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Timestamp: 2017-02-27 02:57:52+00:00

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chapter 71 Raphael Kühner, Friedrich Blass, Ausführliche Grammatik der Griechischen Sprache
[*] 71. Veränderungen des konsonantischen Auslautes.
Die griechische Sprache duldet im Auslaute, wie wir
§ 57, III gesehen haben, von Konsonanten nur ν, ρ,
ς (ψ, ξ). Durch dieses Wohllautsgesetz
tritt die griechische Sprache zu ihrer Schwestersprache und zu dem Sanskrit in einen
strengen Gegensatz.1) Die Abneigung des
Griechischen gegen verschiedene Konsonanten am Schlusse eines Wortes, die in den
beiden letzteren Sprachen an dieser Stelle ganz gewöhnlich sind, hat
bewirkt, dass in der griechischen Sprache viele grammatische Formen, welche sich im
Sanskrit und im Lateinischen in ihrer ursprünglichen und echten Gestalt
erhalten Kühners ausführl. Griech.
Grammatik. I. T. haben, Verstümmelungen erlitten. So ist das
μ als Auslaut in ν
verwandelt oder zu α vokalisiert, als: ἦα, entstanden aus ἦσ-（α）μ, l. er-am, neben ἔον, ἐβούλευ-σα
st. ἐβούλευσ-（α）μ neben ἐβουλευ-σάμ-ην, ἔφερον st. ἔφερομ, sk. ábharam, l. ferebam, neben ἐφερόμ-ην; πόδα st. πόδ（α）μ, l. pedem; ferner
vergleiche man ἔφερον st. ἔφεροντ, l. ferebant, Vok. ἄνα st.
ἄνακτ, Nom. μέλι st. μέλιτ u. s. w.; der Vok. von
παῖς, παιδ-ός lautet παῖ st. παῖδ. Wenn nun in der Flexion der Wörter ein anderer Konsonant als
die angeführten an das Ende des Wortes treten müsste, so wird
derselbe entweder in einen anderen verwandelt, den die griechische Sprache als
Auslaut duldet, oder — und dies ist der häufigere Fall
— ganz abgestossen.2) Der
erstere Fall tritt ein: a) bei den T-Lauten, welche in den Spiranten ς übergehen; so entstanden unter Abfall des
Schluss-ι die Formen πρός (aus προτί, πρότ, oder aus
προσί?), δός, θές,
σχές aus δόθι, θέθι, σχέθι (st.
δόθ, θέθ, σχέθ); ferner steht οὕτως, ὅπως, καλῶς u. s. w. st. οὕτωτ, ὅπωτ (wie noch böot. in ὅπωτ ὦν), καλῶτ;3) mit ἕως alt ἧος, τέως alt τῆος vgl.
skr. jâvat, tâvat; — b) bei dem
ursprünglichen μ, welches in ν überging, als: λέαιναν, l. leaenam, Μοῦσαν, l. Musam, ἄγρον,
l. agrum, ναῦν, l. navem,
πόσιν, sk. patim, ποδῶν, l. pedum, ἔφερον, sk. ábharam l. ferebam,
dor. ἦν (aus ἦσν), l. eram. Der zweite
Fall tritt ein: a) bei den T-Lauten, als: σῶμα, G.
σώματ-ος (? lat. -men, ebenfalls ohne τ), μέλι, G. μέλιτ-ος, Vok. Αἶαν v.
Αἴας, Αἴαντ-ος, γέρον v. γέρων, γέροντ-ος; ebenso Neutr. φέρον v. φέρων, φέροντ-ος u. s. w.;
Nom. γάλα, G. γάλακτ-ος, Vok. ἄνα v. ἄναξ, G. ἄνακτ-ος; bei
den beiden letzteren musste mit dem τ auch das
κ abfallen; Vok. παῖ v. παῖς, παιδ-ός; ἄλλο,
aliud, τό, sk. tad,
ὅ, sk. jad, l. quod,
ἔφερε, sk. ábharat, l.
ferebat, Pl. ἔφερον wie sk.
ábharan st. ἔφεροντ (vgl. ἐφέροντο) und ábharant, ἦσαν wie sk. âsan st. ἦσαντ und âsant; — b) bei κ in γύναι vgl. γυναικός, in dem ep. ὑπόδρα st.
ὑπόδρακ (v. ὑπό u. δέρκομαι), nb. welchem Herodian
ὑποδράξ kennt, I, 496 u. s., s. Nic. Ther. 765;
über οὐ nb. οὐκ s. § 72, 4; — c) anscheinend bei μ (vgl. § 68, 4) in dem Akk. S. III. Dekl., als:
πόδα, l. pedem, in 1. Pers. Aor. 1.
Akt., als: ἔδειξα, sk.
ádiksham u. s. w.; der Vokal statt dieses der theoretischen
Bildung nach voraussetzenden vokallosen m ist α; der
Nasal fehlt ferner in den Zahlwörtern ἑπτά septem, ἐννέα
novem, δέκα decem (im
Sskr. hier überall -an, L. Meyer, Vgl. Gr. I^{2}, 138); — d) bei
ς in μάκᾶρ neben
d. dor. μάκαρς, ἡ δάμᾶρ nb. δάμαρς (Herodian I, 246, 7), eig. δάμαρτς, doch musste τ schon vor
ς ausfallen; auch χέρς dor. f. χείρ; es hat hier in der
gew. Form Ersatzdehung stattgefunden (§ 38, 3). Über
das ς mobile, sowie über das ν mobile s. § 72, 2. und 3. Anmerk. 1. Die übrigen Veränderungen des Auslautes stimmen mit
denen des Inlautes überein, nämlich der Ausfall des T-Lautes, des
ν, des ντ, νδ, νθ
vor ς, als: χάρις
st. χάριτς, παῖς st. παῖδς,
κόρυς st. κόρυθς, δελφίς st. δελφίνς, γίγας st. γίγαντς,
ὀδούς st. ὀδόντς s. § 68.
In πούς (st. πός,
dialektisch Herodian I, 403 II, 281. 903), G. ποδ-ός, und anscheinend in dem Partiz. Pf. A. auf ώς, als: τετυφώς (st. τετυφότς), G. φότ-ος, ist
gegen die sonstige Weise Ersatzdehnung eingetreten, vgl. l. pês,
pĕd-is; ebenso in κτείς, κτεν-ός, εἷς,
ἑν-ός, in den Adjektiven μέλᾶς
τάλᾶς, G. α^ν-ος, in dem Akk. Pl. der I.
und II. Dekl., s. § 68, Anm. 1. Im
Zusammenhange der Rede, wo der Auslaut eines Wortes mit einem folgenden Worte in
nahe Berührung tritt und nicht durch Pause von demselben getrennt wird,
hört der Auslaut auf im strengen Sinne Auslaut zu sein; er wird so zu sagen
Inlaut, und daher treten alsdann für die Aussprache desselben, wie wir
schon bei der Lehre von der Apokope (§ 42) gesehen haben, und wie aus
Inschriften und zum Teil aus Handschriften hervorgeht, mehrere Erscheinungen hervor,
welche wir im Inlaute bemerkt haben.4) So richtet sich der auslautende Nasal
nach dem folgenden Konsonanten, d. h. er wird μ vor
π φ β ψ μ, γ vor κ χ γ
ξ, wird angeglichen vor λ ρ ς,
fällt aus vor ζ (στ u. s. w.), s. § 61, Anm. 1; 64, 2; 68, Anm. 1; die
Präposition ἐξ verliert vor Kons. nicht
nur das s (§ 72, b), sondern wandelt auch die verbleibende Tenuis vor
(φ) θ in die
Aspirata, vor Mediae und Liquidae in die Media, s. § 60, Anm. 1;
ähnlich auch das Zahlwort ἕξ, §
68, 7. Anmerk. 2. Jedoch herrscht auf den Inschriften in der
bemerkten Schreibweise nichts weniger als durchgreifende Gleichmässigkeit,
sondern selbst auf solchen Inschriften, welche diese Schreibung fast durchweg
beobachten, finden sich Beispiele, in welchen nicht die Aussprache, sondern die
Abstammung des Wortes berücksichtigt worden ist, wie z. B. Corp. Inscr.
Att. I, 32 τῶν χρημάτων ἐπειδὰν πραθῇ u. s. w.
neben ὅταμ περ, ἐάμ που, τῶλλογιστῶν u. s. w.
Nachmals lässt überhaupt der Gebrauch des Angleichens bezw.
Assimilierens nach: die attischen Inschriften kennen dasselbe betreffs des ν zwar vor Labialen bis in die Kaiserzeit, vor Gutturalen
dagegen und vor ς nur bis ins 3. Jahrh. v. Chr., vor
λ und ρ nur bis
ins 4. Jahrh.; ἐκ wird assimiliert bis zum 1.
Jahrh. v. Chr.5）
Entsprechend wird der Gebrauch in Handschriften gewesen sein, und so bietet uns ein
herkulanensischer Papyrus (Gomperz, Ber. d. Wien. Akad., Bd. 83, 87 ff.) zahlreiche
Beispiele des assimilierten ν, während
dieselben in den ägyptischen Papyrus recht spärlich sind. Vgl.
Blass, Ausspr. 83^{3} f. In den mittelalterlichen Handschriften kommen nur
vereinzelte Beispiele der angegebenen Schreibung vor, als: τἀμ μέσῳ Demosth. or. 39, 4. ξύμ μοι λάβεσθε
τοῦ μύθου
Phaedr. 237a;6) andere Beisp. s. § 61, Anm. 1.(Smyth 133)
1 Vergl. Giese, Aeol. D., S. 81 f.;
Schleicher, Komp. der vergl. Gr. 236^{2} ff.2 Vgl. L. Meyer, V. Gr. I^{2},
S. 204 ff.; Curtius, Stud. X, 227 ff.3 Vgl. L. Meyer, V. Gr. I^{2}, S. 204 ff.; Curtius, Stud. X,
227 ff.4 S. Giese, Aeol. D.,
S. 83 ff.; Curtius a. a. O. 210 ff.5 Meisterhans, S. 87^{2}. 84.6 S. Lobeck ad Soph.
Ai. 836.

References: § 57
 § 72
 § 68
 § 72
 § 68
 § 68
 § 61
 § 60
 §
68
 § 61