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Timestamp: 2016-10-26 17:07:07+00:00

Document:
8C_464/2012 (21.12.2012)
8C_464/2012
vertreten durch Rechtsanwalt H.________,
Der 1983 geborene G.________ war seit 12. Mai 2005 als angelernter Monteur f�r die X.________ AG t�tig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert. Im Juli 2005 kam es zu einem Selbstunfall mit dem Motorrad. Dabei zog sich G.________ verschiedene Verletzungen zu. Die SUVA erbrachte Versicherungsleistungen, k�rzte allerdings die Taggeldleistungen wegen Grobfahrl�ssigkeit (Blutalkoholkonzentration 0,59 Promille) um 10 %. Mit Verf�gung vom 8. Juni 2009 sprach die SUVA G.________ r�ckwirkend ab 1. Februar 2008 eine Rente, basierend auf einer Erwerbsunf�higkeit von 19 %, und eine Integrit�tsentsch�digung, entsprechend einer Integrit�tseinbusse von 10 %, zu. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 6. Mai 2010).
Nachdem das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern G.________ eine reformatio in peius angedroht und ihm Gelegenheit einger�umt hatte, sein Rechtsmittel zur�ckzuziehen, wies es die gegen den Einspracheentscheid vom 6. Mai 2010 erhobene Beschwerde ab und setzte die Rente in Ab�nderung des Einspracheentscheids auf die Basis einer 16%igen Erwerbsunf�higkeit herab (Dispositiv-Ziffern 1 und 2); ferner bezifferte es die Entsch�digung des unentgeltlichen Rechtsbeistands aus der Gerichtskasse auf Fr. 2'800.- inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer (Dispositiv-Ziffer 3; Entscheid vom 4. Mai 2012).
G.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, die SUVA sei zu verpflichten, ihm ab 1. Februar 2008 eine ganze Rente und eine Integrit�tsentsch�digung entsprechend einer Integrit�tseinbusse von 80 % zu gew�hren; eventualiter habe die SUVA eine psychiatrische Abkl�rung zu veranlassen. Zudem wird um Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege f�r das bundesgerichtliche Verfahren ersucht.
Der Rechtsvertreter von G.________ richtet sich in der gleichen Beschwerdeschrift gegen die H�he der vorinstanzlich zugesprochenen Parteientsch�digung gem�ss Dispositiv-Ziffer 3 des angefochtenen Gerichtsentscheids und beantragt, es sei ihm eine Entsch�digung von Fr. 4'314.- zuzusprechen; eventualiter sei das kantonale Gericht im Rahmen einer R�ckweisung anzuweisen, �ber die H�he der Entsch�digung neu zu befinden. Diese Angelegenheit wird im Verfahren 8C_465/2012 beurteilt.
Das Bundesgericht hat die vorinstanzlichen Akten beigezogen. Es ist kein Schriftenwechsel durchgef�hrt worden.
1.1 Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es pr�ft, unter Ber�cksichtigung der allgemeinen Pflicht zur Begr�ndung der Beschwerde (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG), grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen, sofern die rechtlichen M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 135 II 384 E. 2.2.1 S. 389 mit Hinweisen; Urteil 8C_934/2008 vom 17. M�rz 2009 E. 1, nicht publ. in: BGE 135 V 194, aber in: SVR 2009 UV Nr. 35 S. 120).
Im Einspracheentscheid der SUVA, auf welchen die Vorinstanz hinweist, werden die Bestimmungen und Grunds�tze zum Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung im Allgemeinen (Art. 6 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 4 ATSG) und zum Anspruch auf eine Invalidenrente im Besonderen (Art. 18 Abs. 1 UVG) sowie zu dem f�r einen Leistungsanspruch nebst anderem vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und eingetretenem Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.) und zu der im Weiteren erforderlichen Ad�quanz des Kausalzusammenhangs generell (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt f�r die Erg�nzungen des kantonalen Gerichts zur Ad�quanz bei psychischen Unfallfolgen im Besonderen (BGE 115 V 133; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1 S. 116 mit Hinweisen) und zum Wegfall unfallbedingter Ursachen eines Gesundheitsschadens bei Erreichen des Status quo sine vel ante sowie zur damit verbundenen Beweislast (SVR 2011 UV Nr. 4 S. 12 E. 3.2, 8C_901/2009). Darauf - wie auch auf die Erw�gungen zu dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125) - wird verwiesen.
Die Parteien sind sich einig, dass der Beschwerdef�hrer aus rein somatischer Sicht aus unfallbedingten Gr�nden in einer k�rperlich leichten bis mittelschweren T�tigkeit in Wechselbelastung nicht eingeschr�nkt ist. Der vom kantonalen Gericht korrigierte Einkommensvergleich ergibt mit Blick darauf eine Erwerbsunf�higkeit von 16 %. Aufgrund der organischen Unfallfolgen besteht ebenfalls unstreitig eine Integrit�tseinbusse von 10 %. Streitig und zu pr�fen ist hingegen, ob die SUVA f�r die psychisch bedingten Einschr�nkungen ebenfalls eine Leistungspflicht trifft.
4.1 Ob der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 24. Juli 2005 und den anhaltend geklagten, organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden des Versicherten gegeben ist, wurde von der Vorinstanz offen gelassen. Dieses Vorgehen l�sst sich nicht beanstanden, denn es kann tats�chlich darauf verzichtet werden, Bestand und nat�rliche Kausalit�t der nicht mit dem im Sinne der Rechtsprechung objektiv erkl�rbaren Einschr�nkungen und Beschwerden n�her abzukl�ren, wenn es sich erweist, dass ein allf�lliger nat�rlicher Kausalzusammenhang nicht ad�quat und damit nicht rechtsgen�glich w�re (BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472). Der Versicherte verkennt, dass vorliegend f�r eine einwandfreie Ad�quanzpr�fung keine zus�tzlichen Abkl�rungen zum psychischen Gesundheitszustand mehr notwendig sind.
4.2.1 Die Vorinstanz f�hrte die Ad�quanzpr�fung nach BGE 115 V 133 durch, was im Grundsatz unbestritten ist. Ausgangspunkt der Ad�quanzbeurteilung bildet das (objektiv erfassbare) Unfallereignis. Abh�ngig von der Unfallschwere sind je nachdem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen (BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.; SVR 2010 UV Nr. 3 S. 11, 8C_283/2009 E. 9.1; 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Massgebend f�r die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenf�llige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften (erw�hnte Urteile SVR 2010 UV Nr. 3 E. 9.1 und 2008 UV Nr. 8 E. 5.3.1). Das kantonale Gericht ging von der Unfallschilderung der Kantonspolizei X.________ (welche ihrerseits namentlich auf eine Zeugenaussage eines Verkehrsteilnehmers abstellte) aus, wonach der Beschwerdef�hrer auf der Autobahn bei wenig Verkehrsaufkommen und mit einer Geschwindigkeit von knapp 120 km/h vorerst langsam auf die �berholspur, unmittelbar danach auf die Normalspur zur�ck und weiter auf den Pannenstreifen geschwenkt sei, wo es zu einer Kollision mit der Leitplanke gekommen sei. Immer noch fahrend sei der Versicherte der Leitplanke entlang bis zu deren Ende geschlittert, wo er eine B�schung hinuntergest�rzt und schliesslich in einem Wildschutzzaun zum Stillstand gekommen sei. Der Umstand, dass sich der Versicherte Verletzungen prim�r am Oberk�rper und an den Armen (namentlich Frakturen an der Schulter rechts, am Ellenbogen rechts, am Vorderarm rechts und an den Ringfingern) zuzog, spricht nach Auffassung der Vorinstanz daf�r, dass er im Zeitpunkt des Aufpralls an der Leitplanke noch auf dem Motorrad sass und die Besch�digungen an der Leitplanke durch das Motorrad verursacht wurden. Im angefochtenen Gerichtsentscheid wird der Unfall in W�rdigung aller Umst�nde als mittelschwer im eigentlichen Sinn qualifiziert. Es wird in der Folge mit nachvollziehbarer Begr�ndung aufgezeigt, dass von den f�r eine Bejahung der Ad�quanz erforderlichen Kriterien lediglich eines, dieses jedoch nicht in besonders ausgepr�gter Form erf�llt ist. Deshalb hat das kantonale Gericht die Rente und die Integrit�tsentsch�digung in Verneinung der Ad�quanz bez�glich der organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden einzig aufgrund der Auswirkungen des unfallbedingten somatischen Leidens bemessen.
4.2.2 Die Vorbringen des Beschwerdef�hrers verm�gen an diesem Ergebnis nichts zu �ndern. Soweit er vor Bundesgericht die bereits im vorinstanzlichen Verfahren entkr�fteten R�gen wiederholt, kann auf die zutreffenden Erw�gungen im angefochtenen Gerichtsentscheid verwiesen werden.
4.2.2.1 Die Beurteilung des Ereignisses als Unfall im mittelschweren Bereich, weder an der Grenze zu den leichten noch zu den schweren Unf�llen, l�sst sich aufgrund des sich aus den Akten ergebenden Geschehensablaufes und im Lichte der Rechtsprechung zu im Wesentlichen vergleichbaren Unfallereignissen (Urteil 8C_431/2011 vom 7. Februar 2012 Sachverhalt A und E. 7.1 mit Hinweis) nicht beanstanden. Ein Grenzfall zu den schweren Unf�llen oder gar ein schwerer Unfall liegt entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers auch dann nicht vor, wenn man von seiner Schilderung des Unfallhergangs ausgehen w�rde.
4.2.2.2 Bei einem mittelschweren Unfall im engeren Sinn m�ssten von den zus�tzlich zu beachtenden Kriterien (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140) mindestens drei in der einfachen Form oder aber eines in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt sein, damit der ad�quate Kausalzusammenhang bejaht werden k�nnte (SVR 2012 UV Nr. 23 E. 4.2, 8C_435/2011; SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100, 8C_897/2009 E. 4.5; Urteil 8C_498/2011 vom 3. Mai 2012 E. 6.2.2, nicht publ. in: BGE 138 V 248). Ob besonders dramatische Begleitumst�nde oder eine besondere Eindr�cklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgef�hls der versicherten Person. Jedem mindestens mittelschweren Unfall ist eine gewisse Eindr�cklichkeit eigen, die somit noch nicht f�r eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (Urteil 8C_996/2010 vom 14. M�rz 2011 E. 8.1). Besonders dramatische Begleitumst�nde oder eine vergleichbare Eindr�cklichkeit des Unfalles k�nnen in casu nicht bejaht werden, selbst wenn der Beurteilung der Unfallhergang zugrunde gelegt wird, wie ihn der Beschwerdef�hrer beschreibt. Das Kriterium wird somit im angefochtenen Gerichtsentscheid zu Recht verneint. Es ist dem Versicherten sodann zwar beizupflichten, dass das Kriterium der ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung in der Anwendung in verschiedener Hinsicht Schwierigkeiten bietet (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128). Im vorliegenden Fall kommen solche Probleme aber nicht zum Tragen, da eine zweij�hrige Behandlung - bezogen auf die somatischen Beschwerden - so oder anders nicht als ungew�hnlich lange qualifiziert werden kann. F�r das Vorliegen weiterer Ad�quanzkriterien bestehen ebenfalls keine Anhaltspunkte. Der Beschwerdef�hrer �bersieht bei seiner Argumentation, dass die organisch nicht objektiv ausgewiesenen Faktoren im Rahmen der Ad�quanzpr�fung nach BGE 115 V 133 von der Vorinstanz zu Recht ausgeklammert worden sind. Das kantonale Gericht hat korrekterweise lediglich die Erf�llung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der Verletzung als "knapp" erf�llt erachtet, was beim gegebenen Schweregrad des Unfalls f�r die Bejahung der Ad�quanz nicht ausreicht (SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100, 8C_897/2009 E. 4.5).
Es besteht nach dem Gesagten kein Anspruch auf eine Erh�hung von Rente und Integrit�tsentsch�digung.
Zur Entsch�digung des unentgeltlichen Rechtsbeistands f�r das kantonale Gerichtsverfahren �ussert sich das Bundesgericht im Verfahren 8C_465/2012 (vgl. Sachverhalt C).
Der Prozess ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 1 und Abs. 4 lit. a BGG). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Gerichtskosten dem Beschwerdef�hrer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG). Seinem Ersuchen um Gew�hrung der unentgeltlichen Prozessf�hrung und Verbeist�ndung (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG) kann jedoch entsprochen werden, da die Bed�rftigkeit als ausgewiesen gelten kann, das Rechtsbegehren nicht als von vornherein aussichtslos anmutet und die Vertretung durch einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanw�ltin als geboten erscheint (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S. 135; 128 I 225 E. 2.5.3 S. 235). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 64 Abs. 4 BGG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu in der Lage ist.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege f�r das bundesgerichtliche Verfahren wird gutgeheissen. Rechtsanwalt H.________ wird als unentgeltlicher Anwalt des Beschwerdef�hrers bestellt.
Rechtsanwalt H.________ wird aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2'800.- ausgerichtet.

References: Art. 95
 BGE 
 Art. 4
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
in casu
 BGE 
 BGE 
 Art. 64