Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_ArbeitszeitG_01_01_2004.html
Timestamp: 2016-12-02 19:46:43+00:00

Document:
Ablösung der Arbeitszeitordnung (AZO) durch das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) im Sommer 1994
Das Ar­beits­zeit­ge­setz (kurz: "Arb­ZG"), das kur­ze Zeit nach Er­laß der Ar­beits­zeit­richt­li­nie, nämlich am 06.06.1994, in Kraft trat, löste die bis da­hin seit über 50 Jah­ren bzw. seit der Na­zi­zeit gel­ten­de Ar­beits­zei­t­ord­nung (AZO) ab. Mit dem Arb­ZG woll­te der Ge­setz­ge­ber im We­sent­li­chen den Vor­ga­ben der Ar­beits­zeit­richt­li­nie Rech­nung tra­gen. Das Arb­ZG 1994 hat die Vor­ga­ben der Ar­beits­zeit­richt­li­nie al­ler­dings nur man­gel­haft um­ge­setzt. Rechtsprechung des EuGH zum Arbeitszeitrecht seit 2000: Die Urteile in Sachen "Simap" und "Jäger"
In sei­nem sog. Si­map-Ur­teil, das zu ei­nem spa­ni­schen Ar­beits­rechts­streit er­ging, stell­te der EuGH (Eu­ropäische Ge­richts­hof) nämlich fest, daß ärzt­li­cher Be­reit­schafts­dienst von der Art, wie er in Spa­ni­en bzw. im Si­map-Fall ver­rich­tet wur­de, "Ar­beits­zeit" im Sin­ne der Ar­beits­zeit­richt­li­nie sei (EuGH, Urt. vom 03.10.2000, Rs C-303/98 - Si­map, AP Nr.2 zu EWG-Richt­li­nie Nr. 93/104). Un­ter "Be­reit­schafts­dienst" ver­stand der EuGH da­bei in die­sem Ur­teil (und auch in späte­ren), daß sich der Ar­beit­neh­mer an ei­nem vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­ben Ort aufhält, um bei Be­darf sei­ne Ar­beit auf­zu­neh­men (EuGH a.a.O., Rn.48). Die "Ver­pflich­tung der Ärz­te, sich zur Er­brin­gung ih­rer be­ruf­li­chen Leis­tun­gen am Ar­beits­platz auf­zu­hal­ten und verfügbar zu sein", sei "als Be­stand­teil der Wahr­neh­mung ih­rer Auf­ga­ben an­zu­se­hen, auch wenn die tatsächlich ge­leis­te­te Ar­beit von den Umständen abhängt" (eben­da). An­de­rer­seits ist nach der Si­map-Ent­schei­dung die Ruf­be­reit­schaft, bei der Ar­beit­neh­mer sei­nen Auf­ent­halts­ort im Prin­zip frei wählen kann und nur bei Be­darf sei­nen Ar­beits­ort auf­su­chen und ar­bei­ten muß, nicht als Ar­beits­zeit im Sin­ne der Richt­li­nie an­zu­se­hen; "Ar­beit" im Sin­ne der Richt­li­nie ist bei die­ser Dienst­form nur die im Rah­men der Ruf­be­reit­schaft tatsächlich ge­leis­te­te Vol­l­ar­beit (EuGH a.a.O., Rn.50). In der deut­schen ju­ris­ti­schen Dis­kus­si­on war in der Fol­ge lan­ge Zeit um­strit­ten, ob die vom EuGH in der Si­map-Ent­schei­dung auf­ge­stell­ten Grundsätze auf das Arb­ZG und auf den ärzt­li­chen Be­reit­schafts­dienst in Deutsch­land zu über­tra­gen sei­en oder nicht. Da­bei konn­te sich die Po­si­ti­on der "Dif­fe­ren­zie­rer" letzt­lich nicht durch­set­zen. Nach­dem zunächst das BAG (Bun­des­ar­beits­ge­richt) im Fe­bru­ar 2003 die An­sicht ver­trat, die Si­map-Ent­schei­dung sei auf Deutsch­land zu über­tra­gen (BAG, Urt. vom 18.02.2003, 1 ABR 2/02, NAZ 2003, S.742 ff.), stell­te dies nun­mehr auch der EuGH selbst klar, nämlich mit sei­nem Ur­teil vom 09.09.2003 (Rs. C-151/02 - Jäger, NZA 2003, S.1019 ff.). Seit dem 09.09.2003 ist da­her aus ju­ris­ti­scher Sicht nicht mehr dar­an zu zwei­feln, daß ärzt­li­cher Be­reit­schafts­dienst auch in Deutsch­land als "Ar­beits­zeit" im Sin­ne der Ar­beits­zeit­richt­li­nie an­zu­se­hen ist. Änderungen des Arbeitszeitgesetzes durch das "Gesetz zu Reformen am Arbeitsmarkt"
Auf­grund der Ent­schei­dung des EuGH vom 09.09.2003 sah sich der deut­sche Ge­setz­ge­ber nach lan­gem Zögern nun­mehr da­zu genötigt, das Arb­ZG der Recht­spre­chung des EuGH an­zu­pas­sen. Dies ist durch das "Ge­setz zu Re­for­men am Ar­beits­markt" vom 24.12.2003 (BGBl. I, S.3001) mit Wir­kung zum 01.01.2004 ge­sche­hen. Mit die­ser Ge­set­zes­re­form, d.h. dem Arb­ZG 2004, wur­de im We­sent­li­chen und al­lein un­ter dem Druck der Recht­spre­chung des EuGH an­er­kannt, daß ärzt­li­cher Be­reit­schafts­dienst in Kran­kenhäusern als "Ar­beits­zeit" im Sin­ne des Arb­ZG gilt und da­her künf­tig nur noch be­grenzt zulässig ist. Das letz­te Ka­pi­tel der "Dau­er­re­form" des Ar­beits­zeit­rechts in Deutsch­land ist mit dem Arb­ZG 2004 al­ler­dings noch nicht ge­schrie­ben: Da der Ge­setz­ge­ber bei der zum 01.01.2004 in Kraft ge­tre­te­nen Re­form auf Drängen der Kran­ken­haus­be­trei­ber ei­ne zweijähri­ge Über­g­angs­frist für die Um­set­zung des neu­en stren­gen Prin­zips "Be­reit­schafts­dienst = Ar­beits­zeit" vor­ge­se­hen hat, stellt sich zum Jah­res­wech­sel 2005/2006 die Fra­ge ei­ner Verlänge­rung die­ser Über­g­angs­frist. Wenn Sie sich ei­nen Über­blick über das po­li­ti­sche und recht­li­che Hin und Her der letz­ten Jah­re ver­schaf­fen wol­len, können Sie auf die­ser Web­site Beiträge zu fol­gen­den The­men nach­le­sen: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 04/04 Vor­ga­ben der Ar­beits­zeit­richt­li­nie Ar­beits­recht ak­tu­ell: 04/04a Um­set­zung der Ar­beits­zeit­richt­li­nie 1994 Ar­beits­recht ak­tu­ell: 04/04b Mängel der Richt­li­ni­en­um­set­zung 1994 Ar­beits­recht ak­tu­ell: 04/04c Arb­ZG-No­vel­lie­rung 2004 Ar­beits­recht ak­tu­ell: 04/04d Über­g­angs­frist zum Be­reit­schafts­dienst Wei­te­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

References: EuGH 
 EuGH 
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