Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/die-erledigte-verpflichtungsklage-und-die-fortsetzungsfeststellungsklage-390895
Timestamp: 2019-08-20 16:57:24+00:00

Document:
Die erle­dig­te Ver­pflich­tungs­kla­ge – und die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge | Rechtslupe
Maß­geb­li­cher Beur­tei­lungs­zeit­punkt für die Statt­haf­tig­keit einer der Ver­pflich­tungs­kla­ge nach­fol­gen­den Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist der Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses; zu berück­sich­ti­gen sind daher nur Ände­run­gen, die bis zur Erle­di­gung des Ver­pflich­tungs­be­geh­rens ein­ge­tre­ten sind.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts1, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Urteil vom 04.12 2014 – 4 C 33.13 – bestä­tigt hat, ist ein Fest­stel­lungs­an­trag als Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag ent­spre­chend § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO statt­haft, wenn sich ein Ver­pflich­tungs­an­trag vor der gericht­li­chen Ent­schei­dung erle­digt hat und der Fest­stel­lungs­an­trag im Hin­blick auf die Rechts­la­ge im Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses (genau­er: im Zeit­punkt unmit­tel­bar vor Ein­tritt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses) gestellt wird.
Damit über­ein­stim­mend hat das Bun­des­ver­wal­t­uns­ge­richt in sei­nem Urteil vom 24.01.19922 – in einem obiter dic­tum – die „Fest­stel­lung, dass die Wei­ge­rung der Behör­de, den bean­trag­ten Ver­wal­tungs­akt … zu erlas­sen, die Rechts­ord­nung ver­letzt”, aus­drück­lich als „Bestand­teil des Streit­ge­gen­stan­des der Ver­pflich­tungs­kla­ge” und damit als Gegen­stand einer statt­haf­ten Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge qua­li­fi­ziert.
Maß­geb­li­cher Beur­tei­lungs­zeit­punkt für die Statt­haf­tig­keit einer der Ver­pflich­tungs­kla­ge nach­fol­gen­den Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist folg­lich der Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses; zu berück­sich­ti­gen sind nur Ände­run­gen, die bis zur Erle­di­gung des Ver­pflich­tungs­be­geh­rens ein­ge­tre­ten sind3.
Soweit es um die Statt­haf­tig­keit des Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trags geht, wird der Betrach­tungs­zeit­raum durch das erle­di­gen­de Ereig­nis auch hin­sicht­lich des Ver­pflich­tungs­an­trags begrenzt. Maß­geb­lich ist mit­hin, ob das Gericht, wenn es im Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses ter­mi­niert und ver­han­delt hät­te, sich bei der Prü­fung der Begründ­etheit der Ver­pflich­tungs­kla­ge auch mit der Fra­ge hät­te aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, ob die Klä­ge­rin bis zur Erle­di­gung des Ver­pflich­tungs­be­geh­rens einen Anspruch auf Ertei­lung des bean­trag­ten Bau­vor­be­scheids hat­te und die Wei­ge­rung der Beklag­ten in die­sem Zeit­punkt des­halb rechts­wid­rig war.
(Fortsetzungs-)Feststellungsinteresse zur Vor­be­rei­tung einer Amts­haf­tungs­kla­ge
Es ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass für eine Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge, mit der die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit einer Amts­hand­lung im Hin­blick auf einen in Aus­sicht genom­me­nen Amts­haf­tungs- oder Ent­schä­di­gungs­pro­zess begehrt wird, ein berech­tig­tes Inter­es­se fehlt, wenn der Amts­haf­tungs- oder Ent­schä­di­gungs­pro­zess offen­sicht­lich aus­sichts­los ist4.
Bei der Prü­fung einer offen­sicht­li­chen Aus­sichts­lo­sig­keit geht es nicht dar­um, dass „die Erfolgs­aus­sich­ten des Haf­tungs­pro­zes­ses schlecht­hin geprüft wür­den und somit der von den Zivil­ge­rich­ten zu füh­ren­de Pro­zess auch in den von der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit des Ver­wal­tungs­ak­tes unab­hän­gi­gen Tei­len gleich­sam vor­weg­ge­nom­men wür­de”. Viel­mehr müs­sen „an das Vor­lie­gen der Offen­sicht­lich­keit stren­ge Anfor­de­run­gen gestellt wer­den„5.
Die Prü­fung eines berech­tig­ten Inter­es­ses gemäß § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO ver­langt auch kei­ne „Schlüs­sig­keits­prü­fung des beab­sich­tig­ten zivil­recht­li­chen Anspruchs im Hin­blick auf alle anspruchs­be­grün­den­den Tat­be­stands­merk­ma­le„6 zum berech­tig­ten Inter­es­se an der Fort­füh­rung einer Nor­men­kon­troll­kla­ge gegen eine inzwi­schen außer Kraft getre­te­ne Ver­än­de­rungs­sper­re)).
Von offen­sicht­li­cher Aus­sichts­lo­sig­keit kann nur gespro­chen wer­den, „wenn ohne eine ins Ein­zel­ne gehen­de Prü­fung erkenn­bar ist, dass der behaup­te­te Scha­dens- oder Ent­schä­di­gungs­an­spruch unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt bestehen kann„7.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Janu­ar 2015 – 4 B 42.2014
Der gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen Rechts­be­helf – und die Frist zur… Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist unzu­läs­sig, wenn der Beschwer­de­füh­rer die Frist des § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG zur Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht ein­ge­hal­ten hat. Ein von dem Beschwer­de­füh­rer ein­ge­leg­te „Antrag…
Die erle­dig­te Ver­pflich­tungs­kla­ge – und die… Maß­geb­li­cher Beur­tei­lungs­zeit­punkt für die Statt­haf­tig­keit einer der Ver­pflich­tungs­kla­ge nach­fol­gen­den Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist der Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses; zu berück­sich­ti­gen sind daher nur Ände­run­gen, die bis zur Erle­di­gung des Ver­pflich­tungs­be­geh­rens ein­ge­tre­ten sind.…
z.B. BVerwG, Urtei­le vom 25.07.1985 – 3 C 25.84, BVerw­GE 72, 38, 41; und vom 28.04.1999 – 4 C 4.98, BVerw­GE 109, 74, 76↩
BVerwG, Urteil vom 24.01.1992 – 7 C 24.91, BVerw­GE 89, 354, 356↩
BVerwG, Beschluss vom 07.05.1996 – 4 B 55.96, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 286 LS und S. 21 f. unter Bezug­nah­me auf BVerwG, Urteil vom 25.07.1985 – 3 C 25.84, BVerw­GE 72, 38, 43↩
sie­he z.B. BVerwG, Urtei­le vom 15.12 1972 – 4 C 18.71, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 64; vom 14.01.1980 – 7 C 92.79, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 95; vom 09.10.1984 – 1 C 22.83, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 144; vom 15.11.1984 – 2 C 56.81, Buch­holz § 113 VwGO Nr. 145; vom 17.10.1985 – 2 C 42.83, Buch­holz 310 § 113 Nr. 155; und vom 18.10.1985 – 4 C 21.80, Buch­holz 406.11 § 1 BBauG Nr. 28↩
BVerwG, Urteil vom 14.01.1980 – 7 C 92.79, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 95 S. 27↩
BVerwG, Urteil vom 18.10.1985 – 4 C 21.80, Buch­holz 406.11 § 1 BBauG Nr. 28 S. 22; vgl. auch BVerwG, Beschluss vom 02.09.1983 – 4 N 1.83, BVerw­GE 68, 12, 15 f.↩
BVerwG, Urtei­le vom 18.10.1985 – 4 C 21.80, Buch­holz 406.11 § 1 BBauG Nr. 28 S. 22; und vom 28.08.1987 – 4 C 31.86, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 173 13 f.↩

References: § 113
 § 113
 § 93
 § 113
 § 113
 § 113
 § 113
 § 113
 § 113
 § 1
 § 113
 § 1
 § 1
 § 113