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Timestamp: 2020-08-07 19:19:41+00:00

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Cybermobbingerfahrungen österreichischer Jugendlicher und ihre - GRIN
von Christian Mayer (Autor)
Masterarbeit 2013 112 Seiten
2. Hypothese und Forschungsfrage
5. Cybermobbing - Definition
6. Rechtlicher Tatbestand
7. Die Umfrage an der HAK, HAS und HLW Landeck 2012
7.1. Soziodemographische Daten
7.1.1. Geschlecht
7.1.2. Alter
7.1.3. Schulform
7.2. Die Internetnutzung nach Zeit und sozialen Netzwerken
7.2.1. Zeitaufwand gesamt
7.2.2. Hauptverwendungszweck
7.2.3. Was sind die beliebtesten Social Communities?
7.2.3.1. Zeitaufwand für Social Communities
7.3. Schülerinnen und Schüler als Opfer von Cybermobbing
7.3.1 Ich habe mitbekommen, wie Freunde von mir beschimpft wurden
7.3.2 Jemand hat Bilder von mir reingestellt, die nicht echt waren
7.3.3. Ich wurde blöd angemacht
7.3.4 Unwahrheiten wurden über mich verbreitet
7.3.5 Mein Profil wurde gehackt und Daten wurden missbraucht
7.3.6 Fotos und Videos, auf denen ich schlecht dargestellt bin, wurden ins Netz gestellt
7.4 Problemlösungsstrategien
7.4.1 Alleine regeln
7.4.2 Den „Täter“ dem Anbieter melden
7.4.3 „Mit denselben Waffen“ zurückschlagen
7.4.4 Persönlich zur Rede zu stellen
7.4.5 Ich wandte mich an meine Eltern
7.5 SchülerInnen wenden sich bei Cybermobbing an Unterrichtende
7.6 Selbsteinschätzung der Userinnen und User
7.6.1 Problematische Fotos oder Videos über sich selbst ins Netz gestellt
7.6.2 Sicherheitseinstellungen
7.6.4 Fotos verwenden, auf denen andere Personen zu sehen sind
8. Medienkompetenz und Schule
8.1 Der Medienerlass
8.2 Medienkompetenzen
9. Hilfestellungen und Information
9.1 Allgemein - EU
9.2 Saferinternet.at
9.3 „Die Weiße Feder“
9.4 Der Tiroler Bildungsserver des Landes Tirol
10. Schulinitiativen
10.1. Schulinitiative HAK Landeck
Der Computer ist aus unserem Leben und aus der Lebenswelt von Jugendlichen und auch Kindern nicht mehr wegzudenken. Das Internet, die technischen Neuerungen im Softwarebereich bei Laptops, PCs und Handys ergeben immer mehr Möglichkeiten. Das Internet hat unser Leben verändert und junge Menschen werden mit diesem Medium bereits als Kleinkinder konfrontiert. Ein Leben ohne Internet und dessen Nutzungsmöglichkeiten erscheint mittlerweile unmöglich. Die JIM Studie (Jugend, Information und Medien), die jährlich vom medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest Baden-Württemberg erstellt wird, stellt für 2012 fest, dass in allen befragten Haushalten zumindest ein PC oder ein Laptop vorhanden ist. Befragt wurden ca. 7 Mio. Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren.[1]
Social Communities sind ein wesentlicher Teil davon. Sie sind eine zentrale Möglichkeit, in Verbindung mit Gleichaltrigen zu treten. Sie bieten durch die technischen Möglichkeiten viele Arten des Austausches, sie sind jederzeit und fast überall einsehbar und einsetzbar. Das Kommunizieren, Bilder, Filme und Daten auszutauschen, ist sehr einfach geworden, sodass es fast keine Barriere gibt, um diese Communities und ihre riesig großen Austauschmöglichkeiten nicht nutzen zu wollen. In diesen Gemeinschaften kann sich ein junger Mensch selbst darstellen. Es werden ihm die Plattformen geliefert sich sein Profil zu erstellen. Mit Profil ist nicht gemeint nur „ein Foto“ von sich ins Netz zu stellen, sondern es geht um eine „Eigenpräsentation“. Ohne diese Präsentation der eigenen Identität in der Online-Welt, die nicht unbedingt der realen entsprechen muss, besteht die Gefahr nicht gesehen und beachtet zu werden. Ein wesentlicher Teil der Lebenswelt von Jugendlichen hat sich in die „Online-Welt“ verschoben.
Diese ist bunt und schillernd und unendlich vielfältig mit einem riesigen Potenzial der Selbstinszenierung. Und gleichzeitig ist diese Welt bedrohlich, weil Jugendliche bei Nichtbeachtung von einigen Spielregeln schnell ausgegrenzt werden oder selber zu Tätern werden können, ohne dass es ihnen bewusst sein muss. Jedenfalls können sich Jugendliche und Kinder fast nicht mehr diesen Medien entziehen. Sie müssen lernen in der „Online-Welt“ zu bestehen und sich dort ihren Platz zu erobern. Das Leben in der „Offline-Welt“ ist dadurch komplexer geworden.
Gewalt und Gewalterfahrungen sind aus dem Leben und Alltag von Jugendlichen nicht wegzudenken. Auch wenn äußerlich wenig darauf hindeutet, dass es Konflikte gibt, sind
junge Menschen in ihrem Alltag immer wieder mit Formen von Gewalt, insbesondere auch in der Cyberwelt, konfrontiert.
In dieser Arbeit wird dem Phänomen des Cybermobbings nachgegangen. Dabei handelt es sich um eine Möglichkeit durch mehrere Anwendungsmöglichkeiten des Web 2.0 User des Internets zu drangsalieren.
Mobbing kann über Video-Plattformen oder Weblogs oder durch Social Communities ausgeübt werden. Cybermobbing umschließt alle diese Formen.
In der vorliegenden Arbeit liegt der Focus auf Cybermobbing in sozialen Netzwerken. Das geschieht durch alle möglichen Formen von Beschimpfungen, Bloßstellungen und Diffamierungen. Jugendliche können in Chatrooms verspottet werden, es können ganz offen Unwahrheiten verbreitet und falsche Behauptungen aufgestellt werden.
Neu an dieser Form von Mobbing ist, dass es sich auf einer speziellen Ebene abspielt, in die Erwachsene oft keinen Einblick haben. Während früher die Drangsalierungen in der Schule, am Schulhof im Schulbus mit dem Nachhausekommen ein Ende fanden, ist Cybermobbing ein „Rund-um-die-Uhr“-Phänomen. Mobbing endet eben nicht an der Haustür oder an der Kinderzimmertür, sondern ist immer und zu jeder Uhrzeit vorhanden. Das Internet ist immer und fast überall zugänglich. Die Erfahrungen eines solcherart gemobbten Kindes oder Jugendlichen sind, dass ein Entkommen nicht möglich ist. Ein Laptop oder ein Handy mit Internetzugang verschafft denjenigen, die ein Opfer im Visier haben, jederzeit die Möglichkeit Gemeinheiten zu verbreiten. Es gibt in der Online-Welt kein Entkommen und Jugendliche leben in dieser Welt.
In der Studie an der Handelsakademie, Handelsschule und Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Landeck/Tirol zur Thematik Cybermobbing werden einige Facetten und Auswirkungen dieses ernsten Themas beleuchtet. Im Mittelpunkt der Problemlösungsstrategien stehen die Untersuchungen darüber, inwiefern sich die befragten Jugendlichen bei Mobbingproblemen an LehrerInnen wenden. In einem weiteren Teil stehen allgemeine Hilfestellungen im Blickpunkt. Besonderes Augenmerk wird auf mögliche Fort- und Weiterbildungen von Unterrichtenden gerichtet. Als Beispiel für eine Eigeninitiative an der befragten Schule bezüglich Sensibilisierung für das Thema Mobbing im Internet wird ein Cybermobbing-Workshop vorgestellt.
Inwieweit Erwachsene zum Teil hilflos diesen Mobbing-Tatsachen gegenüberstehen, wird auch Teil dieser Arbeit sein. Kinder und Jugendliche reagieren verblüffend ähnlich auf das Phänomen Cybermobbing. Während es natürlich logisch ist bei Problemen die Eltern um Hilfe zu fragen, scheint es, als ob hier die Problemlösung nur bei sich selber gesucht wird. In die virtuelle Welt werden Erwachsene nicht einbezogen. Alles was hier erlebt wird, sei es positiv oder negativ, bleibt ein Taburaum.
Dabei wäre es nachvollziehbar, dass sich betroffene Kinder und Jugendliche an ihre Lehrpersonen wenden. Cybermobbing geschieht rund um die Uhr. Also auch in der Schule, im EDV Raum, in der Bibliothek bei der Arbeit am PC, am eigenen Laptop und natürlich am Handy. Lehrpersonen sind kompetente Ansprechpartner für viele Probleme. Da die technischen Errungenschaften von Computern und die Möglichkeiten des Internets Teil der Schule und des Unterrichts sind, muss besonders die Medienkompetenz in der Schule gefördert werden. Daher ist das richtige Verhalten bei Cybermobbingattacken eine Grundvoraussetzung für das Agieren in der Online-Welt.
Und trotzdem wenden sich betroffene Schülerinnen und Schüler bislang nicht an ihre Lehrer. Auch hier gilt, dass Cybermobbing von ihnen allein und individuell zu lösen versucht wird. Die Schule, die Lehrer geht das nichts an.
Der Umgang mit Computern, mit dem Internet und mit allen Neuerungen auf diesem Sektor, gehört für Jugendliche und für Schulen und Eltern selbstverständlich zum Leben. Die Verantwortung damit und der Umgang mit diesen Medien und Möglichkeiten werden vernachlässigt oder gar nicht thematisiert. Cybermobbing und die Gewalt, die darin vorkommt, sind ein sehr ernst zu nehmendes Thema. Die Welt der Erwachsenen muss sich mit der Cyberwelt der Jugendlichen vernetzen, um den Problemen, mit denen junge Menschen nicht klarkommen, entgegen treten zu können.
Nayla Fawzi meint dazu in ihrem Buch Cyber-Mobbing, Ursachen und Auswirkungen von Mobbing im Internet: „Manchem mag Cyber-Mobbing nur als ein Modewort für einen herkömmlichen Sachverhalt erscheinen. (…) Was vorher im privaten Bereich, auf dem Schulhof oder dem Nachhauseweg stattfand, steht jetzt im Netz: für alle sichtbar und meist nicht rückholbar. Das Wissen darum ist für viele Betroffene meist schlimmer als das Mobbing selbst.“[2]
In der vorliegenden Masterthesis geht es um das Thema Cybermobbing und um die daraus folgenden Konsequenzen für Schule, Lehrende und Unterricht.
Cybermobbing ist deshalb für Schule und Unterricht ein relevanter Forschungsgegenstand, weil diese Form von Mobbing nicht nur auf bestimmte Zeiten beschränkt ist, sondern rund um die Uhr ausgeübt wird. Das Opfer und der Täter sind durch die neuen Technologien immer online und somit bekommt diese Form von Ausgrenzung und Gewalt eine neue Dimension. Das heißt, dass sich Schule nicht davor verschließen kann. Mobbing beschränkt sich nicht nur auf den privaten Raum von Jugendlichen. Die Opfer werden auch in der Schule und im Unterricht gemobbt. Den Lehrerinnen und Lehrern müssen Werkzeuge in die Hand gegeben werden, um mit diesem Phänomen umgehen zu können. Die Schulgesetze und die Lehrpläne müssen auf diese Tatsachen eingehen und entsprechend adaptiert werden.
In dieser Arbeit werden schon jetzt bestehende Ansätze zu Hilfestellungen vorgestellt. Diese finden in Form von internen Lehrerfortbildungen an Schulen statt oder durch lokale Weiterbildungsmöglichkeiten, wie durch den Verein des Tiroler Bildungswesens. Des Weiteren wird auf die momentane gesetzliche Lage im österreichischen Schulwesen, wie z.B. das Schulunterrichtsgesetz oder den neuesten Medienerlass von 2012 eingegangen.
Außerdem wird die Brisanz und die Relevanz von verschiedenen Formen von Cybermobbing, die Schülerinnen und Schüler in ihrem Alltag erleben, herausgearbeitet. In dieser Arbeit werden Lösungsstrategien aufgezeigt, deren sich die Jugendlichen bedienen. Dabei wird auf ihr mangelhaftes Wissen eingegangen, wie sie sich gesetzeskonform schützen könnten.
1) Welche Formen von Cybermobbing erleben Schülerinnen und Schüler von Mittleren und Höheren Schulen im Alter von 13 bis 19 Jahren?
2) Wie schützen sich betroffene Jugendliche vor Cybermobbing und an wen wenden sie sich um Hilfe?
3) Welche Kompetenzen müssen Schülerinnen und Schüler erwerben, um sich vor Cybermobbing richtig und gesetzeskonform schützen zu können?
4) Ist die Institution Schule auf Mobbing durch moderne Informationstechnologien in sozialen Netzwerken vorbereitet?
Schülerinnen und Schüler von mittleren und höheren Schulen, die entweder als Opfer oder als Täter mit Cybermobbing in Kontakt gekommen sind, sind mit ihren Problemen bislang weitgehend auf sich allein gestellt. Hilfestellungen von Lehrerinnen und Lehrern werden selten bis überhaupt nicht in Anspruch genommen, weil der Institution Schule in dieser Frage zu wenig Kompetenz zugetraut wird. Bereits geschaffene Hilfeleistungen sind den Schülerinnen und Schüler zu wenig bekannt. Auf die moderne Ausübung von Gewalt in Form von Cybermobbing wird im österreichischen Schulunterrichtsgesetz und im Medienerlass nicht eingegangen.
Meine Motivation für eine Befassung mit diesen Fragestellungen – mit der daraus folgenden Hypothese, dass Schule trotz vermehrtem Einsatz von neuen Technologien im Unterricht derzeit noch nicht mit der Thematik Cybermobbing umgehen kann – liegt für mich in meiner Unterrichtstätigkeit. Ich musste als Lehrer und Klassenvorstand feststellen, wie Schülerinnen und Schüler immer öfter Mobbingopfer in sozialen Netzwerken geworden sind und welche Auswirkungen das für die Schule hatte. Gleichfalls konnte ich beobachten, dass es sehr lange dauerte, bis sich die Betroffenen an LehrerInnen um Hilfe wandten.
Die gesellschaftliche Relevanz ist bei diesem Thema sehr groß. Wie Studien der Europäischen Union, z.B. Kids-Online (hier wurden 23.000 Kinder und Jugendliche aus ganz Europa befragt) oder Studien aus Deutschland wie die alljährliche JIM-Studie (Jugend, Information und Medien) des medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest Baden-Württemberg (hier wurden ca. sieben Millionen Jugendliche interviewt) für das Jahr 2011 feststellen, gibt es in allen befragten Haushalten zumindest einen PC, Laptop oder ein internetfähiges Handy. Diese technischen Ausstattungen sind die Grundlage, um in sozialen Netzwerken von zuhause aus aktiv sein und somit auch Mobbingopfer oder Mobbingtäter in der Cyberworld von Jugendlichen sein zu können.
Forschungslücken sehe ich in dem Bereich Schule. Cybermobbing wird zu sehr im privaten Raum von Schülerinnen und Schülern verortet, ohne dabei die Relevanz für die Schule zu sehen. Es gibt noch zu wenige Studien in Österreich, die es sich zur Forschungsaufgabe gemacht haben Cybermobbing bei Jugendlichen und dessen Bedeutung für Schule und Lehrerfortbildung zu erforschen.
1) Auswertung der Ergebnisse des Onlinefragebogens über Cybermobbing in sozialen Netzwerken. Durchgeführt wurde die vorliegende Befragung an der Handelsakademie, Handelsschule und Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe Landeck/Tirol vom Jänner bis Februar 2012. In diesem Fragebogen wurden 464 SchülerInnen befragt und 457 Fragebögen wurden vollständig ausgefüllt und abgeschickt. Bei der Auswertung wird der Fokus darauf liegen, inwiefern gemobbte Schülerinnen und Schüler sich Hilfe bei Lehrerinnen und Lehrer suchen.
2) Recherche im österreichischen Schulunterrichtsgesetz bezüglich der Thematik von Mobbing durch neue Medien, besonders bei der Problematik von Cybermobbing und der Möglichkeiten für Unterrichtende, sich mit dieser Thematik in Form von Lehrerfortbildungen auseinander zu setzen, um sie in den eigenen Unterricht als Unterrichtsprinzip einbauen zu können.
Ziel dieser Master-Thesis ist es nachzuweisen, dass das österreichische Schulsystem auf die Gefahren der neuen Technologien, den richtigen Einsatz und die Nachteile von sozialen Netzwerken und deren Einsatz im Unterricht noch nicht ausreichend vorbereitet ist. Es wird mir aber hoffentlich gelingen zu zeigen, dass es bereits sehr gute, von Lehrern in Eigeninitiative entwickelte Methoden und Formen gibt, die die Problematik aufzeigen und versuchen, mit den Jugendlichen daran zu arbeiten und sie dafür zu sensibilisieren, mit Gefahren in sozialen Netzwerken besser umgehen zu können. Ein weiteres Ziel wird sein, dass ich empirisch belegen kann, dass sich Jugendliche bei Problemen in sozialen Netzwerken, also bei Cybermobbing, bislang nicht an die Institution Schule und Lehrer wenden.
Insgesamt ergibt sich die Forderung, das Unterrichtsprinzip Medienerziehung neu zu überdenken und von Seiten der Schule nicht nur auf die Nutzung neuer Technologien einzugehen, sondern auch die Gefahren durch die vielen neuen Möglichkeiten im social-media-Bereich wahrzunehmen und durch gut informierte und ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer den Schülerinnen und Schülern, die zu Cybermobbingopfer geworden sind, professionelle Hilfestellungen zu geben.
Eine sehr besorgte Mutter ruft in der Schule an und schildert dem Klassenvorstand, wie ihr fünfzehnjähriger Sohn in der 1. Klasse einer BHS gemobbt wird. Die Mutter und ihr Sohn werden zur Sprechstunde am nächsten Vormittag eingeladen. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass sich das Gemobbtwerden des Opfers ausschließlich im Internet und hier vor allem auf der sozialen Netzwerkplattform Facebook darstellt.[3] Alle 24 KlassenkollegInnen sind auf Facebook präsent und haben dort einen Account. Alle wissen Bescheid und sind über alle Einträge informiert. Die Täter sind zahlreich, aber es kristallisieren sich drei Haupttäter heraus. Einer hat vom Opfer Fotos in der Umkleidekabine vor dem Turnunterricht gemacht, als dieses sich gerade umgezogen hat. Diese Fotos wurden auf Facebook gestellt. Ein anderer Klassenkamerad hat ein Video erstellt, das in der großen Pause im Klassenzimmer spielt. Darauf war zu sehen, wie der Mitschüler von Einzelnen gehänselt wurde und er zu schreien begann. Ebenso war auch dieses Video auf Facebook zu sehen. Auch eine Mitschülerin war als Täterin auszumachen. Sie gründete eine eigene Facebookgruppe mit dem Namen des Opfers. Darauf konnten alle MitschülerInnen Beiträge eintragen und waren ständig darüber informiert, was es Neues über das Mobbingopfer zu berichten gab.
Der Schutz des Opfers.
Im ersten Gespräch wurden die primären Schritte abgeklärt, um das Opfer so schnell wie möglich zu schützen. Das Wichtigste dabei war der sofortige Stopp des Cybermobbings. In diesem konkreten Fall waren die Eltern sehr aktiv. Die Fotos, das Video und die Facebookgruppe wurden schließlich entfernt, da die Eltern die Mitschüler ihres Sohnes und auch deren Eltern kannten. Der Klassenvorstand wusste bereits Bescheid und hatte schon ein Gespräch mit seiner Klasse und den Haupttätern geführt. Die Direktion und die Klassenlehrer wurden zum Teil über die Eltern und über den Klassenvorstand in einer schnell einberufenen Klassenkonferenz informiert. Ebenso wurden die Eltern der Haupttäter kontaktiert und zu einem Gespräch in die Schule eingeladen.
Vom Täter zum Helfer für andere
Der Anführer der Tätergruppe hatte seinerseits auch schon eine Mobbingerfahrung hinter sich. Er war als Einzelgänger in der Hauptschule den Gemeinheiten seiner Klasse ausgeliefert gewesen. Mit dem Wechsel in die höhere Schule mit komplett neuen Klassenkameraden kam er in eine andere Position und wurde nach den ersten Schulwochen sehr bald zum Meinungsbildner in seiner Klasse. Ein (neuer) Außenseiter wurde bald gefunden und er konnte nun zusehen, wie sich seine Geschichte mit Hilfe der Plattform Facebook an dem neuen Opfer wiederholte. Nach seinem Outing als früheres Mobbingopfer erzählte er seine Mobbingerlebnisse und versprach, von nun an sein Cybermobbing-Opfer in Ruhe zu lassen. Durch weitere Gespräche mit dem Klassenvorstand war es ihm möglich, seine dominante Rolle als Gruppenführer zu behaupten und sie nunmehr positiv für das Klassenklima einzusetzen.
Schule soll Jugendliche herausfordern und ermutigen, das Bestmögliche zu leisten. Schule soll dafür den nötigen Rahmen schaffen, dass das gelingt. Deswegen muss Schule auch eingreifen, wo Schülerinnen und Schüler Gefährdungen ausgesetzt sind. Einerseits war allen Beteiligten klar, dass die Institution Schule, vertreten durch den Klassenvorstand, den Direktor und eingeweihte Lehrer, das Opfer sofort zu schützen hatten und die Mobbingattacken einzustellen waren. Andererseits gab es vielfach ein großes Erstaunen darüber, dass es so etwas überhaupt an der Schule gab und noch dazu, dass das Mobbinggeschehen in der Klasse längere Zeit unentdeckt blieb. Die größte Verwunderung rief aber die Tatsche hervor, dass es sich hier um einen Fall von Cybermobbing handelte. Die Angriffe, Diffamierungen und das Bloßstellen des Opfers hatten schon sehr weite Kreise gezogen. In der Parallelwelt des Cyberspace war das schon lange bekannt. In der Erwachsenenwelt der Schule lief hingegen alles seinen gewohnten Gang, weil sich die betroffenen Jugendlichen weder an ihre Lehrer noch an den Klassenvorstand gewandt hatten. In der Onlinewelt wollte man die Schule als Institution draußen halten.
Social Communities oder Social Networks sind Gemeinschaften und somit Netzwerke, die es Internetusern ermöglichen, miteinander in Kontakt zu treten und diese Verbindungen auf Dauer auszubauen und zu intensivieren. Diese Netzwerke werden vom Web 2.0 technisch unterstützt. Bei sozialen Netzwerken können die User „ein eigenes Profil anlegen und dort Informationen über sich selbst wie Hobbys, Interessen, Beruf, Wohnort usw. preisgeben. Unter den Mitgliedern können Freundschaften geschlossen, Nachrichten verschickt, Einträge an die Pinwand geschrieben und gemeinsam über verschieden Themen diskutiert werden.“ [4]
Mit dem Web 2.0 (ein Ausdruck aus der Softwareindustrie und Softwaresprache) sind einige Veränderungen in der Nutzung des Internets und von Personalcomputern, Handys und Laptops vorgenommen worden. Dabei geht es nicht nur um technische und ökonomische Veränderungen, sondern vor allem um eine neue Sicht der Anwender von Inhalten im Internet.
„Diese Entwicklung führt dazu, dass sich die vormals deutlich getrennten Rollen zwischen Produzenten und Rezipienten, zwischen Anbietern und Nutzern medialer Inhalte nicht mehr deutlich trennen lassen, weil „the people formerly known as the audience“ (Rosen 2006) selbst aktiv werden können. Bruns (2008) hat hierfür den Begriff „produsage“ geprägt, um das Zusammenwachsen von „production“ und „usage“ zu beschreiben.“[5]
Um nun Inhalte für ein soziales Netzwerk zugänglich zu machen, benötigt der User eine Plattform, die eine Infrastruktur aufweist, durch die Kommunikation und Interaktion mit andern Usern überhaupt erst möglichwerden. Meistens genügt eine Anmeldung und Registrierung, um Teil einer Kommunikationsplattform bzw. Teil eines social networks zu werden.
Soziale Netzwerke sind nicht nur auf Jugendliche ausgerichtet. Es gibt Netzwerke für eigene Berufsgruppen, um sich in Chats und Foren austauschen zu können. Speziell für SchülerInnen und StudentInnen sind Schüler VZ und Studi VZ eingerichtet. Sehr breit ausgelegt sind die Netzwerke Facebook und MySpace. Es gibt auch soziale Netzwerke, die auf kulturelle und religiöse Eigenheiten Rücksicht nehmen. So versuchen sich Network Communties von der Türkei ausgehend im muslimischen Raum zu etablieren. Ein Beispiel dafür ist Salamworld.com. Neu auf dem Markt der Social Communities ist Google+, ein Unternehmen von Google Inc. Der Konzern Google versucht mit Google+ auch in diesem Bereich Fuß zu fassen und versucht vor allem mit Facebook in Konkurrenz zu treten.
Google+ startete im Juni 2011 und ist ein noch sehr junges Netzwerk, das aber inzwischen nach eigenen Angaben 40 Millionen Benutzer hat. Seit dem 30. Jänner 2012 erlaubt Google+ auch Minderjährigen die Teilnahme. Davor war nur Erwachsenen der Zutritt möglich.
Die größte social community ist nach wie vor Facebook. Neben der Beliebtheit von Facebook wuchs in den letzten Jahren auch zunehmend die Kritik. Einer von vielen Kritikpunkten lautet, dass alles, was auf Facebook gespeichert wurde, über den Tod des Users hinaus erhalten bleibt. 40.000 Großserver weltweit sorgen dafür, dass die Speicherung möglich ist. Facebook ist ein Riesengeschäft. 2011 gab es einen Gewinn von einer Milliarde Dollar.[6]
Der Unterschied zum Konzern Google besteht darin, dass „ Facebook dagegen noch mehr weiß und noch sehr viel mehr über seine Nutzer – und das in Echtzeit. Dort kennt man unsere Namen, unser Alter, unsere Interessen, Bedürfnisse Vorlieben und Abneigungen noch sehr viel besser, sodass der Konzern Werbung weit genauer platzieren kann. Für die Werbeindustrie bedeutet dies langfristig den Abschied von der Belästigung durch unerwünschte Werbung, denn Facebook bindet die Konsumenten ein. Der „Gefällt mir“- oder „Like“- Button hat inzwischen 350000 Websites erobert. Wenn ich beispielsweise bei einem Musikvideo auf „Gefällt mir“ klicke, sind alle meine Facebook-Freunde sofort über meinen musikalischen Geschmack informiert.“[7]
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass der User in Facebook aktiv bleiben muss. Wer sein Profil nicht ständig updatet und in Kontakt mit anderen bleibt, ist ein „Unfriend“[8] Sollte der Ruf in Facebook einmal ruiniert sein, kann man ihn gegen einigen finanziellen Aufwand wiederherstellen lassen. Auch das hat sich inzwischen als ein lukrativer Geschäftszweig etabliert.
Anfang Mai 2012 ging Facebook an die Börse. Das Unternehmen, das vor 8 Jahren gegründet worden ist, wird auf einen Marktwert von 100 Milliarden Dollar geschätzt. Laut den Börseunterlagen zählt die Plattform bereits 845 Millionen User. Davon loggen sich täglich 425 Millionen Menschen ein. In Österreich sind es 2,7 Millionen Teilnehmer. Der Börsengang erwies sich allerdings als Flopp.[9]
Die Probleme bei social communities zeigen sich bei Jugendlichen im sorglosen Umgang mit persönlichen Daten und Daten von anderen.
Die alljährliche Umfrage des Medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest, die in der JIM-Studie 2011 (Jugend Information, (Multi-) Media. Basisuntersuchungen zum Medienumgang 12- bis 19-jähriger Jugendlicher) für 2011 veröffentlicht worden sind, zeigen, dass sich das Sicherheitsbewusstsein der jugendlichen User nicht sehr stark verbessert hat. So geben noch bis zu 37 Prozent der Befragten an, dass sie die eigene Emailadresse angeben und bis zu 4 Prozent geben noch immer ihre eigene Handynummer an. Bis zu 83 Prozent informieren über eigene Hobbies und andere Tätigkeiten. Bis über 50 Prozent stellen Fotos und Videos von sich und ihrer Familie auf die Community Plattformen. Diese Studie berücksichtigt auch das Anbahnen von sexuellen Kontakten zwischen Minderjährigen und Erwachsenen, das sogenannte „Grooming“. Seit dem ersten Jänner 2012 wird das „Cyber-Grooming“ in Österreich allerdings unter Strafe gestellt.[10]
Kommunikation lebt aber vom Austausch von Informationen. Eine Social Community ist wertlos, wenn nicht Daten ausgetauscht werden dürfen: „Die Veröffentlichung ist kein Nebeneffekt von social networks. Diese Plattformen leben vom Mitteilungsbedürfnis der User und sind genau aus diesem Zweck geschaffen worden“.[11]
Abb. 1 Persönliche Daten im Internet nach der JIM Studie 2011
Der Begriff Mobbing ist schon länger ein Terminus in der Fachsprache und bezieht sich auf Übergriffe an Kindern und Jugendlichen. Seine ursprüngliche englische Bedeutung meint Anpöbeln. Im englischsprachigen Raum wird jedoch der Begriff „Bullying“ für diese Form von Bedrohung und Belästigung verwendet: „Bullying definiert OLWEUS (1993: 9) als negative Handlungen, die wiederholt und über einen längeren Zeitraum von einer oder mehreren Personen gegen eine Person ausgeführt werden.“[12]
Bullying wird im Englischen auch für beleidigende Aktionen im Internet verwendet. Somit setzte sich dort der Begriff „Cyber-Bulling“ durch. Im deutschsprachigen Raum wird neben diesem Begriff und denselben Vorgang auch „Cyber-Mobbing“ verwendet. Diese spezielle Form von Mobbing, auch als Cyber–Stalking bezeichnet, ist geschichtlich relativ neu und geht mit der Nutzung des Web 2.0 einher. Erst die Interaktivität in sozialen Netzwerken macht Cybermobbing möglich. Die Möglichkeiten, die sich durch die sozialen Netzwerke wie Netlog, MySpace, Facebook, StudiVZ, SchülerVZ und Google+ ergeben, sind vielfältig. Ebenso werden Videoplattformen wie Flickr oder YouTube missbraucht, um auf andere Menschen loszugehen und ihnen Schaden zuzufügen.
„Musste der Täter beim klassischen Bullying noch direkt seinem Opfer gegenübertreten oder doch zumindest in der wirklichen Welt gegen sein Opfer agieren, so spielt sich Cyber-Bulling in der digitalen Welt ab – mit weni- gen Mausklicks ist die Attacke erledigt. […] Eine einmal in einem SN ( = soziales Netzwerk Anm. des Verfas- sers) gegründete Gruppe wird zum Selbstläufer, ein Video bei YouTube wird ohne weiteres Zutun des Bullys von dritten verbreitet, eine E-Mail, einmal weitergeleitet, kursiert plötzlich unaufhörlich im Netz.[13]
Cybermobbing geschieht rund um die Uhr. Während früher Belästigungen und Demütigungen durch MitschülerInnen auf die Schule, die Pausen, den Schulhof und vielleicht noch auf den Nachhauseweg beschränkt waren, hört heute diese Art von Mobbing nicht mehr auf. Sie erfolgt rund um die Uhr. Die kommunikativen, gestalterischen und neuen produktiven Möglichkeiten in Online–Welten bieten eine Erweiterung des medialen Agierens von Jugendlichen. Ein wesentliches Merkmal dieser neuen Arten des Beleidigens (Flaming), Bedrohens (Cyberthreats) und des Bloßstellens (Outing, Trickery) ist, dass es über einen längeren Zeitraum geschieht. Dies hängt damit zusammen, dass es fast nicht möglich ist, den oder die Täter, wenn sie nicht allzu ungeschickt agieren, zu fassen. Die Möglichkeiten des Internets sind sehr vielfältig. Es genügt z.B. sich ein „Fake-Profil“, also ein unechtes Benutzerprofil, in einem social network einzurichten (= Impersonation), um dann anonym weitere Bullyingattacken zu setzen. Dieses Wissen um die vermeintliche Anonymität erlaubt es den Tätern, brutal und ohne Hemmung vorzugehen. Die Hemmschwelle für das eigene Handeln fällt. Interessant ist dabei die Doppelrolle, die Täter einnehmen können. Das Opfer und derjenige, der die Attacken in der Online-Welt setzt, kennen sich sehr oft und können in dieselbe Schule gehen oder auch die gleiche Klasse besuchen. In der Offline-Welt fällt dem Außenstehenden nichts auf. Sobald aber mit Smartphones oder Laptops die Online-Welt betreten wird, sind die Rollen von Opfer und Cyberbully wieder offensichtlich. Bedenklich ist auch der Mitmacheffekt. Es ist sehr einfach und technisch unkompliziert, als User sein Gefallen an den Cybermobbingattacken auszudrücken. Die Mitläufer bilden das Internetpublikum, das die Bühne für Cybermobbing bildet.
Da das Internet immer zugänglich ist, können soziale Netzwerkplattformen mit beleidigenden Fotos oder Kommentaren jederzeit beliefert werden. Und ebenso kann jeder User diese Dinge sehen und kommentieren.
Cybermobbing macht natürlich nicht bei SchülerInnen halt. Ebenso können Lehrpersonen davon betroffen sein, wie es Sylvia Schneider in ihrem Buch „Gewalt. Nicht an unserer Schule, Neue Strategien zur Konfliktvermeidung und Konfliktlösung“ beschreibt.[14] Es kann vorkommen, dass Schüler Lehrpersonen im Unterricht filmen und das Gefilmte bearbeiten und ins Netz stellen, um sie bloßzustellen. Hier gelten freilich klare rechtliche Richtlinien, wie das Recht am eigenen Bild. Für Lehrerinnen und Lehrer ist es wichtig, sich in diesem Bereich auszukennen und sofort geeignete Schritte zu unternehmen. Nayla Fawzi meint dazu in ihrem Buch „Cybermobbing, Ursachen und Auswirkungen von Mobbing im Internet: „Vor allem bei Mobbing von Lehrern durch Schüler wird deutlich, dass diese Ansicht zutreffen kann. Kowalski et al. (2008, 62) sprechen von einem Kräfteungleichgewicht, halten jedoch fest, dass es sich in der virtuellen Welt um eine andere Macht als in der realen Welt handelt. Sie liege in der Möglichkeit anonym zu handeln, eine andere Identität anzunehmen, die Möglichkeit zu haben über andere Gerüchte und Lügen zu verbreiten oder jemand unabhängig von Zeit und Ort zu schikanieren. Hinduja und Patchin (2007, 91) vermuten eine Machtposition durch technische Fertigkeiten.[15]
Cybermobbing ist als Gesamtphänomen schwer zu beschreiben, da die Facetten der Bullyingattacken, der technischen Möglichkeiten und der Vielschichtigkeit der Rollen von Täter und Opfer sehr individuell sind. Das Gesetz hinkt mit seinen Möglichkeiten hinterher. Und die Erwachsenen, insbesondere die Lehrkräfte an den Schulen, müssen sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass Mobbing eine neue, weitergefasste Komplexität erreicht hat. Weiterbildung und Aufklärung sind auf diesem Gebiet unabdingbar. Die wesentliche Motivation muss die Erkenntnis sein, dass ein Opfer nicht hilflos zu sein braucht und dass es bei negativem Medienhandeln von Jugendlichen im Web 2.0. letztlich doch ausreichende Schutzmöglichkeiten für die Opfer gibt.
Cybermobbing ist zwar kein eigener juridischer Tatbestand. Trotzdem können Opfer rechtlichen Beistand in Anspruch nehmen. Bei dieser Art von Mobbing gibt es verschiedene Delikte, die je nach Fall verschieden gewichtet sein können.
Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang das Anti-Stalking-Gesetz (Beharrliche Verfolgung: § 107a StGB) vom 1.7.2006: „§107a. (1) Wer eine Person widerrechtlich beharrlich verfolgt (Abs.2), ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zu bestrafen. (2) Beharrlich verfolgt eine Person, wer in einer Weise, die geeignet ist, sie in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen, eine längere Zeit hindurch fortgesetzt 1. ihre räumliche Nähe aufsucht, 2. im Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines sonstigen Kommunikationsmittels oder über Dritte Kontakt zu ihr herstellt, 3. unter Verwendung ihrer personenbezogenen Daten Waren oder Dienstleistungen für sie bestellt oder 4.unter Verwendung ihrer personenbezogenen Daten Dritte veranlasst, mit ihr Kontakt aufzunehmen. (3) In den Fällen des Abs. 2 Z 2 ist der Täter nur auf Antrag der beharrlich verfolgten Person zu verfolgen.“ [16]
Es ist also nicht erlaubt, eine Person über einen längeren Zeitraum zu verfolgen und zu belästigen. Unter Verfolgung ist damit nicht nur der Tatbestand in der „realen“ Welt gemeint, sondern auch in der „virtuellen“. Täter glauben oft in der Internet–Welt anonym zu sein und somit auch kein Rechtsempfinden haben zu müssen. Mit diesem Gesetz ist eine solche Meinung widerlegt.
Im Österreichischen Strafgesetzbuch gibt es auch die Begriffe „Üble Nachrede“ und „Beleidigung“ Damit ist gemeint, dass man jemandem ein unehrenhaftes Verhalten, das gegen die guten Sitten verstößt, vorwirft. Dies ist mit Freiheits- und Geldstrafen zu ahnden.[17] Ähnlich verhält es sich bei Beleidigung und bei Verleumdung oder Kreditschädigung.
Viele Punkte, die für Cybermobbing zutreffen, sind im Cyber-Strafrecht für Österreich geregelt. Nach der letzten Änderung vom 25.3.2009 lassen sich folgende Strafdelikte feststellen:
Widerrechtlicher Zugriff auf ein Computersystem §118, Verletzung des Telekommunikationsgeheimnisses §119, Missbräuchliches Abfangen von Telekommunikationsgeheimnissen §119a, Missbrauch von Tonaufnahme- oder Abhörgeräten §120, Datenbeschädigung §126a, Störung der Funktionsfähigkeit von Computersystemen §126b, Missbrauch von Zugangsdaten §126c.[18]
Der Paragraf 207a StGB behandelt die pornografische Darstellung Minderjähriger. Dieses Delikt liegt vor, wenn z.B. sexuelle Darstellungen oder „Oben–Ohne-Fotos“ vom Strand in das Netz gestellt werden, ohne dass der/die Betroffene davon weiß oder die Zustimmung gegeben hat.
Natürlich hat Cybermobbing auch mit dem Schutz der Privatsphäre eines Kindes zu tun:
„(1) Kein Kind darf willkürlichen oder rechtswidrigen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung oder seinen Schriftverkehr oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. (2) Das Kind hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.´ KRK, Art. 16“ [19]
Die Schutzbedürftigkeit der Kinder ist Hauptgegenstand der Kinderechtskonvention.
Daneben ist dieses Recht auch im ABGB geregelt. Dort unter dem Paragrafen §1328a Recht auf Wahrung der Privatsphäre.
Das umfangreiche Mediengesetz bietet auch einiges an Schutz. Üble Nachrede, Beschimpfung, Verspottung und Verleumdung gelten auch für Websites! Hier erhält das Opfer Schadenersatz.
Das Urheberrechtsgesetz sichert einen Bild- und Briefschutz zu. Wichtig für das Internet ist das Recht am eigenen Bild. Der Paragraf §78 UrhG Bildnisschutz besagt:
„(1) Bildnisse von Personen dürfen weder öffentlich ausgestellt noch auf eine andere Art, wodurch sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, verbreitet werden, wenn dadurch berechtigte Interessen des Abgebildeten oder, falls er gestorben ist, ohne die Veröffentlichung gestattet oder angeordnet zu haben, eines nahen Angehörigen verletzt würden.“[20]
Dieses Gesetz meint nicht, dass man nicht abgebildet werden darf, sondern dass eine Veröffentlichung nicht gegen den eigenen Willen erfolgen darf. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Das Wichtigste ist, dass sich die Abbildung nicht schädlich für den Abgebildeten erweist und nicht in einem negativen Zusammenhang gemacht wurde.
Weitere Schutzbestimmungen finden sich in den Jugendschutzgesetzen der Bundesländer. Allen gleich sind die Bestimmungen über die Weitergabe von Kinderpornografie und gewaltverherrlichenden Darstellungen. Jugendliche dürfen solche Inhalte auch nicht besitzen. Filmt ein Schüler, wie ein anderer Schüler Gewalt ausgesetzt ist, und stellt dieses z.B. auf seine Facebook-Seite, dann macht er sich strafbar.
Generell gelten Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr als unmündige Minderjährige und sind somit nicht strafbar. Danach kommt das Jugendstrafrecht zur Anwendung. Eltern von Unmündigen können aber durchaus zum Schadenersatz herangezogen werden.
Vom 9. Jänner bis zum 6. Februar 2012 wurde an der Handelsakademie, der Handelsschule und der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Landeck eine Befragung zu Internetnutzung und zum Cybermobbing durchgeführt. Es war das erste Mal, dass versucht wurde, möglichst viele Schülerinnen und Schüler mit Hilfe eines Onlinefragebogens zu erreichen. Befragt wurden 464 Schülerinnen und Schüler. Die Gesamtsumme der vollständig ausgefüllten Befragungen beträgt 457. Die Gesamtschülerzahl betrug zum Stichtag 31. Jänner 2012 532 Schülerinnen und Schüler. Damit haben ca. 85 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an der Befragung teilgenommen. Das Alter der Schülerinnen und Schüler reicht von 13 bis zu 19 Jahren. Auf die jeweiligen Schultypen verteilen sich die Schülerinnen und Schüler folgendermaßen: Die Handelsschule hatte 92 Schülerinnen und Schüler, die Höhere Schule für wirtschaftliche Berufe hat 187 und die Handelsakademie hat eine Schüleranzahl von 253.
Da bei den oben genannten Schulformen die Ausbildung am Computer und der Umgang mit verschiedenen Programmen zu den Kernfächern zählen, war es sinnvoll die Befragungen zum Großteil in den Fächern Informations- und Office Management bzw. anderen Computerfächern wie z.B. Wirtschaftsinformatik, Telekommunikation, Internet und Multimedia sowie im Unterrichtsfach Softwareeinsatz und Netzwerkverwaltung durchzuführen. Die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe hatte die Möglichkeit. neben den genannten Fächern im Fach Angewandte Informatik in den EDV-Unterrichtsräumen die Befragung durchzuführen. Eine Ausnahme bildeten die sogenannten Laptop-Klassen. Diese SchülerInnen und Schüler verwenden im Unterricht ihren eigene Laptop und sind per WLAN online, sodass sie in den Klassenräumen die Umfrage beantworten konnten.
Der Fragebogen beinhaltet neben soziodemographischen Fragen vor allem Fragestellungen zur Internetnutzung und zu Cybermobbing. Er besteht aus 11 Pflichtfragen, wobei der Hauptteil der Fragen auf die Thematik von Cybermobbing abzielt.
Es wurden die Schüler danach befragt, ob sie selbst schon erlebt haben, dass jemand aus ihrem Freundes- bzw. Bekanntenkreis gemobbt wurde oder ob sie an sich selber schon diese Form des Mobbings erlebten. Andere Fragen zielten darauf ab, inwieweit sie selber auch schon mal Täter waren und andere User beschimpft oder auf irgendeine Art bloßgestellt haben.
Bei der Frage nach Strategien, wie man als von Cybermobbing Betroffener reagieren kann, um dieses Problem zu lösen, wurden mehrere Antwortmöglichkeiten angeboten. Diese zielten darauf ab, die Kompetenz zu erfragen, inwiefern sich Betroffene richtig schützen und wehren können. Die Möglichkeiten reichten von es selbst zu erledigen bis zur Inanspruchnahme von Hilfestellungen durch Eltern oder Lehrer.
Ein weiterer Fragenkomplex waren Fragen zur Selbstwahrnehmung bzw. zur Selbsteinschätzung, wie man als User mit seinen Daten und den Daten von anderen bei sozialen Netzwerken umgeht. Befragt wurde die Kompetenz, wie hoch das Wissen der Schüler über Sicherheitseinstellungen und die Weitergabe sensibler Daten ist.
Bei der Interpretation wurden die Geschlechter berücksichtigt. Es kam bei Mädchen und Burschen doch zu einigen Unterschieden in der Beantwortung der Fragen. An den drei Schultypen befinden sich mehr Mädchen als Burschen. An der Befragung nahmen 340 Mädchen und 123 Burschen teil. Das entspricht der Verteilung an den drei Schultypen. Insgesamt gab es zum Stichtag 8.Jänner 2012 397 Schülerinnen und 135 Burschen.
Die Stichprobengröße: n=457
Die Umfrage ist somit repräsentativ für österreichische Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren.
Die Studie über die Internetnutzung und Cybermobbing an der HAK, HAS und HLW Landeck wurde in Eigeninitiative vom Autor und mit Genehmigung und Unterstützung der Direktion durchgeführt.
Bei der Abfrage nach dem Geschlecht wird der Überhang der weiblichen Schüler deutlich. Die Umfrage haben 340 Mädchen und 123 Burschen beantwortet.
Dies ist dadurch zu erklären, dass den Schulzweig der Höheren Wirtschaftlichen Lehranstalt überwiegend Schülerinnen besuchen. Es gab in diesem Schultyp mit 6 Klassen im Schuljahr 2011/ 2012 178 Schülerinnen und nur neun Burschen. Der Geschlechteranteil war in der Handelsakademie mit 10 Klassen, die sich auf 153 Mädchen und 100 Burschen aufteilten, etwas ausgeglichener. Doch ebenso überwog der Anteil der Mädchen in der Handelsschule. Hier befanden sich in den drei Klassen 66 Mädchen und 26 Burschen.
Abb. 2 Prozentuelle Verteilung von Mädchen und Burschen
Die Unterteilung in drei Altersklassen wurde aus der Überlegung getroffen zu zeigen, dass der Hauptanteil der befragten Schülerinnen und Schüler im Alterssegment von 15 bis 16 Jahren bzw. 17 bis 19 Jahre anzutreffen ist. Das betrifft vor allem Klassen, die sich in der 10., 11. und 12. Schulstufe befinden. Das entspricht den zweiten, dritten und vierten Klassen der Handelsakademie, den zweiten und dritten Klassen der Handelsschule und den zweiten, dritten und vierten Klassen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe. Schülerinnen und Schüler im Alter von 19 Jahren sind vor allem in den Abschluss- bzw. Maturaklassen zu finden.
Abb. 3 Prozentuelle Aufteilung der Schülerinnen und Schüler in die drei Altersklassen
Die Verteilung der Schülerinnen und Schüler zeigt, dass die Handelsakademie (HAK) den größten Schüleranteil mit 49 Prozent hat, gefolgt von der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) mit 30 Prozent. Die Handelsschule (HAS) hat einen Anteil an der Gesamtschülerzahl von 20 Prozent.
Abb. 4 Prozentueller Schüleranteil nach den drei Schultypen
[1] http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf12/JIM2012_Endversion.pdf [30.12.2012]
[2] Nayla Fawzi, Cyber-Mobbing, Ursachen und Auswirkungen von Mobbing im Internet, Baden-Baden 2009,
[3] Neben anderen sozialen Netzwerken findet Cybermobbing auch durch Emails, Instant Messenger, diverse Video-Portale und Handy statt. Vgl Mustafa Jannan, Das Anti-Mobbing-Buch, Seite 38 - 40
[4] Anna Kuphal, Soziale Netzwerke und ihre Vor- und Nachteile. Speziell: „Cyber-Mobbing“. Books on Demand GmbH. Norderstedt 2009, Seite 2.
[5] Jan-Hinrik Schmidt, Ingrid Paus-Hasebrink, Uwe Hasebrink (Hrsg.), Heranwachsen mit dem Social Web, Zur Rolle von Web 2.0-Angeboten im Alltag der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Seite 58
[6] Vgl. Der Standard. 3. Februar 2012, Seite 16.
[7] Sascha Adamek, Die Facebook Falle. Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft. München 2011, Seite 21.
[8] Sascha Adamek, Die Facebook Falle, Seite 22.
[9] http://www.focus.de/finanzen/news/facebook-boersengang-wird-zum-flop_aid_756915.html [29.10.2012]
[10] http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2011_I_130/BGBLA_2011_I_130.pdf, Seite 1 [04.02.2012]
[11] Felix Möller, Neue Herausforderungen für die außerschulische Jugendbildungsarbeit als Reaktion auf die Mediennutzung von Jugendlichen im Web 2.0., Seite 24.
[12] René Stephan, Cyberbulling in sozialen Netzwerken, Maßnahmen gegen Internet-Mobbing am Beispiel von schülerVZ, Seite 16
[13] René Stephan, a. a. O. Seite 16.
[14] Sylvia Schneider, Gewalt. Nicht an unserer Schule , Würzburg 2001.
[15] Nayla Fawzi, Cyber-Mobbing, Ursachen und Auswirkungen von Mobbing im Internet, Baden-Baden 2009,
[16] http://www.internet4jurists.at/gesetze/bg_stgb01.htm#%C2%A7_105. [2.7.2011]
[17] Vgl http://www.jusline.at/111_%C3%9Cble_Nachrede_StGB.html [2.7.2011]
[18] http://www.internet4jurists.at/strafrecht/straf0.htm [2.7.2011]
[19] http://www.kinderrechte.gv.at/home/im-fokus/kr-auf-schutz/privatsphaere/content.html [2.7.2011]
[20] http://www.jusline.at/78_Der_Urheber_UrhG.html [2.7.2011]
9783656416012
9783656416524
v213319
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung – Plattform für Politische Kommunikation
cybermobbingerfahrungen jugendlicher bedeutung schulsystem
Christian Mayer (Autor)

References: § 107
 §118
 §119
 §119
 §120
 §126
 §126
 §126
 Art. 16
 §1328
 §78