Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=07.03.1972&Aktenzeichen=VI%20ZR%20169/70
Timestamp: 2019-11-21 18:24:08+00:00

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BGH, 07.03.1972 - VI ZR 169/70 - dejure.org
https://dejure.org/1972,49
BGH, 07.03.1972 - VI ZR 169/70 (https://dejure.org/1972,49)
BGH, Entscheidung vom 07.03.1972 - VI ZR 169/70 (https://dejure.org/1972,49)
BGH, Entscheidung vom 07. März 1972 - VI ZR 169/70 (https://dejure.org/1972,49)
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Hinterlegung eines Geldbetrages nach Versteigerung eines Grundstücks zum Zwecke der Erbauseinandersetzung - Verpflichtung zur Freigabeerklärung - Anerkennung eines solchen unverschuldeten Rechtsirrtums - Fortbestand eines Pfändungspfandrechts kraft dinglicher Surrogation
NJW 1972, 1045
MDR 1972, 593
WM 1972, 589
Der Schuldner darf nicht das Risiko einer zweifelhaften Rechtslage dem Gläubiger zuschieben (BGH, Urteil vom 16. Dezember 1986 - KZR 36/85, GRUR 1987, 564 unter 3; Urteil vom 7. März 1972 - VI ZR 169/70, WM 1972, 589 unter II 2).
Der Fahrlässigkeitsvorwurf entfällt aber nicht erst dann, wenn eine dem Schuldner ungünstige Entscheidung der Rechtsfrage undenkbar ist; dies würde eine Entschuldigung praktisch immer ausschließen (BGH, Urteil vom 7. März 1972 - VI ZR 169/70, WM 1972, 589).
Der Rechtsstreit gibt insoweit Anlaß, darauf hinzuweisen, daß ein Irrtum von O. F. über das Bestehen des Auflassungsanspruchs des Klägers nicht den Vorwurf fahrlässigen Verhaltens begründen kann, sofern er im Zusammenhang mit der Veräußerung des Grundstücks die Beratung durch einen Rechtsanwalt oder Notar in Anspruch genommen hat und diese unzutreffend war (…vgl. BGH, Urt. v. 9. Februar 1951, I ZR 35/50, NJW 1951, 398, 399; v. 17. Dezember 1969, VIII ZR 10/68, NJW 1970, 463, 464 und 7. März 1972, VI ZR 169/70, NJW 1972, 1045, 1046; OLG Celle, VIZ 1996, 104;… Erman/Battes, BGB, 9. Aufl. § 276 Rdn. 67;… MünchKomm-BGB/Thode, 3. Aufl., § 285 Rdn. 10;… RGRK/Alff, BGB, 12. Aufl., § 285 Rdn. 12;… Soergel/Wiedemann, BGB, 12. Aufl., § 285 Rdn. 12;… Staudinger/Löwisch, BGB, 1995, § 285 Rdn. 25).
Der Fahrlässigkeitsvorwurf entfällt aber nicht erst dann, wenn eine dem Schuldner ungünstige Entscheidung der Rechtsfrage undenkbar ist; dies würde eine Entschuldigung praktisch immer ausschließen (BGH, Urteile vom 7. März 1972 - VI ZR 169/70, WM 1972, 589 …und vom 24. September 2013 - I ZR 187/12, NJW-RR 2014, 733 Rn. 19).
BGH, 07.03.1972 - VI ZR 158/70
Haftung für Fehlverhalten eines Anwalts - Verzögerung der Freigabe eines …
Es bedarf deshalb keiner Entscheidung der weiteren Frage, inwieweit sachenrechtliche Rückforderungs- und Abwehransprüche, und wo diese versagen, ein Anspruch aus § 812 BGB (vgl. dazu das in einem etwas anders gelagerten Fall ergangene Urteil des BGH LM BGB § 812 Nr. 90, ferner das Senatsurteil vom heutigen Tage VI ZR 169/70 - zur Veröffentlichung bestimmt) zwar auch während des prozessualen Verbots einer Leistungsklage fortbestehen, aber einer sich aus dem Vollstreckungsrecht ergebenden sachlichen Einrede unterliegen, die bis zur hinreichenden Glaubhaftmachung des Drittrechts vor allem auch den Verzug des Pfändungsgläubigers mit der Freigabe ausschließt.
Nach der Rechtsprechung sind an einen das Verschulden ausschließenden Rechtsirrtum strenge Anforderungen zu stellen (BGHZ 89, 296, 302; BGH, Urt. v. 7. März 1972 - VI ZR 169/70, NJW 1972, 1045; v. 18. April 1974 - KZR 6/73, NJW 1974, 1903, 1904; v. 28. September 1992 - II ZR 224/91, ZIP 1992, 1561, 1562), die hier nicht erfüllt sind.
Im Fall der Hinterlegung zugunsten mehrerer Gläubiger steht dem wirklichen Inhaber des Rechts gegen die anderen Prätendenten ein materiell-rechtlicher Anspruch aus § 812 BGB auf Einwilligung in die Freigabe zu (BGHZ 35, 165, 170; 109, 240, 244 [BGH 29.11.1989 - VIII ZR 228/88]; BGH, Urteil vom 7. März 1972 - VI ZR 169/70 = NJW 1972, 1045).
Die strengen Voraussetzungen, die die Rechtsprechung an die Entschuldbarkeit eines Rechtsirrtums des Schuldners gestellt hat, gehen auf die Überlegung zurück, daß derjenige schuldhaft handelt, der seine Interessen trotz zweifelhafter Rechtslage auf Kosten fremder Rechte wahrnimmt (vgl. BGH, Urt. v. 7. März 1972, VI ZR 169/70, NJW 1972, 1045;… MünchKomm-BGB/Hanau, 3. Aufl., § 276 Rdn. 120).
Denn es kann dem Schuldner nicht gestattet sein, das Risiko einer zweifelhaften Rechtslage einfach dem Gläubiger zuzuschieben (BGH NJW 1972, 1045 - juris Tz. 8, 9;… Palandt-Heinrichs, BGB, 65. Aufl., § 276 Rn. 22).
OLG Oldenburg, 21.08.1991 - 2 U 209/89
Ungerechtfertigte bereicherung, Hinterlegung, Herausgabeanspruch, öffentlich
OLG Düsseldorf, 31.05.1995 - 9 U 235/94
Zu den Anforderungen an die Bestimmtheit einer beschränkten persönlichen …
OLG Köln, 24.04.1985 - 17 U 32/84
Ruhegeldvereinbarung im Rahmen eines Anstellungsvertrages; Geltendmachung von …
BGH, 16.10.1973 - VI ZR 142/71
Voraussetzungen für die Berufung auf rechtmäßiges Alternativverhalten - Ersatz …
LG Kassel, 08.11.1994 - 1 T 61/94
Mietminderung bei asbesthaltigen Nachtspeicheröfen älterer Bauart ohne konkrete …
BGH, 28.11.1990 - VIII ZR 313/89
OLG Hamm, 28.01.1981 - 20 U 193/80
Anspruch auf Schadensersatz wegen verspäteter Auszahlung der …
OLG Hamm, 09.10.1981 - 7 U 92/81
Anspruch auf Freigabe nach dem Bereicherungsrecht; Erwerb eines Schecks und …
LG Saarbrücken, 08.11.1991 - 13 A S 75/89
Krankenversicherung - Reiseunfähigkeit - Rücktransport
LG Konstanz, 06.06.1984 - 1 T 49/83
Wohnungseigentum; Wohnungseigentümergemeinschaft; Zustimmung; Beschluß; …

References: § 276
 § 285
 § 285
 § 285
 § 285
 § 812
 BGH 
 § 812
 § 812
 § 276
 § 276