Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/erbrecht/die-auskunftspflicht-des-erben-und-ihre-vollstreckung-3142372
Timestamp: 2019-08-19 18:30:30+00:00

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Aus­weis­lich des Voll­stre­ckungs­ti­tels ist die Schuld­ne­rin zur Aus­kunfts­er­tei­lung über den Bestand des Nach­las­ses des Erb­las­sers durch Vor­la­ge eines durch einen Notar auf­ge­nom­me­nen Bestands­ver­zeich­nis­ses ver­ur­teilt wor­den, bei des­sen Auf­nah­me „die Klä­ge­rin”, das heißt „die Gläu­bi­ge­rin”, hin­zu­ge­zo­gen wird. Die­ser Tenor titu­liert den Anspruch des Pflicht­teils­be­rech­tig­ten, bei der Auf­nah­me des ihm nach § 260 BGB vor­zu­le­gen­den Ver­zeich­nis­ses der Nach­lass­ge­gen­stän­de zuge­zo­gen zu wer­den (§ 2314 Abs. 1 Satz 2 BGB). Der Voll­stre­ckungs­ti­tel erfor­dert dem­ge­gen­über nicht, dass die Schuld­ne­rin als Beklag­te bei der Auf­nah­me des Ver­zeich­nis­ses der Nach­lass­ge­gen­stän­de zuzu­zie­hen ist.
Zwar heißt es in dem ange­foch­te­nen Beschluss des Beschwer­de­ge­richts, dass die Schuld­ne­rin ver­ur­teilt wor­den sei, Aus­kunft über den Bestand des Nach­las­ses des Erb­las­sers durch Vor­la­ge eines durch einen Notar auf­ge­nom­me­nen Bestands­ver­zeich­nis­ses zu ertei­len, bei des­sen Auf­nah­me „die Schuld­ne­rin” hin­zu­ge­zo­gen wird. Dabei han­delt es sich ange­sichts der abwei­chen­den For­mu­lie­rung in dem Voll­stre­ckungs­ti­tel jedoch um einen offen­sicht­li­chen und gemäß § 319 Abs. 1 ZPO berich­ti­gungs­fä­hi­gen Schreib­feh­ler. Das Land­ge­richt hat in dem Beschluss vom 25.07.2017, mit dem es auf Antrag der Gläu­bi­ge­rin ein wei­te­res Zwangs­geld gegen die Schuld­ne­rin fest­ge­setzt hat, zutref­fend wie­der­ge­ge­ben, dass aus­weis­lich des Voll­stre­ckungs­ti­tels die Klä­ge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens, mit­hin die Gläu­bi­ge­rin und nicht die Schuld­ne­rin, bei der Auf­nah­me des nota­ri­el­len Ver­zeich­nis­ses über den Bestand des Nach­las­ses des Erb­las­sers hin­zu­zu­zie­hen ist.
BGH, Beschluss vom 23.06.2016 – I ZB 5/​16, NJW 2016, 3536 Rn. 12 mwN↩
BGH, Urteil vom 10.07.1975 – II ZR 154/​72, NJW 1975, 1774, 1777, inso­weit in BGHZ 65, 79 nicht abge­druckt↩
OLG Mün­chen, NJW 1969, 436; OLG Frank­furt, RPfle­ger 1977, 184 f.; OLG Bran­den­burg, Fam­RZ 1998, 180; OLG Cel­le, DNotZ 2003, 62; OLG Nürn­berg, Fam­RZ 2010, 584; OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 28.01.2011 5 W 312/​10 9; OLG Stutt­gart, Beschluss vom 16.02.2015 19 W 67/​14 4; OLG Zwei­brü­cken, Beschluss vom 22.07.2015 3 W 59/​15 6; OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 2017, 524; Staudinger/​Herzog, BGB, 2015, § 2314 Rn. 172 mwN; für den Fall der Ver­ur­tei­lung zur Wert­ermitt­lung durch einen Sach­ver­stän­di­gen gemäß § 2314 Abs. 1 Satz 2 BGB: BGH, Beschluss vom 03.12 2014 – IV ZB 9/​14, NJW 2015, 623 Rn. 67↩
OLG Karls­ru­he, Fam­RZ 1994, 1274; OLG Bran­den­burg, Fam­RZ 1998, 180; OLG Cel­le, MDR 2005, 768; Fam­RZ 2006, 1689; Zöller/​Seibel, ZPO, 32. Aufl., § 888 Rn. 8; Saenger/​Kießling, ZPO, 7. Aufl., § 888 ZPO Rn.19; Stein/​Jonas/​Bartels, ZPO, 23. Aufl., § 888 Rn. 23↩
BGH, Beschluss vom 06.06.2013 – I ZB 56/​12, NJW-RR 2013, 1336 Rn. 9 mwN↩
OLG Koblenz, ZEV 2007, 493; Bir­ken­hei­er in Herberger/​Martinek/​Rüßmann, juris­PK-BGB, 8. Aufl., § 2314 Rn. 77; Palandt/​Weidlich, BGB, 77. Aufl., § 2314 Rn. 7; Blum in BeckOK.Großkommentar.BGB, Stand: 15.09.2017, § 2314 Rn. 30.1↩
OLG Zwei­brü­cken, ZErb 2015, 346, 347 f.↩
Sand­küh­ler, RNotZ 2008, 33 f.; G. Mül­ler in Burandt/​Rojahn, Erbrecht, 2. Aufl., § 2314 BGB Rn. 38↩
BGH, Urteil vom 27.06.1973 – IV ZR 50/​72, BGHZ 61, 180, 183↩
BGH, Urteil vom 02.11.1960 – V ZR 124/​59, BGHZ 33, 373, 374↩
BGHZ 33, 373, 377↩
OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 28.01.2011 5 W 312/​10, juris; OLG Koblenz, Beschluss vom 18.03.2014 2 W 495/​13, juris; jeweils mwN↩

References: § 260
 § 319
 § 2314
 § 2314
 § 888
 § 888
 § 888
 § 2314
 § 2314
 § 2314
 § 2314