Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Schleswig&Datum=07.05.2012&Aktenzeichen=3%20Wx%20113%2F11
Timestamp: 2019-04-20 19:36:34+00:00

Document:
OLG Schleswig, 07.05.2012 - 3 Wx 113/11 - dejure.org
BGB § 1915; BGB § 1960
Grundsätze zur Bemessung des Stundensatzes eines anwaltlichen Berufsnachlasspflegers bei einem vermögenden Nachlass
AG Schleswig, 10.08.2011 - 8 VI 195/10
MDR 2012, 1351
FamRZ 2012, 1903
Dies entspricht der weithin vertretenen Ansicht, dass die Bürokosten des Nachlassverwalters nicht in die Vergütung einfließen, sondern Aufwendungen sind, die - soweit trennbar - gesondert zu ersetzen sind (BayObLG Rpfleger 1985, 402, 403;… BeckOK-BGB/Lohmann, § 1987 Rn. 2 (Stand: 1. November 2017);… BeckOGK-BGB/Herzog, § 1987 Rn. 10 (Stand: 1. Dezember 2017);… jurisPK-BGB/Klinck, 8. Aufl. § 1987 Rn. 5;… Soergel/Stein, BGB 13. Aufl. § 1987 Rn. 2; a.A. OLG Schleswig FamRZ 2012, 1903;… Brandenburgisches OLG ZEV 2010, 637, 638 [juris Rn. 16];… Palandt/Weidlich, BGB 77. Aufl. § 1960 Rn. 23).
Nur im Einzelfall bei ausnahmsweise ganz leichter Aufgabenstellung ist ein noch niedrigerer Satz denkbar (Ergänzung zur Rechtsprechung des Senats betreffend Vergütung des anwaltlichen Berufsnachlasspflegers in SchlHA 2012, 423 ff = FamRZ 2012, 1903 f = MDR 2012, 1351 ff = ZErb 2012, 187 ff).
Der Senat hat in seinem grundsätzlichen Beschluss vom 7.5.2012, 3 Wx 113/11 (FamRZ 2012, 1903 f = MDR 2012, 1351 ff = ZErb 2012, 187 ff = SchlHA 2012, 423 ff mit zust. Anm. von Brammer, FamFR 2012, 382) entschieden, für den anwaltlichen Berufsnachlasspfleger (Ausbildung entsprechend § 3 Abs. 1 S. 2 Ziff. 2 VBVG ) in Schleswig-Holstein (also Büros außerhalb großstädtischer Ballungsräume) erscheine eine lineare Steigerung ausgehend von 65 EUR für den Fall einfacher Abwicklung, über 90 EUR bei mittelschwerer zu 115 EUR bei schwieriger Aufgabenstellung als angemessen, wobei ausnahmsweise bei ganz leichter Aufgabenstellung ein noch niedrigerer Satz hinuntergehend bis zu 33, 50 EUR/Std.
Das Schleswig-Holsteinische OLG (Beschluss vom 7.5.2012, Az. 3 Wx 113/11 = MDR 2012, 1351) hält bei mittelschwerer Abwicklung einen Stundensatz von 90, 00 EUR für ermessengerecht.
Der Senat hält eine Staffelung von 33, 50 -65,00 EUR bei einfacher Abwicklung, über 70, 00 - 90, 00 EUR bei mittelschweren Pflegschaften bis zu 115, 00 EUR bei schwerer Abwicklung für gerechtfertigt und im Einzelfall auch handhabbar (so auch Schleswig-Holsteinisches OLG, Beschluss vom 7.5.2012, Az. 3 Wx 113/11 = MDR 2012, 1351).
Soweit die Rechtsprechung teilweise (deutlich) höhere Stundensätze für richtig gehalten hat, ist zu berücksichtigen, dass in den betreffenden Gerichtsbezirken auch Ballungsräume betroffen sind und ein Rechtsanwalt dort - im Vergleich zu Thüringen - höhere Kosten für den Betrieb seines Büros (Miete, Löhne) aufwenden muss (so auch Schleswig-Holsteinisches OLG, Beschluss vom 7.5.2012, Az. 3 Wx 113/11 = MDR 2012, 1351).
Der Senat hält eine Staffelung von 33, 50 - 65, 00 EUR bei einfacher Abwicklung, über 70, 00 - 90, 00 EUR bei mittelschweren Pflegschaften bis zu 115, 00 EUR bei schwerer Abwicklung für gerechtfertigt und im Einzelfall auch handhabbar (so auch Schleswig-Holsteinisches OLG, Beschluss vom 7.5.2012, Az. 3 Wx 113/11 = MDR 2012, 1351).
Bei der Bemessung des Stundensatzes hat das Nachlassgericht bzw. das an seine Stelle tretende Beschwerdegericht einen weiten Ermessensspielraum (OLG Düsseldorf, Rpfleger 2013, 93; OLG Schleswig, FamRZ 2012, 1903; OLG Hamm, Rpfleger 2011, 377; KG Berlin, FamRZ 2012, 818).
Mehrwertsteuer Zum Stundensatz verwies der Beteiligte zu 1. auf die Schwierigkeit der Aufgabe und auf den Beschluss des Senats vom 7. Mai 2012, 3 Wx 113/11, MDR 2012, 1351 ff.
Der Senat hat in seinem Beschluss vom 7. Mai 2012 (a.a.O., bei juris Rn. 27) die Bemessung des Stundensatzes eines anwaltlichen Berufsnachlasspflegers bei einem vermögenden Nachlass mit 65 EUR bei einfacher Abwicklung bis hin zu 115 EUR bei schwieriger Abwicklung als angemessen angesehen, wobei im Einzelfall Abweichungen denkbar sind.
OLG Dresden, 15.05.2015 - 17 W 242/15
So lassen sich, je nach Schwierigkeitsgrad der Nachlassabwicklung, die in der Rechtsprechung mittlerweile anerkannten Beträge zwischen 65, 00 EUR und 130, 00 EUR widerspruchsfrei erklären (dazu etwa OLG Schleswig zu 3 Wx 113/11, Rn. 26 f. und OLG Brandenburg zu 6 Wx 2/10, Rn. 26).

References: § 1915
 § 1960
 § 1987
 § 1987
 § 1987
 § 1987
 § 1960
 § 3