Source: https://www.weka.ch/themen/finanzen-controlling/rechnungswesen/buchfuehrung/article/beteiligungen-die-bilanzierung-und-bewertung-nach-dem-obligationenrecht/
Timestamp: 2020-07-05 07:33:46+00:00

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Beteiligungen: Die Bilanzierung und Bewertung nach dem Obligationenrecht
Gemäss dem aktuellen Obligationenrecht werden Aktiven und Verbindlichkeiten in der Regel einzeln bewertet (Art. 960 Abs. 1 OR). Eine Gruppenbetrachtung ist demnach nur noch gestattet, wenn Bilanzpositionen aufgrund ihrer Gleichartigkeit üblicherweise zur Bewertung zusammengefasst werden. Hiervon sind vor allem solche Schweizer Unternehmen betroffen, die ihre Beteiligungen bisher nach dem alten Rechnungslegungsrecht jeweils als Gruppe zusammengefasst und gemeinsam bewertet haben. Im Folgenden wird die aktuelle Bilanzierung und Bewertung von Beteiligungen nach dem Schweizer Obligationenrecht erläutert.
Beteiligungen: Bilanzierung nach dem OR
Als Beteiligungen werden gemäss Art. 960d Abs. 3 OR langfristig gehaltene Anteile am Kapital anderer Unternehmungen bezeichnet, mit welchen massgeblich Einfluss ausgeübt werden kann. Dieser wird ab einer Stimmrechtsbeteiligung von mindestens 20% vermutet. Das Gesetz stellt damit zwei Bedingungen, damit Kapitalanteile an anderen Gesellschaften als Beteiligung bilanziert werden dürfen: es muss sich um langfristig gehaltene Kapitalanteile handeln und das bilanzierende Unternehmen muss einen massgeblichen Einfluss auf das Beteiligungsunternehmen besitzen.
Abbildung 1: Beteiligungsvoraussetzungen gemäss Art. 960d Abs. 3 OR
Die beiden genannten Voraussetzungen gemäss Art. 960d Abs. 3 OR sind seit Inkrafttreten des revidierten Schweizer Rechnungslegungsrechts seit dem 1.1.2013 massgebend für die Bilanzierung von Beteiligungen. Die Unterschiede zu der bis dahin geltenden Regelung des Art. 665a OR sind verhältnismässig gering: So muss weiterhin ein massgeblicher Einfluss auf die gehaltene Gesellschaft ausgeübt werden können, wofür am selben Grenzwert von 20% der Stimmrechte festgehalten wird. Bis dahin galt, dass Kapitalanteile an anderen Unternehmungen als Beteiligung erfasst wurden, sobald die bilanzierende Unternehmung mindestens 20% der Stimmrechte innehatte. Mit dem neuen Rechnungslegungsrecht wird ab diesem Grenzwert jedoch nur noch vermutet, dass ein massgeblicher Einfluss auf die andere Unternehmung ausgeübt werden kann. Das neue Recht sieht vor, dass dies widerlegt werden kann, weshalb es möglich ist, dass höhere Stimmrechtsanteile nötig sind, damit die erworbenen Kapitalanteile an einer anderen Unternehmung als Beteiligung erfasst werden können.
Allerdings besteht neu die Möglichkeit, dass bereits ein geringerer Anteil an Stimmen ausreicht, um einen massgeblichen Einfluss auf die entsprechende Gesellschaft zu haben. Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn sich praktisch alle Aktien im Streubesitz befinden oder durch Stimmkraftbegrenzungen einzelne Aktionäre nicht ihre Stimmrechte ausüben können. Für diesen Fall ist die Bilanzierung einer Beteiligung zu erwarten (Böckli, 2014, S. 204 f.).
Weiterhin müssen Kapitalanteile an anderen Gesellschaften langfristig gehalten werden, damit eine Beteiligung vorliegt. Die langfristige Haltedauer ist in Art. 960d Abs. 2 OR mit mehr als zwölf Monaten definiert.
Sofern die beiden genannten Voraussetzungen für die Bilanzierung einer Beteiligung nicht erfüllt sind, müssen die betreffenden Anteile am Kapital anderer Unternehmungen in der Bilanz als Wertschriften erfasst und ausgewiesen werden.
Damit deren Bilanzierung korrekt erfolgen kann, sind folgende Fragen zu klären:
Aus welchem Grund werden diese Wertschriften erworben? (Fokus: Halteabsicht)
Werden die betreffenden Wertschriften an der Börse gehandelt oder gibt es dafür einen anderen beobachtbaren Marktpreis?
Wie ist die Wesentlichkeit der erworbenen Wertschriften im Vergleich zu den übrigen Aktiven zu beurteilen? (Fokus: Offenlegung gegenüber Aktionär)
Mit der Beantwortung der ersten Frage kann ermittelt werden, ob die Wertschriften im Umlauf- oder Anlagevermögen zu erfassen sind. Falls eine kurzfristige Haltefrist beabsichtigt ist, weil die Wertschriften zur Veräusserung bestimmt sind oder als Liquiditätsreserve gehalten werden, müssen sie im Umlaufvermögen bilanziert werden. Sobald dagegen der längerfristige Anlagezweck dominiert, zählen die Wertschriften zum Anlagevermögen.
Im Hinblick auf die zweite Frage ist relevant: Im Umlaufvermögen müssen gemäss Art. 959a Abs. 1 Ziff. 1 lit. a OR kurzfristig gehaltene Aktiven mit Börsenkurs separat ausgewiesen werden. Dadurch können diese nicht mehr wie bisher gemeinsam mit Aktiven ohne Börsenkurs in derselben Bilanzposition im Umlaufvermögen gezeigt werden. Die Mindestgliederungsvorschrift sieht für Aktiven ohne Börsenkurs keine separate Bilanzposition vor. Somit kommt Art. 959a Abs. 3 OR zur Anwendung, wonach weitere Positionen in der Bilanz einzeln ausgewiesen werden müssen, sofern sie wesentlich oder aufgrund der Tätigkeit des Unternehmens üblich sind. Tragen die Wertschriften ohne Börsenkurs einen wesentlichen Anteil zur gesamten Bilanzsumme bei, muss diese Position folglich separat ausgewiesen werden. Diese kann zum Beispiel als kurzfristige Wertschriften ohne Börsenkurs bilanziert werden. Sind die Wertschriften ohne Börsenkurs für die Beurteilung der Vermögens- und Finanzierungslage durch Dritte dagegen unwesentlich, können sie auch in der Bilanzposition übriges Umlaufvermögen ausgewiesen werden.
Sofern die Wertschriften zum Anlagevermögen zählen, müssen diese unter den Finanzanlagen gezeigt werden. Aufgrund der Mindestgliederungsvorschriften im Obligationenrecht ist keine Unterscheidung zwischen Wertschriften ohne und mit Börsenkurs oder beobachtbarem Marktpreis vorgesehen. Dennoch sollte ein separater Ausweis in der Bilanz ins Auge gefasst werden, sobald nicht alle Wertschriften im Anlagevermögen nach dem gleichen Modell bewertet werden.
Die Bewertung von Beteiligungen nach dem OR
Bei der Bewertung von Beteiligungen nach dem Obligationenrecht wird im Folgenden zwischen der Ersterfassung und der Folgebewertung unterschieden.
Ersterfassung und -bewertung
Für die Ersterfassung von Wertschriften des Umlauf- sowie des Anlagevermögens und Beteiligungen findet Art. 960a Abs. 1 OR Anwendung. Darin wird geregelt, dass Aktiven höchstens zu den Anschaffungskosten erfasst werden dürfen. Die Anschaffungskosten definieren sich jedoch bei Wertschriften und Beteiligungen unterschiedlich. So dürfen bei Wertschriften neben dem Kaufpreis zusätzlich noch Courtagen und Bankgebühren erfasst werden. Dies ist jedoch unüblich, und so werden diese normalerweise direkt im Aufwand verbucht.
Bei Beteiligungen gehören neben dem vereinbarten Kaufpreis auch noch transaktionsbezogene Nebenkosten zu den Anschaffungskosten. Darunter fallen unter anderem Courtagen, Kommissionen, Spesen (ohne Finanzierungskosten), Handänderungssteuern und direkt mit der Akquisition zusammenhängende Beratungskosten (HWP, 2014, 176). Werden Wertschriften oder Beteiligungen in einer Fremdwährung erworben, werden diese üblicherweise zum Wechselkurs am Transaktionstag in Schweizer Franken umgerechnet.
Im Gegensatz zur Erstbewertung spielt die Klassifizierung für die Folgebewertung eine bedeutendere Rolle. So werden bei Wertschriften in Fremdwährungen zwei unterschiedliche Bewertungsmodelle (aktueller und historischer Wechselkurs) unterschieden, während die IFRS im Vergleich dazu bei Wertschriften nur ein Bewertungsmodell kennen.
Abbildung 2: Bewertungsmodelle für Beteiligungen/Wertschriften im Überblick
Seit dem 1.1.2013 ist das aktuelle Schweizer Rechnungslegungsrecht als Teil des Obligationenrechts in Kraft getreten. Darin werden unter anderem die Bewertungsvorschriften wesentlich detaillierter als bisher geregelt. Neuerdings müssen gemäss Art. 960 Abs. 1 OR Aktiven und Verbindlichkeiten in der Regel einzeln bewertet werden.
Eine Gruppenbetrachtung ist nur noch gestattet, wenn Bilanzpositionen aufgrund ihrer Gleichartigkeit üblicherweise zur Bewertung zusammengefasst werden. Der Grundsatz von Art. 960 Abs. 1 OR findet auch bei den Beteiligungen Anwendung, weshalb diese in der Regel einzeln zu bewerten sind. Eine Gruppenbewertung ist aber vertretbar, wenn verschiedene Beteiligungen unternehmensintern in der Führung und Beurteilung als wirtschaftliche Einheit betrachtet werden können.
Literatur Böckli
Peter (2014), Neue OR-Rechnungslegung, Zürich (Schulthess Verlag).
HWP (2014), Handbuch der Wirtschaftsprüfung, Zürich.
Mehr Infos zu solchen Themen finden Sie im Produkt Finanzbuchhaltung.

References: Art. 960
 Art. 960
 Art. 960
 Art. 665
 Art. 960
 Art. 959
 Art. 959
 Art. 960
 Art. 960
 Art. 960