Source: https://www.flugrechte.eu/6791/flugversp%C3%A4tung-um-12-stunden-und-somit-anreise-am-folgetag
Timestamp: 2020-07-11 04:40:43+00:00

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Flugverspätung um 12 Stunden und somit Anreise am Folgetag - FLUGGASTRECHTE
wir fliegen als Familie im Juni in den Sommerurlaub nach Ägypten. Ursprünglicher Hinflug war morgen um 09:25. heute kam die Flugzeitänderung. Der Hinflug ist jetzt abends um 21:00 und wir landen erst um 01:25 am Folgetag. Unser erster Urlaubstag ist komplett weg. Muss ich das so hinnehmen und könnte man auch stornieren?
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Gefragt 22, Apr 2016 in Flugzeitenverschiebung von Nadine (120 Punkte)
wieder getaggt 22, Apr 2016 von admin
du hast im Juni einen Sommerurlaub mit der Familie nach Ägypten geplant. Leider musstest du nun erfahren, dass ihr Opfer einer Flugzeitenverlegung wurdet. Der Abflug wurde von 9.25 Uhr auf 21: 05 verschoben. Du fragst dich nun, ob du dies hinnehmen musst oder gegebenenfalls Ansprüche geltend machen kannst. Mangels weiterer Ausführungen gehe ich davon aus, dass du lediglich die Flüge gebucht hast.
In deinem Fall wurde die Abflugzeit um 11, 5 Stunden verschoben. Dies kann sowohl eine große Verspätung, als auch eine Annullierung darstellen. Die beiden Begrifflichkeiten unterscheiden sich darin, dass es bei der großen Verspätung (wortgerecht) auf die verspätete Ankunft am Zielflughafen ankommt. Eine Annullierung wird hingegen angenommen, wenn das Luftfahrtunternehmen seine ursprüngliche Flugplanung für die vorgesehene Strecke aufgeben muss.
Meiner Ansicht ist es jedoch völlig egal, ob man eine Verspätung von 11,5 Stunden nun als große Verspätung oder als Annullierung zu betrachten ist. Laut einem Urteil des EuGH ist es nämlich so, dass auch bei einer großen Verspätung die Ansprüche, welche sich aus der Annullierung ergeben, analog herangezogen werden können. Das bedeutet, dass du bei einer Verspätung von 11, 5 Stunden die in Art. 5 VO (Annullierung) genannten Ansprüche geltend machen kannst, soweit deren Voraussetzungen erfüllt sind.
Ich gehe davon aus, dass die 2 Wochen noch nicht unterschritten wurden. Des Weiteren kommt aber auch ein Anspruch gemäß Art. 8 VO in Betracht.
Ein Anspruch nach Art. 9 VO scheidet als Anspruchsgrundlage von vornherein aus, da er einen Zeitpunkt betrifft, zu welchem sich der Fluggast schon am Flughafen oder zumindest in einem Hotel befinden muss.
Ich komme abschließend zu dem Ergebnis, dass es meiner Ansicht nach am sinnvollsten wäre sich die Flugscheinkosten gemäß Art. 8 Abs.1 a VO zurückerstatten zu lassen. Dies spiegelt lediglich meine persönliche Meinung wider und soll keinen Rechtsrat darstellen.
Sie fliegen als Familie im Juni in den Sommerurlaub nach Ägypten. Ihr ursprünglicher Hinflug war morgens um 09:25 Uhr. Heute kam die Flugzeitenänderung. Der Hinflug ist jetzt abends um 21:00 und Sie landen erst um 01:25 am Folgetag. Ihr erster Urlaubstag ist komplett weg.
Wird ein Flug um so viele Stunden verschoben, so kann darin bereits eine Annullierung gesehen werden.
Diese Voraussetzung liegt im vorliegenden Fall vor. Doch leider entfällt ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen, wenn der Fluggast mindestens zwei Wochen vor dem planmäßigen Abflug informiert wird. Da Ihr Flug im Juni gehen soll, ist dies hier der Fall.
Trotzdessen können Sie bei einer Annullierung Ihres ursprünglichen Fluges zwischen diesen drei Optionen wählen:
Somit abschließend zu Ihrer Frage: Nein Sie müssen das nicht einfach so hinnehmen und ja Sie können den Flug stornieren.
du hast einen Urlaub gebucht, wobei du nun über die Änderung der Flugzeiten unterrichtest wurdest. Es mangelt deinen Angaben leider an ein paar Details. Auch auf die Gefahr hin, dass du die weiteren Ausführungen als überflüssig erachtest, möchte ich dir einen kurzen Überblick über mögliche Ansprüche aus dem Reisevertragsrecht geben. Häufig werden Urlaube nach Ägypten nämlich als Pauschalreise verkauft, sodass sich Ansprüche aus dem BGB ergeben können.
Eine Pauschalreise ist eine Reise, bei der ein Reiseveranstalter eine Gesamtheit von Reiseleistungen zu einem einheitlichen Gesamtpreis und im eigenen Namen verspricht zu erbringen. Dies kennzeichnet sich häufig dadurch aus, dass beispielsweise Flug, Unterkunft und ggf. Transport in einem Paket angeboten werden. Falls dies auf dich zutrifft, wäre die erste Hürde geschafft.
Des Weiteren müsste der Reisevertrag mangelbehaftet sein. Ein Reisemangel im Sinne von § 651 c BGB ist jede nutzenschmälernde Abweichung der Ist- von der Sollbeschaffenheit. Allerdings müssen der Massencharakter von Pauschalreisen und die Ortsüblichkeit beachtet werden. Der Reisemangel muss die Erholungsmöglichkeit der Urlaubsreise verhindern. Hier wäre ein Reisemangel wegen der Flugzeitenverschiebung denkbar. Zum einen kann die Verspätung an sich einen Reisemangel darstellen, da dir deswegen weniger Zeit am Urlaubsort verbleibt. Zum anderen kann auch die späte Ankunft im Hotel einen Reisemangel darstellen, wenn man dadurch die Nachtruhe als gestört betrachtet wird.
Ob die Flugzeitenverschiebung an sich in deinem Fall einen Reisemangel darstellt, ist meiner Ansicht nach fraglich. Ich halte es aber für vertretbar das Vorliegen eines Reisemangels wegen gestörter Nachtruhe zu bejahen. Daher denke ich, dass dir ein Anspruch auf Reisepreisminderung zu stehen könnte, soweit der Reiseveranstalter diesen Reisemangel auch zu vertreten hat.
Das Vertretenmüssen richtet sich nach den §§ 276 ff BGB. Maßstab ist die einem ordentlichen Reiseveranstalter obliegende Sorgfaltspflicht zur gewissenhaften Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Reise. Für die von ihm eingeschalteten Leistungsträger muss er gemäß § 278 BGB einstehen, weil diese als seine Erfüllungsgehilfen tätig werden. Daher ist das Luftfahrtunternehmen, welches eine verspätete Ankunft zu verantworten hat, Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters. Dabei liegt es in der Pflicht des Reiseveranstalters nachweisen, dass er die schädigenden Umstände nicht zu vertreten hat. Da die Nachweispflicht beim Reiseveranstalter liegt, kann sein Vertretenmüssen meiner Ansicht nach vermutet werden.
Die Flugzeitenverschiebung stellt meiner Ansicht nach einen Reisemangel dar, welchen der Reiseveranstalter auch zu vertreten hat. Es wäre daher sinnvoll den Kontakt zum Anspruchsgegener (Reiseveranstalter) aufzunehmen.
im Folgenden gehe ich davon aus, dass es sich um eine Nur-Flug-Verbindung handelt, d.h. die Flüge nicht in Kombination mit einer Übernachtung etc. gebucht wurden.
Bei einer Nur-Flug-Buchung greift die europäische Fluggastrechteverordnung.
Demnach kann ab einer Verschiebung der Flugzeiten von 10 Stunden eine Annullierung angenommen werden, die uns zu Artikel 7 der Verordnung führt. In diesem Artikel wird eine Aufreihung von möglichen Ausgleichsleistungen gemacht, die sich in Abhängigkeit von der Flugdistanz ergeben.
Da Ihr Flug allerdings erst im Sommer abfliegen soll, muss die Airline diese Ausgleichszahlungen nicht gewährleisten. Allerdings stehen Ihnen immer noch folgende Möglichkeiten aus Artikel 8 zur Verfügung:
Ihre beste Möglichkeit ist also, nach einer alternativen Flugverbindung zu fragen oder nach einer alternativen Flugroute bei einer anderen Airline zu suchen.
Bearbeitet 23, Apr 2016 von Bugrad
hier greift die Fluggastrechteverordnung (EG) 261/2004. Ich gehe einfach mal davon aus, dass es sich in deinem Fall um eine Pauschalreise handelt. Hier regelt die VO ziemlich klar ab wann eine Entschädigung oder Ausgleichszahlung von den Fluggesellschaften an die Fluggäste zu zahlen ist.
Es ist zuerst wichtig, dass du die Fluggesellschaft spätestens ein Monat nach der Reise in den Verzug setzt mit einem Schreiben.
Da deine Verspätung über drei Stunden deutlich hinausgeht, kannst du mit einer Entschädigung und sogar mit einer Ausgleichszahlung rechnen. Eine Stornierung kommt hier ebenso in Frage. Die Fluggesellschaft muss in dem Fall eine Ausgleichszahlung zwischen 250 und 600 EURO por Person zahlen. Die Fluggesellschaft muss jedoch selbst für die Verspätung verantrwortlich sein, es dürfen also keine außergewöhnlichen Umstände statt gefunden haben.
Die Höhe der Ausgleichszhalung ist abhängig von der Länge der Strecke:
- unter 2.500 km 250 EURO
- 1.500 bis 3.500 km 400 EURO
- über 3.500 km 600 EURO
Da die Verlegung des Fluges bei dir sage und schreibe 12 Stunden beträgt, gleicht diese laut der VO einer Flugannullierung. Aus dem Grund ist es möglich von der Reise zurückzutreten.
In diesem Urteil wird dies noch mal bestätigt. Eine Verlegung des Fluges um 10 Stunden gleicht einer Annullierung.
Die Flugzeiten bei einer Pauschalreise sind ein Bestandteil der Reise und somit verbindlich.
Weiterhin muss die Fluggesellschaft rechtzeitig über die Verspätung oder Vorverlegung den Fluggast informieren. Das kann in deinem Fall bestätigt werden.
Auch wenn die Fluggesellschaft früh genug über die Verspätung informiert hat, ist diese definitiv unzumtbar für den Fluggast. Aus diesem Grund kannst du Reise stornieren. Da es jedoch der Bestandteil einer ganzen Pauschalreise ist, kann der Flug an sich nicht so einfach storniert werden.
Beantwortet 28, Apr 2016 von HeliMoon (4,440 Punkte)
Sie haben für Ihren Sommerurlaub einen Flug nach Ägypten gebucht. Der Flug sollte ursprünglich morgens um 9:25 stattfinden. Nun wurden Sie jedoch darüber informiert, dass der Flug auf abends um 21:00 verlegt wurde. Sie landen erst um 01:25 am Folgetag.
Bei einer so erheblichen Flugverspätung handelt es sich bereits um eine Annullierung des ursprünglich gebuchten Fluges.
Gemäß Artikel 5 Absatz 1 c) i) entfällt der Anspruch auf Ausgleichszahlungen jedoch, wenn Sie über die Annullierung mindestens zwei Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit unterrichtet werden. In Ihrem Fall wurden Sie bereits im April über die Verschiebung des Fluges der im Sommer stattfinden soll, unterrichtet. Die Frist wurde also eingehalten. Sie haben also leider keinen Anspruch auf Ausgleichszahlungen.
Beantwortet 29, Apr 2016 von MajorTommie (16,440 Punkte)
Sie haben einen Urlaub in Ägypten geplant.
Nun wurden Sie darüber infomiert, dass die Flugzeiten verlegt wurden, von 9:25 Uhr auf 21:05.
Dies stellt meines Erachtens nach eine Annulierung ihres ursprünglichen Fluges dar.
Am sinnvollsten erscheint es mir, wenn Sie sich die Flugscheinkosten erstatten lassen würden.
Sie fliegen im Juni in den Urlaub nach Ägypten. Sie wurden am 22.04. darüber informiert, dass Ihr Hinflug von 9:25 auf 21:00 Uhr geändert wurde.
Der Start Ihres Fluges wurde bei einer derart großen Verschiebung von den Morgen- auf die Abendstunden wahrscheinlich gänzlich aufgegeben - dies können Sie außerdem nachprüfen, indem Sie überprüfen ob Änderungen der Flugnummer vorgenommen wurden. Es ist wahrscheinlich von einer Annulierung zu sprechen.
Wegen der Annulierung könnten Sie einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen gemäß Artikel 5, 7 EU-Fluggastrechteverordnung haben. Solch ein möglicher Anspruch würde gemäß Artikel 5 (1) c) i) aber entfallen, soweit ein Fluggast über eine Annulierung mindestens zwei Wochen vor dem planmäßigen Abflug unterrichtet wird. Sie wurden im April informiert, und zwar für eine Reise die für Juni geplant war. Damit steht Ihnen wahrscheinlich leider kein Anspruch auf Ausgleichszahlungen zu.
Die aus Artikel 8 hervorgehenden Möglichkeiten sind Ihre Optionen, also auch die Option einer Stornierung. Sie können sich nach anderen, Ihnen besser passenden Flügen erkundigen, oder aber sich die Ticketkosten erstatten zu lassen.
in dem von Ihnen geschilderten Fall könnten Sie entweder nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung oder nach allgemeinem Reisevertragsrecht einen Anspruch darauf haben, den Flug bzw. die gesamte Reise zu "stornieren". Entscheidend dafür, welche Rechtsgrundlage auf Ihren Fall Anwendung finden kann, ist, ob es sich bei dem betroffenen Flug um einen Teil einer Pauschalreise oder um einen Nur-Flug handelt, der separat und direkt bei der Airline gebucht wurde.
Anspruch gem. Art. 5 und 8 VO(EG) 261/2004
In beiden Fällen findet zunächst einmal die europäische Fluggastrechte-VO Anwendung. Hiernach hat ein Reisender, dessen Flug annulliert wurde, gem. Art. 8 Abs. 1 a) VO einen Anspruch darauf, den Flug unter den geänderten Bedingungen nicht anzutreten und die Kosten für die Flugtickets von der Fluggesellschaft zurückzufordern. Dies bezieht sich allerdings allein auf die Kosten für den Flug. Sollten Sie separat hierzu Übernachtung, Mietwagen ect gebucht haben und wollen auch dies stornieren, haben Sie nach der VO hierauf keinen Anspruch. Daher ist es durchaus denkbar, dass Sie bei diesen Dingen mit Stornierungsgebühren rechnen müssen.
Anspruch nach § 651a Abs. 5 BGB
Handelt es sich bei dem Flug um einen Teil einer Pauschalreise, könnten Sie alternativ zu dem oben genannten Anspruch auch einen Anspruch auf kostenlose Stornierung der gesamten Reise gegen den Reiseveranstalter haben. Voraussetzung hierfür ist, dass die Änderung der Flugzeiten eine erhebliche Änderung einer wesentlichen Reiseleistung darstellt. Dies ist in Ihrem Fall von der Rechtsprechung allein aus dem Grund anerkannt, dass die Änderung der Flugzeiten zu einer Verkürzung der Nachtruhe führt. Vergl. hierzu u.a. AG Düsseldorf, Urteil v. 14.10.2008, AZ: 232 C 8790/08. Dieses Urteil kann im Ganzen bei Interesse nachgelesen werden, indem Sie bei Google Folgendes suchen: "Reise-Recht-Wiki.de 232 C 8790/08". D.h. gem. dieser Vorschrift können Sie in Ihrem Fall auch von der gesamten Reise zurücktreten und die Erstattung der gesamten Reisekosten verlangen.

References: EuGH 
 Art. 5
 Art. 8
 Art. 9
 Art. 8
 § 651
 § 278
 Art. 5
 Art. 8
 § 651