Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_CGZP_Tariffaehigkeit_8Ca18-11.html
Timestamp: 2016-12-03 19:41:53+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 8 Ca 18/11
Der Rechts­streit über ei­nen Zah­lungs­an­spruch aus dem Ge­sichts­punkt des "equal pay" für die Zeit vom 31.08.2009 bis 10.12.2010 ge­gen ei­nen Ver­lei­her mit dem die Gel­tung der Ta­rif­verträge des CG­ZP ver­ein­bart ist, ist nicht gem. § 97 Abs 5 ArbGG aus­zu­set­zen, weil die feh­len­de Ta­riffähig­keit bzw. - zuständig­keit mit dem Be­schluss des BAG vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10) auch für den streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum zwei­fels­frei fest­steht.
Ar­beits­ge­richt Dort­mund, 8 Ca 18/11
Te­nor: Der An­trag der Be­klag­ten auf Aus­set­zung des Ver­fah­rens wird zurück­ge­wie­sen.
Gründe I. Der Kläger war bei der Be­klag­ten ab dem 31.08.2009 als Pfört­ner im Werk­schutz tätig. Auf das Ar­beits­verhält­nis fan­den kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­wei­sung (Bl. 5 d. A.) die Man­tel-, Ent­gelt­rah­men-, und Ent­gelt­ta­rif­verträge zwi­schen der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten Zeit­ar­beit und PSA (CG­ZP) und K1 P1 S1 GmbH & Co. KG in je­weils gülti­ger Fas­sung An­wen­dung.
Von der Be­klag­ten war der Kläger im We­ge der Ar­beit­neh­merüber­las­sung an ein Drit­t­un­ter­neh­men ver­lie­hen wor­den. Mit sei­ner am 03.01.2011 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge ver­langt er Ge­halts­nach­zah­lung für den Zeit­raum vom 31.08.2009 – 10.12.2010 in Höhe von ins­ge­samt 14.660,87 EUR un­ter dem Ge­sichts­punkt des sog. "Equal Pay" gem. § 3 Abs. 1 Ziff. 3 AÜG.
Die Be­klag­te be­an­tragt die Aus­set­zung des Ver­fah­rens mit der Be­gründung, das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be in sei­ner Ent­schei­dung vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10)
nur über die Ta­riffähig­keit der CG­ZP ab dem 14.12.2010, al­so zu­kunfts­be­zo­gen, ent­schie­den. Auf­grund der bei dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin anhängi­gen Be­schluss­ver­fah­ren, in de­nen es um die Ta­riffähig­keit der CG­ZP für die Zeit vor dem 14.12.2010 gin­ge, sei der vor­lie­gen­de Rechts­streit da­her gem. § 97 Abs. 5 ArbGG aus­zu­set­zen.
Der Kläger hat be­an­tragt, den Aus­set­zungs­an­trag ab­zu­leh­nen.
Der Aus­set­zungs­an­trag war ab­zu­leh­nen. 1.
Gem. § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG hat das Ge­richt das Ver­fah­ren bis zur Er­le­di­gungei­nes Be­schluss­ver­fah­rens nach § 2a Abs. 1 Nr. 4 aus­zu­set­zen, wenn die Ent­schei­dung des Rechts­streits da­von abhängig ist, ob ei­ne Ver­ei­ni­gung ta­riffähig oder ob die Ta­rif­zuständig­keit der Ver­ei­ni­gung ge­ge­ben ist.
Die Aus­set­zung nach § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG ist al­ler­dings nur dann ge­bo­ten, wenn die Fra­ge der Ta­riffähig­keit oder Ta­rif­zuständig­keit zwei­fel­haft ist (BAG, Be­schluss vom 23.10.1996, 4 AZR 409/95 m. w. N.). Trotz be­ste­hen­der Zwei­fel kommt ei­ne Aus­set­zung nicht in Be­tracht, wenn über die Fra­ge der Ta­riffähig­keit bzw. Ta­rif­zuständig­keit be­reits rechts­kräftig ent­schei­den und die­ser Be­schluss noch im­mer bin­dend ist, d. h. kei­ne we­sent­li­che Verände­rung des zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­hal­tes ein­ge­tre­ten ist (Wal­ker in: Schwab/Weth, Kom­men­tar zum Ar­beits­ge­richts­ge­setz, 2. Auf­la­ge 2008, Rn. 44 zu § 97 ArbGG m. w. N.).
2. Un­ter An­wen­dung die­ser Rechts­grundsätze kommt ei­ne Aus­set­zung des­halb nicht in Be­tracht, weil die Fra­ge der Ta­riffähig­keit durch Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10) ver­neint wor­den ist und auf­grund der tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen und recht­li­chen Erwägun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts in der Ent­schei­dung vom 14.12.2010 kei­ne Zwei­fel an der feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP auch für die Zeit vor dem 14.12.2010 be­ste­hen.
a) Der Be­klag­ten ist zu­zu­ge­ben, dass sich aus den Ent­schei­dungs­gründen des Be­schlus­ses vom 14.12.2010 nicht aus­drück­lich er­gibt, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt die Ta­riffähig­keit der CG­ZP schon für Zeiträume vor der Verkündung der Ent­schei­dung am 14.12.2010 an­ge­nom­men hat. Hierfür spricht auch der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­bil­de­te Ober­satz ("Die ge­gen­warts­be­zo­ge­nen Fest­stel­lungs­anträge sind be­gründet", Ziff. B IV bzw. Rn. 63 der Gründe des Be­schlus­ses vom 14.12.2010).
b) Gleich­wohl be­ste­hen auf der Grund­la­ge des vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­grun­de ge­leg­ten Sach­ver­hal­tes und der tra­gen­den Erwägun­gen des Be­schlus­ses vom 14.12.2010 kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Ta­riffähig­keit der CG­ZP auch für die Ver­gan­gen­heit, je­den­falls aber seit dem 05.12.2005, nicht ge­ge­ben ist.
1) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft i. S. d. § 2 Abs. 1 TVG und da­mit die Ta­riffähig­keit der CG­ZP mit der tra­gen­den Erwägung ver­neint, § 3 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung se­he le­dig­lich ei­ne Bei­trittsmöglich­keit für die im CGB zu­sam­men ge­schlos­se­nen Ar­beit­neh­mer­ko­ali­tio­nen vor, so­dass nach der Sat­zung
der CG­ZP kei­ne Ar­beit­neh­mer or­ga­ni­siert würden. Dies er­gibt sich aus Ziff. B IV 5. (Rn. 93 der Gründe) des Be­schlus­ses vom 14.12.2010.
§ 3 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung war al­ler­dings in die­ser Form be­reits in der seit dem 05.12.2005 gel­ten­den CGCP-Sat­zung ent­hal­ten und ist durch die Sat­zungsände­rung vom 08.10.2009 nicht berührt wor­den. Da die feh­len­de Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft i. S. d. § 2 Abs. 1 TVG der CG­ZP nach den Ausführun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts aber ge­ra­de auf § 3 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung in der Fas­sung vom 05.12.2005 be­ruht, be­ste­hen kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft der CG­ZP und da­mit die Ta­riffähig­keit je­den­falls be­reits seit dem 05.12.2005 nicht ge­ge­ben war.
2) Auch die Ei­gen­schaft der CG­ZP als ta­rif­ver­tragsfähi­ge Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on i. S. d. § 2 Abs. 2, 3 TVG hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit der tra­gen­den Erwägung ver­neint, die Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten CGM, DHV und GÖD der CG­ZP hätten ih­re Ta­riffähig­keit der CG­ZP nicht vollständig ver­mit­telt, da die CG­ZP nicht in dem ge­sam­ten durch die Sat­zun­gen ih­rer Mit­glie­der be­stimm­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen be­rech­tigt sei. Dies er­ge­be sich dar­aus, dass die Ta­rif­zuständig­keit der CGCP nach § 1 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung auf Ta­rif­verträge mit Ar­beit­ge­bern oder Ar­beit­ge­ber­verbänden be­schränkt sei, die oder de­ren Mit­glie­der als Ver­lei­her Drit­ten Ar­beit­neh­mer zur Ar­beits­leis­tung über­las­sen wol­len. Dies schließt nach den tra­gen­den Erwägun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts be­reits die Ei­gen­schaft der CG­ZP als Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on im Sin­ne des § 2 Abs. 3 TVG aus(Ziff. B IV 6 a) bzw. Rn. 95 des Be­schlus­ses vom 14.12.2010).
§ 1 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung be­steht in die­ser Form eben­falls be­reits in der Sat­zung vom 05.12.2005. Des­halb be­ste­hen vor­lie­gend auch kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Ei­gen­schaft der CG­ZP als Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on i. S. d. § 2 Abs. 3 TVG je­den­falls be­reits seit dem 05.12.2005 nicht ge­ge­ben war.
Da­her ist für das Ge­richt un­zwei­fel­haft, dass die CG­ZP je­den­falls seit dem 05.12.2005 we­der als Ge­werk­schaft i. S. d. § 2 Abs. 1 TVG noch als Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on i. S. d. § 2 Abs. 2, 3 TVG ta­riffähig war, so­dass kein An­lass be­steht, das Ver­fah­ren gem. § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG aus­zu­set­zen. m.hensche.de
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References: § 97
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