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Timestamp: 2018-07-20 04:56:46+00:00

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Problemtypen 1 - Probleme bei der Textwiedergabe
1. Was verstehen wir unter Textwiedergabe?
2. Die Wiedergabe der wichtigsten Aspekte eines Texts
2.1 Das Thema des Texts und einzelner Textteile
2.1.1 Wie erkennt man das Thema eines Texts oder Textteils?
2.1.2 Wie formuliert man eine Themenwiedergabe?
2.2 Die Wiedergabe der Funktion eines Textteils
2.2.1	Wie erkennt man die Funktion eines Textteils?
2.2.2	Wie formuliert man die Funktion eines Textteils?
2.3	Wiedergabe des thematischen und funktionalen Gesamtaufbaus eines Texts
2.4 Die Wiedergabe von einzelnen Sätzen eines Texts
2.4.1 Die Wiedergabe der Funktion eines Satzes
2.4.2 Die Wiedergabe des ausgedrückten Sachverhalts
2.4.3 Die Wiedergabe in direkter Rede: Das Zitieren
2.4.4 Die Wiedergabe in indirekter Rede
Die Wiedergabe von Texten und Textteilen (Textwiedergabe) ist eine Form der Redewiedergabe. Genau wie man ein Gespräch wiedergeben kann, kann man auch einen Text wiedergeben. Man verwendet dafür z.T. auch dieselben Formulierungen, z.B. Maier behauptet, dass diese These von Müller falsch ist. Die wichtigsten Aspekte für die Textwiedergabe in Zusammenfassungen sind normalerweise:
das Thema des Textes und einzelner Textteile (z.B. Kapitel, Abschnitte)
die Funktion des Texts und einzelner Textteile (z.B. Kapitel, Abschnitte)
der thematische Aufbau des Texts
die Struktur der Argumentation (allgemeiner: die funktionale Struktur, denn nicht immer sind wissenschaftliche Texte oder Textteile primär argumentativ, vgl. Argument/ Argumentation)
die Funktion einzelner Sätze
die in einem Abschnitt oder mit einem Satz ausgedrückten Sachverhalte (man sagt manchmal: der Inhalt)
die sprachliche Form einzelner Sätze (z.B. die Wiedergabe von Formulierungen des Originals)
Grundsätzlich können alle Aspekte von Texten bei der Textwiedergabe berücksichtigt werden (vgl. Tipps zum Schreiben von Zusammenfassungen). Für die Wiedergabe der einzelnen Aspekte von Texten gibt es typische Formulierungen und auch typische Probleme, die wir im Folgenden kurz darstellen.
Die Angabe des Themas von Texten und Textteilen (z.B. von Kapiteln oder Abschnitten) gehört zur den wichtigsten Bausteinen einer zusammenfassenden Textwiedergabe. Beim Schreiben einer Zusammenfassung stellen sich in diesem Zusammenhang vor allem zwei Fragen:
1. Wie erkennt man das Thema eines Texts oder Textteils?
2. Wie formuliert man eine Themenwiedergabe?
a. Das Thema eines wissenschaftlichen Buches oder Aufsatzes wird zumeist als Titel angegeben, z.B.
(1) Historische Pragmatik
(2) Die syntaktische Struktur der Nominalphrase
Manchmal wählen die Autoren aber auch originelle Titel, die das Thema des Buches nicht erkennen lassen, z.B.:
(3) Das höchste der Gefühle (Heringer 1999)
(4) Women, fire, and dangerous things (Lakoff 1987)
In beiden Fällen handelt es sich um Bücher zu Themen der Semantik. Das findet man heruas, wenn man sich die Untertitel der Bücher genau anschaut:
(5) Empirische Studien zur distributiven Semantik
(6) What categories reveal about the mind
In manchen Fällen versteht man den Titel des Buches aber auch erst, wenn man mindestens das Vorwort liest und das Inhaltsverzeichnis überblickt.
b. Das Thema eines Kapitels wird meistens als Kapitelüberschrift formuliert, wie in (7):
(7) Wittgensteins instrumentalistische Zeichenauffassung
Die beiden wichtigsten Formen der Themaformulierung in wissenschaftlichen Texten sind:
1. die Verwendung eines Nominalausdrucks:
(8) Der metaphorische Gebrauch von Modalverben
2. die Verwendung eines Satzes mit Fragewort:
(9) Warum ändert sich die Sprache?
(10) Warum sich die Sprache ändert
Manchmal werden allerdings in Kapitelüberschriften auch Angaben zur Funktion aufgenommen, wie in (11):
(11) Einwände gegen die Vorstellungstheorie der Bedeutung
Mit Einwände gegen wird die Funktion des Kapitels gekennzeichnet.Gegenstand ist die Vorstellungstheorie der Bedeutung (in kritischer Perspektive).
In gut geschriebenen wissenschaftlichen Büchern werden oft im Vorwort oder im Einleitungskapitel Hinweise auf Thema und Funktion einzelner Kapitel gegeben, etwa folgendermaßen:
(12) 1"Das Buch besteht aus fünf Teilen mit insgesamt zwanzig Kapiteln. Im ersten Teil werden zwei prototypische Zeichenauffassungen einander gegenübergestellt" (Keller 1995, 13).
(13) "In Kapitel II werden unterschiedliche Methoden, die Sprache zu analysieren, einander gegenübergestellt" (Grewendorf 1995, 11).
Man erfährt in diesen Ankündigungen, dass das Thema des ersten Teils zwei prototypische Zeichenauffassungen sind (12) bzw.dass das Thema des 2. Kapitels unterschiedliche Analysemethoden sind (13). In beiden Fällen erfährt man, dass die Funktion des Teils des Buches bzw. des Kapitels eine Gegenüberstellung ist. Nun weiß man schon viel über den Aufbau des Buches bzw. des Kapitels.
TIPP Es lohnt sich meistens, das Vorwort oder das Einleitungskapitel eines wissenschaftlichen Buches zu lesen, auch wenn man nicht das ganze Buch lesen will.
c. Das Thema eines Abschnitts wird häufig im ersten Satz des Abschnitts angegeben wie in (14) und (15) oder auch zusammenfassend im letzten Satz des Abschnitts, wie in (16):
(14) Die Interpretation des § 43 der "Philosophischen Untersuchungen" bereitet immer wieder Schwierigkeiten.
(Thema: Die Interpretation des § 43 der "Philosophischen Untersuchungen")
(15) Eine solche Bedeutungskonzeption hat allen anderen gegenüber entscheidende Vorteile: (Keller 1995, 68)
(Thema: Vorteile einer Gebrauchstheorie der Bedeutung)
(16) Dieses sind also, kurz zusammengefasst, die wichtigsten Vorteile einer Gebrauchstheorie.
(Thema: Die wichtigsten Vorteile einer Gebrauchstheorie)
Wenn das nicht der Fall ist, kann man nach besonders häufig gebrauchten Substantiven suchen, insbesondere nach Fachausdrücken. Nehmen wir an, in einem Abschnitt wird mehrfach der Ausdruck Polysemie oder Infinitiv-Partikel verwendet, dann wäre es eine aussichtsreiche Hypothese anzunehmen, dass das Thema des Abschnitts die Polysemie oder die Infinitiv-Partkel ist.
In vielen Fällen ist es aber nicht so leicht zu entscheiden, was das Thema eines Abschnitts ist. In solchen Fällen muss man nach anderen Indizien suchen, was für den Autor bei diesem Abschnitt im Vordergrund seiner Aufmerksamkeit steht oder was ihm besonders wichtig ist. Manchmal hilft dabei die Beachtung von Hervorhebungen durch Fettdruck (z.B. Verb-Zweit-Stellung) oder von Formulierungen wie "besonders hervorzuheben ist (die Rolle der Partikeln)".
2.1.2	Wie formuliert man eine Themenwiedergabe?
Hier einige Beispiele für Themenwiedergaben:
(1) In Abschnitt 5 behandelt Maier die wichtigsten Probleme der Vorstellungstheorie. (Thema: die wichtigsten Probleme der Vorstellungstheorie)
(2) In Abschnitt 9 beschäftigt sich Müller mit einigen Missverständnissen des § 43 der "Philosophischen Untersuchungen" Wittgensteins. (Thema: einige Missverständnisse des § 43 der "Philosophischen Untersuchungen" Wittgensteins.)
Diese Themenwiedergaben bestehen aus zwei Teilen, dem einleitenden Ausdruck und der eigentlichen Themenangabe. Folgendes sind Beispiele für die Einleitung von Themenwiedergaben:
(3) Der Verfasser behandelt
(4) Der Verfasser beschäftigt/ befasst sich mit
(5) Der Verfasser stellt ... dar
(6) Gegenstand des ersten Teils der Arbeit ist
(7) Zentrales Thema dieses Kapitels ist
(8) In den folgenden Kapiteln wird ... behandelt
(9) Im ersten Hauptteil des Buches geht es um die Frage ...
(10) Im weiteren Verlauf des Kapitels geht Keller auf die Frage ein ...
(11) Der nächste Punkt betrifft substantivische Lexeme
Die eigentlichen Themenangaben haben meist die Form eines komplexen Nominalausdrucks wie in (1) und (2) und in den folgenden Beispielen:
(12) (Thema dieses Kapitels sind) die Verbindungen zwischen den verschiedenen syntaktischen Ebenen
(13) (A stellt) die Grundzüge der X-bar-Theorie (dar)
(14) (A behandelt) die Frage, ob der Regelbegriff auf den Konventionsbegriff zurückgeführt werden kann
2.2	Wiedergabe der Funktion eines Textteils
TIPP Die Angabe der Funktion von Textteilen (Kapitel, Abschnitten) kann ein sehr wichtiger Teil einer zusammenfassenden Textwiedergabe sein. Für die Leserin der Zusammenfassung ist es eine wertvolle Information, zu wissen, was die Funktion eines Texts oder Textteils im Ausgangstext ist. Sie weiß dann, wozu der Autor das Kapitel oder den Abschnitt geschrieben hat.
In vielen Fällen kann man verhältnismäßig leicht die Funktion eines Kapitels oder Abschnitts bestimmen. Bei Kapiteln wissenschaftlicher Texte werden manchmal schon in der Kapitelüberschrift Funktionsangaben gemacht, z.B.
(1) Kritik der Vorstellungstheorie
(2) Argumente für eine VP-interne Subjektspositition
In diesem Fall sehen die Autoren die Funktion der betreffenden Kapitel in einer Kritik (1) oder darin, Argumente zu sammeln(2). Manchmal macht der Autor auch selbst innerhalb des Texts Funktionsangaben, z.B. als Ankündigung direkt vor dem betreffenden Abschnitt, wie in (3) und (4), oder in der Einleitung, wie in (5):
(3) Die folgenden Abschnitte dienen einer kurzen Beschreibung der Forschungslage.
(4) Wenden wir uns nun der Prüfung der Datenlage zu.
(5) "Kapitel 5 schließlich illustriert, daß die Sprache... nach Ökonomieprinzipien organisiert ist" (Grewendorf 1995, 12).
In anderen Fällen muss man die Funktion eines Kapitels erschließen. Das gilt auch für Abschnitte, die keine eigene Überschrift tragen. Hier muss man fragen, was derAutor in diesem Kapitel oder Abschnitt macht bzw. welches Ziel er verfolgt. Eine Antwort auf diese Frage könnte z.B. sein:
(6) Der Autor beschreibt den Forschungsstand im Bereich der Bedeutungstheorie.
Die Beispielsätze (1) - (6) waren schon erste Beispiele für die Angabe der Funktion eines Textteils. Weitere Beispiele für die Formulierung solcher Angaben sind:
(7) Müller stellt Grundgedanken der Gebrauchstheorie dar.
(8) Der Autor diskutiert Probleme der kognitiven Semantik.
(9) Der Verfasser kritisiert die kognitive Semantik.
(10) Maier versucht den Begriff der Synonymie zu klären.
(11) Müller formuliert Einwände gegen die Vorstellungstheorie.
(12) Schulze bringt Argumente für die Abschaffung des Satzbegriffs vor.
(13) Keller gibt ein Beispiel für die Entstehung einer Regel.
(14) Das Kapitel ist ein Plädoyer für eine Gebrauchstheorie der Bedeutung.
Mit Formulierungen wie beschreiben, illustrieren, darstellen, diskutieren, kritisieren, zu klären versuchen, Einwände formulieren, Argumente vorbringen, ein Beispiel geben gibt man in einer Zusammenfassung wieder, wie man als Leser des Ausgangstexts die Funktion des Kapitels oder Abschnitts verstanden hat.
PROBLEM 1. Bei Textzusammenfassungen wird häufig die Möglichkeit zusammenfassender Funktionsangaben gar nicht genutzt. Der Leser der Zusammenfassung erfährt dann nicht, welche Ziele der Autor des Ausgangstexts verfolgt.
PROBLEM 2. Die Funktionsangaben in einer Zusammenfassung sind oft ungenau oder unzutreffend, weil der Verfasser
den Text/ Textabschnitt nicht richtig verstanden hat oder
nicht die richtigen funktionskennzeichnenden Verben oder Substantive gefunden hat.
TIPP Überlegen Sie sich genau, welche funktionskennzeichnenden Ausdrücke die Ziele und sprachlichen Handlungen des Verfassers am besten treffen.
Ausführlichere Hinweise zu funktionskennzeichnenden Ausdrücken finden Sie im Textbaustein "Problemtypen 6 - Redekennzeichnende Ausdrücke".
2.3 Wiedergabe des thematischen und funktionalen Gesamtaufbaus eines Texts
TIPP Neben dem Hauptthema und der Hauptfunktion eines Texts ist der thematische und funktionale Aufbau die wichtigste Basisinformation, die man über einen Text haben sollte. Deshalb empfiehlt es sich, diese Information in einer Zusammenfassung als ersten Überblick zu geben.
(1) Im ersten Teil des Buches skizziert der Autor die Forschungslage, macht auf Lücken der Forschung aufmerksam und formuliert die Ziele seiner Arbeit. Im zweiten Teil erläutert er seine theoretische Konzeption und stellt sein Methodeninventar dar. Im dritten Teil präsentiert er Datenmaterial und wertet seine Daten im Detail aus. In einem abschließenden Kapitel fasst der Autor die wichtigsten Ergebnisse seiner Untersuchung zusammen.
In dieser kurzen Wiedergabe der thematischen und funktionalen Struktur eines Buches erfahren wir,
dass folgende Hauptthemen behandelt werden: die Forschungslage, Lücken der Forschung, Ziele der Arbeit, eine theoretische Konzeption, ein Methodeninventar, Datenmaterial, Untersuchungsergebnisse.
dass Teile des Buches folgende Funktion haben: der Autor beschreibt kurz ("skizziert") die Forschungslage, macht auf Lücken der Forschung aufmerksam, formuliert seine Ziele, erläutert seine theoretische Konzeption, präsentiert Datenmaterial, wertet die Daten aus und fasst am Schluss die Untersuchungsergebnisse zusammen.
Wir wissen nun, dass das Buch die typische Struktur einer empirischen Untersuchung hat, die auf der Grundlage einer bestimmten theoretischen Konzeption durchgeführt wurde. Ein solcher Text unterscheidet sich thematisch und funktional stark von einem Buch, das eine neue theoretische Konzeption im Kontrast zu anderen Theoriekonzeptionen entwickelt, wie im nächsten Beispiel.
TIPP Schon der allgemeine thematische und funktionale Aufbau eines Texts gibt manchmal wichtige Hinweise auf die Forschungstradition oder die Art der Untersuchung.
Nach dieser Wiedergabe wissen wir nun auch, wo wir bestimmte Dinge finden, die uns vielleicht interessieren, etwa das Datenmaterial oder die Theorie oder die Forschungslage oder die Zusammenfassung. Was wir noch nicht wissen, ist, was der eigentliche Gegenstand der Untersuchung ist. Das könnte die Struktur der Nominalphrase in der deutschen Gegenwartssprache sein oder die Fragepraxis von Interviewern in Nachrichtensendungen der 80er Jahre.
In derselben Weise können wir auch den thematischen und funktionalen Aufbau eines Buchkapitels oder eines Aufsatzes charakterisieren. Dafür ein Beispiel zum Ausgangstext:
(2) In seinem Kapitel über Wittgensteins instrumentalistische Zeichenauffassung stellt Keller die sog. Vorstellungstheorie der Bedeutung und die sog. Gebrauchstheorie der Bedeutung einander gegenüber. Er macht zunächst auf einige grundlegende Probleme der Vorstellungstheorie aufmerksam und erläutert dann die Grundgedanken einer auf Wittgenstein zurückgehenden Gebrauchstheorie , von der er zu zeigen versucht, dass sie den Einwänden gegen eine Vorstellungstheorie nicht ausgesetzt ist. Zur Erläuterung des Bedeutungsbegriffs der Gebrauchstheorie ("Die Bedeutung ist die Regel des Gebrauchs") interpretiert Keller zunächst § 43 aus Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen". Daran anschließend nennt er die wichtigsten Vorzüge einer Gebrauchstheorie und zeigt abschließend an einem Beispiel, wie sich eine Gebrauchsregel einspielt und welche Aspekte dieses Vorgangs für die Regelhaftigkeit grundlegend sind (eine Verhaltensregularität, kollektives Wissen bezüglich dieser Verhaltensregularität, eine Verhaltenserwartung, eine Verhaltensverpflichtung).
Auch hier bekommen wir Aufschluss über den Aufbau des Texts und darüber, was die Funktion des Texts bzw. das Ziel des Autors ist, nämlich ein Plädoyer für die Gebrauchstheorie zu liefern. Grundlegend für die Darstellung ist, nach dieser Wiedergabe, die Gegenüberstellung der beiden Theorien, der Vorstellungstheorie mit ihren Problemen und der Gebrauchstheorie mit ihren Vorzügen, die -nach Auffassung des Autors - von den Problemen der Vorstellungstheorie nicht betroffen ist. Die Interpretation von § 43 der PU versucht zu zeigen, wie der Begriff der Gebrauchsregel als Zentralbegriff der Wittgensteinschen Bedeutungsauffassung zu verstehen ist. Die Beschreibung des Beispiels einer Regelentstehung schließlich soll plausibel machen, dass der Regelbegriff genau das leistet, was er leisten soll, nämlich die Interpretierbarkeit von Zeichen zu erklären. Man könnte gegenüber (2) jetzt noch deutlicher machen, dass es sich um einen stark argumentativen Text handelt. Argumente gegen die Vorstellungstheorie (die "Probleme") und für die Gebrauchstheorie spielen eine zentrale Rolle, und auch das abschließende Beispiel hat argumentativen Charakter: Es soll beweisen, dass Gebrauchsregeln auf ganz natürliche Weise entstehen und genau das leisten, was sie nach der gebrauchstheoretischen Auffassung leisten sollen.
Bei einer Zusammenfassung kann es sinnvoll sein, besonders wichtige Sätze des Ausgangstexts einzeln wiederzugeben. Bei der Wiedergabe von einzelnen Sätzen eines Texts kann man folgende Aspekte der Verwendung eines Satzes berücksichtigen:
Die Funktion des Satzes
Den mit dem Satz ausgedrückten Sachverhalt
Die Form des Satzes selbst (einschließlich der in diesem Satz verwendeten Wörter)
Gibt man den Satz unverändert wieder, spricht man von direkter Rede (Link), gibt man die Funktion und den ausgedrückten Sachverhalt wieder, spricht man von indirekter Rede (Link).
2.4.1	Die Wiedergabe der Funktion eines Satzes
Jeder einzelne Satz eines Texts hat eine bestimmte Funktion. In vielen Fällen ist es für das Verständnis eines Abschnitts entscheidend, ob man die Funktion wichtiger Sätze richtig erkannt hat. Die Funktion von Satz (1) ist aufgrund der Verwendung von weil relativ leicht zu erkennen. Man kann sie mit (2) wiedergeben:
(1) Weil Sätze einer bestimmten Form auf unterschiedliche Art und Weise verwendet werden können, muss man in der Kommunikationsanalyse zwischen Satzform und Satzfunktion unterscheiden.
(2) Mit (1) begründet der Verfasser, warum man in der Kommunikationsanalyse zwischen Satzform und Satzfunktion unterscheiden muss.
Die Funktion des Satzes (1) ist nach unserer Beschreibung eine Begründung oder mit einem Verb ausgedrückt: Der Verfasser begründet mit Satz (1) etwas. Häufig bezeichnet man die Funktion eines Satzes in der Redeweise der sog. Sprechakttheorie auch als die sprachliche Handlung, die mit diesem Satz vollzogen wird. Typische Ausdrücke, mit denen man eine Funktion bzw. die Art einer sprachlichen Handlung angibt, sind verbale Ausdrücke wie feststellen, behaupten, fragen, auffordern, erklären, empfehlen, kritisieren, widersprechen, vorschlagen, einen Einwand machen sowie die dazugehörigen Substantive Feststellung, Frage, Aufforderung, Einwand etc. Diese Verben und Substantive bezeichnet man auch als redekennzeichnende Ausdrücke.
Mit redekennzeichnenden Ausdrücken kann man unterschiedlich spezifische Angaben über die Funktion eines Satzes machen. Sehr unspezifisch ist die Kennzeichnung mit sagen oder äußern, wie in (3)
(3) Keller sagt, dass die Vorstellungstheorie nicht auf alle Arten von Ausdrücken anwendbar ist.
Bei dieser Kennzeichnung muss sich der Leser selbst eine Deutung der Funktion des Satzes im Ausgangstext suchen. Spezifischer und deshalb hilfreicher für den Leser sind Kennzeichnungen wie in (4) und (5):
(4) Keller wendet gegen die Vorstellungstheorie ein, dass sie nicht auf alle Arten von Ausdrücken anwendbar ist.
(5) Keller kritisiert an der Vorstellungstheorie, dass sie nicht auf alle Arten von Ausdrücken anwendbar ist.
PROBLEM Ein häufiges Problem bei Zusammenfassungen ist die Wahl des richtigen Verbs oder Substantivs zur Kennzeichnung der Funktion eines Satzes (oder längeren Textstücks). (vgl. Textbaustein "Redekennzeichnende Ausdrücke".)
2.4.2	Wiedergabe des ausgedrückten Sachverhalts
Nehmen wir an, in einem Text, der zusammengefasst werden soll, steht Satz (6). Wenn dieser Satz besonders wichtig ist, könnte er in der Zusammenfassung wiedergegeben werden, und zwar beispielsweise in der Form von (7):
(6) Wittgenstein ist ein Vertreter der Vorstellungstheorie.
(7) Der Verfasser behauptet, dass Wittgenstein ein Vertreter der Vorstellungstheorie sei.
Mit dem untergeordneten dass-Satz in (7) geben wir den Sachverhalt wieder, den der Verfasser hier behauptet. (Übrigens ist die mit (6) gemachte Behauptung falsch.)
In der Alltagssprache sprechen wir manchmal vom Inhalt der Behauptung oder dem ausgedrückten Gedanken. In der Sprechakttheorie spricht man hier vom "propositionalen Gehalt" einer Behauptung. Bei der Wiedergabe von Fragen wird der entsprechende untergeordnete Satz häufig mit ob eingeleitet (der Autor fragt, ob diese Auffassung zutreffend sei), bei der Wiedergabe von Begründungen, wie in (2) mit warum (warum man ... unterscheiden muss).
PROBLEM Ein häufig auftretendes Problem bei der Wiedergabe eines im Ausgangstext ausgedrückten Sachverhalts in Zusammenfassungen oder Hausarbeiten ist: Die Angabe des ausgedrückten Sachverhalts ist nicht zutreffend oder nicht ausreichend genau.
Dass die im Ausgangstext ausgedrückten Sachverhalte zutreffend wiedergegeben werden, ist ein entscheidendes Qualitätskriterium für Zusammenfassungen. Da man in der Formulierung des Sachverhalts meistens eigene Formulierungen wählt, muss man genau überprüfen, ob diese Formulierungen auch den vom Verfasser gemeinten Sachverhalt treffen. Zwei Beispiele aus studentischen Zusammenfassungen sollen typische Probleme zeigen.
(8) Keller möchte in seinem Text die linguistische, d.h. die strukturalistische Bedeutung der Sprache untermauern.
Diese Wiedergabe geht vermutlich auf den Satz zurück:
(9) "Ich werde dafür plädieren, Bedeutung, dem späten Wittgenstein folgend, auf der linguistischen Ebene anzusiedeln" (Keller 1995, 61).
Schlecht ist, dass die in der Zusammenfassung (8) wiedergegebene Intention Kellers z.T. frei erfunden ist, denn von "strukturalistischer Bedeutung" ist bei Keller in diesem Zusammenhang nicht die Rede.
TIPP Für jede wiedergegebene Aussage muss man zeigen können, wo sie im Ausgangstext gemacht wird
(10) Keller vertritt die Auffassung, dass die Bedeutung den Aspekt der Interpretation des Zeichens erklären soll.
Diese Wiedergabe geht auf folgenden Satz zurück:
(11) "Der Begriff der Bedeutung soll den Aspekt der Interpretierbarkeit des Zeichens erklären" (Keller 1995, 61).
In (10) finden sich zwei Ungenauigkeiten, die die wiedergegebene Auffassung Kellers (fast) sinnlos erscheinen lassen: Erstens spricht Keller an dieser Stelle von der Funktion des "Begriffs der Bedeutung" in einer Bedeutungstheorie und nicht von der Bedeutung und zweitens von der "Interpretierbarkeit" und nicht von der Interpretation.
TIPP Für die Wiedergabe von zentralen Stellen des Ausgangstexts empfiehlt sich oft eine Wiedergabe in direkter Rede.
Bei der Wiedergabe in direkter Rede, die man in wissenschaftlichen Arbeiten als Zitieren bezeichnet, muss man sich zwei Fragen beantworten:
Wann zitiert man und was zitiert man?
a. Wann zitiert man und was zitiert man? Diese Frage kann man beantworten, wenn man sich die Funktion der direkten Rede und ihre Vor- und Nachteile klar macht.
Vorteile der direkten Rede:
Die wörtliche Wiedergabe von Teilen des Ausgangstexts gibt ein authentisches Bild von Formulierungen im Original. Deshalb ist sie besonders dann nützlich, wenn man zentrale Aussagen des Autors wiedergeben will, für die der Autor des Ausgangstexts besonders treffende oder eingängige Formulierungen gefunden hat. (Es kann natürlich auch sein, dass man zitiert, um zu zeigen, wie unsinnig die Formulierungen des Verfassers sind.)
Die wörtliche Wiedergabe erspart es dem Wiedergebenden möglicherweise, eine funktionale Kennzeichnung - und damit eine bestimmte Deutung - der wiedergebenen Äußerung und eine eigene Formulierung für den ausgedrückten Sachverhalt zu suchen. In dieser Hinsicht ist direkte Rede einfacher zu schreiben als indirekte Rede.
Bei wörtlicher Wiedergabe legt man sich nicht auf eine bestimmte Deutung eines Satzes oder Textstücks im Ausgangstext fest, sondern nur darauf, dass der Verfasser genau diese Worte verwendet hat. Direkte Rede ist also auch risikoloser als indirekte Rede.
Nachteile der direkten Rede:
Die direkte Rede hat auch Nachteile. Wenn man eine kurze Zusammenfassung schreiben will, kann man nicht alles zitieren. Das widerspricht dem Prinzip der Kürze. Man muss also auswählen und benötigt dazu Auswahlkritierien.
Weiterhin bringen die zitierten Sätze ihren Zusammenhang im Originaltext nicht mit, so dass man ihren ursprünglichen Zusammenhang im Text der Zusammenfassung kenntlich machen muss.
Wörtliche Zitate kann man auch dann bringen, wenn man den Text nicht verstanden hat. Will man also zeigen, dass und wie man einen Ausgangstext verstanden hat, muss man mit direkter Rede sparsam umgehen.
Ein Beispiel für eine nutzlose Verwendung der direkten Rede
Nehmen wir an, der Verfasser einer Zusammenfassung des Ausgangstextes möchte seinem Leser mitteilen, dass Keller im Anschluss an sein Zitat des § 43 von Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen" zwei mögliche Missverständisse des § 43 ("zwei Fallen") behandelt. Hier wäre es kaum sinnvoll, die Ankündigung Kellers in direkter Rede wiederzugeben, etwa folgendermaßen:
(12) Keller schreibt an dieser Stelle: "Widmen wir uns nun den beiden Fallen" (Keller 1995, 63).
Diese Ankündigung lohnt die direkte Wiedergabe nicht. Sie erfüllt nicht die entscheidende Grundbedingungen für die direkte Rede: Sie ist inhaltlich nicht wichtig, denn sie signalisiert nur die Organisation des Texts an dieser Stelle. Nehmen wir an, wir würden aber gerne die prägnante Formulierung mit dem Ausdruck "Fallen" wiedergeben, dann könnten wir diese Formulierung beispielsweise in Klammern hinzufügen und folgendermaßen formulieren: zwei mögliche Missverständnisse ("zwei Fallen").
PROBLEM Probleme bei der Verwendung der direkten Rede: Wer nur das Original zitiert, kann in seiner Zusammenfassung nur schwer einen kurzen, aber zusammenhängenden Text produzieren und dabei sein Verständnis des Texts zeigen. Die schwierigste Frage bei der Verwendung der direkten Rede ist, wann direkte Rede notwendig oder nützlich ist.
TIPP Man sollte mit Zitaten sparsam umgehen. Man sollte den Ausgangstext vor allem dann zitieren, wenn der Verfasser besonders treffende Formulierungen für zentrale Aussagen des Texts gefunden hat. Aneinanderreihungen von Zitaten sind meistens schlechte Zusammenfassungen.
b. Wie zitiert man richtig?
Beim Zitieren muss man vor allem vier Dinge beachten:
Man muss das Zitat durch Anführungszeichen kennzeichnen.
Man muss den zitierten Satz (die zitierten Sätze) ganz genau (buchstabengetreu) wiedergeben.
Man muss die Textstelle genau angeben, an der sich der betreffende Satz findet (Autor, Text, Seitenzahl)
Man muss den Zusammenhang des zitierten Satzes im Original kenntlich machen.
Im Ausgangstext findet sich der Satz (13). In direkter Rede kann man ihn wie in (14) wiedergeben:
(13) Der Gebrauch "fließt" nicht aus der Bedeutung, ist nicht eine Folge der Bedeutung, sondern er ist die Bedeutung.
(14) Keller formuliert das folgendermaßen: "Der Gebrauch 'fließt' nicht aus der Bedeutung, ist nicht eine Folge der Bedeutung, sondern er ist die Bedeutung" (Keller 1995, 67).
Das Zitat muss buchstabengetreu sein. Es wird z.B. also auch die kursive Hervorhebung von ist wiedergegeben. Ebenso die Anführungszeichen um "fließt". (Allerdings gibt man die doppelten Anführungszeichen in der direkten Rede als einfache Anführungszeichen wieder.)
Typische Einleitungsformeln für die direkte Rede sind:
(15) Dazu schreibt Keller: "..." (Keller 1995, 95).
(16) Seine Hauptthese formuliert der Verfasser folgendermaßen: "..." (Müller 1999, 27).
Ein Zitat in direkter Rede verwendet man dann, wenn die genaue Formulierung besonders wichtig ist bzw. wenn der Autor eine besonders treffende Formulierung für den betreffenden Sachverhalt gefunden hat. Manchmal zitiert man auch nur einzelne Ausdrücke, die der Autor des Ausgangstexts verwendet hat, z.B. folgendermaßen:
(17) Harweg spricht hier von "pronominaler Verkettung" (Harweg 1968, 57).
(18) Heringer bezeichnet diese Abfolgeregeln als "Sequenzmuster" (Heringer 1974, 60).
In den Beispielen (14) bis (18) ist jeweils der Zusammenhang der zitierten Äußerung kurz angedeutet:
"Keller formuliert das folgendermaßen ..." (Hier ist die von Keller formulierte Auffassung vorher schon angedeutet.)
"Dazu schreibt Keller ..." (Hier ist der thematische Zusammenhang vorher schon genannt.)
"Harweg spricht hier von ...", "Heringer bezeichnet diese Abfolgeregeln als ..." (In diesen Fällen sind jeweils die Gegenstände vorher schon genannt, für die die von den Autoren eingeführten Termini in der Zusammenfassung zitiert werden.)
PROBLEM Zwei Probleme bei der korrekten Wiedergabe in direkter Rede:
Schlecht ist es zumeist, wenn die Wiedergabe nicht durch Anführungszeichen und Einleitung gekennzeichnet ist. In diesem Fall weiß der Leser der Zusammenfassung nicht, ob hier der Originaltext wiedergeben wird oder ob es sich um eine Feststellung des Zusammenfassenden handelt.
Schlecht ist es auch, wenn der Originaltext ist nicht genau wiedergegeben wird. Damit kann man den Leser der Zusammenfassung grundlegend irreführen.
Zwei Beispiele für diese Probleme
(19) Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bedeutungen etwas Greifbares sind und sich nicht nur im Kopf befinden.
Dieser Satz gibt folgende Stelle auf S. 68 von Kellers Kapitel wieder:
(20) "Das Fazit ist: Bedeutungen sind nach diesem Konzept etwas sehr Handliches. Sie sind weder im Kopf noch in der Seele [...]" (Keller 1995, 68).
Aus der Wiedergabe wird nicht deutlich, dass es sich bei (19) um die fast wörtliche Übernahme von (20) aus dem Original handelt. Es könnte auch eine Festellung des Zusammenfassenden sein. Übrigens enthält die fast wörtliche Übernahme einen grundlegenden Fehler: Nach Keller befinden sich Bedeutungen überhaupt nicht im Kopf, in der Wiedergabe heißt es "nicht nur im Kopf". Hier wäre die gekennzeichnete Wiedergabe des Originals in direkter Rede die bessere Lösung.
Die Wiedergabe als Zitat muss Wort für Wort präzise sein. Auch dafür ein Beispiel. (21) ist ein Originalsatz aus Keller (1995), und (22) ist eine (nicht ganz genaue) Wiedergabe in direkter Rede.
(21) Die Bedeutung des Turms zu kennen, ist etwas anderes, als den Sinn eines bestimmten Zuges zu verstehen (Keller 1995, 66).
(22) Keller stellt fest: "Die Bedeutung des Turms zu kennen, ist etwas Anderes, als die Bedeutung eines bestimmten Zuges zu verstehen" (Keller 1995, 66).
Hier hat der Zusammenfassende in (21) den Ausdruck Sinn des Originals im Zitat durch Bedeutung ersetzt. Das erscheint zunächst harmlos, ruiniert aber den Sinn dieser Stelle. Denn Keller verwendet den Ausdruck Sinn ganz anders als den Ausdruck Bedeutung: Die Bedeutung eines Ausdrucks ist nach Keller seine Gebrauchsregel, der Sinn einer bestimmten Äußerung ist das, was der Sprecher mit dieser Äußerung meint. Und genau diese Unterscheidung ist die Pointe des Satzes (20). Ein minimales Detail: Keller schreibt in alter Rechtschreibung ("etwas anderes"), während der Wiedergebende ihm "neue" Rechtschreibung unterschiebt ("etwas Anderes"). Auch das ist nicht korrekt. Das Buch ist 1995 veröffentlicht, vor der letzten Rechtschreibreform, und muss also auch in der "alten" Rechtschreibung zitiert werden.
Die Wiedergabe in indirekter Rede hat drei Hauptkennzeichen, die allerdings nicht immer alle drei verwendet werden müssen:
Ein redekennzeichnendes Verb zur Funktionsangabe im übergeordneten Satz:
(1) Keller betont, dass der Gebrauch nicht eine Folge der Bedeutung sei, sondern die Bedeutung selbst (Keller 1995, 67).
Ein Einleitewort zur Einleitung des untergordneten Satzes:
(2) Keller betont, dass der Gebrauch nicht eine Folge der Bedeutung, sondern die Bedeutung selbst sei (Keller 1995, 67).
Die Verwendung des Konjunktivs im untergeordneten Satz:
(3) Keller betont, dass der Gebrauch nicht eine Folge der Bedeutung, sondern die Bedeutung selbst sei (Keller 1995, 67).
PROBLEM Problem Konjunktiv: Neben der Wahl des treffenden redekennzeichnenden Ausdrucks (vgl. 2.4.1) ist ein Hauptproblem bei der indirekten Rede die Frage, wann und wie man den Konjunktiv verwendet.
Allgemein gilt: Der Konjunktiv ist notwendig bei der indirekten Rede,
wenn der untergeordnete Satz nicht durch ein Einleitewort gekennzeichnet ist, wie in (4), oder
wenn die indirekte Rede in einem Hauptsatz (ohne redekennzeichnendes Verb) weitergeführt wird, wie in (5):
(4) Keller betont, der Gebrauch sei nicht eine Folge der Bedeutung (Keller 1995, 67).
(5) Keller weist besonders darauf hin, dass der Gebrauch nicht eine Folge der Bedeutung ist. Der Gebrauch sei die Bedeutung selbst (Keller 1995, 67).
Grundsätzlich gilt der Konjunktiv I zur Kennzeichnung der indirekten Redewiedergabe als korrekt:
(6) Maier betont, dass die Kognitive Semantik von den Einwänden gegen die Vorstellungstheorie nicht betroffen sei
Ist die Form des Konjunktiv I nicht von der Form des Indikativ Präsens zu unterscheiden, wählt man als Ersatz den Konjunktiv II, also (8) statt (7):
(7) Maier betont, dass die Einwände gegen die Vorstellungstheorie die Kognitive Semantik nicht betreffen (Indikativ Präsens/ Konjunktiv I)
(8) Maier betont, dass die Einwände gegen die Vorstellungstheorie die Kognitive Semantik nicht beträfen (Konjunktiv II)
Ist die Form des Konjunktiv II ungebräuchlich, kann man als Ersatz die würde-Form verwenden, also (10) statt (9):
(9) Maier kritisiert, dass diese Bemerkungen über das Ziel hinaus schössen.
(10) Maier kritisiert, dass diese Bemerkungen über das Ziel hinaus schießen würden.
Allerdings ist in wissenschaftlichen Texten der Gebrauch des Indikativs in der indirekten Rede verbreitet. Beispielsweise ist (11) eine völlig akzeptable Redewiedergabe:
(11) Maier betont, dass die Kognitive Semantik von den Einwänden gegen die Vorstellungstheorie nicht betroffen ist.
Typische Wiedergabeformeln, in denen der wiedergegebene Sachverhalt nicht in einem untergeordneten Satz (also auch ohne Konjunktiv) ausgedrückt wird, sind (12) bis (14):
(12) Nach Keller ist der Gebrauch nicht eine Folge der Bedeutung (vgl. Keller 1995, 67).
(13) Wie Keller betont, ist der Gebrauch nicht eine Folge der Bedeutung (vgl. Keller 1995, 67).
(14) "Chomsky zufolge heißt eine Sprache kennen in einem bestimmten mentalen Zustand sein" (Grewendorf 1995, 85).
Wegen der verbreiteten Verwendung des Indikativs in der indirekten Rede kann man - in Verbindung mit bestimmten redekennzeichnenden Ausdrücken - den Konjunktiv I auch zur Distanzierung verwenden. Wenn ich signalisieren möchte, dass ich mich auf die Auffassung Maiers nicht festlegen lassen möchte, kann ich das mit (15) oder (16) tun:
(15) Maier behauptet, dass die Kognitive Semantik von den Einwänden gegen die Vorstellungstheorie nicht betroffen sei.
(16) Maier vertritt die Auffassung, dass die Kognitive Semantik von den Einwänden gegen die Vorstellungstheorie nicht betroffen sei.
Vorsicht ist geboten bei redekennzeichnenden Ausdrücken, bei denen man sich auf die Sichtweise des wiedergegebenen Autors festlegt wie bei zeigen in (17):
(17) Maier zeigt, dass die Kognitive Semantik Probleme der Vorstellungstheorie vermeidet.
Will man sich nicht darauf festlegen, dass man die Auffassung des Autors teilt, muss man eine Formulierung wie (18) wählen:
(18) Maier versucht zu zeigen, dass die Kognitive Semantik Probleme der Vorstellungstheorie vermeidet.
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References: § 43
 § 43
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