Source: https://www.vauz.uzh.ch/de/politik/berufung.html
Timestamp: 2019-01-18 14:54:48+00:00

Document:
UZH - Vereinigung akademischer Mittelbau der Universität Zürich - Berufungsverfahren an der Universität Zürich
Universität Zürich Vereinigung akademischer Mittelbau der Universität Zürich Universitätspolitik Berufungsverfahren
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12.12.2018 Frauen*streik-Versammlung 18.00 KOL-E-18
UZH Mittelbau-Stellungnahme zur Vernehmlassungsvorlage "Bibliothek der Zukunft"
Berufungsverfahren an der Universität Zürich
Vorbemerkung: Das vorliegende Dokument der VAUZ wurde mit Hilfe des Rechtsdienstes der UZH 2011 aktualisiert. Es gibt im Dokument der VAUZ Angaben oder Kommentare, die die VAUZ betreffen oder ihre Meinung wiedergeben. Was so eingeschätzt wurde, ist kursiv gehalten und nicht überarbeitet.
Berufungsverfahren, Informationsblatt (PDF, 135 KB)
1. Berufungs- und Strukturkommission
2. Strukturbericht
3. Auswahlstufe I: Einreichen der «Schriften»
4. Auswahlstufe II: Einladung zum Probevortrag
5. Auswahlstufe III: Berufungsliste
6. Fakultät: Definitiver (Dreier-) Vorschlag
7. Universitätsleitung: Berufungsverhandlungen
8. Universitätsrat: Ernennung
Anhang 1: Rechtliche Grundlagen
Anhang 2: Übersicht Berufungsverfahren
Dieses Papier wurde ursprünglich von einer VAUZ-Arbeitsgruppe ausgearbeitet. Es stützt sich auf die rechtlichen Grundlagen und die gängige Praxis bei Berufungen ab. Die Praxis ist in den Fakultäten recht unterschiedlich. Für diese erste Version wurde weitgehend die Philosophische Fakultät als Grundlage genommen. Dieses Merkblatt soll jedoch laufend verbessert und «interfakultärer» werden.
Für Ergänzungshinweise hinsichtlich anderer Fakultäten sowie für Korrekturen und Verbesserungsvorschläge sind wir daher sehr dankbar.
Meistens auf Antrag des Fakultätsvorstands oder des Fakultätsausschusses setzt die Universitätsleitung eine Berufungskommission von mindestens sieben bis zehn Professorinnen und Professoren sowie je einer Vertreterin oder eines Vertreters aller drei Stände ein; die Berufungskommission wird von einer/einem fachfremden Präsidentin oder Präsidenten geleitet; es gehören ihr mindestens zwei externe Expertinnen oder Experten an.
Vorgehen: Die Vertreterinnen und Vertreter der Assistierenden in der Fakultät suchen eine Vertreterin oder einen Vertreter bei den Assistierenden (in der Regel aus der Fachrichtung der zu besetzenden Professur). Je nach Organisationsgrad werden diese von Assistierendenversammlungen offiziell oder informell bestimmt. Die delegierte Person informiert die Assistierenden des Institutes über den Verlauf der Berufungsgeschäfte.
Wie steht es mit der Schweigepflicht? Die Berufungsverfahren sind vertraulich, einerseits aus datenschutzrechtlichen Gründen und andererseits um Versuche zur Einflussnahme durch allfällige interessierte oder involvierte Kreise zu verhindern. Es dürfen darum keine Informationen zum Verfahren oder zu Personen etc. an die Öffentlichkeit gelangen.
Die Delegierten der Stände haben das Recht, die Angehörigen ihres jeweiligen Standes mündlich oder schriftlich über die in den Fakultätsgremien zu beratenden Traktanden, sowie über die gefällten und protokollierten Beschlüsse zu orientieren. Dabei dürfen sie, vorbehältlich der Schweigepflicht, die Stimmenverhältnisse, die wesentlichen Anträge und die während der Sitzung vertretenen hauptsächlichen Ansichten, aber keine Personen oder Namen nennen. Das Dekanat ist über die Orientierung der Stände zu unterrichten.
Wiederzubesetzende oder neue Lehrstühle werden in der Regel im Rahmen der Lehrstuhlplanung beantragt, worüber der Universitätsrat einmal jährlich befindet. In dringenden Fällen können Freigaben auch durch Einzelanträge beantragt werden. Nach der Schaffung bzw. Freigabe durch den Universitätsrat kann das Berufungsverfahren gestartet werden. Bei ‚Ad personam’-Professuren beantragt die betreffende Fakultät bei der Universitätsleitung die Freigabe für die Durchführung eines Verfahrens. Für Assistenzprofessuren ‚non tenure track’ können Berufungsverfahren aufgenommen werden, wenn die Finanzierung sichergestellt ist.
Am Anfang ihrer Tätigkeit erarbeitet die Kommission einen so genannten Strukturbericht. Dieser ist gemäss den Vorgaben der Universitätsleitung vom 12. November 2009 abzufassen und enthält im Wesentlichen:
Mitbericht der Dekanin oder des Dekans,
Angaben zur Ausrichtung der Professur,
Einbettung der Professur ins Planungskonzept der Fakultät,
verfügbare bzw. neu vorgesehene Ressourcen,
Folgerungen für das Anforderungsprofil,
bei Professuren an universitären Spitälern und Kliniken ein Mitbericht der jeweiligen Spital- bzw. Klinikdirektion.
Dem Strukturbericht kann auch der konkrete Ausschreibungstext beigelegt werden, der dann in den einschlägigen Zeitungen/Zeitschriften erscheinen soll. NZZ und (für den deutschsprachigen Raum die «Zeit») sind diesbezüglich ein «must», alle anderen Publikationsorte sind Sache der Berufungskommission. Es soll darauf geachtet werden, dass die Ausschreibung an allen für das Fach relevanten Orten erscheint (Internet nicht vergessen!) und auch direkt an die betroffenen Institute im In- und (interessierenden) Ausland verschickt wird. Die Berufungskommissionen werden von den Dekanaten unterstützt.
Der Strukturbericht wird meistens vom Fakultätsvorstand oder -ausschuss begutachtet und dann der Fakultät zur Kenntnis gebracht. Der Ausschreibungstext ist Sache der Berufungskommission und wird, wenn kein anders lautender Antrag kommt, von den übergeordneten Gremien nicht mehr diskutiert. Daher lohnt es sich, darauf zu achten, dass a) der Name der Professur wirklich das bezeichnet, was man will, b) die gewünschten Eigenschaften der potentiellen Bewerberinnen und Bewerber erwähnt werden und c) der Zeitrahmen für die Bewerbungen realistisch ist (Ferienzeit mit berücksichtigen!).
a) Es werden wenige Bewerbungen erwartet
Im Ausschreibungstext werden die Bewerberinnen und Bewerber aufgefordert, ihre «Schriften» einzureichen, welche in der Regel einen Bewerbungsbrief, ein detailliertes curriculum vitae (CV), ein Verzeichnis der Publikationen und anderer akademischer Leistungsausweise enthalten.
b) Es werden viele Bewerbungen erwartet
Falls eine grosse Anzahl von Bewerbungen erwartet wird, wird in einem Zwischenschritt zuerst die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber reduziert, welche ihre detaillierten Unterlagen einreichen können bzw. dürfen. In der Ausschreibung steht dann, dass keine Schriften eingesandt werden sollen. Die Kommission wählt die nicht in Frage kommenden Bewerberinnen und Bewerber (meist nach formellen Kriterien; zum Beispiel entspricht das Forschungsgebiet der Kandidatin/des Kandidaten dem Ausschreibungstext usw.) aus und verlangt nur von den restlichen (meist etwa doppelt so viele, wie nachher zum Probevortrag eingeladen werden) ein paar ausgewählte Publikationen. Da diese Vorauswahl sehr schnell (und oberflächlich!) geschehen kann, gilt es, bereits hier sorgfältig darauf zu achten, dass Wunsch-Kandidatinnen und -Kandidaten noch «im Rennen» bleiben
Achtung: Hat eine Kandidatin/ein Kandidat keine Habilitation ist dies bei gleichwertiger wissenschaftlicher Qualifikation in Forschung und Lehre kein formelles Ausschlusskriterium.
Die Kommissionsmitglieder lesen die eingegangenen Bewerbungen und teilen sich die Schriften der ausgewählten Kandidatinnen und Kandidaten auf, um Gutachten bzw. Ko-Gutachten zu verfassen. In der Regel wählt die Kommission sechs Kandidierende, die zu einem Probevortrag eingeladen werden.
Es hat sich aus Mittelbau-Sicht bewährt, die Kandidatinnen und Kandidaten nach dem Vortrag separat (in Abwesenheit der Professorinnen und Professoren) zu interviewen, um Stellungnahmen zu den Fragen des Mittelbaus zu erhalten. Diesbezügliche informelle Nachfragen im (momentanen und ehemaligen) Umfeld der Kandidierenden können dieses Bild abrunden.
Bei grösseren Instituten hat es sich zudem bewährt, sich im Anschluss an die Probevorträge mit den anderen Assistierenden zu treffen, um die Qualität des Referates und des Auftrittes zu besprechen. Es kann zudem ein standardisiertes Evaluationspapier vorbereitet werden. In der Diskussion sollte darauf geachtet werden, zwischen Referat und Schriften zu trennen. Die informelle Arbeitsgruppe der Assistierenden erarbeitet einen Dreiervorschlag zu Handen der Assistierendenversammlung, die diesen oder ev. einen abgeänderten Vorschlag verabschiedet. Es ist daher darauf zu achten, dass genügend Zeit zwischen den Probevorträgen und dem Erstellen der Vorschläge durch die Kommission bleibt, damit diese Meinungsbildung auch stattfinden kann!
Die Berufungskommission tagt, um die Kandidierenden (in der Regel eine Dreierliste) zu rangieren und stellt diesbezüglichen Antrag an die Universitätsleitung.
Dieser Auswahlprozess ist heikel, da von den Ständevertreterinnen und -vertretern im Laufe dieser Sitzung(en) viel Verhandlungsgeschick abverlangt wird. Es empfiehlt sich in der Vorbereitung mit den anderen Assistierenden und eventuell auch mit den Studierenden allfällige Kompromisslösungen zu diskutieren. Dies ermöglicht der oder dem Delegierten, den Handlungsspielraum im Voraus auszuloten, um sich in der Hitze der Diskussionen (und Emotionen) nicht auf voreilige Lösungen einlassen zu müssen. Wenn Ihr als Ständevertreterinnen oder -vertreter mit der Rangierung der Berufungskommission nicht einverstanden seid (oder auch nur den Verdacht habt, dass der betroffen Mittelbau es nicht sein könnte), dann artikuliert das in der Sitzung und stimmt dagegen (oder enthaltet euch der Stimme). Ihr habt dann (und eigentlich nur dann!) die Möglichkeit, einen eigenen Vorschlag (sog. Minderheitsantrag) bei der Universitätsleitung einzureichen. Sorgt dafür, dass die abweichende Entscheidung bzw. der Minderheitsantrag des Mittelbaus im Protokoll der Berufungskommission vermerkt wird und reicht den Antrag entweder gemeinsam mit dem Protokoll oder zeitgleich bei der Universitätsleitung oder dem Dekanat ein (Adressat bitte jeweils erfragen).
Es empfiehlt sich, mit dem betroffenen Mittelbau im Voraus abzusprechen, welche Kandidierenden unbedingt auf der Liste sein sollten, bzw. welche Kandidierenden auf keine Fall auf der Liste sein sollten und das entsprechende Stimmverhalten (Gegenstimme bzw. Enthaltung) darauf abzustimmen.
Die Rangierung sollte einleuchtend und sachlich begründet werden, nicht nur durch mehr oder weniger blumige Adjektive. Vor allem aber soll der oder die Erstplazierte von der oder dem Zweitplazierten klar abgehoben werden, wenn die Meinung ist, dass der oder die Erstplazierte unbedingt berufen werden soll, andernfalls können die Unterschiede so gering wie möglich ausfallen. Es können auch Einer- und Zweiervorschläge eingereicht werden.
Wenn eine Einerliste eingereicht wird, dann ist das speziell zu begründen. Auf keinen Fall sollen auf dem zweiten oder dritten Platz Alibipersonen aufgeführt werden, da Verhandlungen mit einer erstplatzierten Person scheitern können. Listenplätze sollen nur an Personen verliehen werden, die auch gewünscht werden.
Die Berufungskommission stellt direkt der Universitätsleitung Antrag. Dem Antrag wird ein Mitbericht der Dekanin oder des Dekans beigefügt, je nach Fakultät verfasst in eigener Kompetenz oder im Namen des Fakultätsausschusses.
Hier ist wichtig, dass ihr euch mit den anderen Ständen, anderen Professorinnen und Professoren (ev. sogar aus der Kommission) und vor allem mit Eurer Ständevertretung in der Fakultät besprecht, da diese Euer Anliegen in der Fakultät unterstützen können.
Der Vorschlag der Berufungskommission geht mit einem Mitbericht der Dekanin oder des Dekans und ev. Des Fakultätsausschusses an die Universitätsleitung. Die Universitätsleitung hat die Aufgabe, die Berufungsverhandlungen zu führen und zuhanden des Universitätsrats Antrag auf Ernennung zu stellen. Vor Aufnahme der Berufungsverhandlungen prüft die Universitätsleitung den Antrag. Bei Bedarf fordert sie weitere Informationen an oder führt allenfalls ein Hearing durch und entscheidet über die Berufungsliste.
Wenn die Verhandlungen erfolgreich sind, dann stellt die Universitätsleitung Antrag auf Ernennung. Es werden jeweils nur mit einer Person Berufungsverhandlungen geführt, weshalb es sich beim Antrag der Universitätsleitung jeweils auch nur um einen Einervorschlag handelt.
Zürcher Gesetzessammlung:
§ 29 des Universitätsgesetzes (UG, LS 415.11)
§ 29. Der Universitätsrat ist das oberste Organ der Universität. Er ist abschliessend zuständig für:
6. Ernennung, Beförderung und Entlassung der Professorinnen und Professoren;
7. Schaffung, Umwandlung und Aufhebung von Instituten und weiteren Organisationseinheiten der Fakultäten;
8. Schaffung, Umwandlung und Aufhebung von Lehrstühlen;
§ 10 der Universitätsordnung (UO, LS 415.111) Berufungsverfahren
§ 10. Die Fakultät erstellt im Rahmen der Entwicklungs- und Finanzplanung eine Lehrstuhlplanung. Diese enthält die Begründung für die Ausrichtung der zu besetzenden Lehrstühle.
Der Universitätsrat genehmigt auf Antrag der Universitätsleitung die Lehrstuhlplanung. Er kann in besonderen Fällen einen separaten Bericht einfordern.
Die Besetzung von Lehrstühlen ist in der Regel öffentlich auszuschreiben. In das Berufungsverfahren können auch Personen einbezogen werden, die sich nicht beworben haben.
Auf Antrag der Fakultät setzt die Universitätsleitung eine Berufungskommission ein. Ihr gehört in der Regel mindestens eine externe Expertin oder ein externer Experte an. Das Auswahlverfahren wird von der Fakultät durchgeführt.
Im Berufungsantrag der Fakultät an die Universitätsleitung wird ein Einer- bis Dreiervorschlag für die Besetzung gemacht und begründet. Dabei sind die wissenschaftlichen Leistungen in Forschung und Lehre massgebend.
In dringenden Fällen kann die Fakultät im Einverständnis mit der Universitätsleitung ein Direktberufungsverfahren ohne Evaluation mehrerer Kandidatinnen und Kandidaten einleiten. Die Universitätsleitung überprüft den Antrag und leitet die Berufungsverhandlungen ein. Die Universitätsleitung stellt dem Universitätsrat Antrag auf Ernennung der oder des Vorgeschlagenen.
Personalverordnung (PVO, LS 415.21)
Anstellungsorgan
§ 5. Das Anstellungsorgan für das Universitätspersonal ist die Universitätsleitung. Ernennung, Beförderung sowie Entlassung und Rücktritt von Mitgliedern der Universitätsleitung sowie von Professorinnen und Professoren beschliesst der Universitätsrat.
§ 7. Die Universitätsleitung ist für die Festsetzung und Änderung von Stellenplänen der Universität zuständig. Der Universitätsrat ist zuständig für
1. die Schaffung neuer Stellen, für die das allgemeine Personalrecht keine Richtpositionen vorsieht,
2. die Genehmigung neuer Stellen, die eine finanzielle Mehrbelastung bewirken,
3. die Einreihung von Stellen ab Klasse 24.
(Alle Arten von Professorinnen und Professoren sind ab Klasse 24 eingereiht).
Die Zuständigkeiten und Abläufe sind in den einzelnen Fakultäten unterschiedlich.

References: § 29

§ 29

§ 10

§ 10

§ 5

§ 7