Source: https://www.mutterschutz-rechner.de/mutterschutz/diskriminierung-wegen-schwangerschaft-74999?pk_campaign=feed&pk_kwd=diskriminierung-wegen-schwangerschaft
Timestamp: 2019-11-12 08:10:54+00:00

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Es kann ein Anspruch auf Entschädigung bestehen, wenn unter Verstoß gegen das Mutterschutzgesetz einer schwangeren Arbeitnehmerin gekündigt wird und dies eine Benachteiligung wegen des Geschlechts darstellt.
So hat das Bundesarbeitsgericht in dem hier vorliegenden Fall einer Frau entschieden, der während ihrer Schwangerschaft gekündigt worden war. Im Kleinbetrieb ihrer Arbeitgeberin galt zwar nicht das Kündigungsschutzgesetz, für die schwangere Klägerin bestand jedoch der besondere Kündigungsschutz des § 9 MuSchG. Anfang Juli 2011 wurde aus medizinischen Gründen zudem ein Beschäftigungsverbot nach § 3 Abs. 1 MuSchG für die Klägerin ausgesprochen. Dem Ansinnen der Beklagten, dieses Beschäftigungsverbot nicht zu beachten, widersetzte sich die Klägerin. Am 14. Juli 2011 wurde festgestellt, dass ihre Leibesfrucht abgestorben war. Für den damit notwendig gewordenen Eingriff wurde die Klägerin auf den 15. Juli 2011 ins Krankenhaus einbestellt. Sie unterrichtete die Beklagte von dieser Entwicklung noch am 14. Juli 2011 und fügte hinzu, dass sie nach der Genesung einem Beschäftigungsverbot nicht mehr unterliegen werde. Die Beklagte sprach umgehend eine fristgemäße Kündigung aus und warf diese noch am 14. Juli in den Briefkasten der Klägerin. Dort entnahm sie die Klägerin nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus am 16. Juli 2011. Die Klägerin sieht sich aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert. Ihr ist vom Sächsischen Landesarbeitsgericht (Urteil vom 27.07.2012 – 3 Sa 129/12) eine Entschädigung in Höhe von 3.000 Euro zugesprochen worden.
Diese Entscheidung hat das Bundesarbeitsgericht in seinem Urteil nun bestätigt: Nachseiner Auffassung wurde die Klägerin wegen ihrer Schwangerschaft von der Beklagten ungünstiger behandelt und daher wegen ihres Geschlechtes benachteiligt, § 3 Abs. 1 Satz 2 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) in Verbindung mit § 1 AGG.
Dies ergibt sich schon aus dem Verstoß der Beklagten gegen das Mutterschutzgesetz. Da Mutter und totes Kind noch nicht getrennt waren, bestand noch die Schwangerschaft im Zeitpunkt des Zugangs der Kündigung. Auch der Versuch, die Klägerin zum Ignorieren des Beschäftigungsverbotes zu bewegen und der Ausspruch der Kündigung noch vor der künstlich einzuleitenden Fehlgeburt indizieren die ungünstigere Behandlung der Klägerin wegen ihrer Schwangerschaft. Der besondere, durch § 3 Abs. 1 AGG betonte Schutz der schwangeren Frau vor Benachteiligungen führt jedenfalls in einem Fall wie dem vorliegenden auch zu einem Entschädigungsanspruch nach § 15 Abs. 2 AGG.
Stichworte: Diskriminierung, Kündigungsschutz, Mutterschutz

References: § 9
 § 3
 § 3
 § 1
 § 3
 § 15