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Timestamp: 2020-07-16 16:59:58+00:00

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Gesetzlicher Richter - und das unterbliebene Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH | Rechtslupe
Gesetzlicher Richter - und das unterbliebene Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH
Gesetz­li­cher Rich­ter – und das unter­blie­be­ne Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den EuGH
Aktu­ell muss­te sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der ein­mal mit einem durch das letzt­in­stanz­li­che Gericht unter­blie­be­nen Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on und der hier­aus resul­tie­ren­den Fra­ge einer Ver­let­zung der Pro­zess­par­tei in ihrem Grund­recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter befassen.Anlass hier­zu bot eine Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs zum Wider­rufs­recht beim soge­nann­ten "Poli­cen­mo­dell":
Das "Poli­cen­mo­dell" und die EU-Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­ni­en
Das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs
Der EuGH als gesetz­li­cher Rich­ter
Beru­hen des Urteils auf der unter­blie­be­nen Vor­la­ge
Das "Poli­cen­mo­dell" und die EU-Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­ni­en[↑]
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de betrifft die Hand­ha­bung der Vor­la­ge­pflicht gemäß Art. 267 Abs. 3 AEUV in zivil­recht­li­chen Ver­fah­ren mit Blick auf die Rechts­fra­ge, ob § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. den Anfor­de­run­gen des Uni­ons­rechts genügt und ob eine Rück­for­de­rung von Ver­si­che­rungs­prä­mi­en und Nut­zungs­er­satz wegen wider­sprüch­li­chen Ver­hal­tens aus­ge­schlos­sen wer­den kann, weil die Beru­fung auf die Unwirk­sam­keit des Ver­si­che­rungs­ver­trags gegen Treu und Glau­ben ver­stößt.
§ 5a des Geset­zes über den Ver­si­che­rungs­ver­trag (VVG) sah im Gel­tungs­zeit­raum vom 29.07.1994 bis 31.12 2007 (im Fol­gen­den: VVG a.F.) die Mög­lich­keit vor, Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge im soge­nann­ten Poli­cen­mo­dell abzu­schlie­ßen. Die­ses Ver­fah­ren war dadurch gekenn­zeich­net, dass der poten­ti­el­le Ver­si­che­rungs­neh­mer zunächst das von ihm unter­zeich­ne­te Antrags­for­mu­lar auf Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­trags an den Ver­si­che­rer über­mit­tel­te und die­ser dem Ver­si­che­rungs­neh­mer die All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen und eine Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on nach § 10a VAG a.F. erst zusam­men mit der Ver­si­che­rungs­po­li­ce zukom­men ließ. Wider­sprach der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht inner­halb der Wider­spruchs­frist nach Über­las­sung der Unter­la­gen schrift­lich, so galt der Ver­trag auf Grund­la­ge der All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen und der wei­te­ren für den Ver­trags­in­halt maß­geb­li­chen Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen als abge­schlos­sen (§ 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F.). In dem Antrag des Ver­si­che­rungs­neh­mers war das Ver­trags­an­ge­bot, in der nach­fol­gen­den Über­sen­dung der Ver­trags­un­ter­la­gen die Annah­me durch den Ver­si­che­rer zu sehen. Außer­dem setz­te der wirk­sa­me Ver­trags­schluss das Unter­blei­ben des Wider­spruchs inner­halb der Wider­spruchs­frist vor­aus; bis zu die­sem Zeit­punkt war der Ver­si­che­rungs­ver­trag nach herr­schen­der Mei­nung schwe­bend unwirk­sam [1]. Die Wider­spruchs­frist begann nach die­ser Rege­lung erst zu lau­fen, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer mit Aus­hän­di­gung der Ver­si­che­rungs­po­li­ce über sein Wider­spruchs­recht belehrt wor­den war; abwei­chend hier­von erlosch das Wider­spruchs­recht – auch bei feh­len­der Beleh­rung – nach § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. spä­tes­tens ein Jahr nach Zah­lung der ers­ten Prä­mie.
§ 5a VVG a.F. wur­de durch das Drit­te Gesetz zur Durch­füh­rung ver­si­che­rungs­recht­li­cher Richt­li­ni­en des Rates der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (Drit­tes Durchführungsgesetz/​EWG zum VAG) [2] in das Gesetz über den Ver­si­che­rungs­ver­trag ein­ge­fügt und ist am 29.07.1994 in Kraft getre­ten. Nach Ände­run­gen durch das Gesetz zur Anpas­sung der Form­vor­schrif­ten des Pri­vat­rechts und ande­rer Vor­schrif­ten an den moder­nen Rechts­ge­schäfts­ver­kehr vom 13.07.2001 [3] und das Gesetz zur Ände­rung der Vor­schrif­ten über Fern­ab­satz­ver­trä­ge bei Finanz­dienst­leis­tun­gen vom 02.12 2004 [4], mit denen die Wider­spruchs­frist bei Lebens­ver­si­che­run­gen von 14 auf 30 Tage bei Lebens­ver­si­che­run­gen ver­län­gert wur­de, wur­de das "Poli­cen­mo­dell" durch die Ein­fü­gung des § 7 Abs. 1 Satz 1 VVG im Rah­men einer Ge-samt­re­form des Geset­zes über den Ver­si­che­rungs­ver­trag durch das Gesetz zur Reform des Ver­si­che­rungs­ver­trags­rechts vom 23.11.2007 [5] mit Wir­kung zum 1.01.2008 abge­schafft. § 5a VVG a.F. gilt jedoch für das Zustan­de­kom­men von Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge fort, die in sei­nem Gel­tungs­zeit­raum vom 29.07.1994 bis zum 31.12 2007 in einer Viel­zahl von Fäl­len nach dem "Poli­cen­mo­dell" abge­schlos­sen wor­den sind [6].
Bereits die Ers­te Richt­li­nie 79/​267/​EWG des Rates vom 05.03.1979 zur Koor­di­nie­rung der Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten über die Auf­nah­me und Aus­übung der Direkt­ver­si­che­rung (Lebens­ver­si­che­rung) [7] ent­hielt Rege­lun­gen für den Bereich der Lebens­ver­si­che­rung. Sie wur­de durch die Zwei­te Richt­li­nie 90/​619/​EWG des Rates vom 08.11.1990 zur Koor­di­nie­rung der Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten für die Direkt­ver­si­che­rung (Lebens­ver­si­che­rung) und zur Erleich­te­rung der tat­säch­li­chen Aus­übung des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs sowie zur Ände­rung der Richt­li­nie 79/​267/​EWG [8] geän­dert und ergänzt. Die Zwei­te Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie wie­der­um wur­de geän­dert durch die Richt­li­nie 92/​96/​EWG des Rates vom 10.11.1992 zur Koor­di­nie­rung der Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten für die Direkt­ver­si­che­rung (Lebens­ver­si­che­rung) sowie zur Ände­rung der Richt­li­ni­en 79/​267/​EWG und 90/​619/​EWG [9] (im Fol­gen­den Drit­te Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie). In Art. 31 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie war die Ver­pflich­tung gere­gelt, dem Ver­si­che­rungs­neh­mer vor Abschluss des Ver­trags bestimm­te Anga­ben mit­zu­tei­len. In Anhang II war eine Auf­zäh­lung der Infor­ma­tio­nen auf­ge­führt, die dem Ver­si­che­rungs­neh­mer "ent­we­der (A) vor Abschluss des Ver­tra­ges oder (B) wäh­rend der Lauf­zeit des Ver­tra­ges mit­zu­tei­len" waren. Die Infor­ma­tio­nen waren "ein­deu­tig und detail­liert schrift­lich in einer Amts­spra­che des Mit­glied­staats der Ver­pflich­tung abzu­fas­sen". Buch­sta­be A ent­hielt eine Tabel­le, in deren lin­ker Spal­te die Infor­ma­tio­nen über das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men und in deren rech­ter Spal­te die Infor­ma­tio­nen über die Ver­si­che­rungs­po­li­cen selbst genannt waren.
Die am 20.12 2002 in Kraft getre­te­ne Richt­li­nie 2002/​83/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 05.11.2002 über Lebens­ver­si­che­run­gen [10] sah in ihren Art. 35 und Art. 36 ver­gleich­ba­re Rege­lun­gen vor. Durch sie wur­den zugleich die Ers­te, Zwei­te und Drit­te Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie ein­schließ­lich ihrer Ände­run­gen auf­ge­ho­ben. Die Richt­li­nie 2002/​83/​EG wur­de ihrer­seits durch die Richt­li­nie 2009/​138/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 25.11.2009 betref­fend die Auf­nah­me und Aus­übung der Ver­si­che­rungs- und der Rück­ver­si­che­rungs­tä­tig­keit (Solva­bi­li­tät II) [11] mit Wir­kung zum 1.11.2012 auf­ge­ho­ben.
Der Beschwer­de­füh­rer bean­trag­te am 14.08.1998 den Abschluss einer fonds­ge­bun­de­nen Lebens­ver­si­che­rung im Wege des "Poli­cen­mo­dells". Er erhielt mit dem Ver­si­che­rungs­schein die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen, eine Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on nach § 10a VAG und eine schrift­li­che Beleh­rung über sein Wider­spruchs­recht gemäß § 5a VVG. Auf­grund eines Ände­rungs­an­trags des Beschwer­de­füh­rers im Janu­ar 2004 wur­de ihm ein neu­er Ver­si­che­rungs­schein aus­ge­stellt, den der Beschwer­de­füh­rer mit den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen, einer Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on und einer ord­nungs­ge­mä­ßen Wider­spruchs­be­leh­rung erhielt. Von Sep­tem­ber 1998 bis März 2004 zahl­te er Prä­mi­en in Höhe von ins­ge­samt 17.128, 55 €. Nach­dem er den Ver­trag im März 2004 gekün­digt hat­te, kehr­te ihm das beklag­te Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men den Rück­kaufs­wert in Höhe von 12.481, 57 € aus. Erst meh­re­re Jah­re spä­ter, mit Schrei­ben vom 08.03.2011, erklär­te der Beschwer­de­füh­rer gegen­über dem Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men den Wider­spruch gemäß § 5a VVG a.F.
Der Beschwer­de­füh­rer klag­te vor dem Land­ge­richt Gie­ßen auf Zah­lung der Dif­fe­renz zwi­schen den gezahl­ten Prä­mi­en und dem aus­ge­kehr­ten Rück­kaufs­wert sowie auf Nut­zungs­er­satz. Das Land­ge­richt Gie­ßen wies die Kla­ge ab [12]. Das Wider­spruchs­recht sei unter Anwen­dung der Vor­schrift des § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. erlo­schen. Die Beru­fung des Beschwer­de­füh­rers wies das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main mit Urteil vom 18.01.2013 zurück [13]. Der Ver­si­che­rungs­ver­trag sei wirk­sam zustan­de gekom­men. Der Wider­ruf habe den Ver­trag jeden­falls des­halb nicht ex tunc zum Erlö­schen gebracht, weil dem Beschwer­de­füh­rer zu die­sem Zeit­punkt ein Wider­spruchs­recht nicht mehr zuge­stan­den habe. Das Wider­spruchs­recht sei gemäß § 5a Abs. 1, Abs. 2 Sät­ze 1 bis 3 VVG a.F. erlo­schen.
Das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs[↑]
Mit Urteil vom 16.07.2014 wies der Bun­des­ge­richts­hof die Revi­si­on zurück. Der Klä­ger kön­ne nicht gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 1, § 818 Abs. 1 BGB Rück­zah­lung der Prä­mi­en und Nut­zungs­er­satz ver­lan­gen [14].
Er habe die Prä­mi­en mit Rechts­grund an die Beklag­te geleis­tet. Der zwi­schen den Par­tei­en abge­schlos­se­ne Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trag sei auf der Grund­la­ge des § 5a VVG a.F. wirk­sam zustan­de gekom­men. Hin­sicht­lich der Wirk­sam­keit des so geschlos­se­nen Ver­si­che­rungs­ver­trags bestün­den ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on im Hin­blick auf die Ver­ein­bar­keit von § 5a VVG a.F. mit dem Gemein­schafts­recht kei­ne Zwei­fel. Die rich­ti­ge Anwen­dung des Gemein­schafts­rechts ste­he bei Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on bezo­gen auf das "Poli­cen­mo­dell" außer Zwei­fel, so dass eine Vor­la­ge­pflicht gemäß Art. 267 AEUV ent­fal­le. Das "Poli­cen­mo­dell" ste­he nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in Ein­klang mit den – für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum maß­geb­li­chen – Bestim­mun­gen der Art. 15 Abs. 1 Satz 1 der Zwei­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie und Art. 31 Abs. 1 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie und den inhalts­glei­chen Bestim­mun­gen der Art. 35 Abs. 1, Art. 36 Abs. 1 der spä­te­ren Richt­li­nie 2002/​83/​EG. Zwar habe ein Teil der Lite­ra­tur Beden­ken gegen die Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät des "Poli­cen­mo­dells" geäu­ßert. Die­se Zwei­fel wür­den aber in der Instanz­recht­spre­chung und im wei­te­ren Schrift­tum (zu Recht) nicht geteilt. Die Wider­spruchs­lö­sung des § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. sei vor allem des­halb nicht zu bean­stan­den, weil die Ers­te und Zwei­te Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie kei­ne Vor­ga­ben zum Zustan­de­kom­men des Ver­si­che­rungs­ver­trags ent­hiel­ten. Sie ver­folg­ten zudem kein auf das mate­ri­el­le Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht bezo­ge­nes Har­mo­ni­sie­rungs­ziel. Ver­stö­ße gegen die Vor­ga­ben des § 10a VAG a.F. zur Gestal­tung von Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen sei­en auch in Bezug auf das "Poli­cen­mo­dell" zu ahn­den gewe­sen. Die Kon­struk­ti­on eines schwe­bend unwirk­sa­men Ver­trags habe gewähr­leis­tet, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer über sein Wider­spruchs­recht belehrt wor­den sei, bevor der Ver­trag habe wirk­sam wer­den kön­nen. Etwas ande­res erge­be sich auch nicht dar­aus, dass § 5a VVG a.F. dem Ver­si­che­rungs­neh­mer eine – von der Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten bean­stan­de­te – "Wider­spruchs­last" auf­er­le­ge und ihn damit zu einem Han­deln ver­pflich­tet habe, um nach Erhalt der erfor­der­li­chen Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen das Zustan­de­kom­men des Ver­trags in der Frist des § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. zu ver­hin­dern. Die Ver­hin­de­rung des Wirk­sam­wer­dens eines Ver­trags durch Wider­spruch oder Wider­ruf genü­ge auch in ande­ren Fäl­len euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben bezie­hungs­wei­se beru­he sogar auf sol­chen (mit Ver­weis auf § 7 Ver­brKrG und § 1 HWiG). Wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer vor Abga­be einer Ver­trags­er­klä­rung die Leis­tun­gen ver­schie­de­ner Ver­si­che­rer mit­ein­an­der habe ver­glei­chen wol­len, sei er nicht gezwun­gen gewe­sen, den Abschluss meh­re­rer Ver­si­che­run­gen zu bean­tra­gen und nach Erhalt der Poli­cen sei­ne Aus­wahl­ent­schei­dung zu tref­fen. Viel­mehr habe er auch meh­re­re Ver­si­che­rer um ent­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen oder kon­kre­te Anga­ben bit­ten und sich dann für eine Ver­si­che­rung ent­schei­den kön­nen. Im Übri­gen habe dem Ver­si­che­rungs­neh­mer eine zeit­lich unbe­grenz­te Wahl­frei­heit auch bei einem Ver­trags­schluss nach dem soge­nann­ten Antrags­mo­dell oder ver­gleich­ba­ren Ver­trags­ge­stal­tun­gen nicht zur Ver­fü­gung gestan­den. Von einem wirk­sam zustan­de gekom­me­nen Ver­trag habe er sich auch inso­weit nur durch eine Wider­rufs- oder Rück­tritts­er­klä­rung lösen kön­nen.
Unab­hän­gig davon sei dem Klä­ger die Beru­fung auf die Unwirk­sam­keit des Ver­si­che­rungs­ver­trags aber auch nach Treu und Glau­ben wegen wider­sprüch­li­chen Ver­hal­tens ver­wehrt.
Der Klä­ger ver­hal­te sich treu­wid­rig, weil er nach ord­nungs­ge­mä­ßer Beleh­rung über die Mög­lich­keit, den Ver­trag ohne Nach­tei­le nicht zustan­de kom­men zu las­sen, die­sen jah­re­lang durch­ge­führt habe. Dabei kom­me es nicht dar­auf an, dass der Klä­ger nicht sicher habe wis­sen kön­nen, ob das "Poli­cen­mo­dell" gemein­schafts­rechts­wid­rig gewe­sen sei und ihm – wenn es so wäre – der gel­tend gemach­te berei­che­rungs­recht­li­che Anspruch auf Rück­zah­lung der Prä­mi­en zustün­de. Ein Rechts­ver­lust durch wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten kön­ne wegen der an Treu und Glau­ben aus­ge­rich­te­ten objek­ti­ven Beur­tei­lung selbst dann ein­tre­ten, wenn der Berech­tig­te kei­ne Kennt­nis von sei­ner Berech­ti­gung habe. Eben­so wenig sei­en für den aus wider­sprüch­li­chem Ver­hal­ten her­ge­lei­te­ten Ein­wand des Rechts­miss­brauchs unred­li­che Absich­ten oder ein Ver­schul­den des Klä­gers erfor­der­lich. Die Beklag­te habe durch die Wahl des "Poli­cen­mo­dells" zwar die Ursa­che für die vom Klä­ger behaup­te­te Unwirk­sam­keit des Ver­trags gesetzt; ihr Ver­trau­en sei gleich­wohl schutz­wür­dig, weil sie dem Klä­ger den gesetz­li­chen Vor­ga­ben des natio­na­len Rechts ent­spre­chend eine ord­nungs­ge­mä­ße Wider­spruchs­be­leh­rung und auch die wei­te­ren Infor­ma­tio­nen erteilt habe. Dem Ver­trau­ens­schutz der Beklag­ten ste­he auch nicht ent­ge­gen, dass die Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät des "Poli­cen­mo­dells" im Schrift­tum in Zwei­fel gezo­gen wor­den sei. Das "Poli­cen­mo­dell" habe dem damals gel­ten­den natio­na­len Recht ent­spro­chen; sei­ne etwai­ge Gemein­schafts­rechts­wid­rig­keit habe nicht fest­ge­stan­den und habe der Beklag­ten nicht posi­tiv bekannt sein kön­nen.
Der Ein­wand von Treu und Glau­ben grei­fe auch im Fal­le einer unter­stell­ten Gemein­schafts­rechts­wid­rig­keit des "Poli­cen­mo­dells" durch. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on unter­lä­gen natio­na­le Rechts­ma­xi­men, die einem Anspruch ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den könn­ten, dem natio­na­len Recht, das unter Beach­tung des gemein­schafts­recht­li­chen Äqui­va­lenz- und des Effek­ti­vi­täts­grund­sat­zes ange­wandt wer­den müs­se. Die­se Grund­sät­ze sei­en gewahrt. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer, dem nach jah­re­lan­ger Durch­füh­rung des Ver­trags die Beru­fung auf des­sen Unwirk­sam­keit wegen Richt­li­ni­en­wid­rig­keit des "Poli­cen­mo­dells" nach Treu und Glau­ben ver­sagt sei, wer­de nicht ungüns­ti­ger gestellt als bei allei­ni­ger Anwen­dung des deut­schen Rechts. Das in Art. 15 Abs. 1 der Zwei­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie vor­ge­se­he­ne und in § 5a Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Sät­ze 1 bis 3 VVG a.F. umge­setz­te Recht, sich vom Ver­trag zu lösen, wer­de dem Ver­si­che­rungs­neh­mer dadurch nicht unmög­lich gemacht oder über­mä­ßig erschwert, da der Gesichts­punkt von Treu und Glau­ben kei­nes­wegs stets bei ord­nungs­ge­mä­ßer Beleh­rung grei­fe, son­dern nur in Fäl­len einer jah­re­lan­gen Durch­füh­rung des Ver­trags.
Eine Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on sei auch inso­weit nicht erfor­der­lich. Die Maß­stä­be für eine Berück­sich­ti­gung der Gesichts­punk­te von Treu und Glau­ben sei­en in der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs geklärt. Hier­nach sei die miss­bräuch­li­che Beru­fung auf Gemein­schafts­recht nicht gestat­tet. Dies habe der Gerichts­hof nicht davon abhän­gig gemacht, ob dem Berech­tig­ten die Rechts­la­ge bekannt gewe­sen sei. Die natio­na­len Gerich­te könn­ten viel­mehr das miss­bräuch­li­che Ver­hal­ten des Betrof­fe­nen auf der Grund­la­ge objek­ti­ver Kri­te­ri­en in Rech­nung stel­len, um ihm gege­be­nen­falls die Beru­fung auf die gel­tend gemach­te Bestim­mung des Gemein­schafts­rechts zu ver­weh­ren. Dabei müss­ten sie jedoch die mit die­ser Bestim­mung ver­folg­ten Zwe­cke beach­ten. Die Anwen­dung einer natio­na­len Vor­schrift – wie hier § 242 BGB – dür­fe somit die Wirk­sam­keit und die ein­heit­li­che Anwen­dung des Gemein­schafts­rechts in den Mit­glied­staa­ten nicht beein­träch­ti­gen. Es oblie­ge dem natio­na­len Gericht, im bei ihm anhän­gi­gen Rechts­streit fest­zu­stel­len, ob die Anwen­dung der natio­na­len Vor­schrift mit die­ser Anfor­de­rung ver­ein­bar sei. Hier beein­träch­ti­ge die Anwen­dung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben weder die Wirk­sam­keit noch die ein­heit­li­che Anwen­dung des Gemein­schafts­rechts. Der vom Gerichts­hof in sei­nem Urteil vom 19.12 2013 [15] dar­ge­leg­te Zweck der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie, eine genaue Beleh­rung des Ver­si­che­rungs­neh­mers über sein Rück­tritts­recht vor Abschluss des Ver­trags sicher­zu­stel­len, wer­de nicht berührt, wenn einem Ver­si­che­rungs­neh­mer, der vom Ver­si­che­rer dem gel­ten­den natio­na­len Recht ent­spre­chend ord­nungs­ge­mäß belehrt wor­den sei, nach jah­re­lan­ger Durch­füh­rung des Ver­trags die Gel­tend­ma­chung eines berei­che­rungs­recht­li­chen Anspruchs unter Beru­fung auf ein gemein­schafts­rechts­wid­ri­ges Zustan­de­kom­men des Ver­trags ver­wehrt wer­de.
Mit sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de rüg­te der Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung sei­nes Rechts auf den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) und des all­ge­mei­nen Jus­tiz­ge­wäh­rungs­an­spruchs (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art.20 Abs. 3 GG). Der Bun­des­ge­richts­hof hät­te die Sache dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on nach Maß­ga­be des Art. 267 Abs. 3 AEUV vor­le­gen müs­sen.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nahm die Ver­fas­sungs­be­schwer­de jedoch nicht zur Ent­schei­dung an. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine not­wen­di­ge Annah­me lie­gen nicht vor (§ 93a Abs. 2 BVerfGG); die Annah­me ist auch im Übri­gen nicht ange­zeigt. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be a BVerfGG). Die für die Ent­schei­dung im Wesent­li­chen maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen sind bereits durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts geklärt [16]. Die Annah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist auch nicht zur Durch­set­zung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genann­ten Rech­te ange­zeigt (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be b BVerfGG), weil sie kei­ne Aus­sicht auf Erfolg hat [17]. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist unbegründet:Zwar ist die Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs, das durch § 5a Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 VVG a.F. eröff­ne­te "Poli­cen­mo­dell" sei ein­deu­tig richt­li­ni­en­kon­form, objek­tiv unver­tret­bar und will­kür­lich, mit der Fol­ge, dass er durch die unter­las­se­ne Vor­la­ge zur Uni­ons­rechts­kon­for­mi­tät des "Poli­cen­mo­dells" zum Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gegen das Recht des Beschwer­de­füh­rers auf den gesetz­li­chen Rich­ter aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ver­sto­ßen hat. Aller­dings beruht das ange­grif­fe­ne Urteil nicht auf die­sem Ver­fas­sungs­ver­stoß. Der Bun­des­ge­richts­hof stützt sei­ne Ent­schei­dung eben­falls auf die Erwä­gung, dass es gegen Treu und Glau­ben ver­sto­ße, sich nach jah­re­lan­ger Durch­füh­rung des Ver­trags auf des­sen angeb­li­che Unwirk­sam­keit zu beru­fen. Die­se Ansicht ist von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den. Ins­be­son­de­re hat der Bun­des­ge­richts­hof durch die unter­las­se­ne Vor­la­ge zum Gerichts­hof im Hin­blick auf den Ein­wand des Rechts­miss­brauchs nicht gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ver­sto­ßen. Er hat unter Anwen­dung und Aus­le­gung des mate­ri­el­len Uni­ons­rechts die ver­tret­ba­re Über­zeu­gung gebil­det, dass die Maß­stä­be für eine Berück­sich­ti­gung der Gesichts­punk­te von Treu und Glau­ben durch die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs in einer Wei­se geklärt sind, die kei­nen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel offen­lässt.
Der EuGH als gesetz­li­cher Rich­ter[↑]
Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ist gesetz­li­cher Rich­ter im Sin­ne des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG [18]. Unter den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 267 Abs. 3 AEUV sind die natio­na­len Gerich­te von Amts wegen gehal­ten, den Gerichts­hof anzu­ru­fen [19]. Kommt ein deut­sches Gericht sei­ner Pflicht zur Anru­fung des Gerichts­hofs im Wege des Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens daher nicht nach oder stellt es ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen, obwohl eine Zustän­dig­keit des Gerichts­hofs nicht gege­ben ist [20], kann dem Rechts­schutz­su­chen­den des Aus­gangs­rechts­streits der gesetz­li­che Rich­ter ent­zo­gen sein [16].
Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on [21] muss ein letzt­in­stanz­li­ches Gericht sei­ner Vor­la­ge­pflicht nach­kom­men, wenn sich in einem bei ihm schwe­ben­den Ver­fah­ren eine Fra­ge des Uni­ons­rechts stellt, es sei denn, das Gericht hat fest­ge­stellt, dass die gestell­te Fra­ge nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist, dass die betref­fen­de uni­ons­recht­li­che Bestim­mung bereits Gegen­stand einer Aus­le­gung durch den Gerichts­hof war oder dass die rich­ti­ge Anwen­dung des Uni­ons­rechts der­art offen­kun­dig ist, dass für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel kei­ner­lei Raum bleibt [22].
Durch die grund­rechts­ähn­li­che Gewähr­leis­tung des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG wird das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aller­dings nicht zu einem Kon­troll­organ, das jeden die gericht­li­che Zustän­dig­keits­ord­nung berüh­ren­den Ver­fah­rens­feh­ler kor­ri­gie­ren müss­te. Es muss viel­mehr dem Umstand Rech­nung tra­gen, dass die Kon­trol­le der gericht­li­chen Zustän­dig­keits­ver­tei­lung in ers­ter Linie in den Hän­den der Fach­ge­rich­te liegt [23]. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bean­stan­det die Aus­le­gung und Anwen­dung von Nor­men, die die gericht­li­che Zustän­dig­keits­ver­tei­lung regeln, daher nur, wenn sie bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der das Grund­ge­setz bestim­men­den Gedan­ken nicht mehr ver­ständ­lich erschei­nen und offen­sicht­lich unhalt­bar sind [24].
Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für die uni­ons­recht­li­che Zustän­dig­keits­vor­schrift des Art. 267 Abs. 3 AEUV [25]. Daher stellt nicht jede Ver­let­zung der uni­ons­recht­li­chen Vor­la­ge­pflicht zugleich einen Ver­stoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dar [26]. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­prüft nur, ob die Aus­le­gung und Anwen­dung der Zustän­dig­keits­re­gel des Art. 267 Abs. 3 AEUV bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der das Grund­ge­setz bestim­men­den Gedan­ken nicht mehr ver­ständ­lich erscheint und offen­sicht­lich unhalt­bar ist [27]. Durch die zurück­ge­nom­me­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung behal­ten die Fach­ge­rich­te bei der Aus­le­gung und Anwen­dung von Uni­ons­recht einen Spiel­raum eige­ner Ein­schät­zung und Beur­tei­lung, der dem­je­ni­gen bei der Hand­ha­bung ein­fach­recht­li­cher Bestim­mun­gen des natio­na­len Rechts ent­spricht. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wacht allein über die Ein­hal­tung der Gren­zen die­ses Spiel­raums [28]. Ein "obers­tes Vor­la­gen­kon­troll­ge­richt" ist es nicht [29].
Die Vor­la­ge­pflicht nach Art. 267 Abs. 3 AEUV wird in den Fäl­len offen­sicht­lich unhalt­bar gehand­habt, in denen ein letzt­in­stanz­li­ches Haupt­sa­che­ge­richt eine Vor­la­ge trotz der – sei­ner Auf­fas­sung nach bestehen­den – Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der uni­ons­recht­li­chen Fra­ge über­haupt nicht in Erwä­gung zieht, obwohl es selbst Zwei­fel hin­sicht­lich der rich­ti­gen Beant­wor­tung der Fra­ge hegt und das Uni­ons­recht somit eigen­stän­dig fort­bil­det (grund­sätz­li­che Ver­ken­nung der Vor­la­ge­pflicht) [30].
Glei­ches gilt in den Fäl­len, in denen das letzt­in­stanz­li­che Gericht in sei­ner Ent­schei­dung bewusst von der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zu ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­gen abweicht und gleich­wohl nicht oder nicht neu­er­lich vor­legt (bewuss­tes Abwei­chen ohne Vor­la­ge­be­reit­schaft) [30].
Liegt zu einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge des Uni­ons­rechts ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on hin­ge­gen noch nicht vor, hat eine vor­lie­gen­de Recht­spre­chung die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Fra­ge mög­li­cher­wei­se noch nicht erschöp­fend beant­wor­tet oder erscheint eine Fort­ent­wick­lung der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs nicht nur als ent­fern­te Mög­lich­keit (Unvoll­stän­dig­keit der Recht­spre­chung), wird Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ver­letzt, wenn das letzt­in­stanz­li­che Gericht den ihm in sol­chen Fäl­len not­wen­dig zukom­men­den Beur­tei­lungs­rah­men in unver­tret­ba­rer Wei­se über­schrei­tet [30]. Das ist jeden­falls dann der Fall, wenn die Fach­ge­rich­te das Vor­lie­gen eines "acte clair" oder eines "acte éclai­ré" will­kür­lich beja­hen [31]. Das Gericht muss sich daher hin­sicht­lich des mate­ri­el­len Uni­ons­rechts hin­rei­chend kun­dig machen. Etwai­ge ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung des Gerichts­hofs muss es aus­wer­ten und sei­ne Ent­schei­dung hier­an ori­en­tie­ren [32]. Auf die­ser Grund­la­ge muss das Fach­ge­richt unter Anwen­dung und Aus­le­gung des mate­ri­el­len Uni­ons­rechts [33] die ver­tret­ba­re Über­zeu­gung bil­den, dass die Rechts­la­ge ent­we­der von vorn­her­ein ein­deu­tig ("acte clair") oder durch Recht­spre­chung in einer Wei­se geklärt ist, die kei­nen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel offen­lässt ("acte éclai­ré") [34]. Unver­tret­bar gehand­habt wird Art. 267 Abs. 3 AEUV im Fal­le der Unvoll­stän­dig­keit der Recht­spre­chung ins­be­son­de­re dann, wenn das Fach­ge­richt ohne sach­lich ein­leuch­ten­de Begrün­dung eine von vorn­her­ein ein­deu­ti­ge oder zwei­fels­frei geklär­te Rechts­la­ge bejaht [35].
Nach die­sen Maß­stä­ben ver­letzt das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs den Beschwer­de­füh­rer in sei­nem Grund­recht aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG in Ver­bin­dung mit Art. 267 Abs. 3 AEUV. Die Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs, das "Poli­cen­mo­dell" sei ein­deu­tig richt­li­ni­en­kon­form, ist objek­tiv unver­tret­bar. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat gleich­wohl kei­nen Erfolg, weil der Ver­stoß gegen das Recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter nach der inso­weit ver­tret­ba­ren Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich war. Der Bun­des­ge­richts­hof stützt sei­ne Ent­schei­dung zugleich und unab­hän­gig von der Fra­ge der Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät auf die Erwä­gung, dass es gegen Treu und Glau­ben ver­sto­ße, sich nach jah­re­lan­ger Durch­füh­rung des Ver­trags auf des­sen angeb­li­che Unwirk­sam­keit zu beru­fen. Die­se Begrün­dung ist mit Blick auf Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG und Art. 267 Abs. 3 AEUV ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.
Die Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs, die rich­ti­ge Anwen­dung des Gemein­schafts­rechts ste­he, bezo­gen auf das "Poli­cen­mo­dell", außer Zwei­fel, so dass die Vor­la­ge­pflicht gemäß Art. 267 Abs. 1 Buch­sta­be b, Abs. 3 AEUV ent­fal­le, ist nicht ver­tret­bar und ver­letzt den Beschwer­de­füh­rer daher in sei­nem Recht aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG.
Die Fra­ge der Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät des durch § 5a Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 VVG a.F. eröff­ne­ten "Poli­cen­mo­dells" ist durch die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on bis­her nicht beant­wor­tet, in sei­nem Urteil vom 19.12 2013 [36] hat er von einer Stel­lung­nah­me zu die­ser Fra­ge abge­se­hen [37].
Ein "acte clair" liegt nicht vor. Die Erwä­gun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs sind auch nicht geeig­net, die rich­ti­ge Anwen­dung des Uni­ons­rechts als der­art offen­kun­dig erschei­nen zu las­sen, dass für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel kei­ner­lei Raum bleibt.
Der Bun­des­ge­richts­hof geht davon aus, das "Poli­cen­mo­dell" sei des­halb nicht zu bean­stan­den, weil die Zwei­te und Drit­te Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie kei­ne Vor­ga­ben zum Zustan­de­kom­men des Ver­si­che­rungs­ver­trags ent­hiel­ten. Die­se Erwä­gung ist nicht geeig­net, die Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät des durch § 5a Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 VVG a.F. eröff­ne­ten "Poli­cen­mo­dells" als "acte clai­re" erschei­nen zu las­sen. Dass den Mit­glied­staa­ten ein Ermes­sen zukommt, wie sie den Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­trags aus­ge­stal­ten, bedeu­tet nicht, dass jede Aus­ge­stal­tung des Ver­trags­schlus­ses ohne wei­te­res zuläs­sig wäre. Art. 31 Abs. 1 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie zieht dem Ermes­sen der Mit­glied­staa­ten viel­mehr gera­de dadurch eine Gren­ze, dass die Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen dem Ver­si­che­rungs­neh­mer "vor Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­trags" mit­zu­tei­len sind. Die­se Klau­sel ist unter Berück­sich­ti­gung der Zie­le der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie aus­zu­le­gen, zu denen auch der Ver­brau­cher­schutz gehört [38]. Beden­ken an der uni­ons­recht­li­chen Zuläs­sig­keit des "Poli­cen­mo­dells" las­sen sich daher nicht ein­fach unter Ver­weis auf ein Ermes­sen der Mit­glied­staa­ten bei­sei­te­schie­ben [39].
Auch die Annah­me des Bun­des­ge­richts­hofs, die Zwei­te und Drit­te Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie ver­folg­ten kein auf das mate­ri­el­le Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht bezo­ge­nes Har­mo­ni­sie­rungs­ziel, lässt sei­ne Aus­le­gung des Uni­ons­rechts nicht als offen­kun­dig erschei­nen. Nach sei­ner Ansicht sind Ver­stö­ße gegen die Vor­ga­ben des zur Umset­zung der genann­ten Richt­li­ni­en erlas­se­nen § 10a VAG a.F. zur Gestal­tung von Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen auch in Bezug auf das "Poli­cen­mo­dell" zu ahn­den gewe­sen. Die­se Annah­me gibt für die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts frei­lich nichts her. Zwar war die Infor­ma­ti­ons­pflicht "vor" Abschluss des Ver­trags in § 10a VAG a.F. auf­sichts­recht­lich nor­miert; ihr Inhalt war jedoch durch die ver­si­che­rungs­ver­trags­recht­li­che Rege­lung des § 5a VVG a.F. geprägt. Da Maß­stab für die Ver­si­che­rungs­auf­sicht aus­weis­lich des § 81 Abs. 1 VAG allein die "Ein­hal­tung der auf­sichts­recht­li­chen, der das Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis betref­fen­den und aller sons­ti­gen die Ver­si­cher­ten betref­fen­den Vor­schrif­ten" sind, bestand für ein Ein­schrei­ten der Auf­sichts­be­hör­den kein Anlass, solan­ge das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht das "Poli­cen­mo­dell" als Mög­lich­keit für den Abschluss eines Ver­si­che­rungs­ver­trags vor­sah [40]. Soll­te die Pra­xis der Infor­ma­ti­ons­er­tei­lung im Rah­men des "Poli­cen­mo­dells" nach § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. der Richt­li­nie daher nicht ent­spro­chen haben, hät­te die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land der Richt­li­nie auch durch das Auf­sichts­recht mit­hin kei­ne prak­ti­sche Wirk­sam­keit ver­schafft [41].
Die Erwä­gung des Bun­des­ge­richts­hofs, die Kon­struk­ti­on eines schwe­bend unwirk­sa­men Ver­trags habe gewähr­leis­tet, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer über sein Wider­spruchs­recht belehrt wor­den sei, bevor der Ver­trag habe wirk­sam wer­den kön­nen, ist eben­falls nicht geeig­net, die Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät des "Poli­cen­mo­dells" als "acte clai­re" erschei­nen zu las­sen. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat­te in ihrer Stel­lung­nah­me vom 12.10.2006 zum im Jah­re 2005 ein­ge­lei­te­ten Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (Nr.2005/5046) dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer nach der deut­schen Rege­lung bereits eine Aus­wahl­ent­schei­dung für eine Ver­si­che­rung tref­fen müs­se, bevor ihm die not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen erteilt wür­den. Nach Erhalt der Infor­ma­ti­on müs­se er sodann durch frist­ge­mä­ßes Erhe­ben eines Wider­spruchs aktiv wer­den, um eine Bin­dung an den Ver­trag zu ver­hin­dern. Es spre­che daher Eini­ges dafür, dass dies die Ziel­set­zung der Richt­li­nie, den Ver­si­che­rungs­bin­nen­markt zu stär­ken, ver­eit­le. Der Ver­brau­cher sol­le näm­lich gera­de des­halb umfas­send infor­miert wer­den, um die Viel­falt der Ange­bo­te im Bin­nen­markt und den ver­stärk­ten Wett­be­werb der Ver­si­che­rer unter­ein­an­der bes­ser nut­zen und einen sei­nen Bedürf­nis­sen am ehes­ten ent­spre­chen­den Ver­trag aus­wäh­len zu kön­nen [42].
Nach dem "Poli­cen­mo­dell" muss­te ein Ver­si­che­rungs­neh­mer in der Tat mög­li­cher­wei­se gegen­über meh­re­ren Ver­si­che­rern zunächst Anträ­ge auf Abschluss eines Ver­si­che­rungs­ver­trags stel­len, um erst mit der Ver­si­che­rungs­po­li­ce die spe­zi­fi­schen Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten, die ihm eine sach­ge­rech­te Aus­wahl­ent­schei­dung ermög­lich­ten. Damit wur­den ihm nicht nur eine mit erheb­li­chen Risi­ken – etwa dem der Frist­ver­säum­nis – behaf­te­te "Wider­rufs­last" auf­ge­bür­det; es erscheint auch lebens­fremd, dass er die nicht immer zeit­gleich bei ihm ein­ge­hen­den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen wäh­rend der regel­mä­ßig unter­schied­lich lau­fen­den Wider­spruchs­fris­ten ein­ge­hend ver­glei­chen konn­te [43]. Dass die Ver­trä­ge vor Ablauf der Wider­spruchs­frist rechts­dog­ma­tisch noch "schwe­bend unwirk­sam" sind, ist inso­weit nicht ent­schei­dend. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass dem Ver­si­che­rungs­neh­mer ange­son­nen wur­de, meh­re­re auf Abschluss ver­schie­de­ner Ver­trä­ge gerich­te­te Wil­lens­er­klä­run­gen abzu­ge­ben, von vorn­her­ein jedoch mit der Absicht, alle Erklä­run­gen bis auf eine spä­ter zu wider­ru­fen, nur um vor dem Wirk­sam­wer­den der Ver­trä­ge in den Besitz der gebo­te­nen Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on zu gelan­gen. Art. 31 Abs. 1 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie bezie­hungs­wei­se Art. 36 Abs. 1 der Richt­li­nie 2002/​83/​EG stel­len dem­ge­gen­über auf einen Zeit­punkt "vor Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­trags" ab, nicht fern­lie­gen­der Wei­se also auf den Zeit­punkt der maß­geb­li­chen, zum Ver­trags­schluss füh­ren­den Wil­lens­er­klä­rung [44].
Auch der Ein­wand des Bun­des­ge­richts­hofs, ein Wirk­sam­wer­den des Ver­trags durch Wider­spruch oder Wider­ruf zu ver­hin­dern, genü­ge auch in ande­ren Fäl­len euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben bezie­hungs­wei­se beru­he sogar auf sol­chen [45], lässt die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts nicht als offen­kun­dig erschei­nen. Dass das Uni­ons­recht in bestimm­ten Berei­chen kei­ne vor­ver­trag­li­che Infor­ma­ti­ons­pflicht kennt bezie­hungs­wei­se kann­te [46], bedeu­tet nicht, dass dies in allen Berei­chen stets der Fall sein müss­te.
Soweit der Bun­des­ge­richts­hof ein­wen­det, der Ver­si­che­rungs­neh­mer sei, wenn er vor Abga­be einer Ver­trags­er­klä­rung die Leis­tun­gen ver­schie­de­ner Ver­si­che­rer mit­ein­an­der habe ver­glei­chen wol­len, nicht gezwun­gen gewe­sen, den Abschluss meh­re­rer Ver­si­che­run­gen zu bean­tra­gen und nach Erhalt der Poli­cen eine Aus­wahl­ent­schei­dung zu tref­fen, ist dies eben­falls nicht geeig­net, die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts als offen­kun­dig erschei­nen zu las­sen. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs habe der Inter­es­sent meh­re­re Ver­si­che­rer um ent­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen oder kon­kre­te Ange­bo­te bit­ten und sich für eine Ver­si­che­rung ent­schei­den kön­nen; es ist jedoch frag­lich, ob und inwie­weit die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaf­ten in der Pra­xis über­haupt bereit waren, unver­bind­li­che Anfra­gen von Inter­es­sen­ten zu beant­wor­ten und ob es sich bei der vom Bun­des­ge­richts­hof beschrie­be­nen Opti­on nicht ledig­lich um eine theo­re­ti­sche Mög­lich­keit gehan­delt hat. Dafür spricht, dass § 5a VVG a.F. auf einen Vor­schlag des Finanz­aus­schus­ses des Bun­des­ta­ges zurück­geht, der damit einer Stel­lung­nah­me der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft Rech­nung tra­gen woll­te, wonach Infor­ma­ti­ons­ver­pflich­tun­gen vor Ver­trags­ab­schluss in der Pra­xis auf zum Teil unüber­wind­ba­re Schwie­rig­kei­ten stie­ßen [47].
Dies kann jedoch dahin­ge­stellt blei­ben. Aus dem Umstand, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht gezwun­gen war, den Abschluss meh­re­rer Ver­si­che­run­gen zu bean­tra­gen und nach Erhalt der Poli­cen eine Aus­wahl­ent­schei­dung zu tref­fen, folgt schon nicht, dass die Ver­si­che­rer nicht trotz­dem ver­pflich­tet waren, dem Inter­es­sen­ten die ent­spre­chen­den Infor­ma­tio­nen vor Abga­be der maß­geb­li­chen, zum Ver­trags­schluss füh­ren­den Wil­lens­er­klä­rung zukom­men zu las­sen. Der Bun­des­ge­richts­hof unter­stellt, dass es sich bei der Infor­ma­ti­ons­pflicht aus Art. 31 Abs. 1 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie bezie­hungs­wei­se Art. 36 Abs. 1 der Richt­li­nie 2002/​83/​EG um eine dis­po­nible Pflicht han­delt, selbst wenn der Inter­es­sent – wie im Aus­gangs­ver­fah­ren – ein Ver­brau­cher war. Die­se Annah­me erscheint schon mit Blick auf den ein­schrän­kungs­lo­sen Wort­laut der Vor­schrift und die Erwä­gungs­grün­de der ein­schlä­gi­gen Richt­li­ni­en, die aus­drück­lich auf den Schutz des Ver­brau­chers Bezug neh­men [48], pro­ble­ma­tisch. Der Bun­des­ge­richts­hof geht hier­auf jedoch nicht ein.
Nicht über­zeu­gen kann auch der Ein­wand, dem Ver­si­che­rungs­neh­mer habe eine zeit­lich unbe­grenz­te Wahl­mög­lich­keit auch bei einem Ver­trags­schluss nach dem Antrags­mo­dell oder ver­gleich­ba­ren Ver­trags­ge­stal­tun­gen nicht offen gestan­den, weil er, wenn er in die­sem Fall nach Annah­me eines Ange­bots ein bes­se­res habe anneh­men wol­len, eben­falls durch eine Wider­rufs- oder Rück­tritts­er­klä­rung habe tätig wer­den müs­sen. Das geht an der Fra­ge, auf wel­chen Zeit­punkt es für die Infor­ma­ti­ons­pflicht der Art. 31 Abs. 1 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie bzw. Art. 36 Abs. 1 der Richt­li­nie 2002/​83/​EG ankommt, vor­bei. Nach der Ziel­set­zung der Richt­li­nie soll dem Ver­brau­cher nicht eine zeit­lich unbe­grenz­te Wahl­mög­lich­keit ein­ge­räumt wer­den; er soll, um die Viel­falt und den ver­stärk­ten Wett­be­werb voll nut­zen zu kön­nen, ledig­lich im Besitz der not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen sein, um den sei­nen Bedürf­nis­sen am ehes­ten ent­spre­chen­den Ver­trag aus­zu­wäh­len [49].
Gegen die Annah­me eines "acte clair" spricht nicht zuletzt [50], dass der Gesetz­ge­ber aus­weis­lich der Begrün­dung zu der am 1.01.2008 in Kraft getre­te­nen Reform des Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­set­zes die Ver­ein­bar­keit des – abge­schaff­ten – "Poli­cen­mo­dells" mit uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben als "nicht zwei­fels­frei" ein­ge­schätzt hat [51] und dass die Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät des "Poli­cen­mo­dells" im Schrift­tum außer­or­dent­lich umstrit­ten war [52]. Auf die Beden­ken in der Lite­ra­tur weist der Bun­des­ge­richts­hof selbst hin, so dass der Ver­weis auf die Instanz­recht­spre­chung und Tei­le des Schrift­tums, die von einer Uni­ons­rechts­kon­for­mi­tät des "Poli­cen­mo­dells" aus­ge­hen, nicht geeig­net ist, die rich­ti­ge Anwen­dung des Uni­ons­rechts als der­art offen­kun­dig erschei­nen zu las­sen, dass für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel kei­ner­lei Raum bleibt [53].
Beru­hen des Urteils auf der unter­blie­be­nen Vor­la­ge[↑]
Auch wenn der Bun­des­ge­richts­hof mit Blick auf die unter­las­se­ne Vor­la­ge zum Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät des "Poli­cen­mo­dells" gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG in Ver­bin­dung mit Art. 267 Abs. 3 AEUV ver­stößt, beruht das ange­grif­fe­ne Urteil doch nicht auf die­sem Ver­fas­sungs­ver­stoß [54]. Der Bun­des­ge­richts­hof stützt sei­ne Ent­schei­dung zugleich und selb­stän­dig auf die Erwä­gung, dass es gegen Treu und Glau­ben ver­sto­ße, sich nach jah­re­lan­ger Durch­füh­rung des Ver­trags auf des­sen angeb­li­che Unwirk­sam­keit zu beru­fen. Die­se Auf­fas­sung ist von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den.
Die Annah­me des Bun­des­ge­richts­hofs, die Maß­stä­be für eine Berück­sich­ti­gung der Gerichts­punk­te von Treu und Glau­ben sei­en in der Recht­spre­chung geklärt, ist ver­tret­bar. Er hat die ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on aus­ge­wer­tet [55] und sei­ne Ent­schei­dung hier­an ori­en­tiert. Außer­dem hat er sei­ne Recht­spre­chung zum Rechts­miss­brauch auf­grund wider­sprüch­li­chen Ver­hal­tens auf die Ver­ein­bar­keit mit dem uni­ons­recht­li­chen Äqui­va­lenz- und Effek­ti­vi­täts­grund­satz [56] bezie­hungs­wei­se auf die Ver­ein­bar­keit mit den in der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben für eine Berück­sich­ti­gung der Gesichts­punk­te von Treu und Glau­ben über­prüft [57]. Auf die­ser Grund­la­ge hat er unter Anwen­dung und Aus­le­gung des mate­ri­el­len Uni­ons­rechts die ver­tret­ba­re Über­zeu­gung gebil­det, dass die Rechts­la­ge durch die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs in einer Wei­se geklärt ist, die kei­nen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel offen­lässt ("acte éclai­ré").
Soweit der Beschwer­de­füh­rer vor­trägt, es sei uni­ons­recht­lich unge­klärt, ob ver­brau­cher­schüt­zen­de Wider­rufs­rech­te durch natio­na­le Vor­schrif­ten zum Rechts­miss­brauch beschränkt wer­den dürf­ten, berührt dies zwar das Gebot der prak­ti­schen Wirk­sam­keit. Der Anwen­dung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben und des Ver­bots wider­sprüch­li­cher Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) steht dies jedoch nicht ent­ge­gen, weil zum einen die Aus­übung die­ser Rech­te in das natio­na­le Zivil­recht ein­ge­bet­tet bleibt und weil zum ande­ren die natio­na­len Gerich­te ein miss­bräuch­li­ches oder betrü­ge­ri­sches Ver­hal­ten auch nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on berück­sich­ti­gen dür­fen [58]. Vor die­sem Hin­ter­grund und ange­sichts der Beson­der­hei­ten des kon­kre­ten Fal­les – die dem Beschwer­de­füh­rer ver­trag­lich ein­ge­räum­te und bekannt gemach­te Wider­spruchs­frist ließ er bei Ver­trags­schluss 1998 und im Zuge der vom Beschwer­de­füh­rer ein­ge­lei­te­ten Ver­trags­än­de­rung 2004 unge­nutzt ver­strei­chen; bis zur Kün­di­gung im Jahr 2004 zahl­te er regel­mä­ßig die ver­ein­bar­ten Ver­si­che­rungs­prä­mi­en, die von dem Ver­si­che­rer auch ent­ge­gen­ge­nom­men wur­den; nach der Kün­di­gung ver­gin­gen sie­ben Jah­re, bis er sich ent­schloss, dem Ver­trags­schluss zu wider­spre­chen und sich hilfs­wei­se dar­auf zu beru­fen, ein Ver­trag sei nicht wirk­sam zustan­de gekom­men – ist es jeden­falls nicht unhalt­bar, dass der Bun­des­ge­richts­hof inso­weit davon aus­ge­gan­gen ist, dass die Aus­übung eines mög­li­chen Wider­rufs­rechts rechts­miss­bräuch­lich wäre.
Auch die Auf­fas­sung, dass ein miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten allein auf der Grund­la­ge objek­ti­ver Kri­te­ri­en fest­ge­stellt wer­den kön­ne und unred­li­che Absich­ten oder ein Ver­schul­den inso­weit nicht erfor­der­lich sei­en, steht nicht in einem erkenn­ba­ren Wider­spruch zur Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on [59]. Soweit dort dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass ein Miss­brauch die Fest­stel­lung auch eines sub­jek­ti­ven Ele­ments in dem Sin­ne erfor­der­lich mache, dass aus einer Rei­he objek­ti­ver Anhalts­punk­te ersicht­lich sein müs­se, dass die ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen will­kür­lich geschaf­fen wor­den sei­en, um sich einen gemein­schafts­recht­lich vor­ge­se­he­nen Vor­teil zu ver­schaf­fen [60], betrifft dies die spe­zi­el­le Fra­ge, wann mit Uni­ons­recht unver­ein­ba­re miss­bräuch­li­che Prak­ti­ken von Wirt­schafts­teil­neh­mern vor­lie­gen [61], das heißt Vor­gän­ge, die nur zu dem Zweck statt­fin­den, miss­bräuch­lich Vor­tei­le aus dem Uni­ons­recht zu zie­hen oder Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts zu umge­hen [62]. Dar­um geht es hier aber nicht.
Dass die Lite­ra­tur die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs unter­schied­lich inter­pre­tiert [63] führt, für sich genom­men, nicht dazu, dass der Bun­des­ge­richts­hof an der Beja­hung eines "acte éclai­ré" gehin­dert wäre.
Schließ­lich hat der Bun­des­ge­richts­hof den ihm zukom­men­den Beur­tei­lungs­rah­men nicht des­halb in unver­tret­ba­rer Wei­se über­schrit­ten, weil die Anwen­dung von § 242 BGB gegen Sinn und Zweck des Wider­spruchs­rechts ver­stie­ße. Sei­ne Erwä­gung, der Zweck der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie, eine genaue Beleh­rung des Ver­si­che­rungs­neh­mers über sein Rück­tritts­recht vor Abschluss des Ver­trags sicher­zu­stel­len, wer­de nicht berührt, wenn einem Ver­si­che­rungs­neh­mer, der vom Ver­si­che­rer dem gel­ten­den natio­na­len Recht ent­spre­chend ord­nungs­ge­mäß belehrt wor­den sei, nach jah­re­lan­ger Durch­füh­rung des Ver­trags die Gel­tend­ma­chung eines berei­che­rungs­recht­li­chen Anspruchs unter Beru­fung auf ein gemein­schafts­rechts­wid­ri­ges Zustan­de­kom­men des Ver­trags ver­wehrt wer­de, ist ver­ständ­lich und nicht offen­sicht­lich unhalt­bar. Das gilt auch für die Ein­wän­de des Beschwer­de­füh­rers, der Ver­si­che­rer hät­te durch eine recht­zei­ti­ge Über­mitt­lung der Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen vor Aus­wahl­ent­schei­dung kla­re Ver­hält­nis­se schaf­fen kön­nen, und die Annah­me eines Rechts­miss­brauchs ste­he im Wider­spruch zu der gesetz­li­chen Vor­ga­be, dass der Ver­brau­cher auf sei­ne Rech­te nicht ver­zich­ten kön­ne. Auch wenn der Ver­si­che­rer durch die Wahl des "Poli­cen­mo­dells" zwar die Ursa­che für die Unwirk­sam­keit des Ver­trags gesetzt hat und die Infor­ma­ti­ons­pflicht nach Art. 31 Abs. 1 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie zwin­gend aus­ge­stal­tet ist, folgt hier­aus nicht, dass das Ver­trau­en des Ver­si­che­rers in den Bestand des Ver­trags im Ein­zel­fall nicht gleich­wohl vor­ran­gig schutz­wür­dig sein kann [64].
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Febru­ar 2015 – 2 BvR 2437/​14
vgl. BGH, Urteil vom 24.11.2010 – IV ZR 252/​08, VersR 2011, S. 337, 338 Rn. 22 m.w.N.[↩]
vom 21.07.1994, BGBl I S. 1630[↩]
BGBl I S. 1542[↩]
BGBl I S. 3102[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2534/​10, WM 2014, S. 644, 645 m.w.N.[↩]
ABl. EG Nr. L 63 vom 13.03.1979, S. 1 ff.; im Fol­gen­den: Ers­te Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie[↩]
ABl. EG Nr. L 330 vom 29.11.1990, S. 50 ff.; im Fol­gen­den: Zwei­te Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie[↩]
ABl. EG Nr. L 360 vom 09.12 1992, S. 1 ff.;[↩]
ABl. EG L 345 vom 19.12 2002, S. 1 ff.[↩]
ABl. EU Nr. L 335 vom 17.12 2009, S. 1 ff.[↩]
LG Gie­ßen, Urteil vom 21.03.2012 – 2 O 434/​11[↩]
OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 18.01.2013 – 7 U 137/​12[↩]
BGH, Urteil vom 16.07.2014 – IV ZR 73/​13[↩]
EuGH, Urteil vom 19.12.2013 – C‑209/​12, "End­ress", Rn. 25[↩]
vgl. BVerfGE 73, 339, 369; 126, 286, 315; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩][↩]
vgl. BVerfGE 90, 22, 25 f.; 108, 129, 136[↩]
vgl. BVerfGE 73, 339, 366; 82, 159, 192; 126, 286, 315; 128, 157, 186 f.; 129, 78, 105; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. BVerfGE 133, 277, 316 Rn. 91; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 06.10.1982, C.I.L.F.I.T., – C-283/​81, Slg. 1982, 3415, Rn. 21[↩]
vgl. auch BVerfGE 82, 159, 193; 128, 157, 187; 129, 78, 105 f.; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. BVerfGE 29, 198, 207; 82, 159, 194[↩]
BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. BVerfGE 126, 286, 315 f.; 128, 157, 187; 129, 78, 106; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. BVerfGE 126, 286, 316; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657; BVerfGK 13, 506, 512; 14, 230, 233; 16, 328, 336; BVerfG, Beschluss vom 09.11.1987 – 2 BvR 808/​82, NJW 1988, S. 1456, 1457[↩]
vgl. BVerfGE 82, 159, 195 f.; 126, 286, 316 f.; 128, 157, 187 f.; 129, 78, 106 f.; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩][↩][↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. BVerfGE 82, 159, 196; 128, 157, 189; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. BVerfGE 75, 223, 234; 128, 157, 188; 129, 78, 107; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. BVerfGE 129, 78, 107; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657[↩]
vgl. BVerfGE 82, 159, 196; BVerfG, Urteil vom 28.01.2014 – 2 BvR 1561, 1562, 1563, 1564/​12, NVwZ 2014, S. 646, 657; zum Vor­lie­gen eines sol­chen Fal­les, wenn mög­li­che Gegen­auf­fas­sun­gen zu der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge des Uni­ons­rechts gegen­über der vom Gericht zugrun­de geleg­ten Mei­nung ein­deu­tig vor­zu­zie­hen sind, vgl. BVerfGE 82, 159, 196; 126, 286, 317[↩]
EuGH, Urteil vom 19.12 2013, End­ress, – C‑209/​12, Rn.20 f.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2534/​10, WM 2014, S. 644, 646; Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2083/​11, WM 2014, S. 647, 648; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 723/​12, 2 BvR 724/​12, 2 BvR 725/​12 37; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 892/​12, 2 BvR 893/​12, 2 BvR 1969/​12, 2 BvR 1990/​12 40[↩]
Erwä­gungs­grün­de Nr.20 und Nr. 23 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie[↩]
vgl. Roth, VersR 2015, S. 1, 5 f., 7[↩]
vgl. nur Ebers, in: Mick­litz, Ver­brau­cher­recht in Deutsch­land – Stand und Per­spek­ti­ven, 2005, S. 253, 260 ff., 266 f.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2534/​10, WM 2014, S. 644, 647; Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2083/​11, WM 2014, S. 647, 649; Beschluss vom 09.05.2014 – 1 BvR 1408/​11, 1 BvR 1415/​11, WM 2014, S. 1270, 1272; Beschluss vom 09.05.2014 – 1 BvR 2020/​11, WM 2014, S. 1183, 1184; Beschluss vom 10.06.2014 – 1 BvR 669/​14 16; Beschluss vom 02.07.2014 – 1 BvR 543/​12, 1 BvR 544/​12, 1 BvR 545/​12, 1 BvR 892/​12, 1 BvR 894/​12, 1 BvR 2476/​1219; Beschluss vom 17.09.2014 – 2 BvR 64/​12 42; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 723/​12, 2 BvR 724/​12, 2 BvR 725/​12 42 f.; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 892/​12, 2 BvR 893/​12, 2 BvR 1969/​12, 2 BvR 1990/​12 46; Beschluss vom 02.12 2014 – 2 BvR 655/​1420[↩]
sie­he die Erwä­gungs­grün­de Nr. 46 und Nr. 52 der Richt­li­nie 2002/​83/​EG bzw. die Erwä­gungs­grün­de Nr.20 und Nr. 23 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie; vgl. dazu wei­ter und eben­so die Gene­ral­an­wäl­tin Sharpston bei Rn. 59 ihrer Schluss­an­trä­ge vom 11.07.2013 in der Rechts­sa­che – C‑209/​12 – End­ress; vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2534/​10, WM 2014, S. 644, 646; Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2083/​11, WM 2014, S. 647, 649; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 723/​12, 2 BvR 724/​12, 2 BvR 725/​12 40; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 892/​12, 2 BvR 893/​12, 2 BvR 1969/​12, 2 BvR 1990/​12 43[↩]
so auch Berg, VuR 1999, S. 335, 341 f.; Osing, Infor­ma­ti­ons­pflich­ten des Ver­si­che­rers und Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges, 1996, S. 92 f.; Reh­berg, Der Ver­si­che­rungs­ab­schluss als Infor­ma­ti­ons­pro­blem, 2003, S. 109 ff., 113 f.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2534/​10, WM 2014, S. 644, 646 f.; Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2083/​11, WM 2014, S. 647, 649; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 723/​12, 2 BvR 724/​12, 2 BvR 725/​12 41; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 892/​12, 2 BvR 893/​12, 2 BvR 1969/​12, 2 BvR 1990/​12 44[↩]
mit Ver­weis auf § 7 Ver­brKrG und § 1 HWiG[↩]
vgl. die vor­ver­trag­li­chen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten in Art. 3 ff. Richt­li­nie 2002/​65/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 23.09.2002 über den Fern­ab­satz von Finanz­dienst­leis­tun­gen an Ver­brau­cher und zur Ände­rung der Richt­li­nie 90/​619/​EWG des Rates und der Richt­li­ni­en 97/​7/​EG und 98/​27/​EG, ABl. Nr. L 271 vom 09.10.2002, S. 16 ff.; Art. 36 f., 41 f. Richt­li­nie 2007/​64/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13.11.2007 über Zah­lungs­diens­te im Bin­nen­markt, zur Ände­rung der Richt­li­ni­en 97/​7/​EG, 2002/​65/​EG, 2005/​60/​EG und 2006/​48/​EG sowie zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 97/​5/​EG, ABl. Nr. L 319 vom 05.12 2007, S. 1 ff.; Art. 5 f. Richt­li­nie 2008/​48/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 23.04.2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/​102/​EWG des Rates, ABl. EU Nr. L 133 vom 22.05.2008, S. 66 ff.; Art. 4 Richt­li­nie 2008/​122/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 14.01.2009 über den Schutz der Ver­brau­cher im Hin­blick auf bestimm­te Aspek­te von Teil­zeit­nut­zungs­ver­trä­gen, Ver­trä­gen über lang­fris­ti­ge Urlaubs­pro­duk­te sowie Wie­der­ver­kaufs- und Tausch­ver­trä­gen, ABl. Nr. L 33 vom 03.02.2009, S. 10 ff.; Art. 5 f. Richt­li­nie 2011/​83/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 25.10.2011 über die Rech­te der Ver­brau­cher, zur Abän­de­rung der Richt­li­nie 93/​13/​EWG des Rates und der Richt­li­nie 1999/​44/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates sowie zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 85/​577/​EWG des Rates und der Richt­li­nie 97/​7/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates, ABl. EU Nr. L 304 vom 22.11.2011, S. 64 ff.; Art. 14 Richt­li­nie 2014/17/?U des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 04.02.2014 über Wohn­im­mo­bi­li­en­kre­dit­ver­trä­ge für Ver­brau­cher und zur Ände­rung der Richt­li­ni­en 2008/​48/​EG und 2013/​36/​EU und der Ver­ord­nung, EU Nr. 1093/​2010, ABl. Nr. L 60 vom 28.02.2014, S. 34 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss­emp­feh­lung des Finanz­aus­schus­ses, BT-Drs. 12/​7595, S. 74, 102[↩]
vgl. Erwä­gungs­grund Nr. 52 der Richt­li­nie 2002/​83/​EG bzw. Erwä­gungs­grund Nr. 23 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie[↩]
sie­he die Erwä­gungs­grün­de Nr. 46 und Nr. 52 der Richt­li­nie 2002/​83/​EG bzw. die Erwä­gungs­grün­de Nr.20 und Nr. 23 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs­richt­li­nie[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2534/​10, WM 2014, S. 644, 647; Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2083/​11, WM 2014, S. 647, 649; Beschluss vom 17.09.2014 – 2 BvR 64/​12 43; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 723/​12, 2 BvR 724/​12, 2 BvR 725/​12 44; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 892/​12, 2 BvR 893/​12, 2 BvR 1969/​12, 2 BvR 1990/​12 47[↩]
vgl. BT-Drs. 16/​3945, S. 60[↩]
die Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät bezwei­feln: Berg, VuR 1999, S. 335, 341 f.; Dör­ner, in: Brömmelmeyer/​Heiss/​Meyer/​Rückle/​Schwintowski/​Wallrabenstein, All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz, Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung und Gesund­heits­re­form, Schwach­stel­len der VVG-Reform, 2009, S. 137, 145 f.; Dörner/​Staudinger, WM 2006, S. 1710, 1712; Ebers, in: Mick­litz, Ver­brau­cher­recht in Deutsch­land – Stand und Per­spek­ti­ven, 2005, S. 253, 260 ff.; Len­zing, in: Basedow/​Fock, Euro­päi­sches Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht, Band I, 2002, S. 139, 164 f.; Micklitz/​Ebers, in: Basedow/​Meyer/​Rückle/​Schwintowski, Ver­brau­cher­schutz durch und im Inter­net bei Abschluss von pri­va­ten Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen – Alters­vor­sor­ge­ver­trä­ge – VVG-Reform, 2003, S. 43, 82 f.; Osing, Infor­ma­ti­ons­pflich­ten des Ver­si­che­rers und Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges, 1996, S. 92 f.; Reh­berg, Der Ver­si­che­rungs­ab­schluss als Infor­ma­ti­ons­pro­blem, 2003, S. 109 ff., 116 f.; Schwin­tow­ski, VuR 1996, S. 223, 238 f.; die Über­ein­stim­mung mit den Richt­li­ni­en­vor­ga­ben beja­hen: Herr­mann, in: Bruck/​Möller, Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz, 9. Aufl.2009, § 7 Rn. 65; Lorenz, VersR 1995, S. 616, 625 f.; ders., VersR 1997, S. 773, 780 f.; Prölss, in: Prölss/​Martin, Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz, 27. Aufl.2004, VVG § 5a Rn. 8; Reiff, VersR 1997, S. 267, 271; Schir­mer, VersR 1996, S. 1045, 1056; Wandt, Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on und Ver­trags­schluss nach neu­em Recht – Dog­ma­ti­sche Ein­ord­nung und prak­ti­sche Hand­ha­bung, 1995, S. 31 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2534/​10, WM 2014, S. 644, 646 f.; Beschluss vom 03.03.2014 – 1 BvR 2083/​11, WM 2014, S. 647, 648 f.; Beschluss vom 09.05.2014 – 1 BvR 1408/​11, 1 BvR 1415/​11, WM 2014, S. 1270, 1271 f.; Beschluss vom 09.05.2014 – 1 BvR 2020/​11, WM 2014, S. 1183, 1184; Beschluss vom 10.06.2014 – 1 BvR 669/​14 14 ff.; Beschluss vom 02.07.2014 – 1 BvR 543/​12, 1 BvR 544/​12, 1 BvR 545/​12, 1 BvR 892/​12, 1 BvR 894/​12, 1 BvR 2476/​1219; Beschluss vom 17.09.2014 – 2 BvR 64/​12 41 f.; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 723/​12, 2 BvR 724/​12, 2 BvR 725/​12 38 ff.; Beschluss vom 04.11.2014 – 2 BvR 892/​12, 2 BvR 893/​12, 2 BvR 1969/​12, 2 BvR 1990/​12 41 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 3, 213, 220; 134, 106, 120 Rn. 42; stRspr[↩]
vgl. BGH, Urteil des 4. Zivil­se­nats vom 16.07.2014 – IV ZR 73/​13, NJW 2014, S. 2723, 2728 Rn. 41 f.[↩]
vgl. BGH, a.a.O., Rn. 41[↩]
vgl. BGH, a.a.O., Rn. 42[↩]
vgl. nur EuGH, Urteil vom 02.05.1996, Palet­ta, – C‑206/​94, Slg. 1996, I‑2357, Rn. 25; Urteil vom 21.07.2011, Oguz, – C‑186/​10, Slg. 2011, I‑6957, Rn. 25 m.w.N.[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 02.05.1996, Palet­ta, – C‑206/​94, Slg. 1996, I‑2357, Rn. 25; Urteil vom 21.07.2011, Oguz, – C‑186/​10, Slg. 2011, I‑6957, Rn. 25 m.w.N.[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 14.12 2000, Ems­land-Stär­ke, – C‑110/​99, Slg. 2000, I‑11569, Rn. 53; Urteil vom 21.02.2006, Hali­fax, – C‑255/​02, Slg. 2006, I‑1609, Rn. 75; Urteil vom 12.09.2006, Cad­bu­ry Schwep­pes und Cad­bu­ry Schwep­pes Over-seas, – C‑196/​04, Slg. 2006, I‑7995, Rn. 64[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 14.12 2000, Ems­land-Stär­ke, – C‑110/​99, Slg. 2000, I‑11569, Rn. 51; Urteil vom 21.02.2006, Hali­fax, – C‑255/​02, Slg. 2006, I‑1609, Rn. 69; Urteil vom 12.09.2006, Cad­bu­ry Schwep­pes und Cad­bu­ry Schwep­pes Over­seas, – C‑196/​04, Slg. 2006, I‑7995, Rn. 64[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 14.12 2000, Ems­land-Stär­ke, – C‑110/​99, Slg. 2000, I‑11569, Rn. 51; Urteil vom 21.02.2006, Hali­fax, – C‑255/​02, Slg. 2006, I‑1609, Rn. 75; EuGH, Urteil vom 06.04.2006, Agip Petro­li, – C‑456/​04, Slg. 2006, I‑3395, Rn.20; Urteil vom 13.03.2014, SICES, – C‑155/​13, Rn. 30[↩]
vgl. nur Looschelders/​Olzen, in: Stau­din­ger, BGB, Buch 2, 2015, § 242 Rn. 1245; Roth/​Schubert, in: Mün­che­ner Kom­men­tar, BGB, 6. Aufl.2012, § 242 BGB Rn. 156, 158; Eng­lisch, StuW 2009, S. 3, 5 ff., 20; Bau­den­ba­cher, ZfRV 2008, S.205, 216; Flei­scher, JZ 2003, S. 865, 872; Zim­mer­mann, Das Rechts­miss­brauchs­ver­bot im Recht der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, 2002, S. 227; Schön, in: Fest­schrift für Wie­de­mann, 2002, S. 1271, 1285 f.[↩]
vgl. auch EuGH, Urteil vom 10.04.2008, Hamil­ton, – C‑412/​06, Slg. 2008, I‑2383, Rn. 49; Art. 10 Abs. 1 und Abs. 2 Richt­li­nie 2011/​83/​EU[↩]
Frist­lo­se Kün­di­gung – und die Aus­schluss­frist Die zeit­li­che Begren­zung des § 626 Abs. 2 BGB soll den Arbeit­ge­ber nicht zu hek­ti­scher Eile bei der Kün­di­gung antrei­ben. Solan­ge der Kün­di­gungs­be­rech­tig­te die zur…
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 Art. 267
 § 5

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 § 10
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 § 7
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 Art. 31
 Art. 35
 Art. 36
 § 10
 § 5
 § 5
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 § 812
 § 818
 § 5
 § 5
 Art. 267
 Art. 15
 Art. 31
 Art. 35
 Art. 36
 § 5
 § 10
 § 5
 § 5
 § 7
 § 1
 Art. 15
 § 5
 § 242
 Art.20
 Art. 267
 § 90
 § 5
 Art. 101
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 Art. 267
 Art. 101
 Art. 267
 Art. 101
 Art. 267
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 Art. 101
 Art. 267
 Art. 101
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 Art. 101
 Art. 267
 Art. 267
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 Art. 31
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 Art. 31
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 Art. 31
 Art. 36
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 Art. 36
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 Art. 267
 § 242
 Art. 31
 § 7
 § 1
 Art. 3
 Art. 36
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 Art. 4
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 Art. 14
 § 7
 § 5
 § 242
 § 242
 Art. 10
 § 626