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Timestamp: 2020-08-13 09:41:11+00:00

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Abgabe der Vermögensauskunft - und das Ermessen des Finanzamtes | Rechtslupe
Abgabe der Vermögensauskunft - und das Ermessen des Finanzamtes
Abga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft – und das Ermes­sen des Finanz­am­tes
Nach § 284 AO besteht für die Finanz­be­hör­de bei der Ent­schei­dung, ob der Voll­stre­ckungs­schuld­ner neben dem Ver­mö­gens­ver­zeich­nis auch eine eides­statt­li­che Ver­si­che­rung abzu­ge­ben hat, kein Ermes­sen mehr.
Nach § 284 Abs. 1 Satz 1 AO muss der Voll­stre­ckungs­schuld­ner der Voll­stre­ckungs­be­hör­de auf deren Ver­lan­gen für die Voll­stre­ckung einer For­de­rung Aus­kunft ertei­len, wenn er die For­de­rung nicht bin­nen zwei Wochen begleicht, nach­dem ihn die Voll­stre­ckungs­be­hör­de unter Hin­weis auf die Ver­pflich­tung zur Abga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft zur Zah­lung auf­ge­for­dert hat. Der Voll­stre­ckungs­schuld­ner hat gemäß § 284 Abs. 3 Satz 1 AO zu Pro­to­koll an Eides statt zu ver­si­chern, dass er die Anga­ben nach den Absät­zen 1 und 2 nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen rich­tig und voll­stän­dig gemacht habe. Nach der ab dem 1.01.2013 gel­ten­den Fas­sung des § 284 AO wird der Finanz­be­hör­de bei der Ent­schei­dung, ob der Voll­stre­ckungs­schuld­ner neben dem Ver­mö­gens­ver­zeich­nis auch eine eides­statt­li­che Ver­si­che­rung abzu­ge­ben hat, kein Ermes­sen mehr ein­ge­räumt [1].
Nach dem inso­weit ein­deu­ti­gen Wort­laut der Vor­schrift ist der Voll­stre­ckungs­schuld­ner ver­pflich­tet, eine sol­che Ver­si­che­rung abzu­ge­ben, so dass kein Raum für eine iso­lier­te Ermes­sens­aus­übung besteht; dar­auf deu­ten die For­mu­lie­rung „hat … zu ver­si­chern“ und die Geset­zes­be­grün­dung hin. Danach soll die Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der Aus­kunft des Voll­stre­ckungs­schuld­ners künf­tig eben­so wie in § 802c Abs. 3 der Zivil­pro­zess­ord­nung stets an Eides statt ver­si­chert wer­den, so dass die bis­he­ri­ge Mög­lich­keit, nach Ermes­sen hier­von abzu­se­hen, ent­fällt [2]. Mit der neu­en Rege­lung wird bei der Voll­stre­ckung von Geld­for­de­run­gen ein Gleich­lauf zwi­schen Ver­wal­tungs- und Zivil­pro­zess­recht gewähr­leis­tet. Das nach der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge auf der zwei­ten Stu­fe im Rah­men der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung bestehen­de Ermes­sen der Finanz­be­hör­de ist nun auf die Ent­schei­dung ver­la­gert wor­den, ob der Voll­stre­ckungs­schuld­ner in das Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen wer­den soll (§ 284 Abs. 9 AO). Die Ver­pflich­tun­gen zur Vor­la­ge des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses und zur Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung sind nach der neu­en Rechts­la­ge als eine Ein­heit anzu­se­hen, so dass auch nur eine ein­zi­ge Ermes­sens­ent­schei­dung erfor­der­lich ist [3]. Auf die neue Rechts­la­ge hat das Finanz­ge­richt zutref­fend hin­ge­wie­sen.
Soweit ein Voll­stre­ckungs­schuld­ner die gericht­li­che Über­prü­fung einer Anord­nung nach § 284 Abs. 1 Satz 1 AO begehrt, in deren Rah­men auch das von der Finanz­be­hör­de aus­ge­üb­te Ermes­sen zu prü­fen ist, sind für die Ent­schei­dung die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se im Zeit­punkt der letz­ten Ver­wal­tungs­ent­schei­dung maß­ge­bend. Dem Betrof­fe­nen ist bei einer ver­än­der­ten Sach­la­ge zuzu­mu­ten, ein neu­es Ver­wal­tungs­ver­fah­ren in Gang zu set­zen und wegen evtl. ver­än­der­ter Ver­hält­nis­se die Auf­he­bung des im Zeit­punkt sei­nes Erlas­ses recht­mä­ßi­gen Ver­wal­tungs­akts gemäß § 131 Abs. 1 AO zu bean­tra­gen [4]. An die­ser Beur­tei­lung hat sich auf­grund der Redu­zie­rung der bis­her auf der ers­ten und zwei­ten Stu­fe zu tref­fen­den Ermes­sens­ent­schei­dun­gen auf nun­mehr eine Ermes­sens­ent­schei­dung über die Anord­nung der Vor­la­ge eines Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses, des­sen Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit nun­mehr zwin­gend mit einer Ver­si­che­rung an Eides statt zu bekräf­ti­gen ist, nichts geän­dert.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. Febru­ar 2016 – VII B 60/​15
Mül­ler-Eiselt in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 284 AO Rz 53; Loo­se in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 284 AO Rz 6; Klein/​Brockmeyer, AO, 12. Aufl., § 284 Rz 14; Zel­ler-Mül­ler in Beermann/​Gosch, AO § 284 Rz 11[↩]
BT-Drs. 16/​10069, S. 45 f.[↩]
Diß­ars in Schwarz/​Pahlke, AO, FGO, § 284 Rz 33[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 15.03.2013 – VII B 201/​12, BFH/​NV 2013, 972; und vom 22.06.2009 – VII B 204/​08, BFH/​NV 2009, 1780[↩]
Abga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft – und das Ermes­sen des… Nach § 284 AO besteht für die Finanz­be­hör­de bei der Ent­schei­dung, ob der Voll­stre­ckungs­schuld­ner neben dem Ver­mö­gens­ver­zeich­nis auch eine eides­statt­li­che Ver­si­che­rung abzu­ge­ben hat, kein Ermes­sen…
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eidesstattliche VersicherungSteuerschuldenVermögensauskunftZwangsvollstreckung

References: § 284
 § 284
 § 284
 § 284
 § 802
 § 284
 § 131
 § 284
 § 284
 § 284
 § 284
 § 284
 § 284
 Art. 51