Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Schleswig&Datum=05.04.2005&Aktenzeichen=6%20Verg%201/05
Timestamp: 2020-04-05 10:47:34+00:00

Document:
OLG Schleswig, 05.04.2005 - 6 Verg 1/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,2527
OLG Schleswig, 05.04.2005 - 6 Verg 1/05 (https://dejure.org/2005,2527)
OLG Schleswig, Entscheidung vom 05.04.2005 - 6 Verg 1/05 (https://dejure.org/2005,2527)
OLG Schleswig, Entscheidung vom 05. April 2005 - 6 Verg 1/05 (https://dejure.org/2005,2527)
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shgt.de , S. 24 (Volltext und Entscheidungsbesprechung)
GWB § 97 Abs. 7, § 107 Abs. 3; VgV § 2 Nr. 4, 7; Richtlinie 93/37/EWG Art. 19 Abs. 2; VOB/A § 4 Nr. 2, § 21 Nr. 3, § 23 Nr. 2, § 25 Nr. 1 Abs. 2 d, Nr. 3 Abs. 3
Wertung eines Nebenangebots über die Wiederverwertung von Straßenbelag Vergabeverfahren, Nebenangebote
Mindesbedingungen für Nebenangebot
Moderate Anforderungen an Mindestbedingungen für Nebenangebote (IBR 2005, 342)
VK Schleswig-Holstein, 19.01.2005 - VK-SH 37/04
OLG Schleswig, 11.05.2005 - 6 Verg 1/05
ZfBR 2005, 616
bb) Entgegen der dargestellten eindeutigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (…a.a.O.) sowie früherer und wiederholt erneuerter gleichlautender Entscheidungen der Vergabesenate anderer OLG (vgl. u.a. OLG Schleswig ZfBR 2005, 616; Beschl. v. 20.3.2008 - 1 Verg 6/07, BeckRS 2008, 08129 = NZBau 2008, 472 (LS); OLG Düsseldorf NZBau 2001, 106, 111, 155; VergabeR 2005, 364; Beschl. v. 21.5.2008 - VII-Verg 19/08; BayObLG VergabeR 2002, 77; 2001, 438; OLG Frankfurt am Main VergabeR 2004, 754; NZBau 2002, 161; Beschl. v. 7.8.2007 - 11 Verg 3 und 4/07, VergabeR 2007, 776, 779 f.; OLG Dresden VergabeR 2001, 41) ist insbesondere der Vergabesenat des OLG Celle davon abweichend, jedoch ohne dem Bundesgerichtshof nach § 124 Abs. 2 GWB vorgelegt zu haben, allerdings der Auffassung, dass (in entsprechender Anwendung des § 107 Abs. 3 Satz 1 GWB) auch erst im Nachprüfungsverfahren erkannte Verstöße gegen Vergabevorschriften vom Antragsteller unverzüglich zu beanstanden seien (OLG Celle, Beschl. v. 8.3.2007 - 13 Verg 2/07, VergabeR 2007, 401, 402).
Die Gegenmeinung des OLG Celle (Beschl. v. 8.3.2007 - 13 Verg 2/07, VergabeR 2007, 401, 402), wonach dem Antragsteller bei im Nachprüfungsverfahren nachgeschobenen Beanstandungen in entsprechender Anwendung des § 107 Abs. 3 S. 1 GWB eine unverzügliche Rüge obliege, ist in Übereinstimmung mit der vorherrschenden Rechtsprechung der Vergabesenate der Oberlandesgerichte abzulehnen (vgl. Brandenburgisches OLG VergabeR 2007, 529, 533; OLG Schleswig ZfBR 2005, 616; OLG Düsseldorf VergabeR 2005, 364; NZBau 2001, 106, 111; 155; BayObLG VergabeR 2002, 77; 2001, 438; OLG Frankfurt am Main VergabeR 2004, 754; NZBau 2002, 161; OLG Celle VergabeR 2003, 252, 253; ZVgR 1999, 158; OLG Dresden VergabeR 2001, 41; OLG Jena NZBau 2000, 350).
Nach Stellung des Nachprüfungsantrages ist § 107 Abs. 3 GWB nicht mehr anzuwenden (Beschl. des Senats v. 05.04.2005, 6 Verg 1/05, ZfBR 2005, 616 ff., m.w.N.).
Es besteht deshalb in der Rechtsprechung grundsätzlich Einvernehmen, dass die Rügeobliegenheit für solche Vergaberechtsfehler entfällt, die dem Antragsteller erst während des laufenden Vergabenachprüfungsverfahrens bekannt werden (BGH, Beschluss vom 26.09.2006 - X ZB 14/06; OLG München, Beschluss vom 02.08.2007 - Verg 7/07; OLG Brandenburg, Beschluss vom 20.03.2007 - Verg W 12/06; OLG Celle, Beschluss vom 10.01.2008 - 13 Verg 11/07; Beschluss vom 08.03.2007 - 13 Verg 2/07; Beschluss vom 12.05.2005 - 13 Verg 5/05; Schleswig- Holsteinisches OLG, Beschluss vom 05.04.2005 - 6 Verg 1/05; OLG Düsseldorf, Beschluss vom 28.04.2008 ­ Verg 1/08).
Da die Rügeobliegenheit zum einen der Beschleunigung des Vergabeverfahrens dient und zum anderen dazu, der Vergabestelle möglichst frühzeitig Gelegenheit zu geben, Rügen zu überprüfen und Fehler ggf. abzustellen, darf mit der Rüge auch nicht gewartet werden, bis eine zweifelsfreie Kenntnis über einen Vergabefehler, der auch in jeder Hinsicht nachweisbar ist, gegeben ist (vgl. OLG Schleswig, Beschluss vom 05.04.2005, 6 Verg 1/05, m.w.N.).
Es handelt sich auch nicht um (vermeintliche) Verstöße, die der ASt erst im Nachprüfungsverfahren bekannt geworden sind (vgl. zu dieser Fallkonstellation: OLG Schleswig, Beschluss vom 05.04.2005, 6 Verg 1/05).
Zudem darf mit der Rüge auch nicht gewartet werden, bis eine zweifelsfreie Kenntnis über einen Vergabefehler, der auch in jeder Hinsicht nachweisbar ist, gegeben ist (vgl. OLG Schleswig, Beschluss vom 05.04.2005, 6 Verg 1/05, m.w.N.).
Diese Ziele würden weitgehend verfehlt, wenn ein Erkennen im Sinn der Norm erst dann gegeben wäre, wenn der Antragsteller Kenntnis von einem völlig zweifelsfreien und in jeder Beziehung nachweisbaren Vergaberechtsfehler erlangt (OLG Schleswig, Beschluss vom 5. April 2005 - 6 Verg 1/05; OLG Naumburg, Beschluss vom 14. Dezember 2004 - 1 Verg 17/04; OLG Jena, Beschluss vom 16. Januar 2002 - 6 Verg 7/01).
VK Nordbayern, 04.10.2005 - 320.VK-3194-30/05
Bedarfspositionen sind auch mit fehlerhafter Mengenvorgabe zu werten!
VK Sachsen, 09.12.2005 - 1/SVK/141-05
VK Bund, 30.09.2005 - VK 1-122/05
Errichtung eines Beschleunigers, Erd-, Beton- und Mauerarbeiten
§ 107 Abs. 3 Satz 1 GWB nur im Vergabe-, nicht Nachprüfungsverfahren!
VK Sachsen, 10.05.2006 - 1/SVK/037-06
"Doppelte Rügeverpflichtung" bei erneut ausgeschriebenem Verfahren
VK Sachsen, 09.05.2006 - 1/SVK/035-06
Doppelte Rügeverpflichtung bei Neuausschreibung!
VK Sachsen, 29.11.2005 - 1/SVK/137-05
VK Brandenburg, 24.11.2005 - 1 VK 69/05
Fehlende Mindestanforderungen müssen vor Angebotsabgabe gerügt werden
VK Brandenburg, 17.11.2005 - 1 VK 69/05
VK Arnsberg, 16.08.2005 - VK 13/05
VK Arnsberg, 16.08.2005 - VK 14/05
VK Arnsberg, 09.08.2005 - VK 14/05
Maßgebliche Schwellenwerte für die Vergabe von Bauaufträgen; Mindestanforderungen …
VK Sachsen, 25.07.2005 - 1/SVK/084-05
Mindestanforderungen an Nebenangebote bindend!
VK Nordbayern, 04.10.2005 - 320-VK-3194-30/05
Ausschluss von einem Vergabeverfahren wegen konkreter wettbewerbserheblicher …

References: § 97
 § 107
 § 2
 Art. 19
 § 4
 § 21
 § 23
 § 25
 § 124
 § 107
 § 107
 § 107

§ 107