Source: https://www.strafrecht-nuernberg.de/strafrecht/koerperverletzungs-toetungsdelikte/
Timestamp: 2018-12-12 18:21:24+00:00

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Gewalt- und Tötungsdelikte | Grundlegende Informationen ;
Die Körperverletzungsdelikte sind in den §§ 223 ff. des Strafgesetzbuches geregelt. Man unterscheidet als Tatvorwurf insbesondere die
vorsätzliche Körperverletzung § 223 StGB
Der Tatvorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung ist in § 223 Abs. 1 StGB und der versuchten Körperverletzung in § 223 Abs. 2 StGB unter Strafe gestellt. Voraussetzung ist eine körperliche Misshandlung oder Gesundheitsschädigung einer anderen Person. Dabei ist unter einer körperlichen Misshandlung jede üble, unangemessene Behandlung zu verstehen, die das körperliche Wohlbefinden nicht nur unerheblich beeinträchtigt. Eine Gesundheitsschädigung liegt vor, wenn ein krankhafter Zustand hervorgerufen bzw. gesteigert wird. Als Strafe droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.
Der Tatvorwurf der gefährlichen Körperverletzung gem. § 224 StGB setzt ebenso wie die vorsätzliche Körperverletzung die körperliche Misshandlung bzw. Gesundheitsschädigung einer anderen Person voraus. Allerdings muss die Tat auf eine bestimmte, von § 224 StGB vorgeschriebene, Art und Weise begangen werden. Die in der Praxis häufigsten Tatmodalitäten sind die gemeinschaftliche Körperverletzung, die Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug und die Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung.
Zunächst wird in § 224 StGB die Beibringung von Gift oder eines anderen gesundheitsschädlichen Stoffes genannt. Gift ist dabei ein (an)organischer Stoff, der chemisch oder chemisch-physikalisch wirkt, z.B. Rauschgift oder Pfefferspray. Ein anderer Stoff ist ein solcher, der konkret dazu geeignet ist, die Gesundheit zu schädigen, z.B. heißes Wasser.
Ein weiterer Fall ist die Benutzung einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs. Ein gefährliches Werkzeug kann jeder Gegenstand sein, der nach seiner objektiven Beschaffenheit und konkreten Art der Verwendung dazu geeignet ist, erhebliche Verletzungen hervorzurufen. Somit können auch eine Plastiktüte, eine Luftpumpe, ein Telefonhörer oder ein Bleistift ein gefährliches Werkzeug darstellen. Eine Waffe ist ein Gegenstand, der allgemein dazu bestimmt ist, Menschen durch seine Wirkung mechanisch oder chemisch zu verletzen, wie eine Pistole oder ein Messer.
Weitere Tatvarianten sind der hinterlistige Überfall, also ein plötzlicher Angriff, bei dem der Beschuldigte seine Angriffspläne planmäßig verdeckt (z.B. beim Auflauern) und die gemeinschaftliche Begehung mit einem anderen Beteiligten, wobei mindestens zwei Personen dem Opfer unmittelbar gegenübertreten müssen, denn nur dann ist ein gefahrerhöhendes örtliches Zusammenwirken zu bejahen. Eine Mittäterschaft der beiden ist allerdings nicht erforderlich.
Schließlich wird in § 224 StGB die lebensgefährdende Behandlung als Tatmodalität der gefährlichen Körperverletzung benannt. Hierbei muss die Begehungsweise nach den konkreten Umständen objektiv generell dazu geeignet sein, das Leben des Opfers zu gefährden. Nicht nötig ist also eine tatsächliche Lebensgefahr für das Opfer. Auch hier ist gem. § 224 Abs. 2 StGB bereits der Versuch strafbar.
Sanktioniert wird die gefährliche Körperverletzung mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Der Unterschied zur „normalen“ Körperverletzung ist gewaltig. Entscheidend ist, dass grundsätzlich keine Geldstrafe mehr in Betracht kommt und bei einer Verurteilung ein Eintrag ins Führungszeugnis zu erwarten steht, obwohl die Verletzungsfolgen evtl. sogar geringer sind, aber weil beispielsweise zwei Personen beteiligt waren oder ein Gegenstand benutzt wurde und somit der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung gem. § 224 StGB erfüllt wurde.
Auch bei dem Tatvorwurf der schweren Körperverletzung gem. § 226 StGB muss eine Körperverletzung i.S.d. § 223 StGB vorliegen. Bei dem Tatvorwurf der schweren Körperverletzung gem. § 226 StGB wird anders als bei der gefährlichen Körperverletzung nicht auf die Art der Tatbegehung, sondern auf die Folgen der Tat abgestellt. Eine schwere Körperverletzung liegt vor, wenn die verletzte Person das Sehvermögen auf einem oder beiden Augen, das Gehör, das Sprechvermögen, die Fortpflanzungsfähigkeit oder ein wichtiges Glied verliert bzw. dauerhaft nicht mehr gebrauchen kann (innere Organe werden nicht erfasst). Auch wenn die Körperverletzung die dauerhafte Entstellung des Opfers, Behinderung, geistige Krankheit, Lähmung oder Siechtum zur Folge hat, ist § 226 erfüllt. Handelt der Beschuldigte hinsichtlich des Eintritts der schweren Folge fahrlässig oder nimmt er sie in Kauf, ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. Verursacht er die Folge aber wissentlich oder sogar absichtlich, wird er mit Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren bestraft. Ob Vorsatz oder Fahrlässigkeit vorliegen, ist für die Strafandrohung von enormer Bedeutung. Da es sich bei der schweren Körperverletzung gem. § 226 StGB um ein Verbrechen handelt, ist der Versuch stets strafbar.
Wegen dem Tatvorwurf der fahrlässigen Körperverletzung gem. § 229 StGB wird bestraft, wer fahrlässig die Körperverletzung einer anderen Person verursacht. Voraussetzung hierfür ist, dass eine Sorgfaltspflichtverletzung vorliegt und der Erfolg für den Beschuldigten objektiv sowie subjektiv vorhersehbar und vermeidbar war. Die Sorgfaltspflicht, einer anderen Person keinen Schaden zuzufügen, wird durch die Verursachung einer körperlichen Misshandlung oder Gesundheitsschädigung verletzt. Die fahrlässige Körperverletzung ist die schwächste Form der Körperverletzungsdelikte und wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft. Einen Versuch der fahrlässigen Körperverletzung gibt es nicht, da bei einem Fahrlässigkeitsdelikt kein Vorsatz gegeben ist.
Gerade bei dem Tatvorwurf der Körperverletzung ist es wichtig, einen erfahrenen Strafverteidiger an Ihrer Seite zu haben. Aufgrund der Abstufungen der Körperverletzungsdelikte ergeben sich zum Teil horrende Strafandrohungen, aber auch eine Vielzahl von Verteidigungsmöglichkeiten. Hinzu kommen regelmäßig erhebliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen der Geschädigten.
Je nach Fallgestaltung kann Ihnen ein Fachanwalt für Strafrecht den sinnvollsten Weg der Verteidigung aufzeigen und Sie bestmöglich beraten. Handlungsmöglichkeiten bzw. Verteidigungsmöglichkeiten gibt es viele, die jedoch je nach Fallkonstellation erkannt und genutzt werden müssen. Beispielsweise kann bereits im Ermittlungsverfahren versucht werden, eine Einstellung zu erwirken, den erfüllten Tatbestand herunterzustufen – hierbei kommt es oft auf Nuancen und die exakte Wortwahl an –, den Sachverhalt bestmöglich aus Sicht des Beschuldigten darzustellen, die Hintergründe darzustellen, die Täterschaft des Beschuldigten zu verneinen, die Glaubwürdigkeit des Anzeigeerstatters anzugreifen, auf Beweisschwierigkeiten hinzuweisen und diese zu nutzen, Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen zu nutzen, einen Täter-Opfer-Ausgleich vorzunehmen und gleichzeitig die Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche abschließen zu klären, schuldmindernde Umstände gelten zu machen – beispielsweise Provokation, Notwehr, Alkoholisierung, etc. –, eine Gerichtsverhandlung zu vermeiden, etc.
Selbstverständlich müssen auch die Nebenfolgen einer Verurteilung im Auge behalten werden, beispielsweise Schmerzensgeld und Schadenersatz, Führungszeugniseintrag, Fahrerlaubnis, Zuverlässigkeitserfordernis für verwaltungsrechtliche und gewerbliche Genehmigungen, Sicherheitsüberprüfung, etc.
Nicht selten ist bei Körperverletzungsdelikten Alkohol im Spiel. In diesem Zusammenhang kommt es wesentlich auf den Alkoholisierungsgrad und die Befragung von Zeugen, die oft selbst nicht nüchtern waren, an. Ab einem Wert von ca. 3,0 Promille kommt Schuldunfähigkeit, ab einem Wert von 2,0 Promille kommt verminderte Schuldunfähigkeit in Betracht. Die Werte sind jedoch nicht fest und variieren je nach Beschuldigtem, Konsummuster und Tatsituation.
Aufgrund er zum Teil hohen Strafandrohung – regelmäßig hört man bei Gericht, dass ein Faustschlag ins Gesicht 10 Monate Freiheitsstrafe „wert“ ist – und der finanziellen Folgen ist es ratsam, zunächst in jedem Falle von seinem Schweigerecht Gebrauch zu machen und der polizeilichen Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung keine Folge zu leisten. Über den Strafverteidiger kann man Akteneinsicht erlangen und sodann überlegt und gut informiert die Verteidigung planen.
Die Tötungsdelikte sind in den §§ 211ff. des Strafgesetzbuches geregelt. Als Tatvorwürfe sind dies insbesondere:
Versuchter Totschlag / Totschlag § 212 StGB
versuchter Mord / Mord § 211 StGB
Der Tatvorwurf des Totschlags ist in § 212 StGB geregelt. Bestraft wird, wer einen Menschen tötet oder versucht, einen Menschen zu töten.
Beim Vorwurf des Totschlags kommt insbesondere dem Vorsatz des Beschuldigten eine herausragende Rolle zu, denn nach wie vor gilt, dass die Hemmschwelle zur Tötung eines Menschen als hoch anzusiedeln ist und insoweit die Abgrenzung zur Körperverletzung mit Todesfolge oder fahrlässiger Tötung von entscheidender Bedeutung ist. Vertraute der Beschuldigte anhand bestimmter Anhaltspunkte darauf, dass der Todeserfolg ausbleibt, ist im Zweifel nur (bewusste) Fahrlässigkeit gegeben. Die Verteidigung hat je nach Fallgestaltung jedoch bereits viel früher einzusetzen, beispielsweise bereits die Täterschaft des Beschuldigten zu verneinen, etc. Zu den Verteidigungsmöglichkeiten erfahren Sie weiter unten mehr. Hofft der Beschuldigte allerdings nur, dass der Todeserfolg ausbleibt, wirkt objektiv aber massiv auf das Gegenteil hin (z.B. bei extremer Gewaltanwendung), bleibt für die Annahme einer Hemmschwelle meist kein Raum mehr und der Beschuldigter nahm den Tod zumindest billigend in Kauf, sodass der Tötungsvorsatz zu bejahen ist. Als Strafe droht § 212 StGB mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.
Da es sich bei § 212 StGB um ein Verbrechen handelt, ist auch der Tatvorwurf des versuchten Totschlags strafbar. Ein Versuch liegt immer dann vor, wenn der Totschlag nicht vollendet wurde, das Opfer also den Angriff überlebt. Voraussetzung der Strafbarkeit des versuchten Totschlags ist, dass der Beschuldigte Vorsatz bezüglich der Tötung eines Menschen hatte und zu dieser Tat auch bereits unmittelbar angesetzt hat. Wann ein unmittelbares Ansetzen vorliegt, ist je nach Einzelfall genau zu untersuchen. Die Vorstellung des Beschuldigten muss jedoch bereits darauf gerichtet sein, ohne wesentliche Zwischenakte zur Tat zur schreiten.
Grundsätzlich besteht für den versuchten Totschlag derselbe Strafrahmen, der auch für den vollendeten Totschlag gilt – also Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren. Allerdings eröffnet das Gesetz die Möglichkeit, den versuchten Totschlag milder zu bestrafen als mit der Untergrenze von 5 Jahren. Hierbei sind alle Umstände der Tat zu beachten, insbesondere die Nähe zur Vollendung und die Gefährlichkeit des Angriffs. Von dieser Möglichkeit muss das Gericht jedoch keinen Gebrauch machen, vielmehr steht es im Ermessen des Gerichts, ob es eine Milderung des Strafrahmens vornimmt oder nicht.
Eine Besonderheit bei dem Vorwurf des versuchten Totschlags, die die Verteidigung immer im Blick haben und aufgreifen muss, ist der Umstand, dass der Beschuldigte von der Vollendung Tat strafbefreiend zurücktreten kann. Stichwort: Strafbefreiender Rücktritt vom Versuch. Hierzu ist erforderlich, dass der Beschuldigte freiwillig die weitere Ausführung der Tat aufgibt oder, wenn ein Aufgeben den Erfolgseintritt nicht mehr aufhalten würde, diesen verhindert, also aktiv zur Erfolgsabwendung einschreitet. Wird die Tat ohne Zutun des Zurücktretenden nicht vollendet, sollten dem Beschuldigten also z.B. Dritte zuvorkommen, die das Opfer retten, so kann er dennoch zurücktreten, wenn er sich ernsthaft bemüht hat, den Erfolg abzuwenden.
Der versuchte Totschlag ist insbesondere von der gefährlichen Körperverletzung abzugrenzen, entscheidend ist hierbei der Vorsatz des Beschuldigten. Nahm er billigend in Kauf, dass das Opfer sterben könnte, so liegt in der Regel Eventualvorsatz bzgl. des Todeseintritts vor. An dieser Stelle hat die Verteidigung dringend anzusetzen. Entscheidend ist bereits, ob der Beschuldigte aufgrund der Umstände des Einzelfalls, beispielsweise Alkoholisierung, Erregungszustand, Affekt, Gefährlichkeit des Handelns, etc. überhaupt die Möglichkeit des Todeseintritts erkannt hat. Stichwort: Wissens- und Willenselement beim dolus eventualis. Selbst wenn der Beschuldigte die Möglichkeit des Todeseintritts erkannt hat, stellt sich die Frage, ob er diesen billigend in Kauf genommen hat. Auch diesbezüglich sind die Umstände des Einzelfalls genauestens zu untersuchen und in der Verteidigung fruchtbar zu machen. Wie sind beispielsweise das Tat- und das Nachtatverhalten, die persönliche Beziehung zu dem Geschädigten, der Tathintergrund, die Gefährlichkeit des Handelns, etc. einzustufen und zu bewerten. Die Verteidigung hat unter diesem Anknüpfungspunkt die Möglichkeit, den Tatvorwurf des Versuchs des Totschlags zum Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung herunterzustufen, i.E. also die Untergrenze der Freiheitsstrafe von 5 Jahren auf 6 Monate zu verschieben.
§ 227 StGB stellt den Tatvorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge unter Strafe. Der Todeserfolg muss gerade durch die Körperverletzung verursacht worden sein. Hierbei genügt es jedoch, dass der Körperverletzungshandlung die Gefahr eines tödlichen Ausgangs innewohnt, z.B. wenn mit einer Pistole nach dem Kopf einer Person geschlagen wird und sich dabei ein Schuss löst. Hinsichtlich der Körperverletzung (§§ 223-226 StGB) muss Vorsatz vorliegen, bezüglich der Todesfolge genügt Fahrlässigkeit. Die Strafe beträgt hier Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. Da auch hier ein Verbrechen vorliegt, ist der Versuch strafbar.
Der Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung wird in § 222 StGB unter Strafe gestellt. Es wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht. Auch hier muss, wie bei der fahrlässigen Körperverletzung, eine Sorgfaltspflichtverletzung vorliegen und der Erfolg vorhersehbar sowie vermeidbar gewesen sein. Der Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung ist bezogen auf den Strafrahmen das am niedrigsten eingestufte Tötungsdelikt, da der Beschuldigte ohne Vorsatz handelte. Fahrlässige Tötungsdelikte stehen oft im Zusammenhang mit Unfällen im Straßenverkehr. Gleichzeitig sieht man sich mit enormen Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüchen konfrontiert. Oft gelingt es durch die Verteidigung, die Durchführung einer Gerichtsverhandlung zu vermeiden und auch eine Lösung der Forderungen herbeizuführen.
Der Tatvorwurf des Mordes ist in § 211 StGB unter Strafe gestellt. Neben der Tötung eines Menschen (wie in § 212 StGB) ist zusätzlich die Erfüllung eines in § 211 StGB aufgezählten Mordmerkmals erforderlich.
Mordmerkmale, die auf die Tat bezogen sind, sind die der Heimtücke, Grausamkeit und Anwendung gemeingefährlicher Mittel. Heimtückisch handelt, wer die Arg- und darauf beruhende Wehrlosigkeit des Opfers bewusst ausnutzt. Arglos ist das Opfer, wenn es sich in der konkreten Situation keines Angriffs versieht, wehrlos, wenn es infolge seiner Arglosigkeit außerstande ist, sich angemessen zu verteidigen. Dieser Angriff muss zudem in feindlicher Willensrichtung erfolgen. Grausam handelt, wer dem Opfer in gefühlloser, unbarmherziger Gesinnung Qualen zufügt, die über das für die Tötung erforderliche Maß hinausgehen. Ein gemeingefährliches Mittel ist anzunehmen, wenn durch den Einsatz des Mittels eine Gefahr für eine unbestimmte Anzahl an Personen entsteht, z.B. nächtliche Geisterfahrt im Kfz auf der Autobahn oder Brandstiftung im Wohnhaus.
Demgegenüber gibt es die täterbezogenen Mordmerkmale der Verdeckungs- bzw. Ermöglichungsabsicht, Mordlust, Habgier, niedrigen Beweggründe und Befriedigung des Geschlechtstriebs. Grundsätzlich sprechen die vorbenannten Mordmerkmale per definitionem für sich. Das Merkmal der niedrigen Beweggründe ist gegeben, wenn die Motivation des Täters nach allgemeiner sittlicher Anschauung verachtenswert ist und auf tiefster Stufe steht.
Der Mord stellt das schwerstmögliche Delikt gegen die körperliche Unversehrtheit dar und wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
Aus Verteidigungssicht gilt es zuvorderst, abgesehen von dem je nach Fallgestaltung möglichen Bestreiten der Täterschaft, das Vorliegen der Mordmerkmale anzugreifen. Auch der Tatvorwurf des versuchten Mordes ist strafbar und wird grundsätzlich mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft, wobei dem Gericht ebenso wie bei dem Tatvorwurf des versuchten Totschlags die Möglichkeit der Milderung des Strafrahmens eröffnet ist. Bzgl. der Verteidigungsmöglichkeiten gilt das bereits oben zum Versuch des Totschlags Erläuterte.
Handelt es sich bei der dem Beschuldigten zur Last gelegten Tat um den Vorwurf eines Tötungsdelikt, so wird in der Regel der Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet. Haftgründe sind i.d.R. Fluchtgefahr und / oder Verdunkelungsgefahr. Zu beachten ist allerdings, dass ein solcher Haftgrund nicht erforderlich ist, wenn der Beschuldigte des Mordes bzw. Totschlags dringend verdächtig ist. Dies rechtfertigt sich aus der Schwere der zur Last gelegten Tat. Oft wird die Untersuchungshaft bis zur Hauptverhandlung aufrechterhalten. Beim Vorwurf eines vollendeten Tötungsdelikts kann die Untersuchungshaft nahezu ein Jahr erreichen. Bei Tatvowürfen des versuchten Totschlags etc. sollte auf jeden Fall versucht werden, über die Rechtsbehelfe der Haftprüfung, Haftbeschwerde und weiteren Beschwerde zu einer Aufhebung oder Außervollzugsetzung des Haftbefehls zu gelangen.
Wird gegen den Beschuldigten der Tatvorwurf eines Tötungsdelikt oder eines versuchten Tötungsdelikts erhoben, so gilt zuvorderst, dass der Beschuldigte von seinem Schweigerecht Gebraucht macht und über einen erfahrenen Strafverteidiger Akteneinsicht erhält. Unüberlegte Aussagen können gerade bei dem Vorwurf von Tötungsdelikten, bei denen es häufig auf den Vorsatz und somit auf das innere Vorstellungsbild und die Gedankengänge des Beschuldigten ankommt, zu einer maximalen Verschlechterung der Situation und der Verteidigungsmöglichkeiten führen. Beispielsweise kann der Tatvorwurf der gefährlichen Körperverletzung schnell zum Tatvorwurf des versuchten Totschlags oder der Tatvorwurf des versuchten Totschlags schnell zu einem Mordversuch hochgestuft werden.
Der Verteidigung eröffnet sich auf dem Gebiet der Tötungsdelikte eine Vielzahl von Möglichkeiten. Je nach Fallgestaltung gilt es, bereits im Ermittlungsverfahren die richtigen Schritte einzuleiten. Beispielsweise die Untersuchungshaft zu beenden, auf die psychologische Begutachtung des Beschuldigten oder von Belastungszeugen hinzuwirken, Alternativsachverhalte einzuführen, Alternativ- und Ergänzungsgutachten einzuholen, die Beweismittel zu kontrollieren, einen Täter-Opfer-Ausgleich einzuleiten, etc.
Nicht selten stellt sich bereits die Frage, ob der Beschuldigte überhaupt der Täter ist. Hierbei kommt es auf das Wiedererkennen des Täters an, die ordnungsgemäße Durchführung von Wahllichtbildvorlagen, das Angreifen von Sachverständigengutachten, dem Verhindern bestimmter Beweiserhebungen und Beweisverwertungen, die Nutzung von Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen, das Angreifen der Glaubwürdigkeit von Belastungszeugen, der Kritik der Glaubhaftigkeit der geschilderten Sachverhalte anhand der Kriterien der Aussagekonstanz, Schlüssigkeit, Detailarmut, …
Im Hinblick auf den möglichen Schuldspruch gilt es zudem, die verschiedenen Tatbestandsabstufungen im Auge zu behalten und im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten auf die Feststellung der günstigsten Konstellation hinzuwirken. Sei es das Angreifen der Erfüllung der Mordmerkmale, das Herabstufen des versuchten Totschlags zur gefährlichen Körperverletzung, die Geltendmachung der fahrlässigen Tötung oder Körperverletzung mit Todesfolge, der Rücktritt vom Versuch, Notwehr, etc.
Dreh- und Angelpunkt ist bei dem Vorwurf eines Tötungsdelikts oftmals das Vorsatzelement. Für einen erfahrenen Fachanwalt für Strafrecht bzw. Strafverteidiger bieten sich in diesem Zusammenhang verschiedene Anknüpfungspunkte für die Verteidigung. Insoweit sei nochmals auf das oben unter 1. versuchter Totschlag / Totschlag Gesagte hingewiesen, Stichwort: Wissens- und Willenselement beim dolus eventualis sowie Rücktritt vom Versuch.
Im Hinblick auf die Rechtsfolgen- bzw. Strafenseite, auch diese muss im Blick behalten werden, sind sämtliche strafmildernden Gesichtspunkte geltend zu machen; beispielsweise, einfache und doppelte Strafrahmenverschiebung, minder schwerer Fall, Provokation und Tathintergrund, affektive Erregungszustände, verminderte Schuldfähigkeit und Schuldunfähigkeit, Täter-Opfer-Ausgleich, Alkoholisierungsgrad, etc.

References: § 223
 § 223
 § 223
 § 224
 § 224
 § 224
 § 224
 § 224
 § 224
 § 226
 § 223
 § 226
 § 226
 § 226
 § 229
 § 212
 § 211
 § 212
 § 212
 § 212

§ 227
 § 222
 § 211
 § 212
 § 211