Source: https://www.kaninchenwiese.de/service/hilfen/tierquaelerei-was-tun/
Timestamp: 2019-11-18 20:03:00+00:00

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Ihr habt eine schlechte Kaninchenhaltung beobachtet?
Wir erhalten viele Anfragen in denen es um beobachtetes Kaninchenleid geht, mit diesem Leitfaden möchten wir Tipps geben, wie man in solchen Fällen vorgehen kann.
Nicht wegsehen: Handeln!
Egal wo ein Tier Hilfe benötigt – schaut nicht weg, denn es kann sich nicht selber helfen, sondern ist seinem Schicksal überlassen. Schauen Sie hin und handeln Sie! Das ist manchmal unangenehm und zeitaufwändig, braucht viel Durchhaltevermögen und Engagement, aber es lohnt sich dran zu bleiben.
Situation abklären, Missstände beobachten
Als erstes ist es wichtig, abzuklären, welche Missstände bestehen. Dabei geht es zum einen darum, welche die Hauptprobleme sind bzw. was man beanstanden möchte (je klarer man sich das vorher überlegt, desto überzeugender und klarer ist man nachher), zum anderen geht es jedoch auch darum, welche Handlungsmöglichkeiten man hat.
Missstände, bei denen Behörden einschreiten (Veterinäramt, Polizei)
Die Tiere werden nicht täglich mit Futter und Wasser versorgt und/oder bekommen kein Wasser und/oder nur sporadisch Futter.
Die Tiere werden nicht gepflegt, sitzen im eigenen Dreck, sind schmutzig und verwahrlost.
Haben die Tiere Verletzungen, starke Verschmutzungen im Fell oder andere Krankheitszeichen? Werden kranke Tiere tierärztlich behandelt? Ist Durchfall oder ein anderes Krankheitszeichen sichtbar?
Ist ein Stall völlig überbevölkert oder werden die Kaninchen in ungeeigneten Behältnissen gehalten?
Gesetzliche Mindestmaße für Nutzkaninchen: TierSchNutztV
Vorgaben der TVT für Haus- und Nutzkaninchen: Merkblätter (die TVT gilt als fachgutachtliche Auslegung des §2 TschG, das Merkblatt wird von Amtsveterinären bei Haltungsprüfungen als Vorgabe geprüft):
Min. 6m² Tag und Nacht für zwei Kaninchen, jedes weitere +20%. Käfige und Ställe aus dem Handel sind zu klein und deshalb gesetzeswidrig!
Die Tiere werden misshandelt oder verletzt (u.a. §1 und §11 2a TschG)
Die Kaninchen stehen in irgendeinem dunklen Raum ohne Licht und mit Abgasbelastung oder anderer Gefährdung.
Es werden große Tierzahlen gehalten und vernachlässigt (Animal Hoarding)
Es wird gegen andere Gesetze verstoßen (z.B. Verkauf von Tieren (Einnahmen) ohne Anmeldung > dem Gewerbeamt melden). Ab 100 Jungtiere/Jahr oder anderen Parametern ist ein Züchter gewerblich.
Der Halter hat keine anerkannte Sachkunde, aber hält Tiere gewerblich oder schlachtet Tiere und verkauft sie? Ein Sachkundenachweis muss für die gewerbsmäßige Haltung der Tiere vorliegen (gemäß §11 TschG (Ausnahme: landwirtschaftliche Nutztierhaltung) und Abschnitt 6 der TierSchNutztV), oder zum Töten von Kaninchen (nach §4 Abs. 1a TierSchG sowie Artikel 11VO (EG) 1099/2009). Zur Tötung für den Eingenbedarf ist kein Sachkundenachweis nötig, jedoch muss der Ausführende sachkundig sein. Eine unsachgemäße Tötung ist auch in diesem Fall strafbar.
Der Halter kennt sich nicht mit der Haltung der Tiere aus? Sachkunde muss nach für das Halten von Tieren (nach §2 TierSchG) und für das Töten der Kaninchen (gemäß §4 Abs. 1 Satz 3 TierSchG) grundsätzlich bei jedem Halter vorhanden sein! Es kann sich also keiner bei falscher Haltung oder unsachgemäßen Töten herausreden, dass er sich nicht informiert hat.
Mastkaninchen leben in Einzelhaltung? (TierSchNutztV, §2 und 2a TschG)
Hauskaninchen leben in Einzelhaltung? §2 und 2a TschG, Vorgaben der TVT für Hauskaninchen: Merkblätter (die TVT gilt als fachgutachtliche Auslegung des §2 TschG, das Merkblatt wird von Amtsveterinären bei Haltungsprüfungen als Vorgabe geprüft).
Die Kaninchen leben rein auf Gitter? (TierSchNutztV)
Die Tiere haben keine erhöhte Ebene und keine Rückzugsmöglichkeit (z.B. unter dem Unterschlupf)? (TierSchNutztV)
Missstände, die für die Öffentlichkeit interessant sind (Presse):
Öffentliche Einrichtungen wie z.B. Zoos, Zoohandlungen, Kleintierzoos, Läden, Kindergärten, Schulen etc.
Einrichtungen die einem Tierschutzverein zugehörig sind (z.B. Tierheime)
Missstände, die weniger „schlimm“ sind aber trotzdem angesprochen werden sollten
Nicht viel aber zumindest etwas Platz
Haltungsfehler wie z.B. Trinkflaschen, schlechte Kontrolle der Tiere etc.
Ungeeignete/Ungesunde Fütterung
Es können verschiedene Gesetze herangezogen werden, wenn ein Tier Hilfe braucht.
3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.“ TierSchG §2
b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“ § 17 TschG
1. einem Wirbeltier, das er hält, betreut oder zu betreuen hat, ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, […]“ §18 TschG
Auch viele andere Tatbestände sind im TschG geklärt, z.B. das Töten oder der Verkauf von Tieren ohne Genehmigung. Das TschG legt auch fest, dass Tiere, die gequält werden, dem Besitzer entzogen werden dürfen.
Die Veterinäramter orientieren sich an den Merkblättern der TVT (Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz) bei Haltungskontrollen. Fordert der Amsveterinär diese Vorgaben, so sind sie rechtlich bindend. Seit 2014 wurden Kaninchen in die Tierschutz-Nutztierverordnung aufgenommen, diese gilt für alle Mast-, Zucht- und Schlachtkaninchen. Diese Vorgaben sind auch auf die Haustierhaltung übertragbar. Genaue Infos dazu finden Sie hier.
Augenblickliches Handeln erforderlich?
Bei manchen Fällen ist Gefahr im Verzug, die ein sofortiges Einschreiten nötig macht, z.B. bei
Tieren mit starken Schmerzen
Schwer kranken Tieren
Tieren die irgendwo fest hängen und sich nicht selber befreien können
Tieren in Lebensgefahr
Tiere die z.B. in einem Auto bei sommerlichen Temperaturen allein gelassen werden
In diesen Fällen rufen Sie am besten umgehend die Polizei und sagen Sie bereits am Telefon, dass Sie einschreiten möchten. Dies ist natürlich nur nötig, wenn der Besitzer uneinsichtig oder abwesend ist. Wenn ein unauffälliges Einschreiten möglich ist (z.B. ein Tier das fest hängt befreien) kann darauf oft verzichtet werden.
Haltung, Fütterung und Pflege dokumentieren
Gerade wenn es um Misstände geht, bei denen in Frage steht, ob eine Beratung ausreicht um die Situation der Kaninchen zu verbesser, ist eine gute Dokumentation der Haltungsbedingungen wichtig. Dafür eignen sich Fotos (oft unauffällig mit Smartphone möglich), die Beobachtung der Versorgung mit anschließender genauer Beschreibung, Tierarzt-Gutachten (z.B. wenn man ein Tier aus dieser Haltung erworben hat) und Zeugen. Es empfiehlt sich, über einen längeren zeitraum immer wieder die Haltung so zu dokumentieren, dieses Material kann später hilfreich bei Behördengängen (Polizei, Veterinäramt) sein. Meist ist es sinnvoll, die Situation vor dem ersten Gespräch zu dokumentieren, da man es dann oft noch unauffälliger machen kann.
Viele Halter handeln aus purer Unwissenheit tierschutzwidrig oder zum Schaden der Tiere. Deshalb ist es sehr wichtig, dem Halter die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren. Dafür geeignet ist das Einwerfen oder Abgeben von Flyern und anderen Informationen oder ein unverfängliches Gespräch.
Auch Infomaterial kann übersehen werden oder wird einfach nicht gelesen, weil wenig Interesse besteht oder der Halter denkt, dass er sich bereits gut auskennt und alles für sein Tier tut. Deshalb ist es sehr wichtig, Missstände offen anzusprechen und aufzuklären, was man verbessern könnte.
Tipps für ein möglichst ergiebiges Gespräch:
Machen Sie erst einmal keine Vorwürfe, bleiben Sie sachlich und ruhig.
Schildern sie die Hauptprobleme und nicht die Kleinigkeiten, die vielleicht auch nicht so ideal sind.
Sagen Sie auch, wenn etwas positiv aufgefallen ist (z.B. wenn die Haltung gut, aber das Tier krank ist oder wenn das Tier gut versorgt ist, aber wenig Platz hat)
Versuchen Sie, sich in die Lage des Halters hinein zu versetzen und die Argumentation darauf anzupassen (z.B. wenn er einfach zu wenig weiß und eigentlich das Beste für sein Tier möchte. Oder aber wenn er die Tiere zur Fleischgewinnung hält (dann macht es keinen Sinn, dagegen zu argumentieren sondern man sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren, so dass die Tiere es wenigstens bis zum Tod gut haben, sonst wird man nur als fanatischer Tierschützer abgestempelt und erreicht nichts für die Tiere))
Mit „ganz oder gar nicht“ kann man selten etwas erreichen, versuchen Sie zumindest für kleinere Änderungen zu überzeugen und etwas im Kleinen zu verändern, das ist oft besser als gar nichts.
Versuchen sie die Kritik immer mit Verbesserungsvorschlag zu versehen, so dass gut verständlich wird, was Sie vom Halter wollen.
Bieten Sie Ihre Hilfe und Unterstützung an.
Laden Sie den Halter ein, die eigene Kaninchenhaltung bei Ihnen anzusehen.
Beschreiben Sie die Vorteile für den Halter (z.B. muss man bei großen Gehegen seltener sauber machen, wenn die Tiere viel im Frailauf auf der Wiese sind ebenso, artgerechtes Futter spart Tierartkosten, glückliche Kaninchen machen den Halter glücklich und Tiere mit viel Platz sind interessanter zu beobachten und auch spannender für Kinder, Kindern macht es oft auch Spaß, Parcours etc. aufzubauen).
Tierabgabe anbieten
Bieten Sie dem Halter an, einen guten Platz zu suchen oder die Tiere aufzunehmen. Manch ein Halter hat kein Interesse mehr an den Tieren und ist froh, wenn sie weg sind. Bei solchen Haltern besteht auch meist kein Interesse, die Haltungsbedingungen zu verbessern.
Behörden (Veterinäramt, Polizei…)
Wenn die Haltung nicht nur kleine Mängel, sondern grundliegende Mängel aufweist, der Halter jedoch zu keiner Verbesserung bereit ist, dann ist der Gang zu den Behörden unumgänglich. Dabei ist es wichtig, die Situation klar und nicht zu umschweifend darzustellen und zu belegen (Zeugen, Fotos, Berichte…). Schildern Sie absolut sachlich und ruhig, ohne Übertreibungen, den Fall und nennen Sie klar die Missstände. Halten Sie die Daten vom Halter (Name, Adresse etc.) und zu den Beobachtungen (Datum, Zeit, Zeugen etc.) bereit. Es kann von Vorteil sein, eine Anzeige oder eine Meldung schriftlich einzureichen, da bei der mündlichen Aufnahme oft Sachverhalte übersehen oder falsch dargestellt werden.
Erster Ansprechpartner ist das örtliche Veterinäramt (Google hilft weiter), dort kann man anrufen und den Fall schildern. Fotos etc. kann man zuschicken oder persönlich vorbei bringen. Melden Sie den Fall und fragen Sie, wie weiter vorgegangen wird. Schreiben Sie sich das Aktenzeichen und den zuständigen Sachbearbeiter auf, um nachher nachfragen zu können. Bleiben sie hartnäckig, fragen Sie immer wieder nach und kontrollieren Sie, ob sich etwas verändert hat oder ob alles beim Alten geblieben ist. Wird das Veterinäramt nicht tätig, sollte man immer wieder anrufen und fragen, wann etwas unternommen wird, sich erklären lassen, warum nichts unternommen wurde und sich nicht abwimmeln lassen.
Wird das Veterinäramt nicht tätig, ist die Polizei die nächste Anlaufstelle. Im Gegensatz zum Veterinäramt muss die Polizei tätig werden und die Haltung überprüfen. Stellen Sie eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, schildern sie klar und sachlich die Lage. Schreiben Sie auch hier das Aktenzeichen auf.
In manchen Fällen ist es für den Beobachter wichtig, anonym zu bleiben, z.B. wenn es um Personen geht von denen er abhängig ist (Vorgesetzte etc.) oder mit denen er ein gutes Verhältnis aufrecht erhalten möchte (Nachbarn, Arbeitskollegen). In diesen Fällen ist es möglich, anonym Infomaterial einzuwerfen, beim Veterinäramt einen Hinweis zu geben oder bei der Polizei eine Anzeige aufzugeben. Allerdings sind anonyme Hinweise bei den Behörden manchmal weniger erfolgreich. Eine weitere Möglichkeit ist es, eine außen stehende Person (z.B. Bekannte, Freunde, Tierschützer, Kaninchenhalter) darum zu bitten, mit demjenigen zu sprechen oder eine Anzeige aufzugeben bzw. das Veterinäramt zu informieren. Wenn es dabei um eine Freundschaft geht, ist das fragwürdig, denn eine wahre Freundschaft ist wohl kaum möglich, wenn der andere sich nicht helfen lässt, keine Unterstützung und Hilfe annimmt und sein Tier vorsätzlich quält…
Je nach Verein, kann auch manchmal ein Hinweis an das örtliche Tierheim oder örtliche Vereine weiter helfen, diese wissen oft wie man vorgehen kann oder was zu tun ist. Es gibt jedoch auch Vereine, bei denen dies ins Leere läuft oder sich niemand darum kümmert. Wichtig: Tierschutzvereine haben nicht das Recht, Grundstücke zu betreten und Auflagen zu erteilen, dies können nur Behörden. Tierschutzvereine können lediglich so fungieren, wie eine Privatperson.
Viele deutschlandweite Vereine, die sich für Kaninchen einsetzen, haben vor Ort Mitarbeiter, die bei Fällen mit Kaninchen unterstützend tätig werden können. Es lohnt sich, anzufragen.
Wenn der Halter, die Einrichtung (Laden, Tierheim, Zoo etc.) in der Öffentlichkeit steht, ist Presse ein recht wirksames Mittel. Dabei ist die Lokalpresse die erste Wahl, denn größere Zeitungen interessieren sich selten für lokale Fälle. Bei Lokalzeitungen kann man meist Mails oder Briefe schicken, anrufen und oft auch persönlich vorbei kommen. Von Vorteil sind Fotos, die sie drucken können. Einen Versuch ist dies immer wert!
Über Plattformen, Foren, Facebook oder Seiten wie change.org kann man oft schnell viele Gleichgesinnte animieren, etwas gegen Tierleid zu unternehmen. Online-Kampagnen gewinnen vor allem Gewicht, wenn möglichst viele Personen unterschreiben, eine Mail schicken oder involviert sind. Solche Aufrufe sind natürlich nicht sinnvoll, um das Nachbarskaninchen aus dem Käfig zu bekommen, sondern nur für Fälle geeignet, die für die Öffentlichkeit interessant sind.
Es gibt Organisationen, die sich bei Missständen einsetzen und auch pressewirksam etwas unternehmen können. Dies kann z.B. sinnvoll sein, wenn ein Animal Hoarding Fall durch die örtlichen Ämter nicht aufgelöst wird, weil sie nicht wissen, wohin sie die Tiere tun sollen oder weil einfach niemand tätig wird. Ebenfalls bei Fällen mit vielen Tieren oder Einrichtungen, die in der Öffentlichkeit stehen, kann so eine Organisation oft helfen. Bekannt sind z.B. das Deutsche Tierschutzbüro (Meldeformular findet man auf deren Homepage) und PETA. Diese Organisationen sollten erst benachrichtigt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Geben Sie nicht auf, nur wenn man hartnäckig bleibt, kann man in solchen Fällen etwas erreichen. Oft muss man erst viele Anlaufstellen abklappern, viele Gespräche führen und viel Aufwand betreiben, aber am Schluss lohnt es sich immer, die Tiere danken es einem.

References: §2
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 §4
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 §2
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