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Timestamp: 2018-10-17 07:40:12+00:00

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Forum für Linkshänder - Das Linkshänderforum - Juristische Verfahren bezüglich der Umerziehung
- - Juristische Verfahren bezüglich der Umerziehung (http://www.linkshaenderforum.org/forum/showthread.php?t=17626)
JensR 22.05.2018 19:34
Gibt es Rechtssprechung bezüglich der durch staatliche Stellen erfolgten Umschulung von Linkshändern auf die andere Hand?
Unstreitig ist, dass dieses ja als Kindesmisshandlung zu verstehen ist.
Insoweit hat sich neben den Erziehungsberechtigten auch der Staat/die Schule schuldig gemacht.
Er sollte somit auch Verantwortung für sein Handeln übernehmen.
Jolien 23.05.2018 08:46
1. Nach welchem § des StGB (Strafgesetzbuch) soll denn die Umerziehung auf Rechts strafbar sein?
2. Wenn es überhaupt strafbar wäre, müssten z.B. die Eltern den Lehrer / die Lehrerin anzeigen.
3. Außer für Mord und ähnlich drastische Delikte gibt es auch im Strafrecht Verjährungsfristen.
JensR 23.05.2018 18:47
Seit Anfang der 2000 ist es rechtlich Unstreitig, dass die Umschulung von Linkshändern Körperverletzung ist. Da es sich um Minderhänderjährige handelt, die umgeschult werden, ist § 225 StGB bezüglich Kindesmisshandlung einschlägig.
Bezüglich Kindesmisshandlung gelten auch gesonderte Verjährungsfristen. Die Frist beginnt hier erst zu laufen, wenn das Kind, dass 30 Lebensjahr beendet hat.
Es stellt sich bezüglich einer Haftbarmachung dann sowieso die Frage, inwieweit die Eltern nicht selbst Täter im Sinne von Kindesmisshandlung sind.
Leslie 23.05.2018 19:31
Mir stellt sich an dieser Stelle die Frage: Wie will man das nachweisen?
Meine Eltern haben meinem Bruder Stifte und Spielzeug in die rechte Hand gegeben - er hat sie konsequent wieder in die linke Hand gepackt.
Hätte es irgendwen interessiert, wenn sie weiterhin versucht hätten, die Sachen in seine rechte Hand zu packen? (Sie haben es ja dann aufgegeben und seine Linkshändigkeit akzeptiert).
Oder auch die Lehrer in der Schule?
Mir ist bisher in mittlerweile über 20 Jahren Lehrtätigkeit noch keiner untergekommen, der seine SchülerInnen gezwungen hätte, mit rechts zu schreiben, und ich wüsste auch gar nicht, wie man das anstellen sollte?
Das kann man dann in vielen Fällen doch überhaupt erst "nachweisen", wenn das betroffene Kind als Erwachsener gegen Eltern/Lehrer klagt, oder? Welches Kind würde sowas tun? Selbst bei sexuellem Missbrauch schweigen ja (leider) die meisten Betroffenen ihr Leben lang und es kommt nie raus...
JensR 23.05.2018 21:00
Bedenken Bedenken Bedenken!
Um als Linkshänder von der Gesellschaft akzeptiert zu werden heißt es auch dass wir der Gesellschaft unsere Forderungen mitteilen.
Ich muss nicht mir die Argumente der Gesellschaft zu eigen machen sondern Lösungen finden, wie ich meine Rechte durchsetzen kann.
Wollen wir jetzt die Situation bezüglich der Linkshänder verbessern oder wollen wir uns den Status Quo schönreden?
Samuel167 24.05.2018 00:30
Zitat von JensR (Beitrag 43835)
Seit Anfang der 2000 ist es rechtlich Unstreitig, dass die Umschulung von Linkshändern Körperverletzung ist.
diese Aussage hört bzw. liest man in letzter Zeit immer häufiger, allerdings habe ich bisher nirgendwo eine schlüssige Herleitung dazu gefunden.
Wenn mich heute jemand fragen würde "Ist die Umschulung der Händigkeit eine Körperverletzung?", würde ich gefühlsmäßig sagen: Ein klares JA.
Juristisch scheint mir die Sache jedoch ein klein wenig komplizierter zu sein.
Eine Vorschrift, die man in diesem Zusammenhang unbedingt nennen sollte, ist der § 1631 BGB.
Die Vorschrift findet sich im Buch 4 des BGB, dem Familienrecht, richtet sich in erster Linie also an Eltern.
Das Recht auf gewaltfreie Erziehung und das Verbot der körperlichen Bestrafung sowie der seelischen Verletzung wurden erst in 2000 in den Paragrafen mit aufgenommen.
In einem BGB-Kommentar steht dazu Folgendes:
"Dem Gesetzgeber kam es im Sinne einer Appellfunktion primär auf eine Bewusstseinsänderung in der Bevölkerung an, eine Sanktion sieht die Vorschrift nicht vor. Verstöße gegen Absatz (2) sind jedoch ggf. nach StGB 223 ff. strafbar." - womit wir in der Tat dann bei der Körperverletzung wären.
Meines Erachtens ist es aber vom § 1631 (2) BGB zum § 223 (ff.) StGB unter Umständen ein weiter Schritt, der von Fall zu Fall sehr unterschiedlich ausfallen kann, je nachdem wie drastisch die Umerziehungs-Methoden ausgefallen sind.
Ich habe daher meine Zweifel, ob man die Aussage "Umerziehung = Körperverletzung" - juristisch gesehen - pauschal so stehen lassen kann. Wenn ein Jurist im Forum ist, möge er/sie mich bitte korrigieren.
JensR 24.05.2018 19:14
Deswegen habe ich das Thema zur Diskussion in das Forum gestellt. Ich war verwundert, dass ich im Internet keine einschlägigen Informationen gefunden habe. Genauso, war ich verwundert, dass es bislang noch keine entsprechende Informationen zu einer rechtlichen Auseinandersetzung gibt. Im Forum taucht das Thema immer mal wieder auf, verläuft sich dann aber wieder.
Tim 12.06.2018 20:32
Bitte mal Ball flach halten.
Grundsätzlich ist Vorsatz erforderlich. Fahrlässigkeit wird nur bestraft, wenn das ausdrücklich im Gesetz steht.
Es gibt zwar § 229 StGB, nach dem fahrlässige Körperverletzung strafbar ist. Ob der aber auf § 225 StGB anwendbar ist, der sich auf die Misshandlung von Schutzbefohlenen bezieht, ist fraglich. Ad hoc meine ich: Nein, schon dem Wortlaut nach geht das nicht. Außerdem teleologisch und semantisch: Man kann nur mit Vorsatz jemanden misshandeln, nicht fahrlässig. Der Begriff "misshandeln" bezieht sich auf die Art und Weise der Handlung, die Körperverletzung hingegen ist die Folge einer Handlung. Um am Körper verletzt zu werden, braucht es keinen Vorsatz des Handelnden.
Dann sind da noch alle möglichen strafrechtlich relevanten Irrtümer (z. B. Verbotsirrtum), die eine Strafbarkeit ausschließen können. Die Frage der Beweisbarkeit, die auch Leslie aufwarf, ist ebenso relevant.
Schließlich bleibt immer die Frage: Warum soll jemand bestraft werden?
Dori 12.06.2018 20:49
Das ist sicher ein ganz wesentlicher Punkt. Wenn man jemandem eine Strafe wünscht, stecken häufig starke Gefühle dahinter. Wut, Enttäuschung, Verletzung, ... vllt. auch der Wunsch, das erfahrene Unrecht öffentlich zu machen und damit bestätigt zu werden.
Die Arbeit mit den eigenen Gefühlen kann ein noch besserer Weg sein, als jemanden vor Gericht zu zitieren. Die Arbeit mit Gefühlen ist steuerbar, Gerichtsverfahren nicht.
JensR 13.06.2018 18:21
Es ist ja unstreitig, dass Umerziehung mittlerweile als Kindesmisshandlung zu verstehen ist.
Daher finde ich es sehr befremdlich, hier nur auf die Arbeit mit den eigenen Gefühlen hinzuweisen. Dieses ist zwar wichtig.
Die Situation wird sich erst ändern. Wenn das Thema auch in die Gesellschaft getragen wird.

References: § 225
 § 1631
 § 1631
 § 223
 § 229
 § 225