Source: http://www.hensche.de/Urlaubsverguetung_Provisionsausgleich_EuGH_C-539-12_Lock.html
Timestamp: 2017-05-24 02:20:58+00:00

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ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/187
Wer im Ur­laub ist, kann nichts ver­kau­fen...
Muss es für ent­fal­le­ne Pro­vi­sio­nen während des Ur­laubs ei­nen Pro­vi­si­ons­aus­gleich ge­ben?
Der Fall Lock: Kann ein bri­ti­scher Gas­verkäufer ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich für den ur­laubs­be­ding­ten Aus­fall von pro­vi­si­ons­pflich­ti­gen Geschäften ver­lan­gen?
EuGH: Bei der Ur­laubs­vergütung ist der Aus­fall von Pro­vi­sio­nen aus­zu­glei­chen, der sich in­fol­ge ei­ner Ur­laubs­ab­we­sen­heit er­gibt
Muss es für ent­fal­le­ne Pro­vi­sio­nen während des Ur­laubs ei­nen Pro­vi­si­ons­aus­gleich ge­ben? Ar­beit­neh­mer ha­ben in Deutsch­land pro Ka­len­der­jahr An­spruch auf vier Wo­chen be­zahl­ten Ur­laub. Das folgt aus § 1 Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUrlG) in Ver­bin­dung mit § 3 BUrlG. Das Ur­laubs­ent­gelt be­misst sich da­bei nach dem durch­schnitt­li­chen Ar­beits­ver­dienst, das der Ar­beit­neh­mer in den letz­ten drei­zehn Wo­chen vor Be­ginn des Ur­laubs er­hal­ten hat (§ 11 Abs.1 Satz 1 BUrlG). Ver­kaufs-, Ab­schluss- oder Um­satz­pro­vi­sio­nen gehören zu die­sem Ar­beits­ver­dienst, d.h. zum sog. Re­fe­ren­zent­gelt, wenn sie als Teil des re­gulären Ge­halts lau­fend ab­ge­rech­net und be­zahlt wer­den. Da­her ha­ben Ver­triebs­mit­ar­bei­ter, die lau­fen­de Pro­vi­sio­nen für ih­re Ab­schlüsse er­hal­ten, zunächst ein­mal kei­nen fi­nan­zi­el­len Nach­teil von ei­nem Ur­laub, denn die vor dem Ur­laub er­ziel­ten Ab­schlüsse wer­den meist zeit­ver­setzt ei­ni­ge Wo­chen oder Mo­na­te später ab­ge­rech­net. Al­ler­dings er­gibt sich für die meis­ten Ver­triebs­mit­ar­bei­ter den­noch ein fi­nan­zi­el­ler Nach­teil durch den Ur­laub, und zwar zeit­ver­setzt. Denn weil man ja während des Ur­laubs kei­ne neu­en pro­vi­si­ons­pflich­ti­gen Geschäfte ab­sch­ließen kann, be­kommt man ei­ni­ge Mo­na­te nach dem Ur­laub we­ni­ger Geld. Die­se Lücke bleibt auf der Grund­la­ge von § 11 Abs.1 Satz 1 BUrlG be­ste­hen, d.h. ei­nen Aus­gleich sieht das Ge­setz nicht vor. Denn nach die­ser Re­ge­lung kommt es bei der Be­rech­nung der Ur­laubs­vergütung eben nur auf das ab­ge­rech­ne­te Ge­halt während der letz­ten 13 Wo­chen vor dem Ur­laub an, und Punkt.
Der Fall Lock: Kann ein bri­ti­scher Gas­verkäufer ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich für den ur­laubs­be­ding­ten Aus­fall von pro­vi­si­ons­pflich­ti­gen Geschäften ver­lan­gen? In dem vom EuGH ent­schie­de­nen Streit­fall ver­klag­te ein Gas­verkäufer, Herr Lock, sei­nen Ar­beit­ge­ber, die Bri­tish Gas Tra­ding Ltd., auf ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich für den Aus­fall neu­er pro­vi­si­ons­pflich­ti­ger Geschäfte, die er während ei­nes Ur­laubs vom 19.12.2011 bis zum 03.01.2012 nicht ab­sch­ließen konn­te. Die Be­zah­lung für die Zeit des Ur­laubs selbst war da­bei zunächst nicht Streit. Denn im De­zem­ber 2011 er­hielt er ne­ben sei­nem Grund­ge­halt von 1.222,50 Pfund Ster­ling (GBP) Pro­vi­sio­nen in Höhe von 2.350,31 GBP, während er im Durch­schnitt des Jah­res 2011 "nur" mo­nat­li­che Pro­vi­sio­nen in Höhe von 1.912,67 GBP be­zog. So­weit war die Be­zah­lung während des De­zem­ber­ur­laubs erst ein­mal in Ord­nung.
EuGH: Bei der Ur­laubs­vergütung ist der Aus­fall von Pro­vi­sio­nen aus­zu­glei­chen, der sich in­fol­ge ei­ner Ur­laubs­ab­we­sen­heit er­gibt Ges­tern ent­schied der Ge­richts­hof über den Fall und folg­te dem Vor­schlag des Ge­ne­ral­an­walts. Denn die von Bri­tish Gas vor­ge­nom­me­ne Be­rech­nung der Ur­laubs­vergütung war un­zu­rei­chend, so der EuGH. Wie be­reits der Ge­ne­ral­an­walt ver­weist der Ge­richts­hof dar­auf, dass Art.7 der Richt­li­nie 2003/88/EG je­den fi­nan­zi­el­len An­reiz ver­hin­dern will, der Ar­beit­neh­mer vom Ur­laub ab­hal­ten könn­te. Und da Herr Lock auf der Grund­la­ge sei­ner bis­he­ri­gen Ur­laubs­vergütung ur­laubs­be­ding­te fi­nan­zi­el­le Nach­tei­le er­lei­den würde, muss die Ur­laubs­vergütung im Er­geb­nis auf­ge­bes­sert wer­den. Ver­triebs­mit­ar­bei­ter müssen da­her zusätz­lich zu der Ur­laubs­vergütung auf der Grund­la­ge ih­rer vor dem Ur­laub ver­dien­ten Pro­vi­sio­nen ei­nen wei­te­ren fi­nan­zi­el­len Aus­gleich für die pro­vi­si­ons­pflich­ti­gen Geschäfts­ab­schlüsse er­hal­ten, die während des Ur­laubs aus­ge­blie­ben sind. Fa­zit: Künf­tig ist § 11 Abs.1 Satz 1 BUrlG an­ders als bis­her, nämlich richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen und so an­zu­wen­den, dass pro­vi­si­ons­be­rech­tig­te Ar­beit­neh­mer ei­nen Aus­gleich für ur­laubs­be­dingt weg­fal­len­de Pro­vi­sio­nen er­hal­ten müssen. Die­ser Aus­gleich kann ent­we­der durch ei­ne Stell­ver­tre­terlösung er­fol­gen, d.h. durch ei­nen Ur­laubs­ver­tre­ter, der für den ur­laubs­ab­we­sen­den Ar­beit­neh­mer auf des­sen Rech­nung ge­hen­de Neu­geschäfte ab­sch­ließt (denn die Vor­la­ge­fra­ge des Em­ploy­ment Tri­bu­nal be­zieht sich aus­drück­lich auf den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer während sei­nes Ur­laubs kei­ne pro­vi­si­ons­pflich­ti­gen Geschäfte ab­sch­ließt und da­her "kei­ne Pro­vi­sio­nen ver­dient"),
Ar­beits­recht ak­tu­ell: 14/013 Pro­vi­si­ons­an­spruch während des Ur­laubs Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/041 Das Eu­ro­pa­recht schreibt ei­nen Min­des­t­ur­laub von vier Wo­chen vor - oh­ne jähr­li­che Min­dest­ar­beits­zeit
Bewertung: Urlaubsverguetung_Provisionsausgleich_EuGH_C-539-12_Lock.html

References: § 1
 § 3
 § 11
 EuGH 
 Art.7
 § 11