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Timestamp: 2020-08-11 07:58:34+00:00

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Der Geschäftsführer bei der Handelsregisteranmeldung | Rechtslupe
Die vom Geschäfts­füh­rer in der Anmel­dung zum Han­dels­re­gis­ter gemäß § 8 Abs. 3 GmbHG abge­ge­be­ne Ver­si­che­rung, er sei „noch nie, weder im Inland noch im Aus­land, wegen einer Straf­tat ver­ur­teilt wor­den“, genügt den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen. Es ist weder erfor­der­lich, die in § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 GmbHG genann­ten Straf­tat­be­stän­de noch die in Rede ste­hen­den ver­gleich­ba­ren Bestim­mun­gen des aus­län­di­schen Rechts in der Ver­si­che­rung im Ein­zel­nen auf­zu­füh­ren.
Die in dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall vom Geschäfts­füh­rer der Betei­lig­ten in der Anmel­dung abge­ge­be­ne Ver­si­che­rung, er sei „noch nie, weder im Inland noch im Aus­land, wegen einer Straf­tat ver­ur­teilt wor­den“, genügt die­sen gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen. Es ist weder erfor­der­lich, die in § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 GmbHG genann­ten Straf­tat­be­stän­de noch die in Rede ste­hen­den ver­gleich­ba­ren Bestim­mun­gen des aus­län­di­schen Rechts in der Ver­si­che­rung im Ein­zel­nen auf­zu­füh­ren.
Der Wort­laut des § 8 Abs. 3 GmbHG ver­langt die aus­drück­li­che Benen­nung der ein­zel­nen Straf­tat­be­stän­de des Kata­logs gemäß § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 GmbHG in der Ver­si­che­rung des Geschäfts­füh­rers nicht. Auch der Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift gebie­ten dies nicht. Die Vor­schrift dient der Erleich­te­rung des Anmel­dungs- und Prüf­ver­fah­rens. Mit der Ein­füh­rung der Ver­si­che­rung gemäß § 8 Abs. 3 GmbHG woll­te der Gesetz­ge­ber ver­hin­dern, dass das Regis­ter­ge­richt zur Über­prü­fung der Umstän­de, die gemäß § 6 Abs. 2 Satz 2 und 3 GmbHG einer Stel­lung als Geschäfts­füh­rer ent­ge­gen­ste­hen, selbst Aus­kunft aus dem Zen­tral­re­gis­ter ein­ho­len muss. Die Ver­si­che­rung des Geschäfts­füh­rers hat mit­hin den Zweck, dem Regis­ter­ge­richt auf schnel­le und ein­fa­che Art die­je­ni­gen Infor­ma­tio­nen zu ver­mit­teln, die es sich ansons­ten – unter erhöh­tem Ver­wal­tungs­auf­wand – durch ein Aus­kunfts­er­su­chen gemäß § 41 Abs. 1 Nr. 1 BZRG selbst ver­schaf­fen müss­te [1]. Eine Ver­si­che­rung, in der ein Geschäfts­füh­rer – wie hier – wei­ter­ge­hend erklärt, er sei „noch nie, weder im Inland noch im Aus­land, wegen einer Straf­tat ver­ur­teilt wor­den“, beinhal­tet selbst­ver­ständ­lich die Infor­ma­ti­on, dass er (auch) nicht wegen einer vor­sätz­lich began­ge­nen Straf­tat im Sin­ne des Kata­logs des § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 GmbHG bzw. einer ver­gleich­ba­ren Aus­land­s­tat ver­ur­teilt wur­de. Damit hat das Regis­ter­ge­richt die für die Ein­tra­gungs­ent­schei­dung erfor­der­li­che tat­säch­li­che Infor­ma­ti­on erhal­ten, der Geset­zes­zweck ist voll­stän­dig erreicht.
Soweit im Anschluss an die herr­schen­de Mei­nung, wonach die Erklä­rung des Geschäfts­füh­rers im Sin­ne des § 8 Abs. 3 Satz 1 GmbHG jedes ein­zel­ne Bestel­lungs­hin­der­nis auf­füh­ren und des­sen Feh­len ver­si­chern müs­se [2], ver­tre­ten wird, dass auch die Straf­tat­be­stän­de, die ein Bestel­lungs­hin­der­nis bil­den kön­nen, im Ein­zel­nen auf­ge­führt wer­den müs­sen [3] folgt dem der Bun­des­ge­richts­hof nicht [4].
Begrün­det wird die­se Auf­fas­sung damit, dass die Ver­si­che­rung nur dann die Grund­la­ge für die Prü­fung des Regis­ter­ge­richts dar­stel­len kön­ne, wenn auf Grund ihres Inhalts mit hin­rei­chen­der Sicher­heit beur­teilt wer­den kön­ne, ob dem Erklä­ren­den die Bestel­lungs­hin­der­nis­se im Ein­zel­nen bekannt sei­en [5]. Der Ver­si­che­rung wird also eine dop­pel­te Funk­ti­on zuge­wie­sen: Sie soll dem Regis­ter­ge­richt nicht nur die für die Ein­tra­gungs­ent­schei­dung not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen über­mit­teln, son­dern auch erken­nen las­sen, dass dem Erklä­ren­den Inhalt und Umfang sei­ner Erklä­rungs­pflicht bewusst sind.
Dies ent­spricht nicht der Sys­te­ma­tik und dem Zweck des Geset­zes. Wie aus­ge­führt, dient die Ver­si­che­rung dazu, dem Regis­ter­ge­richt die zur Prü­fung von Bestel­lungs­hin­der­nis­sen erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len, um eine ansons­ten erfor­der­lich wer­den­de eige­ne Recher­che über­flüs­sig zu machen. Ob die Ver­si­che­rung rich­tig und voll­stän­dig ist, ist eine davon zu tren­nen­de Fra­ge. Dies wird nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers sys­te­ma­tisch zum einen dadurch sicher­ge­stellt, dass der Geschäfts­füh­rer einer straf­recht­li­chen Ver­ant­wor­tung (§ 82 Abs. 1 Nr. 5 GmbHG) unter­wor­fen ist [6]. Zum ande­ren ist der Erklä­ren­de gemäß § 8 Abs. 3 Satz 1 GmbHG über sei­ne unbe­schränk­te Aus­kunfts­pflicht vom Gericht oder den in Satz 2 die­ser Vor­schrift genann­ten rechts­kun­di­gen Per­so­nen zu beleh­ren, was er wie­der­um zu ver­si­chern hat. Even­tu­ell ver­blei­ben­de Unklar­hei­ten über Umfang und Bedeu­tung der zu ver­si­chern­den Umstän­de, etwa zu der Fra­ge, ob eine Aus­land­s­tat im Sin­ne des § 6 Abs. 2 Satz 3 GmbHG „ver­gleich­bar“ ist, hat der Geschäfts­füh­rer zur Ver­mei­dung von Haf­tungs­ri­si­ken vor Abga­be der Ver­si­che­rung durch Inan­spruch­nah­me recht­li­cher Bera­tung zu klä­ren.
Nicht über­zeu­gend ist es des­halb, wenn die Pflicht zur Benen­nung der ein­zel­nen Kata­logstraf­tat­be­stän­de damit begrün­det wird, einem juris­ti­schen Lai­en sei mög­li­cher­wei­se nicht bewusst, dass nicht nur sol­che Straf­ta­ten die Bestel­lung als Geschäfts­füh­rer hin­dern, die im Straf­ge­setz­buch gere­gelt sei­en, son­dern auch Straf­tat­be­stän­de, die im Han­dels- und Gesell­schafts­recht gere­gelt sind [5]. Gera­de der juris­ti­sche Laie wird nicht zwi­schen dem gesetz­li­chen Rege­lungs­ort des Straf­tat­be­stan­des dif­fe­ren­zie­ren und so zu einem Rechts­irr­tum gelan­gen. Er wird aller­dings tat­säch­lich wis­sen, ob er über­haupt jemals wegen einer Straf­tat ver­ur­teilt wor­den ist oder ob dies – wie hier ver­si­chert – nie­mals gesche­hen ist.
vgl. auch Bay­O­bLGZ 1981, 396, 398 f.; Bay­O­bLG, DB 1983, 2408 f.; H. Win­ter/​Veil in Scholz, GmbHG 10. Aufl. § 8 Rdn. 26; Hueck/​Fastrich in Baumbach/​Hueck, GmbHG 19. Aufl. § 8 Rdn. 16; Roth in Roth/​Altmeppen, GmbHG 6. Aufl. § 8 Rdn. 17; Lutter/​Hommelhoff/​Bayer, GmbHG 17. Aufl. § 8 Rdn. 16; Schmidt-Leit­hoff in Rowed­der/­Schmidt-Leit­hoff, GmbHG 4. Aufl. § 8 Rdn. 23; Michalski/​Heyder, GmbHG § 8 Rdn. 36; Wicke, GmbHG § 8 Rdn. 15; Beck­OK GmbHG/​C. Jae­ger, Stand 15.10.2009 § 8 Rdn. 19; Schaal in Erbs/​Kohlhaas, Straf­recht­li­che Neben­ge­set­ze 176. Aufl. § 8 GmbHG Rdn. 5; Sudhoff/​Sudhoff, Der Gesell­schafts­ver­trag der GmbH, 1992 S. 34; MünchHdbGe­sR III/​Riemenschneider/​Freitag 3. Aufl. § 8 Rdn. 11; Kars­ten, GmbH-Recht § 1 Rdn. 75[↩]

References: § 8
 § 6
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 § 8
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 § 41
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 § 8
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 § 1