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Timestamp: 2020-01-21 10:45:00+00:00

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Zur Einziehung des Geschäftsanteils eines GmbH-Gesellschafters wegen eines tiefgreifenden Zerwürfnisses der Gesellschafter - Ebner Stolz
BGH 24.9.2013, II ZR 216/11
Der Klä­ger und drei wei­tere Gesell­schaf­ter grün­de­ten die beklagte GmbH, die ein Kino bet­reibt. Alle Gesell­schaf­ter waren mit jeweils 25 Pro­zent an der Beklag­ten betei­ligt und allein­ver­t­re­tungs­be­rech­tigte Geschäfts­füh­rer. Jeder Gesell­schaf­ter hatte bestimmte Leis­tun­gen als Bei­trag zur För­de­rung des Gesell­schafts­zwecks zu erbrin­gen. Zu den Auf­ga­ben des Klä­gers gehör­ten die Bet­reu­ung der Aus­zu­bil­den­den und die Über­nahme ein­zel­ner Woche­n­end­di­enste. Nach­dem die per­sön­li­che Bezie­hung des Klä­gers mit der Mit­ge­sell­schaf­te­rin L geschei­tert war, tra­ten zwi­schen den Gesell­schaf­tern Span­nun­gen auf. Dabei wurde dem Klä­ger die Ver­let­zung sei­ner Pflich­ten als Geschäfts­füh­rer und Gesell­schaf­ter vor­ge­wor­fen.
Ende 2005 wurde der Klä­ger drei­mal wegen der Ver­nach­läs­si­gung sei­ner Geschäfts­füh­r­erpf­lich­ten anwalt­lich abge­mahnt. In einer Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung am 16.12.2005 einig­ten sich die Gesell­schaf­ter dar­auf, dass der Klä­ger bis auf wei­te­res bezahl­ten Urlaub neh­men dürfe und sich wäh­rend die­ser Zeit jed­we­der Geschäfts­füh­r­er­tä­tig­keit ent­hal­ten solle. Hieran hielt sich der Klä­ger nicht. In der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung vom 22.2.2006 wurde der Klä­ger als Geschäfts­füh­rer abbe­ru­fen. In der Ver­samm­lung vom 16.3.2006 besch­los­sen die Gesell­schaf­ter der Beklag­ten in Abwe­sen­heit des Klä­gers ein­stim­mig, des­sen Geschäft­s­an­teile aus wich­ti­gem Grund ein­zu­zie­hen und den Klä­ger aus­zu­sch­lie­ßen; sein wei­te­res Ver­b­lei­ben in der Gesell­schaft sei auf­grund sei­nes Ver­hal­tens für die übri­gen Gesell­schaf­ter untrag­bar.
§ 15 des Gesell­schafts­ver­trags der Beklag­ten, der die Ein­zie­hung von Geschäft­s­an­tei­len regelt, lau­tet u.a.:
1. Die Gesell­schaf­ter kön­nen die Ein­zie­hung von Geschäft­s­an­tei­len mit Zustim­mung des betrof­fe­nen Gesell­schaf­ters jeder­zeit besch­lie­ßen.
2. Der Zustim­mung des betrof­fe­nen Gesell­schaf­ters bedarf es nicht, wenn in sei­ner Per­son ein ande­rer wich­ti­ger Grund, der seine Aus­sch­lie­ßung aus der Gesell­schaft recht­fer­tigt, gege­ben ist. Ein sol­cher wich­ti­ger Grund liegt vor, wenn ein wei­te­res Ver­b­lei­ben des betrof­fe­nen Gesell­schaf­ters in der Gesell­schaft für diese untrag­bar ist, ins­be­son­dere, In allen die­sen Fäl­len erfolgt die Beschluss­fas­sung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung mit einer Mehr­heit von 75 v.H. der abge­ge­be­nen Stim­men; der betrof­fene Gesell­schaf­ter hat kein Stimm­recht mehr.
Das LG wies die Klage, mit der der Klä­ger bean­tragte, die Beschlüsse vom 16.3.2006 für nich­tig zu erklä­ren, ab. Das OLG gab hat ihr statt. Auf die Revi­sion der Beklag­ten hob der BGH das Beru­fung­s­ur­teil auf und wies die Beru­fung des Klä­gers gegen das Urteil des LG zurück.
Nach dem tief­g­rei­fen­den Zer­würf­nis der Gesell­schaf­ter, das den Fest­stel­lun­gen des OLG zufolge über­wie­gend vom Klä­ger ver­ur­sacht wor­den ist, waren die Mit­ge­sell­schaf­ter des Klä­gers berech­tigt, des­sen Geschäft­s­an­teil auf der Grund­lage von § 15 Nr. 2 der Sat­zung der Beklag­ten ein­zu­zie­hen, weil ein wich­ti­ger Grund in der Per­son des Klä­gers vor­lag, der seine Aus­sch­lie­ßung aus der Gesell­schaft recht­fer­tigte. Die gegen­tei­lige Wür­di­gung des OLG ist aus Rechts­grün­den zu bean­stan­den.
Die Ein­zie­hung von Geschäft­s­an­tei­len ist nach § 34 Abs. 2 GmbHG ohne Zustim­mung des Anteils­be­rech­tig­ten nur dann zuläs­sig, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der­sel­ben vor dem Zeit­punkt, in wel­chem der Berech­tigte den Geschäft­s­an­teil erwor­ben hat, im Gesell­schafts­ver­trag fest­ge­setzt waren. Vor­lie­gend knüpft § 15 Nr. 2 der Sat­zung der Beklag­ten die Zwang­s­ein­zie­hung in zuläs­si­ger Weise an das Vor­lie­gen eines wich­ti­gen Grun­des in der Per­son des Gesell­schaf­ters, der seine Aus­sch­lie­ßung aus der Gesell­schaft recht­fer­tigt. Die Wür­di­gung des OLG, dass ein sinn­vol­les Zusam­men­wir­ken der Gesell­schaf­ter nicht mehr zu erwar­ten ist, weil es an der für das Funk­tio­nie­ren einer per­so­na­lis­tisch aus­ge­stal­te­ten GmbH erfor­der­li­chen ersprieß­li­chen Zusam­men­ar­beit und der Ach­tung vor dem ande­ren fehle, ist zwar nicht zu bean­stan­den. Das OLG meint jedoch fäl­sch­li­cher­weise, die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen, die den Aus­schluss des Klä­gers unter die­sem Gesichts­punkt und damit die Ein­zie­hung sei­nes Geschäft­s­an­teils recht­fer­ti­gen könn­ten, seien nicht sämt­lich gege­ben.
Nach der Recht­sp­re­chung des Senats setzt ein wich­ti­ger Grund zum Aus­schluss eines Gesell­schaf­ters im Falle eines tief­g­rei­fen­den Zer­würf­nis­ses der Gesell­schaf­ter vor­aus, dass das Zer­würf­nis von dem betrof­fe­nen Gesell­schaf­ter zumin­dest über­wie­gend ver­ur­sacht wor­den ist und in der Per­son des oder der die Aus­sch­lie­ßung bet­rei­ben­den Gesell­schaf­ter keine Umstände vor­lie­gen, die deren Aus­sch­lie­ßung oder die Auflö­sung der Gesell­schaft recht­fer­ti­gen. Vor­lie­gend ist nicht ersicht­lich, dass den Mit­ge­sell­schaf­tern ein ihren eige­nen Aus­schluss recht­fer­ti­gen­des Ver­hal­ten vor­zu­wer­fen wäre. Das OLG hat viel­mehr allein Ver­hal­tens­wei­sen des Klä­gers fest­ge­s­tellt, die die Ach­tung vor sei­nen Mit­ge­sell­schaf­tern ver­mis­sen las­sen und einer ersprieß­li­chen Zusam­men­ar­beit im Wege ste­hen. Wei­ter hat es ange­nom­men, dass durch die Ver­hal­tens­wei­sen des Klä­gers die Zer­rüt­tung zwi­schen den Gesell­schaf­tern zumin­dest ver­tieft wurde. Damit ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des OLG aber hin­rei­chend dar­ge­legt, dass das Zer­würf­nis inn­er­halb der Gesell­schaft über­wie­gend vom Klä­ger ver­ur­sacht wor­den ist.
Das Schei­tern der Lebens­ge­mein­schaft des Klä­gers und der Mit­ge­sell­schaf­te­rin L ist für die Beant­wor­tung der Frage, wer das inn­er­ge­sell­schaft­li­che Zer­würf­nis über­wie­gend ver­ur­sacht hat, nur dann und soweit von Bedeu­tung, wie der dar­aus resul­tie­rende per­sön­li­che Kon­f­likt von den Betei­lig­ten in die Gesell­schaft hin­ein­ge­tra­gen wurde. Das OLG hat jedoch nur in Bezug auf den Klä­ger fest­ge­s­tellt, dass seine Pflicht­ver­let­zun­gen in Fort­set­zung sei­ner in die Gesell­schaft hin­ein­ge­tra­ge­nen per­sön­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit der Mit­ge­sell­schaf­te­rin L began­gen wur­den. Dass die Mit­ge­sell­schaf­ter in ver­g­leich­ba­rer Weise die per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Klä­ger und der Gesell­schaf­te­rin L in die Gesell­schaft hin­ein­ge­tra­gen oder in ande­rer Weise zum Zer­würf­nis der Gesell­schaf­ter bei­ge­tra­gen haben, hat das OLG dage­gen nicht fest­ge­s­tellt.
Keine Ergän­zungs­bi­lanz für per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter einer KGaA bei Zah­lung eines Auf­gel­des
Leis­tet ein per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter einer KGaA bei Über­nahme der Betei­li­gung neben der Son­de­r­ein­lage ein Auf­geld, ist die KGaA nicht berech­tigt, die bereits vor­han­de­nen Wirt­schafts­gü­ter mit den Buch­wer­ten oder mit einem höhe­ren Wert anzu­set­zen. Weder die Zah­lung eines Auf­gel­des im Rah­men der Über­nahme einer Betei­li­gung als per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter einer KGaA noch der Erwerb und die Ein­zie­hung eige­ner Kom­man­di­tak­tien durch die KGaA füh­ren zu einer in einer Ergän­zungs­bi­lanz aus­zu­wei­sen­der Anschaf­fungs­kos­ten. ...lesen Sie mehr

References: BGH 

§ 15
 BGH 
 § 15
 § 34
 § 15