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Timestamp: 2019-08-25 06:32:46+00:00

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BGH, 23.10.1979 - VI ZR 230/77 - dejure.org
https://dejure.org/1979,718
BGH, 23.10.1979 - VI ZR 230/77 (https://dejure.org/1979,718)
BGH, Entscheidung vom 23.10.1979 - VI ZR 230/77 (https://dejure.org/1979,718)
BGH, Entscheidung vom 23. Januar 1979 - VI ZR 230/77 (https://dejure.org/1979,718)
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Rechtswidriger Eingriff in den Gewerbetrieb durch gemachte Äußerungen - Gezieltes Eingreifen in die Geschäftspolitik einer Firma durch schädigende Äußerungen - Rechtswidrigkeit von wahren Tatsachenbehauptungen
Zur unerlaubten Einmischung eines Teilhabers in die Geschäftsführung
NJW 1980, 881
MDR 1980, 143
DB 1980, 346
Die Haftung für Eingriffe in den Gewerbebetrieb dient als Auffangtatbestand (…Senatsurteile vom 21. Juni 1977 - VI ZR 58/76 - aaO; vom 23. Oktober 1979 - VI ZR 230/77 - NJW 1980, 881, 882; ferner BGHZ 69, 128, 138 f.;… Münch-Komm-Mertens, aaO, Rdn. 484;… Staudinger-Hager, aaO, Rdn. D 20 ff.; jew. m.w.N.), der lediglich den gesetzlichen Schutz ergänzen und bestehende Haftungslücken ausfüllen kann.
Er bietet keine Handhabe, den Haftungsschutz dort auszudehnen, wo ihn das Gesetz gerade verwehrt (Senatsurteil vom 23. Oktober 1979 - VI ZR 230/77 - aaO;… Münch-Komm-Mertens, aaO;… Staudinger-Hager, aaO; jew. m.w.N.).
Diese Anspruchsgrundlage kann auf den vorliegenden Sachverhalt trotz ihres nur subsidiären Charakters (BGHZ 69, 128, 138/139; Senatsurteil vom 23. Oktober 1979 - VI ZR 230/77 = NJW 1980, 881) unbeschadet des Schutzes des Unternehmens aus § 824 BGB vor gewerbeschädigender Kritik und der Vorschriften zu seiner Sicherung vor einem Geheimnisverrat (vgl. insbesondere §§ 17 ff UWG) angewendet werden.
Für den Deliktsschutz greift der vom erkennenden Senat wiederholt herausgestellte und auch vom Berufungsgericht herangezogene Grundsatz ein, daß die Interessen des Unternehmens an der Wahrung seines Rufs durchweg nicht vor wahren Tatsachenbehauptungen geschützt sind, jedenfalls soweit sie, wie hier, nicht zu Wettbewerbszwecken geäußert werden (seit BGHZ 36, 77, 82; 45, 296; vgl. auch Senatsurteil vom 23. Oktober 1979 - VI ZR 230/77 = aaO).
Für die Richtigkeit des gefundenen Ergebnisses spricht letztlich auch, dass die Haftung für Eingriffe in den Gewerbebetrieb nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs als "Auffangtatbestand" lediglich den gesetzlichen Schutz ergänzen und bestehende Haftungslücken ausfüllen soll (vgl. BGHZ 36, 252, 256 f. = GRUR 1962, 310 - Gründerbildnis; BGHZ 38, 200, 204 = GRUR 1963, 255 - Kindernähmaschinen; BGHZ 55, 153, 158 f. = NJW 1971, 886; BGHZ 59, 30, 34 = NJW 1972, 1366; BGHZ 65, 325, 328 = NJW 1976, 620; BGHZ 69, 128, 138 f. = NJW 1977, 1875; BGHZ 105, 346, 350 = NJW 1989, 707; BGH, NJW 1977, 2264, 2265; NJW 1980, 881, 882; NJW 2003, 1040, 1041; NJW 2006, 830, 840;… Palandt/Sprau, BGB, 68. Aufl., § 823 Rdnr. 126;… MünchKommBGB/Wagner, a.a.O., § 823 Rdnr. 204).
Hat das Gesetz für den spezifischen Eingriffstatbestand in anderen Vorschriften Haftungsmaßstäbe aufgestellt, reichen diese - wie hier - unter den gegebenen Umständen aber nicht aus, um eine Haftung zu bejahen, so besteht ein Anspruch im Zweifel nicht; denn die vom Gesetz vorgegebenen Wertungsmaßstäbe müssen dann zu seiner Verneinung führen (BGH, NJW 1980, 881, 882).
Solche Einschränkungen hat der Gesetzgeber durch § 824 BGB auch für den äußerungsrechtlichen Interessenkonflikt vorgesehen (BGHZ 45, 296, 307; 59, 30, 34; Senatsurteile vom 30. Mai 1974 - VI ZR 174/72 = LM BGB § 824 Nr. 18 und vom 23. Oktober 1979 - VI ZR 230/77 - NJW 1980, 881).
Das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb ist ein "Auffangtatbestand", auf den Ansprüche nur gestützt werden können, wenn dies geboten ist, um eine sonst bleibende Lücke im Rechtsschutz zu schließen (BGH NJW 85, 1620, 1621 m.w.N.; 80, 881, 882).
Es ist in diesem Zusammenhang aber nicht Sache des Eingreifenden, einen besonderen Rechtfertigungsgrund darzutun (BGH NJW 80, 881, 882).
In dieser Hinsicht gilt für § 824 BGB nichts anderes als für den in Fallgestaltungen der vorliegenden Art als subsidiär zurücktretenden Auffangtatbestand des Eingriffs in einen durch § 823 Abs. 1 BGB geschützten Gewerbebetrieb, der ebenfalls nur bei einer unmittelbaren, betriebsbezogenen Störung anzunehmen ist (zur Subsidiarität vgl. Senatsurteile vom 25. April 1967 - VI ZR 208/65 ("Die Nächte der Birgit Malmström") - GRUR 1967, 540, 542 und vom 23. Oktober 1979 - VI ZR 230/77 (Vermögensverwaltung) - NJW 1980, 881, 882; zum betrieblichen Bezug siehe BGHZ 29, 65, 74 (Stromzufuhr) sowie Senatsurteile vom 29. Januar 1985 - VI ZR 130/83 (Mietboykott) - VersR 1985, 453, 454 und vom 10. März 1987 - VI ZR 144/86 (Komposthäcksler) - VersR 1987, 783, 785).
Ein Überschreiten der Grenze der Äußerungsfreiheit kommt u.a. bei bewußten Verzerrungen, bei einseitiger Auswahl der Leistungen, bei einer den Boden sachlich gerechtfertigter Kritik verlassenden Wertung in Betracht (…vgl. Ricker, a.a.O. Seite 71 ff. m.w.N.; BGH NJW 80, 881).
Aus dem bisher Ausgeführten ergibt sich auch bereits, daß der offene "Auffang"-Tatbestand (zuletzt Senatsurteil vom 23. Oktober 1979 - VI ZR 230/77 - NJW 1980, 881, 882 mit Nachw.) des Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb (§ 823 Abs. 1 BGB) der Klage gleichfalls nicht zum Erfolg verhelfen kann.

References: § 824
 § 823
 § 823
 § 824
 § 824
 § 824
 § 823
 BGH