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Timestamp: 2017-01-23 16:57:19+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 9 AZR 659/14
Urlaubsanspruch, Altersdiskriminierung
9 AZR 659/14
Arbeitsgericht Gießen, Urteil vom 22.03.2013, 10 Ca 359/12Hessisches Landesarbeitsgerichs, Urteil vom 9.05.2014, Sa 686/13
hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 12. April 2016 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Suckow und Klo­se so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Spie­ker­mann und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Mer­te für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird un­ter Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on im Übri­gen das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 9. Mai 2014 - 3 Sa 686/13 - teil­wei­se auf­ge­ho­ben.
2. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird un­ter Zurück­wei­sung der Be­ru­fung im Übri­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Gießen vom 22. März 2013 - 10 Ca 359/12 - teil­wei­se ab­geändert. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger für Ur­laub aus dem Jahr 2012 drei Ta­ge Er­sat­zur-laub zu gewähren.
3. Der Kläger hat die Kos­ten des Rechts­streits zu 3/4 zu tra­gen, die Be­klag­te zu 1/4.
Der Kläger ver­langt von der Be­klag­ten, ihm für ver­fal­le­nen Ur­laub aus den Jah­ren 2009 bis 2012 je­weils drei Ta­ge Er­satz­ur­laub zu gewähren.
Auf das Ar­beits­verhält­nis der Be­klag­ten und des am 12. Ju­li 1959 ge­bo­re­nen Klägers fand kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung ursprüng­lich Art. III § 1 des „Ta­rif­ver­trags zu § 71 BAT be­tref­fend Be­sitz­stands­wah­rung“ vom 23. Fe­bru­ar 1961 (im Fol­gen­den TV zu § 71 BAT) An­wen­dung. Die­ser ver­wies hin­sicht­lich der Ur­laubs­ansprüche auf die Ur­laubs­ver­ord­nung für die Be­am­tin­nen und Be-mten im Lan­de Hes­sen (HUrl­VO). § 5 HUrl­VO (Ur­laubs­dau­er) ent­hielt in der für den Streit­fall maßgeb­li­chen Fas­sung vom 12. De­zem­ber 2006 (aF) fol­gen­de Re­ge­lung:
„(1) Der Ur­laubs­an­spruch rich­tet sich nach dem Le­bens­al­ter, das im Lau­fe des Ka­len­der­jah­res er­reicht wird. Er beträgt bei ei­nem Le­bens­al­ter von
bis zu 30 Jah­ren 26 Ar­beits­ta­ge,
über 30 bis 40 Jah­ren 29 Ar­beits­ta­ge,
über 40 bis 50 Jah­ren 30 Ar­beits­ta­ge,
über 50 Jah­ren 33 Ar­beits­ta­ge,
wenn die re­gelmäßige Ar­beits­zeit auf fünf Ar­beits­ta­ge in der Ka­len­der­wo­che ver­teilt ist.
Un­ter dem 5. De­zem­ber 2007 schloss die Be­klag­te mit der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) den „Man­tel­ta­rif­ver­trag Uni­ver­sitätskli­ni­kum Gießen und Mar­burg GmbH“ (im Fol­gen­den MTV UKGM), der am 1. Ja­nu­ar 2008 in Kraft trat. Die­ser Ta­rif­ver­trag enthält ua. fol­gen­de Re­ge­lun­gen:
„§ 29Er­ho­lungs­ur­laub
1. Der Ar­beit­neh­mer erhält in je­dem Ka­len­der­jahr Er­ho­lungs­ur­laub un­ter Fort­zah­lung der Ur­laubs­vergütung.
3. Die Dau­er des Ur­laubs rich­tet sich nach der Ur­laub­s­ta­bel­le (An­la­ge 1a und b), die Be­stand­teil die­ses Ta­rif­ver­tra­ges ist.
10. Der Ur­laub muss im lau­fen­den Ka­len­der­jahr gewährt und ge­nom­men wer­den. Ei­ne Über­tra­gung des Ur­lau­bes auf das nächs­te Ka­len­der­jahr ist nur statt­haft, wenn drin­gen­de be­trieb­li­che oder in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­de Gründe dies recht­fer­ti­gen. ...
§ 34Aus­schluss­fris­ten
1. Die Ansprüche aus den zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen müssen in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von drei Mo­na­ten nach Fällig­keit schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. ...
Die An­la­ge 1b zum MTV UKGM sieht ua. Fol­gen­des vor:
Beschäfti­gungs­jahr 1.-3. 4.-7. ab 8. Ur­laubs­ta­ge
Wei­ter heißt es dort aus­zugs­wei­se (im Fol­gen­den Be­sitz­stands­klau­sel):
„Ar­beit­neh­mer[n], die zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens die­ses Ta­rif­ver­tra­ges am 01.01.2008 ei­nen höhe­ren Ur­laubs­an­spruch als nach obi­ger Ta­bel­le ha­ben, wird die­ser Ur­laubs­an­spruch wei­ter­gewährt. Glei­ches gilt für die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, die zum obi­gen Zeit­punkt nach der Hes­si­schen Ur­laubs­ver­ord­nung (HUrl­VO) vom 12. De­zem­ber 2006 (GVBl. I S. 671) ei­nen höhe­ren Ur­laubs­an­spruch gem. § 5 HUrl­VO ... hat­ten.“
Auf die Mit­tei­lung der Be­klag­ten, sein An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub be­tra­ge nach In­kraft­tre­ten des MTV UKGM 30 Ar­beits­ta­ge, rich­te­te der Kläger zu­sam­men mit an­de­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen un­ter dem 24. Ju­ni 2008 ein Schrei­ben an die Per­so­nal­ab­tei­lung der Be­klag­ten. In die­sem heißt es ua. wie folgt:
als langjähri­ge Mit­ar­bei­te­rin­nen ... möch­ten wir nach der Zu­stel­lung des haus­ei­ge­nen Ta­rif­ver­trags zu ei­ner Un­gleich­be­hand­lung Stel­lung neh­men. Bis­lang galt die Ver­ein­ba­rung, für al­le Mit­ar­bei­ter, die das 50. Le­bens­jahr er-reicht ha­ben, ein zusätz­li­ches Jah­res­ur­laubs­kon­tin­gent von 3 Ta­gen in An­spruch neh­men zu dürfen. Mit der neu-en ta­rif­li­chen Re­ge­lung be­trifft dies nur noch Mit­ar­bei­ter, die vor 2009 das 50. Le­bens­jahr er­rei­chen. Für al­le Mit­ar­bei­ter, die das 50. Le­bens­jahr später er­rei­chen, ist die­ses zusätz­li­che Ur­laubs­kon­tin­gent er­satz­los ge­stri­chen. Wir emp­fin­den dies als Un­gleich­be­hand­lung, da nicht nach-voll­zieh­bar ist, wes­halb ei­ni­ge Mit­ar­bei­ter die­se 3 Ta­ge be­kom­men und an­de­re hin­ge­gen nicht. Im Zu­ge der Gleich­be­hand­lung plädie­ren wir für ei­ne Lösung, die al­len Mit­ar­bei­tern mit 50+ die­ses zusätz­li­che Ur­laubs­kon­tin­gent zu­spricht.“
In den Jah­ren 2009 bis ein­sch­ließlich 2012 gewähr­te die Be­klag­te dem Kläger je­weils an 30 Ar­beits­ta­gen Er­ho­lungs­ur­laub.
Der Kläger hat die Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten, aus Gründen der Gleich­be­hand­lung ha­be ihm in den Jah­ren 2009 bis 2012 ein Ur­laubs­an­spruch im Um­fang von je­weils 33 Ar­beits­ta­gen zu­ge­stan­den.
Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm für die Jah­re 2009, 2010, 2011 und 2012 je­weils drei Ta­ge Er­ho­lungs­ur­laub nach­zu­gewähren.
Die Be­klag­te hat die Ab­wei­sung der Kla­ge mit der Be­gründung be­an­tragt, die in Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 Abs. 1 Satz 2 HUrl­VO aF an­ge­leg­te Un­gleich­be­hand­lung die­ne in­so­weit dem Ge­sund­heits­schutz, als sie dem ge­stei­ger­ten Er­ho­lungs­bedürf­nis älte­rer Ar­beit­neh­mer Rech­nung tra­ge. Im Übri­gen sei­en die von dem Kläger er­ho­be­nen Ansprüche nach § 34 Nr. 1 MTV UKGM ver­fal­len.
Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit sei­ner vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­be­geh­ren wei­ter.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on des Klägers ist be­gründet, so­weit er Scha­dens­er­satz für den ver­fal­le­nen Ur­laub aus dem Jahr 2012 be­gehrt; im Übri­gen ist sie nicht be­gründet.
A. Hin­sicht­lich des aus dem Jahr 2012 re­sul­tie­ren­den Ur­laubs­an­spruchs hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Un­recht zurück­ge­wie­sen. Die Kla­ge ist in dem ge­nann­ten Um­fang be­gründet. Dem Kläger steht ge­gen die Be­klag­te in-so­weit ein An­spruch auf drei Ta­ge Er­satz­ur­laub zu. An­spruchs­grund­la­ge sind § 275 Abs. 1 und Abs. 4, § 280 Abs. 1 und Abs. 3, § 283 Satz 1, § 286 Abs. 1 Satz 1 iVm. Satz 2, § 287 Satz 2, § 249 Abs. 1 BGB. Die in Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 Abs. 1 Satz 2 HUrl­VO aF vor­ge­se­he­ne Ur­laubs­staf­fe­lung dis­kri­mi­nier­te den Kläger we­gen des Al­ters. Dies hat zur Fol­ge, dass sich der
Ur­laubs­an­spruch des Klägers im Jahr 2012 nicht auf 30, son­dern auf 33 Ta­ge be­lief.
I. Hat der Ar­beit­ge­ber vom Ar­beit­neh­mer recht­zei­tig ver­lang­ten Ur­laub nicht gewährt, wan­delt sich der im Ver­zugs­zeit­raum ver­fal­le­ne Ur­laubs­an­spruch in ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch um, der die Gewährung von Er­satz­ur­laub zum In­halt hat (st. Rspr., zB BAG 19. Ja­nu­ar 2016 - 9 AZR 507/14 - Rn. 21).
II. Hin­sicht­lich des Ur­laubs­an­spruchs aus dem Jahr 2012 lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen vor. Ab dem Ta­ge nach der Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift am 31. Au­gust 2012 be­fand sich die Be­klag­te mit der Gewährung von drei Ar­beits­ta­gen Ur­laub in Ver­zug (§ 286 Abs. 1 Satz 1 iVm. Satz 2 BGB, § 253 Abs. 1 ZPO), be­vor der An­spruch - frühes­tens - am 31. De­zem­ber 2012 un­ter­ging (§ 29 Nr. 10 Abs. 1 Satz 1 MTV UKGM).
1. Am 1. Ja­nu­ar 2012 er­warb der Kläger ei­nen An­spruch auf 33 Ar­beits­ta­ge Ur­laub. Der Ur­laubs­an­spruch folg­te aus der ta­rif­li­chen Re­ge­lung des § 29 Nr. 3 Abs. 1 MTV UKGM iVm. der Be­sitz­stands­klau­sel in der An­la­ge 1b zu die­sem Ta­rif­ver­trag und Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 Abs. 1 Satz 2 HUrl­VO aF, die auf den Kläger so an­zu­wen­den sind, als wenn er bei In­kraft­tre­ten des MTV UKGM be­reits das 50. Le­bens­jahr voll­endet hätte.
a) Nach Satz 1 der Be­sitz­stands­klau­sel in der An­la­ge 1b zum MTV UKGM ver­bleibt es für Ar­beit­neh­mer, die zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des MTV UKGM ei­nen höhe­ren Ur­laubs­an­spruch als den in der Ta­bel­le in der An­la­ge 1b be­stimm­ten An­spruch hat­ten, bei die­sem An­spruch. Ent­spre­chend § 5 Abs. 1 Satz 2 HUrl­VO aF, der nach Art. III § 1 TV zu § 71 BAT für die Be­stim­mung des Ur­laub­s­um­fangs maßgeb­lich war, hat­ten Ar­beit­neh­mer, die das 50. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten, An­spruch auf 33 Ar­beits­ta­ge Ur­laub.
b) Die Ur­laubs­staf­fe­lung des Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 Abs. 1 Satz 2 HUrl­VO aF, nach der der Kläger ei­nen um drei Ta­ge kürze­ren Ur­laub er­hielt als Beschäftig­te, die das 50. Le­bens­jahr be­reits voll­endet hat­ten, ver­stieß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 iVm. § 1 AGG und war
des­halb nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam (zur An­wend­bar­keit der Vor­schrif­ten auf Ta­rif­verträge vgl. BAG 15. Fe­bru­ar 2011 - 9 AZR 584/09 - Rn. 27). Dies hat zur Fol­ge, dass dem Kläger be­reits vor der Voll­endung des 50. Le­bens­jah­res in je­dem Ka­len­der­jahr ein An­spruch auf 33 Ur­laubs­ta­ge zu­stand (zu der Rechts-fol­ge ei­ner „An­pas­sung nach oben“ vgl. BAG 20. März 2012 - 9 AZR 529/10 - Rn. 27 ff., BA­GE 141, 73).
aa) Zu­tref­fend sind die Vor­in­stan­zen da­von aus­ge­gan­gen, dass Art. III § 1 TV zu § 71 BAT, der den Re­ge­lungs­ge­halt des § 5 HUrl­VO aF zum In­halt der Ta­rif­re­ge­lung macht, am Maßstab des AGG zu mes­sen ist. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der TV zu § 71 BAT aus dem Jah­re 1961 stammt, al­so zu ei­nem Zeit­punkt vor dem In­kraft­tre­ten des AGG im Jah­re 2006 ver­ein­bart wur­de. Die Vor­schrif­ten des AGG sind auf ta­rif­li­che Ur­laubs­be­stim­mun­gen an­zu­wen­den, so­fern die­se - wie vor­lie­gend - den An­spruch ei­nes Ar­beit­neh­mers für Ka­len­der­jah­re re­geln, die zeit­lich nach dem In­kraft­tre­ten des AGG lie­gen (vgl. BAG 20. März 2012 - 9 AZR 529/10 - Rn. 12, BA­GE 141, 73).
bb) Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 Abs. 1 HUrl­VO aF knüpfte die Dau­er des dem Ar­beit­neh­mer zu­ste­hen­den Ur­laubs an des­sen Le­bens­al­ter und be­han­del­te des­halb Beschäftig­te, die wie der Kläger das 50. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat­ten, un­mit­tel­bar we­gen ih­res Al­ters an­ders als Beschäftig­te, die 50 Jah­re oder älter wa­ren (ausf. hier­zu BAG 20. März 2012 - 9 AZR 529/10 - Rn. 14 f., BA­GE 141, 73).
cc) Die­se Un­gleich­be­hand­lung zu­las­ten des Klägers ist nicht ge­recht­fer­tigt.
(1) Nach § 10 Satz 1 AGG ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels müssen nach § 10 Satz 2 AGG an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. Bei­des ist im Hin­blick auf das kon­kret an­ge­streb­te Ziel zu be­ur­tei­len. Die Mit­tel sind des­halb nur dann an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, wenn sie es er­lau­ben, das mit der un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung ver­folg­te Ziel zu er­rei­chen, oh­ne zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der le­gi­ti­men In­ter­es­sen der­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer zu führen, die we­gen
ih­res Al­ters be­nach­tei­ligt wer­den, und die Maßnah­me nicht über das hin­aus-geht, was zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Ziels not­wen­dig ist. § 10 Satz 3 Nr. 1 AGG kon­kre­ti­siert ua. das le­gi­ti­me Ziel der Si­cher­stel­lung des Schut­zes „älte­rer Beschäftig­ter“, wo­bei die­ser Schutz auch die Fest­le­gung be­son­de­rer Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließen kann (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 2015 - 8 AZR 168/14 - Rn. 47 ff.).
(2) Be­ruft sich der Ar­beit­ge­ber dar­auf, ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters sei zulässig, ob­liegt es ihm dar­zu­le­gen, dass mit der Un­gleich­be­hand­lung ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG an­ge­strebt wird und dass die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Der Ar­beit­ge­ber genügt sei­ner Dar­le­gungs­last nicht be­reits dann, wenn er all­ge­mein gel­tend macht, die Re­ge­lung die­ne dem Schutz älte­rer Ar­beit­neh­mer. Viel­mehr hat er sub­stan­zi­ier­ten Sach­vor­trag zu leis­ten (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 2015 - 8 AZR 168/14 - Rn. 50 und 52).
(3) Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen hat die Be­klag­te nicht aus­rei­chend dar­ge­legt, auf­grund wel­cher Umstände die in Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 Abs. 1 Satz 2 HUrl­VO aF be­stimm­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters sach­lich ge­recht­fer­tigt ist.
(a) Die Be­klag­te hat pau­schal auf ein „mit zu­neh­men­dem Al­ter ge­stei­ger­tes Er­ho­lungs­bedürf­nis“ und den mit der Ta­rif­re­ge­lung be­zweck­ten „Ge­sund­heits­schutz“ ver­wie­sen. Das reicht nicht aus. Es ist be­reits frag­lich, ob ei­ne Ur­laubs­staf­fel, die - wie hier - be­reits ab dem voll­ende­ten 30. Le­bens­jahr ei­ne Erhöhung des Ur­laub­s­um­fangs vor­sieht, den Zweck ver­folgt, älte­re Ar­beit­neh­mer zu schützen (vgl. im Ein­zel­nen BAG 20. März 2012 - 9 AZR 529/10 - Rn. 20, BA­GE 141, 73 un­ter Be­zug­nah­me auf BAG 13. Ok­to­ber 2009 - 9 AZR 722/08 - Rn. 55, BA­GE 132, 210). Die Be­klag­te hat je­den­falls nicht dar­ge­tan, auf­grund wel­cher kon­kre­ten Umstände un­ter Berück­sich­ti­gung des den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu­ste­hen­den Er­mes­sens­spiel­raums (vgl. BAG 21. Ok­to­ber 2014 - 9 AZR 956/12 - Rn. 18, BA­GE 149, 315) und ih­rer grundsätz­li­chen Be­fug­nis zur Ge­ne­ra­li­sie­rung und Ty­pi­sie­rung bei der Grup­pen­bil­dung (vgl. BAG
16. Ok­to­ber 2014 - 6 AZR 661/12 - Rn. 28, BA­GE 149, 297) da­von aus­zu­ge­hen ist, dass bei sämt­li­chen Ar­beit­neh­mern, die das 50. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten, ein ge­genüber jünge­ren Ar­beit­neh­mern erhöhtes Er­ho­lungs­bedürf­nis vor-lag. Darüber hin­aus hat sie nicht vor­ge­tra­gen, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die­sem Bedürf­nis durch die Gewährung ei­nes erhöhten Ur­laubs­an­spruchs Rech­nung tra­gen woll­ten. Fer­ner fehlt es an Vor­trag zu der Fra­ge, ob die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en gewähl­te Lösung ih­rem We­sen nach ge­eig­net war, den mit der Ur­laubs­gewährung ver­folg­ten Zweck merk­lich zu fördern, und ob die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­fun­de­ne Lösung sich auf ein Maß be­schränk­te, das nicht über das Er­for­der­li­che hin­aus­ging. Sch­ließlich ob­lag es der Be­klag­ten dar­zu­le­gen, dass die vor­ste­hen­den Kri­te­ri­en für sämt­li­che Ta­rif­un­ter­wor­fe­nen oh­ne Rück­sicht auf die Umstände erfüllt wa­ren, un­ter de­nen die ein­zel­nen Beschäftig­ten­grup­pen ih­re Ar­beits­leis­tung er­brach­ten. Die­ser Ob­lie­gen­heit ist sie nicht nach­ge­kom­men.
(b) Der von dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­bil­de­te Er­fah­rungs­satz, in­fol­ge ei­ner Ab­nah­me der phy­si­schen Be­last­bar­keit sei bei Beschäftig­ten, die das 50. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, ge­ne­rell von ei­nem erhöhten Er­ho­lungs­bedürf­nis und ei­ner länge­ren Re­ge­ne­ra­ti­ons­zeit aus­zu­ge­hen, exis­tiert in die­ser All­ge­mein­heit nicht. Die Ab­nah­me körper­li­cher Fähig­kei­ten, die auch al­ters­be­dingt sein kann (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 2015 - 8 AZR 168/14 - Rn. 56), be­deu­tet nicht, dass die­se un­abhängig vom Be­rufs­bild zu ei­nem in be­stimm­tem Um­fang erhöhten Er­ho­lungs­be­darf führt, der zu­dem an be­stimm­ten Al­ters­stu­fen fest­ge­macht wer­den könn­te (ein­ge­hend hier­zu Tem­ming Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung im Ar­beits­le­ben S. 55 ff.). Ge­ra­de älte­re Ar­beit­neh­mer können über be­son­de­re Stärken, ins­be­son­de­re über fach­li­che Er­fah­rung als Re­sul­tat langjähri­ger Tätig­keit verfügen, die sie für be­stimm­te an­spruchs­vol­le Auf­ga­ben in be­son­de­rem Maße ge­eig­net ma­chen.
c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten un­ter­fal­len Satz 1 der Be­sitz­stands­klau­sel in der An­la­ge 1b zum MTV UKGM nicht nur die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, die ent­spre­chend dem Wort­laut von Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 Abs. 1 Satz 2 HUrl­VO aF ei­nen erhöhten Ur­laubs­an­spruch hat­ten, son­dern
auch die­je­ni­gen Beschäftig­ten, die auf­grund ei­ner „An­pas­sung nach oben“ In­ha­ber ei­nes erhöhten Ur­laubs­an­spruchs wa­ren. Dies er­gibt die Aus­le­gung der Ta­rif­be­stim­mung (zu den für Ta­rif­verträge gel­ten­den Aus­le­gungs­grundsätzen vgl. BAG 22. April 2010 - 6 AZR 962/08 - Rn. 17 mwN, BA­GE 134, 184).
aa) Be­reits der Wort­laut der Vor­schrift ist ein­deu­tig. Nach Satz 1 der Be­sitz­stands­klau­sel in der An­la­ge 1b zum MTV UKGM ge­nießen die Ar­beit­neh­mer Be­sitz­stands­schutz, die am 1. Ja­nu­ar 2008 ei­nen „höhe­ren Ur­laubs­an­spruch“ als nach der Ta­bel­le in der An­la­ge 1b hat­ten. Dies traf auf Ar­beit­neh­mer, die das 50. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten, eben­so zu wie auf Ar­beit­neh­mer, die in­fol­ge Gleich­be­hand­lung In­ha­ber ei­nes gleich ho­hen Ur­laubs­an­spruchs wa­ren. Ei­ne Ein­schränkung da­hin ge­hend, dass der höhe­re Ur­laubs­an­spruch auf den Vor­ga­ben der Ur­laub­s­ta­bel­le des Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 Abs. 1 Satz 2 HUrl­VO aF be­ru­hen muss­te, sieht die Ta­rif­be­stim­mung nicht vor.
bb) Auch der sys­te­ma­ti­sche Zu­sam­men­hang, in den Satz 1 der Be­sitz­stands­klau­sel in der An­la­ge 1b zum MTV UKGM ein­ge­bun­den ist, spricht ge­gen die An­sicht der Be­klag­ten. Nach Satz 2 der Be­sitz­stands­klau­sel gilt der Schutz über­kom­me­ner Ur­laubs­ansprüche auch für die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, die zum maßgeb­li­chen Zeit­punkt ei­nen höhe­ren Ur­laubs­an­spruch gemäß Art. III § 1 TV zu § 71 BAT iVm. § 5 HUrl­VO aF hat­ten. Folg­te man der Les­art der Be­klag­ten, hätten bei­de Ta­rif­be­stim­mun­gen ei­nen iden­ti­schen Re­ge­lungs­ge­halt. Man­gels be­son­de­rer An­halts­punk­te ist nicht an­zu­neh­men, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en red­un­dan­te Re­ge­lun­gen ta­ri­fie­ren woll­ten.
cc) Auch der Sinn und Zweck der Ta­rif­norm spre­chen ge­gen die Be­deu­tung, die die Be­klag­te der Be­sitz­stands­klau­sel in der An­la­ge 1b zum MTV UKGM bei­legt. Die Be­sitz­stands­klau­sel will ver­hin­dern, dass Ar­beit­neh­mer, die zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des MTV UKGM ei­nen höhe­ren Ur­laubs­an­spruch hat­ten, durch das neue Ta­rif­re­gime schlech­ter ge­stellt wer­den. Das von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en an­er­kann­te Bedürf­nis des Ar­beit­neh­mers, ge­gen ei­ne Ab­sen­kung des Ur­laubs­an­spruchs geschützt zu wer­den, be­steht un­abhängig da­von, ob der Ur­laubs­an­spruch aus Art. III § 1 TV zu § 71 BAT
iVm. § 5 HUrl­VO aF folgt oder vom Ar­beit­ge­ber aus Gründen der Gleich­be­hand­lung ge­schul­det wird.
2. Die Be­klag­te hat den ursprüng­lich 33 Ar­beits­ta­ge um­fas­sen­den Ur­laubs­an­spruch des Klägers für das Jahr 2012 durch Gewährung von 30 Ar­beits­ta­gen Ur­laub teil­wei­se erfüllt (§ 362 Abs. 1 BGB), so­dass sie sich zu dem Zeit­punkt, zu dem der rest­li­che An­spruch in­fol­ge Zeit­ab­laufs un­ter­ging, le­dig­lich mit der Gewährung von drei Ar­beits­ta­gen Ur­laub im Ver­zug be­fand.
3. Der Kläger hat mit Er­he­bung der Kla­ge den Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­genüber der Be­klag­ten un­ter Wah­rung der in § 34 Nr. 1 MTV UKGM ge­re­gel­ten Aus­schluss­frist gel­tend ge­macht.
B. Im Übri­gen ist die Re­vi­si­on des Klägers un­be­gründet. Hin­sicht­lich des von dem Kläger be­gehr­ten Er­satz­ur­laubs für den im Um­fang von je­weils drei Ar­beits­ta­gen ver­fal­le­nen Ur­laub aus den Jah­ren 2009 bis 2011 hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts im Er­geb­nis zu Recht zurück­ge­wie­sen. Die Kla­ge ist in­so­weit zulässig, aber nicht be­gründet. Dem Kläger steht der er­ho­be­ne An­spruch auf Er­satz des Ver­zugs­scha­dens nicht zu, da er die drei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist des § 34 Nr. 1 MTV UKGM versäumt hat (zur An­wen­dung ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten auf den An­spruch auf Er­satz­ur­laub vgl. BAG 24. Ok­to­ber 1995 - 9 AZR 547/94 - zu II 3 der Gründe, BA­GE 81, 173).
Als der Kläger die Ansprüche erst­ma­lig mit Er­he­bung der Kla­ge im Au­gust 2012 ge­genüber der Be­klag­ten gel­tend mach­te, wa­ren die­se be­reits ver­fal­len. Das an die Per­so­nal­ab­tei­lung der Be­klag­ten ge­rich­te­te Schrei­ben vom 24. Ju­ni 2008 genügt den An­for­de­run­gen an ei­ne Gel­tend­ma­chung iSd. § 34 Nr. 1 MTV UKGM nicht. Dar­auf hat be­reits das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend hin­ge­wie­sen. Der Kläger ver­laut­bar­te in dem Schrei­ben die For­de­rung, ei­ne „Lösung“ zu fin­den, die ei­nen zusätz­li­chen An­spruch auf Ur­laub vor­sieht. Die - in der Zu­kunft lie­gen­de - Einräum­ung ei­nes An­spruchs ist schon be­griff­lich nicht mit der Gel­tend­ma­chung ei­nes - be­ste­hen­den - An­spruchs gleich­zu­set­zen.
C. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Die Par­tei­en ha­ben die Kos­ten des Rechts­streits ent­spre­chend ih­rem Un­ter­lie­gen in der Haupt­sa­che zu tra­gen.
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References: § 1
 § 71
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 § 5

§ 34
 § 5
 § 1
 § 71
 § 5
 § 34
 § 275
 § 280
 § 283
 § 286
 § 287
 § 249
 § 1
 § 71
 § 5
 § 253
 § 29
 § 1
 § 71
 § 5
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 § 1
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 § 7
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 § 10
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 § 34
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 § 92