Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F14-10-2015-9C_519-2014
Timestamp: 2016-10-25 19:10:38+00:00

Document:
9C_519/2014 (14.10.2015)
9C_519/2014 � � Urteil vom 14. Oktober 2015
A.a.�A.________ meldete sich im November 2004 unter Hinweis auf R�ckenbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen t�tigte Abkl�rungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht. Mit Verf�gung vom 14. Februar 2004 (recte: 2005) verneinte sie einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und auf eine Rente. Nachdem der Versicherte gegen den ablehnenden Entscheid Einsprache erhoben hatte, widerrief die IV-Stelle am 24. Juni 2005 ihre Verf�gung und beauftragte die Medizinische Abkl�rungsstelle (im Folgenden: MEDAS) mit einer Begutachtung. Gest�tzt auf das am 14. Juni 2006 erstattete Gutachten verneinte die IV-Stelle, nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens, einen Leistungsanspruch (berufliche Massnahmen und Rente; Verf�gungen vom 27. Oktober 2006).
A.b.�Im Juni 2007 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an. Mit Verf�gung vom 26. Februar 2008 trat die IV-Stelle darauf nicht ein.
A.c.�W�hrend einer station�ren psychiatrischen Behandlung stellte der Versicherte am 16. Juli 2008 ein weiteres Leistungsbegehren. Die IV-Stelle nahm �rztliche Berichte, insbesondere zum psychischen Gesundheitszustand des Versicherten, zu den Akten und gab bei der MEDAS ein polydisziplin�res Gutachten in Auftrag (erstattet am 3. M�rz 2010). Sie holte weitere Berichte bei den behandelnden psychiatrischen Fach�rzten des Psychiatrie-Zentrums B.________ (Bericht vom 10. April 2012) und beim Regionalen �rztlichen Dienst (RAD, Bericht vom 18. April 2012) ein. Mit Vorbescheid vom 20. August 2012 stellte sie die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht. Daran hielt sie mit Verf�gung vom 1. Oktober 2012 fest.
A.________ liess Beschwerde erheben und beantragen, die Verf�gung sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter seien zus�tzliche medizinische Abkl�rungen vorzunehmen. Gleichzeitig legte er einen weiteren Bericht des Psychiatrie-Zentrums B.________ vom 25. Januar 2013 auf. Das angerufene Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess die Beschwerde gut, hob die Verf�gung vom 1. Oktober 2012 auf und sprach dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Januar 2009 eine ganze Rente zu. Es wies die Sache zur Festsetzung der Rentenh�he sowie zur Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die IV-Stelle zur�ck (Entscheid vom 10. Juni 2014).
Die IV-Stelle f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Rechtsbegehren, der kantonale Entscheid sei aufzuheben und ihre Verf�gung vom 1. Oktober 2012 zu best�tigen.
A.________ und das Bundesamt f�r Sozialversicherungen verzichten auf eine Vernehmlassung.
1.2.�Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz auf R�ge hin oder von Amtes wegen berichtigen oder erg�nzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Artikel 95 beruht, und wenn die Behebung des Mangels f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 105 Abs. 2 BGG und Art. 97 Abs. 1 BGG). Das Vorliegen dieser Voraussetzungen hat die beschwerdef�hrende Person genau darzulegen. Dazu gen�gt es nicht, einen von den tats�chlichen Feststellungen der Vorinstanz abweichenden Sachverhalt zu behaupten oder die eigene Beweisw�rdigung zu erl�utern (BGE 137 II 353 E. 5.1 S. 356; Urteil 9C_779/2010 vom 30. September 2011 E. 1.1.2 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 137 V 446, aber in: SVR 2012 BVG Nr. 11 S. 44).
Eine Sachverhaltsfeststellung ist nicht schon dann offensichtlich unrichtig, wenn sich Zweifel anmelden, sondern erst, wenn sie eindeutig und augenf�llig unzutreffend ist (BGE 132 I 42 E. 3.1 S. 44). Es liegt noch keine offensichtliche Unrichtigkeit vor, nur weil eine andere L�sung ebenfalls in Betracht f�llt, selbst wenn diese als die plausiblere erschiene (vgl. BGE 129 I 8 E. 2.1 S. 9; Urteil 9C_967/2008 vom 5. Januar 2009 E. 5.1). Diese Grunds�tze gelten auch in Bezug auf die konkrete Beweisw�rdigung (Urteile 9C_999/2010 vom 14. Februar 2011 E. 1 und 9C_735/2010 vom 21. Oktober 2010 E. 3; Urteil 9C_779/2010 vom 30. September 2011 E. 1.1.2 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 137 V 446, aber in: SVR 2012 BVG Nr. 11 S. 44).
2.1.�Streitig ist der Rentenanspruch des Versicherten. Dabei ist zu pr�fen, ob das kantonale Gericht den Gesundheitszustand (Art. 3 Abs. 1 ATSG) und die Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit (Art. 6 und Art. 7 ATSG) als wesentliche Voraussetzungen f�r die Annahme einer Invalidit�t (Art. 8 Abs. 1 ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG) zutreffend beurteilt hat.
2.2.�Im angefochtenen Entscheid werden die gesetzliche Bestimmung zum Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 2 IVG) und die �rztliche Aufgabe bei der Invalidit�tsbemessung (BGE 125 V 256 E. 4 S. 261 mit Hinweisen) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.
2.3.�Zur Annahme einer Invalidit�t braucht es in jedem Fall ein medizinisches Substrat, das (fach) �rztlicherseits schl�ssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit wesentlich beeintr�chtigt. Je st�rker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgepr�gter muss eine fach�rztlich festgestellte psychische St�rung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeintr�chtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen und psychosozialen Faktoren herr�hren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, z.B. eine von depressiven Verstimmungszust�nden klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstst�ndigte psychische St�rungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit sind unabdingbar, damit �berhaupt von Invalidit�t gesprochen werden kann. Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umst�nden ihre hinreichende Erkl�rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Ist anderseits eine psychische St�rung von Krankheitswert schl�ssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensm�ssig erwartet werden kann, zu arbeiten (eventuell in einem gesch�tzten Rahmen) und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299 f.; Urteil 9C_710/2011 vom 20. M�rz 2012 E. 4.2).
2.4.�Unabh�ngig davon, ob es sich um eine nachweisliche organische Pathologie oder um ein unklares Beschwerdebild handelt, setzt ein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung stets eine nachvollziehbare �rztliche Beurteilung der Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit voraus. Dabei k�nnen - insbesondere unklaren Beschwerdebildern inh�rente - Abkl�rungs- und Beweisschwierigkeiten die Ber�cksichtigung weiterer Lebens- und Aktivit�tsbereiche wie etwa Freizeitverhalten oder famili�res Engagement erfordern, um das Ausmass der Einschr�nkungen zu plausibilisieren (vgl. BGE 139 V 547 E. 9.1.3 S. 566), wobei auch fremdanamnestische Angaben zu ber�cksichtigen sind. Ohne Einbezug solcher Indizien, wie sie im Rahmen der festen Praxis zu den organisch nicht nachweisbaren unklaren Beschwerdebildern bei der Pr�fung eines sozialen R�ckzuges regelm�ssig zu ber�cksichtigen sind, ist eine �rztliche Arbeitsf�higkeitsbeurteilung nicht beweiskr�ftig. Bei medizinisch unklaren Beschwerdebildern nimmt die Plausibilit�tspr�fung naturgem�ss einen besonderen Stellenwert ein (BGE 140 V 290 E. 3.3.2 S. 297).
Die medizinischen Experten, denen eine entscheidende Rolle zukommt, haben im Einzelnen zu begr�nden und mittels ihrer Feststellungen und Einsch�tzungen zu Leidensdruck, psychischen Ressourcen oder funktionellen Defiziten darzulegen, in welchem Ausmass die Arbeitsf�higkeit eingeschr�nkt ist, oder aber festzuhalten, dass die Beantwortung dieser Frage - trotz Aussch�pfung aller M�glichkeiten fachgerechter Exploration - nicht oder nicht sicher genug m�glich ist (vgl. ULRICH MEYER, Die psychiatrische Begutachtung als Angelpunkt der juristischen Beurteilung: Entwicklung und Perspektiven, in: G�chter/Mosimann [Hrsg.], Berufliche Vorsorge, Stellwerk der Sozialen Sicherheit, FS Hermann Walser, 2013, S. 136). Bleiben die Auswirkungen eines objektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Arbeitsf�higkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes sorgf�ltig durchgef�hrter Abkl�rungen vage und unbestimmt, ist der der versicherten Person obliegende Beweis f�r die Anspruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen und besteht kein Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt (BGE 140 V 290 E. 4.1 S. 297 f.; 139 V 547 E. 8.1 S. 563).
3.1.�Es steht aufgrund des zweiten MEDAS-Gutachtens vom 3. M�rz 2010 fest und ist unbestritten, dass der Versicherte aufgrund seiner physischen Beeintr�chtigungen (persistierende chronische Lumboischialgie rechts bei altersphysiologischen Ver�nderungen, lumbosakrale Chondrose, Diskusprotrusion L4/5, aktivierte Spondylarthrose der unteren lumbalen Segmente, beginnende Varusgonarthrose links mit Knorpelschaden 3. Grades und leichter retropatell�rer Chondropathie [zum Begutachtungszeitpunkt symptomlos]) die fr�here, bis 2004 ausge�bte T�tigkeit als Maschinenf�hrer nicht mehr aus�ben kann, indessen in einer leidensangepassten, k�rperlich leichten bis mittelschweren und wechselbelastenden T�tigkeit voll arbeitsf�hig ist.
3.2.�Streitig und zu pr�fen ist einzig der psychische Gesundheitszustand und die daraus allenfalls resultierende Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit.
4.1.�Im Gutachten der MEDAS vom 3. M�rz 2010 wird als psychiatrische Hauptdiagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsf�higkeit eine Disstress-Symptomatik bei psychosozialer Belastungssituation mit depressiven und aggressiven Elementen festgehalten. Differentialdiagnostisch k�nne zwischen einer andauernden Pers�nlichkeits�nderung (ICD-10 F62.8) und einer Anpassungsst�rung mit gemischter St�rung von Gef�hlen und Sozialverhalten (ICD-10 F43.25) noch nicht gen�gend unterschieden werden. Die Arbeitsf�higkeit aus psychiatrischer Sicht k�nne aufgrund der diagnostischen Unklarheiten nur ungen�gend quantifiziert werden; gegen�ber dem Vorgutachten aus dem Jahr 2006 sei jedenfalls eine Verschlechterung eingetreten; die Restarbeitsf�higkeit liege sicher unter 70 %. MEDAS-Gutachter Dr. med. C.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, legte im psychiatrischen Teilgutachten vom 23. November 2009 und in seiner erg�nzenden Stellungnahme vom 8. November 2010 dar, dass es sich bei einer Anpassungsst�rung in der Regel um eine reaktive St�rung handle und bei entsprechender biopsychosozialer Behandlung mit einer Genesung zu rechnen sei; zum Untersuchungszeitpunkt habe die Arbeitsf�higkeit diesfalls weniger als 70 % betragen. Werde aber von der Diagnose einer andauernden Pers�nlichkeits�nderung ausgegangen, impliziere dies schwere krankheitsbedingte Verhaltensst�rungen und -auff�lligkeiten mit konsekutiver Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit. Diesfalls liege die Restarbeitsf�higkeit unter 30 %.
In der Folge holte die IV-Stelle bei den behandelnden �rzten des Psychiatrie-Zentrums B.________, Dr. med. D.________, Assistenz�rztin, und Dr. med. E.________, Oberarzt, einen Bericht vom 10. April 2012 ein. Diese diagnostizierten eine andauernde Pers�nlichkeits�nderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8) sowie eine rezidivierende depressive St�rung, gegenw�rtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), und �usserten den Verdacht auf eine narzisstische Pers�nlichkeitsst�rung (ICD-10 F60.8). Dem Versicherten wurde eine vollst�ndige Arbeitsf�higkeit ab 20. Mai 2008 (Eintritt in die Klinik F.________) bis auf Weiteres attestiert. Aufgrund dieses Berichtes der behandelnden �rzte gelangte RAD-Arzt Dr. med. G.________ in seiner Stellungnahme vom 18. April 2012 zum Ergebnis, das MEDAS-Gutachten vom 3. M�rz 2010 sei dahingehend zu interpretieren, dass eine schwere dauernde psychische Beeintr�chtigung mit einer Arbeitsf�higkeit von weniger als 30 % auf dem freien Arbeitsmarkt vorliege, welche mindestens seit Mai 2008 objektiviert sei. In ihrer vom Versicherten im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren eingereichten Stellungnahme vom 25. Januar 2013 stellten Dres. med. D.________ und E.________ neu zus�tzlich die Hauptdiagnose "kombinierte Pers�nlichkeitsst�rung mit narzisstischen und impulsiven Anteilen (ICD-10 F61.0) "; dabei legten sie die Arbeitsf�higkeit auf unter 30 % fest.
4.2.�Das kantonale Gericht stellte im Rahmen der Beurteilung des Leistungsanspruches fest, dass der Beschwerdegegner an einer kombinierten Pers�nlichkeitsst�rung (ICD-10 F61.0), einer andauernden Pers�nlichkeits�nderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8) sowie einer rezidivierenden depressiven St�rung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1) leidet. Die psychischen Beschwerden seien nicht bloss die Begleiterscheinung eines Schmerzsyndroms, sondern h�tten eigenst�ndigen Charakter. Eine Erkrankung mit prim�rer Schmerzkomponente stehe nicht im Zentrum der erhobenen Diagnosen. Bei dieser Sachlage finde die vom Bundesgericht zu den pathogenetisch (�tiologisch) unklaren syndromalen Zust�nden entwickelte Rechtsprechung keine Anwendung. Weiter bestehe das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeintr�chtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herr�hrten; es l�gen davon zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstst�ndigte psychische St�rungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit vor. Dementsprechend sei von einer Restarbeitsf�higkeit von weniger als 30 % auszugehen.
5.1.�Die IV-Stelle macht geltend, die vorinstanzliche Feststellung, wonach der Versicherte an einer kombinierten Pers�nlichkeitsst�rung (ICD-10 F61.0) leidet, sei offensichtlich unrichtig.
5.2.�Die entsprechende Diagnose findet sich in den fr�heren �rztlichen Stellungnahmen, insbesondere im MEDAS-Gutachten vom 3. M�rz 2010, nicht. Sie wurde erstmals im Bericht der behandelnden �rzte des Psychiatrie-Zentrums B.________ vom 25. Januar 2013 gestellt. Darin erw�hnten Dres. med. D.________ und E.________, dass sie bei der letzten Beurteilung im April 2012 den Verdacht auf eine narzisstische Pers�nlichkeitsst�rung ICD-10 F60.8 gehabt h�tten und im weiteren Verlauf zum Ergebnis gelangt seien, dass beim Beschwerdegegner eine Pers�nlichkeitsst�rung vorliege, die ihn in der Lebensf�hrung schwer beeintr�chtige, die aber nicht die spezifischen Symptombilder der in ICD-10 F60 beschriebenen St�rungen aufweise. In allen Beurteilungen seien Kriterien einer Pers�nlichkeitsst�rung aufgef�hrt. Der Lebenslauf des Versicherten mit wiederholten Br�chen und Neuorientierungen in der Arbeitswelt liessen eine vorbestehende Pers�nlichkeitsst�rung plausibel erscheinen.
5.3.�Diese �rztlichen Ausf�hrungen gen�gen nicht, um in der hier massgebenden Zeit bis zum Verf�gungserlass (1. Oktober 2012) von einer kombinierten Pers�nlichkeitsst�rung auszugehen. Vorab f�llt auf, dass die Diagnose trotz den get�tigten umfangreichen medizinischen Abkl�rungen erstmals vier Monate nach Verf�gungserlass gestellt wurde. Sodann ist sie nicht nachvollziehbar begr�ndet, st�tzt sie sich doch im Wesentlichen darauf, dass sich in den vorangehenden Beurteilungen Kriterien einer Pers�nlichkeitsst�rung f�nden, was nicht gen�gt, weil die Diagnose das Vorliegen s�mtlicher hierf�r erforderlichen Merkmale voraussetzt. Ebenso wenig �berzeugt, wenn die �rzte erkl�ren, die Diagnose sei mit Blick auf den Lebenslauf des Versicherten "plausibel". So ist beispielsweise nicht ersichtlich, dass der Beschwerdef�hrer in Kindheit oder Jugendzeit unter spezifischen Beeintr�chtigungen gelitten hat - gegenteils hat auch die zweite psychiatrische Exploration fr�he psychotraumatische Ereignisse ausdr�cklich verneint und richtigerweise beigef�gt, dass Pers�nlichkeitsst�rungen nach der ICD-Kodifizierung meist in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erscheinung treten (psychiatrisches Gutachten des Dr. med. C.________ vom 23. November 2009). Auch in der Folgezeit sind keine schwerwiegenden traumatischen Begebenheiten im Leben des Beschwerdef�hrers aktenkundig. Der in seiner Heimat gut ausgebildete Beschwerdef�hrer (8 Jahre Schule, 4-j�hrige Lehre mit Abschluss) hat nach seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1993 jahrelang an verschiedenen Stellen vollzeitig gearbeitet, seit 2002 als Maschinenf�hrer, welche Arbeit er wegen R�ckenproblemen nicht mehr verrichten konnte. Von einem Nachweis, dass die (Pers�nlichkeits-) St�rung von langer Dauer ist und im sp�ten Kindesalter oder der Adoleszenz begonnen hat, wie dies die ICD-Diagnose-Kriterien "in den meisten F�llen" vorsehen, kann hier jedenfalls nicht gesprochen werden. Hinzu kommt, dass eine Pers�nlichkeitsst�rung, wie die Beschwerdef�hrerin zu Recht vorbringt, nicht zu vereinbaren ist mit der von denselben �rzten gleichzeitig diagnostizierten andauernden Pers�nlichkeits�nderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8), weil sich nach dem ICD-10-Klassifikationssystem eine andauernde Pers�nlichkeits�nderung (F62) bei Personen�
ohne�vorbestehende Pers�nlichkeitsst�rung entwickelt.
6.1.�Streitig und zu pr�fen verbleibt, ob die Vorinstanz beim Beschwerdegegner zu Recht von der Diagnose einer andauernden Pers�nlichkeits�nderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8) ausging.
6.2.�Es steht aufgrund des psychiatrischen Teilgutachtens des Dr. med. C.________ vom 23. November 2009 fest, dass das psychische Gleichgewicht des Versicherten seit ca. Mitte 2008 durch psychosoziale Stressoren - nicht gelungene Integration in den Erwerbsprozess, Statusverlust durch Einkommenseinbusse, Verschlechterung der ehelichen Beziehung, Konflikte mit Verwandten der Ehefrau, Schulden - labilisiert wurde. W�hrend die behandelnden Psychiater die daraus resultierende Disstress-Symptomatik als andauernde Pers�nlichkeits�nderung (ICD-10 F62.8) qualifizierten, gelangte Dr. med. C.________ zum Ergebnis, dass eine andauernde Pers�nlichkeits�nderung lediglich differentialdiagnostisch neben einer Anpassungsst�rung mit gemischter St�rung von Gef�hlen und Sozialverhalten (ICD-10 F43.25) in Betracht zu ziehen sei. Er f�hrte dazu aus, dass eine Differenzierung aktuell noch nicht m�glich sei und er aufgrund der diagnostischen Unsicherheiten auch die Restarbeitsf�higkeit - sie liege bei einer Anpassungsst�rung unter 70 % und bei einer Pers�nlichkeits�nderung unter 30 % - nicht abschliessend quantifizieren k�nne (MEDAS-Gutachten vom 3. M�rz 2010 und psychiatrisches Teilgutachten vom 23. November 2009). Dies best�tigte er in seiner erg�nzenden Stellungnahme vom 8. November 2010. Dr. med. C.________ stellte anl�sslich seiner Untersuchung fest, dass die kognitiven F�higkeiten bzw. die Konzentrations- und Merkf�higkeit erhalten seien (psychiatrisches Teilgutachten vom 23. November 2010). Er wies darauf hin, dass sich die Diagnose einer Pers�nlichkeits�nderung zwar in den Klinikberichten finde, aber nicht psychiatrisch schl�ssig begr�ndet worden sei. Der Migrationshintergrund und der Arbeitsplatzverlust mit sozialer Desintegration und entsprechender Zunahme des intrapsychischen Disstresses gen�ge hierf�r nicht. Des Weitern seien beim Beschwerdegegner aus Kindheit und Jugend keine lang dauernden Disstresssituationen explorierbar, die die Entwicklung einer andauernden Pers�nlichkeits�nderung beg�nstigen w�rden. Im Weiteren Verlauf best�tigten die behandelnden �rzte zwar die Diagnose einer andauernden Pers�nlichkeits�nderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8; Bericht vom 1. M�rz/10. April 2012; vgl. auch Bericht des Psychiatrie-Zentrums B.________ vom 25. Januar 2013). Indessen sind ihre diesbez�glichen Aussagen hinsichtlich der Pers�nlichkeits�nderung entweder nicht substantiiert oder nicht einsichtig: Aus dem kurzen Bericht vom 25. Januar 2013 l�sst sich dazu nichts entnehmen, weil er sich hinsichtlich der Pers�nlichkeits�nderung darauf beschr�nkt, sie als Diagnose aufzuf�hren; die unter "Stellungnahme" enthaltenen Ausf�hrungen beziehen sich allesamt auf die neu diagnostizierte kombinierte Pers�nlichkeitsst�rung (vgl. dazu E. 5.3). Im Bericht vom 1. M�rz/10. April 2012 wird ausgef�hrt, es habe eine eigen- und fremdanamnestisch erlebte Ver�nderung der Pers�nlichkeit stattgefunden, und der Versicherte sei in seinem ganzen Erleben und kognitiv auf seine subjektiv erlebte Beeintr�chtigung und Stigmatisierung eingeengt; er k�nne keine engen und vertrauensvollen pers�nlichen Beziehungen aufnehmen und beibehalten und sei sozial isoliert. Gleichzeitig gaben die behandelnden �rzte Dres. med. E.________ und D.________ an, dass der Versicherte bewusstseinsklar und allseits orientiert sei und keine St�rung in Aufmerksamkeit oder Ged�chtnis habe. Er sei leicht affektarm, mittel ausgepr�gt deprimiert, hoffnungslos, dyphorisch gereizt und innerlich unruhig, mittel ausgepr�gt affektlabil, leicht antriebsarm und leicht antriebsgehemmt, mittel ausgepr�gt motorisch unruhig, leicht logorrhoisch sowie mittel ausgepr�gt aggressiv. Weiter hielten die �rzte eine mittel ausgepr�gte St�rung der Vitalgef�hle, mittel ausgepr�gte Ein- und Durchschlafst�rungen sowie einen mittel ausgepr�gten sozialen R�ckzug fest. Eine psychiatrisch schl�ssige Begr�ndung der diagnostizierten Pers�nlichkeits�nderung fehlt damit nach wie vor. Denn trotz zus�tzlicher Abkl�rungen waren die �rzte im weiteren Verlauf nach der MEDAS-Begutachtung nicht in der Lage, die gesundheitlichen Einschr�nkungen zu plausibilisieren. Unter diesen Umst�nden besteht kein Anlass f�r eine erneute Begutachtung. Sind die Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit nicht hinreichend erstellt, wirkt sich die diesbez�gliche Beweislosigkeit zu Lasten der Versicherten aus (vgl. dazu E. 2.4).
6.3.�Zu der von Dr. med. C.________ lediglich differentialdiagnostisch neben der andauernden Pers�nlichkeits�nderung in Betracht gezogenen Anpassungsst�rung mit gemischter St�rung von Gef�hlen und Sozialverhalten (ICD-10 F43.25) nahmen die behandelnden �rzte nicht Stellung. Dr. med. C.________ �usserte sich im Zusammenhang mit der Anpassungsst�rung dahingehend, dass es sich in der Regel um eine vor�bergehende�
reaktive�St�rung handle und beim Versicherten jedenfalls vor allem psychosoziale Stressoren krankheitswirksam seien; eine Ausnahme wurde nicht einmal ansatzweise in Betracht gezogen (vgl. Teilgutachten vom 23. November 2009 und Stellungnahme vom 8. November 2010). Bei dieser Sachlage fehlt es diesbez�glich von Vornherein an einer anspruchsrelevanten Beeintr�chtigung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit.
7.1.�Gest�tzt auf die Stellungnahme des RAD vom 18. April 2012 sowie die Berichte der Dres. med. D.________ und E.________ vom 10. April 2012 und vom 25. Januar 2013 gelangte die Vorinstanz zum Ergebnis, dass sich die psychisch bedingten Beschwerden chronifiziert h�tten und von den belastenden soziokulturellen Faktoren zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbst�ndigte psychische St�rungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit vorl�gen.
7.2.�Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. In seiner Stellungnahme vom 18. April 2012 stellte sich zwar RAD-Arzt Dr. med. G.________ auf den Standpunkt, das MEDAS-Gutachten vom 3. M�rz 2010 (mit Erg�nzung vom 8. November 2010) m�sse dahingehend interpretiert werden, dass von einer schweren dauernden psychischen Beeintr�chtigung auszugehen sei, welche mindestens seit Mai 2008 (erste Hospitalisation in der Klinik F.________) objektiviert sei. Diese Interpretation des RAD l�sst ausser Acht, dass der psychiatrische MEDAS-Gutachter Dr. med. C.________ von der durch ihn empfohlenen medikament�sen antidepressiven und der integrierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Therapie (welche ziel- und ressourcenorientiert sein und die Ehefrau einbeziehen sollte) bei guter Compliance eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdegegners erwartete. Im Laufe der weiteren Entwicklung hielten zwar die behandelnden �rzte fest, dass sich die depressiven Symptome trotz gegebener Compliance als therapieresistent erwiesen h�tten. Allerdings ergibt sich aus den Akten, dass lediglich alle zwei bis drei Wochen supportive psychotherapeutische Gespr�che stattfanden (im �brigen ohne dass der empfohlene Einbezug der Ehefrau aktenkundig w�re), welche Frequenz die Psychotherapie als zu wenig engmaschig ausweist. Ebenso berichteten die behandelnden �rzte, dass eine medikament�se Therapie mit mehreren Antidepressiva unterschiedlicher Wirkungsweise ohne Erfolg "ausprobiert" worden sei, ohne dass dazu substantiierte Angaben gemacht wurden (Bericht vom 10. April 2012). Angesichts der - jedenfalls aktenkundlich - geringen Intensivit�t der unternommenen Bem�hungen kann von einer konsequenten Depressionstherapie, die auf eine Aussch�pfung aller therapeutischen M�glichkeiten und damit auf die Resistenz des Leidens schliessen liesse, nicht die Rede sein. Des Weitern enthalten die Akten Hinweise auf Selbstlimitierungstendenzen, konnten doch keine beruflichen Massnahmen durchgef�hrt werden, weil sich der Versicherte subjektiv nicht arbeitsf�hig f�hlte (Mitteilung der IV-Stelle vom 16. Juni 2011. Dass die psychischen Probleme durch invalidit�tsfremde Faktoren bestimmt sind und deshalb keine Invalidit�t zu begr�nden verm�gen (vgl. E. 2.3 vorne), zeigte sich sodann nicht nur anl�ssslich des ersten station�ren Aufenthaltes in der Klinik F.________ im Jahre 2008 (Bericht vom 13. November 2008), sondern auch im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS Ende 2009, als eine Zunahme des psychosozialen Disstresses (Vergr�sserung des Schuldenberges, Verschlechterung der Beziehung mit der Ehefrau etc.) und damit einhergehend eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes festgehalten wurde (psychiatrisches Teilgutachten vom 23. November 2009). Im �brigen gehen auch die behandelnden �rzte in ihrem Bericht vom 10. April 2012 davon aus, dass es sich bei der depressiven Problematik um eine reaktive Begleiterscheinung zur Schmerzst�rung handelt und damit nicht um ein selbstst�ndiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgel�stes depressives Leiden.
Bei dieser Sachlage muss es mit der Feststellung sein Bewenden haben, dass - entgegen dem angefochtenen Entscheid - keine anspruchserhebliche Einschr�nkung der Leistungsf�higkeit gegeben ist. Die Verf�gung vom 1. Oktober 2012, mit welcher die IV-Stelle einen Rentenanspruch verneint hat, ist demnach rechtens.
Die Gerichtskosten werden dem unterliegenden Beschwerdegegner auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG). Der obsiegenden IV-Stelle steht keine Parteientsch�digung zu (Art. 68 Abs. 3 BGG).
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Juni 2014 wird aufgehoben und die Verf�gung der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 1. Oktober 2012 best�tigt.

References: Art. 97
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 7
 Art. 4
 BGE