Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/bahnimmobilien-und-der-parlamentsvorbehalt-336734
Timestamp: 2020-01-21 14:01:25+00:00

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Bah­n­im­mo­bi­li­en und der Par­la­ments­vor­be­halt | Rechtslupe
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat den Antrag der Frak­ti­on DIE LINKE im Organ­streit "Bah­n­im­mo­bi­li­en" ver­wor­fen. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts besteht kein par­la­men­ta­ri­sches Zustim­mungs­recht des Deut­schen Bun­des­tag­hes bei der Ver­äu­ße­rung von Ver­mö­gens­wer­ten durch die Deut­sche Bahn AG.
Vor­ge­schich­te: Die Bahn­re­form
Im Zuge der Bahn­re­form wur­den Anfang 1994 die Deut­sche Bun­des­bahn und die Deut­sche Reichs­bahn zu einem nicht rechts­fä­hi­gen Son­der­ver­mö­gen des Bun­des, dem Bun­des­ei­sen­bahn­ver­mö­gen, zusam­men­ge­führt und die pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­te Deut­sche Bahn AG gegrün­det. Bei der Auf­tei­lung der Lie­gen­schaf­ten zwi­schen dem Bun­des­ei­sen­bahn­ver­mö­gen und der Deut­schen Bahn AG wur­den nicht nur die soge­nann­ten bahn­not­wen­di­gen Lie­gen­schaf­ten, son­dern zum Teil auch nicht bahn­not­wen­di­ge Lie­gen­schaf­ten auf die Deut­sche Bahn AG über­tra­gen. Um sich von die­sen nicht oder nicht mehr als bahn­not­wen­dig erach­te­ten Immo­bi­li­en zu tren­nen, grün­de­te die Deut­sche Bahn AG Toch­ter­un­ter­neh­men, an die sie die betref­fen­den Immo­bi­li­en, dar­un­ter vor­nehm­lich nicht mehr benö­tig­te Ver­wal­tungs­ge­bäu­de, ver­äu­ßer­te. Im Jahr 2007 beab­sich­tig­te die Deut­sche Bahn AG, die Gesell­schaf­ten in ihrer Gän­ze an ein Kon­sor­ti­um zu ver­äu­ßern. Der hier­zu im Sep­tem­ber 2007 nota­ri­ell beur­kun­de­te Kauf­ver­trag stand unter der auf­schie­ben­den Bedin­gung einer Geneh­mi­gung durch die Bun­des­re­gie­rung. Über die Ver­äu­ße­rung der Gesell­schaf­ten wur­de in der Fol­ge­zeit im Ver­kehrs­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges bera­ten, zuletzt am 10. Okto­ber 2007, bevor die Bun­des­re­gie­rung im Novem­ber 2007 ihre Geneh­mi­gung hier­zu erteil­te.
Die Frak­ti­on DIE LINKE im Deut­schen Bun­des­tag hat am 23. Mai 2008 im Organ­streit­ver­fah­ren sinn­ge­mäß die Fest­stel­lung bean­tragt, dass die Bun­des­re­gie­rung die Rech­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges aus Art. 110 GG in Ver­bin­dung mit Art. 87e GG dadurch ver­letzt habe, dass sie eine par­la­men­ta­ri­sche Zustim­mung zu ihrer Geneh­mi­gung des Ver­äu­ße­rungs­ge­schäfts nicht ein­ge­holt habe.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat den Antrag ver­wor­fen, weil er in mehr­fa­cher Hin­sicht unzu­läs­sig ist. Ein Antrag im Organ­streit­ver­fah­ren ist gemäß § 64 Abs. 1 BVerfGG nur zuläs­sig, wenn der Antrag­stel­ler schlüs­sig behaup­tet, dass er und der Antrags­geg­ner an einem ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis unmit­tel­bar betei­ligt sind und dass der Antrags­geg­ner hier­aus erwach­sen­de ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Rech­te oder Zustän­dig­kei­ten des Antrag­stel­lers oder des Organs, dem er ange­hört, durch die bean­stan­de­te Maß­nah­me oder das Unter­las­sen ver­letzt oder unmit­tel­bar gefähr­det hat. Schlüs­sig ist die Behaup­tung, wenn die Rechts­ver­let­zung nach dem vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt mög­lich erscheint 1. Dar­an fehlt es hier aber nach Ansicht der Karsl­ru­her Ver­fas­sungs­rich­ter: Das von der Antrag­stel­le­rin gel­tend gemach­te Betei­li­gungs­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges kommt unter kei­nem denk­ba­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Gesichts­punkt in Betracht. Weder nach Art. 110 GG noch unter dem Aspekt einer von der Antrag­stel­le­rin ange­führ­ten "Bud­get­flucht" noch auf der Grund­la­ge eines unge­schrie­be­nen Par­la­ments­vor­be­halts erscheint inso­weit das Bestehen eines par­la­men­ta­ri­schen Zustim­mungs­rech­tes mög­lich.
Ein par­la­men­ta­ri­sches Zustim­mungs­recht ergibt sich für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt weder aus Art. 110 GG noch unter dem Aspekt einer von der Antrag­stel­le­rin ange­führ­ten „Bud­get­flucht“ oder auf der Grund­la­ge eines unge­schrie­be­nen Par­la­ments­vor­be­halts.
Kei­ne Ver­let­zung des Par­la­ments­vor­be­halts
Art. 110 Abs. 2 GG bestimmt, dass der Haus­halts­plan durch das Haus­halts­ge­setz fest­zu­stel­len ist. In ihn sind nach Art. 110 Abs. 1 GG alle Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Bun­des ein­zu­stel­len, d. h. sol­che der Gebiets­kör­per­schaft Bund. Die Grund­ge­setz­be­stim­mung erstreckt sich jedoch nicht auf Ein­nah­men und Aus­ga­ben von bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts oder von pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Gesell­schaf­ten, die im Eigen­tum des Bun­des ste­hen oder an denen er betei­ligt ist. Daher wird die Ver­äu­ße­rung der Toch­ter­ge­sell­schaf­ten hier­von nicht erfasst. Denn Inha­be­rin der ver­äu­ßer­ten Gesell­schaf­ten war die Deut­sche Bahn AG, nicht aber der Bund, dem durch die Ver­äu­ße­rung kei­ne Mit­tel zuflos­sen.
Zudem schreibt Art. 110 Abs. 2 Satz 1 GG die Fest­stel­lung des Haus­halts­plans durch Gesetz vor, weist aber dem Bun­des­tag kei­ne Zustim­mungs­rech­te zu Maß­nah­men der Haus­halts­füh­rung der Exe­ku­ti­ve zu. Sofern wegen nach­träg­li­cher Abwei­chun­gen vom Haus­halts­plan eine Betei­li­gung des Bun­des­ta­ges haus­halts­ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten ist, erfolgt die­se in der Form eines Nach­trags­haus­halts­ge­set­zes.
Die Bun­des­re­gie­rung war zur Ein­ho­lung einer par­la­men­ta­ri­schen Zustim­mung auch nicht unter dem Gesichts­punkt einer „Bud­get­flucht“ ver­pflich­tet. Die haus­hal­te­ri­sche Selb­stän­dig­keit der Deut­sche Bahn AG ist ver­fas­sungs­recht­lich durch die Ein­füh­rung des Art. 87e Abs. 3 Satz 1 GG legi­ti­miert. Danach sind die Eisen­bah­nen des Bun­des als Wirt­schafts­un­ter­neh­men in pri­vat-recht­li­cher Form zu füh­ren. Hier­durch soll­te die kom­mer­zi­el­le Aus­rich­tung der Eisen­bah­nen abge­si­chert und ihnen ein Bereich unter­neh­me­ri­scher Selbst­be­stim­mung ein­ge­räumt wer­den. Mit die­ser Ziel­set­zung wäre es unver­ein­bar, die ein­zel­nen wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dun­gen des Unter­neh­mens unter par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le zu stel­len.
Auch Art. 87e Abs. 4 GG sind kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben zu ent­neh­men, die ein Zustim­mungs­recht des Bun­des­ta­ges bei der Ver­äu­ße­rung von Ver­mö­gens­wer­ten der Deut­sche Bahn AG begrün­den. Nach die­ser Bestim­mung hat der Bund zu gewähr­leis­ten, dass dem Wohl der All­ge­mein­heit, ins­be­son­de­re den Ver­kehrs­be­dürf­nis­sen, beim Aus­bau und Erhalt des Schie­nen­net­zes der Eisen­bah­nen des Bun­des sowie bei deren Ver­kehrs­an­ge­bo­ten auf die­sem Schie­nen­netz Rech­nung getra­gen wird. Soweit danach fer­ner das Nähe­re durch ein Bun­des­ge­setz gere­gelt wird, hat der Deut­sche Bun­des­tag sei­nen Anteil an der Erfül­lung der Gewähr­leis­tungs­pflicht im Wege der Gesetz­ge­bung zu leis­ten. Räum­te man ihm dar­über hin­aus Betei­li­gungs­rech­te an unter­neh­me­ri­schen Ein­zel­ent­schei­dun­gen der Deut­sche Bahn AG ein, wür­de deren Fähig­keit zum ver­fas­sungs­recht­lich gewoll­ten Han­deln nach markt­wirt­schaft­li­cher Hand­lungs­ra­tio­na­li­tät in erheb­li­chem Maße beein­träch­tigt. Zudem ist die Bestim­mung des Art. 87e Abs. 4 GG auf den Bereich der Eisen­bahn­in­fra­struk­tur und die Eisen­bahn­ver­kehrs­leis­tun­gen sach­lich beschränkt. Die Ver­äu­ße­rung der Toch­ter­ge­sell­schaf­ten betrifft dem­ge­gen­über aus­schließ­lich nicht bahn­not­wen­di­ge Lie­gen­schaf­ten.
Nach Art. 110 Abs. 2 GG ist der Haus­halts­plan durch das Haus­halts­ge­setz fest­zu­stel­len. In den Haus­halts­plan sind nach Art. 110 Abs. 1 GG alle Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Bun­des ein­zu­stel­len; bei Bun­des­be­trie­ben und Son­der­ver­mö­gen brau­chen nur die Zufüh­run­gen und Ablie­fe­run­gen ein­ge­stellt zu wer­den. Die Grund­ge­setz­be­stim­mung erfasst die Ver­äu­ße­rung der A…Gesellschaften nicht, weil der Bund durch sie weder Ein­nah­men erziel­te noch Aus­ga­ben tätig­te. Zudem sieht Art. 110 GG die par­la­men­ta­ri­sche Betei­li­gungs­form der Zustim­mung nicht vor.
Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Bun­des sind ledig­lich sol­che der Gebiets­kör­per­schaft Bund. Nicht erfasst sind die Ein­nah­men und Aus­ga­ben von bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts oder von pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Gesell­schaf­ten, die im Eigen­tum des Bun­des ste­hen oder an denen der Bund betei­ligt ist. Zwar lässt der Wort­laut des Art. 110 Abs. 1 GG eine Aus­le­gung zu, nach der zum Bund im Sin­ne die­ser Vor­schrift alle Ver­wal­tungs­ein­hei­ten der unmit­tel­ba­ren und mit­tel­ba­ren Bun­des­ver­wal­tung zu rech­nen wären, unab­hän­gig von ihrer Rechts­form. Ver­fas­sungs­tra­di­ti­on und Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Art. 110 Abs. 1 GG spre­chen aber dafür, den Begriff des Bun­des hier eng aus­zu­le­gen. So fin­det sich eine Art. 110 GG ent­spre­chen­de Bestim­mung bereits in Art. 99 Abs. 1 der Preu­ßi­schen Ver­fas­sung von 1850, der durch das Gesetz betref­fend den Staats­haus­halt vom 11.05.1898 2 näher aus­ge­formt wur­de. Nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 des Geset­zes soll­ten danach zu den in den Staats­haus­halts­Etat auf­zu­neh­men­den Ein­nah­men und Aus­ga­ben die „Ein­nah­men und Aus­ga­ben der­je­ni­gen zu beson­de­ren Zwe­cken bestimm­ten Fonds, über wel­che dem Staa­te allein die Ver­fü­gung zusteht, sofern die­se Fonds nicht juris­ti­sche Per­sön­lich­keit besit­zen“, gehö­ren. Die­se – zuvor im Preu­ßi­schen Abge­ord­ne­ten­haus durch­aus umstrit­te­ne – „juris­ti­sche“ Sicht­wei­se setz­te sich gegen­über einer „finanz­wirt­schaft­li­chen“ Betrach­tung auch in spä­te­ren Ver­fas­sun­gen durch 3. So wur­de Art. 69 der Reichs­ver­fas­sung von 1871 im sel­ben Sin­ne aus­ge­legt und auch zu Art. 85 der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung ent­sprach es der all­ge­mei­nen Auf­fas­sung, dass Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Rei­ches nur sol­che der Gebiets­kör­per­schaft Reich sei­en, nicht aber sol­che ande­rer recht­lich selb­stän­di­ger Ein­hei­ten 4. Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat knüpf­te an die­se Ver­fas­sungs­tra­di­ti­on an 5 und woll­te den Haus­halts­plan auf die Ein­nah­men und Aus­ga­ben der Gebiets­kör­per­schaft Bund beschränkt wis­sen. Dar­an hat sich durch die Neu­fas­sung des Art. 110 GG im Zuge der Haus­halts­rechts­re­form vom 12.05.1969 6 nichts geän­dert 7.
Die Ver­äu­ße­rung der Lie­gen­schafts-Gesell­schaf­ten durch die Deut­sche Bahn AG hat weder Ein­nah­men noch Aus­ga­ben des Bun­des nach sich gezo­gen. Dem Bund flos­sen durch die Ver­äu­ße­rung kei­ne Mit­tel zu. Er hat auch selbst kei­ne Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de ver­äu­ßert. Die Deut­sche Bahn AG, nicht der Bund, war Inha­be­rin der ver­äu­ßer­ten Lie­gen­schafts-Gesell­schaf­ten.
Das behaup­te­te Erfor­der­nis par­la­men­ta­ri­scher Zustim­mung kann Art. 110 GG nicht ent­nom­men wer­den. Art. 110 Abs. 2 Satz 1 GG schreibt die Fest­stel­lung des Haus­halts­plans durch Gesetz vor. Das Haus­halts­ge­setz ist ein förm­li­ches Bun­des­ge­setz; für das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren gel­ten die durch Art. 110 Abs. 3 GG bestimm­ten Beson­der­hei­ten. Die Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis ist gemäß Art. 110 Abs. 2 GG dem Deut­schen Bun­des­tag zuge­wie­sen. Zustim­mungs­rech­te zu Maß­nah­men der Haus­halts­füh­rung der Exe­ku­ti­ve in der Form eines schlich­ten Par­la­ments­be­schlus­ses sieht Art. 110 GG nicht vor. Dies gilt auch, wenn wäh­rend des Haus­halts­jah­res Abwei­chun­gen vom Haus­halts­plan not­wen­dig wer­den. Sofern aus die­sem Grund eine Betei­li­gung des Deut­schen Bun­des­ta­ges haus­halts­ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten ist, erfolgt die­se in der Form eines Nach­trags­haus­halts­ge­set­zes, für das eben­falls Art. 110 Abs. 2 und 3 GG gilt.
Eine Ver­pflich­tung der Bun­des­re­gie­rung zur Zustim­mungs­ein­ho­lung ergibt sich auch nicht aus dem Gesichts­punkt einer „Bud­get­flucht“, mit der die in der Deut­sche Bahn AG orga­ni­sier­te Ver­mö­gens­mas­se der Mög­lich­keit par­la­men­ta­ri­scher Ein­fluss­nah­me ent­zo­gen wur­de. Es kann offen blei­ben, ob und beja­hen­den­falls wel­che Vor­ga­ben dem Art. 110 GG hin­sicht­lich der Errich­tung und Bewirt­schaf­tung von Neben­haus­hal­ten zu ent­neh­men sind. Die haus­hal­te­ri­sche Selb­stän­dig­keit der Deut­sche Bahn AG ist ver­fas­sungs­recht­lich legi­ti­miert. Sie beruht auf einer Ent­schei­dung des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers. Nach Art. 87e Abs. 3 Satz 1 GG sind die Eisen­bah­nen des Bun­des als Wirt­schafts­un­ter­neh­men in pri­vat­recht­li­cher Form zu füh­ren. Bereits vor der Schaf­fung des Art. 87e GG durch das Ände­rungs­ge­setz vom 20.12.1993 8 waren die Deut­sche Bun­des­bahn und die Deut­sche Reichs­bahn Son­der­ver­mö­gen des Bun­des, bei denen nach Art. 110 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 2 GG nur die Zufüh­run­gen und Ablie­fe­run­gen in den Haus­halts­plan ein­zu­stel­len waren. Die Grund­ge­setz­än­de­rung soll­te aber gera­de nicht einer Inte­gra­ti­on der Bahn in die öffent­li­che Ver­wal­tung nebst ihrer Ein­glie­de­rung in den Staats­haus­halt Vor­schub leis­ten, son­dern ihre orga­ni­sa­to­ri­sche, wirt­schaft­li­che und finan­zi­el­le Ver­selb­stän­di­gung beför­dern 9. Mit der im Grund­ge­setz nun­mehr vor­ge­se­he­nen Füh­rung der Eisen­bah­nen des Bun­des als Wirt­schafts­un­ter­neh­men in pri­vat­recht­li­cher Form soll­te deren kom­mer­zi­el­le Aus­rich­tung abge­si­chert und ihnen ein Bereich unter­neh­me­ri­scher Selbst­be­stim­mung ein­ge­räumt wer­den 9. Mit die­ser Ziel­set­zung wäre es unver­ein­bar, die ein­zel­nen wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dun­gen des Unter­neh­mens unter par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le zu stel­len.
Schließ­lich sind auch dem Art. 87e Abs. 4 GG kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben zu ent­neh­men, die ein Zustim­mungs­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges bei der Ver­äu­ße­rung von Ver­mö­gens­wer­ten der Deut­sche Bahn AG begrün­den. Nach die­ser Bestim­mung hat der Bund zu gewähr­leis­ten, dass dem Wohl der All­ge­mein­heit, ins­be­son­de­re den Ver­kehrs­be­dürf­nis­sen, beim Aus­bau und Erhalt des Schie­nen­net­zes der Eisen­bah­nen des Bun­des sowie bei deren Ver­kehrs­an­ge­bo­ten auf die­sem Schie­nen­netz, soweit die­se nicht den Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehr betref­fen, Rech­nung getra­gen wird. Art. 87e Abs. 4 Satz 2 GG sieht vor, dass das Nähe­re durch ein Bun­des­ge­setz gere­gelt wird, das gemäß Art. 87e Abs. 5 Satz 1 GG der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf. Neben der Klä­rung der föde­ral­kom­pe­tenz­recht­li­chen Fra­ge in Hin­blick auf die Erfül­lung der Gewähr­leis­tungs­pflicht ist der Vor­schrift auch zu ent­neh­men, auf wel­che Art und Wei­se, näm­lich durch Gesetz­ge­bung, der Deut­sche Bun­des­tag sei­nen Anteil an der Erfül­lung der Gewähr­leis­tungs­pflicht zu leis­ten hat. Räum­te man dem Deut­schen Bun­des­tag jen­seits der legis­la­ti­ven Mit­ge­stal­tungs­mög­lich­keit Betei­li­gungs­rech­te an unter­neh­me­ri­schen Ein­zel­ent­schei­dun­gen der Deut­sche Bahn AG ein, wür­de deren Fähig­keit zum ver­fas­sungs­recht­lich gewoll­ten Han­deln nach markt­wirt­schaft­li­cher Hand­lungs­ra­tio­na­li­tät in erheb­li­chem Maße beein­träch­tigt. Zudem käme der durch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Art. 87e GG beleg­te Kom­pro­miss­cha­rak­ter der Vor­schrift nicht zur Gel­tung. Die Bun­des­re­gie­rung brach­te gegen die vom Bun­des­rat im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren erho­be­ne For­de­rung, der Bund müs­se Eigen­tü­mer der Schie­nen­we­ge blei­ben, den Ein­wand an, durch die Über­tra­gung des Eigen­tums an Schie­nen­we­gen auf die Deut­sche Bahn AG sol­le gera­de ein „unter­neh­me­ri­scher Hand­lungs­zwang“ geschaf­fen wer­den. Ande­ren­falls sei zu befürch­ten, dass die Deut­sche Bahn AG „ähn­lich einer Behör­de“ die Schie­nen­we­ge ledig­lich „ver­wal­ten“ und nicht „als eige­nes unter­neh­me­ri­sches Pro­duk­ti­ons­mit­tel wirt­schaft­lich opti­mal nut­zen“ wer­de 10. An die­sen nach gesetz­ge­be­ri­scher Absicht zu ver­mei­den­den Zustand einer blo­ßen Ver­wal­tung des Ver­mö­gens der Deut­sche Bahn AG näher­te man sich durch eine Aus­le­gung des Art. 87e Abs. 4 GG an, nach der die Bestim­mung par­la­men­ta­ri­sche Betei­li­gungs­rech­te begrün­det. Den ange­streb­ten Aus­gleich 11 zwi­schen den Posi­tio­nen von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­rat wür­de eine sol­che Aus­le­gung ver­feh­len.
Art. 87e Abs. 4 GG erfasst zudem nicht die Tätig­keit von Eisen­bahn­un­ter­neh­men ins­ge­samt, son­dern ist auf den Aus­bau und Erhalt des Schie­nen­net­zes sowie die Ver­kehrs­an­ge­bo­te auf die­sem Schie­nen­netz sach­lich beschränkt. Die Ver­äu­ße­rung der Lie­gen­schafts-Gesell­schaf­ten betrifft jedoch weder den Bereich der Eisen­bahn­in­fra­struk­tur noch den der Eisen­bahn­ver­kehrs­leis­tun­gen. Mit der Ver­äu­ße­rung ver­liert die Deut­sche Bahn AG zwar eine kon­zern­recht­lich ver­mit­tel­te Mög­lich­keit zur Inan­spruch­nah­me der im Eigen­tum der GmbH & Co. KG ste­hen­den Lie­gen­schaf­ten oder zur Auf­he­bung bestehen­der schuld­recht­li­cher Ver­schaf­fungs­pflich­ten zuguns­ten die­ser Gesell­schaft. Davon betrof­fen sind jedoch aus­schließ­lich sol­che Lie­gen­schaf­ten, die zuvor von der Deut­sche Bahn AG als nicht bahn­not­wen­dig qua­li­fi­ziert wor­den waren. Es sind kei­ne Anhalts­punk­te dafür ersicht­lich, dass die­se Klas­si­fi­zie­rung in einer ver­fas­sungs­ge­richt­lich zu bean­stan­den­den Wei­se feh­ler­haft wäre. Dass die Ver­äu­ße­rung der A…Gesellschaften dazu dien­te, die Kapi­tal­aus­stat­tung der Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men DB Netz AG und DB Station&Service AG zu stei­gern und dor­ti­ge Ver­lus­te aus­zu­glei­chen, recht­fer­tigt nicht die Annah­me, dass der Aus­bau und Erhalt des Schie­nen­net­zes oder die Ver­kehrs­an­ge­bo­te betrof­fen sei­en. Denn der Zufluss finan­zi­el­ler Mit­tel bei den für die Eisen­bahn­in­fra­struk­tur zustän­di­gen Unter­neh­men wirkt sich auf die kon­kre­te Gestal­tung die­ser Infra­struk­tur oder des Ver­kehrs­an­ge­bots allen­falls mit­tel­bar aus.
Art. 87e Abs. 3 GG ent­hält in sei­nen Sät­zen 3 und 4 aus­drück­li­che Vor­ga­ben hin­sicht­lich der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an Eisen­bahn­un­ter­neh­men des Bun­des, deren Tätig­keit den Bau, die Unter­hal­tung und das Betrei­ben von Schie­nen­we­gen umfasst. In Bezug auf die­se Unter­neh­men wird bestimmt, dass die Ver­äu­ße­rung auf Grund eines Geset­zes zu erfol­gen hat. Damit hat der Ver­fas­sungs­ge­setz­ge­ber die Betei­li­gung des Deut­schen Bun­des­ta­ges in sach­li­cher wie in for­mel­ler Hin­sicht fest­ge­legt. Die­se Ein­gren­zung wür­de hin­fäl­lig, wenn dem Art. 87e Abs. 4 GG ein par­la­men­ta­ri­sches Zustim­mungs­recht in den nicht von Absatz 3 erfass­ten Fäl­len der Anteils­ver­äu­ße­rung zu ent­neh­men wäre.
Ver­fris­te­ter Antrag
Der Antrag vom 23. Mai 2008 ist über­dies nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­fris­tet, weil er nicht bin­nen der im Organ­streit­ver­fah­ren gemäß § 64 Abs. 3 BVerfGG gel­ten­den Sechs-Monats-Frist ab Bekannt­wer­den der bean­stan­de­ten Maß­nah­me gestellt wur­de. Sowohl der Abschluss des Kauf­ver­tra­ges als auch der Umstand, dass die Bun­des­re­gie­rung ihre Geneh­mi­gung hier­zu nicht von einer par­la­men­ta­ri­schen Zustim­mungs­er­klä­rung abhän­gig machen woll­te, war den Mit­glie­dern des Ver­kehrs­aus­schus­ses spä­tes­tens in ihrer letz­ten Sit­zung am 10. Okto­ber 2007 bekannt. Die Kennt­nis eines Aus­schus­ses haben sich der Deut­sche Bun­des­tag und damit auch die Frak­tio­nen zurech­nen zu las­sen, so dass die Antrags­frist mit Ablauf des 10. April 2008 ende­te.
Der Antrag ist ver­fris­tet, da die Frist des § 64 Abs. 3 BVerfGG spä­tes­tens mit Ablauf des 10.04.2008, sechs Mona­te nach der Sit­zung des Ver­kehrs­aus­schus­ses vom 10.10.2007, ende­te. Zweck der Vor­schrift ist es, angreif­ba­re Rechts­ver­let­zun­gen nach einer bestimm­ten Zeit außer Streit zu stel­len. Sie dient damit der Rechts­si­cher­heit 12. Es han­delt sich um eine gesetz­li­che Aus­schluss­frist 13. Eine Wie­der­ein­set­zung in die­se Frist ist nicht mög­lich 14.
Der Beginn der Sechs-Monats-Frist rich­tet sich nach § 64 Abs. 3 BVerfGG. Die Vor­schrift stellt dar­auf ab, wann die Maß­nah­me oder Unter­las­sung dem Antrag­stel­ler bekannt gewor­den ist. Ein fort­dau­ern­des, rechts­er­heb­li­ches Unter­las­sen des Antrags­geg­ners löst den Lauf der Antrags­frist jeden­falls dann aus, wenn er die Vor­nah­me der begehr­ten Hand­lung erkenn­bar ein­deu­tig ver­wei­gert 15.
Haben die in einen Aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges beru­fe­nen Mit­glie­der einer Par­la­ments­frak­ti­on Kennt­nis hin­sicht­lich einer Maß­nah­me oder Unter­las­sung, so ist die­se Kennt­nis der Par­la­ments­frak­ti­on zuzu­rech­nen. Bei Gegen­stän­den, die im Ple­num behan­delt wer­den, setzt die Unter­rich­tung des Ple­nums durch die Bun­des­re­gie­rung die Aus­schluss­frist des § 64 Abs. 3 BVerfGG in Gang 16. Bei Gegen­stän­den, die im Aus­schuss behan­delt wer­den, läuft die Frist ab des­sen Unter­rich­tung. Die Bewäl­ti­gung der par­la­men­ta­ri­schen Arbeits­last durch die Ein­rich­tung von Aus­schüs­sen ist im Grund­ge­setz selbst vor­ge­se­hen (vgl. Art. 45, 45a, 45c GG) 17. Jedes Mit­glied des Deut­schen Bun­des­ta­ges soll grund­sätz­lich einem Aus­schuss ange­hö­ren (§ 57 Abs. 1 Satz 2 GO-BT). Die Aus­schüs­se sind nicht nur zur Erle­di­gung der ihnen über­wie­se­nen Auf­ga­ben ver­pflich­tet (§ 62 Abs. 1 Satz 1 und 2 GO-BT), ihnen steht dane­ben das Recht zur Selbst­be­fas­sung mit Ange­le­gen­hei­ten aus ihrem Geschäfts­be­reich zu (§ 62 Abs. 1 Satz 3, § 64 Abs. 1 Vari­an­te 2 GO-BT). Grund­ge­setz (vgl. Art. 43 Abs. 1 GG) und Geschäfts­ord­nungs­recht (vgl. §§ 68 bis 70 GO-BT) ermög­li­chen den Aus­schüs­sen, sich nicht nur von der Bun­des­re­gie­rung, son­dern auch ander­weit, ins­be­son­de­re über öffent­li­che Anhö­run­gen Infor­ma­tio­nen zu beschaf­fen. Folgt aus alle­dem, dass sich der Deut­sche Bun­des­tag die Kennt­nis eines Aus­schus­ses über bestimm­te Umstän­de zurech­nen las­sen muss, hat dies auch im Ver­hält­nis zwi­schen den Frak­tio­nen und den von ihnen ent­sand­ten Aus­schuss­mit­glie­dern zu gel­ten.
Die Sechs-Monats-Frist des § 64 Abs. 3 BVerfGG wur­de spä­tes­tens am 10.10.2007 in Gang gesetzt. Sowohl die 45. Sit­zung des Ver­kehrs­aus­schus­ses vom 19.09.2007 als auch die 46. Sit­zung vom 10.10.2007 waren aus­weis­lich der Sit­zungs­pro­to­kol­le von dem über­ein­stim­men­den Ver­ständ­nis getra­gen, dass die Lie­gen­schafts-Gesell­schaf­ten ver­äu­ßert wor­den sei­en und dass die Bun­des­re­gie­rung nicht beab­sich­ti­ge, ihre Geneh­mi­gungs­er­klä­rung von einer für not­wen­dig erach­te­ten par­la­men­ta­ri­schen Zustim­mung abhän­gig zu machen.
Die Sit­zung des Ver­kehrs­aus­schus­ses vom 19.09.2007 fand nach dem Abschluss des nota­ri­el­len Kauf­ver­tra­ges zwi­schen der Deut­sche Bahn AG und dem Erwer­ber­kon­sor­ti­um am 13.09.2007 statt. Aus dem Sit­zungs­pro­to­koll 18 ergibt sich das Datum des Ver­trags­schlus­ses zwar nicht. Aller­dings fin­den sich in den pro­to­kol­lier­ten Dis­kus­si­ons­bei­trä­gen der Abge­ord­ne­ten und der Ver­tre­ter der Bun­des­re­gie­rung aus­rei­chen­de Anhalts­punk­te dafür, dass den Abge­ord­ne­ten bekannt war, dass der Ver­trag bereits abge­schlos­sen und sei­ne Wirk­sam­keit nur noch von der Geneh­mi­gung der Bun­des­re­gie­rung abhän­gig war. So frag­te der Abge­ord­ne­te Fried­rich, war­um der Ver­kauf so schnell durch­ge­führt wor­den sei, und ver­lang­te, dass der Ver­kehrs­mi­nis­ter bis zur abschlie­ßen­den Klä­rung der Fra­gen im Aus­schuss sei­ne Zustim­mung nicht ertei­len sol­le 19. Der Abge­ord­ne­te Her­mann ver­lang­te Auf­klä­rung dar­über, ob der Auf­sichts­rat und die Regie­rungs­ver­tre­ter dem Ver­kauf zuge­stimmt hät­ten 20. Die sich anschlie­ßen­de Dis­kus­si­on mit dem anwe­sen­den Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tär beim Bun­des­mi­nis­ter für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung bezog sich aus­schließ­lich auf die Fra­ge, ob das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um den Ver­trag bereits geneh­migt habe 21.
Das Pro­to­koll der Aus­schuss­sit­zung vom 10.10.2007 22 bestä­tigt, dass den Aus­schuss­mit­glie­dern der Abschluss des Kauf­ver­tra­ges bekannt gewe­sen ist. Der im Aus­schuss anwe­sen­de Mit­ar­bei­ter der Deut­sche Bahn AG stell­te den Ver­kaufs­vor­gang dar und führ­te aus, dass den Infra­struk­tur­un­ter­neh­men durch die Lie­gen­schafts-Trans­ak­ti­on Gel­der zuge­flos­sen sei­en 23. Zu die­ser Erläu­te­rung des Sach­stan­des gab es kei­ne Rück­fra­gen.
In den Sit­zun­gen des Ver­kehrs­aus­schus­ses vom 19.09.2007 und vom 10.10.2007 war für die im Aus­schuss ver­sam­mel­ten Abge­ord­ne­ten auch erkenn­bar, dass die Bun­des­re­gie­rung ihre Geneh­mi­gung des Geschäfts nicht von einer par­la­men­ta­ri­schen Zustim­mungs­er­klä­rung abhän­gig machen woll­te. Aus dem pro­to­kol­lier­ten Inhalt der Sit­zun­gen ergibt sich zwar kei­ne aus­drück­li­che Wei­ge­rung der Bun­des­re­gie­rung, die Zustim­mung des Deut­schen Bun­des­ta­ges ein­zu­ho­len. Die Sit­zun­gen waren indes von dem Ver­ständ­nis getra­gen, dass ein par­la­men­ta­ri­sches Zustim­mungs­recht nicht in Betracht kom­me. So erklär­te der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär in der Aus­schuss­sit­zung vom 19.09.2007, dass der Ver­trag von der Bun­des­re­gie­rung geneh­migt wer­den müs­se, die Prü­fung noch ein paar Wochen daue­re und die Geneh­mi­gung nicht erteilt wer­de, bevor nicht ein wei­te­rer Bericht erstellt und dem Aus­schuss zuge­lei­tet wor­den sei 24. Dass die Geneh­mi­gung durch die Bun­des­re­gie­rung von dem Ergeb­nis einer par­la­men­ta­ri­schen Beschluss­fas­sung abhän­gig gemacht wer­den soll­te, ergibt sich dar­aus nicht. Die Aus­füh­run­gen legen viel­mehr gera­de den Umkehr­schluss nahe, dass die Bun­des­re­gie­rung die ihr im Ver­äu­ße­rungs­ver­trag ein­ge­räum­te Mög­lich­keit der Geneh­mi­gungs­er­klä­rung nicht an eine par­la­men­ta­ri­sche Zustim­mung zu kop­peln beab­sich­tig­te, son­dern sich ledig­lich in der Pflicht sah, dem Aus­schuss noch einen wei­te­ren Bericht vor­zu­le­gen. Dies war für die Aus­schuss­mit­glie­der erkenn­bar und wur­de von ihnen auch so ver­stan­den. Ansons­ten ergä­be die Aus­sa­ge des Abge­ord­ne­ten Fried­rich in der Sit­zung vom 10.10.2007 kei­nen Sinn. Der Abge­ord­ne­te for­der­te die Bun­des­re­gie­rung zur Unter­sa­gung des Ver­kaufs bis zur Klä­rung aller rele­van­ten Punk­te auf und erklär­te, dass sich die FDPF­rak­ti­on im wei­te­ren Fort­gang alle par­la­men­ta­ri­schen Rech­te offen hal­te 25. Wäre von einem Mit­glied des Aus­schus­ses ein par­la­men­ta­ri­sches Zustim­mungs­recht in Betracht gezo­gen wor­den, hät­te es nahe gele­gen, in die­sem Zusam­men­hang hier­auf zu ver­wei­sen.
Dass die Bun­des­re­gie­rung nicht beab­sich­tig­te, eine Zustim­mung des Par­la­ments ein­zu­ho­len, war für die Mit­glie­der des Ver­kehrs­aus­schus­ses auch des­halb deut­lich erkenn­bar, weil die Aus­schuss­sit­zung vom 10.10.2007 das Ende der par­la­men­ta­ri­schen Debat­te über die Ver­äu­ße­rung der Lie­gen­schafts-Gesell­schaf­ten mar­kier­te. Dass nach die­ser Sit­zung wei­te­re par­la­men­ta­ri­sche Schrit­te im Ple­num des Deut­schen Bun­des­ta­ges erfol­gen soll­ten, lässt sich dem Aus­schuss­pro­to­koll nicht ent­neh­men. Es wur­den auch kei­ne wei­te­ren Schrit­te im Rah­men der Selbst­be­fas­sung ange­kün­digt, etwa die Anfor­de­rung wei­te­rer Infor­ma­tio­nen oder eine erneu­te Anhö­rung eines Mit­glieds der Bun­des­re­gie­rung gemäß Art. 43 Abs. 1 GG.
Kein Rechts­schutz­be­dürf­nis für den Organ­streit
Schließ­lich ist der Antrag unzu­läs­sig, weil ihm das erfor­der­li­che Rechts­schutz­be­dürf­nis fehlt. Die Antrag­stel­le­rin hat es pflicht­wid­rig unter­las­sen, sich vor der Ein­lei­tung des Organ­streit­ver­fah­rens auf das dem Deut­schen Bun­des­tag ver­meint­lich zuste­hen­de Betei­li­gungs­recht zu beru­fen.
Den Antrag­stel­ler im Organ­streit­ver­fah­ren trifft im Regel­fall nicht die Oblie­gen­heit, vor der Antrag­stel­lung poli­ti­sche Hand­lungs­mög­lich­kei­ten zu ergrei­fen und etwa den Ver­such zu unter­neh­men, eine Beschluss­fas­sung des Deut­schen Bun­des­ta­ges in sei­nem Sin­ne her­bei­zu­füh­ren 26. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat auf einen ihm ange­tra­ge­nen Organ­streit hin nicht dar­über zu befin­den, ob dem Antrag­stel­ler zur Ver­fol­gung sei­nes Pro­zess­zie­les außer­halb der gewähl­ten Ver­fah­rens­art ande­re gleich­wer­ti­ge ver­fas­sungs­recht­li­che Wege offen­ge­stan­den hät­ten oder noch offen­ste­hen 27. Umso weni­ger darf es einen Antrag­stel­ler auf Wege rein poli­ti­schen Agie­rens ver­wei­sen, die dem Organ­streit ver­fas­sungs­recht­lich schon des­halb nicht gleich­wer­tig sind, weil eine Klä­rung der grund­ge­setz­li­chen Rech­te der Betei­lig­ten auf die­se Wei­se nicht erreicht wer­den kann 28.
Indes­sen obliegt es dem Antrag­stel­ler, vor der Ein­lei­tung eines Organ­streits das in Streit ste­hen­de Recht gel­tend zu machen, wenn des­sen Bestehen bis­lang nicht in Erwä­gung gezo­gen wor­den ist. Dem tat­säch­lich oder ver­meint­lich Ver­pflich­te­ten wird erst durch die Gel­tend­ma­chung des Rechts Ver­an­las­sung gege­ben, die Rechts­la­ge sei­ner­seits zu prü­fen und gege­be­nen­falls dem Begeh­ren des Berech­tig­ten und damit sei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflich­ten nach­zu­kom­men. Die damit ver­bun­de­ne Ver­pflich­tung, sich bereits im poli­ti­schen Pro­zess mit der Ver­fas­sungs­rechts­la­ge zu befas­sen und bean­spruch­te Rech­te zu arti­ku­lie­ren, stellt kei­ne unzu­mut­ba­re Belas­tung dar. Denn sie ist ledig­lich Kon­se­quenz des­sen, dass der Organ­streit als kon­tra­dik­to­ri­sches Ver­fah­ren aus­ge­stal­tet ist, in dem über strei­tig gewor­de­ne Rech­te und Pflich­ten zwi­schen den Betei­lig­ten zu befin­den ist 29, und geht nicht über das hin­aus, was für den Umgang zwi­schen Ver­fas­sungs­or­ga­nen als selbst­ver­ständ­lich zu erwar­ten ist.
In den Sit­zun­gen des Ver­kehrs­aus­schus­ses vom 19.09.2007 und vom 10.10.2007 ist ein Zustim­mungs­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges nicht gel­tend gemacht wor­den. Der Abge­ord­ne­te Her­mann führ­te aus, dass er es dreist fän­de, „neben­bei andert­halb Mil­li­ar­den zu ver­äu­ßern, ohne dass eine poli­ti­sche Debat­te statt­ge­fun­den habe und ohne dass das Par­la­ment dar­an betei­ligt gewe­sen sei. Hier wer­de man wei­ter nach­fra­gen und even­tu­ell den Unter­aus­schuss bemü­hen.“ 30. Die Abge­ord­ne­te Menz­ner reg­te an, „dass das Par­la­ment hier doch sehr viel genau­er hin­schaue“ 31. Alle Bei­trä­ge zur Debat­te ziel­ten auf Betei­li­gun­gen in Form von wei­te­ren Aus­schuss­sit­zun­gen zum The­ma, Bericht­erstat­tung der Bun­des­re­gie­rung oder Anhö­rung von Regie­rungs­mit­glie­dern ab. Ein mög­li­ches Zustim­mungs­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges stand dage­gen nicht zur Dis­kus­si­on. Auch in frü­he­ren Fäl­len, in denen die Deut­sche Bahn AG Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de ver­äu­ßert hat­te, war ein sol­ches Recht gegen­über der Bun­des­re­gie­rung weder durch die Antrag­stel­le­rin noch durch ande­re gel­tend gemacht wor­den.
Die Gel­tend­ma­chung eines Zustim­mungs­rechts ergibt sich erst aus dem Inhalt der Klei­nen Anfra­ge vom 29.01.2008 32. Die Anfra­ge erfolg­te aber in einem deut­li­chen zeit­li­chen Abstand zum Ver­äu­ße­rungs­vor­gang, der durch die Geneh­mi­gung der Bun­des­re­gie­rung vom 23.11.2007 abge­schlos­sen wor­den war. Die Anfra­ge ist rück­bli­ckend for­mu­liert. Sie soll­te und konn­te ein rechts­er­heb­li­ches Han­deln der Bun­des­re­gie­rung nicht mehr aus­lö­sen.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Novem­ber 2011 – 2 BvE 3/​08
Man­tel­kauf unter Par­la­ments­vor­be­halt Ver­stößt die "Man­tel­kauf"-Vor­schrift gegen den ver­fas­sungs­recht­li­chen Par­la­ments­vor­be­halt? Die­ser Ansicht ist der Bun­des­fi­nanz­hof und hat die Fra­ge dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Ent­schei­dung vor­ge­legt – mit mög­li­cher­wei­se weit­rei­chen­den…
vgl. BVerfGE 80, 188, 209; 102, 224, 231 f.[↩]
Preu­ßi­sche Geset­zes­samm­lung, S. 77[↩]
vgl. Hill­gru­ber, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 110 Rn.19; Puhl, Bud­get­flucht und Haus­halts­ver­fas­sung, 1996, S. 122 f.[↩]
vgl. Heckel, in: Anschütz/​Thoma, Hand­buch des Deut­schen Staats­rechts, Bd. 2, 1932, S. 379[↩]
vgl. Höp­ker-Asch­off, AöR 75, 1949, S. 306, 308[↩]
vgl. BT-Drucks V/​3040, S. 44[↩]
BGBl I S.2089[↩]
vgl. BT-Drucks 12/​5015, S. 7[↩][↩]
vgl. BT-Drucks 12/​5015, S. 16, dort alle Zita­te[↩]
vgl. BT-Drucks 12/​5015, S. 8[↩]
vgl. BVerfGE 4, 31, 37; 80, 188, 210; 103, 164, 171[↩]
vgl. BVerfGE 24, 252, 257[↩]
vgl. BVerfGE 24, 252, 258; 27, 294, 297; 71, 299, 304 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 92, 80, 89; 103, 164, 171; 110, 403, 405; 114, 107, 118; 118, 244, 256 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 45, 1, 30 f.[↩]
Pro­to­koll des Aus­schus­ses für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung des Deut­schen Bun­des­ta­ges Nr. 16/​45[↩]
a.a.O., S. 16[↩]
a.a.O., S. 16 f.[↩]
a.a.O., S. 22[↩]
Pro­to­koll des Aus­schus­ses für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung des Deut­schen Bun­des­ta­ges Nr. 16/​46[↩]
a.a.O., S. 21 f.[↩]
Pro­to­koll des Aus­schus­ses für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung des Deut­schen Bun­des­ta­ges Nr. 16/​45, S. 22 f.[↩]
Pro­to­koll des Aus­schus­ses für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung des Deut­schen Bun­des­ta­ges Nr. 16/​46, S. 23[↩]
vgl. BVerfGE 90, 286, 338 f.; 104, 151, 198; vgl. auch BVerfGE 121, 135, 153[↩]
vgl. BVerfGE 45, 1, 30; 90, 286, 338 f.[↩]
vgl. BVerfGE 90, 286, 338 f.[↩]
vgl. BVerfGE 20, 18, 23 f.[↩]
Pro­to­koll des Aus­schus­ses für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung des Deut­schen Bun­des­ta­ges Nr. 16/​45, S. 16 f.[↩]
a.a.O., S. 17[↩]
vgl. BT-Drucks 16/​7949[↩]
BahnBundeseisenbahnvermOrgansastionsverschuldenParlamentsvorbehalt

References: Art. 110
 Art. 87
 § 64
 Art. 110
 Art. 110

Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 99
 § 2
 Art. 69
 Art. 85
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 110
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 110
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 87

Art. 87

Art. 87
 Art. 87
 § 64
 § 64
 § 64
 § 64
 Art. 45
 § 64
 Art. 43
 § 64
 Art. 43
 Art. 110