Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4254.htm
Timestamp: 2018-12-10 13:42:54+00:00

Document:
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Höhnriß-Neuben« vom 21. Januar 1995 (GBl. v. 28.02.1995, S. 265).
Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBl. S. 73), wird verordnet:
(1) Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Münsingen, Gemarkungen Dottingen und Rietheim, Landkreis Reutlingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt.
(2) Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Höhnriß-Neuben«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 50 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Dottingen und Rietheim im wesentlichen ganz oder teilweise die Gewanne Eisenrüttel, Neuben, Wiesach und Höhnriß.
(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 20.Oktober 1993 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und in der Grenzziehung rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
· die Erhaltung und Pflege eines für die Mittlere Kuppenalb außergewöhnlich vielgestaltigen Biotopmosaiks aus Quellbereichen mit Ried- und Feuchtwiesen, über Sukzessions-, Wald-, Hecken-. Wiesen- und Ackerflächen bis hin zu den sonst typischen Halbtrockenrasen, das Lebensraum für zahlreiche seltene, bedrohte und geschützte Tier‑ und Pflanzenarten bietet,
· die Sicherung der diese Vielfalt bedingenden geologischen Besonderheiten des in engster Nachbarschaft befindlichen Vorkommens von Parabasalt und vulkanischen Tuffen aus dem Uracher Vulkangebiet, Zementmergel, Bankkalke, Kalkschutt Lind quartären Lehmen bis zum Auftreten von Quellbereichen und Dolinen als Zeugnis für die besondere geologische und naturgeschichtliche Situation dieses Landschaftsbereichs,
· der Erhalt, die Pflege und Verbesserung dieses vielfältigen Naturraums als Lebensraum einer den jeweiligen Besonderheiten angepaßten artenreichen Pflanzen‑ und Tiergemeinschaft und als Rückzugsgebiet für zahlreiche Arten aus der umgebenden Agrarlandschaft, insbesondere als Brutstätte stark gefährdeter Vogelarten,
· die Erhaltung eines weiträumigen Biotopverbundes von der Trailfinger Schlucht
über den Schopflochberg, die Seetalhalde und den Galgenberg zu weiteren westlich und östlich davon gelegenen Haolbtrockenrasenflächen im Münsinger Nordraum bis zu den geologischen Besonderheiten im Bereich Hohnriß, Neuben und Eisenrüttel.
(1) In Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung fuhren können.
6. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (Volkswanderungen, Sportveranstaltungen) durchzuführen;
16. Pflanzen oder Pflanzenteile, insbesondere Bäume, Hecken, Gebüsche, Feldgehölze im Ganzen oder Teile davon auszugraben. abzupflücken, abzusägen oder in sonstiger Weise zu beschädigen, zu roden oder zu zerstören;
19. außerhalb der dein öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege mit Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühle, zu fahren oder zu reiten.
1. die Jagd in der bisherigen Art und in bisherigem Umfang mit der Maßgabe auszuüben, daß neue jagdliche Einrichtungen nur in Form einfacher Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern im unbedingt notwendigen Umfang und in unmittelbarem Anschluß an vorhandene hochwüchsige Gehölze landschaftsgerecht errichtet werden. Neue jagdliche Einrichtungen, insbesondere Wildäcker, Futterstellen o.ä., dürfen nicht im Bereich der Feuchtflächen oder Halbtrockenrasen angelegt werden;
2.1 die Bestimmungen des § 4 Abs. 2 Nr. 1-3, 14, 17 und 18 zu beachten sind. Die Verwendung von Düngemitteln (§ 4 Abs. 2 Nr. 18) auf Wirtschaftsgrünland, nicht aber auf den Feuchtflächen Flst.Nr. 1284 und 1285/1, Gemarkung Dottingen, sowie von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln (§ 4 Abs. 2 Nr. 17) auf Ackerflächen bleibt unberührt;
2.2 auf Halbtrockenrasen nur Schafbeweidung in Form der Hüteschafhaltung erfolgt. Das Mitführen von Tieren anderer geeigneter Arten, insbesondere von Ziegen, in geringer Zahl bleibt unberührt. Die Koppelschafhaltung oder das Pferchen von Schafen ist nicht zulässig. Unberührt bleibt das Pferchen über die Nachtzeit, wobei der Pferch nicht auf Halbtrockenrasen eingerichtet werden darf;
6. Maßnahmen im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens Münsingen-Dottingen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchzuführen;
7. die bisherige Wintersportnutzung fortzuführen;
8. Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile veranlaßt werden, durchzuführen;
(2) Die zulässigen Handlungen sind so auszuüben, daß sie den Schutzzweck (§ 3) mit größtmöglicher Rücksicht beachten und im Rahmen der Möglichkeiten fördern. Errichtungs-, Unterhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten sollen nicht in der Vogelbrutzeit vom 1. März bis 31 Juli ausgeführt werden.
§ 6 Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen
Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen können für das Naturschutzgebiet vom Regierungspräsidium durch Einzelanordnung oder in einem Pflegeplan festgelegt werden. Soweit Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes betroffen ist, werden diese Maßnahmen vom zuständigen Staatlichen Forstamt im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde in der Forsteinrichtungsplanung festgelegt.
Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 2 bis 7 verbotenen Handlungen vornimmt.
TÜBINGEN, den 21. Januar 1995

References: § 64
 § 2
 § 4

§ 6
 § 64
 § 4
 § 5