Source: https://www.iska-nuernberg.de/kita-bayern/i0202.htm
Timestamp: 2018-01-16 19:34:45+00:00

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4. DVBayKiG: Erziehungs- und Bildungsziele
Der hier im Original wiedergegebene zweite Abschnitt der "Verordnung über die Rahmenpläne für anerkannte Kindergärten" (4. DVBayKiG; vom 25. September 1973, geändert am 6. August 1979) formuliert "Mindestanforderungen für die Erziehungs- und Bildungsziele". Diese waren die Grundlage der Entwicklung der kindbezogenen Förderung - z. B. bei der Entwicklung des Darstellungsrasters für Kitas. Letzteres stellt den ersten Versuch dar, die Realisierung von Bildungszielen im Alltag der einzelnen Kitas über konzeptionelle Absichtserklärungen hinaus transparent zu machen.
(1) Aufgabe der gesamten Erziehungs- und Bildungsarbeit im anerkannten Kindergarten ist die Förderung der Kinder gemäß Art. 7 des Bayerischen Kindergartengesetzes. Leitziel der pädagogischen Bemühungen ist der beziehungsfähige, wertorientierte, schöpferische Mensch, der sein Leben verantwortlich gestalten und den Anforderungen in Familie, Staat und Gesellschaft gerecht werden kann.
(2) Im Rahmen der in Absatz 1 festgelegten allgemeinen Mindestanforderung für die Erziehungs- und Bildungsziele hat der anerkannte Kindergarten ganzheitliche elementare Bildung anzubieten, wobei zu beachten ist, daß die den Zielen zugeordneten Bildungsbereiche nicht voneinander unabhängig sind, sondern einander durchdringen. Im Rahmen dieser ganzheitlichen elementaren Bildung sind die in den § § 4 bis 9 genannten Teilziele anzustreben, die der jeweiligen Alters- und Entwicklungsstufe des Kindes anzupassen sind. Mit ihrer Verwirklichung soll dem Kind auch der Übergang in die Grundschule erleichtert werden.
(3) Durch zusätzliche entsprechende Förderung ist zu versuchen, Entwicklungsmängel, Behinderungen und ungleiche Bildungsvoraussetzungen auszugleichen.
§ 4 Religiöse Erziehung
(1) Im anerkannten Kindergarten sind die in Art. 131 Abs. 2 der Verfassung des Freistaates Bayern festgelegten Bildungsziele (Ehrfurcht vor Gott und Achtung vor religiöser Überzeugung) zu beachten.
(2) Die religiöse Erziehung im anerkannten Kindergarten steht in der Verantwortung des Trägers. Er achtet die religiöse Überzeugung, die dem Kind im Elternhaus vermittelt wird.
§ 5 Sozialerziehung
(1) Ziel der Sozialerziehung ist es, das Kind eine gegenüber der Familie erweiterte Gruppenzugehörigkeit und Gemeinschaft erfahren zu lassen, indem es lernt, Sozialverhalten innerhalb einer Gruppe zu verwirklichen, selbst Beziehungen aufzunehmen sowie Sozialverhalten auch in Begegnung mit anderen Gruppen und der Gesamtgesellschaft zu entwickeln.
(2) Im Rahmen des Absatzes 1 soll das Kind lernen, in altersgemäßer Selbständigkeit und Verantwortlichkeit
eigene Bedürfnisse und Interessen zur Geltung zu bringen,
eigene Gefühle und Ansichten zu äußern,
Bedürfnisse der anderen zu bejahen,
eigene Bedürfnisse zurückzustellen,
Alternativen zu finden und anzubieten,
bei Konflikten nach angemessenen Lösungen zu suchen,
Partnerschaften einzugehen und Freundschaften zu schließen,
Verantwortung für andere zu übernehmen und für Schwächere und Behinderte einzutreten,
fremde Lebensformen, Verhaltensweisen, Weltanschauungen und Einstellungen zu achten.
§ 6 Elementare Kommunikations- und Kreativitätserziehung
(1) Ziel der elementaren Kommunikations- und Kreativitätserziehung ist es, durch spielendes Gestalten und gestaltendes Spiel die Bewegungsfreude, die Gestaltungsfähigkeit, die Aktivität, die Ausdrucksmöglichkeit des Kindes zu fördern und seine schöpferischen Fähigkeiten zu entfalten. Hierbei ist die rhythmisch-musikalische Bewegungserziehung, die Erziehung zum bildnerischen Gestalten, die Spracherziehung und die Erziehung im Rollenspiel besonders bedeutsam.
(2) Ziel der rhythmisch-musikalischen Bewegungserziehung ist es,
der natürlichen Bewegungsfreude des Kindes Raum zu geben,
sein Körpergefühl lebendig zu erhalten und zu differenzieren,
seine körperliche Geschicklichkeit und Sicherheit zu entwickeln,
seelisch-geistige Kräfte in richtigem Verhältnis von Spannung und Entspannung freizusetzen,
es spielend Raum- und Zeitdimensionen erfahren zu lassen,
ihm den spielenden Umgang mit der Sprache und ihren musikalischen Elemente ermöglichen und seinen Sinn für Klangqualität, Rhythmus und Melodie zu entwickeln,
sein Konzentrations- und Reaktionsvermögen im Hören und Reagieren auf Geräusche, Klänge und Rhythmen zu fördern,
dem Kind im Gestaltungsspiel die Möglichkeit zu geben, sich selbst und die Gruppe im Wechsel gegenseitiger Anpassung zu erfahren.
(3) Ziel der Erziehung im bildnerischen Gestalten ist es, im spielenden Umgang mit Materialien und Objekten die sinnliche Wahrnehmungsfähigkeit des Kindes zu verfeinern, es Beschaffenheit und Gesetzmäßigkeiten dieser Materialien und Objekte erleben zu lassen, ihm den Zugang zu planendem Gestalten zu eröffnen und durch Vertrauen in das eigene Tun seine Lernfreude zu fördern.
(4) Ziel der Spracherziehung ist es, in den vielfältigen Formen der gesamten Kindergartenarbeit die Sprachentwicklung des Kindes und seine Fähigkeit zur Sprachgestaltung zu fördern. Das Kind soll dadurch befähigt werden, in Mundart und in hochdeutscher Sprache
eigene Bedürfnisse und Empfindungen auszudrücken,
Erlebnisse und Gedanken mit anderen auszutauschen,
einfachere Zusammenhänge zu schildern
sowie gestaltete Sprache wie Reime, Gedichte, Lieder und Geschichten zu erleben, zu verstehen und selbst Sprache zu gestalten.
(5) Beim Rollenspiel ist es das Ziel der Erziehung, dem Kind die Möglichkeit zu geben, sich mitzuteilen, Erfahrungen und Eindrücke zu verarbeiten, Konflikte zu lösen und sich neue Lebensbereiche zu erschließen, indem der Erzieher auf das Kommunikationsbedürfnis, die Neugier, den Bewegungsdrang und das Gestaltungsbedürfnis der Kinder eingeht.
§ 7 Erziehung zu Umwelt- und Naturverständnis
Ziel der Erziehung zu Umwelt- und Naturverständnis ist es, das Interesse des Kindes an der Umwelt und der Natur zu wecken und zu fördern. Das Kind soll hierbei
elementare Einsichten in Sinn- und Sachzusammenhänge gewinnen,
häusliche Lebensgewohnheiten einüben,
eine unmittelbare Beziehung zu Pflanzen und Tieren aufbauen,
in seinem Naturverständnis und seiner Einsicht in elementare physikalische Gesetzmäßigkeiten gefördert werden,
im Umgang mit einfacheren Materialien, Gebrauchsgegenständen und Werkzeugen Fertigkeiten erlangen,
öffentliche Einrichtungen, die Arbeitswelt, die Welt der Technik und des Verkehrs kennenlernen und sich darin richtig verhalten können,
zur Kunst hingeführt werden und
Menschen und Verhältnisse anderer Länder und früherer Zeiten kennenlernen.
§ 8 Gesundheitserziehung
Ziel der Gesundheitserziehung ist es,
dem Kind einfache Kenntnisse über Körperpflege und Hygiene,
über Ursachen und Verhütung von Krankheiten,
über mögliche Gefahren von Unfällen und Verletzungen und das Verhalten bei solchen zu vermitteln
und seine Bereitschaft zu einer gesunden Lebensweise zu fördern.
§ 9 Spiel als Prinzip der Kindergartenpädagogik
Das Spiel ist die dem Kind entsprechende Tätigkeit. Es steht im Mittelpunkt des Erziehungs- und Bildungsgeschehens im Kindergarten. Ziel der Spielpädagogik ist es, im Spiel
den Raum der Freiheit, der Eigenständigkeit und des Glücks zu geben, den das Kind zum Aufbau innerer Lebenssicherheit und zur Verarbeitung seiner Umweltserfahrungen benötigt,
dem Kind die Möglichkeit zu geben, durch Kontakt mit anderen Menschen, durch altersgemäße Begegnung mit der Umwelt, mit Natur und vielfältigen Materialien Erfahrungen zu sammeln, mit ihnen und an ihnen seine Fähigkeiten und Fertigkeiten zu üben und sich nach seinem Lebensrhythmus zu entwickeln,
die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kindes zu entwickeln und damit seine Lernfreude und Leistungsfähigkeit zu unterstützen,
§ 10 Zusammenarbeit mit Elternhaus und Grundschule
Im Sinne der Art. 7 Abs. 1 Satz 3 und 11 Abs. 1 des Bayerischen Kindergartengesetzes sind durch Zusammenarbeit zwischen Kindergarten, Eltern und Grundschule die Bemühungen zur Erziehung und Bildung der Kinder möglichst gegenseitig zu ergänzen und unter besonderer Beachtung des § 9 aufeinander abzustimmen.

References: Art. 7
 § 4

§ 4
 Art. 131

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10
 Art. 7
 § 9