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Timestamp: 2017-05-27 10:59:35+00:00

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datenschutz by bert meier - issuu
Regelungsl端cken im
medizinischen Datenschutz
in den SozialversicherungenBericht des BundesratsIn Erf端llung des Postulats der Kommission f端r Rechtsfragen
des Nationalrats vom 27. M辰rz 2000 (00.3178)3Inhaltsverzeichnis1
3.2.3.2Liste der Abkürzungen ....................................................................................5
Zusammenfassung ...........................................................................................9
Ausgangslage.................................................................................................11
Postulat der Rechtskommission des Nationalrats..........................................11
Auftrag an das Institut für Gesundheitsrecht.................................................11
Erarbeitung des vorliegenden Berichts..........................................................12
Geltende Regelung ........................................................................................13
Gesetzgebung.................................................................................................13
Datenschutzgesetz .........................................................................................13
Sozialversicherungsrecht ...............................................................................14
Datenbearbeitung im Allgemeinen................................................................15
Schweigepflicht .............................................................................................16
Beschaffung von medizinischen Daten durch die Organe der
Sozialversicherung.........................................................................................17
Amts- und Verwaltungshilfe .........................................................................19
Weitergabe von Daten an Dritte ....................................................................19
Akteneinsicht .................................................................................................21
Strafrecht .......................................................................................................22
Richtlinien .....................................................................................................23
Richtlinien der Aufsichtsbehörden ................................................................24
Unterlagen des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten...........................24
Richtlinien der Versicherer............................................................................25
Richtlinien der Dachverbände .......................................................................25
Interne Richtlinien der Versicherer ...............................................................25
Bestandesaufnahme .......................................................................................26
Umfrage des IDS ...........................................................................................26
Ergebnisse der Umfrage ................................................................................27
Organisation der Versicherung......................................................................27
Erfassung der eingehenden Post ....................................................................27
Vertrauensärzte und Vertrauensärztinnen .....................................................28
Medizinischer oder vertrauensärztlicher Dienst ............................................30
Datenschutzbeauftragte .................................................................................30
Beauftragte für die Informatiksicherheit .......................................................30
Rechtsdienst...................................................................................................31
Interne Information über den Datenschutz ....................................................31
Auftragsvergabe (Outsourcing) .....................................................................32
Privatdetektive ...............................................................................................32
Beziehungen zwischen den Bereichen Sozial- und
Privatversicherung .........................................................................................33
Verschiedenes................................................................................................33
Einreichung des Antrags................................................................................34
Abklärung ......................................................................................................34
Im Allgemeinen .............................................................................................34
Behandelnde Ärzte und Ärztinnen ................................................................3543.2.3.3
5Spitäler und andere Leistungserbringer.........................................................36
Arbeitgeber ....................................................................................................36
Familie und Angehörige der versicherten Person..........................................38
Öffentliche und private Sozialdienste............................................................39
Anträge an andere Sozialversicherungen und an
Privatversicherungen .....................................................................................40
Eröffnung des Entscheids ..............................................................................41
Geltendmachung des Rechts auf Akteneinsicht der versicherten
Person ............................................................................................................42
Datenbekanntgabe an Dritte ..........................................................................43
Führung und Aufbewahrung der Dossiers.....................................................43
Anmerkungen und Einschätzung der befragten Personen.............................45
Aus dem Datenschutz entstehende Verpflichtungen .....................................46
Bei Auskunftsbegehren an Leistungserbringer angetroffene
Probleme........................................................................................................47
Zugang zu den Daten der Versicherten durch die Sachbearbeiter der
verschiedenen Versicherungszweige.............................................................47
Gesuch um Akteneinsicht durch die Versicherten und
Datenbekanntgabe an Dritte ..........................................................................49
Beurteilung ....................................................................................................50
Allgemeine Beurteilung.................................................................................50
Beurteilung der wichtigsten Umfrageergebnisse...........................................51
Organisation der Versicherung......................................................................52
Erfassung der eingehenden Post ....................................................................52
Vertrauensärzte und andere Versicherungsärzte ...........................................52
Beauftragte für den Datenschutz und die Informatiksicherheit.....................55
Information des Personals .............................................................................55
Auftragsvergabe (Outsourcing) .....................................................................56
Beziehungen zwischen Sozial- und Privatversicherung innerhalb
derselben Einrichtung ....................................................................................57
Abklärung ......................................................................................................58
Im Allgemeinen .............................................................................................58
Auskunftspflicht der Leistungserbringer gegenüber den Versicherern.........60
Informationen, die an den Arbeitgeber gelangen ..........................................62
Informationsaustausch von einer Versicherung zur anderen.........................62
Einsichtnahme einer Person in ihr eigenes Dossier.......................................64
Bekanntgabe von Daten an Dritte..................................................................65
Aktenführung und Aufbewahrung der Unterlagen........................................66
Zugang des Personals zu den Dossiers ..........................................................66
Aufbewahrungsdauer.....................................................................................66
Schlussfolgerung ...........................................................................................695Liste der Abkürzungen
AHVAlters- und HinterlassenenversicherungAHVGBundesgesetz vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (SR 831.10)AHVVVerordnung vom 31. Oktober 1947 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (SR 831.101)ALVArbeitslosenversicherungATSGBundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1)ATSVVerordnung vom 11. September 2002 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (SR 830.11)AVIGBundesgesetz vom 25. Juni 1982 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (SR 837.0)AVIVVerordnung vom 31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (SR 837.02)BAGBundesamt für GesundheitBBlBundesblattBGESammlung der BundesgerichtsentscheideBSVBundesamt für SozialversicherungBVGBundesgesetz vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (SR 831.40)BVV 2Verordnung vom 18. April 1984 über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (SR 831.441.1)DSGBundesgesetz vom 19. Juni 1992 über den Datenschutz (SR 235.1)ELGBundesgesetz vom 19. März 1965 über die Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR 831.30)ELKVVerordnung vom 29. Dezember 1997 über die Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten bei den Ergänzungsleistungen (SR
831.301.1)6ELVVerordnung vom 15. Januar 1971 über die Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR 831.301)EOGBundesgesetz vom 25. September 1952 über die Erwerbsersatzordnung
(SR 834.1)ExpertenberichtPersönlichkeitsschutz in der sozialen und privaten Kranken- und Unfallversicherung. Bericht einer vom EDI und vom EJPD eingesetzten Expertenkommission, BSV, Beiträge zur sozialen Sicherheit, Nr. 7/01,
2001,159Seiten,VertriebBBL/EDMZ3003Bern,www.admin.ch/edmz, Bestellnummer 318.010.7/01 d 3.01 440
IDSInstitut de droit de la santé (Institut für Gesundheitsrecht an der
Universität Neuenburg)IDS-BerichtEtude sur les lacunes dans la réglementation de la protection des
données médicales dans les assurances sociales, Institut de droit de la
santé de l’Université de Neuchâtel (IDS), 26 av. du 1er Mars/2000 Neuchâtel/Tel. 032 718 12 80/Fax 032 718 12 81/messagerie.ids@unine.ch,
2003, 170 Seiten (nur auf Französisch)IVInvalidenversicherungIVGBundesgesetz vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (SR
831.201)IVVVerordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung
(SR 831.201)KLVVerordnung des EDI vom 29. September 1995 über die Leistungen in
der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (SR 832.112.31)KVGBundesgesetz vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (SR
832.10)KVVVerordnung vom 27. Juni 1995 über die Krankenversicherung
(SR 832.102)MVGBundesgesetz vom 19. Juni 1992 über die Militärversicherung
(SR 833.1)MVVVerordnung vom 10. November 1993 über die Militärversicherung
(SR 833.11)secoStaatssekretariat für Wirtschaft7SRSystematische Sammlung des BundesrechtsStGBSchweizerisches Strafgesetzbuch (SR 311.0)SUVASchweizerische UnfallversicherungsanstaltUVGBundesgesetz vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung
(SR 832.20)UVVVerordnung vom 20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung
(SR 832.202)VDSGVerordnung vom 14. Juni 1993 zum Bundesgesetz über den Datenschutz
(SR 235.11)VVGBundesgesetz vom 2. April 1908 über den Versicherungsvertrag
(SR 221.229.1)9Zusammenfassung
Der Nationalrat hatte anlässlich der Diskussionen vom Juni 2000 über die Anpassung der
Sozialversicherungsgesetze an das Datenschutzgesetz ein Postulat (Nr. 00.3178 vom
27.3.2000) seiner Rechtskommission überwiesen, das den Bundesrat aufforderte, einen
Bericht über Regelungslücken im medizinischen Datenschutz im
Sozialversicherungsbereich vorzulegen.Der vorliegende Bericht leistet diesem Postulat Folge. Grundlage bildet eine Studie des
Instituts für Gesundheitsrecht an der Universität Neuenburg (IDS). Im Zentrum dieser
Studie stand eine Umfrage bei verschiedenen Sozialversicherern und deren
Dachverbänden. Die Ergebnisse dieser Umfrage sind in Ziffer 3 des Berichts
wiedergegeben. Ziffer 2 enthält eine Übersicht über die geltende Regelung. In Ziffer 4 wird
eine Einschätzung der heutigen Sachlage vorgenommen.Der Bericht kommt (wie die IDS-Studie) zum Schluss, dass die geltenden Gesetze
keine Lücken aufweisen. Allerdings sollten die Möglichkeiten, gewisse Aspekte bei der
Gesetzesanwendung zu verbessern, geprüft werden (Ziff. 4.1). So zum Beispiel bei der
Externalisierung von Aufgaben durch den Versicherer und beim Bearbeiten der Daten aus
den Arzt- und Spitalrechnungen (Ziff. 4.2). Der Bericht weist darauf hin, dass sich das
Recht des Einzelnen auf den Schutz der Privatsphäre und sein Interesse an einer effizienten
und wirtschaftlichen Führung der Sozialversicherungen die Waage halten sollten. Wichtig
ist auch, dass die Versicherten über die Art und Weise, wie ihre Personendaten bearbeitet
werden, ausreichend informiert sind (Ziff. 4.1).Der Bericht zielte nicht darauf ab, formvollendete Lösungen vorzustellen; er soll vielmehr
eine Diskussionsgrundlage für die Erarbeitung von konkreten Massnahmen darstellen.111Ausgangslage1.1Postulat der Rechtskommission des NationalratsDer Nationalrat hat anlässlich der Diskussionen vom Juni 2000 über die Anpassung der
Sozialversicherungsgesetze an das Datenschutzgesetz ein Postulat (Nr. 00.3178) seiner
Rechtskommission mit folgendem Wortlaut überwiesen: «Der Bundesrat wird eingeladen,
imZusammenwirkenausführlichen,allemitdemEidgenössischenSozialversicherungsbereicheDatenschutzbeauftragten,
umfassendenBerichteinen
überRegelungslücken im medizinischen Datenschutz dem Parlament vorzulegen, der die
technologischeEntwicklungbeiderelektronischenDatenerfassungundbeimDatentransfer, z.B. bei der Leistungserfassung im Spital und deren direkter Vermittlung an
die Versicherer, sowie die daraus resultierenden Missbrauchsgefahren berücksichtigt. In
die Überlegungen einzubeziehen sei auch der strafrechtliche Geheimnisschutz von Artikel
321 StGB».1.2Auftrag an das Institut für GesundheitsrechtDas Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) hat zur Ausarbeitung des vom Postulat verlangten Berichts das Institut für Gesundheitsrecht an der Universität Neuenburg (IDS)
beauftragt, eine Studie über die aktuelle Situation zu erstellen. Eine aus Vertretern und
Vertreterinnen des BSV sowie dem Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten bestehende
Begleitgruppe hatte die Aufgabe, den Stand des Projekts zu evaluieren und wichtige
Fragen zu klären.Die vom IDS erstellte Studie enthält die Ergebnisse einer Umfrage dieses Instituts bei
verschiedenen Sozialversicherern und deren Dachverbänden sowie eine Einschätzung
dieser Ergebnisse und Denkansätze für die Lösung der festgestellten Probleme. Zudem gibt
sie eine detaillierte Beschreibung der Rechtslage auf schweizerischer, internationaler und12europäischer Ebene sowie einen Überblick über die Gesetzgebung einiger anderer europäischer Länder. Die Studie steht beim IDS in französischer Sprache zur Verfügung1.1.3Erarbeitung des vorliegenden BerichtsGestützt auf die Studie des IDS und insbesondere die Ergebnisse der Umfrage bei den
Versicherern hat das BSV einen Entwurf für den vorliegenden Bericht ausgearbeitet, in
welchem der Bundesrat dem Parlament seine Einschätzung der vom Institut für
GesundheitsrechtbeschriebenenSituationmitteilt.DieserEntwurfwurdedenOrganisationen, welche an der Umfrage des IDS teilgenommen haben, und den betroffenen
Bundesstellen unterbreitet, damit diese zu den enthaltenen Beurteilungen Stellung nehmen
können. In ihren Antworten wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass das Recht des
Einzelnen auf den Schutz der Privatsphäre und sein Interesse an effiziente und
kostengünstigeSozialversicherungendieWaagehaltensollten.DieerhaltenenStellungnahmen wurden so weit möglich im vorliegenden Bericht berücksichtigt,
vorwiegend in Ziffer 4 (Beurteilung) und 5 (Schlussfolgerung).1Siehe Liste der Abkürzungen (IDS-Bericht)132Geltende Regelung2.1Gesetzgebung2.1.1DatenschutzgesetzDas Bundesgesetz vom 19. Juni 1992 über den Datenschutz (DSG) dient dem Schutz der
Persönlichkeit und der Grundrechte von Personen, deren persönliche Daten bearbeitet werden, namentlich von einem Organ des Bundes. Die Stellen, welche die Sozialversicherungen durchführen, werden, soweit sie mit öffentlichen Aufgaben des Bundes betraut sind,
gemäss DSG (Art. 3 Bst. h) als Bundesorgane bezeichnet. Dieses Gesetz stellt eine Reihe
von in allen Bereichen der Bundesgesetzgebung anzuwendenden Grundsätzen auf, also
auch im Bereich der Sozialversicherungen. Es handelt sich dabei insbesondere um Grundsätze der Rechtmässigkeit, der Verhältnismässigkeit, der Zweckbindung und der Datensicherheit.Gemäss dem Grundsatz der Rechtmässigkeit (Art. 4 Abs. 1) dürfen die Bundesorgane persönliche Daten nur bearbeiten, wenn eine gesetzliche Grundlage sie dazu ermächtigt. Der
Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 4 Abs. 2) verlangt, dass ausschliesslich Daten
bearbeitet werden, welche das zuständige Organ benötigt und dies nur so lange, wie das
Organ diese benötigt. Der Grundsatz der Zweckbindung fordert, dass die gesammelten
Daten ausschliesslich für den vorgesehenen Zweck verwendet werden (Art. 4 Abs. 3). Die
Datensicherheit muss durch alle notwendigen technischen und organisatorischen Massnahmen gewährleistet werden (Art. 7).Für die Bearbeitung von besonders schützenswerten Daten, zu denen jene über den Gesundheitszustand gehören (Art. 3 Bst. c), oder von Persönlichkeitsprofilen (Zusammenstellungen von Daten, die eine Beurteilung wesentlicher Aspekte der Persönlichkeit einer
natürlichen Person erlaubt, Art. 3 Bst. d) sind höhere gesetzliche Anforderungen vorgesehen. So muss in diesen Fällen die gesetzliche Grundlage dafür in einem formellen Gesetz
vorhanden sein (Art. 17 Abs. 2) und der Online-Zugriff, auch Abrufverfahren genannt (ein14Verfahren bei dem es nicht mehr nötig ist, jedes Mal die Ermächtigung des Inhabers der
Datensammlung einzuholen), auf diese Art von Daten muss ebenfalls in einem formellen
Gesetz vorgesehen sein (Art. 19 Abs. 3).Personendaten sind alle Angaben, die sich auf eine «bestimmte oder bestimmbare» Person
beziehen (Art. 3 Bst. a). Das DSG gilt für jeden Umgang mit Personendaten, unabhängig
von den angewandten Mitteln und Verfahren, insbesondere für das Beschaffen, Verwenden, Bekanntgeben und Aufbewahren von Daten (Art. 3 Bst. e).Eines der wichtigsten Elemente des DSG ist Artikel 8, der jeder Person das Recht gibt,
Auskunft zu verlangen über Daten, die sie betreffen. Diese Bestimmung richtet sich auch
direkt an die Sozialversicherungen. Das Auskunftsrecht wird nur im Rahmen von Artikel 9
DSG eingeschränkt. Dieser ermächtigt insbesondere ein Bundesorgan (also auch einen
Sozialversicherer), Auskünfte über Daten zu verweigern oder einzuschränken, wenn die
Auskunft den Zweck eines Untersuchungsverfahrens in Frage stellt2. Die Auskunft über
Daten ist kostenlos. Der Inhaber der Datensammlung kann jedoch eine Gebühr erheben,
wenn sie mit einem grossen Arbeitsaufwand verbunden ist oder die Auskünfte der antragstellenden Person in den zwölf Monaten vor dem Gesuch bereits mitgeteilt wurden (Art. 2
VDSG). Die Modalitäten der Dateneinsicht werden in Artikel 1 VDSG festgehalten.2.1.2SozialversicherungsrechtDas DSG trat am 1. Juli 1993 in Kraft. Durch eine Übergangsbestimmung konnten die Organe der Sozialversicherungen bis Ende 2000 die bestehenden Datensammlungen mit besonders schützenswerten Daten oder Persönlichkeitsprofilen ohne formelle gesetzliche
Grundlage benützen (Art. 38 Abs. 3 DSG). Am 24. November 1999 unterbreitete der Bundesrat dem Parlament eine Botschaft3 zur Schaffung von formellen gesetzlichen Grundlagen für die Sozialversicherungen, wie sie in den Artikel 17 Absatz 2 und 19 Absatz 3 DSG
verlangt werden. Diese Neuerungen wurden von den Eidgenössischen Räten am 23. Juni
2Die versicherte Person kann jedoch die sie betreffenden Daten auf der Grundlage von Art. 47 Abs. 1, Bst. a,
ATSG einsehen; siehe auch unten Ziff. 4.5
BBI 2000 255152000 mit einigen kleineren Änderungen angenommen und traten am 1. Januar 2001 in
Kraft. Die neuen Bestimmungen brachten auf Gesetzesebene Regeln ein, die sich in den
Verordnungen befanden, und stimmten diese aufeinander ab. Diejenigen, welche für alle
Versicherungszweige gelten, wurden in das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) übertragen, welches vom Parlament am 6. Oktober
2000 verabschiedet wurde und am 1. Januar 2003 in Kraft trat4. Jene, die gewisse brancheninhärente Besonderheiten darstellten, wurden in die Spezialgesetze zur Sozialversicherung aufgenommen. Diese Gesetzgebung wird nachstehend dargelegt.2.1.2.1Datenbearbeitung im AllgemeinenJedes einzelne Sozialversicherungsgesetz enthält eine Bestimmung allgemeinen Charakters, welche die zuständigen Organe befugt, die Personendaten (einschliesslich der medizinischen Daten), die sie zur Erfüllung der ihnen gesetzlich übertragenen Aufgaben benötigen, zu bearbeiten oder bearbeiten zu lassen5.Die befugten Organe werden vom Gesetz bezeichnet. Es sind Organe, welche die Sozialversicherung durchführen (auch diejenigen, die privatrechtlich organisiert sind, wie die
Krankenkassen), andere Organe, welche ein Sozialversicherungsgesetz ausführen (z.B. die
Organe der Arbeitssicherheit nach dem UVG) und Organe, welche die Anwendung des
Gesetzes überwachen sollen (z.B. das BSV und das BAG). Es kann sich auch um
kantonale Organe handeln (z.B. kantonale Ausgleichskassen).Jedes Organ ist für den Schutz der bearbeiteten Daten verantwortlich (Art. 16 Abs. 1
DSG). Es bleibt zudem verantwortlich, wenn es die Daten von einem Dritten bearbeiten
lässt, und muss dafür sorgen, dass die Daten auftragsgemäss bearbeitet werden (Art. 22
VDSG); dies bedeutet, dass der Vertrag dem Dritten Verpflichtungen bezüglich des Datenschutzes auferlegt. Solche Aufträge werden beispielsweise für ein medizinisches Gutachten4Siehe Art. 32 (Amts- und Verwaltungshilfe), 33 (Schweigepflicht) und 47 (Akteneinsicht) ATSG
Art. 49a AHVG (auf welchen die Art. 66 Abs. 1 IVG, 13 ELG und 29 EOG verweisen), 85a BVG, 84
KVG, 97a UVG, 94a MVG und 96b AVIG
516in einem Versicherungsfall, für die Kontrolle von Rechnungen oder für einen Forschungsauftrag zur Wirkungsanalyse eines Gesetzes vergeben.Bezüglich dem Zweck ist zu sagen, dass das Bearbeiten von Personendaten sich auf das
beschränken muss, was für die Erfüllung der in den verschiedenen Sozialversicherungsgesetzen vorgesehenen Aufgaben nötig ist, wie es der Grundsatz der Verhältnismässigkeit,
der im gesamten Verwaltungsrecht gültig ist, will. Dieser Grundsatz erfordert zudem, dass
die Menge und Art der gesammelten Personendaten, der Datenverkehr sowie deren Aufbewahrung sich auf das beschränkt, was zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben notwendig ist. Die Einhaltung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit setzt naturgemäss ein
Abwägen der Interessen voraus (Schutz der Privatsphäre versus Wirtschaftlichkeit und
Effizienz der Versicherung).Die Datenbearbeitung umfasst auch deren Aufbewahrung. Zu diesem Zweck sieht Artikel
46 ATSG vor, dass für jedes Sozialversicherungsverfahren alle Unterlagen, die massgeblich sein können, vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen sind. Präzisierungen
zu diesem Thema sind in einigen Bestimmungen der Spezialgesetze enthalten6.2.1.2.2SchweigepflichtArtikel 33 ATSG sieht vor, dass Personen, die an der Durchführung sowie der Kontrolle
oder der Beaufsichtigung der Durchführung der Sozialversicherungsgesetze beteiligt sind,
gegenüber Dritten Verschwiegenheit zu bewahren haben. Der Ausdruck «beteiligt sind»
bedeutet, dass die verpflichteten Personen sowohl Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen des die
Daten bearbeitenden Organs als auch externe Personen sein können, denen die Datenbearbeitung übertragen wurde7. Für die berufliche Vorsorge, für welche das ATSG im Prinzip
nicht anwendbar ist, stellt Artikel 86a BVG die gleiche Regelung auf. Die Verletzung der
Schweigepflicht hat strafrechtliche Sanktionen zur Folge8.6Art. 156 AHVV, 29 ELV und 125 ICAO
BBI 2000 264
Art. 87 AHVG, 70 IVG, 16 ELG, 86 BVG, 92 KVG, 112 UVG und 105 AVIG
7172.1.2.3Beschaffung von medizinischen Daten durch die Organe der SozialversicherungDie Bearbeitung von Daten im Sinne der unter Ziffer 2.1.2.1 erwähnten Bestimmungen
umfasst auch deren Beschaffung. Diese Beschaffung kann jedoch nur innerhalb der dafür
vorgesehenen Bedingungen der Gesetzgebung zu den Sozialversicherungen und gemäss
den Grundsätzen des Datenschutzes, insbesondere desjenigen der Verhältnismässigkeit,
geschehen. Sowohl das ATSG als auch die jeweiligen Sozialversicherungsgesetze enthalten Bestimmungen, welche die Beschaffung von Personendaten, insbesondere von medizinischen Daten, durch die berechtigten Organe betreffen.Artikel 28 ATSG legt fest, dass jede Person, die Versicherungsleistungen beansprucht,
unentgeltlich alle Auskünfte erteilen muss, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind (Abs. 2). Er bestimmt zudem, dass
sie alle Personen und Stellen, namentlich Arbeitgeber, Ärztinnen und Ärzte, Versicherungen sowie Amtsstellen, zu ermächtigen hat, die Auskünfte zu erteilen, die für die Abklärung von Leistungsansprüchen erforderlich sind, wobei diese Personen und Stellen zur
Auskunft verpflichtet sind (Abs. 3). Diese allgemeine Regel ist nicht anwendbar, wenn
eine Spezialbestimmung den Versicherer ermächtigt, sich direkt beim Dritten zu erkundigen (siehe weiter unten).Gemäss Artikel 29 ATSG geben die Versicherungsträger für die Anmeldung und zur Abklärung des Anspruches auf Leistungen unentgeltlich Formulare ab, die vom Ansprecher
oder seinem Arbeitgeber und allenfalls vom behandelnden Arzt vollständig auszufüllen
sind. Präzisierungen und Ausnahmen sind in einigen Spezialgesetzen über die Sozialversicherungen und in ihren Durchführungsverordnungen enthalten9.In Artikel 31 ATSG wird festgelegt, dass jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügerinnen und Bezügern, ihren Angehörigen oder Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils
zuständigen Durchführungsorgan zu melden ist (Abs. 1). Diese Verpflichtung besteht auch
9Art. 67, 68, 69bis AHVV, 65, 66, 67 IVV, 20 ELV, 42 Abs. 6 KVG, 111 KVV, 45 UVG, 53, 55, 56 UVV,
23, 29, 42 AVIV und 9 der Verordnung über die Unfallversicherung von arbeitslosen Personen18für die an der Durchführung der Sozialversicherung beteiligten Personen und Stellen
(Abs. 2). Ein paar besondere Bestimmungen sind zudem in einigen Durchführungsverordnungen der Spezialgesetze enthalten10.Unter den in den Spezialgesetzen über die Sozialversicherungen enthalten Bestimmungen
verpflichtet Artikel 42 Absatz 3 bis 5 KVG die Ärztinnen und Ärzte, Spitäler und andere
Leistungserbringer, dem Krankenversicherer eine detaillierte und verständliche Rechnung
zuzustellen sowie alle Angaben, die er benötigt, um die Berechnung der Vergütung und die
Wirtschaftlichkeit der Leistung überprüfen zu können (Abs. 3). Der Versicherer kann eine
genaue Diagnose oder zusätzliche Auskünfte medizinischer Natur verlangen (Abs. 4). Die
vorherige Ermächtigung der versicherten Person ist dazu nicht notwendig. Der Leistungserbringer gibt aber medizinische Angaben nur dem Vertrauensarzt oder der Vertrauensärztin bekannt, wenn die versicherte Person oder die Umstände dies verlangen (Abs. 5). Diese
Bestimmungen werden durch Artikel 59 KVV über den Inhalt von Rechnungen ergänzt11.Im UVG verpflichtet Artikel 54a den Leistungserbringer, dem Unfallversicherer eine detaillierte und verständliche Rechnung zuzustellen. Er muss dem Versicherer auch alle Angaben machen, die dieser benötigt, um die Leistungsansprüche zu beurteilen und um die
Berechnung der Vergütung und die Wirtschaftlichkeit der Leistung überprüfen zu können.
Diese Bestimmung wird durch Artikel 69a UVV über den Inhalt von Rechnungen ergänzt12.In der Militärversicherung hat der Versicherte bei der sanitarischen Eintrittsmusterung,
während des Dienstes und bei Dienstaustritt jede ihm bekannte Gesundheitsschädigung zu
melden (Art. 83 Abs. 1 MVG). Das MVG verpflichtet zudem den Arzt, den Zahnarzt und
den Chiropraktiker, den Fall sofort der Militärversicherung anzumelden; ansonsten haftet
er für die Folgen (Art. 84). Zudem gibt es der Militärversicherung die Möglichkeit, auskunftspflichtige Dritte zur Ablegung eines formellen Zeugnisses zu verpflichten (Art. 88).10Art. 70bis AHVV, 89 IVV und 24 ELV
Zur Interpretation der Art. 42 KVG und 59 KVV, siehe unten Ziff. 4.2.2.2
Zur Interpretation der Art. 54a UVG und 69a UVV, siehe unten Ziff 4.2.2.2
11192.1.2.4Amts- und VerwaltungshilfeGemäss Artikel 32 ATSG geben die Verwaltungs- und Rechtspflegebehörden sowie die
Organe von anderen Sozialversicherungen einem Sozialversicherungsorgan auf Anfrage
kostenlos diejenigen Daten bekannt, die erforderlich sind für die Festsetzung, Änderung
oder Rückforderung von Leistungen, die Festsetzung und den Bezug der Beiträge oder
Prämien oder den Rückgriff auf haftpflichtige Dritte. Das Organ der Sozialversicherung
darf Artikel 32 ATSG jedoch nur dann geltend machen, wenn es im Einzelfall ein schriftliches und begründetes Gesuch stellt. Besondere Formen der Amts- und Verwaltungshilfe
können durch die Spezialgesetze vorgesehen werden. Dies ist der Fall bei der interinstitutionellen Zusammenarbeit zwischen der Invalidenversicherung und der Arbeitslosenversicherung13.Beim Austausch von Daten zwischen Organen derselben Sozialversicherung gehen diese
auf der Grundlage der Bestimmung vor, welche in jedem Spezialgesetz über die Sozialversicherungen derartige Austausche erlauben, wenn die fraglichen Daten für die Erfüllung
der Aufgaben, welche das Gesetz den betreffenden Organen zuweist, notwendig sind14.2.1.2.5Weitergabe von Daten an DritteJedes Spezialgesetz über die Sozialversicherungen beinhaltet einen Artikel mit dem Titel
«Datenbekanntgabe», welcher die Fälle aufzählt, in denen die mit der Durchführung oder
der Beaufsichtigung der Durchführung dieses Gesetzes beauftragten Organe ermächtigt
werden, in Abweichung der Schweigepflicht (Art. 33 ATSG) Daten an Dritte weiterzugeben. Diese Bestimmung lautet mit Ausnahme einiger Besonderheiten der betreffenden
Versicherung in allen Spezialgesetzen gleich.13
14Art. 85f AVIG und 68bis IVG
Bsp: Art. 50a Abs. 1 Bst. a AHVG20Die entsprechende Bestimmung15 beginnt mit der Aufzählung der Fälle, in denen die Daten
gemäss der im Einzelfall geltenden Regelung spontan oder auf Anfrage bekannt gegeben
werden dürfen (Weitergabe an dasselbe Gesetz anwendende Organe, an Organe einer anderen Sozialversicherung, an Organe der Bundesstatistik usw.). Anschliessend folgen die
Fälle, in denen Daten nur im Einzelfall und auf schriftlich begründetes Gesuch hin bekannt
gegeben werden dürfen (Weitergabe an Sozialhilfebehörden, an Zivilgerichte für die Beurteilung eines familien- oder erbrechtlichen Streitfalles, an Strafgerichte und Strafuntersuchungsbehörden, an Betreibungsämter sowie, in einigen Gesetzen, an Steuerbehörden). In
beiden Kategorien von Fällen dürfen die Daten ohne das Einverständnis der betroffenen
Person bekannt gegeben werden (soweit dies nicht durch eine andere Bestimmung verlangt
wird). Das zuständige Organ kann jedoch die Weitergabe von Daten verweigern oder einschränken, wenn ein überwiegendes Privatinteresse entgegensteht.Dieselbe Bestimmung ermächtigt zudem die zuständigen Organe, Daten von allgemeinem
Interesse zu veröffentlichen, wobei die Anonymität der Versicherten gewahrt bleiben
muss.Zudem hält dieser Artikel fest, dass ausser in den ausdrücklich erwähnten Fällen Daten nur
an Dritte bekannt gegeben werden dürfen, wenn die betroffene Person im Einzelfall
schriftlich eingewilligt hat. Wenn das Einholen der Einwilligung nicht möglich ist, dürfen
sie nur bekannt gegeben werden, wenn diese nach den Umständen als im Interesse des
Versicherten vorausgesetzt werden darf (z.B. wenn es sich um Daten bezüglich eines Versicherten handelt, der unfähig ist seine Einwilligung zu erteilen, und die der Vormundschaftsbehörde übermittelt werden, damit diese eine Bevormundung anordnen kann).Die beiden letzten Absätze des entsprechenden Artikels halten schliesslich fest, dass die
Modalitäten der Bekanntgabe und die Information der betroffenen Person auf Verordnungsweg geregelt und dass die Daten in der Regel schriftlich und kostenlos bekannt gegeben werden. Der Bundesrat kann jedoch die Erhebung einer Gebühr vorsehen, wenn
besonders aufwendige Arbeiten erforderlich sind. Er hat in der Tat bei diesem Punkt in15Art. 50a AHVG (auf den die Art. 13 ELG und 29 EOG verweisen), 66a IVG, 87 BVG, 84a KVG, 97 UVG,
95a MVG, 97a AVIG21allen Sozialversicherungszweigen Gebühren vorgesehen16. Im Übrigen sind nur dort Vorschriften auf Verordnungsebene zu erlassen, wo sich dies als notwendig erweist und einfache Weisungen nicht besser geeignet sind17.Jene besondere Form des Datenaustausches, die für den Inhaber einer Datensammlung
darin besteht, einem Dritten den Zugang zu dieser Datensammlung zu überlassen, ohne
jedes Mal eine Ermächtigung einzuholen (Abrufverfahren oder Online-Zugriff), ist – wie
bereits erwähnt – für medizinische Daten nur zulässig, wenn eine formelle Gesetzesbestimmung sie ausdrücklich vorsieht (Art. 19 Abs. 3 und 3 Bst. c Ziff. 2 DSG). Aus diesem Grund sind die Fälle, in denen besonders schützenswerte Daten (darunter die medizinischen Daten) auf diese Weise ausgetauscht werden, in den Spezialgesetzen ausdrücklich
geregelt. Die entsprechenden Bestimmungen geben die Art der Datensammlung an, halten
fest welche Daten durch dieses Vorgehen zugänglich gemacht wurden, wer Zugang dazu
hat und zu welchem Zweck die Daten eingesehen werden18.2.1.2.6AkteneinsichtIm Gegensatz zu den in Ziffer 2.1.2.5 erwähnten Bestimmungen, welche den zuständigen
Organen die Möglichkeit der Bekanntgabe von Daten an Dritte gibt, gewährt Artikel 47
ATSG (Akteneinsicht)19 Dritten ein Recht gegenüber der zuständigen Stelle. Es handelt
sich um einen Verfahrensanspruch, der sich von Artikel 29 Absatz 2 der Bundesverfassung20 ableitet (Anspruch auf rechtliches Gehör als allgemeine Verfahrensgarantie). Die
Akteneinsicht steht im Rahmen eines Verfahrens – und unter Vorbehalt überwiegender
Privatinteressen – der versicherten Person, den Parteien, den Beschwerdeinstanzen, der
haftpflichtigen Person und ihrem Versicherer zu (Art. 47 Abs. 1 ATSG).16Art. 209ter AHVV, (auf den Art. 27b ELV verweist), 60bis BVV 2, 130 KVV, 125 UVV, 34a MVV und
126a AVIV
In der Krankenversicherung sieht Art. 120 KVV vor, dass versicherte Personen über die Weitergabe von
Daten an Dritte informiert werden müssen.
Art. 50b und 71 Abs. 4 und 5, AHVG, 66b IVG, 95b MVG, 83 Abs. 1, Bst. i, und 96c AVIG
In der beruflichen Vorsorge, in der das ATSG im Prinzip nicht gilt, ist die Akteneinsicht (gleich wie in Art.
47 ATSG) in Art. 85a BVG geregelt.
SR 10122Handelt es sich um Gesundheitsdaten, deren Bekanntgabe sich für die zur Einsicht berechtigte Person gesundheitlich nachteilig auswirken könnte, so kann von ihr verlangt werden,
dass sie einen Arzt oder eine Ärztin bezeichnet, der oder die ihr diese Daten bekannt gibt
(Art. 47 Abs. 2 ATSG).Artikel 8 ATSV formuliert die Modalitäten der Akteneinsicht. Artikel 9 ATSV sieht vor,
dass diese Einsicht grundsätzlich unentgeltlich ist, wobei die Versicherer eine Gebühr verlangen können, wenn die Gewährung der Akteneinsicht mit einem besonders grossen Arbeitsaufwand verbunden ist oder die gewünschte Auskunft der antragsstellenden Person
bereits mitgeteilt wurde.2.1.3StrafrechtWerden die Leistungserbringer aufgefordert, den Organen der Sozialversicherungen medizinische Daten zu übermitteln, so berührt dies die strafrechtlichen Bestimmungen über die
Verletzung des Berufsgeheimnisses. Es handelt sich hierbei in erster Linie um Artikel 321
StGB, gemäss dessen «die (…) Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Hebammen sowie ihre
Hilfspersonen, die ein Geheimnis offenbaren, das ihnen infolge ihres Berufes anvertraut
worden ist, oder das sie in dessen Ausübung wahrgenommen haben, werden, auf Antrag,
mit Gefängnis oder mit Busse bestraft». Die Verletzung der Geheimhaltungspflicht, an
welche die hier nicht erwähnten im Gesundheitsbereich tätigen Personen gehalten sind,
wird auf Grund von Bestimmungen der kantonalen Gesundheitsgesetze oder von Artikel
35 DSG bestraft. Letzterer sieht insbesondere vor, dass «wer vorsätzlich geheime, besonders schützenswerte Personendaten oder Persönlichkeitsprofile unbefugt bekannt gibt, von
denen er bei der Ausübung seines Berufes, der die Kenntnis solcher Daten erfordert, erfahren hat, wird auf Antrag mit Haft oder mit Busse bestraft».Gemäss Artikel 321 Absatz 2 StGB ist die Bekanntgabe von vertraulichen Tatsachen jedoch nicht strafbar, wenn sie mit der Einwilligung des Patienten oder der Patientin erfolgt.
An dieser Stelle sei in Erinnerung zu rufen, dass die Person, die Versicherungsleistungen23beansprucht, ihren Arzt oder andere Leistungserbringer grundsätzlich ermächtigen muss,
dem Versicherer die Auskünfte zu erteilen, die für die Abklärung von Leistungsansprüchen
erforderlich sind (Art. 28 Abs. 3 ATSG)21.Andererseits bleiben gemäss Artikel 321 Absatz 3 StGB «die eidgenössischen und kantonalen Bestimmungen über die Auskunftspflicht gegenüber einer Behörde vorbehalten».
Einige Sozialversicherungsgesetze verpflichten die Leistungserbringer, dem Versicherer
medizinische Daten mitzuteilen. So schreiben die Artikel 42 Absatz 3 bis 5 KVG und 54a
UVG ihnen vor, den Versicherern alle Angaben zu machen, die sie benötigen, um die
Übernahme der Leistung zu überprüfen22.Da es sich bei der Bekanntgabe von vertraulichen Tatsachen mit der Einwilligung der betroffenen Person oder kraft einer gesetzlichen Bestimmung nicht um «eine unbefugte Bekanntgabe» handelt, sind diese Ausnahmen aus Sicht von Artikel 35 DSG ebenfalls zulässig.Die strafrechtlichen Bestimmungen, die im Falle einer Verletzung der Schweigepflicht
durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Versicherer anzuwenden sind, werden weiter
oben in Ziffer 2.1.2.2 erwähnt.2.2RichtlinienDa die Bestimmungen des Sozialversicherungsrechts und des DSG per definitionem häufig
recht allgemein formuliert sind, können für deren Durchführung Weisungen (mit zwingendem Charakter) und Empfehlungen notwendig sein, welche eine Interpretation erlauben,
die imstande ist, die Praxis zu konkretisieren und zu vereinheitlichen. Diese Texte unterschiedlicher Form und Benennung werden hier mit dem Begriff «Richtlinien» bezeichnet.21Siehe oben Ziffer 2.1.2.3
Ibidem. Siehe auch Art. 84 MVG über die Meldepflicht des Arztes, Zahnarztes oder Chiropraktors im
Rahmen der Militärversicherung.22242.2.1Richtlinien der AufsichtsbehördenDie mit der Beaufsichtigung der Durchführung der Sozialversicherungsgesetze beauftragten Behörden (BSV, BAG, seco) erlassen Richtlinien für die Vollzugsorgane, um die einheitliche Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen sicherzustellen. Diese Texte können
speziell Fragen des Datenschutzes betreffen, wie das vom BSV herausgegebene
«KreisschreibenüberdieSchweigepflichtunddieAkteneinsichtinderAHV/IV/EO/EL/FL», oder das vom seco herausgegebene «Kreisschreiben über den Datenschutz» für die Arbeitslosenversicherung. Andere Richtlinien der Aufsichtsbehörde behandeln verschiedene Aspekte der Durchführung der Versicherung im Allgemeinen, davon
berühren einige die Bearbeitung von Daten: z.B. die «Technischen Richtlinien für den
elektronischen Datenaustausch mit der Zentralstelle», welche insbesondere die beim elektronischen Datenaustausch in der AHV/IV einzuhaltenden Sicherheitsmodalitäten und massnahmen behandeln, und das «Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der
IV», welches das zu befolgende Verfahren in der Festsetzung der Leistungen beschreibt23.
Selbstverständlich können die Behörden auch einfache Empfehlungen für die Vollzugsorgane erlassen.2.2.2Unterlagen des Eidgenössischen DatenschutzbeauftragtenDer eidgenössische Datenschutzbeauftragte gibt regelmässig Stellungnahmen und Empfehlungen zu besonderen Punkten der Datenbearbeitung in der Durchführung der Sozialversicherung heraus, insbesondere in seinen jährlichen Tätigkeitsberichten24.23Diese Dokumente stammen vom BSV.
Die kantonalen Datenschutzbeauftragten sowie die Vereinigung der schweizerischen Datenschutzbeauftragten (der alle kantonalen und der eidgenössische Datenschutzbeauftragte angehören) erarbeiten ebenfalls
Stellungsnahmen, Berichte und Empfehlungen.24252.2.3Richtlinien der Versicherer2.2.3.1Richtlinien der DachverbändeDie Dachverbände, denen die Akteure einiger Versicherungszweige angehören, können
ebenfalls eine wichtige Rolle für den Datenschutz spielen, indem sie eine gewisse Selbstregulierung fördern. Einige dieser Verbände geben manchmal ihren Mitgliedern Informationen über den Datenschutz ab, z.B. bei Änderungen von Gesetzestexten. Zudem können
sie sich veranlasst sehen, «Richtlinien» oder «Empfehlungen» herauszugeben, in welchen
sie ihren Mitgliedern Lösungen für Datenschutzprobleme im betreffenden Versicherungszweig vorschlagen, wie dies das Beispiel der von Santésuisse ausgearbeiteten Richtlinie
über den Datenschutz in der Krankenversicherung zeigt. Derartige Dokumente sind nicht
verbindlich, stellen aber eine wertvolle Informationsquelle für Versicherer dar, die mit
konkreten Fällen konfrontiert sind, und sie fördern eine einheitliche Praxis im betreffenden
Versicherungszweig.2.2.3.2Interne Richtlinien der VersichererMehrere Versicherer verfügen über interne Reglementierungen und Richtlinien («Guidelines») über den Datenschutz. Diese Richtlinien haben in der Regel zum Ziel, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Erinnerung zu rufen, dass sie die gesetzlichen Bestimmungen (insbesondere die Schweigepflicht) und die Modalitäten ihrer Anwendung im Rahmen
ihrer Arbeit einzuhalten haben.263Bestandesaufnahme3.1Umfrage des IDSIm Rahmen des BSV-Auftrages25 führte das IDS eine Umfrage bei verschiedenen Sozialversicherern durch, um Hinweise für eine wirksame Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen zu erhalten. Auf diese Weise versuchte das IDS, die Probleme der Versicherer zu
erfassen und mögliche Lücken ausfindig zu machen.Diese Umfrage wurde vom IDS mit Hilfe eines Fragebogens sowie Gesprächen durchgeführt. Der Fragebogen folgt teilweise der Systematik des DSG, berücksichtigt aber auch
die Besonderheiten der Sozialversicherungen. Die Fragen betrafen die Praxis der Versicherer und waren so formuliert, dass eine möglichst genaue Beschreibung des Alltagsgeschäftes und der aufgetauchten Probleme erreicht werden konnte. Der Fragebogen befasste
sich zum einen mit der Organisation und der Funktionsweise der Versicherung und zum
anderen mit den verschiedenen Etappen, die ein Dossier durchläuft (Einreichen des Leistungsantrages, Prüfung, Entscheid, Aufbewahrung und Vernichtung der Unterlagen). Die
Versicherer wurden zudem gebeten, ihren Antworten eventuell vorhandene Richtlinien,
interne Vorschriften oder andere Unterlagen beizulegen, die einen Zusammenhang mit den
behandelten Punkten aufweisen.Der Fragebogen wurde verschiedenen privat- oder öffentlichrechtlichen Versicherern oder
Institutionen zugestellt, welche die Invalidenversicherung (IV-Stellen), die AHV/IV-Ergänzungsleistungen (kantonale Ausgleichskassen und kantonale Institutionen), die berufliche Vorsorge (Pensionskassen), die Krankenversicherung (Krankenkassen), die Unfallversicherung (UVG-Versicherer), die Arbeitslosenversicherung (kantonale Arbeitsämter und
Arbeitslosenkassen) und die Militärversicherung durchführen26. Dabei musste für jeden
Versicherungszweig eine Auswahl unter den zahlreichen öffentlichen und privaten Versicherern getroffen werden. Die Auswahl sollte repräsentativ sein für die Grösse der Versi25Siehe oben Ziffer 1.2
Die Erwerbsersatzordnung nach dem EOG und die kantonalen Familienzulageordnungen waren in der
Studie nicht inbegriffen, da hier keine medizinischen Daten bearbeitet werden.2627cherer, für ihre juristische Organisation (zentrale, dezentrale, autonome Organe), ihren
Tätigkeitsbereich (Stadt, Land) und ihre geografische Lage. Ermöglicht wurde diese Auswahl durch die aktive Beteiligung von Vertretern der Dachverbände wie Santésuisse, der
Schweizerischen IV-Stellen-Konferenz, dem Schweizerischen Versicherungsverband
(SVV) und dem Schweizerischen Pensionskassenverband (ASIP). Die Gespräche wurden
mit einigen Versicherern geführt, welche den Fragebogen beantwortet haben, und dienten
dazu, die erhaltenen Angaben zu vervollständigen und zu vertiefen.3.2Ergebnisse der Umfrage3.2.1Organisation der Versicherung3.2.1.1Erfassung der eingehenden PostBei der Erledigung der eingehenden Post27 und Faxe leiten die Versicherer die Dokumente
– insbesondere die Post für die Vertrauensärzte und Vertrauensärztinnen – in den meisten
Fällen ungeöffnet an ihre Empfänger weiter. Dieses Verfahren wird bei der beruflichen
Vorsorge weniger praktiziert und in der Arbeitslosenversicherung selten angewendet.Bei einigen Versicherern ist das Öffnen und das Verteilen der Post und von Faxen Gegenstand von internen Richtlinien, die manchmal sehr detailliert sind.
Derzeit wenden nur wenige Versicherer die Digitalisierung (auch Scanning28 genannt) der
Post an, doch wollen viele dieses Verfahren nächstens einführen oder haben dies seit der
Beantwortung des Fragebogens bereits gemacht. Nur wenige Krankenversicherer machten
genauere Angaben über die Art der eingescannten Dokumente (z.B. scannen gewisse Versicherer Schriftstücke medizinischen Charakters nicht) und über die getroffenen Massnahmen zur Zugangsbeschränkung im Zeitpunkt des Scannens (z.B. gestatten einige Versiche-27Post wurde hier in einem weiten Sinne verstanden und umfasst auch die Korrespondenz und die Rechnungen, in materieller und elektronischer Form.
Umwandlung von Papierdokumenten, die Texte oder Bilder enthalten, in Computerdateien.28rer den Zugang zu diesen Dokumenten ausschliesslich dem Vertrauensarzt oder der Vertrauensärztin und ihren Mitarbeitenden).3.2.1.2Vertrauensärzte und Vertrauensärztinnen29Im Zusammenhang mit der Umfrage des IDS waren mit dem Begriff «Vertrauensarzt/Vertrauensärztin» nicht nur die vom Versicherer im Rahmen eines Arbeitsvertrags
beschäftigten Ärzte und Ärztinnen gemeint, sondern auch die von ihm regelmässig oder im
Einzelfall beauftragten Ärzte und Ärztinnen. Der «medizinische Dienst» ist ein dem Vertrauensarzt oder der Vertrauensärztin untergeordneter oder speziell mit dem Bearbeiten
von medizinischen Daten beauftragter Dienst.Alle Versicherer nehmen die Dienste von internen oder externen Vertrauensärzten bzw.
Vertrauensärztinnen in Anspruch. Die Gelegenheiten, in denen ein Vertrauensarzt oder
eine Vertrauensärztin zum Einsatz kommt, und die Bedingungen, unter denen sich die Zusammenarbeit abspielt, sind offenbar für die Mehrheit der Versicherungszweige im Grossen und Ganzen klar festgelegt; dies gilt jedoch nicht für die Arbeitslosenversicherung.Die Vertrauensärzte und Vertrauensärztinnen werden in der Regel von den Verantwortlichen der jeweiligen Dossiers beigezogen, manchmal auch durch die Angestellten des «medizinischen Dienstes». Im speziellen Fall der Pensionskassen von Unternehmen kann es
vorkommen, dass der Arbeitgeber den Vertrauensarzt oder die Vertrauensärztin beizieht,
der bzw. die manchmal gleichzeitig die Funktion des Betriebsarztes oder der Betriebsärztin
innehat. In diesen Fällen kann jedoch anhand der Antworten nicht abgelesen werden, welches Ziel der Arbeitgeber damit verfolgt. In diesen Institutionen wird der Vertrauensarzt
oder die Vertrauensärztin manchmal vom internen Sozialdienst des Unternehmens beigezogen, aus den Antworten ist jedoch nicht abzuleiten, unter welchen Umständen dies erfolgt.29Das IDS benutzt den Begriff "Vertrauensarzt" oder "Vertrauensärztin" sowohl für die Vertrauensärzte wie
auch für die Versicherungsärzte im Allgemeinen (zu dieser Unterscheidung siehe unten Ziff. 4.2.1.2).29In der Invalidenversicherung und in der Militärversicherung verfügen die Vertrauensärzte
zur Erfüllung ihrer Aufgabe über sämtliche Unterlagen. Bei den Ergänzungsleistungen
werden die Vertrauensärzte beinahe ausschliesslich für dentalmedizinische Fragen beigezogen30; somit werden ihnen nur die diese Behandlungen betreffenden Unterlagen übergeben.In den anderen Versicherungszweigen lässt sich aus den Antworten keine eindeutige, klare
Praxis für die Überweisung von Akten oder einzelnen Schriftstücken herauslesen. Einige
Versicherer (aus allen Versicherungszweigen) übermitteln systematisch das ganze Dossier,
andere ausschliesslich die Unterlagen medizinischen Charakters. Andere wiederum nehmen selber eine Auswahl der Unterlagen vor, die sie für die Beurteilung durch den Vertrauensarzt für notwendig erachten. Einige Versicherer schliesslich haben keine systematische Vorgehensweise und entscheiden sich von Fall zu Fall für eine der oben erwähnten
Methoden.In den Fällen, in denen die Vertrauensärzte in den Räumlichkeiten des Versicherers über
ein Büro verfügen, ist der Zugang zu den dort gelagerten Dossiers unterschiedlich reglementiert. In der Unfall-, der Invaliden- und der Militärversicherung sind die medizinischen
Unterlagen Teil des Dossiers und bleiben, wenn sich das Dossier vorübergehend beim
Vertrauensarzt befindet, für die Dossierverantwortlichen zugänglich.Bei den Krankenkassen scheint es eine strenge Unterscheidung zwischen medizinischen
und administrativen Unterlagen zu geben. Wird das medizinische Dossier beim Vertrauensarzt aufbewahrt, haben nur die Mitglieder des medizinischen Dienstes Zugang.In den seltenen Fällen, in denen der Vertrauensarzt ein Büro in den Räumlichkeiten einer
Pensionskasse besitzt, sind die darin aufbewahrten medizinischen Daten einzig den Verantwortlichen für das betreffende Dossier zugänglich.30Zahnarztkosten werden von der obligatorischen Krankenversicherung bis auf einige wenige Ausnahmen
nicht übernommen. Hingegen haben Bezüger von AHV/IV-Ergänzungsleistungen Anspruch auf die Vergütung von Zahnbehandlungen, wenn die Bedingungen der ELKV, insbesondere Art. 8, erfüllt sind.303.2.1.3Medizinischer oder vertrauensärztlicher DienstMit Ausnahme der Versicherer, welche die Krankenversicherung durchführen, verfügen
nur wenige Versicherer über einen derartigen Dienst oder über Fachleute, die speziell mit
dem Bearbeiten von medizinischen Daten betraut sind. Die Mehrheit der Krankenkassen
verfügt über einen medizinischen Dienst, aber nur wenige von ihnen haben in ihrer Beantwortung des Fragebogens angegeben, dass sie das Personal dieses Dienstes speziell für die
ihnen anvertrauten besonderen Aufgaben ausbilden. Noch seltener sind Versicherer zu finden, welche Personen mit einer Ausbildung im Gesundheitsbereich anstellen, um Stellen in
einem solchen Dienst zu besetzen.3.2.1.4DatenschutzbeauftragteBei der Mehrheit der Kranken- und der Unfallversicherer sowie bei der Militärversicherung finden sich eine oder mehrere Personen, die speziell mit dem Datenschutz betraut
sind. Bei den Krankenversicherern, die keine derartige Stelle vorsehen, handelt es sich ausschliesslich um sehr kleine Kassen. Bei den anderen Versicherungen (ohne Arbeitslosenversicherung) erwähnen ungefähr die Hälfte der eingegangen Antworten, dass ein Datenschutzbeauftragter oder eine Datenschutzbeauftragte beim Versicherer beschäftigt ist. Die
Arbeitslosenkassen und die kantonalen Arbeitsämter verfügen mit wenigen Ausnahmen
nicht über einen solchen Posten. Einige Versicherer halten es für unnötig, einen Datenschutzbeauftragten oder eine Datenschutzbeauftragte einzustellen, da ihre Angestellten an
das Berufsgeheimnis gebunden sind.3.2.1.5Beauftragte für die InformatiksicherheitBis auf ganz wenige Ausnahmen beanspruchen sämtliche Versicherer die Dienste einer mit
der Informatiksicherheit beauftragten Person. Diejenigen, die keine solche Beauftragte
haben, benützen zum Teil gar kein Informatiksystem, sind sehr klein oder übergeben die
Verwaltung eines solchen Systems einem spezialisierten externen Unternehmen.313.2.1.6RechtsdienstSozusagen alle Versicherer verfügen über einen Rechtsdienst In der Regel handelt es sich
ab einer gewissen Betriebsgrösse um einen internen Dienst. Die kleineren Versicherer
ziehen regelmässig Vertrauensanwälte oder -anwältinnen bei.3.2.1.7Interne Information über den DatenschutzDie grosse Mehrheit der Versicherer informiert ihr Personal über den Datenschutz. Einige
Versicherer weisen bei der Anstellung von Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen auf dieses
Thema hin, sehr selten geschieht dies bei der Beendigung von Arbeitsverhältnissen. Während des Arbeitsverhältnisses werden die Informationen regelmässig oder bei Inkrafttreten
von Neuerungen erteilt (z.B. bei Gesetzesänderungen, der Herausgabe von Richtlinien oder
einer neuen Rechtsprechung).Einige Versicherer nennen als Grund, weshalb sie ihren Angestellten keine besondere
Ausbildung zum Datenschutz erteilen, die Tatsache, dass diese von Amtes wegen der
Schweigepflicht unterstehen.Der Inhalt der abgegebenen Informationen ist sehr unterschiedlich: Er kann sich auf eine
vom Angestellten oder von der Angestellten bei Stellenantritt unterzeichnete summarische
Schweigepflichterklärung beschränken oder aber in Form einer sehr detaillierten Erläuterung erfolgen, welche leicht verständliche Erklärungen zu den Gesetzesbestimmungen sowie praktische Ratschläge enthält (z.B. zu befolgendes Verhalten bei telefonischen Auskünften, Reaktion auf Auskunftsgesuche anderer Versicherer oder Behörden über versicherte Personen usw.). Wieder andere Versicherer stellen ihrem Personal eine Liste der
Gesetzesbestimmungen zur Verfügung, welche zu diesem Thema Anwendung finden können, erteilen jedoch keine besonderen Erklärungen oder Kommentare zum einfacheren
Verständnis.323.2.1.8Auftragsvergabe (Outsourcing)Eine Minderheit der befragten Versicherer gab an, die Dienstleistungen von beauftragten
Dritten in Anspruch zu nehmen. Bei den meisten dieser Versicherer betrafen die den Drittunternehmen übertragenen Aufgaben hauptsächlich die Informatik (Schaffung und Unterhalt von Informatiksystemen und Programmen usw.).Die grosse Mehrheit der Krankenkassen, einige IV-Stellen und Unfallversicherer nehmen
die Dienstleistungen von Unternehmen in Anspruch, welche die elektronische Rechnungsstellung sowie die Massenbearbeitung von Prämieneinnahmen, Abrechnungen usw. übernehmen. Einige Krankenkassen übergeben die Überprüfung der Schadensfälle oder die
Verwaltung der Regressfälle spezialisierten Unternehmen.In den meisten Fällen machen die Versicherer, welche Drittunternehmen beiziehen, diese
auf die Bestimmungen über den Datenschutz aufmerksam, insbesondere mittels vertraglichen Klauseln. Nur einige wenige hingegen geben an, die Einhaltung des Datenschutzes
durch die Drittunternehmen zu überprüfen.3.2.1.9PrivatdetektiveDie Versicherer geben an, nie die Dienste von Privatdetektiven in Anspruch zu nehmen,
mit der Ausnahme einiger Versicherer, welche das UVG durchführen.Dies geschieht dann, wenn Zweifel an der wirklichen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten
bestehen. Die Antworten geben wenig Aufschluss über das interne Verfahren, welches
zum Beizug eines Detektivs führt.Einige der betroffenen Versicherer präzisieren, dass die Überwachung ausschliesslich in
der Öffentlichkeit und/oder ohne persönliche Kontakte mit den Versicherten stattfindet.
Ein Versicherer gab an, dass er die Privatdetektive auf die Bestimmungen des DSG aufmerksam macht.33In allen Fällen werden die Versicherten über die Überwachung nur dann informiert, wenn
deren Ergebnis ihren Leistungsanspruch beeinflusst.3.2.1.10 Beziehungen zwischen den Bereichen Sozial- und PrivatversicherungDie Mehrheit der Krankenkassen führt auch die private Zusatzversicherung gemäss VVG
durch und verwaltet diese Versicherungsfälle zusammen mit der obligatorischen Versicherung. Bei den UVG-Versicherern (die z.B. auch die Unfallversicherung gemäss VVG
und/oder die Haftpflichtversicherung und/oder die Insassenversicherung durchführen) ist
aus den Antworten des Fragebogens kein klarer Trend herauszulesen.Die Mehrheit der BVG-Versicherer misst dieser Frage keine grössere Bedeutung zu. Ein
einziger Versicherer erwähnte, dass er die innerhalb eines Versicherungszweiges gewonnenen medizinischen Daten nur mit der Einwilligung des Versicherten für andere Versicherungsbranchen verwendet.
Bezüglich des Zugangs des Produktionspersonals31 zu den Daten der Versicherungsfälle ist
aus den Antworten des Fragebogens keine eindeutige Vorgehensweise herauszulesen. Es
wurde jedoch festgestellt, dass die meisten Krankenkassen, welche einen derartigen Zugang gewähren, den Zugang zu den medizinischen Daten ausdrücklich davon ausnehmen.3.2.1.11 VerschiedenesDie meisten Versicherer verfügen über interne Richtlinien für die Verwendung von Informatikmitteln. Der Inhalt dieser Richtlinien ist unterschiedlich. In der Regel betreffen sie
die Informatiksicherheit im weiteren Sinne, Regeln zur Benutzung des Internets und der
elektronischen Post sowie das Recht auf und die Modalitäten des elektronischen Datenzugangs.
31Angestellte, die sich mit dem Abschluss der Versicherungsverträge befassen (Akquisition, Aushandlung
der Verträge, Prämienberechnung und Aufsetzen der Verträge usw.), im Gegensatz zu den mit der Regelung
der Versicherungsfälle beauftragten Fachleuten.343.2.2Einreichung des AntragsDie Überprüfungen, welche gewisse Versicherer beim Einreichen eines Leistungsantrags
vornehmen, insbesondere bezüglich der Identität der Person, beschränken sich in der Regel
darauf, die Vorweisung von Identitätsausweisen und gegebenenfalls von Aufenthaltsbewilligungen zu verlangen.3.2.3Abklärung3.2.3.1Im AllgemeinenNur wenige Versicherer fügen systematisch eine Vollmacht der versicherten Person bei,
wenn sie bei einem Dritten Auskünfte über diese Person verlangen. Viele Versicherer gehen davon aus, dass sie in ihrer Eigenschaft als Sozialversicherer davon befreit sind, eine
Vollmacht vorzulegen. Andere legen nur dann eine Vollmacht bei, wenn dies vom Dritten
ausdrücklich verlangt wird.Die von den Versicherern verwendeten Vollmachten werden in den meisten Fällen von den
versicherten Personen beim Beitritt zur Versicherung oder in ihrem Antrag auf Leistungen
unterzeichnet. Nur wenige Versicherer verwenden eine speziell für Einzelfälle ausgearbeitete Vollmacht und erneuern diese regelmässig oder je nach Entwicklung des Versicherungsfalls.Anhand der Antworten aus dem Fragebogen lässt sich nicht ermitteln, ob die Versicherer
im Allgemeinen ihre Versicherten über Gesuche um sie betreffende Auskünfte bei Dritten
informieren.353.2.3.2Behandelnde Ärzte und ÄrztinnenBei den meisten Versicherungen sind es in der Regel die Dossierverantwortlichen, welche
den Arzt oder die Ärztin der versicherten Person um Auskunft anfragen. Bei den Pensionskassen übernehmen eher die Vertrauensärzte oder der entsprechende Dienst diese Aufgabe.
Dabei kann es, wie bereits erwähnt, vorkommen, dass einige Pensionskassen von Unternehmen die Rolle des Vertrauensarztes (oder seines Dienstes) dem Betriebsarzt (oder seinem Dienst) anvertrauen.In der Invaliden- und in der Militärversicherung sowie bei den AHV/IV-Ergänzungsleistungen werden Ärzte in der Regel mittels «offiziellen», allgemein verwendeten Fragebögen um Auskunft ersucht.In gewissen Versicherungszweigen gibt es Fälle, in denen die Versicherer von Gesetzes
wegen verpflichtet sind, systematisch bestimmte Auskünfte zu verlangen32.Die genauen Modalitäten und die Häufigkeit der Konsultation des behandelnden Arztes
gehen insbesondere bei der Arbeitslosenversicherung nicht eindeutig aus den Antworten
aus dem Fragebogen des IDS hervor.Hingegen kann im Allgemeinen festgestellt werden, dass sich die von den behandelnden
Ärzten verlangten Auskünfte ausschliesslich auf das Festsetzen des Leistungsanspruchs
und dessen Ausmass beziehen.Kranken- und Pensionskassen übermitteln die Antworten der behandelnden Ärzte in der
Regel ihrem Vertrauensarzt oder seinem Dienst (manchmal mittels einem an den Vertrauensarzt adressierten Rückantwortumschlag). In der Militärversicherung wird für gewisse
Unterlagen dasselbe Vorgehen angewendet.32Siehe z.B. Art. 8 Abs. 3 ELKV, 3 Abs. 2 und 8a Abs. 3 KLV363.2.3.3Spitäler und andere LeistungserbringerDie Beantwortung von Auskunftsgesuchen erfolgt bei Spitälern und anderen Leistungserbringern im Allgemeinen auf ähnliche Weise wie bei den behandelnden Ärzten33. Besonders erwähnt sei jedoch, dass viele Versicherer aus allen Versicherungszweigen, ausser der
Arbeitslosenversicherung, systematisch die Operations- und Austrittsberichte verlangen.Im besonderen Fall der AHV/IV-Ergänzungsleistungen werden hauptsächlich Einrichtungen für betagte Menschen angefragt.3.2.3.4ArbeitgeberDie Versicherer befragen die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen zu Aspekten des Arbeitsvertrags, welche für die Versicherung von Relevanz sind (Ankündigung von Ein- und
Austritten, Mutationen, Lohnmeldungen, Prämienbefreiung usw.).Andere Versicherer (unter anderem die IV, die Militärversicherung und die Versicherer,
welche die Unfallversicherung oder die Krankentaggeldversicherung durchführen) befragen den Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin der versicherten Person bei der Abklärung des
Anspruchs auf Geldleistungen (z.B. über die Höhe des Lohnes, die Dauer und den Grad
der Arbeitsunfähigkeit).Werden Eingliederungsmassnahmen in Betracht gezogen, so ist die Unterstützung des Arbeitgebers bew. der Arbeitgeberin ebenfalls gefragt (Anpassung und Umgestaltung des
Arbeitsplatzes, Umschulungsmöglichkeiten im gleichen Betrieb usw.). Dabei kann es vorkommen, dass dem Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin für die Lösungsfindung einige medizinische Daten mitgeteilt werden müssen (beispielsweise um herauszufinden, ob der
Versicherte trotz seiner Behinderung immer noch in der Lage ist, dieselbe Arbeit auszuführen, die er vor seinem Unfall oder seiner Krankheit ausgeführt hatte). Für Fragen bezüglich33Mehrere Versicherer haben im Übrigen bei diesen Fragen auf die Antworten, die sie zum vorhergehenden
Punkt gegeben haben, verwiesen.37der Deckung der Behandlungskosten wenden sich die Versicherer hingegen nie an die Arbeitgeber.Krankenversicherer, von denen einige die Taggeldversicherung durchführen, gehen auf
Auskunftsgesuche von Arbeitgebern ein. Aus den Antworten auf den Fragebogen des IDS
ist hingegen nicht ersichtlich, welche Art von Informationen erteilt wird. Ein Teil der Versicherer sagt jedoch ganz klar aus, dass sie den Arbeitgebern niemals medizinische Daten
mitteilen.Einige Pensionskassen geben dieser Art von Gesuchen ebenfalls statt. Auch wenn sie den
Arbeitgebern ohne weiteres Informationen über den Betrag der Leistungen liefern, so teilen
sie ihnen keinesfalls medizinische Daten mit, ausser sie werden von den Versicherten dazu
ermächtigt.Gemäss den Antworten aus der Invaliden- und Militärversicherung erhalten die Arbeitgeber ohne eine Vollmacht der versicherten Person prinzipiell keine Auskunft von diesen
Versicherern.In der Unfallversicherung werden den Arbeitgebern in der Regel nur Informationen zum
Grad der Arbeitsunfähigkeit und zu den notwendigen Wiedereingliederungsmassnahmen
abgegeben.Nur sehr wenige Versicherer informieren die versicherten Personen systematisch, etwa
durch die Zustellung von Kopien des Briefwechsels, über die Auskunftsgesuche, die an die
Arbeitgeber oder von diesen an die Versicherung gerichtet wurden.Mehrere Kranken- und Unfallversicherer sowie die Organe der Militärversicherung erklären, dass sie die versicherten Personen informieren. Aus den Antworten, die das IDS erhalten hat, lässt sich jedoch weder der Inhalt dieser Information noch der Zeitpunkt, in dem
diese abgegeben wird ermitteln (vor oder während der Bearbeitung des Auskunftsgesuches, bei Erhalt der Auskunft, bei Erhalt eines Gesuches des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin, beim Versand einer Antwort an diesen). Mehrere Versicherer geben lediglich an,38sie würden die versicherten Personen über das Fortschreiten des Verfahrens auf dem Laufenden halten.In anderen Versicherungszweigen werden die Versicherten in der Regel nicht speziell über
diese Vorgehen informiert. Wenn die Versicherer anhand der gesammelten Auskünfte entscheiden, die Leistungen zu verweigern, halten es einige für ausreichend, der versicherten
Person diesen Entscheid mitzuteilen. Andere betonen, dass die versicherten Personen zu
dem Zeitpunkt Einsicht in die gesammelten Informationen nehmen können, in dem sie ihren Anspruch auf rechtliches Gehör geltend machen.3.2.3.5Familie und Angehörige der versicherten PersonIn allen Versicherungszweigen sind es in erster Linie die Dossierverantwortlichen, die Familiemitglieder und Angehörige der Versicherten um Auskunft ersuchen.In der Regel wenden sich die Versicherer an Familienmitglieder oder an Angehörige
•welche die versicherte Person gesetzlich vertreten,•wenn diese selber Leistungsempfänger sind (z.B. Hinterlassenenrenten),•wenn der versicherten Person aufgrund anderer Familienmitglieder ein spezifischer
Anspruch eröffnet wird (z.B. auf eine Kinderzusatzrente oder Familienzulagen),•wenn sich das familiäre Verhältnis für einen Leistungsanspruch als massgeblich erweist (z.B. die Haushaltsorganisation für den Anspruch auf Hilflosenentschädigung
oder die Beteiligung des Umfelds bei der Eingliederung).In einigen Fällen ist die Art der Informationen, die von der Familie oder von den Angehörigen verlangt werden, untrennbar mit der Art der betreffenden Leistung verbunden. Es
kann sich dabei um Auskünfte administrativer (z.B. Auszahlungsadresse, das Familienbüchlein, Niederlassungsbescheinigung oder Studiennachweis) oder finanzieller Art (z.B.
für die Berechnung der Ergänzungsleistungen oder Härtefallrenten) oder um spezifische
Auskünfte einiger Versicherungszweige handeln (z.B. für Eingliederungsfälle in der Un-39fall-, Invaliden- oder Militärversicherung oder Präzisierungen zu einem Schadenfall oder
Gründe für einen Selbstmord in der Unfallversicherung).In einigen Antworten auf die Fragen des IDS werden hingegen manchmal Auskunftsgesuche zu besonders schützenswerten Daten erwähnt (z.B. der Gesundheitszustand der versicherten Person). Diese werden jedoch weder beschrieben, noch werden die Umstände, in
denen diese Gesuche eingereicht werden, erwähnt.Die überwiegende Mehrheit der Versicherer geht auf Auskunftsanträge aus der Familie
oder den Angehörigen der Versicherten ein. Die meisten machen dies im Falle einer gesetzlichen Vertretung, einer Vollmacht der Versicherten oder wenn Familienmitglieder
selber Bezüger von Leistungen sind.Die der Familie oder den Angehörigen erteilten Informationen beziehen sich in der Regel
auf den Umfang der Leistungen oder auf administrative Fragen. Einige Versicherer erwähnen zudem, dass sie ihnen keine medizinischen Daten mitteilen.Die Versicherten werden nur selten über die Auskunftsanfragen informiert, welche vom
Versicherer an die Angehörigen und umgekehrt gerichtet werden. In den meisten Fällen
hat dies mit dem Umstand zu tun, dass die Versicherten entweder gestorben oder nicht in
der Lage sind, ihre Einwilligung zu erteilen, oder aber gesetzlich vertreten werden. In den
anderen Fällen wird in den Antworten nicht erklärt, weshalb diese Information unterlassen
wird.3.2.3.6Öffentliche und private SozialdiensteAuskunftsgesuche an öffentliche und private Sozialdienste sind in der Regel eher selten.
Im gegebenen Fall werden sie von den Dossierverantwortlichen gestellt.Sie betreffen in erster Linie die Fälle der gesetzlichen Vertretung von versicherten Personen und der finanziellen Unterstützung, welche diese beziehen (z.B. in Fällen der Rücker-40stattung von Vorleistungen dieser Dienste oder bei Rechtsstreitigkeiten in der Krankenversicherung).Die Informationen, welche die Versicherer von den öffentlichen oder privaten Sozialdiensten verlangen, beschränken sich in der Regel auf finanzielle oder administrative Fragen.In der Mehrheit der Fälle geben die Versicherer Auskunftsgesuchen der Sozialdienste statt.
Die meisten von ihnen machen dies, wenn die Sozialdienste im Besitz einer Vollmacht der
Versicherten sind oder diese gesetzlich vertreten. Es kommt indes vor, dass die Auskunft
notfalls trotzdem gegeben wird; es handelt sich hier aber ausschliesslich um administrative
Auskünfte.Die Versicherten werden nur sehr selten über diese Kontakte informiert.3.2.3.7Anträge an andere Sozialversicherungen und an PrivatversicherungenIn den meisten Versicherungen sind es die Dossierverantwortlichen, welche Auskunftsanträge bei anderen Sozialenversicherungen und Privatversicherungen einreichen.Bei den AHV/IV-Ergänzungsleistungen werden ausschliesslich Finanzdaten von einer
Versicherung an eine andere übergeben, und zwar um den Erwerb des Anspruchs auf
Leistungen zu bestimmen.Die Arbeitslosenkassen ihrerseits erkundigen sich ausschliesslich nach dem Betrag der
Leistungen, welche andere Versicherer Arbeitslosen, die aufgrund von Krankheit, Unfall
oder Invalidität erwerbsunfähig sind, gewährt haben.In allen anderen Fällen finden der Austausch zwischen Versicherern im Rahmen der Koordination von Sozialversicherungsleistungen sowie der Regresse statt. Dieser Austausch41kann für die betroffenen Versicherungen auch die Bestimmung des Gesundheitszustandes
vor dem versicherten Ereignis betreffen.Die grosse Verschiedenartigkeit der Antworten aus dem Fragebogen lässt es nicht zu, eindeutige Trends in der Praxis für jeden Versicherungszweig abzuleiten. Einige Versicherer
verlangen das gesamte Versicherungsdossier, andere ausschliesslich den medizinischen
oder «finanziellen» Teil (z.B. die Leistungsabrechnungen) und manchmal nur die Entscheide der anderen Versicherer.In der Regel wird diesen Auskunftsgesuchen ohne Einschränkung stattgegeben.Einige wenige Versicherer gaben an, dass die verlangten medizinischen Daten direkt an
den Vertrauensarzt bzw. die Vertrauensärztin oder an den vertrauensärztlichen Dienst gerichtet waren.3.2.4Eröffnung des EntscheidsDie Eröffnung des Entscheids erfolgt in allen Fällen gegenüber den Versicherten, ihren
gesetzlichen Vertretern oder einer anderen bevollmächtigten Person, gegebenenfalls den
Leistungsempfängern (z.B. Witwen oder Waisen).Verschiedene Versicherer aus bestimmten Versicherungszweigen (IV, berufliche Vorsorge34 und Unfallversicherung) haben darauf hingewiesen, dass sie ihre Entscheide anderen Sozial- oder Privatversicherern, bestimmten Leistungserbringern sowie den Arbeitgebern der versicherten Personen eröffnen35.Beinahe alle Versicherer eröffnen den Entscheid sämtlichen Empfängern in einem gleichen
Dokument, welches die Liste der betreffenden Personen aufführt.
34Einige Pensionskassen haben speziell von «Entscheiden» gesprochen, in diesem Zweig der Sozialversicherung handelt es sich jedoch nicht um Entscheide im Sinne des Verwaltungsrechts.
Im letzten Fall z.B. bei Ende der Auszahlung der UVG-Taggelder423.2.5Geltendmachung des Rechts auf Akteneinsicht der versicherten
PersonIn allen Versicherungszweigen sind es in erster Linie die Dossierverantwortlichen, welche
die Gesuche um Akteneinsicht der versicherten Personen oder ihrer Vertreter behandeln,
seltener ist dies der Rechtsdienst oder der Vertrauensarzt bzw. die Vertrauensärztin. Die
Genehmigung des Gesuchs um Akteneinsicht sowie die Wahl der übergebenen Unterlagen
vollzieht sich in der Regel im Einvernehmen mit den Vorgesetzten und/oder den Rechtsdiensten, den Vertrauensärzten, den Direktionen oder den internen Datenschutzbeauftragten.Nur selten wird den versicherten Personen oder ihren Vertretern das vollständige Dossier
zur Verfügung gestellt. Mehrere Versicherer gewähren keine Einsicht in ihre so genannten
«internen Notizen». Andere übermitteln nur die Unterlagen, die für den Entscheid relevant
waren oder ausschliesslich einen laufenden Fall betreffen. Andere wiederum geben keine
medizinischen Daten bekannt, die sie für die versicherte Person als zu «heikel» erachten;
einige von ihnen übergeben diese lediglich dem behandelnden Arzt bzw., der behandelnden Ärztin der versicherten Person.Die meisten Versicherer stellen das Dossier umsonst zur Verfügung. Kosten werden nur
berechnet, wenn im gleichen Jahr wiederholt Gesuche gestellt werden und/oder diese schikanierenden Charakter haben. Die Militärversicherung erhebt allerdings ab 120 Fotokopien
einen Kostenbeitrag.Nicht alle Versicherer erfassen die Anzahl der Gesuche um Akteneinsicht durch die versicherten Personen. Jene, welche dies machen, gaben an, dass sie in der Regel wenige Gesuche dieser Art erhalten, Gesuche, die in erster Linie von Vertretern der Versicherten stammen (vor allem von Anwälten).433.2.6Datenbekanntgabe an DritteBei allen Versicherungszweigen werden Auskunftsbegehren von Dritten zu versicherten
Personen in erster Linie von den Vorgesetzten, der Direktion oder dem Rechtsdienst und
nur gelegentlich von den Dossierverantwortlichen bearbeitet.Die meisten Versicherer verlangen, dass die Auskunftsbegehren schriftlich eingereicht
werden. Gewisse Versicherer verlangen zudem eine Vollmacht der Versicherten und/oder
eine Begründung des Gesuchs und/oder die Angabe der verlangten Unterlagen. Einige
Versicherer geben an, dass sie eine aktuelle Vollmacht verlangen, die speziell auf das eingereichte Auskunftsgesuch Bezug nimmt.Einige Versicherer übergeben das ganze Dossier, andere beschränken sich darauf, nur die
ausdrücklich verlangten Unterlagen zu schicken oder diejenigen, von denen sie annehmen,
dass sie dem Zweck des Gesuchs entsprechen. Viele Antworten auf diese Frage enthielten
jedoch keinerlei Präzisierung zu den tatsächlich übermittelten Unterlagen, auch nicht zu
den Kriterien, nach welchen die Auswahl erfolgt ist.Die Versicherer erfassen nicht alle Gesuche um Akteneinsicht von Dritten. Diese Gesuche
scheinen jedoch viel zahlreicher zu sein als diejenigen von versicherten Personen oder ihren Vertretern. In den meisten Fällen stammen die Gesuche von anderen Sozialversicherungen, manchmal von Privatversicherungen, Gerichten, Betreibungsämtern, Steuerbehörden und öffentlichen oder privaten Sozialdiensten.3.2.7Führung und Aufbewahrung der DossiersDie meisten Versicherer aller Versicherungszweige bewahren ihre Dossiers in materieller
(Papier) oder elektronischer Form auf. Einige Versicherer besitzen ausschliesslich Dossiers
in Papierform, nur wenige hingegen ausschliesslich elektronische Dossiers.44Nur einige Krankenversicherer und Pensionskassen geben an, sie würden medizinische
Unterlagen klar vom restlichen Dossier trennen. In diesen Fällen haben nur die Vertrauensärzte oder deren Dienste Zugang zu den medizinischen Unterlagen.Alle anderen scheinen medizinische und administrative Unterlagen nicht zu trennen.Die Antworten ergeben kein eindeutiges Bild über den Zugang der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu den Dossiers in Papierform. Einige Versicherer beschränken den Zugang
auf Mitglieder des Personals, die für diese Dossiers auch verantwortlich sind. Andere wiederum kennen überhaupt keine Zugangsbeschränkung.Bei Versicherern, die ihre Dossiers elektronisch verwalten, sind es meistens die Dossierverantwortlichen, welche mit der elektronischen Erfassung beauftragt sind. Mehrere Versicherer scannen die Unterlagen, andere wollen dieses Verfahren nächstens einführen. Dieses wird entweder von den Dossierverantwortlichen oder von den Personen, welche mit
dem Scannen betraut sind (in der Regel der Postdienst), ausgeführt. Nur einige Krankenkassen erklären, dass sie nie medizinische Unterlagen scannen oder diese Aufgabe ausschliesslich den Mitgliedern des medizinischen Dienstes anvertrauen. Bei den anderen
Versicherungen enthalten die Antworten keine besonderen Angaben zu Richtlinien über
das Scannen, insbesondere in Verbindung mit der Indexierung der Unterlagen.Der Zugang zu den elektronischen Dossiers ist in der Regel reglementiert. Der Zugang
erfolgt über die Eingaben eines Benutzernamens und eines Passworts. Aber nur einige
Krankenkassen beschränken den Zugriff auf eingescannte medizinische Unterlagen nur auf
den Vertrauensarzt bzw. die Vertrauensärztin oder den vertrauensärztlichen Dienst.Die meisten Versicherer archivieren ihre Papierdossiers und gegebenenfalls ihre elektronischen Dossiers.Mehrere Versicherer (Ausgleichskassen, IV-Stellen, regionale Arbeitsvermittlungszentren
und Arbeitslosenkassen) beziehen sich ausdrücklich auf Weisungen, die vom BSV oder
vom seco zu diesem Thema herausgegeben wurden.45Der Beginn, die Dauer und die Modalitäten der Aufbewahrung sind sowohl von Versicherungszweig zu Versicherungszweig, wie auch innerhalb eines Versicherungszweigs von
Versicherer zu Versicherer sehr verschieden.Die Vernichtung der «physischen» Archive (in der Regel werden die Dokumente verbrannt
oder zerkleinert) wird entweder vom Versicherer selber oder von einem Subunternehmen
ausgeführt. Im letzteren Fall begleitet entweder ein Mitarbeiter der Versicherung die Unterlagen bis zu deren Vernichtung oder der Subunternehmer erhält sehr genaue Anweisungen. Diejenigen Versicherer, die angaben, ihre elektronischen Dossiers zu vernichten,
machten keine genaueren Angaben über die Art und Weise, wie dies geschieht.Einige eidgenössische und kantonale öffentlich-rechtliche Versicherer sind nach ihren Angaben verpflichtet, ihre Archive vor deren Vernichtung dem Schweizerischen Bundesarchiv oder dem kantonalen Archivdienst zu unterbreiten.3.2.8Anmerkungen und Einschätzung der befragten PersonenAm Ende jedes im Fragebogen behandelten Themas konnten die Versicherer allfällige
Anmerkungen anbringen, vor allem zu den angetroffenen Schwierigkeiten bei der Anwendung der geltenden Gesetzesbestimmungen. Bei den Gesprächen, welche das IDS mit einigen Versicherern führten, konnten diese Anmerkungen ergänzt und vertieft werden.Nicht alle Versicherer, welche den Fragebogen beantwortet haben, machten von der Möglichkeit Gebrauch, Anmerkungen zu den angetroffenen Problemen anzubringen. Diejenigen, welche davon Gebrauch machten, äusserten sich hauptsächlich zu den gleichen Themen.463.2.8.1Aus dem Datenschutz entstehende VerpflichtungenViele privat- oder öffentlich-rechtliche Versicherer sind der Ansicht, dass sehr strenge Bestimmungen in Sachen Datenschutz die Abwicklung der Fälle verlangsamen oder sogar
blockieren. Würden diese Bestimmungen noch verstärkt, sähen sich einige Versicherer mit
echten organisatorischen Schwierigkeiten konfrontiert, welche sie nur durch Zuhilfenahme
bedeutender menschlicher und technischer Hilfsmittel überwinden könnten. Dies hätte
wiederum grosse Kosten zur Folge.Einige Versicherer streichen zudem hervor, dass die Notwendigkeit, bei der internen Dossierverwaltung die Grundsätze des Datenschutzes anzuwenden, nicht denselben Stellenwert einnimmt wie bei den Kontakten, die mit externen Verhandlungspartnern bei der Abwicklung von Versicherungsfällen unterhalten werden (z.B. mit anderen Versicherungen).
Sie sind der Auffassung, dass die Interessen der Versicherten nämlich in jedem Fall einen
indirekten Schutz geniessen, da die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Sozialversicherungen von Gesetzes wegen an die Schweigepflicht gebunden sind. Diesbezüglich geben
einige Versicherer an, dass sie ihr Personal in regelmässigen Abständen an diese Verpflichtung erinnern.Zudem betonen etliche Versicherer den Umstand, dass das Bemühen um eine schnelle und
gerechte Regelung für ihre Versicherten im Vordergrund stünde. Ihre Auskunftsgesuche
dienen ausschliesslich dazu, den Anspruch auf Leistungen und deren Betrag im Einzelfall
zu bestimmen36. Andere Versicherer wiederum verweisen zudem darauf, dass die von ihnen durchgeführte Versicherung (z.B. IV oder Unfallversicherung) eine «interdisziplinäre»
Arbeit erfordere. Andere wiederum versuchen im Rahmen des Möglichen, die versicherten
Personen aktiv in die Diskussionen mit anderen Partnern einzubinden, die in jenen Fällen
geführt werden, wo mehrere Versicherungszweige betroffen sein können (z.B. IV und Arbeitslosenversicherung). Die gleiche Vorgehensweise wird bei der Familie angewendet,
wenn z.B. eine Wiedereingliederung in Betracht gezogen wird. Dies begünstigt eine rasche
Abwicklung der Fälle und erlaubt eine gute Information der versicherten Person.
36Bei der IV geht jedoch aus einigen Antworten hervor, dass sich das Verfahren oftmals durch verfrüht eingereichte Gesuche und durch unvollständige Unterlagen in die Länge zieht und die IV-Organe deshalb gezwungen sind, sich vermehrt zu erkundigen.473.2.8.2Bei Auskunftsbegehren an Leistungserbringer angetroffene ProblemeMehrere Kranken- und Unfallversicherer erwähnen Probleme in Verbindung mit Auskunftsbegehren an Leistungserbringer im weiteren Sinne (Ärzte, Spitäler usw.), obwohl sie
nach den gesetzlichen Bestimmungen dazu ermächtigt sind.Insbesondere verlangen diese Leistungserbringer häufig, dass die Versicherer ihnen eine
Vollmacht der versicherten Person übergeben, und ersuchen darum, ihre Auskünfte systematisch den Vertrauensärzten übermitteln zu können. Mehrere Krankenkassen haben zudem Schwierigkeiten, eindeutige Angaben zu Diagnosen zu erhalten. Einige Unfallversicherer erwähnen, dass die Leistungserbringer manchmal Mühe haben, die Anfragen seitens
der Sozialversicherungen von jenen seitens privater Versicherungen zu unterscheiden und
demzufolge diese Anfragen zufriedenstellend zu beantworten.Die betroffenen Versicherer geben an, dass diese Vorbehalte seitens der Leistungserbringer
ihre administrative Arbeit beträchtlich erschweren. So kommt es zu Verspätungen, die in
erster Linie den versicherten Personen zum Nachteil gereichen, da sich die Abwicklung der
Fälle in Erwartung der notwendigen Auskünfte verzögert. Darüber hinaus entstehen zusätzliche Kosten, die indirekt auch von den Versicherten getragen werden.Hingegen scheinen die Leistungserbringer eher bereit zu sein, den Organen der Militärversicherung oder der SUVA Auskunft zu erteilen. Diese Versicherer unterstreichen übrigens
eher die gute Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachpersonen aus verschiedenen
Bereichen, von denen Auskünfte verlangt werden.3.2.8.3Zugang zu den Daten der Versicherten durch die Sachbearbeiter der
verschiedenen VersicherungszweigeMehrere Versicherer aus allen Versicherungszweigen, einschliesslich der nicht direkt betroffenen Versicherer, haben Überlegungen angestellt zur Frage: «Finden Sie, dass es
nützlich wäre (und aus welchen Gründen), den Sachbearbeitern der verschiedenen Versi-48cherungszweige, die von ein und derselben Gesellschaft durchgeführt werden, den Zugang
zu den Daten eines Versicherten zu gewähren?».Etliche Versicherer haben daraufhin geantwortet, dass dieser Zugang bereits bestehe, ja
unvermeidbar oder zumindest wünschenswert sei und dies aus verschiedenen Gründen.
Einige Kranken- und Unfallversicherer, welche für diese Risiken eine Zusatzversicherung
anbieten, beurteilen den Datenfluss aus administrativer Sicht als vernünftig und zudem
erfolge dieser im eigenen Interesse der Versicherten, die bei ihnen über eine doppelte Deckung (sozial und privat) verfügen. Diese Versicherer reichen bei einem Versicherungsfall
nämlich in der Regel einen einzigen Antrag ein, da die Zusatzversicherungen genau an der
Stelle greifen müssen, an der die Deckung der Grundversicherung nicht mehr ausreicht.
Durch den Datenfluss kann insbesondere vermieden werden, dass dieselben Auskünfte von
den versicherten Personen oder Leistungserbringern wiederholt verlangt werden. Der Zugang zu den Daten eines anderen Versicherungsbereichs erlaubt eine effizientere Abwicklung eines Falles und eine bessere Koordination der Leistungen.Der Zugang zu den Daten der Versicherten wird auch von einigen Versicherern als notwendig eingeschätzt, welche die Privatversicherungen gemäss VVG durchführen37. Etliche
unter ihnen meinen, dass eine zu grosse Abgrenzung zwischen den sozialen und privaten
Versicherungen diese daran hindern würde, eine Verletzung der Anzeigepflicht gemäss
Artikel 6 VVG geltend zu machen, da die einem ihrer Mitarbeiter bei der Bearbeitung
eines Sozialversicherungsfalles bekannten Fakten im Rahmen der Privatversicherung nicht
mehr «verwendet» werden könnten.Ein Versicherer erwähnt, dass für die Behandlung von Unfallversicherungsfällen zahlreiche, oft äusserst schützenswerte Daten notwendig sind. Die Verwendung dieser Daten in
der Verwaltung eines anderen Versicherungszweigs müsse deshalb mit grösster Vorsicht
gehandhabt werden.Andere Versicherer wiederum sind der Auffassung, dass eine einheitliche Verwaltung
mehrerer Versicherungszweige ebenfalls dem Wunsch der Versicherten entspricht, diese
37Nicht nur die Bereiche der Zusatzversicherungen zu den Sozialversicherungen, sondern z.B. auch die Lebensversicherung49wünschen sich häufig einen einzigen Ansprechpartner für die Abwicklung ihrer verschiedenen Versicherungsprobleme.3.2.8.4Gesuch um Akteneinsicht durch die Versicherten und Datenbekanntgabe an
DritteEinige Versicherer geben an, dass Anträge um Akteneinsicht der versicherten Personen
ziemlich selten seien, andere hingegen haben festgestellt, dass die Zahl solcher Gesuche
bei ihnen deutlich zunimmt.Die Abgabe ihres Dossiers an die Versicherten, insbesondere in der Form von Kopien der
Unterlagen, zieht ein relativ grosser neuer Arbeitsaufwand nach sich. Dies wurde auch
bezüglich der Anträge um Akteneinsicht von Dritten oder die Bekanntgabe von
Versichertendaten an Dritte angemerkt.Etliche Versicherer treffen zudem ab und zu auf Schwierigkeiten im Umgang mit den
Anwälten der Versicherten, die nicht systematisch eine Vollmacht ihres Klienten oder ihrer
Klientin für die Einsicht in das Dossier vorlegen.504Beurteilung4.1Allgemeine BeurteilungGibt es im Datenschutz Rechtslücken? Diese im Postulat der Rechtskommission des Nationalrates gestellte Frage wird von der Studie des IDS folgendermassen beantwortet: Im
Wesentlichen gewährleistet die geltende Gesetzgebung den Schutz medizinischer Daten in
ausreichendem Masse und beinhaltet keine Lücken im eigentlichen Sinne. Das IDS hält
weiter fest, dass die Vielfalt in der Bearbeitungsart von medizinischen Daten in den
Sozialversicherungen zwangsweise nach einer relativen Unbestimmtheit in den
gesetzlichen Normen verlangt und dass diese sich gemäss der allgemeinen Grundsätze des
DSG, insbesondere der Verhältnismässigkeit und der Zweckmässigkeit, interpretieren
lassen38.Hingegen stellt das IDS fest, dass es ihm durch seine Umfrage möglich war, Probleme in
der Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen aufzuzeigen.AusdiesenFeststellungen
39SozialversicherungssystemdesIDSfolgt,dassimheutegeltendenkeine Notwendigkeit besteht, die in den formellen Gesetzenenthaltenen Bestimmungen zu vervollständigen40. Allerdings sollten die Möglichkeiten, die
Gesetzesanwendung zu verbessern, geprüft werden. Allfällig zu ergreifende Massnahmen
können verschiedene Formen annehmen: Richtlinien, Verordnungsbestimmungen,
Einführung von Zertifizierungsverfahren für die Datenschutzsysteme der Versicherer oder
Verstärkung der Aufsicht.38IDS-Bericht, Ziff. 8.2.2
Der vorliegende Bericht stellt die Gesetzesbestimmungen nicht in Frage, welche die parallele
Durchführung von sozialer und privater Versicherung für gewisse Versicherer ermöglichen (siehe unten Ziff.
4.2.1.6).
Als einzige Ausnahme bringt die Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für die Informationspflicht der
Leistungserbringer gegenüber der Militärversicherung eine Gesetzesänderung mit sich (siehe unten Ziff.
4.2.2.2).
3951Bei der Suche nach Lösungen für die festgestellten Anwendungsprobleme ist stets auf
folgende Grundsätze zu achten:– Bei der Behandlung von Fragen der Verhältnismässigkeit ist sowohl das Recht jedes
Einzelnen auf den Schutz der Privatsphäre als auch die Anforderungen bezüglich
Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Sozialversicherungen zu berücksichtigen. Die
Bürgerinnen und Bürger haben nämlich ein ähnliches Interesse daran, dass einerseits
ihre Persönlichkeit geschützt wird und dass andererseits die Sozialversicherungen, welche sie auf die eine oder andere Art finanzieren, ihre Leistungen rasch gewähren, die
Kosten der ärztlichen Tätigkeit kontrollieren und kostengünstig funktionieren.–Die Organe der Sozialversicherungen haben zwangsläufig eine Menge von häufig
besonders schützenswerten Daten zu bearbeiten. Deshalb sollte der Datensicherheit und
der Gewährleistung des Amtsgeheimnisses eine besondere Bedeutung beigemessen
werden. Die zu ergreifenden Massnahmen haben den neusten Entwicklungen im
technischen Bereich Rechnung zu tragen.–Die Transparenz muss als Vertrauensbeweis der Sozialversicherungen gefördert
werden. Die versicherten Personen sollen wissen, was diese Einrichtungen mit ihren
Personendaten machen. Diese Information kann allgemein oder, falls angezeigt, im
Einzelfall abgegeben werden.4.2Beurteilung der wichtigsten UmfrageergebnisseDas Postulat des Nationalrates verlangte einen Bericht über die Regelungslücken im
heutigen System und keine formvollendeten Lösungsvorschläge zur Behebung eventueller
Mängel. Übrigens könnten solche Lösungsvorschläge erst nach eingehender Absprache mit
den betroffenen Kreisen erarbeitet werden, da sie meistens umstritten sind. Dieser Bericht
wäre allerdings nicht vollständig, würde er nicht eine Beurteilung gewisser Ergebnisse der
Umfrage des IDS enthalten. Vorliegend werden nur die wichtigsten vom diesem Institut
untersuchten Aspekte betrachtet. Dabei versteht sich von selbst, dass alle vorgebrachten52Feststellungen berücksichtigt werden müssen, wenn es dann um die konkrete
Lösungssuche gehen wird.4.2.1Organisation der Versicherung4.2.1.1Erfassung der eingehenden PostIn seinem Bericht schätzt das IDS die von den Versicherern getroffenen Massnahmen hinsichtlich der Bearbeitung der eingehenden Post als insgesamt zufriedenstellend ein und
sieht keine Notwendigkeit, diesen Bereich speziell zu regeln, da die allgemeinen Grundsätze des Datenschutzes im vorliegenden Fall ausreichen41. Zwar muss das Personal bei der
Postannahme Sendungen (auf Papier oder elektronisch) mit besonders schützenswerten
Personendaten öffnen, das Risiko eines Missbrauchs ist jedoch als gering einzustufen, denn
die mit der Öffnung der Postsendungen beauftragten Personen, haben in der Regel gar
nicht die Zeit, diese zu lesen. Auch das Einlesen von Dokumenten beim Scannen dauert
nur einige Sekunden. Dies entbindet den Versicherer natürlich nicht von der
Verplflichtung,dieerforderlichenMassnahmenimBereichdesZugangszuschützenswerten Dokumenten sowie der Personalinstruktion zu ergreifen.4.2.1.2Vertrauensärzte und andere VersicherungsärzteVertrauensärzte, die als eine Art «Filter» zwischen der versicherten Person und den administrativen Diensten des Versicherers fungieren, sind von Gesetzes wegen nur in der Krankenversicherung vorgesehen (Art. 57 KVG). Ärzte arbeiten auch in anderen Versicherungszweigen mit (IV, Unfallversicherung, berufliche Vorsorge usw.), ohne jedoch diese
Funktion zu haben.41IDS-Bericht, Ziff. 5.2.153Vertrauensärzte in der Krankenversicherung
Gemäss Artikel 57 KVG berät der Vertrauensarzt oder die Vertrauensärztin den Krankenversicherer in medizinischen Fachfragen sowie in Fragen der Vergütung und der Tarifanwendung. Sie sind in ihrem Urteil unabhängig. Der Versicherer kann ihnen keine Weisungen erteilen. Die Vertrauensärzte geben den zuständigen Verwaltungsstellen der Versicherer nur diejenigen Angaben weiter, die notwendig sind, um über die Leistungspflicht zu
entscheiden, die Vergütung festzusetzen oder eine Verfügung zu begründen. Dabei wahren
sie die Persönlichkeitsrechte der Versicherten. Das Gesetz betraut die eidgenössischen
Dachverbände der Ärzteschaft und der Versicherer mit der vertraglichen Regelung der
Datenbekanntgabe an die Versicherungsverwaltung sowie der Weiterbildung und der
Stellung der Vertrauensärzte. Am 14. Dezember 2001 haben die betreffenden Verbände
eine diesbezügliche Vereinbarung getroffen, die gegenwärtig in Kraft ist.Das IDS äussert in seinem Bericht die Auffassung, dass die erwähnte Vereinbarung die
Stellung der Vertrauensärzte in den Krankenkassen auf zufriedenstellende Weise klärt,
insbesondere bezüglich des Datentransfers der Vertrauensärzte an die Versicherer42. Diese
Vereinbarung enthält Klauseln über die Verwirklichung der Grundsätze der Unabhängigkeit der Vertrauensärzte und der Sicherheit der von ihnen bearbeiteten Daten. Sie
verstärkt die Schweigepflicht des Hilfspersonals der Vertrauensärzte und enthält
Präzisierungen zur Übermittlung von Daten durch die Vertrauensärzte an die
Dossierverantwortlichen. Die Vertragsparteien haben jedoch in der Präambel der
Vereinbarung selber anerkannt, dass diese entsprechend der Bedürfnisse in der Praxis noch
weiterentwickelt werden muss. Deshalb haben sie ein paritätisches Organ eingesetzt, das
unter anderem mit der Formulierung von Empfehlungen für die Ergänzung der Vereinbarung beauftragt ist.Somit ist es in erster Linie Aufgabe der beteiligten Organisationen, gemeinsam darüber zu
wachen, dass der Schutz der den Vertrauensärzten anvertrauten Daten ausreichend geregelt
ist. Dies befreit das BAG als Aufsichtsbehörde jedoch nicht davon, einzuschreiten, falls ein42IDS-Bericht, Ziff. 5.2.254Versicherer das Gesetz bezüglich der Stellung des Vertrauensarztes bzw. der Vertrauensärztin oder des Schutzes der von ihm bzw. von ihr bearbeiteten Daten nicht beachtet.Der Weiterleitung von Postsendungen an den Vertrauensarzt bzw. an die Vertrauensärztin
im Rahmen von Art. 42 Abs. 5 KVG gebührt besondere Aufmerksamkeit. Will ein
Leistungserbringer kraft dieser Bestimmung Informationen ausschliesslich an den
Vertrauensarzt bzw. die Vertrauensärztin richten, so muss er die Möglichkeit haben, sie
direkt an diese Personen (auch wenn er ihren Namen nicht kennt) oder an deren Dienst zu
richten, so dass die Sendung - wie in der erwähnten Vereinbarung zwischen
Dachverbänden der Ärzteschaft und Versicherern vorgesehen - nicht erst von einer
administrativen Stelle geöffnet werden muss.Versicherungsärzte in anderen Zweigen
In den anderen Versicherungszweigen als der Krankenversicherung – z. B. in der Invaliden- und der Unfallversicherung - sind die Elemente medizinischer Natur und andere Faktoren, wie die Umstände eines Unfalls, meist nicht voneinander zu trennen, so dass sie in
der Regel bereits zu Beginn gemeinsam durch das Verwaltungspersonal und den
Versicherungsarzt bzw. die Versicherungsärztin bearbeitet werden müssen. Zudem ist der
VersichererineinigenZweigenermächtigt,indiemedizinischeBehandlungeinzugreifen43.Diese Situation wurde durch die Umfrage des IDS bestätigt, welches daraus schloss, dass
es allgemein nicht zweckdienlich wäre, in anderen Sozialversicherungen den Beizug von
Vertrauensärzten nach dem Vorbild des KVG vorzuschreiben44. Die Versicherungsärzte
und –ärztinnen sollten aber dennoch besonders sensible Informationselemente, die nur sie
alleine kennen und welche der Versicherer für seinen Entscheid nicht benötigt, für sich
behalten können.43Siehe Art. 10 und 48 UVG, 55 UVV, 16 MVG und 14 IVG
IDS-Bericht, Ziff. 5.2.2. Analoge Schlussfolgerung für die Unfallversicherung im Expertenbericht, Rz 5.22
ff. und 5.68 ff.44554.2.1.3Beauftragte für den Datenschutz und die InformatiksicherheitDas IDS hat festgestellt, dass bei den meisten Versicherer eine Person für den Datenschutz
sowie für die Informatiksicherheit zuständig ist. Es wäre wünschenswert, dass dies bei
allen Versicherern der Fall ist. Zu diesem Zweck können sie externe Personen beauftragen,
die im Dienste mehrerer Versicherer arbeiten. Ist die Versicherungseinrichtung oder eine
ihrer Einheiten relativ klein, so kann auch deren Leiter oder Leiterin diese Funktion
übernehmen.4.2.1.4Information des PersonalsBei der Umfrage des IDS zeigte es sich einmal mehr, dass der Datenschutz nicht nur eine
Frage von gesetzlichen Vorschriften ist, sondern vor allem eine Sache des Verhaltens der
einzelnen Personen, die mit der Bearbeitung der Daten beauftragt sind. Deshalb ist die
Aufklärung und Schulung dieser Personen von grösster Bedeutung. Die Umfrage hat gezeigt, dass diese Informationsarbeit zwar recht weit verbreitet, jedoch von unterschiedlicher Qualität ist.Insofern sie dies nicht bereits machen, müssen alle Versicherer ihre Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, die mit der Bearbeitung von Personendaten beauftragt sind, ausbilden, indem
sie diese über den privaten und besonders schützenswerten Charakter dieser Daten informieren und sie in den daraus entstehenden Pflichten und den zu beachtenden Schutzregeln
unterweisen. Diese Regeln müssen regelmässig in Erinnerung gerufen und der Entwicklung angepasst werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen zudem auf die Strafsanktionen im Falle einer Verletzung der Schweigepflicht aufmerksam gemacht werden.
Obwohl die Schweigepflicht bereits Teil der Anstellungsbedingungen ist, kann es sich als
nützlich erweisen, bei der Anstellung oder beim Wechsel in einen anderen Dienst ein spezielles Dokument unterschreiben zu lassen, in dem die geltenden Regeln und ihre Sanktionen erwähnt werden. Am Ende eines Arbeitsverhältnisses muss der Versicherer die betroffene Person daran erinnern, dass sie weiterhin Schweigen über die Tatsachen, von denen
sie in der Ausübung ihrer Funktion Kenntnis bekam, bewahren muss.564.2.1.5Auftragsvergabe (Outsourcing)Das Gesetz ermächtigt die Versicherer, die Datenbearbeitung zur Erfüllung eines Teiles
ihrer Aufgaben einem Dritten zu übertragen45. Die Versicherer greifen insbesondere für die
Verwaltung ihres Informatikbestands, für die elektronische Rechnungsstellung, die
Schadensüberprüfung und die Rückgriffe auf Subunternehmen zurück46. Sie bleiben jedoch
verantwortlich für den Schutz der auf diese Weise bearbeiteten Daten und sind gehalten,
die Modalitäten mit dem Auftragnehmer zu regeln und Kontrollen bei diesem
durchzuführen (Art. 14 und 16 DSG, 22 VDSG). Aus der Umfrage des IDS scheint jedoch
hervorzugehen, dass diese Grundsätze nicht immer zufriedenstellend in die Praxis
umgesetzt werden47. Auch der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte hat im Outsourcing
generell Lücken aufgedeckt und empfiehlt «im Interesse des Auftraggebers mit dem
beauftragten Dritten einen Vertrag über die Vertragsvergabe abzuschliessen, in dem die zu
befolgenden Datenschutzvorschriften niedergelegt werden»48.Soweit dies nicht bereits der Fall ist, sollten die Versicherer ihren Beauftragten deshalb
vermehrt genaue Auflagen hinsichtlich der Bearbeitung der ihnen anvertrauten
Personendaten machen und auch ein Aufsichtsrecht wahren.Es gilt auch zu beachten, dass insbesondere im Krankenversicherungsbereich einige
Versicherer in den letzten Jahren ihre Leistungsabwicklung vermehrt ausgelagert haben,
namentlich um Kosten zu sparen. Einige Versicherer, welche in Holdings strukturiert sind,
haben Teile der Leistungsabwicklung an eine ihrer Gesellschaften ausgelagert; kleinere
Krankenkassen lassen sie teilweise über ihre Rückversicherer abwickeln, andere über ITAnbieter. In seiner Antwort auf eine Interpellation vom 17. Dezember 200349 hält der
Bundesrat fest, dass die Versicherer bei der Zusammenarbeit den Datenschutz
gewährleisten müssen. Zudem hat die Aufsichtsbehörde dafür zu sorgen, dass weder KVG
noch DSG verletzt werden.45Siehe oben Ziff. 2.1.2.1
IDS-Bericht, Ziff. 5.2.6
9. Tätigkeitsbericht 2001/2002 des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, S. 38
Interpellation Dormond Nr. 03.3613
4657Im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe sollte auch eingehend untersucht werden, in
welchem Ausmass und unter welchen Voraussetzungen die Versicherer die Dienste von
Privatdetektiven50 in Anspruch nehmen dürfen.4.2.1.6Beziehungen zwischen Sozial- und Privatversicherung innerhalb derselben
EinrichtungEinige Versicherungszweige (Kranken- und Unfallversicherung, berufliche Vorsorge)
werden von Institutionen geführt, welche ermächtigt sind, gleichzeitig die Sozial- wie auch
Privatversicherungendurchzuführen.DiePrivatversicherungenkönneneinerseitsZusatzversicherungen zur Sozialversicherung sein (z.B. die Krankenpflegeversicherung in
der Privatabteilung und die überobligatorische berufliche Vorsorge) oder aber keinerlei
Bezug dazu haben (z.B. Haftpflichtversicherung neben der Unfallversicherung).Die Sozial- und die Privatversicherungen werden durch zwei völlig verschiedene und autonome Rechtssysteme geregelt. Grundsätzlich verbietet die Schweigepflicht jegliche Datenübermittlung zwischen sozialen und privaten Versicherungszweigen ohne die
Zustimmung der betroffenen Person. Dies erweist sich innerhalb ein und derselben
Versicherungseinrichtung
Zusatzversicherungenzuralsschwierig,jaSozialversicherung,unmöglich,
wodiebesonders
Datenderbeiden
beidenVersicherungszweige in der Regel im selben Dossier vereint sind und häufig von der
gleichen Person verwaltet werden. Auch wenn der Abschluss mehrerer Versicherungen
beim selben Versicherer unbestreitbar Vorteile für die versicherte Person mit sich bringt
(hauptsächlich die schnelle Bearbeitung des Falls), birgt dies aber auch das Risiko in sich,
dass die Kenntnis gewisser Tatsachen in einem Versicherungszweig in einem anderen zum
Nachteil dieser Person verwendet werden könnte. So kann die Feststellung einer Krankheit
in der Sozialversicherung zur Festsetzung eines Vorbehalts in der Zusatzversicherung
führen (z.B. in der privaten Taggeldversicherung) oder gar zur Ablehnung der Aufnahme
einer Person in diese Versicherung.50Siehe oben Ziff. 3.2.1.958Diese Situation ist zugegebenermassen durch das vom Gesetzgeber gewollte System
bedingt, wonach gewisse Sozialversicherungen von Institutionen geführt werden können,
die auch Privatversicherungen führen51.4.2.2Abklärung4.2.2.1Im AllgemeinenVollmacht
Aus der IDS-Umfrage geht hervor, dass die Versicherer verunsichert sind und nicht immer
wissen, wann es angezeigt ist, bei der versicherten Person eine Vollmacht einzuholen. Ihre
Verunsicherung bezieht sich auch auf den Inhalt der Vollmacht.Nun ist es so, dass der Versicherer generell über eine Vollmacht verfügen muss, es sei
denn, das Gesetz sieht etwas anderes vor. Wichtigste Ausnahmen sind die
Sonderbestimmungen von Artikel 42 Absätze 3 und 4 KVG und Artikel 54a UVG, welche
die Leistungserbringer zur Datenübermittlung an den Versicherer verpflichten, ohne dass
eine Vollmacht der versicherten Person erforderlich ist52.Die allgemeine Bestimmung von Artikel 28 Absatz 3 ATSG (von der Art. 42 Abs. 3 und 4
sowie Art. 54a UVG somit abweichen) sieht vor, dass jede Person, die Leistungen der
Sozialversicherung beansprucht, «alle Personen und Stellen, namentlich Arbeitgeber,
Ärztinnen und Ärzte, Versicherungen sowie Amtsstellen im Einzelfall zu ermächtigen hat,
die Auskünfte zu erteilen, die für die Abklärung von Leistungsansprüchen erforderlich
sind» und dass «diese Personen und Stellen zur Auskunft verpflichtet sind». Eine
Vollmacht muss also für den «Einzelfall» erstellt werden. Ziel dieses Wortlautes ist es,
51IDS-Bericht Ziff. 5.2.7; dieselbe Einschätzung im Expertenbericht, Rz 3.43 und 3.52. Der Vorschlag, die
Prüfung der Arzt- und Spitalrechnungen unabhängigen Treuhandstellen, sog. Trust Centers, anzuvertrauen
(IDS-Bericht Ziff. 7.3.5), ist umstritten.
Siehe unten Ziff. 4.2.2.259allzu allgemein gehaltene Vollmachten, und insbesondere solche, die als eine Art
«Blankovollmachten» angesehen werden können, zu vermeiden. Andererseits sind die
SozialversichererderAnsicht,dasses - zumindestfürgewisseSozialversicherungszweige - unverhältnismassig ist, für jedes Auskunftsgesuch eine
separate Vollmacht anfordern zu müssen und dass eine gewisse Standardisierung
erforderlich ist53. Unter diesen Umständen sollten Lösungen geprüft werden, die sowohl
praxisbezogen als auch für die Versicherten ausreichend transparent sind.Formulare
Die Umfrage des IDS hat gezeigt, dass zahlreiche Versicherer ihre an Dritte gerichteten
Fragen mittels standardisierten Formularen stellen. Angesichts der grossen Menge und der
Verschiedenartigkeit der bearbeiteten Fälle, erlaubt es dieses Verfahren den Versicherern,
ihre Arbeit zu rationalisieren. Datenschutzrelevant ist dies jedoch problematisch, da (wie
es die Umfrage bestätigt) die gestellten Fragen nicht nur die im Einzelfall benötigten Daten
betreffen.Das IDS ist der Ansicht, die Verwendung solcher Fragebogen sei für relativ einfache und
präzise Auskunftsgesuche zulässig. Hingegen erweist sich in komplexeren Situationen eine
Anpassung an den im konkreten Fall bestehenden Bedarf als unerlässlich. Für die
Versicherer kann dies zwar Mehrarbeit bringen, was nach Ansicht des IDS allerdings
dadurch wettgemacht wird, dass die Leistungserbringer weniger Erklärungen zum Grund
für das Auskunftsgesuch verlangen werden und dieses schneller bearbeiten54. Ausgehend
von dieser Betrachtungsweise könnte ein vernünftiges Mittelmass zwischen Datenschutz
und Eindämmung der Verwaltungskosten gefunden werden.53Zu beachten ist auch, dass der Bundesrat im Rahmen der 5. IV-Revision einen Artikel 6a IVG vorschlägt,
wonach eine Person, die Versicherungsleistungen beansprucht, bei der Anmeldung alle in dieser Bestimmung
bezeichneten Personen und Stellen in Abweichung von Art. 28 Abs. 3 ATSG «generell» zu ermächtigen hat,
IDS-Bericht, Ziff. 5.3.2604.2.2.2Auskunftspflicht der Leistungserbringer gegenüber den VersicherernVorliegend ist zwischen der Krankenversicherung und den anderen Versicherungszweigen
zu unterscheiden.Krankenversicherung
Damit die Rechnungen im Einzelfall geprüft werden können, muss der Krankenversicherer
wissen, welchem Krankheitsbild die fakturierte Behandlung entspricht (Zweckmässigkeit
der Behandlung gemäss Art. 32 KVG55) und ob die Angabe der Tarifpositionen stimmt.Was das Krankheitsbild anbelangt, ist eine relativ einfache Angabe der Diagnose in der
Regel ausreichend, wird doch, nach Artikel 42 Absatz 4 KVG, dem Versicherer die
Möglichkeit eingeräumt, anschliessend eine „genaue Diagnose“ zu verlangen. Unter diesen
Umständen würde die systematische Angabe einer detaillierten Diagnose auf den Rechnungen dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit zuwiderlaufen. Dies entspricht auch der
Auslegung von Artikel 42 KVG durch den Bundesrat (in seiner Antwort auf eine Interpellation vom 5.10.200156) und den Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Die Frage, ob
der Detailgehalt der systematischen Diagnoseangabe auf den Rechungen übertrieben oder
füreineRoutinekontrolleausreichendist,stelltaufdemGrundsatzderVerhältnismässigkeit ab. Sie wird vor allem dann aktuell, wenn ein Code zur Anwendung
kommt, wie dies in den - im Rahmen der einheitlichen Tarifstruktur für ambulante
Leistungen (TARMED) - getroffenen Vereinbarungen zwischen Verbänden der
Krankenversicherer, Ärzteschaft und Spitälern vorgesehen ist.WasdieAngabederTarifpositionenanbelangt,istdieelektronischeRechnungsübermittlung (ab 2006) von ebenso grosser datenschutzrelevanter Bedeutung.55Aus diesem Grund legt Art. 59 KVV fest, dass auf der Rechnung die Diagnose angegeben werden muss.
Diese Bestimmung stützt sich auf Art. 42 Abs. 3 KVG, welcher in Zusammenhang mit Art. 32 KVG gelesen
werden muss. Ebenso wenig wie die Gesetzesbestimmung ermächtigt diese Bestimmung der Verordnung die
Vertragsparteien, die systematische Angabe einer detaillierten Diagnose auf den Rechnungen vorzusehen.
Antwort des Bundesrats vom 7.12.2001 auf die Interpellation Sommaruga Nr. 01.359461Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte kam nach Überprüfung der Sachlage in
seinemBerichtvom25.Juni200457zumSchluss,dassdieVersichererBearbeitungsreglemente (im Sinne von Art. 21 VDSG) sowie Datenschutzkonzepte
erstellen sollen und die Tarifpartner Lösungen zu erarbeiten haben, die den Anforderungen
des Datenschutzes gerecht werden. Diese Prozesse sind noch nicht abgeschlossen.Andere VersicherungszweigeDie obligatorische Unfallversicherung und die Militärversicherung benötigen von vornherein alle Daten, mit deren Hilfe sie insbesondere bestimmen können, inwieweit der
Schaden die direkte Folge des von ihnen abgedeckten Ereignisses ist58. Was die
gesetzlichen Grundlagen anbelangt, schlägt das IDS die Einführung einer mit Artikel 54a
UVG identischen Bestimmung in das MVG vor, welche die Leistungserbringer
verpflichtet, dem Versicherer Auskunft zu erteilen. In der Tat bestehen kaum Gründe,
diesbezüglich eine Unterscheidung zwischen diesen beiden Versicherungen mit sehr
ähnlichen Zügen aufrecht zu erhalten.Die Invalidenversicherung stützt ihre Entscheide auf einen sehr detaillierten medizinischen
Bericht.57
58Der Bericht ist im Internet unter www.edsb.ch abrufbar.
Gleiche Feststellung (für die Unfallversicherung) im Expertenbericht, Rz 2.30624.2.2.3Informationen, die an den Arbeitgeber gelangenWird eine berufliche Wiedereingliederung erwogen, so hat der Versicherer dem
Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin gewisse Daten bekannt zu geben, damit die restliche
Arbeitsfähigkeit oder allfällige Umschulungsmöglichkeiten im Betrieb abgeklärt werden
können. Von Gesetzes wegen kann der Versicherer dies jedoch nur mit der schriftlichen
Einwilligung der versicherten Person tun (siehe z.B. Art. 97 Abs. 6 Bst. b UVG; sowie Art.
28 Abs. 3 ATSG).Es ist indes heikel zu bestimmen, welche Daten bekannt gegeben werden dürfen und wie
die versicherte Person an diesem Prozess teilnehmen soll. Angesichts der möglichen
Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis59 handelt es sich um eine Problematik von grosser
Bedeutung.Ganz allgemein ist das IDS der Ansicht, dass die Rolle des Arbeitgebers bei den mit den
Sozialversicherungen verbundenen administrativen Aufgaben relativ klar definiert ist. Dies
gelte jedoch nicht für Fälle, bei denen der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin einen
aktiven Part bei der beruflichen Ein- oder Wiedereingliederung übernehmen soll. Das IDS
fände es angebracht, diese komplexe Fragestellung in einer vertiefenden Studie zu
behandeln60. Dieser Vorschlag verdient es, geprüft zu werden.4.2.2.4Informationsaustausch von einer Versicherung zur anderenIm AllgemeinenDer Informationsaustausch von einer Sozialversicherung zur anderen ist in allen
Sozialversicherungsgesetzen geregelt61. Wie das IDS feststellen konnte, besteht aber keine
einheitliche Praxis, was die Art und die Menge der ausgetauschten Daten anbelangt. Hier
59Expertenbericht, Rz 4.14, IDS-Bericht, Ziff. 5.3.4
IDS-Bericht, Ziff. 8.3.11
Art. 93 AHVG, 87 BVG, 92 MVG, 82 KVG, 101 UVG, 96a AVIG (Abs. 1 Bst. b jedes Artikels)
6063wäre es angezeigt, die verschiedenen Praktiken im Lichte des Grundsatzes der
Verhältnismässigkeit näher zu betrachten.Die Bekanntgabe von Daten an private Versicherer darf nur mit der Einwilligung der versicherten Person erfolgen. Eine Datenübermittlung ohne Einwilligung der versicherten
Person sieht nur Artikel 47 Absatz 1 Buchstabe d ATSG vor, welcher der haftpflichtigen
Person und ihrem Haftpflichtversicherer die Akteneinsicht zugesteht für die Daten, die sie
benötigen, um eine Rückgriffsforderung der Sozialversicherung zu beurteilen.Interinstitutionelle Zusammenarbeit IV-ALV
Im Rahmen der 4. Revision der Invalidenversicherung wurden besondere Bestimmungen
eingeführt62, die es erlauben, Daten zwischen IV-Stellen und Durchführungsorganen der
Arbeitslosenversicherung auszutauschen, um die für die betroffene Person geeignetste
Wiedereingliederungsmassnahme oder ihre Ansprüche gegenüber der einen oder der
anderen Versicherung zu bestimmen. Zwischen diesen Organen wird die Schweigepflicht
aufgehoben (hingegen können sich Sozialhilfestellen nur mit schriftlicher Einwilligung der
betroffenen Person an diesem Verfahren beteiligen). Je nach Fall kann der Austausch sogar
mündlich erfolgen, wobei die versicherte Person danach darüber informiert werden muss.Für die Versicherten bringt diese Zusammenarbeit Vorteile mit sich: Sie werden nicht
mehr von einer Stelle zur anderen geschickt und können mit einer schnellen Abwicklung
ihres Falls rechnen.Das IDS kritisierte die Tatsache, dass besonders schützenswerte Daten einfach mündlich
ausgetauscht werden können63. Es muss jedoch festgehalten werden, dass diese Möglichkeit aus Gründen der raschen Abwicklung des Verfahrens in das Gesetz eingeführt wurde
und dass sie durch die ausdrückliche Verpflichtung, die versicherte Person nachträglich zu
informieren, gemildert wurde. Dies schliesst jedoch nicht aus, dass man Mittel und Wege
prüft, um die mündliche Datenbekanntgabe in vernünftigem Rahmen zu halten und die
63Art. 85f AVIG und 68bis IVG
IDS-Bericht, Ziff. 8.3.164versicherten Personen ab Verfahrensbeginn über die Möglichkeit eines mündlichen
Informationsaustausches zu informieren. In der Praxis wird übrigens die betroffene Person
in der Regel in die Diskussion einbezogen.4.2.3Einsichtnahme einer Person in ihr eigenes DossierBei der Umfrage des IDS zeigte sich, dass die Versicherer den versicherten Personen, welche dies verlangen, nicht immer Zugang zu allen Unterlagen ihres Dossiers gewähren.
Deshalb ist in Erinnerung zu rufen, dass das Auskunftsrecht nach Artikel 8 DSG nur die
folgenden Ausnahmen duldet:
a.Der Datenzugang kann in den in Artikel 9 DSG erwähnten Fällen verweigert, eingeschränkt oder aufgeschoben werden, beispielsweise wenn überwiegende Interessen entgegenstehen oder ein Untersuchungsverfahren in Frage gestellt wird.b.Verlangt die versicherte Person im Rahmen eines Verfahrens Einsicht in ihr Dossier (Art. 47 Abs. 1 Bst. a und b ATSG und 85b Abs. 1 Bst. a und b BVG), kann
der Versicherer ihr die Einsicht in interne Unterlagen verweigern, dies jedoch nur
während der Dauer des Verfahrens. Unterlagen dürfen nur als intern bezeichnet
werden, wenn sie nicht als Beweismittel dienen, sondern dem Versicherer ausschliesslich dabei helfen, sich im Einzelfall frei von jeglichem äusseren Zwang,
eine Meinung zu bilden (z.B. Stellungnahmen, Anträge oder Entwürfe)64. Derartige Unterlagen dürfen am Ende des Verfahrens vernichtet werden.c.Handelt es sich um Gesundheitsdaten, deren Bekanntgabe sich für die zur Einsicht
berechtigte Person gesundheitlich nachteilig auswirken könnte, so kann von ihr
verlangt werden, dass sie einen Arzt oder eine Ärztin bezeichnet, der oder die ihr
diese Daten bekannt gibt (Art. 8 Abs. 3 DSG, 47 Abs. 2 ATSG und 85b Abs. 2
BVG).Es ist anzufügen, dsas die Versicherer eine Gebühr verlangen können, wenn die
Gewährung der Akteneinsicht mit einem besonders grossen Arbeitsaufwand verbunden ist
64Entscheid des Bundesgerichts vom 1.9.1999 (BGE 125 II 473)65oder die gewünschte Auskunft der antragsstellenden Person bereits mitgeteilt wurde (Art. 8
VDSG).4.2.4Bekanntgabe von Daten an DritteDie Sozialversicherer dürfen Dritten ohne Einwilligung der betroffenen Person nur in den
vom Gesetz vorgesehenen Fällen Daten über diese weitergeben65. In allen anderen Fällen
müssen sie vorgängig eine schriftliche Einwilligung der betroffenen Person einholen66. Das
Gesetz verlangt in den meisten Fällen, dass das Auskunftsgesuch in schriftlicher Form
eingereicht wird. Die Antwort muss in der Regel schriftlich erfolgen67. Der Inhalt der
verlangten und weitergegebenen Daten muss die Grundsätze der Verhältnismässigkeit und
der Zweckmässigkeit einhalten, d.h. er darf nicht über das hinausgehen, was der
Gesuchstellende für den Zweck, für den das Gesetz diesen Datentransfer erlaubt, benötigt.
«Überwiegende private Interessen» oder gesetzliche Bestimmungen können die
Datenbekanntgabe einschränken.Bei der Umfrage des IDS kamen unterschiedliche Praktiken bezüglich der Form und des
Inhalts der an die Sozialversicherer gerichteten Auskunftsgesuche und der Antworten auf
dieseGesucheansLicht.DiesePraktikensolltennunmitBlickaufdieDatenschutzgrundsätze näher untersucht werden.65Siehe oben Ziff. 2.1.2.5 und 2.1.2.6
Siehe oben Ziff. 2.1.2.5
Das Gesetz erlaubt im Rahmen der interinstitutionellen Zusammenarbeit IV/ALV ausdrücklich die mündliche Form für das Gesuch und die Antwort (siehe unten Ziff. 4.2.2.4).
66664.2.5Aktenführung und Aufbewahrung der UnterlagenMehrere Verordnungsbestimmungen68 und Richtlinien69 regeln die Führung und
Aufbewahrung der Akten. Dieser Bereich kann vom Standpunkt des Zugangs des
Personals zu den Dossiers und jenem der Aktenaufbewahrungsdauer betrachtet werden.4.2.5.1Zugang des Personals zu den DossiersGemäss dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit dürfen nur die Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen Zugang zu den medizinischen Daten haben, welche diese für ihre Arbeit
benötigen. Je nach Arbeitsorganisation ist der Kreis dieser Personen mehr oder weniger
gross. Es ist Sache der Versicherer, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, damit die
medizinischen Daten ihrer Versicherten ausreichend geschützt sind und gleichzeitig
effizient bearbeitet werden können.4.2.5.2AufbewahrungsdauerDas IDS hat bei seiner Umfrage festgestellt, dass die anwendbaren Bestimmungen und
Praktiken bezüglich der Aufbewahrung von Unterlagen eine grosse Vielfalt erkennen lassen. Es kam indes zum Schluss, dass es aufgrund der spezifischen Besonderheiten jedes
Versicherungszweigs schwierig wäre, eine einheitliche Regelung der Modalitäten und der
Dauer der Aufbewahrung von medizinischen Daten durchzusetzen.Prüfenswert wären die folgenden Vorschläge: In der Krankenversicherung sollten medizinische Daten nicht länger als zehn Jahre aufbewahrt werden dürfen, es sei denn, ein
streitiges Verfahren ist noch hängig, oder andere besondere Umstände, wie beispielsweise68Z.B. Art. 156 AHVV, 66a IVG, 29 ELV und 125 AVIV
Z.B.: Rundschreiben des BSV bezüglich der Aufbewahrung von Unterlagen in der AHV/IV/EO/EL/FL
vom 1. Januar 1996, Weisung über das MVG Nr. 6 des Bundesamtes für Militärversicherung vom 31. Oktober 1997, Richtlinie der Santésuisse über den Datenschutz (Art. 8), Weisung Nr. 5 des seco über die Aufbewahrung von Unterlagen, in AM/ALV-Praxis 2001/46967ein Regress, rechtfertigen die längere Aufbewahrungsdauer70. In der Unfall- und der
Militärversicherung sollte hingegen keine Aufbewahrungsfrist festgelegt werden71. In
diesenbeidenVersicherungszweigenrechtfertigtsichnämlichdielangeAufbewahrungsdauer von medizinischen Daten insbesondere durch die Art gewisser
Leistungen (Renten) und durch den Umstand, dass der Versicherer die Schadensfolgen
auch noch abdecken muss, wenn die versicherte Person den Versicherer gewechselt hat.
Für die Invalidenversicherung und die Ergänzungsleistungen existiert ein Rundschreiben,
welches die Mindestaufbewahrungsdauer der wichtigen Unterlagen festlegt. Dessen Inhalt
regeltdieseFrageaufzufriedenstellendeWeise.DasselbegiltfürdieArbeitslosenversicherung, bei welcher die Buchungsbelege zehn Jahre und die Akten über
die Versicherungsfälle nach Abschluss der Rahmenfrist für den Leistungsbezug
mindestens fünf Jahre aufbewahrt werden müssen (Artikel 125 AVIV). Die 1. Revision des
BVG schliesslich vereinheitlicht die Verjährungsbegriffe im Bereich der beruflichen Vorsorge und der Bundesrat wurde beauftragt, Vorschriften zur Aufbewahrung von Unterlagen
im Hinblick auf die Ausübung der Rechte der versicherten Personen zu erlassen72.70Expertenbericht, Rz 2.44; IDS-Bericht, Ziff. 5.7.2.1 und 8.3.7
Expertenbericht, Rz 2.37; IDS-Bericht, Ziff. 5.7.2.2
Art. 41 Abs. 8 BVG
71695SchlussfolgerungDie IDS-Umfrage und die Beurteilung deren Ergebnisse zeigen, dass die Möglichkeiten,
gewisse Aspekte bei der Gesetzesanwendung zu verbessern, geprüft werden sollten. Die
betroffenen Kreise und die eidgenössischen Aufsichtsorgane sollten diese Probleme und
die sich als nötig erwiesenen Massnahmen zusammen mit dem Datenschutzbeauftragten
diskutieren.DieseMassnahmenmüsstendenBesonderheitendereinzelnenVersicherungszweige, den künftigen Entwicklungen (Gesundheitskarte, e-health usw.) und
dem technischen Fortschritt Rechnung tragen. Herangezogen werden sollten neben dem
vorliegenden Bericht unter anderem weitere fachbezogene Berichte (darunter auch der
IDS-Bericht)undPublikationen,dieBeiträgeundEmpfehlungenausdenTätigkeitsberichten des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten und seine anderen
Stellungnahmen sowie Dokumentationen zu den Erfahrungen aus dem Ausland._________________________________All pages:34567911121314151617181920212223242526272829303132333435363738394041424344454647484950515253545556575859606162636465666769InfoSaveLikeShareDownloadMoredatenschutz Published on Oct 29, 2009 datenschutztdoosqsFollowRead moreRead moreSimilar toPopular nowJust for youGo explore

References: Art. 3
 Art. 47
 Art. 32

Art. 49
 Art. 66

Art. 87
 Art. 42
 Art. 54
 Art. 50
 Art. 13
 Art. 27
 Art. 120

Art. 50
 Art.
47
 Art. 85
 Art. 84
 Art. 8
 Art. 8
 Art. 42
 Art. 10
 Art. 42
 Art. 54
 Art. 28
 Art. 32
 Art. 59
 Art. 42
 Art. 32
 Art. 21
 Art. 97
 Art.
28

Art. 93
 Art. 156

Art. 41