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Timestamp: 2020-06-02 06:53:42+00:00

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Soldatenbeteiligungsrechte beim Bundesnachrichtendienst | Rechtslupe
Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­rech­te beim Bun­des­nach­rich­ten­dienst
Für Strei­tig­kei­ten zwi­schen dem Per­so­nal­rat der Zen­tra­le und dem Prä­si­den­ten des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes über die Betei­li­gungs­rech­te der Grup­pe der Sol­da­ten ist nach Durch­füh­rung des Beschwer­de­ver­fah­rens nach der Wehr­be­schwer­de­ord­nung der Rechts­weg zu den Wehr­dienst­ge­rich­ten gege­ben; sach­lich zustän­dig ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt.
Bei einem gericht­li­chen Antrags­ver­fah­ren über Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­rech­te, bei denen nicht die Betei­li­gung in einer kon­kre­ten Per­so­nal­an­ge­le­gen­heit, son­dern für eine Viel­zahl gleich­ar­ti­ger Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten strei­tig ist, ist der Fest­stel­lungs­an­trag regel­mä­ßig die vor­ran­gig gege­be­ne Antrags­art.
§ 23 Abs. 3 Satz 2 SBG schließt die Betei­li­gung der Ver­trau­ens­per­son bei Dienst­pos­ten der Besol­dungs­grup­pe A 16 und höher auch bei der Ent­schei­dung über die Ver­wen­dung auf einem höher­wer­ti­gen Dienst­pos­ten im Vor­feld einer (spä­te­ren) Beför­de­rung aus.
Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst ist eine Bun­des­ober­be­hör­de im Geschäfts­be­reich des Bun­des­kanz­ler­am­tes (§ 1 Abs. 1 Satz 1 BNDG). Die Zen­tra­le des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes ist eine Dienst­stel­le im Sin­ne des § 6 Abs. 1 i.V.m. § 86 BPersVG, bei der ein ört­li­cher Per­so­nal­rat gebil­det wird [1]. Für Strei­tig­kei­ten des Antrag­stel­lers mit dem Prä­si­den­ten des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes über per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­che Betei­li­gungs­rech­te ist grund­sätz­lich der Rechts­weg zu den all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­ge­rich­ten gege­ben. Abwei­chend von die­ser gene­rel­len Rechts­weg­zu­wei­sung in § 83 Abs. 1 Nr. 3 BPersVG ist der Rechts­weg zu den Wehr­dienst­ge­rich­ten dann eröff­net, wenn sich der Per­so­nal­rat auf eine Behin­de­rung in sei­nen Betei­li­gungs­rech­ten in Ange­le­gen­hei­ten beruft, die nur die Sol­da­ten betref­fen [2]. Mit der Zuwei­sung der Befug­nis­se der Ver­trau­ens­per­son an die Sol­da­ten­ver­tre­ter im Per­so­nal­rat ent­hält § 52 Abs. 1 Satz 1 SBG eine Maß­ga­be zum Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz im Sin­ne des § 48 Satz 1 SBG, die sich für den Bereich der Betei­li­gung in Ange­le­gen­hei­ten, die nur die Sol­da­ten betref­fen, auch auf den Rechts­weg gem. § 16 SBG i.V.m. § 17 Abs. 1 WBO aus­wirkt [3].
Die hier strei­ti­ge Fra­ge der Anhö­rung des Per­so­nal­rats bei der Aus­wahl von Sol­da­ten für Ver­wen­dun­gen auf Dienst­pos­ten der Besol­dungs­grup­pe A 16 und höher ist eine Ange­le­gen­heit, die aus­schließ­lich die Grup­pe der Sol­da­ten betrifft.
Ent­ge­gen der Ansicht des Chefs des Bun­des­kanz­ler­am­tes ist der Rechts­weg zu den Wehr­dienst­ge­rich­ten auch nicht durch die Rege­lung des § 86 Nr. 8 BPersVG aus­ge­schlos­sen. Die­se Vor­schrift ord­net an, dass die Beschäf­tig­ten des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes kei­ne Stu­fen­ver­tre­tung wäh­len. Soweit sonst eine Stu­fen­ver­tre­tung zustän­dig ist, tritt im Bun­des­nach­rich­ten­dienst an ihre Stel­le der Per­so­nal­rat der Zen­tra­le. Erhebt der Per­so­nal­rat Ein­wen­dun­gen gegen eine vom Lei­ter des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes beab­sich­tig­te Maß­nah­me, ent­schei­det im Fal­le des § 72 Abs. 4 BPersVG nach Ver­hand­lung mit dem Per­so­nal­rat der Zen­tra­le der Chef des Bun­des­kanz­ler­am­tes end­gül­tig (§ 86 Nr. 8 Satz 3 BPersVG). Die­se Vor­schrift regelt, wie ins­be­son­de­re der Ver­weis auf § 72 Abs. 4 BPersVG deut­lich macht, das Ver­fah­ren, wenn im Rah­men der Mit­wir­kung des Per­so­nal­rats eine Eini­gung zwi­schen Dienst­stel­le und Per­so­nal­rat nicht erreicht wird. In die­sem Fall ent­schei­det der Chef des Bun­des­kanz­ler­am­tes nach vor­he­ri­ger Ver­hand­lung mit dem Per­so­nal­rat der Zen­tra­le, der inso­weit die Auf­ga­ben einer Stu­fen­ver­tre­tung wahr­nimmt, end­gül­tig. Besteht dage­gen – wie hier – Streit über die Fra­ge, ob dem Per­so­nal­rat über­haupt ein Betei­li­gungs­recht in einer bestimm­ten Ange­le­gen­heit zusteht, ent­schei­den dar­über aus­schließ­lich die Gerich­te [4]. Dar­an ändert die Rege­lung des § 86 Nr. 8 BPersVG nichts.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist auch für die Ent­schei­dung sach­lich zustän­dig. Dabei kann dahin­ste­hen, ob dies bereits aus der in § 16 SBG ange­ord­ne­ten „ent­spre­chen­den“ Anwen­dung der Wehr­be­schwer­de­ord­nung folgt, sodass gegen Beschwer­de­ent­schei­dun­gen des Chefs des Bun­des­kanz­ler­am­tes als obers­ter Dienst­be­hör­de in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 21 Abs. 1 WBO die Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts an Stel­le des Trup­pen­dienst­ge­richts (§ 17 Abs. 1 Satz 1 WBO) tritt. Denn jeden­falls folgt dies aus der Rege­lung des § 86 Nr. 14 BPersVG, wonach für gericht­li­che Ent­schei­dun­gen nach § 83 Abs. 1 BPersVG im Bereich des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in ers­ter und letz­ter Instanz zustän­dig ist [5]. Dies ist auch dann anzu­neh­men, wenn nach § 86 Nr. 13 BPersVG für die im Bun­des­nach­rich­ten­dienst beschäf­tig­ten Sol­da­ten die §§ 48 bis 52 SBG und damit in Fäl­len des § 16 SBG die Vor­schrif­ten der Wehr­be­schwer­de­ord­nung gel­ten. Die Vor­schrift des § 86 Nr. 14 BPersVG ent­spricht im Übri­gen der all­ge­mei­nen Rege­lung des § 50 Abs. 1 Nr. 4 VwGO, wonach über Kla­gen, denen Vor­gän­ge im Geschäfts­be­reich des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes zugrun­de lie­gen, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im ers­ten und letz­ten Rechts­zug ent­schei­det. Zweck sowohl des § 86 Nr. 14 BPersVG [6] als auch des § 50 Abs. 1 Nr. 4 VwGO [7] ist die bes­se­re Geheim­hal­tung der Vor­gän­ge im Bereich des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes [8].
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Mai 2011 -1 WB 60.10
vgl. BVerwG, Beschluss vom 26.11.2008 – 6 P 7.08, BVerw­GE 132, 276 Rn. 27 = Buch­holz 250 § 86 BPersVG Nr. 6[↩]
stRspr, vgl. Beschlüs­se vom 01.11.2001 – 6 P 10.01, BVerw­GE 115, 223 = Buch­holz 252 § 52 SBG Nr. 2, vom 26.10.2006 – 1 WB 17.06, BVerw­GE 127, 85 = Buch­holz 450.1 § 9 WBO Nr. 1 = NZWehrr 2007, 128 und zuletzt vom 28.10.2009 – 1 WB 11.09, Buch­holz 449.7 § 16 SBG Nr. 3[↩]
BVerwG, Beschluss vom 01.11.2001 a.a.O. S. 228 f.[↩]
vgl. Beschluss vom 28.08.2008 – 6 PB 19.08 = Buch­holz 251.92 § 66 SAPersVG Nr. 1 Rn. 18 ff., 23[↩]
vgl. zur Anfech­tung der Wahl der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten des BND: BVerwG, Urteil vom 27.06.2007 – 6 A 1.06, Buch­holz 272 Gleich­stel­lungsR Nr. 3[↩]
vgl. Ilbertz/​Widmaier, BPersVG, 11. Auf­la­ge 2008, § 86 Rn. 26[↩]
Kopp/​Schenke, VwGO, 16. Auf­la­ge 2009, § 50 Rn. 8[↩]
vgl. auch die ent­spre­chen­de Rege­lung in § 158 Nr. 5 SGB IX[↩]
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References: § 23
 § 6
 § 86
 § 83
 § 52
 § 48
 § 16
 § 17
 § 86
 § 72
 § 72
 § 86
 § 16
 § 21
 § 86
 § 83
 § 86
 § 16
 § 86
 § 50
 § 86
 § 50
 § 86
 § 52
 § 9
 § 16
 § 66
 § 86
 § 50
 § 158