Source: https://www.rechnungswesen-portal.de/Fachinfo/Grundlagen/Uebereinstimmungen-und-Unterschiede-zwischen-Handels-und-Steuerbilanz-nach-BilMoG.html
Timestamp: 2019-03-21 07:25:56+00:00

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Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz nach BilMoG
[Stand: 2012] Bis zur Einführung des BilMoG konnten Handels- und Steuerbilanz zwar übereinstimmen, mussten jedoch nicht. Für Zwecke der Veröffentlichung, Bankenpräsentation sowie der Steuerfestsetzung war es möglich, identische Bilanzen zu erstellen. Aufgrund der speziell steuerrechtlichen Bilanzierungsvorschriften, die einige Abweichungen von der Handelsbilanz erzwangen, war es jedoch erforderlich, entweder neben der Handelsbilanz eine gesonderte Steuerbilanz aufzustellen oder unmittelbar die steuerliche Bemessungsgrundlage mittels Überleitungsrechnung aus der Handelsbilanz zu entwickeln. Durch Inkrafttreten des BilMoG ist es kaum noch möglich eine Einheitsbilanz aufzustellen.
Denn durch die Einschränkung des Maßgeblichkeitsgrundsatzes und durch den Wegfall der umgekehrten Maßgeblichkeit, dürfen steuerrechtliche Sonderregelungen nicht mehr in die Handelsbilanz übernommen werden. Es ist nun sehr wichtig, eine umfassende steuerliche Buchführung zu erstellen.
Nachfolgend werden wesentliche Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz nach BilMoG in einer Übersicht dargestellt.
Die Angleichungen der Handelsbilanz an die Steuerbilanz
Handelsrechtliche Aktivierungspflicht für ent­geltlich erworbenen Ge­schäftswert
Der Geschäfts- oder Firmenwert ist nach neuer Rechtslage ein Vermögensgegenstand, der in der Steuerbilanz aktiviert werden muss (kein Wahlrecht mehr) und über die voraussichtliche Nutzungsdauer abzuschreiben (§ 253 Abs. 3 HGB, § 7 EStG) ist. Handelsrechtlich ist der Firmenwert grundsätzlich über 5 Jahre abzuschreiben, steuerrechtlich dagegen über 15 Jahre (§ 7 Abs. 1 S. 3 EStG). Wenn entgeltlich erworbener Firmenwert handelsrechtlich über mehr als fünf Jahre abgeschrieben werden soll, muss dies im Anhang begründet werden.
Abschaffung der bisherigen handelsrechtlichen Rückstellungswahlrechte
Das in der Handelsbilanz bisher vorhandene Passivierungswahlrecht für Instandhaltungsrückstellungen, die im folgenden Wirtschaftsjahr innerhalb des zweiten bis vierten Quartals nachgeholt werden müssten, fällt weg - es dürfen keine Rückstellungen mehr gebildet werden. Werden die unterlassenen Instandhaltungen innerhalb von drei Monaten des Folgejahres nachgeholt, müssen Rückstellungen weiterhin handels- und steuerrechtlich passiviert werden (249 Abs. 1 S. 3 HGB).
Einschränkung außerplanmäßiger Abschreibungen in der Handelsbilanz
Das handelsrechtliche Abschreibungswahlrecht bei vorübergehender Wertminderung von Vermögensgegenständen des Anlagevermögens entfällt. Für diese Bilanzposten besteht ein Abschreibungsverbot. In der Handelsbilanz sind außerplanmäßige Abschreibungen bei Gegenständen des Anlagevermögens nur noch bei dauerhafter Wertminderung möglich (§ 253 Abs. 3 HGB), was zu einer Angleichung an die Steuerbilanz führt.
Neuregelung zu den Herstellungskosten
Der handelsrechtliche Herstellungskostenbegriff wurde in § 255 Abs. 2 HGB neu geregelt. In der Handelsbilanz sind für die Ermittlung der Herstellungskosten auch die Materialgemeinkosten, die Fertigungsgemeinkosten und der Werteverzehr des Anlagevermögens (= Abschreibungen), soweit diese Kosten durch die Fertigung veranlasst sind, einzubeziehen. Der steuerliche Herstellungskostenbegriff sah bereits vor BilMoG diesen Ansatz bei der Ermittlung vor.
Die Umrechnung von Forderungen und Schulden in fremder Währung mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr ohne Begrenzung auf die Anschaffungskostenobergrenze erfolgt handelsrechtlich mit dem aktuellen Devisenkassamittelkurs (§ 256a HGB).
Bilanzierungsverbot für Ingangsetzungs- und Erweiterungsaufwendungen
Aufwendungen, die mit dem Aufbau der wirtschaftlichen Grundlagen des Unternehmens bei seiner Gründung oder Erweiterung entstanden, sind handelsrechtlich aufwandswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen. Steuerrechtlich handelt es sich dabei auch um Aufwand.
In folgende Tabelle sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz dargelegt.
Wahlrechte können nun ohne Rücksicht auf das Handelsrecht ausgeübt werden
selbst erstellte immaterielle
Aktivierungswahlrecht, ausgenommen selbstgeschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle WG des AV
weiterhin Aktivierungsverbot
Disagio (RAP)
§ 250 Abs. 3 HGB
§ 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG
§ 6b EStG, R 6.6 EStR
§ 249 Abs. 1 Satz 1 HGB
§ 5 Abs. 4a EStG
Rückstellung wegen Verletzung fremder Patente
Auflösung bei Wegfall des Grundes
§ 249 Abs. 2 Satz 2 HGB
Auflösung innerhalb von drei Jahren, wenn keine Geltendmachung
§ 5 Abs. 3 Satz 2 EStG
Rückstellung für künftige aktivierungspflichtige Aufwendungen
Passivierungspflicht, soweit künftige AK/HK eines Vermögensgegenstands höher sind als der Zeitwert
§ 5 Abs. 4b EStG
Rückstellung für latente Steuern ggf. saldiert mit aktiven latenten Steuern (gilt nur für nur KapG und gleichgestellte PersG)
§ 274 Abs. 1 HGB
Rückstellungen sind mit einem von der deutschen Bundesbank ermittelten durchschnittlichen Markt­zins­satz der vergangenen sieben Jahre oder alternativ mit einer pauschalen Abzinsung mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz bei angenommener Laufzeit von 15 Jahren abzuzinsen § 253 Abs. 2 HGB)
mit 5,5,% (§ 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. e EStG).
Rechnungs­ab­grenzungs­posten für als Aufwand berücksichtigte Zölle, Verbrauchssteuern und Umsatzsteuer
§ 5 Abs. 5 Satz 2 Nr. 1 EStG
Abschreibung bei Finanzanlagen auch bei vorübergehender Wertminderung
Aktive latente Steuern unter Berücksichtigung aktiver latenter Steuern auf Verlustvorträge ggf. saldiert mit passiven latenten Steuern
§ 274 Abs. 1 Satz 2 HGB
Langfristige unverzinsliche Verbindlichkeiten
mit ihrem Erfüllungsbetrag anzusetzen (§ 253 Abs. 1 HGB), d.h. in der Regel erfolgt keine Abzinsung, auch nicht bei unverzinslichen Verbindlichkeiten.
mit einer Laufzeit größer als einem Jahr abzuzinsen, siehe § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG
GWG < 150,00 €
Aktivierungsmöglichkeit, aus Vereinfachung, aber auch sofortiger Aufwand
§ 6 Abs. 2 Satz 1 EStG
150,00 € <GWG <1.000,00 €
Aktivierung als Sammelposten möglich, sofern von untergeordneter Bedeutung
Einstellung in Sammelposten und je 20% gewinnmindernde Auflösung, § 6 Abs. 2a S. 5 EStG
letzte Änderung A.W. am 18.09.2018
Erhalt /Verkauf von Waren aus/an Drittland buchen
Entgeltfortzahlung / Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
23.04.2013 12:01:20 - Gast
Für die Bewertung von Pensionsrückstellungen in der Steuerbilanz ist §6a maßgeblich. Der Rechnungszinsfuß beträgt hier 6% und nicht wie angegeben 5,5%.
04.11.2013 19:04:02 - Ackermann
Ich bitte um verbindlche Auskunft, ob nach Einführung BilMoG noch ausnahmsweise die Bildung eines Sonderposten irgendwelcher Art noch in der Handelsbilanz überhaupt möglich ist (nicht Investionsabzugsbetrag , Sopo nach Steuerrecht)-
06.11.2013 15:47:18 - Redaktion
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06.05.2014 18:58:56 - Gast
was passiert, wenn eine GmbH nur eine Steuerbilanz macht und keine Handelsbilanz?
07.05.2014 08:11:22 - Der Wolff
ich würde sagen, die GmbH sollte ihre Bilanz schleunigst nachreichen. Eine GmbH unterliegt der Bilanzpflicht nach Handelsgesetzbuch. In § 238 b Strafgesetzbuch droht der Fiskus mit Geldbuße und Knast, wenn ein Unternehmen seinen Buchführungspflichten nicht nachkommt.
09.02.2016 18:38:05 - Gast
Rückstellungen sind in §249 HGB und nicht wie oben in der Tabelle beschrieben in §246 HGB zu finden.
10.02.2016 08:40:24 - wvr
die Angabe befand sich auf einem alten Stand und wurde noch nicht aktualisiert. Wir haben das nachgeholt.
14.09.2018 10:50:21 - Gast
der Goodwill ist über 10 Jahre nach HGB abzuschreiben --> § 253 Abs. 3 Satz 4 HGB.
14.09.2018 12:30:10 - Gast
sehr gute Übersicht! Allerdings entspricht der Zinssatz zur Diskontierung der PRst nicht mit der aktuellen Gesetzesfassung überein (6% statt 5,5%).
18.09.2018 09:34:30 - wvr
vielen Dank für das Lob. Der Artikel beruht auf der Rechtslage von 2012. Um Verwirrung zu vermeiden, haben wir das im Artikel vermerkt.
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References: § 7
 § 255

§ 250

§ 5

§ 6

§ 249

§ 5

§ 249

§ 5

§ 5

§ 274
 § 253

§ 5

§ 274
 § 6

§ 6
 § 6
 §6
 § 238
 §249
 §246
 § 253