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Timestamp: 2016-10-25 01:31:26+00:00

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1C_289/2013 (28.10.2013)
1C_289/2013 � � Urteil vom 28. Oktober 2013
vertreten durch Rechtsanwalt X.________,
�Mit Baugesuch vom 15. Oktober 2012 beantragte X.________ die Erteilung einer Baubewilligung f�r den Neubau eines Einfamilienhauses auf Parzelle 792, Sut Catieni, in Ruschein. Dagegen erhob die Vereinigung Helvetia Nostra Einsprache. Der Gemeindevorstand von Ruschein trat auf die Einsprache am 27. Dezember 2012 mangels Legitimation nicht ein und erteilte gleichentags die Baubewilligung.
�Die dagegen erhobene Beschwerde der Helvetia Nostra wies das Verwaltungsgericht des Kantons Graub�nden am 19. Februar 2013 ab. Es entschied, die Gemeinde sei zu Recht auf die Einsprache der Helvetia Nostra nicht eingetreten. Im �brigen ging es davon aus, dass Art. 75b BV erst auf Baubewilligungen anwendbar sei, die nach dem 1. Januar 2013 erteilt w�rden. Daraus ergebe sich, dass auch in Gemeinden wie Ruschein, in denen die kritische Grenze von 20 % Zweitwohnungen �berschritten sei, im Jahr 2012 noch Baubewilligungen f�r Zweitwohnungen nach bisherigem Recht erteilt werden durften.
�Dagegen erhob die Helvetia Nostra am 18. M�rz 2013 Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht. Sie beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Sache zu neuem Entscheid an das Verwaltungsgericht zur�ckzuweisen. Eventualiter sei die dem Projekt von X.________ und Y.________ in Ruschein erteilte Baubewilligung aufzuheben.
�Das Verfahren wurde bis zum Vorliegen eines Grundsatzentscheids des Bundesgerichts zur Frage der Beschwerdebefugnis der Helvetia Nostra und der Anwendbarkeit von Art. 75b BV und Art. 197 Ziff. 9 BV zur�ckgestellt.
�Am 22. Mai 2013 f�llte das Bundesgericht die ersten Leitentscheide (BGE 139 II 243, 263 und 271). Im Anschluss an diese Urteile wurde das Verfahren fortgesetzt.
�X.________ (im Folgenden: der Beschwerdegegner) und Y.________ (die Beschwerdegegnerin) beantragen, die Beschwerde sei abzuweisen. Sie bestreiten mit Nichtwissen, dass Franz Weber zur Vertretung der Beschwerdef�hrerin befugt sei.
�Sie machen geltend, die Beschwerde gegen die Beschwerdegegnerin sei schon deshalb abzuweisen, weil diese nicht passiv legitimiert sei. Sie habe das Baugesuch lediglich als Miteigent�merin des Grundst�cks unterzeichnet; Baugesuchsteller und damit Bauherr sei ausschliesslich der Beschwerdegegner.
�Dieser bestreitet, dass es sich beim Bauvorhaben um eine Zweitwohnung handle. Er habe bisher in Flims gewohnt und seine dortige Wohnung, die zu klein geworden sei, verkauft. Am 4. Februar 2010 habe er Miteigentum am Baugrundst�ck in Ruschein erworben, um darauf ein Einfamilienhaus zu errichten, in dem er Wohnsitz nehmen wolle.
�Das Verwaltungsgericht und die Gemeinde Ruschein haben auf eine Vernehmlassung verzichtet.
�In ihrer Replik macht die Beschwerdef�hrerin geltend, dass die Baubewilligung vom 27. Dezember 2012 X.________ und Y.________ erteilt worden sei; beide seien auch im Urteil des Verwaltungsgerichts als Beschwerdegegner genannt worden. Insofern habe sie annehmen d�rfen, dass es sich um eine gemeinsame Bauherrschaft handle. Die Zusicherung des Beschwerdegegners, in Ruschein Wohnsitz nehmen zu wollen, gen�ge nicht, um die Nutzung der Neubaute als Erstwohnung zu garantieren.
�Die Beschwerdef�hrerin beantragt daher - unter Vorbehalt der Zustimmung der Beschwerdegegner - die Baubewilligung vom 27. Dezember 2012 sei um eine �ffentlich-rechtliche Nutzungseinschr�nkung als Erstwohnung i.S.v. Art. 6 der Verordnung �ber Zweitwohnungen vom 22. August 2012 (SR 702) zu erg�nzen und diese Nutzungseinschr�nkung sei in das Grundbuch der Gemeinde Ruschein einzutragen. Sollten die Beschwerdegegner diesem Antrag nicht zustimmen, halte sie am urspr�nglichen Beschwerdeantrag fest.
�Die Gemeinde Ruschein und die Beschwerdegegner beantragen, auf den neuen Antrag sei nicht einzutreten, eventualiter sei er abzuweisen. Es handle sich um ein unzul�ssiges neues Begehren (Art. 99 Abs. 2 BGG).
�Ihres Erachtens ist Art. 6 Zweitwohnungsverordnung nicht anwendbar: Zum einen sei der Bundesrat nach Art. 197 Ziff. 9 Abs. 1 BV (noch) nicht zum Erlass einer Verordnung berechtigt gewesen, weshalb die Verordnung nichtig sei; im �brigen sei diese erst am 1. Januar 2013 in Kraft gesetzt worden und k�nne nicht r�ckwirkend auf zuvor erteilte Baubewilligungen angewendet werden. Weder aus Art. 75b BV noch aus Art. 197 Ziff. 9 BV ergebe sich eine Pflicht zur Eintragung einer �ffentlich-rechtlichen Nutzungsbeschr�nkung ins Grundbuch.
�Der Beschwerdegegner reicht Fotos ein, um zu belegen, dass derzeit in der Gemeinde Ruschein verschiedene Mehrfamilienh�user mit Eigentumswohnungen errichtet werden. Diese seien zwischen dem 11. M�rz 2012 und dem 31. Dezember 2012 ohne Nutzungsbeschr�nkung bewilligt worden und w�rden als Ferienwohnungen verkauft. Es w�re stossend und eine Ungleichbehandlung, wenn nur das Einfamilienhausprojekt des Beschwerdegegners nach der Zweitwohnungsverordnung behandelt w�rde.
�Gegen den kantonal letztinstanzlichen Endentscheid des Verwaltungsgerichts steht grunds�tzlich die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ans Bundesgericht offen (Art. 82 lit. a, Art. 86 Abs. 1 lit. d und Art. 90 BGG). Franz Weber ist als Pr�sident der Helvetia Nostra zu deren Vertretung befugt, wie sich aus den (in anderen Beschwerdeverfahren) eingereichten Statuten ergibt. Da auch die �brigen Sachurteilsvoraussetzungen vorliegen, ist auf die Beschwerde einzutreten.
�Ob die am 20. September 2013 erfolgte Antrags�nderung zul�ssig gewesen w�re, kann offen bleiben, da sie unter Vorbehalt einer Zustimmung der Beschwerdegegner erfolgte, die verweigert worden ist. Insofern bleibt es beim urspr�nglichen Beschwerdeantrag.
�Y.________ wird im Rubrum des angefochtenen Entscheids und in der Beschwerdeschrift als Beschwerdegegnerin genannt; das Verwaltungsgericht ging davon aus, dass sie auch Baugesuchstellerin sei. Unter diesen Umst�nden ist sie auch im bundesgerichtlichen Verfahren als Beschwerdegegnerin zu beteiligen, um ihr Gelegenheit zu geben, ihre Interessen zu wahren. Die Frage, ob sie tats�chlich Baugesuchstellerin ist, stellt sich erst im Zusammenhang mit der Kostenverteilung (vgl. dazu unten E. 5).
�Angefochten ist ein Entscheid des Verwaltungsgerichts, der die Einsprachebefugnis der Beschwerdef�hrerin verneint und somit den Nichteintretensentscheid der Gemeinde Ruschein best�tigt.
�Die Plafonierung des Zweitwohnungsbaus gem�ss Art. 75b BV stellt eine Bundesaufgabe dar, die der Schonung der Natur und des heimatlichen Landschaftsbildes dient. Die nach Art. 12 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes vom 1. Juli 1966 �ber den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) beschwerdebefugten Organisationen im Bereich des Natur- und Heimatschutzes - zu denen auch die Helvetia Nostra geh�rt - k�nnen daher Baubewilligungen wegen Verletzung von Art. 75b BV und seiner �bergangs- und Ausf�hrungsbestimmungen anfechten (BGE 139 II 271 E. 11 S. 276 ff.). Das Verwaltungsgericht und die Gemeinde Ruschein haben somit die Einsprachebefugnis der Beschwerdef�hrerin zu Unrecht verneint.
�Zu pr�fen ist, ob das Bundesgericht - wie die Beschwerdegegner beantragen - selbst in der Sache entscheiden soll, oder ob es (wie bei Nichteintretensentscheiden �blich) die Sache zu materieller Beurteilung an eine der Vorinstanzen zur�ckweist. In Betracht kommt sowohl eine R�ckweisung an das Verwaltungsgericht als auch (evtl. unter Mitaufhebung des Einsprache- und Baubewilligungsentscheids) an die Gemeinde als erste Instanz (Art. 107 Abs. 2 BGG).
�F�r letztere L�sung spricht der Umstand, dass die Gemeinde zu Unrecht auf die Einsprache der Helvetia Nostra nicht eingetreten ist, sich also mit deren Einw�nden gegen das Bauvorhaben noch nicht befasst hat.
�Der Beschwerdegegner macht dagegen geltend, ein R�ckweisung sei �berfl�ssig, weil sich aus den von ihm eingereichten Unterlagen klar ergebe, dass es sich um eine Erst- und nicht um eine Zweitwohnung handle; diese neuen Beweismittel seien zul�ssig, weil ihm vor Verwaltungsgericht das rechtliche Geh�r verweigert worden sei.
3.1.�Die eingereichten Unterlagen lassen jedoch nicht den eindeutigen Schluss zu, dass es sich um ein Erstwohnungsbauvorhaben handelt:
�Im Baugesuch wird der Beschwerdegegner als Bauherr angegeben, mit Wohnsitz in Wangen bei D�bendorf. Aus der eingereichten Wohnsitzbescheinigung der Gemeinde Flims ergibt sich, dass er zeitweilig (zuletzt vom 17. November 2010 bis 18. April 2011) in Flims angemeldet war, jedoch am 18. April 2011 nach Wangen weggezogen ist. Insofern l�sst sich den Unterlagen lediglich entnehmen, dass er aktuell Wohnsitz in Wangen hat.
3.2.�Das Bundesgericht hat in BGE 139 II 243 (E. 9-11 S. 249 ff.) entschieden, dass Art. 75b Abs. 1 BV seit seinem Inkrafttreten am 11. M�rz 2012 anwendbar ist. Zwar bedarf diese Bestimmung in weiten Teilen der Ausf�hrung durch ein Bundesgesetz. Unmittelbar anwendbar ist sie jedoch insoweit, als sie (in Verbindung mit Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV) ein Baubewilligungsverbot f�r Zweitwohnungen in allen Gemeinden anordnet, in denen der 20 %-Zweitwohnungsanteil bereits erreicht oder �berschritten ist. Dieses vorl�ufige Bauverbot kommt im Ergebnis einer Planungszone gleich. Es ist weit auszulegen, um dem Gesetzgeber nicht vorzugreifen und eine Pr�judizierung der k�nftigen Ausf�hrungsgesetzgebung zu vermeiden (BGE 139 II 243 E. 10.5 S. 257). Insofern erfasst es nicht nur Bauten, die erkl�rterweise als Zweitwohnungen genutzt werden sollen, sondern auch Bauten, die als Zweitwohnungen genutzt werden k�nnten.
�Die vorliegend zu beurteilende Baubewilligung schr�nkt die Art der Wohnnutzung nicht ein, weshalb das bewilligte Haus ebenso gut als Erst- wie als Zweitwohnung genutzt werden k�nnte. Dies widerspricht Art. 75b Abs. 1 BV, und zwar unabh�ngig von der Anwendbarkeit von Art. 6 Zweitwohnungsverordnung: Es l�sst sich, wie dargelegt, unmittelbar aus der Verfassung entnehmen, dass in Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von �ber 20 % seit dem 11. M�rz 2012 keine Baubewilligungen mehr f�r potenzielle Zweitwohnungen erteilt werden durften. Die vorliegende Baubewilligung h�tte daher nur mit Auflagen (insbesondere Nutzungsbeschr�nkungen) erteilt werden d�rfen, die eine Nutzung der Baute als Zweitwohnung ausschliessen, und zwar auch im Falle einer Hand�nderung.
�Zwar wurden in der Gemeinde Ruschein offenbar im fraglichen Zeitraum weitere Wohnbauten ohne Nutzungseinschr�nkung bewilligt. Diese Praxis beruhte jedoch auf dem damaligen (inzwischen aufgegebenen) Rechtsverst�ndnis der Gemeinde, wonach bis zum 31. Dezember 2012 noch Baubewilligungen nach altem Recht erteilt werden d�rften. Diese damals erteilten, unbeschr�nkten Bewilligungen verstiessen zwar gegen Art. 75b Abs. 1 BV; sofern sie nicht angefochten wurden, sind sie jedoch in Rechtskraft erwachsen. Wenn sie nicht widerrufen werden, k�nnen sie somit ausgen�tzt werden. Dies ist eine Konsequenz der �bergangsbestimmung in Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV, welche die Nichtigkeitsfolge erst ab dem 1. Januar 2013 anordnet, und es f�r den Zeitraum davor bei der Anfechtbarkeit rechtswidriger Baubewilligungen bel�sst. Es mag f�r den Beschwerdegegner stossend sein, dass lokal nur seine Baubewilligung angefochten worden ist; eine verfassungswidrige Ungleichbehandlung seitens der Gemeinde liegt dagegen nicht vor.
�Nach dem Gesagten rechtfertigt es sich, die Sache an die Gemeinde zur�ckzuweisen, unter Mitaufhebung des Einspracheentscheids und der Baubewilligung. Will der Beschwerdegegner an seinem Bauvorhaben festhalten, muss er das Baugesuch mit den n�tigen Angaben erg�nzen. Dazu ist der Beschwerdef�hrerin im Einspracheverfahren das rechtliche Geh�r zu gew�hren.
5.1.�Bei diesem Ausgang des Verfahrens obsiegt die Beschwerdef�hrerin. Der unterliegende Beschwerdegegner wird kostenpflichtig, und zwar sowohl f�r das bundesgerichtliche Verfahren (Art. 66 BGG) als auch f�r das Verfahren vor Verwaltungsgericht (Art. 67 BGG).
�Da die Beschwerdegegnerin lediglich als Miteigent�merin an den Einsprache- und Beschwerdeverfahren beteiligt war, rechtfertigt es sich, ihr keine Kosten aufzuerlegen.
5.2.�Die Beschwerdef�hrerin war weder vor Verwaltungsgericht noch vor Bundesgericht anwaltlich vertreten, weshalb sie praxisgem�ss keinen Anspruch auf eine Parteientsch�digung hat.
�Die Beschwerdegegnerin wurde durch den Beschwerdegegner anwaltlich vertreten; da dieser auch in eigener Sache handelte und die Mitvertretung der Beschwerdegegnerin keinen wesentlichen Mehraufwand verursacht hat, ist auch ihr keine Parteientsch�digung zuzusprechen.
�Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graub�nden vom 19. Februar 2013, der Einspracheentscheid des Gemeindevorstands Ruschein und die Baubewilligung, beide vom 27. Dezember 2012, werden aufgehoben. Die Sache wird im Sinne der Erw�gungen an die Gemeinde Ruschein zur�ckgewiesen.
�Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- f�r das bundesgerichtliche Verfahren und Fr. 1'033.-- f�r das verwaltungsgerichtliche Verfahren werden dem Beschwerdegegner (X.________) auferlegt.
�Es werden keine Parteientsch�digungen zugesprochen.
�Dieses Urteil wird den Parteien, der Gemeinde Ruschein und dem Verwaltungsgericht des Kantons Graub�nden, 5. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 75
 Art. 75
 Art. 197
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 197
 Art. 75
 Art. 197
 Art. 86
 Art. 90
 Art. 75
 Art. 12
 Art. 75
 BGE 
 Art. 75
 Art. 197
 Art. 75
 Art. 6
 Art. 75
 Art. 197