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Timestamp: 2020-01-29 20:48:10+00:00

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Fest­set­zung der Milch­ab­ga­be – nach dem 31. März 2015 | Rechtslupe
Festsetzung der Milchabgabe - nach dem 31. März 2015
Durch Über­lie­fe­run­gen im Zwölf­mo­nats­zeit­raum 2014/​2015 ent­stan­de­ne Milch­ab­ga­be (sog. Über­schuss­ab­ga­be) durf­te auch nach des­sen Ablauf und dem damit ein­her­ge­hen­den Ende des Milch­quo­ten­sys­tems fest­ge­setzt wer­den. Die Erhe­bung der im Zwölf­mo­nats­zeit­raum 2014/​2015 ent­stan­de­nen Über­schuss­ab­ga­be ver­stößt weder gegen den Grund­satz der Rechts­si­cher­heit noch gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit.
inter­in­sti­tu­tio­nel­le Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den am Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren betei­lig­ten Orga­nen der Uni­on sind kei­ne Rechts­vor­schrif­ten und begrün­den kei­ne Rech­te Ein­zel­ner.
Milch­er­zeu­ger blei­ben daher auch nach dem 31.03.2015 zur Zah­lung der Milch­ab­ga­be für das letz­te Milch­wirt­schafts­jahr 2014/​2015 ver­pflich­tet.
Die markt­ord­nungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten der Euro­päi­schen Uni­on erlaub­ten seit 1984 den Milch­er­zeu­gern nur Lie­fe­run­gen im Rah­men einer für jeden Erzeu­ger fest­ge­leg­ten Men­ge (Refe­renz­men­ge) und sahen für dar­über hin­aus­ge­hen­de Milch­lie­fe­run­gen die Erhe­bung einer Abga­be vor. Die­se Vor­schrif­ten wur­den mit dem Ende des Milch­wirt­schafts­jah­res 2014/​2015 am 31.03.2015 auf­ge­ho­ben.
Soweit auf­grund des Über­schrei­tens der Refe­renz­men­ge in die­sem Milch­wirt­schafts­jahr eine Abga­be fest­ge­setzt wur­de, hat eine gro­ße Anzahl deut­scher Milch­er­zeu­ger Rechts­mit­tel gegen die Abga­ben­be­schei­de mit der Begrün­dung ein­ge­legt, dass es mit der Auf­he­bung der uni­ons­recht­li­chen Milch­ab­ga­be­vor­schrif­ten ab dem 31.03.2015 kei­ne Rechts­grund­la­ge für die Erhe­bung der Abga­be mehr gebe. Kla­gen von Milch­er­zeu­gern gegen die Milch­ab­ga­ben­be­schei­de hat­te das Finanz­ge­richt Ham­burg im Sep­tem­ber 2016 abge­wie­sen 1. Die Rechts­auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Ham­burg hat der Bun­des­fi­nanz­hof nun­mehr bestä­tigt. Ab einem bestimm­ten Zeit­punkt außer Kraft getre­te­ne Rechts­vor­schrif­ten könn­ten gleich­wohl auf zurück­lie­gen­de Zeit­räu­me anwend­bar blei­ben. So ver­hal­te es sich mit den Milch­ab­ga­be­vor­schrif­ten der EU, deren ver­schie­de­ne Fas­sun­gen stets nur für bestimm­te Milch­wirt­schafts­jah­re gegol­ten hät­ten. Ent­schei­dend sei somit, ob die uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten im Milch­wirt­schafts­jahr 2014/​2015 anwend­bar gewe­sen sei­en. Da dies der Fall sei, kön­ne die Milch­ab­ga­be auch noch nach dem 31.03.2015 fest­ge­setzt wer­den.
Nach § 40 Abs. 3 Milch­QuotV in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 03.05.2011 2 über­sen­det der Käu­fer dem für ihn zustän­di­gen Haupt­zoll­amt inner­halb von vier Mona­ten nach Ablauf eines jeden Zwölf­mo­nats­zeit­raums eine Anmel­dung der Über­schuss­ab­ga­ben (Abga­be­an­mel­dung), die (u.a.) die Sum­me der über­schuss­ab­ga­be­pflich­ti­gen Anlie­fe­run­gen, die dar­aus fol­gen­de Sum­me der abzu­füh­ren­den Über­schuss­ab­ga­ben sowie (gemäß § 40 Abs. 4 Nr. 1 Buchst. b Milch­QuotV) den Betrag der Über­schuss­ab­ga­be für jeden Milch­er­zeu­ger ent­hält.
Bei der Über­schuss­ab­ga­be han­delt es sich um eine Abga­be zu Markt­ord­nungs­zwe­cken auf­grund von Rege­lun­gen i.S. des § 1 Abs. 2 Nr. 3 des Geset­zes zur Durch­füh­rung der gemein­sa­men Markt­or­ga­ni­sa­tio­nen und der Direkt­zah­lun­gen (MOG) in der Fas­sung vom 24.06.2005 3, auf die nach § 12 Abs. 1 Satz 1 MOG die Vor­schrif­ten der AO mit Aus­nah­me des § 222 Satz 3 und 4 AO ent­spre­chend anzu­wen­den sind. Die in § 40 Abs. 3 Milch­QuotV beschrie­be­ne Abga­be­an­mel­dung ist daher als eine Steu­er­an­mel­dung i.S. des § 167 Abs. 1 Satz 1 AO anzu­se­hen, die nach § 168 Satz 1 AO einer Steu­er­fest­set­zung unter Vor­be­halt der Nach­prü­fung gleich­steht 4. Hier­an hält der Bun­des­fi­nanz­hof fest. Im Übri­gen ist nicht erkenn­bar, wes­halb es ‑wie die Revi­si­on offen­bar meint- für die Ent­schei­dung des Streit­falls von Bedeu­tung wäre, wenn man erst in der Mit­tei­lung der über­mit­tel­ten Daten an den Milch­er­zeu­ger gemäß § 40 Abs. 7 Milch­QuotV den "beschwe­ren­den Ver­wal­tungs­akt" sähe.
Im Streit­fall waren die Vor­aus­set­zun­gen des § 40 Abs. 3 Milch­QuotV für die Über­sen­dung einer Abga­be­an­mel­dung der Mol­ke­rei an das Haupt­zoll­amt inner­halb von vier Mona­ten nach Ablauf des Zwölf­mo­nats­zeit­raums 2014/​2015 erfüllt, da durch Über­lie­fe­run­gen der sog. Anlie­fe­rungs­quo­ten wäh­rend des vor­ge­nann­ten Zwölf­mo­nats­zeit­raums Über­schuss­ab­ga­ben ent­stan­den waren, die nach Art. 79 VO Nr. 1234/​2007 auf die Erzeu­ger auf­zu­tei­len waren, die zur Über­schrei­tung der ein­zel­staat­li­chen Quo­te bei­getra­gen hat­ten und die ihren ent­spre­chen­den Bei­trag auf­grund der Über­schrei­tung ihrer ver­füg­ba­ren Quo­ten schul­de­ten. Nach die­ser Vor­schrift ent­steht die Abga­ben­schuld des jewei­li­gen Milch­er­zeu­gers durch sei­ne Lie­fe­run­gen an den Käu­fer wäh­rend des betref­fen­den Zwölf­mo­nats­zeit­raums, soweit die­se die am Ende des Zwölf­mo­nats­zeit­raums ver­füg­ba­re Quo­te über­schrei­ten.
Die Abga­ben­schuld des Milch­er­zeu­gers war daher im Zwölf­mo­nats­zeit­raum 2014/​2015 ent­stan­den, denn bis zum Ende die­ses Zwölf­mo­nats­zeit­raums waren die uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten der VO Nr. 1234/​2007 über das Milch­quo­ten­sys­tem anwend­bar, wes­halb es ‑ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on- an einer Rechts­grund­la­ge für die Ent­ste­hung der Abga­ben­schuld nicht fehlt. Das Ende des Milch­quo­ten­sys­tems mit dem Ablauf des Zwölf­mo­nats­zeit­raums 2014/​2015 hat nicht zum Erlö­schen der in die­sem (oder einem frü­he­ren) Zwölf­mo­nats­zeit­raum ent­stan­de­nen Abga­ben­schuld geführt. Dies hat das Finanz­ge­richt zutref­fend ent­schie­den.
Die Fra­ge der Recht­mä­ßig­keit eines Ver­wal­tungs­akts beant­wor­tet sich nicht nach den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten, wel­che im maß­geb­li­chen Ent­schei­dungs­zeit­punkt in Kraft, son­dern nach den­je­ni­gen, wel­che anwend­bar sind. Ins­be­son­de­re in uni­ons­recht­li­chen Ver­ord­nun­gen wird zwi­schen dem Inkraft­tre­ten ihrer Vor­schrif­ten und deren Anwend­bar­keit bzw. Gül­tig­keit unter­schie­den. So wird für bereits in Kraft getre­te­ne Vor­schrif­ten deren Anwend­bar­keit häu­fig erst ab einem spä­te­ren Zeit­punkt ange­ord­net (vgl. für das Milch­quo­ten­sys­tem: Art.204 Abs. 1 und 2 VO Nr. 1234/​2007). Eben­so kön­nen Vor­schrif­ten, die durch eine bereits in Kraft getre­te­ne Ände­rungs­ver­ord­nung auf­ge­ho­ben wor­den sind, ins­be­son­de­re für zurück­lie­gen­de Zeit­räu­me, aber auch über­gangs­wei­se, wei­ter anwend­bar blei­ben (vgl. Art. 230 und Art. 232 VO Nr. 1308/​2013; Art. 28 und Art. 29 VO Nr. 595/​2004).
Die Vor­schrif­ten des Milch­quo­ten­sys­tems waren von Anfang an (seit dem 1.04.1984) stets nur tem­po­rär, d.h. bezo­gen auf den in den Ver­ord­nun­gen jeweils bestimm­ten Zwölf­mo­nats­zeit­raum anzu­wen­den, wes­halb es für die Anwend­bar­keit der im Lauf der Fol­ge­jah­re ergan­ge­nen zahl­rei­chen Ände­rungs­vor­schrif­ten ‑unab­hän­gig vom Inkraft­tre­ten- grund­sätz­lich auf deren Gül­tig­keit in dem betref­fen­den Zwölf­mo­nats­zeit­raum ankam und die Recht­mä­ßig­keit von Quo­ten­be­rech­nun­gen sowie Abga­ben­fest­set­zun­gen bei Über­lie­fe­run­gen gemäß den auf den jewei­li­gen Zwölf­mo­nats­zeit­raum anzu­wen­den­den uni­ons- und natio­nal­recht­li­chen Vor­schrif­ten zu beur­tei­len war 5. Die Anwend­bar­keit wäh­rend eines bestimm­ten Zwölf­mo­nats­zeit­raums gül­ti­ger Milch­ab­ga­be­vor­schrif­ten auf die Abga­ben­be­rech­nung und ‑fest­set­zung für die­sen Zwölf­mo­nats­zeit­raum wird daher durch ihre Ände­rung oder Auf­he­bung für die Zeit nach Ablauf die­ses Zwölf­mo­nats­zeit­raums nicht berührt.
Woll­te somit der Uni­ons­ge­setz­ge­ber das Milch­quo­ten­sys­tem ein­schließ­lich der Erhe­bung einer Milch­ab­ga­be im Fall des Über­schrei­tens der Quo­te bis zum Ende des Zwölf­mo­nats­zeit­raums 2014/​2015 am 31.03.2015 bei­be­hal­ten, kann es kei­nem Zwei­fel unter­lie­gen, dass sowohl die VO Nr. 1234/​2007 als auch die für die­sen Zwölf­mo­nats­zeit­raum gül­ti­gen Durch­füh­rungs­rechts­ak­te des Uni­ons­rechts und des natio­na­len Rechts wei­ter­hin anwend­bar blei­ben, soweit es um die Fest­set­zung und Erhe­bung der in die­sem Zwölf­mo­nats­zeit­raum (und im Übri­gen auch in vor­an­ge­gan­ge­nen Zwölf­mo­nats­zeit­räu­men) ent­stan­de­nen Über­schuss­ab­ga­be geht. Ein ent­spre­chen­der Wil­le des Rates ergibt sich ‑wie das Finanz­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat- deut­lich aus dem 205. Erwä­gungs­grund der VO Nr. 1308/​2013.
Die Kom­mis­si­on hat die­sen Wil­len des Rates rich­tig erkannt, indem sie nach dem Inkraft­tre­ten der VO Nr. 1308/​2013 ‑jedoch gestützt auf die wei­ter anwend­ba­ren Milch-Rege­lun­gen der (Rats-) VO Nr. 1234/2007- mit der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) Nr. 1380/​2014 vom 17.12 2014 6 die VO Nr. 595/​2004 änder­te und dabei klar zum Aus­druck brach­te, dass die Ver­pflich­tung der Mit­glied­staa­ten zur Erhe­bung der Über­schuss­ab­ga­be für den Zwölf­mo­nats­zeit­raum 2014/​2015 auch nach dem 31.03.2015 wei­ter bestehen soll­te. Glei­ches gilt in Anbe­tracht der Ände­rung des Art. 15 VO Nr. 595/​2004 durch die Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) 2015/​517 der Kom­mis­si­on vom 26.03.2015 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 595/​2004 mit Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen zur Ver­ord­nung (EG) Nr. 1788/​2003 über die Erhe­bung einer Abga­be im Milch­sek­tor 7.
War­um es inso­weit ‑wie die Revi­si­on meint- für das Ent­ste­hen der Abga­ben­schuld einen Unter­schied aus­macht, ob der Uni­ons­ge­setz­ge­ber als Ablauf der Gül­tig­keit markt­ord­nungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten ‑wie mit Art.204 Abs. 3 VO Nr. 1234/2007- das Ende des jewei­li­gen Wirt­schafts­jah­res bestimmt oder ‑wie mit Art. 230 Abs. 1 Unter­abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1308/2013- das maß­ge­ben­de Ende des Wirt­schafts­jah­res mit sei­nem kon­kre­ten Datum bezeich­net, erschließt sich nicht.
Es kann dahin­ste­hen, ob es für das vor­ste­hend beschrie­be­ne Ergeb­nis des Streit­falls, dass die unter der Gel­tung des Art. 79 VO Nr. 1234/​2007 ent­stan­de­ne Abga­ben­schuld des Milch­er­zeu­gers nach den natio­na­len Vor­schrif­ten der Milch­QuotV und der AO im Wege der Steu­er­an­mel­dung unter dem Vor­be­halt der Nach­prü­fung fest­zu­set­zen war, über­haupt auf die Wei­ter­gel­tung der VO Nr. 595/​2004 ankommt. Jeden­falls ist die VO Nr. 595/​2004 weder auf­ge­ho­ben wor­den noch mit der Auf­he­bung der VO Nr. 1234/​2007 auto­ma­tisch ungül­tig gewor­den. Wie sich aus den Aus­füh­run­gen unter Nr. 2 der Ent­schei­dungs­grün­de ergibt, bleibt die VO Nr. 595/​2004 auf den Zwölf­mo­nats­zeit­raum 2014/​2015 (und eben­so auf vor­an­ge­gan­ge­ne Zwölf­mo­nats­zeit­räu­me) anwend­bar, und zwar ‑wie das Finanz­ge­richt zutref­fend ent­schie­den hat- so lan­ge, bis sie ihren Anwen­dungs­be­reich ver­lo­ren hat. Die­ses Ver­ständ­nis fin­det sei­ne aus­drück­li­che Stüt­ze in Abs. 2 der Erwä­gungs­grün­de der VO 2015/​517.
Die VO Nr. 595/​2004 ist mit Art.201 Abs. 3 Buchst. a der (Rats-) VO Nr. 1234/​2007 aus­drück­lich auf­recht­erhal­ten und als Durch­füh­rungs­rechts­akt in das Milch­quo­ten­sys­tem unter der Gel­tung der VO Nr. 1234/​2007 über­nom­men wor­den, (jeden­falls) indem die Kom­mis­si­on ‑wie das Finanz­ge­richt zu Recht aus­ge­führt hat- die VO Nr. 595/​2004 nach dem Inkraft­tre­ten der VO Nr. 1234/​2007 und gestützt auf die in die­ser Ver­ord­nung ent­hal­te­nen Ermäch­ti­gun­gen (ins­be­son­de­re Art. 78 Abs. 4 und Art. 85 VO Nr. 1234/​2007) mehr­fach änder­te. Da die Kom­mis­si­on damit ihre VO Nr. 595/​2004 auf der Grund­la­ge der erteil­ten Ermäch­ti­gun­gen gemäß der VO Nr. 1234/​2007 bestä­tig­te, kommt es nicht auf die Fra­ge an, ob die (Vor­gän­ger-) VO Nr. 1788/​2003 und die in ihrem Art. 24 erteil­te Ermäch­ti­gung zu Durch­füh­rungs­maß­nah­men ‑wie die Revi­si­on gel­tend macht- wegen eines Ver­sto­ßes gegen das sog. Kon­zer­tie­rungs­ver­fah­ren nich­tig sind. Im Übri­gen teilt der Bun­des­fi­nanz­hof die Ansicht des Finanz­ge­richt, dass sol­che inter­in­sti­tu­tio­nel­len Ver­ein­ba­run­gen der Orga­ne der Uni­on kei­ne Rech­te Ein­zel­ner begrün­den. Die (auch) im Ver­hält­nis zu den Uni­ons­bür­gern maß­ge­ben­den Vor­schrif­ten über das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren der Uni­on fin­den sich im Pri­mär­recht (Sechs­ter Teil, Titel I, Kapi­tel 2 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on) 8.
Auch im Übri­gen ‑soweit das Finanz­ge­richt die Erhe­bung der Über­schuss­ab­ga­be auf einen etwai­gen Ver­stoß gegen die Grund­sät­ze der Rechts­si­cher­heit und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit geprüft hat- ist das ange­foch­te­ne Urteil frei von Rechts­feh­lern.
Wie sich aus den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen ergibt, war es in Anbe­tracht des Art. 230 Abs. 1 Unter­abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1308/​2013, des 205. Erwä­gungs­grun­des die­ser Ver­ord­nung sowie der VO Nr. 1380/​2014 für die Milch­er­zeu­ger deut­lich und zwei­fels­frei erkenn­bar, dass der Uni­ons­ge­setz­ge­ber die vol­le Gel­tung des Milch­quo­ten­sys­tems bis zum Ende des Zwölf­mo­nats­zeit­raums 2014/​2015 bei­be­hal­ten woll­te, was zwin­gend zur Fol­ge hat­te, dass in die­sem Zwölf­mo­nats­zeit­raum durch Über­lie­fe­run­gen ent­stan­de­ne Über­schuss­ab­ga­ben nach sei­nem Ablauf nach den wei­ter­hin anzu­wen­den­den natio­na­len Vor­schrif­ten abzu­rech­nen, fest­zu­set­zen und zu erhe­ben waren.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat unter Hin­weis auf die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) wie­der­holt, und zwar für die Gel­tungs­zeit­räu­me sowohl der VO Nr. 1788/​2003 als auch der VO Nr. 1234/​2007, ent­schie­den, dass an der Ver­ein­bar­keit der uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten über das Milch­quo­ten­sys­tem und die Milch­ab­ga­be mit höher­ran­gi­gem Recht und ins­be­son­de­re mit dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit kei­ne Zwei­fel bestehen 9. Wie vom EuGH in sei­nem Urteil Azi­en­da Agri­co­la Dis­arò Anto­nio u.a. vom 14.05.2009 10 aus­ge­führt, ver­fügt der Uni­ons­ge­setz­ge­ber im Bereich der gemein­sa­men Agrar­po­li­tik über ein wei­tes Ermes­sen, das er mit Erlass der VO Nr. 1788/​2003 und nach­fol­gend der VO Nr. 1234/​2007 nicht über­schrit­ten hat, indem er das Ziel der Sta­bi­li­sie­rung der Märk­te ver­folgt und die­sem Ziel Vor­rang ein­ge­räumt hat. Hier­an hält der Bun­des­fi­nanz­hof fest.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hält die Aus­le­gung der im Streit­fall maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts für nicht zwei­fel­haft und sieht daher kei­ne Ver­pflich­tung, die Sache dem EuGH zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen 11.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Juli 2017 – VII R 29/​16
FG Ham­burg, Urtei­le vom 30.09.2016 – 4 K 13/​16 u.a.[↩]
BGBl I 2011, 775[↩]
BGBl I 2005, 1847[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung: vgl. BFH, Urteil vom 25.07.1995 – VII R 71/​94, BFH/​NV 1996, 92, ZfZ 1995, 388; BFH, Beschluss vom 28.11.2006 – VII B 54/​06, BFHE 215, 418, ZfZ 2007, 54, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. zum Uni­ons­recht: Art. 27 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1788/​2003 ‑VO Nr. 1788/2003- des Rates vom 29.09.2003 über die Erhe­bung einer Abga­be im Milch­sek­tor, ABl.EU Nr. L 270/​123; Art. 28 und Art. 29 VO Nr. 595/​2004; Art.204 Abs. 2 Buchst. g VO Nr. 1234/​2007; zum natio­na­len Recht: §§ 57, 58 der Milch­ab­ga­ben­ver­ord­nung vom 07.03.2007, BGBl I 2007, 295; Art. 3 der Drit­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung der Milch­quo­ten­ver­ord­nung vom 08.03.2011, BGBl I 2011, 379[↩]
ABl.EU Nr. L 367/​82[↩]
ABl.EU Nr. L 82/​73[↩]
ABl.EU 2008 Nr. C 115/​47[↩]
vgl. BFH, Beschlüs­se vom 16.04.2015 – VII B 44/​14, BFH/​NV 2016, 947; und vom 20.08.2015 – VII B 54/​15, BFH/​NV 2016, 949, jeweils m.w.N.[↩]
BFH, Urteil Azi­en­da Agri­co­la Dis­arò Anto­nio u.a. vom 14.05.2009 – C‑34/​08, EU:C:2009:304, ZfZ 2009, 219[↩]

References: § 40
 § 40
 § 1
 § 12
 § 222
 § 40
 § 167
 § 168
 § 40
 § 40
 Art. 79
 Art.204
 Art. 230
 Art. 232
 Art. 28
 Art. 29
 Art. 15
 Art.204
 Art. 230
 Art. 79
 Art.201
 Art. 78
 Art. 85
 Art. 24
 Art. 230
 EuGH 
 EuGH 
 Art. 27
 Art. 28
 Art. 29
 Art.204
 Art. 3