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Timestamp: 2019-06-18 01:30:40+00:00

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Neue Finanztechnologien – Bankenmarkt in Bewegung | Wirtschaftsdienst
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96. Jahrgang, 2016, Heft 9 · S. 631-647
Die Digitalisierung von Finanzdienstleistungen ist derzeit einer der stärksten Treiber für die Entwicklung der Kreditwirtschaft. Wie in anderen Branchen – Musik, Handel, Verlage – wurde der Trend zunächst unterschätzt. Aber mit der explosionsartigen Verbreitung der Smartphones werden die etablierten Banken nun aus immer mehr Richtungen mit zuvor ungeahnter Dynamik immer heftiger attackiert. Immer stärker zeigt sich die disruptive Kraft neuer Anbieter in der Finanzwirtschaft, die den Schumpeterschen Prozess der "schöpferischen Zerstörung" forcieren. So sollen derzeit geschätzt 12 000 Start-ups – sogenannte "FinTechs" – weltweit in die Domäne der klassischen Banken vordringen wollen.
Erfüllt sich daher nun die Prognose von Bill Gates "Banking is necessary, banks are not" aus dem Jahre 2000? Werden Banken als Intermediäre überflüssig? Wird damit sogar die düstere Prophezeiung des ehemaligen Deutsche-Bank-Vorstands Ulrich Cartellieri an Dramatik übertroffen, der den Banken schon 1991 eine Zukunft als "Stahlindustrie" voraussagte? Nach einer im April 2016 publizierten Untersuchung von McKinsey werden die deutschen Banken in den nächsten Jahren allein aufgrund der Digitalisierung Gewinneinbußen von ca. 7 Mrd. Euro pro Jahr erleiden – zusätzlich zu den gleichzeitig anfallenden Belastungen durch Niedrigzinsphase und Veränderungen in der Regulierung.1
Der Finanzintermediär "Bank" steht also unter erheblichem Handlungsdruck. Wie reagieren die etablierten Banken auf diese Herausforderung? Die Statements vieler Branchenvertreter (und ihrer Berater) durchzieht eine eher defensive Grundhaltung, wie drei Beispiele zeigen:
Orientiert an Unternehmen wie Apple oder Google werden "Walled-Garden-Strategien" empfohlen. Damit sind in sich geschlossene, digitale Ökosysteme gemeint, die eine starke Kundenbindung durch exklusive Vertriebsmodelle anstreben. Die digitalen Inhalte, bestimmte mobile Endgeräte und deren Software sind dann nur für einen beschränkten Kundenkreis zugänglich. Idealerweise muss der Kunde die Plattform nicht mehr verlassen, um z.B. die Gesamtheit seiner Finanzdienstleistungen abzuwickeln. Die Übertragung des Hausbankprinzips in das digitale Zeitalter bedeutet für den Nachfrager ohne Zweifel Bequemlichkeit ("Alles aus einer Hand"), Zeitersparnis und auch Sicherheit, zudem einen für ihn beherrschbaren Grad an Komplexität. Gelingt es dem Anbieter, den Kunden aufgrund von technischen Inkompatibiltäten und Schnittstellenproblemen innerhalb der "eingezäunten Gärten" zu halten, fällt es ihm leichter als in offenen Systemen, Produkte und Dienstleistungen zu monetisieren.
Doch was für die Apple-Welt funktionieren mag, muss für Finanzdienstleistungen kein Erfolgsmodell sein. Es sind erhebliche Zweifel angebracht, ob über eine solche, gerade vom Zahlungsverkehr ausgehende Strategie der Abschottung gegenüber den FinTechs tatsächlich nachhaltige Kundenbindung möglich ist. Das Gefühl des Lock-in und damit verbundener hoher Wechselkosten widerstrebt dem Autonomiestreben vieler Nachfrager. Es wäre nicht mehr zeitgemäß, ließen sich die Konto- und Depotdaten nicht in beliebige Software für das persönliche Finanzmanagement ­hineinladen. Und für Firmenkunden gilt erst recht, dass sie nur schwer akzeptieren würden, im Zahlungsverkehr technisch von nur einem Anbieter abhängig zu sein. Über Einzäunungsstrategien lassen sich somit "Geiseln" nehmen, aber keine zufriedenen Kunden gewinnen oder halten.
In ihrer Kommunikation stellen etablierte Banken immer stärker ihre Diskretion im Umgang mit sensiblen, kundenbezogenen Daten heraus. Bei ihnen sei man sicher, dass kein Verkauf der Daten an Dritte oder für unternehmensfremde Zwecke stattfinde. Sicherlich hat das Thema Datensicherheit nach den jüngsten Pannen bei mehreren großen Kreditinstituten und den Fällen von Cybercrime deutlich an Bedeutung gewonnen. Furcht vor Datenmissbrauch, -spionage oder -sabo­tage hegen Umfragen zufolge indes eher die Kunden ab ca. 30 Jahren. Für jüngere Internetnutzer spielt diese Thematik eine eher untergeordnete Rolle. Sie gehen nach eigenen Angaben vergleichsweise sorglos mit persönlichen Daten um und geben sie auf unterschiedlichsten Plattformen preis. Zudem genießen gerade bei ihnen Anbieter wie Amazon, PayPal, Apple oder ­Google ein ähnlich hohes Vertrauen in Punkto Zuverlässigkeit und Sicherheit wie klassische Banken. Und PayPal belegte schon 2013 nach der Zahlung per Rechnung den zweitbesten Wert, wenn nach der Bezahlmethode mit dem höchsten Sicherheitsgefühl gefragt wurde. Die Kommunikation von Sicherheit ist für die "Alten" also unbedingt notwendig, aber gerade im Kampf um jüngere Kunden keine "Trumpfkarte".
FinTechs – so ist vielfach aus der Branche zu hören – könnten nur deshalb so aufblühen, weil der Regulator sie noch nicht in sein engmaschiges Korsett gezwängt habe, unter dem die etablierten Banken aufgrund der damit verbundenen Kostenbelastungen und eingeschränkten Freiheitsgraden entsprechend ächzten. Bankenaufsicht als "weißer Ritter"? Wohl eher nicht, denn tatsächlich haben große Internetkonzerne wie Facebook mit seinen 1,3 Mrd. Nutzern weltweit, aber auch Apple, Google und PayPal längst Banklizenzen erhalten. Sie trauen es sich also zu, (noch weitere) Finanzgeschäfte zu betreiben, obwohl sie dann das regulatorische Normengerüst beachten müssen. Der Einkauf entsprechender Spezialisten dürfte angesichts ihrer Finanzkraft keine ernsthafte Barriere darstellen. Insofern verschafft die Regulatorik den etablierten Banken vielleicht einen zeitlichen Vorsprung, bildet aber keinen dauerhaften Schutzwall.
Gilt beim Peer-to-Peer-Lending also stets "weniger ist mehr"? Im Zuge der projektbezogenen Analyse konnten zusätzlich vier Treiber für die Investitionsaktivität identifiziert werden:
Tempo: FinTechs zeichnen sich dadurch aus, dass sie für den Verkauf vergleichbarer Produkte deutlich weniger Zeit als etablierte Spieler benötigen. Eine für den Kunden auch tatsächlich erlebbare höhere "Grundschnelligkeit" der Banken setzt vor allem eine umfassende Vernetzung der Absatzkanäle voraus. Unabhängig davon, ob der Kunde in der Filiale, über das Telefon/den Videochat oder sein Smartphone Leistungen nachfragt oder Informationen eingeholt hat: Sämtliche Kontakte müssen Eingang in das Customer Journey finden, das allen Ansprechpartnern in der Bank zu gleicher Zeit in gleicher Qualität zur Verfügung steht. Dies erspart es dem Kunden, seine Bedarfssituation immer wieder neu schildern zu müssen.
Als Schattenbanken bezeichnet man Unternehmen, die im Finanzsektor außerhalb des streng regulierten Bankensektors agieren und Kreditintermediationsleistungen erbringen, also einen Transfer von Kreditrisiken bewirken oder unterstützen. Zu den Schattenbanken rechnet man nicht nur die gerade erwähnten Verbriefungsvehikel, sondern insbesondere auch Geldmarktfonds, die im kurzfristigen Bereich Banken ihre Mittel zur Verfügung stellen, und Alternative Investment-Kreditfonds. Letztere dürfen seit dem Inkrafttreten des "OGAW V-Umsetzungsgesetzes" im März 2016 unter bestimmten Voraussetzungen auch selbst Darlehen vergeben und nicht nur in bereits bestehende Kreditforderungen investieren.3
Die BaFin definiert in ihrer Konsultation zur Umsetzung der EBA-Guidelines Schattenbanken als "Unternehmen, die eine oder mehrere Kreditvermittlungstätigkeiten ausüben und bei denen es sich nicht um ausgenommene Unternehmen handelt." Dabei werden die sogenannten "ausgenommenen Unternehmen" einzeln aufgelistet, darunter neben Kreditinstituten unter anderem auch Versicherungsunternehmen, Wertpapierfirmen, Zahlungsinstitute, E-Geld-Institute, sprich (ausreichend) regulierte Finanzmarktakteure. Unternehmen der FinTech-Branche werden zwar nicht explizit vom Anwendungsbereich der Schattenbankregulierung ausgenommen. Die vielfältigen Geschäftsmodelle der FinTech-Unternehmen jedoch ohne weiteres mit dem Schattenbanksektor in Verbindung zu bringen, kann zu voreiligen und unangemessenen Schlüssen führen, was im Folgenden am Beispiel des Crowdlending gezeigt werden soll.
Kreditintermediation "à la FinTech"?
Mit Hilfe des besonderen Screening-Tools kommt in die zunächst traditionell erscheinenden Aktivitäten der Plattformen also ein typisches Element hinein, das man den FinTech-Aktivitäten zurechnen kann. FinTech-Unternehmen bewegen sich zumeist im Umfeld bekannter Finanzdienstleistungen, insbesondere Zahlungsverkehrs- und Vermögensanlageleistungen, die sie in intelligenter Weise auf die Kundenbedürfnisse zuschneiden. Ihre Produkte und Prozesse zeichnen sich häufig durch ihre Simplizität und durch die besondere "Kundenfreundlichkeit der Dienstleistungen (Convenience)"7 aus.
Crowdlending wird von den FinTech-Unternehmen in der Weise organisiert, dass auf einer Internet-Plattform Privatpersonen oder junge Unternehmen, die einen Kredit benötigen, ihre Kreditwünsche anmelden und beschreiben können. Die möglichen Anleger verschaffen sich einen Überblick über die Kreditnachfrager und wählen aus, ob und in welche verfügbaren Projekte sie ihre regelmäßig kleineren Geldbeträge investieren wollen. Finden sich genügend Anleger für eine spezifische Nachfrage nach Kreditmitteln, so vermittelt die Plattform den Abschluss des Kreditvertrages an eine lizensierte Bank. Die Bank wiederum, die über eine Erlaubnis nach § 32 KWG verfügt, veräußert den Rückzahlungsanspruch aus dem Kreditvertrag in Teilforderungen an einzelne Anleger durch Forderungskaufverträge und tritt ihre Kreditforderung gegenüber dem Kreditnehmer an die Anleger ab. Eventuell erfolgt die Weiterveräußerung des Rückzahlungsanspruchs über einen im Eigentum der Internet-Plattform stehenden "Intermediär", der die jeweiligen Teilforderungen an die Anleger veräußert.
Schon dem Begriff "Crowd" lässt sich entnehmen, dass das Modell für den Fall konzipiert ist, dass viele Anleger vielen Kreditnehmern gegenüberstehen. Da zumindest in Deutschland bei den Anlegern aber eine erhebliche Zurückhaltung gegenüber Direktanlagen existiert, werden Forderungen auch en bloc an Kapitalsammelstellen wie Versicherungen oder Pensionskassen abgetreten, die in Kreditrisiken investieren wollen, ohne aber selbst die Kreditentscheidung zu treffen und selbst den Kredit herauszulegen.8
Bei ihren Hinweisen geht die BaFin unter Berücksichtigung verschiedener in der Praxis auftretender Varianten des Crowdlending davon aus, dass der Plattformbetreiber selbst keine Kredite an Kreditnehmer vergibt, sondern diesbezüglich mit einem Kreditinstitut kooperiert, das über eine Erlaubnis für Bankgeschäfte nach § 32 Abs. 1 S. 1 KWG verfügt. Dies ist ein zentraler Aspekt bei der Betrachtung des Crowdlending unter dem Blickwinkel der Schattenbankregulierung, da sich die Frage aufdrängt, wo denn eigentlich der Ansatzpunkt für eine Regulierung als Schattenbank liegen soll. Aufgrund der typischerweise vorliegenden Kooperation von Crowdlending-Plattform und sogenannter "White-Label-Bank", die ihre Lizenz und ihre für die Kreditvergabe wesentlichen Systeme, Strukturen und Prozesse zur Verfügung stellt, findet im Ergebnis gerade keine Kreditintermediation außerhalb des (klassischen) Bankensektors statt. Die Kreditvergabe auf Grundlage der Banklizenz nach § 32 KWG ist vielmehr voll reguliert.
Auch wenn die Crowdlending-Plattform für die Vermittlung der Kreditnehmer – für die die BaFin regelmäßig eine Erlaubnis der Plattform nach § 34c Abs. 1 S. 1 Nr. 2 GewO ausreichen lässt − sowie der Anleger zuständig ist und auf der Ebene des Produktvertriebs in der Regel im Vordergrund steht, so ist sie für die Kreditvergabe selbst gerade nicht letztverantwortlich. Sie fungiert bezüglich der Kreditvergabe vielmehr als sogenannter "Outsourcing"-Partner der Bank, dessen Einbindung gemäß § 25b KWG streng reguliert ist. Die Auslagerungsleistungen, die die Crowdlending-Plattform bzw. deren Betreiber gegenüber der Bank erbringt, beinhalten typischerweise nicht nur die Verwaltung der Kredite (Forderungsverwaltung, Mahnwesen), sondern auch die Durchführung und Steuerung des Kreditprozesses (einschließlich der geldwäscherechtlichen Identifizierung der Kreditnehmer). Zum Kreditprozess gehören im Wesentlichen die Datenverarbeitung, das Scoring bzw. die Vorbereitung der Kreditvergabe, die Kreditvergabe selbst sowie die Abwicklung des Vertragsschlusses. Selbst wenn der Plattformbetreiber im Rahmen der Auslagerung auch für das Fällen der Kreditentscheidung zuständig ist, dürfte dies aufsichtsrechtlich zulässig sein, solange er sich strikt an die Kreditvergabekriterien der Bank hält. Als Outsourcing-Partner der Bank ist der Plattformbetreiber nach bankaufsichtsrechtlichen Vorgaben im Übrigen strikt an die Weisungen der Bank gebunden und muss auf Verlangen auch Prüfern der Bank, insbesondere Prüfern der Innenrevision, Geldwäschebeauftragten und Compliance-Beauftragten, sowie den Prüfern der BaFin Rechenschaft ablegen.
In welchem Umfang zukünftig ein zusätzlicher Regulierungsbedarf der Crowdlending-Plattformen entstehen könnte, lässt sich nicht abschließend beurteilen, solange die Entwicklungsdynamik der FinTech-Unternehmen anhält. Aus ökonomischer Perspektive sollten dabei die FinTech-Unternehmen bei der Entwicklung und Ausübung ihrer innovativen Produkte und Prozesse nicht behindert werden, aber auch die für andere Marktteilnehmer und insbesondere Banken geltenden Sicherheitsstandards bei der Kreditvergabe und im weiteren Kreditbearbeitungsprozess dürfen nicht unterlaufen werden. Für eine solche problematische Entwicklung scheint es momentan zumindest aus deutscher regulatorischer Perspektive keine konkreten Anhaltspunkte zu geben: Die BaFin vertritt nicht den sogenannten "sandboxing"-Ansatz wie die britischen Aufsichtsbehörden10, sondern verfolgt klar den Ansatz "gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regel".11 Für die Regulierung bleibt darüber hinaus eine größtmögliche Transparenz das Gebot der Stunde, um mögliche entstehende Risiken adäquat einschätzen zu können. Transparenz ist aber auch für den aufstrebenden FinTech-Markt von großer Relevanz: Verlässliche Regulierungsstandards sowie Kommunikationsangebote seitens der Aufsicht, die junge Unternehmen bei der adäquaten Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle begleiten, sind wesentlich, um den Bankensektor fit für die digitale Zukunft zu machen.
1	BaFin: Konsultation 5/2016 vom 22. Juni 2016: Entwurf eines Rundschreibens über Obergrenzen für Risikopositionen gegenüber Schattenbankunternehmen. Der Entwurf bezieht sich auf die im Dezember 2015 von der European Banking Authority erlassenen EBA Guidelines on limits on exposures to shadow banking (EBA/GL/2015/20). Zur Entwicklung der Diskussion um die Regulierung von Schattenbanken vgl. T. Adrian, A. B. Ashcraft: Shadow Banking Regulation, Federal Reserve Bank of New York, Staff Report 559, April 2012, und zum Regulierungsansatz im Grünbuch Schattenbankwesen der EU-Kommission von 2012 B. Rudolph: Funktionen, Risiken und Regulierung von Schattenbanken, in: Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung ­zfbf, 64. Jg. (2012), S. 846-867. Auf das Grünbuch von 2012 bezieht sich auch die Mitteilung der EU-Kommission zum "Schattenbankwesen – Eindämmung neuer Risikoquellen im Finanzsektor" vom 4.9.2013. Bezüglich zentraler internationaler/europäischer Regulierungsvorhaben der letzten Jahre wird auf die Übersicht/Hinweise in den EBA-Guidelines EBA/GL/2015/20 (Kap. 2: "Background and rationale") verwiesen.
2	Vgl. z.B. das Schreiben des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland e.V. "konsultation-05-15@bafin.de" an die BaFin vom 8. Juli 2016.
6	Der international übliche und früher auch von der BaFin bei der Darstellung der Kreditvermittlungsplattformen verwendete Begriff Peer-to-Peer-Lending (P2P-Lending) ist zumindest in Deutschland insoweit missverständlich, als die Kredite selbst von einer Partnerbank der Plattform herausgelegt werden. Vgl. auch U. Mitschke: "Kreditauktionen" im Internet und die bankaufsichtsrechtliche Erlaubnispflicht der Beteiligten, in: BaFin Journal, 05/07, S. 3-5.
7	Bundesverband deutscher Banken: Antworten des Bankenverbandes auf die Fragen des Ausschusses Digitale Agenda für das Fachgespräch "Digitalisierung der Finanzbranche" vom 11.11.2015, S. 3.
8	Vgl. O. Streiter: Studie zeigt Interesse von Profi-Investoren an Crowdlending, Lending School vom 9. Juni 2015. Streiter berichtet von einer US-Studie über das wachsende Interesse institutioneller Investoren an Crowdlending; O. Kaya weist im Deutsche Bank EU-Monitor: Mittelstandsfinanzierung im Euroraum, 13. 1. 2015, S. 14 darauf hin, dass "Schattenbanken zunehmend im Peer-to-Peer-Kreditgeschäft und weiteren Formen der Kreditvergabe an KMUs aktiv werden." Eine kapitalmarktorientierte Weiterentwicklung des Crowdlending hat FinTex Capital im März 2016 mit der Emission eines Bonds über P2P-Darlehen präsentiert. Als Assetseite des Bond-Vehikels wurden Kreditforderungen erworben, die über Europas führende Crowdlending-Plattformen entstanden sind. Die Bondemission ermöglicht es Pensionsfonds, Versicherungsunternehmen sowie vermögenden Privatpersonen und Family Offices, sich "in großem Stil auf P2P-Plattformen zu engagieren." Vgl. DGAP-News vom 22.3.2016: FinTex Capital: Fintex Capital startet als institutioneller Anleger im Bereich Crowdlending. Die EU-Kommission ist im Übrigen der Auffassung, dass Crowdfunding generell das Potenzial hat, "auf lange Sicht zu einer der wichtigsten Finanzierungsformen für KMU zu werden." Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 3. Mai 2016 zur Veröffentlichung ihres Berichts über den europäischen Crowdfunding-Sektor: EU Commission Staff Working Document vom 3.5.2016: "Crowdfunding in the EU Capital Markets Union".
9	Vgl. BaFin: Auslegungsschreiben zum Crowdlending vom 9.10.2015; sowie: Vortrag von J.-P. Bußalb, O. Fußwinkel beim BaFin-Tech 2016 "Crowdfunding und aufsichtsrechtliche Pflichten". Im Folgenden soll vor allem die Erlaubnispflicht gemäß Kreditwesengesetz für das Kreditgeschäft in den Blick genommen werden, nicht jedoch die weiteren möglichen Erlaubnispflichten und Vorgaben, die sich z.B. aus einem etwaigen Anbieten oder Vermitteln von Vermögensanlagen i.S.d. § 1 Abs. 2 Nr. 7 VermAnlG ergeben können. Auch auf etwaige Erlaubnispflichten nach dem Gesetz über die Beaufsichtigung von Zahlungsdiensten wird nicht näher eingegangen, zumal die BaFin davon ausgeht, dass die Crowdlending-Plattformen bei einer reinen Vermittlungstätigkeit, wie oben beschrieben, regelmäßig keine Zahlungsverkehrsdienstleistungen erbringen.
10	Vgl. insbesondere das Projekt "Project Innovate" der Financial Conduct Authority FCA, das zur "Regulatory sandbox" folgendes ausführt: "The regulatory sandbox aims to create a 'safe space' in which businesses can test innovative products, services, business models and delivery mechanisms in a live environment without immediately incurring all the normal regulatory consequences of engaging in the activity in question." https://www.the-fca.org.uk/firms/project-innovate-innovation-hub/regulatory-sandbox (27.6.2016). Auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA "befürwortet die Schaffung einer neuen Bewilligung für Finanzinnovatoren sowie eines bewilligungsfeien Entwicklungsfelds (Sandbox)", FINMA News vom 17.3.2016. Zu den unterschiedlichen regulatorischen Maßnahmen in der Europäischen Union vgl. EU Commission Staff Working Document vom 3.5.2016: "Crowdfunding in the EU Capital Markets Union".
Die Digitalisierung der Finanzberatung wird dabei als Chance verstanden, bereits in der Exploration im Wege der Selbst-Erforschung online – leichter als im stationären Kontakt – die Möglichkeit zu eröffnen zu ermitteln, in welcher Ausgangssituation, in welcher Lebensphase und in welchem Entscheidungsanlass man steht. Dies ist dann regelmäßig damit verbunden, dass mit eher heuristischen Werkzeugen und nicht mit scheingenauen Expertentools für die eigene persönliche Situation vor jeglicher Produkt­entscheidung (Kauf, Verkauf, Vertragsänderung/-auflösung) erkennbar wird, ob und warum man möglicherweise eine Finanzberatung braucht, welcher Nutzen von einer Beratung erwartet werden kann, welche Informationen zur Analyse und Entscheidungsvorbereitung man selbst sammeln und bereitstellen könnte und welche Beratungsangebote welche Voraussetzungen und Konsequenzen haben.6 Hierzu könnten gut gestaltete, qualitativ hochwertige Produktinformationen, die im Internet verfügbar sind, einen Beitrag leisten, gegebenenfalls auch erst in der Phase der Aufklärung.7 Die EU-Kommission argumentiert im aktuellen Grünbuch ähnlich: "... das Vertrauen der Verbraucher, dass ihre Interessen geschützt sind, ... [kann] nur dann erreicht werden, wenn Dienstleistungen und Produkte verständlich sind: Deshalb sollten Informationen über ihr Funktionieren, ihren Preis und ihre Merkmale im Vergleich zu denen anderer Produkte in einer für den Verbraucher verständlichen Weise zur Verfügung stehen."8
Ein wesentlicher Vorteil des Digital Advice besteht gundsätzlich also darin, lösungs- und zielgruppenorientiert auf dem dazu passenden Zugangskanal (Internet, Apps, Social Media) die notwendigen Informationen zur Selbst-Exploration und Selbst-Aufklärung bereitzustellen. Beide Beratungselemente ersetzen also, zumindest teilweise, das "Wie" (know your customer) und gegebenenfalls dann auch das "Was" (know your product) stationärer analoger Prägung. Zudem ist die analoge Beratungswelt längst digitalisiert, von der Erfassung der persönlichen Daten im Desktop oder Notebook des Beraters über die elektronische Vermittlung der Produktinformationen bis hin zur standardisierten Empfehlung entsprechend den eingesetzten Algorithmen.9
Social Trading: Internet-Plattformen, auf denen (potenzielle) Nutzer die Investments vorgeblich erfolgreicher Anleger in einer unterschiedlich definierten Anleger- und Vorbild-Community für ihr eigenes Portfolio spiegeln können. Anleger werden damit quasi zu "Followern" Dritter, sogenannte "Trader" bzw. "Signal Provider". In diesem Kontext sind insbesondere auch Performance-Überlegungen in mittlerer oder längerer Frist von Inte­resse, in etwa vergleichbar zu aktiv verwalteten Fonds.12 Grundsätzlich wird auch diese Variante zur sogenannten automatisierten Finanzberatung gerechnet.
Die digitalen Informations- und Beratungsangebote müssen einfach und transparent die Interessenlage und das Geschäftsmodell des Anbieters/der Plattform erkennen lassen: Finanzinformationen, Finanztests oder Finanzproduktvergleiche müssen einfachen und strengen Regeln von der Entstehung und Aufbereitung bis hin zur Publikation unterliegen, die laufend zu überprüfen sind, z.B. Information über Geschäftsmodell und finanzielle Beziehungen, insbesondere Provisionen; keine Werbung mit dem Stichwort "kostenlos" oder ähnlich, wenn die Honorierung im Preis der verglichenen Produkte eingerechnet ist; keine Werbung mit dem Stichwort "preisgünstig" oder ähnlich, wenn nicht alle Angebote am Markt einbezogen werden. Sind die Kriterien und Vergleichsmethoden öffentlich zugänglich und durch Dritte nachprüfbar? Sind die Aussagen eines Vergleichs maßgeblich für die wesentlichen Eigenschaften einer Finanzdienstleistung?18
Qualitativ hochwertige digitale Information und Beratung werden nicht kostenlos nur dadurch, dass sie einfach über das Internet verfügbar sind. Preiswert können sie dennoch sein, da wesentliche Kostenkomponenten der analogen Welt reduziert werden. Um aber preiswerte und hochwertige Angebote überhaupt entdecken und selektieren zu können, braucht es einen flächendeckend funktionierenden Wettbewerb. Jeder Ansatz einer Bildung (kleiner) Oligopole, wie heute bereits bei Vergleichsportalen oder Social Media zu beobachten, sollte frühzeitig unterbunden werden und insbesondere eine Portierung und endgültige Löschung der persönlichen Daten leicht möglich sein. Das aktuelle Grünbuch der EU-Kommission äußert sich daher auch nur vorsichtig: "Die Digitalisierung kann dazu beitragen, das Preisniveau zu senken und die Vergleichbarkeit der Produkte zu verbessern, so dass die Verbraucher besser in der Lage sind, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen."19
21	Ders.: Digitale Welt und Finanzen. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen, a.a.O.; ders.: Digitale Welt und Finanzen. Zahlungsdienste und Finanzberatung, a.a.O. ; vgl. auch A. Oehler, M. Horn, S. Wendt: Digitale Zahlungsdienste: Chinese Walls 2.0 oder Trennung?, in: DIVSI Magazin, erscheint demnächst; Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet DIVSI: Daten – Ware und Währung, Hamburg 2014; M. Schneider: DIVSI Studie "Daten – Ware und Währung"; in: DIVSI magazin, 2014, H. 4, 14-16.
Für Unternehmen der Finanzbranche werden zunehmend Kenngrößen interessant, die mehr spiegeln als die Ausfalls- oder Betrugswahrscheinlichkeit eines Kunden.9 Hier versprechen Big Data und ihre Analyse tiefe Einblicke in die Verbraucherpsyche jedes Einzelnen, seine Zahlungsfähigkeit, Wechselwilligkeit oder Offenheit für neue Angebote.10 Im Marketing lässt sich die Marschrichtung der Anbieter von Analyseverfahren bereits beobachten: Ziel ist es, eine aussagekräftige 360°-Sicht des Kunden zu erhalten. Produkte dieser Art werden von US-amerikanischen Firmen bereits beworben. So offeriert die Firma Clario ein "360 degree customer profile" und Experian spricht von einem "universal customer profile". Gleichzeitig ist zu beobachten, dass auch online und bislang offline existierendes Verhalten in den Profilen konsolidiert wird.11 Dieser technologische Fortschritt intensiviert den Wettbewerb, er ermöglicht Produkt- und Preispersonalisierung, zeigt aber auch, dass die traditionellen Finanzdienstleister und Informationsintermediäre unterschiedlich betroffen sind.
Vor diesem Hintergrund lassen sich im Augenblick drei große Trends in der Informationsintermediation in Kreditmärkten erkennen. Der erste Trend bezeichnet den bereits angeklungenen Paradigmenwechsel von der Kredit-Beauskunftung (credit reporting) hin zu einer 360°-Kunden-Beauskunftung (consumer reporting). Neben dem Kreditrisiko rücken die Profitabilität und damit weitere Eigenschaften (Zahlungswilligkeit) in den Vordergrund. Dies geht einher mit der sukzessiven Ausdehnung der Datenbasis unter Einbezug von immer mehr persönlichen Informationen. Während Anfang der 1990er Jahre vermehrt alternative Daten12 einbezogen wurden, gilt heute das Mantra "alle Daten sind Kreditdaten".13 Start-ups, die in diesem Bereich tätig sind, stellen ihre Geschäftsmodelle typischerweise in den Zusammenhang von Kredit­rationierung und dem verminderten Zugang zu Krediten marginalisierter oder junger Bevölkerungsgruppen (vgl. Webseiten von ZestFinance, Kreditech und First Access, um nur einige zu nennen).
Eingangs wurde auf die bestehenden Informationsasymmetrien, die den Kreditmarkt seit jeher prägen, eingegangen. In klassischen Kreditmarktmodellen mit asymmetrischer Information wird davon ausgegangen, dass Kreditnehmer mehr über ihr Risikoverhalten wissen als der Kreditgeber. Durch die neuen Analysemethoden könnten sich solche Informationsasymmetrien umkehren – ein in der Literatur als "Inversion der Privatsphäre" bekanntes Phänomen.17 So könnte ein Unternehmen einen Kunden sehr viel besser einschätzen als dieser sich selbst. Dieser Wissenssprung erlaubt es, einen größeren Teil der Rente aus der Transaktion mit Kunden zu extrahieren.18 Für den Datenschutz ergeben sich durch Big Data schwerwiegende Veränderungen:
12	Der Ausdruck "alternative Daten" subsummiert alle Daten, die in den vergangenen Jahrzehnten nicht standardgemäß für die Kreditwürdigkeitsprüfung verwendet wurden, z.B. Zahlungsprofile von Privatpersonen bei Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgern oder Telekommunikationsunternehmen.
14	Patent "Authorization and authentication based on an individual's social network" US 9100400 B2, http://www.google.si/patents/US9100400.
Abstract: Digitalisation opens new channels for financial transactions. Crowdlending and Digital Advice offer additional opportunities for customers to manage their assets. In the banking market, "FinTechs" are the most notable example of what Schumpeter described as "creative destruction". They could threaten the existence of established banks. Therefore the banks should use the FinTechs as a testing laboratory for customer behavior and testing ground for a more modern marketing policy. This environment gives rise to concerns that there may develop an unregulated area of shadow banks. But it should be considered that a level playing field has to be ensured and that innovative processes and products are not stalled. A potential advantage of Digital Advice is that consumers can have the possibility to access the relevant information they need to make their financial decisions. Consumers, in turn, are only able to benefit from this advantage if competition between financial service providers leads to a supply of clear and comprehensible information about financial products and an appropriate degree of data security. The rise of Big Data analyses in retail banking allows a more precise estimation of creditworthiness risk as well as a consumer's willingness-to-pay, propensity to switch and responsiveness to marketing offers. This not only impacts on competition, it represents major challenges for policymakers, authorities and consumers alike.
Bank, Bankensystem, Digitalisierung, Technologie

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