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Timestamp: 2020-01-26 06:30:53+00:00

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Fal­sche Anga­ben im Anla­ge­pro­spekt – und die Haf­tung des Geschäfts­füh­rers | Rechtslupe
Falsche Angaben im Anlageprospekt - und die Haftung des Geschäftsführers
Bei Publi­kums­ge­sell­schaft in der Rechts­form einer GmbH & Co. KG kommt der Geschäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH als Täter eines Kapi­tal­an­la­ge­be­trugs gemäß § 264a Abs. 1 Nr. 1 StGB in Betracht. Der Kapi­tal­an­la­ge­be­trug ist kein Son­der­de­likt. Täter kann jeder sein, der im Zusam­men­hang mit dem Ver­trieb von Kapi­tal­an­la­gen fal­sche Anga­ben macht, sofern nach straf­recht­li­chen Kri­te­ri­en eine Zurech­nung täter­schaft­li­cher Ver­ant­wort­lich­keit gerecht­fer­tigt ist 1.
Im vor­lie­gen­den Fall fällt der Emis­si­ons­pro­spekt in den Anwen­dungs­be­reich des § 264a Abs. 1 Nr. 1 StGB. Denn der Pro­spekt bezieht sich auf den Erwerb von Kom­man­dit­an­tei­len an der V. KG und steht damit im Zusam­men­hang mit dem Ver­trieb von Antei­len, die eine Betei­li­gung an dem Ergeb­nis eines Unter­neh­mens gewäh­ren sol­len; die Ein­schal­tung eines Treu­hän­ders steht der Anwen­dung des § 264a Abs. 1 StGB gemäß § 264a Abs. 2 StGB nicht ent­ge­gen 2.
Im vor­lie­gen­den Fall ent­hielt der Pro­spekt unrich­ti­ge vor­teil­haf­te Anga­ben hin­sicht­lich der für die Ent­schei­dung über den Erwerb der Anla­ge erheb­li­chen Umstän­de gemäß § 264a Abs. 1 StGB. Er war inso­fern feh­ler­haft, als die dar­in wie­der­ge­ge­be­ne Rege­lung über die Stor­no­haf­tung im Ver­hält­nis zum Ver­triebs­un­ter­neh­men C. GmbH mit einer Nach­trags­ver­ein­ba­rung zum Nach­teil der V. KG geän­dert wor­den ist, indem der der V. KG gegen die C. GmbH im Fal­le von Ver­trags­stor­nie­run­gen zuste­hen­de Pro­vi­si­ons­rück­zah­lungs­an­spruch durch die Nach­trags­ver­ein­ba­rung abwei­chend vom Pro­spektin­halt redu­ziert wor­den ist.
Waren die Pro­spek­te vor Abschluss der Nach­trags­ver­ein­ba­rung nur den mit dem Ver­trieb der Betei­li­gung beauf­trag­ten Han­dels­ver­tre­tern zugäng­lich gemacht wor­den und hat­ten die­se eine Ver­mitt­lung der Anla­ge unter Beru­fung auf die ungüns­ti­ge Stor­no­haf­tungs­re­ge­lung abge­lehnt, so wäre der Pro­spekt vor der Nach­trags­ver­ein­ba­rung noch nicht dem Anle­ger­pu­bli­kum zugäng­lich gemacht wor­den. Waren vor Abschluss der Nach­trags­ver­ein­ba­rung erst ver­ein­zelt poten­ti­el­le Anle­ger ange­spro­chen wor­den, so wäre die mög­li­che Tat­hand­lung man­gels Errei­chens eines grö­ße­ren Krei­ses poten­ti­el­ler Anle­ger jeden­falls nicht voll­endet 6.
Aber auch wenn der Pro­spekt vor Abschluss der Nach­trags­ver­ein­ba­rung bereits einem grö­ße­ren Kreis poten­ti­el­ler Anle­ger zugäng­lich gemacht wor­den sein soll­te, kann ein Ver­stoß des Geschäfts­füh­rers der Kom­ple­men­tär-GmbH gegen § 264a Abs. 1 StGB nicht ver­neint wer­den.
Eine Haf­tung des Geschäfts­füh­rers ist auch nicht des­halb zu ver­nei­nen, weil er im Zeit­punkt des Bei­tritts des Anle­gers nicht mehr Geschäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH war. Er kann vor­lie­gend den objek­ti­ven Tat­be­stand des § 264a StGB im Streit­fall nicht allein durch Unter­las­sen ver­wirk­licht haben. Es steht nicht fest, dass die Pro­spek­te den Anle­gern bereits vor ihrem Unrich­tig­wer­den aus­ge­hän­digt wor­den und erst durch Zeit­ab­lauf feh­ler­haft gewor­den sind. Auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen kann viel­mehr nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass der Geschäfts­füh­rer feh­ler­haf­te Pro­spek­te ver­wen­det hat oder hat ver­wen­den las­sen, damit den Tat­be­stand des § 264a StGB durch posi­ti­ves Tun ver­wirk­licht und eine – trotz der Been­di­gung sei­ner Tätig­keit als Geschäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH fort­wir­ken­de – Ursa­che für den Scha­den der Anle­ge­rin gesetzt hat.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Dezem­ber 2015 – VI ZR 101/​14
vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2014 – VI ZR 560/​13, VersR 2014, 1095 Rn. 31; Fischer, StGB, 62. Aufl., § 264a Rn. 13; Tiedemann/​Vogel in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 12. Aufl., § 264a Rn. 64 f., 84[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2014 – VI ZR 560/​13, VersR 2014, 1095 Rn. 34 f.; Tiedemann/​Vogel in Leip­zi­ger Kom­men­tar, aaO Rn. 84; Per­ron in Schönke/​Schröder, aaO Rn. 37; Fischer, aaO, Rn. 13, 18; Münch­Komm-StG­B/­Woh­lers/­Mühl­bau­er, aaO Rn. 101; Bosch in Satzger/​Schluckebier/​Widmaier, aaO § 264a Rn.20[↩]
vgl. OLG Mün­chen, OLGR 2004, 239, 240; NK-StG­B/Hell­mann, 4. Aufl., § 264a Rn. 41 a.E.; Joecks in Achenbach/​Ransiek, Hand­buch Wirt­schafts­straf­recht, 3. Aufl., 10. Teil 1. Kap. Rn. 45; Tiedemann/​Vogel in Leip­zi­ger Kom­men­tar, aaO § 264a Rn. 82 mit Fn. 91; Münch­Komm-StG­B/­Woh­lers/­Mühl­bau­er, aaO § 264a Rn. 62; sie­he auch OLG Mün­chen, Urteil vom 09.02.2011 – 15 U 3789/​10 58; SK-StG­B/Ho­yer, § 264a Rn. 17 f. [Stand: Juni 2014]; aA OLG Naum­burg, Urteil vom 05.08.2004 – 2 U 42/​04[↩]

References: § 264
 § 264
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