Source: https://studienpraeses.univie.ac.at/infos-zum-studienrecht/wissenschaftliche-arbeiten/plagiat/
Timestamp: 2019-05-19 17:10:05+00:00

Document:
Veröffentlichung und Sperre
Urheberrecht & Bildnutzung
Datenschutz in der Sozialwissenschaft
Ein Plagiat ist die bewusste und unrechtmäßige Übernahme von fremdem geistigem Eigentum; der/die AutorIn verwendet ganz oder teilweise fremde Werke in einem eigenen Werk, ohne die Quelle anzugeben. Dazu zählen insbesondere folgende Fälle:
der/die Studierende gibt eine fremde Arbeit ohne Einverständnis des tatsächlichen Urhebers bzw. der tatsächlichen Urheberin als seine eigene aus
Zitat ohne Beleg
der/die Studierende übernimmt Teile eines fremden Werkes ohne entsprechende Quellenangabe
der/die Studierende übersetzt fremdsprachige Arbeiten (bzw. Teile davon) und übernimmt sie ohne entsprechende Quellenangabe
der/die Studierende gibt ein und dieselbe Arbeit in mehreren Lehrveranstaltungen ab bzw. verwendet bestehende eigene Texte in wissenschaftlichen Arbeiten, ohne dies auszuweisen
der/die Studierende gibt eine fremde Arbeit mit Einverständnis des tatsächlichen Urhebers bzw. der tatsächlichen Urheberin als seine eigene aus
Irrelevant ist grundsätzlich, ob der fremde Text bzw. die fremden Textteile aus einer Monographie, aus Fachzeitschriften oder aus dem Internet stammen. Ebenso unerheblich ist es dabei, ob das fremde Werk wörtlich übernommen (Wortlautplagiat) oder leicht abgeändert oder angepasst wurde (Paraphrasieren - inhaltliches Plagiat); auch ein in eigenen Worten wiedergegebener Text kann ohne entsprechende Quellenangabe ein Plagiat darstellen! Wissenschaftlicher Ethos verlangt, dass fremde geistige Schöpfungen und Ideen durch ein Zitat kenntlich gemacht werden, auch wenn sie bloß sinngemäß wiedergegeben werden.
Das wörtliche Zitat muss an der Stelle, an der es verwendet wird, als Zitat gekennzeichnet werden, z.B. durch Kursiv-Setzung oder Anführungszeichen. Die Belegangabe muss unmittelbar auf das Zitatende in einer Fuß- oder Endnote folgen. Die Paraphrase erfordert eine Fuß- oder Endnote an ihrem Ende. Wird ein Zitat zwar belegt, allerdings nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem kenntlich gemachten übernommenen Textteil, sondern erst an späterer (anderer) Stelle, verliert es seinen Zitat-Charakter und wird zum Plagiat (z.B. Verstecken der plagiierten Stelle in einer Fußnote am Ende der Arbeit).
Was genau in der Quellenangabe zitiert werden muss, bestimmen die, in der jeweiligen Wissenschaftsdisziplin, gebräuchlichen Regeln (z.B. AZR für die österreichischen Rechtswissenschaften). Das Zitat muss in der Quellenangabe so genau bezeichnet werden, dass es im benutzten Werk leicht aufgefunden werden kann
[Titel und Urheberangabe des zitierten Werks stellen somit in aller Regel unverzichtbare Elemente der Quellenangabe dar. Bei Sammelwerken (z.B. Festschriften, Aufsatzsammlung) ist es sinnvoll, auch die Sammlung anzugeben; wenn eine Quellenangabe allein durch Titel und Urheberbezeichnung nicht deutlich und eindeutig genug ist, sollten zusätzliche Angaben gemacht werden (z.B. Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, Verlag)].
Wird ein Zitat mehr als einmal in einem Werk verwendet, muss es auch jedes Mal mit einer Quellenangabe belegt werden. Dabei ist es aber ausreichend, einmal die Quelle vollständig anzugeben und in weiterer Folge nur mehr darauf zu verweisen oder verkürzt zu belegen (z.B. Folgezitate oder die Verwendung von Abkürzungen wie "a.a.O.").
Grundsätzlich gilt: Alle fremden Gedanken, die in die eigene Arbeit einfließen, müssen durch Quellenangaben belegt werden. Ausgenommen hiervon ist lediglich so genanntes "Handbuchwissen", also jenes Grundlagenwissen, dessen allgemeine Kenntnis im Fach vorausgesetzt werden kann.
Woran erkennt man ein Plagiat?
Plagiieren ist kein Kavaliersdelikt, sondern kann erhebliche Rechtsfolgen nach sich ziehen. Neben möglichen Schadenersatzforderungen des Urhebers bzw. der Urheberin gem. § 87 UrhG und strafrechtlichen Konsequenzen - bestimmte vorsätzliche Urheberrechtsverletzungen können gem. § 91 UrhG mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen bestraft werden - kommen vor allem universitätsrechtliche Sanktionen in Betracht:
Wird das Plagiat entdeckt, bevor die Arbeit beurteilt wurde:
Wird in schwerwiegender Weise gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis verstoßen, trifft die oder der Studienpräses nach Rücksprache mit der Studienprogrammleiterin oder dem Studienprogrammleiter und der Betreuerin oder dem Betreuer die notwendigen Verfügungen, um sicherzustellen, dass die oder der Studierende in Hinkunft die Regeln einhält. Die oder der Studienpräses kann insbesondere eine Änderung des Themas anordnen oder mehrere Themenvorschläge festlegen, aus denen die oder der Studierende zur Fortsetzung ihrer oder seiner Arbeit einen Vorschlag auszuwählen hat. Erforderlichenfalls ist anzuordnen, dass die oder der Studierende eine neue Arbeit zu einem anderen Thema aus einem anderen Fach des jeweiligen Studiums zu verfassen hat.
Wird das Plagiat entdeckt, nachdem die Arbeit beurteilt wurde:
Wird das Plagiat erst nach der Beurteilung entdeckt, ist ein Verfahren zur Nichtigerklärung der Beurteilung nach § 74 Abs. 2 UG und gegebenenfalls auch zum Widerruf des akademischen Grades nach § 89 UG einzuleiten.
§ 74 UG normiert die Nichtigerklärung von Beurteilungen, die erschlichen wurden. Unter "Erschleichen" versteht man das vorsätzliche Vorbringen objektiv falscher Angaben, womit auch das Ausgeben fremder Leistungen als eigene erfasst ist. Die betreffende wissenschaftliche Arbeit wird mit Bescheid für nichtig erklärt und kann somit nicht mehr für das Studium verwendet werden.
§ 89 UG sieht den Widerruf erschlichener akademischer Grade vor. Wurde mittels Plagiat die Beurteilung einer wissenschaftlichen Arbeit, die Voraussetzung für die Erlangung des betreffenden akademischen Grades ist, erschlichen, wird damit mittelbar auch der akademische Grad erschlichen. Der Widerruf des akademischen Grades erfolgt mittels Bescheid, gleichzeitig ist die betreffende Person zu verpflichten, den Verleihungsbescheid der Studienpräses zu übergeben, um zu verhindern, dass die Berechtigung zur Führung eines akademischen Grades vorgetäuscht werden kann. Im Übrigen ist das vorsätzliche unberechtigte Führen von akademischen Graden mit Geldstrafe bis zu €15.000,- zu ahnden.
Besonders problematisch sind jene Fälle, in denen ein akademischer Grad erschlichen wurde, dessen Erwerb Voraussetzung für die Zulassung zu einem weiterem Studium war, dessen Abschluss aber nicht erschlichen wurde (z.B. Erschleichung des Bachelors und darauf aufbauendes Masterstudium, Erschleichung des Magisters und darauf aufbauendes Doktoratsstudium). Ist der Abschluss des Grundstudiums Zulassungsvoraussetzung für das Aufbaustudium und wurde dieser Abschluss erschlichen, wurde damit mittelbar auch die Zulassung zu den Prüfungen des Aufbaustudiums erschlichen. Daher ist auch die erfolgte Verleihung des akademischen Grades des Aufbaustudiums zu widerrufen, weil auch sie erschlichen wurde; sämtliche Leistungen des Aufbaustudiums sind für nichtig zu erklären. Wurde ein Bescheid erschlichen, kann das Verfahren gem. § 69 Abs. 3 AVG stets von Amts wegen wieder aufgenommen werden, ohne an bestimmte Fristen gebunden zu sein.
Plagiate verjähren also nicht!
Plagiatsverfahren bei wissenschaftlichen Arbeiten an der Universität Wien ab dem Studienjahr 2005/2006
Putzer; Das wissenschaftliche Literaturplagiat und seine Rechtsfolgen, ZfHR 2006, 176.
Lehrkommission, Merkblatt für den Umgang mit Plagiaten.
(Stand 2007: www.wu-wien.ac.at/lehre/support/schreiben_zitieren)
Welche Folgen hat es, wenn ein Plagiat entdeckt wird?
Plagiate verjähren nie. Im schlimmsten Falle wird Ihnen der akademische Grad aberkannt, da dieser nur auf Grundlage eines abgeschlossenen Studiums verliehen wird. Im Verfahren haben Sie die Möglichkeit zu den Vorwürfen im Rahmen des Parteiengehörs Stellung zu beziehen.
Was ist, wenn mir bei einer Seminararbeit/Bachelorarbeit ein Plagiat vorgeworfen wird?
Da es sich hier um eine Teilleistung im Rahmen einer prüfungsimmanenten Lehrveranstaltung handelt, fällt dies unter „Verwendung unerlaubter Hilfsmittel“ und wird als Schummelversuch zur Erschleichung einer besseren Beurteilung gewertet. Das führt zu einer Eintragung eines Schummelvermerkes („X“) in Ihrem Sammelzeugnis.
Wie ergeht die Entscheidung?
Die Entscheidung des/der Studienpräses ergeht in Form eines Bescheides, der Ihnen an Ihre Postadresse eingeschrieben zugestellt wird. Aktualisieren Sie daher immer Ihre Kontaktdaten in u:space. Sollten Sie keine aufrechte Zulassung mehr haben, geben Sie Adressänderungen direkt bei zuständigen Abteilung der Studienzulassung umgehend bekannt.
Die Rechtsgrundlage ist § 74 des Universitätsgesetzes.

References: § 87
 § 91
 § 74
 § 89

§ 74

§ 89
 § 69
 § 74