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Timestamp: 2019-10-14 16:41:30+00:00

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Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung und raumplanerischer ...
Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung und raumplanerischer Aspekte auf die Abfallwirtschaft in Sachsen
von Dipl. Geograph Michael Rehbein (Autor)
Diplomarbeit 2007 132 Seiten
1.1 Entwicklung der Fragestellung
1.2 Stand der Literatur
2.1 Bevölkerungsentwicklung in Sachsen
2.2 Abfallwirtschaftliche Grundlagen
2.3 Raumplanung in Sachsen
3 Raumkategorien in Sachsen
3.1 Raumkategorien gemäß Landesentwicklungsplan
3.2 Erstellte Klassifikation der Landkreise und Abfallverbände
3.3 Raumkategorien in Sachsen im Jahr 2020
4 Aufbereitung des Kartenwerkes
4.1 Analyse des bestehenden Kartenwerkes
4.2 Methodische Erstellung von Kartenvorlagen
4.3 Generierung einer abfallwirtschaftlichen Zusatzkarte
5 Analyse abfallwirtschaftlicher Bilanzen
5.1 Siedlungsabfallbilanz des Freistaates Sachsen
5.2 Abfallgebührenstudie des Freistaates Sachsen
5.3 Klärschlammbilanz
5.4 Abfallwirtschaftsplan Sachsen
6 Wirkung der Bevölkerungsentwicklung und der Raumkategorie auf die Siedlungsabfälle
6.1 Entwicklungszusammenhänge in Sachsen
6.2 Entwicklungszusammenhänge in den Landkreisen Sachsens
6.3 Unterschiede der Siedlungsabfallmengen in den Raumkategorien
6.4 Wirkung der Elemente der Bevölkerungsentwicklung auf die Abfallwirtschaft
7 Abfallzusammensetzung in den Raumkategorien
7.1 Sortieranalysen zur Bestimmung der Abfallzusammensetzung
7.2 Restabfallzusammensetzung in den sächsischen Raumkategorien
7.3 Fazit
8 Abfallkosten in Sachsen
8.1 Zusammenhänge zwischen den Abfallgebühren und der Raumkategorie in Sachsen
8.2 Zusammenhänge zwischen den Abfallgebühren und der Naturraumstruktur in Sachsen
8.3 Analytische Betrachtung der Kostenkalkulationen
8.4 Fazit
9 Prognose der Restabfallmenge
9.1 Restabfallprognose in Sachsen
9.2 Restabfallprognose für die sächsischen Landkreise
9.3 Ergebnisanalyse
10 Nutzbarkeitsvergleich von geographischen Informationssystemen für die Abfallwirtschaft im LfUG
11 Handlungsempfehlungen und Fazit
12 Quellenverzeichnis
ABB. 2 1: ENTWICKLUNG DER EINWOHNERZAHL IN SACHSEN
ABB. 2 2: ENTWICKLUNG DER NATÜRLICHEN BEVÖLKERUNGSBEWEGUNG IN SACHSEN
ABB. 2 3: ENTWICKLUNG DER RÄUMLICHEN BEVÖLKERUNGSBEWEGUNG IN SACHSEN
ABB. 2 4: BEVÖLKERUNGSBILANZ IN SACHSEN
ABB. 2 5: BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN SACHSEN VON 1990 BIS 2005
ABB. 2 6: VERÄNDERUNG DER ALTERSSTRUKTUR DER BEVÖLKERUNG
ABB. 2 7: DURCHSCHNITTSALTER IN DEN SÄCHSISCHEN LANDKREISEN IM JAHR 2005
ABB. 2 8: ENTWICKLUNG VON BRUTTOINLANDSPRODUKT UND ABFALLMENGE IN SACHSEN
ABB. 2 9: NATÜRLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN SACHSEN BIS 2020
ABB. 2 10: RÄUMLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN SACHSEN BIS 2020
ABB. 2 11: STAND UND ENTWICKLUNG DES DURCHSCHNITTSALTERS BIS ZUM JAHR 2020
ABB. 2 12: BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN SACHSEN ZWISCHEN 2001 UND 2020
ABB. 2 13: ZIELHIERARCHIE DER ABFALLWIRTSCHAFT
ABB. 2 14: ABFALLVERBANDSSTRUKTUR IM FREISTAAT SACHSEN
ABB. 2 15: ZIELHIERARCHIE DER ABFALLWIRTSCHAFT IM JAHR 2020
ABB. 2 16: PLANUNGSREGIONEN DER SÄCHSISCHEN RAUMPLANUNG
ABB. 3 1: RAUMKATEGORIEN DER SÄCHSISCHEN GEMEINDEN
ABB. 3 2: RAUMKATEGORIE NACH LANDKREISEN
ABB. 3 3: RAUMKATEGORIE AUF EBENE DER ABFALLVERBÄNDE
ABB. 3 4: PROGNOSTIZIERTE RAUMKATEGORIE IN DEN SÄCHSISCHEN GEMEINDEN IM JAHR 2020
ABB. 3 5: PROGNOSTIZIERTE RAUMKATEGORIE IN DEN SÄCHSISCHEN LANDKREISEN IM JAHR 2020
ABB. 3 6: PROGNOSTIZIERTE RAUMKATEGORIE AUF EBENE DER ABFALLVERBÄNDE IM JAHR 2020
ABB. 4 1: GRUNDKARTE DES LFUG
ABB. 4 2: ENTWURF EINER NEUEN GRUNDKARTE FÜR DAS REFERAT ABFALLWIRTSCHAFT
ABB. 5 1: VERTEILUNG DER BILANZIERTEN ABFÄLLE IM JAHR 2005
ABB. 5 2: PRO KOPF AUFKOMMEN AN RESTABFÄLLEN 2005
ABB. 5 3: PRO KOPF AUFKOMMEN AN ERFASSTEN ALTSTOFFEN IM JAHR 2005
ABB. 5 4: ABFALLGEBÜHREN IN DEN SÄCHSISCHEN LANDKREISEN IM JAHR 2005
ABB. 5 5: ENTWICKLUNG DES KLÄRSCHLAMMAUFKOMMENS
ABB. 5 6: ENTWICKLUNG DES KLÄRSCHLAMMAUFKOMMENS UND DER AN KLÄRANLAGEN ANGESCHLOSSENEN EINWOHNER
ABB. 6 1: ENTWICKLUNG DES RESTABFALLAUFKOMMENS UND DER BEVÖLKERUNG
ABB. 6 2: EINWOHNERZAHL UND RESTABFALLMENGE IN SACHSEN
ABB. 6 3: PEARSON PRODUKT MOMENT KORRELATION
ABB. 6 4: ENTWICKLUNG DES PRO KOPF AUFKOMMENS AN RESTABFÄLLEN IN SACHSEN
ABB. 6 5: ENTWICKLUNG DES PRO KOPF AUFKOMMENS VON RESTABFÄLLEN IN VERDICHTUNGSRÄUMEN IN SACHSEN
ABB. 6 6: ENTWICKLUNG DES PRO KOPF AUFKOMMENS VON RESTABFÄLLEN IN VERDICHTETEN BEREICHEN IM LÄNDLICHEN RAUM IN SACHSEN
ABB. 6 7: ENTWICKLUNG DES PRO KOPF AUFKOMMENS VON RESTABFÄLLEN IM LÄNDLICHEN RAUM IN SACHSEN
ABB. 6 8: RESTABFÄLLE JE EINWOHNER IN VERDICHTUNGSRÄUMEN, VERDICHTETEN BEREICHEN IM LÄNDLICHEN RAUM UND LÄNDLICHEN RÄUMEN
ABB. 7 1: ANTEILE DER FRAKTIONEN AM RESTABFALL IN DEN RAUMKATEGORIEN
ABB. 8 1: ABFALLGEBÜHREN IN DEN SÄCHSISCHEN LANDKREISEN
ABB. 8 2: KLASSIFIZIERUNG DER SÄCHSISCHEN LANDKREISE NACH RAUMKATEGORIE UND ABFALLGEBÜHRENHÖHE
ABB. 8 3: KLASSIFIKATION DER LANDKREISE NACH DER NATURRAUMSTRUKTUR
ABB. 8 4: KLASSIFIZIERUNG NACH NATURRAUMSTRUKTUR UND ABFALLGEBÜHRENHÖHE
ABB. 8 5: MITTLERE KOSTENVERTEILUNG MIT PROZENTUALEN ANTEILEN
ABB. 8 6: ABFALLGEBÜHREN UND GEBÜHRENRELEVANTE MENGEN
ABB. 9 1: KURVENVERLAUF, GLEICHUNG UND BESTIMMTHEITSMAß DER POTENZ UND DER LOGARITHMUSFUNKTION DER RESTABFALLMENGE BIS 2015
ABB. 9 2: ERWARTETE RESTABFALLMENGENENTWICKLUNG IN DEN LANDKREISEN UND KREISFREIEN STÄDTEN AUF DER BASIS DER ERZEUGTEN PROGNOSE
ABB. 9 3: PRO KOPF AUFKOMMEN AN RESTABFÄLLEN IM JAHR 2015
ABB. 10 1: KARTE ERSTELLT MIT ARCMAP 8.3
ABB. 10 2: KARTE ERSTELLT MIT GISTERM
ABB. 11 1: NEUGLIEDERUNG DER SÄCHSISCHEN LANDKREISE
ABB. 11 2: VORSCHLAG ZUR NEUGLIEDERUNG DER ABFALLVERBANDSSTRUKTUR
TABELLE 3 1: KRITERIEN ZUR EINTEILUNG DER LANDKREISE IN RAUMKATEGORIEN
TABELLE 3 2: GLIEDERUNG DER LANDKREISE NACH RAUMKATEGORIE
TABELLE 5 1: ENTWICKLUNG DER RESTABFALLMENGEN BIS 2015 IM FREISTAAT SACHSEN
TABELLE 6 1: EINTEILUNG VON LANDKREISEN GEMÄß DER ENTWICKLUNG DER EINWOHNERZAHL
TABELLE 8 1: VERTEILUNG DER ABFALLGEBÜHREN IN DEN RAUMKATEGORIEN
TABELLE 8 2: VERTEILUNG VON ABFALLGEBÜHREN UND NATURRAUMSTRUKTUR
TABELLE 8 3: VERGLEICH DER KOSTEN FÜR SAMMLUNG UND TRANSPORT JE EINWOHNER IN DEN RAUMKATEGORIEN
TABELLE 8 4: VERGLEICH DER KOSTEN FÜR SAMMLUNG UND TRANSPORT JE TONNE RESTABFALL IN DEN RAUMKATEGORIEN
TABELLE 8 5: VERGLEICH DER KOSTEN FÜR SAMMLUNG UND TRANSPORT JE EINWOHNER IN DEN NATURRAUMKATEGORIEN
TABELLE 8 6: VERGLEICH DER KOSTEN FÜR SAMMLUNG UND TRANSPORT JE TONNE RESTABFALL IN DEN NATURRAUMKATEGORIEN
TABELLE 9 1: TATSÄCHLICHE UND MODELLHAFT BERECHNETE RESTABFALLMENGE
TABELLE 9 2: PROGNOSEWERTE DER RESTABFALLAUFKOMMEN IN SACHSEN 9
An dieser Stelle möchte ich mich bei all denen bedanken, ohne deren Unterstützung die Entstehung dieser Arbeit nicht möglich gewesen wäre.
Bei Herrn Prof. Dr. H. Kowalke möchte ich mich für die Betreuung und die Begutachtung dieser Arbeit und die damit verbundenen konstruktiven Hinweise bedanken.
Recht herzlich möchte ich mich bei meinem Betreuer Dr. Peter Vollbrecht bedanken, für die Idee zu dieser Diplomarbeit und die vielfältigen Hilfestellungen. Mein Dank gilt auch den weiteren Mitarbeitern des Referates Abfallwirtschaft des Landesamtes für Umwelt und Geologie für die stets freundliche und kompetente Hilfe bei meinen Fragen.
Meinen Eltern danke ich für die jahrelange, vor allem auch finanzielle, Unterstützung während meines Studiums. Herrn Marko Jacob danke ich für die sprachliche Begutachtung dieser Arbeit. Großer Dank gebührt auch Stefanie Gabler, die mir in allen Situationen geduldig mit Rat und Tat zur Seite stand.
Der demographische Wandel als Ausdruck der aktuellen Bevölkerungsentwicklung in Sachsen dringt mehr und mehr in das Bewusstsein jedes Einzelnen vor. Die Politik und die Öffentlichkeit nehmen stärker als je zuvor die Konsequenzen dieser Entwicklung zur Kenntnis und sind bestrebt gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln. Sachsen steht vor der Herausforderung sich mit dem Bevölkerungsrückgang und der damit verbundenen Alterung auseinanderzusetzen. „Der demographische Wandel ist die größte Herausforde rung für Sachsen am Beginn des 21. Jahrhunderts.“ Dieses Zitat stammt vom sächsi schen Ministerpräsidenten Georg Milbradt und zeigt, welch hoher Stellenwert der gesam ten Entwicklung beigemessen wird (MILBRADT 2006). Räumliche Disparitäten existieren bereits heute und werden sich in Zukunft durch Entwicklungsunterschiede weiter ver schärfen.
Zukünftige Prozesse und Handlungen werden sich auch deshalb stärker an ihrer nachhal tigen Entwicklungen messen lassen müssen. Der Umweltschutz bekommt in der Gesell schaft eine bedeutendere Rolle. In diesem Bereich sieht die Mehrzahl der Deutschen den sorgsamen Umgang mit Abfällen als bedeutendsten persönlichen Beitrag (BMU 2006a, S. 64). Aus diesem Grund muss der gesellschaftliche Stellenwert der Abfallwirtschaft be rücksichtigt werden. Bislang werden abfallwirtschaftliche Fragestellungen in der Demo graphieforschung kaum thematisiert, ersichtlich beispielsweise im aktuellen Expertenbe richt mit Empfehlungen zur Bewältigung des demographischen Wandels in Sachsen (Sächsische Staatskanzlei 2006).
Das Referat Abfallwirtschaft im Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) beschäftigt sich mit Prognosen, Strategien und Konzepten für allgemeine und konkrete Fragestellungen der Abfallwirtschaft in Sachsen. In diesem Zusammenhang ist ein großes Interesse an der zukünftigen Entwicklung der Bevölkerung und deren Wirkung auf die Abfallwirtschaft in Sachsen in der räumlichen Differenzierung vorhanden.
Im methodischen Vorgehen gibt es Parallelen zwischen Geographie und Abfallwirtschaft. Die Geographie erfasst und erklärt die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen der räumlichen Struktur und dem Menschen. Die Abfallwirtschaft ist eingebettet in das Span nungsfeld der ökologischen Kriterien gegenüber den ökonomischen Bedürfnissen. Dies hebt die Abfallwirtschaft aus anderen Umweltschutzthematiken hervor. Beide Fachrich tungen müssen übergreifende Zusammenhänge stets aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.
Die einzelnen Elemente der Fragestellung der Diplomarbeit besitzen eine große Bedeu tung für die Gesellschaft. In der Diskussion zur Erfassung von Problemfeldern des demo graphischen Wandels wird die Abfallwirtschaft allerdings zumeist als nachrangiges Prob lem aufgeführt. Andere Umweltbereiche werden umfassender betrachtet. Aufgrund der absehbaren Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen ist das LfUG an einer Aufstel lung von Zusammenhängen zur Abfallwirtschaft interessiert. So gewinnen auch Aspekte der Raumordnung bei der Analyse der abfallwirtschaftlichen Entwicklung an Bedeutung.
Der Mangel in der thematischen Behandlung der Kombination der Problemfelder Abfall wirtschaft und Bevölkerungsentwicklung zeigt sich auch in der verfügbaren Literatur. Pub likationen zum Thema Bevölkerungsentwicklung schneiden bei der Behandlung der Um weltauswirkungen durch demographische Veränderungen das Gebiet der Abfallwirtschaft kaum an. In der Literatur zur Abfallwirtschaft finden sich keinerlei Verknüpfungen zur zu künftigen Bevölkerungsentwicklung. So werden auch geographische Denkweisen und Methoden nur ansatzweise genutzt, obwohl durch geographische Informationssysteme eine Vielzahl von Möglichkeiten für die Abfallwirtschaft zur Verfügung stehen. Stärkere Berücksichtigung in der Abfallwirtschaft findet die Raumordnung, vor allem im Hinblick auf die Beurteilung von Standorten von abfallwirtschaftlichen Anlagen. In Untersuchungen und Studien wird immer wieder die räumliche Differenzierung von Abfallaufkommen und zusammensetzung überprüft. Die Literatursituation kann in diesem Bereich als gut be zeichnet werden, auch wenn viele Untersuchungen sehr kleinräumig angelegt sind. Zu künftig wird die Bevölkerungsentwicklung eine stärkere Rolle spielen, vor allem vor dem Hintergrund, dass zu erwartende Kosten von einer geringeren Anzahl von Einwohnern zu tragen sind.
Im Bereich der physischen Geographie spielen abfallwirtschaftliche Fragestellungen, ab gesehen von stofflichen Prozessen (z.B. Emissionsverhalten von Anlagen), keine Rolle. In der Wirtschaftsgeographie wird sich ebenso selten mit der Abfallwirtschaft auseinander gesetzt. Als Ausnahme muss Hans Dieter Haas genannt werden, der sich als Ordinarius für Wirtschaftsgeographie an der Ludwig Maximilians Universität München durch eine Vielzahl abfallwirtschaftlicher Publikationen verdient gemacht hat (HAAS 2006). Doch auch aus diesem Kreis sind bisher keine Veröffentlichungen hervorgegangen, die sich explizit mit der Bevölkerungsentwicklung und deren Wirkungen auf die Abfallwirtschaft auseinandergesetzt haben. Die wirtschaftlichen Verflechtungen der Abfallwirtschaft werden hier, wie auch in anderen Institutionen, stärker berücksichtigt.
Die Diplomarbeit soll bei der mangelnden Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung in der Abfallwirtschaft ansetzen und in einem ersten Schritt theoretische Grundlagen der Bevölkerungsentwicklung in Sachsen liefern. Darüber hinaus sollen grundlegende Elemente der Abfallwirtschaft dargestellt werden. Die dritte Säule der theoretischen Basis stellen raumordnerische Elemente dar.
Anschließend soll das abfallwirtschaftliche Kartenwerk um Kategorien der Raumordnung und der Bevölkerungsentwicklung ergänzt werden. Insbesondere wird die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2020 auf Basis der Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes berücksichtigt. Mittels geographischer Informationssysteme kann somit eine systematische, raumbezogene Datengrundlage mit Beschreibung der Datenobjekte und Signaturgrundlagen geschaffen werden.
Anhand der Datengrundlagen und ausgewählter abfallwirtschaftlicher Bilanzen sollen weitergehende Analysen vorgenommen werden. Im Vordergrund steht dabei das Erkennen von raum und entwicklungsbezogenen Abhängigkeiten. Erkannte Hypothesen werden im weiteren Verlauf konkret untersucht. Anhand der durchgeführten Analysen und Hypothesenüberprüfung soll eine prognostische Entwicklung des Aufkommens an Restabfällen in Abhängigkeit der Bevölkerungsentwicklung entwickelt werden.
Bei der Erarbeitung und Darstellung der Ergebnisse soll untersucht werden, welche geographischen Informationssysteme des LfUG in Abhängigkeit zur jeweiligen Fragestellung optimal zum Einsatz gebracht werden können.
Die aktuelle Bevölkerungsentwicklung in Sachsen wird vor allem durch den demographi schen Wandel bestimmt. Dieser kann durch drei Hauptmerkmale gekennzeichnet werden (KILLISCH/SIEDHOFF 2006, S. 19ff). Der erste Aspekt ist die Abnahme der Bevölkerung. Die Gründe dafür liegen in einer niedrigen Geburtenrate und einer Sterberate, die größer ist als die Geburtenrate. Das zweite Element des demographischen Wandels ist die Alte rung der Gesellschaft. Diese ist zum einen ebenfalls durch eine sehr niedrige Geburtenra te bedingt, zum anderen steigt die Lebenserwartung stetig an, so dass die älteren Jahr gänge zunehmend stärker besetzt sind. Das dritte Merkmal ist die Veränderung der Zu sammensetzung der Gesellschaft. Hier kann durch eine entsprechende Einwanderungs politik versucht werden, die natürliche Schrumpfung der Bevölkerung durch Zuwanderun gen auszugleichen (BiB 2004, S. 56). Das sorgt dafür, dass sich die Gesellschaft hetero gener aufbaut. Auf der anderen Seite sind Geburten , Sterbe und Wanderungsbewegun gen in Deutschland räumlich nicht gleichverteilt, sondern regional stark differenziert.
Im Folgenden werden nun die einzelnen Komponenten näher betrachtet und ihre Entwick lung in Sachsen dargestellt. Sofern nicht anders erwähnt wurden die Bevölkerungsdaten in Sachsen durch Datenbankabfragen beim Statistischen Landesamt Sachsen gewonnen.
Bisherige Bevölkerungsentwicklung in Sachsen
In der Bevölkerungsentwicklung existieren einige Trends, die sich auf alle Teile Deutsch lands ausgewirkt haben. So wird seit vielen Jahren das jeweilig nötige Bestanderhal tungsniveau nicht mehr erreicht (BiB 2004, S. 21). Die Anzahl der Kinder pro Frau nahm allerdings nicht kontinuierlich ab, sondern war immer wieder Schwankungen unterworfen. In den letzten Jahren hat sich diese Fertilitätsrate bei einem Niveau von rund 1,3 Kindern je Frau eingependelt. In Sachsen können einige Entwicklungen aufgezeigt werden, die sich vom gesamtdeutschen Trend abheben. Sachsen war in der Zeit von 1955 bis zum Mauerbau 1961 ein Gebiet, welches mit einem Bevölkerungsrückgang durch hohe Wan derungsverluste zu kämpfen hatte. Erst durch die veränderten Wanderungsbestimmungen im Zuge des Mauerbaus kam es zu einer Minderung des Bevölkerungsrückgangs. Zudem gab es eine leicht positive Geburtenbilanz, die für ein Wachstum der Bevölkerung bis zum Jahr 1966 sorgte. Bis heute ist 1966 das letzte Jahr mit einer positiven Geburtenbilanz in Sachsen. Ab 1967 bis zur Wende 1989 führten eine negative Geburtenbilanz und eine negative Wanderungsbilanz zu einer Abnahme der Bevölkerung Sachsens. Zu allen Zei ten gab es regional durchaus Unterschiede (KOWALKE 2000, S. 91f). Nach der Wieder vereinigung kam es zu einem deutlichen Bruch in der Entwicklung. Das Geburten und Wanderungsdefizit erhöhte sich schlagartig. Dadurch sank die Einwohnerzahl Sachsen rapide ab (vgl. Abb. 2 1).
Abb. 2 1: Entwicklung der Einwohnerzahl in Sachsen (abweichende Achseneinteilung) (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2006)
Am Stichtag 31.12.2005 lebten in Sachsen rund 4,27 Mio. Menschen, davon waren etwa 2,1 Mio. Männer und 2,2 Mio. Frauen. Am 31. Dezember 1989 lebten noch rund 4,91 Mio. Menschen im Freistaat, dass bedeutet einen Einwohnerverlust von 640.000 Menschen im Zeitraum von 1990 bis 2005. Der Rückgang in diesen 16 Jahren beträgt 12,5 % und resul tiert zu 60 % aus der natürlichen und zu etwa 40 % aus der räumlichen Bevölkerungsver änderung. Von 1990 bis 2005 wurden fast 489.000 Kinder geboren, während im gleichen Zeitraum rund 880.000 Menschen starben (Statistisches Landesamt Sachsen 2006).
Eine Entwicklung der Geburten und Sterbezahl der letzten 20 Jahre ist in Abbildung 2 2 dargestellt.
Abb. 2 2: Entwicklung der natürlichen Bevölkerungsbewegung in Sachsen (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2006)
Räumliche Bevölkerungsbewegung
Die Wanderungsbewegungen in Sachsen lassen sich in drei Phasen unterteilen. Die erste Phase schließt unmittelbar an die Wiedervereinigung an und dauerte bis 1992, sie ist ge kennzeichnet durch hohe Wanderungsverluste. In diesem Zeitraum wanderten mehr als doppelt so viele Menschen aus Sachsen aus, wie zuwanderten. In der zweiten Phase (1993 1997) stabilisierten sich die Fortzüge auf einem Niveau von 70.000 Personen pro Jahr. Gleichzeitig stiegen die Zuwanderungen auf knapp 78.000 Menschen pro Jahr. Die se Jahre waren gekennzeichnet von einer positiven Wanderungsbilanz. Das Maximum der Zuwanderung wurde im Jahr 1994 verzeichnet. Die letzte Phase begann 1998 und erstreckt sich bis heute. Das jährliche Zuwanderungsvolumen betrug von 1998 bis 2005 durchschnittlich rund 65.000 Menschen, während im gleichen Zeitraum pro Jahr knapp 78.000 Einwohner Sachsen verließen (nach KOWALKE 2000, S. 93ff und Statistisches Landesamt Sachsen 2006). In Abbildung 2 3 ist die Entwicklung der Wanderungsbewe gungen dargestellt und in Anhang 1 findet sich die Datentabelle der absoluten Entwick lung.
Abb. 2 3: Entwicklung der räumlichen Bevölkerungsbewegung in Sachsen (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2006)
Die natürliche und räumliche Entwicklung der Bevölkerung in den vergangenen 20 Jahren ist in Abbildung 2 4 dargestellt. Aus dieser Grafik wird ersichtlich, dass Sachsen durchweg eine negative Bevölkerungsbilanz aufweist.
Abb. 2 4: Bevölkerungsbilanz in Sachsen (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt
Sachsen 2006)
Heute ist Sachsen eines der Bundesländer mit der niedrigsten Fertilitätsrate. Der einfache Ersatz der Elterngeneration ist seit langer Zeit nicht mehr gewährleistet. Aktuell herrscht ein stabiles Geburtenniveau von rund 1,35 Kindern je Frau. In naher Zukunft wird nicht erwartet, dass es eine starke Erhöhung dieses Niveaus geben wird, da neben den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen auch immer das Verhalten auf der individuellen Ebene betrachtet werden muss (KILLISCH/SIEDHOFF 2006, S. 24).
Es bleibt festzuhalten, dass der starke Rückgang der Geburtenzahlen nach 1990 in Ver bindung mit dem negativen Wanderungssaldo zu einem tief greifenden Bevölkerungs rückgang geführt hat. Dieser Rückgang wird sich in naher Zukunft weiter fortsetzen.
Aus der Abbildung 2 5 wird deutlich, dass die sächsischen Landkreise und Kreisfreien Städte eine sehr differenzierte Entwicklung in den vergangenen 15 Jahren genommen haben. Die Landkreise im Umland der sächsischen Metropolen konnten die Bevölke rungsrückgänge gering halten. Der Weißeritzkreis und der Muldentalkreis konnten, als einzige Landkreise in Sachsen, in diesem Zeitraum einen Bevölkerungsgewinn erzielen. Die höchsten Rückgänge sind vor allem in den Oberzentren mittlerer Größe (Zwickau, Görlitz, Hoyerswerda) zu verzeichnen. Die Kreisfreie Stadt Hoyerswerda hat bis zum Jahr 2005 über 60 % der Bevölkerung im Vergleich zum Jahr 1990 verloren.
In der räumlichen Verteilung der Bevölkerungsentwicklung wird deutlich, dass die treibende Kraft der Bevölkerungsentwicklung in Sachsen nach 1990 die Suburbanisierung war. Die Umlandkreise der Kreisfreien Städte konnten eine positivere Entwicklung als die Kreisfreien Städte verzeichnen. Die Unterschiede der Geburtenraten zwischen Landkreisen waren dagegen gering.
Kennzeichen für eine demographische Alterung sind die Abnahme der Anteile jüngerer Menschen und/oder die Zunahme der Anteile älterer Menschen an der Gesamtbevölke rung (BÄHR et. al. 1992, S. 168). Um diese Entwicklung zu kennzeichnen wird die Ge samtbevölkerung in verschiedene Altersklassen eingeteilt, Oftmals wird bei der Einteilung in diese Klassen ein Bezug zum erwerbstätigen Alter hergestellt. Daher wird bei der Be messung der Anteile älterer Personen die Grenze bei 60 Jahren beziehungsweise 65 Jah ren gezogen. Gleichzeitig wird die Veränderung der Anteile der Jugendlichen an der Be völkerung betrachtet. Im Vordergrund des Interesses steht dabei das ökonomische Po tenzial, welches durch die nachkommende Generation besteht. Abnehmende Anteile der noch nicht ökonomisch aktiven Bevölkerung können unter Umständen auf eine zukünftige problematische Entwicklung hindeuten. Betrachtet werden dabei die unter 15 Jährigen oder die unter 20 Jährigen. Die Entwicklung der Altersgruppen in Sachsen ist in Abbildung 2 6 dargestellt. Die Abgrenzung der Gruppe der Jugendlichen wurde auf die unter 20 Jährigen festgelegt, die obere Altersgrenze wurde bei 60 Jahren gezogen. Der Grund hierfür liegt im übereinstimmenden Vorgehen mit dem Statistischen Landesamt Sachsen in der Bevölkerungsprognose (Statistisches Landesamt Sachsen 2003).
Abb. 2 6: Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2006)
Die Grafik zeigt, dass in Sachsen der Anteil der Personen über 60 Jahren seit 1990 konti nuierlich zugenommen hat. War es 1990 noch mit 21,4 % die am schwächsten besetzte Altersgruppe, so konnte diese Gruppe im Jahr 2005 einen Anteil von 29,0 % aufweisen.
Im gleichen Zeitraum nahm der Anteil der ökonomisch noch nicht aktiven Bevölkerung um 7,6 % von 24,0 % auf 16,4 % ab. Der Anteil der ökonomisch aktiven Bevölkerung zwischen 20 und 60 Jahren besaß durchgehend ein konstantes Niveau. Von 1990 bis 2005 gab es lediglich einen Rückgang um 0,02 %.
Eine weitere Methode, um die Alterung der Bevölkerung aufzuzeigen, ist die Darstellung von Verteilungsparametern. Gebräuchlich ist dabei das Durchschnittsalter, welches das arithmetische Mittel des Alters der Gesamtbevölkerung darstellt. In Abbildung 2 7 ist die Verteilung des Durchschnittsalters in den sächsischen Landkreisen visualisiert. Die Darstellung zeigt, dass die Städte Chemnitz, Hoyerswerda und Görlitz, sowie der Vogtlandkreis heute am stärksten von der Überalterung betroffen sind. Der Landkreis mit dem geringsten Durchschnittsalter ist Dresden. Es bleibt festzustellen, dass selbst Dresden mit einem Durchschnittsalter von 43,1 Jahren über dem bundesdeutschen Schnitt von 42,1 Jahren bleibt (Statistisches Bundesamt Deutschland 2006).
Ausgewählte Aspekte der Auswirkungen der sächsischen Bevölkerungsentwicklung auf die Abfallwirtschaft
Durch die unterschiedliche Wirkung der Elemente des demographischen Wandels wird es in vielen Bereichen zu Veränderungen kommen. An dieser Stelle soll ausschließlich der Blick auf die Auswirkungen im Bereich der Abfallwirtschaft gerichtet sein. In den vergangenen Jahren ist das Aufkommen an Siedlungsabfällen in Sachsen stark zurückgegangen. Im Jahr 1999 betrug es 893 kg/EW und es sank zum Jahr 2004 auf 623 kg/EW (LfUG 2000; LfUG 2005). In diesem Zeitraum nahm die Bevölkerung ab, allerdings nicht in ähnlichem Umfang. Daher kann für Sachsen keine einfache Korrelation zwischen der Entwicklung des Siedlungsabfallaufkommens und der Einwohnerzahl hergestellt wer den. Bei der Betrachtung der Abfallintensität gibt es klarere Zusammenhänge. So kann zwischen der Wirtschaftsentwicklung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), und der Entwicklung der Abfallaufkommen ein negativer Zusammenhang festgestellt werden. Im betrachteten Zeitraum wuchs das BIP stetig an, während das Abfallaufkommen insgesamt sank. Die Abbildung 2 15 verdeutlicht diese Entwicklung anhand einer indexierten Darstel lung.
Abb. 2 8: Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt und Abfallmenge in Sachsen (1999=100) (eigene Dar stellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2006 und Abfallbilanzen LfUG)
Ein Aspekt ist, dass das heutige Wirtschaftswachstum einerseits von Branchen getragen wird, die weniger Abfall produzieren (z.B. Mikroelektronik, Biotechnologie). Andererseits lösen Wachstumsprozesse nicht zwangsläufig Investitionen in Bautätigkeiten aus. Die Baubranche, die ein hohes Abfallaufkommen erzeugt, wird dadurch primär beeinflusst.
Demographische Prozesse können direkt auf die Abfallwirtschaft wirken oder auf andere Bereiche, die ihrerseits auf die Abfallwirtschaft Einfluss nehmen. Die Abnahme der Bevöl kerung wird dazu führen, dass die Abfallmengen auch geringer werden (bei sonst glei chen Rahmenbedingungen). Der Rückgang der Bevölkerungszahlen wird aber auch Ver änderungen in der Wirtschaft verursachen. Die einzelnen Wirtschaftsbereiche werden unterschiedlich stark von der Gesamtentwicklung des demographischen Wandels betrof fen sein. Daher wird es in der Wirtschaft zu einer Reihe von Anpassungsprozessen kom men (müssen). Je nach spezifischer Abfallmenge der einzelnen Wirtschaftsbereiche wird es in der Summe zu Reduktionen und zu Steigerungen kommen. Der Zusammenhang zwischen dem demographischen Wandel und der wirtschaftlichen Entwicklung wird unter anderem von BRUNOW und HIRTE aufgezeigt (BRUNOW/HIRTE 2005, S. 65ff).
Die Abnahme der Bevölkerung sowie die Überalterung haben Auswirkungen auf die Nachfragestruktur. Hierbei ist nicht zu vergessen, dass die Entwicklung der Nachfrage essenzielle Bedeutung hat für die Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung. Für die Prognose der Abfallaufkommen wiederum ist eine Abschätzung der Entwicklung der Wirtschaft unerlässlich (in Anlehnung an Sächsische Staatskanzlei 2006, S. 21).
Durch die Alterung der Gesellschaft werden die Hersteller altenspezifischer Produkte in Sachsen absolute Umsatzgewinne erzielen, weil die Bevölkerung der Altersgruppe über 80 Jahre im Vergleich zu heute um mehr als 90 % wächst. Auch Gesundheits und Pfle gedienste werden von dieser Entwicklung profitieren. Das Gastgewerbe und haushaltsbe zogene Dienste könnten durch die Erhöhung der Anteile der „rüstigen“ Rentner ebenfalls profitieren (IWH 2004, S. 14f.). Dadurch werden in diesen Wirtschaftszweigen auch die Abfallmengen steigen.
Rückläufig wird die Entwicklung der staatlichen Nachfrage sein, aufgrund der Rückgänge der Steuereinnahmen. Gerade im Bereich der Baubranche haben das Land Sachsen, wie auch die einzelnen Landkreise und Gemeinden, einen beträchtlichen Anteil an der Ge samtnachfrage. Die Baubranche ihrerseits hat eine enorme Bedeutung für die Abfallmen gen. Private Bauinvestitionen werden rückläufig sein, weil der private Wohnungsbau zu meist von jungen Haushalten getragen wird. Diese werden aber in ihrer absoluten Zahl abnehmen (KÖPPEN 2003, S. 5f). Auch werden Suburbanisierungstendenzen durch den Wegfall der Eigenheimzulage, die Reduzierung der Pendlerpauschale und die Steigerung der Fahrtkosten durch gestiegene Energiepreise verringert (KÖPPEN 2003, S. 2ff). Für die nach der Wende in Sachsen errichteten Wohnbauten werden in Zukunft verstärkt Re paraturleistungen fällig. Rückbaumaßnahmen können die Abfälle aus dem Bausektor er höhen. Die Notwendigkeit von Rückbaumaßnahmen ist aufgrund der veränderten Nut zungsansprüche gegeben. Dabei bleibt die Finanzierung dieser Rückbaumaßnahmen unklar, da Kommunen bei rückläufiger Einwohnerzahl ebenfalls rückläufige Steuerein nahmen haben (Sächsische Staatskanzlei 2006, S. 14f.). Rückgänge im Wohnungsbau und steigende Rückbautätigkeiten werden zukünftig für eine Stabilisierung im Baugewer be sorgen (SLOSAREK 2006, S. 98). Trotz dieser direkten Verbindung zwischen Abfall wirtschaft und Bevölkerungsentwicklung ist es schwierig zu sagen, wie sich die Bevölke rungsentwicklung auf die Bauabfälle auswirkt. Der Rückbau wird beispielsweise durch Fördermaßnahmen angetrieben, aber es wird nur auf die Bevölkerungsentwicklung rea giert, die Anpassung erfolgt nicht kontinuierlich. Aufgrund der Vielzahl von Einflüssen auf die Baubranche und die unvollständige Mengenerfassung der Bauabfälle der ÖRE soll auf eine vergleichende Analyse zwischen Bauabfällen und Bevölkerungsentwicklung im Rahmen dieser Arbeit verzichtet werden. Des Weiteren sollen sich die Betrachtungen ausschließlich auf die Siedlungsabfallwirtschaft richten.
In wieweit die dargestellten Auswirkungen tatsächlich anhand von Zahlenmaterial nach weisbar sind, soll in späteren Hypothesen untersucht werden. Sollten sich die Effekte bes tätigen, so müsste es in Gebieten mit besonders hohen Bevölkerungsrückgängen auch deutliche Effekte in der Abfallwirtschaft geben. Auch die Auswirkungen der Alterung sollte dabei untersucht werden.
Zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Sachsen
Sachsen wird durch den demographischen Wandel flächendeckend zeitiger betroffen sein als die westlichen Bundesländer. In dieser negativen Entwicklung liegt aber auch eine Chance. So können die östlichen Bundesländer eine Art Vorreiterrolle einnehmen, Projek te und deren Wirkung lokal auf ihre bundesweite Eignung getestet werden. Als Beispiele seien hier der Stadtumbau Ost und der experimentelle Wohnungs und Städtebau ge nannt. Zudem können momentan bei Projekten in Ostdeutschland noch die Ressourcen der westdeutschen Bundesländer genutzt werden, z.B. im Form von Fördermitteln (MÜL LER 2005, S. 123).
Das Statistische Landesamt des Freistaats Sachsen hat im Jahr 2003 die 3. Regionali sierte Bevölkerungsprognose für die sächsischen Landkreise, Kreisfreien Städte und das Land Sachsen insgesamt veröffentlicht. Auf Grundlage der ersten beiden Prognosen konnten die Annahmen weiter präzisiert werden. Diese Annahmen zielen auf das Gebur tenverhalten, die Lebenserwartung und die Wanderungsbilanz. Zum einen wurde die Wanderungsbilanz über die Landesgrenze hinaus betrachtet, zum anderen wurden inner sächsische Wanderungen berücksichtigt, um eine Prognose der Entwicklung der Land kreise liefern zu können. In diesem Kapitel sollen nun die Grundlagen der Bevölkerungs entwicklung bis zum Jahr 2020 erarbeitet werden. Alle verwendeten Daten entstammen der 3. Regionalisierten Bevölkerungsprognose (Statistisches Landesamt Sachsen 2003).
Die Bevölkerungsprognose weist zwei Entwicklungsvarianten aus. Die Unterschiede zwi schen diesen Prognosen sind relativ gering, erhöhen sich aber zum Jahr 2020 hin. Bei einem Vergleich der beiden Varianten mit der tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung zeigt sich, dass die Abweichungen der Variante 1 zur tatsächlichen Entwicklung am ge ringsten sind. Daher soll in folgenden Betrachtungen ausschließlich diese Variante be rücksichtigt werden.
Annahmen der Bevölkerungsprognose bis 2020
Das Geburtenverhalten in Sachsen soll bis zum Jahr 2020 eine leichte Steigerung erfahren. So soll die Anzahl der Kinder je Frau im gebärfähigen Alter im Jahr 2005 bei 1,35 und ab dem Jahr 2015 bei 1,40 liegen, dieser Wert entspricht dem heutigen Bundesdurchschnitt. Aufgrund des vorhandenen Datenmaterials ist es noch nicht möglich zu überprüfen, ob diese Annahme im Jahr 2005 erfüllt wurde.
Ausgehend von der Sterbetafel der Jahre 1999/2001 wird ein weiterer Anstieg der Le benserwartung prognostiziert. Als Ausgangslebenserwartung wird bei Männern ein Wert von 74,47 Jahren und bei Frauen ein Wert von 80,97 Jahren zugrunde gelegt. Zum Jahr 2020 wird eine Steigerung bei Männern um 4,0 Jahre und bei Frauen um 3,7 Jahre ange geben.
Unter der prognostizierten Entwicklung der gesetzten Rahmenbedingungen wird sich der Bevölkerungsrückgang in Sachsen weiter fortsetzen. Für das Jahr 2020 wird eine Ein wohnerzahl von 3,79 Millionen erwartet. Gegenüber 2001 bedeutet das einen Rückgang um 13,7 Prozent.
Abbildung 2 8 zeigt, dass sich die Differenz in der natürlichen Bevölkerungsentwicklung weiter vergrößern wird. Bis zum Jahr 2020 wird in der Summe ein Geburtendefizit von rund 344.300 angenommen.
Abb. 2 9: Tatsächliche und prognostizierte natürliche Bevölkerungsentwicklung in Sachsen bis 2020 (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2003 und Statistisches Landes amt Sachsen 2006)
Der Wanderungsverlust in Sachsen wird sich kontinuierlich verringern. Ab 2018 wird sogar ein leichter Wanderungsgewinn prognostiziert. Insgesamt werden in Sachsen bis 2020 187.800 Personen mehr abwandern als zuwandern. In Abbildung 2 9 sind die Zuund Wegzüge über die Landesgrenze hinaus von 1986 bis 2020 dargestellt, es ist dabei zu berücksichtigen, dass die Daten ab 2006 auf Prognosen beruhen wurden.
Abb. 2 10: Tatsächliche und prognostizierte räumliche Bevölkerungsentwicklung in Sachsen bis 2020 (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2003 und Statistisches Landes amt Sachsen 2006) Durch das weiter anhaltende Geburtendefizit und die negative Wanderungsbilanz wird sich die Alterung der Gesellschaft fortsetzen. Dabei wird sich das Durchschnittsalter von 43,3 Jahren (2002) auf knapp 49 Jahre (2020) erhöhen. In Abbildung 2 10 ist das erwarte te Durchschnittsalter in den Landkreisen im Jahr 2020 dargestellt. Deutlich erkennbar dabei ist, dass die Kreisfreien Städte Leipzig und Dresden die geringste Alterung erfahren und im Jahr 2020 das geringste Durchschnittsalter haben werden. Vor allem die ländlich geprägten Landkreise, wie z.B. Torgau Oschatz oder der Niederschlesische Oberlausitz kreis werden stark altern. Die höchsten Durchschnittsalter werden in Südost und Süd westsachsen erwartet. Die Kreisfreie Stadt Hoyerswerda wird die größte absolute Zunah me zu erwarten haben und hat sowohl im Jahr 2005 als auch im Jahr 2020 das absolut höchste Durchschnittsalter.
Abb. 2 11: Stand und Entwicklung des Durchschnittsalters bis zum Jahr 2020 (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2003)
Räumlich wird der Bevölkerungsrückgang stark differenziert ablaufen. Lediglich die Städte Leipzig und Dresden können einen leichten Bevölkerungsgewinn verzeichnen. Die meisten Landkreise werden einen durchschnittlichen Verlust von 15 bis 19 % aufweisen. Den stärksten Bevölkerungsrückgang aller sächsischen Landkreise hat Hoyerswerda zu erwarten haben. Eine Darstellung der Rückgänge findet sich in Abbildung 2 11.
Gemäß § 3 Abs. 1 des Kreislaufwirtschafts und Abfallgesetzes (KrW /AbfG) sind Abfälle alle beweglichen Sachen, deren sich ihr Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass § 2 Abs. 2 KrW /AbfG einige Stoffe aus dem Geltungsbereich des Gesetzes ausschließt. Dazu zählen unter anderem spezielle Abfälle aus der Lebensmittelproduktion, Kernbrennstoffe und andere radioaktive Stoffe sowie Kampfmittel. Die Entledigung liegt vor, wenn die beweglichen Sachen einer Verwertung oder einer Beseitigung zugeführt werden oder wenn der Besitzer die tatsächliche Sachherrschaft aufgibt (§ 3 Abs. 2 KrW /AbfG).
Zur weiteren Bestimmung der Abfälle werden in Anhang I KrW /AbfG Abfallgruppen definiert, denen die Abfälle zugeordnet werden können. Der Anhang II A listet Beseitigungsverfahren auf und der Anhang II B nennt Verwertungsverfahren. Dort nicht aufgeführte Verfahren stellen keine Beseitigung oder Verwertung im Sinne des KrW /AbfG dar (BILITEWSKI et. al. 2000, S. 12).
Grundsätze der Kreislaufwirtschaft
Gemäß § 4 Abs. 1 KrW /AbfG gliedert sich die Abfallwirtschaft in Deutschland in drei Zielhierarchieebenen. Die oberste Stufe nimmt die Abfallvermeidung ein, auf der zweiten Stufe steht die Verwertung und auf der dritten Stufe die Abfallbeseitigung. Dementsprechend richten sich auch die Ziele der Abfallwirtschaft im Sächsischen Abfallwirtschafts und Bodenschutzgesetz (SächsABG) aus (§ 1 Abs. 1).
In § 4 Abs. 2 KrW /AbfG werden drei verschiedene Maßnahmen zur Vermeidung aufge führt. Diese umfasst die anlageninterne Kreislaufführung von Stoffen, die abfallarme Pro duktgestaltung und das Konsumverhalten. Nach § 6 KrW /AbfG können Abfälle stofflich verwertet oder zur Gewinnung von Energie genutzt werden (energetische Verwertung). Den Vorrang hat die umweltverträglichere Verwertungsart. Die Basis der Zielhierarchie in der Kreislaufwirtschaft bildet die Abfallbeseitigung. Erzeuger oder Besitzer von Abfällen, die nicht verwertet werden, sind verpflichtet, diese nach den Grundsätzen der gemein wohlverträglichen Abfallbeseitigung zu beseitigen (§ 11 KrW /AbfG). In Abbildung 2 12 ist ein Schaubild der Hierarchie dargestellt.
Abb. 2 13: Zielhierarchie der Abfallwirtschaft (eigene Darstellung nach BMU 2006c, S. 34)
Die allgemeinen Pflichten wurden im Gesetz durch eine Reihe von Verordnungen im deutschen Recht konkretisiert. Hierzu zählen die Produktverantwortung (z.B. Verpackungs , Batterie oder Altfahrzeugeverordnung), die Anforderungen an eine umweltverträgliche Verwertung von Abfällen (z.B. Gewerbeabfallverordnung, Altholzverordnung) und die Anforderungen an die umweltverträgliche Abfallbeseitigung (z.B. Abfallablagerungsverordnung und Deponieverordnung) (BMU 2006b, S. 9).
In Sachsen sind die Landkreise und Kreisfreien Städte öffentlich rechtliche Entsorgungsträger (ÖRE). Sie haben für ihren Bereich ein Abfallwirtschaftskonzept und Abfallbilanzen zu erstellen und können sich zur Erfüllung ihrer Aufgaben zu regionalen Zweckverbänden zusammenschließen (§ 4 Abs. 1 SächsABG). Die Abfallverbände haben die Aufgabe, die Abfallentsorgungsanlagen einschließlich der Anlage zum Umschlagen von Abfällen zu errichten und zu betreiben. Landkreise und Kreisfreie Städte können den Abfallverbänden durch Vereinbarungen weitere abfallwirtschaftliche Aufgaben übertragen. In Sachsen haben sich 26 der 29 Landkreise in acht Abfallverbänden zusammengeschlossen. Der Landkreis Delitzsch und die Kreisfreien Städte Dresden und Hoyerswerda sind verbandsfrei. Die Verbandsstruktur wird in Abbildung 2 13 ersichtlich.
Ziel 2020 in der Abfallwirtschaft
Bis zum Jahr 2020 wird seitens der Bundesregierung eine vollständige Verwertung der Siedlungsabfälle angestrebt. Der erste Schritt wurde bereits zum 1. Juni 2005 getan, als die Ablagerung von unbehandelten, organischen, biologisch abbaubaren Abfällen verbo ten wurde. Dazu hat das Bundesumweltministerium bereits im Jahr 1999 das abfallwirt schaftliche Ziel 2020 formuliert: „Bis spätestens 2020 sollen die Behandlungstechniken so weiterentwickelt und ausgebaut werden, dass alle Siedlungsabfälle in Deutschland voll ständig und umweltverträglich verwertet werden.“ (BMU 2006c, S. 34). Hierzu ist es not wendig durch zusätzliche qualitative und quantitative Vermeidung die Menge und Schäd lichkeit der zu behandelnden Abfälle zu senken. Entsprechend muss auch die Abfallver wertung weiter ausgebaut werden. Weiterhin sollen die Hersteller in die Produktverant wortung genommen werden, da dies die Stoffkreisläufe und Recyclingtechnologien am stärksten fördert (BMU 2006c, S. 33ff). So sollen zur Erreichung des Ziels verstärkt Pro dukte und Stoffe mit einer größtmöglichen Lebensdauer entwickelt und Produktionsver fahren eingeführt werden, bei denen möglichst wenig Abfälle anfallen (BMU 2006b, S. 9). Beim Erreichen dieses Ziels würde die (oberirdische) Deponierung beendet werden. In Abbildung 2 14 ist der angestrebte Aufbau der Abfallhierarchie dargestellt.
Abb. 2 15: Zielhierarchie der Abfallwirtschaft im Jahr 2020 (eigene Darstellung nach BMU 2006c, S. 34)
Abfallaufkommen in Sachsen
Im Jahr 2004 betrug die in Abfallentsorgungsanlagen behandelte Abfallmenge in Sachsen
6.673.045 Tonnen. Mit rund 42 % stellten Produktionsabfälle die größte Fraktion dar. Die festen Siedlungsabfälle, Schlüsselnummer laut Abfallverzeichnis Verordnung (AVV) be ginnend mit 20, haben mit 25 % einen deutlich geringeren Anteil. Mit 33 % haben die Bauabfälle einen größeren Anteil (Statistisches Landesamt Sachsen 2005). In der Erhe bung der Mengen gibt es einige Schwierigkeiten durch die exakte Festlegung der Rahmenbedingungen. Werden nur die behandelten Abfallmengen aufgeführt, so gibt es Differenzen, da im Jahr 2004 die Ablagerung unbehandelter Abfälle noch zulässig war. Vor allem im Bereich der Bauabfälle ist dadurch das Aufkommen insgesamt deutlich höher. Die Festlegungen, welche Abfallschlüsselnummern gemäß AVV welchen Abfallarten zugeordnet werden, unterscheiden sich zwischen Statistiken. Daher können auch die Mengen, die das Statistische Landesamt erhebt von denen des LfUG abweichen. Im Folgenden soll stets die Mengenbilanzierung des LfUG verwendet werden.
Ungewiss bei der gesamten Entwicklung der Abfallmengen sind die individuellen Verhal tensweisen. Ein höheres Umweltbewusstsein kann sich in einer verbesserten Trennleis tung niederschlagen. Dadurch können im Vergleich zu heute mehr Stoffe sortenrein er fasst werden. Aber auch zukünftige Entwicklungen in der Gesetzgebung müssen berück sichtigt werden. Es gibt eine Reihe weiterer Einflussfaktoren, die sich auf die qualitative und quantitative Zusammensetzung der Abfälle auswirken, deren Reihenfolge keine Rangfolge sein soll (nach BILITEWSKI et. al. 2000, S. 62f; PLICKERT et. al. 2000, S. 35f):
- Größe des entsorgten Gebietes, Fläche und Einwohnerzahl
- Geschäfts und Gewerbeabfallanteil, der zusammen mit dem Hausabfällen ent sorgt wird
- örtliche und regionale Unterschiede in Wirtschaftskraft, Sozial und Gebietsstruktur
- zeitliche Entwicklung durch Veränderung der Konsum und Lebensgewohnheiten, des Lebensstandards und der Gewerbestruktur sowie Einflüsse der allgemeinen konjunkturellen Wirtschaftslage
- angebotenes Sammelsystem (Art der Wertstoffsammlung)
- bereitgestellte Behältergrößen (bzw. spezifisches Behältervolumen je Einwohner)
- Behälterarten
- Frequenz der Sperrmüllabfuhr
- Alternativen zur regelmäßigen Abfallentsorgung (z.B. Eigenkompostierung)
- Bemessung und Höhe der Gebühren
- Intensität der Motivationsförderung, Öffentlichkeitsarbeit seitens der Entsorger
- Bebauungsstruktur
- soziale Kontrolle
So wirken diese Elemente in unterschiedlicher Art und Weise und bestimmen die Höhe und die Zusammensetzung der Abfälle in den jeweils betrachteten Gebieten. In wie weit Art und Umfang der Beeinflussung geklärt werden können, soll in den Kapiteln 6 und 7 untersucht werden.
Der Bund hat in der Raumordnung gemäß Art. 75 Absatz 1 Nr. 4 des Grundgesetzes nur eine rahmengebende Kompetenz. Dazu wurde erstmals 1965 das Raumordnungsgesetz (ROG) erlassen, welches 1997 umfassend novelliert wurde. Das ROG definiert allgemeine Aufgaben und Leitvorstellungen der Raumordnung in Deutschland (§ 1). Es werden Grundsätze festgelegt (§ 2) und Vorgaben für die Raumordnung in den Bundesländern erteilt (§ 6 17). Darüber hinaus werden Bindungswirkungen der Raumordnung und die Raumordnung auf Bundesebene geregelt (§ 18 21). Gemäß dem föderalen Staatsaufbau gibt es raumordnerische Vorgaben für das Bundesgebiet sowie Raumordnungsprogramme oder pläne der Länder und Regionen.
In Sachsen gilt das Gesetz zur Raumordnung und Landesplanung des Freistaates Sachsen (SächsLPlG). Darin enthalten sind: Regelungen über die Raumordnung in Sachsen, die Raumordnungspläne, die regionalen Planungsverbände, die Instrumente zur Umsetzung der Raumordnungspläne und die Raumordnungsbehörden.
In der Hierarchie der Raumplanung in Sachsen gibt es drei Stufen (SMI 2004, S. 6). Die oberste Raumordnungs und Landesplanungsbehörde ist das Sächsische Staatsministe rium des Innern. Dessen Aufgabe ist unter anderem die Aufstellung und Fortschreibung des Landesentwicklungsplans, die Genehmigung der Regionalpläne sowie der Braunkoh lenpläne und die Vertretung der Belange der Raumordnung gegenüber dem Landtag und der Öffentlichkeit. Die zweite Hierarchiestufe in Sachsen sind die drei höheren Raumord nungsbehörden, welche die Regierungspräsidien Dresden, Leipzig und Chemnitz darstel len. Deren Aufgabe ist die Abstimmung von raumbedeutsamen Planungen und Maßnah men mit den Erfordernissen der Raumordnung sowie das Führen des Raumordnungska tasters. Die unterste Planungsstelle auf Landesebene sind die fünf regionalen Planungs verbände. Deren Aufgabe ist die Aufstellung und Fortschreibung der Regionalpläne, die Stellungnahme als Träger öffentlicher Belange und die grenzüberschreitende Zusammen arbeit (SMI 2004, S. 7ff). Abbildung 2 16 zeigt die Gebietsaufteilung der Planungsverbän de.
Abb. 2 16: Planungsregionen der sächsischen Raumplanung (eigene Darstellung nach SächsLPlG)
Der Gesamtraum des Freistaates Sachsen ist gemäß § 1 Absatz 2 ROG durch zusammenfassende und übergeordnete Raumordnungspläne einschließlich deren Verwirklichung zu entwickeln, zu ordnen und zu sichern. Als Mittel dieser Umsetzung der konkreten Leitvorstellungen gibt es den Landesentwicklungsplan und die Regionalpläne. Zusätzlich dazu existieren als Teilregionalpläne die Braunkohlenpläne und nach § 5 SächsLPlG festgelegte regionale Flächennutzungspläne.
Der Landesentwicklungsplan (LEP) ist der Raumordnungsplan für das gesamte Gebiet des Freistaates Sachsen. Im LEP sind die Ziele und Grundsätze der Raumordnung für die räumliche Ordnung und Entwicklung Sachsens auf der Grundlage einer Bewertung des Zustands von Natur und Landschaft sowie der Raumentwicklung festgelegt (§ 3 Abs. 2 SächsLPlG). Grundsätze hierbei sind Leitvorstellungen, die bei Entscheidungen von raumbedeutsamen Vorhaben gegeneinander und untereinander abzuwägen sind. Ziele der Raumordnung sind verbindliche Festlegungen der Landesentwicklung, die räumlich und sachlich bestimmt oder bestimmbar sind.
Momentan ist der LEP 2003 in Kraft, dieser legt infolge des Subsidiaritätsprinzips keine Festsetzungen der Raumnutzung fest, sondern erteilt Handlungsaufträge an die Regio nalplanung. Enthalten sind Festlegungen zur Raumstruktur, soweit sie für die räumliche Ordnung, Entwicklung und Sicherung erforderlich sind. Dies sind hinsichtlich der anzu strebenden Siedlungsstruktur die Raumkategorien, die zentralen Orte, die besonderen Gemeindefunktionen und die überregionalen Verbindungsachsen (SMI 2003, S. 3ff).
Demographischer Wandel und Raumplanung
Im Bereich der Raumplanung und Raumordnung wird es zukünftig noch stärker Anpas sungen an den demographischen Wandel geben müssen. An dieser Stelle soll nur das wesentliche Problem dieser Entwicklung erläutert werden. Zur vollständigen Erfassung des Forschungsgegenstandes sei auf die einschlägige Literatur verwiesen. Das größte Problem, welches die Raumordnung durch den demographischen Wandel gestellt be kommt, ist der Wandel in der Planungsphilosophie von der reinen Wachstumsplanung hin zu einer Schrumpfungsplanung (MÜLLER 2005, S. 123). Um diesen Paradigmenwechsel durchzuführen, müssen die Instrumente der Raumordnung einen Wandel erfahren. Es gilt zukünftig weniger die Neuerschließung von Flächen und Infrastrukturneubau zu steuern, sondern vielmehr die Bestandsentwicklung, Stabilisierung und Revitalisierung bestehen der Siedlungen und Infrastrukturen zu gewährleisten. Durch zurückgehende Finanzmittel werden die Handlungsspielräume zur Sicherung und Weiterentwicklung der öffentlichen Daseinsvorsorge stark eingeengt. Aufgrund dieser Aspekte gilt es neue Bestandssiche rungskonzepte zu erarbeiten (GATZWEILER/KOCKS 2004, S.137f).
Die unterschiedlichen Raumkategorien erfordern aufgrund ihrer Struktur auch differenzierte Instrumente. Es gilt den Finanzausgleich zu reformieren, die Zentralen Orte im ländlichen Raum zu stärken und endogene Potenziale auszuschöpfen. Zur Sicherung dieser Ziele müssen die raumrelevanten Fachpolitiken aktiviert und die Zusammenarbeit einzelner Themenbereiche verstärkt werden (ARL 2006, S.1ff).
Raumplanung und Abfallwirtschaft
Das KrW /AbfG schreibt in § 29 Abs. 5 vor, dass bei der Abfallwirtschaftplanung die Ziele der Raumordnung zu beachten und die Grundsätze sowie sonstige Erfordernisse der Raumordnung zu berücksichtigen sind (KrW /AbfG 1994).
Ferner sollen sich einzelne Bundesländer in ihren Planungen bezüglich der Abfallwirt schaft koordinieren, was im Sinne der Raumordnung als Ausgleich verstanden werden kann. Somit wird ein wesentliches Element der Raumordung erfüllt (KUNIG et. al. 1998, S. 529ff).
Noch in den neunziger Jahren stand die Raumplanung vor dem Problem, rechtzeitig die Flächenbedarfe für die Funktion Entsorgung zu erkennen, damit diese im Zuge einer vor ausschauenden Raumordnungspolitik gesichert werden können (HAAS 1991, S. 208). Durch den Wandel in der Zielhierarchie der Abfallwirtschaft konnte die absolute Menge der abzulagernden Abfälle reduziert werden. Zusätzlich wurden in der Technischen Anlei tung Abfall strenge Anforderungen an die Standorte von Deponien festgelegt. Es wird im großen Maße Wert darauf gelegt, die Umweltrisiken, die von der Abfallwirtschaft ausge hen zu reduzieren. Das bedeutendste Problem im Spannungsfeld zwischen Raumplanung und der Abfallwirtschaft ist die Standortfindung bei der Errichtung neuer Anlagen. Zwar werden Behandlungsanlagen vorwiegend auf Altdeponien errichtet (Beispiel ist die me chanisch biologische Anlage (MBA) Dresden auf dem Gebiet der ehemaligen Deponie Radeburger Straße) aber Neuerrichtungen von Anlagen, besonders von Müllverbren nungsanlagen, stellen in dieser Hinsicht immer eine zu bewältigende Aufgabe dar (THO MÉ KOZMIENSKY 1994, S. 35ff). Einerseits sollten aus logistischen Gründen die Anlagen möglichst zentral zum Abfallentstehungsgebiet liegen, um Transportwege zu minimieren. Andererseits ergeben sich durch die Standortwahl, die Errichtung und den gesamten Be trieb der Anlagen in der Regel eine ganze Reihe von Auswirkungen auf die Umwelt, am Standort sowie dessen Umfeld. Dadurch stößt die Planung solcher Anlagen stets auf Ak zeptanz und Durchsetzungsprobleme. Durch das Hinwirken auf das Ziel 2020 wird die Konkurrenz in den Ansprüchen zwischen der Abfallwirtschaft und dem Landschaftsschutz, der Wasserwirtschaft und der Sicherung der Naturschätze reduziert (BMU 2006c, S. 34ff).
Von grundlegender Bedeutung für die Aufgabenwahrnehmung durch die Landesplanung sind die im LEP in Kapitel 14 erläuterten fachlichen Ziele und Grundsätze zur Abfallwirt schaft. So lautet der Grundsatz 14.1: „Die Sicherung der Abfallentsorgung ist durch die Bereitstellung geeigneter Flächen zu unterstützen.“ Die Begründung dazu wird durch die bestehende Entsorgungspflicht der ÖRE gegeben. Zur Verwertung von Abfällen wird auf Abfallwirtschaftskonzepte und pläne verwiesen. Als wichtige Vorraussetzung für die Leis tungsfähigkeit und Akzeptanz der Systeme wird die Erreichbarkeit, Benutzerfreundlichkeit, geringe Verkehrs , Lärm und Geruchsbelästigung sowie bauliche Einfügung in die Um gebung genannt. Der Grundsatz 14.2 besagt: „Die Entsorgungssicherheit ist voraus schauend und für Katastrophenfälle zu gewährleisten.“ So müssen die ÖRE die Entsor gungssicherheit für die Abfälle für mindestens zehn Jahre sicherstellen. Für diesen Zeit raum muss die Anlagenkapazität geplant, errichtet oder vertraglich gebunden sein und im Abfallwirtschaftskonzept festgeschrieben werden (SMI 2003, S. 89).
3.1 Raumkategorien gem äß Landesentwicklungsplan
Das Bundesland Sachsen hat in etwa die gleiche Einwohnerdichte wie Deutschland. Allerdings variiert die Bevölkerungsdichte in Deutschland, in Sachsen und auch in den einzelnen Landkreisen sehr stark. Es gibt in Sachsen einzelne oder auch zusammenhängende Gebiete, die hoch verdichtet sind. Gleichzeitig gibt es aber eine Vielzahl von Gebieten die relativ schwach verdichtet sind. Um diese Gebiete einheitlich zu klassifizieren wurden im Punkt 2.5 des LEP die sächsischen Gemeinden gemäß ihrer Struktur in drei verschiedene Gruppen eingeteilt. Diese drei Raumkategorien sind:
- Verdichtungsraum
- verdichteter Bereich im ländlichen Raum
Die exakten Definitionen der einzelnen Raumkategorien können dem LEP entnommen werden (SMI 2003, S. 23). Durch die unterschiedlichen Strukturen in den Raumkategorien müssen Handlungsoptionen raumspezifisch definiert werden. Im LEP finden sich daher für jede Raumkategorie spezielle Ziele und Grundsätze der Entwicklung. Abbildung 3 1 zeigt eine Darstellung der Einteilung der sächsischen Gemeinden nach der Raumkategorie.
Erkennbar sind die Verdichtungsräume Leipzig, Dresden und Chemnitz Zwickau. Die verdichteten Bereiche im ländlichen Raum können auch in drei Regionen eingeteilt werden. Es gibt solche Gemeinden um Plauen, in Mittelsachsen im Bereich Riesa Großenhain, Döbeln und Freiberg. Der dritte Raum zieht sich von Bautzen über Löbau nach Zittau, entlang der deutsch tschechischen Grenze. Die übrigen sächsischen Gemeinden werden dem ländlichen Raum zugeordnet.
In der weiteren Analyse sollen Aussagen zur Raumkategorie gemacht werden, aber in der Abfallwirtschaft stehen nur Daten auf Landkreisebene zur Verfügung. Es war nicht möglich die für die Landkreise erhobenen Daten auf die Gemeinden herunterzurechnen. Daher mussten die Raumkategorien für die Landkreise extrapoliert werden.
Zu diesem Zweck wurden zwei unterschiedliche Methoden zur Einteilung verwendet. Die erste Methode richtet sich nach der Vorgabe des LEP für die Gemeinden. Es wurden die identischen Werte für Einwohner und Siedlungsdichte, Verkehrs und Siedlungsflächenanteil und Einwohnerzahl angenommen. Diese Werte konnten anhand von Datenbankabfragen beim Statistischen Landesamt Sachsen gewonnen werden.
Im LEP wurden die Eckwerte auf Basis der Gemeinden erstellt. Diese im Folgenden auf die Landkreise anzuwenden ist nicht ohne weiteres möglich. Als Kriterium für den verdich teten Bereich im ländlichen Raum wird eine Einwohnerzahl von 60.000 als untere Grenze und das Vorhandensein eines Mittelzentrums festgelegt (siehe Tabelle 3 1). Tatsächlich verfügt jeder sächsische Landkreis über ein Mittelzentrum und nur die Kreisfreien Städte Görlitz und Hoyerswerda haben eine Einwohnerzahl unter 60.000. Als Element für die Einteilung in die Raumkategorien wird auch die Dominanz der arbeits und versorgungs räumlichen Beziehungen in das Gebiet genutzt. Diese Kenngröße ist sehr komplex. Eine Pendlerstatistik kann nur einen Teil der arbeitsräumlichen Beziehung erfassen. Die Kreis freien Städte, mit Ausnahme Hoyerswerda, können positive Pendlersalden aufweisen, während die Landkreise negative Salden haben. In Anhang 2 sind die Daten zur Klassifi kation der Landkreise dargestellt.
Tabelle 3 1: Kriterien zur Einteilung der Landkreise in Raumkategorien (nach SMI 2003, S. 24f.)
Somit wurde eine zweite Methode gewählt, um die Landkreise nach Raumkategorien zu unterteilen. Dabei wurden die Einwohnerzahl und die Flächengröße der Gemeinden zur Klassifikation genutzt. Alle Bewohner einer Gemeinde bekamen die Raumkategorie ihrer Gemeinde zugewiesen. Im weiteren Verlauf wurden für jeden Landkreis die Summen der Einwohner in den einzelnen Kategorien erstellt. Das Gleiche wurde für die Flächengrößen der Gemeinden in den Landkreisen getan. Somit war es möglich, die Anteile der Einwohnerzahlen und der Flächen der Raumkategorien in den Landkreisen zu berechnen. Folgende Grenzwerte wurden bei der Zuordnung gesetzt:
Tabelle 3 2: Gliederung der Landkreise nach der Raumkategorie gemäß Klassifikation des LEP (eige ner Entwurf)
Die Landkreise wurden gemäß den Kriterien in Tabelle 3 2 gruppiert. Nach dieser Metho de konnten lediglich 23 der 29 Landkreise und Kreisfreien Städte eingeteilt werden. In einigen Landkreisen mussten manuelle Anpassungen durchgeführt werden. Im Landkreis Döbeln leben 78 % der Bevölkerung in Gemeinden im verdichteten Bereich, aber nur 22 % im ländlichen Raum. Nach der Fläche verhält es sich 49 % zu 51 %. Somit wurde der Landkreis Döbeln als Landkreis im verdichteten Bereich im ländlichen Raum eingeordnet. Als letztlich entscheidendes Kriterium wurde der Anteil der Einwohner in den unterschied lichen Raumkategorien genutzt.
Die Kreisfreien Städte Görlitz und Hoyerswerda wurden als verdichtete Bereiche im ländlichen Raum eingeordnet, obwohl sie gemäß LEP nur als ländlicher Raum ausgewiesen sind. Laut der vorgegebenen Kriterien müsste die Kreisfreie Stadt Plauen als Verdichtungsraum klassifiziert werden. Hierbei wird sich aber auf den LEP berufen und diese Gemeinde als verdichteter Bereich im ländlichen Raum ausgewiesen.
In Anhang 3 stehen die Daten zur Einteilung der Landkreise nach Methode 2. Anhand der beiden Klassifikationsmethoden ergibt sich folgendes Bild (Abb. 3 2).
9783638858991
v82299
Technische Universität Dresden – Institut für Geographie
Auswirkungen Bevölkerungsentwicklung Aspekte Abfallwirtschaft Sachsen
Dipl. Geograph Michael Rehbein (Autor)
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References: § 3
 § 2
 § 4
 § 4
 § 6
 Art. 75
 § 1
 § 5
 § 29