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Timestamp: 2019-05-23 23:34:43+00:00

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BFH v. 03.03.2005 - III R 22/02 - NWB Datenbank
BFH v. 03.03.2005 - III R 22/02
BFH v. 03.03.2005 - III R 22/02 BStBl 2005 II S. 690
Antrag auf getrennte Veranlagung als rückwirkendes	Ereignis
Gesetze: EStG § 26EStG § 26aAO 1977 § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Satz 2
Instanzenzug: Niedersächsisches FG vom 7. November 2001 12 K 415/95 BFH III R 22/02 (Verfahrensverlauf), BFH - III R 22/02, Verfahrensverlauf , BFH - III R 22/02, Verfahrensverlauf
Mit Bescheiden vom 7. Dezember 1992 (betreffend die Beigeladene) und vom 6. Januar 1993 (betreffend den Kläger) änderte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt —FA—) die Einkommensteuerveranlagung für 1985 gemäß § 54 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.d.F. des Steueränderungsgesetzes (StÄndG) 1991 (Erhöhung der Kinderfreibeträge aufgrund der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts).
Der auf § 175 Abs. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO 1977) gestützte Bescheid gegenüber dem Kläger erging am 10. Juni 1993 . Der hiergegen eingelegte Einspruch, mit dem der Kläger die Aufhebung des Bescheids über die getrennte Veranlagung wegen Festsetzungsverjährung begehrte, blieb ohne Erfolg. Im anschließenden Klageverfahren änderte das FA den angefochtenen Bescheid und berücksichtigte weitere Vorsorgeaufwendungen des Klägers. Der Änderungsbescheid vom 9. November 2000 wurde auf Antrag des Klägers Gegenstand des Verfahrens.
Der Kläger beantragt, die Vorentscheidung und den Einkommensteuerbescheid 1985 vom 10. Juni 1993 sowie den Änderungsbescheid vom 9. November 2000 aufzuheben.
1. Nach § 26 EStG können Ehegatten unter den weiteren Voraussetzungen dieser Vorschrift zwischen getrennter Veranlagung (§ 26a EStG) und Zusammenveranlagung (§ 26b EStG) wählen. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) können sie dieses Wahlrecht bis zur Unanfechtbarkeit eines Berichtigungs- oder Änderungsbescheids ausüben und die einmal getroffene Wahl innerhalb dieser Frist frei widerrufen (Senatsurteil vom 24. Januar 2002 III R 49/00, BFHE 198, 12, BStBl II 2002, 408).
2. Der Antrag der Beigeladenen auf getrennte Veranlagung war auch verfahrensrechtlich zulässig. Die Beigeladene hat den Antrag am 9. Dezember 1992 zusammen mit ihrem Einspruch gestellt und somit vor Bestandskraft des am 7. Dezember 1992 ihr gegenüber erlassenen, nach § 54 EStG a.F. geänderten Zusammenveranlagungsbescheids.
Ein rückwirkendes Ereignis i.S. von § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO 1977 liegt vor, wenn sich nach Ergehen eines Steuerbescheids der rechtserhebliche Sachverhalt in der Weise ändert, dass nunmehr der veränderte anstelle des zuvor verwirklichten Sachverhalts der Besteuerung zugrunde zu legen ist ( BFH-Beschluss vom 19. Juli 1993 GrS 2/92 , BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897). Ob ein Ereignis in die Vergangenheit zurückwirkt, ist den Normen des materiellen Steuerrechts zu entnehmen (so schon BFH-Urteil vom 9. August 1990 X R 5/88 , BFHE 162, 355, BStBl II 1991, 55).
Als rückwirkendes Ereignis hat der BFH auch Anträge beurteilt, mit denen der Steuerpflichtige nachträglich ein Wahlrecht ausübt (Urteile vom 12. Juli 1989 X R 8/84, BFHE 157, 484, BStBl II 1989, 957 —Antrag auf Realsplitting nach Bestandskraft des Einkommensteuerbescheides—; vom 30. August 2001 IV R 30/99, BFHE 196, 507, BStBl II 2002, 49 —Antrag auf Gewinnübertragung nach § 6c EStG nach Erlass des FG-Urteils—; vom 10. November 2004 II R 24/03, BStBl II 2005, 182 —Inanspruchnahmeerklärung des Schenkers als rückwirkendes Ereignis—).
3. Der Einwand des Klägers, der Erlass eines Änderungsbescheids könne den Eheleuten die erneute Ausübung des Veranlagungswahlrechts nur dann eröffnen, wenn sich die Geschäftsgrundlage für die ursprüngliche Ausübung der Wahl geändert habe, ist unbegründet. Es kann dahinstehen, ob in der Bescheidänderung nach § 54 EStG a.F. Gesichtspunkte gesehen werden können, die die Beigeladene als erheblich für die geänderte Ausübung ihrer Wahl erachten konnte. Das Wahlrecht gemäß § 26 EStG kann nach Ergehen eines Änderungsbescheids —vom Fall rechtsmissbräuchlicher Ausübung abgesehen— unabhängig davon ausgeübt werden, auf welcher Rechtsgrundlage die Änderung beruht und in welchem Umfang sie sich steuerlich für die Ehegatten auswirkt. Mit dem Ergehen eines Änderungsbescheids eröffnet § 26 EStG den Ehegatten erneut die Möglichkeit, die für sie günstigste Veranlagungsart zu wählen. Derjenige Ehegatte, für den sich die Wahlrechtsausübung durch den anderen Ehegatten bei der erneuten (erstmaligen) Steuerfestsetzung nachteilig auswirkt, hat dies als Folge der den Ehegatten insoweit eingeräumten Disposition hinzunehmen.
4. Entgegen der Meinung des Klägers war das FA nicht wegen Ablaufs der Festsetzungsfrist gehindert, den angefochtenen Bescheid über die getrennte Veranlagung gegen ihn zu erlassen.
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BStBl 2005 II Seite 690
AO-StB 2005 S. 263 Nr. 9
BB 2005 S. 2114 Nr. 39
BFH/NV 2005 S. 1657 Nr. 9
BStBl II 2005 S. 690 Nr. 17
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NWB-Eilnachricht Nr. 31/2005 S. 2609
NWBDirekt 2005 S. 5 Nr. 31
SJ 2005 S. 7 Nr. 18
WPg 2005 S. 987 Nr. 17
VAAAB-57333
BFH v. 03.03.2005 - III R 22/02 ablegen in?

References: § 26
 § 26
 § 175
 § 54
 § 175
 § 26
 § 54
 § 175
 § 6
 § 54
 § 26
 § 26