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Timestamp: 2017-05-26 22:31:31+00:00

Document:
Sicherheitsvorkehrungen bei Einsatz von Kälteanlagen zur Grubenklimatisierung /
Auszug aus der Unfallverhütungsvorschrift Kälteanlagen (VBG 20)
26.09.1984 *)13.21-1-3
Sicherheitsvorkehrungen bei Einsatzvon Kälteanlagen zur Grubenklimatisierung A 2.18
*) Die Nr. 4.1.3 dieser Rundverfügung wurde auf Grund einer auf Blatt 3 dieser Rundverfügung abgedruckten Rundverfügung vom 05.11.1987 ergänzt. Die Ergänzung ist in der hier abgedruckten Fassung berücksichtigt.
Betr.: Sicherheitsvorkehrungen bei Einsatz von Kälteanlagen zur Grubenklimatisierung
Mit den zunehmenden Anforderungen und Bemühungen auf dem Gebiet der Grubenklimatisierung ist ein starker Anstieg der eingesetzten Kälteleistungen zu verzeichnen. Ebenso nahmen Anzahl und Größe der einzelnen Kältemaschinen mit dem Trend zu zentralen Kälteerzeugungsanlagen zu.
Diese Entwicklung ist aus grubenklimatischen Gründen zu begrüßen. Andererseits erscheint es geboten, den von Kälteanlagen möglicherweise ausgehenden Gefahren verstärkte Aufmerksamkeitentgegenzubringen. Diese Gefahren können vornehmlich von den größeren Kältemittel- und Schmierölmengen ausgehen. Die Kältemittelmengen liegen je nach Bauweise der Kälteanlage zwischen300 und 1000 kg je MW Kälteleistung. Schmieröl ist insbesondere bei Schraubenverdichtern in großen Mengen im Einsatz (z.B. 400 kg Kältemaschinenöl bei 1000 kg Kältemittelmenge).
Die als Kältemittel verwendeten fluorierten Chlorkohlenwasserstoffe (meist R 22, z.B. als 'Frigen 22', 'Freon 22' oder 'Kaltron 22') besitzen im allgemeinen eine geringe toxische Wirkung, kommen aber, abgesehen von einer gewissen narkotisierenden Wirkung, bei großen Mengen dampfförmig als Sauerstoffverdränger in Betracht; vorwiegend können sie sich auf Grund ihrer im Vergleich zur Luft erheblich größeren Dichte am Boden schwach belüfteter Räume sammeln.
Schließlich ist die Möglichkeit nicht auszuschließen, daß im Falle eines Brandes, z.B. des Kompressorenöls, das Kältemittel thermisch zersetzt wird; hierbei können Zersetzungsprodukteentstehen, die schon in geringen Konzentrationen zu Reizungen der Augen und Atemwege führen. Auf Grund dieser Zusammenhänge ist für den Einsatz von Kälteanlagen zur Grubenklimatisierung die Anwendung nachstehend dargelegter Sicherheitsvorkehrungen im Betriebsplanverfahren sicherzustellen:
Der als Anhang beigefügte Auszug aus der Unfallverhütungsvorschrift 'Kälteanlagen' ist anzuwenden, jedoch- § 2 Abs. 5 und § 17 nur für Räume über Tage und für Räume nach Maßgabe von Nr. 4.1.4,- § 2 Abs. 7 und 8 sowie § 16 Abs. 2 und 4 nur über Tage- § 5 Abs. 3 nur, sofern es sich bei dem Durchflußstoff nicht um Wasser handelt.Die zu dieser Unfallverhütungsvorschrift gehörenden Durchführungsanweisungen sind entsprechend zum Anhalt zu nehmen. Im übrigen wird auf den jeweils gültigen Betriebsplan für die Errichtung und den Betrieb von Druckbehältern und von Druckgasbehältern sowie Füllanlagen im Steinkohlenbergbau verwiesen.
Als Kältemittel dürfen nur solche der Gruppe 1 außer R 21 (nach der Einteilung zu VBG 20) verwendet werden und auch diese nur, wenn das Hygiene-Institut des Ruhrgebietes deren Unbedenklichkeit bescheinigt hat. Als Kälteträger dürfen außer Wasser ebenfalls nur Stoffe verwendet werden, für die das Hygiene-Institut des Ruhrgebietes die Unbedenklichkeit bescheinigt hat.
Kältemittel und Kältemaschinenöl dürfen nur über Tage, und zwar in hierfür bestimmten Räumen oder im Freien gesondert gelagert werden. Zum Ausgleich von etwaigen Kältemittel-verlusten dürfen am Aufstellungsort etwa 20% der Kältemittelfüllung, jedoch nicht mehr als 200 kg ständig bereitgehalten werden.
Für untertägige Kälteanlagen gelten folgende Bestimmungen:4.1. Anordnung4.1.1. Kälteanlagen müssen von stabilen Schutzgehäusen umgeben sein oder am Aufstellungsort vor den betriebsüblichen Bergbaueinwirkungen geschützt werden. Auch die schwierigen Transportverhältnisse unter Tage sind bei der Konzeption der einzelnen Anlagenteile zu berücksichtigen (z.B. durch Gleitkufen oder Gleitböden und vielfältige Anschlagmöglichkeiten). Durch Innendruck belastete Behälterwandungen können auch als tragende Bauelemente genutzt werden, wenn dies bei der Auslegung der Behälter berücksichtigt wurde und/oder wenn die Behälterwandungen durch Futterbleche hinreichend geschützt werden.4.1.2. Kälteanlagen einschließlich kältemittelführender Rohrleitungen müssen gegen mechanische Schäden (z.B. Steinfall, Montagekräne, Fördermittel) geschützt sein. FlexibleKältemittelleitungen sind so kurz wie möglich zu halten und unter Berücksichtigung der Einsatzbedingungen bestmöglich zu schützen. Bewegte flexible Kältemittelleitungen dürfen nicht verwendet werden.Leitungen, Dichtungen oder dergleichen aus Gummi oder Kunststoff dürfen nur verwendet werden, wenn eine Werksbescheinigung über die Verträglichkeitsprüfung hinsichtlich der Aggressivität des Kältemittels vorliegt.Kältemittelrohrleitungen sollen so kurz wie möglich sein. Bei längeren Leitungen (z.B. die Verbindungen zu abseits stehenden Luftkondensatoren) sind zur Aufnahme von Gebirgs-bewegungen gegebenenfalls Kompensatoren einzubauen.4.1.3. Am Standort der Kälteanlage muß bezogen auf die größte Einzelanlage ein Wetterstrom von wenigstens 200 m3 /min je 100 kg Kältemittel sichergestellt sein; jedoch darf beiKältemittelmengen unter 200 kg der Mindestwetterstrom in keinem Fall 400 m3 /min unterschreiten.4.1.4. In Fällen, in denen die Förderung nach Nr. 4.1.3 nicht durchführbar ist, ist die Kälteanlage in einem verschlossenen Maschinenraum anzuordnen, der mit einer Zwangsentlüftung ausgerüstet ist. Die Entlüftung muß in einen ausreichend großenAbwetterstrom führen (weitere Einzelheiten über Maschinenräume nach § 17 VBG 20 mit zugehörigen Durchführungsanweisungen).4.1.5. Kälteanlagen mit mehr als 500 kg Kältemittelfüllung dürfen nicht in der Nähe von geneigten Grubenbauen, Vertiefungen, Senken oder Sümpfen angeordnet sein, in denen unkontrolliert abfließende Kältemittel sich ansammeln können. Dies gilt nicht für die Schachtsümpfe an Ausziehschächten.4.1.6. Für ortsfeste Kälteanlagen 1) ist festzulegen, wohin austretende Kältemittel fließen, wo sie sich ansammeln können und wie sie gezielt verdünnt und abgeführt werden. Möglichst kurze und ungehinderte Fluchtwege in einen unbelasteten Wetterstrom sindfestzulegen. Erforderlichenfalls ist der Schutz gegen Sauerstoffmangel durch Sauerstoff-selbstretter und/oder Druckluft-Notatemluftspender zu gewährleisten.
1) Ortsfeste Kälteanlagen sind Anlagen, die durch ihre Beschaffenheit oder mechanische Befestigung an ihren Aufstellungsort gebunden sind. Nicht ortsfeste Kälteanlagen sind kleinere kompakte Einheiten, bei denen durch fest integrierte sicherheitstechnische Vorrichtungen ein ausreichender Schutz sichergestellt ist (Bestätigung im Rahmen der Abnahmeuntersuchung).
4.1.7. Wenn bei Lüfterausfall die Forderungen nach Nr. 4.1.3 und 4.1.6 nicht vollständig erfüllt werden können, sind Personen aus dem sich dann ergebenden Gefahrenbereich zurückzuziehen. Diese Maßnahmen sind in den Lüfterstillstandsplänen (vgl. auch § 143 Abs. 6 BVOSt) zu berücksichtigen.4.1.8. An Aufstellungsorten von ortsfesten Kälteanlagen muß der Ausbau einschließlich Hinterfüllung nichtbrennbar sein. Es dürfen außer der mit der Kälteanlage selbst verbundenen Brandlast keine zusätzlichen Brandbelastungen oder Zündquellen vorhanden sein. Wenn dieses nicht zu verwirklichen ist, müssen die Kälteanlagen durch eine geeignete selbsttätig wirkende Löscheinrichtung abgesichert werden; dasselbe gilt bei allen Kälteanlagen mit ölgefluteten Schraubenverdichtern.Auf der Seite der einziehenden Wetter sind für Kälteanlagen grundsätzlich tragbare Feuerlöscher in ausreichendem Umfang bereitzuhalten.4.1.9. Der Aufstellungsort von ortsfesten Kälteanlagen soll an das Fernsprechnetz angeschlossen sein.4.2. Überwachung4.2.1. Die Überwachung und Ausrüstung des Kältemittelkreislaufes muß, zumindest bei mehr als 500 kg Kältemittelfüllung, so gestaltet sein, daß eine größere Leckage rechtzeitig erkannt undeine Begrenzung des Kältemittelaustritts erreicht wird, z.B. durch Mindestdrucküberwachung auch auf der Hochdruckseite, selbsttätiges Abschalten der Kälteanlage bei Druckabfall mit Schließen von Magnet- und/oder Rückschlagventilen.4.2.2. Durch eine geeignete Temperaturüberwachung und eine rechtzeitige Abschaltung der Kälteanlage muß eine bedenkliche Temperatur des Kältemittels verhindert werden.4.2.3. Zum Erkennen zunehmender Kältemittelverluste sind geeignete Kontrollen vorzunehmen.4.2.4. Bereiche, in denen bedenkliche Kältemittelansammlungen nicht ausgeschlossen werden können (z.B. in Maschinenräumen), müssen mit geeigneten ortsfesten Überwachungsein-richtungen ausgerüstet sein (z.B. Sauerstoffmangel- oder Kältemittel-Warngeräte). Soweitam Standort untertägiger Kälteanlagen Schwankungen des Wetterstroms bis unter die Grenze des erforderlichen Mindestwetterstroms möglich sind (z.B. in diagonalen Wetterwegen), ist eine Überwachung durch ortsfeste schreibende Wettergeschwindigkeitsmeßeinrichtungen zu fordern.4.2.5. Die ortsfesten Überwachungseinrichtungen nach Nr. 4.2.4 müssen bei Erreichen festzulegender Grenzwerte an einer ständig besetzten Stelle akustische und optische Warnsignale auslösen. Die gefährdeten Bereiche dürfen bei Warnsignalauslösung nur nach näherer Weisung des Wettersteigers betreten werden.4.2.6. Soweit sich die meßtechnische Überwachung der Einrichtungen nach Nr. 4.2.4 und 4.2.5 nicht aus den Meßgeräte-Überwachungs-Richtlinien (SBl. A 2.18) ergibt (z.B. bei Kältemittel-detektoren) sind die Überwachungsfristen besonders festzulegen.4.2.7. Am Aufstellungsort von Kälteanlagen müssen Betriebs- und Wartungsanweisungen ausgehängt sein, die auch Maßnahmen für Notfälle enthalten.
Die Einzelheiten der Maßnahmen unter Nr. 4 sind unter Hinzuziehung der hierfür benannten Fachstellen (Prüfstelle für Grubenbewetterung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse und Technischer Überwachungs-Verein sowie für Löscheinrichtungen die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen) festzulegen.
Folgende Untersuchungen und Prüfungen der Kälteanlagen sind vorzusehen:6.1. Sicherheitstechnische Abnahmeuntersuchungen durch die vom Landesoberbergamt anerkannten Sachverständigen.6.2. Erneute Abnahmeuntersuchungen durch die vorgenannten Sachverständigen bei wesentlichen Änderungen.6.3. Wiederkehrende Untersuchungen durch die vorgenannten Sachverständigen in Fristen von längstens 4 Jahren.6.4. Wiederkehrende Prüfungen durch fachkundige Aufsichtspersonen in Fristen von längstens 2 Jahren. Eine Untersuchung ersetzt eine Prüfung.6.5. Wartung der Anlagen nach Wartungsanleitung der Hersteller.
Für die selbsttätig wirkenden Löscheinrichtungen nach Nr. 4.1.8 sind folgende Untersuchungen und Prüfungen vorzusehen:7.1. Abnahmeuntersuchungen von neuen oder wesentlich geänderten Einrichtungen durch die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen.7.2. Prüfungen im Rahmen der die Löscheinrichtungen betreffenden Bestimmungen (z.B. nach Bauartzulassung oder Dienstanweisung). Die Sicherheitsvorkehrungen sind mit einer angemessenen Übergangsfrist auch bei vorhandenen Anlagen anzuwenden.
Dortmund, den 26.9.1984
Landesoberbergamt NWIn Vertretung:
Das mit Landesmitteln geförderte Untersuchungsvorhaben 'Vermeidung der Gefahren durch austretendes Kältemittel beim Betrieb untertägiger Kältemaschinen' hat folgendes ergeben:
Der Sockelbetrag für den Mindestwetterstrom von 400 m3 /min nach Nr. 4.1.3 hat sich als zweckmäßig erwiesen, um bei kleinen Kältemittelmengen auch einen kurzzeitigen Sauerstoffmangel zu vermeiden.
Je nach den Erfordernissen im Einzelfall sind zusätzliche Maßnahmen zur Begrenzung des Kältemittelaustritts bei Leckagen und zur Überwachung von Kältemittelgehalten im Wetterstrom zu treffen, wie sie unter Nr. 4.2 behandelt sind. Diese Maßnahmen werden im Rahmen der Abnahme- und Wiederholungsuntersuchungen nach Nrn. 6.1 bis 6.3 durch die Prüfstelle für Grubenbewetterung verfolgt.
Daher ist auf die Durchführung dieser Untersuchungen an allen Kälteanlagen zur Gruben-klimatisierung besonders zu achten.
Dortmund, den 5.11.1987

References: § 2
 § 17
 § 2
 § 16
 § 5
 § 17
 § 143