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1 Jubiläumsschrift2 Impressum Herausgeber: Gewerbeverband Basel-Stadt Recherche und Text: Benedikt Pfister Satz und Layout: Tobias Stöcklin Auflage: Stk. Druck: Kurt Fankhauser AG Mai 2009 Bild Titelseite: Das Bild von Constantin Guise zeigt den Basler Marktplatz zur Zeit der Gründung des Gewerbeverbandes. (1834) Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt3 Jubiläumsschrift 175 Jahre Gewerbeverband Basel-Stadt Der Gewerbeverband Basel-Stadt feiert im Jahre 2009 mit Stolz sein 175-Jahr-Jubiläum im Dienste des Basler Gewerbes. Die Jubiläumsschrift gibt historische Einblicke in die bewegte Verbandsgeschichte. Zum 175-Jahr-Jubiläum liess der Gewerbeverband Basel-Stadt vom jungen Basler Historiker Benedikt Pfister eine historische Jubiläumsschrift verfassen. Diese hat nicht den Anspruch, die 175-jährige Verbandsgeschichte chronologisch aufzuarbeiten. Vielmehr werden in der vorliegenden Jubiläumsschrift historische Schwerpunkte gesetzt und verschiedene Geschichten erzählt, die die Geschichte des Gewerbeverbandes massgebend prägten. Die Jubiläumsschrift beleuchtet Meilensteine der Verbandsgeschichte und schildert Ereignisse und Veranstaltungen, die unter massgeblicher Beteiligung des Gewerbeverbandes Basel-Stadt auch Basler Stadtgeschichte schrieben. Die chronologisch aufgebauten Texte von Benedikt Pfister spannen einen höchst interessanten Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Sie erheben durchaus wissenschaftlichen Anspruch, erscheinen aber bewusst in journalistischer Form. So wurde etwa auf die in wissenschaftlichen Texten üblichen Fussnoten und detaillierten Quellenangaben verzichtet, um den Lesefluss nicht zu stören. Praktisch jeder Textbeitrag wird von historischen Bildern begleitet. Diese Bilder dienen nicht einfach zur Illustration der Texte, sondern sind eigene Quellen, die spannenden historischen Inhalt vermitteln. Die vorliegende Jubiläumsschrift soll also als Gesamtprodukt aus Text und Bild für alle Leserinnen und Leser, die sich für die Geschichte des Gewerbeverbandes Basel- Stadt sowie für die Basler Stadtgeschichte interessieren, eine spannende und unterhaltsame Lektüre sein. Der Gewerbeverband Basel-Stadt wünscht Ihnen viel Vergnügen beim Abtauchen in die 175-jährige Verbandsgeschichte. Ihr Werner Schmid Präsident des Gewerbeverbandes Basel-Stadt Inhaltsverzeichnis Angst vor der Gewerbefreiheit 4 Präsidenten und Direktoren des Gewerbeverbandes Basel-Stadt seit Fernsehgeräte bringen Handwerker zu Fall 10 Damit Lehrlinge nicht zu Sozialisten werden 12 Doppeltes Ende für das Gewerbemuseum? 16 Vereinigt im Kampf gegen die Kreuzritter 18 «Die Gewerbetreibenden wissen nicht, was sie wollen» 20 Das Basler Konjunkturprogramm tickt anders 22 Politischer Kampf um das Gewerbe 26 Gewerbeverband holt Grün 80 nach Basel 30 Die «Firma Schweiz» entsteht in Basel 34 «Ein gemeinsames Dach für die Wirtschaft der Region» 36 «Der goldig Bode» 38 34 Angst vor der Gewerbefreiheit Die Gewerbefreiheit ist schädlich, schrieb der Handwerkerverein von Basel 1834 in seinen Gründungsdokumenten. Das mag erstaunen. Ein Blick zurück zeigt aber eine politische Landschaft, die national und international rasanten Veränderungen unterworfen war. Die Aussage des Handwerkervereins ist keine prinzipielle Ablehnung des freien Marktes, sondern eine Kampfansage an das Baselbiet. Im April 1834 trafen sich Vertreter verschiedener Berufe, um über die Situation des Handwerks in Basel zu diskutieren. In der Zunft zu Schuhmachern an der Freien Strasse 52 ärgerten sich die Handwerker vor allem über das sogenannte «Einschwärzen» fremder Ware, über den Schmuggel also. Vor allem kleine Waren wie etwa Brot liessen sich leicht in den Kleidern verstecken und in die Stadt schmuggeln. Dies, obwohl Basel 1834 noch vollständig von Stadtmauern umgeben war, die seine Einwohnerinnen und Einwohner von der Aussenwelt trennten. Nachts wurden die Tore geschlossen. Isabell Koellreuter schreibt in ihrer Geschichte der Basler Bäcker von Brotsleuten, die sich über diese Schmuggleraktivitäten dermassen ärgerten, dass sie offenbar vor den Stadttoren selber zum Rechten schauten und Brotschmugglern ihre Ware abnahmen. Die Handwerker in der Zunft zu Schuhmachern kamen zum Schluss, dass sie ihre Interessen gegenüber der Regierung stärker vertreten mussten. 28 Handwerke mit 676 Mitgliedern gründeten deshalb am 16. April 1834 den Handwerkerverein von Basel. In der «Urkunde über gegenseitige Verpflichtung», die gleichzeitig mit den Statuten vom 23. Juni 1834 verabschiedet wurde, stellte der neugegründete Verein fest, «dass einer unserer Vaterstadt im Allgemeinen und dem Handwerkerstande speziellen Falle schädlichen Handwerks- und Gewerbefreiheit Mittel entgegengestellt werden müssen, ohne die baslerische Industrie zu hemmen.» Der Handwerkerverein wollte nach seiner Gründung dem sogenannten Handwerker-Kollegium unterstützend zur Seite stehen. Dieses Kollegium war 1833 von der Regierung eingesetzt worden, um dem Handwerk eine Stimme zu geben. Die Regierung war offenbar der Meinung, dass ein zusätzlicher Verein zur Unterstützung des Handwerks nicht nötig sei. Auf Anraten des Handwerker-Kollegiums lehnte die Regierung auf jeden Fall im November 1834 einen Antrag auf finanzielle Unterstützung des Handwerkervereins ab. Einen Monat später reichte der Handwerkerverein ein abgeändertes Bittgesuch ein, das wohl ebenfalls negativ beurteilt wurde. Danach verlieren sich die Spuren. Ein rasches Ende des ersten Handwerkervereins war wohl eingetreten. Weshalb aber war der Wunsch nach einem geschützten kantonalen Wirtschaftsraum der wesentliche Katalysator für die Gründung des ersten Handwerkervereins von Basel? Im Wirtschaftskrieg mit dem Baselbiet Basel steckte 1834 in einem etwas überspitzt formulierten Wirtschaftskrieg mit dem Baselbiet. Das Verhältnis zu seinem Nachbarn lag nicht nur am Boden, sondern war geradezu unterirdisch schlecht. Ein halbes Jahr nur lag zwischen der Trennung von Basel in einen Kanton Basel-Stadt und einen Kanton Basel-Landschaft und der Gründung des Handwerkervereins. Diese war insofern eine direkte Folge der Kantonstrennung. Basel stand nach 1833 wirtschaftlich und politisch isoliert da, der gegenseitige Handel in die beiden Basel war verboten. Als Grenzstadt stand Basel ausserdem unter wirtschaftlichem Druck durch Südbaden und dem Elsass. Dass sich die Vertreter des Handwerks und des Gewerbes in dieser Situation gegen fremde Arbeiter und eingeführte Waren wehrten, um ihre Lebensgrundlage zu schützen, ist einleuchtend. Dass es so weit kommen musste, war zu einem grossen Teil die Schuld Theodor Hoffmann-Merian Bild: Portraitsammlung der Universitätsbibliothek 45 der Stadt. Basel hatte es verpasst, im Vorfeld der Kantonstrennung eine einvernehmliche Lösung mit dem Baselbiet anzustreben. Dies schien durchaus möglich. Die Stadt verharrte aber auf ihren alten konservativen Positionen und die Zünfte, die die Politik und das Wirtschaftsleben bestimmten, wollten ihren Einfluss nicht aufgeben. Im Oktober 1830 trafen sich 40 Baselbieter in Bad Bubendorf und formulierten eine Petition an den Basler Bürgermeister. Sie verlangten eine neue Verfassung und die Gleichheit für Stadt- und Landbürger, wie sie in liberalen Kantonen der Schweiz eingeführt worden war. Zu diesem Zeitpunkt war eine Trennung von Basel in einen Stadt- und in einen Landteil noch kein Thema. Der Basler Grosse Rat verabschiedete darauf im Januar 1831 eine neue Verfassung, die allerdings einen entscheidenden Punkt der Petenten nicht berücksichtigte. Die Verteilung der Grossratssitze nach Anzahl der Bevölkerung stiess in der Stadt auf Ablehnung. Darauf bildete sich in Liestal eine eigene Regierung, die gegen durchaus vorhandene stadttreue Gemeinden vorging und etwa Gelterkinden militärisch besetzte. In der Folge eskalierte der Konflikt zu einem Bürgerkrieg. Auch der Einsatz von eidgenössischen Truppen konnte nicht verhindern, dass Basel Liestal zweimal besetzte. Auf beiden Seite schürten Exponenten heute würde man wohl Extremisten sagen den Konflikt. Das alte Haus der Schuhmachernzunft an der Freien Strasse 52 steht heute nicht mehr. Im November 1831 verwarfen die Stimmberechtigten des noch nicht getrennten Kantons mit über 82 Prozent Nein-Stimmen eine Trennung des Kantons. Das konnte aber die Situation nicht beruhigen. Die Stimmbeteiligung lag nämlich nur bei 50 Prozent, da die Baselbieter Anführer einen Boykott der Abstimmung ausgerufen hatten. Im Ärger über diesen Boykott liess sich der Grosse Rat zum entscheidenden Fehler hinreissen. Er entzog im März Gemeinden, die gegenüber der Stadt für untreu gehalten wurden, die öffentliche Verwaltung. Damit zwang er diese Gemeinden geradezu, sich selber zu verwalten und die dazu nötigen Strukturen aufzubauen. Noch im selben Monat gründeten Vertreter der betroffenen Gemeinden den Kanton Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt Basel-Landschaft. Der Kampf um die bei der Stadt verbliebenen Gemeinden wurde nun zusehends militärisch ausgetragen. Am 3. August 1833 kam es zur Schlacht bei der Hülftenschanze in Pratteln. Die Städter flüchteten überstürzt in die Stadt zurück, nachdem sie 65 Mitstreiter verloren hatten. Die Baselbieter hatten nur vier Tote zu beklagen. Drei Wochen nach diesem für die Stadt Basel traumatischen Erlebnis anerkannte die Eidgenössische Tagsatzung die Trennung des Kantons in einen Stadt- und Landteil. Unter eidgenössischer Beobachtung wurden in den folgenden Jahren die Güter des alten Kantons im Verhältnis der Bevölkerungszahl aufgeteilt. Das Baselbiet wurde zu einem der liberalsten Kantone der Eidgenos- 56 senschaft, während sich die Stadt in ihre Mauern zurückzog und weiterhin eine konservative Politik verfolgte. Kein Wunder schleifte Basel seine Stadtmauern erst mehr als 20 Jahre nach anderen Hauptstädten liberaler Kantone veranlasste ein Gesetz über die Erweiterung der Stadt, dass die Stadtmauern von 1398 gesprengt werden sollten. Der Handwerkerverein in der Zwickmühle Angesichts dieser Entwicklung erstaunt es nicht, dass die Handwerker in Sorge um ihre Geschäfte waren. Der Handwerkerverein stellte sich aber nicht vollständig gegen den liberalen Zeitgeist in Europa. Dies belegt eine Anmerkung in den Statuten des Handwerkervereins vom Juni In Artikel 1 zum «Zweck der Stiftung» heisst es: «Die Bestimmung des Handwerkervereins der Stadt Basel besteht darinnen, sich zu gewissen Zeiten zu versammeln, und sich zu bestreben, den Handwerkerstand zu Basel zu heben und gegen Eingriffe in die Rechte desselben auf gemässe Weise nach gepflogenen Beratung bei kompetenter Behörde Klage einzuleiten, so dass dem immer mehr um sich greifenden Unwesen des Hineinbringens fremder Arbeiten und solcher Artikel, welche hier in Basel zu haben sind, und anderen Übeln gesteuert werde. Wobei jedoch keinerlei Handwerksoder Zunftzwang untern den Handwerkern selbst zu dulden ist, insoweit solches der Selbstständigkeit des betreffenden E. Handwerks nicht nachteilig ist.» Die Entmachtung der Zünfte stiess also beim Handwerkerverein auf vorsichtige Unterstützung. Es wäre auch ein hoffnungsloses Unterfangen gewesen, sich ganz gegen die Öffnung der Gewerbe zu stemmen. Der Handwerkerverein war hin- und hergerissen. Man war zwar für die Auflösung des Zunftregimes, gleichzeitig aber kritisch gegenüber der Handels- und Gewerbefreiheit. Man wollte sozusagen «das Weggli und den Batzen.» Die Zünfte blieben aber in Basel noch bis zur definitiven Einführung der Handels- und Gewerbefreiheit 1875 ein wichtiger Machtfaktor. Auch in dieser Sache tickte Basel eben anders. Der lange Weg zur Handelsund Gewerbefreiheit Die Französische Revolution brachte die Idee der Gleichheit und Freiheit auch in die Schweiz. Allerdings bestand die Helvetische Verfassung von 1798, die diese Ideen aufnahm, nur fünf Jahre. Die konservativen Kräfte setzten sich vorerst durch und machten mit der Restauration die liberalen Bestrebungen wieder rückgängig. Allerding brachte die Julirevolution 1830 in Paris die Heilige Allianz der konservativen europäischen Staaten zum Erliegen und stärkte erneut die liberalen Kräfte. Diese spürten nun auch in der Schweiz wieder Aufschwung und drängten beispielsweise im Baselbiet auf Reformen. Die Eidgenossenschaft erlebte 1847 sogar einen Sonderbundskrieg der konservativen gegen die liberalen Orte, der mit einem Sieg der fortschrittlichen Kräfte endete. Ergebnis war die Bundesverfassung von 1848, das als Gründungsjahr der modernen Alltagsszene in der Greifengasse um 1838, Bild von Johann Jakob Schneider. Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt 67 Schweiz gilt. Die Handels- und Gewerbefreiheit wurde allerdings erst in der ersten Verfassungsrevision 1874 festgeschrieben. Viele liberale Kantone hatten diese bereits früher freiwillig eingeführt. Die politischen Entwicklungen machten auch vor den Toren Basels nicht Halt. Erst stellte man sich allerdings gegen Reformen. Auf Druck des Handwerks und des Gewerbes beschloss der Basler Grosse Rat in der Revision der Kantonsverfassung von 1846 mit 77 gegen 9 Stimmen einen neuen Paragraphen 11: «Die Einführung der Gewerbefreiheit ist der Gesetzgebung nicht gestattet. Änderungen dermalen in Kraft bestehender Bestimmungen betreffend Schutz der zünftigen Handwerke oder neue Verfügungen dieser Art können nur durch den Grossen Rat getroffen werden.» Trotzdem konnte sich auch Basel nicht langfristig den internationalen und nationalen Entwicklungen widersetzen beschloss der Grosse Rat, den Zunftzwang aufzuheben, wobei bestehende Handwerksordnungen respektiert werden mussten wurde das Verbot der Gewerbefreiheit aufgehoben schliesslich wurde in der Folge der Verfassungsrevision auf Bundesebene die Kantonsverfassung überarbeitet und die Handels- und Gewerbefreiheit eingeführt. Vom Handwerkerzum Gewerbeverein Die verschiedenen politischen Entscheidungen spiegelten sich in der Die Schifflände, Bild aus «Neues Nummernbüchlein der grossen und kleinen Stadt Basel und deren Bahn», Bild: Historisches Museum Basel Entwicklung des Handwerkervereins: Es war ein stetes Hin und Her bis in die 1870er Jahre. Auf den wohl noch 1834 aufgelösten Handwerkerverein folgte zwanzig Jahre später der Handwerker- und Gewerbeverein. Der Verein erhielt bei seiner Neugründung Unterstützung von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige, die bei der Errichtung einer Bibliothek und eines Lokals in der Safranzunft mit einem Geldbetrag zur Seite stand. Die Politik des Vereins hatte sich allerdings nicht wesentlich verändert. Der Handwerker- und Gewerbeverein stand einer Öffnung des Zunftzwangs und einem freien Markt skeptisch gegenüber. In einer Vernehmlassung zum neuen Handwerksgesetz schrieb der Verein 1855 an die Regierung: «Es wird der Handwerksbetrieb mehr und mehr in einen Fabrikbetrieb sich wandeln, die Zahl der selbständigen Meister wird sich vermindern und die Zahl der Abhängigen, bald wird man auch im Handwerk sagen, der Arbeiter, sich mehren. Durch den gestatteten freien Verkauf aller Handwerks- Gegenstände wird der an sich schon durch unsere Lage an dem äussersten Endpunkte der Schweiz, ab- und eingeschlossen von zwei Zollstaaten, von wo uns Alles zugeführt wird, ohne dass wir im Stand sind, in dieselben unsere Produkte einbringen zu können, sehr beschränkte Absatz noch zwischen dem Händler und dem Handwerker geteilt werden müssen, ohne dass wir Aussicht haben irgendwo dafür Ersatz zu finden.» Diesem kritischen Schreiben zum Trotz formierte sich innerhalb des Handwerker- und Gewerbevereins um Theodor Hoffmann-Merian ein Reformflügel, der liberale Ideen verfolgte. Der Konflikt mit den konservativen Kräften konnte vorerst aber nicht gelöst werden. Die Tätigkeit des Vereins beschränkte sich auf das Führen der Bibliothek, politisch war wegen der Uneinigkeit kein Positionsbezug möglich. So kam es, dass der Handwerker- und Gewerbeverein 78 Blick auf einen Teil Kleinbasels, Bild aus «Neues Nummernbüchlein der grossen und kleinen Stadt Basel und deren Bahn», Bild: Historisches Museum Basel wohl anfangs der 1860er Jahre bereits wieder aufgelöst wurde. Auf jeden Fall berichtet Hoffmann-Merian in seinen Memoiren, dass er 1864 gemeinsam mit Friedrich Goppelsröder eine neue Vereinigung gegründet habe. Diese war die Vorläuferin des Gewerbevereins von 1867, der zum ersten Mal nicht ausschliesslich aus Handwerkern bestand. Vielmehr hatte der neue Verein laut seinen Statuten zum Ziel «die Förderung der freundschaftlichen Verständigung der Industriellen, Gewerbetreibenden und Handwerker Basels, sowie die Hebung und Förderung alles dessen, was Handwerk, Gewerbe, Industrie und Handel betrifft.» Theodor Hoffmann-Merian glückte es, den Verein auf stabile Fundamente zu setzen. Dennoch war dieser nach 1867 zahlreichen Reformen unterworfen. Ein gemeinsamer Verein von Handwerk, Gewerbe, Industrie und Handel musste früher oder später auf Probleme stossen. Unter Hoffmann-Merians Ägide wurde er innert kurzer Zeit ein wichtiger Berater der Regierung in gewerbepolitischen Fragen. Das Handwerk und das Gewerbe hatten nun einen Gewerbeverein, der ihrem Anliegen Gehör verschaffen konnte und dem mit Hoffmann-Merian ein Präsident vorstand, der sich vor der Zukunft nicht fürchtete. Acht Jahre nach der erfolgreichen Gründung wurde in Basel die Handels- und Gewerbefreiheit eingeführt. Zusammenarbeit statt Wirtschaftskrieg Die Gründung des Handwerkervereins von Basel 1834 war eine Folge der wirtschaftlichen Spannung nach der Kantonstrennung. Das Verhältnis der beiden Halbkantone hat sich inzwischen natürlich normalisiert. Heute ist die Konkurrenz einer Partnerschaft gewichen. Der Gewerbeverband Basel-Stadt sieht seinen Zweck heute nicht mehr darin, das Schmuggeln von Baselbieter Waren in die Stadt zu verhindern. Vielmehr betont er in seinen Statuten vom 28. April 2004 in Artikel 2 «Allgemeiner Zweck» die «Förderung der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Basel und Region gemeinsam mit staatlichen und privaten Institutionen.» Was die Gründerväter von 1834 wohl dazu sagen würden? Theodor Hoffmann-Merian ( ) 1854 Präsident des Handwerker- und Gewerbevereins 1867 ff. Präsident des Gewerbevereins Eisenbahnbetriebschef, zuletzt der Schweiz. Centralbahn Direktionsmitglied der Handwerkerbank Basel Von und von sass Hoffmann-Merian als Freisinniger im Grossen Rat, ab 1886 zusätzlich noch in den Behörden der Bürgergemeinde. 89 Präsidenten und Direktoren des Gewerbeverbandes Basel-Stadt seit 1867 Präsidenten Theodor Hoffmann-Merian Albert Bischoff-Sarasin Theodor Hoffmann-Merian Dr. Friedrich Goppelsröder Theodor Hoffmann-Merian Albert Lotz Dr. Franz La Roche Theodor Hoffmann-Merian Albert Huber Ed. Werdenberg Dr. Robert Bindschedler Jacques Vogt Anton Stempfle Emanuel Göttisheim Gustav Pfeiffer Emil Müry-Flück Gustav Pfeiffer Dr. Wolfgang Börlin Hans Abt-Ettlin Gottfried Höchli Jakob Tschopp Dr. Gustav Bohny Eduard Voellmy Marcel Fischer Werner Oser seit 1998 Werner Schmid Direktoren * Dr. Friedrich Goppelsröder R. Kelterborn Dr. Franz La Roche Dr. Louis Sigmund 1880 August Schetty-Eisenlohr Dr. Karl Hübscher 1884 Werner Rumpf Dr. Lucius Salis H. Mohn (?) J.J. Lüssi Dr. Eugen Cremer Otto Amsler-Aubert Dr. A. Blatter Dr. Hans Gerster Dr. Ernst Weisskopf Dr. Eduard Frei Dr. Christoph Eymann seit 2001 Peter Malama *Hier kann es zu Überschneidungen kommen, da der Posten teilweise von zwei sogenannten Sekretären geteilt wurde. Die Bezeichnung Direktor entwickelte sich erst in der Ära Frei. Früher variierte die Bezeichnung von Schreiber ( ), 1. Sekretär bis zum Geschäftsleitenden Sekretär). 910 Fernsehgeräte bringen Handwerkerbank zu Fall Die Gründung der Handwerkerbank 1860 war ein Erfolg, die Bank wuchs schnell und stark. Das Ende nach 119 Jahren kam allerdings nicht ganz unerwartet. Schuld war unter anderem der Einbruch des Fernsehgerätemarktes. Die Aktie der Handwerkerbank (HWB) legte im Januar 1979 einen unerklärlichen Kurssprung hin. Sofort machten Gerüchte über eine mögliche Übernahme der Bank die Runde. Tatsächlich stimmte der Verwaltungsrat der HWB am 1. Februar einer Übernahmeofferte des Bankvereins zu. Nach 119 Jahren hörte die HWB auf zu existieren. Der Anfang vom Ende der Handwerkerbank liegt in den frühen 1970er Jahren. Die Geschäfte liefen bis dahin gut, die HWB war eine bewährte Institution mit langer Geschichte. Bereits 1866 war sie ins Immobiliengeschäft eingestiegen, da ihr immer wieder Hypotheken als Sicherheit für Darlehen angeboten worden waren. Knapp hundert Jahre später stiegen auch die Kantonal- und Grossbanken ins Hypothekargeschäft ein und konkurrenzierten damit die HWB. Diese entschloss sich darauf, ihre Tätigkeiten zu diversifizieren und investierte in Tochterfirmen, die im Immobilien-, Kleinkredit- und Leasing-Bereich tätig waren. Es war diese Diversifikation, die der Handwerkerbank zum Verhängnis werden sollte. Besonders die Übernahme der Zürcher Leavag (Leasing und Verkaufs AG) erwies sich als Bumerang. Nach dem Einbruch der Hochkonjunktur in den 1970er Jahren fielen nämlich die Preise auf dem Fernsehgerätemarkt massiv. Die Leavag, die vor allem auf diesem Markt tätig war, verlor viel Geld. Diese Verluste strapazierten das Budget der Handwerkerbank so stark, dass sie 1977 nur mit einem Darlehen des Bankvereins über 15 Millionen Franken überlebte. Die «Neue Zürcher Zeitung» schrieb: «Mit der Gewährung dieses Darlehens bringt der Bankverein zum Ausdruck, dass er in die Zukunft der Handwerkerbank volles Vertrauen hat.» Andere hingegen begannen an dieser Zukunft zu zweifeln. Die Probleme waren mit dem Darlehen nicht gelöst. Gleichzeitig zogen immer mehr Kunden ihr Geld ab. Der Verwaltungsrat sah keinen anderen Ausweg, als den Bankverein um eine Übernahmeofferte zu bitten. Die Presse reagierte entsetzt. «Finanz und Wirtschaft» etwa schrieb am 3. Februar 1979 von einer «verfehlten Geschäftspolitik» und Gustav Adolf Wanner nannte zwei Tage später in der «Basler Zeitung» die «stürmische Expansions- und Diversifikationspolitik» als Grund für das Ende. Ähnlich argumentierte die sozialdemokratische Zeitung «Vorwärts.» «Der unersättliche Riese» Bankverein «fresse» nun die Handwerkerbank, hiess es. Von einer feindlichen Übernahme konnte aber keine Rede sein. An der 119. und letzten Generalversammlung der HWB am 25. April 1979 stimmten die Aktionäre der Übernahme durch den Bankverein zu und warfen ihre Bank damit dem Bankverein selber «zum Frass» vor. Das Foto von Hans Bertolf zeigt den Abbruch der Handwerkerbank 1961 am heutigen Bankverein. Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt 1011 Schuster bleib bei deinen Leisten Mit Entsetzen hätten wohl die ersten Verwalter der Handwerkerbank auf die Geschehnisse der 1970er Jahre geblickt und geschrien: «Schuster bleib bei deinen Leisten!» An der Generalversammlung vom 14. Februar 1862 hiess es nämlich: «Dem Wohlwollen, mit welchem man uns entgegenkommt, sind wir es schuldig, mit der grössten Vorsicht zu handeln, die anvertrauten Interessen nach besten Kräften zu wahren und solche nicht durch eine unverhältnismässige Ausdehnung unserer Operationen zu gefährden, welchen in schwierigen Zeiten der Boden fehlt.» Diese Worte tönen wie eine Warnung an die Bankspitze der 1970er Jahre. Eine Warnung, die allerdings nicht gehört wurde. Bei der Gründung der Bank 1860 war das Ziel gemäss den ersten Statuten, «hiesigen Bürgern und Einwohnern vorübergehend Geldvorschüsse zur Förderung ihres Berufes zu leisten.» Weiter heisst es in Paragraph 8: «Die Entlehner (von Krediten) müssen in hiesiger Stadt wohnhaft und einen selbständigen Beruf, sei es Handwerk, Gewerbe oder Handelsgeschäft betreiben.» Erfolgreicher Start am 1. Juli begann man im Handwerkerund Gewerbeverein über die Einrichtung einer Bank für die Handwerker zu diskutieren. Den Handwerkern zur Seite stand damals nur die 1842 gegründete Vorschusskasse der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG). Die Idee einer eigenen Bank stiess im Handwerker- und Gewerbeverein auf grosses Wohlwollen. Im Januar 1860 rief der Verein zur Zeichnung von Aktien auf und bereits auf den 4. April konnte die Gründungsversammlung der Handwerkerbank einberufen werden. Am 1. Juli 1860 wurde die HWB schliesslich mit einem Bestand von 226 Aktionären eröffnet. Die ersten Jahre verliefen so erfolgreich, dass die GGG beschloss, ihre Vorschusskasse mit der Handwerkerbank zu verschmelzen und selber Aktionärin der HWB zu werden. Mit der Zeit legte die HWB einen Teil ihres Geldes auch im Ausland an. Diese Auslandsgeschäfte trieben die HWB allerdings nach dem 1. Weltkrieg beinahe in den Ruin. Der Währungszerfall nach 1918 machte viele Hypothekarpapiere in Deutschland und Frankreich wertlos, in welche die HWB investiert hatte. Schon damals war die HWB auf die Unterstützung des Bankvereins angewiesen. Von der Lokalbank zum Weltunternehmen Eine enge Nachbarschaft prägte in der Folge das Verhältnis zum Bankverein hatte die HWB das «Haus zum Lichteneck» an der Ecke Aeschenvorstadt / Elisabethenstrasse gekauft. Der Hauptsitz lag damit gleich vis-à-vis des Hauptsitzes des Schweizerischen Bankvereins wurde das Gebäude umgebaut und an Das Logo der Handwerkerbank am alten Firmensitz (heute Bider&Tanner) ist noch heute zu sehen. Bild: Tobias Stöcklin der Fassade die Skulptur «Die offene Hand» des Basler Künstlers Benedict Remund ( ) angebracht. Diese Skulptur mit dem HWB-Logo ist noch heute an der Fassade über dem Buchgeschäft Bider&Tanner zu sehen. Nach der Übernahme musste die HWB also nur über die Strasse ziehen. Der Hauptsitz des Bankvereins war damals allerdings wegen des Grossbrandes vom 8. Dezember 1978 gerade geschlossen, der Bankverein als solcher aber in hervorragender Verfassung. «Die Konzentration im Bankenwesen läuft auf vollen Touren», schrieb der «Vorwärts» am 8. Februar Sie war noch nicht abgeschlossen. 19 Jahre nach der Übernahme der Handwerkerbank durch den Schweizerischen Bankverein fusionierten dieser und die Schweizerische Bankgesellschaft zur UBS. Die ehemalige Basler Lokalbank der Handwerker wurde definitiv Teil eines Weltunternehmens. 1112 Damit Lehrlinge nicht zu Sozialisten werden 1877 führte der Gewerbeverband Basel-Stadt schweizweit die ersten Lehrabschlussprüfungen durch. Er reagierte damit auf die schlechten Zustände im Lehrlingswesen. Auch nach der staatlichen Regelung in einem Lehrlingsgesetz blieb der Gewerbeverband bei den Prüfungen federführend. «Ich bitte alle Anwesenden, die die Möglichkeit haben, Lehrlinge auszubilden, dies auch in diesem Jahr zu tun. Ich bin sicher, in drei bis vier Jahren würden sie sonst die Lehrlinge, die sie jetzt nicht ausbilden, vermissen», richtete Gewerbeverbandspräsident Werner Schmid anlässlich des Neujahrsempfangs 2009 des Gewerbeverbandes eine Bitte an die Gewerbetreibenden. Die Finanzkrise machte sich daran, auch die Region Basel und die lokale Wirtschaft in Mitleidenschaft zu ziehen und der Verband kümmerte sich nicht zum ersten Mal um ein wichtiges Anliegen: Die Ausbildung neuer Fachkräfte Lehrstellen wurden in Basel 2008 angeboten. Dies ist die höchste Zahl seit 20 Jahren. Viel Arbeit also für den Gewerbeverband, der im Kanton Basel-Stadt die Lehrabschlussprüfungen durchführt Kandidatinnen und Kandidaten wurden 2008 geprüft, 1301 davon bestanden erfolgreich. Die Organisation der Lehrabschlussprüfungen und der Abschlussfeiern bringt einen grossen Aufwand mit sich. Das Team um Reto Baumgartner, Leiter Berufsbildung beim Gewerbeverband, sammelt jedes Jahr sämtliche Noten der Absolventinnen und Absolventen, überprüft diese, wertet sie aus und hält sie in den Fähigkeitsausweisen fest. Im Vorfeld der Lehrabschlussprüfungen gehen somit gegen 8000 Dokumente über die Tische von Baumgartner und seinem Team. Da hatten es Baumgartners Vorgänger einfacher. Bei der ersten Lehrabschlussprüfung 1877 nahmen nur 14 Lehrlinge teil. Missliche Zustände im Lehrlingswesen Die Lehrlingsausbildung liess im 19. Jahrhundert manche Wünsche offen. Georg Kiefer-Bär sprach am 26. November 1868 im Gewerbeverband über die «Mittel zur Hebung von Handwerk und Gewerbe.» Kiefer regte an, dass Lehrlinge, die beim Abschluss eine selbstgemachte Arbeit vorlegten, ausgezeichnet werden sollten. Bedingung müsse allerdings sein, dass die Lehrlinge die Kosten für ihre Arbeit korrekt berechnen könnten. Kiefers Vortrag wurde vom Gewerbeverband zur Kenntnis genommen, konkrete Schritte wurden aber keine in die Wege geleitet, das Thema Lehrlingsausbildung blieb aber aktuell. Im Mai 1877 ging ein Herr Börlin erneut auf die Zustände im Lehrlingswesen ein: «Zur Zeit der alten Zunftverfassungen gehörte der Lehrling als drittes Glied, nebst Meister und Gesellen in seine Zunftgenossenschaft, welche für seine menschliche und gewerbliche Ausbildung besorgt war.» Mit dem Machtverlust der Zünfte sei diese Ordnung aufgebrochen worden, sehr zum Leidwesen der Lehrlinge und der Meister. Die Lehrlinge würden statt zum Arbeiter ausgebildet zum Handlanger degradiert, da der Meister befürchten musste, Ein Metzger instruiert im Jahr 1974 seine Lehrlinge. Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt 1213 Ansturm auf die Fähigkeitszeugnisse an der Lehrabschlussfeier Bild: Photo Basilisk der Lehrling verlasse unverhofft die Stelle. «Die Folgen davon sind, dass der Lehrling sein Handwerk nicht lernt, nie selbständig werden kann, in die Klasse der Fabrikarbeiter fällt und wohl die Zahl der Sozialisten vermehrt.» Folge dieser Entwicklung sei, dass gute Gesellen auf dem Arbeitsmarkt Mangelware seien und die Qualität des Handwerks leide. Börlin äusserte neben der Kritik einen konkreten Verbesserungsvorschlag: «Der Herr Vortragende wünscht, dass der Staat sich da einmischt und zwar durch Schaffung einer Instanz, welche aus Vertretern der Staatsgewalt, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zusammengesetzt sei und das gesamte Lehrlingswesen zu überwachen habe.» In der Folge entbrannte unter den Anwesenden eine lebhafte Diskussion. Vor allem die staatliche Einmischung war eine umstrittene Massnahme. Auf Antrag von Georg Kiefer wurde schliesslich eine Kommission eingesetzt, die den Auftrag erhielt, Wege und Mittel zur Besserung des Lehrlingswesens zu prüfen und dem Verband praktische Vorschläge zu präsentieren. Das Thema brannte unter den Nägeln, denn die Kommission arbeitete sehr schnell. Der angenommene Vorschlag der Kommission lautete: «Der hiesige Gewerbeverein verteilt circa 20 Prämien nebst Anerkennungsdiplomen an solche Gewerbelehrlinge, welche sich durch ein Zeugnis ihrer Lehrherrn über eine befriedigend vollbrachte resp. zu Ende gehende Lehrzeit ausweisen können, welche ein selbstverfertigtes gutes Lehrstück einreichen, und welche die Herstellungskosten desselben richtig berechnen können.» Stolze Preisgelder für die besten Lehrlinge Gleich nach dem Kommissionsbeschluss wurde die erste Lehrabschlussprüfung organisiert. Die Gewerbeausstellung, die 1877 im Stadtcasino durchgeführt wurde, diente als Bühne. Die Paravicinische Stiftung, einige Zünfte und Ehrengesellschaften sowie verschiedene Privatpersonen stellten insgesamt 655 Franken für die Prämierung der besten Lehrstücke zur Verfügung. 450 Franken waren als Preisgeld für die erste Prämierung vorgesehen, der Restbetrag wurde auf der Handwerkerbank in einem neu gegründeten Lehrlingsprämierungsfonds angelegt. Die erste Verteilung der Prämien und Diplome fand am 11. Juli 1877 auf dem Balkon des Musiksaals im Stadtcasino statt. Dr. J.J. Wackernagel, Statthalter des Gewerbeverbandes, hielt eine Ansprache an die Lehrlinge und nahm die Prämierung vor. Klassen der oberen Realschule begleiteten die gut besuchte Feier mit ihrem Gesang. Der 1. Preis in Form von je 50 Franken ging an zwei Lehrlinge, 8 Personen erhielten 35 Franken, drei 30 Franken und eine Person 10 Franken «als Aufmunterung» wie es im Jahresbericht des Gewerverbandes von 1878 heisst. Obwohl nur sehr wenig Zeit zur Vorbereitung geblieben war, nahmen 14 Lehrlinge an den Abschlussprüfungen und der anschliessenden Feier teil, die meisten kamen aus dem Waisenhaus. Die Entwicklung der Lehrabschlussprüfungen ging nicht den gewünschten Weg. Das Modell der Lehrlingsprämierung stiess zwar auf Anerkennung und der 1879 gegründete Schweizerische Gewerbeverein empfahl seinen Mitgliedern die Übernahme des Basler Modells. Bereits 1881 brachte der Schweizerische Gewerbeverein auf Anregung aus Basel einen einheitlichen Lehrbrief heraus und erliess 1314 1888 ein einheitliches Prüfungsreglement. Die Zusammenarbeit des Verbands mit den Handwerkermeistern in Basel liess allerdings zu wünschen übrig, wie die verantwortliche Kommission des Gewerbeverbandes 1882 beklagte wurden die ersten Lehrtöchter zu den Prüfungen zugelassen. Dennoch blieb die Zahl der an den Prüfungen teilnehmenden Lehrlingen unter den Erwartungen. Der endgültige Durchbruch der Lehrabschlussprüfungen liess bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts auf sich warten. Erst das kantonale Lehrlingsgesetz von 1906 und seine Reglemente brachten das Obligatorium der Prüfungen und führten dazu, dass die Lehrlinge nicht mehr um Prüfungen herumkamen. Spannend ist ein Blick auf die «Statistik der geprüften Lehrlinge nach Berufsarten.» Es dominieren die Berufe Bäcker, Gärtner, Maler, Schlosser, Schreiner und Spengler. Es sind aber auch einige Berufe aufgelistet, die heute nicht mehr bekannt sind. Von 1877 bis 1911 absolvierten zum Beispiel 25 Bürstenmacher, 14 Drechsler, 1 Giletmacher, 1 Hutmacher, 2 Kübler, 2 Mosaikleger, 1 Posamenter, 1 Schirmmacher und 2 Seifensieder die Lehrabschlussprüfungen. Lehrabschlussprüfung wird obligatorisch Bei der Einführung von Lehrlingsgesetzen waren in der Schweiz die welschen Kantone federführend. Neuenburg führte bereits 1890 ein Lehrlingsgesetz ein, Freiburg 1895 und die Waadt ein Jahr darauf. In Basel liess ein entsprechendes Gesetz länger auf sich warten. Johann Friedrich Schär reichte am 11. Januar 1900 im Grossen Rat einen Anzug ein, der den Regierungsrat einlud, «zu prüfen und zu berichten, ob nicht über die gewerbliche und kaufmännische Berufslehre ein Gesetz zu erlassen sei.» In der Diskussion um ein solches Gesetz setzte sich der Gewerbeverband für eine gesetzliche Regelung des Lehrlingswesens ein, während sich die kaufmännischen Organisationen eher skeptisch zeigten. Der Anzug von Schär wurde überwiesen, die Antwort der Regierung liess allerdings vier Jahre auf sich warten. Am 14. Juni 1906 wurde schliesslich das erste kantonale Lehrlingsgesetz verabschiedet. Es regelte die Pflichten und Rechte der Lehrlinge und der Meister. Sämtliche Lehrlinge mussten nun der staatlichen Vollzugsbehörde, dem Gewerbe-Inspektorat, gemeldet werden, die maximale Arbeitszeit wurde auf 60 Wochenstunden festgelegt und der Lehrling wurde gegenüber dem Lehrmeister «zu Fleiss, Treue, Gehorsam und zu Verschwiegenheit in allen geschäftlichen Angelegenheiten» verpflichtet. Das Obligatorium der Lehrabschlussprüfungen schrieb erst ein Reglement von 1910 fest, die Prüfungsleitung wurde dabei dem Gewerbeverband überlassen. Da der Kaufmännische Verein gegen das Obligatorium war, verzögerte sich dieses für kaufmännische Lehrlinge bis Auch die Fabriklehrlinge konnten erst nach Einführung des Fabrikgesetzes 1920 dem Lehrlingsgesetz unterstellt werden. Partnerschaft zwischen Staat, Wirtschaft und Gewerbe Eine einheitliche Regelung des Lehrlingswesens auf Bundesebene folgte Der Bund schrieb im Bundesgesetz über die berufliche Ausbildung ein Obligatorium des beruflichen Unterrichts und der Lehrabschlussprüfungen für die ganze Schweiz vor. Das aktuelle Bundesgesetz über die Berufsbildung BBG trat am 1. Januar 2004 in Kraft. Es überträgt die Aufsicht über die berufliche Grundbildung den Kantonen. Das entsprechende kantonale Gesetz über die Berufsbildung trat am 12. September 2007 in Kraft und bestimmt in 35.2: «Das zuständige Departement kann die Durchführung der Prüfungen oder anderer Qualifikationsverfahren an Organisationen der Arbeitswelt oder an andere Institutionen übertragen.» Seit jeher ist dies in Basel-Stadt der Gewerbeverband. Über die korrekte Umsetzung des Gesetzes wachen die Mitarbeitenden der Berufsberatung, Berufs- und Erwachsenenbildung des Erziehungsdepartementes Basel-Stadt. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen kantonalen Ämtern hat eine lange Tradition. Das sieht auch Reto Baumgartner so: «Durch die Delegation der Prüfungsdurchführung an den Gewerbeverband entstand eine Partnerschaft zwischen Staat, Wirtschaft und Gewerbe, die ein grundlegendes Prinzip des Schweizerischen Bildungssystems darstellt.» 1415 Das Lehrlingsdiplom von Schlosser Samuel Baur aus dem Jahr 1880 ist das älteste bekannte Diplom, das im Rahmen der Lehrabschlussprüfungen ausgestellt wurde. Es ist von Theodor Hoffmann-Merian unterzeichnet. Hoffmann hatte an der Etablierung des Gewerbeverbandes nach der Gründung von 1867 grossen Anteil. Er präsidierte den Gewerbeverband nach 1867 viermal, das letzte Mal von 1880 bis Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt 1516 Doppeltes Ende für das Gewerbemuseum? Einst riss man sich beim Kanton darum, dann liess man es untergehen. Das Gewerbemuseum hat eine bewegte und eng an die Gewerbeschule geknüpfte Geschichte. Seit der Schliessung 1996 lebt es als «Museum für Gestaltung Basel GmbH» weiter. Noch heute ist über dem Eingang zur heutigen Bibliothek der Schule für Gestaltung an der Spalenvorstadt 2 die Inschrift «Gewerbemuseum» zu lesen. Seit dem 31. März 1996 ist die 1989 in «Museum für Gestaltung» umbenannte Institution aber nicht mehr dort anzutreffen. Der Regierungsrat hat das Museum aus finanziellen Gründen aufgegeben. Vergebens hatten im September 1995 Interessierte gegen die Schliessung protestiert. Auf einer Strecke von knapp 3 Kilometern zwischen der Schule für Gestaltung im Kleinbasel und dem Museum für Gestaltung an der Spalenvorstadt wurde ein Schriftpfad in weisser Farbe auf den Boden gemalt und damit gegen den Kulturabbau in Basel protestiert. Die Plakatsammlung des Museums für Gestaltung wurde nach der Schliessung zu einer Abteilung der Schule. In den Ausstellungsräumlichkeiten des alten Museums werden noch heute regelmässig Ausschnitte aus der Sammlung gezeigt. Gegründet hat das Gewerbemuseum der Gewerbeverein. Die Handwerkersektion hatte die Museumsidee bereits in den 1870er Jahren lanciert. Sie wollte eine Muster- und Modellsammlung handwerklicher Produkte zeigen, die den Handwerkern Zugang zu den besten Produkten geben und sie so zu Topleistungen anspornen sollten. Mit den neusten, schönsten und besten Arbeiten wollte man auch das Publikum über die Tätigkeit des Handwerks und Gewerbes informieren. Der Gewerbeverein nahm die Idee der Handwerker auf und verabschiedete am 4. Dezember 1878 ein «Programm für ein durch den Gewerbeverein zu errichtendes Gewerbemuseum.» Verknüpfung von Museum und Schule Obwohl bereits der Erlös der Gewerbeausstellung 1877 für das Projekt Gewerbemuseum zurückgestellt worden war, verzögerte sich die Eröffnung des Museums aus finanziellen Gründen. Hinzu kam, dass für das Museum keine geeignete Lokalität vorhanden war. Als Zwischenlösung zog das Museum schliesslich in die Gewerbehalle an der Schifflände ein und feierte am 2. Mai 1881 Eröffnung. Erster Museumsdirektor wurde Wilhelm Bubeck, der gleichzeitig der Zeichnungs- und Modellierschule vorstand. Diese Institution war 1796 von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) gegründet worden. Das Schicksal des Gewerbemuseums sollte in der Folge eng an jenes der Schule geknüpft sein wandelte der Grosse Rat die Zeichnungs- und Modellierschule in die Allgemeine Gewerbeschule um. Geplant war ein Neubau. Es lag nahe, das Gewerbemuseum in das neue Gebäude zu integrieren. Der Gewerbeverein fürchtete, dadurch das Gewerbemuseum an den Staat zu verlieren und somit keinen Einfluss mehr auf die Ausstellungstätigkeit zu haben. «Der Staat hat kein Interesse, ein solches rein für den Gewerbestand berechnetes Institut unter seine Leitung zu bringen,» schrieb darauf der Regierungsrat am 29. September 1888 in einem Brief. Vier Jahre später hatte sich die Situation allerdings verändert. Der Grosse Rat stimmte am 16. Juni 1892 einem Gesetz zu, welches das Gewerbemuseum unter die Aufsicht des Staates stellte. Im darauf folgenden Jahr bezog das Museum gemeinsam mit der Allgemeinen Gewerbeschule den Neubau in der Spalenvorstadt. Die Inschrift über dem Eingang zum alten Gewerbemuseum auf der Lyss ist noch heute zu sehen. Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt 1617 Das Gewerbemuseum wird verstaatlicht Handwerk und Gewerbe hatten Mühe mit der Nähe von Museum und Schule. Eine Ausrichtung des Museums auf die Themen der Schule wurde befürchtet. Im Juni 1914 wurde das Gewerbemuseum direkt dem Erziehungsdepartement unterstellt. Kaum verstaatlicht wurde das Museum wegen des 1. Weltkrieges vorübergehend geschlossen und vom Militär als Kommandoquartier genutzt. Lediglich die Bibliothek war noch in Betrieb. Nach dem 2. Weltkrieg tauchten neue Probleme auf. Als die Stadt 1947 wegen finanzieller Probleme die Schliessung ins Auge fasste, war es die Gewerbeschule, die sich für den Erhalt des Museums stark machte. Die umfangreiche Bibliothek und die Ausstellungen seien eine wichtige Informationsbasis für die Schüler. Später zeichnete sich trotzdem eine Trennung des Gewerbemuseums und der Gewerbeschule ab bezog die Schule einen Neubau im Kleinbasel. Zehn Jahre später wurde auch die Leitung des Museums und der Schule getrennt. Der räumlichen Trennung folgte in den 1980er-Jahren auch eine programmatische wurde aus dem Gewerbemuseum das Museum für Gestaltung. Inhaltlich wurde das Schwergewicht weg von Handwerk und Gewerbe hin zu Themen aus dem gesellschaftlichen Alltag gelegt. Die Idee lebt weiter? Das Museum für Gestaltung lebte Das Gewerbemuseum an der Ecke Spalenvorstadt / Petersgraben um ca auch nach der Schliessung 1996 weiter. Matthias Götz und Bruno Haldner gründeten die Museum für Gestaltung Basel GmbH und zogen ins benachbarte Weil am Rhein nach Deutschland. «Aufgrund dieser Lage und nachdem alle Aufräumarbeiten abgeschlossen sind, hat der Regierungsrat nun beschlossen, dem Museum für Gestaltung in Weil am Rhein Starthilfe zu gewähren», teilte die Basler Regierung am 4. Juni 1996 mit. In Weil blieb das Museum bis 2000 und kehrte danach vorübergehend nach Basel in Ausstellungsräume am Klosterberg zurück. Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt «Das Museum für Gestaltung konzipiert und realisiert Ausstellungen zu Themen der Gestaltung und ihren Grundlagen, zu Fragen der Wahrnehmung, zur Medien- und Objektgeschichte sowie zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen», heisst es auf der Internetseite des Museums (www.museumgestaltung-basel.ch). Am 1. Juni 2003 ging die Ausstellung «Al fresco», eine Filmausstellung, die sich in bewegten Bildern mit dem Thema Zeit auseinandersetzte, zu Ende. Es war bis jetzt die letzte Ausstellung des Museums für Gestaltung Basel. Die GmbH existiert noch immer. Matthias Götz, Mitinhaber und Professor für Designtheorie an der Hochschule für Kunst und Design Halle erklärte aber Ende 2008, dass zur Zeit in Basel keine Projekte am Laufen oder geplant seien. Auch sei der von Ruedi Bienz Vorsitzender der Geschäftsleitung und Präsident des Verwaltungsrates des Schwabe Verlags präsidierte Freundesclub Museum für Gestaltung Basel 2007 wegen ungenügender Geldeingänge aufgelöst worden. Dem Museum für Gestaltung Basel droht damit ein zweites Ende. 1718 Vereinigt im Kampf gegen die Kreuzritter Gemeinsam erlebten der Gewerbeund der Wirteverband Basel-Stadt im September 2008 eine schwere Niederlage. Das Basler Volk stimmte für ein rigoroses Rauchverbot in den Beizen. In der Vergangenheit gingen die beiden Verbände jedoch oft getrennte Wege. In den 1980er- Jahren sorgten Meinungsverschiedenheiten für einen heftigen Streit. Die Geschichte des Gewerbeverbandes und der Stadt Basel ist ohne Wirte unvorstellbar. Die Gründerväter trafen sich 1834 zum Beispiel in der Zunft zu Schuhmachern, um die Gründung des Gewerbeverbandes voranzutreiben. Im selben Haus wurde am 15. November 1893 eine weitere wichtige Basler Institution gegründet: Der FC Basel. Auch der Wirteverband entstand im 19. Jahrhundert. Die Gründung bleibt allerdings im Dunkeln und wird auf 1881 datiert. Aus diesem Jahr stammt das erste Dokument, das einen Wirteverein erwähnt. Es ist eine «Petition der Vereinigten Wirte des Kantons Basel-Stadt gegen das neue Wirtschaftsgesetz.» Nach der Revision der Bundesverfassung 1874, welche die allgemeine Gewerbefreiheit einführte, sprossen in Basel neue Wirtschaften in Massen aus dem Boden. Die Politik versuchte, diesen Beizenboom in den Griff zu bekommen forderte der Grosse Rat die Regierung auf, zu überprüfen, ob die Bier- und Weinsteuer durch ein Wirtschaftspatent ersetzt werden sollte. In jener Diskussion lancierten die Wirte ihre Petition gegen das Wirtschaftsgesetz. Die Einführung des Gesetzes verzögerte sich wegen Diskussionen auf Bundesebene bis Die Basler Wirte traten aber nicht immer sehr einheitlich auf. So existierten gleich drei Wirteorganisationen bis Dann fusionierten die Vereinigung neutraler Wirte, der Arbeiter-Wirteverein und der Wirte-Verein Basel-Stadt zum Kantonalen Wirteverein Basel-Stadt (ab 1994 Wirteverband Basel-Stadt). Bereits zwei Jahre nach der Fusion sei der Wirteverband aus unbekannten Gründen für vier Jahre aus dem Gewerbeverband ausgetreten, schreibt Mario Nanni in seiner Geschichte der Basler Gastronomie. In den entsprechenden Jahresberichten des Gewerbeverbandes wird der Wirteverein allerdings weiterhin als Mitglied aufgelistet. Austritt aus Ärger gegen die «Baulobby» In der jüngeren Vergangenheit trat der Wirteverband zweimal aus dem Gewerbeverband aus und wieder ein. Der Gewerbeverband hatte im September 1985 beschlossen, den Mitgliederbeitrag für den Aktionsfonds von sechs auf 50 Franken zu erhöhen sehr zum Leidwesen des Wirteverbandes: Die Erhöhung des Mitgliederbeitrages treffe den 500 Mitglieder starken Verband empfindlich und überschreite seine Möglichkeiten, hiess es. Die Wirte schlugen dem Gewerbeverband eine pauschale Verdopplung des Verbandsbeitrages vor. Darauf liess sich der Gewerbeverband nicht ein. Ein solches Angebot sei unfair gegenüber den anderen Verbandsmitgliedern, meinte dieser und drohte den Wirten mit dem Ausschluss. An der Generalversammlung des Wirteverbandes vom 12. Mai 1987 kam es nicht ganz überraschend zum Eklat. Die Delegierten stimmten mit grossem Mehr für den Austritt aus dem Gewerbeverband. Jean Moser, Präsident des Wirteverbandes, «hat den Eindruck, dass der Gewerbeverband den Interessen der Baulobby mehr Verständnis entgegenbringe», schrieb die Basler Zeitung am 13. Mai Überrascht vom Austritt zeigte sich Gewerbedirektor Christoph Eymann. Gegenüber der Basler Zeitung meinte Eymann, dass die Wirte unrealistische Erwartungen hätten. So sei verlangt worden, dass der Verband etwas gegen die Stadtfeste und die Cliquenkeller unternehme, da sich die Wirte von der sogenannten Paragastronomie bedroht fühlten. Nach einer langen Diskussion beschloss der Vorstand des Gewerbeverbandes im Juni 1987, dem Wirteverband die Türe zum Wiedereintritt möglichst offen zu lassen und auf harte Massnahmen, etwa die Einforderung der ausstehenden Mitgliederbeiträge für die Jahre 1985 bis 87, zu verzichten. In der Tat entspannte sich das Verhältnis drei Jahre später. In der Frage der Mitgliederbeiträge wurde eine Einigung erzielt, der Wirteverband hatte einen Pauschalbeitrag zu bezahlen. Gewerbepräsident Werner Oser wagte sich in die Höhle des Löwen und sprach am 9. Mai 1990 an 1819 der Delegiertenversammlung vor den Wirten. Er konnte miterleben, wie mit 53 gegen 2 Stimmen bei 12 Enthaltungen der Wiedereintritt in den Gewerbeverband beschlossen wurde. Thomas Moosberger, Präsident des Wirteverbandes, wurde daraufhin in den Vorstand des Gewerbeverbandes aufgenommen. Korrektes Verhältnis mit dem wichtigen Partner Heute vertritt Wirteverbands-Präsident Josef Schüpfer die Anliegen der Wirte im Vorstand des Gewerbeverbandes. «Das Verhältnis zum Gewerbeverband ist heute kein Thema mehr», sagt Schüpfer. Allerdings trat der Wirteverband 1996 erneut aus. Damals flogen aber weniger Fetzen. Der Gewerbeverband wollte die Eintreibung der Mitgliederbeiträge an die Berufsverbände delegieren. Aus Ärger traten die Wirte aus und drei Jahre später wieder ein. Erneut hatte man sich zu einem Kompromiss durchgerungen und eine Verbandspauschale ausgehandelt. «Seit der Wirteverband im Vorstand des Gewerbeverbandes vertreten ist, fühlen wir uns richtig verstanden», sagt Mario Nanni, Archivar des Wirteverbandes. Nanni verfasste 2005 «Die Geschichte der Basler Gastronomie» und kennt diese Geschichte wie kein zweiter. «Der Wirteverband hat sich nie quer gestellt, sondern sich gewehrt, wenn er nur zahlen sollte, aber nicht mitreden durfte.» Auch Nanni beschreibt das Verhältnis zum Gewerbeverband als korrekt. Ähnlich tönt es bei Peter Malama. «Der 1893 stand das Restaurant Farnsburg dort, wo heute Fast Food angeboten wird. Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt Gewerbeverband Basel-Stadt kämpft täglich für gewerbefreundliche Rahmenbedingungen. Der Wirteverband Basel-Stadt ist dabei ein wichtiger Partner, der in der Stadtgeschichte stets eine wichtige Rolle eingenommen hat und noch immer einnimmt», schreibt Gewerbedirektor Malama in seinem Vorwort zu Nannis Buch. Gemeinsamer Kampf gegen die Kreuzritter In der Tat liegt der letzte gemeinsame Kampf für gewerbefreundliche Rahmenbedingungen nicht weit zurück. Als am 28. September 2008 über die kantonale Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» abgestimmt wurde, kämpften die beiden Verbände Seite an Seite. Gewerbedirektor Peter Malama sass im «Komitee für den Basler Weg.» Die Wirte sollten in Eigenregie durchsetzen, dass bis Ende Prozent der Gastrobetriebe klar getrennte Nichtraucherbereiche im Angebot hätten. Für die Hälfte der Plätze hätte ein Rauchverbot gegolten. Die Initianten der Lungenliga wollten aber sofort ein totales Rauchverbot. André Auderset, Mediensprecher der Liberaldemokratischen Partei, schrieb am 26. September 2008 im «Baslerstab» von einem «sektiererischen Kreuzzug gegen die Rauchenden.» Die Mehrheit der Baslerinnen und Basler sah es anders. Sie stimmten mit 52 Prozent Ja-Anteil der Initiative «Schutz vor Passivrauchen» zu und damit gegen «den Basler Weg.» Werner Schmid, Präsident des Gewerbeverbandes schrieb daraufhin am 4. Dezember 2008 in der «Basler Zeitung», dass «sich viele Wirte berechtigterweise Sorgen um die Zukunft ihrer Betriebe machen.» Noch bleibt etwas Zeit. Das Rauchverbot im Kanton Basel-Stadt tritt am 1. April 2010 in Kraft. 1920 «Die Gewerbetreibenden wissen nicht, was sie wollen» Die Neugründung des Gewerbevereins von 1867 war ein Meilenstein in der Geschichte des Basler Gewerbes. Erst 50 Jahre später gelang es allerdings, dem Handwerk und Gewerbe eine politische Stimme mit Gewicht zu geben. Die 1917 gegründete Gewerbekammer beendete lange Streitigkeiten im Gewerbeverband. Obwohl bereits 1834 der erste Handwerkerverein gegründet wurde, besteht der heutige Gewerbeverband Basel-Stadt erst seit 1867 ohne Unterbrüche wurde auch lange Zeit als Gründungsjahr des Verbands gefeiert. So 1917, als der 50. Geburtstag gefeiert und gleichzeitig Verbandsgeschichte geschrieben wurde. Mit der Gründung der Gewerbekammer setzte der Gewerbeverband ein Ausrufezeichen und beendete Streitigkeiten und Konflikte, die den Gewerbeverein zuvor begleitet hatten. Die Handwerker hatten sich im neuen Gewerbeverein zu wenig vertreten gefühlt. Sie gründeten eine Handwerkersektion, die zwar Mitglied des Vereins blieb, aber selbständig agierte. Der Verein drohte, ein weiteres Mal auseinander zu brechen, und überlebte nur dank einer Überarbeitung der Vereinsstrukturen. Die Mitsprache der Sektionen und damit der Zusammenhalt des Gesamtvereins wurde 1885 gestärkt. Nur zwei Jahre später kam es dennoch zu einem kleinen Eklat. Obwohl es im Gewerbeverein nicht opportun war, sich politisch zu positionieren, unterstützte die Sektion der Handwerker bei den Nationalratswahlen 1887 einen eigenen Kandidaten. Der Verein rügte sie. Gut Ding will Weile haben Innerhalb der Handwerkersektion bestanden Untersektionen einzelner Handwerke. Diese erhielten 1890 die Möglichkeit, direkt in den Gesamtverein aufgenommen zu werden. Die Handwerkersektion wurde aufgelöst und der Gewerbeverein in «Handwerkerverein und Gewerbeverein» umbenannt. Politisch hatte auch der neue Verein wenig Gewicht. Man war sich uneinig und konnte in gewerbepolitischen Fragen nicht mit Nachdruck agieren. Auch die Umbenennung in Gewerbeverband Basel-Stadt 1906 brachte nicht den gewünschten Erfolg. Es dauerte weitere 11 Jahre und erforderte eine Revision der Statuten, bis es gelang, den neuen «Kantonalen Gewerbeverband Basel-Stadt» als jenen Player in der politischen Landschaft zu positionieren, der sich für die Anliegen des Basler Handwerks und Gewerbes stark machen kann. Keine Heirat mit der Handelskammer Der Ingenieur und Wegbereiter des Basler Rheinhafens Rudolf Gelpke hielt im Mai 1916 im Gewerbeverband einen Vortrag zum Thema «Wirtschaftliche Organisationsformen.» Er sprach über die Notwendigkeit des kollektiven Zusammenarbeitens und empfahl dem Gewerbeverband eine Mitarbeit in der Handelskammer. «In den nachfolgenden Diskussionen zeigte sich aber wenig Sympathie für diesen Gedanken, weil man der Meinung war, es sei wohl nicht möglich, von einer Stelle aus die Interessen der Grossindustrie, des Grosshandels, der Kleinindustrie, des Handwerks und des Kleinhandels in genügend wirksamer und nachhaltiger Weise zu vertreten», schrieb der Gewerbeverband 1917 in seiner Jubiläumsschrift. Dennoch wurde eine Delegation gebildet, die mit der Handelskammer zusammenarbeiten sollte. Schon bald zeigte sich, dass eine eigenständige Institution für das Handwerk und den Kleinhandel nötig war. Die Regierung unterstützte diese Idee und am 27. März 1917 wurde das Projekt «Gewerbekammer» der Delegiertenversammlung vorgelegt. Das Gewerbe erhält eine Stimme Die Errichtung der Gewerbekammer mit den beiden Teilkammern Handwerk und Kleinhandel wurde als grösste Umgestaltung in der Vereinsgeschichte wahrgenommen. Die Gewerbekammer setzte sich aus den Präsidenten der Berufs- und Branchenverbände zusammen und stand diesen in politischen Fragen beratend und unterstützend zur Seite. Auf Empfehlung des Regierungsrates nahm der Grosse Rat am 28. Juni 1917 einen Nachtragskredit zum Budget an und sprach für die Gewerbekammer und das Arbeitersekretariat des Arbeiterbundes einen Betrag von jeweils Franken, den er ein Jahr später verdoppelte befand sich Europa im 1. Weltkrieg, die Politik war stark an 20 Mehr anzeigen
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