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Timestamp: 2017-09-21 06:56:14+00:00

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meine Verfassungsbeschwerde - paritaetischeswechselmodells Webseite!
Im folgenden der Originaltext meiner Verfassungsbeschwerde vom Juni 2012, der die Annahme ohne Begründung versagt wurde.
[Seite 1 und 2 nicht wiedergegeben (hier wurden die am Verfahren Beteiligten und Mitwirkenden genannt sowie die vom AG Cochem verfügte und vom OLG Koblenz bestätigte Umgangsregelung aufgeführt); die Originalbeschwerde enthielt selbstverständlich keine Hyperlinks.]
Der Schutz des Elternrechts durch Artikel 6 GG erstreckt sich auf die wesentlichen Elemente des Sorgerechts. Die Erziehung von Kindern ist damit primär in die Verantwortung der Eltern gelegt. Eine Aufspaltung der Eltern in einen betreuenden und einen nichtbetreuenden Elternteil läuft dem Kerngedanken des Art. 6 zuwider, wonach sowohl der Mutter als auch dem Vater das Recht zugesichert und die Pflicht auferlegt wird, ihre Kinder zu pflegen und zu erziehen. Im Beschluss des OLG Koblenz klingt dagegen an, dass der Senat selbstverständlich von der Notwendigkeit eines Lebensmittelpunkts ausgeht. Allein dadurch nimmt er zwangsläufig eine Verletzung des Elternrechts in Kauf.
Das Oberlandesgericht hat nicht nachvollziehbar begründet, aus welchen Gründen die Auflösung der elterlichen Sorge und der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts zum Wohl der Kinder erforderlich sind. Insbesondere hat es den bekundeten Willen der Kinder nicht hinreichend berücksichtigt. Alle drei Kinder haben ausdrücklich erklärt, dass sie eine überwiegende Betreuung durch einen Elternteil nicht wünschten (vergleiche BVerfG Beschluss vom 30.06.2009 - 1 BvR 1868/08). Der bei insgesamt fünf Befragungen - im Einzelnen durch den Sachverständigen, die Familienrichterin des AG Cochem, den Verfahrensbeistand (zweimal) und den Senat - konstant, nachvollziehbar und verstehbar erklärte Wille der Kinder wurde vom Senat zwar zur Kenntnis genommen, jedoch mit willkürlichen Aussagen abgewertet und blieb damit gänzlich unberücksichtigt. Hierdurch wurde das Wohl der Kinder grob missachtet.
Wesentliches Vorbringen des Beschwerdeführers zur Erklärung der vom Gutachter behaupteten Anspannung der Kinder bei ihrer Befragung am 08.04.2011 wurde nicht berücksichtigt und den Beweisanträgen nach Herausgabe der Band­aufzeichnungen dieses Gespräch sowie der Aufzeichnung des ersten Gesprächs, das die Kinder mit dem Verfahrensbeistand geführt haben, wurden nicht stattgegeben.
In dem Beschluss des AG Cochem, dem das OLG zustimmt, heißt es, die Kinder hätten das Recht auf unbelasteten Umgang mit beiden Elternteilen. Hierbei ist es allerdings nicht einzusehen, warum ein hälftiger Umgang das Verhältnis der Mutter zu ihren Kindern stärker belasten sollte, als die Zuerkennung des Lebensmittelpunkt]] und ein deutlicher Aufenthaltsschwerpunkt bei der Mutter das Verhältnis zum Antragsteller belastet.
Jener hatte vor der Trennung - beim ältesten Kind seit Oktober 2000 - den überwiegenden Anteil an der Betreuung, Versorgung, Erziehung und Förderung inne. Auch nach der Trennung im April 2010 hat er hieran in erheblichem Maße mitgewirkt. Die gefühls­mäßigen Bindungen der Kinder an den Vater sind stärker als die an ihre Mutter, was auch Familienrichterin S. noch im November 2011, also 19 Monate nach der Trennung, bestätigt hat.
Insofern ist es nicht, wie vom Senat angenommen, Ausdruck eines Loyalitäts­konfliktes zum Vater, sondern nur natürlich, wenn alle drei Kinder gegenüber der jetzigen Umgangsregelung häufigeren (der 4-½-jährige R.) bzw. hälftigen Umgang mit dem Vater wünschen. Dabei artikulieren die beiden älteren Kinder klare Bedürfnisse, indem sie - wie auch gegenüber dem Verfahrensbeistand und dem Senat - unter anderem Aussagen zur konkreten Ausgestaltung des Umgangs treffen. Ich verweise insoweit auf die nach der mündlichen Verhandlung vom 07.05.2012 vor dem OLG durch den Kindsvater am 09.05.2012 durchgeführte Befragung; dies insbesondere bezüglich der Dauer des Aufenthalts bei einem Elternteil, die nach ihrem Willen nicht länger als drei (die Tochter A.) bzw. höchstens 4 Tage (der Sohn K.) sein soll.
Dagegen sieht die vom Familiengericht am 06. März 2012 verfügte und vom Senat bestätigte Umgangsregelung zweiwöchentlich eine 8-½-tägige Trennungsphase vor. Gegen diese haben bei der Befragung durch den Senat am 07.05.2012 alle drei Kinder - selbst der 4-½-jährige R. - klar ihre Ablehnung zum Ausdruck gebracht.
Die beiden älteren Kinder haben ihre Wünsche und ihr Bedürfnis bezüglich der Regelung des Umgangs über einen Zeitraum von nunmehr 21 Monaten mehrfach konstant, nachvollziehbar und verstehbar geäußert. Ihre Willensäußerungen waren auch durch Vorhalte nicht zu erschüttern. Sie konnten ihren Willen gut und differenziert formulieren. Auch geht ihr Wille auf eine langjährige förderliche Betreuung durch den Vater zurück. Die Beachtung des Kindeswillens ist ein wesentlicher Beitrag im Sinne einer Erziehung zur Autonomie. Dies betont auch die zentrale Studie des Bundesfamilienministeriums zur Erziehung aus dem Jahre 2006. Eine Missachtung gefährdet die Sozialisation der Kinder. Mit der Äußerung seines Willens macht das Kind von seinem Recht zur Selbstbestimmung Gebrauch, wodurch die gerichtliche Lösung des Elternkonflikts das Kind in seiner Individualität als Grundrechtsträger berücksichtigt. Dabei kommt dem |Willen des Kindes mit zunehmendem Alter vermehrt Bedeutung zu. Nur dadurch, dass Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis ihres Kindes zu selbständigem verantwortungsvollem Handeln berücksichtigen, können sie das Kind zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit erziehen, die dem Menschenbild des Grundgesetzes entspricht.
Auch kann ein vom Kind kundgetaner Wille Ausdruck von Bindungen zu einem Elternteil sein, die es geboten erscheinen lassen können, ihn in dieser Hinsicht zu berücksichtigen. Hat ein Kind zu einem Elternteil eine stärkere innere Beziehung entwickelt, so muss das bei der Sorgerechtsentscheidung berücksichtigt werden (Beschluss 1 BvR 142/09 vom 18.5.2009, Beschluss 1 BvR 311/08 vom 27. Juni 2008). Dies gilt aber auch für eine Umgangsregelung.
Wie oben gesagt, hatte Familienrichterin S. solche stärken emotionalen Bindungen der Kinder an den Vater festgestellt. Das Gericht zieht nicht in Erwägung, inwieweit der kontinuierlich geäußerte Wunsch nach häufigerem Umgang mit dem Vater Ausdruck engerer persönlicher Bindungen zum Beschwerdeführer sein könnte und der Wunsch nach lediglich hälftigem Umgang mit jenem möglicherweise aus Loyalitätskonflikten zur Mutter herrührt.
Die Begründung des OLG, die Kinder hätten bei ihren Willensäußerungen keine konkreten Bedürfnisse artikulieren können, widerlegt das vom Antragsteller gefertigte Befragungsprotokoll vom 09.05.2012. Von Kindern dieses Alters kann keine bis ins Einzelne gehende Begründung erwartet werden. Genau dies fordert aber das OLG im Ergebnis von K. und A., ohne darzustellen, wie zehn- oder elfjährige Kinder ihre natürlichen Wünsche noch stärker zum Ausdruck bringen oder plausibel machen müssen, um das Gericht zu überzeugen. Mögliche Gründe für die gefühlsmäßigen Bindungen der Kinder hat der Beschwerdeführer in seinem schriftlichen Vorbringen genügend dargelegt. Außerdem können solche Bindungen nicht immer bzw. nur teilweise rational erfasst und begründet werden, weil sie ein inneres Faktum sind.
Daneben verkennt das Oberlandesgericht die Tragweite des trotz großer Widerstände über einen langen Zeitraum hinweg geäußerten Willens nach mehr Umgang mit dem Vater. Ferner hätte es sich damit beschäftigen müssen, dass die starre Ablehnung des von allen drei Kindern nachhaltig geäußerten Wunsches durch die Mutter angesichts ihres parallel fortschreitenden Alters das Verhältnis zur Mutter zunehmend belastet und verschlechtert.
Die schulischen Leistungen der beiden älteren Kinder haben stark nachgelassen. Hier hätte das Gericht sich damit befassen müssen, in welchem Umfang und warum die schulischen Leistungen nachgelassen haben. Dezidiertes Vorbringen des Beschwerdeführers wurde nicht gewürdigt, seinen Beweisanträgen wurde nicht nachgegangen. K. war in der Grundschule noch nach erfolgter Trennung bei der intensiven Betreuung durch den Vater im Rahmen des täglichen Wechselmodells ein klarer Anwärter für das Gymnasium, A. galt sogar als hochbegabt. Inzwischen benötigt K. selbst auf der Realschule plus mit integrierter Hauptschule Nachhilfe, die Leistungen von A. sind nur noch durchschnittlich mit weiter abnehmender Tendenz. Als mögliche Erklärung hätte das Oberlandesgericht in Betracht ziehen müssen, dass sich die fortwährende Missachtung ihrer Wünsche bereits negativ ausgewirkt hat.
Konkrete Anhaltspunkte für Defizite bei der Betreuung und Erziehung der Kinder durch den Beschwerdeführer konnten weder der Sachverständige noch die Gerichte aufzeigen. Insofern stellt die fortgesetzte Mißachtung des Willens der Kinder zugleich eine schwere Mißachtung ihres Wohls dar, stößt bei allen drei Kindern zunehmend auf Unverständnis und belastet sie. Letzteres gilt im besonderen Maße für R., der Verhaltensauffälligkeiten zeigt und K., bei dem im Verlauf des Jahres 2011 eindeutig somatisch bedingte Magenprobleme auftraten, die sich seit Inkrafttreten der jetzigen Umgangsregelung deutlich verstärkt haben.
Der Wille des Kindes ist zu berücksichtigen, soweit das mit seinem Wohl vereinbar ist. Die Übertragung des Lebensmittelpunktes und eines wesentlichen Teils der elterlichen Sorge auf die Mutter allein wegen angeblich schlechter Kommunikation und der behaupteten größeren psychischen Stabilität der Antragsgegnerin ist unverhältnismäßig. Zum einen werden sowohl die nicht nachgewiesene größere psychische Stabilität der Mutter als auch die schlechte Kommunikation bestritten. Wesentliches Vorbringen des Antragstellers zu psychischen Problemen der Antragsgegnerin ist nicht berücksichtigt und den diesbezüglichen Beweisanträgen nicht nachgegangen worden.
Darüber hinaus zeigen weder das Gutachten noch die Urteilsbegründungen auf, worin genau eine nachhaltige Gefährdung des geistigen oder seelischen Wohls der Kinder besteht oder wie sich die lediglich von der Mutter für die Vergangenheit behaupteten Verhaltensweisen des Vaters auf die Kinder zu ihrem Nachteil auswirken. Auch fehlen sowohl im Gutachten als auch in den Urteilen konkrete Aussagen dazu, wie sich die dem Vater durch das Gutachter zugeschriebene Veranlagungen bzw. Eigenschaften zu Beeinträchtigungen der Kinder führen.
Die lediglich von der Mutter behaupteten Verhaltensweisen des Vaters während der Ehe und die ihm durch das Gutachten allein aufgrund der Aussagen der Mutter zugeschriebenen Veranlagungen bzw. Eigenschaften werden im Übrigen bestritten. Den diesbezüglichen Beweisanträgen und Beweisangeboten des Beschwerdeführer wurde nicht nachgegangen, die von ihm benannten Zeugen wurden nicht geladen, sein Vorbringen zu den zahlreichen Lücken, Widersprüchen und fachlichen Mängeln des Gutachtens, zur Qualifikation und Sachkunde sowie insbesondere den dezidiert aufgezeigten Falschaussagen des Gutachters und der Antragsgegnerin wurde nicht berücksichtigt.
Die Kommunikation und Kooperation war von April 2010 bis Februar 2011 sehr gut. In diesem Zeitraum fanden regelmäßig Elterngespräche bei der Lebensberatung statt. Dieses Vorbringen des Beschwerdeführers wurde nicht gewürdigt. Ab März 2011 trat zwar eine Verschlechterung ein. Gründe hierfür waren die schleppende Abwicklung des Verfahrens, die einseitige Begünstigung der Mutter durch den Sachverständigen und die Weigerung des Vaters, überzogenen finanziellen Ansprüchen der Mutter nachzukommen. Auch seither ist die Kommunikation durch zahlreiche nachgewiesene Telefon- und E-Mailkontakte sowie gelegentliche persönliche Begegnungen aber immer noch in genügendem Maße vorhanden. Entsprechenden Beweisangeboten des Beschwerdeführers wurde nicht nachgegangen.
Im Beschluss des AG heißt es, das Paritätsmodell werde durch Widerstand eines Elternteils außer Funktion gesetzt. Auch sei die Bereitschaft zur Mitwirkung eine Grundvoraussetzung für das Wechselmodell. Dagegen funktioniere das Residenzmodell auch ohne Einverständnis eines Elternteils. Als Argument für den Vorschlag des Verfahrensbeistands spreche, dass ein Elternteil bereit sei, mitzuwirken bzw. bereit sei, dessen Vorschläge umzusetzen.
Der Vorschlag des Antragstellers, an dem auch ein Elternteil zur Mitwirkung bereit ist, hat offenbar weniger Gewicht. Für das Gericht zählt allein die Akzeptanz der Mutter, während die Ablehnung der verfügten Umgangsregelung durch den Vater unerheblich ist. Hierin liegt ein Verstoß gegen Art. 6 Abs. 2 GG i. V. m. Art. 3 Abs. 3 GG.
Weder das AG noch das OLG haben ausgeführt, warum das Paritätsmodell durch den Widerstand eines Elternteils außer Funktion gesetzt werde. Es wird verkannt, dass ein paritätischer Umgang auch gegen den Willen der Mutter funktionieren könnte, so das Gericht seine Möglichkeiten nutzen würde, sie zur Mitwirkung zu veranlassen. Ein entsprechender Versuch ist nicht unternommen worden. Außerdem wird verkannt, dass bei der verfügten Umgangsregelung kein unbelasteter Umgang der Kinder mit der Mutter möglich ist, da die Kinder ihre Mutter für die von ihnen vehement abgelehnte Umgangsregelung verantwortlich machen.
Beide Elternteile waren sich ihrer aus der gemeinsamen Sorgerechtsausübung ergebenden Verpflichtung für die Kinder bewusst. So wurde von April bis September 2010 an den Werktagen ein tägliches Wechselmodell mit jeweils langen Wochenenden bei Mutter und Vater praktiziert. Wie oben gesagt, hatten sich die schulischen Leistungen der beiden älteren Kinder während dieser Umgangsregelung mit intensiver Hausaufgabenbetreuung durch den Vater trotz des Trennungsschocks sogar noch verbessert. Dem Beweisantrag des Beschwerdeführers, die Zeugnisse der letzten zwei Jahre einzuholen, wurde nicht nachgegangen. Nach der vor dem Familiengericht Cochem am 15.10.2010 getroffenen Zwischenvereinbarung wurde 17 Monate lang ein Wechselmodell praktiziert, nachdem die Kinder längstens 3 Tage vom Vater getrennt waren. Diese Umgangsregelung hatte den schwerwiegenden Nachteil, dass der Vater weitgehend von der schulischen Förderung ausgeschlossen war, weshalb die schulischen Leistungen von K. und A. stark nachgelassen haben. Unabhängig hiervon wurden beide Umgangsregelungen von den Elternteilen ohne nachgewiesene Probleme umgesetzt.
Aber auch wenn das OLG davon überzeugt ist, im vorliegenden Fall seien die Voraussetzungen für eine gemeinsame Wahrnehmung der Elternverantwortung nicht gegeben, rechtfertigt das nicht die Übertragung des Lebensmittelpunktes und des Aufenthalts­bestimmungs­rechts auf die Mutter. Um dem Willen der Kindes zu entsprechen und ihnen insbesondere eine angemessene Förderung zuteil werden zu lassen, gäbe es alternativ die Möglichkeit, eine Pflegschaft beim Jugendamt einzurichten.
Weder das AG noch das OLG haben auf die Mutter einzuwirken versucht, damit diese sich zu einer Umgangsregelung bereitfindet, die den erklärten Willen der Kinder berücksichtigt und ihrem Wohl dient. Dabei ist gerade das paritätische Wechselmodell geeignet, der vom Senat behaupteten schlechten Kommunikation entgegen zu wirken. Umgekehrt wurden das Bestreben nach Abgrenzung und alleiniger Entscheidungsmacht der Mutter durch die Übertragung des Lebensmittelpunktes und des Aufenthaltsbestimmungsrechts unterstützt. Bemühungen der Gerichte, durch eine Familienhilfe oder eine neutrale Mediation zum Wohl der Kinder einen positiven Frieden zwischen den Eltern zu schaffen und die Mutter zur Akzeptanz des von allen drei Kindern gewollten häufigeren (der 4-½-jährige R.) bzw. hälftigen Umgangs (K., bald 12 Jahre und die 10-jährige A.) zu bewegen, sind nicht erkennbar. Anstatt die Gestaltung des Umgangs am Kindeswohl auszurichten, wurde vom Gutachter eine rigide Selektion vorgenommen, die sich allein an den Bedürfnissen der Mutter orientiert. Letzteres ist an verschiedenen Äußerungen des Sachverständigen zu erkennen, die Antragsteller in seinem Schreiben vom 04.10.2011 aufgezeigt hat. Bezeichnend sind die überholten Aussagen des Sachverständigen zur Bindungstheorie bzw. zum Vorrang der Mutter als primärer Bindungsperson und vor allem Sätze, die er in einem Mediationsgespräch am 12.05.2011 geäußert hat. Hier sagte der Sachverständige u. a.:
Insbesondere im ersten Zitat, das die Vorurteile des Sachverständigen hinsichtlich der Übernahme von Betreuungs- und Erziehungs­leistungen durch Väter belegt, sieht der Beschwerde­führer einen Verstoß gegen Art. 3 Abs. 3 GG. Dieses Vorbringen des Beschwerdeführers wurde vom OLG nicht gewürdigt.
Wie der Antragsteller in seiner Stellungnahme zur Verhandlung am 20.01.2012 aufgezeigt hat, haben weder die Vertreterin des Jugendamts - die wie die Antragsgegnerin bei der Kreisverwaltung beschäftigt ist - noch der Verfahrensbeistand ihre Empfehlungen plausibel begründet. Auch dieses Vorbringen wurde nicht berücksichtigt.
Der Verfahrensbeistand stützte sich unkritisch allein auf das Gutachten des Sachverständigen. Genau dies taten auch das AG und das OLG. Dabei wurde verkannt, dass sich die Beurteilung des Sachverständigen weitgehend auf Aussagen der Antragsgegnerin gründet, die der Sachverständige einseitig übernommen hat. Auch lagen die am 06.11.2010 mit den Elternteilen geführten Explorationsgespräche (es waren die einzigen zur Erforschung der Beziehungs- und Trennungsgeschichte - bei der Entscheidung des AG bereits 16 Monate, bei der Entscheidung des OLG sogar 19 Monate zurück. Auch das letzte, am 12.05.2011 durchgeführte Mediationsgespräch lag schon weit zurück. Somit konnten bei beiden Elternteilen wesentliche Entwicklungen nicht berücksichtigt werden.
Bei einer Studie der Universität Bremen gaben 85 Prozent von mehr als 3800 befragten Männern an, bei der Sorgerechtsregelung hätten sie ursprünglich das gemeinsame Sorgerecht angestrebt. Nach der Trennung haben laut der Studie dann allerdings 30 Prozent gar keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern, 18 Prozent haben nur noch weniger häufig bis seltenen Kontakt. Die Gründe hierfür liegen laut der Studie darin, dass selbst Väter, die ihre Kinder häufig sehen, sich gegenüber der Mutter, die den Lebensmittelpunkt innehat, als machtlos erleben. Etwa zwei Drittel der Väter fühlen sich von den wichtigen Entscheidungen im Leben ihrer Kinder ausgeschlossen (Prof. Gerhard Amendt: "Scheidungsväter - Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben", Campus-Verlag 2006, ISBN 3-593-38216-4).
In die gleiche Richtung weisen eine Studie von Anneke Napp-Peters, (Familien nach der Scheidung, Verlag Antje Kustmann, München 1995, ISBN 3-88897-159-4) und die Aussagen von Robert Bögle, einem Mitarbeiter der "Pädagogisch-psychologischen Informations- und Beratungsstelle für Schüler/innen, Eltern und Lehrer/innen" der Erzdiözese München. Laut Bögle haben 70 % der Väter drei Jahre nach der Scheidung gar keinen Kontakt mehr oder nur noch seltenen Umgang mit ihren Kindern (Beitrag "Scheidungsfolgen von Kindern und Jugendlichen"). Vor diesem Hintergrund nimmt das OLG, wenn er der Mutter den Lebensmittelpunkt zuerkennt, das völlige Verschwinden des Vaters aus dem Leben der Kinder billigend in Kauf. Auch hierin ist ein Verstoß gegen Art. 6 Abs. 2 GG i. V. m. Art. 3 Abs. 3 GG zu sehen.
Laut einer 2004 vom Bundesjustizministerium gestarteten Umfrage und einer anschließenden Studie lehnen unverheiratete Mütter in bis zu 75 % der Fälle die gemeinsame Sorge aus kindeswohlfernen Motiven ab, nämlich weil es ihren Abgrenzungsbestrebungen dient und sie ein Bedürfnis nach alleiniger Entscheidungsmacht über ihre Kinder haben. Auf dieser Grundlage gab das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss 1 BvR 420/09 vom 21.07.2010 zu bedenken, dass in nicht unbeträchtlicher Zahl Mütter allein deshalb die Zustimmung zur gemeinsamen Sorge verweigern, weil sie ihr angestammtes Sorgerecht nicht mit dem Vater ihres Kindes teilen wollen. Dazu wurde ausdrücklich festgestellt, dass bei den Entscheidungen von Müttern kindswohlferne emotionale Gründe wie Kontrollbedürfnis und eigene Verletztheit eine große Rolle spielten. Diese Sätze lassen sich unschwer auf die mangelnde Zustimmung von Müttern hinsichtlich einer paritätischen Regelung des Umgangs nach dem Scheitern der Paarbeziehung übertragen. Insofern muss es Bedenken hervorrufen, wenn die gemeinsame Sorge, welche bei paritätischem Umgang tatsächlich gelebt werden kann, vom Einverständnis der Mutter abhängig gemacht wird.
Im vorliegenden Fall ist die Antragsgegnerin auch mehr als zwei Jahre nach der Trennung noch stark im Paarkonflikt verhaftet, wie insbesondere die nach dem Wechsel des Verfahrensbevollmächtigten aus den von diesem verfassten Schriftsätzen zu ersehen ist. Die dort erhobenen Vorwürfe sind unzutreffend und dienen allein dazu, den Vater zu diffamieren, dies letztlich auch zur Durchsetzung erheblicher finanzieller Forderungen. Auch hierzu wurden, wie in der Anhörungsrüge erwähnt, vom Antragsteller benannte Zeugen nicht geladen und Beweisanträgen nicht nachgegangen.
Des Weiteren hat die Mutter in der Vergangenheit wiederholt Macht ausgeübt. [Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes gekürzt] Diese und weitere, in der Anlage 3 vom 29.01.2012 geschilderte Handlungen und Verhaltensweisen der Mutter verdeutlichen, dass im vorliegenden Fall auf Seiten der Mutter sehr wohl kindswohlferne Motive und emotionale Gründe vorhanden sind. Auch ist ihre Bindungstoleranz eingeschränkt. Der bloße Umstand, dass die jene dem Beschwerdeführer in dem vom Gericht auferlegten Rahmen Umgang gewährt, ist noch kein hinreichendes Indiz für Bindungstoleranz. Entsprechendes Vorbringen des Beschwerdeführers und seine Beweisanträge wurden jedoch nicht gewürdigt.
Zum Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts, der nicht schlüssig begründet wurde und den Beschwerdeführer in seinem Elternrecht verletzt, sei ansonsten, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die Ausführungen im Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung verwiesen.
Neben den bereits erwähnten Punkten erstreckt sich die Verfassungsbeschwerde gegen Verletzung des Art. 103 Abs. 1 GG auch auf das weitere, in der Anhörungsrüge und im Nachtrag zur Anhörungsrüge angeführte Nichtberücksichtigen von Vorträgen und Beweisanträgen. Erwähnt seien hier nur noch das Vorbringen zu einem Widerspruch in der Beschlussbegründung des OLG, wo auf die angebliche Weigerung der Kinder, auch ohne ihre Geschwister zum Vater zu gehen, abgehoben wird. In der Anhörungsrüge wurde darauf hingewiesen, dass der älteste Sohn K. vor dem OLG ausgesagt hat, er wolle auch schon mal alleine zu einem Elternteil.
Ich weise noch darauf hin, dass der Beschluss des AG mit ausdrücklichem Verweis auf die Rechtsprechung des OLG Koblenz begründet wurde. Darin liegt eindeutig das Eingeständnis, dass das Paritätsmodell vom AG Cochem und dem OLG Koblenz entgegen anderweitiger Rechtsprechung abgelehnt wird, obwohl es in Deutschland ansonsten vielfältig angewandt wird. Etliche OLG sehen in Fällen, bei denen die Kommunikation zwischen den Elternteilen schwierig ist und in Konfliktfällen das Paritätsmodell als sinnvoll für Kinder und Eltern an.

References: Art. 6
 Art. 6
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 3
 Art. 103