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Timestamp: 2020-07-04 15:37:10+00:00

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Terminsgebühr bei schriftlichem Vergleich | Rechtslupe
Ter­mins­ge­bühr bei schrift­li­chem Ver­gleich
Wird in einem ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Beru­fungs­ver­fah­ren auf Vor­schlag des Bericht­erstat­ters des Beru­fungs­ge­richts ein schrift­li­cher Ver­gleich gemäß § 106 Satz 2 VwGO geschlos­sen, ent­steht für den beauf­trag­ten Pro­zess­be­voll­mäch­ti­gen eine 1,2 Ter­mins­ge­bühr nach Nr. 3202 VV RVG.
Nach Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1 Alter­na­ti­ve 4 VV RVG, des­sen ent­spre­chen­de Gel­tung Nr. 3202 Abs. 1 VV RVG anord­net, ent­steht die Gebühr auch, wenn in einem Ver­fah­ren, für das münd­li­che Ver­hand­lung vor­ge­schrie­ben ist, ein schrift­li­cher Ver­gleich geschlos­sen wird.
Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor. Durch Annah­me des Ver­gleichs­vor­schlags der Bericht­erstat­te­rin des Beru­fungs­ge­richts nach § 106 Satz 2 VwGO haben die Betei­lig­ten einen schrift­li­chen Ver­gleich geschlos­sen. Für das Beru­fungs­ver­fah­ren war gemäß § 125 Abs. 1 i.V.m. § 101 Abs. 1 VwGO gene­rell eine münd­li­che Ver­hand­lung vor­ge­schrie­ben. Nach die­sen Vor­schrif­ten ent­schei­det das Beru­fungs­ge­richt, soweit sich aus dem 12. Abschnitt der VwGO (§§ 124 bis 131 VwGO) nichts ande­res ergibt, auf Grund münd­li­cher Ver­hand­lung. Im Beru­fungs­ver­fah­ren bie­ten zwar die §§ 125 Abs. 2 und 130a VwGO die Mög­lich­keit, ohne münd­li­che Ver­hand­lung durch Beschluss zu ent­schei­den. Der Aus­nah­me­fall des § 125 Abs. 2 VwGO (Ver­wer­fung der Beru­fung als unzu­läs­sig durch Beschluss) liegt hier zwei­fels­frei nicht vor; ein ent­spre­chen­der Beschluss ist weder ergan­gen und noch auch nur vom Beru­fungs­ge­richt gemäß § 125 Abs. 2 Satz 3 VwGO ange­kün­digt wor­den. Damit hät­te hier eine strei­ti­ge Ent­schei­dung – abge­se­hen von dem nach Nr. 3202 Abs. 2 VV RVG gleich­falls die Ter­mins­ge­bühr aus­lö­sen­den Fall des § 130a VwGO (Ent­schei­dung über die Beru­fung durch Beschluss ohne münd­li­che Ver­hand­lung) – nur auf Grund einer münd­li­chen Ver­hand­lung erge­hen dür­fen, wenn sich das Ver­fah­ren nicht zuvor durch Abschluss des Ver­gleichs erle­digt hät­te. Nicht ent­schei­dend ist dage­gen, dass der Ver­gleich im schrift­li­chen Ver­fah­ren geschlos­sen wor­den und des­halb die Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung nicht mehr erfor­der­lich gewe­sen ist. Nach dem Gebüh­ren­tat­be­stand kommt es nicht dar­auf an, ob für die kon­kre­te Ver­fah­rens­wei­se, die zum Ver­gleichs­ab­schluss führt, eine münd­li­che Ver­hand­lung vor­ge­schrie­ben ist. Maß­geb­lich ist allein, ob für das Ver­fah­ren als sol­ches gene­rell eine münd­li­che Ver­hand­lung vor­ge­schrie­ben ist [1].
Ist dies – wie hier – der Fall, muss dem Ver­gleich kei­ne münd­li­che oder fern­münd­li­che Bespre­chung mit dem Ver­fah­rens­geg­ner vor­an­ge­gan­gen sein. Der Gebüh­ren­tat­be­stand in Nr. 3202 Abs. 1 i.V.m. der ent­spre­chend gel­ten­den Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1 VV RVG sieht eine Ter­mins­ge­bühr gera­de für Fäl­le vor, in denen es nicht zu einer münd­li­chen Akti­vi­tät gekom­men ist. Dies ent­spricht dem Anlie­gen des Gesetz­ge­bers, zu hono­rie­ren, dass ein Rechts­an­walt zu einer mög­lichst frü­hen, der Sach- und Rechts­la­ge ent­spre­chen­den Been­di­gung des Ver­fah­rens bei­trägt. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te, der an sich erwar­ten kann, in der münd­li­chen Ver­hand­lung eine Ter­mins­ge­bühr zu ver­die­nen, soll kei­nen Gebüh­ren­nach­teil erlei­den, wenn durch eine ande­re Ver­fah­rens­ge­stal­tung auf eine münd­li­che Ver­hand­lung ver­zich­tet wird [2].
Die gegen­tei­li­ge erst­in­stanz­li­che Recht­spre­chung [3] ist durch die spä­te­re Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [4] und des OVG Müns­ter [5] über­holt.
Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Beschluss vom 3. Juni 2011 – 3 A 319/​07
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 25.09.2007 – VI ZB 53/​06, NJW 2008, 668 m.w.N.; und vom 22.02.2007 – VII ZB 101/​06 –, MDR 2007, 917; OVG NRW, Beschlüs­se vom 24.06.2009 – 5 E 728/​09; und vom 18.12.2008 – 12 E 1120/​08; VG Braun­schweig, Beschluss vom 14.04.2010 – 6 A 148/​09[↩]
vgl. OVG NRW, Beschlüs­se vom 24.06.2009, a.a.O.; und vom 19.04.2006 – 16 E 783/​05; BGH, Beschlüs­se vom 03.07.2006 – II ZB 31/​05, NJW-RR 2006, 1507; und vom 27.10.2005 – III ZB 42/​05, NJW 2006, 157[↩]
VG Min­den, Beschluss vom 27.12.2006 – 6 K 472/​04[↩]
OVG NRW, aaO[↩]
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References: § 106
 § 106
 § 125
 § 101
 § 125
 § 125
 § 130