Source: https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierschutz/heim-und-wildtierhaltung.html
Timestamp: 2018-10-17 05:50:45+00:00

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Das Tierschutzgesetz (TSchG) und die Tierschutzverordnung (TSchV) regeln die Haltung und Zucht von Heim- und Wildtieren sowie die Ausbildungsanforderungen an ihre Halterinnen und Halter. Auch verbotenen Handlungen an den Tieren sind darin festgehalten.
Am 1. September 2018 läuft die zehnjährige Übergangsfrist für die Anpassung von Wildtiergehegen ab. Dies betrifft Gehege verschiedener Tierarten: Einerseits sind Zootiere betroffen, andererseits aber auch Tiere, die in Privathaushalten leben. Die geltenden Bestimmungen stehen in der Tierschutzverordnung.
Fachmedienmitteilung - Wildtierhaltung: ab September müssen die Gehege definitiv angepasst sein (PDF, 214 kB, 05.07.2018)
Als Heimtiere gelten Tiere, die aus Interesse am Tier oder als Gefährten im Haushalt gehalten werden: Hunde, Katzen, Frettchen, Nagetiere, Kaninchen und viele weitere Heimtierarten.
Ziervögel, Zierfische, Schlangen, Schildkröten oder Papageien zählen ebenso dazu wie Greifvögel, Tauben und Wachteln. Es darf dabei aber nicht vergessen werden, dass diese Tiere Wildtiere sind, auch wenn sie in Gefangenschaft leben.
Fischerei und Jagd fallen primär in den Zuständigkeitsbereich des Bundesamtes für Umwelt (BAFU).
Umfassende Informationen rund um die Haltung der einzelnen Heim- und Wildtierarten finden sich hier:
Allgemeine Informationen zur Heimtierhaltung
Niemand darf ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten, so steht es im Tierschutzgesetz. Die Eigenheiten jeder Art sind zu respektieren, indem ihr ein möglichst artgerechtes Leben ermöglicht wird. Tiere dürfen nicht vermenschlicht oder durch die Zucht umgestaltet werden. Auch im Sport und bei der Ausbildung von Tieren zu bestimmten Zwecken ist auf einen schonenden, respektvollen Umgang zu achten.
Ausstellungen, Sportanlässe und andere Veranstaltungen mit Tieren
An Veranstaltungen werden Tiere unterschiedlicher Herkunft in einer fremden Umgebung versammelt, was mit Stress und gesundheitlichen Risiken verbunden ist. An Veranstaltungen dürfen nur gesunde Tiere teilnehmen. Teilnehmende und Veranstalterin sind dafür verantwortlich, dass das Wohlergehen der Tiere nicht beeinträchtigt wird. Deswegen müssen den Tieren angemessene Ruhe- und Erholungsmöglichkeiten geboten werden. Jungtiere, die noch gesäugt werden, dürfen nur gemeinsam mit dem Muttertier ausgestellt werden. Tiere, die mit der Situation überfordert sind, müssen geeignet untergebracht und entsprechend versorgt werden. Die Veranstalterin ist verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen, wenn Teilnehmende ihren Pflichten gegenüber den mitgebrachten Tieren nicht nachkommen (vgl. Art. 30a TSchV).
Es ist verboten, an Veranstaltungen für das Publikum zugängliche Gehege mit Kaninchen, Kleinnagern und Küken einzurichten (vgl. Art. 24 Bst. f TSchV).
Tierschutz von Hummern und anderen Panzerkrebsen
Panzerkrebse, zu denen unter anderem Hummer zählen, dürfen nicht direkt auf Eis oder im Eiswasser transportiert werden. Im Wasser lebende Panzerkrebse müssen in ihrem natürlichen Milieu gehalten werden. Es ist demnach verboten, sie ausserhalb des Wassers zu halten (vgl. Art. 23 Abs. 1 Bst. f + g TSchV).
Bei Haltungsbecken von Panzerkrebsen und Salzwasser-Speisefischen in der Gastronomie habdelt es sich um gewerbsmässige Wildtierhaltungen, für welche eine Bewilligung nach Artikel 90 Absatz 3 Buchstabe a Tierschutzverordnung erforderlich ist.
Hummer dürfen nicht mehr lebend ins kochende Wasser verbracht werden. Denn Panzerkrebse dürfen nur unter Betäubung getötet werden. Die beiden zugelassenen Betäubungsmethoden sind Elektrizität sowie die mechanische Zerstörung des Gehirns, das bei Hummern in Form von multiplen Nervenzentren (Ganglien) angelegt ist. Diese verlaufen längs der Körperachse. Alle Ganglien müssen mittels einem Schnitt zerstört werden (vgl. Art. 178; 179a Abs. 1 Bst. j TSchV sowie weitere Informationen unter Tierschutz beim Schlachten.
Wer züchten will, muss darauf achten, gesunde Tiere zu erhalten, die frei von belastenden Merkmalen sind. Tiere, die aufgrund einem unzulässiger Zuchtziele gezüchtet wurden, dürfen nicht ausgestellt werden (Art. 30a Abs. 4 Bst. b TSchV). Wer Tiere züchtet und pro Jahr mehr als beispielsweise drei Würfe Hundewelpen oder fünf Würfe Katzenwelpen oder mehr als 1000 Zierfische abgibt, muss über eine kantonale Bewilligung verfügen und eine entsprechende Ausbildung absolviert haben (Art. 101; 102 Abs. 4 TSchV).
Da Käfige, Aquarien und andere Gehege vielfach über den Versandhandel vertrieben werden, ist es wichtig, dass die Tierhaltenden erkennen können, ob ein Gehege für ihre Haltung gesetzeskonform ist. Wer Gehege für Heim- oder Wildtiere gewerbsmässig verkauft, hat schriftlich über die tiergerechte Haltung der betroffenen Tierart sowie über die entsprechenden rechtlichen Grundlagen zu informieren. Anzugeben sind die Innenabmessungen sowie die Tierart und maximale Anzahl Tiere, die im Gehege gehalten werden dürfen (Art. 111 TSchV).
Auch beim öffentlichen Anbieten von Hunden, z. B. auf Internetplattformen oder in Inseraten, ist Transparenz vorgeschrieben. Anzugeben sind der vollständige Name mit Adresse der Anbietenden, das Herkunfts- sowie das Zuchtland des Hundes (Art. 76a TSchV).
Die Tierschutzverordnung verbietet das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren. In einer detaillierten Liste werden weitere Handlungen aufgezählt, die allgemein bzw. bei den einzelnen Tierarten verboten sind: Tierschutzverordnung, Art. 16
Ausbildung der Heim- und Wildtierhaltenden
In der Tierschutzverordnung ist geregelt, welche Ausbildungen von welchen Tierhaltenden verlangt werden. Wie die verschiedenen Ausbildungen aufgebaut sind, ist in der Verordnung des EDI über Ausbildungen in der Tierhaltung und im Umgang mit Tieren im Detail festgelegt.
Das Wichtigste in Kürze: Wer gewerbsmässig Heimtiere halten möchte (z.B. Tierheime oder Tierbetreuungsdienste mit mehr als 5 Plätzen) oder wer gewerbsmässig Heimtiere züchtet oder mit ihnen einen Handel betreibt, braucht eine Ausbildung sowie eine Bewilligung (Art. 101-103 TSchV). Die Anforderungen an Personen, die Wildtiere halten, finden sich unter Art. 85 TSchV.
Bewilligungen werden durch die kantonale Tierschutzbehörde ausgestellt, wenn die Voraussetzungen an die Haltung, die Ausbildung der Tierhalter/innen sowie weitere Anforderungen an den Betrieb nach Tierschutzverordnung erfüllt sind.
Eine Bewilligung benötigt, wer ein Tierheim betreibt, gewerbsmässig einen Tierbetreuungsdienst für mehr als fünf Tiere anbietet (siehe Tierschutzverordnung, Art. 101 TSchV und unter „Weitere Informationen).
Eine Bewilligungspflicht besteht auch für das private Halten vieler Wildtierarten und auch für gewerbsmässige Wildtierhaltung. Geregelt ist dies in der Tierschutzverordnung (Art. 89 bis 92 TSchV).
Wenn die Behandlung kranker oder verletzter Tiere aussichtslos oder nur unter grossen Schmerzen möglich ist, sollen sie zur Leidensbegrenzung fachgerecht getötet werden. Bei Heimtieren soll dies möglichst durch Tierärztinnen oder Tierärzte gemacht werden. Denn ein Tier darf nur von fachkundigen Personen getötet werden, die sich unter kundiger Anleitung und Aufsicht die notwendigen Kenntnisse und die praktische Erfahrung mit der Tötung der bestimmten Tierart aneignen konnten und diese regelmässig töten. Das Tier muss schonend und verzögerungsfrei getötet werden. Die gewählte Tötungsmethode muss zum sicheren Tod des Tieres führen. Der Vorgang des Tötens muss bis zum Eintritt des Todes überwacht werden (vgl. Art. 177 Abs. 1; 179 TSchV).
Gewerbsmässiger Umgang mit Heimtieren
Fachinformation: Bewilligungs- und Ausbildungspflicht für Tierbörsen, Kleintiermärkte sowie für Tierausstellungen, bei denen mit Tieren gehandelt wird (PDF, 190 kB, 15.09.2015)
Fachinformation Bewilligungs- und Ausbildungspflicht für den gewerbsmässigen Handel mit Heimtieren (PDF, 440 kB, 18.05.2018)
Bewilligungs- und Ausbildungspflicht für die Werbung mit Tieren (PDF, 112 kB, 08.06.2018)
Anerkannte Organisationen für die fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung für das Betreuungspersonal in Tierheimen mit maximal 19 Betreuungsplätzen (PDF, 274 kB, 23.08.2018)
Anerkannte Organisationen für die fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung für die Haltung von Wildtieren (PDF, 44 kB, 04.12.2015)
Anerkannte Organisationen für die Ausbildung von privaten Wildtierhaltern (PDF, 504 kB, 04.10.2018)
Fachinformation: Fische fachgerecht töten (PDF, 265 kB, 27.02.2018)
Fachinformation: Geflügel, Tauben und Wachteln fachgerecht töten (PDF, 270 kB, 28.02.2018)
Fachinformation: Panzerkrebse fachgerecht töten (PDF, 462 kB, 28.02.2018)
Fachinformation: Reptilien fachgerecht töten (PDF, 263 kB, 06.04.2018)
Erläuterungen zur Verordnung des BLV über die Haltung von und den Umgang mit Wildtieren (Wildtierverordnung) (PDF, 113 kB, 08.04.2016)
https://www.blv.admin.ch/content/blv/de/home/tiere/tierschutz/heim-und-wildtierhaltung.html

References: Art. 30
 Art. 24
 Art. 23
 Art. 178
 Art. 16
 Art. 85
 Art. 101
 Art. 177