Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%202016,%20821
Timestamp: 2020-02-19 10:37:34+00:00

Document:
BGH, 22.03.2016 - XI ZR 425/14 - dejure.org
https://dejure.org/2016,4678
BGH, 22.03.2016 - XI ZR 425/14 (https://dejure.org/2016,4678)
BGH, Entscheidung vom 22.03.2016 - XI ZR 425/14 (https://dejure.org/2016,4678)
BGH, Entscheidung vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14 (https://dejure.org/2016,4678)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2016,4678) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§ 543 Abs. 1 Satz 1 ZPO, § ... 37a WpHG, § 43 WpHG, § 215 BGB, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO, § 254 Abs. 1 BGB, § 139 BGB, § 214 Abs. 2 Satz 1 BGB, § 2 Abs. 2 Nr. 3 WpHG, § 2 Abs. 2b Satz 1 WpHG, § 2 Abs. 3a Nr. 3 WpHG, §§ 242, 249 Abs. 1 BGB, § 280 Abs. 1, § 249 Abs. 1 BGB, § 214 Abs. 1 BGB, §§ 821, 853 BGB, § 561 ZPO, §§ 134, 138 BGB, § 562 Abs. 1 ZPO, § 563 Abs. 3 ZPO, § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO
Bankenhaftung bei Anlageberatung: Aufklärung über schwer wiegenden Interessenkonflikt bei Abschluss eines Zinssatz-Swap-Vertrags in Verbindung mit einem Darlehensvertrag
Konnexität von Grundgeschäft und Gegengeschäft bei Abschluss von Zinssatz-Swap-Verträgen
Zu den Voraussetzungen der Konnexität von Grundgeschäft und Gegengeschäft bei Abschluss von Zinssatz-Swap-Verträgen (Fortführung von Senatsurteilen vom 22. März 2011 = BGHZ 189, 13 = WM 2011, 682 Rdn. 26 und vom 28. April 2015 = BGHZ 205, 117 = WM 2015, 1273 Rdn. 42)
Fehlerhafte Beratung bei Zinssatz-Swap-Verträgen
Zur Konnexität von Grund- und Gegengeschäft bei Zinssatz-Swap-Verträgen
Kapitalmarktrecht - Zinssatz-Swap-Verträge - Beratungspflicht
Zinssatz-Swap-Verträge: Banken haben gegen Aufklärungspflicht verstoßen
Zu Beratungspflichten einer Bank bei Abschluss von Zinssatz-Swap-Verträgen mit einer Kommune
taz.de (Pressebericht, 22.03.2016)
Swap-Verträge: Hoffnung für Hückeswagen
Aufklärungspflichten bei Swaps
Swaps: Aufklärungspflicht über anfänglich negativen Marktwert
Swaps: Aufklärungspflicht der Banken bestätigt
Einfach strukturierte Zinsswaps
Zinssatz-Swap-Vertrag nur selten konnex mit Darlehensvertrag
Zins-Swaps - Verjährung beachten
Swaps: Anleger müssen nicht zur Höhe des anfänglichen negativen Marktwerts vortragen
Beratungspflicht einer Bank bei Abschluss von Zinsswap-Verträgen
Bank muss bei Swap-Geschäften mit Kommune aufklären
Aufklärungspflicht einer Bank beim Abschluss von Swap-Verträgen über einen anfänglichen negativen Marktwert
Kurznachricht zu "Die Swap-Malaise - Zur Aufklärungspflicht über den negativen Marktwert von Swap-Geschäften" von Prof. Dr. Matthias Lehmann, original erschienen in: NJW 2016, 2913 - 2918.
Kurznachricht zu "BGH: Konnexität von Grundgeschäft und Gegengeschäft bei Abschluss von Zinssatz-Swap-Verträgen" von RA/FAStR Dr. Michael Zoller, original erschienen in: BB 2016, 1237 - 1242.
NJW 2016, 2949
ZIP 2016, 961
MDR 2016, 721
WM 2016, 821
BB 2016, 1237
DB 2016, 1750
Demgegenüber gehen neben dem Berufungsgericht lediglich vereinzelte Stimmen in der Instanzrechtsprechung und Literatur davon aus, dass das Kündigungsrecht zugunsten einer Bausparkasse keine Anwendung findet (so AG Ludwigsburg…, Urteil vom 7. August 2015 - 10 C 1154/15, juris Rn. 40 ff.;… MünchKommBGB/Berger, 7. Aufl., § 489 Rn. 2; Tröger/Kelm, NJW 2016, 2839, 2843; Weber, ZIP 2016, 961; BB 2015, 2185, 2186 und BB 2016, 584, 586 f.;… BeckOGK/C. Weber BGB, Stand: 1. Juli 2016, § 489 Rn. 15).
c) Die vom Beklagten vorsorglich eingelegte Nichtzulassungsbeschwerde ist damit gegenstandslos (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 9;… Urteil vom 19. Februar 2015 - III ZR 90/14, WM 2015, 569 Rn. 9; Beschluss vom 24. Juli 2008 - VII ZR 205/07).
Die Verpflichtung, bei Swap-Verträgen im Zweipersonenverhältnis anlässlich einer vertraglich geschuldeten Beratung das Einpreisen einer Bruttomarge zu offenbaren, sofern es an konnexen Grundgeschäften fehlt, folgt vielmehr aus dem Gesichtspunkt eines schwerwiegenden Interessenkonflikts (…Senatsurteile vom 22. März 2011 - XI ZR 33/10, BGHZ 189, 13 Rn. 31 ff., vom 28. April 2015 aaO Rn. 33 ff., vom 20. Januar 2015 aaO Rn. 31 und vom 22. März 2016 XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 24).
Insbesondere ist der von den Parteien geschlossene Zinssatz-Swap-Vertrag nicht nichtig (Senatsurteile vom 28. April 2015 XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 56 ff. und vom 22. März 2016 XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 51).
Damit kann der Senat zur Verjährung nicht durchentscheiden (vgl. Senatsurteile vom 28. April 2015 - XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 73 und vom 22. März 2016 XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 52).
Da nur die Beklagte Berufung eingelegt hat und deshalb, was das Berufungsgericht zutreffend erkannt hat, die Entscheidung des Landgerichts zur Höhe anzurechnender Vorteile - obwohl der höchstrichterlichen Rechtsprechung widersprechend (Senatsurteil vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 39 mwN) hinzunehmen ist, wird das Berufungsgericht, sofern es nach nochmaliger Überprüfung die Berufung der Beklagten wiederum für vollständig unbegründet erachten sollte, die Verurteilung der Beklagten dahin zu präzisieren haben, es werde festgestellt, dass der Beklagten aus dem näher bezeichneten Zinssatz-Swap-Vertrag eine den Betrag von 1.546.218,27 EUR übersteigende Forderung nicht zustehe (zur betragsmäßigen Einschränkung des Feststellungsbegehrens Senatsurteil vom 28. April 2015 - XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 83).
Sollte das Berufungsgericht nach Maßgabe der Vorgaben des Senatsurteils vom 22. März 2016 (aaO Rn. 40 ff.) tatsächlich anrechenbare (weitere) Vorteile ermitteln, wird es diese Vorteile zu dem Betrag von 1.546.218,27 EUR zu addieren haben.
Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat sich im Zusammenhang mit der Anfechtung von über ein Girokonto abgewickelten Devisenoptionsgeschäften (…Urteile vom 22. Januar 2013 - XI ZR 471/11, NJW-RR 2013, 948 Rn. 11, und XI ZR 472/11, juris Rn. 11) und der Verletzung von Aufklärungspflichten bei dem Abschluss von Swap-Geschäften (Urteile vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14, NJW 2016, 2949 Rn. 39 ff …und vom 28. April 2015 - XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 84 ff) zu der Frage der Vorteilsausgleichung geäußert.
Die Anrechnung eines Vorteils aus der Ablösung eines ungünstigen Zins-Swap-Vertrags hat der XI. Zivilsenat hingegen bejaht, wenn der geschädigte Anleger aufgrund eines auf einem Beratungsfehler beruhenden Willensentschlusses zugleich mit dem Abschluss eines (neuen) Zinssatz-Swap-Vertrags und wegen desselben einen anderen früher abgeschlossenen, ihm nachteiligen Zins-Swap-Vertrag ablöst, sofern nicht schon der Abschluss dieses früheren Vertrags auf einer pflichtwidrigen Willensbeeinflussung des Anlegers beruhte (Urteil vom 22. März 2016 aaO Rn. 44).
Vielmehr trifft die Bank nur bei Zustandekommen eines Anlageberatungsvertrags diese aus dem Gesichtspunkt eines schwerwiegenden Interessenkonflikts folgende Verpflichtung (Senatsurteile vom 22. März 2011 XI ZR 33/10, BGHZ 189, 13 Rn. 31 ff., vom 28. April 2015 XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 33 ff., vom 20. Januar 2015 XI ZR 316/13, WM 2015, 575 Rn. 31 und vom 22. März 2016 XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 24).
Das Berufungsgericht wird seiner rechtlichen Bewertung zugrunde zu legen haben, dass in Fällen, in denen der Kunde an die Bank oder die Bank an den Kunden herantritt, um über den Abschluss von Swap-Verträgen beraten zu werden bzw. zu beraten, das darin liegende Angebot zum Abschluss eines Beratungsvertrags stillschweigend durch die Aufnahme des Beratungsgesprächs angenommen wird (st. Rspr., vgl. Senatsurteile vom 6. Juli 1993 XI ZR 12/93, BGHZ 123, 126, 128, vom 28. April 2015 XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 23 und vom 22. März 2016 XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 21).
Eine die Aufklärungspflicht ausschließende Konnexität ist nur gegeben, wenn die Parteien wirtschaftlich betrachtet zumindest partiell entweder ein bei der beratenden Bank bestehendes variabel verzinsliches Darlehen in ein synthetisches Festzinsdarlehen oder ein bei der beratenden Bank bestehendes Festzinsdarlehen in ein synthetisch variabel verzinsliches Darlehen umwandeln (Senatsurteil vom 22. März 2016 XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 26 ff.).
Das Berufungsgericht wird außerdem davon auszugehen haben, dass, was die Revisionserwiderung zu Recht geltend macht, der Informationspflichtige dem Geschädigten grundsätzlich nicht nach § 254 Abs. 1 BGB entgegenhalten kann, er habe den Angaben nicht vertrauen dürfen und sei deshalb für den entstandenen Schaden mitverantwortlich (Senatsurteile vom 22. März 2011 XI ZR 33/10, BGHZ 189, 13 Rn. 41 und vom 22. März 2016 XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 37).
Die Verpflichtung, bei Swap-Verträgen im Zweipersonenverhältnis anlässlich einer vertraglich geschuldeten Beratung das Einpreisen einer Bruttomarge zu offenbaren, folgt vielmehr aus dem Gesichtspunkt eines schwerwiegenden Interessenkonflikts (…Senatsurteile vom 22. März 2011 - XI ZR 33/10, BGHZ 189, 13 Rn. 31 ff., vom 28. April 2015 aaO Rn. 33 ff., vom 20. Januar 2015 aaO Rn. 31 und vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 24).
Insbesondere sind die von den Parteien geschlossenen Swap-Verträge nicht nichtig (…Senatsurteile vom 28. April 2015 - XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 56 ff. und vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 51).
Gemäß den Grundsätzen, die der Senat nach Erlass des Berufungsurteils mit Urteilen vom 22. März 2016 (XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 26 ff.) und vom 12. Juli 2016 (…XI ZR 150/15, Umdruck Rn. 25) aufgestellt hat, sind die Swap-Verträge nach den bisherigen Feststellungen des Berufungsgerichts und dem Vortrag der Beklagten nicht konnex mit einem Darlehen verknüpft gewesen, so dass eine Pflicht zur Belehrung über das Einpreisen eines anfänglichen negativen Marktwerts bestanden hat.
Damit kann der Senat zur Verjährung nicht durchentscheiden (…vgl. Senatsurteile vom 28. April 2015 - XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 73 und vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 52).
Sollte das Berufungsgericht nach Maßgabe der Vorgaben des Senatsurteils vom 22. März 2016 (XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 40 ff.) anrechenbare Vorteile ermitteln, wird es diese Vorteile zu beziffern und einer konkreten Vertragsbeziehung der Parteien zuzuordnen haben.
Auch wenn das Einpreisen einer Bruttomarge in ein Swap-Geschäft kein Umstand ist, über den die beratende Bank im Rahmen der objektgerechten Beratung informieren müsste (…Senatsurteile vom 20. Januar 2015 - XI ZR 316/13, WM 2015, 575 Rn. 33 ff., vom 28. April 2015 - XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 31 f. und vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 23), hat sie unter dem Gesichtspunkt eines schwerwiegenden Interessenkonflikts bei Swap-Verträgen im Zweipersonenverhältnis - und damit unabhängig von deren konkreten Bedingungen - die Pflicht, über die Einpreisung eines anfänglichen negativen Marktwerts, d.h. der den Nettogewinn und die Kosten der Bank umfassenden Bruttomarge, sowie über dessen Höhe aufzuklären, es sei denn, der Swap-Vertrag dient nur dazu, die Konditionen eines konnexen Kreditverhältnisses abzuändern (…vgl. Senatsurteile vom 28. April 2015, aaO Rn. 39 ff. und vom 22. März 2016, aaO Rn. 24, 27;… Senatsbeschluss vom 15. März 2016 - XI ZR 208/15, juris Rn. 10).
Aus den Feststellungen des Berufungsgerichts ergibt sich nicht, dass die Beklagte der Klägerin ein Darlehen gewährt hatte, mit dem der CCS-Vertrag gemäß den Grundsätzen, die der Senat nach Erlass des Berufungsurteils mit Urteilen vom 22. März 2016 (XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 26 ff.) und vom 12. Juli 2016 (…XI ZR 150/15, juris Rn. 25) aufgestellt hat, konnex verknüpft war.
Denn in Fällen, in denen der Kunde an die Bank oder die Bank an den Kunden herantritt, um über den Abschluss von Swap-Verträgen beraten zu werden bzw. zu beraten, wird das darin liegende Angebot zum Abschluss eines Beratungsvertrags stillschweigend durch die Aufnahme des Beratungsgesprächs angenommen (st. Rspr., vgl. Senatsurteile vom 6. Juli 1993 - XI ZR 12/93, BGHZ 123, 126, 128…, vom 28. April 2015, aaO Rn. 23 und vom 22. März 2016 - XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 21).
Für das weitere Verfahren weist der Senat auf die Ausführungen in seinen Urteilen vom 28. April 2015 (…XI ZR 378/13, BGHZ 205, 117 Rn. 44, 79 ff.), vom 22. März 2016 (XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 34 f., 54) und vom 12. Juli 2016 (…XI ZR 150/15, juris Rn. 15 f.) hin.
Sollte das Berufungsgericht nach Maßgabe der Vorgaben des Senatsurteils vom 22. März 2016 (XI ZR 425/14, WM 2016, 821 Rn. 40 ff.).
LG Hamburg, 28.08.2019 - 302 O 233/14
Verjährung von Schadensersatzansprüchen wegen Beratungspflichtverletzung im …

References: § 543
 § 43
 § 215
 § 551
 § 254
 § 139
 § 214
 § 2
 § 2
 § 2
 § 280
 § 249
 § 214
 § 561
 § 562
 § 563
 § 563
 § 489
 § 489
 § 254