Source: http://m.hensche.de/Tariffaehigkeit_CGZP_keine_Tariffaehigkeit_der_CGZP_in_der_Vergangenheit_LAG_Berlin-Brandenberg_24TaBV1285-11-u.html
Timestamp: 2018-04-25 12:50:14+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 24 TaBV 1285/11 24 TaBV 1338/11 24 TaBV 1368/11 24 TaBV 1395/11 24 TaBV 1612/11 u.a.
Schlag­worte: Tarifvertrag, Zeitarbeit, Tariffähigkeit, CGZP
Akten­zeichen: 24 TaBV 1285/11
Ent­scheid­ungs­datum: 09.01.2012
Leit­sätze: Die CG­ZP war auch am 29.11.2004, 16.6.2006 und 9.7.2008 nicht ta­riffähig.(Rn.131) Auf Ver­trau­ens­schutz konn­te die CG­ZP sich nicht be­ru­fen.(Rn.176)
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 30.05.2011, 29 BV 13947/10
24 TaBV 1368/11, 24 TaBV 1395/11
(24 TaBV 1612/11)
auf die münd­li­che Anhörung vom 9. Ja­nu­ar 2012
so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin M. und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sch.
I. Auf die Be­schwer­den der Be­schwer­deführer so­wie auf die An­schluss­be­schwer­de wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 30.05.2011 – 29 BV 13947/10 – teil­wei­se ab­geändert; der Te­nor wird zur Klar­stel­lung ins­ge­samt wie folgt neu ge­fasst:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass die Ta­rif­ge­mein­schaft Ch. Ge­werk­schaf­ten für Z. und P. am 29.11.2004, 19.6.2006 und 9.7.2008 nicht ta­riffähig war.
2. Die Anträge der Be­tei­lig­ten zu 1) und 19) wer­den zurück­ge­wie­sen.
II. Im Übri­gen wer­den die Be­schwer­den der Be­tei­lig­ten zu 7), 8), 34) ein­sch­ließlich des Hilfs­wi­der­an­trags der Be­tei­lig­ten zu 7) so­wie die Be­schwer­den der Be­tei­lig­ten zu 36) bis 96) zurück­ge­wie­sen.
A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Ta­riffähig­keit der Ta­rif­ge­mein­schaft Ch. Ge­werk­schaf­ten für Z. und P. (CG­ZP).
Die zu 2. be­tei­lig­te CG­ZP ist am 11. De­zem­ber 2002 von Mit­glie­dern des zu 13. be­tei­lig­ten Ch. Ge­werk­schafts­bun­des Deutsch­lands (CGB) ge­gründet wor­den. Die ers­te Sat­zung der CG­ZP ist auf ih­rer Mit­glie­der­ver­samm­lung vom 15. Ja­nu­ar 2003 an­ge­nom­men wor­den (im Fol­gen­den: Sat­zung 2003). Sie lau­tet:
„SAT­ZUNG
der Ta­rif­ge­mein­schaft Ch. Ge­werk­schaf­ten für Z. und P
1. Die Ta­rif­ge­mein­schaft hat ih­ren Sitz in Ber­lin bei der Bun­des­geschäfts­stel­le.
2. Mit­glie­der sind die Ge­werk­schaf­ten im CGB, die ih­ren Bei­tritt zur Ta­rif­ge­mein­schaft erklärt ha­ben. Die Mit­glied­schaft en­det durch Aus­tritts­erklärung ei­ner Ge­werk­schaft. Der Aus­schluss ei­ner Ge­werk­schaft be­darf ei­ner 2/3 – Mehr­heit der Mit­glie­der­ver­samm­lung.
4. Or­ga­ne der Ta­rif­ge­mein­schaft sind die Mit­glie­der­ver­samm­lung und der Vor­stand.
d) Die Mit­glie­der­ver­samm­lung be­stellt den Vor­stand der Ta­rif­ge­mein­schaft.
f) Die Mit­glie­der­ver­samm­lung kann für die Ta­rif­ge­mein­schaft ei­ne Geschäfts­ord­nung be­sch­ließen.
6. Vor­stand
a) Der Vor­stand be­steht aus ei­nem Vor­sit­zen­den und zwei Stell­ver­tre­tern.
b) Der Vor­stand führt die Geschäfte und ver­tritt die Ta­rif­ge­mein­schaft nach außen.
c) Der Vor­stand be­stellt re­gio­na­le und über­re­gio­na­le Ta­rif­kom­mis­sio­nen.
Be­schlos­sen am 11. De­zem­ber 2002 in Ber­lin“
Die am 5. De­zem­ber 2005 geänder­te Sat­zung lau­tet:
(4) Die Kündi­gung, Auf­he­bung oder Ände­rung von Ta­rif­verträgen er­folgt durch den Vor­stand der Ta­rif­ge­mein­schaft.“
Die CG­ZP hat nach den beim Ta­rif­re­gis­ter des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit und So­zia­les ein­ge­reich­ten Ver­ein­ba­run­gen seit dem 12. De­zem­ber 2002, dem Tag nach ih­rer Gründung, ei­ne Viel­zahl von Fir­men- und Ver­bands­ta­rif­verträgen ab­ge­schlos­sen. Die Ver­bands­ta­rif­verträge wur­den auf Ar­beit­ge­ber­sei­te vom zu 7) be­tei­lig­ten AMP (jetzt: BAP) bzw. vom zu 8) be­tei­lig­ten BVD ge­schlos­sen.
Zum Zeit­punkt der Sat­zungsände­rung am 5. De­zem­ber 2005 wa­ren die zu 3. be­tei­lig­te Ch. Ge­werk­schaft M. (CGM), die zu 4. be­tei­lig­te DHV - Die Be­rufs­ge­werk­schaft e.V. (DHV), die zu 5. be­tei­lig­te Ge­werk­schaft Ö. Dienst und D. (GÖD), die zu 6. be­tei­lig­te Ch. Ge­werk­schaft P. und T. (CGPT), die U. G. so­wie der Ver­band Deut­scher T. (VDT) Mit­glie­der der CG­ZP. Die bei­den letz­te­ren ha­ben mit Wir­kung zum 30. Ju­ni 2006 ih­ren Aus­tritt aus der CG­ZP erklärt.
§ 1 Abs. 3 und § 3 Abs. 1 der am 21. Ok­to­ber 2007 in Kraft ge­tre­te­nen Sat­zung der CGM lau­ten:
…3. Die Ch. Ge­werk­schaft M. ist ei­ne un­abhängi­ge Ge­werk­schaft ge­genüber po­li­ti­schen Par­tei­en, Kir­chen, Re­gie­run­gen und Un­ter­neh­men. Der Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich er­streckt sich auf das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und um­fasst die Be­rei­che der me­tall­er­zeu­gen­den und -ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie, des Me­tall­hand­werks, der Elek­tro­in­dus­trie und der sons­ti­gen Me­tall­be­trie­be. …
§ 3 Bei­tritts­vor­aus­set­zun­gen
1. Mit­glied bei der Ch. Ge­werk­schaft M. kann je­der in der me­tall­er­zeu­gen­den und -ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie, in dem Me­tall­hand­werk, in der Elek­tro­in­dus­trie und in den sons­ti­gen Me­tall­be­trie­ben Beschäftig­te oh­ne Rück­sicht auf Al­ter, Ge­schlecht, Her­kunft, Na­tio­na­lität, po­li­ti­sche und kon­fes­sio­nel­le Bin­dung wer­den.“
In der Sat­zung der DHV vom 12. 11. 2002 ist be­stimmt:
…“§ 2
Der DHV ist ei­ne Ge­werk­schaft der Ar­beit­neh­mer in kaufmänni­schen und ver­wal­ten­den Be­ru­fen, die in der pri­va­ten Wirt­schaft und im öffent­li­chen Dienst tätig sind.“
Die Sat­zung vom 12. 3. 2007 re­gelt:
Die DHV ist ei­ne Ge­werk­schaft der Ar­beit­neh­mer ins­be­son­de­re in kaufmänni­schen und ver­wal­ten­den Be­ru­fen.“
§ 2 und § 5 der Sat­zung der GÖD idF vom 23. 10. 2001 und vom 20./21. April 2005 lau­te­ten:
Nach § 1 der Sat­zung der CGPT vom 1. 5. 2006 ist die­se die
„Ge­werk­schaft des Per­so­nals bei Un­ter­neh­men, die Dienst­leis­tun­gen in den Be­rei­chen Post­ser­vice, Lo­gis­tik und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on er­brin­gen“.
In ei­nem frühe­ren Ver­fah­ren über die Ta­riffähig­keit der CG­ZP ha­ben sich die CGM, die DHV und die GÖD zu ih­ren Mit­glie­der­zah­len am Jah­res­en­de 2008 erklärt. Da­nach soll die CGM 90.000 Mit­glie­der, die DHV 78.000 Mit­glie­der und die GÖD 57.000 Mit­glie­der ha­ben. Nach An­ga­ben der CG­ZP in der Be­schwer­de­be­gründung wa­ren am 31. De­zem­ber 2008 in ih­ren Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten 1.383 Leih­ar­beit­neh­mer or­ga­ni­siert (CGM: 900 Mit­glie­der; DHV: 312 Mit­glie­der; GÖD: 171 Mit­glie­der). Im Jahr 2008 wur­den nach An­ga­ben der Bun­des­agen­tur für Ar­beit durch­schnitt­lich 760.604 Leih­ar­beit­neh­mer beschäftigt.
Bei Ein­gang der An­trags­schrift im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren wa­ren be­reits zwei Be­schluss­ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Ta­riffähig­keit der CG­ZP beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin anhängig. In dem Ver­fah­ren 63 BV 9415/08 hat das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass die CG­ZP am 22. 7. 2003 nicht ta­riffähig war. Die sich auf den Zeit­raum 17. Ok­to­ber 2006 bis 31. Ja­nu­ar 2008 be­zie­hen­den Anträge hat das Ar­beits­ge­richt rechts­kräftig zurück­ge­wie­sen. Das Ver­fah­ren 39 BV 2633/10 (früher: 41 BV 1787/09) wur­de nach An­tragsrück­nah­me vom Ar­beits­ge­richt Ber­lin am 5. 1. 2012 ein­ge­stellt.
Der An­trag­stel­ler und Bet. zu 1) hat vor dem ArbG Köln Vergütungs­zah­lung aus dem Ge­sichts­punkt des „equal pay“ ver­langt. Nach Aus­set­zung des Rechts­streits durch das ArbG Köln gem. § 97 Abs. 5 ArbGG hat der Bet. zu 1) mit sei­ner am 16. 1. 2009 ein­ge­gan­ge­nen An­trags­schrift die Ta­riffähig­keit der CG­ZP am 29. 11. 2004, 19. 6. 2006 und 9. 7. 2008 in Ab­re­de ge­stellt.
Die übri­gen An­trag­stel­ler (mit Aus­nah­me des Bet. zu 19) ha­ben nach Aus­set­zung ih­rer Zah­lungs­kla­gen zunächst in ge­son­der­ten Be­schluss­ver­fah­ren vor dem ArbG Ber­lin die Ta­rif­unfähig­keit der CG­ZP gel­tend ge­macht. Sie ha­ben ih­re Anträge so­dann im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren erst­in­stanz­lich an­gekündigt und an­sch­ließend die Anträge in ih­ren je­wei­li­gen Be­schluss­ver­fah­ren zurück­ge­nom­men; die­se Ver­fah­ren wur­den mit Aus­nah­me de­rer der Bet. zu 21) und 25) ein­ge­stellt.
Die An­trag­stel­ler ha­ben – in un­ter­schied­li­chen Kon­stel­la­tio­nen – be­an­tragt
fest­zu­stel­len, dass die Ta­rif­ge­mein­schaft Ch. Ge­werk­schaf­ten für Z. und P. am 29. 11. 2004, 19. 6. 2006 bzw. 9. 7. 2008 nicht ta­riffähig bzw. nicht ta­rif­zuständig war.
Die CG­ZP, der AMP, die BVD und die Be­tei­lig­ten zu 28) und 34) ha­ben be­an­tragt,
Die CG­ZP, der AMP und die BVD ha­ben die Anträge für un­zulässig bzw. un­be­gründet ge­hal­ten. Es lie­ge ei­ne dop­pel­te Rechtshängig­keit vor. Den An­trag­stel­lern feh­le we­gen feh­ler­haf­ter Aus­set­zungs­be­schlüsse die An­trags­be­fug­nis. Ei­ne Ne­benin­ter­ven­ti­on sei un­zulässig.
Bei der CG­ZP han­de­le es sich um ei­ne nach § 2 Abs. 3 TVG ta­riffähi­ge Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on, zu de­ren sat­zungs­gemäßen Auf­ga­ben der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen gehöre. Für ih­re Ta­riffähig­keit genüge es, dass zwei ih­rer Mit­glie­der ta­riffähig sind. Die Ta­riffähig­keit des CGM und der DHV sei ge­richt­lich fest­ge­stellt wor­den. Un­abhängig da­von erfülle die CG­ZP selbst die Vor­aus­set­zun­gen für die Ta­riffähig­keit. Sie sei ta­rif­wil­lig und be­sit­ze die er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft, durch die sie vom so­zia­len Ge­gen­spie­ler wahr­ge­nom­men wer­de. Dies wer­de durch die Viel­zahl der von ihr ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge be­legt. Auf die Ta­rif­zuständig­keit ih­rer Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten für die Ar­beit­neh­merüber­las­sung kom­me es nicht an. Selbst wenn
die­sen die Ta­rif­zuständig­keit im Be­reich der Ar­beit­neh­merüber­las­sung feh­le, hätte dies nicht die Ta­rif­unfähig­keit ih­rer Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on zur Fol­ge. Das Ver­bot der ech­ten Rück­wir­kung so­wie das Ge­bot des Ver­trau­ens­schut­zes sei­en zu be­ach­ten.
Mit Schrift­satz vom 27.01.2011 ha­ben wei­te­re 61 Un­ter­neh­men der Zeit­ar­beits­bran­che, die Haus­ta­rif­verträge mit der CG­ZP ab­ge­schlos­sen ha­ben, er­folg­los um ih­re Be­tei­li­gung an dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ge­be­ten.
We­gen der Ein­zel­hei­ten der Aus­gangs­rechts­strei­te, der Aus­set­zungs­be­schlüsse so­wie des wei­te­ren Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten und der nicht Be­tei­lig­ten 61 Un­ter­neh­men wird auf den an­ge­foch­te­nen Be­schluss Be­zug ge­nom­men.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Be­schluss vom 30. 5. 2011 fest­ge­stellt, das die CG­ZP am 29. 11. 2004, 19. 6. 2006 und 9. 7. 2008 nicht ta­riffähig und nicht ta­rif­zuständig für Un­ter­neh­men der Zeit­ar­beits­bran­che war; im Übri­gen hat es die Anträge der Be­tei­lig­ten zu 21), 24), 25) und 26 so­wie den An­trag zu 1) des Be­tei­lig­ten zu 27) zurück­ge­wie­sen.
Ge­gen die­sen Be­schluss ha­ben der BAP (Bet. zu 7), die BVD, die Bet. zu 34 so­wie die erst­in­stanz­lich nicht be­tei­lig­ten 61 Un­ter­neh­men mit Haus­ta­rif­verträgen (im Be­schwer­de­ver­fah­ren: Bet. zu 36 bis 96) form- und frist­ge­recht Be­schwer­de ein­ge­legt und be­gründet.
Der Bet. zu 26) hat form- und frist­ge­recht An­schluss­be­schwer­de ein­ge­legt und be­gründet.
Die Be­schwer­deführer tra­gen vor:
Die Anträge sei­en un­zulässig. Es lie­ge kei­ne zulässi­ge sub­jek­ti­ve An­tragshäufung vor, weil die Anträge der nachträglich im Ver­fah­ren be­tei­lig­ten An­trag­stel­ler auch die Ta­rif­zuständig­keit um­fass­ten und da­her nicht mit dem An­trag des ursprüng­li­chen An­trag­stel­lers, des Be­tei­lig­ten zu 1, übe­rein­stimm­ten. Es sei nicht zulässig, dass die Be­tei­lig­ten zu 14 bis 27 und 35 ih­re zunächst bei di­ver­sen Kam­mern des Ar­beits­ge­richts Ber­lin anhängig ge­mach­ten Be­schluss­ver­fah­ren durch An­tragsrück­nah­me be­en­de­ten und die zurück­ge­nom­me­nen Anträge im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren er­neut stell­ten. Dies ver­s­toße ge­gen das Ge­bot des ge­setz­li­chen Rich­ters. Dies sei auch we­der sach­dien­lich noch pro­zessöko­no­misch. Ei­ne Ne­benin­ter­ven­ti­on sei im Be­schluss­ver­fah­ren nicht möglich. We­gen der Rechts­kraft­wir­kung in­ter om­nes ei­nes Be­schlus­ses nach § 97 ArbGG sei ei­ne sub­jek­ti­ve An­tragshäufung nicht er­for­der-
lich. Den Anträgen ste­he das Ver­fah­rens­hin­der­nis der an­der­wei­ti­gen Rechtshängig­keit ent­ge­gen. Die Ver­fah­ren 63 BV 9415/08 und 41 BV 1787/09 um­fass­ten den­sel­ben Ver­fah­rens­ge­gen­stand und stünden ei­ner Sach­ent­schei­dung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ent­ge­gen. Die Be­tei­lig­ten zu 1 und 27 hätten we­gen ver­gleichs­wei­ser Er­le­di­gung ih­rer Aus­gangs­rechts­strei­te kein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se mehr.
Der An­trag sei auch un­be­gründet. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be in sei­nem Be­schluss vom 14.12.2010 die Rechts­norm des § 2 Abs. 3 TVG nicht rich­tig aus­ge­legt und an­ge­wen­det. Die vom BAG auf­ge­stell­te De­le­ga­ti­ons­theo­rie sei un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Aus­le­gungs­me­tho­den rechts­dog­ma­tisch nicht halt­bar. Das BAG sei früher da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ta­riffähig­keit nach § 2 Abs. 3 TVG ei­ne ori­ginäre sei. Die Auf­fas­sung, die Ta­rif­zuständig­keit ei­ner Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on müsse vollständig de­ckungs­gleich mit den Ta­rif­zuständig­kei­ten der Mit­glieds­verbände sein, sei­en Norm­zweck ver­ei­telnd. Je­den­falls die zwei­te Prämis­se des BAG, die Mit­lieds­verbände müss­ten ei­ner Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on ih­re Ta­rif­zuständig­keit vollständig über­tra­gen, sei nicht nach­voll­zieh­bar. Ei­nen Rechts­satz, dass je­mand nicht we­ni­ger Rech­te über­tra­gen könne als er selbst hat, ge­be es nicht. Der Grund­satz, dass Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ih­re sat­zungsmäßig fest­ge­leg­te Ta­rif­zuständig­keit nicht vollständig aus­nut­zen müss­ten, gel­te auch für Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen. § 2 Abs. 3 TVG stel­le nur die Vor­aus­set­zung auf, dass der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen zu den sat­zungs­gemäßen Auf­ga­ben ei­ner Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on gehören müsse. Die­se Vor­aus­set­zung sei im Ent­schei­dungs­fall erfüllt. Die Ausführun­gen des BAG zu den Ta­rif­zuständig­kei­ten der CGM, der DHV und der GÖD sei­en nicht bin­dend. Hier­bei han­de­le es sich um bloße Mei­nungsäußerun­gen; hätte das BAG die Ausführun­gen für tra­gend er­ach­tet, so hätte es das Ver­fah­ren von Amts we­gen nach § 97 Abs. 5 ArbGG aus­set­zen müssen. Ab­ge­se­hen da­von sei die GÖD auf­grund der zu den ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Zeit­punk­ten maßgeb­li­chen Sat­zun­gen für al­le pri­va­ten Dienst­leis­tungs­be­trie­be zuständig ge­we­sen. Es sei auch zu be­ach­ten, dass der Leih­ar­beit­neh­mer auf­grund der ge­spal­te­nen Ar­beit­ge­ber­stel­lung zwei Leih­ar­beits­verhält­nis­se ha­be. Des­halb er­stre­cke sich die Ta­rif­zuständig­keit der CGM und der GÖD auf Ar­beit­neh­mer, die ein Leih­ar­beits­verhält­nis mit ei­nem Ent­lei­her oder ei­nem Ver­lei­her be­gründet hätten, die ei­nen in der Sat­zung ge­nann­ten Be­trieb un­ter­hiel­te. Die in der CG­ZP-Sat­zung 2003 an­ge­leg­te Auf­ga­be und Zuständig­keit in Abhängig­keit zu den je­wei­li­gen Mit­glie­dern ste­he im Ein­klang mit der vom BAG ver­tre­te­nen De­le­ga­ti­ons­theo­rie. Die Grundsätze des Ver­trau­ens­schut­zes und der Rechts­si­cher­heit geböten es, für die Zeit vor dem 14.12.2010 von der Ta­riffähig­keit der CG­ZP aus­zu­ge­hen.
Die CG­ZP sei auch ta­rif­zuständig ge­we­sen. Maßgeb­lich hierfür sei al­lein die Sat­zung, die ei­ne sol­che Zuständig­keit aus­drück­lich vor­se­he.
Es bestünden Zwei­fel an der Ver­fas­sungsmäßig­keit der §§ 3 Abs. 1 Nr. 3, 9 Nr. 2, 10 Abs. 4 AÜG; das Ver­fah­ren sei da­her zur Durchführung ei­nes Nor­men­kon­troll­ver­fah­rens gem. § Art. 100 GG aus­zu­set­zen. Wei­ter­hin stel­le sich die Fra­ge der Gültig­keit des in Art. 5 der Leih­ar­beits­richt­li­nie ge­re­gel­ten Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes; die­se Fra­ge sei dem EuGH zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen.
Zur Be­gründung sei­nes Hilfs- Wi­der­an­tra­ges führt der BAP aus: Die CG­ZP sei zu den ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Zeit­punk­ten fähig ge­we­sen, Ta­rif­verträge im frem­den Na­men und als Stell­ver­tre­ter für die an­ge­schlos­se­nen Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten ab­zu­sch­ließen. Die CG­ZP ha­be je­den­falls während der Gel­tung der Sat­zung 2003 Ta­rif­verträge (auch) im frem­den Na­men und als Stell­ver­tre­ter für die an­ge­schlos­se­nen CGB Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten ab­ge­schlos­sen. Ex­pli­zit im frem­den Na­men ha­be die CG­ZP beim Ab­schluss der mit der MVZ ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge vom Ju­ni 2003 ge­han­delt. Auch in Be­zug auf Ta­rif­verträge, die die CG­ZP nach der Sat­zungsände­rung vom 05.12.2005 ab­ge­schlos­sen ha­be, sei sie wil­lens und fähig ge­we­sen, Ta­rif­verträge (zu­min­dest auch) im frem­den Na­men ab­zu­sch­ließen. Dem ste­he die Sat­zung nicht ent­ge­gen. Die CG­ZP sei bei Ta­rif­ver­trags­ab­schluss stets als Ta­rif­ge­mein­schaft auf­ge­tre­ten. Ent­spre­chend der Leh­re von der feh­ler­haf­ten Ge­sell­schaft sei an­zu­er­ken­nen, in Voll­zug ge­setzt und ta­rif­ver­trag­lich ak­tiv ge­wor­den sei in der Ur­form der BGB- Ge­sell­schaft bzw. als Ta­rif­ge­mein­schaft.
Die Be­tei­lig­ten zu 36) bis 96) mei­nen, dass sie erst­in­stanz­lich zu Un­recht nicht gehört wor­den sei­en. Im Übri­gen sei­en sie zu be­tei­lig­ten, so­weit sie Par­tei­en nach § 97 Abs. 5 ArbGG aus­ge­setz­ter Rechts­strei­te sei­en.
Die CG­ZP ver­weist dar­auf, dass sie 2002 als Spit­zen­ver­band im Sin­ne des § 2 Abs. 3 TVG ge­gründet wor­den und bis heu­te als Spit­zen­ver­band in die­sem Sin­ne tätig sei. Sie ha­be ab dem Zeit­punkt ih­res Be­ste­hens als Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on im Sin­ne von § 2 Abs. 3 TVG Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen. Sämt­li­che Ta­rif­ab­schlüsse er­folg­ten nicht durch ei­ne Ta­rif­ge­mein­schaft; sie sei nicht bloß na­mens und im Auf­trag der in ihr zu­sam­men­ge­schlos­se­nen Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten tätig ge­wor­den, son­dern kraft ei­ge­ner, ori­ginärer Ta­riffähig­keit.
Die Be­schwer­deführer be­an­tra­gen,
den an­ge­foch­te­nen Be­schluss ab­zuändern und die Anträge zurück­zu­wei­sen.
Der An­schluss­be­schwer­deführer be­an­tragt,
den an­ge­foch­te­nen Be­schluss teil­wei­se ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass die Ta­rif­ge­mein­schaft Ch. Ge­werk­schaf­ten für Z. und P. am 29.11.2004 nicht ta­riffähig war.
Die An­trag­stel­ler­ver­tre­ter be­an­tra­gen,
Der Be­tei­lig­te zu 7) be­an­tragt wei­ter­hin,
fest­zu­stel­len, dass die Be­tei­lig­te zu 2 (CG­ZP) am 29. No­vem­ber 2004, am 19. Ju­ni 2006 und am 9. Ju­li 2008 fähig war, im Na­men der ihr an­ge­schlos­se­nen Ge­werk­schaf­ten Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen.
Die An­trag­stel­ler so­wie die Be­tei­lig­te zu 2) be­an­tra­gen,
den Hilfs- Wi­der­an­trag zurück­zu­wei­sen.
Der An­schluss­be­schwer­deführer meint, auf­grund des nach­ge­bes­ser­ten Aus­set­zungs­be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Bay­reuth sei er an­trags­be­fugt.
Im Übri­gen ver­tei­di­gen die An­trag­stel­ler – so­weit sie sich geäußert ha­ben – die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen mit Rechts­ausführun­gen.
We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten im Ein­zel­nen wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Anhörung wa­ren, Be­zug ge­nom­men.
In der Anhörung vor der Be­schwer­de­kam­mer ha­ben die CG­ZP, die DHV und die GÖD übe­rein­stim­mend erklärt, be­reits zum Zeit­punkt der Gründung der CG­ZP ha­be die­se nach dem Wil­len der Gründungs­mit­glie­der nur als Ta­rif­ver­trags­par­tei nach § 2 Abs. 3 TVG tätig wer­den sol­len.
B. Die Be­schwer­den sind teil­wei­se be­gründet. Die Anträge der Bet. zu 1) und 19) sind un­zulässig. Im Übri­gen sind die Be­schwer­den nicht be­gründet. Die An­schluss­be­schwer­de ist be­gründet.
I. Die Be­schwer­den sämt­li­cher Be­schwer­deführer sind zulässig. Auch die im Be­schwer­de­ver­fah­ren zu 36) bis 96) be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men sind durch die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts be­schwert, weil sie vom Ar­beits­ge­richt nicht gehört wur­den. Die Nicht­be­tei­li­gung ei­ner Per­son oder Stel­le in der Vor­in­stanz hin­dert sie nicht, sich nun­mehr durch Ein­le­gung ei­nes Rechts­mit­tels am Ver­fah­ren zu be­tei­li­gen (vgl. BAG 13. 7. 1977 - 1 ABR 19/75 - AP Nr. 8 zu § 83 ArbGG 1953; 19.05.1978 - 6 ABR 41/75 - AP Nr. 3 zu § 43 Be­trVG 1972).
II. Die Bet. zu 1) und 19) sind nicht an­trags­be­fugt; in­so­weit sind die Be­schwer­den be­gründet.
1. An­trags­be­rech­tigt in ei­nem Ver­fah­ren über die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on sind gem. § 97 Abs. 5 S. 2 ArbGG sämt­li­che Par­tei­en der Rechts­strei­te, die nach § 97 Abs. 5 S. 1 ArbGG bis zur Er­le­di­gung des Be­schluss­ver­fah­rens nach § 2a Abs. 1 Nr. 4 ArbGG aus­ge­setzt wur­den. Ih­re An­trags­be­fug­nis be­schränkt sich auf die Vor­fra­ge, we­gen de­rer ihr Ver­fah­ren nach Satz 1 aus­ge­setzt ist. Sie sind nicht be­fugt, ei­ne an­de­re als die vom aus­set­zen­den Ge­richt für ent­schei­dungs­er­heb­lich ge­hal­te­ne Fra­ge der Ta­riffähig­keit oder Ta­rif­zuständig­keit ge­richt­lich klären zu las­sen (BAG 29. 6. 2004 - 1 ABR 14/03 - AP ArbGG 1979 § 97 Nr. 10); in­so­weit wird ih­re An­trags­be­fug­nis durch den Aus­set­zungs­be­schluss be­schränkt (ErfK/Koch Rn. 2 zu § 97 ArbGG).
2. Da­nach fehl­te dem Bet. zu 19) von An­fang an die An­trags­be­fug­nis. Die An­trags­be­fug­nis des Bet. zu 1) ist im Lau­fe des Be­schwer­de­ver­fah­rens ent­fal­len.
a) Durch Be­schluss des ArbG Ulm vom 29. 3. 2010 (2 Ca 518/09) wur­de der dor­ti­ge Rechts­streit des Bet. zu 19) aus­ge­setzt bis „zur rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung (…) in dem beim Bun­des­ar­beits­ge­richt un­ter dem Ak­ten­zei­chen 1 ABR 19/10 anhängi­gen Ver­fah­ren“. Da­mit war der Bet. zu 19) mögli­cher­wei­se bis zu sei­ner Er­le­di­gung in je­nem Ver­fah­ren an­trags­be­fugt, nicht aber im vor­lie­gen­den.
b) Der Bet. zu 1) hat sich im Lau­fe des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens in sei­nem Aus­gangs­rechts­streit ver­gli­chen; mit dem Rechts­streit hat sich auch der Aus­set­zungs­be­schluss des ArbG Köln vom 5. 1. bzw. 20. 9. 2009 er­le­digt, so dass die An­trags-
be­fug­nis ent­fal­len ist.
III. Der Bet. zu 26) ist an­trags­be­fugt; sei­ne An­schluss­be­schwer­de ist des­halb be­gründet.
1. Zwar hat das Ar­beits­ge­richt im an­ge­foch­te­nen Be­schluss auf der Grund­la­ge des sei­ner­zeit nicht mit Gründen ver­se­he­nen und un­ge­nau te­n­o­rier­ten Aus­set­zungs­be­schlus­ses des ArbG Bay­reuth vom 5. 11. 2008 zu Recht die An­trags­be­fug­nis ver­neint. Das ArbG Bay­reuth hat je­doch sei­nen Aus­set­zungs­be­schluss nach­ge­bes­sert.
2. Frei­lich lässt der (un­geänder­te) Te­nor des Be­schlus­ses den Zeit­raum, für den das Ar­beits­ge­richt die Ta­riffähig­keit der CG­ZP als ent­schei­dungs­er­heb­lich an­sieht, nicht ein­deu­tig er­ken­nen. Aus der vom Ar­beits­ge­richt nach­ge­hol­ten Be­gründung sei­nes Aus­set­zungs­be­schlus­ses, die bei der Aus­le­gung der Be­schluss­for­mel zu berück­sich­ti­gen ist (BAG 29. Ju­ni 2004 - 1 ABR 14/03 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 111, 164), wird je­doch deut­lich, dass die­ses die Ta­riffähig­keit der CG­ZP zum 29. 11. 2004 als ent­schei­dungs­er­heb­lich an­sieht. An die­se Auf­fas­sung des ArbG Bay­reuth ist die Be­schwer­de­kam­mer ge­bun­den (BAG 18. 7. 2006 - 1 ABR 36/05 - AP TVG § 2 Ta­rif­zuständig­keit Nr. 19), ob­wohl die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit nach den Be­schluss­gründen nicht nach­voll­zieh­bar ist.
IV. Im Übri­gen sind die Be­schwer­den un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht die Ta­rif­unfähig­keit der CG­ZP zu den ge­nann­ten Zeit­punk­ten fest­ge­stellt.
a) Der An­trag be­darf der Aus­le­gung.
aa) Anträge sind möglichst so aus­zu­le­gen, dass sie ei­ne er­streb­te Sach­ent­schei­dung zu­las­sen (BAG 17. Ju­ni 1997 - 1 ABR 10/97 - ju­ris).
bb) Aus­weis­lich der Aus­set­zungs­be­schlüsse so­wie der An­trags­be­gründun­gen möch­ten die An­trag­stel­ler er­rei­chen, dass die Ta­rif­unfähig­keit der CG­ZP fest­ge­stellt wird. Dies ist (ei­ne) Vor­aus­set­zung für den Er­folg ih­rer un­ter dem Ge­sichts­punkt des „equal pay“ (§ 9 Ziff. 2 AÜG) er­ho­be­nen Ent­gelt­for­de­run­gen. In den An­trags­be­gründun­gen wird fol­ge­rich­tig un­ter Hin­weis auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2010 - 1 ABR 19/10 - (a.a.O.) die man­geln­de Ta­riffähig­keit der CG­ZP gel­tend ge­macht. War­um die An­trag­stel­ler ein In­ter­es­se dar­an ha­ben soll­ten,
auch die Ta­rif­zuständig­keit der CG­ZP über­prüfen zu las­sen und wor­aus sich die­se er­ge­ben soll, wird von kei­nem An­trag­stel­ler aus­geführt.
Auf Nach­fra­ge der Be­schwer­de­kam­mer ha­ben die in der Anhörung am 9. 1. 2012 an­we­sen­den An­trag­stel­ler erklärt, dass die Fra­ge der Ta­rif­zuständig­keit nur auf­grund der For­mu­lie­rung der Aus­set­zungs­be­schlüsse in die Anträge auf­ge­nom­men wor­den sei­en, oh­ne dass hier­durch der Ver­fah­rens­ge­gen­stand „Ta­riffähig­keit“ er­wei­tert wer­den soll­te.
b) Dem so ver­stan­de­nen An­trag steht das Ver­fah­rens­hin­der­nis der an­der­wei­ti­gen Rechtshängig­keit (§ 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO) nicht ent­ge­gen.
aa) Nach dem auch im Be­schluss­ver­fah­ren an­wend­ba­ren § 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO be­wirkt die Rechtshängig­keit ei­ner Streit­sa­che, dass sie von kei­nem Be­tei­lig­ten an­der­wei­tig anhängig ge­macht wer­den kann. Die dop­pel­te Rechtshängig­keit be­gründet ein Ver­fah­rens­hin­der­nis, das in je­der La­ge des Ver­fah­rens, auch noch in der Rechts­be­schwer­de­instanz, von Amts we­gen zu be­ach­ten ist und zur Un­zulässig­keit des An­trags führt. Sie liegt vor, wenn die Be­tei­lig­ten und die Streit­ge­genstände bei­der Ver­fah­ren iden­tisch sind (BAG 14. 12. 2010 – 1 ABR 19/10 – a.a.O.).
bb) Die frühe­re Rechtshängig­keit der vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin geführ­ten Be­schluss­ver­fah­ren 63 BV 9415/08 (jetzt: 23 BV 2016/11, 2038/11 und 2039/11 vor dem LAG Ber­lin-Bran­den­burg) bzw. 39 BV 2633/10 (früher: 41 BV 1787/09) führt nicht zur Un­zulässig­keit des Fest­stel­lungs­an­trags.
(1) Die Streit­ge­genstände des vor­lie­gen­den und des an­de­ren Ver­fah­rens 63 BV 9415/08 sind nicht iden­tisch.
(a) Der Streit­ge­gen­stand rich­tet sich nicht nur nach dem zur Ent­schei­dung ge­stell­ten An­trag (Kla­ge­ziel), son­dern auch nach dem zu­gehöri­gen Le­bens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund), aus dem die be­gehr­te Rechts­fol­ge her­ge­lei­tet wird. Nach der pro­zess­recht­li­chen Auf­fas­sung vom zwei­glied­ri­gen Streit­ge­gen­stand, der nach der Recht­spre­chung des BAG auch für das Be­schluss­ver­fah­ren zu fol­gen ist (19. Ja­nu­ar 2010 - 1 ABR 55/08 - Rn. 15, EzA Be­trVG 2001 § 23 Nr. 4; 14.12.2010 - 1 ABR 19/10 - (a.a.O.)), wird der Streit­ge­gen­stand nicht al­lein durch das An­trags­ziel be­stimmt. Die Ein­heit­lich­keit des Kla­ge­ziels genügt des­halb nicht, um ei­nen ein­heit­li­chen Streit­ge­gen­stand an­zu­neh­men. Viel­mehr muss auch der Kla­ge­grund iden­tisch sein (BAG 14. 12. 2010 – 1 ABR 19/10 – a.a.O.).
(b) Streit­ge­gen­stand des Ver­fah­rens 63 BV 9415/08 ist (nur noch) die Ta­riffähig­keit der CG­ZP bei Ab­schluss des „Ent­gelt­ta­rif­ver­trags West“ mit der Ta­rif­ge­mein­schaft für Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men in der BVD am 22. Ju­li 2003, nach­dem die wei­ter­ge­hen­den Anträge (rechts­kräftig) zurück­ge­wie­sen wor­den sind.
Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren geht es da­ge­gen um die Ta­riffähig­keit zu den kon­kre­ten Zeit­punk­ten 29. 11. 2004
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References: § 1
 § 3

§ 3

§ 2
 § 5
 § 1
 § 97
 § 2
 § 97
 § 2
 § 2
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 § 97
 Art. 100
 Art. 5
 EuGH 
 § 97
 § 2
 § 2
 § 2
 § 83
 § 43
 § 97
 § 97
 § 2
 § 97
 § 97
 § 2
 § 261
 § 23