Source: http://kosova-aktuell.de/kommentare/14-analysen/103-rebellion-gegen-die-unmik-zum-charakter-der-lpv-in-kosova
Timestamp: 2020-08-05 06:35:01+00:00

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Kosova aktuell - Rebellion gegen die UNMIK: Zum Charakter der LPV in Kosova
Die LPV lehnt den serbischen Staat genauso ab, wie den "Kolonialismus der UNMIK". Sie fordert für Kosova das freie Recht auf Selbstbestimmung in allen nationalen, politischen, sozialen und kulturellen Fragen. Ihre Parolen gegen die sogenannten Verhandlungen und den Ahtisaari Plan sind im ganzen Land an jeder zweiten Hausecke zu sehen. Nach Meinung der LPV kann und darf nur die Bevölkerung über ihre staatliche und soziale Zukunft selbst entscheiden. Die LPV fordert statt den Verhandlungen über Kosovas Schicksal ein Referendum der Bevölkerung. Die Gespräche über "die Köpfe der Bevölkerung hinweg" lehnt sie entschieden ab.
Die LPV wird von der UNMIK und der führenden politischen Kaste Kosovas zunehmend als Bedrohung empfunden. Anders ist die Gewalteskalation anläßlich der LPV Demonstration am 10. Februar in Prishtina, bei der zwei Menschen von der UNMIK- Polizei getötet und über achtzig schwer verletzt wurden nicht erklärbar. Am Abend des blutigen Samstags wurde Albin Kurti festgenommen. Vom 10. Februar bis zum 10. Mai befand sich Albin Kurti in Untersuchungshaft, seine Richterin ist eine deutsche Frau mit dem weit verbreiteten Namen Schmidt. Kurti befand sich aus rein politischen Gründen in Haft, bis jetzt ist von der Anklage nur zu vernehmen: "Dass er die internationale Sicherheit gefährden würde". Dieses Konstrukt setzt Albin Kurti mit Bin Laden gleich, gegen den formaljuristisch dieselbe Anklage erhoben wird.
Bereits am 11. Mai wurde Kurti erneut festgenommen weil er sich nicht unter strengsten Hausarrest stellen wollte. Im Fall Kurti geht es darum, jegliche Opposition auszuschalten, die für Kosova lediglich das Selbstbestimmungsrecht einklagt, was in diversen UN-Resolutionen verankert ist. Mittlerweile hat eine von der UNMIK eingesetzte Untersuchungskommision festgestellt, dass ein rumänisches Polizeibatallion die Schuld am Tod der 2 jungen Menschen in Prishtina trägt. Die Polizeitruppe schoß laut UNMIK Untersuchungsbericht mit 11 Jahre alten Plastikgeschossen auf die zurückweichende Menschenmenge. Diese UNMIK Feststellung wird allerdings keine Konsequenzen haben, denn die beschuldigten rumänischen Polizisten konnten unbehindert Kosova verlassen. In Rumänien wurden sie für ihren Einsatz in Kosova geehrt und ausgezeichnet. Der Kommandeur des Polizeieinsatzes, der irische Staatsbürger Curtis, hat ebenfalls unmittelbar nach dem blutigen Samstag Kosova verlassen. Eine Befragung des Herren Curtis oder gar die Bestrafung des Iren Curtis steht nicht auf der Agenda. Auch weicht die UNMIK unter dem deutschen Leiter Joachim Rücker bis heute der Frage aus, wer eigentlich den Befehl zum Einsatz der international geächteten Plastikkugelgeschosse auf friedliche und zurückweichende Demonstranten in Prishtina am 10. Februar gegeben hat.
Ziele und Methoden der LPV
Das zentrale Büro der LPV im Zentrum Prishtinas ist jeden Tag in voller Aktion. Ab 9 Uhr am Morgen arbeiten junge Menschen in diversen Arbeitsgruppen und zweimal die Woche ist politische Vollversammlung für die Aktivisten. Als leicht angegrauter Deutscher ist man zunächst verblüfft über den Betrieb, den die jungen Leute veranstalten. Am Montag und Dienstag wird die Zeitung der LPV gefaltet und in den Straßen Prishtinas verteilt. Natürlich haben die Jugendlichen ihre festen Verteilplätze. Andere schnüren Zeitungspakete und schaffen sie an die Bußlinien um die Zeitungen auch in den letzten Winkel Kosovas zu schaffen. Im Hinterhof des Zentrums wird gehämmert und gebastelt, dort werden Attrappen für die nächste Straßenaktion hergestellt. Selbstverständlich sind viele der Aktivisten auch nachts unterwegs, bewaffnet mit Schablone und Farbe damit Häuserwände die entsprechenden politischen Parolen erhalten. Wer mit den Jugendlichen spricht wird kein rassistisches Wort gegen Roma oder serbische Menschen hören. Für sie ist der serbische Staat mit seinem Anspruch auf Kosova und die UNMIK als "neuer Kolonialherr" der Gegner.
Die UNMIK Herrschaft wird auch mit den sozialen Grausamkeiten in Kosova in Verbindung gebracht. Die Jugendlichen wissen viele Beispiele zu erzählen wie die UNMIK die örtlichen "Kollaborateure" in ihrem korrupten Streben nach Reichtum unter der Parole Marktwirtschaft deckt. Nach der neuesten Studie der Weltbank leben 15% der Bevölkerung in Kosova in "extremer Armut". Darunter versteht die Weltbank ein Einkommen von unter einem Dollar pro Tag. Weitere 36% müssen von weniger als zwei Dollar am Tag ihr Leben fristen. Anspruch auf soziale Unterstützung hat nur derjenige, der keinen Esel und keinen Verwandten im westlichen Ausland hat. Die "Sozialunterstützung" beträgt maximal 50 Euro im Monat. Die Rentner beziehen eine Einheitsrente von 40 Euro im Monat. Das ist zum Sterben zuviel und zum Leben zuwenig. Die medizinische Versorgung wird immer mehr eingeschränkt und privatisiert. Auf Rezept gibt es fast keine Medikamente mehr. Wer allerdings genügend Knete in der Tasche hat bekommt jedes Medikament in den Apotheken. Die Ausstattung der öffentlichen Krankenhäuser verschlechtert sich. Dafür wird eine Privatklinik neben der anderen gegründet. Kosova ist auch ein Experimentierfeld des Neoliberalismus. Besonders betroffen von der Arbeitslosigkeit ist die Jugend, insbesondere die weibliche. Kosova hat eine enorme Anzahl junger Menschen, von den 2,2 Millionen Einwohnern sind 50% unter 25 Jahre alt. Die Unzufriedenheit ist hier besonders weitverbreitet. Nicht umsonst wird in bestimmten westlichen Medien von einer Explosionsgefahr in Kosova geschrieben.
Frankfurter Schule, Marx, Chavez und Fanon
Besonders spannend ist der Bildungshunger und die Lektüre der Aktivisten. Selten wurde ich in meinem Leben soviel über Marx, Chavez, Fanon oder die Theoretiker der Frankfurter Schule gefragt wie in Prishtina von den Aktivisten der LPV. Dabei gibt es unterschiedliche Vorlieben und Meinungen. Offen wird einem erklärt, dass sich in der LPV auch "rechts gesinnte Leute" befänden. Auf den erschrockenen Einwand um welche Rechte es sich den handle, wird einem grinsend geantwortet, dass sind Freunde, die sich nicht für die obengenannten Theoretiker und Politiker besonders interessieren zudem gibt es auch religöse Menschen innerhalb der LPV.
Die LPV ist eine plurale linksdemokratische Organisation auf der Basis bürgerlich-demokratischer Forderungen wie dem Selbstbestimmungsrecht. Offen wird von einer "Revolution" gegen den Kolonialismus gesprochen. Die LPV die kein sozialistisches Programm hat und sich nicht als Partei versteht, steht allerdings vor der Notwendigkeit, wie es ein Aktivist in einem Gespräch ausdrückte, ein : "Sozialpolitisches Sofortprogramm zu entwickeln".
Die LPV ist gegen den Ahtisaari-Plan
Der Vorschlag des finnischen UN- Sondergesannten Ahtisaari zur Zukunft Kosovas wird von der LPV abgelehnt. Die Ablehnung des Vorschlages erfolgt keineswegs aus nationalistischen Gründen. Visar Yimeri wies in einem Gespräch darauf hin, "dass das kommende EU-Protektorat das Land teilt und die Menschen einander auf ethnischer Basis gegenüberstellt.". Grundsätzlich wendet sich die LPV gegen die Ethnifizierung der Politik und tritt für ein selbstbestimmtes freies Leben der Menschen in einem vereintem Kosova ein. Dabei sollen alle Bürger die gleichen Rechte und Pflichten unabhängig von ihrer Nationalität haben. Ein Argument gegen den Plan ist auch, dass überwachte Unabhängigkeit nur die Unabhängigkeit des Überwachers (hoher Kommisar mit NATO-Soldaten) sichert. Die sogenannten Verhandlungen sind nach Meinung der LPV inakzeptabel weil das Recht auf Selbstbestimmung nicht verhandelbar ist. Grundsätzlich wird den diversen Staaten das Recht bestritten über Kosovas Schicksal bestimmen zu können.
Konkrete Einwände gegen das Ahtisaari Diktat
Der Ahtisaari Plan bezüglich Kosova wurde mittlerweile der UN vorgelegt. Das Begleitschreiben des Finnen Ahtisaari enthält die Formulierung "überwachte Unabhängigkeit". Die sogenannten politischen Elefanten Kosovas (Verhandlungsgruppe) versichern permanent, dass der Plan und diese Definition des Statuses den Wünschen des Volkes in Kosova entspricht. "Nichts ist jedoch weniger wahr als diese Behauptung", erklärt die LPV. Der Plan teilt Kosova entlang ethnischer Kriterien und ermöglicht dem serbischen Staat direkt (mittels der Sonderbeziehungen zu den serbischen Gemeinden) nach Kosova hineinzuregieren .
Zudem wird es nach dem Plan mindestens "44 serbische Botschaften" in Gestalt serbisch definierter Kirchen und Klöster geben. Diese Botschaften des serbischen Staates sind über das gesammte Land verteilt und beanspruchen 9% des Territoriums. Die Kirchen und Klöster sind jedoch nach Meinung der LPV das gemeinsame Eigentum aller Menschen in Kosova. Sie als rein serbisch zu definieren stellt eine grobe Geschichtsfälschung dar, es findet ein organisierter Raub an wertvollen Kulturgütern statt. Insgesamt werden rund 30% des Territoriums von Kosova auf völkischer Grundlage in dezentralisierte rein serbisch ethnische Gebilde umgewandelt. Was dies mit den Wünschen des Volkes zu tun hat, bleibt das Geheimnis der sogenannten Elefantengruppe. Die Wünsche des Volkes könnten nach Meinung der LPV am sichersten mittels eines Referendums ermittelt werden, auch die Wünsche der Serben in Kosova deren wirkliche Präferenzen zum Teil unbekannt sind, denn für sie spricht bis dato nur der serbische Staat.
Die Aktivisten der LPV erklären: "Wer die Überwachung als Wunsch des Volkes deklariert ist als Politiker absolut disqualifiziert." Der Überwachungsstaat wird von allen demokratischen Bewegungen auf dem Globus als elementare Gefahr für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit abgelehnt. In Kosova hingegen existiert der seltsame Fakt, dass sich Politiker offen und positiv im Namen der Demokratie und Unabhängigkeit auf den Überwachungsstatus beziehen. Ignoriert wird die Tatsache, dass sich Freiheit und Souveränität nicht mit dem Status der Überwachung vertragen. Überwacht wird ein Mensch, wenn man ihm nicht zutraut sein Leben selbstbestimmt zu regeln oder wenn er als latente Gefahr für entgegengesetzte Interessen verstanden wird. Der Kern des Ahtisaari-Planes ignoriert vollständig die elementaren demokratischen Prinzipien, er ist ein imperiales Diktat gegen Souveränität und Freiheit. Nach dem Plan kann in Kosova nichts ohne die Zustimmung der neu installierten fremden Macht entschieden werden. Der kommende hohe Repräsentant hat in allen politischen, sozialen und kulturellen Fragen das letzte Wort. Die Formulierung "überwachte Unabhängigkeit" drückt zudem die tiefe koloniale Arroganz gegenüber den "Eingeborenen" aus."
Die entscheidenden Punkte im Ahtisaari-Papier: Der Ahtisaari Plan enthält drei zentrale Elemente.
Erstens soll Kosova symbolisch und pro forma alle Elemente eines souveränen Staates erhalten. Kosova wird neben einer diktierten neuen Verfassung das "Recht" zugestanden internationale Verträge zu schließen. Gegenwärtig findet ein Wettbewerb im Land statt, um eine von der Staatengemeinschaft akzeptierte neue Nationalfahne und Hymne zu kreieren. Die "berwachte Unabhängigkeit" in der in Wahrheit nur der Überwacher unabhängig ist, gesteht Kosova die Möglichkeit zu, eine kleine schlecht bewaffnete "Armee" unter dem Namen Kosovo Security Force (KSF) zu unterhalten.
Als zweites Element sieht der Plan, wie der Journalist Boris Kanzleiter schreibt, "allerdings eine weitere Überwachung Kosovos durch die Europäischen Union (EU), den UN-Sicherheitsrat und die Nato vor. Einem International Civilian Representative (ICR) werden dabei diktatorisch anmutende Vollmachten eingeräumt, welche die formale Souveränität der Selbstverwaltungsorgane entscheidend einschränken."
Der ICR ist die "letzte Autorität" oder wie die LPV sagt "der Monarch" bei der Überwachung der Arbeit von Parlament und lokalen Selbstverwaltungsorganen. Der ICR hat das Recht jeden gewählten öffentlichen Funktionsträger der Selbstverwaltungsorgane abzusetzen. (Annex IX, Art. 2.1.d.) Der ICR wird dabei offiziell vom UN-Sicherheitsrat ernannt. Die Funktion wird aber in Personaleinheit mit einem European Union Special Representative (EUSR) ausgeübt werden, der vom Ministerrat der EU bestimmt wird (General Principles, Art. 11.1). In der Realität wird Kosova in Zukunft durch die EU regiert werden. Aus UNMIKISTAN wird EUMIKISTAN . Unterlegt wird die neue zivile Oberaufsicht mit der militärischen Absicherung durch die Nato, welche in Form einer International Military Presence (IMP) weiter in Kosova stationiert bleiben wird (General Principles, Art. 13).
Das dritte Element des Ahtisaari-Planes ist unter dem Stichwort der "Dezentralisierung" (Annex III) bekannt. Darunter ist eine Gemeindereform zu verstehen, die die bestehende ethnische Separation in Kosova langfristig zementiert und ausbaut.
Nach dem Ahtisaari Vorschlag soll es den serbischen Mehrheitsgemeinden (zum Teil wurden diese Mehrheiten künstlich geschaffen) und den serbischen Gemeindeverwaltungen an nichts in Sachen "ethnischer Politik" fehlen. Sie haben unter anderem das Recht die lokalen Polizeikommandeure zu bestimmen und ihre eigene Justiz zu unterhalten. (Annex VIII, Art. 2.6). Die Schulen in den serbischen Gemeinden sollen Textbücher benutzen dürfen, die vom serbischen Bildungsministerium herausgegeben werden. (Annex III, Art. 7.1.) Eine horizontale Vernetzung der serbischen Gemeinden in Kosova ermöglicht der Ahtisaari-Plan (Annex III, Art. 9.1). Die Finanzierung der serbischen Gemeinden durch Belgrad wird ermöglicht. (Annex III, Art.11.) Ein extra kompliziert gestaltetes Wahlsystem soll durch die Reservierung einer bestimmten Anzahl von Sitzen die Repräsentation von Vertretern der ethnischen "Communities" sicherstellen, unabhängig davon wie viel Stimmen diese bekommen (Annex I, Art.3). Interessant ist an diesem Punkt, dass im Ahtisaari-Papier nur die Serben erwähnt werden. Die Roma, Türken und Gorani Kosovas kommen in dem Papier überhaupt nicht vor.
Die LPV geht in ihrer Analyse des Ahtisaari-Plans davon aus, dass in Kosova eine eigene formal nicht so genannte Republik Serpska entsteht, mit größeren Kompetenzen als sie die "Serbische Republik" in Bosnien hat. Vergleiche zum Protektorat in Bosnien-Herzegowina drängen sich tatsächlich auf. In Bosnien herrscht seit Kriegsende 1995 ein "Hoher Repräsentant". Dieser "unabhängige Überwacher" hat das Recht und die Macht alle gewählten Abgeordneten und unliebige Politiker abzusetzen. Boris Kanzleiter schreibt dazu in Telepolis: "In Bosnien-Herzegowina wird die institutionelle Ordnung durch ethnische Verteilungsschlüssel in Machtpositionen und ethnisch bestimmte Territorialabgrenzungen bestimmt. So existiert in der Hauptstadt Sarajevo ein dreiköpfiges Staatspräsidium, das sich aus jeweils einem Vertreter der drei ethnisch-religiösen Gruppen zusammensetzt. Jeder genießt dabei ein Vetorecht, das politische Mehrheitsentscheidungen verunmöglicht und korrupten inter-ethnischen Kuhhandel befördert." Das Land ist faktisch geteilt, steht unter Aufsicht und die ökonomische Entwicklung Bosniens wird blockiert. Im Ahtisaari-Papier ist auch von der Pflicht zur "Marktwirtschaft" in Kosova die Rede. Bekanntlich werden die südosteuropäischen Staaten dazu gezwungen jeglichen ökonomischen Schutz für ihre örtliche Industrie zu liquidieren. Die Folgen zeigen sich im Rahmen des sogenannten EU- Integrationsprozesses in dramatischer Form. Die staatlichen oder pseudostaatlichen Gebilde werden zu einem mörderischen Konkurrenzkampf um die Gunst europäischer Konzerne gezwungen. Serbien hat gegenwärtig mit 10% nach Montenegro mit 9% den niedrigsten Körperschaftssteuersatz in Europa. Dadurch fehlen die Gelder für die Finanzierung sozialer Leistungen. Die einheimische Industrie ist der freien Konkurrenz mit den wirtschaftlichen Giganten nicht gewachen. Überall steigt die Arbeitslosigkeit verbunden mit extremer sozialer Not. Die Ethnisierung der Politik hat auch die Funktion die Exzesse des neoliberalen EU-Projektes abzusichern. Nationalistische Cliquen benützen in Bosnien die Ethnizität als Argument um jeglichen Widerstand gegen den Neoliberalismus abzutun und ihre eigene Korruptheit mittels chauvenistischer Rhetorik zu verdunkeln. Diese düstere Perspektive bietet nach Meinung der LPV der Ahtisaari-Plan allen Menschen in Kosova.
Die LPV und die Kirchenfrage
Häufig wird der LPV unterstellt gegen religiöse Einrichtungen der serbisch orthodoxen Kirche zu sein. Den meisten Berichterstattern die solche Meinungen auch in den deutschsprachigen Presseraum kolportieren bedienen mit dieser Argumentation nichts anderes als nationalistische Standpunkte. Für die LPV ist die Religion eine zu respektierende Privatangelegenheit von Menschen unabhängig von ihrer Nationalität. Liburn Aliu von der LPV erklärte hierzu: "Die Baudenkmäler und die religiösen Monumente gehören allen Bürgern Kosovas. Es muß auch für Albaner völlig normal sein dem orthodoxem Glauben anzugehören". Aliu verwies darauf, dass einst auch viele Albaner orthodox waren und zum Teil heute noch sind. Diese Haltung stellte er dem Nationalismus des serbischen Klerus entgegen, der die Religion zur nationalen Angelegenheit macht. Mit dem Argument, dass "serbische religöse Erbe" in Kosova zu schützen findet nach dem Ahtisaari Plan ein gigantischer Land und Kulturraub statt. Weite Teile des Landes soll der serbische Klerus für sich erhalten, die LPV betrachtet dies als feudal-nationalistisches Prinzip.. Dies ist für die LPV völlig inakzeptabel. Die Monumente und Baudenkmäler gehören allen Bürgern Kosovas. Die Religion ist keine nationale Frage. In Geschichte und Gegenwart gab und gibt es auch orthodoxe Albaner. Die Monumente und Grundstücke gehören allen Bürgern Kosovas, egal welcher Religion oder Nationalität sie sich zugehörig fühlen.
Der Ahtisaari Plan gesteht der serbisch orthodoxen Kirche in Kosova 44 Sonderzonen zu. Die internationale Staatengemeinschaft scheint die Legende von den rein "serbischen Kirchen" in Kosova zu akzeptieren. Teile des Landes sollen mittels roter und blauer Linien dem serbisch nationalistischen Klerus unterstellt werden. Das Kloster in Decan wird von 1.000 Hektar Grundbesitz umgeben.
Ähnliche Regelungen gelten für alle vom serbischen Klerus beanspruchten sakralen Bauwerke, für die orthodoxen religiösen Monumente in Kosova. Das Land wird durch den nationalistischen Schwindel zergliedert, an die 75% der Menschen in den Sonderzonen sind Albaner über deren Eigentum und Leben der serbische Klerus befindet. Städte wie Prizeren werden durch die Sonderzonen mindestens in ZWEI geteilt und auch die Grabstätte des Nationalhelden Isa Boletini befindet sich in einer serbischen Sonderzone. Gleichzeitig stellt das Vorhaben der serbischen Orthodoxie "ihre Bauwerke" abzusondern einen ungeheuren Raub an dem kulturellem Erbe Kosovas dar. In der Tat gehören die Monumente, die Baukunst sowie das orthodoxe Erbe sämtlichen Bürgern Kosovas. Der nationalistische serbische Diskurs sowie der Ahtisaariplan ignoriert den Fakt, dass es auch bei den Albanern in Kosova eine orthodoxe Geschichte und Realität gibt. Ein Blick auf historische Aufnahmen von Festlichkeiten in den Klöstern von Peje und Decan genügt um dies zu beweisen. Viele Fresken in den sogenannten serbischen Kirchen zeigen Figuren mit eindeutig albanischen Kleidungsstücken. Es existieren Fotos die Albaner im Kloster von Decan vor einem Jahrhundert zeigen. Ein Foto aus dem Jahr 1895 lichtet Albaner mit einem Priester in Decan ab. Einige Männer auf Fresken im Patriarchat in Pejë tragen die typisch albanische Kopfbedeckung. Die Freske über dem Grab von Sava II zeigt wiederum Menschen mit der albanischen Plisa. Die Reihe der Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen.
Es ist eine grausame Realität in Kosova, dass durch den nationalistischen Diskurs (orthodox ist serbisch) Albaner dazu gebracht werden sollen ihr orthodoxes Erbe zu ignorieren.
Das Christentum verbreitete sich im 4. und 5. Jahrhundert auf dem westlichen Balkan. Die albanischen Gebiete liegen an der Nahtstelle zwischen Ost- und Westrom und damit auch an der Grenze zwischen griechischer und römischer Kirche. Der Süden Albaniens und breite Gebiete Kosovas standen unter dem Patriarchat von Konstantinopel, der Norden Albaniens und Teile Kosovas unter dem Einfluss der Päpste in Rom. In den Küstenstädten , die zeitweise zur Republik Venedig gehörten, gab es konkurrierende Kirchenorganisationen der Lateiner und Griechen.
Nach der Eroberung Albaniens und Kosovas durch die Osmanen kam der Islam als dritte Religion der Albaner hinzu. Die Muslime waren bald die Mehrheit unter den Albanern. Aus Südalbanien wanderten wegen des türkischen Drucks im 15. und 16. Jahrhundert viele Christen nach Süditalien aus. Im Land selbst machte sich aber im 17. Jahrhundert eine Art Renaissance der orthodoxen Kirche, die von den Türken nicht wie die katholische verfolgt wurde, bemerkbar. Viele Kirchenruinen wurden wiederhergestellt. Zuletzt wurde in Albanien die Kathedrale in Berat wiederaufgebaut.
Die orthodoxen Christen auf dem Gebiet des heutigen Kosova und Albanien waren noch im 19. Jahrhundert eng mit der griechischen Kirche verbunden. Der Klerus war zum großen Teil griechischer Nationalität und im Gegensatz zu den Muslimen und Katholiken gab es unter den Orthodoxen viele Angehörige nationaler Minderheiten, in erster Linie Griechen aber auch Aromunen und Mazedonier. Während die muslimischen und katholischen Albaner zeitweise in der albanischen Nationalbewegung -Rilindja- (=Wiedergeburt) - zusammenarbeiteten, die 1912 die Unabhängigkeit eines Teils von Albaniens erreichte, machte sich in Kosova der serbische orthodoxe Klerus, nach der grausamen Annektierung des Landes als eine der Hauptstützen des serbischen Staates breit.
Erste Anfänge einer unabhängigen albanischen Kirchenorganisation entstanden in den USA unter den albanischen Einwanderern. Im Jahr 1908 wurde der spätere Bischof von Korça, Fan Noli (später progressiver albanischer Präsident) der von Ahmet Zogu mit Unterstützung Serbiens gestürzt wurde, von Platon, dem russisch-orthodoxen Erzbischof von New York, zum Priester geweiht. Im selben Jahr feierte Fan Noli in Boston erstmals die Liturgie in albanischer Sprache. 1919 wurde Noli zum Bischof der Albanisch-Orthodoxen Kirche in Amerika ernannt, die eine eigenständige Diözese unter dem Ökumenischen Patriarchen bildete.
Nach dem Ersten Weltkrieg bekamen nationalalbanische Ansichten innerhalb der orthodoxen Kirche eine größere Bedeutung. Vorläufig verhinderten aber die Ökumenischen Patriarchen Gregorios VII. und Konstantin VI. die Entstehung einer autokephalen albanisch-orthodoxen Kirche, obwohl sie der albanische Staat anstrebte. In Kosova wurden alle selbständigen Regungen grausam unterdrückt. 1921 wurden die vier griechischstämmigen Bischöfe aus Albanien verwiesen. Vor allem die griechische Liturgiesprache wurde abgelehnt. 1929 erklärte sich die albanisch-orthodoxe Kirche einseitig für autokephal und ernannte Archimandrit Bessarion Juvani zu ihrem Metropoliten. Weitere griechische Priester und der Vertreter des Ökumenischen Patriarchen wurden ausgewiesen, nachdem Konstantinopel alle albanischen Bischöfe für abgesetzt erklärt hatte. Erst 1937 kam es zur offiziellen Anerkennung der albanischen Autokephalie durch Patriarch Benjamin. Im selben Jahr wurde ein Priesterseminar in Korca eingerichtet. Ein kurzer Blick in die Geschichte genügt um festzustellen, es gab und gibt eine orthodoxe Geschichte bei vielen Albanern. Diese Tatsache darf nicht dazu führen mit den serbischen Chauvinisten in orthodoxe Konkurrenz zu treten. Die Faktenlage gebietet aber festzuhalten, die Kirchen, Baudenkmäler und Klöster gehören allen Einwohnern Kosovas, unabhängig von ihrer Nationalität. Der Besuch der sakralen Einrichtungen, der religöse Ritus sowie das Glaubensbekenntnis ist allen Bürgern frei und gleich zu gewähren.
Die Religion ist die Privatsache jedes einzelnen Menschen, die Kunst und Kultur der Bauwerke haben jedoch einen speziellen Wert. Die Menschen müssen sich frei und offen zu einer Religion oder zum Atheismus, unabhängig von ihrer Nationalität bekennen dürfen. Der chauvinistische Unsinn von den "rein serbischen Kirchen" hat in Kosova nichts verloren. Gerade auch aus diesem Grund ist der Anschlag vor einigen Wochen gegen das Kloster in Decan abzulehnen, er richtete sich nicht gegen die geplante "serbische Botschaft" an diesem Ort, sondern gegen die Geschichte, Identität und das kulturelle Erbe aller Menschen in Kosova.
Die LPV und der Neoliberalismus
Die LPV entwickelt sich immer mehr zu einer Organisation die den Neoliberalismus und den Privatisierungsprozess in Kosova ablehnt. Albin Kurti schreibt dazu aus seiner Zelle in der JVA Prizeren am 22. April in der Zeitung EPOKA E RE: "Die Konzessionierung des Flughafens und die Pläne für das EKW (Energiekraftwerk) "Kosova C" sind nur der Anfang, weil Privatisierung der Kommunikationsdienste und des Energiesektors essentiell für den Neoliberalismus sind. Die Privatisierung von Ressourcen und des öffentlichen Sektors sind die Wege zur gesellschaftlichen Auflösung. Ökonomische Stagnation, welcher die fortdauernde und schnelle soziale Talfahrt begleitet, hat eine eindeutige und klare Adresse: die AKM (Treuhandgesellschaft Kosovas). Sie alleine verfügt über die Reichtümer Kosovas und die jeweiligen Entwicklungskapazitäten. Aber sie herrschte jahrelang, um jegliche Entwicklung zu blockieren, während dieser Dauerblockade fand der Ausverkauf von öffentlichen und gesellschaftlichen Reichtümern statt. Diese Veräußerung ist grundsätzlich ein Diebstahl am geflossenem Schweiß und an den geleisteten Entwicklungsbeiträgen der Bevölkerung. Dieser Diebstahl wurde innerhalb des Systems von Diebstahl begleitet, es werden viele Interessen zufriedengestellt zum Nachteil und auf dem Rücken der Allgemeinheit. Die Interessen der Allgemeinheit werden überhaupt nicht berücksichtigt."
Zu den örtlichen Profiteuren des Privatisierungsprozesses meint Kurti: " Die Unterbrechung des Befreiungskrieges führte zu einer reaktionären Hegemonie, die alte Kaste wurde nicht gestürzt, ihr Reichtum welcher durch Kollaboration entstand verband sich mit den Geschäftsmännern aus den Reihen von ehemaligen UCK-Kommandeuren." In der Tat, die Opposition gegen die als Marktwirtschaft verkaufte neoliberale Kolonialpolitik ist im Ansteigen begriffen. Für die neoliberale Kolonialpolitik wird die UNMIK und ihr örtlicher Anhang verantwortlich gemacht. Perspektivisch könnte sich der Jugendprotest der LPV mit der sozialen Unzufriedenheit von mehr als neunzig Prozent der Bevölkerung verbinden. Diese mögliche Rebellion mit ihrer brisanten Mischung aus nationalen, sozialen und antihegemonistischen Motiven könnte die Verhältnisse zum tanzen bringen.
Anmerkung der Redaktion: Der Artikel von Max Brym erschien auf haGalil online. HaGalil hat pro Monat knapp 300.000 Leser. Die Internetzeitung haGalil ist die größte jüdische Publikation in deutscher Sprache.
http://www.hagalil.com/01/de/Europa.php?itemid=859

References: Art. 2
 Art. 11
 Art. 13
 Art. 2
 Art. 7
 Art. 9
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 Art.3