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Timestamp: 2019-12-12 02:44:38+00:00

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Radwegbenutzungspflicht Archive — Seite 3 von 6 — Radverkehrspolitik
Aufhebung der Benutzungspflicht: Tucker, tucker, tucker
Die Fahrbahn in der Oldesloer Straße in Hamburg ist recht eng, die Gehwege allerdings auch — bislang wurde der Radverkehr auf dem engen Gehweg geführt, jetzt soll er auf die Fahrbahn verlagert werden: „Radfahrer auf Straße“
Wohl keine Hamburger Radwegeführung dürfte ein größeres Dilemma bieten als dieser Ort: In der Oldesloer Straße ist zur Zeit noch die Benutzung eines Radwegs vorgeschrieben. Ein eigener Radweg existiert aber gar nicht: Der einen bis eineinhalb Meter breite Gehweg muss mitbenutzt werden.
Genaugenommen ist entgegen der Einleitung nicht die Benutzung des Radweges vorgeschrieben, sondern die des gemeinsamen Fuß- und Radweges. Das läuft zwar im Ende auf das gleiche Problem hinaus, stellt aber einen sachlicher Unterschied dar. Die Straßenverkehrsbehörde, in Hamburg von der Polizei bestritten, wehrte sich bis zum Schluss gegen die Aufhebung der Benutzungspflicht und zeigt sich hinreichend verständnislos, dass die Regeln aus den Verwaltungsvorschriften tatsächlich anzuwenden sind, obwohl es sich doch nur um Radfahrer handelt.
Roberto Ziemer, im Polizeikommissariat 24 der Leiter für Verkehr und Prävention, bedauerte: „Wir können es einfach nicht mehr halten.“ Ingo Naujokat, im gleichen Revier beheimatet, meint: „Ich kann eigentlich nicht verstehen, dass man es aufheben will. (…) Unsere Möglichkeiten sind aber ausgeschöpft: Man hat jetzt ganz klipp und klar gesagt, dass wir es aufzuheben haben.“
Mit dem üblichen Gelächter über die Ansicht der Polizei kommt man hier allerdings nicht recht weit. Es steht natürlich außer Frage, dass der Radverkehr auf dem engen Gehweg nichts verloren hat und die Zeichen 240 umgehend zu entfernen sind. Die Sorge der Polizei ist allerdings berechtigt: Auf der Fahrbahn sieht es für Fahrradfahrer nicht besser aus. Nun ist definitiv weder die Nähe zum Krankenhaus, die einen Rettungswagen beheimatet, Grund genug für eine Radwegbenutzungspflicht noch berücksichtigen die Vorschriften die Gegenwart einer Buslinie (SPD: „Tucker, tucker, tucker“). Vor allem lässt sich keine Radwegbenutzungspflicht einrichten, wenn die entsprechende Infrastruktur fehlt: Für diesen bummeligen Gehweg hätte niemals ein Zeichen 240 aufgestellt werden dürfen. Dann wäre Zeichen 254 das Mittel der Wahl gewesen, um den Radverkehr aus der Straße herauszuhalten.
Denn die Polizei hat durchaus Recht, dass aufgrund der engen Fahrbahn mit Problemen zu rechnen sind, auch wenn der Rettungswagen natürlich nur ein vorgeschobener Grund ist. Hamburgs Kraftfahrer reagieren bei Fahrbahnradlern auf engen Fahrbahnen mit einer bemerkenswerten Aggressivität, die mit dem bekannten hanseatischen Gemüt nichts mehr gemein hat. Ähnlich enge Straßen, die in den letzten Jahren ihre blauen Schilder verloren, beispielsweise die Wedeler Landstraße in Hamburgs Westen oder die Hammerbrookstraße in der City Süd, sind nicht einmal mehr für mutige Radfahrer zu befahren. Fahrbahnradler werden in Ermangelung von Überholmöglichkeiten angehupt und mit dichtem Überholen, Ausbremsen und unter Verwendung der Scheibenwaschanlage für ihr vermeintliches Fehlverhalten sanktioniert. In solchen Straßen wird natürlich weiter ordnungswidrig auf den Gehwegen gekampfradelt — aber immerhin steht dort nicht die Polizei und hält die Hand auf.
So ähnlich wird es wohl auch auf der Oldesloer Straße laufen. Eine mögliche Lösung wäre die Verbreitung der Fahrbahn, für die allerdings einige Bäume gefällt werden müssten — aus dem gleichen Grunde ist ja bislang auch nicht die Einrichtung eines Radweges oder wenigstens eines breiteren Gehweges möglich.
Veröffentlicht am 4. Juli 2013 Autor MalteKategorien Allgemein, Fahrradfahren, Pressespiegel, Radwegbenutzungspflicht, VerkehrspolitikSchlagwörter Hamburg, Mobilitätswandel, Polizei, Radwegbenutzungspflicht, Sicherheit, Straßenverkehrsbehörde, Verkehrspolitik3 Kommentare zu Aufhebung der Benutzungspflicht: Tucker, tucker, tucker
Freie Bahn auf dem Kaiserdamm
Auf dem Berliner Kaiserdamm wurde die Benutzungspflicht der fahrbahnbegleitenden Radwege aufgehoben — an einer Hauptstraße ist ein solcher Vorgang immer von Emotionen begleitet, denn einerseits hadern gerade dort Radfahrer mit der Fahrbahnradlerei, weil andererseits Kraftfahrer äußert empfindlich auf Störungen in ihrem bisherigen Revier reagieren. Stefan Jacobs wagt für den Berliner Tagesspiegel den Selbstversuch und fährt Mit dem Fahrrad über den Kaiserdamm
Auf dem Kaiserdamm darf man jetzt radfahren. Aber kaum einer tut es, weil es zu gefährlich ist. Oder etwa nicht? Ein Selbstversuch auf der Ost-West-Achse.
Eines vorweg: Unbedingt gefährlich ist das Radeln selbst auf mehrstreifigen Fahrbahn nicht, sofern man einigermaßen weiß, was man tut, wenngleich es sich sicherlich im ersten Moment recht gewöhnungsbedürftig anfühlt, „mitten auf der Straße“ zu flitzen, anstatt über die im Artikel beschriebenen holperigen fahrbahnbegleitenden Radwege zu navigieren.
Trotzdem: Man muss die Fahrbahnradelei nicht gut finden, die Nähe zu Kraftfahrzeugen ist sicherlich nicht jedermanns Sache, womöglich tatsächlich auch wegen der anerzogenen Angst der Radfahrer vor dem Kraftverkehr. Aber gerade deswegen wirkt die Empörung in den Kommentaren so seltsam: Obwohl es dem deutschen Straßenverkehr noch lange an vernünftigen Radverkehrsanlagen fehlen wird, gelten in den Kommentaren eine langsame Fahrweise und häufiges Absteigen als Mittel der Wahl, um auf den Radwegen, die aus Steuergeldern für den Schutz des Radverkehrs gebaut wurden, zu bestehen — die Logik ist etwas verquer, aber wenn es um den Radverkehr geht, ist wohl in absehbarer Zeit nicht mit Vernunft zu rechnen.
Veröffentlicht am 7. Mai 2013 Autor MalteKategorien Allgemein, Fahrradfahren, Pressespiegel, Radwegbenutzungspflicht, VerkehrspolitikSchlagwörter Berlin, Mobilitätswandel, Radwegbenutzungspflicht, SicherheitSchreibe einen Kommentar zu Freie Bahn auf dem Kaiserdamm
Veröffentlicht am 16. April 2013 Autor MalteKategorien Allgemein, Pressespiegel, Radwegbenutzungspflicht, VerkehrspolitikSchlagwörter Geisterradler, Mobilitätswandel, Radwegbenutzungspflicht, Regelkenntnis, VerkehrspolitikSchreibe einen Kommentar zu Die Geisterradler, die wir riefen
Wichtig zu wissen und trotzdem falsch
Es ist manchmal total großartig bei der Hamburger Polizei. Als Zeuge wegen eines Vorfalles im Straßenverkehr mit Fahrradbeteiligung wird man aufs Revier bestellt, soll seine Zeugenaussage gegen einen aggressiven Kampfkraftfahrer zu Protokoll geben und hört sich zunächst einmal an, man müsse doch auch den Kraftfahrer verstehen, denn wenn Radfahrer einfach so die vorgeschriebenen Radwege ignorierten, platze nunmal irgendwann der Kragen.
Dann staunt man erstmal, dann schluckt man erstmal und will von Radwegbenutzungspflichten erzählen, stößt damit aber nur auf taube Beamtenohren, denn jener Beamte weiß ganz sicher, dass es in Deutschland eine generelle Radwegbenutzungspflicht gäbe. Stimmt natürlich nicht, dsa weiß sogar ein Flyer, der unten auf den meisten Polizeiwache ausliegt. „Wichtig zu wissen“, heißt es da und spricht wohl Radfahrer an:
Auf innerstädtischen Straßen dürfen Sie mit dem Rad auf der Fahrbahn fahren, auch wenn ein Radweg vorhanden ist. Ist eines der folgenden Schilder vorhanden, müssen Sie jedoch den Radweg benutzen.
Nun gut, es folgen drei Abbildungen von Zeichen 237, Zeichen 240 und Zeichen 241, doch danach heißt es plötzlich, die Benutzungspflicht gelte auch auf Radfahr- und Schutzstreifen.
Und das stimmt nicht. Und gerade angesichts der Hamburger Unfähigkeit, vernünftige Schutz- und Fahrradstreifen auf die Fahrbahn zu zeichnen, sind solche Informationen gefährlich. Beispielsweise gibt es in Hamburg kaum eine Handvoll echter Fahrradstreifen, weil es den meisten am Zeichen 237 mangelt: es handelt sich bei den Zeichnungen demnach bloß um Seitenstreifen, die zwar mit dem Fahrrad benutzt, aber ebensogut mit dem Kraftfahrzeug beparkt werden dürfen. Und eine Benutzungspflicht für Schutzstreifen ergibt sich allenfalls aus der Verpflichtung, möglichst weit rechts zu fahren — das Prinzip der Schutzstreifen, allenfalls dort aufzutreten, wo es für normale Fahrradstreifen nicht gereicht hätte, zeigt allerdings schon an, dass allzu rechts aufgrund eventuell enger Verhältnisse sicherlich keine gute Idee ist.
Man sollte meinen, dass wenigstens der ADFC, dessen Logo mit auf dem Flyer prangt, eigentlich mehr darüber wissen müsste.
Veröffentlicht am 28. März 2013 Autor MalteKategorien Allgemein, Fahrradfahren, RadwegbenutzungspflichtSchlagwörter Hamburg, Polizei, Radfahrstreifen, Radwegbenutzungspflicht, Schutzstreifen, Sicherheit, Straßenverkehrs-Ordnung, Verkehrsregeln1 Kommentar zu Wichtig zu wissen und trotzdem falsch
Ende der Radwegbenutzungspflicht: Es könnte alles so einfach sein
Es könnte alles so einfach sein: Kraftfahrer informierten sich regelmäßig über die Verkehrsregeln, also alle paar Jahre vor Inkrafttreten einer Änderungsverordnung der Straßenverkehrs-Ordnung, verstehen die Verkehrsregeln und wenden die Verkehrsregeln tatsächlich an — gleiches gilt natürlich auch ohne Einschränkungen für Radfahrer und Fußgänger. Und im Straßenverkehr wird auch von unsinnigen Belehrungen abgesehen, es werden keine Rachemanöver gefahren und wird niemand vorsätzlich gefährdet. Ein Traum, nicht wahr?
Die Realität sieht etwas anders aus, denn die meisten Kraftfahrer tun sich schon mit § 2 Abs. 4 StVO schwer, der nämlich schon seit etwa fünfzehn Jahren lautet:
Radfahrer müssen einzeln hintereinander fahren; nebeneinander dürfen sie nur fahren, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird. Eine Benutzungspflicht der Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung besteht nur, wenn Zeichen 237, 240 oder 241 angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ allein angezeigt ist. Radfahrer dürfen ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und Fußgänger nicht behindert werden. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Mofas Radwege benutzen.
Das Problem ist bloß, dass die meisten Verkehrsteilnehmer einen Scheiß auf die Verkehrsregeln geben.
Es wurde in diesem Blog schon häufig beschrieben, dass die genauen Verkehrsregeln kaum jemand kennt. Die meisten Kraftfahrer fahren so, wie sie es in der Fahrschule gelernt haben, bei unbekannten Situationen setzt der Herdentrieb ein und es wird der Vordermann imitiert. Die Fahrschule lehrt allerdings nicht, was in der Straßenverkehrs-Ordnung steht, das wollen die Fahrschüler auch gar nicht wissen, sondern erklärt nur das Basiswissen, mit dem sich die praktische Fahrprüfung bestreiten lässt. Niemand erklärt, welche Vorrangsbeziehungen in Kreisverkehren und abknickenden Vorfahrtstraßen bestehen, niemand erläutert das Rechtsfahrgebot auf Kraftfahrstraßen innerhalb geschlossener Ortschaften, mit viel Glück lernt man noch, beim Auffahren auf die Autobahn keine Vorfahrt zu haben. Und ja, wo ein Radfahrer fahren darf und wo nicht, das wird allenfalls noch zufällig erwähnt: Schließlich geht’s hier doch um den Führerschein, nicht ums Fahrrad.
Der Verkehrsunterricht in der Grundschule oder in der Unterstufe der weiterführenden Schulen ist gar noch schlimmer, dort lernen die Kinder nicht vom Rad zu fallen, aber keineswegs die Verkehrsregeln für Radfahrer. Kein Wunder, die sind für die kleinen Köpfe noch viel zu komplex, denn schon die Polizei tut sich ja schwer mit § 2 Abs. 4 StVO und weiß überhaupt nicht, wo denn bei welcher Schilderkonstellation und welchen verfügbaren Straßenteilen das Rad hingehört. Da das Fahrrad in der Fahrschule komplett ausgespart wird, sofern es denn nicht mit Falschinformationen Erwähnung findet, wundert es doch kaum, dass die meisten Radfahrer sich irgendwie so durch den Verkehr mogeln und viel zu häufig auf der linken Straßenseite oder dem Gehweg landen.
Es wäre ein wahrhaft spannendes Experiment, ein paar Verkehrsteilnehmer vor die Straßenverkehrs-Ordnung zu setzen und die Regeln erklären zu lassen, die sie dort lesen. Man braucht nicht viel Fantasie um sich vorstellen zu können, dass das ganz schön schiefgehen wird.
Ein regelkundiger Fahrbahnradler braucht sich gar nicht die Mühe machen, einem wutschnaubenden Kraftfahrer durch die Beifahrerscheibe etwas von § 2 Abs. 4 StVO oder Zeichen 237 zu erklären: Das kapiert er nämlich nicht. Außerhalb des Elfenbeinturmes, von dem wir hier und in anderen Blogs immer wieder auf die Straßen der deutschen Städte herunterschauen, gilt nämlich das einfache Prinzip „Fahrrad = Radweg, Auto = Fahrbahn“. Wir übersehen viel zu oft, dass die meisten Verkehrsteilnehmer mit einem Studium der Straßenverkehrs-Ordnung vollkommen überfordert sind. Während wir fröhlich vor ebenjenem Kraftfahrer mit Zeichen 237, 240 und 241 jonglieren, weiß der vermutlich noch nicht einmal, dass Verkehrszeichen nummeriert sind und steckt mutmaßlich noch immer fest in dem verbreiteten Glauben, dass Radfahrer doch bitteschön schon zu ihrer eigenen Sicherheit nicht auf der Fahrbahn fahren sollen. Allenfalls kann er § 1 Abs. 1 StVO rezitieren, weil der nämlich tatsächlich in jedem Fahrschulbuch steht.
Geradezu süß mutet es an, während der Fahrt noch einem hupenden Kraftfahrzeug etwas von „Nicht benutzungspflichtig!“ hinterherzurufen, was der Fahrzeugführer einerseits nicht hören wird und andererseits gar nicht verstehen will: Glaubt denn jemand ernsthaft, ein Kraftfahrer schaue bei jeder Kreuzung, bei jeder Einmündung nach, ob denn der Radweg mit blauen Schildern dekoriert sein könnte, um daraufhin zu entscheiden, ob er einen Fahrbahnradler malträtiert oder ihn in Ruhe lässt? Fragt man ein paar Verkehrsteilnehmer höflich nach den blauen Schildern, wird man ganz erstaunt feststellen, dass vielleicht jeder Zehnte etwas kluges dazu sagen kann — und das auch nur, weil Radwegbenutzungspflichten im vergangenen Jahr häufig genug in den Medien zu Gast waren. Für die meisten gilt: „Fahrrad = Radweg, Auto = Fahrbahn“.
Diese Problematik stellt sich plötzlich auch bei freigegebenen Einbahnstraßen, die in den letzten Jahren immer mehr aus den Straßen schießen. Fast jeder Kraftfahrer kann lange Geschichten über Radfahrer erzählen, die falsch herum durch die Einbahnstraße gefahren wären und sich dabei gar fürchterlich betragen hätten — selbst mit viel Überzeugungskraft lässt sich kaum vermitteln, dass der Radfahrer je nach Einbahnstraße eventuell im Recht war. Auch mit dem Zeigefinger auf das Zusatzzeichen 1000-32, das unter dem Schild der Einbahnstraße auf die entgegenkommenden Radlern hinweisen soll, kapieren viele Verkehrsteilnehmer nicht, was das eigentlich bedeuten soll. Überraschend viele vermuten unter der Beschilderung einen Radweg, glauben also, Radfahrer dürften diese Straße in Gegenrichtung passieren, müssten aber den Radweg benutzen, der in Wirklichkeit ein Gehweg ist. Und selbst wenn man einen Kraftfahrer glaubhaft von freigegebenen Einbahnstraßen überzeugen kann, scheint es im gar ungeheuerlich, dass er einem entgegenkommenden Radfahrer an Engstellen möglicherweise Vorrang gewähren müsste, dass Radfahrer auch beim Verlassen der Einbahnstraße Vorfahrt haben könnten. Freigegebene Einbahnstraßen mögen eine tolle Idee sein, wenn sie die Wege für Radfahrer deutlich verkürzen, trotzdem ist es gerade am falschen Ende einer solchen Einbahnstraße immer wieder abenteuerlich, wie die Kraftfahrer dort blind hineinbrettern, weil aus einer Einbahnstraße ja nichts herauskommen dürfte.
Wir halten uns zwar für die besten Autofahrer der Welt und bauen angeblich die besten Autos der Welt, aber so richtig Ahnung von dem, was wir da mit Pedalen und Lenkrad anstellen, so richtig Ahnung davon haben wir nicht.
Schön, dass nach der Krefelder Straße in Köln nun auch in München die Radfahrer auf die Fahrbahn dürfen, aber weder in Köln noch in München werden Kraftfahrer das Erklärbär-Schild verstehen, dass speziell für die regelunkundigen Verkehrsteilnehmer aufgestellt wurde: Unlogisches Logo
Das sicherlich gut gemeinte Schild hat gleich mehrere Probleme. Vermutlich wird es genügend Kraftfahrer geben, die es einfach übersehen — das liegt gar nicht mal an dessen unzureichender Größe, sondern dass der Mensch als Gewohnheitstier nunmal nicht sofort erkennt, dass sich da etwas geändert hat. Der Text erzählt zwar schön etwas von der Radwegbenutzungspflicht, aber wer kennt den Begriff denn schon? Der Hit ist natürlich das durchgestrichene Zeichen 237, das zwar formal gesehen korrekt ist, denn eine Radwegbenutzungspflicht gibt es nunmal nicht mehr, sie ist hier zu Ende, vermutlich aber eher als Verbot des Fahrradfahrens analog zu Zeichen 254 verstanden werden dürfte, denn, wieder einmal, wer kennt schon die genaue Bedeutung von Zeichen 237?
Bei hamburgize.com gibt’s noch ein paar interessante Fotos: Braucht es ein Zeichen für Radwege ohne Benutzungszwang?
Auch da bleibt allerdings die Elfenbeinturmproblematik bestehen: Wird nun ein eckiges Zeichen für Radwege ohne Benutzungspflicht eingeführt, kapiert das auch wiederum kein normaler Verkehrsteilnehmer. Rund hieße benutzungspflichtig, eckig hieße nicht benutzungspflichtig, okay, für uns kein Problem, aber schaut der normale Kraftfahrer nach, ob das Schild rund oder eckig war, bevor er hinter dem nächsten Fahrbahnradler auf die Hupe prügelt? Überdies krankt der Radweg immer noch an der Überlegung, warum denn ein Radweg nicht benutzt werden sollte, wenn doch einer vorhanden ist — leider sehen sich auch viele Kraftfahrer genötigt, diese Diskussion mit der Hupe zu führen. Meistens kommen dabei noch die fehlenden Kennzeichen und die Kraftfahrzeugsteuern zur Sprache.
Insofern: Ob rund oder eckig, es wäre viel wichtiger, als Verkehrsteilnehmer endlich einmal wenigstens die wichtigsten Straßenverkehrsregeln zu kennen. Es ist sicherlich unnötig, als Normalsterblicher die 53 Paragraphen und fünf Anlagen auswendig rezitieren zu können, es ist aber absolut besorgniserregend, dass die meisten Verkehrsteilnehmer nur den § 1 Abs. 1 StVO benennen können — und von vielen weiteren Regeln leider nicht nur keine Ahnung haben, wo sie denn stehen, sondern von deren Existenz noch nie etwas gehört haben. Denn in Deutschland ist es leider Tradition, fehlendes Wissen mit erhöhter Aggression zu kompensieren. Die wild hupenden Kraftfahrer sind beinahe ausnahmslos jene, die von § 2 Abs. 4 StVO noch nie etwas gehört haben.
Veröffentlicht am 6. Januar 2013 Autor MalteKategorien Allgemein, Fahrradfahren, Pressespiegel, Radwegbenutzungspflicht, VerkehrspolitikSchlagwörter Aggression, Köln, Mobilitätswandel, München, Radverkehrsförderung, Radwegbenutzungspflicht, Regelkenntnis, Straßenverkehrs-Ordnung6 Kommentare zu Ende der Radwegbenutzungspflicht: Es könnte alles so einfach sein
Veröffentlicht am 29. November 2012 Autor MalteKategorien Allgemein, Fahrradfahren, Pressespiegel, Radwegbenutzungspflicht, VerkehrspolitikSchlagwörter Radweg, Radwegbenutzungspflicht, Straßenverkehrs-Ordnung5 Kommentare zu Schon wieder Fahrradirrtümer
Veröffentlicht am 22. November 2012 Autor MalteKategorien Allgemein, Fahrradfahren, Pressespiegel, Radwegbenutzungspflicht, VerkehrspolitikSchlagwörter FAZ, Regelkenntnis, Straßenverkehrs-Ordnung1 Kommentar zu Der Anwalt hat nicht immer recht
Münster: Eine Fahrradstadt wider Willen
Rasmus Richter hat auf Zukunft Mobilität einen hervorragenden Artikel über die Fahrradstadt Münster verfasst: Münster – Fahrradstadt wider Willen
Wenn heute irgendwo in Deutschland das Stichwort „Münster“ fällt, dann ist klar, in welche Richtung das Gespräch gleich gelenkt wird: Zunächst fallen die Namen der beiden Tatort-Lieblinge Boerne und Thiel, dann werden vielleicht noch der nette Weihnachtsmarkt und die vielen Studenten erwähnt, aber niemals darf ein Verweis auf Münsters beliebtestes Fortbewegungsmittel fehlen: Das Fahrrad.
Das abschließende Fazit ist eindeutig:
Dabei ist die Sachlage beängstigend und eindeutig: Die Frage, ob Radwege töten, kann in Münster abschließend geklärt werden. Nur hat anscheinend aus der Straßenverkehrsbehörde niemand genau genug hingesehen.
Veröffentlicht am 20. November 2012 Autor MalteKategorien Allgemein, Fahrradfahren, Pressespiegel, Radwegbenutzungspflicht, VerkehrspolitikSchlagwörter Fahrradstadt, Münster, Radverkehrsförderung, Radweg, Radwegbenutzungspflicht, SicherheitSchreibe einen Kommentar zu Münster: Eine Fahrradstadt wider Willen
München: „Die Straße gehört allen“
Geht es um die Nichteinhaltung der Straßenverkehrs-Ordnung, drehen sich die Zeigefinger immer schnell in Richtung des Radfahrers. Um Kraftfahrer im Verkehr von gefährlichen Straftagen abzuhalten braucht es allerdings spezielle Beschilderungen. In München weisen speziell angefertigte Verkehrsschilder darauf hin, dass Radfahrer in jenen Straßen ganz ordnungsgemäß die Fahrbahn befahren dürfen und bitteschön nicht zu nötigen sind. Marco Völklein schreibt: Die Straße gehört allen
Radler werden beschimpft, angehupt und von Autofahrern mit teils drastischen Gesten auf den Radweg verwiesen – dabei dürfen sie an vielen Stellen trotz eines Radwegs auch die Fahrbahn benutzen. Neue Schilder sollen die Autofahrer nun aufklären.
Leider geht es gleich fachlich nicht ganz korrekt los, denn der Radfahrer gehörte nicht etwa bis 2010 generell auf den Radweg: schon seit der so genannten Fahrradnovelle von 1997 müssen Radwege auf ihre Qualität überprüft werden, schon vor 15 Jahren durfte eine Radwegbenutzungspflicht nur im Ausnahmefall angeordnet werden. Das Bundesverwaltungsgericht musste die Straßenverkehrsbehörden nur noch einmal daran erinnern, dass die einschlägigen Vorschriften bezüglich der Radwegbenutzungspflichten tatsächlich zu beachten sind und nicht entgegen der Meinung einiger Verwaltungen nur zum Spaß formuliert wurden.
Veröffentlicht am 11. November 2012 Autor MalteKategorien Allgemein, Fahrradfahren, Pressespiegel, Radwegbenutzungspflicht, VerkehrspolitikSchlagwörter Mobilitätswandel, Radverkehrsförderung, Radwegbenutzungspflicht, Straßenverkehrs-Ordnung, VerkehrspolitikSchreibe einen Kommentar zu München: „Die Straße gehört allen“

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