Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/kinderehen-und-die-fehlende-einzelfallpruefung-3144333
Timestamp: 2020-06-06 10:56:16+00:00

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Kinderehen - und die fehlende Einzelfallprüfung | Rechtslupe
Kinderehen - und die fehlende Einzelfallprüfung
Kin­der­ehen – und die feh­len­de Ein­zel­fall­prü­fung
Der Bun­des­ge­richts­hof hält die neue Rege­lung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB, wonach im Aus­land geschlos­se­ne Kin­der­ehen in jedem Fall ohne Ein­zel­fall­prü­fung in Deutsch­land nicht aner­kannt wer­den, für ver­fas­sungs­wid­rig und hat die Rege­lung dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Prü­fung vor­ge­legt:
Es wird eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu der Fra­ge ein­ge­holt, ob Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB in der Fas­sung des Geset­zes zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen vom 17.07.2017 [1] mit Art. 1, 2 Abs. 1, 3 Abs. 1 und 6 Abs. 1 GG ver­ein­bar ist, soweit eine unter Betei­li­gung eines nach aus­län­di­schem Recht ehe­mün­di­gen Min­der­jäh­ri­gen geschlos­se­ne Ehe nach deut­schem Recht vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB ohne ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Prü­fung als Nicht­ehe qua­li­fi­ziert wird, wenn der Min­der­jäh­ri­ge im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr nicht voll­endet hat­te.
Dem lag ein Fall aus Syri­en zugrun­de: Der am 1.01.1994 gebo­re­ne Antrag­stel­ler und die am 1.01.2001 gebo­re­ne Betrof­fe­ne sind syri­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge. Als Ver­wand­te (Cou­sin /​Cousine) wuch­sen sie im sel­ben Dorf in Syri­en auf. Am 10.02.2015 schlos­sen sie vor dem Scha­ria­Ge­richt in Sarakeb/​Syrien die Ehe. Auf­grund der Kriegs­er­eig­nis­se flüch­te­ten sie über die soge­nann­te "Bal­kan­rou­te" von Syri­en nach Deutsch­land, wo sie am 27.08.2015 anka­men. Nach ihrer Regis­trie­rung in der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung in Schwein­furt wur­den sie nach Aschaf­fen­burg gebracht. Dort wur­de die Betrof­fe­ne, die bis dahin seit Febru­ar 2015 mit dem Antrag­stel­ler zusam­men­ge­lebt hat­te, am 10.09.2015 vom Jugend­amt in Obhut genom­men; vom Antrag­stel­ler getrennt und in eine Jugend­hil­feein­rich­tung für weib­li­che min­der­jäh­ri­ge unbe­glei­te­te Flücht­lin­ge ver­bracht. Durch einst­wei­li­ge Anord­nung vom 16.09.2015 stell­te das Amts­ge­richt das Ruhen der elter­li­chen Sor­ge bezüg­lich der Betrof­fe­nen fest und ord­ne­te Vor­mund­schaft an. Zum Vor­mund wur­de das Stadt­ju­gend­amt Aschaf­fen­burg bestellt.
Der Antrag­stel­ler, der zunächst nicht wuss­te, wohin die Betrof­fe­ne ver­bracht wor­den war, hat sich im Dezem­ber 2015 an das Amts­ge­richt gewandt und eine Über­prü­fung der Inob­hut­nah­me sowie die Rück­füh­rung der Betrof­fe­nen bean­tragt.
Das Amts­ge­richt, das das Begeh­ren des Antrag­stel­lers in einen Antrag auf Rege­lung des Umgangs­rechts zwi­schen dem Antrag­stel­ler und der Betrof­fe­nen umge­deu­tet hat, hat das Umgangs­recht dahin­ge­hend gere­gelt, dass die Betrof­fe­ne das Recht habe, jedes Wochen­en­de von Frei­tag 17 Uhr bis Sonn­tag 17 Uhr mit dem Antrag­stel­ler zu ver­brin­gen. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beschwer­de des Vor­munds der Betrof­fe­nen hat das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ge­wie­sen; zugleich hat es die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts von Amts wegen auf­ge­ho­ben. Dage­gen rich­tet sich die zuge­las­se­ne Rechts­be­schwer­de des Vor­munds der Betrof­fe­nen, der eine Rege­lung des Umgangs dahin­ge­hend anstrebt, dass die Betrof­fe­ne ledig­lich ein­mal wöchent­lich die Zeit von 14 bis 17 Uhr in Beglei­tung eines Drit­ten mit dem Antrag­stel­ler ver­brin­gen darf.
Das Ver­fah­ren ist nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG aus­zu­set­zen. Nach Über­zeu­gung des Bun­des­ge­richts­hofs ist es mit Art. 1, 2 Abs. 1, 3 Abs. 1 und 6 Abs. 1 GG unver­ein­bar, dass Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB eine unter Betei­li­gung eines nach aus­län­di­schem Recht ehe­mün­di­gen Min­der­jäh­ri­gen geschlos­se­ne Ehe nach deut­schem Recht vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB ohne ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Prü­fung als Nicht­ehe qua­li­fi­ziert, wenn der Min­der­jäh­ri­ge im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr nicht voll­endet hat­te. Zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit ist eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len.
Der Bun­des­ge­richts­hof ist über­zeugt, dass die Rege­lung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB, wonach für den Fall, dass die Ehe­mün­dig­keit eines Ver­lob­ten aus­län­di­schem Recht unter­liegt, die Ehe nach deut­schem Recht vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB unwirk­sam ist, wenn der Ver­lob­te im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr nicht voll­endet hat­te, mit Art. 1, 2 Abs. 1, 3 Abs. 1 und 6 Abs. 1 GG unver­ein­bar ist. Die Fra­ge, ob die­se wäh­rend des lau­fen­den Ver­fah­rens durch das Gesetz zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen mit Wir­kung vom 22.07.2017 [2] ein­ge­füg­te Rege­lung ver­fas­sungs­ge­mäß ist, ist für die Ent­schei­dung des Ver­fah­rens erheb­lich. Denn nur bei Gel­tung die­ser Rege­lung wäre die Rechts­be­schwer­de des Vor­munds der Betrof­fe­nen begrün­det, wäh­rend ansons­ten die mit der Rechts­be­schwer­de ange­streb­te Aus­übung der elter­li­chen Sor­ge dahin­ge­hend, dass die Betrof­fe­ne als ver­hei­ra­te­te Min­der­jäh­ri­ge mit ihrem Ehe­mann wöchent­lich ledig­lich drei Stun­den beglei­te­ten Umgang pfle­gen darf, aus­schei­det.
Die Vor­schrift des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB ist nach her­kömm­li­cher Aus­le­gung unter Berück­sich­ti­gung des Wort­lauts, der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, des gesetz­ge­be­ri­schen Wil­lens und ihres Sinns und Zwecks dahin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass nach aus­län­di­schem Recht geschlos­se­ne Ehen nach deut­schem Recht unwirk­sam ("Nicht­ehe") sein und kei­ner­lei Rechts­wir­kun­gen ent­fal­ten sol­len, wenn der Ver­lob­te im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr nicht voll­endet hat­te. Eine abwei­chen­de ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB kommt nicht in Betracht.
Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te, die unbe­scha­det des Wort­lauts des § 72 Abs. 2 FamFG auch in den Ver­fah­ren nach dem Gesetz über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit in der Rechts­be­schwer­de­instanz von Amts wegen zu prü­fen ist [3], ergibt sich vor­lie­gend jeden­falls aus Art. 1 Abs. 1 lit. b, Abs. 2 lit. a, Art. 8 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 2201/​2003 des Rates vom 27.11.2003 über die Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Ehe­sa­chen und in Ver­fah­ren betref­fend die elter­li­che Ver­ant­wor­tung und zur Auf­he­bung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1347/​2000 [4].
Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te wäre hier auch nach Art. 6 des Haa­ger Über­ein­kom­mens über die Zustän­dig­keit, das anzu­wen­den­de Recht, die Aner­ken­nung, Voll­stre­ckung und Zusam­men­ar­beit auf dem Gebiet der elter­li­chen Ver­ant­wor­tung und der Maß­nah­men zum Schutz von Kin­dern vom 19.10.1996 (Kin­der­schutz­über­ein­kom­men – KSÜ) [5] gege­ben; die­se Vor­schrift ist indes­sen nach Art. 61 lit. a Brüs­sel IIa­VO nach­ran­gig.
Gemäß Art. 15 Abs. 1 KSÜ fin­det auf die vor­lie­gen­de Kind­schafts­sa­che (§ 151 Nr. 1 und 3 FamFG) deut­sches Recht Anwen­dung.
Der Antrag­stel­ler hat beim Amts­ge­richt eine Über­prü­fung der Inob­hut­nah­me sowie die Rück­füh­rung der Betrof­fe­nen zur Wie­der­her­stel­lung der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft bean­tragt. Inso­weit han­delt es sich ent­ge­gen der Umdeu­tung durch das Amtsund das Ober­lan­des­ge­richt nicht um einen Antrag auf Rege­lung des Umgangs des Antrag­stel­lers mit der Betrof­fe­nen, son­dern um einen Rück­füh­rungs­an­trag ent­spre­chend § 1632 Abs. 4 BGB. Denn der Antrag­stel­ler macht im Hin­blick auf die Ehe gel­tend, dass das Jugend­amt die Betrof­fe­ne zu Unrecht aus der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft her­aus­ge­nom­men habe und als Vor­mund ihm die Betrof­fe­ne durch eine miss­bräuch­li­che Aus­übung des Sor­ge­rechts wider­recht­lich vor­ent­hal­te.
Der Vor­mund hat die Betrof­fe­ne im Fal­le einer wirk­sa­men Ehe zu Unrecht vom Antrag­stel­ler getrennt. Eine Aus­übung der elter­li­chen Sor­ge durch den Vor­mund (§§ 1800, 1631 bis 1632 BGB) dahin­ge­hend, dass die Min­der­jäh­ri­ge mit ihrem Ehe­gat­ten ledig­lich drei Stun­den wöchent­lich beglei­te­ten Umgang pfle­gen darf, schei­tert an der Wider­recht­lich­keit des Vor­ent­hal­tens, solan­ge eine wirk­sa­me Ehe vor­liegt.
Nach § 1633 BGB a.F. beschränk­te sich bis zum 21.07.2017 die Per­so­nen­sor­ge für einen ver­hei­ra­te­ten Min­der­jäh­ri­gen auf die Ver­tre­tung in per­sön­li­chen Ange­le­gen­hei­ten. Zur Bestim­mung des Auf­ent­halts oder Rege­lung des Umgangs eines ver­hei­ra­te­ten Min­der­jäh­ri­gen waren danach weder die Eltern noch ein Vor­mund (§§ 1800 BGB a.F., 1633 BGB a.F.) berech­tigt.
Zwar wur­de § 1633 BGB durch das Gesetz zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen mit Wir­kung zum 22.07.2017 auf­ge­ho­ben, so dass jetzt auch bezüg­lich eines ver­hei­ra­te­ten Min­der­jäh­ri­gen das vol­le Sor­ge­recht der Eltern bzw. des Vor­munds besteht (§§ 1631 bis 1632, 1800 BGB). Jedoch schei­tert eine Tren­nung des Min­der­jäh­ri­gen von sei­nem Ehe­gat­ten, die weder die Wirk­sam­keit der Ehe noch das Kin­des­wohl berück­sich­tigt, an der Wider­recht­lich­keit des Vor­ent­hal­tens des Ehe­gat­ten.
st, ist selb­stän­dig anzu­knüp­fen [6] und rich­tet sich gemäß Art. 11, 13 Abs. 1 EGBGB nach syri­schem Recht, weil bei­de Ehe­gat­ten zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung in Syri­en die syri­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit hat­ten und noch haben, und das syri­sche Recht gemäß Art. 13 des syri­schen Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs Nr. 84 vom 18.05.1949 [7] kei­ne Rück­ver­wei­sung aus­spricht.
Nach den nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts lie­gen aus­weis­lich der von den Ehe­leu­ten im Ver­fah­ren vor­ge­leg­ten Urkun­den sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen nach dem syri­schen Per­so­nal­sta­tut­ge­setz für eine wirk­sa­me Ehe­schlie­ßung nach syri­schem Recht vor. Eben­so bestehen auch kei­ner­lei Anhalts­punk­te dafür, dass die vor­ge­leg­ten Urkun­den falsch sein könn­ten.
Selbst wenn wofür aller­dings hier kei­ne Anhalts­punk­te bestehen eine Ehe unter Ver­stoß gegen die Ehe­mün­dig­keits­vor­schrift geschlos­sen wird, liegt nach den nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts nach syri­schem Recht eine wirk­sa­me, ledig­lich auf­heb­ba­re Ehe vor.
Ohne Gel­tung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB ver­stößt die Wirk­sam­keit der Ehe des Antrag­stel­lers und der Betrof­fe­nen als Ergeb­nis der Anwen­dung syri­schen Rechts im kon­kre­ten Fall nicht gegen den ord­re public.
Satz 1 EGBGB unter­sagt die Anwen­dung einer Rechts­norm eines ande­ren Staa­tes, wenn die­se zu einem Ergeb­nis führt, das mit wesent­li­chen Grund­sät­zen des deut­schen Rechts offen­sicht­lich unver­ein­bar ist. Nach Satz 2 der Bestim­mung ist die Rechts­norm eines ande­ren Staa­tes ins­be­son­de­re dann nicht anzu­wen­den, wenn ihre Anwen­dung mit den Grund­rech­ten unver­ein­bar ist. Als nega­ti­ve Vor­be­halts­klau­sel mit Abwehr­funk­ti­on bzw. "Ein­bruchs­tel­le" der Grund­rech­te in das Inter­na­tio­na­le Pri­vat­recht bringt Art. 6 EGBGB damit zum Aus­druck, dass die Völ­ker­rechts­freund­lich­keit der deut­schen Rechts­ord­nung nicht zur unein­ge­schränk­ten Anwen­dung frem­den Rechts durch inlän­di­sche Hoheits­trä­ger auf Sach­ver­hal­te mit Aus­lands­be­zü­gen ver­pflich­tet. Die Anwen­dung des beru­fe­nen aus­län­di­schen Rechts steht viel­mehr unter dem Vor­be­halt, dass eine inner­staat­li­che Rechts­hand­lung deut­scher Staats­ge­walt in Bezug auf einen kon­kre­ten Sach­ver­halt, der eine mehr oder weni­ger star­ke Inlands­be­zie­hung auf­weist, nicht zu einer Grund­rechts­ver­let­zung führt [8]. Zu den wesent­li­chen Grund­sät­zen des deut­schen Rechts in Sor­ge­rechts­an­ge­le­gen­hei­ten gehört dabei ins­be­son­de­re die Beach­tung des Kin­des­wohls des betrof­fe­nen Min­der­jäh­ri­gen, das sich aus dem Grund­recht jedes ein­zel­nen Kin­des auf Schutz und Ach­tung sei­ner Per­sön­lich­keits­ent­fal­tung aus Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG ablei­tet [9].
Die Ehe, die die Betrof­fe­ne im Alter von 14 Jah­ren geschlos­sen hat, ist nach syri­schem Recht wirk­sam, obwohl die für eine Frau nach Art. 16 syrPSG erfor­der­li­che Ehe­fä­hig­keit (Voll­endung des 17. Lebens­jah­res) unter­schrit­ten wird, weil ein Rich­ter sie gemäß Art. 18 syrPSG gestat­tet hat, nach­dem er im kon­kre­ten Ein­zel­fall die kör­per­li­che Rei­fe der Betrof­fe­nen und ihre Behaup­tung, geschlechts­reif zu sein, über­prüft und bestä­tigt hat.
Anhalts­punk­te für eine soge­nann­te Zwangs­ehe sind hier weder dar­ge­legt noch ersicht­lich.
Dass die Betrof­fe­ne bei der Ehe­schlie­ßung (erst) 14 Jah­re alt war, ver­mag für sich genom­men jeden­falls dann, wenn wie hier eine kon­kre­te Prü­fung der Ehe­fä­hig­keit im Ein­zel­fall erfolgt ist, kei­nen Ver­stoß gegen wesent­li­che Grund­sät­ze des deut­schen Rechts zu begrün­den.
Wann das noch akzep­ta­bel erschei­nen­de Min­dest­al­ter für die Ehe­schlie­ßung nach deut­schem Recht unter­schrit­ten ist, wur­de vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen bis­lang unter­schied­lich beur­teilt. Teil­wei­se wur­de die Gren­ze grund­sätz­lich bei 16 Jah­ren gezo­gen [10], teil­wei­se zwi­schen dem 15. und dem 16. Lebens­jahr [11], teil­wei­se bei 15 Jah­ren [12], teil­wei­se eher bei 14 Jah­ren [13] und teil­wei­se bei einem Ehe­mün­dig­keits­al­ter von unter 14 Jah­ren [14]. Teil­wei­se wur­de auch für eine Gesamt­schau plä­diert, für die es nicht allein und nicht ein­mal ent­schei­dend auf ein Alter von 14 oder 15 Jah­ren bei der Ehe­schlie­ßung ankommt [15]. Die unter­schied­li­chen Ansät­ze bele­gen ein­drück­lich, dass sich im Hin­blick auf die indi­vi­du­el­le Ent­wick­lung jedes Kin­des jeg­li­che sche­ma­ti­sche Lösung ver­bie­tet.
Die Fra­ge eines gene­rel­len Min­dest­al­ters für die Ehe­schlie­ßung bedarf indes­sen im Rah­men der Prü­fung des ord­re public vor­lie­gend kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung. Denn zu den wesent­li­chen Grund­sät­zen des deut­schen Rechts bei der Ehe­schlie­ßung Min­der­jäh­ri­ger gehört nicht eine umstrit­te­ne gene­rel­le Alters­gren­ze, son­dern die Beach­tung des Kin­des­wohls in jedem Ein­zel­fall.
Weder hin­sicht­lich des Schut­zes des Pri­vatund Fami­li­en­le­bens nach Art. 8 EMRK noch im Über­ein­kom­men über die Rech­te des Kin­des (UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on – UN-KRK) [16] wur­de ein Min­dest­al­ter für die Ehe­schlie­ßung fest­ge­setzt. Viel­mehr ver­lan­gen Art. 3 Abs. 1 UNKRK, dass das indi­vi­du­el­le Kin­des­wohl vor­ran­gig berück­sich­tigt, und Art. 12 Abs. 1 UNKRK, dass der Rei­fe und der Auto­no­mie des jewei­li­gen Kin­des Respekt gezollt wird [17]. Nach den nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts bestehen kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die Betrof­fe­ne nicht über die erfor­der­li­che Rei­fe für die Ehe­schlie­ßung ver­fügt hat. Auch im Übri­gen haben sich danach im gesam­ten Ver­fah­ren kei­ne kon­kre­ten Beden­ken hin­sicht­lich des Kin­des­wohls der Betrof­fe­nen erge­ben.
Auch eine abwei­chen­de Beur­tei­lung auf­grund der Wer­tung des § 182 Abs. 3 StGB hat das Ober­lan­des­ge­richt mit zutref­fen­der Begrün­dung ver­neint. Aus die­ser Vor­schrift lässt sich weder ein gene­rel­les Min­dest­al­ter für die Ehe­schlie­ßung noch ein Ver­stoß gegen das Kin­des­wohl der Betrof­fe­nen ablei­ten.
Schließ­lich war eine (im Febru­ar 2015) unter Ver­stoß gegen die Rege­lung der Ehe­mün­dig­keit in § 1303 Abs. 1 BGB a.F. geschlos­se­ne Ehe nach deut­schem Recht nicht unwirk­sam, son­dern nach § 1314 Abs. 1 BGB a.F. auf­heb­bar. Bei die­ser Auf­heb­bar­keit bleibt es nach der Über­lei­tungs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 1 EGBGB für Ehen, die nach deut­schem Recht vor dem 22.07.2017 geschlos­sen wur­den. Ein Anfech­tungs­oder Auf­he­bungs­ver­fah­ren wur­de hier zu kei­nem Zeit­punkt betrie­ben.
Damit schei­det im Ergeb­nis ein Ver­stoß gegen den ord­re public aus.
Eine danach wirk­sa­me Ehe des Antrag­stel­lers mit der Betrof­fe­nen schließt das Vor­ent­hal­ten der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft durch den Vor­mund auch inso­weit aus, als ihm nach §§ 1800, 1631 bis 1632 BGB die gesam­te elter­li­che Sor­ge für den min­der­jäh­ri­gen Ehe­gat­ten zusteht. Dass durch das Gesetz zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen auch § 1633 BGB a.F. auf­ge­ho­ben wur­de, wonach sich die Per­so­nen­sor­ge für einen ver­hei­ra­te­ten Min­der­jäh­ri­gen auf die Ver­tre­tung in den per­sön­li­chen Ange­le­gen­hei­ten beschränk­te, ist daher vor­lie­gend nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Denn die allein vom Vor­mund der Betrof­fe­nen ein­ge­leg­te Rechts­be­schwer­de ist bei Wirk­sam­keit der Ehe des Antrag­stel­lers und der Betrof­fe­nen unab­hän­gig von der Rege­lung des § 1633 BGB a.F. unbe­grün­det.
Zu den Kern­grund­sät­zen der Ehe gehört, dass die Ehe­gat­ten gemäß § 1353 Abs. 1 Satz 2 BGB ein­an­der zur ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft ver­pflich­tet sind und für ein­an­der Ver­ant­wor­tung tra­gen. Unter der Lebens­ge­mein­schaft der Ehe­gat­ten ist dabei pri­mär die wech­sel­sei­ti­ge inne­re Bin­dung der Ehe­gat­ten zu ver­ste­hen. Die häus­li­che Gemein­schaft umschreibt dage­gen die äuße­re Rea­li­sie­rung die­ser Lebens­ge­mein­schaft in einer bei­den Ehe­gat­ten gemein­sa­men Wohn­stät­te. Die häus­li­che Gemein­schaft bezeich­net also einen äuße­ren, frei­lich nicht not­wen­di­gen Teil­aspekt die­ser Gemein­schaft [18]. Eine ander­wei­ti­ge Lebens­ge­stal­tung kön­nen die Ehe­gat­ten im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men ver­ein­ba­ren [19]. Dass die Ehe­gat­ten aber von einem Drit­ten dar­an gehin­dert wer­den, die ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft in ihrem Teil­aspekt der häus­li­chen Gemein­schaft zu ver­wirk­li­chen, ist mit dem Wesen der Ehe nicht ver­ein­bar. Ver­ei­telt der Vor­mund als Inha­ber der Per­so­nen­sor­ge für einen min­der­jäh­ri­gen Ver­hei­ra­te­ten wie hier ohne sach­li­chen Grund die häus­li­che Gemein­schaft der Ehe­gat­ten, stellt dies viel­mehr eine Kin­des­wohl­ge­fähr­dung dar, die das Fami­li­en­ge­richt gemäß § 1666 Abs. 1 BGB durch geeig­ne­te Maß­nah­men abzu­wen­den hat.
Dage­gen wäre die Rechts­be­schwer­de bei Anwend­bar­keit des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB begrün­det.
nter­liegt die Ehe­mün­dig­keit eines Ver­lob­ten aus­län­di­schem Recht, ist nach Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB die Ehe nach deut­schem Recht unwirk­sam, wenn der Ver­lob­te wie hier die Betrof­fe­ne im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr nicht voll­endet hat­te. Da eine unwirk­sa­me Ehe als Nicht­ehe kei­ne Rechts­fol­gen zu bewir­ken ver­mag, wäre die Ehe damit für die Aus­übung der elter­li­chen Sor­ge durch den Vor­mund unbe­acht­lich.
Abs. 3 Nr. 1 EGBGB ent­hält inso­weit eine spe­zi­el­le Rege­lung des ord­re public, die der all­ge­mei­nen Rege­lung in Art. 6 EGBGB vor­geht. Eine Prü­fung des ord­re public im Ein­zel­fall unter Berück­sich­ti­gung des kon­kre­ten Wohls des betrof­fe­nen Kin­des ist danach aus­ge­schlos­sen.
Die Vor­schrift des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB ist nach her­kömm­li­cher Aus­le­gung unter Berück­sich­ti­gung des Wort­lauts, der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, des gesetz­ge­be­ri­schen Wil­lens und ihres Sinns und Zwecks dahin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass nach aus­län­di­schem Recht geschlos­se­ne Ehen nach deut­schem Recht unwirk­sam ("Nicht­ehe") sein und kei­ner­lei Rechts­wir­kun­gen ent­fal­ten sol­len, wenn der Ver­lob­te im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr nicht voll­endet hat­te.
Maß­ge­bend für die Aus­le­gung von Geset­zen ist der in der Norm zum Aus­druck kom­men­de objek­ti­vier­te Wil­le des Gesetz­ge­bers, wie er sich aus dem Wort­laut der Vor­schrift und dem Sinn­zu­sam­men­hang ergibt, in den sie hin­ein­ge­stellt ist. Der Erfas­sung des objek­ti­ven Wil­lens des Gesetz­ge­bers die­nen die aner­kann­ten Metho­den der Geset­zes­aus­le­gung aus dem Wort­laut der Norm, der Sys­te­ma­tik, ihrem Sinn und Zweck sowie aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en und der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, die ein­an­der nicht aus­schlie­ßen, son­dern sich gegen­sei­tig ergän­zen. Unter ihnen hat kei­ne einen unbe­ding­ten Vor­rang vor einer ande­ren. Aus­gangs­punkt der Aus­le­gung ist aller­dings der Wort­laut der Vor­schrift. Er gibt aber nicht immer hin­rei­chen­de Hin­wei­se auf den Wil­len des Gesetz­ge­bers. Unter Umstän­den wird erst im Zusam­men­hang mit Sinn und Zweck des Geset­zes oder ande­ren Aus­le­gungs­ge­sichts­punk­ten die im Wort­laut aus­ge­drück­te; vom Gesetz­ge­ber ver­folg­te Rege­lungs­kon­zep­ti­on deut­lich, der sich der Rich­ter nicht ent­ge­gen­stel­len darf. Des­sen Auf­ga­be beschränkt sich dar­auf, die inten­dier­te Rege­lungs­kon­zep­ti­on bezo­gen auf den kon­kre­ten Fall auch unter gewan­del­ten Bedin­gun­gen mög­lichst zuver­läs­sig zur Gel­tung zu brin­gen. In kei­nem Fall darf rich­ter­li­che Rechts­fin­dung das gesetz­ge­be­ri­sche Ziel der Norm in einem wesent­li­chen Punkt ver­feh­len oder ver­fäl­schen oder an die Stel­le der Rege­lungs­kon­zep­ti­on des Gesetz­ge­bers gar eine eige­ne tre­ten las­sen. Für die Beant­wor­tung der Fra­ge, wel­che Rege­lungs­kon­zep­ti­on dem Gesetz zugrun­de liegt, kommt neben dem Wort­laut den Geset­zes­ma­te­ria­li­en und der Sys­te­ma­tik des Geset­zes eine nicht uner­heb­li­che Indi­zwir­kung zu. Die Ein­deu­tig­keit der im Wege der Aus­le­gung gewon­ne­nen gesetz­ge­be­ri­schen Grund­ent­schei­dung wird nicht not­wen­dig dadurch rela­ti­viert, dass der Wort­laut der ein­schlä­gi­gen Norm auch ande­re Deu­tungs­mög­lich­kei­ten eröff­net, soweit die­se Deu­tun­gen offen­sicht­lich eher fern lie­gen. Ande­ren­falls wäre es für den Gesetz­ge­ber ange­sichts der Schwie­rig­keit, text­lich Ein­deu­tig­keit her­zu­stel­len, nahe­zu unmög­lich, sein Rege­lungs­an­lie­gen gegen­über der Recht­spre­chung über einen län­ge­ren Zeit­raum durch­zu­set­zen [20].
Gemäß Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB sind nach aus­län­di­schem Recht geschlos­se­ne Ehen eben­so wie jetzt im Inland geschlos­se­ne Ehen nach § 1303 Satz 2 BGB stets unwirk­sam, wenn ein Ehe­part­ner bei Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr nicht voll­endet hat­te.
Dies ergibt sich schon aus dem ein­deu­ti­gen Wort­laut der Vor­schrift, der aus­nahms­los eine Unwirk­sam­keit sol­cher Ehen vor­sieht. Die­se Ehen ent­fal­ten mit­hin kei­ner­lei Rechts­wir­kung.
Zwar erfährt Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB inso­weit eine Ein­schrän­kung, als die­se Vor­schrift nach Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB nicht gilt, wenn der min­der­jäh­ri­ge Ehe­gat­te vor dem 22.07.1999 gebo­ren oder die nach aus­län­di­schem Recht wirk­sa­me Ehe bis zur Voll­jäh­rig­keit des min­der­jäh­ri­gen Ehe­gat­ten geführt wor­den ist und kein Ehe­gat­te seit der Ehe­schlie­ßung bis zur Voll­jäh­rig­keit des min­der­jäh­ri­gen Ehe­gat­ten sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat­te. Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen wie hier aber nicht vor, bleibt es bei der in Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB aus­drück­lich ange­ord­ne­ten Nich­tig­keit.
Ein ande­res Ver­ständ­nis der Vor­schrift ist vor dem Hin­ter­grund der Ent­ste­hungs­ge­schich­te und dem gesetz­ge­be­ri­schen Wil­len aus­ge­schlos­sen.
Der Gesetz­ge­ber hat mit dem Gesetz zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen aus­drück­lich auf die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung reagiert. Er woll­te ein Ergeb­nis wie in dem ange­foch­te­nen Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts, nach dem auf der Rechts­fol­gen­sei­te (hin­sicht­lich der Auf­heb­bar­keit der Ehe wegen Unter­schrei­tens der Ehe­mün­dig­keit) zunächst aus­län­di­sches Recht zur Anwen­dung gelangt, aus­drück­lich ver­mei­den [21].
Der Gesetz­ge­ber hat das Ehe­mün­dig­keits­al­ter im Inter­es­se des Min­der­jäh­ri­gen­schut­zes auf 18 Jah­re her­auf­ge­setzt (§ 1303 Satz 1 BGB). Ehen, die unter Ver­stoß gegen die Ehe­mün­dig­keits­vor­schrif­ten geschlos­sen wur­den, sind unwirk­sam, wenn ein Ehe­gat­te im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat­te (§ 1303 Satz 2 BGB). Die­se Ehen ent­fal­ten kei­ner­lei Rechts­wir­kung [22]. Sämt­li­che Vor­schrif­ten, die den min­der­jäh­ri­gen Ehe­gat­ten betra­fen, wie etwa § 1633 BGB a.F., wur­den ent­spre­chend auf­ge­ho­ben. Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB ergänzt die­se Rege­lun­gen ledig­lich für das inter­na­tio­na­le Pri­vat­recht: Auch eine nach aus­län­di­schem Recht geschlos­se­ne Ehe ist nach deut­schem Recht vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB unwirk­sam ("Nicht­ehe"), wenn der Ehe­schlie­ßen­de im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat­te [23].
Auch der Sinn und Zweck der Rege­lung in Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB ste­hen einem ander­wei­ti­gen Ver­ständ­nis ent­ge­gen.
Sinn und Zweck der Rege­lung war nach der Geset­zes­be­grün­dung, zur Wah­rung des Kin­des­wohls kla­re Rege­lun­gen für den Umgang der deut­schen Rechts­ord­nung mit Ehen min­der­jäh­ri­ger aus­län­di­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger zu schaf­fen, weil die bis­he­ri­ge Rechts­la­ge hin­sicht­lich der Ehen von Min­der­jäh­ri­gen im Zuge der Ein­rei­se von Flücht­lin­gen zuneh­mend als unbe­frie­di­gend emp­fun­den wur­de [24]. Inlän­di­sche und nach aus­län­di­schem Recht wirk­sam geschlos­se­ne Min­der­jäh­rige­ne­hen soll­ten inso­weit gleich behan­delt wer­den [25]. Die­ses gesetz­ge­be­ri­sche Kon­zept ist auch weder unstim­mig noch wider­sprüch­lich umge­setzt.
Ange­sichts des Wort­lauts, der Ent­ste­hungs­ge­schich­te und des gesetz­ge­be­ri­schen Wil­lens ist es aus­ge­schlos­sen, die abschlie­ßen­de Vor­schrift des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB ver­fas­sungs­kon­form erwei­ternd dahin aus­zu­le­gen, dass eine nach aus­län­di­schem Recht unter Betei­li­gung eines Min­der­jäh­ri­gen, der bei Ehe­schlie­ßung noch nicht das 16. Lebens­jahr voll­endet hat­te, geschlos­se­ne Ehe im Ein­zel­fall unter Kin­des­wohl­ge­sichts­punk­ten auch nach deut­schem Recht wirk­sam sein kann.
Der Respekt vor dem demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Gesetz­ge­ber gebie­tet es zwar, eine Vor­schrift durch Aus­le­gung so weit auf­recht zu erhal­ten, wie dies in den Gren­zen des Grund­ge­set­zes mög­lich ist, ohne dass sie ihren Sinn ver­liert. Die Mög­lich­keit einer ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung endet aber dort, wo sie zu dem Wort­laut und dem klar erkenn­ba­ren Wil­len des Gesetz­ge­bers in Wider­spruch tre­ten wür­de [26]. Eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung gegen den Wil­len des Gesetz­ge­bers ist nicht zuläs­sig [27]. Eine sol­che Kor­rek­tur des Geset­zes wür­de nicht zuletzt Art. 100 Abs. 1 GG zuwi­der­lau­fen, der die Auto­ri­tät des par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bers im Ver­hält­nis zur Recht­spre­chung wah­ren soll [28].
Der Bun­des­ge­richts­hof ist der Über­zeu­gung, dass die gesetz­li­che Anord­nung der Unwirk­sam­keit der von einem noch nicht 16jährigen Min­der­jäh­ri­gen nach aus­län­di­schem Recht wirk­sam geschlos­se­nen Ehe in Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB inso­fern mit Art. 1, Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 GG unver­ein­bar ist, als die Wirk­sam­keit der Ehe nach deut­schem Recht ohne Rück­sicht auf den kon­kre­ten Fall ver­sagt wird, und im Gegen­satz zur Über­gangs­re­ge­lung für im Inland geschlos­se­ne Kin­der­ehen nach Art. 229 § 44 Abs. 1 EGBGB auch sol­che vor dem 22.07.2017 nach aus­län­di­schen Recht wirk­sam geschlos­se­ne Ehen unwirk­sam wer­den, die bis zum Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen auch nach deut­schem Recht wirk­sam und nur auf­heb­bar waren.
Die Anord­nung in Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB, dass nach aus­län­di­schem Recht wirk­sam geschlos­se­ne Ehen nach deut­schem Recht vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB unwirk­sam sind, wenn einer der Ehe­schlie­ßen­den zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat­te, ist nach Über­zeu­gung des Bun­des­ge­richts­hofs mit Art. 6 Abs. 1 GG unver­ein­bar [29].
Abs. 1 GG stellt die Ehe unter den beson­de­ren Schutz der staat­li­chen Ord­nung. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ent­hält die­se Vor­schrift sowohl ein Grund­recht auf Schutz vor Ein­grif­fen des Staa­tes als auch eine Insti­tuts­ga­ran­tie und eine wert­ent­schei­den­de Grund­satz­norm für das gesam­te die Fami­lie betref­fen­de pri­va­te Recht [30]. Sie beinhal­tet dabei ein Ver­bot, die Ehe zu schä­di­gen [31]. In die­sen Schutz sind auch nach aus­län­di­schem Recht geschlos­se­ne Ehen ein­be­zo­gen [32]. Ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz genießt inso­fern die fami­liä­re Ver­ant­wort­lich­keit für­ein­an­der, die von der wech­sel­sei­ti­gen Pflicht der Ehe­gat­ten zu Bei­stand und Rück­sicht­nah­me geprägt ist [33]. Dies erfasst die freie Gestal­tung des gesam­ten Ver­hält­nis­ses der Ehe­gat­ten unter­ein­an­der. Ohne das Vor­lie­gen zwin­gen­der sach­li­cher Grün­de ver­bie­ten sich daher Behin­de­run­gen bzw. Vor­ent­hal­tung des räum­li­chen Zusam­men­le­bens der Ehe­gat­ten [34]. Wenn dem Gesetz­ge­ber bei der Rege­lung der Ehe­mün­dig­keit auch ein erheb­li­cher Gestal­tungs­spiel­raum zusteht, so kön­nen den­noch zu stren­ge Vor­aus­set­zun­gen der Ehe­schlie­ßung mit der Frei­heit der Ehe­schlie­ßung oder ande­ren sich aus der Ver­fas­sung erge­ben­den Struk­tur­prin­zi­pi­en der Ehe unver­ein­bar sein [35].
Die­sen Anfor­de­run­gen wird Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB nicht gerecht. Denn die­se Rege­lung ver­sagt den nach aus­län­di­schem Recht wirk­sam geschlos­se­nen Ehen den gebo­te­nen Schutz ohne Rück­sicht auf den kon­kre­ten Fall [36]. Sie greift ohne sach­li­chen Grund in den Kern­be­reich der Ehe ein, indem sie den Ehe­gat­ten die Gestal­tung ihrer ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­se nach ihren Vor­stel­lun­gen ver­wei­gert. Dar­über hin­aus fehlt jeg­li­che Rege­lung über die Rechts­fol­gen der Nich­tig­keit der Ehe, etwa zur Fra­ge der Abstam­mung von Kin­dern, die in der unwirk­sa­men Ehe gebo­ren wer­den, zur elter­li­chen Sor­ge für sol­che Kin­der oder zu etwai­gen Unter­halts­an­sprü­chen des Min­der­jäh­ri­gen aus der unwirk­sa­men Ehe [37]. Zudem leis­tet die Vor­schrift der Ent­ste­hung von Dop­pel­ehen Vor­schub.
Die Rege­lung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB ver­stößt nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs zudem gegen Art. 6 Abs. 1 GG unter dem Gesichts­punkt des aus Art.20 Abs. 3 GG abge­lei­te­ten Ver­trau­ens­schut­zes.
Wenn der Gesetz­ge­ber die Rechts­fol­ge eines der Ver­gan­gen­heit zuge­hö­ri­gen Ver­hal­tens nach­träg­lich belas­tend ändert, bedarf dies einer beson­de­ren Recht­fer­ti­gung vor dem Rechts­staats­prin­zip und den Grund­rech­ten des Grund­ge­set­zes, unter deren Schutz Sach­ver­hal­te "ins Werk gesetzt" wor­den sind. Die Grund­rech­te wie auch das Rechts­staats­prin­zip garan­tie­ren im Zusam­men­wir­ken die Ver­läss­lich­keit der Rechts­ord­nung als wesent­li­che Vor­aus­set­zung für die Selbst­be­stim­mung über den eige­nen Lebens­ent­wurf und damit als eine Grund­be­din­gung frei­heit­li­cher Ver­fas­sun­gen. Es wür­de den Ein­zel­nen in sei­ner Frei­heit erheb­lich gefähr­den, dürf­te die öffent­li­che Gewalt an sein Ver­hal­ten oder an ihn betref­fen­de Umstän­de ohne wei­te­res im Nach­hin­ein belas­ten­de­re Rechts­fol­gen knüp­fen, als sie zum Zeit­punkt sei­nes rechts­er­heb­li­chen Ver­hal­tens gal­ten.
Die "ech­te" Rück­wir­kung ("Rück­be­wir­kung von Rechts­fol­gen") ist ver­fas­sungs­recht­lich grund­sätz­lich unzu­läs­sig. Erst mit der Ver­kün­dung, das heißt, mit der Aus­ga­be des ers­ten Stücks des Ver­kün­dungs­blat­tes, ist eine Norm recht­lich exis­tent. Bis zu die­sem Zeit­punkt, zumin­dest aber bis zum end­gül­ti­gen Geset­zes­be­schluss, muss der von einem Gesetz Betrof­fe­ne grund­sätz­lich dar­auf ver­trau­en kön­nen, dass sei­ne auf gel­ten­des Recht gegrün­de­te Rechts­po­si­ti­on nicht durch eine zeit­lich rück­wir­ken­de Ände­rung der gesetz­li­chen Rechts­fol­gen­an­ord­nung nach­tei­lig ver­än­dert wird. Aus­nahms­wei­se kön­nen aber zwin­gen­de Belan­ge des Gemein­wohls oder ein nicht oder nicht mehr vor­han­de­nes schutz­be­dürf­ti­ges Ver­trau­en des Ein­zel­nen eine Durch­bre­chung des Ver­bots einer "ech­ten" Rück­wir­kung gestat­ten.
Dage­gen ist die "unech­te" Rück­wir­kung ("tat­be­stand­li­che Rück­an­knüp­fung") nicht grund­sätz­lich unzu­läs­sig, denn die Gewäh­rung voll­stän­di­gen Schut­zes zuguns­ten des Fort­be­stehens der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge wür­de den dem Gemein­wohl ver­pflich­te­ten Gesetz­ge­ber in wich­ti­gen Berei­chen läh­men und den Kon­flikt zwi­schen der Ver­läss­lich­keit der Rechts­ord­nung und der Not­wen­dig­keit ihrer Ände­rung im Hin­blick auf einen Wan­del der Lebens­ver­hält­nis­se in nicht mehr ver­tret­ba­rer Wei­se zu Las­ten der Anpas­sungs­fä­hig­keit der Rechts­ord­nung lösen. Der ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­trau­ens­schutz geht ins­be­son­de­re nicht so weit, den Staats­bür­ger vor jeder Ent­täu­schung zu bewah­ren. Soweit nicht beson­de­re Momen­te der Schutz­wür­dig­keit hin­zu­tre­ten, genießt die bloß all­ge­mei­ne Erwar­tung, das gel­ten­de Recht wer­de zukünf­tig unver­än­dert fort­be­stehen, kei­nen beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz. Der Gesetz­ge­ber muss aber, soweit er für künf­ti­ge Rechts­fol­gen an zurück­lie­gen­de Sach­ver­hal­te anknüpft, dem ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Ver­trau­ens­schutz in hin­rei­chen­dem Maß Rech­nung tra­gen. Dabei sind die Inter­es­sen der All­ge­mein­heit, die mit der Rege­lung ver­folgt wer­den, und das Ver­trau­en des Ein­zel­nen auf die Fort­gel­tung der Rechts­la­ge abzu­wä­gen und der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu wah­ren. Eine unech­te Rück­wir­kung ist mit den Grund­sät­zen grund­recht­li­chen und rechts­staat­li­chen Ver­trau­ens­schut­zes daher nur ver­ein­bar, wenn sie zur För­de­rung des Geset­zes­zwecks geeig­net und erfor­der­lich ist und wenn bei einer Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen dem Gewicht des ent­täusch­ten Ver­trau­ens und dem Gewicht und der Dring­lich­keit der die Rechts­än­de­rung recht­fer­ti­gen­den Grün­de die Gren­ze der Zumut­bar­keit gewahrt bleibt [38].
Zwar beinhal­tet Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB kei­ne ech­te Rück­wir­kung im Sin­ne einer Rück­be­wir­kung von Rechts­fol­gen. Denn das Ver­trau­en der Betrof­fe­nen wird inso­weit ledig­lich in Gestalt einer tat­be­stand­li­chen Rück­an­knüp­fung beschränkt, weil die belas­ten­de Rechts­fol­ge der Unwirk­sam­keit der Ehe nach deut­schem Recht erst nach der Ver­kün­dung des Geset­zes ein­greift. Soweit jedoch vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen die vor dem 22.07.2017 nach aus­län­di­schem Recht wirk­sam geschlos­se­nen Ehen bei Unter­schrei­tung der Ehe­mün­dig­keit nach deut­schem Recht wirk­sam und ledig­lich auf­heb­bar waren, ver­letzt Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB den durch den Ver­gan­gen­heits­be­zug dies­be­züg­lich begrün­de­ten Ver­trau­ens­schutz. Zu dem Zeit­punkt, als der Antrag­stel­ler und die Betrof­fe­ne in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­ge­reist sind, war ihre in Syri­en geschlos­se­ne Ehe nach deut­schem Recht wirk­sam und ledig­lich auf­heb­bar. Die Wirk­sam­keit ihrer Ehe stand zudem unter dem beson­de­ren Schutz des Art. 6 Abs. 1 GG. Dass die Nich­tig­keit sämt­li­cher vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Bekämp­fung von Kin­der­ehen unter Ver­stoß gegen die Ehe­mün­dig­keits­vor­schrif­ten geschlos­se­ner Ehen zur Errei­chung des Geset­zes­zwecks nicht erfor­der­lich war, belegt die abwei­chen­de Über­gangs­re­ge­lung des Art. 229 § 44 Abs. 1 EGBGB; danach bleibt es für nach deut­schem Recht vor dem 22.07.2017 geschlos­se­nen Ehen bei der bis­he­ri­gen Rege­lung, dass die­se Ehen wirk­sam und ledig­lich auf­heb­bar sind. Zu einem gene­ral­prä­ven­ti­ven Schutz des Kin­des­wohls ist die Rege­lung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB dar­über hin­aus unge­eig­net, weil sie weder direk­te noch indi­rek­te Wir­kun­gen auf die Ehe­schlie­ßung nach aus­län­di­schem Recht haben kann [36].
Die Rege­lung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB ver­stößt nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs fer­ner gegen Art. 3 Abs. 1 GG.
Abs. 1 GG gebie­tet, alle Men­schen vor dem Gesetz gleich zu behan­deln. Das hier­aus fol­gen­de Gebot, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln, gilt für unglei­che Belas­tun­gen und unglei­che Begüns­ti­gun­gen. Dabei ver­wehrt Art. 3 Abs. 1 GG dem Gesetz­ge­ber nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung. Dif­fe­ren­zie­run­gen bedür­fen jedoch stets der Recht­fer­ti­gung durch Sach­grün­de, die dem Ziel und dem Aus­maß der Ungleich­be­hand­lung ange­mes­sen sind. Dabei gilt ein stu­fen­lo­ser am Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ori­en­tier­ter ver­fas­sungs­recht­li­cher Prü­fungs­maß­stab, des­sen Inhalt und Gren­zen sich nicht abs­trakt, son­dern nur nach den jeweils betrof­fe­nen unter­schied­li­chen Sachund Rege­lungs­be­rei­chen bestim­men las­sen. Hin­sicht­lich der ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an den die Ungleich­be­hand­lung tra­gen­den Sach­grund erge­ben sich aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber, die von gelo­cker­ten auf das Will­kür­ver­bot beschränk­ten Bin­dun­gen bis hin zu stren­gen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­sen rei­chen kön­nen [39].
Die­sen Anfor­de­run­gen wird die Rege­lung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB nicht gerecht.
Zum einen ist ein sach­li­cher Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen im Aus­land und in Deutsch­land geschlos­se­nen Ehen nicht ersicht­lich: Wäh­rend eine nach deut­schem Recht vor dem 22.07.2017 unter Ver­stoß gegen die Ehe­mün­dig­keit geschlos­se­ne Ehe nach Art. 229 § 44 Abs. 1 EGBGB wei­ter­hin wirk­sam, aber auf­heb­bar bleibt, ist die nach aus­län­di­schem Recht geschlos­se­ne Ehe nach Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB iVm Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB unwirk­sam, wenn der min­der­jäh­ri­ge Ehe­gat­te nicht vor dem 22.07.1999 gebo­ren wur­de und die Ehe­gat­ten vor der Voll­jäh­rig­keit die­ses Ehe­gat­ten ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land genom­men haben [40].
Eben­so wenig ist ein sach­li­cher Grund dafür ersicht­lich, dass es bei der Nich­tig­keit gemäß Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB auch in dem Fall ver­bleibt, dass der zuvor in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­ge­reis­te Min­der­jäh­ri­ge hier das 18. Lebens­jahr voll­endet, wäh­rend nach der Über­gangs­re­ge­lung des Art. 229 § 44 Abs. 4 Nr. 2 EGBGB die Ehe nach deut­schem Recht wirk­sam ist, wenn die nach aus­län­di­schem Recht wirk­sa­me Ehe bis zur Voll­jäh­rig­keit des min­der­jäh­ri­gen Ehe­gat­ten geführt wor­den ist und kein Ehe­gat­te seit der Ehe­schlie­ßung bis zur Voll­jäh­rig­keit des min­der­jäh­ri­gen Ehe­gat­ten sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat­te.
Die Rege­lung des Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB ver­stößt nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs schließ­lich gegen den nach Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 1 GG gebo­te­nen Schutz des Kin­des­wohls.
Das min­der­jäh­ri­ge Kind hat als Grund­rechts­trä­ger Anspruch auf staat­li­chen Schutz sei­nes Grund­rechts auf Schutz und Ach­tung sei­ner Per­sön­lich­keits­ent­fal­tung aus Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG [41]. Zugleich bil­det das Wohl des Kin­des den Richt­punkt für den staat­li­chen Schutz­auf­trag nach Art. 6 Abs. 2 Satz 2 GG [42]. Das staat­li­che "Wäch­ter­amt" beinhal­tet inso­weit eine Ver­pflich­tung zu kin­des­wohl­ge­rech­tem Han­deln, das auf die Kin­des­grund­rech­te abzu­stim­men ist [43]. Ent­spre­chend gehört der Schutz des Kin­des­wohls, wie bereits aus­ge­führt, zu den wesent­li­chen Grund­sät­zen des Kind­schafts­rechts.
Die Qua­li­fi­zie­rung als Nicht­ehe nach Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB vor­be­halt­lich der Aus­nah­men in der Über­gangs­vor­schrift des Art. 229 § 44 Abs. 4 EGBGB ver­letzt den danach erfor­der­li­chen Schutz des Min­der­jäh­ri­gen.
Der Schutz des Kin­des­wohls gebie­tet eine kon­kre­te Prü­fung des Wohls des betrof­fe­nen Kin­des im Ein­zel­fall. Denn jeder Min­der­jäh­ri­ge ist ein Wesen mit eige­ner Men­schen­wür­de und einem eige­nen Recht auf Ent­fal­tung und Ent­wick­lung sei­ner Per­sön­lich­keit. Dies steht mit einem gene­rel­len Min­dest­al­ter für die Ehe­schlie­ßung, das kei­ner­lei Aus­nah­men im Ein­zel­fall zulässt, nicht in Ein­klang. Ent­spre­chend setzt die UNKRK ein Min­dest­al­ter für die Ehe­schlie­ßung gera­de nicht fest, son­dern ver­langt viel­mehr, dass nach Art. 12 UNKRK der Rei­fe und der Auto­no­mie des jewei­li­gen Kin­des Respekt gezollt wird, und dass nach Art. 3 UNKRK das indi­vi­du­el­le Wohl des Kin­des vor­ran­gig berück­sich­tigt wird [36].
Dem­ge­gen­über lässt die durch Art. 13 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB ange­ord­ne­te Unwirk­sam­keit kei­nen Spiel­raum für die erfor­der­li­che ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Prü­fung des Wohls des betrof­fe­nen Kin­des.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Novem­ber 2018 – XII ZB 292/​16
BGBl. I S. 2429[↩]
BGBl. I, S. 2429 ff.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 20.12 2017 XII ZB 333/​17 FamRZ 2018, 457 Rn. 9 und BGHZ 203, 372 = FamRZ 2015, 479 Rn. 11[↩]
ABl. EU Nr. L 338 S. 1; im Fol­gen­den: Brüs­sel IIa­VO[↩]
BGBl.2009 – II S. 602, 603[↩]
vgl. etwa BGH, Urteil vom 12.03.1981 IVa ZR 111/​80 FamRZ 1981, 651, 653[↩]
deut­sche Über­set­zung abge­druckt bei Bergmannn/​Ferid Inter­na­tio­na­les Eheund Kind­schafts­recht, Ara­bi­sche Repu­blik Syri­en S. 9[↩]
BVerfG Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 12.09.2006 2 BvR 2216/​05 13 mwN; BVerfGE 31, 58, 86; BVerfGE 31, 58, 75 f.[↩]
vgl. etwa BVerfG FamRZ 2010, 865 Rn. 23 ff. mwN[↩]
KG FamRZ 2012, 1495, 1496 [wenn auch nicht sta­tisch]; wohl AG Offen­bach FamRZ 2010, 1561, 1562; Coes­ter StAZ 1988, 122, 123 und Münch­Komm-BGB/­Coes­ter 6. Aufl. Art. 13 EGBGB Rn. 38; eher bei Voll­endung des 16. Lebens­jah­res: Beck­OK BGB/​MörsdorfSchulte [Stand: Novem­ber 2011] Art. 13 EGBGB Rn. 25[↩]
Hep­ting Deut­sches und Inter­na­tio­na­les Fami­li­en­recht im Per­so­nen­stands­recht [2010] S. 179 [III281][↩]
Man­kow­ski FamRZ 2016, 1274, 1275 und Staudinger/​Mankowski BGB [2011] Art. 13 EGBGB Rn.203; AG Han­no­ver FamRZ 2002, 1116, 1117; KG FamRZ 1990, 45, 46; Rohe StAZ 2000, 161, 165[↩]
bei Dif­fe­ren­zie­rung nach Kul­tur­krei­sen für die isla­mi­schen Staa­ten des Vor­de­ren Ori­ents: Scholz StAZ 2002, 321, 328[↩]
AG Tübin­gen ZfJ 1992, 48 [Min­dest­hei­rats­al­ter für Mäd­chen von 12 Jah­ren nach uru­gu­ay­ischem Recht kein Ver­stoß gegen den ord­re public]; Erman/​Hohloch BGB 13. Aufl. Art. 13 EGBGB Rn. 24; juris­PK-BGB/­Ba­et­ge [2009] Art. 6 EGBGB Rn. 89; Bamberger/​Roth/​S. Lorenz BGB 2. Aufl. Art. 6 EGBGB Rn. 24; Rohe StAZ 2006, 93, 95; Loo­schel­ders Inter­na­tio­na­les Pri­vat­recht [2004] Art. 6 EGBGB Rn. 44[↩]
Frank StAZ 2012, 129, 130[↩]
BGBl. II 1992 S. 121 und 990[↩]
vgl. Hüß­te­ge FamRZ 2017, 1374, 1377; Stel­lung­nah­me der Kin­der­rech­te­kom­mis­si­on des Deut­schen Fami­li­en­ge­richts­tag e.V. vom 29.11.2016 [Bericht­erstat­tung: Coes­ter] FamRZ 2017, 77, 79[↩]
vgl. BGH, Beschluss BGHZ 210, 124 = FamRZ 2016, 1142 Rn. 13 mwN und BGH, Urteil BGHZ 149, 140 = FamRZ 2002, 316, 317 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 27.04.2016 XII ZB 485/​14 FamRZ 2016, 1142 Rn. 14 mwN[↩]
vgl. BVerfG NJW 2013, 1058 Rn. 66 mwN[↩]
BT-Drs. 18/​12086 S. 16[↩]
BT-Drs. 18/​12086 S. 15[↩]
vgl. BT-Drs. 18/​12086 S. 15[↩]
BT-Drs. 18/​12086 S. 14 f.[↩]
BT-Drs. 18/​12086 S. 2[↩]
BVerfG NJW 2015, 1359 Rn. 132 mwN; NJW 2007, 2977 Rn. 91 mwN; NJW 2000, 347, 349; BGH, Beschluss vom 01.07.2015 XII ZB 89/​15 FamRZ 2015, 1484 Rn. 35[↩]
BGH, Beschluss vom 27.06.2012 XII ZR 89/​10 FamRZ 2012, 1489 Rn. 50; BGH, Urteil vom 24.06.2009 XII ZR 161/​08, FamRZ 2009, 1477 Rn. 28[↩]
BVerfG NJW 2007, 2977 Rn. 91; BGH Beschluss vom 16.05.2013 – II ZB 7/​11 NJW 2013, 2674 Rn. 38 mwN[↩]
eben­so: Coes­ter FamRZ 2017, 77, 79; Hüß­te­ge FamRZ 2017, 1374, 1377; kri­tisch auch zu wei­te­ren Aspek­ten des Geset­zes: Schwab FamRZ 2017, 1369 ff.; Spick­hoff FamRZ 2018, 412, 419; Dut­ta FamRZ 2018, 1149, 1151; Weller/​Thomale/​Hategan/​Werner FamRZ 2018, 1289 ff.[↩]
BVerfGE 62, 323, 329; BVerfGE 31, 58, 67 mwN[↩]
BVerfG FamRZ 1990, 727 Rn. 29[↩]
BVerfGE 62, 323, 329; BVerfGE 51, 386, 396; BVerfGE 31, 58, 67; Coes­ter FamRZ 2017, 77, 79[↩]
vgl. BVerfG FamRZ 2005, 872 Rn. 71 mwN[↩]
vgl. Beck­OK GG/​Uhle [Stand: 15.08.2018] Art. 6 GG Rn. 28 mwN[↩]
BVerfGE 31, 56 NJW 1971, 1509, 1510[↩]
vgl. Coes­ter FamRZ 2017, 77, 79[↩][↩][↩]
vgl. Hüß­te­ge FamRZ 2017, 1374, 1377 f.[↩]
BVerfGE 131, 20 = NVwZ 2012, 876 Rn. 71 ff. mwN[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. etwa BVerfG NJW 2018, 2542 Rn. 69 und FR 2016, 78 Rn. 26 mwN[↩]
vgl. Coes­ter-Walt­jen IPrax 2017, 429, 433[↩]
BVerfG FamRZ 2010, 865 Rn. 23 ff. mwN[↩]
BVerfG FamRZ 1999, 85 Rn. 57[↩]
BVerfG FamRZ 1999, 85 Rn. 58 mwN[↩]
EheKindereheordre public

References: Art. 13
 Art. 13
 Art. 1
 Art. 229
 § 44
 Art. 100
 Art. 1
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 1
 Art. 13
 Art. 13
 § 72
 Art. 1
 Art. 8
 Art. 6
 Art. 61
 Art. 15
 § 1632
 § 1633
 § 1633
 Art. 11
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 6
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 16
 Art. 18
 Art. 8
 Art. 3
 Art. 12
 § 182
 § 1303
 § 1314
 Art. 229
 § 44
 § 1633
 § 1633
 § 1353
 § 1666
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 6
 Art. 13
 Art. 13
 § 1303
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 13
 § 1633
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 100
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 229
 § 44
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 6
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 6
 Art.20
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 6
 Art. 229
 § 44
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 229
 § 44
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 6
 Art. 13
 Art. 229
 § 44
 Art. 12
 Art. 3
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 BGH 
 Art. 6