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Beziehung zu einer Minderjährigen
Dieses Thema "ᐅ Beziehung zu einer Minderjährigen - Aktuelle juristische Diskussionen und Themen" im Forum "Aktuelle juristische Diskussionen und Themen" wurde erstellt von chrislovesher, 8. Mai 2017.
chrislovesher Boardneuling 08.05.2017, 00:14
Ist eine Beziehung zwischen einem 14 jährigen Mädchen und einem 34 jährigen Mann erlaubt.
Können die beiden Sex haben, solange die sexuelle Selbstbestimmung nicht ausgenutzt und oder das Mädchen erpresst wird?
Also wenn es sich um eine richtige Liebesbeziehung handelt.
Würde der Vater mit einer Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs durchkommen, wenn das Mädchen vor Gericht zu ihrem Freund steht?
Die Eltern des Mädchens wissen von der Beziehung sind zwar dagegen, wollen den Mann nicht kennenlernen, lassen sie aber trotzdem zu ihm gehen.
chrislovesher
Tyron Star Mitglied 08.05.2017, 00:20
AW: Beziehung zu einer Minderjährigen
Diesen Paragraphen hier haben Sie offensichtlich gefunden:
Als 34-jähriger bringt man sich etwas in Gefahr zu einer 14-jährigen eine Beziehung einzugehen. Denn was wenn das Gericht wirklich auf die Idee käme die sexuelle Selbstbestimmung würde fehlen?
Ich habe da allerdings etwas "gecheatet" und habe mal in die Wahrsagerglaskugel gesehen (sprich: das gelöschte Topic kenne ich auch). Der fiktiven Person, die eine Beziehung mit der 14-jährigen Person hat, wird man wohl schwerlich einen Vorsatz nachweisen können, wenn mich mein Hirn nicht im Stich lässt. Selbst wenn man nach der Beweisaufnahme sagen würde die sexuelle Selbstbestimmung fehlte. Ob die objektiv fehlte, ist für mich aufgrund dieses kurzen Beitrags überhaupt nicht einschätzbar.
Aber nur mal nebenbei bemerkt:
Allein vom Stehen des Mädchens zu ihrem Freund ließe sich nicht darauf schließen, dass es unmöglich ist, dass die "sexuelle Selbstbestimmung" im konkreten Fall gefehlt hat...
chrislovesher Boardneuling 08.05.2017, 00:26
und wenn zb alles was geschrieben wurde als chatverlauf gespeichert wäre, zb wie sie schreibt, dass sie sex will und es super schön findet und dies und das super gerne macht...?
Tyron Star Mitglied 08.05.2017, 00:40
Ich stelle mal meine eigenen Ausführungen vorne an:
Wenn der 34-jährige Mister X dachte, dass die Jugendliche entsprechend reif war, kann eine Verurteilung nicht erfolgen. Weil dann bestehen erhebliche Zweifel daran, dass hier irgendeine fehlende sexuelle Selbstbestimmung ausgenützt worden ist, so wie es das Gesetz fordert.
BGH, Beschluss vom 20. August 2013 – 3 StR 222/13 –, juris Rn.3:
Nach ganz herrschender Auffassung in Rechtsprechung und Schrifttum ist die fehlende Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung in jedem konkreten Einzelfall festzustellen (BGH, Beschlüsse vom 23. Januar 1996 - 1 StR 481/95, BGHSt 42, 27, 29; vom 17. Oktober 2006 - 4 StR 341/06, BGHR StGB § 182 Abs. 2 Nr. 1 Missbrauch 1 und vom 23. Januar 2008 - 2 StR 555/07, StV 2008, 238, 239; MünchKommStGB/Renzikowski, 2. Aufl., § 182 Rn. 56; LK/Hörnle, StGB, 12. Aufl., § 182 Rn. 60, jew. mwN; aA SSW-StGB/Wolters, 1. Aufl., § 182 Rn. 20); dementsprechend ist die Beweisaufnahme jedenfalls auf solche Umstände zu erstrecken, die dem Tatgericht die Beurteilung erlauben, ob bei dem Opfer die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung nicht vorhanden war (vgl. MünchKommStGB/Renzikowski, aaO; LK/Hörnle, aaO, § 182 Rn. 62; SSW/Wolters, aaO, § 182 Rn. 22).
BGH, Beschluss vom 23. Januar 2008 – 2 StR 555/07 –, juris Rn. 8:
2. Für die neue Hauptverhandlung weist der Senat darauf hin, dass die vom Landgericht bisher getroffenen Feststellungen die Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen gemäß § 182 Abs. 2 Nr. 1 StGB nicht tragen. Außer dem Umstand, dass die Nebenklägerin zum Zeitpunkt der als Fälle 2 bis 10 abgeurteilten sexuellen Handlungen 14 bzw. 15 Jahre alt war, fehlt es an Feststellungen zu den tatbestandlichen Voraussetzungen. Das von § 182 Abs. 2 StGB vorausgesetzte Fehlen der Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung ergibt sich aber nicht schon aus dem Umstand allein, dass die betroffene jugendliche Person unter 16 Jahre alt ist. Einschränkungen der Selbstbestimmungsfähigkeit sind in dieser Altersstufe zwar möglich, werden aber, anders als bei Kindern unter 14 Jahren, vom Gesetz nicht als zwingend gegeben vorausgesetzt. Entgegen der Ansicht des Generalbundesanwalts konnte die Feststellung des Fehlens sexueller Selbstbestimmungsfähigkeit in allen Fällen hier nicht allein darauf gestützt werden, dass die Nebenklägerin bis zu dem ersten Vorfall noch keine sexuellen Erfahrungen hatte. Feststellungen über die psychische Entwicklung der Zeugin zwischen ihrem 14. und 16. Lebensjahr enthält das Urteil nicht; da die Selbstbestimmungsfähigkeit einer jugendlichen Person kein statischer "Zustand" ist, sondern in der Regel raschen und gravierenden Veränderungen unterliegt, kann auf genauere Feststellungen aber nicht verzichtet werden, wenn es für die Tatbestandsvoraussetzungen des § 182 Abs. 2 StGB auf den Zustand gerade zu unterschiedlichen Tatzeitpunkten ankommt.
(BGH, Beschluss vom 23. Januar 2008 – 2 StR 555/07 –, Rn. 8, juris)
Genauere Aussagen als diese höchstrichterliche Rechtsprechung gibt es nicht. Das ganze ist immer sehr einzelfallabhängig. Leider gibt es nicht die konkrete Definition in der Form, wenn X und Y der Fall ist dann fehlt sie definitiv, ansonsten ist sie immer gegeben. Sorry, ich kann ja auch nichts dafür, dass die Rechtslage momentan so ist.
Edit: Wichtig ist: Wir sind hier nicht bei der mittelalterlichen Inquistion. Mr. X muss seine Unschuld nicht vor Gericht beweisen. "In dubio pro reo" ist ihnen sicherlich ein Begriff. Grundsätzlich wäre auch Unschuldsvermutung ein wichtiger Begriff.
Probleme treten hier eher im sozialen Bereich auf. Auf Dauer ist das nicht gut, wenn Mr. X mit den Eltern im Streit liegt. An der Baustelle sollte gearbeitet werden.
Super Bleifrei V.I.P. 08.05.2017, 06:31
Ich kann mir kein Mädchen von 14 Jahren vorstellen, welches tatsächlich bereits die geistige Reife hätte, ihr Handeln, und ihren ach so "eigenen Willen" wirklich einzuschätzen. Da könnte das Kind noch so sehr _"Ich will aber" sagen.
Von mir als "Freund" gäbe es da bei noch so "reifen" Avancen ein klares und eindeutiges "NEIN!"
Und von mir als Vater gäbe es eine Anzeige, Kontaktverbot, notfalls Zimmerarrest, das ganze Programm. Vielleicht stolpert X da dann auch mal ganz aus Versehen zu hart gegen eine Bordsteinkante. Unfälle passieren ab und an mal.
Ron-Wide V.I.P. 08.05.2017, 07:44
Und von mir als Vater gäbe es eine Anzeige, Kontaktverbot, notfalls Zimmerarrest, das ganze Programm. Vielleicht stolpert X da dann auch mal ganz aus Versehen zu hart gegen eine Bordsteinkante. Unfälle passieren ab und an mal
Ein sehr ausgereiftes Rechtsverständnis!
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Tyron Star Mitglied 08.05.2017, 09:28
Meine persönliche Meinung: subjektive Moralvorstellung "helfen" hier nicht weiter.
Man sollte akzeptieren, dass der Gesetzgeber es nur in Ausnahmenfällen bestraft, wenn Erwachsene Sex mit Jugendlichen haben. Sonst ist das deutsche Recht immer noch ziemlich offenherzig und modern in diesem Bereich, was sich durch die Ausgestaltung des Tatbestands "Sexueller Missbrauch von Jugendlichen" durchaus zeigt. Das alles ist definitv nicht selbstverständlich für ein demokratisches Land, denn manche Länder, wenn ich mich recht entsinne, nehmen bei Sex mit Jugendlichen automatisch sowas ähnliches wie "Vergewaltigung" an, sie werden rein rechtlich im Sexualbereich wie Kinder (Personen unter 14) betrachtet.
Ich würde dem fiktiven 34-jährigen, der finanziell nicht schlecht da steht, eine Mediation mit den Eltern empfehlen. Allerdings ist ein Mediator kein Strafrechtler. Wenn im Raum steht, dass hier vielleicht eine Straftat vorliegen könnte und das eben ungewiss ist, sollte jeder professionelle Mediator irgendwelche Sitzungen ablehnen müssen. Normalerweise ist so ein Strafprozess nicht erstrebenswert, aber hier müsste das ganze wirklich erst im Vorfeld geklärt werden. Mediation ist auch kein Zwang. Wenn die Eltern total empört über Mr. X sind und kein Gespräch mit ihm wünschen und sonst was von ihm halten, dann macht eine Mediation- so gut diese auch ist- leider keinen Sinn. Daher: Bevor der Vater einen dann rausschmeißt, sollte man vielleicht kurz über so eine Angelegenheit zu einem passenden Zeitpunkt reden und versuchen zu überzeugen.
cherokee V.I.P. 08.05.2017, 10:30
Wenn die Liebe so groß ist, dann schaft die auch noch die 4 Jahre...
Phil79 V.I.P. 08.05.2017, 10:52
Vorab: Ich halte mich aus der moralischen Diskussion (ausnahmsweise) mal raus; es soll mir also i.F. nur um die Frage des TE nach der Strafbarkeit gehen:
In Ergänzung zur von @Tyron zitierten Rspr ist mE auch wichtig, dass ein Vorsatz bzgl. der fehlenden sexuellen Selbstbestimmung vonnöten ist; i.e., man kann nichts ausnutzen (i.S.d. StR), von dem man nicht einmal billigend in Kauf nimmt, dass es vorliegt.
Anders formuliert: Wenn der Erwachsene fundamental von der Reife und sexuellen Selbstbestimmungsfähigkeit der Jugendlichen überzeugt ist, kann er sich mE nicht gem. § 182 III Nr. 1 StGB strafbar machen.
Zitat von chrislovesher: ↑
Dann sollten sie auch den Mann nicht anzeigen: Entweder das Gericht verneint die Strafbarkeit des Mannes, und das Eltern-Tochter-Verhältnis bekommt eine deutliche "Schieflage". Oder das Gericht bejaht die Strafbarkeit des Mannes... und dann diejenige der Eltern wegen wissentlicher Beihilfe durch Unterlassen direkt mit.
JHS V.I.P. 08.05.2017, 12:42
Es wäre -rein praktisch gesehen- auch § 182(2) StGB beachten. Der kommt häufiger vor als man denkt und ist auch schneller erfüllt als man denkt. In jedem Fall hätte die 14jährige -falls die heiße Liebe mal erkaltet- ein schönes Druckmittel in der Hand, wenn sie glaubhaft versichern könnte: "Ich hatte mit dem "Opa" nur Sex, weil er mir ständig Klamotten und Schmuck geschenkt hat und 3mal im Jahr mit mir nach Malle geflogen ist"
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Phil79 V.I.P. 08.05.2017, 15:15
Es wäre [...] auch § 182(2) StGB beachten.
Bzgl. dessen allerdings ebenso Vorsatz vonnöten ist: Ist der Erwachsene von der Liebe der Jugendlichen überzeugt und macht ihr nur Geschenke, um widerum seine Liebe auszudrücken, hat er mE keinen Vorsatz i.S.d. § 182 II. Hierfür ist nämlich Einigkeit vonnöten, dass die sexuelle Handlung Gegenleistung für den Vermögensvorteil ist (BGH 4 StR 5/04 - 1. Juli 2004 [LG Rostock]), und an einer solchen Einigkeit würde es unter ebendiesen Umständen mE fehlen.
rein praktisch gesehen
Inwiefern das oben von mir Beschriebene vor Gericht glaubhaft versichert werden kann, steht hingegen selbstredend auf einem anderen Blatt.
Cloakmaster V.I.P. 08.05.2017, 16:02
Könnte ich doch nicht ahnen, daß sie noch in den Kindergarten geht. Ehrlich, Herr Richter, auf mich machte sie voll und ganz den Eindruck einer geistig und körperlich entwickelten Person. Ich schwöre es...
Phil79 V.I.P. 08.05.2017, 16:09
Zitat von Cloakmaster: ↑
Könnte ich doch nicht ahnen, daß sie noch in den Kindergarten geht.
Mal ganz abgesehen davon, dass es hier um eine Jugendliche und nicht ein Kindergartenkind geht, ist das Alter ebendieser Jugendlichen doch völlig unstreitig, dem Erwachsenen bekannt und spielt bzgl. dieser hier diskutierten Vorsatzfragen keine Rolle (q.v., Beitrag #4 von @Tyron).
Tyron Star Mitglied 08.05.2017, 17:28
@Cloakmaster
Ich halte den Beitrag aus juristischer Sicht völlig daneben, denn im deutschen Strafrecht gibt es ein differenziertes System mit der Unterscheidung sexueller Missbrauch von Kindern und sexueller Missbrauch von Jugendlichen (Personen ab 14). Die sarkastische Bemerkung bringt einen nicht wirklich weiter. Eher sollte man Sachargumente bringen, warum das deutsche System schlecht ist und eine 14 jährige mit einem Kindergartenkind zu vergleichen ist nicht sinnvoll.
Um ein Kindergartenkind geht es bei manchen BGH Urteilen zum 182 zwar nicht, aber du wärst sicherlich schockiert, wenn du wüsstest, dass wenn der Täter sich über das Alter der Person irrt und eine 12-jährige für 14 hält, dass positiv im Rahmen des 182 bestimmt werden muss ob in dem betreffenden Einzelfall die sexuelle Selbstbestimmung fehlte...
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B enutzername Senior Mitglied 08.05.2017, 18:40
Völlig unsachlicher Einwand von mir:
Ich kenne Mädels die haben mit 14 schon ihren 5. Freund...
Ob der nun 16, 20 oder 30 ist mag vielleicht eine moralische Frage sein... ändert aber nichts an der Tatsache, dass Mädchen mit 14 heute nicht so sind wie Mädchen mit 14 vor 30 Jahren.
Natürlich sind sie naiv... aber die wissen ganz genau was sie wollen und wie sie es bekommen. Das sind keine Kinder die ausgenutzt werden
B enutzername
sex mit minderjährigen Strafrecht / Strafprozeßrecht 5. Juni 2016
Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen Aktuelle juristische Diskussionen und Themen 1. April 2015
Tätowierung bei Minderjährigen, Gefahrübergang Bürgerliches Recht allgemein 8. März 2013
Anfechtung durch Minderjährigen Bürgerliches Recht allgemein 24. Januar 2011
Schweigepflicht (insbesondere) bei Minderjährigen Arztrecht 6. Oktober 2009

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In dubio
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