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Timestamp: 2017-10-21 01:05:40+00:00

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Texte zur jüdischen Geschichte in Bruchsal (Kreis Karlsruhe)
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Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Bruchsal wurden in jüdischen Periodika gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 25.5.2015.
Allgemeine Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
- Bericht über die Gemeinde und das Rabbinat während der Vakatur nach dem Tod von Rabbiner Isak Friedberg (1870)
- Der Beitrag der jüdischen Gemeinde Bruchsal im Weltkrieg (1921)
- Starker Rückgang der Gemeindemitgliederzahl (März 1937)
- Weiterer starker Rückgang der Gemeindemitgliederzahl (Oktober 1937)
Aus der Geschichte der Bezirksrabbiner
- Übersicht über die Rabbiner in Bruchsal
- Auf den verstorbenen Rabbiner Elias Präger folgt sein Sohn Moses Präger (1847)
- Bezirksrabbiner Moses Präger hat ein Gebet- und Erbauungsbuch verfasst (1850)
- Besprechung der "Reden über den Talmud in der Synagoge in Bruchsal, gehalten von Dr. Josef Eschelbacher" (1892)
- Bezirksrabbiner Dr. Josef Eschelbacher wird ausgezeichnet (1894)
- Publikation von Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher (1895)
- Ausschreibung der Stelle des Bezirksrabbiners (1899/1900)
- Abschied von Bezirksrabbiner Dr. Josef Eschelbacher (1900)
- Auszeichnung für Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher (1900)
- Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher verlässt Bruchsal (1900)
- Einsetzung des Bezirksrabbiners Dr. Max Doctor in sein Amt (1900)
- Anzeige der Frau von Rabbiner Dr. Max Doctor (1902)
- Rabbiner Dr. M. Doctor beschäftigt sich mit dem Werk E. M. Liliens (1905)
- Rabbiner Dr. Doktor wurde zum Landrabbiner in Kassel ernannt (1906)
- Rabbiner Dr. Siegfried Grzymisch verlässt Magdeburg (1906)
- Rabbiner Dr. Max Eschelbacher wird zum Rabbiner in Bruchsal gewählt (1906)
- Dr. Siegfried Grzymisch wird Rabbiner in Bruchsal als Nachfolger von Dr. Max Eschelbacher (1911)
- Zum Tod des ehemaligen Bezirksrabbiners Dr. Josef Eschelbacher (1916)
- Zum Tod der Witwe von Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher - Ernestine Eschelbacher (1931)
- Ausschreibung der Hauptlehrerstelle der israelitischen Schule in Bruchsal (1849)
- Ausschreibungen der Stelle des Kantors, Religionslehrers und Schächters (1878 / 1879 / 1880)
- Hauptlehrer Leopold Kaufmann wechselt von Neidenstein nach Bruchsal (1850)
- Auszeichnung für Hauptlehrer Marx (1890)
- Bezirkskonferenz der israelitischen Religionslehrer (1891)
- Bezirkskonferenz der israelitischen Religionslehrer (1893)
- Zum Tod von Lehrer Max Flehinger (1910)
- Bezirkskonferenz der israelitischen Religionslehrer (1911)
Über die Betreuung der Israelitischen Insassen in der Zentralstrafanstalt Bruchsal
- Isak Prager von Fürth (?) wird nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe in Bruchsal aus dem Großherzogtum Baden ausgewiesen (1819)
- Josef Schweitzer aus Hegenheim wird nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe in Bruchsal aus dem Badischen ausgewiesen (1837)
- Bericht über die Betreuung der israelitischen Insassen der Strafanstalt (1839)
- Bericht über die Betreuung der israelitischen Insassen der Strafanstalt (1846)
- Ausführlicher Bericht über die Strafanstalt, die Synagoge und die Betreuung der israelitischen Insassen (1849)
- Bericht über die Betreuung der israelitischen Insassen der Strafanstalt (1856)
Aus der Arbeit des "Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden"
- Erste Erfolge des "Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden" (1889)
- Erster Jahresbericht des Waisenvereins (1889)
- Der Landesverein erhält die Körperschaftsrechte (1890)
- 6. Jahresbericht / Generalversammlung des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen in Karlsruhe (1894)
- 7. Jahresbericht des Landesvereins (1895)
- 10. Jahresbericht des Landesvereins (1898)
- 12. Jahresbericht des Landesvereins (1900)
- 13. Jahresbericht des Landesvereins (1901)
- 14. Jahresbericht des Landesvereins (1902)
- 16. Jahresbericht des Landesvereins (1904)
- 30. Jahresbericht des Landesvereins (1917/18)
- Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen in Baden (1922)
- Beinahe 40-jähriges Bestehen des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen in Baden (1924)
- 40-jähriges Jubiläum des Landesvereins (1928)
- Anzeige des Israelitischen Landeswaisenvereins (1933)
- Denksprüche für Israelitische Konfirmanden, gefördert von Rabbiner Dr. Präger (1848)
- Gründung des "Vereins zum Torastudium" (1891)
- Antisemitisches Aktivitäten (1892)
- Antisemitische Versammlung in Bruchsal mit Liebermann von Sonnenberg (1892)
- Das Bezirksamt fällt eine Entscheidung gegen die Antisemiten (1893)
- Antijüdische Entscheidungen beim Militär (1903)
- Hundertjähriges Jubiläum der "Jüdischen Milizenkasse Bruchsal" (1911)
- Mitteilung zur Schuldenliquidation - Gantsache des Abraham Löwenstein jun. (1848)
- Advokat Dr. Robert Kusel aus Bruchsal wird zum ersten jüdischen Landtagsabgeordneten in Baden gewählt (1861)
- Zum Tod von Emil Rosenthal (geb. in Bruchsal, gest. 1891 in Frankfurt am Main)
- Zum Tod von Isaac Heinsheimer (1896)
- Zum Tod von Theresia Sulzberger geb. Schrag (1897)
- Diamantene Hochzeit von Moritz Marx und Babette geb. Uhlfelder (1899)
- Jubiläum von Gemeindevorsteher und Stadtrat Louis Marx (1909)
- Rabbiner Dr. Hermann Löb aus Bruchsal wird 2. Rabbiner in Freiburg (1910)
- Rabbiner Dr. Herrmann Löb wird zweiter Rabbiner in Karlsruhe (1913)
- Auszeichnung für den Feldwebelleutnant Max Schloßberger (1916)
- Zum Tod des aus Bruchsal stammenden Geheimrates Dr. Karl Oppenheimer (gestorben als hoch angesehener Kinderarzt in München 1926)
- Anzeige des Hotels "Zähringer Hof" (1878)
- Anzeige des Institutes Ney (1878)
- Anzeige der Rohtabakhandlung H. Lindauer & Cie. (1901)
- Lehrlingssuche des Schneider-Artikel-en gros-Geschäftes Dreyfuß-Schmidt Nachf. (1904)
- Anzeige der Bäckerei Salli Strauss (1905)
- Anzeige der Badisch-Württembergischen Weinbrennerei Hirsch & Lichter (1924)
- Brief von Ernst Wertheimer (Bruchsal) nach Reutlingen (1866)
- Karte an Moritz Marx (Fa. Moritz Marx & Söhne) in Bruchsal (1872)
- Rechnung von Louis Oppenheimer (1885)
- Karte der Fa. B. Kauffmann & Söhne (1897)
- Geschäftskarte der Lack-, Kitt- und Farbenfabrik Gebrüder Katzauer in Bruchsal (1914)
- Postkarte der Zigarettenfabrik Alexander Wertheimer in Bruchsal (1923)
Bericht über die Gemeinde und das Rabbinat während der Vakatur nach dem Tod von Rabbiner Isak Friedberg (1870)
Anmerkung: Rabbiner Isak bzw. Eisik Friedberg war Sohn des Bezirksrabbiners Löb Friedberg in Schluchtern; seit 1825 war er Stiftungsrabbiner in Karlsruhe, seit 1830 Bezirksrabbiner in Mosbach; 1855 bis 1870 Bezirksrabbiner in Bruchsal.
Anmerkung: die letzten Verse beziehen sich auf den als Nachfolger gewählten Rabbinatsverweser (Leopold) Lazarus Schleßinger (1840-1924), der von 1870 bis vermutlich 1876 Rabbinatsverweser in Bruchsal war.
Der Beitrag der jüdischen Gemeinde Bruchsal im Weltkrieg (1921)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Mai 1921: "Bruchsal, 20. Mai (1921). Interessante Zahlen über die Leistungen der Jüdischen Gemeinde in Bruchsal während des Weltkrieges bringt ein im Auftrage der Stadt Bruchsal herausgegebenes Werk über ‚Bruchsal im Weltkriege 1914/1920’, das in einem Sonderkapitel die Israelitische Gemeinde behandelt. Hier heißt es: ‚Aus der Religionsgemeinde, welche im ganzen etwa 650 Seelen zählt, haben 158 Männer, also fast 25 Prozent, als Krieger sich betätigt und von ihnen sind viele verwundet und 17, also mehr als 12 Prozent, Opfer des Krieges geworden. Viele haben Auszeichnungen erhalten und neun wurden zu Offizieren und einer zum Oberstabsarzt befördert, während vor dem Kriege keinem in Baden dienenden Israeliten diese Ehre zuteil geworden war. Alle Kriegswohlfahrtseinrichtungen und –sammlungen in unserer Stadt erfreuten sich der regen Förderung der hiesigen Juden durch ansehnliche Beträge und mehr als einer unter ihnen hat, wo er dazu berufen wurde, seine Kraft freudig und erfolgreich dem allgemeinen besten gewidmet. Der Israelitische Wohltätigkeitsverein und der Israelitische Frauenverein, der Israelitische Krankenverein und der Israelitische Armenverein stellten vereint auch hiesigen Lazaretten Gaben zur Verfügung und sandten so manches Liebespaket an unsere Feldgrauen. Der Israelitische Frauenverein insbesondere hat ein öffentliches Synagogenkonzert veranstaltet, dessen Gesamterlös (ohne Abzug der Kosten) der hiesigen Ferienkinderfürsorge zugute kam, und er hat ferner in der Zeit der Stoffnot unter Darbietung von Material, Arbeitsräumen und Hilfskräften den minderbemittelten Frauen Gelegenheit geboten, ihre und der Ihrigen Kleidung allwöchentlich an einem Abend auszubessern, während er und viele seiner Mitglieder sich den gemeinsamen Aufgaben unserer hiesigen Frauenvereine gern zur Verfügung stellten und an ihnen sich beteiligten.’ Es ist bedauerlich, dass nicht alle deutschen Gemeinden derartige Kriegsgedenkbücher herausgeben. Dann würde mit Leichtigkeit sich herausstellen, dass die jüdischen Mitglieder ‚mehr als ihre Pflicht’ während des Krieges für das Vaterland getan haben."
Starker Rückgang der Gemeindemitgliederzahl (März 1937)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1937: "Mannheim, 9. März (1937). Die zwei badischen Gemeinden Heidelberg und Bruchsal sind seit dem Jahre 1925 fast um die Hälfte der Mitglieder zusammengeschmolzen. Heidelberg, das im Jahre 1925 noch 1.350 Juden hatte, 1933 noch 900, zählte am 1. Januar 1937 nur noch 679. Einer Geburt und 5 Zuzügen im Jahre 1936 stehen 20 Sterbefälle und 58 Personen, die fortgezogen sind, gegenüber. Die Gemeinde in Bruchsal hatte 1925 608 Seelen, 1933 501, am 1. Januar 1937 326."
Weiterer starker Rückgang der Gemeindegliederzahl (Oktober 1937)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1937: "Mannheim. Das ‚Jüdische Gemeindeblatt Mannheim’ berichtet, dass in Leutershausen das religiöse Leben ein Ende gefunden hat und dass auch die Jüdische Gemeinde in Ladenburg in ihrem Bestand bedroht ist. In den Landgemeinden Badens befinden sich noch etwa dreißig jüdische Lehrer im Dienst. Die Gemeinde in Bruchsal zählt heute noch 293 Mitglieder. Der Gesamtrückgang seit 1933 beträgt 176 Seelen."
Übersicht - Rabbiner in Bruchsal waren:
- 1791 (nach anderen Angaben 1789 oder 1798) - 1821 Rabbiner Pelta Moses Epstein (bis 1809 Moses Liebhold; geb. 1745 in Offenbach, gest. 1821 in Bruchsal): studierte in Frankfurt, Fürth und Prag; zunächst Hauslehrer in Frankfurt, dann Talmudlehrer und Unterrabbiner an der Modelschen Stiftung in Karlsruhe (im Amt 1777 bestätigt), Leiter einer hebräischen Druckerei in Rastatt, später in Karlsruhe; vermutlich 1791 bis zu seinem Tod 1821 Rabbiner in Bruchsal.
- 1822 - 1847 Rabbiner Elias Hirsch Präger (geb. 1767 in Jungholtz, Oberelsass, gest. 1847 in Bruchsal): studierte in Niederhagenthal (Jeschiwa) und Mannheim; war zunächst Hauslehrer in Frankfurt und anschließend bis 1819 Kaufmann in Altdorf; 1819 Rabbinatsverweser in Bühl, 1822 Rabbiner in Bruchsal, seit 1827 Bezirksrabbiner; führte eine kleine Talmudschule in der Stadt.
- 1847 - 1855 Rabbiner Moses Präger (geb. 1817 in Altdorf, gest. 1861 in Mannheim); von 1847 bis 1855 Bezirksrabbiner in Bruchsal; danach Stadtrabbiner in Mannheim.
- 1855 - 1870 Rabbiner Isaak-Eisik Friedberg(er) (geb. in Schluchtern, gest. 1870 in Bruchsal): 1825 Stiftungsrabbiner in Karlsruhe, 1830 Bezirksrabbiner in Mosbach; 1855 bis 1870 Bezirksrabbiner in Bruchsal.
- ca. 1870 - ca. 1877 Rabbiner Lazarus Schlessinger (geb. 1842/43 in Flehingen, gest. 1924 ebd.): war zunächst Bezirksrabbiner in Bruchsal, von 1875/77 bis 1920 Bezirksrabbiner in Bretten; war verheiratet mit Klara geb. Gunzenhauser; seine Tochter Karola heiratete den späteren Rabbiner Dr. Siegfried Grzymisch. Texte zu Rabbiner Lazarus Schlessinger auf der Textseite zu Bretten.
- 1878 - 1900: Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher (geb. 1848 in Hainstadt, gest. 1916 in Berlin): studierte in Breslau und Halle; 1878 bis 1900 Bezirksrabbiner in Bruchsal; ab April 1900 Rabbiner in Berlin, ab 1918 in der Oranienburger Straße 68; verh. mit Ernestine geb. Benario (1858-1931); zu seinem Sohn Dr. Max Eschelbacher siehe unten.
- 1900 - 1906: Rabbiner Dr. Max Doctor (geb. 1870 in Zülz, gest. 1918 in Kassel): studierte in Breslau, war 1894-1900 Lehrer in Breslau, 1899 stellvertretender Rabbiner der Storchsynagoge in Breslau; 1900 bis 1906 Bezirksrabbiner in Bruchsal, danach Landesrabbiner in Kassel.
- 1900 - 1910/11 Rabbiner Dr. Max Eschelbacher (geb. 1880 in Bruchsal, gest. 1964 in London): studierte in München und Rostock; 1906 Bezirksrabbiner in Bruchsal, 1910/11-1912 Bezirksrabbiner in Freiburg i. Br., 1913 bis 1939 Rabbiner in Düsseldorf; 1939 nach England ausgewandert.
- 1911: Rabbiner Dr. Ferdinand Straßburger (geb. 1884 in Buchau, gest. 1927 in Ulm; war 1910/11 Rabbinatsvikar in Wiesbaden, Freiburg und Bruchsal; nach seiner Zeit in Hoppstädten 1915 bis 1916 Rabbiner in Buchau, 1916 bis zu seinem Tod 1927 in Ulm).
- 1911 - 1940: Rabbiner Dr. Siegfried Grzymisch (geb. 1875 Pleschen/Pommern, ermordet 1944 im KZ Auschwitz; nach einer kurzen Zeit in Hoppstädten 1911 bis 1940 Bezirksrabbiner in Bruchsal und Bretten (Sitz in Bruchsal), erstellte nach 1920 neue Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht in Baden, 1940 mit seiner Ehefrau Karola geb. Schlessinger nach Gurs deportiert, später nach Drancy, 1944 nach Auschwitz.
Auf den verstorbenen Rabbiner Elias Präger folgt sein Sohn Moses Präger (1847)
Mitteilung in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 13. Juli 1847: "In Bruchsal ist jüngstens ebenfalls der greise würdige Rabbiner E. Präger, aus der Zahl der 116, mit Tode abgegangen und dessen Sohn, M. Präger, schon bei Lebzeiten dem Vater adjungiert, an dessen Stelle getreten."
Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 13. Juli 1847: "Karlsruhe. ... In Bruchsal ist jüngstens ebenfalls der greise würdige Rabbiner E. Präger, aus der Zahl der 116, mit Tode abgegangen und dessen Sohn, M. Präger, schon bei Lebzeiten dem Vater adjungiert, an dessen Stelle getreten."
Bezirksrabbiner Dr. Moses Präger hat ein Gebet- und Erbauungsbuch verfasst (1850)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Dezember 1850: "Bruchsal, im November (1850). Der hiesige Bezirksrabbiner, Herr M. (für N.) Präger, als Kanzelredner rühmlich bekannt, gibt ein Gebet- und Erbauungsbuch, angeknüpft an die einzelnen Wochenabschnitte der Bibel, heraus. Es wird namentlich enthalten: 1) Gebete über die verschiedenen Sidras, viele mit Rücksicht auf einzelne Kapitel. 2) Gebete für alle Festtage des Jahres und die Seelengedächtnisfeiern. 3) Gebete vor und nach der Konfirmation. 4) Allgemeine Gebete nach Predigten. 5) Gebete und Rituale für besondere Gelegenheiten, so insbesondere für Synagogeneinweihung und Einweihung eines Begräbnisplatzes. 6) Ritualgebete bei Trauungen. 7) Ebenso bei Leichenfällen. 8) Anhang einiger jüdischer Gebete für Geistliche."
Besprechung der "Reden über den Talmud in der Synagoge in Bruchsal, gehalten von Dr. Josef Eschelbacher" (1892)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1892: "Literarischer Bericht. Zwei Reden über den Talmud in der Synagoge zu Bruchsal, gehalten von Dr. J. Eschelbacher, Bezirksrabbiner. (Durch den Synagogenrath dem Druck übergeben). Verlag von Sigmund Mayer in Trier.
Man sollte es kaum für möglich halten und doch ist es so, dass in dem liberalen Baden, wo der Landesfürst schon so oft seine Missbilligung über den Antisemitismus ausgesprochen hat, letzterer es doch wagt, bald da, bald dort, in unverschämter Weise sein freches Haupt zu erheben. So hat er denn auch vor noch gar nicht zu langer Zeit die Stadt Bruchsal ausersehen, um von hier aus seine vergifteten Pfeile nach den verschiedensten Seiten zu senden. Es war deshalb durchaus am Platze, dass Herr Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher den von den Antisemiten so schwer angegriffenen Talmud zum Gegenstande zweier Predigten machte, um in erster Linie die Leute seines eigenen Reviers über das Wesen des Talmuds aufzuklären, - was in heutiger Zeit leider dringend geboten erscheint – damit sie wenigstens in den Stand gesetzt werden: die Juden müssen die von den Antisemiten falsch Belehrten aufzuklären verstehen und die Sache in richtiger Weise darzustellen im Stande sein.
Nachdem nun Dr. E. die Belehrung im eigenen Lager geschaffen, musste er bestrebt sein, die Belehrung über den Talmud in weitere Kreise dringen zu lassen, damit die betörten Glieder derselben auch eine andere Stimme über diesen Gegenstand vernehmen, alsdann Vergleiche anstellen und zwischen beiden sich entscheiden können. So ist die uns vorliegende Broschüre entstanden. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis desselben zeigt uns schon, mit wie vielem Fleiße der Verfasser gearbeitet hat. Wir begegnen hier den Überschriften: ‚Einleitung; Name und Bestimmung des Talmud; Entstehung und Verbreitung, Studium; Schwierigkeit seines Verständnisses; Irrtümer und Verleumdungen; das sittliche Ideal der Lehrer des Talmud; dessen Gegenstand und Inhalt; Stellung gegenüber dem Heidentum; gegenüber einem reinen, sittlichen Menschentum; gegenüber dem Christentum, Erklärungen des Talmud zu den Zehngeboten." Vertiefen wir uns aber in den Inhalt der Broschüre, so müssen wir gestehen, dass jede Zeile uns den Fleiß und den heiligen Eifer des Verfassers erkennen lässt. Bei jeder Belegstelle ist die Quelle genau angegeben, sodass man offener und ehrlicher mit den Gegnern kaum sprechen kann. Vortrefflich ist dem Verfasser die Erklärung der zehn Gebote im Lichte des Talmuds gelungen, ja so sehr gelungen, dass wir wünschten, dieselbe dem Unterricht in der Schule zugrunde gelegt zu sehen. Wir sich von der Richtigkeit unserer Ansicht überzeugen will, den bitten wir, die Erklärung des zweiten Gebotes sich anzusehen und er wird uns sicher beipflichten. Der Wert der Broschüre wird noch dadurch erhöht, dass die Sprache durchweg eine sehr populäre ist, sodass auch der Laie sie gerne und mit vielem Interesse lesen wird. Indem wir der Broschüre, deren Lektüre uns selbst so vielen Genuss bereitet hat, einen zahlreichen Leserkreis wünschen, können wir uns es nicht versagen, den Schluss der Broschüre auch hier wieder wiederzugeben: ‚Die geplagt werden und nicht wieder plagen, ihre Schmach hören und nicht erwidern, in Liebe wirken und in Leiden heiter bleiben, für die gilt,’ so lautet ein Spruch des Talmuds, ‚das Wort der Schrift, die Gott lieben, deren Licht gleicht der Sonne, wenn sie hervortritt in ihrer vollen Stärke.’ Dieser Mahnung getreu wollen auch wir aus dem Unrecht und den Schmähungen, die uns zugefügt werden, nur lernen, nicht also zu tun, wollen in Liebe zu Gott unsere Lebensarbeit verrichten und trotz aller Leiden die Heiterkeit des Gemütes uns bewahren. Auch die Sonne geht aus dem Dunkel auf und sie umhüllt oft Nebel und Gewölk. Siegreich aber tritt sie aus ihnen immer wieder hervor und sendet über die Erde ihre Strahlen, spendet Licht und Wärme, weckt Leben und bringt Gedeihen. Es ist Gott, der den Weg der Menschen führt. Die Sonne seiner Gnade hat seit Jahrtausenden uns geleuchtet, sie wird auch ferner uns leuchten.’ Worms. Rothschild."
Bezirksrabbiner Dr. Josef Eschelbacher wird ausgezeichnet (1894)
Publikation von Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher (1895)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Mai 1895:
"Zwei Predigten zum Wochenfeste über den Talmud.
Von Dr. J. Eschelbacher, Bezirksrabbiner in Bruchsal. Preis 75 Pf.
Trier. Sigmund Mayer."
Ausschreibung der Stelle des Bezirksrabbiners (1899/1900)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Januar 1900: "Bekanntmachung. Die Stelle des Bezirksrabbiners in Bruchsal ist auf 1. April kommenden Jahres zu besetzen. Der Gehalt beträgt ja nach dem Dienstalter (von der Approbation an gerechnet) 2.400 – 4.400 Mark neben freier Wohnung; dazu kommen Bezüge aus Stiftungen und Vergütungen für Erteilung von Religionsunterricht an öffentlichen Anstalten im Betrage von 1.800 Mark. Die Pensionsberechtigung ist durch Verordnung geregelt. Bewerber wollen ihre Gesuche mit Darlegung ihres Lebensganges, sowie mit den Nachweisen über Staatsangehörigkeit, bestandene Maturitätsprüfung, Universitätsbesuch, theologische Ausbildung und seitherige Berufstätigkeit binnen 3 Wochen bei uns einreichen.
Karlsruhe, den 21. Dezember 1899. Großherzoglicher Oberrat der Israeliten. Der Ministerialkommissär: Becherer."
Abschied von Bezirksrabbiner Dr. Josef Eschelbacher (1900)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. März 1900: "Bruchsal, 14. März (1900). Unserem demnächst von hier scheidenden, und nach Berlin übersiedelnden Bezirksrabbiner, Herrn Dr. Eschelbacher, wurde vergangenen Sonntag von den Religionslehrern des Bezirks eine in geschmackvoller Ausstattung verfasste Adresse überreicht. Herr Lehrer Flehinger hier übergab dieselbe nach voraufgegangener herzlicher Ansprache an den Scheidenden, worin er mit Recht dessen hohe Verdienste um die Schule und sein warmes Interesse für alle menschenfreundlichen Bestrebungen hervorhob. Tief gerührt dankte Herr Dr. Eschelbacher für diese Ehrung und verabschiedete sich von seinen Lehrern unter den herzlichsten Segenswünschen. Bei dem sich hierauf anschließenden gemütlichen Teil wurden verschiedene Toaste ausgebracht, die alle in dem Wunsche gipfelten, dass es dem Scheidenden und seiner Familie auch in der neuen Heimat wohl ergehen und dass er die gleiche Anerkennung und Liebe dort finden möge, deren er sich hier in so reichem Maße erfreuen konnte."
Auszeichnung für Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher (1900)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1900: "Bruchsal, 2. April (1900). Dem amtlichen Teil der ‚Karlsruher Zeitung’ entnehmen wir, dass Herrn Bezirksrabbiner Dr. Josef Eschelbacher von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog das Ritterkreuz erster Klasse mit Eichenlaub Höchst ihres Ordens vom Zähringer Löwen verliehen worden ist. Es ist dies eine Ehrung, die in hiesigen Kreisen, ganz besonders aber in Kreisen der israelitischen Gemeinde, mit freudiger Genugtuung aufgenommen wird und als ein Beweis, dass die in langjährigem treuen Wirken erworbenen Verdienste des Genannten auch an höchster Stelle anerkannt und gewürdigt wurden."
Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher verlässt Bruchsal (1900)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. April 1900: "Bruchsal, 26. März (1900). Gestern verließ uns mit Familie unser seitheriger Bezirksrabbiner Dr. J. Eschelbacher, um nach Berlin überzusiedeln. Sein Weggang wird hier mit allgemeinem Bedauern empfunden, wo er seit 1877 segensreich wirkte. In dieser Zeit hat er sich als Seelsorger die Liebe und Hochachtung der hiesigen Gemeinde und des Bezirkes in hohem Maße erworben. Obschon der konservativen Richtung zugetan, wusste Herr Dr. Eschelbacher sich den Anforderungen der Zeit anzuschließen und bei allen Gegenströmungen den Frieden in der Gemeinde zu erhalten. Die Anerkennung dafür fand er bei allen Ständen und Richtungen. Davon zeugte auch die Abschiedsfeier, die ihm zur Ehre in Form eines Banketts im großen Saale des Hotels ‚Fortuna’ am 22. Dieses Monats gegeben wurde. Dieselbe erfolgte in Anwesenheit der fast ganzen hiesigen Religionsgemeinde, wozu sich auch die Synagogenräte der Landgemeinden einfangen. Eingeleitet wurde die Feier durch die Städtische Kapelle mit dem Liede: ‚Die Himmel rühmen etc.’, wonach der Synagogenchor entsprechende Lieder vortrug. Der hiesige Synagogenvorstand, Herr Louis Marx, hielt eine schwungvolle Ansprache an den Scheidenden, in der er dessen Verdienste als Rabbiner, als Lehrer und Vorsteher verschiedener Vereine, besonders als Begründer des Landesvereines zur Erziehung israelitischer Waisen rühmend hervorhob. Die Badische israelitische Religionsbehörde, der Großherzogliche Oberrat, sandte zu seiner Vertreten die Oberratsmitglieder Leopold Ettlinger und Stadtrabbiner Dr. Appel von Karlsruhe, welche in herzlichen Ansprachen das schöne Verhältnis zwischen Rabbiner und Gemeinde hervorhoben, die unermüdliche Tätigkeit Dr. Eschelbachers auf allen Gebieten anerkannten, besonders die Verdienste erwähnten, welche sich der Scheidende bei der Landessynode zur Förderung des religiösen Lebens, der ökonomischen Besserstellung und Reliktenversorgung der Rabbiner und Lehrer in hervorragender Weise erworben hat. Letzteres besonders anerkennend, übergaben die Lehrer des Bezirks eine reich ausgestattete Adresse mit zugrundelegendem Worte des Propheten Maleachi Kap. 1 Vers 6, welchen auch die übrigen Vorstände der Vereine folgten. Auch die Schüler und Schülerinnen der höheren Lehranstalten blieben nicht zurück, ihrem früheren Lehrer ihren Dank auszusprechen. Dr. med. Kusel feierte die Gemahlin des Scheidenden, wie sie als ein Muster der Frauen, ebenbürtig ihrem Gemahl, dessen Lehren in die Wirklichkeit umsetzte, im Wohl tun nicht müde wurde und auf die liebenswürdigste Weise Jedem entgegen kam. Sichtlich gerührt dankte Herr Dr. Eschelbacher für alle Beweise der Liebe und Anhänglichkeit, er werde es seiner bisherigen Gemeinde nie vergessen und für immer sich mit ihr verbunden fühlen. Hauptlehrer Marx feierte den Landesvater und betonte, wie sehr dieser edle Fürst alle Bestrebungen zum Guten zu würdigen wisse und vor Jahren den Scheidenden mit dem Hausorden des Zähringer Löwen geschmückt habe. Ein brausendes Hoch erfüllte den Saal und tief ergriffen stimmte man in die Nationalhymne ein. Um auch ein sichtbares Zeichen der Anerkennung zu geben, spendete die israelitische Gemeinde nebst vielen wertvollen anderen Geschenken von Vereinen und Privaten einen Silberkasten mit Tafelbesteck und Widmung. So hatte sich die Abschiedsfeier zu einem wahren Familienfeste gestaltet. Am Tage seiner Antrittsrede 1877 hielt Dr. Eschelbacher seine Abschiedspredigt, er ermahnte zur Eintracht, zum Feststehen im Glauben, zur Wahrung aller Institutionen, welche zum Heil der Gemeinden seither bestanden und schloss mit dem Priestersegen. Möge dieser auch für ihn und seine Familie in Erfüllung gehen!"
Einsetzung des Bezirksrabbiners Dr. Max Doctor in sein Amt (1900)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. September 1900: "Bruchsal, 11. September (1900). Am vergangenen Freitagabend fand die feierliche Installierung unseres neu gewählten Bezirksrabbiners Dr. M. Doctor aus Breslau statt. Vor Beginn des Gottesdienstes versammelten sich die Herren Gemeindevorstände mit dem Herrn Rabbiner in dem an die Synagoge sich unmittelbar anschließenden Betsaal und begaben sich von hier unter Orgelklang und Chorgesang in das Gotteshaus, wo unser Gemeindevorstand, Herr Louis Marx, den Seelenhirten seiner Gemeinde vorstellte und sie ermahnte, ihm die gebührende Hochachtung entgegen zu bringen und dazu beizutragen, das bisher so lobenswert anerkannte friedliche Verhältnis in der Gemeinde weiter zu pflegen. Andächtig stehend vernahmen die zahlreich anwesenden Synagogenbesucher die herzlichen Worte des Redners, wie die in Form eines Gebetes vorgetragene Erwiderung des Herrn Rabbiners, die mit den Worten des Psalmisten 25, Verse 4 und 5 schloss. Anderen Tages – es war zugleich die religiöse Feier des Geburtstages des Großherzogs – hielt Herr Dr. Doctor seine Antrittsrede, deren Hauptgedanke war, Liebe und Gerechtigkeit zu pflegen. Eigenschaften, wie solche von seinem verehrten Vorgänger, dem jetzt in Berlin wirkenden Herrn Dr. Eschelbacher, in uneigennütziger Weise ausgeübt wurden, den Frieden in der Gemeinde zu wahren, den Unterricht der Jugend zu einer seiner wichtigsten und edelsten Angelegenheit zu machen. Mit großem Beifall wurde die vortreffliche Rede angehört. Möge es unserem Rabbiner in seiner neuen Gemeinde wohl ergehen und möge er ebenso viel Liebe und Verehrung finden, wie solche seinem Vorgänger in so reichlichem Maße zuteil geworden."
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1900: "Bruchsal, 11. September (1900). Am vergangenen Sabbat Kiseze hielt unser für die hiesige Gemeinde neu gewählter Rabbiner seinen Einzug. Von äußerlichem Pomp hatte man abgesehen; es waren nicht einmal Vertreter von Behörden, sowie die Geistlichen anderer Konfessionen eingeladen. Meiner Ansicht nach hätte dies geschehen sollen, jedoch muss der herrschende Synagogenrat anderer Ansicht gewesen sein. Am Freitagabend wurde der Rabbiner Dr. Doktor bei seinem Eintritt in das Gotteshaus, geleitet von dem Synagogenrat, mit einem vom Chor und Kantor vorgetragenen Boruch habo, feierlich empfangen. Der jetzige Vorsteher hielt eine kurze Ansprache, worauf der Rabbiner in wenigen, aber herrlichen Worten, sichtlich gerührt, für den Empfang dankte. Am Samstagmorgen hielt derselbe in der dicht gefüllten Synagoge seine Antrittspredigt, die nach Form und Inhalt eine meisterhafte zu nennen war. Als Text hatte der Herr Rabbiner die Worte gewählt: (hebräisch und deutsch:) ‚Übe Liebe und Gerechtigkeit und vertraue auf Gott.’ In pietätvoller Weise wies der verehrliche Redner zu Anfang seiner Predigt darauf hin, dass er ein sehr verantwortungsvolles Amt zu übernehmen habe; erstens in seiner Eigenschaft als Rabbiner und Lehrer, und ferner als Nachfolger des in die Reichshauptstadt nach 24-jährigem Wirken in hiesiger Gemeinde berufenen Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher, dessen bedeutende Worte und noch bedeutendere Taten nicht nur in der israelitischen Gemeinde Bruchsals, sondern auch im ganzen Großherzogtum Baden mit goldenen Lettern verzeichnet sind. In Anbetracht der religiösen Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von baden sagte der Redner etwa Folgendes: ‚Ich komme als Fremder in dieses Land und habe bisher nur das segensreiche Walten und Schalten des erhabenen badischen Landesfürsten aus der Ferne beobachtet und bewundert. Ich freue mich ganz besonders, gerade in dem Lande dieses edlen Herrschers meinen Beruf ausüben zu können.’ Mit einem schönen Gebete für das Wohlergehen des Großherzogs schloss die erhebende Feier. Möge es dem neuen Herrn Rabbiner gelingen, den religiösen Sinn in hiesiger Gemeinde zu erheben und zu fördern, und früher eingeführte Neuerungen wieder zu beseitigen. L."
Anzeige der Frau von Rabbiner Dr. Max Doctor (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902: "Gesucht wird zu einem Kinde ein besseres
Kindermädchen, das bereits gedient und etwas Erfahrung im Haushalt und im Nähen hat.
Frau Rabbiner Dr. Doctor, Bruchsal."
Rabbiner Dr. M. Doctor beschäftigt sich mit dem Werk E. M. Liliens (1905)
Anmerkung: gemeint ist der große Jugendstilkünstler E. M. Lilien (geb. 1874 in Galizien, gest. 1925 in Badenweiler, vgl. Wikipedia-Artikel E.M. Lilien)
Artikel wird nicht abgeschrieben, da er keine direkten Bezüge zur jüdischen Geschichte in Bruchsal enthält.
Rabbiner Dr. Siegfried Grzymisch verlässt Magdeburg (1906)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. April 1906: "Magdeburg, 8. April (1920). Am 1. dieses Monats schied von hier Herr Rabbiner Dr. Grzymisch, nachdem derselbe vier Jahre in unserer Gemeinde als Rabbiner und Leiter der Religionsschule segensreich gewirkt hatte. Dr. Grzymisch hat es verstanden, sich durch seine hervorragenden Eigenschaften die Anerkennung und die Liebe weiter Kreise in hohem Maße zu erwerben. Dafür legen ein beredtes Zeugnis ab die Ehrungen, die ihm bei seinem Abschiede von verschiedenen Seiten zuteil geworden sind. Zahlreiche Gemeindemitglieder spendeten ihm einen silbernen, künstlerisch ausgeführten Chanukkaleuchter mit der Inschrift: 'Herrn Rabbiner Dr. Grzymisch in dankbarer Anerkennung für seine segensreiche Tätigkeit gewidmet von zahlreichen Freunden der israelitischen Gemeinde Magdeburg', sowie ein Gewürztürmchen und einen Becher. Diese Geschenke wurden von einer Deputation nach einer feierlichen Ansprache überreicht. Im Namen des Synagogen-Gesangvereins überreichte dessen Vorsitzender eine prächtige Silberschale mit Blumenarrangement, ebenfalls mit entsprechender Inschrift. Ferner erschien der Vorstand des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, namens dessen der Vorsitzende Justizrat Choyke eine den Herrn Dr. Grzymisch ehrende Ansprache hielt und ihm eine Adresse überreichte, in der die Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins ausgesprochen ist. Auch sonst sind dem Herrn Dr. Grzymisch viele Beweise der Liebe, deren sich derselbe zu erfreuen hatte, von Vorstands- und Gemeindemitgliedern in Gestalt sinniger Geschenke dargebracht worden."
Rabbiner Dr. Max Eschelbacher wird zum Rabbiner in Bruchsal gewählt (1906)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. August 1906: "Bruchsal. Rabbinerwahl. Herr Dr. Max Eschelbacher, Sohn des Herrn Rabbiners Dr. J. Eschelbacher in Berlin, der bekanntlich ein Vierteljahrhundert in gleicher Eigenschaft hier amtiert hat, ist einstimmig zum Rabbiner von Stadt und Bezirk Bruchsal bewählt worden."
Dr. Siegfried Grzymisch wird Rabbiner in Bruchsal als Nachfolger von Dr. Max Eschelbacher (1911)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1911: "In Bruchsal ist Herr Dr. Grzymisch, ein Schüler des Breslauer Seminars zum Rabbiner gewählt worden. Der frühere Bruchsaler Rabbiner, Dr. Max Eschelbacher, hat sein neues Amt in Freiburg nunmehr definitiv angenommen."
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Januar 1911: "Bruchsal. Die durch die Versetzung Rabbiners Dr. Eschelbacher nach Freiburg frei gewordene hiesige Rabbinerstelle erhält Dr. Grzymisch, früher zweiter Rabbiner in Magdeburg."
Rabbiner Dr. Siegfried Grzymisch ist 1875 in Pleschen (Pommern) geboren. Er war 1904 bis 1906 (zweiter) Rabbiner in Magdeburg, 1911-1940 Bezirksrabbiner in Bruchsal und Bretten (Sitz in Bruchsal). Nach 1920 erstellte er neue Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht in Baden. 1925 übernahm er vorübergehend die Betreuung des verwaisten Rabbinats Bühl. 1940 wurde er mit seiner Frau Carola in das Konzentrationslager Gurs / Südfrankreich deportiert, wo sie umgekommen ist. Dr. Grzymisch kam später nach Drancy, 1944 nach Auschwitz, wo er ermordet wurde.
(Ein Foto von Rabbiner Dr. Grzymisch findet sich in: Paul Sauer: Die Schicksale der jüdischen Burger Baden-Württembergs während der nationalsozialistischen Verfolgungszeit 1933-1945. 1969 im Anhang).
Zum Tod des ehemaligen Bezirksrabbiners Dr. Josef Eschelbacher (1916)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1916: "Bruchsal, 15. Dezember (1916). Ein Dasein, reich an Tugend und Segen, ist mit dem Tode des Rabbiners Dr. Josef Eschelbacher seligen Andenkens zum Abschluss gelangt. Die hervorragenden Punkte dieses Lebens und Wirkens hat die jüngste Nummer dieser Zeitung bereits dargestellt: Allein dieses Bild ist unvollständig ohne die Zeit, die der Verklärte in Bruchsal zugebracht hat, denn hier hat sich sein Wesen aus der zarten Knospe entwickelt. Er kam von seiner Ausbildungsstätte, dem Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau, als er in Bruchsal das Amt des Bezirksrabbiners übernahm. Das war im Jahre 1877. Dass im Jahre 18790 – also nicht lange nach seinem Amtsantritt – der neue israelitische Friedhof angelegt und 1880/81 die neue Synagoge der Gemeinde gebaut und eingeweiht wurde, schon das lässt auf die eifrige Tätigkeit des jungen Rabbiners schließen. Dankbar erinnern sich noch heute viele seiner Hörer und Schüler, wie er durch die Predigt und den Religionsunterricht auf ihren Geist und ihr Gemüt gewirkt hat. Seiner hingebenden Mitarbeit und Förderung haben sich auch die Wohltätigkeitsvereine der Gemeinde erfreut. Denn ernste, volle, gewissenhafte Erfüllung aller seiner Berufspflichten war ihm ein tiefinneres Bedürfnis, Ausfluss seiner lauteren Frömmigkeit und starken Liebe zum Judentum, dessen Schriften er fort und fort studierte und dessen Kenntnis er durch Aufsätze förderte. Dabei hat er im Leben durch sein schlichtes, freundliches, gütiges Wesen gegen jedermann sich ebenso die Herzen gewonnen wie seine Gattin durch ihre bezaubernde Liebenswürdigkeit und ihr aus reicher Herzensgüte hervorblühendes, ratloses, wohltätiges Wirken. Desgleichen hat er auch seinen anderen Bezirksgemeinden seine warme Fürsorge angedeihen lassen. Doch weit über diesen Kreis hinaus ging sein Sorgen und Schaffen, es erstreckte sich über die Glaubensgenossen des ganzen Badener Landes. Er brachte im Jahre 1888 die Gründung eines über ganz Baden ausgebreiteten Vereins zustande, welcher sich die Aufgabe stellte, armen, unmündigen Waisen beizustehen, indem er ihre Erziehung durch geeignete Familien völlig übernahm oder ihren bedürftigen Müttern jährliche Erziehungsbeiträge zukommen ließ, auch für ihre berufliche Ausbildung sorgte. Diesem Waisenverein hat er durch eine nimmermüde, umsichtige Werbearbeit und eine zwölfjährige vortreffliche Leitung zu hoher Blüte verholfen. Der Verein ist ein Kulturwerk ersten Ranges und noch heute der Stolz der badischen Judenheit, da er auf diese Weise jährlich weit mehr als hundert Waisen versorgt. Die Verdienste des Heimgegangenen fanden auch ihre gerechte Würdigung. Er wurde schon in die erste Synode der badischen Israeliten (1894) hinein gewählt und dort zum stellvertretenden Vorsitzenden erhoben, was auch in der zweiten Synode (1898) der Fall war. Er gehörte auch in der Zwischenzeit dem Synodalausschuss an. Außerdem verlieh ihm Seine Königliche Hoheit der Großherzog zuerst (1894) das Ritterkreuz erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen und dann bei seinem Weggange (1900) das Eichenlaub dazu. Bei diesem seinem Scheiden von Bruchsal und Baden nach 23-jähriger Tätigkeit begleitete ihn das allgemeine Bedauern über seinen Verlust und die warme Dankbarkeit für sein segensreiches Wirken. Diese Dankbarkeit ist nicht erloschen, sie senkt sich jetzt als liebliche Edelblume auf sein Grab, um ihren Duft fort und fort auszuströmen. ‚Das Andenken des Gerechten sei zum Segen.’"
Zum Tod der Witwe von Rabbiner Dr. Eschelbacher - Ernestine Eschelbacher (1931)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1931: "Berlin, 26. Juli (1930). Mit Frau Rabbiner Dr. Ernestine Eschelbacher ist in diesen Tagen der jüdischen nationalen Trauer, eine Persönlichkeit eigener Prägung dahingegangen. Aus ihrer süddeutschen Heimat, in dem von der alten jüdischen Art erfüllten Milieu des Elternhauses, in welchem sie mit 14 Geschwistern aufwuchs, hat sie die treuherzige, ehrliche, aufrichtige Liebe zum Mitmenschen ins Leben mitgenommen und bis in ihre letzten Tage sich bewahrt. Ihr klarer offener Blick für alles Gute und Jüdische, ihre schriftstellerische und rednerische Begabung, gaben ihr die Möglichkeit, auf die wichtigsten jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen bestimmenden Einfluss auszuüben. So hat sie die ‚Fürsorge für verlassene Frauen’ und den Schwesternbund der Loge großzügig organisiert, Säuglings- und Kinderfürsorge ausgebaut und einer ganz unabsehbaren Zahl von Einzelfällen mit ihrem klugen Rat wertvolle Hilfe geleistet. Ihre Güte und ihre Liebe zum Mitmenschen war aber nicht nur lauene oder etwa eine unkritische Gutmütigkeit, vielmehr war sie erzogen und gepflegt durch eine gewissenhafte Frömmigkeit und ein echt jüdisches Gottvertrauen. Wenn daher in hohem Maße von ihr das Wort gilt, dass sie die Menschen liebte und ein gütiges, wohlwollendes Verstehen für ihre Schwächen besaß, so wurden diese seltenen Eigenschaften gekrönt durch das "Näher bringen zur Tora’, ihre Schwestern dem jüdischen Ideal der Tauroh (= Tora) näher zu bringen.
Als sie gemeinsam mit ihrem Gatten, dem seligen Rabbiner Dr. J. Eschelbacher, vor drei Jahrzehnten den kleineren badischen Wirkungskreis verließ, hat sie als treue Gefährtin an seiner Seite einer allem Jüdischen entfremdeten Welt durch edles Menschentum und treue Hingabe an das als Pflicht Erkannte, für die alte Jüdischkeit gewirkt und jüdischem Denken und Empfinden in die Herzen weiter Kreise Eingang verschafft. So hat sie den alten Begriff der Rebbezin erneuert und dem neuen Zeitalter alte Ideale wieder erschlossen. Besonders hervorzuheben ist das echt jüdische Gottvertrauen, das auch die Grundlage ihrer großen Lebensfreude und frohen Heiterkeit gebildet hat und dem sie bis zu ihrem 73-jährigen Geburtstag, dem Tag ihres Todes, treu geblieben ist.
In allen Waltungen des Lebens hat sie ein Geschenk Gottes erblickt und nach dem Worte ‚Gepriesen sei Gott an jedem Tag’ dem Ewigen gedankt für alles, was der Tag und das Leben ihr zugetragen.
So ist sie selbst zu einem Geschenk geworden, das die göttliche Fürsorge unserem, an wahrem Idealismus so armen Zeitalter geschenkt hat. So werden auch ihr Andenken und die Liebe, die auch sie bei den Mitmenschen gefunden hat, segensreich weiter wirken über das Grab hinaus. H.C."
Ausschreibung der Hauptlehrerstelle der israelitischen Schule in Bruchsal (1849)
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 29. Dezember 1849 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Zum Behufe der Besetzung der mit einem festen Gehalte von 250 fl. nebst freier Dienstwohnung oder dem gesetzlichen Wertanschlage für solche und einem Schulgelde von 1 fl. 4 kr. für jedes Schulkind verbundene Hauptlehrerstelle an der zur dritten gesetzlichen Klasse gehörigen öffentlichen israelitischen Schule in Bruchsal, werden die berechtigten Bewerber aufgefordert, mit ihren Bewerbungsgesuchen nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Juli 1836, Regierungsblatt Nr. 38, unter Anfügung ihrer Aufnahmescheine und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, durch die betreffende großherzogliche Bezirksschulvisitatur bei der großherzoglichen Bezirksschulvisitatur Bruchsal in Odenheim binnen sechs Wochen sich zu melden."
Ausschreibungen der Stelle des Kantors, Religionslehrers und Schächters (1878 / 1879 / 1880)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. August 1878: "In der hiesigen Gemeinde ist die mit einem jährlichen Einkommen von mindestens 2.000 Mark verbundene Stelle eines zweiten Kantors, Schächters und Religionslehrers baldigst zu besetzen. Notwendige Bedingungen sind: eine bereits durch längere Übung gewährte Fähigkeit in der Schechita (Schächten), sowie die zur Leitung eines Synagogenchors erforderlichen musikalischen Kenntnisse. Geeignete Bewerber wollen ihre Gesuche und Zeugnisse über ihre bisherige Tätigkeit und sittlich-religiöse Führung bis zum 15. September an Herrn Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher hier einsenden. Nur den zu einem Probevortrag Berufenen wird eine Vergütung der Reisekosten gewährt.
Bruchsal, den 18. August 1878. Der Synagogenrat Ferdinand Nöther."
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1878:
Gleichlautend wie Anzeige in der "Allgemeinen…"
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1879: "Bei der israelitischen Gemeinde in Bruchsal ist die Stelle eines Religionslehrers, Schächters und zweiten Kantors baldigst wieder zu besetzen. Das Einkommen aus dieser Stelle beträgt ca. 2.300 Mark, auch ist reichlich Zeit und Gelegenheit zur Erteilung von Privatunterricht vorhanden. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Meldungen und Zeugnisse schleunigst an Herrn Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher senden.
Bruchsal (Baden), den 15. Juni 1879. Der Synagogenrat Ferdinand Nöther."
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1880: "In unserer Gemeinde ist die mit einem jährlichen Einkommen von 2.300 bis 2.500 Mark verbundene Stelle eines Kantors, Religionslehrers und Schächters demnächst zu besetzen. Musikalisch gebildete Bewerber wollen ihre Meldungen und Zeugnisse bis zum 15. Dezember an den Bezirksrabbiner Herrn Dr. Eschelbacher hier einsenden.
Bruchsal, den 31. Oktober 1880. Der Synagogenrat Ferdinand Nöther."
Hauptlehrer Leopold Kaufmann wechselt von Neidenstein nach Bruchsal (1850)
Auszeichnung für Hauptlehrer Marx (1890)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1890: "Bruchsal, 18. September (1890). Anlässlich seines 50-jährigen Lehrerjubiläums erhielt Herr Hauptlehrer Marx von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Baden die goldene Verdienstmedaille. Herr Marx ist ein sehr religiöser Mann und allgemein beliebt."
Bezirkskonferenz der israelitischen Religionslehrer (1891)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1891: "Aus dem Bezirke Bruchsal (Baden), 17. November 1890. Was die einzelnen Lehrer unseres Bezirkes so lange ersehnten, ist durch den Bezirksrabbiner, Herrn Dr. Eschelbacher in Bruchsal endlich verwirklicht worden. Es war die am 26. vorigen Monats in Bruchsal abgehaltene Lehrerkonferenz der israelitischen Lehrer unseres Bezirks. Um uns nun des hohen Wertes dieser Konferenz recht bewusst zu werden, wollen wir einen Rückblick auf die Tätigkeit derselben werden. Nachdem an dem genannten Tage nachmittags 2 Uhr sämtliche Lehrer des Rabbinatsbezirkes Bruchsal, sowie auch einige Freunde der Schule, sich im Betsaals in Bruchsal eingefunden hatten, wurde die Konferenz von Herrn Dr. Eschelbacher eröffnet. Das waren Worte, die er zu uns sprach, Worte, die nur dem Munde eines wahren Lehrerfreundes entfließen, und Worte, die das hohe Ziel der Konferenz so klar machten, dass alle Anwesenden, was sie auch sonst ein einander trennen möchte, in derselben ihren Vereinigungspunkt erblickten.
Das erste Referat hatte Herr Hauptlehrer Marx – Bruchsal übernommen und derselbe sprach in wohl durchdachter Rede mit zündenden Worten über ‚die Disziplin des Religionsunterrichtes’; er kam zu dem Resultat, dass dieselbe in konzentrischer Weise so früh wie möglich beginnen müsse. (? Red.). Als zweiter Referent trat Herr Kahn – Untergrombach und als Korreferent Herr Herz – Heidelsheim auf. Beide Herren sprachen in Übereinstimmung mit den Ansichten der übrigen Konferenzmitglieder über das Schiur-Lernen. Es wäre zu weitläufig, wollte ich hier die diesbezüglichen Erörterungen wiederholen, soviel steht fest, dass sich beide Herrn Kollegen ihrer Aufgabe aufs Beste entledigt haben.*)
Zum Schlusse ergriff nochmals Herr Dr. Eschelbacher das Wort, um über die Aussprache, namentlich der Vokale der hebräischen Sprache zu referieren. Dieser Vortrag war insofern höchst interessant, als Herr Dr. Eschelbacher an der Hand anderer Sprachen unseren so genannten aschkenasischen Sprachgebrauch als für uns maßgebend begründete. Als Schriftführer fungierte Herr Flehinger- Bruchsal, dem an dieser Stelle für seine Bemühung der Dank der Konferenz überbracht werden soll.
Wir haben nun gesehen, dass Herr Dr. Eschelbacher eine schöne und sogleich sehr anregende Institution ins Leben gerufen hat und in der Tat, Männer, die das Schöne und Gute lieben, sind unserer Achtung wert. Wer durch seltene Talente befähigt ist, Außerordentliches zu leisten, und mit diesen Eigenschaften den Willen verbindet, seine Kräfte zum Besten der Menschheit anzuwenden, hat Anspruch auf unsere ganz besondere Ehrfurcht und Bewunderung und wir sind verpflichtet, ihm durch unsere Hochachtung zu zeigen, dass wir seine Verdienste zu schätzen und zu würdigen wissen." -
*) Das wäre ein Thema, dessen geschickte Behandlung seines eines Kollegen sehr erwünscht und am Platze wäre. Die Spalten der ‚Blätter für den israelitischen Schullehrer’ stehen solchen Arbeiten jederzeit offen. Red.)
Bezirkskonferenz der israelitischen Religionslehrer (1893)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. September 1893: "Bruchsal. Am 25. Juni fand dahier eine Lehrerkonferenz statt. Herr Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher begrüßte die Anwesenden mit einem herzlichen ‚Willkommen’. Derselbe betonte sodann, dass eine Konferenz nichts Gezwungenes sei, sondern lediglich dazu führe, um den Lehrern Gelegenheit zu geben, ihre Gemeindeverhältnisse, namentlich in Betreff des Religionsunterrichts, miteinander zu besprechen, zu prüfen, um schließlich das Beste davon zu behalten. Herr Lehrer Flehinger – Bruchsal führte in einem Vortrag aus, dass die Lehrer darauf bedacht sein sollen, den Kindern beim Unterricht das korrekte Aussprechen der Endsilben anzugewöhnen, da dieselben, häufig verschluckt, das Wort entstellen und dann zumeist noch im Alter unrichtig gelesen werden. Ferner behandelte Herr Flehinger die Vokale und machte darauf aufmerksam, wie die verkehrten Laute der Vokale das Wort vollständig in seinem Sinn entstellen können. Lehrer Traub – Malsch hielt dann einen Vortrag über die Gebete in unserer Tefila. Er wies darauf hin, wie gerade unsere Tefila dazu geeignet ist, den religiösen Geist bei den Kindern zu wecken. Redner ging die Gebete einzeln durch. Das dritte Referat hatte Herr Lehrer Neuburger – Philippsburg übernommen, der die biblische Geschichte bei den Kindern als vorzügliches Mittel vorführte, um deren Interesse für den Religionsunterricht zu steigern. Nach diesen Vorträgen wurde vom Rabbiner die Diskussion eröffnet, woran sich alle Anwesenden lebhaft beteiligten. Den drei Referenten wurde von allen Seiten lebhafte Anerkennung für ihre vortrefflichen Leistungen gezollt. Hierauf schloss unser Rabbiner die Konferenz. Das Mittagessen wurde im Hotel Meier gemeinschaftlich eingenommen. Worte der Tora und verschiedene Toaste trugen zur Gemütlichkeit der Unterhaltung bei. Levin."
Zum Tod von Lehrer Max Flehinger (1910)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. August 1910: "Bruchsal. Max Flehinger, einer der angesehensten jüdischen Lehrer Badens, ist im 66. Lebensjahre verschieden."
Bezirkskonferenz der israelitischen Religionslehrer (1911)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1911: "Bruchsal, 15. Dezember (1911). Die Konferenz der israelitischen Religionslehrer des Rabbinatsbezirks Bruchsal, die von sämtlichen Lehrern des Bezirks und einer Vertretung des Synagogenrats Bruchsal besucht war, tagte am Sonntag den 19. November im Betsaal der Synagoge in Bruchsal. Die Versammlung wurde von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Grzymisch mit Begrüßungsworten eröffnet, auf welche dann Herr Stadt L. Marx als Vertreter des Synagogenrats erwiderte. Hierauf erhielt Lehrer Neuburger – Philippsburg das Wort zu seinem Vortrage: ‚Welches ist im Hebräischen die beste Übersetzungsmethode.’ Das Koreferat zu diesem Thema hatte der Vorsitzende, Herr Bezirksrabbiner Dr. Grzymisch übernommen. Derselbe legte im Einzelnen die Mängel der bisher geübten Übersetzungsmethode dar und empfahl ein zweckmäßigeres Verfahren. Eine rege Erörterung schloss sich an diese Darlegungen an. Beide Vorträge fanden im allgemeinen Zustimmung. Es folgte ein Vortrag des Lehrers Bravmann – Bruchsal über ‚die Stellung des jüdischen Lehrers auf dem Lande’. Der Vorsitzende dankte dem Vortragenden für seine klaren Ausführungen, die viel Zutreffendes enthielten. Während der Pause hatten sich die Lehrer mit ihrem Vorsitzenden noch gemütlich zusammengefunden und schieden nunmehr mit dem einmütigen Gefühl, lehrreiche und erhebende Stunden verlebt zu haben."
Isak Prager von Fürth (?) wird nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe in Bruchsal aus dem Großherzogtum Baden ausgewiesen (1819)
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1819 S. 469 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Landesverweisung. Jud Isak Prager, angeblich von Fürth bei Nürnberg, welcher von dem Großherzoglichen Bezirksamt Gernsbach unterm 25. September vorigen Jahres wegen Vagantenleben auf 6 Monate in hiesiges Korrektionshaus geliefert, wurde nach erstandener Strafzeit heute wieder aus hiesiger Anstalt entlassen, und in Gefolge Hofgerichtlichen Urteils der Großherzoglichen Badischen Lande verwiesen. Welches hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht wird.
Signalement. Derselbe ist 65 Jahr alt, von etwas robuster Statur, 5' 4" groß, hat schwarze mit grau untermischte Haare, etwas länglichtes Angesicht, hohe bedeckte Stirn, graue Augen, große Nase und Mund, breites Kinn, grauen Bart, bei der Entlassung trug er: einen runden Hut, einen grautüchenen Überrock, ein weiß Halstuch, eine rote und schwarze Weste, ein Paar blautüchene lange Hosen, ein Paar weißwollene Strümpfe, ein paar blaugestreifte leinene Kammaschen und Bänderschule.
Bruchsal, den 25. März 1819. Großherzoglich Badische Zucht- und Korrektionshaus-Verwaltung".
Josef Schweitzer aus Hegenheim wird nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe in Bruchsal aus dem Badischen ausgewiesen (1837)
Bericht über die Betreuung der israelitischen Insassen der Strafanstalt (1839)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. März 1841: "Bruchsal (Großherzogtum Baden). Im Februar (1839). Als Beweis, wie die badische Regierung mit gleichem Interesse auch für die Pflege unseres Glaubens sorge, möge folgende Tatsache dienen. – Es wird jetzt nämlich, auf Anordnung des Großherzoglichen Justizministeriums, in der hiesigen Strafanstalt, auch den Israelitischen Gefangenen Religionsunterricht erteilt. Die betreffenden Erlasse hierüber teile ich hier wörtlich mit:
Justizministerium. Beschluss. Karlsruhe, 2. November 1839. 2) Die Zucht- und Korrektionshaus-Verwaltung in Bruchsal hiervon zu benachrichtigen, auf angemessene Weise den Bezirksrabbiner in Bruchsal darüber zu vernehmen, ob er nicht geneigt sei, die religiöse Sorge für die Israelitischen Gefangenen in der dortigen Anstalt zu übernehmen.
Jolly. No. 1126. Indem wir diesen hohen Erlass Großherzoglichen Justizministeriums abschriftlich wohllöblichem Bezirks-Rabbinate zur Kenntnisnahme mitteilen, wollen wir baldgefälliger Erklärung entgegen sehen, ob man dortseits geneigt sei, den hier einsitzenden Israelitischen Gefangenen Religionsunterricht zu erteilen und in welcher Weise sofort dies geschehen werde. Bruchsal, den 6. November 1839. Großherzogliche Zucht- und Korrektionshaus-Verwaltung. Dr. Hergt.
Von Seiten des Bezirksrabbinats wurde natürlich gerne die Hand geboten und zugleich darauf angetragen, dass den Israelitischen Sträflingen wieder wie früher die so genannte Koscherkost verabreicht werde, damit doch nicht die Möglichkeit genommen wäre, nach den Grundsätzen und Vorschriften unserer Religion, deren Wichtigkeit und Lehren ihnen gezeigt und eingeprägt werden sollen, zu leben; worauf nun folgende Rückschrift erfolgte. -
No. 1542. Wohldemselben teilen wir den hohen Justizministerial-Erlass vom 29. November dieses Jahres No. 5169 folgenden Inhaltes mit: ‚Man wird es mit Dank anerkennen, wenn Bezirksrabbiner Präger den Israelitischen Sträflingen im Zucht- und Korrektionshaus zu Bruchsal in der Woche zweimal Religionsunterricht erteilt und an Sabbaten und anderen Feiertagen ihren Gottesdienst leitet. Auch genehmigt man,
dass die nötige Anzahl Exemplare der Heiligen Schrift angeschafft werden, um jedem Sträflinge eines zustellen zu können. Auf die Wiedereinführung der Koscherkost vermag man, weil die früheren Umstände noch immer obwalten, nicht einzugehen.’
Wohlderselbe wolle sich nunmehr darüber äußern, an welchen Tagen und zu welchen Stunden der Unterricht erteilt werden wolle und zugleich diejenige Ausgabe der Heiligen Schrift bezeichnen, welche zum gebrauche der Israelitischen Sträflinge am geeignetsten wäre. Dr. Hergt.
Referent dieses erteilt nun wirklich seit jener Zeit im Namen seines Vaters, der hier Bezirksrabbiner ist, den Religionsunterricht nach der Bibelübersetzung von Dr. Salomon und hält an Sabbaten und Feiertagen religiöse Vorträge, verbunden mit wechselseitigem Rezitieren von deutschen Psalmen und deutschen Gebeten. M. Präger, cand.theol.mos. In der neuesten Zeit ist bei dem hier garnisonierten Dragonerregiment ein Jude für einen Christen in Dienst getreten."
Bericht über die Betreuung der israelitischen Insassen der Strafanstalt (1846)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1846: "Als Beweis für die unseren Angelegenheiten günstige Stimmung unserer Regierung möge Folgendes dienen. In Bruchsal wird eine Zentralstrafanstalt für das ganze Großherzogtum nach pennsylvanischem System erbaut und durch die Vermittlung des großherzoglichen Oberrats für die israelitischen Sträflinge eine besondere Synagoge eingerichtet. – In den bereits dort bestehenden Strafanstalten wird seit 6 Jahren durch den Rabbinatsadjunkt Präger wöchentlich zweimal Religionsunterricht erteilt, und Sabbate und Festtage Gottesdienst verbunden mit Predigt gehalten. Der günstige Erfolg des Unterrichts hat das Justizministerium veranlasst (nachdem nämlich der Referent, Ministerialrat von Jagemann, die Prüfung vorgenommen hatte), die Israeliten aus allen übrigen Strafanstalten in die dortigen zu senden. Durch Antrag und Verwendung des großherzoglichen Oberrats wurde vom Justizministerium dieses Jahr sogar eine bestimmte Besoldung für den Rabbinatsadjunkten im ordentlichen Budget aufgenommen (während derselbe bisher seinen Gehalt nur als Gratifikation bezogen hatte). Der Bericht der Budgetkommission über das ordentliche und nachträgliche Budget der Jahre 1846 und 1847, erstattet von dem Abgeordneten Hecker in der öffentlichen Sitzung vom 21. August 1846, stellt S. 299 den Antrag, für die Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtes eine jährliche Besoldung von 50 Gulden zu genehmigen, welche Position von der Kammer ohne Widerrede angenommen wurde. – In einem Lande nun, wo der Regent so huldvoll von seinen israelitischen Untertanen denkt, und die Regierung jede Gelegenheit benutzt, die israelitische Religion und ihre Bekenner gesetzlich zu heben und dabei eine Volksvertretung, welche diese Richtung billigt und wünscht, in einem solchen Lande ist an der baldigen völligen Gleichstellung nicht zu zweifeln. Möge der Allweise es bestätigen und zum Heil und Segen für uns werden lassen!"
Ausführlicher Bericht über die Strafanstalt, die Synagoge und die Betreuung der israelitischen Insassen (1849)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. November 1849: "Bruchsal (Baden), im Oktober. Ein eigentümliches und wichtiges Feld der Pastoraltheologie ist die religiöse Pflege und Behandlung der Sträflinge. Die Gesetzgebung hat diesem Zweig ihrer Tätigkeit die größtmögliche Aufmerksamkeit gewidmet und mit Recht die religiöse Einwirkung als wesentliche Aufgabe und Mitte zur Besserung betrachtet. – Insofern sie dieses, wie im Großherzogtum Baden, vorzüglich auch auf die israelitischen Gefangenen ausgedehnt, ist Ihr Blatt berufen und verpflichtet, das Hierher gehörige den Lesern mitzuteilen. Bekanntlich gibt es für Strafanstalten ein dreifaches System, das alte – mit gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Schlafsälen – das Aubernische oder so genannte Schweigsystem, mit isolierten Schlafzellen und gemeinschaftlichen Arbeitssälen, wobei jedoch die Sträflinge hintereinander sitzen und ein ununterbrochenes Schweigen zu beobachten haben, und endlich das pennsylvanische oder Zellensystem, bei dem die Sträflinge immer isoliert in ihren Zellen bleiben, sowohl zur Arbeit, als beim Essen und Schlafen. Diese drei Systeme sind in den drei hier befindlichen Anstalten vertreten, das alte Männerzucht- und Arbeitshaus, nach dem ersten, die Zentralanstalt für weibliche Gefangene nach dem zweiten und die Zentralanstalt für männliche Sträflinge nach dem dritten. Die letzte Anstalt besteht erst seit Oktober 1848, die beiden früheren schon lange; in den drei Anstalten befinden sich israelitische Sträflinge; im Augenblicke sind in der ersten ein Jude, in der Weiberanstalt drei Israelitinnen, und im neuen Männerzuchthaus (Pennsylvanien) bei 400 Gefangenen sechs Israeliten und ich bin schon seit neun Jahren in diesen Anstalten als israelitischer Geistlicher beschäftigt. Um ihren Lesern ein getreues Bild von diesen Anstalten und ihren Wirkungen zu geben, will ich dieselben etwas näher beschreiben.
In dem so genannten Arbeits- oder allgemeinen Zuchthause befinden sich die Sträflinge, welche wegen geringerer Vergehen eingeliefert werden. Dieselben werden durch die verschiedensten Arbeiten und Handwerke in gemeinschaftlichen Arbeitssälen beschäftigt, erhalten von einem besonders angestellten Lehrer Elementarunterricht und durch die Geistlichen sowohl Religionsunterricht als Gottesdienst. Zu diesem Zwecke werden ihnen verschiedene Erbauungs- und Belehrungsschriften mitgeteilt. – Jeder Arbeits- und Schlafsaal ist zwar von einem Aufsehen überwacht, nichtsdestoweniger werden die Besseren, weniger Entsittlichten entweder verhöhnt oder zu gleichen Schlechtigkeiten mit fortgerissen, sodass hier zuweilen bei aller Aufsicht und Anstrengung der Beamten und Lehrer die Anstalt eher schlimmer als besser macht. Etwas besser und zweckmäßiger ist schon das Aubernische System, indem der Einzelnen, wenn sie ein besseres Gefühl hat, freisteht, sich in ihre Zelle zurückzuziehen; außerdem können durch das so genannte Schweigsystem, wenn es strenge eingehalten wird, Versuche zur Verführung weniger vorkommen. Am Zweckmäßigsten und Interessantesten ist jedoch das neue Männerzuchthaus. Dieses bildet gleichsam eine Festung von einer hohen Mauer mit acht Türmen rings umgeben. In der Mitte des Ganzen ist ein Turm, von dem nach vier Seiten hin die Flügel mit den Zellen der Gefangenen sich ausdehnen. Sie sind der Art gebaut, dass man zugleich alle drei Stockwerke übersieht, indem ringsherum frei hängende eiserne Gänge führen. Im Mittelbau befinden sich im mittleren Stockwerke die Arbeitszimmer der Beamten, im dritten Stockwerke die Schulzimmer und Geschäftszimmer der Geistlichen und im vierten Stocke die Kirche und die Synagoge. Die Zellen sind sehr freundlich, werden durch Luftheizung erwärmt, enthalten außer einer eisernen Bettstätte, die bei Tage aufgeheftet werden, noch einen Tisch und einen Stuhl, Beide an der Wand befestigt, und ein Etagé, worauf die Gefangenen die gewöhnlichen Bedürfnisse ablegen können. Dieselben erhalten Kalender, Bibel, Gebetbuch und andere Erbauungsschriften und sind in den verschiedensten Handwerken beschäftigt. Täglich werden sie zweimal in die frische Luft geführt, jedoch so, dass sie auch dann isoliert bleiben, indem in jedem der vier Höhe, die je zwischen zwei Flügeln liegen, eine Ronde sie befindet, von dem, wie die Radien eines Kreises, einzelne Mauerarme auslaufen, die von außen durch eine eiserne Stange, und von innen durch eine Türe geschlossen sind. Sobald die Sträflinge ihre Zelle verlassen, müssen sie sich mit einer Mütze bedecken, deren Schild das ganze Gesicht bedeckt und für die zwei Augen Ausschnitt hat. Jede Zelle hat ihre Nummer, die auch der Sträfling, sobald er seine Zelle verlässt, anhängt. Sämtliche Beamte der Anstalt haben täglich einen Teil der Gefangenen zu besuchen, so zwar, dass jeder Einzelne sechs Besuche im Tage erhält, um ihn gegen Irr- und Tiefsinn zu schützen. Es ist indes im Laufe dieses Jahres, seitdem die Anstalt eröffnet ist, kein Fall der Art vorgekommen. Die Kirche und die Synagoge sind so eingerichtet, dass alle Sträflinge den geistlichen und dieser jene sieht, ohne dass sie selbst sich gegenseitig sehen können, indem jeder einzelne Sträfling in einem eigenen Kasten in der Form eines Beichtstuhles sitzt, und diese alle gegen den Altar sich richten. Wenn auch für den äußeren Anblick die Strafe eine sehr harte, und wie sich Manche ausdrücken, unbarmherzige scheint, so wird doch gewiss Jeder, der Gelegenheit hat das Gefängniswesen im Allgemeinen und das pennsylvanische ins Besondere zu beobachten, dem letzteren den Vorzug geben, indem dieses offenbar den Zweck der Strafe, die Besserung, wenn je, am Sichersten erreicht. Während in den alten Anstalten die Rückfälligen sich immer mehrten, werden sie hier zu den größten Seltenheiten gehören; während dort der günstige Einfluss, den die Predigt und der Religionsunterricht oder die religiöse Besprechung des Geistlichen hervorgerufen, durch die Einflüsterungen und Neckereien und Verhöhnungen der übrigen Sträflinge paralysiert wurde, so wirkt das Alleinsein wohltätig und unterstützend auf die religiöse Belehrung. Die Synagoge enthält die Sitzplätze für die Gefangenen, eine Kanzel und Betpult für die Geistlichen und einen Tabernakel mit einem Vorhange. Es wurden auf Kosten der Anstalt, auf Antrag großherzoglichen Oberrates, ein Dienstornat für den Rabbinen, hebräische und deutsche Bibeln, Religionsbücher, Erbauungs-
schriften, zum Beispiel das Leben der Patriarchen von Dr. Simmerfeld, Susan Edut von Mendelssohn, angeschafft. Der Gottesdienst für jeden Sabbat ist folgender: 1) ein deutsches Gebet; 2) responsenweiser Vortrag von drei oder vier der gewöhnlichen Betpsalmen; 3) der erste Abschnitt von Schema; 4) die vorgeschriebenen Verse beim Ausheben der Tora; 5) Vorlesen des Wochenabschnitts in deutscher Sprache! 6) Vorlesen der Haphtora in eben dieser Sprache; 7) Predigt; 8) Aschre responsenweise; 9) ein deutsches Gebet. Im Laufe der Woche schreiben die Sträflinge den Inhalt der Predigt nach ihrer subjektiven Auffassung nieder, welches ich jedes Mal beim Zellenbesuche, neben anderen religiösen Besprechungen, durchgehe. Dasselbe Verfahren ist für den Religionsunterricht, der zweimal wöchentlich akromatisch erteilt wird. Ein kleiner Teil des Katechismus wird verlesen und darüber gesprochen, beim Zellenbesuch hingehen erst eigentlich katechisiert, weil, wenn die Sträflinge beisammen sind, dieselben sich auch nicht vereinzelt sprechen hören sollen. Unsere Regierung hat sich durch diese Einrichtung ein großes Verdienst im Allgemeinen und insbesondere für die Israeliten erworben. Denn ein großer Teil der Sträflinge ist jedes Wissens bar und es liegt die Vermutung sehr nahe, dass diese Unwissenheit mit zum sittlichen Verderben beigetragen. Aus dem Vorhergehenden ist schon ersichtlich, wie sehr die Regierung auch für die religiöse Pflege der Israeliten besorgt ist, es wird dies aber noch deutlicher durch die Dienstinstruktion hervorgehen, die mir vom Justizministerium gegeben wurde und die ich Ihnen hier abschriftlich mitteilen. Dienstinstruktion für den israelitischen Hausgeistlichen bei der neuen Männerstrafanstalt in Bruchsal. § 1. Dem israelitischen geistlichen in der Anstalt liegt ob: 1) die Abhaltung des Gottesdienst und 2) des Religionsunterrichtes, 3) die seelsorgliche Besprechung mit den Gefangenen in den Zellen, 4) die nächste Aufsicht über die Beschäftigung der Gefangenen in den Freistunden, 5) die Mitüberwachung ihres Briefwechsels 6) die amtliche Korrespondenz mit den Heimatgeistlichen bei und nach der Entlassung der Gefangenen. § 2. Der israelitische Geistliche steht dienstpolizeilich unmittelbar unter dem Justizministerium, bezüglich der Hauspolizei aber unter dem Vorstand der Anstalt *). Er ist nicht ordentliches Mitglied des Aufsichtsrates, jedoch zu den Sitzungen beizuziehen, so oft es sich um einen Gegenstand handelt, der seinen Wirkungskreis berührt. § 3. In Urlaubs- und sonstigen Verhinderungsfällen hat der Geistliche dem Aufsichtsrat Stellvertreter vorzuschlagen. Sollten dieselben nicht annehmbar scheinen, so wird der Aufsichtsrat Verfügung des Justizministeriums einholen. § 4. Jeden Sabbat und Feiertag soll er einen Gottesdienst, insoweit der Ritus Solchen erlaubt, und jede Woche zweimal Religionsunterricht halten. § 5. Er erhält den Schlüssel zu allen Zellen und jeweils Benachrichtigung des Ab- und Zugangs der Gefangenen, Letztere unter Beifügung der erforderlichen Notizen über persönliche Verhältnisse. § 6. Bezügliche Aufmerksamkeit hat er auf die Gefangenen in den Aufnahms-Kranken- und Strafzellen, sowie auf die Gemütsschwachen und Gemütsleidenden in den Gefängniszellen zu richten. § 7. Er soll jeden Gefangenen seiner Religion wenigstens zweimal wöchentlich auf den Zellen besuchen und bei jedem 3-10 Minuten verweilen. Dabei sucht er den religiösen und moralischen sinn möglichst zu wecken und in den Predigten, im Religionsunterrichte oder durch Bücher den Gefangenen zugeführten besseren Gedanken und Grundsätze zu erläutern und die
*) Der Aufsichtsrat bildet die Mittelstelle zwischen dem Vorstand des Hauses und dem Justizministerium und besteht aus einem Mitgliede des Gerichtshofes hier, als Präses, aus vier von der Regierung gewählten hiesigen Bürgern und den Beamten der Anstalt. Es ist dieses der einzige Punkt, in dem der israelitische Geistliche den christlichen nachsteht.
Nutzanwendung für das bürgerliche Leben daraus zu ziehen. § 8. Bücher, welche nicht zur Gefängnisbibliothek gehören, darf er nur mit Genehmigung der ersten Vorstehers einzelnen Gefangenen leihen oder schenken. § 9. Kein Gefangener kann einen Brief abgehen lassen oder empfangen, ohne dass ihn der betreffende Geistliche gelesen und durch Handzeichen gebilligt hat. § 10. Er führt ein Charakterbuch über alle ihm überwiesenen Gefangenen, worin der, neben dem Ergebnis seiner Beobachtungen in Bezug auf Gemütsart, Verstandeskräfte, Fortgang der Selbsterkenntnis und Besserung, aller ein- und abgehenden Briefe in Kürze zu gedenken hat. So oft von einer Behörde Aufschluss über Charakter und Betragen eines Gefangenen verlangt wird, gibt der Geistliche einen Auszug aus diesem Buches mit Erläuterungen. § 11. Nach einiger Zeit der Beobachtung der Gefangenen sucht der Geistliche geeigneten Falls mit dem Heimatgeistlichen eine Korrespondenz anzuknüpfen, gibt ihm aber jedenfalls vier Wochen vor dem Strafende des Gefangenen von dessen Haupteigenschaften, Anlagen und etwaigen Zeichen der Besserung mit dem Antrag Nachricht, denselben ferner zu überwachsen, zu belehren und zu unterstützen. § 12. Er übergibt jeweils Verzeichnis der Zellen, wo er im Laufe des Tages Besuch machte, dem ersten Vorsteher mit kurzen schriftlichen Bemerkungen über auffallende Erscheinungen, wie Anzeichen von Seelenstörung, besondere Aufregung oder unziemliches Betragen einzelner Gefangenen. § 13. In hauspolizeilicher Hinsicht hat er sich übrigens lediglich den Anordnungen des ersten Vorstehers zu fügen und etwaige wünsche und Anstände in dieser Beziehung ihm zur Erledigung vorzutragen. § 14. Er hat ein Tagebuch zu führen, welches alle drei Monate ans Justizministerium eingesendet wird und worin alle wichtigen Wahrnehmungen über den Zustand der Gefangenen, Vorgängen im Haus, Mängel der bestehenden Einrichtungen, Wünsche und Vorschläge aufzunehmen sind. - Aus dieser Dienstinstruktion ist leicht ersichtlich, mit welcher Genauigkeit und Sorgfalt das Gefängniswesen behandelt wird und es bleibt diese Mühe auch nicht ohne Erfolg; die Gefangenen werden größtenteils durch diese Behandlungsweise für bessere Gefühle empfänglich und der menschlichen Gesellschaft immer mehr zugeführt. Präger, Bezirksrabbiner."
Bericht über die Betreuung der israelitischen Insassen der Strafanstalt (1856)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1856: "Großherzogtum Baden, im April (1856). Den in diesen Blättern aus verschiedenen Ländern gebrachten Nachrichten über die Fürsorge, welche von Seiten mehrerer Regierungen den israelitischen Sträflingen in religiöser Beziehung zuteil wird, können wir ein noch weit vollkommeneres Bild gerechter und weiser Behandlung aus Baden anreihen. In Bruchsal befinden sich die größten Strafanstalten des Landes, worin sich auch allezeit mehrere, im Verhältnis zur Gesamtpopulation nur wenige Israeliten befinden. Diese sind in kirchlicher Beziehung unter die Aufsicht des Bezirksrabbiners von Bruchsal gestellt, welchem der Zutritt zu denselben jederzeit frei steht, und ein Besuch wöchentlich zweimal zur Pflicht gemacht ist, da er ihnen in festgesetzten Stunden Religionsunterricht erteilt, am Sabbat auch einen Gottesdienst mit ihnen abhält, wozu ein Zimmer im Gebäude der Strafanstalt ganz eigens bestimmt und als Betsaal eingerichtet ist, und auf Staatskosten die erforderlichen hebräischen und deutschen gebet- und Erbauungsbücher angeschafft sind. Der Rabbiner, welcher über seine Wahrnehmungen an dem sittlich-religiösen Zustande der Sträflinge dem Großherzoglichen Justizministerium periodische Berichte zu erstatten hat, wird von dieser hohen Behörde für seine Gesamtbemühung ganz anständig honoriert."
Erste Erfolge des "Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden" (1889)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juni 1889: "Aus Baden, 2. Juni (1889). Während die Israeliten in Württemberg ein Waisenhaus in Esslingen besitzen, ermangelten die Badischen eines solchen. Dies gab Veranlassung, dass im Vorjahr eine Anzahl der angesehensten Männer des Landes zusammentraten und die Errichtung einer Waisenanstalt beschloss. Zum Vorort wurde Bruchsal gewählt und vorerst ein Aufruf an die Israeliten Badens in Umlauf gesetzt, um die nötigen Mittel zusammenzubringen. Dieser Aufruf hatte schönen Erfolg. Es kamen an 33.000 Mark zusammen, außerdem hat sich eine Anzahl Gemeinden des Landes mit etwa ein Viertel der Mitglieder zur Zahlung jährlicher Beiträge à 4 Mark verpflichtet, wodurch alljährlich 10.000 Mark feste Einnahmen gewonnen wurden. Statutengemäß muss die Hälfte der jährlichen festen Beiträge als Grundstuck angelegt werden, bis dieser 500.000 Mark beträgt. Es soll nun ein Anfang in der Art gemacht werden, dass aus der zur Verfügung stehenden Summe von alljährlich 5.000 Mark eine Anzahl Waisen unterstützt, und diese in guter Familienpflege untergebracht werden. Auch aus Württemberg und Bayern, wie aus Amerika sind Spenden zu diesem Zwecke eingelaufen."
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juli 1889: "Bruchsal, 2. Juli (1889). Wir haben bereits wiederholt berichtet, dass sich in Folge eines Aufrufes aus Bruchsal und einer Versammlung im Mai 1888, die aus allen Teilen des Landes beschickt war, ein 'Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden' gebildet hat. Für den kurzen Zeitraum ist der Erfolg ein sehr günstiger, indem der Verein bereits einen Fond von 33.000 Mark und Jahresbeiträge im Belauf von 10.000 Mark erhalten hat. Da statutenmäßig die Hälfte der letzteren zum Fond geschlagen werden muss, so beginnt der Verein für die andere Hälfte seine Tätigkeit mit 10 Waisenkindern. Dieser schöne Anfang, der ein Zeugnis abgibt für den Anklang, welchen der Gedanke bei unseren Glaubensgenossen in Baden gefunden hat, verheißt uns eine gute Zukunft, und wir wünschen deshalb, dass dem Vereine immer mehr Mitglieder beitreten mögen, um das große Bedürfnis in ausgedehnterem Maße befriedigen zu können. Indes darf nicht vergessen werden, dass bereits seit 30 Jahren in Mannheim ein israelitischer Waisenverein besteht, der 40 Waisen erzieht, und zwar aus allen Teilen des Großherzogtums. Doch gehören eben diesem Vereine nur Mannheimer an, und es galt, auch die Glaubensgenossen aller Teile des Großherzogtums zu diesem segensreichen Werke heranzuziehen."
Erster Jahresbericht des Waisenvereins (1889)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1889: "Bruchsal, 19. Juli (1889). Der Vorstand des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden hat ein Exemplar seines Jahresberichtes auch an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gesandt und darauf aus Karlsruhe, den 12. Juli 1889, folgendes Schreiben erhalten:
'Dem Vorstand des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden, zu Händen des Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. J. Eschelbacher in Bruchsal, sprachen wir für den mit unmittelbarer Vorlage vom 1. dieses Monats eingesandten ersten Jahresbericht des Vereins im höchsten Auftrag den Dank Seiner Königlichen Hoheit mit dem Anfügen aus, dass Höchstdieselben mit großem Interesse von dem Inhalt des Berichts Kenntnis genommen haben. Seine Königliche Hoheit haben sich gefreut, daraus zu ersehen, unter welchen glücklichen Umständen und mit welch reger Teilnahme das mildtätige Unternehmen ins Leben gerufen wurde. Höchstdieselben wünschen dem Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden besten Fortganz und segensreiche Wirksamkeit für alle Zukunft.
I.V. von Babo.'
Der Landesverein erhält die Körperschaftsrechte (1890)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1890: "Bruchsal, 2. November (1890). Der Staatsanzeiger für das Großherzogtum Baden teilt in Nr. 34 mit, dass Seine königliche Hoheit der Großherzog mittelst Allerhöchster Staatsministerialentschließung, datier Schloss Baden, 8. Oktober, dem Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden, mit dem Sitze in Bruchsal, die Körperschaftsrechte verliehen habe."
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1890: "Bruchsal, 10. November (1890). Der Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden, mit dem Sitze in Bruchsal, hat mit Allerhöchster Staatsministerialentschließung Seiner königlichen Hoheit des Großherzogs d.d. Schloss Baden, 8. Oktober, die Körperschaftsrechte erhalten. Im Anschluss hieran sei mit Bezug auf die in voriger Nummer des Gemeindeboten gemeldete Beratung des Ausschusses des Gemeindebundes, die Fürsorge für uneheliche jüdische Kinder betreffend, berichtet, dass das erste Kind, welches der genannte Verein vor anderthalb Jahren in seine Fürsorge nahm, ein uneheliches zwölfjähriges Mädchen war, das sich bis dahin in christlicher Pflege befunden hatte und nach Erreichung des gesetzlichen Alters getauft werden sollte. Außer diesem sind von den 32 Kindern, welche der badische Landesverein zur Zeit versorgt, noch zwei uneheliche. In der Tat bedürfen diese bedauernswürdigen Geschöpfe ganz besonders einer liebevollen Fürsorge und verfallen ohne dieselbe vielfach einem verfehlten oder gar verbrecherischen Leben."
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29.Juni 1894: "Karlsruhe, 24. Juni (1894). Der Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden hielt heute hier seine Generalversammlung ab. In dem eben ausgegebenen sechsten Jahresbericht heißt es: Von den 50 Waisen, die sich zu Anfang vorigen Jahres in unserer Fürsorge befanden, sind im Laufe desselben vier ausgetreten und 18 wurden neu aufgenommen. Von diesen 64 Kindern (35 Knaben und 29 Mädchen) sind 26 in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, während 37 sich gegen Zahlung eines Erziehungsbetrages bei Verwandten befinden. Ein Waisenknabe erlernt unter der Fürsorge des Vereins zur Verbreitung des Handwerks unter den Israeliten in Karlsruhe und mit der Unterstützung des gleichen Zwecken dienenden Vereins in Mannheim und unseres Waisenvereins das Handwerk eines Buchbinders in Karlsruhe. Für 7 Kinder erhalten wir von ihren Heimatbehörden oder Verwandten Zuschüsse zu den für sie zu leistenden Verpflegungskosten. Während von den jetzt in unserer Fürsorge sich befindenden Waisen sechs aus derselben entlassen werden, liegen uns bereits wieder Gesuche um unsere Unterstätzung in 21 Fällen vor. Diese sich häufenden Gesuche bezeugen die Notwendigkeit und wohltätige Wirksamkeit unseres Vereins und empfehlen angelegentlichst dessen Förderung und Unterstützung."
7. Jahresbericht des Landesvereins (1895)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September 1895: "Bruchsal, 1. September (1895). Der Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden versendet seinen siebenten Jahresbericht. Nach Beschluss der Generalversammlung in Karlsruhe hält der Verein bei seinem auf sorgfältige Berücksichtigung der verschiedenen persönlichen Verhältnisse gerichteten System in der Erziehung der Waisen fest. Die Kinder werden entweder gegen Zahlung eines angemessenen Erziehungsbeitrages bei ihren Verwandten, meistens ihren Müttern belassen, oder sie werden bei zuverlässigen würdigen, zur liebevollen Erziehung und Behandlung der ihnen anvertrauten Kinder geeigneten Familien in Pflege gegeben. Außerdem werden an demselben Orte, in dem die Kinder untergebracht sind, oder in einem benachbarten, Fürsorger bestellt, welche die Pflege und das Gedeihen der Waisen überwachen und regelmäßig dem Vorstande darüber Bericht erstatten. Von den jetzt in Fürsorge befindlichen 82 Kindern (36 Knaben und 46 Mädchen) sind 29 in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, 51 befinden sich gegen Zahlung eines Erziehungsbeitrages bei Verwandten. Ein Waisenknabe erlernt, unter der gütigen Mitwirkung der in Mannheim und Karlsruhe domizilierenden Vereine für Verbreitung des Handwerkes unter den Israeliten, die Schreinerei, ein anderer, unter derjenigen des in Freiburg tätigen, die Lithographie. Für sieben Waisen erhält der Verein von ihren Heimatsbehörden oder Verwandten Zuschüsse zu den für sie zu leistenden Verpflegungskosten. Der Verein hat im Gerichtsjahre an Mitgliederbeiträgen und Schenkungen aus den 14 Rabbinatsbezirken des Großherzogtums Baden 14.821 Mark eingenommen. Die Verpflegungskosten der Waisen beliefen sich auf 13.775 Mark; an Verwaltungskosten wurden 845 Mark verbracht. – Eine interessante Tatsache ist die kräftige Unterstützung, welche der Verein von ehemaligen jetzt in Amerika weilenden Badensern erhält. Die Organisation des Landesvereins, dessen Vorsitzender Rabbiner Dr. Eschelbacher ist, und in dessen neun nach Rabbinatsbezirken geordneten Ausschüssen unsere angesehensten Glaubensgenossen tätig sind, bewährt sich mehr und mehr."
10. Jahresbericht des Landesvereins (1898)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1898: "Bruchsal, im Juni (1898). Der zehnte Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden teilt mit, dass sich zu Beginn des vorigen Jahres in seiner Fürsorge 97 Waisen befanden. Dazu wurden neu aufgenommen 18, und entlassen wurden 20. Von diesen hat der Eine seine Lehrzeit als Photograph, der Andere als Bäcker vollendet, 2 werden Kaufmannslehrlinge, 3 Dienstmädchen, 5 wanderten nach Amerika zu Verwandten aus, und zwar 2 mit unserer Unterstützung, 6 kehrten zu ihren Angehörigen zurück, ein Waisenmädchen wurde vom israelitischen Waisenverein in Mannheim übernommen, ein Waisenknabe ist gestorben. Von den aus der Schule entlassenen, aber noch in Fürsorge sich befindenden Waisen besucht ein Knabe eine Vorbereitungsanstalt für Lehrer, 2 erlernen mit Unterstützung des Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Israeliten in Freiburg das Sattlerhandwerk, 6 Mädchen bilden sich als Kleidermacherinnen aus, eines als Büglerin. Von den noch schulpflichtigen Waisen sind 17 in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, 68 befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeiträgen bei Verwandten. Die Anerkennung, die der Verein durch seine Tätigkeit in allen Teilen des Landes findet, bekundet sich insbesondere durch die Zuwendung von 5 weiteren Stiftungen. Aus dem Rechenschaftsbericht ergibt sich, dass die großen Ausgaben nur durch die unverminderte Erhaltung der Jahresbeiträge und Spende der Mitglieder und Freunde bestritten werden können. Der Vorstand besteht aus den Herren: Rabbiner Dr. J. Eschelbacher, Vorsitzender. Moritz Marx, Stellvertreter desselben. Louis Marx, Schriftführer. Nathan Katz, Rechner, Ludwig Groß. Alexander Dreifuß. Dr. J. Kusel. Rabbiner Dr. M. Appel in Karlsruhe. Vorsteher B. Harburger in Gailingen. Vorsteher B. Herzberger in Bretten. Rabbiner Dr. A. Lewin in Freiburg. Rabbiner Dr. L. Löwenstein in Mosbach. Rabbiner Dr. B. Mayer in Bühl. Bezirksältester H. Nordmann in Lörrach. Rabbiner Dr. M. Rawicz in Offenburg. Rabbiner Dr. H. Sondheimer in Heidelberg. Die Einnahmen betrugen 33.089,63 Mark, die Ausgaben 32.398,63 Mark, der Stand des Vermögens ist 126.793,28 Mark."
12. Jahresbericht des Landesvereins (1900)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1900: "Bruchsal. Nach dem zwölften Bericht des ‚Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden’ befanden sich zu Beginn des vorigen Jahres in der Fürsorge 95 Waisen, von welchen 19 im Laufe des Jahres entlassen wurden. Von den aus der Schule entlassenen, aber noch in Fürsorge befindlichen Waisen erhalten 10 Mädchen Beiträge für ihre Ausbildung in weiblichen Handarbeiten, ein Knabe erlernt die Bäckerei, einer wird Zigarrenarbeiter, einer erlernt mit Unterstützung des ‚Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Israeliten’ in Freiburg das Sattlerhandwerk, ein anderer wird mit derjenigen des Vereins in Karlsruhe Elektrotechniker. Neu aufgenommen wurden 15 Waisen. Es sind somit insgesamt 94 (51 Knaben, 43 Mädchen), die sich zurzeit in Pflege befinden. Von den noch schulpflichtigen Waisen sind 51 in Pflege in dafür geeigneten Familien untergebracht, die übrigen befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeiträgen bei Verwandten. Die Einnahmen betrugen ca. 33.000 Mark, inklusive des Kassenbestandes am 1. Januar 1899 von 11.000 Mark, Ausgaben ca. 22.000 Mark, das Vermögen 100.000 Mark."
13. Jahresbericht des "Landesvereins" (1901)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1901: "Bruchsal, 2. Juli (1901). Dem dreizehnten Jahresbericht des 'Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden' entnehmen wir:
Die sechste ordentliche Generalversammlung unseres Vereins fand am 26. August vorigen Jahres in Offenburg statt. Geleitet wurde sie von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Rawicz, dem als Schriftführer die Herren Karl Haberer von Offenburg und B. Herzberger von Bretten zur Seite standen. Bei Beginn der Verhandlungen gedachte der Vorsitzende der großen Verdienste des Gründers und langjährigen Vorsitzenden des Vereins, des nach Berlin berufenen Herrn Rabbiners Dr. Eschelbacher von Bruchsal und stellte den Antrag, demselben den Dank der Generalversammlung für seine langjährige, uneigennützige, verdienst- und mühevolle Arbeit für den Verein in einem Telegramm auszusprechen; dieser Antrag wurde mit allgemeinem Beifall einstimmig angenommen.
Der hierauf erstattete Rechenschaftsbericht wurde gut geheißen und die seitherigen Mitglieder des Vorstandes auf vier Jahre, diejenige der Prüfungskommission satzungsgemäß auf zwei Jahre wiedergewählt und zum Ort der nächsten Generalversammlung Bruchsal bestimmt.
Es wurde beschlossen, der nächsten Generalversammlung vorzuschlagen, folgende Bestimmung unseren Satzungen anzufügen:
§ 3a. Mitglieder, welche sich besondere Verdienste um den Verein erworben haben, können zu Ehrenmitgliedern durch den Vorstand ernannt werden;' dem Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher soll diese Ehre zuerst zuteil werden.
Im Laufe des verflossenen Jahres hatten wir den Verlust zweier hochherziger Mitarbeiter und Freunde unseres Vereins, der Herren Ausschussmitglieder Heinrich Hanauer in Adelsheim und Sam. E. Levi in Konstanz zu beklagen, welchen wir ein dankbares Andenken bewahren werden.
Der Stand unserer Pfleglinge ist folgender: Am 1. Januar 1900 94, entlassen im Jahre 1900 18, neu aufgenommen in demselben Jahre 15, Stand am 1. Januar 1901: 81.
Von den achtzehn aus unserer Fürsorge entlassenen Kindern wanderten sieben nach Amerika aus, vier haben ihre Lehrzeit (ein Knabe als Sattler, ein Knabe als Bäcker und zwei Mädchen als Näherinnen) vollendet, drei Knaben widmeten sich dem kaufmännischen berufe und drei üben eine gewerbliche Tätigkeit bei ihren Familien aus. - Von den insgesamt zur Zeit in unserer Fürsorge sich befindlichen Kindern sind elf in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, vier Knaben werden zu Handwerkern (je einer hiervon mit Unterstützung des 'Vereins zur Förderung des Handwerks in Freiburg bzw. Karlsruhe) ausgebildet, ein Knabe ist in einer Anstalt für Cretinen untergebracht, ein Knabe ist Kaufmannslehrling und die übrigen befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeitragen bei Verwandten.
Wenn wir auch zu unserm Bedauern feststellen müssen, dass die Mitgliederbeiträge gegenüber den Vorjahren zurückgegangen sind, so müssen wir doch dankend anerkennen, dass sehr viele unserer seitherigen Mitgliedern uns, außer mit ihren Jahresbeiträgen, auch noch mit reichlichen Spenden bedacht haben, sodass, wie unser Rechenschaftsbericht ausweist, die Jahreseinnahmen an Mitgliederbeiträgen und Spenden zusammen immerhin noch etwas größter sind, als die Aufwendungen für unsere Pfleglinge.
Dankbar haben wir auch anzuführen, dass uns fünf Stiftungen im vergangenen Rechnungsjahre zuge-
14. Jahresbericht des Landesvereins (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1902: "Bruchsal, im August (1902). Dem Vierzehnten Jahresbericht des 'Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen' im Großherzogtum Baden entnehmen wir:
Das vierzehnte Jahr des Bestehens unseres Vereins, über das wir in Folgendem Bericht erstatten, zeigt gleich den vorausgegangenen Jahren das Bild einer gedeihlichen Weiterentwicklung. Wir können mit aller Befriedigung auf das abgelaufene Verwaltungsjahr zurückblicken, denn Dank der uns zur Verfügung stehenden Mittel, waren wir in der glücklichen Lage, allen berechtigten Anforderungen, die an uns gestellt wurden, zu entsprechen.
Im Laufe des Jahres konnten 17 Kinder aus unserer Fürsorge entlassen und 12 neu aufgenommen werden, sodass der Stand unserer Pfleglinge am 1. Januar 1902 folgender ist*: Wertheim 0, Merchingen 2, Mosbach 2, Sinsheim 9, Heidelberg 9, Ladenburg 2, Bruchsal 11, Bretten 9, Karlsruhe 6, Bühl 12, Offenburg 15, Freiburg 6, Gailingen 3. Zusammen 86."
*die Orte sind die Sitze der badischen Bezirksrabbinate; aufgeführt ist jeweils die Zahl der aus dem Rabbinatsbezirk stammenden Kinder.
16. Jahresbericht des Landesvereins (1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1904: "Bruchsal. Dem sechzehnten Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden entnehmen wir:
Es ist für die Vereinsleitung - und gewiss auch für alle Freunde unserer Bestrebung - sehr erfreulich, konstatieren zu können, dass auch im Jahre 1903 der Verein eine äußerst günstige Entwicklung aufzuweisen hat. Wir waren in der glücklichen Lage, alle berechtigten Anforderungen, die an uns gestellt wurden, zu befriedigen.
Im Laufe des Jahres konnten 14 Kinder aus unserer Fürsorge entlassen und 16 neu aufgenommen werden, sodass der Stand unserer Pfleglinge 79 ist.
Unter den entlassenen 14 Kindern befinden sich sieben Mädchen und sieben Knaben. Ein Mädchen nahm eine Dienststelle an, die anderen werden von ihren Müttern weiter versorgt. Drei Knaben widmen sich dem Kaufmannsstande, einer wird Lehrer, einer hat das Sattlerhandwerk erlernt, und einer musste wegen unangemessenen Betragens in eine Zwangserziehungsanstalt verbracht werden.
Von den in unserer Fürsorge verbliebenen 79 Kindern sind vier in Pflege bei geeigneten Familien, vier Knaben erlernen Handwerke, hiervon je einer mit Unterstützung der 'Vereine zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden, Mannheim, Karlsruhe und Freiburg', und die übrigen sind unter Gewährung von Erziehungsbeiträgen bei ihren Müllern beziehungsweise Verwandten verblieben.
Unser Vermögen hat im abgelaufenen Jahre abermals zugenommen; die Mitgliederbeiträge sind sich gleich geblieben, und wir wurden wieder mit größeren Schenkungen und Stiftungen reichlich bedacht."
30. Jahresbericht des Landesvereins (1917/18)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Mai 1918: "Bruchsal, 16. Mai (1918). Dem soeben erschienenen Bericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden für das Jahr 1917 entnehmen wir, dass der Verein, trotzdem der Krieg noch nicht zu Ende ist, seine Arbeit in ungestörtester Weise durchführen konnte. Nur die Teuerung, die der Krieg gebracht hat, macht sich auch bei ihm fühlbar. Er hat den Familien, die Kinder von ihm in Pflege haben, wesentliche Kriegszulagen weiter bewilligen müssen, und ist in der Lage, diesen Anforderungen gerecht werden zu können. Groß ist die Zahl der gefallenen Juden im badischen Lande und groß daher auch die Anzahl der aus diesen traurigen Anlassen dem Verein erfolgten Stiftungen. Es ist aber ein Zeichen edelster Gesinnung, wenn die Hinterbliebenen in ihrem Schmerze der Ärmsten der Armen, unserer armen jüdischen Waisen, gedenken. Wenn die Jahresbeiträge größer geworden sind, so kommt das in der Hauptsache daher, dass einige Städte außerhalb des badischen Landes in treuer Mitarbeit mitgeholfen haben, die nach auswärts gezogenen Badener dem Verein zu erhalten. Insbesondere erfreulich aber war es, dass die Städte im badischen Lande selbst in geradezu mustergültiger Weise für den Verein gearbeitet haben. In vorderster Linie Karlsruhe, das die Jahresbeiträge von 1.200 auf 1.657 Mark erhöht hat, was insbesondere der unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Appel zu verdanken ist. Auch viele andere Gemeinden, wie Pforzheim, Konstanz, Rastatt, Offenburg, Lahr (für: Lahn), Neidenstein, Berwangen usw. haben wesentlich erhöhte Beiträge zugeführt und sich um die gute Sache bemüht. Die Verwaltungs- und Verpflegungskosten beliefen sich auf 21.862,10 Mark, die Mitgliederbeiträge und Schenkungen auf 32.828,89 Mark, das Vermögen des Vereins am Ende des Berichtsjahres auf 365.935,71 Mark. Während dieses Jahres wurden 17 Kinder in die Vereinsobhut aufgenommen und 15 aus ihr entlassen, weil deren satzungsgemäße Altersgrenze weit überschritten war. Der Verein ließ am Jahresanfang 116 Kindern, am Jahresende 118 Kindern seinen Beistand angedeihen. Der bei weitem größte Teil der Schützlinge blieb im Hause der Eltern oder Verwandten und wurde mit Unterstützungsbeiträgen bedacht. Von den übrigen befinden sich 17 Kinder in Familienpflege; 1 Kind lebt im Badischen Landeskrüppelheim bei Prof. Dr. Vulpius in Heidelberg; 18 Kinder sind als Lehrlinge tätig; 6 Kinder besuchen die Realschule; 1 Knabe ist im Israelitischen Lehrerseminar in Würzburg; 1 Knabe im Großherzoglichen Lehrerseminar I zu Karlsruhe; 1 Knabe auf dem Landwirtschaftsgute zu Steinhorst. Der Bericht weist darauf hin, dass der Verein es als seine edle Pflicht betrachtet, für Verstorbene und fortab auch für Gefallene die Kaddischstiftungen anzunehmen und die damit übernommenen Pflichten mit pietätvoller Gewissenhaftigkeit auszuführen. - Der Rechenschaftsbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 72.350,40 Mark. Der Vorstand spricht im Bericht allen, die dem Verein durch ihre Geldbeträge seine wohltätige Wirkung ermöglicht und unterstützt haben, warmen Dank aus, und richtet an alle seine Freunde die dringende Bitte, ihm neue Mitglieder zuzuführen; ferner durch Gewährung oder Vermittlung von Spenden oder Stiftungen - Kaddischstiftungen mindestens 200 Mark - nach Kräften den Verein zu fördern. Die das tun, werden stets eine freudige Genugtuung empfinden an der Förderung der hohen Aufgabe, armen, namentlich verwaisten israelitischen Kindern in ihrer Bedrängnis eine tatkräftige Stütze zu sein."
Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen in Baden (1922)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. März 1922: "Bruchsal. Der Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen in Baden hat im vergangenen Jahre am Beginn 124 und am Schluss 106 Waisen in Privatpflege versorgt. Die Verwaltungs-u nd Verpflegungskosten belaufen sich auf 47.764 Mark."
Beinahe 40-jähriges Bestehen des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen in Baden (1924)
Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 24. Juli 1924: "Der Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen in Baden, Sitz Bruchsal, blickt auf ein nahezu 40-jähriges Bestehen zurück. Tausende von jüdischen Voll- und Halbwaisen aus allen Teilen des Landes hat der Verein vor dem Sturz in sittliche Verwahrlosung und lebensgefährdete Not gerettet. Da das soziale Hilfswerk vor dem Zusammenbruch steht, bleibt nur der Weg, die Opferwilligkeit aller Juden aufzurufen. Jede gewünschte Auskunft erteilt Herr Jakob Oppenheimer, Bruchsal."
40-jähriges Jubiläum des Landesvereins (1928)
Anmerkung: in diesem Beitrag findet sich aus Anlass des 40-jährigen Bestehens ein Rückblick auf die Geschichte des Vereins.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1928: "Bruchsal, 3. Mai (1928). Am Sonntag, den 20. Mai 1888 versammelten sich in Karlsruhe 46 Herren aus allen Teilen des Landes, die dem Aufruf des Bezirksrabbinates und Synagogenrates in Bruchsal gefolgt waren, um die Gründung eines Vereins zu beschließen, welcher der Fürsorge für die hilfsbedürftigen israelitischen Waisen des Landes gewidmet sein sollte, dem 'Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden', wie er damals genannt wurde. Die Anregung zu diesem Werke der Barmherzigkeit ging von dem damaligen Bezirksrabbiner Dr. Josef Eschelbacher in Bruchsal (der später als Stadtrabbiner in Berlin wirkte) aus, der sich auch eifrig bemühte, Freunde und Mitarbeiter zu gewinnen. Ein Beweis für die dringende Notwendigkeit der Errichtung des Vereins war die Tatsache, dass eine große Anzahl von Gesuchen um Aufnahme von Waisenkindern einlief. Die durch allgemeine Opferwilligkeit sich günstig gestaltende finanzielle Lage erlaubte bereits im ersten Jahre die Aufnahme von 15 Waisenkindern. Die Vollwaisen wurden bei ausgewählten, gut empfohlenen Familien gegen Vergütung der Kosten in Pflege gegeben, während die Halbwaisen von den Müttern weiter versorgt wurden, wofür der Verein angemessene Erziehungsbeiträge bewilligte. Im April 1914 war die Zahl der Kinder, die der Verein seit dem Beginn seiner Tätigkeit betreut hatte, auf insgesamt 460 gestiegen. Welche Fülle von fürsorgender Liebe und erzieherischer Beratung, welche Mühewaltung bei der Einführung in geeignete Berufe und welche große Güte und Geduld von Nöten waren, um diese 460 Kinder zu lebenstüchtigen Menschen heranzubilden, kann nur der ermessen, der innerhalb des Vorstandes wirkend, Kenntnis von jedem einzelnen Fall erhält.
Als in der Gesamtvorstandssitzung im März 1914 Jacob Oppenheimer zum Vorsitzenden gewählt wurde (in der Zwischenzeit waren die Geschäfte durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Bezirksrabbiner Dr. Grzymisch, mit Umsicht und Tatkraft geleitet worden), ahnte man nicht, welche schweren Zeiten bevorstanden. Das gewaltige Kriegsereignis, welches 1914 über uns hereinbrach, beeinflusste die Vereinstätigkeit wesentlich und ist mit seinen direkten und indirekten Folgen noch heute zu spüren. Die unschuldigen Kriegsopfer, ihres Vaters und Ernährers beraubt, müssen in der Fürsorge des Vereins die notwendige Verpflegung und Erziehung finden. Ein volles Jahrzehnt wird noch mit dieser Belastung zu rechnen sein, bis die Jüngsten der Kriegswaisen sich selbst ernähren können. An den indirekten Folgen des Krieges, welche sich durch den Zusammenbruch der Geldwährung ergaben, muss der Verein 30 Jahre tragen, und auch dann wird er nur einen Bruchteil des ehemaligen Vereinsvermögens zurück erhalten. Dem rastlosen Streben und unermüdlichen Eifer des Vorsitzenden, der den Verein seit 14 Jahren trefflich leitet und mit Umsicht über die schweren Kriegs- und Inflationsjahre führte, gebührt hohes Lob und wärmster Dank. Wenn auch bei der Gründung des Waisenvereins der Gedanke an ein eigenes Waisenhaus eine große Rolle spielte, so entspannen sich schon in den ersten Sitzungen lebhafte Debatten über die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit eines solchen, die unentschieden blieben.
Bei der Gesamtvorstandssitzung am 11. Dezember 1927 gaben die anwesenden 12 Vorstandsmitglieder ihre Zustimmung zur Beibehaltung der Familienerziehung. Es kann nach so langer Probezeit mit voller Sicherheit und mit Recht behauptet werden, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Die Familienpflege des Landeswaisenvereins wurde bei verschiedenen Wohlfahrtstagungen in Berlin und in anderen Städten des Reiches als mustergültig hervorgehoben; Leiter von Waisenhäusern aller Konfessionen haben dem Verein ihr Lob und ihre Anerkennung ausgesprochen. Möge das 40-jährige Jubiläum in jedem den Gedanken erwecken, hier helfend einzugreifen, damit das Werk unserer Väter, um dessen bewährte Einrichtung wir im ganzen Reich beneidet werden, wachse, blühe und gedeihe!"
Anzeige des Israelitischen Landeswaisenvereins (1933)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1933: "Lehrstellen gesucht für Ostern als Bäcker, Konditor oder ähnlichen Beruf.
Haushalt- oder Heimstelle für 22-jähriges Mädchen, technische Assistentin, die jede Arbeit verrichtet, bei bescheidenen Ansprüchen. Israelitischer Landeswaisenverein, Bruchsal/Baden."
Denksprüche für Israelitische Konfirmanden, gefördert von Rabbiner Dr. Präger (1848)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. April 1848: "Denksprüche für israelitische Konfirmanden.
Die Konfirmation für die israelitische Schuljugend ist jetzt, soweit uns bekannt, beinahe allenthalben eingeführt und wird sie immer mehr und fester als religiöses Institut der Neuzeit sich begründen und erhalten. Diese Feier soll aber keine vorübergehende sein, sondern eine für den Konfirmand mögliche bleibende Erinnerung und Einwirkung zurücklassen. Von diesem Standpunkte aus sind obige Denksprüche gewiss eine zweckmäßige, und für sämtliche Rabbinerlehrer willkommene Erscheinung. Dieselben enthalten in hübschem Steindruck die Form eines Tabernakels, zwei Säulen von beiden Seiten, oben die Verse 'gedenke an die Weisung Moses meines Knechtes' und obenan die zwei Tafeln mit den 10 Geboten. Zu beiden Seiten gegen unten die zwei heiligen Leuchter und in der Mitte der Räucheraltar. In der Mitte Raum für einen einzutragenden Denkspruch, unten Namen der Eltern der Konfirmanden, Datum der Konfirmation und Namen des Geistlichen. Angeregt durch die gleich nach Erscheinen bereits geschehene Anwendung dieser Denksprüche in mehreren benachbarten Rabbinaten und namentlich in hiesigem durch Herrn Bezirksrabbiner Präger, erlaubt sich unterzeichnete Steindruckerei solche auch weiterhin hiermit zu empfehlen, mit dem Anfügen, dass sie zum Preis von 4 Kr. rh. einzeln, bei Abnahme von 25 Exemplare à 3 Kr. einstweilen in Magdeburg bei E. Bänsch, in Frankfurt am Main in der Hermann'schen Buchhandlung, in Mannheim bei J. Bensheimer zu haben sind, und dass auf 50 - 3, 100 - 10 Freiexemplare gegeben werden.
Bestellungen kann auch jede zunächst gelegene Buchhandlung annehmen und ausführen. E. Katz'sche Steindruckerei in Bruchsal."
Gründung des "Vereins zum Torastudium" (1891)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1891: "In Bruchsal hat sich unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Eschelbacher ein Verein zum Torastudium gebildet."
Antisemitische Aktivitäten (1892)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1892: "Bruchsal. Die Antisemiten rücken immer näher; nachdem ein Herr Welker aus Stuttgart, ein engagierter Antisemit vor wenigen Tagen einen Vortrag in Bretten gehalten hatte, versuchte er es auch in hiesiger Stadt. Ein eigenartiger Anblick war es, sowohl dessen Gesinnungsgenossen als auch viele Israeliten in aufgeregter Stimmung und fast durchweg mit handfesten Stöcken bewaffnet, zum Versammlungslokal ziehen zu sehen. Die Sache sollte jedoch anders kommen. Schon am Eingang des Saales wurden die Ankommenden durch ein Plakat überrascht, des Inhalts, dass der Redner wegen Heiserkeit nicht kommen könne und deshalb auch eine öffentliche Versammlung nicht stattfinde, sondern eine geschlossene Zusammenkunft der deutsch-sozialen und antisemitischen Partei. Der Israeliten und andere Parteianhänger ließen sich nicht abhalten, doch vorzudringen. Die Sitzung konnte jedoch nicht stattfinden, da die Wirtin in Abwesenheit ihres Mannes erklärte, dass sie den Saal wohl zu einer öffentlichen Versammlung, nicht aber zu einer geheimen hergab und für das, was in einer solchen vorgehe, keine Verantwortung übernehme. So blieb den Herren nichts übrig, als unverrichteter Sache wieder abzuziehen. Die Stimmung der hiesigen Bürgerschaft wird sie hoffentlich darüber belehrt haben, dass hier kein Boden für derartige Bestrebungen sei."
Antisemitische Versammlung in Bruchsal mit Liebermann von Sonnenberg (1892)
Das Bezirksamt fällt eine Entscheidung gegen die Antisemiten (1893)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. September 1893: "Bruchsal, 24. September (1893). Eine bemerkenswerte Entscheidung hat kürzlich das Bezirksamt getroffen. Es hatten mehrere Israeliten antisemitische Schmähschriften, welche vor der letzten Reichstagswahl zur Empfehlung des antisemitischen Kandidaten an den Häusern angeklebt worden waren, abgerissen. Eine von dem dortigen antisemitischen Vereine deshalb angestrengte Klage ist nun mit folgender Begründung abgewiesen worden: ‚Hinsichtlich der Angezeigten erscheint zwar durch deren Geständnis nachgewiesen, dass sie einige Tage vor der letzten Reichstagswahl antisemitische Flugblätter, welche in den Straßen der Stadt Bruchsal angeschlagen waren, angerissen haben. Doch liegt ein Anlass zum Einschreiten deshalb nicht vor, weil das Abreißen dieser Anschläge, die von Beleidigungen und Schmähungen der Israeliten strotzten und deren Inhalt auch bei den Angehörigen der christlichen Konfessionen Ärgernis zu erregen geeignet waren, als in Ausübung berechtigter Notwehr geschehen anzusehen ist. Den Angezeigten, welche Israeliten sind, konnte ebenso wenig wie den übrigen Israeliten hiesiger Stadt zugemutet werden, die ihre Religionsgenossen herabwürdigenden Schmähschriften der weiteren öffentlichen Verbreitung überantwortet zu sehen.’"
Antijüdische Entscheidungen beim Militär (1903)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. November 1903: "Bruchsal, im November (1903). Von hier schreibt man dem ‚Badischen Landesboten’. Bei dem hiesigen Dragonerregiment Nr. 21 wurden drei Einjährig-Freiwillige israelitischer Konfession nicht zum Unteroffizier befördert, obwohl dieselben von ihren Rittmeistern dazu vorgeschlagen waren, woraus doch wohl zweifellos ihre Qualifikation hervorgeht. Wir können nicht glauben, dass beim hiesigen Regiment irgendeine Bestimmung darüber besteht, dass Einjährig-Freiwillige israelitischer Konfession nach besonderen Grundsätzen behandelt werden, zumal dies seither hier nicht der Fall war und dies auch bei anderen Regimentern nicht der Fall ist. Jedenfalls bedarf die Sache der Aufklärung!"
Hundertjähriges Jubiläum der "Jüdischen Milizenkasse Bruchsal" (1911)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1911: "Bruchsal, 25. April (1911). Eine eigenartige Feier fand letzten Samstagabend im Saale des Hotel Krämer hier statt. Die Jüdische Milizenkasse Bruchsal feierte ihr hundertjähriges Jubiläum, zu dem außer den Mitgliedern die Vertretung der jüdischen Gemeinde hier, die Gauleitung des unteren Kraichgau-Militärvereins-Verbandes, der Verwaltungsrat des Krieger- und Veteranen-Unterstützungsvereins, sowie alle jüdischen Gemeindemitglieder, welche Soldaten waren, geladen waren. In seiner Begrüßungsansprache konnte der Vorsitzende des Vereins, Herr Jakob Oppenheimer, hervorheben, dass wir es hier mit dem ältesten Militär-Unterstützungsverein Deutschlands zu tun haben; die Bruchsaler Juden hätten sich immer als tüchtige Soldaten bewährt und bei Ausbruch des 1870er-Krieges seien die beiden hiesigen Rabbinersöhne Friedberg die ersten gewesen, die sich als Kriegsfreiwillige gemeldet hätten. Einer von ihnen, Herr Dr. M. Friedberg, sei geschmückt mit dem eisernen Kreuze und mit dem Zähringer Löwenorden mit Schwertern vom Feldzuge zurückgekehrt und sei der Mitgründer des Veteranenvereins und das älteste Ehrenmitglied desselben geworden. Von den 195 wahlberechtigten Bruchsaler Juden seien über die Hälfte gediente Soldaten, ein Verhältnis, das wohl kaum übertroffen werden könne. Sein Hoch galt unserem Großherzog. Herr Sigmund Sulzbacher überreichte nach einher schönen Ansprache den fünf jüdischen Veteranen einen namhaften Ehrensold, außerdem der Gauleitung einen Betrag zur Unterstützung bedürftiger Veteranen. Der Redner betonte weiter, dass alle Angriffe unserer Gegner, sei es in der Presse oder im Parlament, sowie alle Zurücksetzungen von uns nicht anders beantwortet werden können als durch treue Erfüllung unserer Bürgerpflicht.
Ferner sprachen Herr Bezirksrabbiner Dr. Grzymich, Herr Stadtrat Louis Marx, sowie namens der Gauleitung Herr Emil Siegel und namens des Veteranenvereins Herr Emil Biedermann, die alle dem festgebenden Vereine ihren Dank und ihre Glückwünsche zum Ausdruck brachten."
Mitteilung zur Schuldenliquidation - Gantsache des Abraham Löwenstein jun. (1848)
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 16. August 1848 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bruchsal. [Präklusiv-Erkenntnis]- (Nr. 22,551). In der Gantsache des Abraham Löwenstein junior, in Bruchsal, werden hiermit auf Antrag der erschienenen Gläubiger alle diejenigen, welche die Anmeldung ihrer Forderungen in der heutigen Schuldenliquidation unterlassen haben, von der vorhandenen Masse ausgeschlossen.
Bruchsal, den 11. Juli 1848. Großherzogliches Oberamt. v. Berg."
Advokat Dr. Robert Kusel aus Bruchsal wird zum ersten jüdischen Landtagsabgeordneten in Baden gewählt (1861)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. November 1861: "Karlsruhe, 12. November (1861). Advokat Dr. Kusel in Bruchsal ist soeben als der erste badische Landtagsabgeordnete jüdischen Glaubensbekenntnisses aus der Wahlurne unserer Residenzstadt hervorgegangen. Die 'Karlsruhe Zeitung' schreibt hierüber: Äußerem Vernehmen nach wird der Landtag Dienstag 26. dieses Monats zusammentreten. - Dass bei der heutigen Wahl eines Abgeordneten hiesiger Stadt zum Ersatz für Herrn Ministerialpräsidenten Freiherren von Roggenbach, welcher bekanntlich für hier abgelehnt hat, Herr Obergerichtsadvokat Dr. Kusel von Bruchsal gewählt wurde, ist oben bereits angezeigt. Der langjährige frühere Abgeordnete, Herr Hofbuchhändler Knittel, welcher seit mehreren Wochen schwer erkrankt darniederliegt, hatte bereits in der vorigen Woche erklärt, dass er wegen seiner erschütterten Gesundheitsverhältnisse eine etwaige Wahl nicht annehmen werde. Herr Regierungsrat Jolly, der von einem Teile der Wahlmänner in Aussicht genommen war, hatte ebenfalls eine ablehnende Erklärung abgegeben. (Er ist seitdem bekanntlich von der Universität Heidelberg gewählt worden.) So blieb Herr Dr. Kusel als einziger Kandidat übrig, und da man ohnehin mit seiner politischen Richtung allseitig einverstanden war, so war vorauszusehen, dass er mit großer Majorität gewählt werden würde. In der Tat vereinigten sich 70 Stimmen von 78 auf ihn, 3 weitere fielen auf Herrn Knittel, 3 auf Obergerichtsadvokat Busch, 1 auf Baurat Gerwig, und 1 auf Oberbürgermeister Malsch. Beiläufig mag bemerkt werden, dass Herr Dr. Kusel der erste Israelit ist, welcher in die badische Kammer tritt. Somit wäre durch seine Wahl zugleich ein längst veraltetes Vorurteil tatsächlich überwunden. (Also abermals ein Parlament, in welches das Volk einen Juden als Abgeordneten gesandt hat. Rechnen wir uns einmal diese Parlamente auf: das englische Unterhaus (3), der französische gesetzgeberische Körper (1), das italienische Unterhaus (6), der österreichische, böhmische, mährische und galizische Landtag, der österreichische Reichstag (Unterhaus 2, Oberhaus 1), das preußische Abgeordnetenhaus (2), das bayerische Unterhaus (1, früher 2), der braunschweigische Landtag, und nun das badische Unterhaus, außerdem in Nordamerika Senat und Haus der Gemeinen, sowie in vielen einzelnen Unionsstaaten, ebenso im Australischen Parlamente und in den dortigen Provinziallandtagen, z.B. Melbourne. Die Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Judentums)."
Zum Tod von Emil Rosenthal (geb. in Bruchsal, gest. 1891 in Frankfurt am Main)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1891: "Frankfurt am Main, 11. Mai (1891). Heute früh starb plötzlich Herr Emil Rosenthal, ein Mann, der sich durch seine gemeinnützige Wirksamkeit große Verdienste erworben hat. Er war aus Bruchsal gebürtig und kam schon als ganz junger Mann nach Frankfurt. Als Mitglied der Handelskammer war er einer der Vertreter dieser Körperschaft auf dem im vorigen Jahre abgehaltenen Binnen-Schifffahrtskongress in Manchester. Der Stadtverordnetenversammlung gehört er seit 1882 an. Im Verein für Handel und Verkehr, den er begründen halt, war er erster Vorsitzender; ebenso hatte er den Vorsitz im Vorstande der Israelitischen Gemeinde. Seit 14 Tagen waren starke asthmatische Beschwerden bei ihm aufgetreten, doch fühlte er sich gestern noch relativ so wohl, dass er der Vorstellung im Opernhause beiwohnte. Sein menschenfreundlicher Charakter und seine Wohltätigkeit verschafften dem Hingeschiedenen allgemeine Liebe und Achtung. Die Beerdigung fand Mittwoch statt."
Zum Tod von Isaac Heinsheimer (1896)
Zum Tod von Theresia Sulzberger geb. Schrag (1897)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1897: "Bruchsal. Am Schabbat Halbfeiertag von Sukkot (das war am 16. Oktober 1897) entschlief hier nach längerem Krankenlager Frau Theresia Sulzberger geb. Schrag im hohen Alter von 87 Jahren zur ewigen Ruhe. Sie war eine Frau echt jüdischen Geistes und Herzens, stets und überall helfend und aufrichtend. Sie erzog ihre Kinder im wahren Sinne des Judentums, zu Rechtschaffenheit, Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Von der großen Verehrung und Achtung, in der sie bei jedermann stand, legte besonders das Leichenbegängnis, an dem sich Christen sowohl als Juden aus allen Kreisen und Ständen in reichem Maße beteiligten, beredtes Zeugnis ab. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Diamantene Hochzeit von Moritz Marx und Babette geb. Uhlfelder (1899)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1899: "Personalien. Bruchsal. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feierten Herr Moritz Marx hier und seine Ehefrau Babette geb. Uhlfelder. Bei der hervorragenden Stellung, die sich der Jubilar durch seine geschäftliche Tätigkeit, durch seine langjährige Wirksamkeit als Stadtverordneter und Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse, sowie als Mitglied des Synagogenrats und Vorstand der jüdischen Gemeinde erworben, und bei der allseitigen Beliebtheit, deren sich Frau Marx durch ihr stilles und bescheidenes Wirken und ihre ausgedehnte Wohltätigkeit erfreut, konnte es nicht fehlen, dass dieses Fest weit über den Kreis der Familie und der Glaubensgemeinschaft herzliches Interesse und freudige Teilnahme fand. Geheimer Regierungsrat Lang überreichte, lt. 'Krchg. Ztg.' (Kraichgauer Zeitung), mit herzlichen Wünschen Herrn Marx das ihm von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog verliehene Ritterkreuz des Zähringer Löwenordens. Herr Oberbürgermeister Stritt, an der Spitze einer Abordnung des Stadtrats, feierte mit Überreichung eines prachtvollen Blumenkorbes in warmen Worten die Bürgertugenden des Jubilars und die wohltätige Wirksamkeit seiner Gattin. Herr Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher verlas eine Zuschrift des großherzoglichen Oberrates der Israeliten und überreichte in dessen Auftrag ein vortrefflich ausgeführtes Bild des Großherzogs. Daran schloss er die Glückwünsche des ganzen Rabbinatsbezirkes, dessen Verwaltung Herr Marx als Bezirksältester angehört, sowie des Vorstandes des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden, den derselbe mit begründen half und als dessen zweiter Vorsteher er fungiert. An der Spitze des Synagogenrats begrüßte Herr Vorsteher Louis Marx das Jubelpaar, dessen Leben und Wirksamkeit der ganzen Gemeinde zur Ehre und zum Vorbild gereiche, und übergab ihm als Geschenk derselben die Doré'sche Prachtbibel. Eine Abordnung der jüdischen Frauen verlas eine Adresse und überreichte eine vorzüglich ausgeführte Blumenvase, der Vorstand der Gesellschaft 'Eintracht' einen silbernen Pokal."
Jubiläum von Gemeindevorsteher und Stadtrat Louis Marx (1909)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Oktober 1909: "Bruchsal, 10. Oktober (1909). Auf eine 25-jährige Wirksamkeit im Dienste des Judentums durfte in diesen Tagen Herr Stadtrat Louis Marx, der Vorsteher der israelitischen Gemeinde hier, zurückblicken, Eine Fülle von Arbeit umschließt für ihn dieser Zeitraum. Neben seiner Tätigkeit für die Gemeinde hat der Jubilar als erster Vorstand des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden, als Vorstandsmitglied des Friedrichsheims, dann als Mitglied der Synode, deren Sitzungen er verschiedenfach als Präsident wie als Vizepräsident geleitet hat, sowie als Mitglied des Synodalausschusses, auch um die Gesamtheit der badischen Juden hervorragend sich verdient gemacht und in den weitesten Kreisen in ungewöhnlichem Maße Achtung und Vertrauen sich erworben. Am 26. September erschienen daher die Mitglieder des Synagogenrates und des Gemeindeausschusses, sowie der Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher, in der Wohnung des Gefeierten, um den Dank und die Glückwünsche der Gemeinde und der Bezirkssynagoge ihm auszusprechen und gleichzeitig eine künstlerisch ausgeführte Adresse, sowie ein Ehrengeschenk ihm zu überreichen. Herr Marx dankte in einer tief zu Herzen gehenden Rede. Die ganze Gemeinde vereinigt sich in dem Wunsche, dass dem hoch verdienten Manne viele Jahre erfolgreiches Wirksamkeit in voller Schaffenskraft beschieden sein mögen."
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1909: Weitgehend identischer Artikel zu dem in der "Allgemeinen" erschienenen Artikel.
Rabbiner Dr. Hermann Löb aus Bruchsal wird zweiter Rabbiner in Freiburg (1910)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Herrmann Lob (geb. 1884 in Bruchsal als Sohn des Metzgers Lazarus Löb; gest. 1962 in Göteborg): besuchte die Grundschule und das Gymnasium in Bruchsal; studierte in Breslau und Freiburg; 1909 Rabbinatsassessor (2. Rabbiner) in Freiburg; 1910 Rabbiner und Religionslehrer in Dresden; 1913 Stadtrabbiner in Karlsruhe, 1917 Prediger in Berlin, 1919 Prediger und Rabbiner in Göteborg.
Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Februar 1910: "Freiburg. Dr. Hermann Löb aus Bruchsal wurde als 2. Rabbiner nach hier berufen."
Rabbiner Dr. Herrmann Löb wird zweiter Rabbiner in Karlsruhe (1913)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1903: "Als Rabbiner für Freiburg und Sulzburg ist Dr. Julius Zimels, bisher in Karlsruhe, ernannt und Herr Dr. H. Löb von Bruchsal ist als zweiter Rabbiner nach Karlsruhe versetzt worden."
Auszeichnung für den Feldwebelleutnant Max Schloßberger (1916)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. Juli 1917: "Bruchsal. Feldwebelleutnant Max Schloßberger wurde mit dem bayerischen Verdienstkreuz 1. Klasse in Gold mit Schwerter ausgezeichnet."
Zum Tod des aus Bruchsal stammenden Geheimrates Dr. Karl Oppenheimer (gestorben als hoch angesehener Kinderarzt in München 1926)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. August 1926: "Geheimrat Dr. Karl Oppenheimer. Am 10. Juli ist Dr. Karl Oppenheimer im Jüdischen Landheim in Wolfratshausen verstorben. Die Stadt München und die jüdische Gemeinde im besonderen haben in Dr. Oppenheimer einen ihrer besten Männer verloren. Karl Oppenheimer, geb. 29. August 1864 als Sohn eines angesehenen Kaufmanns in Bruchsal (Baden), besuchte nach Beendigung seiner Gymnasialzeit die Universitäten in Heidelberg und München, war dann als Assistent im Hauner'schen Kinderspital in München tätig und ließ sich hier im Jahre 1890 als Kinderarzt nieder und zwar als erster Vertreter dieser Spezialität in München, der ausschließlich dieses Fach vertrat und keinerlei andere Praxis ausübte. Sofort bei seiner Niederlassung richtete er eine unentgeltliche Sprechstunde für arme Kinder ein, die sich schon bald dank der Persönlichkeit ihres Leiters unter dem Namen Ambulatorium für Kinderkrankheiten einer großen Popularität in weiten Kreisen erfreute. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten gingen aus diesem Ambulatorium hervor. Im ständigen Verkehr mit dem Proletariat erkannte Oppenheimer immer mehr, dass die hohe Säuglingssterblichkeit bei den unteren Volksklassen in erster Linie eine Folge der großen Unwissenheit auf dem Gebiete der Säuglingspflege war. Er begann daher in Wort und Schrift an der Aufklärung der Mütter über richtige Säuglingsernährung zu arbeiten. Über 30 Vorträge und Abhandlungen Oppenheimers sind in den medizinischen Fachzeitschriften erschienen und haben Oppenheimers Namen weit über den Kreis seiner ärztlichen Klientel hinaus bekannt gemacht. Im Jahre 1905 gliederte Oppenheimer seinem Ambulatorium eine Mutterberatungsstelle an (die erste in Deutschland). Schon nach Jahresfrist zählt München 19 solcher nach Oppenheimers Vorbild geschaffener Stellen. Oppenheimer erwirkte für diese Stellen von der Stadt die Berechtigung Stillprämien auszuzahlen. Auf seine Veranlassung wurde das Institut der Fürsorgeschwestern geschaffen. Im Jahre 1912 unternahm Oppenheimer auf Grund zahlreicher von ihm in Münchener Schulen durchgeführten Körpermessungen einen Kampf für die Speisung armer Schulkinder aus städtischen Mitteln. Er wurde im Lauf der Verhandlungen zwar auf alle mögliche Weise angefeindet, setzte aber schließlich die von ihm als notwendig erkannte und energisch geforderte Einrichtung der Schülerspeisung durch. Bei Kriegsbeginn richtete er an der Auerfeldstraße im Gebäude der ehemaligen Irrenanstalt eine Krippe für Kinder arbeitender Frauen ein, die sich zu einer kleinen Musteranstalt entwickelte und auswärtigen Besuchern, die das Münchner Krippenwesen kennen lernen wollten, stets vom Magistrat aus gezeigt wurde. Später übernahm er die ärztliche Leitung der Kinderherberge an der Khidlerstraße, in der arme verlassene Kinder Aufnahme fanden. Im Jahre 1925 wurde ihm die Leitung der städtischen Beratungsstelle im Westend übertragen.
Oppenheimer war ein guter, treuer Jude. So war es für ihn selbstverständlich, dass er - gemeinsam mit seiner gleichstrebenden Gattin, die in beruflicher, wissenschaftlicher und sozialer Tätigkeit bis zu seinem Lebensende ihm die beste Helferin und Genossin gewesen ist - den sozialen Problemen und Nöten des Judentums sein warmherziges Interesse in besonderem Maße zugewendet hat.
Als im Jahre 1918 Nachrichten aus dem Osten von dem furchtbaren Elend in der jüdischen Bevölkerung in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten zu uns drangen, wandte sich Oppenheimer an das Kommando von Oberost, um die Erlaubnis zu erwirken zur Errichtung von Säuglingsfürsorgen in Lemberg und Wilna, mit der er der furchtbaren Kindersterblichkeit zu steuern gedachte. Leider wurde sein Plan nciht verwirklicht, da das bayerische Sozialministerium Oppenheimer aus seiner Tätigkeit als Fürsorgearzt nicht entlassen wollte, und das Kommando Oberost die nachgesuchte Genehmigung verweigerte.
Einem anderen Gebiete jüdischer Fürsorgetätigkeit hat Dr. Oppenheimer aber die letzten 5 Jahre seines Lebens den größten Teil seiner Kraft gewidmet. Das jüdische Landheim in Wolfratshausen, dessen ärztliche Leitung er seit der Gründung im Jahre 1921 in Händen hatte, kann mit Fug und Recht als seine Schöpfung bezeichnet werden. Die Einrichtung des Heims, seiner Verwaltung, der Pflege und ärztlichen Betreuung der vielen Hundert von Kindern, die dort Erholung und Genesung fanden, hat Oppenheimer in den letzten Jahren einen großen Teil seiner Zeit und Arbeitstätigkeit gewidmet. Was dort geschaffen und erreicht wurde, ist mit seinem Namen verknüpft. Dort im Landheim hat er auch die letzten Monate seines Lebens verbracht; dort wurde er durch einen plötzlichen Krankheitsanfall mitten herausgerissen aus seiner Arbeit. An der Schwelle seines Kinderheims ist er einem Herzschlage erlegen.
Wer Dr. Oppenheimer persönlich gekannt hatte, musste ihn, den gütigen Menschen lieben. So hat Oppenheimer einen großen Kreis von Verehrern und Freunden in unserer Gemeinde, in der ganzen Stadt und weit über deren Grenzen hinaus hinterlassen. Bei der Trauerfeier im alten jüdischen Friedhof gaben Rabbiner Dr. Baerwald, ferner die Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Jesaias-Loge, des Landheims Wolfratshausen, sowie einer Reihe von ärztlichen Berufsorganisationen dem Schmerze Ausdruck, den Oppenheimers Hinscheiden bei allen verursacht hat, die ihn im Leben gekannt hatten.
Ein Mensch, erfüllt von wahrer sozialer Gesinnung, hat Dr. Oppenheimer seinen ärztlichen Beruf stets aufgefasst, als den eines Helfers der Schwachen und Armen, als den eines Beraters und Volkserziehers. Tausende verdanken Dr. Oppenheimer persönlich Rettung in Krankheit und Not, unzählige aber von Müttern und Säuglingen haben durch die Einrichtungen, die Oppenheimers Gedanken und Tatwillen entsprungen sind, Hilfe empfangen und werden sie weiterhin empfangen, ohne den bescheidenen Mann auch nur dem Namen nach zu kennen, auf dessen Pläne und Anregungen diese Einrichtungen zurückzuführen sind.
So bewährt sich bei ihm im wahrsten Sinne des Wortes der alte jüdische Spruch:
Sein Andenken wirkt fort zum Segen!"
Anzeige des Hotels "Zähringer Hof" (1878)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1878: "Zähringer Hof, Bruchsal.
Empfehle dem geehrten jüdischen reisenden Publikum mein neugegründetes Hotel bestens, ebenso empfehle ich mich zur Abhaltung von Hochzeiten und Mahlzeiten jeder Art und zeichne mit Hochachtung Hirsch Schmidt."
Anzeige des Institutes Ney (1878)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. August 1878: "Institut Ney in Bruchsal (Baden). Konzessioniert vom Großherzoglichen Ministerium des Innern. Ausbildung für Handelsfach respektive Einjährig-Freiwillige. Eintritt jederzeit. Bildungszeit 5 Jahre (9.-14. Lebensjahr).
Referenzen durch Herrn Dr. Eschelbacher, Rabbiner, Prospekt auf Verlangen."
Anzeige der Rohtabakhandlung H. Lindauer & Cie. (1901)
Ein junger Mann aus anständiger Familie findet bei uns sofort oder 1. Dezember gegen Vergütung Stellung.
H. Lindauer & Cie.,
Rohtabak, Bruchsal, Baden."
Lehrlingssuche des Schneider-Artikel-en gros-Geschäftes Dreyfuß-Schmidt Nachf. (1904)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1904: "Lehrlings-Gesuch.
Für mein Schneider-Artikel-Engros-Geschäft suche ich zum möglichst baldigen Eintritt einen Lehrling mit guter Schulbildung, aus anständiger Familie, unter günstigen Bedingungen.
Dreyfuß-Schmidt Nachfolger. Bruchsal in Baden."
Anzeige der Bäckerei Salli Strauss (1905)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. März 1905: "Ein kräftiger Junge,
der die Bäckerei gründlich erlernen will oder jüngerer Gehilfe kann sofort eintreten bei
Salli Strauss, Bruchsal, Alte Strasse 9."
Anzeige der Badisch-Württembergischen Weinbrennerei Hirsch & Lichter (1924)
"Badisch-Württembergische Weinbrennerei Hirsch & Lichter, Stuttgart und Bruchsal. Gegründet 1858.
Spezialitäten: Weinbrand, Schwarzwälder Kirsch- und Zwetschgenwasser aus eigenen Brennereien.
Wo nicht vertreten, tüchtige, gut eingeführte
Reisende gesucht."
Brief von Ernst Wertheimer (Bruchsal)
nach Reutlingen (1866)
Der Brief wurde von Ernst Wertheimer, der zeitweise Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Bruchsal war, vermutlich 1866 nach Reutlingen versandt;
Link: Foto des Grabsteines von Ernst Wertheimer im jüdischen Friedhof Bruchsal.
Karte an Moritz Marx in Bruchsal
Moritz Marx & Söhne waren in Bruchsal Besitzer einer Malzfabrik. Die Karte wurde aus Wien nach Bruchsal am 7. Dezember 1872 geschickt. Angeboten werden verschiedene Getreidesorten wie Weizen, Braugerste, Mais und Bohnen mit den dazugehörigen Preisen.
Rechnung von Louis Oppenheimer
(Bruchsal) von 1885
Die Rechnung über ein Stück Ölsacktuch wurde von Louis Oppenheimer (Tuchwarengroßhandlung, ehem. in Bruchsal, Bahnhofsstraße 4) am 16. November 1885
an N. Jochem in St. Wendel geschickt.
Karte der Fa. B. Kauffmann & Söhne
(Bruchsal) (1897)
Die Karte der Firma B. Kauffmann & Söhne wurde am 10. Juli 1897 an einen Gerichtsvollzieher in Durlangen bei Schwäbisch Gmünd geschickt.
Geschäftskarte der Lack-, Kitt- und Farbenfabrik
Gebrüder Katzauer in Bruchsal (1914)
Die Geschäftskarte der Lack-, Kitt - u. Farbenfabrik Gebrüder Katzauer in Bruchsal wurde versandt nach Eisenberg am 6. April 1914. In der Zeitschrift "Aufbau" findet sich ein Nachruf auf einen Isidor Katzauer, geboren in Bruchsal, möglicherweise einer der Teilhaber der o.g. Firma, siehe:
http://freepages.genealogy.rootsweb.ancestry.com/~alcalz/aufbau/1946/1946pdf/1946a17s30.pdf
Postkarte der Zigarettenfabrik
Alexander Wertheimer in Bruchsal (1923)
Die Postkarte der Zigarettenfabrik Alexander Wertheimer in Bruchsal wurde am 12. Februar 1923 an die Drogerie J. Werthmann in Dillingen an der Donau geschickt.
die in Bruchsal geboren sind
KK (Dieburg 1939) für Gertrud Amalie Neidhardt geb. Marx
(geb. 8. September 1901 in Bruchsal), wohnhaft in Groß-Bieberau,
1943 in das KZ Ravensbrück deportiert, umgekommen KK (Mainz 1939) für Marie Oppenheim geb. Landauer (geb. 26.
November 1881 in Bruchsal), wohnhaft in Mainz, am 25. März 1942

References: § 1
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