Source: http://www.ip-rb.de/50471.htm
Timestamp: 2017-12-13 18:54:16+00:00

Document:
BGH 21.9.2017, I ZR 74/16
EuGH-Vorlage: IrrefÃ¼hrung durch Angabe des Ursprungslandes Deutschland bei Kultur-Champignons?
Die Revision hat Erfolg, wenn die von der Beklagten verwendete Ursprungsbezeichnung ungeachtet ihres verpflichtenden Charakters gem. Art. 113a Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 und Art. 76 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 gegen das IrrefÃ¼hrungsverbot gem. des Art. 2 Abs. 1a Ziff. i der Richtlinie Nr. 2000/13/EG und Art. 7 Abs. 1a LMIV verstÃ¶ÃŸt.
Der Herstellungsprozess der Champignons erfolgt in mehreren Schritten. ZunÃ¤chst werden fÃ¼r die Dauer von 7 bis 11 Tagen die Rohsubstanzen fÃ¼r den Kompost in Belgien und den Niederlanden verschnitten und vermischt. Dann erfolgt die Ã¼ber 5 bis 6 Tage andauernde Pasteurisierung und Aufbereitung des Komposts in den Niederlanden. Im dritten Herstellungsschritt wird Ã¼ber die Dauer von 15 Tagen in den Niederlanden das Myzel (Pilzsporen) in den Kompost injiziert. Im vierten Abschnitt wird in den Niederlanden die FruchtkÃ¶rperbildung auf einer Torf- und Kalkschicht in Kulturkisten initiiert, wobei die Pilze nach 10 bis 11 Tagen bis zu 3 mm gewachsen sind. Die Kulturkisten werden nach etwa 15 Tagen nach Deutschland transportiert, wo im Betrieb der Beklagten nach etwa 1 bis 5 Tagen die erste Ernte und nach etwa 10 bis 15 Tagen die zweite Ernte der Champignons erfolgt.
Die KlÃ¤gerin hÃ¤lt die Herkunftsbezeichnung der Pilze "Ursprung: Deutschland" ohne zusÃ¤tzliche Hinweise fÃ¼r irrefÃ¼hrend und hat die Beklagte im Dezember 2013 vorgerichtlich abgemahnt. Sie beantragte, die Beklagte zu verurteilen, es zu unterlassen, im geschÃ¤ftlichen Verkehr Kulturchampignons mit der Angabe "Ursprung: Deutschland" anzubieten und/oder in den Verkehr zu bringen und/oder zu bewerben.
Die Unterlassungsklage blieb vor dem LG und dem OLG erfolglos. Auf die Revision der KlÃ¤gerin hat der BGH das Verfahren ausgesetzt und dem EuGH Fragen zur Auslegung des Art. 113a Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 und des Art. 76 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013, des Art. 23 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 (Zollkodex) und des Art. 60 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 952/2013 (Unionszollkodex) sowie des Art. 2 Abs. 1a Ziff. i der Richtlinie Nr. 2000/13/EG und des Art. 7 Abs. 1a der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV) vorgelegt.
Dem EuGH werden deshalb folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:
1. Ist fÃ¼r die Bestimmung des Begriffs des Ursprungslands gem. Art. 113a Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 und Art. 76 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 auf die Begriffsbestimmungen in Art. 23 ff. Zollkodex und Art. 60 Unionszollkodex abzustellen?
2. Haben Kulturchampignons, die im Inland geerntet werden, gem. Art. 23 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 und Art. 60 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 952/2013 einen inlÃ¤ndischen Ursprung, wenn wesentliche Produktionsschritte in anderen Mitgliedstaaten der EU Union erfolgt und die Kulturchampignons erst drei oder weniger Tage vor der ersten Ernte ins Inland verbracht wurden?
3. Ist das IrrefÃ¼hrungsverbot des Art. 2 Abs. 1a Ziff. i der Richtlinie Nr. 2000/13/EG und des Art. 7 Abs. 1a der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 auf die nach Art. 113a Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 und Art. 76 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 vorgeschriebene Ursprungsangabe anzuwenden?
4. DÃ¼rfen der nach Art. 113a Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 und Art. 76 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 vorgeschriebenen Ursprungsangabe aufklÃ¤rende ZusÃ¤tze hinzugefÃ¼gt werden, um einer nach Art. 2 Abs. 1a Ziff. i der Richtlinie Nr. 2000/13/EG sowie Art. 7 Abs. 1a der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 verbotenen IrrefÃ¼hrung entgegenzuwirken?
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 30.11.2017 15:12

References: Art. 113
 Art. 76
 Art. 2
 Art. 7
 BGH 
 EuGH 
 Art. 113
 Art. 76
 Art. 23
 Art. 60
 Art. 2
 Art. 7
 EuGH 
 Art. 113
 Art. 76
 Art. 23
 Art. 60
 Art. 23
 Art. 60
 Art. 2
 Art. 7
 Art. 113
 Art. 76
 Art. 113
 Art. 76
 Art. 2
 Art. 7