Source: https://www.familienrecht-allgaeu.de/de/erwerbsobliegenheit-eltern-kindesunterhalt.amp
Timestamp: 2020-04-08 08:50:10+00:00

Document:
Kindesunterhalt | Leistungsfähigkeit der Eltern
Standort: Startseite > Kanzlei für Familienrecht > Infothek > Leitfaden zum Unterhalt > Kindesunterhalt > Leistungsfähigkeit der Eltern
bemessen nach der Leistungsfähigkeit der Eltern
» Bedarfsermittlung nach Leistungsfähigkeit
Wegen > § 1603 Abs.2 BGB ergeben sich für > barunterhaltspflichtige Eltern etliche Besonderheiten. Eine davon ist die Ermittlung des Barbedarfs des Kindes mit > abgeleiteter Lebensstellung nach > fiktivem Elterneinkommen. Mit anderen Worten: der Bedarf des Kindes bemisst sich nicht nur nach dem erzielten sondern grundsätzlich nach dem erzielbaren Elterneinkommen. Letztendlich wird bereits auf der Prüfungsebene > Bedarf auf die > Leistungsfähigkeit der Eltern abgestellt.
» Gesteigerte Unterhaltspflicht
Weiter folgert die Rechtsprechung aus > § 1603 Abs.2 S.1 BGB, eine > gesteigerte Leistungsfähigkeit des > barunterhaltspflichtigen Elternteils. Dies führt dazu, dass nur ein besonders niedriger > Selbstbehaltssatz dem Elternteil verbleibt. Zum anderen schließt die Rechtsprechung aus § 1603 Abs.2 BGB auf eine gesteigerte > Erwerbsobliegenheit der Eltern gegenüber ihren unterhaltsbedürftigen Kindern. Die Kombination (geringer Selbstbehalt & vereinfachte Zurechnung fiktiven Einkommens) führt in der Praxis häufig dazu, dass es Eltern nicht gelingt, sich (erfolgreich) auf fehlende Leistungsfähigkeit berufen zu können, um damit die Unterhaltsforderung zu Fall zu bringen. Wann Eltern die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit (trotz Erfüllung aller Obliegenheiten) erreicht haben
Wegweiser zur Leistungsfähigkeit der Eltern
Grundsätze zur Leistungsfähigkeit
Allgemeine Leistungsfähigkeit der Eltern
Gesteigerte Leistungsfähigkeit der Eltern
Beweislast zur Leistungsunfähigkeit
Erwerbsobliegenheiten der Eltern
Zurechnung fiktiven Einkommens bei Verstoß gegen die Erwerbsobliegenheit
Bewerbungsobliegenheit - Bemühen um besser bezahlten Arbeitsplatz
Bedarfsermittlung des Kindes bei Erwerbsobliegenheit der Eltern
Strategien bei Überschuldung
Grundsätze zur Leistungsfähigkeit der Eltern
Unterhalt ist vom Unterhaltsschuldner nur dann zu bezahlen, wenn er als leistungsfähig gilt. Leistungsfähig ist, wer mehr unterhaltsrelevantes > Einkommen oder > Vermögen zur Verfügung hat, als er für seinen eigenen Lebensunterhalt benötigt. Was als nötige (finanzielle) Mittel für den eigenen Lebensunterhalt zuerkannt wird, ergibt sich aus den sog. > Selbstbehaltsätzen. Daraus folgt die Formel: Einkommen & Vermögen abzgl. Selbstbehalt = > Leistungsfähigkeit. Je nachdem welche Zahl für den Faktor Einkommen, Vermögen oder Selbstbehalt in Ansatz gebracht wird, ist eine Leistungsfähigkeit festzustellen (= Ergebnis > 0) oder nicht (= Ergebnis < 0).
Die Leistungsfähigkeit der Eltern bestimmt sich nach deren realem und fiktiven Einkommen > Einkommen & Leistungsfähigkeit.
§ 1603 BGB kennt eine > allgemeine Leistungsfähigkeit (§ 1603 Abs.1 BGB) und gegenüber minderjährigen und diesen gleichgestellten volljährigen Kindern (= privilegierte Kinder) eine sog. > gesteigerte Leistungsfähigkeit (§ 1603 Abs.2 BGB)
Wegen der generell gesteigerten > Obliegenheit zur Einkommenoptimierung kommt es in der Praxis häufig zur Zurechnung fiktiven Einkommens.
Zur Sicherung des Mindestunterhalts wird eine Einkommensbereinigung nur beschränkt zugelassen > Mehr
Die Einkommensdebatte tritt jedoch in den Hintergrund, wenn Eltern Vermögen besitzen. Beim Kindesunterhalt gibt es grundsätzlich > kein Schonvermögen der Eltern.
Wer mehr > Einkommen erzielt oder verwertbares > Vermögen besitzt, als zur Deckung des eigenen angemessenen Lebensbedarfs benötigt wird, ist in der Lage, Unterhalt zu bezahlen; er ist im Sinne des § 1603 Abs.1 BGB leistungsfähig. Reicht das Einkommen das Unterhaltsschuldners nur zur Deckung des eigenen Lebensbedarfs (> Selbstbehalt), kann er keine andere Personen unterhalten, sprich: Er ist nicht leistungsfähig. Wer sich auf Leistungsunfähigkeit berufen will, muss diese darlegen und > beweisen. Andernfalls wird die Leistungsfähigkeit unterstellt. Was der "eigene angemessene Unterhalt" ist, oder welches Einkommen (oder Vermögen) dafür notwendig ist, erklärt § > 1603 Abs.1 BGB nicht. Weil das Gesetz keine Zahlen nennt, werden in der Praxis sog. > Selbstbehaltsätze aufgestellt. Sie markieren die Schwelle, ab welchem Einkommensniveau im Regelfall von einer Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners ausgegangen werden kann. Überschreitet das unterhaltsrelevante Einkommen des Unterhaltsschuldners den jeweils maßgebenden Selbstbehalt nicht, wird > in der Regel von Leistungsunfähigkeit auszugehen sein. die Selbstbehaltssätze können der jeweils aktuell geltenden > Düsseldorfer Tabelle als Richtlinie in Anmerkung A. Ziff.5 entnommen werden. Da die Selbstbehaltssätze nur für den Regelfall aufgestellt wurden, könnenzu Erfassung der individuellen Umstände des Einzelfalls > Korrekturen angezeigt sein. Welches Einkommen im Regelfall zur Deckung des eigenen angemessenen Unterhalts benötigt wird, bringt der sog. > angemessene Selbstbehaltsatz zum Ausdruck. Da sich das nominale Existenzminimum schon wegen der Inflation ständig ändert, werden nach Maßgabe des > Existenzminimumbericht der Bundesregierung etwa alle zwei Jahre neue Vorgaben herausgegeben, an denen sich die Zahlen der Düsseldorfer Tabelle orientieren.
Bevor wegen Unterschreitung des angemessenen > Selbstbehaltsatzes nach Düsseldorfer Tabelle (DT) auf eine fehlende Leistungfähigkeit nach § > 1603 Abs.1 BGB geschlossen wird, muss vorab geprüft werden, ob der tatsächliche angemessene Selbstbehalt womöglich niedriger ist, als der Selbstbehaltssatz lt. Düsseldorfer Tabelle. Die Selbstbehaltssätze sind nur Orientierungshilfen für den Regelfall ohne Gesetzeskraft. Die Bemessung des dem Unterhaltspflichtigen zu belassenden Selbstbehalts ist nach ständiger Rechtsprechung des BGH zwar Aufgabe des Tatrichters. Dabei ist es ihm nicht verwehrt, sich an Erfahrungs- und Richtwerte (d.h. Orientierung an den Selbstbehaltsätzen der DT) anzulehnen , sofern nicht im Einzelfall besondere Umstände eine Abweichung gebieten (vgl. BGH, Urteil vom 15.03.2006 - XII ZR 30/04). Der Tatrichter muss aber die gesetzlichen Wertungen und die Bedeutung des jeweiligen Unterhaltsanspruchs berücksichtigen. Es liegt in der Natur der Selbstbehaltsätze nach Düsseldorfer Tabelle, dass diese im individuellen Einzelfall wegen berücksichtigungswürdiger Besonderheiten zu korrigieren sind. Die Selbstbehaltsätze haben keine Gesetzeskraft und wurden aufgestellt, damit für eine Vielzahl von gleichgelagerten Fällen möglichst einheitliche Ergebnisse gefunden werden und nicht jedes Gericht nach seinen eigenen Vorstellungen Zahlen zum Selbstbehalt auswirft. Wann besondere Umstände für eine Korrektur der Selbstbehaltsätze gegeben sind, enthalten die unterhaltsrechtlichen Leitlinien der OLG`s weitere > Hinweise. In Patchwork-Situationen, kommt es regelmäßig zur > Korrektur, d.h. Herabsetzung der Selbstbehaltssätze der DT. Denn diese Situation entspricht nicht der Modellvorstellung der Selbstbehaltssätze der DT. Nach einer Korrektur kann es im Ergebnis u.U. dazu kommen, dass zwar das eigenen > Einkommen die Schwelle des angemessenen Selbsbehaltssatzes nicht übersteigt, aber dennoch tatsächlich (individuell) angemessene Selbstbehalt gewahrt bleibt. Der Übergang zur Prüfung des notwendigen Selbstbehalts hat sich in diesem Fall erübrigt: der Unterhaltsschuldner ist dann bereits nach § > 1603 Abs.1 BGB leistungsfähig.
Selbstbehalt & "privilegierte" Kinder
Die > allgemeine Regel zur Leistungsfähigkeit gilt für barunterhaltspflichtige Eltern gegenüber Kindern im Sinne des § > 1603 Abs.2 BGB nicht.
> § 1603 Abs.1 BGB enthält die > allgemeine Regel zur Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Verwandten.
Wer > Einkommen erzielt bzw. erzielen kann, das die Schwelle des > angemessenen Selbstbehalts übersteigt, ist insoweit leistungsfähig. Die Selbstbehaltsätze der Düsseldorfer Tabelle sind u.U. zu > korrigieren.
Auch > Vermögen der Eltern kann deren Leistungsfähigkeit begründen.
Für Eltern, die Kindesunterhalt für Kinder im Sinne des § 1603 Abs.2 BGB zu leisten haben, gelten die > allgemeinen Grenzen der Leistungsfähigkeit nicht. Hier gelten für barunterhaltspflichtige Eltern die Sonderregeln des § 1603 Abs.2 BGB. Es sind die Grundsätze der > gesteigerte Leistungsfähigkeit zu beachten.
Angemessener Selbstbehalt wird nicht erreicht
Steht fest, dass Eltern im Sinne des § > 1603 Abs.1 BGB nicht leistungsfähig sind, können sie dennoch zur Zahlung von Kindesunterhalt herangezogen werden, wenn gegenüber Kindern im Sinne von § > 1603 Abs.2 BGB Unterhalt geschuldet wird. Bei minderjährigen und für volljährigen unterhaltsbedürftigen Kindern bis 21, die sich in > allgemeiner Schulausbildung befinden, stellt das Gesetz besondere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Eltern: Die > allgemeine Grenze nach § 1603 Abs.1 BGB gilt hier nicht. Zu Gunsten dieser Kinder sinkt nach Maßgabe des § 1603 Abs.2 S.1 BGB die Grenze der Leistungsfähigkeit vom > angemessenen Selbstbehalt ab auf den sog. > notwendigen Selbstbehalt. Der Praradigmenwechsel auf der Ebene der Leistungsfähigkeit hat erhebliche Auswirkungen auf die Frage der Erwerbsobliegenheiten der Eltern. Leztere wiederum bestimmt die Frage, ob und in welchem Umfang nicht nur das real erzielte, sondern auch das fiktiv erzielbare Einkommen der Eltern die Leistungsfähigkeit bestimmen. Mehr dazu
Gesteigerte Leistungsfähigkeit - § 1603 Abs.2 S.1 und S.2 BGB
Befinden sich Eltern in dieser Lage [ = keine > Leistungsfähigkeit nach § > 1603 Abs.1 BGB], so sind sie ihren minderjährigen unverheirateten Kindern gegenüber verpflichtet, alle verfügbaren Mittel zu ihrem und der Kinder Unterhalt gleichmäßig zu verwenden. Den minderjährigen unverheirateten Kindern stehen volljährige unverheiratete Kinder bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gleich, solange sie im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und sich in der > allgemeinen Schulausbildung befinden. § > 1603 Abs.2 BGB knüpft daran an, dass der barunterhaltsplichtige Elternteil die Kriterien der > allgemeinen Leistungsfähigkeit - und zwar nach Maßgabe des > tatsächlich angemessenen Selbstbehalts - nicht erfüllt. Der Gesetzgeber geht selbst in solch einem Fall von einer Leistungsfähigkeit der Eltern gegenüber minderjährigen und diesen nach § > 1603 Abs.2 S.2 BGB gleichgestellten volljährigen Kindern aus, indem die Verpflichtung postuliert wird, "alle zur Verfügung stehenden Mittel" nicht nur für sich selbst (Eigenbedarf), sondern gleichmäßig verteilt für den Eigenbedarf und für den Bedarf der Kinder zu verwenden. Im Fall des § > 1603 Abs.2 BGB fordert die Rechtsprechung, dass Eltern sämtliche Einsparmöglichkeiten ausgeschöpfen und alle möglichen Einnahmequellen aktivieren, um den Mindestbedarf des Kindes zu decken. Dieses Gebot wird rechtstechnisch auf unterschiedliche Art und Weise umgesetzt:
Der nach § 1603 Abs.1 BGB angemessene Selbstbehalt wird wegen § 1603 Abs.2 BGB auf den notwendigen Selbstbehalt > herabgesetzt.
Die Zurechnung fiktiver Einkünfte wird erleichtert zugelassen, indem die Anforderungen an die Erwerbsobliegenheit der Eltern > verschärft werden.
Die -> Bereinigung des Einkommens wird nicht im üblichen Maße zugelassen. Diversen üblichen Abzugspositionen wird die Abzugsfähigkeit > abgesprochen.
Absenkung auf den notwendigen Selbstbehalt
Mit dem Wortlaut des § > 1603 Abs.2 BGB wird gerechtfertigt, dass gegenüber minderjährigen und privilegiert volljährigen Kindern im Sinne des § > 1603 Abs.2 S.2 BGB den Eltern nicht der angemessene, sondern nur noch ein > notwendiger (die eigene Existenz sichernder) > Selbstbehalt zur Verfügung steht. Weil der Selbstbehalt damit auf das Notwendigste herabgesetzt ist, führt dies zur sog "gesteigerten Leistungsfähigkeit" der Eltern im Sinne des § 1603 Abs.2 BGB. Der > notwendige Selbstbehaltsatz nach Düsseldorfer Tabelle markiert das dem unterhaltspflichtigen Elternteil zu belassende Existenzminimum, damit dieser nicht selbst (sozialhilfe-)bedürftig wird. Wie der > angemessene Selbstbehaltsatz unterliegt auch der notwendige Selbstbehaltsatz dem Vorbehalt von > Korrekturen im individuellen Einzelfall. Mehr dazu
"Diese Verpflichtung [ = nach § > 1603 Abs.2 S.1 und S.2 BGB] tritt nicht ein, wenn ein anderer unterhaltspflichtiger Verwandter vorhanden ist; sie tritt auch nicht ein gegenüber einem Kind, dessen Unterhalt aus dem > Stamme seines Vermögens bestritten werden kann."
Den barunterhaltspfllichtigen Elternteil trifft keine gesteigerte Leistungsfähigkeit, wenn
a) Ein anderer unterhaltspflichtiger Verwandter vorhanden ist (§ > 1603 Abs.2 S.3 Hs1 BGB). Das kann auch der > andere (kinderbetreuende) Elternteil sein; Mehr dazu
b) Das Kind kann seinen Unterhaltsbedarf durch Verwertung > eigenen Vermögens decken: Mehr dazu
Wegen § > 1603 Abs.2 BGB gelten Eltern gegenüber minderjährigen und diesen gleichgestellten Kindern als gesteigert leistungsfähig.
Im Rahmen der gesteigerten Leistungsfähigkeit gilt der > notwendige und nicht nur der > angemessene Selbstbehaltsatz. Die Selbstbehaltsätze der Düsseldorfer Tabelle sind u.U. zu > korrigieren.
Vermögen der Eltern ist grundsätzlich kein > Schonvermögen.
Die gesteigerte Leistungsfähigkeit trifft die Eltern nicht, wenn ein > Ausnahmefall nach § > 1603 Abs.2 S.3 BGB einschlägig ist.
Je intensiver die > Erwerbsobliegenheit besteht, desto wahrscheinlicher und umfassender kann es zur > Zurechnung fiktiven Einkommens kommen. Dabei obliegt einem barunterhaltspflichtigen Elternteil aufgrund seiner erweiterten Unterhaltspflicht gegenüber minderjährigen Kindern nach § 1603 Abs.2 BGB eine gesteigerte Ausnutzung seiner Arbeitskraft, die es ihm ermöglicht, nicht nur den > Mindestbedarf, sondern auch den angemessenen Unterhalt der Kinder sicherzustellen (std. Rspr., vgl. Senatsurteile v. 26. 9. 1984 - IVb ZR 17/83 -, FamRZ 1985, 158, 159; 16. 6. 1993 - XII ZR 49/92 -, FamRZ 1993, 1304, 1306; 15. 12. 1993 - XII ZR 172/92 -, FamRZ 1994, 372, 373; 22. 10. 1997 - XII ZR 278/95 -, FamRZ 1998, 357, 359; 17. 3. 1999, a.a.O., S. 844, jeweils m.N.). Dies kann zur Zurechnung fiktiver Einkünfte bereits bei der Bedarfsermittlung führen.
Das Zusammenspiel von gesteigerter Leistungsfähigkeit und gesteigerter Erwerbsobliegenheit führt zu einer derart hohen Anspannung der Eltern, die es fast unmöglich macht, um die Zahlung des > Mindestunterhalts nach § 1612a BGB herum zu kommen. Im > E-Book werden die Anforderungen beschrieben, die Eltern im Unterhaltsverfahren zum Nachweis ihrer Erwerbsobliegenheit erfüllen müssen
Fikives Einkommen wegen Verstoß gegen die Erwerbsobliegenheit
Verstoßen Eltern gegen ihre > Erwerbsobliegenheiten, was zur Zurechnung von > fiktivem Einkommen führt, erscheinen sie rechtstechnisch leistungsfähiger als sie in Wirklichkeit sind. Somit kann es vorkommen, dass der notwendige (existenzsichernde) > Selbstbehalt nur aufgrund fiktiven Einkommens gewahrt ist. Dies führt zu Unterhaltsverpflichtungen gegenüber den Kindern, obwohl real kein existenzsicherndes Einkommen vorhanden ist. Dieses Problem hat auch das BVerfG beschäftigt. Mit Beschluss vom 15. Februar 2010 hat das Bundesverfassungsgericht grundsätzlich die Zurechnung fiktiver Einkünfte zur Begründung der Leistungsfähigkeit bei Verstössen gegen die Erwerbspflicht gebilligt.
(Zitat) "In der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist anerkannt, dass die Zurechnung > fiktiver Einkünfte, welche die Leistungsfähigkeit begründen sollen, zweierlei voraussetzt. Zum einen muss feststehen, dass subjektiv Erwerbsbemühungen des Unterhaltsschuldners fehlen. Zum anderen müssen die zur Erfüllung der Unterhaltspflichten erforderlichen Einkünfte für den Verpflichteten objektiv überhaupt erzielbar sein, was von seinen persönlichen Voraussetzungen wie beispielsweise Alter, beruflicher Qualifikation, Erwerbsbiographie und Gesundheitszustand und dem Vorhandensein entsprechender Arbeitsstellen abhängt (vgl. BVerfGK 7, 135 <139>; 9, 437 <440>; BGH, Urteil vom 15. November 1995 - XII ZR 231/94 -, juris Rn. 18; BGH, Urteil vom 30. Juli 2008 - XII ZR 126/06 -, juris Rn. 22)." Weiter muss eine erweiterte Erwerbstätigkeit zumutbar sein.
Das BVerfG (siehe > BVerfG-Pressemitteilung) hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, wann ein realer Eingriff in den notwendigen Selbstbehalt über die Zurechnung von fiktiven Einkünfte verfassungsrechtlichen Vorgaben entspricht. Die Gerichte werden vom BVerfG auf die Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes hingewiesen. Zunächst hält das BVerfG die rechtsdogmatische Zurechnung fiktiver Einkünfte auch bei Unterschreitung des > notwendigen Selbstbehalts zur Beseitigung eines Mangelfalls für verfassungsrechtlich möglich und stellt dabei nochmals klar, welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen. Im Rahmen der gesteigerten Erwerbsobliegenheit haben die Gerichte den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz zu beachten und im Einzelfall zu prüfen, ob der Barunterhaltsanspruch vom unterhaltsgläubiger bezahlbar ist. Wird die Grenze des Zumutbaren überschritten, ist die Beschränkung der finanziellen Dispositionsfreiheit (Art. 2 Abs.1 GG) Barunterhaltspflichtigen nicht mehr Bestandteil der verfassungsmäßigen Ordnung. Dazu die Pressemitteilung: "In den Verfahren 1 BvR 1530/11 und 1 BvR 2867/11 haben die Gerichte zwar zutreffend festgestellt, dass die Beschwerdeführer sich nicht ausreichend um eine Erwerbstätigkeit bemüht haben. Sie haben jedoch ebenfalls keine Feststellung dazu getroffen, auf welcher Grundlage sie zu der Auffassung gelangt sind, dass die Beschwerdeführer bei Einsatz ihrer vollen Arbeitskraft und bei Aufnahme einer ihren persönlichen Voraussetzungen entsprechenden Arbeit objektiv in der Lage wären, ein Einkommen in der zur Leistung des titulierten Unterhalts erforderlichen Höhe zu erzielen. Zu dieser Feststellung hätte es einer konkreten Prüfung unter Berücksichtigung der beruflichen Ausbildung der Beschwerdeführer, ihres Alters und ihrer krankheitsbedingten Einschränkungen sowie der tatsächlichen Gegebenheiten auf dem Arbeitsmarkt bedurft. Ohne diese konkrete Prüfung hätten die Gerichte nicht auf die volle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführer in Höhe des titulierten Kindesunterhalts schließen dürfen."
(Zitat) "Nach § > 1603 Abs. 1 BGB ist nicht unterhaltspflichtig, wer bei Berücksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen außerstande ist, ohne Gefährdung seines eigenen angemessenen Unterhalts den Unterhalt zu gewähren. Eltern, die sich in dieser Lage befinden, sind gemäß § > 1603 Abs. 2 Satz 1 BGB ihren minderjährigen unverheirateten Kindern gegenüber verpflichtet, alle verfügbaren Mittel zu ihrem und der Kinder Unterhalt gleichmäßig zu verwenden (sog. > gesteigerte Unterhaltspflicht). Darin liegt eine Ausprägung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit im Unterhaltsrecht. Aus diesen Vorschriften und aus Art. 6 Abs. 2 GG folgt auch die Verpflichtung der Eltern zum Einsatz der eigenen Arbeitskraft. Wenn der Unterhaltsverpflichtete eine ihm mögliche und zumutbare Erwerbstätigkeit unterlässt, obwohl er diese bei gutem Willen ausüben könnte, können deswegen nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, der die Familiensenate des Saarländischen Oberlandesgerichts folgen, nicht nur die tatsächlichen, sondern auch > fiktiv erzielbare Einkünfte berücksichtigt werden. Die Zurechnung fiktiver, der Höhe nach im Wege der > Schätzung (§ 287 ZPO) zu ermittelnder Einkünfte, in die auch mögliche Nebenverdienste einzubeziehen sind, setzt neben den > nicht ausreichenden Erwerbsbemühungen eine > reale Beschäftigungschance des Unterhaltspflichtigen voraus (BGH, Beschluss vom 24. September 2014 - XII ZB 111/13 -, FamRZ 2014, 1992; vom 22. Januar 2014- XII ZB 185/12 -, FamRZ 2014, 637; vom 19. Juni 2013- XII ZB 39/11 -, FamRZ 2013, 1378; Urteil vom 4. Mai 2011 - XII ZR 70/09 -, BGHZ 189, 284, j.m.w.N.). Schließlich darf dem Unterhaltspflichtigen auch bei einem Verstoß gegen seine Erwerbsobliegenheit nur ein Einkommen zugerechnet werden, welches von ihm > realistischerweise zu erzielen ist, was wiederum von den persönlichen Voraussetzungen des Verpflichteten wie beispielsweise Alter, beruflicher Qualifikation, Erwerbsbiografie und > Gesundheitszustand sowie dem Vorhandensein entsprechender Arbeitsstellen abhängt (BVerfG, Beschluss vom 18. Juni 2012 - 1 BvR 1530/11 -, FamRZ 2012, 1283, und vom 11. März 2010-1 BvR 3031/08 -, FamRZ 2010, 793; BGH, Beschlüsse vom 24. September 2014 - XII ZB 111/13 -, aaO, und vom 22. Januar 2014 - XII ZB 185/12 -, aaO, j.m.w.N.). Auch wenn der Unterhalt aufgrund eines - wegen Verletzung der Erwerbsobliegenheit - lediglich fiktiven Einkommens aus einer Vollzeiterwerbstätigkeit festzusetzen ist, trifft den Unterhaltspflichtigen grundsätzlich zudem eine Obliegenheit zur Ausübung einer Nebentätigkeit im selben Umfang wie einen seine Erwerbsobliegenheit erfüllenden Unterhaltsschuldner (BGH, aaO). Trotz der gesteigerten Unterhaltspflicht ergeben sich die Grenzen der vom Unterhaltspflichtigen zu verlangenden Tätigkeiten aus den Vorschriften des Arbeitsschutzes und den Umständen des Einzelfalls. Die Anforderungen dürfen nicht dazu führen, dass eine Tätigkeit trotz der Funktion des Mindestunterhalts, das Existenzminimum des Kindes zu sichern, unzumutbar erscheint (BGH, aaO, m.w.N.). Für die ordnungsgemäße Erfüllung sämtlicher der zuvor dargestellten Voraussetzungen ist der Unterhaltsverpflichtete > darlegungs- und beweisbelastet. Dies gilt auch für die Richtigkeit der Behauptung fehlender realer Beschäftigungschancen, wobei darauf abzustellen ist, ob eine solche bestanden hätte, wenn der Unterhaltspflichtige von Anfang an seiner Erwerbsobliegenheit genügt hätte (BGH, Versäumnisurteil vom 30. Juli 2008 - XII ZR 126/06 -, FamRZ 2008, 2104, und Urteil vom 20. Februar 2008 - XII ZR 101/05 -, FamRZ 2008, 872). Ein allgemeiner Erfahrungssatz, dass wegen hoher Arbeitslosigkeit, mangelnder Ausbildung, fortgeschrittenen Alters oder sonstiger ungünstiger Bedingungen trotz gehöriger Bemühungen keine Beschäftigungsmöglichkeit besteht, existiert nicht. Zudem sind Arbeitnehmer auch bei schwieriger allgemeiner wirtschaftlicher Lage von ihrer Darlegungslast nicht befreit, da die Sicherstellung des Minderjährigenunterhalts im Familienrecht absolute Priorität genießt. Zweifel daran, dass bei angemessenen Bemühungen eine Beschäftigungschance von vornherein auszuschließen ist, gehen daher zu Lasten des Unterhaltsverpflichteten (BGH, Urteil vom 9. Januar 2008 - XII ZR 170/05 -, FamRZ 2008, 594; BVerfG, FamRZ 1985, 143).
Obliegenheit zum Berufswechsel in ein lukrativeres ArbeitsverhältnisLeitsatz: Erzielt ein Unterhaltsschuldner seit Jahren als kaufmännischer Angestellter kein den Kindesunterhalt sicherndes Einkommen, so kann sich der Unterhaltspflichtige gegenüber seinen minderjährigen Kindern nicht darauf berufen, eine solche wirtschaftlich unzureichende Tätigkeit zu ihren Lasten ausüben zu wollen (vgl. OLG Koblenz FamRZ 2009, 1921; OLG Saarbrücken, Beschluss vom 28.4.2010 – 9 WF 41/10). Bei dieser Sachlage obliegt es einem Unterhaltsschuldner, seine bisherige Tätigkeit aufzugeben und in ein lukrativeres Arbeitsverhältnis zu wechseln (vgl. OLG Naumburg FamRZ 2008, 2230).OLG Brandenburg, Beschluss vom 11.02.2015 - 9 UF 132/14 fiktives Einkommen der Eltern wegen unterlassener Mieteinkünfte & Erwerbsobliegenheit zur Sicherung des Mindestunterhalts
Link: Der Unternehmer im Unterhaltsrecht > hier
Welche Anforderung stellt die Erwerbsobliegenheit an Unternehmer? Wird dem Unternehmer ein > fiktives Einkommen wegen > Verstoß gegen die Erwerbsobliegenheit zugerechnet, wenn sein Unternehmergewinn nicht ausreicht, den > Mindestunterhalt für ein Kind zu leisten?
Anmerkung: Die Entscheidung beschäftigt sich mit der Frage, wann von einem > Unternehmer der Wechsel in ein Anstellungsverhältnis verlangt werden kann, weil er dann höheres Einkommen er erwirtschaften kann. Mit seinem > Real-Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit ist er offenbar nicht in der Lage, den > Mindestunterhalt für seine Kinder zu bezahlen und > beruft sich auf Leistungsunfähigkeit.
Unternimmt der Unterhaltsschuldner den Versuch, eine selbständige Tätigkeit aufzunehmen, wobei er voraussichtlich weniger verdient, als mit einer Tätigkeit aus einem Angestelltenverhältnis, so muss er sich fiktive Einkünfte bis zur > Höhe seiner ehemaligen unselbständigen Tätigkeit zurechnen lassen. Geht es um Kindesunterhalt gegenüber minderjährigen Kindern liegt hierbei ein Verstoss gegen die einer gesteigerten Unterhaltsverpflichtung entsprechenden Erwerbsbemühung vor. Im Fall des OLG Celle hatte der Unterhaltsschuldner den Versuch der Selbständigkeit mit einem Kiosk unternommen. Dabei kam bereits eine eigens dafür herangezogenen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer erstellte „Analyse“ der Gewinnerwartung einer derartigen Unternehmung zu einem Jahresergebnis von ca. 12.000,- €.
Erzielt ein Unterhaltsschuldner über einen längeren Zeitraum wegen seiner selbstständigen Tätigkeit keine beziehungsweise nur geringfügige Einkünfte, ist ihm ein fiktives Einkommen aus abhängiger Tätigkeit zuzurechnen. Fährt der Unternehmer seine Gewinne mutwillig oder leichtfertig (vgl. unterhaltsrechtliche > Mutwilligkeit) zurück, um sich Unterhaltsverpflichtungen zu entziehen, können hier über die Methode der Gewinn-Betrachtung über einen Dreijahreszeitraum Rückschlüsse für eine realitätsgerechte Gewinnprognose solche Gewinneinbrüche korrigiert, d.h. ausgeblendet werden . Befindet sich der Unternehmer wegen Insolvenz in der Wohlverhaltensperiode zur Erreichung einer Restschuldbefreiung kann die Taktik des "Sich arm rechnen" zusätzlich negative Folgen für die Restschuldbefreiung haben.
Erwerbsobliegenheit des Unternehmers (Zitat) "Bleibt der Ertrag aus der selbständigen Tätigkeit des Schuldners hinter demjenigen zurück, was dem Treuhänder bei einer angemessenen abhängigen Beschäftigung aus der Abtretungserklärung zufließen würde, so muss sich der Schuldner um ein Anstellungsverhältnis bemühen (BGH, Beschluss vom 7. Mai 2009 - IX ZB 133/07, WM 2009, 1291 Rn. 5; vom 14. Januar 2010 - IX ZB 242/06, WM 2010, 426 Rn. 5; vom 19. Mai 2011 - IX ZB 224/09, WM 2011, 1138 Rn. 7; vom 19. Juli 2012 - IX ZB 188/09, NZI 2012, 718 Rn. 16). Dem Schuldner, der sich trotz mangelnden Erfolgs seiner selbständigen Tätigkeit nicht bemüht hat, eine nach seiner Qualifikation und den Verhältnissen des Arbeitsmarktes mögliche Beschäftigung zu erlangen, kann wegen Verletzung der Erwerbsobliegenheit keine Restschuldbefreiung gewährt werden (vgl. BGH, Beschluss vom 27. April 2010 - IX ZB 267/08, NZI 2010, 693 Rn. 2)."
Ein Problem zum Nachdenken
Sachverhalt: Der Vater eines dreijährigen Kindes geht in Teilzeit arbeiten. Hierbei verdient er 1.400,- Euro netto. Damit kann er den Zahlbetrag des > Mindestunterhalts nach Düsseldorfer Tabelle für 3-jährige Kinder leisten. Der > notwendige Selbstbehalt bleibt gewahrt.
Anmerkung: Der Vater ist nach u.A. nicht verpflichtet, seine Erwerbsmöglichkeiten aufzustocken, in dem er eine Vollzeitstelle oder eine weitere Nebentätigkeit aufnimmt, um noch mehr Barunterhalt für das Kind zu bezahlen. Wer hier eine andere Ansicht vertreten mag, kann dies gestützt auf BGH, also mit gutem Grund tun. Der BGH deutet mit seiner Entscheidung vom 03.12.2008 – XII ZR 182/06 klar an, dass eine Obliegenheit der Eltern vom vollen Arbeitseinsatz gegenüber ihren Kindern über den Rahmen des § 1603 Abs.2 S. 2 BGB hinaus existiert (generelle Obliegenheit zur Vollzeittätigkeit). Allerdings sollte man sich dabei bewusst machen, dass dann der > Bedarf des Kindes nicht nur nach dem realen, sondern auch nach > fiktivem Einkommen der Eltern bemessen wird. Dies sehen wir kritisch. Wie soll sich die reale Lebensstellung der Eltern - von der die > Lebensstellung des Kindes abgeleitet wird - in fiktiven Einkommen wiederspiegeln?! Mehr dazu
Bedarfsermittlung bei gesteigerter Erwerbsobliegenheit der Eltern
Grundsätze der Bedarfsermittlung
Allgemein gilt die Regel, dass nur > reales Einkommen bei der Bedarfsermittlung zu berücksichtigen ist > Mehr
Ausnahme - Kindesunterhalt
Der (Regel-)Bedarf von > Kindern mit abgeleiteter Lebensstellung wird mit Hilfe der > Düsseldorfer Tabelle und nach Maßgabe des unterhaltsrelevanten Einkommens des barunterhaltspflichtigen Elternteils bestimmt (> Wegweiser zum "Unterhaltsbedarf des Kindes"). Kommt es bei der Bedarfsermittlung auf das Elterneinkommen an, stellt sich die Frage, ob auch fiktives Elterneinkommen den Regelbedarf des Kindes (mit-)bestimmen kann. Die Obliegenheit der Eltern im Interesse ihrer Kinder die volle Erwerbsfähigkeit (> Erwerbsobliegenheit) und das vorhandene > Vermögen (§ 1613 Abs.2 BGB: „alle verfügbaren Mittel“) einzusetzen, um Kindesunterhalt bezahlen zu können, ist auf der Ebene der > Leistungsfähigkeit angesiedelt. Lässt sich daraus eine generell gesteigerte Obliegenheit zur Generierung von Einkommen im unterhaltsrechtlichen Interesse der Kinder ableiten, um nach Maßgabe des unterhaltsrelevanten Einkommens zu ermittelnden > Bedarf über den bloßen Mindestbedarf hinaus zu erhöhen?
Zum mietfreien Wohnen der Eltern (> Wohnvorteil) und Unterhaltsbedarf des Kindes > hier
Bedarfsermittlung nach fiktivem Einkommen der Eltern?
Beim Kindesunterhalt für > minderjährige Kinder wird wegen der > gesteigerten Erwerbsobliegenheit die Bedarfsermittlung nach Maßgabe > fiktiven Einkommens von der höchstrichterlichen Rechtsprechung zum Grundsatz erhoben.
Unterhaltsbedarf des Kindes nach fiktivem Einkommen der Eltern
(Zitat, Rn 27) "Grundsätzlich bestimmt auch das einem Elternteil anrechenbare fiktive Einkommen den Bedarf des Kindes. Denn die Erwerbsmöglichkeiten gehören zur Lebensstellung des Elternteils, von dem das Kind seine Lebensstellung ableitet (vgl. Senatsurteile vom 30. Juli 2008 XII ZR 126/06 FamRZ 2008, 2104 Rn. 32; vom 9. Juli 2003 XII ZR 83/00 FamRZ 2003, 1471, 1473 und vom 31. Mai 2000 XII ZR 119/98 FamRZ 2000, 1358, 1359).
Bisher hat der BGH diese Auffassung nur angedeutet, aber nicht in dieser Klarheit ausgesprochen. BGH, Urteil vom 9. Juli 2003 - XII ZR 83/00, (Zitat): „Dabei obliegt ihm (= Unterhaltsschuldner) aufgrund seiner erweiterten Unterhaltspflicht gegenüber minderjährigen Kindern nach § 1603 Abs. 2 BGB eine gesteigerte Ausnutzung seiner Arbeitskraft, die es ihm ermöglicht, nicht nur den Mindestbedarf, sondern auch den angemessenen Unterhalt der Kinder sicherzustellen (vgl. Senatsurteil vom 31. Mai 2000 - XII ZR 119/98 - FamRZ 2000, 1358, 1359 m.N.).“ Wird diese Obliegenheit verletzt, können fiktive Einkünfte auf der Bedarfsebene zu berücksichtigen sein. Mit seiner Entscheidung vom > 19. März 2014 wiederholte der BGH seine Auffassung. Ausdrücklich wird vom BGH nicht nur eine besondere Erwerbsobliegenheit gesehen, sondern generell auch eine besondere Obliegenheit zur ertragsbringenden > Vermögensverwertung.
BGH Urteil v. 09.07.2003 - XII ZR 83/00Aufgabe des bisherigen Arbeitsplatzes & Kindesunterhalt
Hier ging es um einen Fall, bei dem für die Bedarfsermittlung beim Kindesunterhalt über den Mindestbedarf hinaus der Bedarf an Barunterhalt zu bestimmen ist, wenn ein > Arbeitsplatz mutwillig (hier: freiwillig) aufgegeben wird:
Hinweis: Zur Haftungsquote der Eltern nach fiktivem Einkommen beim Unterhalt des volljährige Kinder > hier
Beispiele zur Leistungsfähigkeit & Erwerbsobliegenheit der Eltern
Anmerkung: Das OLG Brandenburg nimmt ausführlich zu der Frage Stellung, unter welchen Voraussetzungen die Einkommensbereinigung unterhaltspflichtiger nur eingeschränkt zu gelassen wird, um den Mindestunterhalt des Kindes zu sichern. Angesprochen werden im Beschluss die nachfolgenden Themen:
Gesteigerte Erwerbsobliegenheit der Eltern > Mehr
Abzug berufsbedingter Aufwendungen > Mehr
Abzug berufsbedingter Fahrtkosten > Mehr
Abzug von Kreditverbindlichkeiten > Mehr
Beiträge zur privaten Altersvorsorge > Mehr
Die Folge, dass Unterhaltspflichten für Kinder bestehen, obwohl der notwendige Selbstbehalt > real unterschritten (!) ist, stößt sehr oft auf Unverständnis der Betroffenen. Wer zu einer solchen Unterhaltsverpflichtung verurteilt wird, bei dem laufen regelmäßig erhebliche > Unterhaltsrückstände auf, die er mit seinen aktuellen Einkommen schlicht nicht ausgleichen kann. Wie kann sich ein Unterhaltschuldner aus dieser Misere retten?

References: § 1603
 § 1603
 § 1603

§ 1603
 § 1603
 BGH 
 § 1603
 § 1603
 § 1603
 § 1603
 § 1603
 § 1603
 § 1603
 § 1603
 § 1603
 § 1603
 § 1612
 Art. 6
 BGH 
 § 1603
 BGH 
 § 1603
 BGH 
 BGH 

BGH