Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=26.10.2016&Aktenzeichen=IV%20ZR%2052/14
Timestamp: 2019-04-26 00:57:49+00:00

Document:
BGH, 26.10.2016 - IV ZR 52/14 - dejure.org
§ 544 Abs. 7 ZPO, § 59 Abs. 2 VVG, § 153 Abs. 1 StPO, § 522 Abs. 2 ZPO, Art. 103 Abs. 1 GG, § 59 Abs. 2 Satz 1 VVG, § 78 Abs. 2 Satz 1 VVG, § 81 Abs. 2 VVG, § 244 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 StPO
§ 59 Abs 2 S 1 aF VVG, § 78 Abs 2 S 1 VVG
Klage der Wohngebäudeversicherung gegen eine Haftpflichtversicherung eines Wohnungsmieters auf Innenausgleich: Grenzen eines stillschweigenden Regressverzichts bei Herbeiführung einer Butangasexplosion durch den Wohnungsmieter
Anspruch auf Zahlung in Höhe der Hälfte der behaupteten Regulierungsleistung nach Regulierung eines Explosionsschadens im Wege des so genannten Innenausgleichs
VVG § 59 Abs. 2
Stillschweigend erklärter Regressverzicht nur bei fahrlässig verursachten Schäden!
Der übergangene Zeugenbeweis - wegen Unglaubwürdigkeit
Kein Regressverzicht bei grob fahrlässig herbeigeführtem Versicherungsfall
Gebäudeversicherung kann nach fahrlässiger Herbeiführung einer Butangasexplosion durch Mieter dessen Haftpflichtversicherung beanspruchen - Kein Erstattungsanspruch bei grob fahrlässiger Herbeiführung der Explosion
Gebäudeversicherer kann nur im Fall einfacher Fahrlässigkeit direkten Rückgriff auf den Haftpflichtversicherer des Mieters nehmen
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BGH vom 26.10.2016 - IV ZR 52/14 - Kein quotaler Regressverzicht des Gebäudeversicherers für grob fahrlässiges Verhalten eines Mieters" von RA/FAVersR Roman Dickmann, original erschienen in: r+s 2017, 73 - 78.
LG Koblenz, 14.11.2012 - 16 O 517/11
OLG Koblenz, 20.06.2013 - 10 U 1470/12
OLG Koblenz, 16.01.2014 - 10 U 1470/12
NJW-RR 2017, 22
NZM 2017, 29
ZMR 2017, 555
VersR 2017, 36
Der Senat sieht sich dabei nicht gehindert, insoweit (auch) auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Problematik und zum Erfordernis substantiierten Vortrags zurückzugreifen, wonach ein Sachvortrag zur Begründung eines (Klage-) Anspruchs dann schlüssig dargetan ist, wenn der Kläger Tatsachen vorträgt, die in Verbindung mit einem Rechtssatz geeignet und erforderlich sind, das geltend gemachte Recht als in der Person des Klägers entstanden erscheinen zu lassen (vgl. BGH, Urteil vom 26.10.2016 - IV ZR 52/14; VersR 2017, 36, 38, zitiert nach juris, dort Rdnr. 27; BGH, Beschluss vom 15.12.2016 - IX ZR 224/15, WM 2017, 108, 109; BGH…, Beschluss vom 16.11.2016 - VII ZR 23/14, zitiert nach juris, dort Rdnr. 8; BGH…, Beschluss vom 15.12.2016 - IX ZR 224/15, zitiert nach juris, dort Rdnr. 6; BGH, Urteil vom 13.10.2006 - V ZR 66/06, WuM 2006, 702 f.; zitiert nach juris, dort Ziffer 21; BGH, Beschluss vom 26.10.2016 - IV ZR 52/14, zitiert nach juris, dort Rdnr. 29).
Genügt das Parteivorbringen diesen Anforderungen, kann der Vortrag weiterer Einzelheiten nicht verlangt werden, was insbesondere dann gilt, wenn die Partei selbst keine unmittelbare Kenntnis von den Vorgängen hat (vgl. BGH, Urteil vom 26.10.2016 - IV ZR 52/14, a. a. O.).
BGH, 15.12.2016 - IX ZR 224/15
Insolvenzanfechtung: Verjährung des Anfechtungsanspruchs wegen grob fahrlässiger …
Eine vorweggenommene Beweiswürdigung ist demgegenüber unzulässig (vgl. BGH, Beschluss vom 26. Oktober 2016 - IV ZR 52/14, nv Rn. 27 f).
(1) Der Mieter, der die Versicherungsprämie der Gebäudeversicherung (mit-)finanziert, darf im Verhältnis zum Vermieter die berechtigte Erwartung haben, dass ihm seine Aufwendungen im Schadensfall in irgendeiner Weise zugutekommen (vgl. BGH, Urteile vom 13. Dezember 1995 - VIII ZR 41/95, BGHZ 131, 288, 294; vom 3. November 2004 - VIII ZR 28/04, VersR 2005, 498, unter 2, 3;… vom 13. September 2006 - IV ZR 273/05, BGHZ 169, 86 Rn. 19, und IV ZR 378/02, VersR 2006, 1530 Rn. 25, sowie IV ZR 116/05, VersR 2006, 1533 Rn. 23;… vom 19. November 2014 - VIII ZR 191/13, BGHZ 203, 256 Rn. 32; Beschluss vom 26. Oktober 2016 - IV ZR 52/14, NZM 2017, 29 Rn. 19).
Vielmehr ist der Mieter, der fahrlässig einen im Gebäudeversicherungsvertrag abgedeckten Versicherungsfall verursacht hat, nach der gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs regelmäßig auch vor einem Rückgriff des Gebäudeversicherers (§ 86 Abs. 1 VVG) in der Weise geschützt, dass eine durch die Interessen der Vertragsparteien gerechtfertigte ergänzende Auslegung des Gebäudeversicherungsvertrages einen konkludenten Regressverzicht des Versicherers für die Fälle ergibt, in denen der Wohnungsmieter den versicherten Schaden durch einfache Fahrlässigkeit verursacht hat (siehe nur BGH, Urteile vom 8. November 2000 - IV ZR 298/99, BGHZ 145, 393, 398 ff.;… vom 19. November 2014 - VIII ZR 191/13, aaO Rn. 28 mwN; Beschluss vom 26. Oktober 2016 - IV ZR 52/14, aaO Rn. 13).
Der Bundesgerichtshof hat dies vielmehr in einer (relativ) aktuellen Entscheidung mit dem Hinweis, dass ein so weitgehender Regressverzicht nicht mehr den Interessen der Parteien des Gebäudeversicherungsvertrages entspreche, ausdrücklich verneint (BGH, Urteil v. 26.10.2016 - IV ZR 52/14 -, zit. n. juris, Rn. 15).
Die Beklagte, der die Beweislast für grobe Fahrlässigkeit bzw. Vorsatz als anspruchsausschließendem Tatbestandsmerkmal obliegt (vgl. BGH, Beschluss vom 26. Oktober 2016 - IV ZR 52/14 -, juris m.w.N.), hat diesen Beweis nicht geführt.

References: § 544
 § 59
 § 153
 § 522
 Art. 103
 § 59
 § 78
 § 81
 § 244

§ 59
 § 78
 § 59
 BGH