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Timestamp: 2020-01-21 05:23:50+00:00

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Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on bei "EuroPlan"-Darlehn | Rechtslupe
Verbraucherinformation bei "EuroPlan"-Darlehn
Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on bei "EuroPlan"-Darlehn
Ein Kre­dit mit ver­än­der­li­chen Bedin­gun­gen, bei des­sen Abschluss der Gesamt­be­trag aller vom Ver­brau­cher zur Til­gung des Kre­dits sowie zur Zah­lung der Zin­sen und Kos­ten zu ent­rich­ten­den Teil­zah­lun­gen auf der Grund­la­ge der bei Ver­trags­ab­schluss maß­geb­li­chen Bedin­gun­gen anzu­ge­ben ist, liegt auch dann vor, wenn bei einer unech­ten Abschnitts­fi­nan­zie­rung ein end­fäl­li­ger Fest­kre­dit mit einer Invest­ment­fonds­be­tei­li­gung der­art ver­bun­den ist, dass die Til­gung des Kre­dits für die Lauf­zeit des Dar­le­hens aus­ge­setzt wird und dafür außer einer Ein­mal­zah­lung monat­li­che Teil­zah­lun­gen auf die Fonds­be­tei­li­gung geleis­tet wer­den, die nach dem Anla­ge­kon­zept (hier: Euro­Plan) spä­ter zur Rück­zah­lung des Kre­dits ver­wen­det wer­den sol­len.
Eine Pflicht zur Anga­be des Gesamt­be­trags besteht gemäß § 4 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 Buchst. b Ver­brKrG aF auch in Fäl­len, in denen – wie in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall – eine so genann­te unech­te Abschnitts­fi­nan­zie­rung ver­ein­bart wor­den ist. Dabei han­delt es sich um Kre­di­te, bei denen dem Ver­brau­cher ein lang­fris­ti­ges Kapi­tal­nut­zungs­recht ein­ge­räumt, die Zins­ver­ein­ba­rung jedoch nicht für den gesam­ten Zeit­raum, son­dern zunächst nur für eine bestimm­te Fest­zins­pe­ri­ode getrof­fen wird, wobei das Dar­le­hen zum Ende des Finan­zie­rungs­ab­schnitts nicht ohne wei­te­res fäl­lig wird, son­dern nur dann, wenn der Dar­le­hens­neh­mer der vor­ge­schla­ge­nen Ände­rung der Kon­di­tio­nen wider­spricht. Eine sol­che unech­te Abschnitts­fi­nan­zie­rung ist ein Kre­dit mit "ver­än­der­li­chen Bedin­gun­gen" im Sin­ne von § 4 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 Buchst. b Satz 2 Ver­brKrG aF, da die Zins­kon­di­tio­nen und das Ver­trags­schick­sal bei Abschluss des Kre­dit­ver­tra­ges noch nicht für die gesam­te Lauf­zeit fest­ste­hen 1.
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall gege­ben, weil nach dem Ver­trags­in­halt das für eine Lauf­zeit von fünf­zehn Jah­ren gewähr­te Dar­le­hen nach Ablauf der Zins­bin­dungs­frist von zehn Jah­ren nicht ohne wei­te­res, son­dern nur dann fäl­lig wird, wenn vor­her kei­ne schrift­li­che Ver­ein­ba­rung über neue Kon­di­tio­nen zustan­de kommt. Die­se Rege­lung ver­pflich­tet die Par­tei­en – wie das Beru­fungs­ge­richt zu Recht ange­nom­men hat – dazu, vor dem Ablauf der Zins­bin­dungs­frist ernst­haf­te Ver­hand­lun­gen über die zukünf­ti­gen Ver­trags­kon­di­tio­nen zu füh­ren. Eine vor­zei­ti­ge Fäl­lig­keit des Rest­schuld­be­tra­ges kann mit­hin nur dann ein­tre­ten, wenn der Dar­le­hens­neh­mer der im Rah­men die­ser Ver­hand­lun­gen von der Beklag­ten vor­ge­schla­ge­nen Ände­rung der Kon­di­tio­nen wider­spricht.
Der von der Beklag­ten gewähr­te end­fäl­li­ge Fest­kre­dit mit Til­gungs­aus­set­zung ist im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 Buchst. b Satz 2 Ver­brKrG aF auch "in Teil­zah­lun­gen" zu til­gen.
Eine Rück­zah­lung des Kre­dits in Teil­be­trä­gen mit der Fol­ge einer Pflicht zur Anga­be des Gesamt­be­trags liegt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch dann vor, wenn ein end­fäl­li­ger Fest­kre­dit mit einem Bau­spar­ver­trag, einer Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung oder einem sons­ti­gen Anspar­ver­trag der­art ver­bun­den ist, dass die Til­gung des Kre­dits für die Lauf­zeit des Dar­le­hens aus­ge­setzt wird und dafür par­al­lel Zah­lun­gen auf einen der genann­ten Anspar­ver­trä­ge geleis­tet wer­den. Aus der maß­geb­li­chen Sicht des Dar­le­hens­neh­mers, des­sen Infor­ma­ti­on § 4 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 Ver­brKrG aF dient, ist es dabei von nach­ran­gi­ger Bedeu­tung, ob die Til­gungs­ra­ten direkt an den Kre­dit­ge­ber oder zunächst an eine Ver­si­che­rung, eine Bau­spar­kas­se oder an sons­ti­ge Part­ner eines Anspar­ver­tra­ges erbracht wer­den, wenn nur von vorn her­ein fest­steht, dass die­se Zah­lun­gen min­des­tens zur teil­wei­sen Rück­zah­lung des Kre­dits ver­wen­det wer­den sol­len 2.
Unter Zugrun­de­le­gung die­ser Recht­spre­chung liegt auch hier eine Til­gung des Kre­dits in Teil­be­trä­gen vor. Es stand von vorn­her­ein fest, dass nicht nur die an den Fonds zu erbrin­gen­de Ein­mal­zah­lung in Höhe von 55.750 DM, son­dern auch die an ihn zu leis­ten­den monat­li­chen Zah­lun­gen in Höhe von 630 DM bei plan­mä­ßi­gem Ver­lauf der ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen zur Til­gung des Dar­le­hens ver­wen­det wer­den sol­len. Die enge Ver­bin­dung zwi­schen Kre­dit, Til­gungs­aus­set­zung und gleich­zei­tig anzu­spa­ren­der Fonds­be­tei­li­gung ergibt sich eben­so wie deren Til­gungs­funk­ti­on aus der Ver­flech­tung der drei "Bau­stei­ne" des Anla­ge­mo­dells Euro­Plan. Aus­weis­lich sowohl des Zeich­nungs­schei­nes als auch des Kurz­ex­po­sés und der dem Dar­le­hens­ver­trag bei­gefüg­ten "Hin­wei­se" der Beklag­ten ist die Fonds­be­tei­li­gung von vorn­her­ein als "Intel­li­gen­tes Til­gungs­in­stru­ment" für das Dar­le­hen kon­zi­piert. Ange­sichts der wech­sel­sei­ti­gen Abhän­gig­keit von dar­le­hens­fi­nan­zier­ter Lebens­ver­si­che­rung und fonds­ge­stütz­ter Dar­le­hens­til­gung bedurf­te es kei­ner aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­rung im Kre­dit­ver­trag selbst dar­über, dass das Dar­le­hen zumin­dest teil­wei­se durch den Ertrag des Invest­ment­fonds getilgt wer­den soll. Aus der maß­geb­li­chen Sicht des Klä­gers als Ver­brau­cher konn­te des­halb kein Zwei­fel dar­an bestehen, dass sei­ne für die Fonds­be­tei­li­gung zu erbrin­gen­den monat­li­chen Zah­lun­gen wirt­schaft­lich ent­spre­chen­den monat­li­chen Til­gungs­leis­tun­gen an den Kre­dit­ge­ber gleich­ste­hen.
Auch steht der spe­ku­la­ti­ve Cha­rak­ter einer Immo­bi­li­en­fonds­be­tei­li­gung als Anspar­ver­trag deren enger Ver­bin­dung mit einem spä­ter zu til­gen­den Dar­le­hen nicht ent­ge­gen. Zutref­fend weist die Revi­si­ons­er­wi­de­rung dar­auf hin, dass auch bei Lebens­ver­si­che­run­gen und Bau­spar­ver­trä­gen zahl­rei­che, bei Ver­trags­ab­schluss nicht bere­chen­ba­re Fak­to­ren Ein­fluss dar­auf haben, ob und in wel­chem Umfang dem Ver­brau­cher bei Ver­trags­en­de eine Anspar­leis­tung zur Ver­fü­gung steht. Ins­be­son­de­re die Erträ­ge von Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen, die ihr Ver­mö­gen zumin­dest teil­wei­se in Akti­en- und/​oder Immo­bi­li­en­fonds anle­gen, wer­den des­halb in ähn­li­cher Wei­se wie die streit­ge­gen­ständ­li­che Fonds­be­tei­li­gung von spe­ku­la­ti­ven Ele­men­ten beein­flusst.
Die Schwie­rig­keit, wegen der unge­wis­sen Ent­wick­lung der Fonds­be­tei­li­gung den Gesamt­be­trag aller bis zum Ende der Ver­trags­lauf­zeit zur Til­gung des Kre­dits zu ent­rich­ten­den Teil­leis­tun­gen anzu­ge­ben, recht­fer­tigt es nicht, inso­weit von einer Gesamt­be­trags­an­ga­be im Sin­ne von § 4 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 Buchst. b Satz 2 Ver­brKrG aF gänz­lich abzu­se­hen. Die Anga­be hat viel­mehr auch hier auf der Grund­la­ge der bei Abschluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges gel­ten­den Anfangs­kon­di­tio­nen 3 zu erfol­gen.
Die danach gemäß § 4 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 Buchst. b Satz 2 Ver­brKrG aF erfor­der­li­che Anga­be des Gesamt­be­trags aller vom Klä­ger zu ent­rich­ten­den Teil­zah­lun­gen fehlt im Kre­dit­ver­trag. Dies hat, nach­dem die Dar­le­hens­va­lu­ta ver­ein­ba­rungs­ge­mäß aus­ge­zahlt wur­de, nach § 6 Abs. 2 Satz 2 Ver­brKrG aF zur Fol­ge, dass der Klä­ger nur den gesetz­li­chen Zins­satz in Höhe von 4% p.a. (§ 246 BGB) schul­det.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. März 2011 – XI ZR 135/​10
st. Rspr., vgl. BGH, Urtei­le vom 08.06.2004 – XI ZR 150/​03, BGHZ 159, 270, 274; vom 14.09.2004 – XI ZR 11/​04, WM 2004, 2306, 2307; vom 19.10.2004 – XI ZR 337/​03, WM 2004, 2436, 2437; und vom 19.02.2008 – XI ZR 23/​07, WM 2008, 681 Rn. 11[↩]
st. Rspr., BGH, Urtei­le vom 18.12.2001 – XI ZR 156/​01, BGHZ 149, 302, 306 ff.; vom 08.06.2004 – XI ZR 150/​03, BGHZ 159, 270, 277; vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239 Rn. 13; und XI ZR 193/​04, BGHZ 167, 252 Rn. 25; sowie vom 19.02.2008 – XI ZR 23/​07, WM 2008, 681 Rn. 14[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.06.2004 – XI ZR 150/​03, BGHZ 159, 270, 275 f.[↩]
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References: § 4
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 § 6