Source: http://www.grin.com/de/e-book/321242/die-abgrenzung-von-erhaltungsaufwendungen-zu-anschaffungskosten-und-herstellungskosten
Timestamp: 2017-10-18 00:27:27+00:00

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Die Abgrenzung von Erhaltungsaufwendungen zu Anschaffungskosten ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
3 Erläuterungen der Begriffe
3.1 Begriff der Anschaffungskosten
3.2 Begriff der Herstellungskosten
3.3 Begriff des anschaffungsnahen Herstellungsaufwands
3.4 Begriff des Erhaltungsaufwandes
4.1 Abgrenzung Anschaffungskosten von Herstellungskosten
4.2 Abgrenzung Anschaffungskosten von Erhaltungsaufwand
4.3 Abgrenzung Herstellungskosten von Erhaltungsaufwand
5 Zusammentreffen von Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten mit Erhaltungsaufwand
6.1 Steuerliche Behandlung der Anschaffungskosten und Herstellungskosten
6.2 Steuerliche Behandlung des Erhaltungsaufwands
7 Abweichungen der Internationalen Rechnungslegungsstandards
7.1 Anschaffungskosten
7.2 Herstellungskosten
7.3 Nachträgliche Herstellungskosten und Erhaltungsaufwand
8 Bezug auf das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
8.1 Änderung Absatz 2
8.2 Neufassung Absatz 2 a
Anlage 1: Unterschiede der Herstellungskostenunter- und Obergrenze zwischen Handels- und Steuerrecht
Anlage 2: Unterschiede der Herstellungskostenunter- und Obergrenze zwischen Handelsrecht und IFRS
Anlage 3: Unterschiede Herstellungskostenunter- und Obergrenze nach HGB und nach Änderungen durch das BilMoG
In der folgenden Hausarbeit werden die Abgrenzung von Erhaltungsaufwendungen zu Anschaffungs- und Herstellungskosten des Anlagevermögens erläutert, sowie die unterschiedliche Bewertung im Handels- und Steuerrecht. Des Weiteren wird auf die jeweilige steuerliche Behandlung eingegangen.
Wenn hier von Vermögensgegenständen die Rede ist, so wird davon ausgegangen, dass es sich um abnutzbare Vermögensgegenstände des Anlagevermögens handelt.
Obwohl es zwei Arten der Abschreibung gibt, nämlich die in der Kostenrechnung und die bilanzielle Abschreibung, wird aus Platzgründen hier nur auf die bilanzielle Abschreibung eingegangen.
Der Begriff der Aktivierung und der Abschreibung tauchen in dieser Arbeit häufiger auf. Von daher ist es Sinnvoll diese Begriffe ebenfalls zu erläutern.
Unter Aktivierung versteht man die Bilanzierung eines abnutzbaren Vermögensgegenstandes in der Handelsbilanz. In der Steuerbilanz versteht man unter Aktivierung die Bilanzierung positiver Wirtschaftsgüter und Rechnungsabgrenzungsposten.1
Sinn der Aktivierung ist, dass angeschaffte Vermögensgegenstände nicht nur im Jahr der Anschaffung als Aufwand in der Bilanz gebucht werden, sondern dass sie über ihre Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben werden.2Durch Abschreibungen werden also Wertminderungen von Vermögensgegenständen erfasst.
Laut § 253 Abs. 2 Satz 1 HGB sind planmäßige Abschreibungen für Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist. Die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten werden nach einem festgelegten Plan auf die Nutzungsdauer verteilt. Der festgelegte Betrag wird dann jedes Jahr von dem Wert des Vermögensgegenstandes abgezogen, sodass alle Anlagegüter nicht für immer mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten in der Bilanz stehen, sondern eben jedes Jahr um ungefähr den Betrag sinken, den sie abgenutzt werden.
Dadurch können die Aufwendungen den Erträgen, die aus den Vermögensgegenständen hervorgehen, zugeordnet werden. Man kann also sehen, ob ein Vermögensgegenstand einen Gewinn erzielt hat, oder ob die Aufwendung für die Anschaffung höher war, als der erzielte Gewinn. Natürlich ist dies nur mit abnutzbaren Vermögensgegenständen möglich, die planmäßig abgeschrieben werden.
Alle Aufwendungen die nicht aktiviert werden, werden als Aufwand in der Gewinn und Verlustrechnung dargestellt und sind somit sofort ergebniswirksam.
Im Folgenden werden die Begriffe der Anschaffungskosten, Herstellungskosten, der Begriff des nachträglichen Herstellungsaufwandes und des Erhaltungsaufwands erläutert.
Der Begriff der Anschaffungskosten ergibt sich aus § 255 Abs. 1 HGB. Demnach sind Anschaffungskosten „die Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können“.3Daraus folgt, dass der Anschaffungsvorgang grundsätzlich zu einer ergebnisneutralen Vermögensumschichtung führt, denn die Anschaffungskosten werden durch die Hingabe eine Gegenleistung bestimmt.4
Die Aufwendungen umfassen neben den Erwerbskosten auch Anschaffungsnebenkosten, sowie nachträglich anfallende Anschaffungskosten.5
Anschaffungsnebenkosten sind laut § 255 Abs. 1 Satz 2 HGB alle Kosten die erforderlich sind um den Vermögensgegenstand für das Unternehmen nutzbar zu machen, also die Kosten der Betriebsbereitschaft. Beispiele hierfür sind Aufstellung und Montage einer Maschine. Die Anschaffungsnebenkosten dürfen nur insoweit aktiviert werden, als sie dem angeschafften Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können.6
Anschaffungskosten können auch vor oder nach dem Kauf anfallen. Bei Gebäuden können nachträgliche Anschaffungskosten zum einen durch nachträgliche Reparaturen, Verbesserungen und Umbauten für einen bereits beschafften Vermögensgegenstand und zum anderen durch nachträgliche Erhöhungen des ursprünglichen Anschaffungspreises z. B. durch Schiedsspruch entstehen, bei Grundstücken durch Erschließungs- und Kanalisationsbeträge.7Sie werden in dem Jahr berücksichtigt, in dem sie angefallen sind, nicht im Jahr der Anschaffung des Vermögensgegenstandes an sich. Beispiele für Anschaffungskosten die vor dem Anschaffungszeitpunkt anfallen sind Kosten für Notarleistungen, die beim Erwerb eines Grundstücks für den Abschluss eines Kaufvertrags anfallen, sowie Gebühren für die Eintragung einer Auflassungsvormerkung.8
Rabatte, sowie in Anspruch genommene Skonti die den Anschaffungspreis mindern müssen vom Anschaffungspreis abgezogen werden, da die Anschaffungskosten in der Bilanz niemals höher als der tatsächliche Aufwand ist angesetzt werden können.9
Die aktivierungspflichtigen Bestandteile der Anschaffungskosten sind also:
Anschaffungspreis + Anschaffungsnebenkosten + nachträgliche Anschaffungskosten - Anschaffungspreisminderung
Keine Anschaffungskosten sind Kosten, die dem Erwerb des Vermögensgegenstandes nicht direkt zugerechnet werden können, also Gemeinkosten, wie z. B. der anteilige Arbeitslohn der Buchhalterin oder Lagerkosten. Außerdem gehört zu den Anschaffungskosten nur der Nettopreis. Die Umsatzsteuer die als Vorsteuer verrechnet werden kann, sowie kalkulatorische Kosten und Kosten der Fremdfinanzierung erhöhen die Anschaffungskosten nicht.10Fremdkapitalzinsen dürfen bei den Anschaffungskosten nicht mit einbezogen werden.
Zur Bemessung der Anschaffungskosten können allerdings auch bestimmte vereinfachte Verfahren angewandt werden. Eines wäre das Durchschnittsverfahren nach § 240 Abs. 4 HGB, nachdem alle gleichwertigen Vermögensgegenstände zusammengefasst werden und dann der Durchschnittswert angesetzt wird. Eine weitere Methode ist die Fifo-Methode nach § 256 HGB. Sie besagt, dass alle Vermögensgegenstände die zuerst angeschafft wurden auch zuerst verkauft werden, also nach dem Prinzip First-in-first-out. Des Weiteren gibt es noch die retrograde Methode. Danach sind Anschaffungskosten die Verkaufserlöse reduziert um die vom Unternehmer einkalkulierten Rabatte und Skonti, reduziert um die einkalkulierten Vertriebskosten, reduziert um den eventuell gegebenen Gewinn im Verhältnis zum Erlös.11
Herstellungskosten sind nach § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB „die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen.“ Herstellungskosten sind also Aufwendungen für die Neuschaffung eines bisher noch nicht bestehenden Vermögensgegenstandes, sowie Aufwendungen für die Veränderung der Funktion eines bereits bestehenden Vermögensgegenstands, für eine Substanzvermehrung oder eine über den ursprünglichen Zustand hinaus wesentliche Verbesserung.12
Der Betrag der Herstellungskosten ist deswegen wichtig, weil sich nach ihm der Abschreibungsbetrag für selbst hergestellte Wirtschaftsgüter berechnet, denn Herstellungskosten werden wie Anschaffungskosten auf ihre Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben. Die Vermögensgegenstände dürfen jedoch immer nur mit ihrem tatsächlichen Anschaffungswert angesetzt werden, selbst wenn die für die Herstellung verbrauchten Materialien wegen z. B. Geldentwertung einen höheren Zeitwert haben.13
Handels- und Steuerrechtlich gibt es Unterschiede zwischen dem Umfang der Herstellungskosten, also welche der angefallenen Kosten in dieHerstellungskosten einbezogen werden können.
In § 255 Abs. 2 Satz 2-6 HGB ist geregelt, welche Kosten zu den Herstellungskosten gerechnet werden müssen, welche wahlweise dazugerechnet werden können und welche nicht dazu gerechnet werden dürfen.
Materialkosten, Fertigungskosten und Sonderkosten der Fertigung müssen pflichtmäßig als Herstellungskosten angesetzt werden. Sie sind die handelsrechtlich mindestens aktivierungspflichtigen Aufwendungen, bilden also die Herstellungskostenuntergrenze.
Angemessene Teile der notwendigen Materialgemeinkosten, der notwendigen Fertigungsgemeinkosten und des Wertverzehrs des Anlagevermögens, soweit er durch die Fertigung veranlasst ist, können wahlweise zu den Herstellungskosten gerechnet werden, sowie Kosten der allgemeinen Verwaltung und Sozialkosten. Allerdings nur insoweit als sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen. Zinsen für Fremdkapital gehören eigentlich nicht zu den Herstellungskosten. Sie dürfen aber laut § 255 Abs. 3 HGB dennoch angesetzt werden, soweit sie die Herstellung eines Vermögensgegenstandes finanzieren und auf den Zeitraum der Herstellung entfallen.14Alle bisher genannten Kosten bilden zusammen die Herstellungskostenobergrenze, denn Vertriebskosten dürfen nicht einbezogen werden.
Aus R. 33 EStR geht hervor, dass die Herstellungskostenuntergrenze im Gegensatz zum Handelsrecht beim Steuerrecht nicht nur aus Materialkosten, Fertigungskosten und Sonderkosten der Fertigung, sondern auch aus den Materialgemeinkosten, den Fertigungsgemeinkosten und dem Wertverzehr des Anlagevermögens besteht. Bei den Kosten der allgemeinen Verwaltung, den Sozialkosten, den Zinsen für Fremdkapital und den Vertriebskosten folgt das Steuerrecht dem Einbeziehungswahlrecht bzw. Verbot des Handelsrechts.15Die Herstellungskostenobergrenze ist also bei Handels- und Steuerbilanz gleich (siehe Anlage 1 zur Verdeutlichung).
Mit der Formulierung “ursprünglicher Zustand“ ist der Zustand zum Zeitpunkt des entgeltlichen Erwerbs durch den Steuerpflichtigen gemeint.16Bei Gebäuden ist diese Festlegung besonders wichtig, da sie eine sehr lange Abschreibungszeit haben und es deshalb sehr schwer ist nach längerer Zeit auf den ursprünglichen Zustand für die Frage einer wesentlichen Verbesserung zurückzugreifen.17
Eine wesentliche Verbesserung liegt nur dann vor, wenn die Verbesserung am Vermögensgegenstand als Ganzes herbeigeführt wird. Wird sie nur an einzelnen Teilen durchgeführt so bilden die Verbesserungen regelmäßig Erhaltungsaufwand.
Außerdem muss die Gesamtnutzungsdauer deutlich verlängert werden, die erzielbare Miete deutlich ansteigen oder der Wohnstandard maßgeblich erhöht werden.
Der Wohnstandard steigt dadurch, dass mindestens drei der vier Kernbereiche der Ausstattung einer Wohnung erweitert und ergänzt werden. Die vier Kernbereiche sind: Elektroinstallation, Heizungsinstallation, Sanitärinstallation und Fenster.18Der Standard muss also entweder von einem sehr einfachen auf einen mittleren oder von einem mittleren auf einen sehr anspruchsvollen Standard angehoben werden.19Passen die Modernisierungsmaßnahmen das Gebäude nur den Zeitumständen an, so dürfen diese Modernisierungsmaßnahmen nicht aktiviert werden.20
Unter anschaffungsnahem Herstellungsaufwand bei Gebäuden versteht man Reparatur- oder Modernisierungsaufwendungen, die im Verhältnis zum Kaufpreis sehr hoch sind und innerhalb von drei Jahren nach Kauf anfallen. Sie dürfen jedoch innerhalb der drei Jahre 15 % der Anschaffungskosten nicht übersteigen. Anschaffungsnahe Herstellungsaufwendungen sind als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abzugsfähig. Handelt es sich bei dem Gebäude jedoch um ein unentgeltlich erworbenes, so gelten die Grundsätze des anschaffungsnahen Herstellungsaufwandes nicht.21
Unter Erhaltungsaufwand versteht man laut R 21.1 EStR die Aufwendungen die zur Erneuerung bereits vorhandener Teile, Anlagen und Einrichtungen dienen sowie zur Erhaltung des bestimmungsgemäßen Gebrauchs einer Sache. Erhaltungsaufwand sind also praktisch alle Aufwendungen die keine Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind im Zusammenhang mit einem Vermögensgegenstand des Anlagevermögens. Dazu gehören alle Reinigungs-, Wartungs-, Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die dazu dienen, die Verwendungs- und Nutzungsmöglichkeiten eines Vermögensgegenstandes zu erhalten und wiederherzustellen, also zum Beispiel der Ersatz defekter Teile, Handwerkerkosten oder Material für Selbstreparatur.22Diese Aufwendungen werden durch den natürlichen Verschleiß eines Vermögensgegenstandes verursacht.23
Beispielsweise Baumaßnahmen die im Anschluss an den Erwerb eines vermieteten Wohngebäudes stattfinden und zu einer deutlichen Nutzungserweiterung bei den Fenstern und den Sanitäranlagen führen haben noch nicht die wesentliche Verbesserung des Gebäudes gem. § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB zur Folge, da sie nur zwei der vier Kernbereiche der Ausstattung einer Wohnung ansprechen. Deshalb sind diese Aufwendungen Erhaltungsaufwand.24Ebenfalls kein Erhaltungsaufwand liegt vor, wenn ein älterer Heizungstyp durch einen neuen ersetz wird, da die neuen Teile nur die Funktion der alten Teile übernehmen und nichts grundsätzlich Neues sind.25
Trotz, bzw. gerade wegen ihrer fließenden Grenze zueinander ist es sehr wichtig die einzelnen Begriffe voneinander abzugrenzen.
Anschaffungs- und Herstellungskosten werden grundsätzlich durch § 255 Abs. 1, 2 HGB abgegrenzt. Teilweise sind sie jedoch schwer voneinander zu trennen, da der Übergang zueinander oft trotzdem fließend ist.26
Entscheidend ist dabei im wesentlichen ob die Anschaffung beendet ist, also der Vermögensgegenstand in die Verfügungsgewalt des Käufers übergegangen und an seinen endgültigen Platz gelangt ist oder nicht, denn alle bis dahin anfallenden Kosten sind Anschaffungskosten.27Die Anschaffungskosten beziehen sich also auf einen bestimmten Zeitpunkt, nämlich den Zeitpunkt der Anschaffung. Dieser ist immer der Zeitpunkt des Erwerbs eines Vermögensgegenstandes.28
Herstellungskosten sind jedoch Zeitraum bezogen, da die Herstellung sich über einen bestimmten Zeitraum erstreckt.
Folgt der Anschaffung eines Grundstücks unmittelbar eine Herstellung ist zu beachten, dass sowohl die üblichen Erdarbeiten und das Freimachen von Buschwerk, sowie die Kosten einer Hangabtragung beim Erwerb eines Grundstücks schon zu den Herstellungskosten des neuen Gebäudes gehören.29Ebenso sind Kosten für ein unfertiges Vorprodukt, das erworben wird und dann vom Käufer fertig gestellt wird Herstellungskosten des Endproduktes.30
Zusätzlich ist zu beachten, dass beim Kauf eines bebauten Grundstücks mit Abbruchabsichten alle anfallenden Kosten Anschaffungskosten sind. Will man jedoch ein Haus abreißen mit der Absicht neu zu bauen, ist zu trennen, ob das Haus technisch und wirtschaftlich verbraucht bzw. objektiv wertlos ist, oder ob es noch in Ordnung ist. Ist es nämlich technisch und wirtschaftlich verbraucht, so zählt der Teil des Kaufpreises für das alte Haus zu den Anschaffungskosten des Grundstücks. Ist das Haus jedoch noch in Ordnung so zählen die Kosten für den Abbruch zu den Herstellungskosten des Neubaus.
Abbruchkosten werden im Handels- und Steuerrecht unterschiedlich behandelt. In der Handelsbilanz sind Abbruchkosten immer Anschaffungsnebenkosten. In der Steuerbilanz wird unterschieden, ob Abbruchabsichten vorlagen oder nicht. Liegen keine Abbruchabsichten vor, so sind die Abbruchkosten Betriebsausgaben. Liegen Abbruchabsichten vor, so ist wiederum zu unterscheiden ob das Haus technisch und wirtschaftlich verbraucht ist oder ob es in Ordnung ist. Im ersteren Fall zählen die Abbruchkosten zu den Anschaffungskosten des Grundstücks, ansonsten sind sie Herstellungskosten des Neubaus.31
Die Abgrenzung der Anschaffungskosten von den Herstellungskosten ist wichtig, da Herstellungskosten in der Bilanz anders behandelt werden als Anschaffungskosten. Bei den Anschaffungskosten dürfen nur Einzelkosten aktiviert werden während bei den Herstellungskosten auch die Gemeinkosten aktiviert werden dürfen. Auch die Fremdkapitalzinsen dürfen bei den Herstellungskosten angesetzt werden, was bei den Anschaffungskosten nicht erlaubt ist.
4.2Abgrenzung Anschaffungskosten von Erhaltungsaufwand
Während Anschaffungskosten Aufwendungen sind um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen sind Erhaltungsaufwendungen alle Aufwendungen, die dazu dienen den Vermögensgegenstand in einem betriebsbereiten Zustand zu erhalten.
Zur Abgrenzung von Anschaffungskosten und Erhaltungsaufwand ist folglich zu prüfen, ob sich den Vermögensgegenstand bereits in einem betriebsbereiten Zustand befindet und somit alle anfallenden Kosten entweder Erhaltungsaufwand oder Herstellungskosten sind, oder ob es erst noch in diesen Zustand gebracht werden muss, und somit die Aufwendungen den Anschaffungskosten zuzuordnen sind.32
Die Unterscheidung zwischen Herstellungskosten und Erhaltungsaufwand ist deswegen wichtig, weil die Herstellungskosten in der Bilanz zu aktivieren und damit abzuschreiben sind im Gegensatz zum Erhaltungsaufwand, der als Aufwand in der Gewinn und Verlustrechnung erfasst wird und somit sofort abgezogen werden kann.33
Erhaltungsaufwendungen sind von den Herstellungskosten abzugrenzen. Die Abgrenzung erfolgt nach den Grundlagen des handelsrechtlichen Begriffs der Herstellungskosten nach § 255 Abs. 2 HGB. Danach gilt, dass es sich grundsätzlich um Herstellungskosten handelt bei der Erweiterung und über den ursprünglichen Zustand hinaus wesentliche Verbesserung eines Vermögensgegenstandes, sowie bei Herstellung eines bisher nicht vorhandenen Vermögensgegenstands.34Erhaltungsaufwand ist somit alles, was den Herstellungskostenbegriff nicht ausfüllt und lediglich die Substanzerhaltung des Gebäudes zum Ziel hat. Darunter versteht man, dass das Gebäude seine Nutzungsmöglichkeit beibehält, bzw. entsprechend dem technischen Fortschritt modernisiert wird und somit den durch technischen Fortschritt veränderten Lebensgewohnheiten wieder gerecht wird.35
Abgrenzungsfragen ergeben sich jedoch regelmäßig bei der Beurteilung, ob eine wesentliche Verbesserung eingetreten ist, und bei der Feststellung ob eine Substanzmehrung vorliegt. Das Merkmal der wesentlichen Verbesserung bezieht sich auf das gesamte Gebäude und nicht auf seine einzelnen Teile, wenn das Gebäude einheitlich genutzt wird. Wird es jedoch nicht einheitlich benutzt, also beispielsweise der untere Teil zur Vermietung genutzt und der obere Teil privat, so bezieht sich die Prüfung nur auf den Gebäudeteil, an dem die Baumaßnahme stattgefunden hat. Wichtig ist, dass durch die vorgenommene Modernisierungsmaßnahme der Gebrauchswert des Vermögensgegenstandes deutlich erhöht und eine erweiterte Nutzungsmöglichkeit geschaffen wird.
Wenn aber mehrere Einzelmaßnahmen, die für sich allein betrachtet eigentlich Erhaltungsaufwand darstellen, zu einer wesentlichen Verbesserung des Gebäudes führen, so liegt kein sofort abziehbarer Erhaltungsaufwand vor, sondern aktivierungspflichtige Herstellungskosten. Wird andererseits ein Gebäudeteil einem Gebäude hinzugefügt um einen bereits entstandenen Schaden zu beseitigen oder schlimmere Folgen zu verhindern, so handelt es sich um Substanzerhaltung und somit um Erhaltungsaufwand.36Werden beispielsweise die Wohnungszugänge eines Gebäudes überdacht um vor weiteren Wasserschäden zu schützen, so handelt es sich um Erhaltungsaufwand. Obwohl die Nutzungsfläche zunimmt gilt dieser Anbau nur als eine Maßnahme zur Substanzerhaltung des Gebäudes, da die Überdachung zum Schutz vor weiteren Schäden dient.
Bei Vollverschleiß liegt ebenfalls kein Erhaltungsaufwand vor, sondern Herstellungskosten. Diese Herstellungsform ist wirtschaftlich mit der Erstherstellung vergleichbar. Es wird zwar kein neuer Vermögensgegenstand hergestellt, jedoch wird ein nicht mehr existierender Vermögensgegenstand wieder hergestellt. Voraussetzung ist, dass der Gegenstand zur Gänze unbrauchbar geworden ist und somit ein neuer Gegenstand hergestellt wird.
Grundsätzlich gilt also, wenn durch die erweiternden Maßnahmen der Standard des Gebäudes wesentlich steigt, so handelt es sich um Herstellungskosten. Wird lediglich die Nutzungsmöglichkeit bzw. die Substanz erhalten liegt Erhaltungsaufwand vor. Die Finanzverwaltung sieht jedoch auf Grund der oft schwierigen Abgrenzungen zwischen Erhaltungsaufwand und Herstellungskosten eine Vereinfachungsregel vor. Beträgt der Aufwand für die einzelnen Baumaßnahmen exklusive Umsatzsteuer nicht mehr als 4.000 € pro Gebäude, so dürfen die Aufwendungen auf Antrag als Erhaltungsaufwand behandelt werden und sind somit als Werbungskosten sofort ergebniswirksam.37
Treffen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten mit Erhaltungsaufwand zusammen, so sind die anfallenden Aufwendungen grundsätzlich in die einzelne Kostenart aufzuteilen. Stehen die angefallenen Kosten jedoch in einem sachlichen Zusammenhang, so sind sie insgesamt als Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten zu behandeln, auch wenn jede Maßnahme für sich einzeln betrachtet Erhaltungsaufwand wäre. Fehlt jedoch der sachliche Zusammenhang zwischen den einzelnen Maßnahmen, so ist jede für sich als Erhaltungsaufwand zu behandeln.
Zum Beispiel: Wenn im ersten Stock ein Bad repariert wird und gleichzeitig im vierten Stock ein Balkon angebaut wird sind die Reparaturarbeiten als Erhaltungsaufwand zu behandeln und der Anbau des Balkons als Herstellungskosten. Werden jedoch im ganzen Gebäude die Zahl der Anschlüsse der Elektroinstallation erhöht und somit die Leistungskapazität erweitert oder die einfach verglasten Fensterscheiben durch Isolierglasfenster ersetzt, so handelt es sich um Herstellungskosten und nicht mehr um Erhaltungsaufwand.38
Anschaffungskosten, Herstellungskosten und Erhaltungsaufwand werden steuerlich jeweils verschieden behandelt.
6.1Steuerliche Behandlung der Anschaffungskosten und Herstellungskosten
Anschaffungskosten und Herstellungskosten werden in der Bilanz aktiviert und über die Nutzungsdauer des Vermögensgegenstandes verteilt abgeschrieben. Dadurch wirken sie sich über die Jahre der Nutzungsdauer verteilt auf den Gewinn aus.39
Bei den nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten, die sich auf einen abnutzbaren Vermögensgegenstand des Anlagevermögens beziehen stellt sich die Problematik der späteren Absetzung für Abnutzung. Hier kann gewählt werden, ob die bisherige Bemessungsgrundlage zzgl. der nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgeschrieben wird, oder der Restbuchwert zzgl. der nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten.40
Bei den Herstellungskosten darf die ESt und die KSt sowohl handels- als auch steuerrechtlich nicht aktiviert werden. Die Gewerbeertragsteuer hingegen darf steuerrechtlich wahlweise aktiviert werden. Handelsrechtlich hingegen besteht ein Aktivierungsverbot.41
Der Erhaltungsaufwand wird sofort als Werbungskosten im Steuerrecht bzw. im Handelsrecht als Aufwand in der Gewinn und Verlustrechnung angesetzt. Er wirkt sich also nur in dem Jahr auf das Ergebnis aus, in dem er angefallen ist und wird nicht über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben.
Die Internationalen Rechnungslegungsstandards weisen einige Unterschiede zur Rechnungslegung nach HGB auf. Deswegen werden hier die Begriffe der Anschaffungs- und Herstellungskosten, sowie der Begriff der nachträglichen Herstellungskosten und des Erhaltungsaufwands noch einmal nach IFRS erläutert.
7.1Anschaffungskosten
Die Bilanzierung und Bewertung der Sachanlagen ist in IAS 16 (Sachanlagevermögen) geregelt. Demnach beinhalten die Anschaffungskosten für Sachanlagen den Kaufpreis einschließlich Einfuhrzölle und nicht erstattungsfähiger Steuern. Skonti, Boni, Rabatte und Anschaffungsnebenkosten müssen - ebenso wie nach HGB - abgezogen werden.42
1vgl. Niemann/Sradj/Wohlgemuth, Jahres- und Konzernabschluss nach Handels- und Steuerrecht, Rn 20.
2vgl. Großfeld/Luttermann, Bilanzrecht, S. 128 Tz. 477.
3vgl. Preißer, Lexikon des Steuerrechts, Gebäude, Herstellungsaufwand, Abschn. 1.2.1.
4vgl. Ellrott/Brendt, Beck’sches Bilanz-Kommentar, S. 596 Rn. 20.
5vgl. o. V., Lexikon Rechnungswesen, Anschaffungskosten, Abs. 1.
6vgl. Ellrott/Brendt, Beck’sches Bilanz-Kommentar, S. 597 Rn. 23.
7vgl. o. V., Lexikon Rechnungswesen, Anschaffungskosten Abs. 3.3 .
8vgl. Ellrott/Brendt, Beck’sches Bilanz Kommentar, S. 600 Rn. 34.
9vgl. o. V., Lexikon Rechnungswesen, Anschaffungskosten Abs. 3.4.
10vgl. o. V., Lexikon Rechnungswesen, Anschaffungskosten, Abschn. 3.
11vgl. BFH Urteil vom 5.6.1985, IR 65/82, BFH/NV 1986 S. 204.
12vgl. Ellrott/Brendt, Beck’sches Bilanz-Kommentar, S. 645 f. Rn. 330.
13vgl. Großfeld/Luttermann, Bilanzrecht, S. 131 Tz. 488.
14vgl. Großfeld/Luttermann, Bilanzrecht, S. 132 Tz. 493.
15vgl. Großfeld/Luttermann, Bilanzrecht, S. 132 Tz. 495, 496.
16vgl. Ellrott/Brendt, Beck’sches Bilanz Kommentar, S. 660 Rn. 383.
17vgl. Ellrott/Brendt, Beck’scher Bilanz-Kommentar, S. 660, Rn. 384.
18vgl. Stuhrmann, EStG §21, Rz. 151.
19vgl. Ellrott/Brendt, Beck’scher Bilanz-Kommentar, S. 661, Rn. 386.
20vgl. Ellrott/Brendt, Beck’scher Bilanz-Kommentar, S. 660 f., Rn. 385.
21vgl. Schneider, Lexikon des Steuerrechts, Anschaffungsnaher Herstellungsaufwand, Abschn. 1.2.1.
22vgl. Heß, Becksches Steuerlexikon, Erhaltungsaufwand, Rn. 1.
23vgl. o. V., Lexikon Rechnungswesen, Erhaltungsaufwand, Abschn. 1.
24vgl. BFH v. 20.8.2002, BFH/NV 2003,33 NV, S. 33, BFH/NV 2003, 148 (NV), S. 148.
25vgl. Heß, Becksches Steuerlexikon, Erhaltungsaufwand, Rn. 4.
26vgl. Schulte/Haarmann, Immobilienökonomie, S. 880.
27vgl. Großfeld/Luttermann, Bilanzrecht, S. 134 Tz. 502.
28Ellrott/Brendt, Beck’scher Bilanz-Kommentar, S. 599, Rn.31.
29vgl. BFH, BStBl. II 1995, S. 72 und BFH, BB 1994 Heft 17, S. 1181.
30vgl. Ellrott/Brendt, Beck’sches Bilanz-Kommentar, S. 600 Rn. 37.
31vgl. Großfeld/Luttermann, Bilanzrecht, S. 134 Tz. 505.
32vgl. Heß, Becksches Steuerlexikon, Erhaltungsaufwand, Rn. 7.
33vgl. Gabele/Mayer, Buchführung S. 151.
34vgl. Heß, Becksches Steuerlexikon, Erhaltungsaufwand, Rn. 2 .
35vgl. o. V., Lexikon Rechnungswesen, Erhaltungsaufwand, Abschn. 4.2.1.
36vgl. BMF Schreiben vom 18.07.2003, BStBl. 2003 I, S. 386.
37vgl. Heß, Becksches Steuerlexikon, Erhaltungsaufwand, Rn. 3.
38vgl. BMF Schreiben vom 18.7.2003, BStBl. 2003 I, S. 386.
39vgl. Maier, Becksches Steuerlexikon, Anschaffungskosten, Rn. 1.
40vgl. Preißer, Lexikon des Steuerrechts, nachträgliche Anschaffungskosten, Abschn. 1.1.
41vgl. Maier, Becksches Steuerlexikon, Herstellungskosten, Rn. 25.
42vgl. Ellrott/Pastor, Beck’scher Bilanz-Kommentar, S. 692 Rn 571.
V321242
9783668204621
Erhaltungsaufwendung Anschaffungskosten Herstellungskosten Anlagenvermögen
Annina Grau, 2008, Die Abgrenzung von Erhaltungsaufwendungen zu Anschaffungskosten und Herstellungskosten des Anlagevermögens, München, GRIN Verlag, http://www.grin.com/de/e-book/321242/die-abgrenzung-von-erhaltungsaufwendungen-zu-anschaffungskosten-und-herstellungskosten
Abgrenzung zwischen Herstellungs- und Erhaltungsaufwand - Kriterien...

References: § 253
 § 255
 § 255
 § 240
 § 256
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 § 255
 § 255
 § 255
 § 255
 § 255
 §21