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Timestamp: 2019-12-12 19:56:41+00:00

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Erwerbs­be­ding­ter Betreu­ungs­be­darf 2000 und 2001 | Rechtslupe
Der Betreu­ungs­frei­be­trag in § 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 erfasst auch erwerbs­be­ding­ten Betreu­ungs­be­darf. Die tat­säch­lich ent­stan­de­nen Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten sind dage­gen, wie der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt ent­schie­den hat, nicht als Wer­bungs­kos­ten absetz­bar.
Nach § 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 wird bei der Ver­an­la­gung zur Ein­kom­men­steu­er für jedes zu berück­sich­ti­gen­de Kind des Steu­er­pflich­ti­gen ein Frei­be­trag von 3 456 DM für das säch­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum des Kin­des (Kin­der­frei­be­trag) sowie für jedes Kind, wel­ches das 16. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat, zusätz­lich ein Betreu­ungs­frei­be­trag von 1 512 DM vom Ein­kom­men abge­zo­gen. Nach § 32 Abs. 6 Satz 3 EStG 2001 ver­dop­peln sich bei Ehe­gat­ten, die nach den §§ 26, 26b EStG zusam­men zur Ein­kom­men­steu­er ver­an­lagt wer­den, die Beträ­ge nach Satz 1, wenn das Kind zu bei­den Ehe­gat­ten in einem Kind­schafts­ver­hält­nis steht.
Das Ein­kom­men­steu­er­ge­setz in der im Jahr 2001 gel­ten­den Fas­sung ent­hält kei­ne Rechts­grund­la­ge dafür, die getä­tig­ten Auf­wen­dun­gen für die Unter­brin­gung eines Kin­des in Kin­der­ta­ges­stät­te und Hort als Wer­bungs­kos­ten nach § 9 EStG zu berück­sich­ti­gen.
Wie der Bun­des­fi­nanz­hof 1 bereits zur Rechts­la­ge 1999 ent­schie­den hat­te, sind Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten Auf­wen­dun­gen, die stets auch pri­vat mit ver­an­lasst sind. Sie sind nicht als Erwerbs­auf­wen­dun­gen abzieh­bar, auch wenn sie Vor­aus­set­zung für die Berufs­aus­übung eines Eltern­teils sind. An die­ser sys­te­ma­ti­schen Grund­ent­schei­dung hat der Gesetz­ge­ber auch für die hier im Streit ste­hen­de Rechts­la­ge des Ver­an­la­gungs­zeit­raums 2001 fest­ge­hal­ten. Denn er hat für die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me 2000 und 2001 in § 32 Abs. 6 Satz 1 EStG einen Betreu­ungs­frei­be­trag ein­ge­führt, der nicht unmit­tel­bar ein­künf­te­min­dernd als Erwerbs­auf­wand, son­dern im Rah­men der Ermitt­lung des zu ver­steu­ern­den Ein­kom­mens auf der Ebe­ne des Ein­kom­mens i.S. des § 2 Abs. 4 EStG zusätz­lich zum bis­he­ri­gen Kin­der­frei­be­trag abzu­zie­hen ist. § 32 Abs. 6 Sät­ze 1, 3 EStG 2001 erfasst des­halb Betreu­ungs­be­darf all­ge­mein und schließt ins­be­son­de­re auch sol­chen Betreu­ungs­be­darf ein, der erwerbs­be­dingt ist 2.
Die­ses Ver­ständ­nis folgt schon aus dem Wort­laut des § 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 und wird ins­be­son­de­re durch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 bestä­tigt. Das Gesetz zur Fami­li­en­för­de­rung vom 22. Dezem­ber 1999 3 hat die Bestim­mung ein­ge­führt, um die ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Ver­scho­nung des Betreu­ungs­be­darfs neu zu regeln, weil zum Exis­tenz­mi­ni­mum eines Kin­des nicht nur der sach­li­che Min­dest­be­darf, son­dern auch der Betreu­ungs­be­darf und der Erzie­hungs­be­darf eines Kin­des gehör­ten 4. Der Gesetz­ge­ber befolg­te damit eine Anord­nung des BVerfG 5. Das BVerfG sah auf Grund­la­ge des Art. 1 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes (GG) und Art. 6 Abs. 1 GG i.V.m. dem Sozi­al­staats­grund­satz des Art. 20 Abs. 1 GG den Gesetz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen ver­pflich­tet, bei der Beur­tei­lung der steu­er­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit auch den Betreu­ungs­be­darf als not­wen­di­gen Bestand­teil des fami­liä­ren Exis­tenz­mi­ni­mums steu­er­frei zu belas­sen. Es sah ihn aller­dings nicht dahin gebun­den, erwerbs­be­ding­ten Betreu­ungs­be­darf ein­künf­te­min­dernd zu berück­sich­ti­gen. Die ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Ver­scho­nung des Betreu­ungs­be­darfs soll­te viel­mehr unab­hän­gig von der Art der Betreu­ung und von kon­kre­ten Auf­wen­dun­gen aus­ge­stal­tet sein.
Der Gesetz­ge­ber hat­te die­se Vor­ga­ben auf­ge­grif­fen und sei­nen Rege­lungs­auf­trag dem­entspre­chend umge­setzt. Der letzt­lich Gesetz gewor­de­ne Ent­wurf der Frak­tio­nen qua­li­fi­zier­te des­halb den neu ein­ge­führ­ten Betreu­ungs­frei­be­trag als einen typi­sie­ren­den Betreu­ungs­frei­be­trag, der unab­hän­gig von tat­säch­lich ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen abge­zo­gen wer­de 6. § 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 erfasst mit­hin auch erwerbs­be­ding­ten Betreu­ungs­be­darf.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. April 2009 – VI R 60/​06
BFH, Urteil vom 12. April 2007 – VI R 42/​03, BFH/​NV 2007, 1312, m.w.N.[↩]
Sei­ler in Kirch­hof, EStG, 8. Aufl., § 32 Rz 28; Jach­mann, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 32 Rz A 33a; A 40; A 43; D 1; Blümich/​Heuermann, § 32 EStG Rz 13; 23[↩]
BT-Drucks. 14/​1513 S. 11[↩]
BVerfGE 99, 216, BSt­Bl II 1999, 182[↩]
1%-RegelungBeurteilungKinderbetreuungSteuerrechtVeranlagungWerbungWerbungskosten

References: § 32
 § 32
 § 32
 § 9
 § 32
 § 2
 § 32
 § 32
 § 32
 Art. 1
 Art. 6
 Art. 20
 § 32
 § 32
 § 32
 § 32