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Timestamp: 2020-01-20 17:47:57+00:00

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Warum ich aus dem Taijiquan & Qigong Netzwerk ausgetreten bin
Das Protokoll der Mitgliederversammlung wurde mit dem August-Newsletter versandt und da ich während der MV meinen Austritt erklärte, stand es im Protokoll. Ich erhielt einige Anrufe. Meine Kollegen wollten mehr über den Grund meines Austritts wissen. Der Tenor war: „Ich hadere auch seit längerem und überlege auszutreten“.
Gedanken zur Vernetzung von Taijiquan- und Qigong- Übenden
Krankenkassen zahlen Taijiquan- und Qigong- Kurse nach § 20 SGB V
Netzwerke, Verbände und Dachverband im Taijiquan und Qigong
Ich bin dann Mal weg – Austritt aus dem TQN
Vernetzung von Taijiquan- und Qigong- Übenden im Internet
Surftipps zu „Taijiquan und Qigong Netzwerke in Deutschland“
Die Vernetzung verschiedener Taijiquan- und Qigong-Übender war mir schon früh ein Anliegen. Im Laufe der Zeit habe ich mit meiner Schule und mit Unterstützung vieler Gleichgesinnter verschiedene Austauschtreffen organisiert. In den letzten Jahren ist die Szene gewachsen. Es werden mittlerweile jedes Wochenende viele Taijiquan- und Qigong- Workshops/Seminare angeboten und große Austauschtreffen findet man jährlich in Deutschland und in vielen Ländern Europas. Mit dem Wachsen der Taijiquan- und Qigong-Szene steigen auch die Mitgliederzahlen von Netzwerken. Dies ist Chance und Gefahr zugleich.
Die Chance besteht darin, dass die Künste Taijiquan und Qigong durch die Aktivitäten der Netzwerke weiter wachsen und gedeihen. Die Gefahr besteht in der Größe der einzelnen Vereine und der damit einhergehenden Institutionalisierung. Sobald mehr „Geld“ oder „Macht“ im Spiel ist verändert dies einiges. Viele der „Pioniere“ finden sich in den Aktivitäten der großen Vereine nicht mehr wieder. Vielleicht ist es der Lauf der Zeit.
Die Anerkennung der Krankenkassen von Taijiquan- und Qigong- Kursen im Rahmen des § 20 SGB V ist für viele Mitglieder der zahlreichen Organisationen ein wichtiges Thema. Viele der neuen Mitglieder sind in den letzten Jahren alleine aus diesem Grund in die entsprechende Vereine eingetreten. Bleibt da der Gedanke der Vernetzung auf der Strecke?
Seit vielen Jahren bezuschussen Krankenkassen in Deutschland Taijiquan- und Qigong- Kurse. Anfänglich (bis 1997) war es eine reine Marketingmaßname zur Kundengewinnung bzw. Kundenbindung. Derzeit ist die Grundlage für die Erstattungsfähigkeit der § 20 SGB V. Viele Taijiquan- und Qigong-Lehrer nutzen dieses Gesetz, um ihre Kurse zu füllen und werben mit der Erstattung der Kursgebühr. Hier werden Taijiquan und Qigong als Entspannungsübung gesehen.
Für viele Kursleiter und Lehrer bleibt diese Möglichkeit allerdings verschlossen. Grund dafür ist die Anforderung eines Primärberufes, genauer Grundberuf im Sozial- oder Gesundheitsbereich. Wer die Anforderung eines Primärberufes aus den genannten Feldern nicht erfüllt, kann auch keine Kurse anbieten, die von den Krankenkassen bezuschusst werden.
Aus den beschriebenen Bedingungen ergeben sich skurrile Situationen:
Ein Ausbilder mit 20 oder 30 Jahren Berufserfahrung kann Kursleiter und Lehrer ausbilden. Wenn diese die Anforderungen des Primärberufes erfüllen, dürfen sie Kurse nach § 20 SGB V mit den Krankenkassen anbieten und sie abrechnen. Der Ausbilder kann das aber nicht, wenn er nicht den Grundberuf hat, obwohl er sehr wahrscheinlich qualifizierter ist. An dieser Situation wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern.
Die Qualitätssicherung von Taijiquan- und Qigong- Kursen durch den § 20 SGB V ist also zweifelhaft. Man kann natürlich Glück haben und einen guten Lehrer oder Kursleiter finden der bezuschussungsfähige Kurse anbietet. Es gibt Stimmen, die sagen, da es sich eh um einen reinen Entspannungskurs handelt, reichen die Vorgaben des § 20 völlig aus. Siegbert Engel beschreibt in seinem Artikel vom 22.10.2011 „Qualitätskiller Krankenkasse“ den so genannten Präventionsparagrafen 20 als einziges Ärgernis.
Taijiquan und Qigong sind aber deutlich mehr als reine Entspannungsübungen. Vielleicht können Krankenkassen-Kurse nach dem Präventionsparagrafen 20 den Einstieg in diese chinesischen Künste in ihrer ganzen Tiefe sein. Wer Taijiquan oder Qigong mit allen Facetten erlernen möchte, sollte die Wahl des Lehrers oder der Schule nicht davon abhängig machen, ob eine Krankenkasse den Kurs bezuschusst.
Auf der Internetseite des „Taijiquan und Qigong Netzwerk e. V. (TQN)“ ist zu lesen: „Ein Ziel des Netzwerkes ist es, Kontakte zwischen Taijiquan- und Qigong-Treibenden zu ermöglichen. Ein weiteres Anliegen ist die Unterstützung der gesellschaftlichen Anerkennung des Taijiquan und Qigong. Deshalb hat sich das TQN für die Gründung des „Deutschen Dachverbandes für Qigong und Taijiquan“ (DDQT) eingesetzt.“
Das hört sich gut an und macht auch Sinn. Viele Netzwerke wie die beiden großen, die „Deutsche Qi Gong Gesellschaft (DQGG)“ und das „Taijiquan und Qigong Netzwerk e. V. (TQN)“ bündeln zusammen mit den kleineren Schulen und Verbänden ihre Ressourcen im Dachverband und vertreten ihre Interessen zentriert und gemeinsam. Viele engagierte Menschen haben dies in der Vergangenheit ehrenamtlich organisiert. In den letzten Monaten ist ein spannender Prozess in Gang gekommen. Die DQGG ist aus dem Dachverband ausgetreten und das TQN überlegt das Gleiche zu tun. Anstatt den Dachverband zu stärken, wollen sie sich nun selbst um die Aufgaben kümmern, die eigentlich der Dachverband erledigen sollte. Man darf gespannt sein, wie sich diese Geschichte weiter entwickelt.
In einem Interview des Taijiquan und Qigong Journals in der Ausgabe 4/2013 sagt Wilhelm Mertens zur Aufgabenverteilung zwischen DDQT und seinen Mitgliedern: „Meine Vorstellung ist eben, dass das Selbstverständnis von DDQT und Mitgliedsorganisationen grundsätzlich neu überdacht werden muss, damit wir dort zu sinnvollen Lösungen kommen. Die Zuständigkeit – meiner Sicht nach – des DDQT müsste die reglementierenden Aufgaben innerhalb der Taiji- und Qigong-Szene beinhalten. Dazu müssten die Mitgliedsorganisationen bereit sein, gewisse Hoheitsrechte an den Dachverband abzugeben, und zwar wirklich umfangreich. Das andere ist allerdings, dass die integrierende Arbeit ausschließlich von den Mitgliedsorganisationen gemacht wird: die inhaltliche Arbeit wie Aus- und Fortbildung, wie überhaupt die Erstellung von inhaltlichen Qualitäten, das heißt eine inhaltlich hochwertige Ausführung der Rahmenvorgaben, die durch die Allgemeinen Ausbildungsleitlinien (AALL) des DDQT gegeben sind, so dass also alles, was diesen Bereich umfasst, ausschließlich bei den Mitgliedsorganisationen stattfindet. Die Legitimierung und die Reglementierung sollten allerdings im Hoheitsbereich des DDQT liegen. Wenn die Mitgliedsorganisationen beides machen wollen, führt man praktisch den Dachverband ad absurdum, weil man dann natürlich sagt: »Ich brauche ihn nicht, ich kann ja alles selber machen.« Dann ist aber jede Organisation wieder für sich allein. Mein Verständnis des Dachverbandes ist, dass er für Reglementierung und für politische Arbeit die zentrale Stelle ist. Und zwar im Zusammenhalt mit und für die Mitgliedsorganisationen, während alle inhaltlichen Arbeiten bei den Mitgliedsorganisationen liegen müssen.“
In den letzten Monaten wurde viel Zeit und Energie von verschiedenen Vereinen darauf verwendet sich gegenseitig das Leben schwer zu machen, anstatt sich der Förderung der Künste und den Synergien zu widmen. Anstatt dauernd zu betonen, dass man selbst der beste Verein ist und der, in dem sich die größte Vielfalt sammelt oder … Ich hoffe, dass die Akteure endlich einen Weg finden den Dachverband zu stärken, als systematisch an seinem Niedergang zu arbeiten.
Bei der letzten Mitgliederversammlung des TQN habe ich nun endgültig die Entscheidung getroffen aus dem TQN auszutreten. Seit 20 Jahren war ich Mitglied und arbeitete mit dem TQN zusammen. Meine Schule hat sich engagiert, Veranstaltungen in Kooperation durchgeführt etc. Bei einer Dankesrede des ehemaligen Vorstands Michael Matern beim 10. Internationalem Push Hands Treffen in Hannover wurde sogar gesagt, ich hätte das Netzwerk vor dem „Aus“ gerettet. Ich halte diese Sichtweise für übertrieben. So oder so, ich habe den Ausschnitt des Galaabends in meinem Archiv gefunden und ihn für diesen Artikel bei Youtube veröffentlicht:
Der Austritt aus dem Netzwerk ist mir nicht leichtgefallen. Viele meiner Kollegen und Freunde sind noch im TQN und es war eine lange Zeit ein Teil meiner „Gongfu Familie“. Die Richtung, die das TQN nun eingeschlagen hat, ist nicht mehr die Meine. Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass auch andere überlegen aus dem TQN auszutreten oder dies bereits getan haben. Manche warten ab, ob sich an der aktuellen Ausrichtung etwas ändert. Andere brauchen die Mitgliedschaft für ihre Kursleiter- und Lehrer-Zertifikate, um mit den Krankenkassen abrechnen zu können. Es gibt auch Stimmen, die einen neuen Verein gründen wollen, so etwas wie einen Taijiquan- und Qigong-Freundeskreis, der sich nur um die Vernetzung und den Austausch von Übenden kümmert. Mich interessiert die große Politik nicht. Die Anerkennung meiner Kurse von Krankenkassen auch nicht. Ich will mein Taijiquan üben und mich mit Gleichgesinnten austauschen. Einen Verein brauche ich dazu nicht zwingend. Ich werde weiterhin mit taiji-forum.de und anderen Aktivitäten für die Vernetzung der „Gongfu-Familie“ arbeiten.
Meine Hoffnung ist, dass die Netzwerke und Verbände sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen. Natürlich ist es schön, wenn die Krankenkassen in Deutschland Taijiquan- und Qigong-Kurse finanziell unterstützen – aber nicht um jeden Preis. Es ist nur ein Thema von vielen. Man kann sich auch weiter um die gesellschaftliche Anerkennung bemühen. Aus meiner Sicht ist aber Vernetzung, das Fördern von Austauschtreffen, Turniere und anderen Aktivitäten sinnvoller. Taijiquan und Qigong sind weit mehr als eine Entspannungsübung nach § 20 SGB V.
Im September 2014 wird es eine Mitgliederversammlung des DDQT e. V. geben. Hier werden Weichen für die Zukunft gestellt. Eventuell muss der DDQT sogar aufgelöst werden. Noch bin ich Mitglied im DDQT e. V. Ich warte ab, wie sich der Dachverband entwickelt und werde dann meine Entscheidung treffen.
Netzwerken war noch nie so einfach wie heute. Es gibt Facebook- oder Google+- Gruppen, Internetforen, Videoportale und viele andere Möglichkeiten. Vielleicht liegt da die Zukunft für Taijiquan und Qigong Netzwerke. Letztlich war die Idee für das Taiji-Europa-Projekt zum Teil auch aus Frust über Institutionen (in diesem Fall die TCFE) und der lahmen Strukturen geboren. Ich bin gespannt was die Zukunft bringt.
DDQT, Deutscher Dachverband für Qigong und Taijiquan
Taijiquan und Qigong Netzwerk e. V. (TQN)

References: § 20
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