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Timestamp: 2016-09-26 00:14:33+00:00

Document:
8C_850/2015 (19.04.2016)
8C_850/2015 � � Urteil vom 19. April 2016
CONCORDIA Schweizerische Kranken-
und Unfallversicherung AG,
Unfallversicherung (unfall�hnliche K�rpersch�digung),
vom 14. Oktober 2015.
A.________ (Jg. 1962) zog sich am 25. Juli 2014 eine Verletzung der rechten Schulter (Ruptur der langen Bizepssehne) zu, als er sich beim R�ckw�rtsziehen einer auf R�dern stehenden K�hltruhe mit einem Gewicht von rund 200 kg umdrehte, um zu kontrollieren, ob der Weg hinter ihm von Hindernissen, welche das freie Rollen der gezogenen Truhe h�tten beeintr�chtigen k�nnen, frei war. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) lehnte ihre Leistungspflicht mit Verf�gung vom 26. Februar 2015 ab, weil weder ein Unfall noch eine unfall�hnliche K�rpersch�digung vorl�ge. Daran hielt sie auf Einsprache des Krankenversicherers - der CONCORDIA Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG - hin mit Entscheid vom 20. April 2015 fest.
In Gutheissung der dagegen von der Krankenversicherung ergriffenen Beschwerde hob das Verwaltungsgericht des Kantons Obwalden den Einspracheentscheid der SUVA vom 20. April 2015 mit Entscheid vom 14. Oktober 2015 auf und stellte fest, dass die SUVA im Zusammenhang mit der unfall�hnlichen K�rpersch�digung vom 25. Juli 2014 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen habe. Zu deren Festsetzung wurde die Sache an diese zur�ckgewiesen.
Die SUVA l�sst Beschwerde am Bundesgericht f�hren mit dem Antrag, ihr Einspracheentscheid vom 20. April 2015 sei unter Aufhebung des angefochtenen kantonalen Gerichtsentscheides zu best�tigen.
Die CONCORDIA und das kantonale Gericht schliessen je auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 ff. BGG) kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss den Art. 95 f. BGG erhoben werden. Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder der Unfallversicherung ist das Bundesgericht - anders als in den �brigen Sozialversicherungsbereichen (Art. 97 Abs. 1, Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG) - nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG). Es wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG), pr�ft indessen - unter Beachtung der Begr�ndungspflicht in Beschwerdeverfahren (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG) - nur die geltend gemachten R�gen, sofern allf�llige weitere rechtliche M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
2.1.�Einig sind sich Beschwerdef�hrerin und Vorinstanz darin, dass der Versicherte am 25. Juli 2014 keinen eigentlichen Unfall nach Art. 4 ATSG (in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 und 3 sowie Art. 7 und 8 UVG) erlitten hat, weil es nicht zur sch�digenden Einwirkung eines ungew�hnlichen �usseren Faktors auf den K�rper des Versicherten gekommen ist und es damit an einer f�r die Erf�llung des Unfallbegriffes unabdingbaren Voraussetzung mangelt. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers f�llt damit unbestrittenermassen nur in Betracht, wenn sich der Versicherte an diesem Tag eine unfall�hnliche K�rpersch�digung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 UVG zugezogen hat.
2.2.�Die zur Leistungspflicht der Unfallversicherung bei unfall�hnlichen K�rpersch�digungen (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV) ergangene Rechtsprechung (BGE 139 V 327, 129 V 466) hat das kantonale Gericht zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
3.1.�Von keiner Seite in Frage gestellt wird, dass die Verletzung des Versicherten (Ruptur der langen Bizepssehne rechts) unter die in Art. 9 Abs. 2 UVV aufgelisteten unfall�hnlichen K�rpersch�digungen f�llt (Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV: Sehnenrisse).
3.2.�Die Leistungspflicht des Unfallversicherers ist jedoch - auch wenn eine der in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV unter dem Titel "unfall�hnliche K�rpersch�digungen" aufgef�hrten Befunde erhoben wird - nur gegeben, wenn die Verletzung, wie in Art. 4 ATSG vorgesehen, auf eine pl�tzliche, nicht beabsichtigte sch�digende Einwirkung eines �usseren Faktors zur�ckzuf�hren ist. Bei den unfall�hnlichen K�rpersch�digungen im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV entf�llt im Vergleich zu den eigentlichen Unf�llen nach Art. 4 ATSG einzig das Tatbestandselement der Ungew�hnlichkeit des auf den K�rper einwirkenden �usseren Faktors (BGE 139 V 327 E. 3.1 S. 328, 129 V 466 E. 2.2 S. 467 und 123 V 43 E. 2b S. 44 f., je mit Hinweisen). Alle �brigen Begriffsmerkmale eines Unfalles m�ssen hingegen - wie das kantonale Gericht unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung richtig festgehalten hat - auch bei unfall�hnlichen K�rpersch�digungen erf�llt sein. Dies gilt namentlich f�r das Erfordernis des auf den menschlichen K�rper einwirkenden �usseren Faktors, worunter ein ausserhalb des K�rpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnf�lliger - eben unfall�hnlicher - Einfluss auf den K�rper zu verstehen ist (BGE 129 V 466 E. 2.2 S. 467 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 139 V 327 E. 3.3.1 S. 329). Die sch�digende Einwirkung kann auch in einer k�rpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 E. 4.1 S. 468 f. mit Hinweisen), doch gilt das Auftreten von Schmerzen allein noch nicht als �usserer Faktor im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 9 Abs. 2 UVV, ist ein solcher also nicht gegeben, wenn die versicherte Person einzig das (in zeitlicher Hinsicht erstmalige) Auftreten von Schmerzen angibt, aber keine gleichzeitig mitwirkende �ussere Komponente zu benennen vermag (BGE 129 V 466 E. 4.2.1 S. 469 f.).
3.3.�F�r die Annahme der sch�digenden Einwirkung eines �usseren Faktors auf den menschlichen K�rper ist ein Geschehen erforderlich, das sich in einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage abspielt und welchem �berdies ein erh�htes Gef�hrdungspotenzial innewohnt (vgl. BGE 129 V 466 E. 4.2.2 S. 470). Ein solches Geschehen kann auch in einer k�rpereigenen Bewegung gesehen werden, sofern diese eine physiologisch normale und psychologisch beherrschte Beanspruchung �bersteigt.
Beizupflichten ist der Beschwerdef�hrerin einerseits darin, dass allein das Ziehen einer rund 200 kg schweren K�hltruhe, welche auf R�dern steht resp. rollt, zumindest auf ebenem Boden, also ohne dass eine Steigung zu �berwinden w�re (etwas Derartiges wurde nie behauptet), noch keine allgemein gesteigerte Gefahrenlage schafft; dies schon gar nicht bei einem Versicherten, welcher - wie hier - eigenen Angaben zufolge solche Man�ver mindestens ein Mal w�chentlich durchzuf�hren hat. Dieser Vorgang kann nicht als mit einem besonderen Risiko behaftet betrachtet werden, sondern ist als durchaus �bliche Alltagsverrichtung im Rahmen seiner gewohnten beruflichen T�tigkeit einzustufen. So konnte er die K�hltruhe bewegen, n�tigenfalls auch jederzeit zum Stoppen bringen, ohne sich dabei physiologisch in eine ungew�hnliche Position begeben zu m�ssen. Andererseits ist einem blossen "Blick zur�ck" - entgegen der im angefochtenen Entscheid zum Ausdruck gebrachten vorinstanzlichen Ansicht - auch kein erh�htes Gef�hrdungspotenzial beizumessen. Die dadurch bedingte Drehung des Kopfes und allenfalls eines Teils des Oberk�rpers �ndert daran nichts. Insoweit ist der Beschwerdef�hrerin ebenfalls vollumf�nglich zuzustimmen. Ein unfall�hnlicher Vorfall, f�r dessen Folgen der Unfallversicherer gest�tzt auf Art. 9 Abs. 2 UVV in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 UVG Leistungen zu erbringen h�tte, liegt demnach nicht vor. Dahingestellt bleiben kann, ob - wie der Versicherte nachtr�glich geltend gemacht hat - tats�chlich von einer Ruckartigkeit des damaligen Bewegungsablaufes - sei es beim Ziehen der Truhe selbst, sei es beim "Blick zur�ck" - auszugehen ist, was von der Beschwerdef�hrerin unter Berufung auf die Massgeblichkeit der "Aussage der ersten Stunde" (BGE 115 V 133 E. 8c S. 143) bestritten wird. Ein erh�htes Gef�hrdungspotenzial liesse sich daraus ohnehin nicht ableiten.
Die Gerichtskosten (Art. 65 Abs. 1 und Abs. 4 lit. a BGG) sind dem Verfahrensausgang entsprechend von der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Obwalden vom 14. Oktober 2015 wird aufgehoben und der Einspracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt vom 20. April 2015 best�tigt.
Dieses Urteil wird den Parteien, A.________, dem Verwaltungsgericht des Kantons Obwalden und dem Bundesamt f�r Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 19. April 2016

References: Art. 95
 Art. 105
 Art. 105
 Art. 4
 Art. 6
 Art. 7
 Art. 9
 Art. 6
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 4
 Art. 9
 Art. 4
 BGE 
 Art. 9
 BGE 
 Art. 9
 Art. 6