Source: http://nabu-fredersdorf-vogelsdorf.de/index.php/aktuelles/stellungnahmen/vogelsdorf-neubau-oberschule/nabu-stellungnahme
Timestamp: 2020-05-29 19:04:11+00:00

Document:
Stellungnahme zur Tesla Gigafactory
BP40 Fredersdorf
Stellungnahme zum Vorhaben "Oberschulneubau am Standort Vogelsdorf Sportplatz / Försterweg"
NABU-Ortsgruppe Fredersdorf-Vogelsdorf e. V.
Eine Grundschulbedarfsanalyse sagt einen Kapazitätsengpass für ca. 10 Jahre voraus (B.B.S.M., März 2017, Maximalszenario). Um Räumlichkeiten für die Grundschule zu schaffen, fasste die Gemeinde den Beschluss, die im gleichen Schulkomplex in Fredersdorf-Süd befindliche Oberschule auszugliedern und in einen neu zu bauenden Standort zu verlagern. Dafür soll das Grundstück des derzeitigen „Sportplatzes Vogelsdorf" vollflächig in Form eines 4 – 5zügigen Oberschulcampus mit Schul- und Nebengebäuden, Kunstrasensportplatz, Doppelsporthalle mit Tribüne, Park- und Fahradstellplätzen bebaut werden.
Das Plangrundstück befindet sich zwischen den Ortsteilen Fredersdorf und Vogelsdorf in einem laut Landesentwicklungsplan wichtigen Grünzug, der entlang des Fredersdorfer Mühlenfließes (FMF) verläuft. 0Das Plangrundstück grenzt an drei Seiten unmittelbar an Schutzgebietsflächen. Dieses Schutzgebiet ist über drei Schutzgebietskategorien geschützt:
Naturschutzgebiet (NSG) „Fredersdorfer Mühlenfließ, Langes Luch und Breites Luch“,
Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Niederungssystem des Fredersdorfer Mühlenfließes und seiner Vorfluter“ und
Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Fredersdorfer Mühlenfließ, Langes Luch und Breites Luch". Europäischer Schutzstatus über die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL
Die drei Schutzgebietskategorien überlagern sich im Betrachtungsgebiet überwiegend deckungsgleich, das Plangrundstück „ragt“ exponiert in das Schutzgebiet hinein.
Lage im Grünzug (Quelle Brandenburgviewer)
Lage im FFH-Gebiet (Quelle NaturSchutzFonds Brandenburg)
Das Grundstück liegt im Außenbereich und ist als Grünland nach Flächennutzungsplan (FNP) mit Nutzungserlaubnis „Sportplatz“ ausgewiesen. Es befinden sich derzeit ein Rasensportplatz, ein Kleinspielfeld und ein kleines einstöckiges Vereinsgebäude mit Parkplatz im vorderen, zum Siedlungsgebiet gerichteten Teil des Grundstücks. Der hintere, zum Fließ gerichtete Teil wird nicht genutzt. Hier nähert sich das Plangrundstück bis auf wenige Meter dem Fredersdorfer Mühlenfließ (Nordwestteil).
Die Einfahrt ist an der Südostseite durch eine schmale unbefestigte ca. 40 m lange Zufahrt, die wiederum über eine Nebenstraße (Försterweg, ohne Geh- und Radweg) zur Hauptstraße (Fredersdorfer Straße) führt.
Durch diese Zuwegung schließt hier das dichte Siedlungsgebiet nicht direkt an das Schutzgebiet an, sondern es ergibt sich eine Art Übergangsbereich zwischen Siedlungsraum und Schutzgebiet.
Das Grundstück ist naturräumlich Teil des fließgewässerbegleitenden zusammenhängenden Grünzuges. Es befinden sich entlang der Zufahrt und an den Grundstücksgrenzen hohe gebietsprägende Bäume. Das Grundstück selbst ist leicht angehoben (ca. 0,5 m) und besteht aus der intensiv genutzten Fußballplatzfläche im Süden und Mager- bzw. Trockenrasenflächen im Norden. Die einzige Bebauung (Vereinsgebäude) wurde erhöht platziert, befindet sich aber noch unter dem Durchschnittsniveau des Siedlungsgebietes. Die Höhenunterschiede lassen auf einen hohen Feuchtegrad des Untergrundes schließen.
Das Grundstück wird begrenzt durch eine feste Zaunanlage. Dieser Zaun befindet sich im Außenbereich und an der Grenze bzw. teilweise im FFH- und wohl auch im Naturschutzgebiet (zu dessen Grenzverlauf existieren widersprüchliche Darstellungen; vgl. Planzeichnung einerseits und S. 10 der Naturschutzfachlichen Bewertung der Schulwegvarianten bzw. die vom LfU online zur Verfügung gestellten Naturschutzfachdaten andererseits). Seine Errichtung bedürfte gem. § 59 Abs. 1 BbgBO einer Baugenehmigung, die hier gem. § 35 Abs. 2, Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BauGB wegen der Beeinträchtigung der Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht rechtmäßig erteilt werden könnte. Darüber hinaus verstößt der Zaun, soweit er im NSG liegt, gegen § 3 Abs. 3 Nr. 1 der Verordnung des Landkreises Märkisch-Oderland über die Erklärung von Landschaftsteilen zum Landschaftsschutzgebiet „Niederungssystem des Fredersdorfer Mühlenfließes und seiner Vorfluter“ sowie zum Naturschutzgebiet „Fredersdorfer Mühlenfließ, Langes Luch und Breites Luch“ bzw. bedürfte zu seiner Errichtung einer Befreiung von diesem Verbot. Insbesondere ist der Ausnahmetatbestand des § 4 Nr. 1 der Verordnung nicht erfüllt, da die Zaunanlage nicht gerade dem Schutz der Erhaltungsziele der Schutzgebiete dient. Der Zaun ist damit illegal errichtet worden, es handelt sich um einen Schwarzbau. Der Landkreis als untere Naturschutzbehörde ist gehalten, den Grundstückseigentümer zum unverzüglichen Rückbau zu verpflichten. Für das Bebauungsplanverfahren folgt daraus, dass im Rahmen der Umweltprüfung und der Abwägung der legale Grundstückszustand zugrundezulegen ist, mithin der Zustand des Grundstückes ohne Zaun zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung im Jahr 2004. Zu diesem Zeitpunkt bestand ein offener Grünzug ohne zerschneidende
Bauwerke, was für die Bewertung des vorliegenden Vorhabens ausschlaggebend ist.
Fauna-Flora-Habitat (FFH) und Schutzgebiete
Der Grünzug gehört zum FFH-Gebiet „Fredersdorfer Mühlenfließ, Langes Luch und Breites Luch“. Ziel der FFH-Richtlinie ist die Schaffung und Sicherung eines europaweiten Netzes von natürlichen Lebensräumen zur Erhaltung der Artenvielfalt in einer sich immer schneller entwickelnden Umgebung. Der besondere ökologische Wert der Gebiete darf nicht durch Eingriffe beeinträchtigt oder zerstört werden. Dabei ist es unerheblich, ob der Eingriff innerhalb des Schutzgebietes stattfindet, oder ob er von außen schädigend einwirkt.
Der Schutzzweck für das Natur- und das Landschaftsschutzgebiet besteht im Erhalt der Leistungsfähigkeit des Naturraums, insbesondere der Niederungen, der Tier- und Pflanzenarten und der naturnahen
Fließgewässer. Betont wird die Schutzwürdigkeit, der Erhalt, die Wiederherstellung und die Entwicklung der Fließgewässer einschließlich der Fließgewässerbetten sowie einer guten Wasserqualität der Fließgewässer. Außerdem gehört die Erhaltung von Trockenrasen nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 der LSG/NSG-VO ausdrücklich zum Schutzzweck des Naturschutzgebiets.
Sinn und Zweck der Schutzgebiete ist es nicht nur den derzeitigen Zustand zu erhalten, sondern Gebiete zu sichern, in denen Natur sich zukünftig entwickeln kann und diese zu vernetzen, um auch in Zeiten fortschreitender Urbanisierung „Naturstraßen" zu schaffen. Dabei ist es entscheidend, jede Verinselung und Schädigung zu vermeiden. Um diesem Schutzzweck gerecht zu werden ist es u. a. verboten, den Charakter des Gebietes zu verändern, den Naturhaushalt und seine Bestandteile zu stören oder zu schädigen (Verschlechterungsverbot des Art. 6 Abs. 2 FFH-RL sowie § 33 Abs. 1 BNatSchG). Insbesondere verboten ist die Errichtung von Gebäuden oder baulichen Anlagen, die Veränderung der Bodengestalt sowie die Böden zu verfestigen, zu verunreinigen oder den Gebietswasserhaushalt zu beeinträchtigen.
Durch die naturräumlich stark eingegliederte Lage des Grundstückes ist es notwendig, die Auswirkungen in einem weiträumigen Umkreis zu untersuchen. Mindestens aber muss das Plangebiet im Zusammenhang mit dem umliegenden Grünzug betrachtet werden und kann für eine fundierte Aussage keinesfalls herausgelöst untersucht werden.
Das FFH-Gebiet „Fredersdorfer Mühlenfließ, Langes Luch und Breites Luch“ zeichnet sich durch ausgedehnte Waldbereiche im Norden und Wiesen und Weiden frischer bis feuchter Standorte im Süden aus. Der geplante Schulstandort liegt im südlichen Teil und grenzt an Laubgebüsch und Feldgehölze, verschiedene Grünlandtypen (Frischwiesen, -weiden und Scherrasen; Gründlandbrachen und Staudenfluren feuchter Standorte) sowie an das Fließ (FFH-Lebensraumtyp 3260, Fließgewässer mit flutender Wasservegetation).
Durch die starke Überbauung und den hohen Nutzungsgrad durch bis zu 500 Menschen sind diverse Effekte auf das umliegende Schutzgebiet zu erwarten. Zuerst ist der starke Zerschneidungseffekt des Grünzuges zu nennen. Dieser wird im Bereich seiner größten Ausdehnung (mehrere 100 m) auf einen schmalen Streifen im direkten Fließbereich eingeengt. Gebäude und Anlagen bilden massive Fremdkörper, der Schulbetrieb verursacht vielfache Störeffekte, die schwerwiegendsten werden im Folgenden benannt.
Die Beleuchtung wird das Schulgelände schon aus Sicherheitsgründen stark ausleuchten und damit über die Grundstücksgrenzen weiträumig in das Schutzgebiet fallen (Schulhof, Sportanlagen, Parkplätze, Wege). Am frühen Morgen und am Abend können dämmerungsaktive Tierarten irritiert bzw. vergrämt werden. Dauerhafte künstliche Lichteinwirkung kann bei bestimmten Arten zu Dysfunktionen führen (Bsp. Vogelgesang nachts). Die Flutlichtanlage des Sportplatzes wird das FFH-Gebiet zudem an seiner schmalsten Stelle extrem stark beleuchten, was lichtscheue nachtaktive Tiere an der Wanderung hindert und für sie den Biotopverbund blockiert. Die Schutz- und Verbundfunktion des FFH-Gebietes wird unwirksam.
Lärm durch Personen, Fahrzeuge, Veranstaltungen ist tagsüber durch den Schulbetrieb und nachmittags/abends durch Sportvereine gegeben. Das betrifft alle um das Grundstück herum liegenden Lebensräume im Schutzgebiet. Es ist mit einer Vergrämung aller hier lebenden und zum Teil streng geschützten Tierarten zu rechnen.
Unzulässiges Betreten des Schutzgebietes durch Schüler ist sehr wahrscheinlich und muss deswegen im Planungsprozess berücksichtigt werden. Jugendliche sind neugierig, ein „Auskundschaften“ der Umgebung ist bei über 400 Schülern kaum zu unterbinden. Das etablieren von „eigenen“ unbeobachteten Treffpunkten außerhalb des Schulgeländes gehört dazu. So ist eine erhebliche physische Beeinträchtigung des Schutzgebiets durch vielfaches Betreten und Befahren (Fahrrad) zu erwarten. Das Fließ hat für die Schaffung von „Stränden“ an den Uferzonen eine große Anziehungskraft. Einher geht absehbar eine unkontrollierte, zunehmende Vermüllung im Schutzgebiet, an den Ufern und im Gewässer, da hier keine Straßenreinigung durch die Gemeinde erfolgt.
Darüber hinaus ist es nicht zu vermeiden, dass verschiedene Abgasemissionen durch Heizungsabluft, Fahrzeuge und aus weiteren Quellen direkt in das Schutzgebiet gelangen. Die Reinhaltung der Luft kann nicht sichergestellt werden.
Alle genannten Effekte stehen in direktem Zusammenhang mit der Baumaßnahme und führen zu massiven und dauerhaften Störungen der Lebensräume, und damit zur Schädigung des FFH- und der Schutzgebiete, so dass sie die Schutzfunktion unmöglich machen würden.
Folgende Arten beispielhaft für einen einzigen Erfassungsstermin (Anf. April 2018):
Kleiber Blaumeise Buntspecht
Grünsprecht Mittelspecht Gartenbaumläufer
Singdrossel Stieglitz Star
Fasan Zaunkönig Amsel
Weidenlaubsänger Ringeltaube Rohrammer
Buchfink Wiesenpieper Grünfink
Haussperling Bachstelzg Stockente
Eichelhäher Hausrotschwanz Graugans
Gartenrotschwanz Kernbeißer Nebelkrähe
Gebirgsstelze Mönchsgrasmücke Kleinspecht
Fitislaubsänger Schwarzer Milan Mäusebussard
Goldammer Kranich Höckerschwan
Wachholderdrossel Kolkrabe Schwanzmeise
Rotkehlchen Kohlmeise Feldlerche
Reh Fuchs (Bau) Waschbär
Eichhörnchen Maulwurf Wildschwein
Angaben vorbehaltlich weiterer Erkenntnisse. Siehe auch Anlage 1 Faunistische Erfassung
Faunistische Besonderheiten:
Mit dem Kranich ist die Gemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf eine der wenigen Ortschaften, in der eine bedrohte Großvogelart brütet (lt. EU-Vogelschutzrichtlinie bes. gefährdete und geschützte Art). Die Art ist aktuell belegt für den Grassee, über das Betrachtungsgebiet bis zum Luchpfuhl. Das Betrachtungsgebiet wird nachweislich zur Nahrungssuche genutzt. Diese zentrale Nahrungsfläche würde durch die Bebauung erheblich verkleinert bzw. die verbleibende Fläche so gestört werden, dass sie für den Kranich entfällt und damit die Ansiedelung insgesamt gefährdet wird.
Für das Gebiet werden außerdem Schwarzspecht, Eisvogel, Sperbergrasmücke und Rotmilan erwartet. Der Eisvogel nutzt die im Schutzgebiet befindlichen ungestörten Fließgewässerstrecken südlich der S-Bahntrasse (s. Managementplan „Fredersdorfer Mühlenfließ, Langes Luch und Breites Luch“). Die geplante Bebauung stellt einen begrenzenden Faktor für seinen Lebensraum dar.
Besonders ist der streng geschützte Fischotter (Anhang II der FFH-Richtlinie) zu nennen, er gilt in Deutschland als „vom Aussterben bedroht”. Das FMF ist als Habitat für den Fischotter geeignet. Er wurdekürzlich im Bereich Bruchmühle nachgewiesen, so dass aktuell von einer Besiedlung des FFH-Gebietes auszugehen ist. Der Fischotter benötigt mehrere Kilometer ungestörter und naturnaher Fließabschnitte. Es ist wahrscheinlich, dass Wanderungs- und Nahrungshabitate durch das Bauvorhaben unzulässig beeinträchtigt werden. Die FFH-Richtlinie verpflichtet nicht nur zum Erhalt des vorgefundenen Zustands, sondern auch zur Wiederherstellung eins günstigen Erhaltungszustands. Der Managementplan für das FFHGebiet schreibt die Wiederansiedlung des Fischotters als ein zu erreichendes Erhaltungsziel fest. Damit sind alle Maßnahmen, die diesem Ziel zuwiderlaufen, gem. Art. 6 Abs. 1 FFH-Richtlinie unzulässig.
Die für das FMF typischen geschützten Amphibien Kammolch und Moorfroch (Anhang II und IV der FFHRichtlinie) werden im Betrachtungsgebiet erwartet. Amphibien benötigen Laichgewässer mit angrenzenden ungestörten Übersommerungs- und Überwinterungsgebieten, welche durch die Baumaßnahme nicht mehr oder nur reduziert zur Verfügung stehen würden. Sollte für die Baugrundschaffung eine zeitweise oder dauerhafte Grundwasserabsenkung notwendig werden, wirkt sich dies unmittelbar auf die umliegenden Feuchtwiesen und damit auf die FFH-Lebensräume dieser geschützten Arten aus.
Der Große Feuerfalter (Anhang IV der FFH-Richtlinie) kommt laut Managementplan (2013) schwerpunktmäßig in den Offenlandbereichen entlang des FMF vor. Nach Angaben von Dr. Hartmut Kretschmer befinden sich die zuletzt ermittelten Vorkommensschwerpunkte im Süden des Gebietes, auch im Abschnitt des Plangrundstücks. Der Große Feuerfalter hat dort Habitate, wo bestimmte Ampferarten als Raupen-Futterpflanzen vorkommen. Ihm wird mit einer Bebauung und mit Versiegelungen in ufernahen Bereichen durch den weiteren Wegfall von Nahrungspflanzen die Grundlage entzogen.
Außerdem waren insbes. am Nordrand des Plangrundstückes bei Erfassung (sonniger Frühlingstag) viele erdbewohnende Solitärbienen und Hummeln mit dem Nestbau beschäftigt. Es konnten mindestens 5 unterschiedliche Arten erfasst werden. Da alle Wildbienen und Hummeln zu den besonders geschützten Arten gem. BNatSchG zählen, muss ein Gutachten zu dieser Artengruppe erfolgen, da sonst die artenschutzrechtlichen Belange in der Planung nicht berücksichtigt werden können. Aufgrund der Biotopstruktur kann davon ausgegangen werden, dass auch die Blauflüglige Ödlandschrecke auf dem Trockenrasen vorkommt (ebenfalls eine besonders geschützte Art), was zu untersuchen ist!
Verschiedene Fledermausarten (Abendsegler u.a.) müssen näher untersucht werden. Die Wochenstuben sind im nahegelegenen Schlosspark nachgewiesen, das Betrachtungsgebiet ist als Nahrungshabitat nachgewiesen und für alle hier vorkommenden Arten von zentraler Bedeutung. Eine Bebauung würde die Voraussetzungen zur Nahrungssuche erheblich verschlechtern und damit ihre Ansiedlung gefährden.
Beim straßenseitigen Fußballplatz handelt es sich um einen artenarmen Sportrasen ohne bemerkenswerte Pflanzenarten. Dagegen weisen die Randbereiche dieses intensiv genutzten Sportplatzes sowie die kurzrasige, nördliche (fließseitige) Hälfte des gesamten Geländes (mind. 12.000 qm) ein Arteninventar der Mager- und Sandtrockenrasen auf, darunter gefährdete und geschützte Pflanzenarten. Größflächig sind vom Raublatt-Schwingel (Festuca brevila) geprägte Sandtrockenrasen vorhanden. Damit ist belegt, dass es sich um Trockenrasen (geschütztes Biotop) handelt und nicht um Zierrasen, (s. Anhang 2 Floristische Erfassung)
Floristische Besonderheiten:
Anemone ranunculoides – Gelbes Windröschen (RL Bbg.: V, RL Berlin: 2)
Armeria maritima subsp. elongata – Gemeine Grasnelke (besonders geschützt gem. BNatSchG, RL Bbg.: V, RL Berlin: V, RL Deutschland: 3, Brandenburg hat eine hohe Verantwortlichkeit für die weltweite Erhaltung der Art): An mehreren Stellen waren vorjährige Fruchtstände vorhanden, außerdem erste diesjährige Blütentriebe und Rosetten der Art (mind. 26–50 Expl.). Jahreszeitlich bedingt zahlreiche Expl. noch nicht erfasst. Es ist davon auszugehen, dass die Art zerstreut im Trockenrasen in der nördlichen Hälfte des Geländes vorkommt.
Helichrysum arenarium – Sand-Strohblume (besonders geschützt, RL Deutschland 3). Typische Art der Trockenrasen.
Helictotrichon pubescens – Flaum-Hafer (RL Bbg.: 3, RL Berlin: 3): Art der Frisch- und Feuchtwiesen, an den Randbereichen zur Niederung und in der Nordwestecke.
Veronica prostrata – Liegender Ehrenpreis (RL Bbg.: 3, RL Berlin: 2, RL Deutschland: 3): Die Art kommt zerstreut auf dem Trockenrasen vor, insbesondere am Nordwestrand (insgesamt mehr als 100 Expl.). Erfassungszeitpunkt vor der Blüte. Zur Blüte zahlreiches Vorkommen in der Fläche, besonders in den ungemähten Randbereichen (s. Foto):
Vicia lathyroides – Platterbsen-Wicke: Art der Trocken- und Halbtrockenrasen. Sie gehört zu den „Verantwortungsarten“ des Bundesprogramms Biologische Vielfalt, da Deutschland für ihre Erhaltung in hohem Maße verantwortlich ist.
Neben den bedrohten Arten ist es die hohe Zahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten, die für das Gebiet wertgebend ist!
Biotopverbund und Lebensraumschutz
Das Schutzgebiet läuft als schmales Band durch eine dicht besiedelte Landschaft. Die Bebauung des Grundstückes hat eine stark fragmentierende Wirkung auf den bisher zusammenhängenden Grünzug. Die voneinander abgeschotteten Restflächen haben einen geringeren Wert für die Artenvielfalt. Jede Art benötigt eine bestimmte Populationsgröße um überlebensfähig zu sein. Dabei ist die Größe und Qualität des Lebensraums Voraussetzung für eine stabile Population. Die zentrale Raumwirkung des Grundstückes auf Futterangebot und Reviergröße wäre nach der Bebauung nicht mehr gegeben, wodurch die Qualität der umliegenden FFH-Lebensräume entscheidend verringert werden würde.
Durch den ständigen Störfaktor des Schulbetriebs würden die Wanderungs- und Ruhezonen entfallen, die darauf angewiesenen Tierarten (darunter streng geschützte Arten), würden verdrängt. Bei weniger scheuen Arten ist mit einer zunehmenden Verlagerung in die Siedlungsgebiete und den damit zusammenhängenden Problemen zu rechnen. Da die Anzahl und Größe von Ruhezonen in den letzten Jahren stark abgenommen hat, kommt den verbliebenen Rückzugsbereichen eine besondere Bedeutung zu. Jeder weitere Verlust ist als unwiederbringlicher Schaden für die heimische Tierpopulation anzusehen.
Moderne Schulgebäude verfügen heutzutage über große Fensterflächen. Durch Blend- und Spiegelwirkung bilden diese Glasflächen eine Todesfalle für alle Kleinvogelarten. Zusätzlich zu den Fensterfronten in den Stockwerken erzeugen verglaste Übergänge zwischen Gebäuden – wie sie ein Beispielentwurf in den Planungsunterlagen zeigt – außerordentlich hohe Vogelschäden. Dies kann auch durch Warnaufkleber oder ähnliche Vorkehrungen nicht vermieden werden. Da Vögel bei der Futtersuche, Brutpflege, Revierwahl etc. nicht an Grundstücksgrenzen halt machen, würde die Platzierung des Fremdkörpers „Schule” in diesem vogelreichen Gebiet zu erheblichen Schäden an allen Populationen des Schutzgebietes führen.
Zusammenhängende Grünzüge bilden wichtige Flugwanderrouten für viele Vogelarten, insbesondere über dichten Siedlungsgebieten, welche hier durchflogen werden. Ein zugbegleitendes Futterangebot stellt für diese Arten die Überlebensgrundlage dar. Auch für sie würde die geplante Bebauung einen Wegfall ihrer angestammten Nahrungs- und Landeflächen bedeuten.
Durch die geplanten hohen Gebäude würden darüber hinaus Anfluglinien für Großvögel wie Reiher, Weißstorch und Kranich, die auf die Feuchtwiesen bei der Futtersuche angewiesen sind, behindert.Umliegend brütende Arten nutzen nachweislich diese Fließniederung. Als Beispiel sei hier das Kranichpärchen genannt, das seit einigen Jahren am Grassee seinen Brutplatz hat und die Mühlenfließniederung dringend als zusätzliche Nahrungsfläche benötigt, die auch mit einem noch schlecht flugfähigen Jungvogel erreicht werden kann. Ihre Ansiedlung würde insgesamt gefährdet, da in der Nähe keine vergleichbaren Ausweichflächen zur Verfügung stehen.
Für Vorhaben, die ein Gebiet des Netzes „Natura 2000” (FFH-Gebiete und EU-Vogelschutzgebiete) erheblich beeinträchtigen können, schreibt Art. 6 Abs. 3 der FFH-Richtlinie bzw. § 34 des Bundesnaturschutzgesetzes die Prüfung der Verträglichkeit dieses Projektes oder Planes mit den festgelegten Erhaltungszielen des betreffenden Gebietes vor.
Das Plangrundstück nimmt Teilflächen des FFH-Gebiets in Anspruch und wirkt von außen auf das FFHGebiet ein. Bereits die Möglichkeit einer erheblichen Beeinträchtigung löst die Pflicht zur Durchführung einer FFH-Verträglichkeitsprüfung aus. Dabei ist die Prüfung aller denkbaren Auswirkungen des Projekts auf die Erhaltungsziele des Gebiets, also auf alle möglicherweise betroffenen Lebensraumtypen und wertgebenden Arten notwendig.
Das Fredersdorfer Mühlenfließ ist eines der letzten weitgehend intakten, naturnahen Fließgewässer im Berliner Raum. Zunehmende Bebauung, Wasserentnahme und klimatische Bedingungen haben ihm zugesetzt und stellen für das Wassermanagement eine besondere Herausforderung dar. In neuerer Vergangenheit wies das FMF vermehrt langanhaltende Niedrigwasserphasen auf. Der Erhaltungszustand als Gewässer wird derzeit mit C bewertet, der Lebensraumtyp (LRT 3260) ist damit bereits als beschränkt eingestuft.
Eine weitere Verschlechterung ist lt. EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, 2000/60/EG) unbedingt zu vermeiden. Im Gegenteil verpflichten Art. 4 Abs. 1 lit. a)ii) der Wasserrahmenrichtlinie und § 6 Abs. 1 des Wasserhaushaltsgesetzes zur Verbesserung des Gewässerzustands. Das gleiche Gebot folgt für die FFHLebensraumtypen aus Art. 6 Abs. 1 der FFH-Richtlinie. Wesentlicher Bestandteil der Maßnahmen wären Wasserrückhalt für Niedrigwasserperioden in Kombination mit Regelungen zum Schutz der Siedlungsgebiete bei Hochwasser.
Der Ausgleichsfunktion der Flussniederungen kommt dafür die zentrale Bedeutung zu. Das Plangebiet ist geografisch Teil einer solchen Flussniederung. Die massive Bebauung und die großflächige Versiegelung führt zu einer Verdichtung des Untergrundes. Die natürliche Wasseraufnahme und -abgabe des Bodens wird verschlechtert. bzw. sogar gänzlich verhindert. Damit wird die Niederung in wesentlichen Teilen dieser notwendigen Pufferfunktion beraubt.
Die große Aufnahmekapazität der Niederung kann derzeit (Frühjahr 2018, s. Abb. folgende Seite) nach einem mäßig regenreichen Jahr – kein Hochwasser – deutlich beobachtet werden. Der Wasserspiegel steht über der Erdoberfläche im angrenzenden FFH-Gebiet. Das Baugrundstück selbst liegt durch die Erhöhung oberirdisch trocken. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die unterirdische Durchfeuchtung der umliegenden Feucht- und Sumpfwiesen entspricht.
Nebenliegende Wiesenflächen (April 2018)
Das Grundstück befindet sich im Einzugsgebiet des FMF. Die hochgradige Versiegelung und eine Notüblaufabbleitung des Niederschlagswassers in das Fließ fördert das Wasser schneller aus dem Gebiet und destabilisiert den Wasserhaushalt des FMF weiter!
Es ist während der Baumaßnahme und anschließend im Schulbetrieb wahrscheinlich, dass Schadstoffe (z. B. Gummiabrieb von Fahrzeugen, Baustoffe, Tausalz, Straßenreinigung, Müll) fortdauernd in das
FFH-Gebiet sowie in das FMF gelangen und die Wasserqualität durch unzulässigen Nährstoffeintrag verschlechtern.
Eine ggf. erforderliche Grundwasserabsenkung zur Baugrundschaffung bedeutet einen erheblichen Eingriff in den natürlichen Wasserhaushalt. Unter Umständen ist die Verletzung von grundwasserführenden Schichten möglich. Das kann die schadstofffreie Grundwasserneubildung gefährden und widerspricht den Grundsätzen zum Schutz und zur Reinhaltung des Wassers als „Quell des Lebens“.
Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet Deutschland, seine Gewässer und deren Einzugsgebiete in ihren Strukturen und ihrer Qualität zu erhalten und zu verbessern. Dagegen wird mit einer Bebauung in jeder Hinsicht verstoßen.
Das FMF wird in Brandenburg als Gewässer mit Hochwasserrisiko geführt. Da der Planbereich sich inmitten einer an das Flussbett angrenzenden Niederung befindet, muss auf diesen Umstand hingewiesen werden. Unter sich schnell verändernden klimatischen Bedingungen können die bislang seltenen Extremereignisse (HQ100-Ereignisse) zunehmen und umso weniger ausgeschlossen werden. Dicht aufeinanderfolgende Starkregenereignisse können ebenso ausschlaggebend sein. Das Plangebiet ist umgeben von einer Hochwassergefahrenzone. Wie soll im Extremfall sichergestellt werden, dass die Bauwerke und die sich dort aufhaltenden Menschen keinen Schaden nehmen?
Die Niederung kann in Extremsituationen als Wasserauffangbecken das sie umgebende Siedlungsgebiet und Siedlungsgebiete flussabwärts schützen. Diese Möglichkeit würde durch einen hier platzierten Schulbau konterkariert.
Da es sich bei einer Oberschule um eine besonders schutzbedürftige Gebäudenutzung und erhebliche Sachwerte handelt, gilt der Grundsatz: „Wertvolle Güter nicht in gefährdete Räume.“ Eine Bebauung dieses Standortes würde den Grundsätzen der kommunalen Daseinsvorsorge – für das Bauwerk selbst wie für den weiteren Siedlungsbereich – fahrlässig entgegenlaufen. Stattdessen sollten hier die Ziele des Hochwasserrisikomanagements unbedingt Beachtung finden. Dies ist nach § 78b Abs. 1 Nr. 1 des Wasserhaushaltsgesetzes in der Abwägung maßgeblich zu berücksichtigen.
Der Grünzug hat für das Lokalklima eine wichtige Funktion als Frischluftschneise. Er bildet die größte „Grünlunge“ innerhalb eines ansonsten großflächig zusammenhängenden Siedlungsgebietes. Die über dem Siedlungsgebiet erhitzte und verschmutzte Luft steigt auf und zieht die feuchtere und kühlere Frischluft in die Wohngebiete. Der Bereich ist damit von großer Bedeutung als Kaltluftentstehungsgebiet. Die geplanten mehrstöckigen Baukörper würden die bodennahen Frischluftleitbahnen wie ein Riegel blockieren. Die großflächigen Versiegelungen machen die Abkühlung unmöglich. Die Ausgleichsfunktion wird damit gestört. Hitze und Trockenheit würden verstärkt, die Luftqualität verschlechtert werden.
In diesem sensiblen Bereich können große Baukörper zudem unerwünschte Wirbeleffekte erzeugen. Diese verstärken z. B. böige Winde zusätzlich, was bei Starkwindereignissen zu ernsthaften Problemen in der Umgebung und damit im Siedlungsgebiet führen kann.
Die Unterschutzstellung als Landschafts- und Naturschutzgebiet hat gemäß § 2 der LSG Verordnung als Schutzzweck den Erhalt, die Entwicklung bzw. die Wiederherstellung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft im Gebiet, der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts sowie die Sicherung des Gebiets als ortsnaher Erholungsraum für eine ökologisch verträgliche Erholungsnutzung.
Mit dem vorliegenden Antrag soll ein massiver Fremdkörper in das über drei Schutzkategorien gesicherte Gebiet platziert werden. Damit wird die bisher naturnahe, charakteristische und lokaltypische Landschaftunwiederbringlich zerstört, Sichtachsen gehen verloren, die räumliche Gliederung der Ortsteile wird aufgehoben und die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes gestört.
Der Verlust des Grünzuges wäre gleichzeitig auch der Verlust eines lokaltypischen, identitätsstiftendes Merkmals der Gemeinde. Auch hinsichtlich möglicher Alternativen wird der Grundsatz verletzt, dass bei der Gestaltung räumlicher Nutzungen mit Naturgütern sparsam und schonend umzugehen ist (Vgl. § 2 Abs. 2 Nr. 6 Satz 2 ROG).
Darüber hinaus würde mit der Planung wegen der Beeinträchtigung des Grünzugs gegen das im Landesentwicklungsplan als Ziel 5.2 festgelegte ein Ziel „Freiraumverbund“ verstoßen, so dass insoweit ein Zielabweichungsverfahren gem. § 6 ROG erforderlich wäre.
Gerade bei zunehmendem Siedlungsdruck ist ein schonender und zukunftsorientierter Umgang mit diesen Ressourcen unabdingbar. Das beantragte Projekt widerspricht in mehreren Punkten dem Schutzzweck der LSG-VO und ist daher zugunsten einer weitsichtigen und ausgeglichenen Ortsentwicklung abzulehnen. Wir fordern den Erhalt des vollständigen Grünzuges einschließlich des Grundstückes in Form von Grünland.
Die Schule soll bis zu 500 Schüler, Lehrer und Angestellte fassen. Der geringste Anteil kommt aus dem Ortsteil Vogelsdorf. Mehr als die Hälfte kommt aus Fredersdorf und von der S-Bahn. Der Hauptverkehrsstrom ergibt sich damit in der Fließstraße, der einzigen Verbindungsstraße zwischen den Ortsteilen (s. Anlage 3 Verkehrsaufkommen). Diese hat bereits heute ihre Kapazitätsgrenze besonders zu den Hauptverkehrszeiten erreicht. Zusätzlicher Busverkehr, Auto- sowie Fahrradverkehr in beiden Richtungen würden einen Straßen- bzw. Radwegebau notwendig machen. Die Straße grenzt beiderseits an das FFHGebiet an. Alle vorgenannten Effekte auf das Schutzgebiet wiederholen sich hier. Es ist eine eigene Vergträglichkeitsprüfung für jede bauliche Maßnahme erforderlich.
Die Zuwegung durch die Fließstraße Variante 1 ist im ehemaligen Schlosspark vorgesehen. Neben 20 nachgewiesenen Brutvogelarten sind dort Fledermausquartiere des Abendseglers. Sowohl ein zusätzlicher als auch ein breiterer Gehweg würde eine Ausweitung der Verkehrssicherungspflicht nach sich ziehen unddamit die Fledermausquartiere gefährden. Diese Variante wird deshalb vom NABU abgelehnt.
Zusätzlich erwartbare verkehrstechnische Probleme: Im Bereich der Wohngrundstücke in Vogelsdorf kann der Geh-Radweg nicht verbreitert werden. Da eine Querung notwendig ist, rechnen wir an dieser Stelle mit Konflikten. Auf die vorhandene Mittelinsel passen maximal zwei Radfahrer. Wir rechnen mit zahlreichen Fahrbahnquerungen außerhalb der Mittelinsel. Der geplante Oberschulstandort zieht damit mindestens an dieser Stelle einen neuen Unfallschwerpunkt nach sich. Dies als Beispiel. Auch im weiteren Straßenbereich kann die Schulwegsicherung unserer Meinung nach nicht durchgehend hergestellt werden.
Für Variante 2 wäre ein weiterer Brückenbau südwestlich an der Fließstraße notwendig. Angesichts des Vorkommens seltener Fischarten im Mühlenfließ wäre dieser Eingriff unangemessen hoch. Südlich angrenzend zur Fließstraße befindet sich ein Erlen-Weiden-Bruch, welches in jedem Frühjahr überflutet wird. Der Bau eines Geh-Radweges über und durch dieses geschützte Biotop wäre ein schwerer Eingriff in das FFH-Gebiet. Die Variante 2 wird deshalb ebenfalls abgelehnt.
Variante 3 beinhaltet eine neue Wegeverbindung mittels langgestrecktem Brückenbau von der Walter-Kollo-Straße durch das LSG, NSG und FFH-Gebiet. Angesichts des Vorkommens seltener Fischarten im Mühlenfließ wäre dieser Eingriff unangemessen hoch. Der betroffene Abschnitt ist ein natürlicher beschatteter, äußerst artenreicher Flussabschnitt, der in den FFH-Biotopen gelistet ist. Die Zuwegung würde den Biotopverbund im FFH-Gebiet zerschneiden und wäre damit ein schwerer Verstoß gegen die Erhaltungspflicht aus Art. 6 Abs. 1 der FFH-Richtlinie. Auch diese Variante wird daher vom NABU abgelehnt.
Wir halten die Zuwegungsvarianten weder für naturschutzrechtlich genehmigungsfähig noch für vertretbar im Sinne einer durchgängigen Schulwegsicherheit. Zudem ist der Försterweg nicht für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen bzw. Busverkehr ausgerichtet. Die Planung ist damit nicht vollziehbar und damit rechtswidrig; eine rechtmäßige Erschließungsvariante existiert nicht. Wir fordern daher den Bebauungsplan der Schule zu stoppen, ihn mindestens jedoch bis zur vollständigen rechtlichen Klärung und Umsetzung der sicheren Zuwegung auszusetzen.
Die Entfernung zur S-Bahn ist ein erheblicher Nachteil, der den Standort für einen Oberschulbetrieb als ungeeignet erscheinen lässt. Die Fahrtzeit stellt für die Schüler, wie das erhöhte Verkehrsaufkommen insgesamt für alle Einwohner, eine unzumutbare Belastung dar. Daraus folgt, dass sich weniger Schüler aufgrund der schlechten Anbindung anmelden. Geringere Schülerzahlen von der S-Bahn durch die schlechte Erreichbarkeit können sich wesentlich in der Auslastung der Oberschule niederschlagen. Wir halten diesen Aspekt für so erheblich, dass er als Ausschlusskriterium für die Standortwahl zu werten ist.
Der vorhandene Linienbus ist zur Zeit durch die Gymnasialschüler nach Rüdersdorf ausgelastet. Der anvisierte Direktbusverkehr erfordert einen bisher vollkommen ungeklärten Straßenausbau: Wendeschleifen, Haltevorrichtungen, Linienführung, für die keine überzeugende Lösung absehbar ist. Durch den zusätzlichen Busverkehr entstehen außerdem hohe Kosten, die für die gesamte Laufzeit der Schule zu veranschlagen sind.
Nicht zuletzt ergibt sich folgendes Problem: in fußläufiger Entfernung ist keine Versorgungs- oder Dienstleistungseinrichtung vorhanden (Schreibwarenladen, Kiosk, Bäcker etc.) Bei Umsetzung des Vorhabens für 400 – 500 Jugendliche und Lehrer wird die Schaffung von Versorgungseinrichtungen klar absehbar notwendig werden, für die jedoch keine weiteren Flächen zur Verfügung stehen. Jede weitere Bebauung müsste dann aus Platzgründen innerhalb des FFH-Gebietes stattfinden. Das lehnen wir aus bereits genannten Erhaltungszielen ausdrücklich ab und sehen auch hierin ein Ausschlusskriterium für den Standort.
Im Landschaftsplan der Gemeinde ist die Fläche des Sportplatzes in die Niederung eingebunden mit dem Ziel der Entwicklung als zusammenhängender Biotopkomplex. Die geplante Änderung des Flächennutzungsplanes steht im Widerspruch zum Landschaftsplan. Es gibt Alternativen zu diesem Standort, so dass die FNP-Änderung nicht notwendig ist. Auf dem diskutierten Grundstück befürworten wir auf dem derzeit genutzten Südteil die Beibehaltung als
Grünland mit der Nutzungsart Sportplatz. Die Verträglichkeit mit dem FFH-Gebiet kann durch diese Nutzung am ehesten hergestellt werden.
Der nördliche Teil des Grundstückes sollte dem FFH-Gebiet zugeordnet werden. Punktuell vorhandene Auffüllungen sollten beseitigt und die Zaunbauten müssen entfernt werden. Dieser Teil hat ein hohes Entwicklungspotenzial zu einem artenreichen Trockenrasen. Komplexe aus vermoorten Niederungen und angrenzenden sandigen Erhebungen sind aufgrund des Feuchtegradienten i.d.R. sehr artenreich und bieten vielen geschützten und gefährdeten Arten Lebensräume.
So wird einerseits das Schutzgebiet den naturräumlichen Gegebenheiten angepasst und der Grünzug in seiner Funktionsfähigkeit für die Zukunft gesichert. Andererseits wird der Notwendigkeit und des großen Bedarfs im Bereich des Breitensports und der Erholung Rechnung getragen und das Grundstück weiter einer Nutzung zugeführt, ohne das Schutzgebiet oder das FMF zu schädigen oder zu verschlechtern. Die geforderten FFH-Entwicklungsziele können eingehalten werden. Ein weiträumiger Straßen- und Wegebau und alle weiteren damit zusammenhängenden ökologischen Konflikte entfallen.
Wir lehnen daher die Änderung des FNP für das Plangebiet ab und fordern die Beibehaltung der Einordnung „Außenbereich“.
Auf dem Schulgelände in Fredersdorf-Süd steht ein großes Schulgebäude ungenutzt leer (Haus 1). Eine Aktivierung des Gebäudes würde dauerhaften Leerstand beenden und das Grundschulproblem gleichermaßen lösen. Es ist kein Straßenausbau notwendig, ökologische Konflikte bestehen nicht. Zudem hat Haus 1 Symbolcharakter für den langjährigen und beliebten Schulstandort in Fredersdorf-Süd.
Derzeit soll das Grundstück und Haus 1 trotz des großen schulischen Platzbedarfs aus dem Komplex heraus gelöst und veräußert werden. Wir halten dies ausdrücklich für falsch und empfehlen dringend die Beibehaltung und Nutzung als Schulgebäude.
Es gibt mehrere Konzepte, die eine modulare Erweiterung der Grundschulstandorte in Fredersdorf-Nord und -Süd vorsehen. Eines wurde von der Gemeindeverwaltung erarbeitet. Ein weiteres wurde durch den ehemaligen Schulleiter Herrn Sept und die Architektin Frau Fliegner vorgestellt. Auch hier ist kein Infrastrukturausbau notwendig, ökologische Konflikte sind nicht zu erwarten.
Wird dennoch der Neubau einer Oberschule verfolgt, sollten Grundstücke im Ortszentrum in direkter SBahn-Nähe betrachtet werden. Diese Grundstücke wurden aus unserer Sicht nicht ausreichend in den Auswahlprozess einbezogen. Die Zentralität spielt hier die entscheidende Rolle. Wir sind der Meinung, dass die günstige und verträgliche Lage einer Oberschule im Sinne der Schüler Vorrang vor kommunalen Geschäftsinteressen haben sollte. Die Gemeinde wird hiermit aufgefordert, der Pflicht des Vorhaltens von Grundstücken für kommunale Aufgaben nachzukommen.
Eine weitere Alternative bildet ein Standort in der Landstraße im Ortsteil Fredersdorf-Nord im Innenbereich der Gemeinde. Er schließt an Siedlungsbebauung an, an einer Seite entsteht derzeit ein Großbolzplatz für Kinder und Jugendliche.
Standort Landstraße (Quelle Brandenburgviewer)
Diese Fläche grenzt nicht an ein Naturschutzgebiet und befindet sich nicht im direkten Einzugsbereich eines Fließgewässers. Jedoch würde auch hier eine erhebliche Neuversiegelung stattfinden. Die Notwendigkeit der Bebauung der Offenlandschaft mit wesentlichen Trockenrasenmerkmalen, die zu untersuchen sind, ist ausdrücklich zu hinterfragen. Der junge Baumbestand an der Landstraße sowie die Neupflanzungen am Verbindungsweg sind unbedingt zu erhalten. Für eine Bebauung als Rückfallvariante ist eine gesonderte Stellungnahme des NABU erforderlich.
Als NABU-Ortsgruppe geben wir der Ausnutzung aller Möglichkeiten an vorhandenen Schulstandorten den Vorzug vor der Bebauung und Neuversiegelung von Grün- und Offenflächen in der Gemeinde.
Bei dem geplanten Vorhaben ist mit erheblichen Beeinträchtigungen des gesamten, um das Grundstück befindlichen Schutzgebiets zu rechnen. Schutzgüter und Lebensräume werden absehbar beeinträchtigt und die Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten, darunter streng geschützte FFH-Arten, erheblich beeinträchtigt. Die Entwicklungsziele für das FFH-Gebiet werden gefährdet bzw. unmöglich gemacht. Die Schutzfunktion des mehrfach geschützten umliegenden Gebietes wird unwirksam. Eine FFH-Vorprüfung bzw. FFH-Verträglichkeitsprüfung ist unabdingbar.
Die Bebauung mit einer so stark frequentierten Nutzungsform (400 – 500 Menschen) kommt einer Erschließung des gesamten Grünzuges gleich. Unzähliges Betreten, Befahren und die Vermüllung des Schutzgebietes sind absehbare Folgen. Gleichzeitig geht die natürliche Gliederung der Ortsteile, wie auch die charakteristische, ortsprägende Landschaft verloren.
Im Hinblick auf den bereits gestörten Wasserhaushalt des FMF muss eine Bebauung des sensiblen Niederungsgebiets unbedingt vermieden werden. Sie würde den Zielen der EU-Wasserrahmenrichtlinie und des FFH-Managementplans für das Gebiet „Fredersdorfer Mühlenfließ, Breites und Krummes Luch“ widersprechen und deren Erreichung verhindern. Stattdessen sollte dringend der Wasserhaushalt des FMF durch Maßnahmen wie die Anpassung des Schutzgebietes an die naturräumlichen Gegebenheiten verbessert und stabilisiert werden.
Die Baumaßnahme an diesem Standort ist auch aus Gründen des Hochwasserschutzes sinnwidrig. Das Ignorieren der Gefahren kann unkalkulierbare Folgen nach sich ziehen.
Um Verkehr zu sparen und kostenintensive Infrastrukturmaßnahmen zu vermeiden, sollten verkehrlich günstigere und für die Ortsentwicklung tragfähigere Lösungen gewählt werden.
Es bestehen Alternativen mit weniger Konfliktpotential, welche in die Abwägung unbedingt aufgenommenund geprüft werden müssen. Die zu erwartenden erheblichen Beeinträchtigungen des Schutzgebietes amvorgelegten Standort können somit nicht als alternativlos anerkannt werden.
Wir weisen nochmals auf die zu Beginn genannte Grundschulbedarfsstudie hin, die aufgrund des begrenzten Zeitraums des Bedarfs die Investition in einen neuen Schulstandort als langfristig teuerste Lösung eindeutig in Frage stellt. Der NABU fordert dementsprechend Lösungen, die den Neubau eines Oberschulstandortes nicht erfordern, sondern an vorhandenen Standorten den Bedarf durch geeignete Maßnahmen anpasst.
Aufgrund der Vielzahl der zu erwartenden Konflikte und massiven negativen Folgen für Natur und Landschaft können wir der Bebauung des Sportplatzes Vogelsdorf/Försterweg nicht zustimmen.
Anlage 1: Faunistische Erfassung
Anlage 2: Floristische Erfassung
Anlage 3: Geplanter Standort Vogelsdorf Försterweg und Verkehrsaufkommen

References: § 59
 § 35
 § 3
 § 4
 § 2
 Art. 6
 § 33
 Art. 6
 Art. 6
 § 34
 Art. 4
 § 6
 Art. 6
 § 78
 § 2
 § 2
 § 6
 Art. 6