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Timestamp: 2020-08-07 00:50:25+00:00

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Handelsvertreter - und das zu weit gefasste Kundenabwerbeverbot | Aktuelles Handelsrecht.Info
Veröffentlicht am 15. Januar 2016 12. Januar 2016 von Legal News
Die in einem Handelsvertretervertrag enthaltene; vom Unternehmer als Allgemeine Geschäftsbedingung gestellte Bestimmung „Der Vermögensberater verpflichtet sich, es für die Dauer von zwei Jahren nach Beendigung des Handelsvertreterverhältnisses zu unterlassen, der Gesellschaft Kunden abzuwerben oder dies auch nur zu versuchen“ ist wegen Verstoßes gegen das Transparenzgebot gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. Satz 2 BGB unwirksam.
Das nicht näher konkretisierte Verbot der Abwerbung von Kunden in Nr. V. Abs. 2 ist ebenso wie die bloße Vereinbarung von nicht näher konkretisiertem Kundenschutz5 nicht bestimmt genug. Nicht nur ist für einen durchschnittlichen Vertragspartner der Unternehmerin auch unter Berücksichtigung des Abwerbeverbots während der Vertragslaufzeit in Nr. V. Abs. 1 nicht hinreichend klar, ob mit „Kunden“ im Sinne von Nr. V. Abs. 2 sämtliche Personen gemeint sind, die Verträge mit Partnerunternehmen der Unternehmerin abgeschlossen haben, oder nur solche Personen, die derartige Verträge aufgrund einer dem Handelsvertreter (Vermögensberater) zuzurechnenden Vermittlungstätigkeit abgeschlossen haben. Hinzu kommt, dass nicht hinreichend klar ist, ob sich das Verbot der Abwerbung von Kunden in Nr. V. Abs. 2 auch auf Personen erstreckt, die erst nach der Beendigung des Handelsvertreterverhältnisses, aber binnen des Zeitraums von zwei Jahren nach dieser Beendigung Verträge mit Partnerunternehmen der Unternehmerin geschlossen haben. Außerdem ist für einen durchschnittlichen Vertragspartner der Unternehmerin auch nicht hinreichend klar, ob sich das Verbot der Abwerbung von Kunden nur auf eine Ausspannung erstreckt, bei der Kunden veranlasst werden, mit Partnerunternehmen der Unternehmerin bestehende Verträge vorzeitig zu beenden6, oder ob es dem Handelsvertreter (Vermögensberater) auch untersagt ist, Personen, die bereits einen Vertrag mit Partnerunternehmen der Unternehmerin geschlossen haben, zusätzlich weitere Produkte zu vermitteln, die in der Produktpalette der Unternehmerin eine Entsprechung haben. Angesichts dieser Unklarheiten bezüglich der Verbotsreichweite sind die Nachteile und Belastungen für den durchschnittlichen Vertragspartner der Unternehmerin nicht hinreichend erkennbar. Die Unklarheiten eröffnen der Unternehmerin, der es ohne Weiteres möglich gewesen wäre, die Verbotsreichweite zu konkretisieren, ungerechtfertigte Beurteilungsspielräume bei der Geltendmachung und Durchsetzung des Verbots, aber auch bei der Abwehr etwaiger Karenzentschädigungsansprüche. Hieraus resultiert eine unangemessene Benachteiligung des Handelsvertreters als Vertragspartner der Unternehmerin.
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 14.01.2014 – XI ZR 355/12, BGHZ 199, 355 Rn. 23 m.w.N. [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 29.04.2015 – VIII ZR 104/14, ZVertriebsR 2015, 243 Rn. 16; Urteil vom 05.12 2012 – I ZR 23/11, GRUR 2013, 375 Rn. 35 – Missbrauch des Verteilungsplans; Urteil vom 06.12 2007 – VII ZR 28/07, NJW-RR 2008, 615 Rn. 12 m.w.N. [↩]
BGH, Urteil vom 23.02.2011 XII ZR 101/09, NJW-RR 2011, 1144 Rn. 10 m.w.N. [↩]
BGH, Versäumnisurteil vom 10.09.2014 – XII ZR 56/11, NJW 2014, 3722 Rn. 25; Urteil vom 03.08.2011 – XII ZR 205/09, NJW 2012, 54 Rn. 16 [↩]
vgl. Bauer/Diller, Wettbewerbsverbote, 7. Aufl., Rn. 265 m.w.N.; Thamm, BB 1995, 790, 792 [↩]
vgl. die Definition des Begriffs „Ausspannung“ in Nr. 48, Nr. 65 der Wettbewerbsrichtlinien der Versicherungswirtschaft [Stand: 1.09.2006], abgedruckt bei Köhler/Bornkamm, UWG, 33. Aufl., S.2035 ff. [↩]
vgl. BAG, NZA-RR 2009, 576 Rn. 18; vgl. auch BGH, Urteil vom 05.05.2011 – VII ZR 181/10, NJW 2011, 1954 Rn. 35 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 25.10.2012 – VII ZR 56/11, aaO Rn.19 ff. [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 25.10.2012 – VII ZR 56/11, aaO Rn. 31 ff. [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 26.03.2015 – VII ZR 92/14, BGHZ 204, 346 Rn. 45, zu § 6 Abs. 2, § 9 AGBG; Urteil vom 08.05.2007 – KZR 14/04, NJW 2007, 3568 Rn. 24 KfzVertragshändler III; H. Schmidt in Ulmer/Brandner/Hensen, AGB-Recht, 11. Aufl., § 306 BGB Rn. 39 [↩]
z.B. § 90 HGB, § 17 UWG [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 28.01.1993 – I ZR 294/90, NJW 1993, 1786, 1787 18 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 26.03.2015 – VII ZR 92/14, BGHZ 204, 346 Rn. 46; Urteil vom 28.10.2009 – VIII ZR 320/07, NJW 2010, 993 Rn. 44 m.w.N. [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.07.2014 – VI ZR 452/13, NJW 2014, 3234 Rn. 14 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.10.2005 – IV ZR 162/03, BGHZ 164, 297, 318 49 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 01.10.2014 – VII ZR 344/13, BGHZ 202, 309 Rn. 24; Urteil vom 26.10.2005 – VIII ZR 48/05, BGHZ 165, 12, 28 37 m.w.N. [↩]
Handelsvertreter, Handelsvertretervertrag, Kundenabwerbung, Tätigkeitsverbot, Versicherungsvertreter

References: § 307
 § 6
 § 9
 § 306
 § 90
 § 17