Source: https://deutscheaerztegewerkschaft.de/
Timestamp: 2019-01-16 17:58:25+00:00

Document:
Interessengemeinschaft Medizin
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Bitte helfen Sie uns indem Sie die Petition "Offener Brief an Bundesgesundheitsminister Spahn" auf der Plattform Change.org unterzeichnen!
Deutsche Gewerkschaft(in Gründung) für selbstständige Ärzte/Zahnärzte
Wir, das sind im gesamten Bundesgebiet Deutschlands niedergelassene Ärzte aller Fachrichtungen, die sich zusammengefunden haben, um den gefährlichen Entwicklungen im Gesundheitssystem der letzten Jahre Einhalt zu gebieten und würdige Bedingungen für unsere Arbeit zu erkämpfen.
Sämtliche Körperschaften, Standesvertretungen und Berufsverbände haben lange tatenlos zugesehen, wie sich die Rahmenbedingungen unserer ärztlichen Tätigkeit bis ins Unerträgliche verschlechtert haben. Damit muss endlich Schluß sein - wir nehmen das Zepter selbst in die Hand!
Durch unzählige gesetzgeberische Aktivitäten wurde die Tätigkeit der vertragsärztlichen Gesundheitsberufe in den letzten Jahrzehnten immer stringenteren und unerträglicheren Reglementierungen, Kontrollen, Wirtschaftlichkeitsvorgaben und Honorareinbußen unterworfen. Durch derartige gesundheitspolitische Zielsetzungen und Vorstellungen, die auch von der neuen Bundesregierung verfolgt werden, wird man dem drohenden Mangel an Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten und medizinischen Pflegeberufen in den ländlichen Regionen unseres Landes nicht wirksam begegnen können.
Mit der bereits am 21.4. 2017 veröffentlichten „Hamburger Erklärung“ stellen die Vertragsärzte und -zahnärzte fest, dass „der ungeschriebene Gesellschaftsvertrag zwischen den freien medizinischen Berufen und dem deutschen Staat durch diese einseitigen, inakzeptablen Maßnahmen seitens der Regierenden aufgekündigt wurde. Dieser fatalen Entwicklung in Richtung einer ideologisch gesteuerten Staatsmedizin muss umgehend Einhalt geboten werden.“ Wir fühlen uns als Ärzte unter den derzeit herrschenden Arbeitsbedingungen, die nur noch aus Zwängen und Strafandrohungen bestehen, nicht mehr verpflichtet, den Gesellschaftsvertrag zu erfüllen.
Mittlerweile befinden sich die Ärzte durch widersprüchliche Gesetzgebung in einer historisch einmaligen Zwickmühle: die Ärzte sehen sich genötigt, wenn sie das E-Health-Gesetz befolgen (Telematik-Infrastruktur-Zwangs-Anbindung), gegen die eigene Berufsordnung , gegen den § 203 Strafgesetzbuch ( Datenschutz) und gegen die EU- Datenschutz-Grundverordnung verstoßen zu müssen. Damit hat der Staat die Schraube endgültig überdreht. Nach fest kommt ab!
Die bestehenden Zwangs-Körperschaften (KV und Landesärztekammern) eignen sich nicht mehr als Interessensgruppierungen für Ärzte - sie sind längst der verlängerte Arm der Politik - auch die Berufsverbände marschieren nicht selten im Gleichschritt und vertreten Ihre Mitglieder nicht gebührend und mit der nötigen Vehemenz. Häufig bekleiden die Vorsitzenden der Berufsverbände in Personalunion auch gleichzeitig ein Vorstandsamt in den Körperschaften. Im aktuellen SGB V findet sich keine einzige Textstelle zum Thema Interessenvertretung für Ärzte. Die Körperschaften sind mehr und mehr durch die geradezu ärztefeindlichen Gesetzgebungsverfahren, beginnend schon mit dem Nazi-Regime, zu vorwiegend staatsähnlichen Regulierungsbehörden verkommen , deren Funktionäre , obwohl von den Zwangsmitgliedern bezahlt, nur noch dem Gesetzgeber gegenüber in der Pflicht stehen, die staatlichen Vorgaben gegenüber den eigenen Mitgliedern zu exekutieren.
Dieser für uns Ärzte, unser Personal und auch für unsere Patienten gleichermaßen unzumutbaren Abwärtsspirale wird die Gründung einer echten freien und unabhängigen Interessenvertretung entgegen wirken, die sich über alle Fachgruppen der Medizin hinaus als „Interessensgemeinschaft Medizin“ für die Wiederherstellung der Grundrechte von Ärzten und Zahnärzten einsetzen, sowie sich der Entwicklung hin zu einer reinen Staatsmedizin widersetzen wird. Letztendlich wird das auch den Patienten und den sonstigen Heilberufen zum Vorteil gereichen.
Wir sind uns sicher, dass aus dieser Sammlungsbewegung eine „Gewerkschaft für niedergelassene Ärzte“ entstehen muss, die auf den Spuren Hermann Hartmanns neue Grundlagen und Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit mit den Regierenden direkt aushandeln wird, wenn die Behandlung durch freie, selbständige Ärzte im Sinn der Freiberuflichkeit und zum Schutz eines freien Arzt-Patienten-Verhältnisses erhalten bleiben soll. Dazu gehört auch die Entwicklung eines zeitgemässen Honorar-Systems im Sinne einer Weiterentwicklung der GOÄ ohne Einflussnahme durch den Staat oder private Versicherungs-Unternehmen. Das Sachleistungssystem des EBM mit floatenden Punktwerten anstatt angemessenen und an die allgemeine Inflationsrate angeglichenen Geldwerten ist bei dieser Weiterentwicklung eher hinderlich.
Der Sicherstellungsauftrag ist eine Fußfessel für die Vertragsärzte. Der durch uns Ärzte selbst über die Verwaltungsumlage zwangsfinanzierte kassenärztliche Bereitschaftsdienst, sowie die hier unentgeldliche Bereitstellung unserer Expertise mit Dumpingvergütung eines Notfalls sind unsägliche Angriffe auf unsere Freiberuflichkeit und erinnern an Sklavenarbeit. Sklavenarbeit ist jedoch weltweit geächtet und widerspricht dem deutschen Grundgesetz , aber für Kassenärzte in Deutschland ist das Grundgesetz ohne jede Entschädigung rechtswidrig außer Kraft gesetzt worden, weil das Sozialrecht als höherrangig gilt. Mit diesem Umstand werden wir uns nicht abfinden. Wir akzeptieren nicht vom Staat als Ärzte wie Bürger 2. Klasse behandelt zu werden. Wir kämpfen für die Wiederherstellung der bürgerlichen Rechte der niedergelassenen Ärzte. Sozialrecht darf nicht höherrangig sein als jedes Grundrecht.
Interessengemeinschaft Medizin:
Für freie Praxen und gute Medizin.
Gegen Budgets, gegen Zwangsmaßnahmen aller Art, gegen alle Arten von Strafandrohungen (Regresse) bei fachlich korrekter Berufsausübung.
Unsere ersten wichtigen Ziele sind:
Gute, unbürokratische Rahmenbedingungen für die freiberufliche ärztliche Tätigkeit
Ersatz oder Novellierung des SGB V im Sinne einer Wiederherstellung der Bürgerrechte für alle Medizinberufe
Eintragung der IG-Med als e.V. am 5.12.18 vollzogen
Nur gemeinsam können wir was bewegen - werden Sie Mitglied der Interessengemeinschaft Medizin!
Aktuelle Informationen und Aktionen der IG-Med
Endlich - Eintragung als e.V. vollzogen!
Die IG-Med ist nun seit 5.12.2018 ein eingetragener Verein.
Nachdem unser Antrag auf schon seit längerer Zeit dem Vereinsregister vorlag, hat es Anfang Dezember endlich geklappt. Seit 5. Dezember ist die IG-Med ein eingetragener Verein.
Welche Umstände zu dieser Verzögerung geführt haben, bleibt weiterhin unklar. Aber wir schauen nicht zurück sondern nach vorn, denn es gibt viel zu tun. Packen wirs an!
Offener Brief der IG-Med an Gesundheitsminister Jens Spahn
nie war es leichter als zur Zeit mit zivilem Ungehorsam noch eine Änderung der geplanten gesundheitspolitischen Katastrophen zu verhindern. Wir müssen nur einmal ganz konsequent „NICHTS TUN!“
Soziale Gerechtigkeit gibt es nur, wenn Solidarität und Eigenverantwortung im Gleichgewicht sind
von Dr. Detlev Werner
Das solidarische Gesundheitssystem verschlingt Unsummen – Tendenz steigend. Die Politik schafft nie den Spagat zwischen sozialer Gerechtigkeit und finanzieller Nachhaltigkeit, weil die Politik seit Jahrzehnten...
Erste Reaktion von Ärztekammern
30.6.2018, die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern hat als eine der ersten überhaupt auf unser Anschreiben reagiert. Die Antwort ist ernüchternd und denkwürdig zugleich.
IG Med prüft Beschwerde beim deutschen Presserat
Neutrale Berichterstattung? Das war wohl nix, liebes ZDF! Die Interessengemeinschaft Medizin kritisiert einseitige, ungenügend recherchierte „Dokumentation“ (vom 18.6.2018 - ZDF - "Patienten im Visier - Ärzte zocken ab") über angebliche ärztliche Abzockerei. „Wir prüfen derzeit eine Beschwerde beim Presserat“...
Der Gesellschaftsvertrag besagt, dass die Ärzte ihre Verpflichtung zur Versorgung der Bevölkerung auf einer ethisch hochstehenden und fachlich hochqualifizierten Basis erfüllen müssen. Im Gegenzug dafür können die Ärzte die Fürsorgepflicht des Staates in Anspruch nehmen. Dieser Vertrag ist einseitig von der Politik aufgekündigt und missbraucht worden. Die Deutsche Ärztegewerkschaft tritt deshalb an, diesen bislang ungeschriebenen Gesellschaftsvertrag zu formulieren und dessen Inhalte gegenüber Staat und Gesellschaft vehement einzufordern
Vortrag zum "Neubauer-Gutachten" (von C.Nunhofer)
"Das vom Gesundheitsökonomen Professor Günter Neubauer, Institut für Gesundheitsökonomik, München, im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern erstellte und in Ärztekreisen nach ihm benannte Gutachten hatte 2015 ergeben, dass die folgenden Facharztgruppen im Durchschnitt ihre Kassenarztpraxen defizitär betreiben:
Neutrale Berichterstattung? Das war wohl nix, liebes ZDF!
Die Interessengemeinschaft Medizin kritisiert einseitige, ungenügend recherchierte „Dokumentation“ über angebliche ärztliche Abzockerei (vom 18.6.2018 - ZDF - "Patienten im Visier - Ärzte zocken ab").
„Wir prüfen derzeit eine Beschwerde beim Presserat“, so Dr. Steffen Grüner, 1. stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Medizin (i.G.).
Am 18.06.2018 lief zur besten Vorabendstunde ein Lehrstück darüber, wie sich inzwischen seriöser Journalismus zu einer sensationsgesteuerten „Meinungsmaschinerie“ gewandelt hat.
In der ZDF-Dokumentation „Patient im Visier - Ärzte zocken ab“ wurde in einer tendenziösen Aneinanderreihung von schlecht recherchierten Behauptungen aus dem Mund sehr einseitig ausgewählter „Meinungsführer“ einmal mehr die ärztliche Arbeit in unerträglicher Weise diffamiert.
„Von einem seriösen Journalismus erwarte ich, dass Behauptungen mit entsprechenden Zahlen und Statistiken untermauert werden,“ erklärt Dr. Ilka Enger, Vorsitzende der IG Med i.G. „Wenn ein Staatsanwalt wie Herr Bradle oder die Chefermittlerin der KKH bezüglich Ermittlungsverfahren gegen Ärzte wegen Betrugs und Korruption zitiert werden, so wäre zur Einordnung der Größenordnung dieses Problems für den Zuschauer eine Statistik zu den Fallzahlen wünschenswert und sinnvoll gewesen.“ Ohne eine solche Einordnung in den Kontext blieben die Aussagen der Sendung reißerisch und seien dazu angetan, die Ärzteschaft insgesamt zu diskreditieren und das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nachhaltig zu beeinträchtigen.
„Wer sich ein bisschen gesundheitspolitisch auskennt, weiß, dass die Äußerungen des Kollegen Wodarg zu Anwendungsbeobachtungen und deren Bezahlung durch Pharmafirmen inzwischen streng kontrolliert sind und längst der Vergangenheit angehören,“ führt Bernhard Salomon, Schatzmeister der IG Med aus. „Die Sendung erweckte aber den Eindruck, dass es sich hier um ein aktuelles Beispiel handelt.“
Man habe von Seiten der Redaktion anscheinend auch gezielt Ärztekritiker, um nicht zu sagen Ärztehasser, für die Berichterstattung ausgewählt und damit die Berichterstattung sehr einseitig gefärbt. „Auch die Reihung der verschiedenen Themenfelder zeigt, dass man eine vorgefertigte Meinung darstellen wollte und nicht neutral berichtet hat,“ sagt Enger. „Wenn nach fragwürdigen Werbeprospekten aus der Regenbogenpresse, bei denen Fotomodells in Arztverkleidung medizinisch unsinnige Produkte anbieten, auf das Angebot von Selbstzahlerleistungen gewechselt wird, die sehr wohl medizinisch indiziert, aber nicht von den Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse gedeckt sind, so ist dies kein Paradebeispiel für eine neutrale Berichterstattung, die die Bevölkerung informieren soll.“
Die Interessengemeinschaft Medizin sieht in diesem Berichte eine Verletzung des Pressekodex. „Wir prüfen deshalb derzeit eine Beschwerde beim deutschen Presserat, um eine Richtigstellung der fragwürdigen Inhalte, eine saubere Hintergrundrecherche und eine wirklich seriöse Berichterstattung zu diesem Thema zu erwirken“, erklärt Dr. Rolf Mahlke, Pressesprecher der IG Med i.G.
Die Ärzteschaft unter der staatlichen Bürde des Gemeinwohls
Der Berufsstand der Ärzte wurde und wird offensichtlich als derart gesellschaftsrelevant angesehen, dass er dem „Gemeinwohl“ unterstellt sein muss. Dies ist im Heilberufsgesetz verankert. Ärzte durften und müssen in der Selbstverwaltung Kammern bilden, die unter anderem die körperschaftliche Aufgabe haben, den Nutzen der Ärzteschaft für das Gemeinwohl zu überwachen und durchzusetzen. Mit der Unterstellung unter das Gemeinwohl sind für die Ärzte zahlreiche Einschränkungen und Pflichten verbunden, welche allein durch die Zugehörigkeit zum Arztberuf entstehen. Zu nennen sind hier beispielhaft:
Einschränkungen, mit gesetzlich und auch privat versicherten Patienten nach dem BGB freie Behandlungsverträge abzuschließen,
Verpflichtende Abrechnung nach GOÄ bzw. EBM (im GKV- Bereich),
Zwangsmitgliedschaft in Kammern (als „Körperschaft des öffentlichen Rechtes“ (KdöR) unter rechtlicher Aufsicht und Weisungsbefugnis der Regierung) und Unterstellung der Kammeraufsicht mit einer gesonderten Berufsgerichtsbarkeit,
Bei Teilnahme an der GKV- Versorgung Zwangsmitgliedschaft in einer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) (als „Körperschaft des öffentlichenRechtes“ (KdöR) unter Aufsicht und Weisungsbefugnis der Regierung), hierbei Unterstellung unter die Sozialgesetzgebung und Verpflichtung der Umsetzung aller gesetzlicher Vorgaben (auch wenn diese zu Beginn der Tätigkeit als „Vertragsarzt“ nicht absehbar waren und zwar unabhängig von einer Refinanzierung)
Streikverbot bei Teilnahme an der Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung,
Verpflichtung, sämtliche ärztliche Tätigkeiten immer auf der Basis des aktuellen Standes der Wissenschaft durchzuführen. Es gilt eine gesetzlich festgeschriebene Fortbildungspflicht unter Androhung von empfindlichen Strafen bis hin zum Zulassungsentzug.
Zwangsverpflichtung zu Not- und Bereitschaftsdiensten sowie
Zahlreiche weitere Einschränkungen und Verpflichtungen laut Heilberufsgesetz, Berufsordnung und SGB V.
Diese den Ärzten unter der Maxime des Gemeinwohls auferlegten Einschränkungen der Bürgerrechte und zusätzlichen Pflichten entsprechen gemäß §14 des Grundgesetzes (GG) einer Enteignung, welcher nach §14 GG zwingend eine Entschädigung gegenüberstehen muss. Eine solche Entschädigung wurde jedoch bislang von den ärztlichen Standesorganisationen weder eingefordert, noch hat der Gesetzgeber diese in irgendeiner Form von sich aus eingeräumt. Vielmehr wurde in den letzten Jahren auch in Gerichtsurteilen das höhere Gut des Gemeinwohls immer wieder dazu instrumentalisiert, den Ärzten immer mehr Rechte abzusprechen, die Honorare zu drücken und die Rahmenbedingungen für selbständige ärztliche Tätigkeit zu verschärfen.
Während zu früheren Zeiten die Honorare der (Zahn-) Ärzteschaft ausreichten, um einen für den Berufsstand angemessenen Lebensstil und eine adäquate Altersvorsorge aufbauen zu können, wurden nachfolgend den freiberuflichen Ärzten immer mehr Verpflichtungen auferlegt bei steigenden Kosten und rückläufigen Honoraren ohne Inflationsausgleich. Von einer „angemessenen“ Honorierung (sog. Ehrensold) ärztlicher Tätigkeit kann nicht mehr die Rede sein. Ein untrügliches Indiz dafür ist die Tatsache, dass es kaum noch Ärzte gibt, die bereit sind, sich unter diesen Bedingungen niederzulassen, so dass angesichts der Honorarentwicklung und der fehlenden Planungssicherheit ein Ärztemangel in nahezu allen Bereichen droht oder bereits spürbar ist.
Die gesetzliche Unterstellung der Ärzteschaft unter das „Gemeinwohl“ führt somit zu einer besonderen Fürsorgepflicht seitens des Staates.
Der Staat hat dabei den Ärzten als Bürgern gegenüber die Verpflichtung, deren Freiheitsrechte zu wahren und den Ermessensspielraum nicht zunehmend rechtswidrig auszuweiten.
„Unter dem Gemeinwohl stehend“ darf für die Ärzteschaft nicht länger bedeuten, sich immer weiter am ethischen Nasenring durch die Arena ziehen zu lassen, sondern dass der Staat den Ärzten für die mit der Enteignung von deren Bürgerrechten verbundenen Einschränkungen gemäß Grundgesetz eine Entschädigung schuldet.
Wir sehen daher die Notwendigkeit, abseits der Körperschaften eine Interessensvertretung der Ärzte, Zahnärzte und weiterer betroffener heilberuflich tätigen Berufsgruppen zu gründen. Diese Interessensvertretung fordert die Fürsorgepflicht des Staates gegenüber den Ärzten ein. Sie wird alles dafür tun, die Freiheitsrechte der Ärzteschaft soweit irgend möglich wieder herzustellen. Sie wird dort Entschädigung für Beschneidung der Bürgerrechte einfordern, wo die Unterstellung der Ärzte unter das Gemeinwohl für unsere Berufsausübung im Sinne der Patienten unerlässlich ist.
Hierfür werden wir den bislang ungeschriebenen Vertrag zwischen Ärzten und Gesellschaft, bzw. deren politischer Repräsentanz in Staat und Regierung definieren und seine zukünftige Einhaltung in Hinsicht auf finanzielle Ausstattung und die Rahmenbedingungen unserer Arbeit einfordern. Nur so können auch für nachkommende Ärztegenerationen eine angemessene Honorierung und eine verbindliche Planungssicherheit entstehen.
Vortrag zum "Neubauer Gutachten" von C.Nunhofer
Ig Med: Arbeitsgruppe Neubauer-Gutachten
Das vom Gesundheitsökonomen Professor Günter Neubauer, Institut für Gesundheitsökonomik, München, im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern erstellte und in Ärztekreisen nach ihm benannte Gutachten hatte 2015 ergeben, dass die folgenden Facharztgruppen im Durchschnitt ihre Kassenarztpraxen defizitär betreiben: Gynäkologen, Orthopäden, Urologen, Dermatologen, Augenärzte, HNO-Ärzte, kurz als Gruppe der GOUDAH-Ärzte zusammengefasst.
„Im Durchschnitt“ heißt auf den ersten Blick: Mindestens jede zweite Praxis der genannten Fachdisziplinen hat mehr Kosten als Einnahmen aus dem „Kassenarztgeschäft“. Wer meint, defizitäres Arbeiten sei der ärztlichen Ethik geschuldet, verkennt, dass sich Arztpraxen in einem wirtschaftlichen Umfeld bewähren müssen. Das Wirtschaftlichkeitsgebot ist nicht nur im SGB V den Krankenkassen vorgeschrieben, sondern für das finanzielle Überleben selbständiger Ärzte existenziell – so wie wirtschaftliches Denken und Handeln für jeden anderen Selbständigen auch. Die vordergründige Schlussfolgerung, die sich aus dem Neubauer-Gutachten ergibt, lautet: Jede zweite Praxis aus der Gruppe der GOUDAH-Ärzte würde ihre finanzielle Lage deutlich verbessern, wenn sie ihre Kassenzulassung zurückgeben würde und sich somit eines Defizitgeschäfts entledigen würde. Mehr Freizeit und weniger Verantwortung für weniger Umsatz, allerdings mehr Gewinn vor Steuern in der Bilanz.
Zu berücksichtigen freilich sind statistische Effekte wie „schiefe Verteilungen“: die Annahme, dass jede zweite Praxis defizitär arbeitet, würde nur zutreffen, wenn sich innerhalb der einzelnen Arztgruppen die Gewinne vor Steuern im Sinne einer symmetrischen Gaußschen Glockenkurve darstellen lassen würden. Das allerdings trifft nicht zu: die Glocke hat eine Schlagseite, was die Sache verkompliziert. Die interessante Frage, die sich stellt, lautet: Warum haben nach dem Neubauer-Gutachten nicht sofort GOUDAH-Kollegen en masse ihre Kassenzulassung zurückgegeben? Darauf gibt es an sich nur eine vernünftige Antwort: Den betroffenen Kollegen ist ob der komplizierten Praxisbilanzen und dem Nebeneinander verschiedener Einnahmen (Kassenpatienten, Privatpatienten, gesetzliche Unfallversicherung, Gutachten etc.) nicht klar, ob sie zu den betroffenen „GKV-Defizitarbeitern“ gehören oder nicht.
Ziel der IgMed ist, den Kolleginnen und Kollegen in der IgMed definitiv Transparenz darüber zu verschaffen, ob es sich individuell lohnt, im GKV-System zu verbleiben oder die Kassenzulassung zurückzugeben. Dazu kann folgendes beitragen:
a) eine anonymisierte umfangreiche Sammlung von Praxisbilanzen aller Fachrichtungen, die fortlaufend aktualisiert wird. Es geht also um eine fortlaufend aktualisiere Datenbasis, die ungeschönt ist, in Konkurrenz zum ZIPP-Panel.
b) eine gezielte individuelle Beratung über die wirtschaftliche Situation der konkreten Praxis anhand der Vergleichsdaten aus den anonymisierten Praxisbilanzen.
Diese Aufgabe wird nur ein starker Verband mit kompetenten Wirtschaftswissenschaftlern leisten können, und dies setzt eine solide Finanzkraft mit einer professionellen Verbandsleitung voraus. Wie Finanzmittel zu generieren sind, lässt sich am Beispiel des „bffk“ studieren. Die Realisierung des Ziels „Befreiung GKV-unrentabler Praxen aus dem Kassenarztsystem“ braucht demnach Werbung für Mitglieder und für Geldspenden speziell zur Umsetzung dieses Ziels.
Jedenfalls ist es an der Zeit, das bisherige Lamento der etablierten Berufsverbände über die Ergebnisse des Neubauer-Gutachtens um konkrete Handlungsoptionen für die wirtschaftlich betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu ergänzen – für jene Kolleginnen und Kollegen also, die unter den Bedingungen des SGB V ins Kassenarztsystem nicht nur Arbeit, sondern unter dem Strich auch noch Geld investieren und es in aller Regel nicht einmal bemerken.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich am Schluss noch einen Blick über den Tellerrand des Neubauer-Gutachtens hinaus werfen und den Finger in die Wunde einer in vieler Hinsicht degenerierten Gesellschaft legen, in der es selbstverständlich ist, Millionenbeträge für Fußballertransfers zu entrichten, ebensolche Beträge für Vorstandsgehälter – aber auch Ärzte defizitär arbeiten zu lassen oder ihnen nach 22 Jahren die Gebührenordnung immer noch nicht anzupassen. Nein, das hat nichts mit einer Sozialneiddebatte zu tun, sondern mit der Missachtung eines Grundwerts jeder intakten Gesellschaft, nämlich des Werts der Verantwortung. Der freie Markt, der Fußballspielern für ihre verantwortungsfreie Tätigkeit und Spitzenmanagern als leitenden Angestellten – und nichts anderes sind sie - für ihren realiter verhältnismäßig verantwortungsarmen Job dergleichen Einkünfte beschert, tritt all diejenigen mit Füßen, die wirkliche Verantwortung tragen, und das sind die Menschen, die im sozialen Bereich arbeiten. Opfer dieser Entwicklung sind nicht nur – wie in der öffentlichen Wahrnehmung – die Pflegeberufe, sondern unter anderem auch wir selbständigen Ärzte. Es ist an der Zeit, aufzubegehren, und dem seit langem von der Politik praktizierten „divide et impera“ der Ärzteschaft gegenüber ein Ende zu bereiten!
Pressemeldung der IG-Med zur Telematikinfrastrutkur
Der Sündenfall TI
Mit der gesetzlich erzwungenen Anbindung der deutschen Arztpraxen an die Telematik-Infrastruktur steht ein Prestige-Projekt der deutschen Politik - in trauter Einigkeit mit der IT-Lobby - unmittelbar vor der Vollendung, welches nicht nur immense Kosten und unkalkulierbare Risiken für die niedergelassenen Kassenärzte verursacht, sondern auch die intimsten Krankheits-Daten von Millionen gesetzlich Versicherter durch die geplante Datenspeicherung auf zentralen Servern der Willkür von datenhungrigen Unternehmen aussetzt, die gierig ihre Fühler nach dem Gold der Zukunft ausstrecken, denn Daten bedeuten letztlich Macht und Wertschöpfung.Die IT-Spezialisten von Arvato Systems, einer Tochter des Bertelsmann Konzerns, wissen zum Beispiel sehr genau, wie der Einstieg in neue datenbasierte Geschäftsmodelle gelingt, und werben damit sogar öffentlich im Internet.
Dabei gibt es keinerlei Folgen- oder Risiko-Abschätzung, keine Kosten-Nutzen-Analyse, ja, nicht einmal eine einfachste Kostenkalkulation, dagegen massenhaft Gefälligkeitsgutachten, Wishful Thinking, Schwindeleien und gesetzliche Zwangs-Maßnahmen mit Androhung von Strafzahlungen bei Verweigerung. Ein System, das nur mit Zwang funktioniert, scheint wohl nicht besonders erfolgreich zu sein.
Eine zutiefst unseriöse, eher dem Verhalten von Suchtkranken vergleichbare Grundhaltung, treibt weitgehend ahnungslose „Entscheider“ immer weiter in den vor vielen Jahren eingeschlagenen, aber technologisch mittlerweile längst überholten Weg der Telematik. Die Sicherheit der Daten kann im Internet niemals garantiert werden, wie die vielen Daten-Leaks in jüngster Vergangenheit eindeutig beweisen, zuletzt wurde im Januar 2018 die IT-Infrastruktur des Gesundheitssystems in Norwegen attackiert und gehackt.
Selbst die streng geheime und hochsichere Datenbank des Bundesverteidigungsministeriums konnte dem gezielten Hackerangriff (- von Spezial-Computern) nicht standhalten.
Dabei sind die Krankheitsdaten mindestens genauso interessant und lukrativ.
Im Augenblick werden von einem einzigen Monopolisten TI-Komponenten zu deutlich überhöhten Preisen angeboten in Ermangelung des seit Monaten versprochenen preisregulierenden „Marktes“. Die vor langer Zeit von den halbstaatlichen Körperschaften unter falschen Vorgaben und Annahmen ausgehandelten Kostenerstattungen sind nicht mehr up to Date und es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Anwender auf einem großen Teil ihrer Kosten und Folgekosten sitzen bleiben werden, sofern sie die Lockangebote der IT-Industrie annehmen.
Derzeit sind die sensiblen gesundheitlichen Geheimnisse unserer Patienten noch durch die dezentrale Verwahrung am Ort ihrer professionellen Erhebung, in unseren Praxen wirksam und kostengünstig geschützt. So sollte es auch bleiben. Die Geister, die man beim „größten gesundheitsbezogenen IT-Projekt der Welt, der Menschheit, ja der Geschichte" gerade heraufbeschwört, wird wohl Niemand so leicht wieder los werden. Die diesbezüglichen Äußerungen des neuen Bundesgesundheitsministers Spahn sind dann eher eine tragische Lektion darüber, wie unbelehrbar und selbstbezogen Regierungshandeln heutzutage betrieben werden kann, ohne einen massiven gesellschaftlichen Widerspruch auszulösen.
Wo aber Recht zu Unrecht wird, verehrte Kollegen und Kolleginnen, wird Widerstand zur Pflicht. Wir befinden uns in einer ähnlichen desolaten Situation unserer auf’s Äußerste gefährdeten Interessen, wie damals anno 1900 als Hermann Hartmann zum Zusammenschluss der Ärzte aufgerufen hat und seinen „Leipziger Verein“ gründete. Gleichzeitig ist auch der Datenschutz unserer Patienten auf’s Äußerste gefährdet. Und wir sind als Ärzte diesem Datenschutz von alters her verpflichtet. Es ist schließlich das ältere Recht. Die am 25.Mai 2018 in Kraft tretende EU-Datenschutzverordnung zwingt uns nun zusätzlich unter Androhung existenzbedrohender Strafen maximale Anforderungen an Datenverarbeitung, Datenschutz und Patientenaufklärung zu erfüllen.
Gleichzeitig werden wir aber per Bundesgesetz gezwungen die Daten unserer Patienten ins unsichere Internet zu stellen und jegliche Kontrolle über die Daten abzugeben. Wir sitzen damit zwischen den Stühlen und müssen uns nun entscheiden, gegen welches der sich widersprechenden Gesetze wir verstoßen wollen. Abgesehen davon, dass uns der Staat hier zu einer Straftat anzustiften versucht, sind wir ja auch noch zivilrechtlich unseren Patienten zu Schadenersatz verpflichtet, sofern es zu wirtschaftlichen Nachteilen kommt durch das kriminelle Ausforschen und missbräuchliche Verwenden von Daten. Auch hier wird uns die Härte des Gesetzes völlig schutzlos treffen. Was also können wir tun, um uns nicht willenlos zum Komplizen einer völlig verfehlten Politik zu machen und um Schaden von uns selbst fern zu halten?
1. Schließen wir uns fest zusammen, gegen einen Staat, der den Bogen überspannt hat. Nur zusammen sind wir stark. Alle zusammen sind wir eine Macht. Werden Sie Mitglied in der Interessengemeinschaft Medizin, die am 1.6.18 in Frankfurt gegründet wird, Airport Conference Center am Frankfurter Flughafen, Raum 3XL, 11:00 Uhr. Anmeldung unter [email protected]
2.Warten Sie einfach ab, wie übrigens die absolute Mehrheit der deutschen Kollegen, kaufen Sie keine überteuerten TI-Komponenten, sitzen Sie es aus und tun Sie einfach NICHTS. Sorgen Sie durch massenhaften Widerstand dafür, dass die überholte Technik auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt wird, bevor das Unheil seinen Lauf nimmt. Warten Sie zumindest so lange, bis der Gesetzgeber die Haftungsfrage abschließend und eindeutig zum Vorteil der Ärzte geklärt hat, das kann dauern. Hier werden wir wohl selbst eine juristische Klärung herbeiführen müssen
3.Unterstützen Sie die Aktion „Rote Karte für die TI“, Karten können über die Facebook-Seite https://www.facebook.com/Rote.Karte.TI/ bestellt werden und an die regionalen Bundestagsabgeordneten geschickt werden oder an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag
Mit kollegialer Hochachtung Arbeitsgruppe TI der Interessengemeinschaft Medizin
Erste Reaktionen der Ärztekammern
Antwort der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern auf unser Anschreiben von Ende Juni 2018
Aufgaben der Landesärztekammern
Hier: ihr Schreiben vom 24.06.2018
Sehr geehrte Frau Kollegin Dr. Enger,
Ihr Schreiben vom 24.06.2013 stößt im Vorstand der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern auf Überraschung, Unverständnis und Ablehnung. Ganz offensichtlich haben Sie und ihre IG-Med die Aufgaben einer Ärztekammer nicht verstanden. Als Selbstverwaltungsktörperschaft ist sie — anders als eine Gewerkschaft — nicht nur Interessenvertretung der Ärzteschaft sondern auch mittelbare Staatsverwaltung. Aus eigener Erfahrung mit 40 Jahren staatlicher Verwaltung der Ärzteschaft können wir es sehr gut beurteilen, welche großen Vorteile die Verwaltung von Ärzten durch Ärzte mit sich bringt. Die in ihrem Schreiben formulierten Ziele dürften für einige politische Kreise durchaus Anlass bieten, die Selbstverwaltung in Frage zu stellen. Dann entscheiden medizinferne Verwaltungsbeamte über die Belange der Ärzteschaft. Zum besseren Verständnis der Aufgaben einer Ärztekammer empfehlen wir ihnen einen Blick in die Heilberufsgesetze der Länder. Selbst bei großzügiger Interpretation sind die in ihrem Schreiben formulierten Aufgaben für eine Kammer so nicht enthalten.
Befremdlich sind für uns Ihre Auffassung vom ärztlichen Selbstverständnis und die Ausführungen zur Enteignung. Das ärztliche Selbstverständnis wird nach unserer Auffassung von einem hohen ethischen Anspruch und sozialer Verantwortung geprägt. Davon ist in Ihren Zeilen (leider) nichts zu erkennen. Stattdessen kommt ziemlich unverhohlen eine rein materielle Orientierung zum Ausdruck, die im Anspruch auf „Entschädigung für die durch die Unterstellung unter das Gemeinwohl entstandenen Einschränkungen der Bürgerrechte gipfelt. insbesondere die Ärzte (wie auch Feuerwehrleute, Krankenschwestern‚ Polizisten etc.) sind dem Gemeinwohl verpflichtet.
Hilfreich für Sie könnte auch ein Blick in die Beschlüsse der letzten Deutschen Ärztetage sein. Darin können Sie unschwer erkennen, dass auch die verfasste Ärzteschaaft die Honorierung ärztlicher Tätigkeit als ungenügend ansieht, sich für einen Inflationsausgleich einsetzt, seit mehr als 10 Jahren die Novellierung der GOÄ fordert, sofortige Veränderungen in der Honorierung der ärztlichen Leichenschau anmahnt... Allerdings dürfte auch Ihnen nicht verborgen geblieben sein, dass die Entscheidungen im BMG getroffen werden. Hinsichtlich Freiberuflichkeit, Schweigepflicht und Arztgeheimnis verweisen wir gleichfalls auf die entsprechenden Ärztetagsbeschlüsse.
Die „zunehmende Diffamierung und Geringschätzung" unseres Berufsstandes auf die Honorarsituation zurückzuführen, grenzt schon an Blasphemie. Mit Ihrem Schreiben und den darin zum Ausdruck gebrachten Forderungen liefern Sie den Medien und ärztekritischen Gruppierungen geradezu eine Steilvorlage für die Diffamierung des Berufsstandes als „geldgierig". Ärztliches Ansehen wird im täglichen Patientenkontakt, durch gründliche Untersuchung, im Eingehen auf die Nöte und Sorgen und durch eine effektive Behandlung erworben. Und nur dadurch wird gewährleistet, dass die Ärzteschaft auch weiterhin ein hohes Ansehen in der Bevölkerung genießt — auch wenn immer mal wieder Fehler, Irrtümer und kleinere Skandale an diesem Berufsbild nagen.
Prof. Dr.med. A. Crusius Dr.med. W.Schimanke
Das solidarische Gesundheitssystem verschlingt Unsummen – Tendenz steigend. Die Politik schafft nie den Spagat zwischen sozialer Gerechtigkeit und finanzieller Nachhaltigkeit, weil die Politik seit Jahrzehnten in ihren gesundheitspolitischen „Reformen“ konsequent die Grundprinzipien marktwirtschaftlichen Handelns ignoriert, sondern besonders im Gesundheitswesen meint, den Bürger entmündigen zu müssen und dass nur der Staat die Kompetenz habe zu entscheiden, wer mit dem Geld des Bürgers wie behandelt wird. Unvermeidliche Folge ist die erlebte staatliche Planwirtschaft mit all seinen bekannten Folgen. (Landarztmangel, Hebammenproblematik, Pflegenotstand…)
Das Gesundheitswesen ist ein (besonderer) Wirtschaftszweig
Entgegen allen, von linker Seite mantrahaft wiederholten Behauptungen ist natürlich auch das Gesundheitswesen ein Wirtschaftszweig, in dem alle Beteiligten entsprechend handeln: Die darin Arbeitenden, also die Pflegeberufe, Ärzte, Apotheker, Hebamme usw., wollen hier für ihre Leistungen entlohnt werden und auch im Gesundheitswesen ist das ihr gutes Recht, selbst wenn bei entsprechenden Forderungen von geneigter Seite (Krankenkassen, Politik) diese sehr schnell in ein unmoralisches Licht gestellt werden, schließlich arbeite man ja in einem sozialen Bereich! Auch der Konsument dieser Leistungen handelt völlig legitim wie in anderen Wirtschaftszweigen auch nach dem Prinzip des besten Eigennutzes.
Aber natürlich ist Gesundheit auch keine Handelsware im klassischen Sinne, hier müssen in der Tat soziale Komponenten entsprechend unserem solidarischen Weltbild zum Tragen kommen. Es ist eine ethisch nicht hoch genug einzuschätzende Errungenschaft unserer Gesellschaft, dass es über alle Parteigrenzen hinweg „common sense“ ist, dass jedem bei schwerer Erkrankung auch geholfen werden muss, dass hier die Gesellschaft solidarisch sein muss!
Solidarität und Eigenverantwortung ins Gleichgewicht
Die überragende Überschrift gleich im §1 des Sozialgesetzbuches V zu diesem Thema lautet: „Solidarität und Eigenverantwortung“. Das Prinzip der Solidarität wurde im Laufe der Zeit aber pervertiert, die Eigenverantwortung ist aus der diesbezüglichen Gesetzgebung völlig verschwunden, der Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ in absurder Weise simplifiziert zum Versprechen „Jeder hat zu jeder Zeit – nach Entrichtung einer pauschalen Zwangsabgabe – kostenlosen Zugang zu jedweder Behandlung!“ Ein Grundregel des realen Wirtschaftslebens lautet „Je niedriger der Preis, desto höher die Nachfrage“. Wenn der Preis eines Produkts (medizinische Leistung) für den Konsumenten aber faktisch Null ist, steigt die Nachfrage aber ins Unermessliche. Den Preis für die Leistung ist aber in diesem System nur für den Konsumenten Null, bezahlt wird er von der Solidargemeinschaft! Ein aktuelles und typisches Beispiel ist das Überlaufen der Notfallambulanzen in den Krankenhäusern: Da sie kostenlos, Tag und Nacht verfügbar und apparativ hochwertig ausgestattet sind, „erfreuen“ sich die Notfallambulanzen unendlicher „Beliebtheit“. Nach Umfragen unter den Notfallambulanz-Patienten selbst, bezeichnen sich ca. 90% als „keine Notfälle“, zum gleichen Ergebnis kommen die befragten Notfallambulanz-Ärzte. Die Patienten wissen meist, dass sie dazu bei gleicher Erkrankung ein Vielfaches der Kosten verursachen, als wenn sie zu ihrem niedergelassenen Arzt gegangen wären, der sie und ihre Vorgeschichte kennt und daher nicht gleich und jedesmal ein CT oder MRT braucht. Ein großer Teil dieser Patienten verhält sich unsolidarisch der Solidargemeinschaft gegenüber, weil sie ihr wissentlich hohe Kosten verursachen, nur weil es bequemer ist, am Sontag Nachmittag in die Notaufnahme zu gehen, als am Montag in der Praxis zu warten. Gleichzeitig gefährden diese Nicht-Notfall-Patienten die 10% wirklichen Notfälle, indem sie ihnen die dringliche ärztliche Behandlung blockieren. Da die Patienten keine Eigenverantwortung, wie im SGB V §1 eigentlich vorgesehen, tragen müssen, wird das System teurer, ineffizienter und die medizinische Versorgung für die Notfälle schlechter. Ökonomisch haben sie sich logisch verhalten: Sie haben eine von der Politik kostenlos angebotene Leistung, zu der ihnen genehmen Zeit in Anspruch genommen und damit ihren Eigennutz maximiert. Ist das „soziale Gerechtigkeit“, wenn alle das System kostenlos (aus-)nutzen können, die Dreisten das tun, die bescheidene Oma aber nicht?
Wie aber reagiert die Politik? Als ein Ärztevertreter vorschlug, von den ersichtlichen Nicht-Notfall-Patienten eine Gebühr zu verlangen, um diese offensichtliche Fehlsteuerung abzumildern, kam es zum erwartbaren, reflexartigen Aufschrei der Politik: „Man könne doch nicht von einem Patienten (Wähler) Eigenverantwortung verlangen! Das sei unsozial!“ Gänzlich also im Widerspruch zur Überschrift des SGB-V: „Solidarität und Eigenverantwortung“!
Soziale Marktwirtschaft statt Planwirtschaft im Gesundheitswesen
Der Staat/die Politik hat spätestens seit Seehofer und Ulla Schmidt das Gesundheitssystem immer mehr in ein fast rein planwirtschaftliches System umgebaut und dabei marktwirtschaftliche Grundregeln einfach missachtet mit fatalen Folgen. Durch Zahlung einer Zwangsabgabe (Krankenkassenbeitrag) entledigt sich der Patient von der Eigenverantwortung und er bekommt das Versprechen einer (fast) kostenlosen Behandlung jederzeit und auf höchstem Niveau. Kostenlose Leistungen führen zu unendlicher Nachfrage. Die die Ressource „medizinische Leistung“ aber begrenzt ist, führt die überbordende Nachfrage zu einem Mangel an der Ressource (Wartezeiten). Eigentlich müsste der Preis für die Ressource steigen (Nachfrage>Angebot). Diese Realität darf aber in einer staatlichen, planwirtschaftlichen Gesundheitspolitik nicht eintreten. Da man dem Patienten (Wähler) aber kostenlose Leistungen versprochen hat, muss die planwirtschaftliche Politik mit großem, bürokratischen Aufwand durch immer neue planwirtschaftliche Regelungen (Rationierung, Budgetierung) entgegen jeder wirtschaftlicher Vernunft eine Verbilligung bei den Leistungsanbietern erzwingen. Dies führt zwangsläufig dazu, dass immer weniger Menschen diese Leistungen anbieten, diese Berufe ausüben wollen (Pflegekräfte- und Hebammenmangel, Ärztemangel etc.). Dies verstärkt aber wieder den Mangel, die Patienten (Wähler) werden – ob der gegeben Versprechen (s.o.) – immer unzufriedener. Was tut der planwirtschaftliche Gesundheitspolitiker in seiner Not, in die er sich gebracht hat? Er holt massenweise Pflegekräfte, Ärzte etc. aus dem osteuropäischen Ausland, weil diese noch bereit sind, zu diesen Preisen zu arbeiten . (Dabei ist diesem Gesundheitspolitiker völlig egal, wenn die Gesundheitsversorgung in Osteuropa zusammenbricht.) An diesem Punkt sind wir heute. Wie u.a. die nicht funktionierende Planwirtschaft die DDR zum Einsturz brachte, steht das deutsche Gesundheitssystem heute vor einem Scheideweg: Entweder wir versuchen weiter in Honecker´scher sturer Unbeirrbarkeit die durch die Planwirtschaft hervorgerufenen Probleme mit noch mehr Planwirtschaft zu lösen (mit erwartbaren Folgen), oder wir nutzen die Chancen der sozialen Marktwirtschaft auch im Gesundheitswesen, geben dem Patienten wieder mehr Eigenverantwortung und auch Würde, selbstbestimmter über seine Krankenversicherung zu bestimmen. Damit können wir ein effizienteres und letztlich für den Patienten auch sparsameres System erschaffen, das auch hohe Qualität bei dann wieder Konkurrenz unter den Anbietern gewährleistet. Natürlich muss man darin auch ein System der sozialen Absicherung implementieren, damit jeder solidarisch die „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftliche und notwendige (SGB-V §12) Behandlung bekommt!
Wir kommen nicht umhin, im Gesundheitswesen wieder das Verhältnis von „Solidarität und Eigenverantwortung“ wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Über das wie lässt sich trefflich streiten. Streiten wir! Denn ein „weiter so!“ ist keine Lösung. Das ist auch keine Utopie, andere Länder (Schweiz, Singapur…) machen es mit unterschiedlichen Modellen vor! Nur Mut! Wir schaffen das!
Dr. med. Detlev Werner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Schwerpunkten operative Gynäkologie, gyn. Onkologie und Praenataldiagnostik. Geboren 1962, klinisch tätig von 1989 bis 2000, zuletzt als Ltd. Oberarzt des Perinatalzentrums der Uni Regensburg. Seither niedergelassener Frauenarzt und Belegarzt im Landkreis Passau. Neben der Tätigkeit in Deutschland, klinische Erfahrung in den Gesundheitssystemen Großbritanniens (staatlich) und Singapurs (liberal). Politisch aktiv als Stv. Vorsitzender des Landesfachausschuss der FDP Bayern und Stv. Bezirksvorsitzender der FDP Niederbayern.
*Dieser Artikel gibt die Privatmeinung unseres Mitglieds, aber nicht zwangsläufig in Einzelheiten auch die konsentierte Meinung der IG Med wieder
Satzung der IG-Med (liegt dem Vereinsregister vor)
Satzung der IG-Med schon länger fertiggestellt - Eintragung ins Vereinsregister verzögert sich aus unklaren Gründen
Unsere Satzung ist fertig und liegt schon seit längerer Zeit beim Vereinsregister.
Leider hakt es dort nach wie vor, warum man uns die Eintragung ins Vereinsregister bisher verwehrt ist unklar.
Wir haben uns nun trotzdem entschlossen, die Satzung hier zur Verfügung zu stellen.
nie war es leichter als zur Zeit mit zivilem Ungehorsam noch eine Änderung der geplanten gesundheitspolitischen Katastrophen zu verhindern.
Wir müssen nur einmal ganz konsequent „NICHTS TUN!“
Stellen wir uns vor, wir sollen die Telematik-Infrastruktur in unseren Praxen installieren lassen – und keiner macht mit. Selbst wenn man uns 1% Honorarkürzungen androht, ist das ein wesentlich geringeres Risiko, wie das, was man uns durch Gesetzesverstöße gegen §203 StGB oder unsere ärztliche Berufsordnung aufbürden würde.
Stellen wir uns vor, wir sollen unsere Termine an die Terminservicestellen melden – und keiner macht mit!
Stellen wir uns vor, dass man uns zu 25 Pflichtsprechstunden in der Woche verdonnert – und keiner arbeitet mehr als das Geforderte. Und hat stattdessen Zeit für Privatsprechstunden.
Stellen wir uns vor, es soll 5 offene Sprechstunden pro Woche angeboten werden – und keiner tut es. Wie will man uns – eine „aussterbende Rasse“ dazu zwingen? Wer soll statt uns die Versorgung der Patienten sicherstellen?
Wir haben deshalb einen offenen Brief an Herrn Spahn verfasst und zur Mitzeichnung unter dem Link https://www.change.org/p/gesundheitsminister-jens-spahn-wir-werden-nichts-tun-herr-gesundheitsminister-spahn-d8262393-fb27-4686-9e8c-f276bc341943?recruiter=168108774&utm_source=share_petition&utm_medium=facebook&utm_campaign=share_petition&utm_content=fhtdec-13930369-de-de%3Av6&fbclid=IwAR1WawHtzlLnl2B6c9C_XOm_sfpyBUF-V-6aJcwhvjcJgMju0wp3YktQAwU eingestellt.
Den Brief zum Ausdrucken und Verschicken finden Sie hier
Bitte informieren Sie Ihre Kollegen und bitten Sie sie um Unterstützung.
Satzung der IG-Med
Patienteninfo / Handzettel "Aktuell"
Hier finden Sie die Patienteninfo zum downloaden und verteilen
Aushang für Ihr Wartezimmer "Wir halten dicht!"
Hier finden Sie den Aushang zum downloaden und verteilen
Download Aushang für das Wartezimmer
Hier finden Sie den Brief zum downloaden und verteilen
Download Brief an Jens Spahn
Brief der IG-Med an alle Ärztekammern
Dieses Anschreiben ging Ende Juni an alle Landesärztekammern. Bisher hat nur die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern reagiert (siehe unter aktuell).
Download Ärztekammerbrief
Dieses Anschreiben soll wachrütteln und kann gern an Kollegen verteilt werden.
Werden Sie Mitglied der IG-Med und helfen Sie mit, die derzeitigen Zustände in unserem Gesundheitssystem zu verändern. Der Antrag ist für eine bessere Lesbarkeit am Computer ausfüllbar und kann dann ausgedruckt und dann unterschrieben per email, Fax oder Post uns uns gesendet werden.
Hier können Sie das Programm der IG-Med komplett als pdf-Datei herunterladen.
Download Programm IG-Med
Hier steht Ihnen die Hamburger Erklärung als pdf-Dokument zur Verfügung.
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Bestimmt zum Aushang in den Wartezimmern unserer Praxen.
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References: § 203
 §14
 §14
 §1
 §1
 §12
 §203