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Timestamp: 2020-07-15 12:18:06+00:00

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Haftung des Treuhandkommanditisten gegenüber den Anlegern | Rechtslupe
Haftung des Treuhandkommanditisten gegenüber den Anlegern
Ein Treu­hand­kom­man­di­tist, der auch eige­ne Antei­le an der Gesell­schaft hält, haf­tet bei einer Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht gegen­über den Anla­ge­ge­sell­schaf­tern wie ein Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter. Ein Ver­schul­den eines Ver­hand­lungs­ge­hil­fen ist ihm nach § 278 BGB zuzu­rech­nen.
Haf­tung des Treu­hand­kom­man­di­tis­ten
Die Pro­spekt­haf­tung im wei­te­ren Sin­ne ist ein Anwen­dungs­fall der Haf­tung für Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss nach § 280 Abs. 1, 3, §§ 282, 241 Abs. 2, § 311 Abs. 2 BGB [1]. Danach oblie­gen dem, der selbst oder durch einen Ver­hand­lungs­ge­hil­fen einen Ver­trags­schluss anbahnt, gewis­se Schutz- und Auf­klä­rungs­pflich­ten gegen­über sei­nem Ver­hand­lungs­part­ner, bei deren Ver­let­zung er auf Scha­dens­er­satz haf­tet [2]. Die­se Haf­tung wird – wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend ange­nom­men hat – durch die spe­zi­al­ge­setz­li­chen For­men der Pro­spekt­haf­tung nicht außer Kraft gesetzt [3].
Abge­se­hen von dem Son­der­fall des § 311 Abs. 3 BGB, in dem auch ein Drit­ter haf­ten kann, wenn er in beson­de­rem Maße Ver­trau­en für sich in Anspruch genom­men hat, trifft die Haf­tung aus Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss den­je­ni­gen, der den Ver­trag im eige­nen Namen abschlie­ßen will [4]. Das sind bei einem Bei­tritt zu einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft grund­sätz­lich die schon bei­getre­te­nen Gesell­schaf­ter. Denn der Auf­nah­me­ver­trag wird bei einer Per­so­nen­ge­sell­schaft zwi­schen dem neu ein­tre­ten­den Gesell­schaf­ter und den Alt­ge­sell­schaf­tern geschlos­sen [5]. Die Kom­ple­men­tä­rin kann dabei bevoll­mäch­tigt wer­den, im Namen der übri­gen Gesell­schaf­ter zu han­deln, was hier in § 5 Abs. 5 der Gesell­schafts­ver­trä­ge gesche­hen ist.
Bei einer Publi­kums­ge­sell­schaft – wie hier bei den Fonds­ge­sell­schaf­ten – ist eine Haf­tung wegen Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss nur inso­weit aus­ge­schlos­sen, als sie sich gegen Alt­ge­sell­schaf­ter rich­ten wür­de, die nach der Grün­dung der Gesell­schaft rein kapi­ta­lis­tisch bei­getre­ten sind und auf die Ver­trags­ge­stal­tung und die Bei­tritts­ver­hand­lun­gen und abschlüs­se erkenn­bar kei­ner­lei Ein­fluss haben [6]. Sie sind in der Regel bei ihrem Bei­tritt eben­so nicht ord­nungs­ge­mäß über die Risi­ken der Anla­ge auf­ge­klärt wor­den wie die Neu­ge­sell­schaf­ter. Es wäre des­halb unbil­lig, wenn bei die­ser Sach­la­ge die frü­her bei­getre­te­nen Anla­ge­ge­sell­schaf­ter den spä­ter bei­getre­te­nen haf­ten wür­den.
Ein sol­cher Aus­nah­me­fall liegt hier nicht vor. Dabei kann offen blei­ben, ob die Schuld­ne­rin zu den Grün­dungs­kom­man­di­tis­ten der Fonds­ge­sell­schaf­ten gehört. Denn jeden­falls war sie schon Gesell­schaf­te­rin, als sich die ers­ten Anle­ger an den Fonds­ge­sell­schaf­ten betei­ligt haben. Die­se Gesell­schaf­ter­stel­lung erschöpf­te sich auch nicht in dem treu­hän­de­ri­schen Hal­ten von Betei­li­gun­gen der Treu­ge­ber. Die Schuld­ne­rin hielt viel­mehr auch jeweils einen eige­nen Anteil. Damit war sie nicht nur Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin, so dass offen blei­ben kann, ob ein Treu­hand­ge­sell­schaf­ter, der aus­schließ­lich als sol­cher betei­ligt ist, einem gerin­ge­ren Pflich­ten­ka­ta­log unter­liegt. Die Schuld­ne­rin haf­tet viel­mehr – auch – als "nor­ma­le" Gesell­schaf­te­rin. Ihr kom­men die Haf­tungs­er­leich­te­run­gen für rein kapi­ta­lis­ti­sche Anle­ger nicht zugu­te. Anders als jene ver­folgt sie nicht aus­schließ­lich Anla­ge­in­ter­es­sen. Sie erhält für ihre Diens­te nach § 11 der Treu­hand­ver­trä­ge ein ein­ma­li­ges Ent­gelt und sodann eine jähr­li­che Ver­gü­tung. Auch war sie nicht – wie ein nur kapi­ta­lis­tisch betei­lig­ter Anla­ge­ge­sell­schaf­ter – erkenn­bar von jedem Ein­fluss auf die Ver­trags­ge­stal­tung und die Ein­wer­bung von neu­en Gesell­schaf­tern aus­ge­schlos­sen. Unab­hän­gig von der Fra­ge, ob sie tat­säch­lich auf die Gestal­tung des Gesell­schafts- und des Treu­hand­ver­tra­ges Ein­fluss genom­men hat, war das auf­grund ihrer Ein­bin­dung in die Gesell­schafts­struk­tur jeden­falls aus der Sicht der Anle­ger nicht aus­ge­schlos­sen. Die Anle­ger muss­ten daher auch nicht davon aus­ge­hen, dass die Schuld­ne­rin zu ihrem Gesell­schafts­bei­tritt und ihrer Tätig­keit als Treu­hän­de­rin aus­schließ­lich mit den Infor­ma­tio­nen gewon­nen wor­den war, die sich aus dem Pro­spekt erga­ben. Zumin­dest aber hat­te die Schuld­ne­rin inso­weit einen eige­nen Hand­lungs­spiel­raum, als sie die Ange­bo­te auf Abschluss von Treu­hand­ver­trä­gen anneh­men oder ableh­nen konn­te und ohne ihre Annah­me­er­klä­rung sol­che Ver­trä­ge nicht zustan­de kom­men konn­ten.
Dass der Klä­ger nicht – unmit­tel­bar – als Kom­man­di­tist, son­dern nur mit­tel­bar über die Schuld­ne­rin als Treu­hän­de­rin betei­ligt wer­den woll­te – wie das Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt hat und was die Revi­si­on daher ohne Erfolg in Fra­ge stellt [7] , ist für die Haf­tung der Schuld­ne­rin als Gesell­schaf­te­rin der Fonds­ge­sell­schaf­ten eben­falls ohne Bedeu­tung. Denn auf­grund der Aus­ge­stal­tung der Treu­hand­ver­hält­nis­se in § 6 der Gesell­schafts­ver­trä­ge und § 8 der Treu­hand­ver­trä­ge soll­te der Klä­ger im Innen­ver­hält­nis so gestellt wer­den, als wäre er – unmit­tel­ba­rer – Gesell­schaf­ter [8]. Dann aber wür­de ihm die Schuld­ne­rin – in ihrer Eigen­schaft als Alt­ge­sell­schaf­te­rin – per­sön­lich für Ver­let­zun­gen der vor­ver­trag­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht auf Scha­dens­er­satz haf­ten.
Dass die Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten neben dem Treu­hand­mo­dell die Mög­lich­keit hat­ten, auch als – unmit­tel­ba­re – Gesell­schaf­ter den Fonds­ge­sell­schaf­ten bei­zu­tre­ten, spielt kei­ne Rol­le. Denn jeden­falls war die Schuld­ne­rin für den Groß­teil der Anle­ger, die nur treu­hän­de­risch bei­tre­ten woll­ten, not­wen­di­ge Ver­trags­part­ne­rin [9].
Haf­tung für Ver­hand­lungs­ge­hil­fen
Für eine Zurech­nung des Ver­schul­dens eines Ver­hand­lungs­ge­hil­fen nach § 278 Satz 1 BGB reicht es aus, dass der spä­te­re Ver­trags­part­ner – hier die Schuld­ne­rin hin­sicht­lich der im Innen­ver­hält­nis einer Betei­li­gung als Gesell­schaf­ter gleich­ste­hen­den Treu­hand­ver­trä­ge – die Ver­trags­ver­hand­lun­gen nicht selbst führt und dabei auch nicht selbst die etwai­gen Auf­klä­rungs­pflich­ten erfüllt, son­dern sich dazu der Hil­fe eines ande­ren bedient (BGH, Urteil vom 14. Mai 2012 – II ZR 69/​12, ZIP 2012, 1289 Rn. 10; Urteil vom 21. Sep­tem­ber 1987 – II ZR 265/​86, NJW-RR 1988, 161). Der Ver­hand­lungs­ge­hil­fe muss ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on kei­ne Abschluss­voll­macht haben (BGH, Urteil vom 8. Dezem­ber 1989 – V ZR 259/​87, NJW 1990, 1661, 1662; Erman/​Kindl, BGB, 13. Aufl., § 311 Rn. 24). Ent­schei­dend ist allein, dass er nach den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten des Fal­les mit dem Wis­sen des Schuld­ners bei der Erfül­lung einer die­sem oblie­gen­den Ver­bind­lich­keit als des­sen Hilfs­per­son tätig wird (BGH, Urteil vom 8. Febru­ar 1974 – V ZR 21/​72, BGHZ 62, 119, 124, Urteil vom 9. Okto­ber 1986 – I ZR 138/​84, BGHZ 98, 330, 334; Urteil vom 3. Mai 2011 – XI ZR 373/​08, WM 2011, 1465 Rn. 24).
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Juli 2013 – II ZR 9/​12
st. Rspr., s. etwa BGH, Urtei­le vom 23.04.2012 – II ZR 75/​10, ZIP 2012, 1342 Rn. 9 und II ZR 211/​09, ZIP 2012, 1231 Rn. 23[↩]
Münch­Komm-BGB/Em­me­rich, 5. Aufl., § 311 Rn. 112[↩]
Suchomel, NJW 2013, 1126, 1129 ff.; Nob­be, WM 2013, 193, 204; Wag­ner in Assmann/​Schütze, Hand­buch des Kapi­tal­an­la­ge­rechts, 3. Aufl., § 15 Rn. 187, aA Rei­nelt, NJW 2009, 1, 3; zur Haf­tung von Wirt­schafts­prü­fern s. BGH, Urteil vom 21.02.2013 – III ZR 139/​12, ZIP 2013, 935 Rn. 13; s. auch BGH, Urteil vom 21.03.2013 – III ZR 182/​12, ZIP 2013, 921 Rn. 23[↩]
BGH, Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 211/​09, ZIP 2012, 1231 Rn. 23[↩]
BGH, Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 75/​10, ZIP 2012, 1342 Rn. 9[↩]
BGH, Urteil vom 24.04.1978 – II ZR 172/​76, BGHZ 71, 284, 286; Urteil vom 30.03.1987 – II ZR 163/​86, ZIP 1987, 912, 913; Urteil vom 19.07.2004 – II ZR 354/​02, ZIP 2004, 1706, 1707; Urteil vom 20.03.2006 – II ZR 326/​04, ZIP 2006, 849 Rn. 7[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.01.2007 – II ZR 334/​04, NJW-RR 2007, 1434 Rn. 11[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.05.2012 – II ZR 69/​12, ZIP 2012, 1289 Rn. 17 f.; Urtei­le vom 23.04.2012 – II ZR 75/​10, ZIP 2012, 1342 Rn. 9 und II ZR 211/​09, ZIP 2012, 1231 Rn. 10; Urteil vom 13.07.2006 – III ZR 361/​04, ZIP 2006, 1631 Rn. 10; Urteil vom 20.03.2006 – II ZR 326/​04, ZIP 2006, 849 Rn. 7[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.07.2010 – III ZR 321/​08, ZIP 2010, 1801 Rn. 9[↩]
Die unter­blie­be­ne Nega­tiv­mit­tei­lung § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO erfor­dert eine soge­nann­te Nega­tiv­mit­tei­lung, wenn kei­ne auf eine Ver­stän­di­gung abzie­len­den Gesprä­che statt­ge­fun­den haben ((BVerfG, NJW 2014, 3504 f.)).…
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References: § 278
 § 280
 § 311
 § 311
 § 5
 § 11
 § 6
 § 8
 § 278
 § 311
 § 311
 § 15
 § 243