Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/verwirkung-des-widerspruchsrechts-317268
Timestamp: 2020-08-07 21:21:43+00:00

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Verwirkung des Widerspruchsrechts | Rechtslupe
Geht ein Betrieb oder Betriebs­teil durch Rechts­ge­schäft auf einen ande­ren Inha­ber über, so tritt die­ser gemäß § 613a BGB in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­gangs bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis­sen ein. Der Arbeit­neh­mer kann die­sem Über­gang aller­dings bin­nen eines Monats wider­spre­chen. Die­se Wider­spruchs­frist beginnt aller­dings erst mit einer ord­nungs­ge­mä­ßen Unter­rich­tung gemäß § 613a Abs. 5 BGB.
Ohne eine ord­nungs­ge­mä­ße Unter­rich­tung läuft die­se Wider­rufs­frist also nicht. Aller­dings kann der Arbeit­neh­mer auch in die­sen Fäl­len sein Wider­spruchs­recht grund­sätz­lich ver­wir­ken [1].
Die Ver­wir­kung ist ein Son­der­fall der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB). Mit der Ver­wir­kung wird die illoy­al ver­spä­te­te Gel­tend­ma­chung von Rech­ten aus­ge­schlos­sen. Sie dient dem Ver­trau­ens­schutz und ver­folgt nicht den Zweck, den Schuld­ner stets dann von sei­ner Ver­pflich­tung zu befrei­en, wenn des­sen Gläu­bi­ger län­ge­re Zeit sei­ne Rech­te nicht gel­tend gemacht hat (Zeit­mo­ment). Der Berech­tig­te muss viel­mehr unter Umstän­den untä­tig geblie­ben sein, die den Ein­druck erweckt haben, dass er sein Recht nicht mehr gel­tend machen wol­le, so dass der Ver­pflich­te­te sich dar­auf ein­stel­len durf­te, nicht mehr in Anspruch genom­men zu wer­den (Umstands­mo­ment). Hier­bei muss das Erfor­der­nis des Ver­trau­ens­schut­zes auf Sei­ten des Ver­pflich­te­ten das Inter­es­se des Berech­tig­ten der­art über­wie­gen, dass ihm die Erfül­lung des Anspruchs nicht mehr zuzu­mu­ten ist.
Schon nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor dem Inkraft­tre­ten des § 613a Abs. 5 und 6 BGB konn­te das Wider­spruchs­recht wegen Ver­wir­kung aus­ge­schlos­sen sein. An die­ser Recht­spre­chung hat der Senat im Ein­klang mit der herr­schen­den Auf­fas­sung im Schrift­tum auch nach der neu­en Rechts­la­ge fest­ge­hal­ten. Die Tat­sa­che, dass der Gesetz­ge­ber eine Wider­spruchs­frist ein­ge­führt hat, schließt eine Anwen­dung der all­ge­mei­nen Grund­sät­ze nicht aus, weil jedes Recht nur unter Berück­sich­ti­gung der Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben aus­ge­übt wer­den kann [2].
Ange­sichts der gesetz­li­chen Rege­lung kann hin­sicht­lich des Zeit­mo­ments nicht auf eine fest­ste­hen­de Monats­frist, bei­spiels­wei­se von sechs Mona­ten abge­stellt wer­den. Im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren sind näm­lich Vor­schlä­ge auf Auf­nah­me einer gene­rel­len Höchst­frist von drei [3] bzw. sechs Mona­ten [4] nicht auf­ge­grif­fen wor­den. Abzu­stel­len ist viel­mehr auf die kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­fal­les [5]. Dabei ist, wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt bereits zur Ver­wir­kung der Gel­tend­ma­chung eines Betriebs­über­gangs aus­ge­führt hat [6], davon aus­zu­ge­hen, dass bei schwie­ri­gen Sach­ver­hal­ten die Rech­te des Arbeit­neh­mers erst nach län­ge­rer Untä­tig­keit ver­wir­ken kön­nen. Zutref­fend ist es wei­ter­hin auch, die Län­ge des Zeit­ab­lau­fes in Wech­sel­wir­kung zu dem eben­falls erfor­der­li­chen Umstands­mo­ment zu set­zen. Je stär­ker das gesetz­te Ver­trau­en oder die Umstän­de, die eine Gel­tend­ma­chung für den Anspruchs­geg­ner unzu­mut­bar machen, sind, des­to schnel­ler kann ein Anspruch ver­wir­ken. Es müs­sen letzt­lich beson­de­re Ver­hal­tens­wei­sen sowohl des Berech­tig­ten als auch des Ver­pflich­te­ten vor­lie­gen, die es recht­fer­ti­gen, die spä­te Gel­tend­ma­chung des Rechts als mit Treu und Glau­ben unver­ein­bar und für den Ver­pflich­te­ten als unzu­mut­bar anzu­se­hen [7].
Die Frist des für die Ver­wir­kung not­wen­di­gen Zeit­mo­ment beginnt nicht erst mit Kennt­nis des Arbeit­neh­mers von der Feh­ler­haf­tig­keit der Unter­rich­tung zu lau­fen [8]. Vor Ablauf eines Monats nach der Unter­rich­tung in Text­form muss der Arbeit­ge­ber immer wegen der in § 613a Abs. 6 BGB nor­mier­ten Monats­frist mit einem Wider­spruch des Arbeit­neh­mers rech­nen. Ande­rer­seits gibt der Arbeit­ge­ber mit der Unter­rich­tung über den Betriebs­über­gang grund­sätz­lich zu erken­nen, dass er mit die­ser die Wider­spruchs­frist in Gang set­zen will und nach Frist­ab­lauf die Erklä­rung von Wider­sprü­chen nicht mehr erwar­tet [9]. Dies gilt auch, wenn die Unter­rich­tung unvoll­stän­dig oder feh­ler­haft war.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urtei­le vom 12. Novem­ber 2009 – 8 AZR 370/​07, 8 AZR 530/​07, 8 AZR 718/​07 und 8 AZR 751/​07
vgl. BAG, 24.07.2008 – 8 AZR 175/​07; AP BGB § 613a Nr. 347[↩]
BAG, 15.02.2007 – 8 AZR 431/​06, m.w.N., BAGE 121, 289 = AP BGB § 613a Nr. 320 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 64[↩]
BR-Drs. 831/​1/​01 S. 2[↩]
BT-Drks. 14/​8128 S. 4[↩]
BAG, 15.02.2007 – 8 AZR 431/​06, BAGE 121, 289 = AP BGB § 613a Nr. 320 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 64[↩]
BAG, 27.012000 – 8 AZR 106/​99[↩]
BAG, 15.02.2007 – 8 AZR 431/​06, m.w.N., aaO[↩]
BAG, 27.11.2008 – 8 AZR 174/​07, AP BGB § 613a Nr. 363 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 106[↩]
BAG, 24.07.2008 – 8 AZR 166/​07; 24.07.2008 – 8 AZR 1020/​06[↩]

References: § 613
 § 613
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