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Timestamp: 2017-11-21 19:17:28+00:00

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Neue Rheinische Zeitung – nn_nrhz030_1848.txt.xml
No. 30. Köln, Freitag 30. Juni 1848.
@facs 0143
Französische Republik. Paris (Emil Girardin's zwei letzte Artikel in „la Presse.“ ‒ Schluß der Sitzung der Nationalversammlung vom 26. Juni. ‒ Korrespondenz vom 27. Juni. ‒ Nationalversammlung vom 27. Juni. ‒ Letzte Augenblicke der Insurrektion. ‒ Vermischtes).
Deutschland. Köln (Crawall). Berlin (Vereinigungs-Sitzung vom 25. Juni). Königsberg (Emeute in Petersburg). München (Zwangsanleihe). Prag (Aufstand in Brünn bewältigt). Wien (Wessenberg abgetreten). Frankfurt (Nationalversammlung).
Großbritannien. London (Oberhaus und Unterhaus. Westindische Kolonien. Zuckerzoll).
Holland. Amsterdam (Physiognomie von Holland).
Spanien. Madrid (Finanzmaßregeln. ‒ Die Ferdinandsbank).
Portugal. Lissabon (Verschwörungs-Gerüchte).
Italien. Neapel (die Insurrektion in den Provinzen). Rom (Kammerverhandlungen).
Brasilien. (Die Thronrede wegen der Streitigkeiten mit der argentinischen Republik).
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Berlin, den 26. Juni.
Se. Maj. der König haben Allergnädigst allergnädigst geruht:
Den Kreisdeputirten, Frhrn. v. Hamelberg auf Heidefeld, zum Landrath des Kreises Borken, im Reg.-Bez. Münster, zu ernennen.
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In Verfolg unserer Bekanntmachung vom 18. Mai d. J. bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß von den nach der Allerhöchsten Kabinetsordre vom 15. April d. J. (Gesetzsammlung Nr. 2957) auszufertigenden neuen Darlehns-Kassenscheinen nunmehr auch die unten näher beschriebenen Appoints zu 1 Thlr. Behufs der Verausgabung mit unserm Kontrollstempel versehen worden.
Berlin, den 22. Juni 1848.
Königl. Immediatkommission zur Kontrollirung der Banknoten.
Costenoble. H. C. Carl. Sametzki.
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Beschreibung der Darlehns-Kassenscheine à 1 Thlr.
Die Darlehns-Kassenscheine à 1 Thlr. sind 41/6 preußische Zolle breit und 2 11/12 preußische Zolle hoch und bestehen aus einem bläulichen Papiere mit in braungelb aufgedrucktem künstlichen Wasserzeichen.
I. Die Schau- oder Vorderseite, in schwarzer Farbe gedruckt, enthält:
A. als Einfassung:
1) in den vier Ecken heraldische Adler mit Krone, Scepter und Reichsapfel und F. R. auf der Brust, in Lorbeerkränzen, welche mit Schraffirungen umzogen sind;
2) in dem Oberbalken die Bezeichnung: „Darlehns-Kassenschein“ auf schraffirtem Schilde, das mit einer Arabeske mit oben in der Mitte und in den 4 Ecken angebrachten Kronen umgeben ist, die unter dem Hauptschilde in einem besondern kleinern Felde die Worte: „Gesetz vom 15. April 1848“ aufnimmt;
3) in dem Unterbalken die Strafandrohung in gothischer Diamantschrift auf hellem Schilde, das mit einer Arabeske mit gleichfalls oben in der Mitte und in den 4 Ecken angebrachten Kronen umgeben ist;
4) in den Seitenbalken weibliche Figuren mit Ruder und Füllhorn in den Händen und Burgerkronen auf ihren Häuptern, von welchen als Hintergrund Schleier herabwallen. Ueber jeder Krone erheben sich Palmette und Verzierungen mit Rosetten.
B. als Text:
1) oben: „Ein Thaler Courant,“ in Frakturschrift;
2) darunter: „nach dem Münzfuße von 1764“ in Diamant-Antiqua;
3) in der Mitte in einem verzierten Kreise und auf dem Grundtone des Papiers, einen trockenen Stempel mit heraldischem Adler und der Unterschrift „Control-Commission;“
4) zu beiden Seiten des Control-Stempels auf schraffirtem Grunde, in verzierten Schilden „1 Thlr.“ ebenfalls an der Grundfarbe des Papiers;
5) unter dem Control-Stempel: „Berlin, den 15. April 1848“ in geschriebener stehender Schrift;
6) hierunter: „Hauptverwaltung der Darlehns-Kassen“ in Lapidarschrift;
7) endlich die Unterschriften in Facisimle „von Lamprecht, von Rabe, Meyen, Woywod.“
II. Die Kehr- oder Rückseite, in schwarzer Farbe gedruckt, enthält:
1) oben: „Darlehns-Kassenschein“ in verzierten lateinischen Initialen;
2) unten: „Ein Thaler Courant“ in anderen verzierten lateinischen Initialen;
3) links und rechts die gleich großen Ziffern „1“ mit Werth-Angabe. „Ein Thaler„ in dem inneren Felde derselben, in Antiquarschrift, von Zügen umgeben;
4) in der Mitte eine Arabeske, den schwarz geschriebenen Namen eines Beamten, die gedruckte Serie, Nummer und Litera und die Rückseite des Control-Stempel umgebend. Nummer, Name des Beamten und Control-Stempel stehen auf dem Grundtone des Papiers.
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[7]Paris, 28. Juni.
Emil v. Girardin wurde am 25. Abends auf die Polizeipräfektur geführt in Folge eines vom Diktator Cavaignac erlassenen Dekrets, das den Redakteur des Journals „La Presse“ zu verhaften und letztere zu unterdrücken befahl. Nächste Veranlassung jenes Dekrets war die Sonntagsnummer des gedachten Journals, die auf Befehl Cavaignacs mit Beschlag belegt worden. Es finden sich darin zwei Artikel, deren Form und Inhalt den jetzigen Machthabern natürlich nicht in ihren Kram passen konnte. Der eine dieser Aufsätze lautet:
„Endlich haben sie (der Vollziehungsausschuß und die Minister) abgedankt; was sag' ich, abgedankt? Die Blutwoge hat sie herangespült und in ihrem Zurückweichen wieder davon getragen. Sie hatten sich am 24. Februar der Gewalt in unwürdiger Weise bemächtigt und jämmerlich ist sie den 24. Juni ihren Händen entschlüpft. Das Reich ihrer Ohnmacht hat 120 Tage gewährt… Nach 30 Jahren, wenn auch beschränkter, doch gesicherter Freiheit sind wir wieder dem Säbeldespotismus verfallen und zum Uebermaaß unserer Erniedrigung sind wir dahin gekommen, diesen Despotismus als eine Wohlthat zu betrachten.
Alle Freiheiten suspendirt! die persönliche Freiheit wie die der Presse! Ein übel gedeutetes Wort, ein Druckfehler genügt, um Euch zu füsiliren. Paris ist im Belagerungszustande! Welchen Angriffen var nicht von Seiten des „National“ die Juliregierung ausgesetzt, daß sie Paris in Belagerungszustand erklärt! Und jetzt? Kaum daß der „National“ 4 Monate regiert und herrscht, so sehen wir, bis zu welchem Aeußersten es mit uns gekommen!
Wo wird er auf diesem Abhang einhalten? Bis wohin wird er uns fortrollen? Wer könnte das sagen, wer es voraussehen? Es steht Alles zu befürchten. Man täusche sich nicht. Die Schwierigkeiten werden die jetzige Gefahr überdauern, die Frage auch nach Wegräumung der Barrikaden aufrecht stehen bleiben. Wenn man von beiden Seiten seine Blessirten verbunden, seine Gebliebenen beerdigt haben wird, so ist dadurch weder das Mißtrauen beschwichtigt noch das Problem gelöst, das drei Monate im Luxembourg verhandelt worden.
Welch entsetzlicher Tag! Seit des Morgens 3 Uhr hat der Kanonendonner, hat das Pelotonfeuer noch keinen Augenblick aufgehört. Nur in der Uniform eines Nationalgardisten oder unter militärischer Bedeckung kann man von einer Straße bis zur andern gelangen; nur so ist noch die Passage erlaubt.
Welche Masse von Todten und Verwundeten auf beiden Seiten!
Das ist die Freiheit und Brüderlichkeit, die uns von den Republikanern „von gestern“ verschafft worden!
Der zweite Artikel Girardins spricht sich in folgender Art aus:
„Wie sollen wir diese Rasenden, Unerschrockenen nennen, welche am 23. Juni die Barrikaden des 23. Febr. hergestellt haben? wollen wir sie mit dem Maire von Paris „eine kleine Anzahl unruhiger Köpfe“ nennen? Dies hieße den Muth der Nationalgarde und der Armee beschimpfen, die seit 30 Stunden mit Gefahr ihres Lebens den Aufstand bekämpfen und ihn bis jetzt nicht haben besiegen können! Werden wir sie „Aufhetzer“ nennen? Männer, die vor den Kartätschenkugeln nicht zurückweichen, sind keine bloßen Aufhetzer.
Werden wir sie, wie Hr. Flocon gestern that, vom Ausland oder von Prätendenten „besoldete Agenten“ nennen? Agenten findet man nicht zu Tausenden; sie färben nicht das Pflaster mit ihrem eigenen Blut und ihretwegen setzen sich nicht ganze Viertel von Paris dem ganzen Jammer, der ganzen Strenge eines Belagerungszustandes aus.
Werden wir sie endlich „Emeutiers“, „Faktiosen“, „Insurgenten“ nennen? Aber jede Insurrektion setzt eine Regierung voraus, die man stürzen, eine Regierung, die man gründen will. Nun, gestehen wir's: wir haben uns unter viele Gruppen gemischt, eine Menge Erkundigungen eingezogen: überall hörten wir mit Verachtung von der Unfähigkeit, von der offenliegenden Ohnmacht der aus den Bureaus des „National“ und der „Reforme“ hervorgegangenen Regierung, aber nirgends davon sprechen, daß man die republikanische Staatsform aufgeben und zum monarchischen Regime zurückkehren wollte.
Die Rasenden, die in solcher Art seit gestern Morgen Paris mit Schrecken und Trauer erfüllen, die seinen Ruin vollenden, die das Elend verschlimmern, die Paris entehren, die sich im vollen Frieden dem Despotismus des Säbels überliefern: diese Leute werden also sehr ungenau mit den Namen von „unruhigen Köpfen“, „Aufhetzern“, „bezahlten Agenten“, „Emeutiers“, „Faktiosen“ und „Insurgenten“ bezeichnet. Es sind unerbittliche Gläub ger, die der Republik drei Monate Elend auf Kredit gegeben und ihre Verpflichtung treu erfüllt haben, die aber jetzt ihrer Seits verlangen, daß man die Wechsel honorire, die ihnen in Form von Dekreten am 25. Februar, am 1. und 2. März auf dem Stadthause mit allem Bedacht ausgestellt worden, ausgestellt von Verschwendern, denen 4 Monate hingereicht, um alle Quellen nationaler Größe und des öffentlichen Wohlstandes zu verschütten, die Gewalt in den Koth zu ziehen, die Freiheit in Mißkredit zu bringen, den Bürgerkrieg anzufachen und aus Paris das Grab der Civilisation zu machen!
Merkwürdige und neue Lektion! Sie beweist, daß man dem Volke nie etwas anderes versprechen muß, als was man ihm halten zu können sicher ist. Den Wortbruch verzeiht das Volk am wenigsten. . . . .
Unbedachte Unterzeichner von Dekreten, die Ihr nicht unterzeichnen durftet und die ihr protestiren ließet: auf Euch und auf Euch allein wird und muß die Verantwortlichkeit dieser beiden schrecklichen Tage zurückfallen.
Wie wagt Ihr von „der verbrecherischen Aufsetzigkeit einiger irregeleiteten Arbeiter“ zu sprechen? Seid Ihr es denn nicht, die die Ihr sie am 1. März irregeleitet, als Ihr in einem Dekret zu ihnen sagtet: „Es ist Zeit, den langen und unbilligen Leiden der Arbeiter ein Ende zu machen?“ Waret Ihr es nicht, die Ihr am 2. März sehr zur Unzeit die tägliche Arbeitsdauer um 1 Stunde verkürztet und als Grund angabt: „Eine zu lang dauernde körperliche Arbeit untergräbt nicht allein die Gesundheit des Arbeiters, sondern hindert ihn auch an Ausbildung seiner Intelligenz und ist seiner Würde als Mensch zuwider?“
Wenn die Leiden der Arbeiter vor dem 24. Februar, als Arbeit im Ueberfluß vorhanden und als der Ueberfluß auf die Höhe des Salairs günstig einwirkte, reell waren und Euch unbillig schie nen: um wie viel reeller sind sie jetzt und um wie viel unbilliger müssen sie Euch heute erscheinen, wo alle Arbeit aufgehört und Ihr so viele grausam zerstörte Illusionen in ihnen erweckt habt!
Besitzet drum mindestens so viel Schaamhaftigkeit, um zu schweigen! Ueberlaßt Andern, die das Volk nicht betrogen haben, die Sorge und die Pflicht, ihm die Wahrheit zu sagen. Das ist ein Recht, das Ihr verscherzt habt.“
„Emile de Girardin.“
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[16] Paris, 27. Juni.
Mit dem Siege der Bourgeoisie wächst ihre Kühnheit; sie wird gar übermüthig werden. Die Insurgenten sind zwar noch in der Banlieue in der Gegend von Villejuif unfern Vincennes, wo die Bauern ihnen eine Schlacht liefern werden. Die Hetzjagd geht aufs prächtigste; Pardon wird im Durchschnitt nicht gegeben, und man hört überall auf Straßen und in Kafe's, im Familienkreise und in der Wachtstube die fraternellsten Aeußerungen. Ganz naiv machen Bourgeoisdamen den Vorschlag, alle Brigands (d. h. Arbeiter der Nationalateliers) zu fusiliren. Ein feiner Monsieur im Kafe de France (rue Bussy) betheuerte, die Ouvriers müßten sämmtlich todt gemacht werden, und da man ihm bescheiden bemerkte, Ouvriers seien gewissermassen dennoch nothwendig, ward er sehr verdrießlich. Die Herren Studiosen und Polytechniker haben sich diesmal nicht ganz die chevaleresken Sporen verdient wie im Februar und 1830; diese armen Jünglinge zitterten gar zu sehr vor dem infernalen Zorn des Proletariats, das eine schwarze Riesenfahne mit einem weißen Todtenkopf auf die Barrikaden im Faubourg St. Denis gesteckt; aber desto mehr renommiren sie nach dem Kampfe und verlangen Füsillaren en Masse; so unglaublich dies klingt, es ist leider wahr. Die lieben Knaben hatten von den 1793. Exekutionen gelesen, die der Konventsdelegirte in Lyon und Nantes gegen die damaligen Volksfeinde kommandirte. Wie schön wenn man das Ding 1848 umkehrte! notabene im Namen der république honnête. Dies ist der funkelnagelneue Titel durch den unsre frischgebackene jeunesse dorée den garstigen Ausdruck: république démocratique et sociale zu verdrängen strebt. Mehrmals vernahm man gestern aus den Gruppen der Bourgeoisdemoisellen und bourgeoisirten Ouvriéren, die vor den Hausthüren sitzend emsiglich Charpie zupfen die liebevolle Phrase: „wüßte ich daß dies für die Brigands bestimmt sei, ich wollte keinen Finger rühren.“ Eine dieser Bourgeoisen Xten Grades sah sich jedoch deswegen von einem Poleizeichef, einem Freunde Caussidiere's, hart zurecht gewiesen; noch ist allerdings das demokratische Gift nicht aus allen Beamten ausgemerzt. In Marseille wehte, wie Privatbriefe melden, eine ungeheure Trauerfahne zwischen zwei blutrothen mit der Inschrift:
„Die marseiller Proletarier und Proletarierinnen wollen ewige Abschaffung des Diebstahls, der Prostitution, des Elends und der Unwissenheit“; große Affischen auf schwarzem Papier mit weißen und rothen Lettern sprachen ähnliches aus, mit dem Schluß: „da die jetzige Repräsentantenkammer total unfähig sei, wollten sie lieber den Schlachtentod sterben als den infamen Tod der Demoralisation und Misere“. Fast buchstäblich dieselben Sätze standen auf Flugzetteln, welche seit 8 Tagen in den Faubourgs von Paris kursirten. Einer derselben sagte: „Arbeiterinnen, ihr armen Geschöpfe in Lumpen oder, was noch ärger, in seidnen Kleidern, die ihr mit Vermiethung eurer körperlichen Schönheit dem Geldkasten der Bourgeois abgerungen habt; Arbeiterinnen aller Geschäfte, die ihr eure Augen blind arbeitet oder blind weint, und frohlocken müßt, wenn ein Lord von der Finanz (lord de la financerie) oder sein Vasall euch den Hof [0144] macht; Arbeiterinnen, die ihr von den Bourgoisfrauen als bildungslose und als unmoralische Personen angeschaut, und doch zum Anputzen ihrer trägen Leiber gebraucht werdet; Arbeiterinnen, die ihr in den Dachstübchen und Fabriken schafft, auf der Straße und auf den Märkten in Wind und Wetter euer bitt'res, redliches Brod verdient, während die Demoisellen am Fenster des ersten Stocks an euch gleichgültig vorbeiblicken: erhebt euch und erobert mit uns die gemeinsame Ehre der wahren, wirklichen, anständigen Arbeit. Wir sind es satt, seit Jahrtausenden von den Geldinhabern gekreuzigt zu werden; ihr müßt endlich auch die Augen öffnen.“ Viele Frauen fochten diesmal mit. Gestern noch, als die Stadt bereits von den brigands und chauffeurs, (letzterer Titel wird jetzt gleichfalls von den modernen Thermidoriern wieder hervorgesucht) gesäubert war, hat ein starkes Arbeiterweib neben der Deputirtenkammer ein Pistol auf einen Offizier der Nationalgarde abgebrannt, doch nur seine Uniform getroffen; sie ward nach der Präfektur geführt, doch nur mit Mühe vor den „werft sie in die Seine“ schreienden Leuten gerettet. In den vier gewaltigen Schlachten (Faubourg St. Denis, Pantheon, Isle St. Louis nebst Citè, und Faubourg St. Antoine) haben die Weiber unausgesetzt Kugeln gegossen in ihren Fingerhüten, und Schießbaumwolle gemacht, Schwefelsäure und Pech aus den Fenstern geschleudert. Die Mobilgarde ist jetzt mit einem Mal zur Prätorianergarde der herrschenden Klasse avancirt, und da die Helden dieser Garde noch sehr jung sind, meist 17 Jahre, so läßt sich recht viel von ihnen hoffen. Sie hat keinen Pardon gegeben; da die meisten ihrer Chefs ehemalige Ouvriers und in den geheimen Gesellschaften unter Ludwig Philipp bewährte Republikaner sind, zudem lauter Barrikadeurs vom Februar, so hatten auf sie die Insurgenten felsenfest gerechnet. Daher die Rache der letztern an einzelnen persönlich ihnen besonders verhaßten Abtrünnigen. Höchst brutale Szenen fanden übrigens nur auf den Barrikaden im südöstlichen Theil Statt, in dem Faubourg der Chiffoniers und Handweber, im St. Marcel, wo bekanntlich 8000 polizeilich Beaufsichtigte wohnen. Beklagenswerth ist, daß die Insurrektion, deren Majorität, für jeden einigermaßen tiefen Beobachter streng und ernst das Gute wollte, kein Programm erließ; möglich übrigens, daß ein solches existirte und von den Bourgois überall zerrissen wurde, weil es „nicht toll genug“ war. Feststeht, daß viele wack're, gebildete Führer auf den Barrikaden von St. Antoine und von St. Jacques kommandirten, die das Erstaunen Arago's und Larabit's, zweier Repräsentanten, in mehrfachen Parlamentirgesprächen erregt haben. Daß Louis Blanc von der fashionabln Banquierlegion, in deren Arrondissement er zu wohnen das Unglück hat, auch diesmal wieder insultirt wurde, versteht sich; diese Herren vom Coffrefort stießen ihn in's Café Frascati, und stimmten mit Händeheben auf Todtschießen ab; nur ein Kollege rettete ihn in einem Kabriolet, doch flog die Kugel eines der Lions bei der Madeleine hintendrein. Der bei der letzten Wahl in die Kammer gekommene Lagrange, dieser langjährige Gefangene unter Ludwig Philipp, scheint sogar schon an der Mauer habe niederknien müssen, um die Sünde, auf den Boulevards: vive la république rouge geschrieen zu haben, in seinem „unlautern Kommunistenblut (wie die Assemblée nationale in einer ihrer letzten Nummern sagt) zu büßen; nur mit mühevollen Nothlügen brachte ihn ein Offizier in Gewahrsam. ‒ Die Stadt ist jetzt mit hunderttausend Liniensoldaten und Provinzialgarden bedeckt; Cavaignac affischirt die brüderlichsten Versprechen: statt Todestrafe nur Deportirung nach den interessanten Markesasinseln und dem gesunden Guyana, drei Millionen (statt dreißig) zur Beschwichtigung des pariser Elends, sofortiges Beginnen der riesenhaften Untersuchung, u. s. w. Freilich hat er nicht allein die extremen Redaktoren der Demokratie, sondern zugleich auch Girardin und den Redakteur der Assemblée nationale einstecken lassen, indessen vermuthet man nicht grundlos, letzteres geschehe blos zum Schein. Thiers freut sich (nicht weniger als Marrast) über die Tragödie, welche mindestens viertausend Todte, abgerechnet die in's Wasser „gefallenen“, auf dem Pflaster ließ. Ecrasons l'infame, ist ihr Stichwort, es ist ja „die Rebellion der Blouse gegen die Civilisation und gegen den honnetten Besitz“ wie ein junger preußischer wohlhäbiger Arzt mich mit vieler Weisheit gestern belehrte. A bas le travail, vive la faineantise, du riche rief der verhaftete „Pire Duchesne“ in seiner vorletzten Nummer; à bas l'égalité, vive l'orde bourgeois, à bas la fraternité, vive la vertu de l'argent!
Schluß der Sitzung vom 26. Juni, 2 Uhr. Hr. Degoussée, einer der Quästoren, steigt auf's Büreau und schellt mehrmals mit der Glocke. Hr. Corbon, Vizepräsident: Hier ist ein Brief des Chefs der exekutiven Gewalt (Bewegung):
„Bürger Präsident, Dank der Haltung der Nationalversammlung, Dank dem bewundernswerthen Benehmen der Nationalgarde und Armee: der Aufstand ist bezwungen, die Ruhe in Paris wieder hergestellt. Sobald die mir anvertraute außerordentliche Gewalt füe das öffentliche Wohl nicht mehr nöthig sein wird, werde ich sie respektvoll in die Hände der Nationalversammlung niederlegen.“ Von allen Seiten : es lebe die Republik! Die Sitzung wird abermals suspendirt und nach einer Stunde, um 3 Uhr, wieder eröffnet.
Der Vizepräsident (Corbon) : Bürger, ich freue mich, Ihnen mittheilen zu können, daß es mit der Blessur des Bürgers Dornès gut geht ‒ (um so besser! um so besser!)
Abermalige Suspension.
Man hört draußen, nach der Rue de Bourgogne hin, lebhafte Akklamationen. Ein Detaschement der Mobilgarde, mit Zöglingen der polytechnischen Schule an der Spitze, überbringt wiederum eine auf den Barrikaden eroberte Fahne. Sie ist zur Hälfte zerrissen und ganz schwarz vom Pulverdampf. Der junge Martin trägt die Fahne; er hat das Kreuz der Ehrenlegion auf der Brust, das ihm gestern ertheilt wurde. Eine Stimme : in welchem Zustande ist Hr. Bixio? Der Präsident: wir haben von ihm keine Nachricht. Inzwischen wird an mehrere Repräsentanten die Proklamation Cavaignac's vertheilt, die alsbald in ganz Paris affichirt werden soll. (Der Leser wird sie weiter unten finden.) Die Nationalgarde von Blois langt vor den Thoren des Pallastes an; sie wird von den Repräsentanten des Lois-et-Cher-Departements begrüßt. Gegen 7 1/2 Uhr trifft ein bedeutendes Korps Nationalgarde von Seine-et-Marne vor dem Pallast ein.
Abendsitzung. 8 1/2 Uhr. Senard, Präsident: Alle seit meinen vorigen Mittheilungen eingelaufenen Berichte sind völlig befriedigend. Auf den Punkten, wo man nach kämpfte, hat jetzt der Kampf aufgehört. Es bleibt nur übrig : dort die Aufregung, hier die Konsternation, die stets so großen Ereignissen nachfolgen; aber von Stunde zu Stunde mehrt sich das Gefühl des Vertrauens in die Zukunft, des Vertrauens in die Nationalversammlung und in die Rückkehr der Ordnung. Dies ist es, was beinah für alle Schmerzen, die wir in den eben verflossenen Tagen erduldet, ein heilender Trost ist. (Sehr gut! sehr gut!) Morgen, meine Herren, werden wir den momentan ununterbrochenen Lauf unserer Arbeiten fortsetzen. Morgen früh werde ich der Versammlung eine Tagesordnung vorschlagen, die ich heute Abend noch nicht anführe. Morgen werden wir zur vollständigen Ausführung des Reglements zurückkehren, das wir in einigen seiner Bestimmungen während der verflossenen Tage suspendiren mußten. Namentlich werde ich eine Abänderung über die Art, Motionen zu stellen, in Vorschlag bringen, zu dem Zweck, daß die Initiative der Versammlung vollständig gesichert werde.
Die Herren Bonjean, Alem. Rousseau und andere Mitglieder: Der Augenblick ist schlecht gewählt, um uns mit reglementarischen Vorschlägen zu beschäftigen.
Andere Mitglieder: Zur Ordnung.
Präsident: Hätte man mich ausreden lassen, so würde man die Dringlichkeit der Bestimmungen, die ich beantrage, erkannt haben.
Von allen Seiten wird „zur Ordnung“ gerufen.
Präsident: Ich frage die Versammlung, ob sie die Kommission des Reglements bevollmächtigen will . . . .
Alem Rousseau steigt auf die Tribüne und will sprechen. Durch den allseitigen Ruf „zur Ordnung“ ist er genöthigt, auf seinen Platz zurück zu kehren.
Präsident: Es ist mir unmöglich, gegen eine solche Unterbrechung anzukämpfen. Ich rufe den Unterbrecher nicht zur Ordnung; ich will versuchen, meinen Gedanken vollends auszudrücken.
Bonjean sagt einige Worte, die nicht bis zu uns gelangen.
Präsident: Es liegt nicht in meiner Gewohnheit, Herr Bonjean, mich mit persönlichen Dingen zu beschäftigen; aber wenn Sie fortfahren, mich zu unterbrechen, so werde ich genöthigt sein, Ihnen zu erklären, daß Sie sich nicht allein gegen den Präsidenten, sondern gegen die ganze Versammlung vergehen. Die Kommission des Reglements wird beauftragt werden, die angegebenen Bestimmungen zu revidiren. Man beantragt außerdem noch eine Ergänzung zum Dekrete, welches Sie gestern in Bezug auf die Verlängerung der Wechsel und Billete angenommen.
Die Modifikation des Artikels 1 lautet folgender Maßen: Die Verfallzeit derjenigen Wechsel, die in Paris und den Departements vom 23. Juni an bis zum 5. Juli inclusive zahlbar sind, wird auf 5 Tage hinausgeschoben, in der Art, daß die auf den 23. fälligen Wechsel den 28., die auf den 24. fälligen den 29. u. s. w. zahlbar sind.
Die Artikel 2 und 3 werden beibehalten, wie sie gestern votirt worden sind.
Die Versammlung dekretirt die Dringlichkeit.
Mehrere Mitglieder: Es genügt, die Verlängerung für diejenigen Billets, welche vor dem 30. Juni fällig sind, zu reglementiren.
Das Amendement wird verworfen.
Der Artikel 1 wird angenommen, wie er vorgeschlagen worden.
Tillancourt: Ich beantrage, daß der Hr. Präsident eingeladen werde morgen den Entwurf zu eine Proklamation an das französische Volk vorzulegen, um ihn der Versammlung bei Eröffnung der Sitzung zu unterwerfen.
Corbon, Vice-Präsident, nimmt die Stelle des Präsidenten ein.
‒ Der Vorschlag wird abgestimmt und angenommen.
Präsident. Die Arbeit der Kommission in Betreff der Deportation ist noch nicht fertig: sie wird morgen der Versammlung vorgelegt werden.
Flocon: spricht über die Verproviantirung von Paris, die gar nichts zu wünschen übrig ließe.
Präsident: Ich höre so eben, daß die letzten Barrikaden von la Villette genommen seien.
Die Sitzung wird um 9 Uhr Abends aufgehoben.
‒ Nationalversammlung. Sitzung vom 27. Juni. Die Gegend des Sitzungssaales, von der Rivolistraße bis hinter den Burgunderplatz, gleicht immer noch einem Kriegslager. Die Kanonen sind aufgepflanzt, ganze Regimenter bivouakiren auf dem Conkordiaplatze u. s. w. Im Sitzungssaale selbst suchte unser Auge zuerst diejenigen Deputirten, welche die gestrige Nacht als Geisseln hinter den Barrikaden des Faubourgs St. Antoine's zubrachten und denen Larabit als Parlamentär diente. Wir erblickten nur Larabit. Das alte Oppositionsglied saß ziemlich zerstört auf seinem Platze; es schien sehr nachdenklich. Senard, der unermüdliche Generaladvokat, eröffnete die Sitzung um 11 Uhr. Er zeigte der Versammlung an, daß einzelne kleine Scharmützel abgerechnet, Paris, bis auf die zahllosen Wachen, ruhig geschlafen habe. In den Departements, z. B. in Marseille, habe die Kontrerevolution ebenfalls ihr Haupt erhoben, sei aber bald unterdrückt worden. In Nantes, Lyon, Rouen sei die Ruhe aufrecht erhalten worden u. s. w. In Paris selbst wache die Vollziehungsgewalt unermüdet. Die 9. und 12. Legion der Pariser Bürgerwehr (St. Antoine und St. Marceau) würden Exzesse und Mißtrauens halber so eben entwaffnet. Ferner trage er auf Niedersetzung eines Ausschusses an, der sich sofort mit den Opfern der letzten 4 Tage beschäftige. Die Nationalversammlung habe zwar bereits die Wittwen und Waisen adoptirt, aber es bleibe noch viel zu thun übrig.
Es wird ein Ausschuß von 9 Glieder ernannt, der die nöthigen Anträge auszuarbeiten hat. Endlich soll eine pomphafte Revue aller herbeigeeilten Bürgerwehren stattfinden und Alles aufgeboten werden, um ihnen den für die Republick bewiesenen Eifer möglichst zu vergelten. Dieser Vorschlag fand nicht minder Beifall. Inzwischen sorgt der Gefängnißausschuß für die gehörige Verwahrung der gefangenen Insurgenten. Es ist interessant hiebei zu erfahren, daß Barrot, Thiers und V. Hugo das Geschäft der Klassifizirung, Transportirung und Verpflegung der Gefangenen zu besorgen hatten. Bei Durchsuchung von etwa 60 Insurgenten, die in Abbaye gesperrt wurden, fand man kaum 10 Franken im Ganzen! Hieraus möge man auf die Wahrheit des Geschreies der Zeitungspresse über Bestechung urtheilen. Die Sitzung wurde suspendirt, und die Glieder zogen sich in die Büreaus zurück, um mehrere Gesetzentwürfe (Deportation), Begräbnißfeierlichkeit und dergl. insgeheim zu berathen.
‒ 3 Uhr Wiedereröffnung der Sitzung.
Senart. Ehe ich dem Berichterstatter das Wort ertheile, will ich noch einem einstimmigen Wunsch entgegen kommen, indem ich Euch Kenntniß gebe von den telegraphischen Depeschen von Limoges und Marseille. Zu Limoges brachte die durch die Nachricht von den Ereignissen in Paris hervorgerufene Agitation keine Kollision hervor. Zu Marseille ist die Ruhe hergestellt, nicht ohne Blutverlust. Eine kleine Anzahl von Soldaten und Nationalgardisten ist in dem Gefecht getödtet worden, woran, wie es scheint, die Clubistes montagnards allein Theil nahmen. Die italienische Legion blieb dieser Bewegung fremd. An 15 der Montagnards sind gefallen. Die vor der Stadt arretirten Gefangenen belaufen sich auf 700.
Meaulle. Berichterstatter der Kommission bezüglich des Dekrets der Deportation:
Eure Kommission fand sich zwischen zwei Dekrete gestellt, Eins der Versammlung, das über alle mit den Waffen in der Hand ergriffene Individuen Deportation verhängt und ein Andres der exekutiven Gewalt, das sie vor Militärgerichte stellt. Die Kommission hat den Mittelweg zwischen den zwei entgegengesetzten Ansichten eingeschlagen. Sie hat begriffen, daß die Gesellschaft, heftig angegriffen, mit allen zu ihrer Verfügung stehenden Mitteln sich vertheidigen müsse. Es ist indeß klar, daß es unter den Revoltirten, unter den Schuldigen verschiedene Kategorien gibt. So sind sicher die, die bloß gekämpft haben, weniger schuldig, als die Lenker, die Aufhetzer, die, welche Geld vertheilt haben, um den Bürgerkrieg zu nähren. Wir schlagen euch folgende doppelte Maßregel vor:
Art. 1. Gemäß einer Sicherhe tsmaßregel werden in die überseeischen französischen Besitzungen mit Ausschluß der des mittelländischen Meers, die gegenwärtig verhafteten Individuen deportirt, die an der Insurrektion des 22. Juni und der folgenden Tage Theil genommen haben.
Art. 2. Die von den Kriegsgerichten eröffnete Instruktion wird fortgesetzt werden gegen die Individuen, welche die Instruktion bezeichnen würde als Aufhetzer, Anführer, Leiter der Insurrektion, sei es durch Vertheilung von Geld, Uebernahme eines Kommandos während des Kampfes oder durch Vollbringung erschwerender rebellischer Akte.
Art. 3. Ein Dekret der Nationalversammlung wird die spezielle Lebensordnung bestimmen, der die transportirten Individuen unterworfen werden.
Art. 4. Die exekutive Gewalt ist beauftragt unverzüglich das Dekret zu vollstrecken.
General Cavaignac: Ich bin erstaunt über einige von Eurem Berichterstatter ausgesprochenen Worte. Er hat gesagt, die Kommission habe sich zwischen zwei absolute Meinungen gestellt gefunden, der Meinung der Nationalversammlung und der Meinung der exekutiven Gewalt. Ich bin erstaunt, meine Herren, daß man mir vor den Augen der N.-V., vor den Augen der Nation, eine Stellung giebt, die ich nicht eingenommen habe, die eines Menschen, der sich strenger gezeigt hätte, als die Versammlung, als die gesammte Nation. Wir machen Geschichte, meine Herrn, und man muß nicht die Verantwortlichkeit noch vermehren, die unsre Hingebung an das Vaterland, an die Republik, uns zur Pflicht macht zu übernehmen. (Verlängerte Bravos, Akklamationen!)
Mèaulle deutet seine Worte im Sinne Cavaignac's.
Cavaignac. Die Versammlung wird mir erlauben hinzuzufügen, daß die Abänderungen des ursprünglichen Entwurfs, so weit sie mildernd sind, auf mein Verlangen stattgefunden haben
Ein Mitglied verlangt, daß der Bericht gedruckt und die Diskussion auf Morgen vertagt werde. (Reklamation. Einige Stimmen: Ja! Ja!)
Perrèe. Ich trage auf Dringlichkeitserklärung an. In den Umständen, worin wir uns befinden, begreife ich keine Verzögerung. (Sehr gut! Beifall.)
Germain Sarrut bekämpft die Dringlichkeit, nicht das Dekret selbst, aber er verlangt, daß man diskutire mit Ruhe, mit Reflexion, und daß man nicht durch fatale Uebereilung, sich, wie zu andern Epochen einer nutzlosen Reue aussetze. (Skandal. Lärm. Trommeln.)
Ein Mitglied. Seit zwei Tagen ist das Projekt vorgelegt. Jeder von uns hat Zeit gehabt, sich mit seinem Gewissen zu verständigen.
General Lebreton. Ich bedaure meine Herrn, daß ausgezeichnete Mitglieder dieser Versammlung in einem beklagenswerthen Stillschweigen verharren! In den jetzigen feierlichen Umständen, scheint mir, muß Niemand vor seinem Antheil von Verantwortwortlichkeit zurückbeben. Ich nehme mir die Freiheit, der Versammlung einige Bemerkungen zu machen. Wir, meine Herrn, entschlüpfen so eben einer Gefahr, deren fürchterliche Bedeutsamkeit vielleicht nicht Alle begriffen haben. (Reklamationen). Die Gesellschaft, einen Augenblick in ihren Grundlagen erschüttert, erwartet von Euch einen großen Akt, einen Akt strengster Gerechtigkeit. (Sehr gut.) Diesen Akt werdet Ihr der Gesellschaft nicht abschlagen; wie die Nationalgarde, wie die Armee, wird die Versammlung ihre Pflicht erfüllen und auf der Höhe der Verhältnisse stehn. (Sehr gut. Verlängerte Bravo's.)
Sarrans besteigt die Tribüne. (Geräusch, Tumult. Der Schluß! der Schluß!)
Der Schluß wird zur Abstimmung gebracht und beinahe einstimmig angenommen.
Der Präsident. Ich bringe die von dem Bürger Perrèe verlangte unmittelbare Verweisung des Dekrets in die Bureaux zur Abstimmung.
Eine erste Probe ist zweifelhaft. Die unmittelbare Verweisung an die Büreaux wird verworfen.
Der Präsident. Ich bringe den Druck und die Vertheilung des Berichts zur Abstimmung.
Charamaul. Man mußte diesen Vorschlag vor dem andern zur Abstimmung bringen, weil er weiter ist. (Geräusch, Agitation).
Der Druck wird verworfen.
Pascal Duprat. Im Namen der nationalen Gerechtigkeit verlange ich, daß die Diskussion nicht unmittelbar statt hat. Ich verlange für mein Gewissen, für eures, eine gewisse Langsamkeit. Ich bitte euch, zwei, drei Stunden nachdenken zu wollen. Ich verlange den Aufschub der Diskussion bis 8 Uhr.
Baroche behauptet, die Versammlung habe durch ihr Votum schon entschieden, daß die Diskussion unmittelbar statt finde.
Flocon. Ich habe die Dringlichkeit votirt, aber neben dieser Dringlichkeit steht die „moralische“ Zeit des Nachdenkens, welche die Gesetzgeber nicht aus den Augen verlieren dürfen. Wir werden über Menschen richten; vergessen wir nicht, daß die Geschichte die Richter richten wird; es ist dies ihr Recht. (Gelächter). Ich verlange, daß die Richter sich einen Augenblick sammeln.
Mehrere Stimmen. Nein, nein!
Die Vertagung auf den morgenden Tag wird verworfen, die Vertagung bis auf 8 Uhr wird mit sehr schwacher Majorität angenommen. Die Sitzung wird aufgehoben um 4 1/2 Uhr inmitten einer großen Aufregung.
Drei und eine halbe Stunde Bedenkzeit wird der rachsüchtigen Versammlung mit der größten Mühe abgerungen! Das Volk vom 24. Februar vergaß sich zu Gericht zu setzen.
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@facs 0144
Paris, 27. Juni.
(Letzte Augenblicke der Insurrektion.) Enorme Truppenmassen der Generäle Lamoriciére und Perrot hielten das ganze Faubourg St. Antoine umschlungen. Nur von Menilmontant und Popincourt, jenseits des Kanals her beunruhigten einzelne Insurgenten-Abtheilungen die Truppen. Es schlug 10 Uhr. Die Belagerungsgeschütze, Mörser, Haubitzen und Kanonen, welche Cavaignac auf Verlangen Lamoricière's aus Arras und La Fere (zwei Festungen) in aller Eile hatte herbeischaffen lassen, waren eingetroffen. Die Pechkränze und Brandbomben lagen bereit. Der produktivste Theil von Paris sollte vernichtet werden. Der revolutionäre Heerd brannte bereits an einigen Stellen, als Lamoricière, ein kleinee, blutjunger, negerköpfiger Glückssoldat, umgeben von seinem ganzen Generalstabe m KaféAmand an der Ecke des Bastillenplatzes auf den Befehl zum Beginn des Bombardements wartete und mit der Uhr in der Hand die Minuten zählte, welche das Schicksal über Hunderttausende entscheiden sollte . . . . Da sprengt ein Ordonanzreiter herbei und bringt ihm die Kapitulation des Faubourgs: die Insurgenten haben die Waffen gestreckt und reißen selbst die Barrikaden nieder. Die größte Katastrophe wurde vermieden ‒ Ströme von Blut dadurch erspart.
‒ Das halbe Blatt der „Réforme“, das heute erschienen ist, wagt nicht mehr mit Flocon die Junitage als Resultat der Intriguen des Auslandes und geheimer Bestechungen darzustellen. Dem Ernst der Ereignisse stellt es fromme Wünsche gegenüber. „Dieß schreckliche Beispiel diene uns allen als Lehre und Warnung! Ueberwachen wir uns gewissenhaft und ohne das Recht aufzugeben, beseelen wir uns mehr und mehr, Journale, Staatsgewalten, Parteien, mit jenem edlen Gefühle, dessen Namen der Februar auf seine Banner schrieb: Fraternité! ‒ Ein Beschluß der Maires von Paris vom 26. Abends, kündet an, daß die Circulation wieder hergestellt ist, mit Ausnahme der Punkte, wo Maßregeln der Ordnung und der Ueberwachung noch unentbehrlich sind. Nach demselben Beschluß müssen alle Eigenthümer oder Miether ihre Wohnungen illuminiren, um den Dienst der Patrouillen zu erleichtern. ‒ Neben den Schreckens- [0145] scenen, deren Zeuge Herr Payer (Deputirter) war während der 12 Stunden, wo die Insurgenten ihn gefangen hielten, erzählt er Thatsachen, die beweisen, daß die große Mehrzahl der Kämpfer Arbeiter waren, in Verzweiflung gestürzt durch das Elend, das sie seit 4 Monaten erdrückte. Sie antworteten denen, welche sie fragten, warum sie sich schlügen: Besser an einer Kugel sterben, als am Hunger. Als man ihnen zu trinken anbot, wollte keiner Wein nehmen, ohne ihn vorher mit Wasser vermischt zu haben. Sie schlugen sich und starben, ohne einen Schrei auszustoßen.
[(la Réforme.)]
‒ Seit heute früh beginnt die Vertheilung der Unterstützungsgelder an die Bedürftigsten. Man entsinnt sich daß die Nationalversammlung von gestern 3,000,000 Franken dafür votirte. Die Noth ist fürchterlich.
‒ Im Laufe der vorigen Nacht wurden etwa 2000 Gefangene in Omnibuswagen, unter starkem Kavalleriegeleit, aus den Stadtgefängnissen in die Kasematten von Vincennes und der übrigen Außenwerke geschafft.
‒ Noch läßt sich die Zahl der Gefallenen, Verwundeten, Ersäuften, Verbrannten, Massakrirten, kurz aller Verlorenen nicht genau bestimmen. Man schätzte sie gestern Abend auf 10 bis 11,000. Außer den Spitälern sind mehrere Kirchen und Privatgebäude der Pflege der Verwundeten gewidmet. Die Frauenwelt sitzt vor den Hausthüren und zupft Charpie. Wehmüthiger Anblick!
‒ Der Erzbischof von Paris ist gestorben. Die Kugel, die ihn hinter den Barrikaden erreichte, hatte das Rückenmark verletzt und jede Rettung war unmöglich.
‒ Die Gesammtzahl der gefangenen Insurgenten wird von Einigen auf 4 bis 5000 geschätzt.
‒ Der zur Untersuchung der Ereignisse des 23., 24., 25. und 26. Juni dekretirte Ausschuß besteht aus meist der Majorität angehörenden Gliedern. Odilon-Barrot ist Präsident, Woirhaye Vicepräsident, Waldeck-Rousseau und Landrin Sekretäre.
‒ Die Journale: 1. La Presse, 2. La Révolution, 3. L'assemblée nationale, 4. La Vraie République, 5. L'Organisation du travail, 6. Le Napoléon républicain, 7. L'aimable faubourien ou le Journal de la Canaille, 8. Le Lampion, 9. La Liberté, 10) Le Père Duchène und 11. le Pilori sind bis auf Weiteres unterdrückt und ihre Pressen versiegelt. Auch der Proudhonsche Représentant du peuple ist nicht erschienen. Indessen kommt das wohl nur daher, daß er in derselben Offizin mit „La Presse“ gedruckt wurde. Ein Verbot ist gegen ihn nicht erlassen.
‒ Lalanne, der neue Direktor der Nationalwerkstätten (Schwager des Staatsbautenministers Trèlat) ist als der Begünstigung der Insurrektion verdächtig arretirt worden.
‒ Deflotte, der bekannte Marine-Offizier und Mitredakteur der Democratie pacifique ist ebenfalls verhaftet.
‒ Emil de Girardin, Redakteur der Presse, sitzt in der Conciergerie im strengsten Verhaft. Selbst seine Frau, die bekannte Delphine Gay, darf nicht ihm mit korrespondiren.
‒ Um Mitternacht fand noch eine lebhafte Füsillade in der Nähe der Tuilerien und des Palais National statt. Der Père la Chaise ist noch von den Insurgenten besetzt. Heute war keine Börse.
‒ Proklamation Cavaignac's. An die Bürgerwehr und Armee. Bürger, Soldaten! Die geheiligte Sache der Republik hat triumphirt. Eure Hingebung, Euer unerschütterlicher Muth haben sträfliche Pläne vereitelt, verhängnißvolle Irrthümer gerichtet. Im Namen des Vaterlandes, im Namen der ganzen Menschheit seid bedankt für Eure Anstrengungen, seid gesegnet für diesen nothwendigen Triumph. Diesen Morgen noch war die Aufregung des Kampfs legitim, unvermeidlich. Jetzt aber seid eben so groß in der Ruhe als Ihr es so eben im Kampfe gewesen. In Paris sehe ich Sieger, Besiegte; möge mein Name verflucht bleiben, wenn ich einwilligte, dort Opfer zu sehen. Die Gerechtigkeit wird ihren Lauf haben; möge sie handeln. Das ist Euer Gedanke, das ist der meinige. Bereit, wieder in den Rang eines einfachen Bürgers zurückzukehren, nehme ich in Eure Mitte das bürgerliche Bewußtsein zurück, in diesen Tagen schwerer Prüfungen die Freiheit nur insoweit beschränkt zu haben, als das Heil der Republik dies selbst verlangte, und demjenigen ein Beispiel geliefert zu haben, der einmal berufen sein könnte, seinerseits ebenso ernste Pflichten zu erfüllen. Paris, 26. Juni Abends 1848. (gez.) E. Cavaignac.
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@facs 0145
‒ Der General-Prokurator der Republik beim Appellhof von Paris hat an den Polizeipräfekten Trouvé-Chauvel drei Depeschen gerichtet, alle drei vom 24. Juni, worin er auf frühere Gesetze zurückgeht, deren Ausübung bisher wohl vernachläßigt worden, die aber nicht aufgehört hätten in Kraft zu sein. In der ersten Depesche verweist er auf das Gesetz vom 10. Dezember 1830, Art. 1. „Keine Schrift, sei es Hand- oder Druckschrift, Stich oder Lithographie, welche politische Nachrichten enthält oder von politischen Gegenständen handelt, darf auf Straßen, Plätzen oder andern öffentlichen Orten angeschlagen werden. Ausgenommen von dieser Bestimmung sind die Erlasse der öffentlichen Gewalt.“ Die zweite Depesche bringt den Art. 1 des Ges. v. 16. Febr. 1834 in Erinnerung: „Niemand darf auch nur temporär das Geschäft eines öffentlichen Ausrufers, Verkäufers oder Vertheilers von Schriften, Zeichnungen oder Darstellungen in Druck, Lithographie, Autographie, Holzschnitt, Stich oder Manuscript ausüben, ohne obrigkeitliche Erlaubniß. Diese Erlaubniß kann zurückgenommen werden. Die vorstehenden Bestimmungen sind auf die Straßensänger anwendbar. Beide Gesetze sollen jetzt wieder pünktlich in Vollzug gesetzt werden und der Polizeipräfekt wird aufgefordert, alle Uebertretungen derselben Behufs der gerichtlichen Verfolgung genau konstatiren zu lassen.“ ‒ Die dritte Depesche lautet im Wesentlichen: „Die Gesetzgebung über die Presse und Journale, deren Ausübung um der Freiheit willen hat vernachlässigt werden können, die den Bürgern in jüngster Zeit zu den allgemeinen Wahlen gelassen war, hat nicht aufgehört in Kraft zu sein. Wollen Sie den Druckern der Stadt Paris und des zur Polizeipräfektur gehörigen Gebietes bekannt machen, daß ich die Vollziehung aller Bestimmungen dieser Gesetze der öffentlichen Ordnung genau überwachen werde. Ich fordere Sie auf, eine wirksame Aufsicht über die Druckereien ausüben zu lassen.“ Die Drucker werden dann hingewiesen auf das Gesetz v. 24. Oktober 1814, welches ihr Gewerbe im Allgemeinen betrifft, auf die Vorschriften übee Affischen, Stempel und Farbe des Papiers; dann rücksichtlich der periodischen Presse auf das Gesetz vom 18. Juli 1828 über die Geranten der Zeitungen. Endlich wird ihnen die Pflicht eingeschärft, zumal in schwierigen Zeiten, von dem Inhalt dessen, was sie drucken, Kenntniß zu nehmen und keine Schriften zu drucken, die Aufreizungen zu Verbrechen oder Vergehen, zum Ungehorsam gegen die Gesetze oder sonst irgend welcher Uebertretung enthalten. Den Zuwiderhandelnden wird mit dem Gesetze v. 17. Mai 1819 und allen andern gedroht, die Repressivvorschriften enthalten.
‒ Man schätzt die Stärke der verschiedenen Truppenabtheilungen aus den Departements, die sich heute im Laufe des Tages zur Nationalversammlung begeben haben, um sich zu ihrer Disposition zu stellen, auf mehr als 10,000 Mann. 2000 Mann Nationalgarde sind allein von Orleans und Tours gekommen. Viele darunter waren nicht einmal bewaffnet.
‒ Folgender Aufruf war Sonntag im Faubourg St. Antoine von den Insurgenten angeschlagen:
„Zu den Waffen! Wir wollen die demokratische und sociale Republik! Wir wollen die Souverainität des Volkes! Alle Bürger der Republik dürfen und können nichts Anderes wollen. Um diese Republik zu vertheidigen, bedarf es des Zusammenwirkens Aller. Die zahlreichen Demokraten, welche diese Nothwendigkeit begriffen haben, stehen schon seit zwei Tagen auf der Straße.
Diese heilige Sache hat schon viele Opfer gekostet; wir sind alle entschlossen, diese edeln Märtyrer zu rächen oder zu sterben.
Auf Bürger! daß kein einziger von uns diesem Aufruf nicht entspreche!
Indem wir die Republik vertheidigen, vertheidigen wir das Eigenthum.
Wenn eine blinde Widerspenstigkeit Euch gleichgültig ließe gegen all das vergossene Blut, so werden wir Alle sterben unter dem Brandschutt des Faubourg St. Antoine.
Denket an eure Weiber, an eure Kinder und ihr werdet zu uns kommen!“
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[7]Paris, 27. Juni.
Man sagt, daß so eben Ordre abgegangen ist, eine Fregatte und zwei Corvetten auszurüsten, um die gefangenen Insurgenten zu deportiren.
‒ Man liest oben im Journal „Le peuple constituant“ vom 26. und 27. Juni: „Wir offenherzige Republikaner, die nicht so glücklich sind, als die Herrn vom Constitutionel, den Débats u. s. w., wir haben gestern nicht erscheinen können, da die neue Gewalt unsre Pressen unter Siegel gestellt hat. Wir versuchen heute, eine Schuldigkeit gegen unsere Abonnenten zu erfüllen, wir stehen aber nicht für morgen.
‒ Die Freilassung Girardin's unter Stellung einer Kaution ist verweigert worden.
‒ Die Boulevards zwischen der Porte St. Denis bis zur Bastille hin (begriffen in der Abtheilung Lamoriciére) bilden in diesem Augenblicke noch ein wahres Lager von zwei Stunden Ausdehnung. Die Pferde der Cavalerie, der Curassiere, Ulanen und Dragoner stehen angebunden. Zu beiden Seiten der Straße liegt Stroh hingestreut, worauf die Soldaten ausruhen. Allenthalben sind Schenken errichtet.
‒ Keine einzige Schlacht unter Napoleon hat so viele Generale geraubt, als die Begebenheiten der vier letzten Tage.
‒ Die Börse war einige Augenblicke lang geöffnet. Geschäfte wurden keine gemacht. Die Börse soll so lange geschlossen bleiben, als der Belagerungszustand dauert.
‒ Man hat die Gewißheit, daß 7 bis 8000 Insurgenten sich in den Wald von Vincennes geflüchtet haben, wo sie mit einem ungemeinen Eifer und Energie verfolgt werden Es ist wahrscheinlich, daß in Folge der getroffenen Maßregeln man nicht zögern wird, sie wie Wild einzufangen.
‒ Man liest im Peuple Constituant von Lamennais: „Die Schlacht ist aus, das Faubourg St. Antoine hat kapitulirt und verlangt, daß der General Cavaignac die Kapitulation selbst unterzeichne.
„Der Kampf war riesenhaft; von beiden Seiten gleicher Muth, gleiche heroische Wunder! und über diesen Heroismus kann das Vaterland nur weinen. Was könnte nicht Alles eine Regierung mit einem solchen Volke machen, wenn in dieser Regierung die Seele des Volkes athmete!
Der Belagerungszustand dauert fort, und mit ihm die Aufhebung aller Gesetze. Man begreift also, daß man sich lediglich am bloßen Erzählen halten muß. Es ist zu hoffen, daß die Presse bald wieder zu ihren Rechten kommen und der Gedanke aufhören wird, vom fremden, eigenmächtigen Willen abzuhängen.
‒ Man liest in demselben Journale:
Strenge Geschichtsschreiber, werden wir mäßig sein mit unserm Lobe auf die Sieger; die Besiegten sind ihre Brüder, deren Muth immerhin geachtet und sichergestellt werden muß vor den schmählichsten Verläumdungen, in dem Falle selbst, wo sie eine gerechte Strafe verdient hätten. Auf beiden Seiten hat der Tod schrecklich gemäht, und der Parteigeist ist erloschen vor Gott: Lebende, thut ein Gleiches.
‒ Der Korrespondent des „London Telegraph“ behauptet, daß 500 Insurgenten, die sich im Clos St. Lazare ergaben, Sonntag Abend und 400 andere Montag früh erschossen wurden.
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[*] Köln, 29. Juni.
Gestern fand hier ein unbedeutender Krawall vor dem Hause des Hrn. Camphausen Statt.
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[*] Berlin, 27. Juni.
Seit dem 25. heißt die Versammlung der „Vereinbarer“ „National-Versammlung“. Siehe Erlaß, de dato Sanssouci 25. Juni, unter Minister Nro. 2, Hansemann kontrasignirt.
‒ Sitzung der Vereinb.-Versammlung vom 27. Juni. ‒ Vizepräsident Waldeck führt das Präsidium. ‒ Das Protokoll wird verlesen und Temme vermißt in demselben, daß das Ministerium aus der nochmaligen Verweisung des Adreßentwurfs in die Kommission eine Kabinetsfrage gemacht habe. Es ist das ein Ereigniß, welches die wichtigsten Folgen haben kann. Wenn diese Folgen eintreten und das Land will mit Gewißheit von dem Ursprung derselben unterrichtet sein, so können wir nicht einmal durch das geführte Protokoll, den richtigen Thatbestand nachweisen. Der Sekretär Schneider bemerkt, daß man schon früher in einem ähnlichen Falle bei der Adreßfrage bestimmt habe, daß es im Protokoll nicht aufzunehmen sei, ob das Ministerium eine Kabinetsfrage aufgeworfen habe oder nicht. Nachdem noch Ritz und Riedel gesprochen haben, entscheidet sich die Versammlung für die Nichterwähnung. ‒ Wencelius hat den Antrag eingereicht, die Einberufung des Abgeordneten Valdenaire aus Trier zu veranlassen, oder dessen Angelegenheit nach Maßgabe des Gesetzes wegen Unverletzlichkeit der Abgeordneten vor der hohen Versammlung zur Entscheidung zu bringen. Der Antrag wird in die Abtheilungen verwiesen, nachdem er große Unterstützung gefunden hatte. ‒ Auf Loës Antrag beschließt man, sofort zur Präsidentenwahl überzugehen. Nachdem sich die Versammlung zuerst gegen den Antrag ausgesprochen, daß zur Konstatirung der Zahl der Abstimmenden der Namensaufruf stattfinden solle, beschließt sie jedoch, nachdem eine wirklich anarchische Scene vorgefallen war, indem der Abgeordnete Moritz sich eigenmächtig das Wort genommen hatte, fest an der Geschäftsordnung zu halten und den Namensaufruf bei Abgabe der Stimmzettel stattfinden zu lassen. ‒ Die Versammlung, die sehr unruhig geworden war, beruhigt sich endlich und man übergiebt nach namentlichem die Aufruf Stimmzettel.
Das Scrutinium ergiebt folgendes Resultat: Grabow mit 238 Stimmen wird als Präsident proklamirt. Nächst ihm hatten die meisten Stimmen: Waldeck 110. Kirchmann 25. Riedel 2. Uhlich 2. Camphausen 1. Philipps 1. v. Unruh 1. Rosch 1. Funke 1. Fretzdorff 1. Die Zahl der Abstimmenden war demnach 383. Absolute Majorität: 192. Hierauf richtete Grabow einige Worte des Dankes an die Versammlung: „er werde das Vertrauen, welches er in keiner Weise verdient habe, durch Unpartheilichkeit sich zu erwerben suchen.“ ‒ Grabow ist der Kandidat der ministeriellen Majorität und gehört dem linken Centrum an. Waldeck und Kirchmann erhielten ihre Stimmen von der Linken. ‒ Nachdem um 3 Uhr die Stimmzettel für die zu wählenden Vicepräsidenten abgegeben, wurde die Sitzung bis 5 Uhr vertagt; während dieser Zeit wurden jedoch die Stimmzettel von den Sekretären geordnet; um 5 Uhr wurde folgendes Resultat proklamirt: Zahl der Abstimmenden 369. Absolute Majorität: 185. Es erhielten Stimmen: Kirchmann 223, Rosch 206, Jonas, geh. Revisionsrath 203, Waldeck 163, Philipps 145, Joh. Jacoby 104, Bauer 84, Baumstark 63 und mehrere Andere. Da nur die Abgeordneten Kirchmann Rosch und geh. Revisionsrath Jonas die absolute Majorität hatten, so muß wegen den vierten Vice-Präsident nochmals abgestimmt werden. Dem Geschäftsreglement nach kamen Waldeck und Philipps auf die engere Wahl. Die gewählten Vicepräsidenten dankten der Versammlung für das ihnen geschenkte Vertrauen. Hierauf werden die Stimmzettel für den vierten Vicepräsidenten und für die acht Sekretäre zugleich eingesammelt und das Sekretariat bleibt zusammen, um noch heute Abend das Skrutinium zu vollenden, damit beim Beginn der morgenden Sitzung das Resultat verlesen werden kann.
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Königsberg, 23. Juni.
In einem Briefe aus Riga berichtet man uns, unter Angabe frappanter Einzelnheiten, über bedeutende Excesse, die in Petersburg vorgefallen wären. Es gelang der Behörde, sie in kurzer Zeit zu unterdrücken, doch sollen „einige hundert“ Personen dabei umgekommen sein. Da wir nicht wissen, wiefern der Bericht Glauben verdient, enthalten wir uns der Mittheilung der Details.
[(Königsb. Z.)]
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[*] München, 24. Juni.
Die Regierung hat in ihren großen Geldklemme die Bureaukratie, das Heer und den Klerus mit einer freiwilligen Zwangsanleihe belegt.
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Prag, 21. Juni.
Die Augsb. A. Ztg. berichtet von hier, daß auch in Brünn ein Aufruhr bewältigt worden. General Graf Schlick soll dort der rettende Engel gewesen sein. Viele Prager Studenten wurden gefangen oder getödtet. Natürlich verfehlt die Ausburger nicht zu bemerken, daß der ganze Aufstand von der hiesigen Parthei organisirt und geleitet gewesen; sie fügt hinzu, daß auch in Olenitz Prager Emissäre gefangen genommen worden.
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Sicherem Vernehmen nach wird die Truppenzahl in der Umgegend von Wien bedeutend verstärkt. Ein Jägerbataillon und ein Cavallerieregiment sind vorläufig in der Gegen von Pötzleinsdorf cantonnirt und andere Truppen sollen noch nachfolgen. Die Wahlen haben auch bei uns Umtriebe aller Art in Bewegung gesetzt. Ueber das Resultat derselben läßt sich vorläufig nichts bestimmtes sagen.
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[*] Frankfurt.
Sitzung der Nationalversammlung vom 27. Juni. Fortsetzung der Berathung über die provisorische Centralgewalt.
Nach Verwerfung des Art. 2 Lit. d. (s. d. gestr. Nr. der Neuen Rhein. Ztg.) wird Art. 3: „Die Errichtung des Verfassungswerkes bleibt von der Wirksamkeit der Centralgewalt ausgeschlossen“ durch einfache Abstimmung angenommen.
Art. 4. „Ueber Krieg und Frieden, und über Verträge mit auswärtigen Mächten beschließt die Centralgewalt im Einverständniß mit der Nationalversammlung.“ Einfache Abstimmung durch Aufstehen und Sitzenbleiben. Der Präsident verkündigt, daß die Majorität den Artikel angenommen habe; aber die Ritter der Rechten behaupten, die Frage schlecht verstanden zu haben und nach heftigen Debatten wird in einer neuen Abstimmung durch Namensaufruf der Artikel nochmals, und zwar mit 408 gegen 143 Stimmen angenommen.
Art. 5. „Die provisorische Centralgewalt wird einem Präsidenten übertragen.“ Abstimmung durch Namensaufruf: der Artikel wird von der Majorität (der ganzen Rechten, und mehr als zwei Drittheilen der Centren) mit 355 gegen 171 Stimmen verworfen; dagegen der zweite Antrag: die Uebertragung an einen „Reichsverweser“ angenommen.
Art. 6. „Derselbe wird von der Nationalversammlung gewählt.“ Mit 403 gegen 135 Stimmen angenommen. (Stürmischer Beifall der Galerien.) Der edle Würth giebt eine Erklärung der Rechten zu Protokoll, daß sie dem Beschluß blos unter der Voraussetzung beigestimmt habe, daß die einzelnen Regierungen ihre Genehmigung gäben. Schluß der Sitzung.
Sitzung vom 28. Juni.
Fortsetzung der Berathung über die provisorische Centralgewalt.
Art. 9. „Der Reichsverweser übt seine Gewalt durch von ihm ernannte, der Nationalversammlung verantwortliche Minister aus. Alle Anordnungen desselben bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung wenigstens eines verantwortlichen Ministers.“ Fast einstimmig angenommen.
Der Art. 10 („wegen Verbrechen, in und außer dem Amte begangen, ist der Reichsverweser der Anklage durch die Nationalversammlung und der gerichtlichen Bestrafung unterworfen,“) fällt aus, da die Linke aus Höflichkeit freiwillig darauf verzichtet hat. Dafür wird nun
Art. 11. „Der Reichsverweser ist unverantwortlich“, mit 373 gegen 175 angenommen. (Große Unruhe auf den Galerien.)
Art. 12 fällt aus.
Die ferneren Art. 12, 13, 14, 15 und 16 über die Stellung der verantwortlichen Minister und des straflosen Reichsverwesers zu der Versammlung, werden durch einfache Abstimmung angenommen.
Art. 18. „Mit dem Eintritt der Wirksamkeit der provisorischen Centralgewalt hört das Bestehen des Bundestags auf.“ Abstimmung durch Namensaufruf: Der Art. wird mit 510 gegen 35 Stimmen (worunter Welcker) angenommen.
Art. 19 (jetzt 14) und Art 20 (jetzt 15) welche bestimmen, daß die Centralgewalt so viel als thunlich sich mit den Einzelregierungen in Einklang zu setzen habe, und daß ihre Thätigkeit mit Vollendung des Verfassungswerkes aufhöre, werden in einfacher Abstimmung angenommen.
Es wird sodann der ganze Entwurf zur Abstimmung gebracht, und das Gesetz mit 45„ Stimmen (der ganzen Rechten und beiden Centren) gegen 100 angenommen. Herr v. Radowitz gibt eine Erklärung der Rechten zu Protokoll, daß sie dem Beschluß nur unter Zustimmung der Regierungen beigetreten. Die Linke dagegen läßt durch den Abgeordneten Jordan die Erklärung verlesen und zu Protokoll nehmen: Sie hätten gegen das ganze Gesetz gestimmt, in der festen Ueberzeugung, daß die Aufstellung eines unverantwortlichen Reichsverwesers mit dem so oft ausgesprochenen Grundsatz der Volkssouveränität unvereinbar und nur geeignet sei, die Revolution zu verlängern.
Die nächste Sitzung wird auf morgen 12 Uhr bestimmt, und die „Wahl des Reichsverwesers“ auf die Tagesordnung gestellt.
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Im Oberhause machte Earl Grey gestern eine Motion in Betreff einiger, die Westindischen Kolonieen angehenden Papiere. ‒ Im Unterhause kam derselbe Gegenstand zur Sprache indem Hr. Hawes sich gegen die Beschuldigung Lord George Beutincks, dieselben zurückgehalten zu haben, vertheidigte. Nachdem dieser Gegenstand geledigt war ging man zu der vertagten Debatte der Zuckergesetze über, an der Hr. G. Thompson, Bernal und Sir James Graham Theil nahmen indem letzterer die Propositionen des Gouvernements kräftig in Schutz nahm. Die weitere Diskussion wurde denn auf Donnerstag verschoben.‒ Wie man hört, hat Sir Robert Peel eine längere Rede wegen der Zuckergesetze vorbereitet, in der er seine bisherige Handlungsweise zu vertheidigen gedenkt. Wie bei jeder größern Debatte wird er erst gegen den Schluß damit herausrücken. ‒
‒ Die Nachricht, daß die Pariser Insurrektion ihr Ende erreicht habe, brachte einen günstigen Eindruck in der City hervor.
‒ Konsols, 3 Uhr. 83 1/2 à 3/4.
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[40]Amsterdam, 27. Juni.
Das komische Land Holland befindet sich noch immer in seiner Althergebrachten Ruhe. Wir essen noch dieselben großen Käse wie vor der Revolution, wir trinken unsern verfälschten Bordeaux noch aus denselben ehrwürdigen Flaschen wie damals. Unsre Waisenkinder sind noch immer halb schwarz und halb roth gekleidet, unsre Truppen tragen noch immer blaue Hosen zur Hebung der Indigo-Kolonien; unsre Fischweiber schreien noch gerade wie früher, unsre irdnen Pfeifen dampfen und duften so lieblich wie jemals und die holländisch Nation ist noch immer „die moralste Natie.“ Bei uns kein Kampf und kein Sieg, bei uns keine Barrikaden und Kartätschen, bei uns weder Marseilläse noch Shrapnells, bei uns weder Na- [0146] tionalversammlungen noch revolutionäre Klubs: die alte Tulpenzwiebel Holland treibt ihre jungen Sprossen gerade so gemächlich wie vor ein hundert Jahren und wenn wir dennoch oft aus unsere Ruhe auffahren, wenn wir von unsern Theetöpfen aufspringen und unsre irdnen Pfeifen schier zerbrechen, da ist es nicht, weil wir vielleicht selbst zu irgend einer Emeute, einer Insurrektion hinausstürmen möchten ‒ nein, es geschieht nur weil wir fast erschrecken vor dem wilden Thun und Treiben unsrer geliebten Nachbarn.
Sie sollten nur einmal gegen 3 Uhr Nachmittags auf den Damm vor die Börse treten, da könnten Sie sehen, welchen Antheil wir an allen Weltereignissen nehmen. Das Glöckchen des Thurmes wird geläutet, die ehrenwerthen Handelsherrn verlassen ihre Komptoire, im Nu ist die Straße voller Menschen und mit ängstlichen Gesichtern drängt sich der Schwarm durch die Säulenhallen in das Innere des Hofes.
„Dort eilt die Menge zu dem Bösen,
Dort wird sich manches Räthsel lösen,
Und manches andre knüpft sich auch.“
So könnte man mit Ihrem herrlichen Dichter Göthe sagen, wenn man Alles in den Tempel Merkurs rennen sieht. Ein Summen und Murren beginnt, es ist ein wahres Redegepolter von verworrenen Stimmen, welches sich aus allen Ecken und Winkeln erhebt. Man spielt gewissermaßen die Ouvertüre der Börse. Jetzt nimmt sie ihren Anfang. ‒ Es sind wichtige Nachrichten eingetroffen. ‒ Eine neue Schlacht in Italien, ein neuer Skandal in Paris, eine neue Revolution in Deutschland ‒ die Kourse steigen und fallen und zu dichten Knäueln drehen sich bald Käufer und Verkäufer, einander die Füße tretend, die Rippen drückend und mit vielfachen ausdrucksvollen Grimassen eine jede Bewegung begleitend. In der That, dieselbe Schlacht, die in Italien, dieselbe Emeute die in Paris, dieselbe Revolution die in Deutschland um einen Thron und eine Krone, um ein Reich geschehen ist, sie erneuert sich jedesmal bei unsern Börsenmännern, wenn sie sich um jene werthvollen Papierfetzen balgen, um jene kleinen Wische, deren Kours Sie so exakt in den Listen unsres Handelsblatts verzeichnet finden.
Die auswärtigen Ereignisse haben ihren Einfluß auf uns und namentlich auf unsre Handelswelt nicht verfehlt. Viele unsrer ersten Handlungshäuser mußten über die Klinge springen, manche unsrer prachtvollsten Kassirer segneten das Zeitliche. Schweißtriefenden Hauptes sah man die reichsten Leute an die Säulen unsrer Halle gelehnt, und mancher ehrliche Mann kehrte gesenkten Kopfes von der Börse nach Hause zurück. Der Noth in den höhern Sphären der Gesellschaft folgte natürlich nur doppeltes Unglück unter den niedern Klassen. Viele Theile unsrer Stadt sind von Armen wahrhaft überfüllt; in Leyden herrscht wie immer der entsetzlichste Jammer; fast der vierte Mann lebt dort von Unterstützungen. In andern Provinzen sieht es nicht besser aus und wenn man glaubwürdigen Berichten trauen will, so steckt unter der anscheinenden Ruhe unsres Landes, doch nur die weit verzweigteste Unzufriedenheit mit fast sämmtlichen bestehenden Einrichtungen. Doch ich schließe. Hoffentlich werden Ihnen diese wenigen Nachrichten aus dem klassischen Lande des Kaffee- und Zuckerhandels willkommen sein.
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@facs 0146
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 30. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 219.]
[24]Neapel, 15. Juni.
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[*]Rom, 16. Juni.
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Madrid, 22. Juni.
Die Gaceta bringt heute die königl. Dekrete, welche die längst erwarteten Finanzmaßregeln vorschreiben. Sie zeugen von der gänzlichen Auflösung unserer staatswirthschaftlichen Verhältnisse und lauten im Wesentlichen wie folgt:
Art. 1. Von der jüngst durch die Kammern votirten Zwangsanleihe der 200,000,000 Realen sind 100,000,000 sofort einzuziehen, und zwar nach dem durch die direkten und indirekten Steuerlisten festgesetztem Maaßstabe. Art. 2, 3 und 4 handeln vom Modus. Art. 5 setzt den August als Schlußtermin der Einzahlungen fest. Art. 12 gewährt den Zetteln der Ferdinandsbank Zwangs-Cours.
Das ganze Dekret ist von der König Isabella am 21. Juni unterschrieben und vom neuen Finanzminister Orlando gegengezeichnet.
Die übrigen Blätter behandeln den Zwist mit England. Sie halten die englische Nation für zu vernünftig, als sie im Krieg heranziehen zu sehen. (?)
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Lissabon, 19. Juni.
Man spricht hier von nichts als von Verschwörungen, in Folge deren unsere Polizei Tag und Nacht auf den Beinen ist. Die Verschwornen (Septembristen) wollen, heißt es, die Festungen Valenca und Elvas stürmen. Der Redakteur des Patriot ist eingesperrt worden.
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In Talmouth trafen Berichte aus Brasilien ein. Rio 10. Mai. Bahia 23. Mai. Der Kaiser hatte das Parlament am 3. eröffnet und in seiner Thron-Rede namentlich die zwischen Brasilien und den argentinischen Republiken noch immer fortbestehenden Streitigkeiten als einen Punkt erwähnt, dem seine vorzügliche Sorgfalt gewidmet sei.
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 29. Juni 1848.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Joh. Linkewitz; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr L. Ducoffre; nach Andernach und Neuwied M. Wiebel; nach Koblenz und der Mosel und Saar Joseph Zeiler; nach der Mosel, nach Trier und der Saar M. J. Deis; nach Bingen Wb. Jonas; nach Mainz J. Hirschmann; nach dem Niedermain Ph. Würges; nach dem Mittel- und Obermain Seb. Seelig; nach Heilbronn Fr. Kühnle; nach Kannstadt und Stuttgart Peter Kühnle; nach Worms und Mannheim J. B. X. Sommer; nach Antwerpen M. Lamers.
Köln, am 29. Juni. Rheinhöhe 9′.
Vom 1. Juli a. c. ab wird zur Herstellung einer täglichen Korrespondenz-Verbindung zwischen Eitorf und Uckerath, neben der schon bestehenden wöchentlich viermaligen Kariolpost, noch eine dreimalige Botenpost und zwar am Montage, Mittwoch und Freitage in Gang kommen. Die Abfertigung der Botenpost erfolgt, gleich wie die Kariolpost, aus Eitorf um 5 Uhr früh und aus Uckerath um 8 Uhr Morgens.
Köln, den 28. Juni 1848.
Gesuch einer Stelle als Handlungsgehülfe, für einen soliden jungen Mann, welcher seit mehreren Jahren im Kolonial-, Farb- und Droguerie-Waarengeschäft thätig war und die besten Zeugnisse seiner Fähigkeiten und Leistungen besitzt. Näheres bei J. P. Spendeck in Köln, große Neugasse Nro. 18.
Harmonie von Musikern der kölner Bürgerwehr heute Freitag, Abends von 7 bis 11 Uhr, bei A. Steinstraßer, auf den Perlenpfuhl.
Freitag den 30. Juni, Abends 8 Uhr, Versammlung im Eiser'schen Saale, Kommödienstraße. (Ausnahmsweise wegen Reparatur des gewöhnlichen Lokals.)
NB. Die eingeschriebenen Mitglieder, welche noch nicht im Besitze ihrer Karten sind, empfangen solche beim Eingange, auch werden daselbst neue Einzeichnungen entgegen genommen.
Zu amtlichen und nichtamtlichen Anzeigen aller Art empfiehlt sich die Zeitung ihrer großen Verbreitung wegen noch besonders.
A. Schaaffhausen.
Nicht allein, daß ein Gläubiger es dem Andern schuldig ist, seinen Beitritt zu den proponirten vortheilhaften Vorschlägen nicht länger zu versagen, weil es nur dadurch möglich wird, daß Jeder neben der Aussicht auf Gewinn-Antheil, seine volle Befriedigung erhält, sondern auch die hohe Achtung, welche dieses Ehrenhaus seit mehr als 100 Jahren im In- als Auslande durch seine rechtliche Handlungsweise rühmlichst erworben hat, machen es noch mehr jedem Gläubiger zur besondern Pflicht, den Beitritt nicht länger zurückzuhalten, um dadurch dem Hause zu bekunden, welchen Antheil Jeder, an dem durch die außerordentlichen Zeiten herbeigeführten bedauerlichen Ereignisse nehme!
Die Provinz wird den Tag mit Freude begrüßen, wo das Haus seine volle Wirksammkeit beginnt, indem damit Beschäftigung und Erwerb für so viele jetzt vielleicht hart bedrängte Familien zurückkehren, und an diesem edlen Zwecke mitgeholfen zu haben, sollte jeden Gläubiger beseelen. Wo diese Andeutungen ohne Wirkung bleiben, da verhallen sie vor dem gesunden Menschenverstande und es kann nicht mehr zweifelhaft bleiben, daß Unkenntniß der Sachlage oder Eigensinn da Platz gegriffen haben. ‒ Von den bis jetzt nicht beigetretenen Gläubigern kann zur Entschuldigung nicht angeführt werden, wegen eignen Verpflichtungen den Beitritt verweigern zu müssen; die Unhaltbarkeit einer solchen Behauptung beweiset unlautern Willen, denn gerade dadurch, daß er mithilft das Ganze so schnell wie möglich zu fördern, kommt er sofort in den Besitz eines Titres, wofür bei allen Kassen Verwerthung zu finden ist, während der umgekehrte Fall ihn in die Lage versetzt, das Kapital Jahr und Tag entbehren zu müssen, mit der Aussicht auf möglichen Verlust!
Ein ferneres Zurückbleiben kann also nicht anders bezeichnet werden als Eigensinn und dieses unedlen Triebes wegen gefährden Wenige das Interesse der meisten Mitgläubiger.
Wie viele Geschäftsleute der Stadt Köln sowohl wie wie der Provinz verdanken der kräftigen Unterstützung der Handlung ihr Emporkommen und da es jetzt gilt, dafür einen Beweis der Anerkennung zu bringen, so vereinigt Euch wie ein Mann dem Hause beizustehen, die bis jetzt nicht angemeldeten Gläubiger eines Bessern zu belehren
Der Erfolg wird nicht zweifelhaft bleiben in dem Bewußtsein für eine so edle Sache gewirkt zu haben, die dahin zweckt: sämmtliche Gläubiger zu befriedigen, die Werkstätte so vieler Fabrikherren wieder zu öffnen, tausenden von fleißigen Händen Brod zu verschaffen, dabei die Erhaltung der Handlung gesichert zu haben, deren Glanz sie der Provinz war, und auf diese Weise bleiben wird. G. J. F.........z.

References: Art. 1

Art. 2

Art. 3

Art. 4
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Art. 5

Art. 6

Art. 9
 Art. 10

Art. 11

Art. 12
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Art. 18

Art. 19

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 Art. 2
 Art. 5
 Art. 12