Source: https://markusvaeth.com/blog/querfront-thema-grundeinkommen/
Timestamp: 2020-08-12 04:31:34+00:00

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Querfront-Thema Grundeinkommen – Markus Väth | Vordenker • Keynote Speaker • Autor
Im aktuellen SPIEGEL streiten ein Wirtschaftsprüfer (pro) und ein linker Gewerkschaftsfunktionär (contra) über das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Und wie bei vielen Gesprächen rund um das BGE fällt auf: Der linke Abwehrreflex gegen alles Neue sitzt. Man könnte annehmen, dass sich das BGE mit dem Grundgedanken der Solidarität, der Umverteilung und der Befreiung aus der „Knechtschaft der Lohnarbeit“ für das linke Spektrum als ideales, vereinigendes Thema anbieten würde. Doch weit gefehlt.
Stattdessen trudelt das Thema in Form einer Querfront durch alle politischen Lager. So schreibt beispielsweise ein FDP-Wirtschaftsprofessor unter dem Titel „Radikal gerecht“ ein Buch FÜR das BGE; der New-Work-Begründer, der eher linke Philosophie-Professor Frithjof Bergmann, lehnt das BGE als „entsetzlich dumm“ radikal ab. Und auch Gewerkschafter (wie der Interviewpartner im SPIEGEL) zeigen deutliche Ablehnung. Warum ist das so? Gerade bei Gewerkschaftern und Linken würde ich gefühlt eine größere gedankliche Nähe und eine positivere Haltung zum BGE erwarten.
Diese zunächst überraschend erscheinende Haltung von Gewerkschaftern und linken Funktionären lässt sich erklären: Mit dem BGE bricht den Gewerkschaften die Kontrolle über die Arbeitnehmer weg. Wer braucht noch Gwerkschaften, die für faire Löhne kämpfen, wenn man BGE-abgesichert einfacher als heute den Arbeitgeber wechseln kann? Oder, noch schlimmer, die einst „Beschützten“ würden auf einmal bei den Gewerkschaften mitreden wollen, wie denn der Schutz genau aussehen solle oder wenn sie das Gewerkschaftswesen an sich verändern wollten? Diese Emanzipation ihrer „Herde“ passt nicht ins Weltbild vieler Linker, die sich als kämpfender „Retter“ der arbeitnehmenden „Opfer“ verstehen.
Als zweites wohnt der linken politischen Sphäre immer latent der Wunsch nach Kontrolle der Massen inne. Die Menschen sollen gesteuert, geregelt und, wenn nötig, zu ihrem Glück gezwungen werden. Sichtbar wird das beispielsweise an der in Deutschland links dominierten Schulentwicklung seit den Siebzigern. Alles, was irgendwie nach Exposition oder Elite roch, wurde strukturell eingestampft und galt als böse. Die Linken damals rechtfertigten das mit den berüchtigten NaPoLa-Schulen der Nazis, die sich, wie die gesamte Nazi-Zeit, „nie wiederholen sollte“. Doch was als ehrenwerter Impuls begann, endete für das deutsche Schulsystem letztlich im Desaster: Jedes Niveau wird abgebügelt, bis alle reinpassen. Außergewöhmliche Begabungen landen frustriert im Durchschnitt oder in der Privatschule. Ein System zur durchdachten Förderung von Spitzentalenten schon in der Schule haben wir Deutschen nicht entwickelt, und das ist politisch durchaus so gewollt.
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Ein absolut interessantes Thema, welches die Frage aufwirft: Wie wollen wir zukünftig arbeiten und leben? Digitalisierung, Automatisierung, Industrie 4.0, Klimaschutz und, und, und. Alles Themen wie sich die Welt in der wir leben verändert. Meiner Meinung nach müssen wir uns gemeinsam auf ein „Wie wollen wir zukünftig arbeiten und leben“ festlegen, dann fügt sich auch ein BGE in diese neue Welt ein oder eben nicht. Die lösgelöste Diskussion über das BGE führt genau zu den Erscheinungen wie sie in dem Blogartikel aufgeführt sind.

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