Source: http://biosphaerenreservat-rhoen.de/_umweltbericht/html/b12.1_schutzgebiete.htm
Timestamp: 2018-01-23 23:21:15+00:00

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B12.1 Schutzgebiete
B12.1	Schutzgebiete
Nach den Leitlinien für Biosphärenreservate in Deutschland soll der überwiegende Teil ihrer Fläche unter rechtlichen Schutz gestellt sein[ii]. Die rechtliche Sicherung von Flächen ist für den Schutz und die Erhaltung der Kulturlandschaft und ihrer Biodiversität notwendig. Basierend auf den Naturschutzgesetzen der Länder können Landschaftsausschnitte mit unterschiedlichem Status unter Schutz gestellt werden.
Von Bedeutung sind im Biosphärenreservat Rhön die Kategorien Naturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet bzw. Naturpark oder Naturdenkmal. In Thüringen wurden die Begriffe an die Nomenklatur der Zonierung des Biosphärenreservats angepasst und werden mit Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone bezeichnet. Als Kernzonen des Biosphärenreservats sind vor allem Waldflächen geschützt – entweder als Naturwaldreservate gemäß Landeswaldgesetz oder als Naturschutzgebiete gemäß Naturschutzgesetz.
Zusätzlich zu den nationalen Schutzgebieten kommen in der Rhön europäische Regelungen zum Tragen. Als (mögliche) Bausteine des europäischen Schutzgebietsnetzes �Natura 2000“ wurden nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie[iii]) bzw. der Vogelschutz-Richtlinie[iv] Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (FFH-Gebiete) bzw. Besondere Schutzgebiete (SPA) an die Europäische Union (EU) gemeldet.
Biosphärenreservate beinhalten Schutzgebiete.
Informationen zu den einzelnen Schutzgebieten liegen bei den Biosphärenreservatsverwaltungen vor. Die Daten umfassen zum einen die rechtlichen Festsetzungen der Schutzgebiete, z. B. die Schutzgebietsverordnungen. Zum anderen werden geographische Daten über Lage, Umfang und Größe der geschützten Flächen vorgehalten.
Die Verwaltungsstellen können dabei auf fachliche Informationssysteme der Landesumweltämter, in Bayern z. B. das FIS-Natur, zurückgreifen. Darin werden naturschutzfachliche digitale Informationen zusammengeführt. Die Informationssysteme enthalten auch Daten zu den Gebieten gemeinschaftlicher Bedeutung nach der FFH-Richtlinie sowie zu den �Besonderen Schutzgebieten“ nach der Vogelschutzrichtlinie.
BY: Höhere Naturschutz-
HE: Obere Naturschutz-
TH: Landesverwaltungsamt
länderübergreifende GIS-Zentrale des Biosphärenreservats
räumlich: Biosphärenreservat
Über die bereits genannten Schutzgebietskategorien hinaus sind auch geschützte Biotope Bestandteile des Netzes geschützter Gebiete. Der rechtliche Schutz ausgewählter Biotope ist in den Naturschutzgesetzen der Länder geregelt, in Bayern in Art. 13d, in Hessen in §15d und in Thüringen in §18. Die schutzwürdigen Biotope wurden in den drei Teilen des Biosphärenreservats in unterschiedlichen Maßstäben, unter Nutzung unterschiedlicher Kartierschlüsseln und in unterschiedlichen Zeiträumen erfasst (s. Tab. 42 ). In Thüringen ergänzen die flächendeckende Waldbiotopkartierung (1993-2004) und die Dorfbiotopkartierung (1995-1999) die Ergebnisse.
Tab. 42: Überblick über durchgeführte Biotopkartierungen
Offenland-
(Eine Aktualisierung wurde für den Landkreis Bad Kissingen begonnen, für Rhön-Grabfeld war sie ab 2007 vorgesehen. Angewendet wird eine andere Methodik gemäß §13d BayNatSchG)
1990-1993 (Vorläufer-
kartierung)
1:5.000 (1:25.000 als Übersichtskarte)
deckend, mit Ausnahme von Siedlungs-
gebieten und Agrargebieten
der Länder[v] als Datenquelle zur Darstellung von Veränderungen der Biodiversität nicht geeignet
Die Biotopkartierung ist eine wichtige Datengrundlage vor allem für Fachplanungen des Naturschutzes, im Rahmen der Landschaftsplanung oder bei Eingriffsvorhaben. Den Ansprüchen eines Landschaftsmonitorings kann sie aufgrund ihrer Erfassungsmethodik, insbesondere aufgrund fehlender Fortschreibungen, nicht genügen. Die Kartierung wird daher nicht als Datenquelle für den aktuellen Umweltbericht berücksichtigt. Für eine Verwendung in zukünftigen Umweltberichten ist die Datensituation erneut zu prüfen.
Schutzgebietskategorien innerhalb des Biosphärenreservats
Die Rhön war schon lange vor ihrer Anerkennung als Biosphärenreservat eine Schwerpunktregion des Naturschutzes und der Landschaftspflege in Deutschland. Dies belegen zahlreiche Naturschutzgebiete (NSG), die z. T. schon lange vor 1991 ausgewiesen worden waren.
In der Thüringer Rhön sind die ältesten Naturschutzgebiete (heute als Pflegezonen bezeichnet) der 1938 unter Schutz gestellte Ibengarten und die Bernshäuser Kutte (seit 1942). Das älteste Naturschutzgebiet im bayerischen Teil ist das 1939 ausgewiesene �Schwarze Moor“, das 1982 in das NSG �Lange Rhön“ integriert wurde. In Hessen wurden erst Mitte der 1970er Jahre das NSG Morsberg (1973) und die Oberbernhardser Höhe (1977) ausgewiesen.
Die bisher letzte Neuausweisung bestand 2002 in der Erweiterung des 1982 ausgewiesenen NSG �Lange Rhön“. Weitere Unterschutzstellungen sind in Vorbereitung.
Tab. 43: Ausweisungen bzw. Erweiterungen von Naturschutzgebieten
Anzahl der ausgewiesenen / erweiterten Naturschutzgebiete (NSG)
71 Naturschutzgebiete[vi] umfassen rund 10% der Fläche des Biosphärenreservats Rhön.
Insgesamt sind derzeit 71 Naturschutzgebiete bzw. in Thüringen Pflegezonen ausgewiesen. Ihre jeweilige Flächengröße ist sehr unterschiedlich. Das kleinste NSG �Kalktuffniedermoor“ ist gerade einmal 5,64 ha groß. Am anderen Ende der Skala stehen die großen Schutzgebiete der �Langen Rhön“ (3.272 ha) und die �Schwarzen Berge“ (3.160 ha). Die durchschnittliche Größe der 71 Naturschutzgebiete beträgt ca. 260 ha.
durchschnittliche Größe 260 ha
Der jeweilige Schutzzweck ist vor allem von der Biotopausstattung bestimmt. Im hessischen Teil des Biosphärenreservats stehen insbesondere verschiedene Waldgesellschaften im Mittelpunkt des Schutzes. Dazu zählen besonders Blockschuttwälder, Buchenwälder (primär Zahnwurz-Buchenwald), Edellaubholzwälder und Feuchtwälder (Auenwälder). Bei den Grünlandtypen dienen die meisten Naturschutzgebiete der Erhaltung von Kalkmagerrasen. Des Weiteren sind naturnahe Bachläufe sowie Basaltformationen unter Schutz gestellt.
Im thüringischen Teil steht der Schutz von Lebensräumen seltener Tierarten an erster Stelle. Als Schutzzweck wird am häufigsten die Sicherung von Kalkmagerrasen genannt. Weiterhin spielt die Erhaltung von Buchenwaldgesellschaften und Moorstandorten eine wichtige Rolle.
Im bayerischen Teil ist neben dem Artenschutz (z. B. Birkhuhn) die Erhaltung von Grünland- und Heckenlandschaften, Feuchtwiesen und Kalkmagerrasen der häufigste Schutzzweck. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Umwandlung von standortfremden Fichtenaufforstungen zu Laubmischwald.
Baumartenzusam-
mensetzung und Waldumbau:
Naturschutzgebiet �Rotes Moor“ und die Renaturierung
Das 315 ha große Naturschutzgebiet Rotes Moor im hessischen Teil des Biosphärenreservats erstreckt sich auf dem flachen welligen Sattel der hohen Rhön zwischen Wasserkuppe und Heidelstein. Benannt ist das Gebiet nach dem größten und bedeutendsten heimischen Moorgebiet mit ca. 50 ha Größe. Der Hochmoorkörper wurde von 1890 bis 1984 bis auf einen Rest von 5 ha abgebaut. Von 1981 bis 1986 wurde das Rote Moor renaturiert.
Neben dem Moor beherbergt das Gebiet noch eine beachtliche Vielfalt von Lebensgemeinschaften, die für die Hochrhön typisch sind, darunter besonders ausgedehnte Karpatenbirkenwälder und montane Grünlandgesellschaften.
Durch Aufgabe der Grünlandnutzung und nachfolgende Aufforstungen mit der nicht bodenständigen Fichte sowie durch Entwässerung und Abtorfung des größten Teils des Hochmoors, haben sich der Landschaftscharakter und die ökologische Qualität gravierend geändert.
Der 1979 erstellte Pflegeplan verfolgte das Ziel, die reich gegliederte offene Hoch�rhönlandschaft durch Entfernen der Fichtenpflanzungen sowie die Wiedervernässung des Resthochmoors und der großen Abtorfungsfläche zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Es bestand die Hoffnung auf die Regeneration eines wachsenden, d. h. lebenden Hochmoors. Damit sollte zugleich der zum Überleben zu klein gewordene Lebensraum für seltene Bodenbrüter wie z. B. das Birkhuhn erweitert und gesichert werden.
Die Renaturierungsarbeiten wurden 1981 bis 1986, finanziert mit Mitteln des Bundes und der Stiftung Hessischer Naturschutz, die gleichzeitig Projektträger war, erfolgreich ausgeführt. Parallel zu den Renaturierungsmaßnahmen lief ein wissenschaftliches Begleitprogramm, das inzwischen im Wesentlichen abgeschlossen ist.[vii]
Foto: Eugen Sauer (Landkreis Fulda, Abteilung Landwirtschaft, Veterinärwesen und Verbraucherschutz)
Die Naturwaldreservate bzw. für den thüringischen Teil, Naturwaldparzellen im Biosphärenreservat Rhön sind Waldgebiete auf verschiedenen Standorten (inklusive der Hochmoorgebiete) mit naturnaher Arten- und Strukturvielfalt. Der Staat als Waldbesitzer verzichtet hier auf jegliche Nutzung. Die rechtliche Sicherung ist in den Ländern unterschiedlich.
Nach §12a des Waldgesetzes gilt für Naturwaldreservate in Bayern ein Eingriffsverbot, um diese Waldflächen einer natürlichen Eigendynamik zu überlassen. In Thüringen ist ein entsprechendes Verbot in §9 des Waldgesetzes geregelt. Die beiden Naturwaldreservate �Stirnberg“ und �Langenstüttig“ im hessischen Teil der Rhön sind als Naturschutzgebiete gemäß Landesnaturschutzgesetz geschützt, in denen eine unbeeinflusste natürliche Dynamik zu gewährleisten ist.
Naturwaldreservate sind darüber hinaus Räume für Forschung und Umweltbeobachtung. Hier werden waldökologische Grundlagenerhebungen, Dauerbeobachtungen und Datenauswertungen durchgeführt.
In Bayern ist hierfür die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zuständig. Im Mittelpunkt stehen die Erhaltung und Erforschung der Flächen und die Sicherung der biologischen Vielfalt[viii]. Die Forschungs- und Beobachtungsergebnisse sollen Erkenntnisse für die waldbauliche Praxis in bewirtschafteten Wäldern liefern[ix].
In Hessen nimmt diese Aufgabe die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt wahr. Sie koordiniert und realisiert im Auftrag des Landesbetriebs Hessen-Forst (FENA) und mit Unterstützung durch die Biosphärenreservatsverwaltung die Naturwaldreservate-Forschung. Ziel des hessischen Forschungsprogramms ist die wissenschaftliche Untersuchung und Dokumentation des faunistischen und floristischen Arteninventars, der natürlichen Sukzessionsprozesse sowie der Habitatansprüche und Populationsentwicklungen der Tier- und Pflanzenarten.
In Thüringen liegen die wissenschaftliche Betreuung der Naturwaldparzellen sowie die Durchführung und Koordinierung der Forschung in den Händen der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Gotha. Zur Erforschung von natürlichen Waldvegetationsgesellschaften sollen in den Naturwaldparzellen u. a. ökologische Grundlagenforschung und Monitoringvorhaben gebündelt werden.
Die Naturwaldreservate sind Bestandteil der Kernzonen des Biosphärenreservats.
Naturwaldreservate bzw. Naturwaldparzellen und Kernzonen
Verzicht auf jegliche Nutzung und Beobachtung der natürlichen Dynamik
In den Kernzonen sollen naturnahe Waldökosysteme und ihre natürlichen Prozesse geschützt werden, um Lebens- und Rückzugsgebiet für bedrohte Pflanzen- und Tierarten zu schaffen, die genetische Vielfalt zu erhalten und natürliche dynamische Prozesse und ökologische Zusammenhänge zu erforschen. Kernzonen sind Referenzflächen für den Vergleich mit genutzten Landschaftsteilen. Sie sollen mindestens 3% der Fläche eines Biosphärenreservats einnehmen[x]. Alle Kernzonen des Biosphärenreservats müssen durch entsprechende Verordnungen rechtlich ihrer Funktion und ihrem Schutzzweck entsprechend gesichert sein (z. B. über das Naturschutz- oder das Waldgesetz)[xi].
Zonierung des Biosphärenreservats:
Kap. A3, Abb. 2
Im Thüringer Teil wurde die Verordnung 2006 überarbeitet. Ursprünglich waren entsprechend der Verteilung naturnaher Flächen sechs Einzelflächen von ca. 260 ha als sogenannte Cluster-Kernzonen ausgewiesen worden. Im Rahmen von zwei Erweiterungen wurden zusätzliche Waldflächen mit einer Fläche von ca. 500 ha aus der forstlichen Nutzung genommen. Insgesamt sind hier derzeit 762 ha (1,56%) als Kernzone ausgewiesen.
Die Ausweisungen umfassen im bayerischen Teil 383 ha (0,5%), im hessischen Teil 2.432 ha (3,8%)[xii]. Aktuell sind damit 3.577 ha bzw. 1,94% der Biosphärenreservatsfläche als Kernzone ausgewiesen. Die Zielgröße von 3% ist derzeit noch nicht erreicht.
Mindestgröße für Kernzonenfläche wird nicht erreicht.
Abb. 40: Schutzgebiete im Biosphärenreservat
Die hessischen und bayerischen Flächen des Biosphärenreservats sind zugleich Bestandteile der Naturparke Hessische Rhön und Bayerische Rhön. Dem größten Teil der Naturparke kommt der Status Landschaftsschutzgebiet zu. Die so ausgewiesene Fläche im bayerischen (54.469 ha) und hessischen Teil (50.892 ha) des Biosphärenreservates Rhön beträgt zusammen über 100.000 Hektar.
Der Thüringer Teil des Biosphärenreservats Rhön war bis 2006 durch die Verordnung vom 12.9.1990 insgesamt als Landschaftsschutzgebiet geschützt. Die Fläche betrug 48.573 ha. Im Rahmen der Überarbeitung der Verordnung wurden Außengrenze und Gesamtfläche neu bestimmt. Die Gesamtfläche beträgt nun 48.895 ha.
Darüber hinaus wurde in der Überarbeitung die Kategorie Landschaftsschutz-
gebiet in die Zonierung des Biosphärenreservats eingebunden und je nach Schutzzweck in Kern- oder Pflegezone umbenannt. Die verbleibende Entwicklungszone umfasst 43.643 ha. Östlich wird das Biosphärenreservat in Thüringen vom �Landschaftsschutzgebiet Thüringer Rhön“ umschlossen. Dieses war bereits im Jahr 1989 festgelegt worden und reicht über das später eingerichtete Biosphärenreservat hinaus.
gebiete und Naturpark
124 Gebiete mit 46.940 ha wurden an die Europäische Kommission als FFH-Gebiete gemeldet. Das sind 25% des gesamten Biosphärenreservats. Es gibt zehn Europäische Vogelschutzgebiete (SPA) mit 79.068 ha, entsprechend 43% der Gesamtfläche.
Abb. 41: NATURA 2000-Gebiete im Biosphärenreservat
Das �Grüne Band“
Durch das Biosphärenreservat Rhön verlief auf über 100 km Länge die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Entlang der Grenze entstand als Folge der Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR-Regierung seit den 1950er Jahren ein mehrere Kilometer breiter Grenzstreifen. Durch ihn wurde der Zugang zu den DDR-seitig grenznahen Räumen stark eingeschränkt oder auch vollständig gesperrt. Im Laufe der Zeit hatte sich, trotz stellenweise großer Eingriffe in die Landschaft, ein Streifen zum Teil wenig beeinflusster Naturbereiche mit einer Reihe bedrohter Arten und ausgeprägter linearer Biotopvernetzung entwickelt.
Nach der Wende, im Spätherbst des Jahres 1989, trafen sich Naturschützer aus beiden deutschen Staaten und erkannten den naturschutzfachlichen Wert des Grenzstreifens. Im November 1990 prägte der damalige Umweltminister Klaus Töpfer den Begriff �Grünes Band“. 1994/95 wurden in Thüringen erste Nutzungsempfehlungen für das Grüne Band erarbeitet. 1998/99 wurde unter Federführung des Thüringer Umweltministeriums ein Leitbild entwickelt, und es wurden Regionale Arbeitsgruppen zu dessen Umsetzung gebildet.
Von den 105 km Grenzlinie, die innerhalb des Biosphärenreservats Rhön verliefen, bildeten 35 km die Grenze des thüringischen Teils mit Bayern, 70 km mit Hessen. Bereits unmittelbar nach der Wende konnten 1990 im thüringischen Teil des Biosphärenreservats 16 Naturschutzgebiete (heute Pflegezonen) entlang der Grenze zu Hessen und Bayern ausgewiesen werden.
Heute liegen beidseitig an 68 km der ehemaligen Grenzlinie �Vorrangflächen für den Naturschutz“, d. h. FFH- und SPA-Gebiete, Naturschutzgebiete oder Kernzonen. Auf zusätzlich ca. 26 km Länge grenzen einseitig solche Vorrangflächen an.
1998 brachte das Landratsamt Wartburgkreis die Idee eines Grenzwanderwegs auf der Trasse des so genannten Platten- oder Kolonnenwegs ein. Im Bereich des Landkreises Schmalkalden-Meiningen entstand durch Privatinitiative als Fortsetzung der �Friedensweg“. Hierdurch sollte der Bereich der ehemaligen Grenze auch für Touristen erlebbar gemacht und auf die Situation des grenznahen Raums während der DDR-Zeit hingewiesen werden. In Abstimmung mit den Naturschutzbehörden Thüringens und der Biosphärenreservatsverwaltung wurde der Verlauf in naturschutzfachlich sensiblen Bereichen verlagert und zum Teil auch nach Hessen bzw. Bayern verlegt.
Ehemalige Sperrgebiete, Schutzstreifen und das �Niemandsland“ in Richtung Bundesrepublik jenseits der Grenzanlagen waren die Grundlage für die Ausweisung umfangreicher Vorrangflächen für den Naturschutz.
Teil des Projekts war auch die Errichtung des �Hauses auf der Grenze / Point Alpha“, in dem die Biosphärenreservatsverwaltung eine Informationsstelle eingerichtet hat, wo sich der Besucher nicht nur über die Grenzsituation, sondern auch über das Biosphärenreservat und seine Naturausstattung informieren kann.
Informationsstelle Haus auf der Grenze / Point Alpha:
Einen Überblick über die Größe der in den jeweiligen Schutzgebietskategorien geschützten Flächen gibt Tab. 44.
Tab. 44: Ausgewählte Schutzkategorien – Fläche, Flächenanteil[xiii]
Naturwald-
**5.254
**762
* 30,1 ha des NWR Langenstüttig, 71,1 ha des NWR Stirnberg; dies sind bestehende Naturwaldreservate, die auch als Kernzone ausgewiesen wurden.
** Die Schutzgebietskategorien Naturwaldreservat, Naturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet entfallen für das Biosphärenreservat ab 28.4.2006. Stattdessen wurden diese Gebiete in die Zonierung des Biosphärenreservats eingebunden und je nach Schutzzweck in Kernzone, Pflegezone oder Entwicklungszone umbenannt.
Schutzgebiete unterschiedlicher Kategorie können sich z. T. räumlich überlagen.
Die genannten Gebietskategorien haben unterschiedliche Funktionen und überlagern sich teilweise. Die Summe der Flächen in den unterschiedlichen Gebietskategorien entspricht daher nicht der tatsächlich geschützten Fläche. Aussagekräftig ist vielmehr die um die Überlagerungen bereinigte �Nettofläche“ (s. Tab. 45). Auf dieser Fläche wird den Zielen des Naturschutzes nach Landesrecht oder nach EU-Richtlinien grundsätzlich Vorrang vor den Zielen der Landnutzung eingeräumt. Diese Nettofläche für den Naturschutz umfasst im Biosphärenreservat 85.583 ha, das sind 46% der gesamten Fläche.
�Nettofläche“ der Schutzgebiete: auf 46% des Biosphären-
reservats hat Naturschutz grundsätzlich Vorrang
Tab. 45: Fläche mit grundsätzlichem Vorrang von Naturschutzzielen (Stand: 2005)
Fläche mit grundsätzlichem Vorrang von Naturschutzzielen (Bereinigte Nettofläche der Schutzgebietstypen Naturschutzgebiet, Naturwaldreservat, Kernzone, FFH-/SPA-Gebiet)
23.414 ha (32%)
43.747 ha (69%)
18.421 ha (38%)
85.583 ha (46%)
Abb. 42: �Vorrangflächen“ für den Naturschutz
Nach den Daten der CIR-Befliegung von 1993 ist der größte Anteil der Schutzgebiete von Wald bedeckt (48,6%). Es überwiegen Laubwälder und laubbaumdominierte Waldtypen (29,2%) gegenüber Nadelwäldern und nadelbaumdominierten Wäldern (15,1%). Die weitere Waldfläche besteht aus Aufforstungen, Vorwald-, Windwurf- u. ä. Flächen.
Unter den Offenlandflächen (insgesamt ca. 43,3%) nehmen Wiesen, Weiden und sonstige Grünländer den größten Anteil ein (ca. 36,1%). Weitere 7,2% der Fläche werden als Ackerland genutzt. Die verbleibenden Flächen sind vor allem kleinflächig auftretende Biotoptypen, z. B. Kraut- und Staudenfluren, Feldgehölze und -ge�büsche oder Feuchtflächen.
Schutzgebiete umfassen vorwiegend Laubwälder und Grünlandflächen.
Verteilung der Landnutzungsformen:
Viele Biotope in der Rhön sind von der Nutzung oder Pflege durch die Landwirtschaft abhängig. Grundlage für eine an die Entwicklungsziele angepasste Nutzung der �Vorrangflächen“ für den Naturschutz sind z. B. die NSG-Verordnungen (für manche Gebiete differenziert durch Pflege- und Entwicklungspläne) bzw. das Verschlechterungsverbot nach den EU-Richtlinien für FFH-Gebiete.
Die Schutzgebiete sollen sicherstellen, dass die darin existierenden Pflanzen- und Tiergemeinschaften in ihrem Bestand erhalten werden können. Die Fortführung einer angemessenen Bewirtschaftung oder Pflege ist dabei auf eine entsprechende Förderung mit öffentlichen Finanzmitteln angewiesen.
In Naturschutzgebieten können auf der Grundlage von Verordnungen Maßnahmen der Besucherlenkung ergriffen werden. Durch Wegegebote, den räumlichen oder zeitlichen Ausschluss bzw. die Entflechtung von Aktivitäten können Gebiete touristisch genutzt, aber gleichzeitig negative Einflüsse durch die Freizeitnutzung und den Tourismus weitgehend ausgeschlossen werden.
Eine Ausnahme in Bezug auf menschliche Nutzung und Pflege bilden die Naturwaldreservate bzw. Kernzonen. Diese bleiben der natürlichen Sukzession bzw. einer natürlichen Waldentwicklung überlassen. Hier erfolgt keine land- oder forstwirtschaftliche Nutzung.
Lenkung der Landnutzung notwendig
schonende Erholungsnutzung:
Schutzgebiete sind eine wichtige Grundlage für die Umsetzung naturschutzfachlicher Ziele im Biosphärenreservat. Nach den Leitlinien für Biosphärenreservate in Deutschland soll der überwiegende Anteil der Fläche unter Schutz gestellt sein[xiv]. Bereits der Anteil derjenigen Flächen, auf denen der Naturschutz Vorrang vor anderen Landnutzungsansprüchen genießt, beträgt annähernd 50%. Darin sind die großflächigen Landschaftsschutzgebiete bzw. deren Pendant in Thüringen noch nicht berücksichtigt.
Hingegen wird die geforderte Mindestgröße für Kernzonen von 3% der Gesamtfläche nicht erreicht. Nur knappe 2% der Fläche des Biosphärenreservats sind als Kernzone ausgewiesen.
Den Leitlinien für Biosphärenreservate in Deutschland - mind. 50% der Fläche sollen unter Schutz gestellt sein - wird im Biosphären-
reservat Rhön entsprochen.
In der Kulturlandschaft kann der rechtliche Status einer Fläche als Schutzgebiet allein eine naturschutzgerechte Bewirtschaftung bzw. Landschaftspflege nicht sicherstellen. Staatliche Förderprogramme sind hierfür unverzichtbar. In vielen (Schutz-) Gebieten würde ohne diese Förderung die Nutzung aufgegeben werden und die Flächen würden brach fallen, mit allen nachteiligen Folgen für die Biodiversität, das Landschaftsbild und den Tourismus.
Gemeinsam mit den Flächeneigentümern bzw. den Bewirtschaftern sowie den Verbänden mit naturschutzfachlicher Zielstellung müssen gangbare Wege gesucht werden, um in möglichst großem Umfang Fördermöglichkeiten für die Gebiete zu erschließen.
Die bereits vollzogenen und für die Zukunft anstehenden weiteren Kürzungen bei den Agrarumweltprogrammen werden die Situation in den Schutzgebieten eher erschweren. Die Biosphärenreservatsverwaltungen haben hier nur eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten.
Agrarumweltprogramme und Vertragsnaturschutz-
Als problematisch erweist sich z. T. auch die starre Vorgabe von Pflege- oder Bewirtschaftungsregeln (wie z. B. Schnitt- und Mähzeitpunkte), an deren Einhaltung die Auszahlung der Fördermittel gebunden ist. Die Biosphärenreservatsverwaltungen wünschen sich hier größere Spielräume für eine stärkere Anpassung der Förderprogramme an die regionalen Bedingungen.
Im Forstbereich sind diese Defizite bei den naturschutzbezogenen Förderprogrammen noch erheblicher. Hier sind regionale Programmausrichtungen nahezu nicht möglich.
Forstliche Förderprogramme:
Die Konsequenzen der Agrarreform für die Situation der Pflege und Nutzung innerhalb der Schutzgebiete lässt sich heute noch nicht im vollen Umfang absehen. Möglicherweise fördert die Umstellung von der Produktprämie auf die Flächenprämie und die sich bereits vollziehende Umstrukturierung landwirtschaftlicher Betriebe zu größeren betriebswirtschaftlichen Einheiten auch eine extensive Bewirtschaftung oder effizient durchführbare Pflege der Flächen. Entscheidend wird hier sein, wie hoch letztendlich die Flächenprämien ausfallen. Allerdings lassen die Flächenprämien dem Landnutzer große Spielräume für die von ihm gewählte Form der Bewirtschaftung. Ohne zusätzliche Anreize werden die Landnutzer vermutlich eine den Schutzzwecken entsprechende Nutzung in Schutzgebieten nicht umsetzen.
Folgen der Agrarreform:
Für das Biosphärenreservat Rhön ist jedoch auch der Blick über Schutzgebiete hinaus von großer Bedeutung. Naturschutzmaßnahmen und -aktivitäten sollten sich nicht nur auf die geschützten Gebiete konzentrieren. Sie sollen vielmehr in alle Nutzungen und genutzten Bereiche (einschließlich des Siedlungsraums) im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung hineinreichen.
Nach den Leitlinien für Biosphärenreservate in Deutschland soll mehr als die Hälfte der Fläche eines Biosphärenreservats unter gesetzlichem Schutz stehen. Dies wird im Biosphärenreservat Rhön erfüllt. Nur 20% Fläche im Biosphärenreservat Rhön genießt keinerlei Schutz. Auf 46% der Gesamtfläche hat Naturschutz in Form verschiedener Schutzgebietskategorien grundsätzlich �Vorrang". Der Rest hat den Status eines Landschaftsschutzgebiets.
Große Teile des Biosphärenreservats stehen unter gesetzlichem Schutz.
Allerdings entspricht die für UNESCO-Biosphärenreservate festgelegte Zonierung des Biosphärenreservats Rhön nicht den nationalen Vorgaben. Es sind nur knappe 2% der Gesamtfläche als Kernzone ausgewiesen. Das Kriterium des Deutschen Nationalkomitees für das UNESCO-Programm Der Mensch und die Biosphäre (MAB) von 3% wird damit nicht erreicht.
Kriterium für die Größe der Kernzonen wird nicht erreicht.
In der Kulturlandschaft kann der rechtliche Status einer Fläche als Schutzgebiet allein eine naturschutzgerechte Bewirtschaftung bzw. Landschaftspflege nicht sicherstellen. Staatliche Förderprogramme sind hierfür unverzichtbar, da ohne finanzielle Unterstützung in vielen (Schutz-)Gebieten die notwendige Nutzung und Pflege aufgegeben wird.
Die Verordnungen für Schutzgebiete ermöglichen es auch, Maßnahmen zur Besucherlenkung zu ergreifen. Durch Wegegebote, den räumlichen oder zeitlichen Ausschluss bzw. die Entflechtung von Aktivitäten können Gebiete touristisch genutzt, aber gleichzeitig negative Einflüsse durch die Freizeitnutzung und den Tourismus weitgehend ausgeschlossen werden.
Steuerung der Landnutzung zur Erhaltung der Schutzgebiete und der Kulturlandschaft notwendig
[ii] Ständige Arbeitsgruppe der Biosphärenreservate in Deutschland (Hrsg.) 1995: Biosphärenreservate in Deutschland – Leitlinien für Schutz, Pflege und Entwicklung. Berlin.
[iii] Rat der Europäischen Gemeinschaften 1992: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen – FFH-Richtlinie.
[iv] Rat der Europäischen Gemeinschaften 1979: Richtlinie des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (79/409/EWG) – Vogelschutzrichtlinie.
[v] Bayern: http://www.bayern.de/lfu/natur/daten/kartieranleitungen/teil1_arbeitsmethodik_flachland_staedte_03_2006.pdf (Abruf: 06.06.2006)
Hessen: http://atlas.umwelt.hessen.de/servlet/Frame/atlas/naturschutz/biotopschutz/karten/m_2_1_1.htm (Abruf: 06.06.2006)
Thüringen: http://www.tlug-jena.de/start/umweltdaten2005/ub2005/nat_land.htm#Biotopk (Abruf: 06.06.2006)
[vi] Verordnungen zu Naturschutzgebieten im Biosphärenreservat Rhön
[vii] Die Ergebnisse der Untersuchungen werden derzeit von Dr. Bohn / BfN zur Veröffentlichung aufgearbeitet. Mit der Publikation ist in 2007 zu rechnen.
[viii] BayWG - Bayerisches Waldgesetz in der Fassung vom 22.Juli 2005
[ix] Mößmer R. & Gulder H.-J. 2003: Rückschlüsse für den Wirtschaftswald: Naturwaldreservate - Forschung für den Wald der Zukunft - Ableitung naturnaher Nutzungskonzepte. In: LWF aktuell 40/2003.
[x] Deutsches Nationalkomitee für das UNESCO-Programm �Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) 1996: Kriterien für Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland. Bundesamt für Naturschutz, Bonn.
[xi] Bayerische, Hessische, Thüringer Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön (Hrsg.) 2003: Bericht zur Überprüfung des UNESCO - Biosphärenreservats Rhön Berichtszeitraum: 1991-2003 (Anlagen)
[xii] Bayerische, Hessische, Thüringer Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön (Hrsg.) 2003: a.a.O.
[xiii] Digitale Daten der GIS-Zentrale des Biosphärenreservats Rhön zur CIR-Kartierung 1993, zu den Grenzen von Naturschutzgebieten, FFH-Gebieten und SPA-Gebieten sowie zu Naturwaldreservaten
[xiv] Ständige Arbeitsgruppe der Biosphärenreservate in Deutschland (Hrsg.) 1995: a.a.O.

References: Art. 13
 §15
 §18
 §13
 §12
 §9