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Timestamp: 2019-11-14 10:49:06+00:00

Document:
Forum - Rechtschreibkommission
11.08.2001 18.00
Entwertung der Semantik
Klaus Heller schreibt dazu in jenem Sprachreport Extra, der der Rechtschreibreform gewidmet ist (auch beim IDS herunterladbar):
An die Stelle schwer handhabbarer inhaltlicher Kriterien (Zusammenschreibung „wenn ein neuer Begriff entsteht“ oder „wenn die Bedeutung des Substantivs verblasst ist“) treten grammatische Proben (Erweiterbarkeit, Steigerbarkeit usw.).
Eine wieder einmal sehr irreführende Aussage, denn auch im neuen Regelwerk gibt es immer noch verblaßte Substantive, die nicht getrennt geschrieben werden dürfen (s. §34(3)). Es hat an dieser Stelle gar keine systematische Veränderung stattgefunden, es wurden, wie eigentlich so gut wie überall, effektiv nur Grenzen verschoben. Dabei wurde insgesamt die Komplexität des Regelwerks nachweislich noch erhöht, aber das verdrängen die Reformer und ihre Jünger natürlich lieber. Gleichzeitig wurde die Orthographie damit selbstverständlich dem Usus entfremdet, was ja eigentlich auch nicht gerade dem Dienst einer Sprachtechnik zugute kommt und logischerweise Berge neuen Lernstoffs produziert, sowie das Gewöhnen an eine konsistente Orthographie durch das gegenwärtige (vorhersehbare) Durcheinander erschwert – in Zeiten des Personalnotstands in den Schulen. Eine Prachtleistung der Kultuspolitik.
11.08.2001 17.16
§34(1)E1
Danke Herr Melsa.
Die „Amtliche Regelung“ (als PDF-Datei – erstellt am 18.10.99 – von der IDS-Homepage heruntergeladen) unterscheidet in der Tat die beiden Fälle. Das Wortgruppenbeispiel aus §34(1)E1 ist allerdings sehr hilfreich – wenn die Verwirrung noch nicht groß genug ist. Auch http://www.ap-online.de bietet ein weiteres Beispiel, das wohl darauf aufbaut: (alt:) zusammengehen – (neu:) zusammen gehen.
Das „usw.“ ist originell. Vielleicht entwickelt ein Informatiker mal einen „usw.“-Algorithmus für reformierende Korrekturprogramme; wenn schon keine eindeutige Liste der Ausnahmewörter vorliegt. „Zusammen tragen“ ist mir in falscher Anwendung häufiger begegnet – irrte da der Autor oder das Korrekturprogramm? Vielleicht verkündet die Kommission bald mal ein „usw.-Generalpardon“, auf das sich dann jeder berufen kann.
Die Bedeutung der Wörter trat bei deren Reformierung in den Hintergrund – zugunsten einer scheinbar einfacheren Struktur? Habe ich Sie da richtig verstanden? Das war mir in dieser Deutlichkeit noch nicht klar. Interessant ist es schon. Wenn wir einmal von der Reformkommission absehen – was mag Lehrer veranlassen, den neuen Regelungen zumindest teilweise zuzustimmen? Gibt es darüber Untersuchungen? (Hier im Forum hat sich bislang ja noch niemand aus dieser Richtung geäußert, soweit ich die Diskussionen verfolgt habe.)
Die heutige Zeit wird ja auch als „Informationsgesellschaft“ bezeichnet. Zu Recht heißt es, eines der Hauptprobleme bestehe darin, aus einer Informationsflut das jeweils Bedeutsame herauszufiltern. Diese Ansicht wird von allen Verantwortungsträgern in unserer Gesellschaft plakativ vertreten. Bilden sich die Kommission, „reformfreudige“ Pädagogen und alle „willigen Vollstrecker“ des Reformwerks ein, daß darauf eine Verflachung der Sprache, eine Unterordnung von Inhalten/Bedeutungen unter Strukturen (wenn ich es richtig gedeutet habe) die angemessene Antwort ist? Daß zur Vermeidung von Fehlern und Entlastung der Schüler Falsches kurzerhand für richtig erklärt wird, soll junge Menschen auf die vielfältigen Herausforderungen – nicht nur der „Informationsgesellschaft“ – besser vorbereiten? Schlimmer kann eine Bankrotterklärung kaum ausfallen. Eine wirklich lohnende Aufgabe wäre es, zeitgemäße pädagogisch/didaktische Konzepte zu entwickeln, die Schüler für Sprache interessieren und vielleicht sogar begeistern können (Sie nannten es Sprachkompetenz). Mit der „Informationsgesellschaft“ (Stichwort: Recherche) kämen solche Schüler hervorragend klar – und die Kultur dürfte ebenfalls profitieren. Nun gut – das zu vertiefen, würde jetzt vom Leitthema (hier wohl besser: Leidthema) „Reformkommission“ wegführen.
10.08.2001 18.41
Tja, stimmt schon, eigentlich müßte man doch erwarten, daß man bei Duden den Unsinn begreift. Aber wieso muß dann in dem erwähnten Buch für Schüler diese widersinnige Schreibung auch noch ausgerechnet als Beispiel in einem Erläuterungskasten gebracht werden? Das ist doch kaum noch zu überbieten! Ich frage mich, was Schüler denken, die dieses Buch erwerben, wenn sie über solche Stellen stolpern – denn über sie hinweggehen kann man ja nicht, man muß zwangsläufig stolpern, wenn man seinen Verstand nicht völlig abgeschaltet hat. Sie müßten entweder einsehen (falls das noch nicht geschehen ist), daß die Preisungen der Reform jeder Grundlage entbehren, oder sie sind von den Erläuterungen an dieser Stelle so verwirrt, daß sie annehmen müssen, sie seien einfach zu dumm, um diese Regelung zu durchschauen. Ersteres untergräbt die Glaubwürdigkeit der Lehrinstitution (zu Recht, aber mit möglichen negativen Folgen), letzteres demotiviert zum Lernen von Sprachkompetenz.
10.08.2001 09.47
Herrn Icklers Vorschlag, die katholische Kirche zu fragen, was sie von „allein selig machend“ halte, habe ich bereits in die Tat umgesetzt, indem ich meinem zuständigen Bischof schrieb. Mein erster Brief wurde nicht beantwortet. Nach 2 Monaten hakte ich nach und bekam am 7.8.01 folgende Antwort:
Der Bischof von Limburg, Theologischer Referent
im Auftrag von Bischof Kamphaus danke ich Ihnen für Ihr Schreiben. Gleichzeitig möchte ich mich dafür entschuldigen, dass Sie Ihren ersten Brief noch nicht beantwortet bekommen haben.
Sie schätzen Bischof Kamphaus als einen Mann, der sich stark in der Gesellschaft engagiert. Deswegen soll er sich auch gegen die Rechtschreibreform einsetzen. Zur Zeit (!) befasst sich der Bischof intensiv mit der Frage der Frauen im Schwangerenkonflikt. Dazu hat er die Aktion Konfliktberatung initiiert. Gleichzeitig ist er Vorsitzender der Kommmission (!) Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Neben der Leitung des Bistums nehmen ihn diese Arbeiten so stark in Anspruch, dass er leider keine Möglichkeit sieht, Ihrer Bitte nachzukommen.
Dr. Caspar Söling
10.08.2001 02.51
Ja, mit dem „wieder“ kommen die Dudenleute immer noch nicht zurecht. Ich glaube aber, daß sie es im Grunde nun eingesehen haben (vielleicht auch wegen meiner Erklärungsversuche), aber da sie jede Selbständigkeit zugunsten der Unterwerfung unter die Ratschlüsse der „allein selig machenden“ (!) Kommission aufgegeben haben, dürfen sie ihre bessere Einsicht nicht wirksam werden lassen. „wieder gutmachen“ gehört zum Restbestand von fünf bzw. sechs Aufspaltungen, die nun noch stehen geblieben sind. Niemand kennt den Grund.
Um es noch einmal festzuhalten: Etwas „wieder-x-en“ bedeutet, es durch „x-en“ in den früheren Zustand zurückversetzen. Die Erklärung mit „erneut, nochmals“ im amtlichen Regelwerk ist Quatsch. Und die Zusammenschreibung bei „wieder-" ist nur eine mehr oder weniger starke Tendenz, daher in meinem Wörterbuch der kleine Bogen, der dies andeutet.
In vielen Aufarbeitungen der Reform (Listen bei Duden, Bertelsmann usw.) werden die Strecken mit „wieder-" und „wohl-" (sowie „hoch-") einfach weggelassen, weil die Bearbeiter sich nicht trauen, hierzu etwas Bestimmtes zu sagen. Die Kommission scheint auch alle paar Monate was anderes auszuhecken.
Übrigens könnte man auch mal die katholische Kirche fragen, was sie von „allein selig machend“ hält, das nur noch so geschrieben werden darf. (Das hat sich jetzt stablisiert, nachdem es hier, wie bei allem, was nicht direkt im amtlichen Wörterverzeichnis steht, alle denkbaren Interpretationen gegeben hatte.)
09.08.2001 19.14
Kleine Korrektur, Herr Krutzke: Verben werden mit „zusammen“ als Erstglied auch gemäß Neuregelung zusammengeschrieben, entsprechend der Wortliste aus §34(1). Natürlich nicht immer, wie §34(1)E1 gleich belehrt, indem es in einer Reihe von Beispielen nach „Aber als Wortgruppe:“ den Fall „zusammen (gemeinsam) spielen“ nennt. Dann folgt ein „usw.“, es handelt sich also nicht um eine komplette Liste aller Ausnahmen. Es wird nicht näher ausgeführt, nach welchen genauen Kriterien die in der Wortliste aufgeführten Partikel mit einem folgenden Verb nun doch nicht zusammengeschrieben werden sollen. Es handelt sich bei §34(1)E1 daher um eine ziemlich brisante Klausel, die in der Auslegung der Wörterbücher dann auch interessante Blüten getrieben hat. An sich werden mit den Beispielen einige Fälle erwähnt, die man – völlig selbstverständlich! – doch getrennt schreiben müsse, weil ja sonst Mißverständnisse entstehen könnten. Nimmt man diesen Einwand ernst, so ist natürlich die ganze Reformregelung unbrauchbar. Witzigerweise wird hier doch wieder die Bedeutung herangezogen, um Getrenntschreibung zu begründen – dabei war doch der Grundgedanke der Reform-GZS, semantische Kriterien zunächst einmal zu verwerfen, und daß (natürlich) von der Getrenntschreibung als Normalzustand ausgegangen wird, um daher nur die Zusammenschreibungen regeln zu müssen. Und in Wirklichkeit sind ja die Zusammenschreibungen von speziellen Bedeutungen motiviert, nicht die Getrenntschreibungen, die ja, völlig klar, der Normalfall sind (jedes Wort wird durch einen Zwischenraum vom nächsten getrennt geschrieben). Ein Paradebeispiel für die hoffnungslose Verknotung, der die Reformer mit ihrem Regelwerk erlegen sind.
Übrigens habe ich im Buchladen gestern einen neuen Schülerduden zum Gebiet „Rechtschreibung und Wortlehre“ durchgeblättert und mir dabei einen Kasten zum Umgang mit dem Erstglied „wieder“ durchgelesen. Darin hieß es unter anderem sinngemäß, man schreibe „wieder“ von folgenden Verben vor allem (sic!) dann getrennt, wenn es in dem Sinne von „erneut, nochmals“ gebraucht wird. Unbegreiflicherweise folgt darauf gleich als Beispiel „wieder gutmachen“. Was mögen sich die Dudenleute dabei gedacht haben (ohne §34(1)E1 müßte man nach neuer Rechtschreibung „dabeigedacht“ schreiben)? Halten die wohl den Satz „Ich werde heute gutmachen und morgen dann wieder gutmachen“ für sinnvoll, das Wort darin für richtig benutzt? Immerhin hat man bei Duden ja inzwischen „wieder sehen“, wie noch in der 96er Ausgabe des Rechtschreibwörterbuchs, zu „wiedersehen“ korrigiert. Aber man muß angesichts solcher Entdeckungen wie meiner gestrigen dann doch den Eindruck haben, daß die Dudenleute das alles immer noch nicht richtig begriffen haben. Was soll man sonst davon halten? Ein wahrhaft groteskes Theater.
09.08.2001 13.35
Oh, danke. Werd ich mir mal anschauen.
09.08.2001 13.23
Allein die ss-Schreibung umfaßt 90 Prozent der sogenannten Rechtschreibreform. Leider wurde kein „großer Teil der Reform rückgängig gemacht“, sondern es wurden nur einige Kleinigkeiten zurückgenommen.
„Sind da nicht auch Sachen von diesem Augst dabei?“ Diese „Volksetymologien“ des Herrn Augst wurden nicht zurückgenommen, obwohl besonders über sie viel gespottet wird.
„Ab wann kann man denn von Legasthenie sprechen?“ Für eine solche Fachfrage sind Fachleute und Fachärzte zuständig, insbesondere weil der Wissensstand sich ständig ändert. Ich gebe Dir einschlägige Adressen und Netzseiten an:
Bundesverband Legasthenie e.V., Königstr. 32, 30175 Hannover, Tel. (0511) 31 87 38, info@legasthenie.net, http://www.legasthenie.net, Bundesvorsitzende Christiane Sczygiel, Landesverband Legasthenie Bayern e.V., Waldstr. 3a, 82166 Gräfelfing, Tel. (089) 85 19 11, Landesvorsitzende Christiane Sczygiel
Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V., Waldstr. 3a, 82166 Gräfelfing bei München, Tel.: 089 / 8 54 19 08, Fax.: 089 / 85 22 60, info@akl-bayern.com, http://www.akl-bayern.com
09.08.2001 12.36
Sie müssen mr ja nicht dauernd deuten, wie dumm Sie manches finden. Allerdings würde kein Mensch das falsch verstehen. (Das „Leid tun“ stammt ja wohl auch von dem „Leid antun“ ab... denk ich mal)
Übrigens habe ich heute meine neue Deutschlehrerin gefragt, was sie denn von der Reform hält, und hab dabei auch gesagt, dass ich darüber diskutiere und so (nunja, sowas muss halt sein... ich will ne gute Deutschnote, hehe). Jedenfalls hat sie gesagt, dass sie manches danebengegangen findet, aber ihr die Reform im Ganzen eigentlich gefällt... oder so in der Art.
Übrigens bin ich die litebloo, Herr Krutzke.
litebloo.
09.08.2001 12.19
auch mir tun Herr Augst und seine Mitstreiter Leid ... sehr Leid ... sehr viel Leid sogar. Moment mal – „sehr“ vor einem Hauptwort? Das geht doch nicht. Mit „viel“ klingt es schon besser. Also: Sehr viel Leid tut er mir. Aber das war nicht das, was Du sagen wolltest. Er tut Dir nämlich leid – oder vielleicht sehr leid. Da gäbe es dann auch keine Probleme mit dem „sehr“.
Was Herrn Augst und Mitstreiter vielleicht auch zu bedauernswerten Zeitgenossen macht, könnten Reformanhänger in einem Satz zusammenfassen: „Die Herren Ickler, Riebe, Markner usw. haben die Rechtschreibreform so schlecht gemacht, dass die Verwirrung jetzt groß ist.“
Da kann doch etwas nicht stimmen. Wer hat die Reform gemacht (und für Verwirrung gesorgt)? Die drei genannten Herren doch nicht. Das waren doch Herr Augst und sein Reformteam. Und daß diese die Reform nicht nur gemacht, sondern eben schlecht gemacht haben, ist ja der Kern der Kritik. Der Vorwurf an das Kritikertrio müßte also lauten, sie hätten das gute Reformwerk schlechtgemacht. Aber diese Schreibweise ist ja wohl nicht mehr erlaubt (oder inzwischen wieder, Prof. Ickler?).
Das Auseinanderreißen von Wörtern, die über sehr lange Zeit zusammenwuchsen (aber nicht zusammen wuchsen) und dabei eine eigene Bedeutung bekamen, ist mehr als ärgerlich. „Zusammentragen“ und „zusammen tragen“ beispielsweise auch. Über Gerichtsverfahren wird oft berichtet, die Anwälte hätten eine Fülle von Beweisen „zusammen getragen“. Körbeweise in den Gerichtssaal vielleicht? Auch das gibt es. Aber doch erst, nachdem sie alles zusammengetragen hatten. Es sind also zwei Sachverhalte.
Was hat die Reform da verbessert? Sie hat eigenständige und eindeutige Wörter gestrichen und durch Mehrdeutiges ersetzt. Zum Teil werden Aussagen in ihr Gegenteil verkehrt! Vereinfachungen kann ich nicht erkennen. Im Gegenteil: Selbst wenn ich das Regelwerk auch nur annähernd verstehen könnte (was ich nicht kann), müßte ich eine Menge auswendig lernen, um alle Ausnahmen zu kennen. (Schau doch mal in S. Peils Wörterliste – falls Du das nicht schon getan hast – da wird einiges sehr deutlich.)
Kann Dir vielleicht Dein (neuer) Deutschlehrer erklären, wo der Sinn dieser Neuerungen ist? Laß es uns wissen. Für mich jedenfalls ist diese Reform – soweit ich sie überblicke – nicht einmal mehr „schwach sinnig“, sondern nur noch schwachsinnig.
09.08.2001 12.10
Grmbl. Sie wissen ganz genau, dass ich nicht „Leid antun“ meinte. Nunja, wie auch immer.
Joa, ich verstehe, glaube ich. Trotzdem wurde doch eh schon so ein großer Tei der Reform rückgängig gemacht, oder? Sind da nicht auch Sachen von diesem Augst dabei?
Ach, ab wann kann man denn von Legasthenie sprechen? Ich meine, ich kenn einige Leute, die so gut wie fast keinen Satz richtig schreiben können... -_- Außerdem waren in der 5. und 6. Klasse oder so etwa 5 Leute in so einem Kurs... urgh.
09.08.2001 07.50
Re: Hat Augst eine Lese-Rechtschreibschwäche?
Wer hat eine Fernsehsendung mit Augst allein aufgenommen? Falls Augst eine Lese-Rechtschreibschwäche hat, wäre dies ein außerordentlich bemerkenswertes Motiv dieses Antreibers der Rechtschreibreform.
Bei einem Richter würde man so etwas Befangenheit nennen und das Verfahren würde neu aufgerollt.
08.08.2001 19.14
Sarah, Du hast ins Schwarze getroffen, weil Du schreibst: „Dieser Augst tut mir Leid! [Schrecklich Leid]"
Auch ich bin dieser Meinung, daß Gerhard Augst allen Kindern und Jugendlichen schreckliches Leid tut und nicht nur Schülern, sondern auch Lehrern und anderen Erwachsenen. Ich glaube nicht, daß die Reformer Kinder- und Jugendfreunde sind, wenn sie bei ihrem Rechtschreibmassenexperiment nur an legasthenische Kinder denken.
Die Behauptung, Gerhard Augst habe im Fernsehen gesagt, er habe eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, ist aber bisher nur ein nicht bewiesenes Gerücht, von dem ich aber gern wüßte, ob es den Tatsachen entspricht. Deshalb habe ich die Frage gestellt, ob jemand jene beschriebene Fernsehsendung gesehen und aufgezeichnet hat. Warum?
Natürlich kann ein solchermaßen Behinderter nichts dafür, „dass er ein bisschen neben der Kappe ist...“, wie Du schreibst. Gemeint ist damit eine psychosoziale Persönlichkeitsentwicklung, die auch auf eine Kompensation der Rechtschreibschwäche ausgerichtet sein kann. Legasthenie, d.h. Lese-Rechtschreib-Schwäche, gibt es in leichter Form, ohne wesentliche Beeinträchtigung der Schulleistungen manchmal auch unter Lehrern. Es gibt auch mittelgradige, schwere und besonders schwere Ausprägungen dieser Behinderung, wie man den „Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit nach dem Schwerbehindertengesetz“ entnehmen kann. Obwohl mir Gerhard Augst auch „Leid tut“, könnte ich aber nicht zustimmen, daß man das Lese- und Schreibvermögen auch von nur leicht lese- und rechtschreibschwachen Menschen zum allgemeinen Lern- und Unterrichtsmaßstab macht. Dies schreibe ich als langjähriger Vertrauensmann der Schwerbehinderten, der auch Legastheniker unterrichtet hat. Ein sinnvoller Unterricht wäre nicht möglich, wenn wir das allgemeine Lern- und Unterrichtsniveau an den schwächsten Schülern ausrichten würden. Das schließt eine Rücksichtnahme auf Behinderte im Einzelfall natürlich nicht aus, sondern ein.
08.08.2001 16.38
Nochmal an Herrn Riebe:
Dieser Augst tut mir Leid! [Schrecklich Leid] Wollen Sie noch sowas über ihn verbreiten? Das ist ungerecht... er kann doch nix dafür, dass er ein bisschen neben der Kappe ist...

References: §34

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