Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=SG%20M%C3%BCnchen&Datum=13.01.2010&Aktenzeichen=S%2019%20P%206/10
Timestamp: 2020-04-01 21:48:44+00:00

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SG München, 13.01.2010 - S 19 P 6/10 ER - dejure.org
SG München, 13.01.2010 - S 19 P 6/10 ER
https://dejure.org/2010,7195
SG München, 13.01.2010 - S 19 P 6/10 ER (https://dejure.org/2010,7195)
SG München, Entscheidung vom 13.01.2010 - S 19 P 6/10 ER (https://dejure.org/2010,7195)
SG München, Entscheidung vom 13. Januar 2010 - S 19 P 6/10 ER (https://dejure.org/2010,7195)
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(Soziale Pflegeversicherung - Pflegequalität - Streit über die Ergebnisse der Qualitätsprüfung - Transparenzbericht - einstweiliger Rechtsschutz gegen die Veröffentlichung - Eingriff in Wettbewerbsfreiheit - subjektives Werturteil - Regelung des § 115 Abs 1a SGB 11 - Gebot ...
Qualifikation der Veröffentlichung von Prüfungsergebnissen einer Pflegeeinrichtung i.R.e. Qualitätsprüfung als Eingriff in die von Art. 12 GG geschützte Wettbewerbsfreiheit; Vereinbarkeit der durch Körperschaften vereinbarten Regelungen zu Veröffentlichungskriterien und ...
SG Frankfurt/Main, 23.03.2010 - S 18 P 16/10
Vereinbarkeit der Veröffentlichung von Ergebnissen der Qualitätsprüfung einer …
Durch Wahl eines solchen funktionalen Äquivalents eines Eingriffs könnten die besonderen Bindungen der Rechtsordnung nicht umgangen werden; vielmehr müssten die für Grundrechtseingriffe maßgebenden rechtlichen Anforderungen erfüllt sein (so auch SG München, Beschluss vom 13.01.2010, Az. S 19 P 6/10 ER).
Nach Ansicht des Gerichts spricht viel dafür, dass die Veröffentlichung der Prüfergebnisse gemäß § 115 Abs. 1a SGB XI als Eingriff in die grundrechtlich geschützte Wettbewerbsfreiheit oder zumindest als "funktionales Äquivalent eines Eingriffs" im Sinne der eben zitierten Glykol-Entscheidung anzusehen ist, da es sich nicht wie bei der Veröffentlichung einer Liste glykolhaltiger Weine um Tatsachenfeststellungen im reinsten Sinne handelt, sondern um stark wertungsbezogene Feststellungen (so auch SG München, Beschluss vom 13.01.2010, Az. S 19 P 6/10 ER; SG Nürnberg, Beschluss vom 18.02.2010, Az. S 9 P 16/10 ER).
Außerdem kennt Art. 80 GG nur die Delegation zum Erlass von Normen in der Form der Rechtsverordnung, nicht aber die Delegation zur Schaffung von hoheitlichen Regelungen, die in die Rechte von Bürgern eingreifen, im Wege der Vereinbarung zwischen Körperschaften des öffentlichen Rechts (so auch SG München, Beschluss vom 13.01.2010, Az. S 19 P 6/10 ER; SG Nürnberg, Beschluss vom 18.02.2010, Az. S 9 P 16/10 ER).
Auch diese Varianten entsprechen aber nicht der in § 115 Abs. 1a Satz 6 SGB XI enthaltenen Ermächtigung (so auch SG WX., Beschluss vom 13.01.2010, Az. S 19 P 6/10 ER; SG Nürnberg, Beschluss vom 18.02.2010, Az. S 9 P 16/10 ER).
Zu all diesen Fragen, die inzwischen durch eine am 17.12.2008 abgeschlossene Vereinbarung nach § 115 Abs. 1a Satz 6 SGB XI (Pflege-Transparenzvereinbarung stationär - PTVS) geregelt sind, hätte der Bundesgesetzgeber zumindest die Eckpunkte vorgeben müssen (so auch SG München, Beschluss vom 13.01.2010, Az. S 19 P 6/10 ER; SG Nürnberg, Beschluss vom 18.02.2010, Az. S 9 P 16/10 ER).
Aber auch soweit die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts etwa den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses in Einzelbereichen (wie etwa bei der Bewertung von neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden gemäß § 135 SGB V) normsetzenden Charakter zugeschrieben hat, kann daraus nicht eine allgemeine Ermächtigung des Gesetzgebers zur Delegation von Regelungsbefugnissen unter Umgehung des Art. 80 Abs. 1 Satz 1 GG abgeleitet werden, da es einen erheblichen Unterschied macht, ob es sich um eine Regelung im Bereich der Leistungsverwaltung (wie bei § 135 SGB V) handelt oder ob es um Eingriffe in Grundrechte (wie in § 115 Abs. 1a SGB XI) geht (so auch SG München, Beschluss vom 13.01.2010, Az. S 19 P 6/10 ER).
Vielmehr sind vorliegend Inhalt, Zweck und Ausmaß der erteilten Ermächtigung entsprechend der Vorgaben des Art. 80 Abs. 1 S 2 GG in hinreichendem Umfang durch Gesetz, insbesondere durch §§ 11, 112 ff SGB XI bestimmt (…Sächsisches LSG, aaO; aA SG München, Beschluss vom 13.01.2010, aaO, juris Rn 35).
b) Die in § 115 Abs. 1a S 6 SGB XI getroffene Regelung verstößt - entgegen der Rechtsauffassung der ASt - auch nicht gegen die von dem Bundesverfassungsgericht sowohl aus dem Demokratie- (Art. 20 Abs. 1 und 2 GG) als auch dem Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 3 GG) abgeleitete Wesentlichkeitstheorie (so aber SG München, Beschluss vom 13.01.2010, aaO, juris Rn 22 f;… Beschluss vom 27.01.2010, aaO, juris Rn 37; SG Nürnberg, Beschluss vom 18.02.2010, S 9 P 16/10 ER).
§ 115 Abs. 1 a Satz 6 SGB XI enthält keine verfassungswidrige Delegation von Rechtsetzungsbefugnissen (anderer Auffassung SG München, Beschluss vom 13.01.2010 - S 19 P 6/10 ER - juris Rn. 20 ff.;… Beschluss vom 27.10.2010 - S 29 P 24/10 ER - juris Rn. 33 ff.).
Im Übrigen schließe sie sich den Argumenten anderer, mit derselben Streitfrage befassten, Sozialgerichte an, so dem Sozialgericht Münster (Beschluss vom 18.01.2010 - S 6 P 202/09 ER), dem Sozialgericht Dessau (Beschluss vom 04.01.2010 - S 3 P 9/09 ER) und dem Sozialgericht München (Beschluss vom 13.01.2010 - S 19 P 6/10 ER).
Insoweit liegt keine verfassungswidrige Delegation vor (hierzu anders Sozialgericht München im Beschluss vom 13.01.2010 a.a.O.).
Die Kammer neigt zu der Auffassung, dass der Unterlassungsanspruch der Klägerin bereits deshalb begründet ist, weil die in § 115 Abs. 1 a Satz 6 SGB XI vorgesehene Übertragung von Rechtsetzungsbefugnissen auf die demokratisch nicht legitimierten Vertragsparteien angesichts des Parlamentsvorbehalts und der Schranken des Art. 80 GG verfassungswidrig ist (so mit eingehenden Begründungen auch SG München, Beschluss vom 13. Februar 2010, Az.: S 19 P 6/10 ER; SG Nürnberg, Beschluss vom 18. Februar 2010, Az.: S 9 P 16/10 ER; SG Frankfurt, Beschluss vom 23. März 2010, Az.: S 18 P 16/10 ER; ferner Martini, DÖV 2010, 573/575).
Die hier maßgebliche Vorschrift des § 43 Abs. 1 BBhV ist daher eher dem Bereich der Leistungsverwaltung und weniger dem - im Hinblick auf den Gesetzesvorbehalt und die Wesentlichkeitstheorie strengeren Maßstäben unterliegenden - Bereich der Eingriffsverwaltung zuzuordnen (vgl. VG München, U.v. 27.7.2017 - M 17 K 17.1209 - juris; SG München, B.v. 12.1.2010 - S 19 P 6/10 ER - juris Rn. 24).
Die Sozialgerichte München (Beschluss vom 13. Januar 2010, Az.: S 19 P 6/10 ER), Nürnberg (Beschluss vom 18. Februar 2010, Az.: S 9 P 16/10 ER) und Frankfurt (Beschluss vom 23. März 2010, Az.: S 18 P 16/10 ER) haben in ihren Entscheidungen mit eingehenden Begründungen verfassungsrechtliche Bedenken gegen die in § 115 Abs. 1 a Satz 6 SGB XI vorgesehene Übertragung von Rechtsetzungsbefugnissen auf die Vertragspartner der PTVS erhoben.
Die hier maßgebliche Vorschrift des § 43 Abs. 2 Satz 2 BayBhV ist daher eher dem Bereich der Leistungsverwaltung und weniger dem - im Hinblick auf den Gesetzesvorbehalt und die Wesentlichkeitstheorie strengeren Maßstäben unterliegenden - Bereich der Eingriffsverwaltung zuzuordnen (vgl. SG München, B.v. 12.1.2010 - S 19 P 6/10 ER - juris Rn. 24;… in diesem Sinn wohl auch OVG Berlin-Brandenburg, U.v. 7.5.2014 - OVG 7 B 10.14 - juris Rn. 24).

References: § 115
 Art. 12
 § 115
 Art. 80
 § 115
 § 115
 § 135
 Art. 80
 § 135
 § 115
 Art. 80
 § 115

§ 115
 § 115
 Art. 80
 § 43
 § 115
 § 43