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Timestamp: 2019-03-24 15:02:25+00:00

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DAS URANTIA BUCH, Schrift 103. Die Realität Religiöser Erfahrung
DAS URANTIA BUCH - Schrift 103. Die Realität Religiöser Erfahrung
Schrift 103. Die Realität Religiöser Erfahrung
§ 1. Philosophie der Religion
§ 2. Die Religion und der Einzelne
§ 3. Religion und die menschliche Rasse
§ 4. Geistige Verbindung
§ 5. Der Ursprung der Ideale
§ 6. Philosophische Koordination
§ 7. Wissenschaft und Religion
§ 8. Philosophie und Religion
§ 9. Die Essenz der Religion
103:0.2 (1129.2) Die religiösen Neigungen sind den menschlichen Rassen angeboren; sie manifestieren sich ganz allgemein und haben ganz offensichtlich einen natürlichen Ursprung; die primitiven Religio-nen sind ihrer Entstehung nach immer evolutionär. Während die natürliche religiöse Erfahrung stetige Fortschritte macht, markieren periodische Wahrheitsoffenbarungen den im Übrigen gemächlichen Verlauf der planetarischen Evolution.
103:1.1 (1129.8) Die Einheit religiöser Erfahrung einer sozialen oder rassischen Gruppe ist auf die identische Natur des dem Einzelnen innewohnenden Gottesfragmentes zurückzuführen. Es ist dieses Göttliche im Menschen, was sein selbstloses Interesse am Wohlergehen anderer Menschen entstehen lässt. Aber da die Persönlichkeit einmalig ist — keine zwei Sterbliche sind sich gleich — folgt daraus zwangsläufig, dass keine zwei menschlichen Wesen die Weisungen und Impulse des in ihrem Verstand wohnenden göttlichen Geistes gleich interpretieren werden. Eine Gruppe von Sterblichen kann eine geistige Einheit erfahren, aber nie zu philosophischer Uniformität gelangen. Und diese Verschiedenheit der Deutung religiösen Denkens und Erfahrens zeigt sich in der Tatsache, dass die Theologen und Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts über fünfhundert verschiedene Definitionen der Religion formuliert haben. In Wirklichkeit definiert jedes sterbliche Wesen die Religion im Lichte seiner eigenen erfahrunsmässigen Interpretation der göttlichen Impulse, die von dem ihm innewohnenden Geist Gottes ausgehen, und deshalb muss eine solche Interpretation einmalig sein und völlig verschieden von der religiösen Philosophie aller anderen menschlichen Wesen.
2. Die Religion und der Einzelne
103:2.7 (1131.6) Sittliche Entscheidungen sind gewöhnlich mehr oder weniger von sittlichen Konflikten begleitet. Und der allererste Konflikt im kindlichen Verstand entsteht zwischen dem Drängen des Egoismus und den Regungen des Altruismus. Der Gedankenjustierer übersieht den Wert des egoistischen Motivs für die Persönlichkeit nicht, aber er arbeitet im Sinne einer leichten Bevorzugung des altrui-stischen Impulses, der zum Ziel menschlichen Glücks und zu den Freuden des Himmelreichs führt.
103:3.1 (1132.1) Obwohl der Glaube an Geister und Träume und manch anderer Aberglaube bei der evolutio-nären Entstehung der primitiven Religion alle eine Rolle gespielt haben, solltet ihr den Einfluss des im Klan oder Stamm herrschenden Solidaritätsgeistes nicht übersehen. In der Gruppenbeziehung lag genau jene gesellschaftliche Situation vor, die geeignet war, in der sittlichen Natur des frühen menschlichen Gemütes den Konflikt zwischen Egoismus und Altruismus auszulösen. Trotz ihres Glaubens an Geister konzentriert sich die Religion der primitiven Australier immer noch auf den Klan. Mit der Zeit neigen solche religiösen Vorstellungen dazu, sich zuerst als Tiere und später als Übermenschen oder als Gott zu personifizieren. Sogar so tiefstehende Rassen wie die afrikanischen Buschmänner, die noch nicht einmal den Totemglauben erreicht haben, nehmen sehr wohl den Unterschied zwischen Eigeninteresse und Gruppeninteresse wahr, trennen auf primitive Weise weltliche und geheiligte Werte. Aber die gesellschaftliche Gruppe ist nicht die Quelle religiöser Erfahrung. Ungeachtet des Einflusses all dieser primitiven Beiträge an die frühe Religion des Menschen bleibt die Tatsache bestehen, dass der wahre religiöse Impuls seinen Ursprung in echten Geistpräsenzen hat, die den Willen zur Selbstlosigkeit aktivieren.
103:5.6 (1134.4) Der Versuch, dem eigenen Ich und der größtmöglichen Zahl anderer Ichs gleicherweise Wohltaten zu verschaffen, ist ein Problem, das in einem zeitlich-räumlichen Rahmen nicht immer zufrieden stellend gelöst werden kann. Das ewige Leben erlaubt, solche Antagonismen zu verarbeiten, aber in einem einzigen kurzen Menschenleben können sie unmöglich eine Lösung finden. Jesus spielte auf dieses Paradox an, als er sagte: „Wer immer sein Leben rettet, wird es verlieren, aber wer immer sein Leben um des Himmelreichs willen verliert, wird es finden.“
103:5.8 (1134.6) Es ist für den Idealismus des Menschen todbringend, wenn man ihn lehrt, dass all seine altrui-stischen Regungen nichts anderes seien als die Weiterentwicklung seines natürlichen Herdeninstinkts. Hingegen fühlt er sich geadelt und mächtig angeregt, wenn er erfährt, dass dieses höhere Drängen seiner Seele von den geistigen Kräften ausgeht, die seinen sterblichen Verstand bewohnen.
103:6.9 (1136.4) Wissenschaft ist der Versuch des Menschen, sein physisches Umfeld, die Welt aus Energie-Materie, zu studieren; Religion ist die Erfahrung des Menschen mit dem Kosmos geistiger Werte; Philosophie entwickelte sich aus dem Bemühen des menschlichen Verstandes, die Erkenntnisse dieser weit auseinander liegenden Vorstellungswelten in einer Art vernünftiger und geeinter Haltung gegenüber dem Kosmos zu organisieren und korrelieren. Die durch Offenbarung geklärte Philosophie funktioniert auf zufrieden stellende Weise in Abwesenheit der Mota und angesichts des Versagens und Scheiterns des menschlichen Verstandesersatzes für die Mota — der Metaphysik.
103:7.3 (1138.1) Aber während der aufsteigende Mensch nach innen und paradieswärts strebt, um die Erfahrung Gottes zu machen, strebt er ebenso nach außen und raumwärts, um die Energie des materiellen Kosmos zu verstehen. Der wissenschaftliche Fortschritt beschränkt sich nicht auf das irdische Leben des Menschen; seine Erfahrung des Aufstiegs durch Universum und Superuniversum wird zu einem nicht geringen Teil aus dem Studium der Energieverwandlung und der materiellen Metamorphose bestehen. Gott ist Geist, aber die Gottheit ist Einheit, und die Einheit der Gottheit umfasst nicht nur die geistigen Werte des Universalen Vaters und des Ewigen Sohnes, sondern kennt auch die energetischen Tatsachen des Universalen Überwachers und der Paradies Insel, während diese beiden Phasen universaler Realität in den Verstandesbeziehungen des Mit-Vollziehers vollkommen korreliert und auf der endlichen Ebene in der erwachenden Gottheit des Supremen Wesens geeint werden.
103:7.11 (1139.3) Alle Spaltungen im menschlichen Denken fußen auf bestimmten Annahmen, die, obwohl sie nicht bewiesen sind, von dem menschlichem Verstand angeborenem Feingefühl für die Realität akzeptiert werden. Die Wissenschaft beginnt ihre Laufbahn der Beweisführung, mit der sie sich brüstet, indem sie die Realität von drei Dingen annimmt: von Materie, Bewegung und Leben. Die Religion ihrerseits beginnt mit der Annahme der Gültigkeit von drei Dingen: dem Verstand, dem Geist und dem Universum — dem Supremen Wesen.
103:8.3 (1140.3) Ein guter und edler Ehemann mag in seine Frau völlig verliebt, aber ganz und gar außerstande sein, ein schriftliches Examen in ehelicher Liebespsychologie zufrieden stellend zu bestehen. Ein anderer Ehemann, der seine Gattin kaum oder gar nicht liebt, würde solch eine Prüfung vielleicht höchst akzeptabel bestehen. Des Liebenden unvollkommene Erkenntnis der wahren Natur des geliebten Wesens tut der Realität oder Aufrichtigkeit seiner Liebe nicht den geringsten Abbruch.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9