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Timestamp: 2019-12-14 15:52:01+00:00

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Übernahme Bestattungskosten durch das Sozialamt? - frag-einen-anwalt.de
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| 26.06.2013 16:55 |
Zusammenfassung: Nach § 74 SGB XII können die erforderlichen Kosten einer Bestattung vom Sozialamt übernommen werden, soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen. Die Zumutbarkeit der Übernahme der Kosten richtet sich nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen.
unsere Mutter war viele Jahre in einem Pflegeheim untergebracht. Die Kosten trug der Bezirk Oberbayern, der uns alle paar Jahre prüfte, mit negativem Ergebnis. Nun ist unsere Mutter letzten Monat verstorben. Heute kam die Rechnung der Stadt. Der Nachlass beläuft sich auf Null (keinerlei Vermögen). Wir sind zwei Kinder, beide selbstständig. Fragen:
1. Besteht die Möglichkeit, dass der Bezirk Oberbayern oder das Sozialamt die Kosten für die Bestattung (wir haben die einfachste und günstigste Variante gewählt) übernimmt?
2. Wo genau liegen die Einkommensgrenzen, damit die Kosten übernommen werden?
3. Wie lange kann der Bezirk Rückforderungsansprüche geltend machen? Unser Leben lang?
4. Wenn wir den Antrag stellen und das Einkommen für letztes bzw. dieses Jahr höher ist, kann das einen Rückforderungsanspruch auslösen?
5. Wenn der Antrag genehmigt wird, werden wir dann wieder alle Jahre geprüft?
SGB SGB Einkommen Sozialamt Kosten
Zunächst möchte ich Ihnen mein aufrichtiges Beileid zum Tod Ihrer Mutter aussprechen.
Sodann möchte ich Ihre Fragen unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhalts und Ihres Einsatzes wie folgt beantworten:
"1. Besteht die Möglichkeit, dass der Bezirk Oberbayern oder das Sozialamt die Kosten für die Bestattung (wir haben die einfachste und günstigste Variante gewählt) übernimmt?"
Zunächst wären die Kinder als Erben oder als Unterhaltsverpflichtete zur Übernahme der Bestattungskosten verpflichtet. Nach § 74 SGB XII können die erforderlichen Kosten einer Bestattung aber übernommen werden, soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen. Sollten Sie als Kinder also nicht in der Lage sein, die Kosten der Bestattung zu tragen, wäre das Sozialalmt als der zuständige Leistungsträger zur Übernahme der notwendigen Bestattungskosten verpflichtet.
"2. Wo genau liegen die Einkommensgrenzen, damit die Kosten übernommen werden?"
Das Einkommen ist in § 82 SGB XII definiert. Demnach gehören zum Einkommen alle Einkünfte in Geld oder Geldeswert, vermindert um die Absetzbeträge des § 82 Abs. 2 SGB XII.
Nach § 85 SGB XII gilt der Einsatz von Einkommen als zumutbar, das über der Einkommensgrenze liegt. Die Einkommensgrenze orientiert sich dabei an der Regelbedarfsstufe 1 von 382,- €.
Die Einkommensgrenze nach § 85 SGB XII setzt sich demnach wie folgt zusammen:
1. ein Grundbetrag in Höhe von 764,- € für den Bedürftigen (zweifacher Regelsatz der Regelbedarfsstufe 1)
2. die Kosten der Unterkunft in angemessenem Umfang; diese sind einzelfallabhängig zu bestimmen
3. ein Familienzuschlag in Höhe von ca. 267,- € (70 % des Regelsatzes der Regelbedarfstufe 1) für den nicht getrennt lebenden Ehegatten bzw. Lebenspartner und für jeden vom Bedürftigen bzw. dessen Ehe/Lebenspartner überwiegend unterhaltenen Angehörigen
Zudem wäre nach § 90 Abs. 1 SGB XII das gesamte verwertbare Vermögen, mit Ausnahme des Schonvermögens nach § 90 Abs. 2 SGB XII, einzusetzen. Hierbei gelten kleinere Barbeträge als Schonvermögen. Diese sind in der Verordnung zu § 90 SGB XII definiert. Demnach gelten als Schonvermögen für einen Hilfesuchenden bis 60 Jahre 1.600,- € und für den Ehegatten bzw. Lebenspartner 614,- € sowie maximal 256,- € für jede vom Hilfesuchenden, Ehegatten, Lebenspartner oder von den Eltern unterhaltene Person.
Genauer kann ich es Ihnen nicht sagen, da ich weder Ihre Familienverhältnisse noch Ihre Unterkunftskosten kenne.
"3. Wie lange kann der Bezirk Rückforderungsansprüche geltend machen? Unser Leben lang?"
Es kommt nur auf Ihre Bedürftigkeit zum jetzigen Zeitpunkt an. Wenn Sie derzeit aufgrund Ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht in der Lage sind, die Kosten der Beerdigung zu übernehmen, müssen die angemessenen Kosten der Beerdigung übernommen werden. Die spätere Rückforderung ist ausgeschlossen, da es sich nicht um ein Darlehen handelt.
"4. Wenn wir den Antrag stellen und das Einkommen für letztes bzw. dieses Jahr höher ist, kann das einen Rückforderungsanspruch auslösen?"
Es gilt das sog. Zuflussprinzip. Es kommt für den Antrag daher nur auf Ihr jetziges Einkommen und Vermögen an. Nur dieses muss angegeben und berücksichtigt werden.
"5. Wenn der Antrag genehmigt wird, werden wir dann wieder alle Jahre geprüft?"
Nein, denn es kommt einzig und allein auf Ihre derzeitigen Einkommens- und Vermögensverhältnisse an.
Nachfrage vom Fragesteller	26.06.2013 | 18:24
Vermögen (Sparguthaben, Immobilien etc.) ist bei keinem der Kinder vorhanden. Man nimmt dann wohl das zu versteuernde Einkommen und teilt es durch 12 abzüglich der von Ihnen erwähnten Beträge für Miete etc. (und hoffentlich abzüglich der ESt)? Das Ergebnis darf dann nicht über der Einkommensgrenze liegen?
Frage 3 bezog sich auf die Rückforderungsansprüche des Bezirks wegen der Unterbringungskosten, die der Bezirk jahrelang bezahlt hat.
Frage 4 war so gemeint, dass, wenn sich herausstellt, dass das Einkommen dieses oder letztes Jahr höher war, der "Schuss nach hinten losgeht", die Bestattungskosten nicht übernommen werden und dafür die Unterbringungskosten zurückgezahlt werden müssen, was einem finanziellen Ruin der Kinder gleichkäme. Ich traue mich nämlich deshalb nicht, den Antrag "ins Blaue hinein" zu stellen.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 26.06.2013 | 19:00
vielen Dank, dass Sie von der Möglichkeit der kostenlosen Nachfrage Gebrauch machen. Gern beantworte ich Ihnen diese daher wie folgt:
Genau, es wird zunächst das monatliche Bruttoeinkommen ermittelt und gemindert um
- auf das Einkommen entrichtete Steuern,
- Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung einschließlich der Beiträge zur Arbeitsförderung
- Beiträge zu öffentlichen oder privaten Versicherungen oder ähnlichen Einrichtungen, soweit diese Beiträge gesetzlich vorgeschrieben oder nach Grund und Höhe angemessen sind, sowie geförderte Altersvorsorgebeiträge nach § 82 des Einkommensteuergesetzes, soweit sie den Mindesteigenbeitrag nach § 86 des Einkommensteuergesetzes nicht überschreiten und
- die mit der Erzielung des Einkommens verbundenen notwendigen Ausgaben, also Werbungskosten
Dann werden von dem so ermittelten Einkommen die Kosten der Unterkunft und der Freibetrag abgezogen.
Einkommen, das über der Einkommensgrenze liegt, wird nur insoweit berücksichtigt. Wenn die Einkommensgrenze z.B. um 400,- € überschritten würde, müssten Sie diese 400,- € für die Beerdigungskosten einsetzen. Den Rest müsste das Sozialamt tragen.
Da Sie über all die Jahre überprüft wurden, aber offenbar nicht leistungsfähig waren, also Ihrer Mutter keinen Unterhalt zahlen mussten, müssen Sie nicht mit Rückforderungsansprüchen rechnen. Denn Sie waren mangels Leistungsfähigkeit schon gar nicht unterhaltspflichtig.
Lediglich wenn noch Nachlass vorhanden wäre, wären die Kinder als Erben verpflichtet, die Kosten der Unterbringung aus dem Nachlass zu erstatten. Diese Erbenhaftung ergibt sich aus § 102 SGB XII. § 102 Abs. 2 SGB XII bestimmt aber ausdrücklich, dass die Ersatzpflicht des Erben zu den Nachlassverbindlichkeiten gehört und der Erbe nur mit dem Wert des im Zeitpunkt des Erbfalles vorhandenen Nachlasses haftet. Nach Ihren Angaben beträgt der Nachlass aber 0,- €. Die Erbenhaftung nach § 102 SGB XII greift daher in Ihrem Fall nicht.
Dies ist nach dem Ausgeführten nicht zu befürchten. Für die Übernahme der Bestattungskosten kommt es auf die jetzige Bedürftigkeit an. Die Unterbringungskosten sind nicht zu erstatten, da der Nachlass 0,- € beträgt und die Erbenhaftung nicht greift.
Sie sollten daher den Antrag nach § 74 SGB XII bei dem zuständigen Sozialamt stellen. Sollten Sie dennoch Probleme bekommen, bin ich gern bereit, Sie in dieser Angelegenheit weiter zu unterstützen. Wenden Sie sich bei Bedarf über meine Kontakdaten an mich.
Bewertung des Fragestellers 27.06.2013 | 10:04
"Die gestellten Fragen haben mich wochenlang geplagt und mich viel Zeit gekostet. Hätte ich mal früher hier gepostet. Ich kann sowohl die Plattform als auch speziell die Anwältin wärmstens weiterempfehlen."

References: § 74
 § 74
 § 82
 § 82
 § 85
 § 85
 § 90
 § 90
 § 90
 § 82
 § 86
 § 102
 § 102
 § 102
 § 74