Source: http://community.beck.de/2015/02/10/von-alibaba-zu-abida-ein-neues-forschungscluster-zu-big-data-in-m-nster
Timestamp: 2019-10-18 13:49:17+00:00

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Von Alibaba zu ABIDA – ein neues Forschungscluster zu Big Data in Münster | beck-community
von Prof. Dr. Thomas Hoeren, veröffentlicht am 10.02.2015
Rechtsgebiete: DatenschutzrechtBig data ITM Münster ABIDA Datenschutz DatenbankrechtInformationsrechtUrheber- und Medienrecht5|5357 Aufrufe
Die geheime Macht der Information spürte schon Alibaba, als er das Paßwort zum Ausgang aus der Schatzhöhle vergaß (siehe Hoeren, MMR 1998, Beilage 9, 6 ff.). Und heute im digitalen Zeitalter sind Daten geldwert, sind Informationen die Währung des Internet. Es immer größere Datensammler, Datenkontrolleure, Datenauswerter. Die Macht von Google oder Facebook entzieht sich ebenso der klassischen Rechtsordnung wie die Daten-Begehrlichkeiten der Sicherheitsbehörden.
Hier setzt nun ABIDA ein. Unter diesem Namen startet zum Frühjahr 2015 am ITM (Universität Münster) das interdisziplinäre Forschungscluster ABIDA (Assessing Big Data). ABIDA ist ein BMBF-Projekt, das das ITM und das Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) geschäftsführend organisieren. Dem Projekt angeschlossen sind ferner die HU Berlin, die TU Dortmund, die LMU München sowie nicht zuletzt dem Institut für Rechtsinformatik der Universität Hannover. Das Projekt wird mit ca. 7 Millionen Euro finanziert, verteilt auf 4 Jahre.
Dabei geht ABIDA von der juristischen Prämisse aus, dass sich Big data eine Herausforderung für viele Bereiche der Rechtsordnung sein wird. Im Datenschutzrecht stehen zentrale Fragen wie die des Personenbezugs von Daten oder der Sinnhaftigkeit von Sphärenmodellen zur Diskussion. Und Big data ist nicht nur ein Problem für das Datenschutzrecht. Auch die Frage des Informationseigentums stellt sich (wem gehören die Daten in Data Recordern eines Autos? Dem Halte? Dem Fahrer? Dem Autohersteller?). Schließlich geht auch um Fragen der Datenqualität und der Datenherrschaft etwa über das Datenbankrecht oder vertragliche Schutzregelungen.
Ein solches Großforschungsprojekt kann nur gelingen, wenn viele Akteure und Interessierte einbezogen werden. Ich lade alle Beckblog-LeserInnen herzlichst ein, das Projekt mit Anregungen, Ideen, Kommentaren, Gesprächen zu begleiten.
ITM/Universität Münster .
Weitere Infos: http://www.uni-muenster.de/Jura.itm/hoeren/abida-ein-neues-spitzencluste...
Johannes (Schmu... kommentiert am Mi, 2015-02-11 18:30 Permanenter Link
Erster! Das hab ich bei Heise nur einmal geschafft ;-).
Unser Datenbankrecht (vgl. § 87aff UrhG) krankt daran, dass die schutzbegründenden Tatbestandsmerkmale "Sammlung von Elementen", "Unabhängigkeit der Elemente", "systematische oder methodische Anordnung der Elemente" und "Einzelzugänglichkeit der Elemente" einerseits sowie "hoher Investitionsaufwand" andererseits nicht miteinander harmonieren.
Voraussetzung für den Schutz ist, dass die fünf Merkmale allesamt erfüllt sind. Wenn auch nur eines nicht zutrifft, liegt keine geschützte Datenbank im Sinne des UrhG vor. Eine Sammlung von Rohdaten ist keine Datenbank, weil hier die Elemente weder systematisch noch methodisch angeordnet sind, obwohl eine solche Sammlung durchaus unter hohem Investitionsaufwand entstanden sein kann.
In Urteilsbegründungen wird oft unterschwellig bei der Bemessung des Investitionsaufwands auch der Aufwand für die Beschaffung der Daten mit in die Waagschale geworfen. Wer aber bedenkt, dass eine Sammlung von Rohdaten keinen durch das UrhG gedeckten Schutz genießt, muss zwingend schließen, dass für den Datenbankschutz nur der Aufwand für die Systematisierung und methodische Aufbereitung der Daten gewertet werden darf. Nach dieser Logik ist auch das vielzitierte Urteil "Telefonbuch ist Datenkank" eine Fehlentscheidung. Denn die Daten fallen bei der Telefongesellschaft en passant und zunächst ungeordnet an und der Aufwand für die Sortierung ist nahezu gleich Null.
Frank S kommentiert am Do, 2015-02-12 21:16 Permanenter Link
Sehe ich wie Sie. Das Datenbankherstellerrecht ist überflüssig. Warum man nicht einfach § 4 Nr. 9 UWG anwendet, hat sich mir nie erschlossen. Gruss Frank S
Aber kommentiert am Do, 2015-02-12 21:20 Permanenter Link
Aber: warum erkennt der EugH dann jetzt vertragliche Regelungen als eine Art "Hausrecht" und Substitut für das Datenbankherstellerrecht an (Urteil vom 15.1.2015)?
"Die Richtlinie 96/9/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. März 1996 über den rechtlichen Schutz von Datenbanken ist dahin auszulegen, dass sie nicht auf eine Datenbank anwendbar ist, die weder durch das Urheberrecht noch durch das Schutzrecht sui generis nach dieser Richtlinie geschützt wird, so dass Art. 6 Abs. 1, Art. 8 und Art. 15 der Richtlinie es dem Hersteller einer solchen Datenbank unbeschadet des anwendbaren nationalen Rechts nicht verwehren, vertragliche Beschränkungen für ihre Benutzung durch Dritte festzulegen."
http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=161388&pa...
ST kommentiert am Do, 2015-02-12 21:22 Permanenter Link
Zunächst einmal Glückwunsch an das ABIDA-Projekt
Name kommentiert am Mo, 2015-02-16 02:41 Permanenter Link
Das Ende des Zufalls (3sat, 19.02. , 20.15)
Die Wissenschaftsdoku nimmt die Zuschauer mit in verschiedene Lebensbereiche, in denen tatsächlich schon Zukunft aus Big Data vorhergesagt wird.

References: § 87
 § 4
 EugH 
sui generis
 Art. 6
 Art. 8
 Art. 15