Source: http://m.hensche.de/Geschaeftsfuehrer_Klage_Arbeitsgericht_LAG_Rheinland-Pfalz_11Ta230-11.html
Timestamp: 2016-12-02 19:51:36+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 11 Ta 230/11
Arbeitsgerichts Mainz, Beschluss vom 21.07.2011, 5 Ca 347/11
Ak­ten­zei­chen:11 Ta 230/115 Ca 347/11ArbG Mainz - AK Bad Kreuz­nach -Ent­schei­dung vom 08.12.2011
Te­nor:1.Auf die Be­schwer­de der Kläge­rin wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Mainz - Auswärti­ge Kam­mern Bad Kreuz­nach - vom 21.07.2011 (Az: 5 Ca 347/11) ab­geändert:Der Rechts­weg zu den Ar­beits­ge­rich­ten ist eröff­net.2. Die Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ar­beits­ge­richt wird zu­ge­las­sen.
Gründe:I. Die Par­tei­en strei­ten über die Be­en­di­gung des zwi­schen ih­nen ab­ge­schlos­se­nen "Geschäftsführer­ver­tra­ges" vom 25.03.2010 (Bl. 16 d. A.), durch frist­lo­se, hilfs­wei­se or­dent­li­che zum 30.09.2011 aus­ge­spro­chen Kündi­gung der Be­klag­ten vom 31.03.2011. Darüber hin­aus strei­ten die Par­tei­en über den An­spruch der Kläge­rin auf Ge­halts­zah­lung für die Mo­na­te April und Mai 2011 so­wie auf Scha­dens­er­satz we­gen Ent­zug des Dienst­wa­gens und des Mo­bil­te­le­fons.
"§ 1Auf­ga­ben­ge­biet und Tätig­keit
Frau A. ver­tritt nach ih­rer Be­ru­fung zur Geschäftsführe­rin - vor­aus­sicht­lich ab 01.07.2010 - zu­sam­men mit ei­nem wei­te­ren Geschäftsführer oder Pro­ku­ris­ten die Ge­sell­schaf­ten ge­richt­lich und außer­ge­richt­lich. Bis da­hin ist sie als lei­ten­de An­ge­stell­te als Mit­glied der Geschäfts­lei­tung tätig.…
§ 2Ver­trags­dau­er
Die­ser Ver­trag be­ginnt am 01. April 2010.Die ers­ten 6 Mo­na­te gel­ten als Pro­be­zeit, während der je­der Sei­te ein Kündi­gungs­recht von ei­nem Mo­nat zum Mo­nats­en­de zu­steht.Nach Ab­lauf der Pro­be­zeit gilt ei­ne bei­der­sei­ti­ge Kündi­gungs­frist von 6 Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de. Ei­ne ge­setz­li­che Verlänge­rung der Kündi­gungs­frist zu­guns­ten von Frau A. wirkt glei­cher­maßen zu­guns­ten der Ge­sell­schaft.Die Be­stel­lung als Geschäftsführer kann durch die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung je­der­zeit wi­der­ru­fen wer­den.…
§ 4Bezüge
Als Bezüge für ih­re Tätig­keit erhält Frau A. a) ein fes­tes Jah­res­ge­halt von 96T€ (zuzüglich ge­setz­li­cher Ar­beit­ge­ber an­tei­le), zahl­bar in zwölf glei­chen Teil­beträgen je­weils am En­de ei­nes Mo­nats.
….§ 5Dienst­wa­gen, Sach­bezüge
Die Ge­sell­schaft stellt der Geschäftsführe­rin ei­nen Fir­men­wa­gen der Mit­tel­klas­se zur frei­en Verfügung.Der Geschäftsführe­rin wird ein Mo­bil­te­le­fon zur Verfügung ge­stellt.Et­wai­ge Lohn­steu­er auf Sach­bezüge trägt die Geschäftsführe­rin"…"
4. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin für den Mo­nat April 20118.000,00 EUR brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.05.2011 zu zah­len und hierüber ei­ne Ge­halts­ab­rech­nung zu er­tei­len.5. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin für den Mo­nat Mai 20118.000,00 EUR brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.06.2011 zu zah­len und hierüber ei­ne Ge­halts­ab­rech­nung zu er­tei­len.6. Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, mit Wir­kung abdem 01.04.2011 Scha­dens­er­satz für die Ent­zie­hung des Fir­men­wa­gens und des Mo­bil­te­le­fons zu leis­ten, hilfs­wei­se die sich durch die Ent­zie­hung zu Guns­ten der Kläge­rin be­ste­hen­den geld­wer­ten Vor­tei­le zu vergüten.
Die Kläge­rin ist der An­sicht,der Rechts­weg zu den Ar­beits­ge­rich­ten sei schon des­we­gen eröff­net, weil sie nach dem Ver­trag vom 25.03.2010 zunächst als lei­ten­de An­ge­stell­te und da­mit als Ar­beit­neh­me­rin ein­ge­stellt und tätig ge­wor­den sei.
Die Be­klag­te ist der An­sicht,der Rechts­weg zu den Ar­beits­ge­rich­ten sei nicht eröff­net. Viel­mehr sei der Rechts­streit an die or­dent­li­chen Ge­richts­bar­keit zu ver­wei­sen, da die Kläge­rin als Geschäftsführe­rin beschäftigt wor­den sei.
Das Ver­fah­ren wird so­weit die Anträge das Geschäftsführer­ver­trags­verhält­nis be­tref­fen, von dem übri­gen Ver­fah­ren ab­ge­trennt und erhält ein noch zu ver­ge­ben­des Ak­ten­zei­chen.Hin­sicht­lich des ab­ge­trenn­ten Ver­fah­rens ist der Rechts­streit zu den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen nicht eröff­net und wird an das Land­ge­richt Bad Kreuz­nach ver­wie­sen.Im Übri­gen ist der Rechts­weg zu den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen zulässig.
Ab­ge­trennt und an das Land­ge­richt Bad Kreuz­nach ver­wie­sen wur­den:Der Kla­ge­an­trag zu 1), so­weit mit die­sem der Fort­be­stand des Geschäftsführer­verhält­nis gel­tend ge­macht wur­de.Der Kla­ge­an­trag zu 2), so­weit er die Beschäfti­gung als Geschäftsführe­rin er­fasst.Die Zah­lungs­anträge zu 4) bis 6) aus dem Schrift­satz vom 20.06.2011.
Der Kla­ge­an­trag zu 1), so­weit mit die­sem der Fort­be­stand des Geschäftsführer­verhält­nis gel­tend ge­macht wur­de.Der Kla­ge­an­trag zu 2), so­weit er die Beschäfti­gung als Geschäftsführe­rin er­fasst.Die Zah­lungs­anträge zu 4) bis 6) aus dem Schrift­satz vom 20.06.2011.
aa)Die Zuständig­keit der Ar­beits­ge­rich­te folgt für die Anträge der Kläge­rin auf Fest­stel­lung des Fort­be­stan­des des Ar­beits­verhält­nis aus § 2 Abs.1 Zif­fer 3 b) ArbGG. So­weit die Kläge­rin Wei­ter­beschäfti­gung als Ar­beit­neh­me­rin gel­tend macht ist § 2 Abs.1 Zif­fer 3 a) ArbGG Rechts­weg­grund­la­ge. Für bei­de Anträge liegt Rechts­we­geröff­nung vor, oh­ne ei­nen sic-non-Fall an­zu­neh­mem.
(1)Nach § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG gel­ten in Be­trie­ben ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son oder ei­ner Per­so­nen­ge­samt­heit Per­so­nen nicht als Ar­beit­neh­mer, die kraft Ge­set­zes, Sat­zung oder Ge­sell­schafts­ver­trag al­lein oder als Mit­glie­der des Ver­tre­tungs­or­gans zur Ver­tre­tung der ju­ris­ti­schen Per­son oder der Per­so­nen­ge­samt­heit be­ru­fen sind. In ei­nen Rechts­streit zwi­schen dem Ver­tre­tungs­or­gan und der ju­ris­ti­schen Per­son sind nach die­ser ge­setz­li­chen Fik­ti­on die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen nicht zur Ent­schei­dung be­ru­fen. Die Fik­ti­on der Norm gilt auch für das der Or­gan­stel­lung zu­grun­de lie­gen­de Rechts­verhält­nis. Sie greift un­abhängig da­von ein, ob das der Or­gan­stel­lung zu­grun­de lie­gen­de Rechts­verhält­nis ma­te­ri­ell-recht­lich als frei­es Dienst­verhält­nis oder als Ar­beits­verhält­nis aus­ge­stal­tet ist. Auch wenn ein An­stel­lungs­verhält­nis zwi­schen der ju­ris­ti­schen Per­son und dem Mit­glied des Ver­tre­tungs­or­gans we­gen des­sen star­ker in­ter­ner Wei­sungs­abhängig­keit als ein Ar­beits­verhält­nis zu qua­li­fi­zie­ren ist und des­halb ma­te­ri­el­les Ar­beits­recht zur An­wen­dung kommt, sind zur Ent­schei­dung ei­nes Rechts­streits aus die­ser Rechts­be­zie­hung die or­dent­li­chen Ge­rich­te be­ru­fen (BAG 23.Au­gust 2011- 10 AZB 51/10 -DB 2011, 2386-2388; 15. März 2011 - 10 AZB 32/10 - NZA 2011, 874; 3. Fe­bru­ar 2009 - 5 AZB 100/08 - AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 66 ; 20. Au­gust 2003 - 5 AZB 79/02 - BA­GE 107, 165; 23. Au­gust 2001 - 5 AZB 9/01 - AP ArbGG 1979 § 5 Nr.54; 6. Mai 1999 - 5 AZB 22/98 - AP ArbGG 1979 § 5 Nr.46). An der Un­zuständig­keit der Ar­beits­ge­rich­te ändert es nichts, dass zwi­schen den Pro­zess­par­tei­en strei­tig ist, wie das An­stel­lungs­verhält­nis zu qua­li­fi­zie­ren ist (BAG 6. Mai 1999 - 5 AZB 22/98 - aaO). § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG greift so­gar ein, wenn die Ein­ord­nung des An­stel­lungs­verhält­nis als Ar­beits­verhält­nis ob­jek­tiv fest­steht. Die Fik­ti­on des § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG soll si­cher­stel­len, dass die Mit­glie­der der Ver­tre­tungs­or­ga­ne mit der ju­ris­ti­schen Per­son selbst dann kei­nen Rechts­streit im „Ar­beit­ge­ber­la­ger“ vor dem Ar­beits­ge­richt führen, wenn die der Or­gan­stel­lung zu­grun­de lie­gen­de Be­zie­hung als Ar­beits­verhält­nis zu qua­li­fi­zie­ren ist (BAG 20. Au­gust 2003 - 5 AZB 79/02 - aaO). Dies gilt auch dann, wenn der Geschäftsführer gel­tend macht, er sei we­gen sei­ner ein­ge­schränk­ten Kom­pe­tenz in Wirk­lich­keit Ar­beit­neh­mer ge­we­sen (BAG 14. Ju­ni 2006 - 5 AZR 592/05 - BA­GE 118, 278; 6. Mai 1999 - 5 AZB 22/98 - aaO; Schwab/Weth/Kliemt - ArbGG - 3. Aufl. - § 5 Rn. 271). Für Ansprüche der Kläge­rin, die während der Zeit als Geschäftsführe­rin ent­stan­den sind, sind des­halb die or­dent­li­chen Ge­rich­te oh­ne Wei­te­res im­mer dann zuständig, wenn sie noch während der Geschäftsführ­er­be­stel­lung ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den (BAG 20.Mai 1998 - 5 AZB 3/98 - zu II 1 der Gründe, NZA 1998, 1247). Nur so kann dem Zweck der ge­setz­li­chen Fik­ti­on des § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG ent­spro­chen und ein Ar­beits­ge­richts­pro­zess im „Ar­beit­ge­ber­la­ger“ ver­mie­den wer­den (BAG 23. Au­gust 2011 - a.a.O.).
3. Die Rechts­be­schwer­de war we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung, §§ § 17 a Abs. 4 GVG, 78 S.2 i.V.m 72 Abs.2 ArbGG zu­zu­las­sen	m.hensche.de
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References: § 2

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 § 17