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Tacheles Rechtsprechungsticker KW 25/2015 | Rechtsanwalt König in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht Rechtsanwalt in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht
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Grundsicherung für Arbeitsuchende – Leistungsausschluss für Auszubildende – abstrakte Förderungsfähigkeit – behinderter Mensch – Bezug von Ausbildungsgeld nach § 104 SGB 3 aF – Zuschuss zu den ungedeckten Unterkunftskosten – Einkommensberücksichtigung – kein Abzug des Erwerbstätigenfreibetrages
1. 2 BSG, Urteile vom 16.06.2015 – B 4 AS 44/14 R und B 4 AS 45/14 R
2. 1 BSG, Urteil vom 11.02.2015 – B 4 AS 27/14 R
2. Maßstab im Hinblick auf die Aufrechterhaltung getrennter Wohnsitze ist – unter Berücksichtigung des § 1353 Abs 1 S 2 BGB, der zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet – ob einem Nachzug im Einzelfall, sowohl im In- als auch im Ausland, gewichtige und im SGB II zu beachtende, rechtliche oder tatsächliche Hindernisse entgegenstehen.
3. 1 Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 24.04.2015 – L 9 AS 828/14 – Die Revision wird zugelassen.
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Sanktion – bestandskräftiger Bewilligungsbescheid – keine Minderung des Auszahlungsanspruchs kraft Gesetzes – Erforderlichkeit eines Aufhebungsbescheides nach § 48 Abs 1 S 1 SGB 10
Der Praxistipp – Verjährung abwägen, ein Beitrag von RAin Corinna Unger, Infobrief SGB II Kurzmitteilungen für Praktiker 12/2014
Im Infobrief des Monats Januar 2014 wurde bereits die Entscheidung des Sozialgerichts Altenburg vorgestellt, welche diese Rechtsauffassung ebenfalls widerspiegelt.Bisweilen erstellen die Leistungsträger nunmehr Bescheide, in denen zwar verfügt wird, dass die ursprüngliche Entscheidung damit aufgehoben werden soll, allerdings sind hierin keine konkreten Bescheide genannt, so dass auch dieser „Textbaustein“ nicht ausreicht, um den Auszahlungsanspruch zu verringern. Die Möglichkeit der Aufhebung besteht nur ein Jahr, deshalb sollte ggf. nicht vorschnell „geschossen“ werden; die Möglichkeit der Überprüfung nach § 44 SGB X besteht für Sanktionsbescheide vier Jahre rückwirkend!Zu beachten ist, dass stets auch der Erlass einer einstweiligen Anordnung beantragt werden sollte, falls im Verfahren auf einstweiligen Rechtsschutz vorgegangen wird.
3. 2 LSG Schleswig-Holstein, Beschluss v. 24.02.2014 – L 3 AS 27/14 B ER, L 3 AS 27/14 B ER PKH u. L 3 AS 57/14 B PKH
Anmerkung 1: Bei den Aufwendungen zum Erwerb der Genossenschaftsanteile handelt es sich nach übereinstimmender Auffassung in der Rechtsprechung (LSG Sachsen Beschlüsse vom 29. September 2008 – L 2 B 611/08 AS ER und vom 25. Januar 2010 – L 3 AS 700/09 B ER ; LSG Berlin- Brandenburg Urteil vom 11. Mai 2010 – L 5 AS 25/09 ; LSG Nordrhein-
Anmerkung 2: Wegen der vergleichbaren Interessenlage unter Hinblick auf den Sicherungscharakter sind Fälle des Erwerbs von Genossenschaftsanteile der Übernahme einer Mietkaution gleichzustellen (Piepenstock in juris PK-SGB II § 22 Rdn. 184; ebenso SG Düsseldorf, Beschl. v. 08.08.2008 – S 28 AS 108/08 ER -,OVG Bremen, Beschluss vom 27. Juli 2007 – S 2 B 299/07, S 2 S 301/07 -, SG Schleswig Beschluss vom 27.5.2008 – S 9 AS 239/08 ER -; SG Reutlingen, Urteil vom 23.11.2006 – S 3 AS 3093/06 -; zum Ganzen: Scherney/Kohnke, Immobilien und Kosten der Unterkunft, 2012, S. 148 ff.
3. 3 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 04.06.2015 – L 29 AS 1128/15 B ER – rechtskräftig
Bulgarische Staatsangehörige hat kein Anspruch auf Grundsicherung nach dem SGB II – Glaubhaftmachung eines Beschäftigungsverhältnisses – Reinigungskraft – Leistungsausschluss für Ausländer bei Aufenthalt zur Arbeitsuche – untergeordnete unwesentliche Tätigkeit
Anmerkung: vergleiche hierzu insbesondere Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 17. Februar 2015 – L 31 AS 3100/14 B ER – Entlohnung von monatlich 140 EUR, Landessozialgericht Hamburg, Beschluss vom 1. Dezember 2014, L 4 AS 444/14 B ER – Entlohnung von monatlich 200 EUR – und Landessozialgericht Niedersachsen Bremen, Beschluss vom 3. August 2012, L 11 AS 39/12 B ER – Bruttoeinnahmen zwischen 290 und 350 EUR/mtl., a. A. wohl SG Hamburg v. 05.01.2015 – S 10 AS 4323/14 ER – Ob eine Beschäftigung als „völlig untergeordnet und unwesentlich“ im Sinne der EuGH-Rechtsprechung anzusehen ist, ergibt sich aus der Bewertung der Erwerbstätigkeit des konkreten Einzelfalls – Im konkreten Fall stellt eine Tätigkeit als Aushilfskraft bei der Fastfood-Kette bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von zehn Stunden und einem Verdienst von monatlich 150 EUR keine untergeordnete und unwesentliche Tätigkeit dar und begründet eine Arbeitnehmereigenschaft.
3. 4 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 06.05.2015 – L 19 AS 1394/12
Einkommenssteuererstattung – kein Abzug der Steuerberaterrechnung nach § 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 SGB II a. F. ( § 11b Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 SGB II nF ) – Werbungskosten
2. Der Erwerbstätigenfreibetrag nach §§ 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 6 aF, 30 SGB II ist nicht abzusetzen, weil es sich nicht um Erwerbseinkommen handelt (vgl. auch BSG, Urteil vom 11. Februar 2015 – B 4 AS 29/14 R). Die einkommensmindernde Berücksichtigung der Versicherungspauschale ist nicht zu beanstanden (vgl. auch BSG, Urteil vom 27. September 2011, B 4 AS 180/10 R ).
3. 5 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 10.06.2015 – L 6 AS 853/15 B ER rechtskräftig
2. Kein Abwarten der Räumungsklage, denn schon zu einem früheren Zeitpunkt können wesentliche Nachteile zu gewärtigen sein, die ein Zuwarten bis zur Entscheidung in der Hauptsache unzumutbar erscheinen lassen ( (LSG NRW Beschluss vom 29.01.2015 – L 6 AS 2085/14 B ER).
3. 6 Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 19.05.2015 – L 11 AS 90/15
Anmerkung: ebenso LSG NRW, Beschluss vom 16.01.2015 – L 2 AS 1848/14 B
4. 1 Sozialgericht Karlsruhe, Urteil vom 28.04.2015 – S 17 AS 599/14
Heizkosten – Elektroheizung (Nachtspeicheröfen) – fehlende gesonderte Verbrauchserfassung – Zulässigkeit der Schätzung
Bei der Erfassung des Stromverbrauchs mit nur einem Zähler kann zur Differenzierung zwischen vom Regelsatz umfassten Stromkosten (Haushaltsstrom) und Stromkosten als Kosten der Unterkunft (Heizkosten) geschätzt werden (Anschluss an LSG Baden-Württemberg, U. v. 02.03.2011 – L 2 SO 4920/09 ).
Hinweis des Gerichts: Die Position „Grundpreis“ ist dagegen als KdU nicht übernahmefähig, da es sich um die Grundgebühr für einen einfachen Stromzähler handelt, die auch von Leistungsberechtigten ohne Wohnung mit Nachtspeicheröfen aus der Regelleistung zu bestreiten ist (vgl. SG Hildesheim, B.v. 8.9.2011 – S 54 AS 1404/11 ER ).
Anmerkung: vgl. SG Detmold, U.v. 28.03.2014 – S 28 AS 1935/12 – wonach bei einer Elektroheizung der laufende Bedarf für die Heizung in Abgrenzung zum Bedarf für die sonstige Haushaltsenergie und die Energie für die Warmwasserbereitung dann unproblematisch ermittelt werden kann, wenn der Elektrizitätsversorger einen gesonderten Abschlag gerade für die von der Heizungsanlage verbrauchte Elektroenergie verlangt.
4. 2 SG Aachen, Beschlüsse vom 12.06.2015 – S 11 AS521/15 ER und S 11 AS 522/15
S. a. Sozialgericht Aachen: Hausverbot beim JobCenter – Sozialgerichte nicht zuständig: https://www.justiz.nrw.de/JM/Presse/presse_weitere/PresseLSG/15_06_2015_/index.php
Anmerkung: a. A. BSG, Beschluss vom 21.07.2014 – B 14 SF 1/14 R – Für Streitigkeiten über ein Hausverbot, das von einem Leistungsträger gegenüber einem Antragsteller auf Leistungen nach dem SGB II ausgesprochen wurde, sind die Sozialgerichte zuständig (BSG, Beschluss vom 21.7.2014-B 14 SF 1/14 R).
4. 3 Sozialgericht Magdeburg, Urteil vom 15.11.2013 – S 47 AS 90013/09 – rechtskräftig
5. 1 Landessozialgericht Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 20.04.2015 – L 8 SO 49/14 B ER – rechtskräftig
6. 1 Sozialgericht Magdeburg, Urteil vom 18.12.2012 – S 47 SO 90022/09
Verwaltungsakt mit Dauerwirkung bei einer Bewilligung von Sozialhilfeleistungen „bis auf weiteres“
Eine Bewilligung „bis auf weiteres“ deutet nach dem Empfängerhorizont des Leistungsberechtigten regelmäßig auf eine Hilfegewährung für einen unbestimmten Zeitraum nach Bescheiderlass und nicht nur für den nächstliegenden Zeitraum hin. Wenn der Sozialhilfeträger Leistungen nur Monat für Monat gewähren will, muss er dies im Bewilligungsbescheid durch entsprechende, für den Hilfeempfänger verständliche Formulierungen deutlich machen. Sonst handelt es sich um einen Verwaltungsakt mit Dauerwirkung.
7. 1 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 17.02.2015 – L 14 AL 7/11
Tragfähigkeit – Existenzgründung – Businessplan – Pflicht zu wahrheitsgemäßen Angaben
Anmerkung: ebenfalls zu – Unterkunftskosten sind im einstweiligen Rechtsschutzverfahren zuzusprechen, ohne dass die Erhebung einer Räumungsklage Voraussetzung ist: LSG NRW, Beschluss v. 04.05.2015 – L 7 AS 139/15 B ER – rechtskräftig; LSG NRW, Beschluss vom 29.01.2015 – L 6 AS 2085/14 B ER; LSG NRW, Beschluss vom 25.03.2015 – L 6 AS 419/15 B ER; LSG NRW, Beschluss vom 13.05.2015 – L 6 AS 369/15 B ER – rechtskräftig; LSG NRW, Beschluss vom 07.05.2015 – L 7 AS 576/15 B ER – rechtskräftig; LSG NRW, Beschluss vom 30.04.2015 – L 6 AS 296/15 B ER und – L 6 AS 297/15 B – rechtskräftig und LSG NRW, Beschluss vom 10.06.2015 – L 6 AS 853/15 B ER rechtskräftig
9. OVG Münster, Urt. v. 16.06.2015 – 8 A 2429/14 – Revision zugelassen

References: § 104
 § 1353
 § 48
 § 44
 § 22
 § 11
 § 11