Source: http://www.hensche.de/Arheitsrecht_Urteile_Urlaubsanspruch_bei_Tod_des_Arbeitnehmers_LAG_Hamm_16Sa1511-12_u.html
Timestamp: 2018-03-23 08:47:19+00:00

Document:
LAG Hamm, Beschluss vom 14.02.2013, 16 Sa 1511/12 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Hamm, Be­schluss vom 14.02.2013, 16 Sa 1511/12
Aktenzeichen: 16 Sa 1511/12
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bocholt, 3 Ca 310/11
Aussetzung des Verfahrens zur Vorlage beim EuGH gem. Art.267 AEUV
Wie in der Ver­gan­gen­heit stellt das Bun­des­ar­beits­ge­richt in die­sem Ur­teil dar­auf ab, dass mit dem Tod des Ar­beit­neh­mers re­gelmäßig des­sen höchst­persönli­che Leis­tungs­pflicht nach § 613 BGB erlösche. Hier­aus fol­ge zu­gleich, dass auch al­le Ansprüche auf
Be­frei­ung von die­ser Ar­beits­pflicht un­ter­gin­gen. Ver­ster­be ein Ar­beit­neh­mer, so erlösche be­reits des­halb zu­gleich sein auf Be­frei­ung von der Ar­beits­pflicht ge­rich­te­ter Ur­laubs­an­spruch (vgl. Rd­nr. 17 und 22 des Ur­teils vom 20.09.2011).
Für den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch hat dies nach der Ent­schei­dung zur Fol­ge, dass ein sol­cher nicht ent­steht. Ster­be der Ar­beit­neh­mer, so führe nicht die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses im Sin­ne des § 7 Abs. 4 BUrlG, son­dern be­reits der Tod des Ar­beit­neh­mers zum Un­ter­gang des Ur­laubs­an­spruchs. Er könne sich nicht zeit­gleich in ei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch um­wan­deln. An­spruchs­un­ter­gang und gleich­zei­ti­ge
Um­wand­lung des An­spruchs schlössen sich aus (Rd­nr. 22, 23 und 31 des Ur­teils vom 20.09.2011).
a) Grundsätz­lich steht es den Mit­glied­staa­ten al­ler­dings frei, in ih­ren in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten die Vor­aus­set­zun­gen für die Ausübung und die Um­set­zung des An­spruchs auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub fest­zu­le­gen, sie dürfen da­bei die Ent­ste­hung die­ses An­spruchs selbst nicht von ir­gend­ei­ner Vor­aus­set­zung abhängig ma­chen.
Glei­ches kann für Re­ge­lun­gen gel­ten, die das Erlöschen die­ses An­spruchs vor­se­hen (EuGH vom 20.01.2009, Schultz-Hoff, aaO. Rd­nr. 48; vom 22.11.2011, KHS C-214/10, NZA 2011, 1333 Rd­nr. 28).
2) Nach na­tio­na­lem Recht kann der Ar­beit­neh­mer ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch ha­ben, wenn er Ur­laub be­an­tragt, der Ar­beit­ge­ber ihm die­sen grund­los nicht gewährt und der Ur­laub auf­grund sei­ner Be­fris­tung in der Fol­ge­zeit verfällt. Die­ser An­spruch folgt aus §§ 280 Abs. 1, 286 Abs. 1, 287 BGB. Mit der er­folg­lo­sen Gel­tend­ma­chung hat der Ar­beit­neh­mer den Ar­beit­ge­ber in Ver­zug ge­setzt. Nach § 249 Abs. 1 BGB schul­det der Ar­beit­ge­ber in sei­nem sol­chen Fall nach dem Grund­satz der Na­tu­ral­re­sti­tu­ti­on die Wie­der­her­stel­lung des un­ter­ge­gan­ge­nen Ur­laubs­an­spruchs, d.h. die zukünf­ti­ge Frei­stel­lung des Ar­beit­neh­mers. Kann er den Ur­laubs­an­spruch we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr erfüllen, so ist er ab­zu­gel­ten. An­spruchs­grund­la­ge ist in die­sem Fall je­doch nicht die ur­laubs­recht­li­che Spe­zi­al­vor­schrift des § 7 Abs. 4 BUrlG, son­dern die dem all­ge­mei­nen Schuld­recht zu­zu­rech­nen­de Re­ge­lung des § 251 BGB (vgl. aus jünge­rer Zeit BAG vom 17.05.2011, 9 AZR 197/10, ju­ris Rd­nr. 10; s. auch Ur­teil vom 07.11.1985, 6 AZR 169/84, ju­ris, NZA 1986, 392; vom 26.06.1986, 8 AZR 75/83, ju­ris, NZA 1987, 98). Für die­se Er­satz­leis­tung er­scheint es nach na­tio­na­lem Recht nicht aus­ge­schlos­sen, dass sie nicht so mit der Per­son des Ar­beit­neh­mers ver­bun­den ist, dass dies ei­ner Ver­erb­lich­keit ent­ge­genstände. Im­mer­hin hat das BAG in sei­nem Ur­teil vom 20.09.2011 (9 AZR 416/10, aaO., Rd­nr. 48) das Vor­lie­gen ei­nes
Scha­dens­er­satz­an­spruchs ge­prüft und die­sen ver­neint, oh­ne in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf ab­zu­stel­len, dass der Ar­beit­neh­mer nur höchst­persönlich von sei­ner Ar­beits­pflicht be­freit wer­den könne.
5) Bei der drit­ten Fra­ge geht es des­halb um die dem Ar­beit­ge­ber für die Ver­wirk­li­chung des uni­ons­recht­lich ga­ran­tier­ten An­spruchs auf ei­nen be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub ob­lie­gen­den Ver­pflich­tun­gen.
zur Übersicht 16 Sa 1511/12

References: EuGH 
 Art.267
 § 613
 § 7
 § 249
 § 7
 § 251