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Timestamp: 2017-10-20 05:29:26+00:00

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Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de
Erklärung zum Begriff Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
Dieser Artikel oder Abschnitt weist folgende inhaltlich problematische Lücken auf: Anpassung der Absätze an AAG
Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ist in Deutschland im Entgeltfortzahlungsgesetz geregelt. Dieses Gesetz gilt für alle Beschäftigten, wenn nicht im jeweils zuständigen Tarifvertrag andere Vereinbarungen enthalten sind. Nach diesem Gesetz wird Arbeitnehmern und Auszubildenden im Falle der Arbeitsunfähigkeit infolge einer Erkrankung für die Dauer von sechs Wochen das Arbeitsentgelt weitergezahlt. Dieses Gesetz hat die früher geltenden unterschiedlichen Regelungen für Lohnempfänger (Arbeiter) und Gehaltsempfänger (Angestellte) abgelöst. 1956 wurde in Schleswig Holstein 114 Tage lang u.a. für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gestreikt.
4 Ausgleich von Arbeitgeberaufwendungen (Umlageverfahren)
5 Anzeige und Nachweis
5.1 Anzeigepflicht
5.2 Nachweispflicht
7 Situation bei fehlendem Anspruch
8 Krankheit während Urlaubs oder Freizeitausgleichs
9 Entgeltfortzahlung und Beendigung des Arbeitsverhältnisses
10 Entgeltfortzahlung und arbeitsvertragliche Regelungen
11 Entgeltfortzahlung und sozialrechtliche Entgeltersatzleistungen
Er muss arbeitsunfähig sein, d.h. er muss zur geschuldeten Arbeitsleistung nicht in der Lage sein. So kann beispielsweise eine Heiserkeit bei einer Sängerin, nicht aber bei einer Raumpflegerin eine Arbeitsunfähigkeit bedeuten.
Die Arbeitsunfähigkeit muss Folge der Krankheit sein.
Der Arbeitnehmer darf seine auf Krankheit beruhende Arbeitsunfähigkeit nicht verschuldet haben, wobei hier ein "grober Verstoß" gemeint ist. Der eine Erkältung verursachende Spaziergang im Regen reicht beispielsweise nicht aus, der auf Trunkenheit am Steuer zurückzuführende Autounfall schon. Als unverschuldete Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Abs. 1 (§ 3 EntgeltforzahlungsG) gilt auch eine Arbeitsverhinderung, die infolge einer nicht rechtswidrigen Sterilisation oder eines nicht rechtswidrigen Abbruchs der Schwangerschaft eintritt.
Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung entfällt, wenn der Arbeitnehmer aufgrund der gleichen Krankheit wiederholt arbeitsunfähig wird, solange nicht mindestens sechs Monate seit dem letzten Ausfall wegen der selben Krankheit vergangen sind oder (bei Ausfällen in kürzeren Abständen) die letzte Entgeltfortzahlung wegen der selben Krankheit mindestens ein Jahr zurückliegt.
Zuständige Krankenkasse für das Ausgleichsverfahren und die Erstattungen ist:
Die Krankenkasse, bei der der Arbeitnehmer versichert ist
bei privat Versicherten die für die Beitragsabführung zur Rentenversicherung und zur Bundesagentur für Arbeit zuständige Einzugsstelle
falls der Arbeitnehmer noch nie bei einer deutschen Krankenkasse versichert war, die Krankenkasse, die der Arbeitgeber gewählt hat.
Bei der Berechnung des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts gilt das Lohnausfallprinzip: Der Arbeitnehmer erhält grundsätzlich diejenige Vergütung, die er bezogen hätte, wenn er nicht arbeitsunfähig erkrankt wäre; (Überstunden werden allerdings nicht berücksichtigt (§ 4 EntgFG).) Bei der Lohnfortzahlung müssen regelmäßige Überstunden berücksichtigt werden. Das hat das Bundesarbeitsgericht in Kassel entschieden (siehe Grundsatzurteil Az. 5 AZR 457/00)
Gem. § 4 Abs. 4 EntgFG kann tariflich davon abgewichen werden, insbesondere kann das ggf. praktischere Vorverdienstprinzip (Referenzprinzip) vereinbart werden, wonach der Durchschnittsverdienst vor der Krankheit maßgebend ist.
Der Anspruch endet grundsätzlich mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses; dies gilt jedoch nicht, wenn der Arbeitnehmer wegen der Erkrankung gekündigt wird oder wenn der Arbeitnehmer selbst aus einem vom Arbeitgeber zu vertretenden Grunde fristlos kündigt (§ 8 EntgFG).
Die Entgeltfortzahlung ist durch das Gesetz über den Ausgleich von Arbeitgeberaufwendungen und zur Änderung weiterer Gesetze (AAG) vom 22. Dezember 2005 neu geregelt. Bislang erhielten Kleinbetriebe im Rahmen der Lohnfortzahlungsversicherung gegen Zahlung eines Umlagebeitrages zum einen die Aufwendungen bei Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (U1-Verfahren) und zum anderen auch die Arbeitgeberzuschüsse zum Mutterschaftsgeld und die fortgezahlten Entgelte bei Beschäftigungsverboten (U2-Verfahren) von den Krankenkassen erstattet. Diese Regelung wurde im November 2003 vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt und die Bundesregierung aufgefordert, eine europakonforme Lösung zu schaffen. Mit der Neuregelung beteiligen sich künftig alle Arbeitgeber, unabhängig von der Anzahl ihrer Beschäftigten, am Umlageverfahren zum Mutterschaftsgeld. Gleichzeitig erstatten die Krankenkassen die Aufwendungen der Arbeitgeber für Mutterschaftsleistungen unabhängig von der Zahl der Beschäftigten. So ist in § 1 Abs. 2 dieses Gesetzes bestimmt, dass die Krankenkassen den Arbeitgebern den nach § 14 Mutterschutzgesetz zu zahlenden Zuschuss zum Mutterschaftsgeld und das nach § 11 Mutterschutzgesetz zu zahlende Arbeitsentgelt in vollem Umfang zu erstatten haben.
Auch das Ausgleichsverfahren der Kleinunternehmen bei Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (U1-Verfahren) wurde geändert. Bisher wurden die Zahlungen nur für Arbeiter und Auszubildende erstattet. Heute ist ein Ausgleich der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall auch für Angestellte möglich.
Die Höhe der Erstattung ist im U2-Verfahren immer 100% des Bruttobetrags der Entgeltfortzahlung. Im U1-Verfahren können Erstattungsanteile zwischen 50% und 100% je nach den angebotenen Tarifen der Krankenkassen gewählt werden, entsprechend höher sind die Beitragssätze. Die immer abzuführenden Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung werden in beiden Fällen nicht erstattet.
Im Fall der Erkrankung hat der Arbeitnehmer zwei verschiedene Pflichten:
Der Arbeitnehmer hat seinem Arbeitgeber möglichst frühzeitig am ersten Tag seiner Krankheit mitzuteilen, dass er erkrankt ist (Krankmeldung). Diese Pflicht beinhaltet eine möglichst schnelle Information des Arbeitgebers, damit dieser organisatorische Maßnahme ergreifen kann, um eine Vertretung sicherzustellen.
Diese Pflicht gilt auch bei einer Arbeitsunfähigkeit im Ausland. Der Arbeitnehmer hat gemäß § 5 EntgFG auf dem schnellstmöglichen Übermittlungsweg die Arbeitsunfähigkeit, die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit und seine Adresse am Aufenthaltsort mitzuteilen. Er muss außerdem Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer seiner Krankenkasse melden.
Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, muss der Arbeitnehmer spätestens am ersten darauf folgenden Arbeitstag seinem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zukommen lassen. Aus dieser muss sich das Bestehen einer Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer ergeben.
Kommt der Arbeitnehmer der ihm obliegenden Anzeige- und Nachweispflichten (§ 5 EntgFG) schuldhaft nicht nach, kann der Arbeitgeber die Vergütungsfortzahlung verweigern, bis der Nachweis erbracht ist (§ 7 EntgFG).
Auch im Falle einer Kur, im Gesetz "Maßnahme der medizinischen Vorsorge und Rehabilitation" genannt, besteht ein Entgeltfortzahlungsanspruch (§ 9 EntgFG).
Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber den Zeitpunkt des Antritts der Kur und ihre voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen und ihm die Bescheinigung des Sozialleistungsträgers oder des Arztes über die Anordnung der Kur unverzüglich vorzulegen.
Nach Ablauf des Entgeltfortzahlungszeitraums von sechs Wochen wird allerdings gelegentlich aufgrund des Arbeitsvertrags oder eines Tarifvertrags ein Zuschuss zum Krankengeld gezahlt, um die finanziellen Einbußen durch die geringere Krankenversicherungsleistung auszugleichen; solche Regelungen sind aber immer seltener anzutreffen. Ein Beispiel dafür ist z.B. im öffentlichen Dienst der TVöD (Krankengeldzuschuss für einen Zeitraum zwischen 26 und 39 Wochen).
Von den oben erwähnten Regelungen kann zuungunsten des Arbeitnehmers arbeitsvertraglich nicht abgewichen werden (§ 12 EntgFG).
Wikinews: Rekord: Noch nie gab es in Deutschland so wenig Krankmeldungen wie 2005 – Nachrichten
Aufwandsausgleichgesetz (ab 2006)
Nachrichten zu Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
Ein Tarifvertrag über Sonderregelungen für studentische aushilfsweise Beschäftigte, der gegenüber den „Normalbeschäftigten“ modifizierte, wohl teilweise deutlich abgesenkte Arbeitsbedingungen vorsieht, ist nicht allein deshalb als solcher...
Annahmeverzug - Beschäftigungsmöglichkeit (28.08.2008, 16:30)
Annahmeverzug liegt nicht vor, wenn der Arbeitnehmer zur Leistung der Arbeit außerstande ist oder diese abgelehnt hat. Das gilt auch dann, wenn eine Beendigungskündigung des Arbeitgebers für unwirksam erklärt wurde, weil der Arbeitgeber dem...
BAG: Welche Beschäftigungsmöglichkeiten sind nach Krankheitsfall anzubieten? (27.08.2008, 15:18)
Der Vergütungsanspruch eines Arbeitnehmers entfällt, wenn der Zeitraum für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall abgelaufen ist und der Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen weiterhin nicht in der Lage ist, die vertragsgemäße Arbeit zu...
Entscheidungen zum Begriff Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
HESSISCHES-LAG, 23.07.2013, 4 Sa 617/13
Einzelfall einer begründeten Klage auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder: Nicht jeder Wutausbruch führt zum Wegfall des Anspruchs auf Entgeltfortzahlung, auch wenn er mit einem Handbruch endet.
LAG-KOELN, 19.04.2012, 7 Sa 1204/11
Zum Maßstab des Verschuldens, das gemäß § 3 Abs. 1 EFZG zum Ausschluss des Anspruchs auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall führen kann.
LAG-KOELN, 12.03.2009, 7 Sa 1258/08
HESSISCHES-LAG, 24.01.2007, 6 Sa 1393/06
Mit einer Freistellungsvereinbarung verpflichtet sich der Arbeitgeber in der Regel nicht zu einer über die gesetzliche Verpflichtung (§ 3 EntgeltFG) hinausgehenden Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.
BAG, 24.03.2004, 5 AZR 346/03
BAG, 20.08.2003, 5 AZR 436/02
BAG, 13.03.2002, 5 AZR 648/00
BAG, 15.11.2000, 5 AZR 310/99
LAG-DUESSELDORF, 17.02.1998, 6 (10) (9) Sa 1037/97
1. Die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der tariflichen Lohnfortzahlungsregelung für die gewerblichen Arbeitnehmer in der Druckindustrie spricht für eine konstitutive Regelung der 100 %igen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.2. Die tarifliche Verweisungsnorm auf das Lohnfortzahlungsgesetz in seiner jeweiligen Fassung kann nach...
LAG-DUESSELDORF, 17.02.1998, 6 (3) Sa 1227/97
Sicherheitsfrage 3 + Ei_ns =
Tinamölli (30.03.2016 20:53 Uhr):
Hat man wegen voller Etwerbsminderung nach 31 Dienstjahren und 40 Arbeitsjahren Anspruch auf eine Abfindung? Mir wurde eine Überzahlung von 2 Monatsgehälter gezahlt und Dieses wieder einbehalten in dem ich kein Weihnachtsgeld und meine Urlaubsvergütung nicht ausbezahlt wurden sondern einbehalten. Ich hatte von der Überzahlung wegen meiner Krankheit nichts bemerkt. Ist die Einbehaltung der mir zustehenden Beträge rechtens?
Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall – Weitere Begriffe im Umkreis

References: § 4
 § 1
 § 14
 § 11
 § 5
 § 3