Source: https://www.hensche.de/Entlassung_65_Entlassung_Betriebsvereinbarung_mit_65_Betriebsvereinbarung_BAG_1AZR417-12%20.html
Timestamp: 2020-01-20 15:30:56+00:00

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hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 5. März 2013 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Prof. Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Gentz und Berg für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen vom 7. März 2012 - 16 Sa 809/11 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner durch Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­re­gel­ten Al­ters­gren­ze.
Der Kläger war seit April 1980 bei der Be­klag­ten auf­grund ei­ner von bei­den Sei­ten un­ter­zeich­ne­ten „Ein­stell­mel­dung“ beschäftigt. In die­ser heißt es:
„1. Das Ar­beits­verhält­nis un­ter­liegt den Be­stim­mun­gen des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für Lohn­empfänger, des Lohn­ta­rif­ver­tra­ges und der Ar­beits­ord­nung der V AG in der je­weils gülti­gen Fas­sung.
3. Es wird ei­ne Pro­be­zeit von 4 Wo­chen ver­ein­bart. Wird die Wei­ter­beschäfti­gung nicht min­des­tens 7 Ta­ge vor Ab­lauf der Pro­be­zeit schrift­lich ab­ge­lehnt, so gilt das Ar­beits­verhält­nis als auf un­be­stimm­te Zeit ab­ge­schlos­sen.
6. Es wur­den aus­gehändigt:
Man­tel-Ta­rif-Ver­trag für Lohn­empfänger
Lohn­ta­rif­ver­trag
Ar­beits­ord­nung
Sat­zung der Be­triebs­kran­ken­kas­se (mit Kran­ken­ord­nung) Un­fall­verhütungs-Vor­schrif­ten Ver­sor­gungs­richt­li­ni­en“
In der als Ver­sor­gungs­ord­nung be­zeich­ne­ten Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung Nr. 6/76 vom 21. De­zem­ber 1976 (GBV 6/76) ist be­stimmt:
V-Ren­te we­gen Er­werbs- oder Be­rufs­unfähig­keit
(1) V-Ren­te we­gen Er­werbs­unfähig­keit wird an ei­nen V-Mit­ar­bei­ter ge­zahlt, der nach Erfüllung der War­te­zeit (§ 2) aus dem Ar­beits­verhält­nis mit der V AG aus­schei­det, weil ein Träger der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bei ihm den Ein­tritt der Er­werbs­unfähig­keit fest­ge­stellt hat und des­we­gen Ren­te gewährt (= vor­zei­ti­ger Ver­sor­gungs­fall). ...
V-Al­ters­ren­te
(1) V-Al­ters­ren­te wird ge­zahlt, wenn ein V-Mit­ar­bei­ter nach Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res aus dem Ar­beits­verhält­nis mit der V AG aus­schei­det (= Ver­sor­gungs­fall bei fes­ter Al­ters­gren­ze).
(2) V-Al­ters­ren­te wird vor­zei­tig ge­zahlt, wenn ein V-Mit­ar­bei­ter nach Voll­endung des 63. - bei Er­werbs- oder Be­rufs­unfähig­keit oder bei Schwer­be­hin­de­rung nach Voll­endung des 62. Le­bens­jah­res -, ei­ne V-Mit­ar­bei­te­rin nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res aus dem Ar­beits­verhält­nis mit der V AG aus­schei­det (= Ver­sor­gungs­fall bei fle­xi­bler Al­ters­gren­ze).
(3) V-Al­ters­ren­te wird vom Be­ginn des Mo­nats an ge­zahlt, der auf den Zeit­punkt des al­ters­be­ding­ten Aus­schei­dens aus dem Ar­beits­verhält­nis mit der V AG folgt, frühes­tens je­doch nach Ab­lauf der Zeit, für die noch Zah­lun­gen aus dem be­en­de­ten Ar­beits­verhält­nis ge­leis­tet wer­den. ...
Vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses
(3) Die V-Ren­te wird wie folgt be­rech­net: Es wird er­mit­telt, wel­che V-Ren­te bei an­ge­nom­me­ner Fort­dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der V AG bis zum Ein­tritt der nach Ab­satz 2 maßge­ben­den Vor­aus­set­zun­gen nach § 7 zu zah­len wäre (= fik­ti­ve Voll­ren­te). Hier­bei wird das Brut­to­ar­beits­ent­gelt in den letz­ten zwölf vol­len Ka­len­der­mo­na­ten des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der V AG nach Maßga­be des § 6 zu­grun­de ge­legt. Die­se Ren­te wird in dem Verhält­nis ermäßigt, in dem die er­reich­te Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der V AG zur er­reich­bar ge­we­se­nen Dau­er steht (bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs = fes­te
Al­ters­gren­ze). ...“
Die GBV 6/76 wur­de durch die Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung Nr. 2/92 vom 11. De­zem­ber 1992 (GBV 2/92) neu ge­fasst. Nach de­ren § 4 Abs. 1 Satz 2 en­det das Ar­beits­verhält­nis - oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf - mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem das 65. Le­bens­jahr voll­endet wird. Die GBV 2/92 trat am 31. De­zem­ber 1992 in Kraft und galt für al­le Ver­sor­gungsfälle, die auf ei­nem Ar­beits­verhält­nis be­ruh­ten, das vor dem 1. Ja­nu­ar 1987, aber nach dem 1. De­zem­ber 1976 be­gründet wor­den war.
Der Kläger voll­ende­te im Au­gust 2007 sein 65. Le­bens­jahr und schied zum 31. Au­gust 2007 bei der Be­klag­ten aus.
Die für die Be­klag­te gel­ten­den Fir­men­ta­rif­verträge ent­hiel­ten zum Zeit­punkt der Ein­stel­lung des Klägers kei­ne Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen. Erst am 14. Ok­to­ber 2009 ver­ein­bar­te die IG Me­tall mit der Be­klag­ten ei­ne Ergänzung des Man­tel­ta­rif­ver­trags vom 15. De­zem­ber 2008, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Kündi­gung mit Ab­lauf des Ka­len­der­mo­nats en­det, in dem der Beschäftig­te die je­wei­li­ge in­di­vi­du­el­le Re­gel­al­ters­gren­ze in der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung er­reicht. Die­se Re­ge­lung trat mit Wir­kung zum 1. Au­gust 2009 in Kraft.
Mit sei­ner am 5. Ju­li 2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger gel­tend ge­macht, sein Ar­beits­verhält­nis sei nicht durch die in den Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ent­hal­te­nen Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen be­en­det wor­den. Die­se führ­ten zu nach dem AGG un­zulässi­gen Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen des Le­bens­al­ters. Ei­ne auf das Er­rei­chen des Re­gel­ren­ten­al­ters be­zo­ge­ne Be­fris­tung könne in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht ver­ein­bart wer­den. Bei der Ein­stel­lung sei ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­gründet wor­den. Die­se Ab­re­de ge­he als güns­ti­ge­re Ab­spra­che et­wai­gen Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen in den Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­run­gen vor.
Der Kläger hat - so­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung - be­an­tragt,
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis über den 31. Au­gust 2007 hin­aus als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis fort­be­steht,
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­trags auch über den 31. Au­gust 2007 hin­aus in der Mon­ta­ge zu beschäfti­gen.
Die Be­klag­te hat die Ab­wei­sung der Kla­ge be­an­tragt.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­ne Anträge wei­ter.
Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers hat nach § 4 Abs. 1 GBV 6/76 mit Ab­lauf des Ka­len­der­mo­nats ge­en­det, in dem er das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat, al­so am 31. Au­gust 2007. Die in der GBV 6/76 ent­hal­te­ne Al­ters­gren­ze ist wirk­sam. Güns­ti­ge­re ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen be­ste­hen nicht. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an.
I. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers hat mit Ab­lauf des 31. Au­gust 2007 ge­en­det. Dies folgt aus § 4 Abs. 1 GBV 6/76, der ei­ne auf das Er­rei­chen des 65. Le­bens­jah­res be­zo­ge­ne Al­ters­gren­ze enthält. Die Sperr­wir­kung des § 77 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG greift nicht ein. Die Be­klag­te und der Ge­samt­be­triebs­rat konn­ten ei­ne Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags durch ei­ne auf das Re­gel­ren­ten­al­ter be­zo­ge­ne Al­ters­gren­ze in der GBV 6/76 re­geln. Die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung verstößt nicht ge­gen § 75 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Be­trVG und das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung in § 7 Abs. 1, § 1 AGG.
1. An­ders als vom Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, enthält be­reits § 4 Abs. 1 GBV 6/76 ei­ne auf das Er­rei­chen des ge­setz­li­chen Ren­ten­al­ters be­zo­ge­ne Al­ters­gren­ze. Dies folgt aus dem Wort­laut, der Sys­te­ma­tik und dem Norm­zweck der Vor­schrift.
a) Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen sind we­gen ih­res nor­ma­ti­ven Cha­rak­ters wie Ta­rif­verträge oder Ge­set­ze aus­zu­le­gen. Aus­zu­ge­hen ist da­nach vom Wort­laut der Be­stim­mung und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn. Ins­be­son­de­re bei un­be­stimm­tem Wort­sinn sind der wirk­li­che Wil­le der Be­triebs­par­tei­en und der von ih­nen ver­folg­te Zweck zu berück­sich­ti­gen, so­fern und so­weit sie im Text ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben. Ab­zu­stel­len ist fer­ner auf den Ge­samt­zu­sam­men­hang und die Sys­te­ma­tik der Re­ge­lun­gen so­wie die von den Be­triebs­par­tei­en prak­ti­zier­te Hand­ha­bung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­nem sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten, prak­tisch brauch­ba­ren und ge­set­zes­kon­for­men Verständ­nis der Re­ge­lung führt (BAG 18. Ok­to­ber 2011 - 1 AZR 376/10 - Rn. 15).
b) Der Wort­laut von § 4 Abs. 1 GBV 6/76 ist nicht ein­deu­tig. Er kann da­hin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass er aus­sch­ließlich die Ru­he­geld­be­zugs­be­rech­ti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers bei Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze re­gelt. Ein Verständ­nis, wo­nach er nicht nur die­se, son­dern auch die Be­en­di­gung der Ar­beits­verhält­nis­se der ru­he­geld­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer re­gelt, wird durch den Wort­laut je­doch nicht aus­ge­schlos­sen.
c) Für die Aus­le­gung von § 4 Abs. 1 GBV 6/76 als Be­en­di­gungs­norm spricht der sys­te­ma­ti­sche Zu­sam­men­hang der Vor­schrift. Denn auch an an­de­rer Stel­le in der GBV 6/76 wird die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses im Zu­sam­men­hang mit dem Be­zug ei­ner ge­setz­li­chen Ren­te ge­re­gelt. § 3 Abs. 1 GBV 6/76 enthält ei­ne auflösen­de Be­din­gung, nach der ein Ar­beit­neh­mer bei Fest­stel­lung sei­ner Er­werbs­unfähig­keit und ei­ner ent­spre­chen­den Ren­ten­gewährung aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det. Dem ent­spricht § 4 Abs. 3 GBV 6/76, wo­nach V-Al­ters­ren­te vom Be­ginn des Mo­nats an ge­zahlt wird, der auf den Zeit­punkt des „al­ters­be­ding­ten Aus­schei­dens aus dem Ar­beits­verhält­nis mit der V AG“ folgt. Die­se Norm, die an die Re­ge­lung der fes­ten so­wie der
fle­xi­blen Al­ters­gren­ze in § 4 Abs. 1 und Abs. 2 GBV 6/76 an­knüpft, geht von ei­nem „al­ters­be­ding­ten Aus­schei­den“ aus dem Ar­beits­verhält­nis aus und nicht auf­grund ei­nes ei­genständi­gen Be­en­di­gungs­tat­be­stands. Hierfür spricht auch die Be­rech­nungs­re­gel für die Höhe des Ru­he­gel­des bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den in § 8 Abs. 3 GBV 6/76. Nach die­ser ist die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res be­grenzt. Dies kann nur da­hin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass das Ar­beits­verhält­nis je­den­falls bei Er­rei­chen der in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 be­stimm­ten Al­ters­gren­ze en­det.
d) Dies ent­spricht dem Norm­zweck. Durch die Re­ge­lun­gen der GBV 6/76 wird den Ar­beit­neh­mern der Be­klag­ten ne­ben ih­rer ge­setz­li­chen Al­ters­ren­te ei­ne wei­te­re Ver­sor­gung gewährt, die an die Stel­le der ent­fal­len­den Ar­beits­vergütung tritt. Da die GBV 6/76 nicht re­gelt, dass das be­trieb­li­che Ru­he­geld nach Er­rei­chen des Ver­sor­gungs­falls auch zusätz­lich zum Ar­beits­ent­gelt ge­zahlt wer­den kann, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass durch die Ver­sor­gungs­ord­nung zu­gleich das Ar­beits­verhält­nis bei Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze be­en­det wer­den soll. Dies ha­ben die Be­triebs­par­tei­en in der GBV 2/92 durch § 4 Abs. 1 Satz 2 GBV 2/92 klar­ge­stellt.
2. Die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung der GBV 6/76 verstößt nicht ge­gen die Re­ge­lungs­sper­re des § 77 Abs. 3 Be­trVG.
a) Da­nach können Ar­beits­be­din­gun­gen, die durch Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt sind oder übli­cher­wei­se ge­re­gelt wer­den, nicht Ge­gen­stand ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung sein (§ 77 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG). Ar­beits­be­din­gun­gen sind dann durch Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt, wenn sie in ei­nem Ta­rif­ver­trag ent­hal­ten sind und der Be­trieb in den räum­li­chen, be­trieb­li­chen, fach­li­chen und persönli­chen Gel­tungs­be­reich die­ses Ta­rif­ver­trags fällt (BAG 16. Au­gust 2011 - 1 AZR 314/10 - Rn. 12). Ta­rifüblich ist ei­ne Re­ge­lung, wenn der Re­ge­lungs­ge­gen­stand in der Ver­gan­gen­heit in ei­nem ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag ent­hal­ten war und die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en über ihn Ver­hand­lun­gen führen. Bloße zeit­li­che Gel­tungslücken zwi­schen ei­nem ab­ge­lau­fe­nen und ei­nem zu er­war­ten­den Ta­rif­ver­trag führen nicht zum Weg­fall der Sperr­wir­kung. Kei­ne Ta­rifüblich­keit liegt al­ler­dings vor, wenn es in der Ver­gan­gen­heit noch kei­nen ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag gab
und die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en le­dig­lich be­ab­sich­ti­gen, die An­ge­le­gen­heit künf­tig ta­rif­lich zu re­geln. Das gilt selbst dann, wenn sie be­reits Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men ha­ben (BAG 26. Au­gust 2008 - 1 AZR 354/07 - Rn. 11, BA­GE 127, 297).
b) Die Vor­aus­set­zun­gen des § 77 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG lie­gen nicht vor. Bis zu der am 14. Ok­to­ber 2009 ver­ein­bar­ten Ergänzung des Man­tel­ta­rif­ver­trags vom 15. De­zem­ber 2008 ent­hiel­ten die für die Be­klag­te gel­ten­den Ta­rif­verträge kei­ne Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen. Zu wel­chem Zeit­punkt die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hierüber Ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men ha­ben, ist un­er­heb­lich.
3. Die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 ist von der Re­ge­lungs­kom­pe­tenz der Be­triebs­par­tei­en um­fasst.
a) Bei der GBV 6/76 han­delt es sich um ei­ne teil­mit­be­stimm­te Be­triebs­ver­ein­ba­rung. So­weit die­se den An­spruch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung aus­ge­stal­tet hat, un­ter­lag sie dem Be­tei­li­gungs­recht aus § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG. Hier­von nicht er­fasst war die Fest­le­gung ei­ner Al­ters­gren­ze bei Er­rei­chen des Re­gel­ren­ten­al­ters. Für die­sen Re­ge­lungs­ge­gen­stand folgt die Zuständig­keit der Be­triebs­par­tei­en aus § 88 Be­trVG.
b) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts können die Be­triebs­par­tei­en durch Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen Re­ge­lun­gen über den In­halt, den Ab­schluss und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen tref­fen. Dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz liegt sei­ner Kon­zep­ti­on nach ei­ne grundsätz­lich um­fas­sen­de Kom­pe­tenz der Be­triebs­par­tei­en zur Re­ge­lung von ma­te­ri­el­len und for­mel­len Ar­beits­be­din­gun­gen zu­grun­de (grund­le­gend BAG GS 7. No­vem­ber 1989 - GS 3/85 - zu C I 2 der Gründe, BA­GE 63, 211). Dies folgt ins­be­son­de­re aus § 77 Abs. 3 Satz 1 und Satz 2 Be­trVG. Zwar dient die­se Re­ge­lung in ers­ter Li­nie der Si­che­rung der aus­geübten und ak­tua­li­sier­ten Ta­rif­au­to­no­mie. Zu­gleich zeigt sie aber, dass der Ge­setz­ge­ber dort, wo die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ih­re Be­fug­nis zur Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen nicht wahr­neh­men oder den Ab­schluss ergänzen­der Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen zu­las­sen, von ei­ner Re­ge­lungs­kom­pe­tenz der Be­triebs­par­tei­en aus­geht. Hierfür
spricht fer­ner, dass frei­wil­li­ge Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nach § 88 Be­trVG nicht auf die dort aus­drück­lich ge­nann­ten Ge­genstände be­schränkt sind, son­dern, wie sich aus dem Wort „ins­be­son­de­re“ er­gibt, auch über an­de­re Ge­genstände möglich sein sol­len (BAG 12. April 2011 - 1 AZR 412/09 - Rn. 19, BA­GE 137, 300).
c) Die­se Norm­set­zungs­be­fug­nis für Re­ge­lungs­ge­genstände außer­halb der zwin­gen­den Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats ist ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­lich. Die be­trieb­li­che Norm­set­zung un­ter­liegt al­ler­dings Bin­nen­schran­ken. Die Ver­ein­bar­keit der in frei­wil­li­gen Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen mit höher­ran­gi­gem Recht ist zu­dem im In­di­vi­dual­pro­zess ge­richt­lich voll über­prüfbar (BAG 12. De­zem­ber 2006 - 1 AZR 96/06 - Rn. 13 ff., 22, BA­GE 120, 308).
4. Die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 verstößt nicht ge­gen § 75 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Be­trVG. Die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen des Re­gel­ren­ten­al­ters ist sach­lich ge­recht­fer­tigt iSv. § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG.
a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats sind die Be­triebs­par­tei­en beim Ab­schluss von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen gemäß § 75 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Be­trVG zur Wah­rung der grund­recht­lich geschütz­ten Frei­heits­rech­te ver­pflich­tet (BAG 17. Ju­li 2012 - 1 AZR 476/11 - Rn. 36). Da­zu gehört die durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te Be­rufs­frei­heit der Ar­beit­neh­mer (BAG 12. April 2011 - 1 AZR 412/09 - Rn. 20, BA­GE 137, 300).
b) Im Be­reich des ar­beits­ver­trag­li­chen Be­stands­schut­zes ist im In­ter­es­se der Gewähr­leis­tung der durch Art. 12 Abs. 1 GG ga­ran­tier­ten Be­rufs­frei­heit der Ar­beit­neh­mer ein staat­li­cher Min­dest­schutz un­ver­zicht­bar. Das folgt aus der Schutz­pflicht­funk­ti­on der Grund­rech­te, die staat­li­che Grund­rechts­adres­sa­ten da­zu ver­pflich­ten, ein­zel­ne Grund­recht­sträger vor ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­schränkung ih­rer Grund­rech­te zu be­wah­ren. Bei der Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen schützen seit dem 1. Ja­nu­ar 2001 die Be­stim­mun­gen des Tz­B­fG vor ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­ein­träch­ti­gung des Grund­rechts aus Art. 12
Abs. 1 GG (BAG 8. De­zem­ber 2010 - 7 AZR 438/09 - Rn. 29, BA­GE 136, 270). Von den zwin­gen­den Re­ge­lun­gen in § 14 Tz­B­fG kann nach § 22 Abs. 1 Tz­B­fG nicht zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ab­ge­wi­chen wer­den. Dem­zu­fol­ge bedürfen auch Be­fris­tungs­re­ge­lun­gen in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen zu ih­rer Wirk­sam­keit ei­nes sie recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds iSv. § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG.
c) Der zeit­li­che An­wen­dungs­be­reich des § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG ist eröff­net. Die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund ei­ner in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­hal­te­nen Be­fris­tung un­ter­liegt seit dem 1. Ja­nu­ar 2001 der Be­fris­tungs­kon­trol­le nach den Vor­schrif­ten des Tz­B­fG. Dies gilt auch für vor die­sem Zeit­punkt ab­ge­schlos­se­ne Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen.
d) Die Al­ters­gren­ze in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 ist nach § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG sach­lich ge­recht­fer­tigt.
aa) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann ei­ne mit Er­rei­chen des Re­gel­ren­ten­al­ters ver­knüpfte Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in Kol­lek­tiv­nor­men die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses iSv. § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG sach­lich recht­fer­ti­gen. Zwar ver­folgt der Ar­beit­neh­mer mit sei­nem Wunsch nach ei­ner dau­er­haf­ten Fort­set­zung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses über das Re­gel­ren­ten­al­ter hin­aus le­gi­ti­me wirt­schaft­li­che und ide­el­le An­lie­gen. Das Ar­beits­verhält­nis si­chert sei­ne wirt­schaft­li­che Exis­tenz­grund­la­ge und bie­tet ihm die Möglich­keit be­ruf­li­cher Selbst­ver­wirk­li­chung. Je­doch hat der Ar­beit­neh­mer bei Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze re­gelmäßig ein lan­ges Be­rufs­le­ben hin­ter sich. Da­ne­ben war er ty­pi­scher­wei­se von der An­wen­dung der Al­ters­gren­zen­re­ge­lung durch sei­nen Ar­beit­ge­ber selbst begüns­tigt, weil sich sei­ne Ein­stel­lungs- und Auf­stiegs­chan­cen durch das al­ters­be­ding­te Aus­schei­den an­de­rer Ar­beit­neh­mer ver­bes­sert ha­ben. Dem ge­genüber steht das Bedürf­nis des Ar­beit­ge­bers nach ei­ner sach­ge­rech­ten und be­re­chen­ba­ren Per­so­nal- und Nach­wuchs­pla­nung. Dem In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers, bei­zei­ten ge­eig­ne­ten Nach­wuchs ein­zu­stel­len oder be­reits beschäftig­te Ar­beit­neh­mer fördern zu können, ist Vor­rang vor dem Be­stands­schutz­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers zu gewähren, wenn der Ar­beit­neh­mer durch den Be­zug der Re­gel­al­ters­ren­te wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert ist. En­det das Ar­beits­verhält­nis durch die ver­ein­bar­te Al­ters­gren­ze, ver­liert der
Ar­beit­neh­mer den An­spruch auf die Ar­beits­vergütung, die ihm bis­her zum Be­strei­ten sei­nes Le­bens­un­ter­halts zur Verfügung ge­stan­den hat. Die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund ei­ner Al­ters­gren­zen­re­ge­lung ist ver­fas­sungs­recht­lich nur zu recht­fer­ti­gen, wenn an die Stel­le der Ar­beits­vergütung der dau­er­haf­te Be­zug von Leis­tun­gen aus ei­ner Al­ters­ver­sor­gung tritt. Die An­bin­dung an ei­ne ren­ten­recht­li­che Ver­sor­gung bei Aus­schei­den durch ei­ne Al­ters­gren­ze ist da­mit Be­stand­teil des Sach­grunds. Die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ist al­ler­dings auch nicht von der kon­kre­ten wirt­schaft­li­chen Ab­si­che­rung des Ar­beit­neh­mers bei Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze abhängig (BAG 21. Sep­tem­ber 2011 - 7 AZR 134/10 - Rn. 22).
bb) Nach die­sen Grundsätzen ist die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 je­den­falls für Ar­beits­verhält­nis­se mit Ar­beit­neh­mern, die - wie der Kläger - vor dem 1. Ja­nu­ar 1947 ge­bo­ren sind, nicht zu be­an­stan­den. Die Re­ge­lung knüpft zwar an die Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs an und stellt nicht aus­drück­lich auf das Er­rei­chen des Re­gel­ren­ten­al­ters ab. Je­doch wur­de die­ses bei Aus­schei­den des Klägers aus dem Ar­beits­verhält­nis mit der Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs er­reicht (§ 35 Nr. 1 SGB VI idF der Be­kannt­ma­chung vom 19. Fe­bru­ar 2002 [BGBl. I S. 754]). Erst mit dem Ren­ten­ver­si­che­rungs-Al­ters­gren­zen­an­pas­sungs­ge­setz vom 20. April 2007 (BGBl. I S. 554) wur­de die Re­gel­al­ters­gren­ze für die Ge­burts­jahrgänge ab 1947 nach § 35 Satz 2, § 235 Abs. 2 SGB VI schritt­wei­se auf die Voll­endung des 67. Le­bens­jahrs an­ge­ho­ben.
5. Der durch § 4 Abs. 1 GBV 6/76 be­wirk­ten Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen bei Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze steht das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung aus § 75 Abs. 1 Be­trVG, § 7 Abs. 1, § 1 AGG nicht ent­ge­gen. Die Al­ters­gren­ze führt zwar zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters. Die­se ist aber nach § 10 Satz 3 Nr. 5, Satz 1 und Satz 2 AGG zulässig. We­der die­se ge­setz­li­che Be­stim­mung noch die sie aus­ge­stal­ten­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung sind uni­ons­recht­lich zu be­an­stan­den.
a) Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ha­ben nach § 75 Abs. 1 Be­trVG darüber zu wa­chen, dass je­de Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen aus den in der Vor­schrift ge­nann­ten Gründen un­ter­bleibt. § 75 Abs. 1 Be­trVG enthält nicht nur ein Über-
wa­chungs­ge­bot, son­dern ver­bie­tet zu­gleich Ver­ein­ba­run­gen, durch die Ar­beit­neh­mer auf­grund der dort auf­geführ­ten Merk­ma­le be­nach­tei­ligt wer­den. Der Ge­setz­ge­ber hat die in § 1 AGG ge­re­gel­ten Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te in § 75 Abs. 1 Be­trVG über­nom­men. Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Be­triebs­an­gehöri­gen aus ei­nem in § 1 AGG ge­nann­ten Grund ist da­her nur un­ter den im AGG nor­mier­ten Vor­aus­set­zun­gen zulässig (BAG 23. März 2010 - 1 AZR 832/08 - Rn. 14).
b) Der zeit­li­che An­wen­dungs­be­reich des AGG ist eröff­net.
aa) Die Re­ge­lun­gen des AGG sind auch auf Al­ters­gren­zen an­zu­wen­den, die vor In­kraft­tre­ten des AGG ein­zel­ver­trag­lich oder in Kol­lek­tiv­nor­men ver­ein­bart wur­den, wenn die Al­ters­gren­ze im Ein­zel­fall erst mit oder nach In­kraft­tre­ten des AGG er­reicht wird. Nur wenn die­se be­reits vor dem 18. Au­gust 2006 er­reicht wur­de, gilt nach § 33 Abs. 1 AGG al­tes Recht (BAG 17. Ju­ni 2009 - 7 AZR 112/08 (A) - Rn. 36, BA­GE 131, 113).
bb) Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall. Der Kläger voll­ende­te sein 65. Le­bens­jahr am 12. Au­gust 2007 und er­reich­te die in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 nor­mier­te Al­ters­gren­ze am 31. Au­gust 2007.
c) Die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 enthält ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Merk­mal des Al­ters be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung der Ar­beit­neh­mer, die das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben.
Das Er­rei­chen des in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 fest­ge­setz­ten Le­bens­al­ters führt au­to­ma­tisch zur Auflösung des Ar­beits­ver­trags. Ar­beit­neh­mer, die die­ses Al­ter er­reicht ha­ben, er­fah­ren so­mit ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als al­le an­de­ren Er­werbstäti­gen. Ei­ne sol­che Re­ge­lung hat da­her ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung bei den Ent­las­sungs­be­din­gun­gen iSd. § 7 Abs. 1, § 3 Abs. 1 Satz 1, § 1 AGG zur Fol­ge.
d) Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 ist nach § 10 Satz 3 Nr. 5, Satz 1 und Satz 2 AGG zulässig.
aa) § 10 Satz 1 und Satz 2 AGG er­lau­ben die in ei­ner Ver­ein­ba­rung nach § 10 Satz 3 Nr. 5 Halbs. 1 AGG ent­hal­te­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters, wenn die­se ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Mit die­sen Re­ge­lun­gen hat der Ge­setz­ge­ber die sich aus Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (Richt­li­nie 2000/78/EG) in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt (BT-Drucks. 16/1780 S. 1 bis 3 und S. 20 bis 27). Die Prüfung der Zulässig­keit ei­ner auf dem Al­ter be­ru­hen­den un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung hat da­her un­ter Be­ach­tung der Richt­li­nie 2000/78/EG und der zu ih­rer Aus­le­gung er­gan­ge­nen Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs zu er­fol­gen.
bb) Die Re­ge­lung in § 10 Satz 3 Nr. 5 AGG ver­folgt ein le­gi­ti­mes Ziel iSd. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG.
Der Eu­ropäische Ge­richts­hof hat Al­ters­gren­zen­ver­ein­ba­run­gen iSv. § 10 Satz 3 Nr. 5 AGG, die an das Al­ter und die Bei­trags­zah­lung be­tref­fen­den Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te an­knüpfen, grundsätz­lich als sol­che an­ge­se­hen, die ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters iSd. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG als ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen er­schei­nen las­sen und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts recht­fer­ti­gen können. Bei die­sen han­de­le es sich um In­stru­men­te der na­tio­na­len Ar­beits­markt­po­li­tik, mit de­nen über ei­ne bes­se­re Beschäfti­gungs­ver­tei­lung zwi­schen den Ge­ne­ra­tio­nen der Zu­gang zur Beschäfti­gung gefördert wer­den soll (EuGH 5. Ju­li 2012 - C-141/11 - [Hörn­feldt] Rn. 29; 12. Ok­to­ber 2010 - C-45/09 - [Ro­sen­bladt] Rn. 62, Slg. 2010, I-9391). Mit sol­chen Maßnah­men ver­fol­gen die Mit­glied­staa­ten ein le­gi­ti­mes Ziel im Be­reich der So­zi­al- oder Beschäfti­gungs­po­li­tik. Die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung der Ar­beits­verhält­nis­se von Beschäftig­ten, die die Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te erfüllen, ist seit länge­rer Zeit Teil des Ar­beits­rechts zahl­rei­cher Mit­glied­staa­ten und in den Be­zie­hun­gen des Ar­beits­le­bens weit­hin üblich. Die­ser Me­cha­nis­mus - so der Ge­richts­hof - be­ruht
auf ei­nem Aus­gleich zwi­schen po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen, so­zia­len, de­mo-gra­fi­schen und/oder haus­halts­be­zo­ge­nen Erwägun­gen und be­trifft die Ent­schei­dung der Mit­glied­staa­ten über die Dau­er der Le­bens­ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer (EuGH 12. Ok­to­ber 2010 - C-45/09 - [Ro­sen­bladt] Rn. 44, aaO). Die beschäfti­gungs- und ar­beits­markt­po­li­ti­schen Zie­le können sich da­bei ent­we­der auf den ge­sam­ten Ar­beits­markt oder auf die Beschäfti­gungs­si­tua­ti­on in be­stimm­ten Bran­chen er­stre­cken (EuGH 16. Ok­to­ber 2007 - C-411/05 - [Pa­la­ci­os de la Vil­la] Rn. 69 f., Slg. 2007, I-8531). Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs steht die Re­ge­lung über die Zulässig­keit von Al­ters­gren­zen in § 10 Satz 3 Nr. 5 AGG we­gen des mit ihr ver­folg­ten ar­beits- und beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Ziels im Ein­klang mit Uni­ons­recht (EuGH 12. Ok­to­ber 2010 - C-45/09 - [Ro­sen­bladt] Rn. 51, aaO). Die Nut­zung die­ser Ermäch­ti­gung durch ei­ne Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­rung müsse al­ler­dings eben­falls in an­ge­mes­se­ner und er­for­der­li­cher Wei­se ein le­gi­ti­mes Ziel iSd. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG ver­fol­gen (EuGH 12. Ok­to­ber 2010 - C-45/09 - [Ro­sen­bladt] Rn. 53, aaO). Die Prüfung, ob mit ei­ner sol­chen Al­ters­gren­zen­ver­ein­ba­rung le­gi­ti­me Zie­le iSv. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG ver­folgt wer­den und die Mit­tel hier­zu an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind, ob­liegt da­bei dem na­tio­na­len Ge­richt (EuGH 18. No­vem­ber 2010 - C-250/09 und C-268/09 - [Ge­or­giev] Rn. 43, Slg. 2010, I-11869).
cc) Die Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Satz 3 Nr. 5 AGG lie­gen vor.
(1) Die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 sieht die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ei­nem Zeit­punkt vor, zu dem der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer die Re­gel­al­ters­ren­te be­an­spru­chen kann.
(2) Der Berück­sich­ti­gung der beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Ziel­set­zung als ei­nem le­gi­ti­men Ziel iSd. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG steht nicht ent­ge­gen, dass die­se nicht in der GBV 6/76 aus­drück­lich ge­nannt ist. Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs ist es aus­rei­chend, wenn an­de­re aus dem all­ge­mei­nen Kon­text der be­tref­fen­den Maßnah­me ab­ge­lei­te­te An­halts­punk­te die Fest­stel­lung des hin­ter die­ser Maßnah­me ste­hen­den Ziels ermögli­chen, da­mit des­sen Rechtmäßig­keit so­wie die An­ge­mes­sen­heit und
Er­for­der­lich­keit der zu sei­ner Er­rei­chung ein­ge­setz­ten Mit­tel ge­richt­lich über-prüft wer­den können (EuGH 5. Ju­li 2012 - C-141/11 - [Hörn­feldt] Rn. 24).
(3) Nach den nicht mit ei­ner Ver­fah­rensrüge an­ge­grif­fe­nen und den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts woll­ten die Be­triebs­par­tei­en mit den seit dem 1. De­zem­ber 1976 bei der Be­klag­ten gel­ten­den Al­ters­gren­zen ei­ne zusätz­li­che so­zia­le Ab­si­che­rung der Ar­beit­neh­mer im Zeit­punkt ih­res Ren­ten­ein­tritts er­rei­chen so­wie ei­nen ge­ord­ne­ten Rah­men für die Per­so­nal­pla­nung, ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur der Be­leg­schaft und für die Nach­wuchsförde­rung schaf­fen. Hier­bei han­delt es sich um beschäfti­gungs­po­li­ti­sche Zie­le iSd. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG.
(4) Die Rechts­qua­lität der GBV 6/76 als Be­triebs­ver­ein­ba­rung steht dem nicht ent­ge­gen.
Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs können auch auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lun­gen in be­trieb­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zulässig sein, wenn die Be­triebs­par­tei­en mit ih­ren Re­ge­lun­gen so­zi­al- und beschäfti­gungs­po­li­ti­sche Zie­le iSd. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ver­fol­gen, so­fern die zur Er­rei­chung die­ser Zie­le ein­ge­setz­ten Mit­tel an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind und nicht über das zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels Er­for­der­li­che hin­aus­ge­hen (EuGH 6. De­zem­ber 2012 - C-152/11 - [Odar] Rn. 43, 46, 49). Der Ge­richts­hof sieht Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat als So­zi­al­part­ner an (vgl. EuGH 9. De­zem­ber 2004 - C-19/02 - [Hlo­zek] Rn. 38, Slg. 2004, I-11491), de­nen bei der Ent­schei­dung über die Ver­fol­gung ei­nes be­stimm­ten so­zi­al- und beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Ziels so­wie bei der Fest­le­gung der für sei­ne Er­rei­chung ge­eig­ne­ten Maßnah­men ein wei­ter Er­mes­sen­spiel­raum zu­steht (EuGH 12. Ok­to­ber 2010 - C-45/09 - [Ro­sen­bladt] Rn. 69, Slg. 2010, I-9391).
dd) Die in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 ent­hal­te­ne Al­ters­gren­ze ist er­for­der­lich und an­ge­mes­sen iSd. § 10 Satz 2 AGG.
Die Re­ge­lung ist zur Er­rei­chung der mit ihr ver­folg­ten beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Zie­le er­for­der­lich. Es ist je­den­falls nicht un­vernünf­tig, wenn die
Be­triebs­par­tei­en da­von aus­ge­hen, dass das Aus­schei­den von ren­ten­be­zugs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern ei­ne si­che­re Per­so­nal­pla­nung ermöglicht, zur Gewähr­leis­tung ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Al­ters­struk­tur der Be­leg­schaft beiträgt und die Ein­stel­lungs­chan­cen von jünge­ren Ar­beit­neh­mern fördert. Die Al­ters­gren­ze in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 er­weist sich in Be­zug auf die von ihr be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer auch nicht als un­an­ge­mes­sen. Die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses trifft sie nicht un­vor­be­rei­tet. Die Re­ge­lung führt nicht zu ih­rem Aus­schei­den aus dem Er­werbs­le­ben. Sie enthält kein Ver­bot ei­ner be­stimm­ten be­ruf­li­chen Tätig­keit, son­dern be­en­det nur das in der Ver­gan­gen­heit be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis. Der mit dem Weg­fall des Ar­beits­ent­gelts ver­bun­de­ne wirt­schaft­li­che Nach­teil wird durch die Be­zugsmöglich­keit der Re­gel­al­ters­ren­te zu­min­dest teil­wei­se aus­ge­gli­chen.
e) Der Durchführung ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 Abs. 3 AEUV be­darf es nicht.
Die für die Be­ur­tei­lung von auf das Re­gel­ren­ten­al­ter be­zo­ge­nen Al­ters­gren­zen gel­ten­den uni­ons­recht­li­chen An­for­de­run­gen sind durch die an­geführ­te Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH 5. Ju­li 2012 - C-141/11 - [Hörn­feldt]; 18. No­vem­ber 2010 - C-250/09 und C-268/09 - [Ge­or­giev] Slg. 2010, I-11869; 12. Ok­to­ber 2010 - C-45/09 - [Ro­sen­bladt] Slg. 2010, I-9391; 16. Ok­to­ber 2007 - C-411/05 - [Pa­la­ci­os de la Vil­la] Slg. 2007, I-8531) als geklärt an­zu­se­hen. Nach den Ent­schei­dun­gen des Ge­richts­hofs in den Rs. Odar (EuGH 6. De­zem­ber 2012 - C-152/11 - [Odar]) und Hlo­zek (EuGH 9. De­zem­ber 2004 - C-19/02 - [Hlo­zek] Slg. 2004, I-11491) steht zu­dem fest, dass in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ent­hal­te­ne Un­gleich­be­hand­lun­gen auf­grund des Al­ters durch so­zi­al- und beschäfti­gungs­po­li­ti­sche Zie­le iSd. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ge­recht­fer­tigt wer­den können.
6. Wei­te­re Un­wirk­sam­keits­gründe ge­genüber der durch § 4 Abs. 1 GBV 6/76 be­wirk­ten Be­fris­tung sei­nes Ar­beits­ver­trags hat der Kläger nicht gel­tend ge­macht (§ 17 Satz 1 und Satz 2 Tz­B­fG iVm. § 6 Satz 1 KSchG).
II. Die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 4 Abs. 1 GBV 6/76 wird nicht durch ei­ne für den Kläger güns­ti­ge­re Ab­re­de ver­drängt.
1. Nach § 77 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG gel­ten Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen zwar un­mit­tel­bar und zwin­gend. Die­se ge­setz­li­che Re­ge­lung ist je­doch un­vollständig. Sie wird durch das Güns­tig­keits­prin­zip ergänzt. Das in § 4 Abs. 3 TVG nur un­voll­kom­men ge­re­gel­te Güns­tig­keits­prin­zip ist Aus­druck ei­nes um­fas­sen­den Grund­sat­zes, der un­abhängig von der Art der Rechts­quel­le und auch außer­halb des Ta­rif­ver­trags­ge­set­zes Gel­tung be­an­sprucht. Es gilt auch für das Verhält­nis von ver­trag­li­chen Ansprüchen zu den In­halts­nor­men ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung (BAG GS 16. Sep­tem­ber 1986 - GS 1/82 - zu C II 3 a, b der Gründe, BA­GE 53, 42). Güns­ti­ge­re ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen ge­hen da­her den be­las­ten­den Re­ge­lun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor (BAG 6. No­vem­ber 2007 - 1 AZR 862/06 - Rn. 23, BA­GE 124, 323).
2. Mit der in Nr. 3 der Ein­stel­lungs­mel­dung vom 8. April 1980 ent­hal­te­nen For­mu­lie­rung, nach der das Ar­beits­verhält­nis auf „un­be­stimm­te Zeit“ ab­ge­schlos­sen gilt, ha­ben die Par­tei­en kei­ne für den Kläger ge­genüber der GBV 6/76 güns­ti­ge­re Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen.
Die ver­trag­li­che Re­ge­lung enthält ei­ne auflösen­de Be­din­gung, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf der vierwöchi­gen Pro­be­zeit en­det, wenn die Be­klag­te die Wei­ter­beschäfti­gung nicht min­des­tens sie­ben Ta­ge vor de­ren Ab­lauf ab­lehnt. Ver­zich­tet sie hier­auf, wird das Ar­beits­verhält­nis nach dem Ab­lauf der Pro­be­zeit als un­be­fris­te­tes fort­ge­setzt. Nach dem für die Aus­le­gung von Verträgen maßgeb­li­chen Empfänger­ho­ri­zont (§§ 133, 157 BGB) konn­te der Kläger die bei sei­ner Ein­stel­lung im Jahr 1980 ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung nicht da­hin­ge­hend ver­ste­hen, das Ar­beits­verhält­nis könne bis zu sei­nem Ab­le­ben nur durch ei­ne Kündi­gung oder ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag be­en­det wer­den. Hier­ge­gen spricht ins­be­son­de­re die bei Ver­trags­schluss er­folg­te Überg­a­be der GBV 6/76, in der die bei der Be­klag­ten gel­ten­de Al­ters­gren­ze ent­hal­ten war. Durch Nr. 3 der Ein­stel­lungs­mel­dung soll­te nicht ei­ne auf das Re­gel­ren­ten­al­ter be­zo­ge­ne Al­ters­gren­ze ab­be­dun­gen wer­den, son­dern viel­mehr nur klar­ge­stellt wer­den, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht nur für ei­ne im Vor­aus kon­kret be-
stimm­te Frist ab­ge­schlos­sen wird (BAG 8. De­zem­ber 2010 - 7 AZR 438/09 - Rn. 23, BA­GE 136, 270).
3. Un­ge­ach­tet des­sen ha­ben die Par­tei­en ih­re ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen hin­sicht­lich ei­ner Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in den von der Be­klag­ten vor­ge­ge­be­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen be­triebs­ver­ein­ba­rungs­of­fen ge­stal­tet.
a) All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. Maßge­bend für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss. Bleibt nach Ausschöpfung der Aus­le­gungs­me­tho­den ein nicht be­heb­ba­rer Zwei­fel, geht dies gemäß § 305c Abs. 2 BGB zu­las­ten des Ver­wen­ders (BAG 14. Sep­tem­ber 2011 - 10 AZR 526/10 - Rn. 19, BA­GE 139, 156).
b) Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en können ih­re ver­trag­li­chen Ab­spra­chen da­hin­ge­hend ge­stal­ten, dass sie ei­ner Abände­rung durch be­trieb­li­che Nor­men un­ter­lie­gen. Das kann aus­drück­lich oder bei ent­spre­chen­den Be­gleit­umständen kon­klu­dent er­fol­gen und ist nicht nur bei be­trieb­li­chen Ein­heits­re­ge­lun­gen und Ge­samt­zu­sa­gen möglich, son­dern auch bei ein­zel­ver­trag­li­chen Ab­re­den. Ei­ne sol­che kon­klu­den­te Ver­ein­ba­rung ist re­gelmäßig an­zu­neh­men, wenn der Ver­trags­ge­gen­stand in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­hal­ten ist und ei­nen kol­lek­ti­ven Be­zug hat. Mit der Ver­wen­dung von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen macht der Ar­beit­ge­ber für den Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar deut­lich, dass im Be­trieb ein­heit­li­che Ver­trags­be­din­gun­gen gel­ten sol­len. Ei­ne be­triebs-ver­ein­ba­rungs­fes­te Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen stünde dem ent­ge­gen.
Die Ände­rung und Um­ge­stal­tung von be­triebs­ein­heit­lich gewähr­ten Leis­tun­gen wäre nur durch den Aus­spruch von Ände­rungskündi­gun­gen möglich. Der Ab­schluss von be­triebs­ver­ein­ba­rungs­fes­ten Ab­re­den würde zu­dem den Ge­stal­tungs­raum der Be­triebs­par­tei­en für zukünf­ti­ge An­pas­sun­gen von Ar­beits­be­din­gun­gen mit kol­lek­ti­vem Be­zug ein­schränken. Da All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen eben­so wie Be­stim­mun­gen in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf ei­ne Ver­ein­heit­li­chung der Re­ge­lungs­ge­genstände ge­rich­tet sind, kann aus Sicht ei­nes verständi­gen und red­li­chen Ar­beit­neh­mers nicht zwei­fel­haft sein, dass es sich bei den vom Ar­beit­ge­ber ge­stell­ten Ar­beits­be­din­gun­gen um sol­che han­delt, die ei­ner Ände­rung durch Be­triebs­ver­ein­ba­rung zugäng­lich sind. Et­was an­de­res gilt nur dann, wenn Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer aus­drück­lich Ver­trags­be­din­gun­gen ver­ein­ba­ren, die un­abhängig von ei­ner für den Be­trieb gel­ten­den nor­ma­ti­ven Re­ge­lung An­wen­dung fin­den sol­len.
c) Dem steht die Un­klar­hei­ten­re­ge­lung des § 305c Abs. 2 BGB nicht ent­ge­gen. Da­nach muss der die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ver­wen­den­de Ar­beit­ge­ber bei Un­klar­hei­ten die ihm ungüns­tigs­te Aus­le­gungsmöglich­keit ge­gen sich gel­ten las­sen. Die­se Aus­le­gungs­re­gel kommt al­ler­dings erst dann zur An­wen­dung, wenn der Klau­sel­in­halt nicht be­reits durch Aus­le­gung zwei­fels­frei fest­ge­stellt wer­den kann. Es müssen „er­heb­li­che Zwei­fel“ an der rich­ti­gen Aus­le­gung be­ste­hen. Die ent­fern­te Möglich­keit, zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis zu kom­men, genügt für die An­wen­dung der Be­stim­mung nicht (BAG 14. Sep­tem­ber 2011 - 10 AZR 526/10 - Rn. 20, BA­GE 139, 156).
d) Nach die­sen Grundsätzen ist der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en in Be­zug auf ei­ne Al­ters­gren­zen­re­ge­lung be­triebs­ver­ein­ba­rungs­of­fen aus­ge­stal­tet. Bei den in der Ein­stel­lungs­mel­dung ent­hal­te­nen Ver­trags­in­hal­ten han­delt es sich um von der Be­klag­ten ge­stell­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen mit kol­lek­ti­vem Be­zug. Dass der Ver­ein­ba­rung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses in Nr. 3 der Ein­stel­lungs­mel­dung ei­ne be­triebs­ver­ein­ba­rungs­fes­te In­di­vi­du­al­ver­ein­ba­rung zu­grun­de liegt, die zur Ver­drängung der Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 4 Abs. 3 GBV 6/76 führt, hat der Kläger selbst nicht be­haup­tet.
III. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an, da er, wie sei­ne Aus­le­gung er­gibt, nur bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits ge­stellt ist.
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References: § 7
 § 6
 § 4
 § 4
 § 4
 § 77
 § 75
 § 7
 § 1
 § 4
 § 4
 § 4
 § 3
 § 4
 § 4
 § 8
 § 4
 § 4
 § 77
 § 77
 § 4
 § 87
 § 88
 § 77
 § 88
 § 4
 § 75
 § 14
 § 75
 Art. 12
 Art. 12
 Art. 12
 § 14
 § 22
 § 14
 § 14
 § 4
 § 14
 § 14
 § 4
 § 35
 § 235
 § 4
 § 75
 § 7
 § 1
 § 10
 § 75
 § 75
 § 1
 § 75
 § 1
 § 33
 § 4
 § 4
 § 4
 § 7
 § 3
 § 1
 § 4
 § 10
 § 10
 § 10
 Art. 6
 § 10
 Art. 6
 § 10
 Art. 6
 § 10
 Art. 6
 Art. 6
 § 10
 § 4
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 EuGH 
 § 4
 § 10
 § 4
 Art. 267
 Art. 6
 § 4
 § 6
 § 4
 § 77
 § 4
 § 305
 § 305
 § 4