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Timestamp: 2019-08-21 08:52:25+00:00

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BFH, 20.06.1985 - IV R 114/82 - dejure.org
BFH, 20.06.1985 - IV R 114/82
https://dejure.org/1985,171
BFH, 20.06.1985 - IV R 114/82 (https://dejure.org/1985,171)
BFH, Entscheidung vom 20.06.1985 - IV R 114/82 (https://dejure.org/1985,171)
BFH, Entscheidung vom 20. Juni 1985 - IV R 114/82 (https://dejure.org/1985,171)
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Steuerbescheid - Nachträgliche Änderung - Bestandskraft
Bei Anwendung des § 173 AO 1977 ist Kenntnis der Veranlagungsstelle der Arbeitnehmerveranlagungsstelle bei unrichtiger Steuererklärung nicht zuzurechnen
BFHE 143, 520
NVwZ 1986, 597
BB 1986, 251
BStBl II 1985, 492
Im Grundsatz kommt es vielmehr auf das Wissen des jeweils zuständigen Bediensteten der zuständigen Behörde an (BGH, Urteil vom 4. Februar 1997 - VI ZR 306/95, BGHZ 134, 343, 346;… vom 28. November 2006 - VI ZR 196/05, NJW 2007, 834 Rn. 5;… vom 15. März 2011 - VI ZR 162/10, VersR 2011, 682 Rn. 10 ff jeweils zur Kenntniszurechnung bei § 852 BGB aF; BFHE 143, 520, 522;… BFH, DStR 2011, 521, zVb in BFHE 232, 5 Rn. 15; jeweils zum nachträglichen Bekanntwerden einer Tatsache im Sinne des § 173 AO; BGH…, Beschluss vom 29. Juni 2006 - IX ZR 167/04, nv, Rn. 3 bei juris;… vgl. auch BSGE 100, 215 Rn. 18).
Für die Besteuerung der Kläger sei jedoch das FA zuständig gewesen (Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492).
Ist dem Bearbeiter der zuständigen Dienststelle im Zeitpunkt der Veranlagung der Inhalt der Akten nach diesen Grundsätzen bekannt, so können die hier aufgeführten Tatsachen nicht mehr nachträglich bekannt werden und damit auch nicht mehr Grundlage für die Änderung eines bestandskräftigen Bescheids gemäß § 173 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO sein (BFH-Urteile vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492; vom 5. November 1970 V R 71/67, BFHE 101, 156, BStBl II 1971, 220).
Bekannt sind der zuständigen Dienststelle jedoch neben dem Inhalt der dort geführten Akten auch sämtliche Informationen, die dem Sachbearbeiter von vorgesetzten Dienststellen über ein elektronisches Informationssystem zur Verfügung gestellt werden, ohne dass es insoweit auf die individuelle Kenntnis des jeweiligen Bearbeiters ankommt (vgl. BFH-Urteil vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492, und die dort erwähnte Rechtsprechung).
Kennt eine andere als die für die Bearbeitung des Steuerfalls zuständige Dienststelle die betreffende Tatsache, so ist sie deswegen nicht auch der zuständigen Dienststelle als bekannt zuzurechnen (BFH-Urteil in BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492).
a) Für die Frage, ob eine Tatsache nachträglich bekannt geworden ist, kommt es nach ständiger Rechtsprechung des BFH auf den Kenntnisstand der Personen an, die innerhalb der Finanzbehörde nach dem behördeninternen Organisationsplan dazu berufen sind, den betreffenden Steuerfall zu bearbeiten (BFH-Urteile vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492;… vom 13. Mai 2004 IV R 11/02, BFH/NV 2004, 1400;… Klein/ Rüsken, AO, 9. Aufl., § 173 Rz 62a).
Diese Personen sind die Dienststelle im Sinne der Rechtsprechung des BFH (vgl. Urteile in BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492;… vom 20. Juli 1988 I R 136/84, BFH/NV 1990, 64;… vom 19. Juni 1990 VIII R 69/87, BFH/NV 1991, 353;… vom 3. Mai 1991 V R 36/90, BFH/NV 1992, 221).
Die Pflicht der Dienststellen zur Zusammenarbeit und zum Erfahrungsaustausch ermöglicht nach der zutreffenden Rechtsprechung des BFH keine Zurechnung von Tatsachen, die der einen Dienststelle bekannt sind, bei der anderen (z.B. Urteile in BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492;… in BFH/NV 1990, 64;… in BFH/NV 1991, 353;… in BFH/NV 1992, 221; vom 17. November 1998 VIII R 24/98, BFHE 187, 292, BStBl II 1999, 223;… in BFH/NV 2004, 1502, m.w.N.).
Aus der gesetzlichen Regelung in § 10 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 22 Nr. 1a des Einkommensteuergesetzes (EStG) ergibt sich zwar eine Pflicht der beteiligten Finanzämter bzw. Dienststellen zum Zusammenwirken (vgl. BFH-Urteil in BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492).
b) Ergibt sich die Tatsache oder das Beweismittel nicht aus den Akten, kommt es auf die Kenntnis derjenigen Person oder der Stelle innerhalb der Finanzbehörde an, die für die Bearbeitung des Steuerfalles organisationsmäßig berufen waren bzw. die den zu ändernden Steuerbescheid erlassen haben (…ständige Rechtsprechung BFH-Urteile vom 3. Mai 1991 V R 36/90, BFH/NV 1992, 221;… vom 13. April 1989 IV R 20/88, BFH/NV 1990, 477; vom 20. April 1988 X R 40/81, BFHE 153, 437, BStBl II 1988, 804; in BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492).
Der erkennende Senat folgt der vom BFH in ständiger Rechtsprechung vertretenen Ansicht, daß es für die Frage des Kennens oder Kennenmüssens in diesem Zusammenhang grundsätzlich auf den Wissensstand der zur Bearbeitung des Steuerfalls organisatorisch berufenen Dienststelle des FA, nicht aber auf diejenige des Prüfers ankommt (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 23. März 1983 I R 182/82, BFHE 138, 313, BStBl II 1983, 548, 549; vom 9. November 1984 VI R 157/83, BFHE 142, 402, BStBl II 1985, 191, 192, und vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492, 493).
Die für die Umsatzsteuerfestsetzung im Streitfall zuständige Dienststelle des FA hatte - wie das FG bindend (vgl. § 118 Abs. 2 FGO) festgestellt hat - bei Erlaß des Bescheids vom 26. Mai 1976 nach den ihr zugänglichen Akten (BFH-Urteil vom 5. November 1970 V R 71/67, BFHE 101, 156, BStBl II 1971, 220; in BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492, 493) Kenntnis nur vom Bericht über die Umsatzsteuersonderprüfung, der - entgegen der Revisionsbegründung - keine Einzelheiten zur vertraglichen Gestaltung des Arbeitseinsatzes oder gar zu dessen tatsächlicher Durchführung enthält.
Der Bericht über die Lohnsteueraußenprüfung andererseits war nur der Lohnsteuerstelle zugänglich gemacht worden, so daß insoweit für das FA eine Bindung auch nicht nach den Grundsätzen von Treu und Glauben ausgelöst werden konnte (Urteil in BFHE 142, 402, BStBl II 1985, 191, 192, und in BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492, 493 f.).
Bekannt ist der zuständigen Dienststelle der Inhalt der dort geführten Akten, ohne dass insoweit auf die individuelle Kenntnis des jeweiligen Bearbeiters abzustellen ist (BFH-Urteil vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492).
Neu ist eine Tatsache gemäß § 173 Abs. 1 AO 1977 dann, wenn sie dem zuständigen Bediensteten des FA beim Abschluß der Willensbildung in bezug auf den zu ändernden Steuerbescheid nicht bekannt war (BFH-Urteil vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492, zu 1. a).
Denn für die Frage, ob eine Tatsache nachträglich bekanntgeworden ist, kommt es auf den Kenntnisstand der Personen an, die innerhalb der Finanzbehörde dazu berufen sind, den betreffenden Steuerfall zu bearbeiten (BFH-Urteile vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492, m.w.N. der Rechtsprechung;… vom 20. Juli 1988 I R 136/84, BFH/NV 1990, 64, unter 1. a;… vom 3. Mai 1991 V R 36/90, BFH/NV 1992, 221; a.A. Tipke/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, § 173 AO 1977 Tz. 16).
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References: § 173
 § 852
 § 173
 § 173
 § 173
 § 10
 § 22
 § 118
 § 173
 § 173
 § 2