Source: https://www.sehity.com/chapter-2.html
Timestamp: 2019-01-17 11:09:30+00:00

Document:
Scientific Writing & Research Methods 18-19
Gruppe 2: (teilweise in Überarbeitung)
Psychologische Folgen des Erwerbsdrucks
Nicki Nazemi:
Welches Menschenbild erfordert das bedingungslose Grundeinkommen (BGE), bzw. welche Menschenbilder widersprechen diesem?
Die klassischen Menschenbilder der Wirtschaftswissenschaften sind (1) “economic man”, der verantwortungsscheu ist und völlig zwecksrational agiert und nach egoistischer Nutzenmaximierung strebt; (2) “social man”, der sich über die sozialen Beziehung erschliesst und eher nach informellen Regeln handelt; der (3) “selfactualizing man”, der intrinsisch motiviert ist und nach Selbstverwirklichung strebt und sich immer weiterentwickeln möchte; (4) der “complex man” mit vielfältigen Bedürfnissen, die sich situationsspezifisch ergeben. Der Mensch wird als anpassungsfähiges Wesen konzipiert.
Meines Erachtens kehrt das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) das Verhältnis zwischen Arbeit und Einkommen um: Das bedingungslose Einkommen wird zur Bedingung, arbeiten zu können. Die dann betriebene Arbeit ergibt sich aus dem Ziel des Arbeitenden, der Gesellschaft und den Mitmenschen etwas Gutes/Nützliches zu tun. Ein BGE funktioniert nicht mit einem klassisch-kapitalistischen Menschenbild. Falls man sich also dazu entscheiden sollte ein BGE einzuführen, dann muss man auch, über kurz oder lang daran arbeiten auch die bestehenden Menschenbilder durch ein solidarischeres zu ersetzen. Damit ein BGE langfristig funktioniert, bedarf es also eines solidarischen Menschenbildes. Die Frage ist, ob wir zunächst unser Menschenbild ändern müssen, um überhaupt ein BGE zu realisieren, oder ob nur ein bereits eingeführtes BGE die Änderung des Menschenbildes möglich macht (Saar, 2017).
​Saar, Robert. Braucht das BGE ein bestimmtes Menschenbild? ( 2017), URL: https://bgelkpolitik.wordpress.com/2017/05/09/menschenbilder/ (Stand:02.01.2018).
Luis Riz:
Wie wirkt sich Erwerbsdruck auf das menschliche Privatleben aus?
[In Ueberarbeitung]
Hintergrund: Der Erwerbsdruck als Existenzgrundlage nimmt in unseren heutigen Gesellschaften stetig zu. Sinkende Realeinkommen führen zu steigender Verschuldung und sozialem Verfall der Menschen. Geld als Symbol von Macht und Ansehen nimmt einen großen Stellenwert im Leben eines jeden Menschen ein. Das Einkommen eines Einzelnen wird oftmals
mit seinem sozialen Stellenwert gleichgesetzt. Sinkende Realeinkommen führen zu steigender Verschuldung und sozialem Verfall der Menschen. Die Lohnarbeit als „Erfindung“ der Industrialisierung muss dabei als moderne Volkskrankheit sozialer Systeme betrachtet werden. Erwirtschaftetes Vermögen wird von „Fleißig“ nach „Reich“ umverteilt. „Die Macht des Geldes wird drastisch unterschätzt, wenn man meint, mit diesem Papier in der Hand einfach ein effizientes Mittel zu besitzen. Tatsächlich macht uns Geld zu etwas noch bevor wir Gelegenheit dazu haben zu entscheiden, was wir mit dem Geld überhaupt machen wollen.“ (Sehity T.) Diese Tatsache wirkt sich schlussfolgernd auch auf das menschliche Privatleben aus. Dieses leidet oftmals erheblich unter den hohen Anforderungen in der Arbeitswelt. Die Freizeit wird zu Gunsten des Geldverdienens gekürzt. Familien, Freunde und die eigenen Wünsche sowie Bedürfnisse werden hinten angestellt. Nicht umsonst ist die Burnout-Rate gerade in den letzten Jahren enorm gestiegen. Berufe, die viel Selbständigkeit oder Kreativität, wie zum Beispiel Marketing, erfordern, sind besonders anfällig dafür. Die Menschen haben hier die Möglichkeit durch Fleiß mehr Geld zu verdienen, was wiederum den Erwerbsdruck steigert. Es wär also wichtig in einer schnelllebigen und von Erfolg geprägten Zeit, bewusst nicht zu viel zu Arbeiten und sich Zeit für einen selbst zu nehmen. So können auch Sozialkontakte aufrechterhalten werden und das eigene Wohl rückt wieder in den
Niklas Braun:
​Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Zukunft des Menschen aus und wird dieses in ein Bediengunsloses Grundeinkommen resultieren?
Vor einigen Jahren sorgten zwei Oxford-Professoren, Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne mit ihrer Studie „The future of employment“ für Aufregung. Die Ökonomen kamen zu dem Ergebnis, dass fast jeder zweite Amerikaner in einem Beruf arbeitet, dessen Tätigkeit innerhalb der nächsten 20 Jahre wahrscheinlich automatisiert werde. Mit dieser Aussage setzen sie Voraus das alles was automatisiert werden kann auch automatisiert wird. Die neue Qualität der Digitalisierung wird durch Fortschritte in folgenden drei Bereichen und deren zusammenwirken getrieben: IT und Software, „künstliche Intelligenz“, Vernetzung (Nahles, A., 2017, S.21).
Künftig werden ​Roboter nicht nur Autos montieren, sondern auch Loks fahren und Menschen operieren. Das erfordert einen neuen Sozialstaat und ein Grundeinkommen für alle. Im Zeitalter der Digitalisierung ist es mehr denn je wirtschaftlich unsinnig, Menschen zu zwingen, Arbeiten zu erledigen, die menschenunwürdig sind (Straubhaar, 2016). Der Mensch ist ökonomisch zu wertvoll, um ihn gefährliche, riskante und gesundheitsschädigende Arbeiten machen zu lassen und ihn dann Jahrzehnte bis zum Lebensende krank durch den Sozialstaat zu schleppen (Straubhaar, 2016).
Die Digitalisierung wird dazu führen, dass Automaten und Roboter den Menschen aus der Produktion verdrängen. Nicht nur standardisierte einfache Arbeiten am Fließband, an Supermarktkassen oder im Büro werden verschwinden. Auch bei qualifizierteren Tätigkeiten wie die von Lokomotivführern, Versicherungsmaklern oder Buchhaltern werden Menschen zunehmend überflüssig. Die Digitalisierung wird nicht nur Millionen von Jobs vernichten, sie wird auch Millionen von neuen Arbeitsplätzen schaffen. Viele davon in Bereichen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können (Straubhaar, 2016). Sicher ist, dass Arbeit mehr und mehr ein radikal anderes Gesicht, eine andere Bedeutung und einen neuen Stellenwert erhalten wird – gesellschaftlich und wirtschaftlich. Dem muss der Sozialstaat des 21. Jahrhunderts Rechnung tragen. Es ist kein großes Wunder, dass im Zeitalter der Digitalisierung die alte Idee eines Grundeinkommens weltweit neue Unterstützung erhält. Wo und wie weit Roboter Menschen aus der Arbeit drängen werden, hängt von den Kostenunterschieden zwischen Löhnen und Maschinen ab. Und ob noch jemand Lust und Wille hat niedrig bezahlte, aber für die Gesellschaft wichtige Tätigkeiten auszuüben, wird von der Höhe eines Grundeinkommens abhängig sein. Je höher das Grundeinkommen, umso höher müssen die Steuersätze zur Finanzierung sein und umso geringer dürften die Arbeitsanreize bleiben. So einfach funktionieren die Regeln der Ökonomik (Straubhaar, 2016).
​Nahles, A. (2017). Weissbuch. Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales Abteilung Grundsatzfragen des Sozialstaats, der Arbeitswelt und der sozialen Marktwirtschaft
Straubhaar, Thomas: Wer hat Lust auf Arbeit? (2.6.2016). http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-06/grundeinkommen-schweiz-arbeitsmarkt (6.1.2016).
Christoph Mosburger:
Welche psychologischen Auswirkungen hat Arbeitslosigkeit?
Beim Verlust des Arbeitsplatzes kann man eine große Vielfalt an Reaktionen feststellen, welche sich bei verschiedenen Persönlichkeiten unterschiedlich auswirken und zeigen. Dies ist abhängig von äußeren Einflüssen, zum Beispiel der finanziellen oder sozialen Unterstützung, und natürlich von Charaktereigenschaften. Einer Warschauer Studie gelang es jedoch, durch biographische Berichte ein Muster zu erstellen, welches den Verlauf der emotionalen Reaktionen von Arbeitslosen chronologisch darstellt. Der Verlauf des Seelenlebens der Betroffenen, wird von der polnischen Studie in sechs Stufen eingeteilt, beginnend mit dem tatsächlichen Verlust des Arbeitsplatzes. Eine starke emotionale Reaktion wird ausgelöst, in der Hass, Angst, Rache und Trauer gleichermaßen dominieren.
Wird den Betroffenen die Ausweglosigkeit der Situation bewusst, entwickelt sich ein Ohnmachtsgefühl, welches den Gemütszustand in die zweite Phase übergehen lässt, "einem dumpfen Gefühl der Lähmung." (Wacker, 1976, S. 46) Das dritte Stadium stellt ein Gefühl der relativen Beruhigung dar. Der Arbeitslose akzeptiert in dieser Phase vorerst seine derzeitige Lage, versucht sich wieder zu fangen, empfindet die Situation aber nicht als hoffnungslos. Sollten die Hoffnungen trotz Arbeitssuche jedoch nicht erfüllt werden, entwickelt sich die vierte Stufe, die Hoffnungslosigkeit. Dieser Phase folgt oft erneut eine starke emotionale Verzweiflung, die letztendlich durch "ein Versinken in tiefer Apathie, in der der Arbeitslose an sich und seiner Situation kaum mehr Anteil nimmt; er hat sich aufgegeben." (Wacker, 1976, S.46) Daraus lässt sich schließen, dass sich die psychische Belastung bei Arbeitslosen immer weiter steigert, bis zum Punkt der Hoffnungslosigkeit. Kurz nach dem Verlust des Arbeitsplatzes findet man also vermutlich andere Reaktionen vor als bei langzeitarbeitslosen. Bereits in den 30er Jahren stellte der englische Psychiater Robb diese Vielfalt an Reaktionen fest:
„Der hoffnungslose Kampf, verbunden mit einem Gefühl der Wertlosigkeit und Schuld, kann einige zum Selbstmord treiben. Andere finden sich mit ihrer Situation ab, indem sie abstumpfen und sich ihrem verminderten Lebensstandard anpassen. Eine große Zahl wird zu Landstreichern und Kriminellen. Einige finden in der Religion eine ausreichende Konsolidierung. Wieder andere entwickeln Formen von Größenwahn, in denen sie ihre Degradierung kompensieren.“ (Robb 1934, zit. in: ebd., S. 69f.)
Wacker, A. (1976). Arbeitslosigkeit. Soziale und psychische Voraussetzungen und Folgen. Frankfurt a. Main: Europa.
David Ratajczak:
​Welche sozialwissenschaftlich fundierten (nicht ökonomischen) Argumente können für ein bedingungsloses Grundeinkommen und welche dagegen vorgebracht werden?
Definition: Jeder Bürger bekommt von Geburt an bedingungslos ein Grundeinkommen ausbezahlt. Dieses ist unabhängig von sozialer Bedürftigkeit, Alter, Einkommen und Familienstand und soll nicht nur die bloße Existenz sichern, sondern ein bürgerliches Grundrecht auf ein würdevolles Dasein realisieren. Das GE ist nicht an „Zwang zur Arbeit“ gekoppelt.
Das BGE könnte Menschen zu mehr Entscheidungsfreiheit verhelfen, speziell auch im Bereich der Berufswahl. Besonders heutzutage spielt die Frage eine Rolle, wie schnell man als junger Mensch aus einem „sozial schwachen Elternhaus“ am schnellsten finanziell unabhängig wird. Speziell in diesem Fall wird oft auf höhere Bildungsabschlüsse verzichtet, zugunsten früherer Erwerbstätigkeit und finanzieller Entlastung des Elternhauses. Viel Potential bleibt ungenützt, und ein bedingungsloses GE könnte für eine Absicherung während des Studiums dienen.
Die Einführung eines bedingungslosen GE könnte positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Bürgern haben. Auch bei kurzfristiger Arbeitslosigkeit garantiere das GE ein Einkommen, das Gefühl von Unsicherheit und Stress könnte verringert werden und somit positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben (Jacobi, 2009). Empirische Studien belegen dies zum Teil tatsächlich. Laut einem kanadischen Feldversuch gingen im Vergleich zur Kontrollgruppe die Arztbesuche der Gruppe mit Grundeinkommen signifikant zurück, insbesondere in Bezug auf Behandlungen von psychischen Problemen sowie auf Verletzungen und Unfällen (Forget, 2011).
Es ist bekannt, dass Frauen nicht nur in Österreich ökonomisch benachteiligt sind (siehe „gender pay gap“). Frauen, die sich nur oder hauptsächlich um die Kinder und den Haushalt kümmern, sind für ihr finanzielles Auskommen in der Regel von ihrem Partner abhängig. Aber auch aufgrund häufiger (relativ im Vergleich zu Männern) Unterbrechungen, wie Schwangerschaft und Erziehungszeiten, erlangen Frauen selten dieselben Sozialversicherungsansprüche wie Männer. Das stärkt das Armutsrisiko. Die Einführung eines GE würde, zumindest im Bereich der Geringverdiener diese Ungleichheiten und Abhängigkeiten aufbrechen. Gleichzeitig würde es für Männer leichter ihre eigene Erwerbstätigkeit zu reduzieren.
Die Annahme, dass der Mensch grundsätzlich “faul” ist. Ein bedingungsloses GE schwächt den existentiellen Druck. Der Mensch würde nicht arbeiten gehen, wenn er nicht muss. Dem liegt die Annahme zu Grunde, dass finanzieller Erfolg an Motivation gekoppelt ist. Je motivierter eine Person, desto (finanziell) erfolgreicher ist sie. Fällt Mmotivation zur Arbeit weg, führe dies im Grunde nur zu einer Art “entstigmatisierter” Arbeitslosigkeit. Auswirkungen von Langzeitarbeitslosigkeit auf die Psyche, zeigten etliche Studien, wie zum Beispiel die Marienthalstudie von Jahoda & Lazarsfeld. Demnach bewirke Arbeitslosigkeit passive Resignation, Arbeiten die erledigt gehörten wurde, trotz genügend Zeit dennoch auf die “lange Bank” geschoben.
Geld allein führt nicht zu Sinn, Glück und Kreativität. Das zeigen etliche Untersuchungen. Eine mündete zum Beispiel in der Happiness Set Point Theorie. Demnach habe jeder einen fest justierten Glückswert, der relativ unabhängig von sogenannten einschneidenden Ereignissen ist. Umstände, die einen Glückswert generieren können, sind zum Beispiel Kindheitsereignisse oder Gene. Somit ist ein bedingungsloses Grundeinkommen der falsche Ansatz, da es selbst zu materialistisch und “zu kurz” gedacht ist.
Fischer, U. (2013): Alternative Wege: Das Bedingungslose Grundeinkommen und seine Folgen, sozialmagazin 3-4.2013.
Forget, E. (2011): The town with no poverty, University of Manitoba.
Jacobi, F. (2009): Nehmen psychische Störungen zu, report psychologie 34(1), 16-28, Dresden.
Jahoda, P.F.; Lazarsfeld, H. Z.(1933): Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit. Hirzel,
Leipzig. (Erste Neuauflage: Allensbach 1960; als Buch erschienen im Verlag Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975
Lykken, D. T.; Tellegen, A. (1996): Happiness is a Stochastic Phenomenon, in: Psychological Science, Band 7, S. 186 -189.
Statistisches Bundesamt (2014b): Gender Pay Gap 2013 bei Vollzeitbeschäftigten besonders hoch, Wiesbaden.

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