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Timestamp: 2018-06-18 15:05:57+00:00

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BAG, Beschluss vom 27.10.2010, 7 ABR 85/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Be­schluss vom 27.10.2010, 7 ABR 85/09
Schlagworte: Betriebsrat, Konzernbetriebsrat
Aktenzeichen: 7 ABR 85/09
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Hamburg, Beschluss vom 26.08.2008, 8 BV 22/07
Landesarbeitsgericht Hamburg, Beschluss vom 21.01.2009, 4 TaBV 8/08
4 TaBV 8/08
27. Ok­to­ber 2010
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 27. Ok­to­ber 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt
Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gall­ner und Schmidt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Vor­bau und Will­ms für Recht er­kannt:
Die Rechts­be­schwer­den der Ar­beit­ge­be­rin­nen ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 21. Ja­nu­ar 2009 - 4 TaBV 8/08 - wer­den zurück­ge­wie­sen.
A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob für ei­nen Kon­zern un­ter Lei­tung ei­nes öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­sier­ten Un­ter­neh­mens ein Kon­zern­be­triebs­rat er­rich­tet wer­den kann.
Die zu 1. be­tei­lig­te An­trag­stel­le­rin ist das Uni­ver­sitätskli­ni­kum Ham­burg-Ep­pen­dorf (UKE), ei­ne Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts. Bei ihr sind nach dem Ham­bur­gi­schen Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz Per­so­nalräte für das wis­sen­schaft­li­che und das nicht­wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal ge­bil­det.
Die zu 2. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten An­trag­stel­le­rin­nen sind Toch­ter­un­ter­neh­men des UKE, die im kli­ni­schen Be­reich tätig sind und in der Rechts­form (ge­meinnützi­ger) Ge­sell­schaf­ten mit be­schränk­ter Haf­tung tätig wer­den. Das UKE hält Be­tei­li­gun­gen von 51 % bis 100 % an den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten. Das UKE beschäftig­te im Ju­ni 2007 5.435 Ar­beit­neh­mer. Bei den zu 2. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen wa­ren da­mals ins­ge­samt 1.911 Ar­beit­neh­mer tätig. Da­von ent­fie­len auf die Be­tei­lig­ten zu 2. bis. 8. 1.831 Ar­beit­neh­mer. Das UKE trifft al­le we­sent­li­chen Ent­schei­dun­gen in per­so­nel­len, so­zia­len und wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten für sich und sei­ne Toch­ter­un­ter­neh­men.
Die Be­tei­lig­ten zu 10. bis 15. und 17. sind die in den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten ge­bil­de­ten Be­triebsräte. Ge­samt­be­triebsräte sind nicht er­rich­tet.
Die zu 10. bis 15. be­tei­lig­ten Be­triebsräte er­rich­te­ten in der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung vom 15. Ju­ni 2007 erst­mals ei­nen Kon­zern­be­triebs­rat, den Be­tei­lig­ten zu 9. Die dem Ham­bur­gi­schen Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz un­ter­lie­gen­den 5.435 Ar­beit­neh­mer des UKE blie­ben un­berück­sich­tigt. Sei­ne bei­den Per­so­nalräte wa­ren an der Er­rich­tung des Kon­zern­be­triebs­rats nicht be­tei­ligt. Sie ent­sen­den kei­ne Mit­glie­der in den Kon­zern­be­triebs­rat.
Die zu 1. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen ha­ben in dem von ih­nen ein­ge­lei­te­ten Be­schluss­ver­fah­ren die Auf­fas­sung ver­tre­ten, es könne kein Kon­zern­be­triebs­rat ge­bil­det wer­den. Das er­ge­be die Aus­le­gung der §§ 54 und 130 Be­trVG. Das herr­schen­de Un­ter­neh­men, das UKE, fal­le als Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts nicht in den An­wen­dungs­be­reich des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes. Da­her könne eben­so we­nig ein Kon­zern­be­triebs­rat er­rich­tet wer­den wie in Fällen, in de­nen ei­ne inländi­sche Kon­zern­spit­ze feh­le.
Die zu 1. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen ha­ben be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass die Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats für den Kon­zern „UKE Uni­ver­sitätskli­ni­kum Ham­burg-Ep­pen­dorf“ un­wirk­sam ist.
Der Kon­zern­be­triebs­rat und die zu 10. bis 13., 15. und 17. be­tei­lig­ten Be­triebsräte ha­ben die An­sicht geäußert, ein Kon­zern­be­triebs­rat könne auch für „ge­misch­te“ Kon­zer­ne er­rich­tet wer­den, die sich aus öffent­lich-recht­lich und pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­ten Un­ter­neh­men zu­sam­men­setz­ten. Be­die­ne sich die öffent­li­che Hand der Or­ga­ni­sa­ti­ons­for­men des Pri­vat­rechts, gel­te das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz. Die nöti­ge Ein­schränkung, dass die Er­rich­tung des Kon­zern­be­triebs­rats nur den (Ge­samt-)Be­triebsräten der pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­ten Kon­zern­un­ter­neh­men ob­lie­ge, sei be­ach­tet wor­den.
Das Ar­beits­ge­richt hat dem An­trag statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ihn auf die Be­schwer­den der Be­tei­lig­ten zu 9. bis 11., 13., 15. und 17. ab­ge­wie­sen. Mit ih­ren Rechts­be­schwer­den er­stre­ben die Ar­beit­ge­be­rin­nen die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung. Der zu 9. be­tei­lig­te Kon­zern­be­triebs­rat und die zu 10. bis 13., 15. und 17. be­tei­lig­ten Be­triebsräte be­an­tra­gen, die Rechts­be­schwer­den zurück­zu­wei­sen.
B. Die Rechts­be­schwer­den sind un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den An­trag zu Recht ab­ge­wie­sen.
I. Ne­ben den an­trag­stel­len­den Ar­beit­ge­be­rin­nen sind der Kon­zern­be­triebs­rat und die in den Un­ter­neh­men der Ar­beit­ge­be­rin­nen zu 2. bis 8. und 16. ge­bil­de­ten Be­triebsräte am Ver­fah­ren be­tei­ligt.
1. Nach § 83 Abs. 3 ArbGG ha­ben in ei­nem Be­schluss­ver­fah­ren ne­ben dem An­trag­stel­ler die­je­ni­gen Stel­len ein Recht auf Anhörung, die nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz im ein­zel­nen Fall be­tei­ligt sind. Be­tei­lig­te in An­ge­le­gen­hei­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes ist je­de Stel­le, die durch die be­gehr­te Ent­schei­dung in ih­rer be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung un­mit­tel­bar be­trof­fen ist (BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 63/06 - Rn. 11 mwN, AP ArbGG 1979 § 96a Nr. 3; 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 ABR 26/06 - Rn. 39, BA­GE 121, 212).
2. Da­nach ist ne­ben den Ar­beit­ge­be­rin­nen nicht nur der Kon­zern­be­triebs­rat be­tei­ligt. Viel­mehr sind auch al­le Be­triebsräte, die in den Un­ter­neh­men der Ar­beit­ge­be­rin­nen ge­bil­det sind, un­mit­tel­bar in ih­rer Rechts­stel­lung be­trof­fen und des­halb am Ver­fah­ren be­tei­ligt (vgl. BAG 23. Au­gust 2006 - 7 ABR 51/05 - Rn. 33 mwN, AP Be­trVG 1972 § 54 Nr. 12 = EzA Be­trVG 2001 § 54 Nr. 2). Sie sind nach § 54 Abs. 2 Be­trVG be­rech­tigt, Mit­glie­der in den Kon­zern­be­triebs­rat zu ent­sen­den. Ge­samt­be­triebsräte sind nicht er­rich­tet.
II. Der An­trag ist zulässig, muss al­ler­dings aus­ge­legt wer­den.
1. Wie die Aus­le­gung des An­trags er­gibt, geht es den Ar­beit­ge­be­rin­nen nicht um die ver­gan­gen­heits­be­zo­ge­ne Fest­stel­lung, dass der Kon­zern­be­triebs­rat 2007 nicht wirk­sam ge­bil­det wur­de. Ge­gen­stand des Streits ist auch nicht die Zu­sam­men­set­zung des Kon­zern­be­triebs­rats. Die Ar­beit­ge­be­rin­nen wol­len viel­mehr all­ge­mein und ge­gen­warts­be­zo­gen - auch über die Be­triebs­rats­neu­wah­len im Jahr 2010 hin­aus - fest­ge­stellt wis­sen, dass in dem Kon­zern un­ter Lei­tung des UKE kein Kon­zern­be­triebs­rat er­rich­tet wer­den kann (vgl. zur An­trags­aus­le­gung bei Streit über die Er­rich­tung des Kon­zern­be­triebs­rats auch
BAG 23. Au­gust 2006 - 7 ABR 51/05 - Rn. 39 mwN, AP Be­trVG 1972 § 54 Nr. 12 = EzA Be­trVG 2001 § 54 Nr. 2).
2. Der so ver­stan­de­ne An­trag ist zulässig. Er genügt ins­be­son­de­re den Er­for­der­nis­sen des § 256 Abs. 1 ZPO. Die Ar­beit­ge­be­rin­nen sind an­trags­be­fugt.
a) Der An­trag erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen des § 256 Abs. 1 ZPO.
aa) Er ist auf die Fest­stel­lung des Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses ge­rich­tet.
(1) Rechts­verhält­nis iSv. § 256 Abs. 1 ZPO ist je­des durch die Herr­schaft ei­ner Rechts­norm über ei­nen kon­kre­ten Sach­ver­halt ent­stan­de­ne recht­li­che Verhält­nis ei­ner Per­son zu ei­ner an­de­ren Per­son oder zu ei­ner Sa­che. Da­bei sind ein­zel­ne Rech­te und Pflich­ten eben­so Rechts­verhält­nis­se wie die Ge­samt­heit ei­nes ein­heit­li­chen Schuld­verhält­nis­ses. Kein Rechts­verhält­nis sind da­ge­gen abs­trak­te Rechts­fra­gen, bloße Ele­men­te ei­nes Rechts­verhält­nis­ses oder recht­li­che Vor­fra­gen (BAG 24. April 2007 - 1 ABR 27/06 - Rn. 15 mwN, BA­GE 122, 121).
(2) Die­sen An­for­de­run­gen wird der An­trag ge­recht. Es geht den Ar­beit­ge­be­rin­nen dar­um zu klären, dass für den Kon­zern, den sie bil­den, auf­grund sei­ner öffent­lich-pri­vat­recht­li­chen Misch­struk­tur nach §§ 54, 130 Be­trVG kein Kon­zern­be­triebs­rat er­rich­tet wer­den kann. Die er­streb­te ne­ga­ti­ve Fest­stel­lung be­trifft das Recht der be­tei­lig­ten Be­triebsräte, ei­nen Kon­zern­be­triebs­rat zu er­rich­ten. Zu­gleich geht es um die Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin­nen, die Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats zu dul­den.
bb) Das nach § 256 Abs. 1 ZPO not­wen­di­ge be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se für den An­trag der Ar­beit­ge­be­rin­nen folgt aus den ver­schie­de­nen Auf­fas­sun­gen der Be­tei­lig­ten darüber, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats erfüllt sind. Der An­trag der Ar­beit­ge­be­rin­nen führt die­sen Streit ei­ner um­fas­sen­den Klärung zu (vgl. BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 63/06 - Rn. 16, AP ArbGG 1979 § 96a Nr. 3).
b) Die Ar­beit­ge­be­rin­nen sind an­trags­be­fugt. Sie ver­fol­gen mit ih­rem ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­an­trag ein ei­ge­nes be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­ches Recht (vgl. BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 63/06 - Rn. 14 mwN, AP ArbGG 1979 § 96a Nr. 3; 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 ABR 26/06 - Rn. 39, BA­GE 121, 212). Sie sind von den Hand­lun­gen des Kon­zern­be­triebs­rats be­trof­fen.
III. Der An­trag ist un­be­gründet. Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt hat, kann in dem vom UKE be­herrsch­ten Kon­zern ein Kon­zern­be­triebs­rat er­rich­tet wer­den. Die zu 1. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen bil­den ei­nen sog. Un­ter­ord­nungs­kon­zern iSv. § 54 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG, § 18 Abs. 1 AktG. Für die Un­ter­neh­men der zu 2. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen kann ein Kon­zern­be­triebs­rat er­rich­tet wer­den, ob­wohl herr­schen­des Un­ter­neh­men ei­ne Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts ist. Die er­rich­ten­den Be­triebsräte ha­ben die ge­bo­te­ne Ein­schränkung be­ach­tet, dass ein Kon­zern­be­triebs­rat we­gen § 130 Be­trVG nur für die be­herrsch­ten Un­ter­neh­men er­rich­tet wer­den kann, die pri­vat­recht­lich or­ga­ni­siert sind.
1. Die zu 1. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen bil­den ei­nen Kon­zern iSv. § 54 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG, § 18 Abs. 1 AktG.
a) Nach § 54 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG kann für ei­nen Kon­zern (§ 18 Abs. 1 AktG) durch Be­schlüsse der Ge­samt­be­triebsräte oder - un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 54 Abs. 2 Be­trVG - der Be­triebsräte ein Kon­zern­be­triebs­rat er­rich­tet wer­den. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz be­stimmt je­doch nicht selbst, wann ein Kon­zern be­steht und wel­che Un­ter­neh­men dem Kon­zern an­gehören.
aa) § 54 Abs. 1 Be­trVG ver­weist auf § 18 Abs. 1 AktG. Es gilt des­halb kein ei­genständi­ger be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Kon­zern­be­griff. Maßgeb­lich sind viel­mehr die Re­ge­lun­gen des Ak­ti­en­ge­set­zes. Auf­grund der Ver­wei­sung auf § 18 Abs. 1 AktG kann ein Kon­zern­be­triebs­rat nur in ei­nem sog. Un­ter­ord­nungs­kon­zern er­rich­tet wer­den. Nach § 18 Abs. 1 Satz 1 AktG bil­den ein herr­schen­des und ein oder meh­re­re abhängi­ge Un­ter­neh­men ei­nen sog. Un­ter­ord­nungs­kon­zern, wenn sie un­ter der ein­heit­li­chen Lei­tung des herr­schen­den Un­ter­neh­mens zu­sam­men­ge­fasst sind. Von ei­nem abhängi­gen Un­ter­neh­men
wird nach § 18 Abs. 1 Satz 3 AktG ver­mu­tet, dass es mit dem herr­schen­den Un­ter­neh­men ei­nen Kon­zern bil­det. Nach § 17 Abs. 1 AktG sind abhängi­ge Un­ter­neh­men recht­lich selbständi­ge Un­ter­neh­men, auf die ein an­de­res Un­ter­neh­men (herr­schen­des Un­ter­neh­men) un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar ei­nen be­herr­schen­den Ein­fluss hat. Nach § 17 Abs. 2 AktG wird von ei­nem in Mehr­heits­be­sitz ste­hen­den Un­ter­neh­men ver­mu­tet, dass es von dem an ihm mit Mehr­heit be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men abhängig ist. Gehört die Mehr­heit der An­tei­le ei­nes recht­lich selbständi­gen Un­ter­neh­mens ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men, ist das Un­ter­neh­men nach § 16 Abs. 1 AktG ein in Mehr­heits­be­sitz ste­hen­des Un­ter­neh­men. Für die Erfüllung der ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der § 17 Abs. 1, § 18 Abs. 1 AktG ist es un­er­heb­lich, in wel­cher Rechts­form das herr­schen­de und die abhängi­gen Un­ter­neh­men geführt wer­den. Der Un­ter­neh­mens­be­griff wird in §§ 15 ff. AktG rechts­form­neu­tral ver­wen­det (vgl. zu al­lem BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 63/06 - Rn. 23, AP ArbGG 1979 § 96a Nr. 3; 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 ABR 26/06 - Rn. 42, BA­GE 121, 212). Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts sind be­reits dann als Un­ter­neh­men im kon­zern­recht­li­chen Sinn an­zu­se­hen, wenn sie le­dig­lich ein in pri­va­ter Rechts­form or­ga­ni­sier­tes Un­ter­neh­men be­herr­schen (BGH 17. März 1997 - II ZB 3/96 - zu III 3 der Gründe, BGHZ 135, 107; grund­le­gend 13. Ok­to­ber 1977 - II ZR 123/76 - [VE­BA] zu II der Gründe, BGHZ 69, 334).
bb) Das Kon­zern­verhält­nis setzt ne­ben der Abhängig­keit die tatsächli­che Ein­fluss­nah­me des herr­schen­den Un­ter­neh­mens auf we­sent­li­che Tei­le der Un­ter­neh­mens­po­li­tik der abhängi­gen Un­ter­neh­men vor­aus. Die­se be­herr­schen­de Ein­fluss­nah­me wird bei Abhängig­keit iSv. § 18 Abs. 1 Satz 3 AktG al­ler­dings ver­mu­tet. Um die Ver­mu­tung zu wi­der­le­gen, ist der Nach­weis er­for­der­lich, dass trotz ei­nes be­herr­schen­den Ein­flus­ses kei­ne Zu­sam­men­fas­sung un­ter ein­heit­li­cher Lei­tung be­steht (vgl. BAG 22. No­vem­ber 1995 - 7 ABR 9/95 - zu B II 1 d der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 54 Nr. 7 = EzA Be­trVG 1972 § 54 Nr. 5).
b) Die zu 1. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen bil­den nach die­sen Grundsätzen ei­nen sog. Un­ter­ord­nungs­kon­zern iSv. § 54 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG,
§ 18 Abs. 1 AktG. Sie sind als abhängi­ge Un­ter­neh­men un­ter der ein­heit­li­chen Lei­tung des UKE zu­sam­men­ge­fasst. Das UKE hält die Mehr­heit der An­tei­le der recht­lich selbständi­gen zu 2. bis 8. und 16. be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ten. Die Be­tei­lig­ten zu 2. bis 8. und 16. sind da­mit in Mehr­heits­be­sitz ste­hen­de Un­ter­neh­men (§ 16 Abs. 1 AktG). Von ih­nen wird ver­mu­tet, dass sie vom UKE abhängig sind (§ 17 Abs. 2 AktG). Die be­herr­schen­de Ein­fluss­nah­me im Sin­ne ei­ner ein­heit­li­chen Lei­tung durch das UKE er­gibt sich be­reits aus der Kon­zern­ver­mu­tung des § 18 Abs. 1 Satz 3 AktG. Aus dem Vor­brin­gen der Be­tei­lig­ten las­sen sich kei­ne An­halts­punk­te dafür ent­neh­men, dass die Kon­zern­ver­mu­tung wi­der­legt ist. Das UKE übt sei­ne ein­heit­li­che Lei­tungs­macht viel­mehr tatsächlich aus. Es trifft nach den un­an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts al­le we­sent­li­chen Ent­schei­dun­gen in per­so­nel­len, so­zia­len und wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten für die Be­tei­lig­ten zu 2. bis 8. und 16.
2. § 130 Be­trVG steht der Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats nicht ent­ge­gen. Für den pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­ten Teil ei­nes Un­ter­ord­nungs­kon­zerns mit öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­sier­ter Kon­zern­spit­ze kann ein Kon­zern­be­triebs­rat ge­bil­det wer­den. Das ent­spricht der all­ge­mei­nen Auf­fas­sung im Schrift­tum (Ri­char­di/An­nuß Be­trVG 12. Aufl. § 54 Rn. 7; Fit­ting 25. Aufl. § 54 Rn. 12; MüArbR/Joost 3. Aufl. Bd. 2 § 227 Rn. 8; ErfK/Koch 11. Aufl. § 54 Be­trVG Rn. 2; Kreutz/Fran­zen GK-Be­trVG 9. Aufl. § 54 Rn. 23; Plan­der Mit­be­stim­mung in öffent­lich-pri­vat­recht­li­chen Misch­kon­zer­nen S. 26 bis 36; Schwab AiB 2008, 87, 88; Ha­Ko-Be­trVG/Tautphäus 3. Aufl. § 54 Rn. 3; DKKW/Trit­tin 12. Aufl. Vor § 54 Rn. 11 und 96; Wind­bich­ler Ar­beits­recht im Kon­zern S. 310 und 311 f.). Die­ses Er­geb­nis folgt aus der an Wort­laut, Zu­sam­men­hang so­wie Sinn und Zweck ori­en­tier­ten Aus­le­gung der §§ 54 ff. und 130 Be­trVG. Nach § 130 Be­trVG kann die Be­leg­schaft des herr­schen­den öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­sier­ten Un­ter­neh­mens al­ler­dings nicht bei der Er­rich­tung des Kon­zern­be­triebs­rats berück­sich­tigt wer­den (vgl. Ri­char­di/An­nuß aaO; Fit­ting aaO; Plan­der S. 35 f.).
a) Be­reits der Wort­laut der §§ 54 und 130 Be­trVG legt die Möglich­keit der Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats in ei­nem ge­misch­ten Kon­zern na­he, der von ei­nem öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­sier­ten Un­ter­neh­men be­herrscht wird.
aa) Nach § 54 Be­trVG kann ein Kon­zern­be­triebs­rat für ei­nen Kon­zern iSd. § 18 Abs. 1 AktG er­rich­tet wer­den. Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts sind nach dem Kon­zern­be­griff des § 18 Abs. 1 AktG Un­ter­neh­men im kon­zern­recht­li­chen Sinn, wenn sie ein in pri­va­ter Rechts­form or­ga­ni­sier­tes Un­ter­neh­men be­herr­schen (vgl. BGH 17. März 1997 - II ZB 3/96 - zu III 3 der Gründe, BGHZ 135, 107; grund­le­gend 13. Ok­to­ber 1977 - II ZR 123/76 - [VE­BA] zu II der Gründe, BGHZ 69, 334). Hin­zu kommt, dass der Kon­zern­be­triebs­rat nach § 54 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG nicht im herr­schen­den Un­ter­neh­men er­rich­tet wird, son­dern für den Kon­zern (vgl. Plan­der S. 28 f.).
bb) Der Wort­laut des § 130 Be­trVG steht dem nicht ent­ge­gen. Nach § 130 Be­trVG fin­det das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz kei­ne An­wen­dung auf Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts. Die Vor­schrift grenzt den Gel­tungs­be­reich des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes ge­genüber dem Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht des Bun­des und der Länder ab. Sie nimmt Ver­wal­tun­gen und Be­trie­be des Bun­des, der Länder, der Ge­mein­den und sons­ti­ger Körper­schaf­ten, An­stal­ten und Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts von der An­wen­dung des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes aus. Wird der Be­trieb von ei­ner Ver­wal­tung geführt und ist er öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­siert, gilt das Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht (vgl. BAG 24. Ja­nu­ar 1996 - 7 ABR 10/95 - zu B 5 der Gründe mwN, BA­GE 82, 112). Da­ge­gen re­gelt die Vor­schrift den Fall des sog. öffent­lich-pri­vat­recht­li­chen Misch­kon­zerns nicht. Ih­rer Be­reichs­aus­nah­me wird hin­rei­chend Rech­nung ge­tra­gen, wenn das herr­schen­de, öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­sier­te und da­mit dem Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht un­ter­fal­len­de Un­ter­neh­men nicht in die Er­rich­tung des Kon­zern­be­triebs­rats ein­be­zo­gen wird.
b) Der sys­te­ma­ti­sche Zu­sam­men­hang spricht für die Möglich­keit der Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats in ei­nem sog. öffent­lich-pri­vat­recht­li­chen Misch­kon­zern. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wird der Un­ter­neh­mens­be­griff in §§ 15 ff. AktG rechts­form­neu­tral ver­wen­det.
Un­ter­neh­men im kon­zern­recht­li­chen Sinn kann da­her auch ei­ne natürli­che Per­son sein. Das gilt selbst dann, wenn sie kein ei­ge­nes Un­ter­neh­men be­treibt, son­dern ih­re un­ter­neh­me­ri­schen In­ter­es­sen auf der Grund­la­ge maßgeb­li­cher Be­tei­li­gung an meh­re­ren an­de­ren Un­ter­neh­men ver­folgt (vgl. BAG 23. Au­gust 2006 - 7 ABR 51/05 - Rn. 44 mwN, AP Be­trVG 1972 § 54 Nr. 12 = EzA Be­trVG 2001 § 54 Nr. 2). Der rechts­form­neu­tral ge­brauch­te Un­ter­neh­mens­be­griff deu­tet dar­auf hin, die Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats auch dann für zulässig zu hal­ten, wenn das herr­schen­de Un­ter­neh­men öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­siert ist.
c) Sinn und Zweck des § 54 Be­trVG ver­lan­gen die Möglich­keit, in Kon­zer­nen mit öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­sier­ter Kon­zern­spit­ze Kon­zern­be­triebsräte zu er­rich­ten. Sonst käme die Mit­be­stim­mung der Ar­beit­neh­mer bei Ent­schei­dun­gen auf Kon­zern­ebe­ne nicht aus­rei­chend zur Gel­tung.
aa) Nach dem Schutz­zweck des § 54 Be­trVG soll ei­ne Be­tei­li­gung der Ar­beit­neh­mer an den die Ein­zel­un­ter­neh­men bin­den­den Lei­tungs­ent­schei­dun­gen des Kon­zerns im so­zia­len, per­so­nel­len und wirt­schaft­li­chen Be­reich si­cher­ge­stellt wer­den. Mit­be­stim­mung iSd. Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes soll dort aus­geübt wer­den, wo un­ter­neh­me­ri­sche Lei­tungs­macht kon­kret ent­fal­tet und aus­geübt wird. Mit der mögli­chen Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats woll­te der Ge­setz­ge­ber ei­ner Be­ein­träch­ti­gung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Be­tei­li­gungs­rech­te in­fol­ge kon­zern­spe­zi­fi­scher Ent­schei­dungs­struk­tu­ren und der da­durch eröff­ne­ten fak­ti­schen und recht­li­chen Ein­flussmöglich­kei­ten des herr­schen­den Kon­zern­un­ter­neh­mens ent­ge­gen­wir­ken (vgl. BAG 13. Ok­to­ber 2004 - 7 ABR 56/03 - zu B IV 1 e cc (1) der Gründe mwN, BA­GE 112, 166; 12. No­vem­ber 1997 - 7 ABR 78/96 - zu B 2 b der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 58 Nr. 2 = EzA Be­trVG 1972 § 58 Nr. 2).
bb) Der Kon­zern­be­triebs­rat ist nach § 58 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 1 Be­trVG zuständig für die Be­hand­lung von An­ge­le­gen­hei­ten, die den Kon­zern oder meh­re­re Kon­zern­un­ter­neh­men be­tref­fen und nicht durch die ein­zel­nen Ge­samt­be­triebsräte oder - im Fall des § 54 Abs. 2 Be­trVG - durch die ein­zel­nen Be­triebsräte in­ner­halb ih­rer Un­ter­neh­men ge­re­gelt wer­den können. In der­ar­ti­gen An­ge­le­gen­hei­ten ist ein ein­heit­li­ches Ver­tre­tungs­or­gan für die Be­leg-
schaf­ten der meh­re­ren Kon­zern­un­ter­neh­men zur Ver­wirk­li­chung der Mit­be­stim­mung er­for­der­lich. Oh­ne ein sol­ches Gre­mi­um ließen sich un­ter­neh­mensüberg­rei­fen­de ein­heit­li­che Re­ge­lun­gen un­ter Be­tei­li­gung der Ver­tre­tungs­or­ga­ne der Ar­beit­neh­mer prak­tisch nicht sinn­voll ver­wirk­li­chen. Die Ge­samt­be­triebsräte und/oder Be­triebsräte in den meh­re­ren be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men spre­chen nicht not­wen­dig „mit ei­ner Stim­me“. Die Möglich­keit, ein un­ter­neh­mensüberg­rei­fen­des ein­heit­li­ches Ver­tre­tungs­or­gan zu er­rich­ten, liegt nicht zu­letzt im wohl­ver­stan­de­nen Ei­gen­in­ter­es­se der im Kon­zern zu­sam­men­ge­fass­ten Un­ter­neh­men.
cc) Die Er­rich­tung ei­nes Kon­zern­be­triebs­rats ist nicht et­wa sinn- oder funk­ti­ons­los, weil dem Kon­zern­be­triebs­rat in der öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­sier­ten Kon­zern­spit­ze kein An­sprech­part­ner zur Verfügung stünde.
(1) Die Lei­tungs­macht für den Kon­zern liegt bei der Kon­zern­spit­ze. Sie er­streckt sich nicht nur auf das dem Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht un­ter­lie­gen­de herr­schen­de Un­ter­neh­men, son­dern auch auf die von ihm be­herrsch­ten pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­ten Un­ter­neh­men, die in den Gel­tungs­be­reich des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes fal­len.
(2) Die­ser Sach­ver­halt un­ter­schei­det sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Ar­beit­ge­be­rin­nen maßgeb­lich von den Fall­ge­stal­tun­gen, die den Be­schlüssen des Se­nats vom 16. Mai 2007 und 14. Fe­bru­ar 2007 zu­grun­de la­gen (BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 63/06 - AP ArbGG 1979 § 96a Nr. 3; 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 ABR 26/06 - BA­GE 121, 212). Nach die­sen Ent­schei­dun­gen kann ein Kon­zern­be­triebs­rat nur er­rich­tet wer­den, wenn das herr­schen­de Un­ter­neh­men sei­nen Sitz im In­land hat oder über ei­ne im In­land ansässi­ge Teil­kon­zern­spit­ze verfügt (BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 63/06 - Rn. 33, aaO; 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 ABR 26/06 - Rn. 53, aaO). An­ders als in den Fall­ge­stal­tun­gen, die den ge­nann­ten Be­schlüssen zu­grun­de la­gen, hat das UKE als herr­schen­des Un­ter­neh­men sei­nen Sitz im In­land. Der Fall ver­langt kei­ne Ent­schei­dung, ob an der Recht­spre­chung des Se­nats zu ei­ner im Aus­land ge­le­ge­nen Kon­zern­spit­ze
un­ein­ge­schränkt fest­zu­hal­ten ist (vgl. zu den in Tei­len des Schrift­tums er­ho­be­nen Be­den­ken Fit­ting § 54 Rn. 34 mwN).
zur Übersicht 7 ABR 85/09

References: § 83
 § 96
 § 54
 § 54
 § 54
 § 54
 § 54
 § 256
 § 256
 § 256
 § 256
 § 96
 § 96
 § 54
 § 18
 § 130
 § 54
 § 18
 § 54
 § 54
 § 54
 § 18
 § 18
 § 18
 § 18
 § 17
 § 17
 § 16
 § 17
 § 18
 § 96
 § 18
 § 54
 § 54
 § 54

§ 18
 § 18
 § 130
 § 54
 § 54
 § 227
 § 54
 § 54
 § 54
 § 54
 § 130
 § 54
 § 18
 § 18
 BGH 
 § 54
 § 130
 § 130
 § 54
 § 54
 § 54
 § 54
 § 58
 § 58
 § 58
 § 54
 § 96
 § 54