Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFH/NV%202008,%2018
Timestamp: 2019-06-17 23:43:09+00:00

Document:
Rechtsprechung: BFH/NV 2008, 18 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BFH, 17.09.2007
https://dejure.org/2007,3949
BFH, 19.09.2007 - VII R 39/05 (https://dejure.org/2007,3949)
BFH, Entscheidung vom 19.09.2007 - VII R 39/05 (https://dejure.org/2007,3949)
BFH, Entscheidung vom 19. September 2007 - VII R 39/05 (https://dejure.org/2007,3949)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2007,3949) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Haftung für Steuerschulden, Lohnkürzung, Lohnsteuer, Pflichtverletzung und Kausalität, Planungs- und Überwachungsfehler
BFH/NV 2008, 18
Die bloße Möglichkeit der Insolvenzanfechtung hindert nicht, den durch die pflichtwidrige Nichtabführung eingetretenen Steuerausfall dem Geschäftsführer zuzurechnen (keine Berücksichtigung von hypothetischen Kausalverläufen vgl. BFH-Urteil vom 19. September 2007 VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18, m.w.N).
Der Senat kann offenlassen, ob diese zivilrechtlichen Erwägungen --anders als jene zur Berücksichtigung eines hypothetischen Kausalverlaufs (vgl. Senatsurteile vom 5. Juni 2007 VII R 65/05, BFHE 217, 233, BStBl II 2008, 273;… in BFH/NV 2008, 1; vom 19. September 2007 VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18;… vom 4. Dezember 2007 VII R 18/06, BFH/NV 2008, 521) oder zur Anwendung der Mitverschuldensregelung des § 254 des Bürgerlichen Gesetzbuchs --BGB-- (…vgl. Senatsbeschlüsse vom 11. Mai 2000 VII B 217/99, BFH/NV 2000, 1442;… vom 2. November 2001 VII B 75/01, BFH/NV 2002, 310)-- uneingeschränkt auf die steuerrechtliche Haftung nach § 69 AO übertragen werden können, weil sie auch im Zivilrecht nicht auf das Deliktsrecht beschränkt, sondern für Schadensersatzansprüche aller Art anerkannt sind (…vgl. Palandt/ Heinrichs, Bürgerliches Gesetzbuch, 67. Aufl., Vorbem. v. § 249 Rz 63 f.; zur Steuerberaterhaftung BGH-Urteil vom 18. Januar 2007 IX ZR 122/04, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung 2007, 701; zur Anwaltshaftung BGH-Urteil in BGHZ 174, 205).
Von einem --nur im Rahmen des Entschließungsermessens zu berücksichtigenden (vgl. Senatsurteil vom 19. September 2007 VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18;… Senatsbeschluss vom 12. September 2014 VII B 99/13, BFH/NV 2015, 161)-- Mitverschulden des HZA, das nach Ansicht der Revision im Rahmen der Stundungsvereinbarung eine Sicherungsübereignung hätte vereinbaren können, kann schon deshalb keine Rede sein, weil das HZA mit der GmbH keine Stundungsvereinbarung getroffen, sondern laufenden Zahlungsaufschub gemäß Art. 224, Art. 226 Buchst. b des Zollkodex gewährt hat.
Dieser Linie ist der BFH im Urteil vom 5. Juni 2007 (VII R 65/05, BFHE 217, 233, BStBl II 2008, 273) und weiteren Entscheidungen (BFH-Urteile vom 19. September 2007 VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18;… vom 4. Dezember 2007 VII R 18/06, BFH/NV 2008, 521; vom 23. September 2008 VII R 27/07, BFHE 222, 228, BStBl II 2009, 129) weiter gefolgt und hat - im erstgenannten Urteil abweichend von der Vorinstanz - in einem Lohnsteuerhaftungsfall eine Pflichtverletzung und einen haftungsbegründenden Kausalzusammenhang bzw. eine Schadenszurechnung auch bei hypothetischer Anfechtbarkeit von Zahlungen in einem 3-Monats-Zeitraum vor Stellung des Insolvenzantrags nach § 130 InsO bejaht.
Diese Rechtsprechung könne nicht ohne weiteres auf die Haftung nach den Vorschriften der AO übertragen werden (vgl. BFH-Urteile in BStBl II 2008, 273 und BFH/NV 2008, 18).
Was die inhaltliche Ausgestaltung des Pflichtenkreises angeht, so wird in singulären Entscheidungen zudem angedeutet, dass sich die Pflichten der gesetzlichen Vertreter vor Fälligkeit nicht nur auf die Vermögens- und Mittelvorsorge beschränken, sondern auch darüber hinaus gehen können (vgl. etwa BFH, Beschluss v. 18.02.2008, VII B 97/07, juris: Vergewisserung, ob die Bank einen an das Finanzamt gerichteten Überweisungsauftrag auch tatsächlich durchführen wird; BFH, Urteil v. 19.09.2007, VII R 39/05, juris: Geschäftsführer einer in Zahlungsschwierigkeiten geratenen GmbH hat Lohnsteuer zum Zwecke der fristgerechten Befriedigung des Finanzamts bereitzuhalten und abzusondern ).
Zwar hat der Schadensersatzcharakter der Haftung nach § 69 Satz 1 AO (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 19.09.2007 - VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18 m.w.N.) zur Folge, dass sich die Haftung dem Umfang nach auf den Betrag beschränkt, der infolge der vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Pflichtverletzung nicht bzw. nicht rechtzeitig festgesetzt oder entrichtet worden ist.
b) Der erforderliche Kausalzusammenhang ist insbesondere nicht gegeben, wenn der Steuerausfall als Vermögensschaden des Fiskus mangels ausreichender Zahlungsmittel und vollstreckbaren Vermögens des Steuerpflichtigen unabhängig davon eingetreten ist, ob Steueranmeldungen fristgerecht eingereicht und die geschuldeten Steuerbeträge innerhalb der gesetzlich hierfür bestimmten Fristen entrichtet worden sind (vgl. BFH-Urteile vom 19. September 2007 VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18, unter II.2.a aa, Rz 13;… vom 26. Januar 2016 VII R 3/15, BFH/NV 2016, 893, Rz 13;… BFH-Beschluss vom 11. November 2015 VII B 57/15, BFH/NV 2016, 372, Rz 7).
Entgegen der Rechtsauffassung des FG stehe das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 19. September 2007 VII R 39/05 (…BFH/NV 2008, 18) nicht in Widerspruch zu den bisher von der Rechtsprechung zur Haftungsbegrenzung bei Lohnsteuerschulden entwickelten Grundsätzen.
Insoweit verweist der Beklagte auf die Urteile des BFH vom 05.06.07 - VII R 65/05, 04.12.07 - VII R 18/06, 19.09.07 - VII R 40/05, 19.09.07 - VII R 39/05.
Der BFH hat in seinen Urteilen vom 05.06.07, VII R 65/05, BStBl. II 2008, 273; 04.12.07, VII R 18/06, BFH/NV 2008, 521; 19.09.07, VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18, eindeutig entschieden, dass unter dem Schutzzweck des § 69 AO hypothetische Kausalverläufe unbeachtlich sind.
(Vgl. BFH Urteil vom 19.09.07, VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18).
BFH, 17.09.2007 - I B 18/07
https://dejure.org/2007,20750
BFH, 17.09.2007 - I B 18/07 (https://dejure.org/2007,20750)
BFH, Entscheidung vom 17.09.2007 - I B 18/07 (https://dejure.org/2007,20750)
BFH, Entscheidung vom 17. September 2007 - I B 18/07 (https://dejure.org/2007,20750)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2007,20750) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Beginn der Festsetzungsfrist durch vorläufige Steuererklärung
FG Mecklenburg-Vorpommern, 06.12.2006 - 1 K 80/03
Die Finanzbehörde muss aufgrund der eingegangenen Erklärung ausreichend Zeit haben, die Besteuerungsgrundlagen zu ermitteln und ggf. zu schätzen (…vgl. BFH-Urteil vom 7. April 2005 IV R 39/04, BFH/NV 2005, 1229, unter II.2.; BFH-Beschluss vom 17. September 2007 I B 18/07, BFH/NV 2008, 18; Banniza in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 170 AO Rz 41).
Zwar beginnt nach der Rechtsprechung des BFH (…Entscheidungen vom 7. April 2005 IV R 39/04, BFH/NV 2005, 1229; vom 17. September 2007 I B 18/07, BFH/NV 2008, 18, jeweils m.w.N.) die Festsetzungs- bzw. Feststellungsfrist i.S. von § 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO auch dann mit Abgabe der Steuer- bzw. Feststellungserklärung, wenn die abgegebene Erklärung teilweise unvollständig oder unrichtig ist.
Die Finanzbehörden haben in diesem Fall ausreichend Zeit, die Besteuerungsgrundlagen zu ermitteln und ggf. zu schätzen (BFH-Beschluss vom 17. September 2007 I B 18/07, BFH/NV 2008, 18).
Nach der Rechtsprechung des BFH (…BFH vom 7. April 2005 IV R 39/04, BFH/NV 2005, 1229 ; vom 17. September 2007 I B 18/07, BFH/NV 2008, 18 , jeweils m.w.N.) beginnt die Festsetzungs- bzw. Feststellungsfrist i.S. von § 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO auch dann mit Abgabe der Steuer- bzw. Feststellungserklärung- als solche gilt auch die Anzeige nach § 19 Abs. 5 GrEStG -, wenn die abgegebene Erklärung teilweise unvollständig oder unrichtig ist, es sei denn, die Erklärung wäre derart lückenhaft ist, dass dies praktisch auf das Nichteinreichen der Erklärung hinausläuft.
Dass der Steuerpflichtige die Erklärung ausdrücklich als "vorläufig" bezeichnet, steht der Annahme einer Steuererklärung i.S. des § 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO nicht entgegen (BFH, Urteil vom 06.11.1969 IV 249/64, Bundessteuerblatt -BStBl- II 1970, 168; Beschluss vom 17.09.2007 I B 18/07, BFH/NV 2008, 18).

References: § 254
 § 69
 § 249
 Art. 224
 Art. 226
 § 130
 § 69
 § 69
 § 170
 § 170
 § 170
 § 19
 § 170