Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/jugendamtsumlage-in-der-region-hannover-361076
Timestamp: 2020-02-23 05:12:32+00:00

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Jugend­amt­s­um­la­ge in der Regi­on Han­no­ver | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Der Nie­der­säch­si­sche Staats­ge­richts­hof hat die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­den von 11 Gemein­den der Regi­on Han­no­ver zurück­ge­wie­sen, die sich gegen eine "Son­der­um­la­ge" weh­ren, die nur den Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt in der Regi­on Han­no­ver auf­er­legt wur­de.
Die der­zei­ti­ge Rechts­la­ge
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Kom­mu­nen
Son­der­um­la­gen und der gesetz­ge­be­ri­sche Gestal­tungs­spiel­raum
Dop­pel­be­las­tung und Will­kür­ver­bot
Kein Ver­stoß gegen die Sys­tem­ge­rech­tig­keit
Kei­ne Ver­let­zung des Gebots der inter­kom­mu­na­len Gleich­be­hand­lung
Kei­ne Über­ni­vel­lie­rung
Will­kür­li­che Berech­nungs­grund­la­gen
Kein Ver­stoß gegen den Bestimmt­heits­grund­satz
Kein sach­widrig­ri­ger Erhe­bungs­maß­stab
Aus­wei­tung der Umla­ge­mög­lich­kei­ten nach § 160 Abs. 4 Satz 7 NKomVG
Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen – die Städ­te Bar­sing­hau­sen, Gehr­den, Hem­min­gen, Neu­stadt am Rüben­ber­ge, Pat­ten­sen, Sehn­de und Wunstorf und die Gemein­den Isern­ha­gen, Uet­ze, Wede­mark und Wen­nigsen – sind 11 Städ­te und Gemein­den aus der Regi­on Han­no­ver, die nicht ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe sind und dem­entspre­chend kein eige­nes Jugend­amt unter­hal­ten. Sie wen­den sich gegen die Ein­füh­rung einer "Son­der­um­la­ge" im Rah­men der Berech­nung der Regi­ons­um­la­ge durch § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 des Nie­der­säch­si­schen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­ge­set­zes (NKomVG) vom 17.12.2010 1, geän­dert durch Arti­kel 4 des Geset­zes vom 18.07.2012 2. Die Umla­ge ist den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den, die nicht ört­li­che Trä­ger der Jugend­hil­fe sind (im Fol­gen­den auch: Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt), auf­er­legt wor­den. Wei­ter­hin grei­fen die Beschwer­de­füh­re­rin­nen die Rege­lung des § 160 Abs. 4 Satz 7 NKomVG in der Fas­sung des Arti­kels 7 des Geset­zes vom 12.12.2012 3 an, nach der die Regi­on Han­no­ver die Sät­ze 5 und 6 die­ser Bestim­mung auf wei­te­re Auf­ga­ben und Leis­tun­gen nach dem Ach­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­buchs anwen­den und damit an die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt wei­ter­ge­hen­de Erstat­tun­gen leis­ten kann.
Die der­zei­ti­ge Rechts­la­ge[↑]
Nach § 69 Abs. 1 SGB VIII wer­den die Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe durch Lan­des­recht bestimmt.
Nach § 1 Abs. 1 des Geset­zes zur Aus­füh­rung des Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­set­zes (AG KJHG) vom 05.02.1993 4 erfül­len Land­krei­se und kreis­freie Städ­te (ört­li­che Trä­ger) die Auf­ga­ben der Kin­der- und Jugend­hil­fe nach dem SGB VIII inner­halb ihres eige­nen Wir­kungs­krei­ses durch das Jugend­amt. Dar­über hin­aus sind ört­li­che Trä­ger nach § 1 Abs. 2 AG KJHG die Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver und auch sol­che kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den, die bei Inkraft­tre­ten die­ses Geset­zes (1993) bereits die Auf­ga­ben der Kin­der- und Jugend­hil­fe i.S.d. Absat­zes 1 erfüllt haben. Das zustän­di­ge Minis­te­ri­um hat die Bestim­mung zum ört­li­chen Trä­ger zurück­zu­neh­men, wenn die Gemein­de dies bean­tragt oder ihre Leis­tungs­fä­hig­keit zur Erfül­lung der Auf­ga­ben der Kin­der- und Jugend­hil­fe nicht mehr gewähr­leis­tet ist.
Am 1.01.2012 waren in Nie­der­sach­sen auf der Grund­la­ge die­ser Zustän­dig­keits­norm außer­halb der Regi­on Han­no­ver die 37 Land­krei­se, die 8 kreis­frei­en Städ­te und die Stadt Göt­tin­gen für die Kin­der- und Jugend­hil­fe zustän­dig. Neben der Regi­on Han­no­ver ver­füg­ten die Lan­des­haupt­stadt und 2 wei­te­re regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den über ein eige­nes Jugend­amt. Außer­halb der Regi­on Han­no­ver nah­men von den etwa 440 Städ­ten und Gemein­den nur 6 kreis­an­ge­hö­ri­ge Städ­te die­se Auf­ga­be wahr. Bis zur Grün­dung der Regi­on Han­no­ver im Jahr 2001 hat­ten im ehe­ma­li­gen Land­kreis Han­no­ver ledig­lich die Städ­te Burg­dorf und Lehr­te ein eige­nes Jugend­amt unter­hal­ten.
Die Finan­zie­rung der Auf­ga­ben im Bereich der Jugend­hil­fe erfolg­te im Rah­men der all­ge­mei­nen Finan­zie­rungs­in­stru­men­te der Kom­mu­nen.
Durch das Gesetz über die Regi­on Han­no­ver (Reg­HanG) vom 05.06.2001 ist die Regi­on Han­no­ver gebil­det wor­den. Sie besteht aus den Gemein­den im Gebiet der Regi­on Han­no­ver (dem frü­he­ren Land­kreis Han­no­ver) und der Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver. Ihrer Rechts­na­tur nach ist die Regi­on Han­no­ver – eben­so wie die Land­krei­se – ein Gemein­de­ver­band und eine Gebiets­kör­per­schaft. Sie weist Par­al­le­len zu einem Land­kreis auf, unter­schei­det sich von die­sem aber dadurch, dass sie die Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver ein­schließt. Auf die ande­ren regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den waren nach § 5 Satz 2 Reg­HanG die für kreis­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den gel­ten­den Vor­schrif­ten anzu­wen­den, soweit durch Rechts­vor­schrif­ten nichts ande­res bestimmt war (§ 5 Satz 2 Reg­HanG). Für die Regi­on Han­no­ver fan­den die für Land­krei­se gel­ten­den Vor­schrif­ten ent­spre­chen­de Anwen­dung, soweit in dem Gesetz über die Regi­on Han­no­ver nichts ande­res bestimmt war (§ 3 Abs. 3 Satz 1 Reg­HanG).
Nach § 8 Abs. 6 Satz 1 Reg­HanG war die Regi­on Han­no­ver der ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe, soweit dazu nicht regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den bestimmt wor­den waren. Dar­über hin­aus hat der Gesetz­ge­ber die Mög­lich­keit geschaf­fen, dass die Auf­ga­ben der Kin­der- und Jugend­hil­fe inner­halb der Regi­on Han­no­ver dezen­tral auch von wei­te­ren regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. Dem­entspre­chend regel­te § 11 Abs. 4 Reg­HanG, dass Gemein­den mit mehr als 30.000 Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­nern sowie die Stadt Sprin­ge auf Antrag zu ört­li­chen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe bestimmt wer­den konn­ten.
Um den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den die Über­nah­me von Auf­ga­ben im Bereich der Jugend­hil­fe zu erleich­tern 5 und um einen ange­mes­se­nen Las­ten­aus­gleich inner­halb der Regi­on zu gewähr­leis­ten 6, hat der Gesetz­ge­ber im Reg­HanG spe­zi­el­le Finan­zie­rungs­re­ge­lun­gen im Zusam­men­hang mit der Über­nah­me der Auf­ga­ben im Bereich der öffent­li­chen Jugend­hil­fe auf­ge­stellt. So hat die Regi­on Han­no­ver nach § 8 Abs. 6 Satz 4 Reg­HanG ande­ren regi­ons­an­ge­hö­ri­gen ört­li­chen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe auf Antrag einen ange­mes­se­nen pau­scha­lier­ten Kos­ten­aus­gleich bis zu 80 v.H. der Per­so­nal- und Sach­kos­ten für Leis­tun­gen nach den §§ 19, 21, 29 – 35a, 41 – 43, 52, 55, 56, 59 und 90 Abs. 3 SGB VIII zu gewäh­ren. Hier­bei han­delt es sich um gemein­sa­me Wohn­for­men für Mütter/​Väter und Kin­der (§ 19), Unter­stüt­zung bei not­wen­di­ger Unter­brin­gung zur Erfül­lung der Schul­pflicht (§ 21), sozia­le Grup­pen­ar­beit (§ 29 – 35a), Hil­fe für jun­ge Voll­jäh­ri­ge, Nach­be­treu­ung (§ 41 – 43), Mit­wir­kung im Ver­fah­ren nach dem Jugend­ge­richts­ge­setz (§ 52), Bei­stand­schaft, Amts­pfleg­schaft und Amts­vor­mund­schaft (§ 55 und 56), Beur­kun­dun­gen (§ 59) und pau­scha­lier­te Kos­ten­be­tei­li­gung (§ 90 Abs. 3).
Vor­aus­set­zung für die Kos­ten­er­stat­tung war nach § 8 Abs. 6 Satz 5 Reg­HanG, dass die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ihre Jugend­hil­fe­pla­nung mit der Regi­on Han­no­ver abstimm­ten und ihr den Abschluss von Ver­ein­ba­run­gen nach § 78b SGB VIII über­tru­gen. Wei­ter­hin konn­te die Regi­on Han­no­ver nach § 8 Abs. 6 Satz 6 Reg­HanG die Anwen­dung der Sät­ze 4 und 5 auf wei­te­re Auf­ga­ben und Leis­tun­gen nach dem SGB VIII erstre­cken.
Auf­grund der genann­ten Rege­lun­gen hät­ten von den ins­ge­samt 21 regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Städ­ten und Gemein­den 7 wei­te­re die Mög­lich­keit gehabt, ein eige­nes Jugend­amt ein­zu­rich­ten und ent­spre­chen­de Kos­ten­er­stat­tun­gen von der Regi­on zu erhal­ten. Tat­säch­lich mach­ten in der Fol­ge 3 regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch und lie­ßen sich zu ört­li­chen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe bestim­men. Damit gibt es zur­zeit 7 Jugend­äm­ter in der Regi­on Han­no­ver: das Jugend­amt der Regi­on Han­no­ver, das Jugend­amt der Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver sowie 5 wei­te­re Jugend­äm­ter in den 20 übri­gen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den.
Mit dem NKomVG vom 17.12.2010 1, das am 1.11.2011 in Kraft trat, fass­te der Gesetz­ge­ber die bis zu die­sem Zeit­punkt gel­ten­den unter­schied­li­chen Kom­mu­nal­ge­set­ze zusam­men. Dem­entspre­chend trat das Reg­HanG mit Ablauf des 31.10.2011 außer Kraft.
Die Rege­lun­gen über die Auf­ga­ben­ver­tei­lung in der Regi­on Han­no­ver im Bereich der Jugend­hil­fe sowie die Bestim­mun­gen über Erstat­tungs­an­sprü­che der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt hat das NKomVG weit­ge­hend aus dem Reg­HanG über­nom­men. So ent­spricht § 160 Abs. 4 NKomVG inhalt­lich § 8 Abs. 6 Satz 3 Reg­HanG. In der Fas­sung des Art. 7 des Geset­zes zur Ände­rung des Nie­der­säch­si­schen Daten­schutz­ge­set­zes und zur Ände­rung kom­mu­nal- und brand­schutz­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 12.12.2012 3 hat § 160 Abs. 4 NKomVG fol­gen­den Wort­laut:
"Die Regi­on Han­no­ver ist der ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe, soweit dazu nicht regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den bestimmt wor­den sind. Sie ist Trä­ger zen­tra­ler Ein­rich­tun­gen und Leis­tungs­an­ge­bo­te auch für das Gebiet ande­rer ört­li­cher Trä­ger der Jugend­hil­fe, soweit die­se eine sol­che Auf­ga­ben­über­nah­me mit ihr ver­ein­bart haben. Sie ist fer­ner dafür zustän­dig, die Jugend­hil­fe­pla­nung inner­halb der Regi­on Han­no­ver durch eine Rah­men­pla­nung auf­ein­an­der abzu­stim­men, auch mit aner­kann­ten Trä­gern der frei­en Jugend­hil­fe und mit der über­ört­li­chen Pla­nung. Die Regi­on Han­no­ver ist auch zustän­dig für die För­de­rung der auf ihrer Ebe­ne bestehen­den Jugend­ver­bän­de und ihrer Zusam­men­schlüs­se. Ande­ren ört­li­chen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe gewährt sie auf Antrag einen ange­mes­se­nen pau­scha­lier­ten Kos­ten­aus­gleich bis zu 80 Pro­zent der Per­so­nal- und Sach­kos­ten für Leis­tun­gen nach den §§ 19, 21, 29 bis 35 a, 41 bis 43, 52, 55, 56, 59 und 90 Abs. 3 SGB VIII. Vor­aus­set­zung dafür ist, dass die­se Trä­ger ihre Jugend­hil­fe­pla­nung mit der Regi­on Han­no­ver abstim­men und ihr den Abschluss von Ver­ein­ba­run­gen nach § 78 b SGB VIII über­tra­gen. Die Regi­on Han­no­ver kann die Sät­ze 5 und 6 auf wei­te­re Auf­ga­ben und Leis­tun­gen nach dem Ach­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­buchs anwen­den."
In der nun­mehr gel­ten­den Fas­sung ent­spricht auch der von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen ange­grif­fe­ne § 160 Abs. 4 Satz 7 NKomVG der frü­he­ren Geset­zes­fas­sung. Eben­falls kei­ne wesent­li­chen Ände­run­gen erga­ben sich aus der Über­nah­me des § 11 Abs. 4 Reg­HanG in § 163 Abs. 4 NKomVG. § 163 Abs. 4 NKomVG lau­tet:
"Neben den in § 1 Abs. 2 Satz 1 des Geset­zes zur Aus­füh­rung des Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­set­zes (AG KJHG) bestimm­ten ört­li­chen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe kön­nen auf Antrag auch die übri­gen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit mehr als 30.000 Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­nern sowie die Stadt Sprin­ge durch das zustän­di­ge Minis­te­ri­um hier­zu bestimmt wer­den. Die Bestim­mung nach Satz 1 ist auf­zu­he­ben, wenn die Gemein­de dies bean­tragt."
Eine wesent­li­che Ände­rung hat jedoch die Vor­schrift über die Erhe­bung der Regi­ons­um­la­ge erfah­ren. Der von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen ange­grif­fe­ne § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG trifft eine Son­der­re­ge­lung im Bereich der Auf­wen­dun­gen für die Jugend­hil­fe. Hier­durch woll­te der Gesetz­ge­ber eine Benach­tei­li­gung der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Städ­te und Gemein­den besei­ti­gen, die selbst die Auf­ga­be des ört­li­chen Trä­gers der Jugend­hil­fe wahr­neh­men. § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG trat mit Wir­kung vom 01.01.2012 in Kraft und hat in der durch Art. 4 des Geset­zes zur Ände­rung des Nie­der­säch­si­schen Geset­zes über den Finanz­aus­gleich und ande­rer Geset­ze vom 18.07.2012 2 geän­der­ten Fas­sung fol­gen­den Wort­laut:
"Eben­falls abwei­chend von den Vor­schrif­ten des Nie­der­säch­si­schen Geset­zes über den Finanz­aus­gleich ist die Regi­ons­um­la­ge des Wei­te­ren so zu berech­nen, dass ein nach Maß­ga­be des Sat­zes 5 zu bestim­men­der Betrag allein von den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den, die nicht ört­li­che Trä­ger der Jugend­hil­fe sind, getra­gen wird. Zur Bestim­mung des Betra­ges nach Satz 4 wird von einem Betrag in Höhe der nicht durch Erträ­ge gedeck­ten Auf­wen­dun­gen der Regi­on für die Erbrin­gung der von § 160 Abs. 4 Sät­ze 5 bis 7 erfass­ten Leis­tun­gen aus dem zur betref­fen­den Regi­ons­um­la­ge vor­ver­gan­ge­nen Jahr ein Betrag in Höhe des Pro­zent­sat­zes abge­zo­gen, der den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den, die Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe sind, nach § 160 Abs. 4 Sät­ze 5 bis 7 als Kos­ten­aus­gleich erstat­tet wor­den ist."
Nach der gesetz­li­chen Rege­lung tra­gen die Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt nach wie vor die Auf­wen­dun­gen für einen Teil der von ihnen durch ihr Jugend­amt erbrach­ten Leis­tun­gen voll­stän­dig. Für die in § 160 Abs. 4 Satz 5 NKomVG genann­ten Leis­tun­gen tra­gen sie min­des­tens 20 % der Auf­wen­dun­gen selbst. Die übri­gen bis zu 80 % der (von der Regi­on erstat­te­ten) Auf­wen­dun­gen tra­gen eben­falls – wie zuvor – alle regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den nach ihrer Finanz­kraft im Rah­men der all­ge­mei­nen Regi­ons­um­la­ge. Die Auf­wen­dun­gen für das Jugend­amt der Regi­on für die Erbrin­gung der in § 160 Abs. 4 Satz 5 NKomVG genann­ten Leis­tun­gen tra­gen nun­mehr in Höhe von min­des­tens 20 % – kor­re­spon­die­rend zu der Selbst­be­tei­li­gungs­quo­te der Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt – aus­schließ­lich die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt. Die ver­blei­ben­den bis zu 80 % der genann­ten Auf­wen­dun­gen für das Jugend­amt der Regi­on tra­gen alle regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den über die Regi­ons­um­la­ge nach ihrer Finanz­kraft.
Von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen haben ledig­lich 3 Gemein­den – näm­lich die Städ­te Bar­sing­hau­sen, Neu­stadt am Rüben­ber­ge und Wunstorf – mehr als 30.000 Ein­woh­ner.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Kom­mu­nen[↑]
Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen erho­ben Ver­fas­sungs­be­schwer­de gem. Art. 54 Nr. 5 der Nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sung (NV) i.V.m. § 8 Nr. 10 des Geset­zes über den Staats­ge­richts­hof (StGHG) mit den Anträ­gen, § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG 1 für unwirk­sam und § 160 Abs. 4 Satz 7 NKomVG für unwirk­sam zu erklä­ren.
Die­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den hat der Nie­der­säch­si­sche Staats­ge­richts­hof nun als unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen:
For­mel­le Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit[↑]
Die gegen § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG gerich­te­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind zuläs­sig, aber unbe­grün­det.
Die gegen die genann­te Rege­lung erho­be­ne for­mell­recht­li­che Rüge greift nicht durch. Die ange­grif­fe­ne Vor­schrift des NKomVG ist in einem for­mell ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­fah­ren zustan­de gekom­men. Die von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen gel­tend gemach­te Ver­let­zung eines Anhö­rungs­rechts liegt nicht vor.
Die ver­fah­rens­recht­li­che Absi­che­rung der ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten Rechts­po­si­ti­on der Kom­mu­nen im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren wird durch Art. 57 Abs. 6 NV bewirkt, der eine Anhö­rung der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de zur Pflicht macht 7. Die Anhö­rung der Kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de Nie­der­sach­sens hat wäh­rend des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens statt­ge­fun­den. Die Ein­füh­rung der Jugend­hil­fe­um­la­ge in § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG beruht auf einem Ände­rungs­vor­schlag der Frak­tio­nen der CDU und FDP vom 04.10.2010 8. Hier­zu haben die kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de schrift­lich Stel­lung genom­men 9. Ein dar­über hin­aus­ge­hen­des Anhö­rungs­recht ein­zel­ner Gemein­den sieht die Ver­fas­sung nicht vor. Ein sol­ches Recht ist auch von Ver­fas­sungs wegen nicht gebo­ten.
Son­der­um­la­gen und der gesetz­ge­be­ri­sche Gestal­tungs­spiel­raum[↑]
Die von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen erho­be­nen mate­ri­ell­recht­li­chen Rügen sind eben­falls unbe­grün­det.
Der Gesetz­ge­ber hat mit der Jugend­hil­fe­um­la­ge als Son­der­um­la­ge, die nur von den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt auf­zu­brin­gen ist, den ihm zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten.
Prü­fungs­maß­stab sind die Grund­sät­ze, die der Staats­ge­richts­hof zu Art. 58 NV ent­wi­ckelt hat, in ent­spre­chen­der Anwen­dung.
Die Nie­der­säch­si­sche Ver­fas­sung ent­hält mit Art. 57 Abs. 4 NV einer­seits und mit Art. 58 NV ande­rer­seits zwei selbst­stän­di­ge Aus­for­mun­gen der finan­zi­el­len Absi­che­rung der kom­mu­na­len Gebiets­kör­per­schaf­ten, die sich auf ver­schie­de­ne kom­mu­na­le Auf­ga­ben­be­rei­che bezie­hen und auch ihrem Rege­lungs­cha­rak­ter nach ver­schie­den sind 10. Art. 57 Abs. 4 NV regelt abschlie­ßend die Fra­ge einer Auf­ga­ben­über­tra­gung durch Lan­des­ge­set­ze und deren Finan­zie­rung. Art. 58 NV regelt all­ge­mein und umfas­send die auf­ga­ben­ge­rech­te Finanz­aus­stat­tung der Kom­mu­nen 11.
Durch das Gesetz zur Ände­rung der Nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sung vom 27.01.2006 12 ist in Gestalt des Art. 57 Abs. 4 Satz 2 NV eine Vor­schrift geschaf­fen wor­den, die den Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet, bei der Sta­tu­ie­rung von Pflicht­auf­ga­ben auch im eige­nen Wir­kungs­kreis stets eine Rege­lung über den finan­zi­el­len Aus­gleich zu tref­fen. Dies gilt jedoch nur für Pflicht­auf­ga­ben, die nach dem 1.01.2006 zuge­wie­sen wer­den. Für Vor­schrif­ten über Pflicht­auf­ga­ben, die vor dem 1.01.2006 erlas­sen wor­den sind, bedeu­tet dies, dass die­se nach wie vor dem Rege­lungs­re­gime des Art. 58 NV unter­lie­gen.
Die von der Beschwer­de­füh­re­rin ange­grif­fe­ne Norm des § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG ent­hält eine Rege­lung im Rah­men der Berech­nung der Regi­ons­um­la­ge. Sie steht aber in sach­li­chem Zusam­men­hang mit der Finan­zie­rung der Auf­ga­ben der Kin­der- und Jugend­hil­fe. Die­se Auf­ga­be ist der Regi­on bzw. den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den, die sich zum ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe haben bestim­men las­sen, als Pflicht­auf­ga­be im eige­nen Wir­kungs­kreis zuge­wie­sen wor­den 13. Da die­se Zuwei­sung bereits durch das Reg­HanG im Jahr 2001 erfolgt ist, fällt die Finan­zie­rung noch unter das Rege­lungs­re­gime des Art. 58 NV.
Art. 58 NV ver­pflich­tet das Land, den Kom­mu­nen die zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben erfor­der­li­chen Mit­tel ent­we­der durch Erschlie­ßung eige­ner Steu­er­quel­len oder im Rah­men sei­ner finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit durch über­ge­meind­li­chen Finanz­aus­gleich zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die Auf­ga­ben­be­zo­gen­heit der Finanz­ga­ran­tie des Art. 58 NV und das Ziel der Auf­ga­ben­ge­rech­tig­keit des Finanz­aus­gleichs ver­lan­gen, dass der Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung des ver­ti­ka­len Finanz­aus­gleichs zwi­schen Land und Kom­mu­nen die Höhe der erfor­der­li­chen Finanz­mit­tel und damit auch Art und Umfang der zu erle­di­gen­den Auf­ga­ben der Kom­mu­nen kennt und nach­voll­zieh­bar ein­schätzt 14. Auch bei der hori­zon­ta­len Ver­tei­lung der Schlüs­sel­mas­se auf die ein­zel­nen Kom­mu­nen bil­det das Leit­bild eines auf­ga­ben­ge­rech­ten Finanz­aus­gleichs den ver­fas­sungs­recht­li­chen Aus­gangs­punkt 15. Inner­halb die­ser Gren­zen steht dem Gesetz­ge­ber ein wei­ter, ver­fas­sungs­ge­richt­lich nicht über­prüf­ba­rer Gestal­tungs­spiel­raum bei der Aus­wahl der Kri­te­ri­en für die Bestim­mung des auf­ga­ben­be­zo­ge­nen Finanz­be­darfs zu 16.
Die­ser wei­te Gestal­tungs­spiel­raum steht dem Gesetz­ge­ber auch in Bezug auf die ange­grif­fe­ne Norm des § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG zu, mit der er eine Rege­lung über die Jugend­hil­fe­um­la­ge als Teil der Regi­ons­um­la­ge getrof­fen hat. Die ange­grif­fe­ne Norm beinhal­tet zwar ledig­lich eine Rege­lung zur Finan­zie­rung der Regi­on Han­no­ver durch die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den im Rah­men der Regi­ons­um­la­ge. Sie ist somit kei­ne Vor­schrift des hori­zon­ta­len kom­mu­na­len Finanz­aus­gleichs. Für die betrof­fe­nen Gemein­den macht es jedoch kei­nen Unter­schied, ob sie im Rah­men des hori­zon­ta­len Finanz­aus­gleichs weni­ger Zuwei­sun­gen vom Land erhal­ten oder ob sie im Rah­men der Finan­zie­rung der Regi­on eine Jugend­hil­fe­um­la­ge und damit einen höhe­ren Anteil an der Regi­ons­um­la­ge zu zah­len haben 17.
Ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­re­rin­nen haben alle regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den die Mög­lich­keit, die Auf­ga­ben der öffent­li­chen Jugend­hil­fe zu über­neh­men und damit der Jugend­hil­fe­um­la­ge zu ent­ge­hen. Einer sol­chen Über­nah­me ste­hen weder bun­des- noch lan­des­recht­li­che Bestim­mun­gen ent­ge­gen.
Nach § 69 Abs. 1 SGB VIII in der seit dem 1.01.2012 gel­ten­den Fas­sung wer­den die Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe durch Lan­des­recht bestimmt. Für die Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben nach die­sem Buch errich­tet jeder ört­li­che Trä­ger ein Jugend­amt, jeder über­ört­li­che Trä­ger ein Lan­des­ju­gend­amt (§ 69 Abs. 3 SGB VIII). Meh­re­re ört­li­che Trä­ger und meh­re­re über­ört­li­che Trä­ger kön­nen, auch wenn sie ver­schie­de­nen Län­dern ange­hö­ren, zur Durch­füh­rung ein­zel­ner Auf­ga­ben gemein­sa­me Ein­rich­tun­gen und Diens­te errich­ten.
Den Beschwer­de­füh­re­rin­nen ist zuzu­stim­men, dass § 69 Abs. 3 und 4 SGB VIII kei­ne recht­li­che Grund­la­ge für einen Zusam­men­schluss meh­re­rer Gemein­den zur Errich­tung eines Jugend­amts beinhal­tet 18. Die­se Vor­schrift steht einem sol­chen Zusam­men­schluss aber auch nicht ent­ge­gen. Die Schaf­fung einer sol­chen Mög­lich­keit liegt nach Art. 84 Abs. 1 Satz 1 GG i.V.m. § 69 Abs. 1 SGB VIII viel­mehr in der Kom­pe­tenz des Lan­des­ge­setz­ge­bers und rich­tet sich dem­ge­mäß aus­schließ­lich nach Lan­des­recht.
Nach § 163 Abs. 4 Satz 1 kön­nen die nicht in § 1 Abs. 2 Satz 1 AG-KJHG genann­ten regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit mehr als 30.000 Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­nern zu Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe bestimmt wer­den. Die­se Mög­lich­keit ist auch kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den unter­halb einer Ein­woh­ner­zahl von 30.000 eröff­net, wenn sie die Über­nah­me der öffent­li­chen Jugend­hil­fe mit ande­ren Gemein­den ver­ein­ba­ren. Hängt näm­lich nach den Bestim­mun­gen des 9. Teils des NKomVG die Über­tra­gung einer Auf­ga­be davon ab, ob eine regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­de eine bestimm­te Ein­woh­ner­zahl hat, so gilt die­se Vor­aus­set­zung für alle Betei­lig­ten als erfüllt, wenn die nach dem Recht der kom­mu­na­len Zusam­men­ar­beit ver­ein­bar­te gemein­sa­me Erfül­lung die­ser Auf­ga­be ein Gebiet betrifft, des­sen Ein­woh­ner­zahl die Min­dest­gren­ze erreicht (§ 165 Abs. 5 Satz 2 NKomVG). Nicht zu fol­gen ist der Auf­fas­sung der Beschwer­de­füh­re­rin­nen, ein Zusam­men­schluss nach § 165 Abs. 5 Satz 2 NKomVG schei­te­re dar­an, dass die Auf­ga­be den Kom­mu­nen bereits zuge­wie­sen sein müs­se, bevor sie sich zur gemein­sa­men Erfül­lung der Auf­ga­be zusam­men­schlös­sen. § 165 Abs. 5 Satz 2 NKomVG ver­weist nur hin­sicht­lich der übri­gen Umstän­de der gemein­sa­men Auf­ga­ben­er­fül­lung auf das Nie­der­säch­si­sche Gesetz über die kom­mu­na­le Zusam­men­ar­beit. Von die­ser Ver­wei­sung ist das Tat­be­stands­merk­mal, dass die Auf­ga­be bereits vor dem Zusam­men­schluss erfüllt wer­den muss, aus­ge­nom­men. Mit § 165 Abs. 5 Satz 2 NKomVG soll­te gera­de die Mög­lich­keit geschaf­fen wer­den, dass Auf­ga­ben auch an klei­ne­re Gemein­den über­tra­gen wer­den kön­nen, wenn die­se sich zusam­men­schlie­ßen 19. Eine vor Ver­ein­ba­rung der Zusam­men­ar­beit bestehen­de Auf­ga­ben­zu­stän­dig­keit ist mit­hin nicht Tat­be­stands­merk­mal die­ser gesetz­li­chen Rege­lung.
Fol­ge­rich­tig haben alle regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den die Mög­lich­keit, sich zu ört­li­chen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe bestim­men zu las­sen und so zu ver­mei­den, zu der Jugend­hil­fe her­an­ge­zo­gen zu wer­den. Der Ein­wand der Beschwer­de­füh­re­rin­nen, regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den mit weni­ger als 30.000 Ein­woh­nern könn­ten sich der zusätz­li­chen Belas­tung durch die Jugend­hil­fe­um­la­ge nicht ent­zie­hen, greift des­halb nicht durch. Aller­dings müss­ten sie sich im Wege der kom­mu­na­len Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Gemein­den zusam­men­schlie­ßen, um die Min­dest­zahl von 30.000 Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­nern nach § 163 Abs. 4 Satz 1 NKomVG zu über­schrei­ten.
Den ihm zuste­hen­den wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum hat der Gesetz­ge­ber auch nicht durch die Ein­füh­rung der Jugend­hil­fe­um­la­ge gem. § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG als Son­der­um­la­ge im Rah­men der Regi­ons­um­la­ge ver­letzt.
Dop­pel­be­las­tung und Will­kür­ver­bot[↑]
Unbe­grün­det ist die Rüge, der Gesetz­ge­ber habe sei­nem Ent­schluss zur Ein­füh­rung einer Jugend­hil­fe­um­la­ge unter Ver­let­zung des Will­kür­ver­bots einen unzu­tref­fen­den Sach­ver­halt zugrun­de gelegt, indem er von einer Dop­pel­be­las­tung der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt aus­ge­gan­gen sei, geht fehl. Unab­hän­gig von der Fra­ge, ob das rechts­staat­li­che Will­kür­ver­bot und sei­ne Aus­prä­gun­gen in Art. 58 NV auf­ge­hen oder einen selbst­stän­di­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stab bil­den 20, erweist sich eine gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung nur dann als will­kürfrei, wenn der Gesetz­ge­ber sie auf der Basis des rich­ti­gen Sach­ver­hal­tes getrof­fen hat.
Die­sen Vor­ga­ben hat der Gesetz­ge­ber vor­lie­gend im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren genügt. Er ist davon aus­ge­gan­gen, dass die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt gegen­über den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt benach­tei­ligt sei­en 21. Die­se Benach­tei­li­gung hat der Gesetz­ge­ber dar­in gese­hen, dass die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt einer­seits min­des­tens 20 % ihrer Kos­ten für das Jugend­amt selbst tra­gen müs­sen und ande­rer­seits über die Regi­ons­um­la­ge an den Kos­ten für das Jugend­amt der Regi­on betei­ligt sind 22.
Die bei der Ein­füh­rung der Jugend­hil­fe­um­la­ge in tat­säch­li­cher Hin­sicht zu Grun­de geleg­ten Annah­men des Gesetz­ge­bers erwei­sen sich als zutref­fend. Die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt waren vor Ein­füh­rung der Jugend­hil­fe­um­la­ge gegen­über den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt finan­zi­ell benach­tei­ligt. Die­se Benach­tei­li­gung bestand dar­in, dass die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt neben dem ver­blei­ben­den Eigen­an­teil in Höhe von min­des­tens 20 % der Per­so­nal- und Sach­kos­ten für die genann­ten Leis­tun­gen über die Regi­ons­um­la­ge auch die gesam­ten Auf­wen­dun­gen für das Jugend­amt der Regi­on antei­lig mit­fi­nan­ziert haben, obwohl die vom Jugend­amt der Regi­on erbrach­ten Leis­tun­gen aus­schließ­lich den Ein­woh­nern der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt zugu­te­ka­men.
Nach dem Ergeb­nis der münd­li­chen Ver­hand­lung wur­de die­ser Nach­teil auch nicht durch ande­re Vor­tei­le, wie z.B. Syn­er­gie­ef­fek­te, kom­pen­siert. Der nur gerin­ge Umfang der Syn­er­gie­ef­fek­te beruht nach den Anga­ben der in der münd­li­chen Ver­hand­lung gehör­ten Aus­kunfts­per­so­nen unter ande­rem dar­auf, dass der über­wie­gen­de Anteil der Auf­wen­dun­gen der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den für ihre Jugend­äm­ter aus Sach­kos­ten besteht. Dem­entspre­chend kommt es zu Syn­er­gie­ef­fek­ten ledig­lich im Bereich des "Ver­wal­tungs­Over­heads". Ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­re­rin­nen kor­re­spon­diert die unvoll­stän­di­ge Erstat­tung der Auf­wen­dun­gen nicht mit dem Umstand, dass die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt nur einen Teil der Auf­ga­ben der Jugend­hil­fe über­näh­men. Abge­se­hen von weni­gen zen­tra­len Ein­rich­tun­gen füh­ren die Jugend­äm­ter der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den alle Auf­ga­ben der Kin­der- und Jugend­hil­fe aus. Sie erhal­ten aber nur bis zu 80 % der Auf­wen­dun­gen für die im Gesetz genann­ten Leis­tun­gen erstat­tet. Zudem erhal­ten die Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt nur für die in § 160 Abs. 4 Satz 5 NKomVG genann­ten Auf­ga­ben nach dem SGB VIII eine antei­li­ge Kos­ten­er­stat­tung, nicht aber für die wei­te­ren, von ihnen dar­über hin­aus wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben nach dem SGB VIII, die in § 160 Abs. 4 Satz 5 NKomVG nicht auf­ge­führt sind. Die ver­blei­ben­de Eigen­be­las­tung führt im Zusam­men­hang mit der von allen Gemein­den über die Regi­ons­um­la­ge auf­zu­brin­gen­den Finan­zie­rung des Jugend­am­tes der Regi­on zu der vom Gesetz­ge­ber ange­nom­me­nen finan­zi­el­len Benach­tei­li­gung. Die­se durf­te der Gesetz­ge­ber zum Anlass für die Ein­füh­rung der Jugend­hil­fe­um­la­ge neh­men.
Die Rüge, der Gesetz­ge­ber habe gegen die vom Staats­ge­richts­hof im Göt­tin­gen-Urteil vom 16.05.2001 sta­tu­ier­te Begrün­dungs­pflicht ver­sto­ßen, ist unbe­grün­det.
Zwar hat der Staats­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 16.05.2001 23 aus­ge­führt, dass gera­de Ent­schei­dun­gen im Rah­men des legis­la­ti­ven Gestal­tungs­spiel­raums einer plau­si­blen und nach­voll­zieh­ba­ren Begrün­dung bedür­fen. Die­ser Begrün­dungs­pflicht ist der Gesetz­ge­ber jedoch vor­lie­gend in aus­rei­chen­der Wei­se nach­ge­kom­men. Inso­weit ergibt sich aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en, dass der Gesetz­ge­ber die von ihm erkann­te Benach­tei­li­gung der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt besei­ti­gen woll­te. Dar­über hin­aus soll­te die­se Besei­ti­gung der finan­zi­el­len Benach­tei­li­gung auch dazu füh­ren, dass wei­te­re regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den den Antrag stel­len, sich gemäß dem ursprüng­li­chen Kon­zept des Gesetz­ge­bers zum ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe bestim­men zu las­sen 22. Die­se Begrün­dung ist nach­voll­zieh­bar. Sie trägt den Beson­der­hei­ten in der Regi­on Han­no­ver Rech­nung und ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.
Kein Ver­stoß gegen die Sys­tem­ge­rech­tig­keit[↑]
Unbe­grün­det ist auch die Rüge, die Jugend­hil­fe­um­la­ge sei sys­tem­wid­rig und ver­sto­ße damit gegen das Gebot der Sys­tem­ge­rech­tig­keit.
Den Bedeu­tungs­ge­halt des vom BVerfG 24 ent­wi­ckel­ten Grund­sat­zes der Sys­tem­ge­rech­tig­keit umschreibt der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len in sei­nem Urteil vom 11.12.2007 25 wie folgt: "Nach wel­chem Sys­tem der Gesetz­ge­ber eine bestimm­te Mate­rie ord­nen will, obliegt sei­ner Ent­schei­dung. Weicht er vom selbst­be­stimm­ten Sys­tem ab, kann das einen Gleich­heits­ver­stoß indi­zie­ren. Ein sol­cher liegt nicht vor, wenn es für die Abwei­chung plau­si­ble Grün­de gibt."
Die­se Grund­sät­ze hat der Staats­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 04.06.2010 26 bei der Prü­fung von Vor­schrif­ten im Rah­men des kom­mu­na­len Finanz­aus­gleichs ange­wen­det. Dabei hat er offen­ge­las­sen, ob bei der Prü­fung eines Ver­sto­ßes gegen den Grund­satz der Sys­tem­ge­rech­tig­keit wegen des­sen Ver­an­ke­rung im Rechts­staats­prin­zip ein rein objek­ti­ver Maß­stab anzu­wen­den 27 oder ob wegen des aus Art. 58 NV abge­lei­te­ten Grund­sat­zes der Auf­ga­ben­ge­rech­tig­keit des Finanz­aus­gleichs aus­schließ­lich auf die doku­men­tier­ten Erwä­gun­gen des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers abzu­stel­len sei.
Die vor­ste­hend wie­der­ge­ge­be­nen Maß­stä­be sind auch bei der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung der Fra­ge zugrun­de zu legen, ob es dem Gebot der Sys­tem­ge­rech­tig­keit wider­spricht, dass die Jugend­hil­fe­um­la­ge als Son­der­um­la­ge nur von den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt auf­zu­brin­gen ist.
Der Grund­satz der Sys­tem­ge­rech­tig­keit wird durch § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG nicht dadurch ver­letzt, dass die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt mit der Jugend­hil­fe­um­la­ge Auf­wen­dun­gen der Regi­on für das Jugend­amt der Regi­on antei­lig finan­zie­ren. Zwar wei­sen die Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu Recht dar­auf hin, dass die Regi­on nach § 160 Abs. 4 Satz 1 NKomVG der ori­gi­nä­re ört­li­che Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe ist. Gleich­wohl ist es nicht sys­tem­wid­rig, dass die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt mit der Jugend­hil­fe­um­la­ge die im Gesetz genann­ten Auf­wen­dun­gen der Regi­on antei­lig finan­zie­ren. Denn die vom Jugend­amt der Regi­on erbrach­ten Leis­tun­gen, die als Bemes­sungs­grund­la­ge für die Jugend­hil­fe­um­la­ge her­an­ge­zo­gen wer­den, kom­men nur den Ein­woh­nern der Gemein­den zugu­te, die kein eige­nes Jugend­amt unter­hal­ten. Die mit die­sen Leis­tun­gen ver­bun­de­nen Auf­wen­dun­gen der Regi­on wer­den nun­mehr zu min­des­tens 20 % von den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt über die Jugend­hil­fe­um­la­ge finan­ziert. Damit ent­spricht die Belas­tung der von der Jugend­hil­fe­um­la­ge betrof­fe­nen Gemein­den im Aus­gangs­punkt dem damit kor­re­spon­die­ren­den Eigen­an­teil der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt. Folg­lich wer­den im Ergeb­nis die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem und ohne eige­nes Jugend­amt ver­gleich­bar belas­tet.
Ergän­zend zur Besei­ti­gung der Benach­tei­li­gung der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt woll­te der Gesetz­ge­ber – ent­spre­chend sei­nem ursprüng­li­chen Kon­zept der orts­na­hen Jugend­hil­fe in der Regi­on – auch einen Anreiz für regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den schaf­fen, ein eige­nes Jugend­amt zu errich­ten bzw. bei­zu­be­hal­ten. Die­se auch hin­sicht­lich des För­der­zwecks zuläs­si­ge und ins­ge­samt nach­voll­zieh­ba­re Begrün­dung hat hin­rei­chen­den Ein­gang in die Geset­zes­ma­te­ria­li­en gefun­den 22. Folg­lich kommt es nicht auf die vom Staats­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 04.06.2010 28 auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge an, ob ein rein objek­ti­ver Maß­stab anzu­wen­den oder aus­schließ­lich auf die doku­men­tier­ten Erwä­gun­gen des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers abzu­stel­len ist.
Kei­ne Ver­let­zung des Gebots der inter­kom­mu­na­len Gleich­be­hand­lung[↑]
Unbe­grün­det ist auch die Rüge, § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG ver­let­ze das Gebot inter­kom­mu­na­ler Gleich­be­hand­lung.
Der Staats­ge­richts­hof und ande­re Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te haben zur Begrün­dung der Schran­ken des gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raums aus dem im Rechts­staats­prin­zip ver­an­ker­ten objek­ti­ven Will­kür­ver­bot das Gebot der inter­kom­mu­na­len Gleich­be­hand­lung ent­wi­ckelt 29. Die­ses Gebot ver­bie­tet es nach einer vom Ver­fas­sungs­ge­richt des Lan­des Bran­den­burg stän­dig ver­wand­ten und auch vom Staats­ge­richts­hof über­nom­me­nen 30 Umschrei­bung, bei der Aus­ge­stal­tung des kom­mu­na­len Finanz­aus­gleichs bestimm­te Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­de sach­wid­rig zu benach­tei­li­gen oder zu bevor­zu­gen. Es ver­bie­tet will­kür­li­che, sach­lich nicht ver­tret­ba­re Dif­fe­ren­zie­run­gen und ist ver­letzt, wenn für die Rege­lung ein sach­li­cher Grund fehlt. Das Ver­fas­sungs­ge­richt hat dem­ge­gen­über nicht zu prü­fen, ob der Gesetz­ge­ber die best­mög­li­che und gerech­tes­te Lösung gewählt hat 31. In Respek­tie­rung der poli­ti­schen Hand­lungs- und Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers ist auch nicht zu prü­fen, ob die Rege­lung not­wen­dig oder gar unab­weis­bar ist. Der Gesetz­ge­ber darf inner­halb gewis­ser Gren­zen im Rah­men der Gemein­de­fi­nan­zie­rung auch ihm zweck­mä­ßig Erschei­nen­des ver­fol­gen. Ihm kommt inso­weit ein Ein­schät­zungs- und Beur­tei­lungs­spiel­raum zu, der gewahrt ist, wenn sich der "Gesetz­ge­ber auf eine nach­voll­zieh­ba­re und ver­tret­ba­re Ein­schät­zung stützt" 32.
Die­se zum kom­mu­na­len Finanz­aus­gleich ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze gel­ten auch für die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen über die Jugend­hil­fe­um­la­ge als Teil der Regi­ons­um­la­ge.
Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen sind nicht dadurch gleich­heits­wid­rig gegen­über ande­ren nie­der­säch­si­schen Gemein­den benach­tei­ligt, dass sie als regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den Teil eines beson­de­ren Rege­lungs­re­gimes sind, das sich im Bereich der Kin­der- und Jugend­hil­fe von dem der übri­gen nie­der­säch­si­schen Land­krei­se unter­schei­det. Unter­schied­li­che Rege­lun­gen bestehen zwar hin­sicht­lich der Mög­lich­keit für regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den, sich zum ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe bestim­men zu las­sen und im Bereich der Finan­zie­rung der Jugend­hil­fe­auf­ga­ben. Der Gesetz­ge­ber hat mit die­sen Son­der­re­ge­lun­gen den ihm zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raum jedoch nicht über­schrit­ten. Er hat viel­mehr die Son­der­re­ge­lun­gen den Ver­hält­nis­sen in der Regi­on Han­no­ver, die sich erheb­lich von denen im übri­gen Land unter­schei­den, ange­passt. Auf­grund der erheb­li­chen regio­na­len Unter­schie­de ist eine lan­des­ein­heit­li­che Rege­lung nicht gebo­ten.
Der Gesetz­ge­ber hat bereits mit der Errich­tung der Regi­on Han­no­ver als einer neu­ar­ti­gen Gebiets­kör­per­schaft auf die erheb­li­chen Beson­der­hei­ten im Groß­raum Han­no­ver reagiert.
Die­se bestehen zum einen in der Aus­nah­me­stel­lung der Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver, zum ande­ren in der beson­de­ren Ver­wal­tungs­kraft der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den. An die­se beson­de­re Ver­wal­tungs­kraft anknüp­fend woll­te der Gesetz­ge­ber im Bereich der Regi­on Han­no­ver einen mög­lichst bür­ger­na­hen Ver­wal­tungs­voll­zug för­dern 33. Um das poli­ti­sche Ziel einer dezen­tra­len Auf­ga­ben­wahr­neh­mung auf dem Gebiet der Jugend­hil­fe durch­zu­set­zen, hat der Gesetz­ge­ber einen zusätz­li­chen finan­zi­el­len Anreiz gesetzt. Die Erstat­tung von bis zu 80 % der im Gesetz genann­ten Auf­wen­dun­gen soll­te die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ver­an­las­sen, die Auf­ga­ben der öffent­li­chen Jugend­hil­fe selbst zu über­neh­men. Die­sen Ansatz hat der Gesetz­ge­ber im Rah­men der Bera­tung zum Reg­HanG nach­voll­zieh­bar begrün­det 34 und mit der Jugend­hil­fe­um­la­ge eben­falls nach­voll­zieh­bar wei­ter­ent­wi­ckelt.
Die Ein­füh­rung der Jugend­hil­fe­um­la­ge durch das NKomVG führt auch nicht zu einer gleich­heits­wid­ri­gen Ungleich­be­hand­lung der Beschwer­de­füh­re­rin­nen gegen­über kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt. Die Jugend­hil­fe­um­la­ge stellt ledig­lich eine Ergän­zung der bestehen­den Son­der­re­ge­lun­gen zur Finan­zie­rung der Auf­wen­dun­gen im Bereich der Jugend­hil­fe in der Regi­on Han­no­ver dar. Sie hält sich im Bereich der spe­zi­el­len Rege­lun­gen inner­halb der Regi­on Han­no­ver. Dar­aus folgt, dass kreis­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den nicht als Ver­gleichs­grup­pe für die Prü­fung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ungleich­be­hand­lung in Betracht kom­men. Denn die­se unter­lie­gen in zuläs­si­ger Wei­se einem ande­ren Rege­lungs­re­gime.
Die Jugend­hil­fe­um­la­ge führt auch nicht zu einer gleich­heits­wid­ri­gen Benach­tei­li­gung der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt gegen­über den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt. Zwar sind die Beschwer­de­füh­re­rin­nen und die übri­gen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt durch die Ein­füh­rung der Jugend­hil­fe­um­la­ge finan­zi­ell stär­ker belas­tet als zuvor; die­se stär­ke­re Belas­tung fin­det ihren sach­li­chen Grund jedoch in dem gesetz­ge­be­ri­schen Ziel, die zuvor bestehen­de Benach­tei­li­gung der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt zu besei­ti­gen. Inso­weit hat sich der Gesetz­ge­ber auf eine nach­voll­zieh­ba­re und ver­tret­ba­re Ein­schät­zung gestützt.
Eben­so­we­nig greift die Rüge durch, der Gesetz­ge­ber hät­te sein Ziel, die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt vor­ran­gig an der Finan­zie­rung der Auf­wen­dun­gen der Regi­on im Bereich der Jugend­hil­fe her­an­zu­zie­hen, dadurch bes­ser erreicht, wenn er eine Rege­lung wie in § 56 KrO NRW getrof­fen hät­te. Denn der Staats­ge­richts­hof hat nicht zu prü­fen, ob der Gesetz­ge­ber die best­mög­li­che und gerech­tes­te Lösung gewählt hat 35.
Kei­ne Über­ni­vel­lie­rung[↑]
Die Rüge, § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG ver­sto­ße gegen das Ver­bot der Über­ni­vel­lie­rung, greift eben­falls nicht durch.
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Staats­ge­richts­hofs sind dem Gesetz­ge­ber beim Erlass jeder finanz­aus­gleichs­recht­li­chen Rege­lung Gren­zen gesetzt. Der Finanz­aus­gleich soll die Finanz­kraft­un­ter­schie­de der Gemein­den durch Anglei­chung mil­dern (sog. Har­mo­ni­sie­rungs­ge­bot); er soll sie aber nicht voll­stän­dig abbau­en oder gar im Ergeb­nis bewir­ken, dass die tat­säch­li­che Finanz­kraft­rei­hen­fol­ge umge­kehrt wird. Daher fin­det das Aus­gleichs­ge­bot dort sei­ne Gren­ze, wo es zur Nivel­lie­rung oder gar Über­ni­vel­lie­rung führt 36.
Der Staats­ge­richts­hof lässt inso­weit offen, ob die­se zum kom­mu­na­len Finanz­aus­gleich ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze auf die Jugend­hil­fe­um­la­ge anwend­bar sind. Gegen die Über­tra­gung der Grund­sät­ze spricht der Umstand, dass die betrof­fe­nen Gemein­den die Wahl haben, sich zum ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe bestim­men zu las­sen und so zu ver­mei­den, zu der Jugend­hil­fe­um­la­ge her­an­ge­zo­gen zu wer­den. Jeden­falls sind die von den beschwer­de­füh­ren­den Gemein­den vor­ge­leg­ten Unter­la­gen nicht geeig­net, eine Rang­stel­len­ver­schie­bung zu bele­gen. So basie­ren die in der Anla­ge K3 aus­ge­wie­se­nen Rang­stel­len­ver­schie­bun­gen auf einem Ver­gleich der Einnahme/​Ausgabesituation der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den vor und nach der Berück­sich­ti­gung der neu ein­ge­führ­ten Jugend­hil­fe­um­la­ge. Eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Über­ni­vel­lie­rung wür­de jedoch nur dann ein­tre­ten, wenn sich die Rei­hen­fol­ge in der Finanz­kraft der Gemein­den nach Durch­füh­rung des Finanz­aus­gleichs unter Her­an­zie­hung der Jugend­hil­fe­um­la­ge ver­än­der­te. Dies ist jedoch weder von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen vor­ge­tra­gen wor­den, noch lässt es sich aus den vor­ge­leg­ten Unter­la­gen ent­neh­men.
Will­kür­li­che Berech­nungs­grund­la­gen[↑]
Unbe­grün­det ist auch die Rüge, die Bestim­mun­gen über die Jugend­hil­fe­um­la­ge ver­stie­ßen inso­weit gegen das Will­kür­ver­bot, als für die Ermitt­lung ihrer Höhe die Daten des vor­ver­gan­ge­nen Jah­res zugrun­de gelegt wür­den.
Die vom Gesetz­ge­ber bei der Berech­nung der Jugend­hil­fe­um­la­ge gewähl­te Anknüp­fung an die Auf­wen­dun­gen für das Jugend­amt der Regi­on im vor­ver­gan­ge­nen Jahr – und nicht an aktu­el­le Plan­da­ten – ist nicht will­kür­lich. Inso­weit woll­te der Gesetz­ge­ber gewähr­leis­ten, dass "es mit der Neu­ver­tei­lung der Auf­wen­dun­gen nicht zu einer Erhö­hung der Regi­ons­um­la­ge" ins­ge­samt kommt. Dazu soll­te "ein fes­ter, von der Regi­on tat­säch­lich auf­ge­wand­ter Betrag von den Umla­ge­grund­la­gen abge­zo­gen" 22 und vor­ab von den Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt ent­rich­tet wer­den. Dabei soll­te es sich nach der Vor­stel­lung des Gesetz­ge­bers um eine "klar bezif­fer­ba­re und veri­fi­zier­ba­re Sum­me" han­deln 22. Folg­lich hat der Gesetz­ge­ber zur Ver­mei­dung von Unsi­cher­hei­ten auf die Zugrun­de­le­gung von Plan­da­ten ver­zich­tet. Aller­dings kön­nen die Auf­wen­dun­gen der Regi­on für das Jugend­amt im vor­ver­gan­ge­nen Jahr (Bezugs­jahr) von den pro­gnos­ti­zier­ten Auf­wen­dun­gen der Regi­on für das Jugend­amt der Regi­on im über­nächs­ten Jahr, für das die Jugend­hil­fe­um­la­ge ermit­telt wird (Fest­set­zungs­jahr), abwei­chen. Der Gesetz­ge­ber hat jedoch eine nach­voll­zieh­ba­re und damit ver­fas­sungs­recht­lich aus­rei­chen­de Begrün­dung für die von ihm gewähl­te Anknüp­fung gege­ben.
Eben­so­we­nig ist es im Ergeb­nis ver­fas­sungs­recht­lich zu bean­stan­den, dass der Gesetz­ge­ber an die Auf­wen­dun­gen der Regi­on aus dem vor­ver­gan­ge­nen Jahr – und nicht aus dem ver­gan­ge­nem Jahr – anknüpft. Dies gilt jeden­falls, soweit sich die Anzahl der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt zwi­schen dem Bezugs­jahr und dem Fest­set­zungs­jahr nicht ändert. In die­sem Fall wird durch die Anknüp­fung an das Vor­vor­jahr gewähr­leis­tet, dass die­se Daten bei der Berech­nung der Regi­ons­um­la­ge (ein­schließ­lich der Jugend­hil­fe­um­la­ge) tat­säch­lich vor­lie­gen. Dies wäre bei einer Anknüp­fung an die Auf­wen­dun­gen der Regi­on für das Vor­jahr nach den Anga­ben der Aus­kunfts­per­so­nen in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht gewähr­leis­tet. Die­ses Vor­ge­hen hat der Gesetz­ge­ber im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zwar knapp, aber noch aus­rei­chend begrün­det 37.
Die vom Gesetz­ge­ber bei der Ermitt­lung der Jugend­hil­fe­um­la­ge gewähl­te Anknüp­fung an die Auf­wen­dun­gen für das Jugend­amt der Regi­on im vor­ver­gan­ge­nen Jahr wür­de sich jedoch als sach­wid­rig erwei­sen, falls sich die Zahl der Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt zwi­schen dem Bezugs­jahr und dem Fest­set­zungs­jahr ver­rin­ger­te. Nach dem Wort­laut des § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG müs­sen die­je­ni­gen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den die Jugend­hil­fe­um­la­ge auf­brin­gen, die in dem Fest­set­zungs­jahr kein eige­nes Jugend­amt unter­hal­ten. Die im Gesetz genann­ten Auf­wen­dun­gen für das Jugend­amt der Regi­on als Bemes­sungs­grund­la­ge für die Jugend­hil­fe­um­la­ge ent­hal­ten aber auch Auf­wen­dun­gen, die noch den Ein­woh­nern der­je­ni­gen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den zugu­te­ge­kom­men sind, die erst zwi­schen dem Bezugs­jahr und dem Fest­set­zungs­jahr ein Jugend­amt ein­ge­rich­tet haben. Damit trü­gen die regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den, die im Fest­set­zungs­jahr über kein eige­nes Jugend­amt ver­füg­ten, im Ergeb­nis Auf­wen­dun­gen, die wirt­schaft­lich einer grö­ße­ren Zahl von regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den zugu­te­ge­kom­men sind, als nun­mehr zur Auf­brin­gung der Jugend­hil­fe­um­la­ge her­an­ge­zo­gen wer­den.
Die­se erhöh­te Belas­tung der ver­blei­ben­den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt wäre nicht durch sach­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt. Es wäre nicht zu begrün­den, war­um im Fal­le der Errich­tung wei­te­rer Jugend­äm­ter durch regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den die ver­blei­ben­den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­ne Jugend­äm­ter die gesam­te Jugend­hil­fe­um­la­ge auf­brin­gen soll­ten, deren Höhe auch dadurch beein­flusst ist, dass im Bezugs­jahr die­je­ni­gen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den, die in der Zwi­schen­zeit ein eige­nes Jugend­amt errich­tet haben, noch kein eige­nes Jugend­amt hat­ten. Inso­weit wür­den die ver­blei­ben­den Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt qua­si den Anteil der­je­ni­gen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit über­neh­men, die zwi­schen dem Bezugs­jahr und dem Fest­set­zungs­jahr ein eige­nes Jugend­amt errich­tet haben. Fer­ner ist von Bedeu­tung, dass sich die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen für das Jugend­amt der Regi­on sich im Fest­set­zungs­jahr im Ver­hält­nis zum Bezugs­jahr ten­den­zi­ell ver­rin­gern dürf­ten, falls nach dem Bezugs­jahr wei­te­re regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den eige­ne Jugend­äm­ter errich­te­ten.
Obwohl nach dem blo­ßen Wort­laut des § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG in der geschil­der­ten Kon­stel­la­ti­on eine sach­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung der ver­blei­ben­den umla­ge­pflich­ti­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt vor­lä­ge, führt dies jedoch nicht zu einem Ver­fas­sungs­ver­stoß, da eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung der Bestim­mung mög­lich ist. Nach ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung sind nur die Gemein­den, die auch im Fest­set­zungs­jahr kein eige­nes Jugend­amt unter­hal­ten, zur Jugend­hil­fe­um­la­ge her­an­zu­zie­hen. Die Jugend­hil­fe­um­la­ge wird jedoch um den Betrag gemin­dert, der auf die­je­ni­gen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ent­fällt, die zwi­schen Bezugs­jahr und Fest­set­zungs­jahr ein eige­nes Jugend­amt errich­tet haben. Damit ent­spricht der tat­säch­lich von den ver­blei­ben­den regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt auf­zu­brin­gen­de Anteil nur dem­je­ni­gen Betrag, der auf sie ent­fal­len wäre, wenn sich die Anzahl der regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt nicht ver­än­dert hät­te.
Als Fol­ge hier­von wür­de die Jugend­hil­fe­um­la­ge in die­ser Kon­stel­la­ti­on gerin­ger aus­fal­len. Dies dürf­te in der Pra­xis jedoch mit dem Umstand kor­re­spon­die­ren, dass sich die Auf­wen­dun­gen der Regi­on für das Jugend­amt der Regi­on ten­den­zi­ell ver­min­der­ten, falls wei­te­re regi­ons­an­ge­hö­ri­ge Gemein­den nach dem Bezugs­jahr eige­ne Jugend­äm­ter errich­te­ten. Die nach Abzug der so ver­min­der­ten Jugend­hil­fe­um­la­ge ver­blei­ben­de Regi­ons­um­la­ge wird dann – sys­tem­ge­recht – von allen regi­ons­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den auf­ge­bracht.
Kein Ver­stoß gegen den Bestimmt­heits­grund­satz[↑]
Unbe­grün­det ist auch die Rüge, nach den Maß­stä­ben des Urteils des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts Sach­sen-Anhalt vom 16.02.2010 38 ver­sto­ße § 166 Abs. 3 Sät­ze 4 und 5 NKomVG gegen den Bestimmt­heits­grund­satz; das NKomVG rege­le nicht, nach wel­chem Maß­stab die Jugend­hil­fe­um­la­ge von den betrof­fe­nen Gemein­den auf­zu­brin­gen sei. In der genann­ten Ent­schei­dung führt das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt aus: "Kern­ele­ment des Rechts­staats­prin­zips ist, dass alle mate­ri­el­len Rechts­nor­men mit Rege­lungs­an­spruch dem Rechts­un­ter­wor­fe­nen gegen­über die­sem die Mög­lich­keit ein­räu­men, sein Ver­hal­ten auf die Rechts­norm ein­zu­rich­ten 39. Schon nach all­ge­mei­nen rechts­staat­li­chen Regeln ver­langt der Bestimmt­heits­grund­satz, gesetz­li­che Tat­be­stän­de so prä­zi­se zu for­mu­lie­ren, dass ein Normadres­sat sein Han­deln kal­ku­lie­ren kann, weil die Fol­gen der Rege­lung für ihn vor­aus­seh­bar und bere­chen­bar sind. Dies bedeu­tet zwar nicht, dass die Norm über­haupt kei­ne Aus­le­gungs­pro­ble­me auf­wer­fen darf. Dem Bestimmt­heits­er­for­der­nis ist viel­mehr genügt, wenn die­se mit her­kömm­li­chen juris­ti­schen Metho­den bewäl­tigt wer­den kön­nen 40."
Nach die­sen Grund­sät­zen, denen sich der Nie­der­säch­si­sche Staats­ge­richts­hof anschließt, liegt kein Ver­stoß gegen den Bestimmt­heits­grund­satz vor. Zwar ist in § 166 Abs. 3 NKomVG nicht aus­drück­lich gere­gelt, in wel­chem Ver­hält­nis die Jugend­hil­fe­um­la­ge von den betrof­fe­nen Gemein­den zu erbrin­gen ist; dies ist jedoch auch nicht erfor­der­lich. Es reicht aus, dass ent­spre­chen­de Rege­lun­gen im NFAG getrof­fen wor­den sind. Da die Jugend­hil­fe­um­la­ge mit der Regi­ons­um­la­ge erho­ben wird, gel­ten man­gels spe­zi­el­ler Rege­lun­gen die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten über die Erhe­bung der Regi­ons­um­la­ge. Maß­ge­ben­de Para­me­ter sind nach § 3 Abs. 3 NKomVG i.V.m. § 15 Abs. 2 NFAG dem­nach die Steu­er­kraft­zah­len der betrof­fe­nen Gemein­den sowie die auf sie ent­fal­len­den Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen. Dies bedeu­tet im Ergeb­nis, dass die Höhe der Jugend­hil­fe­um­la­ge in der Wei­se von der Finanz­kraft der betrof­fe­nen Gemein­den abhän­gig ist, dass finanz­stär­ke­re Gemein­den einen grö­ße­ren Anteil als finanz­schwä­che­re Gemein­den zu tra­gen haben.
Kein sach­widrig­ri­ger Erhe­bungs­maß­stab[↑]
Die Erhe­bung der Jugend­hil­fe­um­la­ge nach Maß­ga­be der Finanz­kraft der betrof­fe­nen Gemein­den ist auch nicht sach­wid­rig und ver­letzt des­halb nicht das Will­kür­ver­bot.
Inso­weit steht – wie aus­ge­führt – dem Gesetz­ge­ber ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum zu. Die von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen gefor­der­te Anknüp­fung an die tat­säch­li­chen Fall­zah­len und damit an die in den betrof­fe­nen Gemein­den ver­ur­sach­ten Kos­ten wäre zwar in glei­cher Wei­se mög­lich gewe­sen; sie ist jedoch nicht zwin­gend. Hin­sicht­lich der Zuwei­sun­gen an die Gemein­den im Rah­men des kom­mu­na­len Finanz­aus­gleichs hat der Staats­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung ent­schie­den, dass für die Bestim­mung der nach Art. 58 NV erfor­der­li­chen Mit­tel – anders als bei Art. 57 Abs. 4 NV – kei­ne Kos­ten­ana­ly­se, son­dern eine typi­sie­ren­de Bedarfs­ana­ly­se vor­zu­neh­men ist 41. Dies bedeu­tet, dass es bei der Ver­tei­lung der Mit­tel im Rah­men des Art. 58 NV nicht auf die tat­säch­li­chen Kos­ten der ein­zel­nen Gemein­den ankommt. Die­se Wer­tung ist auf die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on zu über­tra­gen.
Der Gesetz­ge­ber hat sich in Kennt­nis ande­rer Mög­lich­kei­ten für die Auf­brin­gung der Jugend­hil­fe­um­la­ge nach Maß­ga­be der Finanz­kraft der betrof­fe­nen Gemein­den ent­schie­den. Er hat dies mit den Gesichts­punk­ten der Prak­ti­ka­bi­li­tät und mit der Gewähr­leis­tung der Aus­gleichs­funk­ti­on der Regi­on begrün­det 22. Die­se Begrün­dung ist nach­voll­zieh­bar und ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die Ver­tei­lung der Auf­wen­dun­gen nach Fall­zah­len bzw. den tat­säch­li­chen Kos­ten hät­te einen nicht uner­heb­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wand nach sich gezo­gen. Die inso­weit wirk­sa­me Aus­gleichs­funk­ti­on der Regi­on hat zur Fol­ge, dass dem vom Staats­ge­richts­hof auf­ge­stell­ten Gebot der Har­mo­ni­sie­rung Rech­nung getra­gen wird 42. Die­ses Har­mo­ni­sie­rungs­ge­bot ist auch bei der Fest­le­gung der Maß­stä­be für die Regi­ons­um­la­ge zu beach­ten.
Aus­wei­tung der Umla­ge­mög­lich­kei­ten nach § 160 Abs. 4 Satz 7 NKomVG[↑]
Soweit sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen § 160 Abs. 4 Satz 7 NKomVG rich­ten, könn­ten bereits Zwei­fel an deren Zuläs­sig­keit bestehen. Sie sind jeden­falls unbe­grün­det.
Die Rüge, die der Regi­on durch § 160 Abs. 4 Satz 7 NKomVG ein­ge­räum­te Befug­nis, die Erstat­tungs­mög­lich­keit nach § 160 Abs. 4 Sät­ze 5 und 6 NKomVG auf wei­te­re Leis­tun­gen nach dem SGB VIII aus­zu­wei­ten, erhö­he die Belas­tung der Gemein­den durch die Jugend­hil­fe­um­la­ge in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se, greift nicht durch.
Nach § 160 Abs. 4 Satz 7 NKomVG in der Fas­sung des Ände­rungs­ge­set­zes vom 12. Dezem­ber 2012 kann die Regi­on Han­no­ver die Anwen­dung der Sät­ze 5 und 6 auf wei­te­re Auf­ga­ben und Leis­tun­gen nach dem SGB VIII erstre­cken. Als sol­che Leis­tun­gen kom­men bei­spiels­wei­se die Bera­tung in Fra­gen der Part­ner­schaft, Tren­nung und Schei­dung (§ 17), die Bera­tung und Unter­stüt­zung bei der Aus­übung der Per­so­nen­sor­ge und des Umgangs­rechts (§ 18), die Betreu­ung und Ver­sor­gung des Kin­des in Not­si­tua­tio­nen (§ 20), die Unter­stüt­zung selbst orga­ni­sier­ter För­de­rung von Kin­dern (§ 25), die Hil­fe zur Erzie­hung (§ 27), die Erzie­hungs­be­ra­tung (§ 28), die Kran­ken­hil­fe (§ 40), die Mit­wir­kung im Ver­fah­ren vor den Fami­li­en­ge­rich­ten (§ 50), die Bera­tung und Unter­stüt­zung bei Vater­fest­stel­lung (§ 52a), die För­de­rung der frei­en Jugend­hil­fe (§ 74) und die Finan­zie­rung von Tages­ein­rich­tun­gen für Kin­der (§ 74a) in Betracht.
Sofern die Regi­on von die­ser Erwei­te­rungs­mög­lich­keit Gebrauch machen wür­de, führ­te dies zunächst zu einem erhöh­ten Erstat­tungs­an­spruch der Gemein­den mit eige­nem Jugend­amt gegen­über der Regi­on. Die Erwei­te­rung hät­te spie­gel­bild­lich zur Fol­ge, dass sich die Bemes­sungs­grund­la­ge für die Jugend­hil­fe­um­la­ge ver­än­der­te und die Gemein­den ohne eige­nes Jugend­amt eine höhe­re Umla­ge zu tra­gen hät­ten. Allein der Hin­weis der Beschwer­de­füh­re­rin­nen auf die mit der Erwei­te­rungs­mög­lich­keit ein­her­ge­hen­de höhe­re finan­zi­el­le Belas­tung reicht jedoch nicht aus, um eine Ver­let­zung des Selbst­ver­wal­tungs­rechts zu begrün­den.
Nie­der­säch­si­scher Staats­ge­richts­hof, Urteil vom 29. April 2013 – StGH 2/​12
Nds. GVBl. S. 576[↩][↩][↩]
Nds. GVBl. S. 279[↩][↩]
Nds. GVBl. S. 589[↩][↩]
Nds. GVBl. S. 45[↩]
vgl. Nds. LT-Drs. 14/​3010, S. 5[↩]
vgl. Nds. LT-Drs. 14/​1880, S. 79[↩]
Nds. StGH, Urteil vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 u.a. , NStGHE 4, 31, 49.[↩]
1. Nach­trag zur Vor­la­ge 16 zu Nds. LT-Drs. 16/​2510[↩]
Schrei­ben der Arbeits­ge­mein­schaft der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de Nie­der­sach­sens vom 13.10.2010, Vor­la­ge 17 zu Nds. LT-Drs. 16/​2510[↩]
Nds. StGH, Beschluss vom 15.08.1995 – StGH 2,3,6 bis 10/​93 , NStGHE 3, 136, 156 ff.[↩]
Nds. StGH, Urteil vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 u.a. , NStGHE 4, 31, 56 ff.[↩]
Nds. GVBl., S. 58[↩]
§ 8 Abs. 6 Satz 1 Reg­HanG; § 160 Abs. 4 Satz 1 NKomVG[↩]
Nds. StGH, Urtei­le vom 25.11.1997 – StGH 14/​95 u.a. , NStGHE 3, 299, 315, und vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 u.a. , NStGHE 4, 31, 57[↩]
Nds. StGH, Urtei­le vom 25.11.1997 – StGH 14/​95 u. a. , NStGHE 3, 299, 319, und vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 u.a. , NStGHE 4, 31, 60[↩]
Nds. StGH, Urteil vom 25.11.1997 – StGH 14/​95 u. a. , NStGHE 3, 320[↩]
sie­he auch Nds. StGH, Urteil vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 u.a. , NStGHE 4, 31, 58 zur Ver­gleich­bar­keit des Finanz­aus­gleichs mit der Erhe­bung einer Kreis­um­la­ge[↩]
Kern, in: Schellhorn/​Fischer/​Mann/​Kern, Kom­men­tar zum SGB VIII, 4. Aufl.2012, § 69 Rn. 23; Gru­be, in: Hauck, Kom­men­tar zum SGB VIII, Losebl. 42. Lfg. IV/​09, § 69 Rn. 8[↩]
vgl. Stein, in: Ipsen, Kom­men­tar zum NKomVG, 2011, § 165, Rn. 10[↩]
vgl. hier­zu Nds. StGH, Urteil vom 04.06.2010 – StGH 1/​08 , NdsVBl.2010, 236, 241[↩]
Schrift­li­cher Bericht zum Ent­wurf eines Geset­zes zur Zusam­men­fas­sung und Moder­ni­sie­rung des Nie­der­säch­si­schen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­rechts, Nds. LT-Drs. 16/​3147, S. 31[↩]
1. Nach­trag zur Vor­la­ge 16 zu Nds. LT-Drs. 16/​2510, S. 2[↩][↩][↩][↩][↩][↩]
Nds. StGH, Urteil vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 , NStGHE 4, 31, 66 f.[↩]
BVerfG, Urteil vom 19.10.1982 – 1 BvL 39/​80, BVerfGE 61, 138, 148 f.; Beschluss vom 06.11.1984, – 2BvL 16/​83 , BVerfGE 68, 237, 253; Urteil vom 23.01.1990, – 1 BvL 44/​86 , – 1 BvL 48/​87 , BVerfGE 81, 156, 207[↩]
VerfGH NRW – VerfGH 10/​06 , NWVBl.2008, 223 m.w.N.[↩]
StGB, Urteil vom 04.06.2010 – StGH 1/​08 , NdsVBl.2010, 236, 241 f.[↩]
vgl. dazu BVerfG, Beschlüs­se vom 05.10.1993 – 1 BvL 34/​81, BVerfGE 89, 132, 141 und vom 18.07.2005 – 2 BvF 2/​01, BVerfGE 113, 167, 262; Nds. StGH, Urteil vom 14.02.1979 – StGH 2/​77 , NStGHE 2, 1, 155[↩]
- StGH 1/​08 , NdsVBl.2010, 236, 242[↩]
Nds. StGH, Urteil vom 04.06.2010 – StGH 1/​08 , NdsVBl.2010, 236, 241 f. m.w.N.[↩]
Nds. StGH, Urteil vom 04.06.2010 – StGH 1/​08 , NdsVBl.2010, 236, 241 f.[↩]
VerfGH NRW, Urteil vom 01.12.1998 – VerfGH 5/​97 , DVBl.1999, 391[↩]
vgl. VerfG Bbg, Urtei­le vom 18.06.1998, – VfG­Bbg 27/​97 , LVerfGE 8, 97, 139, und vom 29.08.2002, – VfG­Bbg 34/​01 , LVerfGE 13, 159, 174; Beschluss vom 18.05.2006, – VfG­Bbg 39/​04 , LVerfGE 17, 103[↩]
Nds. LT-Drs. 14/​1880, S. 73[↩]
Nds. LT-Drs. 14/​1880, S. 78 ff.[↩]
LVerfG Meck­len­burg Vor­pom­mern, Urteil vom 26.01.2012, – LVerfG 18/​10 u. 33/​10 , Nor­dÖR 2012, 229 m.w.N.[↩]
Nds. StGH, Beschluss vom 15.08.1995 – StGH 2,3,6 bis 10/​93 , NStGHE 3, 136 164; Nds. StGH, Urteil vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 u.a. , NStGHE 4, 31, 58; Nds. StGH, Urteil vom 04.06.2010 – StGH 1/​08 , NdsVBl.2010, 236, 239[↩]
vgl.01. Nach­trag zur Vor­la­ge 16 zu Nds. LT-Drs. 16/​2510, S. 2[↩]
LVerfG LSA, Urteil vom 16.02.2010 – LVG 9/​08 , LKV 2010, 477[↩]
BVerfG, Beschluss vom 07.04.1964 – 1 BvL 12/​63 , BVerfGE 17, 306, 314[↩]
BVerfG, Beschluss vom 27.11.1990 – 1 BvR 402/​87 , BVerfGE 83, 130, 145[↩]
Nds. StGH, Beschluss vom 15.08.1995 – StGH 2,3,6 bis 10/​93 , NStGHE 3, 136, 164, und Urteil vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 u.a. , NStGHE 4, 31, [↩]
vgl. Nds. StGH, Beschluss vom 15.08.1995 – StGH 2,3,6 bis 10/​93 , NStGHE 3, 136, 164; Nds. StGH, Urteil vom 16.05.2001 – StGH 6/​99 u.a. , NStGHE 4, 31, 56 und Nds. StGH, Urteil vom 04.06.2010 – StGH 1/​08 , NdsVBl.2010, 236, 240 jeweils zum über­ge­meind­li­chen Finanz­aus­gleich[↩]
JugendamtJugendhilfeKommunalverfassungKommunalverfassungsbeschwerdenKreisumlageRegion HannoverSonderumlage

References: § 160
 § 166
 § 160
 § 69
 § 1
 § 1
 § 5
 § 8
 § 11
 § 8
 § 8
 § 78
 § 8
 § 160
 § 8
 Art. 7
 § 160
 § 78
 § 160
 § 11
 § 163
 § 163
 § 1
 § 166
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 Art. 4
 § 160
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 Art. 54
 § 8
 § 166
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 § 166
 Art. 57
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 Art. 58
 Art. 57
 Art. 58
 Art. 57
 Art. 58
 Art. 57
 Art. 58
 § 166
 Art. 58

Art. 58
 Art. 58
 § 166
 § 69
 § 69
 Art. 84
 § 69
 § 163
 § 1
 § 165
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 § 163
 § 166
 Art. 58
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 § 3
 § 15
 Art. 58
 Art. 57
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