Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Sozialplan_Personalabbau_Betriebsaenderung_LAG_Hamm_10TaBV143-08.html
Timestamp: 2017-06-25 20:48:49+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 10 TaBV 143/08
Sozialplan, Personalabbau , Betriebsänderung
Arbeitsgericht Herford, Beschluss vom 8.08.2008, 1 BV 31/07
hat die 10. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hammauf die münd­li­che Anhörung vom 06.03.2009durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Schier­baumso­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Volk­mann und Gn­i­da
- 2 - Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Her­ford vom 08.08.2008 – 1 BV 31/07 – wird zurück­ge­wie­sen.
Die Ar­beit­ge­be­rin ist ein Un­ter­neh­men, in dem Staub­sau­ger­beu­tel her­ge­stellt wer­den. Im Werk S1 wa­ren früher ca. 186 Mit­ar­bei­ter beschäftigt.Im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin in S1 ist ein Be­triebs­rat ge­bil­det.
- 3 - Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs enthält fol­gen­de Re­ge­lung:
Im Lau­fe des Jah­res 2007 zeich­ne­te sich ab, dass statt der an­ge­nom­me­nen 80 Mio. Beu­tel im MPVV-Be­reich für das Jahr 2007 le­dig­lich von ei­nem Vo­lu­men von 57,5 Mio. Vlies­beu­teln in der Ei­gen­fer­ti­gung aus­ge­gan­gen wer­den konn­te.Die Ar­beit­ge­be­rin stell­te dar­auf­hin im Herbst 2007 ei­ne neue Pla­nung auf, nach der ein Ab­bau von wei­te­ren 18 Voll­zeit­ar­beitsplätzen vor­ge­se­hen war. Hier­zu teil­te sie dem Be­triebs­rat am 27.09.2007 mit, dass wei­te­re 17,5 Voll­zeit­ar­beitsplätze mit 18 be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern ab­ge­baut wer­den müss­ten. In der Fol­ge­zeit wur­de dem Be­triebs­rat ei­ne vom 16.10.2007 da­tie­ren­de Erläute­rung zum Per­so­nal­ab­bau PVG (Bl. 24 ff. d.A.) vor­ge­legt. Im Ver­lauf der Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en vom 18.10.2007, 05. und 14.11.2007 leg­te der Be­triebs­rat der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Ge­gen­rech­nung zum Per­so­nal­ab­bau vor (Bl. 62 ff. d.A.). Die Fra­ge der Not­wen­dig­keit und des Um­fangs wei­te­rer Ent­las­sun­gen wur­de zwi­schen den Be­triebs­be­tei­lig­ten kon­tro­vers dis­ku­tiert eben­so wie die Fra­ge, ob die ge­plan­te Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me er­neut so­zi­al­plan­pflich­tig sei. Mit Schrei­ben vom 20.11.2007 teil­te der Be­triebs­rat der Ar­beit­ge­be­rin mit, dass er den Be­schluss ge­fasst ha­be, ei­nen ex­ter­nen Sach­verständi­gen hin­zu­zu­zie­hen, weil die von der Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­leg­ten Be­rech­nun­gen nicht nach­voll­zieh­bar sei­en. Dies lehn­te die Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 22.11.2007 ab und erklärte die Ver­hand­lun­gen für ge­schei­tert.Mit ei­nem am 26.11.2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen An­trag be­gehr­te die Ar­beit­ge­be­rin die Be­stel­lung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zum Zwe­cke der Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich – Ar­beits­ge­richt Her­ford 1 BV 33/07 –. Der Be­triebs­rat ver­lang­te
- 4 - in die­sem Ver­fah­ren hilfs­wei­se die Ein­rich­tung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le auch für ei­nen ab­zu­sch­ließen­den So­zi­al­plan. Durch Be­schluss vom 21.12.2007 setz­te das Ar­beits­ge­richt ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le so­wohl für ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich wie auch für ei­nen ab­zu­sch­ließen­den So­zi­al­plan ein. Auf die da­ge­gen von bei­den Be­tei­lig­ten ein­ge­leg­te Be­schwer­de zum Lan­des­ar­beits­ge­richt wur­de der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Her­ford vom 21.12.2007 durch Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 29.02.2008 – 13 TaBV 6/08 – teil­wei­se ab­geändert und die Ei­ni­gungs­stel­le nur für den ab­zu­sch­ließen­den In­ter­es­sen­aus­gleich ein­ge­rich­tet. Die von der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­leg­te Be­schwer­de we­gen der Ein­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le auch für ei­nen ab­zu­sch­ließen­den So­zi­al­plan war in­so­weit er­folg­reich. Auf den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 29.02.2008 – 13 TaBV 6/08 – (Bl. 65 ff. d.A.) wird Be­zug ge­nom­men.
Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Maßnah­me sei so­zi­al­plan­pflich­tig im Sin­ne des § 112 a Be­trVG. Die Zahl der be­ab­sich­tig­ten Ent­las­sun­gen ma­che 20 % der re­gelmäßig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer aus. Im Be­trieb sei­en nämlich le­dig­lich noch 91 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. Darüber hin­aus sei bei der Er­mitt­lung der Pro­zent­zahl nicht nur von dem Ab­bau von wei­te­ren 18 Ar­beitsplätzen aus­zu­ge­hen. Viel­mehr sei­en die auf­grund des In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­plans vom 20.09.2006 er­folg­ten Ent­las­sun­gen mit­zu­rech­nen. Bei bei­den Ent­las­sungs­wel­len han­de­le es sich um ei­ne ein­heit­li­che Maßnah­me, die le­dig­lich suk­zes­si­ve durch­geführt wor­den sei. Dies er­ge­be sich schon dar­aus, dass wei­te­re Ent­las­sun­gen be­reits in Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 in Rech­nung ge­stellt wor­den sei­en. In­so­weit ha­be es sich um ei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung ge­han­delt. An den da­mals zu­grun­de ge­leg­ten Vor­ga­ben und be­trieb­li­chen Umständen, die die Ent­las­sungs­wel­len be­gründet hätten, hätten sich kei­ne wei­te­ren Ände­run­gen er­ge­ben. Dass es sich um ei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung ge­han­delt ha­be, er­ge­be sich auch aus Zif­fer 10.1 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006, wo­nach die Be­triebsände­rung ab­sch­ließend ge­re­gelt sei; die­se Be­stim­mung be­zie­he sich nur auf ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und nicht auf ei­nen So­zi­al­plan.Im Übri­gen er­ge­be sich die So­zi­al­plan­pflich­tig­keit nach § 112 a Abs. 1 Be­trVG un­abhängig von der Zahl der be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter auch dar­aus, dass zu­gleich or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men er­grif­fen wer­den soll­ten, die die bis­he­ri­gen Ar­beits­abläufe ändern würden. Da­zu soll­ten nach den sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin über­reich­ten Erläute­run­gen vom 16.10.2007 die Tätig­kei­ten bei den Lo­gis­ti­kern kon­zen­triert wer­den. Der so­ge­nann­te „Beck-Pa­cker" und der
- 5 - „Jo­ker" sol­le künf­tig von ei­nem sonst am Pa­cker beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter ge­fah­ren wer­den, schließlich soll­ten im Be­reich der Ent­kal­ker neu an­zu­schaf­fen­de Ma­schi­nen durch ei­nen Ma­schi­nenführer be­dient wer­den.
- 6 - wor­den, wo­nach wei­te­re kon­kre­te Schrit­te not­wen­dig wer­den könn­ten. Die­ser Vor­be­halt stel­le noch kei­ne Pla­nung im Sin­ne des § 111 Satz 1 Be­trVG dar. Der In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2009 ha­be nur den Per­so­nal­ab­bau bis zum 31.12.2007 be­trof­fen. Aus der Pla­nungsüber­sicht vom 16.10.2007 er­ge­be sich auch, dass die Kal­ku­la­ti­on im Be­reich der „Ent­kal­ker" auf­grund ei­ner Neu­an­schaf­fung ei­ner Ma­schi­ne er­folgt sei.
- 7 - zeit­li­che Ab­stand zwi­schen den Per­so­nal­ab­bau­maßnah­men spre­che dafür, dass der jet­zi­gen Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me kei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung zu­grun­de ge­le­gen ha­be. Sch­ließlich ergäben auch die von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­ten wei­te­ren or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­men nicht, dass die Maßnah­me ins­ge­samt nach § 111 Satz 3 Be­trVG so­zi­al­plan­pflich­tig sei. Die ge­plan­ten Ände­run­gen stell­ten kei­ne grund­le­gen­den Ände­run­gen der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on oder der Be­triebs­an­la­gen dar.
Un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ist der Be­triebs­rat nach wie vor der Auf­fas­sung, dass es sich bei der ge­plan­ten Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me um ei­ne so­zi­al­plan­pflich­ti­ge Maßnah­me han­de­le. Ins­be­son­de­re in der Be­ur­tei­lung, dass der ge­plan­ten Maßnah­me kei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung zu­grun­de lie­ge, könne dem Ar­beits­ge­richt nicht ge­folgt wer­den. Der Um­fang der Ent­las­sun­gen ha­be auf­grund der Min­der­pro­duk­ti­on im Jah­re 2007 auf­grund der Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 be­reits fest­ge­stan­den. Das Ar­beits­ge­richt müsse sich ent­ge­gen­hal­ten las­sen, dass das Aus­maß der in der zwei­ten Wel­le von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­ten Per­so­nal­re­du­zie­rung ge­nau dem pro­zen­tua­len An­teil der Min­der­pro­duk­ti­on ent­spre­che.Das Ar­beits­ge­richt ha­be zu­dem die Fra­ge der „in der Re­gel" Beschäftig­ten nicht hin­rei­chend gewürdigt. Es hätte auch ab­seh­ba­re Ent­wick­lun­gen in der Zu­kunft so­wie in der Ver­gan­gen­heit berück­sich­ti­gen müssen. Be­reits aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 er­ge­be sich, dass die Zahl der Beschäftig­ten sich wei­ter nach un­ten be­we­gen wer­de. Dar­aus fol­ge, dass die Zahl der re­gelmäßig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer nied­ri­ger an­zu­set­zen sei, als dies das Ar­beits­ge­richt ge­tan ha­be. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­te Ent­las­sung von 18 Per­so­nen sich rech­ne­risch äußerst knapp un­ter­halb der von § 112 a Be­trVG ge­zo­ge­nen Gren­ze be­we­ge, müsse von der So­zi­al­plan­pflich­tig­keit der Maßnah­me aus­ge­gan­gen wer­den. Von den von der Ar­beit­ge­be­rin zu­grun­de ge­leg­ten 93/94 Mit­ar­bei­tern müss­ten oh­ne­hin noch zwei Mit­ar­bei­ter ab­ge­zo­gen wer­den, die im Ent­kal­ker­be­reich ab­ge­baut wer­den müss­ten.
- 8 - hätten, min­des­tens fest­zu­stel­len sei, dass dem Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht hin­sicht­lich der Ver­tei­lung des an die Mit­ar­bei­ter ge­zahl­ten Ab­fin­dungs­vo­lu­mens zu­ste­he. Die Ar­beit­ge­be­rin ha­be of­fen­bar in je­dem Ein­zel­fall die an­ge­bo­te­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung nach­ge­bes­sert. Min­des­tens sei in­so­weit das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG ver­letzt wor­den.
- 9 - Die Kal­ku­la­ti­on der Ar­beit­ge­be­rin im Be­reich der Ent­kal­ker sei im Übri­gen auf­grund der Neu­an­schaf­fung ei­ner Ma­schi­ne er­folgt.Das Ar­beits­ge­richt ha­be auch zu­tref­fend ent­schie­den, dass die im Sep­tem­ber 2006 ge­plan­te Be­triebsände­rung durch den am 20.09.2006 ab­ge­schlos­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ab­sch­ließend ge­re­gelt sei. Dies er­ge­be sich aus Zif­fer 10.1 des In­ter­es­sen­aus­gleichs.Sch­ließlich er­ge­be sich die So­zi­al­plan­pflich­tig­keit auch nicht aus den ge­plan­ten Or­ga­ni­sa­ti­onsände­run­gen. Die­se Ände­run­gen stell­ten kei­ne grund­le­gen­de Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on dar, son­dern sei­en le­dig­lich die Fol­ge der Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me.
- 10 - 2. Die An­trags­be­fug­nis des Be­triebs­rats und die Be­tei­li­gung der Ar­beit­ge­be­rin er­ge­ben sich aus den §§ 10, 83 Abs. 3 ArbGG.
3. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se er­gibt sich aus § 256 ZPO. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts Ge­gen­stand ei­nes Fest­stel­lungs­an­trags sein. Nach dem auch im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren gel­ten­den § 256 ZPO ist das er­for­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se re­gelmäßig ge­ge­ben, wenn der Ar­beit­ge­ber ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats be­strei­tet oder sich der Be­triebs­rat ei­nes sol­chen Mit­be­stim­mungs­rechts ernst­haft berühmt. Ein Streit der Be­triebs­par­tei­en darüber, ob die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer in ei­ner be­stimm­ten An­ge­le­gen­heit ein Mit­be­stim­mungs­recht hat, kann mit ei­nem Fest­stel­lungs­an­trag zur ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ge­stellt wer­den. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se folgt in al­ler Re­gel dar­aus, dass der Ar­beit­ge­ber das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts in Ab­re­de stellt und des­halb da­von ab­sieht, ei­ne mit­be­stimm­te Re­ge­lung zu tref­fen (BAG, 13.10.1987 - 1 ABR 53/86 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 7; BAG, 11.06.2002 – 1 ABR 44/01 – AP ZPO 1977 § 256 Nr. 70; BAG, 27.01.2004 – 1 ABR 5/03 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 56; BAG, 15.04.2008 – 1 ABR 44/07 – AP Be­trVG 1972 § 80 Nr. 70 m.w.N.).Ein sol­ches Fest­stel­lungs­ver­fah­ren ist auch als so­ge­nann­tes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren be­reits vor ei­nem Spruch ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zur Re­ge­lung der be­tref­fen­den An­ge­le­gen­heit zulässig. Es steht auch der Durchführung des Ver­fah­rens auf Be­stel­lung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le nach § 98 ArbGG und dem Ver­fah­ren vor der Ei­ni­gungs­stel­le selbst nicht ent­ge­gen (BAG, 06.12.1983 – 1 ABR 43/81 – AP Be­trVG 1972 § 87 Über­wa­chung Nr. 7; BAG, 13.10.1987 – 1 ABR 53/86 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 7).
- 11 - Die glei­chen Erwägun­gen tref­fen auf den in der Be­schwer­de­instanz erst­mals ge­stell­ten Hilfs­an­trag zu. Auch ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Be­trVG kann zum Ge­gen-stand ei­nes Fest­stel­lungs­an­trags im Be­schluss­ver­fah­ren ge­macht wer­den.
4. Sch­ließlich sind die Anträge des Be­triebs­rats auch hin­rei­chend be­stimmt im Sin­ne des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Hier­nach muss auch im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren der Ver­fah­rens­ge­gen­stand so ge­nau be­zeich­net wer­den, dass die ei­gent­li­che Streit­fra­ge zwi­schen den Be­tei­lig­ten mit Rechts­kraft­wir­kung ent­schie­den wer­den kann (BAG, 13.10.1987 – 1 ABR 53/86 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 7; BAG, 03.05.2006 – 1 ABR 63/04 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 61 m.w.N.).Der Be­triebs­rat hat mit sei­nen Fest­stel­lungs­anträgen kon­kret die­je­ni­ge An­ge­le­gen­heit be­zeich­net, für die er ein Mit­be­stim­mungs­recht in An­spruch nimmt. So­weit sich der Be­triebs­rat in sei­nem Haupt­an­trag auf „be­ab­sich­tig­te" Ent­las­sun­gen be­zieht, ist auf­grund der Erörte­run­gen zwi­schen den Be­tei­lig­ten im Anhörungs­ter­min vom 06.03.2009 klar­ge­stellt wor­den, um wel­che Ent­las­sun­gen es geht. Der Be­triebs­rat hat zu­dem in der Be­schwer­de­be­gründung vom 28.11.2008 die durch­geführ­ten Ent­las­sun­gen na­ment­lich be­zeich­net.
- 12 - aa) Dass die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Be­triebsände­rung in der Form der Ent­las­sung von 18 Ar­beit­neh­mern im Ok­to­ber 2007 ge­plant hat, ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten un­strei­tig.Zu die­sem Zeit­punkt wa­ren in dem Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin in S1 je­doch le­dig­lich 93/94 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. 18 Mit­ar­bei­ter von 93/94 Mit­ar­bei­ter ma­chen aber le­dig­lich ei­nen Pro­zent­an­teil von 19,35 % aus. Ein So­zi­al­plan wäre erst er­zwing­bar ge­we­sen, wenn die Ar­beit­ge­be­rin 20 % der re­gelmäßig Beschäftig­ten von 93/94 Mit­ar­bei­tern aus be­triebs­be­ding­ten Gründen hätte ent­las­sen wol­len. Die­ser Schwel­len­wert ist nicht er­reicht. Hin­zu kommt, dass un­ter den ge­plan­ten Ent­las­sun­gen von 18 Mit­ar­bei­tern zwei Mit­ar­bei­ter wa­ren, die nicht aus be­triebs­be­ding­ten Gründen ent­las­sen wer­den soll­ten. In­so­weit blei­ben die Mit­ar­bei­ter außer Be­tracht, die aus – nicht nur vor­ge­scho­be­nen – Per­so­nen- oder ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen gekündigt wer­den oder de­ren Ar­beits­verhält­nis un­abhängig von be­triebs­be­ding­ten Gründen in­fol­ge Frist­ab­lauf en­det (BAG, 02.08.1983 – 1 AZR 516/81 – AP Be­trVG 1972 § 111 Nr. 12; Fit­ting, a.a.O., § 111 Rn. 80 m.w.N.). Die Ar­beit­ge­be­rin hat erst­in­stanz­lich un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen, dass un­ter den 18 zu ent­las­sen­den Mit­ar­bei­tern zwei Mit­ar­bei­ter wa­ren, die nicht aus be­triebs­be­ding­ten Gründen ent­las­sen wer­den soll­ten. Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin schied auf­grund ei­ner per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gung aus Krank­heits­gründen mit dem 30.04.2008 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus, ein an­de­rer Mit­ar­bei­ter ist nach Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res mit dem 31.03.2008 al­ters­be­dingt aus­ge­schie­den.Der Be­triebs­rat kann sich auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass bei der Be­rech­nung der von der Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter von ei­ner ge­rin­ge­ren Beschäftig­ten­zahl als 93/94 Mit­ar­bei­tern aus­ge­gan­gen wer­den müsse. Zwar stellt auch § 112 a Abs. 1 Be­trVG auf die in der Re­gel beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter ab. Maßge­bend ist da­nach die Zahl, die für den Be­trieb im All­ge­mei­nen maßge­bend ist (BAG, 16.11.2004 – 1 AZR 642/03 – AP Be­trVG 1972 § 111 Nr. 58). Dies er­for­dert aber im Fal­le der Be­triebs­still­le­gung bzw.-ein­schränkung ei­nen Rück­blick auf die bis­he­ri­ge Be­leg­schaftsstärke, die im Herbst 2007 un­wi­der­spro­chen bei 93/94 Mit­ar­bei­ter lag.
- 13 - vor­se­hen. Da­bei kann ein en­ger zeit­li­cher Zu­sam­men­hang zwi­schen meh­re­ren Ent­las­sungs­wel­len ein we­sent­li­ches In­diz für ei­ne von An­fang an ein­heit­li­che Pla­nung sein. Zwin­gend ist dies je­doch nicht. Ei­ne späte­re Ent­las­sungs­wel­le kann auch das Er­geb­nis ei­ner neu­en Pla­nung sein. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn nach der ers­ten Ent­las­sungs­wel­le neue, vom Ar­beit­ge­ber ursprüng­lich nicht vor­ge­se­he­ne und ein­ge­plan­te Umstände ein­ge­tre­ten sind. Wird der Ent­schluss zu wei­te­ren Ent­las­sun­gen erst nach Durchführung der ers­ten Maßnah­me ge­fasst, fin­det mit­be­stim­mungs­recht­lich kei­ne Zu­sam­men­rech­nung statt (BAG, 28.03.2006 – 1 ABR 5/05 – AP Be­trVG 1972 § 112 a Nr. 12; Fit­ting, a.a.O., § 112 Rn. 105 und § 111 Rn. 76; GK/Oet­ker, a.a.O., § 111 Rn. 74; Ho­hen­statt/Wil­lem­sen in: Hens­s­ler/Wil­lem­sen/Kalb, Ar­beits­recht Kom­men­tar, 3. Aufl., § 111 Be­trVG Rn. 28 m.w.N.).
Die Aus­le­gung des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 er­gibt, dass bei Ab­schluss die­ses In­ter­es­sen­aus­gleichs noch kei­ne Pla­nung ei­ner wei­te­ren Ent­las­sungs­maßnah­me im Um­fang von wei­te­ren 18 Mit­ar­bei­tern vor­ge­le­gen hat.Der In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 sah ei­nen Per­so­nal­ab­bau von ins­ge­samt 90 Mit­ar­bei­tern vor. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs am 20.09.2006 stan­den die Umstände ei­nes wei­ter­ge­hen­den Per­so­nal­ab­baus, der sich erst im Herbst 2007 ab­zeich­ne­te, noch nicht fest. Zwar ist in Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs fest­ge­legt wor­den, dass die Zahl der ver­blei­ben­den Ar­beitsplätze un­ter dem Vor­be­halt ei­ner Vo­lu­me­n­an­nah­me von 80 Mio. Beu­teln im MPV-Be­reich ste­he; wei­ter ist auch von ei­ner Gefähr­dung wei­te­rer Ar­beitsplätze die Re­de. In wel­chem Um­fang wei­te­re Ar­beitsplätze ab­ge­baut wer­den muss­ten, ist aber im In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 noch nicht, auch nicht in Zif­fer 4.9, aus­drück­lich ge­re­gelt. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs am 20.09.2007 stand nämlich die Auf­trags­ent­wick­lung für das Jahr 2007 und das sich aus den Auf­trägen er­ge­ben­de Fer­ti­gungs­vo­lu­men noch über­haupt nicht fest. Da­ge­gen spricht auch nicht, dass die Ar­beit­ge­be­rin, nach­dem die Vo­lu­menvlies­fer­ti­gung für das Jahr 2007 ab­seh­bar war, durch ei­ne neue Pla­nungs­ent­schei­dung im Herbst 2007 den Min­der­per­so­nal­be­darf an dem ver­rin­ger­ten Pro­duk­ti­ons­vo­lu­men aus­ge­rich­tet hat. Erst nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin im Lau­fe des Jah­res 2007 das für die­ses Jahr er­reich­ba­re Vo­lu­men der Vlies­fer­ti­gung ab­se­hen konn­te, hat sie ei­ne er­neu­te Per­so­nal­re­du­zie­rung ge­plant. Dies er­gibt sich auch aus den dem Be­triebs­rat vor­ge­leg­ten Erläute­run­gen über den wei­te­ren Per­so­nal­ab­bau (Bl. 24 f. d.A.). In­so­weit sind im Lau­fe des Jah­res 2007 neue, zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2007 noch nicht ab­seh­ba­re und noch nicht ein­ge­plan­te Umstände ein­ge­tre­ten, die die Ar­beit­ge­be­rin ver­an­lasst ha­ben, in ei­ne neue Pla­nung über ei­nen wei­te­ren Per­so­nal­ab­bau ein­zu­tre­ten. Dass die im Jah­re 2006 zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs avi­sier­te Men­ge für die Vo­lu­menvlies­fer­ti­gung von 80 Mio. Beu­teln im Jah­re 2007 nicht ein­tre­ten würde und bis zum
- 14 - En­de des Jah­res 2007 auch nicht zu er­rei­chen war, war für die Ar­beit­ge­be­rin erst im Lau­fe des Jah­res 2007 vor­her­seh­bar. Erst im Herbst 2007 ist sie in ei­ne neue Pla­nung über ei­ne wei­ter­ge­hen­de Per­so­nal­re­du­zie­rung ein­ge­tre­ten. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 lag ei­ne der­ar­ti­ge Pla­nung noch nicht vor.Be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Pflich­ten des Ar­beit­ge­bers nach den §§ 111, 112 Be­trVG wer­den erst durch kon­kre­te Pla­nun­gen über ei­ne Be­triebsände­rung aus­gelöst. Ins­be­son­de­re Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich set­zen ei­ne hin­rei­chend be­stimm­te, in Ein­zel­hei­ten be­reits ab­seh­ba­re Maßnah­me vor­aus, de­ren Durchführung der Ar­beit­ge­ber kon­kret an­strebt. Der Be­triebs­rat soll nach § 111 Satz 1 Be­trVG die Ge­stal­tung der im Ein­zel­fall „ge­plan­ten" Be­triebsände­rung ge­zielt be­ein­flus­sen können; da­zu müssen ih­re Art und ihr Um­fang be­kannt sein. Be­tei­li­gungs­rech­te des Be­triebs­rats nach § 111 Be­trVG set­zen kon­kre­te Pla­nun­gen des Ar­beit­ge­bers hin­sicht­lich ei­ner Be­triebsände­rung vor­aus (BAG, 20.11.2001 - 1 AZR 97/01 - AP Be­trVG 1972 § 113 Nr. 39; BAG, 30.05.2006 - 1 AZR 25/05 - AP In­sO § 209 Nr. 5). Ei­ne sol­che ge­plan­te Be­triebsände­rung liegt erst dann vor, wenn der Ar­beit­ge­ber auf­grund ab­ge­schlos­se­ner Prüfun­gen und Vorüber­le­gun­gen grundsätz­lich zu ei­ner Be­triebsände­rung ent­schlos­sen ist. Erst von die­sem Zeit­punkt an hat er den Be­triebs­rat zu un­ter­rich­ten und die so­ge­nann­te Be­triebsände­rung mit ihm zu be­ra­ten (BAG, 28.10.1992 – 10 ABR 95/91 – AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 63; LAG Ba­den-Würt­tem­berg, 27.09.2004 – 4 TaBV 3/04 – NZA-RR 2005, 195; so auch: LAG Hamm, 21.08.2008 - 13 TaBV­Ga 16/08 -; LAG Hamm, 27.10.2008 - 10 TaBV 141/08 -; Fit­ting, a.a.O., § 111 Rn. 108; ErfK/Ka­nia, a.a.O., § 111 Be­trVG Rn. 20; GK/Oet­ker, a.a.O., § 111 Rn. 149; DKK/Däubler, a.a.O., § 111 Rn. 115 a; Ri­char­di/An­nuß, Be­trVG, 11. Aufl., § 111 Rn. 145 m.w.N.). Hier­nach ist er­for­der­lich, dass sich die Pla­nung des Un­ter­neh­mers in ge­wis­sem Um­fang ver­dich­tet und kon­kre­ti­siert hat. Bloße Kon­zep­te und Vorüber­le­gun­gen sind al­lein noch kei­ne Pla­nung im Sin­ne des § 111 Satz 1 Be­trVG und lösen noch kei­ne Be­tei­li­gungs­rech­te des Be­triebs­rats aus.So liegt der vor­lie­gen­de Fall. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 war ei­ne wei­ter­ge­hen­de Ent­las­sungs­maßnah­me im Um­fang von wei­te­ren 18 Mit­ar­bei­tern noch nicht ge­plant. Bei den Hin­wei­sen in Zif­fer 4.9 im In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 han­del­te es sich nicht um ei­ne Pla­nung im Sin­ne der §§ 111 Satz 1, 112 a Abs. 1 Be­trVG, son­dern um bloße Kon­zep­te und Vorüber­le­gun­gen sei­tens der Be­triebs­be­tei­lig­ten. In Satz 2 der Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs ha­ben die Be­triebs­par­tei­en nämlich aus­drück­lich ge­re­gelt, dass ein wei­te­rer Per­so­nal­ab­bau der er­neu­ten Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats be­darf.Für die­se An­nah­me spricht auch, dass der sich aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan vom 20.09.2006 be­ru­hen­de Per­so­nal­ab­bau nach Zif­fer 4.9 Satz 2 und 3 des In­ter­es­sen­aus­gleichs auf ei­nen Zeit­raum „bis zum 31.12.2007" be­grenzt war. Der nun­mehr
- 15 - strei­ti­ge Per­so­nal­ab­bau ist je­doch erst im Herbst 2007 von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plant wor­den und konn­te erst im Jah­re 2008 durch­geführt wer­den. Sch­ließlich er­gibt auch Zif­fer 10.1 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006, dass es sich bei dem durch den In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 ge­re­gel­ten Per­so­nal­ab­bau um ei­ne ab­sch­ließen­de Re­ge­lung ge­han­delt hat. Der erst im Herbst 2007 ge­plan­te Per­so­nal­ab­bau wird von dem In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 da­mit nicht er­fasst.
Ge­gen die­sen Be­schluss ist für die Ar­beit­ge­ber­sei­te ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.Ge­gen die­sen Be­schluss ist für den Be­triebs­rat man­gels aus­drück­li­cher Zu­las­sung die Rechts­be­schwer­de nicht statt­haft, § 92 Abs. 1 ArbGG.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go Preuss Platz 1, 99087 Er­furt, Fax-Nr.: 0361/2636-2000 an­zu­fech­ten, wird der Be­triebs­rat auf die An­for­de­run­gen des § 92 a ArbGG ver­wie­sen.
Schier­baum Volk­mann Gn­i­da/N.	m.hensche.de
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References: § 112
 § 112
 § 111
 § 111
 § 112
 § 87
 § 256
 § 256
 § 81
 § 256
 § 81
 § 80
 § 98
 § 87
 § 81
 § 87
 § 253
 § 81
 § 81
 § 111
 § 111
 § 112
 § 111
 § 112
 § 112
 § 111
 § 111
 § 111
 § 111
 § 111
 § 113
 § 209
 § 112
 § 111
 § 111
 § 111
 § 111
 § 111
 § 111
 § 92
 § 92