Source: http://bravors.brandenburg.de/de/verordnungen-212735
Timestamp: 2018-11-17 08:38:25+00:00

Document:
(GVBl.II/13, [Nr. 35])
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche im Landkreis Uckermark wird als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung „Schwemmpfuhl“.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 126 Hektar. Es umfasst Flächen in folgenden Fluren:
Gerswalde Gerswalde 1;
Gerswalde Kaakstedt 1, 2.
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in den in Anlage 2 dieser Verordnung aufgeführten Karten mit ununterbrochener roter Linie eingezeichnet; als Grenze gilt der innere Rand dieser Linie. Die in Anlage 2 Nummer 1 aufgeführte topografische Karte im Maßstab 1 : 10 000 ermöglicht die Verortung im Gelände. Maßgeblich für den Grenzverlauf ist die Einzeichnung in den in Anlage 2 Nummer 2 mit den Blattnummern 01 bis 03 aufgeführten Liegenschaftskarten. Zur Orientierung über die betroffenen Grundstücke ist eine Flurstücksliste als Anlage 3 beigefügt.
(3) Innerhalb des Naturschutzgebietes ist eine Zone 1 mit weiter gehenden Regelungen der Grünlandnutzung festgelegt. Die Zone 1 umfasst rund 37 Hektar und liegt in folgenden Fluren:
Gerswalde Kaakstedt 1.
Die Grenze der Zone 1 ist in der in Anlage 2 Nummer 1 genannten topografischen Karte sowie in den in Anlage 2 Nummer 2 genannten Liegenschaftskarten mit ununterbrochener roter Linie eingezeichnet. Als Grenze gilt der innere Rand dieser Linie. Maßgeblich für den Grenzverlauf ist die Einzeichnung in den Liegenschaftskarten.
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes, das ein Mosaik verschiedener Offenlandbiotope mit eingestreuten Kleingewässern und Gehölzstrukturen in einer reliefreichen jungpleistozänen Grund- und Endmoränenlandschaft umfasst, ist
die Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung des Gebietes als Lebensraum wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere der Trocken- und Halbtrockenrasen, des frischen bis feuchten Grünlandes, der feuchten und trockenwarmen Hochstaudenfluren, der Kleingewässer, der Schwimmblattfluren, der Röhrichte, der Feldgehölze, der Laubgebüsche und der naturnahen Wälder;
die Erhaltung und Entwicklung der Lebensstätten wild lebender Pflanzenarten, darunter im Sinne von § 10 Absatz 2 Nummer 10 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützte Arten, insbesondere Wiesenschlüsselblume (Primula veris), Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum), Ähriger Blauweiderich (Veronica spicata), Gemeine Grasnelke (Armeria maritima ssp. elongata), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium), Körnchensteinbrech (Saxifraga granulata) und Wasserschwertlilie (Iris pseudacorus) sowie Strauchflechten der Gattung Cladonia;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als Lebens- und Rückzugsraum sowie potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, insbesondere der Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische und Insekten, darunter im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 13 und 14 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützte Arten, insbesondere Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), Neuntöter (Lanius collurio), Bekassine (Gallinago gallinago), Rothalstaucher (Podiceps griseigena), Ringelnatter (Natrix natrix), Laubfrosch (Hyla arborea), Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) und Schwalbenschwanz (Papilio machaon);
die Erhaltung der unter Nummer 1 aufgeführten Lebensräume zur Umweltbeobachtung und wissenschaftlichen Untersuchung ökologischer Zusammenhänge;
die Erhaltung der besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit der von vielfältigen Grünlandflächen, gliedernden Hecken und Feldgehölzen, Lesesteinhaufen sowie unterschiedlich ausgebildeten Kleingewässern geprägten Hügellandschaft;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als Trittstein im regionalen Biotopverbund der Trockenrasen westlich der Uckerseen.
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung eines Teiles des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Schwemmpfuhl“ (§ 7 Absatz 1 Nummer 6 des Bundesnaturschutzgesetzes) mit seinen Vorkommen von
Mageren Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis) und Natürlichen eutrophen Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions als Biotope von gemeinschaftlichem Interesse („natürliche Lebensraumtypen“ im Sinne des Anhangs I der Richtlinie 92/43/EWG);
Trockenen, kalkreichen Sandrasen und Subpannonischen Steppentrockenrasen (Festucetalia vallesiacae) als prioritäre Biotope („prioritäre Lebensraumtypen“ im Sinne des Anhangs I der Richtlinie 92/43/EWG);
Fischotter (Lutra lutra), Rotbauchunke (Bombina bombina) und Kamm-Molch (Triturus cristatus) als Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse (im Sinne des Anhangs II der Richtlinie 92/43/EWG) einschließlich ihrer für Fortpflanzung, Ernährung, Wanderung und Überwinterung wichtigen Lebensräume.
das Gebiet außerhalb der Wege zu betreten; ausgenommen ist das Betreten außerhalb von Gewässerufern und Röhrichtflächen zum Zweck der Erholung sowie des nichtgewerblichen Sammelns von Pilzen und Wildfrüchten gemäß § 5 Absatz 1 Nummer 9 nach dem 30. Juni eines jeden Jahres sowie das Betreten während winterlicher Frostperioden für Freizeitaktivitäten wie das Schlittenfahren;
Düngemittel einschließlich Wirtschaftsdünger (zum Beispiel Gülle) und Sekundärrohstoffdünger (zum Beispiel solche aus Abwasser, Klärschlamm und aus Bioabfällen) zum Zwecke der Düngung sowie Abwasser zu sonstigen Zwecken zu lagern, auf- oder auszubringen oder einzuleiten;
Grünland außerhalb der Zone 1 als Wiese oder Weide mit einer Besatzdichte von maximal 1,4 Raufutter verwertenden Großvieheinheiten (RGV) pro Hektar im Jahresmittel genutzt wird und § 4 Absatz 2 Nummer 15 gilt,
Grünland in der Zone 1 als Wiese oder Weide genutzt wird und die jährliche Zufuhr an Pflanzennährstoffen über Düngemittel inklusive der Exkremente von Weidetieren je Hektar Grünland die Menge nicht überschreitet, die dem Nährstoffäquivalent des Dunganfalls von 1,4 Raufutter verwertenden Großvieheinheiten (RGV) entspricht, ohne chemisch-synthetische Stickstoffdüngemittel, Gülle und Sekundärrohstoffdünger wie zum Beispiel Abwasser, Klärschlamm und Bioabfälle einzusetzen,
auf Grünland § 4 Absatz 2 Nummer 21 und 22 gilt;
nur Arten der potenziell natürlichen Buchenwaldgesellschaften mittlerer bis armer Standorte (Perlgras-, Flattergras- und Hainrispengras-Hainbuchen-Buchenwald) eingebracht werden dürfen, wobei nur heimische Baumarten in gesellschaftstypischen Anteilen unter Ausschluss eingebürgerter Arten zu verwenden sind,
stehendes Totholz mit mehr als 35 Zentimetern Stammdurchmesser in 1,30 Meter Höhe über dem Stammfuß nicht gefällt wird und liegendes Totholz an Ort und Stelle verbleibt,
§ 4 Absatz 2 Nummer 17 gilt,
der Fischbesatz nur mit gebietsheimischen Arten erfolgt; § 13 der Brandenburgischen Fischereiordnung bleibt unberührt,
Fanggeräte und Fangmittel so einzusetzen oder auszustatten sind, dass eine Gefährdung von Fischottern weitgehend ausgeschlossen ist;
die rechtmäßige Ausübung der Angelfischerei mit der Maßgabe, dass § 4 Absatz 2 Nummer 18 gilt und die Angelfischerei vom Ufer aus nur außerhalb des Röhrichtgürtels betrieben wird;
aa) die Jagd in der Zeit vom 1. März bis zum 30. Juni eines Jahres ausschließlich vom Ansitz aus erfolgt,
bb) die Fallenjagd mit Lebendfallen erfolgt,
die Errichtung jagdlicher Einrichtungen zur Ansitzjagd,
Im Übrigen bleiben Ablenkfütterungen sowie die Anlage von Ansaatwildwiesen und die Anlage und Unterhaltung von Wildäckern unzulässig. Jagdrechtliche Regelungen nach § 41 des Brandenburgischen Jagdgesetzes bleiben unberührt;
die im Sinne des § 10 des Brandenburgischen Straßengesetzes ordnungsgemäße Unterhaltung der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege sowie die ordnungsgemäße Unterhaltung sonstiger rechtmäßig bestehender Anlagen, sofern sie nicht unter Nummer 8 fallen, jeweils im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde;
Maßnahmen zur Untersuchung von altlastverdächtigen Flächen und Verdachtsflächen sowie Maßnahmen der Altlastensanierung und der Sanierung schädlicher Bodenveränderungen gemäß Bundesbodenschutzgesetz sowie Maßnahmen der Munitionsräumung nach Anzeige gemäß § 34 Absatz 6 des Bundesnaturschutzgesetzes bei der unteren Naturschutzbehörde;
behördliche sowie behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen, soweit sie auf den Schutzzweck des Gebietes hinweisen oder als hoheitliche Kennzeichnungen, Orts- oder Verkehrshinweise, Wegemarkierungen oder Warntafeln dienen; darüber hinaus sind nichtamtliche Hinweisschilder zum Fremdenverkehr im Sinne der Richtlinie des Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung zur Aufstellung nichtamtlicher Hinweiszeichen an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Land Brandenburg (Hinweis-Z.Ri) vom 24. Juli 2007 (ABl. S. 1734) an Straßen und Wegen freigestellt;
die Trocken- und Halbtrockenrasen sollen nach Möglichkeit mit Schafen und Ziegen beweidet werden; die Beweidung soll entsprechend einem regelmäßig fortzuschreibenden, mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmten Weideplan durchgeführt werden;
Kleingewässer sollen in ihrer Habitatfunktion für Rotbauchunke, Kamm-Molch und Laubfrosch erhalten und verbessert werden; dazu sollen unter anderem besonnte Wasserflächen erhalten oder wiederhergestellt werden;
der Erhalt der Kleingewässer und die Regeneration der Moorstandorte soll durch abflussmindernde Maßnahmen gesichert werden;
die Nutzung des Grünlandes soll mosaikartig erfolgen;
bei erforderlichen Nachsaaten von Grünland soll nach Möglichkeit Saatgut standorttypischer, im Naturraum heimischer Arten und Sorten verwendet werden;
bei der Anpflanzung von Flurgehölzen und Hecken sollen landschaftstypische und gebietsheimische Arten wie Stiel- und Trauben-Eiche, Rotbuche, Hainbuche, Winter-Linde, Eberesche, Schlehe, Eingriffeliger Weißdorn, Kreuzdorn, Hunds- und Weinrose, an Feuchtstandorten auch Schwarz-Erle, Bruch- und Grau-Weide verwendet werden;
§ 5 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe a bis c tritt am 1. Juli 2013 in Kraft. Im Übrigen tritt diese Verordnung am Tag nach der Verkündung in Kraft.
Titel: Topografische Karte zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Schwemmpfuhl“
1 unterzeichnet von der Siegelverwahrerin, Siegelnummer 21 des Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV), am 2. April 2013
Titel: Liegenschaftskarte zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Schwemmpfuhl“
01 Gerswalde
1, 2 unterzeichnet von der Siegelverwahrerin, Siegelnummer 21 des MUGV, am 2. April 2013
02 Kaakstedt
03 Gerswalde
2 unterzeichnet von der Siegelverwahrerin, Siegelnummer 21 des MUGV, am 2. April 2013
Flurstücksliste zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Schwemmpfuhl“
Gemeinde Gemarkung Flur Flurstück
Gerswalde Gerswalde 1 1 anteilig, 2 bis 11, 12 anteilig, 14 anteilig, 15 anteilig, 16 bis 19, 20 anteilig, 21, 22 anteilig, 23 anteilig, 24 bis 26, 27 anteilig, 28/1 anteilig, 28/2 anteilig, 28/3, 29, 30 anteilig, 31 anteilig, 34 anteilig, 37 bis 40 jeweils anteilig, 82 anteilig, 83 anteilig, 84 bis 86, 87 anteilig, 88 anteilig, 89, 90/1, 90/2, 91 bis 93, 95 bis 105, 106 anteilig, 112/2 anteilig, 113, 114 bis 118 jeweils anteilig, 153 anteilig, 268 bis 270, 271 anteilig;
Gerswalde Kaakstedt 1 19, 20 bis 22 jeweils anteilig, 23, 24 anteilig;
Gerswalde Kaakstedt 2 2 bis 6 jeweils anteilig, 8 bis 9 jeweils anteilig.
Gerswalde Gerswalde 1 4 anteilig, 5 bis 9, 11 anteilig, 12 anteilig, 104 anteilig, 106 anteilig, 113 bis 115 jeweils anteilig, 270;
Gerswalde Kaakstedt 1 19, 20 bis 22 jeweils anteilig, 24 anteilig.

References: § 2
 § 10
 § 7
 § 5
 § 4
 § 4

§ 4
 § 13
 § 4
 § 41
 § 10
 § 34

§ 5