Source: https://adhi.univie.ac.at/index.php/adhi/article/view/1810/html_Krosigk
Timestamp: 2018-09-18 20:30:27+00:00

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Von der Beschreibung zur Verdichtung: Der Bezirk als Verwaltungsraum im Großherzogtum Baden zwischen 1809 und den 1870er-Jahren
Die Bezirke bildeten in der neuen Verwaltungsordnung von 1809 die unterste Ebene der staatlichen Verwaltung. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts voranschreitende Verdichtung und Vereinheitlichung des staatlichen Zugriffs auf die lokale (Gemeinde-)Verwaltung war konflikt- und spannungsgeladen.4 Dementsprechend stand die Bezirksverwaltung mit ihren Amtmännern als lokalen Vertretern der Regierung und des Innenministeriums im Vormärz und in der Revolution von 1848/1849 im Zentrum des politischen Konflikts mit den Gemeindeverwaltungen und der lokalen Gesellschaft.5
Dieser Beitrag geht der Frage nach, in welcher Weise die Praxis der Ortsbereisungen, bei der zwar die Untersuchung mündlich vor Ort durchgeführt wurde, jedoch die gesammelten Informationen in einem Protokoll oder Tagebuch schriftlich festgehalten wurden, die Erzeugung und Wahrnehmung des Bezirks als Verwaltungsraum — vor allem im Hinblick auf das Verhältnis zwischen dem Bezirksamt als Verwaltungszentrum sowie den Bewohnern und Gemeinden des Bezirks als Teil der lokalen Gesellschaft — beeinflusste. Hierzu wird die Verwaltungspraxis der Ortsbereisungen im Großherzogtum Baden zunächst im Rahmen des stark zentralisierten Verwaltungssystems von 1809 und sodann im Rahmen der partizipativen Verwaltungsorganisation von 1863/1865 bis in die 1870er-Jahre untersucht.
Einem kultur- und medienwissenschaftlichen Raumverständnis folgend ist »nicht der Raum als Begriff einer physikalischen Entität, sondern die Möglichkeit einer Beschreibung räumlicher Verhältnisse hinsichtlich kultureller und medialer Aspekte«10 von Bedeutung. So besteht der Bezirk nicht nur als ein gegebener, funktionaler Verwaltungsraum,11 sondern wird als solcher auch in Abhängigkeit von kommunikativen Praktiken erzeugt. Den von der Verwaltung eingesetzten Medien kommt dabei eine große Bedeutung zu. Als Medien — im Sinne von Mitteln zur Erfüllung eines Zweckes — einer kommunikativen Verwaltungspraxis können beispielsweise Schriftlichkeit, Mündlichkeit und Unmittelbarkeit, eine partizipative Verwaltung — zu der auch das Aushandeln und Vermitteln gehören — sowie die amtliche Öffentlichkeitsarbeit betrachtet werden.12 Sie beeinflussen auf recht unterschiedliche Weise die Erzeugung und Wahrnehmung des Verwaltungsraumes in Bezug auf die Distanz von Verwaltungszentrum und lokaler Gesellschaft.13
Das Medium der schriftlichen Kommunikation in Form von Schriftwechseln, Anordnungen, Berichten und Ähnlichem unterstreicht eine größere Distanz zwischen dem Bezirksamt als Verwaltungszentrum und der lokalen Gesellschaft — hier insbesondere im Hinblick auf entlegenere Gemeinden — im Bezirk. Die räumliche Distanz kommt etwa in der Dauer der Zustellung eines Briefes — im Falle eines Schriftwechsels zwischen dem Bezirksamt und Bezirksangehörigen oder Gemeinden — oder in der Geschwindigkeit, in der Nachrichten im Bezirk zirkulieren, zum Ausdruck.14
Zwei Sichtweisen lassen sich bei einer auf Schriftlichkeit basierten Verwaltungspraxis zwischen Verwaltungszentrum — hier dem Bezirksamt — und lokaler Gesellschaft in Bezug auf die Wahrnehmung des Raumes ausmachen: Für den Amtmann — als die zentrale Figur des Verwaltungszentrums — war die lokale Gesellschaft außerhalb der Gemäuer seines Amtssitzes mittelbar gegeben. Aus der Perspektive der Bewohner des Bezirks wiederum stellte sich das Bezirksamt als Verwaltungszentrum als etwas Entferntes und in einem Gebäude Abgeschlossenes dar. Schriftlichkeit erzeugt Distanz.
Eine andere Wirkung entfaltet eine kommunikative Verwaltungspraxis auf der Grundlage von Mündlichkeit und Unmittelbarkeit. Das Begriffspaar ›Mündlichkeit‹ und ›Unmittelbarkeit‹ war noch im 19. Jahrhundert — insbesondere in der Rechtsprechung — nur sehr schwer zu trennen.15 Aus Sicht einer bürgernahen Verwaltung wurde ›Unmittelbarkeit‹ oder eine ›unmittelbare‹ Geschäftsbehandlung im Sinne eines direkten Kontaktes zwischen den Behörden und den Beteiligten verstanden und war positiv besetzt, da hierdurch eine »eigene Anschauung«16 der Verhältnisse gewonnen und Ermessensspielräume besser genutzt werden konnten.17 Zum Beispiel machten die periodischen Ortsbereisungen und die Einzeltätigkeit der Bezirksräte als Informanten, Berater und Sachverständige in den ihnen zugewiesenen Gebieten eine mündliche Kommunikation der Verwaltungsakteure in direktem Kontakt mit Vertretern der Gemeinden und den Bewohnern des Bezirks vor Ort erforderlich und ließen so den Verwaltungsraum unmittelbar erfahren.18
Zu einer partizipativen Verwaltungspraxis gehörte auch die Darstellung der Bezirke in den amtlichen »Jahresberichten der Landeskommissäre«, die vor allen Dingen auf den Informationen der Ortsbereisungen aufbauten und seit Mitte der 1860er-Jahre veröffentlicht wurden. Durch die Beschreibung und den Vergleich der Verwaltungsverhältnisse in den einzelnen Bezirken beeinflussten die Jahresberichte die Erzeugung und Wahrnehmung des Bezirks als Verwaltungsraum.19
Die Medien, die die badische Verwaltung mit ihrer partizipativen Verwaltungspraxis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausbaute und einführte, zielten darauf ab, räumliche Distanz zwischen Zentralverwaltung und Bezirksverwaltung sowie zwischen Bezirksverwaltung und lokaler Gesellschaft zu verkleinern — und damit in einem gewissen Sinne auch die Verwaltungsräume zu minimieren. Hierzu wurde eine Beteiligung von Bürgern auf der Ebene der Bezirksverwaltung eingeführt: Die Bürger wurden der Verwaltung näher gebracht, indem die Verwaltung sich selbst den Bürgern näher brachte.
Die zentrale These von der Wirkung der Verwaltungspraxis — hier insbesondere der Ortsbereisungen — auf die Erzeugung und Wahrnehmung des Verwaltungsraumes wird folgendermaßen entwickelt: Zunächst werden die Ortsbereisungen im Kontext des Reitzenstein’schen Verwaltungssystems von 1809 untersucht. Hierbei wird die Entwicklung der Ortsbereisungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dargestellt und gezeigt, welche Wirkung ihre Praxis auf die räumliche Distanz zwischen Bezirksverwaltung und lokaler Gesellschaft hatte. Im zweiten Abschnitt werden zunächst die mit der Verwaltungsreform von 1863/1865 neu eingeführten Landeskommissäre und Bezirksräte im Hinblick auf ihre Mittlerrolle zwischen Verwaltungszentrum und Bezirksverwaltung sowie lokaler Gesellschaft im Zeichen einer unmittelbaren Verwaltungspraxis vorgestellt. Sodann geht es um die Rolle der Bezirksräte als Mittler zwischen Bezirksverwaltung und lokaler Gesellschaft im Kontext einer partizipativen Verwaltungspraxis. Auch wird der Frage nach der Wirkung der Bezirksräte auf die räumliche Verfassung des Bezirks als Verwaltungsraum nachgegangen. Abschließend wird ein Blick vornehmlich auf die »Jahresberichte der Landeskommissäre« geworfen, die auf den Informationen der Ortsbereisungen beruhten und seit Mitte der 1860er-Jahre die Vorstellung des Bezirks als Verwaltungsraum mittelbar mitprägten.
Das Reitzenstein’sche Organisationsedikt von 1809 prägte die Verwaltung im Großherzogtum Baden bis zur liberalen Reform von 1863/1865. Ein wesentliches Merkmal der Verwaltung von 1809 war der stark ausgeprägte Zentralismus, der seinen Mittelpunkt im Innenministerium fand und eine gleichförmige Tätigkeit der Bezirksverwaltung sicherstellen sollte: »Von einem obersten Punkte aus sollte sich der staatliche Wille in immer weiteren Kreisen gleichmäßig über das Land ausdehnen.«20 Die Bezirke als unterste Ebene der staatlichen Verwaltung bildeten die funktionale und rechtliche Zuständigkeit der Bezirksverwaltung in räumlicher Hinsicht ab. Die leitende Idee war die Durchsetzung gleicher Verwaltungsstandards in allen Bezirken. Die Einteilung der Bezirksämter erfolgte nach der Leistungsfähigkeit eines Exekutivbeamten und nach geografischen, verwaltungstechnischen, finanziellen sowie bevölkerungspolitischen (ca. 7000 Einwohner) Gesichtspunkten.21
Aus der Perspektive der 1860er-Jahre äußerte sich Ministerialrat Gideon Weizel in seinem Kommentar zum liberalen Verwaltungsgesetz von 1863 — gewissermaßen aus einer Innenperspektive der Verwaltung — kritisch über die Reitzenstein’sche Verwaltungsorganisation von 1809.22 So waren die Bezirksämter in erster Linie »instruierende [...] und vollziehende [...] Stellen«,23 die auf eine gleichmäßige Normimplementation in den Bezirken ausgerichtet waren.24 Bis zur grundlegenden Neuorganisation der Verwaltung mit der Reform von 1863/1865 wurden zahlreiche Reformbemühungen unternommen, um die Landesverwaltung zu vereinfachen.25
Eine weitreichende Reform der Mittelstellen erfolgte durch die landesherrliche Verordnung vom 26. Januar 1832. Die sechs Kreisdirektorien wurden aufgehoben und an ihrer Stelle vier Kreisregierungen eingesetzt. Die neuen Kreise wurden »unter Berücksichtigung seiner [des Großherzogtums] geografischen Lage und des Handelszugs einzelner Distrikte« eingeteilt, wie sich auch in den Namen widerspiegelte: Seekreis (mit Sitz in Konstanz), Oberrheinkreis (Freiburg), Mittelrheinkreis (Rastatt, seit 1847 Karlsruhe) und Unterrheinkreis (Mannheim).26 Die neuen Kreisregierungen von 1832 fungierten in erster Linie als Rekursbehörden sowie als »aufsehende und kontrollierende Behörde über die Bezirksverwaltung«.27 Da die Kreisregierungen auf der Grundlage von Berichten der Bezirksämter über lokale Angelegenheiten entschieden, nahm das Berichtswesen eine gewichtige Rolle ein und unterstrich die räumliche Distanz der Kreisregierungen sowohl zur Bezirksverwaltung als auch zur lokalen Gesellschaft.
Abbildung 1: Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg und Hohenzollern 1815–1857 (Quelle: Redecker / Schöntag: »Verwaltungsgliederung 1815–1857«).
Abbildung 2: Verwaltungseinteilung der Staaten Württemberg, Baden, Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen um 1835 (Quelle: Grube: Vogteien, Ämter, Landkreise, nach S. 104).
Ministerialrat Weizel — noch immer aus der Perspektive der partizipativen Verwaltungsreform von 1863 — sah mit Blick auf die Verwaltungsorganisation von 1809 in den geringen Kompetenzen der unteren Verwaltungsstellen — also vor allem der Bezirksämter — eine wesentliche Ursache für das »so viel besprochene und beklagte Vielregieren und in seinem Gefolge die Vielschreiberei«.28 Das Berichtswesen und der Schriftwechsel zwischen Bezirksämtern und Kreisregierungen verdeutlichen noch einmal die Distanz zwischen dem lokalen Raum mit seiner örtlichen Gesellschaft und Verwaltungsverhältnissen auf der einen Seite und den administrativen Entscheidungsträgern in den Kreisregierungen auf der anderen Seite:
Praxis und Gegenstände des »Vogtgerichts« wurden auf dem Wege der Verordnung vom 3. Oktober 1811 konkretisiert.39 Für die Erhebung der Zustände sollten die gesamte Bürgerschaft und alle Inhaber öffentlicher Ämter einberufen und einzeln vernommen werden.40 Und zur Vorbereitung des Vogtgerichts wurde der Bezirksbeamte angehalten, im Vorfeld mit »sachkundigen Personen« zu sprechen und sich gegebenenfalls die notwendigen Kenntnisse anzueignen. Insbesondere sollte er jene Ortsvorsteher und Gerichtsleute hinzuziehen, die er für »am geeignetsten« hielt.41 Die wichtigsten Verfahren der Kontrolle und Informationsbeschaffung waren das persönliche Gespräch, die Begutachtung von Unterlagen sowie die Prüfung durch »Augenschein«42. Die Amtsvorstände sollten »untersuchen«, »erforschen«, »sich erkundigen« und »nach eingenommene[m] Augenschein […] prüfen« und so weiter.43 Die Beobachtungen zu den lokalen Verhältnissen waren in ein Protokoll aufzunehmen, das anschließend an das Kreisdirektorium einzusenden war.44 Die Gegenstände der Untersuchung, die das Protokoll systematisch erfassen musste, waren dabei genau vorgegeben. Sie entsprachen letztlich den besonderen Interessen des Innenministeriums.45
Die zu begutachtenden Angelegenheiten wurden in der Verordnung zur Durchführung von »Vogtgerichten« vom 3. Oktober 1811 einzeln aufgelistet und bezogen sich auf Gegenstände, die das »allgemeine Staatswohl oder das Wohl des Orts betrafen«.46 »Privatsachen« wurden dagegen explizit ausgenommen. Im Einzelnen interessierten vor allem die Gemeindeverwaltung,47 die Waisen- und Armenpolizei,48 die Nutzung öffentlicher Flächen durch Bürgerschaft oder Gemeinden,49 Bau- und Feuerpolizei,50 Wasser- und Straßenbau,51 Gesundheits- und Wasserpolizei,52 Bodenschätze53 sowie die Entwicklung der Agrarwirtschaft mit Blick auf Weinbau, Baumschulen und Viehzucht.54 Die zu erkundenden Verwaltungsbereiche belegen das breite Interesse der höheren Verwaltungsstellen an den lokalen Verhältnissen. Auch zeigt die Auswahl der Untersuchungsgegenstände, dass die Bezirksverwaltung ihren Verwaltungsraum durchaus auch als einen (Land-)Wirtschafts- und Infrastrukturraum betrachtete.
Die Ortsbereisungen stellten zunächst einmal eine wichtige Form einer kommunikativen Verwaltungspraxis dar, die der (Zentral-)Verwaltung die entsprechenden Informationen über die lokalen Verhältnisse und wichtige örtliche Kenntnisse erschließen sollte. Allerdings war die Praxis periodischer Ortsbereisungen zunächst noch von den normativen Vorgaben weit entfernt. Waren die Landgemeinden noch zu Beginn des Jahrhunderts für die Zentralverwaltung weitestgehend »terra incognita«,55 so lässt sich auch für die 1810er-Jahre und frühen 1820er-Jahre noch nicht von einer regelmäßigen Praxis der Ortsbereisungen sprechen. Aus einer Umfrage des Innenministeriums bei den Kreisdirektoren aus dem Jahre 1823 geht hervor, dass die Bezirksämter die Ortsbereisungen im Zeitraum seit 1817 nicht regelmäßig durchgeführt hatten.56 In den 1820er-Jahren wurden die Ortsbereisungen zwar häufiger durchgeführt, doch lässt sich noch immer nicht von einer »normgerechten Praxis« oder einer »regelmäßigen Durchführung« der Ortsbereisungen sprechen.57 Die Bezirksämter waren zu zwei Dritteln mit nur einem Amtmann besetzt und damit überlastet.58 In den 1830er- und 1840er-Jahren schien sich ein Wandel durchzusetzen. So wies das Innenministerium 1831 die Bezirksämter an, die Gemeinden ihres Bezirks in drei Gruppen einzuteilen und jeweils eine davon im Jahr zu bereisen.59 In den 1840er-Jahren fanden die Ortsbereisungen öfter statt als noch vor 1830.60 Zwei Jahre vor dem Ausbruch der Revolution von 1848/1849 entsprach die Quote der Ortsbereisungen im Seekreis und im Unterrheinkreis den Vorgaben von 1811, auch wenn die Gründlichkeit durchaus nicht immer die Normen erfüllte.61
Mit seinem »Präsidialschreiben« vom 17. September 1849 unternahm Adolf Freiherr Marschall von Bieberstein (1806—1891), der nach der Niederschlagung der Revolution von Großherzog Leopold im Juni 1849 als Nachfolger Johann Baptist Bekks zum Innenminister ernannt worden war, einen ersten Ansatz zur Stärkung der Kommunikation und Kooperation zwischen den Amtsvorständen sowie einflussreichen Persönlichkeiten und Amtspersonen. Zur Umsetzung der neuen Verwaltungsführung gab er den Amtsvorständen detaillierte Anweisungen.63
Bezirksamtmann Guerillot erfasste im Tagebuch für die Stadt Eberbach eine ganze Reihe von lokalen Verhältnissen und Verwaltungsangelegenheiten. Hierzu gehörten: Gemarkung der Stadt und ihrer Umgebung, klimatische Verhältnisse, Bevölkerung, Nahrungsquellen (Industrie, Handel, Schifffahrt und Fischerei, Kleingewerbe, Landwirtschaft, Wohlstand), sittliche Zustände, politisches Treiben, kirchliche Verhältnisse und Verkehr. In einem besonderen Abschnitt behandelte Guerillot weiterhin die Aspekte: Gemeindeverwaltung, Schulen, Stiftungen, Vormundschaftswesen und Polizei (Allgemein, Sittlichkeit, Sicherheit, Armenpflege, Feldpolizei, Forst- und Jagdpolizei, Straßenpolizei, Gesundheitspolizei, Gewerbepolizei, Baupolizei).77
So stellte Innenminister August Lamey in der Diskussion des Regierungsentwurfs zum Organisationsgesetz fest, »daß es das Streben unserer Zeit ist, das Staatswesen organisch mit der Gesamtbevölkerung zu verbinden und in eine Einheit zusammenzufassen«.84 Insbesondere die Bezirksräte sollten »die Staatsverwaltung bei der Lösung ihrer Aufgaben« in den Gebieten des Bezirks, die ihnen »zu vorzugsweiser Thätigkeit« zugewiesen waren, unterstützen.85 Eine Folge der partizipativen Konzeption der staatlichen Bezirksverwaltung war die personelle — und damit auch räumliche — Verflechtung von Verwaltungszentrum und lokaler Gesellschaft.
Abbildung 3: Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg und Hohenzollern 1858–1936 (Quelle: Redecker / Schöntag: »Verwaltungsgliederung 1858–1936«).
Die Vollzugsverordnung vom 12. Juli 1864 erweiterte noch einmal die Befugnisse der Landeskommissäre und gab ihnen die Vollmacht, in jede Verwaltungstätigkeit eingreifen zu können und beispielsweise in Bezirksratssitzungen — außer bei Gegenständen der Verwaltungsgerichtsbarkeit — den Vorsitz zu übernehmen.93 Zur Ausübung der Aufsicht über die Bezirksämter sollten die Landeskommissäre »nach eigenem Ermessen oder infolge besondern Auftrages des Ministeriums des Innern periodische Untersuchungen der Verwaltungszustände der ihnen unterstellten Bezirksämter vornehmen«.94 Auch hier sollte das Eingreifen unmittelbar erfolgen: »Bei wahrgenommenen Mängeln oder Mißständen in der Amtsführung eines Bezirksbeamten oder bei deßfalls erhobenen Beschwerden haben sie nach gepflogener Untersuchung fürsorglich die nötigen Anordnungen zur Abhilfe sofort zu erlassen.«95
Die Einführung von Landeskommissären kam einem Paradigmenwechsel gleich, da sie eine auf Unmittelbarkeit beruhende Verwaltungspraxis förderte: So erklärte August Lamey in der »Begründung zum Gesetz über die Organisation der Verwaltung«, dass die »häufige Untersuchung der öffentlichen Zustände und der Dienstführung der Executivbeamten an Ort und Stelle, die persönliche Prüfung und Beseitigung von Beschwerden und Mißständen, sowie das unmittelbar nachhelfende Eingreifen der höheren Organe […] eine so wichtige Aufgabe einer guten Verwaltung« sei, dass diese »mehrere[n] Mitgliedern des Ministeriums« in fest umgrenzten Bezirken aufgetragen werden sollte.99 Durch eine unmittelbare Aufsicht — also vor Ort und in direktem Kontakt mit den Beteiligten — beabsichtigte man, diese nicht nur effizienter zu gestalten, sie sollte vor allem auf die besonderen Verhältnisse in den Gemeindebehörden flexibel Rücksicht nehmen. So liege es bei den Landeskommissären,
Die Regierung maß den Landeskommissären »für die Entwicklung eines lebendigeren und volkstümlicheren Geistes in der innern Staatsverwaltung« besonderen »Wert« und »Bedeutung« bei.101 Darüber hinaus waren die Landeskommissäre zur Mitarbeit bei der Verkürzung der Distanz zwischen der Staatsregierung und dem Innenministerium sowie der Landesverwaltung verpflichtet: Sie sollten als Mitglieder des Ministeriums »sowohl wegen der genaueren Kenntniß ihres Bezirks, als auch weil es angemessen und von politischem Vortheil ist, daß die Staatsregierung in den größeren Städten des Landes durch höhere Beamten vertreten ist, in ihrem Bezirken Wohnsitz nehmen, im Übrigen aber im Ministerium über ihre Thätigkeit und die zu erlassenden Anordnungen Vortrag zu erstatten haben«.102 Die lokale Aufsicht durch die Landeskommissäre als Mittlerfiguren zwischen Innenministerium und Bezirksverwaltung war also ein Medium, um räumliche Entfernung zu überbrücken. Dagegen wurden die Kreisregierungen als administrative Mittelstellen abgeschafft.
Hinter der Figur des Bezirksrats stand unter anderem die Einsicht, dass die herkömmliche Form einer auf Schriftlichkeit beruhenden Verwaltungspraxis nicht ausreichte, um in der lokalen Gesellschaft Akzeptanz für Verwaltungsentscheidungen zu erzielen. So erhoffte sich die Regierung in der »Begründung« zum Gesetz über die Organisation der Verwaltung vom 9. Februar 1863, dass die »Mitwirkung der tüchtigsten und durch ihre Einsicht und ihren Gemeinsinn ausgezeichneten Männer der Bezirke unter der Leitung des ständigen angestellten Staatsbeamten bei einer Reihe von staatlichen Geschäften nicht nur eine berechtigte Forderung der Zeit, sondern auch von dem größten Nutzen für das Vertrauen in die gerechte und umsichtige Handhabung der öffentlichen Gewalt«104 ist.
Die Mitwirkung der Bezirksräte sollte sich insbesondere auf öffentliche Angelegenheiten erstrecken, bei denen besondere lokale Kenntnisse vorteilhaft waren. Von einer Mitarbeit der Bezirksräte erwartete sich die Regierung »die zur richtigen Beurtheilung der thatsächlichen Grundlagen erforderlichen Erfahrungen und Kenntnisse des öffentlichen, namentlich des Gemeindelebens«.105 Sie sollten ihre Kenntnisse des lokalen Raumes, zu dem die örtlichen Verwaltungsverhältnisse und die lokale Gesellschaft gehörten, in die Bezirksverwaltung und Verwaltungsgerichtsbarkeit einbringen. Es war die Absicht, dadurch die Distanz zwischen dem Verwaltungszentrum und der lokalen Gesellschaft zu verringern. Diese vermittelnde Rolle konnten die Mitglieder des Bezirksrats als Verwaltungsorgan und Verwaltungsgericht erster Instanz sowie in ihrer Funktion ›als Einzelne‹ in ihren Distrikten ausüben.106
Die Kompetenzen des Bezirksrats als Verwaltungsgericht erster Instanz waren insbesondere auf Bereiche ausgerichtet, bei denen die örtlichen Kenntnisse der Ehrenbeamten hilfreich sein konnten. Die Zuständigkeiten umfassten beispielsweise das Heimats- und Ortsbürgerrecht sowie den Bürgernutzen oder die Frage nach der Höhe der Beiträge und persönlichen Leistungen zu Gemeindezwecken.107 Bei diesen Zuständigkeiten konnten Einblicke und Kenntnisse der Verhältnisse einzelner Bewohner und Gemeinden — auch im Hinblick auf das öffentliche Interesse — von Nutzen sein. Da die Praxis der Verwaltungsgerichtsbarkeit keine abstrakte Anwendung genereller Normen darstellte, sondern in den lokalen Kontext eingebunden war,108 erwartete die Regierung von den Bezirksräten »die zur richtigen Beurteilung der tatsächlichen Grundlagen erforderlichen Erfahrungen und Kenntnisse des öffentlichen, namentlich des Gemeindelebens«.109
Auch im Hinblick auf Verwaltungssachen hatte der Bezirksrat eine Reihe von Befugnissen inne, die sich — wie etwa die Erkenntnis zur Notwendigkeit öffentlicher Bauten — auf gemeindliche und lokale Verhältnisse bezogen.110 Für die Erlassung von bezirkspolizeilichen Vorschriften waren ebenfalls besondere Ortskenntnisse von Vorteil. Wenn solche Vorschriften »eine fortdauernd geltende Anordnung enthalten«, konnte der Bezirksbeamte diese nur mit Zustimmung des Bezirksrats erlassen.111 Der Bezirksbeamte konnte den Bezirksrat aber auch einfach nur als ein beratendes Kollegium konsultieren. Dies galt für alle Angelegenheiten, die das Interesse eines Bezirks berührten. So bei »allgemeinen Maaßregeln« in Bereichen wie Gewerbe, Handel, Land- und Forstwirtschaft, Viehzucht sowie bei der Abwendung von Teuerung und Mangel.112
Solche ortsspezifischen Kenntnisse des Verwaltungsraumes waren insbesondere bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften zur Errichtung von Gruben in Städten in entsprechenden bezirkspolizeilichen Vorschriften notwendig.128 Die anschließenden Abschnitte der Verordnung zur öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit vom 27. Juni 1874 behandelten ihre Implementierung. Zunächst wurde bemerkt, dass »nähere Bestimmungen […] mit Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse im Wege bezirks- oder ortspolizeilicher Vorschriften erlassen werden« können.129 Hierbei wirkte der Bezirksrat nicht nur dadurch mit, dass er bei bezirkspolizeilichen Vorschriften von fortdauernder »Anordnung« seine Zustimmung erteilen musste,130 sondern auch noch dadurch, dass er im Rahmen des Ermessensspielraums über die Implementierung der Vorschriften unter Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse entschied.131 Auch bei der Einrichtung von Düngerstätten und Jauchebehältern an Ortsstraßen oder an öffentlichen Plätzen verfügte der Bezirksrat über weitreichende Ermessensspielräume.132 Weiterhin konnte der Bezirksrat die Ableitung von Abwässern gewerblicher Anlagen in Gewässer innerhalb von Ortschaften sowie die gewerbliche Nutzung des Wassers nach eigenem Ermessen untersagen, »wenn dadurch eine die öffentliche Gesundheit innerhalb der Ortschaften gefährdende Verunreinigung des Wassers verursacht wird«.133
Dem Bezirksrat waren auch unmittelbar beaufsichtigende Funktionen bei der Implementierung der Verordnung zugeschrieben. Dies betraf zum Beispiel die »periodische Reinigung« von Gewässern innerhalb von Ortschaften, die die »Ortspolizeibehörde unter Aufsicht des Bezirksamts zu regeln und zu überwachen« hatte.134 Bei der Anlage von Straßenrinnen mit »fester Grundfläche« an Ortsstraßen war den Bezirksräten ein gewisses Maß an Verhandlungsfreiheit zur Umsetzung gemäß den örtlichen Verhältnissen an die Hand gegeben.135 Ebenso war der Bezirksrat befugt, bei gesundheitsgefährdenden Verhältnissen in Mietwohnungen, die auf den Eigentümer zurückgehen, »nach Maßgabe der bestehenden polizeilichen Vorschriften [zu] bestimmen, in welcher Weise und in welchen Fristen dieser für Abhilfe zu sorgen hat«.136 Für den Fall der Nichtbeachtung der Anordnungen des Bezirksrats standen diesem durchaus weitreichende disziplinarische Kompetenzen zu, wie die Untersagung der weiteren Vermietung einer Wohnung.137
Die Bezirksräte wirkten in der Praxis jedoch nicht nur als lokale Informanten, Berater und Sachverständige im Rahmen der monatlichen Sitzungen des Bezirksrats, sondern vermittelten auch in ihrer ehrenamtlichen Funktion unmittelbar in ihrem Kreis — ganz im Sinne einer partizipativen Verwaltungspraxis. In ihrer Mittlerrolle wirkten sie im Sinne der Bezirksverwaltung direkt im lokalen Raum. So stellte Amtmann Ernst Müller etwa für den Bezirk Adelsheim fest, dass Bezirksräte Fragen, die in den Sitzungen vorgeschlagen worden waren, mit Vertretern der Gemeinden ihrer Distrikte diskutierten, was sich positiv auf die Entscheidungsfindung auswirkte.140 Auch Gustav Adolf Jägerschmid, Amtmann in Durlach, verwies auf positive Erkenntnisse mit den Vermittlungsbemühungen der Bezirksräte in Angelegenheiten, die normalerweise bei den Gemeinden auf Widerstand trafen. Er hatte mit der »Berufung« einzelner Mitglieder des Bezirksrats zu »besonders schwierigen Verhandlungen« gute Erfahrungen gemacht, da ihre Bemühungen »in der Regel von gutem Erfolg begleitet« waren.141 Jägerschmid verwies hier insbesondere auf gemeinnützige Unternehmungen und öffentliche Bauten, die jeweils mit höheren Kosten verbunden waren. Eine wichtige Ressource der Bezirksräte war das Vertrauen, das ihnen die Bevölkerung entgegenbrachte, so zumindest erklärte Jägerschmid die Wirksamkeit der Vermittlungsbemühungen der Bezirksräte gegenüber den Gemeinden: »Hier sind die Bezirksräthe die besten Assistenten des Beamten; weil Leute aus dem Volk, so genießen sie auch von vorneherein mehr Vertrauen und ihre Ansichtsäußerungen finden allenthalben zunächst bei den Vertretern der Gemeinden mehr Eingang«.142
Den hier angeführten positiven Beispielen mit ›Einzeltätigkeiten‹ der Bezirksräte stehen natürlich auch negative Bemerkungen von Amtmännern und Landeskommissären — insbesondere was die Ausübung der polizeilichen Funktionen anbelangt — gegenüber. Im Laufe der 1870er-Jahre entwickelten sich die Mitwirkung bei den Unterstützungszahlungen für die Familien von eingezogenen Reservisten, der Bereich öffentliche Gesundheit und Reinlichkeit sowie die Kreisarmenkinderpflege als bevorzugte Bereiche der ›Einzeltätigkeit‹ der Bezirksräte.145 Statistisch betrachtet schlug sich die ›Einzeltätigkeit‹ in der Kategorie »Gutachten und sonstige Tätigkeit der Bezirksräte« positiv nieder. Für den Zeitraum von 1874 bis 1879 stabilisierten sich die Aktivitäten auf einem Durchschnittswert von jährlich 994 vermerkten Aktivitäten in den 52 Bezirksämtern.146 Als wichtigen Hinweis auf die vertrauensbildende Wirkung der Bezirksräte betrachtete Ludwig W. Renck, der von 1874 bis 1877 Präsident des Verwaltungsgerichtshofes war, den Rückgang an Rekursen gegen Entscheidungen der Bezirksverwaltung — auch wenn die Reform des Heimats- und Ortsbürgerrechts im Jahre 1870 diese Entwicklung positiv beeinflusste — seit Einführung der neuen Verwaltungsorganisation im Jahre 1865.147
Jonathan Winter, Landeskommissär in Konstanz, empfahl 1865 den Amtsvorständen, die Mitglieder zu den Ortsbereisungen in den jeweiligen Distrikten »einzuladen«. Dabei sollten die Bezirksräte »mit allen Verhältnissen in den Gemeinden« bekannt gemacht werden und zudem so das Interesse am »Dienst« gefördert und die Bezirksräte mit der Überwachung des Vollzugs von Anordnungen beauftragt werden.150 Auch im darauffolgenden Jahresbericht für 1866 wiederholte Winter, dass die Amtsvorstände die Ortsbereisungen dazu nutzen mögen, die Bezirksräte, »wenn auch ohne alle Förmlichkeit, in den Dienst einzuführen«.151 Da es bei diesen Anlässen insbesondere auch um die Verwaltungszustände in einzelnen Gemeinden ging, brachten Bezirksräte, die bereits einmal ein Ehrenamt in einer Gemeinde oder im Kreise innegehabt hatten — das waren im Durchschnitt mehr als ein Drittel152 —, wichtige Erfahrungen und Kenntnisse im Hinblick auf einzelne Gemeinden und Angelegenheiten mit.
In seinem Bezirk Ettenheim nutzte Oberamtmann Johann Gruber die Bereisungen der Gemeinden dazu, die Bezirksräte zu vermehrter ›Einzeltätigkeit‹ zu motivieren und ihnen Aufgaben anzuweisen. Er hatte die Bezirksräte »in die Verhältnisse eingeweiht und [ihnen] die Beaufsichtigung des Vollzugs einzelner Bescheidsauflagen […] aufgetragen, auch anderweite Aufträge wie hinsichtlich des Standes einzelner Straßen und Wege […] erteilt«.153 Auch im darauffolgenden Jahr hatte Johann Gruber die Bezirksräte zu den Ortsbereisungen zugezogen und diese Gelegenheit dazu genutzt, »denselben manchfach Stoff zur Einzeltätigkeit an die Hand [zu] gegeben«, doch geschah dies »vorerst noch ohne nennenswerten Erfolg«.154 Dagegen erwähnte er, dass sie sich vor allem — auch gegen den Widerstand der Gemeindevertreter — in der Kreisarmenpflege engagieren würden. Auch in seinem späteren Amt Achern bemühte sich Johann Gruber darum, die Bezirksräte durch gemeinsam durchgeführte Ortsbereisungen enger in die Tätigkeit der Bezirksverwaltung einzubinden. Durch »förmliche Übertragung« von Geschäften sowie »wiederholte Belehrung und Zuforderung« hoffte er, eine Verbesserung der »Einzeltätigkeit« herbeiführen zu können.155 Oberamtmann Ludwig Arnsperger, Grubers Vorgänger in Achern, hatte über mehrere Jahre hinweg die Ortsbereisungen zu einer engen Zusammenarbeit mit den Bezirksräten genutzt, »um bei ihnen Einsicht in die Verhältnisse, Interesse für die in Frage kommenden einzelnen Aufgaben zu wecken«.156 Arnsperger ging es also vor allem auch darum, die Bezirksräte im Sinne der Bezirksverwaltung von den Maßnahmen zu überzeugen und ihre Unterstützung zu gewinnen. Ludwig Arnspergers Bemühungen hatten jedoch im Hinblick auf eine »weiter gehende Anregung«157 der Tätigkeit nicht den gewünschten Erfolg.
In welcher Form die Ortsbereisungen als Grundlage für die Zusammenarbeit der Amtsvorstände mit ihren Bezirksräten genutzt werden konnten, erläuterte dann einige Jahre später im Jahresbericht für 1875 etwas detaillierter Otto von Scherer, der 1874 das Amt des Stadtdirektors in Pforzheim übernommen hatte. Scherer hatte bei den 13 Ortsbereisungen die betreffenden Bezirksräte regelmäßig mitgenommen, um bei dieser Gelegenheit »durch Spezialanschauung« die bezirkspolizeilichen Vorschriften bezüglich der Verordnung über öffentliche Reinlichkeit und Gesundheit am Beispiel von Düngerstätten und Jauchebehältern »zur Ausführung zu bringen«.165 Jedoch erwähnen die Schilderungen der darauffolgenden Jahre nicht, inwieweit sich die Bezirksräte tatsächlich bei der Durchsetzung der Verordnung — vor allem auch gegenüber den Gemeindebehörden — engagierten. Hebting stellte für das Jahr 1878 lediglich fest, dass sich ihre ›Einzeltätigkeit‹ »in bemerkenswerter Weise bestätigt«166 habe. Allerdings klangen die darauffolgenden Jahresberichte im Hinblick auf die ›Einzeltätigkeit‹ schon wieder sehr viel nüchterner und bescheidener.167
Die »Jahresberichte der Grossherzoglich badischen Landescommissäre über die Zustände und Ergebnisse der innern Verwaltung«, die für die Jahre 1865 bis 1872 veröffentlicht wurden,170 sollten vor allem die Einwohner der Bezirke erreichen, die ehrenamtlich in der Kreisselbstverwaltung sowie als Bezirksräte tätig waren. Um eine größere Verbreitung sicherzustellen, wurden Auszüge auch in Zeitungen veröffentlicht. Hinter den Jahresberichten stand die Idee, »öffentliche Besprechungen« von Verwaltungsfragen in der Presse anzuregen und das statistische Material für die Publizistik bereitzustellen.171
Beispielhaft können hier die »Verkehrsverhältnisse« angeführt werden. Hier geht es um Eisenbahnen, Eisenbahnverkehr, Dampfboote, Hafenverkehr, Post- und Telegrafenverwaltung sowie Straßenbauten. Den Verkehrsverhältnissen wurde nicht nur eine große Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Badens beigemessen. Eine Wirkung von Verkehrsinfrastruktur lag ebenso in der Verkürzung räumlicher Distanzen.178 Insbesondere auch für die Mobilität der Amtmänner und Landeskommissäre in ihren jeweiligen Verwaltungsgebieten sowie für die Erreichbarkeit von Bezirksämtern in eher ländlichen Gebieten war die Verkehrsinfrastruktur von großer Bedeutung. Die Art und Qualität der Verkehrsinfrastruktur spielte eine große Rolle dabei, wie entlegen oder nahe gewisse Gebiete für einen Amtmann waren. Distanzen — und damit die Entfernungen im Verwaltungsraum — ließen sich durch gut ausgebaute Verkehrsverbindungen reduzieren.179
Die räumliche Distanz zwischen Bezirksverwaltung und lokaler Gesellschaft war eine Herausforderung für die Verwaltung. Letztlich hatten die Medien, Kommunikationsformen und Verwaltungspraxis eine große Wirkung auf die Erzeugung und Wahrnehmung von Raum. Im Falle der Ortsbereisungen im Großherzogtum Baden im 19. Jahrhundert lässt sich feststellen, dass sie eine wichtige Rolle für eine unmittelbare und mündliche Verwaltungspraxis spielten. Dieser Aspekt wurde mit der Verwaltungsreform von 1863/1865 und der Einführung von Bezirksräten unterstrichen. Ein Ziel der neuen partizipativen Verwaltungspraxis war es, die Distanz zwischen dem Bezirk als Verwaltungszentrum und dem lokalen Raum — also der lokalen Gesellschaft und den örtlichen Verwaltungsverhältnissen — durch die Mittlerfigur der Bezirksräte abzubauen. Gleichzeitig sollte die Präsenz der Bezirksverwaltung vor Ort in Gestalt der Bezirksräte erhöht werden. Durch die Teilnahme der Bezirksräte an Ortsbereisungen sowie ihre Tätigkeit als Einzelne in ihren Bezirken nahm die Verflechtung zwischen der Bezirksverwaltung und der lokalen Gesellschaft zu. Damit intensivierten sich auch Kommunikations- und Aushandlungsprozesse. Die partizipative Verwaltungspraxis führte somit zu einer Verdichtung des Verwaltungsraumes — im Sinne eines Abbaus von räumlicher Distanz — durch die ehrenamtlichen Bezirksräte. Die Bezirksverwaltung wurde nun nicht mehr alleine durch das Bezirksamt vertreten, sondern auch noch durch eine Reihe von Bezirksräten.
Letztlich wirkten die Medien der Verwaltungspraxis — wie beispielsweise Schriftlichkeit, Mündlichkeit und Unmittelbarkeit, eine partizipative Verwaltung mit dem Aushandeln und Vermitteln sowie die amtliche Öffentlichkeitsarbeit — auf die räumliche Distanz im Bezirk. Unmittelbarkeit, Mündlichkeit und Bürgerbeteiligung — auch bei den Ortsbereisungen — sollten im Zuge der Verwaltungsreform von 1863 dabei helfen, räumliche Distanz zwischen Verwaltungszentrum und lokaler Gesellschaft abzubauen.
Ich danke dem Gutachter, Stefan Nellen und Thomas Stockinger für ihre Kritik und Anregungen!
Hans-Peter Ullmann: »Baden 1800 bis 1830«, in: Hansmartin Schwarzmaier et al. (Hg.): Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, Bd. 3: Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien, Stuttgart 1992, S. 25—77, hier S. 26—30; weiterhin Willy Andreas: Geschichte der badischen Verwaltungsorganisation und Verfassung in den Jahren 1802—1818, Bd. 1: Der Aufbau des Staates im Zusammenhang der allgemeinen Politik, Leipzig 1913.
Organisationsedikt, 26. 11. 1809, in: Großherzoglich Badisches Regierungsblatt (1809), Nr. 49 S. 395—494[OrgE 1809], hier S. 395.
Zum Aspekt von Kooperation und Konflikt im Zusammenhang mit dem »administrativen Vorrücken in die Fläche« siehe in konzeptioneller Hinsicht Jörg Ganzenmüller / Tatjana Tönsmeyer: »Einleitung: Vom Vorrücken des Staates in die Fläche. Ein europäisches Phänomen des langen 19. Jahrhunderts«, in: Jörg Ganzenmüller / Tatjana Tönsmeyer (Hg.): Vom Vorrücken des Staates in die Fläche. Ein europäisches Phänomen des langen 19. Jahrhunderts, Köln 2016, S. 7—31, hier S. 8, 10, 12. Weiterhin die einzelnen Beiträge im ersten Abschnitt.
Jürgen Maciejewski: Amtmannsvertreibungen in Baden im März und April 1848. Bürokratiekritik, bürokratiekritischer Protest und Revolution von 1848/49, Frankfurt am Main 2010; Joachim Eibach: Der Staat vor Ort. Amtmänner und Bürger im 19. Jahrhundert am Beispiel Badens, Frankfurt am Main 1994; Paul Nolte: Gemeindebürgertum und Liberalismus in Baden 1800—1850. Tradition — Radikalismus — Republik, Göttingen 1994. Zur Politik der »Policey« im Sinne einer »absichtsvollen, zweckgerichteten Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse« (S. 827) im 18. Jahrhundert in Baden siehe André Holenstein: »Gute Policey« und lokale Gesellschaft im Staat des Ancien Régime. Das Fallbeispiel der Markgrafschaft Baden(-Durlach), 2 Bde., Tübingen 2003, Bd. 1, S. 434—518; Bd. 2, S. 827—832.
Der Begriff ›vor Ort‹ nimmt Bezug auf den Bezirk als unterste staatliche Verwaltungsebene und bezieht sich insbesondere auch auf die Gemeindeverwaltungen, Bewohner sowie lokalen Verhältnisse des Bezirks. Der Begriff wurde in diesem Kontext verwendet von Eibach: Staat vor Ort, S. 11—12.
OrgE 1809, Beilage C, S. 433.
Zu Kommunikations- und Aushandlungsprozessen zwischen lokaler Verwaltung und Bürgern vgl. Peter Becker: »Sprachvollzug: Kommunikation und Verwaltung«, in: Peter Becker (Hg.): Sprachvollzug im Amt. Kommunikation und Verwaltung im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts, Bielefeld 2011, S. 9—42, hier S. 13f.; Rüdiger von Krosigk: Bürger in die Verwaltung! Bürokratiekritik und Bürgerbeteiligung in Baden. Zur Geschichte moderner Staatlichkeit im Deutschland des 19. Jahrhunderts, Bielefeld 2010, S. 15; Stefan Haas / Mark Hengerer: »Zur Einführung. Kultur und Kommunikation in politisch-administrativen Systemen der Frühen Neuzeit und der Moderne«, in: Stefan Haas / Mark Hengerer (Hg.): Im Schatten der Macht. Kommunikationskulturen in Politik und Verwaltung 1600—1950, Frankfurt am Main 2008, S. 9—22, hier S. 10; Eibach: Staat vor Ort, S. 16—17. Weiterhin Stefan Haas: Die Kultur der Verwaltung. Die Umsetzung der preußischen Reformen 1800—1848, Frankfurt am Main 2005; Patrick Wagner: Bauern, Junker und Beamte. Lokale Herrschaft und Partizipation im Ostelbien des 19. Jahrhunderts, Göttingen 2005.
»Gesetz, die Organisation der innern Verwaltung betreffend«, 5. 10. 1863, in: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1863, Karlsruhe 1863, S. 399—414 [fortan zitiert als »VerwG 1863«], § 9.
Stephan Günzel: »Raum — Topographie — Topologie«, in: Stephan Günzel (Hg.): Topologie. Zur Raumbeschreibung in den Kultur- und Medienwissenschaften, Bielefeld 2007, S. 13—29, hier S. 13.
Zum Verwaltungsraum als funktionaler Zusammenhang administrativer Zuständigkeiten vgl. Pascale Cancik: »Verwaltung, Raum, Verwaltungsraum — eine historische Annäherung«, in: Hermann Hill / Utz Schliesky (Hg.): Die Vermessung des virtuellen Raums. E-Volution des Rechts- und Verwaltungssystems III, Baden-Baden 2012, S. 29—54.
Zum Aspekt von »Medien« als »Mittel« vgl. Cornelia Vismann: Medien der Rechtsprechung, hg. von Alexandra Kemmerer / Markus Krajewski, Frankfurt am Main 2011, S. 115.
Vgl. Jörg Döring / Tristan Thielmann: »Einleitung: Was lesen wir im Raume? Der Spatial Turn und das geheime Wissen der Geographen«, in: Jörg Döring / Tristan Thielmann (Hg.): Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, Bielefeld 2008, S. 7—45, hier S. 16—17.
Zu einer auf Schriftlichkeit basierenden Normkommunikation der Zentralverwaltung mit der lokalen Gesellschaft über eine größere Distanz hinweg vgl. Bernd Wunder: »Vom Intelligenzblatt zum Gesetzblatt. Zur Zentralisierung inner- und außeradministrativer Normkommunikation in Deutschland (18./19. Jahrhundert)«, in: Jahrbuch für europäische Verwaltungsgeschichte 9 (1997), S. 29—82; Joachim Eibach: »Die Bekanntmachung der Gesetze und Verordnungen in den badischen Gemeinden ab 1803«, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins N. F. 142 (1994), S. 431—440; Veronika Duma: »›Worauf die Völker schon lange so sehnsüchtig gewartet haben …‹. Zur Kommunikation der neuen Gemeindeordnung«, in: Peter Becker (Hg.): Sprachvollzug im Amt. Kommunikation und Verwaltung im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts, Bielefeld 2011, S. 131—153.
Zu Mündlichkeit und Unmittelbarkeit als Medien der Rechtsprechung — und insbesondere mit Blick auf ihre Auslegung bei Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach und seinem Schüler Carl Joseph Anton Mittermaier in den 1820er- und 1840er-Jahren — vgl. Vismann: Medien der Rechtsprechung, S. 112—129. Zur historischen Entwicklung des Mündlichkeitsprinzips im Zivilprozess im 19. Jahrhundert Hans-Gerhard Kip: Das sogenannte Mündlichkeitsprinzip. Geschichte einer Episode des Deutschen Zivilprozesses, Köln 1952.
»Präsidialschreiben« vom 17. 9. 1849 des Innenministers Adolf Freiherr Marschall von Bieberstein (1806—1891), abgedruckt bei Gideon Weizel: Das Badische Gesetz vom 5. October 1863 über die Organisation der innern Verwaltung mit den dazu gehörigen Verordnungen, sammt geschichtlicher Einleitung und Erläuterungen. Nach amtlichen Quellen bearbeitet, Karlsruhe 1864, S. 55. Siehe auch weiter unten in diesem Beitrag.
Siehe hierzu den Vortrag des badischen Ministerialrats Gideon Weizel von 1847 zur Konzeption einer guten Verwaltungspraxis: Generallandesarchiv Karlsruhe [GLA] 236/3570, Vortrag Weizel, Erste Abteilung, fol. 15. Zu diesem Vortrag ausführlicher Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 82—86.
Zur Bedeutung kommunikativer Prozesse für die Wahrnehmung und Erzeugung von Räumen vgl. Gabriela B. Christmann: »Das theoretische Konzept der kommunikativen Raum(re)konstruktion«, in: Gabriela B. Christmann (Hg.): Zur kommunikativen Konstruktion von Räumen. Theoretische Konzepte und empirische Analysen, Wiesbaden 2016, S. 89—117; Becker: »Sprachvollzug«, S. 18—28; Alexander C. T. Geppert / Uffa Jensen / Jörn Weinhold: »Verräumlichung. Kommunikative Praktiken in historischer Perspektive, 1840—1930«, in: Alexander C. T. Geppert / Uffa Jensen / Jörn Weinhold (Hg.): Ortsgespräche. Raum und Kommunikation im 19. und 20. Jahrhundert, Bielefeld 2005, S. 15—49.
Zur Erzeugung von Räumen durch Beschreibung vgl. Günzel: »Raum«, S. 13; Lars Behrisch: »Vermessen, Zählen, Berechnen des Raums im 18. Jahrhundert«, in: Lars Behrisch (Hg.): Vermessen, Zählen, Berechnen. Die politische Ordnung des Raumes im 18. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2006, S. 7—25, hier S. 16; weiterhin Döring / Thielmann: »Einleitung«, S. 13.
Andreas: Verwaltungsorganisation, Bd. 1, S. 265; zur Entstehung der Bezirke auch Walter Grube: Vogteien, Ämter, Landkreise in Baden-Württemberg, Bd. 1: Geschichtliche Grundlagen, Stuttgart 1975, S. 100—104.
Zur Einteilung der Ämter und der Kreisdirektorien infolge des Organisationsedikts von 1809 vgl. Weizel: Das Badische Gesetz, S. 32—36; auch Berthold Krapp: Die badische Ämterorganisation vom Reichsdeputationshauptschluß bis zum Ende der Rheinbundzeit, Karlsruhe 1931, S. 36, 40—45.
Die Reitzenstein’sche Organisationsedikt wird allgemein als eine besonders bürokratische und hierarchische Verwaltungsorganisation betrachtet. So Eibach: Staat vor Ort, S. 31—34; Ludwig Seiterich: »Kreisdirektorium und Kreisregierung im ehemaligen Grossherzogtum Baden und die historische Entwicklung ihrer Zuständigkeiten«, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins N. F. 42 (1929), S. 493—556, hier S. 497—500.
Weizel: Das Badische Gesetz, S. 41.
Zur verwaltungsinternen Bürokratiekritik und Reformdiskussion Mitte der 1840er-Jahre vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 73—77.
Die Zahl der Kreise wurde von zunächst zehn auf neun (1809), dann auf acht (1815) und sechs (1819) herabgesetzt. Die Reformen dienten insbesondere einer Vereinfachung und Beschleunigung des Geschäftsgangs; vgl. Seiterich: »Kreisdirektorium und Kreisregierung«, S. 533—534.
»Eintheilung des Großherzogtums in vier Kreise und Aufstellung von Regierungen betreffend«, 26. 1. 1832, in: Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt (1832), Nr. 9, S. 133—134; vgl. Seiterich: »Kreisdirektorium und Kreisregierung«, S. 538.
Weizel: Das Badische Gesetz, S. 61; vgl. Seiterich: »Kreisdirektorium und Kreisregierung«, S. 540—541. Zu den Kompetenzen der Kreisregierungen gehörten wichtige Fragen des Gemeindewesens: »Verordnung über die Competenz in Gemeindesachen und über die Zahl der Instanzen dabei«, 17. 7. 1833, Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt (1833), Nr. 32, S. 183—186, hier S. 183—184; außerdem frühere Geschäfte des Innenministeriums: »Verordnung, die Vereinfachung der Geschäftsbehandlung bei den Verwaltungsstellen, insbesondere die Kompetenzbestimmung derselben, betreffend«, 21. 6. 1850, Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt (1850), Nr. 31, S. 230—232[VereinfVO], hier S. 232).
Weizel: Das Badische Gesetz, S. 45.
Weizel: Das Badische Gesetz, S. 45—46.
»VereinfVO 1850«.
Zitat nach Weizel: Das Badische Gesetz, S. 54; vgl. Seiterich: »Kreisdirektorium und Kreisregierung«, S. 549—550.
OrgE 1809, S. 433
Im Organisationsedikt bezeichnete man die Ortsbereisungen nochals »Rug- oder Vogt-Gerichte«; OrgE 1809, S. 433. In der diesbezüglichen Vollzugsverordnung wurden sie als »Vogtgerichte« bezeichnet; »Die Vogtgerichte betreffend«, 3. 10. 1811, in: Großherzoglich-Badisches Regierungsblatt (1811), Nr. 27, S. 127—133 [VogtGerVO 1811]. In den folgenden Jahrzehnten verwandte man dann allerdings die Bezeichnung ›Rügegerichte‹; vgl. »Gesetz über die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden«, 31. 12. 1831, in: Großherzoglich-Badisches Staats- und Regierungs-Blatt (1832), Nr. 8, S. 81—115 [GemeindeG 1831], hier § 151, S. 113; Erlass vom 11. 12. 1849 gemäß Friedrich Fröhlich: Die badischen Gemeindegesetze sammt den dazu gehörigen Verordnungen und Ministerial-Verf¨gungen, mit geschichtlichen und erläuternden Einleitungen und Anmerkungen. Nach amtlichen Quellen bearbeitet, Karlsruhe 1861, S. 250. Als das Innenministerium 1858 die vielzähligen Veränderungen, die das GemeindeG 1831 im Laufe der Jahrzehnte erfahren hatte, noch einmal zusammenfassend veröffentlichte, wurde der Terminus ›Rügegericht‹ beibehalten; »Die Zusammenstellung der Gemeindegesetze vom 31. Dezember 1831 mit ihren bisher erschienen Abänderungen betreffend«, 5. 11. 1858, in: Großherzoglich Badisches Regierungsblatt (1858), Nr. 57, S. 511—574, hier § 172, S. 552. Im Erlass des Innenministeriums, »die Vornahme der Ortsbereisungen durch die Amtsvorstände betreffend«, vom 22. 5. 1858, Nr. 5887, in: Großherzoglich Badisches Central Verordnungsblatt (1858), Nr. 8, S. 39—41 [OrtsberE 1858], wird schließlich der Terminus ›Ortsbereisungen‹ verwendet.
Zum Wandel des Informationsinteresses am Beispiels Badens im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert vgl. André Holenstein: »Gute Policey und die Information des Staates im Ancien Régime«, in: Arndt Brendecke / Markus Friedrich / Susanne Friedrich (Hg.): Information in der Frühen Neuzeit. Status, Bestände, Strategien, Berlin 2008, S. 202—213; Holenstein: Gute Policey und lokale Gesellschaft, Bd. 1, S. 403—533.
Siehe dazu auch den Beitrag von Birgit Näther in diesem Band.
Zum Bedarf an spezifischen Informationen als Voraussetzung zu Planung und Gestaltung im politisch-administrativen Raum vgl. Peter Becker: »Beschreiben, Klassifizieren, Verarbeiten. Zur Bevölkerungsbeschreibung aus kulturwissenschaftlicher Sicht«, in: Arndt Brendecke / Markus Friedrich / Susanne Friedrich (Hg.): Information in der Frühen Neuzeit. Status, Bestände, Strategien, Berlin 2008, S. 393—419, hier S. 394—396. Mit besonderem Fokus auf Wissensformen Peter Collin / Thomas Horstmann: »Das Wissen des Staates — Zugänge zu einem Forschungsthema«, in: Peter Collin / Thomas Horstmann (Hg.): Das Wissen des Staates. Geschichte, Theorie und Praxis, Baden-Baden 2004, S. 9—38.
»VogtGerVO, S. 127—133.
VogtGerVO, S. 128.
VogtGerVO, S. 132, Punkt 27.
VogtGerVO, S. 130, Punkt 14.
VogtGerVO, S. 129-130.
VogtGerVO, S. 132, Punkt 28.
Zu administrativen Techniken und Verfahren der Informationsbeschaffung und -übermittlung wie Protokollen, Fragebögen, Formularen vgl. Becker: »Beschreiben«, S. 397—400; Holenstein: »Gute Policey und Information des Staates«, S. 205—206; Peter Becker / William Clark: »Introduction«, in: Peter Becker / William Clark (Hg.): Little Tools of Knowledge. Historical Essays on Academic and Bureaucratic Practices, Ann Arbor 2001, S. 1—34. Zur Information als Kategorie historischer Forschung vgl. Arndt Brendecke / Markus Friedrich / Susanne Friedrich: »Information als Kategorie historischer Forschung. Heuristik, Etymologie und Abgrenzung vom Wissensbegriff«, in: Arndt Brendecke / Markus Friedrich / Susanne Friedrich (Hg.): Information in der Frühen Neuzeit. Status, Bestände, Strategien, Berlin 2008, S. 11—44. Aus dem spanisch-lateinamerikanischen Kontext vgl. Arndt Brendecke: »Tabellen und Formulare als Regulative der Wissenserfassung und Wissenspräsentation«, in: Wulf Oesterreicher / Gerhard Regn / Winfried Schulze (Hg.): Autorität der Form — Autorisierung — Institutionelle Autorität, Münster 2003, S. 37—53.
VogtGerVO, S. 129. Im Bereich der Gemeindeverwaltung sollten untersucht werden: Verwaltungsunterlagen: Gemeindeschriften, Verordnungen sowie deren Verzeichnis (Punkt 8); Finanz- und Besitzverhältnisse: Grundbücher, Unterpfandbücher, Kontraktenprotokolle (Punkt 8); Eignung der Personen mit Gemeindeämtern (Punkt 9).
VogtGerVO, S. 129, Punkte 11 und 12.
VogtGerVO, S. 130, Punkt 14: »Allmend-Stücke, Waiden, und öde Plätze«.
VogtGerVO, S. 130, Punkt 15: Zustand öffentlicher Bauten (Kirche, Pfarrhaus, Schule, Rathaus, Hirtenhaus, Bürgerturm) sowie Gebäude mit Feuergewerbe, gemeinwirtschaftliche
VogtGerVO, S. 130—131, Punkt 17: zur Vermeidung von Überschwemmungen Zustand von Dämmen und Schleusen, Pflanzungen zum Anbau von Faschinen; Nutzung der Gewässer für Wasserwerke (Mühlen u. a.); Punkt 18: Zustand von Land- oder Vicinalstraßen und Brücken.
VogtGerVO, S. 131, Punkt 20: Zustand von Trinkwasser und Brunnenstuben und in diesem Zusammenhang Umwandlung von Schöpf- in Pumpbrunnen, Vorsorge von Ausfluss bei stehenden Gewässern sowie Kontrolle der Lage des Friedhofs im Hinblick auf Hygiene.
VogtGerVO, S. 131, Punkt 22: Vorkommen von Mineralien (Heilquellen, Salzquellen, Torf, Steinkohlen, Gips und Steingruben).
VogtGerVO, S. 131—132, Punkte 23, 24 und 25.
Eibach: Staat vor Ort, S. 79.
Holenstein: Gute Policey und lokale Gesellschaft, Bd. 2, S. 529—530; Eibach: Staat vor Ort, S. 78—79.
Eibach: Staat vor Ort, S. 142.
Eibach: Staat vor Ort, S. 63, 78—79, 142.
Eibach: Staat vor Ort, S. 92, 111.
Zur Politisierung der Wahrnehmung der bürokratischen Verwaltung im Vormärz vgl. Bernd Wunder: »Bürokratie. Die Geschichte eines politischen Schlagwortes«, in: Adrienne Windhoff-Héritier (Hg.): Verwaltung und ihre Umwelt. Festschrift für Thomas Ellwein, Opladen 1987, S. 277—301.
Ein Entwurf des Präsidialschreibens des Innenministers Marshall von Bieberstein vom 17. 9. 1849 findet sich in GLA 236/8212, fol. 47—48, hier allerdings o. D. Auszug aus dem Präsidialschreiben bei Weizel: Das Badische Gesetz, S. 55—56.
Weizel: Das Badische Gesetz, S. 55.
Weizel: Das Badische Gesetz, S. 56.
Auf Verlangen einer Gemeinde oder Staatsbehörde musste jedoch ein Rügegericht durchgeführt werden; Fröhlich: Gemeindegesetze, S. 250.
Der Erlass vom 11. 12. 1849, Nr. 16944, wird sinngemäß wiedergegeben im OrtsberE 1858, S. 40—41; ähnlich bei Fröhlich: Gemeindegesetze, S. 250; Weizel: Das Badische Gesetz, S. 56.
Fröhlich: Gemeindegesetze, S. 250.
Fröhlich: Gemeindegesetze, S. 250; Weizel: Das Badische Gesetz, S. 56, mit Bezugnahme auf den Erlass des Ministeriums des Innern vom 11.12.1849, Nr. 16944.
Erlass des Innenministeriums, »die Vornahme der Ortsbereisungen durch die Amtsvorstände betreffend«, vom 22.5.1858, S. 40—41, mit Bezugnahme auf den Erlass vom 11.12.1849, Nr. 16944; vgl. Weizel: Das Badische Gesetz, S. 56; Fröhlich: Gemeindegesetze, S. 250.
Erlass des Innenministeriums, »die Vornahme der Ortsbereisungen durch die Amtsvorstände betreffend«, 22.5.1858, S. 40; vgl. Eibach: Staat vor Ort, S. 143.
Erlass des Innenministeriums, »die Vornahme der Ortsbereisungen durch die Amtsvorstände betreffend«, 22.5.1858, S. 40.
Roland Vetter: »Die Untersuchung der Zustände der Stadt Eberbach aus dem Jahre 1855«, in: Eberbacher Geschichtsblatt 87 (1979), S. 22—44, hier S. 25.
Vetter: »Untersuchung«, S. 25—42.
Zu Konzepten des politischen und administrativen Raumes vgl. Becker: »Beschreiben«, S. 394; Behrisch: »Vermessen«, S. 9—17. Zu Raumkonzeptionen aus verwaltungswissenschaftlicher Perspektive vgl. Cancik: »Verwaltung, Raum, Verwaltungsraum«.
Siehe VerwG 1863; Grube: Vogteie Ämter, Landkreise, S. 109—114; zu den konzeptionellen Grundlagen der ›volkstümlichen‹ Verwaltung von 1863 vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 140. Zum historisch-politischen Kontext der liberalen Ära vgl. Lothar Gall: Der Liberalismus als regierende Partei. Das Großherzogtum Baden zwischen Restauration und Reichsgründung, Wiesbaden 1968, S. 171—191.
Zur Verwaltungsreform von 1863/1865 vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 140—143. Auf die Einführung eines Verwaltungshofes braucht an dieser Stelle nicht eingegangen werden.
Auf der Ebene der Kreisverwaltung wurde eine weitreichende körperschaftliche Kreisselbstverwaltung zur Pflege »gemeinsamer öffentlicher Interessen und Angelegenheiten« mit einer Kreisversammlung und einem Kreisrat zur Konstituierung eines Verwaltungsraumes eingeführt. Zur Geschichte der Kreisverbände sowie deren Funktionen siehe Cornelius Gorka: »Das Organisationsgesetz von 1863 und die Entstehung der Kreise«, in: Bernd Breitkopf (Hg.): 140 Jahre kommunale Selbstverwaltung im Landkreis Karlsruhe. Entstehung und Entwicklung, Aufgaben und Organe, Wahlen und Abgeordnete, Ubstadt-Weiher 2003, S. 20—32.
VerwG 1863, § 9.
VerwG 1863, § 2.
August Lamey, in: Beratung des Kommissionsberichts der Zweiten Kammer, 84. Sitzung, 6.5.1863, in: Karlsruher Zeitung, Nr. 109 (9.5.1863). Hierzu Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 134—135.
VerwG 1863, § 22; vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 166—170.
VerwG 1863, § 22, 1.
VerwG 1863, § 22, 2.
VerwG 1863, § 22, 3.
VerwG 1863, § 22, 5.
»Vollzugsverordnung zum Gesetze über die Organisation der inneren Verwaltung«, 12. 7. 1864, in: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt (1864), S. 333—366 [VO 1864], § 18.
VO 1864, § 19.
VO 1864, § 17.
Verhandlungen der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung [V II K] 1861/63, 86. Sitzung, 8. 5. 1863, in: Karlsruher Zeitung (9. 5. 1863).
Begr VerwG, in: V II K 1861/63, Beilagenheft 4,2, S. 627—643 [Begr VerwG], hier S. 634.
V II K 1861/1863, 86. Sitzung, 8. 5. 1863, in: Karlsruher Zeitung (9. 5. 1863).
Begr VerwG, S. 637—638.
Begr VerwG, S. 634—635.
VerwG 1863, § 2 und § 60, Abs. 1.
Begr VerwG, S. 632.
Begr VerwG, S. 632—633.
Zur Verwaltungsgerichtsbarkeit siehe Gernot Sydow: Die Verwaltungsgerichtsbarkeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Eine Quellenstudie zu Baden, Württemberg und Bayern mit einem Anhang archivalischer und parlamentarischer Quellen, Heidelberg 2000; Gernot Sydow: »Geschichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit in Baden«, in: Karl-Peter Sommermann / Bert Schaffarzik (Hg.): Handbuch der Geschichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit in Deutschland und Europa, Berlin 2017 [im Druck].
VerwG 1863, § 5. Weiterhin war der Bezirksrat als erste Instanz der Verwaltungsgerichtsbarkeit zuständig für: Beiträge zu Kriegskosten; Beiträge und Leistungen zu Kirchen und Schulverbänden u. a.; Beiträge zu Vizinal- und Verbindungsstraßen sowie Gemarkungsrechte u. a.; Angelegenheiten der Bodenkultur; Angelegenheiten von Jagd, Fischerei und Wasser; Stimmberechtigung und Wählbarkeit bei Gemeinde-, Bezirks- und Kreiswahlen; Verbringung in die polizeiliche Verwahrungsanstalt.
Vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 149—154.
Begr VerwG, S. 630.
VerwG 1863, § 6: Der Bezirksrat beschloss unter anderem in folgenden Verwaltungssachen: Notwendigkeit öffentlicher Bauten; Erteilung der Staatsgenehmigung zu Beschlüssen der Gemeinden und ihrer Behörden; Voranschlag des Gemeindehaushalts, wenn der Bezirksbeamte Anstand nimmt; Gesuche und Anträge auf Verleihung von Wirtschaftsrechten und anderen Gewerbekonzessionen; Zulässigkeit gewerblicher Anlagen.
VerwG 1863, § 7.
VerwG 1863, § 8.
Zur statistischen Entwicklung der ›Einzeltätigkeiten‹ der Bezirksräte vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 212—213.
Zu den polizeilichen Funktionen siehe VerwG 1863, § 9, Ziffer 1, sowie die Verordnung »Die polizeilichen Funktionen der Bezirksräte betreffend«, 20. 8. 1864, in: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt (1864), Nr. 42, S. 523—524 [PolFVO 1864].
Zu den polizeilichen Funktionen der Bezirksräte und deren Ausübung vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 208—210.
»Verordnung die polizeilichen Funktionen«.
VerwG 1863, § 9, Ziffer 1, und »Verordnung die polizeilichen Funktionen«, § 1.
»Verordnung die polizeilichen Funktionen«, § 9.
»Verordnung die polizeilichen Funktionen«, § 2.
»Verordnung die polizeilichen Funktionen«, § 3.
»Verordnung die polizeilichen Funktionen«, § 4.
VerwG 1863, § 9 Ziffer 1. Weiterhin »Verordnung die polizeilichen Funktionen«, § 5—6.
»Verordnung: Die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, 27. 6. 1874, in: Gesetzes- und Verordnungs-Blatt für das Großherzogthum Baden (1874), Nr. 28, S. 353—359 [GesReinVO 1874].
»Verordnung die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 1, Ziffer 8.
Zum Aspekt der Implementation — wenn auch für die Frühe Neuzeit — vgl. Achim Landwehr: Policey im Alltag. Die Implementation frühneuzeitlicher Policeyordnungen in Leonberg, Frankfurt am Main 2000; Achim Landwehr: »Policey vor Ort. Die Implementation von Policeyordnungen in der ländlichen Gesellschaft der Frühen Neuzeit«, in: Karl Härter (Hg.): Policey und frühneuzeitliche Gesellschaft, Frankfurt am Main 2000, S. 47—70. Für einen historisch-politikwissenschaftlichen Ansatz vgl. Thomas Ellwein: Der Staat als Zufall und als Notwendigkeit. Die jüngere Verwaltungsentwicklung in Deutschland am Beispiel Ostwestfalen-Lippe, 2 Bde., Opladen 1993—1997. Zur politikwissenschaftlichen ›Implementationsforschung‹ vgl. Renate Mayntz (Hg.): Implementation politischer Programme II. Ansätze zur Theoriebildung, Opladen 1983; Renate Mayntz (Hg.): Implementation politischer Programme. Empirische Forschungsberichte, Königstein im Taunus 1980.
»Verordnung die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 1.
»Verordnung, die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 1, Ziffer 9.
»Verordnung, die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 3, Absatz 3
»Verordnung, die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 5, Absatz 3
»Verordnung, die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 5, Absatz 7.
»Verordnung, die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 8.
»Verordnung, die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 12, Absatz 2.
»Verordnung, die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 15.
»Verordnung, die Sicherung der öffentlichen Gesundheit und Reinlichkeit betreffend«, § 17.
Jahresbericht des Bezirksamts Adelsheim 1881, in: GLA 338/1182.
Jahresbericht des Bezirksamts Durlach 1869, in: GLA 236/10280.
Jahresbericht des Bezirksamts Engen 1865, in: GLA 236/10287.
»Jahresbericht des Großherzoglich Badischen Landescommissärs für die Kreise Baden und Karlsruhe für das Jahr 1868«, in: Jahres-Berichte der Großherzoglich Badischen Landes-Commissäre über die Zustände und Ergebnisse der innern Verwaltung, 1865—1872, Karlsruhe 1866—1873 [fortan als »Jahresberichte der Landeskommissäre« zitiert], hier für das Jahr 1868, Karlsruhe 1868, S. 46. Ähnlich berichtete Landeskommissär Renck von positiven Erfahrungen mit einzelnen Bezirksräten, die »Erkundigung an Ort und Stelle über das tatsächliche Verhältnis in einzelnen dem Kollegium vorliegenden Streitfällen« angestellt hatten (»Jahresbericht des Großherzoglich Badischen Landescommissärs für die Kreise Konstanz, Villingen und Waldshut für das Jahr 1866«, in: Jahresberichte der Landeskommissäre 1866, S. 60).
Vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 209—214.
Vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 212—213.
Ludwig Renck: »Das erste Jahrzehnt der badischen Verwaltungsorganisation«, in: Zeitschrift für badische Verwaltung und Verwaltungsrechtspflege 20 (1874), S. 189—194, hier S. 191—192; vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 223—224.
Vgl. Ganzenmüller / Tönsmeyer: »Vorrücken des Staates«.
Der folgende Abschnitt zur Teilnahme der Bezirksräte an den Ortsbereisungen der Bezirksvorstände stützt sich in wesentlichen Teilen auf Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 205—208.
»Jahresbericht des Großherzoglich Badischen Landescommissärs für die Kreise Villingen und Konstanz für das Jahr 1865«, in: Jahresberichte der Landeskommissäre 1865, S. 45.
»Jahresbericht des Großherzoglich Badischen Landescommissärs für die Kreise Lörrach, Freiburg und Offenburg für das Jahr 1866«, in: Jahresberichte der Landeskommissäre 1866, S. 144.
Vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 245, Tabelle 1: »Zusammensetzung der Bezirksräte nach Berufen und Ehrenämtern«.
Jahresbericht des Bezirksamts Ettenheim 1872, in: GLA 236/10290.
Jahresbericht des Bezirksamts Ettenheim 1873, in: GLA 236/10290.
Jahresbericht des Bezirksamts Achern 1879, in: GLA 236/10245. Vgl. auch Jahresbericht des Bezirksamts Achern 1878, in: GLA 236/10244. Auch in seinem späteren Amt Durlach nutzte Johann Gruber wiederum die Ortsbereisungen, um eine vermehrte Einzeltätigkeit der Bezirksräte anzuregen und sie bei »andern gewichtigen Verhandlungen« heranzuziehen; Jahresbericht des Bezirksamts Durlach 1884/85, in: GLA 236/10458.
Jahresbericht des Bezirksamts Achern 1875, in: GLA 236/10240.
Jahresbericht des Bezirksamts Müllheim 1867, in: GLA 236/10331.
Jahresbericht des Bezirksamts Müllheim 1867, 1868—1872, in: GLA 236/10331.
Jahresbericht des Bezirksamts Meßkirch 1865, in: GLA 236/10326.
Jahresbericht des Bezirksamts Meßkirch 1866, 1868 und 1869, in: GLA 236/10326.
»Jahresbericht des Großherzoglich Badischen Landescommissärs der Kreise Karlsruhe und Baden für das Jahr 1869«, in Jahresberichte der Landeskommissäre 1869, S. 48—49.
Jahresbericht des Bezirksamts Pforzheim 1870, in: GLA 236/10347. In seinem Jahresbericht ließ sich Landeskommissär Winter denn auch noch einmal besonders auf die in Pforzheim bestehende Praxis ein (»Jahresbericht des Großherzoglich Badischen Landescommissärs für die Kreise Karlsruhe und Baden für das Jahr 1870«, in: Jahresberichte der Landeskommissäre 1870, S. 46).
Jahresbericht des Bezirksamts Pforzheim 1871, in: GLA 236/10347.
Jahresbericht des Bezirksamts Pforzheim 1875, in: GLA 236/10348.
Jahresbericht des Bezirksamts Pforzheim 1878, in: GLA 236/10348.
Jahresbericht des Bezirksamts Pforzheim 1879—1881, in: GLA 236/10349.
Vgl. Krosigk: Bürger in die Verwaltung, S. 225—233.
Eine Zusammenstellung der amtlichen Veröffentlichungen bis zum Jahre 1897 findet sich in: Badische Bibliothek. Systematische Zusammenstellung selbständiger Druckschriften über die Markgrafschaften, das Kurfürstenthum und Großherzogthum Baden, Teil I: Staats- und Rechtskunde, Bd. 1, Karlsruhe 1897, S. 108—112.
Jahresberichte der Landeskommissäre.
»Vorwort«, in: Jahresberichte der Landeskommissäre 1865, S. V.
Vgl. § 27 der Verfahrensordnung, 12.7.1864. Die Jahresberichte der Bezirksverwaltung bildeten die Grundlage für die Jahresberichte der Landeskommissäre und die seit 1880 herausgegebenen Jahresberichte des Innenministeriums (Jahres-Bericht des Großherzoglich Badischen Ministeriums des Innern über seinen Geschäftskreis für die Jahre 1880—1896, Karlsruhe 1883—1897).
Statistisches Jahrbuch für das Großherzogthum Baden, 1868—1938, Bd. 1—44, Karlsruhe 1869—1938.
Statistische Erhebungen zu den amtlichen Jahresberichten über die Ergebnisse der innern Verwaltung im Großherzogthum Baden, 1873—1879, Karlsruhe 1874—1880 (für das Jahr 1879: G. Braun 1881).
Jahres-Bericht des Großherzoglich Badischen Ministeriums des Innern über seinen Geschäftskreis, 1880—1896, Karlsruhe 1883—1897.
Schreiben des Innenministeriums vom 27.10.1882, Nr. 16872, in: GLA 346/2916 Zug. 1991/49.
»Jahresbericht der Großherzoglich Badischen Landescommissäre über die Zustände und Ergebnisse der innern Verwaltung für das Jahr 1872«, in: Jahresberichte der Landeskommissäre 1872, S. III—V (Inhaltsverzeichnis).
Vgl. Günzel: »Raum«, S. 16. Zur Wirkung der Eisenbahn auf den Raum vgl. Wolfgang Schivelbusch: Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert, München 1977.
Zum Straßenbau im Großherzogtum Baden bis 1870 vgl. Adrian Ciupuliga: Straßenbau und Straßenbauverwaltung in Baden 1770—1870, (Mikrofiche-Ausgabe) Dissertation, Universität Konstanz 1997.

References: § 9
 § 151
 § 172
 § 9
 § 2
 § 22
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 § 18
 § 19
 § 17
 § 2
 § 60
 § 5
 § 6
 § 7
 § 8
 § 9
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 § 1
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 § 2
 § 3
 § 4
 § 9
 § 5
 § 1
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 § 3
 § 5
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 § 8
 § 12
 § 15
 § 17
 § 27