Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=26.10.2006&Aktenzeichen=III%20ZB%202%2F06
Timestamp: 2019-03-22 02:56:00+00:00

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BGH, 26.10.2006 - III ZB 2/06 - dejure.org
ZPO §§ 142, 384 Nr. 1
Schadensersatzanspruch gegenüber einem Notar wegen Verwendung einer unklaren und nicht dem Willen der Vertragsparteien entsprechenden Vertragsklausel; Recht eines Dritten zur Verweigerung der Vorlage von Unterlagen; Annahme einer die Zeugnisverweigerung rechtfertigenden Vermögensgefährdung
Grenzen der Vorlagepflicht von Urkunden und anderen Unterlagen im Prozeß; Urkundenvorlage durch Dritte; drohender Vermögensschaden
ZPO § 142 § 384 Nr. 1
Verfahrensrecht - Wann können Drittbeteiligte Vorlage von Unterlagen verweigern?
Vorlage von Urkunden und anderen Unterlagen nach § 142 ZPO
Vorlage von Unterlagen durch Dritte (IMR 2007, 35)
LG Bremen, 15.05.2003 - 6 O 2222/01
OLG Bremen, 02.12.2005 - 5 U 43/03
NJW 2007, 155
MDR 2007, 541
NZM 2007, 621 (Ls.)
FamRZ 2007, 133
AnwBl 2007, 25
BauR 2007, 443 (Ls.)
BauR 2007, 749
Eine Umkehr der Beweislast ist damit aber ebenso wenig verbunden wie eine über seine prozessuale Wahrheitspflicht und Erklärungslast (§ 138 Abs. 1 und 2 ZPO) hinausgehende Verpflichtung des Anschlussinhabers, dem Gegner alle für seinen Prozesserfolg benötigten Informationen zu verschaffen (vgl. BGH, NJW 2007, 155 [156] m.w.N.;… Zöller / Greger, ZPO, 29. Aufl., vor § 284 Rn. 34;… Prütting / Gehrlein / Laumen, ZPO, 4. Aufl., § 286 Rn. 73).
BGH, 20.11.2018 - II ZB 22/17
Ausreichen des schlüssigen Vortrags des Beweisführers vor Vernehmung eines …
Selbst die Prozessparteien sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich nicht gehalten, dem Gegner für seinen Prozesssieg das Material zu verschaffen, über das er nicht von sich aus verfügt; eine allgemeine prozessuale Aufklärungspflicht der nicht darlegungs- und beweisbelasteten Partei besteht nicht (BGH, Beschluss vom 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155 Rn. 7).
OLG Saarbrücken, 22.04.2014 - 4 W 3/14
a) Nach § 384 Nr. 1 ZPO, dessen Sinn und Zweck es ist, den Zeugen vor nachteiligen Folgen seiner eigenen wahrheitsgemäßen Aussage zu schützen, indem er nicht zu selbstschädigenden Handlungen gezwungen werden darf (vgl. BGH, Beschl. v. 26.10.2006 - III ZB 2 /06, NJW 2007, 155 - 156, juris Rdn. 7), muss als Folge der Aussage ein unmittelbarer Vermögensschaden drohen.
Hierfür ist es erforderlich, dass durch die Aussage entweder die tatsächlichen Voraussetzungen einer Haftung des Zeugen erst begründet werden können oder dass hierdurch die Durchsetzung einer bereits bestehenden Schuldverpflichtung des Zeugen nur erleichtert wird (vgl. BGH, Beschl. v. 26.10.2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155 156, juris Rdn. 7).
Ausreichend ist es dagegen, wenn die Aussage des Zeugen die Geltendmachung einer Forderung gegen den Zeugen erleichtert (vgl. BGH, Beschl. v. 26.10.2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155 156, juris Rdn. 7;… MünchKomm(ZPO)-Damrau, aaO., § 384 ZPO, Rdn. 7).
Ein unmittelbarer Schaden droht, wenn die Beantwortung einer Frage die tatsächlichen Voraussetzungen für eine Haftung des Zeugen als Schuldner, Mitschuldner, Bürge, Regressschuldner etc. begründet oder die Durchsetzung einer schon bestehenden Verpflichtung durch das Beweismittel der Aussage erleichtert werden könnte (vgl. BGH 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06 - Rn. 7;… Stein/Jonas/Berger aaO;… Zöller/Greger aaO) .
Niemand soll aus seiner Zeugnispflicht zu selbstschädigenden Handlungen gezwungen werden (BVerfG 15. Juni 1992 - 1 BvR 1047/90 -; BGH 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06 - Rn. 7) .
Der Zeuge muss seine vermögensrechtlichen Interessen denen der beweisführenden Partei nicht unterordnen (BGH 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06 - aaO) .
Dies muss erst recht für einen außerhalb des Prozessrechtsverhältnisses und der daran anknüpfenden Erklärungspflicht der Parteien (§ 138 Abs. 2 ZPO) stehenden Dritten gelten, ohne dass es darauf ankommt, inwieweit er materiell-rechtlich in Beziehung zu dem streitigen Rechtsverhältnis steht (BGH 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06 - aaO) .
Eine allgemeine prozessuale Aufklärungspflicht der nicht darlegungs- und beweispflichtigen Partei besteht nicht (vgl. BGH, Beschluss vom 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155 Rn. 7 und Urteil vom 11. Juni 1990 - II ZR 159/89, WM 1990, 1844, 1845 f.).
Keine Partei ist gehalten, dem Gegner das Material für seinen Prozesssieg zu verschaffen, wenn nicht materiell-rechtliche Auskunfts- und Vorlagepflichten bestehen oder die Grundsätze der sekundären Darlegungslast eingreifen (BGHZ 116, 47, 56;… BGH, Urt. v. 11. Juni 1990 - II ZR 159/89, WM 1990, 1844, 1845 f; Beschl. v. 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155, 156).
In Grenzen kann die Vorlagepflicht sogar der Bereitstellung von Beweismitteln dienen (BGH, Beschl. v. 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155).
Die Anordnung nach § 142 Abs. 1 ZPO kann in Grenzen auch der Bereitstellung von Beweismitteln dienen (vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155).
Dritter im Sinne des § 142 ZPO und damit Adressat einer Vorlageanordnung kann nach dem insoweit offenen Wortlaut sowie Sinn und Zweck der Bestimmung auch eine juristische Person sein (vgl. etwa BGH, Beschluss vom 26.10.2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155;… Nielen, in: Cepl/Voß (Hrsg.), Prozesskommentar zum Gewerblichen Rechtsschutz, 2015, § 142, Rdnr. 24; Schlosser, in: Coester u. a. (Hrsg.), Vielfalt, Kollision, Kooperation.
Ungeachtet dessen, dass auch die Vorlage von Urkunden nach § 142 ZPO bei juristischen Personen durch deren Organe erfolgen muss, weil die juristische Person als solche nicht handlungsfähig ist, ist Normadressat in solchen Fällen nicht der organschaftliche Vertreter, sondern vielmehr die von dem Gericht auf Herausgabe ihrer Unterlagen in Anspruch genommene juristische Person (s. BGH, Beschluss vom 26.10.2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155, 155 f.).
Dies bedeutet, dass ein Ordnungsgeld nach den §§ 142 Abs. 2 Satz 2, 390 ZPO gegen die von dem Gericht zur Herausgabe von Unterlagen verpflichtete juristische Person festzusetzen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2006 - III ZB 2/06, NJW 2007, 155, 155 f.; Schlosser, in: Coester u. a. (Hrsg.), Vielfalt, Kollision, Kooperation.
KG, 01.11.2013 - 9 U 315/12
Notarhaftung: Vorrang der Verschwiegenheitspflicht eines Notars gegenüber dem …
So kann ein gemäß § 142 ZPO auf Vorlage von Unterlagen in Anspruch genommener Dritter die Herausgabe verweigern, wenn ihm dadurch ein eigener vermögensrechtlicher Schaden entstehen würde, wobei es genügt, dass die Durchsetzung von Ansprüchen gegen ihn auch nur erleichtert würde (BGH, Beschluss vom 26. Oktober 2006 - III ZB 2/06 - juris).
LG Köln, 05.06.2013 - 28 O 346/12
Filesharing - einfaches Bestreiten der Täterschaft bei einem Familienanschluss …
OLG Düsseldorf, 30.01.2014 - 5 W 84/13
Selbstständiges Beweisverfahren: Auch Dritte müssen relevante Urkunden vorlegen!
AG Köln, 02.01.2017 - 142 C 329/14
Ausschluss des Zeugnisverweigerungsrechts des Insolvenzschuldners als faktischer …
OLG Frankfurt, 21.03.2014 - 19 U 150/13
Voraussetzungen für die Anordnung der Vorlage einer Urkunde
LAG Hessen, 27.06.2007 - 11 Ta 83/07
Zu den Voraussetzungen des Zeugnisverweigerungsrechts nach § 384 ZPO bei …
LAG Berlin-Brandenburg, 07.03.2017 - 9 Ta 46/17
Begriff des drohenden unmittelbaren vermögensrechtlichen Schadens i.S. von § 384 …
OLG Frankfurt, 16.05.2013 - 20 VA 4/13
LG Köln, 28.07.2017 - 34 T 22/17
Erhebung und Verwendung von erteilten Auskünften des Schuldners nur mit seiner …

References: § 142
 § 384
 § 142
 § 284
 § 286
 § 384
 § 384
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 § 384
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