Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=26.07.2012&Aktenzeichen=III%20R%2097/08
Timestamp: 2019-05-23 20:00:07+00:00

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BFH, 26.07.2012 - III R 97/08 - dejure.org
https://dejure.org/2012,27965
BFH, 26.07.2012 - III R 97/08 (https://dejure.org/2012,27965)
BFH, Entscheidung vom 26.07.2012 - III R 97/08 (https://dejure.org/2012,27965)
BFH, Entscheidung vom 26. Juli 2012 - III R 97/08 (https://dejure.org/2012,27965)
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Minderung des Anspruchs auf deutsches (Differenz-) Kinder-geld um eine Schweizer Familienzulage - Begriff der Familienleistung
Minderung des Anspruchs auf deutsches (Differenz-)Kinder-geld um eine Schweizer Familienzulage; Begriff der Familienleistung
Minderung des Anspruchs auf deutsches (Differenz-)Kinder-geld um eine Schweizer Familienzulage - Begriff der Familienleistung
§ 65 Abs 1 S 1 Nr 2 EStG 2002, Art 1 Buchst u Ziff i EWGV 1408/71, Art 4 Abs 1 Buchst h EWGV 1408/71, Art 10 Abs 1 Buchst a EWGV 574/72, Art 76 EWGV 1408/71
Minderung des Anspruchs auf deutsches (Differenz-)Kinder-geld um eine Schweizer Familienzulage – Begriff der Familienleistung
Minderung um Schweizer Familienzulage
BFHE 238, 120
FamRZ 2012, 1804
DB 2012, 2205
BStBl II 2013, 24
Ausreichend ist vielmehr, wenn das Kind als Familienangehöriger des Elternteils, der Arbeitnehmer ist, von dem persönlichen Geltungsbereich der VO Nr. 1408/71 erfasst wird (EuGH-Urteil vom 4. Juli 1985 C-104/84, Kromhout, Slg. 1985, 2205 Rdnr. 15; vgl. auch EuGH-Urteil vom 14. Oktober 2010 C-16/09, Schwemmer, Slg. 2010, I-9717 Rdnr. 38; Senatsurteil vom 26. Juli 2012 III R 97/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24).
aa) Als Familienleistung i.S. des Art. 1 Buchst. u Ziff. i der VO Nr. 1408/71 unterfällt das Kindergeld nach §§ 62 ff. EStG gemäß Art. 4 Abs. 1 Buchst. h dieser Verordnung auch ihrem sachlichen Anwendungsbereich (…vgl. dazu z.B. BFH-Urteil vom 19. April 2012 III R 87/09, BFHE 237, 150, BFH/NV 2012, 1371, Rz 17; zur Familienleistung i.S. des Art. 1 Buchst. u Ziff. i der VO Nr. 1408/71 vgl. ferner BFH-Urteil vom 26. Juli 2012 III R 97/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24, Rz 18 ff., m.w.N.).
Hieraus ergibt sich, dass die Leistungen, die in einem anderen als dem Mitgliedstaat, in dem das Kind wohnt, entweder allein aufgrund der innerstaatlichen Rechtsvorschriften oder nach Art. 73, 74, 77 oder 78 der VO Nr. 1408/71 geschuldet werden, den nach den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dem dieses Kind wohnt, geschuldeten Leistungen vorgehen, so dass diese ausgesetzt werden (Senatsurteil vom 26. Juli 2012 III R 97/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24, Rz 17, m.w.N.).
Der BFH hat diese Rechtsprechung zum Begriff der "Familienleistungen" nach Art. 1 Buchst. u Ziff. i der VO Nr. 1408/71 übernommen (vgl. zum niederländischen Unterhaltszuschuss nach dem TOG 200: BFH-Urteil vom 17. April 2008 III R 36/05, BFHE 221, 50, BStBl II 2009, 921, unter II.3.c bb, Rz 23; zur Schweizer Familienzulage: BFH-Urteil vom 26. Juli 2012 III R 97/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24, unter II.2.b aa, Rz 21).
Zu dem Begriff der "Familienleistung" besteht bereits eine gesicherte Rechtsprechung des EuGH (vgl. auch BFH-Urteile vom 26. Juli 2012 III R 97/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24; vom 17. April 2008 III R 36/05, BFHE 221, 50, BStBl II 2009, 921, unter II.4.).
§ 65 EStG wird durch die Regelungen der Art. 10 VO Nr. 1408/71 bzw. Art. 68 Nr. 883/2004 verdrängt (vgl. zur VO Nr. 1408/71: BFH-Urteile vom 26. Juli 2012 III R 97/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24).
aa) Dies könnte zum einen folgen aus der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 (VO Nr. 1408/71) des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern sowie durch die Verordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972 über die Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 in ihrer durch die Verordnung (EG) Nr. 118/97 des Rates vom 2. Dezember 1996 (Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 1997 Nr. L 28, S. 1 vom 30. Januar 1997) geänderten und aktualisierten Fassung, geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 647/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. April 2005 (Amtsblatt der Europäischen Union 2005 Nr. L 117, S. 1 vom 4. Mai 2005; zur Anwendung der VO Nr. 1408/71 sowie der VO Nr. 574/72 vgl. im Einzelnen BFH-Urteile vom 26. Juli 2012 III R 97/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24; vom 5. Juli 2012 III R 76/10, BFHE 238, 87; jeweils m.w.N.).
Hiervon unberührt kommt eine niedrigere Steuerfestsetzung (Hinweis u.a. auf den Ansatz der dem Kläger gewährten Familienzulage als Arbeitslohn: BFH-Urteil vom 26. Juli 2012 III R 97/08, zur amtlichen Veröffentlichung bestimmt, BFH/NV 2012, 852 bzw. die Beurteilung der [zeitlich befristeten] Überbrückungsrente als Leibrente i.S.v. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a EStG 2007) wegen der notwendigen Saldierung mit den zuvor dargelegten -sich steuererhöhend auswirkenden- Besteuerungsgrundlagen nicht in Betracht.
Jedoch gehen beide Beteiligte ebenfalls zu Recht davon aus, dass der Klägerin aufgrund von Art. 10 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung 574/72/EWG Differenzkindergeld dem Grunde nach zusteht, der § 65 EStG insoweit verdrängt (vgl. z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 17. April 2008 III R 36/05, BFHE 221, 50, BStBl II 2009, 921, unter II.2.; vom 26. Juli 2012 III R 97/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24).
Die Revision war wegen grundsätzlicher Bedeutung und Divergenz zur BFH-Rechtsprechung in BFHE 221, 50, BStBl II 2009, 921 sowie in BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24, zuzulassen.

References: § 65
 Art. 1
 Art. 4
 Art. 1
 Art. 73
 Art. 1
 EuGH 

§ 65
 Art. 10
 Art. 68
 § 22
 Art. 10
 § 65