Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=23.09.2010&Aktenzeichen=7%20C%2022.09
Timestamp: 2020-03-29 15:53:13+00:00

Document:
BVerwG, 23.09.2010 - 7 C 22.09 - dejure.org
https://dejure.org/2010,1752
BVerwG, 23.09.2010 - 7 C 22.09 (https://dejure.org/2010,1752)
BVerwG, Entscheidung vom 23.09.2010 - 7 C 22.09 (https://dejure.org/2010,1752)
BVerwG, Entscheidung vom 23. September 2010 - 7 C 22.09 (https://dejure.org/2010,1752)
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GG Art. 140 und 4; WRV Art. 137 Abs. 3 und 5
Religionsgemeinschaft; jüdische Gemeinde; Selbstbestimmungsrecht; Mitgliedschaft; Abstammung; Freiwilligkeit; Willensbekundung; Zuzug; Anmeldeschein; Parochialrecht
Religionsgemeinschaft; jüdische Gemeinde; Selbstbestimmungsrecht; Mitgliedschaft; Abstammung; Freiwilligkeit; Willensbekundung; Zuzug; Anmeldeschein; Parochialrecht.
GG Art. 140 und 4
Religionsgemeinschaft; jüdische Gemeinde; Selbstbestimmungsrecht; Mitgliedschaft; Abstammung; Freiwilligkeit; Willensbekundung; Zuzug; Anmeldeschein; Parochialrecht.; Abstammung; Anmeldeschein; evangelische Landeskirche; Freiwilligkeit; jüdische Gemeinde; Kindstaufe; ...
Art 140 GG, Art 137 Abs 3 S 1 WRV, Art 4 GG, § 3 Abs 1 Nr 11 MeldeG HE
Keine Mitgliedschaft in der jüdischen Gemeinde ohne eindeutige Willensbekundung; religionsgemeinschaftliches Recht und staatliche Schutzpflicht; (Neu-)Begründung der Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft und Parochialrecht
Religionszugehörigkeit per Meldeschein
Keine automatische Mitgliedschaft in Glaubensgemeinde durch Wohnsitzwechsel
Keine Mitgliedschaft in der jüdischen Gemeinde ohne eindeutige Willensbekundung - Keine Möglichkeit zur Heranziehung zur Kultussteuer (Kirchensteuer) allein aufgrund des Zuzugs
123recht.net (Pressemeldung, 23.9.2010)
Mitgliedschaft in jüdischer Gemeinde erst nach Beitritt // Automatische Mitgliedschaft in Frankfurt verworfen
Glauben ist Willenssache
VGH Hessen, 19.05.2009 - 10 A 2079/07
BVerwG, 15.12.2009 - 7 B 29.09
EGMR, 13.06.2017 - 32745/17
NVwZ-RR 2011, 90
Die Vorinstanzen haben die Feststellungsklagen abgewiesen; das Bundesverwaltungsgericht hat ihnen durch Revisionsurteil vom 23. September 2010 - 7 C 22.09 - (Buchholz 11 Art. 140 GG Nr. 79) stattgegeben.
Das bedeutet für die erneute Entscheidung über die Revisionen der Kläger: Das Bundesverfassungsgericht hat in dem Tenor des Kammerbeschlusses vom 17. Dezember 2014 - 2 BvR 278/11 - (NVwZ 2015, 517) festgestellt, dass das Revisionsurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. September 2010 - 7 C 22.09 - (Buchholz 11 Art. 140 GG Nr. 79) die Beklagte in ihrem Grundrecht aus Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 i.V.m. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV verletzt.
Knüpft die staatliche Rechtsordnung - wie in § 1 Abs. 1 KiStG - an die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft Rechtsfolgen, richtet sich die Frage der Mitgliedschaft nach dem religionsgemeinschaftlichen Recht (Urteil vom 23. September 2010 - BVerwG 7 C 22.09 - Buchholz 11 Art. 140 GG Nr. 79 Rn. 12).
Eine Vereinnahmung ohne oder gegen den Willen des Betroffenen kann durch das staatliche Recht nicht anerkannt werden (Urteil vom 23. September 2010 a.a.O. Rn. 12).
Seinen Schutzpflichten ist er dabei dadurch nachgekommen, dass er anders als den Eintritt in eine Religionsgemeinschaft den Austritt aus ihr durch staatliche Gesetze geregelt hat, die die negative Religionsfreiheit wahren sollen (Urteil vom 23. September 2010 a.a.O. Rn. 18).
Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. September 2010 - BVerwG 7 C 22.09 - verletzt die Beschwerdeführerin in ihrem Grundrecht aus Artikel 4 Absatz 1 und Absatz 2 in Verbindung mit Artikel 140 des Grundgesetzes und Artikel 137 Absatz 3 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 (Weimarer Reichsverfassung).
vgl. BVerwG, Urteil vom 23. September 2010 - 7 C 22.09 -, NVwZ-RR 2011, 90, 91 (…Rn. 18); a. A. BVerwG, Urteil vom 30. Oktober 2002 - 2 C 23.01 -, BVerwGE 117, 145, 147.
vgl. Morlok, in: Dreier (Hrsg.), GG, Bd. 3, 2. Aufl. 2008, Art. 137 WRV Rn. 86 f., 92, sowie BVerwG, Urteil vom 23. September 2010 - 7 C 22.09 -, NVwZ-RR 2011, 90, 91 (…Rn. 18).
Unsubstantiiert ist ferner die Rüge, die Revision sei zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zuzulassen (§ 115 Abs. 2 Nr. 2, zweiter Halbsatz FGO), weil das FG "faktisch" vom Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) vom 23. September 2010 7 C 22/09 (Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht, Rechtsprechungsreport --NVwZ-RR-- 2011, 90) abgewichen sei.
Im Übrigen hat das FG selbst ausgeführt, dass das Urteil des BVerwG in NVwZ-RR 2011, 90 einen Sachverhalt betreffe, bei dem nach innerkirchlichem Recht die Religionsmitgliedschaft allein durch Abstammung und Wohnsitz begründet werde, im Streitfall hingegen über die --verfassungsrechtlich nicht zu beanstandende-- Religionszugehörigkeit in der evangelischen Kirche aufgrund der Taufe des Klägers zu entscheiden sei.
vgl. BVerwG, Urteil vom 23.09.2010 - 7 C 22/09 -, juris; Maunz-Dürig, GG, Kommentar, Band VII Stand Januar 2013, Art. 140 GG Art. 137 WRV, Rdnr. 34; BFH, Urteil vom 24.03.1999 - IR 124/97 -, NVwZ 1999, 1149).
vgl. BVerwG, Urteil vom 23.09.2010 - 7 C 22/09 -, juris; Hessischer VGH, Beschluss vom 27.06.2006 - 10 UZ 2839/05 - m.w.N., juris.
Die römisch-katholische Kirche versteht sich als die unter päpstlicher Oberhoheit geeinte weltweite bekenntnisgleiche Gemeinschaft aller römisch-katholisch getauften oder konvertierten Gläubigen (vgl. BVerwG-Urteil vom 23.9.2010 7 C 22/09, NVwZ-RR 2011, 90).

References: Art. 140
 Art. 137
 Art. 140
 § 3
 Art. 140
 Art. 140
 Art. 4
 Art. 140
 Art. 137
 § 1
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 137