von Opiaten in der Palliativmedizin vermischt wird. Es käme auch niemand auf die Idee, das zu vermischen. Dafür sind Opiate in der Medizin schon zu lang und zu klar etabliert. Es ist für uns heute nicht mehr nachvollziehbar, dass dies bei Cannabis vielfach anders gesehen wird. Durch die personalisierte Zuständigkeit für zwei verschiedene cannabisbezogene Themen wird allerdings diese Vermischung im Bundestag institutionalisiert. Die Zuständigkeit ist selbstverständlich historisch gewachsen. Bis vor wenigen Jahren existierte das Thema Cannabis als Medizin aus der Sicht des Deutschen Bundestags nicht oder nur rudimentär. Es ist nun an der Zeit, dies zu ändern, damit ein neuer Blick auf das Thema erleichtert wird.
Für die ACM weisen wir immer wieder darauf hin, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Wir würden uns wünschen, wenn auch der Deutsche Bundestag eine deutlichere Trennung vornehmen würde. Das Thema Cannabis als Medizin ist ein gesundheitspolitisches und kein drogenpolitisches Thema. Unabhängig davon konnten wir feststellen, dass sich die Nachfolger der oben genannten ehemaligen drogenpolitischen Sprecher (Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Niema Movassat und Dirk Heidenblut) nach unserem Eindruck genauso stark für das Thema Cannabis als Medizin engagieren. Auch der Vertreter der FDP, Dr. Wieland Schinnenburg, hat sich klar für Fortschritte ausgesprochen.
Aus unserer Stellungnahme zu den Gesetzentwürfen:
„Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM) betrachtet die medizinische Verwendung von Cannabis und cannabisbasierten Medikamenten als gesundheitspolitisches - und nicht als drogenpolitisches -Thema. Ziel ist es, die Behandlung von Patienten mit ganz unterschiedlichen Erkrankungen zu verbessern, bei denen cannabisbasierte Medikamente wirksam sind oder sein können.“
Für die Mitnahme von Betäubungsmitteln ins Ausland benötigen Patienten ein ausgefülltes Formular, das vom behandelnden Arzt und dem Gesundheitsamt unterschrieben wird. Damit darf eine max. 30-tägige Dosis mitgeführt werden. Wer dies nicht beachtet, muss mit einer Strafe rechnen.
Ebenfalls am Montag kontrollierten die Schleierfahnder einen BMW, der zuvor aus der Tschechischen Republik ins Bundesgebiet eingereist war. Einer der Fahrzeuginsassen, ein 30-jähriger Deutscher, händigte den Beamten ca. 10 Gramm medizinisches Cannabis aus. Wie eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt des Mannes ergab, besitzt dieser das Cannabis legal zu medizinischen Zwecken. Was ihm jedoch nun zum Verhängnis wurde: Er konnte keine Bescheinigung des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte vorweisen, die er für das Verbringen der Betäubungsmittel außer Landes und die anschließende Einfuhr gebraucht hätte. Somit mussten die Beamten den Mann wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz anzeigen.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, geht davon aus, dass cannabisbasierte Medikamente Patienten als beste Medizin von Lobbyisten eingeredet werde. Die Deutsche Presseagentur berichtete.
Cannabis sei für manche Patienten als Medizin sinnvoll, aber „nicht die erste Wahl“, sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU). Vielen werde von Lobbyisten eingeredet, dass Cannabis immer die beste Medizin sei.
Die Nachfrage nach Cannabis auf Rezept hat nach Ansicht der deutschen Drogenbeauftragten Marlene Mortler nicht nur rein medizinische Gründe. „Uns ist vollkommen klar, dass es Druck von Patienten gibt, denen von Lobbyisten eingeredet wird, dass Cannabis immer die beste Medizin ist“, sagte sie am Rande einer UN-Drogenkonferenz in Wien.
Mortler nahm an einer Sitzung der Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen teil, in der UN-Mitglieder die internationale Drogenpolitik regelmäßig weiterentwickeln. Kommende Woche wird das Gremium über den Vorschlag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beraten, den Cannabis-Bestandteil Cannabidiol (CBD) von der Liste der verbotenen Substanzen zu streichen. Das nicht psychoaktive CBD wird für Arzneimittel verwendet. Die WHO schlage jedoch nicht vor, Cannabis ganz zu legalisieren, betonte Mortler.
Auch in Österreich wird weiter darüber diskutiert, ob der Bevölkerung ein Zugang zu weiteren Cannabis-Medikamenten eröffnet werden sollte.
In einer Aussendung nahm FP-Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein am Dienstag zur Diskussion rund um medizinisches Cannabis im Gesundheitsausschuss des Parlaments Stellung. „Für mich sind die bestmögliche medizinische Versorgung und die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher im Zusammenhang mit Arznei- und Lebensmitteln die obersten Ziele“, wurde sie darin zitiert.
„Das gilt selbstverständlich auch für cannabisbasierte Produkte und Arzneimittel,“ hieß es weiter. Arzneimittel müssten ihre Wirkung, aber auch ihre Neben- und Wechselwirkungen in umfangreichen Studien nachweisen und ein strenges Zulassungsprozedere durchlaufen. Ganz besonders gelte das für Substanzen die viele verschiedene Wirkungen hätten und sehr komplex in den menschlichen Stoffwechsel – wie eben Cannabis – eingreifen würden.
Die Patienten in Österreich hätten mit Pharmazeutika wie Sativex oder Dronabinol Zugang zu zugelassenen und genau geprüften Medikamenten auf THC- bzw. THC/CBD-Basis. Diese seien entsprechend auf Wirkung und Nebenwirkungen geprüft. „Dieser Nachweis ist derzeit für Blüten- oder Fruchtstände im Vergleich zu diesen cannabisbasierten Präparaten nicht gegeben“, stellte das Ministerium in seiner Aussendung fest. Den Reinsubstanzen sei darüber hinaus im Vergleich zu den getrockneten Blüten- und Fruchtständen im medizinischen Einsatzgebiet der Vorzug zu geben, da diese in bedarfsgerecht exakter und reproduzierbarer Dosierung zum Einsatz gelangen könnten. „Änderungen der österreichischen Rechtslage in diesem Bereich werden nur dann vorgenommen, wenn entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen und der Einsatz durch ausreichende Studien gerechtfertigt wird.“
Hartinger-Klein stellte allerdings auch einen Konnex zwischen medizinischem Cannabis und Drogen her: „Der Missbrauch von Suchtgiftmittel stellt eine große Gefahr dar. Aus diesem Grund wird seitens des Ministeriums alles unternommen um diese Gefahr so gering wie möglich zu halten. Sämtliche Suchtmechanismen und Abhängigkeiten müssen dargelegt werden. Nicht umsonst steht Cannabis auf der Liste der illegalen Drogen und der Einsatz als Arzneimittel kann daher nur genau kontrolliert und unter den strengen Auflagen des österreichischen Arzneimittelgesetzes erfolgen.“
Thema bleibt auf der Tagesordnung des Parlaments
Medizinisches Cannabis bleibt indes auf der Tagesordnung des Nationalrates. Am Dienstag wurde unter anderem ein erster vom Parlament eingeforderter Expertenbericht im Gesundheitsausschuss diskutiert und von den Abgeordneten der Regierungsparteien zur Kenntnis genommen. Doch es wird im Plenum weitere Diskussionen zu dem Thema geben, womöglich auch einen zweiten Expertenbericht.
Der erste vom Parlament von Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein eingeforderte Report zur Wertigkeit von medizinischem Cannabis in der Medizin wurde laut Liste Jetzt und SPÖ im Gesundheitsausschuss von der Mehrheit (Regierungsparteien) zur Kenntnis genommen. Die Regierungsfraktionen, so hieß es nach der Sitzung, hätten bereits einen Antrag eingebracht, wonach die Krankenkassen die Verschreibungspraxis zugelassener pharmazeutischer Cannabinoid-Arzneimittel österreichweit analysieren sollten. Hier geht es wohl vor allem um die Erstattung der Kosten durch die Krankenkassen für die Patienten.
Zwei Jahre medizinischer Cannabis: Der Hype ist vorbei (DW.com)
Österreich: Verbraucherschutzverein fordert Liberalisierung von CBD und Cannabis (CBDRatgeber)
Cannamedical® startet deutschlandweites Beratungsangebot für Ärzte und Apotheker (boerse.de)
Deutsche Eigenproduktion soll Cannabis-Bedarf decken (NTV)
Das dubiose Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Hanf-Inhaltsstoff CBD (SWR)
Warum eine Kanadierin glaubt, eine bessere Mutter zu sein, wenn sie kifft (Spiegel Online)
Psychiater warnt vor Cannabis als Medikament (WAZ.de)
Cannabis lässt Bionorica glänzen (Apotheke Adhoc)
Zuspruch für Genehmigungs­vorbehalt bei Verordnung von medizinischem Cannabis (Ärzeblatt)
Land Berlin soll Cannabis anbauen (Berliner Morgenpost)
Liste Jetzt: Hartingers Cannabis-Bericht fehlt wissenschaftliche Basis (DerStandard)
Je stärker das Cannabis in einer Stadt, desto häufiger sind Psychosen (Speugel Online)
Experten sehen Reformbedarf (Pharmazeutische Zeitung)
Gesundheitsausschuss zu Cannabis in der Medizin (APA, Österreich)
Expertenbericht zu Cannabis: Alles Schall und Rauch? (Kurier, Österreich)
heute jährt sich zum zweiten Mal das Gesetz zu Cannabis als Medizin, das am 10. März 2017 in Kraft trat. Die Bilanz ist durchwachsen. Gemessen am Ausspruch von Helmut Schmidt, das „Schneckentempo ist das normale Tempo jeder Demokratie“ hat sich die Situation der Patienten in den vergangenen Jahren dramatisch gebessert. Angesichts der vielen Probleme, die viele Patienten weiterhin von einer Therapie ausschließen, verzweifeln diese und ihre Ärzte an der Langsamkeit der Verbesserungen und einige an demokratischen Prozessen und Kompromissen. Die gute Nachricht: Sowohl das Bundesgesundheitsministerium als auch die Oppositionsparteien wollen nachbessern.
Eine öffentliche Anhörung zu den Anträgen der Linksfraktion, der Grünen und der FDP findet am 20. März 2019 im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages statt.
In den vergangenen Wochen hatten einige Ärztinnen und Ärzte Probleme mit der Staatsanwaltschaft bzw. dem Gesundheitsamt. Wir geben in diesen ACM-Mitteilungen Tipps für betroffene Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten. Selbstverständlich haben Medienvertreter Interesse an solchen Geschichten, weil es immer spannend ist, wenn ein Staatsanwalt im Zusammenhang mit Cannabis gegen einen Arzt vorgeht. Um dann etwas unglücklich aus einer Lappalie einen Skandal zu inszenieren, wie kürzlich geschehen. Die betroffene Ärztin war wenig erfreut über die Veröffentlichung. Wir empfehlen, damit nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, sondern sich an die ACM zu wenden, damit Betroffene von den Erfahrungen ihrer Kolleginnen und Kollegen profitieren und konstruktiv etwas verbessern können, und damit nicht möglicherweise das Gegenteil erzielt wird von dem, was wir erreichen möchten.
In diesem Zusammenhang möchte ich über die Möglichkeit informieren, bei der ACM die Aufnahme in die interne Mailingliste für Ärztinnen und Ärzte zu beantragen. Gegenwärtig enthält die Liste 99 Kolleginnen und Kollegen, die sich auch über rechtliche Probleme austauschen.
Im Februar hat das Sozialgericht Karlsruhe in einem Urteil zur Kostenübernahme von Dronabinol darauf hingewiesen, dass es erforderlich ist, beim Antrag auf eine Kostenübernahme cannabisbasierter Medikamente bei der Krankenkasse die spezifischen Nebenwirkungen der Standardmedikation und von Cannabis im konkreten Fall zu beschreiben. Allgemeine Ausführungen sind unzureichend.
Ein ärztlicher Kollege, der mit seinem Patienten erfolgreich einen Widerspruch gegen eine Befristung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse eingelegt hat, hat uns eine umfangreiche Vorlagefür einen solchen Widerspruch und die Begründung überlassen, die gern von anderen Patienten oder Ärzten von unserer Internetseite heruntergeladen und genutzt werden kann. Herzlichen Dank dafür!
Noch etwas Erfreuliches zum Schluss: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat im Februar das Verfahren gegen einen Patienten mit chronischen Schmerzen eingestellt, der Cannabis zum Eigenbedarf angebaut hat. Der Betroffene argumentierte erfolgreich mit den Lieferengpässen bei Cannabisblüten.
In den vergangenen Wochen haben einige Ärztinnen und Ärzte Probleme mit der Staatsanwaltschaft, dem Regierungspräsidium oder dem Gesundheitsamt Probleme bekommen. In einem Fall reichte ein Vortrag über das Thema Cannabis als Medizin durch eine Ärztin, dass das Regierungspräsidium alle Betäubungsmittelrezepte einsehen wollte. In einem anderen Fall stellte das Gesundheitsamt die weitere Teilnahme am Betäubungsmittelverkehr infrage, weil (sehr wenige) Durchschläge von Betäubungsmittelrezepten fehlten. In einem weiteren Fall monierte die Staatsanwaltschaft das Fehlen einer ausreichenden Indikation für die Verschreibung von Cannabis und damit einen Verstoß gegen § 13 Betäubungsmittelgesetz. Auch ein fehlendes A bei Überschreitung der Höchstverschreibungsmenge kann zu Problemen führen.
In diesem Zusammenhang können folgende Tipps von Nutzen sein.
1. Es muss grundsätzlich eine ausreichende Indikation für die Verschreibung von Betäubungsmitteln nach § 13 Betäubungmittelgesetz geben. Diese dürfen vom Arzt nur verschrieben werden, wenn "wenn ihre Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper begründet ist. Die Anwendung ist insbesondere dann nicht begründet, wenn der beabsichtigte Zweck auf andere Weise erreicht werden kann."
Ärzte müssen also unabhängig von der Frage der Kostenübernahme durch eine Krankenkasse begründen können, warum der beabsichtigte Zweck nicht anders erreicht werden kann, beispielsweise weil alternative Therapieverfahren, bei denen keine Betäubungsmittel eingesetzt werden, nicht so gut wirken wie Cannabis bzw. einzelne Cannabinoide oder stärkere Nebenwirkungen verursachen. Bereits das Betäubungsmittelgesetz verlangt, dass eine Therapie mit Cannabis genauso wie eine Therapie mit Opiaten keine Therapieoption der ersten Wahl sein kann.
Diese rechtliche Vorgabe muss unterschieden werden von der Vorgabe zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen nach § 31 Abs. 6 SGB V, nach der eine schwere Erkrankung vorliegen muss, und der Patient weitgehend austherapiert sein muss.
2. Ein weiterer Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz durch einen Arzt bzw. eine Ärztin liegt vor, wenn bei Überschreitung der Höchstverschreibungsmenge kein A vor die Verschreibung gesetzt wird. Die Höchstverschreibungsmenge für Cannabisblüten sind 100 g in 30 Tagen, für Dronabinol 500 mg 30 Tagen. Eine solche Überschreitung ist leicht versehentlich möglich, wenn die nächste Verschreibung nicht nach 31 Tagen, sondern bereits nach 28 Tagen erfolgt.
Eine Kollegin im Ärzteverteiler der ACM berichtete, dass sie häufig prophylaktisch eine A auf das Rezept setzt, um lieber ein A zu viel als zu wenig zu notieren. Denkbar ist z.B. bei Patienten, die Tagesdosen einnehmen, die bei Hochrechnung auf die monatliche Dosis nah an der Höchstverschreibungsmenge liegen, vorsorglich ein A zu setzen.
Ein besonderer Problemfall ist der folgende: Wenn ein Rezept nicht eingelöst werden konnte, insbesondere aufgrund von Lieferengpässen für eine rezeptierte Sorte, und ein neues Rezept angefordert wurde, ist es wichtig, zu dokumentieren, dass das Rezept nicht eingelöst werden konnte (und das vollständige Rezept aufzubewahren), da sonst die Verschreibungshöchstmenge ebenfalls leicht überschritten werden kann.
3. Es ist sorgfältig darauf zu achten, die Durchschläge von Betäubungsmittelrezepten aufzubewahren. Das Fehlen der Durchschläge kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Ein Kollege hat dazu eine Excel-Tabelle angelegt, in der Rezept-Nummer, Datum des Rezeptes und Name des Patienten eingetragen werden, sodass zusammen mit der Dokumentation in der Patientenakte ein guter Überblick darüber besteht, welcher Patient wann welches Rezept erhalten hat.
Wir bitten alle Kolleginnen und Kollegen, die Probleme mit Behörden, Polizei oder Staatsanwaltschaft haben oder hatten, sich bei der ACM zu melden, damit wir eine Übersicht gewinnen und Unterstützung leisten können. Wir sind an weiteren Anregungen zum Thema interessiert und wollen mit Hilfe eines Juristen eine Art Hinweisblatt oder Checkliste erstellen.
Im zweiten Jahr nach der Gesetzesänderung hat die Zahl der Cannabisrezepte weiter deutlich zugelegt. Man kann daher heute von etwa 15.000 Patienten ausgehen, die eine Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen erhalten. Weitere 15.000-30.000 Patienten erhalten vermutlich Privatrezepte mit oder ohne Kostenerstattung. Das ist noch weit unter den Zahlen, die wir aus anderen Ländern kennen bzw. als Bedarf hochrechnen können. In Industrieländern benötigen etwa 1 bis 2 % der Bevölkerung Cannabisprodukte zur Linderung ihrer Leiden. Das entspricht für Deutschland 800.000 bis 1.600.000 Bürgern. Insofern sind die aktuellen Zahlen ein Dokument der Unterversorgung der Bevölkerung mit solchen Medikamenten.
Mehrere Zeitungen ziehen nach zwei Jahren Cannabis als Medizin-Gesetz Bilanz. Vor allem unter den Firmen, die sich in diesem Bereich tummeln, herrscht eine große Euphorie, in der Ärzteschaft und unter Patienten jedoch häufig Ernüchterung.
Die Vereinten Nationen befassen sich gegenwärtig mit dem Bericht der Weltgesundheitsorganisation zu Cannabis, in dem der Pflanze und ihren Inhaltsstoffen ein medizinisches Potenzial zugesprochen wird. Wie bei jedem gesellschaftlichen Wandel haben Personen, die seit Jahren auf dem status quo beharren, Probleme, ihre Position zu verändern und die Chancen für die Menschen zu erkennen.
Drogenkontrollrat warnt vor zu laxer Kontrolle von medizinischem Cannabis
Immer häufiger wird Cannabis als Medizin verwendet. Der UN-Drogenkontrollrat warnt davor, dass der Umgang damit zu lax sein könnte und befürchtet Missbrauch.
Der vermehrte Einsatz von Cannabis zu medizinischen Zwecken birgt nach Ansicht des Internationalen Suchtstoffkontrollrats (INCB) große Risiken. Ungenügend regulierte Cannabis-Programme für medizinische Zwecke könnten dazu führen, dass die Droge auch außerhalb dieses eng begrenzten Rahmens genutzt werde und so die öffentliche Gesundheit beeinträchtigen könne, schreibt das Gremium in seinem am Dienstag in Wien veröffentlichen Bericht.
"Es gibt sehr viele Missverständnisse über die Sicherheit, Regulierung und Verteilung von Cannabis - besonders dort, wo der Gebrauch für Freizeitzwecke legalisiert wurde oder Cannabis-Programme für medizinische Zwecke erweitert werden", sagte der INCB-Präsident Viroj Sumyai. Aufgrund dieser Entwicklung drohten generell die Risiken von Cannabis in den Hintergrund zu rücken.
Cannabis als Medizin: Drogenkontrollrat warnt vor zu wenig Kontrolle
Cannabis auf Rezept – Wie hoch ist die Nachfrage? (Ärzte Zeitung)
Genetisch veränderte Hefe produziert Cannabinoide (Spektrum.de)
18 Tonnen kommen zu uns: Köln wird zur Hanf-Hochburg (Express)
TILRAY kündigt die Unterstützung einer nicht-interventionellen Studie zur Schmerztherapie mit Cannabinoiden an (PressePortal)
Zu hohe Drogengehalte in CBD-Produkten (Deutschlandfunk)
in einem Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung unter dem Titel „Wie häufig sind Spaßverordnungen?“ versuchten Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, und Dr. Dirk Bodendiek, Präsident der Ärztekammer Sachsen, einen Teil der Ärzte, die Cannabis verordnen, zu diskreditieren. Die Deutsche Apotheker Zeitung stellt in einem Bericht über die gleiche Veranstaltung mit dem Thema „Cannabis als Medizin – Gefahren des Missbrauchs?“ die Frage: „Gibt es einen Glaubenskrieg in der Cannabistherapie?“
Vertreter der Landesärztekammer Sachsen, der Dr. Bodendiek vorsitzt, haben sich bisher in der Diskussion zum therapeutischen Potenzial von Cannabis vor allem dadurch einen Namen gemacht, dass sie dieses Potenzial gering schätzen, dass Missbrauchspotenzial jedoch hoch. Herr Dr. Kieferneigt als Vertreter der Apotheker dazu, Patienten, die unverarbeitete Blüten verwenden anstatt Zubereitungen nach Rezepturvorschriften seines Verbandes unter Missbrauchsverdacht zu stellen. Es ist verständlich, dass die Sponsoren der Veranstaltung, Bionorica Ethics (Hersteller von Dronabinol) und Tilray (Hersteller standardisierter Extrakte) vor allem Personen eingeladen haben, die ihre Position unterstützen und damit den Umsatz ihrer Produkte fördern. Einzig Professor Dr. Joachim Nadstawek, Schmerztherapeut aus Bonn, der als einziger der Diskutanten praktische Erfahrung mit der Therapie hat, hat dagegen gehalten und darauf hingewiesen, dass Kostenübernahmeanträge zu häufig abgelehnt werden. Das ist die Realität. Das ist die Erfahrung, die viele Ärzte und Patienten machen.
Es geht nicht um einen Glaubenskrieg, sondern um Verteilungskämpfe innerhalb der Cannabisindustrie. Es geht um Marktanteile und Profite. Das wissen auch alle Beteiligten. Nach meiner Auffassung soll auch Geld verdient werden, damit die Firmen mit Enthusiasmus arbeiten und die Forschung vorantreiben können. Das Patientenwohl muss allerdings im Vordergrund stehen. Das kommt in der Debatte häufig zu kurz.
Zum Thema Missbrauch hier einige Anmerkungen:
1. Alle Medikamente, die psychische Wirkungen verursachen, darunter Benzodiazepine, Opiate und Amphetamine werden missbraucht. Und die Quelle sind häufig verschreibende Ärzte. Das wird es auch bei cannabisbasierten Medikamenten geben. Allerdings habe ich aufgrund der Rückmeldungen, die ich erhalte, eher den Eindruck, dass viele Ärzte bereitwillig Benzodiazepine, Neuroleptika, Opiate und Methylphenidat verschreiben und bei Cannabis eher zurückhaltend sind. Es ist daher absurd, im Zusammenhang mit Missbrauch vor allem Cannabis hervorzuheben. Der Benzodiazepin-Verbrauch in Deutschland und die massenhafte Verschreibung von Methylphenidat sowie die Opiat-Epidemie in den USA legen eher nahe, dass diese Substanzklassen ein Problem darstellen. Es ist natürlich richtig, auch bei Cannabis wachsam zu sein. Die Ärzteschaft sollte allerdings mit der Missbrauchskeule begründete Eingriffe in die Therapiehoheit entschieden zurückweisen.
2. Dr. Kiefer betrachtet die hohe Zahl der Verschreibungen unverarbeiteter Cannabisblüten „mehr als einen deutlichen Hinweis“, dass diese nicht nur rational und therapeutisch eingesetzt werden. Dieser Schluss ist unzulässig. Alle verfügbaren Präparate haben ihren Platz in der modernen Medizin, isolierte Cannabinoide, standardisierte Extrakte, Zubereitungen in der Apotheke und unverarbeitete Blüten. Es gibt eine rationale Therapie mit Cannabisblüten, wenn diese der Therapie mit anderen Präparaten überlegen, weil variabler in den Möglichkeiten ist. Dieser Vorwurf wird noch absurder, wenn man die Situation in Deutschland mit anderen Ländern vergleicht, in denen standardisierte Präparate eine untergeordnete Rolle spielen. Auch in diesen Ländern wird von Ärzten mit Cannabis eine gute Medizin betrieben.
3. Ich kann nachvollziehen, dass Ärzte wie Dr. Bodendiek aufgrund ihrer Cannabisängste keine Gelegenheit verstreichen lassen, um die Möglichkeiten der Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten wieder einzuschränken und das Rad zurückzudrehen. Wer diese Position einnimmt, verhindert, dass vielen Patienten eine wirksame Therapie erhalten. Das kann nicht im Interesse verantwortlicher Personen in Politik und Gesundheitswesen sein. Im Gegenteil: Wir erleben als Ärzte im Alltag, dass die bestehende Rechtslage unzureichend ist, weil vielen verzweifelten Patienten eine solche Behandlung vorenthalten wird. Viele Ärzte sind bereits heute frustriert, dass sie sich häufig kaum gegen die Krankenkassen bzw. den MDK, der am Schreibtisch entscheidet, durchsetzen können.
4. Wer Patienten, die sich in ihrer Not früher illegal behandelt haben, weil es keine ausreichenden legalen Möglichkeiten gab, ihre Selbstmedikation vorhält und als Missbrauch diskreditiert, verwechselt Recht und Rechtslage. Es war ein Unrecht, diesen Patienten vor 10, 20 oder 30 Jahren keine legale Therapieoption zu eröffnen. Bereits am 31. Juli 2000 befand das Berufungsgericht von Ontario Kanadas Cannabisgesetz für „verfassungswidrig“, weil es die Bedürfnisse kranker Kanadier, die das Medikament als Arzneimittel verwenden, nicht berücksichtigte. Die Richter stellten fest, dass das völlige Verbot von Cannabis Patienten zwinge, zwischen Gesundheit und Gefängnis zu wählen. Wer diesen Patienten ihr illegales Handeln vorwirft, vergisst, dass die Rechtslage ein Unrecht darstellte. Fast niemand – mit Ausnahme ausgeprägter Homophobiker – käme heute auf die Idee, Homosexuellen vorzuwerfen, dass sie auch schon vor 30 Jahren homosexuell waren. Wenn es um Cannabis geht, scheint es vielen Teilnehmer in die Debatte jedoch leicht zu fallen, das damalige Unrecht aus zu blenden.
Schätzungen liegen jetzt bei 40.000 Patienten, die cannabisbasierte Medikamente in Deutschland einsetzen. Damit sind deutsche Patienten weiterhin völlig unzureichend mit entsprechenden Präparaten versorgt. Zahlen aus anderen Industrieländern zeigen, dass der Bedarf bei 1 bis 2 % der Bevölkerung liegt. Das entspricht für Deutschland 800.000-1.600.000 Bürger.
Wir sind erst am Anfang einer notwendigen Entwicklung. Wer diese Entwicklung bremsen will, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er Patienten in Deutschland weiterhin eine wirksame Therapie ihrer chronischen Erkrankung vorenthalten will. Denn darum geht es. Es geht um eine Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung. Dann kann auch ruhig Geld damit verdient werden.
Die Behauptung, es gebe Spaßverordnungen von Cannabis, ist eine perfide Unterstellung, die die Ärzteschaft zurückweisen sollte. Dieser Begriff hat das Potential zum Unwort des Jahres im Gesundheitswesen.
Ein Indiz einer solchen Grenzverwischung wäre die missbräuchliche Anwendung von Cannabis auf Rezept, für die BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer durchaus Hinweise sieht. Die Zahl der Rezepte und der Umsatz pro 1000 GKV-Versicherte für cannabishaltige Rezepturen seien seit März 2017 kontinuierlich angestiegen auf zuletzt (Oktober 2018) etwa 10.000 Rezepte und 81.000 EURo Umsatz. Das allein sei zwar noch kein Anzeichen für eine mögliche missbräuchliche Anwendung. Unterscheide man jedoch die Rezepturen in Zubereitungen aus Cannabis und unverarbeitete Cannabisdroge, ergebe sich ein anderes Bild: Denn pro Rezept werde mengenmäßig deutlich mehr unverarbeitete Cannabisdroge abgegeben, als wenn eine Zubereitung verordnet wird. Im November 2018 seien rund 6300 Mal Zubereitungen aus Cannabis und rund 4300 Mal unverarbeitete Cannabisdroge abgegeben worden; die abgegebenen Einheiten waren dagegen 7200 zu 6600. »Das ist für mich mehr als ein deutlicher Hinweis, dass es nicht nur im Sinne einer rationalen Pharmakotherapie eingesetzt wird«, sagte Kiefer.
Auch eine zweite Statistik weise aus seiner Sicht in diese Richtung, nämlich die Verordnungshäufigkeit in den einzelnen Bundesländern. Spitzenreiter sind Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Berlin und das Saarland; hier liegt die Verordnungshäufigkeit zum Teil deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Der Unterschied sei hoch, so Kiefer, die Spanne reiche von circa 30 EURo bis knapp 150 EURo pro 1000 GKV-Versicherte. »Gäbe es eine anerkannte Ratio in der Pharmakotherapie mit Cannabiszubereitungen, dürfte das nicht so sein.« Die große Differenz sei für ihn ein Hinweis, dass »offensichtlich der medizinische Bedarf nicht die Maßgröße ist, nach der Cannabis verordnet wird«, sagte der Apotheker.
Für die Kostenübernahme fehlen noch etablierte Kriterien
Wird Cannabis verordnet, muss die Krankenkasse die Kostenübernahme zunächst genehmigen. Hierfür fehlen momentan noch etablierte Kriterien, bemängelte Dr. Detlev Parow, Leiter der Abteilung Arznei-/Hilfsmittel und sonstige Leistungen bei der DAK-Gesundheit. »Wir bewegen uns hier weitgehend in einem evidenzfreien Raum.« 99 Prozent der Anträge würden daher momentan vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) geprüft. Parow wies auf die großen Preisunterschiede zwischen der Droge und anderen cannabishaltigen Arzneimitteln hin. So seien Cannabisblüten etwa sechsmal so teuer wie Dronabinol. Auch vor dem Hintergrund des Wirtschaftlichkeitsgebots ist daher der starke Anstieg der Verordnungen von unverarbeiteter Cannabisdroge fragwürdig.
Es gibt einen Verteilungskrieg der Cannabisindustrie um die größten Profite. Es geht um mehr als um einen Glaubenskrieg. Es geht ums Geld.
Beim sogenannten Cannabisgesetz muss nachgebessert werden. Darüber waren sich Vertreter der Pharmazie, Medizin und der Kostenträger auf einer interdisziplinären Veranstaltung am vergangenen Freitag einig. Außerdem war die Mehrheit der Referenten davon überzeugt, dass die Verordnung von Cannabisblüten mit einem hohen Missbrauchspotenzial verbunden sei, im Gegensatz zu standardisierten Fertigarzneimitteln. Belege oder Zahlen gebe es dazu allerdings nicht.
Cannabis als Medizin polarisiert die Fachwelt. Erik Bodendiek von der Bundes-ärztekammer sprach in einem Vortrag am vergangenen Freitag sogar von einem „Glaubenskrieg“. Den Begriffsteil „Glauben“ habe er deshalb gewählt, weil seiner Meinung nach bei der Cannabismedizin eher die Eminenz als die Evidenz dominiere.
Auf der interdisziplinären Veranstaltung „Cannabis als Medizin – Gefahren des Missbrauchs?“ übte der Co-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sucht und Drogen heftige Kritik an der derzeitigen Regelung zur Medizinalhanf-Verschreibung. Vor Ort in Berlin waren außerdem Dr. Andreas Kiefer (Bundesapothekerkammer), Dr. Detlev Parow (DAK-Gesundheit), Dr. Axel Meeßen (MDK Berlin-Brandenburg) und Professor Joachim Nadstawek. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Institut für Gesundheitssystementwicklung und dem Berufsverband der Ärzte, Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD). Finanzielle Unterstützung gab es seitens des Extraktherstellers Tilray sowie von Bionorica Ethics, die die Rezeptursubstanz Dronabinol vertreiben.
Druck auf die Ärzteschaft
Bodendiek monierte, dass der Gesetzgeber den Cannabisblüten durch Aufnahme ins SGB V einen Medikamentenstatus verliehen habe, ohne dass diese eine Arzneimittelzulassung durchlaufen hätten. Und die vorhandene Evidenz sei von schlechter Qualität. Des Weiteren vermisse die Bundesärztekammer eine Indikationsliste.
Der dritte Kritikpunkt bestehe darin, dass auf dem verordnenden Arzt ein zu großer Druck laste. Denn in den meisten Fällen ginge die Initiative für eine Cannabis-therapie von Patienten aus, die bereits Konsumerfahrung hätten. An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Grenzen zur „Selbstmedikation“ oft fließend sind. Dies liegt unter anderem daran, dass das Cannabisgesetz erst vor knapp zwei Jahren in Kraft trat, die Ablehnungsquote zu Beginn besonders hoch war und viele Chroniker auf „alternative Bezugsquellen“ ausgewichen waren.
Steigende Verordnungen als Zeichen für Missbrauch?
Doch inzwischen ist offenbar eine Art Lernkurve eingetreten. Die Genehmigungs-quote hat sich kassenübergreifend auf immerhin zwei Drittel stabilisiert und die Zahl der Cannabisrezepte steigt. Der wachsende Bedarf ist für BAK-Präsident Kiefer ein Anzeichen für das Missbrauchspotenzial, insbesondere bei dem hohen Blütenanteil: Laut aktuellen GKV-Verordnungszahlen wurden von Januar bis September 2018 rund 128.000 Cannabisverordnungen auf Kassenrezept ausgestellt, davon entfallen 42.428 Verordnungen auf unverarbeitete Cannabisblüten und 43.087 auf die heterogene Gruppe der „Cannabishaltigen Zubereitungen“.
Kiefer warnt vor „Papieranalytik“
Cannabisrezepturen verursachten in der Apotheke viel Arbeit, gab Kiefer zu bedenken. Dies liege zum einen an der Kommunikation rund um die Lieferengpässe, zum anderen an dem hohen Prüfaufwand, der offenbar vom jeweiligen Bundesland abhänge. In dem Zusammenhang warnte Kiefer davor, dem Beispiel Schleswig-Holstein zu folgen, wo Cannabisblüten aus den Niederlanden als Fertigarzneimittel eingestuft würden. Denn ein Fertigarzneimittel sei nur mit einer Arzneimittel-zulassung verkehrsfähig und der komplette Verzicht auf die Identitätsprüfung berge die Gefahr, dass verschnittene Ware in die Apotheken käme.
Und sich auf Prüfzertifikate im Sinne einer „Papieranalytik“ zu verlassen, sei riskant, wie man am Beispiel der Valsartankrise gesehen habe. „Es gibt seitens der Apothekerschaft keinen Grund, alle Sicherheitsbedenken über Bord zu werfen“, betonte der Apotheker. Seiner Ansicht nach soll sich die Bundespolitik zu der „Fertigarzneimittelfrage“ positionieren, anstelle dies den Bundesländern zu überlassen.
Bei der Frage um den Prüfaufwand ist zu berücksichtigen, dass die Bundesregierung die Cannabiskosten halbieren will. Mit dem Entwurf für das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) werden der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband dazu aufgefordert, sich auf niedrige Apothekenzuschläge zu einigen. Einen bundeseinheitlichen Gegenvorschlag zur Entlastung der Pharmazeuten gibt es allerdings nicht.
Wie teuer sind Cannabisblüten?
Um's Geld ging es auch bei den Wortbeiträgen der Kostenträger. Aus Sicht von Parow (DAK) seien die Blüten die teuerste Cannabisarznei. Dazu zog er eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) heran, derzufolge die monatlichen Kosten für eine Therapie mit Dronabinol 440 EURo, für die Behandlung mit Cannabisblüten 2.170 EURo kosten würden.
An dieser Stelle ist anzumerken, dass die TK diese Zahlen anhand der Höchstmengen laut Betäubungsmittelverschreibungsverordnung angibt. Diese betragen für Dronabinol, das THC in Reinstform entspricht, 500 Milligramm und 100 Gramm für die Blüten. Diese Höchstmengen sind allerdings keine äquivalenten Verschreibungsmengen. Bei einer Blütensorte mit einem THC-Gehalt von 20 Prozent, wie in der Schmerztherapie häufig eingesetzt, unterscheidet sich die Ausgangsbasis für die TK-Berechnungen beispielsweise um den Faktor 40.
Doch die Auffassung, dass Blüten „teurer“ sind als andere Cannabisarzneien, hat sich bei den Kassen offenbar durchgesetzt. Außerdem kritisierte Parow die Vermischung der Freizeit- und medizinischen Anwendung. „Die Leute sollen konsumieren, was sie wollen, wenn sie es nur selbst bezahlen“, so der DAK-Experte.
MDK möchte mehr Kompetenz
Auch Meeßen, der die MDK-Seite (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) vertritt, sprach sich für eine schärfere Trennung zwischen der Legalisierungs- und der Medizinalhanfdebatte aus. Er bemängelte zudem, dass der MDK nicht die Kompetenz habe, Anträge aus inhaltlichen und nicht nur aus formalen Gründen abzulehnen.
Der politische Trend scheint derzeit in die andere Richtung zu gehen. So sind im aktuellen GSAV-Entwurf, Ausnahmen beim Genehmigungsvorbehalt vorgesehen. Dies bedauere der MDK-Experte sehr. Außerdem bemängelte Meeßen, dass Cannabis nicht nur von spezifischen Facharztgruppen verordnet werden dürfe, sondern auch von „fachfremden“ Hausärzten.
Schmerzmediziner: „Es sind mitnichten die Junkies“
Für Schmerzmediziner Nadstawek stellt sich das Kompetenzgerangel bei den Cannabisverordnungen anders dar. Es gehe nicht an, dass fachfremde Personen beim MDK Therapieempfehlungen abgeben. So stehe in den Ablehnungsbescheiden häufig die Empfehlung, dass die Schmerzpatienten doch stattdessen Opioide einnehmen sollen – ohne die Betroffenen zu kennen. Und dass Opioide für die Patienten besser seien, könne der BVSD-Vorstand nicht bestätigen.
Außerdem bezweifele er, dass das Missbrauchspotenzial der Blütenarzneien so hoch sei, wie von den Vorrednern angenommen. „Es sind mitnichten die Junkies, die nach Cannabis fragen, sondern die schweren Fälle“, schilderte der Schmerzmediziner aus seiner Praxiserfahrung.
Wie sprechen wir über Medizinalhanf in fünf Jahren?
Der Begriff „Glaubenskrieg“ klingt vielleicht etwas drastisch. Doch trifft er den emotionalen Aspekt der Debatte im Kern. Denn sowohl für die Kritiker als auch für die Befürworter der Blütentherapie spielt Eminenz eine große Rolle. Dies liegt möglicherweise zum einen an der Evidenzlage und der fehlenden Arzneimittel-zulassung. Hinzu kommt, dass Cannabis die in Deutschland am häufigsten illegal konsumierte Droge ist, und bis vor Kurzem auch als Medizin nicht verkehrsfähig war, was subjektiv die Bedenken einiger Kritiker verstärken könnte.
Am Status von Cannabis als illegale Rauschdroge könnte sich auf internationaler Seite langfristig etwas ändern. So hat das WHO-Expertengremium, das für Drogen und Suchtstoffe zuständig ist (ECDD), empfohlen, das Gefahrenpotenzial von Cannabis herunterzustufen. Konkret soll Cannabis nach Auffassung des ECDD nicht mehr in die internationale Betäubungsmittelkategorie 4 gehören, die mit einem kompletten Verbot von Herstellung, Handel und Besitz verbunden ist. Cannabis würde demnach nur noch zur Kategorie 1 gehören, die eine strenge staatliche Kontrolle vorgibt. Ob diese nicht rechtsverbindlichen Empfehlungen umgesetzt werden, ist Sache der UN. Und diese Entscheidung könne sich noch bis 2020 hinziehen, erklärte eine Sprecherin des ECDD gegenüber DAZ.online.
Patienten in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben erhebliche Probleme, Ärzte zu finden, die ihnen Cannabis-Medikamente verschreiben. Der Aussage von Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, es dürfe solche Unterschiede im Vergleich zu anderen Ländern nicht geben, ist daher zuzustimmen, allerdings aus anderen Gründen, als die, die er anführt.
Seit 2017 steigt die Zahl der über die Apotheken abgegeben Cannabis­rezepturen und damit der Umsatz in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Nicht immer passiere das im Sinne einer rationalen Pharmakotherapie, kritisierte der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, kürzlich bei der Veranstaltung „Cannabis als Medizin – Gefahren des Missbrauchs?“ in Berlin.
Aktuelle Auswertungen der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker (ABDA) aus dem vergangenen Jahr zeigen deutliche regionale Unterschiede bei der Versorgung mit Cannabisblüten. Im Süden Deutschlands wurden demnach weit mehr Cannabis­rezepturen über die Apotheken abgegeben als im Norden.
Den durchschnittlichen GKV-Umsatz von 80 EURo pro 1.000 GKV-Versicherten über­schreiten die Bayern den Angaben zufolge um fast das Doppelte, dicht gefolgt von Baden-Württemberg. Den geringsten GKV-Umsatz verbuchen Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Westfalen-Lippe mit etwa 30 bis 40 EURo pro 1.000 GKV-Versicherten. „Gäbe es eine anerkannte Ratio in der Pharmakotherapie mit Cannabis dürfte es diese Unterschiede nicht geben“, ist Kiefer überzeugt.
Einen weiteren Hinweis dafür, dass der medizinische Bedarf nicht die Maßgabe für die Verordnung sei, sieht Kiefer in der Relation der eingelösten Rezepte zu unverarbeiteten und zubereiteten (gemahlen und gesiebt) Rezepturen in den Apotheken. Einheiten unverarbeiteter Cannabisrezepturen würden mehr pro Rezept abgegeben als zubereitete Rezepturen.
Für Kiefer gilt es somit als bewiesen, dass Cannabis nicht ausschließlich im Sinne einer rationalen Pharmakotherapie eingesetzt wird. Es liegt seiner Meinung nach aber nicht an der Qualität der Verordner oder der Apotheker.
Viel interessanter ist aber die Beobachtung, dass Schmerztherapeuten viel häufiger die Zubereitungen verordnen, während Allgemeinmeidziner viel häufiger unverarbeitete Cannabisblüten verordnen. Erik Bodendieck, Mitglied Kommission „Sucht- und Drogen“ bei der BÄK
Damit Ärzte mehr Erfahrungen mit dem Einsatz von Medizinalcannabis sammeln können, schlägt Erik Bodendieck, Mitglied Kommission „Sucht- und Drogen“ bei der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) vor, die Verordnung auf bestimmte Facharztgruppen zu beschränken.
Diese Einschränkung würde auch die DAK Gesundheit als sinnvoll erachten, stimmte Detlev Parow, Leiter Abteilung Arznei-/Hilfsmittel und sonstige Leistungen, zu. Aus Sachsen kann Bodendieck berichten, dass in erster Linie Schmerztherapeuten Medizinalcannabis verordnen und an zweiter Stelle die Allgemeinmediziner. „Viel interessanter ist aber die Beobachtung, dass Schmerztherapeuten viel häufiger die Zubereitungen verordnen, während Allgemeinmediziner viel häufiger unverarbeitete Cannabisblüten verordnen“, erläuterte der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.
Indikationsliste fehlt
Bodendieck und Parow vermissen zudem eine Indikationsliste für Medizinalcannabis. Entscheiden muss laut Sozialgesetzbuch 5 der Arzt im Einzelfall nach begründeter Einschätzung. „Das Gesetz verschiebt damit die Last in Gänze auf den Arzt“, kritisierte der Allgemeinmediziner Bodendieck aus Leipzig. Auch aufgrund der geringen Evidenz rufe die BÄK daher dazu auf, Cannabis nur im Einzelfall zu verordnen, wenn alles andere ausgeschöpft ist.
Es ist nicht Sache des MDKs restriktiv eine vom Gesetzgeber gewollte Therapie zu behindern. Wieland Schinnenburg, FDP
Im Zweifelsfall können die Krankenkassen die Anträge auch an den Medizinischen Dienst (MDK) zur Prüfung weitergeben. Die DAK Gesundheit würde dies in 99 Prozent der Anträge tun, berichtete Parow. Welche inhaltlichen Ablehnungsgründe neben formalen Fehlern gerechtfertigt seien, wäre aber unklar.
Deutliche Kritik an der Prüfung des MDK äußerte Joachim Nadstawek vom Berufsver­band der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD): „Es verschlägt mir die Sprache, welche Anträge der MDK ablehnt. Es geht nicht, dass der MDK Therapieempfehlungen ausspricht“, so Nadstawek.
Auch Wieland Schinnenburg, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der FDP, betonte die Entscheidungsbefugnis des einzelnen Arztes. „Es ist nicht Sache des MDK restriktiv eine vom Gesetzgeber gewollte Therapie zu behindern.“
Daraufhin stellte Axel Meeßen Geschäftsführer vom MDK Berlin/Brandenburg noch mal die Prüflogik klar, die von vielen nicht verstanden würde. Nicht die Menge an Indikationen sei ausschlaggebend, ob ein Patient Cannabis bekommen sollte. Für jede einzelne Indikation müsse der Arzt zeigen, dass Therapiealternativen bereits ohne Erfolg erhoben wurden. Meeßen empfiehlt Ärzten daher, sich auf eine Indikation zu fokussieren.
FrankfurtImmer mehr schwerkranke Menschen in Deutschland bekommen Cannabis auf Rezept. Laut einer Umfrage des Handelsblatts unter den drei großen Krankenkassen AOK, Techniker Krankenkasse und Barmer wurden im vergangenen Jahr mehr als 18.400 Anträge auf Kostenerstattung gestellt.
Jetzt ist 2020 als Zieljahr für den Anbau in Deutschland anvisiert. Vielleicht wird es auch 2021.
Erste Ernte möglicherweise Ende 2020
Seit Anfang 2017 ist in Deutschland ein Gesetz in Kraft, das den Einsatz von Cannabis-Arzneien bei einer ärztlichen Therapie und bei Patienten mit schweren Krankheiten erlaubt. Nun steht die erste mögliche Ernte fest: Ende 2020 soll es soweit sein.
Ende 2020 soll in Deutschland erstmals Cannabis für medizinische Zwecke geerntet werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) will im zweiten Quartal des laufenden Jahres endgültig den Zuschlag für mögliche Produzenten von Medizin-Cannabis erteilen, wie die Behörde am Montag in Bonn mitteilte.
79 Bieter haben demnach Angebote abgegeben. Es geht um den Anbau von 10.400 Kilogramm Cannabis, verteilt auf vier Jahre. Der ursprünglich für 2019 geplante Start des Anbaus von Cannabis in Deutschland hatte sich verzögert, weil die Ausschreibung wegen eines Verfahrensfehlers wiederholt werden musste. Im April will das Oberlandesgericht Düsseldorf noch über die Klage eines Bieters entscheiden. Mit einer ersten Ernte rechnet das Bundesinstitut nun im vierten Quartal 2020.
Gesetz seit Anfang 2017 in Kraft
Seit Anfang 2017 ist in Deutschland ein Gesetz in Kraft, das den Einsatz von Cannabis-Arzneien bei einer ärztlichen Therapie und bei Patienten mit schweren Krankheiten erlaubt. Die Anbaumenge ist demnach in 13 Lose zu je 200 Kilo Cannabis pro Jahr aufgeteilt, damit auch kleinere Unternehmen zum Zuge kommen und das Ausfallrisiko vermindert wird. Derzeit wird Cannabis aus dem Ausland nach Deutschland importiert, das ist auch weiter möglich.
Die WHO hat Cannabis neu bewertet und empfiehlt der UNO, die Einstufung von Cannabis in den internationalen Drogenkonventionen zu ändern.
Neubewertung von Cannabis der WHO
Das Expertenkomitee für Drogenabhängigkeit (Expert Committee on Drug Dependence – ECDD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tagte vom 12. bis 16. November 2018 in Genf. Auf dieser 41. Sitzung wurde vornehmlich über den Schaden, den der Konsum von Cannabis anrichten kann wie auch den Nutzen, den Cannabis als Medikament für die Patienten haben kann, diskutiert. Grundlage der Diskussion war der Bericht der 40. Sitzung des selben Expertenkomitees. Die 40. Sitzung fand vom 4. bis 7. Juni in Genf statt, wobei dort die Aspekte der verschiedenen Cannabinoide ausführlich diskutiert wurden.
Auf der 41. Sitzung des Expertenkomitees wurden Empfehlungen für eine Neubewertung von Cannabis ausgearbeitet, die in dem Anhang 1 zum protokolarischen Bericht der Sitzung zusammengefasst sind. Darin werden Umstufungen von Cannabis in verschiedenen Tabellen des Einheitsabkommens über die Betäubungsmittel (Single Convention on Narcotic Drugs) von 1961 empfohlen sowie die Entfernung von delta-9-Tetrahydrocanabinol (THC) aus der Konvention über psychotrope Substanzen von 1971.
Tabellen des Einheitsabkommens
Das Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel listet Drogen in vier kontinuierlich aktualisierten Tabellen auf, die die Verkehrsfähigkeit in unterschiedlichem Maß einschränken so wie etwa die Anlagen I bis III zu § 1 Abs. 1 Betäubungsmittelgesetz in Deutschland. Diese Beschränkungen nehmen von Tabelle I (starke Beschränkungen) bis Tabelle III (eher moderate Beschränkungen) ab. Tabelle IV (extrem starke Beschränkungen) bildet eine Teilmenge von Tabelle I und nimmt einen Sonderstatus ein. Die in ihr aufgeführten Substanzen und Zubereitungen sind generell nicht verkehrsfähig und somit auch als Arzneimittel nicht zulassungsfähig. Die Reihenfolge von extrem restriktiv bis am wenigsten restriktiv lautet: Tabelle IV, Tabelle I, Tabelle II, Tabelle III.
Empfehlungen des WHO-Expertenkomitees
Das Expertenkomitee kam zu dem Schluss, dass die Aufnahme von Cannabis und Cannabisharz in Anhang IV des Einheitsabkommens nicht im Einklang mit den Kriterien für Stoffe ist, die für eine Aufnahme Anhang IV vorgesehen sind. Daraus folgte die erste Empfehlung:
Das Expertenkomitee empfiehlt Cannabis und Cannabisharz aus der Tabelle IV des Einheitsabkommens über die Betäubungsmittel von 1961 zu streichen.
Die wichtigste psychoaktive Substanz in der Cannabispflanze ist eine der vier Stereoisomere von delta-9-Tetrahydrocannabinol. Diese Substanz hat therapeutische Zwecke und ist auch unter dem Namen Dronabinol bekannt. Dronabinol befindet sich derzeit in Tabelle II des Übereinkommens über psychotrope Substanzen von 1971. Tabelle II beinhaltet Stoffe mit eingeschränktem therapeutischen Nutzen wie Amphetamin, Phencyclidin (PCP) und Dronabinol. Nach dem heutigen Wissenstand trifft die Definition „mit eingeschränktem therapeutischen Nutzen“ nicht mehr zu, da ein therapeutischer Nutzen erwiesen ist. Aus dieser Erkenntnis erfolgte die zweite Empfehlung:
Das Expertenkomitee empfiehlt Dronabinol und seine Stereoisomere (delta-9-Tetrahydrocannabinol) in Anhang I des Einheitsabkommens über die Betäubungsmittel von 1961 einzugliedern. Das Expertenkomitee empfiehlt zudem die Streichung von Dronabinol und von seinen Stereoisomeren (delta-9-Tetrahydrocannabinol) aus Tabelle II des Übereinkommens von 1971 über psychotrope Stoffe, vorbehaltlich der Annahme der Empfehlung Dronabinol und seine Stereoisomere (delta-9-Tetrahydrocannabinol) in Tabelle I des Einheitsabkommens von 1961 einzugliedern.
In Tabelle I des Übereinkommens von 1971 über psychotrope Stoffe sind Substanzen aufgeführt, die angeblich überhaupt keinen medizinischen Nutzen haben wie beispielsweise LSD, Psilocybin und MDMA. Heute weiß man, dass diese Substanzen sehr wohl einen medizinischen Nutzen haben und deshalb ist auch hier eine Anpassung an den heutigen Wissensstand nötig. Wie dem auch sei, in dieser Tabelle I sind auch sechs Isomere von Dronabinol aufgelistet. Diese sechs Isomere ähneln chemisch dem delta-9-Tetrahydrocannabinol, das derzeit in Tabelle II des Übereinkommens von 1971 über psychotrope Stoffe aufgeführt ist. Das Expertenkomitee hat jedoch empfohlen, delta-9-Tetrahydrocannabinol aus dieser Liste zu streichen und in Tabelle I des Einheitsabkommens von 1961 einzugliedern. Obwohl diese sechs Isomere dem delta-9-Tetrahydrocannabinol chemisch sehr ähnlich sind, gibt es nur sehr wenige Beweise bezüglich des Missbrauchspotenzials und der akuten berauschenden Wirkungen dieser Isomere. Es gibt keine Berichte, dass die in Anhang I der Konvention von 1971 aufgelisteten THC-Isomere eine physische Abhängigkeit hervorrufen. Aus dieser Erkenntnis erfolgte die dritte Empfehlung:
Das Expertenkomitee empfiehlt Tetrahydrocannabinol (bezogen auf die sechs in Tabelle I des Übereinkommens von 1971 aufgelisteten Isomere von THC) in Tabelle I des Einheitsabkommens über die Betäubungsmittel von 1961 einzugliedern, sofern die Empfehlung zur Eingliederung von Dronabinol in diese Tabelle I angenommen wurde.
Das Expertenkomitee hat erkannt, dass der Begriff „Extrakte und Tinkturen von Cannabis“ gemäß dem Übereinkommen über Betäubungsmittel von 1961 verschiedene Zubereitungen umfasst, die teilweise psychoaktiv wirken und teilweise dies nicht tun. Das Expertenkomitee hat erkannt, dass die Variabilität betreffend psychoaktive Eigenschaften dieser Zubereitungen hauptsächlich auf unterschiedlichen Konzentrationen von delta-9-Tetrahydrocannabinol beruhen. Cannabisextrakte und Tinkturen ohne psychoaktive Eigenschaften, darunter überwiegend Cannabidiol (CBD), das vielversprechende therapeutische Anwendungen hat, gehören deshalb nicht zum Kontext des Übereinkommens über Betäubungsmittel von 1961. Aus dieser Erkenntnis erfolgte die vierte Empfehlung:
Das Expertenkomitee empfiehlt Extrakte und Tinkturen von Cannabis aus der Tabelle I des Übereinkommens über Betäubungsmittel von 1961 zu streichen.
Auf seiner 40. Sitzung prüfte das Expertenkomitee für Drogenabhängigkeit der WHO Berichte über die Wirkung von Cannabidiol und empfahl, das reines Cannabidiol nicht unter die Kontrollmaßnahmen der internationalen Abkommen zu stellen. Cannabidiol kommt in Cannabis und Cannabisharz vor, hat aber keine psychoaktive Eigenschaften und hat kein Missbrauchspotenzial und kein Abhängigkeitsvermögen. Es hat keine signifikanten negativen Auswirkungen. Cannabidiol hat sich bei der Behandlung von Krankheiten wie Epilepsie als wirksam erwiesen. Es wurde für diese Verwendung in den Vereinigten Staaten im Jahr 2018 als Medikament zugelassen und derzeit wird die Zulassung in der EURopäischen Union geprüft. Aus dieser Erkenntnis erfolgte die fünfte Empfehlung:
Das Expertenkomitee empfiehlt der Tabelle I des Übereinkommens über Betäubungsmittel von 1961 eine Fußnote mit dem folgenden Text hinzuzufügen: „Zubereitungen mit überwiegend Cannabidiol und nicht mehr als 0,2 Prozent delta-9-Tetrahydrocannabinol fallen nicht unter die internationale Kontrolle.“
Derzeit zugelassene Arzneimittel mit delta-9-Tetrahydrocannabinol als einzigem Wirkstoff werden (halb)synthetisch hergestellt wie zum Beispiel Marinol und Syndros. In der Zukunft ist es auch möglich, Zubereitungen mit gleichwertigen Eigenschaften aus Cannabis herzustellen, die die gleichen Mengen von delta-9-Tetrahydrocanabinol beinhalten. Die therapeutischen Wirkungen unterscheiden sich nicht. Es sind keine nachteilige Auswirkungen von aus der Cannabispflanze gewonnenes delta-9-Tetrahydrocanabinol im Vergleich zu (halb)synthetisch hergestelltem delta-9-Tetrahydrocanabinol bekannt.
Um den Zugang zu diesen Arzneimitteln nicht zu behindern und unter Bezugnahme auf Artikel 3.4 des Übereinkommens über Betäubungsmittel von 1961 erfolgte die sechste Empfehlung:
Das Expertenkomitee empfiehlt, dass Zubereitungen mit delta-9-Tetrahydrocannabinol (Dronabinol), die entweder durch chemische Synthese oder als Zubereitungen von Cannabis, die als pharmazeutische Produkte mit einem oder mehreren anderen Inhaltsstoffen zusammengesetzt sind, und von solcher Beschaffenheit sind, dass delta-9-Tetrahydrocannabinol (Dronabinol) nicht mit leicht verfügbaren Mitteln extrahiert oder in anderer Weise eine Ausbeute gewonnen werden kann, in Tabelle III (Tabelle mit den geringsten Restriktionen) des Übereinkommens über Betäubungsmittel von 1961 aufgenommen werden, da sie unter den gegebenen Bedingungen kein Risiko für die öffentliche Sicherheit darstellen.
Resonanz bei Verbänden und Medien
Gibt man in eine Suchmaschine wie Google oder Bing die Suchbegriffe „WHO“ und „Cannabis“ ein, dann werden einem diverse Treffer zu Fachverbänden und Fachzeitschriften angezeigt. So schreibt der Deutsche Hanfverband (DHV) unter dem Titel Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Neuklassifizierung von Cannabis, dass die Weltgesundheitsorganisation den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen eine Neuklassifizierung von Cannabis empfehle, die den Umgang mit Cannabis grundlegend verändern und insbesondere die medizinische Nutzung erleichtern würde. Eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe der WHO habe zuvor die Risiken von Cannabis, THC und CBD untersucht und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Risiken die aktuelle Einstufung nicht rechtfertigen. Gleichzeitig sei ein medizinischer Nutzen von Cannabis anerkannt worden.
Leafly fasst die Ergebnisse unter dem Titel Cannabis-Neubewertung: Erste Ergebnisse liegen vor wie folgt zusammen: Cannabisblüten und Cannabisharz sollen nicht mehr als gefährliche Stoffe eingestuft werden, die keinen medizinischen Wert besitzen. Dronabinol und Tetrahydrocannabinol sollen nicht mehr als psychotrope Substanzen, sondern als Betäubungsmittel eingestuft werden. Cannabidiol (CBD) ist nicht gefährlich und kann therapeutisch wertvoll sein. CBD-Extrakte, die bis zu 0,2 Prozent THC enthalten, sollen dereguliert und am Markt frei erhältlich sein.
Das Hanf Journal schreibt unter dem Titel WHO empfiehlt Neubetrachtung von Cannabis, dass die WHO eine Herabstufung von Cannabispflanzen sowie den Harzen der Gewächse aus der Kategorie IV auf Stufe I, in welcher nur die weniger gefährlichen Substanzen aufgelistet sind, fordere. Klar ausgesprochen werde von der WHO auch, dass Cannabidiol – kurz CBD – sowie Produkte mit dem Wirkstoff nicht unter internationaler Kontrolle stünden, solange sie den THC-Wert von 0,2 Prozent nicht überschreiten würden, was etwas Klarheit über den argwöhnisch beäugten Handel mit rauschfreien Blüten und Nahrungsergänzungsmitteln schafft.
Treffer zu den bekannten Massenmedien wurden bei den Suchmaschinen keine angezeigt – einzige Ausnahme: wallstreet-online. Wallstreet berichtet unter dem Titel Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Neuklassifizierung von Cannabis, dass eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe der WHO zuvor die Risiken von Cannabis, THC und CBD untersucht habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass die Risiken die aktuelle Einstufung nicht rechtfertigen. Neben dem Artikel wird der Aktienkurs eines bekannten Unternehmens aus der Hanfbranche angezeigt. Der Kurs von Aurora Cannabis ist innerhalb der letzten vier Wochen von knapp 6,00 EURo auf 9,70 EURo gestiegen.
Ein Treffer zur Seite der Drogenbeauftragten Marlene Mortler wurde von den Suchmaschinen auch angezeigt. Dieser führte zu einer Pressemitteilung, die unter dem Titel Aktuelle WHO-Studie zum Thema Cannabiskonsum veröffentlicht wurde. Die Pressemitteilung ist jedoch nicht aktuell, sondern darin wird von einer internationalen Expertenkommission unter Vorsitz des schwedischen Gesundheits-und Sozialministers berichtet, die im April 2015 tagte, um die Forschungsergebnisse bezüglich der Auswirkungen auf den Menschen bei Cannabiskonsum – sowohl psychisch als auch gesamtgesundheitlich betrachtet – zusammen zu tragen. Bemerkenswert an dieser Pressemitteilung ist, dass sie kein Veröffentlichungsdatum enthält. Nur wer aufmerksam die Seite betrachtet, kann in der Navigationsleiste sehen, dass diese Pressemitteilung um 2. Quartal 2016 veröffentlicht wurde. In der Übersicht zu den Pressemitteilungen aus dem Jahr 2016 der Drogenbeauftragten kann man sehen, dass alle Pressemitteilungen ein Veröffentlichungsdatum haben, außer jener hier erwähnten, die zwischen dem 30. Mai 2016 und dem 7. Juni 2016 eingetragen ist. Wurde hier das Datum entfernt, um die Relevanz bei Suchmaschinen zu manipulieren?
Wundermittel CBD? Cannabis wird für Händler zum grünen Gold (Berliner Morgenpost)
Israel erlaubt Export von Cannabis (zdp.de)
Cannabis auf Rezept – wenn das rettende Medikament in den Ruin treibt (Stern.de)
Wie Israel zur Supermacht des Cannabis aufsteigen will (Welt.de)
Hanfapotheke und Café (Süddeutsche Zeitung)
Ein Joint zum Vermehren? (Der Tagesspiegel)
Der Referentenentwurf des Bundesministeriums der Gesundheit, der unter anderem eine Reduzierung der Apothekenaufschläge auf die Kosten von Medizinalcannabisblüten vorsieht, ruft den Apothekerverband ABDA mit einer Gegenforderung auf den Plan. Man wolle nun auch für Substitutionsarzneimittel wie Methadon höhere Preise berechnen dürfen.
Die FDP-Bundestagsfraktion regt an, den Aufwand für die Apotheker und so die Kosten zu reduzieren. Sie weist darauf hin, dass der Umgang mit Medizinalcannabisblüten nicht einheitlich erfolge. Es stelle sich die Frage, ob Medizinalcannabisblüten nicht wie Fertigarzneimittel behandelt werden könnten. Damit greift sie eine Forderung der ACM aus dem Jahr 2017 auf. Diese Idee wurde damals auch von einigen Fachpolitikern in Gesprächen mit der ACM unterstützt, fand jedoch im Bundesgesundheitsministerium noch unzureichend Gehör.
Wir sind gespannt, ob und was an dem gegenwärtigen Referentenentwurf des BMG in Sachen Cannabis als Medizin geändert und schließlich von der Bundesregierung als Gesetzentwurf vorgelegt werden wird. Vor dem Inkrafttreten der Änderungen werden noch einige Monate ins Land ziehen, denn nach Vorlage des Gesetzentwurfs wird dieser üblicherweise noch im Rahmen einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags diskutiert. Bei dem Cannabis als Medizin-Gesetz, das am 10. März 2017 in Kraft trat, dauerte dieser Prozess etwa ein Jahr.
Erwartungsgemäß zeigen sich die Vertreter der Apothekerschaft wenig erfreut über die Pläne der Bundesregierung, die Aufschläge bei der Abgabe von Medizinalcannabisblüten in den Apotheken zu reduzieren, um so die Preise für Patienten und Krankenkassen zu senken.
A propos Betäubungsmittel: Auf die Vorschläge zum Cannabiszuschlag im Gesetz für Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) reagiert die ABDA mit einer Gegenforderung. Und zwar wollen die Apotheker auch die Preise für Substitutionsarzneimittel anpacken und gegebenenfalls vor die Schiedsstelle ziehen. In beiden Fällen streiten Apotheker und Kassen ergebnislos seit Jahren. Die im GSAV vorgesehen Einsparungen von 25 Millionen EURo beim Cannabis würden für die Apotheken herbe Verluste bedeuten.
Im Referentenentwurf für das GSAV (Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung) geht es auch um medizinisches Cannabis. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Kosten beim Medizinalhanf halbieren, was eine Einsparung von 25 Millionen bedeuten würde.
BMG und Kassen machen Druck
Zu diesem Zweck fordert Spahn vom GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und vom Deutschen Apothekerverband (DAV), den Apothekenzuschlag neu auszuhandeln. Sollte keine Einigung zustande kommen, soll gemäß § 129 SGBV die Schiedsstelle über die Höhe der Zuschläge in der Hilfstaxe entscheiden.
Wenn es ums Geld geht, sind Verbände häufig geteilter Meinung. So fallen Spahns Sparpläne beim Cannabis bei den Krankenkassen erwartungsgemäß auf fruchtbaren Boden. GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und AOK-Bundesverband (AOK-BV) begrüßen in ihren GSAV-Stellungnahmen, dass die Zuschläge sinken sollen. „Die Ablösung der völlig überhöhten Apothekenaufschläge nach AMPreisV in Höhe von 90 bzw. 100 Prozent auf den Apothekeneinkaufspreis auch bei Cannabis ist grundsätzlich zu begrüßen“, schreibt der AOK-BV.
Apothekern drohen herbe Verluste
Die ABDA begrüßt lediglich die Ausweitung der Schiedsfähigkeit der Hilfstaxe. Und dass die Schiedsstelle zum Einsatz kommt, ist nicht unwahrscheinlich. Schließlich verhandeln GKV-SV und DAV seit länger als einem Jahr – ohne Ergebnis. Derzeit werden gemäß der Arzneimittelpreisverordnung das Abfassen von Cannabisblüten mit einem Zuschlag von 100 Prozent und die Weiterverarbeitung mit einem Zuschlag von 90 Prozent berechnet. Im Falle einer Kostenhalbierung, wie sie dem BMG vorschwebt, verbleibt den Apothekern wenig. Der Arbeitsaufwand bei der Identitätsprüfung und Verarbeitung von Cannabisblüten ist jedoch unverändert hoch.
ABDA regaiert mit Gegenforderung
Darauf weist auch die ABDA in ihrer Stellungnahme hin und schwenkt quasi im selben Atemzug auf ein anderes Betäubungsmittelthema, nämlich der Preisgestaltung zu Substitutionsarzneimitteln. Auch hierüber streiten DAV und GKV-SV seit Jahren. Deshalb schlagen die Apotheker bei diesem Betäubungsmittelthema ebenfalls die Schiedsstellenlösung vor: „Im Zusammenhang mit der Neuregelung von § 129 Absatz 5d SGB V halten wir es darüber hinaus für geboten, eine Pflicht zur Neuverhandlung der Preise für Substitutionsarzneimittel im Sinne der Anlagen 4 bis 8 des Vertrages über die Preisbildung für Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen (§§ 4 und 5 der Arzneimittelpreisverordnung) festzulegen und im Falle des Scheiterns der Verhandlungen die Schiedsstelle gemäß § 129 Absatz 8 SGB V entscheiden zu lassen.“
Die irre Cannabis-Testphase (Lëtzebuerg Privat online)
Joschka Fischer wird Lobbyist für Cannabis-Hersteller (B.Z. Berlin)
Wenn ein Rezept die Droge Cannabis zur Medizin macht (Handelsblatt)
Ein XXL-Gewächshaus für Cannabis (Welt.de)
Was Gründer von Cannabis-Startups in Deutschland wissen müssen (Gründerszene)

References: § 13
 § 13
 § 31
 § 1
 § 129
 § 129
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