Source: https://www.kujus-strafverteidigung.de/strafrechts-abc/raub/
Timestamp: 2019-08-22 19:06:59+00:00

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Raub | Strafrechts-ABC
Man kennt ihn aus Zeitung, Film und TV: den Raub. In Blockbustern handelt es sich bei Räubern gern mal um eine Gruppe schwer bewaffneter Personen, die eine Bank überfallen. Fernab von Hollywood und weniger spektakulär kommt der Raub in Deutschland in vielen Formen vor.
Der Raub findet sich als Straftat in § 249 StGB. Dort ist normiert:
Daneben kennt das Gesetz noch den schweren Raub sowie den Raub mit Todesfolge.
Was ist ein Raub? | § 249 StGB
Der Raub wird mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu 15 Jahren geahndet. Es handelt sich bei einem Raub entsprechend um ein „Verbrechen“.
Das Gesetz definiert den Raub als die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt oder mittels einer Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben. Ferner bedarf es der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.
Vereinfacht ausgedrückt, ist der Raub also eine Kombination aus einem Diebstahl und einer Gewaltanwendung oder einer Drohung gegenüber dem Opfer.
Eine Wegnahme wird definiert als
Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams an einer beweglichen Sache.
Die Wegnahme definiert sich daher wie beim Diebstahl.
Eine Wegnahme liegt damit vor bei
dem Wegnehmen einer Brieftasche oder Geldbörse
dem Entreißen des Handys
dem „Abziehen“ der Jacke oder der Schuhe
Nötigung: Gewalt oder Drohung
Als mögliches Nötigungsmittel kennt das Gesetz die Gewalt oder die Drohung.
Nach der vom Bundesgerichtshof (BGH) aufgestellten Definition handelt es sich bei Gewalt um
körperlich wirkender Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder durch sonstige physische Einwirkung, die nach ihrer Intensität und Wirkungsweise dazu geeignet ist, die freie Willensentschließung oder Willensbetätigung eines anderen zu beeinträchtigen.
Hierunter fallen :
Entreißen („Abziehen“)
Unter einer Drohung wird das
Ankündigen eines gegenwärtigen Übels, auf dessen Eintritt der Täter vorgibt, Einfluss zu haben,
Hierunter lassen sich etwa Fälle zuordnen, in denen der Täter dem Opfer (oder einem Dritten) eine Körperverletzung oder gar den Tod androht.
Allerdings bedarf es zur Bejahung eines Raubs der sogenannten „finalen Verknüpfung“. Das bedeutet: Das Nötigungsmittel (also Gewalt oder Drohung) muss gerade dazu eingesetzt werden, die Wegnahme zu ermöglichen.
Der Täter muss seinem Opfer z.B. gerade Gewalt antun oder diese androhen, um an die Beute zu gelangen.
Raub: Strafe und Verjährung
Die Strafe für einen Raub beträgt Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Eine Geldstrafe ist nicht möglich!
Die konkrete Strafe ist von vielerlei Faktoren abhängig – Etwa der Art der Gewaltanwendung, mögliche Verletzungen, einem möglichen Alkoholeinfluss dem Nachtatverhalten des Beschuldigten und möglichen Vorstrafen.
Da es sich bei dem Straftatbestand des Raubes um ein Verbrechen handelt, ist dem Angeklagten zwingend ein Pflichtverteidiger beizuordnen.
Die Tat verjährt gemäß § 78 Abs. 3 Nr. 2 StGB erst mach 20 Jahren.
Was ist ein Schwerer Raub? | § 250 StGB
Der schwere Raub findet sich § 250 StGB.
Aufgrund der Art der zusätzlichen Tabestandsmerkmale, die sich auch in der unterschiedlichen Höhe der Strafandrohung widerspiegeln, spricht man hinsichtlich des § 250 Abs. 1 StGB von einem schweren Raub und hinsichtlich § 250 Abs. 2 StGB von einem besonders schweren Raub.
Voraussetzung für einen schweren Raub ist zunächst das Vorliegen eines „einfachen“ Raubs nach § 249 StGB, eines räuberischen Diebstahls nach § 252 StGB oder einer räuberischen Erpressung nach § 255 StGB.
Tritt zu dem Grundtatbestand, also etwa dem „einfachen“ Raub, ein besonderer Umstand aus § 250 StGB hinzu, handelt es sich um einen schweren Raub.
Schwerer Raub nach § 250 Abs. 1 StGB
Die in § 250 Abs. 1 StGB genannten besonderen Umstände beinhalten etwa das Beisichführen von Waffen und anderen gefährlichen Werkzeugen oder die Begehung als Mitglied einer Bande.
Eine Waffe ist ein Gegenstand,
der zum Verletzen eines Menschen bestimmt sind.
Schlagringe und Schlagstöcke
Einem gefährlichen Werkzeug unterfällt
jeder bewegliche Gegenstand, der, als Mittel zur Herbeiführung einer Körperverletzung eingesetzt, nach seiner Beschaffenheit und nach der Art seiner Benutzung geeignet ist, erhebliche Körperverletzungen herbeizuführen.
Hierunter kann so ziemlich jeder offensichtlich gefährliche Gegenstand wie auch jeder Alltagsgegenstand subsumiert werden. Ein gefährliches Werkzeug kann daher sein
Basbeballschläger
Die Waffe oder das gefährliches Werkzeug muss nicht eingesetzt werden. Demnach reicht es völlig aus, wenn es sich in Griffweite des Täters oder eines Beteiligten befindet. Insbesondere dieser Punkt war und ist immer wieder Gegenstand gerichtlicher Verfahren, da diese Norm zu einer uferlosen Strafbarkeit führen kann.
Auch der Bandenraub stellt einen schweren Raub dar. Von einer Bande spricht man, soweit sich mindestens drei Personen mit dem Willen verbunden haben, für eine gewisse Dauer mehrere Straftaten zu begehen.
Besonders Schwerer Raub nach § 250 Abs. 2 StGB
Soweit eine mitgeführte Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet wird, handelt es sich um einen besonders schweren Raub.
Das bedeutet nicht, dass das Opfer verletzt werden muss. Von dieser Tatvariante sind Schüsse zur Einschüchterung ebenso umfasst wie zweckgerichtete Drohungen. Wird eine Person während des Raubes körperlich schwer misshandelt oder in die Gefahr des Todes gebracht, liegt ebenfalls ein besonders schwerer Raub vor.
Ein besonders schwerer Raub liegt ferner in Fällen vor, in denen der Raub durch eine Bande begangen wird und ein Bandenmitglied eine Waffe bei sich führt.
Ein schwerer Raub nach § 250 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren, ein besonders schwerer Raub nach § 250 Abs. 2 StGB mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren geahndet.
Im Falle einer Verurteilung ist daher keine Bewährungsstrafe mehr möglich.
Was ist Raub mit Todesfolge? | § 251 StGB
Das Strafgesetzbuch kennt schließlich den Raub mit Todesfolge. Dieser findet sich in § 251 StGB und lautet folgendermaßen:
Voraussetzung ist zunächst ein Raub (oder eine räuberische Erpressung) als Grundtatbestand. Es reicht allerdings schon ein versuchter Raub.
Ferner muss der Tod eines anderen Menschen eingetreten sein – und dies wiederum mindestens durch Leichtfertigkeit des Täters. Bei dieser Qualifikation muss sich ein spezifisches Risiko der Tat in dem Tod eines Menschen verwirklicht haben.
Die Strafandrohung bei einem Raub mit Todesfolge liegt bei mindestens zehn Jahren bis hin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.
Anzeige wegen Raub?
Sie haben eine Vorladung oder eine Anklage erhalten? Ihnen wird ein Raub vorgeworfen? Aufgrund der hohen Strafandrohung (Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr!) sollten Sie das Strafverfahren auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen.
Schweigen Sie! Und beschreiten Sie das Ermittlungsverfahren noch ohne professionelle Hilfe.

References: § 249
 § 249
 § 78
 § 250
 § 250
 § 250
 § 250
 § 249
 § 252
 § 255
 § 250
 § 250
 § 250
 § 250
 § 250
 § 250
 § 251
 § 251