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Timestamp: 2020-06-02 19:10:50+00:00

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Arbeitslosigkeit nach Umschulung durch die Rentenversicherun im Forum für Sozialrecht
Arbeitslosigkeit nach Umschulung durch die Rentenversicherun
Re: Arbeitslosigkeit nach Umschulung durch die Rentenversich
Beitrag von Astrid69 » 14.02.19, 13:07
ente68 hat geschrieben: „Zitat:
„Bei der grob geschilderten Zeitschiene müsste ein neuer Arbeitslosengeldanspruch entstanden sein, der sich aus den Grundlagen des Krankengeldes berechnet.“
Würde das bedeuten, dass sich das ALG1 auf Grundlage des knapp 6-monatigen Arbeitsverhältnis berechnet und nicht nach dem vorherigen langjährigen AV zu dem bereits eine Berechnung und Auszahlung für 2 Wochen erfolgte?
Oder wird das Krankengeld sozusagen als „Bruttogehalt“ für die Berechnung genommen?“
Die Grundlagen des Krankengeldes sind doch der Verdienst.... und zwar aus welchem Arbeitsverhältnis?
ente68
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Beitrag von ente68 » 14.02.19, 15:55
Astrid69 hat geschrieben:
Die Grundlage zur Berechnung vom Krankengeld und Übergangsgeld war das letzte knapp 6-monatige Arbeitsverhältnis.
Also würde auf diesem Betrag das ALG1 berechnet werden?
Wäre für mich von Vorteil (wäre höher), aber reichen diese 6 Monate wirklich aus als Berechnungsgrundlage?
Beitrag von Evariste » 14.02.19, 17:48
windalf hat geschrieben: Der Trick liegt wohl darin, sinnlose Ausgaben und fixe Kosten zu reduzieren und die freie Zeit darauf zu verrwenden alles deutlich günstiger einzukaufen. Das schlimmste sind teure Hobbys. Die sollte man durch günstige Hobbys ersetzen...
Leider ist das nicht immer so einfach, z. B. wenn das "teure Hobby" Kinder im schulpflichtigen Alter sind.
Beitrag von Astrid69 » 14.02.19, 20:11
ente68 hat geschrieben: Also würde auf diesem Betrag das ALG1 berechnet werden?
Kleine Korrektur in der Begründung (für die Höhe des Alg werden nur Arbeitsentgeltzeiten berücksichtigt), aber im Ergebnis das Gleiche:
Es wird das Entgelt der 6-monatigen Beschäftigung zur Berechnung des Alg genommen.
Mindestens 150 Tage = 5 Monate sind mit Arbeitsentgelten belegt, ob nun aus Beschäftigung oder Lohnfortzahlung.
Beitrag von hggord » 15.02.19, 08:21
Hallo ente68,
bitte werfen Sie noch mal einen Blick auf § 147 Abs.4 SGB III. Wenn Ihr alter Anspruch nicht ausgeschöpft wurde (Es wurden ja nur 2 Wochen ALG bezogen) dann dürfte ein Anspruch mit Ihrer individuellen Höchstdauer bestehen. Falls Sie 1968 geboren sind, wären das 15. Monate.
Nach Ihren Angaben liegen im Zeitraum von 2 Jahren vor dem 11.04.2019 keine 150 Tage mit sozialversicherungspflichtigem Arbeitsentgelt (Krankengeld ab Ende März 2017).
D.h., dass die Höhe des Anspruch durch fiktive Bemessung nach § 152 SGB III ermittelt werden wird. Die Höhe hängt dann davon ab, für welche Tätigkeit Sie zukünftig in erster Line vermittelt werden können. Je nach Qualifikationsstufe, die für diese Tätigkeit dann notwendig ist, wird die Höhe des Arbeitslosengeldes pauschal bemessen.
Für die Tätigkeit ist ein Hochschulabschluss erforderlich. Die Bezugsgröße beträgt im Jahr 2019 37.380€. Für die Berechnung wird von einem täglichem Entgelt von 124,6 € ausgegangen.
Im Haushalt leben Kinder. Steuerklasse ist I/IV. Das ALG I wird dann ca. 1560 € monatlich betragen.
Für die Tätigkeit ist eine abgeschlossene Berufsausbildung (ohne Meister) erforderlich. Die Berechnung erfolgt nach einem täglichen Entgelt von 93,45 €.
Im Haushalt leben Kinder. Die Steuerklasse ist III. Das ALG Beträgt dann ca. 1412 €.
Genauere Infos bekommen Sie beim Arbeitsamt.
Beiträge: 23923
Beitrag von matthias. » 15.02.19, 10:24
ente68 hat geschrieben: Das ist korrekt, ich sehe trotzdem minimale Unterschiede ob ich Ansprüche an das Sozialsystem nach 30 Jahren Arbeit habe oder ob ich 30 Jahre vom Sozialsystem lebe.
Ist ja auch ein Unterschied. Jemand der 30 Jahre ALG 2 bezieht, bekommt nie in der Höhe wie sie Krankengeld und Übergangsgeld.
Also ist das System keineswegs krank.
Beitrag von ente68 » 15.02.19, 11:32
hggord hat geschrieben: Hallo ente68,
Die Anspruchsdauer sehe ich ähnlich, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der Krankengeldbezug und das Übergangsgeld (beides meines Wissen versicherungspflichtige Leistungen da ja Beiträge abgeführt werden, oder?) sich nachteilig auf die vorher erworbene Anspruchsdauer negativ auswirken kann.
Was ich mir aber nicht vorstellen kann, ist die Tatsache dass die vorherigen Arbeitsverhältnisse (zumindest das 6-monatige) nicht berücksichtigt wird und fiktiv berechnet werden muss.
Aber ich hoffe, dass es weitere Meinungen in die Diskussion geben wird.
Das Thema scheint ja nicht so einfach zu sein.
Davon mal abgesehen bin ich der Meinung, dass Übergangsgeld im Falle einer Arbeitslosigkeit nach einer Umschulung in gleicher Höhe noch 3 Monate weitergezahlt wird.
Beitrag von SusanneBerlin » 15.02.19, 11:48
ente68 hat geschrieben: Davon mal abgesehen bin ich der Meinung, dass Übergangsgeld im Falle einer Arbeitslosigkeit nach einer Umschulung in gleicher Höhe noch 3 Monate weitergezahlt wird.
Für diese Meinung finde ich keine gesetzliche Grundlage. Einen Anspruch auf Übergangsgeld für die Zeit der Jobsuche nach einer Umschulung und wenn noch Anspruch auf ALG besteht, existiert m.A. nach nicht, lasse mich aber gerne eines besseren belehren wenn Sie Quellen dafür haben.
Beitrag von ente68 » 15.02.19, 12:04
Sie haben recht - ich habe übersehen dass es nur gezahlt wird, wenn KEIN Anspruch auf mindestens 3 Monate ALG1 vorhanden ist.
„Arbeitslosigkeit nach Abschluss einer Leistung
Das Übergangsgeld wird im Anschluss an eine erfolgreich abgeschlossene Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben (Anschluss-Übergangsgeld) bis zu 3 Monaten weitergezahlt, wenn der Versicherte
sich bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet hat und
einen Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 3 Monaten nicht geltend machen kann“
Beitrag von hggord » 15.02.19, 12:43
Das Arbeitslosengeld ist eine Lohnersatzleistung. Das bedeutet, dass diese Leistungen Ihnen das ersetzen soll, was Sie aktuell (für die Zukunft) wegen der Arbeitslosigkeit nicht verdienen und nicht dasjenige, was Sie durch Verlust des Arbeitsplatzes verloren haben. Das zeigt sich auch daran, dass ehemalige Azubis , die nach der Lehre nicht übernommen werden ALG bekommen, das fiktiv nach dem Gesellengehalt bemessen wird. Da haben viele mehr ALG als sie vorher Ausbildungsvergütung hatten.
Um also diese Wert zu ermitteln bedient sich das Gesetz einer abgestuften Betrachtungsweise. Hier vereinfacht dargestellt:
Wir betrachten das letzte Jahr vor der Arbeitslosigkeit und gehen davon aus, dass das gleiche Geld verdient werden kann, wenn sofort wieder Arbeit gefunden wird. Damit das repräsentativ ist wird verlangt, dass mindestens 150 Tage sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn bezogen worden sind. Wir bilden einen Durchschnittswert und legen den als Bemessungsentgelt zu Grunde.
Wir finden keine 150 Tage in diesem Jahr. Deswegen suchen wir in den letzten 2 Jahren nach diesen 150 Tagen. Wenn das klappt bilden wir hier den Durchschnittswert.
Wenn wir auch in den letzten 2 Jahren vor der Arbeitslosigkeit keine 150 Tage sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorfinden, gehen wir davon aus, dass daraus auch keine Schlüsse mehr für die Höhe des durch die Arbeitslosigkeit aktuell ausgefallenen Lohnes gezogen werden können. Daher orientieren wir uns an pauschalen Werten, die sich an der Höhe des Bildungsabschlusses orientieren, der für die nunmehr "angestrebte" Tätigkeit erforderlich ist. Dabei gehen wir davon aus, dass der Lohn umso höher ist, je höher der erforderliche Bildungsabschluss ist.
Sie dürften wohl in Stufe 3 fallen....
Beitrag von SusanneBerlin » 15.02.19, 13:07
hggord hat geschrieben: Das Arbeitslosengeld ist eine Lohnersatzleistung. Das bedeutet, dass diese Leistungen Ihnen das ersetzen soll, was Sie aktuell (für die Zukunft) wegen der Arbeitslosigkeit nicht verdienen und nicht dasjenige, was Sie durch Verlust des Arbeitsplatzes verloren haben. Das zeigt sich auch daran, dass ehemalige Azubis , die nach der Lehre nicht übernommen werden ALG bekommen, das fiktiv nach dem Gesellengehalt bemessen wird. Da haben viele mehr ALG als sie vorher Ausbildungsvergütung hatten.
Das finde ich so im SGB3 nicht wieder. Könnten Sie verraten, wo das steht?
Wenn man der Logik folgt, müsste sich dann auch bei einer Tariferhöhung das ALG erhöhen, wenn man beim letzten AG nach Tarif bezahlt wurde... oder wenn der AG nach Dauer der Betriebszugehörigkeit gestaffelte Treueprämien zahlte, oder oder oder...
Beitrag von Astrid69 » 15.02.19, 13:27
hggord hat geschrieben:
Hier wird vergessen, dass die Rahmenfrist um die Zeit der Umschulung erweitert wird, bei vollen 2 Jahren Umschulung also auf 4 Jahre.
Par. 143 SGB III, bis zum Schluss lesen.
Sind in dieser Zeit also 150 Tage mit Entgelt belegt?
Im Übrigen kappt eine vorangegangene Arbeitslosigkeit die festzustellende Rahmenfrist.
Beitrag von hggord » 15.02.19, 14:15
Ok, Sie sind der Auffassung, dass die Rahmenfrist des § 143 SGB III (=Anwartschaftszeit=Anspruch dem Grunde nach) dem Bemessungsrahmen des § 151 SGB III (=Anspruchshöhe) entspricht? Da bin ich mir nicht sicher, lasse mich aber gerne überzeugen.
Ich habe festgestellt, dass die Regelung für Azubis so nicht mehr existiert, die werden wohl seit einigen Jahren offenbar ganz normal bemessen.
Man kann anhand einiger Regelungen im SGB III sehen, dass es um Ersatz für aktuell entgangenen Lohn geht.
Wenn man nicht arbeitsfähig oder nicht arbeitswillig ist, gibt es grundsätzlich kein ALG. Es sei denn es sind Ausnahmen angeordnet.
Da kann man 50 Jahre eingezahlt haben. Es gibt im ALG nur 6 Wochen "Leistungsfortzahlung" bei Arbeitsunfähigkeit. In § 152 SGB III ist angeordnet, dass fiktiv nach der Tätigkeit zu bemessen ist, auf die sich die Vermittlung in erster Linie zu erstrecken hat.
Natürlich ist der bisher erzielte Lohn ein sachgerechtes Kriterium, um eine begründete Vermutung zur Höhe des aktuell ausgefallenen Lohnes anzustellen. Exakt ist das natürlich auch nicht. Aber irgendwie muss man es ja machen.
Die Bestandsschutzregel des § 151 Abs4 SGB III soll vor allem einen Anreiz zur Arbeitsaufnahme (auch geringer bezahlter Tätigkeiten) bieten.
Bei nochmaligem Lesen der Antworten ist mir aufgefallen, dass ich mich wohl missverständlich ausgedrückt habe. Ich wollte gerade klarstellen, dass das die Lohnhöhe im vorherigen Arbeitsverhältnis bei der Leistungshöhe nicht genau nachvollzogen wird. Es geht vielmehr darum ,was man bei einer neuen Arbeit wohl verdienen könnte. Dafür soll der alte Lohn Anhaltspunkt sein.
Beitrag von SusanneBerlin » 15.02.19, 15:28
Ich bin der Meinung, diese Regelung hat auch noch nie existiert. Vielleicht war das mal im Gespräch oder wurde verschiedenen Gruppierung gefordert, ich wüßte aber nicht dass es je rechtskräftig war.
Und ich halte diese Interpretation des Wortes "Lohnersatzleistung" als Ersatz für den Lohn den man "bei einer neuen Arbeit" zukünftig verdienen könnte für Ihre persönliche Interpretation, die nicht belegt werden kann.
Die Höhe des ALG richtet sich nach dem "Bruttoentgelt, das die oder der Arbeitslose im Bemessungszeitraum erzielt hat ["erzielt hat", Vergangenheit!] (§ 149 SGB III). Ausnahme davon ist die fiktive Bemessung nach § 153 SGB, die sich widerum nach der für jedes Kalenderjahr vom Bundesministeruim für Arbeit und Soziales festgelegten Bezugsgröße richtet. Und wie wird die Bezugsgröße errechnet? Die Bezugsgröße ist das Durchschnittsentgelt aller Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung im vorvergangenen Kalenderjahr.
Nirgends ein Anhaltspunkt dafür, dass sich die Höhe des ALG an einem zukünftig möglichen Lohneinkommen orientiert.
Wahrscheinlich haben Sie das auch bereits festgestellt und Ihr Nachtrag soll eine Brücke bilden zwischen Ihrer vorigen Auslegung und dem tatsächlichen Sachverhalt.
Beitrag von ente68 » 15.02.19, 15:33
Wenn ich nur die letzten 4 Jahre bis zum Ende der Umschulung betrachte:
01.04.16 - 31.07.16 Arbeitsverhältnis
01.08.16 - 22.09.16 Krankengeld
23.09.16 - 02.10.16 ALG1
03.10.16 - 23.03.17 Arbeitsverhältnis
24.03.17 - 31.03.18 Krankengeld
01.04.18 - 31.03.20 Übergangsgeld
Ich sehe da knapp 9,5 Monate in einem Arbeitsverhältnis.

References: § 147
 § 152
 § 143
 § 151
 § 152
 § 151
 § 153