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1877 / 212 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger)
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N A S O L E E A
ionsunterrihte zu geshehen habe. Der Minister der geist- ihen 2c. Angelegenheiten hat jedoch am 18. Februar 1876 ein Reskript erlassen, nah welchem die Ertheilung des reli- giösen Unterrichts in den Volksschulen unabhängig von der missiío canonica ist. Der katholische Klerus der Diözese Münster laubte dieses Reskript mit Rücksicht auf Art. 24 der Ver- assungs-Urkunde und auf den erwähnten Allerhöchsten Erlaß ignoriren zu dürfen, und erwirkte ein päpstlihes Schreiben dahin gehend, daß diejenigen katholischen Tae und Lehre- rinnen, welhe ohne Erlaubniß der kirhlihen Oberen und wider das Verbot des Pfarrers Religionsunterricht ertheilten, von den Sakramenten auszuschließen seien. Dieses Schreiben wurde in mehreren Zeitungen veröffentlicht und kam zur Kognition des Strafrichters. Jn der höchsten Instanz hat sich das Ober-Tribunal, in Uebereinstimmung mit den Vorinstanzen und der Anklage, dahin ausgesprochen, daß das erwähnte Reskript des Kultus-Ministers vom vorigen ahre rechtsgültig und vom katholischen Klerus zu respektiren ist. „Was zuvörderst die angezogene Verfassungsbestimmung anbelangt,“ führt das Erkenntniß des Ober - Tribunals aus, „so sind die Vorderrichter mit Recht von der auch vom Ober- Tribunal bereits wiederholt gebilligten Auffassung ausgegangen, daß der Art. 24 nicht gegenwärtiges Recht enthalte, da der Art. 112, nach welchem es bis zumErlaß des im Art. 26 in Aussicht gestellten Unterrichtsgescßes hinsihtlich des Schul- und Unterrichts- wesens bei den bisherigen geseßlihen Bestimmungen be- wendet, sich auch auf Artikel 24 at welcher in Ver- bindung mit Artifel 25 speziell das Volkss{hulwesen und als einen integrirenden Theil desselben au den religiösen Unter- riht in der Volksschule zum Gegenstande hat. . . Zwar hat ein Allerhöchster Erlaß vom 9. August 1858 in Bezug auf die Anstellung von katholischen Elementarlehrern zur Herbei- führung eines gleichmäßigen Verfahrens innerhalb der Regierungsbezirke Münster, Minden und Arnsberg ge- nehmigt, daß die Königlichen Regierungen daselbst ver- flihtet werden, vor Ernennung over Bestätigung atholisher Elementarlehrer oder Elementarlehrerinnen nicht allein den Bischof zu befragen, sondern au die Ernennung und Bestätigung erst nah erflärtem Ein- verständnisse des Bischofs eintreten zu lassen und den Lehrer erst nah oder gleichzeitig mit Behändigung der kanonischen Mission ins Amt einzuführen. Auch kann nicht mit dem Königlichen Ober-Prokurator angenommen werden, daß dieser Allerhöchste Erlaß durch die neuere Gesebßgebung, insbesondere das Gesect vom 11. März 1872, ohne Weiteres seine Geltung verloren habe, weil das Gesey vom 11. März 1872, das ein- zige diese Materie überhaupt berührende neuere Geseß, in 8. 3 ausdrücklih bestimmt, daß der Art. 24 der Verfassungs- Urkunde unberührt bleibt, und damit auch ausspricht, daß bezüglich der rage der Leitung des Religionsunter- richts (Art. 24 Abs. 2) eine Aenderung des bestchenden geseßlichen Zustandes nicht eintreten Jolle, Dêr mehr- erwähnte Allerhöchste Erlaß jedo is weder in der Geseb- Sammlung noch in sonst verbindlicher Weise , vielmehr lediglich vom Bischof von Padecborn in seinem amtlichen Kirchenblatte veröffentliht worden und zur Kenntniß der zur Ausführung berufenen staatlicher. Behörden nur durch eine im Auftrage des Kultus-Ministers erlassene Jnstruktion des Ober- Präsidenten von Westfalen vom 7. Februar 1859 gelangt. Mithin. kann dieser Seh L int fue Ausfu e KiasobodelWhe zu ihrer Abänderung oder Aufhebung eines neuen Königlichen Erlasses oder eines Akts der Geseßgebung be- darf, angeschen werden, vielmehr erscheint er nur als eine auf Befehl Sr. Majestät des Königs erlassene Verwaltungs- maßregel, welche von dem zuständigen Verwaltungs-Minister mit demselben Rechte wieder abgeändert oder aufgehoben wer- den darf, mit welchem sie von ihm ohne ns der für Publikation Königlicer Verordnungen mit Geseßeskrast vor- geschriebenen Form geren worden ist, indem in einem der- artigen Falle der Königliche Befehl sich lediglih als ein Jn- ternum zwishen dem Staatsoberhaupte und dem ihm unter- . gebenen Minister darstellt, und es für Dritte ohne Bedeutung ist, ob auch zur Abänderung oder Aufhebung der betreffenden Maßregel eine Königlihe Ermächtigung ertheilt war.“
— Der Königliche Gesandte am Großherzoglich badischen Hofe, Graf von Flemming, ist nach Karlsruhe zurük- gekehrt und hat die Leitung der Gesandtschast wieder über- nommen.
Bayern. München, 8. September. (Allg. Ztg.) Se. Kaiserliche Hoy eil der Kronprinz hat bezüglich der nunmehr zu Ende geführten diesjährigen Fnspizirung der Truppen in Würzburg, Bamberg, Nürnberg und der Ka- vallerie-Division bei Straubing, sowohl hinsihtlih der Füh- rung der Truppen, als ihrer Leistungen und taktishen Aus- bildung, nah jeder Richtung hin Seine vollste Zufriedenheit und Anerkennung in einer die bayerische Armee höchst ehrenden Weise kundgegeben.
— (W. T. B.) Die Einberufung des Landtags zum 27. d. M. ist nunmehr erfolgt.
Baden. Schloß Mainau, 7. September. Der Großherzog und der Erbgroßherzog werden Sonntag, den 9. d., Shloß Ma'nau verlassen und gedenken, wie die „Karlsr. Ztg.“ berichtet, am 10. d. früh auf Schloß Brühl einzutreffen. Am 10. wird der Großherzog an der Parade des VIII. Armee - Corps Theil nehmen und dem Kaiser das Rheinische Ulanen-Regimet Nr. 7 vorführen, dessen Chef der Großherzog ist. Auch am 11. d. wird Se. Königliche Hoheit an dem Corpsmanöver Theil nehmen. Am 12. d. be-
absichtigt der Großherzog nah Karlsruhe zurückzukehren. An !
diesem Tâge gedenkt die Großherzogin mit der Prinzessin Victoria und dem Prinzen Ludwig gleihfalls wieder in der Residenz einzutreffen. Der Erbgroßherzog tritt am 10. d. zur Dienstleistung während der Manöverzeit in das 1. Badische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 ein.
Hessen. Darmstadt, 8. September. Der Groß- herzog und die Großherzogin sind mit dem Erbgroßherzog und den Prinzessinnen heute Mittag hier wieder eingetroffen und seierlih empfangen worden.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 8. September. Der Kaiser ist E den 7. d. M., nah Kaschau gereist. — Der Graf Andrassy hat sich gestern as Ungarn begeben, um seine nale, die den Rest der Sommersaison auf den Gütern des
rafen zubringen wicd, dahin zu begleiten. Die Reise des- Jelben ist, der „W. Abendpost“ zufolge, auf wenige Tage fest:
eseßt. — Die „Wiener Ztg.“ meldet heute die Ernennung des Eibenvittadé Generals zu Agram, F.Z.M. Frhrn. von Molinary, zum kommandirenden General zu Brünn und des kommandirenden Generals daselbst, F.Z.M. Frhrn. von Philippovi, zum kommandirenden General zu Agram.
— Am Ausgleihsausschusse, welcher gestern die Branntweinsteuer berieth, erklärte sich der Finanz-Minister unter Anerkennung der Wichtigkeit des Prinzipes der Pro- duktensteuer, doch mit Rücksicht einerseits auf den Stand der Branntweinbesteuerung in den mit Oesterreich-Ungarn fonkur- rirenden Nachbarstaaten, andererseits mit Rücksicht auf das Widerstreben gegen diese Maßregel von ungarischer Seite gegen die Aufnahme des vom Subcomité beantragten Passus. Bei der Abstimmung wurde jedoch der Zusaß des Subcomités, demnach die obligatorische Einführung der Produktenbesteue- rung für alle größeren Brennereien vom 1. September 1882, mit 19 gegen 6 Stimmen beschlossen. Ueber diesen Differenz- punkt wird nunmehr das Einvernehmen zwischen beiden Re- gierungen zu pflegen sein.
Pest, 7. September. : 1Z( heute die Spezialdebatte über die Spiritussteuervor- lage fort und erledigte die §8. 28 bis 92, welche ohne wesent- liche Modifikationen angenommen wurden. — Der Bank- aus\chuß seßte 1 di die Berathung über die Statuten der österreichish-ungari}]chen Bankges ellschaft fort. — Die Mitglieder der gegenwärtig berathenden Ausschüsse des Abgeordnetenhauses und der Finanz-Minister Széll beshlossen, auf Antrag Zsedényi's, Madame Thiers tele- graphisch das Beileid auszudrücken und die österreichisch: ungarische Botschaft in Paris zu ersuchen, einen Kranz auf die Bahre Thiers niederzulegen.
— 8. September. Der Finanzausshuß des A bge- ordnetenhauses beendete heute die Berathung über den Spiritussteuer-Geseßentwurf. Die Ausbeute an Alkohol wurde troß des Eintretens des Finanz-Ministers auf Antrag des Abg. Wahrmann mit 5 Grad fixirt, für die Bierbrauereien wurden anstatt 34 Hektoliter 45 mit gradativ wahsendem Steuernachlaß und 5 anstatt 10 Hektoliter bebauten Terri- toriums festgestellt. / : s
Kaschau, 8. September. Der Kaiser is heute früh hier angefommen. Zum Empfange hatten sih der Erzherzog Albrecht eingefunden, ferner der Landeskommandirende Baron Edelsheim, die Spißen der Militär- und Civilbehörden, der Erzbischof von Erlau, die Bischöfe von Kaschau, Zips, Rosenau, Ungvar und der Abt der Prämonstratenser. Der Kaiser, der die Campagne-Uniform eines Kavallerie-Generals trug, besichtigte die ousgerückte, vom 65. Jnfanterie-Regiment bei- gestellte Ehren-Compagnie, und aut sodann in Begleitung des Erzherzogs Albrecht durch die feitlih geshmüctte Stadt. ZFm Gefolge des Kaisers befanden sih auch die Minister Graf Bylandt und Tisza, und die Offiziere der fremden Armeen. Se. Majestät stieg im bischöflihen Palais ab. — Zur Kirchen- parade waren 11,000 Mann Infanterie und Honveds, 24 Ge- \hüye und 2000 Reiter in 4 Treffen ausgerücktt.
Agram, 5. Sept: mber. Jn der heutigen La A sizung interpellirte der Abg. Folnegovic den Banus über das Polizeiverbot M L Kronprinzen in
iume, kroatishe Fahnen auszustecken 1nd darühor, nal ans- Sitte L iee aben gewaltsam entfernt worden seien.
Sre Der, (. September. (N. Zürch. Ztg.) Ju der gestrigen Sitzung des Bundesraths wurde dem Hrn. J. Eglinton-Montgomery das Exequatur als Konf ul der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Genf, in Er- seßung des verstorbenen Hrn. Upton, ertheilt.
— 8. September. - Nachdem der Bundesrath der Regie- rung des Kantons Tessin unterm 3. September empfohlen, die militärische Okfkupation von Lugano nicht länger als nöthig andauern zu lassen, meldet der dortige Staatsrath, daß er hiermit cinverstanden sei, und es hat derselbe von den drei Okkupations-Compagnien bereits zwei entlassen.
Andererseits wird der „N. Zürch. Ztg.“ aus Lugano unter dem 7. September gemeldet: Die Regierung verlangt von der Gemeinde Lu1gano die Bezahlung von 12,000 Fr. als Kosten dex militärishen Okkupation, ansonst die leßtere jort- dauern würde. Die Munizipalität verweigert die Bezabiung.
Großbritannien und Jrland. London, 7. Sep- tembez. (E. C.) Der Prinz von Wales ist von Havre nah der Insel Wight zurückgekehrt. Se. Königliche Hoheit wird in den nächsten Wochen Yorkshire besuhen. — Der LEEE Abgeordnete Mr. Butt hat in einem Briefe er- flärt, das Verfahren der obstrultiven Mitglieder sei verfassungswidrig und tkönne nur die Wirkung haben, die Sache der Hoe Rule-Partei unwiderherstellbar zu s{hä- digen. — Nach einem neuen Telegramm des Vizekönigs von Fndien sind die Ernteaussichten in Folge von Regen- güssen in Madras, Bombay und Bengalen besser geworden.
Frankreih. Paris, 7. September. Das „Zournal officiel“ veröffentliht folgenden Bericht des Ministers des Innern an den Präsidenten der Republik:
Herr Präsident! Von einem Gefühle geleitet, welches das Land mit Ihnen theilte, haben Sie befohlen, daß das Leichenbegängniß des Herrn Thiers durch die Fürsorge und auf Kosten des Staates veranstaltet werde, und ebenfalls auf Ihre Weisung habe ich die Ehre gehabt, Frau Thiécs den Wortlaut Ilres Dekrets und des demselben vorangegangenen Berichts zu unterbreiten. Die Aufnahme, welche diese Mittheilung fand, berechbtigte mich zu der Annahme, daß nichts mehr der Ausführung eines Beschluffes in den Weg treten würde, der leviglih den Zweck hatte, dem Grave Ihres beulibuiten Vorgängers eine lcizte Ehre zu erweisen. Heute aber hat mir die Familie des Herrn Thiers erklären tan, sie glaube diese Chre nur unter der Bedingung annehmen zu können, vaß sie selbst die Ordnung einer Staatsceremonie regelt, welche Sie nah dem Geseß keiner privaten Leitung überlassen dürfen, und die hierdurh auch ihren nationalen Charakter verlöre. Ih muß also, Herr Präsident, bei Ihnen die Zurücknahme des in Rede stehenden Dekrets beantragen, kann aber nicht umhin, gleichzeitig mein tiefes Bedauern darüber auszu- A daß Bedingungen, deren Charakter ih hier niht zu würdi- gen habe, die feierliche Huldigung unmöglich machten, welche Sie im Namen der Nation einem großen Andenken darbringen wollten. Ich verbleibe: u. \. w.
Genehmigt: Marschall v. Mac Mahon, Herzog von Magenta. i
— (Fr. C.) Das Begräbnißdes Herrn Thiers istnun- mehr auf morgen Mittag angeseßt und wird, da der Kardinal- Erzbischof von Paris, jobald er erfuhr, daß der Staat seine Hand zurlickgezogen habe, die Madeleine-Kirche niht hergeben wollte, in der Pfarrkirche des Verstorbenen, Notre-Dame-de- Lorette, gefeiert werden. Die Behörde hat, um ihren guten Willen zu Ee erlaubt, daß der Zug sich nichi auf dem kürzesten Wege, der durch die Rue Chauteaudun und die Rue Lafayette geführt hätte, sondern über die großen Boulevards
v. Fourtou.
Der Finanzausschuß seßte.
nah dem Père-Lachaise bewege. Das Pariser Plaßkommando wird, wie für das Begräbniß jedes Großkreuzes der Ehren- legion, eine Division stellen. Die radikalen Blätter ermahnen die Bevölkerung eindringlich zur Ruhe. :
— 9. September. (W. T. B.) Der Marschall-Prä- sident ist heute früh nah der Gironde abgereist. Derselbe wird heute bei dem Herzog Decazes auf dem Schlosse Lagrave übernachten.
— Das „Journal officiel“ meldet unter dem 8. September : „Das Leichenbegängniß des Hrn. Thiers, ehemaligen Präsidenten der Republik, Großkreuzes der Ehrenlegion, hat heute in der Kirche Notre-Dame-de-Lorette stattgefunden. Die Ehrenbezeugungen wurden von 10 Bataillonen Fnfanterie, 3 Schwadronen Kavallerie und 2 Batterien Artillerie, unter dem Kommando des Divisions-Generals von Braner, erwiesen. Nach dem Gottesdienst wurde die Leiche nah dem Kirchhofe Pôre-Lachaise übergeführt, wo sie beigesezt worden ist.“
— Ueber das Leichenbegängniß liegen ferner fol- gende Telegramme des „W. T. B.“ vor. i
Paris, 8. September, Mittags 12 Uhr. Des seit gestern eingetretenen anhaltenden Regenwetters ungeachtet is zu d:m Leichenbegängnisse Thiers eine große Menshenmasse zusammen- geströmt. Die Magazine und Läden sind da, wo der Zug vorüberführt, geshlossen. Die Bevölkerung verhält si ruhig.
— Nachmittags 3 Uhr. Frau Thiers und Fräulein Dosne wohnten der kirhlichen Leichenfeier in einer Seiten- fapelle bei und folgten dem Zuge dann zu Wagen. Gam- betta wurde bei dem Heraustreten aus der Kirche von der Menge mit sympatischen Zurufen begrüßt. Um 2 Uhr lenkte der Zug, welchem eine Shwadron der Gardes de Paris vor- auf ritt, in die Boulevards ein. Die zu beiden Seiten der Boulevards stehende zahllose Menge ließ den Kondukt in ehr- erbietiger Haltung und entblößten Hauptes vorüberziehen, nur vereinzelte Rufe: Es lebe die Republik!“ wurden laut.
— Abends. Von den Rednern, die am Grabe Thiers sprachen, gab Grévy_ einen Umriß von Thiers parlamenta- rischer Laufbahn. Derselbe hob insbesondere das Opfer hervor, das Thiers, indem er seine monarchischen Ueber- zeugungen aufgegeben, der Republik gebracht habe, die von ihm als die allein mögliche Staatsform angesehen worden sei. Dieses Opfer sei ihm sehr {wer geworden, aber sein Patriotismus habe hoch über allen anderen Erwägungen ge- standen. Der Admiral Pothuau rühmte Thiers kompetentes Urtheil in militärischen Dingen. Sarcy und Vitry feierten den Verstorbenen als nationalen Historiker und ausgezeih- neten Redner. Jules Simon endli legte in seiner Rede das Hauptgewicht darauf, daß Thiers sich stets vor der parla- mentarishen Majorität gebeugt habe. Alle Reden ernteten lauten Beifall. Die Beerdigungsfeier verlief und {loß ohne jeden Zwischenfall. : Ea
— Abends. (Später.) Die Mehrzahl der zur Zeit hier anwesenden Mitglieder des diplomatis hen Corps, ins- besondere der russishe und italienische Botschafter, die Ge- sandten der Schweiz und Spaniens, sowie der neue amerikanische Gesandte Noyes und dessen Vorgänger, Wash- burne, wohnten dem Leichenbegängnisse Thiers persönlich bei. Frau Thiers gab der Leiche bis auf den Friedhof va2 Geloito. Eine große Anzahl von Läden war ge- chlossen oder hatte zum Zeichen der Trauer die Firmen- \childer verhüllt. Gambetta, der bei dem Heraustreten aus der Kirche Notre-Dame de Lorette mit sympathischen
urufen begrüßt worden war, mischte sich rasch unter die Bahl der übrigen ehemaligen Deputirten, um weitere Dva- tionen zu vermeiden, und verließ den Friedhof, noch ehe die Neden gehalten wurden. Jn den Friedhof durften nur die zum Leichenkondukte gehörigen Perfonen eintreten. Die Reden auf dem Friedhofe waren durchaus gemäßigt und riefen keinerlei politishe Demonstration hervor. Dis in den Straßen versammelte Menge beobachtete ein ehrerbietiges Schweigen, und die an einzelnen Punkten laut werdenden Rufe: „Es lebe die Republik!“ verstummten, sobald von den den Leichenzug Bildenden der Wunsh auf Unterlassen der Rufe angedeutet wurde. Nirgends fiel ein S Wort, und die Stadt trägt heute Abend vollständig ihr ge- wöhnliches Aussehen.
— 9. September, Abends. Heute hat eine Sißung des republikanischen Comités stattgefunden, in welcher be- {lossen wurde, über die gestrigen Manifestationen eine offizielle Kundgebung an das Land zu richten.
— 10. September. Die Senatoren der Linken haben an Frau Thiers eine Adresse gerichtet und derselben
ür ihren Muth und für ihren Patriotismus ihren Dank aus- gedrückt. París habe ihrem verstorbenen Gatten einen seiner würdigen Triumph zuerkannt. Sein Leben lehre Mäßigung, Beharrlichkeit und bürgerliche Pflichterfüllung und berechtige u dem Vertrauen, daß die Sache der Freiheit und des Ge- seves siegen werde.
Ftalien. Rom, 8. September. (W. T. B.) Der Papst hat heute die Pilger aus Angers empfangen.
Türkei. Aus Syra wird der „Times“ unterm 7. ds. tele- graphirt : „Ein Privatbrief aus Adrianopel, datirt 1. Sep- tember, theilt mit: Drei und dreißig Personen wurden heute gehenkt und jeden andern Tag finden Hinrichtungen statt. Man wählt jeßt die wohlhabendsten und ahtbarsten Leute aus, und konfiszirt A Eigenthum. Achtzig der angesehendsten Einwohner von Karlowa sind hier gehenkt worden, und zwar diejenigen, die im Bewußtsein ihrer Unschuld nicht die Flucht ergriffen hatten. Am 29. August kamen 2500 Verwundete in Adrianopel an, für deren Pflege nur drei türkische Acrzte N sind. Es existirt kein einziges Hospital in der Stadt.“
Amerika. New-York, 6. September. (R. B.) Die republikanische Partei in Pennsylvanien hat Reso- lutionen angenommen, welche erklären, daß sie die Meinungs- verschiedenheiten, welche bezüglih der südlichen Politik des Präsidenten bestehen, anerkenne und achte. Sie ehre die patriotishen Motive des Präsidenten, hoffe, er werde Er- folg haben, und verspreche seinen Anstrengungen zur Ausfüh- rung der Prinzipien des republikanishen Programmes ihre Unterstüßung. Die Resolutionen verlangen ferner die Re- monetisirung des Silbers und begünstigen die Einführung eines Schußzolltarifs. Schließlich mißbilligen sie die Gewallt- thaten der an dem R Ae Vie Betheiligten und danken dein Gouverneur Hartranft für die Unterdrückung des Strikes.
— 7. September. Die Wahlen zur Legislatur von Kalifornien haben eine bemotratite Majorität ergeben. Telegramme aus Minnesota melden eine Koalition der Arbeiter- und Greenback-Partei, deren Staatskonven=-
tionen gemcinschaftlih einen Kandidaten für den Gouverneur- posten ausfstellten. Aehnliche Koalitionen werden auch von anderwärts gemeldet.
Afrika. Kapstadt, 21. August (via Madeira). Sir Bare Srere hat die Kapstadt verlassen und eine sechs- wöchentlihe Rundreise in den östlichen Distrikten angetreten, während welcher er die Streckte der Nordostbahn nah Adelaide eröffnen wird.
Der russis{-türkische Krieg.
Rom, 8. September. (W. T. B.) Die „Agenzia Ste- fani“ schreibt: die Meldung der „Times“ aus Belgrad, daß Ftalien die Theilnahme Serbiens am Kriege billige, werde in hiesigen politischen Kreisen als absolut grund- l 0s bezeihnet. Die italienishe Regierung habe niemals auf- gehört, Serbien Vorsicht und Klugheit anzurathen und habe ihre vermittelnde Rolle niemals aufgegeben.
— (W. T. B.) Aus Belgrad, 9. September, meldet das „N. W. Tagebl.“: Fürst Zeretleff begiebt sih heute von hier in das russische Hauptquartier. Derselbe überbringt die definitiven Abmachungen mit der éagtir as Regierung. Gleich- zeitig reist Fadejeff nah Moskau zurü.
St. Petersburg, 9. September. (W. T. B.) Offi- zielles Telegramm aus Poradim vom 8. d.: Heute erfolgte kein Angriff auf Kadikoi und Popkoi. — Nach der Beseßnng des Ortes Kazelewo durch die Türken, {lug die Rust;chuker Kolonne den Angriff der Türken auf Ablowo (Oblanowo ?) ab, zog sich jedo auf neue Positionen zurück. — Am 6. d. näherten sich Truppen unserer westlichen Kolonne
bei einbrehender Dunkelheit Plewna und errichteten Nachts
auf den die türkischen Befestigungen umgebenden Anhöhen Batterien. Unsere Truppen arbeiteten hier die ganze Nacht hin- durch, ohne von den. Türken bemerkt zu werden. Am 7. d. um 6 Uhr Morgens eröffneten unsere Belagerungsbatterien ihr Feuer auf die türkischen Positionen, indem sie eine Salve abgaben. Die Kanonade dauerte den ganzen Tag. Von unseren Truppen wurde der Batterie-Commandeur Gudim von der 16. Artillerie-Brigade getödtet und 2 andere Artillerie-Offiziere verwundet. Eine genaue Angabe unseres Verlustes in dem Kampfe am 7. d. M. liegt noch nicht vor, jedo is derselbe niht bedeutend. Jn der darauf folgenden Nacht wechselten unsere Truppen nur einige Schüsse mit den Türken. Heute, am 8. September, Morgens 5+ Uhr, wurde der Artillerie- kampf mit großer Kraft erneuert. — Auf den übrigen Punkten des Kriegsschauplaßes herrschte am 7. d. vollkommene Ruhe. — Bei der Einnahme von Lowtscha fielen der Comman- deur des Pskowschen Regiments, Oberst Kussoff, und der Commandeur des 11. Schüten-Bataillons, Oberst Kirdam, ein anderer Offizier wurde verwundet.
St. Petersburg, 9. September. (W. T. B.) Offi- zielles Telegramm as Poradim vom heutigen Tage: (Gestern früh bei Tagesanbruch näherten sih unsere Batterien roh mehr Plewna. Die Kanonade dauerte den ganzen Tag. Am Abend bemächtigte sich unser linker Flügel der Anhöhen südlich von Plewna mit einem Verlust von 500 Mann. Das Centrum und der rechte Flügel näherten sih den türkischen Befestigungen bis EA 600 bis 700 Faden. Das Dorf Uschiza wurde von unjeren Truppen beseßt. Unsere Verluste auf dem rechten Flügel und im Centrum sind im Allgemeinen niht groß. Das Geschüßseuer dauerte die ganze Nacht hin- durch und nahm heute früh noch an Hestigkeit zu.
— (W. T. m Aus Bukarest vom 9. d. wird der W. „Presse“ gemeldet : Gerüchtweise verlautet, daß Plewna, nachdem die Russen zwei Reihen der türkischen Positionen ge- nommen, heute gefallen sei.
Konstantinopel, 7. September. (W. T. B.) Die hiesigen Journale behaupten, Lowtscha sei von nux 8 Ba- taillonen beseßt gewesen, als es von 40,000 Russen angegriffen worden sei. Osman Pascha sei mit 28 Bataillonen aufge- brochen, um dasselbe wiederzunehmen. — Ueber das Ergebniß des Kampfes bei Lowtscha 1st noch keine amtlihe Nachricht veröffentlicht.
_ Konstantinopel, 9. September. (W. T. B.) Nach- richten, welche der hiesigen „Agcnce Havas“ aus Nasgrad zug2gangen sind, melden, daß Nedjib Pascha am Freitag den Lom-Fl uß überschritten und nach einem Kampse mit den Nussen Opaka t hat. Die Russen sollen starke Ver- luste erlitten und in der Richtung auf Biela zurückgegangen sein. Die türkischen Truppen seßen die Offensivbewegungen fort. Die Russen haben die Gegend von Popkeni und Karahassanler vollständig geräumt. — Von Plewna ist hier keinerlei Nachricht eingetroffen.
Konstantinopel, 9. September. (W. T. B.) Vom bulgarishen Kriegsschauplay wird fia gemeldet, die über den Kara-Lont vorgeschobenen russischen Truppen- abtheilungen wären nach dreitägigen heftigen Kämpfen über den Kara-Lom zurückgegangen, hätten Po pkioi geräumt und sih in der Richtung von Viela zurückgezogen.
Konstantinopel, 9. September. (W. T. B.) Von den Kriegsschaupläßen bei Plewna, Schipka und Ras- grad sind noch keine offiziellen Depeschen veröffentlicht.
— (W. T. B.) Aus Bukarest wird der „Polit. Korr.“ unter dem 9. d. gemeldet, daß die ganze unter dem Ober- befehl des Großfürsten - Thronfolgers stehende Rust \huker Armee neue konzentrirte Stellungen bezogen hat. Ein 20,000 Mann starkes türkishes Corps, welches Dsman Pascha zu Hülfe eilen wollte, soll von ‘der unter dem Kom- mando * des General Mirski stehenden AUCEY ab- geschnitten worden sein. — Bei Slobozia haben die Russen ein neues Monstregeshüg errihtet. Dasselbe hat drei tür- kische Batterien vor Rustshuk zum Schweigen gebracht.
__— Aus Sistowa, 7, September, meldet die W. „Presse“: Die Truppen des Generals Zimmermann in der Do- brudscha werden bedeutend verstärkt. Heute ging das Hu- saren-Regiment „Weißrußland“ dahin ab, und morgen folgt eine große Anzahl Jnfanterie und Jäger nebst beträchtlicher Artillerie, im Ganzen an 12,000 Kombattanten.
London, 10. September. (W. T. B.) Nach hier ein- gegangenen Privatnachrichten aus Sistowa begann der Angriff der Nussen auf Plewna am 9. d. Morgens von allen Seiten und dauerte den ganzen Tag. Gegen 6 Uhr Abends war Plewna in den Händen der Russen. Die Türken zogen sich in großer Unordnung zurück, ihre Verluste sind be- deutend. Details fehlen noch.
Konstantinopel, 9. September. (W. T. B.) Eine Depesche Ali Saib Paschas vom 6. cr. meldet, daß er gegen die Montenegriner Vortheile errang.
Cettinje, 8. September. (W. T. B.) Die Festung Nifksic hat heute kapitulirt.
— (W. T. B.) Aus Cettinje vom 9. d. meldet die W. „Presse“: Gestern Nachmittag machten 5000 Türken von Podgor1zza her einen Angriff gegen die Südgrenze von Montenegro, dieselben wurden jedo unter großen Verlusten bis Podgorizza zurückgeworfen. Der Einmarsch der Monte- negriner in die Stadt Niksic ist gestern Nachmittag erfolgt. Die Fürstin Milena und der älteste Sohn des Fürsten sind heute von hier nah Niksic abgereist.
Ragusa, 8. September. (W. T. B.) Nach hier vor- liegenden aus slavisher Quelle kommenden Nachrichten hat sich Niksic heute nach einem heftigen Bombardement den Montenegrinern auf Gnade und Ungnade ergeben.
— (W. T. B.) Aus Ragusa vom 9. d. meldet die W. „Presse“: Die Einwohner von e h ic haben ihre Waffen im Lager des Fürsten Nikita abgeliefert. Montenegrinische Truppen in einer Stärke von 3000 Mann marschiren gezen
Wien, 9. September. (W. T. B.) Telegramm der „Presse“ aus Lestianje: Gestern Nachmittag verkündeten Freudenschüsse und Glockengeläute die Kapitulation von Nitksic, das sih den Montenegrinern ergeben hat.
Wien, 9. September. (W. T. B.) Nach einem Tele- gramm der „Polit. Korr.“ aus Cattcro vom heutigen Tage, haben sowohl die Garnison von Niksic, welhe sih mit 19 Geschüßen den Montenegrinern auf Gnade und Ungnade er- geben hat, wie auch die Einwohner von Nifksic die Erlaubniß erhalten, sich nach Gaczko zurüczuziehen.
__St. Petersburg, 10. September. (W. T. B.) Offi- zielles Telegramm aus Karajal vom 9. d.: Jn der Nacht vom 6. zum 7. d. machte ein Trupp Freiwilliger von unserer ircegulären Kavallerie eine brave Attaque auf das Kavallerielager Moukthar Paschas, seßte gegen 60 Mann außer Gefecht und erbeutete eine Anzahl Waffen und Pferde. Auf dem Rückzug lcckte der Trupp die verfolgenden Türken in einen vom Daghestan’schen Kavallerie-Regiment gelegten Hinterhalt, wobei der Feind abermals große Verluste erlitt. Ünsererseits wurden 11 Milizen und Soldaten verwundet. Bei der Kabulet-Abtheilung fand am 3. d. M. ein von den Türken begonnenes Artilleriegeplänkel statt, wobei der Commandeur des 2. Kaukasishen Schüßen-Bataillons, Oberst- Lieuténant Kakepiff, verwundet wurde.
Konstantinopel, 9. September. (W. T. B.) Eine Depesche Moukhtar Paschas meldet ein am 7. d. auf den Höhen von Kisiltepe stattgehabtes lebhastes Gefecht zwischen der vom Sohne Schamyls befehligten und von 3 Bataillonen sowie Artillerie unterstühten Auxiliar-Kavallerie und einer aus mehreren Dragoner-Regimentern, 2 Bataillonen Jnfanterie und einer Batterie bestehenden russishen Truppenabtheilung. Der Feind sei nach mehrmaligem Zurückgehen und Wiedervor- dringen geshlagen und genöthigt worden, sih mit einem Ver- luste von 60 Mann in sein Lager zurückzuziehen. Die tür- kfishen Verluste seien ganz unerheblih. Aus Alexan dra- pol treffe für die Russen täglih Artillerieverstärkung in Kurukdara ein.
London, 9. September. (W. T. B.) Das „Reutersche Bureau“ meldet aus Erzerum: Die Russen senden von Alexandrapol Positionsgeshüße in das Lager von Baidi- varan, um ihre Stellung gegen einen Angriff Moukhtar Paschas zu befestigen. General Terguka so} f befestigt die Stellungen von Jgdyr, durch welche die nah der Ebene von Eriwan führenden Pässe beherrscht werden.
Nr. 36 des „Centrai-Blatts für das Deutsche Rei ch “, hecausgegeben im Neichskanzler-Amt, hat folgenden Inhalt; Algemeine Verwaltung?sachen: Verweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet. — Post- und Telegraphenwesen: Verordnu.ig, betreffend Abänderungen und Ergänzungen d.x Telegraphenordnung, Brief- verkehr mit China. — Münzwesen: Uebersicht üder die Auzprägung von Reichsmünzen. — Marine und Schiffahrt: Ertheilung eines Flaggenattestes. — Konsulatwesen : Ernennungen, Todesfall.
— Nr. 18 des Central-Blatts der Abgaben-, Ge- werbe- und Handels8geseßgevung undVerwaltung in den Königlich preußischen Staaten hat folgenden Inhalt: Anzeige der in der Geseßsammlung und im Reichszeseßblatte erschienenen Gesetze und Verordnungen. — T. Allgemeine Verwaltungsgegenstände: Rück- gabe der Kaution von Salzwerksbec.mten, welche als Einnehmer oder
Gehülfen eines Salzsteueramts fungirt haben. — Uebereinstimmung |
der Hauptamtsrechnung mit dem Finalabschlusse. — Geschäftliche Behandlung der Telegramme in Staatsdienst-Angelegenheiten. — Veränderungen in dem Stande und _ in den Befugnissen der Zoll- und Steuerstellen. — 111, Indirekte Steuern: Erlaß der Tabakssteuer bei verspäteter Anzeige der Beschädigung. — Erkenntniß des König- lihen Ober-Tribunals. Maschinen, welche mit einem Gebäude in mechanischer Verbindung stehen, bilden Theile der Substanz des let- teren. —- VI. Personalnachrichten.
Verein swesen.
Frankfurt a. M,, 6. September. Die hier tagende Haupt- versammlung der Evangelishen Gustav- Adolf -Stif- tung beschloß heute die Zuwendung der „großen Liebesgabe“ im Be- trage von 17,000 M an die evangelische Gemeinde in Donaueschingen ; ferner werden je 4090 (M an die Gemeinde Kalk (in Rheinprenben) und die vereinigte Gemeinde Kastel-Kostheim (in Hessen) vertheilt.
Statistische Nachrichten. Sterblichkeits- und Gesundheitsverhältnisse. Ge"
mäß den Veröffentlihßungen des Kaiserlichen Gesundheits-
amts sind in der ia Jahres8woche von je 1000 Be- wohnern, auf den Jahresdurh|nitt b rechnet, als Zier en ge- meldet: in Berlin 31,5, in Breslau 38,0, in Königsberg 28,7, in Cöln 19,3, in Frankfurt a. M. 17,9, in Hannover 20,6, in Cassel 14,2, in Magdeburg 28,4, in Stettin 34,9, in Altona 21,8, in Straß- burg 26,6, in München 35,8, in Nürnberg 31,3, in Augsburg 34,0, in Dresden 24,1, in Leipzig 31,8, in Stuttgart 25,8, in Braunschweig 24,5, in Karlsruhe 14,7, in Hamburg 24,9, in Wien 26,4, in Buda- pelt —, in Prag 23,8, in Triest 47,8, in Basel 22,3, in Brüssel 24,3, in Paris 23,8, ir Amsterdam 22,1, in Kopenhagen 21,0, in Stockholm —, in Christiania 20,4, in St. Petersburg 31,6, in Warschau 36,1, in Odessa —, in Bukarest 26,5, in Rom 26,7, in Turin 21,3, in Athen 23,2, in Lissabon —, in London 18,3, in Glasgow 21,6, in Liverpool 24,8, in Dublin 21,1, in Edinburgh 19,2, in Alerandria (Egypten) 47,3, in New-York 31,2, in Philadelphia 22,9, in Boston 26,5, in Chicago 25,4, in San Franzisko 16,2, in Cal-, cutta 24,2, in Bombay 53,4, in Madras 141,9,
In der Berichtswoche herrschten an den meisten deutshen Be- obachtungsstationen südliche und südwestlihe Windrichtungen, die nur
vorübergehend an den nördlichen Stationen in West- und in Cöln und Heiligenstadt mit Nordwestwind abwecselten. Die Temperatur sank in der zweiten Wochenhälfte sehr erheblich, so daß in ganz Deutschland die Temperatur eine kühle war. Das Barometer stieg und fiel wiederholt, zeigte jedoch im Ganzen Neigung zum Steigen. Niederschläge und Gewitter fanden nur wenig statt. — Die allge- meine Sterblichkeitéverhältnißzahl ift in den deutschen Städten von 29,5 der vorhergehenden Woche auf 27,7 gesunken (auf 1000 Bewohner und aufs Jahr gerehnet) und zeigt namentli die Sterblichkeit des Säuglingéalters in den meisten Städtegruppen eine Abnahme, nur in den Städten an der Ostseeküste, in der niederrheinishen Niede- rung und im süddeutshen Hocblande, mit Ausnahme Münchens eine Zunahme — Unter den Todesursachen zeigen fast alle Infektions- kranfheiten Nachlässe, so die Masern, der Keuchhusten (auch in M.-Gladbah), die Diphtherie, namentlich in Berlin; nur das Scharlachfieber tritt in den Städten des sähsis{ch-märkischen Tief- landes, Berlin, Leipzig, Magdeburg häufiger auf. Unterleibstyphen erscheinen meist in geringerer Zahl, und nur in Bukarest und Alexandrien vermehrt. Flecktyphus-Todesfälle sind aus Deutschland nicht gemeldet. Aus Leipzig wird ein Todesfall an Poken berichtet ; in Wien, Prag, Krakau, Brüssel ist die Blatternepidemie dem Erlöschen nahe, in London stieg ihre Zahl von 11 der Vorwoche auf 20. Sehr erheb- lich nachgelassen haben die tödtlich endenden Darmfkatarrhe nnd Brech- durchfälle der Kinder, namentlich in Berlin, Dresden, Leipzig, in den Städten an der Nordseeküste und am Niederrhein, während sie in dey Städten an der Ostseeküste, ferner in Breslau, Polen und am Oberrhein noch immer in vermehrter Zahl auftreten. Auch in den meisten außerdeutshen Städten lassen diese Krankheiten na, nur in St. Petersburg, Warschau und einigen englischen Städten mehren sich die Darmfkatarrhe, in Paris und Brüssel die Brechdurh- fälle. _Vereinzelte Cholerafälle kamen in Christiania, Barcelona und in cinigen amerifanischen Städten vor. In Indien rafft die Cholera im Verein mit Dysenterie und bözartigen Fiebern allwöchentlich viele Menschen hinweg.
— Auf dem achtzehnten allgemeinen Vereinstage der deutschen Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften zu Wiesbaden ams3. d. M. erstattete der Anwalt der deutschen Genossen- haften, Hr. Dr. Schulze-Delibscch, den Geschäftsbericht, welcher kon- statirt, daß troß des auf dem gesammten Handelsverkehr lastenden Druckes ein Nückgang der deutshen Genossenschaften nit eingetreten sei. Es gehören 2830 Kreditgenossenshaften, 743 Genossenschaften in einzelnen Gewerbszweigen, 1049 Konsumvereine und 64 Bauge- nossenschaften, in Summa 4686 (gegen 4775 im Vorjahre) dem Ver- bande an. Gbenso habe sih die Mitgliederzahl, die Summe des Geschäftsverkehrs, wie der aufgebrachten eigenen Mittel der Vereine gegen das Vorjahr gesteigert. Die gesammte Mitgliederzahl betrage 1,380,0 .0—1,400,000. Die gemachten Geschäfte haben im Laufe des verflossenen Geschäftsjahres ca. 2650 Millionen Mark, die angesammelten eigenen Kapitalien in Geschäftsantheilen und Reserven 170—180 Millionen Mark, die von den Mitgliedern auf- genommenen fremden Kapitalien 360—3709 Millionen Mark betra- gen. Bereits seit Jahren habe sich nach dem Muster des deutschen ein Genossenschaftsverband unter der Anwaltschaft des Hrn. N. JIS (Wien) in Oesterreich gebildet, und habe auch dieser günstige Resul- tate zu verzeinen. Auch in Italien babe sich nach dem Muster des deutschen ein Genosfsenschastsverband gebildet. Die Vermehrung der Zahl der Volksbanken um 66 erstrede sih ganz besonders auf die Provinzen Preußen und Posen. Eine absolute Verminderung der Zahl der Vorschußvereine sei nur eingetreten in den sächsishen Herzogthümern, im Großherzogthum Hessen und im Herzogthum Anhalt 1876 haben 806 Vorschußvereine der An- waltshaft Abschlüsse eingereiht. Danach betrug deren Mitglied- chaft 431,216, die Gesammtsumme der gewährten Vorschüsse und Prolongationen 1,525,189,219 4, die Geschäftsantheile der Mit- glieder inkl. der Reserven 98,891,160 4, die Anleihen von Pri- vaten 198,349,234 4, die Kredite von Banken und Vereinen 14,160,425 M4. und die Spareinlagen 121,962,922 M. Pa das Jahr 1876 haben 180 Konsumvereine der Anwaltschaft ihren Ge- schäftsabsbluß eingesandt. Danach betrug die Gesammtmit- gliederzahl 101,727, die Summe des Verkaufserlöses 24,378,410 4, das Guthaben der Mitglieder 3,046,093 K, der Reserve- fonds 550,398 F, die aufgenommenen Anleihen 2,672,415 A, die Schulden für von den Vereinen auf Kredit entnommene Waaren 1,094,186 #4, die Ausstände bei den Mitgliedern für auf Kredit abgelassene Waaren 142,722 4 Die von den Vereinen errichteten Bäckereien haben sich auch im vergangenen Jahre gut rentirt. Am meisten seien die Konsumvereine durch die Kredit- gewährung geschädigt worden. Das Kaufen auf Kredit habe auch in den deutschen Mittelklassen eine höchst fkrankhafte Ausdehnung ge- nommen. Dieser Umstand halte die gesunde wirthschaftlihe Ent- widcklung dieser Klassen wesentlih auf und lasse die davon betroffenen Gewerbe zu keinem frishen Aufshwunge kommen. Die Verluste der Konsumvereine seien im vergangenen Jahre geringer als 1875 ge- wesen. Zum Theil seien dieselben wieder der Unehrlichkeit der Lager- halter zuzuschreiben gewesen, gegen die nur hohe Kaution und öftere Jnventuren Schuß gewähren können. 180 Konsumvereine haben eigenen Grundbesiß, davon 71 Vereine im Werthe von 2,751,836 4 — Bon bei der Anwaltschaft namentlich bekannten, auf dem Prinzip der Selbsthülfe beruhenden Vor\chuß- und Kreditvereinenerisii- ren 161 în der Provinz Brandenburg (darunter 64 in Berlin), 232 in Schlesien, 130 in der Provinz Preußen, 226 in der Provinz Sachsen, 216 in der Rheinprovinz, 1 im Fürstenthum Hohenzollern, 100 in Hessen-Nassau, 84 ia ver Provinz Posen, 102 in Pommern, 1 im Jadegebiet, 35 in Schleswig-Holstein und Lauenburg, 28 in West- falen, 160 im Königre:ch Sachsen, 109 im östlichen Bayern, 26 in der Rheinpfalz, 105 im Königreih Württemberg, 101 im Groß- herzogthum Baden, 91 in den sächsischen Herzogthümern, 59 im Groß- herzogthum Hessen, 47 in Mecklenburg, 19 in den {warzburgischen e 15 im Herzogthum Anhalt, 11 im Herzogthum
raunshweig, 9 im Großherzogthum Oldenburg, 9 in den Hanse- städten und deren Gebiet, 5 in den Fürstenthümern Lippe und Waldeck, 3 in den reußishen Pur eet, 2 in den deutscben Reichs- landen (Meßger Vereinsbank und Straßburger Kreditverein); ferner 1 im Großherzogthum Luxemburg, 463 in Böhmen 307 in Mähren, 133 in Niederösterreih, 32 in Oesterreichish - Schlesien, 29 in der Steiermark, 21 in Kärnthen, 16 in Oberöstereich, 8 im Küstenland, 4 in Tirol, 4 in Vorarlberg, 4 in der Krain, 2 in Salzburg. Von 702 Vorschuß- resp. Kreditvereinen betrug Ende 1876 die Ge- sammtmitgliederzahl 217,714. Von diesen sind selbständige Land- wirthe, Gärtner, Förster und Fischer, männlich 72,836, weiblih 2560 Gehülfen und “rbeiter bei diesen Gewerben, männlih 9299, weiblich 514, Fabrikanten, Bergwerksbesißzer und Bauunternehmer, raännlich 13,144, weiblich 277, selbständige Handwerker, mänulich 10,790, weiblih 3706, Fabrikarbeiter, Handwerksgesellen, männlih 16,331, weiblih 562, selbständige Kaufleute und Händler 32,596, weiblich 2032, Handlungscommis und sonstige kaufmännishe Gehülfen, mänulich 2647, weiblih 141, Fuhrherren, Schiffseigenthümer, Gal|t- und Schankwirthe, männlih 17,016, weiblich 815, Briefträger, untere Cisenbahn-, Telegraphen- und Postbeamte, Eisenbahnarbeiter, unselbständige Schiffer und Kellner, männlich 68, weiblih 79, Dienstmänner und Dienstboten, männlich 2687, weiblih 822, Aerzte, Apotheker, Lehrer, Künstler, Schriftsteller, Kirchen-, Staats? und Gemeindebeamwte, männlich 23,674, weiblih 898, Rentiers, Pensionäre C As Personen ohne Beruf- übung, männlich §822, weiblich
Kasan. Der 4. Archäologische Kongreß is, nah Mit- theilung der „Mosk. Wed.“, am 17./29. August von dem Präsidenten Grafen A. S. Uworow ges{lossen worden. Der nächste arhäologische Kongreß soll, ‘dem Wunsche des Statthalters des Kaukasus, Großz- fürsten Michail Nikolajewitsch gemäß, in Tiflis zusammenkommen.
O SWEL Preußische Termin-Kalender, zum Gebrauch für Justizbeamte (Verlin, R. v. Deckers Verlag: Marguardt u. Schenk) ist (im 26. Jahrgang) soeben auf das Jahr 1878 erschienen.

References: Art. 24
 Art. 24
 Art. 112
 Art. 26
 Art. 24
 §8
 §822