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Timestamp: 2020-01-17 21:08:07+00:00

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Nicht erfüll­te Unter­halts­an­sprü­che und das Kin­der­geld des voll­jäh­ri­gen Kin­des | Rechtslupe
Nicht erfüll­te Unter­halts­an­sprü­che und das Kin­der­geld des voll­jäh­ri­gen Kin­des
Erhält das ver­hei­ra­te­te Kind eines Kin­der­geld­be­rech­tig­ten von sei­nem getrennt leben­den Ehe­gat­ten kei­ne Unter­halts­zah­lun­gen, so darf der Unter­halts­an­spruch nicht als Bezug i.S. von § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG berück­sich­tigt wer­den 1.
Für ein voll­jäh­ri­ges Kind, das einen der Tat­be­stän­de des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 EStG erfüllt, wird gemäß § 63 Abs. 1 Sät­ze 1 und 2 EStG Kin­der­geld gewährt, wenn sei­ne Ein­künf­te und Bezü­ge nach § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG einen Grenz­be­trag nicht über­stei­gen, der sich im Jahr 2003 auf 7.188 EUR belief.
Zu den Bezü­gen eines ver­hei­ra­te­ten Kin­des gehö­ren auch die Unter­halts­leis­tun­gen des Ehe­gat­ten. Aller­dings besteht nach der Ehe­schlie­ßung des Kin­des grund­sätz­lich kein Kin­der­geld­an­spruch der Eltern mehr, weil ab die­sem Zeit­punkt in ers­ter Linie der Ehe­part­ner dem Kind zum Unter­halt ver­pflich­tet ist (§ 1608 Satz 1 BGB i.V.m. §§ 1360, 1360a BGB). Die Eltern sind nur noch nach­ran­gig unter­halts­ver­pflich­tet. Aus­nahms­wei­se müs­sen Eltern gegen­über ihrem ver­hei­ra­te­ten Kind Unter­halts­leis­tun­gen erbrin­gen, wenn das Ein­kom­men des Ehe­part­ners so gering ist, dass er zum voll­stän­di­gen Unter­halt nicht in der Lage ist sog. Man­gel­fall- 2. Ein Man­gel­fall ist bei kin­der­lo­sen Ehen anzu­neh­men, wenn die eige­nen Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des ein­schließ­lich der Unter­halts­leis­tun­gen des Ehe­part­ners den Jah­res­grenz­be­trag des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG nicht über­schrei­ten 3.
Die Höhe der als Bezü­ge i.S. von § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG anzu­set­zen­den Unter­halts­leis­tun­gen lässt sich bei Ehe­gat­ten, die in einem gemein­sa­men Haus­halt leben, in der Regel nur rech­ne­risch ermit­teln, da sich die tat­säch­li­chen Zu- und Abflüs­se von Geld­mit­teln oder von Gütern in Gel­des­wert (vgl. § 8 Abs. 1 EStG) inner­halb einer bestehen­den ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft zumeist nicht nach­voll­zie­hen las­sen. Die Unter­halts­leis­tun­gen des zum Unter­halt ver­pflich­te­ten Ehe­part­ners sind des­halb regel­mä­ßig zu schät­zen. Bei einer kin­der­lo­sen Ehe, in der ein Ehe­part­ner allein ver­dient und ein durch­schnitt­li­ches Net­to­ein­kom­men erzielt, ent­spricht es der Lebens­er­fah­rung, dass dem nicht ver­die­nen­den Ehe­part­ner in etwa die Hälf­te des Net­to­ein­kom­mens in Form von Geld- und Sach­leis­tun­gen als Unter­halt zufließt. Ver­fügt das Kind auch über eige­ne Mit­tel, so ist zu unter­stel­len, dass sich die Ehe­leu­te ihr ver­füg­ba­res Ein­kom­men tei­len. Unter­halts­leis­tun­gen sind daher in Höhe der Hälf­te der Dif­fe­renz zwi­schen den Ein­künf­ten des unter­halts­ver­pflich­te­ten Ehe­part­ners und den gerin­ge­ren eige­nen Mit­teln des Kin­des anzu­neh­men 3. Bei Prü­fung der Fra­ge, in wel­cher Höhe dem gerin­ger ver­die­nen­den Ehe­gat­ten Unter­halts­leis­tun­gen sei­tens des höher Ver­die­nen­den als Bezü­ge zuzu­rech­nen sind, ist somit in der Regel nicht auf den tat­säch­li­chen Zufluss von Unter­halts­leis­tun­gen abzu­stel­len.
Dage­gen kön­nen bei getrennt leben­den Ehe­gat­ten die Unter­halts­leis­tun­gen des höher ver­die­nen­den Ehe­gat­ten dem Grun­de und der Höhe nach bestimmt wer­den. In sol­chen Fäl­len ist ent­ge­gen Abschn. 63.4.2.5 Abs. 6 Satz 3 DAFa­mEStG 2004 4 (nun­mehr Abschn. 31.02.2 Abs. 6 Satz 3 DAFa­mEStG 2010 5) das Zufluss­prin­zip anzu­wen­den, das auch in ande­ren Fäl­len für Bezü­ge gilt 6. Unter­halts­leis­tun­gen eines getrennt leben­den Ehe­gat­ten sind dem­nach nur dann als Bezü­ge im Sin­ne von § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG anzu­set­zen, wenn sie dem unter­halts­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten auch tat­säch­lich zuge­flos­sen sind, sofern die­ser nicht auf die Gel­tend­ma­chung sei­nes Unter­halts­an­spruchs ver­zich­tet hat (§ 32 Abs. 4 Satz 9 EStG).
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Dezem­ber 2011 – III R 8/​08
ent­ge­gen Abschn. 31.2.2. Abs. 6 Satz 3 DA-FamEStG 2010[↩]
BFH, Urteil vom 02.03.2000 – VI R 13/​99, BFHE 191, 69, BSt­Bl II 2000, 522; BFH, Urtei­le vom 19.04.2007 – III R 65/​06, BFHE 218, 70, BSt­Bl II 2008, 756, und vom 04.08.2011 – III R 48/​08, BSt­Bl II 2011, 975[↩]
BFH, Urteil in BFHE 218, 70, BSt­Bl II 2008, 756, m.w.N.[↩][↩]
Dienst­an­wei­sung zur Durch­füh­rung des Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleichs nach dem X. Abschnitt des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (DAFa­mEStG), Stand 2004, BSt­Bl I 2004, 743[↩]
BSt­Bl I 2009, 1030, sowie BSt­Bl I 2011, 21[↩]
BFH, Urteil vom 16.04.2002 – VIII R 76/​01, BFHE 199, 116, BSt­Bl II 2002, 525, m.w.N.; Dürr in Frot­scher, EStG, Frei­burg 2011, 1998 ff., § 32 Rz 84[↩]

References: § 32
 § 32
 § 63
 § 32
 § 32
 § 32
 § 8
 § 32
 § 32