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Timestamp: 2020-07-08 14:34:39+00:00

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Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII. Chancen und Grenzen ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
4. Anspruchsberechtigte psychische Störungsbilder für Eingliederungshilfe nach multiaxialem Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters - ICD-10 der WHO - zur Feststellung einer (drohenden) seelischen Behinderung.
4.1 Körperlich nicht begründbare Psychosen
4.1.1 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (ICD-10 F 20)
4.1.2 Affektive Störungen mit psychischen Symptomen (ICD-10 F 3)
4.2 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen durch Hirnfunktions-störungen (ICD-10 F 07) und Hirnorganisches Psychosyndrom (ICD-10 F 07.2)
4.3.1 Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (ICD-10 F 1)
4.4 Neurosen und Persönlichkeitsstörungen
4.4.1 Neurotische Zwangsstörungen (ICD-10 F 42)
4.4.2 Neurotische Angststörungen (ICD-10 F 40)
4.4.3 Autismus infantum (ICD-10 F 84)
4.4.4 Störungen des Sozialverhaltens und der Emotionen (ICD-10 F 91, F 93)
4.4.5 Hyperkinetische Störungen (ICD-10 F 90)
4.4.6 Teilleistungsstörungen (ICD-10 F 80)
4.4.7 Pubertätsmagersucht (Anorexia nervosa) und Essstörungen (ICD-10 F 5)
5. Kooperation zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendhilfe zur Installation geeigneter Maßnahmen der Eingliederungshilfe
5.1 Hilfesteuerung im multiprofessionellen Team
5.2 Psychosoziale Diagnostik
5.2.1 Partizipation nach ICF der WHO (Internationales Klassifikationsschema der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit – International Classification of Funktioning, Disability and Health)
6. Dissens in der Ausgestaltung der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche
6.1 Kooperation als zwingende „Muss-Vorschrift“ und Schnittstelle zwischen Jugendamt und Kinder- und Jugendpsychiatrie
6.1.1 Die Begriffe der Abweichung der seelischen Gesundheit vom für das Lebensalter typischen Zustand und Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft als Herausforderung
6.2 Die Wahl der richtigen Hilfe nach dem Achten Buch Sozialgesetzbuch
6.2.1 Eingliederungshilfe und Inklusion im diamentralen Kontext
6.3 Abgrenzungsprobleme bei Mehrfachbehinderung (Schnittstelle Jugendhilfe – Gesundheitswesen/ Sozialhilfe)
Im Jahr 2008 wurden bundesweit 30626 Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gewährt. Bereits im Folgejahr 2009 stieg die Zahl der Gewährungen auf 35244 Eingliederungshilfen, was eine Steigerung von 13 Prozent in lediglich einem Jahr bedeutet. 2012 wurden insgesamt 46992 Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gewährt, was, verglichen mit den Gewährungsbescheiden von 2008, eine Steigerung von 34,83 % innerhalb von fünf Jahren bedeutet.[4] Eine kontinuierliche und keineswegs zu ignorierende jährliche Steigerung der Inanspruchnahmen von Eingliederungshilfe seelisch behinderter Kinder und Jugendlicher verdeutlicht die Notwendigkeit dieser Hilfeform.
In dieser Arbeit werden zunächst historische Bezüge zur Einordnung der Eingliederungshilfe in früheren gesetzlichen Regelungen dargestellt, bevor der Gesetzestext inklusive der Verweise in aktueller Fassung ausgelegt wird.
Es wird an dieser Stelle der wissenschaftlichen Arbeit ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Begriffe, wie „Behinderung“ und „seelisch behinderte Kinder und Jugendliche“ ausschließlich benutzt werden, da diese aus dem rechtlichen Kontext des § 35a SGB VIII resultieren und bei terminologischer Veränderung möglicherweise Verwirrung hervorgerufen werden könnte, was nicht das Ziel ist. Die Behinderungsbegriffe, die hier der Eindeutigkeit halber als solche verwendet werden, jedoch lediglich eine Abweichung der normativen Gesundheit darstellen, stellen keineswegs eine Abwertung gegenüber den Menschen, die in dieser Arbeit gemeint sind, dar. Zugleich wird aufgrund der Vermeidung von Diskriminierung und des einfacheren Leseflusses das weibliche sowie das männliche Geschlecht in einem Wort verschriftlicht und durch ein großgeschriebenes „i“ getrennt (bspw.: KlientenInnen, SozialarbeiterInnen, SozialpädagogenInnen).
§ 35a SGB VIII Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche[8]
Im Zeitraum der Industrialisierung wurden geistige Behinderungen, die damals „Schwachbegabungen“ genannt wurden, bekannt. Eine seelische Behinderung ist die jüngste Kategorie der Behinderungen, die erst erkannt wurde, als die Menschen herausfanden, dass psychische Defizite mit erhaltener geistiger und körperlicher Fähigkeit einhergehen können. Die Ursachen für solche psychischen Dysfunktionen, früher als „Psychopathen“ oder „Schwachsinnige“ mit diffizilen, gar schlechten Erbanlagen ausgegrenzten Menschen, war lange unbekannt.[10]
Bei einer Mehrfachbehinderung von Kindern und Jugendlichen, also einer Kombination aus beispielsweise einer seelischen Behinderung mit einer körperlichen und/ oder geistigen Behinderung, tritt die Eingliederungshilfe des Sozialhilfeträgers nach SGB XII vorrangig in Zuständigkeit, nicht diese der Jugendhilfe nach § 35a SGB VIII.[20] Die Bestimmung der Zuständigkeit kann daher zu Problemen führen.
Als erste Tatbestandsvoraussetzung für eine Eingliederungshilfe seelisch behinderter Kinder und Jugendlicher gilt, wer eine Abweichung vom Lebensalter typischen Zustand der psychischen Gesundheit aufweist, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Zeitraum von sechs Monaten überdauert. Der Begriff der Behinderung bezeichnet also einen Menschen, der entweder behindert ist, oder die Phase einer „normativen Gesundheit“ bis hin zu einer Behinderung.[22] „Dies gilt für Kinder und Jugendliche im Besonderen, da sie sich in einem nicht abgeschlossenen Entwicklungsprozess befinden.“[23] Reinhart Lempp bestätigt das Ausmaß psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter, denn „Eine von früher Kindheit an […] bestehende Behinderung wirkt […] dagegen auf die psychische […] Entwicklung des Kindes ein und prägt die sich erst entwickelnde Persönlichkeit mit.“[24]
[29] Vgl. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (2006): o. S.
V283449
9783656836704
9783656836711
Jugendhilfe, Jugendamt, Eingliederung, Eingliederungshilfe, § 35a, SGB VIII, seelische, Behinderung
Yannick Mindnich (Autor), 2014, Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII. Chancen und Grenzen multiprofessioneller Kooperation zwischen Jugendamt und Kinder- und Jugendpsychiatrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283449

References: § 35
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