Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%20ZR%2016/64
Timestamp: 2019-12-13 07:42:10+00:00

Document:
BGH, 27.01.1966 - VII ZR 16/64 - dejure.org
BGH, 27.01.1966 - VII ZR 16/64
https://dejure.org/1966,2086
BGH, 27.01.1966 - VII ZR 16/64 (https://dejure.org/1966,2086)
BGH, Entscheidung vom 27.01.1966 - VII ZR 16/64 (https://dejure.org/1966,2086)
BGH, Entscheidung vom 27. Januar 1966 - VII ZR 16/64 (https://dejure.org/1966,2086)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1966,2086) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Klage aus einem vermittelten Kauffinanzierungsvertrag (Geschäftsbesorgungsvertrag) - Finanzierung eines Raupenschlepperkaufs - Verstoß gegen die Pflicht zur Weiterleitung ausgezahlten Kreditbetrags - Nichtigkeit des zugrunde liegenden Kaufvertrags - Auswirkung auf den ...
WM 1966, 495
Das folgt bereits daraus, dass die Vorschrift des § 138 Abs. 1 BGB unter dem Gesichtspunkt der Verletzung von Interessen der Allgemeinheit oder Dritter grundsätzlich nur anwendbar ist, wenn beide Vertragsparteien sittenwidrig handeln (…BGH, Versäumnisurteil vom 10. Januar 2007 - XII ZR 72/04, NJW 2007, 1447 Rn. 13; Urteil vom 27. Januar 1966 - VII ZR 16/64, WM 1966, 495, 496 unter I 1 m.w.N.), also die Tatsachen kennen oder sich zumindest ihrer Kenntnis grob fahrlässig verschließen, die die Sittenwidrigkeit des Rechtsgeschäfts begründen.
Wegen Sittenwidrigkeit (§ 138 Abs. 1 BGB) ist die Abtretung schon deswegen nicht nichtig, weil die Landesbank in etwaige Absichten P.'s und K.'s, den Kläger zu schädigen, nicht eingeweiht gewesen ist (vgl. BGH Urteile vom 14. Mai 1952, II ZR 256/51, BB 1952, 702; vom 9. Juli 1964, VII ZR 257/62, WM 1964, 1086, 1087 unter III 2 b; vom 27. Januar 1966, VII ZR 16/64, WM 1966, 495, 496 li. Sp.).
Das folgt schon daraus, daß die Vorschrift des § 138 Abs. 1 BGB unter dem Gesichtspunkt der Verletzung von Interessen der Allgemeinheit oder Dritter grundsätzlich nur anwendbar ist, wenn alle Beteiligten sittenwidrig handeln (BGH Urteil vom 27. Januar 1966 - VII ZR 16/64 = WM 1966, 495 unter I 1 m.Nachw.), also die Tatsachen kennen oder sich zumindest ihrer Kenntnis grob fahrlässig verschließen, die die Sittenwidrigkeit des Rechtsgeschäfts begründen (…z.B. Palandt/Heinrichs, BGB , 48. Aufl., § 138 Anm. 3 a;… Erman/Brox, BGB , 8. Aufl., § 138 Rdnr. 41, jeweils m.w.Nachw.).
Bei solchen Fallgestaltungen ist in der Rechtsprechung anerkannt, daß die mit der Nichtigkeitsfolge bewehrte Sanktion des § 138 Abs. 1 BGB grundsätzlich nur dann eingreift, wenn alle Beteiligten des Rechtsgeschäfts subjektiv sittenwidrig handeln (RGZ 114, 338; BGH Urteil vom 9. Juli 1964 - VII ZR 257/62 = WM 1964, 1086, 1087; Urteil vom 27. Januar 1966 - VII ZR 16/64 = WM 1966, 495, 496).
Zwar ist anerkannt, daß ein Vertrag auch in seinen Auswirkungen auf bestehende oder künftige Rechte Dritter dem Schutzzweck des § 138 BGB unterliegt; insoweit ist aber Voraussetzung, daß beide Vertragspartner sittenwidrig zum Nachteil des Dritten handeln (vgl. BGH Urteile vom 27. Januar 1966, VII ZR 16/64, WM 1966, 495, 496 und vom 9. Juli 1964, VII ZR 257/62, WM 1964, 1086, 1087).
Ein Rechtsgeschäft ist vielmehr erst dann wegen Verstoßes gegen die guten Sitten nichtig, wenn ein Vertragspartner über die bloße Kenntnis hinaus den vom Gegner mit dem Geschäft verfolgten sitten- oder gesetzeswidrigen Zweck billigt, fördert oder zum eigenen Vorteil ausnutzt (…so wörtlich: BGH, Urt. v.1.10.1970 - II ZR 21/70 - = DB 1971, 39;… vergl. darüber hinaus bereits RG, Urt. v. 25.3.1933 I 226/32 - = RGZ 140, 184 sowie BGH, Urt. v.14.5.1952 - II ZR 256/51 - = BB 1952, 702;… BGH, Urt. v.9.7.1962 - VII ZR 257/62 - = WM 1964, 1086; BGH, Urt. v.27.1.1966 - VII ZR 16/64 - = WM 1966, 495).
BFH, 09.12.1987 - X R 35/82
Gefahr des Missbrauchs einer Rechnung, auch wenn sich eine Gefährdung des …
Allein die Möglichkeit, daß sich der Rechnungsempfänger nachträglich auf Sittenwidrigkeit (§ 138 des Bürgerlichen Gesetzbuches) beruft (vgl. Dilcher in Staudinger, Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, 12. Aufl., 1980, § 138 Rdnr. 50 unter Bezugnahme auf das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 27. Januar 1966 VII ZR 16/64, Wertpapier-Mitteilungen / Zeitschrift für Wirtschafts- und Bankrecht, 1966, 495), rechtfertigt die Schlußfolgerung, daß die faktischen Möglichkeiten der Klägerin, auf die Verwendung der Rechnung durch die Empfängerin Einfluß zu nehmen, gering waren.
In Fällen, in denen die Sittenwidrigkeit des Handelns eines Vertragsteils nicht in seinem Verhalten gegenüber seinem Vertragspartner liegt, ist ein Vertrag in der Regel nur nichtig, wenn beide Vertragspartner in verwerflicher Gesinnung handeln (BGH WM 1966, 495 f; 1964, 1087 f).
Die gesellschaftsvertragliche Nachfolgeklausel wäre, soweit sie bezweckte, die Klägerin vom Nachlaß des Vaters völlig auszuschließen, sich insoweit also nicht gegen einen Beteiligten des Rechtsgeschäfts richtete, nur dann sittenwidrig, wenn alle Mitwirkenden sittenwidrig gehandelt hätten (vgl. BGH WM 1964, 1086 und WM 1966, 495).
Dies ist hier erforderlich, weil die Vereinbarung nicht schon nach ihrem äußeren Inhalt, sondern nach den mit ihr verfolgten Zielen und den damit verbundenen Auswirkungen anstößig ist (vgl. RGZ 140, 184, 190; BGH WM 1964, 1086; 1966, 495).

References: § 138
 BGH 
 § 138
 § 138
 § 138
 § 138
 BGH 
 § 138
 BGH 
 § 138
 BGH 
 BGH