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Timestamp: 2017-10-20 18:07:58+00:00

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Stand der Wissenschaft zu ausgewählten Themen des neuen Lehrplans ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
Stand der Wissenschaft zu ausgewählten Themen des neuen Lehrplans für die Österreichischen Handelsakademien
Bankbetriebslehre, Wirtschaftsgeschichte und die Stufen der Geldentwicklung
1. Grundidee und Ausgangspunkt
2. Organisatorisches zur Dissertation
3. Ziel der Arbeit
4. Allgemeine Forschungsfrage
5. Wirtschaftsgeschichte - die Stufen der Geldentwicklung
5.1 Übliches Narrativ
5.3 Alternative Narrative
5.3.1 „Tempelgeld“ – Geld für Opfergaben
5.3.2 Anthropologische/historische Sicht
5.3.3 Geschichtliche Episoden eines differierenden Geldregimes
5.3.3.1 Brakteaten
5.3.3.2 „Das Wunder von Wörgl“ – Arbeitswertscheine, Geld das rostet – neue Entwicklungen dazu
5.4 Forschungsmethoden
5.4.1 Literaturvergleiche
5.4.2 Interviews mit Lehrenden
6. Bankbetriebslehre
6.1 Die Erscheinungsformen des Geldes
6.2 Die Funktionen des Geldes
6.3 Die Eigenschaften des Geldes
6.4 Geldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken
6.4.1 Übliche Erklärungsmuster
6.4.2 Hypothesen
6.4.3 Stand der Wissenschaft
6.4.3.1 Präzisierung des Begriffes Geldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken
6.4.3.2 Giralgeldschöpfung durch Geschäftsbanken
6.4.3.3 Spezialfall, die Bank als tatsächlicher Finanzintermediär
6.4.4 Forschungsmethoden
6.4.4.1 Literaturvergleiche
6.4.4.2 Interviews
Der neue Lehrplan für die österreichischen Handelsakademien wurde per 27. August 2014 in Rechtskraft gesetzt.[1] Damit wurde der alte Lehrplan aus dem Jahr 2004 ersetzt.[2] Für die Lehrinhalte des Gegenstandes Volkswirtschaft im fünften Jahrgang des Schultyps haben sich für die Stoffinhalte hinsichtlich „Geld und Finanzen“[3] (nunmehr als „Bereich Geld und Finanzwirtschaft“)[4] bezeichnet, folgende Ergänzungen bzw. Verfeinerungen ergeben:
- beim alten Lehrplan werden unter „Geld und Finanzen“ folgende Inhalte für den fünften Jahrgang taxativ aufgezählt:
„Geldlehre (Geldfunktionen, Geldarten, Quantitätsgleichungen); Inflation, Deflation, Stagflation; Maßnahmen der Geldpolitik; Zinsen und Zinspolitik; Budgetpolitik.“[5]
- Der neue Lehrplan nennt unter „Bereich Geld und Finanzwirtschaft“ für das 9. Semester folgende Themen:
- „die Stufen der Geldentwicklung, die Erscheinungsformen, die Funktionen, die Eigenschaften des Geldes, den Geldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken sowie die Ursachen und Auswirkungen von Preissteigerungen beschreiben,
- die Zusammenhänge zwischen Geldpolitik und Inflation erläutern und wichtige Instrumente der Geldpolitik kritisch bewerten,
- die zentralen Anliegen, die Aufgaben und Organe der Europäischen Währungsunion, deren geldpolitische Strategien und Instrumente erläutern,
- die Zusammenhänge zwischen Finanzmarkt und Realwirtschaft erklären.“[6]
Auffällig ist, dass der Grad der Detaillierung stark zugenommen hat. Im Folgenden werden einzelne Punkte des neuen Lehrplanes näher betrachtet, da diese in fachwissenschaftlicher Hinsicht eine größere Herausforderung bezüglich der Orientierung am Stand der Wissenschaft darstellen.
Es wird hier von der Hypothese ausgegangen, dass für die genannten Punkte der Stand der Wissenschaft eben nicht so klar bzw. bei den Schulbüchern inhaltlicher Handlungsbedarf gegeben ist:
- „die Stufen der Geldentwicklung“ ,
- „die Erscheinungsformen“,
- „die Funktionen“,
- „die Eigenschaften des Geldes“,
- „den Geldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken“
Der Punkt, „die Stufen der Geldentwicklung“ ist fachwissenschaftlich der Wirtschaftsgeschichte zuzuordnen. Die Themen „die Erscheinungsformen“, „die Funktionen“ und „die Eigenschaften des Geldes“ sind fachwissenschaftlich sowohl in der Bankbetriebslehre als auch in der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre zu verorten. Die Thematik „den Geldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken“ betrifft sowohl die Bankbetriebslehre als auch die Finanzbuchhaltung. Dies ist der Themenkreis der geplanten Dissertation.
Die vorliegende Seminararbeit reißt die genannten Themen nur skizzenhaft an.
Aufgrund der vollständigen Auslastung der einzigen habilitierten Wirtschaftspädagogin innerhalb eines absehbaren Zeithorizonts erfolgt ein Rückzug, rein auf den fachwissenschaftlichen Teil der Themen. Dennoch bleibt ein Konnex zum Thema Schule erhalten, verlangt doch der § 17 Abs. 1 Schulunterrichtsgesetz, neben vielen anderen Punkten für alle Schultypen, dass es gilt „den Lehrstoff des Unterrichtsgegenstandes dem Stand der Wissenschaft entsprechend zu vermitteln“[7].
Diese normative Bestimmung soll offensichtlich sicherstellen, dass in den Schulen kein veraltetes Wissen unterrichtet wird.
Dies hat Auswirkungen auf die Approbation der Schulbücher durch das „Bundesministerium für Bildung und Frauen“ durch die zuständigen Gutachterkommissionen. Laut § 14 Absatz 2 Schulunterrichtsgesetz müssen „Unterrichtsmittel nach Inhalt und Form dem Lehrplan der betreffenden Schulstufe sowie der Kompetenzorientierung der Schulart (Bildungsstandards, abschließende Prüfung) entsprechen. Sie haben nach Material, Darstellung und sonstiger Ausstattung zweckmäßig und für die Schüler der betreffenden Schulstufe geeignet zu sein.“[8] Laut § 15 Schulunterrichtsgesetz hat der oder die zuständige BundesministerIn ein entsprechendes Gutachten von einer zu bestellenden Gutachterkommission einzuholen.[9] Die genaueren Ausführungen hinsichtlich dieser Gutachterkommissionen finden sich in der „Verordnung des Bundesministers für Unterricht und Kunst über die Gutachterkommissionen zur Eignungserklärung von Unterrichtsmitteln“[10]. Das von der Gutachterkommission zu erstellende Gutachten hat unter anderem die Feststellung der Erfüllung der Erfordernisse hinsichtlich „der sachlichen Richtigkeit des Inhaltes und seiner Übereinstimmung mit dem jeweiligen Stand des betreffenden Wissensgebietes, unter Berücksichtigung der den Sachbereich berührenden Normen im Sinne des Normengesetzes, BGBl. Nr.240/1971, und der sonstigen technischen Vorschriften“ zu beurteilen.[11] Die didaktischen und pädagogischen Aspekte bleiben hier unberücksichtigt.
Schulbücher können und werden verstanden als Teil des sogenannten „geheimen Lehrplans“[12]. Werden im eigentlichen Lehrplan die Inhalte nur aufgezählt, erfolgt die inhaltliche Aufbereitung dieser Inhalte in den Schulbüchern selbst.
Die relevanten Schulbücher lassen sich der aktuellen Schulbuchliste entnehmen.[13]
Mit der Dissertation soll ein kompakter, aktueller Stand der Wissenschaften zu den genannten Themen als wissenschaftliche Hilfestellung für die Approbation von Schulbüchern im Sinne der § 14 Absatz 2 und 17 Abs. 1 Schulunterrichtsgesetz, aber auch als fachliche Orientierung für die Unterrichtsvorbereitung der Lehrkräfte für die betreffenden Fächer in den genannten Jahrgängen bzw. Semestern der Handelsakademie, geboten werden.
Lehrpläne zählen zwar die vorgesehenen Inhalte im Sinne eines Inhaltsverzeichnisses taxativ auf, die Aufbereitung der Inhalte erfolgt aber in Schulbüchern bzw. im Zuge der individuellen Unterrichtsvorbereitung der Lehrkräfte.
Um die Zielsetzung der Arbeit erfüllen zu können wird als Ausgangspunkt folgende Forschungsfrage gestellt:
Was ist der Stand der Wissenschaften zu den genannten Punkten?
Hierbei handelt es sich somit jeweils um eine rein fachwissenschaftliche Fragestellung.
Diese Thematik umfasst nicht nur den gesamten Zeitraum der Geschichtswissenschaft, wofür also schriftliche Quellen vorliegen, sondern erstreckt sich darüber hinaus weiter in die Vergangenheit, also auch in eine Zeit für die eben keine schriftlichen Quellen vorliegen. Zusätzlich zur Wirtschaftswissenschaft werden daher auch Erkenntnisse der Anthropologie im Sinne von Graeber mit einbezogen.[14]
Neben dieser allgemein historischen Betrachtung werden auch zwei Episoden, die direkt Teil der österreichischen Wirtschaftsgeschichte sind, näher behandelt. Betroffen ist dabei, mit der Zeit der Brakteaten, eine längere Periode des Mittelalters im deutschen Sprachraum und die kurze Episode eines, durchaus erfolgreichen, monetären Experiments in Österreich zur Zeit der I Republik.
Das klassische Standardrepertoire der Erzählung zu den Stufen der Geldentwicklung, wie es an Schulen und Universitäten unterrichtet und von den meisten daher als zutreffend angenommen wird, folgt in etwa folgendem Narrativ:
Abbildung 1: Übliches Narrativ zu den Stufen der Geldentwicklung[15]
Als Motiv für den Übergang von einer Tauschwirtschaft zu einer Geldwirtschaft wird die Erleichterung von Tausch angeführt.[16] Als Erläuterung für die Schwierigkeiten des Tauschhandels werden dabei Beispiele, die wie folgt beginnen, verwendet:
„Ein Mann mit einem Huhn begibt sich auf den Markt um jemanden zu finden, der bereit ist eine Schaufel herzugeben und der bereit ist diese gegen ein Huhn einzutauschen“
Graeber spricht von Geschichten in Lehrbüchern, die mit imaginierten Dörfern beginnen, da es hierbei nicht möglich sei über reale Dörfer zu sprechen und nimmt dabei Bezug auf den „Wohlstand der Nationen.[17] Dabei merkt er an, dass zu Lebzeiten von Adam Smith die Geschichte auf Basis von schriftlichen Quellen nur bis 800 v. Chr. überschaubar war.[18]
Hier lautet die Frage, ob es sich beim gängigen Narrativ um einen tatsächlichen historischen Ablauf oder nur um ein logisches Erklär Modell aus der volkswirtschaftlichen Literatur im Sinne einer historizistischen Entwicklung handelt?
Zur Thematik der Stufen der Geldentwicklung existieren neben dem gängigen Narrativ auch alternative Erzählungen, die offensichtlich gut mit Fakten unterlegt zu sein scheinen und deren Komplexität die Versionen in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern übersteigen. Graeber spricht in seinem Werk „Schulden Die ersten 5000 Jahre“ von der Fantasievorstellung einer Welt mit Tauschhandel.[19] Dazu werden die beiden folgenden Hypothesen aufgestellt.
- Aus (wirtschafts-)historischer Sicht erfolgt die Orientierung in den Schulbüchern nicht am Stand der Wissenschaft.
- Das einseitige Narrativ verstellt die Sicht auf alternative Möglichkeiten für die Konstruktion von Geldordnungen im Sinne intersubjektiver Realitäten.
Im Rahmen der vorgeschlagenen Dissertation sollen folgende abweichende Narrative aufgearbeitet werden, um diesbezüglich einen entsprechenden Stand der Wissenschaft zu erarbeiten:
- „Tempelgeld“ – Geld für Opfergaben, der Tempel als Wirtschafts- und Finanzzentrum[20]
- Frühgeschichtliche Sichtweisen aus der Anthropologie – Geschenkökonomie, nicht monetäre Verteilung mittels gesellschaftlicher Institutionen (z.B. Verteilung in zentralen Gebäuden – oft matriarchalisch organisiert; Tempel als Zentren der Verteilung von Gütern).[21]
- Geschichtliche Episoden eines differierenden Geldregimes:
- Brakteaten (Karl Walker)
- „Das Wunder von Wörgl“ – Arbeitswertscheine, Geld das rostet – neue Entwicklungen dazu
Tafner bringt die Rolle der Tempel in der frühen Geldwirtschaft ins Spiel und hebt deren entscheidende Rolle dazu, als „Wirtschaftszentren schlechthin“[22] hervor.[23] Geld wird als eine offene Leistung zu einer Schuld gegenüber einer Gottheit zurückgeführt, welche man mit einem Opfer lösen konnte.[24]
In der Salonischen Gesetzgebung soll es bereits Preisfestlegungen für Opfertiere gegeben haben. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Opferstier, da dieser als Wertmaßstab für alle Austauschbeziehungen galt.[25]
Der Jerusalemer Tempel soll dabei bereits vor dem Babylonischen Exil als Münzstätte gedient haben, wobei vermutlich aus Hacksilber kleine Barren gegossen wurden.[26]
Im Gegensatz zu jener wirtschaftshistorischen Ansicht, dass die Entstehung des Geldes auf den Handel zurückzuführen sei, wird hier die Entstehung des Geldes auf kültische Zusammenhänge zurückgeführt, wofür historische Befunde aus Mesopotamien und Juda sprechen. Dies entspricht einer Auffassung, dass das Geld seinen Siegeszug als „heiliges Geld“ antrat.[27]
Einen alternativen Verlauf über die Stufen der Geldentwicklung zeichnet der Anthropologe David Graeber in seinem Werk „Schulden die ersten 5000 Jahre“.[28] Dabei verwendet er als Methode zur Beantwortung der Frage, wie vormonetäre Gesellschaften ohne Schriftsystem das „Tauschproblem“ gelöst haben, die Methodik der Anthropologie an.[29] Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit wird nur eine kurze inhaltliche Skizze dieses Narratives geboten, welche im Rahmen der Dissertation ausführlich auszuarbeiten sein wird.
Schematisch ergibt sein Narrativ über sie Stufen der Geldentwicklung, schematisch dargestellt, in etwa folgendes Bild:
Abbildung 2: Das Narrativ von David Graeber
Geschenkökonomie und Kreditwirtschaft:
Graeber spricht von einem Mythos vom Tauschhandel.[30] Dabei sind Geld und Schulden miteinander verknüpft, wodurch die Geschichte des Geldes eine Geschichte der Schulden sei.[31]
Der Tausch fördert für Gräber eine Art und Weise, wie menschliche Beziehungen begriffen werden können. Der Tausch impliziert sowohl Gleichheit als auch Getrenntheit, denn sobald die Schuld beglichen ist, ist die Gleichheit wieder hergestellt, wodurch sie ihre Beziehung beenden können. Ist der Austausch von Gütern nie ganz reziprok, so entsteht ein Netz von Verpflichtungen, wodurch die sozialen Bindungen immer wieder erneuert werden.[32]
Für Graeber ist die gängige Darstellung der Geschichte des Geldes genau verkehrt herum. Vor dem Münzgeld waren nicht Tauschgeschäfte, sondern virtuelle Kreditsysteme. Tauschhandel stellt für ihn ein Nebenprodukt des Gebrauchs von Münzen und Papierwährungen dar. Tauschhandel fand immer dann statt, wenn Menschen an Geldtransaktionen gewöhnt waren, aber sie keinen Zugang zu monetären Zahlungsmitteln mehr hatten.[33]
Verschwundene Zahlungsmittel, wie das Münzsystem Karl des Großen, wurde noch Jahrhunderte nach dem Zerfall von dessen Reich (wo derartige Münzen schon lange nicht mehr vorhanden waren) als virtuelle Recheneinheiten verwendet.[34]
Geldwirtschaft:
Die Einführung der Kurantmünzen durch Könige (falls diese über Silber- oder Goldmünzen verfügten) begründet Graeber damit, dass sowohl Staaten als auch Märkte eben nicht spontan entstehen. Er geht davon aus, dass dies die einfachste Möglichkeit Märkte zu erschaffen sei. Märkte seien das einfachste Mittel ein stehendes Heer zu versorgen. Daher gaben die Könige den Soldaten einfach Münzen und verfügten, dass jede Familie Abgaben (Steuerzahlungen in Geld, statt in Naturalien[35] ) an den König in solchen Münzen zu leisten haben. Dadurch wird eine Volkswirtschaft dazu veranlasst, die Versorgung der Soldaten zu übernehmen um die Steuern für den König zu erwirtschaften. Die Märkte, als Orte wo die Soldaten die Waren kaufen konnten, entstanden als Nebeneffekte davon.[36]
Für die Armee ergab sich durch die Einführung des Münzsoldes eine Erhöhung der Reichweite von drei Tagesmärschen auf ein größeres Gebiet. Vor der Einführung des Münzsoldes konnte die Reichweite der Armee zwar durch Plünderungen vor Ort erweitert werden, jedoch erschöpften große Armeen die lokalen Produktionskapazitäten sehr rasch.[37]
Beispielsweise entstand in Athen so ein Wirtschaftskreislauf. Der athenische Staat war Eigentümer der Silberminen von Laurion, welche er an einen privaten Unternehmer verpachtete. Das Silber wurde dort von Sklaven, welche aus Kriegsgefangenschaft stammten oder gekauft waren, unter widrigen Bedingungen abgebaut. Mit dem Silber aus den Mienen wurde die Flotte finanziert, die auf Kriegszügen weitere Sklaven für die Mienen erbeuteten.[38]
Neben den offiziellen Zahlungsmitteln wurden, laut Graeber parallel auch immer wieder alternative Zahlungsmittel verwendet. Diese waren verschiedener Art. Da waren englische Läden, die das Wechselgeld in eigenem Geld aus Holz oder Leder herausgaben und dieses Geld beim nächsten Einkauf als Zahlungsmittel akzeptierten.[39]
Eine wichtige Form der Währung im England von Heinrich dem II waren Kerbhölzer mit denen Schulden verzeichnet wurden. Dabei wurde die geschuldete Summe in einen Haselzweig gekerbt und dieser der Länge nach in zwei Teile geteilt. Der Gläubiger behielt den einen Teil, genannt „Stock“ und der Schuldner bekam die andere Hälfte als „Abschnitt“.[40] Gräber beschreibt in seinem Buch noch weitere, ähnliche Praktiken aus verschiedenen Kulturräumen und Zeiten.
Um zu verdeutlichen, dass durchaus unterschiedliche Geldordnungen denkbar sind (bei einer Geldordnung handelt es sich letztlich um eine geistige Konstruktion), werden zwei exemplarische, episodenhafte historische Seitenlinien betrachtet. Die erste Episode betrifft die Brakteaten Zeit und liegt schon länger zurück. Die Orientierung erfolgt am Walkers Buch „Das Geld in der Geschichte“. Hinsichtlich dieser Episode wird im Rahmen der Dissertation zu überprüfen sein, ob die inhaltlichen Darstellungen so haltbar sind.
Die zweite Episode ist wesentlich kürzer und betrifft unmittelbar die österreichische Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Es wird das sogenannte „Experiment von Wörgl“ (auch „Wunder von Wörgl“ genannt) beschrieben, bei dem es sich um eine Art von praktischem, monetärem Feldversuch gehandelt hat.
Walker beschreibt in seinem vergriffenen[41], aber neu aufgelegten Werk „Das Geld in der Geschichte“ die Brakteaten Zeit im deutschsprachigen Raum, die er im Zeitraum vom 11. bis zum 14. Jahrhundert verortet. Er beschreibt darin eine 300 jährige Phase wirtschaftlicher Prosperität[42] (Neubau bzw. -gründung von Städten[43], Bau von Kathedralen[44], allgemeiner Wohlstand[45] etc.), deren Ursache er in einer differierenden Geldordnung sieht.[46]
Dabei sei es zu einer Zurückdrängung der Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes zugunsten seiner Tauschmittelfunktion und dadurch zu einer Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit gekommen. Zu dieser Zurückdrängung der Wertaufbewahrungsfunktion zugunsten der Tauschmittelfunktion sei es laut Walker durch die Verrufung des Münzgeldes in unregelmäßigen und unvorhersehbaren Abständen (zunächst nur bei Tod des jeweiligen Münzherren) gekommen. Dabei galt eine Umtauschpflicht für die Münzen, wobei Abschlagszahlungen (Seigniorage als Steuer für Münzherren) eingehoben wurden.[47]
Anmerkung: Falls diese Darstellung Walkers richtig ist, geschah dies nicht auf der Basis einer wissenschaftlichen Analyse bzw. eines solchen Modells.
Abbildung 3: Symbolbild von einem Brakteat
[1] Vgl. BGBl. II Ausgegeben am 27. August 2014 Nr. 209 [online].
[2] Vgl. BGBl. II - Ausgegeben am 19. Juli 2004 - Nr. 291 [online].
[3] BGBl. II - Ausgegeben am 19. Juli 2004 - Nr. 291, S. 50 [online].
[4] BGBl. II Ausgegeben am 27. August 2014 Nr. 209, S. 78 [online].
[5] BGBl. II - Ausgegeben am 19. Juli 2004 - Nr. 291, S. 50 [online].
[6] BGBl. II Ausgegeben am 27. August 2014 Nr. 209, S. 78 [online].
[7] BGBl. Nr. 472/1986, §17 Absatz 1 [online].
[8] BGBl. Nr. 472/1986, §14 Absatz 2 [online].
[9] Vgl. BGBl. Nr. 472/1986, §15 [online].
[10] BGBl. II Nr. 248/1998 [online].
[11] BGBl. II Nr. 248/1998 §9 Ansatz 1 Ziffer 1.d) [online].
[12] Kogelnik/Riss (2015) [online].
[13] Vgl. Schulbuchliste (2016) [online].
[14] Vgl. Graeber (2012).
[15] Vgl. Deutsche Bundesbank (2016), S. 8ff [online].
[16] Vgl. Deutsche Bundesbank (2016), S. 8f [online].
[17] Vgl. Graeber (2012), S. 49.
[18] Vgl. Graeber (2012), S. 45.
[19] Vgl. Graeber (2012), S. 29.
[20] Vgl. Tafner (2009), S. 90.
[21] Vgl. Graeber (2012).
[22] Tafner (2009), S. 89.
[23] Vgl. Tafner (2009), S. 88f.
[24] Vgl. Tafner (2009), S. 87.
[25] Vgl. Tafner (2009), S. 89.
[26] Vgl. Tafner (2009), S. 89.
[27] Vgl. Tafner (2009), S. 90.
[28] Vgl. Graeber (2012).
[29] Vgl. Graeber (2012), S. 28.
[30] Vgl. Graeber (2012), S. 27ff.
[31] Vgl. Graeber (2012), S. 27.
[32] Vgl. Graeber (2012), S. 129.
[33] Vgl. Graeber (2012), S. 47.
[34] Vgl. Graeber (2012), S. 54.
[35] Vgl. Scheidler (2015), S. 42.
[36] Vgl. Graeber (2012), S. 55ff.
[37] Vgl. Scheidler (2015), S. 42.
[38] Vgl. Scheidler (2015), S. 43f.
[39] Vgl. Graeber (2012), S. 80f.
[40] Vgl. Graeber (2012), S. 80f.
[41] Anmerkung: Das Buch ist in der Resowi-Bibliothek im Freihandmagazin unter der Signatur ReSoWi I 6709 vorhanden. Dabei ist der Titel falsch eingegeben „Das Gelg in der Geschichte“ statt „Das Geld in der Geschichte“. Das Werk ist als PDF, allerdings ohne bibliographische Angaben, im Internet frei verfügbar.
[42] Vgl. Walker (1999), S. 58.
[43] Vgl. Walker (1999), S. 37ff.
[44] Vgl. Walker (1999), S. 25.
[45] Vgl. Walker (1999), S. 31ff.
[46] Vgl. Walker (1999), S. 58.
[47] Vgl. Walker (1999), S.15.
Forschungsseminar für das Doktoratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
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9783668367852
9783668367869
Geld Geldsystem Geldschöpfung Giralgeldschöpfung Stufen der Geldentwicklung Eigenschaften des Geldes Geldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken Vollgeldsystem Giralgeldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken
Andreas Unger, 2016, Stand der Wissenschaft zu ausgewählten Themen des neuen Lehrplans für die Österreichischen Handelsakademien, München, GRIN Verlag, http://www.grin.com/de/e-book/349713/stand-der-wissenschaft-zu-ausgewaehlten-themen-des-neuen-lehrplans-fuer
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