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Kann man in Deutschland zu seiner Sexualität stehen?
9. Januar 2014 Team 173	Hinterlasse einen Kommentar
Das neue Jahr beginnt vielversprechend. Da outet sich mit Thomas Hitzlsperger der erste Profifußballer als schwul und durch Deutschland geht eine Welle der Toleranz. “Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen nur aus Angst vor Intoleranz” hieß es von Regierungssprecher Steffen Seibert. Keine Angst vor Intoleranz – das wäre schön. Wer den falschen Partner liebt, muss in Deutschland immer noch strafrechtliche Verfolgung befürchten. Es wäre schön, wenn den Worten des Regierungssprechers Taten folgen würden und tatsächlich niemand mehr Angst haben müsste, sich zu seiner Sexualität zu bekennen. Ist es nicht paradox, dass in einer Gesellschaft, in der die Homosexualität weitgehend akzeptiert ist, einvernehmliche Liebesbeziehungen zwischen Blutsverwandten immer noch tabuisiert und sogar strafrechtlich verfolgt werden? Wie kommt es, dass Menschen, die absolut kein Problem damit haben, dass ihr Arbeitskollege, ihr Chef oder ihr Bruder schwul ist, mit Abscheu reagieren, wenn sie erfahren, dass ein Paar in ihrem Umfeld aus Halbgeschwistern besteht? Was ist so besonders am Inzest, dass er immer noch tabuisiert wird, während die Homosexualität quasi schon im gesellschaftlichen Mainstream angekommen ist? Die Vermutung liegt nahe, dass dies mit der öffentlichen Wahrnehmung zusammen hängt. Inzestpaare werden öffentlich nicht wahr genommen, sie verstecken sich. Entweder verheimlichen sie ihre Liebesbeziehung oder sie verheimlichen den Umstand, dass sie Geschwister sind. Angesichts der drohenden Strafen durch § 173 StGB bleibt betroffenen Paaren auch nicht viel übrig. Das Schlagwort “Inzest” wird währenddessen von anderen Interessengruppen belegt. Auf der Webseite kinderqualen.de gibt es ein Kapitel über Inzest, in dem Inzest gleich im ersten Satz als “der sexuelle Missbrauch in der Familie” definiert wird. Fortan ist immer wieder von Inzest die Rede, aber nur im Zusammenhang von sexuellem Missbrauch in der Familie. Das sind die beiden Pole, zwischen denen sich Inzest in der öffentlichen Wahrnehmung bewegt: “Sexueller Missbrauch” und “in der Familie”. Im schlimmsten Fall handelt es sich um sexuellen Missbrauch, in weniger schlimmen Fällen immer noch um sexuelle Beziehungen innerhalb des vertrauten Familiengefüges, in dem sexuelle Kontakte tabu sind, weil sie Familie zerstören könnten.
Dass es inzestuöse Beziehungen gibt, die weder mit sexuellem Missbrauch, noch mit der Störung bestehender familiärer Strukturen etwas zu tun haben, ist ein Umstand, der in der öffentlichen Wahrnehmung offensichtlich noch nicht angekommen ist. Aber genau das ist in allen Berichten, die wir von Betroffenen kennen, immer wieder der Fall: Das Idealbild der “heilen Familie” war schon vorher gestört, darum kam es überhaupt erst dazu, dass die Betroffenen getrennt voneinander aufgewachsen sind und sich erst im Erwachsenenalter kennen gelernt haben.
Natürlich kann eine Inzestbeziehung, selbst wenn sie eine Familie nicht strukturell bedroht, ein Familiengefüge allein durch ihren skandalösen Charakter beeinträchtigen. Das setzt aber voraus, dass das Familiengefüge auf Vorstellungen beruht, die ohnehin durch unkonventionelle sexuelle Beziehungen beeinträchtigt wären. Ursache für so eine Störung könnte dann auch die homosexuelle Beziehungen eines Familienmitglieds sein. Ein derart konservatives Familienbild kann heute nicht mehr das Maß aller Dinge sein. In solchen Familien werden sicherlich auch schwule Fußballspieler als Skandal empfunden. Also: Mißbrauch liegt nicht vor, jedenfalls nicht bei den Inzestpaaren, um die es hier geht. Familien wurden auch nicht zerstört. Was bleibt, sind einvernehmliche Liebesbeziehungen zwischen Menschen, denen man nicht erlaubt, selber zu entscheiden, mit wem sie ihr Leben verbringen möchten. So gesehen ist Inzest (die Form von Inzest, um die es hier geht) durchaus mit Homosexualität vergleichbar. Allerdings gibt es auch Unterschiede, die vor allem uns Betroffene vor große Herausforderungen stellen. Einvernehmliche Inzestbeziehungen sind weitaus seltener als Homosexualität. Wir Betroffenen stellen eine verschwindend kleine Minderheit dar. Aber wird sind als Gruppe nicht nur zu klein, um eine gesellschaftlich relevante Interessengruppe, Subkultur oder Lobby zu bilden, uns fehlt auch das identitätsstiftende Element. Viele Lesben und Schwule sehen ihre Homosexualität nicht nur als sexuelle Veranlagung, sondern als Teil ihrer persönlichen Identität und ihres kulturellen Selbstbewusstseins. Dieses selbstbewusste Auftreten hat auch dazu geführt, dass die öffentliche Wahrnehmung von Homosexualität sich geändert hat. Wenn man heute hört, dass jemand schwul ist, denkt man nicht mehr sofort daran, dass der als Mann Sex mit einem Mann hat, um dann als Heterosexueller die eigene Abscheu vor homosexuellen Handlungen auf diesen Menschen zu projizieren. Das Kino im Kopf spielt nicht mehr den Film “Stell Dir vor, du müsstest mit einem Mann Sex haben”, sondern eher “Ein Käfig voller Narren”, “Philadelphia”, “Brokeback Mountain” oder “Milk”. Oder man denkt daran, wie man auf der letzten Party zu YMCA oder Tainted Love getanzt hat.
Davon sind wir Inzestpaare weit entfernt.
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Klare Frage, klare Antwort: Wir wissen es nicht. Eine offizielle Statistik über einvernehmliche Inzestpaare gibt es nicht – und die wird es auch nicht geben, solange diese einvernehmlichen Beziehungen durch das Strafrecht bedroht sind.
Was versteht der Gesetzgeber unter Inzest?
Viele Suchanfragen auf unserer Seite betreffen die Frage, was als Inzest gilt und was nicht. Dieser Beitrag sollte alle Fragen klären. Ach was?Aktuelles	Artikel in Süddeutsche Zeitung
Tabuthema Inzest: Verbotene Liebe In der Süddeutschen Zeitung ist ein Bericht von Betroffenen unserer Gruppe erschienen. Online ist der Artikel hier verfügbar. Viel Spaß beim Lesen!
Aktuelle Berichte von UNS in der Presse
Hier reden wir … Einige von uns haben sich den zahlreichen Presseanfragen gestellt und es sind bis jetzt folgende Berichte entstanden. Augsburger Allgemeine – Das sagt eine Betroffene über die Liebe zu ihrem Halbbruder WAZ – Verbotene Liebe Stern – Eine skandalöse Liebe Weitere Berichte sind in Arbeit …
Weihbischof Losinger für die Beibehaltung von §173 StGB
In der Augsburger Allgemeine erschien am 26.09.14 ein Artikel, mit einem Zitat vom Weihbischof Anton Losinger, der seit 2008 Mitglied des Deutschen Ethikrates ist. “Die Empfehlung entspricht dem Rechtbewusstsein der Gesellschaft nicht” Der Argumentation des Weihbischhofes Losinger stehen zahlreiche Gegenbeispiele der Kirche entgegen. Zum Beispiel das des Limburger Bischofes, der sich eine Residenz im Wert […]
173 Gründe gegen §173 StGB	Inhalt
§ 173 StGB im Wortlaut
1. § 173 StGB hat kein konkretisierbares Schutzgut
2. § 173 StGB bestraft eine Tat ohne Opfer
3. § 173 StGB schützt nicht vor sexuellem Missbrauch
4. § 173 StGB bestraft nur den vaginalen Geschlechtsverkehr
5. § 173 StGB verhindert keine sexuellen Übergriffe zwischen minderjährigen Geschwistern
6. § 173 StGB schützt nicht, was er vorgibt zu schützen
7. § 173 StGB verbietet ein falsch verstandenes Tabu
8. § 173 StGB tabuisiert ein falsch verstandenes Verbot
Weitere Beiträge…	Aktuelle Berichte von UNS in der Presse
Reaktionen der Presse auf die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates
Nachdem der Deutsche Ethikrat am 24.09.14 seine Stellungnahme zum § 173 StGB bekannt gab und sich darin die Mehrheit der Ethikrat-Mitglieder bezogen auf den Geschwisterinzest für eine Revision des § 173 StGB aussprach, reagiert die Presse mit einer Vielzahl von Anfragen an die Betroffenen sowie mit eigenen Veröffentlichungen. Auszug der online veröffentlichten Beiträge: 24.09.14 Augsburger […]
Ein Lichtblick von Christiane Woopen
Prof. Dr. med. Christiane Woopen, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, formuliert nach der Veröffentlichung der Stellungnahme folgenden Lichtblick: „Ich habe die Hoffnung, dass so etwas Wunderschönes und Wertvolles wie die aufrichtige Liebe zwischen zwei Menschen, die keinen anderen Menschen tiefgreifend schädigt, in unserer Gesellschaft lebbar sein möge.“
Ethikrat veröffentlicht Stellungnahme zum Inzestverbot
Ethikrat empfiehlt mehrheitlich eine Revision des § 173 StGB zum einvernehmlichen Geschwisterinzest PRESSEMITTEILUNG 08/2014 Berlin, den 24. September 2014 In seiner heute veröffentlichten Stellungnahme zum Thema Inzestverbot plädiert die Mehrheit der Mitglieder des Deutschen Ethikrates dafür, den einvernehmlichen Beischlaf unter erwachsenen Geschwistern zukünftig nicht mehr unter Strafe zu stellen. Zum vollständigen Text der Pressemitteilung Vollständiger […]
Geschwisterpaare gegen das Inzestverbot
173 Gründe gegen § 173 StGB
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Elisabeth Winkelmeier-Becker zur Stellungnahme des Ethikrates:
Ethikrat kündigt Veröffentlichung der Stellungnahme zum Inzestverbot an
Facebook erlaubt Inzest-Zielgruppe – futurezone.at
Dramatische Enthüllung in Brasilien: Paar erfährt live, dass sie Bruder und Schwester sind – Aus aller Welt – FOCUS Online Mobile – Nachrichten
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