Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.12.1994&Aktenzeichen=II%20ZR%2010/94
Timestamp: 2020-04-09 07:36:32+00:00

Document:
BGH, 19.12.1994 - II ZR 10/94 - dejure.org
https://dejure.org/1994,667
BGH, 19.12.1994 - II ZR 10/94 (https://dejure.org/1994,667)
BGH, Entscheidung vom 19.12.1994 - II ZR 10/94 (https://dejure.org/1994,667)
BGH, Entscheidung vom 19. Dezember 1994 - II ZR 10/94 (https://dejure.org/1994,667)
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Eigenkapitalersetzende Wirkung vor Kriseneintritt erbrachter Gesellschafterleistungen
Eigenkapitalersatz - Konkursantrag - Gesellschafterleistung
Keine Eigenkapitalersatzhaftung wegen "Stehenlassens" einer Nutzungsüberlassung bei rechtzeitigem Konkursantrag
Umqualifizierung einer Gesellschafterleistung in Eigenkapitalersatz bei alsbaldiger Konkursantragsstellung
Gesellschaftsrecht; Umqualifizierung eines Gesellschafterdarlehens in Eigenkapital bei rechtzeitigem Konkursantrag
Eigenkapitalersetzende Nutzungsüberlassung; Umqualifizierung einer Gesellschafterleistung in Eigenkapitalersatz; Ausschluß der Umqualifizierung im Falle rechtzeitiger Konkursantragsstellung; Aufrechnungsausschluß
NJW 1995, 658
NJW-RR 1995, 865 (Ls.)
ZIP 1995, 280
MDR 1995, 590
DNotZ 1995, 486
WM 1995, 293
BB 1995, 377
DB 1995, 569
Aufgrund des eigenkapitalersetzenden Charakters der Bürgschaft des Beklagten ist der damit besicherte wie ein von ihm selbst gewährter Kredit zu behandeln (…vgl. Scholz/ K. Schmidt, GmbHG 10. Aufl. §§ 32 a, 32 b Rdn. 156;… Lutter/Hommelhoff, GmbHG 16. Aufl. §§ 32 a/b Rdn. 113); in diesem Fall wäre eine Verrechnung von Zahlungseingängen mit der (eigenkapitalersetzenden) Darlehensforderung unzulässig (vgl. Sen.Urt. v. 19. Dezember 1994 - II ZR 10/94, ZIP 1995, 280, 282).
§ 32 a GmbHG enthält keine Sonderregelung für den Vertragskonzern, sondern beschränkt - abgesehen von dem Kleinbeteiligtenprivileg gemäß Abs. 3 Satz 2 - unterschiedslos die Geltendmachung von Forderungen aus eigenkapitalersetzenden Leistungen eines Gesellschafters im Insolvenzverfahren der Gesellschaft und schließt damit auch eine Aufrechnung mit solchen Forderungen des Gesellschafters gegenüber Ansprüchen der GmbH im Insolvenzverfahren aus (Sen.Urt. v. 19. Dezember 1994 - II ZR 10/94, ZIP 1995, 280;… Roth/Altmeppen, GmbHG 5. Aufl. § 32 a Rdn. 103 m.w.Nachw.).
Der erforderliche sachliche Zusammenhang der Abtretung der Forderungen mit der Auseinandersetzung der Gesellschafter ergibt sich aus deren Entscheidung, die Gesellschaft über ein Konkursverfahren in die Liquidation zu entlassen (zu den hier in Betracht kommenden verschiedenen Möglichkeiten vgl. u. a. BGH-Urteil vom 19. Dezember 1994 II ZR 10/94, Neue Juristische Wochenschrift - NJW - 1995, 658, m. w. N.).
Diese Verteidigung gegen den Absonderungsanspruch greift durch, ohne daß der Konkursverwalter die Sicherung anfechten oder sich im Wege der Einrede auf die Anfechtbarkeit nach § 32 a KO berufen muß (BGH, Urt. v. 19. Dezember 1994 II ZR 10/94, ZIP 1995, 280, 282;… Hachenburg/Ulmer, aaO. §§ 32 a, 32 b Rdnr. 69;… Jaeger/Henckel, KO 9. Aufl. § 32 a Rdnr. 8;… Scholz/K. Schmidt, aaO. §§ 32 a, 32 b Rdnr. 56).
Es kann dahingestellt bleiben, ob der Kläger die Voraussetzungen dargetan hat, unter denen am 2. März 1993 ein Rückzahlungsanspruch des Beklagten nach den Regeln über die Umqualifizierung von vor Eintritt der Unternehmenskrise erbrachten Gesellschafterleistungen in Eigenkapitalersatz entfallen war (vgl. dazu BGHZ 121, 31, 35 f; 127, 336, 341; BGH, Urt. v. 19. Dezember 1994 - II ZR 10/94, WM 1995, 293, 294); denn das Berufungsurteil enthält keine diesbezüglichen Tatsachenfeststellungen.
Hierzu wird dem Gesellschafter von der höchstrichterlichen Rechtsprechung eine Überlegungsfrist von maximal 3 Wochen gewährt - gerechnet ab dem Zeitpunkt der Kenntnis oder des Kennenmüssens von der Krise (vgl. BGH NJW 1995, S. 658, 659;… BGH NJW 1998, S. 3200;… Baumbach/Hueck/Fastrich aaO § 32 a Rdnr. 41 m.w.N.).
Nach der gefestigten Rechtsprechung des Senats ist - von besonderen, hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen abgesehen (vgl. BGHZ 127, 336, 346 m.w.N.;… Sen.Urt. v. 28. November 1994 - II ZR 77/93, ZIP 1995, 23) - anzunehmen, daß der Gesellschafter die wirtschaftlichen Umstände, welche die Umqualifizierung seiner Hilfe in funktionales Eigenkapital begründen, gekannt hat oder jedenfalls hat kennen können (BGHZ 127, 336;… Sen.Urt. v. 28. November 1994 aaO; Sen.Urt. v. 19. Dezember 1994 - II ZR 10/94, ZIP 1995, 280;… Sen.Urt. v. 15. Juni 1998 - II ZR 17/97, ZIP 1998, 1352).
Die Beklagten haben nicht eine ihnen zustehende, am Maßstab des § 64 Abs. 1 GmbHG orientierte Überlegungszeit ungenutzt verstreichen lassen (BGHZ 121, 31; BGH NJW 1995, 658; 1998, 3200).
In diesem Zusammenhang weist der Senat für die weitere Sachbehandlung auf folgendes hin: In der Krise der Gesellschaft muß der betroffene Gesellschafter die ihm zur Vermeidung der Umqualifizierung seiner Gesellschafterleistung in funktionales Eigenkapital abverlangte Entscheidung zwar nicht sofort, aber binnen angemessener Frist treffen, wobei die in § 64 Abs. 1 GmbHG niedergelegten Maßstäbe zu beachten sind (vgl. Sen.Urt. v. 19. Dezember 1994 - II ZR 10/94, ZIP 1995, 280, 281).

References: § 32
 § 32
 § 32
 § 32
 BGH 
 BGH 
 § 32
 § 64
 BGH 
 § 64