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Timestamp: 2018-12-17 13:41:55+00:00

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Häufige Fragen (FAQ) - Diebstahl Rechtsanwälte
Häufige Fragen zum Thema Diebstahl
Der ein­fa­che Diebstahl ist gem. § 242 I StGB mit Geldstrafe bis Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren straf­be­wehrt.
Daneben gibt es den beson­ders schwe­ren Fall des Diebstahls gem. § 243 StGB, (Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren)
und den qua­li­fi­zier­ten Diebstahl gem. § 244 StGB (Diebstahl mit Waffen, Banden- und Wohnungseinbruchsdiebstahl).
Die jewei­li­gen Gesetzestexte, auf die im fol­gen­den ver­wie­sen wird, kön­nen Sie HIER ein­se­hen.
Durchsuchungsbeschluss und -pro­to­koll
Ladung zur Vernehmung/für erken­nungs­dienst­li­che Maßnahmen
Der einfache Fall des Diebstahls
Wann mache ich mich strafbar, wenn ich im Kaufhaus Gegenstände einstecke?
Werden in einem Kaufhaus Sachen „ein­ge­steckt“, gilt fol­gen­des:
Bei klei­nen Sachen, die direkt in einer Mantel-, Hosen oder einer ande­ren mit­ge­führ­ten Tasche ver­bor­gen wer­den kön­nen, wie bei­spiels­wei­se ein Ring oder eine Kette, ein Parfüm oder Deo, macht man sich bereits wegen Diebstahls straf­bar, wenn man die­se Sachen ergreift und ein­steckt (vgl. BGH v. 15.1. 1981- 4 StR 652/80). Es kommt hier dar­auf an, wann der Täter neu­en Gewahrsam begrün­det. Bei grö­ße­ren Gegenständen wie bei­spiels­wei­se einem Laptop, ist der Diebstahl noch nicht durch das Ergreifen des­sel­ben voll­endet, son­dern erst, wenn die Sache abtrans­por­tiert wor­den ist; man macht sich also nicht wegen Diebstahls straf­bar.
ACHTUNG: Dass der Täter nicht wegen Diebstahls straf­bar ist, heißt nicht, dass der Täter straf­los bleibt. In einem sol­chen Fall ist der Täter wegen ver­such­tem Diebstahl straf­bar.
Ob der Täter hier­bei von jeman­dem bei der Tat beob­ach­tet wird, spielt für die Strafbarkeit kei­ne Rolle. Es ist uner­heb­lich, ob der Beobachtende ein Kaufhausdetektiv ist. Es kommt für einen Diebstahl nur dar­auf an, ob der Berechtigte damit ein­ver­stan­den ist, dass die Sache von einem ande­ren in Besitz genom­men wird. Liegt die­ses Einverständnis vor, ist kein Diebstahl gege­ben.
In einem Kaufhaus ist aller­dings in der Regel davon aus­zu­ge­hen, dass der Berechtigte nicht mit einem Gewahrsamswechsel ein­ver­stan­den ist. Anders wäre es nur dann, wenn bewusst eine „Falle“ gestellt wur­de, um einen Dieb auf fri­scher Tat zu ertap­pen.
Ist es ein Diebstahl, wenn ich mir einen Gegenstand nur „ausleihen“ will?
Nein! Wenn Sie nie vor­hat­ten, einen Gegenstand dem Eigentümer „ent­gül­tig“ weg­zu­neh­men, liegt kein Diebstahl vor.
Das Strafgesetzbuch ver­bie­tet aber in § 248 b StGB, sich Autos und Fahrräder „aus­zu­lei­hen“, also gegen den Willen des Berechtigten zu benut­zen. Es spielt hier­bei auch kei­ne Rolle, ob man sich das Auto nur 5 min aus­lei­hen will, oder 10 Tage. Beides ist ver­bo­ten und kann mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe geahn­det wer­den. Das unbe­fug­te Ausleihen von Autos und Fahrrädern wird aber nur dann ver­folgt, wenn man gegen Sie einen Strafantrag gestellt hat.
Bei ande­ren Gegenständen ist das aller­dings anders. So kön­nen Sie sich durch­aus ein Buch ein­fach „aus­lei­hen“, wenn Sie es wirk­lich wie­der zurück­brin­gen wol­len. Wird eine „gelie­he­ne“ Sache aller­dings beschä­digt, kön­nen Sie wegen Sachbeschädigung straf­bar sein. In die­sem Fall aller­dings muss Ihnen nach­ge­wie­sen wer­den, dass Sie die Sache absicht­lich beschä­digt haben.
Einen wei­te­ren Unterschied gibt es bei „neu­en“ Sachen. „Leiht“ man sich eine neue Sache aus, kann man hier sogar wegen Diebstahls bestraft wer­den, wenn die Sache oder das Verpackungsmaterial bei dem Diebstahl leicht beschä­digt wird. Es wird dann sei­tens des Gerichts ange­nom­men, Sie woll­ten die Sache nicht wie­der zurück­brin­gen.
Abgrenzung Handtaschendiebstahl – Handtaschenraub
Wird eine Handtasche „geklaut“, stellt sich häu­fig die Frage, wonach der Täter zu bestra­fen ist. Denn es gibt sowohl den Handtaschen„raub“ als auch den Handtaschen”dieb­stahl“.
Die Unterscheidung ist wich­tig, weil ein Raub mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft wird. Bei einem Diebstahl besteht für das Gericht hin­ge­gen die Möglichkeit, die Tat „nur“ mit einer Geldstrafe zu ahn­den.
Der Unterschied zwi­schen den bei­den Straftaten liegt dar­in, dass bei einem Raub Gewalt ange­wen­det wird, um die Sache weg­zu­neh­men. Diese Gewaltanwendung fehlt beim ein­fa­chen Diebstahl. „Entreißt“ man also eine Handtasche und wird die­se Handtasche von der Eigentümerin fest­ge­hal­ten und umklam­mert oder muss ander­wei­tig Gewalt ange­wen­det wer­den, um in den Besitz der Tasche zu gelan­gen (bei­spiels­wei­se durch einen Schlag auf den Arm), macht man sich wegen Raubes straf­bar.
Wird der Zugriff auf die Sache hin­ge­gen durch List und Tücke, oder durch das Ausnutzen eines Überraschungsmoments ermög­licht, ist nicht die kör­per­li­che Einwirkung aus­schlag­ge­bend und es liegt nur ein Diebstahl ver­ur­teilt vor (vgl. OLG Saarbrücken v. 4.7. 1968 — Ss 8/68 – NJW 1969, 621, 622; BGH v. 19.4.1963 – 4 StR 92/63 – NJW 1963, 1210, 1211; BHG v. 3.5.1988 – 5 StR 165/88 – NStE Nr.2).
Ausschlaggebend bei der Beurteilung ob ein Handtaschenraub oder Handtaschendiebstahl vor­liegt, ist aber immer von den Umständen des Einzelfalls abhän­gig. Bereits ein unbe­dach­tes Wort kann vor Gericht dazu füh­ren, dass aus dem zunächst ange­klag­ten Handtaschen“diebstahl“ ein Handtaschen“raub“ wird. Auf der ande­ren Seite ist es unter Umständen mög­lich, das Geschehen in ein rech­tes Licht zu rücken und das Gericht zu über­zeu­gen, Sie nicht wegen Raubes, son­dern nur wegen Diebstahls zu bestra­fen.
Neben dem ein­fa­chen Diebstahl gibt es den beson­ders schwe­ren Fall des Diebstahls. Dieser liegt bei­spiels­wei­se vor, wenn Sie bei der Tatbegehung eine in ein Gebäude ein­stei­gen, gewerbs­mä­ßig steh­len oder die Hilflosigkeit einer Person zum Diebstahl aus­nut­zen.
Von einem gewerbs­mä­ßi­gem Diebstahl spricht man, wenn Sachen gestoh­len wer­den um sich damit eine Einnahmequelle von nicht gerin­gem Umfang zu ver­schaf­fen. Stehlen Sie also wie­der­holt um Ihren Lebensunterhalt zu bestrei­ten oder auf­zu­bes­sern, liegt ein beson­ders schwe­rer Fall des Diebstahls vor (BGHSt 1 383/ OLG Hamm NJW 1981, 2207). Hierbei erwar­tet Sie eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 10 Jahren. Hier ist es äußert wich­tig vor Gericht dar­zu­le­gen, dass Sie nicht gewerbs­mä­ßig gestoh­len haben. Hier gilt erneut, dass der juris­ti­sche Laie sich durch unbe­dach­te Äußerungen selbst belas­ten kann. Unter Umständen droht dann eine erhöh­te Strafe von bis zu 10 Jahren.
Ausgeschlossen ist eine Verurteilung wegen eines beson­ders schwe­ren Diebstahls gem. § 243 II StGB immer dann, wenn eine Sache gestoh­len wird, die nicht mehr als 50 € wert ist und der Diebstahl nicht mit Hilfe einer Handfeuerwaffe began­gen wur­de (OLG Hamm, NJW 2003, 3145; OLG Hamm wis­tra 2003, 34; OLG Zweibrücken, NStZ 2000, 536).
Werden aber zwei Sachen á 25 € gestoh­len, so wird der Wert der bei­den Sachen addiert und doch wegen beson­ders schwe­rem Diebstahls ver­ur­teilt (BGH NJW 1964, 117).
Der qualifizierte Diebstahl
§ 244 I StGB
Brechen Sie zum Diebstahl in eine Wohnung ein, füh­ren Sie eine Waffe bei sich oder bege­hen Sie den Diebstahl als Bandenmitglied, erwar­tet Sie eine Freiheitsstrafe von min­des­tens 6 Monaten. Die Höchststrafe liegt hier bei 10 Jahren.
Es reicht aus, dass Sie eine Waffe bei sich füh­ren. Diese müs­sen Sie nicht ver­wen­den. Als Waffe wer­den alle Gegenstände gewer­tet, die so beschaf­fen sind, dass Sie erheb­li­che Verletzungen bei dem Eigentümer der Sache her­bei­füh­ren kön­nen. Hierunter fal­len neben Schusswaffen und Messern auch Schlagstöcke und Elektroschocker. Als Schusswaffen sind auch Luftgewehre und Luftpistolen zu ver­ste­hen (BGH v. 7.1.1974 — 4 StR 601/73).
Ein Baseballschläger, ein Schraubenzieher und ein Golfschläger sind kei­ne Waffen, fal­len aber als gefähr­li­che Werkzeuge auch unter den Diebstahl mit Waffen.
Als Mitglied einer Bande bege­hen Sie einen Diebstahl, wenn Sie den Diebstahl min­des­tens zu dritt aus­füh­ren. Es reicht hier­bei, wenn Sie den Diebstahl pla­nen, aber die bei­den ande­ren Bandenmitglieder den Diebstahl allein aus­füh­ren. Sie müs­sen sich nicht aktiv an der Tat betei­li­gen (BGH NStZ 2007, 259).
Mache ich mich wegen Einbruchsdiebstahls strafbar, wenn ich in ein offenes Fenster hineingreife?
Nein! Das Hineingreifen durch ein geöff­ne­tes Fenster und anschlie­ßen­des Entwenden einer Sache stellt kei­nen Einbruchsdiebstahl dar. Ebenso wenig ist es ein Einbruchsdiebstahl, wenn Sie sich mit Ihrem Oberkörper bei­spiels­wei­se in ein offe­nes Auto beu­gen und eine Sache ent­wen­den (BGHSt 10, 132, 133). In die­sem Falle bre­chen Sie nicht in eine Wohnung oder einen ande­ren Raum ein (BGHSt 132). Allerdings ist die Bewertung die­ser Handlungen juris­tisch nicht ein­deu­tig. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Gericht Ihre Handlung durch­aus anders bewer­ten kann als Sie das tun wür­den.
Strafantragserfordernis bei Haus- und Familiendiebstahl/Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen
Wird durch den Diebstahl oder die Unterschlagung ein Angehöriger, der Vormund oder der Betreuer ver­letzt, oder lebt der Verletzte mit dem Täter in häus­li­cher Gemeinschaft, so wird die Tat nur auf Antrag ver­folgt. Gleiches gilt für den Diebstahl oder die Unterschlagung einer gering­wer­ti­gen Sache. Die Geringwertigkeitsgrenze liegt aktu­ell bei 50 €.
Eine häus­li­che Gemeinschaft wird durch den ernst­haf­ten Willen der Mitglieder zum Zusammenleben begrün­det, endet aber nicht schon mit dem Wegfall die­ses Willens. Die häus­li­che Gemeinschaft ist erst dann been­det, wenn der Verletzte oder der Täter die Wohnung end­gül­tig ver­lässt (OLG Hamm v. 11.09.2003). Eine häus­li­che Gemeinschaft liegt also bei­spiels­wei­se bei einer Studenten WG, einer nicht­ehe­li­chen Lebesgemeinschaft, aber auch bei Internatsbewohnern oder Bewohnern eines Altenheims vor.

References: § 242
 § 243
 § 244
 BGH 
 § 248
 BGH 
 § 243

§ 244