Source: https://www.patientenberatung.de/de/gesundheit/gesundheitsinformation/themenspecial-entlassmanagement
Timestamp: 2020-01-28 17:46:46+00:00

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Entlassmanagement - UPD
„Als geheilt entlassen“ ist der Idealzustand von Patientinnen und Patienten nach einem Aufenthalt im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationsklinik. Doch was passiert, wenn Betroffene auch nach der stationären Behandlung weiterhin medizinische Versorgung benötigen – oder plötzlich pflegebedürftig sind und auch im Alltag Hilfe brauchen? Hier kommt das Entlassmanagement ins Spiel. Wer gesetzlich versichert ist, hat gegenüber dem Krankenhaus oder der Reha-Klinik einen Anspruch darauf, dass seine Weiterversorgung für die Tage nach der Entlassung sichergestellt wird. Dabei haben Patientinnen und Patienten ein Mitspracherecht.
Was bedeutet Entlassmanagement und welchen Zweck erfüllt es?
Mit dem sogenannten Entlassmanagement soll sichergestellt werden, dass Patientinnen und Patienten nach einer stationären Behandlung im Krankenhaus eine bedarfsgerechte, kontinuierliche Versorgung erhalten, wenn sie diese benötigen. Darüber hinaus verfolgt es zudem unter anderem folgende Ziele:
Der Patient oder die Patientin sowie die Angehörigen sollen entlastet werden.
Der Patient oder die Patientin soll sich ausreichend informiert und beraten fühlen und nach dem stationären Aufenthalt nicht einfach allein gelassen werden.
Versorgungsrelevante Informationen sollen strukturiert und sicher weitergegeben werden.
Die reibungslose Kommunikation zwischen ambulanten und stationären Versorgungsbereichen soll gewährleistet werden.
Zu diesem Zweck wird für jede Patientin oder jeden Patienten ein individueller Versorgungsplan erarbeitet. Daran beteiligt sind – neben den Betroffenen selbst sowie deren Angehörigen – alle Personen, die Teil des bisherigen Behandlungsprozesses waren oder es in Zukunft sein werden. Zu ihnen gehören beispielsweise das Krankenhaus, die Vertragsärztinnen und -ärzte sowie Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen.
Da das Entlassmanagement ein Teil der Krankenhausbehandlung ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für gesetzlich Versicherte. Voraussetzung ist jedoch, dass der Aufenthalt im Krankenhaus medizinisch notwendig und erforderlich war.
Für Privatpatientinnen und -patienten gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Entlassmanagement. Allerdings gilt auch hier: Das Krankenhaus muss den Patientinnen und Patienten in verständlicher Weise sämtliche Umstände erläutern, die für die Behandlung wesentlich sind – insbesondere die Diagnose, die voraussichtliche gesundheitliche Entwicklung, die Therapie und die zu und nach der Therapie zu ergreifenden Maßnahmen.
Was genau beinhaltet das Entlassmanagement? Welche Pflichten hat das Krankenhaus mir als Patient oder Patientin gegenüber?
Welche Pflichten hat das Krankenhaus mir als Patient oder Patientin gegenüber?
Das Entlassmanagement umfasst unter anderem die folgenden Punkte:
Ist eine ambulante Weiterbehandlung nach dem Krankenhausaufenthalt nötig, führt das Krankenhaus bei Bedarf rechtzeitig vor Ihrer Entlassung das Gespräch mit dem weiterbehandelnden Arzt oder der Ärztin. Wenn Sie unter eine Personengruppe mit komplexem Versorgungsbedarf fallen, soll das Krankenhaus darauf achten, dass Sie zeitnah einen Termin bei Ihrem weiterbehandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin erhalten. Dieser komplexe Versorgungsbedarf kann beispielsweise bei Patientinnen und Patienten mit neu aufgetretenen umfassenden Einschränkungen von Mobilität und Selbstversorgung bestehen.
Ist eine Anschlussrehabilitation erforderlich, wird das Krankenhaus diese beim zuständigen Kostenträger für Sie beantragen.
Verordnung von Hilfsmitteln/Pflegehilfsmitteln
Das Krankenhaus kann Hilfsmittel (zum Beispiel Gehhilfen, Inkontinenzhilfen) und Pflegehilfsmittel (zum Beispiel Lagerungsrollen, Bettpfannen) für einen Zeitraum von bis zu 7 Tagen nach der Entlassung verordnen. Die Krankenhausärztin oder der Krankenhausarzt muss Ihre weiterbehandelnden Ärzte und Ärztinnen rechtzeitig über die getätigten Verordnungen informieren. Die Verordnung verliert 7 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ihre Gültigkeit, wenn die Hilfsmittelversorgung innerhalb dieses Zeitraumes nicht in Anspruch genommen worden ist. Bestimmte Hilfsmittel müssen von der Krankenkasse oder Pflegekasse genehmigt werden. Das Krankenhaus nimmt hierfür Kontakt mit Ihrer Kasse auf. Die Kassen müssen den Antrag dann schnellstmöglich bearbeiten.
Das Krankenhaus kann für einen Zeitraum von bis zu 7 Tagen auch sogenannte Heilmittel (zum Beispiel Krankengymnastik, Logopädie) verordnen. Die Heilmittelbehandlung muss innerhalb von 7 Tagen nach der Entlassung aufgenommen werden und innerhalb von 12 Tagen nach der Entlassung abgeschlossen sein. Behandlungseinheiten, die nicht innerhalb von 12 Tagen in Anspruch genommen werden, verfallen. Wird die Heilmittelbehandlung nicht innerhalb von 7 Tagen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus begonnen, verliert die Verordnung ihre Gültigkeit. Die Krankenhausärztin oder der Krankenhausarzt muss Ihre weiterbehandelnde Vertragsärztin oder Ihren weiterbehandelnden Vertragsarzt rechtzeitig über die getätigten Verordnungen informieren.
Das Krankenhaus erstellt einen Medikationsplan in Papierform und verordnet die notwendigen Medikamente. Dabei darf das Krankenhaus die jeweils kleinste verfügbare Packung des Medikaments verordnen. Die Apotheke dürfen Sie selbst wählen.
Ausnahme: Das Wochenende oder die Feiertage stehen bevor und Sie benötigen das Medikament nur noch für diesen Zeitraum, weil danach die Behandlung abgeschlossen ist. In diesem Fall kann Ihnen das Krankenhaus das Medikament mitgeben und muss keine Verordnung ausstellen.
Das Krankenhaus kann die Arbeitsunfähigkeit für einen Zeitraum von bis zu 7 Tagen feststellen und die entsprechende Bescheinigung ausstellen.
Das Krankenhaus muss die Pflegekasse rechtzeitig über den Bedarf eines ambulanten Pflegedienstes informieren. Die Pflegekasse muss sich dann darum kümmern, dass der ambulante Pflegedienst zeitgerecht zur Verfügung steht (siehe unten).
Wenn Sie nach der Entlassung auf Pflege angewiesen sind, aber nicht sofort zu Hause betreut werden können, besteht die Möglichkeit, eine Kurzzeitpflege (für maximal 8 Wochen) in einer stationären Einrichtung zu beantragen. Wenn Sie mindestens Pflegegrad 2 haben, muss die Kurzzeitpflege bei Ihrer Pflegekasse beantragt werden. Wenn Sie keinen oder maximal Pflegerad 1 haben, muss diese Leistung bei Ihrer Krankenkasse beantragt werden. Das Krankenhaus nimmt hierfür Kontakt mit Ihrer Kranken- oder Pflegekasse auf und organisiert mit Ihnen gemeinsam die erforderliche Versorgung in der Einrichtung.
Wenn Ihnen die Weiterführung Ihres Haushalts nicht möglich ist, können Sie bei der Krankenkasse die Kosten für eine Haushaltshilfe beantragen. Auch hier muss das Krankenhaus den Kontakt mit der Krankenkasse aufnehmen, Sie bei der Beantragung unterstützen, und die Kasse muss sich um die schnellstmögliche Bearbeitung des Antrags kümmern.
Auf bestimmte Leistungen der Pflegekasse (zum Beispiel Pflege in einer vollstationären Einrichtung) haben Sie nur Anspruch, wenn bei Ihnen ein Pflegegrad festgestellt worden ist. Sofern Sie solche Leistungen in Anspruch nehmen möchten, muss das Krankenhaus rechtzeitig Kontakt zur Pflegekasse aufnehmen und die Antragsunterlagen auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit übermitteln. Ihre Pflegebedürftigkeit beziehungsweise Ihr Pflegegrad wird dann durch einen von der Pflegekasse beauftragten Gutachter oder eine Gutachterin innerhalb von einer Woche nach Eingang Ihres Antrages bei der Pflegekasse festgestellt. Die Pflegekasse muss Ihnen die Entscheidung unverzüglich nach Eingang der gutachterlichen Empfehlung mitteilen.
Das Krankenhaus kann für eine Dauer von maximal 7 Tagen häusliche Krankenpflege verordnen. Da häusliche Krankenpflege durch Ihre Krankenkasse genehmigt werden muss, nimmt das Krankenhaus noch vor der Einbindung eines entsprechenden Leistungserbringers Kontakt zu Ihrer Kasse auf. Diese muss das Genehmigungsverfahren umgehend einleiten. Das Krankenhaus ist verpflichtet, Ihren weiterbehandelnden Vertragsarzt oder Ihre Vertragsärztin rechtzeitig über die getätigte Verordnung zu informieren.
Haben Sie eine nicht heilbare, fortschreitende oder weit fortgeschrittene Erkrankung und eine begrenzte Lebenserwartung, sodass Sie eine besonders aufwendige Versorgung benötigen, verordnet der Arzt oder die Ärztin unter Umständen eine Palliativversorgung. Auch hier organisiert er oder sie die Leistungen gemeinsam mit der Kranken- und Pflegekasse.
Welche Rechte ergeben sich für mich als Patienten oder Patientin?
Als gesetzlich versicherter Patient oder Patientin in einem Krankenhaus haben Sie einen Anspruch darauf, dass das Krankenhaus die Kommunikation mit geeigneten Pflegeeinrichtungen, Rehabilitationskliniken oder weiteren Einrichtungen übernimmt. Doch auch gegenüber der Krankenkasse oder der Pflegekasse haben Sie bei Bedarf einen Anspruch auf Unterstützung (siehe unten). .
Wichtig: Als Patient oder Patientin haben Sie ein Recht auf freie Arztwahl. Das Krankenhaus muss Sie auf dieses Recht hinweisen und darf Ihnen keine Empfehlungen aussprechen. Das gilt genauso für die Dienstleister wie etwa Sanitätshäuser, die Ihnen Hilfsmittel ausgeben. Auch dürfen Sie beispielsweise den Pflegedienst oder Physiotherapeuten frei wählen.
Wenn Sie das Krankenhaus um eine Empfehlung bitten, müssen Ihnen – wenn überhaupt – mehrere Leistungserbringer genannt werden. Dazu kann es Ihnen zum Beispiel eine nach objektiven Kriterien erstellte Liste vorlegen, aus der Sie dann wählen. Ist in Bezug auf Hilfsmittel unklar, ob Ihre Krankenkasse einen Versorgungsvertrag mit bestimmten Leistungserbringern geschlossen hat, kann das Krankenhaus Sie an Ihre Krankenkasse verweisen. Bei einer Anschlussversorgung gilt aber: Wenn das Krankenhaus ohnehin vorab Kontakt zur Krankenkasse aufnimmt, kann es dieser Ihre Wahl mitteilen.
Thema Datenschutz: Wann muss die Einwilligung zum Entlassmanagement erfolgen?
Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Entlassmanagement ist der Schutz der Patientendaten. Beim Entlassmanagement werden zwischen den Beteiligten permanent Informationen über die Patientinnen und Patienten ausgetauscht, zum Beispiel:
Welche Leistungen hat der Patient oder die Patientin erhalten?
Welche Leistungen benötigt er oder sie?
Welche Medikamente hat er oder sie bekommen?
Das Krankenhaus muss Sie über Inhalt und Ziele des Entlassmanagements und über die damit verbundene Erhebung, Verarbeitung und Nutzung Ihrer Daten informieren. Bevor es das Entlassmanagement durchführt, muss es zwingend Ihre schriftliche Einwilligung einholen. Haben Sie eine Betreuerin oder einen Betreuer muss diese/-r die Einwilligung erteilen – ebenfalls schriftlich. Das gleiche gilt für Personensorgeberechtigte wie die Eltern.
Die Einwilligung können Sie widerrufen, dann tragen Sie jedoch das Risiko, dass Ihre nahtlose Weiterversorgung nicht gewährleistet ist.
Wie läuft das Entlassmanagement ab?
Wie es nach dem Krankenhausaufenthalt weitergeht, hängt davon ab, ob Sie als Patient oder Patientin überhaupt eine Anschlussversorgung brauchen. Wenn nicht, muss der Arzt oder die Ärztin das in der Patientenakte dokumentieren. Dann müssen Sie auch keine Einwilligungen (siehe oben) erteilen.
Für alle anderen Patientinnen und Patienten läuft das Entlassmanagement in folgenden Schritten ab:
Der Arzt oder die Ärztin im Krankenhaus führt zunächst ein sogenanntes Assessment durch. Dies ist ein von der Klinik entwickeltes standardisiertes Verfahren, mit dem er oder sie Ihren individuellen Bedarf an Anschlussversorgung ermittelt. Somit soll der nahtlose Übergang gewährleistet werden. Es soll möglichst frühzeitig erfolgen.
Wenn Sie einen komplexen Versorgungsbedarf haben, beispielweise weil Sie nunmehr umfassend in Ihrer Mobilität oder Selbstversorgung eingeschränkt sind, muss das Assessment sehr differenziert nach speziellen Standards erfolgen.
Wichtig: Vor dem Assessment müssen Sie Ihre schriftliche Einwilligung für die Durchführung des Entlassmanagements erteilen. Dazu informiert das Krankenhaus Sie schriftlich über die Inhalte und Ziele und leitet Ihnen ein Einwilligungsformular zu. Mit diesem Formular erteilen Sie ebenfalls Ihre Einwilligung zur Datenübermittlung an die Krankenkasse und werden über Widerrufsregelungen informiert. Bei Bedarf müssen gesetzliche Betreuer beziehungsweise Betreuerinnen oder Personensorgeberechtigte informiert und eine Einwilligung eingeholt werden.
Schritt 2: Entlassplan
Der Arzt oder die Ärztin stellt im nächsten Schritt einen sogenannten Entlassplan auf. Hierbei wird geprüft, ob ärztliche Verordnungen erforderlich sind und ob Sie arbeitsunfähig sind. Auch prüft der Arzt oder die Ärztin, ob er oder sie weitere Leistungen verordnen muss, wie etwa spezialisierte ambulante Palliativversorgung, Kurzzeitpflege oder eine Haushaltshilfe. Der Entlassplan enthält alle medizinisch erforderlichen Anschlussleistungen, die nach der Krankenhausbehandlung notwendig sind. Wenn er oder sie Informationen darüber hat, wie Sie vor der Krankenhausbehandlung versorgt worden sind, muss dies berücksichtigt werden. Der Arzt oder die Ärztin muss den Entlassplan in Ihre Patientenakte aufnehmen, damit alle beteiligten Mitarbeiter beziehungsweise Mitarbeiterinnen ihn einsehen können.
Schritt 3: Einbindung der Leistungserbringer, Krankenkassen und Pflegekassen
Wenn eine Anschlussversorgung erfolgen soll, muss der Arzt oder die Ärztin beziehungsweise das Krankenhaus frühzeitig die Personen oder Leistungserbringer kontaktieren, die Sie weiterbehandeln sollen. Die Überleitung soll angebahnt und ein nahtloser Übergang sichergestellt werden. Bei Bedarf kontaktiert das Krankenhaus Ihre Betreuer, Personensorgeberechtigten und – in Abstimmung mit Ihnen – Ihre Angehörigen.
Ist eine Unterstützung durch Ihre Kranken- oder Pflegekasse notwendig, muss das Krankenhaus so früh wie möglich, elektronisch und unter Beachtung des Datenschutzrechts, Folgendes an die Kasse weiterleiten:
Information über das Vorliegen Ihrer Einwilligung
wenn der Bedarf im Entlassplan angepasst wird: Information über die Anpassung
Information über etwaigen Widerruf Ihrer Einwilligung
Besteht einer der folgend genannten Bedarfe für eine Unterstützung durch Ihre Kranken- oder Pflegekasse, muss das Krankenhaus in jedem Fall rechtzeitig Kontakt zu den Kassen aufnehmen. Das gilt zum Beispiel bei:
neuem oder geändertem Versorgungsbedarf im Bereich Pflege (Beispiel: Antrag auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit)
Bedarf an häuslicher Krankenpflege
Bedarf an Haushaltshilfe
Bedarf an Rehabilitation
Bedarf an genehmigungspflichtigen Hilfsmitteln
Bedarf an häuslicher Versorgung
Bedarf an einer Übergangsversorgung (Kurzzeitpflege)
Die Krankenkasse und die Pflegekasse stimmen sich über genehmigungspflichtige Leistungen ab, bevor der Leistungserbringer eingeschaltet wird. Nun leiten die Kassen das Antrags- beziehungsweise Genehmigungsverfahren umgehend ein und beraten Sie bei Fragen.
Das Krankenhaus muss den Pflegedienst informieren, gegebenenfalls Gespräche mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin führen und bei Bedarf Haus- und Facharzttermine organisieren.
Schritt 4: Entlassbrief
Der Entlassbrief ist nicht zu verwechseln mit dem Entlassplan. Den Brief erhalten Sie vom Krankenhaus am Tag der Entlassung.
Im Entlassbrief sind alle getroffenen Maßnahmen und Verordnungen aufgeführt (Details siehe Checkliste). Wichtig: Er muss die Telefonnummer des zuständigen Ansprechpartners im Krankenhaus enthalten. Dies ist wichtig für eventuelle Rückfragen der weiterbehandelnden Leistungserbringer. Der Ansprechpartner muss montags bis freitags von 9:00 bis 19:00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10:00 bis 14:00 Uhr unter der angegebenen Nummer erreichbar sein.
Achtung: Bei Ihrer Entlassung muss das Krankenhaus Ihnen in jedem Fall zumindest einen vorläufigen Entlassbrief ausstellen. Dieser enthält die Mindestangaben der getroffenen Maßnahmen, Verordnungen und Beurteilungen. Der endgültige Entlassbrief wird dann nachgereicht.
Alle beteiligten Ärzte und Ärztinnen müssen den Entlassbrief ebenfalls erhalten. Das gilt sowohl für den Arzt oder die Ärztin, der oder die Sie ins Krankenhaus eingewiesen hat, als auch für die Personen, die die Anschlussversorgung durchführen. Voraussetzung ist allerdings Ihre Einwilligung darin, dass die Beteiligten den Brief erhalten. Auch die pflegerischen Leistungserbringer erhalten die dafür notwendigen Informationen, sofern Sie einwilligen.
Was übernimmt das Krankenhaus und was die Krankenkasse beziehungsweise die Pflegekasse beim Entlassmanagement?
Das Krankenhaus nimmt von sich aus Kontakt zur Krankenkasse oder Pflegekasse auf, wenn Sie deren Unterstützung brauchen. Das gilt insbesondere in den Bereichen Pflege, Rehabilitation, Hilfsmittelversorgung oder Kurzzeitpflege.
Wenn die Krankenkasse die Leistung genehmigen muss, muss sie das Verfahren umgehend einleiten. Außerdem muss sie Ihnen gegenüber als Berater zur Verfügung stehen. Dies gilt genauso für die Pflegekasse: Sie muss
Ihnen Informationen bereitstellen,
die notwendige Versorgung organisieren,
einen Pflegeberater beziehungsweise eine Pflegeberaterin zur Verfügung stellen,
Sie über getroffene Entscheidungen informieren und
Was kann ich tun, wenn kein Entlassmanagement durchgeführt wird?
Wie finde ich kurzfristig nach der Entlassung einen ambulanten Pflegedienst?
Sie haben einen Anspruch darauf, dass das Krankenhaus Ihre Weiterversorgung sicherstellt. Dazu gehört eine frühestmögliche Bedarfsplanung, damit es nicht dazu kommt, dass Sie als Patient oder Patientin einfach so entlassen werden. Teil des Entlassmanagements ist dabei auch die Suche nach einem Pflegedienst, wenn Sie nach dem Krankenhausaufenthalt auf Pflege angewiesen sind.
Sollten Sie während des Krankenhausaufenthaltes bemerken, dass Ihr Arzt oder Ihre Ärztin sich nicht zuständig fühlt, wenden Sie sich an den Sozialdienst des Krankenhauses. Dieser muss sich um eine nahtlose Weiterversorgung kümmern. Unterstützung können Sie sich auch von Ihrer Krankenkasse holen. Notfalls stellt der Sozialdienst des Krankenhauses für Sie einen Eilantrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung. Können Sie sich nicht allein darum kümmern, bitten Sie Ihre Angehörigen um Unterstützung.
Gibt es Unterschiede beim Entlassmanagement zwischen Krankenhäusern und Reha-Kliniken?
Wer kümmert sich nach meinem Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung um meine Weiterversorgung?
Genau wie in Krankenhäusern gibt es auch in Rehabilitationseinrichtungen ein Entlassmanagement. Der entsprechende Rahmenvertrag ist erst im Frühjahr 2019 in Kraft getreten, enthält aber sinngemäß die gleichen Regelungen wie beim Entlassmanagement im Krankenhaus.
Die Rehabilitationsklinik muss hier ebenfalls den Bedarf an medizinischer und pflegerischer Anschlussversorgung prüfen. Sie muss mit Ihnen Folgemaßnahmen abstimmen, Termine mit Ärzten oder Ärztinnen und Selbsthilfereinrichtungen vereinbaren, Heil- und Hilfsmittel, Medikamente und häusliche Krankenpflege verordnen und die Arbeitsunfähigkeit für 7 Tage nach der Entlassung feststellen. Auch einen Entlassungsbericht muss die Einrichtung Ihnen am Entlassungstag aushändigen.
Ebenfalls muss die Krankenkasse unterstützend tätig werden: Durch Benennen von Ansprechpartnern, durch die schnelle Entscheidung über Anträge und durch Informationen und organisatorische Hilfen.
Was muss ich als Patient oder Patientin beim Entlassmanagement beachten?
Sie müssen vorab die Zustimmung zum Entlassmanagement erteilen. Dies geschieht in der Regel schon zu Beginn des Aufenthaltes im Krankenhaus.
Der Arzt oder die Ärztin sollte Ihnen alle Verordnungen ausstellen, die für die nächsten 7 Tage erforderlich sind. Dazu gehören Verordnungen über
Hilfsmittel (wie Bandagen, Rollstuhl)
Heilmittel (wie Physiotherapie)
Der Arzt oder die Ärztin muss bei Bedarf Ihre Arbeitsunfähigkeit für die nächsten 7 Tage feststellen und bescheinigen.
Das Krankenhaus darf Ihnen keine Ärzte oder Ärztinnen, keinen bestimmten Pflegedienst und keinen anderen Leistungserbringer empfehlen.
Der Arzt oder die Ärztin muss mit Ihnen ein Entlassgespräch führen. Dabei muss er oder sie Ihnen einen Entlassbrief aushändigen.
Prüfen Sie, ob die folgenden Angaben im Entlassbrief stehen:
Patientenstammdaten, Aufnahme- und Entlassungsdatum
Name des behandelnden Krankenhausarztes oder der Krankenhausärztin und Telefonnummer für Rückfragen
Epikrise (enthält Anamnese, Diagnostik, Therapien inklusive Prozeduren)
weiteres Prozedere beziehungsweise weitere Empfehlungen
eine Auflistung der Arzneimittel, die Ihnen während des Krankenhausaufenthalts verabreicht worden sind (inklusive Angaben zu Wirkstoffbezeichnung und Wirkstoffstärke; Darreichungsform inklusive Erläuterung bei besonderen Darreichungsformen; Dosierung bei Aufnahme sowie bei Entlassung mit der jeweiligen Therapiedauer, Erläuterung bei Veränderungen, bekannte Arzneimittelunverträglichkeiten)
alle veranlassten Verordnungen und Informationen über Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit
nachfolgende Versorgungseinrichtungen
Gesetzliche Grundlagen, Rahmenverträge:
§ 11 Abs. 4 Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V)
§ 33 SGB V § 37 SGB V
§ 37b Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V)
§ 39 Abs. 1a Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V)
§ 31a Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V)
Rahmenvertrag Entlassmanagement-Reha (vom 1.2.2019).
Rahmenvertrag Entlassmanagement (vom 12.12.2018). [abgerufen am 21.10.2019]
GBA-Richtlinien:
Richtlinie über die Verordnung von Hilfsmitteln
Richtlinie über die Verordnung von Arzneimitteln Richtlinie über die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit

References: § 11

§ 33
 § 37

§ 37

§ 39

§ 31