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Timestamp: 2020-07-07 12:29:22+00:00

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Spekulationsgeschäfte mit Beteiligungen an geschlossenen Immobilienfonds | Rechtslupe
Mit der Abgren­zung zwi­schen Rück­ab­wick­lung und Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te i. S. d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 4 EStG im Zusam­men­hang mit Betei­li­gun­gen an geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds hat­te sich das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg zu befas­sen:
Vor­lie­gend schaff­te der Anle­ger unmit­tel­ba­re Betei­li­gun­gen an Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten im Sin­ne des § 23 Abs. 1 Satz 4 EStG an.
Sowohl bei der Immo GmbH & Co KG – X Bank Fonds – V – als auch bei der Immo Verw GmbH & Co. KG – X Fonds – han­del­te es sich um ver­mö­gens­ver­wal­ten­de Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten. Eine ori­gi­nä­re gewerb­li­che Betä­ti­gung wur­de von ihnen nicht aus­ge­übt und eine gewerb­li­che Prä­gung der Gesell­schaf­ten im Sin­ne des § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG war nicht ein­ge­tre­ten, da nach den Gesell­schafts­ver­trä­gen zum einen auch natür­li­che Per­so­nen per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter (Kom­ple­men­tä­re) waren und zum ande­ren auch Kom­man­di­tis­ten zur Geschäfts­füh­rung befugt waren.
Der Anle­ger erwarb unmit­tel­ba­re Betei­li­gun­gen an der Immo GmbH & Co KG – X Bank Fonds – V – und der Immo Verw GmbH & Co. KG – X Fonds im Sin­ne des § 23 Abs. 1 Satz 4 EStG. Wird ein Kom­man­dit­an­teil für einen ande­ren treu­hän­de­risch gehal­ten, so ent­spricht es all­ge­mei­ner Auf­fas­sung, dass gemäß § 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 AO der Anteil nicht dem Treu­hand­kom­man­di­tis­ten, son­dern dem Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten zuzu­rech­nen ist [5]. Die FF Bera­tung und Treu­hand GmbH Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft als Treu­hand­kom­man­di­tist erwarb, hielt und ver­wal­te­te die Gesell­schafts­be­tei­li­gun­gen treu­hän­de­risch für die Treu­ge­ber, zu denen auch der Anle­ger gehör­te.
Die genann­ten Betei­li­gun­gen wur­den vom Anle­ger im Sin­ne des § 23 Abs. 1 Satz 4 EStG ange­schafft. Unter Anschaf­fung ist die ent­gelt­li­che Über­tra­gung eines Wirt­schafts­guts auf eine ande­re Per­son zu ver­ste­hen [6], die grund­sätz­lich auf einem zivil­recht­lich wirk­sa­men Ver­pflich­tungs­ge­schäft beru­hen muss [7]. Wel­che Vor­gän­ge als "Anschaf­fung” ange­se­hen wer­den müs­sen, ist nach der Recht­spre­chung des BFH wirt­schaft­lich zu ver­ste­hen [8]. Da der Bei­tritt des Anle­gers zur Immo GmbH & Co KG – X Bank Fonds – V – und zur Immo Verw GmbH & Co. KG – X Fonds wirt­schaft­lich als Anschaf­fung unmit­tel­ba­rer Betei­li­gun­gen an die­sen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten zu sehen ist, gilt die­ser nach der gesetz­li­chen Fik­ti­on des § 23 Abs. 1 Satz 4 EStG zugleich als Anschaf­fung der antei­li­gen im Eigen­tum der Gesell­schaf­ten ste­hen­den Grund­stü­cke.
Die ange­schaff­ten Betei­li­gun­gen ver­äu­ßer­te der Anle­ger inner­halb von zehn Jah­ren seit deren Anschaf­fung. Dies gilt gemäß § 23 Abs. 1 Satz 4 EStG als Ver­äu­ße­rung der antei­li­gen Wirt­schafts­gü­ter, also der im Eigen­tum der Gesell­schaf­ten ste­hen­den Grund­stü­cke.
Über die genann­ten Betei­li­gun­gen schloss der Anle­ger mit der Y GmbH einen Kauf- und Über­tra­gungs­ver­trag, der in § 1 den schuld­recht­li­chen Ver­kauf und die ding­li­che Über­tra­gung der jewei­li­gen Betei­li­gung regel­te. Dies geschah auch ent­gelt­lich. Der Kauf­preis ist in § 2 des Kauf- und Über­tra­gungs­ver­tra­ges bestimmt. Fer­ner erfolg­ten Ver­kauf und Über­tra­gung jeweils auf eine ande­re Per­son, die Y GmbH. Der Ver­trag ist voll­zo­gen wor­den.
Die Betei­li­gung an der Immo GmbH & Co KG – X Bank Fonds – V – erwarb der Anle­ger zum 31.12 1997 und die Betei­li­gung an der Immo Verw GmbH & Co. KG – X Fonds – zum 15.12 1998. Die Ver­äu­ße­run­gen erfolg­ten mit Ver­trä­gen vom 04.04.2006 und damit inner­halb von zehn Jah­ren nach dem jewei­li­gen Erwerb [11].
Bereits der Wort­laut des Ver­tra­ges macht deut­lich, dass die Wil­lens­er­klä­run­gen der Ver­trags­part­ner auf den Abschluss eines Kauf­ver­tra­ges gerich­tet waren (§ 433 Bür­ger­li­ches Gesetz­buch –BGB-). Der Ver­trag ist als "Kauf- und Über­tra­gungs­ver­trag" bezeich­net. Der Anle­ger wird dar­in als "Ver­käu­fer" und die Y GmbH als "Käu­fer" benannt. In der Prä­am­bel des Ver­trags wird wei­ter aus­ge­führt, dass mit die­sem Ver­trag der Ver­käu­fer die Betei­li­gung an den Käu­fer "ver­äu­ßert". Wei­ter wird in § 1 des Ver­tra­ges der "Ver­kauf" der Betei­li­gung gere­gelt und in § 2 der zu zah­len­de "Kauf­preis" bestimmt. In § 8 wird schließ­lich aus­ge­führt, dass kei­ne Par­tei gegen­über der ande­ren Par­tei irgend­wel­che Zusa­gen oder sons­ti­gen Erklä­run­gen in Bezug auf die steu­er­li­che Behand­lung des "Ver­kaufs" der Betei­li­gung gemacht bzw. abge­ge­ben hat.
Die­se For­mu­lie­run­gen machen deut­lich, dass die Ver­trags­part­ner davon aus­gin­gen, einen Kauf­ver­trag abzu­schlie­ßen. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass sich der Anle­ger im Ver­trag ver­pflich­te­te, auf etwai­ge Scha­dens­er­satz­an­sprü­che, die ihm gegen­über ver­bun­de­nen Unter­neh­men des Käu­fers und bestimm­ten sons­ti­gen Par­tei­en im Zusam­men­hang mit dem Erwerb der Betei­li­gung zuste­hen könn­ten, zu ver­zich­ten und die ein­ge­reich­te Scha­dens­er­satz­kla­ge zurück­zu­neh­men (§ 5). Dies ist sogar ein wei­te­rer Beleg dafür, dass der Anle­ger sei­ne Inter­es­sen durch die Ver­äu­ße­rung sei­ner Betei­li­gun­gen wah­ren woll­te anstatt in Wei­ter­ver­fol­gung des Kla­ge­we­ges die Rück­ab­wick­lung der ursprüng­li­chen Anschaf­fungs­ge­schäf­te anzu­stre­ben.
Zur Rück­ab­wick­lung von Kapi­tal­an­la­ge­ge­schäf­ten wer­den sowohl Scha­dens­er­satz­an­sprü­che [14] als auch Ansprü­che nach Wider­ruf [15] gel­tend gemacht. Macht der Anle­ger einen Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend, so sind dar­auf neben der vom Anle­ger Zug um Zug anzu­bie­ten­den Kapi­tal­an­la­ge selbst [16] alle sons­ti­gen Vor­tei­le, die der Anle­ger aus der Kapi­tal­an­la­ge erlangt hat, etwa Miet­ein­nah­men oder Aus­schüt­tun­gen, nach den Grund­sät­zen der Vor­teils­aus­glei­chung anzu­rech­nen [17]. Der Wider­rufs­geg­ner hat nach § 346 Abs. 1 bzw. Abs. 2 BGB Anspruch auf Her­aus­ga­be bzw. Wert­er­satz der erlang­ten Leis­tun­gen und den dar­aus gezo­ge­nen Nut­zun­gen. Dar­über hin­aus sind die Grund­sät­ze der Vor­teils­aus­glei­chung auch auf den Anspruch aus § 346 BGB anzu­wen­den [18]. Grund­sätz­lich sind auch Steu­er­vor­tei­le, die dem Anle­ger end­gül­tig ver­blei­ben, auf den Scha­dens­er­satz­an­spruch anzu­rech­nen. Die Anrech­nung von Steu­er­vor­tei­len kann nach der Recht­spre­chung des BGH jedoch unter­blei­ben, wenn die Scha­dens­er­satz­leis­tung ihrer­seits zu einer Besteue­rung führt, die dem Geschä­dig­ten die erziel­ten Steu­er­vor­tei­le wie­der nimmt (§ 287 Abs. 1 Zivil­pro­zess­ord­nung –ZPO-; BGH, Urtei­le vom 15.07.2010 – III ZR 336/​08, BGHZ 186, 205; vom 26.01.2012 – VII ZR 154/​10, NJW 2012, 1573; vom 18.12 2012 – II ZR 259/​11, DStR 2013, 317). Der Scha­dens­er­satz­an­spruch umfasst nach § 252 Satz 1 BGB auch den ent­gan­ge­nen Gewinn, wozu etwa ent­gan­ge­ne Anla­ge­zin­sen gehö­ren. Der Anle­ger kann sich hier­bei auf die all­ge­mei­ne Lebens­er­fah­rung beru­fen, dass Eigen­ka­pi­tal ab einer gewis­sen Höhe erfah­rungs­ge­mäß nicht unge­nutzt lie­gen bleibt, son­dern zu einem all­ge­mein übli­chen Zins­satz ange­legt wird [19].
Zu die­sen übli­chen Fra­gen der Scha­dens­er­mitt­lung ent­hält der Kauf- und Über­tra­gungs­ver­trag vom 04.04.2006 kei­ne Rege­lun­gen. Weder fin­det sich ein Hin­weis auf ein Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis aus § 346 Abs. 1 BGB noch auf eine Scha­dens­er­satz­ab­wick­lung gemäß § 249 Abs. 1 BGB aus Pro­spekt­haf­tung. Viel­mehr wird in § 2 des Ver­tra­ges ein Kauf­preis defi­niert, der sich aus einem Bezugs­wert, einem Erhö­hungs­be­trag und einem Abzugs­pos­ten ermit­telt. Der Bezugs­wert ent­spricht dabei einer Quo­te von 70 % des auf die Betei­li­gung des Ver­käu­fers ent­fal­len­den Nomi­nal­ka­pi­tals (ohne Agio), der Erhö­hungs­be­trag beläuft sich auf 3 % p.a. des Bezugs­werts, gerech­net vom 01.01.2005 bis zum Fäl­lig­keits­tag des Kauf­prei­ses, und der Abzugs­pos­ten besteht ins­be­son­de­re aus dem Gesamt­be­trag der Aus­schüt­tun­gen, die im Zeit­raum zwi­schen dem 1.01.2005 und dem Fäl­lig­keits­stich­tag geleis­tet wer­den. Die­se Berech­nungs­wei­se genügt nicht der geschil­der­ten Ermitt­lung der Scha­dens­hö­he im Rah­men eines Scha­dens­er­satz­ver­fah­rens. So fin­den sich im Ver­trag kei­ne Erwä­gun­gen zu der Fra­ge des Aus­gleichs eines ent­gan­ge­nen Gewinns des Anle­gers im Rah­men einer Alter­na­tiv­an­la­ge. Auch lässt sich der Ver­trag nicht dar­über aus, ob der Anle­ger in den Jah­ren bis ein­schließ­lich dem Jahr 2004 Vor­tei­le – wie etwa Aus­schüt­tun­gen – erlangt hat, die nach den Grund­sät­zen der Vor­teils­aus­glei­chung auf den Scha­dens­er­satz­an­spruch des Anle­gers anzu­rech­nen gewe­sen wären. Eben­so fin­den sich zur Anrech­nung von Steu­er­vor­tei­len des Anle­gers im Ver­trag kei­ne Aus­füh­run­gen. Die Bevoll­mäch­tig­ten des Anle­gers ver­wei­sen zwar auf eine Pres­se­mit­tei­lung das Senats­ver­wal­tung für Finan­zen Ber­lin vom 30.09.2005, wonach die Steu­er­vor­tei­le der Anle­ger bei der Wert­fin­dung berück­sich­tigt wer­den sol­len. Ob und in wel­cher Wei­se dies jedoch in der tat­säch­li­chen Aus­ge­stal­tung der Ver­trä­ge gesche­hen ist, bleibt unklar.
Schließ­lich steht der Annah­me einer Rück­ab­wick­lung ent­ge­gen, dass der Kauf- und Anteils­über­tra­gungs­ver­trag mit der juris­tisch eigen­stän­di­gen Per­son Y GmbH abge­schlos­sen wur­de, die am ursprüng­li­chen Erwerbs­vor­gang nicht betei­ligt war [20].
Ob das ursprüng­li­che Anschaf­fungs­ge­schäft bei einem Erfolg des Anle­gers im zivil­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren in ein Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis umge­wan­delt wor­den wäre, spielt kei­ne Rol­le. Tat­säch­lich ist es zu einem Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis nicht gekom­men und hypo­the­ti­sche Gesche­hens­ab­läu­fe sind steu­er­recht­lich unbe­acht­lich [21]. Im Übri­gen wäre auch ein Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis nicht ohne ein­kom­men­steu­er­li­che Fol­ge­run­gen geblie­ben [22].
Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 1. Okto­ber 2014 – 2 K 2085 – /​11
vgl. hier­zu BFH, Urteil vom 21.01.2014 – IX 9/​13, BFHE 244, 225, Samm­lung amt­lich nicht ver­öf­fent­lich­ter Ent­schei­dun­gen des BFH ‑BFH/NV- 2014, 745; Schießl, DStR 2014, 512[↩]
BFH, Urteil vom 15.12 1993 – X R 49/​91, BFHE 173, 435, BStBl II 1994, 687; FG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 02.09.2004, 4 K 1144/​03, Deut­sches Steu­er­recht Ent­schei­dungs­dienst –DSt­RE- 2005, 156[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung: vgl. Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ‑BVerfG- vom 09.07.1969 2 BvL 20/​65, BVerfGE 26, 302, BStBl II 1970, 156; BFH, Urtei­le vom 16.01.1973 – VIII R 96/​70, BFHE 108, 502, BStBl II 1973, 445; vom 02.05.2000 – IX R 74/​96, BFHE 192, 88, BStBl II 2000, 469, m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 25.04.2006 – XI ZR 193/​04, Samm­lung der Ent­schei­dun­gen des BGH in Zivil­sa­chen –BGHZ- 167, 252[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 23.03.1993 – IX R 67/​88, BFHE 171, 183, BStBl II 1993, 748; vom 26.02.2002 – IX R 20/​98, BFHE 198, 425, BStBl II 2002, 796; vom 27.07.2004 – IX R 44/​01, BFH/​NV 2005, 188; vom 19.12 2007 – IX R 50/​06, BFHE 220, 261, BStBl II 2008, 480; Lan­des­amt für Steu­ern Bay­ern, Ver­fü­gung vom 16.07.2008, S 2256.01.1 – 1/​3 St 32/​St 33, DB 2008, 2110; Weber-Grel­let, DB 2007, 2740; Jooß, DStR 2014, 6[↩]
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References: § 23
 § 23
 § 15
 § 23
 § 39
 § 23
 § 23
 § 23
 § 1
 § 2
 § 1
 § 2
 § 8
 § 346
 § 346
 BGH 
 § 252
 § 346
 § 249
 § 2
 BGH