Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=01.09.2008&Aktenzeichen=2%20BvR%202238%2F07
Timestamp: 2018-10-20 22:35:54+00:00

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BVerfG, 01.09.2008 - 2 BvR 2238/07 - dejure.org
Art. 103 Abs. 2 GG; § 113 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB
Personenkraftwagen als "Waffe" (Beisichführen; Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte); strafrechtliches Analogieverbot (Auslegung; Wortlautgrenze; Geltung für Strafschärfungsgründe, besonders schwere Fälle und Qualifikationen)
Mit Art 103 Abs 2 GG nicht zu vereinbarende Auslegung des Begriffs der Waffe in § 113 Abs 2 S 2 Nr 1 StGB - ein Pkw ist vom möglichen Wortsinn des Begriffs der Waffe in § 113 Abs 2 S 2 Nr StGB nicht umfasst
Verletzung des strafrechtlichen Analogieverbots bei Einordnung eines Personenkraftwagens als "Waffe" i.S.d. § 113 Abs. 2 S. 2 Nr. 1 Strafgesetzbuch (StGB); Verletzung des strafrechtlichen Analogieverbots durch die Einordnung des Fahrens mit einem Kraftfahrzeug als "Beisichführen einer Waffe" i.S.d. § 113 Abs. 2 S. 2 Nr. 1 StGB; Herleitung des allgemeinen strafrechtlichen Analogieverbots aus § 103 Abs. 2 GG; Bestimmung des allgemeinen und des strafrechtlichen Waffenbegriffs
Verkehrsstrafrecht: PKW ist vom Wortsinn des Begriffs der Waffe iSd. § 113 Abs.2 S.2 Nr.1 StGB nicht umfasst
StGB § 113 Abs. 2 S. 1 Nr. 1; GG Art. 103 Abs. 2
Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte unter Einsatz eines Pkw als "Waffe"
Auto ist keine Waffe
Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Verwendung eines Pkw als "Waffe”
rp-online.de (Pressemeldung, 18.09.2008)
Ein Auto ist keine Waffe
uni-bonn.de (Auszüge und Entscheidungsanmerkung)
Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte unter Verwendung eines Kfz als "Waffe"
Methode als Waffe oder Methode als Werkzeug - Zum Waffenbegriff im StGB (RA Bernd Hüpers)
Art. 103 Abs. 2 GG; § 1 StGB; § 113 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB
Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte unter Einsatz eines Pkw als "Waffe" (PD Dr. Arnd Koch / cand. iur. Katrin Wirth, Augsburg; ZJS 2009, 90)
Der Waffenbegriff des StGB auf dem verfassungsrechtlichen Prüfstand (Liane Wörner; ZJS 2009, 236-247)
Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte - Verwendung eines Pkw als "Waffe"
Seitenfenster-Fall
§ 113 Abs. 1, Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB; Art. 103 Abs. 2 GG
Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte; Besonders schwerer Fall; Regelbeispiel des Beisichführens einer Waffe
Auto als Waffe: Subsumtion eines Personenkraftwagens unter den Waffenbegriff des § 113 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB
Art. 103 Abs. 2 GG; §§ 1, 113 StGB
Die Auslegung, wonach Kfz durch Zweckentfremdung "Waffen" sein können, verstößt gegen das Analogieverbot
praxisverkehrsrecht.de (Entscheidungsbesprechung)
Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Ein Pkw ist keine "Waffe" (Markus Ebner)
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BVerfG vom 1.9.2008, Az.: 2 BvR 2238/07 (Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte unter Verwendung eines Pkw als "Waffe")" von RiOLG a.D. Detlef Burhoff, original erschienen in: StRR 2008, 431.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Beschluss des VerfG vom 01.09.2008, Az.: 2 BvR 2238/07 (Verstoß gegen das strafrechtliche Analogieverbot)" von RiLG Dr. Eric Simon, original erschienen in: NStZ 2009, 84 - 85.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BVerfG vom 01.09.2008, Az.: 2 BvR 2238/07 (Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte unter Verwendung eines Pkw als "Waffe"" von RiOLG a. D./RA Detlef Burhoff, original erschienen in: VRR 2008, 471.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BVerfG vom 1.9.2008, Az.: 2 BvR 2238/07 (PKW als Waffe)" von Prof. Dr. Hans Kudlich, original erschienen in: JR 2009, 210 - 212.
AG Dresden, 23.10.2006 - 201 Ds 702 Js 2269/06
LG Dresden, 19.04.2007 - 9 Ns 702 Js 2269/06
OLG Dresden, 14.09.2007 - 3 Ss 464/07
BVerfGK 14, 177
NJW 2008, 3627
NStZ 2009, 83
NStZ-RR 2009, 138 (Ls.)
NStZ-RR 2010, 34
NZV 2009, 47
StV 2009, 126
JR 2009, 206
Diese Regelungstechnik ist dem Gesetzgeber nicht verwehrt (vgl. BVerfGK 14, 177 ).
Dies kann durch den Bundesgerichtshof erfolgen, was den Aufhebungsumfang auf das erforderliche Maß beschränkt (vgl. BVerfGK 14, 177 ;… BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 9. Juli 1995 - 2 BvR 1180/94 -, NJW 1995, S. 2706 ; BGH…, Beschluss vom 7. Juni 2011 - 4 StR 643/10 -, juris, Rn. 6 f.).
Insofern ist lediglich gemäß § 95 Abs. 1 BVerfGG die Verletzung von Art. 2 Abs. 2 Satz 2 in Verbindung mit Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG festzustellen (…vgl. zum Umfang der Aufhebung fachgerichtlicher Entscheidungen auch BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 9. Juli 1995 - 2 BvR 1180/94 -, juris, Rn. 14 f.; BVerfGK 14, 177 ).
Da beiden angegriffenen Entscheidungen im Umfang der Aufhebung gleichermaßen eine mit Art. 103 Abs. 2 GG nicht zu vereinbarende Anwendung des Untreuetatbestandes zugrunde liegt, genügt eine Beschränkung des Aufhebungsumfangs auf den Beschluss des Bundesgerichtshofs nicht (vgl. BVerfGE 126, 170 ; BVerfGK 14, 177 ).
Für die Bestimmung des möglichen Wortsinns können auch gesetzessystematische und teleologische Erwägungen von Bedeutung sein (BVerfGK 3, 302 ; 9, 420 ; 10, 442 ; 14, 177 ).
Gegenstand des Gesetzlichkeitsprinzips, das in § 3 OWiG eine besondere Bestätigung und Präzisierung erfährt, ist u.a. das Bestimmtheitsgebot, welches das rechtsstaatliche Gebot der Normenklarheit ( BVerfG NJW 1977, 1723, 1724; NJW 1984, 419;… KK-Rogall, a.a.O., § 3, Rdnr. 26 m.w.N) umfasst, und vom Gesetzgeber bei der Fassung von Sanktionsnormen größtmögliche Präzision fordert, um dem Gebot der Tatbestandsbestimmtheit zu genügen (…KK-Rogall, a.a.O, § 3 Rdnrn 26 ff, m.w.N.); der Gesetzgeber hat die Voraussetzungen der Sanktionsnorm so konkret zu umschreiben, dass Tragweite und Anwendungsbereich des Sanktionstatbestandes zu erkennen sind (BVerfG NJW 1987, 3175, m.w.N.; NJW 2005, 349; 2008, 3627); diese Anforderung gilt in erster Linie dem Schutz des Normadressaten und zielt darauf ab, Orientierungsgewißheit für den Bürger zu schaffen (…KK-Rogall, a.a.O., § 3, Rdnr. 28 m.w.N.).
Ein Kfz kann zwar nicht als "Waffe' im Sinne dieser Vorschrift angesehen werden (vgl. BVerfG, NJW 2008, 3627, 3629).
KG, 06.07.2010 - 1 Ss 462/09
Landfriedensbruch: Wurf mit einem Klappstuhl als unbenannter besonders schwerer …
a) Das Landgericht hat zwar zutreffend auf der Grundlage der neueren Rechtsprechung, insbesondere des Bundesverfassungsgerichts in seiner Entscheidung vom 1. September 2008 - 2 BvR 2238/07 -, erkannt, daß ein Regelbeispiel eines besonders schweren Falls des Landfriedensbruches nach § 125 a Satz 2 StGB nicht vorliegt (vgl. BVerfG NJW 2008, 3627; BGHSt 48, 197, 200).
Dies gilt umso mehr, als bis zu der die Gerichte bindenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (§ 31 Abs. 1 BVerfGG) vom 1. September 2008 - 2 BvR 2238/07 - auch solche Gegenstände als "Waffen im nichttechnischen Sinn" betrachtet wurden, die zwar nicht bei bestimmungsgemäßem Gebrauch, wohl aber nach ihrer objektiven Beschaffenheit und der Art ihrer Benutzung im Einzelfall geeignet waren, erhebliche Verletzungen zuzufügen (vgl. BGHSt 41, 182, NStZ 2000, 307; KG, Urteil vom 8. Februar 2008 - (4) 1 Ss 70/07 (99/07) - Fischer, § 125a a StGB Rdn. 4 mit weit.
Bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 1. September 2008 (aaO) haben die Gerichte überwiegend gefährliche Werkzeuge wie Flaschen, größere Steine, Holzknüppel, Explosivkörper u. ä. als "Waffen im nichttechnischen Sinn" betrachtet, wenn der Täter beabsichtigte, sie als Waffen gegen Personen zu verwenden und damit die Voraussetzungen des Regelbeispiels des § 125 a Nr. 2 StGB bejaht.
Denn das Analogieverbot steht nicht der grundsätzlichen Möglichkeit entgegen, auf den konkreten Fall bezogen ein Beisichführen von gefährlichen Werkzeugen in Verwendungsabsicht oder dessen Verwenden als einen unbenannten Fall zu werten (vgl. BVerfG aaO; Heintschel-Heinegg, JA 2009, 68, 70).
OLG Frankfurt, 12.07.2016 - 3 StE 2/16
Aria L. wegen Begehung eines Kriegsverbrechens gegen Personen im Zusammenhang mit …
Dieses Begriffsverständnis hält sich innerhalb der Wortlautgrenze und verstößt nicht gegen Art. 103 Abs. 2 GG, § 1 StGB (vgl. zum Wortsinn als äußere Grenze zulässiger richterlicher Interpretation BVerfG, Beschluss v. 1.9.2008, 2 BvR 2238/07, NJW 2008, 3627 ff.).
Von einem solchen besonderen Fall ist schon nach dem Wortlaut der Norm auszugehen, wenn der zur Beurteilung stehende Fall sich von den typischen Berufsgerichtsverfahren unterscheidet und deswegen von einem besonderen Informationsinteresse ausgegangen werden kann (vgl. auch BVerfGK 14, 177 zum Begriff des "besonders schweren Falles" im Sinne des Strafgesetzbuches).
KG, 16.11.2009 - 1 Ss 448/09
KG, 16.07.2009 - 2 Ws 167/09
Strafvollstreckung: Beendigung einer Führungsaufsicht wegen des Vollzugs einer in …
OLG Naumburg, 14.05.2010 - 1 Ss (B) 109/09
Elektro- und Elektronikgeräte: Begriff des Haushaltsgroßgerätes und dessen …

References: Art. 103
 § 113
 § 113
 § 113
 § 113
 § 113
 § 103
 § 113
 § 113
 Art. 103

Art. 103
 § 1
 § 113

§ 113
 Art. 103
 § 113

Art. 103
 § 95
 Art. 2
 Art. 104
 Art. 103
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 125
 § 125
 § 125
 Art. 103
 § 1