Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=V%20R%2055/95
Timestamp: 2020-02-22 15:02:16+00:00

Document:
BFH, 18.04.1996 - V R 55/95 - dejure.org
https://dejure.org/1996,739
BFH, 18.04.1996 - V R 55/95 (https://dejure.org/1996,739)
BFH, Entscheidung vom 18.04.1996 - V R 55/95 (https://dejure.org/1996,739)
BFH, Entscheidung vom 18. April 1996 - V R 55/95 (https://dejure.org/1996,739)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1996,739) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
AO 1977 §§ 227, 240, 222, 234 Abs. 2; KO § 58 Nr. 2, § 60 Abs. 1, § 82
Säumniszuschläge bei Konkurs - Zahlung von Umsatzsteuer durch den Konkursverwalter - Erlaß von Säumniszuschlägen
Kein voller Erlass von Säumniszuschlägen auf fällige Umsatzsteuer trotz zunächst fehlender Liquidität der Konkursmasse
§§ 227, 240, 222, 234 Abs. 2 AO; §§ 58 Nr. 2, 60 Abs. 1, 82 KO
Abgabenordnung; Erlaß von Säumniszuschlägen im Konkursverfahren
AO 1977 § 227, AO 1977 § 240, AO 1977 § 234, KO § 58 Nr 2
Konkurs; Massekosten
FG Düsseldorf, 19.09.1995 - 12 K 3698/94
BFHE 180, 516
ZIP 1996, 1876
BB 1996, 2609
BStBl II 1996, 561
In dieser zweiten Funktion entsprechen Säumniszuschläge den Aussetzungs- (§§ 237, 238 AO) oder Stundungszinsen (§ 234 AO), die unabhängig von einem Verschulden des Steuerschuldners anfallen (vgl. etwa BFH-Beschluss vom 02.03.2017 - II B 33/16, BFHE 257, 27, BStBl II 2017, 646, Rz 32; BFH-Urteile vom 30.03.2006 - V R 2/04, BFHE 212, 23, BStBl II 2006, 612, Rz 17, und vom 18.04.1996 - V R 55/95, BFHE 180, 516, BStBl II 1996, 561).
bb) Im regulären Insolvenzverfahren können Säumniszuschläge anfallen, wenn Masseverbindlichkeiten nicht beglichen werden (vgl. § 39 Abs. 1 Nr. 1 InsO; Heuermann/ Hepp/Spitaler --HHSp--, § 240 AO Rz 97; Klein/Rüsken, AO, 14. Aufl., § 240 Rz 49; Sinz in Uhlenbruck, Insolvenzordnung, 15. Aufl., § 38 Rz 67 ff., 71; BFH-Urteil in BFHE 180, 516, BStBl II 1996, 561, zur KO).
Ob ihre Erhebung aus persönlichen oder --anderen-- sachlichen Gründen unbillig ist, ist aufgrund der besonderen Umstände des Einzelfalls unter Beachtung der für Maßnahmen i.S. der §§ 163, 227 AO 1977 geltenden Grundsätze zu entscheiden (vgl. Urteil in BFHE 180, 516, BStBl II 1996, 561, m.w.N.).
Sie sind --wie im Streitfall geschehen-- nur zur Hälfte zu erlassen, denn ein Säumiger soll grundsätzlich nicht besser stehen als ein Steuerpflichtiger, dem Aussetzung der Vollziehung oder Stundung gewährt wurde (ständige Rechtsprechung, klarstellend zuletzt BFH-Beschluß vom 21. April 1999 VII B 347/98;… BFH-Urteil in BFH/NV 1999, 10; zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf die BFH-Urteile in BFHE 184, 193, BStBl II 1998, 7; vom 18. April 1996 V R 55/95, BFHE 180, 516, BStBl II 1996, 561, und in BFHE 165, 178, BStBl II 1991, 906 verwiesen;… vgl. auch BFH-Beschluß vom 20. Dezember 1988 X B 107/87, BFH/NV 1989, 761, m.w.N.).
Auch bei Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung ist jedoch ein weitergehender Erlaß der Säumniszuschläge möglich (z.B. BFH-Urteile in BFHE 184, 193, BStBl II 1998, 7; BFHE 180, 516, BStBl II 1996, 561;… BFH-Beschluß vom 4. Januar 1996 VII B 209/95, BFH/NV 1996, 526).
a) Ein Erlaß der Säumniszuschläge, auch soweit sie Zinscharakter haben und die durch die Säumnis bedingten Verwaltungsaufwendungen abgelten, kann aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Steuerpflichtigen dann gerechtfertigt sein, wenn die Voraussetzungen für einen Verzicht auf die Festsetzung von Stundungszinsen aus Billigkeitsgründen (§ 234 Abs. 2 AO 1977) erfüllt gewesen wären (BFH-Urteil in BFHE 184, 193, BStBl II 1998, 7; vgl. auch Urteil in BFHE 180, 516, BStBl II 1996, 561).
Ob ihre Erhebung aus persönlichen oder --anderen-- sachlichen Gründen unbillig ist, ist aufgrund der besonderen Umstände des Einzelfalls unter Beachtung der für Maßnahmen i.S. der §§ 163, 227 AO 1977 geltenden Grundsätze zu entscheiden (vgl. Urteile in BFHE 184, 193, BStBl II 1998, 7; BFHE 180, 516, BStBl II 1996, 561, m.w.N.).
Diese dienen - wie im Steuerrecht - weiterhin dazu, den Trägern der Sozialversicherung einen gesetzlich standardisierten Mindestschadensausgleich zu gewähren und zugleich Druck auf den Schuldner auszuüben (vgl BFHE 180, 516, 517; 184, 193, 196).
Der BFH hat zur Auslegung der §§ 227, 240 AO mit Urteil vom 18. April 1996 - VR 55/95 (= BFHE 180, 516) entschieden, der Umstand, daß ein Konkursverwalter aus konkurs- und haftungsrechtlichen Gründen fällige Steuern nicht zahlen dürfe, weil noch nicht feststehe, ob die Konkursmasse zur Begleichung vorrangiger Masseschulden ausreiche, gebiete für sich allein nicht den Erlaß sämtlicher Säumniszuschläge.
Daher werden Zinsen nach § 233 ff. AO als das laufzeitabhängige Entgelt für den Gebrauch eines auf Zeit überlassenen oder vorenthaltenen Geldkapitals angesehen (BFH-Urteil vom 18. April 1996 V R 55/95, BStBl II 1996, 561, unter II.3.a; Heuermann in Hübschmann/Hepp/Spitaler, AO/FGO, Stand: Juni 2018, § 233 Rz 4).
Deshalb sind sie --wie auch im Streitfall geschehen-- regelmäßig nur zur Hälfte zu erlassen, wenn sie lediglich ihren weiteren Zweck (als Druckmittel zur pünktlichen Steuerzahlung) verfehlen würden (vgl. schon BFH-Urteile vom 29. August 1991 V R 78/86, BFHE 165, 78, BStBl II 1991, 906; vom 18. April 1996 V R 55/95, BFHE 180, 516, BStBl II 1996, 561, und in BFHE 184, 193, BStBl II 1998, 7).
VG Schleswig, 28.01.2020 - 4 B 64/19
Grundsteuer - Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung
Die Entscheidung der Gemeinde über einen Stundungsantrag aus Billigkeitsgründen ist eine Ermessensentscheidung, wobei Inhalt und Grenzen des pflichtgemäßen Ermessens durch den Maßstab der Billigkeit bestimmt werden (vgl. BVerwG…, Urteil vom 23. August 1990 - 8 C 42/88 -, Rn. 19, juris; vgl. BFH…, Urteil vom 12. Juni 1996 - II R 71/94 -, Rn. 15, juris; Urteil vom 18. April 1996 - V R 55/95 -, Rn. 10, juris).
Wegen der Begründung im einzelnen wird zur Vermeidung von Wiederholungen auf die BFH-Urteile vom 29. August 1991 V R 78/86 (BFHE 165, 178, BStBl II 1991, 906), vom 18. April 1996 V R 55/95 (BFHE 180, 516 [BFH 18.04.1996 - V R 55/95], BStBl II 1996, 561) und vom 16. Juli 1997 XI R 32/96 (BFHE 184, 193, BStBl II 1998, 7) Bezug genommen.
§ 234 Abs. 2 AO ist lex specialis zur allgemeinen Regelung über den Erlass von Ansprüchen aus dem Steuerschuldverhältnis in § 227 AO; die Voraussetzungen beider Vorschriften für den Verzicht bzw. den Erlass aus Billigkeitsgründen stimmen überein (BFH-Urteil vom 18. April 1996 V R 55/95, Bundessteuerblatt -BStBl- II 1996, 561; Heuermann in Hübschmann/Hepp/Spitaler, Abgabenordnung/Finanzgerichtsordnung Kommentar, § 234 AO Rz. 20, m.w.N.).
aa) Die Erhebung von Stundungszinsen nach § 234 Abs. 1 AO bezweckt den Ausgleich des Vorteils der verbleibenden Kapitalnutzung, der mit der Verschiebung der Fälligkeit durch die Stundung verbunden ist (BFH-Urteil vom 18. April 1996 V R 55/95, BStBl II 1996, 561).
FG München, 13.04.2005 - 1 K 1009/04
Kein Verzicht auf Stundungszinsen wegen anderweitig ausstehender Forderungen des …
FG Düsseldorf, 06.03.2002 - 4 K 5368/00
BFH, 25.02.1999 - VII B 150/98
BFH, 05.02.1997 - V B 154/96
Anforderungen an die Darlegung der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache und …

References: § 58
 § 60
 § 82
 § 227
 § 240
 § 234
 § 58
 § 39
 § 240
 § 240
 § 38
 § 233
 § 233

§ 234
 § 227
 § 234
 § 234