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Timestamp: 2020-05-27 07:30:58+00:00

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Diebstahl oder Unterschlagung ??? im Forum für Strafrecht und Ordnungswidrigkeitenrecht
Diebstahl oder Unterschlagung ???
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Beitrag von Hans03 » 01.10.19, 11:48
Die verwitwete Mutter von 2 Söhnen (A + B ) wohnt alleine in einer Eigentumswohnung. Sie liegt dem Sterben nahe.
Das wissen auch die beiden Söhne. Der Sohn A besucht seine Mutter und nutzt diese Gelegenheit aus, ins Schlafzimmer der Mutter zu gehen und entwendet aus dem Schlafzimmerschrank eine Geldkassette mit 35.000 €.
Die Mutter bemerkte dies erst als der Sohn A wieder außer Haus war. Sohn A hat auch vom Konto der Mutter 15.600 € ohne Einverständnis der Mutter abgehoben. Diese Gelder sollten in das Erbgut fallen.
Die Mutter hat ihn aufgrund dessen notarisch enterbt.
Kann die Mutter nach 8 Monaten noch Anzeige deswegen gegen A erstatten.
Macht sich A nun strafbar wegen Diebstahl oder Unterschlagung ?
Re: Diebstahl oder Unterschlagung ???
Beitrag von Celestro » 01.10.19, 11:50
Warum ist es relevant, ob es nun Diebstahl oder Unterschlagung ist?
Hans03 hat geschrieben: ↑
01.10.19, 11:48
Ob Sie es (körperlich / geistig) kann, weiß ich nicht. Aber möglich wäre es.
Beitrag von ExDevil67 » 01.10.19, 11:56
Anzeige erstatten kann grundsätzlich erst mal jeder jederzeit gegen jeden wegen allem möglichen. Dabei reicht es den Sachverhalt zu schildern, welche konkreten Straftatbestände berührt sein könnten wird dann im Rahmen der Ermittlung geklärt.
Frage wäre was davon nach der Zeit noch nachweisbar ist und vor allem wem nachgewiesen werden kann. Das die Geldkassette weg ist, dürfte noch klappen. Aber kann es nur A gewesen sein, oder hätte nicht auch ein andere dazu Gelegenheit gehabt?
Ansonsten könnte das ganze in einem netten Erbstreit zwischen A und B enden. Selbst wenn A nachgewiesen werden kann das er das Geld genommen hat, habe ich meine Zweifel das das für eine komplette Enterbung reichen dürfte.
Beitrag von SusanneBerlin » 01.10.19, 12:01
Hans03 hat geschrieben: Macht sich A nun strafbar wegen Diebstahl oder Unterschlagung ?
Diebstahl ja, Unterschlagung nein.
Das Entwenden einer mit Geldscheinen gefüllten Kassette ist Diebstahl (§ 242 StGB), beim unbefugten Abheben von Geld oder Überweisen von Geld auf das eigene Konto handelt es sich um Untreue, § 266 StGB
ExDevil67 hat geschrieben: habe ich meine Zweifel das das für eine komplette Enterbung reichen dürfte.
"Komplette Enterbung" ist kein juristischer Begriff.
Enterbung ist immer möglich, dafür braucht es keinen Grund.
Sie meinen vermutlich den Entzug des Pflichtteils. Die Voraussetzungen hierfür stehen in § 2333 BGB.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 01.10.19, 12:18, insgesamt 1-mal geändert.
Beitrag von FM » 01.10.19, 12:16
Für einen Strafantrag wäre es zu spät (3 Monate), aber da es nicht um geringwertige Sachen geht, ist der auch nicht erforderlich.
Zur Strafanzeige (Mitteilung des Sachverhaltes) macht die Polizei nach telefonischer Vereinbarung auch gerne einen Hausbesuch, wenn man selbst nicht hingehen kann.
Beitrag von Hans03 » 02.10.19, 09:52
Die Mutter kann keine Strafanzeige mehr stellen sie ist am 27.07.19 verstorben. Der Pflichtteilerbe der nun Anzeige wegen Diebstahl erstatten möchte hat erst Ende September 19 von dem Diebstahl durch ein Anschreiben des Nachlassgerichtes erfahren.
Beitrag von SusanneBerlin » 02.10.19, 10:08
Woher weiß das Nachlassgericht von dem Diebstahl? Der Dieb wird es kaum selber dem Nachlassgericht mitgeteilt habe.
Ich gehe ja immer davon aus, dass ein vorgetragener Sachverhalt wahr ist (auch wenn es ungewöhnlich ist, dass man 35.000€ ohne Sicherheitsvorkehrungen im Schlafzimmerschrank aufbewahrt).
Wenn jetzt aber dazukommt, dass der Pflichtteilberechtigte aus einer Mitteilung des Nachlassgerichts schlussfolgert, dass der Erbe die Erblasserin bestohlen hat, als sie noch lebte, dann hege ich gelinde Zweifel ob der Pflichtteilberechtigte sich nicht in irgendwas verrennt.
Zumal die Darstellung Ungereimtheiten enthält. Erst entdeckte die Mutter den Diebstahl unmittelbar nach dem Besuch des Sohns, der andere Sohn erfuhr aber erst nach ihrem Tod von dem Diebstahl.
Also hat die Mutter niemandem gesagt, dass sie bestohlen wurde? Und von der Existenz der Geldschatulle wußte auch niemand außer der Mutter und dem späteren Erben?
Hans03 hat geschrieben: Kann die Mutter nach 8 Monaten noch Anzeige deswegen gegen A erstatten.
Wozu am 1.10.2019 die Frage, wenn doch
Hans03 hat geschrieben: Die Mutter kann keine Strafanzeige mehr stellen sie ist am 27.07.19 verstorben.
Beitrag von Celestro » 02.10.19, 10:23
02.10.19, 10:08
Wenn in dem Beispiel die Mutter Ihr Kind enterbt hat, dann steht der Grund vermutlich im Testament. Daher hätte der Bruder ggf. auch nach dem Tod der Mutter erst davon erfahren können.
Beitrag von Hans03 » 02.10.19, 14:12
Durch den nach dem Diebstahl abgeänderten Erbvertrag durch einen Notar.
Der Sachvortrag ist tatsächlich wahr. Die Mutter war verwitwet und lebte alleine in der Eigentumswohnung.
Durch den Notar wurde beurkundet das A die Mutter bestohlen hat. Einmal 35.000 € in der Geldkassette im Schlafzimmerschrank und 15.600 € durch eine Unbefugte Geldabhebung bei der Bank.
A + B streiten sich seit dem Ableben des Vaters deshalb hat die Mutter dem Sohn B nichts gesagt.
Das ist richtig. A suchte solange in der Wohnung bis er Geld fand.
Beitrag von SusanneBerlin » 02.10.19, 14:18
Auch wenn der Notar diese Behauptung der Mutter ins Testament mitaufgenommen hat und das Testament beurkundet hat, ist das nichts weiter als eine unbewiesene Behauptung.
Beitrag von FM » 02.10.19, 16:09
Zumindest die Abhebung vom Konto dürfte leicht zu beweisen sein, und wenn die Mutter bekundet hat, dass es nicht in ihrem Auftrag war, dürfte er kaum nachweisen können dass es ein Geschenk war.
Beitrag von J.A. » 05.10.19, 14:49
Doch ist er, zwar nicht wegen § 248a StGB, aber wegen § 247 StGB. Wenn nicht § 77, Abs. 2, Satz 4 entgegensteht, ist es aber aufgrund § 77a, Abs. 4 StGB noch früh genug, da § 77b, Abs. 4 selbst dann greift, wenn der nunmehr antragsberechtigte Angehörige real schon vorher Kenntnis von Tat und Täter hatte.
Von daher wäre es unnötig erst spätere Kenntnis zu fingieren
Beitrag von SusanneBerlin » 05.10.19, 15:07
Möglich wäre auch, dass der Sohn der Mutter das Geld "abgeschwatzt" hat, das Geld mit dem Einverständnis der Mutter nahm und die Mutter ihre Gutmütigkeit im Nachhinein bereute. Sie wollte keine Falschaussage machen indem sie es als Diebstahl polizeilich anzeigt, also ließ sie in ihr Testament schreiben, dass Sohn A sie bestohlen hätte, um Sohn B die Gelegenheit zu geben von seinem Bruder finanziellen Ausgleich zu fordern. Eine Tote kann ja nicht mehr belangt werden wegen falscher Verdächtigung und Sohn B beruft sich auf die Angaben im notariellen Testament, hat aber keine eigene Kenntnis um den Vorgang der Geldübergabe.
Beitrag von J.A. » 05.10.19, 17:45
ist es aber aufgrund § 77a, Abs. 4 StGB
Vertipper. Es muß § 77b, Abs. 4 heißen
Beitrag von J.A. » 05.10.19, 17:51
Durch den Notar wurde beurkundet das A die Mutter bestohlen hat.
Und da wäre jetzt die spannende Frage ob die Mutter auch irgendetwas zur Strafverfolgung gegenüber dem Notar angegeben hat. Falls sie nämlich erklärt haben sollte, dass sie keine Strafverfolgung wünscht, ist der Drops gelutscht. § 77, Abs. 2, Satz 4 StGB.

References: § 266
 § 2333
 § 248
 § 247
 § 77
 § 77
 § 77
 § 77
 § 77
 § 77