Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=21.04.2010&Aktenzeichen=11%20S%20200/10
Timestamp: 2019-06-26 05:07:51+00:00

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VGH Baden-Württemberg, 21.04.2010 - 11 S 200/10 - dejure.org
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VGH Baden-Württemberg, 21.04.2010 - 11 S 200/10 (https://dejure.org/2010,1645)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 (https://dejure.org/2010,1645)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 21. April 2010 - 11 S 200/10 (https://dejure.org/2010,1645)
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§ 25 Abs 3 S 2 AufenthG 2004, § 54 Nr 5 AufenthG 2004, § 60 Abs 2 AufenthG 2004, EUV 1285/2009, Art 15b EGRL 83/2004, Art 17 Abs 1c EGRL 83/2004, Art 24 EGRL 83/2004, Art 1 Buchst c FlüAbk
AufenthG § 54 Nr. 5, AufenthG § ... 25 Abs. 3, AufenthG § 60 Abs. 2, RL 2004/83/EG Art. 15 Bst. b, RL 2004/83/EG Art. 17 Abs. 1, RL 2004/83/EG Art. 24 Abs. 2, GFK Art. 1 F Bst. c, RL 2004/83/EG Art. 18, RL 2004/83/EG Art. 13, AsylVfG § 3 Abs. 4, RL 2004/83/EG Art. 19 Abs. 3, EMRK Art. 3, AufenthG § 11 Abs. 1 S. 2, AufenthG § 84 Abs. 2 S. 2
Ausweisung, International Sikh Youth Federation (ISYF), terroristische Vereinigung, Indien, Berufung, Unterstützung, Verhältnismäßigkeit, Aufenthaltserlaubnis, Sperrwirkung, Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen, Wiederholungsgefahr
Ausweisung eines indischen Staatsangehörigen wegen Unterstützung einer terroristischen Organisation; "International Sikh Youth Federation" (ISYF) als eine den Terror unterstützende Organisation i.S.d. § 54 Nr. 5 Aufenthaltsgesetz ( AufenthG ); Ordnungsgemäße Umsetzung der Bestimmungen des § 25 Abs. 3 AufenthG und des § 60 Abs. 2 AufenthG durch die Vorgaben der Art. 15 lit. b, Art. 17 Abs. 1 und Art. 24 Abs. 2 RL 83/2004/EG
Ausweisung eines indischen Staatsangehörigen wegen Unterstützung einer terroristischen Organisation; "International Sikh Youth Federation" (ISYF) als eine den Terror unterstützende Organisation i.S.d. § 54 Nr. 5 Aufenthaltsgesetz (AufenthG); Ordnungsgemäße Umsetzung der Bestimmungen des § 25 Abs. 3 AufenthG und des § 60 Abs. 2 AufenthG durch die Vorgaben der Art. 15 lit. b, Art. 17 Abs. 1 und Art. 24 Abs. 2 RL 83/2004/EG
Ebenso wenig ist ein "aktives Tätigwerden" erforderlich (BVerwG, Urteil vom 15.03.2005 - 1 C 26.03 -BVerwGE 123, 114 - zur früheren Regelung des § 8 Abs. 1 Nr. 5 AuslG;… vgl. auch Beschluss vom 23.09.2011 - 1 B 19.11 - a.a.O., m.w.N.;… Beschluss des Senats vom 08.12.2010 - 11 S 2366/10 - a.a.O.; Urteile des Senats vom 25.05.2011 - 11 S 308/11 - juris und vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 - a.a.O.).
Denn immerhin wird mit der Ausweisung zum einen konsequent jeder Aufenthaltsverfestigung entgegengewirkt, zum anderen werden dadurch die Aufenthaltsbeschränkungen des § 54a AufenthG ausgelöst bzw. der Erlass entsprechender Überwachungsmaßnahmen ermöglicht (Urteil des Senats vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 - a.a.O.;… vgl. auch Beschluss vom 08.12.2010 - 11 S 2366/10 - a.a.O., ebenso Bayer. VGH, Beschluss vom 10.07.2009 - 10 ZB 09.950 - juris; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 31.08.2004 - 1 C 25.03 - InfAuslR 2005, 49).
Vergleiche zu Leitsatz 4. VGH Mannheim, Urteil vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 -, juris; Anschluss an VGH München, Urteil vom 15.06.2011 - 19 B 10.2539 -, juris.(Rn.82).
Gegen dieses ihr am 25.07.2013 zugestellte Urteil hat die Beklagte am 15.08.2013 Berufung eingelegt und im Wesentlichen geltend gemacht, die Ausschlussgründe des § 25 Abs. 3 Satz 2 lit. a bis d AufenthG seien die in Art. 17 der Richtlinie 2004/83/EG des Rates vom 29. April 2004 bzw. der nun geltenden Richtlinie 2011/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13.12.2011 (Qualifikations-Richtlinie - QRL) genannten Ausschlussgründe, die zwingend der Zuerkennung des subsidiären Schutzstatus nach Art. 15 QRL entgegenstünden (unter Hinweis auf Urteil des Senats vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 - Rn. 64 ff., juris).
Ob und ggf. unter welchen Umständen trotz Verwirklichung des Tatbestands einer schweren Straftat die Schutzwürdigkeit - wieder - gegeben sein kann (vgl. Urteil des Senats vom 21.04.2010 - 11 S 200/10, Rn. 68 - juris), bedarf hier damit keiner Entscheidung.
Dies hat der Senat zu § 25 Abs. 3 Satz 2 lit. c AufenthG a.F bereits entschieden (Urteil des Senats vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 - juris).
Denn unionsrechtlich folgt aus Art. 17 Abs. 1 QRL, dass, wenn schon der Schutzstatus zwingend zu versagen ist, gewissermaßen erst recht ein Anspruch auf Erteilung eines diesen voraussetzenden Titels ausscheiden muss (vgl. Urteil des Senats vom 21.04.2010 - 11 S 200/10, Rn. 65 - juris).
Zum Leitsatz vergleiche VGH Mannheim, Urteil vom 21.4.2010 - 11 S 200/10 -.
Zu den Begriffen des Terrorismus wie auch des Unterstützens kann im einzelnen auf das Senatsurteil vom 21.4.2010 (- 11 S 200/10 - juris, m.w.Nachw.) verwiesen werden.
Insbesondere setzt der Kläger der weiteren Erwägung des Verwaltungsgerichts, ein Persönlichkeitswandel oder eine Distanzierung vom Einsatz terroristischer Mittel sei weder vorgetragen noch ersichtlich, nichts entgegen (vgl. hierzu auch Senatsurteil vom 21.4.2010, a.a.O.).
Aus einem Abschiebungsverbot folgt nicht zwingend, dass eine Ausweisung generell unzulässig ist (vgl. Senatsurteil vom 21.4.2010, a.a.O.).
Die EU-Mitgliedstaaten setzten diese Verpflichtung zu Sanktionsmaßnahmen auf der Basis des Gemeinsamen Standpunktes GASP/2001/931 bzw. Verordnung 2580/2001, zuletzt geändert durch Beschluss 2012/150/GASP vom 13.03.2012 und EU-Verordnung 213/2012 vom 13.03.2012 in EU-Recht um (vgl. Senatsurteil vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 -juris Rn 52; vgl. näher auch BT-Drs. 17/9076 vom 22.03.2012 - Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage zum politischen Betätigungsverbot).
Zu Unterstützungshandlungen des Terrorismus vgl. BVerwG, Urteil vom 15.03.2005 - 1 C 26/03 - BVerwGE 123, 114-131 und VGH Mannheim, Urteil vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 -.
49 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil vom 15.03.2005 (- 1 C 26.03 - BVerwGE 123, 114) zu der in der Sache sich letztlich im Wesentlichen nur hinsichtlich der - höheren - Anforderungen der Beweisführung zur Feststellung von Unterstützungshandlungen unterscheidenden Vorläufervorschrift des § 8 Abs. 1 Nr. 5 letzte Variante AuslG 1990 (i.V.m. § 47 Abs. 2 Nr. 4 AuslG 1990) folgende Grundsätze aufgestellt, die der Senat seiner Rechtsprechung zugrunde gelegt hat (vgl. schon Urteil vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 - juris) und weiter zugrunde legt:.
Bei dieser Ausgangslage kann nur dann davon ausgegangen werden, dass eine Organisation ihren terroristischen Charakter verloren hat, wenn sie sich unmissverständlich und glaubhaft von ihrer terroristischen Vergangenheit distanziert hat; jede andere Sichtweise wäre unangemessen und lebensfremd und kann der Bestimmung des § 54 Nr. 5 AufenthG nicht unterlegt werden (vgl. zu alledem schon Senatsurteil vom 21.04.2010 - 11 S 200/10 - juris).
Ein unter spezialpräventiven Gesichtspunkten zu berücksichtigendes öffentliches Ausweisungsinteresse kann auch bei Bestehen von Duldungsgründen dann bejaht werden, wenn mit der Ausweisung ein Aufenthaltstitel zum Erlöschen gebracht oder einer weiteren Aufenthaltsverfestigung entgegengewirkt wird oder Aufenthaltsbeschränkungen ausgelöst werden (vgl. VGH BW, U. v. 21.4.2010 - 11 S 200/10 - juris Rn. 60).
Denn ein Ausländer ist individuell nicht in der Lage, eine gerichtliche Klärung der Aufnahme einer Organisation in die EU-Verordnung herbeizuführen (vgl. VGH Mannheim, Urt. v. 21.04.2010 - 11 S 200/10 - juris).
Gegen eine Bindungs- und Tatbestandswirkung der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 610/2010 des Rates vom 12.07.2010 spricht auch, dass es keine den §§ 4 und 42 AsylVfG vergleichbare Vorgabe gibt (vgl. VGH Mannheim, Urt. v. 21.04.2010 - 11 S 200/10 - juris).
Im Übrigen wird auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichts und des Verwaltungsgerichtshofs im Ausweisungsverfahren mit den entsprechenden Feststellungen zum terroristischen Charakter dieser Organisation verwiesen, sowie auf die ausführliche Entscheidung des VGH Bad.-Württ. (U. v. 21.04.2010 - 11 S 200/10 - juris) zu der mit Babbar Khalsa kooperierenden International Sikh Youth Federation (ISYF).
Denn selbst dann wäre in jedem Fall ein glaubwürdige und ernsthafte deutliche aktuelle Distanzierung von diesen Unterstützungshandlungen deshalb notwendig, weil nur dann keine Wiederholungsgefahr mehr angenommen werden kann bzw. dann von einer aktuell fortbestehenden Asylunwürdigkeit wegen eines den Vereinten Nationen und ihren Grundsätzen zuwiderlaufenden Verhaltens womöglich keine Rede mehr sein könnte (siehe zu einer solchen womöglich einschränkenden Anwendung dieses Ausschlussgrundes VGH Bad.-Württ., Urt. v. 21.04.2010 - 11 S 200/10 - juris, Rd.Nr. 68, 69; siehe im Übrigen ausführlich zu solchen den Ausschlussgrund einschränkenden Erwägungen GK AufenthG, Rd.Nrn. 260 - 262 m.w.N.).

References: § 25
 § 54
 § 60
 § 54
 § 60
 Art. 15
 Art. 17
 Art. 24
 Art. 1
 Art. 18
 Art. 13
 § 3
 Art. 19
 Art. 3
 § 11
 § 84
 § 54
 § 25
 § 60
 Art. 15
 Art. 17
 Art. 24
 § 54
 § 25
 § 60
 Art. 15
 Art. 17
 Art. 24
 § 8
 § 54
 § 25
 Art. 17
 Art. 15
 § 25
 Art. 17
 § 8
 § 47
 § 54