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Timestamp: 2020-07-04 12:29:03+00:00

Document:
LAG Baden-Württemberg, Urteil vom 27.01.2010, 12 Sa 44/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 27.01.2010, 12 Sa 44/09
Schlagworte: Teilzeit: Arbeitszeitaufstockung, Arbeitszeit: Aufstockung
Aktenzeichen: 12 Sa 44/09
1. Schadenersatzpflicht wegen rechtswidriger und schuldhafter Ablehnung eines Aufstockungsantrages gemäß § 9 TzBfG.
2. Unterlassene Ausschreibung einer zu besetzenden Stelle im Öffentlichen Dienst als Indiz für Verschulden.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Mannheim, Urteil vom 19.05.2009, 5 Ca 576/08
- Kam­mern Mann­heim -
5 Ca 576/08 (ArbG Mann­heim - Kn. Hei­del­berg)
Prae­to­ri­us
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Mann-heim - - 12. Kam­mer -
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Hen­ne­mann,
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Sch­mitt
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schöberl
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 20.01.2010
1. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mann­heim vom 19.05.2009 - Az. 5 Ca 576/08 - teil­wei­se ab­geändert und zur Klar­stel­lung ins­ge­samt neu ge­fasst:
2. Die Fest­stel­lungs­kla­ge der Kläge­rin wird ab­ge­wie­sen.
3. Die Kla­ge auf Zah­lung von Ent­gelt für die Zeit vom 01.12.2008 bis zum 06.01.2009 wird ab­ge­wie­sen.
4. Auf den Hilfs­an­trag der Kläge­rin wird das be­klag­te Land ver­ur­teilt, der Kläge­rin an Scha­den­er­satz zu be­zah­len für die Zeit vom 07.01.2009 bis zum 30.06.2009 EUR 9.202,79 brut­to (i.W.: neun­tau­send­zwei­hun­dert­und­zwei) nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank
aus 1195,37 EUR (i.W.: ein­tau­send­ein­hun­dert­neun­zi­g­undfünf) ab dem 01.02.2009
aus 1544,02 EUR (i.W.: ein­tau­sendfünf­hun­dert­vier­zi­g­und­vier) ab dem 01.03.2009
aus 1544,02 EUR (i.W.: ein­tau­sendfünf­hun­dert­vier­zi­g­und­vier) ab dem 01.04.2009
aus 1697,68 EUR (i.W. ein­tau­send­sechs­hun­dert­neun­zi­gund­sie­ben) ab dem 01.05.2009
aus 1610,85 EUR (i.W.: ein­tau­send­sechs­hun­dert­und­zehn) ab dem 01.06.2009
aus 1610,85 EUR (i.W.: ein­tau­send­sechs­hun­dert­und­zehn) ab dem 01.07.2009.
5. Von den Kos­ten des Rechts­streits - bei­der Rechtszüge - trägt die Kläge­rin 4/5 und das be­klag­te Land 1/5.
Die Kläge­rin ist am 30.04.1957 ge­bo­ren. Sie ist ge­schie­den und zwei Kin­dern zum ge-setz­li­chen Un­ter­halt ver­pflich­tet. Nach ih­rem Ab­itur stu­dier­te sie von 1976 bis 1981 am In­sti­tut für Über­set­zen und Dol­met­schen der Uni­ver­sität H. Französisch, Eng­lisch und - als Sach­fach - Volks­wirt­schafts­leh­re mit dem Ab­schluss als Di­plomüber­set­ze­rin.
Seit dem 01.11.1983 steht sie mit dem be­klag­ten Land in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits-verhält­nis an der Uni­ver­sität H. auf­grund Ar­beits­ver­tra­ges vom 28.10.1983 nebst Ände-rungs­ver­trag vom 18.04.1984. Sie ist als Fremd­spra­chen­se­kretärin beschäftigt, dem S.-In­sti­tut (im fol­gen­den: SAI) der Uni­ver­sität zu­ge­ord­net und dort Herrn Prof. Dr. G., Ab­tei­lung Wirt­schafts- und Ent­wick­lungs­po­li­tik zu­ge­wie­sen. Die Kläge­rin hat ei­ne un­be­fris­te­te Halb­tags­stel­le mit 19,75 Wo­chen­stun­den bei ei­nem Brut­to­mo­nats­ge­halt von - zur Zeit der Kla­ge­er­he­bung - EUR 1544,00 in­ne.
Mit Schrei­ben vom 10.01.2005 be­an­trag­te sie die Auf­sto­ckung ih­rer Ar­beits­zeit auf ei­ne Ganz­tags­stel­le un­ter Be­ru­fung auf § 9 des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (im fol­gen­den Tz­B­fG).
Mit Zu­satz­ar­beits­ver­trag vom 28.03.2007 wur­de ih­re Ar­beits­zeit ab dem 01.04.2007 be­fris­tet bis zum 30.06.2007 um 10 Wo­chen­stun­den erhöht, der mit Zu­satz­ar­beits­ver­trag vom 26.06.2007 be­fris­tet bis 30.09.2007 verlängert wur­de. Hier­an schloss sich ein wei­te­rer Zu­satz­ar­beits­ver­trag vom 25.09.2007 über ei­ne hal­be Stel­le für die Zeit vom 01.10.2007 bis zum 31.03.2008 an, die­ser wie­der­um verlängert mit Zu­satz­ar­beits­ver­trag vom 05.08.2008 bis zum 28.02.2009. Die­se Zu­satz­ar­beits­verträge re­geln, dass die Kläge­rin aus­sch­ließlich für die Dau­er der Ar­beits­unfähig­keit von Frau H.-C. beschäftigt wer­den und dass das Zu­satz­ar­beits­verhält­nis en­den sol­le, wenn Frau H.-C. ih­ren Dienst wie­der auf­nimmt bzw. aus­schei­det, spätes­tens aber mit Ab­lauf der je­weils ver­ein­bar­ten Be­fris­tung.
Die Beschäfti­gung im Rah­men die­ser Zu­satz­ar­beits­verträge er­folg­te im Se­kre­ta­ri­at der Ab­tei­lung Geo­gra­phie des SAI un­ter Herrn Prof. Dr. N..
Am 09.08.2008 ver­starb Frau H.-C.. Des­we­gen teil­te das be­klag­te Land der Kläge­rin am 14.08.2008 mit, dass ab dem 01.09.2008 ih­re zusätz­li­che Beschäfti­gung mit der Hälf­te der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit als Ver­tre­tung nicht mehr möglich sei.
Vom 18.08. bis 07.09.2008 hat­te die Kläge­rin Ur­laub. An­sch­ließend ar­bei­te­te sie un­ter Herrn Prof. Dr. N. in der Ab­tei­lung Geo­gra­phie auf der zusätz­li­chen Halb­tags­stel­le un­verändert wei­ter.
Während die Kläge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang be­haup­tet, hier­bei ha­be es sich um die Fortführung des be­fris­te­ten Zu­satz­ar­beits­ver­tra­ges über das Be­fris­tungs­en­de hin­aus ge­han­delt, be­ruft sich das be­klag­te Land auf an­ge­ord­ne­te Mehr­ar­beit im Zu­sam­men­hang mit dem un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag vom 28.10.1983/18.04.1984.
Un­strei­tig hat­te das SAI mit Schrei­ben vom 19.08.2008 - ABl. 55 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te - bei der Uni­ver­sitäts­ver­wal­tung um Mehr­ar­beit für die Zeit vom 01. bis 30.09.08 und mit wei­te­rem Schrei­ben vom 10.09.2008 bis zum 30.11.08 nach­ge­sucht. Die Uni­ver­sitäts­ver­wal­tung hat­te mit Schrei­ben vom 29.08.2008 die Ab­leis­tung von ma­xi­mal 20
mo­nat­li­chen Mehr­ar­beits­stun­den an­ge­ord­net und mit Mehr­fer­ti­gung die Kläge­rin hier­von un­ter­rich­tet. Zwi­schen dem 08.09. und 30.11.08 tätig­te die Kläge­rin St­un­den­auf­schrie­be hin­sicht­lich der in der Ab­tei­lung Geo­gra­phie ge­leis­te­ten Ar­beits­stun­den.
Mit Schrei­ben vom 28.08.08 - ABl. 69 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te - wieß die Kläge­rin ge­genüber Herrn Prof. Dr. N. dar­auf hin, dass sie un­be­fris­tet bei ihm wei­ter ar­bei­ten wol­le; Dop­pel hier­von er­hielt die Per­so­nal­ab­tei­lung der Uni­ver­sität.
Das SAI schrieb die Stel­le von Frau H.-C. am 05.09.2008 aus. Die Kläge­rin be­warb sich hier­auf mit Schrei­ben vom 18.09.2008 oh­ne Er­folg. Mit Schrei­ben vom 08.12.2008 - ABl. 8 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te - ließ die Kläge­rin ge­genüber der Uni­ver­sitäts­ver­wal­tung
dar­auf hin­wei­sen, dass sie seit dem 01.09.2008 „ naht­los auf der Ba­sis von 80 Meh-
rar­beits­stun­den be­fris­tet bis En­de No­vem­ber 2008 oh­ne schrift­li­chen Ver­trag wei­ter­ge-
führt “ wor­den sei, ih­re Be­wer­bung gleich­wohl kei­ne Berück­sich­ti­gung mehr ge­fun­den
ha­be.
Die Halb­tags­stel­le (19,75 Wo­chen­stun­den) war nämlich mit Wir­kung vom 07.01.09 mit Frau T. be­setzt wor­den, die bis da­hin im In­ter­na­tio­na­len Stu­di­en­zen­trum der Uni­ver­sität (ISZ) beschäftigt ge­we­sen war. Frau T. hat­te be­reits mit Schrei­ben vom 14.01.2007 - ABl. 110 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te - um Ver­set­zung von dort nach Rück­kehr aus ih­rer El­tern­zeit ge­be­ten. Die durch die Ver­set­zung von Frau T. frei­ge­wor­de­ne Ganz­tags­stel­le wur­de eben­falls mit Wir­kung vom 07.01.2009 - je­doch oh­ne vor­he­ri­ge Aus­schrei­bung - zur Hälf­te mit de­ren El­tern­zeit­ver­tre­te­rin, nämlich der Frau T. B., un­be­fris­tet be­setzt. Frau B. war erst­mals am 1.04.2007 mit der Hälf­te ih­rer wöchent­li­chen Ar­beits­zeit be­fris­tet bis zum 06.01.2009 ein­ge­stellt wor­den. Hin­sicht­lich ih­rer Ar­beits­verträge mit Da­tum vom 21.03.2007 und 22.12.2008 wird auf ABl. 115 bis 118 der Be­ru­fungs­ak­te ver­wie­sen.
Mit ih­rer am 19.12.2008 vor dem Ar­beits­ge­richt er­ho­be­nen und am 7.1.09 zu­ge­stell­ten Kla­ge in der Fas­sung der Klagände­rung vom 11.03.09 hat die Kläge­rin die ge­richt­li­che Fest­stel­lung be­gehrt, dass seit dem 01.09.2008 mit dem be­klag­ten Land ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis mit ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit vom 39,5 St­un­den zu­stan­de ge­kom­men sei. Hilfs­wei­se hat sie die Ver­ur­tei­lung des be­klag­ten Lan­des be­gehrt, ihr An­ge­bot vom 10.01.2005 auf Erhöhung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf 39,5 Wo­chen­stun­den an­zu­neh­men. Da­ne­ben hat sie die Zah­lung von Ge­halts­dif­fe­ren­zen für die Zeit von Sep­tem­ber 2008 bis Fe­bru­ar 2009 kla­ge­wei­se gel­tend ge­macht.
Die Kläge­rin hat ge­meint, dass das mit Wir­kung ab dem 01.04.2007 zusätz­lich ver­ein­bar­te Ar­beits­verhält­nis bei Herrn Prof. Dr. N. über den 31.08.2008 in An­wen­dung von § 15 Abs. 5 Tz­B­fG un­be­fris­tet fort­be­ste­he, weil sie ih­re Ar­beits­leis­tung auch nach dem 31.08.2008 be­wusst und in der Be­reit­schaft fort­ge­setzt ha­be, ih­re Pflich­ten aus dem zusätz­li­chen Ar­beits­verhält­nis zu erfüllen. So ha­be auch Herr M. H., der Geschäftsführer des SAI, ihr mit­ge­teilt, sie sol­le über den 31.08.2008 hin­aus, so wie bis­her ge­sche­hen, wei­ter ar­bei­ten. Sie ha­be sich nicht da­mit ein­ver­stan­den erklärt, dass - nach Ur­laubsen­de - die in den Mo­na­ten Sep­tem­ber, Ok­to­ber und No­vem­ber 08 ge­leis­te­te Ar­beit als Mehr­ar­beit in Be­zug auf ihr Ar­beits­verhält­nis bei Herrn Prof. Dr. G. gel­te. Hier­an ände­re nichts der Um­stand, dass das SAI in­tern ge­genüber der Uni­ver­sitäts­ver­wal­tung Mehr­ar­beit be­an­tragt und ge­neh­migt be­kom­men ha­be.
Ih­re Wei­ter­beschäfti­gung auf der Stel­le bei Herrn Prof. Dr. N. sei mit Wis­sen und Wol­len der Per­so­nal­ab­tei­lung der Uni­ver­sität er­folgt, oh­ne dass die­se wi­der­spro­chen ha­be. Da die wei­te­re Tätig­keit für die Mo­na­te Sep­tem­ber bis No­vem­ber 08 nicht schrift­lich ver­ein­bart wor­den sei, könne sich das be­klag­te Land nicht auf § 14 Abs. 4 Tz­B­fG be­ru­fen.
Ih­ren Hilfs­an­trag hat die Kläge­rin da­mit be­gründet, dass sie be­reits mit Schrei­ben vom 10,.01.2005 un­ter Be­ru­fung auf § 9 Tz­B­fG die Auf­sto­ckung ih­rer ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit be­an­tragt ha­be.
Zu Un­recht ha­be das be­klag­te Land Frau T. für bes­ser ge­eig­net ge­hal­ten.
Die Kläge­rin hat vor dem Ar­beits­ge­richt be­an­tragt:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass zwi­schen den Par­tei­en seit dem 01.09.2008 ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis mit ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 39,5 St­un­den be­steht.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, das An­ge­bot der Kläge­rin vom 10.01.2005 auf Erhöhung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf 39,5 Wo­chen­stun­den an­zu­neh­men.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 5.802,28 EUR brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB
aus € 195,22 seit dem 30.09.2008 aus € 195,22 seit dem 31.10.2008 aus € 606,08 seit dem 30.11.2008 aus € 1.717,72 seit dem 31.12.2008 aus € 1.544,02 seit dem 31.01.2009 aus € 1.544,02 seit dem 28.02.2009 zu be­zah­len.
Das be­klag­te Land hat Klag­ab­wei­sung be­an­tragt und be­strit­ten, dass ein un­be­fris­te­tes Vol­l­ar­beits­zeit­verhält­nis zu­stan­de ge­kom­men sei. Es sei un­zu­tref­fend, dass Herr H., Geschäftsführer des SAI, der Kläge­rin erklärt ha­be, sie sol­le wie bis­her wei­ter ar­bei­ten. Tatsächlich sei­en - für die Kläge­rin deut­lich er­kenn­bar - Mehr­ar­beits­stun­den be­an­tragt und be­wil­ligt wor­den, um dem zur da­ma­li­gen Zeit orts­ab­we­sen­den Herrn Prof. Dr. N.
die Aus­wah­l­ent­schei­dun­gen anläss­lich der Aus­schrei­bung vom 05.09.2008 zu ermögli­chen.
Das be­klag­te Land ha­be sich - wohl im Ein­ver­neh­men mit Herrn Prof. N. - für Frau T. ent­schie­den, weil sie in höhe­rem Mas­se als die Kläge­rin ge­eig­net sei. Über­dies hätten drin­gen­de be­trieb­li­che In­ter­es­sen die Ver­set­zung von Frau T. er­for­dert, um ei­ner schwe­ren Zerrüttung zwi­schen Frau T. und der Lei­te­rin des ISZ zu be­geg­nen. Die Ver­set­zung von Frau T. ha­be da­mit der Wah­rung des Be­triebs­frie­dens ge­dient.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 19.05.09 - der Kläge­rin am 08.07.2009 zu­ge­stellt - ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt:
Der Fest­stel­lungs­an­trag (An­trag Zif­fer 1) sei un­be­gründet, da im An­schluss an die vier je­weils be­fris­te­ten Zu­satz­ar­beits­verträge mit Wir­kung vom 01.09.2008 nicht gemäß § 15 Abs. 5 Tz­B­fG ein Dau­er­ar­beits­verhält­nis bei ei­nem Voll­zeit-De­pu­tat zu­stan­de ge­kom­men sei. Viel­mehr sei der ursprüng­lich ab­ge­schlos­se­ne Ver­trag vom 28.10.1983 (bei Prof. G.) vorüber­ge­hend le­dig­lich hin­sicht­lich des Ar­beits­vo­lu­mens auf­ge­stockt wor­den. Dies fol­ge aus § 2 Abs. 2 des ein­zel­ver­trag­lich zu­grun­de ge­leg­ten Ta­rif­ver­tra­ges für den öffent­li­chen Dienst der Länder (im Fol­gen­den: TV-L), wo­nach meh­re­re Ar­beits­verhält­nis­se mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber nur be­gründet wer­den dürfen, wenn die je­weils über­tra­ge­nen Tätig­kei­ten nicht in ei­nem un­mit­tel­ba­ren Sach­zu­sam­men­hang ste­hen. Ein sol­cher Sach­zu­sam­men­hang sei je­doch vor­lie­gend zu be­ja­hen. Die recht­li­che Fol­ge hier­von sei, dass die letz­te Be­fris­tungs­ab­re­de zum 31.08.2008 nicht der Form­vor­schrift von § 14 Abs. 4 Tz­B­fG un­ter­lie­ge, weil sie nicht den ge­sam­ten Ar­beits­ver­trag er­fas­se, d.h. kein (kom­plet­tes) Ar­beits­verhält­nis nach Ab­lauf der Zeit, für die es ein­ge­gan­gen ist, mit Wis­sen und oh­ne Wi­der­spruch der Be­klag­ten gemäß § 15 Abs. 5 Tz­B­fG fort­ge­setzt wor­den sei. Im übri­gen sei die Mit­tei­lung der Be­klag­ten vom 14.08.2008 als förm­li­cher Wi­der­spruch ge­gen ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin zu be­wer­ten.
Die An­ord­nung von Mehr­ar­beit für die an­sch­ließen­de Zeit bis zum 30.11.2008 sei von § 7 Abs. 6 TV-L ge­deckt und stel­le kei­ne funk­ti­ons­wid­ri­ge Um­ge­hung des Be­fris­tungs­rech­tes dar, zu­mal die Kläge­rin in Kennt­nis der An­ord­nung von Mehr­ar­beit ent­spre­chen­de Zeit­auf­schrie­be getätigt ha­be.
Der Hilfs­an­trag auf Ver­ur­tei­lung des be­klag­ten Lan­des, das An­ge­bot der Kläge­rin vom 10.01.2005 auf Erhöhung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit an­zu­neh­men, sei eben­falls nicht be­gründet. Frau T. ha­be auf Gründen der Fürsor­ge­pflicht ge­genüber der Kläge­rin den Vor­zug ver­dient. Frau T. sei über­dies zu­min­dest gleich qua­li­fi­ziert wie die Kläge­rin. Die ge­gen die Kläge­rin aus­ge­fal­le­ne Ent­schei­dung be­we­ge sich in­ner­halb des Be­ur­tei­lungs-spiel­raums von § 315 Abs. 1 BGB.
Durch die Ver­set­zung von Frau T. vom ISZ in das SAI sei dort kei­ne Halb­tags­stel­le frei ge­wor­den, es ha­be sich nicht um ei­nen „frei­en Ar­beits­platz“ im Sin­ne von § 9 Tz­B­fG ge-han­delt. Die be­fris­tet beschäftig­te El­tern­zeit­ver­tre­te­rin von Frau T. - nämlich Frau T. B. - sei un­be­fris­tet wei­ter beschäftigt wor­den.
Der Zah­lungs­an­trag (Kla­ge­an­trag Zif­fer 3) sei nach all­dem un­ter dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zugs gemäß § 615 BGB un­be­gründet.
Mit ih­rer am 20.07.2009 ein­ge­leg­ten und am 07.09.2009 - un­ter Kla­ger­wei­te­rung- aus-geführ­ten Be­ru­fung ver­folg­te die Kläge­rin ih­re Anträge im we­sent­li­chen un­ter Be­zug­nah­me auf ihr erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen wei­ter.
Hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag be­gehrt sie Scha-den­er­satz we­gen schuld­haf­ter Miss­ach­tung ih­res mehr­fach geäußer­ten Wun­sches nach Verlänge­rung der Ar­beits­zeit im Zu­sam­men­hang mit der Be­vor­zu­gung der Kol­le­gin T., bzw. der „ent­fris­te­ten“ Nach­fol­ge­rin T. B. im ISZ in Höhe des -rech­ne­risch un­strei­ti­gen-Ge­halts­ver­lus­tes im Zeit­raum vom 01.12.2008 bis zum 30.06.2009.
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Mann­heim vom 19.05.2009 - 5 Ca 576/08 - wird ab­geändert.
Es wird fest­ge­stellt, dass zwi­schen den Par­tei­en ab dem 01.09.2008 ein un­be­fris­te­tes Ar­beits-verhält­nis mit ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit vom 39,5 Stun-den be­steht.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin zu be­zah­len 12.265,68 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank
aus 195,22 € seit dem 30.09.2008,
aus 195,22 € seit dem 31.10.2008,
aus 606,08 € seit dem 30.11.2008,
aus 1.717,72 € seit dem 31.12.2008,
aus 1.544,02 € seit dem 31.01.2009,
aus 1.544,02 € seit dem 28.02.2009,
aus 1.544,02 € seit dem 31.03.2009,
aus 1.697,68 € seit dem 30.04.2009,
aus 1.610,85 € seit dem 31.05.2009,
aus 1.610,85 € seit dem 30.06.2009.
4. Hilfs­wei­se für den Fall, dass die Anträge Zif­fer 2 und 3 un­be­gründet sein soll­ten:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin zu be­zah­len 11.269,16 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank aus
Die Be­klag­te be­an­tragt kos­ten­pflich­ti­ge Zurück­wei­sung der Be­ru­fung. Sie ver­tei­digt das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes.
Zum hilfs­wei­se be­gehr­ten Scha­den­er­satz­be­geh­ren führt sie aus, Frau T. ha­be vor­ge­zo­gen wer­den dürfen, weil sie bes­ser als die Kläge­rin für die vor­ge­se­he­ne Stel­le ge­eig­net sei. Im Übri­gen lägen drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe we­gen ei­nes Zerwürf­nis­ses von Frau T. mit ih­rer Vor­ge­setz­ten am ISZ vor.
Auch ein An­spruch der Kläge­rin auf Zu­wei­sung der Stel­le von Frau B. im ISZ ha­be nicht be­stan­den, da es sich um kei­nen „frei­en Ar­beits­platz“ im Sin­ne von § 9 Tz­B­fG ge­han­delt ha­be. Der Ar­beits­platz sei mit Frau B. be­setzt ge­we­sen trotz der rechts­wirk­sa­men Be­fris­tung. Hier­an ände­re nichts der Um­stand, dass es sich mit­be­stim­mungs­recht­lich bei der Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ver­tra­ges um ei­ne „Ein­stel­lung“ han­de­le. Würde der Ar­beits­platz ei­nes be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers nach Ab­lauf der Be­fris­tung als frei­er Ar­beits­platz im Sin­ne von § 9 Tz­B­fG ge­wer­tet wer­den, hätte dies zur Fol­ge, dass der teil­zeit­beschäftig­te Ar­beit­neh­mer, der ei­nen Auf­sto­ckungs­wunsch auf § 9 Tz­B­fG stütze, ge­genüber dem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer bei ei­ner Be­wer­bung um ei­ne Teil­zeit­stel­le un­ter glei­cher Eig­nung stets vor­ran­gig zu berück­sich­ti­gen sei. Dies aber würde ge­gen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot von § 4 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG ver­s­toßen, wo­nach ein teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer we­gen der Teil­zeit­ar­beit nicht schlech­ter be­han­delt wer­den darf, als ein ver­gleich­ba­rer voll­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer, es sei denn, dass sach­li­che Gründe ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung recht­fer­ti­gen würden. Über­dies würde die Be­vor­zu­gung der Kläge­rin zu ei­nem Wer­tungs­wi­der­spruch führen. Gemäß § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG, bzw. gemäß § 82 Zif­fer 2 Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz Ba­den-Würt­tem­berg (im fol­gen­den: LPVG) sei der Be­triebs­rat/Per­so­nal­rat be­rech­tigt, die Zu­stim­mung zu ei­ner Ein­stel­lung zu ver­wei­gern, wenn durch die per­so­nel­le Maßnah­me im Be­trieb beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer Nach­tei­le zu er­lei­den hätten, oh­ne dass dies aus be­trieb­li­chen oder persönli­chen Gründen ge­recht­fer­tigt wäre. Als Nach­teil gel­te gemäß § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG aus­drück­lich auch die „Nicht­berück­sich­ti­gung ei­nes gleich ge­eig­ne­ten be­fris­tet Beschäftig­ten“. Würde ein ge­ne­rel­ler Vor­rang ei­nes Teil­zeit­beschäftig­ten mit Auf­sto­ckungs­wunsch ge­genüber ei­nem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer be­jaht wer­den, sei der Be­triebs­rat in der La­ge, je­de Stel­len­be­set­zung zu blo­ckie­ren: Im Fal­le der Ar­beit­ge­ber­ent­schei­dung zu­guns­ten des Teil­zeit­beschäftig­ten könne der Be­triebs­rat we­gen Nicht­berück­sich­ti­gung des gleich ge­eig­ne­ten be­fris­tet Beschäftig­ten wi­der­spre­chen. Im um­ge­kehr­ten Fal­le bestünde ein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­recht we­gen Ver­s­toßes ge­gen ein Ge­setz nach Maßga­be von § 99 Abs. 2 Nr. 1 Be­trVG in Ver­bin­dung mit § 9 Tz­B­fG. Der Ar­beit­ge­ber könne in die­sem Fall die ver­wei­ger­te Zu­stim­mung durch das Ar­beits­ge­richt nicht gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG er­set­zen las­sen, da die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ge­recht­fer­tigt sei. Letzt­lich läge da­mit die Ent­schei­dung über die Stel­len­ver­ga­be al­lein in der Hand des Be­triebs­ra­tes. Die­ser Wer­tungs­wi­der­spruch las­se sich nur da­durch ver­mei­den, dass der Ar­beits­platz ei­nes bis­lang be­fris­tet Beschäftig­ten nicht als „frei“ im Sin­ne des Wort­lau­tes von § 9 Tz­B­fG ge­wer­tet wer­de. Dies ent­spre­che ins­be­son­de­re dem in § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG zum Aus­druck ge­kom­me­nen Wil­len des Ge­setz­ge­bers, der ei­ne Ent­fris­tung fördern und so die Brücken­funk­ti­on von Be­fris­tungs­verträgen in un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se un­terstützen wol­le. Dies ent­spre­che ei­ner richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung von § 9 Tz­B­fG in An­se­hung der EG-Richt­li­nie 199/70/EG:
"Be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer dürfen in ih­ren Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen nur des­we­gen, weil für sie ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag oder ein be­fris­te­tes Ar­beits-
hält­nis gilt, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Dau­er­beschäftig­ten nicht schlech­ter be­han­delt wer­den, es sei denn, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt.“
§ 4 Abs. 1 der Richt­li­nie ver­fol­ge den­sel­ben Zweck wie § 4 Tz­B­fG.
Ein sach­li­cher Grund für die Be­nach­tei­li­gung be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer sei auch un­ter Berück­sich­ti­gung der EG-Richt­li­nie 97/81 nicht er­sicht­lich. Nach des­sen § 5 Abs. 3 b sei­en Ar­beit­ge­ber zwar ge­hal­ten, Anträge von Teil­zeit­beschäftig­ten auf Wech­sel in ei­ne Voll­zeit­beschäfti­gung zu berück­sich­ti­gen, dies je­doch nur, „...wenn sich die­se Möglich­keit er­gibt“ und „...so­weit dies möglich sei“. Hier­mit sei ei­ne ge­ne­rel­le Be­nach­tei­li­gung von be­fris­tet Beschäftig­ten ge­genüber Teil­zeit­beschäftig­ten mit Auf­sto­ckungs­wunsch nicht zu recht­fer­ti­gen.
Selbst wenn dies zu­guns­ten der Kläge­rin an­ders be­ur­teilt würde, so schei­te­re ein Scha-den­er­satz­an­spruch an ei­nem un­ver­schul­de­ten Rechts­irr­tum der Be­klag­ten, weil es sich um ei­ne schwie­ri­ge Rechts­fra­ge han­de­le.
Sch­ließlich müsse berück­sich­tigt wer­den, dass die Kläge­rin es un­ter­las­sen ha­be, ein Ver­gleichs­an­ge­bot für ei­ne be­fris­te­te Auf­sto­ckung zwi­schen dem 01.01.2009 und dem 31.12.2010 an­zu­neh­men; den ent­spre­chen­den Ver­gleich ha­be die Kläge­rin wi­der­ru­fen.
Die Kläge­rin wen­det in Be­zug auf den wi­der­ru­fe­nen Ver­gleich ein, dass sie hier­von kei­nen Ge­brauch ha­be ma­chen können, weil sie da­mit auf Dau­er auf ih­ren Erhöhungs­an­spruch ver­zich­tet hätte.
Die zulässi­ge Be­ru­fung ist nur hin­sicht­lich des auf Scha­den­er­satz ge­rich­te­ten Hilfs­an­tra­ges über­wie­gend be­gründet. Hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­tra­ges und des Zah­lungs­an­tra­ges un­ter dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges ist die Be­ru­fung un­be­gründet.
Der Fest­stel­lungs­an­spruch und der An­spruch auf Vergütung un­ter dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges schei­tert an recht­li­cher Unmöglich­keit.
Am Ta­ge der Zu­stel­lung der ent­spre­chen­den Kla­ge war so­wohl die zunächst gewünsch­te Stel­le im SAI be­reits mit Frau T. rechts­wirk­sam an­der­wei­tig be­setzt, als auch die in
zwei­ter Li­nie be­gehr­te Stel­le im ISZ durch den Ver­trags­schluss vom 22.12.2008 mit Frau Tan­ja Be­cker. Es spre­chen trotz der Ko­in­zi­denz von Zu­stel­lungs­da­tum der Kla­ge und der Ar­beits­auf­nah­me von Frau T. und von Frau B. kei­ner­lei Ge­sichts­punk­te für ei­ne treu­wid­ri­ge Be­din­gungs­ver­ei­te­lung.
Im Übri­gen macht sich das Be­ru­fungs­ge­richt die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­rich­tes zu ei­gen, mit de­nen der Erfüllungs­an­spruch und der Ent­gelt­an­spruch we­gen der Vor­ran­gig­keit ei­nes An­spru­ches von Frau T. ver­neint wur­de. In­so­weit wird auf die oben wie­der­ge­ge­be­nen Rechts­ausführun­gen des Ar­beits­ge­rich­tes ver­wie­sen.
Der Kläge­rin steht je­doch ein Scha­den­er­satz­an­spruch zu, weil die Be­klag­te es pflicht-wid­rig und schuld­haft un­ter­las­sen hat, die­je­ni­ge Halb­tags­stel­le am ISZ, die durch Ver­trag vom 22.12.2008 mit Wir­kung ab dem 07.01.2009 mit Frau T. B. be­setzt wur­de, der Kläge­rin an­zu­bie­ten.
Gemäß § 9 Tz­B­fG hat der Ar­beit­ge­ber ei­nen teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, der ihm den Wunsch nach ei­ner Verlänge­rung sei­ner ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit an­ge­zeigt hat, bei der Be­set­zung ei­nes ent­spre­chen­den frei­en Ar­beits­plat­zes bei glei­cher Eig­nung be­vor­zugt zu berück­sich­ti­gen, es sei denn, dass drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe oder Ar­beits­zeitwünsche an­de­rer teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen­ste­hen. Hat der Ar­beit­ge­ber ei­nen frei­en Ar­beits­platz mit ei­nem an­de­ren Be­wer­ber un­ter Ver­s­toß ge­gen § 9 Tz­B­fG be­setzt, steht dem nach die­ser Vor­schrift be­vor­zugt zu be­han­deln­den Ar­beit­neh­mer ein Scha­den­er­satz­an­spruch we­gen Unmöglich­keit der Erfüllung der Stel­len­be­set­zung zu, §§ 280 Abs. 1 und 3, § 283 Satz 1, § 275 Abs. 1 und 4, §§ 294, 251 Abs. 1, 252 BGB (Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht 8. Auf­la­ge 2008 § 9 Tz­B­fG Rz. 15; Gräfl/Ar­nold/Hem­ke/Im­ping/Leh­nen/Ram­bach/Spin­ner, Kom­men­tar zum Tz­B­fG, 2005 § 9 Rz. 41).
Im vor­lie­gen­den Fall exis­tier­te ein „frei­er Ar­beits­platz“ im ISZ, nach­dem die Kläge­rin ei­nen ent­spre­chen­den Verlänge­rungs­wunsch ge­genüber der Uni­ver­sitäts­ver­wal­tung an-ge­zeigt hat­te.
Die Exis­tenz ei­nes ent­spre­chen­den frei­en Ar­beits­plat­zes schei­tert nicht dar­an, dass Frau T. B. die­sen Ar­beits­platz be­fris­tet in­ne hat­te. Sie hat­te nämlich in An­se­hung von § 14 Abs. 2 Tz­B­fG kei­ne recht­lich ge­si­cher­te Dau­er­po­si­ti­on in­ne. Der be­fris­te­te Ver­trag be­durf­te kei­nes sach­li­chen Grun­des. Vor Ab­schluss des Wei­ter­beschäfti­gungs­ver­tra­ges vom 22.12.2008 war die­se Halb­tags­stel­le am ISZ in recht­li­cher Hin­sicht „frei“, bzw. als frei­wer­dend zu be­ur­tei­len.
§ 9 Tz­B­fG hebt bei kon­kur­rie­ren­den Ar­beit­neh­mern auf „glei­che Eig­nung“ ab. Die ge­ne­rel­le Eig­nung der Kläge­rin für die Stel­le ist an­ge­sichts der im Tat­be­stand wie­der­ge­ge­be­nen be­ruf­li­chen Vor­bil­dung und de­rer langjähri­gen ein­schlägi­gen be­ruf­li­chen Pra­xis evi­dent und im übri­gen von dem be­klag­ten Land nicht in Ab­re­de ge­stellt wor­den. Eben­so we­nig be­haup­tet es, dass Frau T. B. bes­ser ge­eig­net sei.
Dem Verlänge­rungs­wunsch der Kläge­rin ste­hen kei­ne „drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe“ ent­ge­gen. Das Ent­fris­tungs­in­ter­es­se von Frau T. B. genügt die­sen An­for­de­run­gen nicht. Die vom be­klag­ten Land vor­ge­nom­me­ne Be­zug­nah­me auf § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG geht fehl, weil das Ge­setz kei­ne An­wen­dung fin­det auf Ver­wal­tun­gen und Be­trieb des Bun­des, der Länder, und sons­ti­ger Körper­schaf­ten, An­stal­ten und Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts, § 130 Be­trVG. Das be­klag­te Land ein­sch­ließlich der ihr zu-ge­ord­ne­ten Uni­ver­sität H. un­ter­liegt dem ge­genständ­li­chen Gel­tungs­be­reich des Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes Ba­den-Würt­tem­berg (im fol­gen­den: LPVG). Des­sen § 82 Abs. 2 ist nicht in­halts­gleich mit § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG. Der Per­so­nal­rat hat nach LPVG das Recht zur Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung, wenn die durch Tat­sa­chen be­gründe­te Be­sorg­nis be­steht, dass durch die Maßnah­me der be­trof­fe­ne Beschäftig­te oder an­de­re Beschäftig­te be­nach­tei­ligt wer­den, oh­ne dass dies aus dienst­li­chen oder persönli­chen Gründen ge­recht­fer­tigt ist. Die­ser Wort­laut un­ter­schei­det sich von § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG ge­ra­de da­durch, dass er eben nicht den Zu­satz enthält mit den Wor­ten:
„Als Nach­teil gilt bei un­be­fris­te­ter Ein­stel­lung auch die Nicht­berück­sich­ti­gung ei­nes gleich ge­eig­ne­ten be­fris­tet Beschäftig­ten“.
Der Nach­satz von § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG enthält auch kei­nen all­ge­mei­nen Rechts-grund­satz des In­hal­tes, dass dem Ent­fris­tungs­in­ter­es­se ein ge­ne­rel­ler Vor­rang ein­zuräum­en wäre.
So­wohl das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot von § 4 Abs. 1 Tz­B­fG, als auch die vom be­klag­ten Land an­ge­zo­ge­ne Richt­li­nie 199/70 stel­len in Rech­nung, dass sach­li­che Gründe ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung ermögli­chen.
Da­her würde es im vor­lie­gen­den Fall bil­li­gem Er­mes­sen gemäß § 315 Abs. 1 BGB wi-der­spre­chen, wenn die außer­gewöhn­lich lan­ge Be­triebs­zu­gehörig­keit der Kläge­rin im Ver­gleich zu der erst am 01.04.2007 neu ein­ge­stell­ten Ar­beits­kol­le­gin B. un­berück­sich­tigt blie­be. Glei­ches gilt für die so­zia­le Si­tua­ti­on der Kläge­rin. Sie ist al­lein­er­zie­hend und zwei Kin­dern zum Un­ter­halt ver­pflich­tet. Dem­ge­genüber sind die so­zia­len Be­din­gun­gen, ins­be­son­de­re das Al­ter von Frau B. nicht be­kannt. Un­ter Sachnähe-Ge­sichts­punk­ten hätte das be­klag­te Land Ent­spre­chen­des vor­tra­gen müssen, wenn es zu sei­nen Guns­ten hätte in die Waag­scha­le ge­wor­fen wer­den sol­len.
Die hier­aus re­sul­tie­ren­de Scha­den­er­satz­ver­pflich­tung schei­tert nicht an ei­nem un­ver-schul­de­ten Rechts­irr­tum des be­klag­ten Lan­des.
Gemäß § 276 Abs. 1 Satz 1 BGB hat der Schuld­ner, so­fern nichts an­de­res be­stimmt ist, Vor­satz und Fahrlässig­keit zu ver­tre­ten. Nach all­ge­mei­ner An­sicht ent­las­tet zwar nicht nur ein un­ver­schul­de­ter Tat­sa­che­nirr­tum, son­dern auch ein ent­spre­chen­der Rechts­irr­tum. Ver­schul­den entfällt nicht be­reits dann, wenn die Aus­le­gung des ma­te­ri­el­len Rech­tes nicht ein­fach ist. An ei­nen un­ver­schul­de­ten Rechts­irr­tum sind aber stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len. Grundsätz­lich for­dert der Gel­tungs­an­spruch des Rechts, dass der Schuld­ner das Ri­si­ko ei­nes Rechts­irr­tums selbst trägt und nicht dem Gläubi­ger zu­schie-
ben kann (BAG, 25.10.1994, AZ: 3 AZR 987/93, un­ter B 2. der Ent­schei­dungs­gründe un­ter Be­zug­nah­me auf BGH, 26.01.1983 AZ: IV b ZR 351/81, ab­ge­druckt un­ter AuR 2001/146 ff).
Die Be­zug­nah­me auf ei­nen ver­meint­li­chen Wer­tungs­wi­der­spruch ent­las­tet auf­grund der obi­gen Ausführun­gen nicht. Die feh­len­de An­wend­bar­keit von § 99 Be­trVG hätte sich dem be­klag­ten Land bei ei­nem Ver­gleich mit § 82 LPVG oh­ne wei­te­res er­sch­ließen können. Die un­ter­schied­li­che Aus­gangs­la­ge zwi­schen der Kläge­rin ei­ner­seits und der erst kürz­lich ein­ge­stell­ten Ar­beits­kol­le­gin Be­cker an­de­rer­seits hätte sich auf­drängen müssen.
Selbst wenn das be­klag­te Land in Be­zug auf die zu be­set­zen­de Stel­le im ISZ nicht an den Wunsch der Kläge­rin ge­dacht ha­ben soll­te, so wäre ein et­wai­ger un­ver­schul­de­ter Tat­sa­che­nirr­tum ver­mie­den wor­den, wenn die­se Stel­le ord­nungs­gemäß in­tern eben­so aus­ge­schrie­ben wor­den wäre wie die et­wa zur glei­chen Zeit frei ge­wor­de­ne Stel­le von Frau H.-C..
Zur Höhe des Scha­dens:
Zeit­lich be­schränkt er sich auf die Zeit ab dem 07.01.2009, weil die an­der­wei­tig ver­ge­be­ne Stel­le zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt auch der Kläge­rin nicht hätte an­ge­bo­ten wer­den können. Der End­zeit­punkt für den Scha­dens­zeit­raum ist der 30.06.2009, weil die Kläge­rin sich gemäß § 308 Abs. 1 ZPO hier­auf be­schränkt hat. Das be­klag­te Land wen­det nicht ein, dass im Fall des Zu­stan­de­kom­mens ei­nes ent­spre­chen­den Auf­sto­ckungs­ver­tra­ges die­ser zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt rechts­wirk­sam hätte gekündigt wer­den können, § 34 II TV-L.
Die Höhe des mo­nat­lich gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­an­spru­ches ist von dem be­klag­ten Land nicht an­ge­grif­fen wor­den. Die Zah­lungs­beträge der Kläge­rin wa­ren da­her dem Ur­teil zu­grun­de zu le­gen.
Die Kläge­rin trifft kein Mit­ver­schul­den gemäß § 254 BGB we­gen Wi­der­ru­fes ei­nes ge-richt­lich pro­to­kol­lier­ten Ver­gleichs. Ihr war es -un­strei­tig- aus tatsächli­chen Gründen nicht zu­mut­bar, die­sen Ver­gleich zu ak­zep­tie­ren, weil die vorüber­ge­hen­de Auf­sto­ckung zu­gleich den endgülti­gen Ver­lust des Auf­sto­ckungs­be­geh­rens auf Dau­er zur Fol­ge ge­habt hätte.
Die Re­vi­si­on war für bei­de Par­tei­en we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung zu­zu­las­sen. Hier­aus re­sul­tiert die nach­ste­hen­de
Ge­gen die­ses Ur­teil können die Par­tei­en schrift­lich Re­vi­si­on ein­le­gen. Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem
Hu­go-Preuß-Platz
Die Re­vi­si­on und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter-zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:
b. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher
Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver- gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der.
c. ju­ris­ti­sche Per­so­nen,. die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr: 5 ArbGG
Hen­ne­mann
Sch­mitt
zur Übersicht 12 Sa 44/09
10/091 An­spruch auf Er­hö­hung von Teil­zeit auf Voll­zeit
12.05.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg hat sich mit den Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­spruchs auf Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit von Teil­zeit auf Voll­zeit aus­ein­an­der­ge­setzt und im ...

References: § 9
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 § 15
 § 14
 § 9
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 § 2
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 § 7
 § 315
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 § 615
 § 9
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 § 4
 § 99
 § 82
 § 99
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§ 4
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 § 5
 § 9
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 § 283
 § 275
 § 9
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 § 14

§ 9
 § 99
 § 130
 § 82
 § 99
 § 99
 § 99
 § 4
 § 315
 § 276
 § 99
 § 82
 § 308
 § 34
 § 254
 § 11