Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/1/1252.htm
Timestamp: 2018-11-19 01:42:50+00:00

Document:
1.252 Oberes Tal
Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Oberes Tal« vom 23. September 2002 (GBl. v. 11.11.2002, S 413).
Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Neuorganisation der Naturschutzverwaltung und zur Änderung des Denkmalschutzgesetzes vom 14. März 2001 (GBl. S. 189), und § 28 Abs.2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1.Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Ingersheim, Landkreis Ludwigsburg, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Oberes Tal«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 17,8 ha.
(2) Das Naturschutzgebiet umfasst nach dem Stand vom 23. November 1999 auf dem Gebiet der Gemeinde Ingersheim, Gemarkung Kleiningersheim, ganz oder teilweise die Flurstücke Nummern 279, 283, 284, 288, 289, 290, 291, 311, 313, 314, 320, 320/2, 320/3, 339, 340, 408, 412, 413, 414, 415, 416, 417, 420/1, 696, 731, 732, 733, 734, 735, 736.
(3) Das Naturschutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 23. November 1999 im Maßstab 1:25000 flächig rot angelegt und mit einer durchgezogenen roten Linie umgrenzt sowie in einer Detailkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 23. November 1999 im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, rot angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Ludwigsburg in Ludwigsburg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach der Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Schutzzweck ist der Erhalt, der Schutz und die Förderung einer für die Neckaraue bedeutsamen Sukzessionsfläche auf verfülltem Kiesabbaugelände, insbesondere
- der ungesteuerte Ablauf und die Entwicklung von natürlichen, dynamischen Prozessen;
- das nahezu ungestört entstandene Mosaik aus Röhrichten, Hochstauden und Seggenrieden;
- das markante Feuchtgehölz mit seinem ausladenden Weidengebüsch;
- die Nass- und Feuchtwiesen im Überschwemmungsbereich der Neckaraue als Rastplatz und Winterquartier seltener Vogelarten;
- das Vorkommen geschützter und bedrohter Tier- und Pflanzenarten;
- die brach gefallene und eingewachsene Obstwiese mit Hecke und Buschwerk entlang der Böschungskante;
- der vielfältige Biotopkomplex der Aue aus offenen genutzten und geschlossenen ungenutzten Vegetationsbeständen mit hohem Artenbesatz und Eigenart.
Schutzzweck ist auch die Erhaltung der in dem Gebiet vorkommenden Lebensräume »Auwälder mit Erle, Esche, Weide« sowie »Feuchte Hochstaudenfluren« nach Anhang I der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen.
3. Gebüsche oder waldähnliche Bestände forstlich zu nutzen;
4. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;
5. Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;
6. Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden;
7. im Bereich der Feucht- und Nasswiesen zu pferchen sowie land- oder forstwirtschaftliche Produkte zu lagern.
3. das Gebiet mit Fahrrädern zu befahren;
4. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art, inklusive Krankenfahrstühle, zu befahren, da keine befestigten Wege vorhanden sind;
7. Wasserflächen zu nutzen;
8. zu angeln.
(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass
5. Feldraine, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume, Röhrichtbestände nicht beeinträchtigt werden;
6. im Bereich der Feucht- und Nasswiesen nicht gepfercht sowie land- oder forstwirtschaftliche Produkte dort nicht gelagert werden.
(2) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass
1. Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen (insbesondere Feucht- und Nasswiesen), nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Hölzern und nur in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Stuttgart im Anschluss an vorhandene, hochwüchsige Gehölze errichtet werden;
2. keine Bruthilfen für Entenvögel aufgestellt werden;
3. keine Wildäcker und keine Futterstellen, keine Ablenkungsfütterungen, keine Kirrungen und keine Schussschneisen angelegt werden;
4. keine Treib-, Drück- und Fallenjagden durchgeführt werden;
5. durch die Jagd keine Störungen auf Vögel, die während des Durchzugs oder zur Überwinterung das Gebiet aufsuchen, ausgehen;
6. das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nicht mit Kraftfahrzeugen befahren wird, es sei denn, das Befahren ist zu Transportzwecken unumgänglich und erfolgt unter Berücksichtigung des Schutzzwecks;
7. die Jagdausübung schonend in Übereinstimmung mit dem Schutzzweck und unter Berücksichtigung wertvoller Pflanzenstandorte erfolgt.
(3) Für die Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass
1. entlang des Neckars keine Pfade und Angelplätze neu geschaffen und keine Angelstege neu errichtet werden;
2. die Gewässer, auch die temporären Wasserflächen des Schutzgebietes nicht als Angelgewässer dienen;
3. das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei nicht mit Kraftfahrzeugen befahren wird.
(4) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Straßen, Wege, der Gewässer und der Bundeswasserstraße sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung; insbesondere gilt dies für erforderliche Arbeiten entlang der Öl-, der Gashochdruck- und Fernmeldeleitung, die durch das Naturschutzgebiet laufen, entsprechend den jeweiligen Vereinbarungen zwischen dem Land Baden-Württemberg und den jeweiligen Betreibern.
Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. l Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.
(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg als Untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet »Neckartal zwischen Großingersheim und Hessigheim mit Umgebung (insbesondere Beutenbachtal, Wurmberg, Kallenberg, Salen, Hart und Bachwiesental)« vom 4. Januar 1989 (Ludwigsburger Kreiszeitung vom 27. Januar 1989) für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.
Stuttgart, den 23. September 2002

References: § 28
 § 2
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 64
 § 4