Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20BvR%202998/11
Timestamp: 2019-03-25 15:10:25+00:00

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Partielle Nichtigkeit der Regelungen über den Ausschluss von Rechtsanwalts- und Patentanwalts-GmbHs mit Doppelzulassung (§ 59e Abs 2 S 1, § 59f Abs 1 BRAO; § 52e Abs 2 S 1, § 52f Abs 1 S 1 PatAnwO) - Verletzung der Berufsfreiheit (Art 12 Abs 1 GG) - mangelnde Verhältnismäßigkeit, da Beschränkungen der Berufsausübung zur Erreichung des Gesetzeszwecks nicht erforderlich - Gegenstandswertfestsetzung
Eingabe in der Suchmaske auf der nächsten Seite: Jahrgang 2014, Seite 87
Kurznachricht zu "Anwalts-GmbH und das Bundesverfassungsgericht: Ende der Diskriminierung?" von Wiss. Mit. Jan Glindemann, LL.M., original erschienen in: AnwBl 2014, 214 - 220.
Kurznachricht zu "Verfassungswidrige Mehrheitserfordernisse bei RA-GmbH" von RA Christian Dahns, original erschienen in: NJW Spezial 2014, 190 - 191.
Kurznachricht zu "Anmerkung zu den Beschlüssen des BVerfG vom 14.01.2014, Az.: 1 BvR 2998/11, 1 BvR 236/12 (Verfassungswidrigkeit von gesetzlichen Beschränkungen multiprofessioneller Zusammenarbeit)" von Prof. Dr. Jörn Axel Kämmerer, original erschienen in: DStR 2014, 669 - 671.
Kurznachricht zu "Das Tor steht offen: Das BVerfG erlaubt weitergehende interprofessionelle Zusammenarbeit von Rechtsanwälten und Patentanwälten - mit erheblichen Auswirkungen auf andere" von RA/FAHandels-/GesellR/FAInsR/FAArbR Prof. Dr. Volker Römermann, original erschienen in: NZG 2014, 481 - 487.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BVerfG vom 14.01.2014, Az.: 1 BvR 2998/11 und 1 BvR 236/12 (Rechtsanwalts- und Patentanwalts-GmbH mit Doppelzulassung)" von Prof. Dr. Christian Kirchberg, original erschienen in: BRAK-Mitt 2014, 87 - 100.
Kurznachricht zu "Konsequenzen der Entscheidung des BVerfG vom 14.1.2014 für das Berufsrecht der Rechtsanwälte und Steuerberater" von Prof. Dr. Reinhard Singer, original erschienen in: DStR Beihefter 2015, 11 - 20.
Kurznachricht zu "Neue Gestaltungsfreiheit für intrprofessionelles Zusammenwirken in Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften nach der Entscheidung des BVerfG vom 14.1.2014" von RA Fabian Ost, original erschienen in: DStR 2015, 442 - 448.
Kurznachricht zu "Verfassungswidrige Mehrheitserfordernisse der Rechtsanwalts-GmbH" von RA/FAVerwR Dr. Michael Kleine-Cosack, original erschienen in: AnwBl 2014, 221 - 226.
Entsprechend habe das BVerfG für eine Zusammenarbeit von Patentanwälten und Rechtsanwälten entschieden, dass diese nur dann allgemein und umfassend iS des § 3 Abs. 1 BRAO rechtsbesorgend tätig sein könnten, wenn sie auch als Rechtsanwaltsgesellschaft zugelassen seien (BVerfG Beschluss vom 14.1. 2014 - 1 BvR 2998/11).
Da Gesellschaften nur durch natürliche Personen handeln können, bedeutet ihre Bindung an die Pflicht zur unabhängigen und weisungsfreien Berufsausübung, dass sie diese an ihre Angestellten, soweit sie Berufsfremde sind und damit nicht unmittelbar von § 43 Abs. 1 S 1 WPO aF erfasst werden, weitergeben müssen; denn nur so können die Gesellschaften selbst die Einhaltung der ihnen auferlegten Berufspflichten gewährleisten (vgl auch BVerfG Beschluss vom 14.1. 2014 - 1 BvR 2998/11 ua - Juris RdNr 94).
Dementsprechend darf ein Rechtsanwalt, der bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft angestellt ist, in dieser Eigenschaft geschäftsmäßig auch nur Hilfeleistungen in Steuersachen, dagegen nicht auch Leistungen auf anderen Rechtsgebieten erbringen (vgl BGH Beschluss vom 6.3. 2006 - AnwZ (B) 37/05 - Juris RdNr 13; vgl auch BVerfG Beschluss vom 14.1.2014 - 1 BvR 2998/11 ua - Juris RdNr 90).
Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist - wie bereits oben dargelegt - gemäß § 3 Nr. 3 StBerG zu geschäftsmäßigen Hilfeleistungen in Steuersachen befugt, wozu Beratung und Vertretung in Steuersachen sowie Hilfeleistungen bei der Bearbeitung von Steuerangelegenheiten und der Erfüllung steuerlicher Pflichten gehören (vgl § 33 S 1 StBerG;… Gehrke/Koslowski, aaO), so dass der bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft angestellte Rechtsanwalt in dem Anstellungsverhältnis steuerrechtliche Mandate betreuen darf (vgl BGH Beschluss vom 6.3. 2006 - AnWZ (B) 37/05 - Juris RdNr 13; vgl auch BVerfG Beschluss vom 14.1.2014 - 1 BvR 2998/11 ua - Juris RdNr 90).
Dies gilt mithin auch für die Beschwerdeführerin als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (vgl. BVerfGE 131, 47 ; 135, 90 ).
b) In das durch Art. 12 Abs. 1 GG garantierte Grundrecht der Berufsfreiheit darf nur auf gesetzlicher Grundlage und unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit eingegriffen werden (stRspr; vgl. nur BVerfGE 135, 90 m.w.N.).
Dies entspricht auch der in Rechtsprechung und Literatur nahezu einhellig vertretenen Auffassung (OLG Düsseldorf…, Urteil vom 22. Dezember 2011 - I-6 U 155/11, aaO Rn. 40;… Brüggemann in Feuerich/Weyland, aaO, § 59e Rn. 1;… Bormann in Gaier/Wolf/Göcken, aaO, § 59e BRAO Rn. 11;… Henssler in Henssler/Prütting, aaO;… aA v. Wedel in Hartung/Scharmer, aaO; vgl. zur Übereinstimmung der gesetzlichen Regelungen der Rechtsanwaltsgesellschaft und der Patentanwaltsgesellschaft auch BVerfGE 135, 90 Rn. 7 ff.).
aa) Das Grundrecht der Berufsfreiheit wird durch Art. 12 Abs. 1 GG umfassend geschützt (vgl. nur BVerfGE 135, 90 Rn. 52 mwN).
Gemäß Art. 19 Abs. 3 GG gilt dieses Grundrecht auch für die Klägerin als Rechtsanwaltsgesellschaft mit beschränkter Haftung, da Art. 12 Abs. 1 GG seinem Wesen nach auf juristische Personen des Privatrechts anwendbar ist (vgl. nur BVerfGE 135, 90 Rn. 53; BGH…, Urteil vom 15. Mai 2014 - I ZR 137/12, WM 2014, 1775 Rn. 20;… Gaier in Gaier/Wolf/Göcken, aaO, Art. 12 GG Rn. 14; jeweils mwN).
Denn sie versagen ihr eine Berufsausübung in der gegenwärtigen Organisationsform (vgl. BVerfGE 135, 90 Rn. 55).
In das durch Art. 12 Abs. 1 GG garantierte einheitliche Grundrecht der Berufsfreiheit darf nur auf gesetzlicher Grundlage und unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit eingegriffen werden (vgl. nur BVerfGE 135, 90 Rn. 57;… 141, 82 Rn. 47; jeweils mwN).

References: § 59
 § 52
 § 52
 § 3
 § 43
 BGH 
 § 3
 § 33
 BGH 
 Art. 12
 § 59
 § 59
 Art. 12
 Art. 19
 Art. 12
 Art. 12
 Art. 12