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Timestamp: 2014-11-29 02:14:28+00:00

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Apostolorum successores (Wortlaut) – Kathpedia
Apostolorum successores (Wortlaut)
Direktorium Apostolorum successores
Kongregation für die Bischöfe unseres Heiligen Vaters
für den Hirtendienst der Bischöfe 22. Februar 2004 (Quelle: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 173, Herausgegeben vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz Bonn 2006).
2 Kapitel I: Identität und Sendung des Bischofs im Geheimnis Christi und der Kirche
2.1 I. Der Bischof im Geheimnis Christi
2.1.1 1. Identität und Sendung des Bischofs
2.1.2 2. Ausdrucksstarke Bilder vom Bischof
2.2 II. Der Bischof im Geheimnis der Kirche
2.2.1 3. Die Kirche, mystischer Leib Christi und Volk Gottes
2.3 4. Gemeinsames Priestertum und Priestertum des Dienstes
2.3.1 5. Die Teilkirchen
2.3.2 6. Die Kirche, Sakrament des Heils
2.3.3 7. Die Kirche, Gemeinschaft und Sendung
2.3.4 8. Der Bischof, sichtbares Prinzip der Einheit und der Gemeinschaft
2.4 III. Das Zwölferkollegium und das Kollegium der Bischöfe
2.4.1 9. Die pastorale Sendung der Zwölf
2.4.2 10. Die Apostel als Fundamente der Kirche
2.4.3 11. Die Fortdauer der Sendung der Zwölf im Bischofskollegium
2.4.4 12. Zugehörigkeit und Handlungsformen des Bischofs im Bischofskollegium
3 Kapitel II: Die Sorge des Bischofs für die Universalkirche und die Zusammenarbeit der Bischöfe untereinander
3.1 I. Die Sorge des Bischofs für die Universalkirche
3.1.1 13. Zusammenarbeit für das Wohl der Universalkirche
3.1.2 14. Zusammenarbeit mit dem Apostolischen Stuhl
3.1.3 15. Der Ad-limina-Besuch (45)
3.1.4 16. Die Diözesanbischöfe als Mitglieder der Dikasterien der Römischen Kurie
3.1.5 17. Die Missionstätigkeit
3.1.6 18. Der ökumenische Einsatz
3.1.7 19. Beziehungen zu den Juden
3.1.8 20. Der interreligiöse Dialog
3.1.9 21. Unterstützung der Initiativen des Heiligen Stuhls im internationalen Bereich
3.2 II. Die bischöfliche Zusammenarbeit und die überdiözesanen Organe der Zusammenarbeit
3.2.1 A) Die bischöfliche Zusammenarbeit
3.2.1.1 22. Die vereinte Ausübung des bischöflichen Dienstes
3.2.2 B) Die überdiözesanen Organe und der Metropolit
3.2.2.1 23. Die verschiedenen überdiözesanen bischöflichen Versammlungen
3.2.2.1.1 a) Versammlung der Bischöfe der Kirchenprovinz
3.2.2.1.2 b) Aufgaben des Metropolitan-Erzbischofs
3.2.2.1.3 c) Versammlung der Bischöfe der Kirchenregion
3.2.2.1.4 d) Die Bischofskonferenz
3.2.2.1.5 e) Die internationalen Versammlungen der Bischofskonferenzen
3.2.3 C) Die Partikularkonzilien
3.2.3.1 24. Die geschichtliche konziliare Erfahrung
3.2.3.2 25. Natur
3.2.3.3 26. Mitglieder
3.2.3.4 27. Gesetzgebende Vollmacht
3.2.4 D) Die Bischofskonferenz
3.2.4.1 28. Zwecksetzung der Bischofskonferenz
3.2.4.2 29. Die Mitglieder der Bischofskonferenz
3.2.4.3 30. Der Bischofskonferenz konkret zugewiesene Themen
3.2.4.4 31. Die rechtlichen und lehrmäßigen Zuständigkeiten der Bischofskonferenz
3.2.4.5 32. Die Kommissionen der Konferenz
4 Kapitel III: Spiritualität und Fortbildung des Bischofs
4.1 I. Jesus Christus, Ursprung der Spiritualität des Bischofs
4.1.1 33. Jesus Christus, Quelle der Spiritualität des Bischofs
4.1.2 34. Echte kirchliche Spiritualität
4.1.3 35. Marianische Spiritualität
4.1.4 36. Das Gebet
4.2 II. Die Tugenden des Bischofs
4.2.1 37. Die Übung der theologischen Tugenden
4.2.2 38. Die Hirtenliebe
4.2.3 39. Der Glaube und die Haltung des Glaubens
4.2.4 40. Die Hoffnung auf Gott, der seinen Verheißungen treu bleibt
4.2.5 41. Die pastorale Klugheit
4.2.6 42. Die Stärke und die Demut
4.2.7 43. Der Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes
4.2.8 44. Der Zölibat und die vollkommene Enthaltsamkeit
4.2.9 45. Die affektive und die effektive Armut
4.2.10 46. Beispiel der Heiligkeit
4.2.11 47. Die menschlichen Anlagen
4.2.12 48. Das Vorbild heiliger Bischöfe
4.3 III. Die ständige Fortbildung des Bischofs
4.3.1 49. Die Verpflichtung zur Fortbildung
4.3.2 50. Menschliche Bildung
4.3.3 51. Geistliche Bildung
4.3.4 52. Intellektuelle Bildung und lehrmäßige Bildung
4.3.5 53. Pastorale Bildung
4.3.6 54. Die Mittel der ständigen Fortbildung
5 Kapitel IV: Der Dienst des Bischofs in der Teilkirche
5.1 I. Allgemeine Prinzipien über die pastorale Leitung des Bischofs
5.1.1 55. Einige grundlegende Prinzipien
5.1.2 56. Das trinitarische Prinzip
5.1.3 57. Das Prinzip der Wahrheit
5.1.4 58. Das Prinzip der Gemeinschaft
5.1.5 59. Das Prinzip der Zusammenarbeit
5.1.6 60. Das Prinzip der Achtung der Zuständigkeiten
5.1.7 61. Das Prinzip von der rechten Person am rechten Platz
5.1.8 62. Das Prinzip der Gerechtigkeit und der Rechtmäßigkeit
5.2 II. Die bischöfliche Vollmacht
5.2.1 63. Der Bischof als Zentrum der Einheit der Teilkirche
5.2.2 64. Die bischöfliche Vollmacht
5.2.3 65. Die pastorale Natur der bischöflichen Vollmacht
5.2.4 66. Dienstcharakter der bischöflichen Vollmacht
5.2.5 67. Kriterien für die Ausübung der gesetzgebenden Vollmacht
5.2.5.1 a) Der persönliche Charakter
5.2.5.2 b) Autonomie
5.2.5.3 c) Unterwerfung unter höherrangiges Recht
5.2.5.4 d) Sorgfalt bei der Abfassung von Gesetzen
5.2.6 68. Kriterien für die Ausübung der richterlichen Vollmacht
5.2.7 69. Kriterien für die Ausübung der ausführenden Vollmacht
5.3 III. Der Weihbischof, der Koadjutorbischof und der Apostolische Administrator
5.3.1 70. Der Weihbischof
5.3.2 71. Kriterien für die Anforderung eines Weihbischofs
5.3.3 72. Der Koadjutorbischof
5.3.4 73. Der Diözesanadministrator „Sede plena“
5.3.5 74. Amtsverzicht
5.4 IV. Das Presbyterium
5.4.1 75. Der Bischof und die Priester der Diözese
5.4.2 76. Der Bischof, Vater, Bruder und Freund der Diözesanpriester
5.4.3 77. Persönliche Kenntnis der Priester
5.4.4 78. Ordnung der Tätigkeit
5.4.5 79. Beziehungen der Priester untereinander
5.4.6 80. Aufmerksamkeit für die menschlichen Bedürfnisse der Priester
5.4.7 81. Aufmerksamkeit für Priester in Schwierigkeiten
5.4.8 82. Aufmerksamkeit in Hinblick auf den priesterlichen Zölibat
5.4.9 83. Aufmerksamkeit für die Fortbildung des Klerus
5.5 V. Das Seminar
5.5.1 84. Vorrangige Einrichtung der Diözese
5.5.2 85. Das Priesterseminar
5.5.3 86. Das kleine Seminar oder vergleichbare Einrichtungen
5.5.4 87. Die Spätberufenen
5.5.5 88. Der Bischof als Erstverantwortlicher der Priesterbildung
5.5.6 89. Der Bischof und das Erzieherteam des Seminars
5.5.7 90. Die Ausbildung der Seminaristen
5.5.8 91. Die Berufungspastoral und das diözesane Werk für die Berufungen
5.6 VI. Die Ständigen Diakone
5.6.1 92. Der diakonale Dienst
5.6.2 93. Funktionen und Aufgaben des Ständigen Diakons
5.6.3 94. Beziehungen der Diakone untereinander
5.6.4 95. Die Diakone, die einen Beruf oder eine weltliche Beschäftigung ausüben
5.6.5 96. Die verheirateten Diakone
5.6.6 97. Die Ausbildung der Ständigen Diakone
5.7 VII. Das geweihte Leben und die Gesellschaften des apostolischen Lebens
5.7.1 98. Das geweihte Leben und die Gesellschaften des apostolischen Lebens in der diözesanen Gemeinschaft
5.7.2 99. Angemessene Eingliederung in das diözesane Leben
5.7.3 100. Die Vollmacht des Diözesanbischofs im Hinblick auf das gottgeweihte Leben
5.7.4 101. Verschiedene Formen der apostolischen und pastoralen Zusammenarbeit der Ordensleute mit der Diözese
5.7.5 102. Koordination der Institute
5.7.6 103. Das kontemplative Leben
5.7.7 104. Die gottgeweihten Frauen
5.7.8 105. Selbständige Klöster und die Ordensniederlassungen diözesanen Rechts
5.7.9 106. Die Eremiten
5.7.10 107. Neue Charismen des geweihten Lebens
5.8 VIII. Die Laien
5.8.1 108. Die Laien in der Kirche und in der Diözese
5.8.2 109. Die Sendung der Laien
5.8.3 110. Die Rolle der Laien bei der Evangelisierung der Kultur
5.8.4 111. Zusammenarbeit der Laien mit der kirchlichen Hierarchie
5.8.5 112. Die stellvertretenden Aufgaben
5.8.6 113. Die Dienste des Lektors und des Akolythen
5.8.7 114. Die Vereinigungen von Laien
5.8.8 115. Geistliche Assistenz für die Laienwerke
5.8.9 116. Die Bildung der Laien
5.8.10 117. Der Bischof und die öffentlichen Autoritäten
6 Kapitel V: Das „Munus Docendi“ des Diözesanbischofs
6.1 I. Der Bischof, authentischer Lehrer in der Kirche
6.1.1 118. Eigenschaften der Teilkirche
6.1.2 119. Der Bischof, Lehrer des Glaubens
6.1.3 120. Gegenstand der Predigt des Bischofs
6.1.4 121. Stil der Predigt
6.1.5 122. Formen der Predigt
6.1.5.1 a) Die Homilie
6.1.5.2 b) Die Hirtenbriefe
6.1.5.3 c) Andere Formen der Predigt
6.2 II. Der Bischof, Leiter des Dienstes am Wort
6.2.1 123. Die Aufgabe des Bischofs, über die Unversehrtheit der Glaubenslehre zu wachen
6.2.2 124. Die Mitarbeiter des Bischofs beim Dienst am Wort
6.2.3 125. Die generelle Ordnung des Dienstes am Wort
6.2.4 126. Die Aufgabe der Theologen
6.3 III. Der Bischof als Erstverantwortlicher für die Katechese
6.3.1 127. Dimensionen der Katechese
6.3.2 128. Der Bischof als Verantwortlicher der diözesanen Katechese
6.3.3 129. Formen der Katechese
6.3.4 130. Bereiche, in denen die Katechese stattfindet
6.3.5 131. Unterricht in der christlichen Soziallehre
6.3.6 132. Die religiöse Bildung in der Schule
6.3.7 133. Die katholische Schule
6.3.8 134. Die Ausbildung der Religionslehrer
6.3.9 135. Die katholischen Universitäten und Zentren für höhere Studien (392)
6.3.10 136. Die kirchlichen Universitäten und Fakultäten (396)
6.4 IV. Der Bischof und die sozialen Kommunikationsmittel
6.4.1 137. Die modernen „Areopage“
6.4.2 138. Die Vermittlung der christlichen Glaubenslehre über die Instrumente der sozialen Kommunikation
6.4.3 139. Die katholischen Kommunikationsinstrumente
6.4.4 140. Aufsicht über die sozialen Kommunikationsmittel
6.4.5 141. Aufsicht über Bücher und Zeitschriften
7 Kapitel VI: Das „Munus Sanctificandi“ des Diözesanbischofs
7.1 I. Der Bischof, Hoherpriester in der Gottesdienstgemeinschaft
7.1.1 142. Die Ausübung des Heiligungsdienstes
7.1.2 143. Der Bischof, Ausspender der christlichen Geheimnisse
7.1.3 144. Die liturgischen Feiern unter Vorsitz des Bischofs (419)
7.2 II. Die Ordnung der heiligen Liturgie
7.2.1 145. Der Bischof, Leiter des liturgischen Lebens der Diözese
7.2.2 146. Würde des Gottesdienstes
7.2.3 147. Anpassungen im liturgischen Bereich (439)
7.2.4 148. Die Heiligung des Sonntags
7.2.5 149. Gemeinschaftlicher Charakter der Liturgie
7.2.6 150. Die Feier der Sakramente und der Sakramentalien
7.3 III. Die Frömmigkeitsübungen
7.3.1 151. Bedeutung der Volksfrömmigkeit
7.3.2 152. Ordnung der Frömmigkeitsformen
7.3.3 153. Förderung einiger Frömmigkeitsformen
7.4 IV. Die Kirchen und andere heilige Orte
7.4.1 154. Der heilige Bestimmungszweck der Kirchen
7.4.2 155. Die Kathedralkirche
7.4.3 156. Normen und Orientierungspunkte für den Bau und die Renovierung von Kirchen
7.4.4 157. Religiöse Darstellungen und Bilder
8 Kapitel VII: Das „Munus Regendi“ des Diözesanbischofs
8.1 I. Die pastorale Leitung
8.1.1 158. Der Bischof, Vater und Hirte der Diözese
8.1.2 159. Der Bischof, Leiter seines Volkes
8.1.3 160. Die persönliche Verantwortung des Bischofs
8.1.4 161. Die Residenzpflicht
8.2 II. Die Sendung des Bischofs zur Evangelisierung
8.2.1 162. Der Bischof, Leiter und Koordinator der Evangelisierung
8.2.2 163. Die Kenntnis des kulturellen und gesellschaftlichen Umfelds
8.2.3 164. Die Koordination des Apostolats und der diözesane Pastoralplan
8.3 III. Die Organe der Mitwirkung an der Hirtenfunktion des Bischofs
8.3.1 165. Die Mitwirkung der Gläubigen in den diözesanen Räten
8.3.2 A) Die Diözesansynode
8.3.2.1 166. Leitungsakt und Ereignis von Gemeinschaft
8.3.2.2 167. Natur der Synode
8.3.2.3 168. Anwendung und Anpassung der weltkirchlichen Ordnung
8.3.2.4 169. Zusammensetzung nach dem Bild der Teilkirche
8.3.2.5 170. Anwesenheit von Beobachtern anderer Kirchen oder kirchlicher Gemeinschaften
8.3.2.6 171. Rechte und Pflichten des Bischofs in der Synode
8.3.2.7 172. Vorbereitung der Synode
8.3.2.8 173. Vorschläge, Gebet und Informationen während der Vorbereitung der Diözesansynode
8.3.2.9 174. Feier der Synode
8.3.2.10 175. „Forum“ und andere ähnliche kirchliche Versammlungen
8.3.3 B) Die Diözesankurie
8.3.3.1 176. Die Diözesankurie im Allgemeinen
8.3.3.2 177. Die Koordination der verschiedenen Ämter
8.3.3.3 178. Der Generalvikar und die Bischofsvikare
8.3.3.4 179. Der Kanzler der Kurie und die übrigen Notare
8.3.3.4.1 a) Notar der Kurie
8.3.3.4.2 b) Sekretär der Kurie
8.3.3.5 180. Das Diözesangericht
8.3.3.6 181. Die diözesanen pastoralen Organe
8.3.4 C) Die diözesanen Räte
8.3.4.1 182. Der Priesterrat
8.3.4.2 183. Das Konsultorenkollegium
8.3.4.3 184. Der Pastoralrat
8.3.5 D) Das Kanonikerkapitel
8.3.5.1 185. Aufgaben des Kapitels und Ernennung der Kanoniker
8.3.5.2 186. Errichtung, Veränderung und Aufhebung des Kapitels
8.3.5.3 187. Ämter des Kapitels
8.3.6 E) Der Bischof als Verwalter des Diözesanvermögens. Der Ökonom und der Vermögensverwaltungsrat
8.3.6.1 188. Aufgaben des Bischofs bei der Vermögensverwaltung
8.3.6.2 189. Grundlegende Kriterien für die Güterverwaltung
8.3.6.3 190. Vermögensfonds zur Deckung diözesaner Ausgaben
8.3.6.4 191. Beteiligung der Gläubigen am Unterhalt der Kirche
8.3.6.5 192. Der Diözesanvermögensverwaltungsrat und der Ökonom
8.4 IV. Die Ausübung der Nächstenliebe
8.4.1 193. In den Spuren Christi
8.4.2 194. Die Kirche, Gemeinschaft der Nächstenliebe
8.4.3 195. Die diözesanen Hilfswerke
8.4.4 196. Authentischer Geist der Hilfswerke der Kirche
8.4.5 197. Beziehungen zwischen der Hilfe der Kirche und der öffentlichen und privaten Hilfe
8.5 V. Bedeutung des „Sozialdienstes“ und der ehrenamtlichen Dienste
8.5.1 198. Die Sozialhelfer und die Ehrenamtlichen
8.5.2 199. Verbindung zwischen Caritas und Liturgie
8.5.3 200. Hilfe für arme Diözesen und für katholische caritative und apostolische Werke
8.6 VI. Einige besondere Bereiche
8.6.1 201. Einige pastorale Bereiche
8.6.2 202. Die Familie
8.6.3 203. Die Heranwachsenden und die Jugendlichen
8.6.4 204. Die Arbeiter und die ländliche Bevölkerung
8.6.5 205. Die Leidenden
8.6.6 206. Personen, die eine besondere pastorale Zuwendung benötigen
8.6.6.1 a) Internationale Emigration
8.6.6.2 b) Die einzelnen Gruppen von Gläubigen
8.6.6.3 c) Die Angehörigen des Militärs
8.6.7 207. Die ökumenische Pastoral
8.6.8 208. Die Pastoral in einem multireligiösen Milieu
8.6.9 209. Der Bischof als Stifter von Gerechtigkeit und Frieden
9 Kapitel VIII: Die Pfarrei, die Dekanate und die Pastoralvisitation
9.1 I. Die Pfarrei
9.1.1 210. Die Pfarrei, dauerhafte Gemeinschaft in der Diözese
9.1.2 211. Das Modell der Pfarrei
9.1.3 212. Der Dienst des Pfarrers und die Pfarrvikare
9.1.4 213. Die Pfarrorganisation in den Großstädten
9.1.5 214. Planung bei der Errichtung von Pfarreien
9.1.6 215. Anpassung der pfarrlichen Betreuung an besondere Erfordernisse
9.1.7 216. Finanzieller Beitrag der Gläubigen
9.2 II. Die Dekanate
9.2.1 217. Die Außenvikariate (Dekanate, Archipresbyterate etc.)
9.2.2 218. Die Sendung des Außenvikars (Erzpriesters, Dekans etc.)
9.2.3 219. Die Seelsorgeregionen und ähnliche
9.3 III. Die Pastoralvisitation
9.3.1 220. Eigenart der Pastoralvisitation
9.3.2 221. Art und Weise, wie die Pastoralvisitation in den Pfarreien durchgeführt werden soll
9.3.3 222. Vorbereitung der Pastoralvisitation
9.3.4 223. Das Verhalten des Bischof bei der Visitation
9.3.5 224. Abschluss der Visitation
9.4 Kapitel IX: Der emeritierte Bischof
9.4.1 225. Bitte um das Angebot des Amtsverzichts
9.4.2 226. Brüderliche Beziehung zum Diözesanbischof
9.4.3 227. Rechte des emeritierten Bischofs in Bezug auf die bischöflichen „munera“
9.4.4 228. Rechte des emeritierten Bischofs in Bezug auf die Teilkirche
9.4.5 229. Rechte des emeritierten Bischofs in Bezug zur Gesamtkirche
9.4.6 230. Der emeritierte Bischof und die überdiözesanen Organe
10.1 231. Schlusswort
11 Anhang: Die Sedisvakanz der Diözese
11.1 232. Die Gründe für die Vakanz der Diözese
11.2 233. Die Versetzung des Diözesanbischofs
11.3 234. Der Koadjutorbischof und der Weihbischof in der Sedisvakanz
11.4 235. Die Leitung der Diözese und das Konsultorenkollegium
11.5 236. Die Wahl des Diözesanadministrators
11.6 238. Das Vorgehen, das bei der Wahl des Diözesanadministrators zu beachten ist
11.7 239. Erforderliche Voraussetzungen
11.8 240. Vollmachten des Diözesanadministrators
11.9 241. Pflichten des Diözesanadministrators
11.10 242. Grenzen der Vollmacht des Diözesanadministrators
11.11 243. Beendigung des Amtes
11.12 244. Der Apostolische Administrator „sede vacante“
11.13 245. Der Tod und die Exequien des Diözesanbischofs
11.14 246. Gebet für die Wahl des neuen Bischofs
Als Nachfolger der Apostel („Apostolorum Successores“) sind die Bischöfe aufgrund göttlicher Einrichtung und kraft des Heiligen Geistes, der ihnen in der Bischofsweihe übertragen wurde, als Hirten der Kirche eingesetzt worden, mit der Aufgabe, in hierarchischer Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Petrus und mit den übrigen Gliedern des Bischofskollegiums zu lehren, zu heiligen und zu leiten.
Die Bezeichnung als „Nachfolger der Apostel“ führt an die Wurzel des Hirtendienstes des Bischofs und seiner Sendung in der Kirche und umschreibt zutreffend die Gestalt des Bischofs und seine Sendung. Da die Bischöfe in das Bischofskollegium eingegliedert sind, das in der Nachfolge des Apostelkollegiums steht, sind sie zutiefst mit Christus verbunden, der fortfährt, seine Apostel auszuwählen und zu senden. Als Nachfolger der Apostel ist der Bischof kraft der Bischofsweihe und durch die hierarchische Gemeinschaft das sichtbare Prinzip und der Garant der Einheit seiner Teilkirche.(1)
Das Buch der Offenbarung sagt aus, dass die Mauern des neuen Jerusalem „zwölf Grundsteine [haben]; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel“ (Offb 21,14). Die dogmatische Konstitution Lumen Gentium lehrt, „dass die Bischöfe aufgrund göttlicher Einsetzung an die Stelle der Apostel nachgerückt sind, gleichsam als Hirten der Kirche; wer sie hört, hört Christus, wer sie aber verachtet, verachtet Christus und den, der Christus gesandt hat“.(2)
(1) Vgl. Vat. II, LG 23.
(2) Vat. II, LG 20; vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 860–862.
Die Tatsache, dass sie Nachfolger der Apostel sind, gibt den Bischöfen die Gnade und die Verantwortung, der Kirche das Kennzeichen der Apostolizität zu gewährleisten. Damit aber das Evangelium in der Kirche stets unversehrt und lebendig bewahrt werde, haben die Apostel als ihre Nachfolger Bischöfe zurückgelassen, wobei sie ihnen ihre eigene Aufgabe des Lehramtes anvertrauten.(3) Deshalb sind die Bischöfe in der Abfolge der Generationen dazu berufen, die Heilige Schrift zu bewahren und zu überliefern und die Traditio zu fördern, nämlich die Verkündigung des einzigen Evangeliums und des einzigen Glaubens in unversehrter Treue zur Lehre der Apostel; gleichzeitig sind sie gehalten, die neuen Fragen, welche die Veränderungen der geschichtlichen Situationen der Menschheit ständig vorlegen (Veränderungen in kultureller, sozialer und ökonomischer, wissenschaftlicher und technologischer Hinsicht usw.), mit dem Licht des Evangeliums zu erleuchten.(4) Darüber hinaus haben die Bischöfe die Aufgabe, das Volk Gottes zu heiligen und zu leiten „mit und unter Petrus“, in Kontinuität mit dem Werk, das ihre Vorgänger im Bischofsamt geleistet haben, und mit missionarischer Dynamik.
Das vorliegende Direktorium, das jenes vom 22. Februar 1973 wieder aufnimmt, aktualisiert und vervollständigt, ist von der Kongregation für die Bischöfe erarbeitet worden mit dem Ziel, den „Hirten der Herde Christi“ ein nützliches Hilfsmittel anzubieten im Hinblick auf eine organischere und wirksamere Ausübung ihres komplexen und schwierigen Hirtendienstes in der Kirche und in der Gesellschaft von heute. Es will den Bischöfen dabei helfen, mit demütigem Vertrauen auf Gott und mit dem entsprechenden Mut die Herausforderungen aufzugreifen, welche die gegenwärtige Zeit – sie ist gekennzeichnet von neuen Problemstellungen, großem Fortschritt und plötzlichen Veränderungen – an diesem Beginn des dritten Jahrtausends mit sich bringt.
(3) Vgl. Vat. II, DV 7; Katechismus der Katholischen Kirche, 77–79.
(4) Vgl. Vat. II, AG 38; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 8.
Dieses Direktorium setzt die reiche Tradition fort, die seit dem 17. Jahrhundert mit Schriften verschiedener Bezeichnung wie „Enchiridion“, „Praxis“, „Statuta“, „Ordo“, „Dialogi“, „Aphorismata“, „Munera“, „Institutiones“, „Officium“ und ähnlichen von vielen kirchlichen Autoren geschaffen wurde, um den Bischöfen organische pastorale Hilfsmittel für eine bessere Erfüllung ihres Dienstes zur Verfügung zu stellen.
Die hauptsächlichen Quellen dieses Direktoriums bestehen aus dem II. Vatikanischen Konzil, aus den vielen päpstlichen Dokumenten und Lehrschreiben, die in diesen Jahren veröffentlicht wurden, sowie aus dem Codex Iuris Canonici, der im Jahr 1983 promulgiert wurde.
Bezeichnenderweise wird dieses Direktorium im Anschluss an die Promulgation des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens „Pastores Gregis“ veröffentlicht, das die Vorschläge und Anregungen der 10. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode (2001) zusammengefasst hat; sie hatte als Thema „Der Bischof, Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt“ und war dem bischöflichen Dienst gewidmet. Mit diesem Apostolischen Schreiben ist in Fortsetzung der diesbezüglichen Synoden die lehrmäßige Reflexion des Heiligen Vaters über die verschiedenen Berufungen des Volkes Gottes innerhalb der vom II. Vatikanischen Konzil umrissenen Communio-Ekklesiologie vervollständigt worden, die im Bischof ihr Kraftzentrum und ihr sichtbares Zeichen findet. Deshalb ist das Direktorium im Hinblick auf seine lehrmäßigen und pastoralen Grundlagen eng mit dem Apostolischen Schreiben „Pastores Gregis“ verbunden. Es ist nach umfangreicher Beratung erarbeitet worden und berücksichtigt die Empfehlungen und Voten, die von verschiedenen Diözesanbischöfen und von einigen emeritierten Bischöfen zum Ausdruck gebracht worden sind.
Schließlich besitzt das Direktorium einen grundlegend pastoralen und praktischen Charakter mit Hinweisen und konkreten Vorgaben für die Tätigkeit der Hirten; dabei bleibt es dem klugen Ermessen des einzelnen Bischofs anheim gestellt, davon Gebrauch zu machen, vor allem unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Ortes, der Mentalität, der gesellschaftlichen Gegebenheiten und der Glaubenssituation. Natürlich bewahrt alles in diesem Direktorium, was der Ordnung der Kirche entnommen ist, denselben Wert wie in den jeweiligen Quellen.
Kapitel I: Identität und Sendung des Bischofs im Geheimnis Christi und der Kirche
„Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel“ (Offb 21,14).
I. Der Bischof im Geheimnis Christi
1. Identität und Sendung des Bischofs Bei der Betrachtung seiner selbst und seiner Aufgaben muss der Bischof berücksichtigen, dass das Zentrum, das seine Identität und seine Sendung bestimmt, das Geheimnis Christi ist sowie die Kennzeichen, welche der Herr Jesus für seine Kirche gewollt hat, „das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeinte Volk“.(5) Er ist nämlich Hirte und Bischof der Seelen (vgl. 1 Petr 2,25). Im Licht des Geheimnisses Christi nämlich wird der Bischof immer tiefer das Geheimnis der Kirche verstehen, in der er durch die Gnade der Bischofsweihe als Lehrer, Priester und Hirte bestellt wurde, um sie mit eigener Vollmacht zu
Als Stellvertreter (6) des „erhabenen Hirten seiner Schafe“ (Hebr 13,20) muss der Bischof mit seinem Leben und mit seinem bischöflichen Dienst die Väterlichkeit Gottes zum Ausdruck bringen sowie die Güte, die Fürsorge, die Barmherzigkeit, die Sanftmut und den gebieterischen Anspruch Christi, der gekommen ist, um das eigene Leben hinzugeben und um aus allen Menschen eine einzige, in der Liebe des Vaters versöhnte Familie zu machen. Der Bischof muss auch die immerwährende Lebenskraft des Heiligen Geistes zum Ausdruck bringen, welche die Kirche belebt und sie in ihrer menschlichen Schwachheit stützt. Diese trinitarische Natur der Existenz und des Handelns des Bischofs wurzelt im Leben Christi selbst. Er ist der ewige und eingeborene Sohn des Vaters, der von Anfang an an seinem Herzen ruht (vgl. Joh 1,18), der vom Heiligen Geist gesalbt und in die Welt gesandt ist (vgl. Mt 11,27; Joh 15,26; 16,13–14). (7)
(5) Vat. II, LG 4.
(6) Vgl. Vat. II, LG 27.
(7) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 7.
2. Ausdrucksstarke Bilder vom Bischof
Einige lebendige Bilder vom Bischof, die der Schrift und der Tradition entnommen sind, wie das des Hirten, des Fischers, des Vaters, des Bruders, des Freundes, des Trostspenders, des Dieners, des Lehrers, des starken Mannes, des „sacramentum bonitatis“, verweisen auf Jesus Christus und zeigen den Bischof als Mann des Glaubens und des Unterscheidungsvermögens, der Hoffnung und des wirklichen Engagements, der Milde und der Gemeinschaft. Solche Bilder weisen darauf hin, dass der Eintritt in die apostolische Nachfolge bedeutet, in den Kampf für das Evangelium einzutreten. (8) Unter den verschiedenen Bildern zeigt das Bild des Hirten mit besonderer Deutlichkeit die ganze Breite des bischöflichen Dienstes, insofern es seine Bedeutung, sein Ziel, seinen Stil sowie seine evangelisierende und missionarische Dynamik zum Ausdruck bringt. Christus der gute Hirte weist den Bischof auf die alltägliche Treue zu seiner Sendung hin, die volle und frohe Hingabe an die Kirche, die Freude, das ihm anvertraute Volk Gottes dem Herrn entgegen zu führen und das Glück, alle verlorenen Söhne Gottes (vgl. Mt 15,24; 10,6) in die Einheit der kirchlichen Gemeinschaft aufzunehmen. In der Betrachtung des vom Evangelium gezeichneten Bildes des Guten Hirten findet der Bischof den Sinn für die beständige Hingabe seiner selbst, indem er sich daran erinnert, dass der Gute Hirte sein Leben für seine Herde hingegeben hat (vgl. Joh 10,11) und dass er gekommen ist, um zu dienen, und nicht, um sich bedienen zu lassen (vgl. Mt 20,28); (9) darüber hinaus findet er dort die Quelle für den Hirtendienst, weshalb die drei Funktionen des Lehrens, des Heiligens und des Leitens mit den typischen Merkmalen des Guten Hirten ausgeübt werden müssen. Um also einen fruchtbaren bischöflichen Dienst ausüben zu können, ist der Bischof dazu aufgerufen, sich Christus in ganz besonderer Weise gleich zu machen, und zwar sowohl in seinem persönlichen Leben als auch in der Ausübung seines apostolischen Dienstes, so dass der „Geist Christi“ (vgl. 1 Kor 2,16) seine Gedanken, seine Gefühle und seine Verhaltensweisen vollständig durchdringt und das Licht, das vom Antlitz Christi ausgeht, „die Führung der Seelen, welche die Kunst der Künste ist“, (10) erleuchtet. Diese innere Verpflichtung soll im Bischof die Hoffnung beleben, von Christus, der kommen wird, um als universaler Hirte alle Völker zusammenzuführen und zu richten (vgl. Mt 25,31–46), den „nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit“ (1 Petr 5,4) zu empfangen. Diese Hoffnung soll den Bischof in seinem Dienst leiten, seine Tage erleuchten, seine Spiritualität nähren, sein Vertrauen festigen, seinem Kampf gegen das Böse und gegen die Ungerechtigkeit Ausdauer schenken, in der Gewissheit, dass er zusammen mit den Brüdern das geopferte Lamm schauen wird, den Hirten, der alle zu den Quellen des Lebens und der Glückseligkeit Gottes führen wird (vgl. Offb 7,17).
(8) Vgl. 10. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode, Relatio post discepationem, 5.
(9) Vgl. Vat. II, LG 27.
(10) Hl. Gregor der Große, Regula pastoralis, 1.
II. Der Bischof im Geheimnis der Kirche
3. Die Kirche, mystischer Leib Christi und Volk Gottes
Die dogmatische Konstitution „Lumen Gentium“ verwendet einige Bilder, die das Geheimnis der Kirche aufzeigen und ihre charakteristischen Eigenschaften hervorheben, wobei sie die untrennbare Verbindung zwischen dem Volk Gottes und Christus offenbaren. Unter diesen Bildern stechen jenes vom mystischen Leib, dessen Haupt Christus ist, (11) hervor, und jenes vom Volk Gottes, das in sich alle Kinder Gottes versammelt, seien sie nun Hirten oder Gläubige, die durch die selbe Taufe aufs engste miteinander vereint sind. Dieses Volk hat Christus als Haupt, der „wegen unserer Verfehlungen hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung aber auferweckt wurde“ (Röm 4,25); es hat als Stand die Würde und Freiheit der Kinder Gottes, in deren Herzen wie in einem Tempel der Heilige Geist wohnt; als Gesetz hat es das neue Gebot der Liebe und als sein Ziel das Reich Gottes, das auf der Erde bereits angebrochen ist.(12)
Diese seine Kirche, die eine und einzige, vertraute unser Retter dem Petrus und den übrigen Aposteln zum Weiden an (vgl. Joh 21,17), indem er ihnen ihre Ausbreitung und Leitung übertrug (vgl. Mt 28,18–20) und sie für immer zur Säule und zum Fundament der Wahrheit machte (vgl. 1 Tim 3,15).
(11) Vgl. Vat. II, LG 7.
(12) Vgl. Vat. II, LG 9.
4. Gemeinsames Priestertum und Priestertum des Dienstes
Alle Glieder dieses Volkes, das Christus mit hierarchischen und charismatischen Gaben beschenkt hat, das er zu einer Gemeinschaft der Liebe und der Wahrheit errichtet und ausgezeichnet hat mit der priesterlichen Würde (vgl. Offb 1,6; 5,9–10), sind von ihm durch die Taufe geheiligt worden, damit sie durch alle ihre Tätigkeit geistliche Opfer darbringen, und sie sind ausgesandt worden als Licht der Welt und als Salz der Erde (vgl. Mt 5,13–16), um die wunderbaren Taten dessen zu verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat (vgl. 1 Petr 2,4–10). Einige Glieder des Leibes Christi jedoch werden durch das Sakrament der Weihe geheiligt, um das Priestertum des Dienstes auszuüben. Das gemeinsame Priestertum und das Priestertum des Dienstes oder das hierarchische Priestertum nterscheiden sich im Wesen voneinander, auch wenn eines auf das andere bezogen ist, weil jedes von ihnen auf eine je andere Weise am einzigen Priestertum Christi teilhat. „Aufgrund der heiligen Vollmacht, mit der es ausgestattet ist, bildet das Priestertum des Dienstes nämlich das priesterliche Volk heran und leitet es; es vollzieht „in persona Christi“ das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar; die Gläubigen aber wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der Darbringung der Eucharistie mit und üben es aus im Empfang der Sakramente, im Gebet und in der Danksagung, durch das Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe“. (13)
(13) Vat. II, LG 10.
5. Die Teilkirchen
Das Volk Gottes ist nicht nur eine Gemeinschaft aus verschiedenen Völkern, sondern es ist in sich selbst zusammengesetzt aus verschiedenen Teilen, nämlich den Teilkirchen, die nach dem Bild der Universalkirche gebildet sind, und in denen und aus denen die eine und einzige katholische Kirche besteht. (14) Die Teilkirche ist dem Bischof anvertraut, (15) der das Prinzip und das sichtbare Fundament der Einheit ist; (16) durch seine hierarchische Gemeinschaft mit dem Haupt und mit den übrigen Gliedern des Bischofskollegiums wird die Teilkirche eingefügt in die „plena communio ecclesiarum“ der einzigen Kirche Christi.
Deshalb ist der ganze mystische Leib Christi auch eine Körperschaft von Kirchen,(17) unter denen eine wunderbare wechselseitige Beziehung entsteht, weil der Reichtum an Leben und an Werken einer jeden überströmt zum Wohl der ganzen Kirche und weil am übernatürlichen Überfluss des gesamten Leibes sowohl der Hirte als auch seine Herde teilhaben.
Diese Teilkirchen sind auch „in“ der Kirche und „von ihrem Anfang an“, die sich in ihnen „wiederfindet und tatsächlich wirkt“. Aus diesem Grund sind der Nachfolger des Petrus, Haupt des Bischofskollegiums, und die Körperschaft der Bischöfe eigene und konstitutive Elemente einer jeden Teilkirche.(18) Der Leitungsdienst des Bischofs und das diözesane Leben müssen die gegenseitige Gemeinschaft mit dem Papst und mit dem Bischofskollegium sowie auch mit den Schwester-Teilkirchen zum Ausdruck bringen, insbesondere mit denen, die im selben Gebiet bestehen.
(14) Vgl. c. 368 CIC.
(15) Vgl. Vat. II, CD 11; cc. 381 § 1; 369; 333 CIC.
(16) Vgl. Vat. II, LG 23.
(18) Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Communionis Notio, 9 und 13.
6. Die Kirche, Sakrament des Heils
Die Kirche ist Sakrament des Heils insofern, als Christus kraft ihrer Sichtbarkeit unter den Menschen anwesend ist und seine Sendung fortsetzt, indem er den Gläubigen seinen Heiligen Geist schenkt. Der Leib der Kirche unterscheidet sich daher von allen menschlichen Gemeinschaften; tatsächlich stützt sie sich nicht auf die persönlichen Fähigkeiten ihrer Glieder, sondern auf die innige Gemeinschaft mit Christus, von dem sie das Leben und die Kraft empfängt und an die Menschen weiterschenkt. Die Kirche bezeichnet nicht nur die innige Gemeinschaft mit Gott und die Einheit des ganzen Menschengeschlechts, sondern sie ist dafür auch wirksames Zeichen und deshalb Sakrament des Heils.(19)
7. Die Kirche, Gemeinschaft und Sendung
Zu gleicher Zeit ist die Kirche Gemeinschaft. Die Bilder von der Kirche und die wesentlichen Kennzeichen, die sie beschreiben, offenbaren, dass sie in ihrer innersten Dimension ein Geheimnis der Gemeinschaft ist, vor allem in der Dreifaltigkeit, weil, wie das II. Vatikanische Konzil lehrt, „die Gläubigen, indem sie, mit dem Bischof geeint, Zugang zu Gott, dem Vater, haben durch den Sohn, das fleischgewordene Wort, der gelitten hat und verherrlicht wurde, in der Ausgießung des Heiligen Geistes Gemeinschaft mit der heiligsten Dreifaltigkeit erlangen“.(20) Die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt der Selbsterkenntnis der Kirche (21) und sie ist das Band, das sie als menschliche Wirklichkeit, nämlich als Gemeinschaft der Heiligen und als Körperschaft von Kirchen zum Ausdruck bringt; die Gemeinschaft bringt auch die Wirklichkeit der Teilkirche zum Ausdruck.
(19) Vgl. Vat. II, LG 1.
(20) Vat. II, UR 15.
(21) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache vor den Bischöfen der Vereinigten Staaten von Amerika, 16.09.1987.
Die kirchliche Gemeinschaft ist Gemeinschaft des Lebens, der Liebe und der Wahrheit, (22) und, insofern sie Verbindung des Menschen mit Gott ist, begründet sie eine neue Beziehung zwischen den Menschen selbst und bringt die sakramentale Natur der Kirche zum Ausdruck. Die Kirche ist „das Haus und die Schule der Gemeinschaft“, (23) die sich um die Eucharistie herum aufbaut, das Sakrament der kirchlichen Gemeinschaft, wo wir „durch die wirkliche Teilhabe am Leib des Herrn in der Gemeinschaft mit ihm und untereinander vollendet werden“; (24) gleichzeitig ist die Eucharistie die Epiphanie der Kirche, in der ihr trinitarischer Charakter zum Ausdruck kommt.
Die Kirche hat die Sendung empfangen, das Reich Gottes anzukündigen und auszubreiten bis an die äußersten Grenzen der Erde, damit alle Menschen an Christus glauben und so das ewige Leben erlangen. (25) Die Kirche ist folglich auch missionarisch. In der Tat gilt: „Die eigentümliche Sendung, die Christus seiner Kirche anvertraut hat, bezieht sich zwar nicht auf die politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ordnung; das Ziel, das Er ihr vorgegeben hat, gehört nämlich der religiösen Ordnung an. Doch fließen sicherlich aus eben dieser religiösen Sendung Aufgabe, Licht und Kräfte, die dazu dienen können, die Gemeinschaft der Menschen nach göttlichem Gesetz aufzubauen und zu festigen“. (26)
(22) Vgl. Vat. II, LG 9.
(23) Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte, 43.
(24) Vat. II, SC 47; vgl. LG 3; 7; 11; UR 2; Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de Eucharistia.
(25) Vgl. Vat. II, CD 6; AG 5–8; 20–22; 36–41.
(26) Vat. II, GS 42.
8. Der Bischof, sichtbares Prinzip der Einheit und der Gemeinschaft
Als sichtbares Prinzip der Einheit in seiner Kirche ist der Bischof dazu berufen, unablässig die Gemeinschaft zwischen allen Gliedern der Teilkirche sowie die Gemeinschaft zwischen diesen und der Universalkirche aufzubauen, und er muss darüber wachen, dass die verschiedenen Gaben und Dienste zur gemeinsamen Auferbauung der Gläubigen und zur Verbreitung des Evangeliums beitragen.
Als Lehrer des Glaubens, Diener der Heiligkeit und geistlicher Führer weiß der Bischof, dass er auf eine besondere göttliche Gnade bauen darf, die ihm in der Bischofsweihe vermittelt worden ist. Diese Gnade trägt ihn in seinem Einsatz für das Reich Gottes, für das ewige Heil der Menschen sowie bei seinem Engagement, um die Geschichte mit der Kraft des Evangeliums zu gestalten und so dem Weg der Menschen durch die Zeit einen Sinn zu geben.
III. Das Zwölferkollegium und das Kollegium der Bischöfe
9. Die pastorale Sendung der Zwölf
Am Beginn seiner Sendung bestimmte der Herr Jesus, nachdem er zu seinem Vater gebetet hatte, die zwölf Apostel, damit sie bei ihm seien und dass er sie sende, das Reich Gottes zu verkünden und die Dämonen auszutreiben. (27) Die Zwölf waren von Jesus gewollt als ein ungeteiltes Kollegium mit Petrus als Haupt, und gerade als solches erfüllten sie ihre Sendung als unmittelbare Zeugen seiner Auferstehung, beginnend von Jerusalem an (vgl. Lk 24,46), und schließlich gegenüber allen Völkern der Erde (vgl. Mk 16,20).
(27) Vgl. Vat. II, LG 19; Katechismus der Katholischen Kirche, 864.
Diese Sendung, die vom Apostel Petrus vor der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem als wesentlich betont wurde (vgl. Apg 1,21–22), wurde von den Aposteln verwirklicht, indem sie das Evangelium verkündeten und alle Völker zu Jüngern machten (vgl. Mt 28,16–20). So setzte sich das Werk fort, das der Auferstandene ihnen am Abend des Ostertages anvertraut hatte: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21). (28)
10. Die Apostel als Fundamente der Kirche
Die Apostel mit Petrus als Haupt sind das Fundament der Kirche Christi, ihre Namen sind auf die Grundsteine des himmlischen Jerusalem geschrieben (vgl. Offb 21,14); als Bauleute des neuen Volkes Gottes stellen sie die Treue zu Christus, dem Grundstein des Bauwerkes, und zu seinem Evangelium sicher; sie lehren mit Autorität, leiten die Gemeinde und schützen deren Einheit. So trägt die Kirche, „auf das Fundament der Apostel gebaut“ (Eph 2,20), das Kennzeichen der Apostolizität in sich, insofern sie diese gute Überlieferung, die sie über die Apostel von Christus selbst erhalten hat, bewahrt und unversehrt überliefert. Die Apostolizität der Kirche ist der Garant der Treue zum überlieferten Evangelium und zum Sakrament der Weihe, durch welches das apostolische Amt dauerhaft dargestellt wird.
11. Die Fortdauer der Sendung der Zwölf im Bischofskollegium
Die Hirtensendung des Apostelkollegiums dauert im Bischofskollegium fort, so wie im Papst das primatiale Amt des Petrus fortdauert. Das II. Vatikanische Konzil lehrt, dass „die Bischöfe aufgrund göttlicher Einsetzung an die Stelle der Apostel nachgerückt sind, gleichsam als Hirten der Kirche; wer sie hört, hört Christus, wer sie aber verachtet, verachtet Christus und den, der Christus gesandt hat“ (vgl. Lk 10,16). (29)
(28) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 863.
(29) Vat. II, LG 20.
Das Bischofskollegium mit dem Papst als Haupt und niemals ohne dieses ist „Träger höchster und voller Vollmacht in Hinblick auf die Gesamtkirche“, (30) während der Papst als „Stellvertreter Christi und Hirte der ganzen Kirche“ (31) die „ordentliche, höchste, volle, unmittelbare und universale Vollmacht über die Kirche [besitzt], die er immer frei ausüben kann“. (32) Das führt dazu, dass der Papst auch einen Vorrang ordentlicher Vollmacht über alle Teilkirchen und deren Verbände besitzt. (33) Der eine und ungeteilte Episkopat erweist sich als vereint in der brüderlichen Verbundenheit um Petrus, um die Sendung, das Evangelium zu verkünden und als Hirten die Kirche zu leiten, zu verwirklichen, damit diese in der ganzen Welt wächst und bei allen Unterschieden von Zeit und Ort fortfährt, apostolische Gemeinschaft zu sein.
12. Zugehörigkeit und Handlungsformen des Bischofs im Bischofskollegium
Der Bischof wird Glied des Bischofskollegiums kraft der Bischofsweihe, welche die Fülle des Weihesakramentes vermittelt und den Bischof seinshaft nach dem Bild Christi als dem Hirten seiner Kirche gestaltet. Kraft der Bischofsweihe wird der Bischof Sakrament Christi, der selbst in seinem Volk anwesend ist und wirkt, und der durch den bischöflichen Dienst das Wort verkündet, die Sakramente des Glaubens spendet und seine Kirche leitet. (34)
(30) C. 336 CIC.
(31) Vat. II, LG 22.
(32) C. 331 CIC.
(33) Vgl. c. 333 § 1 CIC.
(34( Vgl. Vat. II, LG 21.
Damit das bischöfliche munus ausgeübt werden kann, ist eine missio canonica erforderlich, die vom Papst erteilt wird. Mit ihr überträgt das Haupt des Bischofskollegiums einen Teil des Gottesvolkes oder ein Amt zum Wohl der Universalkirche. (35) Daher müssen die drei Aufgabenbereiche, die das munus pastorale ausmachen, das vom Bischof in der Bischofsweihe empfangen wurde, in hierarchischer Gemeinschaft ausgeübt werden, auch wenn aufgrund seiner verschiedenen Natur und Zielsetzung der Aufgabenbereich des Heiligens in anderer Weise ausgeübt wird als diejenigen des Lehrens und des Leitens.(36) Diese beiden letztgenannten Aufgabenbereiche können nämlich aufgrund ihrer inneren Natur (natura sua) nicht anders als in hierarchischer Gemeinschaft ausgeübt werden, widrigenfalls die gesetzten Akte ungültig sind.
Die affektive Kollegialität macht aus dem Bischof einen Menschen, der niemals alleine ist, weil er immer und beständig mit seinen Brüdern im Bischofsamt und mit dem verbunden ist, den der Herr als Nachfolger des Petrus erwählt hat. Die affektive Kollegialität kommt als effektive Kollegialität im Ökumenischen Konzil oder in einer vereinten Amtshandlung der auf dem Erdkreis verstreut weilenden Bischöfe zum Ausdruck, die vom Papst in die Wege geleitet oder von ihm angenommen wird, so dass ein wirklich kollegialer Akt zustande kommt. Die kollegiale Gesinnung, die mehr ist als ein einfaches Gefühl der Solidarität, verwirklicht sich in verschiedenen Graden, und die Handlungen, die daraus erwachsen, können auch rechtliche Konsequenzen besitzen. Diese Gesinnung verwirklicht sich in verschiedener Weise, wie zum Beispiel in der Bischofssynode, dem Ad-limina-Besuch, der Eingliederung von Diözesanbischöfen in die Dikasterien der Römischen Kurie, der missionarischen Zusammenarbeit, den Partikularkonzilien, den Bischofskonferenzen, dem ökumenischen Einsatz und dem interreligiösen Dialog.(37)
(35) Vgl. Vat. II, Nota Explicativa Praevia, 2.
(36) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 8.
(37) Vgl. ebd.
Kapitel II: Die Sorge des Bischofs für die Universalkirche und die Zusammenarbeit der Bischöfe untereinander
„Als Glieder des Bischofskollegiums und als rechtmäßige Nachfolger der Apostel aufgrund von Christi Einrichtung und Gebot sind alle Bischöfe gehalten, ihre Sorge auf die ganze Kirche auszudehnen“ (Pastores Gregis, 55).
I. Die Sorge des Bischofs für die Universalkirche
13. Zusammenarbeit für das Wohl der Universalkirche
Kraft seiner Zugehörigkeit zum Bischofskollegium trägt der Bischof eine Sorge für alle Kirchen, und er ist an die anderen Glieder des Kollegiums gebunden durch die bischöfliche Brüderlichkeit und das enge Band, das die Bischöfe mit dem Haupt des Kollegiums verbindet; das verlangt, dass jeder Bischof eng mit dem Papst zusammenarbeitet, dem Haupt des Bischofskollegiums, dem aufgrund seines primatialen Amtes über die ganze Kirche die Aufgabe anvertraut ist, das Licht des Evangeliums zu allen Völkern zu bringen.
In erster Linie muss der Bischof tatsächlich Zeichen und Förderer der Einheit in der Teilkirche sein, die er im Schoß der Universalkirche repräsentiert. Er muss jene Sorge für die gesamte Kirche tragen, die, auch wenn sie nicht individuell über einzelne Gläubige mit Leitungsvollmacht ausgeübt wird, zum Wohl des ganzen Volkes Gottes beiträgt. Aus diesem Grund muss der Bischof „die Einheit des Glaubens und die der ganzen Kirche gemeinsame Ordnung fördern und schützen“, (38) indem er zum ordentlichen Lehramt der Kirche und zur entsprechenden Anwendung der weltkirchlichen kanonischen Ordnung beiträgt, indem er die eigenen Gläubigen zu einem Bewusstsein für die Universalkirche erzieht und mitarbeitet bei der Förderung jeder gemeinsamen Tätigkeit der Kirche. Der Bischof darf nie den pastoralen Grundsatz vergessen, nach dem er, indem er die eigene Teilkirche gut leitet, zum Wohl des gesamten Gottesvolkes beiträgt, das die Körperschaft der Kirchen ist.
Neben der hauptsächlichen institutionellen Form der Mitarbeit des Bischofs zum Wohl der ganzen Kirche durch die Teilnahme am Ökumenischen Konzil, auf dem in feierlicher und weltumfassender Weise die Vollmacht des Bischofskollegiums ausgeübt wird, wird diese Mitarbeit auch verwirklicht in der Ausübung der höchsten und universalen Vollmacht durch eine vereinte Amtshandlung gemeinsam mit den übrigen Bischöfen, wenn diese vom Papst in die Wege geleitet oder frei angenommen worden ist. (39) Jeder Bischof hat das Recht und die Pflicht, zur einen oder zur anderen kollegialen Handlung aktiv beizutragen und mitzuarbeiten durch Gebet, durch Überlegung und indem er seine Meinung zum Ausdruck bringt.
(38) Vat. II, LG 23.
(39) Vgl. Vat. II, LG 22; c. 337 CIC.
Über die Stärkung des Bandes der Einheit zwischen den Gliedern des Bischofskollegiums hinaus bietet die Bischofssynode dem Nachfolger des Petrus bei seiner primatialen Tätigkeit eine wertvolle beratende Hilfe.(40) Wenn er berufen ist, dort persönlich teilzunehmen, erfüllt der Bischof die Aufgabe mit eifrigem Einsatz, indem er auf die Ehre Gottes und auf das Wohl der Kirche schaut. Die selbe Gesinnung muss ihn leiten, wenn er im synodalen Beratungsprozess die eigene Meinung zu den vorgelegten Fragen zum Ausdruck bringt, oder wenn es darum geht, innerhalb der eigenen Bischofskonferenz die aktiv im Dienst stehenden Bischöfe oder die emeritierten Bischöfe zu wählen, die ihn aufgrund ihrer Kenntnis und ihrer Erfahrung in der Materie in der Synode vertreten können.
Die selbe Sorge für die Universalkirche muss den Bischof dazu drängen, dem Papst Ratschläge, Beobachtungen oder Anregungen zu unterbreiten, ihn auf Gefahren für die Kirche und auf Gelegenheiten für Initiativen aufmerksam zu machen oder andere nützliche Hinweise zu geben: So leistet er einen unschätzbaren Dienst für den primatialen Dienst und einen sicheren Beitrag zur Wirksamkeit der weltkirchlichen Leitung. Auf die Bitte, eine Meinung zu pastoralen Fragen zu äußern oder aufgefordert, bei der Vorbereitung von Dokumenten für die Weltkirche mitzuarbeiten, soll der Bischof – vor allem, wenn er das Amt eines Mitglieds oder eines Beraters irgendeines Dikasteriums der Römischen Kurie bekleidet – mit Freimut antworten, nach reiflicher Überlegung und Betrachtung des Gegenstandes coram Domino. (41) Wenn er gebeten wird, einen Auftrag im Interesse der ganzen Kirche auszuführen, soll der Bischof sein Möglichstes tun, um ihn anzunehmen, und er soll ihn mit Sorgfalt ausführen. Im Bewusstsein seiner Verantwortung für die Einheit der Kirche und unter Berücksichtigung der Tatsache, mit welcher Leichtigkeit heute jede Erklärung breiten Kreisen der öffentlichen Meinung bekannt wird, soll sich der Bischof davor hüten, Gesichtspunkte der Lehre des authentischen Lehramtes oder der Ordnung der Kirche in Frage zu stellen, um weder der Autorität der Kirche noch seiner eigenen Autorität Schaden zuzufügen; vielmehr soll er die ordentlichen Wege der Kommunikation mit dem ApostolischenStuhl und mit den anderen Bischöfen beschreiten, wenn er Fragen im Hinblick auf solche Gesichtspunkte der Lehre oder der Kirchenordnung vortragen muss.
(40) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 58.
(41) Vgl. Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Pastor Bonus, Art. 7; 8; 26.
14. Zusammenarbeit mit dem Apostolischen Stuhl
Als Konsequenz seiner Bischofsweihe, der hierarchischen Gemeinschaft und seiner Zugehörigkeit zum Bischofskollegium sowie als Zeichen der Einheit mit Jesus Christus soll der Bischof der Gemeinschaft der Liebe und des Gehorsams mit dem Papst höchste Rechnung tragen und diese von Herzen fördern, indem er sich dessen Absichten, Initiativen, Freuden und Sorgen zu eigen macht und indem er auch in den Gläubigen die selben kindlichen Gefühle fördert.
Der Bischof soll getreu die Anordnungen des Heiligen Stuhls sowie der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie ausführen, die dem Papst bei seiner Sendung des Dienstes an den Teilkirchen und ihren Hirten helfen. Er soll zudem dafür sorgen, dass die Dokumente des Heiligen Stuhls zeitnah den Priestern oder, je nachdem, dem gesamten Volk Gottes zur Kenntnis gelangen, wobei er in geeigneter Weise deren Gehalt erläutern soll, um ihn so für alle verständlich zu machen.
Um jedes Dokument in der am besten geeigneten Weise ausführen zu können, muss der Bischof, über mögliche Hinweise im fraglichen Dokument selbst hinaus, dessen jeweilige Natur (lehrmäßig, anordnend, hinweisend usw.) und seinen pastoralen Gehalt studieren; wenn es sich um Gesetze oder andere normative Anordnungen handelt, muss er besondere Aufmerksamkeit walten lassen, um deren Beachtung unmittelbar mit ihrem Inkrafttreten sicher zu stellen, gegebenenfalls durch geeignete diözesane Ausführungsbestimmungen. Wenn es sich um Dokumente anderer Art handelt, etwa um einen allgemeinen Hinweis, muss der Bischof selbst im Hinblick auf das seelsorgliche Wohl seiner Gläubigen mit Klugheit die beste Vorgehensweise abwägen.
Verbindungen zum Päpstlichen Gesandten. Dieser vertritt den Papst bei den Teilkirchen und bei den Staaten. (42) Seine Sendung überlagert nicht die Aufgabe der Bischöfe und sie behindert sie weder noch ersetzt sie diese, vielmehr fördert sie die Aufgabe der Bischöfe in vielfältiger Weise und unterstützt sie mit brüderlichem Rat. Deswegen soll sich der Bischof darum bemühen, mit dem Päpstlichen Gesandten von brüderlichem Geist und gegenseitigem Vertrauen geprägte Beziehungen zu unterhalten, sowohl auf persönlicher Ebene als auch auf der Ebene der Bischofskonferenz, und er soll über ihn Informationen an den Apostolischen Stuhl übermitteln und die ihm zukommenden kanonischen Akte erbitten.
Als besondere Form der Mitarbeit am Dienst des Papstes soll der Bischof, gemeinsam mit den übrigen Hirten der Kirchenprovinz oder der Bischofskonferenz oder auch persönlich den Apostolischen Stuhl hinweisen auf solche Priester, die er für das Bischofsamt für geeignet hält. Bei den vorgängigen Nachforschungen über mögliche Kandidaten kann sich der Bischof jeweils einzeln mit Personen beraten, welche die erforderliche Kenntnis besitzen; er darf aber niemals erlauben, dass eine gemeinsame Beratung durchgeführt wird, weil eine solche die vom Kirchenrecht vorgeschriebene Geheimhaltung gefährden würde – diese ist erforderlich wegen der Wahrung des guten Rufes der betroffenen Personen – und weil sie die Freiheit des Papstes im Hinblick auf die Auswahl des am besten Geeigneten einschränken würde. (43)
(42) Vgl. c. 363 § 1 CIC und Paul VI., Motu proprio Sollicitudo Omnium Ecclesiarum.
(43) Vgl. c. 377 §§ 2–3 CIC; Rat für die öffentlichen Angelegenheiten der Kirche, Dekret Episcoporum delectum, I, 2.
„Die Bischöfe sollen aufgrund des Bandes der Einheit und der Liebe gemäß den Möglichkeiten ihrer Diözese zur Besorgung der Mittel beitragen, die der Apostolische Stuhl entsprechend den Zeitverhältnissen braucht, damit er seinen Dienst gegenüber der ganzen Kirche ordnungsgemäß zu leisten vermag.“ (44) Der Bischof soll auch nicht jene besondere Kollekte außer Acht lassen, die „Peterspfennig“ genannt wird und die bestimmt ist, sicherzustellen, dass die Kirche von Rom wirksam ihre Aufgabe des Vorsitzes in der weltweiten Liebe erfüllen kann. Wenn es die Möglichkeiten der Diözese erlauben und wenn es dort geeignete und entsprechend vorbereitete Priester gibt und diese angefordert werden, soll sie der Bischof dem Heiligen Stuhl ad tempus oder auf unbefristete Zeit zur Verfügung stellen.
15. Der Ad-limina-Besuch (45)
Nach der kanonischen Ordnung vollzieht der Diözesanbischof alle fünf Jahre die alte Tradition des Ad-limina-Besuches, um die Gräber der heiligen Apostel Petrus und Paulus zu ehren und um dem Nachfolger des Petrus, dem Bischof von Rom, zu begegnen.
Der Besuch mit seinen unterschiedlichen liturgischen und pastoralen Elementen und mit den Gelegenheiten brüderlichen Austausches besitzt für den Bischof eine genau festgelegte Bedeutung: er soll sein Verantwortungsbewusstsein als Nachfolger der Apostel erhöhen und seine Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Petrus stärken. Darüber hinaus stellt der Besuch auch einen bedeutsamen Akzent für das Leben der Teilkirche selbst dar, die nämlich durch ihren eigenen Vertreter die Bande des Glaubens, der Gemeinschaft und der kirchlichen Ordnung stärkt, welche sie an die Kirche von Rom und an den gesamten Leib der Kirche binden. (46)
(44) C. 1271 CIC.
(45) Vgl. c. 400 CIC; Kongregation für die Bischöfe, Direktorium für den Ad-limina-Besuch; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 57.
(46) Vgl. Kongregation für die Bischöfe, Direktorium für den Ad-limina-Besuch, Vorwort, I und IV.
Die brüderlichen Begegnungen mit dem Papst und mit seinen engsten Mitarbeitern in der Römischen Kurie bieten dem Bischof nicht nur eine bevorzugte Gelegenheit, um die Situation der eigenen Diözese und seine Erwartungen vorzutragen, sondern auch, um ausführlichere Informationen zu erhalten über die Hoffnungen, die Freuden und die Sorgen der Universalkirche und um geeignete Ratschläge und Anweisungen zu erhalten für die Probleme der eigenen Herde. Dieser Besuch stellt auch ein zentrales Ereignis für den Nachfolger des Petrus dar, der die Hirten der Teilkirchen empfängt, um mit ihnen die Fragen zu behandeln, die ihre kirchliche Sendung betreffen. Der Ad-limina-Besuch ist daher ein Ausdruck der Hirtensorge für die ganze Kirche. (47)
Aus diesen Gründen ist eine sorgfältige Vorbereitung notwendig. Mit genügendem zeitlichem Vorlauf (nicht weniger als sechs Monate, wenn möglich), soll der Bischof sich darum sorgen, dem Heiligen Stuhl den Bericht über die Situation der Diözese zuzusenden, dessen Abfassung dem entsprechenden Formular folgt, das von der zuständigen Kongregation für die Bischöfe ausgearbeitet worden ist. Dieser Bericht muss dem Papst und den römischen Dikasterien eine Information aus erster Hand liefern – wahrheitsgetreu, knapp und genau – die für die Ausübung des petrinischen Dienstes von großem Nutzen ist. Dem Bischof schließlich bietet der Bericht ein geeignetes Mittel, um den Zustand seiner Kirche zu überprüfen und um die pastorale Arbeit zu planen: Daher ist es sinnvoll, dass sich der Bischof bei dessen Abfassung der Hilfe seiner engsten Mitarbeiter in der Leitung der Diözese bedient, wenngleich sein persönlicher Beitrag unabdingbar erscheint, vor allem in Bezug auf jene Gesichtspunkte, die näher seine eigenen Aktivitäten betreffen, um so eine Zusammenschau der pastoralen Arbeit zu geben.
(47) Vgl. Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Pastor Bonus, Anhang I, 3–4.
Die gegenwärtige Praxis besteht darin, dass die Besuche in der Regel nach Bischofskonferenzen durchgeführt werden, oder unterteilt in verschiedene Gruppen, wenn diese zahlenmäßig zu groß sind, um auf diese Weise die kollegiale Einheit zwischen den Bischöfen zu unterstreichen. Auch wenn verschiedene Teile in Gruppen durchgeführt werden – der Besuch an den Gräbern der Apostel, die Ansprache des Papstes, das Zusammentreffen mit den Dikasterien der Römischen Kurie – so ist es doch immer der einzelne Bischof, der den Bericht vorlegt, der den Besuch im Namen seiner Kirche abstattet und persönlich dem Nachfolger des Petrus begegnet, und immer unbeschadet des Rechts und der Pflicht, direkt mit ihm und mit seinen Mitarbeitern bezüglich aller Fragen Kontakt aufzunehmen, die seinen diözesanen Dienst betreffen.
16. Die Diözesanbischöfe als Mitglieder der Dikasterien der Römischen Kurie
Ein weiteres Zeichen der kollegialen Beziehung zwischen den Bischöfen und dem Papst wird dadurch gesetzt, dass einige Diözesanbischöfe als Mitglieder der Dikasterien der Römischen Kurie mitarbeiten. Diese Anwesenheit erlaubt den Bischöfen, dem Papst die Denkweise, die Wünsche und die Bedürfnisse aller Kirchen vorzutragen. Auf diese Weise erstreckt sich das Band der Einheit und der Liebe, das im Bischofskollegium herrscht, durch die Römische Kurie auf das ganze Volk Gottes. (48)
(48) Vgl. Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Pastor Bonus, Art. 9.
17. Die Missionstätigkeit
Zusammen mit dem Papst sind die Diözesanbischöfe direkt verantwortlich für die Evangelisierung der Welt; (49) daher soll jeder Bischof diese Verantwortung mit dem größten Eifer wahrnehmen.
Insofern er Koordinator und Mittelpunkt der missionarischen Tätigkeit der Diözese ist, soll der Bischof darum besorgt sein, die Teilkirche für die Bedürfnisse der anderen zu öffnen, indem er den missionarischen Geist in den Gläubigen weckt, indem er für Missionare und Missionarinnen sorgt, indem er einen brennenden apostolischen und missionarischen Geist im Presbyterium, in den Ordensleuten und Mitgliedern der Gesellschaften des Apostolischen Lebens, unter den Alumnen seines Priesterseminars und unter den Laien entfacht, indem er mit dem Apostolischen Stuhl zusammenarbeitet beim Werk der Evangelisierung der Völker, und indem er die jungen Kirchen mit materiellen und geistlichen Hilfen unterstützt. Auf diese und auf andere geeignete Weise, je nach den Umständen von Ort und Zeit, bringt der Bischof seine brüderliche Verbundenheit mit anderen Bischöfen zum Ausdruck und erfüllt seine Verpflichtung, das Evangelium allen Völkern zu verkünden. (50)
Nach den Möglichkeiten der Diözese und in Übereinstimmung mit dem Heiligen Stuhl und mit den anderen betroffenen Bischöfen soll der Bischof dafür sorgen, dass Missionare und materielle Hilfen in die Missionsgebiete geschickt werden, und zwar aufgrund besonderer Vereinbarungen oder indem Bande der Bruderschaft mit einer ganz bestimmten Missionskirche geschlossen werden. Darüber hinaus soll er in seiner Teilkirche die Päpstlichen Missionswerke fördern und unterstützen, indem er die erforderliche geistliche und materielle Hilfe beschafft. (51) Um diese Ziele zu erreichen, soll der Bischof einen sachkundigen Priester, Diakon oder Laien bestellen, der sich darum kümmern soll, die verschiedenen diözesanen Initiativen zu organisieren, wie z. B. den jährlichen Tag für die Mission und die jährliche Kollekte zugunsten der Päpstlichen Missionswerke. (52)
(49) Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris Missio, 63.
(50) Vgl. Vat. II., LG 23.
(51) Vgl. Vat. II, CD 6.
(52) Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris Missio, 81 und 84.
In gleicher Weise soll der Bischof die eigenen Bemühungen mit denen des Heiligen Stuhles verbinden, um den Kirchen zu helfen, die Verfolgung erleiden oder die von großem Mangel an Klerikern oder an materiellen Mitteln geplagt sind. (53)
Das Band der Gemeinschaft zwischen den Kirchen wird von den Fidei-donum-Priestern zum Ausdruck gebracht, die aus den dafür geeigneten und gebührend vorbereiteten Priestern ausgewählt werden, und durch die die Diözesen alter Gründung wirksam zur Evangelisierung der neuen Kirchen beitragen und andererseits Frische und Lebendigkeit des Glaubens von diesen jungen christlichen Gemeinschaften schöpfen. (54)
Wenn ein geeigneter Kleriker (Priester oder Diakon) den Wunsch zum Ausdruck bringt, unter die Fidei-donum-Priester aufgenommen zu werden, dann soll der Bischof, so weit das möglich ist, die Erlaubnis nicht verweigern, auch wenn das unmittelbare Opfer von seiner Diözese verlangen würde, und er soll dafür Sorge tragen, dass die Rechte und Pflichten des betreffenden mittels einer schriftlichen Vereinbarung mit dem Bischof des Bestimmungsortes gesichert werden. Das zeitlich befristete Überwechseln ist möglich ohne eine Exkardination, so dass der Kleriker bei seiner Rückkehr alle Rechte beibehält, die ihm zuständen, wenn er in der Diözese geblieben wäre. (55)
(53) Vgl. Vat. II, CD 6–7.
(54) Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris Missio, 68; Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Dabo Vobis, 18
(55) Vgl. c. 271 CIC.
Auch die Bischöfe der jungen Missionskirchen sollen mehr Priester zur Verfügung stellen für Gebiete ihres Landes, ihres Kontinents oder auch anderer Kontinente, die weniger evangelisiert sind oder wo weniger Personen für den Dienst der Kirche bereit stehen. Der Bischof soll gerne bereit sein, in der eigenen Diözese solche Priester aus Missionsländern aufzunehmen, die für eine bestimmte Zeit um Gastfreundschaft bitten aus Gründen des Studiums oder aus anderen Gründen. In solchen Fällen sollen die betroffenen Bischöfe einen Vertrag schließen, um die verschiedenen Bereiche des priesterlichen Lebens zu regeln. Zu diesem Zweck müssen die Normen beachtet werden, welche von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker erlassen wurden. (56)
18. Der ökumenische Einsatz
Im Wissen darum, dass die Wiederherstellung der Einheit eines der vorrangigen Ziele des II. Vatikanischen Konzils war, (57) und dass dieses nicht nur ein Anhängsel ist, das der traditionellen Tätigkeit der Kirche beigefügt wird, (58) muss sich der Bischof der Dringlichkeit bewusst sein, den Ökumenismus zu fördern, einen Bereich, in dem die katholische Kirche in unwiderruflicher Weise engagiert ist.
(56) Vgl. Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Istruzione sull’ invio e la permanenza all’estero dei sacerdoti del Clero diocesano dei territori di missione, 2–7.
(57) Vgl. Vat. II, UR, Vorwort, 1.
(58) Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Ut unum sint, 20.
Auch wenn die Leitung der ökumenischen Bewegung vorrangig dem Heiligen Stuhl zukommt, kommt es doch sowohl den einzelnen als auch den in der Bischofskonferenz versammelten Bischöfen zu, praktische Ausführungsbestimmungen zu erlassen, um die höherrangigen Anordnungen den örtlichen Umständen anzupassen. (59) Indem er treu den Hinweisen und den Richtlinien des Heiligen Stuhles folgt, soll sich der Bischof außerdem darum bemühen, ökumenische Beziehungen mit den verschiedenen Kirchen und christlichen Gemeinschaften zu unterhalten, die es in der Diözese gibt, und er soll einen in der Sache kompetenten persönlichen Vertreter ernennen, um die Tätigkeit der Diözese auf diesem Gebiet anzuregen und zu koordinieren. (60) Sofern die Umstände der Diözese dies nahe legen, soll der Bischof ein Sekretariat oder eine Kommission einrichten, die damit beauftragt sind, dem Bischof vorzuschlagen, was die Einheit der Christen fördern könnte. Darüber hinaus sollen sie die vom Bischof angeregten Initiativen verwirklichen, in der Diözese den geistlichen Ökumenismus fördern, Hilfen für die ökumenische Bildung des Klerus und der Seminaristen (61) vorschlagen und die Pfarreien im ökumenischen Engagement unterstützen.
(59) Vgl. c. 755 §§ 1–2 CIC.
(60) Vgl. Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus, 41–45.
(61) Vgl. ebd., 55–91.
19. Beziehungen zu den Juden
Das II. Vatikanische Konzil erinnert an das Band, durch welches das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamm Abrahams geistlich verbunden ist. (62) Wegen dieses Bandes kommt im Vergleich zu den nichtchristlichen Religionen den Juden bei der Aufmerksamkeit der Kirche ein ganz besonderer Rang zu; sie „haben die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus“ (Röm 9,4–5). Der Bischof muss unter den Christen eine Haltung der Wertschätzung gegenüber diesen unseren „älteren Brüdern“ fördern, um das Entstehen von antisemitischen Erscheinungen zu verhindern, und er muss darüber wachen, dass die geistlichen Amtsträger eine angemessene Bildung über die jüdische Religion und ihre Beziehungen zum Christentum erhalten.
20. Der interreligiöse Dialog
Die katholische Kirche verwirft nichts von dem, was in den anderen Religionen wahr und heilig ist. „Mit aufrichtiger Hochachtung betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Gebote und Lehren, die, auch wenn sie von dem, was sie selber festhält und vorlegt, in vielem abweichen, nicht selten dennoch einen Strahl jener Wahrheit wiedergeben, die alle Menschen erleuchtet. Unablässig aber verkündet sie Christus, der ‚der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ (Joh 14,6) ist, in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat.“ (63)
In der Beziehung zu den nichtchristlichen Religionen ist die Kirche aufgerufen, einen aufrichtigen und wertschätzenden Dialog zu pflegen, der ohne jeden Anschein von Irenik dabei helfen soll, die Saatkörner der Wahrheit zu entdecken, die sich in den religiösen Überlieferungen der Menschheit finden, und der die rechtmäßigen religiösen Bestrebungen der Menschen fördern soll. Dieser Dialog steht in enger Verbindung zu der unverzichtbaren Berufung zur Mission, die auf den Auftrag Christi zurückgeht „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15), und er wird geleitet von der feinfühligen Achtung vor dem Gewissen des Einzelnen.
(62) Vgl. Vat. II, NA 4.
(63) Vgl. Vat. II, NA 2; Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Jesus, III: Einzigartigkeit und Universalität des Heilsgeheimnisses Jesu Christi.
21. Unterstützung der Initiativen des Heiligen Stuhls im internationalen Bereich
Je nach den Möglichkeiten seiner eigenen Kirche trägt der Bischof zur Verwirklichung der Zielsetzungen der internationalen Einrichtungen und Vereinigungen bei, die vom Apostolischen Stuhl gefördert und unterstützt werden: für den Frieden und für die Gerechtigkeit in der Welt, für den Schutz der Familie und des menschlichen Lebens von der Empfängnis an, für den Fortschritt der Völker und für andere Initiativen.
Als besondere Form des apostolischen Handelns im internationalen Bereich ist der Heilige Stuhl mit vollem Recht bei den vorrangigen internationalen Einrichtungen vertreten und nimmt in aktiver Form an verschiedenen Konferenzen teil, die von diesen Einrichtungen einberufen werden. In diesen internationalen Einrichtungen muss sich die Kirche Gehör verschaffen im Hinblick auf die Verteidigung der Menschenwürde und der grundlegenden Menschenrechte, des Schutzes der Schwächsten, der rechten Ordnung der internationalen Beziehungen, der Achtung der Natur usw. Der Bischof darf es nicht versäumen, solche Initiativen gegenüber den Gläubigen wie auch der öffentlichen Meinung zu unterstützen, im Bewusstsein dessen, dass sein Hirtendienst in bemerkenswerter Weise Einfluss nehmen kann auf die Festigung einer gerechten und die Menschenwürde beachtenden internationalen Ordnung. (64)
(64) Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris Missio, 37; Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Jesus, VI.
II. Die bischöfliche Zusammenarbeit und die überdiözesanen Organe der Zusammenarbeit
A) Die bischöfliche Zusammenarbeit
22. Die vereinte Ausübung des bischöflichen Dienstes
„Unbeschadet der Vollmacht, die der Bischof aufgrund göttlicher Einrichtung in seiner Teilkirche besitzt, hat das Bewusstsein, Teil einer ungeteilten Körperschaft zu sein, die Bischöfe im Laufe der Kirchengeschichte dazu geführt, sich zur Erfüllung ihrer Sendung der Mittel, Organe oder Kommunikationsmittel zu bedienen, welche die Gemeinschaft und die Sorge für alle Kirchen zum Ausdruck bringen und die das Leben des Apostelkollegiums selbst verlängern: Die pastorale Zusammenarbeit, die Beratungen, die gegenseitige Hilfe usw.“ (65) Deshalb übt der Bischof den ihm übertragenen Dienst nicht nur dann aus, wenn er in seiner Diözese die ihm eigenen Aufgaben erfüllt, sondern auch, wenn er mit den Mitbrüdern im Bischofsamt in den verschiedenen überdiözesanen bischöflichen Organen zusammenarbeitet. Zu diesen zählen die Zusammenkünfte der Bischöfe der Kirchenprovinz, der Kirchenregion (dort, wo solche Regionen vom Apostolischen Stuhl errichtet wurden), und vor allem die Bischofskonferenzen.
Diese bischöflichen Versammlungen sind Ausdruck der kollegialen Dimension des bischöflichen Dienstes und seiner notwendigen Anpassung an die verschiedenen Formen der menschlichen Gemeinschaften, unter denen die Kirche ihre Heilssendung ausübt. (66) Als vorrangigen Zweck haben sie die gegenseitige Hilfe bei der Ausübung des bischöflichen Amtes und die Abstimmung der Initiativen eines jeden Hirten zum Wohl jeder einzelnen Diözese und der gesamten christlichen Gemeinschaft im jeweiligen Gebiet. Dank dieser Versammlungen verstärken die Teilkirchen selbst die Bande der Gemeinschaft mit der Universalkirche durch die Bischöfe, ihre rechtmäßigen Vertreter. (67)
(65) Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 3; vgl. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 59.
(66) Vgl. Vat. II, LG 13.
(67) Vgl. Vat. II, LG 23; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 55.
Abgesehen von den Fällen, in denen das Kirchenrecht oder eine besondere Anordnung des Apostolischen Stuhls ihnen gesetzgebende Vollmacht zugewiesen hat, muss das gemeinschaftliche Handeln dieser bischöflichen Versammlungen als vorrangiges Handlungskriterium die feinfühlige und aufmerksame Wertschätzung für die persönliche Verantwortung eines jeden Bischofs im Hinblick auf die Universalkirche sowie auf die ihm anvertraute Teilkirche beachten, allerdings stets im Bewusstsein der kollegialen Dimension, welche der bischöflichen Aufgabe innewohnt.
B) Die überdiözesanen Organe und der Metropolit
23. Die verschiedenen überdiözesanen bischöflichen Versammlungen
a) Versammlung der Bischöfe der Kirchenprovinz
Die Diözesanbischöfe der Kirchenprovinz versammeln sich um den Metropoliten, um ihre pastorale Tätigkeit besser aufeinander abzustimmen und um die vom Recht zugestandenen gemeinsamen Kompetenzen auszuüben. (68) Die Zusammenkünfte werden vom Metropolitan-Erzbischof mit der Regelmäßigkeit einberufen, die für alle günstig ist; an diesen Zusammenkünften nehmen auch die Koadjutorbischöfe und die Weihbischöfe der Kirchenprovinz mit entscheidender Stimme teil. Sofern der pastorale Nutzen es empfiehlt und mit Erlaubnis des Apostolischen Stuhls können sich den gemeinsamen Arbeiten auch die Hirten einer benachbarten Diözese anschließen, die unmittelbar dem Heiligen Stuhl unterstellt ist, nicht ausgenommen die Apostolischen Vikare und Präfekten, die im Namen des Papstes Leitung ausüben.
b) Aufgaben des Metropolitan-Erzbischofs
Eine besondere Verantwortung für die Einheit der Kirche kommt dem Metropolitan-Erzbischof im Hinblick auf die Suffragandiözesen und ihre Hirten zu. (69) Zeichen für die Autorität, die der Metropolit in Gemeinschaft mit der Kirche von Rom in der eigenen Kirchenprovinz besitzt, ist das Pallium, das jeder Metropolit persönlich oder durch einen Prokurator beim Papst erbitten muss. Das Pallium wird jedes Jahr vom Papst am Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus (29. Juni) gesegnet und den anwesenden Metropoliten aufgelegt. Dem Metropoliten, der sich nicht selbst nach Rom begeben kann, wird das Pallium vom Päpstlichen Gesandten aufgelegt. In jedem Fall besitzt der Metropolit alle Befugnisse seines Amtes vom Moment der Besitzergreifung seiner Erzdiözese an. Der Metropolit kann das Pallium in allen Kirchen seiner Kirchenprovinz tragen, während er es außerhalb niemals tragen darf, nicht einmal mit Zustimmung des Diözesanbischofs. Wenn der Metropolit auf einen neuen Metropolitansitz versetzt wird, dann muss er ein neues Pallium vom Papst erbitten. (70) (68) Vgl. cc. 431 § 1; 377 § 2; 952 § 1; 1264, 1° und 2° CIC.
(69) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 62.
(70) Vgl. c. 436 §§ 1–3 CIC.
Der Metropolit hat als eigene Aufgabe, darüber zu wachen, dass in der gesamten Kirchenprovinz mit Sorgfalt der Glaube und die kirchliche Ordnung bewahrt werden, und dass der bischöfliche Dienst in Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht ausgeübt wird. Im Falle, dass er Missbräuche oder Irrtümer feststellen sollte, soll der Metropolit, bedacht auf das Wohl der Gläubigen und auf die Einheit der Kirche, dem Päpstlichen Gesandten jenes Landes genau Bericht erstatten, damit der Apostolische Stuhl Vorkehrungen treffen kann. Sofern er es für angebracht hält, kann sich der Metropolit, bevor er dem Päpstlichen Gesandten Bericht erstattet, mit dem Diözesanbischof im Hinblick auf die in der Suffragandiözese aufgetauchten Probleme besprechen. Die Sorge für die Suffragandiözesen soll besonders aufmerksam sein in der Zeit der Vakanz des bischöflichen Stuhls oder in eventuellen Zeiten besonderer Schwierigkeiten des Diözesanbischofs.
Aber die Aufgabe des Metropoliten darf sich nicht auf die disziplinären Gesichtspunkte beschränken, sondern sie soll sich als natürliche Folge des Auftrags zur Nächstenliebe ausweiten auf eine feinfühlige und brüderliche Aufmerksamkeit für die menschlichen und geistlichen Bedürfnisse der Hirten der Suffragandiözesen, für die er sich in einem gewissen Maß als älterer Bruder, als primus inter pares betrachten darf. Eine wirksame Rolle des Metropoliten, wie sie vom Codex des kanonischen Rechts vorgesehen ist, fördert eine bessere pastorale Abstimmung und eine ausgeprägtere Kollegialität auf örtlicher Ebene zwischen den Suffraganbischöfen. Gemeinsam mit den Bischöfen der Kirchenprovinz fördert der Metropolitan-Erzbischof gemeinsame Initiativen, um in angemessener Weise auf die Bedürfnisse der Diözesen der Provinz antworten zu können. Insbesondere können die Bischöfe derselben Provinz, sofern die Umstände das anraten, gemeinsam Kurse für die Fortbildung des Klerus und Pastoralkonferenzen für die Planung gemeinsamer Richtlinien durchführen, die sich auf Fragen beziehen, welche den ganzen Zuständigkeitsbereich betreffen. Für die Ausbildung der Priesterkandidaten können sie ein Metropolitanseminar errichten, und zwar sowohl ein großes als auch ein kleines Seminar, oder auch ein Studienhaus einrichten für die Spätberufenen oder für die Ausbildung der ständigen Diakone oder der Laien, die im pastoralen Dienst eingesetzt werden. Andere Bereiche des gemeinsamen pastoralen Einsatzes können den Bischöfen vom Metropoliten vorgeschlagen werden. Falls der Erzbischof in einem besonderen Fall besonderer Befugnisse für die Erfüllung seines Dienstes bedürfte, insbesondere um die pastorale Planung, die gemeinsam von den Suffraganbischöfen erarbeitet wurde, umsetzen zu können, so kann er diese im Einvernehmen mit den Bischöfen der Kirchenprovinz vom Heiligen Stuhl erbitten.
c) Versammlung der Bischöfe der Kirchenregion
Wo für mehrere Kirchenprovinzen eine Kirchenregion errichtet worden ist, (71) nehmen die Bischöfe an den Zusammenkünften des Konvents der Bischöfe der Kirchenregion gemäß der Form teil, die von ihren Statuten festgelegt ist.
d) Die Bischofskonferenz
Die Bischofskonferenz ist wichtig, um die Gemeinschaft zwischen den Bischöfen zu festigen und um das gemeinsame Handeln in einem bestimmten Zuständigkeitsbereich zu fördern, das sich prinzipiell innerhalb der Grenzen eines Landes erstreckt. Ihr sind einige pastorale Aufgaben als eigene Aufgaben anvertraut, die sie durch kollegiale Leitungsakte ausführt, und sie ist der geeignete Ort zur Förderung vielfältiger gemeinsamer pastoraler Initiativen im Hinblick auf das Wohl der Gläubigen. (72)
(71) Vgl. c. 433 CIC; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 62.
(72) Vgl. Nr. 28–32 in diesem Direktorium.
e) Die internationalen Versammlungen der Bischofskonferenzen
Diese Organe sind eine natürliche Konsequenz aus den sich verstärkenden menschlichen und institutionellen Beziehungen zwischen Ländern, die ein und derselben geografischen Gegend angehören. Sie sind eingerichtet worden, um eine ständige Beziehung zwischen Bischofskonferenzen sicherzustellen, die durch ihre jeweiligen Vertreter diesen Organen angehören, um so die Zusammenarbeit zwischen den Konferenzen und den Dienst für die Episkopate verschiedener Nationen zu erleichtern.
C) Die Partikularkonzilien
24. Die geschichtliche konziliare Erfahrung
„Seit den ersten Jahrhunderten der Kirche haben die Bischöfe, obwohl sie Teilkirchen vorangestellt waren, ... Synoden, Provinzialkonzilien und schließlich Plenarkonzilien eingesetzt, in denen die Bischöfe eine für verschiedene Kirchen gleichartige Vorgehensweise festlegten, die sowohl bei der Lehre der Glaubenswahrheiten als auch bei der Ordnung der kirchlichen Disziplin einzuhalten war.“ (73)
25. Natur
Die Partikularkonzilien sind Versammlungen von Bischöfen, an denen mit beratender Stimme auch andere Geistliche und Laien teilnehmen, und die das Ziel haben, im eigenen Zuständigkeitsbereich für die pastoralen Bedürfnisse des Gottesvolkes Sorge zu tragen, indem sie festlegen, was dem Wachstum des Glaubens, (74) der Regelung der gemeinsamen pastoralen Tätigkeit, den guten Sitten und dem Schutz der kirchlichen Disziplin dient. (75) Die Partikularkonzilien können Provinzialkonzilien sein, wenn ihr Bereich der Kirchenprovinz entspricht, oder Plenarkonzilien, wenn es sich um die Teilkirchen einer Bischofskonferenz handelt. Wenn es sich um ein Plenarkonzil handelt, oder um ein Provinzialkonzil, bei dem die betreffende Provinz mit den Grenzen einer Nation zusammenfällt, dann ist für die Abhaltung dieses Konzils die vorgängige Approbation des Apostolischen Stuhls erforderlich. (76) Um diesbezüglich eine Entscheidung treffen zu können, muss der Apostolische Stuhl genau den Grund für seine Abhaltung kennen und auch die Themen oder Gegenstände, die der Beschlussfassung unterfallen sollen.
(73) Vgl. Vat. II, CD 36.
(74) Vgl. c. 753 CIC.
(75) Vgl. c. 445 CIC.
(76) Vgl. cc. 439 und 440 § 1 CIC.
26. Mitglieder
In den Partikularkonzilien kommt es nur den Bischöfen zu, Entscheidungen zu fällen, denn nur sie besitzen entscheidendes Stimmrecht; aber es müssen auch die Inhaber einiger kirchlicher Ämter von Bedeutung sowie die höheren Oberen der Ordensinstitute und der Gesellschaften des apostolischen Lebens einberufen werden, damit sie mit ihrer Erfahrung und mit ihrem Rat mit den Hirten zusammenarbeiten. Darüber hinaus steht es den Bischöfen frei, auch Kleriker, Ordensleute und Laien einzuberufen, wobei sie freilich darauf achten müssen, dass deren Zahl nicht die Hälfte der Mitglieder von Rechts wegen überschreitet. (77) Wegen der großen Bedeutung, welche die Partikularkonzilien im Hinblick auf die Ordnung des kirchlichen Lebens in der Provinz oder in der Nation besitzen, arbeitet der Bischof mit seinem persönlichen Beitrag bei ihrer Vorbereitung und Durchführung mit. (78)
(77) Vgl. c. 443 CIC.
(78) Vgl. Vat. II, CD 36; cc. 439 ff. CIC.
27. Gesetzgebende Vollmacht
Um diese Ziele zu erreichen, besitzen die Partikularkonzilien Leitungsvollmacht, vor allem aber gesetzgebende Vollmacht, auf Grund derer die Bischöfe für die verschiedenen Kirchen jeweils die selben Normen festlegen, um auf diese Weise für eine wirksamere und den Erfordernissen der Zeit angepasste pastorale Handlungsweise zu sorgen. Im Übrigen lässt die kirchenrechtliche Disziplin den Bischöfen derselben Provinz oder Bischofskonferenz einen großen Freiraum, die pastoralen Fragen gemeinsam zu regeln, immer aber unter Beachtung der höherrangigen Normen. (79) Diese Freiheit muss die Bischöfe dazu veranlassen, dem gemeinsamen Urteil und der gemeinsamen Entscheidung nur jene Angelegenheiten zu unterwerfen, für die im gesamten Zuständigkeitsbereich eine gleichartige Regelung erforderlich ist, weil sonst die Vollmacht, die jedem einzelnen Bischof in seiner Diözese zukommt, ohne Notwendigkeit eingeschränkt würde. Alle bindenden Beschlüsse des Partikularkonzils, seien es allgemeine Dekrete oder Dekrete für den Einzelfall, müssen vom Apostolischen Stuhl geprüft und approbiert werden, bevor sie promulgiert werden. (80)
(79) Vgl. c. 135 § 2 CIC.
(80) Vgl. c. 446 CIC; Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Pastor Bonus, Art. 82 und 157.
28. Zwecksetzung der Bischofskonferenz
Die Bischofskonferenz, deren Rolle in diesen Jahren große Bedeutung gewonnen hat, trägt in vielfältiger und fruchtbarer Form bei zur Verwirklichung und zur Entwicklung des kollegialen Affekts zwischen den Mitgliedern ein und desselben Episkopats. In ihr üben die Bischöfe einige pastorale Aufgaben gemeinsam für die Gläubigen ihres Zuständigkeitsbereiches aus. Dieses Handeln entspricht der heutzutage besonders empfundenen Notwendigkeit, durch ein einmütiges und gut abgestimmtes Handeln ihrer Hirten für das Gemeinwohl der Teilkirchen Sorge zu treffen. (81) Aufgabe der Bischofskonferenz ist es, die Bischöfe in ihrem Dienst zu unterstützen, zum Nutzen des gesamten Volkes Gottes. Die Bischofskonferenz entfaltet eine bedeutende Funktion in verschiedenen Bereichen des Dienstes durch:
die gemeinsame Ordnung einiger pastoraler Fragen durch allgemeine Dekrete, welche sowohl die Hirten als auch die Gläubigen des jeweiligen Zuständigkeitsbereiches verpflichten; (82)
die Vermittlung der Glaubenslehre der Kirche in möglichst einprägsamer Form und in Übereinstimmung mit der besonderen Natur und den Lebensbedingungen der Gläubigen einer Nation; (83)
die Koordination einzelner Bemühungen im Bereich des Apostolats und der Caritas durch gemeinsame Initiativen von nationaler Bedeutung; zu diesem Zweck hat das kanonische Recht der Konferenz bestimmte Kompetenzen zuerkannt;
den einheitlichen Dialog mit der politischen Autorität für den gesamten Zuständigkeitsbereich;
die Schaffung von nützlichen gemeinsamen Diensten, die viele Diözesen alleine nicht besorgen können.
Hinzu kommt der weite Bereich der gegenseitigen Unterstützung in der Ausübung des bischöflichen Dienstes durch gegenseitige Information, Ideenaustausch, die Abstimmung von Meinungen usw.
(81) Vgl. Vat. II, LG 23; CD 37; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 63.
(82) Vgl. c. 455 CIC.
(83) Vgl. c. 753 CIC.
29. Die Mitglieder der Bischofskonferenz
Von Rechts wegen sind Mitglieder der Bischofskonferenz alle Diözesanbischöfe des Zuständigkeitsbereiches und alle, die ihnen rechtlich gleichgestellt sind, (84) sowie die Koadjutorbischöfe, die Weihbischöfe und die übrigen Titularbischöfe, die eine besondere pastorale Aufgabe zum Nutzen der Gläubigen wahrnehmen. Mitglieder sind auch diejenigen, die vorübergehend einem kirchlichen Bezirk des Landes vorstehen. (85)
Die katholischen Bischöfe des orientalischen Ritus mit Sitz im Zuständigkeitsbereich der Bischofskonferenz können zur Vollversammlung der Konferenz mit beratender Stimme eingeladen werden. Die Statuten der Bischofskonferenz können festlegen, dass sie Mitglieder sind. In diesem Fall besitzen sie beschließendes Stimmrecht. (86)
(84) Vgl. c. 381 § 2 CIC; Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 15.
(85) Vgl. c. 427 § 1 CIC; Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 17.
(86) Vgl. c. 450 § 1 CIC.
Die emeritierten Bischöfe sind von Rechts wegen nicht Mitglieder der Bischofskonferenz, aber es ist wünschenswert, dass sie zur Vollversammlung eingeladen werden, an der sie mit beratender Stimme teilnehmen können. Darüber hinaus ist es gut, auf sie zurückzugreifen bei Studientagen oder Kommissionen, die dazu eingesetzt werden, Fragen zu erörtern, in denen diese Bischöfe in besonderer Weise kompetent sind. Der eine oder andere emeritierte Bischof kann auch als Mitglied von Kommissionen der Bischofskonferenz berufen werden. (87)
Obwohl der Päpstliche Gesandte nicht Mitglied der Bischofskonferenz ist und damit kein Stimmrecht besitzt, wird er zur Eröffnungssitzung der Bischofskonferenz eingeladen nach Maßgabe der Statuten jeder einzelnen Bischofskonferenz.
Aus seiner Eigenschaft als Mitglied der Bischofskonferenz erwachsen dem Bischof einige natürliche Verpflichtungen:
a) Der Bischof muss sich darum kümmern, dass er die allgemeinen Normen gut kennt, die diese Einrichtung regeln, und auch die Statuten der eigenen Bischofskonferenz, welche die grundlegenden Normen für das gemeinsame Handeln festlegen. (88) Beseelt von einer tiefen Liebe zur Kirche achte er darüber hinaus darauf, dass die Aktivitäten der Konferenz immer entsprechend den kanonischen Bestimmungen ausgeübt werden;
(87) Vgl. Nr. 229 in diesem Direktorium; Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos; Kongregation für die Bischöfe, Normen In vita Ecclesiae, 4.
(88) Bezüglich der Statuten der Konferenz vgl. c. 451 CIC; Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 18
b) er soll aktiv und eifrig an den Zusammenkünften der Bischöfe teilnehmen, ohne jemals die gemeinsame Verantwortung der Sorge der anderen Bischöfe zu überlassen; wenn er für eine bestimmte Aufgabe in der Konferenz gewählt wird, soll er sich dem außer aus einem gerechten Grund nicht verweigern. Er soll aufmerksam die für die Diskussion vorgesehenen Fragen studieren, wenn nötig auch mit Hilfe von Fachleuten, damit seine Stellungnahmen stets gut begründet und gewissenhaft formuliert sind;
c) bei den Zusammenkünften soll er seine Meinung mit brüderlicher Offenheit vortragen. Wenn es nötig ist, soll er sich ohne Furcht abweichend von der von anderen vorgetragenen Meinung äußern, aber auch bereit sein, die gegenteiligen Gründe anzuhören und zu verstehen;
d) wenn das Gemeinwohl der Gläubigen eine gemeinsame Vorgehensweise fordert, dann soll der Bischof bereit sein, der Meinung der Mehrheit zu folgen, ohne dass er sich auf seine eigene Meinung versteift;
e) in den Fällen, in denen er glaubt, aus Gewissensgründen einer Erklärung oder einem Beschluss der Konferenz nicht zustimmen zu können, muss er vor Gott alle Umstände gewissenhaft erwägen und dabei auch die Auswirkungen seiner Entscheidung in der Öffentlichkeit mit bedenken; falls es sich um ein allgemeines Dekret handelt, das notwendig der recognitio durch den Apostolischen Stuhl bedarf, dann muss er von diesem die Dispens erbitten, damit er sich nicht an das halten muss, was im Dekret festgelegt wurde;
f) beseelt vom Geist des Dienens soll er die Leitungsorgane der Konferenz auf alle Probleme aufmerksam machen, die es anzugehen gilt, ebenso auf Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen sowie auf Initiativen, die im Hinblick auf das Seelenheil angeraten scheinen.
Die Konferenz kann zu den eigenen Versammlungen Personen einladen, die nicht Mitglieder sind, aber nur in bestimmten Fällen und ausschließlich mit beratender Stimme. (89)
(89) Vgl. Päpstliche Kommission für die Interpretation der Dekrete des II. Vatikanischen Konzils, Responsum vom 31.10.1970.
30. Der Bischofskonferenz konkret zugewiesene Themen
Es ist eine offensichtliche Tatsache, dass es heute pastorale Themen und Problemstellungen des Apostolats gibt, die nur auf nationaler Ebene in gebührender Weise angegangen werden können. Aus diesem Grund hat das Kirchenrecht einige Bereiche der gemeinsamen Aufmerksamkeit der Bischöfe anvertraut, jeden Bereich aber in unterschiedlicher Weise. Unter diesen ragen hervor: die Ausbildung der geistlichen Amtsträger, seien es Kandidaten für das Priestertum oder für den ständigen Diakonat;
die Ökumene;
die Hilfsmittel für die Katechese in der Diözese;
die katholische Erziehung;
die höhere katholische Erziehung und die Hochschulseelsorge;
die sozialen Kommunikationsmittel;
der Schutz der Unversehrtheit des Glaubens und der Sitten des christlichen Volkes. (90)
In allen diesen Bereichen müssen die eigenen Kompetenzen der Konferenz mit der Verantwortung eines jeden Bischofs in seiner Diözese verbunden werden. Diese Übereinstimmung ist die natürliche Konsequenz aus der Beachtung der kanonischen Normen, welche die fraglichen Gegenstände ordnen.
(90) Vgl. cc. 242; 236; 755 § 2; 804 § 1; 809; 810 § 2; 821; 823; 830; 831 § 1 CIC. Bezüglich des Ökumenismus vgl. auch Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Ökumenisches Direktorium, 6; 40; 46–47. Bezüglich der Zuständigkeit der Bischofskonferenz für die Herausgabe von Katechismen und für die Erarbeitung diözesaner Katechismen vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Responsio Con lettera (07.07.1983).
31. Die rechtlichen und lehrmäßigen Zuständigkeiten der Bischofskonferenz
Gemäß der Weisung des II. Vatikanischen Konzils wurde den Bischofskonferenzen als Instrumenten der gegenseitigen Hilfe zwischen den Bischöfen für ihre pastorale Aufgabe vom Apostolischen Stuhl die Vollmacht verliehen, bindende Vorschriften in bestimmten Fragen (91) zu erlassen und andere Beschlüsse für den Einzelfall zu fassen, welche der Bischof getreu annimmt und in der Diözese ausführt. (92)
Die gesetzgebende Vollmacht der Konferenz wird von den in der Vollversammlung zusammengekommenen Bischöfen ausgeübt, die das kollegiale Gespräch und den Austausch der unterschiedlichen Gesichtspunkte ermöglicht, und erfordert das zustimmende Votum von zwei Dritteln der mit beschließender Stimme ausgestatteten Mitglieder. Solche Normen müssen vor ihrer Promulgation vom heiligen Stuhl geprüft werden, um die Übereinstimmung mit dem weltweit geltenden kirchlichen Recht sicherzustellen. (93) Kein anderes Organ der Konferenz darf die Zuständigkeiten der Vollversammlung für sich in Anspruch nehmen. (94)
(91) Vgl. c. 455 §§ 1–2 CIC. Bei den allgemeinen Dekreten sind auch die allgemeinen Ausführungsdekrete gemäß der cc. 31–33 eingeschlossen; vgl. Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten, Responsum vom 05.07.1985.
(92) Vgl. Vat. II, CD 38.
(93) Vgl. c. 445 § 2 CIC.
(94) Vgl. Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 22.
Die in der Bischofskonferenz versammelten Bischöfe üben entsprechend den vom Recht geregelten Bedingungen auch eine Lehraufgabe aus; (95) sie sind nämlich auch gemeinsam authentische Künder und Lehrer des Glaubens für ihre Gläubigen. Bei der Ausübung dieser Lehraufgabe, besonders dann, wenn sie neuen Fragestellungen begegnen und neue Probleme, die sich aus der Gesellschaft ergeben, aufklären müssen, müssen sich die Bischöfe der Grenzen ihrer Lehräußerungen bewusst sein, weil ihr Lehramt nicht universal ist, obwohl es authentisch und amtlich ist. (96)
Die Bischöfe sollen sich stets vor Augen halten, dass die Glaubenslehre ein Gut des ganzen Volkes Gottes und das Band seiner Gemeinschaft ist; daher sollen sie dem universalen Lehramt der Kirche folgen und sich darum bemühen, dieses ihren Gläubigen bekannt zu machen.
Damit die lehrmäßigen Erklärungen der Bischofskonferenz authentisches Lehramt sein und im Namen der Konferenz veröffentlicht werden können, müssen sie von den Mitgliedsbischöfen einstimmig oder wenigstens mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Bischöfe mit beschließendem Stimmrecht beschlossen werden. In diesem zweiten Fall müssen die lehrmäßigen Erklärungen die recognitio des Heiligen Stuhls erhalten, damit sie veröffentlicht werden können. Diese lehrmäßigen Erklärungen müssen an die Bischofskongregation oder an die Kongregation für die Evangelisierung der Völker geschickt werden, je nach dem territorialen Zuständigkeitsbereich derselben. Diese Dikasterien werden die recognitio erteilen, nachdem sie sich mit den übrigen zuständigen Stellen des Heiligen Stuhls konsultiert haben. (97)
(95) Vgl. cc. 753; 755 § 2 CIC.
(96) Vgl. Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 21–22.
(97) Vgl. Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 22.
Wenn es darum geht, lehrmäßige Äußerungen der Bischofskonferenz zu beschließen, besitzen die nichtbischöflichen Mitglieder des bischöflichen Organs kein Stimmrecht in der Vollversammlung. (98)
Falls mehrere Bischofskonferenzen ein Handeln in solidum für erforderlich halten sollten, müssen sie vom Heiligen Stuhl die Genehmigung erbitten, der im einzelnen Fall auch die erforderlichen Vorschriften angeben wird, die zu beachten sind. Abgesehen von diesen Fällen steht es den Diözesanbischöfen frei, in der eigenen Diözese einer Empfehlung, die von den übrigen Hirten des Zuständigkeitsbereiches geteilt wird, im eigenen Namen und mit eigener Autorität zu folgen und ihr verpflichtende Kraft zu geben. Es ist aber keinesfalls erlaubt, den Bereich der Vollmacht der Konferenz auszuweiten, indem ihr die Jurisdiktion und die Verantwortung, die ihre Mitglieder für ihre jeweiligen Diözesen haben, übertragen werden, weil eine solche Übertragung ausschließliches Recht des Papstes ist, (99) der aus eigener Initiative oder auf Bitten der Konferenz in den Fällen, in denen er es für angebracht hält, eine besondere Anordnung erteilen wird. (100)
32. Die Kommissionen der Konferenz
Von der Konferenz hängen verschiedene Organe und Kommissionen ab, deren besondere Aufgabe in der Unterstützung der Hirten besteht sowie in der Vorbereitung und Ausführung der Beschlüsse der Konferenz.
Die ständigen Kommissionen sowie die Ad-hoc-Kommissionen der Konferenz, die als „bischöfliche Kommissionen“ bezeichnet werden, müssen von bischöflichen Mitgliedern gebildet werden sowie von solchen, die ihnen im Recht gleichgestellt sind. Wenn die Zahl der Bischöfe zu gering ist, um solche Kommissionen zu bilden, können andere Organe wie Beratergruppen und Räte gebildet werden, deren Vorsitz bei einem Bischof liegt und die sich aus Priestern, Ordensleuten und Laien zusammensetzen. Solche Organe dürfen sich aber nicht „bischöflich“ nennen. (101)
(98) Vgl. Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, Ergänzende Normen, Art. 1.
(99) Vgl. Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 20 und 24 und Ergänzende Normen, Art. 1; Kongregation für die Bischöfe und Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Rundbrief an die Vorsitzenden
der Bischofskonferenzen, Nr. 763/98 vom 13.05.1999.
(100) Vgl. c. 455 § 1 CIC.
Die Mitglieder der verschiedenen Kommissionen müssen sich dessen bewusst sein, dass es nicht ihre Aufgabe ist, die Arbeit der Kirche einer Nation in einem bestimmten pastoralen Feld zu leiten oder zu koordinieren, sondern dass sie eine andere, viel demütigere, aber gleichermaßen wirkungsvolle Aufgabe haben: Der Vollversammlung – also der Konferenz selbst – zu helfen, ihre Ziele zu erreichen, und den Hirten die geeigneten Hilfsmittel für ihren Dienst in der Teilkirche zur Verfügung zu stellen. Dieses grundlegende Kriterium muss die Verantwortlichen der Kommissionen dazu veranlassen, Handlungsformen zu vermeiden, die von einem Gefühl der Unabhängigkeit oder der Autonomie beeinflusst sind, wie es etwa die eigenständige Veröffentlichung von Richtlinien für einen bestimmten pastoralen Bereich sein könnte oder der Versuch, sich direkt an diözesane Organe und Kommissionen zu wenden, ohne den vorgeschriebenen Weg über den jeweiligen Diözesanbischof zu nehmen.
(101) Vgl. Johannes Paul II., Motu proprio Apostolos Suos, 18; Kongregation für die Bischöfe und Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Rundbrief an die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, Nr. 763/98 vom 13.05.1999, 9.
Kapitel III: Spiritualität und Fortbildung des Bischofs
„Übe dich in der Frömmigkeit! ... Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit. ... Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist ... Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest!“ (1 Tim 4,7.12.[14].16).
I. Jesus Christus, Ursprung der Spiritualität des Bischofs
33. Jesus Christus, Quelle der Spiritualität des Bischofs
Mit der Bischofsweihe empfängt der Bischof eine besondere Ausgießung des Heiligen Geistes, die ihn in ganz besonderer Weise Christus, dem Haupt und Hirten gleichförmig macht. Der Herr selbst, „der gute Meister“ (Mt 19,[1]6), „der Hohepriester“ (Hebr 7,26), „der gute Hirte, der sein Leben hingibt für die Schafe“ (Joh 10,11) hat sein menschliches und göttliches Antlitz, sein Abbild, seine Vollmacht und seine Tugend dem Bischof eingeprägt. (102) Er ist die einzige und dauernde Quelle der Spiritualität des Bischofs. Deshalb ist der Bischof, der im Sakrament mit der Gabe des Heiligen Geistes geheiligt wurde, berufen, auf die durch die Handauflegung empfangene Gnade zu antworten, indem er sich heiligt und sein persönliches Leben in der Ausübung des apostolischen Dienstes Christus gleich macht. Die Gleichförmigkeit mit Christus wird es dem Bischof ermöglichen, mit seiner ganzen Person dem Heiligen Geist zu entsprechen, um in sich die Aspekte des Gliedes der Kirche und zugleich des Hauptes und Hirten des christlichen Volkes zu vereinen, des Bruders und des Vaters, des Jüngers Christi und des Lehrers des Glaubens, des Sohnes der Kirche und, in einem gewissen Sinne, des Vaters derselben, da er ja Diener der übernatürlichen Wiedergeburt der Christen ist.
(102) Vgl. Paul VI., Homilie in Bogota, 22.08.1968.
Der Bischof soll sich immer dessen bewusst bleiben, dass seine persönliche Heiligkeit niemals auf eine rein subjektive Ebene beschränkt bleibt, sondern in ihrer Wirksamkeit weiter reicht zum
Wohle derer, die seiner Hirtensorge anvertraut sind. Der Bischof muss ein kontemplativer Mensch sein und nicht nur ein Mann des Handelns, so dass sein Apostolat immer ein contemplata aliis tradere sei. Fest davon überzeugt, dass alles Tun nichts nützt, wenn das Sein mit Christus fehlt, muss der Bischof in inniger Liebe mit dem Herrn verbunden sein. Darüber hinaus darf er nicht vergessen, dass die Ausübung des bischöflichen Dienstes, um glaubwürdig zu sein, jener moralischen Autorität und jenes Ansehens bedarf, die ihm aus der Heiligkeit des Lebens erwachsen, welche die Ausübung der Jurisdiktionsvollmacht stützt. (103)
34. Echte kirchliche Spiritualität
Kraft der Sakramente der Taufe und der Firmung, die ihn mit allen Gläubigen verbinden, und kraft der sakramentalen Weihe ist die Spiritualität des Bischofs eine echt kirchliche und sie erweist sich wesentlich als eine Spiritualität der Communio, (104) die mit allen Kindern Gottes in der Eingliederung in Christus und in seine Jüngerschaft gemäß den Ansprüchen des Evangeliums gelebt wird. Die Spiritualität des Bischofs besitzt aber auch ein eigenes Spezifikum: In der Tat, insofern er Hirte, Diener des Evangeliums und Bräutigam der Kirche ist, muss er zusammen mit seinem Presbyterium die Liebe des Bräutigams Christus gegenüber seiner Braut, der Kirche, lebendig werden lassen, in der Intimität des Gebetes und in der Hingabe seiner selbst an die Brüder und Schwestern, damit er die Kirche mit erneuertem Herzen liebe und sie durch seine Liebe vereint in der Liebe bewahrt. Deshalb soll der Bischof unermüdlich mit allen Mitteln die Heiligkeit der Gläubigen fördern und er soll sich dafür einsetzen, dass das Volk Gottes durch die Feier der Sakramente in der Gnade wachse. (105)
(103) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 11.
(104) Vgl. ebd., 13.
(105) Vgl. c. 387 CIC.
Kraft der Gemeinschaft mit Christus, dem Haupt, kommt dem Bischof die strenge Verpflichtung zu, sich als der Förderer der Gläubigen zu erweisen, nämlich als Lehrer, Förderer und Beispiel der christlichen Vollkommenheit für die Kleriker, die durch die evangelischen Räte Geweihten und die Laien, gemäß deren je eigener Berufung. Aus diesem Grund muss er sich mit Christus vereinen in der Erkenntnis des Willens des Vaters, damit „der Geist des Herrn“ (1 Kor 2,16) gänzlich seine Art zu denken, zu fühlen und sich inmitten der Menschen zu verhalten in Anspruch nehme. Sein Ziel muss eine immer vollkommenere Heiligkeit sein, damit er in Wahrheit sagen kann: „Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme“ (1 Kor 11,1).
35. Marianische Spiritualität
Vom marianischen Profil der Kirche übernimmt die Spiritualität des Bischofs eine marianische Prägung. Das Bild der in Entstehung begriffenen Kirche, das Maria vereint mit den Aposteln und mit den Jüngern Jesu in einmütigem und ausdauernden Gebet und in Erwartung des Heiligen Geistes zeigt, bringt das unlösbare Band zum Ausdruck, das die Gottesmutter mit den Nachfolgern der Apostel verbindet. (106) Als Mutter sowohl der Gläubigen als auch der Hirten und als Modell und Typus der Kirche (107) unterstützt sie den Bischof in seinem inneren Bemühen der Gleichgestaltung mit Christus und in seinem kirchlichen Dienst. In der Schule Marias lernt der Bischof die Betrachtung des Antlitzes Christi, findet er Trost in der Erfüllung seiner kirchlichen Sendung und die Kraft, damit er die Frohe Botschaft vom Heil verkünden kann.
Die mütterliche Fürbitte Marias begleitet das vertrauensvolle Gebet des Bischofs, immer tiefer in die Wahrheiten des Glaubens eindringen und diesen unversehrt und treu bewahren zu können, so wie er im Herzen der Gottesmutter war, (108) um seine gläubige Hoffnung zu stärken, die er schon verwirklicht sieht in der „Mutter Jesu ... mit Leib und Seele verherrlicht“, (109) und um seine Liebe zu nähren, damit die mütterliche Liebe Marias die ganze apostolische Sendung des Bischofs beseele.
In Maria, die „dem pilgernden Volk Gottes auf Erden voranleuchtet“, (110) betrachtet der Bischof das, was die Kirche in ihrem Geheimnis ist; (111) in ihr sieht er schon die Vollkommenheit in der Heiligkeit erreicht, die er mit all seiner Kraft zu erreichen suchen muss, und er weist die Gläubigen, die ihm anvertraut sind, auf sie hin als das Vorbild der innigen Gemeinschaft mit Gott. (106) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 14.
(107) Vgl. Vat. II, LG 63.
(108) Vgl. Vat. II, LG 67; 64.
(109) Vgl. Vat. II, LG 68.
(110 Ebd.
(111) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 972.
Als „eucharistische Frau“ (112) lehrt Maria den Bischof, täglich sein Leben in der Messe darzubringen. Auf dem Altar macht er sich das fiat zu Eigen, mit dem die Gottesmutter sich selbst im glücklichen Augenblick der Verkündigung wie auch im schmerzvollen Moment unter dem Kreuz ihres Sohnes hingegeben hat.
Vor allem die Eucharistie, „Quelle und Höhepunkt der ganzen Evangelisierung“, (113) auf die alle Sakramente hingeordnet sind, (114) wird dafür sorgen, dass die marianische Frömmigkeit des Bischofs beispielhaft auf die Liturgie bezogen ist, in der die Jungfrau in besonderer Weise gegenwärtig ist in der Feier der Heilsgeheimnisse und in der sie für die ganze Kirche ein beispielhaftes Vorbild des Hörens und des Betens, der Hingabe und der geistlichen Mutterschaft ist.
(112) Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, 53–58.
(113) Vgl. Vat. II, PO 5.
(114) Vgl. ebd.
36. Das Gebet
Die geistliche Fruchtbarkeit des Dienstes des Bischofs hängt von der Intensität seines Lebens der Gemeinschaft mit dem Herrn ab. Es ist das Gebet, aus dem der Bischof Licht, Kraft und Trost für sein Handeln als Hirte schöpfen muss. Das Gebet ist für den Bischof wie der Stock, auf den er sich auf seinem täglichen Weg stützt. Der Bischof, der betet, wird nicht mutlos angesichts der Schwierigkeiten, wie groß sie auch sein mögen, weil er Gott nahe weiß und in seinen väterlichen Armen Schutz, Ruhe und Frieden findet. Indem er sich schließlich mit Vertrauen Gott gegenüber öffnet, öffnet er sich auch mit mehr Großmut gegenüber dem Nächsten und er wird fähig, die Geschichte entsprechend dem göttlichen Plan zu gestalten. Das Bewusstsein dieser Verpflichtung führt den Bischof dazu, dass er täglich die Eucharistie feiert und das Stundengebet verrichtet, dass er sich der eucharistischen Anbetung vor dem Tabernakel und dem Gebet des Rosenkranzes ebenso widmet wie der häufigen Betrachtung des Wortes Gottes und der lectio divina. (115) Diese Mittel nähren seinen Glauben und sein geistliches Leben, das notwendig ist, um in umfassender Weise die Liebe des Hirten in der Alltäglichkeit der Erfüllung des Dienstes, in der Gemeinschaft mit Gott und in der Treue zu seiner Sendung zu leben.
(115) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 15–17.
II. Die Tugenden des Bischofs
37. Die Übung der theologischen Tugenden
Es ist offenkundig, dass die Heiligkeit, zu welcher der Bischof berufen ist, die Übung der Tugenden und in erster Linie der theologischen Tugenden fordert, weil sie aufgrund ihrer Natur den Menschen direkt zu Gott lenken. Der Bischof, Mann des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, soll sein Leben nach den evangelischen Räten und nach den Seligpreisungen (vgl. Mt 5,1–12) richten, so dass auch er, wie es den Aposteln geboten worden war (vgl. Apg 1,8), Zeuge für Christus vor den Menschen sein kann, wahre und wirksame, getreue und glaubwürdige Urkunde der göttlichen Gnade, der Liebe und der anderen übernatürlichen Wirklichkeiten.
38. Die Hirtenliebe
Das Leben des Bischofs, das durch viele Lasten beschwert und aufgrund der großen Vielfalt der Tätigkeiten der Gefahr der Zerstreuung ausgesetzt ist, findet seine innere Einheit und seine Kraftquelle in der Hirtenliebe, welche zu Recht als Band der bischöflichen Vollkommenheit bezeichnet werden muss, und die wie eine Frucht der Gnade und des Charakters des Sakramentes des Episkopats ist. (116) „Der heilige Augustinus definiert die Ganzheit dieses bischöflichen Dienstes als amoris officium. Das schenkt die Gewissheit, dass die Hirtenliebe Jesu Christi in der Kirche niemals versiegen wird.“ (117) Die Hirtenliebe des Bischofs ist die Seele seines Apostolates. „Es handelt sich nicht nur um eine existentia, sondern sogar um eine pro-existentia, das heißt um ein Leben, das sich an dem höchsten, vom Herrn Jesus Christus selbst dargestellten Vorbild inspiriert, und sich daher völlig in der Anbetung des Vaters und im Dienst an den Brüdern verausgabt“. (118) Entfacht von dieser Liebe soll sich der Bischof der frommen Betrachtung und der Nachahmung Jesu Christi und seines Heilsplanes widmen. Die Hirtenliebe verbindet den Bischof mit Jesus Christus, mit der Kirche und mit der Welt, die es zu evangelisieren gilt, und sie macht ihn geeignet, um mit Würde und Sachverstand als Gesandter Christi (vgl. 2 Kor 5,20) zu dienen, um sich Tag für Tag für den Klerus und für das Volk zu verwenden, die ihm anvertraut sind, und um sich wie ein Opferlamm hinzugeben für die Brüder. (119) Weil er das Amt eines Hirten nicht mit der Aussicht auf Ruhe, sondern auf Mühe auf sich genommen hat, (120) soll der Bischof seine Autorität in der Haltung des Dienens ausüben und er betrachte sie als Berufung, der ganzen Kirche nach der Weisung des Herrn zu dienen. (121)
(116) Vgl. Vat. II, LG 21.
(117) Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 9; vgl. ebd., 42.
(118) Ebd., 13.
(119) Vgl. Vat. II, PO 14.
(120) Vgl. hl. Gregor der Große, Epist. II, 2, 3.
(121) Vgl. Origines, Is. Hom. IV, 1.
Der Bischof soll das vollkommene Vorbild der brüderlichen Liebe und der kollegialen Gesinnung sein, indem er den Koadjutorbischof, den Weihbischof und den emeritierten Bischof, das diözesane Presbyterium, die Diakone und die Gläubigen, vor allem die Ärmsten und die Hilfsbedürftigen, liebt und ihnen geistlich und mit sachlichen Mitteln hilft. Sein Haus soll ebenso wie sein Herz offen stehen um aufzunehmen, um Rat zu geben, um zu ermahnen und um zu trösten. Die Liebe des Bischofs soll sich auf die Hirten der Nachbardiözesen erstrecken, insbesondere auf jene, die derselben Metropolie angehören, und auf die Bischöfe, die ihrer besonders bedürfen. (122)
(122) Vgl. Vat. II, LG 23.
39. Der Glaube und die Haltung des Glaubens
Der Bischof ist ein Mann des Glaubens, und er entspricht dem, was die heilige Schrift über Mose sagt, der, als er das Volk aus Ägypten in das verheißene Land führte, „standhaft aushielt, als sähe er den Unsichtbaren“ (Hebr 11,27). Der Bischof soll im Licht des Glaubens alles beurteilen, alles tun und alles aushalten, und er soll die Zeichen der Zeit deuten (vgl. Mt 16,4), um das zu entdecken, was der Geist den Kirchen im Hinblick auf das ewige Heil sagt (vgl. Offb 2,7). Er wird dazu in der Lage sein, wenn er seinen Verstand und sein Herz nährt mit „den Worten des Glaubens und der guten Lehre“ (1 Tim 4,6), wenn er mit Sorgfalt sein theologisches Wissen pflegt und es immer mehr anreichert mit erprobten Lehren, alten und neuen, in voller Übereinstimmung hinsichtlich des Glaubens und der Sitten mit dem Papst und mit dem Lehramt der Kirche.
40. Die Hoffnung auf Gott, der seinen Verheißungen treu bleibt
Getragen vom Glauben an Gott, der ist „Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“ (Hebr 11,1), wird der Bischof von Ihm alles Gute erwarten und
sein ganzes Vertrauen auf die göttliche Vorsehung setzen. Mit dem heiligen Paulus wird er wiederholen: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt“ (Phil 4,13), eingedenk der heiligen Apostel und vieler heiliger Bischöfe, die, obwohl sie große Schwierigkeiten und Hindernisse jeder Art erfahren mussten, dennoch die Frohe Botschaft von Gott mit allem Freimut verkündet haben (vgl. Apg 4,29–31; 19,8; 28,31).
Die Hoffnung aber, die „nicht zugrunde gehen lässt“ (Röm 5,5), regt im Bischof den missionarischen Geist an, der ihn dazu veranlassen wird, die apostolischen Unternehmungen mit Erfindungsreichtum anzugehen, um sie mit Festigkeit voranzubringen und um sie bis zum Abschluss zu bringen. Der Bischof weiß nämlich, dass er von Gott, dem Herrn der Geschichte (vgl. 1 Tim 1,17) gesandt ist, um die Kirche aufzubauen an dem Ort und zu den „Zeiten und Fristen ..., die der Vater festgesetzt hat“ (Apg 1,7). Von hier her rührt auch jener gesunde Optimismus, den der Bischof persönlich leben soll, und der sozusagen auch auf die anderen, insbesondere auf seine Mitarbeiter, ausstrahlen soll.
41. Die pastorale Klugheit
Beim Weiden der ihm anvertrauten Herde wird dem Bischof die Tugend der Klugheit eine sehr große Hilfe sein; sie ist praktische Weisheit und die Kunst guter Leitung, die Handlungen erfordert, die angemessen und geeignet sind für die Verwirklichung des göttlichen Heilsplans sowie für das Erreichen des Wohls der Seelen und der Kirche, und die jede rein menschliche Überlegung hintanstellt.
Es ist daher notwendig, dass sich der Bischof bei seiner Art zu leiten sowohl an der göttlichen Weisheit orientiert, die ihn lehrt, die jenseitigen Gesichtspunkte der Dinge zu bedenken, als auch an der evangelischen Klugheit, die ihn mit der Gelehrsamkeit eines guten Baumeisters (vgl. 1 Kor 3,10) stets an die jeweiligen Erfordernisse des Leibes Christi denken lässt. Als umsichtiger Hirte soll sich der Bischof stets bereit zeigen, seine eigene Verantwortung zu übernehmen sowie das Gespräch mit den Gläubigen zu fördern, um sowohl die eigenen Zuständigkeitsbereiche zur Geltung zu bringen als auch die Rechte der anderen in der Kirche zu beachten. Die Klugheit wird ihn die legitimen Überlieferungen seiner eigenen Teilkirche bewahren lassen, aber zur selben Zeit wird er auch ein Förderer des lobenswerten Fortschrittes und ein leidenschaftlicher Sucher neuer Initiativen sein, aber immer unter Wahrung der erforderlichen Einheit. Auf diese Weise wird die diözesane Gemeinschaft auf einem Weg der gesunden Beständigkeit und einer gebührenden Anpassung an neue, rechtmäßige Erfordernisse voranschreiten.
Die pastorale Klugheit wird den Bischof auch dazu anhalten, sich stets das öffentliche Erscheinungsbild, das er abgibt und wie es in den sozialen Kommunikationsmitteln aufscheint, vor Augen zu halten, und er wird beurteilen, ob es günstig ist, an bestimmten Orten oder bei bestimmten gesellschaftlichen Zusammenkünften anwesend zu sein oder nicht. Im Bewusstsein seiner Rolle und unter Beachtung sowohl der Erwartungen, die er hervorruft, wie auch des Beispiels, das er geben muss, soll der Bischof gegenüber allen Höflichkeit, gutes Benehmen, Herzlichkeit, Freundlichkeit und Güte walten lassen als Zeichen seiner Väterlichkeit und Brüderlichkeit.
42. Die Stärke und die Demut
Weil, wie der heilige Bernhard schreibt, „die Klugheit die Mutter der Stärke ist (123) – Fortitudinis matrem esse prudentiam –“, muss auch diese vom Bischof geübt werden. Tatsächlich muss er nämlich im Ertragen der Widrigkeiten um des Reiches Gottes willen geduldig sein, wie er auch mutig und fest sein muss in seinen Entscheidungen, die er gemäß der rechten Norm trifft. Es ist die Stärke, die den Bischof nicht zögern lässt, gemeinsam mit den Aposteln zu sagen „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20), und die ihn ohne jede Furcht, die Gunst der Menschen zu verlieren, (124) nicht zaudern lässt, mutig im Herrn gegen jede Form des Missbrauchs und der Anmaßung vorzugehen.
Die Stärke muss durch die Milde gemäßigt werden nach dem Vorbild dessen, der „gütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29) ist. Bei der Leitung der Gläubigen soll der Bischof darum besorgt sein, den Dienst der Barmherzigkeit mit der Autorität der Leitung in Einklang zu bringen, die Milde mit der Stärke und die Vergebung mit der Gerechtigkeit, stets dessen eingedenk, dass „bestimmte Situationen tatsächlich nicht überwunden werden können mit Sprödigkeit oder Härte und auch nicht mit gebieterischer Haltung, sondern eher durch Belehrung als durch Befehl, durch Ermahnung als durch Drohung“. (125)
(123) Hl. Bernhard, De Consideratione, 1, 8.
(124) Vgl. hl. Gregor der Große, Regula pastoralis, II, 4.
(125) Vgl. hl. Augustinus, Epist. I, 22.
Gleichzeitig muss der Bischof mit Demut handeln, die aus dem Bewusstsein der eigenen Schwäche hervorgeht; sie ist – wie der heilige Gregor der Große unterstreicht – die erste der Tugenden. (126) Tatsächlich weiß er, dass er des Mitgefühls der Brüder wie auch aller anderen Christen bedarf, und wie sie ist er verpflichtet, um die eigene Rettung besorgt zu sein „mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12). Darüber hinaus bietet die tägliche Hirtensorge, die dem Bischof mehr Möglichkeiten anbietet, Entscheidungen nach eigenem Ermessen zu treffen, ihm auch in stärkerem Maße Gelegenheit zum Irrtum, wenn auch guten Glaubens: Dies führt ihn dazu, für den Dialog mit anderen offen zu sein und macht ihn geneigt, den Rat anderer zu erbitten und anzunehmen, wobei er stets bereit ist, zu lernen.
43. Der Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes
Christus, der „gehorsam war bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8), und dessen Speise es war, den Willen des Vaters zu tun (vgl. Joh 4,34), steht dem Bischof beständig vor Augen als das höchste Vorbild jenes Gehorsams, der die Ursache unserer Rechtfertigung war (vgl. Röm 5,19). Indem er sich Christus gleichförmig macht, leistet der Bischof einen hervorragenden Dienst für die Einheit und die Gemeinschaft der Kirche, und mit seinem Verhalten zeigt er, dass in der Kirche gerechterweise niemand den anderen befehlen kann, wenn er sich nicht zuvor anbietet als Vorbild des Gehorsams gegenüber dem Wort Gottes und der Autorität der Kirche. (127)
44. Der Zölibat und die vollkommene Enthaltsamkeit
Der Zölibat, der vor dem Empfang der heiligen Weihen feierlich versprochen wurde, verlangt vom Bischof, in der Nachfolge des jungfräulichen Jesus die Enthaltsamkeit „um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,12) zu leben, um so Gott und der Kirche gegenüber seine vollkommene Verfügbarkeit für den Dienst zu zeigen und um der Welt ein leuchtendes Zeugnis für das kommende Gottesreich zu geben. (128)
(126) Vgl. hl. Gregor der Große, Epist. VII, 5.
(127) Vgl. Vat. II, DV 10; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 19.
(128) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 21
Auch aus diesem Grund soll der Bischof im Vertrauen auf die göttliche Hilfe gerne die Abtötung des Herzens und des Leibes üben, und zwar nicht nur als asketische Übung, sondern auch und viel mehr um an sich selbst „das Todesleiden Christi“ (2 Kor 4,10) zu tragen. Schließlich darf der Bischof es nicht übersehen und keine Bemühung unterlassen, durch sein Beispiel und sein Wort sowie durch sein väterliches und wachsames Handeln der Welt gegenüber die Wahrheit einer sowohl in ihren Dienern als auch in ihren Gläubigen heiligen und keuschen Kirche aufzuzeigen. In den Fällen, in denen es insbesondere von Seiten der kirchlichen Amtsträger zu Situationen des Ärgernisses kommen sollte, muss der Bischof stark und entschieden, gerecht und ausgeglichen in seinen Maßnahmen sein. In solchen beklagenswerten Fällen ist der Bischof verpflichtet, gemäß den kanonischen Normen unverzüglich einzuschreiten, sei es zum geistlichen Wohl der betroffenen Personen, sei es zur Wiedergutmachung des Ärgernisses, sei es zum Schutz und zur Hilfe der Opfer. Indem er so handelt und in vollkommener Keuschheit lebt, geht der Hirte seiner Herde voran wie Christus, der Bräutigam, der sein Leben für uns hingegeben hat und der uns allen das Beispiel einer reinen und jungfräulichen und von daher auch fruchtbaren und universalen Liebe hinterlassen hat.
45. Die affektive und die effektive Armut
Um vor der Welt und vor der christlichen Gemeinschaft ein Zeugnis für das Evangelium abzulegen, muss der Bischof mit den Taten und mit den Worten dem ewigen Hirten folgen: „Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen“ (2 Kor 8,9). (129) Deshalb muss er tatsächlich und in seinem Erscheinen arm sein, er wird unermüdlich großzügig sein im Almosengeben und ein bescheidenes Leben führen, das, ohne die Würde seines Amtes zu berühren, den sozioökonomischen Gegebenheiten seiner Kinder Rechnung tragen wird. Wie das Konzil ermahnt, soll er sich darum bemühen, alles zu vermeiden, was in irgendeiner Weise dazu führen kann, dass die Armen sich abwenden, und mehr noch als alle anderen Jünger des Herrn soll er darauf achten, in den eigenen Angelegenheiten jeden Anschein von Eitelkeit zu vermeiden. Er soll die eigene Wohnung so einrichten, dass sie niemandem als unzugänglich erscheint, und dass sich niemand, auch wenn er aus sehr einfachen Verhältnissen kommt, in ihr unwohl fühlt. (130) Einfach im Verhalten soll er danach trachten, mit allen freundlich umzugehen, und er soll niemals eine Bevorzugung pflegen unter dem Vorwand des Vermögens oder der sozialen Stellung.
Er soll sich gegenüber allen als Vater erweisen, in besonderer Weise aber gegenüber den Menschen, die in bescheidenen Verhältnissen leben: Er weiß, dass er, wie Jesus (vgl. Lk 4,18) mit dem Heiligen Geist gesalbt wurde und dass er vor allem dazu gesandt ist, den Armen das Evangelium zu verkünden. „In dieser Perspektive des Teilens und der Einfachheit verwaltet der Bischof die Güter der Kirche wie ein guter Hausvater und wacht darüber, dass sie gemäß den eigenen Zwecke der Kirche eingesetzt werden: Gottesdienst, Unterhalt der Amtsträger, Apostolatswerke, caritative Initiativen für Arme“. (131)
Er soll rechtzeitig sein Testament errichten und dabei verfügen, dass, wenn ihm etwas als vom Altar kommend übrig bleibt, dieses gänzlich an den Altar zurückfließen soll.
(129) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 20.
(130) Vgl. Vat. II, PO 17.
(131) Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis,
46. Beispiel der Heiligkeit
Die Ausrichtung auf die Heiligkeit erfordert vom Bischof, dass er mit Ernst das innere Leben pflegt mit den Mitteln der Heiligung, die jedem Christen nützlich und notwendig sind, besonders aber einem Mann, der vom Heiligen Geist dazu geweiht ist, die Kirche zu leiten und das Reich Gottes auszubreiten. Vor allem soll er danach streben, getreu und unverdrossen die Pflichten seines bischöflichen Dienstes zu erfüllen (132) als Weg seiner eigenen Berufung zur Heiligkeit. Als Haupt und Vorbild der Priester und der Gläubigen soll er vorbildhaft die Sakramente empfangen, die für ihn ebenso wie für jedes Glied der Kirche erforderlich sind, um sein geistliches Leben zu nähren. Insbesondere soll der Bischof das Sakrament der Eucharistie, das er täglich und vorzüglich in gemeinschaftlicher Form feiern soll, zum Mittelpunkt und zur Quelle seiner Heiligung machen. Er soll häufig das Sakrament der Buße empfangen, um sich mit Gott zu versöhnen und er selbst soll Diener der Versöhnung im Volk Gottes sein. (133) Wenn er erkrankt und wenn er sich in Lebensgefahr befindet, soll er sich gehalten fühlen, in feierlicher Form und unter Teilnahme von Klerus und Volk die Krankensalbung und die Wegzehrung zu empfangen zur gemeinsamen Auferbauung.
Er soll versuchen, sich monatlich eine angemessene Zeit für geistliche Besinnung sowie jährlich für Exerzitien frei zu halten. Trotz der vielfältigen Verpflichtungen und Tätigkeiten wird so sein Leben fest auf den Herrn gebaut sein und er wird in der Ausübung seines bischöflichen Dienstes selbst den Weg der Heiligung finden.
(132) Vgl. c. 276 § 2 CIC; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores Gregis, 11.
(133) Vgl. ebd., 13.
47. Die menschlichen Anlagen
Bei der Ausübung seiner heiligen Vollmacht muss sich der Bischof als reich an Menschlichkeit erweisen, so wie Jesus, der vollkommene Mensch. Deshalb müssen in seinem Verhalten jene Tugenden und menschlichen Anlagen widerscheinen, die aus der Liebe hervorgehen und die zu Recht in der Gesellschaft geschätzt werden. Jene Anlagen und menschlichen Tugenden helfen der pastoralen Klugheit und erlauben es ihr, sich beständig in Akte der klugen Seelsorge und der guten Leitung umzusetzen. (134)
Unter diesen Anlagen soll an folgende erinnert werden: Eine reiche Menschlichkeit, ein guter und aufrechter Geist, ein beständiger und ehrlicher Charakter, ein offener und weit blickender Verstand, Einfühlsamkeit für die Freuden und Leiden anderer, ein hohes Maß an Selbstkontrolle, Freundlichkeit, Geduld und Zurückhaltung, eine gesunde Neigung zum Dialog und zum Zuhören sowie eine gewohnheitsmäßige Bereitschaft zum Dienst. (135) Diese Eigenschaften müssen vom Bischof immer gepflegt und beständig gefördert werden.
(134) Vgl. Vat. II, LG 24–27; CD 13; 16; 28.
(135) Vgl. Vat. II, PO 3.
48. Das Vorbild heiliger Bischöfe
Bei seinem Dienst soll der Bischof auf das Vorbild der heiligen Bischöfe schauen, deren Leben, Lehre und Heiligkeit im Stande sind, seinem geistlichen Weg Orientierungshilfe zu geben. Unter den zahlreichen heiligen Hirten findet er als Führer, angefangen bei den Aposteln, die großen Bischöfe der ersten Jahrhunderte der Kirche, die Gründer der Teilkirchen, die Glaubenszeugen in Zeiten der Verfolgung, die großen Erneuerer der Diözesen nach Verfolgungen und Katastrophen, diejenigen, die sich für die Kranken und die Notleidenden durch den Bau von Pflegeheimen und Krankenhäusern e

References: § 1
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 Art. 7
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 Art. 9
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 § 2
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 § 1
 § 2
 Art. 82
 § 2
 § 1
 § 1
 § 2
 § 1
 § 2
 § 1
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 Art. 1
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