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Timestamp: 2020-02-26 02:41:37+00:00

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Positive Fortführungsprognose vs. Überschuldung - Guter Rat muss nicht teuer sein
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Wie Sie mittels einer positiven Fortführungsprognose die Überschuldung vermeiden
Durch Art. 5 des FMStG wurde die Definition der Überschuldung in § 19 Abs. 2 InsO mit Wirkung ab dem 18.10.2008 vorübergehend geändert. Der gemilderte Überschuldungsbegriff sollte nach einer Verlängerung noch bis zum 31.12.2013 gelten und ist nun dauerhaft entfristet.
Damit schließt auch zukünftig eine positive Fortführungsprognose eine Überschuldung aus.
Die Entfristung trägt dem Umstand Rechnung, dass sich der Überschuldungsbegriff in der Praxis bewährt habe.
Durch den gemilderten Überschuldungsbegriff soll verhindert werden, dass Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen müssen, obwohl sie eine positive Fortbestehensprognose haben und damit überlebensfähig sind.
Bedeutung des Überschuldungsbegriffs
Bei juristischen Personen, nicht eingetragenen Vereinen oder Gesellschaften ohne Rechtspersönlichkeit, bei denen kein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist, wie bei der GmbH & Co. KG, kann neben der Zahlungsunfähigkeit ( § 17 InsO) und der drohenden Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO), die Überschuldung (§ 19 InsO) ein Eröffnungsgrund für ein Insolvenzverfahren sein.
Der Überschuldungsbegriff hat unter anderem Bedeutung für:
Überschuldung als Straftatbestandsmerkmal
(vgl. Insolvenzstraftat Bankrott §§ 283, 283 a StGB und Insolvenzverschleppung § 15 a InsO)
Überschuldung als Haftungstatbestandsmerkmal
(vgl. § 64 S.1 GmbHG, § 130 a Abs. 2 HGB und §§ 823 Abs.2 BGB i. V. m. § 15 a Abs. 1 InsO)
Somit können durch die Neuregelung rechnerisch überschuldete Unternehmen der Insolvenzantragspflicht entgehen, sofern sie eine positive Fortführungsprognose aufstellen können.
Bewertungsansatz: Die Überschuldungsbilanz ist nicht mit der Handelsbilanz identisch, sondern stellt eine eigenständige Sonderbilanz dar. Es sind die tatsächlichen Zeitwerte zu ermitteln, handelsrechtliche Bewertungsvorschriften spielen keine Rolle.
Die Aktiva sind nach ihren wahren, das heißt realisierbaren Verkehrswerten unter Auflösung der stillen Reserven anzusetzen und bei den Passiva sind die echten, also real bestehenden Verbindlichkeiten einzusetzen. Unbewegliches Vermögen (Immobilien) ist mit dem Verkehrswert zu berücksichtigen. Bei Finanzanlagen ist der Ertragswert entscheidend. Im Umlaufvermögen sind die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie die Halb- und Fertigprodukte unter Liquidationsgesichtspunkten mit ihrem Marktwert anzusetzen. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind nach dem bilanzrechtlichen Vorsichtsprinzip zu bewerten. Bei den Passiva sind sämtliche Verbindlichkeiten, auch solche, die noch nicht fällig oder gestundet sind, einzusetzen. Rückstellungen sind dann zu passivieren, wenn mit einer Inanspruchnahme ernstlich zu rechnen ist. Gesellschafterdarlehn oder Rechtshandlungen, die einem solchen Darlehn wirtschaftlich entsprechen, sind grundsätzlich im Überschuldungsstatus als Verbindlichkeiten aufzunehmen (etwas anderes gilt nur dann, wenn für sie ein Rangrücktritt vereinbart worden ist).
Fortführungsprognose: Ergänzend ist auch festzustellen, ob für das Schuldnerunternehmen eine positive oder negative Fortführungsprognose besteht, d. h. ob in der Lage ist, die Überschuldungssituation zu überwinden und zumindest auf mittlere Sicht wieder eine Finanzkraft zu entwickeln, die zur Fortführung des Unternehmens ausreicht. Es ist nicht erforderlich, dass die Überlebensprognose mit absoluter Sicherheit gestellt werden kann. Für eine positive Fortführungsprognose ist aber erforderlich, dass die Überwindung der Überschuldungssituation überwiegend wahrscheinlich ist.

References: Art. 5
 § 19
 § 17
 § 15
 § 64
 § 130
 § 15