Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Kuendigung_Krankheitsbedingt.html
Timestamp: 2016-05-27 12:10:49+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: Kündigung - Kündigung wegen Krankheit
In­for­ma­tio­nen zum The­ma Kün­di­gung - Kün­di­gung we­gen Krank­heit: von Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Krank­heit schützt vor Kün­di­gung nicht
Im Ein­zel­nen fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Kün­di­gung we­gen Krank­heit im Sin­ne des Kün­di­gungs­schutz­ge­set­zes (KSchG) so­zi­al ge­recht­fer­tigt ist und wel­che Fall­kon­stel­la­tio­nen die Recht­spre­chung da­bei un­ter­schei­det. Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se da­zu, wann ei­ne Kün­di­gung we­gen Krank­heit in je­dem Fall un­wirk­sam ist und wel­che Fol­gen es in ei­nem Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren hat, wenn der Ar­beit­ge­ber vor Aus­spruch ei­ner krank­heits­be­ding­ten Kün­di­gung kein kor­rek­tes Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) durch­ge­führt hat. von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin
Was ist ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung? Ist die Kündi­gung während ei­ner Krank­heit zulässig?
Wann kann Ihr Ar­beit­ge­ber we­gen Krank­heit kündi­gen?
Muss der Ar­beit­ge­ber vor der Kündi­gung ei­ne Ab­mah­nung aus­spre­chen?
Wel­che Fall­kon­stel­la­tio­nen gibt es bei der Kündi­gung we­gen Krank­heit?
Wann ist ei­ne Kündi­gung we­gen dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit zulässig?
Wann ist ei­ne Kündi­gung we­gen lang­an­dau­ern­der Krank­heit zulässig?
Wann ist ei­ne Kündi­gung we­gen Leis­tungs­min­de­rung zulässig?
Wann ist ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung auf je­den Fall un­wirk­sam?
Wann ist ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung un­wirk­sam, weil der Ar­beit­ge­ber Feh­ler beim be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) ge­macht hat?
Kann der Ar­beit­ge­ber aus krank­heits­be­ding­ten Gründen auch außer­or­dent­lich kündi­gen?
Was tun bei ei­ner krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung?
Wo fin­den Sie mehr zum The­ma Kündi­gung we­gen Krank­heit?
Was ist ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung? Ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung ist ei­ne Kündi­gung, die der Ar­beit­ge­ber we­gen er­heb­li­cher krank­heits­be­ding­ter Ver­tragsstörun­gen aus­spricht.
Wenn Ihr Ar­beits­verhält­nis un­ter das Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) fällt und Sie da­her all­ge­mei­nen Kündi­gungs­schutz ge­nießen, braucht Ihr Ar­beit­ge­ber nicht nur für ei­ne außer­or­dent­li­che, son­dern auch für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung ei­nen vernünf­ti­gen Grund, da­mit die Kündi­gung wirk­sam ist. Das KSchG bie­tet dem Ar­beit­ge­ber drei Gründe an, nämlich die Kündi­gung aus Gründen in der Per­son des Ar­beit­neh­mers, die Kündi­gung aus Gründen im Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers, und die Kündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen. Die krank­heits­be­ding­te Kündi­gung ist der wich­tigs­te Un­ter­fall der (or­dent­li­chen) Kündi­gung aus Gründen in der Per­son des Ar­beit­neh­mers (per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung). Als "krank­heits­be­ding­te Kündi­gung" be­zeich­net man da­her ei­ne vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung, mit der ei­nem Ar­beit­neh­mer, der durch das KSchG geschützt ist, (trotz­dem) in recht­lich zulässi­ger Wei­se or­dent­lich gekündigt wer­den kann, falls der Ar­beit­neh­mer auf­grund sei­ner Krank­heit den Ar­beits­ver­trag künf­tig nicht mehr erfüllen kann. Ist die Kündi­gung während ei­ner Krank­heit zulässig? Nach dem Ar­beits­recht der ehe­ma­li­gen DDR (§ 58d Ar­beits­ge­setz­buch der DDR) war die Kündi­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers während ei­ner Krank­heit aus­ge­schlos­sen, d.h. als Ar­beit­neh­mer war man vor dem Aus­spruch ei­ner Kündi­gung während der Dau­er ei­ner Krank­heit si­cher. Dies war nach bun­des­deut­schem Recht nie­mals so und ist auch heu­te an­ders: Das KSchG schützt den Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen ei­ner weit­ver­brei­te­ten An­sicht mit­nich­ten vor ei­ner Kündi­gung, die während ei­ner Krank­heit aus­ge­spro­chen wird. Um­ge­kehrt gilt: Die Krank­heit des Ar­beit­neh­mers kann un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen so­gar der Grund für ei­ne Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber sein.
Wann kann Ihr Ar­beit­ge­ber we­gen Krank­heit kündi­gen? Nach der Recht­spre­chung müssen die fol­gen­den drei Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, da­mit ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung wirk­sam ist (fehlt auch nur ei­ne die­ser Vor­aus­set­zun­gen, ist die Kündi­gung un­wirk­sam): Es müssen zum Zeit­punkt der Kündi­gung Tat­sa­chen vor­lie­gen, die die Pro­gno­se wei­te­rer Er­kran­kun­gen des Ar­beit­neh­mers in dem bis­he­ri­gen Um­fang recht­fer­ti­gen. Die­se Vor­aus­set­zung heißt "ne­ga­ti­ve Ge­sund­heits­pro­gno­se".
Sch­ließlich muß ei­ne In­ter­es­sen­abwägung vor­ge­nom­men wer­den. Sie muß zu­guns­ten des Ar­beit­ge­bers aus­ge­hen, d.h. sie muß er­ge­ben, daß ihm bei ei­ner um­fas­sen­den Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen un­ter Berück­sich­ti­gung der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses, der Krank­heits­ur­sa­chen, der Fehl­zei­ten ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer und des Le­bens­al­ter des Ar­beit­neh­mers die oben fest­ge­stell­te Be­ein­träch­ti­gung sei­ner In­ter­es­sen (sie­he Punkt 2.) nicht mehr wei­ter zu­ge­mu­tet wer­den kann. Wie ge­sagt müssen die­se drei Vor­aus­set­zun­gen al­le­samt vor­lie­gen. Fehlt auch nur ei­ne, ist die Kündi­gung un­wirk­sam.
Muss der Ar­beit­ge­ber vor der Kündi­gung ei­ne Ab­mah­nung aus­spre­chen? Nein. An­ders als bei der Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen wird dem Ar­beit­neh­mer bei ei­ner krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung kei­ne Ver­let­zung des Ar­beits­ver­tra­ges zum Vor­wurf ge­macht. Für Krank­hei­ten kann man nichts. Da­her ist vor Aus­spruch ei­ner Kündi­gung aus krank­heits­be­ding­ten Gründen kei­ne Ab­mah­nung des Ar­beit­neh­mers er­for­der­lich. Wel­che Fall­kon­stel­la­tio­nen gibt es bei der Kündi­gung we­gen Krank­heit? Die Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te un­ter­schei­det bei der krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung vier ty­pi­sche Fall­kon­stel­la­tio­nen oder Fall­grup­pen, bei de­nen die oben ge­nann­ten drei Vor­aus­set­zun­gen in je­weils et­was an­de­rer Wei­se zu prüfen sind. Hier­bei han­delt es sich um die fol­gen­den Fall­kon­stel­la­tio­nen:
Wann ist ei­ne Kündi­gung we­gen häufi­ger Kurz­er­kran­kun­gen zulässig? Häufi­ge Kurz­er­kran­kun­gen des Ar­beit­neh­mers (1. Fall­kon­stel­la­ti­on) stel­len dann ei­nen Kündi­gungs­grund dar, wenn die fol­gen­den drei Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen.
Ne­ga­ti­ve Ge­sund­heits­pro­gno­se: Es muß von wei­te­ren häufi­gen Kurz­er­kran­kun­gen in der Zu­kunft aus­zu­ge­hen sein. Weil der Ar­beit­ge­ber die Ur­sa­chen der Kurz­er­kran­kun­gen zum Zeit­punkt der Kündi­gung zu­meist nicht kennt, darf er nach der Recht­spre­chung zunächst ein­mal da­von aus­ge­hen, daß ein Ar­beit­neh­mer, der über ei­nen Be­ob­ach­tungs­zeit­raum von drei Jah­ren vor Aus­spruch der Kündi­gung auf­grund von Kurz­er­kran­kun­gen ins­ge­samt mehr als sechs Wo­chen pro Jahr ar­beits­unfähig krank war, auch wei­ter­hin oft krank sein wird. Will der Ar­beit­neh­mer die­se ne­ga­ti­ve Pro­gno­se im Kündi­gungs­schutz­pro­zess wi­der­le­gen, muß er sei­ne Ärz­te von der Schwei­ge­pflicht ent­bin­den und kon­kret dar­le­gen, daß sei­ne häufi­gen Kurz­er­kran­kun­gen nicht auf ein chro­ni­sches Grund­lei­den, son­dern auf von­ein­an­der un­abhängi­ge Krank­heits­ur­sa­chen zurück­zuführen sind und die häufi­gen Kurz­er­kran­kun­gen da­her letzt­lich durch ei­ne unglück­li­che Ver­ket­tung von Umständen be­dingt sind.
In­ter­es­sen­be­ein­träch­ti­gung: Häufi­ge Kurz­er­kran­kun­gen sind für den Ar­beit­ge­ber ver­gleichs­wei­se teu­er, da er im­mer wie­der er­neut bis zu sechs Wo­chen Ent­gelt­fort­zah­lung leis­ten muß, wo­hin­ge­gen er bei ei­ner lang­an­dau­ern­den Krank­heit nur ein­mal für sechs Wo­chen zur Ent­gelt­fort­zah­lung ver­pflich­tet ist und da­nach die Kran­ken­kas­se Kran­ken­geld zahlt. Die Recht­spre­chung geht da­von aus, daß wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers in der Re­gel er­heb­lich be­ein­träch­tigt sind, wenn er über ei­nen Zeit­raum von zwei oder drei auf­ein­an­der fol­gen­den Jah­ren je­weils mehr als sechs Wo­chen pro Jahr Ent­gelt­fort­zah­lung leis­ten muss. Wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen können auch durch Um­satz­ein­bußen oder durch zusätz­li­che Per­so­nal­kos­ten be­ein­träch­tigt wer­den. Ei­ne Be­ein­träch­ti­gung be­trieb­li­cher In­ter­es­sen nimmt die Recht­spre­chung an, wenn im­mer wie­der Aus­hilfs­kräfte ein­ge­ar­bei­tet wer­den müssen oder wenn der Be­triebs­frie­den durch die ständi­ge Mehr­be­las­tung von Ar­beits­kol­le­gen gestört wird. In­ter­es­sen­abwägung: Hier ist zu prüfen, ob dem Ar­beit­ge­ber un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls die zu Punkt 2.) fest­ge­stell­te Be­ein­träch­ti­gung sei­ner be­trieb­li­chen und/oder wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen (noch eben ge­ra­de) zu­ge­mu­tet oder eben nicht mehr zu­ge­mu­tet wer­den kann. Da die­ser Prüfungs­punkt vom je­wei­li­gen Ein­zel­fall abhängt, läßt sich all­ge­mein nur so­viel sa­gen, daß der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer, der 20 Jah­re zur Zu­frie­den­heit ge­ar­bei­tet hat, mehr so­zia­le Rück­sicht­nah­me schul­det als ei­nem erst we­ni­ge Jah­re beschäftig­ten und be­reits von An­fang an im­mer wie­der krank­heits­be­dingt aus­fal­len­den Ar­beit­neh­mer. Be­ru­hen die Be­ein­träch­ti­gun­gen der In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers al­lein auf der Be­las­tung mit Lohn­fort­zah­lungs­kos­ten, müssen die­se nach der Recht­spre­chung pro Jahr für min­des­tens un­gefähr 45 bis 60 Krank­heits­ta­ge an­fal­len und da­mit "er­heb­lich" über dem Sechs­wo­chen­zeit­raum des § 3 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (EFZG) lie­gen.
Wann ist ei­ne Kündi­gung we­gen dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit zulässig? Bei krank­heits­be­ding­ter dau­ern­der Leis­tungs­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers (2. Fall­kon­stel­la­ti­on) ist die Ge­sund­heits­pro­gno­se of­fen­sicht­lich ne­ga­tiv. BEISPIEL: Ein Gerüstbau­er fällt vom Gerüst und er­lei­det ei­ne Quer­schnittslähmung, so dass er dau­er­haft auf ei­nen Roll­stuhl an­ge­wie­sen ist. Sei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Tätig­keit als Gerüstbau­er wird er da­her vor­aus­sicht­lich nie mehr ausüben können.
Liegt dau­ern­de Leis­tungs­unfähig­keit vor und ist ein lei­dens­ge­rech­ter Ar­beits­platz nicht vor­han­den, kann die In­ter­es­sen­abwägung nur in sel­te­nen Aus­nah­mefällen ein­mal zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers aus­ge­hen. Im Fal­le ei­ner krank­heits­be­ding­ten dau­ern­den Leis­tungs­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers ist ei­ne Kündi­gung da­her in der Re­gel zulässig.
Wann ist ei­ne Kündi­gung we­gen lang­an­dau­ern­der Krank­heit zulässig? Ei­ne lang­an­dau­ern­de Krank­heit des Ar­beit­neh­mers (3. Fall­kon­stel­la­ti­on) stellt ei­nen Kündi­gungs­grund dar, wenn die fol­gen­den drei Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen.
Ne­ga­ti­ve Ge­sund­heits­pro­gno­se: Der Ar­beit­neh­mer muß zum Zeit­punkt der Kündi­gung be­reits "seit länge­rer Zeit" ar­beits­unfähig er­krankt sein. Hier geht es prak­tisch um Fälle, in de­nen der Ar­beit­neh­mer zu­min­dest mehr als sechs Wo­chen bzw. ei­ni­ge Mo­na­te lang krank war. Wei­ter­hin muß die Krank­heit zum Zeit­punkt der Kündi­gung für vor­aus­sicht­lich länge­re oder für nicht ab­seh­ba­re Zeit an­dau­ern. Die Fra­ge, wie lan­ge denn nun die "vor­aus­sicht­lich länge­re" Krank­heit vor­aus­sicht­lich dau­ern muß, da­mit ei­ne Kündi­gung zulässig ist, wird durch die Recht­spre­chung nicht klar be­ant­wor­tet, so daß ei­ne Kündi­gung we­gen lang­an­dau­ern­der Krank­heit mit er­heb­li­chen Un­si­cher­hei­ten für den Ar­beit­ge­ber ver­bun­den ist. Klar­heit schafft nur die fol­gen­de, vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) auf­ge­stell­te Re­gel: Ist aus­weis­lich ärzt­li­cher Gut­ach­ten mit ei­ner Ge­ne­sung in den nächs­ten 24 Mo­na­ten nach Aus­spruch der Kündi­gung nicht zu rech­nen, steht die­se Un­ge­wißheit ei­ner krank­heits­be­ding­ten dau­ern­den Ar­beits­unfähig­keit (Fall­kon­stel­la­ti­on II.) recht­lich gleich (BAG, Ur­teil vom 12.04.2002, 2 AZR 148/01, NZA 2002, S.1081), so daß die Kündi­gung in ei­nem sol­chen Fall in der Re­gel wirk­sam ist. Da al­ler­dings ein Arzt die Ge­ne­sung in­ner­halb ei­nes so lan­gen Zeit­raums (24 Mo­na­te!) kaum de­fi­ni­tiv aus­sch­ließen wird, oh­ne zu­gleich ei­ne dau­er­haf­te Ar­beits­unfähig­keit zu dia­gnos­ti­zie­ren, ist der prak­ti­sche An­wen­dungs­be­reich die­ser Re­gel ge­ring.
In­ter­es­sen­be­ein­träch­ti­gung: Die lang­an­dau­ern­de Krank­heit muß be­trieb­li­che oder wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers be­ein­träch­ti­gen. Da der Ar­beit­ge­ber nach Ab­lauf von sechs Wo­chen in der Re­gel kei­ne wei­te­re Ent­gelt­fort­zah­lung mehr leis­ten muß, ist ei­ne Be­ein­träch­ti­gung wirt­schaft­li­cher In­ter­es­sen sel­ten ge­ge­ben, wes­halb die die Recht­spre­chung auch da­zu ten­diert, die Kündi­gung we­gen lang­an­dau­ern­der Krank­heit ein­zu­gren­zen. Der Ar­beit­ge­ber muß da­her ei­ne er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung be­trieb­li­cher In­ter­es­sen dar­le­gen, die sich aus or­ga­ni­sa­to­ri­schen Pro­ble­men bei der zeit­lich be­grenz­ten Ein­stel­lung von Er­satz­kräften er­ge­ben kann. - Steht aus­nahms­wei­se ein­mal fest, daß ei­ne Ge­ne­sung in den nächs­ten 24 Mo­na­ten aus­zu­sch­ließen ist, liegt ei­ne In­ter­es­sen­be­ein­träch­ti­gung (wie bei der Kündi­gung we­gen dau­ern­der Leis­tungs­unfähig­keit) in der Re­gel oh­ne wei­te­res vor.
Wann ist ei­ne Kündi­gung we­gen Leis­tungs­min­de­rung zulässig? Bei krank­heits­be­ding­ter Leis­tungs­min­de­rung des Ar­beit­neh­mers (4. Fall­kon­stel­la­ti­on) ist die Ge­sund­heits­pro­gno­se nur ne­ga­tiv, wenn auf­grund ver­gan­ge­ner er­heb­li­cher Leis­tungs­min­de­run­gen auch für die wei­te­re Zu­kunft mit sol­chen, d.h. mit er­heb­li­chen Min­der­leis­tun­gen zu rech­nen ist.
Liegt ei­ne krank­heits­be­ding­te Leis­tungs­min­de­rung vor, ist ei­ne um­fas­sen­de In­ter­es­sen­abwägung wie bei Fall­kon­stel­la­ti­on I. und Fall­kon­stel­la­ti­on III. an­zu­stel­len. Wann ist ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung auf je­den Fall un­wirk­sam? Wie Sie un­ter dem Stich­wort "Kündi­gungs­schutz" nach­le­sen können, kann der Ar­beit­ge­ber bei je­der Kündi­gung - und al­so auch bei je­der krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung - an be­stimm­ten "Stol­per­stei­nen" schei­tern. So ist zum Bei­spiel ei­ne Kündi­gung ge­ne­rell un­wirk­sam, wenn es in dem Be­trieb, in dem Sie ar­bei­ten, ei­nen Be­triebs­rat gibt und Ihr Ar­beit­ge­ber den Be­triebs­rat vor Aus­spruch der Kündi­gung nicht an­gehört hat. Nähe­re In­for­ma­tio­nen hier­zu fin­den Sie un­ter Hand­buch Ar­beits­recht: Anhörung des Be­triebs­rats.
Wann ist ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung un­wirk­sam, weil der Ar­beit­ge­ber Feh­ler beim be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) ge­macht hat? Wenn ein Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ei­nes Jah­res länger als sechs Wo­chen un­un­ter­bro­chen oder wie­der­holt ar­beits­unfähig ist, muss der Ar­beit­ge­ber gemäß § 84 Abs.2 Satz 1 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX) un­ter Be­tei­li­gung des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers und des Be­triebs­rats bzw. Per­so­nal­rats klären, wie die Ar­beits­unfähig­keit möglichst über­wun­den wer­den und mit wel­chen Leis­tun­gen oder Hil­fen er­neu­ter Ar­beits­unfähig­keit vor­ge­beugt und der Ar­beits­platz er­hal­ten wer­den kann. Die­se Klärung heißt Be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM). Ein BEM muss der Ar­beit­ge­ber nicht nur dann durchführen, wenn der länger er­krank­te Ar­beit­neh­mer ein schwer­be­hin­der­ter Mensch ist, son­dern auch dann, wenn es sich um ei­nen �nur� be­hin­der­ten Men­schen han­delt. Ist der Be­trof­fe­ne al­ler­dings ein Schwer­be­hin­der­ter, ist beim BEM auch die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung hin­zu­zu­zie­hen. Um das Ziel der Präven­ti­on, d.h. der Ver­hin­de­rung wei­te­rer Er­kran­kun­gen ef­fek­tiv zu er­rei­chen, ist der Ar­beit­ge­ber so­gar dann zum BEM ver­pflich­tet, wenn der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer we­der ein be­hin­der­ter Mensch noch ein Schwer­be­hin­der­ter ist. Un­terlässt der Ar­beit­ge­ber ent­ge­gen sei­ner ge­setz­li­chen Ver­pflich­tung vor Aus­spruch ei­ner krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung das BEM oder macht er da­bei Feh­ler, führt das zwar nicht au­to­ma­tisch bzw. im­mer zu Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung, doch hat der gekündig­te Ar­beit­neh­mer dann im Kündi­gungs­schutz­pro­zess bes­se­re Chan­cen, dass das Ge­richt die Kündi­gung als un­wirk­sam be­wer­tet. Nähe­re Ein­zel­hei­ten zu die­sen Fra­gen fin­den Sie un­ter "Hand­buch Ar­beits­recht: Be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM)".
Kann der Ar­beit­ge­ber aus krank­heits­be­ding­ten Gründen auch außer­or­dent­lich kündi­gen? Krank­heits­be­ding­te Kündi­gun­gen sind in den meis­ten Fällen or­dent­li­che Kündi­gun­gen, d.h. Kündi­gun­gen un­ter Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist. Für sie gilt § 1 KSchG, falls der Ar­beit­neh­mer Kündi­gungs­schutz nach dem KSchG hat. Aus­nahms­wei­se kann der Ar­beit­ge­ber aber auch ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus krank­heits­be­ding­ten Gründen aus­spre­chen, nämlich dann, wenn der Ar­beit­neh­mer or­dent­lich unkünd­bar ist und wenn dem Ar­beit­ge­ber die dau­er­haf­te Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses in­fol­ge der Krank­heit des Ar­beit­neh­mers nicht zu­zu­mu­ten ist, weil er gar kei­ne nen­nens­wer­te Ge­gen­leis­tung für den Lohn erhält und das Ar­beits­verhält­nis da­her "sinn­ent­leert" ist. Recht­li­che Grund­la­ge für ei­ne sol­che außer­or­dent­li­che krank­heits­be­ding­te Kündi­gung ist nicht § 1 KSchG, son­dern § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB).
Ei­ne sol­che Kündi­gung ist nur in ex­tre­men Aus­nah­mefällen zulässig. Denn die nach Ta­rif oder Ar­beits­ver­trag be­ste­hen­de Unkünd­bar­keit soll den Schutz des Ar­beit­neh­mers ge­genüber Kündi­gun­gen verstärken. Da­her rei­chen die "nor­ma­len" Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne or­dent­li­che krank­heits­be­ding­te Kündi­gung nicht aus, um ei­ne außer­or­dent­li­che krank­heits­be­ding­te Kündi­gung zu stützen. Die krank­heits­be­ding­ten Gründe für die Kündi­gung müssen da­her so gra­vie­rend sein, dass der Ar­beit­ge­ber prak­tisch gar kei­ne nen­nens­wer­te Ge­gen­leis­tung mehr erhält ("Sinn­ent­lee­rung" des Ar­beits­verhält­nis­ses). Da­zu reicht es nicht aus, dass der unkünd­ba­re Ar­beit­neh­mer "nur" ein Drit­tel des Jah­res krank­heits­be­dingt fehlt (sie­he da­zu Ar­beits­recht ak­tu­ell: 14/282 BAG zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung aus krank­heits­be­ding­ten Gründen).
Was tun bei ei­ner krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung? Wenn Sie ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung er­hal­ten ha­ben, müssen Sie sich in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der Kündi­gung ent­schei­den, ob Sie da­ge­gen Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben wol­len oder nicht. Wenn Sie die­se in § 4 Satz 1 KSchG be­stimm­te Frist für die Er­he­bung der Kla­ge versäum­en, gilt die Kündi­gung als von als von An­fang an rechts­wirk­sam (§ 7 KSchG).
Wo fin­den Sie mehr zum The­ma Kündi­gung we­gen Krank­heit? Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Kündi­gung we­gen Krank­heit in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:
Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/152 Möglich­keit lei­dens­ge­rech­ter Beschäfti­gung schließt außer­or­dent­li­che krank­heits­be­ding­te Kündi­gung aus
Ar­beits­recht ak­tu­ell: 09/203 Kei­ne Kündi­gung bei Rück­fall ei­nes Al­ko­ho­li­kers Ar­beits­recht ak­tu­ell: 07/39 Kündi­gung wg. Krank­heit und Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment Ar­beits­recht ak­tu­ell: 07/12b LAG Ber­lin ur­teilt zu krank­heits­be­ding­ter Kündi­gung
Was k�nnen wir f�r Sie tun? Wenn man Ih­nen ei­ne krank­heits­be­ding­te Kün­di­gung in Aus­sicht ge­stellt hat oder wenn Ih­nen ei­ne Kün­di­gung we­gen Krank­heit be­reits aus­ge­spro­chen wur­de und Sie da­her vor der Ent­schei­dung ste­hen, ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben oder sich auf ei­ne au­ßer­ge­richt­li­che (Ab­fin­dungs-)Lö­sung ein­zu­las­sen, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne. Je nach La­ge des Fal­les bzw. ent­spre­chend Ih­ren Wün­schen tre­ten wir ent­we­der nach au­ßen nicht in Er­schei­nung oder aber wir ver­han­deln in Ih­rem Na­men mit Ih­rem Ar­beit­ge­ber bzw. mit den Ver­tre­tern der Ge­sell­schaf­ter.
Ar­beits­ver­trag / Ge­schäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­trag Ge­halts­nach­wei­se Auf­lis­tung der krank­heits­be­ding­ten Fehl­zei­ten der letz­ten Jah­re
Bewertung: Kün­di­gung - Kün­di­gung we­gen Krank­heit
Wo sind Ih­re Rech­te im Krank­heits­fall ge­re­gelt? - Wer wird durch das Ent­gelt­fort­zah­lungsG ge­schützt? - Wel­che Leis­tun­gen sieht das Ent­gelt­fort­zah­lungsG vor? - Was sind die Vor­aus­set­zun­gen für ...
10/152 Lei­dens­ge­rech­te Be­schäf­ti­gung schließt au­ßer­or­dent­li­che krank­heits­be­di...
06.08.2010. Krank­heits­be­ding­te Kün­di­gun­gen sind ei­ne Not­lö­sung, die bei or­dent­lich un­künd­ba­ren Ar­beit­neh­mern so gut wie aus­ge­schlos­sen sind. Die Recht­spre­chung stellt hier enorm ho­he ...

References: § 3
 § 84
 § 1
 § 1
 § 626
 § 4