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Timestamp: 2018-12-11 10:50:43+00:00

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Die Armbrust, auch Pfeilbüchse genannt, ist eine bogenähnliche Fernwaffe, die Pfeile oder Bolzen aus Metall, Kunststoff oder Holz verschießt.
5 Schwere Armbrüste
Das Wort Armbrust geht auf lat. arcubalista (Bogenschleuder, dt. auch „Arcuballiste“) zurück[1], im Französischen arbalète. Im 17. Jahrhundert war noch das Wort „Balester“ verbreitet. Bei der Eindeutschung wurden die Wörter „Arm“ und mhd. berust/berost (Ausrüstung bzw. Bewaffnung) kombiniert, woraus sich durch Verschleifung „Armbrust“ (regional auch Armborst, Armst, Arbrost)[1] entwickelte, sodass eine typische Volksetymologie entstehen konnte, durch Herleitung von dem Körperteil Brust. Der Plural lautet Armbrüste, seltener Armbruste. Der Hersteller einer Armbrust war der Armbruster.
„Wallarmbrust“ des 15. Jahrhunderts. Diese schweren Armbrüste wurden auf die Mauer aufgelegt und zur Verteidigung bei Belagerungen verwendet.
Neben den tragbaren Armbrüsten für die Feldschlacht gab es auch noch größere stationäre Geräte mit höherer Leistung, die auf Schiffen und zur Verteidigung von Burgen und Städten eingesetzt wurden wie die sogenannte Turmarmbrust oder Flaschenzugarmbrust, ähnlich der römischen Balliste, bei der allerdings die Torsionsspannung von verdrehten Faserbündeln genutzt wurde. Sie war zum Horizontalschuss bestimmt und hatte die typische Armbrustform. Man baute Turmarmbruste mit einer Länge von bis zu zehn Metern. Sie sind systematisch verwandt mit historischen Katapulten sowie neuzeitlichen Harpunensystemen und Geschützen (Lafetten, Panzer).
Im antiken Griechenland ist seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. eine Urform der Armbrust bezeugt, der Gastraphetes. In Xanten am Niederrhein fanden Archäologen in einer Kiesgrube metallene Reste einer römischen Torsionsarmbrust aus der Zeit um Christi Geburt. Reste ähnlicher Waffen wurden bereits in Spanien und im Irak entdeckt. Ein militärischer Einsatz der Armbrust durch römische Soldaten ist daher wahrscheinlich. Die Römer nannten diese Waffen Ballistae. Römische Armbrüste mit Hornbogen sind auf den Reliefs von Solignac und Saint Marcel bei Le Puy zu sehen. Die Darstellung der letztgenannten wird auf das 1. Jahrhundert n. Chr. datiert. Beide Waffen haben einen kurzen Schaft. Die Sehne wurde (nach dem Relief von Solignac zu urteilen) im gespannten Zustand durch die sogenannte Nuss gehalten.[2][3]
In Europa wurde die Verwendung von Bögen und Armbrüsten in Kämpfen zwischen Christen durch das Zweite Lateranische Konzil 1139 verboten[4], da sie wegen ihrer Reichweite und ihrer Durchschlagskraft gegen Rüstungen als unritterlich galten. Der Einsatz gegen Heiden, insbesondere gegen arabisch-islamische Gegner, blieb jedoch erlaubt. Diese moralische Ächtung war jedoch in der Kriegspraxis nicht durchsetzbar. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet ein bekannter Förderer der Armbrust, Richard Löwenherz, kam 1199 durch einen Armbrustbolzen zu Tode.
Im späten 15. Jahrhundert wurde mit der Arkebuse (Hakenbüchse) eine tragbare Feuerwaffe konzipiert, die sowohl den Bogen als auch die Armbrust als Kriegswaffe bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts in großen Teilen Europas verdrängte. Der Codex Atlanticus von Leonardo da Vinci, datiert zwischen 1478 und 1518, enthält noch Entwürfe einer gigantischen Armbrust. Als Jagdwaffe blieb sie weiterhin in Gebrauch. Sowohl die frühen Armbrüste als auch die jagdlichen Armbrüste, die ab dem 16. Jahrhundert parallel zu den Feuerwaffen mit Lunten-, Rad- und später Steinschloss Verwendung fanden, wiesen die typischen Wangenschäfte auf, die lediglich an die rechte Wange des Schützen gehalten wurden. Parallel zu den zeitgleich gefertigten Radschlossbüchsen nahm der Schaft, bei den Armbrüsten „Säule“ genannt, einen immer stärker ausgeprägten dreieckigen Querschnitt an, weil die Schaftwange immer körpergerechter ausgebildet wurde. Heutige Armbrüste werden im Schulteranschlag geschossen.
Moderne Feld- und Jagdarmbrüste (Ende 20. Jahrhundert) haben Bögen aus mit Glas- und Kohlenstofffasern verstärktem Kunststoff. Sie werden auch sonst überwiegend aus Leichtmetallen und hochwertigen Kunststoffen gefertigt und sind daher relativ leicht und wetterunempfindlich. Auch bei den Bolzen kommen moderne Materialien zum Einsatz. Sie sind in der Regel länger als früher, weshalb hier inzwischen die Bezeichnung „Pfeil“ überwiegt. Durch Schraubgewinde lassen sich die Spitzen der Pfeile ohne aufwändiges Werkzeug je nach Bedarf schnell wechseln. So lassen sich beispielsweise die Spitzen durch Jagdspitzen austauschen. Durch den Einsatz von Recurve- und vor allem Compound-Bögen konnten die Leistungen moderner Armbrüste bei geringerem Zuggewicht wesentlich verbessert werden. Besonders der Compound-Bogen mit den Exzenterrollen macht es möglich, dass das höchste Zuggewicht am Anfang des Spannvorgangs liegt, was das Spannen körperlich sehr erleichtert und die Abzugmechanik entlastet. Gleichzeitig kann der Sehnenweg, auf dem der Pfeil beschleunigt wird, erheblich verlängert werden, ohne dass die Spannweite des Bogens, der schlagende Teil der Sehne und somit die Vibrationen bei der Schussabgabe und der Verschleiß zunehmen. Die Pfeilgeschwindigkeit wird dadurch und durch die höhere Geschwindigkeit der Sehnenbewegung ebenso erhöht wie die gesamte Präzision des Schusses. Außerdem lassen sich verschiedene Spannhilfen, die bei einigen Modellen eine Kurbel besitzen, anbringen. Viele moderne Modelle verfügen auch über Schnellverstellungen für die Visiereinrichtungen.
Schwere Armbrüste
Eine schwere Armbrust (siehe 4. Bild von oben) arbeitet oftmals mit einer Winde oder Kurbel zum Aufziehen. Die englische Winde ist eine Art Flaschenzug, der auf der Säule der Armbrust angebracht ist. Die Sehne wird in die doppelten Spannhaken am oberen Radgehäuse eingelegt und durch beidhändiges Drehen der beiden auf einer Welle sitzenden Kurbeln über Seile gespannt. Die sogenannte deutsche Winde arbeitet mit einer Zahnstange anstelle von Seilen. Diese technische Neuerung tauchte im 14. Jahrhundert auf. Das Spannen erfordert wegen des Flaschenzugmechanismus etwa 40 Sekunden. Weil der Spannvorgang viel Zeit kostet, wurden solche Armbrüste vor allem zur Jagd oder für den Kampf aus festen Stellungen heraus, nicht jedoch in der offenen Feldschlacht verwendet. Die Armbrust mit Winde entwickelt einen nicht zu unterschätzenden Rückstoß. Die schwere Armbrust hat mit ihrer Abschusskraft von ca. 4 bis 8 Kilonewton eine enorme Durchschlagskraft, mit der auf einer Kampfentfernung von 50 bis 200 Metern ein Harnisch oder Helm mühelos durchschlagen werden kann.
Im waffenrechtlichen Sinn ist die Armbrust, im Gegensatz zum Bogen, Schusswaffen gleichgestellt.[5] Erwerb, Besitz, Führen, Handel und Herstellung bedürfen jedoch keiner Erlaubnis.[6] Zu den Schusswaffen gleichgestellten Gegenständen gehören solche „tragbaren Gegenstände, bei denen bestimmungsgemäß feste Körper gezielt verschossen werden, deren Antriebsenergie durch Muskelkraft eingebracht und durch eine Sperrvorrichtung gespeichert werden kann“.
Nach neuem deutschem Waffenrecht von 2008 zählt die Armbrust gemäß Anlage 1 des WaffG[5] (Waffengesetz) zu den gleichgestellten Gegenständen, die feste Körper (hier: Pfeil oder Bolzen) verschießen, und deren Antriebsenergie durch Muskelkraft eingebracht und durch eine Sperrvorrichtung gespeichert werden kann. Ausgenommen sind unter bestimmten Voraussetzungen feste Körper mit elastischen Geschossspitzen (z. B. Saugnapf aus Gummi).
Das Schießen mit einer Armbrust ist als Umgang mit einer Waffe gem. § 1 Abs. 3 und § 2 Abs. 1 WaffG einzuordnen. Ein solcher Umgang mit Waffen ist grundsätzlich nur Personen gestattet, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Eine Ausnahme ergibt sich gem. § 27 Abs. 3 Nr. 2 WaffG für das Schießen auf Schießstätten unter Aufsicht ab einem Alter von 14 Jahren. Den unter 14-Jährigen ist ein Schießen mit Armbrüsten auch auf Schießstätten unter Aufsicht grundsätzlich nicht gestattet. Lediglich zur Förderung des Leistungssports kann die Behörde gem. § 27 Abs. 4 WaffG eine Ausnahmegenehmigung erteilen.[7][8]
Die Armbrust ist in der Schweiz nicht dem Waffengesetz unterstellt und gilt somit nicht als Waffe. WG (SR 514.54) Art. 4 a–g nennt die dem Gesetz unterstellten Waffen.[9] Auch Absatz d „Schleudern“ findet auf die Armbrust keine Anwendung, da Schleudern in der zugehörigen Verordnung speziell definiert sind: WV (SR 514.541) Art. 8.[10] Somit existiert auch kein Mindestalter für den Erwerb und das Schießen.
Die Verordnung über die Jagd (SR 922.01), Art. 2 f., verbietet den Einsatz der Armbrust zur Jagd.[11]
In den USA, Frankreich und Südafrika ist es legal und üblich, Armbrüste (wie auch Pfeil und Bogen) bei der Jagd zu verwenden. Armbrusthersteller (z. B. Barnett, Horton oder Crisbow) bieten hierfür spezielle Armbrüste und Pfeile an. Zum Fischen gibt es spezielle Harpunenpfeile. In Deutschland ist die Jagd und das Fischen mit Armbrust und Pfeil und Bogen in den meisten Bundesländern durch das Bundesjagdgesetz in Verbindung mit dem jeweiligen Landesjagdgesetz teilweise, d. h. auf Schalenwild, in einigen Bundesländern grundsätzlich verboten, Ausnahmegenehmigungen durch die zuständige Behörde sind allerdings nach den betreffenden Landesjagdgesetzen möglich. Die konkrete Handhabung dieser jagdgesetzlichen Regelungen und deren Verhältnis zur Anwendung des Tierschutzgesetzes sind jedoch gegenwärtig noch unklar.
Es gibt Spezialeinheiten (z. B. in den USA), die moderne Hochleistungsarmbrüste verwenden. Bei einem Vergleichsschießen mit einer 38er-Pistole wurde eine vergleichbare Durchschlagsleistung bei höherer Letalität festgestellt. Die Armbrust hat zudem den Vorteil, dass sie im Vergleich mit einem Gewehr sehr leise ist.
Vereinzelt sind auch sogenannte „Druckentlastungsarmbrüste“ bei Spezialfeuerwehren (z. B. Werkfeuerwehr Schering AG) im Einsatz. Bei diesen Armbrüsten werden Hohlbolzen auf Tankcontainer verschossen, wenn diese unter Druck stehen und zu bersten drohen. Dadurch können diese kontrolliert entlastet werden, ohne dass sich jemand in die Gefahrenzone begeben muss.
↑ a b WaffG Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 1 Punkt 1.2.2 Ziff. 1.2.2.
Die Armbrust im neuen Waffengesetz (Link zum Waffengesetz WaffG BMJV)
Informationsseite der Deutschen Feldarmbrustschützen
Linkkatalog zum Thema Armbrustsport bei curlie.org (ehemals DMOZ)
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4401812-5 (AKS)
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References: § 1
 § 2
 § 27
 § 27
 Art. 4
 Art. 8
 Art. 2