Source: https://sexismusbeauftragter.wordpress.com/2019/01/30/wenn-maenner-schwanger-werden-koennten/
Timestamp: 2020-02-20 23:45:21+00:00

Document:
Wenn Männer schwanger werden könnten… – Der Sexismusbeauftragte informiert
Meine Mutter pflegte schon immer zu sagen:
„Wenn Männer schwanger werden könnten wäre der Schwangerschaftsabbruch nie bestraft worden.“
Zugegeben, auch wenn ich nicht mehr oft meiner Mutter zustimmen mag, aber hier hätte sie vermutlich recht.
Gegenwärtig machen sich wieder ein paar Kleinmädchenphantasien bei Feministinnen breit wie viel Schöner und Bunter die Welt wäre, wenn Männer doch die gleichen Probleme wie die Frauen hätten.
— Katharina Nocun (@kattascha) January 29, 2019
die ihr glaubt, dass, alles besser werden würde, wenn Männer schwanger werden könnten: Männer haben auch ohne Schwanger zu werden 1974 die Liberalisierung des § 218 durchgesetzt (mit knapp 5 % Frauenanteil im damaligen Bundestag). Verhütungsmittel für Männer werden auch jetzt nicht von der Kasse getragen und auch viele Frauen finden den Gedanken wenig wünschenswert, wenn auf Littfasssäulen mit einem Amazon-Slogan „Mach drei für den Preis von zwei“ (Vielleicht als Freundinnen-Event der Verhütungslegastheniker) geworben wird. Da sollte Frau vielleicht nicht glauben, dass man für alle spricht, wenn sie das okay findet.
Ein Blick auf die geschlechtsspezifische Unterstützung für die Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Amerika legt nahe, das meine Mutter vielleicht doch nicht ganz recht hatte, und der gebärunfähige Teil der Bevölkerung doch toleranter über solche Fragen denkt, vielleicht weil sie es durch mangelnde persönliche Betroffenheit doch etwas nüchterner sehen:
“Polls consistently show … that women are more likely than men to support a reduction on the abortion limit. In the 2011 YouGov poll 28% of men supported a reduction, 46% of women did. In the 2012 YouGov poll 24% of men supported a reduction, 49% of women did. In the Angus Reid poll 35% of men supported a reduction in the limit, 59% of women did. In the ICM poll 45% of men supported a reduction to 20 weeks, 59% of women did.
Other polls have appeared since that article, and they show the same thing. A 2013 YouGov poll on behalf of the University of Lancaster found 26% of men supporting a reduction or ban, versus 43% of women. Interestingly, 53% of women in that survey believed that life begins at conception, against 35% of men — not exactly “every sperm is sacred“, but not too far off. ”
https://allesevolution.wordpress.com/2018/02/24/ueber-abtreibungen-sollten-nur-frauen-entscheiden-duerfen/
Männer sind vermutlich ein zu beliebtes Feindbild, als dass man sich über die mangelnde Unterstützung des eigenen Geschlechtes Gedanken machen möchte.
Ich vermute, das Gras sieht da doch immer etwas grüner auf der anderen Seite des Zaunes aus, wenn man aber genauer hinsieht, gibt es eigentlich gar keinen Ansatz für die Realitätstauglichkeit dieses Wunschdenkens. Ihr würdet stattdessen nur um neue Probleme kämpfen, mit denen Männer sich heutzutage herumschlagen müssen.
Würden Männer nämlich gebären können, dann würdet ihr stattdessen um folgendes kämpfen:
✅ ein gleichberechtigtes Sorge- und Erziehungsrecht für den nicht-schwangeren Elternteil ab Elternschaftsanerkennung.
✅ Klagen muss derjenige, das Sorgerecht verweigern will.
✅ Ein Umzug gegen den Willen des nichtschwangeren Elternteils verboten wäre.
✅ dass der nichtschwangere Elternteil ein Mitspracherecht bei der Abtreibung hätte, bzw. ein Sorgerecht bei der vertraulichen Geburt
✅ Mitspracherecht bei der Abtreibungsentscheidung
✅ unilaterales entfernen des – für den Sex-Konsens vorausgesetzte – Verhütungsmittel wäre strafbar und würde nicht mit 20 Jahren Unterhalt belohnt.
Wie gesagt, das Gras sieht immer grüner auf der anderen Seite des Zaunes aus, aber die meisten Diskriminierungen mit denen Männer zu kämpfen haben gerade in diesem Gerecht der Rechtssprechung, ist nicht wirklich wünschenswerter, als Luxusprobleme, wie die Frage ob Tampons nun mit vermindertem oder normalen MwSt.-Satz versteuert wird.
Prinzipiell wäre es mir egal, ob Tampons nun 7 oder 19 % Umsatzsteuer haben, wenn es nicht nur um die Begründung ginge, dass sie geringer besteuert werden müssten, weil nur Frauen sie brauchen. Babywindeln haben auch 19 % Umsatzsteuer, Babynahrung auch. Im Gegensatz zu Hunden, deren Nahrung nur mit 7 % besteuert werden, sind Babys also nach feministischer Logik Luxus? Rasierer, die lange Zeit schwerpunktmäßig von Männern gekauft wurden werden auch mit 19 % besteuert, ebenso wie alle anderen mit der Bartentfernung im Zusammenhang stehenden Hygieneprodukte.
So zu tun, als stünde hinter der Entscheidung, Tampons nicht auf die Liste mit geringeren Steuersatz zu nehmen, die Verschwörung der bösen grauen gebärunfähigen Männern, die nur ihren eigenen Produkten 7 % MwSt. genehmigen, um Frauen auch finanziell bluten zu lassen, ist leider eine Verschwörungstheorie, welcher jegliche Plausibilität fehlt.
Es ist schon lustig, wenn sich die guten weißen Ritter aus der SJW-Legion meinen auf den Artikel 3 des Grundgesetzes berufen zu können, wenn sie herbei zu fantasieren versuchen, weswegen da etwas geändert werden müsste.
https://twitter.com/keinetheorie/status/1090244851394899968
Nach dieser Logik müsste jedes Produkt, welches geschlechtsspezifisch gekauft wird mit verringertem Steuersatz besteuert werden. Nein genaugenommen wäre die einzige Lösung, dass der Staat geschlechtsspezifische Produkte verschenken müsste, weil die Mehrbelastung des nutzenden Geschlechtes auch noch mit 7 % MwSt. vorhanden wäre. Irgendwo kann man den Opferbogen vermutlich auch überspannen.
Ganz toll ist es natürlich, wenn diese Leute dann in der Diskussion unterstellen, man hätte noch nie etwas von Gleichstellung gehört.
Was Gleichstellung eigentlich bedeutet, haben Sie auch noch nie verstanden, gell?
— Saint-Just (@saintjust0r) January 29, 2019
Erstens hat diese Frage selbst bei fantasievoller Neudefinition des Begriffes nichts hier zu suchen und schon gar nichts hat es mit dem Grundgesetz zu tun, welches sich nur um Gleichberechtigung kümmert, aber wenn man sie auf einen Bereich verweist, in dem nicht nur meilenweit von Gleichstellung, sondern sogar von der Gleichberechtigung entfernt sind (die tatsächlich vom Artikel 3 des Grundgesetzes geschützt wird) dann zeigen sie, dass sie im Grunde genommen die Fortsetzung der sexistischen Spießer aus den 70er Jahren sind.
Sie wollen also sagen, Verhütung ist Sache der Frau und Mann muss seinen Schwanz nicht im Griff haben?
Die gleiche Argumentation haben nämlich auch die bösen alten Männer in den 70ern benutzt, die gegen die weibliche Selbstbestimmung durch die Liberalisierung des § 218 ins Feld zogen: „Die haben doch ihre Geschlechtsorgane bzw. ihre Triebhaftigkeit nicht im Griff.“ oder „sollen die halt auf den Sex verzichten, wenn sie die Konsequenzen nicht tragen wollen“.
Nein, das ist weder das Argument, welches in der Diskussion um den § 218 hilfreich ist, noch sollten sie bei der Frage nach der männlichen Selbstbestimmung in der Familienplanung eine Rolle spielen sollte. Es sei denn man hält eine viktorianisch/katholizistische Moral für erstrebenswert, nach der man sowieso nur Sex haben sollte, wenn man bereit ist mit dem Sexpartner ein Kind groß zu ziehen und wendet dieses auf beide Geschlechter an. Das hieße, das der § 218 wieder auf den Status von 1971 zurückgedreht werden kann.
Wer meint, diese Selbstbestimmung sei etwas, was man nur Frauen zu gestehen darf, damit deren Leben nicht von einer unfreiwilligen Schwangerschaft aus der Bahn geworfen wird, aber meint, dieses Aus-der-Bahn-werfen wäre bei Männern vollkommen in Ordnung, weil… hey das sind Männer. Das sind harte Typen und die sollen nicht so rumheulen, denn sie haben im Gegensatz zur Frau haben sie jegliche freie Lebensplanung mit der Entscheidung zum Sex abgegeben. Was sind schon 20 Jahre gesteigerte Erwerbsobliegenheit, mit der dir ein Richter die freie Berufswahl untersagen kann, wenn du damit zu wenig Unterhalt anschaffst.
Wer so denkt, ist halt ein Sexist, weil er aufgrund des Geschlechtes unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe anlegt.
Die Spießer in den 70ern umtrieb ganz klar die Angst vor dem Kontrollverlust. Wenn Frau selber entscheiden kann, ob sie das Kind austragen will, dann reicht es ja nicht mehr sie einfach zum Sex zu überreden, wenn man eine Familie und Nachwuchs haben möchte. Die Anti-Baby-Pille hat als Erstes diese Macht erschüttert aber die Liberalisierung des § 218… da muss man ja noch ein paar Wochen länger nett sein.
Aber mal ehrlich, wer glaubt denn, dass es Frauen und SJWs mit ihrem internalisierten Männerhass um etwas anderes geht, wenn sie jetzt so Plump, gegen die männliche Entscheidungsfreiheit argumentieren? Plötzlich müssten Frauen wie Angela Ermakowa mehr tun, als einmal die Beine breit machen. Wenn eine Frau eine finanzierte Familie haben möchte, würde es nicht mehr ausreichen, dem Ratschlag des Frauenarztes zu folgen „Setzen sie die Pille ab. Er wird sich schon freuen“. Sie müssten ihn zum Teil der Entscheidung für das Kind machen.
Eigentlich ist das zum Glück für die meisten Frauen eine Selbstverständlichkeit. Die Mehrheit der Frauen braucht auch keine Liberalisierung des § 218, weil sie ihre Verhütung im Griff haben und nicht im Traum daran denken, ohne Partner ein Kind in die Welt zu setzen. Ein Kind groß zu ziehen ist schon zu zweit ein Armutsrisiko, wundert sich jemand, dass der Anteil von HartzIV-Empfänger unter den Alleinerziehenden doppelt so hoch ist?
Jene, die am meisten dagegen zu Felde ziehen, dass auch Männer trotz der WIdrigkeiten des Lebens ein Recht haben über ihre Zukunft zu entscheiden, ohne deshalb erzkatholisch zu leben, sind die, die den Kontrollverlust fürchten selber entscheiden zu können, und ggf. sagen zu können „Ach übrigens ich bin schwanger“ und zwar mit der im Raum stehenden Konnotation „Ob du dich freust, ist mir egal, zahlen tust du trotzdem.“
3 Kommentare zu „Wenn Männer schwanger werden könnten…“
31. Januar 2019 um 7:18
Würden Männer schwanger werden, gäbe es neben der Wehrpflicht auch noch eine Gebärpflicht.
Auf Basis unserer bestehenden gesellschaftlichen Normen: Ja, ganz bestimmt. Aber man darf bei dieser Überlegung nicht vergessen: der Gynozentrismus und die damit einhergehende Empathieverweigerung Männern gegenüber ist mutmaßlich auf Basis der Verteilung der reproduktiven Aufgaben entstanden. Die Verherrlichung bis hin zur Vergöttlichung von Frauen war auch immer klar mit ihrer Fähigkeit verknüpft „Leben schenken“ zu können. Würden Männer die Kinder austragen und gebären, wären wahrscheinlich sämtliche Rollen in unserer Gesellschaft, inklusive der äußerst einseitigen Verteilung von sozialen Pflichten, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit umgekehrt.
31. Januar 2019 um 19:50
Ich stimme dir zu und möchte noch hinzufügen: Vermutlich ist die Besserbehandlung der Frau evolutionspsychologisch begründet. Die Natur kann es sich eher leisten, auf einen Mann als auf eine Frau zu vernichten. Wenn das stimmt, ist die Männerbewegung chancenlos.

References: § 218
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