Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=DVBl%202002,%201467
Timestamp: 2019-11-12 08:39:06+00:00

Document:
BVerfG, 04.07.2002 - 1 BvR 390/01 - dejure.org
https://dejure.org/2002,1041
BVerfG, 04.07.2002 - 1 BvR 390/01 (https://dejure.org/2002,1041)
BVerfG, Entscheidung vom 04.07.2002 - 1 BvR 390/01 (https://dejure.org/2002,1041)
BVerfG, Entscheidung vom 04. Juli 2002 - 1 BvR 390/01 (https://dejure.org/2002,1041)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2002,1041) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Zur gerichtlichen Prüfung der Frage, ob eine Entwicklungsmaßnahme nach BauGB §§ 165 ff nach ihrer konkreten Ausgestaltung dem Wohl der Allgemeinheit im Sinne des GG Art 14 Abs 3 S 1 dient
Verfassungsbeschwerde - Gerichtliche Prüfung - Entwicklungsmaßnahme - Konkrete Ausgestaltung - Wohl der Allgemeinheit - Eigentum - Landwirtschaftlich genutzte Grundstücke - Osterholzer Feldmark - Hansestadt Bremen - Schaffung eines Wohngebietes
BauGB § 165; GG Art. 14 Abs. 3 S. 1
Rechtsschutz gegen städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen
Art. 14 Abs. 3 S. 2 GG
Grundrechte, Anforderungen an den Enteignungszweck
OVG Bremen, 05.09.2000 - 1 D 472/99
BVerwG, 30.01.2001 - 4 BN 72.00
NVwZ 2003, 71
ZMR 2003, 303
DVBl 2002, 1467
BauR 2003, 70
Es fehle an der verfassungsrechtlich gebotenen Konkretisierung und Prüfung, inwieweit diese Flächen (auch) einem eigenständigen öffentlichen Interesse an der Erhaltung von Reitbetrieben oder der Naherholung dienten (BVerfG, 3. Kammer des Ersten Senats, Beschluss vom 4. Juli 2002 - 1 BvR 390/01 -, NVwZ 2003, S. 71).
Soweit dabei Wertungen, Ziele und Prognosen von Bedeutung sind, kann es sich über diese allerdings nur dann hinwegsetzen, wenn sie eindeutig widerlegbar oder offensichtlich fehlsam sind oder der Wertordnung des Grundgesetzes widersprechen (vgl. BVerfGE 24, 367 ; 95, 1 ; vgl. auch 3. Kammer des Ersten Senats, Beschluss vom 4. Juli 2002, a.a.O.; Beschluss vom 8. Juni 1998 - 1 BvR 650/97 u.a. -, NVwZ 1998 S. 1060 ).
Der Senat hat dies in seinem Urteil vom 3. Juli 1998 - BVerwG 4 CN 5.97 - a.a.O. eingehend begründet (vgl. ferner BVerfG, Kammerbeschluss vom 4. Juli 2002 - 1 BvR 390/01 - DVBl 2002, 1467; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 12. September 1994 - 8 S 3002/93 - BRS 57 Nr. 287).
Der Enteignungsbetroffene hat einen aus Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG folgenden verfassungsrechtlichen Anspruch auf effektive gerichtliche Prüfung, ob der konkrete Zugriff auf sein Eigentum diesen Anforderungen genügt (BVerfG, Kammerbeschluss vom 4. Juli 2002 - 1 BvR 390/01 a.a.O.).
Das private Eigentum wird hier auch im konkreten Fall benötigt, um besonders schwerwiegende und dringende öffentliche Interessen zu verwirklichen (vgl. hierzu den Kammerbeschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 4. Juli 2002 - 1 BvR 390/01 - a.a.O.).
Vielmehr bedarf es besonders schwerwiegender, gewichtiger, dringender öffentlicher Interessen (…vgl. BVerfG, Urt. v. 24.03.1987 - 1 BvR 1046/85 - a.a.O. S. 289; Beschl. v. 04.07.2002 - 1 BvR 390/01 - NVwZ 2003, 71).
Die politischen Einschätzungen und Prognosen des Gesetzgebers sind im Rahmen sachgerechter Befundaufnahme und verantwortungsbezogener Vertretbarkeit hinzunehmen (…BVerfG, Urt. v. 18.12.1968, a.a.O.; Beschl. v. 17.07.1996 - 2 BvF 2/93 - BVerfGE 95, 1 ; Beschl. v. 04.07.2002 - 1 BvR 390/01 - a.a.O. zur städtebaulichen Entwicklungsplanung;… BVerwG, Urt. v. 17.01.1986 - 4 C 6.84, 4 C 7.84 - BVerwGE 72, 365 ;… Urt. v. 11.07.2002 - 4 C 9.00 - BVerwGE 116, 365;… Urt. v. 24.10.2002 - 4 C 7.01 - a.a.O.).
Allerdings hat der Enteignungsbetroffene einen aus Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG folgenden verfassungsrechtlichen Anspruch auf effektive gerichtliche Prüfung in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht, ob der konkrete Zugriff auf sein Eigentum zum Wohl der Allgemeinheit erforderlich ist (…vgl. BVerfG, Beschl. v. 10.05.1977 - 1 BvR 514/68, 1 BvR 323/69 - a.a.O. S. 321, 333; BVerfG, Beschl. v. 04.07.2002 - 1 BvR 390/01 - NVwZ 2003, 71; BVerfG, Beschl. v. 08.07.2009 - 1 BvR 2187/07, 1 BvR 692/08 - NVwZ 2009, 1283 ).
Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme; Gemeinbedarfseinrichtung; Allgemeinwohl; …
2.1 Die Beschwerde meint, das Oberverwaltungsgericht sei hinsichtlich der Flächen für Dauerkleingärten von einem im Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 4. Juli 2002 - 1 BvR 390/01 - (NVwZ 2003, 71 = BauR 2003, 70) aufgestellten Rechtsgrundsatz abgewichen.
Gemäß § 169 Abs. 3 BauGB ist deshalb im Entwicklungsbereich die Enteignung zugunsten der Gemeinde oder des Entwicklungsträgers ohne Bebauungsplan zur Erfüllung ihrer Aufgaben zulässig (vgl. BVerfG vom 4.7.2002 = DVBl 2002, 1467 f.).
Die Entwicklungssatzung bestimmt mit Bindungswirkung für ein nachfolgendes Enteignungsverfahren, dass das Wohl der Allgemeinheit den Eigentumsentzug generell rechtfertigt (vgl. BVerfG DVBl 2002, 1467; BVerwG vom 15.1.1982 = DVBl 1982, 537/539; BVerwG vom 31.3.1998 = DÖV 1998, 603).
b) Wegen der enteignungsrechtlichen Vorwirkung ist nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts die Zulässigkeit von Entwicklungssatzungen nach Art. 14 Abs. 3 GG zu beurteilen (vgl. BVerfG vom 24.3.1987 = BVerfGE 74, 264/282; BVerfG DVBl 2002, 1467; BVerwG DÖV 1998, 603).
Nur ein besonderes und als dringend zu qualifizierendes öffentliches Interesse, das entgegenstehende öffentliche und private Interessen überwiegt, ist geeignet, den Zugriff auf privates Eigentum zu rechtfertigen (vgl. BVerfG vom 20.3.1984 = BVerfGE 66, 248/257; BVerfGE 74, 264/293 f.; BVerfG DVBl 2002, 1467 f.).
Das entspricht der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts, nach der das private Eigentum gemäß Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG nur dann im Wege der Enteignung entzogen werden kann, wenn es im konkreten Fall benötigt wird, um besonders schwerwiegende und dringende öffentliche Interessen zu verwirklichen (vgl. BVerfG, Beschluss des Ersten Senats, 3. Kammer, vom 4. Juli 2002 1 BvR 390/01 DVBl 2002, 1467 m.w.N.; BVerwG…, Urteil vom 12. Dezember 2002 BVerwG 4 CN 7.01 a.a.O.).
Dabei kann allerdings die Entscheidung des Satzungsgebers, die beabsichtigte Maßnahme diene dem Wohl der Allgemeinheit, nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt werden (vgl. hierzu BVerwG, Beschluss vom 31. März 1998 BVerwG 4 BN 4.98 a.a.O., S. 4, sowie den Beschluss des BVerfG vom 4. Juli 2002 a.a.O., S. 1467 f.).
Dieses Verständnis steht jedenfalls bei der Verlegung von Verkehrsanlagen nicht im Widerspruch dazu, dass Art. 14 Abs. 3 GG eine mit einer Planfeststellung regelmäßig verbundene Enteignung nur zum Wohle der Allgemeinheit erlaubt und dass städtebauliche Planungen - anders als etwa ein eisenbahnrechtlicher Planfeststellungsbeschluss (vgl. § 22 AEG) - in der Regel (vgl. aber § 169 Abs. 3 BauGB und hierzu BVerfG, Kammerbeschl. v. 04.07.2002 - 1 BvR 390/01 - NVwZ 2003, 71) keine enteignungsrechtliche Vorwirkung haben.
VGH Baden-Württemberg, 02.03.2006 - 3 S 2468/04
Wohl der Allgemeinheit, Erhöhter Wohnstättenbedarf, Enteignung, …
Anforderungen an die Durchführung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme - …

References: § 165
 Art. 14

Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 § 169
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 § 22
 § 169