Source: http://m.hensche.de/tarifvertraglicher_Mehrurlaub_Krankheit_TVoeD_tarifvertraglicher_Mehrurlaub_Krankheit_BAG_9AZR575-10.html
Timestamp: 2016-12-06 08:08:41+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: Tarifvertraglicher Mehrurlaub und Krankheit
23.05.2012. Seit der Ent­schei­dung des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs (EuGH) in der Sa­che Schultz-Hoff (EuGH, Ur­teil vom 20.01.2009, C-350/06) darf der vier­wö­chi­ge Min­des­t­ur­laub nicht zum 31. De­zem­ber oder zum 31. März des Fol­ge­jah­res ver­fal­len, wenn der Ar­beit­neh­mer ihn in­fol­ge ei­ner län­ge­ren Krank­heit nicht neh­men konn­te. Bei mehr­jäh­ri­ger Er­kran­kung ver­län­gert sich dem­zu­fol­ge der Ur­laubs­an­spruch im­mer wei­ter. Frag­lich ist al­ler­dings, ob das auch für den tar­f­li­chen Mehr­ur­laub gilt, d.h. für die zu­sätz­li­chen Ur­laubs­ta­ge, die vie­le Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge ei­nes Ta­rif­ver­trags über ih­ren vier­wö­chi­gen Min­des­t­ur­laub hin­aus ver­lan­gen kön­nen. Mit den Vor­ga­ben des EuGH wä­re es zu ver­ein­ba­ren, wenn ein sol­cher Mehr­ur­laub in Krank­heits­fäl­len kurz nach Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res ver­fal­len wür­de. Von die­ser Mög­lich­keit muss ein Ta­rif­ver­trag dann aber auch Ge­brauch ma­chen, d.h. er muss ei­ne ge­gen­über dem BUrlG ei­gen­stän­di­ge Re­ge­lung der Fra­ge be­inhal­ten, was mit dem Mehr­ur­laub in Fäl­len lang an­dau­ern­den Krank­heit ge­sche­hen soll.
Wovon hängt es ab, ob sich der tarifliche Mehrurlaub in Krankheitsfällen nach dem BUrlG richtet?
Ob bei mehrjähri­ger, Krank­heit nicht nur der vierwöchi­ge ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub auf­recht er­hal­ten wird, son­dern außer­dem der ta­rif­li­che Mehr­ur­laub, hängt da­von ab, ob der je­weils an­zu­wen­den­de Ta­rif­ver­trag ei­ge­ne, d.h. vom BUrlG un­abhängi­ge Re­ge­lun­gen zum The­ma Ur­laubsüber­tra­gung und/oder Ur­laubs­ab­gel­tung enthält oder nicht. Gibt es in dem Ta­rif­ver­trag sol­che ein­geständi­gen Über­tra­gungs- und Ab­gel­tungs­re­ge­lun­gen, kann sich aus ih­nen er­ge­ben, dass der we­gen Krank­heit nicht ge­nom­me­ne Mehr­ur­laub zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt verfällt. Enthält der Ta­rif­ver­trag da­ge­gen kei­ne ein­geständi­gen Über­tra­gungs- und Ab­gel­tungs­re­ge­lun­gen, gilt für den ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub das BUrlG und die zum BUrlG er­gan­ge­ne Recht­spre­chung, die den Ar­beit­neh­mer da­vor si­chert, sei­nen Ur­laubs­an­spruch durch ei­ne länge­re Er­kran­kung zu ver­lie­ren ("Gleich­lauf mit dem BUrlG").
Mehrurlaub gemäß § 26 Abs.2 TVöD - Gleichlauf mit dem BUrlG oder eigenständige Regelung?
Die­ser Aus­le­gung von § 26 TVöD hat sich das BAG an­ge­schlos­sen und da­her eben­falls ge­gen den Ar­beit­neh­mer ent­schie­den. Oh­ne wei­te­res klar ist die­se Ent­schei­dung al­ler­dings nicht, auch wenn al­le drei In­stan­zen zum sel­ben Er­geb­nis ge­kom­men sind. Denn § 26 TVöD un­ter­schei­det nicht zwi­schen dem ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub und dem ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub. Trotz­dem hat sich § 26 Abs. 2 TVöD deut­lich vom ge­setz­li­chen Fris­ten­re­gime in § 7 Abs. 3 BUrlG gelöst, in­dem er die Über­tra­gung und den Ver­fall des krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­nen Ur­laubs "ei­genständig" re­gelt, so das BAG. Fa­zit: Im Fal­le des ta­rif­li­chen Mehr­ur­laubs gemäß § 26 TVöD gibt es kei­nen „Gleich­lauf“ von ge­setz­li­chem Min­des­t­ur­laubs und ta­rif­li­chem Mehr­ur­laub. Das hat zur Fol­ge, dass der krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­ne Mehr­ur­laub je­weils am 31. Mai des Fol­ge­jah­res verfällt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:
Hand­buch Ar­beits­recht: Krank­heit Hand­buch Ar­beits­recht: Ur­laub
Bewertung: Ta­rif­ver­trag­li­cher Mehr­ur­laub und Krank­heit

References: EuGH 
 § 26
 § 26
 § 26
 § 26
 § 7
 § 26