Source: https://www.aussenwirtschaftslupe.de/belegnachweis-bei-innergemeinschaftlicher-lieferung-im-versendungsfall-1652
Timestamp: 2019-08-20 23:39:35+00:00

Document:
Im Rah­men des Nach­wei­ses einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung kan ein CMR-Fracht­brief ein geeig­ne­ter Ver­sen­dungs­be­leg im Sin­ne des § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. § 17a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 und § 10 Abs. 1 USt­DV sein.
Ver­sen­det wie im Streit­fall der Unter­neh­mer oder der Abneh­mer den Gegen­stand der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet, soll der Unter­neh­mer den Nach­weis hier­über durch das Dop­pel der Rech­nung im Sin­ne der §§ 14, 14a UStG und durch einen Beleg ent­spre­chend § 10 Abs. 1 USt­DV füh­ren (§ 17a Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 und 2 USt­DV).
Die­sen Beleg­nach­weis soll der Unter­neh­mer durch einen Ver­sen­dungs­be­leg, ins­be­son­de­re durch Fracht­brief, Kon­nos­se­ment, Post­ein­lie­fe­rungs­schein (§ 10 Abs. 1 Nr. 1 USt­DV) oder sons­ti­gen han­dels­üb­li­chen Beleg, ins­be­son­de­re durch eine Spe­di­teur­be­schei­ni­gung oder eine Ver­sand­be­stä­ti­gung des Lie­fe­rers (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 USt­DV) erbrin­gen.
Ein CMR-Fracht­brief ist als Fracht­brief im Sin­ne von § 10 Abs. 1 Nr. 1 USt­DV anzu­se­hen1. Auch die Finanz­ver­wal­tung erkennt nun­mehr einen CMR-Fracht­brief als beleg­mä­ßi­gen Nach­weis an2.
Auch schei­det ein CMR-Fracht­brief nicht bereits des­halb als geeig­ne­ter Ver­sen­dungs­be­leg aus, weil das For­mu­lar in Feld 24 nicht oder unvoll­stän­dig aus­ge­füllt ist. Für die Aner­ken­nung eines CMR-Fracht­briefs als Ver­sen­dungs­be­leg nach § 10 Abs. 1 Nr. 1 USt­DV kommt es nicht dar­auf an, dass die­ser die in Feld 24 vor­ge­se­he­ne Emp­fän­ger­be­stä­ti­gung auf­weist3.
Aller­dings ist die Anga­be des Bestim­mungs­or­tes grund­sätz­lich erfor­der­lich, um die Beför­de­rung oder Ver­sen­dung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet beleg­mä­ßig nach­zu­wei­sen. Denn die für die Ablie­fe­rung vor­ge­se­he­ne Stel­le muss sowohl nach § 408 Abs. 1 Nr. 4 HGB als auch nach Art. 6 Nr. 1 Buchst. d CMR-Über­ein­kom­men aus einem Fracht­brief her­vor­ge­hen. Ob aus­nahms­wei­se bei einem Rei­hen­ge­schäft zum Schutz der Geschäfts­be­zie­hun­gen auch die Anga­be des Bestim­mungs­lan­des aus­rei­chend sein kann4, kann im Streit­fall offen­blei­ben. Denn einen sol­chen Fall wur­de hier nicht fest­ge­stellt.
Mit die­ser Auf­fas­sung, dass sich die für die Ablie­fe­rung vor­ge­se­he­ne Stel­le aus dem Fracht­brief erge­ben muss, weicht der Bun­des­fi­nanz­hof nicht von der Recht­spre­chung des V. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs ab. Die­ser hat es in Abhol­fäl­len unter Hin­weis auf das Feh­len han­dels­üb­li­cher Bele­ge nicht bean­stan­det, dass für die Anga­be des Bestim­mungs­or­tes die Rech­nungs­an­schrift als aus­rei­chend ange­se­hen wur­de5. Dage­gen gibt es in Fäl­len einer Ver­sen­dung mit einem Fracht­brief einen han­dels­üb­li­chen Beleg, in dem –wie dar­ge­legt– der Bestim­mungs­ort anzu­ge­ben ist.
Des­halb ver­mag der Bun­des­fi­nanz­hof auch der in der Lite­ra­tur zum Nach­weis bei inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen in Beför­de­rungs­fäl­len nach § 17a Abs. 2 Nr. 2 USt­DV ver­tre­te­nen Ansicht, die Anga­be des Bestim­mungs­or­tes dür­fe in den natio­na­len Nach­weis- und Kon­troll­re­geln nicht maß­ge­bend sein, weil sie kein Kri­te­ri­um nach Art. 28c Teil A Buchst. a Unter­abs. 1 der Sechs­ten Mehr­wert­steu­er-Richt­li­nie6 –nun­mehr Art. 138 Abs. 1 der Mehr­wert­steu­er-Sys­tem­richt­li­nie7– sei8, nicht zu fol­gen. Im Übri­gen ist es Sache der Mit­glied­staa­ten, unter Beach­tung der all­ge­mei­nen Rechts­grund­sät­ze der Euro­päi­schen Uni­on zu bestim­men, wel­che Bewei­se die Steu­er­pflich­ti­gen vor­le­gen müs­sen, um in den Genuss der Mehr­wert­steu­er­be­frei­ung zu gelan­gen, eine genaue Erhe­bung der Steu­er sicher­zu­stel­len und Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen zu ver­hin­dern9.
Da es sich bei § 17a Abs. 4 Satz 1 USt­DV um eine Soll­vor­schrift über die an den Nach­weis nach § 17a Abs. 1 USt­DV zu stel­len­den Anfor­de­run­gen han­delt10, bleibt es dem Unter­neh­mer aller­dings unbe­nom­men, einen geeig­ne­ten Ersatz­be­leg vor­zu­le­gen, soweit sich der Ort der vor­aus­sicht­li­chen Aus­lie­fe­rung der vom Fracht­füh­rer in Emp­fang genom­me­nen Ware nicht aus dem Fracht­brief ergibt.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. Mai 2011 — XI R 10⁄09
Waren­ver­kauf in ein ande­res EU-Mit­glieds­land Einem Unter­neh­men, das Waren mit Bestim­mungs­ort in einem ande­ren Mit­glied­staat ver­kauft hat, kann die Mehr­wert­steu­er­be­frei­ung ver­sagt wer­den, wenn es nicht nach­ge­wie­sen hat, dass es sich dabei um ein inner­ge­mein­schaft­li­ches Geschäft han­del­te. Hat das Unter­neh­men die­sen…
vgl. BFH, Urteil vom 12.05.2000 — V R 65⁄06, BFHE 225, 264, BSt­Bl II 2010, 511, unter II.B.03.b↩
BMF, Schrei­ben vom 05.05.2010 — IV D 3 — S 7141/​ 08⁄10001, 2010⁄0334195, BSt­Bl I 2010, 508, Rz 37↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 225, 264, BSt­Bl II 2010, 511, unter II.B.03.c; a.A. BMF-Schrei­ben in BSt­Bl I 2010, 508, Rz 38↩
vgl. FG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 14.10.2010 — 6 K 1643⁄08, EFG 2011, 670, Revi­si­on ein­ge­legt: BFH — XI R 42⁄10↩
vgl. BFH, Urteil vom 07.12.2006 — V R 52⁄03, BFHE 216, 367, BSt­Bl II 2007, 420, unter II.02.c↩
Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern↩
Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem, ABl.EU Nr. L 347⁄1↩
vgl. Wag­ner, Hau­fe Steu­er Office, Hau­fe-Index 1969513, Stand 08.11.2007↩
vgl. z.B. EuGH, Urteil vom 07.12. 2010 — C‑285/​09 ‑R-, DStR 2010, 2572, UR 2011, 15, Rz 43 f., m.w.N.↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 216, 367, BSt­Bl II 2007, 420, unter II.2.c↩

References: § 6
 § 17
 § 10
 § 10
 § 10
 § 10
 § 408
 Art. 6
 § 17
 Art. 28
 Art. 138
 § 17
 § 17