Source: https://de.scribd.com/book/336368437/Das-Recht-in-der-Heilerziehungs-und-Altenpflege-Lehrbuch-fur-die-Aus-und-Weiterbildung
Timestamp: 2020-06-01 13:56:38+00:00

Document:
Lesen Sie Das Recht in der Heilerziehungs- und Altenpflege von Theo Kienzle online | Bücher | Kostenlose 30-Tage-Testversion | Scribd
Für später speichernDas Recht in der Heilerziehungs- und Altenpflege: Lehrbuch für die Aus- und Weiterbildung für später speichern
Von Theo Kienzle
Länge: 747 Seiten5 Stunden
Ausbildungsplan und Nachweisheft für die praktische Altenpflegeausbildung: Kompetenz- und Lernfeldorientierung gemäß AltPflAPrV
Autor Friedhelm Henke
Autor Johannes Schiebener
Demenz und Recht: Würde und Teilhabe im Alltag zulassen
Autor Thomas Klie
Ernährungsmanagement: Leitfaden für Pflegende zur Umsetzung des Expertenstandards
Autor Barbara Pews
Die biografische Haltung: Der rote Faden im Pflegealltag
Autor Barbara Kerkhoff
Basiswissen Altenpflege: Gesundheit und Krankheit im Alter
Autor Annette Kulbe
Autor Stephan Kostrzewa
Traumberuf Altenpflege: Strategien für mehr Zufriedenheit
Autor Ursula Beckmann
Autor Isabel Althoff
Autor Heike Jurgschat-Geer
Das Recht in der Heilerziehungs- und Altenpflege - Theo Kienzle
Teil 1 Gemeinschaftskunde
1 Prinzipien der deutschen Demokratie
Der Begriff Demokratie bedeutet, dass die Staatsgewalt vom Volk ausgeht, abgeleitet von dem griechischen Wort »demos« = »Volk«.
Da in Deutschland mit dem Grundgesetz eine repräsentative Demokratie festgelegt wurde, wird die »Gewalt« auf Abgeordnete übertragen. Die wahlberechtigten Bürger wählen für eine Legislaturperiode einen Vertreter, den Abgeordneten, der dann stellvertretend für sie im Parlament (Bundestag, Landtag etc.) sitzt. Bezüglich der Wahl der Abgeordneten und sonstigen Volksvertreter gelten folgende Wahlgrundsätze:
• allgemein,
• unmittelbar,
• geheim,
• frei und
• gleich.
Grundlage ist Art. 38 Abs. 1 GG. Diese Wahlgrundsätze lassen sich wie folgt erläutern:
• allgemein: Jeder Bürger, der das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, kann wählen (aktives Wahlrecht) oder gewählt werden (passives Wahlrecht).
• unmittelbar: Die Abgeordneten werden direkt in das Parlament gewählt, ohne Wahlmänner oder ähnliche.
• frei: Niemand kann gezwungen werden zu wählen oder sich für eine bestimmte Partei zu entscheiden.
• gleich: Jede Stimme zählt gleich.
• geheim: Der Wähler muss seine Wahlentscheidung nicht offenbaren und er muss durch Wahlkabinen etc. bei der Stimmabgabe vor einer Kenntnisnahme durch Dritte geschützt werden.
Die verfassungsrechtlichen Grundlagen des Wahlrechts finden sich im Grundgesetz:
• Art. 20 Abs. 2 GG: »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.«
• Art. 21 Abs. 1 GG: »Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.«
• Art. 38 Abs. 1 GG: »Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.«
• Art. 38 Abs. 2 GG: »Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat; wählbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljährigkeit eintritt.«
Die Ausgestaltung des speziellen Wahlrechts und die Verwirklichung der obigen Grundsätze erfolgt durch das Bundeswahlgesetz. Dort ist unter anderem festgelegt, dass zur Durchführung der Wahl das Bundesgebiet in einzelne Wahlkreise eingeteilt wird.
Wahlberechtigt ist jeder Bürger, somit jeder Deutsche, nach Vollendung des achtzehnten Lebensjahres. Auch Deutsche, die sich im Ausland aufhalten, sind wahlberechtigt. Weitere Voraussetzung ist, dass seit mindestens drei Monaten ein Aufenthalt im Bundesgebiet als Deutscher vorliegt. Wählen kann aber nicht derjenige, der vom Wahlrecht durch
• richterliche Aberkennung,
• die Bestellung eines Betreuers für alle Angelegenheiten oder
• den Maßregelvollzug (§§ 20, 63 StGB)
ausgeschlossen ist. Die richterliche Aberkennung kann gemäß § 45 Abs. 5 StGB nur bei besonderen Straftaten, folglich nur in Ausnahmefällen, erfolgen. Außerdem ist nach § 13 Nr. 2 BWG derjenige nicht wahlberechtigt, für den ein Betreuer für alle Angelegenheiten bestellt ist.
Die Ausübung der Wahl erfolgt durch die persönliche Stimmabgabe im Wahlkreis oder mittels Briefwahl bei Verhinderung der Stimmabgabe. Behinderte Personen können gemäß § 33 Abs. 2 BWG eine Person ihres Vertrauens zum Wahlvorgang mit in die Kabine nehmen und sich von dieser helfen lassen. Für das passive Wahlrecht (Wählbarkeit) gilt als Altersgrenze wieder die Vollendung des achtzehnten Lebensjahres.
Bei der Wahl zum Parlament des Bundes und der Länder hat jeder Bürger zwei Stimmen: Die Erststimme für den Wahlkreisabgeordneten, wobei der Kandidat des Wahlkreises mit der Mehrheit der Stimmen gewählt ist (Mehrheitswahl), sowie die Zweitstimme für die Landesliste der Partei. Die Anzahl der Zweitstimmen für eine Liste legt die Anzahl der Abgeordneten dieser Partei im Bundestag fest (Verhältniswahl).
Ein besonderes Wahlsystem gilt bei Kommunalwahlen in Baden-Württemberg (Stadtrat, Gemeinderat etc.):
• Es können die Stimmen kumuliert, d. h. einem Bewerber bis maximal drei Stimmen zugewiesen werden. Dadurch sind zwei Stimmen »zu viel«, weshalb zwei andere Bewerber gestrichen werden müssen.
• Außerdem kann panaschiert werden. Ein Bewerber kann von einer anderen Liste übernommen werden. Dafür muss jedoch ein anderer Kandidat auf der Liste gestrichen werden, auf der der Kandidat hinzukommt.
Der Name »Bundesrepublik« kennzeichnet den Staat als Republik. Abgeleitet ist er vom lateinischen res publica.
Res publica bedeutet, dass das Staatsoberhaupt nicht durch Erbfolge bestimmt wird wie in der Monarchie, sondern gewählt wird.
Das deutsche Staatsoberhaupt, der Bundespräsident, wird durch die Bundesversammlung gewählt. Die Bundesversammlung setzt sich jeweils zur Hälfte aus den Abgeordneten des Bundestages und den Vertretern der Bundesländer zusammen (Art. 54 GG). Die Amtsdauer des Bundespräsidenten beträgt fünf Jahre, und er kann nur einmal wiedergewählt werden.
1.2 Rechtsstaat
Nach Art. 20, 28 Abs. 1 Satz 1 GG ist die Bundesrepublik Deutschland ein Rechtsstaat. Dieser ist durch drei Grundsätze gekennzeichnet:
• Gewaltenteilung,
• Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsmäßige Ordnung und
• Gesetzmäßigkeit der Verwaltung.
Die Gewaltenteilung besagt, dass drei Gewalten existieren, die voneinander zu trennen sind. Diese Gewalten sind
• die gesetzgebende Gewalt = Legislative,
• die ausführende Gewalt = Exekutive und
• die richterliche Gewalt = Judikative.
Diese Organe sollen ihre Aufgaben unabhängig voneinander erfüllen und sich gegenseitig kontrollieren. Die Gewaltenteilung ist deshalb ein wesentliches Instrument zur Sicherung der Demokratie.
Die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsmäßige Ordnung soll sichern, dass der Gesetzgeber sich nicht über die Verfassung hinwegsetzen kann.
Die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung soll den Bürger vor willkürlichen Handlungen schützen, denn die Verwaltung darf nur im Rahmen der Gesetze handeln.
Eine enge Verbindung besteht zwischen den Vorgaben einer Rechtsordnung in zivilisierten Staaten und gesellschaftlichen Begriffen wie Ethik, Sitte und Moral. Die anerkannten moralischen und sittlichen Grundsätze wie auch christliche Werte (z. B. 10 Gebote) sind innerhalb der Rechtsordnung in den Grundrechten (z. B. Menschenwürde, Freiheitsrecht), dem Zivilrecht (z. B. Schutz des Lebens, Körpers und von vertraglichen Verhältnissen mit der Folge von Schadensersatz bei deren Verletzung etc.), im Strafrecht (z. B. Schutz des Eigentums und des Lebens) sowie im Verwaltungs- und Polizeirecht umgesetzt worden. Das Recht stellt gerade die Verankerung ethischer, sittlicher und moralischer Grundsätze in einer Gesellschaft dar.
1.2.1 Gesetzgebung
Für den Erlass von Gesetzen ist die Legislative (Gesetzgebung) zuständig. Die Legislative ist vom Volk gewählt. Auf Bundesebene ist dies der Bundestag, auf Länderebene der Landtag, in Städten und Gemeinden der Stadtrat bzw. Gemeinderat.
Die Länder sind im Gesetzgebungsverfahren über den Bundesrat an jedem Gesetz beteiligt. Sofern das entsprechende Gesetz die besonderen Interessen der Länder betrifft (Zustimmungsgesetze), hat der Bundesrat sogar das Recht, ein vom Bundestag beschlossenes Gesetzes zu blockieren. Ist in einem solchen Fall keine Einigung zwischen Bundestag und Bundesrat möglich, so muss der Vermittlungsausschuss eingeschaltet werden (Art. 77 Abs. 2 GG). Der Vermittlungsausschuss setzt sich aus Mitgliedern des Bundestages und des Bundesrates zusammen.
Die Anregung zum Erlass neuer Gesetze, die Gesetzesinitiative, kann von
• der Bundesregierung,
• dem Bundestag (mindestens 5 % der Abgeordneten) oder
• dem Bundesrat ausgehen.
Bei der Gesetzesinitiative wird ein Gesetzentwurf vorgelegt, der dann in erster Lesung, der ersten Beratung im Bundestag, behandelt wird. Danach kommt er in einen der Fachausschüsse. Anschließend gibt es eine zweite und dritte Lesung im Bundestag. Nach der dritten Lesung kommt es zur Schlussabstimmung, d. h. der Verabschiedung. Gesetze, die das Grundgesetz ändern, müssen mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmen des Bundestages verabschiedet werden und die Bundesländer müssen ebenfalls mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit zustimmen.
Die beschlossenen Gesetze werden vom Bundeskanzler gegengezeichnet und vom Bundespräsidenten ausgefertigt und damit rechtsgültig. Mit der Verkündung im Bundesgesetzblatt tritt das Gesetz in Kraft, sofern kein späterer anderer Zeitpunkt bestimmt ist.
1.2.2 Sonstige Staatsorgane
1.2.2.1 Exekutive
Die Exekutive ist als ausführende Gewalt für die Durchführung der Gesetze verantwortlich. Auf Bundesebene zählen zur Exekutive
• der Bundespräsident,
• die Bundesregierung und
• die Bundesverwaltung.
Auf Länder- und Kreisebene zählen zur Exekutive
• die Landesregierung,
• die Landesverwaltung einschließlich der Regierungspräsidien,
• die Polizei und
• sonstige Behörden und Ämter (Regierungspräsidium, Stadtverwaltung etc.).
Die Funktion des Bundespräsidenten ist schwach. Er hat im Wesentlichen nur repräsentative Aufgaben, d. h. er vertritt die Bundesrepublik nach außen. Er hat außerdem die Pflicht zur Ausfertigung von Gesetzen nach deren Verabschiedung.
Der Bundeskanzler wird nach der Wahl des Bundestages auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag gewählt und anschließend vom Bundespräsidenten ernannt. Der Bundeskanzler ist dem Bundestag während seiner Amtszeit verantwortlich. Soll eine Ablösung des Bundeskanzlers erfolgen, gibt es zwei Möglichkeiten:
• Ein neuer Bundeskanzler wird gewählt (konstruktives Misstrauensvotum) oder
• der Kanzler selbst stellt die Vertrauensfrage. Er stellt den Antrag, ihm das Vertrauen auszusprechen. Stimmt die Mehrheit des Bundestages gegen ihn, kann der Bundespräsident auf Vorschlag des Bundeskanzlers den Bundestag innerhalb von 21 Tagen auflösen (Art. 68 GG). Dann sind Neuwahlen erforderlich. Die Auflösung kann durch die Wahl eines neuen Bundeskanzlers verhindert werden.
Der Bundeskanzler schlägt die Bundesminister vor, die anschließend vom Bundespräsidenten formell ernannt werden (Art. 64 GG). Der Bundeskanzler bestimmt auch die Richtlinien der Politik (Art. 65 GG), d. h. die Grundzüge der Tätigkeit der Regierung.
Aufgaben der Bundesregierung sind
• Erarbeiten von Gesetzesvorlagen,
• Erlass von Rechtsverordnungen,
• Aufsicht über die Länder hinsichtlich der Ausführung von Bundesgesetzen,
• Erlass von Verwaltungsvorschriften.
1.2.2.2 Judikative
Die Rechtsprechung(Judikative) ist die höchste Kontrollinstanz. An ihrer Spitze steht das Bundesverfassungsgericht, das darüber wacht, ob Legislative
Abb. 1: Gesetzgebungsverfahren
und Exekutive die Verfassung bei Gesetzen und Maßnahmen beachten.
In den Bundesländern wiederum existieren weitere Verfassungs- oder Staatsgerichtshöfe, die die Einhaltung der Landesverfassung kontrollieren. Die Richter des Bundesverfassungsgerichts werden je zur Hälfte vom Bundestag und vom Bundesrat gewählt.
Die Rechtsprechung ist in verschiedene Gerichtszweige und verschiedene Instanzen gegliedert. Höchste Instanz ist das jeweilige Bundesgericht. Es werden die ordentliche Gerichtsbarkeit mit Straf- und Zivilabteilung sowie die Verwaltungs-, die Finanz-, die Arbeits- und die Sozialgerichtsbarkeit unterschieden.
Die Tabelle 1 zeigt den Gerichtsaufbau.
Tab. 1: Gerichtsaufbau
1.2.3 Rechte des Bundes, der Länder, der Städte und Gemeinden
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Bundesstaat. Sie setzt sich aus 16 Bundesländern zusammen:
• Thüringen.
Die Bundesländer besitzen für bestimmte Bereiche eine verfassungsrechtlich geschützte Selbstständigkeit. So können die Länder in manchen Bereichen eigenständig Gesetze erlassen, wie beispielsweise die
• Landespolizeigesetze
• Kommunalgesetze
• Unterbringungsgesetze und
• Schul- und Kultusgesetze.
Die Länder müssen sich in ihrem Kompetenzbereich bundesfreundlich verhalten. Deshalb müssen die Schulgesetze so weit übereinstimmen, dass ein Schüler ohne Probleme in ein anderes Bundesland wechseln kann.
Die Gemeinden und Städte sind so genannte Gebietskörperschaften. Durch Art. 28 Abs. 2 GG haben sie das Recht, alle Angelegenheiten » der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln«. Diese so genannte Selbstverwaltung umfasst auch die finanzielle Eigenverantwortung. Dies bedeutet, dass die Gemeinde oder Stadt durch Satzungen Angelegenheiten wie die Nutzung des Friedhofs, Abgaben und Gebühren, Abfallbeseitigung, Bebauung des Gemeindegebietes, Wasserversorgung und Beseitigung von Abwässern etc. regeln kann. Die Satzung darf jedoch nicht gegen höherrangiges Recht, beispielsweise Gesetze, verstoßen. Das zuständige »Gesetzgebungsorgan« der Gemeinde bzw. Stadt ist der Gemeinderat bzw. Stadtrat.
1.3 Sozialstaat
Das Grundgesetz legt in Art. 20 Abs. 1 fest, dass die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist. Damit wurde die verfassungsrechtliche Grundlage für den Sozialstaat geschaffen. Das Sozialstaatsgebot verpflichtet den Staat, wirtschaftlich schwachen Menschen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Jeder soll einen wirtschaftlichen und kulturellen Mindeststandard, zumindest das Existenzminimum, haben. Besonders den Hilfsbedürftigen, den sozial Schwachen und Behinderten soll diese besondere Fürsorge des Staates zukommen, und es sollen soziale Gegensätze ausgeglichen werden. Unterstützt wird die oben genannte Pflicht durch das Benachteiligungsverbot für Behinderte in Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG:
Dadurch wurden die Rechte behinderter Menschen erheblich gestärkt.
Merkmal des Sozialstaats sind insbesondere die Sozialversicherungen. Diese sind
• die Arbeitslosenversicherung,
• die Krankenversicherung,
• die Rentenversicherung,
• die (gesetzliche) Unfallversicherung und
• die Pflegeversicherung.
Personen, die unterhalb des Existenzminimums leben müssen, sollen im »untersten sozialen Netz« der Sozialhilfe oder der Grundsicherung aufgefangen werden.
Das Sozialstaatsprinzip übt auch einen Einfluss auf die Wirtschaftsordnung aus. Die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik ist die soziale Marktwirtschaft.
Soziale Marktwirtschaft bedeutet, dass der Staat die (gesetzlichen) Rahmenbedingungen dafür schafft, dass sich eine funktionsfähige Wirtschaft als soziale Wettbewerbswirtschaft ohne marktbeherrschende Einflüsse entfalten kann.
1.4 Politische Einflussnahme
Der Bürger hat in einem demokratischen Staat verschiedene Möglichkeiten, politisch Einfluss zu nehmen.
Zuerst und im Wesentlichen bestimmt der Bürger die Art der Politik durch sein Wahlrecht. Dazu kann er sich einer politischen Partei anschließen, d. h. dort Mitglied werden. Die Parteien werden im Grundgesetz in Art. 21 GG als Teil der verfassungsmäßigen Ordnung garantiert. Nach diesem Verfassungsartikel wirken die Parteien bei der politischen Willensbildung des Volkes mit und ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muss demokratischen Grundsätzen entsprechen.
Zusätzlich können sich die Menschen in Form einer so genannten Bürgerinitiative organisieren. Die Bürgerinitiative ist ein Zusammenschluss von Personen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen.
In der Praxis bekannt sind Bürgerinitiativen gegen den Bau einer Autobahn oder Bahntrasse, gegen den Betrieb eines Atomkraftwerkes oder nur zur Installation eines gesicherten Fußgängerüberweges zum Schutz der Kinder. Die Bürgerinitiativen haben den Vorteil, dass der Bürger dort direkt auf die Politik Einfluss nehmen kann.
Ein wesentliches Instrument der Bürgerinitiativen ist die Nutzung der Medien, d. h. Presse, Radio und Fernsehen, um auf ihre Ziele aufmerksam zu machen und auf die Politik Druck auszuüben. Auch ansonsten sind die Medien ein wesentliches Instrument zur Sicherung der Demokratie, weshalb sie im Grundgesetz über Art. 5 GG (freie Meinungsäußerung) geschützt sind:
Schließlich hat jeder Bürger das Recht, sich an einen der Petitionsausschüsse des Bundes¹ oder der Bundesländer zu wenden. Dort wird seine Beschwerde geprüft und unter Umständen Abhilfe angeregt.
1.5 Grundrechte
Grundlage der Demokratie der Bundesrepublik Deutschland sind die Grundrechte. Sie sind so genannte Abwehrrechte gegen Willkür des Staates. Teilweise wirken Grundrechte auch unmittelbar zwischen den Bürgern.
Ein Arbeitgeber darf Frauen weder am Arbeitsplatz noch bei der Auswahl benachteiligen, da dies gegen den Gleichheitsgrundsatz des Art. 3 GG verstößt.
Die Grundrechte sind eng verwandt mit den Menschenrechten. Das Grundgesetz hat die Menschenrechte in besonderem Umfang geschützt.
Die Grundrechte sind nicht nur Abwehrrechte, d. h. sie schützen den Bürger vor staatlichen Eingriffen, sondern auch Anspruchsrechte, d. h. sie geben den Bürgern Ansprüche gegen den Staat. An dieser Stelle sollen nur einige wichtige Grundrechte dargestellt werden, die ihre Wirkung insbesondere im Bereich der Heilerziehungs- und Altenpflege sowie der Krankenpflege entfalten.
Schutz der Menschenwürde (Art. 1 GG): Die Würde jedes Menschen stellt das höchste Gut in der Wertordnung des Grundgesetzes dar.
Die Würde jedes Menschen ist unabhängig von Eigenschaften (Krankheit, Behinderung, Geschlecht, Rasse), Alter und Einsichtsfähigkeit als eines der höchsten Rechtsgüter geschützt. Die Menschenwürde hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, auf die Sammlung von persönlichen Informationen, auf die Möglichkeiten der Einflussnahme auf medizinische Behandlungen, auf die Unterbringung psychisch kranker Menschen und die Art und Weise des Umgangs mit Heimbewohnern, wie z. B. die Wahrung der Intimsphäre, den Verzicht auf vermeidbare freiheitsbeschränkende Maßnahmen, die Nahrungsangebote sowie die Freizeit- und Wohnraumgestaltung.
Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 Abs. 1 GG): Jeder Bürger hat das Recht, seinen Lebensbereich selbst nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten, soweit er dadurch nicht andere in ihren Rechten verletzt.
Dieser Artikel garantiert das Recht auf Selbstbestimmung, auch des Behinderten und alten Menschen in einer Einrichtung. Diese Selbstbestimmung umfasst die Gestaltung der Freizeit, die Verwendung des persönlichen Geldes (Taschengeld, Barbetrag etc.), die Partnersuche, die Gestaltung des Wohnraums und die Auswahl der Kleidung, Musik etc.
Freiheit der Person, Leben, körperliche Unversehrtheit (Art. 2 Abs. 2 GG): Diese Rechtsgüter werden besonders geschützt, Einschränkungen sind nur aufgrund von Gesetzen und eines Richterspruchs möglich.
Aus diesem Grund muss für die Unterbringung psychisch kranker Menschen oder gar der Zwangsbehandlung eine gesetzliche Grundlage bestehen. Dies gilt selbstverständlich auch für sonstige Zwangsmaßnahmen und freiheitsbeschränkende Maßnahmen. Ergänzt wird dieses Grundrecht durch den Anspruch auf Nachprüfung aller staatlichen Maßnahmen durch ein Gericht (Art. 19 Abs. 4 GG) und das Recht, dass immer ein Richter über freiheitsentziehende Maßnahmen entscheiden muss (Art. 104 GG). Durch Art. 2 Abs. 2 GG werden auch die staatlichen Organe dazu verpflichtet, Leben, körperliche Unversehrtheit und Freiheit zu schützen.
Gleichheitsgrundsatz (Art. 3 GG): Dieses Grundrecht verbietet die Ungleichbehandlung gleicher Sachverhalte, insbesondere Ungleichbehandlungen wegen des Geschlechts, der Rasse und der Religion. Danach sind alle Menschen gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. …
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, … benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Besonders wichtig ist das Verbot der Benachteiligung Behinderter. Dieses Grundrecht soll nicht nur die Diskriminierung behinderter Menschen verhindern, sondern diesen auch Rechte auf gesellschaftliche Maßnahmen geben. Dies kommt auch im neuen Sozialgesetzbuch IX (SGB IX), dem Gesetz zur »Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen« zum Ausdruck.
Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit (Art. 4 GG): Dieses Grundrecht schützt die Freiheit der Religionsausübung und der weltanschaulichen Überzeugung. Es beinhaltet auch die Möglichkeit, Zivildienst anstatt Wehrdienst zu wählen.
In der Praxis der Alten- und Heilerziehungspflege sowie in psychiatrischen Einrichtungen ist aufgrund dieses Grundrechts unter anderem die freie Religionsausübung zu ermöglichen.
Schutz von Ehe und Familie (Art. 6 GG): Die Ehe und die Familie sind vom Staat zu schützen. Die Erziehung der Kinder ist Aufgabe der Eltern.
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht….
(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur …. von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.
Der Staat hat durch dieses Grundrecht auch die Verpflichtung, die Familie insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht zu fördern und bei behinderten Müttern zu prüfen, ob diese nicht mit staatlichen Hilfen in der Lage sind, ihre Kinder selbst zu versorgen. Die Wegnahme des Kindes von der Mutter darf deshalb nur das letzte Mittel sein.
Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Art. 10 GG): Mitteilungen, die auf dem Postweg oder über das Telefon gemacht werden, sind vor den Staatsorganen geschützt. Ausnahmen müssen gesetzlich geregelt werden.
(2) Beschränkungen dürfen nur aufgrund eines Gesetzes angeordnet werden.
Dies bedeutet, dass auch der Bewohner eines Heims das Recht zu ungehindertem Empfang von Post und zum Telefonieren ohne »Mithörer« hat. Wer dies nicht beachtet, begeht sogar eine Straftat nach § 202 StGB.
Freiheit der Berufswahl (Art. 12 GG): Danach kann jeder seinen Beruf selbst ohne Einfluss des Staates wählen. Der Staat darf den Zugang zum Beruf auch nicht durch zu hohe Hürden erschweren.
(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder aufgrund eines Gesetzes geregelt werden.
Dies bedeutet auch, dass bei Prüfungsordnungen und der Prüfung selbst alle rechtsstaatlichen Regeln zu beachten und willkürliche Entscheidungen verboten sind.
Unverletzlichkeit der Wohnung (Art. 13 GG): Danach ist die Wohnung jedes Menschen ein besonders geschützter Bereich.
Der Begriff Wohnung ist auch dahingehend zu verstehen, dass auch die Zimmer der jeweiligen Heimbewohner geschützt sind und Dritte diese nur mit deren Zustimmung betreten dürfen.
2 Öffentliche Verwaltung
Die öffentliche Verwaltung, d. h. die Ämter und Behörden, ist Teil der Exekutive und an rechtsstaatliche Grundsätze gebunden. Dies bedeutet, dass sie den betroffenen Bürgern zu dienen, ihre Aufgaben effizient wahrzunehmen und bei ihren Entscheidungen die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu beachten hat, d. h. keine Entscheidungen treffen darf, die den Bürger unangemessen benachteiligen. Sie muss außerdem stets im pflichtgemäßen Ermessen entscheiden, was bedeutet, dass bei jeder Entscheidung alle Aspekte gewürdigt werden, auch diejenigen, die zu Gunsten des Bürgers sprechen. Es gilt in diesem Zusammenhang sowohl im allgemeinen Verwaltungsverfahren als auch im Sozialverfahren der Untersuchungsgrundsatz, d. h. die Behörde muss den Sachverhalt umfassend ermitteln. Im Verwaltungsverfahren gilt nach § 24 VwVfG:
(1) Die Behörde ermittelt den Sachverhalt von Amts wegen. …
Im Sozialverfahren ist dazu analog in § 20 SGB X geregelt:
Die zuständige Behörde ist darüber hinaus dazu verpflichtet, den Bürger zu beraten und die erforderlichen Auskünfte zu erteilen. Dies regelt im allgemeinen Verwaltungsverfahren § 25 VwVfG:
und im Sozialverfahren § 14 SGB I:
Bei Verletzung der Beratungspflicht kann der Bürger sogar eine Art von Schadenersatzanspruch, den sozialrechtlichen Herstellungsanspruch geltend machen.
Die weiteren Einzelheiten zum Verwaltungs- und Sozialverfahren sind weiter unten in Teil 5, Abschnitt 1 und 2 behandelt.
1 Petitionsausschuss Bundestag:
Deutscher Bundestag, Petitionsausschuss,
Platz der Republik 1, 11011 Berlin;
Fax: 030/22776053, Email: Vorzimmer@peta.bundestag.dbp.de
Die Rechtsordnung regelt das gesamte menschliche Zusammenleben von der Geburt bis zum Tod. Durch verschiedene Rechtsvorschriften soll gewährleistet werden, dass die menschlichen Beziehungen in »geregelten Bahnen« verlaufen. Diese Rechtsvorschriften stellen gewissermaßen die Spielregeln des gesellschaftlichen Miteinanders dar. Es handelt sich dabei um Gesetze, Verordnungen, Satzungen, Gewohnheitssätze und vertragliche Gestaltungen, die zusammen mit den Artikeln des Grundgesetzes, der Verfassung, die Rechtsordnung bilden.
Es werden zwei Rechtsgebiete unterschieden:
• das Privatrecht und
• das öffentliche Recht.
Die Abgrenzung zwischen den Rechtsgebieten hat in der Praxis Bedeutung
• für die Möglichkeit der Inanspruchnahme gerichtlicher Hilfe, d. h. welches Gericht zuständig ist, und
• dafür, wie Rechte durchgesetzt werden müssen, dabei auch, welche Rechtssubjekte sich gegenüberstehen.
Zum öffentlichen Recht zählen beispielsweise das Schulrecht, das Baurecht, das Polizeirecht und das Gesundheitsrecht. Das Strafrecht kann als Sonderbereich des öffentlichen Rechts angesehen werden. Es gilt auch im Verhältnis zwischen Staat und Bürger. Mithilfe von speziellen Rechtsnormen, wie beispielsweise im Strafgesetzbuch, wird sozialschädliches Verhalten bestraft oder durch Bußgelder geahndet. Im öffentlichen Recht gilt grundsätzlich das Über-/Unterordnungsverhältnis. Es gilt im Verhältnis zwischen Staat und Bürger oder zwischen staatlichen Institutionen. Ansprüche aus dem öffentlichen Recht, beispielsweise eine Klage gegen die Ablehnung einer Baugenehmigung für ein Heim oder die nicht bestandene Prüfung zum examinierten Alten- oder Heilerziehungspfleger, sind vor den Verwaltungsgerichten geltend zu machen. Für den Sonderbereich des Sozialrechts inklusive der Sozialhilfe stehen die Sozialgerichte und für den steuerlichen Bereich die Finanzgerichte zur Verfügung.
Im Privatrecht stehen sich gleichgeordnete Personen gegenüber. Einer der wichtigsten Teile des Privatrechts ist das Bürgerliche Recht mit seiner Hauptrechtsquelle, dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Zum Bereich des Privatrechts zählt aber nicht nur das Bürgerliche Recht, sondern auch beispielsweise das Handelsrecht, das Gesellschaftsrecht und das Arbeitsrecht. Auseinandersetzungen privatrechtlicher Art müssen von den Zivilgerichten als Teil der ordentlichen Gerichtsbarkeit entschieden werden, wobei erste Instanz entweder das Amts- oder Landgericht ist. Eine Klage, z. B. auf Schadenersatz, muss beim Amtsgericht eingereicht werden. Wenn der Streitwert über 5.000,00 Euro liegt jedoch beim Landgericht. Für arbeitsrechtliche Streitigkeiten ist das Arbeitsgericht zuständig. Der strafrechtliche Anspruch des Staates wird vor den Strafgerichten verhandelt. Die Zuständigkeit der Strafgerichte, wiederum bei den Amts- und Landgerichten als erste Instanz, besteht auch für so genannte Privatklagen wegen Beleidigung oder Hausfriedensbruch.
Zu den Einzelheiten des Aufbaus der Gerichtsbarkeit wird auf Tabelle 1 (Instanzenweg) in Teil 1, 1.2.2.2 verwiesen.
Alle Bürger haben in der Bundesrepublik Deutschland gemäß Art. 3 GG die gleichen Rechte und Pflichten. Kein Bürger darf ohne sachlichen Grund ungleich zu anderen behandelt bzw. benachteiligt werden. Das Grundgesetz garantiert jedem Bürger angemessenen Rechtsschutz. Zur Durchsetzung rechtlicher Ansprüche stehen dem Bürger die Gerichte zur Verfügung. Für jedes der oben genannten Rechtsgebiete existiert eine spezielle Gerichtsbarkeit.
Teil 3 Zivilrecht
Das Zivilrecht regelt das Verhältnis zwischen den einzelnen Bürgern bzw. zwischen Bürgern und Vereinigungen. Die wesentlichen Grundlagen sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgelegt. Dieses ist in folgende Abschnitte gegliedert:
• Allgemeiner Teil,
• Recht der Schuldverhältnisse,
• Sachenrecht,
• Familienrecht und
• Erbrecht.
Beispielhaft für den Inhalt des BGB sind die Voraussetzungen für den Abschluss von Verträgen bzw. deren Rückabwicklung, die Vertragsarten, die Beziehungen zwischen Eltern und Kind sowie der Ehegatten untereinander, die Rechtswirkungen des Eigentums und die Vermögensübertragung im Falle des Todes zu nennen. Im BGB sind jedoch auch die Voraussetzungen für eine (rechtliche) Betreuung und die »Patientenverfügung« sowie das Haftungsrecht geregelt.
Kap. 4.1). Das Erbrecht, d. h. Fragen der gesetzlichen Erbfolge und Arten von Testamenten, wird in diesem Lehrbuch in Teil 3, 5 abgehandelt.
1 Zivilrechtliche Handlungsfähigkeit
Durch die Rechtsfähigkeit ist jedes Rechtssubjekt Träger von Rechten und Pflichten. Rechte und Pflichten sind in der Rechtsordnung an ein Rechtssubjekt gebunden. Nur ein Rechtssubjekt kann die von der Rechtsordnung eingeräumten Rechte ausüben. Es werden dabei zwei Gruppen unterschieden:
• natürliche Personen und
Natürliche Personen sind alle Menschen. Unter den Begriff juristische Personen fallen insbesondere Vereinigungen von Personen wie Vereine, staatliche Institutionen, Kirchen, Gesellschaften (z. B. GmbH, AG, KG) und Stiftungen, auch die öffentlichen Träger von Heimen, Krankenhäusern etc. sowie die politischen Parteien. Natürliche und juristische Personen sind Träger von Rechten und Pflichten, sie besitzen somit die Rechtsfähigkeit.
Abb. 2: Rechtsfähigkeit
Bei natürlichen Personen ist die Rechtsfähigkeit unabhängig vom körperlichen und geistigen Zustand gegeben, d. h. auch ein schwerstbehinderter Mensch ist rechtsfähig und bleibt dies auch, selbst im Zustand der Demenz und anderer schwerer psychischer Erkrankungen. Jede natürliche Person ist dabei besonders Träger von Grundrechten, insbesondere derjenigen auf Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit bzw. Leben.
Die Rechtsfähigkeit beginnt beim Menschen gemäß § 1 BGB grundsätzlich mit der Vollendung der Geburt Abb. 2), wobei als Ausnahmen gelten:
• Das Leben des ungeborenen Kindes ist von der Verfassung (vgl. Art. 2 Abs. 2 GG; §§ 218 ff. StGB) geschützt. Das Recht auf Leben nach Art. 2 Abs. 2 GG existiert damit bereits vor der Geburt.
• Im Rahmen der Unfallversicherung besteht außerdem der Schutz des Embryos bei einem Arbeitsunfall bzw. einer Berufskrankheit (§ 12 SGB VII), d. h. einer Schädigung durch die Arbeitstätigkeit der Mutter.
• Der Embryo bzw. Fetus ist zudem bereits erbberechtigt, d. h. er »er erbt mit«, obwohl er noch nicht geboren ist und sein Erbe nicht selbst in Besitz nehmen kann (§ 1923 BGB).
• Er hat im Rahmen der unerlaubten Handlung bei der deliktischen Haftung nach §§ 823 ff. BGB Schutz und damit Ansprüche auf Unterhaltszahlungen gemäß § 844 Abs. 2 BGB, sofern der Unterhaltspflichtige, beispielsweise der Vater, getötet wird.
Die Rechtsfähigkeit endet mit dem Tod, und dabei sind wiederum die Ausnahmen:
• Die Leiche ist unter anderem durch § 168 StGB geschützt:
Die unangemessene Behandlung einer Leiche ist folglich mit Strafe bedroht. Vergleichbares gilt für die Entnahme von Organen. Das Transplantationsgesetz sieht dies nur bei Zustimmung der Berechtigten vor.
• Das allgemeine Persönlichkeitsrecht besteht gleichfalls über den Tod hinaus. Auch ein Verstorbener darf nicht verunglimpft werden.
• Ebenfalls gilt nach dem Tod noch die Schweigepflicht (§ 203 Abs. 4 StGB), d. h. Auskünfte an Angehörige sind auch nach dem Tod des Heimbewohners/Patienten nur in wenigen Ausnahmefällen möglich.
• Schließlich kann der Verstorbene in Form eines Testamentes etc. über sein Vermögen dessen Empfänger nach dem Tod bestimmen, übergibt gewissermaßen für die Zeit nach dem Tod sein Vermögen.
Sofern Rechtsfähigkeit besteht, besitzt die natürliche oder juristische Person gleichzeitig auch die Parteifähigkeit. Dies bedeutet, dass ein Mensch bereits kurz nach der Geburt selbst in einem Rechtsstreit Kläger oder Beklagter sein kann, wobei jedoch keine Aussage getroffen ist, ob der Betroffene, z. B. ein Kind, selbst oder durch andere Personen seine Rechte geltend macht.
Das zweijährige Kind K kann gegenüber seinem Vater Unterhaltsansprüche geltend machen. Der Vater hingegen kann Anfechtungsklage gegen das Kind erheben und dabei behaupten, er sei nicht der leibliche Vater.
Der schwer geistig behinderte B klagt auf Zahlung von Schmerzensgeld, weil er durch einen Fehler der

References: Art. 38
 Art. 20
 Art. 21
 Art. 38
 Art. 38
 § 45
 § 13
 § 33
 Art. 20
 Art. 28
 Art. 20
 Art. 3
 Art. 21
 Art. 5
 Art. 3
 Art. 2
 § 202
 § 24
 § 20
 § 25
 § 14
 Art. 3
 § 1
 Art. 2
 Art. 2
 § 844
 § 168