Source: https://www.wvr-law.de/urheberrecht-fotos/
Timestamp: 2018-11-14 09:56:35+00:00

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Fotografien werden gerne aus dem Internet heruntergeladen, abgespeichert und ohne Absprache mit dem Urheber für eigene kommerzielle und/oder wirtschaftliche Zwecke verwendet. Dies ist nicht nur für den professionellen Fotografen, der seinen Lebensunterhalt mit den Rechten an seinen Fotografien verdient, misslich, sondern auch für den „Hobby“ Fotografen, der viel Arbeit in seine Fotografien investiert. Jener findet zum Beispiel die Fotos seines letzten Urlaubs auf kommerziellen Reiseverkehrsseiten wieder.
Gleiches gilt für die Mode-Bloggerin, deren Fotos oftmals zur Anpreisung der eigenen Ware im Onlineshop ungefragt genutzt werden. In diesen Fällen profitiert nur der unberechtigte Verwender, während der Urheber der Fotografien „leer“ ausgeht.
Gemäß dem Urheberrechtsgesetz sind grundsätzlich alle Fotografien als Lichtbilder oder Lichtbildwerke urheberrechtlich geschützt. Die Unterscheidung, ob ein Lichtbildwerk nach § 2 Abs. 1 Nr. 5 UrhG oder nach ein Lichtbild nach § 72 UrhG vorliegt, wird bei der Berechnung der Dauer des Urheberschutzes relevant. Im letzteren Fall genießen Fotografien ab Erscheinen eine Schutzdauer von 50 Jahren. Hingegen sind Lichtbildwerke gemäß § 2 Abs. Nr. 5 UrhG über einen Zeitraum von 70 Jahren urheberrechtlich geschützt.
Lichtbildwerke nach § 2 Abs. 1 Nr. 5 UrhG sind Fotografien, die eine persönliche geistige Schöpfung darstellen. Keine Lichtbildwerke sind z.B. Fotokopien oder andere fotomechanische Reproduktionstechniken, die vorhandene Werke, auch Lichtbildwerke, lediglich reproduzieren. Fotomontagen oder Retuschen von Lichtbildwerken führen zu deren Bearbeitung. Im Gegensatz zu Lichtbildwerken beinhalten einfache Lichtbilder gemäß § 72 UrhG keine persönlich geistige Schöpfung.
Schranken des Urheberrechtsschutzes?
Schranken findet der Urheberrechtsschutz im privaten Gebrauch, § 53 UrhG. Dabei ist Privat nur, was sich im häuslichen Bereich oder im Freundeskreis abspielt. Die Verwendung darf also ausschließlich zur Befriedung außerberuflicher und außerwirtschaftlicher persönlicher Bedürfnisse erfolgen.
Welchen Geldwert haben urheberrechtlich geschützte Werke?
Grundsätzlich kann der Urheber von Fotografien bei unberechtigter Verwendung Lizenzgebühren in angemessener Höhe nach § 97 Abs. 2 S. 3 UrhG verlangen. Der Abschluss eines solchen Lizenzvertrages zwischen dem Urheber und dem unberechtigten Verwender wird fingiert, sog. Lizenzanalogie. Die aufgrund des fingierten Lizenzvertrages entstandenen Lizenzgebühren sind nach branchenüblichen Lizenzsätzen zu zahlen. Weiterhin sind die Zinsen, die zwischen der Verletzung und der Zahlung entstanden sind, zu begleichen.
Der Wert einer Fotografie wird unter anderem nach der Honorarempfehlung der Mittelstandsgemeinschaft Foto Marketing (abgekürzt: MFM) bemessen. Die MFM veröffentlicht jährlich eine Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte.
Die Werttabelle des MFM zieht als maßgebende Faktoren für die Lizenzhöhe die Nutzungsdauer der Verwendung, die Platzierung der Fotografie auf der Webseite und ob die Webseite deutsch- oder englischsprachig ausgerichtet ist, heran.
In dem eingangs genannten Beispiel hinsichtlich der unerlaubten Verwendung von Urlaubsfotos im deutschsprachigen bzw. englischsprachlichen Raum kann der Urheber folgende Lizenzbeträge verlangen:
Nutzungsdauer der Fotografie
Platzierung der Fotografie auf der Homepage in Deutsch bzw. Englisch
1 Woche 90,00 Euro bzw. 180,00 Euro
1 Monat 150,00 Euro bzw. 290,00 Euro
3 Monate 225,00 Euro bzw. 380,00 Euro
6 Monate 270,00 Euro bzw. 490,00 Euro
1 Jahr 465,00 Euro bzw. 780,00 Euro
3 Jahre 695,00 Euro bzw. 1.170,00 Euro
Sofern z.B. drei urheberrechtlich geschützte Fotografien auf einer deutschsprachigen Homepage über einen Zeitraum von drei Monaten veröffentlicht werden, kann der Urheber eine Lizenzgebühr von bis zu 675,00 Euro verlangen. Werden die Fotografien auf einer englischsprachigen Homepage verwendet, können Gebühren bis zu 1.140,00 Euro anfallen. Bei den vorgenannten Beträgen handelt es sich um die Mindestgebühren, d.h. im Einzelfall können weitere Zuschläge anfallen.
Unterlässt der unberechtigte Verwender zudem die Quelle des Bildes anzugeben, wird die veranschlagte Gebühr oftmals verdoppelt. Im vorgenannten Beispiel sind dann unter Umständen Lizenzgebühren von bis zu 1.350,00 Euro bzw. 2.280,00 Euro zu zahlen.
Unter Heranziehung des Beispiels der Modebloggerin, die ihre Fotos in Onlineshops wiederfindet, kann ein Zuschlag von 50 % auf das entsprechende Honorar veranschlagt werden.
1 Woche 135,00 Euro bzw. 270,00 Euro
1 Monat 225,00 Euro bzw. 435,00 Euro
3 Monate 337,50 Euro bzw. 570,00 Euro
6 Monate 405,00 Euro bzw. 735,00 Euro
1 Jahr 697,50 Euro bzw. 1.170,00 Euro
3 Jahre 1.042,50 Euro bzw. 1.775,00 Euro
Werden also drei Fotografien der Modebloggerin für einen deutschsprachigen Online-Shop über einen Zeitraum von drei Monaten unberechtigt verwendet, können Lizenzgebühren bis zu 1.175,00 Euro entstehen. Bei unrechtmäßiger Verwendung auf einer englischsprachigen Webseite sind sogar Lizenzgebühren bis zu 2.295,00 Euro zu entrichten.
Hier kommt ebenfalls ein 100% Zuschlag in Betracht, wenn der Urheber des Bildes nicht entsprechend genannt wird. Demgemäß können Lizenzgebühren von bis zu 2.350,00 Euro bzw. 4.590,00 Euro entstehen.
Welche Kosten entstehen im Falle der Abmahnung?
Es entstehen keine Kosten für den Urheber, denn die entstandenen Abmahnkosten trägt der unberechtigte Verwender.
InhaltsverzeichnisSind Fotografien urheberrechtlich geschützt?Schranken des Urheberrechtsschutzes?Welchen Geldwert haben urheberrechtlich geschützte Werke?BerechnungsbeispieleKosten im Falle einer AbmahnungKontaktformular

References: § 2
 § 72
 § 2
 § 2
 § 72
 § 53
 § 97