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Timestamp: 2020-05-25 15:12:36+00:00

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Die unionsrechtswidrige Muster-Widerrufsbelehrung beim Gebrauchtwagenkauf | VerbraucherBote
4. Mai 2020 VerbraucherBote Allgemein
Eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB aF über­schrit­te indes ent­ge­gen sei­nem ein­deu­ti­gen Wort­laut, sei­nem Sinn und Zweck und der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te die Befug­nis der Gerich­te. Die durch das Gesetz zur Ein­füh­rung einer Mus­ter­wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on für Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge, zur Ände­rung der Vor­schrif­ten über das Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen und zur Ände­rung des Dar­le­hens­ver­mitt­lungs­rechts vom 24.07.2010 14 in Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB ein­ge­füg­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on trug der Ent­schlie­ßung des Deut­schen Bun­des­ta­ges im Rah­men der Beschluss­fas­sung zum Gesetz zur Umset­zung der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie, des zivil­recht­li­chen Teils der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie sowie zur Neu­ord­nung der Vor­schrif­ten über das Wider­rufsund Rück­ga­be­recht 15 Rech­nung. Mit die­ser Ent­schlie­ßung hat­te der Deut­sche Bun­des­tag die Bun­des­re­gie­rung unter ande­rem auf­ge­for­dert, zu Beginn der 17. Legis­la­tur­pe­ri­ode einen Gesetz­ent­wurf mit einem Mus­ter für eine Infor­ma­ti­on über das Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­gen mit Gesetz­lich­keits­fik­ti­on in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­zu­brin­gen. Durch die gesetz­li­che Rege­lung im EGBGB und die Schaf­fung eines (fakul­ta­ti­ven) Mus­ters soll­te Rechts­klar­heit und Rechts­si­cher­heit bei den Anwen­dern erzeugt und der Rechts­ver­kehr ver­ein­facht wer­den 6. Die­ses gesetz­ge­be­ri­sche Ziel wür­de ver­fehlt, wür­de man der Ver­wen­dung des Mus­ters die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on abspre­chen, weil etwa der Ver­weis in der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on auf § 492 Abs. 2 BGB in Kom­bi­na­ti­on mit der bei­spiel­haf­ten Auf­zäh­lung von Pflicht­an­ga­ben nach Art. 247 § 6 EGBGB nach dem Urteil des Gerichts­hofs vom 26.03.2020 7 nicht richt­li­ni­en­kon­form ist.
Im Übri­gen nimmt der Bun­des­ge­richts­hof Bezug auf sei­ne Urtei­le vom 05.11.2019 sowie auf sei­nen Beschluss vom 11.02.2020 16. Das erneu­te Vor­ab­ent­schei­dungs­ge­such des Ein­zel­rich­ters des Land­ge­richts Ravens­burg 17 ver­mag eine Aus­set­zung nicht zu recht­fer­ti­gen, weil die von dem Ein­zel­rich­ter in sei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­ge­such 18 wie auch bereits in dem vor­an­ge­gan­ge­nen Vor­ab­ent­schei­dungs­ge­such des Ein­zel­rich­ters des Land­ge­richts Ravens­burg 19 auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen ange­sichts des Wort­lauts, der Rege­lungs­sys­te­ma­tik und des Rege­lungs­zwecks der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie der­art offen­kun­dig zu beant­wor­ten sind, dass für ver­nünf­ti­ge Zwei­fel kein Raum bleibt („acte clair”) 20. Die von dem Ein­zel­rich­ter in sei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen vom 05.03.2020 18 auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen zum Ein­wand der Ver­wir­kung und des Rechts­miss­brauchs gegen­über der Aus­übung des Wider­rufs­rechts des Ver­brau­chers stel­len sich nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs vor­lie­gend nicht. Ent­ge­gen der Ansicht des Ein­zel­rich­ters des Land­ge­richts Ravens­burg in die­sem (erneu­ten) Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen, bei dem er nach § 348a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO ver­fah­ren muss, besteht ein zulas­sungs­re­le­van­ter Mei­nungs­streit zum Ein­wand der Ver­wir­kung und des Rechts­miss­brauchs beim Wider­ruf von Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen jeden­falls seit den grund­le­gen­den Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs vom 12.07.2016 21 nicht mehr (§ 543 Abs. 2 Nr. 1 ZPO) 22.
Im Übri­gen ist inso­weit dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich aus § 242 BGB der das gesam­te Rechts­le­ben beherr­schen­de Grund­satz ablei­tet, dass jeder­mann in Aus­übung sei­ner Rech­te und Erfül­lung sei­ner Pflich­ten nach Treu und Glau­ben zu han­deln hat 23. Die Fra­ge, ob ver­brau­cher­schüt­zen­de Wider­rufs­rech­te durch natio­na­le Vor­schrif­ten zum Rechts­miss­brauch beschränkt wer­den dür­fen, berührt zwar das Gebot der prak­ti­schen Wirk­sam­keit. Der Anwen­dung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben und des Ver­bots wider­sprüch­li­cher Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) steht dies aber nicht ent­ge­gen, weil zum einen die Aus­übung die­ser Rech­te in das natio­na­le Zivil­recht ein­ge­bet­tet bleibt und weil zum ande­ren die natio­na­len Gerich­te ein miss­bräuch­li­ches oder betrü­ge­ri­sches Ver­hal­ten auch nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on berück­sich­ti­gen dür­fen 24.
EuGH, Urteil vom 26.03.2020 C66/​19, „Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is”[↩][↩][↩]
EuGH, Urteil vom 16.06.2005 [Gro­ße Kam­mer] C105/​03, „Pupi­no”, Slg. 2005, I5285 Rn. 47; Urteil vom 04.07.2006 [Gro­ße Kam­mer] C212/​04, „Ade­neler”, Slg. 2006, I6057 Rn. 110; Urteil vom 15.04.2008 [Gro­ße Kam­mer] C268/​06, „Impact”, Slg. 2008, I2483 Rn. 100, 103; Urteil vom 24.01.2012 [Gro­ße Kam­mer] C282/​10, „Dom­in­guez”, NJW 2012, 509 Rn. 25; Urteil vom 22.01.2019 [Gro­ße Kam­mer] C193/​17, „Cres­co Inves­ti­ga­ti­on”, NZA 2019, 297 Rn. 74; Urteil vom 08.05.2019 C486/​18, „Pra­x­air MRC”, NZA 2019, 1131 Rn. 38; Urteil vom 11.09.2019 C143/​18, „Roma­no”, WM 2019, 1919 Rn. 38; BVerfG, WM 2012, 1179, 1181; BGH, Urteil vom 15.10.2019 – XI ZR 759/​17, WM 2019, 2164 Rn. 22 mwN[↩]
vgl.nur EuGH, Urteil vom 02.05.1996, „Palet­ta”, C206/​94, Slg. 1996, I2357 Rn. 25; Urteil vom 21.07.2011, „Oguz”, C186/​10, Slg. 2011, I6957 Rn. 25 mwN; BVerfG aaO[↩]

References: Art. 247
 § 6
 Art. 247
 § 6
 § 492
 Art. 247
 § 6
 § 348
 § 242