Source: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/motu_proprio/documents/hf_ben-xvi_motu-proprio_20070707_summorum-pontificum_ge.html
Timestamp: 2015-02-01 11:58:39+00:00

Document:
Apostolisches Schreiben, als Motu proprio erlassen, Summorum Pontificum, 7. Juli 2007 - Benedikt XVI.
�ber den Gebrauch der R�mischen Liturgie in der Gestalt vor der Reform von 1970
Die Sorge der P�pste ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, da� die Kirche Christi der G�ttlichen Majest�t einen w�rdigen Kult darbringt, „zum Lob und Ruhm Seines Namens“ und „zum Segen f�r Seine ganze heilige Kirche“. Seit unvordenklicher Zeit wie auch in Zukunft gilt es den Grundsatz zu wahren, „demzufolge jede Teilkirche mit der Gesamtkirche nicht nur hinsichtlich der Glaubenslehre und der sakramentalen Zeichen �bereinstimmen mu�, sondern auch hinsichtlich der universal von der apostolischen und ununterbrochenen �berlieferung empfangenen Gebr�uche, die einzuhalten sind, nicht nur um Irrt�mer zu vermeiden, sondern auch damit der Glaube unversehrt weitergegeben wird; denn das Gesetz des Betens (lex orandi) der Kirche entspricht ihrem Gesetz des Glaubens (lex credendi).“[1]
Unter den P�psten, die eine solche gebotene Sorge walten lie�en, ragt der Name des hl. Gregor des Gro�en heraus; dieser sorgte daf�r, da� sowohl der katholische Glaube als auch die Sch�tze des Kultes und der Kultur, welche die R�mer der vorangegangenen Jahrhunderte angesammelt hatten, den jungen V�lkern Europas �bermittelt wurden. Er ordnete an, da� die Form der heiligen Liturgie – sowohl des Me�opfers als auch des Officium Divinum – festgelegt und bewahrt werden sollte, wie sie in Rom gefeierte wurde. Auch f�rderte er sehr die M�nche und Nonnen, die nach der Regel des hl. Benedikt lebten und �berall zusammen mit der Verk�ndigung des Evangeliums auch jenen �u�erst heilsamen Satz der Regel durch ihr Leben veranschaulichten, da� „dem Gottesdienst nichts vorzuziehen“ sei (Kap. 43). Auf solche Weise befruchtete die heilige Liturgie nach r�mischem Brauch nicht nur den Glauben und die Fr�mmigkeit, sondern auch die Kultur vieler V�lker. Es steht fraglos fest, da� die lateinische Liturgie der Kirche mit ihren verschiedenen Formen in allen Jahrhunderten der christlichen Zeit sehr viele Heilige im geistlichen Leben angespornt und so viele V�lker in der Tugend der Gottesverehrung gest�rkt und deren Fr�mmigkeit befruchtet hat.
Da� aber die heilige Liturgie diese Aufgabe noch wirksamer erf�llte, darauf haben verschiedene weitere P�pste im Verlauf der Jahrhunderte besondere Sorgfalt verwandt; unter ihnen ragt der heilige Pius V. heraus, der mit gro�em seelsorglichen Eifer auf Veranlassung des Konzils von Trient den ganzen Kult der Kirche erneuerte, die Herausgabe verbesserter und „nach der Norm der V�ter reformierter“ liturgischer B�cher besorgte und sie der lateinischen Kirche zum Gebrauch �bergab. Unter den liturgischen B�chern des R�mischen Ritus ragt das R�mische Me�buch deutlich heraus; es ist in der Stadt Rom entstanden und hat in den nachfolgenden Jahrhunderten schrittweise Formen angenommen, die gro�e �hnlichkeit haben mit der in den letzten Generationen geltenden. „Dasselbe Ziel verfolgten die P�pste im Lauf der folgenden Jahrhunderte, indem sie sich um die Erneuerung oder die Festlegung der liturgischen Riten und B�cher bem�hten und schlie�lich am Beginn dieses Jahrhunderts eine allgemeine Reform in Angriff nahmen“[2]. So hielten es nun Unsere Vorg�nger Clemens VIII., Urban VIII., der hl. Pius X.[3], Benedikt XV., Pius XII. und der sel. Johannes XXIII. In j�ngerer Zeit brachte dann das Zweite Vatikanische Konzil den Wunsch zum Ausdruck, da� die gebotene Achtsamkeit und Ehrfurcht gegen�ber dem Gottesdienst wieder erneuert und den Erfordernissen unserer Zeit angepa�t werden sollte. Von diesem Wunsch geleitet hat Unser Vorg�nger Papst Paul VI. die reformierten und zum Teil erneuerten liturgischen B�cher im Jahr 1970 f�r die lateinische Kirche approbiert; �berall auf der Erde in eine Vielzahl von Volkssprachen �bersetzt, wurden sie von den Bisch�fen sowie von den Priestern und Gl�ubigen bereitwillig angenommen. Johannes Paul II. rekognoszierte die dritte Editio typica des R�mischen Me�buchs. So haben die P�pste daran gearbeitet, da� „dieses ‚liturgische Geb�ude‘ […] in seiner W�rde und Harmonie neu“ erstrahlte.[4]
Andererseits hingen in manchen Gegenden nicht wenige Gl�ubige den fr�heren liturgischen Formen, die ihre Kultur und ihren Geist so grundlegend gepr�gt hatten, mit derart gro�er Liebe und Empfindung an und tun dies weiterhin, da� Papst Johannes Paul II., geleitet von der Hirtensorge f�r diese Gl�ubigen, im Jahr 1984 mit dem besonderen Indult „Quattuor abhinc annos“, das die Kongregation f�r den Gottesdienst entworfen hatte, die M�glichkeit zum Gebrauch des R�mischen Me�buchs zugestand, das von Johannes XXIII. im Jahr 1962 herausgegebenen worden war; im Jahr 1988 forderte Johannes Paul II. indes die Bisch�fe mit dem als Motu Proprio erlassenen Apostolischen Schreiben „Ecclesia Dei“ auf, eine solche M�glichkeit weitherzig und gro�z�gig zum Wohl aller Gl�ubigen, die darum bitten, einzur�umen. Nachdem die inst�ndigen Bitten dieser Gl�ubigen schon von Unserem Vorg�nger Johannes Paul II. �ber l�ngere Zeit hin abgewogen worden sind und Wir auch die Kardin�le in dem am 23. M�rz 2006 abgehaltenen Konsistorium angeh�rt haben, nachdem alles reiflich abgewogen worden ist, nach Anrufung des Heiligen Geistes und fest vertrauend auf die Hilfe Gottes, BESCHLIESSEN WIR mit dem vorliegenden Apostolischen Schreiben folgendes: Art. 1. Das von Paul VI. promulgierte R�mische Me�buch ist die ordentliche Ausdrucksform der „Lex orandi“ der katholischen Kirche des lateinischen Ritus. Das vom hl. Pius V. promulgierte und vom sel. Johannes XXIII. neu herausgegebene R�mische Me�buch hat hingegen als au�erordentliche Ausdrucksform derselben „Lex orandi“ der Kirche zu gelten, und aufgrund seines verehrungsw�rdigen und alten Gebrauchs soll es sich der gebotenen Ehre erfreuen. Diese zwei Ausdrucksformen der „Lex orandi“ der Kirche werden aber keineswegs zu einer Spaltung der „Lex credendi“ der Kirche f�hren; denn sie sind zwei Anwendungsformen des einen R�mischen Ritus. Demgem�� ist es erlaubt, das Me�opfer nach der vom sel. Johannes XXIII. im Jahr 1962 promulgierten und niemals abgeschafften Editio typica des R�mischen Me�buchs als au�erordentliche Form der Liturgie der Kirche zu feiern. Die von den vorangegangenen Dokumenten „Quattuor abhinc annos“ und „Ecclesia Dei“ f�r den Gebrauch dieses Me�buchs aufgestellten Bedingungen aber werden wie folgt ersetzt: Art. 2. In Messen, die ohne Volk gefeiert werden, kann jeder katholische Priester des lateinischen Ritus – sei er Weltpriester oder Ordenspriester – entweder das vom sel. Papst Johannes XXIII. im Jahr 1962 herausgegebene R�mische Me�buch gebrauchen oder das von Papst Paul VI. im Jahr 1970 promulgierte, und zwar an jedem Tag mit Ausnahme des Triduum Sacrum. F�r eine solche Feier nach dem einen oder dem anderen Me�buch ben�tigt der Priester keine Erlaubnis, weder vom Apostolischen Stuhl noch von seinem Ordinarius. Art. 3. Wenn Gemeinschaften der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens – seien sie p�pstlichen oder di�zesanen Rechts – es w�nschen, bei der Konvents- bzw. „Kommunit�ts“-Messe im eigenen Oratorium die Feier der heiligen Messe nach der Ausgabe des R�mischen Me�buchs zu halten, die im Jahr 1962 promulgiert wurde, ist ihnen dies erlaubt. Wenn eine einzelne Gemeinschaft oder ein ganzes Institut bzw. eine ganze Gesellschaft solche Feiern oft, f�r gew�hnlich oder st�ndig begehen will, ist es Sache der h�heren Oberen, nach der Norm des Rechts und gem�� der Gesetze und Partikularstatuten zu entscheiden. Art. 4. Zu den Feiern der heiligen Messe, von denen oben in Art. 2 gehandelt wurde, k�nnen entsprechend dem Recht auch Christgl�ubige zugelassen werden, die aus eigenem Antrieb darum bitten. Art. 5 � 1. In Pfarreien, wo eine Gruppe von Gl�ubigen, die der fr�heren liturgischen Tradition anh�ngen, dauerhaft existiert, hat der Pfarrer deren Bitten, die heilige Messe nach dem im Jahr 1962 herausgegebenen R�mischen Me�buch zu feiern, bereitwillig aufzunehmen. Er selbst hat darauf zu achten, da� das Wohl dieser Gl�ubigen harmonisch in Einklang gebracht wird mit der ordentlichen Hirtensorge f�r die Pfarrei, unter der Leitung des Bischofs nach der Norm des Canon 392, wobei Zwietracht zu vermeiden und die Einheit der ganzen Kirche zu f�rdern ist. � 2. Die Feier nach dem Me�buch des sel. Johannes XXIII. kann an den Werktagen stattfinden; an Sonntagen und Festen kann indes ebenfalls eine Feier dieser Art stattfinden. � 3. Gl�ubigen oder Priestern, die darum bitten, hat der Pfarrer auch zu besonderen Gelegenheiten Feiern in dieser au�erordentlichen Form zu gestatten, so z. B. bei Trauungen, bei Begr�bnisfeiern oder bei Feiern zu bestimmten Anl�ssen, wie etwa Wallfahrten.
� 4. Priester, die das Me�buch des sel. Johannes XXIII. gebrauchen, m�ssen geeignet und d�rfen nicht von Rechts wegen gehindert sein. � 5. In Kirchen, die weder Pfarr- noch Konventskirchen sind, ist es Sache des Kirchenrektors, eine Erlaubnis bez�glich des oben Genannten zu erteilen. Art. 6. In Messen, die nach dem Me�buch des sel. Johannes XXIII. zusammen mit dem Volk gefeiert werden, k�nnen die Lesungen auch in der Volkssprache verk�ndet werden, unter Gebrauch der vom Apostolischen Stuhl rekognoszierten Ausgaben.
Art. 7. Wo irgendeine Gruppe von Laien durch den Pfarrer nicht erhalten sollte, worum sie nach Art. 5 � 1 bittet, hat sie den Di�zesanbischof davon in Kenntnis zu setzen. Der Bischof wird nachdr�cklich ersucht, ihrem Wunsch zu entsprechen. Wenn er f�r eine Feier dieser Art nicht sorgen kann, ist die Sache der P�pstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ mitzuteilen. Art. 8. Ein Bischof, der f�r Bitten dieser Art seitens der christgl�ubigen Laien Sorge tragen m�chte, aber aus verschiedenen Gr�nden daran gehindert wird, kann die Sache der P�pstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ berichten, die ihm Rat und Hilfe geben wird. Art. 9 � 1. Der Pfarrer kann – nachdem er alles wohl abgewogen hat – auch die Erlaubnis geben, da� bei der Spendung der Sakramente der Taufe, der Ehe, der Bu�e und der Krankensalbung das �ltere Rituale verwendet wird, wenn das Heil der Seelen dies nahelegt. � 2. Den Bisch�fen ist ferner die Befugnis gegeben, das Sakrament der Firmung nach dem alten Pontificale Romanum zu feiern, wenn das Heil der Seelen dies nahelegt. � 3. Die geweihten Kleriker haben das Recht, auch das R�mische Brevier zu gebrauchen, das vom sel. Johannes XXIII. im Jahr 1962 promulgiert wurde.
Art. 10. Der Ortsordinarius hat das Recht, wenn er es f�r angebracht h�lt, eine Personalpfarrei nach Norm des Canon 518 f�r die Feiern nach der �lteren Form des R�mischen Ritus zu errichten oder einen Rektor bzw. Kaplan zu ernennen, entsprechend dem Recht. Art. 11. Die P�pstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die von Johannes Paul II. im Jahr 1988 errichtet wurde, erf�llt weiterhin ihre Aufgabe.[5] Diese Kommission soll die Form, die Amtsaufgaben und die Handlungsnormen erhalten, mit denen der Papst sie ausstatten will. Art. 12. Dieselbe Kommission wird �ber die Befugnisse hinaus, derer sie sich bereits erfreut, die Autorit�t des Heiligen Stuhles aus�ben, indem sie �ber die Beachtung und Anwendung dieser Anordnungen wacht. Alles aber, was von Uns durch dieses als Motu Proprio erlassene Apostolische Schreiben beschlossen wurde, ist – so bestimmen Wir – g�ltig und rechtskr�ftig und vom 14. September dieses Jahres, dem Fest der Kreuzerh�hung, an zu befolgen, ungeachtet jeder anderen gegenteiligen Anordnung.
Institutio generalis Missalis Romani, Editio tertia, 2002, Nr. 397.
[2] Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus vom 4. Dezember 1988, Nr. 3: AAS 81 (1989) 899. [3]
[4] Hl. Papst Pius X., Apostolisches Schreiben „Motu Proprio“ Abhinc duos annos vom 23. Oktober 1913: AAS 5 (1913) 449-450; vgl. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus, Nr. 3: AAS 81 (1989) 899. [5] Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben „Motu Proprio“ Ecclesia Dei adflicta vom 2. Juli 1988, Nr. 6: AAS 80 (1988) 1498.

References: Art. 1
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 4
 Art. 2
 Art. 5
 Art. 6

Art. 7
 Art. 5
 Art. 8
 Art. 9

Art. 10
 Art. 11
 Art. 12