Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=827
Timestamp: 2019-03-19 08:26:26+00:00

Document:
und leihgütern, ausser Sachsens, nicht anzu-
Vom pflanzen, und säen.
Wenn jemand, wider meinen willen, meine
pflanze, oder meinen baum in seinen garten, acker rc
gesezet; ob er gleich wurzel gefasset hat; kan ich
sie doch, nach den teutschen rechten, wider zurück
fodern; dafern dises nur in der gesäzmässigen zeit
geschihet. Hirin gehen die Teutsche von den Rö-
mern ab. Hat einer auf meinen acker aus guten
glauben gesäet, und ich will den acker vor der
erndte haben; so muß er zufriden seyn, wenn er
das art- oder ackerlon, die saat, und die besserung,
oder die düngung bezalet bekömmt.
Von der übergabe (auflassung) bestäti-
gung, und gewäre.
Die Teutsche hilten dafür: die unbeweglichewarum die
übergaben [ge]-
richtlich gesch[e]-
hen müssen?
güter, welche einmal in die famili gekommen, wä
ren gleichsam fideicommißgüter, Freiherr von
Senkenberg in der vorrede zum Iten th. des corp.
iur. germ. s. 55 fg., § 67; jedoch nicht im römi-
schen, sondern im teutschen sinne, welche nämlich
aus der famili nicht veräussert werden dürften
(§ 1820); sondern diselbe damit beerbet wäre,
Joh. Jsaac Moers de iure protimiseos, s. 59.
Damit allso die veräusserung nicht heimlich, son-
dern öffentlich geschehe, auch die erben davon wis-
senschaft erlangen, und ire einwilligung darzu er-
teilen könnten, Fabers stats-kanzellei im 99ten th.
s. 369 fg.; imgleichen dem einstandsrechte vorge-
beuget, und abgelenet werden möchte, auch der-
und leihguͤtern, auſſer Sachſens, nicht anzu-
Vom pflanzen, und ſaͤen.
pflanze, oder meinen baum in ſeinen garten, acker ꝛc
geſezet; ob er gleich wurzel gefaſſet hat; kan ich
ſie doch, nach den teutſchen rechten, wider zuruͤck
fodern; dafern diſes nur in der geſaͤzmaͤſſigen zeit
geſchihet. Hirin gehen die Teutſche von den Roͤ-
glauben geſaͤet, und ich will den acker vor der
erndte haben; ſo muß er zufriden ſeyn, wenn er
das art- oder ackerlon, die ſaat, und die beſſerung,
oder die duͤngung bezalet bekoͤmmt.
Von der uͤbergabe (auflaſſung) beſtaͤti-
gung, und gewaͤre.
Die Teutſche hilten dafuͤr: die unbeweglichewarum die
uͤbergaben [ge]-
richtlich geſch[e]-
hen muͤſſen?
guͤter, welche einmal in die famili gekommen, waͤ
ren gleichſam fideicommißguͤter, Freiherr von
iur. germ. ſ. 55 fg., § 67; jedoch nicht im roͤmi-
ſchen, ſondern im teutſchen ſinne, welche naͤmlich
aus der famili nicht veraͤuſſert werden duͤrften
(§ 1820); ſondern diſelbe damit beerbet waͤre,
Joh. Jſaac Moers de iure protimiſeos, ſ. 59.
Damit allſo die veraͤuſſerung nicht heimlich, ſon-
dern oͤffentlich geſchehe, auch die erben davon wiſ-
ſenſchaft erlangen, und ire einwilligung darzu er-
teilen koͤnnten, Fabers ſtats-kanzellei im 99ten th.
ſ. 369 fg.; imgleichen dem einſtandsrechte vorge-
beuget, und abgelenet werden moͤchte, auch der-
<p><pb facs="#f0827" n="803"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">und de&#x017F;&#x017F;en gattungen.</hi></fw><lb/>
und leihgu&#x0364;tern, au&#x017F;&#x017F;er Sach&#x017F;ens, nicht anzu-<lb/>
wenden.</p>
<head><hi rendition="#b">Vom pflanzen, und &#x017F;a&#x0364;en.</hi><lb/>
§ 1854</head><lb/>
<p>Wenn jemand, wider meinen willen, meine<lb/>
pflanze, oder meinen baum in &#x017F;einen garten, acker &#xA75B;c<lb/>
ge&#x017F;ezet; ob er gleich wurzel gefa&#x017F;&#x017F;et hat; kan ich<lb/>
&#x017F;ie doch, nach den teut&#x017F;chen rechten, wider zuru&#x0364;ck<lb/>
fodern; dafern di&#x017F;es nur in der ge&#x017F;a&#x0364;zma&#x0364;&#x017F;&#x017F;igen zeit<lb/>
ge&#x017F;chihet. Hirin gehen die Teut&#x017F;che von den Ro&#x0364;-<lb/>
mern ab. Hat einer auf meinen acker aus guten<lb/>
glauben ge&#x017F;a&#x0364;et, und ich will den acker vor der<lb/>
erndte haben; &#x017F;o muß er zufriden &#x017F;eyn, wenn er<lb/>
das art- oder ackerlon, die &#x017F;aat, und die be&#x017F;&#x017F;erung,<lb/>
oder die du&#x0364;ngung bezalet beko&#x0364;mmt.</p>
<head><hi rendition="#b">Von der u&#x0364;bergabe (aufla&#x017F;&#x017F;ung) be&#x017F;ta&#x0364;ti-<lb/>
gung, und gewa&#x0364;re.</hi><lb/>
§ 1856</head><lb/>
<p>Die Teut&#x017F;che hilten dafu&#x0364;r: die unbewegliche<note place="right">warum die<lb/>
u&#x0364;bergaben <supplied>ge</supplied>-<lb/>
richtlich ge&#x017F;ch<supplied>e</supplied>-<lb/>
hen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en?</note><lb/>
gu&#x0364;ter, welche einmal in die famili gekommen, wa&#x0364;<lb/>
ren gleich&#x017F;am fideicommißgu&#x0364;ter, Freiherr <hi rendition="#fr">von<lb/>
Senkenberg</hi> in der vorrede zum <hi rendition="#aq">I</hi>ten th. des <hi rendition="#aq">corp.<lb/>
iur. germ.</hi> &#x017F;. 55 fg., § 67; jedoch nicht im ro&#x0364;mi-<lb/>
&#x017F;chen, &#x017F;ondern im teut&#x017F;chen &#x017F;inne, welche na&#x0364;mlich<lb/>
aus der famili nicht vera&#x0364;u&#x017F;&#x017F;ert werden du&#x0364;rften<lb/>
(§ 1820); &#x017F;ondern di&#x017F;elbe damit beerbet wa&#x0364;re,<lb/><hi rendition="#fr">Joh. J&#x017F;aac Moers</hi> <hi rendition="#aq">de iure protimi&#x017F;eos,</hi> &#x017F;. 59.<lb/>
Damit all&#x017F;o die vera&#x0364;u&#x017F;&#x017F;erung nicht heimlich, &#x017F;on-<lb/>
dern o&#x0364;ffentlich ge&#x017F;chehe, auch die erben davon wi&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en&#x017F;chaft erlangen, und ire einwilligung darzu er-<lb/>
teilen ko&#x0364;nnten, <hi rendition="#fr">Fabers</hi> &#x017F;tats-kanzellei im 99ten th.<lb/>
&#x017F;. 369 fg.; imgleichen dem ein&#x017F;tandsrechte vorge-<lb/>
beuget, und abgelenet werden mo&#x0364;chte, auch der-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">E e e 2</fw><fw place="bottom" type="catch">jeni-</fw><lb/></p>
[803/0827] und deſſen gattungen. und leihguͤtern, auſſer Sachſens, nicht anzu- wenden. Vom pflanzen, und ſaͤen. § 1854 Wenn jemand, wider meinen willen, meine pflanze, oder meinen baum in ſeinen garten, acker ꝛc geſezet; ob er gleich wurzel gefaſſet hat; kan ich ſie doch, nach den teutſchen rechten, wider zuruͤck fodern; dafern diſes nur in der geſaͤzmaͤſſigen zeit geſchihet. Hirin gehen die Teutſche von den Roͤ- mern ab. Hat einer auf meinen acker aus guten glauben geſaͤet, und ich will den acker vor der erndte haben; ſo muß er zufriden ſeyn, wenn er das art- oder ackerlon, die ſaat, und die beſſerung, oder die duͤngung bezalet bekoͤmmt. Von der uͤbergabe (auflaſſung) beſtaͤti- gung, und gewaͤre. § 1856 Die Teutſche hilten dafuͤr: die unbewegliche guͤter, welche einmal in die famili gekommen, waͤ ren gleichſam fideicommißguͤter, Freiherr von Senkenberg in der vorrede zum Iten th. des corp. iur. germ. ſ. 55 fg., § 67; jedoch nicht im roͤmi- ſchen, ſondern im teutſchen ſinne, welche naͤmlich aus der famili nicht veraͤuſſert werden duͤrften (§ 1820); ſondern diſelbe damit beerbet waͤre, Joh. Jſaac Moers de iure protimiſeos, ſ. 59. Damit allſo die veraͤuſſerung nicht heimlich, ſon- dern oͤffentlich geſchehe, auch die erben davon wiſ- ſenſchaft erlangen, und ire einwilligung darzu er- teilen koͤnnten, Fabers ſtats-kanzellei im 99ten th. ſ. 369 fg.; imgleichen dem einſtandsrechte vorge- beuget, und abgelenet werden moͤchte, auch der- jeni- warum die uͤbergaben ge- richtlich geſche- hen muͤſſen? E e e 2
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/827
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 803. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/827>, abgerufen am 19.03.2019.

References: § 67
 § 67

§ 1854

§ 1856
 § 67
 § 1854
 § 1856
 § 67