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Timestamp: 2019-09-20 11:59:25+00:00

Document:
Delistings börsennotierter AGs und Kandidaten "auf dem Weg"
Thema: Delistings börsennotierter AGs und Kandidaten "auf dem Weg"
15.07.2019, 12:38 #1
In diesem Thread können Aktiengesellschaften, deren Aktien bereits vom Markt genommen wurden (Rückblick) UND Aktiengesellschaften, deren Aktien auf Grund bereits erfolgter Ankündigung (Vorschau) ODER nur möglicher Weise (Prognosen) vor einem Delisting stehen, diskutiert werden.
Aus Rückblick und Vorschau bzw. Prognose können Interessierte wertvolle Informationen zum Thema Börsenwiderruf und Folgen ableiten.
15.07.2019, 12:53 #2
Erotik Abwicklungsgesellschaft AG (ehemals Beate Uhse AG) Delisting
Im vom Gericht bestätigten Insolvenzplan wird der bereits vorher über Pressemeldung angekündigte Börsenwiderruf der Aktien der ehemaligen Beate Uhse AG bestätigt.
Insolvenzplan:
https://www.beate-uhse.ag/index.php/...e-uhse-ag.html
Zitat daraus (Seite 97): "Eine Fortsetzung der Schuldnerin erfolgt nicht. Es bleibt bei der infolge der Insolvenzeröffnung eingetretenen Auflösung im Sinne des § 262 Abs. 1 Nr. 3 AktG."
Pressemeldung vom 7. März 2018:
https://www.dgap.de/dgap/News/adhoc/...newsID=1057395
Zitat daraus: "Die Beate Uhse AG wird nach Umsetzung der Regelungen dieses Insolvenzplanes als Gesellschaft liquidiert. Damit einher geht ein Verlust der Börsenzulassung und ein vollständiges Untergehen der Anteilsrechte der Aktionäre durch die Liquidation der Schuldnerin. Aus heutiger Sicht ergibt der verbleibende Vermögensteil bei Umsetzung des Insolvenzplans eine mögliche Quote von 1,87% für die Gläubiger der Beate Uhse AG."
15.07.2019, 19:53 #3
Unterschiedliche Arten des Börsenwiderrufs (Delisting, Denotierung)
Der Börsenwiderruf im regulierten Markt ist in §39 Börsengesetz (BörsG) geregelt.
https://dejure.org/gesetze/BoersG/39.html
Für Börsennotierungen im Freiverkehr (Open Market) gelten andere Regelungen.
Delistings nach §39 Absatz 1 BörsG
- nach den Vorschriften des Verwaltungsverfahrensgesetzes (z.b. nach Löschung einer AG aus dem Handelsregister)
- wenn ein ordnungsgemäßer Börsenhandel auf Dauer nicht mehr gewährleistet ist (z.B. im Falle von Marktmanipulation, Unterschreiten des Mindestpreises lt. Börsenrichtlinien)
- der Emittent seine Pflichten aus der Zulassung auch nach einer angemessenen Frist nicht erfüllt (erhebliche oder deutliche Pflichtverstöße gegen z.B. Handelsgesetz, Aktiengesetz, Börsengesetz, Wertpapierhandelsgesetz), hier ist auch das Zwangs-Delisting angesiedelt.
Delistings nach §39 Absatz 2 BörsG
- auf Antrag des Emittenten (Absatz 2 Satz 1 = mittels eines Angebots zum Erwerb der Wertpapiere)
- auf Antrag des Emittenten (Absatz 2 Satz 2 = falls eine weitere Notierung im regulierten Markt besteht, können zweite und alle weiteren Notierungen unmittelbar widerrufen werden)
In den letzten Jahren seit Gültigkeit des neuen §39 BörsG gab es einige Diskussionen um AUSNAHMEN vom §39 Absatz 2 BörsG !
Z.B. im Falle von Sanierungen und im Falle von Insolvenzverfahren bzw. Abwicklung: Es ist nicht ausgeschlossen, dass in Einzelfällen ein Widerruf nach §39 Absatz 1 dort möglich wird, wo normaler Weise §39 Absatz 2 Börsengesetz maßgeblich wäre. Siehe hierzu den Fall der Transtec AG im Folgenden.
15.07.2019, 20:19 #4
Sonderfall Transtec AG Delisting
Die Transtec AG befindet sich im Insolvenzverfahren.
Widerruf der Zulassung im regulierten Markt OHNE Abfindung und OHNE weitere Notierung im regulierten Markt:
"Die Geschäftsführung hat beschlossen, die Zulassung zum Handel im regulierten Markt der auf den Namen lautenden Stammaktien o.N. - ISIN DE0007241424 / WKN 724142 - der transtec Aktiengesellschaft, Reutlingen, gemäß § 39 Abs. 1 Börsengesetz in Verbindung mit § 34 Abs. 2 der Börsenordnung der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse zu widerrufen."
"Der Widerruf tritt mit Ablauf von Montag, dem 18. Februar 2019, in Kraft. Stuttgart, den 07. Januar 2019"
http://177766.homepagemodules.de/t98...tellt-WKN.html
Der Widerruf im regulierten Markt erfolgte also nur ca. 30 Handelstage nach Bekanntmachung ! Die Aktie notiert derzeit nur noch im Freiverkehr der Börse Hamburg.
20.07.2019, 20:44 #5
Vestcorp AG - Börsenwiderruf am 28.6.2019 vollzogen
https://www.gettex.de/fileadmin/bull...x_20190212.pdf
Einstellung der Notierung
VESTCORP AG A0Z233 DE000A0Z2334
"In oben genannten Wertpapieren wird die Notierung an der Börse München (Spezialisten-Modell) mit Ablauf des 28.06.2019eingestellt."
Die Aktie notierte zuletzt im Freiverkehr der Börse München.
Delistings im Freiverkehr erfolgen nach den Bestimmungen der Börsenordnung der jeweiligen Börse, nicht nach §39 Börsengesetz (BörsG).
03.08.2019, 10:09 #6
Walter Bau AG - Insolvenzverfahren vor Abschluss
Schlusstermin im Insolvenzverfahren der AG war bereits in 2017:
6 IN 94/05 - Der Insolvenzverwalter Herr Dipl.-Kfm. Werner Schneider hat mitgeteilt: In dem Insolvenzverfahren Ã¼ber das VermÃ¶gen der WALTER BAU-AKTIENGESELLSCHAFT, BÃ¶heimstraÃŸe 8, 86153 Augsburg, findet mit Zustimmung des Gerichts die Schlussverteilung statt. VerfÃ¼gbar sind EUR 39.400.000,00 Verteilungsmasse, zu berÃ¼cksichtigen sind
EUR 1.213.729.501,43 Forderungen. Das Schlussverzeichnis ist auf der GeschÃ¤ftsstelle
des Amtsgerichts Augsburg Â– Insolvenzgericht Â– GeschÃ¤ftszeichen: 6 IN 94/05
niedergelegt. Augsburg, den 01.06.2017; Amtsgericht Augsburg Â– Insolvenzgericht Â–
6 IN 94/05 - In dem Insolvenzverfahren Ã¼ber das VermÃ¶gen d. WALTER BAU-AKTIENGESELLSCHAFT, BÃ¶heimstr. 8, 86153 Augsburg Registergericht: Amtsgericht Augsburg Register-Nr.: HRB 6151 - Schuldnerin - Die weitere VergÃ¼tung und Auslagen des Mitglieds des GlÃ¤ubigerausschusses fÃ¼r die Teilnahme am Schlusstermin wurden festgesetzt. Der vollstÃ¤ndige Beschluss und die Antragsunterlagen kÃ¶nnen durch Verfahrensbeteiligte auf der GeschÃ¤ftsstelle des Insolvenzgerichts eingesehen werden. Amtsgericht Augsburg - Insolvenzgericht - 13.09.2017
Daher wird nach Â§218 Insolvenzordnung kein Insolvenzplan mehr berÃ¼cksichtigt und somit ist keine Sanierung der AG mehr mÃ¶glich.
Zitat aus der Insolvenzordnung:
"Ein Plan, der erst nach dem SchluÃŸtermin beim Gericht eingeht, wird nicht berÃ¼cksichtigt."
Am Ende steht daher die LÃ¶schung der AG und das Delisting der Aktie.
03.08.2019, 10:15 #7
Walter Bau AG - Bald Auszahlung?
https://www.br.de/nachrichten/bayern/spaete-entschaedigung-fuer-walter-bau-mitarbeiter-in-augsburg
06.06.2019, 09:08 Uhr
Späte Entschädigung für Walter-Bau-Mitarbeiter in Augsburg
Ein Delisting kann noch vor der Löschung oder wird kurz nach Löschung der AG erfolgen.
05.08.2019, 09:34 #8
Agennix AG - Delisting der Aktie nach Abwicklung der AG
https://www.finanznachrichten.de/nac...eutsch-016.htm
Die Beendigung der Börsennotierung war am 7. März 2019 bekannt gegeben worden und erfolgte nach Schlussrechnung am 5. Juni 2019.
Wer die verfügbaren Informationen zur Agennix AG noch einmal Revue passieren lassen möchte:
http://www.agennix.de/
09.08.2019, 08:31 #9
Insolvenz Unylon AG - Delisting der Aktie nach Löschung der iAG
Amtsgericht Hamburg Aktenzeichen: HRB 83472
Bekannt gemacht am: 17.04.2019 11:18 Uhr
HRB 83472: UNYLON AG, Hamburg (Albert-Einstein-Ring 5, 22761 Hamburg). Das Registergericht beabsichtigt, die im Handelsregister eingetragene Gesellschaft von Amts wegen nach § 394 FamFG zu löschen. Die Frist zur Erhebung eines Widerspruchs gegen die beabsichtigte Löschung wird auf 3 Monate festgesetzt.
Quelle: www.insolvenzbekanntmachungen.de; Suche über Firma/Amtsgericht/HRB
§394 FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit) dient der Löschung vermögensloser Gesellschaften und Genossenschaften
Falls nach Einstellung eines Insolvenzverfahrens der Insolvenzgrund der AG mittels §274 Aktiengesetz nicht beseitigt werden konnte und das Vermögen nicht ausreichte, um alle Gläuibigerforderungen vollständig zu befriedigen, wird auf Vermögenslosigkeit der AG geprüft.
Im Falle der Vermögenslosigkeit erfolgt die Löschung der AG "von Amts wegen" über §394 FamFG. Insolvenzverwalter sparen derart die Delistinggebühren ein. Das Delisting der Aktie erfolgt unmittelbar nach Löschung einer börsennotierten AG.
Fristablauf Widerspruchsverfahren für die Unylon AG war der 17.7.2019.
09.08.2019, 09:23 #10
Insolvenz Solvesta AG - Delisting zur Schonung der Insolvenzmasse
"Mit heutigem Beschluss der Börse Düsseldorf wird die Notierung der Aktien
der Solvesta AG (WKN: A12UKD, ISIN: DE000A12UKD1) im allgemeinen Freiverkehr
der Börse Düsseldorf gemäß § 7 Abs. 2 AGB Freiverkehr mit Ablauf des
29.11.2019 eingestellt."
Die Solvesta AG befindet sich seit 15.11.2018 in Insolvenz. Es besteht Masseunzulänglichkeit:
1513 IN 1493/18 - In dem Insolvenzverfahren über das Vermögen d. Solvesta AG...HRB 212652 - Schuldnerin - hat der Insolvenzverwalter am 25.01.2019 angezeigt, dass Masseunzulänglichkeit vorliegt, § 208 Abs. 1 InsO. Amtsgericht München - Insolvenzgericht - 31.01.2019
12.08.2019, 10:18 #11
Insolvenz Thieliert AG - Delisting der Aktie bereits erfolgt
Die Thielert AG befindet sich seit 01.07.2008 im Insolvenzverfahren, es besteht neben der Zahlungsunfähigkeit auch eine Überschuldung:
Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen: 67g IN 150/08 Über das Vermögen der im Handelsregister des Amtsgerichts Hamburg unter HRB 77997 eingetragenen Thielert AG, Helbingstraße 64-66, 22047 Hamburg, gesetzlich vertreten durch den Vorstand Marcel Kleiss, Geschäftszweig: Die Verwaltung eigenen Vermögens, insbesondere von Beteiligungen an anderen Gesellschaften, insbesondere an der Thielert Aircraft Engines GmbH und der Thielert Motoren GmbH wird wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung heute, am 01.07.2008, um 15:35 Uhr das Insolvenzverfahren eröffnet.
Die Aktie ist bereits von der Börse genommen worden. Zumal die Aktionäre wegen Überschuldung auch leer ausgehen werden. Die Forderungen gegen die AG übersteigen die Insolvenzmase nämlich um ein Mehrfaches:
Gemäß dem auf der Geschäftsstelle des Amtsgerichts Hamburg, Insolvenzgericht, zum Az. 67g IN 150/08 niedergelegten Gläubigerverzeichnis sind Insolvenzforderungen in Höhe von EUR 127.021.418,84 sowie Ausfallforderungen in Höhe von EUR 17.930.815,33 zu berücksichtigen. Amtsgericht Hamburg, 16.02.2018
Gegenwärtiger Wert der Masse: 29.949.613,27 EUR Amtsgericht Hamburg, 17.12.2018
Quelle: www.insolvenzbekanntmachungen.de; Suche über Firma/Aktenzeichen/HRB
Damit liegt im Rahmen der Bilanz des Insolvenzverwalters weiterhin Überschuldung (Vermögen < Verbindlichkeiten) vor. Nach Abzug sämtlicher Verfahrenskosten dürfte nach Verteilung der vorhandenen Masse - quotal - an die Gläubiger, die Vermögenslosigkeit der Thielert AG gegeben sein.
D.h., dass die AG nach Beendigung des Insolvenzverfahrens gemäß §394 FamFG aus dem Handelsregister zu löschen wäre:
https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__394.html
Geändert von tbhomy (12.08.2019 um 10:23 Uhr) Grund: Versehentlich widersprüchliche Darstellung am Ende
04.09.2019, 19:57 #12
Walter Bau AG - Dem Ende so nah
https://www.schneidergeiwitz.de/
Nach unten scrollen, siehe "Aktuelles": Meldung neu, vom 4. September 2019
Demnach könnte Ende 2019 / Anfang 2020 das Insolvenzverfahren beendet werden.
Die Gläubigermehrheit erhält eine Quote von nur 3,28%. Damit ist die AG nach Beendigung des Insolvenzverfahrens noch immer überschuldet. Die AG ist gem. §394 FamFG zu löschen und die Aktiennotierung in diesem Zusammenhang zu widerrufen.
05.09.2019, 12:07 #13
Aktien vom Kurszettel zu nehmen?
In der Praxis müsste nach Beendigung des Insolvenzverfahrens durch den zuständigen
Staatsanwaltwalt eine Streichung vom Kurszettel beantragt werden? Ist dies nun eine
Kannvorschrift? Wie lange darf eine Unternehmer-Insolvenz dauern?
Das Insolvenzrecht sieht ja vor, dass nach der Insolvenzeröffnung die Anteilseigner die
rechtliche Herschaft über das Unternehmen; also hier die angenomme AG verlieren. Den
Aktionären gehört ja bekanntlich nur der Anteilschein -Aktie- an der Unternehmung.
Rechtlich gesehen, ist dieser praktisch nach der Eröffnung erstmals wertlos anzusetzen.
Für die Aktionäre bedeutet dies, dass nur noch das Stück Papier -Aktie- den Wert dar-
stellt. Wie viel ist ein nacktes Blatt Papier wohl wert?
Dieses nackte Blatt Papier kann in speziellen Einzelfällen sehr viel Wert sein. Wenn also
der Antrag durch die Staatsanwaltschaft oder Großaktionäre auf Delisting gestellt wird,
könnten theoretisch nach Steuerrecht Aktienverluste geltend gemacht werden.
In der Praxis heißt es leider immer, dass die Unternehmung nach erfolgreicher Insolvenz
in Eigenverantwortung weitergeführt wird. Wenn hier leider geschrieben wird, ist dies
ein Nachteil für die Kapitalgeber Aktionäre. Die Aktionäre verlieren also den gesamten
Kaufpreis einer Aktie und können dies steuerlich noch nichtmal geltend machen; da
die Aktie ja weiter gelistet wird. Selbst nach dem Delisting könnte die Aktie noch einen
Antiquitäten-Preis haben, der höher liegen könnte als der damalige Kurswert. Hier be-
zahlt der Aktionär nur die Schönheit der Aktie. § 394????????
Der nächste Hammer ist der Mantel einer AG. Das liebe gedrucke Papier Aktie könnte
nach Abschluss des Insolvenzverfahrens und Freigabe des Staatsanwaltes zur Gründung
einer neuen AG verwandt werden. Unter Umständen mit neuem aufgedruckten Namen.
Also ganz wertlos braucht das liebe Papier nicht zu sein.
In der Praxis würden auch wirklich steuerrechtlich erlaubte generierte Verluste nichts
nutzen, da keine Gegenrechnung mit Gewinnen da ist. Wenn Menschen alles verloren
haben, sind auch keine Gewinne da. Die Aufregung vom jetzigen Finanzminister habe
ich hier nicht verstanden. Das Gegenrechnen von Verlusten scheint sehr wichtig zu
06.09.2019, 11:56 #14
Staatsanwaltwalt eine Streichung vom Kurszettel beantragt werden? Ist dies nun eine Kannvorschrift?
Im Falle der Vermögenslosigkeit gem. §394 FamFG eine gesetzlich festgelegte Verwaltungsvorschrift. Siehe auch Verwaltungsverfahrensgesetz Und zwar Streichung vom Kurszettel wegen Löschung der AG aus dem Handelsregister.
In allen anderen Fällen, wäre noch verbliebenes nicht verteiltes Vermögen (selten) oder nach Verteilung aufgedecktes Vermögen (sehr selten) über eine Nachtragsverteilung an die Gläubiger zu verteilen. Ist das Restvermögen nicht mehr liquidierbar, auch das gibt es, dann kann es mit der Löschung der AG etwas dauern. Hier fehlt ein entsprechender § in der Gesetzgebung, der aber bereits mehrmals moniert wurde.
Wie lange darf eine Unternehmer-Insolvenz dauern?
So lange, bis alle Rechtsakte zur Befriedigung der geprüften und anerkannten Gläubigeransprüche zum Abschluss gebracht wurden.
in Eigenverantwortung weitergeführt wird.
Immer ? Das wäre mir neu. Du meintest sicherlich "immer wieder" oder "immer öfter". Allerdings findet die Weiterführung nicht mehr als AG/SE statt, sondern nach einem Asset-Deal als GmbH o.ä. Der Anteil an Share-Deals oder aus der Insolvenz heraus folgenden "Mantel-Verwertungen" ist seit 2015 stark rückläufig. Das liegt vor Allem an den Gläubiger-Entscheidungen in den Gläubigerversammlungen und u.A. auch an der komplizierten neuen Gesetzgebung, hier auch in steuerlicher Hinsicht.
06.09.2019, 16:31 #15
Delisting einer AG ist also nicht so einfach
Ich kann mich erinnern, dass die Kampa AG eine große Hausbaugesellschaft auch in die
Insolvenz gegangen ist. Hier war die Sachlage bis heute noch Komplizierter. Unter der AG
firmierten die Töchter teilweise als GmbH. Weiter wird wahrscheinlich der größte Teil der
in Anspruch genommenen Vermögensteile gemietet gewesen sein. Ein guter Vorstand ist damals gegangen
und hat als Abschied gesagt: "Wenn ich Euch das Unternehmen anvertraue, wird es in
spätestens 3 Jahren Insolvenz anmelden." "So ähnlich ist es auch bei dieser Gesellschaft
gekommen." Was dazu führen kann, ein Unternehmen an die Wand zu fahren, braucht hier
nicht geschrieben zu werden. Ich glaube mich zu erinnern, dass der damalige Insolvenzver-
walter Schreiber aus Heidelberg -Rechtsanwalt- eingesetzt war. Aus meinen Recherchen
kann ich nicht erkennen, dass hier bereits eine Beendigung des Insolvenzverfahrens
publiziert wurde. Das große Schweigen kann hier wahrscheinlich nur ein Staatsanwalt
auflösen. Die Aktionäre haben hier nicht immer ein Recht auf ausführliche Information.
Nach der Insolvenzeröffnung kann große gesetzliche Funkstille für die Aktionäre eintreten.
Die nächsten Sätze sind reine Vermutungen und brauchen nichts mit einer Wahrheit zu
tun haben: "Meine persönliche Einschätzung ist hier, dass die Häuserparks nicht direkt
zu versilbern waren. Weiter werden sicherlich viele Erbgrundstücke mit Häusern bebaut
gewesen sein. Also es gibt ja Vermögensteile, die nicht leicht aus anderen Teilen her-
auszulösen sind. Ein Sachwalter kann wahrscheinlich genau wie ein Vorstand agieren.
Eine Villa die 1,2 Mio wert ist für 300000 Euro zu versilbern könnte hier also auch
passiert sein. Niemand scheint hier richtig zu prüfen, was hinter den Kulissen passiert.
Wo liegen von dieser Gesellschaft heute die Aktien? Es könnte sein, dass die Deutsche
Bank und Triton heute noch die meisten Aktien, die noch immer gelistet werden, halten.
Die Refinanzierung der Kampa muss ein Hammer zu Gunsten der Finanzierungsgesellschaften
gewesen sein. Bei manchen Kommunen im Ruhrgebiet wurde hier erfolgreich gegen geklagt.
Die Wahrheit nützt leider heute den Arbeitnehmern und Aktionären nichts mehr. Ein
Unternehmen kaufen, um es an die Wand zu fahren, ist nicht richtig. Wie waren noch die
Worte von Luis, was alles dazu führen kann, ein Unternehmen in die Pleite zu führen.
1. Konkurrenzunternehmen, die Maulwürfe in das Unternehmen installieren.
2. Eifersüchtige Geschäftsführer aus der zweiten Reihe, die plötzlich ans Ruder kommen.
3. Selbstüberschätzung von Managern.
4. Finanzierungsgesellschaften die überall Einsicht haben.
5........................ und jetzt kommt alles was Luis geschrieben hat und vieles mehr.
Welches Interesse können Großaktionäre haben, dass eine Gesellschaft weiter gelistet
bleibt. Hier besteht sicherlich immer auch ein wenig die Hoffnung, dass die zu verkaufenen
Sachwerte sich noch einmal in Goldadern verwandeln. Hoffentlich nimmt der Rechtsan-
walt Schreiber hier nicht sein Wissen mit ins Grab? Dies soll nur ein Hinweis auf die mög-
liche Dauer eines Verfahrens sein. Viele Firmen scheint der Insolvenzverwalter hier gut
im Sinne der Mitarbeiter weiterveräußert zu haben? Gut hier war sicherlich, dass der
damalige Großaktionär W. Kampa noch rechtzeitig vor der Insolvenz seine Aktien ver-
kauft hat. Hier wäre ich gern Spürhund Schnuffi gewesen. Rückübertragung von Ver-
mögensteilen. Wem dient heute noch die Wahrheit?
In der Insolvenz in Eigenverantwortung wird wahrscheinlich besser kontrolliert als in
einer normalen Firmeninsolvenz ohne Weiterführung? Ein Sachwalter ist ein Herrgott.
Besser wären hier sicherlich zwei unabhängige Sachwalter für eine Firma, die nur in
Übereinstimmung Firmenteile versilbern dürfen. Hier kommen wieder die vielen guten
Gesetze zum Tragen. Manchmal ist es natürlich auch eine Überforderung der Einzelnen.
Die Gründe für noch Listing und Delisting können schon umfangreich sein. Also Rechts-
anwälte, die als Sachwalter eingesetzt sind, haben es bestimmt nicht einfach. Wo ist
nur das ganze Geld geblieben. Vielleicht liegt es noch bei der Deutschen Bank irgendwo
im Tresor und keiner weiß darüber Bescheid.
08.09.2019, 22:22 #16
Stichwort Kontrolle: Siehe Themen wie Sonderinsolvenzverwalter, Gutachter, Wirtschaftsprüfer, Insolvenzgericht, Gläubigerversammlung.
Großaktionäre haben sehr wenig Einfluss auf die Insolvenz-rechtlich beschiedene Gestaltung der Börsennotierung, das haben nur die Gläubigerversammlung, der Insolvenzverwalter und das Insolvenzgericht. Hopp oder Top. Oftmals je nachdem, wie viel Cash in der Masse ist. Großaktionäre können max. die Listing-Gebühren und alle weiteren Kosten übernehmen. Tragen dafür aber das Risiko, dass die Gläubiger Ihnen den Boden unter den Füßen wegreißen.
Die Praxis spricht eine deutliche Sprache: Die Zahl der Sanierungspläne aus der Insolvenz heraus ist in den letzten Jahren spürbar gesunken. Sie war allerdings eh nie sehr hoch.
08.09.2019, 22:34 #17
Delisting einer AG in Insolvenz soll eine Ausnahme abbilden
Die gängige Rechtsprechung lässt offen, wie §39 Absatz 2 Börsengesetz vor Allem das Problem "Aktionärsschutz kontra Gläubigerschutz" auflösen soll.
In juristisch und wirtschaftlich einschlägigen Kreisen werden bereits seit längerer Zeit Ausnahmen für Insolvenz- und Sanierungsfälle diskutiert.
Ein erster Vorstoß über die theleologische Reduktion des §39 Börsengesetz stieß zwar beim Verwaltungsgericht auf Widerstand, aber das letzte Wort ist hier in Bezug auf den Gläubigerschutz noch nicht gesprochen:
https://doldemayen.de/wp-content/upl...B%C3%B6rsG.pdf
10.09.2019, 18:04 #18
Senvion -sehr schönes Beispiel, wie mag es hier wohl weitergehen?-
Senvion hat den Hauptsitz der AG in Luxemburg? Heute Gläubigerversammlung, 10.9.19 noch
kein Ende abzusehen.
Bilanzprüfung usw., Ob das Geld der Gesellschaft bei einer Insolvenz in Eigenverantwortung
noch schneller verbrannt wird? Oft werden die Verfahren endlos hingezogen und nur wenige
machen sich die Taschen voll. Ein guter Vergleich könnte in vielen Fällen günstiger sein.
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 § 394

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