Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=23.02.1983&Aktenzeichen=VIII%20ZR%20325/81
Timestamp: 2019-12-07 14:36:13+00:00

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BGH, 23.02.1983 - VIII ZR 325/81 - dejure.org
https://dejure.org/1983,210
BGH, 23.02.1983 - VIII ZR 325/81 (https://dejure.org/1983,210)
BGH, Entscheidung vom 23.02.1983 - VIII ZR 325/81 (https://dejure.org/1983,210)
BGH, Entscheidung vom 23. Februar 1983 - VIII ZR 325/81 (https://dejure.org/1983,210)
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Cic, Vertreterhaftung, Geschäftsführer, langjährige Geschäftsbeziehung (vgl. nunmehr § 311 Abs. 3 BGB <Fassung seit 1.1.02>)
Schadensersatz wegen schuldhafter Verletzung von Sorgfaltspflichten - Schadensersatzanspruch aus culpa in contrahendo - Haftung des Vertreters - Inanspruchnahme besonderen Vertrauens durch den Vertreter - Aufklärungspflicht des Kreditgebers
Haftung des Mehrheitsgesellschafters und alleinigen Geschäftsführers einer GmbH aus c. i. c. wegen Verletzung der Offenbarungspflicht über die wirtschaftliche Lage seines Unternehmens; vierjährige Verjährung
BGB § 195, § 196, § 197, § 218, § 198
BGHZ 87, 27
NJW 1983, 1607
ZIP 1983, 428
MDR 1983, 658
WM 1983, 413
Der Bundesgerichtshof hat in diesem Zusammenhang ein die Haftung begründendes Eigeninteresse zunächst bereits in Fällen angenommen, in denen ein GmbH-Geschäftsführer maßgeblich, vor allem als Allein- öder Mehrheitsgesellschafter, an der GmbH, in deren Namen er die Vertragsverhandlungen führte, beteiligt war (BGHZ 87, 27, 33 f. [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81];… Urt. v. 27. Oktober 1982 - VIII ZR 187/81, WM 1982, 1322, 1323;… anders aber Urt. v. 5. Juli 1977 - VI ZR 268/75, VersR 1978, 59, 60;… vgl. auch Urt. v. 3. November 1976 - I ZR 156/74, WM 1977, 73, 76 für den Treugeber eines Gesellschafter-Geschäftsführers) .
Diese Grundsätze gelten gleichermaßen für den eine GmbH vertretenden Geschäftsführer (BGHZ 87, 27 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81];… BGH, Urt. v. 4. Mai 1981 - II ZR 193/80, ZIP 1981, 1076, 1077;… Urt. v. 27. Oktober 1982 - VIII ZR 187/81, ZIP 1982, 1435, 1436;… Urt. v. 23. Oktober 1985 - VIII ZR 210/84, aaO;… Urt. v. 3. Oktober 1987 - IX ZR 143/86, WM 1987, 1431, 1432;… Urt. v. 2. März 1988 - VIII ZR 380/86, ZIP 1988, 505 = BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - Vertreterhaftung 2;… Urt. v. 5. Oktober 1988 - VIII ZR 325/87, ZIP 1988, 1543 = BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - Vertreterhaftung 3;… Urt. v. 3. Oktober 1989 - XI ZR 157/88, ZIP 1989, 1455, 1457 = BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - GmbH-Geschäftsführer 1;… Urt. v. 19. Februar 1990 - II ZR 41/89, BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - Vertreterhaftung 5).
Die Frage nach den Voraussetzungen, unter denen gegenüber dem Vertragspartner eine Pflicht zur Offenbarung der wirtschaftlichen Verhältnisse einer GmbH anzunehmen ist, wird unterschiedlich beantwortet (vgl. dazu u.a. BGHZ 87, 27, 34 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81];… BGH, Urt. v. 27. Oktober 1982 - VIII ZR 187/81, aaO;… Urt. v. 25. Januar 1984 - VIII ZR 227/82, aaO;… Urt. v. 2. März 1988 - VIII ZR 380/86, aaO;… Ulmer in Hachenburg, GmbHG 7. Aufl. § 64 Rdn. 66; ders. NJW 1983, 1577, 1578 f.; K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, § 36 II 5 c, S. 817;… Lutter/Hommelhoff, GmbHG 13. Aufl. § 43 Rdn. 27;… Baumbach/Hueck/Schulze-Osterloh, GmbHG 15. Aufl. § 64 Rdn. 34).
Der VIII. Zivilsenat geht in diesen Entscheidungen ersichtlich nur deswegen von einer dem Geschäftsführer persönlich obliegenden Offenbarungspflicht aus, weil einmal bereits aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen ein persönliches Vertrauensverhältnis gegeben war (BGHZ 87, 27, 33 f. [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81]; vgl. dazu Ulmer, NJW 1983, 1577, 1579;… Medicus, aaO S. 736;… Steininger, aaO S. 93 f.) und zum anderen eine wirtschaftliches Eigeninteresse vorlag (…Urt. v. 27. Oktober 1982 - VIII ZR 187/81, aaO;… Urt. vom 25. Januar 1984 - VIII ZR 227/82, aaO;… Urt. v. 2. März 1988 - VIII ZR 380/86, aaO).
Soweit diese Ansicht auf die bereits genannten Entscheidungen des VIII. Zivilsenates des Bundesgerichtshofes (BGHZ 87, 27 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81];… BGH, Urt. v. 27. Oktober 1982 - VIII ZR 187/81, aaO;… Urt. v. 25. Januar 1984 - VIII ZR 227/82, aaO …und Urt. v. 2. März 1988 - VIII ZR 380/86, aaO) gestützt wird, wird sie davon, wie bereits im einzelnen ausgeführt, nicht getragen.
Sie ist für den Fall angenommen worden, daß der Verhandelnde weiß oder wissen muß, daß er zur Erfüllung der begründeten Verbindlichkeiten z.B. bei Zahlungsunfähigkeit nicht in der Lage ist (BGHZ 87, 27, 34 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81];… BGH, Urt. v. 25. Januar 1984 - VIII ZR 227/82, aaO;… Urt. v. 2. März 1988 - VIII ZR 380/86, aaO).
Es kommt vielmehr darauf an, aus welchen speziellen Gründen die Einzelvorschrift dem Rechtsfrieden den Vorzug vor der gerichtlichen Durchsetzbarkeit berechtigter Ansprüche einräumt (vgl. BGHZ 87, 27, 37) [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81].
Der Anspruch aus culpa in contrahendo unterliegt der 30jährigen Verjährungsfrist des § 197 BGB nur dann, wenn nicht eine der Regelungen über eine kürzere Frist eingreift (Senatsurteil BGHZ 49, 77, 80/81; BGHZ 57, 191, 83, 222 [BGH 28.10.1971 - VII ZR 15/70]; 87, 27) [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81].
Zwar hat die Rechtsprechung die kurze Verjährung von Ansprüchen aus culpa in contrahendo vereinzelt erst mit der Kenntnis des Berechtigten von der anspruchsbegründenden Pflichtverletzung beginnen lassen (vgl. BGHZ 83, 222; 87, 27) [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81]; daraus läßt sich aber kein allgemeiner Grundsatz entwickeln, der auch im vorliegenden Fall anzuwenden wäre, wie Kohte meint (NJW 1984, 2320).
In der Entscheidung BGHZ 87, 27, 37 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81] ging es um die Verjährung eines Ersatzanspruchs gemäß § 196 BGB.
Diese Voraussetzungen hat der Bundesgerichtshof als erfüllt angesehen etwa im Falle des Mehrheitsgesellschafters und Alleingeschäftsführers einer GmbH, der den kreditgebenden Warenlieferanten, mit dem die GmbH langjährige Geschäftsbeziehungen unterhielt und der zudem sein eigener Bruder war, über die Finanzlage der GmbH im unklaren ließ (Senatsurteil BGHZ 87, 27 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81]), bei ganz außergewöhnlicher Sachkunde des Vertreters, der in ein beabsichtigtes Vertragswerk auch persönlich eingebunden werden sollte(…Urteil vom 19. Februar 1990 - II ZR 41/89, BGHR a.a.O. Vertreterhaftung 5), bei einem Unternehmenssanierer, weil dieser typischerweise besondere unternehmerische Fähigkeiten und besondere persönliche Zuverlässigkeit für sich in Anspruch nehme(…Urteil vom 3. April 1990 - XI ZR 206/88 aaO), oder in einem Fall, in dem die Geschädigte zu dem Vertreter des Vertreibers eines Bauherrenmodells ein intimes Verhältnis unterhielt und ihm infolgedessen blind vertraute(…Urteil vom 18. September 1990 - XI ZR 77/89, BGHR a.a.O. Vertreterhaftung 7).
Besonderes Vertrauen im Sinne der erwähnten Rechtsprechung kann nur aus den konkreten Umständen hergeleitet werden; worauf es abzielt, richtet sich nach dem Inhalt des beabsichtigten Vertrages (Senat BGHZ 87, 27, 33) [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81].
Entgegen der Auffassung des Klägers ist dem Senatsurteil BGHZ 87, 27 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81] schließlich auch nicht zu entnehmen, daß langjährige geschäftliche und private Beziehungen jedenfalls dann eine Eigenhaftung des Vertreters begründen, wenn dieser am Zustandekommen des Vertrages auch wirtschaftlich interessiert ist.
Da beide Ansprüche auf demselben Lebenssachverhalt beruhen und dasselbe wirtschaftliche Interesse verfolgen, ist es nicht gerechtfertigt, unterschiedliche Verjährungsfristen auf sie anzuwenden (vgl. BGHZ 87, 27, 36 f.).
Die Anwendung des § 196 BGB auf andere als Erfüllungsansprüche setzt voraus, daß sie wirtschaftlich an die Stelle des Erfüllungsanspruchs aus einem primären Leistungsverhältnis treten (…vgl. MünchKomm/von Feldmann a.a.O. § 195 Rdnr. 17;… Soergel/Walter a.a.O. § 195 Rdnr. 12) und daß zwischen dem Erfüllungsanspruch und den sonstigen Ansprüchen trotz ihres unterschiedlichen Rechtsgrundes eine enge Verknüpfung besteht (vgl. BGHZ 87, 27, 36 f) [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81].
Es kommt vielmehr darauf an, aus welchen speziellen Gründen die Einzelvorschrift dem Rechtsfrieden den Vorzug von der gerichtlichen Durchsetzbarkeit berechtigter Ansprüche einräumt (vgl. BGHZ 87, 27, 37).
Der Anspruch aus culpa in contrahendo unterliegt der 30-jährigen Verjährungsfrist des § 195 BGB nur dann, wenn nicht eine der Regelungen über eine kürzere Frist eingreift (Senatsurteil BGHZ 49, 77 ; BGHZ 57, 191, 83, 222; 87, 27).
Zwar hat die Rechtsprechung die kurze Verjährung von Ansprüchen aus culpa in contrahendo vereinzelt erst der Kenntnis des Berechtigten von der anspruchsgbegründenden Pflichtverletzung beginnen lassen (vgl. BGHZ 83, 222 ; 87, 27), daraus läßt sich aber kein allgemeiner Grundsatz entwickeln, der auch im vorliegenden Fall abzuwenden wären, die Kohte mein (NJW 1984, 2320).
In der Entscheidung BGHZ 87, 27, 37 ging es um die Verjährung eines Ersatzanspruchs gemäß § 196 BGB .
Der von dem VIII. Zivilsenat entschiedene Fall (Urt. v. 23. Februar 1983 - VIII ZR 325/81, WM 1983, 413, 415 = BGHZ 87, 27 ff. [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81]), in dem der Handelnde - nachdem Gerüchte über Liquiditätsschwierigkeiten der vertretenen Gesellschaft aufgetaucht waren - nach deren Wahrheitsgehalt befragt worden war und solche Schwierigkeiten als nicht bestehend erklärt hatte, ist mit der hier entfalteten Tätigkeit der Beklagten nicht vergleichbar.
Der Senat ist davon mehrfach in Fällen ausgegangen, in denen der Vertreter alleiniger Geschäftsführer und Allein- oder Mehrheitsgesellschafter einer GmbH war (Urteile vom 27. Oktober 1982 aaO., WM 1982, 1322 f. und BGHZ 87, 27, 34), wobei freilich in dem einen Fall (WM 1982, 1323) dieser Annahme die von der Revision nicht beanstandeten Feststellungen des Berufungsgerichts zugrunde lagen und in dem anderen Fall (BGHZ 87, 34) besondere Umstände für ein Eigeninteresse des Vertreters sprachen.
OLG Koblenz, 18.07.2003 - 10 U 1002/02

References: § 311
 § 195
 § 196
 § 197
 § 218
 § 198
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 64
 § 36
 § 43
 § 64
 § 197
 § 196
 § 196
 § 195
 § 195
 § 195
 § 196