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Timestamp: 2017-06-27 05:51:33+00:00

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1 DER WEG IN DIE ZUKUNFT Genossenschaft Dachdecker-Versicherungen ISBN:2 2 3 Inhalt Geleitwort 4 Einleitung 5 Entstehung des Versicherungswesens in der Schweiz 6 Gründung des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes (SDV) 7 Gründung der Unfallversicherungs-Genossenschaft des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes 8 Gründerstatuten vom 2. Juni Regulativ zur Unfallversicherung vom 2. Juni Jahre des Aufbaues 14 Arbeiterversicherung eingestellt 17 «Unfall» ist nicht gleich «Krankheit» 19 Rabatte für guten Schadenverlauf 19 Jahre zwischen den Weltkriegen 21 Pensionsfonds als Pensionskasse 25 Der Zweite Weltkrieg 26 Leistungen werden angepasst 27 Nachkriegsjahre 30 Guter Start in die 2. Jahrhunderthälfte 31 Gegenseitiger Einsitz im Vorstand auf Zeit 32 Baugarantien 34 Haftpflichtversicherung 35 Krankengeldversicherung 37 Rückversicherung für das Unfallrisiko 38 Zusammenarbeit mit dem Verband 39 Betriebsbewilligung des Bundes 42 Namensänderung 42 Der Weg in die Zukunft 43 Gründerväter der Unfallversicherung 45 Präsidenten der Unfallversicherung 47 Sekretariat - Geschäftsstelle 51 Geschäftssitz 56 Stabübergabe 58 Verwaltungsrat Leitende Organe 60 Präsidenten 60 Sekretäre, Geschäftsführer 60 Ehemalige Verwaltungsräte 60 Revisoren, Treuhandstelle 61 Abkürzungen 61 Entwicklung von Literaturverzeichnis 63 Bildnachweis 69 Quellennachweis 69 Herausgeber: Dachdecker-Versicherungen Autor: Vinzenz Jud, St. Gallen Gestaltung und Satz: Concepta Werbe AG, Unterer Graben 1, 9000 St. Gallen Druck: Kunz-Druck & Co AG, 9053 Teufen Verlag: Dachdecker-Versicherungen Unterer Graben 1, Postfach, 9000 St. Gallen Copyright 2007 Vinzenz Jud, Dachdecker-Versicherungen, 9000 St. Gallen ISBN:3 4 5 Geleitwort Einleitung Das Gründungsjahr 1907 unserer Unfallversicherung kenne ich nur aus den Geschichtsbüchern. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war trotz vielen Innovationen in Wirtschaft und Handel von grosser Unsicherheit geprägt. Weitsichtige Köpfe aus Dachdecker-Kreisen erkannten in dieser spannungsgeladenen Zeit die Notwendigkeit der Gründung eines Dachdeckermeister-Verbandes und einer eigenen Unfallversicherung. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Genossenschaft ihren 100. Geburtstag im heutigen oft hektischen und schnelllebigen Umfeld mit Fusionen und Übernahmen, in gesunder Verfassung, jugendlicher Frische und voller Tatendrang feiern kann. Für die heutige Dachdecker-Versicherungen trifft dies zweifellos zu. Diese Jubiläumsschrift soll Erinnerungen wachrufen und ist ein zeitloses Dokument für alle Interessierten. Allen, die in irgendeiner Form zum Gelingen dieser Schrift beigetragen haben, möchte ich herzlich danken; vor allem unserem Ehrenmitglied und Verfasser Vinzenz Jud. Unsere Vorgänger haben die Vergangenheit gemeistert. Wir meistern die Gegenwart und wir alle werden auch die Zukunft meistern. Hiezu fallen mir folgende weisen Worte von Franz von Assisi ein: «Tue erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche». Ich wünsche der Dachdecker-Versicherungen für die Zukunft viel Glück und Erfolg. Konolfingen, 1. April 2007 Ronald Müller, Präsident Die Dachdecker-Versicherungen feiert am 8./9. Juni 2007 im Hotel Radisson SAS in Luzern ihr Jubiläum «100 Jahre Dachdecker-Versicherungen». Alle Genossenschafter, Festteilnehmer, Gäste und weitere Kreise dürften interessiert sein die Versicherung bis hin zur Gründung kennen zu lernen. In der vorliegenden Arbeit wird die Entwicklung der Versicherung seit Beginn der Versicherung dargestellt und in ein weiteres Umfeld eingebettet, damit die Aufzeichnungen auch aus der Sicht des Handwerkers und Unternehmers verstanden werden können. Diese Überlegungen vorwiegend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen den Einfluss von Staat und Gesellschaft auf die Entwicklung unserer Versicherung. Als Grundlagen für diese Arbeit haben gedient die beinahe lückenlos vorliegenden Jahresberichte seit der Gründung im Jahre 1907, Berichte im Fachorgan des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes «Dach und Wand», Protokolle von Generalversammlungen, Protokolle der Verwaltung, Fotoarchive von Privatpersonen und Fotoarchiv der Geschäftsstelle sowie Angaben der Partnerorganisationen Berner Allgemeine Versicherungen, Helvetia Unfall, Elvia Versicherungen, heute Allianz Suisse und Solida Versicherungen AG. Für den Einstieg diente die Dissertation «Zur Rechts- und Gründungsgeschichte der Privatversicherung insbesondere in der Schweiz» von Dr. Hans-Martin Oberholzer (1992). Die letzten 25 Jahre durfte ich, anfänglich eher als Zaungast, Fotograf und Lückenbüsser, dann als Mitgestalter und verantwortlicher Geschäftsführer unsere Dachdecker-Versicherungen erleben. Ich habe mich gefreut, dass der Verwaltungsrat sich zugemutet hat, mich, zusammen mit Ehrenpräsident Walter Aschmann, mit der Ausarbeitung der vorliegenden und umfangreichen Arbeit zu beauftragen. Allen Beteiligten, die in irgendeiner Form mitgewirkt haben, danke ich und freue mich zum guten Gelingen des 100 Jahre Jubiläums unserer Dachdecker-Versicherungen beitragen zu dürfen. «Der Weg in die Zukunft» hat eben erst begonnen. St. Gallen, 1. April 2007 Vinzenz Jud4 6 7 Entstehung des Versicherungswesens in der Schweiz Vor 1798 kann von der Existenz eines Versicherungswesens in der Schweiz nicht gesprochen werden. Die Alte Eidgenossenschaft, in welcher jeder Kanton für sich selber schaute und argwöhnisch darüber wachte, dass kein anderer Stand zu reich und mächtig wurde, kannte keinerlei einheimische Versicherungseinrichtungen. Die Kantone pflegten auch ihre Selbständigkeit dadurch, dass jeder von ihnen seine eigene Währung sowie seine eigenen Masse und Zölle hatte. Selbstverständlich variierte auch das Rechtswesen von Kanton zu Kanton 1. Stadtbrände gehörten in früheren Zeiten zu den Risiken des Lebens, wie Pest und andere Seuchen, Überfälle und Kriege. Die Geschädigten konnten meist auf die Hilfe umliegender Städte und Dörfer zählen durch das Erbringen von Arbeitsleistungen und Fuhren oder das Spenden von Lebensmitteln, Baumaterialien, Heu oder Stroh. Eigentliche Versicherungen existierten noch nicht. Der Gedanke, Risiken gemeinsam zu tragen, scheint dennoch uralt zu sein: Aus Babylonien sind versicherungsähnliche Absprachen bekannt, mit denen um 2250 v. Chr., also vor über 4000 Jahren, Verluste von Gütern infolge Überfällen auf Karawanen durch die Teilnehmer gemeinsam getragen wurden 2. Als älteste «Branche» gilt die Transportversicherung. Die erste Police im heutigen Sinn wird 1347 in Genua für eine Seeversicherung abgeschlossen 3. Auf Anstoss aus dem benachbarten Ausland kam es zur Gründung der ersten Gebäudeversicherungsanstalt auf Schweizer Boden wurde im Kanton Aargau die erste staatliche, auf Gesetz beruhende Gebäude-Feuerversicherungs- Anstalt gegründet 4. Neben den kantonalen Gebäudeversicherungen reifte auch der Gedanke eine auf privatwirtschaftlicher und genossenschaftlicher Basis betriebene Mobiliar Versicherung zu gründen wird die Gesellschaft unter dem Namen «Schweizerische Mobiliar-Assekuranzkasse» gegründet. Die Gesellschaft arbeitete anfänglich nach dem reinen Umlageverfahren. Mit den im Laufe des Jahres eingegangenen Prämien, wurden die Versicherten «nachschusspflichtig» was zu Beginn immer wieder vorkam 5. Nachdem mit der Bundesverfassung vom Jahre 1848 die Grundlage zum wirtschaftlichen Aufstieg der Schweiz gelegt worden war, führte die parallele Entwicklung von Verkehr- Eisenbahnen- und Gütertransportvolumen in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts zur Gründung erster Unfall- und Transportversicherungen auf Schweizer Boden. Eine Gemeinsamkeit in ihrer Entstehung weisen alle Gesellschaften auf: Ihre Gründung und spätere Entwicklung wurde durchwegs und ganz entscheidend durch die Tatkraft einiger weniger beherzten Männern geprägt 6. Nach der Totalrevision der Bundesverfassung im Jahre 1874 wurden die gesetzgeberischen Kompetenzen des Bundes ermöglicht neue Gesetze zu erlassen. So wurden etwa das Versicherungs-Aufsichtsgesetz (VAG), das Kautionsgesetz oder das Bundesgesetz über die Sicherstellung von Ansprüchen aus Lebensversicherungen inländischer Lebensversicherungsgesellschaften beschlossen. Die Einführung einer Unfall- und Krankenversicherung als Bundesangelegenheit wurde mit einem neuen Verfassungsartikel 1890 erklärt. Das dazugehörige konkrete Gesetz wurde im Jahr 1900 abgelehnt. Erst ein zweiter Anlauf 1912 brachte ein Versicherungsobligatorium für Arbeiter, Post- und Eisenbahnangestellte und Bundessubventionen für die privatrechtlich organisierten Kassen. Gründung des Schweizerischen Dachdeckermeister Verbandes (SDV) Nicht Hochkonjunktur und wirtschaftliche Blüte waren Beweggründe zum Zusammenschluss und das Zusammenbringen von Menschen und Menschengruppen. Schwierigkeiten, Unannehmlichkeiten und ins Abseits gedrängt werden, lassen den Menschen zum Verstand kommen. Unausstehliche Arbeitsverhältnisse und mit andern Bauhandwerkern unvergleichbare schlechte Arbeitslöhne, besonders auf dem Lande, brachten die Dachdecker beinahe zur Verzweiflung.5 8 9 Schindeldecker befassten sich mit dem Eindecken der Schindeldächer und mit dem Anschlagen der Schindelschirme. In den Städten oblag es dem Baumeister sich mit der Ziegellieferung zu befassen. Die Eindeckungen wurden von Maurern und Handlangern ausgeführt. Mit dem Rückgang der Schindeldächer waren die Schindeldecker genötigt, sich auch mit den Ziegelarbeiten vertraut zu machen. Den Schieferdeckern hingegen ging es besser. Sie waren schon besser entlöhnt und konnten mit Stolz auf die Dachdecker herabblicken. Gewerkschafter, die seit einigen Jahren die Interessen der Arbeiter, vorab mit einer gierigen Lohnpolitik unbarmherzig vertraten, bewirkten die Initiative zur Gründung von Berufsverbänden zu ergreifen. Bereits 1891 gründeten die Dachdecker der Stadt St. Gallen einen Verband, dem in den nächsten Jahren weitere Vereinigungen folgten mit gleicher Zielsetzung. Dem Beispiel anderer Berufsgruppen wie Metzger, Spengler oder Maurern folgend gründeten Dachdeckermeister aus bereits bestehenden Organisationen am 10. Februar 1907 im Restaurant «National» in Winterthur den Schweizerischen Dachdeckermeister-Verband (SDV) 7. Gründung der Unfallversicherungs-Genossenschaft des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes Noch gab es keinen Versicherungszwang. Dachdecker als Kleinunternehmer (Handwerker) standen dem Druck der Gewerkschafter und Versicherer ausgesetzt. Der Druck der Gewerkschafter führte zur Gründung des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes und der Druck der Versicherer, mit ihrem Umlageverfahren und der unberechenbaren Nachschusspflicht, löste die Gründung der Unfallversicherungs-Genossenschaft aus. Die Unfallprämie der Privatversicherungen im Dachdeckergewerbe betrug damals für die Arbeiter 6 % bis 8 % und trotzdem wurde von den Versicherungsagenten behauptet, dass die Dachdecker für die Gesellschaften ein schlechtes Geschäft seien und zudem ein grosses Risiko. Die gleiche Gruppe um Johann Sutter, Wald, Jakob Stillhart, Wil und Albert Müggler, Thal, die sich mit der Gründung des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes befassten, strebten weitere Ziele zum Wohle des bedrängten Berufsstandes an. Jakob Stillhart hatte nicht nur Erfahrung beim Aufbau eines Dachdeckergeschäftes. Auf seine Initiative ist die Gründung der Sektion Wil-Toggenburg-Gossau- Hinterthurgau zurückzuführen und die Gründung der Einkaufsgenossenschaft am 07. April 1907 in Bütschwil. Diese wurde 1908 als selbständige Genossenschaft dem Schweizerischen Dachdeckermeister-Verband angegliedert. An der ersten Sitzung vom 10. Februar 1907 wurde nebst der Gründung des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes auch die Gründung einer eigenen Unfallversicherung besprochen. «Es folgten Tage emsiger Arbeit» schreibt ein früherer Berichterstatter. Die Vorbereitung des Geschäftes der Unfallversicherung wurde einer eigens hierfür gewählten Kommission übertragen mit Jakob Stillhart als Präsident und Heinrich Müller, Flawil, als Sekretär. «Die erste Generalversammlung des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes fand am 2. Juni 1907 in Luzern statt und war von 54 Mitgliedern besucht. Es erfolgte die Genehmigung der Statuten, des Streikregulatives sowie der Jahresbeiträge. Im Anschluss daran erfolgte die Gründungsversammlung der Unfallversicherung unter der Bezeichnung «Unfallversicherungsgenossenschaft des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes». Über diese Verhandlungen wurde ein separates Protokoll geführt und deren Geschäfte aus dem Bereich des Zentralvorstandes für immer ausgeschieden» 8. Als erster Präsident wurde gewählt Jakob Thomas Stillhart, Wil. Weitere Vorstandsmitglieder waren: Alfred Schärli, Vizepräsident, Luzern; Heinrich Müller, Sekretär, Flawil; Albert Müggler, Beisitzer, Thal; Johann Furrer, St. Gallen und Johann Sutter, Wald/ZH. Zu Rechnungsrevisoren wurden bestimmt: Johann Baltis, Zürich; Karl Portmann, St. Gallen und Peter Weber, Wil. Die Tätigkeit wurde am 01. Juli 1907 aufgenommen. Die Prämien für die Arbeiter wurden auf 6 % und für die Meister auf 4 % der Lohnsumme festgesetzt. Zugleich wurde beschlossen, um die Genossenschaft stark zu machen, den Beitritt für die Mitglieder des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes als obligatorisch zu erklären. Gegenseitige Hilfsbereitschaft (Solidarität) und geringe Wehleidigkeit sowie unbürokratische, Kosten sparende Schadenerledigung lassen die Unfall-6 10 11 versicherung zu einer prosperierenden Organisation werden, lautete von Beginn weg die Devise. Gründerstatuten vom 2. Juni 1907 An der konstituierenden Generalversammlung vom 02. Juni 1907 in Luzern wurden die Statuten genehmigt und beschlossen, dass die Firma «Unfallversicherungs-Gesellschaft des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes» als Genossenschaft zum Zweck habe durch Gegenseitigkeit die Arbeiter gegen die materiellen Schadenfolgen körperlicher Berufsunfälle und die Mitglieder selbst gegen Folgen der gesetzlichen Haftpflicht zu versichern. Die Tätigkeit der Gesellschaft kann sich eventuell auf die Einzelversicherung der Mitglieder, sowie die Versicherung gegen Unfälle von Drittpersonen erstrecken 9. Aus dieser Zweckbestimmung ist ersichtlich, dass die Versicherung auch für die Arbeiter Gültigkeit hatte und, dass die Haftpflicht auch Bestandteil der Versicherung war. Der Versicherungsschutz ausserhalb der Normalarbeitszeit bestand nicht. Dass nicht jeder Interessent die Mitgliedschaft erlangen konnte, wird in Art. 4 der Statuten beschrieben: «Die Genossenschaft besteht aus Mitgliedern des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes. Der Eintritt findet statt gestützt auf schriftliche Anmeldung beim engeren Vorstande, welcher nach Einholung des Berichtes der betreffenden Vertrauensperson über die Aufnahme entscheidet. Die Versicherung tritt in Kraft am Tag nach erfolgter Beitragzahlung» 10. Weiter wurde bestimmt, dass jedes Verbandsmitglied, sofern anderweitig versichert, als Passivmitglied der Versicherung beizutreten und nach Vertragsablauf die Vollmitgliedschaft zu erwerben habe. Die Verbundenheit und Interessenwahrung dem Verband gegenüber wurde so stark gewichtet, dass diese in den Statuten, im Abschnitt Rechte und Pflichten der Mitglieder, ausführlich umschrieben waren. Der Sorgfaltspflicht und Arbeitssicherheit der Arbeiter gegen Unfälle wurde grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Die in den Verbandstatuten festgelegte und vom Verband erlassene Betriebsordnung, welche in den Arbeitsräumen aufgehängt sein sollte, verlangte von den Mitgliedern diesen in allen Teilen nachzuleben 11. Fahrlässigkeit des Betriebsinhabers oder Selbstverschulden des Versicherten, die zu Unfällen führten, wurde nicht geduldet, sondern mit Leistungskürzungen oder gar mit Leistungsentzug bestraft. Die Finanzierung der Genossenschaft wurde klar geregelt. Der Eintritt kostete Fr Die jährlichen Prämien wurden von der Delegierten-Versammlung festgelegt und basierten auf der ausbezahlten Lohnsumme. Reichten die ordentlichen Prämienbeiträge zur Deckung der Ausgaben und zur Speisung des Reservefonds nicht aus, so ordnete der Gesamt-Vorstand den Einzug eines Nachschusses an, wie dies beispielsweise auch die «Schweizerische Mobiliar-Assekuranzkasse» kannte. Andererseits wurde den Mitgliedern nach Speisung des Reservefonds und der Rückstellung eines genügenden Beitrages für noch nicht erledigte Unfälle vom verbleibenden Überschuss der Betriebsrechnung als Gewinnanteil auf den nächsten Beitrag angerechnet im Verhältnis der netto einbezahlten Beiträge. Das heute viel diskutierte Bonus-Malus-System ist also nicht eine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Um den erforderlichen Überblick und die Selbstkontrolle zu halten, mussten die Unfallanzeigen den ordentlichen Delegierten übergeben werden, die sie dem Präsidenten zur Bearbeitung weiterleiteten. Operativer Leiter der Versicherung war der Präsident unterstützt durch den engeren Vorstand. Der Sekretär arbeitete im Wesentlichen nach Anweisung des Präsidenten und wurde als Funktionär bezeichnet. Wie viel Vertrauen der Sekretär genoss, ist ersichtlich aus der Bestimmung «der Sekretär leistet für getreue Pflichterfüllung eine Bürgschaft oder Barkaution von Fr (Tausend Franken) 12. Diese Bestimmung führte schon recht früh zu Unstimmigkeiten. Sekretär Müller, selbst Dachdeckermeister, weigerte sich diese Kaution zu zahlen, und trat mit der Begründung der Doppelbelastung als Sekretär und Betriebsinhaber zurück. Als Vorstandsmitglied blieb er der Versicherung jedoch erhalten und das Sekretariat übernahm der Präsident Stillhart selbst. Ob der Präsident Stillhart diese Kaution leistete, wohl eher nein, ist nicht feststellbar. Die Aufsicht über die Tätigkeit der Versicherung oblag drei,7 12 13 jedes Jahr an der ordentlichen Generalversammlung gewählten Rechnungsrevisoren, welche Bilanz und Rechnungen prüften und darüber an der Generalversammlung einen schriftlichen Bericht zu erstatten hatten. Dieselben nahmen halbjährlich von der Buchführung, den Belegen und Kassenverkehr Einsicht und ihnen stand jederzeit das Recht zu, über die gesamte Geschäftsführung Kontrollen vorzunehmen. Zudem stand ihnen das Recht zu, zur Überprüfung weitere Fachmänner zuzuziehen. Den Revisoren wurde also sehr viel zugemutet, nämlich, dass sie als Dachdecker auch das nötige Wissen und Kenntnisse in Versicherungsfragen haben sollten. Nur im Falle einer Fehlleistung der Generalversammlung bei der Wahl von unqualifizierten Revisoren, konnten eigentliche Fachmänner zugezogen werden 13. Streitigkeiten zwischen der Versicherung und den Mitgliedern wurden von einem Schiedsgericht endgültig geregelt. Ausdrücklich wurden Anwälte von den Verhandlungen ausgeschlossen 14. Eine Vorgehensart wie sie heute nicht mehr denkbar ist. Regulativ zur Unfallversicherung vom 2. Juni 1907 Vorgesehen wurde im Regulativ, ebenfalls am 02. Juni 1907 von der Generalversammlung genehmigt, alle im Mitgliedsbetrieb beschäftigten Personen, Arbeiter, Handlanger und Lehrlinge zu versichern. Die Versicherung des Betriebsinhabers erfolgte auf besondere Vereinbarung. Nebst den damals üblichen Dachdeckerarbeiten waren Turmarbeiten, Velo fahren während der Arbeitszeit im Dienste des Meisters und Holzfällen während der Arbeitszeit inbegriffen 15. Dies waren offensichtliche Arbeiten, die andere Versicherungen ausgeschlossen hatten, oder zusätzlich mit entsprechenden Prämien verabredet werden konnten. Der Begriff «Unfall» war noch nicht eindeutig und abschliesslich umschrieben. Weitere Vorbehalte werden ausdrücklich umschrieben, die den Ausschluss beinhalten, so Unfälle infolge Streit, Folgen offenbarer Trunkenheit oder Selbsttötung 16. Die Beiträge (Prämien) wurden auf der Basis der Lohnbücher und Lohnlisten unter Berücksichtigung der Nachforderungen bzw. Rückerstattungen errechnet. Die Lohnbücher wurden durch den Verband zur Verfügung gestellt. Damit konnte eine einheitliche und übersichtliche Berechnungsgrundlage geführt werden. Zu dieser Zeit wurden die Arbeiter nicht nur mit Arbeit, sondern auch mit Unterkunft und Verpflegung versorgt. Auf den Lohnlisten mussten nicht nur die wirklich bezahlten Löhne, sondern auch die Naturalleistungen wahrheitsgetreu eingetragen werden. Die «gehörig ausgefüllten Lohnlisten» waren bis am 5. Januar dem Präsidenten einzusenden. Wurde dieser Termin nicht eingehalten wurden grosszügige Strafmassnahmen angewendet, wie die Erstellung der Lohnlisten durch den Vorstand auf Kosten des ergebnislos Gemahnten bis zur Einstellung der Entschädigungspflicht der Genossenschaft während der Dauer der Säumnis. «Vor dem Versand der Abrechnung tagte der Gesamtvorstand, der das voraussichtliche Jahresergebnis prüfte und beschloss, ob die Einziehung eines Nachschusses erforderlich sei oder nicht. Stellte sich die Notwendigkeit eines solchen ein, so wurde er bei der Abrechnung miteinbezogen» 17. Die Prämienzahlung hatte an ein gutes Bankinstitut zu erfolgen und zwar innert 14 Tagen nach Verfall. Wurden diese Zahlungsvorschriften nicht eingehalten, wurde der Versicherungsvertrag suspendiert und das Geld mit Kostenfolge eingetrieben. Kontrollen durch den Vorstand und Bussen waren an der Tagesordnung. Ausschlüsse wie sie in den Statuten vorgesehen sind, waren nicht unüblich und werden in den Jahresberichten ausdrücklich erwähnt. Eine straffe Ordnung für die Abwicklung der Schadenfälle wurde schon damals verlangt. Die Vorgehensweise im Detail wurde für das Personal ausdrücklich im Regulativ umschrieben. Wie der Betriebsinhaber behandelt werden musste, wird jedoch im Regulativ nicht ausdrücklich erwähnt. Die allgemeinen und unverbindlichen Vorschriften in den Statuten reichten für die Betriebsinhaber offenbar aus. Sie sind ja Miteigentümer der Genossenschaft und bedürfen keiner kollegialen Belehrungen und Sanktionsandrohungen schon gar keine.8 14 15 Jahre des Aufbaues Das erste Geschäftsjahr startete ohne finanzielle Mittel dafür mit grosser Begeisterung und Initiative am 01. Juli Die erste Police auf dieses Datum ausgestellt, lautete auf Friedrich Rütschi, Bazenheid. Ende Jahr zählte die Versicherung bereits 29 Mitglieder mit einer Lohnsumme von Fr Die Einnahmen betrugen 1910 Kommissionsmitglieder: Schweiz. Dachdeckermeister-Verband, Einkaufsgenossenschaft, Unfallversicherung Es bedeutet: Z: Zentralvorstand, U: Unfallversicherung, E: Einkaufsgenossenschaft, R: Revisor Sitzend (v.l.n.r.): R: Hoffmann Johann, Eschlikon; Z: Gross Gottlieb, Luzern; Z: Aschwanden Andreas, Altdorf; Z: Sutter Johann, Zentralpräsident, Wald; U: Stillhart Jakob, Präsident, Wil; Z: Müggler Albert, Thal; Z: Moser Carl, Sekretär, Wil; E: Wälli Johann, Wattwil Stehend: E: Rütschi Friedrich, Bütschwil; R: Baltis Johann, Zürich; R: Freistetter, Amriswil; U: Schärli Alfred, Luzern; Z: Steiner Rudolf, Winterthur; Z: Frei Jules, Solothurn; U: Müller Heinrich, Flawil; Z: Neuenschwander, La Chaux-de-Fonds; R: Brunner Joseph, Gerliswil; E: Lemmenmeier Johann, Zuzwil; E: Weber Paul, Wil 20 Fr und die Ausgaben wurden mit Fr ausgewiesen, was im Gründungsjahr bereits einen Vorschlag von Fr ergab. Für drei Unfälle, Quetschungen, der Arbeiterversicherung, wurden Fr ausbezahlt. Das Konto Meisterversicherung musste nicht geführt werden, da keine Unfälle gemeldet wurden. Mit Fr wurde bereits der Reservefonds geäufnet, was den Grundstock der Genossenschaft bildete. Fr wurde für die Gründung der Unfallversicherung ausgegeben 18. Dieser Reservefonds wurde später als Kapitalkonto und heute als Gesetzliche Reserven bezeichnet. Wie in den Statuten vorgesehen wurde auf den 1. Januar 1908 die Drittpersonenversicherung ohne Rückversicherung angeboten. Diese Versicherungsart entspricht heute der Betriebshaftpflichtversicherung. Die Prämie war abhängig von der Lohnsumme und die Maximalentschädigung war auf wenige tausend Franken begrenzt. Das dritte Geschäftsjahr 1909 gilt für die Berichterstattung als ganz wichtiges Jahr. Erstmals wurde der Jahresbericht in schriftlicher Form abgefasst und gibt Auskunft über die Entwicklung des Geschäftes seit der Gründung. Für 90 Aktivmitglieder wurden 59 Meisterversicherungspolicen und 74 Policen der Arbeiter- und Lehrlingsversicherung geführt. In der Unfallstatistik wird ausführlich über Anzahl, Art und Kosten der Unfälle berichtet. Die Drittpersonenversicherung wurde von 5 Meistern in Anspruch genommen. Die eingerichteten Fonds, Fonds für unerledigte Fälle, Reservefonds und Fonds für Drittpersonenversicherung erreichten den Stand von Fr , was gegenüber dem Aufwand von Fr einen ansehnlichen Betrag darstellte stellte der SDV erstmals einen vollamtlichen Sekretär an, der auch Arbeiten für die Unfallversicherung und die Einkaufsgenossenschaft zu erledigen hatte. Die getroffene Wahl vermochte nicht zu befriedigen, wie wir später noch sehen werden. Zur gleichen Zeit, wie sich unsere Versicherung zusehends gut entwickelte, befasste sich das Eidgenössische Parlament über mehrere Jahre mit der Gesetzgebung um Versicherungsfragen stimmte das Volk der Einführung des Kranken- und Unfallversicherungsgesetz zu 21. Die Zulassung für den Betrieb des Versicherungsgeschäftes war von kantonalen Regelungen abhängig. Unsere Unfallversicherung9 16 17 wurde nicht der Bewilligungspflicht unterstellt oder niemand hatte sich um eine Betriebsbewilligung bemüht bis zum Jahre Andere Versicherungen gibt es noch mehrere, die im gleichen Zeitraum um die Jahrhundertwende gegründet wurden und erst viel später die Konzession für den Betrieb vom Eidgenössischen Versicherungsamt erhielten war für die Weltpolitik und unser Land ein Schicksalsjahr. Zum frohen Fest lud die Landesausstellung in Bern ein und dauerte vom 15. Mai bis 2. November Mitten in dieser Festlaune brach der Erste Weltkrieg aus und die Generalmobilmachung wurde auf den 30. Juli anberaumt. «Viele Mitglieder und Berufskollegen wurden unter die Fahne gerufen, weshalb sie ihr Geschäft, Haus und Herd verlassen mussten, um Gott und Vaterland ihr Blut und Leben in die Schanzen zu schlagen. Viele Betriebe mussten ganz eingestellt werden und andere infolge Arbeitsmangel Einschränkungen erfahren», schrieb der Berichterstatter im Jahresbericht SDV 23. Auch für unsere Versicherung gab es einige bemerkenswerte Ereignisse im Laufe des Jahres. Kaum war das Neujahr vorbei, wurde Sekretär Carl Moser entlassen. Am 23. April verschied nach längerer Krankheit im Alter von erst 52 Jahren der Initiant und erste Präsident der Unfallversicherung Jakob Stillhart, Wil. Was der Verfasser in der Festschrift 50 Jahre SDV festhielt, gilt noch heute «diesem klugen und initiativen Manne verdankt unsere Organisation aussergewöhnlich viel. Er war nicht nur der eigentliche Gründer, sondern auch ein weitblickender und tatkräftiger Förderer unserer Genossenschaft, deren Wohl und Gedeihen ihm bis in die letzten Stunden seines Lebens sehr am Herzen lagen» 24. Als Nachfolger wurde am 24. Mai anlässlich der Generalversammlung in Bern Albert Müggler, Thal, bisheriger Stellvertreter, zum Präsidenten gewählt. Wenn bis anhin immer von Unfällen mit finanziell geringeren Auswirkungen die Rede war, wird im Jahresbericht 1915 von der Erledigung eines schweren Unfalles aus dem Jahre 1912 berichtet. Die Betriebsrechnung wurde so stark belastet, dass in diesem Jahr der Fonds für unerledigte Unfälle erstmals nicht gespiesen werden konnte und erstmals ein Defizit hingenommen werden musste 25. Erste Lehren aus grösseren Schäden auf die Versicherungskasse wurden bereits 1916 gezogen. Die Generalversammlung beschloss den Prämiensatz variabel zu gestalten, indem Mitglieder, welche während einer bestimmten Zeitspanne grössere Bezüge beanspruchten auch höhere Prämien zu zahlen hatten. Umgekehrt erhielten Meister eine Prämienreduktion, die während einer bestimmten Zeit keine Unfallbezüge gemacht hatten. Aus Überzeugung einer sorgfältigen und kostenbewussten Kassaführung wird im gleichen Jahresbericht auf die Vorzüge der Unfallversicherung hingewiesen: «Wir möchten anbei die noch fernstehenden Mitglieder der Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes ermuntern, sich noch mehr dieser Versicherung anzuschliessen, indem die Prämie sehr niedrig gehalten ist, bei grossem Versicherungsschutz» 26. Dieser Hinweis kann immer wieder in Protokollen, Jahresberichten und in Inseraten und Beiträgen in der Fachzeitschrift des Verbandes «Dach und Wand» gelesen werden. Wie der Verband hat auch die Unfallversicherung arg zu kämpfen Berufskollegen von den Vorteileneiner Mitgliedschaft zu überzeugen. Ein erster Abschnitt der Geschichte der Unfallversicherung ging am 01. April 1918 zu Ende mit einem Bestand von 115 Genossenschaftern. Arbeiterversicherung eingestellt Anfänglich wurde die Eröffnung der Schweizerischen Unfallversicherungs-Anstalt in Luzern (SUVA) auf den 1. Januar 1917 in Aussicht gestellt, dann aber verschoben auf Mitte 1917 oder auf Anfang Im Jahresbericht 1916 ist zu lesen «bis zur Eröffnung der Anstalt werden wir mit der Arbeiterversicherung weiters geschäften und mit Beginn derselben hört bei uns diese Versicherung auf. Hingegen mit der Meister- und Drittpersonen-Versicherung werden wir auch nach Eröffnung der Anstalt weiter fahren und uns eventuell später, wenn wir unsere Erfahrungen gemacht haben, mit der Schweiz. Unfallversicherungs-Anstalt in Luzern, wenn es sich für uns günstiger zeigt, dieser anschliessen» 27. Mit der Einführung der Schweizerischen Unfallversicherungs-Anstalt wurde10 18 19 auch eine Revision der Statuten fällig. Sie wurden an der Generalversammlung vom 20. Mai 1918 beschlossen. Der Artikel der Mitgliedschaft wurde so geändert, dass die Arbeiter nicht mehr versichert werden konnten. Damit wurde der neuen Gesetzgebung, wonach die Arbeiter durch die Schweizerische Unfallversicherungsgesellschaft zu versichern seien, entsprochen. Das Guthaben aus der Arbeiterversicherung von Fr , als Liquidationsschuld bezeichnet, wurde in Anteilscheine umgewandelt und in den nächsten Jahren zurückbezahlt 28. Mit dieser Lösung wurde die Finanzkraft der Versicherung nicht geschmälert oder schlagartig eingeschränkt. Die letzten Rückzahlungen erfolgten Der Erwerb oder die Bildung von Anteilscheinen wurde in die Statuten aufgenommen. Diese Beträge waren bestimmt für allfällige Schäden, für welche die Fonds nicht mehr genügen sollten. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass für Verbindlichkeiten der Genossenschaft nur das Genossenschafts-Vermögen mit den Anteilscheinen haftet. Der Reservefonds diente ausdrücklich für die Verzinsung der Anteilscheine, die Rückzahlung der Anteilscheine und der jährliche Beitrag an den Schweizerischen Dachdeckermeister-Verband. Der Umfang dieser Beträge unterlag Beschlüssen der Generalversammlung. Mit der Auflösung der Arbeiterversicherung wurde auch der weitere Fortbestand der Versicherung diskutiert. Zwei Gedanken spielten dabei eine wesentliche Rolle. Einerseits wurde an die Ausdehnung der Versicherungszweige gedacht. Im Vordergrund stand die Haftpflichtversicherung für Velo und Auto. Nicht geändert wurde die Bestimmung, dass für Verbandsmitglieder der Beitritt zur Versicherung obligatorisch sei. In den Geschäftsberichten wird zwar regelmässig bemängelt, dass der Beitritt zu wünschen übrig lässt. Eindringlich wurde auch darauf verwiesen, dass die Prämien im Vergleich zu anderen Versicherungen günstig seien. Anderseits wurde über eine Liquidation ausführlich diskutiert. In Art. 50 wird ausdrücklich betreffend Auflösung und Liquidation der Genossenschaft festgehalten, dass vorweg die Genossenschafter und der Schweizerische Dachdeckermeister-Verband, der den weiteren Ausbau beruflicher Institutionen fördern sollte, begünstigt werden «Unfall» ist nicht gleich «Krankheit» Die wirtschaftliche Lage nach dem Ersten Weltkrieg veranlasste den Vorstand im Regulativ klar umschriebene Bestimmungen zu erlassen, damit der Fortbestand der Versicherung gewährleistet werden konnte. Dieses wurde am 20. Mai 1918 beschlossen und auf die Meister und Betriebsinhaber ausgerichtet. Die Arbeiter mussten nicht mehr berücksichtigt werden. Der Begriff «Unfall» wurde umfassend beschrieben und ausführlich wurde festgehalten, welche Ereignisse nicht im Versicherungsvertrag eingeschlossen sind. Damit wurde eine Abgrenzung zur «Krankheit» vorgenommen. Zur gleichen Zeit wurde eine ganze Reihe von Gesetzen, Bundesbeschlüssen und Verordnungen erlassen, die das Versicherungswesen betrafen. So konnte auch unsere Versicherung ihre Bestimmungen dem neusten Stand der Versicherungsbranche anpassen 31. Rabatte für guten Schadenverlauf Im Zweckartikel wird anlässlich der Statutenrevision vom 13. Mai 1928 erstmals die Tätigkeit der Genossenschaft ausdrücklich umschrieben, wonach sie sich auf die Unfall-, Haftpflicht- und Garantieversicherung, eventuell auch andere Versicherungsarten für den Betrieb zu erstrecken habe. Die bisherige Verpflichtung als Mitglied bei der Unfallversicherung eine Versicherung zu nehmen, konnte offenbar nie recht weder als Aktiv- bzw. Passivmitglied11 20 21 durchgesetzt werden, sodass diese Bestimmung fallen gelassen wurde. Hingegen wurde die Bestimmung weiterhin beibehalten, dass ein Verbandsaustritt oder Verbandsausschluss auch den Ausschluss aus der Unfallversicherung zur Folge hatte. An der Eintrittsgebühr von Fr wurde festgehalten. Zusätzlich wurde eine Policengebühr und die Stempelsteuer erhoben. Die Steuerbehörde hatte folglich schon damals Kenntnis vom Bestehen unserer Versicherung, es ging ja um Einnahmen für die Bundeskasse. Das Versicherungsamt, heute Bundesamt für Privatversicherungen (BPV), das für die Betriebsbewilligung zuständig ist, wird noch nicht erwähnt. Der bisherige Reservefonds wird beibehalten und zusätzlich die Grundlage für den Pensionsfonds geschaffen. In diesen Fonds sollen fallen: «Geschenke und Vermächtnisse, der restliche Zins von Kapitalien, der verbleibt nach Dotierung der verzinslichen Fonds und nach Rechnungsergebnis.» Dieser Fonds darf wohl als mögliche Form der Pensionskasse angesehen werden. Die Hürde eine Auszahlung zu erhalten war jedoch hoch und umständlich zu erreichen von der später noch die Rede sein wird. Bereits früher wurden Mitglieder mit gutem Schadenverlauf durch Prämiennachlass belohnt oder eben mit schlechtem Schadenverlauf mit höheren Prämien zur Kasse gebeten. In den Statuten, Art. 18, wurden bisherige Verwaltungsbeschlüsse festgeschrieben: «Mitgliedern, welche während drei Jahren keinen Unfallbezug hatten, wird die Prämie um 10 % ermässigt, insofern die Unfallbelastung nicht über der Prämieneinzahlung steht. Mitglieder, die über 10 Jahre ihre Beiträge bezahlen, erhalten 20 % und solche, die über 20 Jahre bezahlen, 30 % Rabatt, insofern ihre Unfallbelastung nicht höher als 30 % der Prämienzahlung ist. Mitgliedern, welche mehrere Unfälle nacheinander folgend hatten, wird die Prämie erstmals um 10 % und nachher um 20 % erhöht, und bei normalem Bezug wieder reduziert.» Diese Bestimmung hat in angepasster Form Gültigkeit bis heute. Die schwierigen zwanziger Jahre gaben Anlass zur Vorsicht. So wurde die Verbindlichkeit der Genossenschaft neu geregelt. Schon bei der Gründung übernahm der Schweizerische Dachdeckermeister-Verband freiwillig eine Bürgschaft von Fr , die nie beansprucht werden musste. Bei der Erarbeitung der vorliegenden Statuten erinnerten sich die Verantwortlichen an diese Abmachung vor mehr als 20 Jahren und schrieben dies in den Statuten in Art. 19 fest. Von der bisherigen Nachschusspflicht ist nicht mehr die Rede. Diese Massnahme musste wie aus den bisherigen Jahresberichten ersichtlich nie angewendet werden. Die Aufgaben des Vorstandes wurden in Art. 34 ausführlicher umschrieben, offenbar um Klarheit zu schaffen. Der Sekretär musste eine Bürgschaft von Fr , bisher Fr leisten. Dies war wohl eine Anpassung an die Geldentwertung der zwanziger Jahre. Seit rund 10 Jahren gab es die Arbeiterversicherung, die abgelöst wurde durch die SUVA, nicht mehr, sodass die entsprechenden Übergangsbestimmungen nicht mehr notwendig waren und gestrichen werden konnten 32. Jahre zwischen den Weltkriegen Nach dem Krieg, der Waffenstillstand trat am 11. November 1918 in Kraft, hatte die Bautätigkeit wieder eingesetzt, jedoch ohne grossen Optimismus für die Zukunft. Die Arbeitslosigkeit wurde vorab während den Wintermonaten verspürt. Schon zu Beginn der zwanziger Jahre wurde von Krise gesprochen, indem die Preise ständig unterboten wurden. Infolge Mangel an Arbeit und im Kampf um die Existenz mancher Dachdecker, wurden Arbeiten zu jedem Preis ausgeführt. Diese Begebenheiten waren für die Versicherung auch nicht förderlich und der Mitgliederbestand stagnierte. Eine bessere Entwicklung unserer Aktivitäten wurde erwartet durch die Einführung von Lehrlingsprüfungen und die freiwillige Meisterprüfung im Jahre Diese versprachen qualitativ bessere Arbeiten und ein grösseres Bewusstsein für die Unfallverhütung und damit einen Beitrag zur Senkung der Schadenhäufigkeit. 1927, 20 Jahre nach der Gründung, überschritt das Vermögen die Grenze von Fr bei einem Mitgliederbestand von 154. Durch die Entwicklung neuer Technologien wie Auto, Motorrad etc wurde das Leistungsverzeichnis mit der Revision des Regulativs am 13. Mai 1928 erweitert12 22 23 Kommission der Unfallversicherung Zeller Otto, Herisau; 2. Stillhart Thomas, Sekretär, Wil; 3. Frei Jules, Präsident, Solothurn; 4. Kläy Karl, Spiez; 5. Bosshard Alfred, Bruggen 34 und es hiess: «Eingeschlossen sind Unfälle, die entstehen bei Benützung von Velo, ausnahmsweise Benützung eines fremden Kraftwagens zu und von der Arbeit, bei Bemühungen zur Rettung fremder Personen oder Eigentum im Notstand, bei Hilfeleistung in Brandfällen, bei Bergwanderungen, soweit der Versicherte gefahrlos gangbare Wege benutzt oder das abseits zum Gehen ungefährliche Gelände auch für Ungeübte leicht begehbar ist 33». Im Jahresbericht 1933 wird die Weltlage düster umschrieben. «Jedes Volk will sich von den andern abschliessen, lässt nur herein, was dringend notwendig ist, und wirft seine Produkte soviel als möglich auf den Weltmarkt. Ein ganzes Heer von Arbeitslosen, von Unzufriedenen und Revolutionären überflutet die Grossstädte. Jenseits der Alpen und des Rheins ist es zwar etwas ruhiger geworden. Dort herrscht die Diktatur, und die Berichte, besonders von Norden her, unterliegen der Zensur» 35. Nebst den politischen und sozialen Schwierigkeiten hielt der Winter frühzeitig Einzug und mit einer solchen Härtewelle, dass überall die Arbeiten eingestellt werden mussten. Die Folge war, dass eine überaus grosse Anzahl Dachdecker und Handlanger die Arbeitslosenkasse aufsuchen mussten. Vieles war damals freiwillig ohne gesetzliche Vorschriften geregelt oder diese waren so lückenhaft, dass jeder machen konnte was er wollte. Die Handwerker wurden in keiner Art und Weise geschützt. So hatten Verbände und andere Organisationen eine grosse Arbeit, indem sie ihre Berufskollegen im Gespräch auf mögliche Lösungen der Probleme hinwiesen. Auch unsere Versicherung litt unter dieser Mentalität: So heisst es «Leider müssen wir konstatieren, dass die Unfälle ausgenützt werden, sowohl von den Ärzten wie von den Patienten; in vielen Fällen wäre halbe Arbeitsfähigkeit vorhanden» spitzte sich die Lage weiter zu und die Arbeitslosigkeit stieg weiter stark an und belastete die Staatskasse. Die Arbeitgeber hätten mehr Arbeit hochgeschätzt, denn Arbeit würde den Einzelnen zum Segen gereichen. Arbeit macht zufrieden und lässt manche Sorge und Ungemach vergessen, während Arbeitslosigkeit demoralisierend sowohl auf den Einzelnen als auch auf die Gesamtheit der Menschen wirkt. Schwarzarbeit wurde durch die Arbeitslosigkeit gefördert und13 24 25 Berufsgattungen, die mit der Dachdeckerei bisher nichts zu tun hatten, drangen in das Bedachungsgewerbe ein und konkurrierten das ortsansässige Gewerbe zusätzlich. Die allseits schwierige Zeit brachte für das Dachdeckergewerbe aber auch Gutes wurde erstmals die Meisterprüfung auf der Grundlage der Bestimmungen des Bundesgesetzes über berufliche Ausbildung durchgeführt. Das entsprechende Reglement wurde am 3. Mai 1934 vom Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement genehmigt. Die Betriebsbuchhaltung wurde in vielen Betrieben eingeführt. Der Überblick über Einnahmen und Ausgaben rief nach weiteren Kenntnissen über die Preisgestaltung, die Qualität der Materialien, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse also die Grundlagen der Kalkulation. Als weiteres Produkt wurde erkannt, dass erhöhte Arbeitssicherheit zu weniger Unfällen führt und die Versicherungsprämien in geringerem Masse ansteigen oder wie bei unserer Versicherung zu höheren Rabatten führte. Der zunehmende Verkehr durch Motor- und Velofahrer führte aber auch zu mehr und schwereren Verkehrsunfällen, einer mit tödlichem Ausgang, einer mit langwieriger Heilung und bleibendem Nachteil, sodass im Jahresbericht 1936 ausführlich auf die gesetzlichen Vorschriften bezüglich ausweichen und überholen, abbiegen nach links und von dem Führer zu gebende Zeichen hingewiesen wird. Beim Abbiegen galt folgende Instruktion «Betätigung des Fahrtrichtungsanzeigers auf der entsprechenden Seite oder Ausstrecken des Armes nach dieser Seite. Beim Abbiegen nach rechts oder links haben die Führer von Fahrrädern, Handkarren und Zugwagen die Fahrtrichtung mit ausgestrecktem Arm oder mit der Peitsche anzuzeigen. Diese Zeichen sind deutlich und genügend lang zu geben» 37. Auch im Jahr 1938 litt das Baugewerbe unter einer Depression, obwohl öffentliche Arbeitsbeschaffungsmassnahmen eine gewisse Entlastung zeigte. Die Arbeitslosenzahl betrug Personen. Der jährliche Zuwachs lag mehr als 50 % unter den guten Jahren Der Hypothekarzins sank teilweise bis auf 3,5 %. Die Krise und Mobilmachung am 1. August 1939 bereitete manchen Mitgliedern grosse Schwierigkeiten die Prämien zu entrichten. Einigen Mitgliedern vom Gesamtbestand von 224 wurde die Möglichkeit der Teilzahlungen der Prämien gewährt, damit sie die Versicherung weiterführen konnten. Pensionsfonds als Pensionskasse An der Generalversammlung vom 09. Juli 1932 wurde das Reglement über die Pensionskasse 38 genehmigt. Der Pensionsfonds wurde bereits ab 1926 regelmässig mit Überschüssen gespiesen. Mit der erstmaligen Einlage von Fr war der Grundstock der Pensionskasse gelegt. Am 31. Dezember 1931 erreichte dieser Fonds den Betrag von Fr und 1935 wurde an der Generalversammlung beschlossen den Fonds für die Rückzahlung der Anteilscheine aufzulösen und den verbleibenden Betrag von Fr in den Pensionsfonds zu überweisen, da seit 1930 keine Rückzahlungen mehr geltend gemacht wurden. Offenbar konnten nicht mehr alle Anteilscheine ausfindig gemacht werden, die zu Rückforderungen berechtigt gewesen wären. Jährlich wurde der Fonds mit ausserordentlichen Einlagen und Zinsen geäufnet und erreichte am 31. Dezember 1936 Fr Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr Fr einem pensionsberechtigten Mitglied ausbezahlt. Bezugsberechtigt waren, die mindestens 25 Jahre Mitglied der Kasse waren und deren Einzahlungen netto mehr als Fr betrug zum Zeitpunkt des Ausscheidens durch Tod oder durch Geschäftsaufgabe. Bei Tod war die Frau oder minderjährige Kinder Nutzniesser. Durch diese Art Rückvergütung konnte sich der von Unfall verschont gebliebene Meister für sich oder seine Frau eine kleine Pension sichern 39. An der Generalversammlung vom 19. Mai 1974 wurde Art. 3 des Reglements geändert, indem als Rente der Zins von 5 % des Fr übersteigenden Bruttoüberschusses bei Erreichung des 70. Altersjahres ausbezahlt wurde 40. Eine kleine Pension, aber für viele Ältere und Alleinstehende, vorwiegend Frauen, die als Witwen allein dastanden, eine willkommene finanzielle Hilfe wurde der Pensionsfonds aufgehoben und das Kapital von Fr in den Fonds für Unfälle überführt und damit dem vorgesehenen Zweck nicht entfremdet 41. Mit der Einführung der beruflichen Vorsorge (BVG) auf den hatte die Pensionskasse ihren Dienst getan.14 26 27 Der Zweite Weltkrieg Die Landesausstellung 1939 fand in Zürich statt. Der Krieg zeichnete sich deutlich ab und die «Landi» bot eine wichtige Gelegenheit, die Schweiz vor der scheinbaren Übermacht zu einen. Besonderheiten an dieser Ausstellung waren die Höhenstrasse, der Schifflibach und das Landidörfli. Diese Elemente waren so aufgebaut, dass sich die Stimmung immer mehr steigerte und Vertrauen und Optimismus weckte. Am 1. September 1939 fand nach der Wahl von General Henri Guisan die Allgemeine Mobilmachung statt. Eine bedeutende Anzahl unserer Mitglieder musste für kürzere oder längere Zeit ihre Berufstätigkeit aufgeben und den Dienst für das Vaterland tun. Für die Wehrmänner wurde in Anbetracht des kleineren Risikos als bei der Berufsarbeit für die Aktivdiensttage eine Reduktion der Prämien von 20 % festgesetzt, die auf Ende der Aktivzeit an Hand des Dienstbüchleins verrechnet wurde. Einige unserer Mitglieder hatten um Prämien zu sparen die Versicherung während des Aktivdienstes sistiert. In Kenntnis der schwierigen Lage wurde auch im Zusammenhang mit der verzögerten Prämienzahlung grosszügig Rücksicht genommen. In der Buchhaltung wurde durch vorsorgliche Rückstellungen für Wehrmänner und Motorfahrzeug-Versicherer die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt. Glücklicherweise machten sich nicht alle die Idee des absoluten Sparens zu Eigen musste ein Todesfall im Militärdienst beklagt werden und unsere Versicherung trug finanziell bei das Leid in der Familie zu lindern. Das folgende Jahr 1943 ging in die Geschichte unserer Versicherung als brandschwarzes Jahr ein. Die Rechnung schloss mit einem Verlust von nahezu Fr ab. Dies veranlasste den Vorstand im Jahresbericht wiederholt auf die Sorgfaltspflicht der Versicherungsnehmer hinzuweisen. Die Revisoren bemerken in ihrem Bericht, dass erstmals seit vielen Jahren die Rechnung mit einem erheblichen Rückschlag abschliesse. «Trotzdem ist kein Grund zur Besorgnis vorhanden, die Genossenschaft ist gut fundiert und verträgt solche Rückschläge, ohne deswegen die Versicherungsleistungen kürzen zu müssen. Es ist aber auch ein deutlicher Fingerzeig, dass wir das Vermögen nicht für andere Verbandsangelegenheiten sorglos anzapfen dürfen!» 43. In den Kriegsjahren hatte der SDV auch seine liebe Mühe mit seinen Mitgliedern und Finanzen. Die Zentralleitung war offenbar neidisch auf den Erfolg der Versicherung und seine finanziellen Reserven. Solche Überlegungen werden wir auch in späteren Jahren wieder oft antreffen. Mit Erleichterung wird im Jahresbericht 1945 auf die letzten sechs Jahre verwiesen. Der Zweite Weltkrieg ist nach 6 Jahren Not und Zerstörungen zu Ende gegangen. Ein gnädiges Schicksal und die pflichtbewusste Zusammenarbeit und Disziplin von Volk, Armee und Behörden haben unserem Lande das Elend der vom Kriege betroffenen Länder und die Vernichtung der Arbeit von Generationen erspart» 44. Leistungen werden angepasst Die Gründer unserer Versicherung störten sich über die Höhe der Prämien der Versicherungen und strebten einen geringeren und allseits erträglichen Prämiensatz an. Dies war ihnen über all die Jahre gelungen. In den vorliegenden Unterlagen wird nur wenig über Prämienansätze berichtet. Vielmehr interessierten sich die Verantwortlichen um die zu erbringenden Leistungen bestehend aus Heilungskosten, Taggeld, Spitaltaggeld, Todesfallkapital und Invaliditätsabgeltung waren lediglich Betriebsunfälle für den Meister und die Arbeiter versichert. Unter der Rubrik Heilungskosten wurden die Aufwendungen gemäss Arztrechnungen bezahlt. Die Verpflegungskosten (Spital) wurden nicht übernommen. Die maximale Leistungsdauer für Heilungskosten und Taggeld betrug 200 Tage. Das Taggeld wurde während der Arbeitsunfähigkeit entsprechend der Lohnbücher bezahlt im Maximum Fr pro Tag und bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wurde dieses entsprechend gekürzt. Sonn- und Festtage wurden nicht entschädigt. Das Todesfallkapital entsprach dem tausendfachen durchschnittlichen Taglohn, welchen der Verstorbene im letzten Jahr bezogen hatte, sofern der Verunglückte eine Witwe oder eheliche Kinder hinterliess. Der Höchstbetrag durfte Fr nicht übersteigen.15 28 29 Bei gänzlicher Invalidität wurde der gleiche Betrag wie beim Todesfall ausbezahlt 45. Die Jahresprämie für den Meister betrug Fr Wer während drei aufeinanderfolgenden Jahren keinen Unfall hatte musste eine reduzierte Prämie von Fr bezahlen. Die Prämien wurden nach Schadenhäufigkeit und effektiven Kosten errechnet. Wie bereits bei der Gründung in Aussicht gestellt, erreichten die Kosten nie den Stand anderer Versicherungen. Für Arbeiter betrugen in den Jahren die Jahresprämien zwischen 9.40 und Der Prämiensatz für Meister bewegte sich im gleichen Zeitraum zwischen 4.39 und Jahr Taggeld Heilungskosten Spitaltaggeld Todesfallkapital Invalidität 1907 Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja wurde beschlossen gegen eine zusätzliche Prämie sämtliche Unfälle versichern zu können wurde den Mitgliedern mit einer zehnjährigen Zugehörigkeit, welche nicht über 30 % der Prämienzahlungen als Unfallvergütung bezogen hatten, eine Prämienreduktion von 20 % gewährt wurde Genossenschaftern, die 20 Jahre der Unfallversicherung angehört und nicht mehr als 30 % der Unfallprämien bezogen hatten, eine Prämienreduktion von 30 % gewährt wurde der Leistungskatalog erweitert und mit einem Prämien-Zuschlag konnten Sondergefahren wie Auto, Motorrad, Skifahren, Turnen und Schwingen, Hornussen und der gleichen, sowie die Ehefrau eingeschlossen werden wurde ohne Prämienerhöhung erstmals zwischen Betriebs- und Nichtbetriebsunfall nicht mehr unterschieden wurde festgestellt, dass die Prämien seit 25 Jahren nicht mehr angehoben wurden. Die Leistungen jedoch wurden ausgebaut 51. Auf den 1. Januar 1975 wurde bei Invalidität die progressive Leistungsskala eingeführt. Zudem wurde die Leistungsdauer für Taggeld, Spitaltaggeld und die Heilungskosten von drei auf fünf Jahre angehoben. Als weitere Neuerung hatten die Mitglieder die Möglichkeit mit einer Familienpolice Frau und Kinder mitzuversichern wurde das Regulativ erneut angepasst. Skifahren, offenbar Salon fähig geworden, wurde in die üblichen Leistungen ohne Zuschlag eingeschlossen. Der Geltungsbereich der Versicherung wurde auf die ganze Welt ausgedehnt. Bisher16 30 31 galt der Versicherungsschutz nur für Europa unter Ausschluss der Oststaaten. Bei den Heilungskosten wurde die Volldeckung in der Abteilung halbprivat mit der Leistungsdauer von 5 Jahren eingeführt. Mit der Überführung des Pensionsfonds in den Unfallfonds wurde festgelegt, dass Personen nach Vollendung des 70. Altersjahres nur noch eingeschränkte Leistungen beziehen können. Das Taggeld wurde auf Fr limitiert und die Heilungskosten mit einer Leistungsdauer auf 2 Jahre beschränkt. Das Todesfallkapital wurde auf Fr und Invalidität progr. auf Fr begrenzt. Unübertroffen und einmalig war die Bestimmung: «Mitglieder, die der Unfallversicherung beim Erreichen dieser Altersgrenze 20 Jahre angehört haben, werden diese Maximalleistungen prämienfrei gewährt» wurden die Allgemeinen Versicherungsbedingungen den Vorschriften des Bundesamtes für Privatversicherungen angepasst 54. Nachkriegsjahre Ein Jahr nach «Ende Feuer» gab es noch keine Friedensverträge und die politische Lage war noch nicht geklärt, dennoch war die organisatorische Arbeit für den Wiederaufbau der zerstörten Wirtschaft schon weit gediehen. Die Arbeitslosigkeit war noch nie so tief mit 678 Personen. Die eigentliche Hochkonjunktur setzte ein, was sich für den Verband positiv auswirkte. Die Mitgliederzahl erreichte Ende 1946 den Stand von 879 Mitgliedern. Diese Entwicklung übertrug sich auch auf unsere Versicherung. Der Mitgliederbestand erhöhte sich auf 302 Genossenschafter. Nach Jahren der Verluste in der Betriebsrechnung konnte durch die anwachsende Tätigkeit in allen Betriebszweigen Erfolge erzielt werden. Auch das Jahr 1947 zählte zu den guten Jahren, obwohl die Konkurrenz immer aktiver wurde und uns einen schweren Stand bereitete. Wenn an früheren Generalversammlungen stets auf eine kurze Begrüssung Wert gelegt wurde, leistete sich für einmal Präsident Gottfried Reber am 30. April 1950 in seiner Heimatstadt Biel eine ausführliche Grussadresse und äusserte sich wie folgt: «Speziell begrüsse ich die verehrten Frauen, die es sich zur Ehre machen, an unserer Generalversammlung teilzunehmen, um im Fache des Unfallwesens nötigenfalls auf dem Laufenden zu sein» 55. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Frauen regelmässig zu den Generalversammlungen eingeladen. Für Reber war es seine letzte Generalversammlung. Er starb am 4. März Zum Nachfolger wurde Vizepräsident Robert Aschmann an der Generalversammlung vom 29. April 1951 in Biel gewählt. Die Nachkriegsjahre galten der Weiterentwicklung der eigenen Betriebe und die Erledigung vieler Arbeiten stand an. Eine eigentliche Hochkonjunktur und Vollbeschäftigung setzten ein. Im Jubiläumsjahr 1957 «50 Jahre Unfallversicherung des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes» bewegte sich manches in der Politik und auf dem Arbeitsmarkt. Die Auswirkungen der Ungarnkrise mit seinen Flüchtlingsströmen wirkten sich auch auf die Schweiz aus. Die noch immer herrschende Hochkonjunktur zeigte Schattenseiten. Die zunehmende Geldverknappung auf dem Kapitalmarkt bildete Sorgen auch für das Baugewerbe. Eine zu erwartende Zinserhöhung drehte an der Preis- und Lohnspirale. Im Dachdeckergewerbe konnten Lohnerhöhungen und Sozialzulagen nicht mehr voll überwälzt werden. Eine Feststellung, die immer wieder erwähnt wird. Guter Start in die 2. Jahrhunderthälfte An der ordentlichen Generalversammlung vom 11. Juni 1961 wurde Dr. M. Vollenweider, Zürich, zum Sekretär gewählt. Das Kassawesen wurde jedoch weiterhin von Thomas Stillhart, Wil, geführt. Der Höchststand von 368 Genossenschaftern wurde Ende 1961 erreicht. Ein umfangreicher Umbau unserer Versicherung war erforderlich und wurde 1962 vollzogen. Nebst den ordentlichen Tagesgeschäften wurden zusätzliche Arbeiten erledigt wie Statutenrevision, Revision des Unfallregulativs, Steuerfragen, Kontrolle der Unfälle an Ort und Stelle, Neugestaltung der Drucksachen, Reorganisation der Haftpflichtversicherung, Prämienangleichung, Inkasso ausstehender Prämien etc. 56. Die rückläufige Mitgliederzahl, noch waren es 304 Genossenschafter, verlangte neue Lösungsansätze, um diese zu stoppen. Die Generalversammlung in St. Moritz17 32 33 vom 27. Juni 1970 brachte diese nicht. Ein Rechtsgutachten sprach gegen die vorgeschlagene Lösung, dass die Mitgliedschaft nicht nur an den Abschluss einer Versicherungspolice gegen Unfall geknüpft werden dürfe. Der Abschluss einer Haftpflicht oder Krankenversicherung oder der Bezug von Baugarantiescheinen genügte für die Mitgliedschaft nicht. Das auf und ab in der Wirtschaft und Politik war immer wieder mit Auswirkungen auf unsere Versicherung verbunden bemerkte Präsident Robert Aschmann, bereits mehr als 20 Jahre Präsident, dass dieses Jahr geprägt war durch Schwerpunkte wie: anhaltende Währungskrise, unaufhaltsame Teuerungswelle und die erste Energiekrise. Zum Geschäftsverlauf stellte er dennoch eine sehr erfreuliche Weiterentwicklung fest. Die Prämienanpassung und der gleichzeitige Leistungsausbau brachten einen Anstieg der Prämieneinnahmen. Der günstige Schadenverlauf trug dazu bei, dass ein schöner Vorschlag erzielt werden konnte 57. Gegenseitiger Einsitz im Vorstand auf Zeit Bei der anstehenden Statutenrevision vom 5. Juli 1959 und 11. Juni 1961 sowie der Anpassung der Versicherungsbedingungen für die Unfallversicherung wurde ein weiteres Mal über die Liquidation nachgedacht, indem die Hürde für eine Auflösung bestimmt wurde. Sieben Achtel aller Mitglieder müssten einer Auflösung schriftlich zustimmen um eine Liquidation zu ermöglichen. Bemerkenswert an dieser Statutenrevision ist, dass die Geschäftsstelle den Präsidenten massgeblich zu entlasten hat. Die Unfallmeldungen gingen nicht mehr an den Präsidenten, sondern direkt an die Geschäftsstelle zur Bearbeitung. Er konnte sich vermehrt Aufgaben der Aufsicht widmen 58. In Art. 24 wird die Verbundenheit zum Verband untermauert, indem der Zentralpräsident des SDV von Amtes wegen Mitglied der Verwaltung ist. Im Gegenrecht wurde auch in den Verbandsstatuten geregelt, dass der Präsident der Unfallversicherung Mitglied des Zentralvorstandes ist trat eine Kehrtwende im Verband ein. Mit der Statutenrevision des Verbandes Nach 33 Jahren Präsidiumswechsel (v.l.n.r) Ruedi Zürcher (Sekretär), Ueli Looser, Walter Aschmann, Hans Hirter (neuer Präsident), Robert Aschmann (ausscheidender Präsident und neu Ehrenpräsident), Willy Achermann (Zentralpräsident SDV), Ruedi Wagner (GV in Kilchberg) 59 wurde der Standpunkt vertreten, dass die gegenseitige Vertretung der Präsidenten im Zentralvorstand beziehungsweise im Verwaltungsrat nicht notwendig sei. Durch die Stellung des Zentralsekretärs und Direktors des SVDW im Verband und in der Versicherung könne die gewünschte Verbundenheit vollumfänglich sichergestellt werden. Diese Lösung wollte die Zentralleitung des Verbandes offenbar nur als Übergangslösung. Schon auf Ende 1996 wurde die schriftliche Vereinbarung, dass der Verbandsdirektor auch für die Geschäftsführung der Unfallversicherung verantwortlich sei, gekündigt.18 34 35 Baugarantien Als neuen Geschäftszweig wurde am 16. Mai 1920 die Übernahme der Baugarantien durch die Genossenschaft unserer Mitglieder und Sektionen eingeführt. Die Übernahme einer Bürgschaft kostete 1 % der Bürgschaftssumme pro Jahr als Provision oder 1/5 derselben als Hinterlage, wobei von der hinterlegten Summe der Zins nicht vergütet wurde. Der Zins ging in die Kasse, dafür wurden keine weiteren Abgaben erhoben. Nach Ablauf der Garantiezeit wurde die Barrücklage zurückbezahlt, sofern keine Forderungen gestellt wurden 60. Bis Ende des ersten Jahres wurden 13 Bürgscheine ausgestellt. Die Prämien betrugen Fr Nach Abzug der Aufwendungen verblieb der Betrag von Fr , der als Grundstock zur Äufnung eines Fonds bestimmt wurde 61. Dieser Geschäftszweig wuchs ständig an, wobei über viele Jahre vom System der Barrücklage mehr Gebrauch gemacht wurde als von der Bürgschaft wie sie heute üblich ist. Die Bestimmungen des ersten Reglements hatten solange Bestand, bis am 5. November eine erste Überarbeitung erfolgte und die einschlägigen Artikel der SIA Norm 118 berücksichtigt wurden. Die Einzelpolice war also üblich und musste ungeachtet der Höhe der Versicherungssumme beantragt werden. An der Verwaltungssitzung vom 6. Juni 1975 wurde der Normgarantieschein für die Garantiesumme bis Fr eingeführt. Damit dem Sekretariat nicht unnütze Arbeit entstand, mussten pro Lieferung 20 Stück bezogen werden zum Stückpreis von Fr Dieser Normgarantieschein ist so erfolgreich, dass bereits 1979 der Normgarantieschein Fr , im Jahre 1981 der Normgarantieschein Fr und 1985 die Normgarantiescheine Fr und Fr angeboten wurden musste erstmals nach vielen Jahren das Ausgabenkonto «Baugarantieschäden» eröffnet werden. Für zwei Schadenfälle betrug der Aufwand Fr Die Garantienehmer konnten nicht mehr belangt werden infolge Konkurse 64. Mit dem Bewilligungsverfahren durch das Bundesamt für Privatversicherungen wurden die Allgemeinen Versicherungsbedingungen für Baugarantiescheine am 12. Mai angepasst. Hauptsächlich ging es darum die Rechtsgrundlagen ausdrücklich zu erwähnen. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass auch die Erfüllungsgarantien gewährt werden wurde mit Fr der höchste Prämieneingang der Geschichte verzeichnet. Diese verteilen sich auf über 3100 Einzel- und Normpolicen. Die laufenden Garantieverpflichtungen betragen mehr als 40 Mio. Franken und verteilen sich auf über 350 Kunden. Die Schadenhäufigkeit hält sich in Grenzen und betrugen in diesem Jahr Fr Haftpflichtversicherung In den Statuten vom 2. Juni 1907 ist die Versicherung für Drittpersonen gegen Unfall vorgesehen. Auf den 1. Januar 1908 übernahm die Genossenschaft auch die Drittpersonenversicherung ohne Rückversicherung. Die Maximalentschädigung betrug Fr pro Fall. Die Prämie kostete 1 % der Lohnsumme. 5 Policen mit einer Lohnsumme von Fr werden ausgewiesen. Schäden entstanden keine. Schon 1909 wurde der Fonds für die Drittpersonenversicherung angeführt. Er erhielt den Ueberschuss dieser Abteilung mit Fr befasste sich der Vorstand und die Generalversammlung mit dem Abschluss einer Kollektivversicherung für die Haftpflicht gegenüber Drittpersonen. Es kam ein Vertrag zu sehr günstigen Bedingungen zustande mit der «Frankfurter Allgemeinen Versicherung» in Bern mit Beginn auf den 1. Oktober Bis Ende Jahr konnten 28 Abschlüsse für diese Versicherung getätigt werden, trotzdem wir mitten im Weltkrieg waren 68. Aus dem Jahresbericht 1918 entnehmen wir folgende Anmerkung: «Einem Arbeiter entfiel ein Ziegelstück und traf eine unten stehende Frau und verletzte diese anscheinend leicht. Sie wurde jedoch arbeitsunfähig und durch den Unfall verursacht kam noch eine Krankheit dazu, so dass diese Frau ins Spital verbracht werden musste. Der Meister des Arbeiters musste bezahlen. Kostennota 600 Franken. Versichert war der Meister nicht für Drittpersonen. Heute hat er dieses nachgeholt, denn durch Schaden wird man klug. Was nützen uns Meistern19 36 37 Fleiss und Sparsamkeit, wenn ein einziger solcher Fall, vor dem wir nie sicher sind, uns um alle unsere Ersparnisse und um unsere Existenz bringt. Ist es nicht besser, 10 bis 20 Fr. auszulegen für eine Jahresprämie für die Drittpersonenversicherung, um gesichert zu sein, nicht um Hab und Gut gebracht zu werden» ging der Kollektivvertrag mit der «Frankfurter Allgemeinen Versicherung» an die «Berner Allgemeine Unfallversicherungsgesellschaft» in Bern über. Ab 1948 wird der Versicherungszweig Drittpersonen-Versicherung als Haftpflichtversicherung bezeichnet und schliesst zusätzlich die Personen und Motorfahrzeuge ein, ja selbst das Velo mit Hilfsmotor. Die Prämie für den Meister wurde neu gestaltet. Als Grundlage gilt ab 1949 für den Meister die Pauschallohnsumme von Fr pro Jahr. Ausdrücklich wird festgehalten, dass dieser Betrag dem jetzt wirklichen Lohn entspreche 70. Mit der «Berner Allgemeinen Versicherung» wurde mit Wirkung ab 1. Oktober 1952 der Zusammenarbeitsvertrag erneuert. Durch eine zusätzliche Prämie wurde der Leistungskatalog ausgebaut, indem Regenwasserschäden eingeschlossen wurden wurden auf Wunsch der Dachdecker die Versicherungsleistungen ausgebaut. Neu wurde die Pauschale von Fr für Personen- und Sachschäden eingeführt. Der Nettoprämiensatz für die Betriebshaftpflichtversicherung betrug 10 Promille der Lohnsumme. Die Familienhaftpflichtversicherung kostete Fr und der Zuschlag pro Hund betrug Fr pro Jahr übernahm Georg Beeli, Generalagentur, Herisau, die Schadenregulierung und die Prämienabrechnungen erfolgten weiterhin durch unser Sekretariat. Diese Zusammenarbeit war ausserordentlich erfolgreich. In dieser Zeitepoche konnten sehr viele Verträge geschlossen werden 72. Mit Heini Bertschinger, Generalagent in Herisau kam eine erste Umstrukturierung, indem der gesamte Geschäftsablauf in Herisau zusammengefasst wurde. Bertschinger widmete sich wie sein Vorgänger mit all seinem Wissen und Können seiner Dachdeckerkundschaft. Zusammen mit dem Geschäftsführer nahm er sich dem Thema Versicherungen im Rahmen der Polierund Meisterausbildung besonders aktiv an. Nach der Aufgabe der Generalagentur in Herisau im Jahr 1996 gingen die Geschäftsabläufe an die Generalagentur in St. Gallen über, die von Edwin Dudli, Generalagent, geleitet wurde. Nochmals gab es einen Umbau 1999 unter Leitung von Walter Küpfer, Mitglied der Geschäftsleitung, vom Hauptsitz in Bern. Die rund 100 Policen wurden auf die regionalen Generalagenturen verteilt. Unsere Arbeit wurde ausgedehnt auf die Kundenkontakte aller Versicherungszweige. Dies war eine grosse Vorarbeit im Rahmen des Überganges der «Berner Allgemeinen» an die «Allianz Suisse». Am wurde die «Berner Allgemeine Versicherung» von der «Allianz Suisse» übernommen. Die Verträge wurden angepasst und erneuert auf den unter Leitung von Edwin Merki, Mitglied der Geschäftsleitung in Zürich. Der Status einer Spezialagentur wird für die Zukunft beibehalten. Krankengeldversicherung Mit der Versicherung «La Suisse», Lausanne wurde 1949 ein Kollektivvertrag für Krankentaggeld abgeschlossen und als neuen Betriebszweig eingeführt 73. Der Begünstigungsvertrag sah vor für Fr Wochenprämie und Person Fr pro Krankheitstag als Krankentaggeld zu zahlen. Da dieser Bereich nie so richtig an den Mann gebracht werden konnte, wurde der Vertrag mit der «La Suisse» auf den 14. April 1963 gekündigt. Auf diesen Zeitpunkt wurde mit der «Helvetia Unfall», St. Gallen, ein Vertrag für die Krankentaggeldversicherung zu Vorzugsbedingungen für Dachdecker abgeschlossen. Damit konnten die Bedingungen wie sie im Gesamtarbeitsvertrag vereinbart wurden, eingelöst werden. Im Zusammenarbeitsvertrag war festgelegt, dass für die Kundenwerbung und die Prämienabrechnung unsere Versicherung und für die Schadenregulierung die «Helvetia-Unfall» zuständig war. Ab 1970 übernahm die «Helvetia Unfall» die gesamte Abwicklung des Geschäftes. Uns verblieb die Werbung und Antragstellung von Neuversicherten und Anpassung der Policen. Das Verrechnungsverfahren wurde stark vereinfacht, indem die Prämien auf der Lohnsummenabrechnung mit der Suva übernommen wurden. Damit musste auch nicht mehr für jede Versicherte eine Police ausgestellt werden. Das Auszahlungsverfahren im Krankheitsfall wurde vereinfacht 74. Seit vielen Jahren wurden in diesem Versicherungszweig Verluste eingefahren, dennoch20 38 39 gewährte die «Helvetia-Unfall» für Kunden mit gutem Schadenverlauf eine Überschussbeteiligung bis zu 25 %. Dies war wohl ein Anreiz auf Schadenmeldungen kleineren Umfanges zu verzichten wie dies 1973 erwähnt wird. Auf den erfolgte die Namensänderung von «Helvetia-Unfall» in «ELVIA» Versicherungen, nach der Trennung mit der Helvetia-Gruppe. Am ging die «ELVIA» Versicherungen in die «Allianz Suisse», Zürich über. Die Partnerschaft für alle Versicherungszweige konnten so zusammengeführt werden. Als Ansprechpartner, Koordinator und Berater in besonderen Versicherungsfragen steht Edwin Merki, Mitglied der Geschäftsleitung Allianz Suisse zur Verfügung. Rückversicherung für das Unfallrisiko An der Generalversammlung vom 3. Juni 1972 wurde das Reglement über Versicherungsleistungen geändert und auf den 1. Januar 1973 die Rückversicherung mit der «Berner Allgemeinen Versicherungsgesellschaft», abgeschlossen zum Zweck der besseren Risikoverteilung. Die erste Jahresprämie betrug Fr An der Generalversammlung vom 19. Mai 1974 wurde das Regulativ leistungsbezogen angepasst. Mit dieser Exzedenten-Rückversicherung wurde uns ermöglicht höhere Versicherungen abzuschliessen 75. Die Prämien wurden jeweils jährlich der Teuerung der Konsumentenpreise angepasst. Da die Prämie immer stärker anwuchsen, wurde der Vertrag gekündigt und ersatzlos gestrichen. Glücklicherweise ereignete sich kein schwerer Unfall im Herbst bemühte sich, der neue Geschäftsführer zusammen mit dem Präsidenten Hans Hirter um eine sofortige Lösung. Der frühere Rückversicherer «Berner Allgemeine Versicherung» bot diesen Versicherungszweig nicht mehr an oder zu einem Prämiensatz, der für uns als Direktversicherer nicht mehr tragbar gewesen wäre. Die «Elvia Versicherung», Zürich, mit der wir bereits seit vielen Jahren für den Bereich Krankengeldversicherung tätig sind, machte es möglich uns einen Vertrag zu annehmbaren Bedingungen abzuschliessen begann der Umbau der «Elvia Versicherung» zur «Allianz Suisse Versicherung» und das Rückversicherungsgeschäft wurde aufgegeben. Als neuen Partner konnte die «Solida» Versicherungen AG, Zürich gewonnen werden. Mit ihrem Geschäftsführer Walter Caspar, mit dem wir bereits früher in geschäftlichem Kontakt standen, konnte eine vorzügliche Geschäftsbeziehung aufgebaut und ein Rückversicherungsvertrag als «Stoplos-Versicherungspolice» zu überaus fairen Bedingungen abgeschlossen werden, der auch heute noch Gültigkeit hat. Zusammenarbeit mit dem Verband Bei der Gründung beschloss der Schweizerische Dachdeckermeister-Verband der Genossenschaft Unfallversicherung mit der solidarischen Haftbarkeit der Mitglieder einen Kredit von Fr zu gewähren, das damals ein grosses Wagnis war, da keine der beiden Kassen viel Geld besass. Diese Bürgschaft musste jedoch nie in Anspruch genommen werden. Die schwierigen zwanziger Jahre gaben Anlass zur Vorsicht. So wurde die Verbindlichkeit der Genossenschaft neu geregelt. Bei der Überarbeitung der Statuten vom 13. Mai 1928 erinnerten sich die Verantwortlichen an die Abmachung vor mehr als 20 Jahren und schrieben dies in den Statuten in Art. 19 fest:»für die Verbindlichkeit der Genossenschaft haftet nur das Genossenschaftsvermögen und der Schweizerische Dachdeckermeister-Verband mit Fr Eine persönliche Haftbarkeit der Mitglieder ist ausdrücklich ausgeschlossen» 76. An der Generalversammlung vom 11. Juni 1961 wurden die Statuten genehmigt ohne Verbindlichkeit des Schweizerischen Dachdeckermeister-Verbandes 77, somit wurde die Bürgschaftsverpflichtung durch den Schweizerischen Dachdeckermeister-Verband auch statutarisch gelöscht. Der SDV jedoch litt regelmässig unter Geldknappheit. So gewährte die Unfallversicherung Darlehen, die jeweils in Schenkungen umgewandelt wurden wurde dem SDV ein Darlehen von Fr gewährt zur Aushilfe aus den Finanznöten 78 Die Berichterstattung zum fünften Betriebsjahr 1911 wurde erstmals gemeinsam in einen Jahresbericht zusammengefasst. Für den Verband war dies der erste schriftliche Jahresbericht. Aus diesem geht hervor, dass es den Mitglie- Mehr anzeigen
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References: Art. 4
 Art. 50
 Art. 18
 Art. 19
 Art. 34
 Art. 3
 Art. 24
 Art. 19
 Art. 1
 Art. 60
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 66
 Art. 1
 Art. 60
 Art. 1
 Art. 60
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 60
 Art. 1
 Art. 60
 Art. 1
 Art. 3
 Art. 9
 Art. 1
 Art. 60
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art.1
 Art.2
 Art.3
 Art.4
 Art.5
 Art.6
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 60
 Art. 60
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 3
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 Art. 76
 Art. 60
 Art. 1
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 Art. 1
 Art. 1
 Art. 60
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 Art. 1
 Art. 60
 Art. 2
 Art.1
 Art.60