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Timestamp: 2020-01-23 16:52:27+00:00

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Rüben­lie­fe­rungs­rech­te und die Ver­pach­tung von Acker­land | Rechtslupe
Rüben­lie­fe­rungs­rech­te und die Ver­pach­tung von Acker­land
Hat der Ver­päch­ter dem Päch­ter von rüben­an­bau­fä­hi­gem Acker­land kei­ne Rüben­lie­fer­rech­te über­tra­gen, so steht ihm bei Been­di­gung des Ver­tra­ges – vor­be­halt­lich ander­wei­ti­ger Rege­lun­gen im Ver­trag – kein Anspruch nach § 596 Abs. 1 BGB auf Über­tra­gung von Lie­fer­rech­ten zu, die der Päch­ter von Drit­ten erwor­ben oder von der Zucker­fa­brik zuge­teilt erhal­ten hat.
Man­gels ver­trag­li­cher Abre­den kommt für einen Anspruch auf Über­tra­gung von Lie­fer­rech­ten nur § 596 Abs. 1 BGB als Anspruchs­grund­la­ge in Betracht. Danach ist der Päch­ter ver­pflich­tet, die Pacht­sa­che nach Been­di­gung des Pacht­ver­hält­nis­ses in dem Zustand zurück­zu­ge­ben, der einer bis zur Rück­ga­be fort­ge­setz­ten ord­nungs­ge­mä­ßen Bewirt­schaf­tung ent­spricht. Dazu gehö­ren nicht die Lie­fer­rech­te.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat aller­dings für Land­pacht­ver­trä­ge über zum Zucker­rü­ben­an­bau geeig­ne­te Flä­chen ent­schie­den, dass die Erhal­tung und die Aus­nut­zung von betriebs­be­zo­ge­nen Lie­fer­rech­ten Bestand­teil einer ord­nungs­ge­mä­ßen Bewirt­schaf­tung land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen zum Rüben­an­bau ist 1. Der Päch­ter, der auch die nach­hal­ti­ge Ertrags­fä­hig­keit des Pacht­lan­des sicher­zu­stel­len hat, muss sich um die Zutei­lung der dafür erfor­der­li­chen Lie­fer­rech­te bemü­hen 2. Die Vor­tei­le aus den zur ord­nungs­ge­mä­ßen Bewirt­schaf­tung der ver­pach­te­ten Flä­chen erfor­der­li­chen Lie­fer­rech­ten ver­blei­ben dem Päch­ter nur für die Dau­er der Pacht; nach deren Been­di­gung ste­hen sie wie­der dem Ver­päch­ter zu 3.
Das gilt indes nicht für die Ver­hält­nis­se der hier gel­ten­den Zucker­markt­ord­nung.
Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob die Lie­fer­rech­te einen Bezug zu einer kon­kre­ten Rüben­an­bau­flä­che haben. Die Rück­ga­be­pflicht nach § 596 Abs. 1 BGB ist nicht auf Lie­fer­rech­te beschränkt, die an bestimm­te (näm­lich die gepach­te­ten) Flä­chen gebun­den sind.
Maß­geb­lich ist viel­mehr, dass die Pacht­sa­che so zurück­zu­ge­ben ist, dass dem Ver­päch­ter nach dem Ende der Pacht­zeit (wie­der) die Vor­tei­le zuste­hen, die der Gebrauch der Pacht­sa­che gewährt. Ent­schei­dend ist somit, ob die mit dem Lie­fer­recht ver­bun­de­ne sub­ven­ti­ons­ähn­li­che Bevor­zu­gung zu den Vor­tei­len aus der ord­nungs­ge­mä­ßen Bewirt­schaf­tung der Pacht­sa­che gehört 4. Die­se Bevor­zu­gung besteht in der Befug­nis des mit Lie­fer­rech­ten aus­ge­stat­te­ten Erzeu­gers von Zucker­rü­ben, eine bestimm­te Men­ge zu einem garan­tier­ten Preis beim Zucker­un­ter­neh­men anlie­fern zu kön­nen. Nur auf Grund eines das Lie­fer­recht gewäh­ren­den Ver­trags sind die Zucker­her­stel­ler ver­pflich­tet, Zucker­rü­ben im Umfang der zuge­teil­ten Quo­te zu dem durch eine Ver­ord­nung des Rates der Euro­päi­schen Uni­on fest­ge­leg­ten Min­dest­preis anzu­kau­fen (der­zeit nach Art. 5 bis 11 und der Anla­ge II der Ver­ord­nung [EG] Nr. 318/​2006 5).
In die­ser Bevor­zu­gung ist des­we­gen kein her­aus­zu­ge­ben­der Vor­teil zu sehen, weil die ord­nungs­mä­ßi­ge Bewirt­schaf­tung der von der Beklag­ten gepach­te­ten Flä­chen weder den Anbau von Zucker­rü­ben noch den Erwerb von Lie­fer­rech­ten zur Siche­rung einer nach­hal­ti­gen Ertrags­fä­hig­keit erfor­dert.
Was einer fort­ge­setz­ten ord­nungs­ge­mä­ßen Bewirt­schaf­tung ent­spricht, bestimmt sich nach dem Pacht­ver­trag und dem die Nut­zung land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen maß­geb­lich bestim­men­den Sub­ven­ti­ons­recht. Der Pacht­ver­trag ent­hält kei­ne Bestim­mun­gen zur Art der Bewirt­schaf­tung. Die Flä­chen sind als Acker­land bezeich­net und als sol­che ver­pach­tet wor­den. Die für die Erzeu­gung von Zucker­rü­ben schon im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses erfor­der­li­chen Lie­fer­rech­te sind der Beklag­ten von der Klä­ge­rin nicht über­las­sen wor­den.
Allein aus dem Umstand, dass es sich bei der Pacht­sa­che um zum Rüben­an­bau geeig­ne­tes Acker­land han­delt, folgt nicht, dass nur der Anbau von Zucker­rü­ben unter Aus­nut­zung von Rüben­lie­fer­rech­ten einer fort­ge­setz­ten ord­nungs­ge­mä­ßen Bewirt­schaf­tung ent­spricht. Inso­fern ist zu berück­sich­ti­gen, dass sich das für den Zucker­rü­ben­an­bau ein­schlä­gi­ge Agrar­sub­ven­ti­ons­recht mit der Reform der Zucker­markt­ord­nung durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 318/​2006 wesent­lich ver­än­dert hat. Die­se Ände­rung wirkt sich auf die Grund­la­gen der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zu den Bewirt­schaf­tungs­pflich­ten des Päch­ter rüben­an­bau­fä­hi­gen Acker­lands und der dar­aus fol­gen­den Ver­pflich­tung, nach dem Ende der Pacht­zeit Lie­fer­rech­te zu über­tra­gen, aus 6.
Nach der bis zum Wirt­schafts­jahr 2005/​2006 gel­ten­den Zucker­markt­ord­nung wur­de der Ertrag des rüben­an­bau­fä­hi­gen Acker­lands durch die (zuletzt in Art. 4 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1260/​2001 7) fest­ge­setz­ten Min­dest­prei­se (Stütz­prei­se) bestimmt, durch die die Beschäf­ti­gungs­la­ge und der Lebens­stan­dard der Zucker­rü­be­n­er­zeu­ger durch einen garan­tier­ten Erlös gesi­chert wer­den soll­ten 8. Auf der Grund­la­ge der garan­tier­ten Prei­se war der Anbau von Zucker­rü­ben auf dem dafür geeig­ne­ten Acker­land eine – auch im Ver­gleich zur Erzeu­gung ande­rer Pro­duk­te – ertrag­rei­che Bewirt­schaf­tung 9. Die nach­hal­ti­ge Ertrags­fä­hig­keit rüben­an­bau­fä­hi­gen Acker­lands war unter den Rah­men­be­din­gun­gen des dama­li­gen Sub­ven­ti­ons­rechts nur durch den Erwerb und durch die Aus­nut­zung von Lie­fer­rech­ten gesi­chert.
Das hat sich mit der Reform der Zucker­markt­ord­nung geän­dert, die ein Bün­del von Maß­nah­men zur Ver­rin­ge­rung der Zucker­pro­duk­ti­on ent­hielt. Die garan­tier­ten Min­dest­prei­se für die sog. Quo­ten­zu­cker­rü­ben wur­den stu­fen­wei­se um 39,7 % von 32,86 €/​t auf 26,29 €/​t zwi­schen 2006/​07 bis 2009/​10 abge­senkt (Art. 5 der Ver­ord­nung [EG] 318/​2006). Die dadurch ein­ge­tre­te­nen Ein­kom­mens­ver­lus­te der Erzeu­ger sind teil­wei­se durch die Erhö­hung der von einer Pro­duk­ti­on unab­hän­gi­gen Betriebs­prä­mie kom­pen­siert wor­den (Art. 1 der Ver­ord­nung [EG] Nr. 319/​2006 10, die in Deutsch­land mit der Ein­füh­rung eines betriebs­in­di­vi­du­el­len Zucker­grund­be­trags nach § 5a BetrPräm­DurchfG umge­setzt wur­de). Dar­über hin­aus wur­den die Quo­ten – zunächst durch Anrei­ze für einen frei­wil­li­gen frü­hen Ver­zicht auf die Erzeu­gung von Quo­ten­zu­cker – durch degres­siv gestaf­fel­te Umstruk­tu­rie­rungs­bei­hil­fen gesenkt (Art. 3 der nach der Ver­ord­nung [EG] Nr. 320/​2006 11 und Art. 4a der Ver­ord­nung [EG] des Rates vom 09.10.2007 zur Ände­rung der Ver­ord­nung [EG] Nr. 320/​2006 mit einer befris­te­ten Umstruk­tu­rie­rungs­re­ge­lung für die Zucker­in­dus­trie in der Gemein­schaft 12).
Nach den durch die Zucker­markt­re­form ver­än­der­ten wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für die Zucker­pro­duk­ti­on ist die Erzeu­gung von Zucker­rü­ben auf rüben­an­bau­fä­hi­gen Acker­flä­chen in vie­len Fäl­len nicht mehr die im Ver­gleich zur Erzeu­gung ande­rer Feld­früch­te (Getrei­de und Ölsaa­ten) wirt­schaft­lich ertrag­rei­che­re Pro­duk­ti­on; sie kann infol­ge der Ver­rin­ge­rung der Quo­ten auch nicht mehr in bis­he­ri­gem Umfang auf den zum Zucker­rü­ben­an­bau geeig­ne­ten Flä­chen aus­ge­übt wer­den 13. Ange­sichts die­ser all­ge­mein zugäng­li­chen Fak­ten, die der Bun­des­ge­richts­hof, zumal gestützt auf die Sach­kun­de der ehren­amt­li­chen Bei­sit­zer, zugrun­de legen kann, ist die in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ge­richts­hof auf­ge­stell­te Behaup­tung der Revi­si­on, Zucker­rü­ben­an­bau sei nach wie vor die ertrag­reichs­te Anbau­va­ri­an­te, unbe­acht­lich. Der Bezug und die Aus­nut­zung von Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­ten durch den Päch­ter sind viel­mehr vor dem Hin­ter­grund der Reform der Zucker­markt­ord­nung durch die Absen­kung der Min­dest­prei­se, die Gewäh­rung einer Ein­kom­mens­bei­hil­fe durch einen Zucker­grund­be­trag und die befris­te­te Zah­lung von Umstruk­tu­rie­rungs­bei­hil­fen für die Auf­ga­be von Pro­duk­ti­ons­quo­ten nicht mehr ohne Wei­te­res als Bestand­teil einer ord­nungs­ge­mä­ßen Bewirt­schaf­tung zur Sicher­stel­lung einer nach­hal­ti­gen Ertrags­fä­hig­keit des gepach­te­ten zucker­rü­ben­an­bau­fä­hi­gen Acker­lands anzu­se­hen. Ist in einem Pacht­ver­trag über rüben­fä­hi­ges Acker­land zu den Lie­fer­rech­ten und zur Bewirt­schaf­tung der Pacht­sa­che nichts ver­ein­bart, steht dem Ver­päch­ter, wenn er die für einen Zucker­rü­ben­an­bau bei Ver­trags­schluss erfor­der­li­chen Lie­fer­rech­te dem Päch­ter nicht über­las­sen hat, ein Anspruch auf Über­tra­gung der dem Päch­ter von der Zucker­fa­brik zuge­teil­ten oder von die­sem von Drit­ten erwor­be­nen Lie­fer­rech­te nach § 596 Abs. 1 BGB nicht zu.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Novem­ber 2011 – LwZR 4/​11
Betriebs­auf­spal­tung – und die Akti­vie­rung eines… Es besteht kei­ne Pflicht zur Akti­vie­rung eines Instand­hal­tungs­an­spruchs. Dies gilt auch für die Besitz­ge­sell­schaft im Fall einer Betriebs­auf­spal­tung. Nach § 4 Abs. 1, § 5…
BGH, Urteil vom 27.04.2001 – LwZR 10/​00, NJW-RR 2001, 2537, 2538[↩]
BGH, Beschluss vom 29.11.1996 – LwZR 10/​95, BGHR BGB § 596 Abs. 1 Rüben­lie­fer­rech­te 1[↩]
BGH, Beschluss vom 29.11.1996 – LwZR 10/​95, aaO; BGH, Urteil vom 27.04.2001 – LwZR 10/​00, aaO[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 19.07.1991 – LwZR 3/​90, BGHZ 115, 162, 167 – zur Milch­re­fe­renz­men­ge; OLG Koblenz, NJW-RR 2000, 276, 277 – zu dem Wie­der­be­pflan­zungs­recht zum Wein­an­bau[↩]
Ver­ord­nung [EG] Nr. 318/​2006 des Rates vom 20.02.2006 über die gemein­sa­me Markt­or­ga­ni­sa­ti­on für Zucker, ABl. L 58/​1 vom 28.02.2006[↩]
vgl. schon OLG Dres­den, AUR 2010, 317, 319[↩]
Ver­ord­nung (EG) Nr. 1260/​2001 des Rates vom 19.06.2001 über die gemein­sa­me Markt­or­ga­ni­sa­ti­on für Zucker, ABl. L 178/​1 vom 30.06.2001[↩]
Erwä­gungs­grund 2 der zitier­ten Ver­ord­nung[↩]
vgl. Mecklenburg/​Nehls, NLB­zAR 2008, 274, 278[↩]
Ver­ord­nung [EG] Nr. 319/​2006 des Rates vom 20.02.2006 zur Ände­rung der Ver­ord­nung [EG] 1782/​2003 mit gemein­sa­men Regeln für Direkt­zah­lun­gen im Rah­men der Gemein­sa­men Agrar­po­li­tik und mit bestimm­ten Stüt­zungs­re­ge­lun­gen für die Inha­ber land­wirt­schaft­li­cher Betrie­be, ABl. L 58/​32 vom 28.02.2006[↩]
Ver­ord­nung [EG] Nr. 320/​2006 des Rates vom 20.02.2006 mit einer befris­te­ten Umstruk­tu­rie­rungs­re­ge­lung für die Zucker­in­dus­trie in der Euro­päi­schen Gemein­schaft und zur Ände­rung der Ver­ord­nung [EG] 1290/​2005 über die Finan­zie­rung der Gemein­sa­men Agrar­po­li­tik, ABl. L 58/​42 von 28.02.2006[↩]
ABl. L 283/​8 vom 27.10.2007[↩]
vgl. die von der Baye­ri­schen Lan­des­an­stalt ver­öf­fent­lich­ten Modell­kal­ku­la­tio­nen und die Infor­ma­ti­on des Minis­te­ri­ums für Land­wirt­schaft, Umwelt und länd­li­che Räu­me über die "Erträ­ge Zucker­rü­ben"[↩]
LandpachtLandwirtschaftZuckerrübenlieferrecht

References: § 596
 § 596
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 Art. 5
 Art. 4
 § 5
 Art. 4
 § 596
 § 4
 § 5
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