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Timestamp: 2015-04-28 18:13:06+00:00

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Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009
April 28, 2015, 06:13:05 PM
News:.TV-Pastor Wegert: Germanwings-Opfer haben den Tod verdient#### #### #### #### #### #### #### #### #### #### #### #### #### #### #### Pfaffe, mach's Maul auf!Haben die Toten von Amsterdam den Tod verdient?
Topic: Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009 (Read 2661 times)
« on: March 08, 2009, 07:49:12 AM »
http://www.nationale-impfkonferenz.de/media/Abstractband_5_03_09_.pdf[*QUOTE*]----------------------------------------------Nationale Impfkonferenz 5. - 7. März 2009 Rheingoldhalle, Mainz Impfschutz im Dialog. Ein gemeinsames Projekt Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Stiftung Präventive Pädiatrie Schirmherr: Bundespräsident Horst Köhler Abstractband 2 Inhaltsverzeichnis Eingeladene Vorträge 1. Sitzung Impfschutz im Dialog Festvortrag 2. Sitzung Imfpziele und -strategien in Deutschland: Impfempfehlung 3. Sitzung Zulassungsvoraussetzungen für Impfstoffe: Erfassung von Impfquoten 4. Sitzung Impfstoffforschung, Impfstoff- angebot, Neuerungen des SGB V 5. Sitzung Maser-Mumps-Röteln, Endspurt- Strategien zur Impfförderung der Länder Workshop I Workshop II Seite Poster Allgemeine Konzepte zum Thema Impfen (auch Erlebnisparcour) PS1 - PS5 Strategien zur Anhebung von Impfquoten, insbesondere zum Thema "Masern-Röteln-Endspurt" PS6 - PS18 Erfassung von Impfquoten PS19 - PS26 Seite 4 5 13 5 15 22 7 Evaluationsmodelle für Impfstrategien, -projekte, -kampagnen 8 PS27 - PS36 Unerwünschte Arzneimittel- nebenwirkungen (UAW) Erfassung und Risikokommunikation PS37 - PS39 Immunologie PS40 - PS42a 26 9 10 30 32 12 Wirksamkeitsstudien PS43 - PS47 Autorenverzeichnis 34 37 3 Eingeladene Vorträge 1. Sitzung Impfschutz im Dialog "Impfziele und Impfprogramme in Deutschland - eine Bestandsaufnahme" J. Hacker Robert Koch-Institut, Berlin Impfungen haben als effektive und sichere Maß- nahme der Primärprävention gezeigt, dass sie maß- geblich zum Infektionsschutz und damit zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung bei- tragen. So konnte die Inzidenz schwerwiegender Er- krankungen, wie Tetanus und Diphtherie, besonders bei Kindern, erheblich verringert werden. Darüber hinaus wurde die Eradikation der Pocken erreicht und Polio gilt in Europa als eliminiert. Deutschland fühlt sich den Gesundheitszielen der WHO verpflichtet, die in der Krankheitskontrolle und Krankheitseliminierung durch Schutzimpfungen einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung übertragbarer Krankheiten sehen. Sol- che von der WHO verabschiedeten Gesundheitsziele sind z.B. die Senkung der Inzidenz von Diphtherie, Masern und Röteln auf unter 1 Erkrankung pro 1 Mio Einwohner sowie von Erkrankungen durch invasive Haemophilus influenzae Typ b Infektion, Mumps und Pertussis auf unter 1 Erkrankung pro 100.000 Ein- wohner. Diese Ziele wurden zum Teil bereits erreicht (Hib, Diphtherie), zum Teil besteht noch Handlungs- bedarf um sie zu erreichen (z.B. Masern). Für eine dritte Gruppe lässt sich die Umsetzung wegen feh- lender Daten für Deutschland leider nur schwer ve- rifizieren (Mumps, Röteln, Pertussis). Die Umsetzung von Gesundheitszielen erfolgt in der Bundesrepublik im Rahmen der föderalen und subsi- diären Strukturen des Gesundheitswesens. Bei der vorhandenen gegliederten Struktur der Prävention und der Impfprävention in Deutschland gibt es typi- scherweise zahlreiche Akteure mit gelegentlich di- vergierender Zielorientierung, deren Zusammenwirken notwendig aber nicht immer leicht zu koordinieren ist. Zur Erhöhung der Impfbereit- schaft und Steigerung der Durchimpfungsraten wurde in Deutschland bereits 1999 ein 10-Punkte- Programm veröffentlicht, das heute so aktuell ist wie vor 10 Jahren. Darin wird zum Beispiel eine konzer- tierte Aktion aller am Impfgeschehen Beteiligten an- gemahnt, wie auch die Verbesserung der epidemiologischen Datenlage, die Beseitigung infra- struktureller und finanzieller Hindernisse und die In- tegration des Impfgedankens als wichtiges Kernstück der Arzt-Patientenbeziehung. Deutschland stößt - wie andere Industrieländer auch - bei der Umsetzung der umfangreichen Impfemp- fehlungen und der Einführung modernerer aber auch teurerer Impfstoffe zunehmend auf neue Herausfor- derungen. Das Bewusstsein für die Gefährlichkeit impfpräventabler Erkrankungen sinkt, gleichzeitig werden seltene Komplikationen der Impfungen deut- licher wahrgenommen.Aspekte eines öffentlichen In- teresses für Impfungen und die Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft können nicht alle Men- schen überzeugen. Darüber hinaus setzen zuneh- mend begrenzte Ressourcen im Gesundheitswesen einen Konsens der Priorisierung von Gesundheits- zielen voraus. Zugleich sind intensive, evidenzba- sierte Analysen zur Begründung und Prüfung von Impfempfehlungen erforderlich. Die im 10- Punkte- Programm genannten Handlungsfelder sollten weiter intensiv verfolgt, der direkte Dialog zu allen Fragen der Umsetzung von Impfprogrammen mit allen am Impfgeschehen Beteiligten intensiviert und auf dieser Basis konsentuierte Impfziele für Deutschland for- muliert werden. Impfprogramme im Spannungsfeld zwischen individueller Autonomie und allgemeinem Wohl G. Marckmann Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Eberhard Karls Universtität, Tübingen Impfprogramme sind wirksame und darüber hinaus auch kosteneffektive Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung. Ihr Potenzial zur Verringerung von Morbidität und Mortalität ist weder in den westlichen Industrienationen noch in den Län- dern mit niedrigem Volkseinkommen ausgeschöpft. Maß- nahmen zur Steigerung der Durchimpfung sind deshalb nicht nur ethisch, sondern auch ökonomisch geboten. Damit stellt sich die Frage, inwieweit es ethisch vertretbar wäre, durch Impfverpflichtungen in die Handlungsfreiheit des Einzelnen einzugreifen, um einen ausreichenden In- fektionsschutz in der Bevölkerung zu erreichen. Eine Ein- schränkung der individuellenAutonomie wäre bei Erfüllung folgender Legitimationsvoraussetzungen vertretbar: (1) Nachgewiesene Effektivität, (2) günstiges Nutzen-Risiko- Verhältnis, (3) akzeptables Kosten-Nutzen-Verhältnis, (4) möglichst geringe Restriktionen sowie (5) faire und trans- parente Entscheidungsverfahren. Bei der Beurteilung eines bestimmten Impfprogramms re- sultieren aus den dargelegten 5 ethischen Kriterien ver- schiedeneArgumentationskonstellationen. InAbhängigkeit von der individuellen und kollektiven Abwägung von Nut- zen, Risiken und Kosten des Impfprogramms lassen sich verschiedene Empfehlungsstärken unterscheiden, die mit jeweils unterschiedlichenAnreizen und Kostenübernahme- Regelungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verbunden werden können. Die Empfehlungsstärke nimmt dabei von Stufe 1 bis Stufe 5 zu: Während bei Stufe 1 („abraten") guteArgumente gegen die Impfung sprechen, gibt es bei Stufe 5 („gesetzlich verpflichtend") zwingende Gründe, eine allgemeine Impfpflicht gesetzlich zu veran- kern. Stufe 1: Von der Impfung abraten, keine Kostenübernahme durch die GKV. Stufe 2: Impfung anbieten, keine explizite Empfehlung, eventuell Kostenübernahme durch die GKV. In diesem Fall obliegt es wesentlich der Entscheidung des Einzelnen, ob die Impfung durchgeführt werden soll oder nicht. Stufe 3: Impfung anbieten und empfehlen, evtl. proaktive Maßnahmen (z.B. Informationskampagnen) durch Errei- chung einer höheren Impfrate, Kostenübernahme durch GKV Stufe 4: Impfung anbieten, empfehlen und mit (monetären und nicht-monetären)Anreizen (für Versicherte oder Ärzte) versehen, um eine höhere Impfrate zu erreichen, selbst- verständlich Kostenübernahme durch die GKV. Stufe 5: Impfung gesetzlich vorgeschrieben, Nichtbefol- gung steht unter Strafe, Kostenübernahme durch die GKV oder Steuerfinanzierung. 4 Ethische und pragmatische Argumente sprechen aber gegen eine gesetzlich vorgeschriebene Impfpflicht. Statt- dessen sollte man durch eine geeignete, proaktive Infor- mationspolitik die gesellschaftlicheAkzeptanz des Impfens und das Vertrauen in Impfprogramme stärken. Literatur: Marckmann G, Impfprogramme im Spannungsfeld zwi- schen individuellerAutonomie und allgemeinem Wohl. Bun- desgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 2008;51(2):175-183 Festvorttrag Die Rückkehr der Volksseuchen? Infektionskrankheiten und ihre Kontrolle im 20. Jahrhundert C. Gradmann Section for medical anthropology and medical history, University of Oslo, Norwegen Zu den wichtigsten Entwicklungen in der europäischen Me- dizingeschichte des 20. Jahrhunderts gehört die Verände- rung der Bedeutung von Infektionskrankheiten. Bis zum 1. Weltkrieg bildeten Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera oder Typhus, verstanden als Volksseuchen, den Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Gesundheitswesens. Aller- dings ging bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ihre epidemiologische Bedeutung zurück. Dieser Prozess hatte seinen Ursprung in einer allgemeinen Verbesserung der Lebensverhältnisse, welche durch medizinische Innovatio- nen wie Serumtherapie, Schutzimpfungen und allmählich auch durch spezifische Therapien gefördert wurde. Mit der Verfügbarkeit von Sulfonamiden und fungalen Antibiotika kam insofern nach dem 2. Weltkrieg ein historischer Wan- del zumAbschluss.An dessen Ende hatten chronische Er- krankungen des Herz-Kreislaufssystems, Diabetes und anderes mehr den Platz der klassischen Volksseuchen im öffentlichen Gesundheitswesen aber auch im Bewusstsein ihrer Zeitgenossen übernommen. In den 1980er Jahren verdichtete sich eine ganze Reihe von teilweise schon vor- gängigen Veränderungen in ein neues Bedrohungsszena- rio, in dem Infektionskrankheiten nun wieder einen prominenten Platz einnahmen. Als wichtige Stichworte seien AIDS, Antibiotikaresistenzen aber auch die Neudefi- nition chronischer Krankheiten wie des Magengeschwürs als ansteckende genannt. Wahrnehmung und Wirklichkeit sind jedoch zweierlei: Waren die Infektionskrankheiten jemals wirklich unter Kon- trolle, inwiefern lassen sich die Neuen und die alten Volks- seuchen vergleichen, wie haben sich die Strategien ihrer Kontrolle im Laufe der Zeit verändert?Ausgehend von sol- chen und anderen Fragen möchte ich in meinem Vortrag dazu einladen, dass 20. Jahrhundert in seiner Gesamtheit als eine Epoche der Medizingeschichte zu begreifen. sam bestätigt und von den zuständigen Behörden zuge- lassen wird. Für die Entwicklung von Impfkonzepten sind jedoch weitere Fragen zu beantworten: Anders als Fragestellungen, die für die Zulassung eines Impfstoffes relevant sind, haben die Fragestellungen zur Erstellung von Impfkonzepten nicht nur das zu impfende Individuum sondern auch und vor allem die Bevölkerung im Blick: Kann die Verbreitung der Zielkrankheit durch eine allgemeine Impfempfehlung beeinflusst werden? Können unerwünschte Wirkungen in der Epidemiologie auftreten z.B. durchAltersverschiebungen oder durch Änderung des ökologischen Gleichgewichtes zugunsten anderer Erre- gerstämme? Wie wirksam und sicher sind ggf. alternative Präventionsmöglichkeiten? Wie kann die bevölkerungsbe- zogene Wirksamkeit des Impfkonzeptes gemessen wer- den? Diese und andere Fragen werden von der Ständigen Impfkommission systematisch und regelmäßig geprüft. Grundlage für die Prüfung sind zum großen Teil infektions- epidemiologische Studien und Surveillanceauswertungen: Auf der Grundlage der Meldepflicht oder von Sentinelsur- veillancesystemen werden repräsentative Informationen über die örtliche Verbreitung und den zeitlichen Verlauf der Zielkrankheit gewonnnen. Sentinels spielen eine beson- dere Rolle, weil für die meisten impfpräventablen Krank- heiten in Deutschland keine Meldepflicht besteht. Prospektive klinisch-epidemiologische Studien verbessern die Kenntnisse über die Übertragbarkeit eines Erregers und den natürlichen Verlauf einer Infektion. Ausbruchsuntersu- chungen geben wertvolle Hinweise auf die Impfeffektivität. Die Erfassung der Durchimpfung wird benötigt, um die Um- setzung eines Impfkonzeptes zu evaluieren. Molekularepi- demiologische Untersuchungen können die Entstehung von escape Mutanten nachweisen. Epidemiologische Mo- dellierungen können auf der vorhandenen theoretischen Grundlage das Spektrum derAuswirkungen verschiedener Impfstrategien vergleichen. Die hier genannten Methoden ergänzen einander, allerdings nur, wenn die Stabilität der Erfassung gewährleistet und die Qualität der Daten hoch ist Besonders deutlich wird dies bei der zunehmend be- achteten Modellierung, die im besten Fall so verlässlich sein kann wie die vielfältigen Grundannahmen, die in das Modell eingespeist werden. Seit Jahren wertet die Stän- dige Impfkommission die so gewonnenen Erkenntnisse aus und regt Studien an, die für die wissenschaftliche Begrün- dung ihrer Empfehlungen nötig sind. Das methodische Vor- gehen der Ständigen Impfkommission orientiert sich an den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin und wird weiter strukturiert und transparenter gestaltet. Die Infektionsepidemiologie ist daher die wissenschaftliche Disziplin, die ganz wesentliche Grundlagen für evidenzba- sierte Impfkonzepte bietet. Jedoch kann das Potential die- ser Disziplin nur zur Geltung kommen, wenn die gesetzlichen Grundlagen für die zu erfassenden Daten ge- schaffen werden und die Ressourcen verfügbar sind, diese Daten mit modernen infektionsepidemiologischen Metho- den auszuwerten.
« Last Edit: March 08, 2009, 07:54:44 AM by ama »
« Reply #1 on: March 08, 2009, 07:49:52 AM »
2. Sitzung Impfziele und -strategien in Deutschland: Impfempfehlungen Infektionsepidemiologie als Grundlage von Impfempfehlungen G. Krause Leiter der Abteilung für Infektionsepidemiologie am Robert-Koch- Institut, Berlin Die Entwicklung von Impfkonzepten setzt dort an, wo mit Hilfe klinischer Forschung ein Impfstoff als sicher und wirk- Schutzimpfungen in Deutschland - Stand, Probleme, Perspektiven (Impfpflicht oder Impfmanagement) S Dittmann International Immunization Consulting,Berlin WHO-Consultant In Deutschland wurden in den letzten Jahren deutliche Fortschritte bei der Realisierung von Impfprogrammen er- reicht. Die kontinuierliche Arbeit der STIKO hat dazu we- sentlich beigetragen. Dennoch sind wir vom WHO-Ziel der Masernelimination noch weit entfernt, auch die Impfraten gegen Pertussis und Hepatitis B sind nur suboptimal. Ein 5 zu großerAnteil von jungen Kindern wird wesentlich später als empfohlen geimpft. Unbefriedigend ist der Impfschutz insbesondere bei Ju- gendlichen und hinsichtlich Auffrischimpfungen bei Er- wachsenen. Kinder- und Jugendärzte tragen die Hauptlast des Impfvollzugs. Zwischen den Bundesländern und in- nerhalb dieser gibt es erhebliche Abweichungen in Impf- strategien und deren Realisierung, sich nicht zuletzt in immer wiederkehrenden Krankheitsausbrüchen manife- stierend. Vergleicht man unsere Situation mit erfolgreichen anderen Ländern, so lassen sich die Bestandteile eines qualifizier- ten Impfmanagements § Planung mit Zielvorgaben: Impfziele § zielgerichtete Information und Kommunikation § Surveillance der Zielkrankheiten auf kommunaler, regio- naler, Länder- und Bundesebene § altersbezogenes Monitoring der Impfquoten auf diesen Ebenen und § Koordination durch den Gesundheitsdienst nur in Ansätzen nachweisen. Zur Verbesserung der Situation wird immer wieder auch eine gesetzliche Impfpflicht diskutiert, auch die ‚no shot - no school'- Strategie in den USA. Die gesetzlichen Hürden (IfSG) für die Einführung von Pflichtimpfungen sind in Deutschland hoch. Hilfreich zur Erhöhung des Impfschut- zes können Festlegungen der Länder sein • für die Aufnahme in eine Kindereinrichtung die Kontrolle des Impfstandes zu fordern sowie • Pflicht-Vorsorgeuntersuchungen einschließlich Kon- trolle/Vervollständigung des Impfschutzes. Länder mit erfolgreichen Impfprogrammen verzichten zu- gunsten einer guten Surveillance und eines qualifizierten Programm-Managements auf die Impfpflicht. Vorausset- zungen für die verbesserte Erfassung der Impfraten sind bereits jetzt gegeben, wie Beispiele aus verschiedenen Projekten zeigen. Die Schutzimpfungsrichtlinie des G-BA bietet Möglichkeiten mit einem einheitlichen Dokumentati- onsschlüssel. Eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Krankenkassen, dem öffentlichen Gesundheits- dienst und der niedergelassenen Ärzteschaft ist notwen- dig. In einem Land wie der Bundesrepublik Deutschland kann der regelmäßige Austausch über erfolgreiche Strate- gien förderlich sein. Basierend auf dem Vorbild anderer fö- deraler Staaten (Australien, Kanada, USA) stellt diese 1.Nationale Impfkonferenz einen weiteren Schritt in die richtige Richtung dar. derung, Befürworten, Anraten werden von den Obersten Landesgesundheitsbehörden auf der Grund-lage der je- weils aktuellen STIKO-Empfehlungen ausgesprochen. Dies soll verdeutlichen, dass Schutzimpfungen als effiziente Ge- sundheitsvorsorgemaßnahmen staatlich gefördert werden. Öffentliche Empfehlungen sind eine wichtige Vorausset- zung für die Gewährung ei-ner Entschädigung bei einem Impfschaden. Gesetzlich geregelt ist nach § 34 Abs. 11 IfSG die Impfdatenerfassung bei einzuschulenden Kindern. Darüber hinaus enthält § 20 Abs. 4 IfSG eine Verord- nungsermächtigung für das BMG zur Erfassung und Über- mittlung anonymi-sierter Daten über durchgeführte Schutzimpfungen. Die Vereinheitlichung der Dokumentati- onsziffern inAnlage 2 der Richtlinie über Schutzimpfungen nach § 20d Abs. 1 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) bietet die Voraussetzungen dafür. Es wird ge- schätzt, dass 85% bis 95% der Impfungen durch Ärzte in freier Niederlassung erfolgen und etwa 5 bis 15% durch Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Die Fi- nanzierung von Imp-fungen für gesetzlich Versicherte er- folgte bis Anfang 2007 gemäß § 23 Abs. 9 SGB V als Satzungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Seit dem 01.04.2007 gehören Schutz-impfungen zu den Pflicht- leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, geregelt in § 20d Abs. 1 SGB V. Neu in Abs. 3 dieser Vorschrift ist auch die Verpflichtung für Krankenkassen und Länder, Rah- menvereinbarungen zum Impfen abzuschließen. Diese Vereinbarungen sollen Maßnahmen zur Förderung von Schutzimpfungen und die Erstattung von Sachkosten für Impfungen, die von Ärzten des Öffentlichen Gesundheits- dienstes durchgeführt werden, re-geln. In Deutschland dür- fen approbierte Ärzte grundsätzlich impfen. Bundesweit besteht eine Fortbildungspflicht über die Landesärztekam- mern entsprechend den jeweiligen Berufsord-nungen. Ab- rechnungsbefugnisse für das Impfen werden in den meisten Bundesländern, mit unterschiedlichen Einschrän- kungen, fachgebietsübergreifend erteilt. Zuständigkeiten und Infrastrukturentwicklung im deutschen Impfwesen H. Oppermann Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt, Fachbereich Hygiene, Magdeburg Mitglied der Ständigen Impfkommission am RKI Grundlage für die Zuständigkeiten auf dem Gebiet des Impfwesens ist das Infektionsschutz-gesetz vom 20.07.2000, hier insbesondere der § 20. Danach sollen die zuständigen Bundes- und Landesbehörden sowie die Ge- sundheitsämter die Bevölkerung über die Bedeutung von Schutzimpfungen aufklären und informieren mit dem Ziel, Wissenslücken zu schließen, an das Impfen zu erinnern und die eigenverantwortliche Entscheidung für das Impfen zu ermög-lichen. Fachliche Empfehlungen zur Durchfüh- rung von Schutzimpfungen gibt die Ständige Impfkommis- sion (STIKO), die beim Robert Koch-Institut (RKI) eingerichtet wurde. Sie gibt ihre Empfehlungen nach dem Stand der Wissenschaft, nimmt eine medizinisch-epide- miologische Nutzen-Risiko-Abwägung vor und berücksich- tigt Belange der praktischen Umsetzbarkeit. Öffentliche Empfehlungen von Schutzimpfungen im Sinne von Auffor- Von der STIKO-Empfehlung zur Schutzimpfungs-Richtlinie (SiR) A. Nahnhauer GKV-Spitzenverband, Abteilung Arznei- und Heilmittel, Berlin Mit der Neufassung des § 20dAbs. 1 Sozialgesetzbuch Nr. V (SGB V) durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz sind Schutzimpfungen, die bis dahin als freiwillige Sat- zungsleistungen in § 23 Abs. 9 SGBV geregelt waren, in den Pflichtleistungskatalog der GKV aufgenommen wor- den. Ausgenommen von diesem Anspruch sind Schutz- impfungen, die wegen eines durch einen nicht beruflichen Auslandsaufenthalt erhöhten Gesundheitsrisikos indiziert sind (so genannte Reiseimpfungen). Damit werden be- stimmte private Risiken von den durch die Solidargemein- schaft zu finanzierenden Pflichtleistungen ausgenommen. Ausnahmen sind dann möglich, wenn der Einschleppung einer übertragbaren Krankheit nach Deutschland vorge- beugt werden soll. Die Einzelheiten zur Leistungspflicht von Schutzimpfungen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) auf der Basis der Empfehlungen der STIKO in einer Schutzimp- fungs-Richtlinie festzulegen. Die Richtlinie gilt seit 1.07.2007 und ist incl. der Anlagen für Ärzte, Krankenkas- sen und Versicherte verbindlich. Neben allgemeinen Abschnitten im Richtlinientext sind die Einzelheiten zu Art und Umfang der Leistungen in Anlage 1 der Schutzimpfungs-Richtlinie festgelegt. Diese führt in einer einheitlichen Tabelle die einzelnen Impfungen, deren 6 Indikationen sowie Hinweise zu den Schutzimpfungen und weitere Anmerkungen zum wirtschaftlichen Einsatz auf. Weiterhin enthältAnlage 1 Hinweise auf die Kostentragung durch den Arbeitgeber. Dies ist immer dann der Fall, wenn z.B eine Tätigkeit im Sinne der Biostoffverordnung ausge- übt wird und dabei Beschäftigte durch einen impfpräventa- blen biologischen Arbeitsstoff erhöht infektionsgefährdet sind.Anlage 2 der Schutzimpfungs-Richtlinie enthält einen verbindlich zu verwendenden einheitlichen Dokumentati- onsschlüssel für Impfungen. Der Leistungsanspruch für Versicherte im Rahmen der SiR bezieht sich nur auf Schutzimpfungen im Sinne des § 2 Nr. 9 Infektionsschutzgesetz (Gabe eines Impfstoffes mit dem Ziel, vor einer übertragbaren Krankheit zu schützen). Die postexpositionelle Prophylaxe durch Gabe von Sera und Chemotherapeutika ist nicht Gegenstand der SiR. Im Ein- zelfall richtet sich die Leistungspflicht nach § 23 Abs. 1 Nr. 3 i. V. m. § 31 SGB V. Die Maßnahmen der postexpositionellen Prophylaxe zum Schutz vor Weiterver- breitung bestimmter übertragbarer Krankheiten über den Einzelfall hinaus (z. B. Riegelungsimpfungen bei einem Masernausbruch in Gemeinschaftseinrichtungen oder Empfehlung für die Gabe von speziellen Medikamenten für ganze Schulklassen oder Schulen bei Meningokokken-In- fektionen) verbleiben im Regelungsrahmen des öffentli- chen Gesundheitsdienstes. Das RKI veröffentlicht die aktualisierten Impfempfehlungen der STIKO im Epidemiologischen Bulletin in der Regel ein- mal jährlich. Zu den Änderungen der STIKO-Empfehlun- gen hat der G-BA innerhalb von drei Monaten nach ihrer Veröffentlichung eine Entscheidung zu treffen. Für den Fall, dass eine Entscheidung durch den G-BA nicht termin- oder fristgemäß zustande kommt, dürfen die von der STIKO empfohlenen Änderungen der STIKO-Empfehlungen zu Lasten der GKV erbracht werden, bis eine Richtlinienent- scheidung vorliegt. Die Struktur des G-BA sowie die Ent- scheidungswege werden an Beispielen erläutert. 3. Sitzung Zulassungsvoraussetzungen für Impfstoffe:Er- fassung von Impfquoten und Impfkomplikationen Die Nutzen-Risiko-Bewertung von Impfstoffen im Rahmen von Zulassungsverfahren M. Pfleiderer Paul-Ehrlich-Institut, Langen Nutzen und Risiken von Impfstoffen sind der Mittelpunkt vieler wissenschaftlicher und öffentlicher Diskussionen an deren Ende, je nach Interessenslage, entweder der Nutzen als überragend oder die Risiken als unannehmbar darge- stellt werden. Wissenschaftliche und medizinische Fach- kreise betonen imAllgemeinen die Vorzüge von Impfstoffen während impfkritische Kreise sich vornehmlich mit ver- meintlichen oder echten Risiken von Impfstoffen beschäf- tigen und deren erwiesenen Nutzen verdrängen oder absichtlich ignorieren. Aus diesen gegensätzlichen Posi- tionen ergibt sich häufig ein Unvermögen unterschiedliche Ansichten zu den Wirkungen und Nebenwirkungen von Impfstoffen zu verstehen und zu akzeptieren bzw. Brücken zwischen den Extremen zu bauen. Die Ursachen für solche Konflikte liegen zumeist darin be- gründet, dass die Mechanismen zur Bewertung des Nut- zens und der möglichen Risiken von Impfstoffen weitestgehend unbekannt sind. Gemeinhin wird davon aus- gegangen, dass eine zuständige Behörde nach Prüfung der Zulassungsunterlagen befindet, dass die Nutzen eines neuen Impfstoffs die möglichen Risiken überwiegen und dieser Tatbestand nach der Erteilung einer Zulassung ein für allemal bestehen bleibt. Ein solches Vorgehen wird schon seit langer Zeit nicht mehr praktiziert. Entwicklung, Prüfung undAnwendung von Impfstoffen sind vielmehr zu einer gemeinschaftlichenAuf- gabe zwischen Herstellern und Behörden geworden, deren letztendliches Ziel es ist einen Kompromiss zwischen den Wünschen und Ansprüchen der forschenden und herstel- lenden Industrie und den Bedürfnissen der Zielpopulation, für welche diese Impfstoffe bestimmt sind, herbeizuführen. Die dazu notwendigen Schritte werden bereits weit im Vor- feld eines Zulassungsverfahrens eingeleitet. In den Mittel- punkt des Dialogs zwischen zuständigen Behörden und Herstellern ist dabei die wissenschaftliche Beratung ge- rückt. Diese wird von den zuständigen nationalen Behör- den, aber auch von der in London ansässigen europäischen Agentur für Arzneimittel, der European Me- dicinesAgency (EMEA), angeboten. Wissenschaftliche Be- ratungen finden im Rahmen der Entwicklung neuer Impfstoffe in regelmäßigen Abständen, häufig jedoch an kritischen Entscheidungspunkten statt. Die Inhalte wissen- schaftlicher Beratungsgespräche beziehen sich auf frühe und späte pharmazeutische, präklinische und klinische Ent- wicklungsprozesse sowie auf die Vorbereitung des am Ende eines Entwicklungsprozesses stehenden Zulas- sungsverfahrens. Aus der Gesamtheit der Gespräche er- gibt sich bereits weit vor der Zulassung ein verlässliches Bild über die klinischen Eigenschaften eines neuen Impf- stoffs. Desweiteren sind seit einigen Jahren klinische Stu- dien aller Phasen durch eine zuständige nationale Behörde, in Deutschland durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), genehmigungspflichtig. Das Vorrücken in die näch- ste Studienphase ist nur auf der Basis der Auswertung der klinischen Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit aus früheren Studienphasen möglich. Dies ist ein weiterer wich- tiger Mechanismus um Nutzen und Risiken neuer Impf- stoffe frühzeitig zu erkennen und bereits vor der Zulassung über einen langen Zeitraum hinweg beobachten zu kön- nen. Die Zulassungsmodalitäten selbst haben sich in den ver- gangenen 15 Jahren grundsätzlich verändert. Während frü- her die Zulassung von Arzneimitteln eine rein nationale Zuständigkeit war, so stehen heute die Harmonisierung von Zulassungskriterien und die Erteilung von gemeinschaftli- chen Zulassungen im Mittelpunkt. Dies bedeutet, dass Art und Weise wie neue Impfstoffe in der EU bewertet werden in jedem Fall gemeinschaftlich akzeptierten Kriterien un- terliegen und mittlerweile für die meisten neuen Impfstoffe EU- weit gültige Gemeinschaftszulassungen erteilt werden. Diese Mechanismen verschaffen zum einen Zugang zu einem riesigen Reservoir an europäischen Impfstoffexper- ten und verhindern gleichzeitig, dass zu ein und demsel- ben Impfstoff unterschiedliche wissenschaftliche Schlussfolgerungen in verschiedenen Ländern gezogen werden. Die Bewertung von Nutzen und Risiken neuer Impfstoffe endet selbstverständlich nicht mit der einmal erteilten Zu- lassung. Sie erfolgt begleitend und kontinuierlich im Rah- men der breiten Anwendung von Impfstoffen über das gesamte Produktleben hinweg. Erfahrungsgemäß werden neue Impfstoffe fachlich und öffentlich kritischer begutach- tet als etablierte Impfstoffe so dass sich oftmals Nebenwir- kungsprofile ergeben die in der klinischen Erprobungsphase nicht beobachtet wurden. Dies ist ein schwer zu beherr- schendes Dilemma, insbesondere dann wenn neue Impf- stoffe innerhalb eines kurzen Zeitraums einen Vorläuferimpfstoff ersetzen oder wenn neue Impfstoffe erst- malig zur Verfügung stehen und innerhalb eines kurzen Zeitraums massenhaft eingesetzt werden. In beiden Fällen fehlt dann eine adäquate Kontrollgruppe anhand derer sich solche Phänomene bestätigen oder zurückweisen lassen. Umso wichtiger ist also die Beobachtung der klinischen Ei- 7 genschaften aller Impfstoffe über das gesamte Produktle- ben hinweg. Über die Zeit bestätigt sich dann in den aller- meisten Fällen was bereits aus den Zulassungsstudien ersichtlich war, nämlich das positives Nutzen-Risiko- Verhältnis, d.h. der Nutzen eines Impfstoff überwiegt bei weitem die mit der Impfung verbundenen (oft unvermeidli- chen) Risiken. 4. Sitzung Impfstoffforschung, Impfstoffangebot, Neuerungen des SGB V Zukünftige Impfstoffe - Erwartungen an die Pharmaindustrie U. Heininger Ltd. Arzt Infektiologie und Vakzinologie, Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), Basel Der „ideale" Impfstoff schützt ein Individuum gegen alle be- drohlichen Infektionskrankheiten, ist frei von Nebenwirkun- gen, kann ohne Injektionsnadel appliziert werden, ist kostengünstig in der Herstellung, benötigt keine Kühlkette und muss nur einmal im Leben verabreicht werden. Diesem illusorischen Wunschtraum kann man sich nur schrittweise nähern. In den vergangenen Jahren sind eine Vielzahl neuer Impfstoffe entwickelt, getestet und erfolg- reich in nationale Impfprogramme eingeführt worden. Dies ist u.a. der guten und engen Zusammenarbeit von Impf- stoffanwendern (der Ärzteschaft), akademischen Institutio- nen und Forschungseinrichtungen, und der pharmazeutischen Industrie zu verdanken. Welche Erwartungen haben Anwender von Impfstoffen bzw. deren Nutzniesser, d.h. die Bevölkerung, an die Phar- maindustrie bezüglich zukünftiger Impfstoffe? Dies lässt sich wie folgt kursorisch zusammenfassen: 1)Aufrechterhaltung der hohen Qualität an Sicherheit und Effizienz von Impfstoffen 2)Sicherstellung der kontinuierlichen Versorgung mit den bereits verfügbaren Impfstoffen 3)Entwicklung weiterer sinnvoller Kombinationsimpfstoffe, um bei steigender Zahl von verfügbaren Impfstoffen die notwendigen Injektionen auf ein für den Patienten erträgli- ches Mass zu begrenzen 4)Durchführung von Studien, um sinnvolle Kombinationen von verschiedenen Impfstoffen zeitgleich anwenden zu können (Nachweis der Unbedenklichkeit von Koadmini- stration) 5)Entwicklung von Impfstoffen, die schmerzlos (im allge- meinen mukosal) angewendet werden können, unter Ver- zicht auf Injektionen 6)Fokusierung auf dringlich benötigte neue Impfstoffe gegen komplikationsträchtige Infektionskrankheiten, wie z.B. gegen HIV, Tuberkulose, Malaria, aber auch weitere Serogruppen von Meningokokken und Pneumokokken, RSV u.a. scheidenden Beitrag zu einer verbesserten Gesundheits- versorgung zuleisten. Prominentestes Beispiel ist die Era- dikation der Pocken mit Hilfe eines konsequent durchgeführten weltweiten Impfprogramms. Zu den zahlreichen Vorteilen der Impfungen zählen u.a.: - Die allgemeine Bevölkerung und die Volkswirtschaften können von der sog. Herdenimmunität profitieren, also der Verringerung des Infektionsrisikos durch Aufbau eines schützenden Kokons aus geimpften Personen um un- geimpfte Personen. - Kostenträger können durch den höheren Nutzen von Impfungen im Vergleich zu anderen Präventionsmaßnah- men wie Beratung, Früherkennung, Behandlung und Pflege profitieren. - Geimpfte Personen können durch die Vermeidung von Schmerzen, Leid, Arbeits-/Erwerbsunfähigkeit, Tod sowie künftigen Krankheitskosten (medizinischer Versorgung) profitieren. Eine Herausforderung für die aktuelle Impfstoffentwicklung stellen alte wie neue Erreger von Infektionskrankheiten dar. Dabei gibt es derzeit folgende Entwicklungsschwerpunkte: - Neue Verfahren, zur Ermöglichung der Entwicklung von Impfstoffen gegen Erkrankungen wie HIV, Malaria oder das Cytomegalie-Virus. - NeueAdjuvantien zur Verbesserung der Wirksamkeit und Verstärkung der Immunantwort. - Neue Applikationsmethoden zur schnelleren und einfa- cheren Verfügbarkeit von Impfstoffen, für eine verbesserte Kosteneffizienz von Impfprogrammen sowie für eine hö- here Verträglichkeit und Compliance von Impfungen. Die Entwicklung eines neuen Impfstoffes kann sich über Jahrzehnte hinziehen und Kosten in Höhe von mehreren hundertmillionen Euro verursachen. Impfstoffe sind biolo- gische Produkte, deren qualitätsgesicherte Herstellung im Vergleich zu chemischen Arzneimitteln viel zeitaufwendi- ger und kostspieliger ist. Gerade in den frühen Entwick- lungsphasen können Produktionserfolge nicht vorhergesagt werden und speziell bei der Impfstoffproduk- tion existieren hohe Verlustraten. Nach ihrer Zulassung werden Impfstoffe erneut einer aus- gedehnten Bewertung durch Beratungskomitees, Regie- rungsbehörden sowie Organisationen aus Medizin und Gesundheitswesen unterworfen, um zu entscheiden ob und wenn ja wie der neue Impfstoff eingesetzt werden soll. Die Entscheidung basiert auf Kriterien wie Krankheitslast, Impfstoffeffektivität, Sicherheit, Kosten, Möglichkeit die Impfung dem Impfkalender hinzuzufügen, gesellschaftliche Nachfrage sowie Auswirkungen eines Impfprogramms in Bezug auf die Epidemiologie der Krankheit. Gegenwärtig verfügbare Impfungen bieten einen jahrelan- gen Schutz für Geimpfte und aufgrund der Herdenimmuni- tät auch für Ungeimpfte, eine hohe Impfrate vorausgesetzt. Der so generierte Nutzen ist bei Erstattungsentscheidun- gen zu berücksichtigen. In Relation zu den gesamten Ge- sundheitskosten sind die Ausgaben für Impfungen gering und stellen nur einen Bruchteil der Gesamtausgaben dar. Für die Kostenträger sind Impfungen daher eine bezahl- bare und kosteneffektive Investition in die Gesundheit ihrer Versicherten. Die Impfstoffhersteller sind sich ihrer Verantwortung für die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung bewusst. Daher be- rücksichtigt die Preisgestaltung für Impfstoffe neben dem Wert des Impfstoffes auch die Fähigkeit eines Landes den Impfstoff in Relation zu seinem Bruttosozialprodukt zu be- zahlen. In Verkaufsverhandlungen spielen das Volumen Entwicklung und Preisgestaltung von Impfstoffen Th. Mummenbrauer Direktor Business Development, GlaxoSmithKline Biologicals, Wavre Impfstoffen ist die Fähigkeit vorbehalten, durch die Reduk- tion von Erkrankungs- und Todesfällen weltweit einen ent- 8 und die Laufzeit von Verträgen zusätzlich eine Rolle. Die- ses sogenannte abgestufte Preisgestaltungsverfahren hat zum Ziel, die weltweite Verfügbarkeit von Impfstoffen zu maximieren.
« Reply #2 on: March 08, 2009, 07:50:27 AM »
5. Sitzung Masern-Mumps-Röteln Endspurt - Strategien zur Impfförderung der Länder Erfolgreiche Impfpräventionsprogramme in Deutschland mit dem Fokus auf Jugendliche G. Elsässer1 1 Landesgesundheitsamt Brandenburg, Zossen prüfung der Impfausweise mit direkten Impfangeboten ver- knüpfen. Insbesondere Schüler aus „nicht priviligierten Fa- milien" und auch Schüler in Sonderschulen profitierten von diesem Angebot. Schlussfolgerung Die verfügbare Datenlage zeigt erhebliche Impfdefizite bei älteren Schülern. Die Impfpräventionsmaßnahmen der Ge- sundheitsämter direkt in Schulen haben sich als hoch ef- fektiv erwiesen. Es empfiehlt sich, dass Jugendärzte in Schulen ergänzende Impfangebote machen. Hintergrund Die kontinuierliche Überwachung (Surveillance) des Impf- status der Bevölkerung und die Identifizierung hemmender und fördernder Faktoren der Impfakzeptanz sind Voraus- setzung für die Realisierung einer Impfstrategie (Empfeh- lungen des National Vaccine Advisory Committee für die USA). In Deutschland ist die Surveillance der Durchimmu- nisierung der Bevölkerung nur für die Schulanfänger, je- doch nicht für Jugendliche gesetzlich verankert (§ 34 Abs. 11 IfSG). Nur einzelne Bundesländer wie das Saarland, Bremen, Schleswig-Holstein und die neuen Bundesländer überprüfen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst zu- sätzlich den Impfstatus von älteren Schülern (6., 8. oder 10. Klassen). Anliegen des Beitrages ist es, auf der Grundlage verfüg- barer Datenquellen den Handlungsbedarf in der Impfprä- vention bei älteren Schülern zu bewerten. Darüber hinaus werden erfolgreiche Beispiele zur Schließung von Impflük- ken im Jugendalter vorgestellt. Methodik Auf der Grundlage verfügbarer Daten (Kinder- und Ju- gendgesundheitssurvey und Öffentlicher Gesundheits- dienst einzelner Bundesländer) werden die Impfdefizite bei der 1. und 2. Tetanus- und Diphtherie-Auffrischimpfung, 1. Pertussis-Auffrischimpfung, Grundimmunisierung gegen Hepatitis B für ältere Schüler nach folgenden Merkmalen analysiert: Altersgruppe bzw. Klassenzugehörigkeit (6., 8. oder 10. Klasse), Geschlecht, soziale Lage bzw. Migrati- onsstatus der Eltern und regionaleAspekte. In einem zwei- ten Schritt werden erfolgreiche Impfstrategien anhand der Steigerung von Durchimmunisierungsraten für die Ziel- gruppe älterer Schüler (6. Klasse aufwärts) vorgestellt. Ergebnisse Die verfügbare Datenlage zur Durchimmunisierung von Ju- gendlichen zeigt bundesweit, länderbezogen und auch kommunal erhebliche Impfdefizite bei älteren Schülern: Die Impfquoten liegen für die 2. Auffrischimpfung gegen Teta- nus und Diphtherie bundesweit unter 40 % und für dieAuf- frischimpfung Pertussis sogar noch niedriger. Die nachzuholende Hepatitis-B-Grundimmunisierung liegt bei knapp 60% und bei der zweiten MMR unter 75 %. Regio- nal spezifisch führten zu niedrige MMR-Impfquoten zu Ma- sernausbrüchen. Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es nur bei der Rötelnimpfung: Die 2. Röteln Dosis liegt bei Mädchen unter 67 % vs. Jungen unter 63 %. Ein nied- riger Sozialstatus ist mit einem inkompletten Impfstatus (MMR und Hepatitis B) assoziiert. Bei Schülern in Sonder- bzw. Förderschulen waren die Impfdefizite bei der Hepati- tis-B-Nachholimpfung und Pertussisauffrischimpfung ver- glichen zu gleichaltrigen Gymnasiasten stärker ausgeprägt. Ein Migrations-hintergrund verschärfte diese Impfdefizite. Evaluierte Impfprogramme zeigen, dass der Zugangsweg über die Schulen gut funktioniert. Den höchsten Effekt er- reichten dabei Maßnahmen, die eine systematische Über- 10 Jahre Impfaktion im Saarland bei Schülerinnen und Schülern der siebten und achten Klassen gegen Masern, Mumps, Röteln und Hepatitis B R. Klein Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes, Saarbrücken Die Daten zum Impfschutz von Kindern und Jugendlichen der vierten und achten Klassen, die die Gesundheitsämter im Rahmen der jahrgangsbezogenen Untersuchungen Ende der 90er Jahre erhoben, zeigten, dass die von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut emp- fohlene Wiederimpfung gegen MMR nur zögerlich ange- nommen wurde. Gleiches galt für die seit 1995 empfohlene Impfung gegen Hepatitis B. Das saarländische Ministerium für Frauen,Arbeit, Gesundheit und Soziales vereinbarte mit den Gesundheitsämtern, den gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherern in Abstimmung mit dem ambulantem Versorgungssystem Maßnahmen zur Verbes- serung des Impfschutzes. Die Form der Zusammenarbeit unter Einbeziehung weiterer Kooperationspartner, die durchgeführten Aktionen und erreichten Ergebnisse sowie die Finanzierungsregelung werden vorgestellt. Der Bayerische Masernaktionsplan B. Liebl Leitender Ministerialrat Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München Beschreibung: Masern sind eine ernstzunehmende und potentiell mit schwerwiegenden Komplikationen verlau- fende Infektionskrankheit. Die WHO strebt bis 2010 die Eli- minierung der Masern in Europa an. Ende 2007/Anfang 2008 waren in Bayern jedoch mehrere Masernausbrüche verzeichnet worden. Um die Elimination der Masern den- noch möglichst rasch erreichen zu können, hat die bayeri- sche Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI) Anfang 2008 einen Masernaktionsplan ins Leben gerufen. Die LAGI ist ein unabhängiges Gremium, in dem sich Vertreter von Ärzteverbänden, Körperschaften, Kostenträger und des öffentlichen Gesundheitsdienstes gemeinsam für das Impfwesen engagieren. Der Masernaktionsplan verfolgt dabei drei Schwerpunkte: 1.)Surveillance nutzen und verbessern, 2.)vermehrtes zielgruppenorientiertes Impfangebot und Be- seitigen von Impfhindernissen, 3.)Management von Einzelerkrankung und Ausbrüchen verbessern. Die Umsetzung des Masernaktionsplans soll zum einen anhand von aktuellen und erfolgreich verlau- fenden Projekten wie z.B. einem Impferinnerungssystem (Impf-Recall) bei den Schuleingangsuntersuchungen oder einer Medienkampagne zur Masern/Mumps/Röteln-Imp- fung mit Plakaten in U-Bahnen und Kinospots dargestellt werden. Zum anderen soll die Bedeutung der gemeinsa- men Umsetzung durch eine Vernetzung verschiedenerAk- teure verdeutlicht werden. 9 Meldungen von Impfkomplikationen und Datenbank der Verdachtsfälle Workshop I Impfprogramme für Jugendliche M. Terhardt, Arzt für Kinder- und Jugendmedizin, Ratingen Jugendimpfungen rücken angesichts der Masern-Ausbrü- che und der in Deutschland kaum zu erreichenden WHO- Ziele zunehmend in den Focus. Während die Impfraten der Säuglinge und Kleinkinder, in Deutschland flächendeckend nur verspätet erfasst durch die Daten der Schuleingangs- untersuchungen, in den letzten Jahren kontinuierlich stei- gen, sind die wenigen verfügbaren Daten über die Durchimpfungsraten der Jugendlichen weiterhin mangel- haft. Exemplarisch werden die diesbezüglichen Daten des KIGGS im Vortrag dargestellt. Es fehlt ein bundesweites Konzept für Jugend- und Nach- holimpfungen. - Keine institutionalisierten Impfpasskontrollen - Keine Beteiligung der Schulen - Zu wenig Arztkontakte (Inanspruchnahme U10/U11/J1/J2) - Keine konsentierte Öffentlichkeitsarbeit - Zu wenig Impfangebote bei Kampagnen Verschiedene Bundesländer und einzelne Gesundheits- ämter starteten unterschiedliche Kampagnen zu Jugend- impfungen mit unterschiedlichem Erfolg. Andere Staaten haben ähnliche Probleme, aber es gibt auch Beispiele von best practice. Beispiele werden im Vortrag vorgestellt. Was ist zu fordern? - Regelmäßige Impfpasskontrollen bei jedem Schuleintritt und Schulwechsel, auch mittelbar durch Verpflichtung zur ärztlichen Impfbescheinigung - Impfregister / Recall - Bundesweiter Konsens aller Beteiligten ( Politik / Ärzte / GKV / PKV ) über die prioritären Jugendimpfungen - Separater STIKO-Impfplan für Jugendliche und Nachhol- impfungen - Impfen als selbstverständliches Thema an Schulen ein- führen - Teilnahme an der J1 öffentlich fördern und genauso wie die neu einzuführenden zusätzlichen U-Termine für Impfungen nutzen (U10/U11/J2) - Impfen in Arztpraxen muss sich betriebswirtschaftlich lohnen - Subsidiäres Impfen durch den ÖGD an Schulen verstärken - Öffentlichkeitsarbeit enttabuisieren! Einwilligungsfähigkeit von Jugendlichen am Beispiel von Schutzimpfungen A. Nassauer Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Robert Koch-Institut, Berlin Im März 2007 hat die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) die Schutzimpfung aller Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren empfohlen. Diese Altersangabe rückte die Frage wieder verstärkt in den Vordergrund, ab welchem Alter Kinder und Jugendli- che selbstständig (und ohne ausdrückliches Einverständnis der Eltern) in Schutzimpfungen einwilligen können. Im Ver- einigten Königreich (UK) besagt der ChildrensAct, dass Ju- gendliche ab einemAlter von 16 Jahren eigenständig in alle medizinischen Behandlungen einwilligen oder diese auch ablehnen können. In Deutschland existiert keine vergleich- bare gesetzliche Regelung. Die STIKO geht seit vielen Jah- ren gleichlautend in ihrem jährlich erscheinenden Impfempfehlungen mit folgendem Wortlaut auf das ange- sprochene Problem ein: „Für die Impfung Minderjähriger ist regelmäßig die Einwilligung der Eltern bzw. der Sorgebe- rechtigten einzuholen. Jugendliche können selbst einwilli- gen, wenn sie die erforderliche Einsichts- und Entscheidungsfähigkeit besitzen; das ist in der Regel mit 16 Jahren der Fall". Diese Empfehlung stützt sich auf eine Mitteilung der Bun- desärztekammer (BÄK) aus dem Jahr 1994 und auf Leit- sätze der Deutschen Gesellschaft für Medizinrecht (DGMR) aus dem Jahr 1995, die ein solches Vorgehen be- fürworten. Zwei Urteile aus der letzten Zeit billigen Ju- gendlichen kein eigenes Entscheidungs- bzw. allenfalls ein Vetorecht gegen die Einwilligung der Sorgeberechtigten zu; allerdings waren in beiden Fällen die Jugendlichen gerade erst 14 Jahre alt. Mit der Markteinführung oraler Kontra- zeptiva vor fast 40 Jahren war die hier aufgeworfene Frage Gegenstand zahlreicher Verfahren und wurde auch in der Literatur kontrovers diskutiert. Heute ist gefestigte Rechts- auffassung, dass Mädchen ab einemAlter von 14 Jahren - Einsicht und Reife vorausgesetzt - eigenständig und ohne Wissen der Eltern die Verordnung „der Pille" mit den be- handelnden Ärzten besprechen können. Die Ausübung höchstpersönlicher Rechte, namentlich der sexuellen Selbstbestimmung (Art. 2 Abs. 2 GG) spielt auch bei der Gabe von Schutzimpfungen gegen humane Papillomavi- ren und gegen Hepatitis B (gleichfalls eine sexuelle Über- tragung des Erregers) eine wichtige Rolle. Kritiker wenden eine eigenständigeAusübung der genannten Rechte durch Jugendliche ein, dass Pflege und Erziehung der Kinder (also auch die Einwilligung in medizinische Maßnahmen) ein durchArt. 6Abs 2 GG garantiertes Recht der Eltern sei, so lange Kinder nicht 18 Jahre alt sind. Dem wiederum kann entgegnet werden, dass Jugendliche im Rahmen ihrer eigenen Grundrechtsmündigkeit (die nicht strikt an die Geschäftsfähigkeit gebunden ist), diese Rechte selbst aus- üben können, wenn sie eines „Fürsorgers" (also einer Per- son, die für sie und an ihrer Stelle entscheidet) nicht mehr bedürfen. Fazit: Eine wirksame Einwilligung Jugendlicher in Schutz- impfungen setzt für die eigenverantwortlicheAusübung von Grundrechten die notwendige Einsicht und Reife voraus. Sich davon zu überzeugen ist Sache des behandelnden Arztes. Die von der STIKO aufgestellte „Vermutungsregel" (16 Jahre), erleichtert das Vorgehen: Eine besondere Prü- fung der Einwilligungsfähigkeit ist danach erforderlich, wenn Jugendliche jünger als 16 Jahre sind oder Zweifel an ihrer Urteilsfähigkeit bestehen. In der Literatur konnten keine Entscheidungen gefunden werden, wonach die hier begründete Regel durch Gerichte in Frage gestellt, abge- lehnt oder abweichende Altersgrenzen aufgestellt wurden. „Impfen vor, in und nach der Schwangerschaft" M. Knuf Universitätsmedizin, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz Zum Thema „Impfen und Schwangerschaft" gehören die korrekte, zeitgerechte Durchführung von Impfungen vor der Schwangerschaft, möglicherweise in der Schwangerschaft (strenge Indikationsstellung) sowie die Vakzination vonAn- gehörigen und Mitarbeitern im Gesundheitsdienst. 10 Vor einer Schwangerschaft sollte der Impfpass bei Erst- kontakt überprüft werden. Es gilt Impflücken, insbesondere bei Lebendimpfungen mit Relevanz in der Schwanger- schaft und für das Neugeborene (Röteln, Windpocken, Ma- sern, Mumps) sowie Totimpfungen gegen Erkrankungen, die nach der Entbindung eine Rolle spielen können (z. B. Pertussis) zu schließen. Die ständige Impfkommission (STIKO) bezüglich der Thematik „Impfungen in der Schwangerschaft" fest: „Nicht dringend indizierte Impfun- gen sollten während der Schwangerschaft nicht durchge- führt werden. Dies gilt vor allem für Impfungen mit Lebendimpfstoffen gegen Gelbfieber, Masern, Mumps, Rö- teln und Varizellen". Dennoch kann es notwendig sein wäh- rend der Schwangerschaft zu impfen. Hierzu gehören eventuell die Auffrischung von Routi- neimpfungen bzw. Indikationsimpfungen (Tetanus, Diph- therie, Influenza, Pneumokokken), die postexpositionelle Impfung (Tollwut, Tetanus, Hepatitis B, Varizellen, Masern), ggf. Reiseimpfungen (Hepatitis A, Hepatitis B, Typhus, Gelbfieber, Japanische Encephalitis, Tollwut) oder Impfun- gen bei arbeitsmedizinzischer Indikation (Hepatitis B, In- fluenza, Tollwut). Tabelle 1 gibt die amerikanischen Empfehlungen der CDC zur Verwendung von Totimpfstoffen während der Schwan- gerschaft wieder. Schwangerschaft zusammen. Die Rationale für die Empfehlung der Influenza-Impfung während der Schwangerschaft ist das Fehlen von uner- wünschten Nebenwirkungen sowie der schwere Verlauf der Influenza in der Schwangerschaft und der potentielle, post- natale Schutz durch die Impfung für das Kind. Folgende Todimpfstoffe können nach sorgfältiger Abwä- gung eventuell während der Schwangerschaft gegeben werden: 1.HepatitisA: Die Sicherheit in der Schwangerschaft ist bis- lang nicht hinreichend untersucht, das Risiko jedoch „theo- retisch sehr niedrig". 2.Poliomyelitis-Impfung: Bislang sind keine unerwünsch- ten Wirkungen bei Schwangeren oder Neugeborenen auf- getreten, aber „theoretisch denkbar". 3.Pneumokokken: Auch hier sind bislang bei der verse- hentlichen Impfung in der Frühschwangerschaft keine un- erwünschten Wirkungen aufgetreten; dennoch ist aus grundsätzlichen Erwägungen heraus Vorsicht während der Impfung im ersten Trimenon geboten. Lebendimpfungen sind grundsätzlich kontraindiziert wäh- rend der Schwangerschaft; eine möglicheAlternative ist die passive Immunisierung (sofern verfügbar) mit Hyperimm- unglobulin oder mit polyspezifischem Immunglobulin. Tabelle 2 fast die Zusammenhänge einer versehentlichen Rötelnimpfung während der (noch nicht bekannten) Tabelle 3 gibt die Datenlage nach einer versehentlichen Va- rizellenimpfung in der Schangerschaft wieder. Bezüglich der Indikationsimpfungen mit einem Lebend- impfstoff in der Schwangerschaft ist die Gelbfieber-Impfung herauszuheben. Bei der Gelbfieber-Erkrankung handelt es sich um eine Erkrankung mit biphasigem Verlauf und ca. 200. 000 Fällen pro Jahr. Aktuelle Ausbrüche wurden aus Guinea, dem Sudan, Mali und der Elfenbeinküste gemel- det. Wegen der hohen Sterblichkeit (bis zu 50 %) müssen Reisende in Endemiegebiete konsequent geimpft werden. Kleinere, tetrospektive Studien aus Brasilien, Trinidad und Europa mit retrospektivem Design konnten Hinweise dafür geben, dass nach der Gelbfieber-Impfung in der Schwan- gerschaft keine erhöhte Fehlbildungsrate gegenüber der Normalbevölkerung auftrat. Mangement vor der Schwangerschaft: Totimpfungen kön- nen ohne zeitliche Einschränkung auch vor einer Schwan- gerschaft verwendet werden. Nach Lebendimpfungen sollte vier Wochen lang eine Schwangerschaft verhütet werden. Diese Empfehlung ist vor allem dem Fehlen von Studien geschuldet und weniger der Tatsache, dass bei- spielsweise eine Rötelnimpfung bei unbekannter Schwan- gerschaft zu einer Rötelnembryopathie durch den Impfstoff führen könnte (Tabelle 2). Liegt vor der Schwangerschaft ein Röteln-Titer von 1:8 oder 1:16 im HHT-HAH-Test vor, so sollten maximal zwei Rötelnimpfungen durchgeführt werden. Wenn bereits zwei Impfungen dokumentiert sind, aber Zweifel an der Korrektheit der Impfung bestehen, sollte noch einmal mit Titer-Kontrolle nachgeimpft werden. Wenn sich auf eine korrekte Impfung kein Titer-Anstieg ein- 11 stellt, ist dieses der Beweis für Immunität. In jedem Falle ist es also anzustreben, vor einer Schwangerschaft den Impfschutz zu vervollständigen. Eine Titer-Kontrolle ist nur in Ausnahmefällen angezeigt. Gegen Impftiter-Kontrollen sprechen deren Verwendbarkeit als „Surrogatmarker für Immunreaktion", jedoch nicht „Protektion". Darüber hinaus sind die Testverfahren sind oftmals nicht standardisiert. Zusammenfassend ist es in jedem Fall besser, einer Imp- fung von Schwangeren die vollständige Immunisierung vor der Schwangerschaft und die Impfprävention von Angehö- rigen und medizinischen Mitarbeitern vorzuziehen. Herzlichen Dank an Frau Prof. Dr. Gartner, Homburg/Saar. sowie dem voraussichtlichen Ausmaß des Kontaktes zur einheimischen Bevölkerung und zur lokalen Umwelt. Zu- sätzlich sind das Alter des Reisenden und seine mögli- cherweise besonderen Risiken zu beachten. Reiseimpfungen F. v. Sonnenburg Stellv. Abteilungsleiter des Instiuts für Infektions- und Tropenmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität, München Mitglied der Ständigen Impfkommission am RKI Reiseassoziierte Gesundheitsrisiken können durch Imp- fungen z.T. verhindert oder reduziert werden. Reisemedi- zinische Impfungen können in vorgeschriebene, generell empfehlenswerte Standardimpfungen, für Reisende häufig empfehlenswerte Impfungen und Impfungen mit spezieller Indikation unterschieden werden. Vorgeschriebene Impfungen: Die Gelbfieberimpfung ist momentan noch die einzige Imp- fung, die derzeit in bestimmten Ländern vorgeschrieben wird. Der Nachweis einer gültigen Impfung (nicht älter als 10 Jahre und mindestens 10 Tage vor Einreise) kann bei Einreise verlangt werden (Gelbfiebergebiete in Afrika und Südamerika). Saudi Arabien verlangt bereits seit einigen Jahren eine gültige Impfung gegen Meningokokken-Me- ningitisA/C bei Einreise von Mekkapilgern. Wegen der Wie- derverbreitung der Polio vor allem durch Reisende empfiehlt die WHO einen vollständigen Polioimpfschutz bei allen Reisenden von und in Länder mit noch existierenden Polioherden. Generell empfehlenswerte Impfungen: Standardimpfungen, die anläßlich jeder reisemedizinischen Beratung angesprochen und ggf. aufgefrischt werden soll- ten (letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurück) betreffen Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sowie gegen Po- liomyelitis bei Reisen in Endemiegebiete. Für die Polio- impfung wird heute der parenterale Totimpfstoff (IPV) angewandt. Für Reisende häufig empfehlenswerte Impfungen: Ein Schutz vor Hepatitis A ist für alle nicht-immunen Rei- senden in Länder mit hoher Inzidenz (d.h. alle Entwick- lungsländer) empfehlenswert. Die aktive Immunisierung mit Totimpfstoffen hat heute die passive Immunisierung mit Standardimmunglobulin ersetzt. Die Impfung gegen Hepa- titis B ist insbesondere indiziert für Reisende in Regionen mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz bei längerfristigem bzw. häufigeremAufenthalt oder bei zu erwartenden engen Kon- takten zur einheimischen Bevölkerung. Darüber hinaus sollte die Impfung nach ihrer Einführung in den Impfkalen- der für Kinder und Jugendliche bei jeder Reiseimpfbera- tung auch als generell empfehlenswerte Impfung für Erwachsene angesprochen werden. Eine Influenza-Imp- fung bei Reisenden in die Tropen und Sub-Tropen ist ge- nerell zu erwägen. Eine Impfung gegen Typhus abdominalis kann bei Reisen unter einfachen Bedingungen in Länder mit unzureichendem Hygienestandard erwogen werden. Impfungen mit spezieller Indikation: Impfungen gegen Meningokokken-Menigitis, Japanische Enzephalitis, Tollwut, FSME, Influenza und Pneumokok- keninfektion sind bei erhöhtem Risiko bzw. besonderer Ex- position indiziert. Die Indikation richtet sich nach dem Reisegebiet, dem Zweck und der Dauer des Aufenthaltes, Workshop II HPV Prävention und Status A. Schneider, A.M. Kaufmann Charité-Universitätsmedizin, Berlin Die generelle und ursächliche Assoziation von Infektionen mit bestimmten humanen Papillomviren (HPV) und der Ent- wicklung von Genitalwarzen, Zervixkarzinomen und weite- ren Karzinomen des Anogenitalbereichs und im Oropharynxbereich hat zur Entwicklung von Vakzinen ge- führt. Über 80% der Bevölkerung zeigen serologische oder virologische Anzeichen von HPV Infektionen und assozi- ierte Erkrankungen entwickeln sich bei 1-10% der Infizier- ten. Zur Verhinderung der primären HPV Infektion wurden prophylaktische Vakzine entwickelt und in Europa zwei Prä- parate im Oktober 2006 und 2007 zugelassen. Die STIKO hat eine Impfempfehlung für 12-17 jährige Mädchen zur Verhinderung des Zervixkarzinoms am 23.3.2007 veröf- fentlicht und der GBA hat die Finanzierung der Impfung be- schlossen. Die Vakzine beruht auf den rekombinant hergestellten leeren Virushüllen derjenigen HPV Typen, die die höchste Krankheitslast verursachen. In gross angelegten Phase II und III Studien wurde die her- vorragende Sicherheit und Immunogenität der beiden Impf- stoffe (quadrivalenter Impfstoff Gardasil und bivalenter Impfstoff Cervarix) belegt. Diese Sicherheitsdaten wurden inzwischen in den Anwendungsbeobachtungen überzeu- gend bestätigt. Bei 100% Serokonversion bleiben die in- duzierten Antikörpertiter 1 bis 11 fach über jenen nach natürlicher Infektion. Beide Impfstoffe zeigen über einen Zeitraum von jeweils 5 bzw. 6,4 Jahren eine bis zu 100% Effektivität in der Verhinderung anhaltender HPV Infektio- nen und hochgradiger präkanzeröser Vorstufen des Zer- vixkarzinoms. Sogar in einer HPV nicht-naiven Population beträgt die initiale Wirksamkeit nach 3 Jahren bereits 44% in der Verhinderung von zervikalen Dysplasien und 27% unter Berücksichtigung aller möglicher HPV Typen. Trotz der ursprünglichen Unkenntnis der HPV Infektion und ihrer möglichen Konsequenzen in der Bevölkerung wurde innerhalb der ersten 2 Jahre eine Durchimpfungsrate von 50% (Berlin) bis 70% (Mecklenburg-Vorpommern) erreicht. Dies ist einer sehr umfangreichen Kampagne medizinisch- wissenschaftlicher Institutionen (z.B. Erstellung einer S3 Leitlinie zur Impfung) sowie der Impfstoffhersteller ge- schuldet. Während Deutschland damit einen positiven Trend setzte, haben andere europäische Länder weniger umfangreiche und erfolgreiche Programme initiiert. Eine Abstimmung der Einführungsprogramme der HPV-Impfung hat bisher nicht stattgefunden. Unter den Voraussetzungen eines lebenslangen Schutzes und einer hohen (>80%) Durchimpfungsrate (der Mäd- chen), kann die Impfung bezogen auf Krankheitskosten durch Zervixkarzinom kosteneffizient sein, trotz der hohen Impfstoffkosten. Die Bilanz wird günstiger unter Einbezie- hung der Kosten durch Verhinderung, Abklärung und The- rapie der Krebsvorstufen. Nicht beziffert werden kann die physische und psychische Belastung der betroffenen Frauen. Die HPV Impfung muss als eine langfristige ge- sundheitsökonomische Zukunftsinvestition betrachtet wer- den, da die Krankheitsentwicklung mit einem Zeitverzug von 10-30 Jahren eintritt. 12 Impfungen in der Arbeitswelt, Arbeitsverträge, Arbeitgeberpflichten S. Letzel Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz Generell ist der Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorge- pflicht für die Beschäftigten verpflichtet die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände zu treffen, die Sicherheit und Ge- sundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen (§ 3Arbeitsschutzgesetz). Nach demArbeitssicherheitsgesetz (ASiG) hat der Arbeitgeber Betriebsärzte und Fachkräfte fürArbeitssicherheit zu bestellen (§§ 1 und 2ASiG). Zu den Aufgaben der Betriebsärzte zählen u. a. den Arbeitgeber beim Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung in Fragen des Gesundheitsschutzes zu unterstützen, sie haben die Arbeitnehmer zu untersuchen, arbeitsmedizinisch zu beur- teilen und zu beraten sowie Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention durchzuführen. Impfungen durch Betriebsärzte im betrieblichen Kontext sind auch in der Bio- stoffverordnung (BioStoffV) verankert (z. B. §§ 15 und 15a BioStoffV). Somit zählen arbeitsplatzbezogene Schutzimp- fungen zu den originären präventiv Aufgaben von Be- triebsärzten. Eine Indikation zur Impfung amArbeitsplatz kann u. a. unter folgenden Umständen bestehen: •. Bei einem tätigkeitsbezogenem Infektionsrisiko •. Aufgrund eines situativ erhöhtem Infektionsrisikos .· Als Präventivimpfung zur Senkung innerbetrieblicher Infektionsrisiken Wird im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ein tätig- keitsbezogenes, impfpräventables Infektionsrisiko festge- stellt, hat derArbeitgeber entsprechende Schutzimpfungen anzubieten. Bei einem beruflich bedingtenAuslandsaufenthalt einesAr- beitnehmers mit situativ erhöhtem, länderbezogenem In- fektionsrisko, kann und wird der an der Gesundheit seiner Beschäftigten interessierteArbeitgeber notwendige Schutz- impfungen anbieten, ist dazu aber nicht verpflichtet . Impfungen zur Senkung innerbetrieblicher Infektionsrisiken (z. B. Influenza) stellen weder ein tätigkeitsbezogenes noch ein situatives Risiko dar, dienen jedoch nachweislich der Reduktion der betrieblichen Erkrankungszahlen und sind daher sowohl im Interesse derArbeitgeber als auch derAr- beitnehmer. Diese Impfungen können vomArbeitgeber an- geboten werden, eine Verpflichtung hierzu besteht jedoch nicht. Im Rahmen der freien Arztwahl muss der Beschäftigte die Impfung nicht durch den Betriebsarzt vornehmen lassen, derArbeitgeber kann jedoch die Kostenübernahme der von ihm angebotenen Impfung ablehnen, wenn sich der Mitar- beiter von einem anderen Arzt impfen lässt. Poster Allgemeine Konzepte zum Thema Impfen (auch Erlebnisparcour) PS1 „Immun ist stark" - Ein Pilotprojekt zur Förderung des Impfgedankens in Schulen Mecklenburg-Vorpommern (M-V) M. Littmann , Chr. Hülße , S. Ley-Köllstadt 1 1 2 3 Gesundheit, Landesamt für Gesundheit und Soziales M-V, 2Präventionsausschuss, Ärztekammer M-V, Rostock;Rostock;&#57856; 3 Deutsches Grünes Kreuz e. V., Marburg In M-V wurde im Zeitraum von Februar bis Juli 2008 das Pi- lotprojekt „Immun ist stark" unter der Leitung des Präventi- onsausschusses der Ärztekammer M-V und in Zusammenarbeit mit den Ministerien für Soziales und Ge- sundheit sowie für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes M-V, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (LAGuS), den Landesverbänden der Haus- und Kinder- ärzte sowie der Gynäkologen, der Gesellschaft für Immu- nologie, Schutzimpfungen und Reisemedizin e.V. M-V und dem Deutschen Grünem Kreuz e. V. durchgeführt. Dieses erstmalig in einem gesamten Bundesland durchge- führte Präventionsprojekt hatte das Ziel, alle Schüler der Klassenstufen 5 bis 10 und deren Biologielehrer über das Thema Infektionskrankheiten und Schutzimpfungen aufzu- klären und die Schüler anzuregen, auf kreative und spiele- rische Art ihr Wissen und ihr Interesse auf diesem Gebiet zu erweitern und dabei ihren eigenen Impfstatus und den ihrer Freunde und Familien zu verbessern. Grundlage dafür waren die vom DGK erarbeiteten um- fangreichen altersgerechten Informationsmaterialien zum Thema Infektionskrankheiten und Impfen in Form von The- menheften und Unterrichtsmaterialien, Aktionsleitfäden für Schüler und Lehrer, Arbeitsblättern, Comics oder Power- pointpräsentationen. Diese Materialien wurden flächen- deckend an 217 Schulen in M-V auf CD`s und in Papierform verteilt. Im Rahmen dieses Impfprojektes wurden alle Schüler auf- gefordert, das Thema Prävention durch Impfen mit eigenen kreativen Ideen unter dem Motto „Schüler informieren Schüler über Schutzimpfungen" darzustellen. Die 10 be- sten Ideen in Form von Songs, Talkshows, Filmen, Postern, Collagen u. a. Aktivitäten wurden prämiert.

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