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Timestamp: 2019-12-08 10:22:08+00:00

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Kraft­fahr­zeug­steu­er bei sog. "Tages­zu­las­sun­gen" mit Sai­son­kenn­zei­chen | Rechtslupe
Kraftfahrzeugsteuer bei sog. "Tageszulassungen" mit Saisonkennzeichen
Steu­er­ge­gen­stand der Kraft­fahr­zeug­steu­er ist nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG das Hal­ten von inlän­di­schen Fahr­zeu­gen zum Ver­kehr auf öffent­li­chen Stra­ßen. Die Merk­ma­le die­ses Tat­be­stan­des sind nicht erst dann ver­wirk­licht, wenn mit dem Fahr­zeug eine öffent­li­che Stra­ße tat­säch­lich befah­ren wird, son­dern schon dann, wenn das Fahr­zeug nach den ver­kehrs­recht­li­chen Vor­schrif­ten über das Zulas­sungs­ver­fah­ren für Kraft­fahr­zeu­ge (§§ 1 ff. FZV) "zum Ver­kehr zuge­las­sen" wor­den ist 1. Denn mit der Zulas­sung hat der Hal­ter das Recht erlangt, das Fahr­zeug "auf öffent­li­chen Stra­ßen … in Betrieb" zu set­zen (§ 3 Abs. 1 FZV). An die­ses Recht knüpft das Gesetz die Steu­er. Das ergibt sich aus dem Wort­laut der Vor­schrift ("Hal­ten zum …") und ihrem Zusam­men­hang mit § 1 Abs. 1 Nr. 4 Kraft­StG 2, wonach –aus­nahms­wei­se– auch die wider­recht­li­che Benut­zung des Fahr­zeugs auf öffent­li­chen Stra­ßen den Steu­er­tat­be­stand erfüllt.
Die Zulas­sungs­be­hör­de hat im hier ent­schie­de­nen Fall das Fahr­zeug der Klä­ge­rin am 08.09.2008 ord­nungs­ge­mäß zum Stra­ßen­ver­kehr zuge­las­sen. Die Klä­ge­rin war damit berech­tigt, das ange­mel­de­te Fahr­zeug zum Ver­kehr auf öffent­li­chen Stra­ßen i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG zu nut­zen. Dies allein ist maß­geb­lich für die Besteue­rung.
Durch die 23. Ver­ord­nung zur Ände­rung stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 12.11.1996 3 wur­de mit Wir­kung ab dem 1.03.1997 das sog. Sai­son­kenn­zei­chen ein­ge­führt. Nach dem neu ein­ge­füg­ten § 23 Abs. 1b Satz 1 der Stra­ßen­ver­kehrs­zu­las­sungs­ord­nung a.F. wur­de auf Antrag für ein Fahr­zeug ein auf einen nach vol­len Mona­ten bemes­se­nen Zeit­raum (Betriebs­zeit­raum) befris­te­tes amt­li­ches Kenn­zei­chen zuge­teilt, das jedes Jahr in die­sem Zeit­raum auch wie­der­holt ver­wen­det wer­den durf­te. Durch die Rege­lung soll­ten die Fahr­zeug­hal­ter von den frü­her not­wen­di­gen Behör­den­gän­gen und den Kos­ten für eine vor­über­ge­hen­de Still­le­gung des Fahr­zeugs und die anschlie­ßen­de Wie­der­an­mel­dung ent­las­tet wer­den 4. Seit dem 1.03.2007 ist das Sai­son­kenn­zei­chen in § 9 Abs. 3 FZV gere­gelt. Nach § 9 Abs. 3 Satz 5 FZV dür­fen Fahr­zeu­ge mit Sai­son­kenn­zei­chen auf öffent­li­chen Stra­ßen nur wäh­rend des ange­ge­be­nen Betriebs­zeit­raums in Betrieb genom­men oder abge­stellt wer­den.
Durch die Zutei­lung eines Sai­son­kenn­zei­chens wird die Befug­nis zum Betrieb des Fahr­zeugs, nicht dage­gen die Gel­tung der Zulas­sung zeit­lich begrenzt. Ein Fahr­zeug mit Sai­son­kenn­zei­chen ist daher unun­ter­bro­chen zuge­las­sen, also auch wäh­rend des jewei­li­gen nega­ti­ven Betriebs­zeit­raums 5.
Die Rechts­la­ge ist ver­gleich­bar mit dem zeit­li­chen Ver­bot, das für den öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr zuge­las­se­ne Fahr­zeug zu nut­zen, z.B. auf­grund eines Fahr­ver­bo­tes für LKW an Sonn- und Fei­er­ta­gen 6 oder auf­grund eines gene­rel­len Fahr­ver­bo­tes für alle Kfz 7. In die­sen Fäl­len besteht die Steu­er­pflicht auch in dem Zeit­raum fort, in dem der Fahr­zeug­hal­ter tat­säch­lich und/​oder recht­lich zeit­wei­lig gehin­dert ist, das Fahr­zeug im Stra­ßen­ver­kehr zu nut­zen. Solan­ge das Fahr­zeug für den Ver­kehr auf öffent­li­chen Stra­ßen zuge­las­sen ist, han­delt es sich um ein "Hal­ten" i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG. Der Begriff des Hal­tens knüpft bei zulas­sungs­pflich­ti­gen Fahr­zeu­gen allein an das Inne­ha­ben der Zulas­sung an 8, durch die auch die Per­son des Steu­er­schuld­ners bestimmt wird (§ 7 Nr. 1 Kraft­StG) 9.
Nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG dau­ert die Steu­er­pflicht bei einem inlän­di­schen Fahr­zeug, solan­ge das Fahr­zeug zum Ver­kehr zuge­las­sen ist, min­des­tens jedoch einen Monat. Der Begriff der "Zulas­sung zum Ver­kehr" wird im Kraft­StG nicht defi­niert, son­dern rich­tet sich wie­der­um gemäß § 2 Abs. 2 Satz 1 Kraft­StG nach den jeweils gel­ten­den ver­kehrs­recht­li­chen Vor­schrif­ten 10.
Die Klä­ge­rin hat das Fahr­zeug nach den ver­kehrs­recht­li­chen Vor­schrif­ten für einen Tag ange­mel­det. Im Streit­zeit­raum gab es kei­ne spe­zi­el­le Rege­lung für die Dau­er der Steu­er­pflicht bei Sai­son­kenn­zei­chen. Nach dem Wort­laut der all­ge­mei­nen Vor­schrift des § 5 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG war die Steu­er für einen Min­dest­zeit­raum von einem Monat fest­zu­set­zen. Die Min­dest­be­steue­rung für einen Monat bei Zulas­sung eines Fahr­zeugs nur für einen Tag ist weder ver­fas­sungs- noch uni­ons­rechts­wid­rig 11.
Der Besteue­rung für einen Monat steht nicht ent­ge­gen, dass die Klä­ge­rin das Fahr­zeug bereits vor dem Sai­son­zeit­raum wie­der abge­mel­det hat und infol­ge­des­sen das Fahr­zeug zu kei­nem Zeit­punkt im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr nut­zen konn­te. § 5 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG knüpft wie § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG allein an die Zulas­sung und nicht an die Berech­ti­gung zur Nut­zung an.
Unbe­acht­lich ist, dass die Finanz­ver­wal­tung erst ab Beginn des Jah­res 2008 bei Tages­zu­las­sun­gen in Ver­bin­dung mit dem Antrag auf einen Sai­son­zeit­raum außer­halb der tat­säch­li­chen Zulas­sung die ein­mo­na­ti­ge Min­dest­steu­er nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG fest­ge­setzt hat 12. Durch die bis Ende 2007 übli­che Ver­wal­tungs­pra­xis, in die­sen Fäl­len von einer Steu­er­fest­set­zung abzu­se­hen, ist ein im Streit­zeit­raum andau­ern­der Ver­trau­ens­tat­be­stand nicht geschaf­fen wor­den. Maß­geb­lich für die Besteue­rung ist allein das Gesetz und nicht die Aus­le­gung des­sel­ben durch die Finanz­ver­wal­tung. Steu­er­pflich­ti­ge durf­ten nicht dar­auf ver­trau­en, dass das Gesetz über die aus­drück­lich auf­ge­ge­be­ne Ver­wal­tungs­pra­xis hin­aus nicht wei­ter ange­wandt wer­de.
Etwas ande­res folgt auch nicht aus der mit Wir­kung ab 5.11.2008 erfolg­ten Ände­rung des § 5 Abs. 1 Nr. 4 Kraft­StG und der spä­te­ren Ein­füh­rung des inhalts­glei­chen § 5 Abs. 1 Nr. 5 Kraft­StG. Dadurch hat der Gesetz­ge­ber deut­lich gemacht, dass bei Zutei­lung eines Sai­son­kenn­zei­chens die Kraft­fahr­zeug­steu­er eben­falls für min­des­tens einen Monat fest­zu­set­zen und zu erhe­ben ist. Es han­delt sich um eine gesetz­li­che Klar­stel­lung 13 und nicht um eine Ände­rung der bis dahin bestehen­den Rechts­la­ge.
BFH, Urteil vom 07.03.1984 – II R 40/​80, BFHE 140, 480, BSt­Bl II 1984, 459[↩]
BFH, Urteil vom 13.01.2005 – VII R 12/​04, BFHE 208, 315, BSt­Bl II 2005, 365; Ham­bur­gi­sches OVG, Urteil vom 14.08.2001 – 3 Bf 385/​00, Neue Zeit­schrift für Ver­kehrs­recht 2002, 150; Dau­er in Hentschel/​König/​Dauer, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 40. Aufl., § 9 FVZ Rz 6[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 06.08.1958 II 109/​57 U, BFHE 67, 332, BSt­Bl III 1958, 402; Thü­rin­ger FG, Urteil vom 27.04.1994 I K 131/​93, EFG 1994, 982[↩]
Nie­der­säch­si­sches FG, Urteil vom 23.04.1974 – III 26/​74, EFG 1974, 387: Fahr­ver­bot an drei Sonn­ta­gen wäh­rend der sog. "Ölkri­se" im Herbst 1973[↩]
BFH, Urtei­le vom 04.03.1986 – VII R 166/​83, BFHE 146, 282, 285, 287, BSt­Bl II 1986, 531; vom 13.01.1987 – VII R 150/​84, BFHE 148, 542, BSt­Bl II 1987, 272[↩]
BFH, Urteil in BFHE 148, 542, BSt­Bl II 1987, 272[↩]
Strodthoff, Kraft­fahr­zeug­steu­er, § 5 Rz 6[↩]
vgl. Strodthoff, a.a.O., § 5 Rz 52 ff.[↩]
vgl. BT-Drucks. 16/​10930, S. 10; Strodthoff, a.a.O., § 5 Rz 54[↩]
Kfz-SteuerSaisonkennzeichenTageszulassung

References: § 1
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 § 23
 § 9
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 § 1
 § 5
 § 2
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