Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/3/3217.htm
Timestamp: 2018-11-20 22:36:27+00:00

Document:
3.217 Thomasschollen
Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Thomasschollen« vom 5. Februar 1996 (GBl. v. 15.03.1996, S. 233).
Auf Grund der §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl S. 385) sowie auf Grund von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Schwanau und Meißenheim, Ortertaukreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Thomasschollen«.
Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 221 ha.
(2) Das Gebiet erfaßt einen Teilbereich der innerhalb von Hochwasserdämmen gelegenen Rheinaue westlich der Ortschaften Ottenheim und Meißenheim sowie einen Abschnitt des Ottenheimer Mühlbachs einschließlich des Ufers und umfaßt nach dein Stand vom 1. Oktober 1983 auf Gemarkung Ottenheim (Gemeinde Schwanau) die Grundstücke Flst.Nrn. 3926/4 und 3926/5 sowie Teile der Grundstücke Flst.Nrn. 3921, 3922, 3923, 3926/1 und 3935/1 sowie auf Gemarkung Meißenheim Teile der Grundstücke Flst.Nrn. 2436 und 2437.
Im Südwesten des Schutzgebietes verläuft die Grenze auf 600 m Länge in dem dort entstehenden Baggersee, wobei die Grenze am nordwestlichen Ende dieses Abschnittes um 30 m und am südöstlichen Ende um 110 m vorspringt.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 vom 21. August 1991 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:5000 vom 17. Februar 1993 mit durchgezogener roter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Ortenaukreis in Offenburg auf die Dauer von zwei Wochen. beginnend am Tag nach Verkündung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Gebiets um den Thomasschollen mit seinen für die Rheinaue charakteristischen Gewässern, Uferzonen, Halbtrockenrasen und Wäldern als
· Lebensraum für zahlreiche Tier - und Pflanzengesellschaffen mit seltenen, zum Teil vom Aussterben bedrohten Arten,
(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet öder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.
4. wildlebende Tiere an ihren Nist- , Brut- , oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren , Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;
8. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern, Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern, sowie die Wasserqualität durch das Einbringen von Stoffen zu beeinträchtigen;
9. Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.
4. Dauergrünland oder Ödland (Grünlandbrachen) umzubrechen;
7. zu baden, zu tauchen oder sonstigen Wassersport auszuüben; zulässig bleibt das Baden am Gänsweidsee in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;
8. die Gewässer mit Wasserfahrzeugen jeglicher Art zu befahren, auch nicht mit Surfbrettern oder Schwimmodellen; zulässig bleibt jedoch das zügige Durchfahren des Schutzgebietes mit Sportbooten ohne Motorantrieb flußabwärts auf dem in der Schutzgebietskarte im Maßstab 1 : 5 000 blau gekennzeichneten Wasserlauf sowie das dafür notwendige Umtragen von Hindernissen in der Zeit von einer Stunde nach Sonnenaufgang bis einer Stunde vor Sonnenuntergang; Voraussetzung ist weiter, daß es sich hierbei nicht um gewerbsmäßig veranstaltete Fahrten handelt;
1. entlang der Gewässer in einer 10 m breiten Zone, auf Standorten der Weidenaue und auf den Grundstücken Flst. - Nrn. 3921, 3922, 3923 und 3935/1 der Gemarkung Ottenheim die natürliche, uferbegleitende Vegetation erhalten - oder wiederhergestellt wird, wobei Verjüngungsmaßnahmen abschnittsweise durchzuführen sind;
2. bei der Bestandspflege und -verjüngung standortgerechte Laubbaum - Mischbestände aus gebietsheimischen Arten ausgeformt und begründet werden; jedoch dürfen Berg - und Spitzahorn an Standorten, die für andere Hauptwirtschaftsbaumarten ungeeignet sind und Hybridpappein nur als weitständiger Mischbestand (5 x 10 m Mindestabstand) an Standorten abseits von oberirdischen Gewässern eingebracht werden;
3. Kahlhiebe die Fläche von 1 ha nicht überschreiten, wobei angrenzende, noch nicht gesicherte Kulturen auf die Kahlfläche anzurechnen sind und natürliche Verjüngung auf kleiner Fläche vorzuziehen ist.
(2) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art sowie im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß
2. Wasservögel nicht vor dem 1. September eines jeden Jahres angefüttert werden; zulässig bleiben Ablenkungsfütterungen. zum Schutz der Braugerste in der Zeit vom 1. Juni bis zum Abschluß der Braugerstenernte;
3. zusätzlich zu der bestehenden Futterstelle am Baggersee keine weiteren Futterstellen eingerichtet werden,
2. motorbetriebene Wasserfahrzeuge nicht eingesetzt werden.
(4) Für den bei Erlaß dieser Verordnung bereits behördlich gestatteten Kiesabbau einschließlich der Rekultivierung der Abbauflächen gelten die Verbote des § 4 nicht.
(5) Für den im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführten Bisam - und Nutriafang gelten die Verbote des § 4 nicht.
(6) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die durch den Planfeststellungsbeschluß des Regierungspräsidiums Freiburg vom 29. Juli 1988 planfestgestellten wasserbaulichen Maßnahmen sowie für Maßnahmen im Rahmen des »Integrierten Rheinprogramms« des Landes Baden - Württemberg, die im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden.
(7) Die Verbote des § 4 gelten nicht für das Recht nach § 43 Abs. 1 NatSchG, sich in der freien Landschaft wildwachsende Pflanzen, Beeren, Früchte oder Pilze in ortsüblichem Umfang anzueignen, wobei in der Zeit vom 1. März bis 15. August eines jeden Jahres Uferbereiche in einer Breite von 20 m ab Böschungsoberkante nicht betreten werden dürfen.
(8) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung Instandsetzung.
§ 6 Schutz - lind Pflegemaßnahmen
(1) Die Wiesen im Nordwesten des Gebietes sind - falls nicht von der höheren Naturschutzbehörde anders festgelegt - jährlich einmal nach dem 15. August zu mähen; das Mähgut ist von der Fläche zu entfernen.
(2) Sonstige Schutz - und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden. Vor der Durchführung der Maßnahmen ist die jeweils betroffene Gemeinde anzuhören.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Ab,. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen den Bestimmungen des Abs. 2 dieser Verordnung die Jagd ausübt.
FREIBURG I. BR., den 5 Februar 1996

References: § 64
 § 22
 § 33
 § 2
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 43

§ 6
 § 4
 § 64
 § 4
 § 33