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Timestamp: 2019-09-23 20:45:08+00:00

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BGH, 18.12.2012 - II ZR 220/10 - dejure.org
https://dejure.org/2012,44423
BGH, 18.12.2012 - II ZR 220/10 (https://dejure.org/2012,44423)
BGH, Entscheidung vom 18.12.2012 - II ZR 220/10 (https://dejure.org/2012,44423)
BGH, Entscheidung vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10 (https://dejure.org/2012,44423)
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§ 823 Abs. 2 BGB; § 266a Abs. 1 StGB
§ 823 Abs 2 BGB, § 266a Abs 1 StGB
Darlegungslast und Beweislast des Sozialversicherungsträgers bei Inanspruchnahme des Geschäftsführers einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung wegen Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen
Zur Darlegungs- und Beweislast eines Sozialversicherungsträgers bei Haftung eines Geschäftsführers wegen nicht abgeführter Sozialversicherungsbeiträge; §§ 823 Abs. 2 BGB, 266a Abs. 1 StGB
Darlegungs- und Beweislast des Sozialversicherungsträgers auch für Vorsatz des Geschäftsführers bei Inanspruchnahme wegen Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen
Schadensersatzanspruch wegen Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen
Zur Darlegungs- und Beweislast des Sozialversicherungsträgers für den Vorsatz des beklagten Geschäftsführers bei Ansprüchen wegen Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen aus § 823 Abs. 2 BGB, 266a Abs. 1 StGB
ZPO § 286 Abs. 1 S. 1; BGB § 823 Abs. 2
Beitragsansprüche, Beitragsvorenthaltung, Darlegungs- und Beweislast, Geschäftsführer, Gesellschaftsrecht, Haftung, Kompetenzen, Leistungen an Sozialkassen, Schadensersatzanspruch
Zur Darlegungs- und Beweislast bei Ansprüchen gegen GmbH-Geschäftsführer wegen Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen
Geschäftsführerhaftung: Nachweis der schuldhaften Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen
Darlegungs- und Beweislast bei Inanspruchnahme eines Geschäftsführers aus § 823 Abs. 2 BGB, § 266a StGB
AG Berlin-Tempelhof/Kreuzberg, 08.09.2009 - 6 C 118/09
LG Berlin, 25.06.2010 - 85 S 41/10
NJW 2013, 1304
ZIP 2013, 412
MDR 2013, 289
VersR 2013, 1058
WM 2013, 329
DB 2013, 343
NZG 2013, 301
aa) Der Sozialversicherungsträger, der den Geschäftsführer einer GmbH wegen Vorenthaltens von Arbeitnehmeranteilen zur Sozialversicherung in Anspruch nimmt und sich hierbei, wie die Klägerin im Streitfall, auf eine deliktische Haftung wegen Verletzung eines Schutzgesetzes stützt, hat grundsätzlich alle Umstände darzulegen und zu beweisen, aus denen sich die Verwirklichung der einzelnen Tatbestandsmerkmale des Schutzgesetzes ergibt; den in Anspruch genommenen Geschäftsführer trifft lediglich eine sekundäre Darlegungslast (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, ZIP 2013, 412 Rn. 14;Urteil vom 11. Dezember 2001 - VI ZR 350/00, ZIP 2002, 524, 525 f. mwN).
Die Darlegungs- und Beweislast des klagenden Sozialversicherungsträgers erstreckt sich auch auf den Vorsatz des Beklagten (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, ZIP 2013, 412 Rn. 14 mwN).
Dieser an die Beweislastverteilung nach § 282 BGB aF (jetzt § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB) angelehnte Grundsatz gilt jedoch nicht, wenn der Schadensersatzanspruch - wie im Streitfall - Vorsatz voraussetzt (vgl. BGH, Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, ZIP 2013, 412 Rn. 15;… Urteil vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06, ZIP 2008, 1673 Rn. 23;… Urteil vom 23. März 2010 - VI ZR 57/09, ZIP 2010, 1122 Rn. 38).
bb) Dieser Rechtsirrtum des Berufungsgerichts erweist sich nicht deshalb ohne weiteres als unschädlich, weil den Geschäftsführer einer GmbH, der wegen des Nichtabführens von Sozialversicherungsbeiträgen gemäß § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 266a StGB auf Schadensersatz in Anspruch genommen wird, grundsätzlich eine sekundäre Darlegungslast trifft (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, ZIP 2013, 412 Rn. 14).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, von der auch das Berufungsgericht ausgeht, handelt der wegen Nichtabführung der Sozialversicherungsbeiträge in Anspruch genommene Geschäftsführer mit bedingtem Vorsatz, wenn er eine für möglich gehaltene Beitragsvorenthaltung billigt und nicht auf die Erfüllung der Ansprüche der Sozialversicherungsträger hinwirkt (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, ZIP 2013, 412 Rn. 16 mwN).
Anlass für konkrete Überwachungsmaßnahmen bieten insbesondere eine finanzielle Krisensituation oder ungeordnete Verhältnisse im Geschäftsablauf innerhalb der Gesellschaft (vgl. BGH…, Urteil vom 2. Juni 2008 - II ZR 27/07, ZIP 2008, 1275 Rn. 11; Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, ZIP 2013, 412 Rn. 17; Urteil vom 9. Januar 2001 - VI ZR 407/99, ZIP 2001, 422, 424).
Es entspricht feststehender Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass derjenige, der sich auf eine deliktische Haftung wegen Verletzung eines Schutzgesetzes stützt, grundsätzlich alle Umstände darzulegen und zu beweisen hat, aus denen sich die Verwirklichung der einzelnen Tatbestandsmerkmale des Schutzgesetzes ergibt (BGH…, Urteil vom 19. Juli 2011 - VI ZR 367/09, ZIP 2011, 1821 Rn. 13; vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, WM 2013, 329 Rn. 14).
Da das Schutzgesetz ein vorsätzliches Handeln verlangt und nach § 302 Nr. 1 InsO aF (Art. 103h EGInsO) nur eine vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung von der Restschuldbefreiung ausgenommen ist, ist der Gläubiger schließlich für den bedingen Vorsatz des Unterhaltsschuldners beweispflichtig (vgl. BGH…, Urteil vom 2. Dezember 2010 - IX ZR 247/09, BGHZ 187, 337 Rn. 16; vom 18. Dezember 2012, aaO).
Vielmehr entspricht es feststehender Rechtsprechung, dass den aus der Verletzung eines Schutzgesetzes in Anspruch genommenen Schuldner eine sekundäre Darlegungslast treffen kann (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, WM 2013, 329 Rn. 14;… vom 10. Februar 2015 - VI ZR 343/13, WM 2015, 743 Rn. 11).
Zwar weist die Berufung zutreffend daraufhin, dass die Darlegungs- und Beweislast für sämtliche anspruchsbegründenden Umstände und damit auch für die Kenntnis des Beklagten von der Krisensituation, auf Seiten der Klägerin liegt (vgl. dazu BGH, Urteil vom 18.12.2012, II ZR 220/10).
Bei einem deliktischen Anspruch wegen Verletzung eines Schutzgesetzes hat der Gläubiger grundsätzlich alle Umstände darzulegen und zu beweisen, aus denen sich die Verwirklichung der einzelnen Tatbestandsmerkmale des Schutzgesetzes ergibt, dazu gehört auch der Vorsatz des Schuldners (BGH; NJW 2013, S. 1304, 1305 Tz. 14).
Eine bei feststehendem objektiven Verstoß prinzipiell mögliche Beweislastumkehr erstreckt sich in Fällen wie dem vorliegenden nicht auf den Vorsatz des in Anspruch genommenen Geschäftsführers, den allerdings eine sekundäre Darlegungslast trifft (BGH, Urteil vom 18.12.2012 - II ZR 220/10 - NJW 2013, 1304, 1305 Tz. 14).
Jedoch hat der Gläubiger grundsätzlich alle Umstände darzulegen und zu beweisen, aus denen sich die Verwirklichung der einzelnen Tatbestandsmerkmale des Schutzgesetzes ergibt, wobei sich die Darlegungs- und Beweislast dabei auch auf den Vorsatz erstreckt (…BGH, NJW 2015, S. 645, 646 Tz. 11; BGH, NJW 2013, 1304, 1305 Tz. 14;… Sprau in Palandt, a.a.O., § 823 Rz. 81).
Allenfalls kann sich für den in Anspruch genommenen Schädiger eine sekundäre Darlegungslast ergeben, wenn die beweispflichtige Partei außerhalb des von ihr vorzutragenden Geschehensablaufs steht und keine nähere Kenntnis der maßgebenden Tatsachen besitzt, der Prozessgegner aber die wesentlichen Umstände kennt und es ihm zumutbar ist, dazu nähere Angaben zu machen (…BGH NJW 2016, S. 1823, 1825 Tz. 22;… BGH NZG 2015, S. 645, 646 Tz. 11; BGH, NJW 2013, 1304, 1305 Tz. 14).
Für den Vorsatz sind das Bewusstsein und der Wille erforderlich und ausreichend, die Abführung der Beiträge bzw. der Zahlung der Teile des Arbeitsentgelts an einen anderen bei Fälligkeit ebenso zu unterlassen wie die entsprechende Unterrichtung der Arbeitnehmer bei Fälligkeit oder unverzüglich danach (…vgl. BGH 01.10.1991 - VI ZR 374/90, NJW 1992, 177 Rn. 13; BGH 18.12.2012 - II ZR 220/12, WM 2013, 329 Rn. 16;… OLG Brandenburg 21.11.2002 - 12 U 149/01 a.a.O. Rn. 29).
Nach allgemeinen Grundsätzen hat der Anspruchsteller, der wie hier der Kläger als Insolvenzverwalter einen Anspruch auf eine deliktische Haftung wegen Verletzung eines Schutzgesetzes stützt, alle Umstände darzulegen und zu beweisen, aus denen sich die Verwirklichung der einzelnen Tatbestandsmerkmale des Schutzgesetzes ergibt (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, WM 2013, 329 Rn. 14; Urteil vom 11. Dezember 2001 - VI ZR 350/00, ZIP 2002, 524, 525 f. mwN).
Dazu trägt der Kläger, den die Darlegungs- und Beweislast für den Vorsatz im Rahmen der Ansprüche aus Delikt trifft (…vgl. nur Palandt/Sprau, BGB, 73. Aufl. 2014, § 823 Rn. 81 unter Hinweis auf BGH, Urteil vom 18.12.2012 - II ZR 220/10, juris Rn. 14), schon nicht substantiiert vor.

References: § 823
 § 266

§ 823
 § 266
 § 823
 § 286
 § 823
 § 823
 § 266
 § 282
 § 280
 § 823
 § 266
 § 302
 § 823
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 823