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Timestamp: 2017-11-22 18:39:28+00:00

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BGH, 08.09.2009 - XI ZB 34/08 - Anwendbarkeit des § 7 Abs. 1 Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) auf Rechtsstreitigkeiten aus einem Beratungsvertrag | anwalt24.de
Beschl. v. 08.09.2009, Az.: XI ZB 34/08
Anwendbarkeit des § 7 Abs. 1 Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) auf Rechtsstreitigkeiten aus einem Beratungsvertrag
Referenz: JurionRS 2009, 22744
Aktenzeichen: XI ZB 34/08
LG München I - 23.09.2008 - AZ: 27 O 5840/08
OLG München - 27.11.2008 - AZ: 5 W 2539/08
Rechtsstreitigkeiten aus einem Beratungsvertrag, in denen kein Musterfeststellungsantrag nach § 1 KapMuG gestellt werden kann, werden nicht von § 7 Abs. 1 KapMuG erfasst.
Auf die Rechtsmittel der Beklagten zu 1) und des Klägers werden der Beschluss des 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 27. November 2008 und der Beschluss des Landgerichts München I vom 23. September 2008 aufgehoben.
Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt 5.750 EUR.
Die klagende Partei macht u.a. Schadensersatzansprüche gegen die Beklagte zu 1) (nachfolgend: Beklagte) wegen fehlerhafter Anlageberatung im Zusammenhang mit ihrer Beteiligung an der F. Medienfonds GmbH & Co. KG (nachfolgend: Fonds) geltend, weil die Beklagte in mehrfacher Weise ihre Pflicht zu anleger- und anlagegerechter Beratung schlecht erfüllt habe.
Die sofortigen Beschwerden des Klägers und der Beklagten zu 1) gegen diesen Beschluss hat das Beschwerdegericht als unzulässig verworfen. Zur Begründung hat es im Wesentlichen ausgeführt: Der Aussetzungsbeschluss des Landgerichts unterliege gemäß § 7 Abs. 1 Satz 4 KapMuG keinem Rechtsmittel. Die Beschwerden seien auch nicht nach § 252, § 567 Abs. 1 Nr. 1 ZPO mit der Begründung zulässig, im vorliegenden Streitverhältnis sei der Anwendungsbereich des § 7 KapMuG nicht eröffnet. Auch wenn die Beklagte nicht Musterbeklagte in dem Musterverfahren sein könne, weil gegen sie kein Schadensersatzanspruch wegen falscher, irreführender oder unterlassener öffentlicher Kapitalmarktinformation geltend gemacht werde, nehme sie doch den Status einer Beigeladenen nach § 8 Abs. 1 Nr. 3 KapMuG ein. Der Begriff der Beteiligtenfähigkeit sei weit auszulegen und beziehe alle Parteien in das Musterverfahren ein, für deren Rechtsverhältnisse das Feststellungsziel des Musterverfahrens von entscheidungserheblicher Relevanz sei.
Mit der - vom Beschwerdegericht zugelassenen - Rechtsbeschwerde begehren beide am Rechtsbeschwerdeverfahren beteiligte Parteien die Aufhebung des Aussetzungsbeschlusses.
Die Rechtsbeschwerden sind gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft, da das Beschwerdegericht sie zugelassen hat. Der Statthaftigkeit der Rechtsbeschwerden steht - wie der erkennende Senat bereits mit Beschluss vom 16. Juni 2009 entschieden hat (XI ZB 33/08, WM 2009, 1359, Tz. 7 ff.) - § 7 Abs. 1 Satz 4 KapMuG nicht entgegen, da Rechtsstreitigkeiten aus einem Beratungsvertrag, in denen kein Musterfeststellungsantrag nach § 1 KapMuG gestellt werden kann, von § 7 Abs. 1 KapMuG von vornherein nicht erfasst werden. Die Entscheidung des Landgerichts ist daher entgegen der Ansicht des Beschwerdegerichts rechtsmittelfähig (vgl. Senatsbeschluss vom 16. Juni 2009 aaO, Tz. 16).
Die Rechtsbeschwerden sind auch begründet. Soweit das Landgericht die Aussetzung auf § 7 Abs. 1 KapMuG gestützt hat, ist die Aussetzung rechtsfehlerhaft, weil das Streitverhältnis der Parteien nicht Gegenstand eines Musterklageverfahrens sein kann (vgl. Senatsbeschluss vom 16. Juni 2009 aaO, Tz. 17).

References: § 7
 § 7
 § 1
 § 7
 § 7
 § 252
 § 567
 § 7
 § 8
 § 574
 § 7
 § 1
 § 7
 § 7