Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/kinderbetreuung-pflicht-kommunen-3127735
Timestamp: 2020-08-13 12:32:50+00:00

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Kinderbetreuung - und die Pflicht der Kommunen | Rechtslupe
Kin­der­be­treu­ung – und die Pflicht der Kom­mu­nen
Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt blieb jetzt eine Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Ver­la­ge­rung der Ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung im Wesent­li­chen erfolg­los:
Zu den für die Län­der zwin­gen­den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes gehört Art. 28 Abs. 2 GG. Das Lan­des­recht darf daher kei­ne Rege­lun­gen ent­hal­ten, die mit Art. 28 Abs. 2 GG nicht ver­ein­bar sind.
Zu den grund­le­gen­den Struk­tur­ele­men­ten von Art. 28 Abs. 2 GG gehört die Eigen­stän­dig­keit der Gemein­den auch und gera­de gegen­über den Land­krei­sen.
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG kon­sti­tu­iert ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis, wonach der Gesetz­ge­ber den Gemein­den ört­li­che Auf­ga­ben nur aus Grün­den des Gemein­wohls ent­zie­hen darf. Das blo­ße Ziel der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung oder der Zustän­dig­keits­kon­zen­tra­ti­on schei­det als Recht­fer­ti­gung eines Auf­ga­ben­ent­zugs aus. Grün­de der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit der öffent­li­chen Ver­wal­tung recht­fer­ti­gen eine Hoch­zo­nung erst, wenn ein Belas­sen der Auf­ga­be bei den Gemein­den zu einem unver­hält­nis­mä­ßi­gen Kos­ten­an­stieg füh­ren wür­de.
Es ver­stößt mit­hin nicht gegen Art. 28 Abs. 2 GG, dass der sach­sen-anhal­ti­ni­sche Gesetz­ge­ber im Jah­re 2013 Land­krei­se und kreis­freie Städ­te statt der zuvor zustän­di­gen Gemein­den zu Ver­pflich­te­ten des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung bestimmt hat. Ein mit der Ände­rung mög­li­cher­wei­se ver­bun­de­ner Ein­griff in die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie ist jeden­falls gerecht­fer­tigt, weil die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung von sach­li­chen Erwä­gun­gen getra­gen und die mit ihr ein­her­ge­hen­de Beschnei­dung des gemeind­li­chen Auf­ga­ben­be­stan­des gering ist. Bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung der ange­grif­fe­nen Rege­lung ver­blei­ben den Gemein­den umfang­rei­che Zustän­dig­kei­ten im Bereich der Kin­der­be­treu­ung.
Soweit das Schutz­ni­veau der kom­mu­na­len Selbstver­al­tungs­ga­ran­tie nach dem Lan­des­ver­fas­sungs­recht hin­ter den Gewähr­leis­tun­gen des Grund­ge­set­zes zurück­bleibt, gilt die Sub­si­dia­ri­tät der kom­mu­na­len Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht für das Land Sach­sen-Anhalt.
Die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den sind acht kreis­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den in Sach­sen-Anhalt. Sie waren gemäß § 3 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 und Abs. 2 des Geset­zes zur För­de­rung und Betreu­ung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen und in Tages­pfle­ge des Lan­des Sach­sen-Anhalt (Kin­der­för­de­rungs­ge­setz – KiFöG LSA) vom 05.03.2003 Ver­pflich­te­te des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung. Mit Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be c des Geset­zes zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.01.2013 hat der Lan­des­ge­setz­ge­ber die Rege­lung neu gefasst und die Ver­pflich­tung zur Erfül­lung die­ses Anspruchs in § 3 Abs. 4 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 und Abs. 2 KiFöG LSA auf Land­krei­se und kreis­freie Städ­te als ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe über­tra­gen.
Die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den sehen in der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung einen ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ent­zug der Auf­ga­ben und machen inso­weit eine Ver­let­zung von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG gel­tend.
Die gesetz­li­che Rege­lung im Land Sach­sen-Anhalt
Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt
Die Ansicht der Lan­des­re­gie­rung Sach­sen-Anhalt
Die Ansicht des Deut­schen Land­kreis­ta­ges
Die Ansicht des Deut­schen Städ­te­ta­ges
Die Ansicht des Deut­schen Städ­te- und Gemein­de­bun­des
Zuläs­sig­keit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de
Frist für die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de
Auf­ga­ben­über­tra­gung und kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung
Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung
Die gesetz­li­che Rege­lung im Land Sach­sen-Anhalt[↑]
Das Kin­der­för­de­rungs­ge­setz Sach­sen-Anhalt vom 05.03.2003 trat am 8.03.2003 in Kraft [1]. Dar­in wur­den die Gemein­den statt der bis dahin für die Ver­ga­be von Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen zustän­di­gen ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe zu Ver­pflich­te­ten des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung bestimmt und ihnen Pflich­ten im Zusam­men­hang mit der Finan­zie­rung von Kin­der­ta­ges­stät­ten auf­er­legt. Das Gesetz wur­de unter ande­rem am 12.11.2004 [2], am 5.11.2009 [3] und am 17.02.2010 [4] geän­dert und ent­hielt in der bis zum Ablauf des 31.07.2013 gel­ten­den Fas­sung unter ande­rem fol­gen­de Rege­lun­gen:
§ 3 Anspruch auf Kin­der­be­treu­ung
(Fas­sung vom 12.11.2004)
(1) Jedes Kind mit gewöhn­li­chem Auf­ent­halt im Land Sach­sen-Anhalt hat bis zur Ver­set­zung in den 7. Schul­jahr­gang Anspruch
auf einen ganz­tä­gi­gen Platz (§ 17 Abs. 2) in einer Tages­ein­rich­tung,
bis zum Schul­ein­tritt, wenn aus Grün­den der Erwerbs­tä­tig­keit, der Aus, Fort- und Wei­ter­bil­dung oder der Teil­nah­me der Eltern an einer Maß­nah­me der Arbeits­för­de­rung nach § 3 des Drit­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch ein Bedarf für eine sol­che För­de­rung besteht,
vom Schul­ein­tritt bis zur Ver­set­zung in den 7. Schul­jahr­gang,
aus­nahms­wei­se, wenn und solan­ge das Jugend­amt ent­schei­det, Leis­tun­gen nach § 3a Abs. 3 Satz 1 zu erbrin­gen,
auf einen Halb­tags­platz von min­des­tens fünf Stun­den täg­lich oder 25 Wochen­stun­den in allen ande­ren Fäl­len.
(2) Von der Ver­set­zung in den 7. Schul­jahr­gang bis zur Voll­endung des 14. Lebens­jah­res hat jedes Kind mit gewöhn­li­chem Auf­ent­halt im Land Sach­sen-Anhalt Anspruch auf För­de­rung und Betreu­ung in einer Tages­ein­rich­tung, soweit Plät­ze vor­han­den sind.
(3) Der Anspruch nach den Absät­zen 1 und 2 rich­tet sich gegen die Gemein­de, in der das Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat. Ist die Gemein­de Mit­glied einer Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft, rich­tet sich der Anspruch gegen die­se, wenn ihr die­se Auf­ga­be von allen Mit­glieds­ge­mein­den zur Erfül­lung über­tra­gen wur­de.
§ 3b Wunsch- und Wahl­recht
(1) Die Leis­tungs­be­rech­tig­ten nach § 3 haben das Recht, im Rah­men frei­er Kapa­zi­tä­ten zwi­schen den ver­schie­de­nen Tages­ein­rich­tun­gen am Ort ihres gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes oder an einem ande­ren Ort zu wäh­len. Sie sind von der Leis­tungs­ver­pflich­te­ten auf die­ses Recht hin­zu­wei­sen.
(2) Der Wahl soll ent­spro­chen wer­den, sofern dies nicht mit unver­hält­nis­mä­ßi­gen Mehr­kos­ten ver­bun­den ist.
§ 9 Trä­ger
(Fas­sung vom 05.03.2003)
(1) Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen kön­nen sein:
Gemein­den, Zusam­men­schlüs­se von Gemein­den, Ver­wal­tungs­ge­mein­schaf­ten,
aner­kann­te Trä­ger der frei­en Jugend­hil­fe oder
sons­ti­ge juris­ti­sche Per­so­nen, deren Zweck das Betrei­ben einer Tages­ein­rich­tung ist und die die Anfor­de­run­gen des Steu­er­rechts an die Gemein­nüt­zig­keit erfül­len.
(3) Die Ein­rich­tung oder die Über­nah­me von Tages­ein­rich­tun­gen durch Trä­ger im Sin­ne von Absatz 1 Nrn. 2 oder 3 soll durch die Leis­tungs­ver­pflich­te­ten unter­stützt wer­den.
§ 10 Sicher­stel­lungs­auf­ga­be der Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te
(1) Die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe sind ver­ant­wort­lich für die Vor­hal­tung einer an den Bedürf­nis­sen von Fami­li­en und Kin­dern ori­en­tier­ten, kon­zep­tio­nell viel­fäl­ti­gen, leis­tungs­fä­hi­gen, zah­len­mä­ßig aus­rei­chen­den und wirt­schaft­li­chen Struk­tur von Tages­ein­rich­tun­gen.
(2) Die Tages­pfle­ge­per­so­nen sol­len durch die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe fach­lich bera­ten wer­den. Die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe sol­len die Gemein­den bei der Bereit­stel­lung von Tages­pfle­ge­stel­len nach § 3 Abs. 4 in Ver­bin­dung mit § 4 Abs. 3 unter­stüt­zen, ins­be­son­de­re durch den Nach­weis geeig­ne­ter Tages­pfle­ge­per­so­nen.
§ 11 Finan­zie­rung der Tages­be­treu­ung in Tages­ein­rich­tun­gen und in Tages­pfle­ge
(Fas­sung vom 17.02.2010)
(1) Das Land betei­ligt sich an den Kos­ten der Tages­be­treu­ung in Tages­ein­rich­tun­gen und in Tages­pfle­ge­stel­len nach § 3 Abs. 4 und Abs. 1 Satz 2 und 3, soweit die­se den Umfang eines Betreu­ungs­an­ge­bo­tes nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 über­steigt. Letz­te­re sind auf den Kos­ten­aus­gleich nach Absatz 5 anzu­rech­nen.
(4) Wird eine Tages­ein­rich­tung von einem frei­en Trä­ger gemäß § 9 Abs. 1 Nrn. 2 und 3 betrie­ben, erstat­tet die Leis­tungs­ver­pflich­te­te, in deren Zustän­dig­keits­be­reich die Tages­ein­rich­tung ihren Sitz hat, auf Antrag die für den Betrieb not­wen­di­gen Kos­ten abzüg­lich der Eltern­bei­trä­ge nach § 13 sowie eines Eigen­an­teils des Trä­gers von in der Regel bis zu 5 v. H. der Gesamt­kos­ten. Für die Beur­tei­lung der Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit sind im Übri­gen die Kos­ten maß­geb­lich, die die Leis­tungs­ver­pflich­te­te selbst als Trä­ger einer Tages­ein­rich­tung auf­zu­wen­den hät­te. Die Leis­tungs­ver­pflich­te­ten sol­len ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen mit den frei­en Trä­gern über den Umfang der Kos­ten­er­stat­tung abschlie­ßen, die auch Rege­lun­gen über die zu leis­ten­den Abschlags­zah­lun­gen ent­hal­ten.
§ 13 Eltern­bei­trä­ge
(Fas­sung vom 05.11.2009)
Hin­sicht­lich der Erhe­bung von Eltern­bei­trä­gen gel­ten die Rege­lun­gen in § 90 des Ach­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch. (…) Trä­ger gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 1, in deren Gebiet ein Eltern­bei­rat ent­spre­chend § 19 Abs. 5 gebil­det wur­de, haben auch die­sen Eltern­bei­rat zu betei­li­gen.
Mit Gesetz zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.01.2013 [5] hat der Gesetz­ge­ber das Kin­der­be­treu­ungs­recht in Sach­sen-Anhalt neu geord­net. Die meis­ten Ände­run­gen sind gemäß Art. 6 Abs. 1 des Ände­rungs­ge­set­zes mit Wir­kung zum 1.08.2013 in Kraft getre­ten, der neu ein­ge­füg­te § 11a KiFöG LSA erst zum 1.01.2015 (Art. 6 Abs. 3 des Ände­rungs­ge­set­zes). Die Neu­re­ge­lung betraf im Wesent­li­chen die Ver­la­ge­rung der Leis­tungs­ver­pflich­tung zur Bereit­stel­lung von Plät­zen in der Tages­ein­rich­tung auf den ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe, die Ein­füh­rung von Qua­li­täts­stan­dards und die Finan­zie­rung der Kin­der­be­treu­ung. Im Zuge die­ser Geset­zes­än­de­rung wur­den unter ande­rem fol­gen­de Bestim­mun­gen neu­ge­fasst:
(1) Jedes Kind mit gewöhn­li­chem Auf­ent­halt im Land Sach­sen-Anhalt hat bis zur Ver­set­zung in den 7. Schul­jahr­gang Anspruch auf einen ganz­tä­gi­gen Platz in einer Tages­ein­rich­tung.
(4) Der Anspruch nach den Absät­zen 1 und 2 rich­tet sich gegen den ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe, in des­sen Gebiet das Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.
§ 10 Sicher­stel­lungs­auf­ga­be und Bedarfs­pla­nung
(1) Die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe sind ver­ant­wort­lich für die Vor­hal­tung einer an den Bedürf­nis­sen von Fami­li­en und Kin­dern ori­en­tier­ten, kon­zep­tio­nell viel­fäl­ti­gen, leis­tungs­fä­hi­gen, zah­len­mä­ßig aus­rei­chen­den und wirt­schaft­li­chen Struk­tur von Tages­ein­rich­tun­gen. Sie haben eine Bedarfs­pla­nung gemäß § 80 Abs. 1 Nrn. 2 und 3 des Ach­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch auf­zu­stel­len. Mit den kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den, Ver­bands­ge­mein­den, Ver­wal­tungs­ge­mein­schaf­ten, den Trä­gern der frei­en Jugend­hil­fe und dem über­ört­li­chen Trä­ger der Sozi­al­hil­fe ist in allen Pha­sen der Bedarfs­pla­nung das Beneh­men her­zu­stel­len.
(2) Die Tages­ein­rich­tun­gen und die Tages­pfle­ge­per­so­nen sol­len durch die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe fach­lich bera­ten wer­den.
§ 11 Grund­sät­ze der Finan­zie­rung
(1) Die För­de­rung und Betreu­ung in Tages­ein­rich­tun­gen sowie in Tages­pfle­ge­stel­len wird gemein­sam durch das Land, die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe, die Gemein­den, Ver­bands­ge­mein­den und Ver­wal­tungs­ge­mein­schaf­ten, in deren Gebiet die Kin­der ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt haben, sowie die Eltern finan­ziert. Das Land und die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe betei­li­gen sich durch Zuwei­sun­gen.
(2) Soweit Kin­der in Tages­ein­rich­tun­gen oder in Tages­pfle­ge­stel­len Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe nach § 35a des Ach­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch oder nach den §§ 53 und 54 des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch in Ver­bin­dung mit § 55 Abs. 2 Nr. 2 des Neun­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch erhal­ten, erfolgt die Finan­zie­rung die­ser Leis­tun­gen nach den §§ 78a bis 78g des Ach­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch oder nach den §§ 75 bis 81 des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch. Bei Inan­spruch­nah­me von Hil­fen zur Erzie­hung erfolgt die Finan­zie­rung die­ser Leis­tun­gen nach dem Ach­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch.
§ 11a Ver­ein­ba­run­gen, Rah­men­ver­trag
(1) Der ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe schließt mit den Trä­gern von Tages­ein­rich­tun­gen für sei­nen Zustän­dig­keits­be­reich Ver­ein­ba­run­gen über den Betrieb der Tages­ein­rich­tun­gen nach den §§ 78b bis 78e des Ach­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch im Ein­ver­neh­men mit den Gemein­den, Ver­bands­ge­mein­den und Ver­wal­tungs­ge­mein­schaf­ten.
§ 13 Kos­ten­bei­trä­ge
(1) Für die Inan­spruch­nah­me von Ange­bo­ten der För­de­rung und Betreu­ung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen und in Tages­pfle­ge­stel­len sind von den Eltern Kos­ten­bei­trä­ge zu erhe­ben. Sie sind nach der Anzahl der ver­ein­bar­ten Betreu­ungs­stun­den zu staf­feln.
(2) Der Kos­ten­bei­trag wird durch die Gemein­de oder Ver­bands­ge­mein­de, in deren Gebiet das Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat, nach Anhö­rung der Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen und der Gemein­de­el­tern­ver­tre­tung, fest­ge­legt. Die Fest­le­gun­gen bedür­fen der Zustim­mung des ört­li­chen Trä­gers der öffent­li­chen Jugend­hil­fe.
(3) Der Kos­ten­bei­trag wird durch die Gemein­de oder Ver­bands­ge­mein­de, in deren Gebiet das Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat, erho­ben. Die Erhe­bung kann auf die Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen über­tra­gen wer­den.
Die Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes Sach­sen-Anhalt zum 1.08.2013 ging ein­her mit einer eben­falls zu die­sem Tag wirk­sam gewor­de­nen Neu­fas­sung des § 24 SGB VIII. Dem­nach sind Kin­der (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 SGB VIII) bedarfs­ge­recht in einer Tages­ein­rich­tung (§ 22 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII) oder einer Kin­der­ta­ges­pfle­ge (§ 22 Abs. 1 Satz 2 SGB VIII) zu för­dern. Dabei han­delt es sich in Bezug auf Kin­der unter einem Jahr (§ 24 Abs. 1 SGB VIII) und auf schul­pflich­ti­ge Kin­der (§ 24 Abs. 4 SGB VIII) um eine objek­tiv-recht­li­che Pflicht. Ein- bis zwei­jäh­ri­ge Kin­der (§ 24 Abs. 2 SGB VIII) und drei­jäh­ri­ge Kin­der bis zum Schul­ein­tritt (§ 24 Abs. 3 SGB VIII) haben dage­gen einen Rechts­an­spruch auf einen Betreu­ungs­platz [6]. Nach § 24 Abs. 6 SGB VIII bleibt wei­ter­ge­hen­des Lan­des­recht unbe­rührt. Das Nähe­re über Inhalt und Umfang der in § 24 SGB VIII nor­mier­ten Rech­te und Pflich­ten regelt das Lan­des­recht (§ 26 Satz 1 SGB VIII). Der Rechts­an­spruch rich­tet sich nach § 3 Abs. 2 Satz 2, § 85 Abs. 1 SGB VIII gegen den ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe. Wer Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe ist, bestimmt eben­falls das Lan­des­recht (§ 69 Abs. 1 SGB VIII). In Sach­sen-Anhalt sind dies gemäß § 1 Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­setz des Lan­des Sach­sen-Anhalt (KJHG LSA) die Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te.
Anlass für die Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes Sach­sen-Anhalt war ein befürch­te­ter Inter­es­sen­kon­flikt bei den Gemein­den, der sich nach Auf­fas­sung des Gesetz­ge­bers dar­aus erge­ben soll­te, dass die Gemein­den sowohl Ver­pflich­te­te des Betreu­ungs­an­spruchs waren als auch selbst Betreu­ungs­plät­ze anbo­ten und anbie­ten. Da die­se auch von frei­en Trä­gern bereit­ge­stellt wer­den, ste­hen sich Gemein­den und freie Trä­ger als Wett­be­wer­ber gegen­über. Aller­dings soll die öffent­li­che Jugend­hil­fe nach § 4 Abs. 2 SGB VIII von eige­nen Maß­nah­men abse­hen, soweit freie Trä­ger ein aus­rei­chen­des Ange­bot bereit­stel­len. Dar­aus wird mit­un­ter die Sub­si­dia­ri­tät kom­mu­na­ler Betreu­ungs­an­ge­bo­te gegen­über jenen der frei­en Jugend­hil­fe abge­lei­tet, jeden­falls aber ein gewis­ser Vor­rang der frei­en Trä­ger [7]. Zum Anlass für die Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes Sach­sen-Anhalt heißt es in der Geset­zes­be­grün­dung [8]:
Leis­tungs­ver­pflich­te­ter (§ 3 Abs. 4)
Leis­tungs­ver­pflich­te­te wer­den wie­der die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe. Auf Gemein­de­ebe­ne kommt es zu einem Inter­es­sen­kon­flikt. Vie­le Gemein­den sind selbst Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen. Bei abneh­men­den Kin­der­zah­len könn­ten sie daher ihren Tages­ein­rich­tun­gen den Vor­rang geben, was wie­der­um gegen den Sub­si­dia­ri­täts­grund­satz (§§ 3, 4 SGB VIII) ver­sto­ßen wür­de. Die­ses kann aller­dings nur auf der über­ge­ord­ne­ten Ebe­ne der Land­krei­se zuver­läs­sig ver­mie­den wer­den. Kom­mu­na­le Ein­rich­tun­gen und Ein­rich­tun­gen frei­er Trä­ger tre­ten so in einen Wett­be­werb.
Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt[↑]
Die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den erho­ben im Janu­ar 2014 zusam­men mit über 50 ande­ren Gemein­den gemäß Art. 75 Nr. 7 Verf LSA, § 51 Abs. 1 des Geset­zes über das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt (Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ge­setz – VerfGG LSA) eine Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt, mit der sie meh­re­re Vor­schrif­ten des Ände­rungs­ge­set­zes zum Kin­der­för­de­rungs­ge­setz und ande­rer Geset­ze angrif­fen.
Die für eine Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen der Ver­fas­sung des Lan­des Sach­sen-Anhalt vom 16.07.1992 [9] lau­ten:
Die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den wand­ten sich unter ande­rem gegen die Neu­fas­sung in § 3 Abs. 4 KiFöG LSA und rüg­ten eine Ver­let­zung der durch die Ver­fas­sung des Lan­des Sach­sen-Anhalt gewähr­leis­te­ten Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat­te hin­sicht­lich einer die Auf­ga­ben­fi­nan­zie­rung betref­fen­den Bestim­mung Erfolg. Im Übri­gen wur­de sie durch Urteil des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts Sach­sen-Anhalt vom 20.10.2015 [10] zurück­ge­wie­sen. Dabei führ­te das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt mit Blick auf die hier in Rede ste­hen­de Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung aus:
Es feh­le bereits an einem Ein­griff in ein durch die Lan­des­ver­fas­sung gewähr­leis­te­tes Recht der Gemein­den. Maß­stab sei inso­weit Art. 87 Verf LSA. Nach des­sen Absatz 1 hät­ten die drei kom­mu­na­len Ebe­nen, das heißt die Kom­mu­nen (Gemein­den und Land­krei­se) und die Gemein­de­ver­bän­de, gemein­sam gegen­über der staat­li­chen Ebe­ne den Vor­rang. Ein Vor­rang­ver­hält­nis unter­ein­an­der, wel­ches die Gemein­den vor einer Ver­la­ge­rung von Zustän­dig­kei­ten auf die Land­krei­se schüt­ze, bestehe in der Ver­fas­sung des Lan­des Sach­sen-Anhalt grund­sätz­lich nicht. Die­se ord­ne viel­mehr einen Dua­lis­mus der Selbst­ver­wal­tungs­rech­te von Land­krei­sen und Gemein­den an; danach sei die gemeind­li­che Selbst­ver­wal­tung nur eine Form der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung und ste­he gleich­ran­gig neben jener der Land­krei­se. Nach den lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben sei eine Ver­la­ge­rung von Auf­ga­ben von der Gemein­de- auf die Kreis­ebe­ne daher grund­sätz­lich kein Ein­griff in den Schutz­be­reich des Art. 87 Abs. 1 Verf LSA. Ein sol­cher sei erst dann anzu­neh­men, wenn durch die Über­tra­gung von Auf­ga­ben und Befug­nis­sen eine der bei­den kom­mu­na­len Ebe­nen so aus­ge­höhlt wer­de, dass nur noch eine „lee­re Hül­le“ zurück­blei­be und damit die sowohl für Gemein­den als auch für Land­krei­se bestehen­de „insti­tu­tio­nel­le Bestands­ga­ran­tie“ in Fra­ge stell­te. Das sei vor­lie­gend aber nicht der Fall [11]. Die­se Aus­le­gung von Art. 87 Abs. 1 Verf LSA stütz­te das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor allem auf des­sen Ent­ste­hungs­ge­schich­te [12].
Zwar gewähr­leis­te Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG einen Min­dest­schutz, den das Lan­des­recht nicht unter­schrei­ten dür­fe. Die­ses Gebot rich­te sich jedoch nur an das Lan­des­recht ins­ge­samt. Dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­ber schrei­be es nicht vor, wel­ches Schutz­ni­veau die Lan­des­ver­fas­sung vor­se­hen müs­se. Das Grund­ge­setz ent­hal­te kei­ne Vor­ga­ben dazu, durch Nor­men wel­chen Ran­ges sei­ne Garan­tien lan­des­recht­lich umge­setzt wer­den müss­ten. Gewäh­re es einen wei­ter­ge­hen­den Schutz als die Lan­des­ver­fas­sung, kön­ne dies den lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz­um­fang nicht erwei­tern. In einer sol­chen Dis­kre­panz lie­ge kein „gel­tungs­ver­nich­ten­der Wider­spruch“, son­dern eine struk­tur­be­ding­te Nor­ma­li­tät in einer bun­des­staat­li­chen Ord­nung mit ihren getrenn­ten und eigen­stän­di­gen Ver­fas­sungs­räu­men. Maß­stab für die Begründ­etheit einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt sei allein das Lan­des­ver­fas­sungs­recht und nicht Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG [13]. Es ent­stün­den dadurch auch kei­ne Rechts­schutz­lü­cken. Eine Prü­fung am Maß­stab des Art. 28 Abs. 2 GG sei dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­wehrt, sie ste­he allein dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu [13].
Im Übri­gen erschei­ne der mit der ange­foch­te­nen Rege­lung ver­bun­de­ne Ein­griff in das grund­ge­setz­li­che Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip auch im Lich­te des – nicht maß­geb­li­chen – Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG gerecht­fer­tigt. Inso­weit dürf­ten die vom Gesetz­ge­ber ange­führ­ten Grün­de für die Rück­über­tra­gung der erst 2003 auf die Gemein­den ver­la­ger­ten Auf­ga­ben bei der Erfül­lung des Leis­tungs­an­spru­ches auf den Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe aus­rei­chen, um die­se zu recht­fer­ti­gen [13].
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt[↑]
Die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den rügen, die Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung von den Gemein­den auf die Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te ver­sto­ße gegen die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG.
Der Zuläs­sig­keit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de stün­den weder deren Sub­si­dia­ri­tät gegen­über dem Rechts­weg zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt noch die für Rechts­satz­ver­fas­sungs­be­schwer­den gel­ten­de Jah­res­frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG ent­ge­gen. Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de des Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG sei nur gegen­über sol­chen lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Rechts­be­hel­fen sub­si­di­är, die einen gegen­über den bun­des­recht­li­chen Vor­ga­ben mate­ri­ell gleich­wer­ti­gen Rechts­schutz gewähr­leis­te­ten. Dies sei in Sach­sen-Anhalt jedoch nicht der Fall. Indem das Lan­des­ver­fas­sungs­recht von Sach­sen-Anhalt in der Aus­le­gung des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts Gemein­den und Land­krei­se als eine kom­mu­nal­ver­fas­sungs­recht­li­che Ein­heit behan­de­le, set­ze es sich zu Art. 28 Abs. 2 GG in Wider­spruch, der den Gemein­den Eigen­stän­dig­keit auch und gera­de gegen­über den Land­krei­sen garan­tie­re. Unter die­sem Blick­win­kel sei auch die Jah­res­frist gewahrt. Stel­le sich, wie vor­lie­gend, erst nach Durch­füh­rung eines lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens her­aus, dass ein gleich­wer­ti­ger Rechts­schutz auf Lan­des­ebe­ne nicht bestehe, begin­ne die Frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG erst mit dem Abschluss die­ses Ver­fah­rens zu lau­fen.
Die Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung von den Gemein­den auf die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe grei­fe in das Recht der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung ein. Mit der Leis­tungs­ver­pflich­tung sei­en von den Gemein­den bis­lang auto­nom wahr­ge­nom­me­ne Auf­ga­ben untrenn­bar ver­bun­den gewe­sen. So hät­te die Leis­tungs­ver­pflich­tung ins­be­son­de­re die orts­be­zo­ge­ne Zustän­dig­keit zur Pla­nung und Koor­di­nie­rung eines nach­fra­ge­ad­äqua­ten Betreu­ungs­an­ge­bots im jewei­li­gen Gemein­de­ge­biet umfasst. Im Ein­zel­nen habe hier­zu gehört:
die Koor­di­nie­rung und Durch­set­zung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung im Wege der Erar­bei­tung einer Bedarfs­ana­ly­se und Bedarfs­pla­nung,
die Erstel­lung und Fort­schrei­bung einer Leit­pla­nung im Zusam­men­hang mit der Kin­der­be­treu­ung zur Siche­rung eines bedarfs­ge­rech­ten Ange­bots an Plät­zen in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen im Gemein­de­ge­biet (unter Berück­sich­ti­gung der künf­ti­gen Aus­las­tung mit Blick auf die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung und etwai­gen Sanie­rungs­be­darf),
die Ent­wick­lung und kon­zep­tio­nel­le Pla­nung des Platz­an­ge­bots sowie des Bestan­des an Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen und Plan­um­set­zung in engem Zusam­men­wir­ken mit den frei­en Trä­gern,
die Ver­mitt­lung von Plät­zen in Kin­der­ta­ges­stät­ten an die Leis­tungs­be­rech­tig­ten (Beschei­der­stel­lung für die An, Um- und Abmel­dung), Ent­schei­dung über Anträ­ge auf Aus­übung des Wunsch- und Wahl­rechts,
die Erstel­lung von Jah­res­sta­tis­ti­ken,
die Feder­füh­rung bei Haus­halts- und Finanz­pla­nung in den Ein­rich­tun­gen,
der Abschluss der ver­trag­li­chen Grund­la­gen für den Betrieb von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen frei­er Trä­ger im Gemein­de­ge­biet,
die Abstim­mung der Gebüh­ren zwi­schen den Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen einer Gemein­de,
die Defi­zitab­rech­nun­gen mit den frei­en Trä­gern in Bezug auf Vor­aus­zah­lun­gen und End­ab­rech­nun­gen.
Mit der Zuord­nung der Leis­tungs­ver­pflich­tung zu den ört­li­chen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe sei­en ihnen die genann­ten Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben ent­zo­gen wor­den. Bei der Ver­la­ge­rung die­ser mit der Leis­tungs­ver­pflich­tung zusam­men­hän­gen­den ört­li­chen Pla­nungs- und Koor­di­nie­rungs­auf­ga­ben auf die ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe habe es sich daher um einen ech­ten Ent­zug ört­li­cher Auf­ga­ben zu Las­ten der kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den gehan­delt.
Die­ser Ein­griff sei nicht gerecht­fer­tigt. Die Geset­zes­än­de­rung ver­fol­ge schon kein legi­ti­mes Ziel. Die Befürch­tung, die Gemein­den könn­ten sich nicht an bun­des­ge­setz­li­che Vor­ga­ben hal­ten, indem sie freie Trä­ger rechts­wid­rig benach­tei­lig­ten, ent­beh­re jeder Grund­la­ge und wer­de auch durch den zu beob­ach­ten­den ste­ti­gen Anstieg frei­er Trä­ger bei den Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen wider­legt. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber miss­ver­ste­he außer­dem die ein­schlä­gi­gen bun­des­ge­setz­li­chen Vor­ga­ben. Die­se ver­lang­ten gera­de kei­nen unbe­ding­ten Vor­rang der frei­en Trä­ger und for­der­ten ins­be­son­de­re nicht, dass das vor­han­de­ne Ange­bot öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen redu­ziert wer­den müs­se. Fer­ner wer­de das mit der Geset­zes­än­de­rung ver­folg­te Ziel nicht fol­ge­rich­tig und sys­tem­kon­form umge­setzt. In jedem Fall sei die Ände­rung aber unver­hält­nis­mä­ßig. Soll­ten sich Gemein­den nicht rechts­kon­form ver­hal­ten – eine Annah­me, für die im Übri­gen jede empi­ri­sche Grund­la­ge feh­le – sei dem mit Mit­teln der Rechts­auf­sicht zu begeg­nen.
Die Ansicht der Lan­des­re­gie­rung Sach­sen-Anhalt[↑]
Die Lan­des­re­gie­rung Sach­sen-Anhalt hält die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de für unzu­läs­sig. Sie sei gegen­über der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt sub­si­di­är. Von die­ser hät­ten die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den – teil­wei­se erfolg­reich – Gebrauch gemacht. Uner­heb­lich sei dabei, ob die in Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG und § 91 Satz 2 BVerfGG ent­hal­te­ne Sub­si­dia­ri­täts­klau­sel nur vor­aus­set­ze, dass auf Lan­des­ebe­ne über­haupt ein ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Rechts­be­helf zur Ver­fü­gung ste­he, oder ob dar­über hin­aus auch zu for­dern sei, dass die in der Lan­des­ver­fas­sung ent­hal­te­ne Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie den in Art. 28 Abs. 2 GG ent­hal­te­nen Gewähr­leis­tun­gen gleich­wer­tig sein müs­se. Im ers­ten Fall sei die Ver­fas­sungs­be­schwer­de unzu­läs­sig, weil in Sach­sen-Anhalt vor dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Rechts­schutz gegen förm­li­che Geset­ze gewährt wer­de. Die zwei­te Alter­na­ti­ve kom­me von vorn­her­ein nicht in Betracht, weil sie eine Zustän­dig­keits­ab­gren­zung zwi­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und den Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­ten unmög­lich mache und der Ver­fas­sungs­au­to­no­mie der Län­der nur unzu­rei­chend Rech­nung tra­ge. Sie lie­fe auf eine unzu­läs­si­ge bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Ent­schei­dun­gen hin­aus und wür­de so zu einer nicht gewoll­ten Ver­dopp­lung des Rechts­schut­zes füh­ren. Beschwer­de­füh­ren­de Kom­mu­nen könn­ten im Fal­le des Miss­erfolgs einer Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt stets behaup­ten, der inso­weit gewähr­te Rechts­schutz blei­be hin­ter den Gewähr­leis­tun­gen des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG zurück.
Auch die Beschwer­de­frist sei nicht gewahrt. Die Rechts­la­ge sei auch schon vor dem von den beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den erwirk­ten Urteil des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts klar gewe­sen. Dies fol­ge aus dem Wort­laut von Art. 87 Abs. 1 Verf LSA, in dem die in Art. 28 Abs. 2 GG ver­an­ker­te Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Gemein­den und Land­krei­sen gera­de nicht zum Aus­druck kom­me, sowie aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te die­ser Vor­schrift. Das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe sich zu kei­nem Zeit­punkt dahin­ge­hend geäu­ßert, dass der Lan­des­ver­fas­sung Sach­sen-Anhalt ein dem Grund­ge­setz ver­gleich­ba­res Kon­zept zugrun­de lie­ge. Um die Frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG zu wah­ren, hät­ten die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den die vor­lie­gen­de Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de daher par­al­lel zur Lan­des­ver­fas­sungs­be­schwer­de erhe­ben müs­sen.
Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de sei aber auch unbe­grün­det. Der mit der Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung auf die Land­krei­se gege­be­nen­falls ver­bun­de­ne Ein­griff in die gemeind­li­che Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie sei gerecht­fer­tigt. Der Gesetz­ge­ber habe dadurch Syn­er­gie­ef­fek­te mit den Auf­ga­ben Kin­der­be­treu­ung, Kin­der­schutz und Hil­fe zur Erzie­hung erzie­len und zugleich Inter­es­sen­kon­flik­te in den Gemein­den abbau­en wol­len. Die Gemein­den stün­den mit Blick auf das Ange­bot von Tages­ein­rich­tun­gen der Kin­der­be­treu­ung im Wett­be­werb mit frei­en Trä­gern, denen nach § 4 Abs. 2 SGB VIII ein Vor­rang zukom­me. In Zei­ten abneh­men­der Kin­der­zah­len habe eine Ver­zer­rung des Wett­be­werbs gedroht, weil die Gemein­den geneigt sei­en, ihren eige­nen Tages­ein­rich­tun­gen den Vor­rang zu geben. Dies gel­te beson­ders ange­sichts des ste­tig gestie­ge­nen Anteils an frei­en Trä­gern, der im Jahr 2013 in Sach­sen-Anhalt 45 % betra­gen habe; ein wei­te­rer Anstieg sei zu erwar­ten gewe­sen. Die­se Ent­wick­lung habe einen struk­tu­rel­len Anreiz für die Gemein­den dar­ge­stellt, ihre eige­nen Ein­rich­tun­gen zu bevor­zu­gen. Das damit ver­bun­de­ne Kon­flikt­po­ten­ti­al habe sich in der Ver­gan­gen­heit bei Fra­gen der Kos­ten­er­stat­tung auch rea­li­siert. Hier hät­ten Gemein­den bewusst zu nied­ri­ge Kos­ten ange­setzt, wodurch freie Trä­ger finan­zi­ell schlech­ter gestellt wor­den sei­en. Auch hät­ten Gemein­den ihre Pflicht zur Kos­ten­tra­gung sogar dem Grun­de nach bestrit­ten, obwohl sie zu deren Über­nah­me gesetz­lich ver­pflich­tet gewe­sen sei­en.
Die Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung sei geeig­net, erfor­der­lich und ange­mes­sen, um die dar­ge­stell­ten Zwe­cke zu errei­chen. Ein Ein­schrei­ten im Wege der Rechts­auf­sicht wäre nicht glei­cher­ma­ßen wirk­sam gewe­sen, da dies eine kon­kre­te Rechts­ver­let­zung vor­aus­set­ze und den struk­tu­rel­len Kon­flikt daher nicht neu­tra­li­sie­ren kön­ne. Zudem habe die Auf­ga­ben­ent­zie­hung nur ein gerin­ges Gewicht gehabt. In der Sache habe die Neu­re­ge­lung kei­ner­lei Ver­än­de­run­gen in Bezug auf die Ver­mitt­lung von Plät­zen in frei­en und kom­mu­na­len Ein­rich­tun­gen nach sich gezo­gen. Allein die dies­be­züg­li­che Pla­nungs- und Gewähr­leis­tungs­ver­pflich­tung tref­fe nun Land­krei­se und kreis­freie Städ­te. Soweit Gemein­den bis­lang die Bedarfs­pla­nung wahr­ge­nom­men hät­ten, sei dies kei­ne ihnen zuge­wie­se­ne Auf­ga­be gewe­sen. Die Pflicht habe viel­mehr schon immer Land­krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten oble­gen, die die­se frei­lich teil­wei­se nicht erfüllt und inso­weit ein Vaku­um geschaf­fen hät­ten, in das die Gemein­den hin­ein­ge­sto­ßen sei­en. Soweit die Bedarfs­pla­nung betrof­fen sei, ände­re die Neu­re­ge­lung daher nichts am bis­he­ri­gen Rechts­zu­stand. Im Übri­gen wür­den die Gemein­den von Pla­nung und Gestal­tung des Leis­tungs­an­ge­bots nicht voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen, son­dern behiel­ten bestim­men­den Ein­fluss.
Soweit kreis­freie Städ­te und beson­ders ermäch­tig­te Gemein­den zugleich Trä­ger der Ein­rich­tun­gen und der öffent­li­chen Jugend­hil­fe sei­en, blei­be der Inter­es­sen­kon­flikt zwar abs­trakt bestehen; bei ent­spre­chen­der Grö­ße der Gemein­de kön­ne dies aber durch eine hin­rei­chend kla­re inter­ne Kom­pe­tenz­ver­tei­lung auf­ge­fan­gen wer­den.
Die Ansicht des Deut­schen Land­kreis­ta­ges[↑]
Der Deut­sche Land­kreis­tag führt aus, dass die in § 24 Abs. 2 und Abs. 3 SGB VIII nor­mier­te Ver­pflich­tung der Land­krei­se als Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe eine Pflicht zur sorg­fäl­ti­gen Pla­nung der Jugend­hil­fe im Bereich der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung begrün­de. Sie hät­ten fer­ner dafür zu sor­gen, dass freie und öffent­li­che Trä­ger die benö­tig­ten Plät­ze schü­fen. Wenn dies nicht gelin­ge, sei­en sie ver­pflich­tet, selbst eige­ne Plät­ze bereit­zu­stel­len. Dies sei aller­dings bis heu­te nie der Fall gewe­sen.
Die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung wer­de bun­des­weit nahe­zu flä­chen­de­ckend von den kreis­an­ge­hö­ri­gen Städ­ten und Gemein­den gewähr­leis­tet. In Sach­sen-Anhalt sei­en die Gemein­den durch­weg hin­rei­chend leis­tungs­fä­hig, um die orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­ga­ben der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung selbst wahr­neh­men zu kön­nen. Davon blie­ben die Stel­lung der Land­krei­se als ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe und ihre Gesamt­ver­ant­wor­tung jedoch unbe­rührt. Im Übri­gen habe die Wahr­neh­mung der den Gemein­den im Land Sach­sen-Anhalt im Bereich der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung über­tra­ge­nen Auf­ga­ben nie Anlass zur Kri­tik gege­ben.
Die Ansicht des Deut­schen Städ­te­ta­ges[↑]
Der Deut­sche Städ­te­tag erläu­tert, dass die Sicher­stel­lung des Rechts­an­spruchs aus § 24 Abs. 2 und Abs. 3 SGB VIII eine umfang­rei­che Bedarfs­ana­ly­se und Bedarfs­pla­nung der öffent­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe vor­aus­set­ze. Um ein bedarfs­ge­rech­tes, viel­fäl­ti­ges und wohn­ort­na­hes loka­les Ange­bot sicher­zu­stel­len und den Wün­schen der Eltern zu ent­spre­chen, sei dar­auf zu ach­ten, dass mög­lichst ver­schie­de­ne Ange­bo­te vor­han­den sei­en. Dabei sei­en viel­fäl­ti­ge Kri­te­ri­en zu berück­sich­ti­gen (Wohn­ort- oder Arbeits­platz­nä­he, Erreich­bar­keit mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln, päd­ago­gi­sche Aus­rich­tung, Betreu­ungs­zei­ten) und eine klein­räu­mi­ge Ana­ly­se und Pla­nung erfor­der­lich. Für die­se wür­den unter­schied­li­che Instru­men­te (Eltern­be­fra­gung, Aus­wer­tung von Infor­ma­tio­nen über die Ent­wick­lung von Wohn­raum und Arbeits­markt sowie zur demo­gra­phi­schen Ent­wick­lung, Zusam­men­ar­beit mit frei­en, kirch­li­chen und gewerb­li­chen Trä­gern) ein­ge­setzt, die genaue Kennt­nis­se der loka­len Situa­ti­on erfor­der­ten. Städ­te und Gemein­den hät­ten wich­ti­ge Auf­ga­ben bei der Gewin­nung, Aus- und Fort­bil­dung von Pfle­ge­per­so­nen und bei der Ver­mitt­lung von Betreu­ungs­plät­zen. Zu ihren Auf­ga­ben gehö­re schließ­lich auch der Betrieb eige­ner Ein­rich­tun­gen, die damit zusam­men­hän­gen­de Haus­halts- und Finanz­pla­nung, der Abschluss von Ver­trä­gen mit frei­en und gewerb­li­chen Trä­gern, die Abrech­nung mit die­sen Trä­gern, die Erstel­lung von Jah­res­sta­tis­ti­ken und der Erlass einer Gebüh­ren­ord­nung.
Grün­de, die einer Wahr­neh­mung die­ser Auf­ga­ben durch die kreis­an­ge­hö­ri­gen Städ­te und Gemein­den ent­ge­gen­stün­den, sei­en nicht ersicht­lich. Die Auf­ga­ben hät­ten einen star­ken loka­len Bezug, der ihre Anbin­dung an die kom­mu­na­le Ebe­ne sinn­voll erschei­nen las­se. Die Land­krei­se hät­ten durch Gebiets­re­for­men zudem eine Grö­ße erlangt, bei der sie Auf­ga­ben der ört­li­chen Daseins­vor­sor­ge nur noch schwer erfül­len könn­ten.
Die Ansicht des Deut­schen Städ­te- und Gemein­de­bun­des[↑]
Der Deut­sche Städ­te- und Gemein­de­bund ist der Auf­fas­sung, aus Art. 28 Abs. 2 GG fol­ge ein ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­res Recht der Gemein­den, Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen zu errich­ten, zu unter­hal­ten und zu betrei­ben. Dies sei eine Auf­ga­be der kom­mu­na­len Daseins­vor­sor­ge und eine Ange­le­gen­heit der ört­li­chen Gemein­schaft. Zur Sicher­stel­lung die­ser Auf­ga­be wür­den von den Gemein­den umfang­rei­che Pla­nun­gen zur Bedarfs­er­mitt­lung der ver­schie­de­nen Anspruchs­grup­pen durch­ge­führt, müss­ten Plät­ze ver­mit­telt, Anträ­ge unter Wah­rung des Wunsch- und Wahl­rechts der Eltern bear­bei­tet und Ver­trä­ge mit frei­en Trä­gern abge­schlos­sen wer­den. Es sei daher fol­ge­rich­tig, wenn den kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den eine Sicher­stel­lungs­funk­ti­on zuge­spro­chen wer­de, die neben die Pflich­ten des ört­li­chen Trä­gers der öffent­li­chen Jugend­hil­fe tre­te.
Es habe sich bewährt, dass in Sach­sen-Anhalt bis­lang die Gemein­den den Rechts­an­spruch auf Kin­der­be­treu­ung zu gewähr­leis­ten gehabt hät­ten. Nur so habe ein bedarfs­ge­rech­tes Ange­bot orts- und stadt­teil­ge­nau geplant und mit den frei­en Trä­gern im Gemein­de­ge­biet koor­di­niert wer­den kön­nen. Grün­de, die­se Auf­ga­be auf die Land­krei­se zu über­tra­gen, gebe es nicht. Im Gegen­teil habe die Gebiets­re­form in Sach­sen-Anhalt beson­ders gro­ße Gemein­den her­vor­ge­bracht, die auch ent­spre­chend leis­tungs­fä­hig sei­en. Die Land­krei­se sei­en dage­gen zu groß und hete­ro­gen gewor­den, als dass eine orts­na­he, auf die Bedürf­nis­se von Eltern und Kin­dern aus­ge­rich­te­te Pla­nung noch mög­lich sei. Zwi­schen den Gemein­den und den frei­en Trä­gern habe sich ein part­ner­schaft­li­ches Ver­trau­ens­ver­hält­nis ent­wi­ckelt. 45 % der Ein­rich­tun­gen in Sach­sen-Anhalt wür­den heu­te durch freie Trä­ger betrie­ben, obwohl 1990 alle Ein­rich­tun­gen noch von den Gemein­den betrie­ben wor­den sei­en. Dies allein bele­ge, dass die Gemein­den ihren eige­nen Ein­rich­tun­gen weder den Vor­rang gäben, noch die­se bei der Finan­zie­rung bevor­zug­ten. Nach der Neu­re­ge­lung habe den Gemein­den hin­sicht­lich der frei­en Trä­ger zwar eine – vom Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt bean­stan­de­te – Rest­fi­nan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung oble­gen; sie dürf­ten aber nicht mehr die Ver­hand­lun­gen mit den frei­en Trä­gern füh­ren.
Zuläs­sig­keit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]
Die Gemein­den wen­den sich aus­drück­lich gegen Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be c des Geset­zes zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.01.2013. Dabei han­delt es sich um einen taug­li­chen Beschwer­de­ge­gen­stand im Sin­ne des Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 Satz 1 BVerfGG, durch den sie selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar betrof­fen sind. Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de genügt auch den Anfor­de­run­gen des Sub­si­dia­ri­täts­grund­sat­zes gemäß Art. 93 Nr. 4b GG, § 91 Satz 2 BVerfGG und wur­de frist­ge­mäß erho­ben.
Mit ihrer kom­mu­na­len Ver­fas­sungs­be­schwer­de grei­fen die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den unmit­tel­bar Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be c des Geset­zes zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.01.2013 an, soweit mit die­sem § 3 Abs. 3 KiFöG LSA 2004 geän­dert und als § 3 Abs. 4 KiFöG LSA 2013 neu gefasst wur­de.
Die ange­grif­fe­ne Norm betrifft unmit­tel­bar die Aus­wechs­lung des zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung Ver­pflich­te­ten gemäß § 3 Abs. 1 und Abs. 2 KiFöG LSA. Dem Beschwer­de­vor­brin­gen ist dar­über hin­aus zu ent­neh­men, dass sich die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den auch gegen die Ent­zie­hung der mit der Leis­tungs­ver­pflich­tung typi­scher­wei­se zusam­men­hän­gen­den Auf­ga­ben wen­den.
Das betrifft ins­be­son­de­re die Rege­lun­gen in § 3b Abs. 1 und § 9 Abs. 3 KiFöG LSA, die selbst zwar unver­än­dert geblie­ben sind, jedoch auf den Leis­tungs­ver­pflich­te­ten im Sin­ne des § 3 Abs. 3 KiFöG LSA 2004 Bezug neh­men und dar­an recht­li­che Wir­kun­gen knüp­fen.
Gemäß § 3b Abs.1 KiFöG LSA haben die Leis­tungs­be­rech­tig­ten nach § 3 KiFöG LSA das Recht, im Rah­men frei­er Kapa­zi­tä­ten zwi­schen den ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen am Ort ihres gewöhn­li­chen Auf­ent­halts oder einem ande­ren Ort zu wäh­len. Sie sind von den Leis­tungs­ver­pflich­te­ten auf die­ses Recht hin­zu­wei­sen. Gemäß § 9 Abs. 3 KiFöG LSA soll die Ein­rich­tung oder die Über­nah­me von Tages­ein­rich­tun­gen durch Trä­ger im Sin­ne von Abs. 1 Nr. 2 (aner­kann­te Trä­ger der frei­en Jugend­hil­fe) oder Nr. 3 (sons­ti­ge juris­ti­sche Per­so­nen, deren Zweck das Betrei­ben einer Tages­ein­rich­tung ist und die die Anfor­de­run­gen des Steu­er­rechts an die Gemein­nüt­zig­keit erfül­len) durch die Leis­tungs­ver­pflich­te­ten unter­stützt wer­den. Mit dem Fort­fall der Leis­tungs­ver­pflich­tung sind damit auch die in § 3b Abs. 1 und § 9 Abs. 3 KiFöG LSA gere­gel­ten Auf­ga­ben auf die ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe über­ge­gan­gen. Da die­se Vor­schrif­ten an die Stel­lung als Leis­tungs­ver­pflich­te­ter anknüp­fen, sind sie eben­falls Gegen­stand der vor­lie­gen­den Ver­fas­sungs­be­schwer­de.
Das gilt auch für den behaup­te­ten Ent­zug der mit der Leis­tungs­ver­pflich­tung ver­bun­de­nen Pla­nungs- und Koor­di­nie­rungs­auf­ga­ben. Dar­un­ter fal­len die von den beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den ange­führ­ten Auf­ga­ben der Koor­di­nie­rung und Durch­set­zung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung durch eine Bedarfs­ana­ly­se und Bedarfs­pla­nung, die Erstel­lung und Fort­schrei­bung einer Leit­pla­nung zur Siche­rung eines bedarfs­ge­rech­ten Ange­bots an Plät­zen in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen im Gemein­de­ge­biet (unter Berück­sich­ti­gung der künf­ti­gen Aus­las­tung mit Blick auf die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung und etwai­gen Sanie­rungs­be­darf), die Ent­wick­lung und kon­zep­tio­nel­le Pla­nung des Platz­an­ge­bots sowie des Bestan­des an Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen und die Umset­zung der Pla­nung in engem Zusam­men­wir­ken mit den frei­en Trä­gern, die Erstel­lung von Jah­res­sta­tis­ti­ken, der Abschluss von Ver­trä­gen über den Betrieb von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen frei­er Trä­ger im Gemein­de­ge­biet und die Abstim­mung der Gebüh­ren zwi­schen den Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen einer Gemein­de.
Soweit die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den die Ent­zie­hung der Feder­füh­rung bei der Haus­halts- und Finanz­pla­nung in den Ein­rich­tun­gen und, damit ein­her­ge­hend, den Ver­lust der Zustän­dig­keit für die Defi­zitab­rech­nun­gen mit den frei­en Trä­gern in Bezug auf Vor­aus­zah­lun­gen und End­ab­rech­nun­gen angrei­fen, wen­den sie sich der Sache nach gegen die ersatz­lo­se Strei­chung des § 11 Abs. 4 KiFöG LSA 2010 durch Art. 1 Nr. 11 des Geset­zes zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.01.2013. Nach die­ser Rege­lung oblag den Kom­mu­nen eine par­ti­el­le und vor­über­ge­hen­de Finan­zie­rungs­pflicht bezüg­lich der vom Land und den ört­li­chen Trä­gern der Jugend­hil­fe erhal­te­nen Pau­schal­zah­lun­gen [14]. In die­sem Rah­men waren die leis­tungs­ver­pflich­te­ten Gemein­den gemäß § 11 Abs. 4 Satz 1 KiFöG LSA 2010 ver­pflich­tet, den frei­en Trä­gern von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen die für den Betrieb not­wen­di­gen Kos­ten abzüg­lich Eltern­bei­trä­ge und eines Eigen­an­teils von in der Regel bis zu 5 v. H. der Gesamt­kos­ten aus den ihnen zweck­ge­bun­den zuge­wand­ten Mit­teln zu erstat­ten. Gemäß Satz 3 soll­ten die Leis­tungs­ver­pflich­te­ten ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen mit den frei­en Trä­gern über den Umfang der Kos­ten­er­stat­tung abschlie­ßen, die auch Rege­lun­gen über die zu leis­ten­den Abschlags­zah­lun­gen ent­hiel­ten.
Die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den sind durch die ange­grif­fe­nen Rechts­nor­men selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar betrof­fen. Sie haben ihre Rechts­stel­lung als Leis­tungs­ver­pflich­te­te für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung und die unmit­tel­bar dar­an anknüp­fen­den Auf­ga­ben durch die ange­grif­fe­ne Rege­lung des Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be c und Nr. 11 des Geset­zes vom 23.01.2013 zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze ver­lo­ren. Inso­weit haben sie eine mög­li­che Ver­let­zung von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG dar­ge­legt [15].
Der Zuläs­sig­keit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de steht deren Sub­si­dia­ri­tät gemäß Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 Satz 2 BVerfGG nicht ent­ge­gen. Zwar ist eine Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen Lan­des­ge­set­ze unzu­läs­sig, soweit eine sol­che auch beim Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt erho­ben wer­den kann, Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 Satz 2 BVerfGG. Der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG fin­det jedoch kei­ne Anwen­dung, soweit die lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­che Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung hin­ter dem Gewähr­leis­tungs­ni­veau des Art. 28 Abs. 2 GG zurück­bleibt . Dies ist hier der Fall.
Nach Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG genie­ßen die Län­der Ver­fas­sungs­au­to­no­mie. Soweit das Grund­ge­setz nicht beson­de­re Anfor­de­run­gen sta­tu­iert, kön­nen sie ihr Ver­fas­sungs­recht und ihre Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit nach eige­nem Ermes­sen ord­nen [16]. Sie kön­nen in ihre Ver­fas­sung nicht nur Staats­fun­da­men­tal­nor­men auf­neh­men, die das Grund­ge­setz nicht kennt, son­dern auch Staats­fun­da­men­tal­nor­men, die mit den ent­spre­chen­den Staats­fun­da­men­tal­nor­men der Bun­des­ver­fas­sung nicht über­ein­stim­men [17]. Sie sind auch weit­ge­hend frei in der Ent­schei­dung, ob sie Rege­lun­gen, die das Grund­ge­setz ent­hält, in ihre Lan­des­ver­fas­sun­gen über­neh­men oder nicht. Auf­grund ihrer Ver­fas­sungs­au­to­no­mie sind sie nicht ver­pflich­tet, in ihren Ver­fas­sun­gen bestimm­te Rege­lun­gen vor­zu­se­hen. Sie sind nicht ein­mal ver­pflich­tet, sich über­haupt eine for­mel­le Ver­fas­sung zu geben [18].
Ins­be­son­de­re der Bereich der Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit der Län­der soll vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mög­lichst unan­ge­tas­tet blei­ben [19]. Die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit soll nicht in grö­ße­re Abhän­gig­keit gebracht wer­den, als es nach dem Bun­des­ver­fas­sungs­recht unver­meid­bar ist [19]. Dies bedeu­tet, dass die Län­der – abge­se­hen von den Fäl­len der Art. 99 und Art. 100 Abs. 3 GG – durch eine eige­ne Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit über die Ver­ein­bar­keit von Lan­des­ge­set­zen mit der Lan­des­ver­fas­sung ent­schei­den und die­se grund­sätz­lich ohne (inhalt­li­che) Kon­trol­le durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­le­gen kön­nen [20]. Dar­aus folgt zugleich, dass für die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te – unbe­scha­det spe­zi­fi­scher Anfor­de­run­gen an die Wirk­sam­keit lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­cher Bestim­mun­gen im Ein­zel­fall – aus­schließ­lich die Lan­des­ver­fas­sung den Maß­stab ihrer Ent­schei­dungs­fin­dung bil­det [21].
Gren­zen der Ver­fas­sungs­au­to­no­mie der Län­der erge­ben sich aus zwin­gen­den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes. Die Lan­des­ver­fas­sun­gen müs­sen die­se zwar nicht selbst repe­ti­tiv auf­neh­men, dür­fen ihnen aber auch nicht zuwi­der- oder sie unter­lau­fen [22].
Zu den für die Län­der zwin­gen­den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes gehört auch Art. 28 Abs. 2 GG. In stän­di­ger Recht­spre­chung hat nicht nur das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Bestim­mun­gen des Lan­des­rechts unmit­tel­bar am Maß­stab des Art. 28 Abs. 2 GG gemes­sen [23]. Dass die Bestim­mun­gen des Lan­des­rechts ein­schließ­lich der Lan­des­ver­fas­sung im Ein­klang mit Art. 28 Abs. 2 GG ste­hen müs­sen, ent­spricht auch der Recht­spre­chung der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te [24] und der über­wie­gen­den Auf­fas­sung im Schrift­tum [25]. Das Lan­des­recht darf daher kei­ne Rege­lun­gen ent­hal­ten, die mit Art. 28 Abs. 2 GG nicht ver­ein­bar sind. Aus der Sicht des Grund­ge­set­zes macht es dabei kei­nen Unter­schied, ob es sich um ein ein­fa­ches Lan­des­ge­setz oder eine Rege­lung der Lan­des­ver­fas­sung han­delt. Auch Letz­te­re darf dem Grund­ge­setz nicht wider­spre­chen. Blei­ben die lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen hin­ge­gen hin­ter der Garan­tie des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG zurück, ver­stie­ße ein mit die­ser Garan­tie unver­ein­ba­res Lan­des­ge­setz zwar nicht gegen die Lan­des­ver­fas­sung; das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt könn­te einen ent­spre­chen­den Ver­stoß auch nicht fest­stel­len. An der Unver­ein­bar­keit mit dem Grund­ge­setz ändert dies indes nichts.
Durch Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG soll eine mög­lichst umfas­sen­de ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le von gesetz­li­chen Gestal­tun­gen des kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­rechts gewähr­leis­tet wer­den [26]. Eine Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist daher nicht nur gege­ben, wenn das Lan­des­recht über­haupt kei­ne Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de vor­sieht, son­dern auch dann, wenn der zuläs­si­ge Ver­fah­rens­ge­gen­stand durch das Lan­des­recht enger gefasst wird als dies gemäß Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG der Fall ist [27]. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de kön­nen eine nach Lan­des­recht nicht angreif­ba­re Norm dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt daher zur Prü­fung stel­len, wenn die­se nach Bun­des­recht „Gesetz“ [28] und damit zuläs­si­ger Beschwer­de­ge­gen­stand der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de ist [29]. Die Kom­mu­nen könn­ten einen dem Bun­des­recht gleich­wer­ti­gen Rechts­schutz sonst nicht erlan­gen [30].
Eine sol­che Aus­le­gung der Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG beein­träch­tigt nicht die Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit der Län­der als Teil ihrer Ver­fas­sungs­au­to­no­mie. Deren Vor­rang reicht nur soweit wie die Kom­mu­nen im Land einen der bun­des­recht­li­chen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gleich­wer­ti­gen Rechts­schutz erlan­gen kön­nen [31]. Ein ein­ge­schränk­ter lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Rechts­schutz begrün­det dage­gen die Reser­ve­zu­stän­dig­keit des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts [32].
Schon der Wort­laut des Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG („wegen Ver­let­zung des Rechts auf Selbst­ver­wal­tung nach Art. 28“) deu­tet dar­auf hin, dass im – dann vor­ran­gi­gen – Ver­fah­ren vor dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt zumin­dest eine Art. 28 Abs. 2 GG ver­gleich­ba­re Garan­tie Maß­stab sein muss. Art. 28 Abs. 2 GG will bestimm­te Min­dest­stan­dards an bür­ger­schaft­li­cher Selbst­be­stim­mung in ganz Deutsch­land ein­heit­lich garan­tie­ren und tat­säch­lich gewähr­leis­ten. Ohne sei­ne unmit­tel­ba­re Gel­tung in den Län­dern wäre dies nicht zu errei­chen [33]. Inso­weit han­delt es sich bei Art. 28 Abs. 2 GG um ein unmit­tel­bar anwend­ba­res, von der ein­zel­nen Kom­mu­ne im Rah­men ihrer sub­jek­ti­ven Rechts­stel­lungs­ga­ran­tie indi­vi­du­ell ein­klag­ba­res Recht [34]. Soll die­se Garan­tie nicht leer­lau­fen, so müs­sen die Kom­mu­nen, wenn nicht wegen einer ver­gleich­ba­ren lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tung Zugang zu einem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt besteht, eine Ver­let­zung ihrer Rech­te vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt rügen kön­nen.
Die­ses Ver­ständ­nis wird auch durch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrif­ten über die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gestützt. Mit dem Wort „soweit“ in § 91 Satz 2 BVerfGG soll­te nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers eine Ein­schrän­kung for­mu­liert wer­den, die Kom­pe­ten­zen zwi­schen den Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­ten und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf­teilt. Damit soll­te jedoch kei­ne Ver­kür­zung der Mög­lich­keit effek­ti­ven Rechts­schut­zes für die Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de hin­sicht­lich des durch Art. 28 Abs. 2 GG ver­bürg­ten Min­dest­stan­dards ein­her­ge­hen [35].
Soweit eine prin­zi­pi­el­le Gleich­wer­tig­keit der Garan­tien kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne gege­ben ist, kön­nen Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht am Maß­stab von Art. 28 Abs. 2 GG über­prüft wer­den. Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG eröff­net nicht den Weg zu deren mit­tel­ba­rer Kon­trol­le [36].
Gleich­wer­tig­keit der Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tien setzt vor­aus, dass der lan­des­recht­li­che Schutz ver­gleich­bar umfas­send und effek­tiv ist. Der Schutz durch die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit muss wirk­sam und funk­ti­ons­ad­äquat sein [37].
Wesent­li­che Gewähr­leis­tungs­in­hal­te von Art. 28 Abs. 2 GG sind sol­che, die nicht hin­weg­ge­dacht wer­den kön­nen, ohne dass die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung sub­stan­ti­ell ver­än­dert wür­de. Dazu gehö­ren unter ande­rem die Gewähr­leis­tung eines eige­nen Auf­ga­ben­be­reichs der Gemein­den sowie die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Auf­ga­ben­er­fül­lung [38]. Zu den grund­le­gen­den Struk­tur­ele­men­ten von Art. 28 Abs. 2 GG gehört zudem die Eigen­stän­dig­keit der Gemein­den auch und gera­de gegen­über den Land­krei­sen [39]. Fer­ner ist das durch Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG sta­tu­ier­te ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip hin­sicht­lich aller Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft zuguns­ten der Gemein­den hier­her zu rech­nen [40], das auch der zustän­dig­keits­ver­tei­len­de Gesetz­ge­ber zu beach­ten hat [41] sowie die für die Ent­zie­hung einer sol­chen Ange­le­gen­heit gel­ten­den stren­gen Recht­fer­ti­gungs­an­for­de­run­gen [42].
Hier­nach steht das Sub­si­dia­ri­täts­er­for­der­nis der Zuläs­sig­keit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht ent­ge­gen. Vor­lie­gend besteht zwar die Mög­lich­keit, das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt wegen Ver­let­zung des Rechts auf Selbst­ver­wal­tung nach Art. 2 Abs. 3 und Art. 87 Verf LSA anzu­ru­fen (Art. 75 Nr. 7 Verf LSA, § 51 Abs. 1 VerfGG LSA), was die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den auch getan haben. Nach der inso­weit bin­den­den Aus­le­gung der Ver­fas­sung des Lan­des Sach­sen-Anhalt, wie sie das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt in sei­nem Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​14 – vor­ge­nom­men hat, unter­schei­det die lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­che Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung jedoch nicht zwi­schen Gemein­den und Land­krei­sen. Bei­de wer­den in den ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen viel­mehr unter dem Begriff „Kom­mu­nen“ zusam­men­ge­fasst [43]. Die Ver­fas­sung des Lan­des Sach­sen-Anhalt kennt danach auch kein ver­fas­sungs­recht­li­ches Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip hin­sicht­lich der Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft, das der Gesetz­ge­ber zu beach­ten hat und aus dem sich ein prin­zi­pi­el­ler Vor­rang der Gemein­de- vor der Kreis­ebe­ne ablei­ten lässt, der auch bei kom­mu­nal­recht­li­chen Zustän­dig­keits- und Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen Berück­sich­ti­gung ver­langt [13].
Frist für die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]
Die Jah­res­frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG fin­det auch im Ver­fah­ren der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de Anwen­dung [44]. Sie beginnt aller­dings nicht schon mit dem Inkraft­tre­ten des ange­grif­fe­nen Rechts­sat­zes, son­dern erst mit dem Abschluss eines fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens, wenn die Durch­füh­rung die­ses Ver­fah­rens nach § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG gebo­ten ist [45]. Ent­spre­chen­des gilt, wenn die Kom­mu­ne, nach­dem sie eine Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de erho­ben hat, auf einen sol­chen Rechts­be­helf oder auf ein Ver­fah­ren vor einem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­wie­sen wor­den ist und nach Abschluss die­ses Ver­fah­rens erneut Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de erhebt [46].
Die­ser Recht­spre­chung liegt der all­ge­mei­ne Gedan­ke zugrun­de, dass die Frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG immer dann erst mit Abschluss eines – bin­nen Jah­res­frist ein­ge­lei­te­ten – fach- oder lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens beginnt, wenn des­sen offen­sicht­li­che Erfolg­lo­sig­keit bei der gebo­te­nen ex-ante-Betrach­tung nicht von vorn­her­ein fest­stand. Erhebt eine Gemein­de unmit­tel­bar eine Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, ohne sich zuvor an das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt gewandt zu haben, muss das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die­se als unzu­läs­sig zurück­wei­sen, wenn die dor­ti­ge Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gleich­wer­tig im Sin­ne von Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 Satz 2 BVerfGG erscheint. Stellt sich jedoch in dem Ver­fah­ren vor dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt her­aus, dass das Lan­des­ver­fas­sungs­recht kein dem Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG gleich­wer­ti­ges Schutz­ni­veau ver­bürgt, greift der Sub­si­dia­ri­täts­grund­satz nicht ein. In die­sem Fall kann die Gemein­de nicht rechts­schutz­los gestellt wer­den. Es kann letzt­lich kei­nen Unter­schied machen, ob eine Kom­mu­ne das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt direkt anruft und das nicht fern lie­gen­de Risi­ko in Kauf nimmt, dass die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de wegen des Sub­si­dia­ri­täts­er­for­der­nis­ses unzu­läs­sig ist, oder ob sie zunächst eine nicht von vorn­her­ein aus­sichts­los erschei­nen­de Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de vor dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt erhebt, sich die­se jedoch mit Blick auf das Schutz­gut des Art. 28 Abs. 2 GG als unzu­rei­chend erweist [47]. Die Frist nach § 93 Abs. 3 BVerfGG kann im zwei­ten Fall nicht anders als im ers­ten erst mit Abschluss des lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens begin­nen.
Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de frist­ge­recht erho­ben.
Die im Urteil des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts Sach­sen-Anhalt vom 20.10.2015 vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung von Art. 87 Verf LSA, die – soweit es für den vor­lie­gen­den Zusam­men­hang von Bedeu­tung ist – zur Erfolg­lo­sig­keit der kom­mu­na­len Ver­fas­sungs­be­schwer­de nach Lan­des­recht geführt hat, war in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung nicht ange­legt. Die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den muss­ten daher nicht davon aus­ge­hen, dass das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt kei­nen dem Grund­ge­setz gleich­wer­ti­gen Schutz der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung gewähr­leis­ten wür­de. Auch aus dem Wort­laut der Rege­lun­gen der Lan­des­ver­fas­sung muss­te nicht zwin­gend der Schluss gezo­gen wer­den, dass das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie gesche­hen ent­schei­den wür­de. Das lag schon des­halb nicht nahe, weil die­se Aus­le­gung nicht nur von der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu Art. 28 Abs. 2 GG, son­dern auch von der­je­ni­gen aller ande­ren Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te, ‑gerichts­hö­fe und Staats­ge­richts­hö­fe zu den ent­spre­chen­den lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen [48] abge­wi­chen und damit erst­mals hin­ter dem Schutz­ni­veau von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG zurück­ge­blie­ben ist. Bis dahin war die Rechts­la­ge bun­des­weit aus­nahms­los dadurch gekenn­zeich­net, dass die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te die kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tien im Gleich­lauf mit Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG aus­ge­legt haben oder dar­über hin­aus gegan­gen sind [49]. Die Ver­fas­sungs­rechts­la­ge in den Län­dern wur­de inso­weit all­ge­mein dahin­ge­hend bewer­tet, dass kei­ne der 16 Lan­des­ver­fas­sun­gen hin­ter den Vor­ga­ben des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG zurück­blei­be [50]. Dass das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine grund­ge­setz­kon­for­me Aus­le­gung der Lan­des­ver­fas­sung nicht ein­mal in Betracht zie­hen wür­de, war daher für die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den nicht vor­aus­zu­se­hen.
Die Ände­rung des § 3 Abs. 4 KiFöG LSA ist zum 1.08.2013 in Kraft getre­ten. Die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den haben die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt am 28.01.2014 und damit inner­halb eines Jah­res nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes erho­ben. Das Urteil des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts datiert vom 20.10.2015 und ist den beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den am 10.11.2015 zuge­stellt wor­den. Ihre am 18.10.2016 beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­gan­ge­ne Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de ist damit inner­halb der Jah­res­frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG erho­ben.
Auf­ga­ben­über­tra­gung und kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung[↑]
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung von Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be c des Geset­zes zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.01.2013 unbe­grün­det. Die Über­tra­gung der Ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung auf die Land­krei­se und die Ent­zie­hung der damit ver­bun­de­nen Auf­ga­ben ver­let­zen die beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den nicht in ihren Rech­ten aus Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG.
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tiert den Gemein­den einen grund­sätz­lich alle Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft umfas­sen­den Auf­ga­ben­be­reich sowie die Befug­nis zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Füh­rung der Geschäf­te.
Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft im Sin­ne von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG sind sol­che Auf­ga­ben, die das Zusam­men­le­ben und ‑woh­nen der Men­schen vor Ort betref­fen oder einen spe­zi­fi­schen Bezug dar­auf haben [51]. Eine inhalt­lich umris­se­ne Auf­ga­ben­ga­ran­tie ent­hält Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG aller­dings nicht [52].
Die ört­li­chen Bezü­ge einer Auf­ga­be und deren Gewicht für die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung las­sen sich nicht an scharf kon­tu­rier­ten Merk­ma­len mes­sen. Viel­mehr muss bei ihrer Bestim­mung der geschicht­li­chen Ent­wick­lung und den his­to­ri­schen Erschei­nungs­for­men der Selbst­ver­wal­tung Rech­nung getra­gen wer­den [53]. Es kommt dar­auf an, ob eine Auf­ga­be für das Bild der typi­schen Gemein­de cha­rak­te­ris­tisch ist [54].
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG ent­hält jedoch kei­ne Garan­tie des Sta­tus quo im Sin­ne eines ein­mal erreich­ten Auf­ga­ben­be­stands [55]. Die Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft bil­den kei­nen ein für alle Mal fest­ste­hen­den Auf­ga­ben­kreis, weil sich die ört­li­chen Bezü­ge einer Ange­le­gen­heit mit ihren sozia­len, wirt­schaft­li­chen oder tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen wan­deln [56].
Um in den Schutz­be­reich von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG zu fal­len, muss eine Auf­ga­be nicht hin­sicht­lich aller ihrer Teil­aspek­te eine ört­li­che Ange­le­gen­heit dar­stel­len; sie kann auch nur teil­wei­se als eine sol­che der ört­li­chen Gemein­schaft anzu­se­hen, im Übri­gen jedoch über­ört­li­cher Natur sein [57]. Weist eine Auf­ga­be ört­li­che und über­ört­li­che Aspek­te auf, muss der Gesetz­ge­ber die­se bei der Aus­ge­stal­tung der Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie ange­mes­sen berück­sich­ti­gen [58].
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tiert den Gemein­den fer­ner die Befug­nis zu eigen­ver­ant­wort­li­cher Füh­rung der Geschäf­te. Eine umfas­sen­de staat­li­che Steue­rung der kom­mu­na­len Orga­ni­sa­ti­on wäre mit die­ser ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit unver­ein­bar [59]. Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tiert den Gemein­den ins­be­son­de­re die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit als das Recht, über die inne­re Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on ein­schließ­lich der bei der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung not­wen­di­gen Abläu­fe und Zustän­dig­kei­ten eigen­ver­ant­wort­lich zu ent­schei­den. Dies schließt die Befug­nis ein, selbst dar­über zu befin­den, ob eine bestimm­te Auf­ga­be eigen­stän­dig oder gemein­sam mit ande­ren Ver­wal­tungs­trä­gern wahr­ge­nom­men wird (sog. Koope­ra­ti­ons­ho­heit) [60].
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tiert die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung nur im Rah­men der Geset­ze. Bei der somit gebo­te­nen gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung steht dem Gesetz­ge­ber jedoch kei­ne unge­bun­de­ne Gestal­tungs­frei­heit zu [61]. Die Bedeu­tung der Gemein­den für den demo­kra­ti­schen Staats­auf­bau bedingt viel­mehr einen grund­sätz­li­chen Vor­rang der kom­mu­na­len Auf­ga­ben­zu­stän­dig­keit im Bereich der Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft.
Die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung ist Aus­druck der grund­ge­setz­li­chen Ent­schei­dung für eine dezen­tral orga­ni­sier­te und bür­ger­schaft­lich getra­ge­ne Ver­wal­tung [62].
Art. 28 Abs. 1 und Abs. 2 GG kon­sti­tu­ie­ren die Gemein­den als einen wesent­li­chen Bestand­teil der staat­li­chen Gesamt­or­ga­ni­sa­ti­on; sie sind ein Teil des Staa­tes, in des­sen Auf­bau sie inte­griert und mit eige­nen Rech­ten aus­ge­stat­tet sind [63]. Indem der Ver­fas­sungs­ge­ber die gemeind­li­che Selbst­ver­wal­tung in den Auf­bau des poli­tisch-demo­kra­ti­schen Gemein­we­sens des Grund­ge­set­zes ein­ge­fügt und – anders als die Reichs­ver­fas­sung von 1849 (§ 184), die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung von 1919 (Art. 127) oder die Baye­ri­sche Ver­fas­sung (Art. 11) – nicht als Grund­recht, son­dern als insti­tu­tio­nel­le Garan­tie aus­ge­stal­tet hat, hat er ihr eine spe­zi­fisch demo­kra­ti­sche Funk­ti­on bei­gemes­sen [64]. Das Bild der Selbst­ver­wal­tung, wie sie der Gewähr­leis­tung des Art. 28 Abs. 2 GG zugrun­de liegt, wird daher maß­geb­lich durch das Prin­zip der Par­ti­zi­pa­ti­on geprägt. Kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung bedeu­tet ihrer Inten­ti­on nach Akti­vie­rung der Betei­lig­ten für ihre eige­nen Ange­le­gen­hei­ten, die die ört­li­che Gemein­schaft zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben zusam­men­schließt mit dem Ziel, das Wohl der Ein­woh­ner zu för­dern und die geschicht­li­che und ört­li­che Eigen­art zu wah­ren [65]. Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG for­dert für die ört­li­che Ebe­ne inso­fern eine mit wirk­li­cher Ver­ant­wort­lich­keit aus­ge­stat­te­te Ein­rich­tung der Selbst­ver­wal­tung, die den Bür­gern eine effek­ti­ve Mit­wir­kung an den Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft ermög­licht [66]. Hier­für gewähr­leis­tet die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung den Gemein­den einen eige­nen Auf­ga­ben­be­reich sowie die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Auf­ga­ben­er­fül­lung und sichert so die not­wen­di­gen Bedin­gun­gen einer wirk­sa­men Selbst­ver­wal­tung [67].
Dem Wesen der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie ent­spre­chend bezieht sich der Schutz des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG nicht auf die indi­vi­du­el­le Gemein­de, son­dern ist abs­trakt-gene­rell zu ver­ste­hen. Vor die­sem Hin­ter­grund kommt es bei der Bestim­mung der Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft nicht dar­auf an, ob die Ver­wal­tungs­kraft einer Gemein­de für die Bewäl­ti­gung der Auf­ga­be tat­säch­lich aus­reicht [68]. Ent­schei­dend ist, ob eine Auf­ga­be in gemeind­li­cher Trä­ger­schaft bei typi­sie­ren­der Betrach­tung eine sach­an­ge­mes­se­ne, für die spe­zi­fi­schen Inter­es­sen der Ein­woh­ner und die Wahr­neh­mung ande­rer Gemein­de­auf­ga­ben för­der­li­che Erle­di­gung fin­den kann. Auch die Finanz­kraft ein­zel­ner Gemein­den hat auf die Bestim­mung der Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft grund­sätz­lich kei­nen Ein­fluss; viel­mehr muss der Staat gemäß Art. 28 Abs. 2 Satz 3 GG den Gemein­den gege­be­nen­falls die Mit­tel zur Ver­fü­gung stel­len, die sie zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben benö­ti­gen [69].
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG sta­tu­iert ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip hin­sicht­lich aller Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft zuguns­ten der Gemein­den [70]. Der Ent­zug einer sol­chen Ange­le­gen­heit unter­liegt stren­gen Recht­fer­ti­gungs­an­for­de­run­gen und fin­det in einem unan­tast­ba­ren Kern­be­reich kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung sei­ne Gren­ze [71].
Ein­grif­fe in den von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG geschütz­ten Auf­ga­ben­be­stand unter­lie­gen den Anfor­de­run­gen des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes, der als Aus­prä­gung des Rechts­staats­prin­zips [72] auch im Staats­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht dort Bedeu­tung erlan­gen kann, wo Trä­ger öffent­li­cher Gewalt mit Rech­ten gegen­über dem Staat aus­ge­stat­tet sind. Das ist bei der Aus­ge­stal­tung der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie durch den Gesetz­ge­ber der Fall [73].
Steht der Ent­zug einer Auf­ga­be der ört­li­chen Gemein­schaft im Raum, wan­delt sich die für insti­tu­tio­nel­le Garan­tien typi­sche Aus­ge­stal­tungs­be­fug­nis des Gesetz­ge­bers prak­tisch zum Geset­zes­vor­be­halt [74]. Gesetz­li­che Rege­lun­gen, die den Gemein­den Auf­ga­ben ent­zie­hen, sind auf ihre Ver­ein­bar­keit mit dem grund­sätz­li­chen Zustän­dig­keits­vor­rang zuguns­ten der Kom­mu­nen zu prü­fen, wenn sie Bezü­ge zu den Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft auf­wei­sen. Die Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve des Gesetz­ge­bers ist dabei umso enger und die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le umso inten­si­ver, je mehr die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie der Gemein­den als Fol­ge der gesetz­li­chen Rege­lung an Sub­stanz ver­liert [75].
Hat die Auf­ga­be einen rele­van­ten ört­li­chen Cha­rak­ter, so muss der Gesetz­ge­ber berück­sich­ti­gen, dass sie inso­weit an sich der gemeind­li­chen Ebe­ne zuzu­ord­nen ist. Will er die Auf­ga­be den Gemein­den gleich­wohl ent­zie­hen, so kann er dies nur, wenn die den Auf­ga­ben­ent­zug tra­gen­den Grün­de gegen­über dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG über­wie­gen; sein Ent­schei­dungs­spiel­raum ist inso­weit nor­ma­tiv gebun­den [76].
Der Gesetz­ge­ber hat die wider­strei­ten­den Belan­ge der Ver­wal­tungs­ef­fi­zi­enz und Bür­ger­nä­he in einen ver­tret­ba­ren Aus­gleich zu brin­gen. Dabei muss er nicht jeder ein­zel­nen Gemein­de, auch nicht jeder ins­ge­samt gese­hen unbe­deu­ten­den Grup­pe von Gemein­den, Rech­nung tra­gen [77]. Auch wenn die Ver­wal­tungs­kraft der ein­zel­nen Gemein­de grund­sätz­lich ohne Bedeu­tung für die Bestim­mung der ört­li­chen Ange­le­gen­hei­ten ist, kön­nen die Auf­ga­ben nicht für alle Gemein­den unab­hän­gig von ihrer Ein­woh­ner­zahl, Aus­deh­nung und Struk­tur gleich sein [77]. Die Gemein­den sind Teil der staat­li­chen Ver­wal­tung und dem Gemein­wohl ver­pflich­tet. Unbe­ding­ten Vor­rang vor den Inter­es­sen des Gesamt­staats kann ihr Inter­es­se an einer mög­lichst weit gehen­den Zustän­dig­keits­zu­wei­sung nicht bean­spru­chen [78]. Trotz ört­li­cher Bezü­ge ist es des­halb nicht aus­ge­schlos­sen, dass eine Auf­ga­be, die ein­zel­ne grö­ße­re Gemein­den in einem Land­kreis auf ört­li­cher Ebe­ne zu erfül­len ver­mö­gen, für ande­re Tei­le des Land­krei­ses nur über­ört­lich erfüll­bar ist [79].
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG kon­sti­tu­iert ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis, wonach der Gesetz­ge­ber den Gemein­den ört­li­che Auf­ga­ben nur aus Grün­den des Gemein­wohls ent­zie­hen darf, vor allem wenn die ord­nungs­ge­mä­ße Auf­ga­ben­er­fül­lung anders nicht sicher­zu­stel­len wäre. Das blo­ße Ziel der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung oder der Zustän­dig­keits­kon­zen­tra­ti­on – etwa im Inter­es­se der Über­sicht­lich­keit der öffent­li­chen Ver­wal­tung – schei­det als Recht­fer­ti­gung eines Auf­ga­ben­ent­zugs aus; denn dies ziel­te aus­schließ­lich auf die Besei­ti­gung eines Umstan­des, der gera­de durch die vom Grund­ge­setz gewoll­te dezen­tra­le Auf­ga­ben­an­sied­lung bedingt ist [80]. Grün­de der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit der öffent­li­chen Ver­wal­tung recht­fer­ti­gen eine Hoch­zo­nung erst, wenn ein Belas­sen der Auf­ga­be bei den Gemein­den zu einem unver­hält­nis­mä­ßi­gen Kos­ten­an­stieg füh­ren wür­de. Auch wenn eine zen­tra­lis­tisch orga­ni­sier­te Ver­wal­tung ratio­nel­ler und bil­li­ger arbei­ten könn­te, setzt die Ver­fas­sung die­sen öko­no­mi­schen Erwä­gun­gen den poli­tisch-demo­kra­ti­schen Gesichts­punkt der Teil­nah­me der ört­li­chen Bür­ger­schaft an der Erle­di­gung ihrer öffent­li­chen Auf­ga­ben ent­ge­gen und gibt ihm den Vor­zug. Der Staat ist daher zunächst dar­auf beschränkt, sicher­zu­stel­len, dass die Gemein­den ihre Ange­le­gen­hei­ten nach den Grund­sät­zen der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit erfül­len; dass ande­re Auf­ga­ben­trä­ger in grö­ße­ren Erle­di­gungs­räu­men die­sel­be Auf­ga­be ins­ge­samt wirt­schaft­li­cher erle­di­gen könn­ten, gestat­tet – jeden­falls grund­sätz­lich – kei­nen Auf­ga­ben­ent­zug [81].
Die­ses Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip gilt zuguns­ten kreis­an­ge­hö­ri­ger Gemein­den auch gegen­über den Krei­sen. Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG sichert den Gemein­de­ver­bän­den – und damit den Krei­sen – anders als Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG den Gemein­den gera­de kei­nen bestimm­ten Auf­ga­ben­be­reich [39]. Aus die­sem ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip folgt ein prin­zi­pi­el­ler Vor­rang der Gemein­de­ebe­ne vor der Kreis­ebe­ne [82].
Genü­gen Leis­tungs­fä­hig­keit und Ver­wal­tungs­kraft einer Gemein­de nicht, um kom­mu­na­le Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men, gewähr­leis­tet Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG den Kom­mu­nen das Recht, die­se in kom­mu­na­ler Zusam­men­ar­beit zu erfül­len, bevor der Staat sie an sich zieht [83]. Daher besteht grund­sätz­lich ein Vor­rang der inter­kom­mu­na­len Zusam­men­ar­beit vor der Hoch­zo­nung gemeind­li­cher Auf­ga­ben auf die Land­kreis­ebe­ne. Erst wenn durch gemeind­li­che Koope­ra­ti­on die Erfül­lung kom­mu­na­ler Auf­ga­ben nicht sicher­ge­stellt wer­den kann, darf der Staat den Gemein­den die davon betrof­fe­nen Zustän­dig­kei­ten ent­zie­hen.
Beneh­mens­er­for­der­nis­se genü­gen grund­sätz­lich nicht, um den Ent­zug kom­mu­na­ler Kom­pe­ten­zen zu recht­fer­ti­gen, weil die­se den Gemein­den kein wirk­sa­mes Mit­ent­schei­dungs­recht gewäh­ren. Sie ste­hen für eine ver­fah­rens­recht­li­che Betei­li­gung, der nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers kei­ne mate­ri­el­le Rechts­po­si­ti­on des betei­lig­ten Trä­gers öffent­li­cher Belan­ge kor­re­spon­diert. Beneh­mens­er­for­der­nis­se sind im Regel­fall aus­schließ­lich dem objek­tiv-recht­li­chen Ziel einer brei­te­ren Beur­tei­lungs­grund­la­ge und damit einer bes­se­ren Ent­schei­dungs­fin­dung ver­pflich­tet [84]. Die Her­stel­lung des Beneh­mens erfor­dert zwar eine Anhö­rung des Trä­gers öffent­li­cher Belan­ge durch die ent­schei­den­de Behör­de und ver­pflich­tet die­se, die Stel­lung­nah­me zu erwä­gen und Mög­lich­kei­ten einer Berück­sich­ti­gung aus­zu­lo­ten. Der betei­lig­te Trä­ger öffent­li­cher Belan­ge soll sei­nen Stand­punkt dar­le­gen, Ein­wän­de im Hin­blick auf die von ihm ver­tre­te­nen Inter­es­sen erhe­ben und auf das Ergeb­nis der Ent­schei­dung auch Ein­fluss neh­men kön­nen [85]. Eine Beneh­mens­her­stel­lung erfor­dert aller­dings kei­ne Eini­gung der betei­lig­ten Ver­wal­tungs­trä­ger, son­dern gestat­tet es der ent­schei­den­den, das Beneh­men her­stel­len­den Behör­de, sich über das Vor­brin­gen des betei­lig­ten Trä­gers öffent­li­cher Belan­ge hin­weg­zu­set­zen. Anders als bei Ein­ver­neh­mens- oder Zustim­mungs­er­for­der­nis­sen gewährt das Beneh­mens­er­for­der­nis somit kein ech­tes Mit­ent­schei­dungs­recht [85].
Der Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers fin­det sei­ne Gren­ze dar­über hin­aus im Kern­be­reich der Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie. Mit Blick auf die Auf­ga­ben­ga­ran­tie zählt zum Kern­be­reich aller­dings kein gegen­ständ­lich bestimm­ter oder nach fest­ste­hen­den Merk­ma­len bestimm­ba­rer Auf­ga­ben­ka­ta­log, wohl aber die All­zu­stän­dig­keit als die Befug­nis, sich aller Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft anzu­neh­men, die nicht ande­ren Ver­wal­tungs­trä­gern zuge­ord­net sind [86]. Im Hin­blick auf die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zäh­len vor allem die gemeind­li­chen Hoheits­rech­te (Gebiets, Pla­nungs, Per­so­nal, Orga­ni­sa­ti­ons- und Finanz­ho­heit), die der Staat den Gemein­den im Inter­es­se einer funk­ti­ons­ge­rech­ten Auf­ga­ben­wahr­neh­mung garan­tie­ren muss, zu dem durch Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG ver­bürg­ten Kern­be­reich. Das gilt jedoch nur in ihrem Grund­be­stand. Inso­fern ver­bie­tet Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG auch Rege­lun­gen, die eine eigen­stän­di­ge orga­ni­sa­to­ri­sche Gestal­tungs­fä­hig­keit der Kom­mu­nen ersti­cken wür­den [87].
Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung[↑]
Die mit der Neu­re­ge­lung in Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be c des Geset­zes zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.01.2013 ver­bun­de­ne Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung auf die Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te als ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe genügt den Anfor­de­run­gen des Art. 28 Abs. 2 GG. Die von den Gemein­den bis­lang wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben betref­fen zwar Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft und fal­len somit in den Gewähr­leis­tungs­be­reich des Art. 28 Abs. 2 GG. Soweit in der Über­tra­gung der Ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Betreu­ungs­an­spruchs auf Land­krei­se und kreis­freie Städ­te ein Ein­griff in die kom­mu­na­le All­zu­stän­dig­keit lie­gen soll­te, ist die damit ein­her­ge­hen­de Hoch­zo­nung der Auf­ga­ben jeden­falls gerecht­fer­tigt.
Gemäß § 3 Abs. 3 KiFöG LSA 2004 waren die kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den für die Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung zustän­dig. Ihnen oblag fer­ner die Unter­stüt­zung der Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen gemäß § 9 Abs. 3 KiFöG LSA 2003. Dane­ben nah­men die Gemein­den mit der Erfül­lung die­ser Ver­pflich­tun­gen zusam­men­hän­gen­de Pla­nungs- und Koor­di­nie­rungs­auf­ga­ben wahr. Bei sämt­li­chen die­ser Auf­ga­ben han­delt es sich um Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft.
§ 3 Abs. 3 KiFöG LSA 2004 regel­te die Ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Bereit­stel­lung eines Kin­der­be­treu­ungs­plat­zes. Die Vor­schrift leg­te fest, dass der Anspruch von der Gemein­de zu erfül­len war, in der das Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat­te. Die Kom­mu­ne konn­te den Anspruch gemäß § 3 Abs. 4 KiFöG LSA 2004 bedie­nen, in dem sie einen Platz in einer für Kin­der zumut­bar erreich­ba­ren Tages­ein­rich­tung anbot (Satz 1). Bei Kin­dern bis zur Voll­endung des drit­ten Lebens­jah­res konn­te der Anspruch auch durch das Ange­bot einer Tages­pfle­ge­stel­le erfüllt wer­den (Satz 2). Damit war der Gemein­de die Auf­ga­be über­tra­gen, den Anspruchs­be­rech­tig­ten ver­füg­ba­re Betreu­ungs­plät­ze zuzu­tei­len und ihrer Gewähr­leis­tungs- und Erfül­lungs­ver­pflich­tung nach­zu­kom­men.
Bei der Ver­ga­be eines Betreu­ungs­plat­zes hat­te die Gemein­de nicht nur das Kri­te­ri­um einer zumut­bar erreich­ba­ren Tages­ein­rich­tung (§ 3 Abs. 4 KiFöG LSA 2004), son­dern auch das Wunsch- und Wahl­recht (§ 3b KiFöG LSA 2004) zu beach­ten. Die­se Vor­schrift räum­te den Leis­tungs­be­rech­tig­ten das Recht ein, im Rah­men frei­er Kapa­zi­tä­ten zwi­schen den ver­schie­de­nen Tages­ein­rich­tun­gen am Ort ihres gewöhn­li­chen Auf­ent­halts oder an einem ande­ren Ort zu wäh­len (Abs. 1 Satz 1). Hier­auf waren die­se von der Leis­tungs­ver­pflich­te­ten hin­zu­wei­sen (Abs. 1 Satz 2).
Als wei­te­res Kri­te­ri­um bei der Ver­ga­be von Betreu­ungs­plät­zen hat­ten die Kom­mu­nen den Vor­rang der frei­en Trä­ger (§ 4 Abs. 2 SGB VIII) zu beach­ten. Stan­den nach Berück­sich­ti­gung der für die Ver­ga­be maß­geb­li­chen Kri­te­ri­en (zumut­ba­re Erreich­bar­keit der Ein­rich­tung, Berück­sich­ti­gung des Wunsch- und Wahl­rechts, Beach­tung des Vor­rangs der frei­en Trä­ger) noch freie Betreu­ungs­plät­ze zur Ver­fü­gung, ver­blieb den leis­tungs­ver­pflich­te­ten Gemein­den ein Spiel­raum, inner­halb des­sen sie vor­han­de­ne Kapa­zi­tä­ten ver­ge­ben konn­ten.
Den Gemein­den oblag gemäß § 9 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit § 3 Abs. 4 KiFöG LSA 2004 fer­ner die Pflicht zur Unter­stüt­zung der aner­kann­ten frei­en Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 KiFöG LSA) und sons­ti­gen juris­ti­schen Per­so­nen, deren Zweck das Betrei­ben einer Tages­ein­rich­tung war und die die Anfor­de­run­gen des Steu­er­rechts an die Gemein­nüt­zig­keit erfüll­ten (§ 9 Abs. 1 Nr. 3 KiFöG LSA). Der genaue Inhalt die­ser Unter­stüt­zungs­pflicht war gesetz­lich nicht defi­niert, wur­de jedoch in Anleh­nung an die Rege­lung des § 4 Abs. 3 SGB VIII als eine auf Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen zuge­schnit­te­ne spe­zi­el­le Aus­prä­gung der all­ge­mei­nen jugend­hil­fe­recht­li­chen För­de­rungs­pflicht zuguns­ten der frei­en Trä­ger ver­stan­den [88]. Gegen­stand der Unter­stüt­zung waren etwa die Ver­ga­be von Zuwen­dun­gen, die Bereit­stel­lung von Räu­men, die Hil­fe bei der Beschaf­fung von Grund­stü­cken, die Zulas­sung von Mit­ar­bei­tern der frei­en Trä­ger zu Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen oder auch eine fach­li­che Bera­tung, die die Gemein­den im Anwen­dungs­be­reich des § 9 Abs. 3 KiFöG LSA den frei­en Trä­gern zukom­men las­sen konn­ten.
Aus den Pla­nungs- und Koor­di­nie­rungs­auf­ga­ben, wie sie den Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe auf­grund ihrer Gesamt­ver­ant­wor­tung oblie­gen, hat­te der Lan­des­ge­setz­ge­ber mit dem Kin­der­för­de­rungs­ge­setz Sach­sen-Anhalt 2003 Teil­be­rei­che auf die kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den über­tra­gen. Dane­ben nah­men die­se Auf­ga­ben der Kin­der­be­treu­ung auch im Rah­men ihrer All­zu­stän­dig­keit wahr.
Nach § 10 Abs. 1 KiFöG LSA 2003 in Ver­bin­dung mit § 1 KJHG LSA waren Land­krei­se und kreis­freie Städ­te als ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe für die Vor­hal­tung einer an den Bedürf­nis­sen von Fami­li­en und Kin­dern ori­en­tier­ten, kon­zep­tio­nell viel­fäl­ti­gen, leis­tungs­fä­hi­gen, zah­len­mä­ßig aus­rei­chen­den und wirt­schaft­li­chen Struk­tur von Tages­ein­rich­tun­gen ver­ant­wort­lich. Die­se lan­des­recht­li­che Vor­schrift stand im Zusam­men­hang mit § 79 SGB VIII und soll­te gewähr­leis­ten, dass zur Erfül­lung der Auf­ga­ben nach SGB VIII die erfor­der­li­chen und geeig­ne­ten Ein­rich­tun­gen, Diens­te und Ver­an­stal­tun­gen den ver­schie­de­nen Grund­rich­tun­gen der Erzie­hung ent­spre­chend recht­zei­tig und aus­rei­chend zur Ver­fü­gung ste­hen (vgl. § 79 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VIII in der seit 1.01.2012 gel­ten­den Fas­sung und § 79 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII in den seit 1.07.1998 und 1.01.2007 gel­ten­den Fas­sun­gen, jeweils i.V.m. § 1 KJHG LSA). Fer­ner soll­te eine kon­ti­nu­ier­li­che Qua­li­täts­ent­wick­lung nach Maß­ga­be von § 79a SGB VIII erfol­gen (vgl. § 79 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SGB VIII in der seit 1.01.2012 gel­ten­den Fas­sung i.V.m. § 1 KJHG LSA). Die Gesamt­ver­ant­wor­tung der Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe, ein­schließ­lich ihrer Pla­nungs­ver­ant­wor­tung, wur­de in § 15 KJHG LSA klar­ge­stellt.
§ 79 SGB VIII legt als eine Art „Fun­da­men­tal­norm“ [89] die Gesamt­ver­ant­wor­tung ein­schließ­lich der Pla­nungs­ver­ant­wor­tung der Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe fest. Die­se müs­sen gewähr­leis­ten, dass die zur Erfül­lung der Auf­ga­ben erfor­der­li­chen und geeig­ne­ten Ein­rich­tun­gen recht­zei­tig und aus­rei­chend zur Ver­fü­gung ste­hen (§ 79 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VIII).
Die Pla­nungs­ver­ant­wor­tung wird – als ein in die Zukunft gerich­te­ter Gestal­tungs­pro­zess [90] – als nicht trenn­ba­rer und wesent­li­cher Bestand­teil der Gesamt­ver­ant­wor­tung in § 79 Abs. 1 SGB VIII ver­stan­den [91]. Erst auf der Grund­la­ge einer Pla­nung kann fest­ge­stellt wer­den, ob Ein­rich­tun­gen, Diens­te und Ver­an­stal­tun­gen aus­rei­chen und geeig­net sind. Um den Bedarf fest­stel­len zu kön­nen, muss der Land­kreis die kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den in die Pla­nung ein­be­zie­hen, wenn dort Ein­rich­tun­gen und Diens­te vor­han­den sind oder auf­ge­baut wer­den sol­len [92]. Dabei stellt die Pla­nung nach § 80 SGB VIII das ent­schei­den­de und umfas­sen­de (Steuerungs-)Instrument für die Erfül­lung des Sicher­stel­lungs­auf­trags dar [93]. Die Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe haben im Rah­men ihrer Pla­nungs­ver­ant­wor­tung den Bestand an Ein­rich­tun­gen und Diens­ten fest­zu­stel­len (Abs. 1 Nr. 1), den Bedarf unter Berück­sich­ti­gung der Wün­sche, Bedürf­nis­se und Inter­es­sen der jun­gen Men­schen und der Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten für einen mit­tel­fris­ti­gen Zeit­raum zu ermit­teln (Abs. 1 Nr. 2) und die zur Befrie­di­gung des Bedarfs not­wen­di­gen Vor­ha­ben recht­zei­tig und aus­rei­chend zu pla­nen; dabei ist Vor­sor­ge zu tref­fen, dass auch ein unvor­her­ge­se­he­ner Bedarf befrie­digt wer­den kann (Abs. 1 Nr. 3). Ein­rich­tun­gen und Diens­te sol­len so geplant wer­den, dass ins­be­son­de­re Kon­tak­te in der Fami­lie und im sozia­len Umfeld erhal­ten und gepflegt wer­den kön­nen (Abs. 2 Nr. 1), ein mög­lichst wirk­sa­mes, viel­fäl­ti­ges und auf­ein­an­der abge­stimm­tes Ange­bot von Jugend­hil­fe­leis­tun­gen gewähr­leis­tet ist (Abs. 2 Nr. 2), jun­ge Men­schen und Fami­li­en in gefähr­de­ten Lebens- und Wohn­be­rei­chen beson­ders geför­dert wer­den (Abs. 2 Nr. 3) und Müt­ter und Väter Auf­ga­ben in der Fami­lie und Erwerbs­tä­tig­keit bes­ser mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren kön­nen (Abs. 2 Nr. 4).
Bei der Pla­nungs­ver­ant­wor­tung im Sin­ne des § 80 SGB VIII han­delt es sich um eine nicht dele­gier­ba­re, gesetz­li­che Ver­pflich­tung der Trä­ger öffent­li­cher Jugend­hil­fe zur Pla­nung [94], mit der die­se ihre Gewähr­leis­tungs­ver­pflich­tung gemäß § 79 SGB VIII rea­li­sie­ren. Ihr haben sie kon­ti­nu­ier­lich nach­zu­kom­men. Jugend­hil­fe­pla­nung kann inso­fern nicht als eine nach ein­ma­li­gem Gesche­hen abge­schlos­se­ne Auf­ga­be ver­stan­den wer­den [95].
Die Gesamt­ver­ant­wor­tung schließt die Finanz­ver­ant­wor­tung ein [96]. Dem­nach haben die Jugend­äm­ter die Pflicht, die für die Erfül­lung der Auf­ga­ben erfor­der­li­chen Finanz­mit­tel bereit­zu­stel­len [97].
Die Gewähr­leis­tungs­pflicht des § 79 Abs. 2 SGB VIII ist Bestand­teil der umfas­sen­den Gesamt­ver­ant­wor­tung des öffent­li­chen Trä­gers [98] und ermög­licht deren Wahr­neh­mung in struk­tu­rel­ler und indi­vi­du­el­ler Hin­sicht [99]. Sie ver­pflich­tet die Jugend­äm­ter, zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben die erfor­der­li­chen und geeig­ne­ten Ein­rich­tun­gen, Diens­te und Ver­an­stal­tun­gen recht­zei­tig und aus­rei­chend zur Ver­fü­gung zu stel­len. Damit ist die Gewähr­leis­tungs­pflicht auf Bereit­stel­lung einer zur Auf­ga­ben­er­fül­lung erfor­der­li­chen Infra­struk­tur gerich­tet [100].
§ 79 Abs. 2 SGB VIII ver­pflich­tet den Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe zur Schaf­fung einer plu­ra­len Ange­bots­struk­tur, die Vor­aus­set­zung dafür ist, dass die Leis­tungs­be­rech­tig­ten ihr Wunsch- und Wahl­recht (§?5) tat­säch­lich aus­üben kön­nen [101]. Zur Erfül­lung aller Auf­ga­ben nach § 2 SGB VIII, also auch zur För­de­rung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen und in Kin­der­ta­ges­pfle­ge (§ 2 Abs. 2 Nr. 3 SGB VIII), müs­sen Ein­rich­tun­gen, Diens­te und Ver­an­stal­tun­gen zur Ver­fü­gung ste­hen, die den unter­schied­li­chen Wert­ori­en­tie­run­gen in der Gesell­schaft ent­spre­chen (§ 3 Abs. 1 SGB VIII), soweit die Leis­tungs­be­rech­tig­ten dies wün­schen (§ 5 Abs. 1 SGB VIII).
Mit Inkraft­tre­ten des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes Sach­sen-Anhalt am 8.03.2003 hat der Gesetz­ge­ber einen Teil­be­reich der von den ört­li­chen Trä­gern der Jugend­hil­fe auf­grund ihrer Gesamt­ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben, soweit die­se mit der Leis­tungs­ver­pflich­tung im Sin­ne von § 3 Abs. 3 KiFöG LSA 2004 ein­her­ge­hen, auf die Gemein­den über­tra­gen.
Nach § 69 Abs. 5 Satz 1 und Satz 4 SGB VIII in der vom 08.12 1998 bis zum 31.12 2004 gel­ten­den Fas­sung konn­ten kreis­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de, die nicht ört­li­che Trä­ger sind, kraft Lan­des­rechts für den ört­li­chen Bereich Auf­ga­ben der Jugend­hil­fe wahr­neh­men. Dem­nach konn­te der Gesetz­ge­ber in Sach­sen-Anhalt im Jah­re 2003 die Gemein­den rechts­wirk­sam zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung ver­pflich­ten [102]. Im Zuge der Föde­ra­lis­mus­re­form I von 2006 wur­de die Vor­schrift grund­le­gend über­ar­bei­tet und die Bestim­mung des Trä­gers der öffent­li­chen Jugend­hil­fe dem Lan­des­recht zuge­wie­sen (§ 69 Abs. 1 SGB VIII). Seit­dem ist der Lan­des­ge­setz­ge­ber ohne Wei­te­res befugt, ein­zel­ne Auf­ga­ben­fel­der den Gemein­den zuzu­wei­sen [103].
Durch das Kin­der­för­de­rungs­ge­setz Sach­sen-Anhalt 2003 wur­den die Auf­ga­ben der Gemein­den im Bereich der Bereit­stel­lung von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen wesent­lich erwei­tert. Danach soll­ten sie in eige­nen Ein­rich­tun­gen eine aus­rei­chen­de Zahl von Betreu­ungs­plät­zen vor­hal­ten, soweit ansons­ten die Betreu­ungs­an­sprü­che nach § 3 Abs. 1 KiFöG LSA 2004 im Gemein­de­ge­biet nicht erfüllt wer­den konn­ten. Der bis dahin den ört­li­chen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe durch § 12 des Geset­zes zur För­de­rung und Betreu­ung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen (KiBeG LSA) zuge­wie­se­ne Sicher­stel­lungs­auf­trag wur­de auf die Gemein­den ver­la­gert und ihnen als pflich­ti­ge Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­be zuge­wie­sen [104]. Sie erhiel­ten damit eine ört­li­che Gesamt­ver­ant­wor­tung unab­hän­gig von ihrer finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit. In Fäl­len zusätz­li­cher Nach­fra­ge nach Betreu­ungs­plät­zen auf­grund des Zuzugs von Fami­li­en, der Auf­nah­me einer Erwerbs­tä­tig­keit der Eltern, aber auch der Schlie­ßung von Ein­rich­tun­gen frei­er Trä­ger war die Gemein­de ver­pflich­tet, kurz­fris­tig die eige­ne Betreu­ungs­ka­pa­zi­tät zu erhö­hen, um die Rechts­an­sprü­che aus § 3 Abs. 1 KiFöG LSA 2004 erfül­len zu kön­nen [105].
Die Gemein­den waren für die Koor­di­nie­rung und Durch­set­zung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung und die Erar­bei­tung von Bedarfs­pla­nun­gen eben­so zustän­dig wie für die Siche­rung eines bedarfs­ge­rech­ten Ange­bots an Plät­zen in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen sowie die Umset­zung der Pla­nung im Zusam­men­wir­ken mit den frei­en Trä­gern. Damit nah­men die Gemein­den Pla­nungs­auf­ga­ben im Sin­ne des § 79 Abs. 1, § 80 SGB VIII wahr, die ihnen durch das KiFöG LSA 2003 mit der Ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Betreu­ungs­an­spruchs und der damit ver­bun­de­nen ört­li­chen Gesamt­ver­ant­wor­tung in Gestalt einer sub­si­diä­ren Erfül­lungs­ver­ant­wor­tung [105] über­tra­gen wor­den waren.
Nach § 11 Abs. 4 Satz 1 KiFöG LSA 2010 waren die Gemein­den fer­ner ver­pflich­tet, aus den zweck­ge­bun­de­nen Mit­teln des Lan­des und der Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe den frei­en Trä­gern von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen die für den Betrieb not­wen­di­gen Kos­ten abzüg­lich von Eltern­bei­trä­gen und eines Eigen­an­teils des Trä­gers von in der Regel bis zu 5 v. H. der Gesamt­kos­ten zu erstat­ten. Gemäß Satz 3 soll­ten sie ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen mit den frei­en Trä­gern über den Umfang der Kos­ten­er­stat­tung abschlie­ßen. Etwai­ge Fehl­be­trä­ge muss­ten die Gemein­den selbst auf­brin­gen.
Die Gemein­den waren fer­ner für die Erstel­lung von Jah­res­sta­tis­ti­ken zustän­dig. Hier­zu gehör­ten gemäß § 102 Abs. 2 Nr. 5 SGB VIII in der Fas­sung vom 08.12 1998 in Ver­bin­dung mit § 99 Abs. 8 bis 10 SGB VIII in der Fas­sung vom 12.10.2000 Erhe­bun­gen über die Ein­rich­tun­gen, Behör­den und Geschäfts­stel­len in der Jugend­hil­fe und die dort täti­gen Per­so­nen (Abs. 9) sowie der Aus­ga­ben und Ein­nah­men der öffent­li­chen Jugend­hil­fe (Abs. 10). Dane­ben muss­ten sie sta­tis­ti­sche Erhe­bun­gen durch­füh­ren, um ihre Betreu­ungs­ver­pflich­tun­gen erfül­len zu kön­nen. Zudem waren die Gemein­den gehal­ten, eine genaue Bedarfs­ana­ly­se und Bedarfs­pla­nung für die ört­li­che Betreu­ungs­platz­leit­pla­nung durch­zu­füh­ren und die hier­für erfor­der­li­chen Daten zu erfas­sen.
Eine Zustän­dig­keit für die Schaf­fung der recht­li­chen Grund­la­gen für den Betrieb von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen frei­er Trä­ger im Gemein­de­ge­biet stand den kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den dage­gen nicht zu. Die öffent­li­che Aner­ken­nung der frei­en Trä­ger nach § 75 SGB VIII oblag gemäß § 14 Abs. 1 KJHG LSA ent­we­der den ört­li­chen Jugend­äm­tern (Nr. 1), dem Lan­des­ju­gend­amt (Nr. 2) oder der obers­ten Lan­des­ju­gend­be­hör­de (Nr. 3). Für die Ertei­lung der Betriebs­er­laub­nis für die kon­kre­te Tages­ein­rich­tung waren gemäß § 85 Abs. 2 Nr. 6, § 45 SGB VIII die über­ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe zustän­dig.
Im Übri­gen haben die kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den in Sach­sen-Anhalt Auf­ga­ben im Bereich der Kin­der­be­treu­ung auf der Grund­la­ge von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG über­nom­men. Zum Kern­be­reich des gemeind­li­chen Selbst­ver­wal­tungs­rechts gehört die Befug­nis, sich aller Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft, die nicht durch Gesetz bereits ande­ren Trä­gern öffent­li­cher Ver­wal­tung über­tra­gen sind, ohne beson­de­ren Kom­pe­tenz­ti­tel anzu­neh­men [106]. Die­se Auf­ga­ben stan­den gewis­ser­ma­ßen neben den ihnen über­tra­ge­nen – jugend­hil­fe­recht­lich deter­mi­nier­ten – Auf­ga­ben und haben sich mit die­sen zum Teil über­schnit­ten. So waren die kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den in Sach­sen-Anhalt – wie über­all in Deutsch­land – auch für die Errich­tung, den Betrieb und die Finan­zie­rung eige­ner Kin­der­ta­ges­stät­ten, die „Mikro­pla­nung“ des kom­mu­na­len Betreu­ungs­be­darfs, die Unter­stüt­zung der frei­en Trä­ger und die Sta­tis­tik zustän­dig.
Die von den kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den auf­grund ihrer Ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung gemäß § 3 Abs. 3 KiFöG LSA 2004, zur Beach­tung des Wunsch- und Wahl­rechts (§ 3b KiFöG LSA 2004) und zur Unter­stüt­zung der frei­en Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen gemäß § 9 Abs. 3 KiFöG LSA 2003 wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben sowie die mit die­sen zusam­men­hän­gen­den Pla­nungs- und Koor­di­nie­rungs­auf­ga­ben sind Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft und inso­weit durch Art. 28 Abs. 2 GG gegen eine rechts­grund­lo­se und unver­hält­nis­mä­ßi­ge Ent­zie­hung geschützt. Ihr ört­li­cher Bezug wird weder durch die begrenz­te Dau­er der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung noch durch die teil­wei­se bun­des­recht­li­che Deter­mi­nie­rung der Auf­ga­be in Fra­ge gestellt.
Die Gewähr­leis­tungs­ver­pflich­tung für die Kin­der­be­treu­ung hat einen ört­li­chen Bezug und ist für das Zusam­men­le­ben vor Ort von zen­tra­ler Bedeu­tung. Das Bedürf­nis an Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen für ihre nicht schul­pflich­ti­gen Kin­der ist den Gemein­de­ein­woh­nern gemein­sam, weil es das Zusam­men­le­ben und ‑woh­nen der Men­schen in der Gemein­de betrifft [107]. Inso­weit zäh­len die wohn­ort­na­he Bereit­stel­lung von Betreu­ungs­plät­zen für Kin­der und die damit zusam­men­hän­gen­den Ver­wal­tungs­auf­ga­ben zu den Bedürf­nis­sen und Inter­es­sen, die in der ört­li­chen Gemein­schaft wur­zeln oder auf sie einen spe­zi­fi­schen Bezug haben.
Dass die Wahr­neh­mung der mit der Kin­der­be­treu­ung zusam­men­hän­gen­den Ver­wal­tungs­auf­ga­ben durch die Gemein­den in Sach­sen-Anhalt nicht auf his­to­ri­sche Vor­läu­fer zurück­bli­cken kann, ändert nichts an die­sem Befund. Zwar wur­de die Leis­tungs­ver­pflich­tung den Gemein­den erst im Jah­re 2003 auf­er­legt. Dar­aus folgt indes nicht, dass die­se Auf­ga­ben aus dem Gewähr­leis­tungs­ge­halt des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG her­aus­fie­len. Für die Bestim­mung des Gewähr­leis­tungs­be­reichs ist das his­to­ri­sche Erschei­nungs­bild der Gemein­den inso­fern rele­vant, als der Umstand, dass eine Auf­ga­be schon seit jeher von den Gemein­den erfüllt wur­de, ein – unter Umstän­den ent­schei­den­des – Indiz für die Zuge­hö­rig­keit zur Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung sein kann [108]. Das geschicht­li­che Erschei­nungs­bild ist inso­weit ein gege­be­nen­falls hin­rei­chen­des, aber kein not­wen­di­ges Kri­te­ri­um [109]. Denn die ört­li­chen Bezü­ge einer Ange­le­gen­heit wan­deln sich mit ihren sozia­len, wirt­schaft­li­chen oder tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen [56]. Der erfor­der­li­che ört­li­che Bezug kann des­halb auch bei neu­en Auf­ga­ben gege­ben sein, die kei­ne his­to­ri­schen Vor­läu­fer ken­nen.
Dies wird auch durch die recht­li­che Aus­ge­stal­tung des Betreu­ungs­an­spruchs deut­lich. Anspruch auf einen Betreu­ungs­platz haben alle Kin­der bis zu einem bestimm­ten Alter, die ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Sach­sen-Anhalt haben (§ 3 Abs. 1 und Abs. 2 KiFöG LSA). Die­ser Anspruch ist auf eine zumut­bar erreich­ba­re Tages­ein­rich­tung gerich­tet (§ 3 Abs. 5 Satz 1 KiFöG LSA) und ent­spricht dem das Jugend­hil­fe­recht beherr­schen­den Prin­zip der Wohn­ort­nä­he (§ 80 Abs. 2 Nr. 1 SGB VIII). Das­sel­be folgt aus der Gesamt­ver­ant­wor­tung des Jugend­hil­fe­trä­gers für ein bedürf­nis- und bedarfs­ge­rech­tes Ange­bot gemäß § 79, § 22 Abs. 3 SGB VIII [110]. Daher wird der aus § 24 SGB VIII fol­gen­de Anspruch nur erfüllt, wenn die Betreu­ungs­ein­rich­tung vom Wohn­sitz des Kin­des aus in ver­tret­ba­rer Zeit erreicht wer­den kann [111]. Das Bun­des­recht ver­langt, dass der ört­li­che Bedarf pri­mär ört­lich befrie­digt wird und dass über­ört­li­che Ange­bo­te den Anspruchs­be­rech­tig­ten nur in ent­spre­chend gela­ger­ten Ein­zel­fäl­len zuge­mu­tet wer­den. Ein gene­rel­ler Ver­weis auf alle in einem Land­kreis bestehen­den Ange­bo­te wür­de dem nicht gerecht.
Die Gewähr­leis­tungs­ver­pflich­tung zielt also dar­auf, dem loka­len Bedarf ein loka­les Ange­bot gegen­über­zu­stel­len. Auch soweit es Bedarf dar­an gibt, Kin­der aus­wär­tig betreu­en zu las­sen, ändert dies nichts an der grund­sätz­li­chen Zuord­nung der Auf­ga­be zum ört­li­chen Bereich [112].
Die­ses Ergeb­nis wird durch einen Ver­gleich mit der Trä­ger­schaft für Grund- und Haupt­schu­len bestä­tigt, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eben­falls als Ange­le­gen­heit der ört­li­chen Gemein­schaft qua­li­fi­ziert hat [113]. Hat das Bil­dungs­an­ge­bot für schul­pflich­ti­ge Kin­der einen spe­zi­fisch ört­li­chen Bezug, muss dies erst recht für Kin­der im Vor­schul­al­ter gel­ten, da deren Mobi­li­tät noch ein­ge­schränk­ter ist und die Ver­wirk­li­chung der inso­weit bestehen­den Ansprü­che und Pflich­ten noch stär­ker vom Wohn­ort der Eltern abhängt.
Vor die­sem Hin­ter­grund war die Leis­tungs­ver­pflich­tung den Gemein­den durch Gesetz zuge­wie­sen und zur Pflicht­auf­ga­be gemacht wor­den. Es han­del­te sich inso­weit um eine „pflich­ti­ge Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­be“ [114], die zum eige­nen Wir­kungs­kreis der Gemein­den gehör­te und daher von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG erfasst ist [115]. Eine Fach­auf­sicht bestand nicht.
Die­se Rechts­la­ge hat in Sach­sen-Anhalt zwar nur in der Zeit von 2003 bis 2013 gegol­ten. Die begrenz­te Dau­er der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung spielt für die Zuord­nung zum Gewähr­leis­tungs­be­reich des Art. 28 Abs. 2 GG – anders als das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt offen­bar annimmt [116] – jedoch kei­ne ent­schei­den­de Rol­le, weil die his­to­ri­sche Zuord­nung einer Auf­ga­be für die Zuge­hö­rig­keit zum Begriff der ört­li­chen Ange­le­gen­heit und der Funk­ti­on der Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG nicht von aus­schlag­ge­ben­der Bedeu­tung ist.
Etwas ande­res folgt schließ­lich auch nicht aus der bun­des­recht­li­chen Deter­mi­nie­rung der Auf­ga­be. Zwar ergibt sich der Anspruch auf einen Betreu­ungs­platz für Kin­der teil­wei­se schon aus § 24 SGB VIII, auch ist für den in § 24 Abs. 1 bis Abs. 4 SGB VIII näher defi­nier­ten Betreu­ungs­an­spruch der ört­li­che Trä­ger zustän­dig, § 85 Abs. 1 SGB VIII. Eine Auf­ga­ben­zu­wei­sung an die Kom­mu­nen ist damit jedoch nicht ver­bun­den (§ 69 Abs. 1 SGB VIII) und darf es von Ver­fas­sungs wegen auch nicht sein (Art. 84 Abs.1 Satz 7 GG).
Dass die Pflicht, eine bestimm­te Auf­ga­be wahr­zu­neh­men bun­des­ge­setz­lich gere­gelt ist, hin­dert ihre Ein­ord­nung als Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­be nicht [117]. Ob die Pflicht bun­des- oder lan­des­recht­lich nor­miert ist, ist eine Fra­ge der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz; davon unab­hän­gig ist zu ent­schei­den, ob die Auf­ga­be dem Gewähr­leis­tungs­be­reich von Art. 28 Abs. 2 GG unter­fällt. Begrün­det der Bund im Rah­men sei­ner Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen eine (mate­ri­el­le) Auf­ga­be, die unter dem Blick­win­kel von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG eine Ange­le­gen­heit der ört­li­chen Gemein­schaft ist, liegt es an den Län­dern, die Zustän­dig­kei­ten so zu regeln, dass die Direk­ti­ven des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG gewahrt sind [118]. Das gilt auch für das Ach­te Buch Sozi­al­ge­setz­buch [119].
Die Wahr­neh­mung der Leis­tungs­ver­pflich­tung durch die Gemein­den kol­li­diert auch nicht mit bun­des­ge­setz­li­chen Vor­ga­ben über Zustän­dig­kei­ten im Bereich des Kin­der- und Jugend­hil­fe­rechts. Ins­be­son­de­re ste­hen ihr nicht die Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen der § 69, § 85 SGB VIII ent­ge­gen.
Ein Rechts­an­spruch auf Kin­der­be­treu­ung ist in § 24 Abs. 2 und Abs. 3 SGB VIII inso­weit nor­miert, als es um den Anspruch auf Betreu­ung in einer Tages­ein­rich­tung zwi­schen dem ers­ten Geburts­tag und dem Schul­ein­tritt geht. Nach § 24 Abs. 6 SGB VIII bleibt wei­ter­ge­hen­des Lan­des­recht unbe­rührt, was ins­be­son­de­re die Rechts­la­ge in den ost­deut­schen Län­dern sichern soll [120]. Nach § 3 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII und § 85 Abs. 1 SGB VIII rich­tet sich der Rechts­an­spruch gegen den ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe [121]. Die Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe wer­den durch Lan­des­recht bestimmt, § 69 Abs. 1 SGB VIII. Gleich­zei­tig bestimmt § 79 SGB VIII, dass die Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Erfül­lung der Auf­ga­ben nach dem Sozi­al­ge­setz­buch VIII beim Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe liegt, der nach § 80 SGB VIII auch für die Bedarfs­pla­nung zustän­dig ist.
Mit dem Ver­weis auf das Lan­des­recht ver­langt § 69 Abs. 1 SGB VIII – anders als vor der Föde­ra­lis­mus­re­form I – nicht mehr, dass Land­krei­se und kreis­freie Städ­te ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe sein müs­sen [122]. Der Vor­schrift ist auch nicht zu ent­neh­men, dass die nach Bun­des­recht dem ört­li­chen Trä­ger zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben zwin­gend von dem­sel­ben Ver­wal­tungs­trä­ger wahr­zu­neh­men sind. Dies folgt nicht nur aus einem Ver­gleich mit der frü­he­ren Rechts­la­ge, in der die Über­tra­gung der Trä­ger­schaft als sol­che oder auch nur die Zuwei­sung ein­zel­ner Auf­ga­ben durch die Land­krei­se an kreis­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den aus­drück­lich gere­gelt war. Die­ses Ver­ständ­nis ergibt sich auch aus Art. 84 Abs. 1 Satz 1 GG in sei­ner durch die Föde­ra­lis­mus­re­form I 2006 geschaf­fe­nen Fas­sung, der es grund­sätz­lich aus­schließt, dass Bun­des­ge­set­ze (ver­pflich­ten­de) Rege­lun­gen über die Ein­rich­tung der Lan­des­be­hör­den ent­hal­ten. Rege­lun­gen über die Ein­rich­tung der Behör­den dür­fen aus­weis­lich des Art. 84 Abs. 1 Satz 3 GG nicht abwei­chungs­fest aus­ge­stal­tet wer­den, und mit Blick auf Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den bestimmt Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG aus­drück­lich, dass ihnen durch Bun­des­ge­setz Auf­ga­ben nicht über­tra­gen wer­den dür­fen. Die­ses Durch­griffs­ver­bot gilt aus­nahms­los [123].
Das Bun­des­recht legt vor­lie­gend weder fest, wel­che Ver­wal­tungs­ebe­ne die von ihm nor­mier­ten mate­ri­ell-recht­li­chen Auf­ga­ben erfül­len muss, noch regelt es, dass die­se ein­heit­lich von der­sel­ben Ebe­ne wahr­ge­nom­men wer­den müs­sen. Eine zustän­dig­keits­be­zo­ge­ne Vor­ga­be besteht aller­dings inso­weit, als die­je­ni­ge Kör­per­schaft, die nach Lan­des­recht der ört­li­che Trä­ger ist, die Gesamt­ver­ant­wor­tung ein­schließ­lich der Pla­nungs­ver­ant­wor­tung zu tra­gen hat, § 79 Abs. 1 SGB VIII. Dazu gehört auch die Pflicht, für eine aus­rei­chen­de Zahl an Betreu­ungs­plät­zen zu sor­gen [124]. Dar­aus mögen sich Gren­zen für die Mög­lich­keit erge­ben, die Trä­ger­schaft auf kreis­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den zu über­tra­gen; der Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung steht die Gesamt­ver­ant­wor­tung des Trä­gers aber nicht ent­ge­gen.
Vor die­sem Hin­ter­grund stellt die Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung auf Land­krei­se und kreis­freie Städ­te durch Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be c des Geset­zes zur Ände­rung des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.01.2013 bezie­hungs­wei­se § 3 Abs. 4 KiFöG LSA 2013 eine Hoch­zo­nung von Auf­ga­ben der ört­li­chen Gemein­schaft dar (a). Der damit ver­bun­de­ne Ein­griff in die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie ist jedoch von sach­li­chen Grün­den getra­gen (b). Die Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung auf die Land­krei­se erscheint des­halb für die Gemein­den zumut­bar ©.
Es spre­chen gute Grün­de dafür, dass die Aus­wechs­lung des Leis­tungs­ver­pflich­te­ten mit § 3 Abs. 4 KiFöG LSA 2013 und die damit ver­bun­de­ne Über­tra­gung der mit der Erfül­lung des Anspruchs auf einen Betreu­ungs­platz zusam­men­hän­gen­den Ver­wal­tungs­auf­ga­ben eine Hoch­zo­nung von Auf­ga­ben der ört­li­chen Gemein­schaft dar­stellt. Dies betrifft zunächst die Leis­tungs­ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung unter Berück­sich­ti­gung des Wunsch- und Wahl­rechts gemäß § 3b, § 3 Abs. 4 KiFöG LSA 2013. Auch im Bereich der Finan­zie­rung der Kin­der­be­treu­ung hat die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung Ein­schrän­kun­gen des Auf­ga­ben­fel­des der kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit sich gebracht. So fiel den Kom­mu­nen nach der alten Geset­zes­la­ge die Finan­zie­rung der frei­en Trä­ger im Rah­men einer par­ti­el­len und vor­über­ge­hen­den Finan­zie­rungs­pflicht als pflich­ti­ge Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­be zu. Sie konn­ten mit den im Gemein­de­ge­biet ansäs­si­gen frei­en Trä­gern von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen über den Umfang der Kos­ten­er­stat­tung nach § 11 Abs. 4 Satz 3 KiFöG LSA 2010 schlie­ßen. Inso­weit hat­ten sie auf­grund ihrer Leis­tungs­ver­pflich­tung eine ihrer ört­li­chen Gesamt­ver­ant­wor­tung ent­sprin­gen­de umfas­sen­de Finanz­ver­ant­wor­tung für die Errich­tung, den Betrieb und die Unter­hal­tung der in ihrem Gemein­de­ge­biet vor­han­de­nen oder zusätz­lich aus Bedarfs­grün­den erfor­der­li­chen Kin­der­ta­ges­stät­ten, die ihnen heu­te nicht mehr zusteht.
Die gesetz­li­che Rege­lung wird indes durch hin­rei­chen­de sach­li­che Grün­de getra­gen [125]. Die Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung soll der Stär­kung der staat­li­chen Jugend­äm­ter, einer kon­ti­nu­ier­li­chen Qua­li­täts­ent­wick­lung, sowie der Zusam­men­füh­rung der haf­tungs­be­wehr­ten Gewähr­leis­tungs­pflicht zur Bereit­stel­lung eines Kin­der­be­treu­ungs­plat­zes mit der lan­des­recht­li­chen Ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung die­nen.
Das Anlie­gen, die staat­li­chen Jugend­äm­ter zu stär­ken, zielt auf die Kon­zen­tra­ti­on der Auf­ga­ben der Jugend­hil­fe bei den ört­li­chen Trä­gern. Es ent­spricht damit dem gesetz­li­chen Leit­bild des § 79 Abs. 1 SGB VIII, der die Gesamt­ver­ant­wor­tung ein­schließ­lich der Pla­nungs­ver­ant­wor­tung der ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe begrün­det und sie ver­pflich­tet zu gewähr­leis­ten, dass die zur Erfül­lung der Auf­ga­ben erfor­der­li­chen und geeig­ne­ten Ein­rich­tun­gen recht­zei­tig und aus­rei­chend zur Ver­fü­gung ste­hen [126].
Die­sem Leit­bild ent­spricht, wie die Lan­des­re­gie­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­tra­gen hat, das Anlie­gen des sach­sen-anhal­ti­ni­schen Gesetz­ge­bers, die Leis­tun­gen der Kin­der­be­treu­ung aus einer Hand anzu­bie­ten und sie bei den ört­li­chen Trä­gern der Jugend­hil­fe zu kon­zen­trie­ren. Dem fol­gend, hat er die mit der Leis­tungs­ver­pflich­tung ver­bun­de­ne ört­li­che Gesamt­ver­ant­wor­tung [105] (wie­der) den ört­li­chen Trä­gern der Jugend­hil­fe über­tra­gen und ihnen auch die Bedarfs­pla­nung gemäß § 80 Abs. 1 Nr. 2 und Nr. 3 SGB VIII zuge­wie­sen (§ 10 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 KiFöG LSA). Der Stär­kung der staat­li­chen Jugend­äm­ter dient – wie die Ver­tre­te­rin der Lan­des­re­gie­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung dar­ge­legt hat – fer­ner das Anlie­gen, durch die gemein­sa­me Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben der Kin­der­be­treu­ung, des Kin­der­schut­zes und der Hil­fe zur Erzie­hung Syn­er­gie­ef­fek­te zu erzie­len.
Der Bün­de­lung der Kom­pe­ten­zen bei den Jugend­äm­tern liegt zugleich das Anlie­gen einer Qua­li­täts­stei­ge­rung zugrun­de. Die Gewähr­leis­tung einer kon­ti­nu­ier­li­chen Qua­li­täts­ent­wick­lung ist Teil der Gesamt­ver­ant­wor­tung des ört­li­chen Trä­gers der Jugend­hil­fe (§ 79 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, § 79a SGB VIII) und war bereits vor ihrer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Ver­an­ke­rung zum 1.01.2012 als sol­cher aner­kannt [127].
Die Pflicht zur Qua­li­täts­ent­wick­lung bezieht sich nach § 79a Satz 1 Nr. 1 SGB VIII auf die Gewäh­rung und Erbrin­gung von Leis­tun­gen und gilt auch für die Auf­ga­ben der Kin­der­be­treu­ung. Vor die­sem Hin­ter­grund woll­te der Gesetz­ge­ber die Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Ver­ga­be von Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen im Inter­es­se der Qua­li­täts­si­che­rung bei den Jugend­äm­tern kon­zen­trie­ren. Zur Qua­li­täts­si­che­rung gehört die Ein­hal­tung der maß­geb­li­chen Ver­ga­be­kri­te­ri­en, also die Sicher­stel­lung recht­mä­ßi­ger Ver­ga­be­ent­schei­dun­gen. Bei die­sen ist neben dem Kri­te­ri­um der zumut­bar erreich­ba­ren Tages­ein­rich­tung gemäß § 3 Abs. 5 KiFöG LSA 2013 sowie des Wunsch- und Wahl­rechts gemäß § 3b KiFöG LSA 2013 auch der Vor­rang der frei­en Trä­ger gemäß § 4 Abs. 2 SGB VIII zu berück­sich­ti­gen.
Es ist dar­über hin­aus ein legi­ti­mes Anlie­gen der Qua­li­täts­ent­wick­lung bei der Ver­ga­be von Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen, einer mög­li­chen Miss­brauchs­ge­fahr, die sich aus der Wett­be­werbs­si­tua­ti­on zwi­schen Gemein­den und frei­en Trä­gern erge­ben kann, und mög­li­chen Fehl­ent­schei­dun­gen in der Zukunft zu begeg­nen. Ob die Kon­kur­renz zwi­schen kom­mu­na­len und frei­en Betreu­ungs­an­ge­bo­ten zu einem struk­tu­rel­len Inter­es­sen­kon­flikt geführt hat, kann an die­ser Stel­le dahin­ste­hen. Ein sol­cher kann jeden­falls nicht allein damit begrün­det wer­den, dass kreis­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den in der Ver­gan­gen­heit mit frei­en Trä­gern über die Erstat­tung der nach § 11 Abs. 4 KiFöG LSA 2010 für den Betrieb der Tages­ein­rich­tung not­wen­di­gen Kos­ten gestrit­ten haben und es des­halb zu eini­gen weni­gen ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gekom­men ist [128]. Des­sen unge­ach­tet ist die Pro­gno­se des Gesetz­ge­bers nicht zu bean­stan­den, dass es auf­grund des Neben­ein­an­ders von kom­mu­na­len und frei­en Ein­rich­tun­gen einen Inter­es­sen­kon­flikt zwi­schen den Gemein­den und ihren pri­va­ten Wett­be­wer­bern geben und der von der Lan­des­re­gie­rung als Vor­rang­re­ge­lung für letz­te­re ver­stan­de­ne § 4 Abs. 2 SGB VIII dadurch unter­lau­fen wer­den kann. Offen bleibt aller­dings, war­um ein sol­cher Inter­es­sen­kon­flikt bei kreis­frei­en Städ­ten, bei denen Leis­tungs­ver­pflich­tung und die Trä­ger­schaft von Kin­der­ta­ges­stät­ten wei­ter­hin zusam­men­fal­len, nicht mög­lich sein soll. Jeden­falls han­delt es sich mit Blick auf die in § 79 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, § 79a SGB VIII nor­mier­te Pflicht zur Gewähr­leis­tung einer kon­ti­nu­ier­li­chen Qua­li­täts­ent­wick­lung um einen legi­ti­men Zweck, wenn zum Schutz der frei­en Trä­ger vor poten­ti­el­ler Benach­tei­li­gung bei der Ver­ga­be von Betreu­ungs­plät­zen die maß­geb­li­che Ver­ga­be­ent­schei­dung auf die ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe über­tra­gen wird.
Die Zusam­men­füh­rung der haf­tungs­be­wehr­ten unbe­ding­ten Gewähr­leis­tungs­pflicht zur Bereit­stel­lung eines Kin­der­be­treu­ungs­plat­zes und der lan­des­recht­li­chen Leis­tungs­ver­pflich­tung auf der Ebe­ne der Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te stellt eben­falls einen legi­ti­men Zweck dar.
Die Ände­rung des Leis­tungs­ver­pflich­te­ten in § 3 Abs. 4 KiFöG LSA zum 1.08.2013 ging ein­her mit der am sel­ben Tag in Kraft getre­te­nen Ände­rung des § 24 SGB VIII. Die­ser sieht zum einen objek­tiv-recht­li­che Ver­pflich­tun­gen zur Betreu­ung von Kin­dern ab der Geburt bis vor Voll­endung des ers­ten Lebens­jah­res (Abs. 1) und im schul­pflich­ti­gen Alter (Abs. 4) vor [129]. Zum andern beinhal­tet er in den Absät­zen 2 und 3 Rechts­an­sprü­che auf För­de­rung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen oder in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge von der Voll­endung des ers­ten Lebens­jahrs an bis zum Schul­ein­tritt, bei deren Nicht­er­fül­lung Amts­haf­tungs­an­sprü­che aus § 839 Abs. 1 Satz 1 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 34 GG ent­ste­hen kön­nen [130]. Aus der Rege­lung erwächst für den ört­lich und sach­lich zustän­di­gen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe somit die (Amts-)Pflicht, im Rah­men sei­ner Gesamt­ver­ant­wor­tung sicher­zu­stel­len, dass für jedes anspruchs­be­rech­tig­te Kind, für das ein ent­spre­chen­der Bedarf recht­zei­tig ange­mel­det wor­den ist (§ 24 Abs. 5 Satz 2 SGB VIII), ein Betreu­ungs­platz zur Ver­fü­gung steht; inso­weit trifft ihn eine unbe­ding­te Gewähr­leis­tungs­pflicht [131]. Die vor­be­zeich­ne­te Amts­pflicht besteht nicht nur im Rah­men der vor­han­de­nen Kapa­zi­tät; viel­mehr trifft den gesamt­ver­ant­wort­li­chen Jugend­hil­fe­trä­ger die unbe­ding­te Pflicht, eine aus­rei­chen­de Zahl von Betreu­ungs­plät­zen selbst zu schaf­fen oder durch geeig­ne­te Drit­te – freie Trä­ger der Jugend­hil­fe, Kom­mu­nen oder Tages­pfle­ge­per­so­nen – bereit­zu­stel­len [132]. Gesamt­ver­ant­wort­lich sind auf­grund der lan­des­recht­li­chen Rege­lung in § 1 KJHG LSA in Sach­sen-Anhalt die Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te. Die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung sorgt für einen Gleich­lauf der die Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te aus § 24 Abs. 2 und Abs. 3 SGB VIII in Ver­bin­dung mit dem Lan­des­recht tref­fen­den haf­tungs­be­wehr­ten Gewähr­leis­tungs­pflicht zur Bereit­stel­lung eines Kin­der­be­treu­ungs­plat­zes auf der einen Sei­te und der lan­des­recht­li­chen Ver­pflich­tung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung gemäß § 3 Abs. 1 und Abs. 2 KiFöG LSA 2013 auf der ande­ren Sei­te.
Die ange­grif­fe­ne Rege­lung genügt auch den Anfor­de­run­gen des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes. Sie ist geeig­net, erfor­der­lich und zumut­bar.
Sie lässt das Recht der kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den unbe­rührt, sich auf­grund ihrer All­zu­stän­dig­keit frei­wil­lig der ört­li­chen Auf­ga­be der Kin­der­be­treu­ung und ins­be­son­de­re der damit zusam­men­hän­gen­den Pla­nungs- und Koor­di­nie­rungs­auf­ga­ben für ihr Gemein­de­ge­biet anzu­neh­men. Die All­zu­stän­dig­keit erlaubt den kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den auch im Bereich der Jugend­hil­fe ein­zel­ne Auf­ga­ben frei­wil­lig zu über­neh­men [133], solan­ge die­se nicht zum aus­schließ­li­chen gesetz­li­chen Auf­ga­ben­feld der staat­li­chen Jugend­äm­ter gehö­ren.
Aus­ge­hend davon sind die kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den nach der KiFöG-Reform des Jah­res 2013 wei­ter­hin für fol­gen­de Auf­ga­ben im Rah­men der Kin­der­be­treu­ung zustän­dig:
Sie kön­nen Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen in eige­ner Trä­ger­schaft errich­ten, finan­zie­ren und betrei­ben [134]. Dafür sind sie zwar auf die Ertei­lung einer Betriebs­er­laub­nis gemäß § 85 Abs. 2 Nr. 6, § 45 SGB VIII durch die über­ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe ange­wie­sen. Sie haben zudem mit den ört­li­chen Trä­gern der Jugend­hil­fe eine Leis­tungs, Ent­gelt- und Qua­li­täts­ent­wick­lungs­ver­ein­ba­rung gemäß § 11 Abs. 1 KiFöG LSA 2013 in Ver­bin­dung mit § 78b bis § 78e SGB VIII abzu­schlie­ßen. Inner­halb die­ses gesetz­li­chen Rah­mens steht es ihnen jedoch frei, durch den Betrieb eige­ner Ein­rich­tun­gen Kin­der­be­treu­ungs­plät­ze in der Gemein­de zu schaf­fen oder durch deren Schlie­ßung das Ange­bot zu ver­rin­gern.
Den Gemein­den steht fer­ner das Recht zu, für ihr Gemein­de­ge­biet den Betreu­ungs­be­darf zu pla­nen und zu koor­di­nie­ren. Die­ses Recht zur „Mikro­pla­nung“ ist von der Jugend­hil­fe­pla­nung gemäß § 80 SGB VIII zu unter­schei­den, die im Bereich der Kin­der­be­treu­ung die Belan­ge des gesam­ten Land­krei­ses zu berück­sich­ti­gen hat. Auf den kon­kre­ten kom­mu­na­len Betreu­ungs­be­darf bezo­gen kön­nen die Gemein­den des­halb frei­wil­lig die Auf­ga­ben wahr­neh­men, die den staat­li­chen Jugend­äm­tern für ihren Zustän­dig­keits­be­reich oblie­gen, ohne hier­zu auf­grund einer ört­li­chen Gesamt­ver­ant­wor­tung in Gestalt einer sub­si­diä­ren Erfül­lungs­ver­ant­wor­tung ver­pflich­tet zu sein. Ihnen steht es des­halb ins­be­son­de­re offen, loka­le Kin­der­be­treu­ungs­leit­pla­nun­gen zu erstel­len und fort­zu­schrei­ben, hier­zu die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung im Gemein­de­ge­biet zu ana­ly­sie­ren, das Platz­an­ge­bot kon­zep­tio­nell zu pla­nen und mit den in ihrem Hoheits­ge­biet ansäs­si­gen frei­en Trä­gern von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen zusam­men­zu­ar­bei­ten. Eben­so steht den Gemein­den ein Recht zur Koope­ra­ti­on mit Nach­bar­ge­mein­den zu (sog. Koope­ra­ti­ons­ho­heit, vgl. Rn. 74), um einen mög­li­cher­wei­se bestehen­den gemein­de­über­grei­fen­den Betreu­ungs­be­darf fest­zu­stel­len und frei­wil­lig abzu­de­cken.
Inner­halb ihres Gemein­de­ge­biets kön­nen die Kom­mu­nen die ört­lich ansäs­si­gen frei­en Trä­ger auch unter­stüt­zen. Dies gilt – ähn­lich wie im Rah­men ihrer vor­ma­li­gen Unter­stüt­zungs­pflicht gemäß § 9 Abs. 3 KiFöG LSA 2003 – für die Ver­ga­be von Zuwen­dun­gen, die Bereit­stel­lung von Räu­men, Hil­fe bei der Beschaf­fung von Grund­stü­cken, bei der Fort­bil­dung von Mit­ar­bei­tern der frei­en Trä­ger oder auch nur für fach­li­che Bera­tung. Im Gegen­satz zur frü­he­ren Geset­zes­la­ge sind die Gemein­den hier­zu aller­dings nicht mehr objek­tiv-recht­lich ver­pflich­tet, son­dern neh­men die Unter­stüt­zung der frei­en Trä­ger bei Bedarf als frei­wil­li­ge Auf­ga­be wahr.
Die Gemein­den kön­nen für ihr Gebiet fer­ner sta­tis­ti­sche Erhe­bun­gen durch­füh­ren, soweit die­se für die Bereit­stel­lung von Betreu­ungs­plät­zen und die kon­zep­tio­nel­le Pla­nung des Betreu­ungs­an­ge­bots erfor­der­lich sind. Die­ses Recht steht ihnen bereits als Aus­fluss der all­ge­mei­nen kom­mu­na­len Infor­ma­ti­ons- und Sta­tis­tik­ho­heit zu. Davon unbe­rührt bleibt ihre Ver­pflich­tung, Mel­dun­gen zur Kin­der- und Jugend­hil­fe­sta­tis­tik vor­zu­neh­men, § 102 Abs. 2 Nr. 5 SGB VIII in Ver­bin­dung mit § 99 Abs. 7 bis Abs. 10 SGB VIII.
Gemäß § 13 KiFöG LSA 2013 haben die Gemein­den nun­mehr die neue Auf­ga­be, für die Inan­spruch­nah­me von Kin­der­be­treu­ungs­leis­tun­gen Kos­ten­bei­trä­ge nach Anhö­rung der Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen und Zustim­mung des ört­li­chen Trä­gers der Jugend­hil­fe fest­zu­le­gen (Abs. 2) sowie selbst zu erhe­ben oder die Erhe­bung auf die Trä­ger von Tages­ein­rich­tun­gen zu über­tra­gen (Abs. 3). Damit ist ihnen eine zusätz­li­che Pflicht­auf­ga­be auf­er­legt und das von den Gemein­den vor der Geset­zes­än­de­rung im Jahr 2013 wahr­ge­nom­me­ne Auf­ga­ben­feld erwei­tert wor­den.
Die ange­grif­fe­ne Rege­lung ist auch nicht des­halb unver­hält­nis­mä­ßig, weil der Gesetz­ge­ber bei even­tu­el­len Rechts­ver­stö­ßen der kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den zur Wahr­neh­mung ihrer sub­si­diä­ren Gesamt­ver­ant­wor­tung auf das Instru­ment der Rechts­auf­sicht hät­te zurück­grei­fen kön­nen.
Die Nicht­er­fül­lung von Auf­ga­ben kann eben­so wenig wie die Über­for­de­rung einer Gemein­de bei der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung einen Auf­ga­ben­ent­zug begrün­den, solan­ge im Wege der Auf­sicht aus­rei­chend Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen, um die Beach­tung der gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen sicher­zu­stel­len [135]. Daher kann die Gefahr einer rechts­wid­ri­gen Auf­ga­ben­er­fül­lung durch die Gemein­den eine Ver­la­ge­rung kom­mu­na­ler Auf­ga­ben auf die Kreis­ebe­ne grund­sätz­lich nicht recht­fer­ti­gen. Viel­mehr kann das Land mit der Rechts­auf­sicht die Recht­mä­ßig­keit des gemeind­li­chen Han­delns über­prü­fen und die Kom­mu­nen zu einem geset­zes­mä­ßi­gen Voll­zug ihrer Auf­ga­ben anhal­ten.
Das führt vor­lie­gend jedoch nicht zur Unan­ge­mes­sen­heit der ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten. Denn die in der Geset­zes­be­grün­dung ange­führ­te Miss­brauchs­ge­fahr im Hin­blick auf die Benach­tei­li­gung der frei­en Trä­ger ist nur einer von meh­re­ren legi­ti­men Zwe­cken, die der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung zu Grun­de lie­gen. Wesent­lich ist, dass für die staat­li­chen Jugend­äm­ter die bun­des­recht­li­che Ver­pflich­tung zur Gewähr­leis­tung einer kon­ti­nu­ier­li­chen Qua­li­täts­ent­wick­lung gemäß § 79 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, § 79a SGB VIII besteht, die sich nach der nicht zu wider­le­gen­den Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers in der zen­tra­len Wahr­neh­mung der Jugend­äm­ter bes­ser ver­wirk­li­chen lässt.
Die Über­tra­gung der Leis­tungs­ver­pflich­tung auf Land­krei­se und kreis­freie Städ­te und die damit ver­bun­de­ne Hoch­zo­nung von Auf­ga­ben erscheint auch ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne.
Gesetz­li­che Rege­lun­gen, die den Gemein­den Auf­ga­ben ent­zie­hen, sind auf ihre Ver­ein­bar­keit mit dem grund­sätz­li­chen Zustän­dig­keits­vor­rang zuguns­ten der Kom­mu­nen zu prü­fen, wenn sie Bezü­ge zu den Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft auf­wei­sen. Die Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve des Gesetz­ge­bers ist dabei umso enger und die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le umso inten­si­ver, je mehr die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie der Gemein­den als Fol­ge der gesetz­li­chen Rege­lung an Sub­stanz ver­liert [136].
Vor­lie­gend ist der mit der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung ein­her­ge­hen­de Sub­stanz­ver­lust für das kom­mu­na­le Auf­ga­ben­feld jedoch gering. Den kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den geht zwar die Zustän­dig­keit zur Erfül­lung des Betreu­ungs­an­spruchs unter Berück­sich­ti­gung des Wunsch- und Wahl­rechts (§ 3b, § 3 Abs. 4 KiFöG LSA 2013) ver­lo­ren. Auch ent­fal­len ihre par­ti­el­le Ver­ant­wor­tung für die Finan­zie­rung der frei­en Trä­ger und das Recht, mit die­sen Ver­ein­ba­run­gen über den durch­zu­füh­ren­den Defi­zit­aus­gleich abzu­schlie­ßen, sowie die ört­li­che Gesamt­ver­ant­wor­tung in Gestalt einer sub­si­diä­ren Erfül­lungs­ver­ant­wor­tung, die mit der pflich­ti­gen Wahr­neh­mung umfas­sen­der Pla­nungs- und Koor­di­nie­rungs­auf­ga­ben ver­bun­den war. Dem gegen­über ste­hen aller­dings zahl­rei­che Zustän­dig­kei­ten im Bereich der Kin­der­be­treu­ung, die den Gemein­den nach der KiFöG-Novel­le im Jahr 2013 ver­blie­ben sind.
Soweit Auf­ga­ben­be­rei­che auf die ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe über­tra­gen wur­den, blei­ben die Inter­es­sen der Gemein­den zudem weit­ge­hend gewahrt. Dies betrifft ins­be­son­de­re die Leis­tungs, Ent­gelt- und Qua­li­täts­ent­wick­lungs­ver­ein­ba­run­gen gemäß § 78b bis § 78e SGB VIII, die zwi­schen den ört­li­chen Trä­gern der Jugend­hil­fe und den Trä­gern von Tages­ein­rich­tun­gen geschlos­sen wer­den. Für deren Zustan­de­kom­men ist ein Ein­ver­neh­men der Gemein­den, Ver­bands­ge­mein­den und Ver­wal­tungs­ge­mein­schaf­ten erfor­der­lich (§ 11a Abs. 1 KiFöG LSA). Damit ist gesetz­lich gesi­chert, dass ohne Betei­li­gung der kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den kei­ne neu­en Tages­ein­rich­tun­gen im Gemein­de­ge­biet betrie­ben wer­den kön­nen. Dies sichert die aus der All­zu­stän­dig­keit flie­ßen­de Befug­nis der Kom­mu­nen, in ihrem Gemein­de­ge­biet eige­ne Kin­der­ta­ges­stät­ten zu errich­ten, zu betrei­ben und zu finan­zie­ren.
Fer­ner ist im Hin­blick auf die über­ört­li­che Kin­der­be­treu­ungs­pla­nung eine Betei­li­gung der Gemein­den über das Beneh­mens­er­for­der­nis des § 10 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 KiFöG LSA 2013 gesi­chert. Die­ses ermög­licht den Gemein­den, ihren Stand­punkt dar­zu­le­gen, Ein­wän­de im Hin­blick auf die von ihnen ver­tre­te­nen Inter­es­sen zu erhe­ben und so auf das Ergeb­nis der Ent­schei­dung Ein­fluss zu neh­men [137]. Eine Beneh­mens­her­stel­lung erfor­dert kei­ne Eini­gung der betei­lig­ten Ver­wal­tungs­trä­ger, son­dern gestat­tet es der ent­schei­den­den, das Beneh­men her­stel­len­den Behör­de, sich über das Vor­brin­gen des betei­lig­ten Trä­gers öffent­li­cher Belan­ge hin­weg­zu­set­zen [85]. Beneh­mens­er­for­der­nis­se genü­gen des­halb grund­sätz­lich nicht, um die Ent­zie­hung kom­mu­na­ler Kom­pe­ten­zen zu recht­fer­ti­gen, weil die­se den Gemein­den kein wirk­sa­mes Mit­ent­schei­dungs­recht gewäh­ren. Sie ste­hen ledig­lich für eine ver­fah­rens­recht­li­che Betei­li­gung, mit der nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers kei­ne mate­ri­el­le Rechts­po­si­ti­on des betei­lig­ten Trä­gers öffent­li­cher Belan­ge kor­re­spon­diert. Beneh­mens­er­for­der­nis­se sind im Regel­fall aus­schließ­lich dem objek­tiv-recht­li­chen Ziel einer brei­te­ren Beur­tei­lungs­grund­la­ge und damit einer bes­se­ren Ent­schei­dungs­fin­dung ver­pflich­tet [138]. Vor­lie­gend geht es jedoch um die über­ört­li­che Pla­nung der Kin­der­be­treu­ung, die kei­ne Ange­le­gen­heit der ört­li­chen Gemein­schaft ist, son­dern die „Mikro­pla­nung“ der Kom­mu­nen im Bereich der Kin­der­be­treu­ung ledig­lich beein­flusst. Inso­fern stellt sich das Beneh­mens­er­for­der­nis als ein Instru­ment für eine wei­ter­ge­hen­de Betei­li­gung der Gemein­den an der Auf­ga­be der Siche­rung der Kin­der­be­treu­ung dar.
GVBl LSA S. 48 ff.[↩]
GVBl LSA S. 774[↩]
GVBl LSA S. 514, 518[↩]
GVBl LSA S. 69[↩]
GVBl LSA S. 38 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 140, 65, 84 Rn. 43 f.; BGH, Urteil vom 20.10.2016 – III ZR 278/​15 17; Rixen, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, 1. Aufl.2014, § 24 Rn. 8 ff.[↩]
vgl. Luthe, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 4 Rn. 45[↩]
LT-Drs. 6/​1258 vom 04.07.2012[↩]
LVerfG LSA, Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​14, DVBl 2015, S. 1535 ff.[↩]
LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​14, DVBl 2015, S. 1535, 1538 f.[↩]
LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​14, DVBl 2015, S. 1535, 1539[↩]
LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 20.10.2015, a.a.O.[↩][↩][↩][↩]
LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 12.07.2005 – LVG 6/​04 86; vgl. auch LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​14, DVBl 2015, S. 1535, 1536[↩]
vgl. BVerfGE 71, 25, 36 f.; 76, 107, 116; 107, 1, 8[↩]
vgl. BVerfGE 21, 117, 128 f.; 23, 353, 365; 79, 127, 150[↩][↩]
BVerfGE 107, 1, 8[↩]
vgl. BVerfGE 76, 107, 115 f.; 107, 1, 8[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 142; 107, 1, 8[↩]
vgl. BVerfGE 107, 1[↩]
vgl. Hess­StGH, Urteil vom 21.05.2013 – P.St. 2361 88 ff.; LVerfG Bbg, Urteil vom 17.07.1997 – 1/​97 64 ff., 86 ff.; Urteil vom 19.05.1994 – 9/​93 41 ff.; NdsStGH, Urteil vom 06.12 2007 – 1/​06 50 ff., 72 ff.; VerfGH NRW, Urteil vom 12.10.2010 – 12/​09 59 ff.; VerfGH RP, Beschluss vom 30.10.2015 – VGH N 65/​14 72 ff.; Urteil vom 28.03.2000 – VGH N 12/​98 28; sie­he auch StGH BW, Urteil vom 08.05.1976 – 2/​75 und 8/​75 Ori­en­tie­rungs­satz; Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 09.05.2016 – Vf. 14-VII-14 u.a. 165 f.; Ent­schei­dung vom 18.04.1996 – Vf. 13-VII-93 86 ff.[↩]
sie­he nur Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 09.05.2016 – Vf. 14-VII-14 u.a. 165 f.; Ent­schei­dung vom 18.04.1996 – Vf. 13-VII-93 86 ff., der Art. 11 BV ein – frei­lich nicht den Ein­zel­nen schüt­zen­des – Grund­recht ent­nimmt[↩]
Löwer, in: v. Münch/​Kunig, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 28 Rn. 36, m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 8, 122, 134; 50, 195, 201; 52, 95, 120; 79, 127, 151 f.; 110, 370, 400; 138, 1, 16 Rn. 45[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 146; 107, 1, 12; 137, 108, 157 Rn. 114; 138, 1, 16 Rn. 45[↩]
vgl. BVerfGE 59, 216, 226; 91, 228, 238; 125, 141, 167; 138, 1, 16 f. Rn. 46[↩]
BVerfGE 138, 1, 16 f. Rn. 46[↩]
vgl. BVerfGE 78, 331, 340; 138, 1, 17 Rn. 47[↩]
BVerfGE 138, 1, 17 Rn. 47[↩][↩]
BVerfGE 138, 1, 17 Rn. 48; vgl. BVerfGE 110, 370, 401[↩]
BVerfGE 138, 1, 17 Rn. 48[↩]
vgl. BVerfGE 91, 228, 239; 137, 108, 158 Rn. 117; 138, 1, 17 Rn. 49[↩]
BVerfGE 138, 1, 17 f. Rn. 49; vgl. BVerfGE 119, 331, 362[↩]
vgl. BVerfGE 110, 370, 400; 138, 1, 18 Rn. 50[↩]
BVerfGE 138, 1, 18 Rn. 51[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 148 f.; 83, 37, 54; 138, 1, 18 Rn. 52[↩]
vgl. BVerfGE 47, 253, 275 ff.; 91, 228, 244; 138, 1, 18 Rn. 52[↩]
vgl. BVerfGE 11, 266, 275 f.; 138, 1, 18 Rn. 52[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 150; 91, 228, 238; 107, 1, 12; 138, 1, 18 f. Rn. 52[↩]
BVerfGE 138, 1, 18 f. Rn. 52[↩]
BVerfGE 138, 1, 19 Rn. 53; vgl. auch BVerfGE 79, 127, 151 f.; 110, 370, 400[↩]
vgl. BVerfGE 138, 1, 19 Rn. 53[↩]
BVerfGE 137, 108, 156 f. Rn. 114; 138, 1, 19 Rn. 54; vgl. auch BVerfGE 79, 127, 150 f.; 83, 363, 383; 91, 228, 236; 110, 370, 400[↩]
BVerfGE 138, 1, 19 Rn. 54[↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 359; 80, 109, 119 f.; 108, 129, 136[↩]
BVerfGE 138, 1, 19 f. Rn. 55; vgl. BVerfGE 79, 127, 143 ff., 154; 103, 332, 367; 119, 331, 363; 125, 141, 167 f.[↩]
BVerfGE 138, 1, 20 Rn. 56; vgl. BVerfGE 79, 127, 143; 107, 1, 12; 110, 370, 402[↩]
BVerfGE 138, 1, 20 Rn. 56; vgl. BVerfGE 79, 127, 154[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 154[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 153 f.[↩][↩]
vgl. BVerfGE 110, 370, 401[↩]
BVerfGE 138, 1, 20 f. Rn. 57[↩]
BVerfGE 138, 1, 21 Rn. 58; vgl. BVerfGE 79, 127, 153[↩]
BVerfGE 138, 1, 21 Rn. 58; vgl. BVerfGE 79, 127, 153 f.[↩]
BVerfGE 138, 1, 15 Rn. 41; vgl. BVerfGE 79, 127, 150 ff.; 107, 1, 12; 110, 370, 399 ff.; 137, 108, 156 f. Rn. 114[↩]
BVerfGE 138, 1, 28 Rn. 74; vgl. BVerfGE 26, 228, 239[↩]
vgl. BVerfGE 138, 1, 31 Rn. 85[↩]
BVerfGE 138, 1, 32 Rn. 87[↩][↩][↩]
BVerfGE 138, 1, 21 f. Rn. 59; vgl. BVerfGE 79, 127, 146; 107, 1, 11 f.[↩]
BVerfGE 138, 1, 21 f. Rn. 59; vgl. BVerfGE 91, 228, 239[↩]
vgl. OVG Lüne­burg, Beschluss vom 17.05.2005 – 12 ME 93/​05 5; VGH BW, Urteil vom 22.05.2013 – 9 S 889/​11 38 f.; Neu­man­n/­Bie­ritz-Har­der, in: Hauck/​Noftz, SGB VIII, Werks- stand 12/​15 § 4 Rn. 16[↩]
Kunkel/​Kepert, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, 6. Aufl.2016, beck-online, § 79 Rn. 3; vgl. auch VGH BW, Urteil vom 04.06.2008 – 12 S 2559/​06 64[↩]
vgl. Wies­ner, SGB VIII, 5. Aufl.2015, beck-online, § 79 Rn. 5[↩]
Hil­ke, in: Hauck/​Noftz, SGB VIII, Werks­stand 12/​14 § 79 Rn. 10[↩]
Kunkel/​Kepert, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, beck-online, § 79 Rn. 6[↩]
vgl. Hil­ke, in: Hauck/​Noftz, SGB VIII, Werks­stand 12/​14 § 79 Rn. 10[↩]
Eger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 80 Rn. 8; vgl. Hil­ke, in: Hauck/​Noftz, SGB VIII, Werks­stand 03/​13 § 80 Rn. 4[↩]
Eger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 80 Rn. 8[↩]
Eger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 79 Rn. 15; Kunkel/​Kepert, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, beck-online, § 79 Rn. 7; Hil­ke, in: Hauck/​Noftz, SGB VIII, Werks­stand 12/​14 § 79 Rn. 13[↩]
Wies­ner, SGB VIII, beck-online, § 79 Rn. 6[↩]
Eger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 79 Rn.19[↩]
vgl. Kunkel/​Kepert, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, beck-online, § 79 Rn. 9[↩]
vgl. Kunkel/​Kepert, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, beck-online, § 79 Rn. 13[↩]
vgl. Kunkel/​Kepert, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, beck-online, § 79 Rn. 17 f.[↩]
vgl. LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 12.07.2005 – LVG 6/​04 93[↩]
vgl. Kunkel/​Vondung, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, beck-online, § 69 Rn. 21–23; Wei­ßen­ber­ger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 69 Rn. 31[↩]
vgl. LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 12.07.2005 – LVG 6/​04 84[↩]
vgl. LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 12.07.2005 – LVG 6/​04 85[↩][↩][↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 146; 107, 1, 11 f.; 138, 1, 21 f. Rn. 59[↩]
vgl. BVerfGE 138, 1, 24 Rn. 65[↩]
vgl. BVerfGE 138, 1, 23 ff. Rn. 63 ff.[↩]
vgl. Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Abs. 2 Rn. 51, Novem­ber 2012[↩]
Kai­ser, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, § 24 Rn. 18[↩]
vgl. BayVGH, Urteil vom 22.07.2016 – 12 BV 15.719 46 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 110, 370, 401; 138, 1, 17 Rn. 48[↩]
vgl. BVerfGE 138, 1, 24 f. Rn. 65 f.[↩]
LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 12.07.2005 – LVG 6/​04 81 und Rn. 84[↩]
vgl. Hess­StGH, Urteil vom 06.06.2012 – P.St.2292 93 f.[↩]
vgl. LVerfG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​14, DVBl 2015, S. 1535, 1539[↩]
vgl. Drei­er, in: ders., GG, Bd. 2, Art. 28 Rn. 105; Tettinger/​Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, Art. 28 Abs. 2 Rn. 174 f.; anders ist dies bei staat­li­chen Auf­ga­ben: Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Abs. 2 Rn. 44, Novem­ber 2012[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 152[↩]
vgl. Schell­horn, in: Schellhorn/​Fischer/​Mann, SGB VIII, 3. Aufl.2007, § 69 Rn. 25[↩]
statt aller Kai­ser, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, § 24 Rn. 41[↩]
Wink­ler, in: Knickrehm/​Kreikebohm/​Waltermann, Kom­men­tar zum Sozi­al­recht, 4. Aufl.2015, Sam­mel­kom­men­tie­rung zum SGB VIII Rn. 91; Struck, in: Wies­ner, SGB VIII, § 24 Rn. 18; Wiesner/​Grube/​Kößler, Der Anspruch auf früh­kind­li­che För­de­rung und sei­ne Durch­set­zung, 2013, S. 9[↩]
Wei­ßen­ber­ger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 69 Rn. 11[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 359; Tru­te, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, Art. 84 Rn. 56; F. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 154, Janu­ar 2011[↩]
Struck, in: Wies­ner, SGB VIII, § 24 Rn.20 f.[↩]
vgl. BVerfGE 138, 1, 29 ff. Rn. 78 ff.[↩]
VGH BW, Urteil vom 04.06.2008 – 12 S 2559/​06 64[↩]
Eger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 79a Rn. 4[↩]
vgl. VG Mag­de­burg, Urteil vom 22.02.2006 – 6 A 230/​04, juris; OVG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 09.02.2011 – 3 L 792/​08[↩]
vgl. Rixen, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 24 Rn. 8[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 20.10.2016 – III ZR 302/​15 Leit­satz und Rn. 15 ff.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 20.10.2016 – III ZR 302/​15 17[↩]
vgl. BVerfGE 140, 65, 84 Rn. 43; BGH, Urteil vom 20.10.2016 – III ZR 302/​15 18[↩]
vgl. Wei­ßen­ber­ger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 69 Rn. 32[↩]
vgl. VG Göt­tin­gen, Beschluss vom 21.08.1998 – 2 B 2297–98, NVwZ-RR 1999, S. 130; Wei­ßen­ber­ger, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB VIII, § 69 Rn. 32; Kunkel/​Vondung, in: Kunkel/​Kepert/​Pattar, SGB VIII, beck-online, § 69 Rn. 24; für Art. 11 Abs. 2 Bay­Verf: VG Augs­burg, Urteil vom 22.02.2000 – Au 9 K 99.426 38; Wolff, in: Lindner/​Möstl/​Wolff, Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Bay­ern, 2. Aufl.2017, Art. 11 Rn. 32; für Art. 137 Abs. 3 Hess­Verf: Hess­StGH, Urteil vom 06.06.2012 – P.St. 2292 93[↩]
vgl. BVerfGE 138, 1, 31 Rn. 84[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 154; 138, 1, 20 Rn. 56[↩]
vgl. BVerfGE 138, 1, 32 Rn. 87[↩]
BVerfGE 138, 1, 31 f. Rn. 85 f.[↩]
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References: Art. 28
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 Art. 1
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 § 9
 § 13

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 § 90
 § 9
 § 19
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 § 11

§ 10
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§ 11
 § 35
 § 55

§ 11

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 § 24
 § 24
 § 24
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 § 93
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 § 91
 Art. 28
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 Art. 93
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 § 80
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