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Timestamp: 2017-04-28 14:17:01+00:00

Document:
11.95.4-11-4
Einheitsbezeichnung der Flöze A 2.30
An die Bergämter und Markscheider des Landes NW
Betr.: Einheitsbezeichnung der Flöze und Grubenbild
In Zusammenarbeit mit dem Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen, der Westfälischen Berggewerkschaftskasse sowie den Arbeitskreisen 'Markscheiderische Grundlagen' und 'Geologie'
im Fachausschuß 'Markscheidewesen' beim Steinkohlenbergbauverein konnte die Flözgleichstellung
im Ruhrkarbon insoweit abgeschlossen werden, als nunmehr die Übernahme der Einheitsbezeichnung
der Flöze in das Grubenrißwerk erfolgen kann.
Bei der Übernahme der Einheitsbezeichnungen ist folgendes zu beachten:
Im bestehenden Grubenrißwerk bleiben die Zechenbezeichnungen der Flöze erhalten.
Auf dem Titelblatt des jeweiligen Rißwerks ist neben einem Normalschnitt durch die Schichtenfolge die für diese Darstellungen zutreffende Gegenüberstellung der Einheits-
bezeichnung gegen die Zechenbezeichnung einzutragen. Das Datum der Verfügung des
Landesoberbergamts, der die Gegenüberstellung entnommen wurde, ist anzugeben.
Bei Anträgen an die Bergbehörde ist auf den Auszügen aus dem Grubenbild sowohl die Einheitsbezeichnung mit dem Zusatz '(EB)' als auch die Zechenbezeichnung, letztere ohne Zusatz, anzugeben, sofern diese voneinander abweichen.
Bei Errichtung eines neuen Bergwerks mit einem eigenen Grubenbild sind grundsätzlich
die Einheitsbezeichnungen für die Benennung der Flöze zu verwenden, falls nicht schwerwiegende Gründe dem entgegenstehen.
Sollte die Änderung der im Anhang festgelegten Einheitsbezeichnung eines Flözes auf Grund neuer stratigraphischer Erkenntnisse notwendig sein, so ist dies dem Landesoberbergamt mitzuteilen. Eine Änderung der Einheitsbezeichnung kann erst
erfolgen, wenn die Zustimmung des Landesoberbergamts vorliegt. Der Anhang enthält
ein Inhaltsverzeichnis sowie eine im Bedarfsfalle zu ergänzende tabellarische Gegen-
überstellung der Einheitsbezeichnung gegen die jeweilige Zechenbezeichnung der Flöze.
Dortmund, den 19.12.1978
Anhang*)
In der jeweiligen Tabelle oben rechts angegebene Kennziffer
Bergbau AG Niederrhein
Fr. Haniel/Jacobi 11.1-11.3
Friedrich Heinrich 1.1-1.3, 2.4
Hugo Haniel 8.1-8.3
Lohberg 6.6, 6.7, 7.1-7.5
Mevissen 5.1, 5.2
Niederberg 2.1-2.5
Osterfeld 6.8-6.10, 7.4, 7.5, 9.6, 9.7
Pattberg 3.3, 3.4
Prosper 12.1-12.3
Prosper/Haniel 8.1-8.3, 9.1-9.7
Rheinland 3.1, 3.2, 3.8
Rheinpreußen 3.3-3.7, 4.1-4.3
Rossenray 2.1-2.3, 3.3, 3.4
Thyssen/Thyssen 2/5 6.1-6.10
Tiefbohrungen:
Hinsenberg 1 7.1-7.3
Lippermulde 1 9.1-9.3
Lippermulde 2 10.1-10.3
Lippermulde 3
Nordlicht Ost 1
Nordlicht Ost 2 10.1-10.3
Schwarzer Bach 5
Bergbau AG Lippe
Carl Funke 13.1
Consolidation 18.1-18.3
Dahlhauser Tiefbau 13.1
15.1, 15.2, 16.1, 16.2
Friedr. der Große
17.1, 17.2, 18.3
General Blumenthal 16.1, 16.2
Graf Bismark 14.1, 14.2, 15.1, 15.2
Hannibal 19.1, 19.2
Hannover 19.1-19.3
Hugo 14.1, 14.2
Katharina 19.3
Königin Elisabeth 19.3
Mont Cenis 20.1, 20.2
Pörtingsiepen 13.1
Recklinghausen 16.1, 16.2, 17.1, 17.2
Unser Fritz 18.1, 18.2
Ver. Constantin der Große 18.3, 20.1, 20.2
Grimberg 3/4 21.1-21.3
Haus Aden 21.1-21.3
Heinrich Robert 23.1-23.3
Königsborn 22.1-22.3
Monopol 22.1-22.3, 24.1, 24.2
Radbod 25.1-25.3
Werne 23.1-23.3, 24.1, 24.2
Tiefbohrung:
Overberge 1
Gewerkschaft Auguste Victoria
Schachtanlage:
Auguste Victoria 26.1-26.9.
*) Die im Anhang abgedruckten tabellarischen Gegenüberstellungen sind eine Reproduktion der Originale des Geologischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen und der Westfälischen Berggewerkschaftskasse Bochum.
03.03.198271.1-1-34
Betr.: Anfertigung und Nachtragung des für untertägige Aufsuchungs- und Gewinnungsbetriebe vorgeschriebenen Rißwerks
hier: Gleichsetzung bisher erteilter Erlaubnisse mit einer Anerkennung i.S. des § 64 Abs. 1 Satz 1 BBergG
Nach § 64 Abs. 1 Satz 1 des Bundesberggesetzes (BBergG) vom 13.8.1980 (BGBl. I S. 1310) in Verbindung mit § 1 Abs. 2 Nr. 11 der Verordnung über die Zuständigkeiten nach dem Bundesberggesetz vom 5.1.1982 (GV. NW. S. 2) muß das für untertägige Aufsuchungs- oder Gewinnungsbetriebe vorgeschriebene Rißwerk von einem vom Landesoberbergamt anerkannten Markscheider angefertigt und nachgetragen werden. Sofern diese Tätigkeiten von Markscheidern ausgeführt werden, die eine auf Grund des Gesetzes über die Zulassung als Markscheider vom 27.7.1961 (SGV. NW. 75) erteilte oder aufrechterhaltene Erlaubnis haben, gilt diese als Anerkennung nach § 64 Abs. 1 Satz 1 BBergG.
Dortmund, den 3.3.1982
74.32-2-3
Berechnung der Flächen von BergbauberechtigungenGrundsätze
An die Markscheider des Landes NW
Bei der Berechnung der Flächen von Bergbauberechtigungen unter Verwendung von Gauss-Krüger-Koordinaten tritt eine Flächenvergrößerung infolge der Abbildungsverzerrung auf. Die erforderliche Flächenreduktion vF in m2 errechnet sich aus der Formel
vF = F . (yM2 /r2 ) [m2 ]
F = berechnete Fläche mit m2 ;
yM = Abstand der Fläche vom Mittelmeridian; yM wird errechnet als arithmetisches Mittel aus allen Rechtswerten der für die Flächenberechnung verwendeten Eckpunktkoordinaten unter Fortlassung der Kennziffern;
r = mittlerer Krümmungshalbmesser 6 381 000 m für die mittlere Breite von Deutschland.
Dortmund, den 25.10.1982
04.04.198472.2-4-37
Anwendung neuer Normen A 2.30
Betr.: DIN 21900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk
Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Normen
DIN 21918 Bergmännisches Rißwerk; Lagerstätten; Begriffe,Einteilung (August 1980)
DIN 21901 -; Aufbau und Übersicht der Normen; Allgemeine Grundsätze (Februar 1984)
Beiblatt 1 zu
DIN 21901 -; Inhaltsübersicht (Februar 1984)
DIN 21904 -; Schriften (Februar 1984)
DIN 21905 -; Zeichnerische Grundlagen (Februar 1984)
Insoweit werden die in § 47 Abs. 1 der Markscheiderordnung vom 25. Oktober 1977 (GV. NW. S. 410) genannten Normen ersetzt.
Dortmund, den 4.4.1984
16.03.198779.2-4-66
Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Norm DIN 21908 Bergmännisches Rißwerk; Farben
Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider-Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 ist diese Norm anzuwenden.
Dortmund, den 16.3.1987
19.10.198779.2-5-14
Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Norm
DIN 21919 Teil 1 Bergmännisches Rißwerk; Stratigraphie; Allgemeine Gliederung
Dortmund, den 19.10.1987
30.12.198879.2-5-32
An die Markscheider des Landes NW Betr.: DIN 21900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk
DIN 21913 Teil 13 Bergmännisches Rißwerk; Speicherung und Endlagerung in Grubenbauen
DIN 21920 Teil 1 Bergmännisches Rißwerk; Petrographie; Allgemeingültige Zeichen; Sedimente
Dortmund, den 30.12.1988
09.01.199079.2.5-42
An die Markscheider des Landes Nordrhein-Westfalen
Betr.: DIN 21 900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk
- DIN 21 909 Bergmännisches Rißwerk; Vermessungspunkte und -linien;
- DIN 21 919 Teil 2 Bergmännisches Rißwerk; Stratigraphie; Regionale und lokale Gliederungen; Steinkohle;
- DIN 21 919 Teil 3 Bergmännisches Rißwerk; Stratigraphie; Regionale und lokale Gliederungen; Braunkohle;
- DIN 21 911 Bergmännisches Rißwerk; Tagesgegenstände;
- DIN 21 913 Teil 2 Bergmännisches Rißwerk; Tiefbau; Abbau und Versatz;
- Beiblatt 1 zu DIN 21 901 Bergmännisches Rißwerk; Aufbau und Übersicht der Normen; Inhaltsübersicht;
- Beiblatt 2 zu DIN 21 901 Bergmännisches Rißwerk; Aufbau und Übersicht der Normen; Verzeichnis der Kurzformen;
- Beiblatt 3 zu DIN 21 901 Bergmännisches Rißwerk; Aufbau und Übersicht der Normen; Stichwortverzeichnis;
Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider-Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 sind diese Normen anzuwenden.
Dortmund, den 9. Januar 1990
79.1-3-7
Grundsätze A 2.30
Betr.: Grundsätze für die automatisierte Führung des Rißwerks (GAFRIS)
Der Länderausschuß Bergbau hat den Ländern die Einführung der folgenden Grundsätze für die automatisierte Führung des Rißwerks (GAFRIS) empfohlen.
Die Grundsätze werden hiermit bekanntgemacht. Eine Überprüfung ist nach einer Anwendungszeit von ca. zwei Jahren vorgesehen.
Dortmund, den 13.11.1990
G r u n d s ä t z efür die automatisierte Führungdes Rißwerks(GAFRIS)
1 Das Rißwerk als Urkunde
2 Anwendung von Normen
3 Richtigkeit
4 Übersichtlichkeit und Lesbarkeit
5 Vollständigkeit
6 Nachvollziehbarkeit
7 Nachtragungen und Änderungen
Der Einsatz der graphischen Datenverarbeitung (GDV) für die Führung (Anfertigung und Nachtragung) rißlicher Darstellungen im Bergbau führt über eine digitale Rißwerks-Datenbasis (DRDB) zum Rißwerk gem. § 63 Bundesberggesetz (BBergG). Vom Aufbau der DRDB bis zur Anfertigung des Rißwerks müssen die Forderungen der Markscheider-Bergverordnung (MarkschBergV) hinsichtlich Richtigkeit, Übersichtlichkeit, Lesbarkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt sein.
Die 'Grundsätze' dienen der Erläuterung der einschlägigen Bestimmungen der MarkschBergV im Hinblick auf die automatisierte Führung des Rißwerks. Sie werden entsprechend der künftigenEntwicklung im ADV-Bereich und den gesammelten Erfahrungen fortgeschrieben.
1. Das Rißwerk als Urkunde
Bei der Führung des Rißwerks gem. § 63 BBergG ist zu gewährleisten, daß der Urkunds-charakter des Rißwerks jederzeit erhalten bleibt.
Zur Erfüllung der Anforderungen, die an eine öffentliche Urkunde gestellt werden (s. § 415 Zivilprozeß-Ordnung), muß das Rißwerk den Formvorschriften der MarkschBergV entsprechen. In den nachfolgenden Abschnitten der 'Grundsätze' werden diese Formvorschriften in bezug auf eine automatisierte Führung des Rißwerks näher erläutert.
2. Anwendung von Normen (§ 2 Abs. 1 MarkschBergV)
Bei der Führung des Rißwerks sind die Norm DIN 21 901 und die in deren Rahmen aufgestellten weiteren Normen anzuwenden.
Die Darstellung der durch die Normen vorgegebenen Zeichen ist softwaremäßig zu lösen. Abweichungen von den Normen sind auf begründete Einzelfälle zu beschränken.
3. Richtigkeit (§ 2 Abs. 3 u. 4 MarkschBergV)
Die Richtigkeit der rißlichen Darstellung setzt eine geeignete Datenerfassung sowie den Einsatz aufeinander abgestimmter und geprüfter Hard- und Software voraus.
Bei der Erfassung alphanumerischer Daten sind geeignete Methoden (z.B. unabhängige Mehrfacherfassung) und/oder programmgesteuerte Eingabekontrollen (Plausibilitätsprüfungen) anzuwenden. Bei der Digitalisierung ist eine dem Zweck entsprechende Genauigkeit einzuhalten. Die Programme bzw. Programmsysteme, die zur Anfertigung rißlicher Darstellungen verwendet werden, sind vor dem Ersteinsatz bzw. bei Programmänderungen (z.B. Releasewechsel) durchgreifend zu testen.
Die Sicherstellung der Richtigkeit rißlicher Darstellungen betrifft auch die Datensicherheit im DV-Bereich. Daher wird diese unter 'Hinweise' (s. Anlage 2.2) besonders behandelt.
4. Übersichtlichkeit und Lesbarkeit (§ 2 Abs. 3 MarkschBergV)
Für die automatisierte Führung des Rißwerks wird der Einsatz von Programmsystemen empfohlen, die eine interaktive Bearbeitung am graphischen Arbeitsplatz (GIAP) erlauben, da hinsichtlich der Plazierung von Symbolen, Beschriftungen usw. Gestaltungsbedürfnissebestehen, deren automatisierte Lösung durch Algorithmen oder Vorbestimmung nur teilweise möglich ist.
Bei der Ausgabe darf es nicht zu Überdeckungen von Informationen kommen, die die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit des Rißwerks herabsetzen.
5. Vollständigkeit (§ 2 Abs. 4 MarkschBergV)
Bei der Ausgabe muß gewährleistet sein, daß alle rißwerksrelevanten Informationen eines Bereiches dargestellt werden. Abschnitt 4 bleibt unberührt.
Die Übernahme fremder Unterlagen auf Datenträgern ist - je nach Art der Unterlagen - nur zusammen mit einer rißlichen Darstellung bzw. einem Ausdruck in verständlicher Klarschrift statthaft. Dies gilt auch für Darstellungen und Verzeichnisse nach § 9 Abs. 5 MarkschBergV. Diese Unterlagen sind wie Niederschriften nach § 7 Abs. 2 MarkschBergV zu behandeln.
Die Sicherstellung der Vollständigkeit rißlicher Darstellungen betrifft auch die Datensicherheit im Datenverarbeitungs-Bereich. Daher wird diese unter 'Hinweise' (s. Anlage 2.2) besondersbehandelt.
Die rißlichen Darstellungen sind von einem Urriß abzuleiten, wenn die Nachvollziehbarkeit des Inhalts nicht auf andere Weise sichergestellt ist (§ 9 Abs. 1 Satz 3 MarkschBergV).
Die Nachvollziehbarkeit erstreckt sich sowohl auf den dargestellten Inhalt als auch auf alle Bearbeitungsgänge, die Einfluß auf das Zustandekommen des Inhalts haben. Dieses setzt eine Informationskette von der Datenerfassung bis zur Darstellung voraus. Dies gilt auch für Datenerfassung durch Digitalisieren.
Die Rißwerksdaten sind redundanzfrei zu speichern, um die Datenkonsistenz zu sichern. Deshalb dürfen sie lediglich in einer Datenbasis (DRDB, s. Anlage 1) abgespeichert werden, so daß sie jeweils in der aktüllen Form vorliegen. Sind in dieser Datenbasis auch andere Daten(z.B. betrieblicher Art) enthalten, ist durch softwaretechnische Maßnahmen sicherzustellen, daß der schreibende Zugriff auf Rißwerksdaten nur Personen nach § 64 Abs. 1 BBergGund den von diesen autorisierten Mitarbeitern möglich ist.
Auf die verwendete Hard- und Software sind die für Niederschriften maßgeblichen Vorschriften der Anlage 2 Nrn. 2.1.1.3, 2.2.1.2 und 2.3.1.1 MarkschBergV entsprechend anzuwenden. Dazu erforderliche Aufzeichnungen können im Rahmen einer 'Dokumentation über die automatisierte Führung des Rißwerks' (s. Anlage 2.1) erfolgen. Die Unterlagen sind wie Verzeichnisse nach § 14 Nr. 2 Buchstabe b MarkschBergV zu behandeln.
7. Nachtragungen und Änderungen
Nachtragungen (§ 10 Abs. 1 MarkschBergV) sowie Änderungen (§ 2 Abs. 4 Satz 3 MarkschBergV) des automatisiert geführten Rißwerks werden analog der Nachtragung des Betriebszustandsrisses (§ 9 Abs. 3 MarkschBergV) durchgeführt. Wird bei Nachtragungen des Rißwerks der alte Datenbestand nicht überschrieben, sondernlediglich erweitert oder führt die Änderung des Datenbestandes nicht zu einer ausgabetechnisch darstellbaren Änderung des Rißinhalts, kann auf die Anfertigung einer dauerhaften Kopie (§ 9 Abs. 3 MarkschBergV) verzichtet werden. Änderungen der Plazierung von Symbolen, Beschriftungen usw., die der Übersichtlichkeit und Lesbarkeit des Rißwerks dienen, stellen keine Veränderungen im Sinne von § 9 Abs. 3 MarkschBergV dar.
Für die Änderungen von Rißwerksdaten nach § 9 Abs. 3 MarkschBergV kommen beispielsweise folgende Vorgehensweisen in Betracht:
- von dem betreffenden Blatt wird eine Arbeitsdatei eingerichtet;- das Blatt wird ausgegeben und beim Rißwerk aufbewahrt;- die veralteten Teile werden in der Arbeitsdatei gelöscht;- die aktualisierte Arbeitsdatei wird in die DRDB zurückgeschrieben;- im Titel des Folgeblattes wird die lfd. Nummer der Änderung eingetragen; oder
- von dem zu ändernden Bereich wird ein zuordnungsfähiger Auszug mit Koordinatenangaben im Maßstab des Rißwerks hergestellt, der die alte Darstellung, den Namen des Bearbeiters, Datum und Uhrzeit der Ausgabe sowie den Titel des Blattes enthält;- die Blätter der Änderungsdokumentation werden fortlaufend numeriert und gem. § 2 Abs. 5 MarkschBergV unterzeichnet;- die Zuordnung der Änderungen wird durch Angabe der lfd. Nummern der Änderungsdokumentation auf dem geänderten Blatt des Rißwerks sichergestellt.
Temporäre Datei, die zum Zwecke der Bearbeitung von Teilen der DRDB eingerichtet wird.
Datensicherheit ist der DV-technische Begriff für einen Zustand, in dem Daten, Programme, DV-Verfahren und -Anlagen gegen Mißbrauch, Verfälschung, Verlust und Zerstörung geschützt oder durch geeignete Vorkehrungen wiederherstellbar sind.
Datensicherung ist die Summe aller Regeln und Maßnahmen, die Daten und DV-Systeme in ihrem Bestand und in ihrer Verfügbarkeit erhalten und ihre unberechtigte Verwendung verhindern. Sie umschließt alle organisatorischen, technischen und programmtechnischen Maßnahmen, um die Datenbestände, Systeme (Arbeitsabläufe) und Anlagen bzw. Einrichtungen (Gebäude, Räume, DV-Anlagen, Stromversorgungs- und Klimaanlagen) der Datenverarbeitung gegen Fehler, Mißbrauch und Katastrophen zu sichern.
Datensicherung im engeren Sinne bedeutet Sicherung der Datenbestände.
Digitale Rißwerks-Datenbasis (DRDB)
Der Begriff bezeichnet in den GAFRIS die Gesamtheit der Daten, die für das gesetzlich vorgeschriebene Rißwerk (§ 63 BBergG) vorgehalten werden; es kann sich dabei auch um ein Datenbanksystem handeln.
Dokumentation zur automatisierten Führung des Rißwerks
Beschreibung der Systemorganisation
Übersichtsschemata der Hard- und Software-Konfigurationen
Lebensläufe der eingesetzten Hard- und Software-Komponenten- Angaben über Hersteller, Typ und Nrn. für Rechner, Bildschirme, Digitizer, Ausgabegeräte und externe Speichereinheiten- Angaben über Hersteller und Versions-Nrn. für Betriebssysteme, Dienst-, Anwendungsprogramme und Datenbanksysteme- Aufzeichnungen über Ersteinsatz, Änderungen und Außerbetriebnahme von Hard- und Software-Komponenten- Dokumentationen zur Hard- und Software (Verzeichnis der Handbücher, Betriebsanweisungen usw.)- Aufzeichnungen über Funktionstests
Verzeichnis der Personen mit schreibendem Zugriff auf die DRDB Dokumentation Datensicherung- Plan für die Datensicherung- Verzeichnis der Sicherungsmedien (Bänder, Platten, Disketten, Cassetten)- Liste der durchgeführten Sicherungen. Anlage 2.2
Technische Maßnahmen- Ausgestaltung der Baulichkeit (Schutz gegen Einbruch, Brand und Wasser, Blitzschutz, Abschirmung gegen elektrische und magnetische Felder, abschließbare Räume)- Hardwaretechnische Maßnahmen (Schutz gegen Überspannung und Netzstromausfall, Schlüsselschalter, abschließbare Tastaturen, Chipkarten)- Softwaretechnische Maßnahmen (Benutzerkennung durch Benutzernamen und Passwort, Zugriffskontrolle mit Protokollierung der schreibenden Zugriffe auf Daten, Dateien und Programme, Verschlüsselung der Daten, Testprogramme zur Funktionsprüfung, bei Computernetzen: Beschränkung der Bearbeitungsmöglichkeit von Rißwerksdaten auf bestimmte Terminals) Organisatorische Maßnahmen- Erstellung eines Sicherungskonzepts- Ausführliche Dokumentation- Benutzerschulung- Sicherung von Daten und Programmen (3-Generationen-Sicherung, Lagerung von Duplikaten der Daten und Programme außerhalb der Markscheiderei, Refreshen von Datenbeständen der Langzeitsicherung)- Lagerung der Datenträger- Notfallplan (Rekonstruktion des Datenbestandes, Nutzung anderer Rechner, manuelle Weiterbearbeitung des Rißwerks).
22.01.199279.2-6-13
- DIN 21 910: Bergmännisches Rißwerk; Rechte und Grenzen
- DIN 21 906: -; Blatteinteilungen
- DIN 21 913 Teil 5: -; Tiefbau; Sonderdarstellungen im Steinkohlenbergbau
- Beiblatt 1 zu DIN 21 901: -; Aufbau und Übersicht der Normen; Inhaltsübersicht
- Beiblatt 2 zu DIN 21 901: -; -; Verzeichnis der Kurzformen- Beiblatt 3 zu DIN 21 901: -; -; Stichwortverzeichnis
- Beiblatt 1 zu DIN 21 906: -; Blatteinteilungen; Übersichten; Bundesrepublik Deutschland; Bundesländer; Stand 1.1.1990
Dortmund, den 22.1.1992
17.02.199479.2-6-30
An die Markscheider des Landes Nordrhein - Westfalen
- DIN 21 904 Bergmännisches Rißwerk; Schriften
- DIN 21 905 Zeichnerische Grundlagen
- Beiblatt 2 zu DIN 21 906 Blatteinteilungen; Übersichten; Bundesrepublik Deutschland, neue Bundesländer
- DIN 21 907 Blattgestaltung
- DIN 21 908 Farben
- DIN 21 912 Tagebau
- DIN 21 913 Teil 1 Tiefbau; Grubenbaue
- Beiblatt 1 zu DIN 21 913 Teil 1 Tiefbau; Grubenbaue; Erläuternde Angaben
- DIN 21 913 Teil 4 Tiefbau; Gefahren- und Schutzbereiche
- DIN 21 916 Teil 1 Betriebssicherheit; Wetterführung
- DIN 21 916 Teil 2 Betriebssicherheit; Brandschutz über Tage
- DIN 21 916 Teil 3 Betriebssicherheit; Brandschutz unter Tage
Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider - Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 sind diese Normen anzuwenden.
Dortmund, den 17.02.1994
F o r n e l l i
05.07.199679.2-6-41
An die Markscheider des Landes NRW
- DIN 21 901 -2 Bergmännisches Rißwerk; Aufbau und Übersicht der Normen; Teil 2: Schnittstelle zur EDV-gestützten Übernahme von Zeichen des Bergmännischen Rißwerkes
- DIN 21 903 -; Formate und Faltungen,
- DIN 21 914-1 -; Bohrungen und Kavernen; Teil 1: Bohrungen
- DIN 21 920-2 -; Petrographie; Teil 2: Magmatite
- DIN 21 920-3 -; Petrographie; Teil 3: Metamorphe und sonstige Gesteinsumbildungen
- DIN 21 920-4 -; Petrographie; Teil 4: Minerale
- DIN 21 920-5 -; Petrographie; Teil 5: Steinkohlenbergbau
- DIN 21 920-7 -; Petrographie; Teil 7: Kali- und Salzbergbau
- DIN 21 921 -; Tektonik und Formbeschreibung von Gesteinsschichten
Dortmund, den 05. 07. 1996
72.1-2-1
Betr.: Richtlinien für die Ausführung des Leitnivellements im Bezirk des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen
Das Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalen hat gemeinsam mit dem Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen neue Richtlinien für die Ausführung des Leitnivellements aufgestellt, die hiermit bekanntgemacht werden. Sie ersetzen die Richtlinien vom 12. 10. 1978 - Gz.: 72.1-1-23 -, die hiermit aufgehoben werden.
Die Abschnitte 2 und 3 sind auch bei Nivellements hoher Genauigkeit außerhalb der Messungen des Leitnivellements zu beachten.
Dortmund, den 23. 12. 1998
Richtlinienfür die Ausführung des Leitnivellementsim Bezirk des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalenvom 23. 12. 1998
Herausgegeben vom Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalenund vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen
1.1 Aufgabe und Zweck1.2 Messungsgebiete1.3 Vorschriften1.4 Aufbau der Leitnivellementnetze1.5 Vorbereitung1.6 Zeitplan
2 Instrumente und Geräte
2.1 Ausrüstung des Messtrupps2.2 Prüfung der Instrumente und Geräte
3 Durchführung der Messung
3.1 Allgemeine Grundsätze3.2 Überprüfung der NivP (Erkundung, Verfestigung und Stationierung)3.3 Beobachtungsverfahren und zulässige Abweichungen (Grenzwerte)3.4 Messungsniederschrift (Feldbücher, Instrumenten- und Lattenprüfungen)3.5 Linienverzeichnis
4.1 Berechnung und Ausgleichung4.2 Genauigkeit der Höhenbestimmung4.3 Nachweis der Berechnungsergebnisse4.4 Bekanntgabe der Ergebnisse
1.1 Aufgabe und Zweck
Das Leitnivellement ist ein periodisch wiederholtes Nivellement in den Bergbaugebieten Nordrhein-Westfalens.
Es dient der Erhaltung bzw. Erneuerung eines funktionsfähigen Nivellementpunktfeldes in den Gebieten, in denen der Bergbau Höhenveränderungen verursacht.
1.2 Messungsgebiete
Das Leitnivellement erstreckt sich auf folgende Messungsgebiete:
a) das Rheinische Braunkohlen- und Aachener Steinkohlengebiet,b) das Ruhrgebiet,c) das Ibbenbürener Bergbaugebiet.
1.3 Vorschriften
Die Vorschriften des Runderlasses des Innenministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen - III C 3 - 4412 - vom 29.06.1993 "Das Nivellementpunktfeld in Nordrhein-Westfalen (NivP-Erl.)"1)gelten sinngemäß.
In Zweifelsfällen sind die Vorschriften des NivP-Erlasses maßgebend.
1.4 Aufbau der Leitnivellementnetze
1.4.1 Die einzelnen Netze des Leitnivellements bestehen aus
Nivellementlinien (Niv-Linien) oder Linien-Teilen des amtlichen Höhenfestpunktfeldes,
Linien, die aus bergbaubedingten Gründen erforderlich sind.
1.4.2 Der Linienverlauf soll für eine längere Zeitdauer nicht verändert werden, um zuverlässige Vergleichswerte über die Größe der Höhenveränderungen, die Ausdehnung der Senkungsgebiete und den zeitlichen Bewegungsablauf zu erhalten.
1.4.3 Der Abstand zwischen den Nivellementpunkten (NivP) innerhalb der Niv-Linie soll in Ortslagen höchstens 300 m, außerhalb von Ortslagen höchstens 1500 m betragen. Er ist zu verringern, wenn sich dies im Einzelfall zum besseren Erkennen des Bewegungsvorgangs innerhalb eines begrenzten Gebietes als notwendig erweist.
1.4.4 Die für die Netzausgleichung zu benutzenden Anschlusspunkte, die möglichst außerhalb des Einflussbereichs des Bergbaus liegen sollen, sind durch Überschlagnivellements (Vergleichsmessungen) auf ihre unveränderte Höhe bei jeder Wiederholungsmessung von Nachbarpunkten aus zu überprüfen.
1.4.5 Das Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalen (LOBA) prüft vor jeder Wiederholungsmessung, ob Netzveränderungen erforderlich sind, und legt diese im Einvernehmen mit dem Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (LVermA) fest.
Dabei ermittelt das LOBA auch diejenigen Linienteile, die am stärksten von Senkungen betroffen sind. Diese Strecken werden in einer NivP-Übersicht farbig gekennzeichnet und dem LVermA bekanntgegeben.
Die Durchführung der Leitnivellements wird durch Vorbesprechungen zwischen dem LOBA und dem LVermA eingeleitet, wobei die Erfahrungen aus dem vorhergehenden Leitnivellement und die sich in der Zwischenzeit ergebenden neuen Gesichtspunkte für eine Ergänzung oder Änderung der Anzahl und des Verlaufs der Linien berücksichtigt werden.
Im Anschluss daran werden die Teilnehmer des Leitnivellements über die Durchführung der Messungen unterrichtet. Eine Arbeitsplanbesprechung mit allen Teilnehmern und Vertretern interessierter Stellen veranlassen das LOBA und das LVermA nach Bedarf.
Das LOBA stellt in Abstimmung mit dem LVermA einen Zeitplan auf, in dem Ort und Zeit des Einsatzes aller Messtrupps festgelegt sind.
Der Zeitplan bezweckt die Koordinierung der Messungen der verschiedenen Trupps an den Knoten- oder Übergangspunkten, um Fehler infolge zwischenzeitlicher Senkungen möglichst auszuschalten.
2.1 Ausrüstung des Messtrupps
Die bei der Durchführung der Messung benutzten Instrumente und Geräte müssen die Einhaltung der geforderten Genauigkeit (s. Nr. 3.3.4) gewährleisten.
a) ein Kompensator- oder Libellennivellierinstrument nebst Stativ, mit dem eine Standardabweichung (Ss) von < ± 0,4 mm für ein Kilometer Doppelnivellement erreicht werden kann,b) zwei 3-m-Invarbandlatten mit versetzter Strichteilung bzw. zwei 3-m-Invarband-Strichcode-Latten nach der Norm DIN 18717 (Ausgabe November 1996); zwei zugehörige Lattenlibellen sowie vier Haltestäbe,c) zwei Lattenuntersätze mit einem Mindestgewicht von je 5 kg oder Eisenpfriemen mit Schlagbolzen,d) Messrad, Messband oder andere geeignete Geräte für die Stationierung (entbehrlich beim Einsatz von Digitalnivellieren),e) ein Feldschirm,f) Handgefällemesser,g) Sicherheits- und Warnausrüstung gemäß Nr. 2.2 und Nr. 2.3 des Gemeinsamen Runderlasses des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr - 733 - 73 - 03/3 - und des Innenministeriums - III C 4 - 3812 - des Landes Nordrhein-Westfalen vom 31.01.1997 "Durchführung und Sicherung von Vermessungsarbeiten im Verkehrsraum öffentlicher Straßen"2), ergänzt durch den Erlass des Innenministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen - III C 4 - 9220 - vom 21.03.1997 "Durchführung und Sicherung von Vermessungsarbeiten im Verkehrsraum öffentlicher Straßen; hier: Leitnivellement"3) in Verbindung mit den "Sicherheitsregeln Vermessungsarbeiten", herausgegeben vom Bundesverband der Unfallver- sicherungsträger der öffentlichen Hand (BAGUV),h) Datenerfassungsgerät bei automatisierter Feldbuchführung mit separater Datenerfassung,i) Thermometer,j) eine kurze Invarbandlatte (die Teilung auf der Latte muss zu der Teilung auf den beiden 3-m-Invarbandlatten passen).
Das Stativ und die Rückseiten der Nivellierlatten müssen einen Warnanstrich (z.B. gelb oder rot-weiß) tragen.
2.2 Prüfung der Instrumente und Geräte
2.2.1 Nivellierinstrumente und -latten sind folgendermaßen zu prüfen: einmalig
Prüfung der Einspielgenauigkeit des Kompensators,
Prüfung auf Magnetfeldempfindlichkeit,
Prüfung der Hysterese des Kompensators in der Nulllage.
Justierung des Vertikalfadens des Strichkreuzes mit Hilfe eines Schnurlotes oder Kollimators,
Abgleichung der Invarbandlatten auf einem Lattenkomparator.Die Latten müssen der Norm DIN 18717 (Ausgabe November 1996) entsprechen oder vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen für den Einsatz im amtlichen NivP-Feld freigegeben sein,
Ermittlung des Nullpunktunterschiedes des Lattenpaares durch Vergleich der Ablesungen an beiden Latten;falls eine kurze Invarbandlatte für den Einsatz vorgesehen ist, muss auch sie in den Prüfvorgang einbezogen werden.
vor Beginn des Messungsvorhabens
Prüfung der Lattenfüße durch Aufhalten an verschiedenen Stellen der Aufsatzfläche und Ablesung mit dem Instrument aus etwa 5 m Entfernung;die 3-m-Latte mit den besten Werten ist als "Bolzenlatte" einzusetzen.Falls eine kurze Invarbandlatte für den Einsatz vorgesehen ist, muss auch sie in den Prüfvorgang einbezogen werden.
Prüfung der Horizontschräge,
Prüfung der Lattenlibellen.
2.2.2 Die Gebrauchsfähigkeit der Nivellierinstrumente und -latten ist während der Messung zu überwachen.
Dabei ist im Einzelnen auf Folgendes zu achten:
freies Einschwingen des Kompensators bei seitlichem Anklopfen an das Fernrohr,
zentrisches Einspielen der Dosenlibelle im Hin- und Rückblick,
Senkrechtstellung der Latten in zwei Richtungen mit Hilfe des Vertikalfadens des Strichkreuzes zur Überprüfung der Lattenlibelle. Dabei wird vorausgesetzt, dass das Strichkreuz korrekt justiert ist.Die Senkrechtstellung kann auch mit einem langen Schnurlot erfolgen.
2.2.3 Alle Ergebnisse der Abgleichungen, Prüfungen und Justierungen sind schriftlich nachzuweisen. Der Prüfbericht soll mindestens enthalten:
a) Name des Prüfers,b) Prüfverfahren,c) bei der Prüfung benutzte Instrumente bzw. Geräte,d) Ergebnis der Prüfungen.
2.2.4 Lassen die Prüfungsergebnisse den Schluss zu, dass die Instrumente bzw. Geräte für das Leitnivellement nicht geeignet sind, so dürfen sie nicht verwendet werden.
Vor Beginn einer Messung sind Instrumente und Geräte zum Temperaturausgleich eine ausreichende Zeit der Außentemperatur auszusetzen, wobei als Faustregel gilt: pro 1 Grad Celsius Temperatur-differenz eine Minute Wartezeit.
Treten während der Messung Witterungsverhältnisse auf, die diese so ungünstig beeinflussen können, dass die Einhaltung der zulässigen Abweichungen (s. Nr. 3.3) nicht gewährleistet ist (z.B. starker Wind, Regen und starkes Flimmern), so muss die Zielweite verkürzt werden. Im Zweifelsfall ist die Messung abzubrechen. Bei Abbruch der Messung ist darauf zu achten, dass die zeitliche Verzögerung gering bleibt.
3.2 Überprüfung der NivP (Erkundung, Verfestigung und Stationierung)
Vorbereitete Linienverzeichnisse bzw. Linienverläufe werden den mitwirkenden Stellen vom LOBA oder LVermA zur Verfügung gestellt (im Falle der manuellen Feldbuchführung erhalten die teilnehmenden Stellen außerdem Beobachtungsbücher bzw. Feldbuchblätter).
Jeder Messtrupp hat vor Beginn der Messung die NivP der ihm zugeteilten Strecke anhand derNivP-Beschreibungen auf ihre Unversehrtheit und unveränderte Lage zu überprüfen. Die Beschreibungen sind auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit zu überprüfen, erforderlichenfalls zu berichtigen bzw. zu ergänzen oder neu zu fertigen. Für zerstörte und unbrauchbar gewordene Festlegungen sind Ersatz-punkte einzubringen. Für jeden Ersatzpunkt ist eine NivP-Beschreibung auf einem lichtpausfähigen Vordruck nach dem Muster des NivP-Erlasses anzufertigen.
Zur Einhaltung gleicher Zielweiten können auf der Messstrecke die Standpunkte von Instrument und Latten gegebenenfalls gekennzeichnet werden.
Beim Einsatz von Digitalnivellieren können die Zielweiten durch Abschreiten beim Messvorgang festgelegt werden (0,5 m Genauigkeit).
Ein eventueller Nullpunktunterschied des Lattenpaares ist dadurch unschädlich zu machen, dass immer auf dem Anschluss und dem Ab-schluss dieselbe Latte (Bolzenlatte) auf dem Bolzen aufgehalten wird (gerade Anzahl von Aufstellungen).
Die Zielweiten sollen 35 m nicht überschreiten.
Bei geneigtem Profil der Messstrecke soll der Mindestabstand des Zielstrahls vom Erdboden 0,5 m betragen. Bei Benutzung von Digitalnivellieren soll der für die Messung benutzte Lattenabschnitt oberhalb von 0,5 m liegen.
3.3 Beobachtungsverfahren und zulässige Abweichungen (Grenzwerte)
3.3.1 Als Messverfahren ist das Nivellieren mit streng horizontaler Sicht und gleichen Zielweiten anzuwenden. Unabhängig von der Hinmessung ist eine Rückmessung durchzuführen. Die Rückmessung darf nicht durch eine zweite Hinmessung ersetzt werden. Hin- und Rückmessung sollen nicht bei gleichen meteorologischen Bedingungen durchgeführt werden, aber möglichst von demselben Beobachter mit derselben Messausrüstung.
Die Beobachtungszeiten mit großem Temperaturgradienten in bodennahen Luftschichten sollen gemieden und Bergstrecken möglichst zu günstigen Zeiten mit kleinem Temperaturgradienten gemessen werden.
3.3.2 Bei konventionellen Präzisionsnivellements können die vier einzelnen Zielungen eines Standpunktes folgendermaßen angeordnet sein:
1. Standpunkt und alle folgenden mitungerader lfd. Nr.
2. Standpunkt und alle folgenden mit gerader lfd. Nr.
1. R V V R R V V R
(Wild-Zeiß-Verfahren)
V R R V (Wild-Zeiß alternierend)
3. R V V R
R V V R (Förstner 1959)
4. R R V V V V R R
(Wolter 1963)
Bei Libellennivellieren ist die Messanordnung 1,beim Jenoptik NI 002 die Messanordnung 2 (Lage I : RL VL, Lage II : VR RR),bei den übrigen Kompensatornivellieren wahlweise die Messanordnung 2, 3 oder 4 anzuwenden.
Bei Präzisionsnivellements mit selbstregistrierendem Digitalnivellier ist die nachfolgende Messanordnung empfehlenswert:
5. RM VM VM RM R = Einspielen der Dosenlibelle, wenn das Fernrohr auf die rückwärtige Latte gerichtet ist
V =Einspielen der Dosenlibelle, wenn das Fernrohr auf die vordere Latte gerichtet ist
M =Mehrfachmessung
Beim Einsatz von Kompensatornivellieren wird die Auswirkung eines möglichen Kompensationsrestfehlers dadurch gemindert, dass das Einspielen der Dosenlibelle immer "von vorn nach hinten" im Sinne einer Senkung des Fernrohrobjektives erfolgt. Ähnliches erreicht man, wenn der Kompensator nach dem Einspielen der Dosenlibelle vor den Ablesungen immer aus derselben Richtung einschwingt. Der Ablauf z.B. bei der Messfolge RV (Rückblick Vorblick) auf dem 1. Stand sieht dann folgendermaßen aus:
1) Drehen des Nivelliergerätes rechtsherum in Richtung Rückblick2) Einspielen der Dosenlibelle in den Rückblick3) Ablesungen Rückblick an der Latte4) Drehen des Gerätes rechtsherum in den Vorblick5) Ablesungen Vorblick an der Latte.
Bei der Messfolge VR (Vorblick Rückblick) auf dem 2. Stand beginnt der beschriebene Ablauf nun mit dem Vorblick.
Um bei den Messanordnungen 2 und 4 sowie der vorgeschlagenen Messanordnung 5 für Digitalnivelliere den Einfluss der Horizontschiefe möglichst klein zu halten, ist darauf zu achten, dass die Summe der Zielweiten auf allen Standpunkten mit gerader laufender Nummer gleich der Summe der Zielweiten auf allen Standpunkten mit ungerader laufender Nummer ist.
3.3.3 Bei konventionellen Präzisionsnivellements sind zur Überprüfung auf Ablesefehler 2 Messproben im Stand durchzuführen, und zwar darf:
- die Differenz der Ablesung zwischen der rechten und linken Lattenteilung höchstens 3 Mikrometereinheiten (= ±0,15 mm bei Einsatz einer ½-cm-Latte bzw. ±0,3 mm bei Einsatz einer Zentimeter-Latte) von der Lattenkonstanten abweichen (das gilt nicht für Jenoptik NI 002)- die Differenz der Höhenunterschiede der beiden Paralleleinwägungen nicht größer als ±0,2 mm (bei ½-cm-Latte) bzw. ±0,4 mm (bei Zentimeter-Latte) sein.
Bei größeren Abweichungen müssen alle vier Ablesungen an den Latten wiederholt werden.
3.3.4 Bei den Messungen sind folgende größte zulässige Abweichungen (bisher Fehlergrenzen) einzuhalten:
a) zulässiger Widerspruch Zs des Hin- und Rücknivellements zwischen zwei aufeinanderfolgenden Nivellementpunkten:
ZS = ± (0,5 S + 1,5 Ö S) [mm] (S = Streckenlänge in km)(im Landesnetz = 1. Ordnungs-Genauigkeit);
in Anlehnung an den VP-Erlass sollen etwa zwei Drittel der Messwerte die Hälfte der größten zulässigen Abweichungen (Grenzwerte) nicht überschreiten,
b) bei Überschlagsnivellements (Vergleichsmessungen) beträgt die zulässige Abweichung ZH eines Höhenunterschiedes von dem entsprechenden Höhenunterschied aus dem Nachweis:
ZH = ± (2 + 2 Ö S) [mm] (S = Streckenlänge in km)(im Landesnetz = 1. Ordnungs-Genauigkeit);
3.3.5 Ausschalten spezieller Fehlereinflüsse
Bei nachgewiesener Schiefe des Lattenfußes (s. Nr. 2.2.1) sollte die Latte möglichst nie auf dem Bolzen aufgehalten werden. Lässt sich dies nicht vermeiden, so darf die Stellung der Latte zwischen dem letzten Vorblick der zurückliegenden Niv-Strecke und dem ersten Rückblick der folgenden Niv-Strecke nicht verändert werden. Bei allen Wechselpunkten ist beim Drehen der Latte ebenso darauf zu achten, dass der Aufhaltepunkt nicht verändert wird.
Ist auf einem Bolzen das streng lotrechte Aufhalten der Nivellierlatte nicht möglich, so ist in unmittelbarer Nähe ein Hilfspunkt (Nagel, Lattenuntersatz) festzulegen. Dieser Hilfspunkt dient als letzter Wechselpunkt der zurückliegenden und als erster Wechselpunkt der nächsten Niv-Strecke. Der Höhenunterschied Hilfspunkt - Bolzen wird nur einmal nach dem vorgeschriebenen Verfahren ermittelt und mit gleichem Zahlenwert und unterschiedlichem Vorzeichen in beide Niv-Strecken eingeführt. Auf diese Weise wird der Gesamthöhenunterschied der Niv-Linie nicht verfälscht.
Bei derartigen Bolzen empfiehlt sich grundsätzlich die Festlegung eines Ersatzpunktes am gleichenFestpunktträger und einmalige Messung des Höhenunterschiedes zwischen altem und neuem Bolzen. Damit wird ein nahtloser Übergang von dem alten auf den neuen Bolzen möglich.
Die Messung einer Linie im Senkungsgebiet ist so zu planen, dass weder Hin- noch Rückmessung an Punkten mit stärkeren Senkungen unterbrochen werden.
3.4 Messungsniederschrift (Feldbücher, Instrumenten- und Lattenprüfungen)
Bei manueller Feldbuchführung dürfen für die Messungsniederschriften nur Schreibmittel verwendet werden, die geeignet sind, die Niederschriften dauerhaft und unverwischbar anzufertigen.
Unrichtige Eintragungen sind unter Angabe des Grundes so zu streichen, dass sie noch deutlich lesbar sind. Der verbesserte Wert ist neu einzutragen.
Die Ergebnisse der Instrumenten- und Lattenprüfungen sind Bestandteil der Messungsniederschrift und dieser beizufügen.
In den Messungsprotokollen sind die Höhenunterschiede beider Paralleleinwägungen jeder Strecke zu berechnen und zu mitteln, die Lattenverbesserung ist anzubringen.
Alle Messungsergebnisse sind sequentiell der Linienführung entsprechend nach Hin- und Rückmessung zusammengestellt beizufügen.
Bei automatisierter Feldbuchführung mit separatem Datenerfassungsgerät sind die Verwaltungs- und Messdaten bereits im Feld auf maschinenlesbaren Datenträgern im vorgeschriebenen Format zu erfassen.
Hierbei erfolgt per Programm eine durchgreifende Standpunktkontrolle, um Messungsfehler auszuschalten.
Aus Gründen der Datensicherung sind unmittelbar nach Abschluss jeder Strecke der Messweg, die Höhenunterschiede und die Summe der Standpunktkontrollen dem Erfassungsgerät zu entnehmen und in das mitzuführende "Stationierungsbuch" einzutragen.
Später müssen Klarschriftprotokolle, die entsprechend der Linienführung nach Hin- und Rückmessung zu sortieren sind, ausgedruckt werden. Eventuell auftretende Fehler in Headersätzen sind dann in diesen Protokollen zu korrigieren.
Wird zur Datenerfassung ein MEMOBOARD a benutzt oder liegen die Daten im GRAUS-Format vor, könnten mit dem Programmsystem "VRONI" (Vorverarbeitung von Rohdaten aus Nivellements) Feldbücher erzeugt werden.
Das Programmsystem "VRONI" wird vom Landesvermessungsamt NRW jeder am Leitnivellement beteiligten Vermessungsstelle kostenfrei zur Verfügung gestellt. Neben der Erstellung von Feldbüchern leistet dieses Programmsystem ferner Folgendes:
- Rohdatenumsetzung ins (GRAUS-Format) ZWIRN-Format,- Rohdatentest,- Erstellung von Feldlinienverzeichnissen,- Erstellung von Wochenberichten,- Headerdatenauflistung (entschlüsselt).
Bei selbstregistrierenden Digitalnivellieren erfolgt die Datenerfassung mittels Speichermedium.
Nach Übertragung der Rohdaten auf einen PC mittels gerätespezifischer Verfahren der Hersteller kann mit dem Programmsystem "VRONI" die Weiterverarbeitung erfolgen.
Bei automatisierter Datenerfassung und Übergabe der Rohdaten auf Diskette ist eine Abgabe der Messungsniederschriften (Feldbücher) in Papierform nicht notwendig.
3.5 Linienverzeichnis
3.5.1 Bei manuell erstellten Linienverzeichnissen (bei Feldbuchführung mit handschriftlichem Messungsprotokoll oder automatisierter Feldbuchführung mit separatem Datenerfassungsgerät) sind die Ergebnisse der Hin- und Rückmessung jeder Strecke getrennt nach Linien im Formular "Feldlinienverzeichnis und Eingabebeleg" zusammenzustellen und die Lattenverbesserung anzubringen.
Falls möglich, ist eine vorläufige Höhenberechnung durchzuführen.
Auf dem Titelbogen werden der Name des Beobachters, die Zeit der Messungen, die Art der Ausrüstung (Instrument, Latten) und die Lattenverbesserung angegeben.
Bei automatisierter Feldbuchführung mit separatem Datenerfassungsgerät (MEMOBOARD a ) oder selbstregistrierenden Digitalnivellieren können Feldlinienverzeichnisse mit dem Programmsystem "VRONI", wenn eine Linienverlaufsdatei vorhanden ist, automatisiert erzeugt werden.
3.5.2 Prüfberichte, Messungsniederschriften (Feldbücher), Feldlinienverzeichnisse und Erläuterungsberichte sind nach Abschluss der Messung unverzüglich der federführenden Stelle (LOBA oder LVermA) zur weiteren Auswertung vorzulegen.
Bei automatisierter Datenerfassung und Übergabe der Rohdaten auf Diskette ist eine Abgabe der Feldbücher in Papierform nicht notwendig.
Bei Verwendung des Programmsystems "VRONI" sind mindestens folgende Dateien auf Diskette abzugeben:
- Linienverlaufsdatei Beispiel: 95070501.LIN- Arbeitsdatei Beispiel: 95070501.DAT
4.1 Berechnung und Ausgleichung
Die Berechnung und die Ausgleichung erfolgen einvernehmlich durch das LOBA und das LVermA.
4.2 Genauigkeit der Höhenbestimmung
Zur Abschätzung der erreichten Genauigkeit werden drei verschiedene Standardabweichungen berechnet:
a) aus den Streckenwidersprüchen WS zwischen Hin- und Rückmessung für einen Kilometer Doppelnivellement:
4.3 Nachweis der Berechnungsergebnisse
Die Beteiligten erhalten Linienverzeichnisse mit neuen Höhen für ihren Zuständigkeits- bzw. Interessenbereich.
4.4 Bekanntgabe der Ergebnisse
Die Herausgabe von Höhen richtet sich nach der Nr. 10 NivP-Erlass.
1) nicht veröffentlicht; mit Rd.Erl. v. 29.06.1993 - III C 3 - 4412 -(MBl. NW. 1993 S.1342) als Sonderdruck herausgegeben. Vertrieb: Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn.
zurück 2) MBl. NW. 1997 S. 146 / SMBl. NW. 9220. Nach Nr. 1.3 dieses Runderlasses sind, sofern in dem Erlass selbst keine anderen Regelungen getroffen werden, die "Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA) - Ausgabe 1995 -" des Bundesministeriums für Verkehr (Verkehrsblatt-Verlag, Dortmund) anzuwenden, die für den Zuständigkeitsbereich des Landes Nordrhein-Westfalen durch Runderlass des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr - III A 5 - 14 - 17/2 - III C 3 - 73 - 13/2 - vom 27.07.1995 (MBl. NW. 1995 / SMBl. NW. 9220) eingeführt worden sind.
3) nicht veröffentlicht; dieser an das Landesvermessungsamt und die Bezirksregierungen des Landes Nordrhein-Westfalen gerichtete Erlass spezifiziert die Sicherung von Nivellementarbeiten auf Straßen. Danach kann bei den Arbeiten zum Leitnivellement die Sicherung nach Regelplan C II/3 RSA - Ausgabe 1995 - (bewegliche Arbeitsstellen von kürzerer Dauer und bei Tageslicht auf Landstraßen) erfolgen.
87.79.1-4-3
Betr.: Grundsätze zum Einsatz von satellitengeodätischen Verfahren im Bergbau (GREINSATVERBERG)
Der Länderausschuss Bergbau hat den Ländern die Anwendung der folgenden Grundsätze zum Einsatz von satellitengeodätischen Verfahren im Bergbau empfohlen.
Die Grundsätze werden hiermit bekanntgegeben.
Dortmund, den 27.04.2001 Bezirksregierung Arnsberg
E k h a r t M a a t z
GRUNDSÄTZE ZUM
EINSATZ VON SATELLITENGEODÄTISCHEN VERFAHREN
Stand: 6. Juni 2000
1.1 Vorschriften1.2 Einsatzbereiche 1.3 Satellitengeodätische Verfahren1.4 Bezugssysteme
2 Satellitengestützte Messung
2.1 Allgemeines2.1.1 Satellitenkonstellation2.1.2 Referenzstation, SAPOS, RTK2.1.3 Messverfahren2.2 Planung der satellitengestützten Messung2.3 Durchführung der satellitengestützten Messung2.4 Messungsdaten
3 Auswertung statischer Messungen
3.1 Überblick3.2 Datenaufbereitung3.3 Ausgleichung3.4 Transformation in die Bezugssysteme der Landesvermessung
4.1 Allgemeines4.2 Messungsniederschriften4.3 Berechnungsniederschriften
Grundsätze zum Einsatz von satellitengeodätischen Verfahren im Bergbau
1. ALLGEMEINES 1.1 Vorschriften(1) Für markscheiderische und sonstige vermessungstechnische Arbeiten im Zusammenhang mit Tätigkeiten und Einrichtungen nach § 2 Bundesberggesetz (BBergG) sowie für Messungen zur Erfassung von Bodenbewegungen nach § 125 BBergG können satellitengeodätische Verfahren eingesetzt werden.
(2) Satellitengeodätische Verfahren sind keine Sonderverfahren nach § 7 Abs. 1 der Verordnung über markscheiderische Arbeiten und Beobachtungen der Oberfläche (Markscheider-Bergverordnung - MarkschBergV).
(3) Zur Umsetzung der Vorschriften der MarkschBergV bei satellitengeodätischen Verfahren werden die folgenden Grundsätze herausgegeben, die den derzeitigen Stand der Technik berücksichtigen. Die Einhaltung der Forderungen der MarkschBergV hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit von Messungen wird vermutet, soweit die Grundsätze beachtet werden.
1.2 Einsatzbereiche
Satellitengeodätische Verfahren können allein oder in Kombination mit anderen Messverfahren für alle Messungen über Tage eingesetzt werden, sofern die in der MarkschBergV geforderten Genauigkeiten eingehalten werden.
1.3 Satellitengeodätische Verfahren
(1) Zur Einhaltung der erforderlichen Genauigkeit nach MarkschBergV kommen nur differenzielle satellitengeodätische Verfahren zum Einsatz, die mindestens zwei Empfänger benötigen, um Satellitensignale simultan empfangen, aufzeichnen und auswerten zu können. (2) Die Ergebnisse der satellitengeodätischen Vermessung (Messung und Auswertung) können im Felde direkt zur Verfügung stehen (Real-Time) oder erst nach Auswertung (Postprocessing). (3) Beim Einsatz differenzieller satellitengeodätischer Verfahren ist der primär dreidimensionale Charakter der satellitengestützten Messung zu berücksichtigen (s. 1.4 (2), 2.3 (2), 3.4). 1.4 Bezugssysteme
(1) Als Ergebnisse von satellitengestützten Messungen liegen in der Regel zunächst dreidimensionale Koordinaten im World Geodetic System 1984 (WGS 84) vor. Das WGS 84 stimmt mit dem im europäischen Raum einheitlich eingeführten Bezugssystem European Terrestrial Reference System 1989 (ETRS 89) im Rahmen seiner Systemgenauigkeit (± 1 bis 2 m) überein.
(2) Die Überführung in die Bezugssysteme der Landesvermessung ist über eine ausreichende Anzahl von identischen Punkten in beiden Systemen zu gewährleisten (s. 3.4 (1)).
2.1.1 Satellitenkonstellation
(1) Die Satellitenkonstellation (Anzahl und Verteilung der zur Verfügung stehenden Satelliten und PDOP- bzw. GDOP-Werte) kann vorab für die gesamte Beobachtungszeit untersucht werden. Eine gute Konstellation drückt sich durch kleine PDOP- bzw. GDOP-Werte aus.
(2) Die zur Planung notwendigen genäherten Satellitenbahndaten (Almanachdaten) müssen einen aktuellen Stand haben.
2.1.2 Referenzstation, SAPOS, RTK
(1) Einen Satellitenempfänger, dessen Antenne auf einem Referenzpunkt betrieben wird, bezeichnet man als Referenzstation. Dabei wird unterschieden zwischen
- "permanenten Referenzstationen", wie sie z.B. im amtlichen Positionierungsdienst der deutschen Landesvermessung (SAPOS) verwendet werden, und- "temporären Referenzstationen", die projektbezogen eingesetzt werden.
(2) SAPOS stellt mit einem Netz von permanenten Referenzstationen auf verschiedenen Übertragungswegen Daten für Echtzeitvermessungen sowie für Auswertungen im Postprocessing zur Verfügung. Es arbeitet mit firmenunabhängigen Standards. Für die Punktbestimmung mit geodätischer Genauigkeit dienen folgende Servicebereiche von SAPOS:
Im Hochpräzisen Echtzeit-Positionierungs-Service (HEPS) werden in Echtzeit Korrekturdaten übertragen. Sie ermöglichen eine polare Punktbestimmung mit einer Genauigkeit von ± 1 cm bis 5 cm (entfernungsabhängig) bis ca. 20 km Abstand von der permanenten Referenzstation. Die Korrekturdaten werden an der Nutzerschnittstelle im RTCM-Format bereitgestellt. Im Geodätischen Präzisen Positionierungs-Service (GPPS) mit 1cm-Genauigkeit werden Trägerphasenmessungen im empfängerunabhängigen RINEX-Format bereitgestellt. Sie werden u.a. über Telekommunikationseinrichtungen abgegeben. Damit ist eine nachträgliche Berechnung (Postprocessing) möglich. Die dabei erreichbare Genauigkeit ist u.a. abhängig von der Beobachtungszeit und der Entfernung zu der/den permanenten Referenzstation/en. (3) Als Real-Time-Kinematic-Systeme (RTK-Systeme) werden Vermessungssysteme bezeichnet, die mit systemeigenen Referenzstationen Echtzeitvermessungen ermöglichen. Sie bestehen z.B. aus
einem Satellitenempfänger als Referenzstation mit Datenübertragungseinrichtung und
einem Satellitenempfänger als Mobilstation mit Datenempfangseinrichtung und Software. Die Systeme verwenden in der Regel firmenspezifische Datenformate, lassen nur ausgewählte Hard- und Softwarekomponenten zu und ermöglichen in ihrem durch die gewählte Funkübertragung begrenzten Aktionsradius von einigen Kilometern Messungen in Zentimetergenauigkeit.
2.1.3 Messverfahren
(1) Bei satellitengeodätischen Anwendungen sind grundsätzlich folgende Messverfahren einsetzbar:
(2) Die Auswahl des geeigneten Verfahrens ist unter Berücksichtigung aller Randbedingungen zu treffen. Die aktuelle Leistungsfähigkeit der eingesetzten Satellitenempfänger (Hard- und Software), die örtlichen Gegebenheiten und die Zielsetzung sind zu berücksichtigen.
(3) Die Vorschriften für die Messgenauigkeiten gemäß MarkschBergV gelten bei satellitengeodätischen Verfahren für die abgeleiteten Messelemente. Zum Beispiel gilt als einfacher Messweg bzw. Messstrecke im Sinne der Anlage 1 MarkschBergV die Entfernung zwischen dem einzumessenden Punkt und dem Anschlusspunkt.
(4) Soweit die Messgenauigkeit es erlaubt, können bei diesen Messverfahren auch permanente Referenzstationen, z. B. Permanentstationen des Satellitenpositionierungsdienstes der deutschen Landesvermessung (SAPOS) mit verwendet werden (s. § 8 MarkschBergV).
2.2 Planung der satellitengestützten Messung
(1) Zur Anbindung der satellitengestützten Messungen an das amtliche Festpunktfeld sind mindestens drei Festpunkte anzuschließen, die möglichst gleichmäßig um die Neupunkte verteilt liegen.
(2) Die Satellitensichtbarkeit ist für jeden Standpunkt zu gewährleisten.
2.3 Durchführung der satellitengestützten Messung
(1) Vor dem erstmaligen Einsatz eines Satellitenvermessungssystems muss die Überprüfung in einem geeigneten Testnetz erfolgen. Die fortlaufende Funktionskontrolle ergibt sich im Rahmen der Arbeiten in den jeweiligen Projekten durch die Einbindung geeigneter Punkte.
(2) Aufgrund des dreidimensionalen Charakters des satellitengeodätischen Verfahrens sind die Zentrierung und die Höhenbestimmung der Antennen mit besonderer Sorgfalt durchzuführen. Die Antennenhöhenbestimmung ist unabhängig zu kontrollieren.
(3) Zur Einhaltung der erforderlichen Genauigkeit ist eine angemessene Beobachtungsdauer in Abhängigkeit von
- dem Messverfahren,- der Länge der zu bestimmenden Basislinien,- der Satellitenkonstellation,- der Qualität der eingesetzten Antennen und Empfänger und- den örtlichen Bedingungenzu wählen.
(4) Beim Einsatz von RTK-Systemen ist zum Erreichen der Genauigkeit eine ständige Qualitätskontrolle der Satellitenkonstellation erforderlich.
2.4 Messungsdaten
(1) Die satellitengestützte Messung ist in einem Messungsprotokoll zu dokumentieren.
(2) Im Messungsprotokoll sind nachzuweisen:
die Punktbezeichnung,
der jeweilige Referenzpunkt, die benutzte Referenzstation bei Anwendung der Messverfahren des Typs B und C, der Betreiber der Referenzstation,
Anzahl der empfangenen Satelliten, PDOP- bzw. GDOP-Werte,
die Kontrolle der Antennenausrichtung bei statischen Messungen,
die Antennenhöhenbestimmung und bei statischen Messungen zusätzlich deren Kontrolle,
Ort, Datum, Name des Ausführenden, Zweck, Anfang und Ende der Datenaufzeichnung, Typen- und Programmbezeichnung, Registrierungsrate, Empfänger- und Antennennummern,
Transformationsparameter, Bezugsellipsoid, Projektionsart bei Anwendung des Messverfahrens des Typs C. (3) Bei Postprocessing-Verfahren werden die bei der Messung anfallenden Bahndaten sowie Codephasen und Trägermischphasen (Rohdaten) im Empfänger oder Feldcomputer gespeichert.
(4) Als gemessene Werte (s. Anlage 2 Nr. 2.1.1.5 MarkschBergV) (Reindaten) sind anzusehen:
- die erst nach Auswertung der Rohdaten zur Verfügung stehenden Raumvektoren und ihre Varianz-/Kovarianzkomponenten,- die beim Einsatz von RTK-Systemen direkt im Felde ermittelten Koordinaten.
(1) Die Weiterverarbeitung von Satelliten-Reindaten muss so angelegt sein, dass die Berechnungen nachprüfbar sind.
(2) Die Auswertung von satellitengestützten Messungen gliedert sich in folgende Schritte:
Übertragung der Rohdaten von den Empfängern auf den Auswerterechner, Auswertung der Rohdaten zur Berechnung der Reindaten, Ausgleichung, Berechnung der Koordinaten und Höhen im Landessystem. 3.2 Datenaufbereitung
(1) Für die Auswertung der Rohdaten stehen verschiedene Programme zur Verfügung. Sie weisen unterschiedliche Ansätze und Leistungen auf und berechnen die Ergebnisse auf unter- schiedlichen Wegen. Für die Auswahl und Anwendung der Programme ist der Benutzer verantwortlich. (2) Das Ergebnis der Rohdaten-Auswertung sind Basislinien (Raumvektoren) in Form von dreidimensionalen Koordinatenunterschieden dX, dY, dZ mit Angaben zur Varianz/Kovarianz. 3.3 Ausgleichung
(1) Bei simultanem Einsatz von mehr als zwei Empfängern pro Session des Messverfahrens vom Typ A oder beim Einsatz von zwei oder mehr Referenzstationen bei Anwendung des Messverfahrens vom Typ B ergeben sich Überbestimmungen in Form von zusätzlichen Basislinien. (2) Zur Überprüfung der inneren Genauigkeit der satellitengestützten Messungen kann eine 3D-Netzausgleichung durchgeführt werden. In der Ausgleichung werden die Einzelsessionen zu einem Gesamtnetz zusammengefasst (Multisessionslösung). 3.4 Transformation in die Bezugssysteme der Landesvermessung
(1) Für die Berechnung von Lagekoordinaten und Höhen in den Bezugssystemen der Landesvermessung kann eine 7-Parameter-Transformation über eine ausreichende Anzahl von Anschlusspunkten durchgeführt werden. Die Anschlusspunkte sollen gleichmäßig um das Messgebiet verteilt sein. (2) Die Restklaffungen an den Anschlusspunkten sind aufzuzeigen. Bei Wiederholungsmessungen ermöglichen sowohl die Restklaffungen an den Anschlusspunkten als auch die Lage- und Höhendifferenzen an stabil gebliebenen Punkten Aussagen über die Güte und Genauigkeit der satellitengestützten Messungen. 4 DOKUMENTATION
Bezüglich der Form der Messungs- und Berechnungsniederschriften wird auf Anlage 2 Nr. 1 MarkschBergV verwiesen. Anlage 2 Nr. 2.4 MarkschBergV findet Anwendung. Darüber hinaus sind Besonderheiten zu vermerken.
4.2 Messungsniederschriften
Die Protokollierung der im Kapitel 2.4 Absätze 2 und 4 aufgelisteten Messungsdaten ist als Messungsniederschrift gemäß Anlage 2 Nr. 2.1 MarkschBergV anzusehen.
4.3 Berechnungsniederschriften
Die einzelnen Schritte der Auswertung sind zu dokumentieren. Für die Dokumentation der Auswertung satellitengestützter Messungen gilt Anlage 2 Nr. 2.2 MarkschBergV entsprechend.
04.02.200965.79.2-2007-2
Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau Grundsätze
Betr.: Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscanner- verfahren im Bergbau (GREINLASERBERG)
Der Länderausschuss Bergbau hat die folgenden Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau zustimmend zur Kenntnis genommen.
Dortmund, den 04.02.2009
Bezirksregierung ArnsbergAbteilung Bergbau und Energiein Nordrhein-WestfalenIm Auftrag
EINSATZ VON LUFTGESTÜTZTEN UND TERRESTRISCHEN
LASERSCANNERVERFAHREN IM
Deutscher Markscheider-Verein e.V., Arbeitsgruppe Laserscanning, Herne 2008
Stand: 14.04.2008
1.0 26.04.2007
2.0 20.06.2007
3.0 07.08.2007
3.1 27.08.2007
4.0 30.09.2007
4.1 14.04.2008
Deutscher Markscheider-Verein e.V.Shamrockring 144623 HerneTel. +49 (0)2323-15-4660
eMail: geschaeftsstelle@dmv-ev.de
1. Zielsetzung, Vorgehensweise .............................................................................................4
2. Allgemeines........................................................................................................................5
2.1 Vorschriften..................................................................................................................5
2.2 Laserscanning im Bergbau ..........................................................................................5
2.3 Einsatzbereiche (Beispiele)..........................................................................................6
2.4 Beschreibung des Messverfahrens..............................................................................6
3. Messung.............................................................................................................................7
4. Auswertung und Ergebnisse ...............................................................................................8
5. Genauigkeiten, Kalibrierung, Geräteprüfung.......................................................................9
6. Abkürzungen......................................................................................................................9
1. ZIELSETZUNG, VORGEHENSWEISE
In den letzten Jahren wurde die Technologie des Laserscannings deutlich weiterentwickeltund hat mit luftgestützten und terrestrischen Verfahren zunehmend Eingang in dieVermessung, auch für bergbauliche Aufgabenstellungen, gefunden.
Diese Grundsätze geben den Anwendern und verantwortlichen Personen in der betrieblichenund behördlichen Praxis des Bergbaus grundlegende Informationen zu den Laserscanner-verfahren und ihren möglichen Einsatzgebieten.
Dabei wird auf die Anwendung von Laserscannermessungen für gesetzlich und behördlichvorgeschriebene markscheiderische Aufgaben, z.B. zur Übernahme von Messergebnissen insRisswerk oder Überwachungen nach § 125 BBergG, und besondere betriebliche Nutzungeneingegangen.
Die Erarbeitung der Grundsätze erfolgte durch eine Adhoc-Arbeitsgruppe des DeutschenMarkscheider-Vereins e.V. (DMV) im Zeitraum November 2006 bis September 2007.
Folgende Fachleute haben mitgewirkt:
Norbert Benecke, DMT GmbH & Co KG (Obmann)
Thomas Bulowski, RWE Power AG
Wolfgang Busch, TU Clausthal – Institut für Geotechnik und Markscheidewesen
Joachim Deutschmann, RAG Aktiengesellschaft
Andreas Fischer, K+S Kali GmbH
Andreas Frische, BR Arnsberg, Abt. 6
Jörg Fugmann, arguplan GmbH
Sven Jany, Milan Geoservice GmbH
Hans-Jochen Kowar, Vattenfall Europe AG
Rainer Kuchenbecker, DMT GmbH & Co KG
Moritz Ostenrieder, Ing.-Büro Ostenrieder
Olaf Wallner, Wismut GmbH
Für markscheiderische und sonstige vermessungstechnische Arbeiten im Zusammenhang mitTätigkeiten und Einrichtungen nach § 2 Bundesberggesetz (BBergG) sowie für Messungenzur Erfassung von Bodenbewegungen nach § 125 BBergG können Verfahren desLaserscannings eingesetzt werden.
Verfahren des Laserscannings sind keine Sonderverfahren nach § 7 Abs. 1 der Verordnungüber markscheiderische Arbeiten und Beobachtungen der Oberfläche (Markscheider-Bergverordnung - MarkschBergV).
Zur Umsetzung der Vorschriften der MarkschBergV bei Verfahren des Laserscanningswerden die folgenden Grundsätze herausgegeben, die den derzeitigen Stand der Technikberücksichtigen1. Die Einhaltung der Forderungen der MarkschBergV hinsichtlich derNachvollziehbarkeit von Messungen wird vermutet, soweit die Grundsätze beachtet werden.
Beim Einsatz von Laserscannern unter Tage sind zusätzlich die jeweils gültigen Vorschriftenzum Einsatz von Lasergeräten unter Tage, ggf. auch Regelungen zum Explosionsschutz zubeachten.
2.2 Laserscanning im Bergbau
In diesen Grundsätzen werden Vermessungsverfahren für den über- und untertägigenBergbau behandelt, die mittels Laserscannertechnologie und mit geodätischer Genauigkeitluftgestützt oder terrestrisch, statisch oder kinematisch Geländeformationen, Bauwerke,technische Einrichtungen und Geräte (u.a.m.) abtasten und als 2D - oder 3D - Punktwolkendarstellen können. Durch Auf- und Nachbereitungen der Messdaten lassen sichanwendungsspezifische Darstellungen erzeugen. Aus wiederholten Aufnahmen lassen sichZustandsveränderungen ermitteln.
Dabei werden für das Airborne-Laserscanning (ALS) sowie das Terrestrische Laserscanning(TLS) im übertägigen (üT) und untertägigen (uT) Einsatz die wesentlichen Punkte bzgl.Messung, Auswertung und Ergebnisse sowie zu Genauigkeiten, Kalibrierung, Geräteprüfungbeschrieben.
___________________________________________________________________________________________1 Bei Bedarf sind diese Grundsätze an den jeweiligen Stand der Technik anzupassen.
2.3 Einsatzbereiche (Beispiele)
Grundsätzlich sind Laserscannerverfahren, ggf. in Kombination mit anderen Verfahren(z.B.Tachymeter- oder GPS-Messungen zur Einbindung der Messergebnisse in einKoordinatensystem), für fast alle markscheiderischen Aufgabenstellungen im Bergbaugeeignet. Ob ein Einsatz sinnvoll ist, ist im Einzelfall zu entscheiden.
Typische Einsatzbereiche für Airborne Laserscanning sind die Erstellung großräumigerdigitaler Höhenmodelle oder die Volumenbestimmung von Halden und Abbaubereichenim Tagebau.
Typische Einsatzbereiche für terrestrisches Laserscanning über Tage sind ebenfalls dieErstellung digitaler Geländemodelle oder die Volumenbestimmung von Halden, Kippen undAbbaubereichen im Tagebau oder Sanierungsbergbau. Hinzu kommen beispielsweise nochdie Erfassung von Betriebsanlagen und die Überwachung von Bewegungsvorgängen.
Typische Einsatzgebiete für das terrestrische Laserscanning unter Tage sind die Erfassunggroßer untertägiger Bauwerke oder Hohlräume (z.B. Abbaukammern, Bunker, Schächte,Füllörter), die Abnahme von Bauarbeiten (z.B. Kontrolle von Auffahrungsquerschnitten oderBetondicken), die Erfassung von Betriebsanlagen, Konvergenzüberwachungen undEngpassanalysen.
2.4 Beschreibung des Messverfahrens
Ein Laserscanner misst Strecken und Winkel mittels eines Laserstrahls, der in einemvorgegebenen Bereichsfenster in einem vorgegebenen Raster mit hoher Geschwindigkeitkontrolliert abgelenkt wird und von beliebigen Oberflächen reflektiert wird. Das Messeneinzeln ausgewählter Punkte ist nicht möglich. Das Laserscanning ist ein Polar-Messverfahren.
Für jeden Messpunkt werden aus den Messungen (2 Winkel und 1 Strecke) lokale kartesischeKoordinaten (x,y,z) abgeleitet. Zusätzlich steht für jeden Messpunkt ein „Reemissionswert“ (i)zur Verfügung, der die Reflektivität des Objektes beschreibt. Falls der Scanner über einekalibrierte Digitalkamera verfügt, können zu jedem Messpunkt z.B. RGB-Farbwertegespeichert werden.
Ein erstes Ergebnis ist eine einfärbbare dreidimensionale Punktwolke, deren Dichte durch dieeingestellte Auflösung des Scanners bestimmt wird. Die Einfärbung kann z.B. aufgrund dergemessenen Intensität, der RGB-Farbwerte oder der Höhe erfolgen. Anhand dieservisualisierten Punktwolke ist bereits vor Ort eine erste Kontrolle der Messergebnisse möglich.
Es wird unterschieden zwischen statischen und kinematischen Messanordnungen.
Bei den statischen Messungen wird das verwendete Instrument fest aufgestellt (z.B. Stativ)und misst aus dieser Position die relevanten Objekte ein. Über identische Punkte könnenPunktwolken mehrerer Messungen zusammengeführt werden. Die Orientierung kann überkoordinativ bekannte Passpunkte erfolgen.
Beim kinematischen Verfahren ist der Laserscanner während des Messvorgangs inBewegung (z.B. beim Airborne Laser Scanning unter einem Fluggerät oder beimTerrestrischen Laser Scanning auf einem Fahrzeug). Dabei liefern in der Regelsatellitengestützte Messverfahren und inertiale Navigationssysteme die Position desLaserscanners und die Richtung des Laserstrahls im Raum. Mit diesen Eingangswertenkönnen die dreidimensionalen Koordinaten jedes Reflektionspunktes berechnet werden.
Die Auswertung von Daten aus Laserscanner-Messungen erfolgt meistens in mehrerenSchritten und ist abhängig von den Abläufen und Funktionalitäten der jeweiligenAuswertungssoftware. In das Risswerk fließen Ergebnisse dieser Auswertungen ein wie z.B.Bruchkanten, Höhenlinien, Gebäudekonturen, Streckengeometrien oder Rohrleitungslinien.
(1) Für die Anbindung einer Laserscannermessung an das amtliche Festpunktfeld gelten die Vorschriften der Markscheider- Bergverordnung bzw. die Grundsätze zum Einsatz von satellitengeodätischen Verfahren im Bergbau.
(2) Vor dem erstmaligen Einsatz, bei Änderung der Konfiguration der Komponenten des Laserscannersystems sowie, falls erforderlich, innerhalb einer Messkampagne ist das Laserscannersystem an eindeutig definierten Objekten zu überprüfen.
(3) Die als unmittelbares Ergebnis einer Messung registrierten Daten werden als Rohdaten bezeichnet.
(4) Aus den Rohdaten werden durch projektspezifische Verarbeitungsschritte (z.B. Fehlerbereinigung, Filteroperationen, Anbringung von Korrekturwerten) die gemessenen Werte im Sinne der MarkschBergV abgeleitet.
(5) Die gemessenen Werte (gemäß Abs. 4) werden in einer Datei gespeichert. Von Ausdrucken nach Anlage 2 Nr. 2.1.2 Satz 1 MarkschBergV kann mit Zustimmung der zuständigen Behörde abgesehen werden, wenn gewährleistet ist, dass der Inhalt der Datei dauerhaft sicher gespeichert ist und ein Ausdrucken unverzüglich möglich ist.
(6) Vor Messungsbeginn und während der Messung sind die Daten zu erfassen und in einer Messungsniederschrift zu dokumentieren, welche zur Auswertung, Berechnung und Beurteilung der Ergebnisse notwendig sind.
(7) Die Messungsniederschrift muss folgende Angaben enthalten:
den Ort, Zweck und Tag der Messung
die Namen der Ausführenden
die Instrumente und Geräte mit Angabe des Herstellers und der Fabrikationsnummer
die zu berücksichtigenden gerätebezogenen Konstanten und Korrektur- undEinstellwerte 7
die Angaben über den Anschluss und den Abschluss der Messung
die Angaben über Umstände, die das Messungsergebnis beeinflussen können, wieWitterung oder Temperatur, bzw. (unter Tage) Wetterzug, Temperatur, Staubbildungoder Tropfwasser
die Hinweise auf die Berechnungsniederschrift und die Übernahme in risslicheDarstellungen
die Angaben über weitere zugehörige Messungen (Messungsübersicht)
bei kinematischen Aufnahmen eine Übersicht des Instrumentenweges während derAufnahme sowie die relevanten Zeitangaben (Messungsanfang und –ende), bzw.(beim ALS) eine Flugstreifenübersicht sowie die relevanten Zeitangaben(Messungsanfang und -ende)
den Namen der Datei der gemessenen Werte und deren Speicherort und dieerforderlichen Erläuterungen
(1) Die Ergebnisse der Auswertung von Laserscannerdaten richten sich nach dem jeweiligen Anwendungszweck und können sehr unterschiedlich sein.
(2) Die Bearbeitungsschritte der Auswertung sind nachvollziehbar zu dokumentieren und die dabei verwendeten Programme sind zu benennen und den einzelnen Bearbeitungsschritten zuzuordnen.
(3) Werden die Scannerdaten für Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit dem Risswerk verwendet, so sind die Daten in das jeweils gültige Koordinatensystem zu transformieren. In anderen Fällen kann die Verwendung örtlicher Koordinatensysteme ausreichend sein.
(4) Die berechneten Werte werden in einer Datei gespeichert. Von Ausdrucken nach Anlage 2 Nr. 2.2.2 Satz 1 MarkschBergV kann mit Zustimmung der zuständigen Behörde abgesehen werden, wenn gewährleistet ist, dass der Inhalt der Datei dauerhaft sicher gespeichert ist und ein Ausdrucken unverzüglich möglich ist.
(5) Es ist eine Berechnungsniederschrift zu erstellen, die folgende Angaben enthalten muss:
die Namen der Berechnenden und der Kontrollierenden, bei Datenverarbeitungsanlagendie Typen- und Programmbezeichnungen, die Namen der Datenerfasser
die Eingabewerte aus der Messungsniederschrift
die Anschluss- und Abschlusswerte mit Hinweisen auf die Entnahmestellen 8
den Namen der Datei der berechneten Werte und deren Speicherort und dieerforderlichen Erläuterungen
die Angaben über Messungsdifferenzen, ihre Verteilung oder Ausgleichung sowieüber die Genauigkeit, wenn der Zweck der Messung es erfordert
die Hinweise auf die Messungsniederschrift und die Übernahme in rissliche Darstellungen
5. GENAUIGKEITEN, KALIBRIERUNG, GERÄTEPRÜFUNG
Für den Laserscanner sowie mit dem Laserscanner verbundene Komponenten (z.B.Digitalkamera) und die zur Messwertkorrelation bei kinematischen Messungennotwendige Technik (z.B. GPS/INS) sind die Datenblätter der Hersteller mit folgendenzusätzlichen Angaben vorzuhalten:
Bezeichnung und Fabrikationsnummer
Letzte Kalibrierung / Prüfung
MarkschBergV Markscheider Bergverordnung
2D / 3D Zwei- bzw. dreidimensional
RGB Rot-Grün-Blau Farbwerte
ALS Airborne Laser Scanning Luft-/Flugzeug-gestütztes Laservermessungsverfahren
TLS Terrestrisches Laser Scanning Erdgebundenes Laservermessungsverfahren
TLS üT über Tage angewendet
TLS uT unter Tage angewendet
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des DMV e.V.
31.01.201465.91.61-2013-1
Aufsicht über Markscheiderund dieAusführung markscheiderischer Arbeiten
Betr.: Grundsätze zu Gegenstand und Reichweite der Aufsicht über Markscheiderund die Ausführung markscheiderischer Arbeiten nach § 69 Abs. 3 BBergG(Stand: 27.03.2013)
Der Länderausschuss Bergbau hat den Ländern die Anwendung der folgenden Grundsätze zu Gegenstand und Reichweite der Aufsicht über Markscheider und die Ausführung markscheiderischer Arbeiten nach § 69 Abs. 3 BBergG (Stand: 27.03.2013) empfohlen.
Dortmund, den 31.01.2014
Bezirksregierung ArnsbergAbteilung Bergbau und Energie in NRW
A n d r e a s S i k o r s k i
Grundsätze zu Gegenstand und zur Reichweite der Aufsicht über Markscheider unddie Ausführung markscheiderischer Arbeiten nach § 69 Abs. 3 BBergG (Stand: 27.03.2013)
Vor dem Hintergrund verschiedener zivilgerichtlicher Auseinandersetzungen zwischenBergbaugeschädigten und einem Bergbauunternehmen in Nordrhein-Westfalen werdenvon der Geschädigtenseite angebliche Missstände bei der Führung des Grubenbildesbeklagt. Angeblich objektiv vorhandene und eindeutige Erdspalten sowie Geländeabrisseseien entgegen den gesetzlichen Bestimmungen von den Risswerk führenden Markscheidernnicht in den Tageriss eingetragen worden. Mehrfach wurden die nordrhein-westfälischenBergbehörden aufgefordert, gegen den Risswerk führenden Markscheider eine Anordnung zur Nachtragung des Tagerisses zu erlassen und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gemäß§ 145 BBergG einzuleiten.Unabhängig von dem Anlass gebenden Einzelsachverhalt sind damit folgende Fragenzu klären:
1.1 Welche Aufsichtsbefugnisse hat die zuständige Bergbehörde?
1.2 Ist die zuständige Bergbehörde befugt, dem Risswerk führenden Markscheider oder dem Unternehmer unmittelbar eine Weisung zur Eintragung konkreter Angaben im Grubenbild zu erteilen?
Nach § 69 Abs. 3 BBergG unterliegen die Markscheider und die Ausführung der mark-scheiderischen Arbeiten im Sinne des § 64 Abs. 1 BBergG der Aufsicht der zuständigen Behörde. Das Gesetz unterscheidet damit eine personenbezogene Aufsicht über die Markscheider und eine aufgabenbezogene Aufsicht über markscheiderische Arbeiten.
2.1 Aufsicht über Markscheider
Die personenbezogene Aufsicht über die Markscheider bezieht sich auf die gesetzlichen Anforderungen, denen der Markscheider aufgrund seiner Anerkennung entsprechen muss. Maßstab sind hierfür in erster Linie die Ländermarkscheidergesetze (§ 64 Abs. 3 BBergG). Historischer Kontext hier ist § 34 Abs. 5 GewO in der bis zum Inkrafttreten des Bundes-berggesetzes geltenden Fassung (§ 174 Abs. 1 Nr. 2 BBergG) der eine gewerberechtliche Aufsicht über die Markscheider vorsah. Die Aufsicht über die Markscheider nach § 69 Abs. 3 BBergG ersetzte die gewerberechtliche Aufsicht und erstreckte die berg-behördliche Aufsicht gleichzeitig auf alle Markscheider, also auch auf die im Betrieb angestellten Personen.1) Die personenbezogene Aufsicht über die Markscheider beinhaltet im Wesentlichen die Fachkunde, die persönliche Zuverlässigkeit die körperliche Geeignetheit sowie gegebenenfalls die zur ordnungsgemäßen Berufsausübung erforderliche Büroausstattung und Arbeitsmittel im Falle der Freiberuflichkeit. Zur Zuverlässigkeit ist auch die Sicherstellung der Unabhängigkeit im Sinne einer Weisungsfreiheit nach § 64 Abs. 2 Satz 1 BBergG zu zählen. Diese Vorschrift schützt insbesondere die im Bergbauunternehmen fest angestellten Markscheider, aber auch Selbständige oder Mitarbeiter von Ingenieurbüros gegenüber ihren Auftraggebern in der Bergbauindustrie vor Weisungen im Rahmen der Anwendung ihrer Fachkunde.2) Folglich begründet die gesetzliche Weisungsunabhängigkeit eine Verpflichtung desMarkscheiders, im Rahmen seines Geschäftskreises nach § 64 Abs. 1 BBergG diese Unabhängigkeit zu wahren.
2.2 Aufsicht über die Ausführung der markscheiderischen Arbeiten im Sinne des § 64 Abs. 1 BBergG
Die aufgabenbezogene Aufsicht der zuständigen Behörde über die markscheiderischen Arbeiten nach § 64 Abs. 1 BBergG soll die ordnungsgemäße Risswerksführung sicherstellen. Die Risswerksführungspflicht nach § 63 Abs. 1 BBergG gehört dabei zu den Unternehmerpflichten, die nicht nach § 62 BBergG auf verantwortliche Personen übertragen werden können. Hiervon zu trennen ist die Anfertigung und Nachtragung des Risswerks durch einen anerkannten Markscheider. Der Unternehmer erfüllt seine Risswerksführungspflicht deshalb dadurch, dass er diese Arbeiten im Rahmen des § 64 Abs. 1 BBergG nur durch anerkannte Markscheider durchführen lässt und für eine termingerechte Risswerksführung Sorge trägt. Verstöße gegen diese Unternehmerpflicht sind durch § 145 Abs. 1 Nr. 13 BBergG bußgeldbewehrt.
Die Verantwortung für die inhaltlich ordnungsgemäße Anfertigung des Risswerks trägt der Unternehmer hingegen nicht soweit er dadurch gegen die Weisungsfreiheit des Markscheiders nach § 64 Abs. 2 BBergG verstoßen würde.3)
Die Aufsichtsbefugnisse der zuständigen Behörde nach § 69 Abs. 3 BBergG werden weiterhin inhaltlich begrenzt auf diejenigen Pflichten, die sich aus § 64 Abs. 1 i.V.m. § 63 Abs. 1 bis 3 BBergG, §§ 9 und 10 sowie Anlagen 3 und 4 MarkschBergV ergeben.4) Hierbei spielt es keine Rolle, ob diese Arbeiten durch Markscheider oder im Einzelfall anerkannte andere Personen (§ 13 MarkschBergV) ausgeführt werden. Soweit ein Markscheider oder eine andere Person im Sinne von § 64 Abs. 1 Satz 2 BBergG weitere Aufgaben im Betrieb als Angestellter oder Auftragnehmer erfüllt, z.B. in der Vorbereitung von Betriebsplänen oder Erstellung von betrieblichen Unterlagen, greifen die Aufsichtsbefugnisse nach § 69 Abs. 3 BBergG nicht.
Risswerk führende Markscheider oder sonstige anerkannte Personen nach § 13 MarkschBergV können im Übrigen neben dem Unternehmer ordnungswidrig nach § 145 Abs. 1 Nr. 13 BBergG handeln, da sie zwar keine Verantwortung nach § 58 BBergG tragen, aber im Rahmen des § 9 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 OWiG von diesem beauftragt sind, in eigener Verantwortung Unternehmeraufgaben (Anfertigung und Nachtragung des Risswerks) wahrzunehmen.5) Dem entspricht auch die Formulierung des Tatbestandes in § 145 Abs. 1 Nr. 13 BBergG, der die nicht ordnungsgemäße Anfertigung oder Nachtragung des Risswerks enthält, während die Unternehmerpflichten in § 63 Abs. 1 BBergG im Passiv formuliert sind ( ..... anfertigen und ... nachtragen zu lassen).
3.1 Aufsichtsbefugnisse der zuständigen Behörde
§ 69 Abs. 3 BBergG enthält eine Aufgabenzuweisung, aber keine Befugnisse zur Wahrnehmung der Aufsicht. Diese sind vielmehr in §§ 70ff BBergG geregelt. In Bezug auf die Aufsicht über Markscheider oder die Ausführung markscheiderischer Arbeiten bestehen danach Auskunfts-pflichten gegenüber der zuständigen Aufsichtsbehörde nach § 70 Abs. 1 BBergG und Betretungsrechte für Betriebsgrundstücke, Geschäftsräume und Einrichtungen der Auskunfts-pflichtigen nach § 70 Abs. 2 BBergG. Auskunftspflichtige sind neben dem Unternehmer auch risswerksführende Markscheider oder sonstige anerkannte Personen nach § 13 MarkschBergV,worauf § 70 Abs. 1 BBergG ausdrücklich verweist.6) Aufsichts-und Betretungsrechte setzen dabei voraus, dass diese Befugnisse zur Wahrnehmung der Aufsicht erforderlich sind. Dies bedeutet, dass sie im Zusammenhang mit konkreten Aufsichtsaufgaben entweder in Hinblick auf die persönliche Aufsicht über Markscheider oder die Ausführung markscheiderischer Arbeiten stehen müssen.
Verstöße gegen Auskunftspflichten oder die Zutrittgewährung können als Ordnungswidrigkeit nach § 145 Abs. 1 Nrn 14 und 15 BBergG geahndet werden. Adressat kann neben dem Unternehmer auch ein Markscheider oder eine anerkannte Person nach § 13 MarkschBergV sein, da § 70 Abs. 1 auch diesen Personenkreis verpflichtet.
Eine Untersagung der Beschäftigung eines Markscheiders oder anerkannten Person nach § 73 BBergG kommt hingegen auch im Falle einer vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Pflichtverletzung durch diesen Personenkreis nicht in Betracht, da diese Befugnis ausdrücklich nur den Personenkreis nach § 58 Abs. 1 Nr. 2 BBergG benennt.
Die allgemeine Anordnungsbefugnis nach § 71 Abs. 1 BBergG greift im Grundsatz auch im Rahmen der Aufsicht nach § 69 Abs. 3 BBergG.7) Als Generalklausel setzt sie tatbestandlich nur voraus, dass entsprechende Maßnahmen zur Durchführung der Vorschriften des Bundesberggesetzes oder Bergverordnungen erforderlich sind (zu den Voraussetzungen vgl. Pkt. 3.2). Anordnungen werden im Zusammenhang mit der Aufsicht über markscheiderische Arbeiten regelmäßig als Beanstandung erfolgen. Eine direkte Korrektur des Risswerks im Wege der unmittelbaren Ausführung ohne vorangegangene Anordnung durch die Aufsichtsbehörde ist hingegen nicht möglich, da das Risswerk keine amtliche, sondern eine betriebliche Unterlage darstellt, die durch den Unternehmer anfertigen und nachtragen zu lassen ist. Mögliche Adressaten sind neben dem Unternehmer auch Markscheider oder anerkannte Personen nach § 13 MarkschBergV, wobei im Einzelfall zu beachten ist, welche Pflichten der Unternehmer und die Risswerk führenden Personen haben.
Weitere Befugnisse ergeben sich aus den Landesmarkscheidergesetzen. Das Entfallen von Anerkennungsvoraussetzungcn (z.B. Zuverlässigkeit) kann hier zu einem Widerruf der Anerkennung nach § 49 VwVfG führen. Soweit dies das jeweilige Landesrecht vorsieht, kommt auch eine Untersagungsverfügung gegenüber einem Markscheider in Betracht. Bei anerkannten Personen nach § 13 MarkschBergV enthält § 13 Abs. 3 MarkschBergV eine spezielle Widerrufsbefugnis für den Fall, dass markscheiderische Arbeiten wiederholt oder gröblich nicht entsprechend der Markscheiderbergverordnung ausgeführt werden. Diese Widerrufs-und Untersagungsbefugnisse richten sich ausschließlich an die Markscheider und anerkannten Personen.
3.2 Weisungsbefugnisse zur Eintragung konkreter Angaben im Grubenbild
Die allgemeine Anordnungsbefugnis nach § 71 Abs. 1 BBergG befugt die zuständige Behörde, durch Verwaltungsakt im Einzelfall die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um einen rechtmäßigen Vollzug des Bundesberggesetzes und der darauf beruhenden Bergverordnungen sicherzustellen. Für die Führung des Risswerks ergeben sich die materiellen Maßstäbe aus §§ 63, 64 BBergG und die Markscheider-Bergverordnung, insbesondere §§ 9 und 10 sowie Anlagen 3 und 4 MarkschBergV. Darüber hinaus verlangt § 2 Abs. 1 Satz 1 MarkschBergV die Durchführung von markscheiderischen Arbeiten nach den allgemein anerkannten Regeln der Markscheide- und Vermessungskunde unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten. Nach § 2 Abs. 1 Satz 2 MarkschBergV wird die Einhaltung der Regeln vermutet, soweit die Norm DIN 21901 (Ausgabe Februar 1984) beachtet wurde.
Die Korrektur von Verstößen gegen die dort explizit genannten formellen Anforderungen zu Gliederung, Inhalt und Form (Anlage 3 MarkschBergV), sowie Zeitpunkt der Nachtragung sowie Einreichung des Risswerks kann insoweit durch Anordnung der zuständigen Behörde gegenüber dem Unternehmer als für die Risswerksführung nach § 63 Abs. 1 BBergG verantwortlichen Adressaten durchgesetzt werden. Dass die Nachtragung des Risswerks selbst im Falle des § 64 Abs. 1 BBergG nur durch einen Markscheider oder ggf. durch eine andere Person nach § 13 MarkschBergV erfolgen kann, bleibt unberührt. Die Weisungsfreiheit des Markscheiders nach § 64 Abs. 2 Satz 1 BBergG soll nur Weisungen des Unternehmers gegenüber dem Risswerk führenden Markscheider ausschließen. Weisungen der für die Bergaufsicht zuständigen staatlichen Behörde zur Sicherstellung einer gesetzeskonformen Risswerksführung greifen dagegen in das Verhältnis Unternehmer - Markscheider nicht ein. Damit kann der Unternehmer eine gegen ihn gerichtete Anordnung zu Gliederung, Inhalt und Form (Anlage 3 MarkschBergV) gegenüber dem Risswerk führenden Markscheider im Rahmen seines arbeitsrechtlichen oder vertraglichen Verhältnisses erfüllen, indem er diese dem Markscheider als verpflichtende Arbeitsgrundlage weiterleitet. Soweit das Risswerk durch eine anerkannte Person nach § 13 MarkschBergV geführt wird, besteht ohnehin eine volle Weisungsbefugnis des Unternehmers.
Anordnungen der zuständigen Bergaufsichtsbehörde gegenüber dem Unternehmer müssen sich im Rahmen der gerichtlich voll überprüfbaren gesetzlichen Maßstäbe halten. Unproblematisch ist dies bei Beanstandungen des Risswerks, die ohne weiteren Beurteilungsspielraum auf einer Abweichung zu §§ 9 und 10 sowie Anlagen 3 und 4 MarkschBergV beruhen. Demgegenüber sind Beanstandungen von Verstößen gegen die anerkannten Regeln der Markscheide-und Vermessungskunde unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten nach § 2 Abs. 1 Satz 1 MarkschBergV im Einzelfall zu begründen, woraus sich dies ergibt und gegen welche anerkannten Regeln verstoßen wurde. Nachdem § 2 Abs. 1 Satz 3 MarkschBergV Abweichungen von technischen Normen oder zusätzliche, in Normen nicht geregelte Eintragungen im Risswerk ausdrücklich vorsieht, kann aus Bestimmtheitsgründen keine aufsichtliche Anordnung nur darauf gestützt werden, dass § 2 Abs. 1 Satz 1 MarkschBergV i.V.m. der DIN 21901 (Ausgabe Februar 1984) verletzt wurde. Keine ausreichende Grundlage zur Bestimmung der anerkannten Regeln der Markscheide- und Vermessungskunde sind weiterhin die nur in einzelnen Bundesländern herausgegebenen Rundschreiben oder Richtlinien an Markscheider, da sie keinen abstrakt-generellen Charakter im Sinne einer Verwaltungsvorschrift nach § 143 BBergG haben.
Tatsächliche Feststellungen des Markscheiders, insbesondere Messungen, können Gegenstand einer Anordnung nach § 71 Abs. 1 BBergG sein. Dies setzt voraus, dass für die Aufsicht führende Behörde die zu korrigierende Tatsache bewiesen ist. Schlichte Zweifel an der Richtigkeit tatsächlicher Eintragungen sind hingegen nicht ausreichend, um eine Anordnung gegenüber dem Unternehmer oder der Risswerk führenden Person zu rechtfertigen. Vielmehr müssen diese abweichenden Tatsachen selbst nach den anerkannten Regeln der Markscheide-und Vermessungskunde dargelegt werden.
Anordnungen nach § 71 Abs. 1 BBergG unmittelbar gegenüber dem Risswerk führenden Markscheider ohne eine vorangegangene oder gleichzeitige Anordnung gegenüber dem Unternehmer sind ausgeschlossen, da die ordnungsgemäße Anfertigung und Nachtragung des Risswerks eine Unternehmerpflicht darstellt und insoweit keine Rechtsbeziehung zwischen der zuständigen Behörde und dem Markscheider besteht. Unberührt bleiben Maßnahmen im Rahmen der persönlichen Aufsicht über die Markscheider, die sich aus Anlass einer Risswerksprüfung ergeben. Diese sind gegebenenfalls gesondert zu veranlassen.
1) Piens/Schulte/Graf Vitzthum. BBergG. § 69 Rn 39.
2) Kremer/Neuhaus gen. Wever. Bergrecht Rn 334.
3) Boldt/Weller, BBergG, § 63 Rn 7.
4) Boldt/Weller, BBergG, § 69 Rn 27.
5) Boldt/Weller, BBergG, § 58 Rn 11.
6) Boldt/Weller, BBergG, § 70 Rn 4.
7) Boldt/Weller, BBergG, § 71 Rn 8.

References: § 64
 § 64
 § 1
 § 64
 § 47
 § 2
 § 2
 § 63
 § 63
 § 415
 § 9
 § 7
 § 64
 § 14
 § 9
 § 9
 § 2
 § 2
 § 2
 § 125
 § 7
 § 8
 § 125
 § 2
 § 125
 § 7
 § 69
 § 69
 § 69
 § 69
 § 64
 § 34
 § 69
 § 64
 § 64
 § 64
 § 64
 § 63
 § 62
 § 64
 § 145
 § 64
 § 69
 § 64
 § 63
 § 64
 § 69
 § 13
 § 145
 § 58
 § 9
 § 145
 § 63

§ 69
 § 70
 § 70
 § 13
 § 70
 § 145
 § 13
 § 70
 § 73
 § 58
 § 71
 § 69
 § 13
 § 49
 § 13
 § 13
 § 71
 § 2
 § 2
 § 63
 § 64
 § 13
 § 64
 § 13
 § 2
 § 2
 § 2
 § 143
 § 71
 § 71
 § 69
 § 63
 § 69
 § 58
 § 70
 § 71