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Timestamp: 2020-07-14 17:02:07+00:00

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BVerfG, 09.12.2008 - 2 BvR 717/08 - dejure.org
BVerfG, 09.12.2008 - 2 BvR 717/08
https://dejure.org/2008,618
BVerfG, 09.12.2008 - 2 BvR 717/08 (https://dejure.org/2008,618)
BVerfG, Entscheidung vom 09.12.2008 - 2 BvR 717/08 (https://dejure.org/2008,618)
BVerfG, Entscheidung vom 09. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 (https://dejure.org/2008,618)
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Innerkirchliche Angelegenheiten sind der staatlichen Gerichtsbarkeit entzogen
Vorliegen der Annahmevoraussetzung einer Verfassungsbeschwerde bei Grundrechtsverletzungen durch die öffentliche Gewalt - Verfassungsgarantie des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts - Eigenständigkeit der Kirchen durch ihren Charakter als Körperschaften des öffentlichen ...
Arbeitsvertragsrichtlinien, Kirchenarbeitsrecht, AVR
Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde gegen die Versetzung eines Pfarrers in den Ruhestand und die Festsetzung eines Ruhegehalts durch Beschluss der Verwaltungskammer der Evangelischen Kirche im Rheinland
123recht.net (Pressemeldung, 8.1.2009)
Verfassungsbeschwerde von Pfarrer scheitert an Kirchenrecht // Selbstbestimmungsrecht der Kirchen hat Vorrang
Die Versetzung eines Pfarrers in den Wartestand ist als innerkirchliche Angelegenheit kein Akt der staatlichen Gewalt
Art. 93, 140 GG, Art. 137 WRV, § 90 BVerfGG
BVerfGK 14, 485
NJW 2009, 1195
DVBl 2009, 238
Der Staat erkennt die Kirchen in diesem Sinne als Institutionen mit dem originären Recht der Selbstbestimmung an, die ihrem Wesen nach unabhängig vom Staat sind und ihre Gewalt nicht von ihm herleiten (vgl. BVerfGE 18, 385 ; 19, 1 ; 30, 415 ; 42, 312 ; 46, 73 ; 57, 220 ; 66, 1 ; BVerfGK 14, 485 ).
Diese Vorschriften bezwecken die institutionelle Sicherung der von der Verfassung geforderten Staatsfreiheit der Kirchen (vgl. BVerfG 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - Rn. 4, NJW 2009, 1195) .
Die Kirchen, die eine "Sonderstellung innerhalb der staatlichen Rechtsordnung" (BVerfG 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - Rn. 4, NJW 2009, 1195) einnehmen, sind ungeachtet ihrer Anerkennung als Körperschaften des öffentlichen Rechts nicht dem Staat inkorporiert, also auch nicht im weitesten Sinn "staatsmittelbare" Organisationen oder Verwaltungseinrichtungen (vgl. BVerfG 21. September 1976 - 2 BvR 350/75 - zu B II 1 der Gründe, BVerfGE 42, 312) .
Infolge dieser öffentlichen Rechtsstellung und öffentlichen Wirksamkeit der Kirchen, die sie aus ihrem besonderen Auftrag herleiten und durch die sie sich von anderen gesellschaftlichen Gebilden unterscheiden, ist die kirchliche Gewalt keine staatliche Gewalt (vgl. BVerfG 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - Rn. 5, aaO) ; sie umfasst keine hoheitlichen Handlungsmöglichkeiten (Korioth in Maunz/Dürig GG Art. 140 Art. 137 WRV Rn. 83) .
Nur soweit sie die vom Staat verliehenen Befugnisse ausüben oder soweit ihre Maßnahmen den kirchlichen Bereich überschreiten oder in den staatlichen Bereich hineinreichen, betätigen die Kirchen mittelbar auch staatliche Gewalt (vgl. BVerfG 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - Rn. 5, NJW 2009, 1195) .
Damit erkennt der Staat die Kirchen als Institutionen mit dem Recht der Selbstbestimmung an, die ihrem Wesen nach unabhängig vom Staat sind und ihre Gewalt nicht von ihm herleiten (BVerfG 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - Rn. 3) .
Die Folge ist, dass der Staat in ihre inneren Verhältnisse nicht eingreifen darf (BVerfG 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - Rn. 4; 17. Februar 1965 - 1 BvR 732/64 - zu II 1 der Gründe, BVerfGE 18, 385) .
Die Ausgestaltung des innerkirchlichen Dienst- und Amtsrechts unterliegt nach Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 Satz 2 WRV dem kirchlichen Selbstbestimmungsrecht und ist - sofern die Kirchen es nicht selbst dem staatlichen Recht unterstellen - der Gerichtsbarkeit des Staates entzogen (BVerfG 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - Rn. 7) .Das kirchliche Selbstbestimmungsrecht und die in Art. 137 Abs. 3 Satz 2 WRV ausdrücklich gewährleistete Ämterautonomie umfassen das Recht festzulegen, welche Kirchenämter einzurichten, wie diese zu besetzen und welche Anforderungen an die Amtsinhaber zu stellen sind (BVerfG 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - Rn. 14; BVerwG 25. November 1982 - 2 C 21/78 - zu II 1 der Gründe, BVerwGE 66, 241) .
Danach üben Religionsgesellschaften keine öffentliche Gewalt i.S.d. Art. 19 Abs. 4 GG aus (BVerfG, Kammerbeschluss vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - NJW 2009, 1195 Rn. 2 m.w.N.; BVerwG, Urteile vom 25. November 1982 - BVerwG 2 C 21.78 - BVerwGE 66, 241 und vom 30. Oktober 2002 - BVerwG 2 C 23.01 - BVerwGE 117, 145 = Buchholz 11 Art. 140 GG Nr. 68 S. 14).
Auch die Zuerkennung des Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV ändert nichts daran, dass es sich bei kirchlichen Maßnahmen nicht um Akte staatlicher Gewalt handelt (BVerfG, Kammerbeschluss vom 9. Dezember 2008, a.a.O. Rn. 5; BVerwG…, Urteil vom 30. Oktober 2002, a.a.O. S. 147).
Der Grundsatz der Neutralität des Staates in religiösen Dingen muss durch weitestgehende Zurückhaltung gewahrt werden (BVerfG, Kammerbeschluss vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - NJW 2009, 1195 Rn. 6).
Diese Vorschrift enthält inhaltliche Vorgaben lediglich für die Regelung des öffentlichen Dienstes als Bestandteil der Staatsverwaltung (BVerfG, Kammerbeschluss vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - NJW 2009, 1195 Rn. 10; BVerwG, Urteil vom 25. November 1982 - BVerwG 2 C 21.78 - BVerwGE 66, 241 = Buchholz 230 § 135 BRRG Nr. 4 S. 7).
BVerfG, Beschlüsse vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 -, NJW 2009, 1195, juris, Rdn. 2, 5, und vom 18. September 1998 - 2 BvR 1476/94 -, NJW 1999, 349, juris, Rdn. 28 f.; BVerwG, Urteile vom 25. November 2015 - 6 C 21.14 -, BVerwGE 153, 282, juris, Rdn. 15, und vom 27. Februar 2014 - 2 C 19.12 -, BVerwGE 149, 139, juris, Rdn. 27; BGH, Urteil vom 28. März 2003 - V ZR 261/02 -, BGHZ 154, 306, juris, Rdn. 8.
vgl. BVerfG, Beschluss vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 -, NJW 2009, 1195 f.
vgl. BVerfG, Beschluss vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 -, NJW 2009, 1195.
vgl. BVerfG, Beschluss vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 -, NJW 2009, 1195, 1196, m. w. N.; BVerwG, Urteil vom 25. November 1982 - 2 C 38.81 -, NJW 1983, 2582, 2583, m.w. N.; ebenso OVG NRW, Beschlüsse vom 3. Juli 2003 - 5 A 278/02 - und vom 8. November 2002 - 5 A 751/01 -.
ArbG Paderborn, 07.02.2020 - 3 Ca 1346/19
Die Ausgestaltung des Dienst- und Amtsrechts unterliegt - wie der über die Verweisung des Artikel 140 Grundgesetz weiter geltende Artikel 137 Abs. 3 Satz 2 WRV besonders betont - dem Selbstbestimmungsrecht der Kirche und ist - sofern diese es nicht selbst dem staatlichen Recht unterstellt - der staatlichen Gerichtsbarkeit entzogen (vgl. BVerfG v. 09.12.2008, 2 BvR 717/08, NJW 2009, 1195).
VGH Baden-Württemberg, 09.11.2010 - 4 S 2257/09
Zur Besoldung eines Pfarrers im Wartestand der evangelischen Landeskirche in …
8 Art. 33 Abs. 5 GG kommt nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. nur Beschluss vom 09.12.2008 - 2 BvR 717/08 -, DVBl. 2009, 238, m.w.N.) auf die öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisse der Kirchen weder unmittelbar noch entsprechend zur Anwendung.
Dies aber steht mit der durch Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 137 Abs. 3 Satz 2 WRV gewährleisteten kirchlichen Ämterautonomie nicht in Einklang (BVerfG, Beschluss vom 09.12.2008, a.a.O.; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 08.11.2002 - 5 A 751/01 -, NVwZ 2003, 1002).
Dieses Selbstbestimmungsrecht wie auch die in Art. 137 Abs. 3 Satz 2 WRV ausdrücklich hervorgehobene Gewährleistung der Ämterautonomie beinhalten nicht nur das Recht festzulegen, welche Kirchenämter einzurichten, wie diese zu besetzen und welche Anforderungen an die Amtsinhaber zu stellen sind (vgl. BVerfG, Beschluss vom 09.12.2008, a.a.O.; BVerwG, Urteil vom 25.11.1982 - 2 C 21.78 -, BVerwGE 66, 241; OVG Nordrhein-Westfalen…, Urteil vom 23.09.1997, a.a.O.).
Die in Ausübung dieser Regelungskompetenz ergangene Vorschrift des § 57 WPfarrG, wonach ein Pfarrer in den Wartestand versetzt werden kann, wenn seine Stellung in der Gemeinde unhaltbar geworden ist, wenn er ohne die erforderliche Befreiung eine nicht der evangelischen Kirche angehörige Person heiratet oder wenn er nach einer schriftlichen Aufforderung zum Wechsel seiner Pfarrstelle nach angemessener Frist keine Bewerbungen unternommen hat oder seine Bewerbung nicht zur Ernennung führt, dient der Sicherstellung des Wirkens im Sinne kirchlichen Selbstverständnisses und ist jedenfalls nicht evident sachwidrig oder willkürlich (vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 09.12.2008, a.a.O; OVG Nordrhein-Westfalen…, Urteil vom 23.09.1997, a.a.O.).
Denn das Wartegeld nach § 59 Abs. 2 Satz 3 WPfarrG genügt den Mindestanforderungen sozialer Sicherung, wie sie im staatlichen Bereich gelten (vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 09.12.2008, a.a.O.; OVG Nordrhein-Westfalen…, Urteil vom 23.09.1997, a.a.O.).
VG Düsseldorf, 16.07.2010 - 1 K 714/08
Rechtsweg innerkirchliche Streitigkeit Kirchenbeamtenverhältnis …
Insoweit werde auch auf die aktuelle Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08 - hingewiesen.
Auch die Schranke des "für alle geltenden Gesetzes" ermöglicht keine solche Überprüfung innerkirchlicher Maßnahmen durch staatliche Gerichte, denn in diesem Bereich bestehen schon keine staatlichen Rechtsnormen, die die Selbstbestimmung der Religionsgemeinschaften einschränken und als Prüfungsmaßstab i.S.v. Art. 137 Abs. 3 S. 1 WRV geeignet wären, vgl. zu allem Bundesverfassungsgericht (BVerfG), Beschluss vom 9. Dezember 2008 -2 BvR 717/08-, NJW 2009, 1195 und Beschluss vom 27. Januar 2004 - 2 BvR 496/01-, NJW 2004, 3099; Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom 30. Oktober 2002 - 2 C 23/01 -, NJW 2003, 2112, "Die Exemtion von der staatlichen Gerichtsbarkeit bezieht sich auch auf die Einhaltung der "fundamentalen Grundsätze der staatlichen Rechtsordnung" durch die kirchlichen Stellen, die die Entscheidung getroffen haben."; alle auch unter www.juris.de; im Hinblick auf statusrechtliche Fragen: Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW), Beschluss vom 3. Juli 2003 - 5 A 2781/02-, Beschlussabdruck S. 3.
Das Selbstbestimmungsrecht enthält im Bereich des kirchlichen Dienstrechts vielmehr eine allgemeine Regelungskompetenz, die insbesondere die Freiheit zum Organisationsakt und zur Personalentscheidung im Einzelfall umfasst und die keiner Kontrolle durch staatliche Gerichte unterliegt, vgl. so ausdrücklich für das kirchliche Amts- und Dienstrecht: BVerfG, Beschluss vom 9. Dezember 2008 - 2 BvR 717/08- und Beschluss vom 27. Januar 2004 - 2 BvR 496/01- a.a.O; BVerwG, Urteile vom 30. Oktober 2002 - 2 C 23/01 -, a.a.O., und vom 25. November 1982 - 2 C 21/78-, NJW 1983, 2580; VG Düsseldorf, Urteile vom 19. Oktober 2007 - 1 K 3310/07- und 19. April 2002 - 1 K 8559/99-, NWVBl. 2003, 69.
Das Selbstbestimmungsrecht enthält im Bereich des Rechts der Kirchenämter vielmehr eine allgemeine Regelungskompetenz, die insbesondere die Freiheit zum Organisationsakt und zur Personalentscheidung im Einzelfall umfasst und die keiner Kontrolle durch staatliche Gerichte unterliegt (vgl. BVerfG, Beschluss vom 09.12.2008 - 2 BvR 717/08 - Beschluss vom 27.01.2004 - 2 BvR 496/01 - VG Düsseldorf, Urteil vom 16.07.2010 - 1 K 714/08 -).
OVG Berlin-Brandenburg, 21.03.2014 - 5 S 1.13
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VG Düsseldorf, 26.04.2012 - 1 K 1664/11
VG Freiburg, 10.02.2010 - 2 K 1700/09
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StGH Baden-Württemberg, 21.06.2013 - 1 VB 55/13
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VG Minden, 27.09.2013 - 2 L 595/13
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Eröffnung des Rechtswegs zu staatlichen Gerichten; Berufung in das …
EGMR - 19568/09 (anhängig)

References: Art. 93
 Art. 137
 § 90
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 137
 Art. 19
 Art. 140
 Art. 140
 Art. 137
 § 135
 Art. 33
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 137
 § 57
 § 59
 Art. 137

EGMR