Source: https://erlebnismanager.info/news/aktuelles/neuigkeiten/va-mindeststandards
Timestamp: 2019-10-20 08:32:49+00:00

Document:
Mindeststandards für Veranstaltungen - Die Erlebnismanager GmbH, Bielefeld
Mindeststandards für Veranstaltungen
Die tragischen Ereignisse auf der Loveparade - auf die wir an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchten - werden derzeit in sämtlichen Medien auf- und nachbereitet und es kommt zu sehr interessanten Diskussionen.
In der Sendung von Maybrit Illner vom 29. Juli 2010 forderte Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, "Mindeststandards" für Veranstaltungen. Als Agentur, die bereits einige Erfahrungen mit Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Besuchern gemacht hat, wundern wir uns über diese Aussage. Bereits seit Jahren existiert in sämtlichen Bundesländern die sogenannte "Versammlungsstättenverordnung", welche in den letzten Jahren nahezu überall auf Basis der Musterversammlungsstättenverordnung (MVStättV) überarbeitet wurde. Mit den erschreckenden Bildern der Loveparade in Duisburg vor Augen haben wir versucht, die relevanten Teile herauszuarbeiten. Die entsprechenden Paragraphen zitieren wir bewusst kommentarlos, so dass sich Jede(r) ein eigenes Bild machen kann:
(1) Die Vorschriften dieser Verordnung gelten für den Bau und Betrieb von (...) 2. Versammlungsstätten im Freien (...), deren Besucherbereich mehr als 1.000 Besucher fasst (...).
(2) Die Anzahl der Besucher ist wie folgt zu bemessen: (...)
2. (...) für Stehplätze: 2 Besucher je qm Grundfläche (...)
§ 7 Bemessung der Rettungswege
(1) (...) Die Entfernung von 60m bis zum nächsten Ausgang darf nicht überschritten werden. (...)
(4) (...) Die lichte Breite eines jeden Teils von Rettungswegen muss für die darauf angewiesenen Personen mindestens betragen bei
1. Versammlungsstätten im Freien (...) 1,20m je 600 Personen (...)
§ 11 Abschrankungen und Schutzvorrichtungen (...)
(4) Abschrankungen in den für Besucher zugänglichen Bereichen müssen so bemessen sein, dass sie dem Druck einer Personengruppe standhalten. (...)
§ 30 Einfriedungen und Eingänge (...)
(2) (...) Für die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten sind von den Besucherplätzen getrennte Eingänge anzuordnen.
(3) Für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge müssen besondere Zufahrten, Aufstell- und Bewegungsflächen vorhanden sein. Von den Zufahrten und Aufstellflächen aus müssen die Eingänge der Versammlungsstätten unmittelbar erreichbar sein. (...)
§31 Rettungswege, Flächen für die Feuerwehr (...)
(2) Rettungswege in der Versammlungsstätte müssen ständig freigehalten werden. (...)
§ 38 Pflichten der Betreiber, Veranstalter und Beauftragten (...)
(3) Der Betreiber muss die Zusammenarbeit von Ordnungsdienst, Brandsicherheitswache und Sanitätswache mit der Polizei, der Feuerwehr und dem Rettungsdienst gewährleisten. (...)
(5) der Betreiber kann die Verpflichtungen (...) auf den Veranstalter übertragen (...) § 43 Sicherheitskonzept, Ordnungsdienst
(1) Erfordert es die Art der Veranstaltung, hat der Betreiber ein Sicherheitskonzept aufzustellen und einen Ordnungsdienst einzurichten.
(2) Für Versammlungsstätten mit mehr als 5.000 Besucherplätzen hat der Betreiber im Einvernehmen mit den für Sicherheit und Ordnung zuständigen Behörden ein Sicherheitskonzept aufzustellen. Im Sicherheitskonzept sind die Mindestzahl der Kräfte des Ordnungsdienstes gestaffelt nach Besucherzahlen und Gefährdungsgraden (...) festzulegen. (...)
(4) Der Ordnungsdienstleiter und Ordnungsdienstkräfte sind für die betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich. Sie sind insbesondere für die (...) Beachtung der maximal zulässigen Besucherzahl (...) sowie für die geordnete Evakuierung im Gefahrenfall verantwortlich.
Auch wenn diese Erkenntnisse den Opfern der Loveparade und ihren Freunden und Angehörigen - denen wir an dieser Stelle unser vollstes Mitgefühl ausdrücken möchten - nicht mehr helfen können, so möchten wir doch versuchen, wieder etwas Vertrauen zu schaffen. Großveranstaltungen leben von ihren Besuchern, sie sollten und werden auf jeden Fall weiterhin stattfinden. Zukünftig aber hoffentlich mit mehr Fachwissen seitens der Verantwortlichen und unter Einhaltung der festgelegten Standards. Anhand der unbegreiflichen Ereignisse vom vergangenen Samstag mussten wir schließlich schmerzhaft genug feststellen, dass die Vorschriften der MVStättV absolut sinnvoll und offenbar auch notwendig sind. Leider kennen viele Veranstalter und Agenturen sie nicht einmal oder umgehen sie bewusst. Wer einen genauen Blick in dieses Regelwerk werfen möchte, findet sowohl die MVStättV als auch die in den einzelnen Bundesländern gültigen Fassungen der Versammlungsstättenverordnung unter
www.versammlungsstaettenverordnung.de.

References: § 7

§ 11

§ 30

§31

§ 38
 § 43