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Timestamp: 2016-05-31 03:54:13+00:00

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socialnet Rezensionen: Sarah Elena Hausmann: Konferenzen im Strafvollzug | socialnet.de
Sarah Elena Hausmann: Konferenzen im Strafvollzug
Sarah Elena Hausmann: Konferenzen im Strafvollzug. Eine dogmatisch-empirische Untersuchung. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2012. 307 Seiten. ISBN 978-3-8329-7818-1. D: 79,00 EUR, A: 81,30 EUR, CH: 109,00 sFr.Reihe: Studien zum Strafrecht - Band 57.Recherche bei DNB KVK
Rechtswirklichkeit von Konferenzen im Strafvollzug
Angesichts der enormen praktischen
Bedeutung, die Konferenzen in der Vollzugswirklichkeit zukommt, und
die nicht zuletzt auch durch die hier zu besprechende Dissertation
unter Beweis gestellt wird, erstaunt es, dass Vollzugskonferenzen
bislang auf ein nur so geringes wissenschaftliches Interesse gestoßen
sind. Die vorliegende Publikation füllt diese Lücke.
Die Dissertation handelt von Recht
und Rechtswirklichkeit der in § 159 StVollzG in schlichter Kürze
geregelten Konferenzen: „Zur Aufstellung und Überprüfung des
Vollzugsplanes und zur Vorbereitung wichtiger Entscheidungen im
Vollzug führt der Anstaltsleiter Konferenzen mit an der Behandlung
maßgeblich Beteiligten durch.“.
Auf 307 Seiten setzt sich die Autorin
mit dieser knappen Norm in jeder erdenklichen Hinsicht auseinander,
wobei sich die Arbeit bis Seite 215 mit rechtsdogmatischen Fragen und
im letzten Drittel mit einer eigenen empirischen Untersuchung
befasst, nämlich einer Online-Befragung von Anstaltsleitungen.
Um eine solche Vielzahl von Seiten
mit der juristischen Auseinandersetzung über § 159 StVollzG
füllen zu können, muss die Autorin sowohl historisch noch vor dem
Bestehen des Strafvollzugsgesetzes beginnen als sich auch auf die
nach der Föderalismusreform 2006 entstandenen Landesgesetze
beziehen. Sie muss zudem in einer Weise in die Tiefe gehen, die die
Arbeit zu einer umfassenden Darstellung und Auseinandersetzung mit
dem internen organisatorischen Aufbau von Vollzugsanstalten werden
lässt. Die Auseinandersetzung mit den einzelnen Aspekten kann dabei
nur akribisch genannt werden, wobei die Bearbeitung des Themas
gleichermaßen auf hohem Niveau ist wie sie ohne Anforderungen an
spezifisches Vorwissen der Leserinnen und Leser auskommt, weil jedes
behandelte Thema verständlich und einführend erklärt wird.
Nach der Einleitung erfolgt im ersten
Kapitel (S. 20-40) eine „Standortbestimmung“, in der die Autorin
die Vollzugskonferenz zu anderen Kommunikationsformen im
Strafvollzug, z.B. zu Dienstbesprechungen, abgrenzt und die beiden in
§ 159 StVollzG ausdrücklich genannten Konferenzarten, die
Vollzugsplankonferenzen zum einen und die „Konferenzen aus
wichtigem Grund“ zum anderen erläutert.
Im zweiten Kapitel (S. 41-108) wird
die Normentwicklung betreffend Konferenzen im bundesdeutschen
Strafvollzug vom Jahr 1961 bis zum heutigen Rechtszustand berichtet.
Das Kapitel umfasst dabei auch eine Auseinandersetzung mit
landesrechtlichen Regelungen sowie mit Verwaltungsvorschriften sowohl
zum StVollzG des Bundes als auch zu den Strafvollzugsgesetzen von
Ländern. Die Entstehungsgeschichte der heutigen Normierung
von Konferenzen im Strafvollzugsrecht liest sich sehr interessant,
nimmt sie doch das Thema der Konferenzen nur als einen exemplarischen
Fall der Gesetzgebungshistorie, um auf diese bis hin zu so wichtigen
Einzelheiten einzugehen, wie etwa dem privaten Alternativentwurf von
Denis Pécic. Zudem erhält die Darstellung der
Verwaltungsvorschriften die Bedeutung, die diesen in der
Praxis zukommt (auch wenn diese Praxis kritikwürdig ist, soweit die
Verwaltungsvorschriften dem Gesetz widersprechen – eine Frage mit
der sich die Autorin jedoch ebenfalls auseinandersetzt). Die Autorin
beschäftigt sich mit Verwaltungsvorschriften der Länder zum
(Bundes-) StVollzG und kommt zu dem Ergebnis, es hätten bereits die
bundeseinheitlichen Verwaltungsvorschriften Einschränkungen
vorgenommen, die nicht mit dem Wortlaut des § 159 StVollzG
korrespondierten, dessen Vorrang sie herausstellt. In den
Verwaltungsvorschriften der Länder zu den
Landesstrafvollzugsgesetzen entdeckt die Autorin auch die Festlegung
neuer Bereiche als Gegenstand von Konferenzen neben den ausdrücklich
vorgesehenen Vollzugsplankonferenzen und den Konferenzen aus
wichtigem Grund, wobei die letzteren nach § 106 Abs. 2 StVollzG
insbesondere bei Disziplinarmaßnahmen in Betracht kommen.
Im dritten Kapitel (S. 109-215)
behandelt die Autorin „einzelne Problembereiche“, wobei es
immer noch um die rechtliche Perspektive geht. Nachdem im Kapitel
zuvor die bestehenden Regelungen zu Konferenzen ihrer Entstehung und
Bedeutung nach im Einzelnen besprochen worden sind, beleuchtet die
Autorin nun diese Regelungen entsprechend ihrer Bedeutung für die
potentiell an einer Vollzugskonferenz Beteiligten.
Auf S. 109-160 wendet sie sich der
Frage zu, wer an einer Konferenz beteiligt werden darf und soll und
damit dem Bedeutungsgehalt der sehr offenen Formulierung in § 159
StVollzG, wonach der Anstaltsleiter die Konferenz „mit an der
Behandlung maßgeblich Beteiligten“ durchführt. Dabei geht sie
für alle nur erdenklichen Personengruppen, die möglicherweise an
einer Vollzugskonferenz tatsächlich teilnehmen oder aber eventuell
teilnehmen können sollten, die gesetzlichen Regelungen im Hinblick
darauf durch, welche rechtlichen Grundlagen sich für oder gegen eine
Beteiligung heranziehen lassen. In diese Betrachtung einbezogen
werden beispielsweise auch Mitglieder des Anstaltsbeirats, der
kriminologische Dienst oder diverse Arten von Externen.
Dabei stellt sie heraus, dass bereits
die Teilnahme des Anstaltsleiters oder der Anstaltsleiterin selbst
keineswegs als selbstverständlich zu betrachten ist. Während
dessen/deren Gesamtverantwortung die Teilnahme gebiete, ist der
Autorin jedoch bekannt, dass solche Aufgaben in der Praxis regelmäßig
sogenannten Vollzugsabteilungsleiter_innen/Abteilungsleiter_innen/Teilanstaltsleiter_innen
übernommen werden, deren Kompetenzverhältnis zur Anstaltsleitung,
nicht nur, aber eben auch, mit Blick auf die Konferenzen noch nicht
eindeutig geklärt sei. Die Autorin geht dann auf den allgemeinen
Vollzugsdienst, den Verwaltungsdienst, den Werkdienst,
Anstaltsseelsorger_innen, den anstaltsärztlichen und
anstaltspsychologischen Dienst sowie den Sozialdienst ein, wobei sie
zutreffender Weise auch die je unterschiedlichen
Schweigepflichtsregelungen hervorhebt und schließlich noch
den kriminologischen Dienst als möglichen Beteiligten an Konferenzen
ins Spiel bringt. Sie setzt sich mit Problemen der sog.
Privatisierung des Strafvollzugs- bzw. der Delegationen an
einzelne, nicht im öffentlichen Dienst stehende Mitarbeiter_innen
auseinander und bringt vor dem Hintergrund ihrer Ergebnisse ihr
Erstaunen darüber zum Ausdruck, dass in BewHi 2001, S. 144 ff. die
Teilnahme von Mitarbeitern des Vereins „Brücke Bremerhaven e. V.“
als freiem Träger der Straffälligenhilfe an der Vollzugskonferenz
positiv hervorgehoben wird, wobei diesen die Teilnahme an
Konferenzentscheidungen zur Vollzugsplanung aus rechtlicher Sicht gar
nicht erlaubt werden dürfe. Auch an diesem Beispiel wird die
schwache Verrechtlichung des Themas deutlich (S. 139 f.). Weiterhin
wird auf sogenannte „extra-murale Personengruppen“
eingegangen, im Einzelnen auf den Anstaltsbeirat, auf externe
Psycholog_innen, Bewährungshelfer_innen und ehrenamtliche
Vollzugshelfer_innen.
Dann kommt die Autorin schließlich
auf das Recht der Gefangenen auf Anwesenheit sowie
Hinzuziehung eines Rechtsanwalts oder einer Rechtsanwältin
bei der Konferenz zu sprechen. (S. 151 ff.) Sie führt dabei wohl
zustimmend die entgegen der herrschenden Meinung stehende Auffassung
an, wonach Gefangene ebenso wie ihr anwaltlicher Beistand ein Recht
auf Beteiligung an der Konferenz haben. Dies leitet sie aus der
Feststellung ab, dass der Gefangene ein an der Behandlung maßgeblich
Beteiligter im Sinne des § 159 StGB sei, denn er nehme an seiner
eigenen Behandlung teil und ohne ihn sei kein Behandlungsvollzug
möglich. (S. 152). Die Aktualität dieser Feststellung lässt sich
an der Konzeption des Musterentwurfs der 10-Ländergruppe ableiten,
wonach die Gefangenen an der Konferenz wenigstens teilweise zu
beteiligen sind (§ 8 Abs. 5 S. 1 ME-StVollzG). Dem könne aufgrund
der Subjektstellung der Gefangenen auch nicht entgegen gehalten
werden, dass es sich um eine nur „notwendige Teilnahme“ handle.
Zudem würde mit der Anwesenheit betroffener Gefangener bei der
Konferenz die Zeit für deren spätere Unterrichtung über das
Konferenzergebnis gespart und es werde damit zudem die Akzeptanz
dieses Ergebnisses erhöht. Ein Recht auf Teilnahme des Rechtsanwalts
oder der Rechtsanwältin an der Konferenz, das angesichts deren
Bedeutung doch eigentlich eine rechtsstaatliche
Selbstverständlichkeit sein sollte, will die Autorin jedoch trotz § 14 Abs. 4 Verwaltungsverfahrensgesetz nicht anerkennen. Es handle
sich bei § 6 Abs. 3 StVollzG um eine dem § 14 Abs. 4 VwVfG
vorausgehende, vorzügliche Spezialregelung. Allerding schließt die
genannte Norm des Strafvollzugsgesetzes ein solches anwaltliches
Recht gerade nicht explizit aus, sondern lässt es lediglich
Nach Auseinandersetzung mit dem für
und wider sowohl für eine Teilnahme der Gefangenen selbst als auch
deren anwaltlicher Unterstützung in der Konferenz, spricht sie sich
für beides jedenfalls bezogen auf den Teil der Konferenz aus, in dem
der Sachverhalt erörtert wird. Sie weist jedoch auf die
gebührenrechtliche Problematik hin, wonach eine solche Teilnahme aus
anwaltlicher Sicht finanziell nicht lohnend erscheinen werde.
Letztlich unterscheidet die Autorin in ihrem Resümee aber gar
nicht mehr zwischen den Gefangenen einerseits und ihren Anwält_innen
andererseits, sondern weist lediglich darauf hin, dass die Teilnahme
„des Gefangenen oder seines Rechtsanwalts“, „des Gefangenen
bzw. seines Rechtsanwalts“ sinnvoll sei (S. 159).
Nach der Frage, wer an der Konferenz
beteiligt werden soll, werden als weitere der „einzelnen
Problembereiche“ noch die Möglichkeit der Vertretung von
Mitgliedern sowie das örtliche und zeitliche Zusammentreffen als
Konferenzvoraussetzung genannt.
Abschließend wird dann die wichtige
Frage diskutiert, welche formelle Rolle dem Votum der
Konferenz zukommt, wobei diese Diskussion in einige Facetten
unterteilt ist. Angesichts der unzweifelhaft enormen Rolle dieses
Gremium kann es nur Erstaunen hervorrufen, dass dabei so wichtige
Fragen wie die, ob es sich bei der Konferenz um ein bloßes
Beratungs- oder um ein Entscheidungsorgan handelt, wer darin
stimmberechtigt ist, inwieweit das Ergebnis die Anstaltsleitung
bindet, ob das Ergebnis protokolliert und ob es dem Gefangenen
zugänglich gemacht werden muss, in Rechtsprechung und Literatur noch
nicht geklärt sind. Umso wichtiger ist die in diesem Teil der Arbeit
immerhin erfolgende Zusammenstellung dieser Unklarheiten. Bereits die
Auseinandersetzung mit der Rechtslage vor Entstehung des
Bundes-Strafvollzugsgesetzes und den zu diesem ausgearbeiteten
Gesetzesvorschlägen im Rahmen der Publikation zeigte allerdings,
dass an sich schon vor Jahrzenten die Notwendigkeit erkannt worden
war, Zusammensetzung, Zuständigkeit und Entscheidungskompetenz der
Konferenzen genauer zu regeln, aber die Diskussion dennoch in der
oben zitierten minimalistischen Norm des Strafvollzugsgesetzes
(ver)endete.
Dem haben auch die von der Autorin
(bereits im vorangegangenen zweiten Kapitel aufgeführten) neuen
Landesgesetze kaum etwas hinzugefügt. Immerhin gibt die
Baden-Württembergische Regelung in § 5 Abs. 3 JVollzGB III den
Gefangenen ein Recht auf Stellungnahme in der
Vollzugsplankonferenz, was deren Anwesenheit dort notwendigerweise
voraussetzt. Hingegen sei das hessische Gesetz ausweislich der
Gesetzgebungsmaterialien dahingehend zu verstehen, dass die
Ergebnisse der Vollzugsplanung mit den Gefangenen zwar zu besprechen
seien, dies aber erst nach der Konferenz, an der sie nicht zu
beteiligen seien (S. 82 f.). Das niedersächsische Gesetz enthält
eine Regelung, wonach Personen und Stellen von außerhalb des
Vollzugs bei besonderer Eignung über die Vollzugsplanung
unterrichtet werden und Gelegenheit erhalten, sich daran zu
beteiligen. Eine weitere Besonderheit dieses Landesgesetzes besteht
darin, dass nach einer ausdrücklichen Regelung, der Gefangene
Anspruch auf Aushändigung einer Kopie des Vollzugsplans hat (S. 84
f.). Diese bislang keineswegs überall akzeptierte Vorgabe kann
unwürdige Streitigkeiten darüber entfallen lassen, ob die Seiten
eines Vollzugsplans von den Gefangenen selbst abgeschrieben werden
müssen (vgl. OLG München 4 Ws 73/08 vom 30.07.08, Juris) oder ob die Gefangenen
sich gar auf eine nur mündliche Auskunft verweisen lassen müssen –
als beträfe der Vollzugsplan nicht gerade die Gefangenen und als
stellte diesen zu kopieren im digitalen Zeitalter noch ein
ernsthaftes Problem dar.
Neben solchen punktuellen, von der
Autorin benannten, Neuregelungen zeigt ihre Auseinandersetzung mit
den bis zum Zeitpunkt der Manuskriptabgabe in Kraft getretenen
Gesetzen der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und
Niedersachsen, dass die Vielzahl der von ihr völlig zu Recht
aufgeworfenen Fragen an Kompetenzen, Zusammensetzung und Verfahren
für Vollzugskonferenzen auch in diesem Landesgesetzen vollkommen
offen gelassen worden sind. Wenig anderes gilt auch für den
Musterentwurf der 10-Ländergruppe vom 23.08.11, den sie
ebenfalls noch in die Betrachtung einbeziehen konnte. In diesem wird
aber immerhin tendenziell die Berücksichtigung der Sichtweise von
Gefangenen ein wenig gestärkt und es wurde eine innovative Regelung
eingeführt, die die Beteiligung des Bewährungshelfers oder der
Bewährungshelferin an der Konferenz ermöglicht. Zu Recht weist die
Autorin allerdings darauf hin, dass in dem Entwurf nicht ersichtlich
sei, was geschehen solle, wenn die Gefangenen selbst diese
Beteiligung überhaupt nicht wünschten. (S. 87-91)
Noch nicht berücksichtigen konnte
die Autorin die neueren, zum 01.06.13 in Kraft getretenen
Landesgesetze. Dabei geht insbesondere das sich an den Musterentwurf
anlehnende brandenburgische Gesetz an einigen Stellen weit über diesen hinaus. Bezüglich der
Anwesenheit bei Vollzugskonferenzen regelt § 14 Abs. 5
BbgJVollzG, dass im Falle vorangegangener Bewährungshilfe oder
Führungsaufsicht der vorherige Bewährungshelfer oder die vorherige
Bewährungshelferin an der ersten Konferenz zu beteiligen sei, bei
Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren ist die regelmäßigen
Teilnahme auch an den weiteren Konferenzen vorgesehen. Die sich auf
Externe beziehende Regelung in Absatz 6, wonach diese, wenn sie an
der Eingliederung mitwirken, an der Konferenz nur mit Zustimmung der
Gefangenen beteiligt werden können, wird allerdings auf die
Bewährungshilfe nicht erstreckt. Bei deren Beteiligung wird den
Gefangenen also kein Mitspracherecht zugebilligt. Immerhin lässt
sich aber § 14 Abs. 4 BbgJVollzG, wonach die Vollzugs- und
Eingliederungsplanung mit den Gefangenen erörtert wird und deren
Anregungen und Vorschläge einbezogen werden, soweit sie der
Erreichung des Vollzugsziels dienen, dahingehend verstehen, dass den
Gefangenen selbst auch ein Recht zur Teilnahme an der Konferenz
eingeräumt wird. Leider konnte sich aber auch der brandenburgische
Gesetzgeber nicht zu einer Regelung durchringen, die das
Anwesenheitsrechts des Rechtsbeistands des oder der Gefangenen in der
Konferenz ausdrücklich vorgesehen hätte.
In der eigenen empirischen
Untersuchung der Autorin (Kapitel IV, S. 216-277) widmet diese sich
der Überprüfung einiger Hypothesen, die aus dem vorangegangenen
juristischen Teil abgeleitet wurden. Die Hypothesen betreffen die
Beteiligung an der Konferenz, die vorherige Mitteilung ihres
Stattfindens und die spätere ihres Ergebnisses an den Gefangenen
oder die Gefangene, das Verfahren der Entscheidungsfindung in der
Konferenz, die Protokollierung ihrer Ergebnisse, die Bindungswirkung
ihrer Ergebnisse für die Anstaltsleitung und die Einschätzung der
Bedeutung solcher Konferenzen.
Mittels internetgestützter Befragung
wurden 13 Fragen an 171 Anstaltsleitungen gestellt und von 157
beantwortet, der verwertbare Rücklauf umfasste jedoch nur 55% (S.
223). Hinsichtlich der Beteiligung an der Konferenz stellte sich –
in gewissem Maß entgegen der eingangs von der Autorin aufgestellten
Hypothese – heraus, dass der allgemeine Vollzugsdienst und der
Sozialdienst am häufigsten als an einer Konferenz teilnehmende
Berufsgruppe genannt wurden und auch der psychologische Dienst als
diesbezüglich drittrangige Gruppe häufiger als erwartet als
teilnehmend angegeben wurde. Sowohl bei dem Sozialdienst als auch dem
psychologischen Dienst besteht dabei ein gewisser Widerspruch zum
Personalschlüssel dieser Berufsgruppen, so dass offensichtlich die
Konferenzteilnahme einen großen Anteil an deren Arbeitszeit
einnimmt. Die Mitarbeiter_innen des Verwaltungsdienstes erwiesen sich
ebenfalls als regelmäßig teilnehmend, und dies obwohl sich weder in
Literatur noch Rechtsprechung Hinweise darauf entnehmen ließen, dass
sie überhaupt an der Konferenz beteiligt werden. Für den
Sozialdienst erklärt sich die Autorin die hohe Beteiligung damit,
dass dieser aufgrund engen Kontakts zu den Gefangenen für die
Vervollständigung der Einschätzung bedeutsam sei. (S. 239 f.)
Hingegen wurden Anstaltsbeiräte sowie der kriminologische Dienst
(erwartungsgemäß) überwiegend „nie“ an der Konferenz
beteiligt. (S. 241) In der Kategorie „weitere besondere
Entscheidungsträger“ werden diverse in der Praxis häufig
vorkommende, in der Literatur aber wenig belichtete
Funktionsträger_innen des realen Anstaltslebens deutlich, wie
Vollzugsleiter_innen, Teilanstaltsleiter_innen etc. (S. 242 ff.)
Angehörige werden „wenn erforderlich“ hinzugezogen, was selten,
aber immerhin vorkommt.
Ein besonders interessantes Ergebnis
gab es noch bei den Einstellungen zur Anwesenheit von
Rechtsanwält_innen in der Konferenz: 52% der an der Befragung
teilnehmenden Anstaltsleitungen hielten diese für „überhaupt
nicht sinnvoll“,37% für „weniger sinnvoll“, 11% für
„sinnvoll“ und überhaupt niemand für „sehr sinnvoll“. Die
Autorin resümiert daher, über 90% seien gegenüber der Anwesenheit
negativ eingestellt. (S. 255) Auf den darauffolgenden Seiten werden
Gründe für diese Sichtweise zusammengetragen, die hier im Einzelnen
nicht wiedergegeben werden können, die aber einerseits nochmals ein
Licht auf die Funktionsweise der Konferenzen werfen und andererseits
verdeutlichen, wie geschlossen und wenig zu Transparenz bereit die
Institution Strafvollzug immer noch ist.
Die akribische Detailarbeit, die die
Autorin in juristischer Auseinandersetzung mit der sehr kurzen Norm
des Strafvollzugsgesetzes über Vollzugskonferenzen leistet und die
Ergebnisse ihrer eigenen empirischen Studie mit der
internetgestützten Befragung von Anstaltsleitungen münden in ihrem
eigenen Fazit in dem Vorschlag einer deutlich ausführlicheren Norm
über Vollzugskonferenzen (S. 288). Es wäre wünschenswert gewesen,
dass sich eine solche, der Praxisbedeutung von Konferenzen im
Strafvollzug angemessene Auseinandersetzung in den jüngst
entstandenen Landesgesetzen zum Strafvollzug gefunden hätte, was
jedoch weitgehend nicht der Fall war.
Die gewissermaßen als Extrakt der
Arbeit vorgeschlagene Regelung zieht diverse zutreffende
Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Transparenz etwa des
Abstimmungsverfahrens oder die Information der Gefangenen über das
Ergebnis und die Aushändigung eines Vollzugsplans oder der sonstigen
Konferenzentscheidung. Ebenso notwendig wie gemessen an der
Rechtswirklichkeit fortschrittlich ist das von der Autorin benannte
Recht auf Anhörung der Gefangenen sowie deren anwaltlicher
Vertretung in der Konferenz bei diese Gefangenen speziell
betreffenden Angelegenheiten und die gut nachvollziehbare
Klarstellung, dass diese Personen während der Abstimmung selbst
nicht zugegen sein dürfen. Der Anstaltsleitung allerdings ein
umfassendes Vetorecht einzuräumen, welches suspensiv bis zur
Entscheidung der Aufsichtsbehörde wirken soll, kann nicht
überzeugen. Ein solches Vetorecht relativiert die Bedeutung der
Vollzugskonferenz erheblich, die doch gerade mit der Publikation
herausgearbeitet worden ist. Nun fehlt der Autorin offenbar auf den
letzten Metern der Mut, diese Bedeutung in ihrem Normvorschlag auch
rechtlich zu verankern. Ihr Argument, dass die Anstaltsleitung die
Gesamtverantwortung trage und dies dann auch für Entscheidungen, die
die Leitung selbst so nicht getroffen hätte, dürfte in einem
demokratischen Staat keine ausschlaggebende Besonderheit darstellen.
Insgesamt ist die Arbeit ebenso
geeignet, sich über das Thema Vollzugskonferenzen in Recht und
Rechtswirklichkeit einen umfassenden Einblick zu verschaffen, wie
auch um sich anhand dieses bezogen auf den Norminhalt des § 159
StVollzG kleinen Beispiels in das gesamte Vollzugsrecht und seine
Entwicklung einzulesen.
RezensentinProf. Dr. Christine Graebsch
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Christine Graebsch. Rezension vom 06.03.2014 zu: Sarah Elena Hausmann: Konferenzen im Strafvollzug. Eine dogmatisch-empirische Untersuchung. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2012. ISBN 978-3-8329-7818-1. Reihe: Studien zum Strafrecht - Band 57. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/16565.php, Datum des Zugriffs 31.05.2016.
Marc Lehmann, Marcus Behrens u.a. (Hrsg.): Gesundheit und Haft
Anna Isenhardt, Ueli Hostettler u.a.: Arbeiten im schweizerischen Justizvollzug

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