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Timestamp: 2019-12-09 20:29:51+00:00

Document:
Aktenzeichen: VIII R 7/16
ECLI: ECLI:DE:BFH:2019:B.280519.VIIIR7.16.0
Normen: § 52a Abs 8 EStG 2009, § 52a Abs 10 S 8 EStG 2009, § 20 Abs 1 Nr 7 EStG 2002 vom 14.08.2007, § 20 Abs 1 Nr 7 EStG 2009, EStG VZ 2011
Zitiervorschlag: BFH, Beschluss vom 28. Mai 2019 – VIII R 7/16 –, BFHE nn, BStBl II 2019, 610
1. Sog. BIP-gebundene Wertpapiere, die von gegen Argentinien-Anleihen eingetauschten festverzinslichen Schuldverschreibungen nach den Emissionsbedingungen automatisch abgekoppelt worden und mit einer eigenen Wertpapierkennnummer eigenständig handelbar sind, bei denen die Rückzahlung des Nennkapitals ausgeschlossen ist und die Zahlung eines Entgelts von der Entwicklung des argentinischen Bruttoinlandsprodukts sowie anderen variablen Größen abhängig ist, sind keine Kapitalforderungen gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG in der am 31.12.2008 anzuwendenden Fassung. Es handelt sich um Kapitalanlagen mit ausschließlich spekulativem Charakter (sog. Vollrisikopapiere) (Rn.18)(Rn.20)(Rn.31).
2. Laufende Kapitalerträge aus solchen BIP-gebundenen Wertpapieren sind gemäß § 52a Abs. 8 Satz 1 i.V.m. § 52a Abs. 10 Satz 8 EStG nach dem 31.12.2008 nicht gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG n.F. steuerpflichtig, wenn die Wertpapiere vor dem 15.03.2007 erworben wurden (Rn.21)(Rn.23)(Rn.24).
Mit dieser eigenständigen Betrachtung der BIP-gebundenen Wertpapiere weicht der Senat nicht von den im Senatsurteil vom 24.02.2015 - VIII R 54/12 (BFHE 249, 228, BStBl II 2015, 693) aufgestellten Grundsätzen ab. Dem Senatsurteil lässt sich nicht der Grundsatz entnehmen, dass die Schuldverschreibungen und die BIP-gebundenen Wertpapiere für die ertragsteuerrechtliche Behandlung wegen ihrer Verbindung im Emissionszeitpunkt stets als einheitliche Kapitalforderung mit variabler Verzinsung zu qualifizieren sind (Rn.19).
BStBl II 2019, 610
BB 2019, 1891-1893 (Leitsatz und Gründe)
BFH/NV 2019, 972-975 (Leitsatz und Gründe)
DB 2019, 2106-2108 (Leitsatz und Gründe)
DStRE 2019, 1120-1123 (Leitsatz und Gründe)
HFR 2019, 875-877 (Leitsatz und Gründe)
BB 2019, 1813 (Leitsatz)
StE 2019, 500 (Leitsatz)
StuB 2019, 642 (Leitsatz)
BFH/PR 2019, 253 (Leitsatz)
NZG 2019, 1080 (Leitsatz)
EStB 2019, 362-364 (Kurzwiedergabe)
DStZ 2019, 682-683 (Kurzwiedergabe)
vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 17. Februar 2016, Az: 2 K 11398/14, Urteil
Franceska Werth, BFH/PR 2019, 253-254 (Anmerkung)
JH, DStZ 2019, 683 (Anmerkung)
Sascha Bleschick, EStB 2019, 362-364 (Anmerkung)
Christian Levedag, HFR 2019, 877 (Anmerkung)
Monika Jachmann-Michel, jurisPR-SteuerR 39/2019 Anm 4 (Anmerkung)
jh, StuB 2019, 642 (Anmerkung)
Vergleiche BFH, 27. Dezember 2015, Az: VIII R 70/13
Vergleiche FG Münster, 21. Oktober 2015, Az: 11 K 457/11 E
Vergleiche BFH, 24. Februar 2015, Az: VIII R 54/12
Vergleiche BFH, 4. Dezember 2007, Az: VIII R 53/05
Der Kläger beantragte im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung für das Streitjahr für die Kapitalerträge aus den BIP-gebundenen Wertpapieren die Überprüfung des Steuereinbehalts gemäß § 32d Abs. 4 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr anzuwendenden Fassung (EStG). Er war der Auffassung, die Kapitalerträge aus den BIP-gebundenen Wertpapieren seien in Höhe eines Betrags von 82.528 € nicht steuerbar. Es handele sich insoweit um sog. Vollrisikopapiere, die er vor dem 15. März 2007 erworben habe. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG i.d.F. des Art. 1 des Unternehmensteuerreformgesetzes 2008 vom 14. August 2007 (BGBl I 2007, 1912) --im Folgenden: EStG n.F.-- sei gemäß § 52a Abs. 8 Satz 1 i.V.m. § 52a Abs. 10 Sätze 6 bis 8 EStG für nach dem 31. Dezember 2008 zufließende Kapitalerträge aus solchen Vollrisikopapieren nicht anzuwenden, wenn die zugrunde liegende Kapitalforderung vor dem 15. März 2007 erworben worden sei. Eine andere Rechtsgrundlage für die Besteuerung der laufenden Kapitalerträge aus den BIP-gebundenen Wertpapieren sei nicht gegeben.

References: § 52
 § 52
 § 20
 § 20
 § 20
 § 52
 § 52
 § 20
 § 32
 § 20
 Art. 1
 § 52
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