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Timestamp: 2020-06-05 07:02:01+00:00

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PVS Einblick 0120
0 2 I 1 0 Kann man Glück kaufen? Die minimalistische Lebens- weise ist auf dem Vormarsch Seite 6 Die Kunst des digitalen Lebens Rolf Dobelli über sein neues Buch Seite 10 Recht: Stärkung der externen Wahlarztkette Oberlandesgericht Düsseldorf widerlegt Landgericht Stade Seite 26 Telemedizin im Umfeld der GOÄ Digitalisierung im Gesundheitssystem Seite 28 Aus dem Bundesverband Prof. Dr. Karl Lauterbach und Frank Rudolph im Interview Seite 44 UNSER TITELTHEMA Was macht ein gutes Leben aus? Ob Verzicht zu mehr Lebensqualität und Konsumgelassenheit zu nachhaltigem Glück verhilft, erfahren Sie in dieser Ausgabe.
KEINE AUSGABE MEHR VERPASSEN! einblick einblick einblick DAS MAGAZIN DER DAS MAGAZIN DER DAS MAGAZIN DER UNSER TITELTHEMA TITELTHEMA TITELTHEMA UNSER UNSER WENIGER IST WENIGER IST WENIGER IST MEHRMEHRMEHR 2 PVS einblick pvs-einblick.de
editorial Liebe Leserinnen und Leser, 2020 hat angefangen, die Fastnacht ist gleich wieder vorbei und schon zeigen sich die ersten Krokusse und Schneeglöckchen. Sonnige Tage lösen neblige Stunden ab, und wir sind schon wieder mittendrin im neuen Jahr. Wir hoff en, auch Sie hatten einen ange- nehmen Start in diese Dekade. Die PVS darf auf ein wirklich erfolgreiches Geschäft sjahr 2019 zurückblicken. Wir arbeiten mit einer zunehmenden Zahl von Mitarbeitern für immer mehr Kunden. Al- lein im vergangenen Jahr konnten über tausend neue Kunden gewonnen werden! Wir sind entschlossen, unseren Service permanent zu verbessern: für unsere Kunden und ihre Patienten – und für unsere Mitarbeiter. Die Zufriedenheit aller Beteiligten ist uns wichtig, denn unsere Dienste sollen für alle ein Gewinn sein. Diesen positiven Weg mit den dazu notwendigen Veränderungen wollen wir in 2020 gemeinsam fortsetzen! Die neue Ausgabe der „PVS einblick“ ist gedruckt und randgefüllt mit Beiträgen, die für ein besseres Leben im frisch angebrochenen Jahrzehnt motivieren möchten. Der Mensch hat die Welt vom Nord- bis zum Südpol in all ihren Facetten entdeckt und den Weltraum erobert. Wir haben uns von einfachen Jägern und Sammlern zu einer Menschheit mit unterschiedlichen Kulturen und Werten entwickelt. In der westlichen Welt leben wir im Überfl uss einer Wohlstands- und Hightech-Gesellschaft auf der Su- che nach unserer „Work-Life-Balance“ und fragen uns: Was macht ein gutes Leben aus? che nach unserer „Work-Life-Balance“ und fragen uns: Was macht ein gutes Leben aus? Wie können wir es optimieren, es voll auskosten? Was fehlt? Die Frage nach einem bes- Wie können wir es optimieren, es voll auskosten? Was fehlt? Die Frage nach einem bes- Wie können wir es optimieren, es voll auskosten? Was fehlt? Die Frage nach einem bes- seren Leben richtet sich auch nach Innen. In unserem Magazin fi nden Sie exklusive Hintergrundbeiträge, fachspezifi sche In unserem Magazin fi nden Sie exklusive Hintergrundbeiträge, fachspezifi sche In unserem Magazin fi nden Sie exklusive Hintergrundbeiträge, fachspezifi sche Recherchen, Interviews und spannende Reportagen zum Th ema Lebensqualität Recherchen, Interviews und spannende Reportagen zum Th ema Lebensqualität Recherchen, Interviews und spannende Reportagen zum Th ema Lebensqualität – auch unter dem Gesichtspunkt, ob nicht weniger mehr sein könnte. Beispiels- – auch unter dem Gesichtspunkt, ob nicht weniger mehr sein könnte. Beispiels- – auch unter dem Gesichtspunkt, ob nicht weniger mehr sein könnte. Beispiels- weise erklärt uns Rolf Dobelli die befreiende Wirkung einer digitalen News-Diät, weise erklärt uns Rolf Dobelli die befreiende Wirkung einer digitalen News-Diät, weise erklärt uns Rolf Dobelli die befreiende Wirkung einer digitalen News-Diät, während Ines Maria Eckermann aufzeigt, wie wir Konsumgelassenheit und somit während Ines Maria Eckermann aufzeigt, wie wir Konsumgelassenheit und somit während Ines Maria Eckermann aufzeigt, wie wir Konsumgelassenheit und somit nachhaltiges Glück erlangen können. In einer immer komplexer werdenden Welt kann das Th ema In einer immer komplexer werdenden Welt kann das Th ema In einer immer komplexer werdenden Welt kann das Th ema „Selbstoptimierung“ jedoch längst nicht mehr nur im Hin- „Selbstoptimierung“ jedoch längst nicht mehr nur im Hin- „Selbstoptimierung“ jedoch längst nicht mehr nur im Hin- blick auf das eigene Leben betrachtet werden. Globale Ver- blick auf das eigene Leben betrachtet werden. Globale Ver- blick auf das eigene Leben betrachtet werden. Globale Ver- antwortung rückt immer stärker in den Fokus und gute Vor- antwortung rückt immer stärker in den Fokus und gute Vor- antwortung rückt immer stärker in den Fokus und gute Vor- sätze reichen nicht mehr aus. Wir können die Welt zu einem besseren Ort machen, Wir können die Welt zu einem besseren Ort machen, Wir können die Welt zu einem besseren Ort machen, indem wir bessere Menschen werden. Mit viel Glück schaff en wir das! Dieter Ludwig Geschäftsführer der PVS holding GmbH Gerd Oelsner Geschäftsführer der PVS holding GmbH PVS einblick 3
UNSER TITELTHEMA WENIGER IST MEHR AB SEITE 6 GOÄTipp GOÄ 8: Abrechnung des Ganzkörperstatus SEITE25 4 PVS einblick m o c . e b o d a . k c o t s - k u h c b o k a I v a l s e h c a V © i „Impf Dich“- Initiative: Masernimpfung lebenswichtig SEITE40 : o t o F m o c . e b o d a . k c o t s - n a d a n a y © j : o t o F m o c . e b o d a . k c o t s - t t a t s k r e w t s a r t n o c © : o t o F t a v i r p : o t o F GEWINNSPIEL Gewinnen Sie EINS VON DREI JAHRESABOS* DER ZEITSCHRIFT „FLOW“ FLOW: EINE ZEITSCHRIFT OHNE EILE, ÜBER KLEINES GLÜCK UND DAS EINFACHE LEBEN *Ein Jahresabo beinhaltet 8 Ausgaben ALLE INFOS AUF SEITE50 8 AUSGABEN Zwei-Klassen-Medizin? Prof. Dr. Karl Lauterbach (re.) und Frank Rudolph (li.) im Interview SEITE 44 I I R E G N L E N N A I T S R H C © I : o t o F
inhalt 3 Editorial UNSER TITELTHEMA: WENIGER IST MEHR Psychotherapeutin und Buchautorin Stefanie Stahl im Interview Spannende Ansätze, Tipps und Ratschläge zum Thema „Alltagsoptimierung“ Wenn das Kind sich vegetarisch ernähren möchte Fasten – ein Weg zum Neubeginn Prof. Dr. med. André-Michael Beer ist Direktor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen Einfach besser machen Unsere Tipps für ein einfacheres Leben Kann man Glück kaufen? Die minimalistische Lebensweise ist auf dem Vormarsch 6 8 10 Die Kunst des digitalen Lebens Rolf Dobelli über sein neues Buch 12 Wäre ich doch nur selbstbewusster! 15 Geistiges Entrümpeln Journalistin Ines Maria Eckermann über Konsumgelassenheit 18 Buchtipps: Kondō & Co. – Wie das Leben leichter fällt 20 Das Kind beim Fleischverzicht bestärken 22 25 GOÄ-Tipp: GOÄ 8 – Abrechnung des Ganzkörperstatus 26 Recht: Stärkung der externen Wahlarztkette 28 Telemedizin im Umfeld der GOÄ 30 Herausforderung Sucht 34 Allein unter vielen 36 40 Masern: Impfung lebenswichtig 43 44 Aus dem Bundesverband Verrechnungsstellen Gesundheit e. V. 46 51. Vernissage in den Räumen der PVS 48 PVS forum: Seminarprogramm von Februar bis Mai 2020 50 PVS kurz + knapp Die psychiatrische Abteilung der Praxis „SANO HAMBURG“ legt den Schwerpunkt auf ambulante Entgiftung und qualifi zierten Entzug Impfaufklärung, wie die „Impf Dich“-Initiative, rettet Leben Jetzt Weiterempfehlen und Wunschprämie sichern Oberlandesgericht Düsseldorf widerlegt Landgericht Stade Digitalisierung im Gesundheitssystem Prof. Dr. Karl Lauterbach und Frank Rudolph im Interview Meldungen aus den Regionen, Gewinnspiel, Jubiläen, Impressum Sind allein lebende Menschen auch automatisch einsam? Vier Tage mit Tausenden, die „MEHR“ wollen 12.000 Menschen besuchten die christliche Konferenz „MEHR 2020“ in Augsburg PVS einblick 5
KANN MAN GLÜCK KAUFEN? Mit der minimalistischen Lebensweise ist eine Bewegung auf dem Vormarsch, die sowohl die Gründe, als auch die Auswirkungen unseres Kon- sums in den Fokus rückt. Immer mehr Menschen sehen Status, Karriere, Geld und Besitz nicht mehr als primäre Ziele an und refl ektieren, worauf es im Leben wirklich ankommt. Dabei gelangen alle Minimalisten zur gleichen Erkenntnis: Weniger ist mehr! Ein Film dokumentiert diese bewusste Ent- scheidung für mehr Einfachheit im Leben. 6 PVS einblick
Der Schlüsselsatz fällt ganz am Ende der rund 75 Minuten von „Mini- malism: A Documentary About the Important Th ings“: „Liebt Menschen und benutzt Dinge, weil das Gegenteil niemals funktioniert.“ Urheber dieser Aussage ist Ryan Nicodemus, einer der beiden Haupt- protagonisten einer Produktion, die unter anderem beim Streaming-Dienst Net- fl ix abrufb ar ist. Es fallen unzählige wei- tere Denkanstöße, an denen man als Zu- schauer respektive Konsument zu kauen hat. Wieso etwa füllen so viele Menschen, die eine Leere im Leben verspüren, diese mit Käufen? Wie kann es sein, dass Geld schneller ausgegeben als verdient wird? Und was ist das überhaupt für eine „Über- lebensstrategie“, die Sucht nach immer mehr aufrecht zu erhalten? Der Regisseur Matt D'Avella begleitet in seiner Dokumentation die beiden „Mi- nimalists“ Ryan Nicodemus und Jos- hua Fields Milburn auf einer Reise quer durch die USA, in deren Zuge die beiden ihr Buch „Everything that remains“ („Al- les was bleibt“) vorstellen. Das tun sie an- fangs nur vor einer Handvoll Menschen, im Laufe der Tour vor einem stetig wach- senden Publikum und schließlich berich- ten sie in den großen US-amerikanischen TV-Stationen von ihrer genügsamen Le- bensphilosophie. Denn diese scheint den Geist der Zeit zu treff en: Auf der ständigen Suche nach Zufriedenheit und Glück häu- fen die Menschen immer mehr Kram an und horten daheim Bücher, DVDs, Schu- he und Klamotten. Mehr Optionen bedeu- ten aber auch oft mals mehr (Kauf-)Druck. Im Rahmen einer minimalistischen Le- bensweise aber gilt es, den Zweck eines jeden Besitzes zu überprüfen und sich zu fragen, inwiefern ein bestimmtes Produkt das eigene Leben bereichert. Mehr Energie und Ressourcen Der heute überzeugte Minimalist Ryan Nicodemus kann sich noch gut an den Punkt erinnern, an dem er in seinem einstigen Job für einen Konzern merkte, dass in seinem Leben etwas falsch lief: „Ich denke, mir ging ein Licht auf, als ich meinen Leuten zeigte, wie man Han- dys an Fünfj ährige verkauft . Ich dachte, was mache ich hier?“ Immer wieder prä- sentiert die Dokumentation Bilder aus Shopping Malls, in denen unzählige Kun- den Geschäft e stürmen, nach vermeint- lichen Sonderangeboten jagen und sich gegenseitig Kartons aus den Händen rei- ßen. Eine US-amerikanische Realität, die längst in Form von „Black Friday“, „Cy- ber Monday“ & Co. zu uns herüberge- schwappt ist und folgenden Denkfehler begünstigt: „Ich habe so viele Sachen – nun sollte ich doch glücklich sein.“ Mi- nimalismus steht allerdings nicht einfach nur für weniger Besitz. Vielmehr bedeu- tet diese Lebensweise, sich bewusst für die Dinge zu entscheiden, die einem wich- tig sind. Denn wer sich aufs Wesentliche konzentriert, verfügt automatisch über mehr Energie und Ressourcen im Leben. So kommen in „Minimalism: A Docu- mentary About the Important Th ings“ neben Nicodemus und Fields Milburn noch viele weitere Personen zu Wort, die von ihrem minimalistischen Lebensweg berichten. Sie leben in so genannten „Tiny Houses“ auf 15 bis 45 m², reparieren de- fekte Gegenstände anstatt sie zu entsorgen und reduzieren radikal die Anzahl ihrer Klamotten im Schrank. Überhaupt: Klei- dung. „Die Ära der schnelllebigen Mode, in der wir Kleidung in Ausbeutungsbetrie- ben herstellen um die wahren Arbeitskos- ten zu vermeiden, hat deren Preis so weit gedrückt, dass gebrauchte Kleidung wert- los geworden ist“, so die Ökonomin und Soziologin Juliet Schor in der Dokumen- tation. Eine Wirtschaft also, die eine ex- treme und tiefgehende Unnachhaltigkeit widerspiegelt. Erschien früher maximal zu jeder Jahreszeit eine neue Modekollek- tion, kann man sich heute im Verlauf von 52 Saisons pro Jahr neu einkleiden. Über- spitzt gesagt: Die Modeunternehmen for- cieren, dass ihre Käufer sich nach einer Woche „aus der Mode fühlen“, damit sie in der kommenden einen Grund haben, etwas Neues kaufen. Nicht über den eigenen Verhältnissen leben Wer sich mit den Th emen „Minimalis- mus“ und „Weniger ist mehr“ befassen möchte, fi ndet in „Minimalism: A Do- cumentary About the Important Th ings“ einen idealen Einstieg. Dass der Film nicht gänzlich ohne eine amerikanische Färbung auskommt, soll dabei nicht unter den Tisch fallen. Wenn etwa der berühmte Hollywoodstar Jim Carrey mit „Ich wünschte, jeder könnte reich und berühmt werden, damit sie sehen, dass es nicht die Antwort ist“ zitiert wird, mag das im ers- ten Moment ironisch klingen – leicht ge- sagt, wenn man doch eben reich und berühmt ist. Andererseits: Wer könnte die Unbedeutsamkeit dieser zweifelhaft en Werte besser beurteilen? Auch suggerie- ren Ryan Nicodemus und Joshua Fields Milburn nicht, dass wir fortan ausschließ- lich in winzigen Häuschen mit wenig Be- sitztümern leben sollen. Vielmehr reicht es, nicht über den eigenen Verhältnissen zu leben und darauf zu verzichten, zweck- lose Dinge anzuschaff en. Fields Milburn bringt es auf den Punkt: „Wir versuchen, den Leuten zu zeigen, dass es für uns eine andere Art zu leben gibt. Der Grund, wa- rum wir diese Geschichte mitteilen, ist es, Menschen zu helfen, diesen Appetit nach mehr Dingen zu zügeln. Weil es so ein zerstörerischer Weg ist.“ Glück und Zu- friedenheit warten eher in der entgegen- gesetzten Richtung, möchte man bei die- • sem passenden Bild bleiben. ROBERT TARGAN Freier Texter, Autor & Redakteur roberttargan.de PVS einblick 7 m o c . e b o d a . k c o t s - o d a t e l a t a n © : n o i t a r t s u l l I
EINFACH BESSER MACHEN Weniger Lebensmittel wegwerfen, den Keller entrümpeln und öfter mal das Smartphone bewusst zur Seite legen: Gute Vorsätze sind schnell formuliert, allein an der Umsetzung hapert es hin und wieder. Manchmal sind es jedoch bereits kleine Ideen, die zu großem Erfolg führen können, wie diese Übersicht zeigt. o G o T d o o G o o T © : o t o F FINGER WEG VOM HANDY Ein neues Trendobjekt aus Schweden könnte bald schon auch hierzulande zum Renner avancieren – dabei han- delt es sich auf den ersten Blick lediglich um eine einfache Holzkiste. Doch eben diese Kiste sagt sehr viel über die heu- tige Zeit aus, handelt es sich doch um eine Box, die unsere Smartphone-Sucht bekämpfen soll. Wer sich eine digitale Auszeit nehmen möchte, sperrt sein Mobilgerät kurzerhand in eben diese Holzkiste. Trendforscher berichten von großem Interesse in Schweden und einen be- wussteren Umgang mit dem Smart- phone. Und natürlich fl oriert der Markt bereits, denn vom hölzernen De- sign-Stück bis hin zur transparenten Kunststoff variante ist alles zu haben – mit und ohne Loch für das Ladekabel oder gleich mit Zeitschloss. Auch Gas- tronomen rufen mittlerweile zusehends zu mehr „Digital Detox“-Disziplin auf: In New York können Gäste des Restau- rants „Hearth“ ihre Handys in eine Zi- garrenkiste sperren; die Kaff eehauskette „Le Pain Quotidien“ tischte im Rahmen einer Aktion gar all jenen Gästen ein Gratis-Dessert auf, die ihr Mobilgerät in eine Holzkiste verbannten. TOO GOOD TO GO Eine Zahl, die nachdenklich stimmt: Pro Jahr landen hierzulande rund 18 Millio- nen Tonnen Lebensmittel im Müll! Ob im Einzelhandel, in der Gastronomie oder da- heim: Insgesamt sind davon ganze 10 Mil- lionen Tonnen vermeidbare Abfälle. Der Dienstleister „Too Good To Go“ trägt diese Tatsache bereits im Unternehmensna- men und hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Beitrag gegen diese Verschwendung zu leisten. Kooperierende Bäckereien, Restaurants, Hotels und Supermärkte pa- cken einwandfreies, unverkauft es Essen in eine sogenannte „Wundertüte“, die per App zum reduzierten Preis erworben wer- den kann. Eine absolute Win-Win-Situa- 8 PVS einblick tion, wie der Anbieter unterstreicht, spart der Kunde doch Geld und ver- schwenden die Unternehmen weniger Lebensmittel. „Unsere Vision ist eine Welt ohne Verschwendung. Wir glau- ben an große Veränderungen – wenn alle am selben Strang ziehen“, so die Macher von „Too Good To Go“. Per Klick ein Schritt in die richtige Rich- tung. toogoodtogo.de
SHPOCK Secondhand-Shopping mit dem Smartphone: Die Kleinanzeigen- und Marktplatzplattform „Shpock“ („Shop in your pocket“) vereint hier- zulande Millionen private Käufer und Verkäu- fer und ersetzt – wenn man es denn möchte – den Flohmarktbesuch. Längst hat sich die App auch als beliebte ebay-Alternative etabliert, denn im Handumdrehen lassen sich aussor- tierte DVDs, Bücher, Möbel oder Klamotten an potentielle Interessenten verkaufen. Nach Eingang einer Anfrage kann der entsprechende Deal vom Anbieter bestätigt werden – stimmen beide Parteien einem entsprechenden Angebot zu, gilt der Kaufvertrag als verbindlich. Auch Feilschen ist erlaubt: Sagt dem Käufer ein ge- botener Preis nicht zu, kann ein Gegenangebot formuliert werden. Der digitale Flohmarkt ist äußerst umfangreich: Von Elektronik, Mode und Accessoires über Baby- und Kinderklei- dung, Möbel und Gartenutensilien ist alles da- bei. Auch Autos und Immobilien werden über „Shpock“ gehandelt. shpock.com BOOKSHARING Ausgelesene Bücher wandern meist ins hei- mische Regal und werden fortan – wenn überhaupt – nur noch selten hervorgeholt. Manch ein fl eißiger Leser soll nicht mal vor dem Gang zum Altpapiercontainer Halt machen! Wer im Wohnzimmer Platz schaf- fen möchte und gleichzeitig eine Alternati- ve zur Wegwerfk ultur sucht, ist mit dem be- liebten Trend des „Booksharings“ bestens beraten. In immer mehr Städten fi nden sich hierzulande off ene Bücherschränke, die für jedermann zugänglich sind. Das einfache Prinzip: Aussortierte Bücher können rund um die Uhr zur Verfügung gestellt, mitge- nommen oder ausgeliehen werden. Listen und Karten öff entlicher Bücherschränke sind im Internet bequem zu recherchieren. Doch es geht noch eine ordentliche Portion unorganisierter! Was einst in kleinen, urba- nen Nachbarschaft en in den USA begann, schwappte auch irgendwann zu uns her- über: Bücher werden planlos auf Bänken, U-Bahn-Sitzen oder in selbst gezimmerten Kästen platziert – bereit zur Mitnahme. m o c . e b o d a . k c o t s - o d a t e l a t a n © : n o i t a r t s u l l I MUSEUM DER DINGE Wer sich nur schwer von über die Jahre angehäuft en Erinnerungsstücken und Ge- brauchsgegenständen trennen kann, soll- te sich auf den Weg ins Berliner „Mu- seum der Dinge“ machen: Dort erwartet den Sammelwütigen eine Art „Konfron- tationstherapie“. Die Ausstellung vereint über 40.000 Gegenstände des Alltags, die vom 1907 gegründeten Deutschen Werk- bund (DWB) dokumentiert und archi- viert wurden. Da fi nden sich hochkarätige Designerstücke und No-Name-Massen- produkte, elegant geschwungene Vasen und schmuckloser Kitsch. Ziel des DWB ist es, die Geschichte der deutschen Pro- duktkultur zu refl ektieren – dass dabei schnell die Grenzen zwischen Ramsch und Nutzwert verschwimmen, ist angestreb- ter Teil der Schau. Massenware, kunstge- werbliche Einzelstücke und industrielle Erzeugnisse: In unzähligen Vitrinen sind allerlei Materialien, Formen und Objekte zu bestaunen. Idealer Ausgangspunkt, um das persönliche „Museum der Dinge“ in den eigenen vier Wänden zu überdenken. museumderdinge.de HELPLING Per App eine zuverlässige Reinigungs- kraft buchen? Mit „Helpling“ ist das möglich, denn die Anwendung ist Euro- pas führender Online-Marktplatz zur Vermittlung haushaltsnaher Dienstleis- tungen. Wer die Plattform ansteuert, kann als Nutzer eine persönliche Preis- spanne festlegen, sodass nur die Anbie- ter vermittelt werden, deren Preis zur Vorstellung des Kunden passt. Nimmt die ausgewählte Reinigungskraft den Auft rag an, erfolgt eine Benachrichti- gung per SMS und E-Mail. Die App hält zudem eine Chat-Funktion bereit, um direkt mit der Reinigungskraft im Vor- feld Prioritäten, Aufgaben und Termine absprechen zu können. Funktionstüch- tige Utensilien und Reinigungsmittel stellt der Nutzer; die sichere Bezahlung erfolgt on- line. Und auch im Falle eines Schadens ist vorgesorgt: Die Helpling-Plattform unter- hält eine Haft pfl ichtversicherung mit einer Deckungssumme von 5.000.000 Euro – jede Reinigungskraft ist entsprechend mitversi- chert. Per Bewertungs-Tool kann der Nutzer anschließend eine Empfehlung aussprechen. helpling.de helpling.de ROBERT TARGAN Freier Texter, Autor & Redakteur roberttargan.de PVS einblick 9 g n i l p l e H © : o t o F
DIE KUNST DES DIGITALEN LEBENS Was könnte zum aktuellen Titelthema der PVS einblick besser passen, als mit dem Schriftsteller Rolf Dobelli über seinen neuesten Bestseller zu sprechen, denn er unterbreitet uns damit seinen Vorschlag für ein besseres Leben nach dem Motto „weniger ist mehr“. Mit dem Titel „Die Kunst des digita- len Lebens“ empfi ehlt er uns eine News-Diät und verspricht uns ein genussvolles Leben mit klarerem Denken, wertvolleren Einsichten und besseren Ent- scheidungen. Er selbst lebt seit zehn Jahren gänzlich ohne News und kann die befreiende Wirkung aus erster Hand schildern. „News sind für den Geist, was Zucker für den Körper ist: ein verführerisches Gift . Der ganze Denkorganismus gerät durch- einander“, schildert er die Problematik anschaulich in seinem Buch und nennt Twitter, Facebook und Co. „brodelnde Mei- nungsvulkane“. Deshalb habe er Fernseher, Radio und selbst die Tageszeitungen radi- kal verbannt. Er habe sich von allen On- lineportalen abgemeldet, die News-Web- seiten im Handy gelöscht und sei auch nie mehr zurückgekehrt. Rolf Dobelli wurde 1966 in Luzern gebo- ren. Er studierte Wirtschaft und promo- vierte in Philosophie an der Universität St. Gallen. Danach war er als Manager und Unternehmer tätig. Mit 35 Jahren schrieb er sein erstes Buch. Es folgte ein Bestseller nach dem anderen. Sie wurden in 45 Spra- chen übersetzt. Rolf Dobelli, der in der Schweizer Bun- desstadt Bern lebt, ist auch Gründer und Intendant der Stift ung WORLD.MINDS, einer „invitation-only community“ – einem Gipfeltreff en für Ideen, an dem Ma- cher und kluge Köpfe aus Wirtschaft , Wis- senschaft , Kultur und Politik teilnehmen. Und es ist genau dieser Mann – Gründer einer solchen Stift ung – der sich seit 10 Jahren erfolgreich in News-Abstinenz übt. Zu Ihrem Lebenskonzept gehören gewis- se Kompetenzkreise, zu denen sie die pas- senden Medien auswählen. Wie funktio- niert das? Rolf Dobelli: Wenn Sie erfolgreich sein wollen, sollten Sie maximal drei Kompe- tenzkreise bilden – für Privates, Berufl i- ches und Ihr Hobby. Denn nur wenn Sie sich konzentrieren und nicht alles ma- chen, werden Sie überdurchschnittlich gut. Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto stärker ist dieses Bild in mir verhaf- tet, dass man wissen muss, wo man wirk- lich überdurchschnittliche Fähigkeiten hat und dann diesen Kreis nicht verlässt. Wenn man da drin ist, erreicht man ein gewis- ses Maß an Meisterschaft und wird dann auch erfolgreich in dem, was man tut. Das Konzept stammt von Warren Buff ett und es scheint mir perfekt für jede Profession: Egal, ob Sie Arzt sind oder Manager – es gibt Fachmedien, Kollegen, Kongresse, denen Sie vertrauen können und durch die Sie klüger werden. Zu den wichtigsten Kompetenzkreisen zäh- len Sie die Familie. Hat sie sich Ihrer Absti- nenz angeschlossen? Meine Frau hat rein intuitiv schon viel früher mit dem News-Konsum aufgehört, während ich mich aktiv entwöhnen musste. 10 PVS einblick
t a v i r p : o t o F Rolf Dobelli: Die Kunst des digitalen Lebens: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsﬂ ut meistern Piper, 256 Seiten, 20,00 € Plädiert für mehr Fachjournalis- mus und weniger Nachrichten- konsum – Rolf Dobelli hat über seine Erfahrungen mit „News-Ab- stinenz“ ein Buch geschrieben. und langen, gut recherchierten Artikeln stellt sich beim News-Konsum keine Sätti- gung ein. Er wird vielmehr zur Sucht. Und das Gegenprogramm zu den News? Es sind die langen Formate: lange Zei- tungs- und Zeitschrift enartikel, Essays, Features, Reportagen, Dokumentarsen- dungen und Bücher. Viele dieser Inhalte sind wertvoll, liefern neue Erkenntnisse und Hintergrundinformationen. Verzich- ten wir doch auf die trivialen Geschich- ten, die Skandale und aufsehenerregenden Breaking News! Sie kosten uns zwischen 60 und 90 Minuten pro Tag. Das ist mehr als ein Monat pro Jahr. Vertiefen wir uns lieber in „Die Kunst des digitalen Lebens“. Um es mit Altkanzler Gerhard Schröder zu sagen: „Rolf Dobelli schreibt klar, klug und • überzeugend.“ DR. CHRISTINE WINKLER Pressereferentin der PVS cwinkler@ihre-pvs.de PVS einblick 11 Ihrer Ansicht nach werden viel zu viele Mei- nungen produziert und zu wenig Fakten. Welcher Form des Journalismus geben Sie eine Zukunft ? Eindeutig dem Fachjournalismus mit Ent- hüllungen über Missstände einerseits und Analysen und Erklärungen andererseits. Der Journalismus sollte sich fokussieren und die Berichterstattung nicht in die Brei- te, sondern in die Tiefe gehen. Ob im Bus, der Bahn, auf der Straße oder im Café, überall begegnen uns Menschen, die auf ihr Handy oder ihren Laptop schauen und Nachrichten konsumieren. Sie sind davon überzeugt, dass diese Zeitgenossen die Welt nicht besser, sondern schlechter verstehen, weil sie an „Wahrnehmungsverzerrungen leiden“ und nur ihre Zeit vergeuden. Sie würden durch die Informationsfl ut weder erfolgreicher, noch glücklicher, sondern maximierten vielmehr ihre Sorgen. Nach- richtenkonsum lenkt uns nicht nur vom Wesentlichen ab, er setzt unseren Organis- mus unter Dauerstress. Hier spielt ein Teu- felskreis, der uns von innen her aushöhlt. Die Medien füttern uns mit kleinen Häpp- chen trivialer Geschichten, mit Leckerbis- sen, die unseren Hunger nach Wissen aber keineswegs stillen. Anders als bei Büchern m o c . e b o d a . k c o t s - s r a g d e s a s m u t © : o t o F
WÄRE ICH DOCH NUR SELBSTBEWUSSTER! Ob kleine Schüchtern- heit oder handfeste Grundverunsicherung: Viele Menschen wünschen sich mehr Selbstbewusstsein. Dabei lohnt ein Blick auf die eigene Geschichte. 12 PVS einblick m o c . e b o d a . k c o t s - r e b e o t s e g o t o f © : o t o F
Wer über ein starkes Selbst verfügt und zielstrebig durchs Leben wandelt, begegnet seinen Mitmenschen auf Augen- höhe. Doch was tun, wenn es an Selbstwertgefühl mangelt und dies in ver- schiedenen Lebensberei- chen zur Last wird? Die Psychotherapeutin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl zeigt in ihrem Rat- geber „So stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl“ auf, was fehlende Ich-Stärke im Alltag bewirkt und wo die Hebel zur Verände- rung angesetzt werden können. i n h p a r g o t o h P e D © i : o t o F Stefanie Stahl (1963 in Hamburg geboren und dort aufgewachsen) arbeitet als Psycho- therapeutin und Buchautorin in freier Praxis in Trier. Auch bietet sie als Speakerin Seminare zu den Themen Bindungsangst und Selbstwertgefühl an. Ihr Buch „Das Kind in dir muss Heimat ﬁ nden“ ist seit 2017 durchgängig Jahresbestseller im Bereich Paperback/Sachbuch. In ihrer neuen Zeitschrift „Brigitte Leben! Das Coaching Magazin mit Stefanie Stahl“ behandelt die Autorin psychologische und gesellschaftliche Themen – tiefgehend, aber unterhaltsam. Menschen mit wenig Selbstwertgefühl eignen sich gewisse Überlebensstra- tegien an, um durch den Alltag zu kommen. Wie schwer fällt es Betroff enen, dieses Verhalten an sich zu erkennen? Stefanie Stahl: Es gibt durchaus Men- schen, die es kategorisch ablehnen, über sich selbst nachzudenken. Da wird die Angst vor Selbsterkenntnis möglichst ver- drängt. Im ersten Schritt ist also eine innere Bereitschaft notwendig. Menschen, die die- se mitbringen, können refl ektieren, wie sie aufgewachsen sind und was sie von ihren Eltern gelernt haben. Das ist ganz entschei- dend: Diese Prägung kann man verstehen wie ein Brille, durch die man die Welt sieht. Es ist immens wichtig, sich diese Brille ge- nauer anzuschauen. Den einen plagt die kleine Unsicherheit, der andere ist vielleicht bereits in einer Depres- sion versunken. Inwiefern hängen psychi- sche Probleme mit einem geringen Selbst- wertgefühl zusammen? und Vater oft gestresst waren, konnte dies in Kindestagen nicht nachvollziehen. Da verfestigte sich dann aber vielleicht der Ge- danke: „Ich falle Mama und Papa zur Last.“ So entstehen tiefe innere Programme, die als unbewusstes Muster bis ins Erwachse- nenalter mitgenommen werden. Mit weit- reichenden Folgen. Welche zum Beispiel? Da können sich verschiedene Lebensge- fühle entwickeln: „Ich bin meinen Mit- menschen schnell zu viel“ oder „Ich muss mich sehr anstrengen, damit Leute mich mögen und annehmen.“ Vielleicht entsteht auch ein Helfersyndrom oder der betrof- fene Mensch strebt nach absoluter Perfek- tion. Auch Überangepasstheit kann eine Folge sein – aus lauter Angst, abgelehnt zu werden. Da wäre es wichtig zu erkennen, dass es sich eben um alte Prägungen han- delt. Sie sprechen da von einer „Dauerwunde“ … Jeder hat natürlich sein kleines Päckchen zu tragen – aber auch hier spielen die per- sönlichen Prägungen eine große Rolle. Wer aus einem Elternhaus stammt, wo Mutter … unter der viele Menschen leiden. Der Betroff ene versucht mit verschiedenen Selbstschutzstrategien den „Schmerz“ zu kompensieren und verhält sich so, dass er diese „Wunde“ nicht spürt. Die Eltern ha- ben ihm vielleicht nicht hinreichend das Gefühl vermittelt, dass sie ihn lieben, so wie er ist. Daraus entsteht dann später eine große Grundverunsicherung. Da braucht es dann manchmal nur ein Körnchen Salz, um die Wunde wieder zum Brennen zu bringen. Andere Menschen wählen wiede- rum den gegenteiligen Weg und sagen sich: „Ihr könnt mich alle mal!“ Letztgenannte Spezies ordnen Sie im Buch als „Zicken“ ein, egal ob weiblich oder männlich. Wie sieht deren Taktik aus? Die verlassen sich am liebsten nur auf sich selbst und machen sich von niemandem abhängig. Sind wenig angepasst und al- les andere als pfl egeleicht. Hier fallen mir diese typischen Ellbogenmenschen ein, die mit dem notorischen Gefühl durch die Welt laufen, dass sie zu kurz kommen. Ich spreche da tatsächlich gerne von „Zicken“ – das sind eben nicht die, die nach Har- monie streben und immer alles richtig ma- chen möchten. Sondern die, die sich viel zu früh wehren, weil sie sich auch viel zu früh angegriff en fühlen. Immerhin: Bei diesen Menschen weiß man wenigstens, woran man ist. PVS einblick 13 m o c . e b o d a . k c o t s - e l l e b a l i t t a p © : d n u r g r e t n H i
gen hocken. So ist es im wirklichen Leben auch: Wenn ich mich selbst nicht reflektie- ren kann und nicht weiß, wo ich stehe, bin ich voll identifiziert mit meiner Sicht auf die Wirklichkeit und glaube alles, was ich sehe und fühle. Dann steht mein Gegen- über mit mir aber auf verlorenem Posten. Bei Kritik verfallen unsichere Menschen nicht selten in eine Verteidigungshaltung, streiten ab, sind schnell gekränkt. Was ra- ten Sie bei dieser Problematik? Da ist es von Vorteil, Kritik als das zu er- kennen, was sie ist: Nämlich Kritik an einer bestimmten Verhaltensweise und nicht am gesamten angesprochenen Men- schen. Ein weiteres Bild: Befindet sich in einem großen Blumenstrauß eine einzige welke Blume, wertet das nicht den gesam- ten Strauß ab. Heißt: Werden unsichere Menschen kritisiert, setzt schnell das „Ich bin ein Versager!“-Programm ein und sie stellen sich komplett in Frage. Wie lassen sich diese übernommenen Ein- stellungen, Emotionen und Werte denn „entrümpeln“, damit sie nicht zur dauer- haften Belastung geraten? Da schlage ich eine „persönliche Be- standsaufnahme“ vor, indem man sich fragt: „Was habe ich von meinen Eltern mitbekommen und wie sehe ich das?“ Al- so die eigene Meinung hinterfragen und behalten, was man gut findet und „raus werfen“, was man an bestimmten Wer- ten eigentlich nur übernommen hat. Sich durchaus eingestehen, dass man nicht feh- lerfrei ist und die ein oder andere Macke akzeptieren. Schritt für Schritt kann man sich so von seinem – wie ich es nenne – Schattenkind lösen. Gleichzeitig betonen Sie, wie wichtig es ist, dankbar zu sein, positive Gedanken zu for- mulieren und bewusst zu genießen. Ich sage immer: „Man darf das Gehirn nicht sich selbst beim Denken überlas- sen.“ Denn aufgrund der genetischen Veranlagung hat es die Neigung, sich im- mer auf das Negative zu fokussieren. Der Steinzeitmensch musste schließlich darauf achten, neben den 50 gut schmeckenden Pflanzen nicht die eine giftige zu erwi- schen. Das Gehirn möchte also immerzu Baustellen aufräumen – dadurch kann es sich in negativen Gedanken festfressen. Es ist wichtig, dass man sich bei diesem Vorgang ertappt, einen Schritt zurückgeht und bewusst auf Weitwinkel stellt: Nicht darauf schauen, was man nicht kann, son- dern darauf, was alles da ist. Selbstsicherheit lässt sich also erlernen? Nehmen wir einen Menschen, der total nach Harmonie strebt. Der immer ver- sucht, alles richtig zu machen und kon- fliktscheu ist. Dieser erkennt nicht, dass er durch sein Harmoniebestreben vielleicht seine Beziehung belastet, dass er nicht ganz ehrlich ist und es viel fairer wäre, öf- ter mal den Mund aufzumachen. Harmo- niestreber ärgern sich meist nach innen und werden immer wütender auf eine Per- son, ohne diese davon wissen zu lassen. Jenen Menschen entgegne ich dann: „Ver- such doch mal, etwas offener und konflikt- fähiger zu sein. Hör auf, dich auf die fal- schen Schwächen zu fokussieren.“ Gibt es einen Tipp, um positive Gedanken zu forcieren? Ich weiß von vielen Menschen, dass sie zum Beispiel abends in ein Dankbarkeits- tagebuch schreiben und das als sehr hilf- reich empfinden. Sich fünf Minuten mit der Frage zu beschäftigen: „Wofür kann ich heute dankbar sein?“ Wer diese Dis- ziplin aufbringt wird bald bemerken, dass sich die Wahrnehmung verändert, da man auch schon während des Tages viel mehr darauf achtet, wofür man dankbar sein kann. Eine simple Maßnahme, die aber • absolut hilfreich ist. stefaniestahl.de Auch in ihrem Coaching-Magazin gibt Stefanie Stahl ihren Lesern wertvolle Antworten. Stefanie Stahl: So stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl Ellert & Richter Verlag, 256 Seiten, 14,95 € Kommunikation spielt hier also eine große Rolle, oder? Kommunikation ist ja immer ein Ergeb- nis davon, wie ich die Welt wahrnehme. Wer das Gefühl hat, nicht zu genügen und gleichzeitig andere Menschen als überle- gen wahrnimmt, kann zum einen Aggres- sionen entwickeln, oder aber auch in sei- ner Kommunikation defensiv agieren, um sich vor Angriffen zu schützen. Beide Fälle sind nicht authentisch. Weisen zwei Men- schen eine völlig unterschiedliche Wahr- nehmung auf, können diese nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Ich ver- wende da gern das Bild zweier Menschen, die in New York in gegenüberliegenden Hochhäusern leben: Der eine wohnt im 50. Stock, mit bester Sicht inklusive Cen- tral Park, der andere sitzt im dritten Stock und sieht nur die Cola-Werbung. Da herrscht keine gemeinsame Wirklich- keit. Genau – es sei denn, beide reflektieren eben, dass sie in völlig verschiedenen Eta- ROBERT TARGAN Freier Texter, Autor & Redakteur roberttargan.de 14 PVS einblick
GEISTIGES ENTRÜMPELN Das brandneue Smartphone gerät nach nur wenigen Monaten zum überholten Elektroschrott und die euphorisch gekauften Klamotten landen schon bald ganz hinten im Schrank: Nur kurz scheint es anzu- halten, das durch Konsum erlangte Glück. Unsere Sucht nach Neuem macht sich dabei nicht nur auf dem Konto bemerkbar – sie belastet auch die Umwelt. In ihrem Buch „Ich brauche nicht mehr“ zeigt die Journalistin Ines Maria Eckermann auf, wie wir Konsumgelassenheit und somit nachhaltiges Glück erlangen können. Manch einer erhofft sich, das schnelle Glück in Ratgebern zu finden. Hat aber nicht jeder Mensch eine ande- re Vorstellung von Glück? Ines Maria Eckermann: Das halte ich auch für schwierig – ein Buch kann da bes- tenfalls erste Ideen und Ansätze liefern. Meines Erachtens ist Glück eine Lebens- einstellung, zu der man sich vielleicht et- was anlesen kann. Verinnerlichen muss man es jedoch letztlich selber. Auch der Kauf einer Ware kann für Glücks- gefühle sorgen. Wie lange halten diese an? Manche Menschen glauben, dass bestimm- te Dinge sie glücklich machen können. Und für gewisse Dinge scheint das sogar zu stim- men, denn manche Studien zeigten, dass bestimmte Gegenstände uns tatsächlich glücklicher machen können, wenn unser Lebensstandard zuvor sehr niedrig war. Al- lerdings hält dieser Effekt im Schnitt nur für drei bis sechs Monate. Der Mensch gewöhnt sich recht schnell an neue Umstände, seien es schlechte oder eben auch gute. In der Re- gel überschätzen wir aber den Effekt einer Neuanschaffung auf unsere Lebensqualität. Bei Instagram und Co. scheinen materielle Dinge zudem den Zweck des Imponierens zu erfüllen … Wir sind soziale Wesen, möchten letztlich „dazugehören“ und Teil einer Gruppe sein. In sozialen Netzwerken bekommen wir die- Kleider machen Leute – aber nicht immer glücklich. Das Hochgefühl einer Neuanschaffung hält oft nicht lange an. PVS einblick 15 m o c . e b o d a . k c o t s - o c e d l a r o fl © : o t o F
se Art der Anerkennung schnell: Neuro- logische Untersuchungen legen nah, dass Likes für ein Foto oder ein Posting zu Dopaminausschüttungen im Gehirn füh- ren können. Der Sinn der Plattform ist es ja, sich nach außen zu inszenieren. Des- halb muss das, was wir dort posten, nicht zwingend auch der Realität entsprechen. Manchmal reden oder posten wir uns auf solchen Plattformen auch unser eigenes Leben schöner oder zumindest anders als es ist. Die neuen Dinge verlieren ihren Reiz, wenn sie eine Zeit lang im Regal stehen und eben nicht mehr neu sind. Manchmal über- schätzt man sich auch vielleicht. Auf der letzten Frankfurter Buchmesse habe ich beispielsweise Menschen mit Trolleys ge- sehen, vollgepackt mit neuen Büchern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die Zeit haben, diese alle in naher Zukunft zu lesen. Ein imposantes Bücherregal kann ja auch ein Statussymbol sein … Neue Kleidungsstücke werden nur einmal getragen und Bücher stehen ungelesen im Regal: Wieso wird aus einem Hochgefühl so schnell Langeweile? Ich denke, manchmal kaufen wir etwas, mit dem wir uns zu einer bestimmten Version von uns selbst machen wollen. Im Falle der vollen Bücherregale kann das zum Beispiel Ines Maria Eckermann: Ich brauche nicht mehr Tectum Wissenschaftsverlag, 336 Seiten, 25,00 € 16 PVS einblick
sein, dass wir besonders belesen wirken möchten. Meist holt uns die Realität da je- doch schnell ein, wenn uns schlichtweg die Zeit zum Lesen fehlt. Im Buch umschreiben Sie sehr treff end die sogenannte „fear of missing out“ – was macht diese Angst, etwas zu verpassen, mit uns? Diese Angst ist ja durchaus etwas Mensch- liches und nichts Neues. Nicht zuletzt aber durch die sozialen Medien fällt uns heut- zutage viel mehr auf, was da draußen in der Stadt alles passiert. Wir können uns an einem einzigen Tag zwischen 20 verschie- denen Angeboten entscheiden, wie wir unsere Freizeit gestalten möchten. Trotz- dem können wir gleichzeitig nur ein Le- ben leben. Das ist eine absolute Quelle für Stress, besonders für junge Menschen. Auch mit Blick auf unser Konsumverhalten? Beim Konsum ist es vielleicht weniger das Gefühl, etwas zu verpassen, als vielmehr, dass wir nicht mehr up-to-date sind oder rückständig auf andere wirken könnten. Deshalb haben manche Menschen auch das Gefühl, dass ihr neues Smartphone nach nur wenigen Monaten überholt ist. Die An- bieter befeuern dieses Gefühl mit entspre- chenden Verträgen, sodass man jedes Jahr ein neues Smartphone bekommen kann. Auch hier denken viele Konsumenten, dass sie mithalten und sich dieses Statussymbol sichern müssen – und der Markt bedient diesen Wunsch. Hinzu kommt heutzutage dieses „Alles- ist-verfügbar“-Gefühl, das durch Flat- rate-Angebote und Streaming-Dienste begünstigt wird. Das Gefühl, etwas zu verpassen, wird so tatsächlich vielleicht noch etwas ver- schärft . Schließlich müssen wir heute auf kaum etwas noch warten. Die Kinder der 1980er-Jahre sind die letzte Generation, die noch etwas mit dem Begriff „Sendeschluss“ anfangen kann. Das Gefühl, dass nicht alles sofort und gleichzeitig verfügbar ist, kön- nen wir uns also nur durch Selbstdisziplin selbst wiedergeben, indem wir eine künst- liche Verknappung schaff en. Anstatt sich mittels „Binge-Watching“ an einem Wo- chenende eine komplette Serie reinzuzie- hen, könnte man sich einmal die Woche mit Freunden treff en und gemeinsam eine Folge schauen. Solche Rituale scheinen mo- mentan etwas verloren zu gehen. t a v i r p : o t o F Stellte schon früh fest, dass es einen Zusammenhang zwischen Lebenszufriedenheit und dem Umgang mit unserer Umwelt gibt: die Journalistin Ines Maria Eckermann. Sie rücken im Buch auch das Th ema „Nach- haltigkeit“ in den Fokus. Wie sieht es etwa beim Reisen aus? Gerade beim Reisen merkt man, dass Nach- haltigkeit gut für uns sein kann: Vor einigen Wochen habe ich Urlaub in Amsterdam ge- macht. Dorthin kommt man mit dem Zug viel entspannter als mit dem Auto: keine anstrengende Fahrt, keine Parkplatzsuche in der Stadt und unterwegs kann man ganz entspannt rausschauen und zugucken, wie sich die Landschaft langsam verändert. Unterschätzen wir da manchmal die Macht der eigenen Handlung? Manchmal unterschätzen wir unseren Ein- fl uss – und manchmal überschätzen wir ihn. Dadurch rechtfertigen wir uns schon mal unseren Öko-Fußabdruck passend. Es bringt beispielsweise wenig, wenn wir im- mer einen Mehrweg-Metallstrohhalm da- beihaben, um keinen aus Plastik benutzen zu müssen, auf der anderen Seite aber kei- nen ökologischen Widerspruch darin se- hen, gleich zwei Autos in der Garage stehen zu haben. Das rechtfertigt man sich dann gerne mit Sätzen wie „So schlimm ist das nicht“ oder „Das machen doch alle.“ Wenn wir wirklich nachhaltig leben möchten, sollten wir es sehen, wie mit einer Diät: Wir können eine Veränderung unseres alltäg- lichen Lebens nur durchhalten, wenn wir auch wirklich Spaß daran haben und einen Eff ekt sehen. Oft läuft es auf die einfache Formel „Weni- ger ist mehr“ hinaus. Dazu schreiben Sie: „So zu leben heißt, Ballast loszulassen.“ Wie geht man da am besten vor? Besonders wenn wir umziehen fällt auf, wie viele Dinge wir tatsächlich in unserem Zuhause haben. Dann fragt man sich: Was habe ich alles – und benötige ich das wirk- lich? Brauche ich wirklich drei Suppenkel- len? Oft denken wir, dass wir etwas in der Zukunft noch brauchen könnten oder es wieder anziehen wollen. Um auch solche Dinge loslassen zu können, helfen soge- nannte Tauschpartys, zu denen jeder mit- bringt, wofür er keine Verwendung mehr hat. Wenn die zu eng gewordene Lieblings- jacke einen Abnehmer aus dem Freundes- kreis fi ndet, macht es sogar richtig Freude, • solche Dinge abzugeben. ROBERT TARGAN Freier Texter, Autor & Redakteur roberttargan.de PVS einblick 17 m o c . e b o d a . k c o t s - o c e d l a r o fl © : o t o F
KONDŌ & CO. WIE DAS LEBEN LEICHTER FÄLLT Ob Unterstützung beim Aufräumen, Tipps zur Müll-Reduzierung oder Orientierungshilfe in Sachen CO2-Bilanz: Der Büchermarkt hält unzählige Ratgeber zur Optimierung des Alltags bereit. Unsere Empfehlungen beleuchten fünf verschiedene Lebensbereiche und halten spannende Ansätze, Tipps und Ratschläge bereit. DAS GROSSE MAGIC-CLEANING-BUCH ihre „Aufräum-Expertise“ erfolgreich in Büchern und Kursen weiter. Dass Ent- rümpeln sogar Spaß machen kann, ver- deutlicht der Untertitel ihres Werkes „Das große Magic-Cleaning-Buch“, ist doch da vom „Glück des Aufräumens“ die Rede. Kondō empfi ehlt ganz simpel, sich auf all jene Dinge zu konzentrieren, die man mag – alles andere kann raus. Schritt für Schritt ermutigt die gefeierte Expertin ihre Leser dazu, über Kleidung, Schuhe, Bücher, Papiere, Kosmetik und Kochutensilien mal gründlich nachzu- denken. Und auch vor Dingen mit sen- timentalem Wert soll nicht Halt gemacht werden. Die Japanerin setzt dabei auf ein Sprichwort aus ihrer Heimat: „Die Unordnung im Zimmer entspricht der Unordnung im Herzen.“ Marie Kondō (* 1984 in Tokio) entwi- ckelte nach ihrem Studium ihre „Kon- Mari-Methode“, auf der all ihre Welt- bestseller beruhen. In ihrer Heimat Japan gilt die Aufräumberaterin als Star; in den USA hat Kondō eine eigene TV- Show. Seit dem Jahr 2019 ist die Expertin zudem in der Netfl ix-Doku-Serie „Auf- räumen mit Marie Kondo“ zu sehen. Wie groß ihr Einfl uss weltweit ist, zeigt die Tatsache, dass ihr Nachname im Engli- schen mittlerweile zum Verb avanciert ist: „to kondo“ steht für „radikal aufräu- men“. Marie Kondō: Das große Magic-Cleaning-Buch Rowohlt, 320 Seiten, 15,00 € Sie lauern in unseren Wohnzimmern, in den Küchenschränken und -schub- laden, im Schlafzimmer unter dem Bett und gerne auch im Badezimmerschrank: Dinge, die einst angeschafft wurden und die heute eher ungenutzt und unnötig Platz für sich beanspruchen. Kurzum: Krempel, den wir schon lange loswerden möchten! Die japanische Beraterin und Bestsellerautorin Marie Kondō hat diese Problematik für sich entdeckt und gibt 18 PVS einblick EIN LEBEN OHNE MÜLL Ein Leben ohne Müll – ist das möglich? Jedenfalls nicht, ohne ein gutes Stück Be- quemlichkeit im Alltag zu opfern. Denn „Zero Waste“, so stellt Olga Witt in ihrem Buch fest, ist keine trendige Diät, sondern eine Lebenseinstellung. Wer sich für die- sen Weg entscheidet, wird bald feststel- len, dass sich Entschleunigung, Entspan- nung und Zufriedenheit einstellen. Olga Witt hält für ihre Leser praktische Tipps zur Müllvermeidung bereit: ein Hand- und Mutmachbuch, sozusagen. Und die Au- torin weiß, wovon sie spricht, ist sie doch Mitbegründerin des ersten Kölner Unver- packt-Ladens „Tante Olga“, hält Workshops und Vorträge und lebt mit ihrer sechsköp- fi gen Familie nach dem „Zero Waste“-Prin- zip. Wer sich ebenfalls schrittweise von der alltäglichen Müllproduktion verabschie- den möchte, fi ndet in dieser aktualisierten 2. Aufl age allerlei Ideen und auch Rezepte. Olga Witt: Ein Leben ohne Müll. Mein Weg mit Zero Waste Tectum Wissenschaftsverlag, 280 Seiten, 20,00 €
HYGGE – EIN LEBENSGEFÜHL, DAS EINFACH GLÜCKLICH MACHT In Dänemark regnet es oft und die Tage und der Sommer sind recht kurz – wieso also gelten die Einwohner dieser Nation als besonders glücklich? Weil sie wissen, wie man es sich gemütlich macht! Das (dänische) Zauberwort heißt „Hygge“ und bringt in der Übersetzung gleich mehrere Bedeutungen mit sich. So kann es als „Kunst der Innigkeit“ verstanden werden oder aber auch die „Freude an der Gegen- wart beruhigender Dinge“ verdeutlichen. „Hygge“ steht für die „Gemütlichkeit der Seele“ oder gar für „Kakao bei Kerzen- schein“. Wie man diese Haltung erlernen kann, beschreibt Meik Wiking, Leiter des „Kopenhagener Instituts für Glücksfor- schung“, in diesem Ratgeber. Da dreht sich alles um warmes Licht, kuschelige Sitz- gelegenheiten, Picknick im Sommer und Glögg-Genuss im Winter. Der Autor rückt „Hygge“ durchaus in den Lifestyle-Fo- kus, liefert gleichzeitig aber auch wissen- schaft lich fundierte Fakten. Zahlreiche Fotos und Illustrationen machen das Werk selbst zu einem Hingucker. Meik Wiking: Hygge – ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht Bastei Lübbe, 288 Seiten, 12,00 € Christof Drexel: Warum Meer- schweinchen das Klima retten GU Verlag, 208 Seiten, 16,99 € WARUM MEER- SCHWEINCHEN DAS KLIMA RETTEN Der anerkannte Klimaexperte Christof Dre- xel bietet in diesem Werk kleine Ideen für große Veränderungen: Der Bestseller fun- giert als Orientierungshilfe für eine saubere CO2-Bilanz. Solch eine Unterstützung kommt tatsächlich wie gerufen, fi nden wir uns doch in einer Zeit wieder, in der zwar alle vom Klima reden, jedoch kaum jemand gänzlich Bescheid weiß. „Warum Meer- schweinchen das Klima retten“ kommt da- bei ohne Dogmen oder erhobenem Zeigefi n- der daher – vielmehr ermutigt Drexel seine Leser, die eigene CO2-Bilanz zu betrachten und eben zu verbessern. Da werden sämtli- che relevanten Lebensbereiche mit den ent- sprechenden Einsparpotenzialen aufgeführt und durch konkrete Handlungsmöglichkei- ten ergänzt. Motivation statt Resignation! Illustrationen und Infografi ken runden das Werk ab; mithilfe eines Tests kann der eigene CO2-Ausstoß bestimmt werden. Und welche Rolle spielen nun die Meerschweinchen? Der Blick ins Buch bringt Licht ins Dunkel … DAS VERMESSENE ICH Hier wird das große Th ema der „Selbst- optimierung“ mal von der anderen Seite angepackt: Schlanker, fi tter, stärker – die Psychologin Vivien Suchert nimmt das Zahlen-Ich im Netz der Daten genauer unter die Lupe und verdeutlicht, was die permanente Vermessung unseres Kör- pers und Lebens mit uns macht. Mit Fit- ness-Armband, Smart Watch oder Acti- vity Tracker drehen wir unsere Runden, halten so Kalorienverbrauch, Schrittzahl, Schlafrhythmus und Blutwerte fest. Doch wie steht es um die Schattenseiten dieser modernen Technologien? Was weiß das Internet über uns? Welchen Nutzen zie- hen Big-Data-Firmen aus unseren Ge- sundheitsdaten? Zwischen Fortschritt und Entfremdung klärt die Autorin über Risi- ken und Gefahren auf, lässt aber gleich- zeitig nicht die Chancen der Digitalisie- rung außer Acht. Die Lektüre zeigt: Neben Tracking, Apps und eHealth scheint es noch Werte zu geben, die sich eben nicht in Zahlen messen lassen. m o c . e b o d a . k c o t s - 7 0 7 0 l v p © : n o i t a r t s u l l I Vivien Suchert: Das vermessene Ich. Von Selbstkontrolle, Optimierungswahn und digitalen Doppelgängern Ecowin, 280 Seiten, 18,00 € ROBERT TARGAN ROBERT TARGAN Freier Texter, Autor & Redakteur. Freier Texter, Autor & Redakteur roberttargan.de roberttargan.de PVS einblick 19
DAS KIND BEIM FLEISCHVERZICHT BESTÄRKEN Im Zuge von Klimadiskussionen und der „Fridays for Future“-Be- wegung überdenken immer mehr junge Menschen auch ihren Fleischkonsum. „Hilfe, mein Kind möchte sich vegetarisch ernäh- ren!“ heißt es dann schon mal in Internetforen, wenn Eltern sich über eine fl eischlose Ernährung des Nachwuchses informieren möchten. Ratsamer ist es, den Wunsch des Kindes ernst zu neh- men, gemeinsam neue Rezepte auszuprobieren und sich professio- nellen Rat einzuholen. Möchten Kinder auf Fleisch verzichten, gilt es, ihnen entgegenzukommen. Auch vegetarische Speisen halten viele Nährstoffe bereit. 20 PVS einblick
die gemeinschaft liche Nahrungszube- reitung die Familienbindung stärkt.“ Su- chen Eltern das Gespräch mit dem Kind, erfahren sie zudem nicht nur den Grund für den Fleischverzicht – sie signalisieren auch gleichzeitig Respekt und Verständ- nis. Luzie Kremer: „Gemeinsam kann Ob es sich nur um eine kurze Phase handelt oder das Kind tatsächlich dauerhaft darauf verzichten möch- te, „Tiere zu essen“: Wichtig ist es, der Entscheidung besonnen entgegenzutre- ten. Ohne Frage: Fleisch ist ein nicht zu unterschätzender Lieferant von Eiweiß, Vitaminen und Eisen. Doch kann Eltern durchaus die Angst, dem Kind könne bei einer vegetarischen Ernährung et- was fehlen, genommen werden, wie Luzie Kremer von der Aachener Praxis für Er- nährungstherapie verdeutlicht: „Was die Nährstoff e betrifft , ist es heutzutage kein Problem, vegetarisch zu leben. Natürlich wird das pfl anzliche Eisen nicht so gut verwertet, wie bei tierischen Produkten. Mit Vitamin C kann man die Eisenauf- nahme aber beispielsweise verbessern. Es ist ratsam, auf das Kind einzugehen und zu besprechen, welche Nahrungsmittel es gerne essen mag und wie diese in den Fa- milienalltag zu integrieren sind. So fühlt sich das vegetarisch lebende Kind ver- standen.“ Darüber hinaus empfi ehlt es sich, den Kinderarzt zur Th ematik zu befragen, denn die- ser kann per Blutuntersu- chung den Ferritinwert bestimmen und so einen etwaigen Eisenmangel erkennen. Im Gespräch mit einer Ernährungsbera- tung erhalten Eltern zudem weitere hilf- reiche Tipps, damit der Wunsch nach einer fl eischlosen Ernährung in die Tat umgesetzt werden kann. Respekt und Verständnis signalisieren Doch was kommt denn nun auf den Tisch, wenn Fisch und Fleisch plötzlich tabu sind? Eine vielseitige und ausgewogene Ernährung ist hier der Schlüssel: Gemü- se wie Brokkoli, Fenchel, Spinat, Bohnen und Feldsalat sorgen für einen Nährstof- fe-Boom; Mineral- und Ballaststoff e hin- gegen sind in Vollkornprodukten, Hafer und Hirse zu fi nden. Und wie schafft man es, Kinder für Brokkoli, Spinat & Co. zu begeistern? „Zum Beispiel mit der Freu- de am gemeinsamen Kochen“, weiß Luzie Kremer. „Dann macht es auch viel mehr Spaß, neue Gerichte zu probieren und zu testen. Ein positiver Nebeneff ekt ist, dass die Familie dann überle- gen, welche neuen Gerichte sie aus- probieren möchte. Mit Zutaten, in denen zum Beispiel mehr Jod oder Vitamin B drin steckt. Das kann ja auch ein Anstoß für alle Familienmitglieder sein, den eige- nen Fleischkonsum zu hinterfragen.“ Drei Formen der vegetarischen Ernäh- rung lassen sich unterscheiden: Laktove- getarier verzichten auf Fleisch, Fisch und auch Eier, greifen bei Milch und Milch- produkten jedoch zu. Ähnlich ist es bei den Ovo-Laktovegetariern, allerdings ge- hören bei ihnen Eier durchaus auf den Speiseplan. Veganer hingegen verzichten gänzlich auf vom Tier stammende Pro- dukte – neben dem Verzicht auf Fleisch, Fisch und Eier fallen demnach auch Milch und Honig weg. Lebensmittelher- steller haben den verstärkten Trend zu diesen unterschiedlichen Ernährungsfor- men längst erkannt und bieten entspre- chende Produkte an: Veggie-Burger, ve- getarisches Cordon Bleu, veganes Hack und fl eischlose Salami nehmen immer mehr Platz im Kühlregal ein. Doch sind das vollwertige Alternativen? Die Er- nährungsberaterin empfi ehlt den genau- en Blick auf die jeweiligen Zutaten: „Da muss man gut unterscheiden, denn bei vielen Fleischersatzprodukten steckt sehr viel Fett und Zucker drin. Der Griff zu ve- ganen oder vegetarischen Aufstrichen ist daher ratsamer als der zur „nachgemach- ten“ Salami. Naturbelassener oder wenig gewürzter Tofu – etwa als Geschnetzeltes – ist zudem eine gute Alternative. Soße, Nudeln und Gemüse runden das ganze geschmacklich ab.“ Zudem sieht die Ex- pertin Aufh olbedarf bei den fl eischlosen Gerichten, die heute in KiTas und Schulen auf den Tellern landen. Denn auch wenn mittlerweile viele Einrichtungen vegetari- sche Menüs oder Veggie-Days eingeführt haben: „Oft wird bei der vegetarischen Variante lediglich das Schnitzel wegge- nommen, sodass vielleicht Kartoff elbrei und Salat übrig bleiben. Wenn Kinder es aber den Erwachsenen jetzt vorleben und den Willen äußern, vegetarisch zu leben, könnte sich das schon bald in eine gute Richtung entwickeln.“ Übergewicht und hohe Blutdruckwerte Das Umdenken bei vielen Kindern und Jugendlichen ist nicht nur hinsichtlich der persönlichen Klimabilanz erfreulich: Die rasante Zunahme von Typ-2-Diabe- tes-Erkrankungen bei jungen Menschen ist alarmierend. Einst als „Alterszucker“ bezeichnet, erhalten mittlerweile jährlich rund 90 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren in Deutschland diese Diagnose (Tendenz steigend). Bereits in diesem Al- ter ist Typ-2-Diabetes meist auf den Le- bensstil zurückzuführen. Neben starkem Übergewicht stellen Ärzte bei Kindern er- höhte Blutdruckwerte und eine Fettstoff - wechselstörung fest – zu viel Zucker, zu wenig Bewegung. Diese besorgniserre- gende Entwicklung zeigt, wie wichtig es ist, zu hinterfragen, was wir täglich zu uns nehmen. Luzie Kremer kann das unter- streichen: „Es steckt einfach viel zu viel Fleisch in unserer Ernährung drin, was neben den vielen industriell hergestell- ten Produkten für Übergewicht und Dia- betes-Typ 2-Erkrankungen sorgt. Umso schöner, dass sich bereits Kinder mit ihrer • Ernährung auseinandersetzen.“ ernaehrungstherapie-aachen.de ROBERT TARGAN Freier Texter, Autor & Redakteur roberttargan.de PVS einblick 21 m o c . e b o d a . k c o t s - o d u t s y n n u S © i : o t o F
Fasten ist eine tiefe Erfahrung und eine Gelegenheit, sich wieder auf das Wesentlich zu besinnen. Für viele ist es ein Weg, das Bewusstsein zu entfalten und Impulse zur Ver- änderung wahrzunehmen. Das medizinische Fasten gilt als Reset-Knopf für den Körper und wird heute auch vereinzelt in der Onkologie angewendet. Es trägt immer zu einer allgemeinen Regeneration des Körpers und der Aufrecht- erhaltung des Gesundheitskapitals bei. Man kann also reicher werden durch Verzicht! FASTEN – EIN WEG ZUM NEUBEGINN 22 PVS einblick
Fastenärzte propagieren Heilfasten unter medizinischer Kontrolle zur Vorsorge und zur Linderung ver- schiedener chronischer Krankheiten: da- runter Übergewicht, Bluthochdruck, Dia- betes Typ 2, Herzkrankheiten, Rheuma, Arthrose, Magen-Darm-Erkrankungen, Hautkrankheiten, Migräne oder Kopf- schmerzen. Dies bestätigt auch der langjährige PVS-Kunde Prof. Dr. med. André-Michael Beer aus seiner Berufserfahrung. Im Jahr 2004 habilitierte er sich bundesweit als Erster in Deutschland auf dem Gebiet der Naturheilkunde an der Ruhr-Universität Bochum und leitet dort als außerplan- mäßiger Professor den Bereich Naturheil- kunde (Abteilung Allgemeinmedizin). Seit 22 Jahren ist Prof. Beer Direktor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen (Klinikverbund Katholisches Klinikum Bochum). Seine im klassischen Naturheilverfahren ange- siedelten Arbeitsschwerpunkte sind die ambulante und stationäre Versorgung vor allem chronisch Erkrankter, die im am- bulanten Bereich keine ausreichende Bes- serung oder eine Verschlechterung ihrer Beschwerden erfahren haben. Der Fach- bereich Naturheilkunde umfasst eine eige- ne 56-Betten-Abteilung. „Wir können dank Fasten viele akute und chronische Beschwerden und Krankhei- ten positiv beeinfl ussen und so eine Nor- malisierung gestörter Stoff wechselvorgän- ge bewirken“, sagt Prof. Beer. Hier geht es um das sogenannte Heilfasten, eine ganz- heitliche Methode, die über die medizi- nisch betreute Nahrungsreduktion hin- ausgeht und körperliche Bewegung sowie weitere Th erapien mit einschließt. Kein Wunder, dass sich diese Art von Fasten nur in einer darauf spezialisierten Klinik durchführen lässt. Die Klinik Blankenstein bietet als Akut- krankenhaus breit gefächerte stationä- re Komplexbehandlungen in verschiede- nen Fachbereichen an. Neben der weithin anerkannten Klinik für Naturheilkun- de, sind orthopädische Schmerztherapie, Rheumatologie und Diabetologie (Diabe- tes-Zentrum Bochum/Hattingen) hier an- gesiedelt. Die naturheilkundliche Komplex- behandlung ermöglicht es, alle klassischen Tee spielt beim Fasten eine große Rolle. Er trägt zur mineralstoff- und vitamin- haltigen sowie kalorienarmen Flüssigkeitszufuhr bei. PVS einblick 23 m o c . e b o d a . k c o t s - f r o d A l e u n a M © : o t o F
H b m G g m u h c o B m u k n i l i K . l o h t a K © : ) 3 ( s o t o F gen sowie entzündlichen rheumatischen Erkrankungen sei die Naturheilkunde das Mittel der Wahl. Naturheilverfahren sind nebenwirkungsarm und fördern die eige- nen Fähigkeiten zur Selbstheilung. Die Therapie besteht aus Schonung und Regu- lierung, was zu einer Kräftigung des Ge- samtorganismus führt. Die häufig zur Anwendung kommende ka- lorienreduzierte, rein pflanzliche „Entlas- tungskost“ aktiviert zusätzlich die Selbst- heilungskräfte. Auch der nahezu völlige Nahrungsverzicht unter dem Heilfasten ist Teil naturheilkundlicher Ernährungsthera- pie. Oft erfolgt ein schneller Rückgang der Symptomatik, insbesondere bei rheumati- schen Erkrankungen, Stoffwechselstörun- gen oder Akuterkrankungen. „Der gan- ze Stoffwechsel wird neu ausgerichtet“, so Prof. Beer. Der Erfolg bestätigt seine Me- thode, denn viele seiner Patienten sind nach dem Aufenthalt in der Klinik bis zu einem Jahr und länger beschwerdefrei oder benö- tigen zumindest weniger Medikamente. • klinikum-bochum.de/ klinik-blankenstein/standort.html oder -darm zu Prof. Beer. „Es gibt einige Krankheitsbilder, bei denen man mit den rein schulmedizinischen Methoden nicht weiterkommt. Dafür gibt es innerhalb der Schulmedizin die Naturheilkunde, erläutert der Klinik-Chef. Gerade bei chronischen Erkrankungen und Langzeiterkrankun- Seit mehr als 130 Jahren kümmert sich die Klinik Blankenstein um die Gesundheitsversorgung der Menschen in Hattingen und Umgebung. Spezialklinik im Grünen – in der Klinik Blankenstein sind die Fachbereiche Natur- heilkunde, Schmerztherapie, orthopädische Schmerztherapie, Rheumatologie und Diabetologie (Diabetes-Zentrum Bochum/ Hattingen) angesiedelt. Seit 22 Jahren ist Prof. Beer Direktor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen (Klinikverbund Katholisches Klinikum Bochum). Naturheilverfahren gleichzeitig seriell beim Patienten einzusetzen: Wasser-Wärmethe- rapie, Heilpflanzentherapie, Ernährungs- therapie, Ordnungstherapie, Bewegungs- therapie und Massage. Wissenschaftliche Studien haben die große Wirksamkeit der Behandlungsmethode gezeigt. Sämtliche Kosten werden von den Krankenkassen ge- tragen, da die Klinik für Naturheilkunde im Landeskrankenhausplan des Landes NRW verankert ist. Häufig kommen Patienten mit Rücken- schmerzen, hochentzündlichem Rheuma, Arthrose, Hautkrankheiten, Reizmagen DR. CHRISTINE WINKLER Pressereferentin der PVS cwinkler@ihre-pvs.de 24 PVS einblick
GOÄ-Tipp GOÄ 8: Abrechnung des Ganz- körperstatus Weitere GOÄ-Tipps unter: ihre-pvs.de/goae N icht für alle Fachgruppen berechenbar Mit der Nummer 8 wird in der GOÄ die Untersuchung zur Erhebung des Ganzköperstatus abgerechnet. Diese Leistung beinhaltet die Untersuchung der Haut, der sichtbaren Schleimhäute, der Brust- und Bauchorgane, der Stütz- und Bewegungsorgane sowie eine orientieren- de neurologische Untersuchung. Der Inhalt macht deutlich, dass die Num- mer 8 nicht von allen Fachgruppen be- rechnet werden kann. Sie ist nur von den Arztgruppen anzusetzen, bei denen die Untersuchung der genannten Regionen dem Fachgebiet zuzuordnen ist. Der Kom- mentar zur GOÄ des Deutschen Ärztever- lags (Brück) nennt folgende Arztgruppen (vgl. Deutscher Ärzteverlag, Kommentar zur GOÄ, Online, Nummer 8, Randnr. 4, Version 4.26, Stand 1. September 2019): » Praktische Ärzte (Ärzte ohne Gebietsbezeichnung) » Allgemeinärzte » Internisten » Kinderärzte » Chirurgen Keine vollständige Untersuchung eines Organsystems erforderlich Im Gegensatz zu den Untersuchungen nach den Nummern 6 und 7 ist nicht die vollstän- dige Untersuchung der genannten Organsys- teme erforderlich. Weder die Legende noch die Bewertung lassen den Schluss zu, dass die Inhalte der Organsysteme vollständig auf den Ganzkörperstatus zu übertragen sind. Eingehende neurologische Untersuchung neben Ganzkörperstatus Im zeitlichen Zusammenhang mit dem Ganz- körperstatus sind die Nummern 5 – 7 nicht berechenbar. Obwohl die Legende nur eine orientierende neurologische Untersuchung aufzählt, ist auch die eingehende neurologi- sche Untersuchung nach Nummer 800 durch die allgemeinen Bestimmungen ausgeschlos- sen. Sofern ein Organsystem nach den Num- mern 6 oder 7 vollständig untersucht wurde, ist es zulässig, die Nummer 8 durch die Num- mer 6 oder 7 zu ersetzen und die eingehen- de neurologische Untersuchung zusätzlich abzurechnen. Die Bewertung (295 bzw. 355 Punkte gegenüber 260 Punkte) ist für den Arzt vorteilhafter (vgl. Deutscher Ärztever- lag, Kommentar zur GOÄ, Randnr. 3, Ver- • sion 4.26, Stand 1. September 2019). MARTIN KNAUF Leitung Gebührenreferat PVS holding mknauf@ihre-pvs.de PVS einblick 25 PVS einblick 25 m o c . e b o d a . k c o t s - k u h c b o k a I v a l s e h c a V © i : o t o F
STÄRKUNG DER EXTERNEN W OBERLANDESGERICHT DÜSSELDORF WIDERLEGT LANDGERICHT STADE Unter welchen Voraussetzungen ist ein außerhalb des Krankenhauses agierender Arzt ein Glied der so- genannten externen Wahlarztkette? Wann darf er also seine ärztlichen Leistungen gegenüber den von ihm in seiner Praxis mitbehandelten Wahlarztpatienten aus einer Klinik privat liquidieren? Steht seine Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus seiner Einbeziehung in die externe Wahl- arztkette entgegen? Der Fall des OLG Düsseldorf Mit diesen Fragen setzte sich das OLG Düsseldorf in dem unter dem Aktenzei- chen I-8 U 140/17 geführten Verfahren auseinander, dem folgender Sachverhalt zugrunde lag: In einem Krankenhaus wur- de die zum Prozesszeitpunkt bereits ver- storbene Patientin onkologisch versorgt. Die Feststellungen des Gerichts ergaben, dass eine wirksame Wahlarztvereinbarung vorlag. Diese enthielt das hier gekürzt wiedergegebene obligatorische Zitat des § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG: „Eine Ver- einbarung über wahlärztliche Leistungen erstreckt sich auf alle an der Behandlung des Patienten beteiligten angestellten oder beamteten Ärzte des Krankenhauses, so- weit diese zur gesonderten Berechnung ihrer Leistungen im Rahmen der […] Be- handlung […] berechtigt sind [Alternative 1 = interne Wahlarztkette], einschließlich der von diesen Ärzten veranlassten Leis- tungen von Ärzten und ärztlich geleiteten Einrichtungen außerhalb des Kranken- hauses [Alternative 2 = externe Wahlarzt- kette].“ Wir werden sehen, dass es auf die trenn- scharfe Unterscheidung zwischen den oben durch den Verfasser in den Klam- mern kenntlich gemachten Alternativen ankommt. In dem beschriebenen Fall ver- anlasste der Wahlarzt die Behandlung sei- ner Patientin in einer radiologischen Pra- xis. Unstreitig war diese Praxis weder in rechtlicher, organisatorischer noch wirt- schaft licher Hinsicht Teil des Kranken- hauses. Es gab zwar eine enge Zusammen- arbeit zwischen dem Krankenhaus und der Praxis, jedoch blieb unbestritten, dass 26 PVS einblick es keinen sich auf Wahlleistungen erstre- ckenden Kooperationsvertrag gab, sodass der Wahlarzt die Behandlung in der Pra- xis im Bedarfsfall individuell veranlassen konnte. Beurteilung eines ähnlichen Falles durch das LG Stade Stellte das LG Stade sich in einem ähnli- chen Fall in seinem viel kritisierten Urteil vom 20.05.2015 (Az.: 4 S 45/14) noch auf den Standpunkt, dass jedwede Koopera- tion zwischen Krankenhaus und externem Arzt dazu führe, dass allgemeine Kran- kenhausleistungen gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 KHEntgG vorlägen und der Arzt kein Glied der externen Wahlarztkette sein könne, so hat das OLG Düsseldorf dieser pauschalierten Betrachtungsweise erfreulicherweise eine Absage erteilt. Das LG Stade sah aufgrund eines nicht näher geprüft en Kooperationsvertrages des Krankenhauses mit einer außerhalb der Klinik stehenden Radiologie in der Beauft ragung der externen Praxis ledig- lich eine Formalie, denn die Praxis wer- de nur noch „auf dem Papier“ beauft ragt. Ließe man den externen Arzt privatärzt- lich liquidieren, erweiterte man den Kreis der liquidationsberechtigten Wahlärzte um den externen Arzt. Das niedersächsi- sche Gericht meinte, in den Ausführungen des BGH im sogenannten Honorararztfall (BGH, 16.10.2014, Az.: III ZR 85/14) eine Stütze für seine Argumentation fi nden zu können. Argumentation des OLG Düsseldorf mit BGH-Rechtsprechung Dass die Ansicht des LG Stade unzutref- fend ist und obendrein eine Fehlinter- pretation des BGH darstellt, hat das OLG Düsseldorf in seinem Urteil überzeugend dargelegt, indem es zum Honorararztfall des BGH abgrenzt. Zwar betone der BGH, dass der Gesetzgeber den Kreis der liqui- dationsberechtigten Wahlärzte kontinu- ierlich eingeengt habe, jedoch betreff e dies eine ganz andere Konstellation. In dem BGH-Fall sei es um die Frage gegangen, ob nicht im Krankenhaus angestellte Ärz- te wahlärztliche Leistungen im Kranken- haus erbringen dürft en, wohingegen die radiologische Behandlung im zugrunde liegenden Fall außerhalb des Krankenhau- ses erfolgt sei. Dem ist zuzustimmen, denn im BGH- Fall schloss der Arzt eigene Behandlungs- verträge mit seinen Patienten, wobei sei- ne Beauft ragung ohne Veranlassung des Wahlarztes geschah. Damit gerierte der Arzt sich in unzulässiger Weise als liqui- dationsberechtigter Krankenhausarzt. Dieser Status erfordert die (Teil-)Anstel- lung in der Klinik und die Benennung als Wahlarzt, denn so sieht es Alternative 1 vor. In den Fällen des LG Stade und des OLG Düsseldorf ging es dagegen um die Ver- anlassung von Leistungen externer Ärzte durch Wahlärzte und damit um Alternati- ve 2. Der BGH äußerte sich in seinem Ho- norararzturteil abseits der dortigen Prob- lematik dahingehend, dass „der Beklagte seine ärztlichen Leistungen auch nicht als externer Wahlarzt ‚auf Veranlassung‘ eines […] Krankenhausarztes mit eigener Li- quidationsberechtigung ausgeführt“ ha- be. Mit dieser Randnotiz in seinem Urteil zeigt der BGH, dass diese Konstellation von seinem Verdikt zum Honorararzt ge- rade nicht erfasst wird. Externe Wahlarztkette als „Vertrauenskette“ Für die externe Wahlarztkette ist es un- abdingbar, dass die Veranlassung durch einen Wahlarzt des Krankenhauses er- folgt. Zutreff end führt das OLG Düssel- dorf aus, dass dies auch dem Gedanken des Vertrauens gerecht werde, der dem Abschluss einer Wahlarztvereinbarung zugrunde liege. Der Wahlarztpatient be- gibt sich im Vertrauen auf die Fähigkeiten des Wahlarztes in dessen Hände. Indem der Gesetzgeber unter den Voraussetzun- gen von Alternative 2 externe Ärzte in die Wahlarztkette einbeziehe, gebe er zu er- kennen, dass dem Vertrauen auf die Kom- petenz des Wahlarztes auch dann Rech-
EXTERNEN WAHLARZTKETTE m o c . e b o d a . k c o t s - t e r o c e d s © : o t o F m o c . e b o d a . k c o t s - t a d v a y © : o t o F nung getragen werde, wenn dieser externe Ärzte beauft rage, die sein Vertrauen ge- nössen. Hierfür verwendet das Gericht den anschaulichen Ausdruck der externen Wahlarztkette als „Vertrauenskette“. Fällen aber nicht gerichtlich festgestellt worden, sodass die Gerichte eigentlich zu dem gleichen Ergebnis hätten kommen müssen, nämlich zu der vom OLG Düssel- dorf überzeugend dargelegten Annahme einer wirksamen externen Wahlarztkette. Zusammenarbeit/Kooperation ist grundsätzlich kein Hinderungsgrund Fazit steht nach der von uns geteilten Ansicht des OLG Düsseldorf eine Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und externem Arzt nicht grundsätzlich entgegen. Allerdings könnte ein Kooperationsmodell, das dem Wahlarzt die freie Entscheidung nimmt, wen er beauft ragt, das letzte Glied der • Wahlarztkette kappen. Eine Zusammenarbeit bzw. eine Koopera- tion mit externen Ärzten vermag an die- sem Ergebnis in der Regel nichts zu ändern. Wenn jedoch ein Kooperationsvertrag den Wahlarzt zur Beauft ragung eines bestimm- ten externen Arztes verpfl ichtet, könnte dies womöglich die externe Wahlarztket- te sprengen, da es dann fraglich wäre, ob der Wahlarzt die externe Arztleistung in- dividuell und frei veranlasst. Solche weit- gehenden Regelungen sind in den beiden Zwischen interner Wahlarztkette (Alt. 1) und externer Wahlarztkette (Alt. 2) ist ge- nau zu diff erenzieren. Sofern ein Wahlarzt ärztliche Leistungen einer Praxis außer- halb des Krankenhauses veranlasst, wird der externe Arzt in der Regel ein Glied der externen Wahlarztkette. In dieser Funk- tion darf er selbst unter Beachtung der Minderungspfl icht aus § 6a Abs. 1 Satz 2 GOÄ gegenüber dem von ihm behandelten Patienten privatärztlich liquidieren. Dem TOBIAS KRAFT Rechtsanwalt Rechtsabteilung PVS holding Tel. 0208 4847-194 tkraft@ihre-pvs.de PVS einblick 27
TELEMEDIZIN IM UMFELD DER GOÄ An vielen Stellen im Gesundheitssystem ist das Fortschreiten der Digitalisierung spürbar. Von besonderem Interesse ist für Arzt und Patient der Bereich der Telemedizin. Unter Telemedizin wird laut Bun- desärztekammer die Erbringung medizinischer Leistungen in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Re- habilitation sowie bei der ärztlichen Ent- scheidungsberatung über räumliche Ent- fernungen hinweg verstanden. Genutzt werden hierzu Informations- und Kom- munikationstechnologien.(Q1) Die Ent- wicklungen der Telemedizin werden in aktuell überarbeiteten Texten, wie der Musterberufsordnung für Ärzte und dem EBM aufgegriffen, wohingegen Sie in der GOÄ nur wenig Beachtung finden. Berufsordnung Eine zentrale Frage für die Telemedi- zin ist, ob in der Behandlung Kommu- 28 PVS einblick nikationsmedien nur unterstützend ein- gesetzt werden dürfen, oder ob eine Fernbehandlung ausschließlich über Kommunikationsmedien erfolgen darf. Im Jahre 2018 hat der Deutsche Ärzte- tag durch die Novellierung des §7 Abs. 4 der Musterberufsordnung für Ärzte den Weg freigemacht für eine Ausweitung der Telemedizin. So soll „eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kom- munikationsmedien … im Einzelfall er- laubt“ sein, „wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorg- falt … gewahrt wird“. Im Begründungs- text des Vorstands der Bundesärztekam- mer wird näher erläutert, dass „der Arzt durch eine jeweilige Prüfung des Einzel- falls“ entscheidet, „ob eine Beratung oder Behandlung ausschließlich aus der Ferne über Kommunikationsmedien möglich ist“, und dass „der anerkannte Stand der medizinischen Erkenntnisse einzuhalten“ ist. In den Berufsordnungen der meisten Landesärztekammern wurden Änderun- gen in diesem Sinne vollzogen. Es finden sich jedoch weiterhin Kammerbereiche, in denen eine ausschließliche Fernbe- handlung weiterhin nicht möglich ist. EBM Im Bereich des EBM traten zum 1. Ok- tober 2019 mehrere neue Regelungen in Kraft. So dürfen nun Ärzte fast aller Fach- gruppen Videosprechstunden durch- führen und abrechnen. Auch der erste Arzt-Patienten-Kontakt darf in einer Vi- deosprechstunde stattfinden. Die Anzahl
stimmte Gesprächsleistungen (z. B. das Psychiatrische Gespräch), aber auch the- rapeutische Leistungen (z. B. Psychothera- pie, übende Interventionen). So finden sich Leistungen, die nur in Einzelbehandlung im Rahmen des EBM telemedizinisch er- bracht werden können (z. B. Psychothera- pie), aber auch Leistungen, die sowohl als Einzelbehandlung, als auch als Gruppen- behandlung möglich sind (z. B. Übende Interventionen). Voraussetzung für die Er- bringung psychotherapeutischer Leistun- gen per Video ist, dass zuvor ein persönli- cher Arzt-Patienten-Kontakt erfolgt ist. Es ist somit festzuhalten, dass im kassen- ärztlichen Bereich die Videosprechstun- de nun einfacher in den Praxisalltag inte- griert werden kann.(Q2) GOÄ für Ärzte In der Gebührenordnung (GOÄ) findet der Bereich der Telemedi- zin nur wenig Aufmerksamkeit. Die GOÄ steht jedoch einer Erbringung medizini- scher Leistungen über räumliche Entfer- nungen grundsätzlich nicht im Wege. In dem Zusatz „auch mittels Fernsprecher“ zu den Beratungen nach GOÄ-Nr. 1 und 3, sowie zur GOÄ-Nr. 2, wird deutlich, dass diese Leistungen auch fernmündlich erfolgen können. Ein entsprechender Zu- satz ist andernorts in der GOÄ allerdings nicht zu finden. Entsprechend der Kom- mentierung nach Brück(Q3) bedeutet dies jedoch nicht, dass die fernmündliche Er- bringung anderer Gesprächsleistungen, sowie deren Berechnung, in der GOÄ aus- geschlossen wären. Der Kommentar be- fürwortet die Berechnungsfähigkeit fern- mündlich erbrachter weiterer Leistungen. Dies sind Leistungen nach den GOÄ-Nr. 4 (Fremdanamnese) und 15 (Einleitung und Koordination flankierender thera- peutischer und sozialer Maßnahmen), so- wie in Ausnahmefällen der GOÄ-Nr. 806 (psychiatrische Behandlung, auch in aku- ter Konfliktsituation) und 812 (psychiatri- sche Notfallbehandlung bei Suizidversuch und anderer psychische Dekompensa- tion). Die Berechnungsfähigkeit speziel- ler Beratungsleistungen des Abschnittes B III wird jedoch ohne weitere Begründung verneint. Die Kommentierung nach Hoff- mann(Q4) sieht die modernen Kommuni- kationsformen unter Nutzung des Inter- nets als grundsätzlich der telefonischen Beratung entsprechend an. Auch hier wird die Auffassung vertreten, dass bspw. die Leistung nach GOÄ-Nr. 812 telefo- nisch erbringbar ist. Mit den Änderungen der Musterberufs- ordnung für Ärzte wurde das zuvor gel- tende Prinzip des Fernbehandlungsver- bots aufgebrochen. Mit dem Vormarsch der Digitalisierung im Gesundheitswe- sen wird dort der Telemedizin Raum zu- gebilligt, wo sie ärztlich vertretbar ist, der ärztlichen Sorgfalt entspricht und den an- erkannten Stand der medizinischen Er- kenntnisse einhält. Für welche Leistung dies gelten kann zeigen die Vorgaben des EBM für den kassenärztlichen Bereich. Hier sind mittlerweile bestimmte, auch spezielle und therapeutische, Leistungen, wie das psychiatrische Gespräch und die Psychotherapie, telemedizinisch erbring- bar. Die GOÄ selbst schränkt die teleme- dizinische Erbringung von Leistungen explizit kaum ein, zuweilen vertreten je- doch gängige Kommentierungen eine nicht näher begründete rigorose Posi- tion in Bezug auf deren Abrechenbar- keit. Vor dem aktuellen Hintergrund der überarbeiteten Musterberufsordnung für Ärzte und den Erweiterungen des EBM stellt sich die Frage, ob nicht durchaus weitere Leistungen im Rahmen der gel- tenden GOÄ telemedizinisch erbringbar und berechenbar sind. Wenn die Voraus- setzungen des §7 Abs. 4 der Musterbe- rufsordnung für Ärzte erfüllt sind, wäre beispielsweise auch die Erbringung und Abrechnung spezieller Beratungsleistun- gen, psychiatrischer Gesprächsleistungen und Leistungen in der Psychotherapie denkbar. Inwieweit sich die telemedizini- sche Erbringung derartiger Leistungen in einer GOÄneu niederschlagen wird • bleibt abzuwarten. m o c . e b o d a . k c o t s - o d u t S a m i x o r P © i : o t o F der im Quartal ausschließlich per Video- sprechstunde behandelten Fälle ist auf 20 Prozent aller Behandlungsfälle beschränkt. Für ärztliche und psychologische Psycho- therapeuten sind jetzt bestimmte Leistun- gen der Richtlinien-Psychotherapie per Videosprechstunde durchführ- und abre- chenbar. Zu diesen Leistungen zählen be- Quellen: Q1: Telemedizinische Methoden in der Patientenversorgung - Begriffliche Verortung, BÄK 20.03.2015, https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Telemedizin_Telematik/Telemedizin/ Telemedizinische_Methoden_in_der_Patientenversorgung_Begriffliche_Verortung.pdf Q2: Videosprechstunden sind jetzt öfter möglich - Vergütung im EBM neu geregelt 10.10.2019, KBV, https://www.kbv.de/html/1150_42530.php; Quelle: VIDEOSPRECHSTUNDE ÜBERSICHT ZUR VERGÜTUNG, 01.10.2019, KBV, https://www.kbv.de/media/sp/Videosprechstunde__bersicht_Verg_tung.pdf Q3: Kommentar zur Gebührenordnung für Ärzte, Deutscher Ärzteverlag Q4: Gebührenordnung für Ärzte GOÄ, Kohlhammer Verlag DR. MED. MARKUS MOLITOR MBA, M.D.R.A. | Arzt und Zahnarzt Medizinisches Gebührenreferat, interne & externe Weiterbildung mmolitor@ihre-pvs.de PVS einblick 29
HERAUS- FORDERUNG SUCHT Psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen und Suchterkrankungen, zählen zu den häuﬁ gsten Erkrankungen in Deutschland. Bei etwa einem Viertel aller alkoholkranken Männer und der Hälfte der alkoholkranken Frauen treten Depressionen auf. 30 PVS einblick
Sucht ist kein Randproblem unserer Gesellschaft. Nach repräsentativen Studien rauchen immer noch 12 Millionen Menschen – rund ein Drittel der Bundesbürger – und 1,7 Millio- nen sind alkoholabhängig. Keine Droge ist so weit verbreitet und gesellschaftlich etabliert, wie Alkohol. Nach den jüngsten Berechnungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen konsumierten 2017 Erwachsene hierzulande im Schnitt rund 131 Liter alkoholische Ge- tränke. Der Durchschnittskonsum der Bevölkerungsmehrheit, also der 15- bis 65-Jähri- gen, erreicht mit 14,6 Liter reinem Alkohol im Jahr einen sehr hohen Wert. Aktuell sind circa 1,9 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig. Das Gros dieser Suchterkrankungen wird von den Studienautoren auf nichtopioide, freiverkäufl iche Analge- tika zurückgeführt, die gleichwohl ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen. Schätzungen zufolge haben 90 Pro- zent aller Menschen etwas, worauf sie nicht mehr verzichten können: Schokolade, Kaff ee, Nikotin, Glücksspiel, Internet oder Einkaufen … die Liste ist lang. Nicht immer wird das zum Problem, aber gerade Alkohol, Zigaretten oder an- dere Drogen lassen viele Betroff ene nicht mehr los. Sucht ist häufi g mit dramati- schen persönlichen Schicksalen verbun- den. Sie betrifft beteiligte Familienange- hörige ebenso wie Freunde oder Kollegen. Hier ist ärztliche Hilfe dringend gefordert. Die psychiatrische Abteilung der Praxis „SANO HAMBURG“ hat einen Schwer- punkt auf den Bereich ambulante Entgif- tung und qualifi zierten Entzug gelegt und bietet eine intensive medizinische und psychiatrisch-psychotherapeutische sowie sozialpsychiatrische Th erapie, die indivi- duell auf die jeweilige Problematik und Lebenssituation zugeschnitten wird. Drei Experten des SANO HAMBURG-Teams behandeln in einem Zyklus: Dr. Marius Ütö ist Facharzt für Psychiatrie und Psy- chotherapie und spezialisiert auf sucht- medizinische Grundversorgung. Als Prak- tischer Arzt und staatlich examinierter Physiotherapeut ergänzt Florian Friedrich das Team, dem auch Dipl.-Psych. Roland Th iel als Verhaltenstherapeut angehört. Zudem gibt es ein „Gym“, in welchem ein Sporttherapeut individuell physische Re- habilitation unterstützt. Die Problematik wird von den drei unter- schiedlichen, jedoch immer im Diskurs stehenden Experten betrachtet, um einen umfassenden Eindruck auf die persön- liche Situation der Klienten zu erlangen und davon einen individuellen Th erapie- plan abzuleiten. Die entspannte Atmosphäre in den Räumlichkeiten des Störtebekerhauses am Rande der Hamburger Innenstadt, in die auch Freunde, Partner oder Kollegen einbezogen werden, stellt ein wesentli- ches Element der Th erapie dar. Die Be- ratung fi ndet bewusst mit dem sozialen Netzwerk statt und fördert damit gleich- zeitig die Stabilisierung in der jeweiligen Lebenssituation. Die Behandlung umfasst immer eine starke Beziehungs- und Emotionsfo- kussierung, um neben der kognitiv- rationalen Ebene vor allem auf Basis der Emotionen problematische, belas- tende Verhaltens- und Erlebensweisen zu verändern. Dazu nutzt das thera- peutische Team sowohl Verhaltensthe- rapie (u. a. Schematherapie), Tiefen- psychologische Psychotherapie (TFP) und Hypnotherapie, als auch medi- zinisch-pharmakologische Behand- lungsalternativen. Wir sprachen mit Dr. Marius Ütö über das Suchtverhalten in Deutschland. trinken Erwachsene in 101 Liter Bier Deutschland pro Jahr. Hat Deutschland ein Alkoholproblem? Dr. Marius Ütö: In der BRD ist Alkoholkon- sum in vielen Teilen der Bevölkerung Nor- malität, teilweise scheint es zum „guten Ton“ zu gehören, das ein oder andere Glas nicht zu verschmähen. Alkohol ist wohl hier in Deutschland eine Volksdroge, zudem immer und überall zugänglich und gar nicht mal so teuer. Sechs Biere im Supermarkt kosten doch teilweise weniger als die Bestandteile eines Frühstücks oder Abendbrotes. Was bringt ein Monat ohne Alkohol für den Körper? Durch Bestimmung der Leberenzyme kann wochenweise Abstinenz bereits messbar ge- macht werden; erhöhte Parameter bei Be- ginn einer Entzugsbehandlung sind bereits nach unter einem Monat in den allermeis- ten Fällen rückläufi g, was leider wiederum oft mals den täuschenden Eindruck bei Pa- tienten hinterlässt, so eine „Leberkur“ kön- ne doch immer wieder stattfi nden. Typisch in Deutschland ist doch auch, dass Men- schen im Januar oder auch Februar nach einer „alkoholischen Weihnachtszeit“ kom- plett abstinent sind und fasten, dann aber im Anschluss mit einem ausschweifenden Ernährungsstil (und eben nicht nur mit Al- kohol) wieder beginnen. Das Gesundheits- verständnis ist leider oft mals das entschei- PVS einblick 31 m o c . e b o d a . k c o t s - 2 8 7 4 n a j r a m © : o t o F
m o c . e b o d a . k c o t s - n a e D : o t o F t o b o r D © Die psychiatrische Abteilung der Praxis bietet eine intensive medi- zinische und psychiatrisch-psycho- therapeutische sowie sozialpsych- iatrische Therapie, die individuell auf die jeweilige Problematik und Lebenssituation zugeschnitten wird. dende Problem und die Aufklärung hierzu kann in der Behandlung schon große Schrit- te bewirken. Des Weiteren fühlen sich die Patienten aber nach einem Monat ohne Al- koholkonsum deutlich besser, frischer, wa- cher, körperlich wieder gesund, es fehlen die oftmals mit Medikamenten kontrollier- ten Beschwerden wie Sodbrennen, (Kopf-) Schmerzen, Muskelkrämpfe, Schlafstörun- gen oder Diarrhoen sowie viele weitere al- koholinduzierte Beschwerden. Das ist beim Versuch einer Abstinenz oder einer starken Reduktion des Konsums eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität. Wie entsteht Sucht? Im Sinne der physiologischen Sichtweise entsteht sie besonders häufig bei den Perso- nen, die körperlich wenig oder kaum durch Alkoholkonsum oder den Konsum anderer Substanzen beeinträchtigt sind. Ein Mensch, der fünf Gläser Bier oder eine Flasche Wein konsumieren kann, ohne am Folgetag Be- schwerden zu haben, wird häufiger zum Suchtmittel greifen, als derjenige mit folglich Übelkeit oder Erbrechen. Dies kann aber be- reits auch das erste Anzeichen einer Gewöh- nung darstellen. Psychisch betrachtet spielt das Gefühl des kontrollierten Konsums eine große Rolle. Menschen, die sich sicher sind, dass sie die Kontrolle über ein Suchtmittel nicht verlieren, verlieren sie schneller als diejenigen, die zweifeln und unsicher sind. Denn die körperliche Gewöhnung und die Dosissteigerung setzen schleichend ein und sind hier laut WHO-Kriterien bereits die Anzeichen einer Abhängigkeit. Der sanfte und schleichende Prozess ist der Hauptrisi- kofaktor in meinen Augen. Wie differenzieren Sie zwischen Sucht und Missbrauch? In der Praxis „ganz einfach“ nach den „ICD-10“-Kriterien der WHO: wenn über ein Jahr lang etwa nicht nur ungesunder bzw. schädlicher Konsum (F10.1) stattfindet, son- dern bereits eine Dosissteigerung/Toleranz- entwicklung, ein Entzugssyndrom, körper- liche Schäden bei Fortführung des Konsums, Interessenverlagerung zum Suchtmittel statt- findet, es zum intensiven Verlangen kommt (Craving) oder Kontrollverlust bezüglich des Beginns, Andauerns oder der Beendigung des Konsums stattfindet. 3 dieser 6 Kriterien defi- nieren bereits die Abhängigkeit, also die Sucht. Bis zu 1,5 Millionen Menschen sind abhän- gig von Beruhigungs- und Schlafmitteln. Wie helfen Sie diesem Patientenkreis? 32 PVS einblick
Die entspannte Atmosphäre in den Räumlichkeiten des Störtebekerhauses am Rande der Hamburger Innenstadt stellt ein wesentliches Element der Therapie dar. e d . t t u n s a m o h t © : ) 5 ( s o t o F Hier ist es ein ähnliches Verfahren wie beim Alkohol. Um diesen komplizier- ten Entzug so angenehm wie möglich zu machen, wird mit Ausgangsubs- tanzen, die sehr weit aufdosiert wer- den (Diazepam als Hilfsmittel) behan- delt. Hier sollten sich sowohl Patient als auch Therapeut jedoch deutlich mehr Zeit einräumen. Das Entzugssyndrom und auch Stimmungstiefs bei Entgif- tung von Benzodiazepinen oder soge- nannten Z-Substanzen wie Zopiclon oder Zolpidem sind zeitlich länger vor- handen, als Komplikationen im Alko- holentzug. Ebenso bedarf es oftmals zumindest anfangs einer gut überdach- ten Medikation mit Antidepressiva, de- ren Nebenwirkungen man sich zu Hilfe nimmt, nämlich den müdigkeitserzeu- genden Effekt. Ihre Erfolgsquote insgesamt? … könnte immer besser sein, aber tat- sächlich sind unsere Erfolge mit am- bulanten Entgiftungen wesentlich be- friedigender, als die Erfahrungen im stationären Entzug. Die Einbindung der Familien oder Partner bzw. An- gehörigen, die Aufrechterhaltung des Alltags und die oftmals nahtlose Fort- führung einer Psychotherapie machen vielleicht die Erfolgsquote aus. Jedoch sind Rückfälle an der Tagesordnung und auch nicht zu verteufeln. Im Mo- dell der Salutogenese (Prochaska & DiClemente) ermöglicht der Rückfall und der darauffolgende Neuanfang die Wiederaufnahme der Absichtserklä- rung im Abstinenzverhalten und bildet somit die nächste Phase der Abstinenz. Ebenso ist Dosisreduktion doch auch ein Erfolg, das „Alles oder Nichts-Prin- zip“ ist eben nicht immer alles. Vielen Dank für das interessante Ge- spräch. Vielleicht sollten wir für die Ent- deckung einer Kultur des Genießens als Alternative zur Kultur des schnellen Rei- zes und raschen Konsums plädieren! • sano-hamburg.de DR. CHRISTINE WINKLER Pressereferentin der PVS cwinkler@ihre-pvs.de PVS einblick 33
ALLEIN UNTER VIELEN Mikro-Appartments, Verstädterung und eine zunehmende Anonymität – die klassische Familie scheint mehr und mehr „aus der Mode“ zu geraten. Rasant wächst hingegen die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland, was ganz unterschiedliche Gründe und auch Auswirkungen hat. Aber sind allein lebende Menschen auch automatisch einsam? 34 PVS einblick einblick
Mutter, Vater und drei Kinder, alle zusammen unter einem Dach: Die- se Lebensform hat sich in den letz- ten Jahren zusehends zu einer Art Auslauf- modell entwickelt. Keine fünf Prozent aller Haushalte setzen sich hierzulande noch so zusammen. Vielmehr sind es aktuell 17,3 Millionen Menschen, die in Deutschland al- leine leben – jede fünft e Person führt dem- nach einen Einpersonenhaushalt. Das Statis- tische Bundesamt, das diese Zahlen kürzlich veröff entlichte, lässt verlauten: „Der lang- fristige Trend zu kleinen Haushalten hält an. Von 1991 bis 2018 ging die durchschnitt- liche Haushaltsgröße von 2,27 Personen auf 1,99 Personen zurück.“ Und diese Ent- wicklung macht sich längst bemerkbar: Im Supermarkt etwa, wo Salate, Sushi, Wraps und Sandwiches in kleinen Portionen „ready to eat“ als sogenanntes „Conveni- ence-Food“ im Kühlregal warten. Oder auf dem Wohnungsmarkt, denn Mikro-Appart- ments mit maximal zwei Zimmern erfreu- en sich längst einer großen Nachfrage. Auch hier ein Wert, der diesen Trend stützt: Jeder Deutsche wohnt laut Statistik auf durch- schnittlich 46,3 Quadratmetern. Neben all diesen kühlen Zahlen gibt es je- doch auch viele individuelle Gründe für den Single-Haushalt. Da wäre vor allem der demografi sche Wandel – die Menschen in Deutschland werden älter, nicht zuletzt we- gen des medizinischen Fortschritts. Mittler- weile gehören viele Rentner zudem einer Generation an, die vom Partner getrennt lebt und alleine alt wird. Da zudem die Le- benserwartung von Frauen statistisch be- trachtet rund zehn Jahre höher als die von Männern liegt, beansprucht die Gruppe äl- terer Menschen einen großen Teil der Ein- zelwohnungen für sich. Doch auch bei jun- gen Menschen geht der Trend zum Leben in Eigenregie. Da spielt nicht nur die rückläu- fi ge Zahl der Eheschließungen eine Rolle, sondern auch die Anziehungskraft der gro- ßen Metropolen: Jobs, Berufsschulen und Universitäten locken nach Berlin, Hamburg oder Köln und begünstigen so Veränderun- gen von Familienstrukturen und die allge- meine Verstädterung. sozialen Isolation ein. Und diese droht be- sonders in den Großstädten, wo zwar viele Menschen leben, gleichzeitig aber auch eine große Anonymität herrscht. Menschen, die darüber hinaus bereits an einer psychischen Erkrankung leiden, sind dann umso anfälli- ger für Einsamkeit. Andersherum kann Ein- samkeit aber auch psychische Erkrankun- gen befördern. Ein riskanter Teufelskreis. Stabilität, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung Fast klingt es paradox: Dank Social Media und der daraus resultierenden Vernetzung war es nie einfacher, sich zusammenzutun und Kontakte zu knüpfen. Und doch scheint aktuell eine Generation von „Einzelgän- gern“ heranzuwachsen. Hierzu liefert das international tätige Meinungsforschungsin- stitut YouGov spannende Erkenntnisse, hat es sich doch kürzlich erkundigt, wie wich- tig den Deutschen Freundschaft en seien. Von den 2046 befragten Menschen gaben 89 % an, mindestens einen engen Freund oder eine enge Freundin zu besitzen. 40 % können sich auf ein bis zwei enge Freund- schaft en verlassen, 33 % gar auf drei bis vier. Doch da sind eben auch noch die 11 % der Befragten, die niemanden haben, den sie in die Kategorie einer engen freundschaft - lichen Verbundenheit einordnen würden. Ob es nun Probleme sind, Beziehungen auf- zubauen, es sich um einen schüchternen Charakter handelt oder schlichtweg der Be- darf an Freundschaft en fehlt – Psychothe- rapeuten sehen diese Entwicklung durch- aus mit Sorge, stehen Freundschaft en doch für Stabilität, Gemeinschaft und gegenseiti- ge Unterstützung. Viel mehr noch: Wer auf dieses wichtige Netzwerk nicht zurückgrei- fen kann oder möchte, geht das Risiko einer Doch wer weiß, vielleicht erobern wir uns in naher Zukunft auch wieder ein gutes Stück Langsamkeit zurück? Auch hier sind deut- liche Trends erkennbar, etwa im urbanen Gartenbau, in der zunehmenden Rückkehr von Städtern in ländliche Gefi lde oder an- hand von Natur-, Wald- und Outdoor-Ma- gazinen, die im Zeitschrift enregal immer mehr Platz einnehmen. Die sozialen Unter- stützungsstrukturen in dörfl ichen Gebieten schlagen jene in den Metropolen zudem um Längen; auch fördert ein 5.000-Seelen-Ört- chen beim ein oder anderen ein Zugehö- rigkeits- und Heimatgefühl. Letztlich spielt das Bedürfnis nach sozialer Aktivität eines jeden Einzelnen die entscheidende Rolle. Besonders Menschen, die aus freien Stü- cken und gerne eher alleine leben, müs- sen und sollten nicht zu ihrem „Gemein- schaft sglück“ gezwungen werden. Ein Zitat der österreichischen Schrift stellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916) besagt aber auch: „Überlege wohl, bevor du dich der Einsamkeit ergibst, ob du auch für dich • selbst ein heilsamer Umgang bist.“ ROBERT TARGAN Freier Texter, Autor & Redakteur roberttargan.de m o c . e b o d a . k c o t s - ) s t h c e r ( n k a p h c h S y r u Y © i i Weniger Kontakte und weniger Wohnﬂ äche: Der Trend geht in Deutschland zur Vereinzelung. Psychotherapeuten sehen die Entwicklung kritisch. ; ) s k n i l ( i t r a k a p u g n © : n o i t a r t s u l l I PVS einblick 35
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VIER TAGE MIT TAUSENDEN, DIE MEHR WOLLEN „COLORS OF HOPE“ war das Motto der ökumenischen Konferenz „MEHR 2020“, die auf Einladung des katholischen Theologen und Gründer des „Gebetshaus Augsburg“ Johannes Hartl vom 3. bis 6. Januar zum zwölften Mal in Augsburg stattfand. Es war eine Konfe- renz für über 12.000 Menschen aller Generationen und Konfessionen, ein Fest der Inspiration und Freude mit ermutigenden Vorträgen von Johannes Hartl und seinen nationalen und internationalen Gästen. Für Stimmung sorgten auch die internationalen Bands und Musiker in den ausverkauften Hallen des Augsburger Messezentrums. PVS einblick 37 n h a z l o M s e n n a h o J © : o t o F
a n i s o B s a b o T © i Bedingungslos geliebt sein – unabhängig von der Leistung: nach Samuel Kochs emotionalem Vortrag applaudiert das Publikum für Minuten. Der Schauspieler ist seit einem Unfall 2010 in der Fernsehshow „Wetten, dass..?“ Tetraplegiker. : o t o F Gelebte Einheit: sowohl evangelischer Abendmahls- gottesdienst, als auch katholische Messe wurden auf der MEHR 2020 gefeiert. h c s e P , 0 2 0 2 R H E M © : o t o F Neben christlich motivierten Vor- trägen, Konzerten und Diskus- sionen fand dieses Jahr erstmalig auch das Forum „MEHRtheologie“ mit namhaften Professoren aus Deutschland und der Schweiz statt. In Kurzinputs wur- den spannende Perspektiven auf zentrale Fragestellungen skizziert und sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Theo- logie der Zukunft aussehen kann. Ent- sprechend dem Thema der MEHR 2020 – „COLORS OF HOPE“ – spürten sie ge- meinsam der Frage nach: Wie kann Theo- logie in einer Perspektive der Hoffnung betrieben werden? In 10 Impulsvorträgen referierten sie über Themen, die die Brü- cke zwischen praktisch-gelebtem Glauben und wissenschaftlicher Theologie beleuch- teten. DR. CHRISTINE WINKLER Pressereferentin der PVS cwinkler@ihre-pvs.de 38 PVS einblick 38 PVS einblick Laut Angaben der Organisatoren kom- men die „MEHR“-Teilnehmer aus bis zu 40 Ländern, zu 90 Prozent aus dem deut- schen Sprachraum. Gut 60 Prozent seien katholisch, 35 Prozent je zur Hälfte An- hänger von evangelischen Landeskirchen und Freikirchen, drei Prozent orthodox; auch gebe es Nichtchristen. Der Alters- durchschnitt der Besucher liegt bei 37 Jah- ren. Mit ansprechender Atmosphäre ist es den Veranstaltern einmal mehr gelungen, einen Raum zu schaffen, der es leicht er- möglicht, fasziniert vom Glauben zu sein. Das sei ein Ziel der Konferenz, so Hartl, der ein Programm bieten will, das jedem – egal welcher Religion – die Möglichkeit bietet, sich mit der Frage „Worum geht es in meinem Leben wirklich?“ auseinander- zusetzen und die Konferenz mit einem Gefühl der Hoffnung zu verlassen. Das nächste Event des Hauses wird die SCHØN-Konferenz für Kreative und Kunstschaffende im kommenden Juni sein. Für die MEHR-Konferenz ist künftig ein zweijähriger Rhythmus angedacht. Außerdem kündigte Dr. Johannes Hartl ein Open-Air Event in den ersten Au- gusttagen des Sommers 2021 an. Für die Zielgruppe von rund 15.000 Teenagern aus dem deutschsprachigen Raum ist ein konfessionsübergreifendes, christliches Festival auf dem Gelände der Kaltenber- ger Ritterspiele in Planung, welches in Ko- operation mit verschiedenen christlichen Jugendbewegungen aus unterschiedlichen Konfessionen und Denominationen ge- tragen wird. Die Initiative wird unter an- derem auch von den katholischen Jugend- bischöfen aus Deutschland und Österreich • unterstützt. mehrkonferenz.org schoenkonferenz.org gebetshaus.org johanneshartl.org
Jeremy Riddle (Bethel Music), Songwriter, Lobpreisleiter und Sprecher schreibt Lieder zur Ehre Gottes. h c s e P , 0 2 0 2 R H E M © : o t o F Die Poetry Slammerin und „Gottes Inﬂ uencerin“ Jana Highholder macht jungen Menschen den Glauben an Gott zugänglich. r e t s r a H c i V © : o t o F Manchmal ist mehr auch mehr – 12.000 Menschen feierten gemeinsam vier Tage lang Gottesdienst und füllten das ausverkaufte Messe- zentrum in Augsburg. n n a m i l l e H n m a n e B © j : o t o F ÜBER JOHANNES HARTL Johannes Hartls Herz brennt dafür, die Faszination und Schön- heit Gottes auf mitreißende Art und Weise zu kommunizieren. Der promovierte katholische Theologe wurde 1979 geboren und studierte Germanistik und Philosophie, bevor er mit seiner Frau 2005 das Gebetshaus Augsburg gründete, in dem seit 2011 Tag und Nacht das Gebet nicht mehr verstum- men und zu dessen Veranstaltun- gen Tausende Besucher kommen. Er ist Autor zahlreicher Bücher und international gefragter Konferenzredner, der es versteht, geistlichem Tiefgang mit Humor, Intellekt und hoher Praxisrele- vanz zu verbinden. Johannes lebt mit seiner Frau Jutta und ihren vier Kindern in Augsburg. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ – Jo- hannes Hartl während seines Vortrags über die Freundschaft mit Gott. n n a m i l l e H n m a n e B © j PVS einblick 39 PVS einblick 39 : o t o F
MASERN: IMPFUNG LEBENSWICHTIG Ab März 2020 müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine KiTa oder Schule nach- weisen, dass diese gegen Masern geimpft sind. Die Impfpfl icht gilt auch für Tagesmütter und für das Personal in KiTas, Schulen, in medizinischen Einrichtungen und in Gemein- schaftseinrichtungen wie Flüchtlingsunterkünften. Bei Verstößen drohen Bußgelder über bis zu 2.500 Euro. Kinder, die nicht gegen Masern geimpft sind, dürfen in KiTas nicht mehr aufgenommen werden. formierte Entscheidung pro Impfung er- reichen und so die Gesundheit von uns al- len langfristig schützen. An den Masern entzündet sich regelmäßig der Streit zwischen Impfb efürwortern und Impfgegnern. Woran liegt das? Die Entscheidung des Gesundheitsmi- nisters zu verpfl ichtender Masern-Im- munisierung hat die emotional geführte Impf-Debatte sicherlich aufgeheizt. Ge- rade die Masern, die in bestimmten Krei- sen als harmlose Kinderkrankheit ab- getan werden, sind enorm in den Fokus gerückt. Laut WHO starben 2015 mehr als 130.000 Kinder an dem Virus. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Fälle von schwersten Behinderungen und Tod durch eine Maserninfektion, die auch Er- wachsene befallen kann. Von einer harm- losen Kinderkrankheit zu sprechen ist nicht nur falsch, sondern vor allem fahr- lässig. Ich kann nicht sagen, warum Impf- gegner immer wieder die Masern an- führen. Ich mache auf die Erkrankung aufmerksam, weil kein Mensch mehr da- ran leiden müsste – bei einer ausreichen- den Impfb ereitschaft . In einer weiteren Studie entdeckte ein For- schungsteam um Velislava Petrowa vom Wellcome Sanger Institute im britischen Cambridge, dass nach einer Maserninfek- tion - durch den Verlust sogenannter „Ge- dächtniszellen“ – die Immunabwehr 10 bis 70 % ihrer Erinnerungsfähigkeit ver- liert. Der Körper weiß nicht mehr, wie er auf bekannte Krankheitserreger reagieren soll. Kindern, die eine Masernimpfung erhalten hatten, ließ sich keine solche Immunamnesie nachweisen. Diese For- schungsergebnisse machen die Impfung umso wertvoller. Über die Impfproblematik sprachen wir mit Steff en Künzel, dem Gründer und Vorsitzenden des Vereins für Impfaufk lä- rung in Deutschland e.V. Ihre „Impf Dich“-Initiative hat von der re- nommierten Caritas-Stift ung in Köln den zweiten Preis in der Kategorie „jung+enga- giert“ erhalten. Welche Zielsetzung hat der Verein für Impfaufk lärung in Deutschland? Steﬀ en Künzel: Unsere Initiative hat pri- mär die Aufgabe wissenschaft sbasiert und unabhängig über das Immunsystem, Imp- fungen, aber vor allem auch die soziale Komponente einer präventiven Immuni- sierung aufzuklären. Wir impfen selbst nicht, sondern wollen junge Menschen mit Argumenten und Fakten für eine De- batte über Impfungen wappnen, eine bewusste und in- Kinder und Personal, die zum Zeit- punkt des Inkraft tretens des Geset- zes im kommenden März schon in einer KiTa, Schule oder Gemeinschaft s- einrichtung sind, müssen die Impfung bis spätestens 31. Juli 2021 nachweisen. Er- bracht werden kann der Nachweis durch den Impfausweis, das gelbe Kinderunter- suchungsheft oder durch ein ärztliches At- test, aus dem hervorgeht, dass schon mal eine Maserninfektion vorlag. Neueste Stu- dien belegen, dass Bundesgesundheitsmi- nister Jens Spahn mit seinem „Masern- schutzgesetz“ auf dem richtigen Weg ist, denn diese Arbeiten unterstreichen ein- mal mehr, dass Masern eine gefährliche Krankheit sind. Die Forschung hat ganz neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Masern das Immunsystem schwächen und Kinder über Jahre anfälliger für andere Krankheiten machen. Zwei Forschungsgruppen gingen der Frage nun mit unterschiedlichen Methoden nach. Das Team um Michael Mina vom Howard Hughes Medical Institute in Bos- ton untersuchte Blutproben von 77 nicht geimpft en Kindern aus den Niederlan- den zwei Monate vor und nach einer Ma- serninfektion. Die Kinder waren 4 bis 17 Jahre alt und hatten vorher keine Masern gehabt. Die Analyse des Blutes vor und nach der Masernerkrankung von nicht geimpft en Kindern zeigte, dass die Viren die schützenden Antikörper der Kinder zerstört hatten. Selbst als sich die Kinder vollständig von den Masern erholt hat- ten, blieben diese Antikörper verschwun- den, wie die Wissenschaft ler im Fachblatt „Science“ schreiben. 40 PVS einblick
Impfaufklärung, wie die „Impf Dich“-Initiative, rettet Leben. Als harmlose Kinder- krankheit abgetan, wurden durch die Masern laut WHO im Jahr 2015 mehr als 130.000 Todesfälle gezählt. PVS einblick 41 m o c . e b o d a . k c o t s - n a d a n a y © j : o t o F
g r o . h c i d - f p m i © : o t o F Steffen Künzel (2. v. r.) mit dem „Impfaufklärung in Deutschland e. V.“ bei der Preisverleihung des „jung+engagiert“-Preises der Caritas. Die Infektionen nehmen wieder zu! Ha- ben wir zu lange zu wenig informiert und das Feld einfach den Impfgegnern über- lassen, die in den sozialen Medien sehr aktiv sind? Wir leben in einer Zeit, in der sich jeder frei mitteilen kann, was primär gut ist. Auch wir bei „Impf Dich“ unterstützen eine lebhaft e Debatte bei Entscheidun- gen, die uns alle angehen. Die Unüber- sichtlichkeit und die Möglichkeit des Verbreitens von falschen Informationen im weltweiten Netz wurde teilweise zur Instrumentalisierung genutzt, um impf- kritische und schlicht falsche Informa- tionen zu verbreiten. Ich habe selbst ver- sucht als vermeintlicher „Medizin-Laie“ Informationen für oder gegen eine Impf- entscheidung online auf diversen Web- sites zu fi nden. Die Informationskultur dort ist erschreckend. Ich glaube nicht, dass die Schulmedizin Impfk ritikern das Feld überlassen, aber auch nicht zu ähn- lichen, reißerischen Methoden greifen sollte. Vielmehr setze ich große Hoff nun- gen auf eine beruhigte und wissenschaft - lich geprägte Debatte und Aufk lärung. Ich appelliere an alle, die Quellen kritisch zu hinterfragen und zu prüfen. Was ist der Grund für die wiederholten Engpässe bei der fl ächendeckenden Ver- sorgung mit Impfstoff en? DR. CHRISTINE WINKLER Pressereferentin der PVS cwinkler@ihre-pvs.de 42 PVS einblick Die Gründe für Engpässe bei Impf- stoff en sind für mich als Mediziner, und damit in gewisser Weise als End- verbraucher, nur schwer nachzuvoll- ziehen. Um die Unabhängigkeit der Initiative zu garantieren und Interes- senskonfl ikte zu vermeiden, nimmt „Impf Dich“ keine Spenden oder Ko- operationen der Pharmaindustrie ent- gegen, so dass ich auch keinen direk- ten Einblick habe. Jedoch engagieren sich mehrere Pharmaziestudierende in unseren Lokalgruppen. Die Kon- tingente für Impfstoff e müssen schon Monate und teils Jahre vor der fi na- len Nutzung festgelegt werden. Hinzu kommt, dass einige Impfstoff e nicht lange haltbar sind, was eine Planung erschwert. Im Sommer 2018 habe ich mich mit Tiemo Woelken, Mitglied des Europaparlaments und dort Spre- cher für Gesundheit, getroff en. Im EU-Parlament wird eine europaweite Angleichung von Impfempfehlungen diskutiert und in der Folge eine ge- meinsame Beschaff ung der Impfstoff e. Ich bin mir sicher, dass diese ge- meinsamen Strategien eine bessere, fl ächendeckende Versorgung garan- tieren. Die Gegner argumentieren, die Impf- pfl icht verstoße gegen die Selbstbestim- mung. Das Beispiel der Pocken hat vor Jahren in Meschede gezeigt, dass nach Aufh ebung der Impfpfl icht durch Einschleppung der Erreger eine Ende- mie entstehen kann. Welche Hoff nung verbinden Sie mit der Masern-Impf- pfl icht? Die Vorteile einer Impfpfl icht sind nicht von der Hand zu weisen. Länder mit Impfpfl icht kennen gewisse Krank- heiten wie zum Beispiel Masern nicht, was natürlich dafürspricht. Die ehr- liche Antwort ist aber auch, dass ich persönlich – und dabei spreche ich we- der für die Initiative als Ganzes, noch für die gesamte Schulmedizin – schon sehr früh gegen eine Impfpfl icht war und immer noch bin. Zum einen hat eine Zwangsmaßnahme am mensch- lichen Körper immer auch einen Bei- geschmack. Zum anderen bin ich der festen Überzeugung, dass wir einen Herdenschutz durch eine bessere Auf- klärung erreichen könnten. Impfauf- klärung durch öff entliche Institutio- nen hat sich lange auf Plakate mit „Deutschland sucht den Impfpass“ begrenzt. Hier wurde es versäumt, in- tensiver aufzuklären und es sind noch lange nicht alle Möglichkeiten ausge- schöpft . Ist es also tatsächlich schon Zeit für den drastischen Schritt einer verpfl ichtenden Maßnahme? Wir sind Medizinstudierende, die Impfaufk lä- rung ehrenamtlich – trotz eines inten- siven Studiums – nebenher betreiben. Die Erfolge sprechen für uns und wir haben viele junge Menschen erreicht, die sich impfen lassen. Hierauf sollten • wir aufb auen. impf-dich.org
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„ICH SEHE KEINE ZWEI-KLASSEN-MEDIZIN!“ Viele Themen rund ums deutsche Gesundheitssystem beschäftigen derzeit nicht nur Politiker. Sie bewegen und beunruhigen auch die Menschen in ihrem Alltag. Im Interview gibt Prof. Dr. Karl Lauterbach (Foto links), SPD-Gesundheitsexperte, seine Einschätzungen von Pflege bis Bürger- versicherung wieder. Im Videointerview (Link: siehe Quellenangabe) äußert sich Frank Rudolph, Geschäftsführer vom Bundesverband Verrechnungsstellen Gesundheit e. V. (BVVG, Foto rechts). t a v i r p : o t o F Herr Rudolph, Ihr Verband wurde 2017 gegründet. Können Sie noch einmal kurz sagen, was er genau tut? Frank Rudolph: Wir vertreten unsere Mit- glieder, die sich ausschließlich im Bereich der Abrechnung im Gesundheitswesen bewegen. Das sind zum einen die niedergelassenen Ärz- te, Krankenhäuser, Chefärzte, medizinische Versorgungszentren in der Privatabrechnung. Aber unsere Mitglieder beschäftigen sich na- türlich auch mit der Kassenabrechnung. Auch da sind wir Dienstleister rund um das Thema Abrechnung. Wir mischen uns natürlich in die Gesundheitspolitik ein, weil wir abhängig von politischen Entscheidungen sind, unsere Konsequenzen aus ihnen ziehen und auf Ver- änderungen reagieren müssen. Das duale Gesundheitssystem – ist es Ihrer Auffassung nach Fluch oder Segen für Deutschland? Frank Rudolph: Es werden keine Menschen vom dualen System benachteiligt. Die Bür- gerversicherung von SPD, Grünen und Lin- 44 PVS einblick ken ist eine schöne Überschrift. Schaut man genauer hin, ist da nur noch heiße Luft bei den Fordernden. Es gibt überhaupt kein trag- fähiges Konzept, nur die Aussage, dass jeder gleich viel einzahlen soll. Unser jetziges Sys- tem hat sich dagegen mehr als bewährt in den vergangenen Jahrzehnten. Es gibt Innova- tionen bei der gesetzlichen und der privaten Versicherung, die sich gegenseitig ergänzen. Ich sehe keine Zwei-Klassen-Medizin. Und laut neuester Umfragen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind 90 Prozent der Bür- ger mit ihrem Hausarzt zufrieden. Prof. Dr. Karl Lauterbach: Ich sehe es ein- deutig als Lose-Lose-Situation für die Be- teiligten. Die gesetzlich Versicherten haben einen schlechteren Zugang zu den speziali- sierten Fachärzten. Und die privat Versicher- ten haben eine Überversorgung und bekom- men Leistungen angeboten, die sie oft gar nicht brauchen. Ärzte behandeln nun mal die am liebsten, die am meisten bezahlen. Da- durch ist die private Versicherung auf Dau- er unbezahlbar. Wenn die Menschen in Ren- te gehen, zahlen sie dann Beiträge von 1200 Euro monatlich und mehr. Bei den Beamten ist die Beihilfe zudem eine Zeitbombe für den Steuerzahler, weil die Kosten ausufern. Eine Bürgerversicherung würde die Fehl- und Überversorgung abbauen. Sie wäre das Ende der Zwei-Klassen-Medizin. I R E G N L E N N A I T S R H C © I I : o t o F ganz bewusst. Jeder medizinische Eingriff ist grundsätzlich erst einmal eine Körperverlet- zung. Nur bei Notwendigkeit der Behand- lung ist diese überhaupt rechtens. Herr Lau- terbach unterstellt den Ärzten unterschwellig, sie würden das auch ohne Notwendigkeit tun. Da hat er sich etwas verrannt, glaube ich. Im dualen System bekommt jeder Patient in Deutschland genau die Behandlung, die er benötigt. Nicht mehr und nicht weniger. Sie sehen also keinen Sinn in der Gleichheit al- ler Patienten bei der Bürgerversicherung? Was antworten Sie auf Herrn Lauterbach, der sagt, dass gesetzlich Versicherten Leistungen verwehrt bleiben? Frank Rudolph: Das muss ich im Namen unserer mehr als 12.000 Mitglieder und Kunden zurückweisen. Jeder Patient hat Zu- gang zu allen medizinischen Leistungen des Marktes. Herr Lauter-bachs These, dass pri- vat Versicherte Leistungen bekommen, die sie gar nicht brauchen, ist ebenso falsch. Da ist er sich der Tragweite seiner Worte nicht Frank Rudolph: Nein. Es klingt gut, bringt aber für alle nur Nachteile. Das ist auch in zahlreichen Studien und Publikationen be- legt. Per Mitnahmeeffekt würden die Beiträge kurz sinken, aber spätestens nach zwei oder drei Jahren wieder exorbitant nach oben stei- gen. Von 82 Millionen Bundesbürgern sind nur 10 Prozent privat versichert. Die Hälfte dieser 10 Prozent sind wiederum Beamte. Die 4 bis 5 Millionen Privatpatienten, die da übrig bleiben, sollen jetzt das System retten? Das ist betriebswirtschaftlich nicht haltbar. Erschwe-
rend kommt hinzu, dass eine staatliche Ein- heitsversicherung wie in England, sogar eine Mehrklassenmedizin schaff en würde. Wenn Menschen privat für ihre Gesundheit Geld ausgeben wollen, dann soll man es ihnen nicht verwehren. Herr Lauterbach, das Beispiel England zeigt tatsächlich, dass die Staatsmedizin mehr Pro- bleme verursacht. Prof. Dr. Karl Lauterbach: Eine Staatsmedi- zin wie in England funktioniert natürlich tat- sächlich nicht. Aber die Bürgerversicherung ist auch keine solche Staatsmedizin. Es geht rein darum, dass jeder Bürger im Gesund- heitssystem gleich behandelt wird. Das ist Demokratie. Wie stehen sie zur Widerspruchslösung bei der Organspende, die Bundestags-Abstimmung darüber ist jetzt im Dezember? Frank Rudolph: Ich unterstütze hier den Gesundheitsminister. Das Problem bei der Organspende ist doch, dass es zu wenig Spen- derorgane gibt. Deshalb ist es gut, wenn je- der Bürger potenzieller Organspender wird. Das bringt die Leute auch dazu, dass sie sich aktiv mit dem Th ema auseinander setzen. Dann kann jeder entscheiden, ob er wirk- lich Spender sein will. Will es der Einzelne nicht, kann er widersprechen oder sogar sei- ne Angehörigen, wenn er es selbst nicht mehr kann. Damit ist das auch juristisch einwand- frei. Manche Bürger mögen das trotzdem für eine Bevormundung halten. Aber in anderen Ländern wie etwa Österreich gibt es die Wi- derspruchslösung längst. Ich bin guter Hoff - nung, dass sich die Zahl der Spender erhöhen wird. Dann erkennen die Bürger: Es ist eine Notwendigkeit, von der Menschenleben ab- hängen. Andere Lösungen sehe ich nicht als sinnvoll an. Prof. Dr. Karl Lauterbach: Ich bin sehr dafür. Nur so erreichen wir, dass es genügend Spen- derorgane in Deutschland gibt. Pro Jahr ster- ben rund 2.000 Menschen, die ohne Trans- plantation auf der Warteliste stehen. Wir importieren Organe aus anderen Ländern, das kann es nicht sein. Ich plädiere aber für die doppelte Lösung: Die Angehörigen müs- sen die Bereitschaft des Verstorbenen zur Organspende noch einmal bestätigen. Was halten Sie von den Terminservicestellen? Frank Rudolph: Da muss man ins Detail ge- hen mit den kassenärztlichen Vereinigungen: Ich habe da recht gute Kontakte. Ich höre, dass der Service von den Patienten angenom- men wird. Aber nicht in dem Maße, wie man es erwartet hat. Die Patienten scheinen in der Lage zu sein, ihre Termine noch selbst aus- zumachen. Wir müssen aufpassen, dass wir da nicht verschiedene Dinge in einen Topf schütten. Klar gibt es längere Wartezeiten, etwa beim Facharzt. Für eine Vorsorgeunter- su-chung beim Urologen brauche ich doch nicht innerhalb von fünf Tagen einen Termin. Das kann ich doch steuern, indem ich mich rechtzeitig um einen Termin kümmere. Ich behaupte, die Hausärzte wissen genau, wann sie zum Hörer greifen müssen und einen Facharzt einschalten. Dann geht es in dringli- chen Fällen mit dem Facharzttermin auch un- bürokratisch und schnell. Es ist eine Schein- debatte, dass es mit den Terminen immer so lange dauert. Prof. Dr. Karl Lauterbach: Wir haben die Neuerung in der Groko mit eingeführt. Die Terminservicestellen bedeuten eine Abmil- derung der Zwei-Klassen-Medizin, sind ein hilfreiches Vehikel auf dem Weg zur Bürger- versicherung. So bekommen Kassenpatienten leichter einen Termin beim Facharzt. Gefährdet die Zeitarbeit im Pfl egebereich die Versorgung der alten Menschen? Das Land Berlin möchte jetzt eine Bundesinitiative da- gegen starten. Frank Rudolph: Die Pfl egekräft e sind über- fordert, auch körperlich und von den Arbeits- zeiten her. Die Bezahlung ist nicht besonders gut. Ich fi nde gut, dass Herr Spahn 13.000 neue Stellen geschaff en hat, die voll gegen- fi nanziert sind von den Krankenkassen. Si- cherlich brauchen wir noch wesentlich mehr Stellen, vielleicht bis zu 100.000 in zehn Jah- ren. Mit irgendwas musste man ja anfangen, auch unter Rot-Grün gab es da Versäumnisse. Wichtig ist, dass die Gehälter besser werden. Pfl egekräft e aus dem Ausland anzuwerben, ist nur kurzfristig eine Option – wir müssen unsere Probleme selbst lösen, ohne anderen Ländern ihre Pfl eger wegzunehmen. Die Zeit- arbeit bringt auch mehr Kräft e in den Markt hinein, aber auch nur kurzfristig. Besser fi n- de ich da die Lösung, Menschen, die aus dem Pfl egeberuf rausgegangen sind, wieder zu- rückzuholen. Auch die Teilzeitkräft e wieder für Vollzeit zu begeistern durch vernünft ige Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Prof. Dr. Karl Lauterbach: Die Arbeitsbe- dingungen in der Pfl ege müssen besser wer- den. Nur durch bessere Bezahlung steigt die Zahl derer, die sich für diesen Beruf interes- sieren. Daher braucht es höhere Tarife und einen erhöhten Mindestlohn. Zeitverträge sind höchst kritisch. Auch der Pfl egeschlüssel muss sich so entwickeln, dass für den einzel- nen Pfl egebedürft igen mehr Zeit bleibt und die Pfl egefachkräft e entlastet werden. Wir werden weiterhin Pfl egefachkräft e aus dem Ausland anwerben müssen. Aber auch das kann die fehlenden 100.000 Stellen nicht aus- gleichen. Pfl egefachkräft e sind unterbezahlt und chronisch überarbeitet. Beides muss sich ändern. Wie wichtig ist für Sie die Freiberufl ichkeit der Ärzte? Frank Rudolph: Freiberufl ichkeit ist nicht immer Selbständigkeit. Freiberufl ich tätig heißt: Jede Th erapie wird frei zwischen Arzt und Patienten direkt ausgemacht. Der Arzt ist von anderen Menschen unabhängig. Die Trennung zwischen ambulant und stationär muss zum Beispiel erhalten bleiben. Der be- handelnde Arzt muss frei und unabhängig entscheiden, ob er einen Patienten ins Kran- kenhaus schickt. Prof. Dr. Karl Lauterbach: Wie gesagt: Auch die SPD will kein verstaatlichtes Gesund- heitssystem. Ein freiwilliges Angestelltenver- hältnis etwa in Krankenhäusern ist okay, aber keine allgemeine Vorgabe. Wir wollen das Unternehmertun nicht einschränken. Das geht ja dann vor allem auch den Patien- ten an. Frank Rudolph: Richtig. Der Patient muss sich darauf verlassen können, dass der Arzt frei ist von Weisungen von außen, wenn er einen Th erapievorschlag macht. Da las- sen sich die Ärzte aber auch Gott sei Dank nicht reinreden. Was den Ärzten das Leben aber schwer macht, ist die damit verbundene überbordende bürokratische Arbeit, die vom Patienten ablenken kann. Ich bin kein Medi- ziner, aber unsere Mitglieder sagen, dass bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit inzwischen für • Bürokratie draufgeht. Quelle: Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe von Interviews mit deutschen Gesundheits- politikern für die Rheinische Post, die mit der Hamburger Agentur Nawrocki PR & Communication und dem BVVG kooperiert: rp-online.de/advertorial/nawrocki-pr/ ich-sehe-keine-zwei-klassen-medizin_ aid-47248257 PVS einblick 45
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51. VERNISSAGE IN DEN RÄUMEN DER PVS Die Künstlerinnen Sonja Kreisel (Bild unten), Mayra Pankow (Bild oben rechts) und Maria Stute (Bild oben links) präsentierten am 23. Januar in Mülheim an der Ruhr ihre Werke – die Ausstellung kann noch bis zum 7. Mai 2020 besucht werden. r e k c e B a j t a K © Ausstellungsdauer: 23. Januar bis 7. Mai 2020 Öffnungszeiten: Mo – Do 7:30 – 16:45 Uhr Fr 7:30 – 12:30 Uhr Ort: Remscheider Str. 16 45481 Mülheim an der Ruhr Besichtigung während der Öffnungszeiten nur nach Vereinbarung. ANMELDUNG UNTER: ihre-pvs.de/kunstausstellung oder kunst@ihre-pvs.de JETZT SCHON VORMERKEN! Vernissage zur 52. Kunstausstellung am 14. Mai 2020 Unser Newsletter „PVS Kunstausstellung“ hält Sie auf dem Laufenden. Jetzt kostenlos anmelden unter: ihre-pvs.de/kunstausstellung PVS einblick 47 : s o t o F
SEMINARPROGRAMM VON FEBRUAR BIS MAI 2020 Anmeldung und weitere Informationen zu unseren Seminaren finden Sie unter pvs-forum.de GOÄ – DERMATOLOGIE 19.02. (Mi.) Dr. med. Bernhard Kleinken Mülheim GOÄ – ORTHOPÄDIE/UNFALLCHIRURGIE (niedergelassener Arzt) 26.02. (Mi.) Dr. med. Bernhard Kleinken Mülheim GOÄ – DERMATOLOGIE 28.02. (Fr.) Dr. med. Bernhard Kleinken Hamburg INDIVIDUELLES GOÄ-COACHING 04.03. (Mi.) Tiffany Bruck München PERFEKT AM TELEFON – UND ALLES SPRICHT FÜR SIE 04.03. (Mi.) Dr. med. Dipl.-Biol. Birgit Hickey Mülheim GOÄ-GRUNDLAGEN 11.03. (Mi.) Daniela Bartz PRAXISABGABE – CHANCEN UND MÖGLICHKEITEN 18.03. (Mi.) Peter Breuer GOÄ – INNERE MEDIZIN/KARDIOLOGIE 18.03. (Mi.) Daniela Bartz Berlin Mülheim Kiel GOÄ-GRUNDLAGEN 18.03. (Mi.) Silke Leven, Konstantin Theodoridis Köln GOÄ – DERMATOLOGIE 20.03. (Fr.) Daniela Bartz GOOGLE, JAMEDA & CO. – DIE OPTIMALE ONLINESTRATEGIE 25.03. (Mi.) Nadja Alin Jung GOÄ – INNERE MEDIZIN (Hausärzte) 25.03. (Mi.) Daniela Bartz Potsdam Mülheim Potsdam GOÄ – PÄDIATRIE 25.03. (Mi.) Dr. med. Bernhard Kleinken Mülheim GOÄ – AUGENHEILKUNDE 27.03. (Fr.) Daniela Bartz Berlin 4 Punkte M8 M9 H1 MÜ3 M10 B3 M41 SH4 K1 P3 M23 P4 M11 B4 KFO-LABORABRECHNUNG 27.03. (Fr.) Nicole Evers Mülheim KFO3 8 Punkte GOÄ – RADIOLOGIE 01.04. (Mi.) Dr. med. Bernhard Kleinken Mülheim INDIVIDUELLES GOÄ-COACHING 01.04. (Mi.) Tiffany Bruck FLYER UND FORMULARE IN WORD ERSTELLEN 03.04. (Fr.) Ursula Apitzsch München Mülheim GOÄ – GYNÄKOLOGIE 08.04. (Mi.) Dr. med. Bernhard Kleinken Mülheim GOÄ – HNO-HEILKUNDE 22.04. (Mi.) Dr. med. Bernhard Kleinken Mülheim MEINE PRAXIS 2023 25.04. (Sa.) Daniela Bartz BERUFSGENOSSENSCHAFTLICHE LEISTUNGEN (BG-Abrechnung) 29.04. (Mi.) Silke Leven Berlin Mülheim GOÄ – ANÄSTHESIE 06.05. (Mi.) Dr. med. Bernhard Kleinken Mülheim INDIVIDUELLES GOÄ-COACHING 06.05. (Mi.) Tiffany Bruck GOÄ-GRUNDLAGEN 13.05. (Mi.) Silke Leven TEAM POWER II: TOPTEAM STATT TROUBLETEAM 15.-16.05. (Fr.-Sa.) Dr. Gabriele Brieden PERSONAL POWER II: AUSSTRAHLUNG OPTIMIEREN 27.05. (Mi.) Dr. Gabriele Brieden München Mülheim Mülheim Mülheim M12 MÜ4 M13 M2 M14 B6 M15 M16 MÜ5 M17 M18 M19 16 Punkte 9 Punkte 48 PVS einblick
VERANSTALTUNGSORTE IHRE ANSPRECHPARTNERIN Berlin • Hamburg Köln • Mülheim München • Potsdam Schleswig-Holstein » Für gekennzeichnete Seminare Ursula Apitzsch Referentin für EDV- Seminare, Organisatorin des PVS forum Tel. 0208 4847-344 uapitzsch@ihre-pvs.de DIE BAUSTEINE FÜR IHR KNOW-HOW » professionell » praxisnah » individuell pvs-forum.de erhalten Sie Fortbildungs- punkte. Fortbildungs- punkte UNSERE REFERENTEN Daniela Bartz Mitarbeiterin der PVS, Geschäftsstellenleiterin der GS Potsdam und Cottbus Dr. Gabriele Brieden Ärztin, Kommunikations- und NLP-Trainerin, systemischer Coach SEMINARHINWEISE Peter Breuer Experte für den Bereich Praxisübernahme und -abgabe Tiffany Bruck Referentin der PVS bayern, GOÄ-Expertin der Geschäftsstelle München Nicole Evers Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen, Praxismanagerin Nadja Alin Jung Geschäftsführerin „m2c medical concepts & consulting“ Silke Leven Mitarbeiterin der PVS, stv. Teamleiterin im Forderungsmanagement Dr. med. Dipl.-Biol. Birgit Hickey Fachärztin für Allgemein- medizin, systemische Kommunikation/Mediation Dr. med. Bernhard Kleinken Experte im Bereich Anwendung/Weiter- entwicklung der GOÄ RA Konstantin Theodoridis Fachanwalt für Medizin- und Sozialrecht, Leiter der PVS holding-Rechts- abteilung Die jeweiligen Seminar- unterlagen erhalten Sie in gedruckter Form. Bei Besuch eines GOÄ-Seminars erhalten Sie zusätzlich eine kostenlose GOÄ. Allgemeine Hinweise zur Seminarbelegung: Das Seminarangebot des Fortbildungsinstitutes steht allen Ärztinnen und Ärzten unabhängig von einer Mitgliedschaft im Verein offen. Ausgewählte Veranstaltungen haben Bezüge zu medizinisch-fachlichen Inhalten und stehen unter ärztlicher Leitung. Die vollständigen Hinweise fi nden Sie auf: pvs-forum.de/agb KEIN SEMINAR VERPASSEN! Melden Sie sich zum monatlichen Newsletter an: pvs-forum.de PVS einblick 49
kurz + knapp FEBRUAR/MÄRZ Fr.-So. 28.-01. DGMKG Kongress & Praxisführungsseminar FRANKFURT MÄRZ Sa.-So. 13.-14. 32. Symposion Praktische Kieferorthopädie BERLIN So. 21. Düsseldorfer Symposium der Zahnmedizin DÜSSELDORF TREFFEN SIE UNS AUF FOLGENDEN VERANSTALTUNGEN ihre-pvs.de/unternehmen/veranstaltungen WIR GRATULIEREN ZUM PVS-FIRMENJUBILÄUM 10 JAHRE Stefan Claes Wenzel Janitschek Susanne Zeiler 20 JAHRE Sonja Blaik Rut Heikämper Henin Kiyal Michelle Radczek 25 JAHRE Stephanie Hein Nicola Kahler Rebecca Spix 30 JAHRE Anke Droste GEWINN- SPIEL Gewinnen Sie EINS VON DREI JAHRESABOS* DER ZEITSCHRIFT „FLOW“ FLOW: EINE ZEITSCHRIFT OHNE EILE, ÜBER KLEINES GLÜCK UND DAS EINFACHE LEBEN Beantworten Sie folgende Frage: Wie heißt die Aufräumberaterin mit japanischen Wurzeln, die ihre eigene Show auf Netfl ix hat? (Die Antwort fi nden Sie in dieser Ausgabe.) 8AUSGABEN Schicken Sie uns die Lösung unter Angabe Ihrer Kundennummer bzw. Ihres Namens und Adresse bis zum 15. April 2020 an: Redaktion PVS Einblick Remscheider Str. 16 45481 Mülheim an der Ruhr Die Daten werden ausschließlich für die Zwecke des Gewinn- spieles verwendet. Die Gewinner werden in der nächsten Ausgabe veröffentlicht und schriftlich benachrichtigt. Baraus- zahlung ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter der PVS sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen. oder: gewinnspiel@ihre-pvs.de * Ein Jahresabo der Zeitschrift „Flow“ beinhaltet 8 Ausgaben. 50 50 PVS einblick PVS einblick Die Gewinnerin der Medisana Shiatsu-Akupressur Massagesitzaufl age (PVS einblick 04 | 19) ist: Sandra Richter, Dresden
kurz + knapp IMPRESSUM PVS holding GmbH v. i. S. d. P.: Gerd Oelsner Dieter Ludwig Monika Heckert Titelbild © contrastwerkstatt (stock.adobe.com) Redaktion Dr. Christine Winkler Robert Targan Graﬁk Esther Zisch Druck Königsdruck Berlin Auﬂage 20.000 auch als E-Paper Erscheinungsintervall Vierteljährlich Remscheider Str. 16 45481 Mülheim an der Ruhr Tel. 0208 4847-281 Fax 0208 4847-399 pvs-einblick@ihre-pvs.de ihre-pvs.de Unternehmensstruktur GESELLSCHAFTER r e u e r B a t t i r B © : o t o F (v.l.n.r.) Die ehemaligen Auszubildenden Christiane Langenfurth (Kauffrau im Gesund- heitswesen), Pia Koblitz (Kauffrau im Gesundheitswesen) und Elisa Gels (Kauffrau für Büromanagement) wurden aufgrund ihrer sehr guten Prüfungsleistungen geehrt. Sie bereichern seit Februar 2019 den PVS-Standort Mülheim als feste Mitarbeiterinnen. AUSGEZEICHNETE PRÜFUNGSLEISTUNGEN Im Jahr 2019 wurden gleich drei ehemali- ge Auszubildende der PVS mit einer Aus- zeichnung der IHK zu Essen aufgrund ihrer sehr guten Prüfungsleistungen ge- ehrt. Elisa Gels (Kauffrau für Büromanage- ment), Pia Koblitz und Christiane Langen- furth (Kauffrauen im Gesundheitswesen), die alle ihre Ausbildung in Mülheim absol- vierten, haben eine ausgezeichnete Prüfung mit der Gesamtnote „sehr gut“ abgelegt. Die IHK-Auszeichnung „Die Besten“ wird seit 2009 jährlich vergeben und in einem festlichen Akt in der Mülheimer Stadthalle von Dr. Gerald Püchel (Hauptgeschäftsfüh- rer IHK/Essen) und Jutta Kruft-Lohrengel (Präsidentin IHK/Essen) überreicht. Elisa Gels erhielt darüber hinaus noch eine Aus- zeichnung durch die Schauenburg-Stiftung. Die Firma Schauenburg ist ein internatio- nal tätiges Unternehmen für Elektronische Technologien und Industrietechnik mit Sitz in Mülheim an der Ruhr. Die Schau- enburg-Stiftung – ins Leben gerufen durch den Firmengründer Hans-Georg Schauen- burg – fördert seit 30 Jahren Leistungen aus den Bereichen Wirtschaft und Technik und unterstützt viele soziale und kulturelle Pro- jekte. In diesem Zusammenhang werden auch besonders gute Auszubildende aus kaufmännischen und technischen Berufen der MEO-Region (Mülheim-Essen-Ober- hausen) prämiert. Im Rahmen einer klei- nen Feierstunde in den Räumlichkeiten der Firma Schauenburg wurde der Förderpreis von Florian Schauenburg, Sohn des Fir- mengründers, bereits zum 30. Mal an die zehn besten Auszubildenden der MEO-Re- • gion überreicht. ERFOLGREICH BESTANDENE ABSCHLUSSPRÜFUNG DACHGESELLSCHAFT Die Auszubildenden der PVS-Oberstufe (Reihe oben, v.l.n.r.:) Michelle Rößner, Aida Begic, Nicole Sordon, Merve Koc, Leonie Verfürth, (Reihe unten, v.l.n.r.:) Vanessa Loddo, Selina Manno, Norina Röttgen, Lara Bollmann, Veronique Sprenger und Celina Wittenberg (nicht im Bild) haben im Januar 2020 ihre Abschlussprüfung erfolgreich bestanden. Zehn von elf Azubis wurden im Anschluss an die Abschluss- prüfung als Mitarbeiterinnen der PVS in Mülheim und Köln übernommen. Mitglied im OPERATIVE GESELLSCHAFTEN PVS einblick 51 i g n d l o h S V P © : o t o F

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