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Timestamp: 2020-08-08 15:49:19+00:00

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Deckhengste - und die Einheitsbewertung des landwirtschaftlichen Betriebs | Rechtslupe
Gemäß § 22 Abs. 3 Satz 1 BewG fin­det eine Wert­fort­schrei­bung auch zur Besei­ti­gung eines Feh­lers der letz­ten Fest­stel­lung statt, wenn die Wert­fort­schrei­bungs­gren­zen des § 22 Abs. 1 BewG erreicht bzw. über­schrit­ten sind. Feh­ler i.S. von § 22 Abs. 3 Satz 1 BewG ist jede objek­ti­ve ‑mate­ri­el­le- Unrich­tig­keit, wobei es nicht dar­auf ankommt, ob die­se klar­lie­gend, leicht fest­stell­bar oder unmit­tel­bar ein­sich­tig ist. Ent­schei­dend ist allein, dass die getrof­fe­ne Rege­lung gel­ten­dem Recht wider­spricht [1].
Fort­schrei­bungs­zeit­punkt ist gemäß § 22 Abs. 4 Satz 3 Nr. 2 BewG der Beginn des Kalen­der­jah­res, in dem der Feh­ler dem Finanz­amt bekannt wird. Der Fort­schrei­bung wer­den nach § 22 Abs. 4 Satz 2 BewG vor­be­halt­lich des § 27 BewG die Ver­hält­nis­se im Fort­schrei­bungs­zeit­punkt zugrun­de gelegt. Eine feh­ler­be­sei­ti­gen­de Wert­fort­schrei­bung kann somit nur auf den Ein­heits­wert vor­ge­nom­men wer­den, der sich nach den maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des BewG zum Fort­schrei­bungs­zeit­punkt ergibt [2].
Pfer­de gehö­ren danach zu den Tier­ar­ten, deren Hal­tung und Zucht zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung zählt, wenn die im Betrieb gehal­te­nen Tie­re gemes­sen am gesetz­li­chen Flä­chen­schlüs­sel eine aus­rei­chen­de Fut­ter­grund­la­ge haben. Auf die kon­kre­te Ver­wen­dung der Pfer­de oder den Ver­wen­dungs­zweck kommt es nicht an. Viel­mehr zäh­len unter der Vor­aus­set­zung, dass die gesetz­li­che Vieh­ein­hei­ten-Gren­ze nicht über­schrit­ten wird, bei­spiels­wei­se auch das Hal­ten eige­ner Reit, Renn, Spring- und Dres­sur­pfer­de und die nicht nur kurz­fris­ti­ge Aus­bil­dung von eige­nen Pfer­den zu sol­chen Zwe­cken nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung [3].
Der Zuord­nung des Hal­tens eige­ner Hengs­te zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung i.S. des § 34 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a BewG und nicht zur sons­ti­gen land- und forst­wirt­schaft­li­chen Nut­zung i.S. des § 34 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. e i.V.m. § 62 Abs. 1 BewG steht es auch nicht ent­ge­gen, wenn die Hengs­te zum Decken frem­der Stu­ten ver­wen­det wer­den [4]. Es spielt dabei kei­ne Rol­le, ob das Decken auf natür­li­chem oder auf künst­li­chem Weg erfolgt, jeden­falls sofern dazu nicht eine zu dem land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb gehö­ren­de Besa­mungs­sta­ti­on ver­wen­det wird. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass es sich bei dem Deck­hengst in bei­den Fäl­len um Zucht­vieh i.S. des § 51 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BewG han­delt.
Uner­heb­lich ist auch, ob das vom Land­wirt für die bestim­mungs­ge­mä­ße Ver­wen­dung des Deck­hengs­tes erziel­te Ent­gelt beson­ders hoch ist [5]. Die Höhe des Ent­gelts ändert unter der Vor­aus­set­zung, dass die gesetz­li­che Vieh­ein­hei­ten-Gren­ze ein­ge­hal­ten wird, nichts an dem für die bewer­tungs­recht­li­che Zuord­nung maß­ge­ben­den Gesichts­punkt, näm­lich dass es sich bei dem Hengst um Zucht­vieh han­delt.
Eben­falls ohne Bedeu­tung ist es, wenn der Hengst zusätz­lich als Dres­sur­pferd im Pfer­de­sport ver­wen­det wird [6]. Dies ändert nichts dar­an, dass es sich um das Hal­ten von Zucht­vieh i.S. des § 51 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BewG han­delt.
Die Deck­hengst­hal­tung kann ent­ge­gen der Ansicht des Finanz­amt dem Betrieb einer Besa­mungs­sta­ti­on bewer­tungs­recht­lich nicht gleich­ge­stellt wer­den. Eine Besa­mungs­sta­ti­on ist nach § 2 Nr. 14 des Tier­zucht­ge­set­zes (Tier­ZG) eine amt­lich zuge­las­se­ne Ein­rich­tung zur Gewin­nung, Behand­lung, Lage­rung und Abga­be von Samen für die künst­li­che Besa­mung. § 13 Abs. 3 und § 17 Abs. 2, 7 und 8 Tier­ZG sowie §§ 2 bis 4 der Samen­ver­ord­nung (SamEnV) vom 14.10.2008 [7] i.V.m. Anla­gen 1 und 2 zur SamEnV stel­len sowohl an die Ein­rich­tung als auch an den Betrieb einer Besa­mungs­sta­ti­on hohe Anfor­de­run­gen, die bei einer blo­ßen Deck­hengst­hal­tung nicht erfüllt zu wer­den brau­chen. Die­sen Anfor­de­run­gen ste­hen beson­de­re Rech­te gegen­über. Ins­be­son­de­re dür­fen Samen gemäß § 13 Abs. 1 Satz 1 Tier­ZG nur von den in die­ser Vor­schrift genann­ten Besa­mungs­sta­tio­nen und Samen­de­pots ange­bo­ten oder abge­ge­ben wer­den.
BFH, Urteil vom 21.02.2002 – II R 18/​00, BFHE 198, 150, BStBl II 2002, 456[↩]
BFH, Urteil in BFHE 198, 150, BStBl II 2002, 456[↩]
Eisele in Rössler/​Troll, BewG, § 51 Rz 11; Brusch­ke in Gürsching/​Stenger, Bewer­tungs­recht, § 51 BewG Rz 23 f.; vgl. auch BFH, Urtei­le vom 31.03.2004 – I R 71/​03, BFHE 206, 42, BStBl II 2004, 742, unter II. 7.; und vom 17.12 2008 – IV R 34/​06, BFHE 224, 76, BStBl II 2009, 453[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 19.07.1955 – I 203/​53 U, BFHE 61, 215, BStBl III 1955, 281[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 206, 42, BStBl II 2004, 742, unter II. 7., und in BFHE 224, 76, BStBl II 2009, 453[↩]

References: § 22
 § 22
 § 22
 § 22
 § 22
 § 27
 § 34
 § 34
 § 62
 § 51
 § 51
 § 2
 § 13
 § 17
 § 13
 § 51
 § 51