Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=11.04.2001&Aktenzeichen=1%20BvR%201646/97
Timestamp: 2019-05-20 21:51:00+00:00

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BVerfG, 11.04.2001 - 1 BvR 1646/97 - dejure.org
https://dejure.org/2001,1544
BVerfG, 11.04.2001 - 1 BvR 1646/97 (https://dejure.org/2001,1544)
BVerfG, Entscheidung vom 11.04.2001 - 1 BvR 1646/97 (https://dejure.org/2001,1544)
BVerfG, Entscheidung vom 11. April 2001 - 1 BvR 1646/97 (https://dejure.org/2001,1544)
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Teilweise stattgebender Kammerbeschluss: Weiterführung eines gutgläubig geführten Namens im Hinblick auf das allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Gebot des Vertrauensschutzes
Verfassungsbeschwerde - Namensrecht - Namenszusatz - Eintragung - Ehename - Familienname - Persönlichkeitsrecht
BGB § 1355 Abs. 3 S. 2
123recht.net (Pressemeldung, 7.5.2001)
Zeit heilt Fehler bei der Namenseintragung
Zivilrecht; Vertrauensschutz beim Namensrecht
AG Münster, 26.04.1996 - 22 III 54/96
LG Münster, 26.11.1996 - 5 T 776/96
OLG Hamm, 18.07.1997 - 15 W 3/97
1. Art. 48 Satz 1 EGBGB ermöglicht grundsätzlich nicht die Wahl eines im …
Dieser Vertrauenstatbestand ist gegenüber dem öffentlichen Interesse an der Richtigkeit von Eintragungen in Personenstandsregister abzuwägen (BVerfG NJWE-FER 2001, 193, 194).
Auch der von einem Menschen tatsächlich geführte Name kann verfassungsrechtlichen Schutz genießen, wenn sich mit ihm eine Identität und Individualität des Namensträgers herausgebildet und verfestigt haben und auch herausbilden durften (vgl. BVerfG, 3. Kammer des Ersten Senats, Beschluss vom 11. April 2001 - 1 BvR 1646/97 -, NJWE-FER 2001, S. 193 ).
Der Name eines Menschen ist Ausdruck seiner Identität und Individualität und wird daher vom allgemeinen Persönlichkeitsrecht umfasst (vgl. BVerfG, Beschl. v. 08.03.1988 - 1 BvL 9/85, 1 BvL 43/86 - BVerfGE 78, 38 ; Beschl. v. 24.03.1998 - 1 BvR 131/96 - BVerfGE 97, 391 ; Kammerbeschl. v. 11.04.2001 - 1 BvR 1646/97 - juris, Rn. 8; Kammerbeschl. v. 05.12.2008 - 1 BvR 576/07 - NJW 2009, 663 ;… Urt. v. 05.05.2009 - 1 BvR 1155/03 - BVerfGE 123, 90 ).
Aus denselben Gründen kann auch kein Vertrauenstatbestand festgestellt werden, der dem Beteiligten zu 5 gem. Art. 2 Abs. 1, 1 Abs. 1 GG einen Anspruch auf Führung und Eintragung des im Ausland registrierten Doppelnamens aus dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht gewähren könnte (vgl. "Singh"-Entscheidung; BVerfGE v. 11.04.2001, StAZ 2001, 207 - 209;… Wall a.a.O. S. 243 m. w. N.).
Die mit der Ausgestaltung des Familiennamensrechts vom Gesetzgeber verfolgten Ziele müssen in Einklang mit den Wertvorgaben der Verfassung und den Grundrechten der von ihr Betroffenen stehen und der Funktion des Familiennamens förderlich sein (BVerfG, Urteil vom 30. Januar 2002 - 1 BvL 23/96 -, BVerfGE 104, 373-396 = FamRZ 2002, 306-311, Tz. 42-46, BVerfG, Beschluss vom 11. April 2001 - 1 BvR 1646/97 -, StAZ 2001, 207, Tz. 8 und 10, BVerfG, Beschluss vom 08. März 1988 - 1 BvL 9/85, 1 BvL 43/86 -, BVerfGE 78, 38-58 = FamRZ 1988, 587, Tz. 45-49).
Das aus dem Rechtsstaatsprinzip gem. Art. 20 Abs. 3 des Grundgesetzes (GG) fließende Gebot des Vertrauensschutzes genießt nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) Verfassungsrang (BVerfG, Beschluss vom 11. April 2001, Az. 1 BvR 1646/97).
Die herangezogene Rechtsprechung, insbesondere die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 11.04.2001 (Az.: 1 BvR 1646/97, StAZ 2001, 207 ff.), hat zum Inhalt, dass ein zwar nicht rechtmäßig erworbener, aber von einer Person tatsächlich geführter Name jedenfalls dann vom Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts erfasst wird, wenn er über einen nicht unbedeutenden Zeitraum (dort: fast elf Jahre) die Persönlichkeit des Namensträgers tatsächlich mitbestimmt hat und ein entsprechender Vertrauenstatbestand vorliegt.
OVG Schleswig-Holstein, 19.09.2016 - 4 MB 42/16
Dieser Einwand kann sich vom rechtlichen Ansatz her darauf stützen, dass der tatsächlich geführte Name vom Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts gemäß Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG umfasst ist, wenn er über einen nicht unbedeutenden Zeitraum die Persönlichkeit des Trägers tatsächlich mitbestimmt hat und ein entsprechender Vertrauenstatbestand vorliegt (BVerfG, Beschluss vom 11. April 2001 - 1 BvR 1646/97 -, juris Rn. 12).
In Betracht zu ziehen sind dafür insbesondere die an die Eheschließung anknüpfende Namenswahl nach deutschem oder australischem Recht gemäß Art. 10 Abs. 2 EGBGB (vgl. BVerfG, Beschluss vom 11. April 2001, a.a.O.) oder eine Namensänderung gemäß §§ 1, 3 NamÄndG (vgl. BVerwG…, Urteil vom 1. Oktober 1980, a.a.O. Rn. 43).
OLG Köln, 15.02.2012 - 16 Wx 17/11
Berichtigung eines Geburtseintrags hinsichtlich der Schreibweise des …
Gegen dieses schützenswerte Interesse muss das öffentliche Interesse an der Richtigkeit von Eintragungen in Personenstandsurkunden abgewogen werden (BVerfG StAZ 2001, 207).
Zudem ist die Anwendbarkeit der Grundsätze der Bundesverfassungsgerichtsentscheidung vom 11.4.2011 - 1 BvR 1646/97 - im Berichtigungsverfahren höchstrichterlich noch nicht eindeutig geklärt.
Fortschreibung des Melderegisters als anfechtbarer Verwaltungsakt; Löschung eines …
OLG Zweibrücken, 12.02.2004 - 3 W 155/03
Personenstandsverfahren: Unrichtige Schreibweise eines Familiennamens in der …
VG Regensburg, 19.11.2014 - 9 K 14.1377
Melderegister, Fortschreibung, Verwaltungsakt, Löschung, Adelstitel, …
Reisepass; mehrere Vornamen; kein Anspruch auf Hervorhebung des Rufnamens; Antrag …
VG Braunschweig, 19.10.2006 - 1 A 364/05
Eintragung in die Liste der Beratenden Ingenieure; Anforderungen; Löschung
KG, 06.12.2012 - 1 W 295/11
Internationale Personenstandssache: Namensändernde Wirkung der Wiedereinbürgerung …
KG, 05.11.2012 - 1 W 771/11
Personenstandsverfahren: Berücksichtigung des Persönlichkeitsrechts des …
VG Münster, 26.08.2011 - 1 K 2808/10
LG Paderborn, 26.02.2008 - 5 T 21/08
Berichtigung des Geburtenbuches hinsichtlich des Familiennamens eines Kindes …
LG Köln, 16.05.2002 - 1 T 508/01
LG Stuttgart, 22.07.2002 - 10 T 143/02
(Berichtigung eines Personenstandseintrags: Anfechtung der Rechtswahl bezüglich …
AG Mönchengladbach, 15.02.2016 - 15a III 1/16
Eintragung der Namensänderung eines Kindes im Geburtenregister des Standesamtes …
AG Halle/Saale, 11.01.2011 - 65 III 19/10
Namenswahl für ein Kind eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter: …

References: § 1355
 Art. 48
 Art. 2
 Art. 20
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 10