Source: https://dampfdruck-presse.hu/2018/12/01/werbeverbot-fuer-liquidverdampfer/
Timestamp: 2018-12-12 10:02:13+00:00

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Werbeverbot für Liquidverdampfer? | Die Dampfdruck-Presse
Die Dampfdruck-Presse > Allgemein > Werbeverbot für Liquidverdampfer?
Gibt es in Deutschland ein Werbeverbot für Liquidverdampfer und Liquids (vom Gesetzgeber „E-Zigaretten“ und „Nachfüllbehälter“ genannt)?
Selbstverständlich gibt es das! Es ist noch nicht allumfassend… aber die Ausnahmen sind eher unbedeutend.
Das kann auch jeder nachlesen… steht so im TabakerzG.
Konkret findet man die Bestimmungen in den §§19 u. 20 TabakerzG.
§19 TabakerzG
§19 verbietet die Werbung im Hörfunk (Radio)
in Druckerzeugnissen (Zeitschriften, Zeitungen, Bücher, Kataloge etc.)
in Diensten der Informationsgesellschaft (Webseiten und andere Medien im Internet).
§20 TabakerzG
§20 verbietet die Werbung in audiovisuellen Mediendiensten (Fernsehen, Online-Video-Plattformen) [1]. Hier wird der Begriff „kommerzielle Kommunikation“ verwendet, der den Begriff „Werbung“ insofern einschränkt, dass ein Produkt „im Auftrag“ beworben wird. [2]
Es ist verboten, audiovisuelle kommerzielle Kommunikation … für Tabakerzeugnisse, elektronische Zigaretten oder Nachfüllbehälter … zu betreiben.
Liquidverdampfer und Liquids
Was fällt auf? Na klar: Die Verbote beziehen sich ausdrücklich auf „E-Zigaretten“ und „Nachfüllbehälter“, also Liquidverdampfer und Liquids.
Dass in beiden Paragraphen gleichzeitig auch „Tabakprodukte“ genannt sind, dient nur der Zusammenfassung… wäre auch bekloppt, noch zwei weitere Paragraphen zu stanzen, in denen dann derselbe Text steht und lediglich „E-Zigaretten und Nachfüllbehälter“ durch „Tabakprodukte“ ausgetauscht ist.
Produktwerbung <> Imagewerbung
Wichtig zu erkennen ist, dass es sich bei den Bestimmungen um das Verbot von Produktwerbung handelt. Es ist also verboten, konkrete Produkte mit dem Ziel einer Verkaufssteigerung zu bewerben.
Sogenannte Imagewerbung ist von den Bestimmungen nicht erfasst. Ein Dampfershop oder ein Hersteller von Liquidverdampfern oder Liquids darf in den genannten Medien durchaus Werbung für das eigene Unternehmen / die eigene Marke schalten… es darf nur kein Produkt beworben werden.
Ausnahme hiervon ist das Sponsoring von Hörfunkprogrammen
§19 (4) Es ist verboten, Hörfunkprogramme zur Förderung des Verkaufs von Tabakerzeugnissen, elektronischen Zigaretten oder Nachfüllbehältern zu sponsern.
und das Sponsoring von grenzübergreifenden oder -überschreitenden Veranstaltungen und Aktivitäten
§19 (5) Es ist verboten, eine Veranstaltung oder Aktivität mit dem Ziel oder der direkten oder indirekten Wirkung zu sponsern, den Verkauf von Tabakerzeugnissen, elektronischen Zigaretten oder Nachfüllbehältern zu fördern, wenn
1. an der Veranstaltung oder Aktivität mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union beteiligt sind,
2. die Veranstaltung oder Aktivität in mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen Union stattfindet oder
3. die Veranstaltung oder Aktivität eine sonstige grenzüberschreitende Wirkung hat.
Diese Form der Imagewerbung ist für Liquidverdampfer und Liquids (und „zufällig“ auch für Tabakprodukte) verboten, sofern damit eine Verkaufsförderung erzielt werden soll (kann).
Eine Besonderheit soll noch erwähnt werden: In §20 ist die Imagewerbung für Hersteller und Händler von Tabakprodukten in audiovisuellen Mediendiensten ebenfalls verboten… da sind Hersteller und Händler von Liquidverdampfern und Liquids mal besser dran, denn für die gilt dieses Imagewerbungs-Verbot dort nicht.
Die oben erwähnten unbedeutenden Ausnahmen vom Werbeverbot sind die Plakatwerbung und die Kinowerbung. Beides ist noch für Liquidverdampfer, Liquids und Tabakprodukte erlaubt. Und nicht nur die Imagewerbung, sondern auch die Produktwerbung.
Wenn die Politik und andere Stakeholder nach einem Werbeverbot für diese Produkte schreien (obwohl die Werbung größtenteils ohnehin schon verboten ist), dann meinen sie genau DIESE BEIDEN Formen der Werbung (Plakat und Kino).
Wenn ich jetzt frech behaupte, diese beiden Formen der Werbung seien „unbedeutend“, dann habe ich mir dabei auch was gedacht. Plakatwerbung und Kinowerbung lohnen doch kaum noch. In Zeiten, in denen Menschen zwischen 4 und 104 Jahren mit auf das Smartphone gesenkten Blick durch die Gegend laufen, wenn sie das Haus überhaupt verlassen und Kinos trotz einer stattgefundenen, aber rückläufigen, Renaissance nur ausgesprochen selten besucht werden, sind diese Werbeplattformen eher unbedeutend geworden. Ganz ehrlich und Hand aufs Herz: Wer erinnert sich, in den letzten Tages eine Plakatwerbung gesehen zu haben… und wer erinnert sich konkret an das Produkt? Jetzt mal unabhängig von der Art des Produkts. Dass sich mancher vielleicht jetzt doch an ein Plakat mit Liquidverdampferwerbung erinnert, liegt doch auch nur daran, dass WIR (ich spreche von Dampfern) auf sowas reagieren, weil uns das Thema am Herzen liegt und solche Dinge unsere Aufmerksamkeit fangen.
Die Tatsache, dass diese Form der Werbung überhaupt noch bedient wird, liegt bei unseren Produkten und auch bei Tabakprodukten eher daran, dass das die letzten verbliebenen Möglichkeiten für die Produktwerbung sind.
Wenn das mal wegfällt, werden WIR es wohl kaum bemerken… und Hersteller bzw. Händler werden auch keinen signifikanten Rückgang bei den Umsatzzahlen feststellen.
Funktionierende (erfolgreiche) Werbung findet dort statt, wo dauernd hingeschaut wird… im Fernsehen und im Internet.
Es gibt also keinen Grund, sich aufzuregen, wenn ein Werbeverbot auch für Liquidverdampfer und Liquids gefordert wird… denn DAS haben wir faktisch doch schon… ganz konkret für diese Produkte… ausdrücklich im Gesetz verankert. Was jetzt noch wegfallen soll, sind unbedeutende Randerscheinungen. Dass so laut danach gebrüllt wird, wird der Bedeutung eigentlich nicht gerecht… da scheint es lediglich um Idealvorstellungen radikaler ANTZ zu gehen.
[1] Richtlinie 2010/13/EU (Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste)
[2] Kommerzielle Kommunikation: §2 Nr. 5 TMG iVm §6 (1) TMG
Simon 2. Dezember 2018 um 2:18
Ich weiß ja nicht wo du wohnst aber bei mir hier und im ganzen Umfeld ist alles mit Iqos Plakaten zugekleistert. Kann man nicht übersehen, egal wie abwesend man die meiste Zeit durch die Gegend schwarwenzelt. Ob das nun gleich sehr viele Leute erreicht vermag ich natürlich nicht zu sagen, aber Plakatwerbung gleich für belanglos zu erklären halte ich für übertrieben.
Richtig dabei ist nur, dass das für den Liquidverdampfermarkt kaum einen Unterschied macht, weil dort Plakatwerbung (und Kinowerbung eh) kaum genutzt wird.
Man sollte aber nicht unterschätzen wie eine solche Debatte, so sich die Schreihälse wie DAK, IFT Nord, etc. durchsetzen, politisch nachhallen kann. Denn grade nicht so gut im Thema informierte Politiker werden sich denken, dass es doch wohl einen guten Grund gehabt haben muss, die Werbeverbote nochmal zu verschärfen. Solche Debatten haben immer auch Außenwirkung, deswegen ist ein „ach macht nix, Schwamm drüber“ einfach nicht genug.
mfg’chen
PepeCyB (Beitrag Autor) 2. Dezember 2018 um 9:27
Ich wohne in Ungarn, weiß doch bald jeder… 😉 Aber bei meinen letzten Aufenthalten in Deutschland (nicht so lange her) ist mir Plakatwerbung zu Liquidverdampfern nicht aufgefallen (obwohl ich auf dieses Thema „konditioniert bin). Die letzte Plakatwerbung zu Dampfgeräten, an die ich mich erinnern kann, war die „Posh-Offensive“… ist also schon gar nicht mehr wahr. Dass es jetzt mehr Plakate zu Tabaktoastern gibt, liegt wohl auch eher daran, dass PMI in einer Marketing-Offensive für die Dinger ist. Ich kann aber meine Frau mal fragen, ob ihr viel Plakatwerbung auffällt. Sie ist gerade noch bis Anfang Januar im Großraum Dortmund und macht demnächst auch einen Abstecher nach Berlin.
Trotzdem bleibe ich bei der Meinung, dass Plakatwerbung, egal für welches Produkt, nicht mehr sonderlich wirksam ist (eine Ausnahme mag vielleicht Autowerbung sein, weil die überwiegend durch den optischen Reiz des eigentlichen Produkts wirkt), sondern ein Relikt aus alten Zeiten. Sie stammt aus Zeiten, wo Werbung nur für wenige Stunden im Vorabendprogramm des öffentlich rechtlichen Rundfunks, in Zeitungen und Zeitschriften und im Kino stattfand. Heute wird man aber von Werbung faktisch überflutet… die Privatsender und vor allem das Internet sind da Paradebeispiele, so dass Plakatwerbung eher untergeht.
Die Wirkung auf die Politik sehe ich auch eher entspannt. Der Fokus der Politik liegt hier ohnehin bei der Tabakwerbung… und Liquidverdampfer geraten nur mit in den Strudel wegen der unsäglichen Entscheidung, diese mit in die Tabakprodukterichtlinie aufzunehmen. Um das komplette Verbot von Tabakwerbung (wo dann leider – wobei nicht so schlimm – auch Liquidverdampfer mit reinfallen werden) ist eh auf Dauer unabwendbar. Eines der erklärten Ziele des WHO FTCT, den auch Deutschland unterzeichnet hat, ist das komplette Verbot der Tabakwerbung (Art. 13 i.V.m. Art. 4 Nr. 2 b) FTCT). Bislang konnte die Tabaklobby das Komplettverbot noch verhindern (Plakat- und Kinowerbung), aber das ist nur eine Frage der Zeit. Kommt das totale Verbot irgendwann und erwischt es auch die Liquidverdampfer, so ist letzteres nur eine Randnotiz für die Politiker. Die interessieren sich eh kaum für unsere Produkte. Ich glaube echt nicht, dass das irgendwie „nachhallen“ wird.
Erwischen wird es uns nach meiner Auffassung recht sicher… und ein Hauptgrund ist die Aufnahme unserer Produkte in die Tabakprodukterichtlinie, die seinerzeit von dem damals einzigen deutschen Wirtschaftsverband auch noch als Erfolg gefeiert wurde… mit dem fadenscheinigen Argument, eine extra Richtlinie würde zu noch schärferen Regulierungen führen. So ein Quark. Eine Richtlinie für unsere Produkte wäre (die EU arbeitet laaaannnnnggggggsaaaammmmmm) vermutlich heute noch nicht fertig… und die Zeit arbeitet für uns (wie wir sehen). Etliche Regelungen wären beim heute (sogar bei der Politik) angekommenen Wissensstand nur schwerlich durchsetzbar. Und es wäre deutlich mehr Zeit geblieben, Einfluss zu nehmen.

References: §19

§19

§20

§20

§19

§19
 §20
 §2
 §6
 Art. 4