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Timestamp: 2020-01-17 16:11:33+00:00

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Die ver­wei­ger­te ärzt­li­chen Begut­ach­tung und die dau­ern­de Dienst­un­fä­hig­keit eines Beam­ten | Rechtslupe
Die ver­wei­ger­te ärzt­li­chen Begut­ach­tung und die dau­ern­de Dienst­un­fä­hig­keit eines Beam­ten
Ist der Schluss von der Ver­wei­ge­rung einer im be­hörd­li­chen Ver­fah­ren an­ge­ord­ne­ten ärzt­li­chen Be­gut­ach­tung auf die dau­ern­de Dienst­un­fä­hig­keit eines Be­am­ten wegen der Rechts­wid­rig­keit der be­hörd­li­chen Un­ter­su­chungs­an­ord­nung nicht zu­läs­sig, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt die Fra­ge der Dienst­un­fä­hig­keit des Be­tref­fen­den – be­zo­gen auf den Zeit­punkt der Be­kannt­ga­be der letz­ten Ver­wal­tungs­ent­schei­dung – grund­sätz­lich im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren zu klä­ren.
Ver­wei­gert der Be­am­te eine ärzt­li­che Be­gut­ach­tung, darf nur dann auf sei­ne dau­ern­de Dienst­un­fä­hig­keit ge­schlos­sen wer­den, wenn fest­steht, dass ihm die Auf­for­de­rung zur ärzt­li­chen Un­ter­su­chung auch tat­säch­lich zu­ge­gan­gen ist. Ist dies zwei­fel­haft, muss das Ge­richt den Zu­gang des Ein­la­dungs­schrei­bens auf­klä­ren.
Ist eine Ver­wal­tungs­ent­schei­dung, wie hier nach § 44 Abs. 1 Satz 1 BBG, gebun­den, ohne dass der Behör­de ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zusteht und trifft die von der Behör­de für ihre Ent­schei­dung gege­be­ne Begrün­dung inhalt­lich nicht zu, so obliegt dem Gericht nach § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO die Prü­fung, ob der Ver­wal­tungs­akt aus ande­ren als den von der Behör­de genann­ten Grün­den recht­mä­ßig ist 1. Erweist sich die von der Behör­de für die Annah­me der Dienst­un­fä­hig­keit gege­be­ne Begrün­dung als nicht trag­fä­hig, so hat das Ver­wal­tungs­ge­richt des­halb zu klä­ren, ob der betrof­fe­ne Beam­te zu dem für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit der Zur­ru­he­set­zungs­ver­fü­gung maß­geb­li­chen Zeit­punkt tat­säch­lich dienst­un­fä­hig war 2.
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kommt es für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit einer Zur­ru­he­set­zungs­ver­fü­gung auf die Sach- und Rechts­la­ge zum Zeit­punkt der letz­ten Ver­wal­tungs­ent­schei­dung an 3. Dem­entspre­chend haben die Gerich­te durch Beweis­auf­nah­me zu klä­ren, ob der betrof­fe­ne Beam­te zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt wegen sei­nes kör­per­li­chen Zustan­des oder aus gesund­heit­li­chen Grün­den zur Erfül­lung der ihm oblie­gen­den Dienst­pflich­ten dau­ernd unfä­hig war. Eine Beweis­auf­nah­me durch das Gericht kommt aller­dings nur in Betracht, wenn tat­säch­lich kon­kre­te Umstän­de vor­lie­gen, die die Dienst­un­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen als nahe lie­gend erschei­nen las­sen 4. Die Auf­klä­rung des Sach­ver­halts durch das Gericht schei­det erst dann aus, wenn die rück­bli­cken­de, auf den Zeit­punkt der Zustel­lung des Wider­spruchs­be­scheids bezo­ge­ne Klä­rung der Dienst­un­fä­hig­keit im gericht­li­chen Ver­fah­ren wegen der kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls, z.B. weil tat­säch­lich unmög­lich, von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen ist.
In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist auch aner­kannt, dass es im Rah­men frei­er Beweis­wür­di­gung zum Nach­teil eines Betei­lig­ten gewer­tet wer­den kann, wenn die­ser sich ohne Grund einer recht­mä­ßig ange­ord­ne­ten ärzt­li­chen Unter­su­chung ent­zieht. Ver­hin­dert ein Betei­lig­ter die Klä­rung sei­nes Gesund­heits­zu­stan­des, so kann dies für die Rich­tig­keit des Vor­brin­gens des Geg­ners spre­chen, auch wenn die­ser Schluss nicht not­wen­di­ger­wei­se gezo­gen wer­den muss. Die Ver­pflich­tung, sich zur Nach­prü­fung des Gesund­heits­zu­stan­des ärzt­lich unter­su­chen zu las­sen, gin­ge ins Lee­re, wenn aus einer unbe­rech­tig­ten Wei­ge­rung kei­ne Rück­schlüs­se gezo­gen wer­den könn­ten. Andern­falls hät­te es der Beam­te in der Hand, die für die Klä­rung sei­nes Zustan­des erfor­der­li­che ärzt­li­che Unter­su­chung erheb­lich zu erschwe­ren oder zu ver­ei­teln. Die­ser aus §§ 427, 444 und 446 ZPO abge­lei­te­te Rechts­grund­satz gilt im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren wie auch im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren 5.
§ 46 VwVfG oder inhalts­glei­che Vor­schrif­ten des Lan­des­ver­wal­tungs­ver­fah­rens­rechts sind auch auf Ver­wal­tungs­ak­te anwend­bar, die einen Beam­ten wegen Dienst­un­fä­hig­keit in den Ruhe­stand ver­set­zen 6. Die Annah­me der "Offen­sicht­lich­keit" im Sin­ne von § 46 VwVfG oder ver­gleich­ba­ren Vor­schrif­ten des Lan­des­rechts ist nach der Recht­spre­chung des Senats bereits dann aus­ge­schlos­sen, wenn nach den Umstän­den des Falls die kon­kre­te Mög­lich­keit besteht, dass ohne den Ver­fah­rens­feh­ler eine ande­re Ent­schei­dung getrof­fen wor­den wäre 7. Von die­sen Grund­sät­zen ist auch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­gan­gen. Ob es die­se Grund­sät­ze auf den kon­kre­ten Ein­zel­fall zutref­fend ange­wen­det hat, ist kei­ne Fra­ge von rechts­grund­sätz­li­cher Bedeu­tung.
Die für einen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nach­tei­li­ge Wer­tung der Ver­wei­ge­rung einer vom Gericht zur Klä­rung des Sach­ver­halts ange­ord­ne­ten ärzt­li­chen Unter­su­chung nach dem Rechts­ge­dan­ken der §§ 427, 444 und 446 ZPO setzt vor­aus, dass der betrof­fe­ne Beam­te von den vom Gut­ach­ter fest­ge­setz­ten Unter­su­chungs­ter­mi­nen über­haupt Kennt­nis erlangt hat. Andern­falls kann dem Beam­ten nicht vor­ge­hal­ten wer­den, die Begut­ach­tung vor­werf­bar ver­wei­gert zu haben. Erweist sich der Zugang der Ein­be­stel­lung zur ärzt­li­chen Unter­su­chung im gericht­li­chen Ver­fah­ren als zwei­fel­haft, muss das Gericht die­sen ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Umstand auf­klä­ren und darf sich nicht mit Annah­men und nicht beleg­ten Ver­mu­tun­gen begnü­gen. Auch im Beschwer­de­ver­fah­ren konn­te die Fra­ge des Zugangs der Ein­la­dungs­schrei­ben des Gesund­heits­am­tes nicht geklärt wer­den.
Im Ver­fah­ren vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt war unklar, unter wel­cher Anschrift der Klä­ger tat­säch­lich im Schrift­ver­kehr erreich­bar ist. Das ers­te Anschrei­ben des Gesund­heits­am­tes vom 06.11.2012, das an die auch vom Bevoll­mäch­tig­ten des Klä­gers im Schrift­satz vom 20.11.2012 genann­te Mel­de­adres­se des Klä­gers, …stra­ße …, gerich­tet war, ging an das Gesund­heits­amt mit dem Ver­merk "unbe­kannt" zurück. Die wei­te­ren, nicht zurück­ge­sen­de­ten Ein­la­dungs­schrei­ben des Gesund­heits­am­tes waren an die Anschrift …Stra­ße … gerich­tet, unter der sich der Klä­ger noch im Febru­ar 2013 an das Ver­wal­tungs­ge­richt gewandt hat­te. Aller­dings war der Klä­ger nach der vom Beru­fungs­ge­richt ein­ge­hol­ten Mel­de­aus­kunft vom März 2013 aus die­ser Woh­nung bereits im Mai 2009 aus­ge­zo­gen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist in sei­nem Schrei­ben an das Gesund­heits­amt vom 07.02.2013 davon aus­ge­gan­gen, des­sen Auf­for­de­run­gen sei­en sämt­lich an die Mel­de­adres­se des Klä­gers gerich­tet wor­den. Dass die­se Annah­me nicht zutrifft, ergibt sich bereits aus den Mit­tei­lun­gen des Gesund­heits­am­tes an das Beru­fungs­ge­richt. Denn in die­sen ist als Adres­se die frü­he­re Anschrift des Klä­gers, …Stra­ße …, ver­merkt.
Ange­sichts der Bedeu­tung, die das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt der Ver­wei­ge­rung der im gericht­li­chen Ver­fah­ren ange­ord­ne­ten Begut­ach­tung bei­gemes­sen hat, hät­te es bei die­ser Sach­la­ge den tat­säch­li­chen Zugang der Ein­la­dungs­schrei­ben des Gesund­heits­am­tes beim Klä­ger klä­ren müs­sen. Im Vor­feld der Beru­fungs­ver­hand­lung hät­te das Gericht z.B. beim Bevoll­mäch­tig­ten des Klä­gers ent­spre­chend nach­fra­gen kön­nen. Dies ent­spricht nicht nur der Funk­ti­on des Bevoll­mäch­tig­ten eines Klä­gers im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren (§ 67 Abs. 6 Satz 5 VwGO), son­dern lag auch ange­sichts der Art der beim Klä­ger ver­mu­te­ten gesund­heit­li­chen Pro­ble­me nahe.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 5. Novem­ber 2013 – 2 B 60.13
Adop­ti­ons­be­schluss – und die Beschwer­de gegen die Ände­rung des… Der Adop­ti­ons­be­schluss ist auch hin­sicht­lich des im Aus­spruch ent­hal­te­nen, ledig­lich dekla­ra­to­ri­schen Hin­wei­ses auf die Ände­rung des Geburts­na­mens des Anzu­neh­men­den nicht anfecht­bar. Auch die Rechts­be­schwer­de ist…
BVerwG, Urtei­le vom 19.08.1988 – 8 C 29.87, BVerw­GE 80, 96, 97 f. = Buch­holz 406.11 § 135 BBauG Nr. 30 S. 2 f. und vom 30.05.2013 – 2 C 68.11 – juris Rn. 38 f. = ZBR 2013, 348; Beschluss vom 04.09.2008 – 9 B 2.08, Buch­holz 310 § 113 Abs. 1 VwGO Nr. 32 Rn. 3[↩]
BVerwG, Urteil vom 30.05.2013 a.a.O.[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 17.10.1966 – 6 C 56.63, Buch­holz 232 § 42 Nr. 7 S. 34 f., vom 21.10.1966 – 6 C 46.63, Buch­holz 232 § 42 Nr. 8 S. 42 f., vom 16.10.1997 – 2 C 7.97, BVerw­GE 105, 267, 269 = Buch­holz 232 § 42 BBG Nr. 22 S. 4 f., vom 26.03.2009 – 2 C 73.08, BVerw­GE 133, 297 = Buch­holz 232 § 42 BBG Nr. 25, jeweils Rn. 12, vom 26.01.2012 – 2 C 7.11, Buch­holz 237.95 § 208 SHLBG Nr. 1 Rn. 11 und vom 26.04.2012 – 2 C 17.10, Buch­holz 237.6 § 226 NdsL­BG Nr. 1 Rn. 9[↩]
BVerwG, Urteil vom 30.05.2013 a.a.O. Rn. 39[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 26.09.1958 – 4 C 14.57, BVerw­GE 8, 29, 30 f., vom 27.06.1991 – 2 C 40.89, Buch­holz 239.1 § 60 BeamtVG Nr. 1 S. 5, vom 18.09.1997 – 2 C 33.96, Buch­holz 237.5 § 51 HeLBG Nr. 2 S. 3, vom 26.01.2012 – 2 C 7.11 – a.a.O. Rn. 14 und vom 26.04.2012 – 2 C 17.10 – a.a.O. Rn. 12[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 26.01.2012 a.a.O. Rn.20 f. und vom 30.05.2013 a.a.O. Rn. 31 bis 33[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 08.06.1995 – 4 C 4.94, BVerw­GE 98, 339, 361 f. = Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 102 S. 39 f., vom 25.01.1996 – 4 C 5.95, BVerw­GE 100, 238, 250 = Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 107 S. 66, vom 13.12.2007 – 4 C 9.06, BVerw­GE 130, 83 = Buch­holz 442.40 § 8 LuftVG Nr. 30, jeweils Rn. 38, vom 26.01.2012 a.a.O. Rn.20 und 23 und vom 30.05.2013 a.a.O. Rn. 31 f.[↩]

References: § 44
 § 113

§ 46
 § 46
 § 135
 § 113
 § 42
 § 42
 § 42
 § 42
 § 208
 § 226
 § 60
 § 51
 § 17
 § 17
 § 8