Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/sitzenbleiben-beim-eintritt-des-gerichts-388511
Timestamp: 2019-08-20 05:14:42+00:00

Document:
Sit­zen­blei­ben beim Ein­tritt des Gerichts | Rechtslupe
Nach über­wie­gen­der Auf­fas­sung, der sich hier auch das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he anschließt, kann zwar das Sit­zen­blei­ben eines Ange­klag­ten grund­sätz­lich einer Unge­bühr im Sin­ne des § 178 GVG Abs. 1 dar­stel­len. Dies gilt jedoch nicht unein­ge­schränkt.
Wie bereits der Wert­ent­schei­dung des Richt­li­ni­en­ge­bers zu ent­neh­men ist, haben sich sämt­li­che Anwe­sen­den (ledig­lich) beim Ein­tritt des Gerichts zu Beginn der Sit­zung, bei der Ver­ei­di­gung von Zeu­gen und Sach­ver­stän­di­gen und bei der Ver­kün­dung der Urteils­for­mel von ihren Plät­zen zu erhe­ben (Nr. 124 Abs. 2 Satz 2 RiSt­BV).
Die­se Vor­ga­ben, an die die Gerich­te nicht gebun­den sind, wur­den von der Recht­spre­chung letzt­lich über­nom­men:1
ers­tes Ein­tre­ten des Gerichts2 und
Urteils­ver­kün­dung3
Dem­ge­gen­über stellt das blo­ße Sit­zen­blei­ben beim Ein­tre­ten des Gerichts nach vor­an­ge­gan­ge­ner Sit­zungs­pau­se nur dann eine Unge­bühr im Sin­ne des § 178 Abs. 1 GVG dar, wenn wei­te­re objek­ti­ve Umstän­de hin­zu­tre­ten, was vor­lie­gend nicht der Fall war. Unge­bühr­lich wird ein sol­ches Ver­hal­ten auch nicht dadurch, dass die Vor­sit­zen­de den Ange­klag­ten auf­ge­for­dert hat­te, sich von sei­nem Platz zu erhe­ben. Denn hier­zu war er nicht ver­pflich­tet, mag es auch ver­brei­tet üblich sein. Anders als zu Beginn der Sit­zung stellt deren Fort­set­zung nach einer Pau­se näm­lich kei­nen beson­de­ren Ver­fah­rens­ab­schnitt dar, der einer Ver­deut­li­chung durch die äuße­re Form des Auf­ste­hens der im Sit­zungs­saal Anwe­sen­den bedarf4.
Sit­zen­blei­ben – und die Wür­de des Gerichts Erhebt sich der Ange­klag­te nach einer Sit­zungs­pau­se beim Wie­der­ein­tritt des Gerich­tes nicht, stellt dies in der Regel kei­ne Unge­bühr nach § 178 Abs. 1 GVG dar. Die­ser Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts…
Ein­stel­lung nach § 154 Abs. 2 StPO – und die „Tat” Eine Ein­stel­lung nach § 154 Abs. 2 StPO betrifft die Tat im Sinn des § 264 Abs. 1 StPO ((Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., § 154 Rn. 1, § 154a Rn.…
Sexu­el­ler Miß­brauch per Tele­fon Es ist zur Erfül­lung des objek­ti­ven Tat­be­stan­des des § 176 Abs. 4 Nr. 1 StGB aus­rei­chend, dass die sexu­el­le Hand­lung von dem Kind zeit­gleich akus­tisch wahr­ge­nom­men wird. In dem hier…
Syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de – in nicht gerin­ger Men­ge Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in einem jetzt vom ihm ent­schie­de­nen Revi­si­ons­ver­fah­ren mit dem Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für eini­ge syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de befasst. Anlass hier­für bot ihm ein Ver­fah­ren aus…
Wahl der frei­zu­stel­len­den Betriebs­rats­mit­glie­der Die betriebs­rats­in­ter­ne Wahl zur Frei­stel­lung (Voll- und Teil­frei­stel­lung) von Betriebs­rats­mit­glie­dern ver­stößt gegen wesent­li­che Vor­schrif­ten über das Wahl­ver­fah­ren, wenn es an einer vor­he­ri­gen Ent­schei­dung des Betriebs­rats dazu fehlt, ob und ggf.…
Das Call-Cen­­ter auf Dum­men­fang – und der Vor­satz­nach­weis in… Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in den letz­ten Jah­ren in einer Rei­he von Fäl­len mit der Fra­ge beschäf­tigt, wie in (Massen)Betrugsverfahren in trag­fä­hi­ger Wei­se Fest­stel­lun­gen zum inne­ren Vor­stel­lungs­bild der getäusch­ten Per­so­nen…
LR-Wickern, StPO, 26. Aufl., § 178 GVG Rn. 15; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., § 178 GVG Rn. 3; kri­tisch AnwK-StPO/Pü­schel, StPO, 2. Aufl., § 178 GVG Rn. 3; Kissel/​Mayer, GVG, 7. Aufl., § 178 Rn. 15; gänz­lich ableh­nend SK-StPO/­Vel­ten, StPO, 4. Aufl., § 178 GVG Rn. 4↩
OLG Koblenz NStZ 1984, 234↩
OLG Stutt­gart NJW 1969, 627, OLG Cel­le NStZ-RR 2012, 119; OLG Bran­den­burg wis­tra 2014, 79↩
OLG Saar­brü­cken Stra­Fo 2007, 208↩
OrdnungsgeldUngebührVerhandlung

References: § 178
 § 178
 § 178
 § 154
 § 154
 § 264
 § 154
 § 154
 § 176
 § 178
 § 178
 § 178
 § 178
 § 178