Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?execution=e100000s1&segmentId=38752b6f-f8b6-4330-a3ab-1819e6a49fdb
Timestamp: 2020-08-04 14:36:45+00:00

Document:
1.5. Behandlung der Anteilsinhaber (§ 5 und § 3 UmgrStG)
Während die §§ 2 bis 4 UmgrStG im Wesentlichen die steuerrechtlichen Folgen für eine Verschmelzung nach Art. I UmgrStG bei der übertragenden und übernehmenden Körperschaft regeln, befasst sich § 5 UmgrStG mit den steuerlichen Folgen für den Anteilsinhaber, insb. der steuerlichen Behandlung des verschmelzungsbedingten Anteilstausches.
Nach allgemeinem Steuerrecht gilt dieser Anteilstausch als Tausch, der nach § 6 Z 14 EStG 1988 für jeden Tauschpartner eine Anschaffung und eine Veräußerung bewirkt (siehe EStR 2000 Rz 2588 ff) und im Betriebsvermögen und im Rahmen der §§ 30 und 31 EStG 1988 zu einer Besteuerung führt. § 5 UmgrStG stellt den verschmelzungsbedingten Anteilstausch steuerneutral, sofern die Anwendungsvoraussetzungen des Art. I UmgrStG vorliegen (siehe Rz 264 ff). Die Steuerneutralität des Anteilstausches wird nicht beeinträchtigt, wenn die übertragende Körperschaft von der Aufwertungsoption des § 2 Abs. 2 UmgrStG Gebrauch macht.
Im Rahmen einer Verschmelzung erhalten die Gesellschafter für den Verlust der Anteile an der übertragenen Gesellschaft als Ausgleich idR entsprechende Gegenleistungen.
Diese Abfindungen können etwa sein:
neue Gesellschaftsanteile der übernehmenden Körperschaft auf Grund einer durchgeführten Kapitalerhöhung (siehe Rz 264 ff);
eigene Anteile der übernehmenden Gesellschaft (siehe Rz 282);
Anteile der übernehmenden Gesellschaft, die von den Altgesellschaftern der übernehmenden Gesellschaft überlassen werden (siehe Rz 286 ff);
durchgereichte Anteile an der übernehmenden Körperschaft im Zuge eines down-stream-mergers (siehe Rz 280 f);
Zuzahlungen zum Spitzenausgleich (siehe Rz 266 ff);
entgeltlicher Verzicht durch Barabfindungen oder sonstige Vermögenswerte (siehe Rz 289).
Mit Ausnahme des letzten Falles liegt grundsätzlich infolge des § 5 UmgrStG Steuerneutralität vor.
§ 5 UmgrStG ist auch anzuwenden, wenn die Gesellschafter der übertragenen Gesellschaft auf Grund des vor der Verschmelzung vorliegenden Beteiligungsverhältnisses keine Abfindung erhalten, zB bei Konzernverschmelzungen in der Form eines up-stream-mergers, eines down-stream-mergers oder bei Schwesternverschmelzungen (siehe Rz 280 f und Rz 282), sowie beim (unentgeltlichen) Verzicht nach § 224 Abs. 2 Z 2 AktG (siehe Rz 287 f).
§ 5 UmgrStG hat nur ertragsteuerliche Bedeutung und gilt nicht für den Bereich der Verkehrsteuern (siehe Rz 302 ff).
§ 5 UmgrStG sieht im Allgemeinen für den verschmelzungsbedingten Anteilstausch keine Rückwirkung vor. Es ist daher der Zeitpunkt des Anteilstausches bzw. des tatsächlichen Erwerbes der Abfindungsanteile maßgebend. Dies ist der Eintragungszeitpunkt der Verschmelzung im Firmenbuch (§ 225a Abs. 3 Z 3 AktG).
Lediglich beim verschmelzungsbedingten Untergang einer Beteiligung im Sinne des § 31 EStG 1988 durch die Verschmelzung und der damit verbundenen zehnjährigen Steuerhängigkeit (§ 5 Abs. 3 UmgrStG) und bei der beim Untergang einer internationalen Schachtelbeteiligung vorzunehmende Aufwertung (§ 5 Abs. 7 Z 2 UmgrStG) wird auf den Verschmelzungsstichtag Bezug genommen.
Diese Ausnahme gilt auch im Fall eines down-stream-mergers für die durch die aufnehmende Tochtergesellschaft durchgeschleusten Anteile der übertragenen Muttergesellschaft, die mit Beginn des dem Verschmelzungsstichtag folgenden Tages durch die Anteilsinhaber als erworben gelten.
Zur Identitätsfiktion und deren Folgen beim steuerneutralen Anteilstausch siehe Rz 264 f.
1.5.2. Behandlung verschmelzungsgeborener Anteile
1.5.2.1. Ausnahme vom Tauschgrundsatz
§ 5 Abs. 1 UmgrStG normiert, dass der verschmelzungsbedingte Anteilstausch nicht unter den Tauschgrundsatz fällt und ertragsteuerlich nicht als Tausch gilt. Es liegt daher keine Anschaffung oder Veräußerung vor und es kann auch nicht zu einer Realisierung der in den untergehenden Anteilen enthaltenen stillen Reserven bei den Anteilsinhabern der übertragenden Gesellschaft kommen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Anteile betrieblich oder privat gehalten werden, ob die Anteilsinhaber unbeschränkt oder beschränkt steuerpflichtig sind oder ob es sich hierbei um eine Inlands- oder Auslandsverschmelzung handelt. Auf die Anteile bezogen spricht man auch von der so genannten Identitätsfiktion, dh. die neuen Anteile treten an Stelle der untergehenden Anteile und sind so zu behandeln, als wären sie mit ihnen identisch.
Die Steuerneutralität bzw. Identitätsfiktion hat folgende Konsequenzen:
Die gewährten Anteile sind mit dem Buchwert bzw. im außerbetrieblichen Bereich mit den Anschaffungskosten der untergehenden Anteile anzusetzen (Wertfortführung auf Gesellschafterebene), wobei die Buchwerte und Anschaffungskosten gemäß § 43 Abs. 2 UmgrStG aufzuzeichnen und evident zu halten sind.
Das Abzugsverbot für die anlässlich der Anschaffung der untergehenden Anteile anfallenden Finanzierungskosten nach § 12 Abs. 2 KStG 1988 bleibt infolge der Identitätsfiktion auch für die gewährten Austauschanteile aufrecht.
Alle steuerlich maßgeblichen Fristen laufen beim Anteilsinhaber unverändert weiter, wie etwa die Behaltefristen im Fall der Übertragung stiller Rücklagen nach § 12 EStG 1988, sowie die Fristen nach § 30 EStG 1988 und § 31 EStG 1988 (§ 5 Abs. 2 UmgrStG).
Sonstige Steuerrechtsfolgen eines Veräußerungs- bzw. Anschaffungsvorganges treten nicht ein. Es wird daher auch der Nachversteuerungstatbestand bei verbilligten Mitarbeiteraktien infolge des verschmelzungsbedingten Anteilstausches nicht ausgelöst, da keine Übertragung im Sinne des § 3 Abs. 1 Z 15 lit. b EStG 1988 vorliegt.
Der Wegzugsbesteuerungstatbestand des § 31 Abs. 2 Z 2 EStG 1988 (EStR 2000 Rz 6677 ff) kommt Auf Grund der lex specialis des § 5 Abs. 1 UmgrStG ebenfalls nicht zur Anwendung.
1.5.2.2. Zuzahlungen
Werden im Zuge einer Konzentrationsverschmelzung neue Anteile gewährt und entspricht das Wertverhältnis der verschmolzenen Gesellschaftsanteile nicht exakt dem gewünschten Beteiligungsverhältnis, ist es handelsrechtlich möglich (§ 224 Abs. 5 AktG), dass die übernehmende Körperschaft bare Zuzahlungen bis zu 10% des Gesamtnennbetrages der gewährten Gesellschaftsanteile leistet (Spitzenausgleich). Außerdem können Zuzahlungen über Antrag bei unangemessenen Umtauschverhältnissen gerichtlich angeordnet werden (§ 225c AktG).
Beim Empfänger sind diese Zuzahlungen nach § 5 Abs. 1 UmgrStG als Veräußerungsentgelt zu betrachten und führen - trotz steuerneutralen Anteilstausches - insoweit zur Ertragsteuerpflicht, als die gewährten Anteile zum Betriebsvermögen gehören oder der Tatbestand des § 30 EStG 1988 oder des § 31 EStG 1988 erfüllt ist.
Bei Umgründungen, denen ein Stichtag nach dem 30. Dezember 2002 zugrunde liegt, gilt:
Beim Empfänger vermindern diese Zuzahlungen nach § 5 Abs. 1 UmgrStG die Anschaffungskosten bzw. Buchwerte der Anteile. Übersteigen Zuzahlungen die Anschaffungskosten bzw. Buchwerte, ergeben sich steuerlich in Evidenz zu nehmende negative Anschaffungskosten bzw. Buchwerte. Im Falle einer späteren Veräußerung kommt es insoweit zur Ertragsteuerpflicht, als die gewährten Anteile zum Betriebsvermögen gehören oder der Tatbestand des § 30 EStG 1988 oder des § 31 EStG 1988 erfüllt ist.
Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Gewährung der Zuzahlungen bei den empfangenden Gesellschaftern anfallen, wie etwa die Kosten für die gerichtliche Geltendmachung bzw. darauf entfallende Beratungskosten, können als Abzugsposten (Betriebsausgaben oder Werbungskosten) geltend gemacht werden. Nicht abzugsfähig ist jedoch ein aliquoter Anteil des Buchwertes bzw. der Anschaffungskosten der untergehenden Beteiligung, da es - nach § 5 Abs. 1 UmgrStG auch im Fall von (handelsrechtlich) zulässigen Zuzahlungen - zu einem steuerneutralen Anteilstausch kommt und auf Grund der steuerlichen "Nichttauschfiktion" auch die ursprüngliche Anschaffungskosten oder Buchwerte zwingend fortzuführen sind.
Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Gewährung der Zuzahlungen bei den empfangenden Gesellschaftern anfallen, wie etwa die Kosten für die gerichtliche Geltendmachung bzw. darauf entfallende Beratungskosten, können nicht sofort als Abzugsposten (Betriebsausgaben oder Werbungskosten) geltend gemacht werden sondern erst im Rahmen der Ermittlung der Einkünfte auf Grund der Veräußerung der Anteile.
Bei der übernehmenden Körperschaft sind die getätigten baren Zuzahlungen als ein gesellschaftsrechtlich veranlasster Teil der Gegenleistung für die Übernahme des Vermögens der übertragenden Körperschaft nicht abzugsfähig.
1.5.2.3. Umtauschbedingte Änderung der Beteiligungsqualität
1.5.2.3.1. Äquivalenzbedingter Wegfall der Eigenschaft einer Beteiligung im Sinne des § 31 EStG 1988
Wenn durch die Verschmelzung bei einer im Privatvermögen gehaltenen Beteiligung nach § 31 EStG 1988 das Beteiligungsverhältnis auf weniger als 1% sinkt, bleibt die Steuerhängigkeit für einen Zeitraum von 10 Jahren nach Ablauf des Verschmelzungsstichtages bestehen (§ 5 Abs. 3 UmgrStG).
Diese Bestimmung betrifft sowohl Anteile an der übertragenden als auch solche an der übernehmenden Körperschaft, die durch die Verschmelzung ihre Eigenschaft als Beteiligung nach § 31 EStG 1988 verlieren.
Wenn die Beteiligungsquote schon vor der Verschmelzung - jedoch innerhalb der fünfjährigen Steuerverstrickungsfrist des § 31 EStG 1988 - auf weniger als 1% abgesunken ist, läuft die ursprüngliche Fünfjahresfrist unverändert weiter.
Die A-AG wird auf die B-AG als übernehmende Gesellschaft verschmolzen. Der Aktionär A war an der A-AG zu 3% beteiligt und veräußerte zwei Jahre vor Verschmelzung 2,1% seiner Beteiligung und hält im Verschmelzungszeitpunkt nur noch 0,9% der Anteile an der A-AG. Der Aktionär B war vor Verschmelzung an der B-AG zu 1% beteiligt, nach Verschmelzung nur noch zu 0,9%. Bei A läuft die ursprüngliche Fünfjahresfrist des § 31 EStG 1988 unverändert weiter. Bei B kommt es zu einer Steuerhängigkeit von 10 Jahren ab dem Verschmelzungsstichtag.
Wenn ein Gesellschafter an beiden zu verschmelzenden Gesellschaften beteiligt ist und lediglich eine Beteiligung an einer Gesellschaft eine qualifizierte Beteiligung nach § 31 EStG 1988 darstellt und das Ausmaß der Beteiligung durch die Verschmelzung unter 1% sinkt, tritt die Steuerverstrickung für 10 Jahre nur für die bisher nach § 31 EStG 1988 steuerhängige Beteiligung ein.
1.5.2.3.2. Äquivalenzbedingtes Entstehen einer Beteiligung im Sinne des § 31 EStG 1988
Besteht vor der Verschmelzung weder an der übertragenden noch an der übernehmenden Körperschaft eine Beteiligung nach § 31 EStG 1988 und sollte eine solche durch die Verschmelzung entstehen, regelt § 5 Abs. 4 UmgrStG, dass der höhere gemeine Wert als Anschaffungskosten bei einer allfälligen späteren Steuerpflicht nach § 31 EStG 1988 anzusetzen ist.
Diese Aufwertung verhindert, dass bisher nicht steuerhängige stille Reserven, die vor der Verschmelzung angesammelt wurden, in die Steuerverstrickung des § 31 EStG 1988 einbezogen werden und bei einer späteren Veräußerung der Anteile steuerwirksam werden.
Wenn die historischen Anschaffungskosten dieser Beteiligung jedoch höher sind als der anlässlich der Verschmelzung festgestellte gemeine Wert, sind weiterhin die höheren historischen Anschaffungskosten anzusetzen.
Für die Feststellung der Wertverhältnisse (siehe Rz 266 ff) ist der Zeitpunkt der Eintragung der Verschmelzung ins Firmenbuch maßgebend.
Der Aktionär X ist an der A-AG (historische Anschaffungskosten 50, Anteil 0,8%) und an der B-AG (historische Anschaffungskosten 100, Anteil 0,9%) beteiligt. Die A-AG wird auf die B-AG verschmolzen. Nach der Verschmelzung hält X insgesamt Gesellschaftsanteile an der B-AG von 1,4% des Grundkapitals. Nach 3 Jahren verkauft X seine Aktien um 600. Der gemeine Wert aller Aktien des X beträgt zum maßgebenden Verschmelzungszeitpunkt 400. Lösung: Der zu versteuernde Veräußerungsgewinn beträgt 200 (600-400). Die zwischen Anschaffung der Aktien und dem Zeitpunkt der Eintragung der Verschmelzung in das Firmenbuch angesammelten stillen Reserven in Höhe von 250 (400-150) werden nicht steuerhängig.
Für den Fall, dass der Anteilsinhaber vor Verschmelzung an der übernehmenden und an der übertragenden Körperschaft beteiligt war und nur eine dieser Beteiligungen eine Beteiligung im Sinne des § 31 EStG 1988 war, ist bezüglich der bisher nicht qualifizierten Beteiligung im Veräußerungsfall der höhere gemeine Wert anzusetzen.
Zur Berechnung des Beteiligungsausmaßes, wenn eine Körperschaft eigene Anteile besitzt, siehe EStR 2000 Rz 6668.
1.5.2.3.3. Äquivalenzverletzende Änderung der Beteiligungsqualität
Bedingt durch eine Äquivalenzverletzung kann es zu zwei Fällen der Änderung der Beteiligungsqualität kommen:
Durch die äquivalenzverletzende Anteilsverschiebung bei der Verschmelzung verliert eine Beteiligung im Sinne des § 31 EStG 1988 ihre Eigenschaft als solche, die ohne Äquivalenzverletzung nicht eingetreten wäre. Auf die verschmelzungsbedingt gewährten Anteile ist § 5 Abs. 3 UmgrStG sinngemäß anzuwenden.
Durch die äquivalenzverletzende Anteilsverschiebung bei der Verschmelzung entsteht eine Beteiligung im Sinne des § 31 EStG 1988, die ohne Äquivalenzverletzung nicht eingetreten wäre. Auf die verschmelzungsbedingt gewährten Anteile ist § 5 Abs. 4 UmgrStG sinngemäß anzuwenden.
Wenn es zu einer Äquivalenzverletzung im Rahmen eines verschmelzungsbedingten Anteilstausches kommt, sind beim Zuwendenden und Zuwendungsempfänger die entsprechenden Anschaffungskosten bzw. Buchwerte der Beteiligungen zu korrigieren. Zur Äquivalenzverletzung siehe im Übrigen Rz 305 ff.
1.5.3. Behandlung bei Unterbleiben einer Anteilsgewährung
Zur Frage, in welchen Fällen eine Anteilsgewährung im Rahmen einer Verschmelzung verboten ist bzw. wann von einer Gewährung von Anteilen abgesehen werden kann, siehe Rz 5 ff, sowie Rz 12 ff und Rz 16.
1.5.3.1. Handelsrechtliches Verbot der Anteilsgewährung
1.5.3.1.1. Besitz von Anteilen an der übertragenden Körperschaft
Zu den Rechtsfolgen für den Fall, dass die übernehmende Körperschaft vor Verschmelzung Anteile an der übertragenden Körperschaft besitzt (beim up-stream-merger und beim down-stream-merger, sowie der gemischten Konzentrations- und Konzernverschmelzung) siehe Rz 12 ff und Rz 16.
Zur Verschmelzung einer Enkelgesellschaft auf die Muttergesellschaft, wobei die umgangene Tochtergesellschaft auf die Anteilsgewährung verzichtet, siehe Rz 286 ff; bezüglich des Falles der Verschmelzung einer Tochtergesellschaft einer Schwestergesellschaft auf die andere Schwestergesellschaft siehe das Beispiel in Rz 285.
1.5.3.1.2. Besitz eigener Anteile der übertragenden Körperschaft
Insoweit die übertragende Gesellschaft eigene Anteile besitzt, darf keine Anteilsgewährung erfolgen (siehe Rz 6).
1.5.3.2. Absehen von einer Anteilsgewährung
1.5.3.2.1. Gleichbeteiligung an beiden Körperschaften (Schwestersituation)
Die Anteilsgewährung kann auch unterbleiben, wenn
entweder eine Person Alleingesellschafter der übertragenden und der übernehmenden Körperschaft ist
oder mehrere Gesellschafter sowohl an der übernehmenden als auch an der übertragenden Gesellschaft unmittelbar oder mittelbar im gleichen Verhältnis (Identität der Beteiligungsverhältnisse) beteiligt sind (§ 224 Abs. 2 Z 1 AktG),
wobei die Anteile im Betriebsvermögen oder auch im Privatvermögen gehalten werden können.
Bei unmittelbarer Beteiligung im gleichen Verhältnis (Schwesternverschmelzung) kommt es gemäß § 5 Abs. 5 UmgrStG zu einer Übertragung der Buchwerte (Anschaffungskosten) der Anteile an der übertragenden Gesellschaft vor Verschmelzung auf die Buchwerte (Anschaffungskosten) der Anteile der übernehmenden Gesellschaft, wobei die steuerlich maßgebenden Werte nach Verschmelzung der Summe der Werte vor Verschmelzung entsprechen.
Die A-GmbH ist je zu 80% und B ist je zu 20% an der X-GmbH und der Y-GmbH beteiligt. In Folge wird die X-GmbH auf die Y-GmbH verschmolzen. Die Buchwerte der Beteiligung vor Verschmelzung bei der A-GmbH betragen bei X-GmbH 40, bei der Y-GmbH 80. Die Anschaffungskosten der Beteiligung vor Verschmelzung bei B betragen bei der X-GmbH und bei der Y-GmbH je 20. (Die nicht dem Beteiligungsverhältnis entsprechenden unterschiedlichen Wertansätze der Beteiligungen an der X-GmbH beruhen auf einer vorgenommenen Teilwertabschreibung bei der A-GmbH). Nach der Verschmelzung beträgt der Buchwert der Beteiligung der Y-GmbH bei der A-GmbH 120 und die Anschaffungskosten der im Privatvermögen gehaltenen Beteiligung bei B 40.
Auf Grund der Identitätsfiktion kommt es zu keinem neuen Fristenlauf, die steuerlichen Fristen der untergegangenen Anteile an der übertragenden Körperschaft laufen unverändert weiter. Es können daher nach Verschmelzung für verschiedene Teile an einer Beteiligung unterschiedliche Fristen laufen.
Bei mittelbarer Beteiligung im gleichen Verhältnis (Verschmelzung von Gesellschaften unterschiedlicher Konzernebenen oder -zweige) ist, damit dies gesellschaftsrechtlich zulässig ist, durch geeignete Begleitmaßnahmen sicher zu stellen, dass es durch den Wegfall der Beteiligung bei der Zwischengesellschaft bzw. den Zwischengesellschaften zu keinem Verstoß gegen das Verbot der Einlagenrückgewähr bzw. Befreiung von Einlagenverpflichtungen kommt (siehe Rz 51).
Die Muttergesellschaft (M) ist zu 100% an der Tochtergesellschaft 1 (T1) und der Tochtergesellschaft 2 (T2) beteiligt. T1 hält sämtliche Anteile an der Enkelgesellschaft (E). In weiterer Folge wird E auf T2 verschmolzen. Die Wertminderung des Beteiligungsansatzes T1 bei M durch Wegfall der Beteiligung der E bei T1 muss durch gesellschaftsrechtliche Begleitmaßnahmen ausgeglichen werden. Steuerlich führt der Abgang der Beteiligung E bei T1 zu einem steuerneutralen Buchverlust (§ 3 Abs. 2 UmgrStG), der verschmelzungsbedingte Vermögenszugang bei der übernehmenden T2 führt zu einem steuerneutralen Buchgewinn. Die Muttergesellschaft muss den verschmelzungsbedingten Wertverlust der Beteiligung T1 steuerneutral abstocken und der Beteiligung T2 steuerneutral zuschreiben.
Das Verhältnis der Verkehrswerte der E zu T1 (nach Wegfall der Beteiligung E), wird in Analogie zu § 20 Abs. 4 Z 3 UmgrStG als Maßstab für die Werteverschiebung zwischen den Beteiligungen auf der Ebene von M angenommen, dh. im selben prozentuellen Ausmaß ist der Beteiligungsansatz T1 bei M abzustocken und der sich dabei ergebende Betrag beim Beteiligungsansatz T2 zuzuschreiben.
1.5.3.2.2. Verzicht auf die Anteilsgewährung
Nach § 224 Abs. 2 Z 2 AktG kann es zu einem Verzicht auf Anteilsgewährung durch die Gesellschafter der übertragenden Körperschaft kommen.
Wenn die Gesellschafter der übertragenden Gesellschaft auf die Gewährung von Anteilen verzichten, muss man zwischen unentgeltlichen und entgeltlichen Verzicht unterscheiden.
1.5.3.2.2.1. Unentgeltlicher Verzicht
Nach § 5 Abs. 6 UmgrStG ist der durch den Untergang der Beteiligung entstehende Buchverlust nach § 3 Abs. 2 UmgrStG steuerneutral zu stellen und wenn Bereicherungsabsicht vorliegt, kann es überdies zur Schenkungsteuerpflicht kommen. Bei Vornahme einer Barabfindung unter dem Buchwert der Beteiligung liegt auch hinsichtlich des Minderbetrages ein steuerneutraler Buchverlust vor.
Wenn die Enkelgesellschaft im Fall eines up-stream-merger auf die (Groß)Muttergesellschaft verschmolzen wird, muss die umgangene Tochtergesellschaft auf die Anteilsgewährung verzichten, was auch grundsätzlich nach § 224 Abs. 2 Z 2 AktG zulässig ist. Es ist jedoch durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass es zu keinem Verstoß gegen das Verbot der Einlagenrückgewähr bzw. Befreiung von Einlagenverpflichtungen kommt (siehe auch Rz 289). Der bei der Tochtergesellschaft entstehende Buchverlust ist gemäß § 3 Abs. 2 UmgrStG steuerneutral. Bei der Großmuttergesellschaft sind auch allfällige Wertdifferenzen, die sich durch die verschmelzungsbedingte Übernahme des Vermögens der Enkelgesellschaft sowie einer allfälligen Teilwertabschreibung des Beteiligungsansatzes -Tochtergesellschaft ergeben, ebenfalls steuerneutral.
1.5.3.2.2.2. Entgeltlicher Verzicht
Bei Vorliegen einer Gegenleistung für den Verzicht ist die Art der Gegenleistung zu prüfen:
Entgeltlicher Anteilstausch:
Die Gesellschafter der übertragenden Gesellschaft werden mit eigenen Anteilen der Altgesellschafter der übernehmenden Gesellschaft abgefunden, die diese dafür zur Verfügung stellen und auf die Gewährung von neuen Anteilen an der übernehmenden Gesellschaft verzichten. Die Buchwerte bzw. Anschaffungskosten der untergehenden Anteile gehen auf die gewährten Abfindungsanteile über (§ 5 Abs. 1 UmgrStG) und es kann daher zu keinem Buchgewinn oder Buchverlust kommen - es liegt kein Anwendungsfall des § 5 Abs. 6 UmgrStG vor.
Verzicht auf Grund von sonstiger Gegenleistung:
Die Gesellschafter werden durch Barzahlungen oder Gewährung von sonstigen Vermögensleistungen abgefunden; es kommt zu einer Anteilsveräußerung, die nach allgemeinem Steuerrecht zu beurteilen ist - es liegt kein Anwendungsfall des § 5 Abs. 6 UmgrStG vor. Bei den die Abfindungen leistenden Anteilsinhabern liegen aktivierungspflichtige Anschaffungskosten der Beteiligung vor. Beim verzichtenden Anteilsinhaber liegt,
wenn er die Anteile im Betriebsvermögen hält, ein steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn in Höhe der Differenz zwischen Verzichtsentgelt und Buchwert der Beteiligung vor,
bei außerbetrieblich gehaltenen Anteilen ein durch Tausch begründeter Veräußerungsvorgang vor, der im Rahmen des § 30 EStG 1988 und § 31 EStG 1988 zu berücksichtigen ist.
§ 225c AktG, Aktiengesetz 1965, BGBl. Nr. 98/1965
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 282
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 286
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 280
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 281
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 266
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 289
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 287
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 288
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 302
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 265
EStR 2000, Einkommensteuerrichtlinien 2000 Rz 6677
EStR 2000, Einkommensteuerrichtlinien 2000 Rz 6668
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 5
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 12
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 16
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 285
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 6
UmgrStR 2002, Umgründungssteuerrichtlinien 2002 Rz 51
§ 2 Abs. 2 UmgrStG, Umgründungssteuergesetz, BGBl. Nr. 699/1991
§ 225a Abs. 3 Z 3 AktG, Aktiengesetz 1965, BGBl. Nr. 98/1965
§ 5 Abs. 7 Z 2 UmgrStG, Umgründungssteuergesetz, BGBl. Nr. 699/1991
§ 5 Abs. 1 UmgrStG, Umgründungssteuergesetz, BGBl. Nr. 699/1991
§ 5 Abs. 2 UmgrStG, Umgründungssteuergesetz, BGBl. Nr. 699/1991
§ 5 Abs. 6 UmgrStG, Umgründungssteuergesetz, BGBl. Nr. 699/1991
Auslegungsbehelf, Verschmelzung, Umwandlung, Einbringung, Zusammenschluss, Realteilung, Spaltung, Fusion, merger, Anteilsinhaber, Tausch, verschmelzungsgeborener Anteil, Tauschgrundsatz, Tauschgrundsätze, Identitätsfiktion, Zuzahlungen, Beteiligungsqualität, unentgeltlicher Verzicht, entgeltlicher Verzicht, Schenkungsteuerpflicht
Findok-Nr: 19961.1, aufgenommen am: 20.04.2006 11:35:31, zuletzt geändert am: 13.03.2007, Dokument-ID: 1fd86271-abf6-45e9-b6a4-ef5d3e060a53, Segment-ID: 38752b6f-f8b6-4330-a3ab-1819e6a49fdb

References: § 3
 § 5
 § 6
 § 5
 § 2
 § 5

§ 5
 § 224

§ 5

§ 5
 § 31

§ 5
 § 43
 § 12
 § 12
 § 30
 § 31
 § 3
 § 31
 § 5
 § 5
 § 30
 § 31
 § 5
 § 30
 § 31
 § 5
 § 31
 § 31
 § 31
 § 31
 § 31
 § 31
 § 31
 § 31
 § 31
 § 5
 § 31
 § 31
 § 31
 § 31
 § 5
 § 31
 § 5
 § 5
 § 20
 § 224
 § 5
 § 3
 § 224
 § 3
 § 5
 § 5
 § 30
 § 31

§ 225

§ 2

§ 225

§ 5

§ 5

§ 5

§ 5