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Timestamp: 2014-09-01 19:15:28+00:00

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Pfeiler, Ute - Kapitel 2
3Kapitel 2. Wissensstand zur Freilandschweinehaltung 2.1. Gesetzliche Rahmenbedingungen
2.1.1. Tierschutz
Bei ganzjähriger Haltung der Schweine im Freien gelten die allgemeinen Vorschriften des Tierschutzgesetzes (1993). Grundsätzlich erfüllt die Freilandhaltung problemlos alle Anforderungen des Tierschutzes, sowohl die Grundsätze des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen (1976), als auch die Forderungen des deutschen Tierschutzgesetzes nach verhaltensgerechter Unterbringung, artgemäßen Bewegungsmöglich-
keiten, frühzeitiger Kastration und Kürzen des Schwanzes, wenn überhaupt, im Alter von maximal 4 Tagen.
Allerdings fällt in diesem System dem Betreuer eine besonders große Verantwortung zu, da er auch unter schwierigsten Witterungsbedingungen für ausreichend Futter und Wasser, eine trockene, zugfreie Unterkunft und regelmäßige Gesundheitskontrolle sorgen muß.
Die Verordnung zum Schutz von Schweinen bei Stallhaltung (Schweinehaltungsverordnung) (1988) gilt nach § 1 Abs. 1 "...für das Halten von Hausschweinen in Ställen", ist also für die Freilandhaltung nicht anwendbar. Entscheidend ist allerdings, die ab 1.1.1998 gültige Forderung nach ständigem Wasserzugang für jedes über zwei Wochen alte Schwein umzusetzen.
2.1.2. Seuchenschutz
Das Tierseuchengesetz (TierSG, 1995) regelt die Bekämpfung von Seuchen bei allen vom Menschen gehaltenen Tieren. Auf Grund dieses Gesetzes wurden für einzelne Tierarten und bestimmte Seuchen spezielle Rechtsvorschriften und Verordnungen erlassen, von welchen die folgenden für die Freilandschweinehaltung von hauptsächlichem Interesse sind.
Die Tierseuchen-Schweinehaltungsverordnung (1988) gilt für große Schweinebestände, d.h. ab 150 Sauen, wenn außer den Zuchtschweinen keine Schweine im Alter von mehr als 12 Wochen gehalten werden. Sie fordert u.a. ausreichend große Quarantäneeinheiten und wirksame Einrichtungen zur Desinfektion von Ställen und Gerätschaften. Ab einer Herdengröße von 300 Sauen, müssen zusätzlich u.a. nach § 8 alle Wege und Straßen auf dem Gelände des Betriebes sowie die zum Be- und Entladen von Fahrzeugen benötigten Plätze befestigt und desinfizierbar sein. Die wortgetreue Befolgung dieser Bestimmungen könnte allerdings in der Freilandhaltung z.T. schwierig sein.
Laut Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen (1991) sind folgende Schweineseuchen anzeigepflichtig: Afrikanische Schweinepest, Ansteckende Schweinelähmung, Aujeszkysche Krankheit, Brucellose, Schweinepest, Seuchenhafter Spätabort, Tollwut und Vesikuläre Schweinekrankheit. Meldepflichtig laut Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten (1983) sind beim Schwein folgende Krankheiten: Leptospirose, Schnüffelkrankheit, Säugerpocken und TGE.
Die Schweinepestverordnung (1994) verlangt in ihrer Neuauflage vom 21. Oktober 1994 zwar bei klassischer oder europäischer Schweinepest nur noch eine Absonderung der verdächtigen und gefährdeten Schweine "in ihren Ställen oder an ihren sonstigen Standorten", bei Ausbruch oder Verdacht auf Ausbruch der afrikanischen Schweinepest müssen aber sowohl im betroffenen Betrieb als auch im Sperrbezirk (mind. 5 km Radius) "sämtliche Schweine in geschlossenen Ställen" abgesondert werden. Wer dies nicht tut, handelt ordnungswidrig im Sinne des § 76 des 4Tierseuchengesetzes. Nach § 17 Abs. 1 der Schweinepestverordnung müssen im Falle des Ausbruchs oder des Verdachtes auf Ausbruch der afrikanischen Schweinepest Weideflächen und Ausläufe, auf denen Schweine innerhalb von 40 Tagen vor Feststellung der Seuche gehalten worden sind umgepflügt oder für die Dauer von sechs Monaten so abgesperrt werden, daß eine Benutzung durch Haustiere und Wildschweine nicht möglich ist. Des weiteren sind die Verordnung zum Schutz gegen die Aujeszkysche Krankheit vom 28. Oktober 1993, sowie die Verordnung zum Schutz gegen Vesikuläre Schweinekrankheit zu beachten. Art und Umfang der Außenzäune, welche u.a. vor Kontakt mit Wildschweinen schützen sollen, sowie sonstige Kontroll- und Vorbeugemaßnahmen werden derzeit meist vom zuständigen Amtstierarzt entsprechend dem Gefährdungsgrad in der Umgebung festgelegt. Eine neue Hygieneverordnung für Schweinehaltungen soll noch 1998 erlassen werden. Im Entwurf waren für die Freilandhaltung eine doppelte Einzäunung des Geländes (1,50 m hoch und im Abstand von 2 m) sowie für den Seuchenfall Unterbringungsmöglichkeiten in Ställen gefordert worden (RICHTER,1998), wobei letztere Forderung aber stark umstritten ist. 2.1.3. Umweltschutz
2.1.3.1. Wasserschutz
Weidebewirtschaftung und Dungausbringung werden im Wasserhaushaltsgesetz vom 12.11.1996 nicht direkt angesprochen, anzuwenden ist aber der allgemeine Grundsatz, daß Oberflächengewässer und Grundwasser vor Verunreinigungen durch schädliche Stoffe zu schützen sind. Nach § 19 Abs. 1 können aber, soweit "es das Wohl der Allgemeinheit erfordert, das Abschwemmen und den Eintrag von Bodenbestandteilen, Dünge- oder Pflanzenbehandlungsmitteln in Gewässer zu verhüten," Wasserschutzgebiete festgesetzt werden. In diesen können die Eigentümer und Nutzungsberechtigten von Grundstücken zur Duldung von Maßnahmen zur Beobachtung des Gewässers und des Bodens verpflichtet werden. Auch eine Einschränkung der ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Nutzung ist hier möglich.
Eine Entnahme von Grundwasser für den landwirtschaftlichen Hofbetrieb und für das Tränken von Vieh außerhalb des Hofbetriebes bedarf nach § 33 des WHG keiner Erlaubnis.
2.1.3.2. Immissionsschutz
Seit dem 1.2.1997 sind Anlagen zur Haltung von Schweinen erst ab 750 Sauenplätzen einschließlich dazugehöriger Ferkelaufzuchtplätze genehmigungspflichtig im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes (1990).
Aber die Betreiber nicht genehmigungsbedürftiger Anlagen unterliegen trotzdem den öffentlich-rechtlichen Anordnungen nach dem Immissionsschutzrecht, sowie den zivilrechtlichen Ansprüchen ihrer Nachbarn (HÖTZEL, 1986). Nicht genehmigungsbedürftige Anlagen sind nach § 22 des BImSchG so zu betreiben, daß "...nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden und...die beim Betrieb der Anlage entstehenden Abfälle ordnungsgemäß beseitigt werden...". 2.1.3.3. Bodenschutz Laut § 8 des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes vom 27. September 1994 können für die Aufbringung von Wirtschaftsdünger im Sinne des § 1 des Düngemittelgesetzes auf 5landwirtschaftlich genutzte Böden "1. Verbote oder Beschränkungen nach Maßgabe von Merkmalen wie Art und Beschaffenheit des Bodens, Ausbringungsort und -zeit und natürliche Standortverhältnisse sowie 2. Untersuchungen der Abfälle oder Wirtschaftsdünger oder des Bodens, ... bestimmt werden. Dies gilt für Wirtschaftsdünger insoweit, als das Maß der guten fachlichen Praxis im Sinne des § 1a des Düngemittelgesetzes überschritten wird." Richtungsweisend für die maximal erlaubten Dungeinträge sind die in der neuen Düngeverordnung festgelegten Obergrenzen für den Gesamtstickstoffeintrag, welche seit dem 1.7.1997 gültig sind.
2.1.3.4. Naturschutz
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz vom 12. März 1987 ist die im Sinne dieses Gesetzes ordnungsgemäße land- forst- fischereiwirtschaftliche Bodennutzung nicht als Eingriff in Natur und Landschaft anzusehen. Ordnungsgemäß im Sinne des BNatSchG heißt u.a., daß der Boden zu erhalten ist, Gewässer vor Verunreinigungen zu schützen sind und die Luftverunreinigungen gering zu halten ist. Allerdings sind Einschränkungen der Flächennutzung zum Schutz gefährdeter Pflanzen und Tiere möglich.
Die Strafbarkeit bei Verstößen gegen den Umweltschutz wird in den §§ 324-330 des Strafgesetzbuches geregelt.
2.1.4. Baurecht
Nach den Bauordnungen der Länder benötigen Gebäude bis 4 m Höhe und maximal 70 qm Grundfläche (in Mecklenburg-Vorpommern 4,50 m und 250 qm), die einem landwirtschaftlichen Betrieb dienen und nur zum vorübergehenden Schutz von Pflanzen,Tieren oder Ernteerzeugnissen dienen, keine Baugenehmigung. Zu berücksichtigen sind allerdings auch die örtlichen Bauvorschriften oder Einschränkungen der Gemeinden.
62.2. Entwicklung und Verbreitung 2.2.1. Wiederentdeckung der Freilandhaltung
Wegen des zunehmenden Fleischbedarfs wurde die Schweinehaltung seit Beginn der industriellen Revolution mehr und mehr intensiviert und letztendlich fast gänzlich in Ställe verlagert, wobei der Platz für die Schweine immer weiter verringert, die Mechanisierung aber immer aufwendiger wurde. Probleme mit der Tiergesundheit und ein Mangel an nutzbaren Ställen führten in den 50-iger bis 70-iger Jahren z.B. in der DDR zu Versuchen mit der Freilandhaltung (Waldschweinemast), welche jedoch wegen extrem hoher Besatzdichten und zu langen Besatzzeiten aus hygienischer und umweltpolitischer Sicht auf Dauer nicht erfolgreich waren (SONNEFELD,1976; BENNEWITZ u.a., 1982). In kleineren Betrieben gab und gibt es die verschiedensten Formen der Freilandhaltung, Schweineweiden, saisonale Freilandhaltung im Sommer, Nutzung befestigter und unbefestigter Ausläufe u.a.. Jedoch nur das 1952 von Richard Roadnight in England entwickelte System der ganzjährigen Freilandhaltung mit Nutzung transportabler Hütten und einer Eingliederung der Sauen in die Fruchtfolge bewährte sich arbeits- und betriebswirtschaftlich so gut, daß es auch für größere Bestände geeignet war. Auf Grund steigender Kosten für Ställe, Ausrüstung und Energie konnte es sich in den 70-iger Jahren zunächst in Großbritannien und schließlich in allen klimatisch geeigneten Gegenden Mitteleuropas und Nordamerikas ausbreiten. 2.2.2. Hauptverbreitungsgebiete der ganzjährigen Freilandhaltung
2.2.2.1. Großbritannien
Den entscheidenden Antrieb erhielt die Freilandhaltung zu Beginn der 70-iger Jahre durch den sprunghaften Anstieg der Kosten für Arbeit und Energie sowie hohe Zinssätze von 12-20 %. Zwischen 1975 und 1985 stieg die Hälfte aller Landwirte aus der Schweinezucht aus. Gleichzeitig stieg die Anzahl der kontrollierten Freilandbetriebe von 30 mit ca. 360 Sauen/ Herde (1978) auf 65 mit durchschnittlich über 500 Sauen / Herde (1986) . Das entspricht ca. 6-7 % des Gesamtsauenbestandes, in den südostenglischen Grafschaften Berkshire, Oxfordshire und Hampshire sind es sogar über 25 % (BRIARD, EGGERSGLÜSS, 1988).
1993 wurden in England ca. 17 % aller Sauen im Freiland gehalten (HÖRNING,1993), STENTOR (1992) erwartete für 1995 einen Anstieg auf 25 %. Laut GOSS (1997) sind diese 25 % derzeit mit einer Anzahl von ca. 160000 im Freiland gehaltenen Sauen erreicht. Die durchschnittliche Herdengröße liegt bei 400 Sauen.
1982 begann der erste französische Landwirt Sauen nach dem englischen Modell im Freiland zu halten. Ab 1984 wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes jährlich die Freilandbetriebe erfaßt. 1984 gab es bereits 209 Herden mit 9270 Sauen (ca. 44 Sauen/ Herde) und 1986 dann 860 Herden mit 41343 Sauen (ca. 48 Sauen/ Herde), das waren ca. 4 % des Gesamtsauenbestandes Frankreichs. 1993 wurden 1630 Herden mit 108000 Sauen (ca. 66 Sauen/ Herde) gezählt. Der Anteil der Freilandsauen am Gesamtsauenbestand war bis 1994 auf 10 % angewachsen (DENMAT; DAGORN; AUMAÎTRE; VAUDELET, 1994).
2.2.2.3. Dänemark
In Dänemark stieg der Anteil der im Freiland gehaltenen Sauen bis 1994 auf 1,5 % des Gesamtbestandes an, das waren insgesamt 60 Herden mit ca 15000 Sauen bei einer durchschnittlichen Herdengröße von 77-261 Sauen. Der im Vergleich zu Südengland und Frankreich relativ geringe Umfang der Freilandhaltung resultiert hauptsächlich aus den ungünstigeren klimatischen Bedingungen Dänemarks, mit langen Regenperioden, starken Winden und kurzer Tageslichtdauer im Winter (THE NATIONAL COMMITTE FOR PIG BREEDING DENMARK, 1994).
2.2.2.4. Niederlande
In den Niederlanden wird seit 1986 eine modifizierte Form der Freilandhaltung hauptsächlich im Rahmen der "Scharrelschweinehaltung" praktiziert. 1988 gab es 162 Scharrelschweinehalter. Der Marktanteil des Fleisches von Scharrelschweinen beträgt knapp 0,5% des Gesamtschweinefleischverbrauchs in den Niederlanden (BRIARD, 1988). 2.2.2.5. USA
Eine ganzjährige Outdoorhaltung nach englischem Vorbild entstand hier erst in den letzten Jahren (PIG IMPROVEMENT COMPANY, 1989). Absolut gesehen werden in den USA weltweit die meisten Sauen unter Freilandbedingungen gehalten, prozentual ist aber ihr Anteil am Gesamtsauenbestand wesentlich geringer als in England (THORNTON, 1988). Das liegt unter anderem daran, daß sich die Hauptstandorte der amerikanischen Schweineproduktion in den Maisanbaugebieten befinden, welche sich aber auf Grund ihres extremen Kontinentalklimas für die Freilandhaltung nicht eignen.
2.2.2.6. Deutschland
Seit Ende der 80-iger Jahre begannen einige deutsche Landwirte, angeregt durch Erfahrungen aus England, Schweine im Freiland zu halten. Besonders in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern entstanden größere Freilandhaltungen mit Herden von über 200 Sauen, welche System und Ausrüstungen direkt aus England bezogen haben. Ansonsten sind es vielfach kleinere Betriebe mit nur wenigen Sauen, welche dieses System individuell an die Bedingungen ihres Betriebes anpaßten.
Nach WILLEKE wurden 1994 in Deutschland ca. 1500 Sauen im Freiland gehalten (WILLEKE, WALDECK, DURST, 1994). HÖRNING (1993) waren 10 deutsche Betriebe bekannt, welche die Freilandhaltung seit mindestens zwei Jahren praktizieren. Nach einer Erhebung der PIG, stieg die Anzahl der im Freiland gehaltenen Sauen von 370 im Jahr 1992 auf 9140 im Jahr 1997. Das sind ca. 0,36 % des Gesamtsauenbestandes in Deutschland. Diese Sauen verteilen sich auf 44 Betriebe, wodurch sich eine durchschnittliche Herdengröße von ca. 200 Sauen ergibt. Die in dieser Erhebung erfaßten Betriebe befinden sich hauptsächlich in Schleswig-Holstein sowie in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg. Alternativ wirtschaftende und kleinere Betriebe, welche sich vereinzelt auch in den anderen Bundesländern befinden, wurden allerdings nicht mit erfaßt. Bei der Gründung des Vereins "Freilandhaltung von Schweinen e.V." im Juli 1997 waren 33 Betriebe beteiligt. 82.3. Standortanforderungen
Für das Gelingen der Freilandhaltung ist die Wahl eines möglichst optimalen Standortes eine Grundvoraussetzung. Ein ungünstiger Standort stellt wesentlich höhere Anforderungen an das Management, verursacht einen höheren Arbeitsaufwand und höhere Kosten bei unter Umständen trotzdem niedrigeren Leistungen. Letztendlich kann dies zum Scheitern der Freilandhaltung führen. 2.3.1. Klima
2.3.1.1. Temperaturen
Von den Temperaturanforderungen her ist die Freilandhaltung theoretisch fast ausnahmslos im gesamten europäischen und nordamerikanischen Raum möglich, sofern den Schweinen die Möglichkeit gegeben wird, ihre artspezifischen Verhaltensweisen zur Temperaturregulation auszuüben. Kälte bereitet den Schweinen wesentlich weniger Probleme als Hitze. Nach VAN PUTTEN (1993) spielt die Kälteempfindlichkeit nur bei Ferkeln und kranken Tieren eine Rolle. Bei ausreichender Einstreu der Hütten treten auch bei längeren Frostperioden keine erhöhten Ferkelverluste auf, die Wärmeproduktion der Sau ist ausreichend, um auch bei Temperaturen von -10° C die isolierten Hütten auf 25° C aufzuheizen (DURST/ WILLEKE, 1994). Von ALGERS und JENSEN (1990) wurden in einem Freilandversuch bei Außentemperaturen von -17° C bis + 7° C Nesttemperaturen von durchschnittlich 20,3° C gemessen, wobei keine Korrelation zwischen Außen- und Nesttemperatur gefunden wurde. Ein Problem bei Frost ohne Schnee besteht darin, daß der durch die Wühltätigkeit sehr unebene und nun hartgefrorenen Boden sowohl beim Laufen Schwierigkeiten bereitet, als auch beim Ausrutschen zu Prellungen und anderen Verletzungen führen kann.
Hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung verursachen auf Grund der Kreislauflabilität und der hellen Haut der meisten Rassen wesentlich größere Probleme, da es sowohl zu Sonnenbränden, erheblichen Fruchtbarkeitsproblemen und sogar zu Todesfällen durch Hitzschlag kommen kann. Als optimal für die Freilandhaltung werden Temperaturen zwischen 0 bis 20° C angesehen, welche vor allem in maritimen Klimazonen über den größten Teil des Jahres gegeben sind.
2.3.1.2. Wind
Obwohl im Sommer die Luftbewegung durchaus positiv für das Wohlbefinden der Schweine ist, sind windgeschützte Standorte aus mehreren Gründen zu bevorzugen. Zum einen ist es dann weniger wahrscheinlich, daß Regen und Schnee in die Hütten geblasen werden, zum anderen besteht nicht die Gefahr, daß leichtere Hütten vom Wind umgekippt werden (DURST/ WILLEKE, 1994). Ein Windschutz durch Bäume und Hecken bietet gleichzeitig auch Schattenflächen an den Gehegerändern. Entsprechend der Hauptwindrichtung sollten die Hütten so ausgerichtet werden, daß sie nach Möglichkeit im Sommer Kühlung und im Winter Windschutz bieten. 2.3.1.3. Niederschläge
Während nach THORNTON (1988) eine Niederschlagsmenge von ca. 535 mm nicht überschritten sein sollte, sind nach WHEELER (1986) auch bei fast 1000 mm Niederschlag noch gute Leistungen möglich. Die PIG IMPROVEMENT COMPANY (1992) sieht als Obergrenze 750-
9800 mm Niederschlag für eine gut funktionierende Freilandhaltung an. Eine gleichmäßige Verteilung der Niederschläge über das ganze Jahr wird allgemein als am günstigsten angesehen. Schnee bedeutet nach WHEELER (1986) relativ wenig Probleme, sofern er nicht den Zugang zu den Gehegen erschwert. Nach Aussagen der Praktiker bereiten lange Regenperioden bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt die größten Probleme, da dann die Feuchtigkeit in die Hütten getragen wird und dort zusammen mit den niedrigen Temperaturen zu erhöhten Ferkelverlusten führt.
2.3.2. Boden
2.3.2.1. Bodenart
Wie hoch die Niederschläge sein dürfen, ohne zur Verschlammung der Gehege und Fahrwege und damit zu erheblichen arbeitswirtschaftlichen und auch gesundheitlichen Problemen führen können, hängt u.a. entscheidend vom jeweiligen Boden ab. Leichte, sandige Böden leiten anfallende Niederschlagsmengen wesentlich schneller ab, während tonhaltige, lehmige Böden leicht zur Verschlammung neigen. Sand- und Kiesböden werden daher allgemein als am besten geeignet empfohlen. Bei steinigen Böden ist aber darauf zu achten, daß nicht zu viele spitze und scharfkantige Steine vorhanden sind, da dies zu ernsthaften Klauen- und Gliedmaßenverletzung führen kann (THORNTON, 1988). Aus Sicht des Umweltschutzes ist hierbei allerdings anzumerken, daß in Sandböden auch eine wesentlich schnellere Verlagerung der mit Kot und Harn eingetragenen Nährstoffe erfolgt. So wird z.B. bei 60 mm Niederschlag im Frühjahr das Nitrat im Sandboden um 40-60 cm und im Lehmboden nur um 30-40 cm tiefer verlagert (WEHRMANN/ SCHARPF, 1987). 2.3.2.2. Gelände
Ungeeignet für die Freilandhaltung ist stark hügeliges Gelände. Es gibt Probleme bei der Hüttenaufstellung, da diese möglichst gerade und vor einfließendem Regenwasser geschützt stehen sollten, was an Hängen oder auch in Senken nicht gegeben ist (DURST/ WILLEKE, 1994). Flächen mit sehr hohem Grundwasserstand sind auf Grund der stärkeren Verschlammungsneigung ungeeignet.
Geeignet für die Freilandhaltung sind Gebiete, welche nicht direkt an größere Straßen oder Ortschaften grenzen, da hier durch den starken Publikumsverkehr eine größere Gefahr der Krankheitseinschleppung und auch des Diebstahls besteht. Die Gehege müssen sich aber auf jeden Fall in der Nähe des Hofes oder anderer Wirtschaftsgebäude befinden, um die Strom- und Wasserversorgung sicherstellen, die Kontrolle erleichtern und die Wege- und Transportzeiten möglichst kurz halten zu können. Auf Grund des Seuchenschutzes ist es von Vorteil, wenn die Wildscheinepopulation der Umgebung gering und frei von Wildschweinepest ist, und sich im Umkreis von 3 km, besser 10 km (Sperr- bzw. Beobachtungsbezirk bei Seuchenausbruch) keine größere Schweineanlage befindet.
102.4. Verfahrenstechnik der Freilandschweinehaltung
Bei ganzjähriger Freilandhaltung größerer Herden ist ein effektives Arbeiten nur nach einem System möglich.
Es gibt zwei übliche Systeme, das Radial- und das Dezentralgehegesystem. Die Wahl, ob eines davon oder eine Verknüpfung der beiden Systeme für den Betrieb am besten geeignet ist, richtet sich nach Herdengröße, Flächengröße und -form, Absetzrhythmus und persönlicher Neigung des Betriebsleiters (GESELLSCHAFT FÜR NATÜRLICHE SCHWEINEHALTUNG MBH, 1993). 2.4.1. Dezentralgehege
Dezentralgehege bestehen aus meist rechteckigen Parzellen, welche entlang eines Betreuungsweges angeordnet sind. Wenn möglich, sollten alle Gehege von zwei Seiten zugänglich sein.
Dezentralgehege können überall unabhängig von Flächenform und -größe eingerichtet werden und sind für jede Herdengröße geeignet (DURST/ WILLEKE, 1994).
Der Arbeitszeitaufwand ist allerdings bedingt durch die längeren Wegezeiten wesentlich größer als im Radialsystem. Auch der Umtrieb der Sauen ist schwieriger, meist müssen sie auf einem Hänger in die neuen Gehege gebracht werden.
2.4.2. Radialsystem Dieses System wurde Anfang der 80-iger Jahre von einem Farmer in Oxfordshire entwickelt. Bei einer Besatzdichte von ca. 15 Sauen je Hektar wird dafür eine möglichst quadratische Fläche von ca. 14-16 ha benötigt (THORNTON, 1988). Der Aufbau des Radialsystems ist also nicht auf jedem Feld möglich. Es eignet sich am besten für Herdengrößen von 200 bis 250 Sauen, welche hier bei optimalen Bedingungen von nur einer Arbeitskraft und einer gelegentlichen Hilfskraft betreut werden können (THORNTON, 1988). Wenn wesentlich mehr Sauen gehalten werden sollen, sollte die Herde zur Wahrung der Übersichtlichkeit auf zwei Radialsysteme aufgeteilt werden. Im Radialsystem erfolgt die Anordnung der Gehege für tragende Sauen Tortenstücken ähnlich rund um ein durch stabile Tore mit allen Gehegen verbundenes Zentrum (Rondell) herum. Dieses Rondell sollte von mindestens zwei Seiten über Zufahrtswege erreichbar sein. Ein Großteil der Kontroll- und Betreuungsarbeiten sowie Tierbehandlungen kann so sehr zeitsparend von einer Stelle aus erledigt werden, was einen wesentlichen Vorteil dieses Systems ausmacht. Auch der Umtrieb von Sauen erfolgt über das Rondell, was den Einsatz eines Transporthängers unnötig macht. Die Fütterung erfolgt über den Außenring. Die Tränken können sowohl im Innenring installiert werden, was wegen des geringeren Bedarfs an Schläuchen und Arbeitsaufwand für die Installation günstig ist, oder am Außenring, was bezüglich der Tritt- und Dungbelastung des engen Innenringes besser ist.
Die Gruppenabferkelgehege werden auch bei Nutzung des Radialsystems häufig in rechteckiger Form eingerichtet, da in dieser die Fläche effizienter genutzt wird, denn die Abferkelhütten müssen nach jedem Durchgang umgesetzt werden.
11 Abb. 1 : Darstellung eines Dezentralgeheges (Quelle: THORNTON, 1988)
122.4.3. Allgemeine Organisation
Die allgemeine Organisation der Ferkelerzeugung im Freiland unterscheidet sich im wesentlichen nicht von der Stallhaltung. In größeren Beständen wird meist nach einem festen wöchentlichen Rhythmus gearbeitet, um die Hütten gleichmäßig auslasten, einheitliche Ferkelgruppen verkaufen und die Arbeiten für Behandlungen und Umtriebe rationell gestalten zu können.
Die tragenden Sauen werden grundsätzlich in Gruppen gehalten. Gehege von über einem Hektar Fläche sind aus arbeitswirtschaftlicher Sicht ungünstig. Daher ergibt sich je nach Besatzdichte eine maximale Gruppengröße von 15 bis 18 Sauen (DURST/ WILLEKE, 1994). Die künstliche Besamung erfolgt in einigen Betrieben auf dem Feld, in anderen in einem Deckzentrum auf dem Hof. In den Gruppen der frisch gedeckten Sauen läuft in den ersten Wochen ein Eber mit, um eventuelle Umrauscher zu decken.
In einigen Betrieben wird auch der natürliche Deckakt genutzt. Um die Sauengruppen nicht teilen zu müssen werden hierfür Ebergruppen gehalten, welche, um schwerwiegende Rangkämpfe zu vermeiden, gemeinsam aufgezogen wurden. Für 3-4 Sauen ist jeweils ein Eber nötig. In England ist auch das System der "Fließenden Gruppen" verbreitet, wobei alle 4-5 Tage 2-3 Sauen in ein Großgehege gebracht werden, auf welchem eine Ebergruppe das Decken übernimmt. Je nach Trächtigkeitsstadium werden die Sauen dann zu Abferkelgruppen zusammengestellt. Die Haltung der säugenden Sauen kann sowohl in Einzelgehegen als auch in Gruppengehegen erfolgen. Einzelgehege sind zwar arbeitswirtschaftlich wesentlich aufwendiger, ermöglichen aber eine bessere Kontrolle und individuelle Tierbetreuung (DURST/ WILLEKE, 1994).
In Gruppengehegen kommt es besonders bei Jungsauen im Winter z.T. zur Doppelbelegung einer Hütte, welche im ungünstigsten Fall zum Totalverlust eines Wurfes führen kann (FRANKE/ SPITSCHAK, 1995). In Gruppenabferkelgehegen werden die Hütten meist mit kleinen Ferkelausläufen (sogenannten Fendern) komplettiert, welche von de

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