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Timestamp: 2020-07-09 01:05:11+00:00

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Lawbrary | SVKG - Verordnung über die Sanktionen bei unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen
Verordnung über die Sanktionen bei unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen
Allgemeines (1 - 1)
Sanktionsbemessung (2 - 7)
Vollständiger Erlass der Sanktion (8 - 11)
Reduktion der Sanktion (12 - 14)
Meldung und Widerspruchsverfahren (15 - 19)
Inkrafttreten (20 - 20)
vom 12. März 2004 (Stand am 1. Januar 2013)
gestützt auf Artikel 60 des Kartellgesetzes vom 6. Oktober 19951 (KG),
Die­se Ver­ord­nung re­gelt:
die Be­mes­sungs­kri­te­ri­en bei der Ver­hän­gung von Sank­tio­nen ge­mä­ss Ar­ti­kel 49a Ab­satz 1 KG;
die Vor­aus­set­zun­gen und das Ver­fah­ren beim gänz­li­chen oder teil­wei­sen Ver­zicht auf ei­ne Sank­ti­on ge­mä­ss Ar­ti­kel 49a Ab­satz 2 KG;
die Vor­aus­set­zun­gen und das Ver­fah­ren der Mel­dung nach Ar­ti­kel 49a Ab­satz 3 Buch­sta­be a KG.
2. Abschnitt: Sanktionsbemessung
1Die Sank­ti­on be­misst sich nach der Dau­er und der Schwe­re des un­zu­läs­si­gen Ver­hal­tens. Der mut­mass­li­che Ge­winn, den das Un­ter­neh­men da­durch er­zielt hat, ist an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen.
2Bei der Fest­set­zung der Sank­ti­on ist das Prin­zip der Ver­hält­nis­mäs­sig­keit zu be­ach­ten.
Art. 3 Basisbetrag
Der Ba­sis­be­trag der Sank­ti­on bil­det je nach Schwe­re und Art des Ver­stos­ses bis zu 10 Pro­zent des Um­sat­zes, den das be­tref­fen­de Un­ter­neh­men in den letz­ten drei Ge­schäfts­jah­ren auf den re­le­van­ten Märk­ten in der Schweiz er­zielt hat.
Art. 4 Dauer
Dau­er­te der Wett­be­werbs­ver­sto­ss zwi­schen ein und fünf Jah­ren, so wird der Ba­sis­be­trag um bis zu 50 Pro­zent er­höht. Dau­er­te der Wett­be­werbs­ver­sto­ss mehr als fünf Jah­re, so wird der Ba­sis­be­trag für je­des zu­sätz­li­che Jahr mit ei­nem Zu­schlag von je bis zu 10 Pro­zent er­höht.
Art. 5 Erschwerende Umstände
1Bei er­schwe­ren­den Um­stän­den wird der Be­trag nach den Ar­ti­keln 3 und 4 er­höht, ins­be­son­de­re wenn das Un­ter­neh­men:
wie­der­holt ge­gen das Kar­tell­ge­setz ver­stos­sen hat;
mit ei­nem Ver­sto­ss einen Ge­winn er­zielt hat, der nach ob­jek­ti­ver Er­mitt­lung be­son­ders hoch aus­ge­fal­len ist;
die Zu­sam­men­ar­beit mit den Be­hör­den ver­wei­gert oder ver­sucht hat, die Un­ter­su­chun­gen sonst­wie zu be­hin­dern.
2Bei Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen nach Ar­ti­kel 5 Ab­sät­ze 3 und 4 KG wird der Be­trag nach den Ar­ti­keln 3 und 4 zu­sätz­lich er­höht, wenn das Un­ter­neh­men:
zur Wett­be­werbs­be­schrän­kung an­ge­stif­tet oder da­bei ei­ne füh­ren­de Rol­le ge­spielt hat;
zur Durch­set­zung der Wett­be­werb­sa­b­re­de ge­gen­über an­de­ren an der Wett­be­werbs­be­schrän­kung Be­tei­lig­ten Ver­gel­tungs­mass­nah­men an­ge­ord­net oder durch­ge­führt hat.
Art. 6 Mildernde Umstände
1Bei mil­dern­den Um­stän­den, ins­be­son­de­re wenn das Un­ter­neh­men die Wett­be­werbs­be­schrän­kung nach dem ers­ten Ein­grei­fen des Se­kre­ta­ri­ats der Wett­be­werbs­kom­mis­si­on, spä­tes­tens aber vor der Er­öff­nung ei­nes Ver­fah­rens nach den Ar­ti­keln 26-30 KG be­en­det, wird der Be­trag nach den Ar­ti­keln 3 und 4 ver­min­dert.
2Bei Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen ge­mä­ss Ar­ti­kel 5 Ab­sät­ze 3 und 4 KG wird der Be­trag nach den Ar­ti­keln 3 und 4 ver­min­dert, wenn das Un­ter­neh­men:
da­bei aus­sch­liess­lich ei­ne pas­si­ve Rol­le ge­spielt hat;
Ver­gel­tungs­mass­nah­men, die zur Durch­set­zung der Wett­be­werb­sa­b­re­de ver­ein­bart wa­ren, nicht durch­ge­führt hat.
Art. 7 Maximale Sanktion
Die Sank­ti­on be­trägt in kei­nem Fall mehr als 10 Pro­zent des in den letz­ten drei Ge­schäfts­jah­ren in der Schweiz er­ziel­ten Um­sat­zes des Un­ter­neh­mens (Art. 49a Abs. 1 KG).
3. Abschnitt: Vollständiger Erlass der Sanktion
Art. 8 Voraussetzungen
1Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on er­lässt ei­nem Un­ter­neh­men die Sank­ti­on voll­stän­dig, wenn es sei­ne Be­tei­li­gung an ei­ner Wett­be­werbs­be­schrän­kung im Sin­ne von Ar­ti­kel 5 Ab­sät­ze 3 und 4 KG an­zeigt und als Ers­tes:
In­for­ma­tio­nen lie­fert, die es der Wett­be­werbs­be­hör­de er­mög­li­chen, ein kar­tell­recht­li­ches Ver­fah­ren ge­mä­ss Ar­ti­kel 27 KG zu er­öff­nen; oder
Be­weis­mit­tel vor­legt, wel­che der Wett­be­werbs­be­hör­de er­mög­li­chen, einen Wett­be­werbs­ver­sto­ss ge­mä­ss Ar­ti­kel 5 Ab­sät­ze 3 oder 4 KG fest­zu­stel­len.
2Sie er­lässt die Sank­ti­on nur, wenn das Un­ter­neh­men:
kein an­de­res Un­ter­neh­men zur Teil­nah­me an dem Wett­be­werbs­ver­sto­ss ge­zwun­gen hat und nicht die an­stif­ten­de oder füh­ren­de Rol­le im be­tref­fen­den Wett­be­werbs­ver­sto­ss ein­ge­nom­men hat;
der Wett­be­werbs­be­hör­de un­auf­ge­for­dert sämt­li­che in sei­nem Ein­fluss­be­reich lie­gen­den In­for­ma­tio­nen und Be­weis­mit­tel be­tref­fend den Wett­be­werbs­ver­sto­ss vor­legt;
wäh­rend der ge­sam­ten Dau­er des Ver­fah­rens un­un­ter­bro­chen, un­ein­ge­schränkt und oh­ne Ver­zug mit der Wett­be­werbs­be­hör­de zu­sam­men­ar­bei­tet;
sei­ne Be­tei­li­gung am Wett­be­werbs­ver­sto­ss spä­tes­tens zum Zeit­punkt der Selbst­an­zei­ge oder auf ers­te An­ord­nung der Wett­be­werbs­be­hör­de ein­stellt.
3Der Er­lass der Sank­ti­on ge­mä­ss Ab­satz 1 Buch­sta­be a wird nur ge­währt, so­fern die Wett­be­werbs­be­hör­de nicht be­reits über aus­rei­chen­de In­for­ma­tio­nen ver­fügt, um ein Ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 26 und 27 KG be­tref­fend die an­ge­zeig­te Wett­be­werbs­be­schrän­kung zu er­öff­nen.
4Der Er­lass der Sank­ti­on ge­mä­ss Ab­satz 1 Buch­sta­be b wird nur ge­währt, so­fern:
nicht be­reits ein an­de­res Un­ter­neh­men die Vor­aus­set­zun­gen für einen Er­lass ge­mä­ss Ab­satz 1 Buch­sta­be a er­füllt; und
die Wett­be­werbs­be­hör­de nicht be­reits über aus­rei­chen­de Be­weis­mit­tel ver­fügt, um den Wett­be­werbs­ver­sto­ss zu be­wei­sen.
Art. 9 Form und Inhalt der Selbstanzeige
1Die Selbst­an­zei­ge ent­hält die nö­ti­gen In­for­ma­tio­nen zum an­zei­gen­den Un­ter­neh­men, zur Art des an­ge­zeig­ten Wett­be­werbs­ver­stos­ses, zu den an die­sem Ver­sto­ss be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men und zu den be­trof­fe­nen bzw. re­le­van­ten Märk­ten. Die Selbst­an­zei­ge kann auch münd­lich zu Pro­to­koll ge­ge­ben wer­den.
2Das Un­ter­neh­men kann die Selbst­an­zei­ge un­ter Ein­rei­chung der In­for­ma­tio­nen in an­ony­mi­sier­ter Form stel­len. Das Se­kre­ta­ri­at re­gelt die Mo­da­li­tä­ten im Ein­zel­fall im Ein­ver­neh­men mit ei­nem Mit­glied des Prä­si­di­ums der Wett­be­werbs­kom­mis­si­on.
3Das Se­kre­ta­ri­at be­stä­tigt den Ein­gang der Selbst­an­zei­ge un­ter An­ga­be der Ein­gangs­zeit. Es teilt dem an­zei­gen­den Un­ter­neh­men im Ein­ver­neh­men mit ei­nem Mit­glied des Prä­si­di­ums mit:
in­wie­weit es die Vor­aus­set­zun­gen für einen voll­stän­di­gen Er­lass der Sank­ti­on nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 als ge­ge­ben er­ach­tet;
wel­che In­for­ma­tio­nen das an­zei­gen­de Un­ter­neh­men zu­sätz­lich ein­zu­rei­chen hat, ins­be­son­de­re um die Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 zu er­fül­len; und
im Fal­le ei­ner an­ony­men Selbst­an­zei­ge, bin­nen wel­cher Frist das Un­ter­neh­men sei­ne Iden­ti­tät of­fen le­gen muss.
Art. 10 Verfahren bei mehreren Selbstanzeigen
Die Wett­be­werbs­be­hör­de prüft spä­ter ein­ge­gan­ge­ne Selbst­an­zei­gen erst, wenn sie über frü­her ein­ge­gan­ge­ne Selbst­an­zei­gen nach Mass­ga­be von Ar­ti­kel 9 Ab­satz 3 be­fun­den hat.
Art. 11 Entscheid über den vollständigen Erlass der Sanktion
1Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on ent­schei­det über die Ge­wäh­rung des voll­stän­di­gen Er­las­ses der Sank­ti­on.
2Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on kann von ei­ner Mit­tei­lung des Se­kre­ta­ri­ats ge­mä­ss Ar­ti­kel 9 Ab­satz 3 Buch­sta­be a nur ab­wei­chen, wenn ihr nach­träg­lich Tat­sa­chen be­kannt wer­den, die dem Er­lass der Sank­ti­on ent­ge­gen­ste­hen.
4. Abschnitt: Reduktion der Sanktion
1Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on re­du­ziert die Sank­ti­on, wenn ein Un­ter­neh­men an ei­nem Ver­fah­ren un­auf­ge­for­dert mit­ge­wirkt und im Zeit­punkt der Vor­la­ge der Be­weis­mit­tel die Teil­nah­me am be­tref­fen­den Wett­be­werbs­ver­sto­ss ein­ge­stellt hat.
2Die Re­duk­ti­on be­trägt bis zu 50 Pro­zent des nach den Ar­ti­keln 3-7 be­rech­ne­ten Sank­ti­ons­be­trags. Mass­ge­bend ist die Wich­tig­keit des Bei­trags des Un­ter­neh­mens zum Ver­fah­rens­er­folg.
3Die Re­duk­ti­on be­trägt bis zu 80 Pro­zent des nach den Ar­ti­keln 3-7 be­rech­ne­ten Sank­ti­ons­be­trags, wenn ein Un­ter­neh­men un­auf­ge­for­dert In­for­ma­tio­nen lie­fert oder Be­weis­mit­tel vor­legt über wei­te­re Wett­be­werbs­ver­stös­se ge­mä­ss Ar­ti­kel 5 Ab­satz 3 oder 4 KG.
Art. 13 Form und Inhalt der Kooperation
1Das Un­ter­neh­men legt der Wett­be­werbs­be­hör­de die nö­ti­gen In­for­ma­tio­nen zum an­zei­gen­den Un­ter­neh­men, zur Art des an­ge­zeig­ten Wett­be­werbs­ver­stos­ses, zu den an die­sem Ver­sto­ss be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men und zu den be­trof­fe­nen bzw. re­le­van­ten Märk­ten vor.
2Das Se­kre­ta­ri­at be­stä­tigt den Ein­gang der Be­weis­mit­tel un­ter An­ga­be der Ein­gangs­zeit.
Art. 14 Entscheid über die Reduktion
1Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on ent­schei­det dar­über, um wie viel die Sank­ti­on ge­gen das ko­ope­rie­ren­de Un­ter­neh­men re­du­ziert wird.
2Legt das ko­ope­rie­ren­de Un­ter­neh­men der Wett­be­werbs­kom­mis­si­on Be­weis­mit­tel über die Dau­er des Wett­be­werbs­ver­stos­ses vor, von wel­chen die­se kei­ne Kennt­nis hat­te, so be­rech­net sie die Sank­ti­on oh­ne Be­rück­sich­ti­gung die­ses Zeit­rau­mes.
5. Abschnitt: Meldung und Widerspruchsverfahren
Art. 15 Meldung einer möglicherweise unzulässigen Wettbewerbsbeschränkung
Die Mel­dung ge­mä­ss Ar­ti­kel 49a Ab­satz 3 Buch­sta­be a KG ist in ei­ner der Amtss­pra­chen in drei­fa­cher Aus­fer­ti­gung beim Se­kre­ta­ri­at ein­zu­rei­chen.
Art. 16 Meldeformulare und Erläuterungen
1Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on um­schreibt die für die Mel­dung er­for­der­li­chen An­ga­ben in ei­nem Mel­de­for­mu­lar. Sie gibt be­kannt, in­wie­weit ei­ne bei ei­ner aus­län­di­schen Be­hör­de ein­ge­reich­te Mel­dung für die Mel­dung in der Schweiz ver­wen­det wer­den kann.
2Sie ver­an­lasst die Ver­öf­fent­li­chung der Mel­de­for­mu­la­re und der Er­läu­te­run­gen im Bun­des­blatt.
Art. 17 Erleichterte Meldung
Das Se­kre­ta­ri­at und das mel­den­de Un­ter­neh­men kön­nen vor der Mel­dung ei­ner Wett­be­werbs­be­schrän­kung Ein­zel­hei­ten des In­halts der Mel­dung ein­ver­nehm­lich fest­le­gen. Das Se­kre­ta­ri­at kann da­bei das Un­ter­neh­men von der Vor­la­ge von ein­zel­nen An­ga­ben oder Un­ter­la­gen be­frei­en, wenn es der An­sicht ist, dass die­se für die Be­ur­tei­lung des Fal­les nicht not­wen­dig sind.
Art. 18 Bestätigung des Eingangs der Meldung
Das Se­kre­ta­ri­at be­stä­tigt dem mel­den­den Un­ter­neh­men den Ein­gang der Mel­dung. Sind die An­ga­ben oder Bei­la­gen in ei­nem we­sent­li­chen Punkt un­voll­stän­dig, so for­dert das Se­kre­ta­ri­at das mel­den­de Un­ter­neh­men auf, die Mel­dung zu er­gän­zen.
Art. 19 Widerspruchsverfahren
Wird dem Un­ter­neh­men in­ner­halb von fünf Mo­na­ten nach Ein­gang der Mel­dung kei­ne Er­öff­nung ei­nes Ver­fah­rens nach den Ar­ti­keln 26-30 KG mit­ge­teilt, so ent­fällt für den ge­mel­de­ten Sach­ver­halt ei­ne Sank­ti­on nach Ar­ti­kel 49a Ab­satz 1 KG.
Die­se Ver­ord­nung tritt am 1. April 2004 in Kraft.

References: Art. 3

Art. 4

Art. 5

Art. 6

Art. 7

Art. 8

Art. 9

Art. 10

Art. 11

Art. 13

Art. 14

Art. 15

Art. 16

Art. 17

Art. 18

Art. 19