Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/polizistenmalus-beim-kollegendiebstahl-368239
Timestamp: 2020-01-26 09:04:00+00:00

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Poli­zis­ten­ma­lus beim Kol­le­gen­dieb­stahl | Rechtslupe
Poli­zis­ten­ma­lus beim Kol­le­gen­dieb­stahl
Die Stel­lung als Po­li­zei­be­am­ter kann bei der Ge­samt­wür­di­gung er­schwe­rend be­rück­sich­tigt wer­den, wenn der Pflich­ten­ver­stoß einen Bezug zu die­ser Stel­lung auf­weist.
Für die Fall­grup­pe der Zugriffs­de­lik­te, d.h. für die Ver­un­treu­ung dienst­lich anver­trau­ter Gel­der und Güter, ist die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis grund­sätz­lich Richt­schnur für die Maß­nah­me­be­stim­mung, wenn die ver­un­treu­ten Beträ­ge oder Wer­te ins­ge­samt die Schwel­le der Gering­wer­tig­keit deut­lich über­stei­gen. Der Kol­le­gen­dieb­stahl ist hin­sicht­lich sei­ner Schwe­re der Ver­un­treu­ung amt­lich anver­trau­ter Gel­der ver­gleich­bar 4.
Davon aus­ge­hend kommt es für die Bestim­mung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me dar­auf an, ob Erkennt­nis­se zum Per­sön­lich­keits­bild des Beam­ten und zum Umfang der Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung nach § 13 Abs. 1 Satz 3 und 4 BDG im Ein­zel­fall der­art ins Gewicht fal­len, dass eine ande­re als die durch die Schwe­re indi­zier­te Maß­nah­me gebo­ten ist 5. Des­halb dür­fen die nach der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens ange­zeig­ten Regel­ein­stu­fun­gen nicht sche­ma­tisch ange­wandt wer­den.
Je schwer­wie­gen­der das Dienst­ver­ge­hen oder die mit ihm ein­her­ge­hen­de Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung ist, umso gewich­ti­ger müs­sen die sich aus dem Per­sön­lich­keits­bild erge­ben­den mil­dern­den Umstän­de sein, um gleich­wohl eine ande­re Maß­nah­me zu recht­fer­ti­gen 6. Umge­kehrt kön­nen Gesichts­punk­te des Per­sön­lich­keits­bil­des oder eine beson­de­re Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis recht­fer­ti­gen, obwohl die­se Maß­nah­me nach der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens für sich genom­men nicht indi­ziert ist.
Das Bemes­sungs­kri­te­ri­um "Umfang der Beein­träch­ti­gung des Ver­trau­ens des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit" gemäß § 13 Abs. 1 Satz 4 BDG erfor­dert eine Wür­di­gung des Fehl­ver­hal­tens des Beam­ten im Hin­blick auf sei­nen all­ge­mei­nen Sta­tus, sei­nen Tätig­keits­be­reich inner­halb der Ver­wal­tung und sei­ne kon­kret aus­ge­üb­te Funk­ti­on 7. Maß­stab ist hier­bei, in wel­chem Umfang die All­ge­mein­heit dem Beam­ten noch Ver­trau­en in eine zukünf­tig pflicht­ge­mä­ße Amts­aus­übung ent­ge­gen­brin­gen kann, wenn ihr das Dienst­ver­ge­hen ein­schließ­lich der belas­ten­den und ent­las­ten­den Umstän­de bekannt wür­de 8. Die Prü­fung, ob der betref­fen­de Beam­te im Beam­ten­ver­hält­nis ver­blei­ben darf, hat sich auf sein Amt als Gan­zes und nicht nur auf einen begrenz­ten Tätig­keits­be­reich (Amt im funk­tio­nel­len Sin­ne) zu bezie­hen 9.
Die Stel­lung als Poli­zei­be­am­ter kann sich für die Bewer­tung außer­dienst­li­chen Ver­hal­tens erschwe­rend aus­wir­ken, wenn ein Bezug zur Dienst­aus­übung des Beam­ten gege­ben ist 10. Ent­spre­chen­des gilt für inner­dienst­li­che Pflicht­ver­let­zun­gen, die unter Aus­nut­zung der dienst­li­chen Stel­lung began­gen wer­den 11. Dage­gen hängt die dis­zi­pli­na­ri­sche Bewer­tung eines Kol­le­gen­dieb­stahls nicht davon ab, wel­cher Lauf­bahn oder wel­chem Ver­wal­tungs­zweig der Beam­te ange­hört oder wel­che dienst­li­chen Auf­ga­ben er wahr­nimmt. Der Kol­le­gen­dieb­stahl ist hin­sicht­lich sei­ner Schwe­re im Grund­satz des­halb der Ver­un­treu­ung amt­lich anver­trau­ter Gel­der ver­gleich­bar, weil der Dienst­herr sich auch hier auf die Ehr­lich­keit sei­ner Bediens­te­ten ver­las­sen kön­nen muss. Ein Dieb­stahl zum Nach­teil eines Kol­le­gen belas­tet das Betriebs­kli­ma und stört den Arbeits­frie­den und damit letzt­lich die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­wal­tung in schwer­wie­gen­der Wei­se 12. Inso­fern macht es kei­nen Unter­schied, ob ein Poli­zei­be­am­ter oder ein Beam­ter aus einem ande­ren Ver­wal­tungs­zweig sei­ne Kol­le­gen bestiehlt.
BVerwG, Urtei­le vom 20.10.2005 a.a.O. S. 260 ff., vom 03.05.2007 – 2 C 9.06, a.a.O. Rn. 21 und – 2 C 30.05 – Rn. 30, inso­weit nicht abge­druckt in Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 50, vom 15.10.2007 – 2 C 43.07 – Rn.19, inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 235.1 § 65 BDG Nr. 2, vom 29.05.2008 – 2 C 59.07 – Rn. 21, inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 235.1 § 70 BDG Nr. 3; zuletzt vom 23.02.2012 – 2 C 38.10, NVwZ-RR 2012, 479 ff., zur Ver­öf­fent­li­chung in der Ent­schei­dungs­samm­lung Buch­holz vor­ge­se­hen, Rn. 12, stRspr[↩]
stRspr; BVerwG, Urtei­le vom 20.10.2005 a.a.O. S. 261 ff. bzw. S. 7 ff., vom 03.05.2007 – 2 C 9.06, a.a.O. Rn. 21 ff.; vom 24.05.2007 – 2 C 25.06, Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 4 Rn. 22 und vom 28.02.2013 a.a.O. Rn. 40; zuletzt Urtei­le vom 28.02.2013 – 2 C 3.12, a.a.O. Rn. 33 und – 2 C 62.11, a.a.O. Rn. 46[↩]
BVerwG, Urteil vom 03.05.2007 – 2 C 30.05 – Rn. 24, inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 50[↩]
grund­le­gend BVrwG, Urteil vom 20.10.2005 a.a.O. S. 260 bzw. S. 7, seit­dem stRspr; zuletzt Urteil vom 28.02.2013 – 2 C 62.11, a.a.O. Rn. 56[↩]
BVerwG, Urteil vom 22.05.1996 – 1 D 72.95, Buch­holz 232 § 54 Satz 3 BBG Nr. 6 S. 17 m.w.N.[↩]
stRspr; vgl. z.B. Beschlüs­se vom 21.12.2010 – 2 B 29.10, Buch­holz 232 § 77 BBG Nr. 32 Rn. 5 ff., vom 25.05.2012 – 2 B 133.11, NVwZ-RR 2012, 607 Rn. 9 m.w.N. und vom 05.04.2013 – 2 B 79.11[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 23.02.2012 – 2 C 38.10, NVwZ-RR 2012, 479 ff. Rn. 16; und vom 28.02.2013 – 2 C 3.12, a.a.O. Rn. 31 ff., 36[↩]
stRspr; zuletzt Urteil vom 29.05.2008 – 2 C 59.07 – Rn. 21, inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 235.1 § 70 BDG Nr. 3 m.w.N.[↩]
DisziplinarverfahrenPolizeiPolizistenmalus

References: § 13
 § 13
 § 108
 § 65
 § 70
 § 13
 § 108
 § 54
 § 77
 § 70