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Timestamp: 2019-10-19 04:33:45+00:00

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Wertschöpfungspotentiale des Tagestourismus an den Badeseen des ... | Hausarbeiten publizieren
187 Seiten, Note: 1,0
A. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
I. Tourismus
II. Tagesreisen
III. Wassertourismus
IV. Wertschöpfung
1 Direkte Wertschöpfung
2 Indirekte Wertschöpfung
3 Induzierte Wertschöpfung
4. Wertschöpfungsquote
C. Tourismus - Zum Stand der Forschung
D. Der Tagestourismus
I. Allgemeine Strukturdaten zum Tagestourismus
II. Ausgaben der Tagesbesucher
III. Warum Tagestourismus?
1. Äußere Beweggründe der Tagestouristen
2. Innere Beweggründe der Tagestouristen
IV. Effekte des Tagestourismus
V. Perspektiven und Trends im Tagestourismus
E. Das Untersuchungsgebiet
IV. Böden
V. Gewässer und Wasserhaushalt
2. Fließgewässer
3. Stillgewässer
VI. Klima
VII. Kiesabbau im Dillinger Donautal
1. Verwendung von Sand und Kies
2. Planungsvorgaben für den Kiesabbau
2.1 Grundgesetz und Bayerische Verfassung
2.2 Landesplanungsrecht
2.2.1 Regionalpläne
2.2.2 Raumordnungsverfahren
2.3 Naturschutzrecht
2.4.1 Bauplanungsrecht
2.4.2 Bauordnungsrecht
2.5 Wasserrecht
2.6 Unterhaltung der Baggerseen
3. Gunstfaktoren für den Kiesabbau
4. Folgen des Kiesabbaus für den Na rraum
5. Kiesabbau als Gunstfaktor für Freizeit und Tourismus
6. Folgenutzung und Rekultivierung
VIII. Regionalentwicklung im Untersuchungsgebiet
IX. Zum Forschungsstand der Erholungsnutzung im Untersuchungsgebiet
F. Das System Tourismus
G. Regionale Wachstums- und Entwicklungstheorien
I. Theorie der endogenen Entwicklung
II. Exportbasistheorie
H. Methodik und Forschungspraxis
I. Wahl der angemessenen Methode
II. Konstruktion des Fragebogens
III. Fragebogen - Pretest
IV. Vorbereitung und Planung der Erhebung
1. Wahl des Erhebungsortes
2. Wahl des Erhebungszeitpunktes
3. Wahl der Stichprobe
4. Interviewerschulung
5. Befragungssituation
I. Angebotsanalyse
I. Neuhofsee
II. Weisinger Seen
III. Auwaldsee
IV. Angebotsvergleich der Badesee im Dillinger Donauried
J. Nachfrageanalyse
I. Auswertung der Tagesgästebefragung
1. Soziodemographische Merkmale der befragten Tagesgäste
2.Herkunft und Reisedistanz der Tagesgäste
3. Verkehrsmittelwahl der Tagesgäste
4. Reisebegleitung
4.1 Nach Alter
4.2 Nach Entfernung zur Zieldestination
4.3 Nach der Zieldestination
4.4 Zusammensetzung der Ta gästegruppen
5. Frequentierung der Badeseen und Dauer des Aufenthalts
6. Entscheidungszeitpunkt für den Antritt des Tagesausflugs
7. Bekanntheit der Zieldestination
8. Individuell-subjektive Empfindungen und Interessen
8.1 Motive für den Badseebesuch
8.1.1 Altersspezifischen Motive
8.1.2 Motive nach Zieldestination
8.1.3 Motive nach Reisebegleitung
8.2 Verbesserungsvorschläge
8.3 Bewertung des jeweiligen Sees
8.4 Wahrnehmung des Sees
8.5 Verhalten der Tagesgäste
8.5.1 Erstbesucher
8.5.2 Wiederholungsbesucher
8.5.2.1 Freizeitverhalten „Baden“
8.5.2.2 Freizeitverhalten „Entspannen/Erholen“
8.5.2.3 Freizeitverhalten „Wandern/Spazieren“
8.5.2.4 Freizeitverhalten „Sport“
8.5.2.5 Sonstige Freizeitinteressen
9. Nutzung von Einrichtungen bzw. potentiellen Einrichtungen
9.1 Neuhofsee
9.1.1 Vorhandene Einrichtungen
9.1.1.1 Biergarten/Restaurant
9.1.1.2 Wasserskianlage
9.1.1.3 Radwege
9.1.2 Potentielle Einrichtungen
9.1.2.1 Kiosk/Imbiss
9.1.2.2 Grillplätze
9.1.2.3 Übernachtungsmöglichkeiten
9.1.2.4 Sport- und Freizeitanlagen
9.1.2.5 Wassersporteinrichtungen
9.1.2.6 Naturlehrpfade
9.2 Weisinger Seen - Potentielle Einrichtungen
9.2.1 Gastronomische Einrichtungen
9.2.2 Grillplätze
9.2.3 Übernachtungsmöglichkeiten
9.2.4 Sport- und Freizeitanlagen
9.2.5 Wassersporteinrichtungen
9.2.6 Naturlehrpfade
9. 3 Auwaldsee
9.3.1 Vorhandene Einrichtungen
9.3.1.1 Kiosk/“Vesperhütte“
9.3.1.2 Naturlehrpfad
9.3.2 Potentielle Einrichtungen
9.3.2.1 Biergarten
9.3.2.2 Grillplätze
9.3.2.3 Übernachtungsmöglichkeiten
9.3.2.4 Sport- und Freizeitanlagen
9.3.2.5 Wassersporteinrichtungen
9.4 Kinderspielplätze
9.4.1 Analyse nach Zieldestinationen
9.4.2 Analyse nach Reisebegleitung
10. Ausgabebereitschaft und -verhalten der Tagestouristen
10.1 Ausgabebereitschaft
10.2 Ausgaben im Vorfeld des Tagesausflugs
10.3 Ausgaben am Badesee pro Ausflugstag
10.3.1 Neuhofsee
10.3.2 Weisinger Seen
10.3.3 Auwaldsee
10.4 Ausgaben nach Beendigung des Badeaufenthalts
10.4.1 Einkehren
10.4.2 Einkaufen
11. Übernachtungsquartiere der Urlauber
II. Erläuterung der Befragungsergebnisse
1. Allgemeine Strukturdaten
1.1 Soziodemographische Strukturen der Badegäste
1.2 Herkunft und Reisedistanz
1.3 Verkehrsmittelwahl
1.4 Reisebegleitung der Tagestouristen
1.5 Frequentierung der Badeseen und Dauer des Aufenthalts
1.6 Entscheidungszeitpunkt für den Antritt des Tagesausflugs
1.7 Bekanntheit der Zieldestination
2. Individuell-subjektive Empfindungen und eressen
2.1 Motive für den Badeseebesuch
2.1.1 Altersspezifische Motive
2.1.2 Motive nach Zieldestination
2.1.3 Motive nach Reisebegleitung
2.2 Verbesserungsvorschläge
2.3 Bewertung des jeweiligen Sees
2.4 Wahrnehmung des Sees
2.5 Verhalten der Tagesgäste
2.5.1 Analyse des altersspezifischen Verhaltens
2.5.2 Analyse des Verhaltens nach Badesee
2.5.3 Analyse des Verhaltens nach Reisebegl itung
3. Wertschöpfungspotentiale
3.1 Nutzung von Einrichtungen bzw. potentiellen Einrichtungen an den Badeseen
3.1.1 Biergarten/Restaurant
3.1.2 Kiosk/Imbiss
3.1.3 Grillplätze
3.1.4 Übernachtungsmöglichkeiten
3.1.5 Sport- und Freizeitanlagen
3.1.5.1 Radwege
3.1.5.2 Minigolfanlage
3.1.5.3 Beachvolleyballplatz
3.1.6 Wassersporteinrichtungen
3.1.6.1 Wasserskianlage
3.1.6.2 Sprungturm
3.1.6.3 Bootsverleih
3.1.6.4 Segel-/Surf-/Tauchschule
3.1.7 Naturlehrpfade
3.1.8 Kinderspielplätze
3.2 Ausgabenverhalten und -bereitschaft
3.2.1 Ausgabebereitschaft
3.2.2 Ausgaben im Vorfeld des Tagesausflugs
3.2.3 Ausgaben am Badesee pro Ausflugstag
3.2.4 Ausgaben nach Beendigung des Badeaufenthalts
3.3 Umsatzanalyse
3.3.1 Umsatzentwicklung verschiedener Einrichtungen
3.3.2 Umsatzentwicklung nach Alter
3.3.3 Umsatzentwicklung nach Reise gleitung
3.3.4 Umsatzentwicklung nach Reisedistanz
K. Handlungsempfehlungen
I. Strategien für den Tagestourismus
II. Qualität der Zieldestination fördern
III. Wertschöpfungsintensität erhöhen
IV. Vermarktung der Destinationen steigern
V. Schaffung von regionalen Wertschöpfungsketten
VI. Negative Effekte des Tagestourismus minimieren
L. Schluss und Ausblick
In Zeiten der Globalisierung und des demographischen Wandels scheint die Schaffung neuer Konzepte, Strukturen und Prozesse für eine zukunftsfähige Entwicklung der ländlichen Räume immer wichtiger. Dabei gilt es, Möglichkeiten und Potentiale, die sich den einzelnen Regionen bieten, zu erkennen, zu nutzen und weiter zu entwickeln. Im Zuge dieses Leitgedankens wurden in vielen ländlichen Räumen Deutschlands Organisationen gegründet, die sich damit beschäftigen, eine solche Entwicklung gemeinsam mit den Akteuren vor Ort voran zu treiben.
Auch im Schwäbischen Donautal hat sich inzwischen der Regionalmarketingverein „Donautal-Aktiv“ etabliert. Im Rahmen eines Regionalen Entwicklungskonzeptes wurden für das Schwäbische Donautal, das u. a. das gesamte Gebiet des Dillinger Donaurieds umfasst, zentrale Werte festgelegt, die als Leitbild für die weitere aktive Gestaltung der Region fungieren. Als enorm wichtig in diesem Zusammenhang wird so etwa auch die Inwertsetzung der spezifischen Eigenheiten des Raumes betrach- tet. Das für das Dillinger Donauried raumtypische Merkmal schlechthin sind die durch den Kiesabbau entstandenen Wasserflächen, deren „Wertschöpfung [allerdings] zu wünschen übrig [lässt]“ (Donau-Zeitung, 10.8.2005). Um künftig aus wirtschaftlicher Sicht von dieser Seenlandschaft profitieren zu können, ist es nötig, die Attraktivität der Baggerseen in vielerlei Hinsicht zu steigern - ein Anliegen, das zugleich Sujet dieser Arbeit ist.
Ziel der Arbeit ist es schließlich, auf Grundlage der durch eine direkte Befragung ermittelten Wertschöpfungspotentiale des Tagestourismus an den Seen des Dillinger Donaurieds konkrete Handlungsempfehlungen für eine verbesserte touristische Inwertsetzung dieser Objekte abzugeben.
Im Folgenden sei der Aufbau der Arbeit knapp skizziert:
Einem kurzen Überblick über die zentralen, im Laufe der Arbeit verwendeten Begriffe folgt eine etwas genauere Beschreibung des Phänomens Tagestourismus hinsichtlich des aktuellen Forschungsstands sowie seiner Bedeutung, Auswirkungen und Trends.
Anschließend wird das Untersuchungsgebiet „Dillinger Donauried“ in den Fokus des Interesses gerückt. Dabei werden neben der entwicklungsgeschichtlichen Entste- hung des Donautals auch seine physisch-geographischen Eigenschaften wie Geolo- gie, Böden, Wasser und Klima erörtert. Zudem werden die Entstehung der Seen- landschaft und deren besondere Eignung für tagestouristische Erholungsnutzungen sowie die Regionalentwicklungsbestrebungen im Schwäbischen Donautal themati- siert.
Im nächsten Abschnitt wird das System Tourismus dargestellt, ehe die beiden dieser Arbeit zu Grunde gelegten Theorien, nämlich die Exportbasistheorie und die Theorie der endogenen Entwicklung, erläutert werden.
Der darauf folgende Methodenteil gibt Aufschluss über das genaue Vorgehen bei der Nachfrageanalyse, d. h. das der Untersuchung zu Grunde gelegte Forschungsdesign wird näher vorgestellt.
Im Weiteren wird eine Analyse des Angebots an den Seen des Dillinger Donaurieds unternommen, ehe Auswertung und Interpretation der Nachfrageanalyse in zwei voneinander getrennten Kapiteln dargelegt werden. Am Ende der Arbeit werden in Anlehnung an die Ergebnisse der Nachfrageanalyse Handlungsempfehlungen für eine wertschöpfungsintensivere Entwicklung der Seen aufgeführt.
Im Folgenden werden Definitionen von Begriffen formuliert, die für das Verständnis der Arbeit von elementarer Bedeutung sind.
Laut der gültigen Definition der Welttourismusorganisation (WTO) ist unter Tourismus zu verstehen:
- „Die Aktivität von Personen, die an Orten außerhalb ihrer gewohnten Umge-
bung reisen;
- sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken
- nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten“ (dwif 2005, S. 11).
Im Hinblick auf die Thematik der Arbeit besonders wichtig ist, dass die WTO keine Mindestaufenthaltsdauer als Definitionskriterium für Tourismus festlegt. Denn damit werden auch Tagesreisen von dieser Definition abgedeckt.
Tagesreisen werden bezüglich ihrer Motivation unterschieden in:
- Tagesgeschäftsreisen (mit geschäftlichem Motiv)
- Tagesausflug (mit privatem Motiv).
Da für vorliegende Arbeit lediglich private Reisen von Bedeutung sind, erfolgt anschließend nur eine Definition des Begriffs Tagesausflug:
„Als Tagesausflug wird jedes Verlassen des Wohnumfeldes bezeichnet, mit dem keine Übernachtung verbunden ist und das
- nicht als Fahrt von oder zur Schule, zum Arbeitsplatz, zur Berufsausübung vorgenommen wird,
- nicht als Einkaufsfahrt zur Deckung des täglichen Bedarfs dient (z. B. Le- bensmittel) und Begriffsdefinitionen
- nicht einer gewissen Routine oder Regelmäßigkeit unterliegt (z. B. regelmäßi- ge Vereinsaktivitäten im Nachbarort, tägliche Krankenhausbesuche, Arztbesu- che, Behördengänge, Gottesdienstbesuche)“ (dwif 2005, S. 12).
Da die gängige Literatur das Wohnumfeld mit der Grenze des eigenen Wohnortes bzw. bei großen Städten mit der des Stadtteils gleichsetzt, fallen die im näheren Au- ßenbereich gelegenen Ausflugsziele nicht mehr unter die Rubrik Wohnumfeld. Daher können auch Naherholungsreisende als Tagesausflügler oder Tagestouristen be- zeichnet werden.
Laut dwif werden unter dem Begriff Wassertourismus „alle die Tourismusangebote verstanden, in denen das offene Meer, Küstengewässer, Seen, Flüsse und Kanäle die natürliche Grundvoraussetzung für Tourismusaktivitäten darstellen“ (vgl. dwif 2003, S. 6).
Abb. 1: Wassertourismus in Deutschland
Quelle: dwif Consulting, 2003, S. 6
1.Direkte Wertschöpfung
„Unter direkter Wertschöpfung versteht man die (Brutto- oder Netto-) Wertschöpfung, die unmittelbar dort entsteht, wo der Gast seine Ausgabe tätigt (z. B. als Nettowertschöpfung die Einkommen im Hotel: Löhne und Gehälter der Hotelbediensteten, Gewinne des Unternehmers)“ (FTM Trier 2004, S. 13).
2. Indirekte Wertschöpfung
„Unter indirekter Wertschöpfung versteht man die (Brutto- oder Netto-) Wertschöpfung, die bei den Vorlieferanten, deren Zulieferern etc. der Unternehmen entsteht, bei denen der Gast seine Ausgabe tätigt (z.B. als Nettowertschöpfung die Einkommen beim Bäcker und Metzger und in weiterer Folge die Einkommen beim Müller und Bauern etc.)“ (FTM Trier 2004, S. 13).
3. Induzierte Wertschöpfung
„Unter induzierter Wertschöpfung versteht man die (Brutto- oder Netto-) Wertschöpfung, die in der Region entsteht, weil auf Grund der höheren Kaufkraft durch direkte und indirekte Einkommen aus dem Fremdenverkehr die Nachfrage in der Wirtschaft weiter steigt und aus diesen zusätzlichen Produktionsaktivitäten wiederum Einkommen entsteht“ (FTM Trier, 2004, S. 13).
Die Wertschöpfungsquote gibt an, wie viel Prozent des Nettoumsatzes unmittelbar zu Löhnen, Einkommen oder Gewinnen werden, d. h. wie einkommenswirksam die tou- ristischen Umsätze sind. Während die Wertschöpfung der ersten Umsatzstufe als direkte Wertschöpfungsquote bezeichnet wird, stellt die Wertschöpfung der zweiten Umsatzstufe, die aus dem Dienstleistungseinsatz des Nettoeinkommens berechnet wird, die indirekte Wertschöpfungsquote dar.
Zu beachten ist hierbei, dass die Wertschöpfungsquoten der ersten Umsatzstufe im Übernachtungs-, Tages- und Tagesgeschäftsreisetourismus unterschiedlich sind (vgl. FTM Trier 2004, S. 12).
Bereits im Jahr 1841 erkannte Kohl in seiner Arbeit „Der Verkehr und die Ansiedlun- gen von Menschen in ihrer Abhängigkeit von der Gestaltung der Erdoberfläche“ das Reisen der Menschen als „Auslöser für die Entstehung von Vergnügungsorten sowie Badeplätzen“ (Wolf/Jurczek 1986, S. 23). Doch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts befassten sich erste Untersuchungen intensiver mit der Relevanz des Tourismus. Einen Meilenstein in der Geschichte der Fremdenverkehrsgeographie markiert so etwa der 1939 von Poser veröffentlichte Titel „Geographische Studien über den Fremdenverkehr im Riesengebirge“. Erstmals wurde hierin eine ausführliche Analyse der Wirkung des Tourismus auf die Kulturlandschaft unter Einbeziehung bevölke- rungs-, verkehrs- und wirtschaftsgeographischer Aspekte durchgeführt. Gemeinsam ist jedoch allen Pionierwerken der Geographie des Fremdenverkehrs die Nichtbeach- tung der Menschen als handelnde Subjekte.
Während es in Deutschland - bedingt durch den 2. Weltkrieg - bis in die 50er Jahre zu einer Stagnation der Tourismusforschung kam, entstanden im Jahr 1941 in der Schweiz mit dem Forschungsinstitut für Fremdenverkehr unter Professor Krapf an der Universität Bern sowie dem von Professor Hunziker geleiteten Seminar für Fremdenverkehr an der Handelshochschule St. Gallen gleich zwei Forschungsein- richtungen. Die noch im selben Jahr von beiden Institutsleitern gemeinsam verfasste Arbeit „Allgemeine Fremdenverkehrslehre“ gilt noch immer als bedeutendes Stan- dardwerk.
Im Jahr 1955 wurde die Forderung Christallers laut, die Geographie des Fremden- verkehrs, in deren Rahmen bis Ende der 60er Jahre zahlreiche auf den Übernach- tungsverkehr ausgerichtete Fallstudien veröffentlicht wurden, „als gleichberechtigte Untergliederung der Wirtschaftsgeographie neben der Agrar- und Forstgeographie, der Industriegeographie, usw. […]“ (Christaller 1955, S. 2) anzusiedeln. Ab Mitte der 60er Jahre bildete sich innerhalb der Sozialgeographie die Geographie des Freizeit- verhaltens schließlich als eine eigenständige Richtung heraus. Diesem neuen, von der Münchner Schule um Ruppert und Maier begründeten und sich auf die Daseins- grundfunktion „sich erholen“ beziehenden Ansatz ist die erste Beschäftigung mit tou- ristischen Aktivitäten in Wohnstandortnähe zu verdanken. Dennoch gelang es der
Freizeitgeographie nie, die länderkundlich-deskriptive und physiognomische Frem- denverkehrsgeographie ganz zu ersetzen, sondern sie gilt lediglich als ein wesentli- cher Bestandteil dieses Feldes. Etwa zur selben Zeit etablierte sich als Fortentwick- lung der Fremdenverkehrsgeographie die Tourismusgeographie, „die fortan mit der Freizeitgeographie die Geographie der Freizeit und des Tourismus bildete“ (Jurczek 2004, S. 26). Diese geographische Teildisziplin versteht sich als „methodisch moder- ne Erfahrungswissenschaft […], die sich im Kern als nomologische Raumwissen- schaft positioniert“ (Hopfinger 2004, S. 3). In der neuesten Tourismusforschung sind bezüglich des geographischen Erkenntnisinteresses zwei Tendenzen erkennbar:
1.) „eine starke Gewichtung auf anwendungsbezogene Regionalstudien sowie
2.) eine vorwiegend wirtschaftsgeographische Ausrichtung dieser Arbeiten“ (Hertwig 2001, S. 3).
Erst Mitte der 1960er Jahre stärker in den Vordergrund gerückt stellt die Beschäfti- gung mit dem Tagesausflugsverkehr einen relativ jungen Forschungszweig innerhalb der Freizeit- und Tourismusgeographie dar (Schnell 2004, S. 282). In der Bundesre- publik Deutschland wurde der Tagesausflugsverkehr erstmals im Jahr 1972 näher untersucht. Das Statistische Budesamt führte dazu eine Sondererhebung im Rahmen des Mikrozensus durch. In den 1980er Jahren wurden einige wenige Studien wie etwa die fremdenverkehrsgeographischen Studien an der Universität Trier, die Re- cherchen der Akademie für Raumforschung und Landesplanung in Hannover oder die Reihe des Deutschen Seminars für Tourismus in Berlin (DSFT) realisiert. Weitere wichtige Studien, die sich allesamt am Kriterium „Verweildauer am Aufenthaltsort“ orientieren, sind u. a. die Arbeiten von Schmalen („Tagestourismus in Passau“, 1983), Haart („Tagesgäste in Salzburg“, 1992) und von Frey („Tagestourismus: Aus- maß, Effekte und wirtschaftliche Bedeutung“, 1993).
Da bis zum heutigen Zeitpunkt noch immer keine deutschlandweite repräsentative, amtliche Statistik zum Thema „Tagestourismus“ vorhanden ist, gelten die Untersu- chungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif) als wichtigste Veröffentlichung und theoretische
Grundlagenstudie in diesem Bereich. Die erstmalig im Jahr 1995 und in einer Neuauflage 2005 erschienene Untersuchung „Tagesreisen der Deutschen“ des dwif rückt zwar die wirtschaftliche Bedeutung des Tagestourismus stark in den Vordergrund, allerdings bietet sie dennoch das einzige statistische Material zum Tagestourismus auf gesamtdeutscher Ebene.
Raumwissenschaftliche Perspektiven des Tagestourismus sind von Seiten der Geo- graphie in den letzten Jahren kaum bzw. unzulänglich untersucht worden. Auch die im Jahr 1991 von Feige durchgeführte Studie zum „Ausflugsverkehr in Reisegebiete“ fokussiert so zwar auf den sekundären Ausflugsverkehr von Übernachtungstouristen, ohne aber auf den Tagestourismus vom Wohnort aus einzugehen. Insgesamt bleibt zu betonen, dass trotz festzustellender Beschäftigung mit der Thematik des Tages- tourismus aus geographischer Perspektive (z. B. Pothoff 1998; Schneider 1998) „ei- ne systematische Abhandlung über Tagesausflugsverkehr aus geographischer Sicht weiterhin aussteht“ (Hertwig 2001, S. 6). Ursächlich für die Randlage des Tagestou- rismus in der wissenschaftlichen Diskussion ist u. a., dass dessen Wirtschaftskraft wegen der - verglichen mit dem Übernachtungstourismus - geringeren Ausgaben pro Person vielfach unterschätzt wird. Angesichts der Tatsache, dass Tagesausflüge weitaus häufiger und von mehreren Personen durchgeführt werden als längere Ur- laubsreisen, ergibt sich eine nicht zu vernachlässigende ökonomische Bedeutung des Tagestourismus, dessen Erforschung nicht zuletzt deswegen weiter forciert wer- den sollte.
Die in den folgenden Abschnitten erwähnten Daten beziehen sich - soweit nicht gesondert erwähnt - im Sinne der Themenstellung stets nur auf den Tagesausflugsverkehr, also den privaten Tagestourismus.
Der Untersuchung „Tagesreisen der Deutschen“ des dwif zufolge wurden im Jahr 2004 in Deutschland etwa 2.750 Mio. Tagesausflüge durchgeführt, was einem Durchschnitt von 33,3 Ausflügen pro Einwohner entspricht. Die Beteiligung der Be- völkerung über 14 Jahren am Ausflugsverkehr liegt im Jahr 2004 bei 86,6%. Eine überdurchschnittliche Ausflugsintensität ist dabei bei Schülern, Studenten, Beamten, Angestellten und Freiberuflern festzustellen. Unter dem Durchschnitt liegen die Werte von Selbstständigen, Arbeitern und Landwirten. Die höchste Tagesausflugsintensität liegt schließlich bei Personen zwischen 14 und 19 Jahren und nimmt mit zunehmen- dem Alter kontinuierlich ab.
Da 53,9% der Tagesausflüge an Wochenenden und Feiertagen stattfinden, kann an diesen Tagen häufig eine Spitzenbelastung der gesamten touristischen sowie der verkehrstechnischen Infrastruktur im Zielgebiet konstatiert werden. Im Gegensatz zum übernachtenden Tourismus hängen die Reisemotive im Tagestourismus stärker von jahreszeitlichen Mustern und Möglichkeiten ab. Die einzelnen tagestouristischen Destinationen weisen dadurch saisonale Konzentrationen auf. So bereisen Tagesbe- sucher, in deren Unternehmungsgeist das Baden an oberster Stelle rangiert, die Seen des Donautals selbstverständlich nur in den Sommermonaten. Da die Hauptak- tivitäten im Tagestourismus wie Baden, Segeln, Wandern, etc. generell im Freien stattfinden, ergibt sich für den Tagestourismus eine starke Witterungsabhängigkeit. In diesem Zusammenhang ist auch zu bedenken, dass Tagesausflüge eher spontaner Natur sind und deshalb von den Reisenden wesentlich leichter auf angemessene Witterungsverhältnisse ausgerichtet werden können als Übernachtungsreisen. Aus- geprägte Spitzenfrequenzen werden im Tagesausflugsverkehr demnach hauptsäch- lich nur an schönen, sonnigen Tagen erreicht.
Dominierend im Tagesausflugsverkehr ist der motorisierte Individualverkehr. Je bes- ser allerdings der öffentliche Verkehr erschlossen ist, desto höher liegt auch der An- teil an dessen Nutzung. Die Entfernung zwischen Ausgangs- und Zielort beträgt laut dwif im Jahr 2004 durchschnittlich 78,1km, wobei dieser Wert auch mit der Art der tagestouristischen Aktivität korreliert. Wird bei organisierten Fahrten (z. B. Busreisen) etwa eine durchschnittliche Strecke von bis zu 106,4km zurückgelegt, so ist in Bezug auf die Ausübung einer speziellen Aktivität von einer geringeren Distanz auszugehen (z. B.: Baden:  77,2km, Besuch eines Lokals:  52,8km). Je näher das Tagesaus- flugsziel am Wohnort gelegen, desto größer ist die Gästetreue bzw. die Frequenz der Ausflüge an den jeweiligen Zielort, was „für die touristische Leistungserbringung […] wichtig“ (BAK Basel Economics 2003, S. 3) ist.
Die durchschnittlichen Ausgaben eines Tagesbesuchers betragen „rund 50% derje- nigen eines übernachtenden Besuchers“ (BAK Basel Economics 2003, S. 3). Dabei werden in Deutschland im Mittel 28€ pro Person und Ausflugstag aufgebracht (dwif 2005, S. 108), wobei dieser Wert in Abhängigkeit vom Reiseziel differiert. In Groß- städten werden so etwa durchschnittlich 35,10€, in ländlichen Räumen hingegen le- diglich 19,40€ pro Tag ausgegeben. Zudem variiert die Höhe der Ausgaben für einen Tagesaufenthalt in Abhängigkeit zu dem Hauptanlass der Tagesreise. Werden bei einer Einkaufsfahrt durchschnittlich 59€ ausgegeben, handelt es sich bei der Aus- übung bestimmter Freizeitaktivitäten bzw. bei Verwandtenbesuchen lediglich um Be- träge von 19,80€ bzw. 19,40€, die am Zielort umgesetzt werden. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei tagestouristischen Unternehmungen in vielen Fällen um eine Kopplung mehrerer Aktivitäten handelt und so „die Differenzen bei den Ausgaben [schließlich auch von] der Zusammensetzung der Aktivitätenbün- del“ am jeweiligen Zielort abhängen (BAK Basel Economics 2003, S. 4).
Abgesehen von den Ausgaben am Zielort selbst spielen auch die Kosten für die An- und Abreise eine erhebliche Rolle für die Tagesgesamtausgaben der Reisenden. Bei der Nutzung privater Verkehrsmittel fallen für Tagesausflügler rund 0,24€ Gesamtkosten pro gefahrenem Kilometer an, die variablen Kosten liegen ca. ein Viertel bis ein Drittel darunter. (vgl. BAK Basel Economics 2003, S. 4). Zwar werden diese Aus- gaben hauptsächlich am Wohnort getätigt (Anschaffung, Wartung, Benzin), dennoch entstehen über diese mitunter auch Umsätze entlang der Fahrstrecke sowie am Ziel- ort.
Im Allgemeinen zeichnet sich der Tagestourismus durch eine geringere Bereitschaft der Touristen aus, Geld auszugeben als dies beim übernachtenden Tourismus der Fall ist. Bei Tagesausflügen kalkuliert der Tourist - im Unterschied zu mehrtägigen Aufenthalten - meist mit keinen festen Budgets und er scheint eher dazu zu neigen, mittels bewusster Einsparungen möglichst geringe Ausgaben vorzunehmen.
Die äußeren Beweggründe für die Durchführung einer Tagesreise gestalten sich sehr differenziert. An erster Stelle rangiert dabei der Besuch von Verwandten, Bekannten und Freunden (33,1%) (dwif 2005, S. 81), gefolgt von der Ausübung „spezieller Akti- vitäten“ (vgl. dwif 2005, S. 104) wie Baden, Wandern, Skifahren, etc. (20,9%), wobei das Wandern vor Baden/Schwimmen und Radfahren am beliebtesten ist. Als weitere, in der Rangfolge weiter unten angesiedelte Beweggründe gelten der Besuch von speziellen Veranstaltungen (12,1%), Einkaufsfahrten (10,6%), Spazierfahrten (8,0%), der Besuch von Sehenswürdigkeiten (7,1%) und Gastronomiebesuche (6,2%). In Art und Häufigkeit unterscheiden sich die Reiseanlässe jedoch in Abhängigkeit von der Altersstruktur der Touristen. Während jüngere Menschen (<30 Jahre) so z. B. über- durchschnittlich oft den Besuch einer Veranstaltung bzw. eines Lokals als Hauptmo- tiv ihrer Tagesreisen anführen, stellt bei Menschen im Alter zwischen 31 und 60 Jah- ren sowie auch bei den Älteren (>60 Jahre) die Ausübung einer speziellen Aktivität oder ein Verwandtenbesuch häufiger den Anlass für einen Tagesausflug dar.
„Innere Unruhe und Bewegungsdrang, die Flucht vor dem Alltag und Gewohnten […] sind elementare Grundzüge des menschlichen Wesens überhaupt“ (Opaschowski 2002, S. 117) und können damit geradezu als Ursprung des Reisebedürfnisses der Menschen angesehen werden. Insbesondere der Wunsch nach Veränderung ist es, der den Menschen zu Reisen aller Art, also einem Orts- und Szenenwechsel, antreibt und zwar meist mit dem obersten Ziel, dabei Erholung zu finden. Das Hauptreisemo- tiv „Erholung“ schließt eine Vielzahl von Ausgleichsfunktionen für die Touristen mit ein wie z. B.:
- „das Verlangen nach frischer Luft und Naturerleben,
- das Freiheitsbedürfnis und den Erlebnisdrang,
- die Bewegungslust und das Ausgleichsbedürfnis,
- die Kontaktsuche und das Anerkennungsstreben“ (Opaschowski 2002, S. 121).
Laut dwif fanden im Jahr 2004 in Deutschland 2.750 Mio. Tagesausflüge und 595 Mio. Tagesgeschäftsreisen statt, vergleichsweise wurden lediglich 339,1 Mio. Gäste- übernachtungen registriert. Somit kommen auf eine getätigte Übernachtung fast 9,4 Tagesreisen. Zwar ist die Bedeutung des Tagestourismus in punkto Frequenz weit- aus höher als im Hinblick auf die in diesem Sektor getätigten Ausgaben, jedoch ent- stehen in Deutschland durch die Tagesreisenden - trotz niedrigerer durchschnittlicher Tagesausgaben - mit 87,5 Mrd.€ immer noch mehr als doppelt so hohe Bruttoumsät- ze wie durch die Übernachtungsgäste mit 35,6 Mrd.€ pro Jahr (vgl. dwif 2005, S. 126/144). Die Addition der ersten und zweiten Umsatzstufe ergibt für den gesamten Tagesreiseverkehr in Deutschland für das Jahr 2004 schließlich Einkommen im Ge- samtwert von 40,5 Mrd.€ (Aufteilung nach Ausgabearten vgl. Abb. 2). Demgegenüber weist der übernachtende Tourismus mit 19,2 Mrd.€ ein durchaus geringeres Ein- kommen für denselben Zeitraum auf. Der sich insgesamt auf 3,8% belaufende Tou- rismusanteil am Volkseinkommen Deutschlands für das Jahr 2004 setzt sich dem- nach aus 2,6% für den Tagestourismus und 1,2% für den übernachtenden Tourismus zusammen. Diese Zahlen bestätigen die oftmals unterschätzte, auch wirtschaftlich wichtige Funktion des Tagestourismus in der Bundesrepublik.
Abb. 2: Die Effekte des Tagestourismus
Quelle: dwif 2005, S. 127
Abgesehen von ökonomischen Effekten ist auch eine ökologische Auswirkung des Tagestourismus zu konstatieren. Dabei handelt es sich in erster Linie um das auf die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs zurückzuführende, sehr hohe Ver- kehrsaufkommen auf der Straße und der damit verbundenen Schadstoffemissionen. Die Verkehrs- bzw. Umweltbelastung im Tagestourismus ist nicht zuletzt doppelt so hoch wie im übernachtenden Tourismus. (vgl. BAK Basel Economics 2003, S. 8).
Der Tagestourismus hat in Deutschland in den letzten Jahren einen bedeutenden Aufschwung erfahren. Gegenüber der Studie des dwif für das Jahr 1993 konnte für das Jahr 2004 im Hinblick auf die Frequenz von Tagesausflügen eine Steigerung um 29% festgestellt werden (vgl. dwif 2005, S. 42). Während ein trivialer Grund für diese Zunahme die seit 1993 um mehr als 1,5 Mio. angewachsene Einwohnerzahl Deutschlands ist, können als eine weitere Ursache hierfür schließlich Änderungen im Freizeitverhalten angesehen werden. So zeigt etwa die wachsende Beliebtheit von Radtouren, Wanderungen, Inlineskating oder Nordic-Walking Auswirkungen auf die Häufigkeit von Tagesreisen. Daneben haben sowohl Verschiebungen bei den Er- werbs- und Alterstrukturen als auch beim verfügbaren Einkommen oder den Kon- sumgewohnheiten für eine Steigerung der Frequenzen im Tagestourismus gesorgt. Aber auch die auf der Angebotsseite in den Jahren nach 1993 vermehrt getätigten Investitionen z. B. in die Errichtung von Erlebnisbädern, Freizeitparks, Urban Enter- tainment Centern usw. initiierten einen Anstieg der tagestouristischen Nachfrage. (vgl. dwif 2005, S. 43).
Wie alle vom Freizeitverhalten abhängigen Branchen unterliegen schließlich auch der Tagestourismus und seine Entwicklung bestimmten soziodemographischen und ge- sellschaftlichen Trends. So ist als Resultat der bevorstehenden Bevölkerungsab- nahme in Deutschland zwangsläufig mit Nachfrageverringerungen in allen Konsum- bereichen zu rechnen. Starke Abweichungen in Bezug auf die Reisemotive sind in Folge der Überalterung der Gesellschaft jedoch kaum zu erwarten, da davon ausge- gangen wird, dass sich das individuelle Freizeitverhalten künftig auch mit steigendem Alter nur gering verändert. Zu beachten bleibt schließlich, dass soziologische Fakto- ren wie etwa die sich ändernden Familienstrukturen, die ansteigende Verfügbarkeit der Haushalte über Kraftfahrzeuge sowie moderner Informationstechnologien und Home-Entertainment auch Änderungen im allgemeinen Freizeitverhalten nach sich ziehen, worauf der Freizeitmarkt zu reagieren haben wird.
In sog. „typischen Tagestourismusregionen“, also Regionen, in denen der übernachtende Tourismus nur eine untergeordnete Stellung einnimmt, hat der Ausbau der Infrastruktur stimulierende Auswirkung auf den Tagestourismus. Der Nachfragetrend der jüngsten Vergangenheit geht hin zu „einfachen authentischen Angeboten“ (BAK Basel Economics 2003, S. 14), was gerade Regionen mit vermeintlich sehr begrenztem touristischen Potential wie u. a. dem Dillinger Donauried die Chance bietet, ihre touristische Attraktivität zu erhöhen.
Der zu Bayern gehörende 790 km² große Landkreis Dillingen befindet sich in einer zentralen Lage in Süddeutschland. Er grenzt an die bayerischen Landkreise Günz- burg (im Süden), Augsburg (im Süd-Osten), Donau-Ries (im Nord-Osten) sowie an den baden-württembergischen Landkreis Heidenheim (im (Nord-)Westen). Die drei großen Ballungsgebiete München, Stuttgart und Nürnberg liegen jeweils in rund 100km, die Verdichtungsräume Augsburg und Ulm in ca. 50km Entfernung.
In naturgeographischer Hinsicht hat der Landkreis Dillingen Anteil an drei Großland- schaften Süddeutschlands. Der Norden ist geprägt durch die süd-östlichen Ausläufer der Schwäbischen Alb und ist damit zu den deutschen Mittelgebirgen zu rechnen. Im Süden befindet sich der nördlichste Teil der Iller-Lech-Schotterplatte, die bereits zum Alpenvorland gezählt wird. Diese beiden Randlandschaften werden durch das sich in ihrer Mitte erstreckende Donautal verbunden. Mit einer durchschnittlichen Breite von 10km bildet das Donautal die dominierende Landschaft des Landkreises Dillingen. Wie auch der darin eingebettete Fluss durchzieht das Tal den Landkreis von Süd- Westen nach Nord-Osten. Die Donau, die in diesem Bereich von 440m auf 404m NN fällt, nähert sich dabei ihrer Mündung ins Schwarze Meer von 2556km auf 2520km (vgl. Landkreis Dillingen 1982, S. 12). Entlang des Flusses ist die Kernlandschaft des Donautals in zwei Teillandschaften gegliedert. Zum einen in die nördlich des Flusses gelegene und bis zu 15m erhöhte Hochterrasse, zum anderen in das südlich angren- zende Donauried.
Auf Grund der hochwasserbedrohten Lage des Donaurieds erfolgten die Siedlungs- und Stadtgründungen stets entlang der Hochterrassenkante. Bereits im Mittelalter entstand so dort das noch heute für den Landkreis typische perlschnurartige Band der vier Donaustädte Gundelfingen, Lauingen, Dillingen und Höchstädt. Heute sind diese vier Städte durch die wichtigsten Verkehrachsen des Landkreises, die Bundes- straße B16 und die von Ulm nach Ingolstadt führende Donautalbahn verbunden. Ü- ber einen Autobahnanschluss verfügt die Region zwar nicht, jedoch sind sowohl deutsche Nord-Süd-Autobahn A7 als auch die A8 von Stuttgart nach München in kurzer Zeit zu erreichen.
Das Donautal ist als Produkt der Riß- sowie der Würmeiszeit zu betrachten. Während des bislang vorletzten Glazials, der Rißeiszeit, wurde das gesamte Donautal mit Hochterrassenschotter aufgefüllt. Durch Gletscherabflüsse wurden fluvioglaziale Se- dimente in das Sammelbecken der Donau transportiert. Das zwischen Alb und Schot- terplatte hin und her schwankende Wasser breitete die Sedimente im gesamten Do- nautal direkt über der Molasse bis zu einer Mächtigkeit von 15m aus. Infolge des Ein- tretens des Riß-Würm-Interglazials kam es zu einem Rückgang der Gletscher und einem enormen Anstieg der Schmelzwassermenge. Die angeschwollenen Wasser- massen führten in der südlichen Hälfte des Donautals, dem heutigen Donauried bzw. der Niederterrasse, zu einer vollkommenen Erodierung der Schotterablagerungen, während der nördliche Teil, die spätere Hochterrasse, in seiner Ausprägung erhalten blieb. Die Schmelzwasser formten dabei einen bis heute gut zu erkennenden Prall- hang als eine 10 bis 15m hohe Terrassenstufe heraus, der, wie bereits angespro- chen, auf Grund seiner Hochwassersicherheit und Nähe zum Fluss einen beliebten Platz für Siedlungen darstellte.
In der darauf folgenden Würm-Eiszeit erfolgte eine meterhohe Überdeckung des ge- samten Donautals mit Löß, einem äolischen, kalkhaltigen Sediment. Dieser feinkör- nige Staub, der durch die starken Gletscherfallwinde von der Grundmoräne herge- weht wurde, bewirkte auf der Hochterrasse die Bildung von großflächigen, bis zu 1m mächtigen Lößlehmauflagen. Im südlichen Teil des Donautals hingegen ereignete sich, ausgelöst durch das Abschmelzen der Gletscher der Würmeiszeit, eine neuerli- che Ausräumung sowohl großer Teile der Lößschichten als auch der von den Glet- scherbächen abgelagerten Niederterrassenschotter. Durch die hin und her pendeln- den Wasserläufe der Donau wurden in der Nacheiszeit im Donauried junge Kiesab- lagerungen, die Alluvationen, über den frei liegenden Molasseuntergrund ge- schwemmt (vgl. Hasch 1994, S. 282). Auf Grund der relativ geringen Schottermäch- tigkeit von 4m bis 8m (in Ausnahmefällen bis 10m) und des nur 1,5m bis 1,8m unter
der Oberfläche anstehenden, die lockeren Kiesschichten durchsetzenden Grund- wassers, befinden sich im Donauried heute vorwiegend sandige Lehm- und Torfbö- den.
Das Landschaftsbild des Donautals ist stark von eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Ablagerungen geprägt. Die ältesten Quartärsedimente bilden die rißeiszeitlichen Schotterablagerungen der Hochterrasse, aus denen u. a. der bis zu 15m hohe Prall- hang, der sich entlang des nördlichen Donauufers erhebt, besteht. Die im Bereich des nördlichen Donautals liegenden, zwischen 6m und maximal 15m mächtigen Schotter setzen sich zum größten Teil aus sandigen Kiesen, die nur in der Über- gangszone zur Schwäbischen Alb schluffige Einlagerungen aufweisen, zusammen. Auf Grund ihrer ca. 1m mächtigen Lößauflagerung wird die Hochterrasse heute vor- wiegend für den Ackerbau benutzt.
Die Niederterrasse des südlichen Donautals besteht hingegen aus würmeiszeitlichen Schottern, die eine Mächtigkeit von bis zu 8m aufweisen. Das Donauried bildet eine flach nach Nord-Osten fallende Kiesebene, deren Sedimente aus „Kiesen mit wechselnden Grobkies- und Mittel- bis Grobsandanteilen“ (Haber/Schaller 1990, S. 8) bestehen. Diese Kiese eignen sich auf Grund ihres relativ jungen Alters und der damit verbundenen geringen Zersetzung sehr gut zur Herstellung von Baustoffen und sind deshalb einem intensiven Abbau unterworfen.
Des Weiteren sind im Gebiet des Donautals andere, nur vereinzelt vorkommende Sedimentablagerungen festzustellen, wie etwa die bis zu 2m tiefen, jungen Auensedimentablagerungen im Bereich der Donau oder die postglazialen Talfüllungen der Nebentäler. An den nördlichen Randlagen des Donautals befinden sich teils Ausbildungen von Kalktuff und Almkalk, auf denen sich Kalkniedermoore bilden konnten. Am südlichen Talanstieg zur Iller-Lech-Schotterplatte findet man Hangkolluvien aus lehmig-sandigen Abschwemmmassen vor.
Mit Beginn des Erdzeitalters Alluvium vor ca. 10.000 Jahren wurden die Kiesebenen der Niederterrasse in Folge zahlreicher Hochwasser mit einer mehreren Metern ho- hen Decke aus Auenlehm überzogen. Der Rückzug der Schmelzwassermengen und die damit einhergehende Einengung des Flussbetts der Donau führten zu einer teil- weisen Freilegung alter Talböden. Im nur leicht nach Nord-Osten geneigten Donautal bewirkte die andauernde Ablagerung von Sedimenten nur sehr schlechte Abflussbe- dingungen, was sich in einer verstärkten Versumpfung im Bereich der Niederterrasse widerspiegelte. „Die völlige Abdichtung der Talsohle gegen die tiefer liegenden Kiese und Sande durch eine durchgehende, teilweise nur wenige Zentimeter starke ver- bliebene Lehm- und Tonschicht […] verschärfte die Rückstautendenz und ermöglich- te so schließlich die Entstehung eines ausgedehnten Flachmoores“ (Haber/Schaller 1990, S. 9). Dabei entwickelte sich mancherorts eine Torfauflage von einer Mächtig- keit bis zu 4,5m. Doch auf Grund gezielter Entwässerungsmaßnahmen und eines lange Zeit intensiv betriebenen Torfabbaus erfuhr das Donauried eine starke, anthro- pogene Landschaftsveränderung. Die ursprünglich im gesamten Niederterrassenge- biet typischen Moore, die zumeist in Grünland umgewandelt und mit Hilfe von Dün- gung und Bodenaufbesserung zu Ackerland gemacht wurden, sind heute auf Rest- flächen wie etwa das „Gundelfinger Moos“ im Westen des Donaurieds zusammenge- schrumpft. Der ehemalige Charakter des Rieds als nur schwer zu durchdringende Ried- und Moorlandschaft zeigt sich noch in der nur sehr spärlichen Besiedlung in Form von einzelnen Gehöften. Heute findet man im Bereich der Niederterrasse ne- ben den für Niedermoore typischen Böden wie Anmoorgleye und Moorgleye auch flachgründige Parabraunerden und Braunerden vor. (vgl. Haber/Schaller 1990, S. 11).
In den postglazial verfüllten Seitentälern sind zudem Gley-Braunerden und Gleye anzutreffen. Im von jungen Ablagerungen der Donau geprägten Auwald herrschen Auenböden und kalkreiche Auenrendzinen vor.
Die Hochterrasse zeichnet sich durch die bis zu 1m mächtige Lößabdeckung, auf Grund derer sich tiefgründige Parabraunerden, Braunerden und teils schwarzerdeähnliche Böden bilden konnten, als sehr guter Ackerbaustandort aus.
Auf der Hochterrassenebene steht das Grundwasser, das am nördlichen Talrand ei- ne Mächtigkeit von bis zu 10m erreicht, teils direkt unter der lehmigen Deckschicht an. Die Hauptfließrichtung innerhalb der Hochterrassenschotter richtet sich nach Südosten. Zur Terrassenstufe hin nimmt die Grundwassermächtigkeit stetig ab, was schließlich das Austreten zahlreicher Quellen in diesem Bereich zur Folge hat. Auf Grund der hohen Durchlässigkeitswerte der Kiese sind hier die Vorraussetzungen für die Grundwasserversorgung sehr gut. Vor allem die Zuströme aus dem nördlich an- schließenden Jura bewirken außerdem eine ständige Erneuerung des Grundwas- sers.
Die Schotterkörper der Niederterrasse sind ebenfalls bedeutende Grundwasserleiter. Schon ab einer Tiefe von 1,5m bis 1,8m unterhalb der Oberfläche ist hier die gesam- te Schotterschicht mit Grundwasser gefüllt. Ausnahmen stellen nur die Kiesrücken der Niederterrasse dar, die um mehrere Meter über den Grundwasserspiegel hinaus- ragen. Um das Grundwasser besser regulieren zu können, wurden im gesamten Do- nauried Gräben zur Entwässerung angelegt, wodurch ein Absinken des Grundwas- serspiegels bewirkt wird. Die Grundwassererneuerung erfolgt zum größten Teil über einsickernde Niederschläge. Doch auf Grund der starken Belastung des Wassers „[…] mit Eisen, Mangan und Huminstoffen aus der Vermoorung […]“ (Haber/Schaller 1990, S. 12) im Bereich der Niederterrasse kommen für die Trinkwasserversorgung nur die Gebiete am südlichen Talrand in Betracht.
Der Landkreis Dillingen wird von Südwesten nach Nordosten von der Donau durch- quert. Im Gegensatz zu den nördlichen Zuflüssen Brenz, Egau, Zwergbach und Klos- terbach weisen die südlichen Donauzuflüsse Glött, Landgraben und Zusam ein weit verzweigtes Entwässerungssystem auf. Auf Grund des geringen Gefälles dieses Entwässerungssystems ist die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen Überschwemmung bei einem Donauhochwasser durch Rückstauungen dieser Fließgewässer er- höht.
Anthropogene Einflüsse haben den Charakter der Donau verändert. Der von alters her stark mäandrierende Fluss wurde seit Beginn des 19. Jahrhunderts kanalisiert. Im Jahr 1867 waren die Korrekturarbeiten im Gebiet des Landkreises Dillingen abge- schlossen (vgl. Landkreis Dillingen 1982, S. 22). Zahlreiche Altwasserarme zeugen heute noch von dem ursprünglichen Verlauf der Donau. Mit dem ab 1951 einsetzen- den Bau von Staustufen zur Stromgewinnung wurde nach der Donaukorrektur ein weiterer wichtiger Schritt zur Verhinderung und Regulierung der Donauhochwässer getan.
Neben den natürlichen Fließgewässern gibt es im Donauried auch künstlich angelegte Entwässerungs- und Abzugsgräben, die sog. Vorfluter. Diese dienen im Niedermoor- und Anmoorbereich zur Absenkung des Grundwasserspiegels und damit der qualitativen Verbesserung der landwirtschaftlichen Anbaufläche.
Mit Ausnahme der zur Verlandung neigenden Altwasserschlingen gibt es im Untersu- chungsgebiet keine natürlichen Stillgewässer. Der Abbau von Kies und Sand lässt im Donauried jedoch kontinuierlich neue Baggerseen entstehen. Nach der Landschafts- umgestaltung durch die Landwirtschaft stellt die Auskiesung einen weiteren wesentli- chen anthropogenen Eingriff in das Landschaftsbild des Donaurieds dar. Heute zählt man im gesamten Donautal zwischen Ulm und Donauwörth knapp 700 Baggerseen.
Das Dillinger Donautal befindet sich in der Übergangszone zwischen atlantischem und kontinentalem Klima. Auf Grund der relativ tiefen Lage von 435m NN bis 401m NN sowie der Angrenzung an die Schwäbische Alb ist das Donautal thermetisch be- günstigt - die mittlere Jahrestemperatur liegt hier bei 8 C (zum Vergleich: - Jahrestemperatur für Gesamtbayern beträgt ca. 6 -7°C) (vgl. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 1999, S. 50).
Mit Niederschlagswerten von nur durchschnittlich 735mm (Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 1999; S. 50), was auf die Lage im Leebereich der Schwäbischen Alb zurückzuführen ist, zählt das Dillinger Donautal zu den niederschlagsärmsten Gebieten Bayerns. Während der Hauptvegetationszeit von Mai bis September werden Niederschlagsmengen von durchschnittlich 440mm erreicht.
Ein besonderes Charakteristikum des Donautals stellt die extrem hohe Nebelhäufigkeit von 80 bis 100 Nebeltagen pro Jahr dar (vgl. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 1999, S.50). Der Nebel wird durch das Abfließen von Kaltluftmassen aus der Schwäbischen Alb verursacht und erfährt durch die verstärkte Abkühlung der Moorböden des Donautals eine Intensivierung.
Da das Donautal parallel zur Hauptwindrichtung liegt, ist die lufthygienische Situation im Untersuchungsgebiet sehr günstig.
Der Kiesabbau zählt neben der Landwirtschaft zu den Nutzungen mit der größten Flächeninanspruchnahme. Im gesamten Landkreis Dillingen mit Ausnahme der Randbereiche zur Alb, dem tertiären Hügelland sowie Teilen der Nebentäler befinden sich ergiebige Kiesmengen mit hoher Baustoffqualität. Bis heute wurde hier eine Flä- che von über 633ha (vgl. Haber/Schaller 1990, S. 64) vom Kiesabbau in Anspruch genommen. Die hohe Qualität der Kiese macht das Donautal zu einer der bedeu- tendsten Kieslagerstätten in Bayern. Bislang konzentriert sich der Kiesabbau auf das Gebiet der Altarmschlingen und der Niederterrasse. Demgegenüber ist der Bereich der Hochterrasse auf Grund der dort vorhandenen, für den Ackerbau sehr ertragrei- chen Lößböden in erster Linie dem Ackerbau vorbehalten. Vereinzelt wird in der Randzone zur Alb Lößlehm zur Herstellung von Ziegeln abgebaut.
Der Kiesabbau ließ im Donauried zahlreiche Grundwasseraufschlüsse entstehen. Diese Baggerseen werden nach Beendigung der Abbautätigkeit weitestgehend rekultiviert und anschließend verschiedenen Nutzungsformen wie der Erholungsnutzung, dem Fischereiwesen oder dem Landschafts- und Naturschutz überlassen.
Im Jahr 2000 wurden in Deutschland ca. 400 Mio. t Sand und Kies gefördert, davon 2,8 Mio. t im Landkreis Dillingen und zwar von 16 unterschiedlichen Betrieben (vgl. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 1999, S. 92). Dieses Lockergestein findet zu 95% in der Bauindustrie Verwendung, „wobei etwa die Hälfte jeweils im Hochbau (Zuschläge für Beton vorrangig, Mörtel- und Kalksandsteine u. a.), zum anderen im Tiefbau (verschiedene Tragschichten, Frostschutzmaterial, Betonerzeugnisse, Kies- splitt für Asphaltdecken u. a.) benötigt wird (Böttger/Hötzl 2000, S. 9). Die restlichen 5% werden in verschiedenen industriellen Zweigen z. B. der eisenschaffenden In- dustrie, der Gießereiindustrie, der chemischen Industrie oder der Elektroindustrie zur benötigt.
Rechtliche Bestimmungen, die den Abbau von Sand und Kies betreffen, sind v. a. im Raumordnungs- und Landesplanungsrecht, im Naturschutzrecht, im Baurecht und im Wasserrecht verankert. Während Raumordnungs- und Landesplanungsrecht sowie Naturschutzrecht vorwiegend auf die Frage rekurrieren, wo abgebaut werden darf, sind in Bau- und Wasserrecht eher die konkreten Genehmigungsformen geregelt.
Laut Art. 14 GG und Art. 103 BV hat jeder Eigentümer das Recht, sein Grundstück für den Kiesabbau zu nutzen. Allerdings weisen sowohl Art. 14 II GG als auch Art. 103 II und Art. 158 BV darauf hin, dass der Gebrauch von Eigentum „dem Wohle der
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Allgemeinheit dienen“ (GG) soll und ein Missbrauch des Eigentums keinen Recht- schutz erfährt. Da gemäß § 1a III WHG Grundeigentum weder zu einer gestattungs- pflichtigen Gewässerbenutzung noch zu einem Ausbau eines oberirdischen Gewäs- sers berechtigt, steht die Grundwasserfreilegung stets im Ermessen der zuständigen Behörden.
Aufgabe der Landesplanung ist es nach Art. 1 BayLPlG, „übergeordnete, überörtlich zusammenfassende und überörtlich fachliche Programme und Pläne aufzustellen […]“ und diese mit den Erfordernissen der Raumordnung abzustimmen. Für den Kiesabbau sind dabei der Regionalplan und das Raumordnungsverfahren die wesentlichen Planungsinstrumente.
Die Regionalpläne werden von den regionalen Planungsverbänden aufgestellt und regeln laut Art. 17 I BayLPlG „die anzustrebende räumliche Ordnung und Entwicklung einer Region als Ziel der Raumordnung und Landsplanung“. So werden darin etwa auch die Flächen für die künftige Entwicklung des Kiesabbaus ausgewiesen und Aussagen zur deren Folgenutzung gemacht. Der Regionalplan Augsburg unterscheidet im Kapitel „Gewinnung und Sicherung von Bodenschätzen“ hinsichtlich des Kies- und Sandabbaus zwei Flächenkategorien:
1.) Vorrangflächen als Flächen, in denen andere Nutzungsansprüche gegenüber der Gewinnung von Kies und Sand zurücktreten müssen (vgl. Regionaler Pla- nungsverband Augsburg 1995, S. 87- 90).
2.) Vorbehaltsflächen als Gebiete, innerhalb derer der Gewinnung von Kies und Sand besonderes Gewicht beizumessen ist (vgl. Regionaler Planungsverband Augsburg 1995, S. 92-93).
Die in den Regionalplänen festgelegten Ziele besitzen Rechtsnormencharakter, sind damit also rechtsverbindlich und gelten gegenüber jedermann. Von besonderer Be- deutung ist dies für die gemeindliche Bauleitplanung, die nach § 1 IV BauGB den Zielen der Raumordnung anzupassen ist. So müssen Vorrangflächen schließlich in der Bauleitplanung für ihre vorgegebene Nutzung ausgewiesen werden. Für Vorbe- haltsgebiete kann demgegenüber nach Abwägung aller Belange auch eine andere Nutzung in Frage kommen.
Im Raumordnungsverfahren wird geprüft, ob ein einzelnes Vorhaben, das in seiner „Rauminanspruchnahme oder Wirkung über das Gemeindegebiet eines Standortes“ (Dingethal/Kaule 1985, S. 237) hinausreicht - wie eben auch der Kiesabbau -, mit den Erfordernissen der Raumordnung im Einklang steht. Durchgeführt wird das Raumordnungsverfahren von der Höheren Landesplanungsbehörde entweder von Amts wegen oder auf Antrag des Planungsträgers. Das Raumordnungsverfahren ist ein Gutachten und schließt mit einer landesplanerischen Beurteilung ab. Diese Beur- teilung hat die Rechtswirkung der Berücksichtigungspflicht (§ 4 II ROG), d. h. sie muss in die Abwägungen, die im Rahmen des nachfolgenden Genehmigungsverfah- rens getroffen werden, eingestellt werden.
Als eine in die Natur und Landschaft eingreifende Industrie ist der Kiesabbau an die Ziele (§ 1 BNatSchG) und Grundsätze (§ 2 BNatSchG) des Naturschutzes und der Landschaftspflege gebunden.
Nach Art. 6 II BayNatSchG werden die Abbauunternehmer schließlich verpflichtet, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen und un- vermeidbare Beeinträchtigungen auszugleichen. Ist im Vorfeld der Abbautätigkeit abzusehen, dass Schädigungen an der Natur weder ausgleichbar noch vermeidbar sind, ist der Eingriff nach Art. 6 II BayNatSchG zu untersagen - außer die Belange des Kiesabbaus überwiegen gegenüber denen des Naturschutzes.
Der Nassabbau von Kies unterliegt den Bestimmungen des Bauplanungs- und Bauordnungsrecht.
Jeder Gemeinde obliegt die Aufgabe der Bauleitplanung, durch die die bauliche und sonstige Nutzung der Grundstücke geregelt wird (vgl. §§ 1,2 BauGB). Nach § 1 II BauGB besteht die Bauleitplanung aus dem vorbereitenden Flächennutzungsplan und dem verbindlichen Bebauungsplan. Schließlich hat die Bauleitung stets mit den Zielen der Raumordnung, d. h. den Festsetzungen des Landesentwicklungsprogramms und des Regionalplans, konform zu gehen.
Der Flächennutzungsplan beinhaltet in Grundzügen die Darstellung der sich aus der beabsichtigten städtebaulichen Entwicklung ergebenden Art der Bodennutzung für das gesamte Gemeindegebiet (vgl. § 5 BauGB). Laut § 5 II Nr. 8 BauGB sind darin auch „die Flächen für Aufschüttungen, Abgrabungen oder für die Gewinnung von Steinen, Erden und anderen Bodenschätzen“ verzeichnet. Zudem sollte der Flächennutzungsplan Aussagen zu den Folgenutzungen und Gestaltungen der Seen nach Abschluss der Abbautätigkeiten treffen.
Der aus dem Flächennutzungsplan zu entwickelnde Bebauungsplan enthält „die rechtsverbindlichen Festsetzungen für die städtebauliche Ordnung“ (§ 8 BauGB). Besteht die Absicht, die Abbaugebiete nach Abschluss der Kiesgewinnung der Erholungsnutzung bereitzustellen, ist das „Aufstellen von Bebauungsplänen sehr zu empfehlen“, wenn auch nicht zwingend vorgeschrieben (Dingethal/ Kaule 1985, S. 243). Für das Donauried sind bereits mehrere Bebauungspläne für Abbaugebiete erstellt worden - wie etwa der Bebauungsplan Gundelfingen Süd.
Die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit von Kiesabbauprojekten als Abgrabung größeren Umfangs wird gemäß § 29 I BauGB nach den §§ 30-37 BauGB geregelt. Abbauvorhaben im Geltungsbereich eines Bebauungsplans sind dann zulässig, wenn sie mit den Bestimmungen des Bebauungsplans konform gehen. Der Kiesabbau im Außenbereich (nach § 35 BauGB) ist bei Einvernehmen der Bauaufsichtsbehörde mit der Gemeinde erlaubt, soweit er öffentlichen Belangen nicht entgegensteht und eine ausreichende Erschließung des Kiesabbaugebiets gesichert ist.
Nach Art. 66 II Nr. 1 BayBO unterliegen Abgrabungen über 300m² Größe der Bauge- nehmigungspflicht. Der vom Kiesunternehmer gestellte Bauantrag muss dabei be- stimmte in der Bauaufsichtlichen Ververfahrensordnung festgesetzte Unterlagen ent- halten:
- Aussagen zu Art und Mächtigkeit des abzubauenden Vorkommens
- Aussagen zur Grundwassermächtigkeit
- Aussagen zum vorhandenen Baum- und Pflanzenbewuchs
- Abbauplan
Nach Art. 12 II BayBO sind alle baulichen Anlagen mit ihrer landschaftlichen Umgebung in Einklang zu bringen. Für den Nassabbau entfällt zwar die Erteilung einer Baugenehmigung, da hier eine wasserrechtliche Gestattung von Nöten ist - Art. 12 II BayBO bleibt jedoch zu beachten.
Für den Nassabbau von Kies sind die wasserrechtlichen Bestimmungen des WHG und des BayWG zwingend.
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Jeglicher Ausbau von Gewässern bedarf laut § 31 II WHG und Art. 58 BayWG einer Planfeststellung oder Plangenehmigung. Im Falle des Kiesabbaus muss die Plange- nehmigung versagt werden, wenn die Abbauplanung dem Wohl der Allgemeinheit entgegensteht. Nach § 31 V WHG gilt es, natürliche Rückhalteräume zu erhalten, das natürliche Abflussverhalten nicht zu ändern, naturraumtypische Lebensräume zu bewahren und sonstige naturnahe Verhältnisse zu schützen bzw. auszugleichen. Damit wird dem Kiesunternehmer eine landschaftsgerechte Gestaltung und naturna- he Rekultivierung der Abbaufläche kraft Gesetz zur Pflicht gemacht. Gemäß § 3 I S. 1 UVPG in Verbindung mit Anlage 1 Nr. 1315 UVPG ist „im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens nach § 31 WHG für die Herstellung eines Gewässers [außerdem] eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen“ (Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie 2002, S. 107).
Die Planfeststellung ist vom Abbauvorhabenträger nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens mit allen nach § 4 WPDV erforderlichen Unterlagen bei der Kreisverwaltungsbehörde einzureichen. Insbesondere im Abbauplan müssen die einzelnen Abbauabschnitte ersichtlich werden, um einen geordneten Kiesabbau zu gewährleisten. Auch ein Gestaltungsplan für das Abbaugebiet ist während und nach dem Abbau vorzulegen. „Um die Rekultivierung in jedem Fall zu garantieren, müssen die Abbauunternehmer [zudem] Sicherheiten bzw. Bankbürgschaften hinterlegen“ (Regionalverband Donau-Iller 1990, S. 13).
Baurechtliche Bestimmungen können einer privatnützigen wasserrechtlichen Plan- feststellung nur dann Abbruch tun, wenn gemeindliche Planungsabsichten wie Be- bauungsplan oder Flächennutzungsplan dem Vorhaben entgegenstehen. Um eine ungewollte Entwicklung des Kiesabbaus zu verhindern, empfiehlt es sich für die Ge- meinden daher, in der Bauleitplanung konkrete Aussagen zum Abbau von Kiesen und Sanden zu treffen.
Nach Abschluss der Abbautätigkeiten ist der Abbauunternehmer zur vollständigen Durchführung der im Planfeststellungsbescheid vorgeschriebenen Maßnahmen ver- pflichtet. Danach unterliegt die Unterhaltspflicht für die Baggerseen grundsätzlich den Gemeinden, allerdings kann die Kreisverwaltungsbehörde die Unterhaltung auch dem Kiesunternehmer bzw. dem Grundstückseigentümer übertragen. Ist als Folge- nutzung im wasserrechtlichen Planfeststellungsbescheid die Bade- und Erholungs- nutzung für einen Baggersee vorgesehen, ist der Kiesunternehmer verpflichtet, einen freien Zugang zum See zu schaffen sowie durch eine entsprechende Gestaltung der Wasserfläche und des Ufers das Baden zu ermöglichen. Das Errichten von etwaigen Anlagen wie Toiletten, Umkleiden oder Parkplätze ist jedoch nicht Aufgabe des Kies- unternehmers.
Neben einer guten Qualität und enormen Quantität des Kieses bietet das Donauried auch für dessen Abbau sehr gute Bedingungen. Die Kiesschichten des Donaurieds bestehen aus „geologisch relativ jungen und damit noch wenig zersetzen Alluvionen [...]“ (Hasch 1994, S. 287), die als Flussablagerungen abgeschliffen und schon nach der Größe sortiert sind. Ein weiterer Vorteil für den Abbau ist zudem der hohe Grund- wasserstand im Niederterrassenbereich, der dafür sorgt, dass die Kiese und Sande bereits gewaschen sind. Das ebene Gelände des Rieds mit seinen flachgründigen Böden und deren geringen Humusdecke weist außerdem nur eine sehr geringe Bodengüte auf (Bodengütezahl <50), was den Verlust dieser Flächen für den Kiesabbau oft erleichtert.
4. Folgen des Kiesabbaus für den Naturraum
Die Gewinnung der Bodenschätze Sand und Kies ist unweigerlich mit einem „drastischen Eingriff und Einschnitt in die bestehende Landschaft und das dort vorhandene Ökosystem […]“ (Böttger/Hötzl 2000, S. 14) verbunden. Wo sich einst teils sehr vielgestaltige Landflächen befanden, liegen so heute die durch den Kiesabbau entstandenen, mit Grundwasser verfüllten Seen.
Die Verdunstung des Seewassers bewirkt eine starke Veränderung des Grundwasserspiegels, der im oberstromigen Bereich abnimmt und im unterstromigen Bereich ansteigt. Entscheidend für das jeweilige Ausmaß dieser Veränderung ist Größe und Lage der Auskiesung. Da die dünne Humusdecke des Donaurieds selbst nur wenig Wasser speichern kann, führt das Absinken des Grundwasserspiegels zu eventuellen Dürreschäden an der Vegetation.
Das Fehlen einer für die Pufferung zuständigen Deckschicht über den Wasserflächen macht das Grundwasser an diesen Aufschlüssen für Schadstoffeinträge aller Art empfänglich. „In der Summe wurden [allerdings] in der Vergangenheit die möglichen qualitativen Auswirkungen überschätzt und zum anderen das Reinigungsvermögen des gesättigten Grundwasserleiters unterschätzt“ (Böttger/Hötzl 2000, S. 14).
Direkt unter der Schotterschicht steht der für die Sand- und Kiesindustrie uninteres- sante Molassesand an, weswegen manche Baggerseen nur eine Tiefe von 4m auf- weisen. In diesen flachen Seen, die im Sommer teils komplett durchtemperiert wer- den, erfolgt eine stark erhöhte Produktion von Biomasse, was eine schnelle Eutrophierung zur Folge haben kann. So wird beim Kiesabbau seit geraumer Zeit darauf geachtet, dass die Seen „regelmäßig tiefer als 4m und größer als 3ha“ sind (Dingethal/Kaule 1985, S. 73).
Die durch den Kiesabbau entstehenden Seen stellen mitunter auch Ausgleichsräume für die zum Teil verlandeten Altwasserarme und Tümpel im Donauried dar, indem sie nach der Ausbaggerung als Landschafts- oder Naturschutzseen rekultiviert werden. Bei entsprechender Gestaltung können diese künstlich geschaffenen Seen als öko- logische Nischen dienen und den Arten des Donautals naturnahe Lebensräume bie- ten.
Für die Zukunft wurde im Gesamtökologischen Gutachten Donauried das Ziel formuliert, den Kiesabbau im Donautal in ressourcen- und landschaftsschonender Weise durchzuführen sowie nachteilige Auswirkungen für den Naturhaushalt und das Landschaftsbild zu vermeiden bzw. zu minimieren (vgl. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 1999, S. 92).
Die in Folge des Kiesabbaus entstandenen rund 700 Baggerseen im gesamten Do- nautal bieten der Bevölkerung auf vielfältige Weise einen Raum für Freizeit- und Er- holungsaktivitäten. Laut Art. 141 III BV ist jedem Bürger der Zugang zu den Bagger- seen nach Abschluss der Abbauarbeiten zu gewähren. Auch das Bayerische Was- sergesetz schreibt in Art. 21 jedermann das Recht zu, in oberirdischen Gewässern zu baden.
Der Seenreichtum im Donauried stellt schließlich nicht nur für die Bewohner des Dillinger Landkreises einen attraktiven Freizeit- und Erholungsraum dar, sondern auch vor allem für die Bevölkerung der nahe gelegenen, verkarsteten Schwäbischen Alb. So haben sich an mehreren Seen des Landkreises Zentren des Erholungsverkehrs herausgebildet. Insgesamt sind im Donautal 7% der Seen für das Baden als Hauptnutzungsform vorgesehen (vgl. ARGE Donaumoos 1997, S. 8). Außerdem wurden an wenigen Seen Kernzonen für intensiven Wassersport wie Wasserski, Surfen, Segeln und Tauchen geschaffen.
Übergeordnete Vorgaben für die Erholungsnutzung im Donautal enthält der Regionalplan Augsburg. Darin sind sowohl der Donau-Auwald als auch die Feuchtflächen des Donaurieds vorrangig als landwirtschaftliche Vorbehaltsflächen ausgewiesen, die gegebenenfalls jedoch auch als Erholungsraum dienen sollen. Des Weiteren besagt der Regionalplan, dass „geeignete Baggerseen im Bereich der Donaustädte als Freibadeplätze ausgebaut und mit den erforderlichen Freizeiteinrichtungen ausgestattet werden“ sollen (Regionaler Planungsverband Augsburg 1995, S. 39). Außerdem werden die Sicherung von Wassersportmöglichkeiten sowie der Ausbau von Sport- und Freizeiteinrichtungen gefordert.
Nach der Auskiesung der Seen wird in Anlehnung an die bereits im Vorfeld festgeleg- te Folgenutzung ein Rekultivierungsplan verfolgt. Bei der Bestimmung der Folgefunk- tion muss auf die unterschiedliche Belastbarkeit der einzelnen Landschaftsteile
Das Untersuchungsgebiet 39
Rücksicht genommen werden, weswegen hier nicht nach einem allgemeingültigen Konzept vorgegangen werden kann. Die frühzeitige Ausweisung der Seen für eine spezifische Folgenutzung ist einer Nutzungsentflechtung zwischen den Belangen Erholung, Wassersport und Naturschutz zuträglich. Unabhängig der jeweiligen Folgenutzung sollte im Rahmen der Rekultivierung schließlich „bei allen Seen […] eine naturnahe Gestaltung der Uferbereiche stattfinden“ (Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 1999, S. 219). Zum einen begünstigt das die Aufwertung des Landschaftsbildes, zum anderen ist die Gestaltung der Uferlinie und der Böschungen auch für die ökologische Wertigkeit der Seen entscheidend.
Im Jahr 2002 wurde das Schwäbische Donautal im Rahmen des vom Bundesministe- rium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft initiierten Demonstrativ- wettbewerbs „REGIONEN AKTIV - Land gestaltet Zukunft“ als eine von insgesamt 18 Modellregionen ausgewählt. „REGIONEN AKTIV“ hat sich zum Ziel gesetzt, neue Perspektiven für die ländliche Entwicklung in Deutschland zu geben. Die Modellregi- onen sollen dabei „als Modelle für die Neuausrichtung der Verbraucher- und Agrarpo- litik in Deutschland Pate stehen“ (Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernäh- rung und Landwirtschaft 2004, S. 7). Für die Umsetzung von innovativen Ideen, d. h. von nachhaltigen Projekten, die die wirtschaftliche Entwicklung der Region unterstüt- zen, werden Fördergelder zur Verfügung gestellt - allein im Schwäbischen Donautal belaufen diese sich auf 2 Mio.€. Im Wettbewerb der Regionen positioniert sich das Schwäbische Donautal als „Wohlfühl- und Gesundheitsregion“. Das Regionalmana- gement von Donautal-Aktiv hat sich dabei zum Ziel gesetzt, einerseits ein Netzwerk zu knüpfen, das alle Angebote und Aktionen in den Bereichen gesunde Ernährung, Fitness und Bewegung, Naturerleben und Erholung bündelt, andererseits jedoch auch neue Projekte zu initiieren. Dabei wird berücksichtigt, dass jegliche Maßnah- men der Regionalentwicklung einerseits mit den zentralen Werten der Region (vgl. Abb. 3) konform gehen und dabei andererseits der Landschaftscharakter sowie die kulturräumlichen Eigenheiten als Wertschöpfungsquelle für die verschiedensten Branchen wie Tourismus, Landwirtschaft oder produzierendes Gewerbe bewahrt werden.
Abb. 3: Zentrale Werte der Region
Quelle: ARGE Schwäbisches Donaumoos 2001, S. 4
Der Beachtung der zentralen Werte zuträglich ist das vom Initiativkreis kreierte, für alle Projekte der Regionalentwicklung verbindliche Motto „Natürlich Leben an der Schwäbischen Donau - Kulturell interessante Heimat - Intakte Natur“, das „für die von allen angestrebte hohe Lebensqualität, die sich aus Teilaspekten wie Natur- und Umweltqualität, Erholungsqualität, Lebensmittelqualität und Erwerbsqualität zusam- mensetzt“, steht (ARGE Schwäbisches Donaumoos 2001, S. 15). Das Leitbild, an dem sich alle Ziele der Regionalentwicklung im Schwäbischen Donautal orientieren, lautet schließlich: „Erhaltung und zukunftsfähige Weiterentwicklung der Kulturland- schaft im Einklang mit den naturräumlichen Gegebenheiten und unter Nutzung der Potentiale im Erholungs- und Gesundheitsbereich“ (ARGE Schwäbisches Donau- moos 2001, S. 16).
Aus touristischer Sicht ergibt sich für den Landkreis Dillingen folgendes StärkeSchwächen- Profil (vgl. Abb.4):
Abb. 4: Stärken- Schwächen- Profil des Landkreises Dillingen aus touristischer Sicht
Das Dillinger Donauried stellt mit seiner Vielzahl an Baggerseen für Naherholungs- suchende und Tagestouristen eine stark frequentierte Destination dar. Vor allem in den Sommermonaten führt dies zu einer erhöhten Freizeit- und Erholungsaktivität der Bevölkerung rund um die durch den Kiesabbau geschaffenen Seen, was auch Nut- zungskonflikte mit Landwirtschaft und Naturschutz nach sich zieht. Die mangelnde bauliche Ausstattung der Seenkomplexe für den Wassertourismus trägt zusätzlich zu einer Verstärkung dieses Effektes bei. Eine Auflistung grundlegender Bestimmungen zur Erholungsnutzung findet sich im Gesamtökologischen Gutachten Donauried (Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 1999, S. 220ff.). In Bezug auf die touristi- sche Entwicklung der Baggerseen ist hier schließlich das Hauptziel formuliert, dass andere Landschaftsnutzungen durch den Erholungsverkehr nicht beeinträchtigt wer- den und die ökologische Wertigkeit des Raumes einschließlich der verschiedenen Teilräume erhalten bleiben soll. Um solch einem Konzept zur Lenkung des Erho- lungsverkehrs Rechnung zu tragen, wurde im Rahmen des Gesamtökologischen Gutachtens Donauried von der ARGE Schwäbisches Donaumoos eine empirische Untersuchung durchgeführt, die auf die Erfassung von Art und Intensität der Erho- lung an insgesamt 663 Gewässern im gesamten Schwäbischen Donautal abzielte. Dabei wurden u. a. sowohl die Herkunft und Menge der Badegäste sowie die durch die verschiedenen Freizeitaktivitäten wie Baden, Angeln oder Surfen verursachten Schädigungen an der Vegetation ermittelt (vgl. ARGE Donaumoos 1997). Auf Grund- lage der Untersuchungsergebnisse werden im Gesamtökologischen Gutachten fol- gende Einzelziele im Hinblick auf die künftige Entwicklung von Freizeit und Touris- mus an den Baggerseen des Donautals angeführt:
-„Im Donauried ist v. a. eine sanfte, naturbezogene Erholungsnutzung anzu- streben, intensive Erholungsformen werden dagegen nicht vorgeschlagen. Eine lokale Konzentration der vorhandenen Badenutzung - auch zur Schonung ökologisch sensibler Gebiete - soll dabei möglich bleiben.
-Die Lenkung der Erholungsnutzung sollte im Rahmen eines Gesamtkonzeptes für das Donauried erfolgen.
-Zukünftige Abbaugebiete sind in die Gesamtkonzeption einzubinden.
-Es ist eine Entflechtung der Nutzungen anzustreben, die Erholungsnutzung ist dementsprechend zu ordnen.
-Die Erholungsnutzung ist dort zu konzentrieren, wo stabile ökologische Ver- hältnisse bestehen, in ökologisch sensiblen Bereichen wird vorgeschlagen, in Zukunft eine Badenutzung nicht mehr zuzulassen. Bestimmte Seen sind von jeglicher Badenutzung freizuhalten.
-Es ist eine abgestufte Hierarchie an Badezentren zu schaffen.
-An den Badeseen ist eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen.
-Die Intensität der fischereilichen Nutzung soll sich an der Empfindlichkeit der Gewässer und der umliegenden Lebensräume orientieren.
-Die Erholungsnutzung kann im Donauried verstärkt als Wirtschaftsfaktor Be- rücksichtigung finden.“
(vgl. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 1999, S. 220-222)
Als ein potentielles regionales Erholungszentrum wird im Gesamtökologischen Gut- achten Donauried u. a. das Glötter Ried ausgewiesen. Die umliegenden Gemeinden Dillingen, Lauingen, Aislingen, Holzheim und Glött haben sich deshalb zum Pla- nungsverband „Glötter Ried“ mit dem Anliegen zusammengeschlossen, die Freizeit- und Erholungsstruktur im Bereich des ehemaligen Kiesabbaugebiets auszubauen. Um die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Naherholungszentrums im Hinblick auf die regionale Wirtschaftskraft und den regionalen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wurde im Jahr 1999 im näheren Einzugsbereich der Seen des Glötter Rieds eine Befragung potentieller Erholungsnutzer zu deren Freizeitorientierung und -nachfrage durchge- führt (vgl. Poschwatta 1999). Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen zwar, dass einerseits sowohl das wassersportliche als auch das kulturelle und gastronomische Angebot als ausbaufähig befunden werden, andererseits die Errichtung eines mäch- tigen Erholungszentrums von den Besuchern der Kiesseen größtenteils abgelehnt wird. Ziel einer Entwicklung des Glötter Rieds sollte es demnach sein, differenzierte Nutzungsmöglichkeiten räumlich zu trennen, um einerseits die bestehenden Nach- frageeffekte zu erhalten und andererseits auch attraktive Impulse für den Wirtschafts- raum zu verstärken.
Die Studie Poschwattas kann als Pilotprojekt im Bereich der Erforschung des Frei- zeitverhaltens von Tagestouristen an den Seen des Donaurieds betrachtet werden, an das es - dem Ziel einer verbesserten touristischen Inwertsetzung der Baggerseen des Dillinger Donaurieds folgend - in weiterer räumlicher Orientierung anzuknüpfen gilt.
Der Tourismus hat sich zu einem bedeutsamen Phänomen der heutigen Zeit entwi- ckelt, das den Lebensrhythmus der Menschen und nicht zuletzt die Wirtschaft vieler Länder maßgeblich beeinflusst. Im Mittelpunkt des touristischen Geschehens befin- det sich zweifelsohne der Mensch - schon allein deshalb gilt es, eine isolierte Be- trachtung des Systems Tourismus zu verhindern. „Wir müssen uns vom eindimensi- onalen Denken lösen und versuchen, möglichst mehrdimensional die Tourismus- probleme anzugehen“ (Kaspar 1998, S. 15). Demnach müssen die ökonomischen, sozialen, technologischen, politischen und auch ökologischen Dimensionen in die Betrachtung des Tourismus miteinbezogen werden, wobei das Verhältnis des Tou- rismus zu diesen Umwelten reziproker Natur ist. Unter systemtheoretischer Perspek- tive betrachtet, zeitigt das System Tourismus, das zugleich ein „offenes System“ dar- stellt, also einerseits Auswirkungen auf andere neben- oder übergeordnete Systeme (Outputs), andererseits erhält es jedoch von diesen auch Inputs.
Die Abbildung „Die Struktur des Systems Tourismus“ liefert eine vereinfachte Darstellung der Beziehungen des Tourismus zu den einzelnen Subsystemen sowie zu dessen übergeordneten Systemen.
Abb. 5: Die Struktur des Systems Tourismus
Quelle: Kaspar 1998, S.16
Unter den Regionalen Wachstums- und Entwicklungstheorien bieten insbesondere die Theorie der endogenen Entwicklung sowie die Exportbasistheorie den geeignetsten Ansatz, ein durch den Tagestourismus ermöglichtes wirtschaftliches Wachstum in der Zieldestination zu erklären. Gemäß diesen Theorien hängt die wirtschaftliche Entwicklung einer Region von einer Vielzahl interner und externer Wachstumsdeterminanten ab (vgl. Schätzl 2001, S. 103).
Auf Grund einer bezüglich der Gästeherkunft sehr differenzierten Badeseenutzung im Dillinger Donauried, scheint es in diesem Fall sinnvoll, bei der theoretischen Fundie- rung eines durch den Seentourismus anzustrebenden wirtschaftlichen Wachstums sowohl auf die Theorie der endogenen Entwicklung als auch auf die Exportbasistheo- rie zurückzugreifen. Während die im östlichen Teil des Landkreises gelegenen Seen hauptsächlich von der einheimischen Bevölkerung aufgesucht werden (:Theorie der endogenen Entwicklung), beträgt der Anteil der nicht aus dem Landkreis stammen- den Gäste an den Badeseen im westlichen Teil des Landkreises über 50% (:Exportbasistheorie) (vgl. ARGE Schwäbisches Donaumoos 1997, Anhang).
Im Folgenden werden die beiden genannten Theorien näher vorgestellt und zu den Verhältnissen im Untersuchungsgebiet in Beziehung gesetzt.
Die Grundhypothese der Theorie der endogenen Entwicklung lautet: „Die sozioöko- nomische Entwicklung einer Region ist von Ausmaß und Nutzung der intraregional vorhandenen Potentiale abhängig“ (Heineberg 2003, S. 106). Nach Hahne wird das endogene Entwicklungspotential schließlich von der Inputseite her bestimmt, d. h. von den in der Region vorhandenen Potentialfaktoren, die identifiziert sowie qualitativ und quantitativ erfasst werden. Als Teilpotentiale des regionalen Potentials gelten dabei das Kapital-, Arbeitskräfte-, Infrastruktur-, Flächen-, Umwelt-, Markt-, Entschei- dungs- und soziokulturelle Potential (vgl. Hahne/Hartke 1984, S. 23). Das Wort „en- dogen“ impliziert, dass die Potentiale als eine Art Leistungsfähigkeit von Innen wirkenund von dort ausgehend die Begabungen und Profile eines Raumes formen. Da der Raum hier nicht ausschließlich unter wirtschaftlichem Aspekt betrachtet wird, ist die Entwicklung des endogenen Potentials als eine Strategie anzusehen, die nicht nur auf quantitatives oder monetäres Wachstum gerichtet ist, sondern daneben auch qualitative und strukturelle Entwicklung anstrebt. Dem Verständnis der endogenen Entwicklung ist demnach das Einwirken der verschiedenen Teilpotentiale, aber auch eine erhöhte Nachhaltigkeit eigen. Nicht zuletzt geht mit der endogenen Entwicklung auch die Erhaltung spezifischer Eigenheiten des Raumes konform.
Für Bestrebungen, die darauf abzielen, die tagestouristische Wertschöpfung an den überwiegend von der einheimischen Bevölkerung genutzten Seen des Dillinger Donaurieds zu intensivieren, empfiehlt es sich - angesichts der oben stehenden Erläuterungen - auf die Theorie der endogenen Entwicklung zurückzugreifen.
Vorrangiges Ziel sollte demnach die Aktivierung der intraregionalen Potentiale sein, was zunächst die Überwindung vorhandener Engpässe der endogenen Entwicklung erfordert. Voraussetzung für die Durchführung von „Investitionen zur Verringerung der endogenen Faktorbegrenzung“ ist die genaue Identifizierung des Engpassfaktors (Schätzl 2001, S. 156).
Im Falle der tagestouristischen Entwicklung rund um die Seen des Dillinger Donau- rieds liegt der zentrale Engpassfaktor in der mangelnden Markterschließung und da- mit dem nicht ausgelasteten Marktpotential. Ein bedeutsamer Beitrag zur Überwin- dung dieses Engpasses kann schließlich durch eine Exploration, die die Ermittlung von Daten zu den Badegästen und deren Verhalten zum Gegenstand hat, geleistet werden.
Neben der Überwindung bestehender Engpässe gilt es schließlich, „regionsspezifische Fähigkeiten und Begabungen“ zu erkennen und nachhaltig zu nutzen. So sind etwa ermittelte, raumeigene Besonderheiten in puncto „natürliche Standortvorteile oder gewerbliche Traditionen“ (Hahne/Hartke 1984, S. 30) im interregionalen Wettbewerb zur Geltung zu bringen und zu fördern.
Steffen Kruppa (Autor)
V76100
Wertschöpfungspotentiale Tagestourismus Badeseen Dillinger Donaurieds
Steffen Kruppa (Autor), 2007, Wertschöpfungspotentiale des Tagestourismus an den Badeseen des Dillinger Donaurieds, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/76100
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References: Art. 14
 Art. 103
 Art. 14
 Art. 103
 Art. 158
 § 1
 Art. 1
 Art. 17
 § 1
 Art. 6
 Art. 6
 § 1
 § 5
 § 5
 § 29
 § 35
 Art. 66
 Art. 12
 Art. 12
 § 31
 Art. 58
 § 31
 § 3
 § 31
 § 4
 Art. 141
 Art. 21