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Timestamp: 2018-10-16 12:42:50+00:00

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Bilanzierung [ Stand: 28.11.2017 ]
Weihnachten steht kurz bevor - da freut manch einer sich schon aufs Weihnachtsgeld. Mit welchen rechtlichen Vorschriften dieser Bonus verknüpft ist, erklärt Experte Oliver Glück.
Weihnachtsgeld ist eine Entgeltzahlung an Arbeitnehmer als zusätzlicher Arbeitslohn für die im gesamten Kalenderjahr erbrachten Arbeitsleistungen. Es wird auch oft als 13. Gehalt deklariert bzw. bezeichnet.
Die Begriffe Weihnachtsgeld und Weihnachtsgratifikation werden teilweise synonym verwendet, teilweise wird aber auch unter Weihnachtsgeld der feste jährliche zusätzliche Lohn verstanden, während die Weihnachtsgratifikation eine jährlich neu auszuhandelnde bzw. zu gewährende Sondervergütung umfasst, die z. B. von der wirtschaftlichen Lage bzw. dem geschäftlichen Erfolg des Unternehmens abhängig ist und u. a. als Ergebnis-/Gewinnbeteiligung der Belegschaft bezeichnet wird.
Weihnachtsgeld ist meist als Prozentsatz vom Monatslohn bzw. -gehalt festgelegt (z. B. im Tarifvertrag), ggfs. auch mit einer Staffelung versehen, die sich z. B. nach der Betriebszugehörigkeit richtet.
Einen grundsätzlichen rechtlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld gibt es nicht, da hierfür eine gesetzliche Grundlage fehlt. In vielen Fällen besteht für das Unternehmen jedoch eine jährliche Verpflichtung, Weihnachtsgeld zu zahlen, die aus
Die betriebliche Übung liegt vor, wenn der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern in den vergangenen Jahren (man geht hier von mindestens drei Jahren aus) Weihnachtsgeld entweder in gleicher Höhe oder aber nach identischer Berechnung gezahlt hat, ohne auf die Freiwilligkeit dieser Zahlungen hinzuweisen; daraus folgt, dass die jährliche Zahlung als fester Bestandteil der Arbeitsverhältnisse betrachtet wird und es ergibt sich ein rechtlicher Anspruch des Arbeitnehmers auf Weihnachtsgeld in diesem Unternehmen.
Ein Anspruch aus dem Gleichbehandlungsgrundsatz kann daraus resultieren, dass entweder alle Mitarbeiter oder alle einer bestimmten Gruppe (z. B. alle Gruppenleiter) Weihnachtsgeld erhalten; in dem Fall sollen einzelne Mitarbeiter oder Gruppenleiter nicht bzw. nicht ohne wesentlichen sachlichen Grund ausgeschlossen werden können. Ein sachlicher Grund läge z. B. vor, wenn außertariflich bezahlte Führungskräfte vom Weihnachtsgeld ausgeschlossen würden.
Teilzeitbeschäftigte haben ebenfalls einen Anspruch auf Weihnachtsgeld, der proportional berechnet wird (hat jemand eine 3/4 – Teilzeitstelle, erhält er entsprechend 75 Prozent des Weihnachtsgeldes).
Wurde das vereinbarte Weihnachtsgeld für das Geschäftsjahr nicht vollständig ausbezahlt, besteht insofern ein Erfüllungsrückstand zum Bilanzstichtag. Der Grund ist meist unzweifelhaft, dieser Erfüllungsrückstand führt dann, je nachdem, ob die Höhe der Verpflichtung feststeht oder noch nicht, entweder zu der Passivierung einer Verbindlichkeit oder einer Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten.
In vielen Fällen wird das Weihnachtsgeld im November oder Dezember des Kalenderjahrs ausbezahlt, so dass zum regulären Bilanzstichtag 31. Dezember kein Verpflichtungsüberhang besteht.
Im Falle eines abweichenden Wirtschaftsjahrs hingegen muss eine Passivierung i. d. R. vorgenommen werden, da die Auszahlung sich üblicherweise am Kalenderjahr orientiert und damit erst nach Geschäftsjahresende erfolgt.
Der Ausweis erfolgt in den Sonstigen Rückstellungen, die nach § 285 Nr. 12 i. V. m. § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB von mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften im Anhang zu erläutern sind, sofern sie einen nicht unerheblichen Umfang haben. Dabei werden die Weihnachtsgeldrückstellungen oft nicht separat ausgewiesen, sondern als Teil der Personalrückstellungen (neben Urlaubs-, Überstunden- sowie Tantiemerückstellungen).
Die Verbindlichkeit oder Rückstellung wird auf Basis des Bruttoarbeitsentgelts berechnet, daneben sind die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sowie ggfs. weitere entgeltabhängige Nebenkosten einzubeziehen.
Bei einem abweichenden Wirtschaftsjahr kann die Verpflichtung zur Zahlung von Weihnachtsgeld nur in einer Höhe bilanziert werden, die bei zeitproportionaler Aufteilung des Weihnachtsgeldes auf die Zeit vor dem Abschlussstichtag entfällt,* vgl. Beispiel in H.4.
In der Gewinn- und Verlustrechnung wird das Weihnachtsgeld wie andere Lohnbestandteile auch als Personalaufwand verbucht.
Das Weihnachtsgeld geht auch in die nach § 285 Nr. 9 a) und b) HGB im Anhang anzugebenden Gesamtbezüge der Organmitglieder (Geschäftsführung) ein.
Weihnachtsgeld zählt wie das Urlaubsgeld zu den Sondervergütungen, die auch in die Berechnung der Urlaubsrückstellung einzubeziehen sind.
Ein Unternehmen hat ein abweichendes Wirtschaftsjahr, das jeweils zum 30. Juni endet. In dem Fall wurde zeitproportional bis zum Bilanzstichtag nur ein hälftiger Anspruch auf Weihnachtsgeld erarbeitet. Die Passivierung umfasst deshalb nur den hälftigen Betrag des Weihnachtsgeldes für das Kalenderjahr.
Hat das Unternehmen z. B. 100 Mitarbeiter mit einer monatlichen Bruttogehaltssumme von insgesamt 200.000 Euro und erhalten die Mitarbeiter als Weihnachtsgeld im Dezember des Kalenderjahres ein komplettes Monatsgehalt, ist zum 30. Juni eine Rückstellung dafür zu bilden in Höhe des hälftigen Betrags (100.000 Euro) zzgl. Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung in Höhe von z. B. 20 Prozent = 20.000 Euro, in Summe 120.000 Euro.
Nach § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB müssen die auf die Posten der Bilanz und der Gewinn-und-Verlustrechnung angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden im Anhang angegeben werden.
Zudem müssen die sonstigen Rückstellungen nach § 285 Nr. 12 i. V. m. § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB von mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften im Anhang erläutert werden, sofern sie einen nicht unerheblichen Umfang haben.
Eine beispielhafte Anhangangabe könnte z. B. sein:
„Das Unternehmen bildet Rückstellungen für Weihnachtsgeld, da zum Bilanzstichtag 30. Juni ein Verpflichtungsüberhang ggü. den Arbeitnehmern aus den im Dezember zu leistenden Weihnachtsgeldzahlungen besteht.
Die Höhe der Rückstellung ergibt sich aus der zeitproportionalen Zuführung in den Monaten Januar bis Juni; sie berechnet sich auf Basis der Bruttomonatsgehälter und umfasst den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung von im Schnitt 20 Prozent.“

References: § 285
 § 288
 § 285
 § 284
 § 285
 § 288