Source: https://www.dr-datenschutz.de/anonymisierung-von-daten-der-bfdi-informiert/
Timestamp: 2020-08-10 19:38:05+00:00

Document:
Mehr zum Thema: Anonymisierung, Bundesdatenschutzbeauftragter, EU-DSGVO, Pseudonymisierung, Rechtsgrundlage
Anonymisierung => Datenschutz-Folgenabschätzung => DSB-Benennung gemäß § 38 BDSG.
Also darf niemand eine Anonymisierung seiner Daten durchführen, ohne zuvor den eigenen Datenschutzbeauftragten zu Rate zu ziehen. Eine interessante Konsequenz. Wer gegen diese Benennungs-Pflicht verstößt, der muss gemäß Artikel 83 (4a) ein Bußgeld bis 10 Mio. Euro zahlen. Vielleicht hätte der BfDI darauf besser hinweisen sollen.
Übrigens beinhaltet das Positionspapier noch einen wichtigen Aspekt im Kapitel 5 („Transparenz“): Die betroffenen Personen müssen informiert werden. Wer dies unterlässt ist ebenfalls einer Bußgeldgefahr ausgesetzt.
Auch das Verarbeitungsverzeichnis gemäß Artikel 30 muss angepasst werden.
… ehrlich gesagt verstehe ich die gesamte Diskussion nicht. Sorry.
Nicholas Vollmer am 1. Juli 2020, 12:17 Uhr
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die Konsequenz wäre in der Tat, dass eine separate Bestellpflicht ausgelöst werden würde, wenn man vor jeder Anonymisierung eine Datenschutz-Folgenabschätzung vornehmen müsste. Wie im Artikel angedeutet, dürfte es sinnvoll sein, dass die Aufsichtsbehörden hier mit Augenmaß vorgehen. Schlussendlich entscheiden müssten im Streitfall die Gerichte.
Dr. Datenschutz am 6. Juli 2020, 16:29 Uhr
Mit dem Hinweis auf die Zweckänderung nach Art. 6 IV DSGVO kann der Verantwortliche die Anonymisierung nur für den Zweck vornehmen dem Prinzip der Datenminimierung/Löschung nachzukommen, oder er hat Glück und der Zweck seiner Datenerhebung entspricht dem Zweck seiner weiteren Verarbeitung der anonymisierten Daten.
Würde dies so gesehen, wären ja die Grundsätze nach Art. 5 DSGVO auch auf anonymisierte Daten anwendbar.
Anonymisiert der Verantwortliche die Daten nicht gerade deswegen, damit er sie „frei“ verwenden kann??
Kuni Kuno am 7. Juli 2020, 13:17 Uhr
Die Anonymisierung von Daten kann theoretisch zu verschiedenen Zwecken rechtmäßig erfolgen, nicht nur, um einer Löschpflicht nachzukommen. Sobald personenbezogene Daten anonymisiert worden sind, ist kein Personenbezug mehr vorhanden, so dass datenschutzrechtliche Vorschriften keine Anwendung mehr finden. Anschließend können die Daten beispielsweise für statistische Zwecke verwendet werden.
Dr. Datenschutz am 8. Juli 2020, 09:13 Uhr
Die statistischen Zwecke werden immer als Beispiel genutzt, ich denke das kommt aus dem Art. 5 I e) DSGVO. Was aber, wenn der Verantwortliche die Daten zu Marketingzwecken erhebt, sie aber dann benutzen will (anonymisiert) um die Daten an Dritte zu verkaufen, oder neue Datenprodukte daraus bauen möchte? Eine Zweckvereinbarung nach Art. 6 IV DSGVO wäre hier auszuschließen, aber ein berechtigtes Interesse zur Anonymisierung der Daten wäre zu rechtfertigen.
Kuni Kuno am 13. Juli 2020, 08:52 Uhr
Das kommt, wie so oft, auf den konkreten Einzelfall an. Denkbar ist es aber in jedem Fall.
Dr. Datenschutz am 14. Juli 2020, 12:58 Uhr
Order, noch eine Frage, wenn die Anonymisierung eine Verarbeitung gleich kommt. Wie kann der Verantwortliche dann den Betroffenenrechte nachkommen, insbesondere Auskunftspflicht.
Im Umkehrschluss heißt es dann ja auch, wenn ich keine passenden Rechtmäßigkeit finde, dass die Anonymisierung verboten. Obwohl es letztendlich das Risiko für einen Betroffenen senken mag.
Ich muss auch sagen, die gesamte Diskussion ist schon sehr komplex, dass es mir ebenfalls schwer fällt zu folgen.
Thorsten am 7. Juli 2020, 14:06 Uhr
Zutreffend ist, dass jede Anonymisierung von personenbezogenen Daten einer Rechtsgrundlage bedarf, da es sich um eine Verarbeitung im Sinne der DSGVO handelt. Allerdings sind anonymisierte Daten selbst nicht mehr Gegenstand der Auskunftspflicht nach Art. 15 DSGVO, da der Personenbezug weggefallen ist. Siehe dazu auch das Kurzpapier Nr. 6 der DSK:
https://www.datenschutzkonferenz-online.de/media/kp/dsk_kpnr_6.pdf
Dr. Datenschutz am 8. Juli 2020, 16:26 Uhr

References: § 38
 Art. 6
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 6
 Art. 15