Source: http://dgti.info/erstehilfe/praktisches.html
Timestamp: 2017-12-12 06:25:05+00:00

Document:
Infoheft „Praktisches“
Probleme bei Anträgen nach §1 und §8/§9 TSG
Aktuelle Probleme bei der medizinischen Behandlung
Hinweis zur Verabreichung von Androcur
Muster - Antrag § 1 TSG
Das Transsexuellengesetz - TSG
Immer wieder erreicht mich die Frage nach dem richtigen Weg. Das geht nicht nur mir so, sondern praktisch allen Menschen, gleichgültig ob professionelle Helfer, LeiterInnen von Selbsthilfegruppen oder Menschen in Beratungsstellen. In aller Kürze eine „richtige“ Antwort zu geben ist fast unmöglich, denn jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden. Doch ein paar Leitgedanken will ich hier veröffentlichen.
Die folgenden Ausführungen sind keine Bewertung oder ein Hinweis darauf, welche Schritte in welcher zeitlichen Reihenfolge am sinnvollsten sind. Ein zeitlich aufeinander abgestimmtes Konzept ist sinnvoll und wichtig; jedoch ohne die Kenntnis der reinen formalen Vorgänge und ihrer Rechtsfolgen ist es kaum möglich. Ein kombiniertes soziales, medizinisches und gerichtliches Konzept kann aber immer nur sehr individuell erstellt werden. Die Ausgangsbedingungen für jeden einzelnen Menschen sind so unterschiedlich, dass jede rein formale Vorgehensweise weder dem Sinn gesetzlicher Regelungen, noch den Erfordernissen einer medizinischen Behandlung gerecht werden kann.
Das TSG wurde geschaffen, um Menschen mit abweichender Geschlechtsidentität und ihren besonderen Problemen Rechnung zu tragen. Verfahren nach dem TSG erfordern keinen Anwalt. Der Gesetzgeber hat bewusst zwei verschiedene Möglichkeiten geschaffen:
1. den Antrag auf Änderung der Vornamen nach §1, die sogenannte "kleine Lösung"
2. den Antrag zur Änderung des Personenstandes nach §8, die sogenannte "große Lösung"
3. die Möglichkeit den Antrag nach §9 zu stellen, den Vorabentscheid, um in einem gemeinsamen Verfahren schrittweise vorgehen zu können.
Ein Antrag muss angenommen werden wenn
1. der Antragsteller glaubhaft erklärt, dass er sich dem anderen Geschlecht zugehörig empfindet und dieses Gefühl seit mindestens drei Jahren besteht. (Glaubhaft machen, nicht beweisen!)
Außerdem bedeutet dies nicht, dass man schon drei Jahre in der neuen Rolle gelebt haben muss!
2. der Antragsteller in den Geltungsbereich des Personenstandsgesetzes, bzw. des TSG fällt
Rein juristisch setzt eine Antragstellung nach §1 oder §9 weder voraus, dass der Antragsteller schon in der angestrebten Geschlechtsrolle lebt, noch dass bereits medizinische Maßnahmen eingeleitet sind. Aus der Formulierung der Antragstellung sollte jedoch erkennbar sein, warum der Antragsteller jetzt tätig wird. Die Begründung dafür kann nur in der individuellen Lebenssituation des Antragstellers liegen.
Die Vornamen einer Person, die sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben (Anmerkung: dies bedeutet nicht, dass die Person schon so lange entsprechend leben muss!) sind auf ihren Antrag vom Gericht zu ändern, wenn ...
Ein Antrag nach §8 setzt voraus, dass
1. die beiden obigen Bedingungen erfüllt sind
2. der Antragsteller nicht verheiratet ist
3. der Antragsteller dauernd fortpflanzungsunfähig ist
4. durch medizinische Maßnahmen eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechtes erreicht worden ist.
Der Text des §8 Abs. 1 Punkt 4 lautet anders als ich es hier geschrieben habe. Die Rechtsprechung hat den ursprünglichen Text jedoch als nicht haltbar, in seiner praktischen Umsetzung, erkannt und bereits in Form von Grundsatzurteilen anders entschieden. (Denn "äußere Geschlechtsmerkmale" liegen nicht nur zwischen den Beinen.)
Ein Gutachten für das Gericht hat die Aufgabe, dem Richter eine Entscheidungshilfe zu geben. Er muss in seiner Entscheidung abwägen, ob das Interesse des Antragstellers auf Namensänderung und Änderung der Geschlechtszugehörigkeit höher wiegt als das Interesse der Öffentlichkeit, den Geburtseintrag bestehen zu lassen.
1. Er/sie entscheidet zunächst für sich.
2. Er/sie nimmt die mit der Entscheidung verbundene soziale Rolle an und lebt sie.
3. Er/sie stellt den Antrag auf Änderung der Vornamen bei Gericht.
4. Das Gericht prüft ob der Antrag angenommen werden muss und legt die Verfahrenskosten fest. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einen Kostenvorschuss einzuzahlen.
5. Nach Einzahlung des Vorschusses beraumt das Gericht einen Termin für die Anhörung an.
6. Bei der Anhörung macht sich der Richter ein Bild von der Ernsthaftigkeit des Antragstellers/ der Antragstellerin. Er wird dann zwei Sachverständige mit der Begutachtung beauftragen. Diese erhalten ihre Gebühren vom Gericht bezahlt (aus dem Vorschuss).
7. Die Sachverständigen führen die notwendigen Gespräche mit dem Antragsteller/der Antragstellerin und prüfen beigebrachte oder angeforderte Unterlagen. Sie erstellen nach 3-5 Sitzungen ihr Gutachten.
8. Sind die Gutachten bei Gericht eingegangen, so fällt der Richter seine Entscheidung und teilt diese dem Vertreter des „öffentlichen Interesses“ und dem Antragsteller/ der Antragstellerin mit.
9. Nach Ablauf der Einspruchsfrist wird das Urteil rechtskräftig. Wurde dem Antrag stattgegeben, dann werden von Amtswegen die nötigen Änderungen in der Geburtsurkunde veranlasst. Der Antragsteller/ die Antragstellerin muss für alle sonstigen Änderungen von Papieren, Ausweisen, usw. selbst Sorge tragen und die nötigen Gebühren bezahlen.
10.Der Antragsteller/ die Antragstellerin gilt fortan im gesamten Bereich des sozialen Lebens als dem anderen Geschlecht zugehörig.
Ist der Personenstand (noch) nicht geändert worden, gelten folgende Ausnahmen:
A) Im Strafvollzug gilt nach wie vor der Eintrag in der Geburtsurkunde.
B) Besondere Rechte oder Pflichten des sozial gelebten Geschlechtes können aus der Namensänderung nicht abgeleitet werden, wenn diese ausdrücklich biologisch geschlechtliche Unterschiede zur Grundlage haben (z.B. Nachtarbeitsverbot für Frauen).
C) Es besteht ein Rechtsanspruch auf Vermeidung von Diskriminierung von Amtswegen. Dieser Anspruch bezieht sich aber nicht auf die Unterbringung in einem Krankenhaus.
D) Ist der Antragsteller/ die Antragstellerin unverheiratet so kann er/sie keine Ehe eingehen.
1. Geht aus einer Verbindung, die der Antragsteller/die Antragstellerin nach der Namensänderung eingegangen ist, oder die noch besteht, ein Kind hervor, so wird die Namensänderung nach TSG von Amts wegen wieder aufgehoben und kann frühestens nach drei Jahren erneut beantragt werden.
2. Für Menschen, die nach dem TSG nur die Namensänderung erwirkt haben besteht quasi ein „Heiratsverbot“. Eine Mann-zu-Frau-Transidentin wird beim Aufgebot als Mann eingestuft, kann also nur eine Frau heiraten, nicht aber, entsprechend dem gelebten und gefühlten Geschlecht, einen Mann. Das heterosexuelle Ehebegehren mit einem Mann wird also als schwul eingestuft, die Verbindung mit einer Frau aber als lesbisch. Beides ist aber in Deutschland nicht zulässig. Würde die Transidentin aber vor dem Aufgebot die Namensänderung wieder rückgängig machen lassen, dann würde die Ehe mit einer Frau, also lesbisch von der Orientierung her, heterosexuell von der Papierform aus gesehen, zulassen. Für Partnerschaften von Frau-zu-Mann-Transidenten gelten die Aussagen entsprechend.
Die Entscheidung zur Personenstandsänderung ist vom Gesetz an Voraussetzungen geknüpft, die der Antragsteller/ die Antragstellerin nicht ohne die Inanspruchnahme von medizinischen Hilfen erfüllen kann. Sie wird zurück gestellt, bis die Bedingungen erfüllt sind .
1. die Voraussetzungen f ür die Namensänderung erfüllt (Anmerkung: oder diese bereits vollzogen ist),
4. sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechtes erreicht worden ist.
In der Rechtsauslegung und der geübten Rechtspraxis ist gerade der Punkt 4 umstritten. Dies hat aber zunächst keinen Einfluss auf die Vorgehensweise für Transidenten/ Transidentinnen.
Um Kosten und Zeit zu sparen, aber auch um zu vermeiden, dass die antragstellende Person Gutachten "sammelt", empfiehlt sich in jedem Fall die Antragstellung nach § 9 TSG, mit dem Zusatz eine Teilentscheidung nach § 1 TSG zu fällen. Dieses Verbundverfahren verhi ndert die m ancherorts geübte Rechtspraxis zunächst nach § 4 zwei Sachverständige einzuschalten und beim folgenden Verfahren nochmals zwei Sachverständige zu hören (Anmerkung: Diese Praxis ist meines Erachtens falsch und wird auch nicht von allen Gerichten geübt).
Die folgenden Probleme treten in letzter Zeit immer häufiger auf:
Was soll ich tun? Der zuständige Richter lehnt die Entgegennahme des Antrages auf Vornamensänderung mit der Begründung ab, der Antragsteller lebe noch keine drei Jahre in der angestrebten Geschlechtsrolle. Dies sei aber laut TSG und Rücksprache mit den Experten (in einem Fall nachweislich der Mitarbeiter des MDK) erforderlich. (So geschehen z.B. in Frankfurt/Main und Kiel)
Gegen die zuständigen Richter ist sofortige Beschwerde bei nächsten Instanz einzulegen. Hat der Richter auf diese Möglichkeit nicht aufmerksam gemacht, so ist auch dagegen die sofortige Beschwerde möglich.
Das Verhalten des Richters ist eine eindeutige Rechtsbeugung, in mehrfacher Hinsicht:
1. das TSG wird hier falsch zitiert. Im § 1 heißt es, dass der Antragsteller seit mindestens drei Jahren das Gefühl haben muss dem anderen Geschlecht anzugehören (nicht es zu leben).
2. Auch bei der Antragsablehnung muss eine Rechtsbelehrung über die sofortige Beschwerde erfolgen.
3. Mitarbeiter der Arbeitsgruppe "Standards of Care" oder des Medizinischen Dienstes können zwar als Gutachter bestellt werden, sie können aber keine Aussagen zur Anwendung oder Wirkung des TSG machen, es sei denn, sie sind ausgebildete Juristen.
Ich bin verheiratet und wollte den Antrag nach §1 TSG stellen. Der Richter lehnte eine Entscheidung zur Namensänderung mit dem Hinweis ab, dass mein Antrag wohl wenig glaubwürdig sei, wenn ich die Absicht hätte verheiratet zu bleiben. Muss ich jetzt wirklich die Scheidung einreichen um dann unverheiratet mit meiner Frau und den Kindern zusammen zu leben?
Die Ablehnung einer Entscheidung ist nicht rechtens. Gerade für Verheiratete, die es auch bleiben wollen, besteht die Möglichkeit nur nach §1 TSG die "kleine Lösung" zu beantragen.
In Köln wurde vom Regierungspräsidenten gegen positive Entscheidungen zur Namensänderung Widerspruch eingelegt, mit der Begründung: "der Staat würde damit sanktionieren, dass zwei gleichgeschlechtliche Partner verheiratet sind".
Das übergeordnete Gericht lehnte den Widerspruch als unbegründet ab. Auch Transsexuelle Paare haben das Recht auf den besonderen Schutz der Familie. Da der Personenstand durch die Namensänderung nicht geändert wird kann auch nicht abgeleitet werden es würde jure eine homosexuelle Ehe sanktioniert. Da es staatlichen Stellen aber nicht zusteht einen Menschen zu diskriminieren sind amtliche Anschreiben an die Eheleute "An das Ehepaar Petra und Inge X" zu richten oder "An Frau Petra X und Frau Inge X". Entsprechend gilt natürlich auch "An das Ehepaar Klaus und Wilhelm Y".
Seit ich mit der Einleitung von medizinischen Maßnahmen begonnen habe gibt es zwischen mir und meiner Frau erhebliche Spannungen, obwohl sie vorher mit meiner Situation gut klar kam. Sie weiß von meiner Transsexualität nun schon seit über 10 Jahren und hat mich wie eine gute Freundin sogar bei meiner "Frauwerdung" beraten. Ich will nun die Namensänderung beantragen und falls es doch zur Scheidung kommt auch die Personenstandsänderung. Kann ich den Antrag gleich nach §9 stellen mit der Vorabendscheidung nach §1 TSG um mir ein zweites Verfahren zu ersparen? Macht es Probleme, wenn ich dann später, wenn die Ehe doch hält, auf die Personenstandsänderung verzichte?
In Deinem Fall empfiehlt sich sogar die Antragstellung nach §9 mit Vorabentscheid. Es kann ja sehr gut sein, dass Deine Frau wieder zu Dir findet, wenn sie sieht wie ernst es Dir einerseits mit der Namensänderung ist, auf der anderen Seite auch mit dem Erhalt der Partnerschaft. Wenn Du dann später, unabhängig von der Frage ob Du Dich hast operieren lassen, auf die Personenstandsänderung verzichtest, entstehen Dir keine Nachteile.
Grundsätzlich kann ein Antrag nach §9 TSG immer dann gestellt werden, wenn eine oder mehrere Bedingungen des §8 noch nicht erfüllt sind und eine Vorabendscheidung für den Antragsteller wichtig ist.
Im Rahmen der Differentialdiagnostik hat sich bei mir herausgestellt, dass ich intersexuell bin. Da ich davon nichts wusste, und dem männlichen Geschlecht zugeordnet wurde, hielt ich mich bisher für transsexuell. Nun möchte ich meinen Namen und den Personenstand im Geburtenbuch "wegen Irrtums" ändern lassen. Obwohl entsprechende ärztliche Bescheinigungen vorlagen, lehnte der Standesbeamte die Änderung mit dem Hinweis ab, dies ginge nur nach dem TSG. Außerdem behauptete er, ich hätte ja damit bestimmt keine Probleme. Wie soll ich mich verhalten?
Wenn der Standesbeamte die Änderung ablehnt, dann kannst Du entsprechend § 45 PStG beim Amtsgericht einen Antrag auf "Vollzug einer Amtshandlung" stellen. Zuständig ist das Amtsgericht Deines Wohnortes. Die Einschränkung, wie beim TSG auf bestimmte Amtsgerichte, gilt in Deinem Fall nicht. Ebenso wenig sind die Vorschriften des TSG anwendbar.
Als Entscheidungsgrundlage stehen dem Richter neben Deiner Aussage über die Geschlechtsidentität die medizinischen Berichte über Deine intersexuelle "Normabweichung" zur Verfügung und die Bewertung, in wieweit diese Abweichung für die Geschlechtsidentität relevant ist. Eine bei der Geburt nicht erkannte intersexuelle Abweichung könnte mit einem "versteckten Mangel" verglichen werden. Daher können auch die Bestimmungen des TSG nicht gegen Deinen Willen zur Anwendung kommen.
Eine Voraussetzung für die Anwendung des TSG ist ja gerade der Umstand, dass der Antragsteller in seinem biologischen Geschlecht eindeutig männlich oder weiblich ist, sich aber dem anderen Geschlecht zugehörig empfindet. Damit verbietet sich die Anwendung des TSG bei Intersexuellen von selbst. (Hinweis: Wurde jedoch bereits ein Verfahren nach TSG eingeleitet, so kann dies durchaus zu Ende geführt werden.)
Intersexuelle beantragen die Änderung von Namen und Personenstand grundsätzlich beim zuständigen Standesbeamten wegen offensichtlichen oder versteckten Irrtums. Als Beweis dient der medizinische Bericht.
Ich will an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass es in der Vergangenheit (und leider auch noch in der Gegenwart) immer wieder vorkam und kommt,, dass Intersexuelle erst durch medizinische Maßnahmen in ein Geschlecht gepresst werden und dann, wenn es scheitert, empfohlen bekommen nach dem TSG den Irrtum wieder "auszubügeln". Dieses Verfahren ist medizinisch und juristisch falsch und menschlich unzumutbar.
Transidentität hat, festgeschrieben auch durch ein Grundsatzurteil des BGH, einen „Krankheitswert“. Daraus folgt, dass für Transidenten/ Transidentinnen die gleichen Spielregeln gelten wie für jeden anderen Patienten auch. Diese Feststellung gilt für den Patienten ebenso wie für den Arzt. Wenn eine der beiden Seiten oder auch beide glauben, dass dem nicht so sei, kommt es praktisch immer zu erheblichen Schwierigkeiten.
Der Arzt muss wissen: Es gibt das Krankheitsbild eines transsexuellen Syndroms.
Der Transident/ die Transidentin muss wissen: Er/ sie ist Patient mit allen Rechten und Pflichten.
1. Er/ sie sucht den Arzt seines/ ihres Vertrauens auf. Es empfiehlt sich oft den Arzt zu wählen, den man schon seit Jahren kennt oder der die Familie kennt, weil er ihre Mitglieder seit Jahren behandelt. Wenn das Vertrauen zwischen Arzt und Patient erst aufgebaut werden muss, dann verzögert sich die erwünschte Hilfe automatisch.
2. Er/ sie schildert diesem Arzt sein/ ihr Problem und eventuell daraus resultierende krankhafte Symptome. Diese Symptome müssen nicht in jedem Fall derzeit akut sein. Sie müssen auch nicht zwingend zu Behandlungen in früheren Zeiten geführt haben. Der Arzt hat auch die Pflicht und die Möglichkeiten präventiv zu arbeiten, also zur Vermeidung von krankhaften Einschränkungen.
3. Der Arzt ist sach- und fachkundig oder er zieht einen Kollegen, der Erfahrung auf dem Gebiet hat, zu Rate. In diesem Fall überweist er seinen Patienten/ seine Patientin an den Kollegen mit dem Vermerk: mögliches Vorliegen eines transsexuellen Syndroms.
4. Da die Diagnose eines „transsexuellen Syndroms“ dem Fachgebiet der medizinischen Psychotherapie zugeordnet ist, wird dieser Kollege auf diesem Gebiet tätig sein.
5. Im Prinzip handelt jeder Arzt, der erst behandelt, und dann diagnostiziert, unverantwortlich. Trotzdem kann es, wie bei jeder anderen Krankheit, notwendig sein, eine Sofortbehandlung wegen offensichtlicher Beschwerden einzuleiten, um dadurch die Voraussetzungen für eine gesicherte Diagnose zu schaffen.
6. Der für die Diagnose eingeschaltete Kollege gibt eine Behandlungsempfehlung an den überweisenden Arzt. Dies kann die Einleitung einer Psychotherapie wegen akuter Notwendigkeit sein (mit Angabe des Therapieansatzes), die Aufforderung nötige körperliche Untersuchungen durchzuführen oder Einleitung einer Hormonbehandlung.
7. Der behandelnde Arzt ist entweder selbst in der Lage den Empfehlungen zu folgen oder er wird wieder die notwendigen Überweisungen durchführen, z.B. an den Endokrinologen zur Bestimmung des Hormonspiegels, den Urologen oder Gynäkologen zur Abklärung der körperlichen Situation, einen Psychotherapeuten zur Behandlung akuter Störungen.
8. Durch die Überweisungen, aber auch durch die Vorlage der Versicherungskarte der Krankenkasse, ist die Kostenfrage geklärt. Der Patient hat damit nichts zu tun. Ist für eine Therapie ein Behandlungsschein erforderlich, so wird dieser vom Therapeuten vorgelegt, vom Patienten unterschrieben. Den Rest erledigt der Therapeut. Dies ist bei jeder anderen Krankheit genauso!
9. Wenn ein Arzt oder eine Klinik darauf besteht, dass der Patient zunächst selbst eine Kostenzusage für die Behandlung bei der Krankenkasse einholt, handeln diese falsch. Der Sachbearbeiter kann nur Anträge genehmigen, die ausreichend, also medizinisch begründet sind. Diese Begründung kann aber nur der Arzt oder die Klinik liefern. (Dies schließt natürlich nicht aus, dass sich der Patient vom Sachbearbeiter der Kasse beraten lässt, oder mit diesem über die Probleme, die auf die Kasse zukommen, spricht.)
10. Ist die Indikation zur Hormonbehandlung gestellt, so verschreibt der Arzt die Hormone. Der Patient bezieht sie aus der Apotheke und bezahlt, wie bei jedem anderen Medikament seinen Kostenanteil. Den Rest holt sich die Apotheke von der Krankenkasse.
11. Kann der behandelnde Arzt die Hormonbehandlung nicht selbst durchführen, so überweist er wiederum an einen entsprechenden Kollegen. Dies kann ein Gynäkologe, ein Internist oder der Endokrinologe sein.
12. Führt der vorhandene Bartwuchs/ die noch vorhandene Brust zu erheblichen seelischen Beeinträchtigungen oder ist zu erwarten, dass solche eintreten, oder sind diese unabdingbar um die soziale Rolle des anderen Geschlechtes zu leben, dann werden die entsprechenden Maßnahmen verschrieben. Der behandelnde Arzt überweise zu einem Hautarzt, der die Epilation durchführt oder im Delegationsverfahren von einer geeigneten Fachkraft durchführen lässt. Die Epilation, wenn sie medizinisch indiziert, also verschrieben ist, ist keine Kannleistung der Krankenkasse sondern eine Pflichtleistung. Wird sie von einem Arzt durchgeführt, der eine Kassenzulassung hat, so braucht der Patient auch keinen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Dies gilt auch dann, wenn es sich um eine Behandlung nach dem Rubin-Laser- oder Photodermverfahren handelt. Im Fall einer notwendigen Brustamputation überweist der Arzt in eine geeignete Klinik. Auch die Brustentfernung ist ein Pflichtleistung der Kasse, wenn sie indiziert, also verschrieben ist. Der Patient unterschreibt lediglich den Behandlungsschein der Klinik.
13. Bei bestimmten Leistungen schaltet die Krankenkasse, entsprechend allgemeingültiger Vorschriften, den medizinischen Dienst ein. Dies ist keine Besonderheit, die nur für Transidenten gelten würde. Er kann der Kasse empfehlen, dass zusätzliche medizinische Stellungnahmen eingeholt werden wenn:
· Zweifel an der Richtigkeit der Diagnose bestehen.
· Zweifel an der Richtigkeit oder Wirksamkeit verschriebener Behandlungen bestehen.
· Zweifel an der Qualifikation des Arztes begründet sind.
Jede andere Einmischung des medizinischen Dienstes ist eine „Amtsanmaßung“. Kosten, die durch die Einholung einer medizinischen Stellungnahme entstehen muss in jedem Fall die Krankenkasse bezahlen.
1. Er kommt seiner Mitwirkungspflicht nach. Dies bedeutet weder, dass er vorgeschlagene Maßnahmen widerspruchslos hinnehmen muss, noch dass er kein Recht darauf hätte, selbst Maßnahmen, und die Reihenfolge in der sie ihm sinnvoll erscheinen, vorzuschlagen.
2. Er pflegt die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit seinem behandelnden Arzt, dem Arzt seines Vertrauens. Dieser muss kein Spezialist für Transidentität sein. Er muss den Patienten aber kennen, mit ihm über Sinn und Unsinn von Behandlungswünschen sprechen und ein hohes Maß an Bereitschaft zeigen, Transidentität als ein, wenn auch seltenes „Krankheitsbild“ anzuerkennen. Von Natur aus ist der Patient gesund. Seine besondere Art führt aber dazu, dass er „krank“ gemacht wird. Die Aufgabe des Arztes ist es seinen Patienten auf dem Weg in ein lebenswertes Leben zu begleiten.
Ich hoffe, dass diese Ausführungen zu einer gewissen Entkrampfung der Lage beitragen, sowohl auf Seiten der Transidenten, als auch der Ärzte. Allen sei im Einzelfall geraten von den Möglichkeiten der persönlichen Beratung Gebrauch zu machen. Solche Beratungen sind beim Transidentitas e.V. ebenso möglich wie bei anderen Betreuungsvereinen wie VIVA in München, dem Sonntagsclub in Berlin, aber auch in Hamburg und Leipzig (wenn ich eine Möglichkeit vergessen habe, möge man mir dies verzeihen; es ist keine wertende Auswahl).
1. Transsexualität ist keine Krankheit und kann auch nicht als solche anerkannt werden, laut BSG-Urteil zur RVO. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass oft statt von Krankheitswert die Verkürzung auf "Krankheit" als Wort gewählt wird.
2. Laut RVO und BSG kann Transsexualität einen Krankheitswert haben und damit die Leistungspflicht der Kassen begründen.
3. Die Leistungspflicht setzt voraus, dass eine Diagnose erstellt ist und eine Leistung indiziert, also verordnet wird (was für jede Krankheit und die sich daraus ergebenden Leistungen gilt, also nicht nur bei TS). Die Leistung kann im Sinne der RVO heilend für vorhandene Symptome wirkend sein oder präventiv gegen zu erwartende Symptome.
4. Bei gewissen verordneten Leistungen ist die Kasse verpflichtet, den medizinischen Dienst einzuschalten (nicht nur bei TS).
5. Der medizinische Dienst hat zu prüfen, ob aus medizinischer Sicht die Leistung notwendig ist, sinnvoll erscheint und der Leistungserbringer qualifiziert ist, bzw. eine anerkannte Methode verwendet. Bestehen an irgendeinem dieser Punkte Zweifel, dann hat der medizinische Dienst die Aufgabe, eine geeignete Empfehlung an die Krankenkasse abzugeben, damit diese Zweifel beseitigt werden können.
6. Einwendungen des medizinischen Dienstes hat die Kasse mit demjenigen zu klären, auf den sich diese Einwendungen beziehen (z.B. Diagnostiker, Behandler oder Patient). Eine generelle Abwälzung auf den Patienten, wie dies bei Transsexuellen häufig vorkommt, ist unzulässig. Wird von MDK eine zusätzliche fachärztliche Stellungnahme empfohlen, und zu diesem Zweck ein geeigneter Fachmann vorgeschlagen, dann darf dadurch die freie Arztwahl des Patienten nicht eingeschränkt werden. Der sogenannte Amtsarzt, den man früher in solchen Fällen aufsuchen musste, wurde per Gesetz abgeschafft. Diese Vorschriften gelten für alle Fälle und Patienten, nicht nur für Transsexuelle.
Soweit scheint zunächst alles klar zu sein. Leider weicht die Vorgehensweise der MDKs und Kassen oft von dieser - vom MDK als korrekt bestätigten - Verfahrensweise ab..
In den letzten sechs Monaten erreichten mich aber vermehrt diese und ähnliche Fragen:
Der für mich zuständige MDK behauptet, dass für die Anerkennung von Transsexualität zwei Gutachten erforderlich seien. Was soll ich tun, denn meine Krankenkasse will nun die bereits seit über sechs Monaten verschriebenen Hormone und weitere Behandlungen nicht mehr bezahlen?
Die Fragestellung zeigt eindeutig, dass der zuständige MDK Gutachten von Sachverständigen mit der ärztlichen Stellungnahme und Diagnostik verwechselt. Bei der gerichtlichen Beantragung von Änderung des Vornamens und/oder des Personenstandes muss durch Gutachten festgestellt werden, ob der Antragsteller transsexuell ist. Dies bezieht sich aber ganz alleine auf das juristische Verfahren, nicht auf die Ansprüche gegenüber der Krankenkasse. Auch im Hinblick auf Behandlung und Leistungsanspruch irrt der MDK in mehrfacher Hinsicht, denn
1. ist der Krankheitswert von Transsexualität sowohl durch die RVO als auch mehrere Grundsatzurteile bis hin zum BSG schon eindeutig definiert. Es braucht keine weiteren Definitionen des MDK.
2. Der Leistungsanspruch des Patienten begründet sich ausschließlich auf der Diagnose "transsexuelles Syndrom" und der Indikation einer Behandlungsmaßnahme. Auch wenn das BSG-Urteil von 1987 Grundsatzwirkung hat, so ist es doch eine Einzelfallentscheidung. Daraus abzuleiten, eine Leistungsanspruch entstehe nur, wenn der "Fall" des Patienten buchstabengetreu ebenso behandelt wird, ist eindeutig falsch (siehe auch Frage 3). Auch die Berufung auf die sogenannten "Standards of Care" ist nicht richtig, da diese nur eine Behandlungsempfehlung sind. Eine Expertenempfehlung kann nicht durch den MDK in den Stand einer Vorschrift erhoben werden.
3. Es ist unzulässig, eine bereits laufende Hormonbehandlung zu verweigern (entspricht der Verweigerung einer medizinischen Hilfeleistung). Außerdem hat der Arzt, und nicht der medizinische Dienst, die Entscheidung zu treffen und zu verantworten, ob Hormone verabreicht werden. Diese Behandlung ist nicht genehmigungspflichtig. Sie wird auf Kassenrezept verschrieben. So handelt auch ein Arzt, der einem Kassenpatienten die Hormone auf Privatrezept verschreibt, falsch.
4. Es sind sowohl eine medizinische als auch eine psychiatrisch/neurologische Differenzialdiagnose notwendig, um das "transsexuelle Syndrom" zu diagnostizieren. Wenn der MDK diese Tatsache mit zwei Gutachten verwechselt, dann zeugt dies lediglich davon, dass er weder sein Amt versteht, noch die "Standards of Care", auf die er sich so gerne beruft, richtig gelesen oder verstanden hat.
5. Hat der MDK Zweifel an der Kompetenz der diagnostizierenden und/oder behandelnden Ärzte, so hat er diese Zweifel mit den Ärzten zu klären, nicht mit dem Patienten. Der Fairness halber wird er den Patienten zwar darüber informieren, selbst aber alles tun, damit dem Patienten daraus weder zeitliche, noch psychische Probleme erwachsen. Kompetenzgerangel darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden und durch Erhöhung der indirekten Kosten den anderen Mitgliedern einer Krankenkasse aufgebürdet werden.
Ich will die Änderung meiner Personalpapiere in einem Schritt machen, um mir zwei Gerichtsverfahren zu ersparen, also gleich den Antrag nach § 9 mit Vorabentscheidung stellen.
Die Krankenkasse teilte mir nun mit, dass der MDK erst dann einer Leistungspflicht der Kasse zustimmen würde, wenn die beiden Gerichtsgutachten vo rliegen. Was soll ich tun, da beißt sich doch "die Katze in den Schwanz"?
Der zuständige MDK vermischt hier, ebenso wie die neueste Ausgabe der "Standards of Care", in unzulässiger Weise das TSG mit dem Behandlungsanspruch. Ein parallel aufeinander abgestimmtes Konzept kann zwar im Einzelfall kostengünstig und nützlich sein, es aber zu generalisieren, oder gar den Eindruck einer Vorschrift zu erwecken, ist unzulässig.
Die Gutachten der Sachverständigen für das Gerichtsverfahren zur Änderung der Vornamen haben ausschließlich folgenden Sinn:
1. Sie bestätigen, dass der Antragsteller sich dem anderen Geschlecht zugehörig empfindet und dieses Empfinden seit mindestens drei Jahren besteht.
2. Der Antragsteller seinem Geschlechtsempfinden entsprechend leben möchte.
3. Sich an diesem Empfinden, nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts ändern wird.
Auch wenn (Gerichts-)Gutachter gewisse diagnostische Angaben machen, oder Hinweise zu beabsicht igten oder laufenden Behandlungen, so dienen diese doch nur dazu dem Richter und dem Vertreter des öffentlichen Interesses den Sachverhalt verständlich zu machen. Die Sachverständigen haben nicht die Aufgabe eine Diagnose oder eine Indikation zu stellen. Würden sie dies tun, so würden sie auf Kosten des Antragstellers Leistungen erbringen, die in Wirklichkeit von der Krankenkasse zu bezahlen sind.
(Wenn der Diagnostiker und/oder behandelnde Arzt die Gutachten erstellt und dafür ein angemessenes Honorar vom Patienten verlangt, ist dies dagegen sinnvoll und für alle Seiten kostengünstig. Gerichtsgutachten sind aber weder inhaltlich noch rechtlich geeignet, einen Behandlungsanspruch zu rechtfertigen - dafür bedarf es der schon angesprochenen Differenzialdiagnosen.)
Die Forderung des MDK ist rechtlich unzulässig, die zuständige Krankenkasse sollte davon sofort in Kenntnis gesetzt werden.
Seit ich innerlich weiß, dass ich transsexuell bin und darüber mit meinem Hausarzt gesprochen habe, geht es mir wieder sehr gut. Ich kann meiner Arbeit wieder konzentriert nachgehen. Die Krankenkasse hat mir nun eine Zusammenfassung eines BSG-Urteils, die der zuständige MDK ihr zur Verfügung gestellt hat, übergeben. Ich bin dadurch wieder so verunsichert, dass ich Angstzustände und Schweißausbrüche habe. Was soll ich tun?
Bei dem angesprochenen BSG-Urteil kann es sich meines Erachtens nur um das Urteil des 3. Senates vom 6. Aug. 1887 handeln (Az.: 3 RK 15/86). Das Schreiben des MDK ist die persönliche Interpretation eines selbst ernannten "Experten" des MDK. Es handelt sich nicht um den Text, der in der Sammlung von Grundsatzurteilen für Juristen veröffentlicht wurde – dort steht nämlich ohne Wertung der allgemeinverbindliche Auszug aus dem Einzelfall, aus dem sich die Grundsätzlichkeit dieses Urteils ableitet. Nicht nur ich halten es für sehr bedenklich, wenn ein Mediziner seine eigene Interpretation über die Aussageabsicht eines im Juristendeutsch abgefassten Urteils verfasst, und dabei glaubt, die Teile aus dem Urteil heraus picken zu können, die für alle Transsexuellen zutreffend seien. Die Tatsache, dass der Autor dieser "Zusammenfassung" glaubt, auch noch Dingen hineinschreiben zu müssen, mit denen sich das Gericht gar nicht beschäftigt hat, damit aber den Eindruck erweckt, dies sei so entschieden, muss als anmaßend bezeichnet werden. Über das Motiv eines solchen Vorgehens will ich hier nicht spekulieren.
Für Experten der Sozialgesetzgebung wurden in der einschlägigen Sammlung von Leitsätzen folgende Texte zu obigem Urteil veröffentlicht:
Kostenübernahme einer geschlechtsumwandelnden Operation - Krankheitsbegriff
1. Der Krankheitsbegriff umfasst nicht nur einen regelwidrigen, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichenden Körper - oder Geisteszustand, sondern darüber hinaus auch einen Leidensdruck, durch den sich die Regelwidrigkeit erst zur eigentlichen Krankheit i.S. von § 182 Abs. 2, § 184 Abs. 1 RVO qualifiziert.
Meine Empfehlung auf die gestellte Frage kann nur lauten: Legt dieses Schreiben dem Leiter der zuständigen Krankenkasse vor. Im Sinne einer guten Gesundheitsfürsorge wird der zuständige juristische Dienst der Kasse in wenigen Tagen ermittelt haben, wie korrekt die Aussagen des MDK sind.
Im Oktober 1998 habe ich eine mehrjährige Psychotherapie abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass eine der wesentlichen Ursachen meiner Probleme in der bisher von mir selbst unterdrückten Transsexualität liegt. Ich habe anschließend meine soziale Rolle als Mann angenommen, mit fachkundig beraten lassen und mich wegen der erforderlichen Differenzialdiagnosen im Behandlung begeben. Die Ergebnisse dieser Diagnosen liegen nun vor, die Indikation zur Mastektomie ist erstellt, der OP-Termin, noch vor der Arbeitsaufnahme nach dem Studium, liegt fest. Nun teilt mir die Krankenkasse mit, dass die Kostenübernahme nicht gegeben werden kann weil:
"... die ambulante Psychotherapie als Alltagstest mindestens über 1 1/2 Jahre durchgeführt werden muss. Vorher kann keine Indikation zu einer operativen Maßnahme gestellt werden."
Was soll ich tun? Auf Grund meiner Oberweite muss ich an meinem zukünftigen Arbeitsplatz mit Diskriminierung rechnen. Möglicherweise bekomme ich ihn gar nicht, weil ich mich ja dem Arbeitgeber gegenüber Outen muss und er sofort Angst hat, "weil Transsexuelle ja doch immer durch Krankheit ausfallen", so jedenfalls die landläufige Meinung.
Die Aussage der Krankenkasse sind völlig unhaltbar. Sollte diese Aussage auf der Stellungnahme des MDK beruhen, dann hat dieser hier eine Falschaussage gemacht.
1. Eine Psychotherapie als Alltagstest gibt es nicht. Diese Aussage der Kasse ist unsinnig.
2. Für die Indikation zu einer bestimmten Behandlungsmaßnahme ist nicht eine Therapie erforderlich, sondern eine Diagnose. Wie lange es dauert, bis eine Diagnose gestellt ist, hängt von den persönlichen Verhältnissen und der Fähigkeit des Arztes/der Ärzte ab, nicht von irgend welchen formalen Vorgaben.
3. Ein Alltagstest ist zweckmäßig, ebenso wie eine begleitende Therapie. Vorschriften wie ein Alltagstest abzulaufen hat, oder wie lange ein Alltagstest oder eine Therapie dauern müssen sind jedoch glatter Unsinn, deshalb existieren auch keine solchen Vorschriften. Die Tatsache, dass "Experten" und Mitarbeiter des MDK oder der Krankenkassen es immer wieder behaupten, mag zwar den Eindruck erwecken,, als ob es solche Vorschriften gäbe, aber auch dadurch werden diese Vorschriften nicht zur Tatsache..
Ich hoffe, dass ich damit die wichtigsten Anfrage nicht nur beantwortet habe, sondern auch für Patienten und die zuständigen Krankenkassen die nötigen Argumentationshilfen liefern konnte.
Selbst wenn ein Arzt die Epilationsbehandlung als notwendige Heilmaßnahme indiziert hat, kommt es derzeit oft zu erheblichen Problemen mit der Bewilligung der Kosten durch die Krankenkassen. Dies hat mehrere Gründe:
Die Nadelepilation ist durch die Praxis, nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen, als wirksame Maßnahme anerkannt. Sie ist jedoch sehr zeitaufwendig und damit teilweise sozial schädlich, und außerdem sehr teuer (ca. 3 Jahre Behandlungszeit, Kosten: DM 35.000 - 60.000, nur für den Bart).
Flächig wirkende Maßnahmen sind in ihrer Wirksamkeit umstritten. Photoderm und Rubinlaser zeigen bei Patientinnen sehr verschiedene Ergebnisse von gut bis wirkungslos. Die LPIR-Methode macht zur Zeit „Furore“. Einige Anwender dieser Methode geben eine schriftliche Garantie, dass dunkle Haare nach Abschluss der Behandlung nicht wieder wachsen, sowie einen Festpreis. Die Garantie gilt für 1 Jahr. Jeder Dermatologe und jede Kosmetikerin wird bestätigen, dass ein Haar das nach einem Jahr nicht wieder wächst auch danach nicht mehr wachsen kann. Die Behandlungskosten für den Bart liegen bei LPIR zwischen DM 5.000 und 8.000, also weniger als 20% der Nadelepilation.
Welche praktischen Auswirkungen hat diese Situation?
Jeder Kostenvoranschlag, den die Patientin einholt, sollte eine schriftliche Erfolgsgarantie beinhalten und den Endpreis für die gesamte Behandlung. Ist ein Anbieter dazu nicht bereit, so sollte sich die Patientin schriftlich bestätigen lassen, dass der Anbieter dazu nicht bereit ist. Dies könnte z.B. in folgender vorbereiteten Form geschehen:
zur Vorlage bei der Krankenkasse/privaten Krankenversicherung
Frau ................................................
Vers.Nr.: .................................
hatte heute bei mir einen Vorstellungstermin zur Erstellung eines Kostenvoranschlages für die anstehende Epilationsbehandlung. Dem Anliegen der Patientin ihr zu bestätigen, dass keine kostenpflichtigen Nachbehandlungen erforderlich sind und auch keine Kosten durch Nebenwirkungen oder Folgeschäden anfallen werden kann ich nicht nachkommen. Ich kann auch keine Erfolgsgarantie für mindestens 1 Jahr bescheinigen.
.......................... , ....................................................................................................
(Ort) (Datum) (Unterschrift und Arztstempel)
Aktueller Hinweis zu Verschreibung und Beschaffung
In der letzten Zeit, vor allem seit dem 1. Juli 1997 und seit Proginon Depot 100 vom Markt genommen wurde, häufen sich wieder die Anfragen über die Verschreibung und Beschaffung von Hormonen für Transgender, vor allem Transfrauen.
Hormone zur gegengeschlechtlichen Behandlung von Transfrauen und Transmännern (med. Bezeichnung Transsexuellen) dürfen selbstverständlich verschrieben werden. Dies gilt sowohl für die Weiterbehandlung von Patienten, als auch für Neueinsteiger. Einzig und allein der Arzt trägt dafür die Verantwortung und trifft im Zusammenwirken mit der Patientin dafür die Entscheidung.
Der Arzt stellt ein normales Kassenrezept aus. Die Krankenkassen übernehmen dafür die Kosten im gesetzlichen Rahmen, bei Befreiung von der Zuzahlung vollständig. Privatrezepte sind nur bei Privatpatienten auszustellen. Diese erhalten dann die Kosten entsprechend ihres Versicherungsvertrages erstattet.
Für das nicht mehr erhältliche Proginon Depot 100 kann auf das wesentlich teurere Medikament Estradurin 80 umgestiegen werden. Die Behauptung mancher Ärzte, sie würden im Sinne der Bugdedierung zum Regress herangezogen, weil das Medikament sehr teuer ist, sind eindeutig falsch. Natürlich gibt es auch andere Alternativen (siehe Brief der Firma Schering).
Immer wieder erfahre ich in der Beratung, dass sehr hohe Dosen von Androcur verabreicht werden, um die Behandlung von Transfrauen zu unterstützen. Androcur kann lediglich in der Anfangsphase zur Dämpfung der triebhaften Erektion beitragen, es hat keinen dauerhaften Einfluss darauf. Gerade bei der Behandlung mit einem Depotpräparat, sollte es baldigst reduziert und abgesetzt werden.
Herrn Schering Deutschland GmbH
Progynon‑Depot‑100
Das Präparat Progynon‑Depot‑100, das, für die Behandlung des inoperablen Prostatakarzinoms zugelassen war, ist nicht mehr im Handel. In dieser Indikation sind Östrogene nicht mehr Mittel der Wahl.
Zur Ausbildung oder Akzentuierung weiblicher Körperformen werden seit langem Östrogene angewendet. Aus der klinischen Anwendung relativ hoher Ostrogendosen über lange Zeiträume bei Männern mit Prostatakarzinom ist der feminisierende Einfluss einschließlich der in diesen Fällen unerwünschten Gynäkomastie bekannt. Libido‑ und Potenzverlust gehören ebenfalls zu den in dieser Indikation unerwünschten Wirkungen. Bei Transsexuellen kann das in gewissen Behandlungsweisen günstig sein. Individuelle Reaktionsunterschiede, besonders im Hinblick auf die Libido, sind recht groß. Aus den Erfahrungen beim Prostatakarzinom sind auch die kardiovaskulären Risiken einer langdauernden hochdosierten Östrogenbehandlung bekannt.
Dr. R. Turck H.Petschick, Ärztin
Deutsche Gesellschaft für Transidentität u. Intersexualität e.V.
1. Natürliche männliche Sexualhormone:
Dies sind im wesentlichen die sogenannten " natürlichen Androgene ", oder C19- Steroide genannt.
Das wichtigste aus dieser Reihe ist das in den "Leydigschen Zwischenzellen" gebildete Testosteron. Dieses wird in einigen der Erfolgsorgane, also Organen wo das Testosteron Wirkungen zeigt, in sogenanntes 5a-Dihydrotestosteron umgewandelt. Diese Organe sind z.B. die äußeren Genitale, die Prostata und die talgbildenden Sebozyten.
5a-Dihydrotestosteron besitzt eine wesentlich höhere Affinität ("Anbindungsfreundlichkeit") zum Androgenrezeptor als Testosteron. D.h. im wesentlichen, das 5a-Dihydrotestosteron, gegenüber Testosteron das wirksamere Androgen ist. lm männlichen Körper werden noch andere Androgene gebildet, wie z. B. Dehydroepiandrosteron. Als Hauptbildungsort wären hier die Nebennierenrinden zu nennen. Sie besitzen jedoch eine physiologisch untergeordnete Bedeutung und werden hier nicht weiter behandelt.
1.1) Herstellung der Androgene im Körper ( Biosynthese)
Androgene werden aus Cholesterol über Pregnenolon gebildet. Eine wichtige Eigenschaft der Entwicklungsreihe ist hierbei ist, dass wie Testosteron auch Androstandion in 5a-Dihydrotestosteron metabolisiert ("umgewandelt") werden kann ( siehe Abb. 1).
BILD BIOSYNTHESE ANDROGENE Abb.1)
Es werden im erwachsenen männlichen Körper täglich ca. 7 mg Testosteron gebildet.
1.2) Wege der Androgene im Körper ( Kinetik)
Das im Körper gebildete Testosteron hat eine Plasmahalbwertzeit von etwa 10 Minuten. Es ist hier zu 98% an das sogenannte SHGB gebunden. Der hauptsächliche Abbau findet in der Leber statt. Zu einem kleinen Teil werden, auch im männlichen Körper, Androgene in Östrogene umgebaut. Aufgrund des sogenannten First-Pass-Effektes (Übergang aus den Verdauungsorganen ins Blut) ist Testosteron weitestgehend bei oraler Applikation (durch Aufnahme über den Mund) unwirksam.
1.3) Androgene Präparate
Man hat um die Verweildauer im Körper zu erhöhen bzw. um die Wirksamkeit bei oraler Gabe zu steigern an verschiedenen Androgenen chemische Veränderungen vorgenommen. Ähnlich wie dies bei den weiblichen Sexualhormonen ebenfalls vorgenommen wurde. Man sollte hierbei aber beachten, dass die angegebenen Dosierungen (siehe Tab.1) nichts über die optimale Wirksamkeit aussagen. Diese Anhalte sind individuell auch verschieden.
Es ist in jedem Fall ein Arzt mit der Behandlung zu betrauen. Auch Hormone sind gefährlich!
Intramuskuläre Injektion von 240mg alle 2-4 Woche
Testosteronundecanonat
40-120mg pro Tag per oral jedoch nach einer
Initialphase von 2-3 Wochen mit 120-160 mg pro Tag
25-50mg pro Tag
per oral Initialphase 75 mg/Tag individuell verschieden
1.4) Androgenwirkungen des Testosteons bzw. 5a-Dihydrotestosteron
- Förderung Entwicklung der sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale
- Erhöhung der Libido
- Mitbestimmend für die psychischen Verhaltensmuster des Mannes
- Steigerung des Eiweißaufbaues (anabole Wirkung)
- Talgproduktion wird verstärkt (u.U. Akne)
- u.U. Haarverlust (androgenetische Alopezie)
- Abschluss des Längenwachstums der Knochen (ausgangs der Pubertät)
- Stimmbruch
1.5) Andere Wirkungen der Androgene
Atrophie (Verkleinerung ) der männlichen wie weiblichen Keimdrüsen
Retentionen (Zurückhaltung) von:
Natrium-, Kalium-, Kalzium-, Phosphat-, Chlorid-Ionen und Wasser
Die o.a. beschriebenen Retentionen treten insbesondere bei Langzeittherapien mit hohen Androgendosen auf.
Des Weiteren ist zu bemerken, dass die blutgerinnungshemmende Wirkung von Cumarin-Derivaten deutlich
durch Androgene verstärkt wird.
2. Anabolika
Anabolika sind Stoffe die durch chemische Veränderung des Testosteronmoleküls hergestellt werden. Dabei wurde versucht die anabolen (Eiweißaufbau fördernd) Effekte des Testosterons zu verstärken, und die androgenen Wirkungen zu verringern. Dies gelang jedoch nicht vollständig.
Da dies nicht vollständig gelang sind die Wirkungen und "Anderen Wirkungen" weitestgehend mit denen der Androgene identisch. Sie führen jedoch, infolge der positiven Eiweißbilanz, zu einer deutlicheren Vermehrung der Muskelmasse gegenüber den Androgenen. Sie werden deshalb häufig von Leistungssportlern eingesetzt.
Die in der nachfolgenden Tabelle angegebenen Dosierungen sind immer individuell zu betrachten, ein Missbrauch hat immer negative Folgen, die den eigentlichen Absichten zuwider laufen können.
Es ist in jedem Fall ein Arzt mit der Behandlung zu betrauen. Anabolika sind gefährlich!
Tab. 2)
2-3 mg pro kg Körpergewicht täglich p.o.
Clostebolacetat
Megagdsevit mono
40 mg i.m. 2mal wöchentlich während 3 Wochen
Nadrolondecanonat
25-50 mg i.m. alle 3-4 Wochen
3. Hinweise für "Frau zu Mann-Menschen" - TransMänner
Die durch androgene Produkte hervorgerufenen psychischen Veränderungen können äußerst deutlich sein. Sie sind gegenüber den Wesensveränderungen bei Ostrogensubstitutionen von MzF erheblich intensiver und beeinflussen Ihre Umgebung dementsprechend mehr. Beachten Sie hierbei insbesondere Ihr Aggressionspotential! Nicht jede Ablehnung Ihrer Person, liegt in der Offenbarung der Absicht Ihre geschlechtliche Rolle wechseln zu wollen. Häufig sind es die mit der Verabreichung von Androgenen einhergehenden Wesenveränderungen die ursächlich Probleme mit sich bringen und weniger Ihre Absichten. Beobachten Sie sich sehr genau selbst und nehmen Sie bewusst Ihre Persönlichkeit etwas zurück. Auch geborene Männer haben dies in Ihrer Jugend lernen müssen!
Auch sollten Sie berücksichtigen, dass viele der physiologischen Veränderungen Ihres Körpers, die mit der Androgensubstitution einhergehen, irreversibel sind. Insbesondere Stimmbruch, Vergrößerung des Kehlkopfes, das typisch männliche Haarverteilungsbild u.a.m.. sind nach ihrem Eintritt nicht mehr von selbst rückläufig. Auch dann nicht, wenn wieder weibliche Hormone verabreicht werden!
Sie sollten wissen, dass der Satz "Viel nützt viel" in der Anwendung von Medikamenten meist nicht stimmt!
Einer der elementaren Grundsätze der Biochemie, das Amdt-Schulz-Gesetz, lautet:
Schwache Reize fördern, starke hemmen und stärkste lähmen die Lebenstätigkeit,
Achten Sie auf Schmerzen im Rücken, in der Gegend wo die Wirbelsäule das Becken berührt, und auf Schmerzen, insbesondere unterschwellige, im Rücken dort wo die letzten Rippen sind. Diese Schmerzen könnten mit Ihrer kontrageschlechtlichen Hormonbehandlung zusammen hängen. Tasten Sie auch ab und an Ihre Leber ab, ob diese vielleicht vergrößert ist.
Ständiger Durchfall allein, unter Umständen verbunden mit krampfartigen Schmerzen unterhalb des Bauchnabels, ist in jedem Fall ein Grund Ihren Arzt aufzusuchen. Hierbei sollten Sie bzw. Ihr Arzt dem Mineralstoffhaushalt, besondere Aufmerksamkeit widmen.
Bedenken Sie: "Sie greifen in ein sich weitestgehend selbstregulierendes System, Ihren Körper ein. In bestimmten Toleranzgrenzen verkraftet dieser das, aber dann nicht mehr, wenn Sie diese Grenzen überschreiten."
Nun noch ein Wort zu verschiedenen auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Hormon-Präparaten:
Diese häufig aus den Ostblock stammenden Präparate enthalten meist aus Hirnen von Leichen gewonnene Hormone, oder sind teilweise sogar mit gefährlichen Substanzen verschnitten. Es ist über diese Produkte bekannt, dass Sie mit Prionen kontaminiert sind. Diese "Verunreinigungen" können, die sogenannte Kreuzfeld-Jakob-Krankheit, Hepatitis und andere lebensgefährliche Erkrankungen auslösen.
Substanzen unbekannter Ursprungs gehören nicht in Ihren Körper, auch wenn diese Ihnen von "guten Bekannten" angeboten werden. Nur Ärzte und Apotheken garantieren Ihnen einwandfreie Medikamente!
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine gekürzte und auf die Bedürfnisse von Betroffenen abgeänderte Version eines Textes zu einer umfassenden Ärzteinformation der dgti. Dieser Text ist lediglich eine Information die bestimmte Verhältnisse für Betroffene darstellen soll. Sie ist in keinem Falle als eine Rezeptur oder Gebrauchsanweisung zur Selbstmedikation zu verstehen.
Dieser Text unterliegt dem Copyright ®1997 der dgti und wurde verfasst von J.CI.Clüsserath. Nachdruck oder Vervielfältigung jeder Art, auch auszugsweise, bedürfen der Genehmigung der dgti sowie der Autorin (dies gilt nicht bei vollständiger und unveränderter Kopie des gesamten Heftes).
Deutsche Gesellschaft für Transidentität u. Intersexualität
1. Natürliche weibliche Sexualhormone
Die im Körper der erwachsenen Frau im wesentlichen beteiligten Hormone lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Dies sind in erster Linie die Gruppe der Östrogene und in zweiter Linie die Gruppe der Gestagene. Hierbei spielen die Östrogene die wesentlichere Rolle für die Ausbildung der typisch weiblichen Körperformen. Ein erheblicher Teil dieser Körperform wird durch die subkutane (unter der Haut liegende) Verteilung des Körperfettes erzeugt: Der Aufbau die Fettdepots wird durch den Einfluss und Eigenschaft der Gestagene unterstützt. Der übrige Teil wird durch die Skelettausbildung während der Wachstumsphase unter Einfluss der Geschlechtshormone bestimmt.
2. Östrogene
2.1. Die Gruppe der natürlichen Östrogene
Die im Körper auf natürlichen Wege gebildeten Östrogene umfassen im wesentlichen 3 Substanzen. Dies sind: Östradiol, Östriol, Östron; Die Östrogene werden im weiblichen Körper hauptsächlich in den sogenannten Follikelepithelen gebildet. Andere Bildungsorte, welche es auch im männlichen Körper gibt, sind hierbei von untergeordneter Bedeutung. Diese Bildungsorte erlangen nur bei Erkrankungen Bedeutung. Sie gehören chemisch zur Gruppe der Steroidhormone und besitzen dementsprechend auch eine leichte steroide Wirkung. Es gelang erstmals 1929 Östron in reiner kristalliner Form zu isolieren.
2.2. Wirkungen der Östrogene
Die hauptsächliche Wirkung der Östrogene ist die Förderung des Wachstums der Geschlechtsorgane. Das wichtigste Hormon dieser Gruppe ist dabei das Östradiol. Eine weitere Wirkung ist die Ausbildung der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale (i.B. die weibliche Brust). Die Gruppe der Östrogene besitzt, wie schon zuvor erwähnt, aufgrund des Steroidgerüstes eine schwache anabole Wirkung und bewirken die Vergrößerung der subkutanen Fettdepots. Die Anwesenheit der Östrogene im Körper erhöht die Konzentration der HDL (High-Density-Lipoproteine), die der LDL (Low-Density-Lipoproteine) und des Plasmacholesterols wird verringert. Östrogene verringern auch die Talgproduktion und hemmen das Wachstum der Talgdrüsen. Die Bildung der Endometriumsdrüsen sowie der Aufbau der Uterusschleimhaut ist ebenfalls auf den Einfluss der Östrogene zurück zu führen.
Eine weitere wichtige Funktion die auf Östrogene zurückzuführen ist die Beendigung des Längenwachstums der Knochen während der Pubertät. Dies wird durch den Schluss der Epiphysenfugen im Knochen bewirkt. Östrogene steigern die Calciumresorption (Calciumaufnahme) und beschleunigen bzw. steigern die Einlagerung von Calcium in den Knochen. Der Calcium-antagonistische- (dem Calcium entgegenwirkend) Effekt sowie den
direkten Gefäßangriff wird der periphere Gefäßwiderstand insbesondere der kleinen Gefäße verringert.
In der Leber bewirken sie eine Steigerung der Synthese der für den Transport der Östrogene an die Erfolgsorgane erforderlichen Transportproteine. Durch die Initiierung der vermehrten Bildung von SHGB (Sexualhormonbindendes-Globulin) sowie von Transcortin wird die akute Wirkung der vorhandenen Androgene und Glucocorticoide verringert. Ein weiterer Effekt, der insbesondere bei höheren Dosen auftritt, ist die Rentention von Natriumchlorid und Wasser. Die gesteigerte Bildung von Gerinnungsfaktoren sowie der 5-HT-Rezeptoren sind kennzeichnend für die Wirkung der Östrogene. Einen Einfluss auf das Sexualverhalten der Frau scheinen die Östrogene kaum zu haben. Er ist in jedem Falle geringer, als der Einfluss den Testosterone auf das Sexualverhalten des Mannes ausüben. Dieser Einfluss ist aber nicht zu verwechseln mit dem Einfluss der Östrogene auf das allgemeine und umfassende psychische Befinden. Berücksichtigung sollte dieser Umstand insbesondere bei der Behandlung von "Mann zu Frau Menschen" ( MzF transsexuelle Menschen - TransFrauen) finden, da er wesentlich auch für die Gestaltung der psychologischen Behandlung sein sollte.
2.3. Zusätzliche andere Wirkungen
Da Östrogene an vielen Stellendes Körpers eine bedeutende Rolle spielen, besitzen sie auch viele Wirkungen die z.T. weiter oben schon beschrieben wurden. Diese sind in fast allen Fällen von Dosis, Dauer, Medikament, Körper und körperlichem Zustand des Patienten abhängig.
Eine zusätzliche Applikation von Östrogenen bedarf immer einer Überwachung durch einen erfahrenen Arzt. Die verwendeten Medikament sollten, um jede Risikoerhöhung auszus < script src="/plugins/editors/tinymce/jscripts/tiny_mce/themes/advanced/langs/de.js" type="text/javascript"> c halten, nur aus Apotheken oder aus den Beständen des behandelnden Arztes stammen.
Zu den sogenannten Nebenwirkungen gehören:
- Erhöhung des Thromboembolie-Risikos (das Auftreten von Phlebitiden, entzündliche Erscheinungen an Venen). Bei erhöhter Thrombosegefahr sind Östrogene abzusetzen.)
- Atrophie (Verkleinerung) der männlichen wie weiblichen Keimdrüsen durch Hemmung der Gonadotropinausschüttung.
- Spannungsgefühle in den Brüsten
- Natrium- und Wasserretention und in deren Folge Ödembildung
Östrogene sind in jedem Falle contraindiziert bei:
- Mammitumoren
- < script src="/plugins/editors/tinymce/jscripts/tiny_mce/themes/advanced/langs/de.js" type="text/javascript"> Leberfunktionsstörungen
Zum Abschluss dieses Absatzes sei noch erwähnt, dass alle pflanzlichen Alkaloide, Mutterkornalkaloide, Barbiturate und Carbamazepin die Wirkung von Östrogenen eingeschränkt wird.
2.4. Herstellung der Östrogene im Körper ( Biosynthese )
Testosteron und Androstandion sind Androgene, d.h. sie sind den männlichen Hormonen zu zuordnen. Sie sind von ihrer Bedeutung im weiblichen Körper aber auch die Vorstufensubstanzen für die Bildung der Östrogene. Aus ihnen werden in den Follikelepithelen die Östrogene synthetisiert ( hergestellt ). Sie werden auch,
insbesondere in der Menopause, in der Nebennierenrinde synthetisiert. Dort wird Dehydroepiandrosteron als Basis umgewandelt. Im Organismus gebärfähiger Frauen beträgt die Östrogensekretion 25-100 µg welche mit Eintritt des Klimakteriums auf 5-10 µg täglich sinkt.
Bei der Betrachtung der vorgenannten Werte ist zu beachten, dass es sich bei dieser Angabe nicht um einen absoluten Wert im Sinne der Laborwerte, bei denen eine augenblickliche Konzentration gemessen wird, handelt.
2.5. Weg der Östrogene im Körper ( Kinetik )
Die Lebensdauer der Östrogen-Moleküle ist mit ca. 50 Minuten Halbwertzeit recht kurz. Dies liegt daran, das der Metabolismus der auf die Östrogene, insbesondere Östron und Östradiol einwirkt, sehr vielfältig ist. Noch vielfältiger sind diese Einflüsse bei oraler Applikation. Dies alles geschieht insbesondere in der Leber. Hier liegt, z.B. bei oral appliziertem Östradiol, der First-Pass-Effekt bei über 90%. Lediglich Östriol ist noch therapeutisch nutzbar. Man hat, um die allgemeine Wirksamkeit der Östrogene zu erhöhen, diese chemisch verändert.
2.6. Östrogene Präparate
Da natürliche, unveränderte Östrogene, mit Ausnahme des Östriols, kaum therapeutisch genutzt werden können, werden sie chemisch verändert und sind somit teilsynthetisch. Ergänzend hierzu, hat man im Verlaufe der Forschung auch totalsynthetisch gewonnene Substanzen geschaffen, die weitestgehend Wirkungen besitzen, die denen der natürlichen Östrogene entsprechen. Außerdem gibt es noch Wirkstoffe die erst im Körper zum gewünschten Wirkstoff biotransformiert werden. Dies sind die sogenannten Prodrugs. Je nach Wirkstoff erfolgt die Gabe oral, transdermal oder intramuskulär. Demzufolge kann man also fünf große Wirkstoffgruppen bei den therapeutisch genutzten Östrogenen unterscheiden:
Oekolp, Ortho-Gynest, Ovestin;
Medikamente mit totalsynthetisch gewonnen Östrogenen als Wirkstoff:
Diethylstilbestrol, Diethylstilbestrol-Diphosphat, Chlorotrianisen;
Fosfestrol, Honvan, Merbentul;
Medikamente mit teilsynthetisch gewonnen Östrogenen als Wirkstoff:
Ethinylestradiol, Estradiolvalerat, Estramustin
Progynon C, Progynon Depot, Progynova, Estraderm TTS,
Medikamente mit konjugierten Östrogenen als Wirkstoff:.
Climarest z.B. 1,25 mg,
Medikament mit Östrogenen als Prodrugs:
Ovosiston, Ortho-Novum 1/50;
3. Gestagene
Gestagene Wirkungen im Körper sind im wesentlichen auf Progesteron zurückzuführen. Es ist mit den Nebennierenrindenhormonen chemisch nahe verwandt. Das "Corpus-luteum" oder Gelbkörperhormon wird hauptsächlich im Corpus-luteum des Ovars gebildet. Andere Bildungsorte sind die Plazenta, die Nebennierenrinden und die Testes. Es nimmt als Zwischenprodukt der Synthese von Androgenen und Östrogenen eine zentrale Rolle ein.
Die wesentlichen Progesteron- oder Gestageneffekte sind:
- Hemmung der LH
- Ausschüttung der Hypophyse
- Förderung der Drüsenbildung der Brüste
- Erhöhung der Ventilation( häufigeres Ein- und Ausatmen)
- katabole Wirkung
Progesteron ist nur kurz wirksam und hat eine biologische Halbwertzeit von ca. 20 Minuten. Um länger und oral wirksame Gestagene zu erhalten hat man diese chemisch verändert.
Bei der Applikation dieser Hormone ist zu berücksichtigen, dass diese, je nach Wirksubstanz des Präparates, östrogene oder androgene "Zusatzwirkungen" zeigen können. Gestagene sind grundsätzlich contraindiziert bei Leberschäden, Hyperbilirubinämie und thromboembolischen Erkrankungen.
4. Antiandrogene
Dies sind Antagonisten (Gegenspieler) der männlichen Sexualhormone. Sie blockieren die Wirkung dieser über die Blockade der zugehörigen Rezeptoren. Die beiden bekanntesten Wirkstoffe sind wohl Cyproteronacetat (Androcur) sowie Flutamid (Fugerel).
Als häufigste Nebenwirkungen wären zu nennen:
- kardiovaskuläre Störungen
- Übel- und Appetitlosigkeit
Antiandrogene sollten, aufgrund ihrer Nebenwirkungen, nach Möglichkeit nicht genommen werden. Sie sind in jedem Falle nicht mehr erforderlich nach der GA-OP.
5. Hinweise für " Mann zu Frau-Menschen " - TransFrauen
Sie als Patientin und Betroffene merken dies als Erste! Denn auch das ungewöhnlich starke Nachlassen von Initiativfähigkeit und Leistungsfähigkeit sind erste Anzeichen einer nachlassenden Lebenstätigkeit!
Schmerzen und Krämpfe der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur insbesondere wenn diese Morgens vor den Wachwerden und in der Nacht auftreten, sind deutliche und eindeutige Zeichen, dass Ihre Hormonbehandlung nicht in Ordnung ist! Ein Arztbesuch ist unumgänglich!
Ständiger Durchfall allein, unter Umständen verbunden mit krampfartigen Schmerzen unterhalb des Bauchnabels, ist in jedem Fall ein Grund Ihren Arzt aufzusuchen. Hierbei sollten Sie bzw. Ihr Arzt dem Mineralstoffhaushalt besondere Aufmerksamkeit widmen.
Bedenken Sie: "Sie greifen in ein sich weitestgehend selbstregulierendes System, Ihren Körper, ein. In bestimmten Toleranzgrenzen verkraftet dieser das, aber dann nicht mehr, wenn Sie diese Grenzen
Nun noch ein Wort zu verschiedenen auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Hormon-Präparaten.
Diese häufig aus den Ostblock stammenden Präparate enthalten aus Hirnen von Leichen gewonnene Hormone, oder sind teilweise sogar mit gefährlichen Substanzen verschnitten. Es ist über diese Produkte bekannt, dass Sie mit Prionen kontaminiert sind. Diese "Verunreinigungen" können, die sogenannte Kreuzfeld-Jakob-Krankheit, Hepatitis, und andere lebensgefährliche Erkrankungen auslösen.
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine gekürzte und auf die Bedürfnisse von Betroffenen abgeänderte Version eines Textes zu einer umfassenden Ärzteinformation der dgti. Dieser Text ist lediglich eine Information, die bestimmte Verhältnisse für Betroffene darstellen soll. Sie ist in keinem Falle als eine Rezeptur oder Gebrauchsanweisung zur Selbstmedikation zu verstehen.
Dieser Text unterliegt dem Copyright © 1997 der dgti und wurde verfasst von J.CI.Clüsserath. Nachdruck oder Vervielfältigung jeder Art, auch auszugsweise, bedürfen der Genehmigung der dgti sowie der Autorin (dies gilt nicht bei vollständiger und unveränderter Kopie des gesamten Heftes).
Betr.: Antrag auf Änderung der Vornamen (gemäß §1)
(Transsexuellengesetz TSG vom 10.09.80)
(1) Hiermit beantrage ich, ............................................ (alter Name), geb. am ......................... in .................................... (Geburtsort/Land) gemäß Abschnitt 1 des TSG der Änderung meiner Vornamen zuzustimmen.
Begründung: Die dem Geburtseintrag entsprechende Geschlechtsrolle konnte ich nur unter großen Anstrengungen, schon ............. (hier sehr kurze Schilderung der eigenen Situation bis heute mit Angabe seit wann das so ist). Eine Rückkehr in diese, nur über den Kopf gesteuerte Rolle, erscheint mir unvorstellbar (§1 Abs.1.2 TSG).
Ich bin Deutsche/r im Sinne des Grundgesetzes und wohne derzeit in ....................................... (Straße, PLZ Ort) (§1 Abs. 1.1 TSG).
(2) Ich beantrage in Zukunft den/die Namen (Frau/Herr)
.................................................. (neue Vornamen)
zu führen, (ev. ergänzen: wobei wie markiert ....................................... der Rufname sein soll) (§1 Abs.2 TSG).
Antrag zum Verfahren: Zur Ergänzung meines Antrages lege ich die fachärztlichen Stellungnahmen von Dr. med. ................................und ............................... bei. Ich beantrage hiermit, zur Verkürzung des Verfahrens, diese Stellungnahmen als die vom Gesetz geforderten Gutachten zuzulassen (§4 Abs.3 Satz 1 TSG) da sie die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Sachverhalte uneingeschränkt bestätigen (§4 Abs.3 Satz 2 TSG). (Bei nur einem Gutachten entsprechend ändern und die Zulassung des zweiten Gutachters, so man schon einen hat, beantragen! Es können aber auch beide Sachverständige beantragt werden, wenn noch kein Gutachten vorliegt. Text dann entsprechend ändern, z.B. Ich beantrage Herrn/Frau ...................... und ............................ mit der Begutachtung zu beauftragen.)
Muster – Antrag § 8 TSG mit Vorabentscheid § 9
Betr.: Antrag auf Änderung des Vornamens und der Geschlechtszugehörigkeit (gemäß §8) (Transsexuellengesetz TSG vom 10.09.80)
(1) Hiermit beantrage ich, ............................................ (alter Name), geb. am ......................... in .................................... (Geburtsort/Land) gemäß Abschnitt 2 des TSG der Änderung meines Personenstandes und der Vornamen zuzustimmen. Sollten zum Zeitpunkt der Entscheidung, z.B. wegen noch nicht abgeschlossener medizinischer Maßnahmen, noch Hinderungsgründe bestehen, so beantrage ich eine Vorabendscheidung nach §9 TSG.
Antrag zum Verfahren: Zur Ergänzung meines Antrages lege ich die fachärztlichen Stellungnahmen von Dr. med. ................................und ............................... bei. Ich beantrage hiermit, zur Verkürzung des Verfahrens, diese Stellungnahmen als die vom Gesetz geforderten Gutachten zuzulassen (§4 Abs.3 Satz 1 TSG) da sie die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Sachverhalte uneingeschränkt bestätigen (§4 Abs.3 Satz 2 TSG und §8 TSG). (Bei nur einem Gutachten entsprechend ändern und die Zulassung des zweiten Gutachters, so man schon einen hat, beantragen! Es können aber auch beide Sachverständige beantragt werden, wenn noch kein Gutachten vorliegt. Text dann entsprechend ändern, z.B. Ich beantrage Herrn/Frau .................................... und ....................................... mit der Begutachtung zu beauftragen.)
(Mindestanforderungen an die gutachterliche Stellungnahme zur Vorlage beim Amtsgericht, als Anlage zum Antrag auf Vornamensänderung)
Briefkopf des Arztes/Psychologen (Neurologe oder Psychotherapeut, muss mit der Materie vertraut sein)
Gutachterliche Stellungnahme (zur Vorlage beim Amtsgericht ................ )
Betr.: Name des/der Patienten/in (in Klammer angestrebter Name)
Straße, W ohnort
Kurze Angabe des biologischen Geschlechts und Hinweis, dass keine biologischen, ge gengeschlechtlichen Abnormitäten vorliegen (dem Gutachter eventuell entsprechende ärztliche Bescheinigungen des Endokrinologen, Urologen oder Gynäkologen vorlegen).
Kurze Schilderung der transsexuellen Entwicklung, aus der hervorgehen muss, dass der Zugehörigkeitsdrang zum anderen Geschlecht mindestens drei Jahre besteht (dem Gutachter gegebenenfalls einen ausführlichen Lebenslauf vorlegen, aus dem die Entwicklung der Transsexualität aus der Sicht des Antragstellers eindeutig hervorgeht) und eine kurze Darlegung der augenblicklichen Lebenssituation.
Kurze Angabe, dass keine anderen Geschlechtsidentitätsstörungen vorliegen wie z.B. manifeste Neurose, Psychose, verdrängte Homosexualität, Borderlin e-Pathologie, (auch hier dem Gutachter bereits im Vorfel d durchgeführte Untersuchungen/Behandlungen durch Bericht e/Bescheinigungen nachweisen).
Aufzählung bereits eingeleiteter und angestrebter medizinischer Behandlungen (Hormonbehandlung, Epilation, chirurgische Eingriffe)
Schlussfolgerung: Es liegt eine manifeste Transsexualität vor, nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft wird sich das Zugehörigkeitsempfinden zum weiblichen (oder männlichen) Geschlecht nicht mehr ändern. Aus gutachterlicher Sicht wird die angestrebte Änderung des Vornamens ausdrücklich befürwortet.
Unterschrift und Arzt/Praxisstempel
(Mindestanforderungen an die fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage beim Kostenträger/Krankenkasse für Brustamputation)
Fachärztliche Stellungnahme/Indikation zur Mastektonomie
Herr ..................... (auch wenn noch keine Namensänderung erfolgte!), der sich in meiner ambulanten Behandlung befindet/befand, zeigt eine Transsexualität von Frau zu Mann. (Kurze Angabe des juristischen und medizinischen Standes des Patienten, vor allem ob der soziale Umstieg schon erfolgte oder nicht!)
Aufgrund der weiblichen Brüste ist von diesen eine erhebliche soziale Behinderung zu erwarten. (Weiter, je nach Situation des Patienten) ............ Eine Wiedereingliederung ins Berufsleben ist vorher kaum möglich bzw. unzumutbar. (oder) .............. Die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes im Erscheinungsbild "Mann mit Brust" ist überproportional hoch.
Aus medizinischen Gründen ist es dringend erforderlich, hier eine komplette Brustamputation vorzunehmen, damit der Phänotyp der neuen Geschlechtsidentität entspricht und eine entsprechende soziale Eingliederung und psychische Entlastung möglich wird.
Ich habe deshalb Herrn ............. an die Klinik ................ und bitte dringend, die Kosten für den unbedingt erforderlichen Eingriff zu übernehmen.
Anmeldung/Ummeldung bei der Sozialversicherung – durch Arbeitgeber
Betr.: Ummeldung Ihres Mitarbeiters/ Ihrer Mitarbeiterin ..... bei der Sozialversicherung
zunächst darf ich einfach feststellen, dass es keinerlei Gesetze gibt, die im Bereich der Sozialversicherung die Frage von „Transgendern“ (alter Begriff ist Transsexuelle, wobei der neue auch Intersexuelle einschließt) regeln oder Einschränkungen für diese beinhalten. Wohl aber sind die Rechte und Pflichten des Arbeitgebers geregelt, die im Zusammenhang mit abhängig Beschäftigten und der Sozialversicherung zu beachten sind.
Auch wenn ich Ihnen natürlich mit den folgenden Ausführungen nichts Neues sage, stelle ich sie zunächst voran. Sinn und Zweck der Sozialversicherungen ist es den Arbeitnehmer in Fällen der unwägbaren gesundheitlichen Risiken und der Versorgung im Fall von Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit im Sinne der Solidargemeinschaft zu stützen, sowie bei Erreichen des Rentenalters zu versorgen. Dazu muss aber eben auch gewährleistet sein, dass er vorher als Teil dieser Solidargemeinschaft seinen Beitrag dazu geleistet hat. Firmen, die Sozialversicherungspflichtige beschäftigen, haben in diesem Zusammenhang Kontroll- und Meldepflichten. Den Firmen steht aber auch das Recht zu relevante Änderungen zu melden, wenn dadurch betriebliche Aspekte erleichtert werden und die soziale Stabilität des Arbeitnehmers erhöht werden kann.
Genau dieser Gesichtspunkt trifft für Ihren Arbeitnehmer zu. Im konkreten Fall eines Transmannes (Frau zu Mann transsexuell) bedeutet dies, dass Sie dem Träger der Sozialversicherung mitteilen, dass
der Arbeitnehmer, bei uns gemeldet als Frau ... , Versicherungnummer ... mit weiblicher Kennziffer
bei uns ab sofort als Herr ... beschäftigt ist.
Folglich ist ein neuer Sozialversicherungsausweis auszustellen auf den Namen Herr ... und eine Sozialversicherungsnummer zu vergeben, aus deren Kennziffer hervor geht, dass unser Arbeitnehmer als Mann beschäftigt wird.
Zur Sicherung der Stabilität unseres Arbeitnehmers und zur Wahrung des Betriebsfriedens ist diese Umstellung erforderlich.
Logischerweise gilt diese Abfolge natürlich auch für den Fall von Mann zu Frau.
Aus dem vorgelegten Meldeablauf ersehen Sie sicher sofort, dass sich für Sie im Fall der Ummeldung Ihres Arbeitnehmers/ Ihrer Arbeitnehmerin keinerlei Rechtsunsicherheiten ergeben. Die Probleme von „Rechtsunsicherheit“ liegen eindeutig und ausschließlich auf Seiten von LVA, BfA und Krankenkassen, wenn sie es überhaupt gibt.
Das Transsexuellengesetz TSG regelt ausschließlich Fragen des Personenstandsrechts und die Eintragungen in der Geburtsurkunde. Unterlagen der Sozialversicherungen stimmen zwar in der Regel mit diesen Eintragungen in der Geburtsurkunde überein, werden aber normalerweise nicht daraufhin überprüft. Das Interesse der Solidargemeinschaft, das eben zur Einführung der Sozialversicherungen geführt hat, besteht in erster Linie darin, die soziale Stabilität und Sicherheit von Menschen zu gewährleisten. Sozialversicherungen dürfen durch ihre Maßnahmen oder individuelle Entscheidungen in keinem Fall dazu führen, dass eine Destabilisierung von leistungsfähigen Beitragszahlern bewirkt wird. Die Angst von Sachbearbeitern, durch eine „Umschreibung“ vor einer gesetzlichen Änderung nach TSG (dann ist die Umschreibung nämlich zwingend) würde ein unerlaubter Vorgriff sein, ist unbegründet. In der Praxis behelfen sich die BfA und LVA damit, dass sie in der „neuen Akte“ einen Randvermerk machen, der den Bezug zur alten Identität herstellt. Wenn dann ein Verfahren nach TSG abgeschlossen ist, wird dieser Randvermerk gelöscht. Der Arbeitnehmer bekommt üblicherweise bei der Umstellung eine Mitteilung, dass er geschlechtsspezifische Rechte noch nicht für sich in Anspruch nehmen kann, solange die Geburtsurkunde nicht geändert ist. Dies berührt Ihre Interessen als Arbeitgeber jedoch nur dann, wenn es um Einschränkungen der Beschäftigung für Frauen geht, wie Einschränkungen bei Nachtarbeit, ...
Zusammenfassend stelle ich nochmals klar, dass es keinerlei Bedenken gibt, wenn Sie Ihren Arbeitnehmer entsprechend dem gelebten Geschlecht bei dem Träger der Sozialversicherung anmelden und Ihre Personalakten für Ihn umstellen. Im Sinne des betrieblichen Friedens und der Stabilisierung der Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmer und der Entlastung der Sozialgemeinschaft ist diese Umstellung ausdrücklich wünschenswert.
Das Transsexuellengesetz – TSG
Geändert durch Art. 49 Rentenreformgesetz 1992 vom 18.12.1989 (BGBl. I S. 2261), § 8 Betreuungsgesetz vom 12.9.1990 (BGBl I S. 2002), Art. 14 § 2 Kindschaftsrechtsreformgesetz vom 16.12.1997 (BGBl. I S. 2942) und Art. 13 Gesetz zur Neuordnung des Eheschließungsrechts ( Eheschließungsgesetz - EheschlRG) vom 8.5.1998 (BGBl. I S. 833)
§ 7 Unwirksamkeit. (1) Die Entscheidung, durch welche die Vornamen des Antragstellers geändert worden sind, wird unwirksam, wenn nach Ablauf von dreihundert Tagen nach der Rechtskraft der Entscheidung ein Kind des Antragstellers geboren wird, mit dem Tag der Geburt des Kindes, oder bei einem nach Ablauf von dreihundert Tage nach der Rechtskraft der Entscheidung geborenen Kind die Abstammung von dem Antragsteller anerkannt oder gerichtlich festgestellt wird, mit dem Tag, an dem die Anerkennung wirksam oder die Feststellung rechtskräftig wird, oder der Antragsteller eine Ehe schließt, mit der Abgabe der Erklärung nach § 1310 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.
· die Voraussetzungen des § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 erfüllt
· nicht verheiratet ist,
· dauernd fortpflanzungsunfähig ist und
· sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist.
§ 13 Änderung des Rechtspflegergesetzes. In § 14 des Rechts pflegergesetzes vom 5. November 1969 (BGBl. I S. 2065), zuletzt geändert durch § 174 Abs.4 des Bundesberggesetzes vorn 13. August 1980 (BGBl. I S. 1310), wird nach der Nummer 20 eingefügt:
§ 15 Änderung des Personenstandsgesetzes. Das Personen stands gesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 211 - 1 , veröffentlichten bereinigten Fassung, zuletzt geändert durch Artikel 11 des Gesetzes vom 2. Juli 1976 (BGBl. I S. 1749), wird wie folgt geändert:
§ 17 Berlin-Klausel. (gegenstandslos)
Wenn Ihr Probleme mit dem Gericht habt, von Mitmenschen wisst, die Probleme mit Gerichten oder Krankenkassen haben, dann informiert bitte umgehend die Geschäftsstelle der
c/o H. K. Alter,
Legt bitte der Schilderung des Sachverhaltes auch die Kopien der entsprechenden Schriftstücke bei. Alle Mitteilungen werden streng vertraulich behandelt, im Einzelfall werden wir nur tätig, wenn wir eine ausdrückliche Vollmacht dafür erhalten.

References: §1
 §8
 § 1
 §1
 §8
 §9
 §1
 §9
 §8
 §8
 § 9
 § 1
 § 4
 § 1
 §1
 §1
 §9
 §1
 §9
 §9
 §8
 § 45
 § 9
 § 182
 § 184
 §1
 § 8
 § 9
 §8
 §9
 §8
 Art. 49
 § 8
 Art. 14
 § 2
 Art. 13

§ 7
 § 1310
 § 1

§ 13
 § 14
 § 174

§ 15

§ 17