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Timestamp: 2017-01-22 16:15:48+00:00

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Mit weniger Aufwand zur Steuerrückerstattung. Jetzt Steuererklärung starten Start Service Steuertipps Arbeitnehmer und Angestellte A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Krankheitskosten Inhaltsverzeichnis 1. Typische Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG 2. Nachweis 2.1. Ärztliches Rezept 2.2. Überblick über die BFH-Rechtsprechung 2.3. Gesetz und Verwaltungsregelung zum Nachweis von Krankheitskosten 3. Übernahme der Krankheitskosten für einen Unterhaltsberechtigten 4. Krankheitskosten als Betriebsausgaben oder Werbungskosten 5. Schuldgeldzahlungen als außergewöhnliche Belastung 6. Einzelfälle-ABC 6.1. Abmagerungskur 6.2. Allergie 6.3. Alternative Medizinmethoden 6.4. Anthroposophische Behandlungsmethode 6.5. Aspirin 6.6. Ayur-Veda-Behandlung 6.7. Behindertengerechter Um- bzw. Neubau 6.8. Bekleidungskosten von Transsexuellen 6.9. Besuch eines Sportstudios 6.10. Besuchsfahrten 6.11. Bettzeug 6.12. Birkenpollenallergie 6.13. Delfintherapie 6.14. Diätverpflegung 6.15. Dispokinese 6.16. Einlegesohlen 6.17. Fettabsaugung 6.18. Gruppentreffen suchtgefährdeter Menschen 6.19. Haarausfall beim Mann 6.20. Hand- und Fußcremes 6.21. Heileurythmie 6.22. Kaufzwang 6.23. Klimaheilbehandlung 6.24. Krebsabwehrtherapie 6.25. Künstliche Befruchtung 6.26. Kur 6.26.1. Nachweis 6.26.2. Kinderkuren 6.26.3. Begleitperson 6.26.4. Kurreisen 6.26.5. Badekur 6.26.6. Fahrtkosten 6.26.7. Übernahme von Kurkosten durch den Arbeitgeber 6.27. Legasthenieerkrankung 6.28. Magnetfeldtherapie 6.29. Maschendrahtzaunersatz 6.30. Medizinische Fachliteratur 6.31. Medizinische Hilfsmittel 6.32. Medikamente 6.33. Nahrungsergänzungsmittel 6.34. Praxisgebühr 6.35. Schönheitsoperationen 6.36. Tierarztkosten 6.37. Toupet 6.38. Trinkgelder 6.39. Wassergymnastik 6.40. Zahn-Implantate 6.41. Zwischenheimfahrten bei einer Begleitperson 7. Ermittlung der zumutbaren Belastung 8. Literaturhinweise 9. Verwandte Lexikonartikel Zurück zur Übersicht »K« 1. Typische Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG
Krankheitskosten stellen außergewöhnliche Belastungen i.S.d. § 33 EStG dar (» Außergewöhnliche Belastungen). Dazu zählen Aufwendungen für die Behandlung durch Ärzte und Heilpraktiker, für Operationen, Zahnbehandlungen und Zahnersatz, Medikamente, Krankenhausaufenthalte, Krankenbeförderungen, technische Hilfsmittel.
Der BFH geht in ständiger Rspr. davon aus, dass Krankheitskosten – ohne Rücksicht auf die Art und die Ursache der Erkrankung – dem Stpfl. aus tatsächlichen Gründen zwangsläufig erwachsen (BFH Beschluss vom 9.11.2010, VI B 101/10, BFH/NV 2011, 588, LEXinform 5905985). Allerdings werden nur solche Aufwendungen als Krankheitskosten berücksichtigt, die zum Zweck der Heilung einer Krankheit oder mit dem Ziel geleistet werden, die Krankheit erträglich zu machen. Aufwendungen für die eigentliche Heilbehandlung werden als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt, ohne dass es im Einzelfall der nach § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG an sich gebotenen Prüfung der Zwangsläufigkeit des Grundes und der Höhe nach bedarf (BFH Urteile vom 1.2.2001, III R 22/00, BStBl II 2001, 543; vom 3.12.1998, III R 5/98, BStBl II 1999, 227). Eine derart typisierende Behandlung der Krankheitskosten ist zur Vermeidung eines unzumutbaren Eindringens in die Privatsphäre geboten. Dies gilt aber nur dann, wenn die Aufwendungen nach den Erkenntnissen und Erfahrungen der Heilkunde und nach den Grundsätzen eines gewissenhaften Arztes zur Heilung oder Linderung der Krankheit angezeigt (vertretbar) sind und vorgenommen werden (BFH Urteil vom 18.6.1997, III R 84/96, BStBl II 1997, 805), also medizinisch indiziert sind. Aufwendungen, die nicht auf einer medizinisch indizierten Behandlung beruhen, zählen nicht zu den Krankheitskosten (BFH Beschluss vom 15.11.1999, III B 76/99, BFH/NV 2000, 697).
Obwohl die Mehrzahl der Stpfl. entweder pflichtversichert ist oder freiwillig eine Krankenversicherung abgeschlossen hat und die Prämien als Sonderausgaben abziehbar sind (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a EStG), werden Krankheitskosten auch dann als zwangsläufig beurteilt, wenn der Betroffene nicht krankenversichert ist. Denn auch insoweit wäre ein unangemessenes Eindringen in die Privatsphäre des Einzelnen erforderlich, z.B. zur Prüfung, ob eine Versicherung im Hinblick auf besondere Risiken abgelehnt oder nur mit unzumutbar hohen Prämien erreicht werden könnte.
Mit Urteil vom 11.11.2010 (VI R 17/09, BStBl II 2011, 969) hat der BFH entschieden, dass der Verzicht auf die Inanspruchnahme von Sozialleistungen dem Abzug von Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG nicht entgegensteht. Allerdings sind Krankheitskosten dann nicht steuerlich abzugsfähig, wenn und soweit der Stpfl. auf ihre Geltendmachung bei der Krankenkasse verzichtet, um sich den Beitragsrückerstattungsanspruch zu sichern (FG Rheinland-Pfalz Beschluss vom 31.1.2012, DStRE 2013, 467, LEXinform 5013156, rkr.; s.a. Pressemitteilung des FG Rheinland-Pfalz vom 6.2.2012, LEXinform 0437506).
Die Rspr. zu den Krankheitskosten im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen fasst eine Pressemitteilung des Bundesverbandes der Lohnsteuerhilfevereine e.V. vom 28.3.2011 (LEXinform 0436332) zusammen.
Unter Änderung seiner bisherigen Rspr. hat der BFH mit Urteilen vom 11.11.2010 (VI R 17/09, BStBl II 2011, 969 und VI R 16/09, BStBl II 2011, 966) entschieden, dass zur Geltendmachung von Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen der Nachweis einer Krankheit und der medizinischen Indikation der Behandlung nicht mehr zwingend durch ein vor Beginn der Behandlung eingeholtes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten bzw. Attest eines öffentlich-rechtlichen Trägers geführt werden muss. Der Nachweis kann vielmehr auch noch später und durch alle geeigneten Beweismittel geführt werden.
Das Risiko des durch Zeitablauf im Nachgang schwierigeren oder gar unmöglichen Nachweises trifft den Stpfl. Insofern bleibt es dabei, dass eine vorherige amtsärztliche Stellungsnahme regelmäßig eine erhöhte Beweiskraft haben wird und daher weiterhin zu empfehlen ist (Haupt, DStR 2011, 204).
Die erforderlichen Feststellungen, ob der Einbau des Treppenlifts aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden des Stpfl. medizinisch angezeigt war, ist nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung zu treffen. Der BFH weist darauf hin, dass ein von einem Beteiligten vorgelegtes Sachverständigengutachten im finanzgerichtlichen Verfahren lediglich als Privatgutachten zu behandeln und damit als urkundlich belegter Parteivortrag zu würdigen ist. Ein solches Gutachten kann daher nicht als Nachweis für die Richtigkeit des klägerischen Vortrags gewertet werden. Da weder das FA noch das FG die Sachkunde besitzen, um die medizinische Indikation der den Aufwendungen zugrundeliegenden Maßnahme zu beurteilen, ist das FG aufgrund seiner Verpflichtung zur Sachaufklärung (§ 76 FGO) gehalten, gegebenenfalls von Amts wegen ein entsprechendes Gutachten zu erheben.
Auf Grund der geänderten BFH-Rspr. wurde durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 vom 1.11.2011 (BGBl I 2011, 2131) in § 33 Abs. 4 EStG i.V.m. § 64 EStDV der Nachweis von Krankheitskosten neu geregelt. Durch die EStÄR 2012 wurden ab dem Kj. 2013 in R 33.4 Abs. 1 EStR auch die Verwaltungsanweisungen bezüglich der Nachweisführung der Krankheitskosten an die gesetzliche Regelung angepasst.
Durch eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers. Betroffen sind Arznei-, Heil- und Hilfsmittel.
Für den Nachweis der Zwangsläufigkeit von Aufwendungen für den Einbau eines Treppenlifts ist gem. § 33 Abs. 4 EStG i.V.m. § 64 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. e EStDV i.d.F. des Steuervereinfachungsgesetzes ein amts- oder vertrauensärztliches Attest im Vorfeld der Maßnahme erforderlich, da der Treppenlift ein medizinisches Hilfsmittel im weiteren Sinn ist und eine medizinische Indikation daher nicht typisierend angenommen werden kann (Urteil FG Münster vom 18.9.2012, 11 K 3982/11 E, EFG 2013, 44, LEXinform 5014191, Revision eingelegt, Az. BFH: VI R 61/12, LEXinform 0929465).
Aufwendungen aus Anlass einer Unterbringung eines an Legasthenie erkrankten Kindes in einem Internat sowie der dorthin unternommenen Fahrten und zurück sind im Streitjahr 2007 dann nicht als außergewöhnliche Belastungen gem. § 33 Abs. 1 EStG abziehbar, wenn die medizinisch notwendige psychagogische Heilbehandlung in einer geeigneten Sonderschule nicht durch eine formalisierte ärztliche Stellungnahme vor Einleitung einer solchen Maßnahme nachgewiesen wurde. Gegen die Anwendung des § 33 Abs. 4 EStG i.V.m. § 64 Abs. 1 EStDV auf alle noch »offenen« Fälle gemäß § 84 Abs. 3f EStDV bestehen keine rechtsstaatlichen Bedenken (FG Münster Urteil vom 18.1.2012, 11 K 317/09 E, EFG 2012, 702, LEXinform 5013193, rkr. durch Rücknahme der Revision VI R 13/12, LEXinform 0929023; s.a. Pressemitteilung des FG Münster vom 15.2.2012, LEXinform 0437547),
medizinische Hilfsmittel, die als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens i.S.v. § 33 Abs. 1 SGB V (s.o. unter 1.) anzusehen sind (s.a. Anmerkung vom 31.1.2013, LEXinform 0943499),
wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden, wie z.B. Frisch- und Trockenzellenbehandlungen, Sauerstoff-, Chelat- und Eigenbluttherapie. Mit Urteil vom 17.4.2013 (5 K 71/11, LEXinform 5014979, Revision eingelegt, Az. BFH: VI R 27/13) hat das FG Schleswig-Holstein zur Anerkennung der Aufwendungen für Heileurythmie als außergewöhnliche Belastung entschieden, dass die heileurythmische Behandlung keine wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsnethode i.S.d. § 64 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f EStDV sei, weil sie als eine anthroposophische Behandlungsmethode einer der in § 2 Abs. 1 Satz 2 SGB V aufgeführten besonderen Therapierichtungen zuzuordnen sei, zu denen die Anthroposophie gehöre (s.a. Mitteilung des FG Schleswig-Holstein vom 25.6.2013, LEXinform 0439878).
Krankheitskosten für einen Unterhaltsberechtigten können beim Unterhaltspflichtigen insoweit als außergewöhnliche Belastung anerkannt werden, als der Unterhaltsberechtigte nicht in der Lage ist, die Krankheitskosten selbst zu tragen (H 33.1–33.4 [Krankheitskosten für Unterhaltsberechtigte] EStH).
Zur Berücksichtigung der Aufwendungen für die krankheitsbedingte Unterbringung eines Angehörigen in einem Altenpflegeheim als außergewöhnliche Belastungen hat der BFH mit Urteil vom 30.6.2011 (VI R 14/10, BStBl II 2012, 876) entschieden, dass diese Aufwendungen als Krankheitskosten unter § 33 Abs. 1 EStG fallen. Abziehbar sind neben den Pflegekosten auch die Kosten, die auf die Unterbringung und Verpflegung entfallen, soweit es sich hierbei um gegenüber der normalen Lebensführung entstehende Mehrkosten handelt. Eine Aufteilung derartiger Kosten in Unterhaltskosten i.S.v. § 33a EStG und Krankheitskosten i.S.v. § 33 EStG kommt nicht in Betracht. Bei Unterhaltsaufwendungen besteht kein Wahlrecht zwischen einem Abzug nach § 33 EStG oder nach § 33a EStG (§ 33a Abs. 4 EStG; s.a. » Heimunterbringung).
4. Krankheitskosten als Betriebsausgaben oder Werbungskosten
Krankheitskosten können aber auch » Betriebsausgaben oder » Werbungskosten sein. Dies ist dann der Fall, wenn der Stpfl. unter einer typischen Berufskrankheit leidet oder der Zusammenhang mit dem Beruf in anderer Weise eindeutig feststeht.
5. Schuldgeldzahlungen als außergewöhnliche Belastung
Mit Urteil vom 12.5.2011 (VI R 37/10, BFH/NV 2011, 1605, LEXinform 0927972) hat der BFH entschieden, dass Aufwendungen für den Schulbesuch eines hochbegabten Kindes als außergewöhnliche Belastungen abziehbar sein können, wenn der Schulbesuch medizinisch angezeigt ist.
Auch nach der Neufassung des § 64 EStDV i.d.F. des Steuervereinfachungsgesetzes 2011 ist ein Nachweis vor Beginn der Maßnahme nicht erforderlich, da die Aufwendungen für den Schulbesuch des Kindes nicht in § 64 Abs. 1 Nr. 2 EStDV genannt sind. Zum Privatschulbesuch s.a. R 33.4 Abs. 2 EStR und H 33.1–33.4 [Privatschule] EStH (Geserich, NWB 2011, 2761).
S.a. Anthroposophische Behandlungsmethode, Delfintherapie, Magnetfeldtherapie.
S. Heileurythmie.
Mit Urteil vom 17.4.2013 (5 K 71/11, LEXinform 5014979, Revision eingelegt, Az. BFH: VI R 27/13) hat das FG Schleswig-Holstein zur Anerkennung der Aufwendungen für Heileurythmie als außergewöhnliche Belastung entschieden, dass die heileurythmische Behandlung keine wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethode i.S.d. § 64 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f EStDV sei, weil sie als eine anthroposophische Behandlungsmethode einer der in § 2 Abs. 1 Satz 2 SGB V aufgeführten besonderen Therapierichtungen zuzuordnen sei, zu denen die Anthroposophie gehöre (s.a. Mitteilung des FG Schleswig-Holstein vom 25.6.2013, LEXinform 0439878). § 64 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f EStDV fordert den strengen amtlichen Nachweis nur bei wissenschaftlich nicht anerkannten Behandlungsmethoden, nicht aber bei wissenschaftlich umstrittenen Behandlungsmethoden. Auch die Behandlungsmethoden der in § 2 Abs. 1 Satz 2 SGB V aufgeführten besonderen Therapierichtungen, zu denen die Homöopathie, Anthroposophie und Phytotherapie gehören, sind wissenschaftlich anerkannte Heilmethoden, die nach festgelegten Regeln in der Praxis individuell angewandt und kontinuierlich mit modernen wissenschaftlichen Methoden weiter entwickelt werden.
6.6. Ayur-Veda-Behandlung
Aufwendungen für eine Ayur-Veda-Behandlung können nur dann als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden, wenn die medizinische Notwendigkeit dieser Behandlung im Einzelfall durch ein vor ihrem Beginn erstelltes amtsärztliches Attest nachgewiesen ist (BFH Urteil vom 1.2.2001, III R 22/00, BStBl II 2001, 543; H 33.1–33.4 [Ayur-Veda-Behandlung] EStH). Zum Nachweis s.a. § 64 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStDV (s.o.).
Zur Berücksichtigung der Mehraufwendungen für den behindertengerechten Um- oder Neubau eines Hauses als außergewöhnliche Belastungen s. » Behinderte sowie die Anmerkung vom 21.5.2013 unter LEXinform 0652124.
6.8. Bekleidungskosten von Transsexuellen
6.9. Besuch eines Sportstudios
6.10. Besuchsfahrten
Aufwendungen sind nicht zwangsläufig, wenn sie durch die Inanspruchnahme anderweitiger Ersatzmöglichkeiten abgewendet werden können, sofern deren Ausschöpfung nicht ausnahmsweise unzumutbar ist (BFH Urteil vom 20.9.1991, III R 91/89, BStBl II 1992, 137). Der Stpfl. kann daher ihm entstandene Kosten nur dann als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd geltend machen, statt eine anderweitige Ersatzmöglichkeit zu verfolgen, wenn es sich um eine Ersatzmöglichkeit von geringer wirtschaftlicher Auswirkung handelt (vgl. BFH Urteil vom 7.3.1975, VI R 98/72, BStBl II 1975, 629) oder wenn er andere anerkennenswerte Gründe hat, sie nicht auszuschöpfen, z.B. weil er seinem ArbG eine bestimmte Krankheit nicht mitteilen möchte (BFH Urteil vom 20.9.1991, III R 91/89, BStBl II 1992, 137). Von dem Stpfl. wird erwartet, dass er seine Ansprüche in nachhaltiger und überprüfbarer Weise geltend macht (BFH Urteile vom 18.6.1997, III R 84/96, BStBl II 1997, 805 und 20.9.1991, III R 91/89, BStBl II 1992, 137). Im Streitfall wäre es der Klägerin zuzumuten gewesen, zumindest zu versuchen, sich die Fahrtkosten von ihrer Mutter erstatten zu lassen. Da es sich nach Darstellung der Kläger um Fahrten handelte, die die Kläger – da zur Heilbehandlung erforderlich – ausschließlich im Interesse der Mutter durchgeführt haben, haben die Kläger gegenüber der Mutter zivilrechtlich einen Aufwendungsersatzanspruch nach § 670 BGB. Da die Eltern der Klägerin nach den vorgelegten Rentenbescheinigungen zumindest über Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung i.H.v. monatlich netto rund 1 590 € verfügten, kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden, dass die Mutter in der Lage war, die den Klägern entstandenen Kosten ganz oder teilweise zu tragen. Die Geltendmachung der Forderung war den Klägern auch nicht unzumutbar. Da die Aufwendungen nach Darstellung der Kläger nicht aus Besuchen zur Pflege der familiären Beziehungen resultierten, sondern der Heilung bzw. Linderung der Krankheit der Mutter gedient haben und damit im alleinigen Interesse der Mutter stattfanden, ist nicht ersichtlich, warum die Geltendmachung eines Ersatzanspruches sittenwidrig oder gar als Nötigung anzusehen sei. Da die Kläger von vornherein auf die Geltendmachung eines Ersatzanspruches verzichtet haben, sind die Zwangsläufigkeit und damit eine außergewöhnliche Belastung zu verneinen
6.11. Bettzeug
6.12. Birkenpollenallergie
6.13. Delfintherapie
S.a. Alternative Medizinmethoden.
6.14. Diätverpflegung
Mehraufwendungen für eine Diätverpflegung sind nach § 33 Abs. 2 Satz 3 EStG nicht als außergewöhnliche Belastung abziehbar. Diese Regelung ist selbst dann nicht verfassungswidrig, wenn die Diät an die Stelle medikamentöser Behandlung tritt (FG Münster Urteil vom 16.11.2011, 10 K 200/10 E, LEXinform 5013102, rkr.). Diese Grundsätze gelten auch für Mehraufwendungen, die den Eltern für die glutenfreie Ernährung ihres an Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) erkrankten Kindes entstehen (BFH Urteil vom 9.10.2003, III B 139/02, BFH/NV 2004, 187). Mit Urteil vom 21.6.2007 (III R 48/04, LEXinform 0586243) bestätigt der BFH seine Rspr. und stellt zusätzlich fest, dass gegen das gesetzliche Verbot der Berücksichtigung von Aufwendungen für Diätverpflegung keine verfassungsrechtlichen Bedenken bestehen (H 33.1–33.4 [Diätverpflegung] EStH).
6.15. Dispokinese
6.16. Einlegesohlen
Allerdings hat der Stpfl. die Zwangsläufigkeit von Aufwendungen im Krankheitsfall in einer Reihe von Fällen formalisiert nachzuweisen. Bei krankheitsbedingten Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (§§ 2, 23, 31 bis 33 SGB V) ist dieser Nachweis nach § 64 Abs. 1 Nr. 1 EStDV i.d.F. des StVereinfG 2011 durch eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers zu führen; bei Aufwendungen für Maßnahmen, die ihrer Art nach nicht eindeutig nur der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen können und deren medizinische Indikation deshalb schwer zu beurteilen ist, verlangt § 64 Abs. 1 Nr. 2 EStDV i.d.F. des StVereinfG 2011 ein vor Beginn der Heilmaßnahme oder dem Erwerb des medizinischen Hilfsmittels ausgestelltes amtsärztliches Gutachten oder eine vorherige ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (§ 275 SGB V). Ein solcher qualifizierter Nachweis ist beispielsweise bei Bade- und Heilkuren (§ 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. a EStDV i.d.F. des StVereinfG 2011) sowie bei medizinischen Hilfsmitteln, die als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens i.S. von § 33 Abs. 1 SGB V anzusehen sind (§ 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. e EStDV i.d.F. des StVereinfG 2011), erforderlich.
6.17. Fettabsaugung
S. Schönheitsoperationen.
6.18. Gruppentreffen suchtgefährdeter Menschen
Unter Änderung seiner bisherigen Rspr. hat der BFH mit Urteilen vom 11.11.2010 (VI R 17/09, BStBl II 2011, 969 und VI R 16/09, BStBl II 2011, 966) entschieden, dass zur Geltendmachung von Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen der Nachweis einer Krankheit und der medizinischen Indikation der Behandlung nicht mehr zwingend durch ein vor Beginn der Behandlung eingeholtes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten bzw. Attest eines öffentlich-rechtlichen Trägers geführt werden muss. Der Nachweis kann vielmehr auch noch später und durch alle geeigneten Beweismittel geführt werden (s.o. Allergie). Zum Nachweis der Zwangsläufigkeit von Aufwendungen im Krankheitsfall s.o. die Erläuterungen zu § 33 Abs. 4 i.V.m. § 64 EStDV.
6.19. Haarausfall beim Mann
6.20. Hand- und Fußcremes
6.21. Heileurythmie
Mit Urteil vom 17.4.2013 (5 K 71/11, LEXinform 5014979, Revision eingelegt, Az. BFH: VI R 27/13) hat das FG Schleswig-Holstein zur Anerkennung der Aufwendungen für Heileurythmie als außergewöhnliche Belastung entschieden, dass die heileurythmische Behandlung keine wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsnethode i.S.d. § 64 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f EStDV sei, weil sie als eine anthroposophische Behandlungsmethode einer der in § 2 Abs. 1 Satz 2 SGB V aufgeführten besonderen Therapierichtungen zuzuordnen sei, zu denen die Anthroposophie gehöre (s.a. Mitteilung des FG Schleswig-Holstein vom 25.6.2013, LEXinform 0439878).
Auszüge aus der Klageschrift: »Die Grundelemente der Heileurythmie sind die in Bewegung umgewandelten Laute unserer Sprache, die je nach Indikation und therapeutischer Zielsetzung spezifisch angewandt werden. Die Gestaltungsdynamik, die in der Lautbildung, d.h. im Aussprechen von Vokalen und Konsonanten, enthalten sei, werde in der Heileurythmie in Bewegung umgesetzt und erlebbar gemacht. Heileurythmie wird seit mehreren Jahrzehnten auf ärztliche Verordnung sowohl im ambulanten, stationären und palliativen Bereich u.a. bei akuten, chronischen oder degenerativen Erkrankungen des Nervensystems, des Herz-Kreislaufssystems, des Stoffwechselsystems und des Bewegungsapparates angewendet.
6.22. Kaufzwang
6.23. Klimaheilbehandlung
6.24. Krebsabwehrtherapie
6.25. Künstliche Befruchtung
Aufwendungen eines Ehepaares für eine heterologe künstliche Befruchtung können als außergewöhnliche Belastungen zu berücksichtigen sein (BFH Urteil vom 16.12.2010, VI R 43/10, BStBl II 2011, 414; Änderung der Rspr. im BFH-Urteil vom 18.5.1999, III R 46/97, BStBl II 1999, 761; H 33.1–33.4 [Künstliche Befruchtung] EStH).
Der BFH hat mit Urteil vom 18.5.1999 (III R 46/97, BStBl II 1999, 761) die Aufwendungen einer empfängnisfähigen verheirateten Frau für die Befruchtung mit Spermien eines Dritten nicht als außergewöhnliche Belastungen anerkannt. Die organisch bedingte Sterilität eines Ehepartners sei zwar als Krankheit, d.h. objektiv als anomaler regelwidriger Körperzustand, einzuordnen. Denn die Fortpflanzungsfähigkeit sei für Ehepartner, die sich in Ausübung ihres Selbstbestimmungsrechts gemeinsam für ein eigenes Kind entscheiden, eine biologisch notwendige Körperfunktion. Bei den Aufwendungen im Zusammenhang mit der Durchführung einer künstlichen Befruchtung in Form der sog. heterologen Insemination, d.h. der Befruchtung von Eizellen der Ehefrau mit dem Sperma eines fremden Mannes, handele es sich aber nicht um die Kosten therapeutischer Maßnahmen i.S.d. Rspr. des BFH zu § 33 EStG. Es fehle – anders als in Fällen der homologen künstlichen Befruchtung – an einer gezielten, medizinisch indizierten Behandlung zum Zwecke der Heilung oder Linderung der Krankheit des zeugungsunfähigen Ehemannes. Die künstliche Befruchtung der (gesunden) Ehefrau mit Fremdsamen bezwecke nicht die Beseitigung oder Linderung von Schmerzen oder Beschwerden als Symptomen der Unfruchtbarkeit des Ehemannes, sondern die Erfüllung des Wunsches nach einem Kind.
6.26. Kur
6.26.1. Nachweis
6.26.2. Kinderkuren
6.26.3. Begleitperson
Die Berücksichtigung von Kosten einer Begleitperson während einer medizinisch indizierten Kur als außergewöhnliche Belastung setzt grundsätzlich voraus, dass die krankheits- oder altersbedingte Notwendigkeit der Begleitung durch ein vor Reiseantritt eingeholtes amtsärztliches Gutachten oder eine andere, diesem gleichzustellende Bescheinigung nachgewiesen wird (BFH Urteil vom 17.12.1997, III R 35/97, BStBl II 1998, 298; H 33.1–33.4 [Kur – Begleitperson] EStH). Zum Nachweis s.a. § 64 Abs. 2 EStDV.
6.26.4. Kurreisen
Aus den von einem Hausarzt ausgestellten Überweisungs- und Abrechnungsscheinen ergibt sich nicht, dass der Stpfl. die Reise unternommen hat, um im Kurort mehrfach bzw. täglich einen Arzt aufzusuchen. Der Hausarzt hatte in diesem Zusammenhang für den Aufenthalt lediglich Krankengymnastik dreimal in der Woche angeordnet. Des Weiteren erfolgte die Überweisung an den »Arzt am Urlaubsort« »kurativ« zur »Mit- bzw. Weiterbehandlung«. Vielmehr ergibt sich aus den Belegen, dass der Stpfl. im Kurort während des Aufenthalts – von dem ortsansässigen Arzt verordnet – Großmassagen, Fangopackungen und Thermalbewegungsbäder erhalten hatte. Weiteres ist den Unterlagen nicht zu entnehmen. Damit sind die Aufenthalte als Kurreisen zu qualifizieren, denn sowohl nach der Rspr. des BFH als auch nach allgemeiner Auffassung wird die planmäßige, über längere Zeit und in einem Kurort durchgeführte Anwendung besonders zusammengestellter Heilmittel als Kur bezeichnet (BFH Urteil vom 17.12.1997, III R 32/97, BFH/NV 1998, 839; H 33.1–33.4 [Kur – Erholungsurlaub/Abgrenzung zur Kur] EStH).
6.26.5. Badekur
6.26.6. Fahrtkosten
Als Kosten der Fahrt zu einem Kurort, in dem ein Stpfl. eine nach § 33 EStG berücksichtigungsfähige Badekur macht, sind regelmäßig die Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel anzusetzen. Die Kosten für die Benutzung des eigenen Pkw sind nur ausnahmsweise berücksichtigungsfähig, wenn nämlich besondere persönliche Verhältnisse des Stpfl. dies erfordern (BFH Urteil vom 30.6.1967, VI R 104/66, BStBl III 1967, 655; H 33.1–33.4 [Kur – Fahrtkosten] EStH).
6.26.7. Übernahme von Kurkosten durch den Arbeitgeber
6.27. Legasthenieerkrankung
Nach ständiger Rspr. des BFH sind die Aufwendungen für die Behandlung eines an Legasthenie leidenden Kindes grundsätzlich nur dann als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigen, wenn im konkreten Fall vor Beginn der betreffenden Maßnahme durch ein amtsärztliches Attest deren medizinische Notwendigkeit bescheinigt wird. Diesen qualifizierten Nachweis können auch Bescheinigungen eines Schulaufsichtsamtes oder eines einschlägig tätigen Universitätsprofessors nicht ersetzen (BFH Urteil vom 7.6.2000, III R 54/98, BStBl II 2001, 94; H 33.1–33.4 [Legasthenie] EStH). Zur Nachweisführung s. § 64 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. c EStDV sowie BFH-Urteil vom 19.4.2012 (VI R 74/10, BStBl II 2012, 577; s.o. Allergie).
6.28. Magnetfeldtherapie
Zur Nachweisführung s. § 64 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f EStDV sowie BFH Urteil vom 19.4.2012 (VI R 74/10, BStBl II 2012, 57).
6.29. Maschendrahtzaunersatz
6.30. Medizinische Fachliteratur
Aufwendungen für medizinische Fachliteratur sind keine außergewöhnliche Belastung (H 33.1–33.4 [Medizinische Fachliteratur] EStH). S.a. H 33.1–33.4 [Sport] EStH.
6.31. Medizinische Hilfsmittel
Nach der Rspr. des BFH sind Kosten für die Anschaffung von medizinischen Hilfsmitteln im weiteren Sinne nur dann als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigen, wenn die medizinische Notwendigkeit ihrer Anschaffung durch ein vor der Anschaffung ausgestelltes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten, also eine Unvoreingenommenheit verbürgende sachverständige Stellungnahme (BFH Urteil vom 14.8.1997, III R 67/96, BStBl II 1997, 732), nachgewiesen wird. Medizinische Hilfsmittel in diesem weiteren Sinne sind solche Gegenstände, die nach der Lebenserfahrung nicht nur von Kranken zur Heilung ihrer Krankheit oder zur Linderung der durch ihre Krankheit verursachten Beschwerden, sondern mitunter auch von gesunden Menschen angeschafft werden, um ihre Gesundheit zu erhalten oder ihren Lebenskomfort zu steigern. Nur bei der Anschaffung von Hilfsmitteln, die, wie Brillen, Hörapparate und Rollstühle, nach der Lebenserfahrung ausschließlich von Kranken angeschafft werden und bei denen häufig eine Anpassung an die individuellen Gebrechen des Steuerpflichtigen erforderlich ist (medizinische Hilfsmittel im engeren Sinn), kann typisierend davon ausgegangen werden, dass ihr Kauf medizinisch indiziert ist und deshalb auf eine Prüfung der Zwangsläufigkeit dem Grunde nach mit Hilfe der vorgenannten Aufklärungsmittel verzichtet werden (BFH Urteil vom 14.10.1997, III R 27/97, BFH/NV 1998, 571; H 33.1–33.4 [Medizinische Hilfsmittel] EStH).
Allerdings hat der Stpfl. die Zwangsläufigkeit von Aufwendungen im Krankheitsfall in einer Reihe von Fällen formalisiert nachzuweisen. Bei krankheitsbedingten Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (§§ 2, 23, 31 bis 33 SGB V) ist dieser Nachweis nach § 64 Abs. 1 Nr. 1 EStDV i.d.F. des StVereinfG 2011 durch eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers zu führen; bei Aufwendungen für Maßnahmen, die ihrer Art nach nicht eindeutig nur der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen können und deren medizinische Indikation deshalb schwer zu beurteilen ist, verlangt § 64 Abs. 1 Nr. 2 EStDV i.d.F. des StVereinfG 2011 ein vor Beginn der Heilmaßnahme oder dem Erwerb des medizinischen Hilfsmittels ausgestelltes amtsärztliches Gutachten oder eine vorherige ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (§ 275 SGB V). Ein solcher qualifizierter Nachweis ist beispielsweise bei Bade- und Heilkuren (§ 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. a EStDV i.d.F. des StVereinfG 2011) sowie bei medizinischen Hilfsmitteln, die als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens i.S. von § 33 Abs. 1 SGB V anzusehen sind (§ 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. e EStDV i.d.F. des StVereinfG 2011), erforderlich (BFH Urteil vom 19.4.2012, VI R 74/10, BStBl II 2012, 577).
6.32. Medikamente
Zu den ohne ärztliche Verordnung angeschafften entzündungshemmenden Medikamenten, Schmerzmittel, Hand- und Fußcremes hat das FG Niedersachsen mit Urteil vom 20.8.2010 (15 K 514/08, LEXinform 5011727, Revision eingelegt, Az. BFH: VI R 74/10, LEXinform 0928134) wie folgt entschieden: Nach ständiger Rspr. des BFH können Aufwendungen eines Stpfl. für Arzneimittel als außergewöhnliche Belastung in der Regel nur anerkannt werden, wenn ihre durch Krankheit bedingte Zwangsläufigkeit und Notwendigkeit durch eine ärztliche Verordnung nachgewiesen ist. Werden Arzneimittel ohne derartige schriftliche Verordnungen gekauft, können die Aufwendungen hierfür ausnahmsweise dann als außergewöhnliche Belastungen anerkannt werden, wenn es sich um eine länger dauernde Krankheit handelt, deren Vorliegen schon früher nachgewiesen oder glaubhaft gemacht wurde und die einen laufenden Verbrauch bestimmter Medikamente erfordert (BFH Urteil vom 6.4.1990, III R 60/88, BStBl II 1990, 958). Der Nachweis der Zwangsläufigkeit der Aufwendungen im Interesse der Trennung zwischen echten Arzneimitteln und anderen Aufwendungen ist in besonderem Maße geboten, sodass der Kauf von nicht rezeptpflichtigen Medikamenten nur dann zum Abzug führt, wenn sie nach Gegenstand und Menge spezifiziert verordnet worden sind, und zwar unabhängig davon, ob es sich um eine akute oder um eine Dauererkrankung handelt. Soweit die Kläger somit den Abzug von Aufwendungen für allgemeine Schmerzmittel und eine Entzündungssalbe ohne ärztliche Verordnung begehren, können sie schon deshalb keinen Erfolg haben, weil eine ärztliche Verordnung nicht vorgelegt worden ist. Im Übrigen haben die Kläger auch nicht nachgewiesen, dass diese Mittel zur Linderung ihrer Krankheit erforderlich sind. Gerade die allgemeinen Schmerzmittel – wie z.B. Aspirin oder Paracetamol – werden von vielen auf Vorrat gekauft, um bei Bedarf bei allgemeinem Unwohlsein oder Kopfschmerzen eingesetzt zu werden. Die in diesem Zusammenhang geltend gemachten Aufwendungen für Fuß- oder Handcremes sind schon deshalb nicht berücksichtigungsfähig, weil diese nicht nur zur Linderung von Krankheiten erworben werden.
6.33. Nahrungsergänzungsmittel
Ähnlich den Kosten, die durch eine Diätverpflegung entstehen, können auch Aufwendungen für Nahrungsergänzungsmittel nicht als außergewöhnliche Belastung abgezogen werden (FG Urteil vom 10.5.2011, 12 K 127/10, EFG 2011, 1886, LEXinform 5012461, rkr.; Anmerkung vom 27.10.2011, LEXinform 0941080).
6.34. Praxisgebühr
6.35. Schönheitsoperationen
Hiervon abzugrenzen sind Behandlungen, die lediglich aus kosmetischen Erwägungen heraus – ohne medizinische Notwendigkeit und ohne therapeutisches Ziel – vorgenommen werden. Die Aufwendungen für derartige Behandlungen fallen nicht unter den Begriff der Heilbehandlung und sind somit keine Krankheitskosten, sondern Kosten der privaten Lebensführung, die nach § 12 Nr. 1 EStG (» Lebensführungskosten) steuerlich unbeachtlich sind.
Bis zur Änderung seiner langjährigen Rspr. mit den Urteilen vom 11.11.2010 (VI R 16/09, BStBl II 2011, 966 und VI R 17/09, BStBl II 2011, 969 forderte der BFH in diesen Fällen zum Nachweis der Aufwendungen stets ein vor der Behandlung ausgestelltes amts- oder vertrauensärztliches Attest.
Im Steuervereinfachungsgesetz 2011 (s.o.) wurden in Reaktion auf diese Rspr.sänderung in § 64 Abs. 1 EStDV die bisherigen Verwaltungsanweisungen (R 33.4 EStR 2008) zum Nachweis von Krankheitskosten im Wesentlichen gesetzlich festgeschrieben (s.a. BFH Urteil vom 19.4.2012, VI R 74/10, BStBl II 2012, 577).
6.36. Tierarztkosten
6.37. Toupet
6.38. Trinkgelder
Trinkgelder sind nicht zwangsläufig i.S.d. § 33 Abs. 1 EStG, und zwar unabhängig davon, ob die zugrunde liegende Leistung selbst als außergewöhnliche Belastung zu beurteilen ist. Der Stpfl. ist zwar aus tatsächlichen Gründen gezwungen, bei Krankheiten medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Trinkgeld wird aber von ihm – anders als das Entgelt für die erbrachte Leistung – zivilrechtlich nicht geschuldet. Auch wenn kein Trinkgeld erbracht wird, hat der Stpfl. Anspruch auf eine sachgemäße Behandlung seiner Krankheit und kann diese auch erwarten (BFH Urteil vom 30.10.2003, III R 32/01, BStBl II 2004, 270; H 33.1–33.4 [Trinkgelder] EStH).
6.39. Wassergymnastik
Mit Urteil vom 20.8.2010 (15 K 514/08, LEXinform 5011727, Revision eingelegt, Az. BFH: VI R 74/10, LEXinform 0928134) hat das FG Niedersachsen zur Berücksichtigung der Aufwendungen für Wassergymnastik und Bewegungsbäder Folgendes entschieden: Nach der Rspr. des BFH sind Aufwendungen für eine Heilbehandlung im eigentlichen Sinne typisierend als zwangsläufig i.S.d. § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG anzusehen. Dies gilt aber nur für die Aufwendungen, die unmittelbar zum Zwecke der Heilung einer Krankheit getätigt werden oder mit dem Ziel gemacht werden, die Krankheit erträglicher zu machen. Hingegen gehören mit einer Krankheit verbundene Folgekosten ebenso wie Kosten für eine vorbeugende oder der Gesundheit ganz allgemein dienende Maßnahme, die nicht gezielt der Heilung oder Linderung von Krankheiten dienen, nicht zu den Krankheitskosten in diesem Sinne (BFH Urteil vom 3.12.1998, III R 5/98, BStBl II 1999, 227). Weil die medizinische Erforderlichkeit von Maßnahmen, die ihrer Art nach nicht eindeutig nur der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen können, schwer zu beurteilen ist, verlangt der BFH in diesen Fällen grundsätzlich ein vor der Behandlung ausgestelltes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten, aus dem sich die Krankheit und die medizinische Notwendigkeit der den Aufwendungen zugrunde liegenden Maßnahmen zweifelsfrei ergibt (BFH Urteil vom 21.4.2005, III R 45/03, BStBl II 2005, 602). Ärztliche Bescheinigungen des Medizinischen Dienstes einer Krankenversicherung stehen einem Attest gleich (R 33.4 Abs. 1 EStR).
6.40. Zahn-Implantate
Der dem Stpfl. von dritter Seite nicht erstattete Teil der Aufwendungen für den Ersatz verlorener Zähne durch Kronen auf implantierten künstlichen Zahnwurzeln (Implantate) kann als außergewöhnliche Belastung abgezogen werden. Dass die gesetzliche Krankenversicherung nur die Aufwendungen für herausnehmbare Prothesen bzw. bei fest implantiertem Zahnersatz nur einen kleinen Teil der Kosten übernimmt, schließt den Steuerabzug nicht aus (FG Berlin-Brandenburg Urteil vom 28.11.2007, 2 K 5507/04 B, EFG 2008, 544, LEXinform 5006480, rkr.). Bei den Aufwendungen für die Zahn-Implantate handelt es sich nicht um vorbeugend angefallene Aufwendungen oder um Aufwendungen im Zusammenhang mit sog. alternativen oder Außenseitermethoden i.S.v. wissenschaftlich umstrittenen Methoden. Die Einordnung der Aufwendungen als Kosten für Hilfsmittel im engeren Sinne steht für das Gericht außer Frage. Die vom Stpfl. gewählte Methode der Versorgung bei einem Verlust von Zähnen ist neben der Möglichkeit einer herausnehmbaren Prothese heute gängiger Standard und wird entsprechend auch in der Gebührenordnung der Zahnärzte behandelt. Sie stellt keine Außenseitermethode dar. Die Aufwendungen des Stpfl. waren auch zwangsläufig i.S.d. § 33 EStG. Der Stpfl. muss sich auch nicht auf die preiswertere Möglichkeit einer Versorgung mit herausnehmbarem Zahnersatz verweisen lassen.
6.41. Zwischenheimfahrten bei einer Begleitperson
Vor dem BFH sind Nichtzulassungsbeschwerden zur Frage der Verfassungsmäßigkeit der zumutbaren Belastung anhängig (s.a. Anmerkung vom 15.11.2012, LEXinform 0943291). Mit Urteil vom 6.9.2012 (4 K 1970/10, EFG 2012, 2205, LEXinform 3500076, Revision eingelegt, Az. BFH: VI R 32/13) hat das FG Rheinland-Pfalz die zumutbare Belastung als verfassungsgemäß eingestuft (s.a. Pressemitteilung des FG Rheinland-Pfalz vom 14.9.2012, LEXinform 0438400). Auch das FG Hamburg hat mit Urteil vom 14.6.2012 (1 K 28/12, LEXinform 5014232, Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt, Az. BFH: VI B 116/12) die Verfassungsmäßigkeit der Regelung festgestellt (s.a. FG Niedersachsen Urteil vom 7.12.2011, 2 K 19/11, FR 2012, 968, LEXinform 5013397, rkr.).
Mit Vfg. vom 14.12.2012 (DB 2013, 91) weist die OFD Rheinland darauf hin, dass die Voraussetzungen für eine Zwangsruhe i.S.d. § 363 Abs. 2 AO nicht vorliegen, da ein Verfahren wegen Nichtzulassung der Revision kein auf Klärung einer Rechtsfrage gerichtetes Verfahren darstellt, welches zum Ruhen von rechtlich gleichgelagerten Einspruchsverfahren zwingen würde.
Es bestehen jedoch keine Bedenken, die Einspruchsverfahren nach § 363 Abs. 2 Satz 1 AO ruhen zu lassen.
Zur Ermittlung der zumutbaren Belastung s. » Außergewöhnliche Belastungen und » Getrennte Veranlagung.
Haupt, Steuerliche Entlastungen bei außergewöhnlichen Belastungen – Anmerkungen zu den BFH-Urteilen vom 2.9.2010, VI R 11/09 und vom 11.11.2010, VI R 17/09, DStR 2011, 204; Bruschke, Behindertengerechter Um- oder Neubau einer Wohnung als außergewöhnliche Belastung, SteuerConsultant 12/2011, 23; Bruschke, Umbau der eigenen Wohnung als außergewöhnliche Belastung schwerbehinderter Personen, DStZ 2011, 724; Schmitz-Herscheidt, Anerkennung von Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung, NWB 2012, 2917; Bilsdorfer, Nachweis der Zwangsläufigkeit von Krankheitskosten, Steuer & Studium 2012, 608; Ritzrow, Aufwendungen für behinderungs- bzw. krankheitsbedingte Baumaßnahmen an Gebäuden, Steuer 6 Studium 2012, 209.
Autor(en): Josef Schneider Steuer-Rechner 15000 60000 120000 Bruttojahresgehalt (€): 0 5 10 Anzahl Ihrer Kinder: Weiter Verwandte Lexikonartikel Außergewöhnliche Belastungen Behinderte Beseitigung von Umweltbelastungen Heimunterbringung Pflegekosten Schulgeld Trinkgelder Werbungskosten Weitere Lexikonartikel mit »K« Kapitalerhöhung Kapitalertragsteuer Kapitalforderung Kapitalgesellschaften Kapitalherabsetzung Kapitalveränderungen bei Umwandlung Karussellgeschäfte Kfz-Leasing Kfz-Nutzung Kinder Interessante Steuertipps Abschluss von Versicherungen seit 2005 Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge Besuchen Sie ein Fitness-/Sportstudio? Unterhalt für ein behindertes Kind Rollstuhlrampe steuerlich absetzbar Gruppenunfallversicherung und Lohnsteuer smartsteuer Blog In vier Schritten den Steuerbescheid prüfen Steuerliche Stolperfalle: Riesterrente Arbeiten von zuhause aus – was kann man dabei steuerlich geltend machen? Geld stinkt nicht. Oder: Was sind eigentlich Steuern? Kaffee oder Tee? Was alles versteuert wird Top-Themen bei smartsteuer Lohnsteuerklassen Vorsorgepauschale Entfernungspauschale Photovoltaikanlage Nebenberufliche Tätigkeit Einsatzwechseltätigkeit Eigenheimzulage Gewerbesteuerrechner Weitere Tipps Steuer online Abgabefristen Steuererklärung Steuererklärungspflicht Vorsorgeaufwendungen Altersentlastungsbetrag Doppelte Haushaltsführung Steuertipps Freiberufler Geringwertige Wirtschaftsgüter Technischer Support (Kundenservice) (0800) 7 238 222 7 Tage die Woche, rund um die Uhr –kostenfrei! Oder senden Sie uns einfach jederzeit eine E-Mail an die Adresse hilfe@smartsteuer.de Impressum AGB Presse Datenschutz Bestellung und Zahlung Partnerprogramm Jobs Newsletter Kann man das absetzen? steuern.de ©

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