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Timestamp: 2017-07-20 19:19:27+00:00

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GANZ RECHT! Kampagne des ETC Graz gegen Stammtischparolen. Anleitung zum
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1 GANZ RECHT! Kampagne des ETC Graz gegen Stammtischparolen Anleitung zum Gegenreden2 Impressum Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich: Europäisches Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie (ETC Graz) Elisabethstraße 50B, A-8010 Graz Text: Sarah Kumar, Barbara Schmiedl, Alexandra Stocker Gestaltung: Andreas Jantscher, Werberaum Druck: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur Graz 20123 Menschenrechte sind in aller Munde! Oder besser gesagt die Verneinung von Menschenrechten. Das Europäische Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie (ETC Graz) führt seit Jahren Argumentationstrainings und Workshops gegen Stammtischparolen durch. Im Lauf der Zeit haben wir ein beachtliches Repertoire an Sprüchen und Parolen gesammelt, die in ihrer charakteristischen Vereinfachung eines gemeinsam haben: Sie sprechen Menschen grundlegende Rechte ab. Leider finden die Workshops bei allem Erfolg nur bei jenen Menschen Anklang, die bereits ein waches Bewusstsein für die Problematik diskriminierender und menschenverachtender Parolen entwickelt haben. Die SprücheklopferInnen, die solche Parolen tagtäglich im Mund führen, sitzen nicht in Antidiskriminierungsworkshops und Menschenrechtsseminaren ist lange vorbei, die Plakate und Postkarten gehen weiterhin weg wie die frischen Semmeln, sodass wir uns auch angesichts der kommenden Wahlkämpfe, in denen die Sprüche immer wieder Hochsaison haben zu einer Neuauflage entschieden haben. Unterstützt wird die Kampagne nun auch von dieser Broschüre, die in komprimierter Form Gegenargumente und Hintergrundinformationen zu den 24 Sujets sowie Strategien gegen Stammtischparolen zusammenfasst. Der 60. Jahrestag der Verabschiedung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK, 1950) bot im Jahr 2010 die Gelegenheit, aus dem Seminarraum hinauszugehen: Aus dem Repertoire der gesammelten Stammtischsprüche destillierte das ETC-Team 24 Parolen heraus, die in Verbindung mit den entsprechenden Artikeln der EMRK darauf hinweisen, dass Menschenrechte nicht das beliebige Steckenpferd einiger Gutmenschen sind, sondern kodifizierte und damit einklagbare Rechtsmaterie. Sie zeigen auch, dass so mancher leicht dahingesagte blöde Spruch nicht nur die Menschenwürde des Opfers verletzt, sondern auch gegen Gesetze verstoßen kann. Unser Lieblingsgraphiker Andreas Jantscher (Agentur Werberaum) setzte die Sprüche in Motive um, die in Erinnerung bleiben und wurde mit dem Tirolissimo für die beste Low-Budget-Kampagne 2010 belohnt. Ihm ein herzliches Danke, und ebenso den Kollleginnen vom Zentrum polis Politik Lernen in der Schule, die nicht nur als Scharnier zum Unterrichtsministerium und den LehrerInnen fungieren, sondern auch die Palette der GANZ RECHT!-Materialien um die Didaktischen Tipps bereichert haben. 34 Inhaltsverzeichnis Einstieg 6 Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. 6 Stammtischparolen 8 Host leicht wos zum vabergn, weilst 18 gegen Überwachungskameras bist?! Artikel 8, EMRK De solln ihrn Plärrturm daham baun! 20 Artikel 9, EMRK Den daschiaß i, wenn i eam dawisch! 8 Artikel 2, EMRK Unterm Führer woa net olles schlecht! 22 Artikel 10, EMRK Wenn de Kieberer nur dirfatn, 10 donn warat glei a Ruah! Artikel 3, EMRK De Weiba mochn des jo olle freiwillig. 12 Artikel 4, EMRK De ghean afoch olle eingsperrt! 14 Artikel 5, EMRK Wia kennan Sie nur so an vateidign, 16 so wie der ausschaut, is a sicher kriminell! Artikel 6, EMRK So vü Moslems auf an Haufn 24 de führn sicha wos im Schild! Artikel 11, EMRK Bist deppat, a Ausländerin heiratn? 26 De wü jo nur a Aufenthaltsgenehmigung! Artikel 12, EMRK Irgendwos wirst scho verbrochn hobn, 28 umsunst wirst net eingsperrt! Artikel 13, EMRK Steckts de Ausländerkinder in a eigene 30 Klass, damit unsre endlich wieder wos lernen! Artikel 14, EMRK 45 Nehmt s eam des Grundstickl weg! 32 So an mecht i net als Nochborn! Artikel 1, 1. Zusatzprotokoll zur EMRK Weiter Schul gehn zohlt si net aus, 34 du heiratst jo eh! Artikel 2, 1. Zusatzprotokoll zur EMRK Du wöhlst des gleiche wie wir, 36 sunst gheast neama dazua! Artikel 3, 1. Zusatzprotokoll zur EMRK A Schwoaza kummt ma 38 net in mei Lokal eini! Artikel 2, 4. Zusatzprotokoll zur EMRK So ana wia du hot bei uns 40 nix zum Suachn! Artikel 3, 4. Zusatzprotokoll zur EMRK De ghean olle zruckgschickt mit 42 ihre eingwickltn Weiba! Artikel 4, 4. Zusatzprotokoll zur EMRK Für wos braucht ma Asylverfoahn? 44 Schickts de glei zruck! Artikel 1, 7. Zusatzprotokoll zur EMRK Glei kurzn Prozess mochn, 46 des san eh olles Terroristn! Artikel 2, 7. Zusatzprotokoll zur EMRK Bei uns is da Häfn eh net so oarg, 48 wos braucht ma do a Entschädigung? Artikel 3, 7. Zusatzprotokoll zur EMRK Sperr ma n glei no amol ein! 50 Der hot eh nix draus glernt! Artikel 4, 7. Zusatzprotokoll zur EMRK So long i des Göd hambring, 52 gschiacht des, wos i sog! Artikel 5, 7. Zusatzprotokoll zur EMRK Hängt s eam auf, der hot s vadient 54 Artikel 1, 13. Zusatzprotokoll zur EMRK Die Kampagne GANZ RECHT! ganz vollständig 56 Nachlese 57 Kontaktadressen 58 56 Stammtisch ist überall in der Straßenbahn, am Arbeitsplatz, in der eigenen Familie... Warum es der Stammtisch dann geschafft hat, diesen Sprüchen seinen Namen zu leihen? Weil die Mischung aus Alkoholkonsum und Wir-Gefühl besonders leicht dazu verführen kann, den einfachen Weg zu gehen, die Welt in Schwarz und Weiß einzuteilen und mögliche Konsequenzen dieser Vereinfachung zu ignorieren. Die Situation ist bekannt: Man wird angemault und kann nichts darauf sagen, es bleibt einem die Sprache weg. Oder man wird Zeuge/Zeugin eines verbalen Übergriffs, möchte zugunsten des Opfers einschreiten, die Situation entschärfen. Gespräche und Diskussionen mit einem Menschen, der Stammtischparolen vertritt, hinterlassen oft ein schales Gefühl der Frustration: Hätte ich doch dies gesagt! Warum hab ich nicht jenes argumentiert! Was macht es so schwierig, auf Stammtischsprüche effektvoll zu kontern? Da ist einmal ihr Absolutheitsanspruch, der behauptet, die einzige und alleinseligmachende Wahrheit zu sein. Da sind die großen Emotionen, wenn jemand mit bebender Stimme und voller Ausdruck seine Zuständigkeit und Kompetenz beschwört: Ich habe das mit meinen eigenen Augen gesehen! Da ist auch ein nicht zu übersehender Gewaltanteil, wenn die/der Empörte sich anschickt, alle und jede/n niederzureden, die ein Wort des Widerstands wagen. Und da ist zu guter Letzt auch oft die numerische Übermacht, denn SprücheklopferInnen treten häufig in der Mehrzahl auf, steigern sich umso mehr hinein, klopfen einander gegenseitig auf die Schultern und werfen einander die Stichworte zu. (Eine gute Strategie übrigens die gegenseitige Unterstützung sollte man sich unbedingt abschauen!) Es macht die Sache auch nicht einfacher, dass Stammtischsprüche buchstäblich in der Luft liegen : Mit ihrer Abwertung alles Anderen, ihren Verallgemeinerungen und verkürzten Sichtweisen bieten sie sich für einfache Weltmodelle und knallige Schlagzeilen an und finden so auch über Politik und Medien ihren Weg in die vielzitierte Mitte der Gesellschaft. Wer immer sich schon einmal getraut hat, im Rollenspiel in die Rolle des Sprücheklopfers zu schlüpfen, weiß, dass man da nicht nach Worten und Argumenten suchen muss: Die Sprüche fliegen einem geradezu zu, man muss nur noch den Mund öffnen und sie auf die GegnerInnen loslassen Gegen das, was man hier so als common sense von sich gibt, lässt es sich schwer argumentieren. Was also tun, wie dagegen auftreten? Zunächst einmal sollte man sich sehr schnell von den eigenen Allmachts- oder Missionierungsphantasien verabschieden, und auch von dem Glauben, man könnte in einem Gespräch, in einer Auseinandersetzung eine grundsätzliche Aufweichung der Fronten bewirken, ein tränenreiches Geständnis à la Seit 30 Jahren irre ich durchs Dunkel danke, dass du mich erleuchtet hast!. Der Anspruch, der dabei hilft, Frustrationen und Enttäuschungen zu vermeiden oder zumindest zu verringern, ist sehr viel bescheidener: Zuallererst geht es schlicht darum, da zu sein, Nein zu sagen und der Totalität des Wir-Gefühls ein Zeichen entgegenzusetzen. In zweiter Linie kann man sich dann auch mit den SprücheklopferInnen und ihren Phrasen auseinandersetzen. Am wichtigsten ist es dabei wohl, nicht in die Falle des gegenseitigen Hochlizitierens zu tappen: Wer hat die besseren Argumente? Wer hat die Moral an seiner/ihrer Seite? Wer steigert höher im Jahrmarkt der Gefühle und Empörungen? Wo alle laut sind, hat ausnahmsweise die/der Leise den großen Auftritt. Wer sich selbst zurücknimmt, die Emotionen ernstnimmt, aber nicht mitmacht, wem es gelingt, die Sach- und die Beziehungsebene auseinanderzuhalten, hat gute Chancen, gehört zu werden. Jedenfalls bessere, als wenn man im ewigen more of the same der SprücheklopferInnen mitmischt. Über Nachfragen, bis man die/den Andere/n verstanden hat, über Empathie und verbale Abrüstung führt auch der Weg in ein Gespräch und in eine mögliche Nachhaltigkeit: Gespräche wirken nach das weiß jede/r selbst, die/der schon einmal tagelang einer Formulierung nachgegrübelt hat. Das kann man auch bei GesprächspartnerInnen annehmen und wer einen empathischen und sachlichen Eindruck hinterlassen hat, kann damit rechnen, dass auch die Sachargumente in besserer Erinnerung bleiben. Und die Schlagfertigkeit? Schlagfertigkeit birgt immer auch die Gefahr in sich, es 67 dem Anderen mit seinen eigenen Mitteln heimzuzahlen. Das mag im Moment sehr befriedigend für das eigene Ego sein ( Ha, dem hab ich s zeigt! ), erzeugt aber auf Dauer nur weitere Verhärtung, keine Nachdenklichkeit und keine nachhaltige Änderung. Und wenn eine Situation eskaliert? Niemand verlangt Heldentaten von Ihnen! Sollten Sie in der Straßenbahn oder wo auch immer Zeugin oder Zeuge einer gewalttätigen Eskalation werden, müssen Sie sich nicht selbst in Gefahr bringen. Sie sollten aber, auch im Sinne ihres guten Gewissens, nicht wegsehen. Wenn Sie einem Täter nicht selbst entgegentreten können, suchen Sie Hilfe! Das können andere PassagierInnen sein, die Polizei oder andere, die gesetzlich zum Einschreiten verpflichtet sind, etwa StraßenbahnfahrerInnen. Gegenhalten! Im Folgenden präsentieren wir Ihnen eine Liste von Strategien, die sich in vielen einzelnen Gesprächen bewährt haben. Erwarten Sie aber bitte keine Wunder von den Strategien, von Ihrer Überzeugungskraft! Stammtischparolen sind derart verfestigt, dass Ihnen Ihr Gegenüber im direkten Gespräch nur selten zugeben wird, dass Sie im Recht sind. Bewährt bedeutet oft ganz kleine Schritte: eine Beruhigung der hochschwappenden Emotionen, etwas Nachdenklichkeit, eine kleine Grauschattierung im schwarzweiß gemalten Bild... Konstruktiv sein Interesse zeigen, den/die andere/n ernst nehmen Wertschätzend auf den/die andere/n eingehen Sympathisch bleiben Angenehme Atmosphäre schaffen Ruhig bleiben Emotionen runterholen Cool down, Luft rauslassen Gemeinsame Ebene schaffen, Zuhören ermöglichen Wir-Form (Brücken bauen) Empathie zeigen: Ich verstehe dich Versuchen den/die andere/n zu verstehen (sozialer und persönlicher Hintergrund) Win-Win-Strategie, Lösung für beide schaffen Nicht auf alles eingehen, Provokationen ignorieren Bewusst Nebengespräche beginnen Themensprünge (Parolenspringen) verhindern, bei einer Parole bleiben Bewusst Thema wechseln, wenn es nicht mehr weiter geht Authentisch bleiben: Überzeugungsstärke, Entschiedenheit, Geradlinigkeit, Echtheit Vergleiche ziehen Überzeichnen Tempo beachten Stimmlage beachten (bewusst laut oder leise sprechen) Paraphrasieren, die Argumente des/der anderen mit eigenen Worten wiederholen Gezieltes Nachfragen, konkret werden (wer ist gemeint, das die auflösen) Definieren, Begriffe klären, Klarheit schaffen Widersprüche aufdecken, Absurditäten aufzeigen Problem erfassen, verdeutlichen Logische Argumentation Sich Raum verschaffen Über sich persönlich sprechen, Ich-Botschaften Gefühle ansprechen ( Anscheinend geht dir das nahe? ) Konkrete Beispiele erzählen Ebene wechseln (sachlich, emotional) Gesprächsebene wechseln (Meta-Ebene) Allianzen bilden, sich zusammenschließen mit Gleichgesinnten Solidarität organisieren (auf die Unentschiedenen achten) Forderung nach Lösungswegen Initiativ werden, Gesprächsführung in die Hand nehmen Gesprächsregeln festlegen Grenzen setzen Keine Belehrung Nicht moralisieren Bewusst mit Moral argumentieren Perspektive wechseln Witz und Ironie einbringen Subversiv argumentieren Haltung zeigen, Position beziehen: Nein (ich bin nicht deiner Meinung), denn Argument 1, 2, 3, Nicht verstehen (wollen) 78 Artikel 2, Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1950 Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Den daschiaß i, wenn i eam dawisch! Gegenfrage Und wos wär, wenn des jeda mochat, wenn eam wos net passt? Gegenrede - Das Recht auf Leben steht in Österreich jedem Menschen ohne Einschränkung und ohne Bedingung zu. - Kein Mensch kann einem anderen das Recht auf Leben absprechen. - Der Staat hat die Pflicht, die Menschen vor Angriffen auf ihr Leben zu schützen. Info Das Recht auf Leben steht gleich an erster Stelle im Katalog der Rechte der Europäischen Menschenrechtskonvention. Der Staat ist verpflichtet, das Recht auf Leben zu schützen. Artikel 2 EMRK lässt die Ausnahme der gesetzlichen Todesstrafe zu. Diese Ausnahme wurde aber konsequenterweise im 6. und 13. Zusatzprotokoll zur EMRK (Abschaffung der Todesstrafe) gestrichen. In Staaten, die diese Zusatzprotokolle ratifiziert haben, kennt das Recht auf Leben keine Einschränkung. Manche Befürworter der Todesstrafe führen das Argument ins Treffen, jemand der tötet, habe sein eigenes Leben verwirkt. Doch eine Verwirkung dieses Rechts gibt es eben nicht. Kein Mensch kann einem anderen das Recht auf Leben absprechen. Dieser Grundsatz begründet sich aus dem Gedanken der menschlichen Würde. Jeder Mensch hat eine Würde, allein aufgrund der Tatsache, dass er oder sie ein Mensch ist. Diese Würde ist unantastbar. Wer immer einer oder einem anderen selbst wenn diese/r ein Verbrechen begangen hat die Eigenschaft als Mensch abspricht, spielt sich als ein Gott auf und gibt faschistisches Gedankengut wieder. Artikel 2 EMRK in Verbindung mit den Zusatzprotokollen verbietet dem Staat einerseits, selbst Tötungen anzuordnen und auszuführen. Andererseits regelt er auch eine Schutzpflicht des Staates für seine BürgerInnen. Der Staat hat die Pflicht, die auf seinem Gebiet lebenden Menschen vor Angriffen auf ihr Leben zu schützen. In erster Linie erfolgt dies durch Gesetze, die Eingriffe in das Recht auf Leben eines anderen Menschen zum Beispiel Drohungen, tätliche Angriffe, Selbstjustiz unter Strafe stellen. Gleichzeitig muss der Staat durch ein funktionierendes Gerichtssystem und eine korrekt arbeitende und gut ausgebildete Polizei sicherstellen, dass Verstöße gegen das Recht auf Leben im besten Fall verhindert, jedenfalls aber bestraft werden. Leider wird in einigen Staaten der Welt die Todesstrafe bis heute vollstreckt. Die meisten Hinrichtungen gibt es in China, gefolgt von Iran, Irak, Saudi-Arabien und den USA. Mehr als zwei Drittel aller Staaten haben die Todesstrafe aber mittlerweile per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. 89 Den daschiaß i, wenn i eam dawisch!10 Artikel 3, Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1950 Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Wenn de Kieberer nur dirfatn, donn warat glei a Ruah! Gegenfrage Und des glaubst, wos ana unter da Folter gesteht? Gegenrede - Das Verbot der Folter ist ein absolutes, das heißt, Folter ist immer und überall verboten. - Ein Geständnis, das durch Folter zustande kommt, ist kein Beweis. - Der Staat darf niemals foltern, vielmehr muss er ein Klima schaffen, das Folter (auch durch einzelne BeamtInnen) unmöglich macht. Info Folter ist jede Handlung eines staatlichen Organs, die einem Menschen vorsätzlich körperlichen oder seelischen Schmerz zufügt, ihn grausam oder unmenschlich behandelt oder erniedrigt. Ihr Zweck besteht in erster Linie darin, Menschen zu Aussagen oder Handlungen zu zwingen, etwa ein Geständnis abzulegen oder Informationen zu geben. Folter gibt es, seit es Menschen gibt. Je nach Zeit und Ort wechselte sie ihre Form, verursachte Leid und Todesangst und büßte bis heute nichts an Grausamkeit und Unmenschlichkeit ein. Wer Folter überlebt, ist (oft für sein/ ihr ganzes Leben) traumatisiert. Obwohl die meisten Staaten die 1984 von den Vereinten Nationen verabschiedete Antifolterkonvention unterzeichnet haben, ist Folter noch immer unfassbarer Alltag. Der ehemalige UNO-Sonderberichterstatter Manfred Nowak besuchte zwischen 2004 und repräsentativ ausgewählte Länder: Nur in einem, in Dänemark, fand er keinen Hinweis auf Folter! Vielfach wird diskutiert, ob Folterpraktiken im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Terrorismus toleriert werden sollten. Die USA entschieden erst 2006, die Häftlinge in ihren Kriegsgefangenenlagern unter den Schutz der Antifolterkonvention zu stellen und damit strafrechtliche Verfolgung überhaupt erst zu ermöglichen. Manche meinen, dass Folter dann gerechtfertigt werden kann, wenn durch sie erlangte Informationen (etwa über geplante Attentate) viele Menschen retten können. Der menschenrechtliche Standpunkt dazu ist eindeutig: Folter ist immer und überall verboten, unter keinen Umständen zulässig und nie verhandelbar. Vom absoluten Verbot einmal abgesehen, sprechen auch praktische Gründe gegen Folter: Wieviel ist ein durch Schmerz erpresstes Geständnis wert? Geständnisse aus der Zeit der Hexenprozesse, die Zauberei und Sex mit dem Teufel zugeben, scheinen uns zu Recht absurd. Auch heute gilt nach wie vor, was ein überlebendes Folteropfer sagt: Ich hätte alles gestanden, meinen besten Freund verraten oder meine Frau, wenn nur der Schmerz aufhört. Der Staat darf niemals foltern. Er muss durch Ausbildung seines Personals (Polizei, Justizwache usw.), durch Überwachung, Strafverfolgung von Übergriffen und verbesserte Organisation beispielsweise von Gefängnissen unablässig darauf hinwirken, dass Folter (auch durch einzelne BeamtInnen) unmöglich wird. 1011 Wenn de Kieberer nur dirfatn, donn warat glei a Ruah!12 Artikel 4, Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1950 Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden. Niemand darf gezwungen werden, Zwangs- oder Pflichtarbeit zu verrichten. De Weiba mochn des jo olle freiwillig. Gegenfrage Wos genau vastehst unta freiwillig? Pass obgebn, Göd obliefan? Gegenrede - Sklaverei und Menschenhandel sind laut EMRK strafrechtlich verboten. - Eine der Hauptursachen für Frauenhandel ist die Armut in vielen Ländern. - Strenge fremdenrechtliche Bestimmungen fördern Menschenhandel und erschweren die strafrechtliche Verfolgung. Info Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention verbietet Sklaverei und Zwangsarbeit. Diese müssen von den Staaten strafrechtlich verfolgt werden. Trotzdem treten Kinder- und Frauenhandel auch in Österreich und den umliegenden Ländern weiterhin auf. Internationale Standards und Maßnahmen zur Bekämpfung des Frauenhandels werden nur schlecht umgesetzt: Beispielsweise ist der Menschenhandel in die Zwangsprostitution strafrechtlich verboten, es gibt jedoch nur wenige tatsächliche Verurteilungen. Eine der Hauptursachen für Frauenhandel ist das immer größere wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen wohlhabenden und weniger wohlhabenden Ländern. Staatliches Versagen, fehlende Infrastruktur bei Gesundheit und Bildung, kriegerische Konflikte, ungerechte globale Wirtschaftsstrukturen und Diskriminierung am Arbeitsmarkt führen immer mehr Frauen in die Armut. Emigration oder Flucht stellen für viele die einzige Möglichkeit dar, (extremer) Armut zu entkommen und das Überleben für sich und andere Familienmitglieder zu sichern. Oftmals sind die Frauen alleinerziehende Mütter oder müssen für andere Familienangehörige sorgen. MenschenhändlerInnen werben Frauen im Herkunftsland an, indem sie ihnen zumeist bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen versprechen. Nach ihrer Ankunft in Österreich oder einem anderen EU-Staat finden die Frauen keineswegs die Bedingungen vor, die sie sich zuvor erhofft hatten. Sie schuften als Sexarbeiterinnen, Haushaltsgehilfinnen oder Arbeiterinnen in Fabriken oder der Gastronomie unter höchst prekären Arbeitsbedingungen und geringen Löhnen. Für den Transport verlangen die Schlepperbanden Tausende Euro; diese Schulden müssen die Frauen abarbeiten. Der psychische Druck, dem die Frauen durch Erpressung, durch Androhung physischer Gewalt und durch Misshandlungen ausgesetzt sind, ist enorm. Um ihnen die Flucht zu erschweren, werden ihnen nach der Ankunft meist ihre Pässe abgenommen. Viele Frauen werden häufig auch damit erpresst, dass ihrer Familie etwas zustoßen könnte, wenn sie fliehen oder zur Polizei gehen. Nicht nur der Handel mit Frauen zum Zweck der sexuellen Ausbeutung nimmt stetig zu, sondern auch der Handel mit Körperorganen oder die Schleusung von schwangeren Frauen, die ihre Babys oftmals unter Androhung von Gewalt an unfruchtbare Paare in Westeuropa verkaufen müssen, um die angeblichen Schulden für ihren Transport bezahlen zu können. Strikte Maßnahmen in der EU, die legale Einwanderung und Arbeit erschweren, tragen zur Ausbreitung von Menschenhandelsnetzwerken bei, und die strafrechtliche Verfolgung scheitert oft an fremdenrechtlichen Gesetzen (z.b. werden Opfer nach ihrer Zeugenaussage abgeschoben). 1213 De Weiba mochn des jo olle freiwillig.14 Artikel 5, Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1950 Alle Menschen haben das Recht auf Freiheit und Sicherheit. Die Freiheit darf nur in bestimmten Fällen und nur auf die gesetzlich vorgeschriebene Weise entzogen werden. De ghean afoch olle eingsperrt! Gegenfrage Aso, is des jetz vom Gericht so entschieden? Gegenrede - Freiheit ist ein Grundrecht, das jedem Menschen zusteht. - Freiheitsentzug ist ein so schwerwiegender Eingriff in die Menschenrechte, dass er nicht leichtfertig verhängt werden darf. - Vor jedem Freiheitsentzug muss geprüft werden, ob die Maßnahme gesetzlich vorgesehen, notwendig und verhältnismäßig ist. Info Artikel 5 der Europäischen Menschenrechtskonvention sieht vor, dass alle Menschen das Recht auf Freiheit und Sicherheit haben und regelt die Voraussetzungen, unter welchen Freiheitsentzug möglich ist. Europa als einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu gestalten ist auch eine der Grundideen der Europäischen Union, zumal im Europa des 20. Jahrhunderts politische und rechtliche Freiheit keine Selbstverständlichkeit war. Freiheit als Grundrecht steht jedem Menschen zu und darf nur in bestimmten Fällen und nur auf die gesetzlich vorgeschriebene Weise entzogen werden. Eine Festnahme darf grundsätzlich nur von einem Gericht angeordnet werden. Wenn ein Freiheitsentzug von einer Verwaltungsbehörde, z.b. der Polizei, durchgeführt wird, muss ein Gericht oder eine andere unabhängige Behörde diese Maßnahme unverzüglich überprüfen. Außerdem muss jeder Eingriff in das Recht auf Freiheit verhältnismäßig sein, das heißt, er muss notwendig und angemessen sein, um den Zweck der Maßnahme zu erfüllen. Beispielsweise darf Untersuchungshaft über eine/n Verdächtige/n nur dann und nur so lange verhängt werden, als bestimmte, genau definierte Gründe (Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr usw.) vorliegen. Freiheitsentzug aufgrund eines Pauschalverdachts gegen eine Gruppe von Menschen ist jedenfalls unzulässig, jeder Fall muss einzeln geprüft werden. Menschen, die in einem Staat einen Antrag auf Asyl gestellt haben, können durch die Sicherheitsorgane festgenommen werden, wenn dies zur Vorführung vor die Asylbehörden oder im Fall der endgültigen Ablehnung zur unmittelbaren Ausweisung notwendig ist. Diese Maßnahme, die Schubhaft, führte in Österreich in den letzten Jahren zu Diskussionen, als sie Familien mit Kindern betraf. In diesen Fällen setzten die Behörden das Interesse des Staates, vor einem möglichen Untertauchen der abgelehnten Asylsuchenden geschützt zu sein, über das Schutzinteresse der Kinder, was im Sinne der Menschenrechte keinesfalls verhältnismäßig ist. Verhältnismäßig sind auch keinesfalls die Dauer und Bedingungen der Haft für Menschen, deren Schutzgesuch abgelehnt wurde. 1415 De ghean afoch olle eingsperrt!16 Artikel 6, Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1950 Jede Person hat Anspruch darauf, dass seine/ihre Sache in einem fairen Verfahren öffentlich und innerhalb angemessener Frist von einem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht verhandelt wird. Bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld gilt jede Person als unschuldig. Wia kennan Sie nur so an vateidign, so wie der ausschaut, is a sicher kriminell! Gegenfrage Wie schaut leicht a Krimineller aus? Gegenrede - Das Recht auf ein faires Verfahren nach fixen Regeln zu denen auch die Verteidigung gehört ist ein Kernelement des Rechtsstaates. - Die Unschuldsvermutung gilt nicht nur vor Gericht, sondern auch für die Medien. - Zu einem fairen Verfahren gehört auch die gesetzliche Möglichkeit, ein Urteil anfechten zu können. Info Das Recht auf ein faires Verfahren ist ein Kernelement des Rechtsstaates. Es beruht auf dem Grundprinzip der Gleichheit vor dem Gesetz und vor Gericht. Wer einer Straftat beschuldigt wird, hat das Recht auf ein Gerichtsverfahren und eine faire Behandlung vor Gericht. Jedem und jeder Angeklagten muss die Anhörung ihres Falles ermöglicht werden. Um zu gewährleisten, dass die rechtsstaatlichen Prinzipien eingehalten werden, müssen die Gerichte unparteiisch und unabhängig sein. Das bedeutet, dass die Richter und Richterinnen in keiner Weise der Politik unterstellt sein dürfen. Die Regierungsbehörden dürfen ihnen keine Weisungen erteilen und können einen Richter oder eine Richterin weder entlassen noch auf einen anderen Posten versetzen (Prinzip der Gewaltenteilung, das die Bereiche Justiz, Verwaltung und Gesetzgebung streng voneinander trennt, um Machtkonzentration zu vermeiden und gegenseitige Kontrolle zu ermöglichen). Jede/r Angeklagte hat das Recht, im Detail zu erfahren, welche Vergehen ihr/ihm zur Last gelegt werden, und bei den Verhandlungen und der Urteilsverkündung anwesend zu sein. Es steht ihm/ihr gesetzlich zu, sich selbst zu verteidigen oder sich durch eine/n Anwalt/Anwältin verteidigen zu lassen. Sollte sich der/die Angeklagte die Anwaltskosten nicht leisten können, muss ihm/ihr zumindest in Fällen mit hoher Strafandrohung ein/e VerteidigerIn unentgeltlich zur Seite gestellt werden. Die Behörden haben die Pflicht, über all diese Möglichkeiten zu informieren. Gleichheit vor dem Gericht bedeutet auch, dass jede Partei die gleichen Chancen hat, ihre Sicht des Sachverhaltes zu präsentieren, eigene ZeugInnen vernehmen zu lassen und ZeugInnen der Gegenseite zu befragen sowie unentgeltlich eine/n DolmetscherIn zu erhalten, wenn man die Verhandlungssprache nicht versteht oder spricht. Zum Schutz eines fairen Verfahrensablaufs sind Verhandlungen vor Gericht grundsätzlich öffentlich. Ausnahmen sind z.b. der Schutz der nationalen Sicherheit oder der Interessen minderjähriger Angeklagter. Jede Person ist bis zum gerichtlichen Nachweis ihrer Schuld als unschuldig anzusehen und auch so zu behandeln. Daran haben sich auch die Medien in ihrer Berichterstattung zu halten. Ein weiterer Aspekt der Unschuldsvermutung ist das Recht des/der Angeklagten, zu schweigen sowie sich nicht selbst beschuldigen zu müssen. Dieses Schweigen darf nicht als Eingeständnis der Schuld gedeutet werden. Das Gericht darf die/den Betreffende/n auch nicht zum Reden zwingen oder in irgendeiner Form Druck in diese Richtung ausüben (siehe auch Art. 3 EMRK). Ein wirksames und faires Verfahren beinhaltet auch die gesetzliche Möglichkeit, ein Urteil anfechten zu können. Dazu verfügt ein Rechtsstaat über mehrere gerichtliche Ebenen. Die/der Verurteilte kann vor einer höheren Instanz die Überprüfung des Urteils beantragen. 1617 Wia kennan Sie nur so an vateidign, so wie der ausschaut, is a sicher kriminell!18 Artikel 8, Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1950 Alle Menschen haben das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz. Host leicht wos zum vabergn, weilst gegen Überwachungskameras bist?! Gegenfrage Hob i leicht ka Privatsphäre? Geht das wen was an, wo i bin? Gegenrede - Das gesetzliche Gebot zur Achtung des Privaten spiegelt das demokratische Freiheitsverständnis von Selbstbestimmung und Sicherung eines Freiraums vor staatlichen Eingriffen wider. - Überwachung wird mit Sicherheit begründet dies lässt sich aber in vielen Fällen nicht nachweisen. - Mit Überwachung und Datenspeicherung stellt der demokratische Staat seine BürgerInnen unter Generalverdacht, wie dies bisher nur Diktaturen getan haben. Info Die Achtung der Privatsphäre ist ein grundlegendes Menschenrecht. Das gesetzliche Gebot zur Achtung des Persönlichen spiegelt das demokratische Freiheitsverständnis von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit und das starke Bedürfnis nach einem Bereich, der von anderen Menschen und dem Staat nicht beobachtet werden kann, wider. Das Grundrecht soll die/den Einzelne/n vor willkürlichen Eingriffen der öffentlichen Gewalt in das Privat- oder Familienleben schützen. Die Privatsphäre umfasst dabei auch die Kommunikation mit anderen Menschen und das Recht auf freies Bewegen im öffentlichen Raum. Wohl jeden Menschen überkommt bei der Vorstellung, vom Staat überwacht zu werden, ein starkes Unbehagen. Andererseits ist die Überwachung von Personen oder Gruppierungen manchmal notwendig, vor allem dann, wenn es um die Sicherheit von Menschen vor Gewalt oder um den Schutz der Demokratie geht. Die Meinungen darüber, ob etwa die Überwachung zum Schutz vor Kriminalität und Terrorismus einen (zu) großen Eingriff in die Privatsphäre darstellt oder ob dieser gerechtfertigt ist, gehen von Fall zu Fall stark auseinander. Nicht umsonst gab es in den letzten Jahren heftige Debatten über die Verschärfung der Überwachungsgesetze. In Hinblick auf die große Vielfalt an technischen Mitteln, auf die zum Zwecke der Überwachung leicht und schnell zurückgegriffen werden kann, gibt es immer mehr kritische Stimmen, die Sensibilität im Umgang mit dieser Thematik einfordern. Auch der Sicherheitseffekt ist umstritten: Studien aus Großbritannien, dem EU-Staat mit den meisten Überwachungskameras, zeigen, dass die Kriminalität nicht zurückgegangen ist, sondern sich nur verlagert hat. Eine Studie aus Deutschland zeigt auf, dass die Vorratsdatenspeicherung (in Österreich seit 1. April 2012) keinen Einfluss auf die Kriminalitätsrate hat. Auch in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre sehen DatenschützerInnen den Rückgang unbewachter öffentlicher Räume als bedenklich an, da Privatpersonen aufgezeichnet werden und deren Rechte (z.b. wie lange Daten gespeichert werden dürfen) und Rechtsschutz in vielen Fällen unklar definiert sind. KritikerInnen sehen eine Untergrabung der Freiheit auch in dem Aspekt, dass Überwachung und Datenspeicherung auf einen Generalverdacht des Staates gegen die BürgerInnen verweisen die permanente Schuldvermutung tritt an die Stelle der Unschuldsvermutung. 1819 Host leicht wos zum vabergn, weilst gegen Überwachungskameras bist?!20 Artikel 9, Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1950 Alle Menschen haben das Recht auf Gedanken-, Gewissensund Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit des/der Einzelnen, seine/ihre Religion oder Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine/ihre Religion oder Weltanschauung einzeln oder gemeinsam mit anderen öffentlich oder privat durch Gottesdienst, Unterricht oder Praktizieren von Bräuchen zu bekennen. De solln ihrn Plärrturm daham baun! Gegenfrage Und warum stört di des Glocknläutn von die Kirchn net? Gegenrede - Zur freien Religionsausübung gehört auch das Recht, den Glauben in einem entsprechenden Bethaus, in einem würdigen Rahmen auszuüben. - Zum Ankommen und Angenommensein in einer Gesellschaft gehört auch die Sichtbarkeit. - Die Diskussion um das Minarett ist eine Stellvertreterdiskussion, hinter der sich ganz andere (sozialpolitische) Fragen verstecken. Info Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention schützt das Recht jedes Menschen, unabhängig davon, in welchem Staat er/sie sich aufhält, einen Glauben zu haben und sich privat oder in der Öffentlichkeit, alleine oder in der Gemeinschaft mit anderen zu ihrem Glauben zu bekennen. Zusätzlich schützt Artikel 9 auch die Ausübung einer Religion oder einer Weltanschauung. Es ist jeder/jedem Gläubigen selbst überlassen, in welcher Form sie/er den Glauben ausüben will. Einschränkungen sind nur dann zulässig, wenn sie gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft, die durch Toleranz und Vielfalt gekennzeichnet ist, notwendig sind. Geschützt sind auch religiöse Bräuche, beispielsweise Prozessionen oder Wallfahrten, der Ruf des Muezzin oder das Läuten von Kirchenglocken. Zur Religionsfreiheit gehört weiters auch die Freiheit von Religion, also die Freiheit des Menschen, keiner Religion angehören zu müssen. Gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaften verfügen über das Recht der gemeinsamen öffentlichen Religionsausübung und das Recht zum Besitz von Anstalten, Stiftungen und Fonds, die für Kultus-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke bestimmt sind. Der Islam als die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Österreich ist seit 1912 gesetzlich anerkannt. Dennoch wiederholt sich zurzeit der Glaubenskampf des 19. Jahrhunderts mit anderen AkteurInnen: Ab 1781 gestattete das Toleranzpatent den ProtestantInnen den Bau von Bethäusern, die allerdings von außen wie gewöhnliche Wohnhäuser aussehen mussten. Erst nach der Revolution von 1848 durfte man evangelische Kirchen auch als Kirchen erkennen, mit Kirchturm, Kirchenfenstern, Glocken usw. Obwohl die Toleranzregelung für die ProtestantInnen nach Jahrhunderten der Reformation und Gegenreformation einen Fortschritt bedeutete, ist sie in der heutigen Diskussion 200 Jahre zurück. Rechtlich ist ein Verbot der Errichtung von Minaretten nicht zulässig, sofern nicht nach dem Baugesetz der einzelnen Bundesländer eine grobe Beeinträchtigung des Orts- beziehungsweise Stadtbildes oder ein Verstoß gegen die Lärmschutzbestimmungen vorliegt. Eine gewisse Entschärfung könnte sich im Einzelfall daraus ergeben, dass islamische Gemeinden schon bei der Planung ein stummes Minarett vorsehen, dessen Funktion mittlerweile SMS und Apps übernommen haben was dann aber, dem Gleichheitssatz entsprechend, für alle Kirchen gelten muss. Gesellschaftlich ist eine Entspannung nicht zu erwarten, solange politische Parteien nicht auf komplexe sozialpolitische Sachverhalte eingehen, sondern symbolische Debatten und Islamophobie schüren. 20 Mehr anzeigen
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 Art. 41
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 5
 Art. 6
 Art. 6