Source: http://werner-bargau.gmxhome.de/BargauGeschichtebis1953.htm
Timestamp: 2018-12-11 23:16:47+00:00

Document:
Bargau Geschichte bis 1953
Geschichte von Bargau bis ca. in das Jahr 1953
Zehntwesen
Die Zeit vor 500 n. Chr.
Entstehung von Bargau um 500 n. Chr.
Kriege in der Zeit von 1546-1801
Bargau unter Württemberg ab 1802
Entwicklung der Ortsteile und deren Namen
Ablösung der Grundlasten, Zuteil. von Grundstücken
Bargau unter den Herren von Rechberg bis 1544
Kriege 1866; 1870/71; 1914/18; 1939/45
Die Glocken der St. Jakobuskirche
Herrschaft Bargau
Dorf Bargau und die Herren von Rechberg
Wappen von Bargau
Ortswasserleit., Elektr., Straßen, Busse und Kanäle
Birkhof, Adler und Mühle
Flurnamen und deren Deutung
Bargau unter der Reichsst. Gmünd 1544 bis 1802
Sagen und besondere Ereignisse
Lage und Name zurück nach oben
Bargau liegt 7,9km östlich von Schwäbisch Gmünd am Fuße des Scheuelberges in 434m Höhe über dem Meere. Der Name Bargau ist gute 300 Jahre alt. Sowohl das Dorf auch, als auch die ehemals dbei gelegene Burg wurden vom 14.-17.Jahrhundert, so noch im ältesten Pfarrbuche von 1639-1679, "Bargen" genannt. Im Volksmund heißt das Dorf heute noch oft Bargen. Um 1680 wurde Bargen in Bargau "verbessert". Ursprünglich mag das Dorf vielleicht anders geheißen haben, doch fehlen die Urkunden aus dieser Zeit vor 1340. Die Herkunft von "Bargen" ist unsicher und wird wohl unsicher bleiben. Doch sei darüber folgendes ausgeführt: Bargen gibt es im Kreis Engen (1342), im Kreis Sinsheim (793), im Kanton Schaffhausen (884), im Kanton Bern (1040) und bei Innichen in Tirol. Diese Orte führen ihren Damen auf ein ursprünglich romanisches Alpenwort Barga=Heustadel, Heuhütte, zurück. Dieses Barga ging als parac, bark ins Althochdeutsche über und daraus mögen nach Josef Karlmann Brechenmacher (Saulgau) die Ortsnamen erflossen sein, für die Ihrer Lage nach eine unmittelbare romanische Beeinflussung ausgeschlossen ist. Der Umstand, dass die genannten Bargen sehr weit von hier entfernt liegen, erregt Zweifel, ob unser Bargen auch darauf zurückgeht. Es wurde schon eine Herkunft von "Bargheim" vermutet. Die Abänderung von "-heim" in "-en" und "-au" kommt mehrfach vor. So hießen die naheliegenden Orte Wetzgau und Tanau früher Wexheim und Tanheim und im Volksmund wird heute die Endung dieser Ortsnamen wie die von Bargau ausgesprochen. die alemannischen Urdörfer um 500 enden öfter auf "-heim". Der Stamm des Wortes würde die Sippe bezeichnen. Der Versuch den Namen auf das mittelhochdeutsche Barg (barch)=verschnittenes Schwein zurückzuführen, wird nach Josef Karlmann Brechenmacher von der Forschung vollständig abgelehnt.
Die Zeit vor 500 n. Chr. zurück nach oben
Über die vorgeschichtliche Zeit können wir aus dem, was wir über die Umgegend wissen, Rückschlüsse ziehen für Bargau. Etwa im 5.Jahrhundert vor Chr. wanderten in unsere Gegenden von Westen her die Kelten ein und keltische Hirten siedelten in unserer Gegend in Einzelhöfen. Um 130 n. chr. erreichte die Eroberung durch die Römer unsere Heimat. Von Ihnen wurde zum militärischen Schutze eine Grenzmauer errichtet, der Limes, der etwa 3-4km nördlich von Bargau vorbeiführte und vom Bühl aus an manchen Stellen zu sehen war. Zur Sicherung gegen die im Norden eingedrungenen Alemannen, die vorher östlich der mittleren Elbe gewohnt hatten, befanden sich größere römische Militärstationen in Lorch, Unterböbingen und Aalen. Trotzdem gelang den Alemannen oder Schwaben im J. 260 n. Chr. der Einbruch in den Limes und seitdem leben die Schwaben, unsere Ahnen, hier. Etwa 200 Jahre mussten sie ringen, bis sie die Kelten gegen Süden und Westen zurückgedrängt hatten und ihr Besitz endgültig war. Nun beginnt um 500 n. Chr. die Gründung der Urdörfer, der Orte, die meist auf "-ingen" oder "-heim" enden.
Entstehung von Bargau um 500 n. Chr. zurück nach oben
Zu den Urdörfern, die um 500 gegründet wurden, darf auch Bargau gezählt werden, den es liegt zwischen den sogenannten "-ingenorten" Bettringen, Iggingen und Böbingen und hat die Merkmale der Urdörfer wie große Markusflächen, in deren Mitte die Siedlung liegt, windgeschützte Täler und Mulden mit einer Wasserstelle und guten Ackerboden. Auch zieht sich die Markung auf die Albhochfläche hinauf, wo die Weiden waren; letzteres ist charakteristisch für die Urdörfer in ähnlicher Lage. Alle Merkmale treffen auf Bargau zu, mit Ausnahme des Ortsnamens; dieser würde zutreffen, wenn der Ort ursprünglich Bargheim geheißen hätte. Doch ist der Name allein nicht ausschlaggebend, denn dieser kann sich im Laufe der Zeit geändert haben, was mehrfach vorkam. Allerdings sind sichere Spuren von den Alemannen aus ihren ersten Jahrhunderten, da sie in unserer Gegen waren, bis heute auf der Bargau Markung noch nicht gefunden worden, ebenso wenig wie von den Römern und Kelten. Ein sicherer Beweis, dass Bargau um 500 entstand, wäre erbracht, wenn man hier auf Reihengräber stoßen würde wie in Böbingen und Zimmern. Als nämlich unsere Vorfahren christlich waren, bestatteten sie ihre Toten nicht mehr in Rehengräbern mit Grabbeigaben vor dem Dorfetter, sondern um die Kirche herum ohne Grabbeigaben. Der Heubacher Arzt und Heimatforscher Dr. Keller sieht auf Grund des sehr breiten Abschnittsgrabens und der Berme (Anböschung!) auf dem "Schlößle" eine vorgeschichtliche Wallburg oder Fliehburg, zu der die Bewohner, vielleicht schon die Kelten, geflüchtet sind. Auch die 20 Schritte lange Jakobshöhle auf dem Scheuelberg, die nach einem Einsiedler benannt sein soll, mag in gefährlichen Zeiten als Zufluchtsort gedient haben. Unsere Gegend gehörte zum Drachgau. Im Laufe der Jahrhunderte vermischten sich die Schwaben unserer Gegend mit anderen Volksstämmen, so im 30jährigen Kriege.
Christianisierung zurück nach oben
Im Jahre 496 sind die Alemannen oder Schwaben von den Franken besiegt worden und nahmen von denselben allmählich das Christentum an. Um das Jahr 700 war unsere Gegend wie das übrige Alemannenland im ganzen christlich. Beweis dafür ist das unter dem Alemannenherzog Lantfried (717-719) erlassene "Gesetz der Alemannen", das ein christliches Volk voraussetzte.
Entwicklung der Ortsteile und deren Namen zurück nach oben
Als ältester Ortsteil ist das "Dorf" mit den unmittelbar daran anstoßenden Anwesen anzusehen; dieses liegt unterhalb der Kirche an dem 1952 eingedolten Bache und bildet auch heute noch den Kern des Ortes. Südlich davon entstand die ansteigende "Steige" und dort zuerst die Mühle, gegen Osten zu der "Spitel". Beide Ortsteile liegen am Wasser und sind auch heute noch nur lose mit dem "Dorf" verbunden, sind auch viel kleiner als das "Dorf", so erklärt sich die Entstehung der Bezeichnung "Dorf". Der Name "Spitel" ist viel späteren Datums und ist auf ein Vermächtnis an das Spital in Gmünd,eine Meßstiftung mit Armenunterstützung, ein sogenanntes Seelgerät, oder sonst eine Beziehung zu ihm zurückzuführen. Später entstand unweit des Baches östlich vom "Dorf", der vorderen Gasse, die "Hintere Gasse" und nörlich vom "Dorf" der "Schiefer", genannt nach der dort anstehenden Gesteinsschicht. Als dann von 1500 ab durch Teilung kleinere Anwesen entsanden, kamm westlich des Pfarrhauses die "Gaisgasse" hinzu, noch später an der Strasse nach Heubach der "Durrenwinkel", der auch heute noch wenig landwirtschaftliche Anwesen hat und dessen Name von einer Flachsdörre herkommen soll. Nördlich der Gasse "Durrenwinkel" entsteht seit 1938 ein neuer Ortsteil im "Gassenfeld", eine große Siedlung von Wohnhäusern.
Bargau unter den Herren von Rechberg bis 1544 zurück nach oben
Bargau zählte zu den ursprünglichen Besitzungen der Herren von Rechberg, die es von den Hohenlohe als Lehen hatten. Wie es zu den Hohenlohe kam, konnte noch nicht mit Sicherheit in Erfahrung gebracht werden. Da der Bargauer Laienzehnte 1351 in Verbindung mit den Kirchsätzen von Iggingen und Herlikofen genannt wird, wird vermutet, dass alles vom Kloster Ellwangen an die Herren von Hohenlohe kam. Mag sein, dass schon Ulrich von Rechberg (1179 bis 1205), der Ahnherr der Herren von Rechberg, Bargau als hohenlohsches Lehen erworben hat. Wie Bargau zweixhen 1340 und 1347 zum erstenmal genannt wird, finden wir es in der Hand der Rechberger Linie "unter den Bergen", welche ihre Besitzungen um Rems, Kocher und Fils hatte und auch in Bettringen begütert war. Der älteste Sohn Ulichs II., ConradI., wird "zu Bargen und Heuchlingen" genannt. Der jüngste Sohn Ulrich II. ist Johann II., auch "Johan der Bettringer" genannt. Er wird von 1340-1347 öfters und nach dem gräflichen Archiv in Donzdorf auch noch einmal 1349 "von Bargen" genannt. Da der Laienzehnte ebenfalls 1351 urkundlich genannt wird, muß die Burg "Bargen" und mindestens ein Weiler mit Zehntverfassung damals bereits bestanden haben. Bargau ging dann an die Rechberg-Heuchlinger Linie über, deren letzter Sproß, Conrad III. (1363-1408), Bargau seinem Vetter Wilhelm vom Hohenrechberg (1351-1401) überließ; unter letzterem wurde Bargau 1393 lehenlos. Im Salbuch von Weißenstein heißt es: "Ulrich von Hohenlohe machte die Veste Bargen und den Zehnten von Bargen, den Groß- und Kleinzehnten, welches bisher die Rechberg zu Lehen hatten, lehenlos und dem Wilhelm von Rechberg zu eigen." Bargau wurde von den Hohenlohe für die Burg Waldau freigegeben. Vom Hohenrechberger Hauptstamm kam Bargau an die Rechberg- Weißensteiner Linie. Der Letzte dieser Linie, Wolf von Rechberg, der 1550 kinderlos starb, verkaufte die Herrschaft Bargau an die Reichsstadt Gmünd. Am 16. Okt. 1543 kam die Verkaufsabrede zustande und am 4. Feb. 1544 wurde der Kaufvertrag endgültig abgeschlossen.
Burg Bargau zurück nach oben
Die oben genannte Veste Bargen war auf einem Vorsprung des Scheuelberges, auf dem heute das "Schlößle" steht, und wird zwischen 1340 und 1347 zum erstenmal erwähnt. Diese ehemalige stattliche Burg, von der heute nichts mehr zu sehen ist, war der Mittelpunkt und Amtssitz der Herrschaft Bargau. Die Veste war um 1800 in einem sehr schlechten Zustand, bis sie dann 1817 vollends abgebrochen wurde. Ihre Steine wurden zum Teil in Gmünd zum Bauen von Brücken, zum Teil in Bargau zum Bauen von Kellern und Backhäuslein verwendet. Das heuteige Bauernhaus "Schlößle" steht außerhalb der ehemaligen Befestigungen; dort war die Stallung, und zwar wahrscheinlich erst seit der Zeit, als die Befestigungen wertlos waren. Zwei Brüder aus Bargau, Magnus und Valentin Deininger, Teilnehmer am Russlandfeldzug Napoleons i. J. 1812 haben sich 1814 und 1822 dort angesiedelt. Im "Schlößle" war ein 120cm breites und 102cm hohes Bildwerk aus Sandstein, "Mariä Verkündigung", in die Mauer eingelassen. Vermutlich war es einmal in der Burgkapelle, die im Nordosten der Burg gewesen sein soll. Schade, dass das aus dem Jahre 1507 stammende Bildwerk um 1910 in die staatlichen Kunstsammlungen nach Stuttgart fortkam. Weil nicht bloß alle Steine von der Burg verschwanden, sondern auf dem Schlossberge auch noch viele Steine gebrochen wurden, lässt sich heute nur schwer sagen, wie die Burg ausgesehen hat. Doch kann man sich nach diversen Staatsarchivdokumenten, sowie nach den noch vorhandenen Grundmauern, auf die man in den letzten Jahren beim Graben gestoßen ist, und nach der Überlieferung ein ungefähres Bild machen. Um den ganzen Schlossberg ging außen herum, wo der Steilabfall beginnt, eine Mauer. Auf allen angeführten Forstkarten ist gegen Nordwesten ein Turm zu sehen. Ganz nahe bei dem sich im Osten befindlichen breiten Burggraben, der heute noch Zwinger genannt wird, stieß man auf die Grundmauern eines weiteren Turmes. Im Zwinger war ein Brunnen, aus dem man noch vor 40 Jahren Wasser holte. Der Ort der Zugbrücke lässt sich nicht mehr feststellen, da diese wahrscheinlich lange vor 1817 verschwunden ist. Dort, wo heute in 559m Höhe ein Signalstein steht, war ein kleinerer Burghof; der Platz wird heute noch "Höfle" genannt. Von Bargau aus hat die Burg mit großer Wahrscheinlichkeit so ausgesehen, wie sie das Bild zeit. Solange die Befestigung einen Wert hatte, fehlten in unmittelbarer Nähe der Burg die Bäume.
Herrschaft Bargau zurück nach oben
Nach dem Salbuch von 1476 und 1544 gehörten zur Herrschaft Bargau das Dorf Bargau, die Höfe Haldenwang (Haldenhof), zum Stubbenberg (Gingerhof), Trontal (Möhnhof), Lauchhof, Steinbacherhöfe und ein Hof zu Herdtlingsweiler, zwei Höfe und ein Lehnsgütlein zu Buch, Hällergeld zu Bettringen, Vogtleute auch zu Oberböbingen und Mögglingen, eigene Leute an verschiedenen Orten, mehrere Hölzer und dergleichen. Zur Burg Bargau gehörten außer Weingärten und Felder die Hölzer Aspach, Rottloch, Gehöld (Köld), Zwerenberg, Schwein (Gschwein), Schinder, Scheuelberg, Aucht unterm Scheuelberg und das Rechberger Buch.
Dorf Bargau und die Herren von Rechberg zurück nach oben
Der Herr von Rechberg war Grund- und Dorfherr von Bargau. Die Güter waren Lehensgüter der Herren von Rechberg. Durch ihre Amtsleute übten sie die Verwaltung und niedere Gerichtsbarkeit aus. Auch die höhere Gerichtsbarkeit stand ihnen zu, die sie im Namen des Kaisers ausübten. Die Bewohner von Bargau waren ihnen steuer-, dienst- und zehntbar. Schließlich war der Herr von Rechberg von 1466 ab, auch Kirchenherr, somit im Besitze aller Obrigkeit.
Wappen von Bargau zurück nach oben
Als Erinnerung an die Zeit, in der Bargau rechbergisch war, trägt es das stolze Wappen der Grafen von Rechberg, einen roten Löwen auf silbernem Grunde; aber zum Unterschied vom Rechberger Wappen hält beim Wappen von Bargau, das Landgemeinde ist, der Löwe eine umgestürzte Pflugschar in den Vorderpranken.
Birkhof, Adler und Mühle zurück nach oben
In ganz naher Beziehung zur Burg standen der Birkhof, die Adlerwirtschaft und die Mühle. Der Birkhof hieß früher "Hof auf der Burg" oder Burghof und dann bis 1700 Bürghof. Er hatte 1476 46 Jauchert Äcker und 7 Tagwerk Wiesen. Ein Baum- und ein Weingarten wurden vom Burghof zum Schloß geschlagen. Die Adlerwirschaft (siehe Bild um ca.1900) bestand schon 1476. Der Burherr schuf sie zum Ausschankeigener Weine und um sonstiger Einkünfte willen. 22 Jauchert Burgäcker gehörten zum Adler. Der Wirt machte gute Geschäfte, denn er konnte den halben Kaiserhof erwerben und machte außerdem das Wirtsgut erblich. 1618 verkauften Hans Linsenmaier und Elisabeth geb. Wiedenmännin ihr Erblehen, den Adler, um 6000 Gulden und zogen nach Weißenstein. dies war in damaliger Zeit ein sehr großer Betrag. Mit dem Adler war eine Branntweinbrennerei und eine Bierbrauerei (letztere bis 1900) verbunden; dazu gebrauchte man den großen "Adlerwirtskeller" am Wege zum Himmelreich.
Die Dorfkirche in Bargau soll eine Freistätte für Totschläger gewesen sein und hier hat diese launige Sage eine weitere Freistätte geschaffen. An einer Freistätte durfte einem Verbrecher oder Verfolgten nichts geschehen; auch durfte er nicht zum Verlassen der Freistätte gezwungen werden. Die Mühle (siehe Bild um ca.1925) liegt am Südrand der "Steig" und hat auch schon 1476 bestanden. Im Jahre 1926 hat ein Hochwasser großen Schaden angerichtet und seitdem steht der Mahlbetrieb, der oft unter Wassermangel litt, still.
Bargau unter der Reichsstadt Gmünd 1544 bis 1802 zurück nach oben
Am 04. Feb. 1544 kaufte die Reichsstadt Gmünd von Wolf von Rechberg die Herrschaft Bargau für 32000 Gulden; der Kaufvertrag liegt im Archiv von Schwäbisch Gmünd. Während die anderen Gebietsvergrößerungen der Stadt auf Erwerbungen der Klöster, der Kirchen und des Spitals zurückgehen, haben wir es bei Bargau mit einr ausschließlich städtischen Erwerbung zu tun. Von jetzt ab wohnte auf der Burg Bargau der Amtsvogt der Stadt Gmünd, der die Amtsbezeichnung "Vogt zu Bargau, Mögglingen und Lautern" führte und das Bargauer Amt zu verwalten hatte. Dazu gehörten um 1700 das Dorf Bargau mit 46 Anwesen, Buch mit 7 Anwesen , Unterböbingen mit 23 Anwesen, Mögglingen mit 91 Anwesen, Lautern mit 43 Anwesen, der Möhnhof, der Bürghof (Birkhof), 2 Höfe in Beiswang, der Haldenhof, der Lauchhof und der Giengerhof, zusammen 248 Anwesen. Von 1728 ab war das Bettringer Amt mit dem Bargauer bunden. Es gab noch ein Igginger und Spraitbacher Amt von Gmünd. Der Amtsvogt hatte große Befugnisse; durch ihn übte die Stadt die Verwaltung und die niedere Gerichtsbarkeit aus. Eine Bargauer Gerichtsordnung wurde am 03.Sept.1596 und am 22.Nov.1640 von der Stadt aufgestellt. Für bedeutende Gerichtssachen sollten 2 Gerichtsherrn der Stadt mit einem Schreiber zwei- oder doch einmal jährlich in jedem Amte Gericht halten; dies ist aber oft längere Zeit unterblieben. Außerdem waren an den Wochenmarktstagen 2 Beamte auf dem Rathaus für die Angelegenheiten und Klagen der Untertanen. Im Dorfe Bargau waltete der von der Stadt aufgestellte Schultheiß zusammen mit den, von den Bargauern gewählten und nach ihrer Zahl genannten Vierleuten. Dieser Schultheiß ist in seinen Befugnissen nicht zu vergleichen mit dem Ortsvorsteher, der bis 1932 Schultheiß genannt wurde; er hatte vielmehr eine ähnliche Aufgabe wie der heutige Gemeindepfleger. Die Vierleute hatten für Ordnung zu sorgen und mußten die Anweisungen des Vogts im Dorfe durchführen. Da hier alles zu Gmün gehörte, war die Stadt der alleinige Grund- und Dorfherr und hatte das Recht "über Gassen und Gemeindegüter". "Württ. ländliche Rechtsquellen" Band 1 Seite 589 ff. Stuttgart 1910, von Freidrich Winterlin, enthalten den Wortlaut der von der Stadt Gmünd am 01.Aug.1700 ergangenen Dorfordnung. §1 derselben verbietet den Handel mit Juden; §2 verbietet den Verkauf von Brotfrucht, bevor nicht die Abgaben entrichtet sind;
§3 gebietet, daß jeder auf das Glockenzeichen oder auf die "Umbotung" zu der "Gemeinde" erscheint;
§4 verbietet heimliche Zusammenkünfte; §5 verlangt, daß jeder die Gebäude ordentlich instand hält;
§6 verbietet den Verkauf von Grundstücken; §7 verbietet, ohne herrschaftliche Genehmigung jemanden ins Haus aufzunehmen; §10 verlangt pünktliches Erscheinen zu den Gemeindefrondiensten; §14 gebietet, das jeder seine Kinder und Ehehalten pünktlich in die Kinderlehre schicke; §18 verlangt Feuerschau im Frühling und Herbst; §22 verlangt Befolgung der Verordnungen des Amtsvogts; §23 verbietet Unmäßigkeit an "Heiratstagan", Hochzeiten und Weinkäufen; §29 enthält eine ausführliche Weideordnung. Das Verhältnis der Reichsstadt zu ihren Untertanen war schlecht; sie sah in ihnen eine untergeordnete Menschenklasse. Noch 1727 wurde verboten, daß ein Bürger der Stadt eine Bauerntochter heiratet, es sei denn, sie habe 300 Gulden. Auch sah man es nicht gerne, wenn ein Bürger aufs Land ging und dort eine Wirtschaft aufsuchte. Klagen und Beschwerden der Untertanen über großen Steuerdruck und harte Frondienste wollten nicht verstummen. 1718 wurde von den reichsstädtischen Untertanen eine Denkschrift über verschiedene Punkte gegen den Magistrat an den Kaiser eingereicht. 1720 klagten die Bargauer beim kaiserlichen Gerichte wegen unbilliger Frondienste. Streitigkeiten und Prozesse zwischen Magistrat und Untertanen, die 1680 begannen, hörten erst mit dem Ende der Reichsstadtherrlichkeit auf. Doch mag es damals vielen anderen Untertanen noch schlechter ergangen sein als denen von Gmünd.
Zehntwesen zurück nach oben
Wie früher den Herren von Rechberg, so mußte von 1544 ab der Reichstadt Gmünd der Zehnt entrichtet werden. Es gab einen Großzehnt von Dinkel und Hafer, einen Kleinzehnt von Gemüse, Flachs, Hanf, Raps, Kartoffel und Klee, und einen Blutzehnt von Gänsen, Enten, Hühnern,Kälbern und Fohlen. Bei dem Großzehnt war der Zehntherr befugt, auszusuchen und zu wählen; er mußte auch abholen. Die Garben mußten bis zur Ankunft des Vogts bzw. des Zehntknechts auf dem Felde verbleiben. Der Großzehnt stand der Stadt Gmünd, der Klein- und der Blutzehnt der hiesigen Pfarrei zu. Die Zehntscheuer stand zwischen den Anwesen von Josef Zimmermann und Konrad Mangold.
Lehenswesen zurück nach oben
Die Bargauer Güter waren Lehen, eine Art Pacht; die Inhaber hatten es vom Lehnsherrn, der Reichstadt Gmünd (seit 1544), nur zum Nießbrauch auf beschränkte Zeit; bei Fallehen fiel das Gut nach dem Tod des Inhabers an den Lehnsherren zurück, während das Erblehen in der Familie verblieb. Die Lehen waren mit Geldzinsen, Früchten, Wachs, Eier, Käse, Holz und Fronen (Hand- und Gespanndienste) belastet, wie es im Lehensvertrag festgelegt war. So hatte der Birkhof bei 46 Jauchert Äckern und 5 Tagwerk Wiesen zu entrichten: 3 Schilling Heller Heugeld, 100 Eier, 20 Käse, 8 Herbsthühner, 1 Fastnachts- und 1 Forstrechtshenne, 1 Schilling Heller zu Weinsteuer, 4 Malter Dinkel und 4 Malter Haber. Wenn der Inhaber wechselte, entrichtete der Abfahrende 9 Gulden Weglösin. Manche erkauften sich die Erblichkeit ihres Lehens. So bezahlte Hans Welsch 1544 für die Erblichkeitserklärung seines Anwesens 350 Gulden. Auf der andern Seite suchte die Stadt Erblehen zu kaufen, um sie wieder als Fallehen hinzuleihen. Das Lehnswesen dauerte bis ins 19. Jahrhundert hinein. Es sei hier auf die Größe der Altgmünder Maße hingewiesen: Jauchert (von Joch) =48,87 ar; 1 Malter bei Dinkel 18 Simri = 410 Liter und bei Haber 18 Simri = 468 Liter; 1 Simri bei Dinkel = 22,76 Lit; bei Haber 25,69 Lit; 1 Scheffel hat 8 Simri; 1 Heller hat 1/2 Pfennig; 1 Schilling Heller = 12 Heller; 1 Pfund Heller = 240 Heller; 1 Gulden (fl.) = 15 Batzen = 60 Kreuzer. Der Gulden wurde mit 1,75 Mark umgerechnet und es ist noch nicht lange her, als eine Batzenwurst 12 Pfennige kostete. Die Größe der Maße war in den einzelnen deutschen Ländern sehr unterschiedlich. Der Dinkel, der eine Abart von Weizen ist und bei uns Korn genannt wurde, war bis gegen 1900 die Hauptbrotfrucht; er ist heute ganz verdrängt durch den Weizen.
Kriege in der Zeit von 1546 - 1801 zurück nach oben
Kriegsnöte sind oft über Bargau hinweggegangen. Die älteste Urkunde hierüber im Archiv von Schwäbisch Gmünd stammt aus dem Jahre 1546, aus der Zeit des Schmalkaldischen Krieges. Der Kurfürst von Sachsen kam mit seinem Heer über das Aalbuch von der Danau her und besetzte die ganze Umgebung der Stadt Gmünd, so auch Bargau. gmünd wurde belagert und mußte sich am 26.Nov.1546 ergeben. die sächsischen und hessischen Truppen richteten großen Schaden an. Von Bargau wurden viele Schäden angemeldet. Die Urkunde über die angemeldeten Schäden gibt viele Familien an, die damals in Bargau waren und verschafft einen Einblick in die damaligen landwirtschaftlichen Preise. Im Jahre 1575 herrschte in der Gegend arg die Pest, welche in Gmünd 2209 Personen hinwegraffte. Doch ist nicht bekannt, wieviele Personen damals in Bargau starben, auch nicht im großen Sterben um das Jahr 1635 im 30-jährigen Kriege (1618-48). In diesem schrecklichen Krieg hatte Bargau immer wieder unter Einquartierungen und Truppendurchzügen zu leiden, so gleich 1619 unter württembergischer Einquartierung. Im Jahre 1645 waren hier einquartiert 1 Leutnant mit Frau, 1 Knecht und 4 Pferde, 1 Feldscher mit Frau, 1 Trommelschläger, 1 Schütz, 1 Gefreitenweib mit Kind und 1 gemeiner Knecht. Am 31. März 1638 wurden Kirche und Pfarrhaus durch kaiserliche Truppen gebrandtschatzt. 1707, im spanischen Erbfolgekrieg, bezog das Reichsheer des Markgrafen von Bayreuth Stellung zwischen Iggingen und Bargau, wobei Schanzen errichtet wurden. Wahrscheinlich entstanden damals die Gräben beim Bargauer Kreuz. Am 22.Juni 1707 rückte der französische Marschall Villars das Remstal herauf. Zwischen Iggingen und Aalen kam es zu einem Gefecht, bei welchem die Franzosen zurückgeschlagen wurden. Im österreichischen Erbfolgekrieg, besonders 1743, und im 7-jährigen Kriege vor allem 1763, gab es Durchzüge von Truppen mit ihren Begleiterscheinungen, ebenso in den Revolutionskreigen von 1791-1801. Bei den Truppendurchzügen wurde zum Teil auch die Bargauer Steige benützt. Diese ist auf den alten Gmünder Freipirschkarten auffallend groß eingezeichnet. Daraus können wir schließen, daß diese nicht unbedeutend war. Nach alter Überlieferung mußten die Bargauer öfter bis zum Bargauer Kreuz Vorspanndienste leisten. Ein Weg von dort bis zum Kitzing wird heute noch Heerweg genannt. Der Unterhalt der Bargauer Steige hat den Bargauern oft große Sorge bereitet.
Bargau unter Württemberg ab 1802 zurück nach oben
Württemberg wurde durch Napoleon für den Verlust seines linksrheinischen Gebietes durch rechtsrheinische Gebiete entschädigt und erhielt unter anderem die bisher reichsunmittelbare Stadt Gmünd mit ihrem Gebiet. Am Andreastag 1802 schlugen die Kommissäre des Kurfürsten Friedrich II. von Württemberg an der Kirche und an öffentlichen Plätzen von Bargau Plakate an und forderten zum Gehorsam gegen den Kurfürsten auf. Pfarrer Killinger schrieb damals in die Pfarrchronik: "Vom 1. Dezember 1802 an ist Bargau kein reichsstädtisch-gmündisches Dorf mehr, nachdem es durch einen Zeitraum von 258 Jahren bei der Reichsstadt Gmünd gewesen und sich größtenteils wohl befunden hat". Als geborener Gmünder stellt er seiner Vaterstadt ein gutes Zeugnis aus. Jedenfalls dürften die Bargauer und die andern ehemals reichsstädtischen Untertanen nicht wenig geschmunzelt haben, als am 20.Juli1803 die führenden Persönlichkeiten Gmünds gezwungen waren, den württembergischen Landesherrn in Gmünd mit Jubel zu empfangen und ihm zu huldigen. Die württembergische Regierung hat gleich in ihrer ersten Zeit durch Truppenaushebungen Aufsehen verursacht; bisher waren hier nur Anwerbungen gebräuchlich. Diese Soldaten mußten zuerst an der Seite von Napoleon, und nach der Schlacht bei Leipzig gegen ihn kämpfen. Auch Hungerjahre waren immer wieder zu verzeichnen. Übe die Hungerjahre 1816/17 schrieb Pfarrer Bock in die Pfarrchronik: "Die beiden verhängnisvollen Jahre 1816 und 1817 versetzten die meisten Einwohner des hiesigen Ortes in Armut, daß sie ihre Habe verkaufen mußten, um den Hunger zu stillen. Die Armut wurde dadurch um so größer, da der vorangegangene langwierige Krieg die Untertanen so hart mitnahm. Der Scheffel Dinkel kostete in diesen beiden Jahren 40 Gulden, das Simri Kartoffel 2-3 Gulden und das Pfund Brot 18 Kreuzer". Im Jahre 1847 wurde der 1. Roggenwagen des Broßbauern Theodor Köhler in feierlicher Prozession mit Kreuz und Fahne vom Breitenfeld eingeholt.
Am 17.Mai 1827 wurde Bargau durch einen Wolkenbruch arg mitgenommen. Große Wassernot war nochmals am 25.Juli 1912 und am 07.Juli 1926. Außerdem wurde die Markung immer wieder durch Hagelschlag heimgesucht; besonders schlimm war es am 29.Juni 1879 und am 30.Mai 1945.
Ablösung der Grundlasten; Zuteilung von Grundstücken zurück nach oben
Im Jahre 1810 wurden durch eine königlich württembergische Verordnung alle Fallehen zu Erblehen und 1817 alle Lehen in Zinsgüter umgewandelt. Das Revolutionsjahr 1848 und das folgende Jahr brchten schließlich das Gesetz zur Abwälzung der Grundlasten. Die Ablösungsschuldigkeiten wurden in Renten bis zur Dauer von 25 Jahren verteilt und waren letztmals 1873 und 1874 zu bezahlen. Jetzt war der Bauer freier Herr auf eigenem Grund und Boden. Als am 18.April 1849 das heisige Bürgerholz im Bargauer Horn zum Fällen und Aufmachen bestimmt und ausgegeben werden sollte, verlangten die allermeisten der 73 berechtigten Bürger, daß der Wald verteilt werden solle. Im Jahre darauf wude jedem berechtigten Ortsbürger 1-2 Morgen Wald im Güterbuch zugeschrieben. Von den Allmandteilen (Gemeingüter) im Weinberg, in der Lix und im Hohensträß waren im Jahre 1833 und 1843 50 Morgen und noch weiteres Gelände, das bisher als Schafweide verwendet war, wurde 1849 den 95 Ortsbürgern zugeteilt. Jeder erhielt zusammen einen Morgen; doch mußte jeder 10 Gulden an die Gemeindekasse bezahlen, ehe es ihm im Güterbuch zugeschrieben wurde.
Kriege 1866; 1870/71; 1914/18; 1939/45 zurück nach oben
Aus den Kriegen 1866 und 1870/71 ist je ein Bargauer nicht zurückgekehrt. Im Weltkreig 1914/18 sind 41 Soldaten von hier gefallen und im Weltkrieg 1939/45 sind es gar 90 an Gefallenen und Vermißten. Die Bevölkerung in Bargau hatte zu Hause 1939/45 diesselben Leiden mitzumachen wie die umliegenden Ortschaften.
Der Besetzung von Bargau durch amerikanische truppen am 24.April 1945 gingen für die Bevölkerung bange Nächte in den Kellern vorraus. Zum Glück hatten die deutschen Truppen, welche sich seit ein paar Wochen auf den südlich von Bargau liegenden Höhen am Waldrand verschanzt hatten, in der Nacht vorher sich gegen Süden zurückgezogen. So fanden die Amerikaner die Panzersperren, die der Volkssturm Bargau im März am Ortsausgang nach Oberbettringen und Zimmern errichtet hatte und die der Führer der deutschen Truppe nicht öffnen lassen wollte, offen vor und das Dorf konnte kampflos besetzt werden. Etliche Häuser sind am Vorabend durch einen Panzer und zwei Spähwagen, die sich der verschlossenen Panzersperre von Zimmern her näherten, und am Morgen des 24.April von 4 - 5.45 Uhr durch Artilleriefeuer von Iggingen her beschädigt worden.
Bachbauer Josef Barth ist am 23.April in Heubach verletzt worden und starb im August 1945. Während des Krieges 1939/45 waren hier Leute aus Rastatt (Baden), dem Rheinland und der Pfalz untergebracht; beim Zusammenbruch waren auch das Schulhaus und die Wirtschaftssäle mit sogenannten "Evakuierten" belegt. Nach dem Zusammenbruch waren in der Hardtkaserne viele Ausländer untergebracht, die Htler zu Zwangsarbeiten nach Deutschland gebracht hatte. Diese waren mehrere Jahre der Schrecken der Bevölkerung und suchten vor allem einzelstehende Bauernhöfef wie den Oberen Lauchhof heim, ohne daß die Amerikaner ernstlich dagegen einschritten. Auch war mehrere Jahre nach dem Waffenstillstand bittere Not, so daß man nicht genug Kartoffeln bekam, ja im Windter 1946/47 Leute um eine einzige Kartoffel von Hus zu Haus betteln mußten. Nach dem Krieg kamen viele Heimatvertriebene, vor allem aus Schlesien, Sudetenland, Südmähren und dem Banat nach Bargau.
Die Glocken der St. Jakobuskirche zurück nach oben
Der 1. und der 2. Weltkrieg holte je drei Glocken vom Kirchturm herunter. Dank der Opferfreudigkeit der Pfarreiangehörigen konnten 1947 drei Glocken und 1953 auch die 4. und größte Glocke beschafft werden. Die im 2. Weltkrieg belassene kleinste Glocke wurde, da sie einen schlechten Klang hatte als Glockenmetall eingetauscht. Die Glocken wurden von Heinrich Kurtz, Stuttgart, gegossen, die Glockenzier schuf Professor Alfons Feuerle in Gmünd, und die Aufschriften stammen von Kaplan Alfred Kees in Gmünd. Abgüsse der Glockenzier sind an der Nordwand der Kirche und über dem Eingang des Pfarrhauses angebracht. Wegen der hervorragenden Glockenzier zählen die Bargauer unstreitig zu den schönsten, die in den letzten Jahren gegossen wurden. So prächtig Ihr Äußeres, so herrlich ist auch der Klang. Sie haben die Töne Es, G, B, und C; ihr Gewicht beträgt 1678, 870, 510 und 365kg, zusammen also 3423kg (ohne Klöppel); der Klöppel der größten Glocke wiegt 77kg.
Rathaus und Gemeindeverwaltung zurück nach oben
Das Rathaus wurde 1832 erbaut und 1951 gründlich erneuert; es macht einen stattlichen Eindruck. Seit dem Zusammenbruch der unglücklichen Hitlerdiktatur waltet dort wieder ein Bürgermeister als Ortsvorsteher, der von der über 21 Jahre alten männlichen und weiblichen Bevölkerung in geheimer Wahl bestimmt wird. Ebenso werden die zwölf Gemeinderäte gewählt, die mit dem Bürgermeister über das Wohl und Wehe der Gemeinde zu beschließen haben.
das linke Bild zeigt das Rathaus in den 1940er Jahren, das rechte ist aus den 1970er Jahren.
Schule zurück nach oben
Die Reichsstadt Gmünd kümmerte isch wenig um das Volksschulwesen in den reichsstädtischen Dörfern und so lag das Schulwesen sehr darnieder. Auf dem Platz südlich des heutigen Rathauses stand ein recht ärmliches Schulhaus.Schulpflicht gab es früher nicht, un den Sommer über wurde bis 1831 überhaupt keine Schule gehalten. Der Lehrer- und Mesnerdienst waren vereinigt und vererbte sich hier im 18. und 19.Jahrhundert mehrmals in der Familie Stütz. In den dreißiger Jahren des 19.Jahrhunderts trat eine wesenliche Besserung ein. 1832 wurde das heutige Rathaus als Schul- und Rathaus um 5000-6000 Gulden erbaut, 1833 wurde die Schule zweiklassig. Das heutige Schulhaus wurde 1912/13 um 53000 Mark errichtet, dazu kostete die Inneneinrichtung 5000 Mark. Das Schulhaus enthält vier große lichte Schulsäle. 1913 wurde eine dritte Lehrstelle errichtet, 1947 eine vierte. Bis 1936 war hier eine katholische Bekenntnisschule. Infolge der großen Schülerzahl soll in absehbarer Zeit ein Erweiterungsbau erstellt werden.
Ortswasserleitung, Elektrizität, Straßen, Busse und Kanalisation zurück nach oben
Dem hygienischen und wirtschaftlichen Fortschritt diente die Erbauung der Ortswasserleitung im Jahre 1930 um 89500 Mark. Vorher waren hier 35 Schöpf- und Pumpbrunnen vorhanden. 1930 wurde die Eselsbrunnenquelle und 1948 die Himmelsquelle gefaßt. Schließlich erfolgte 1949 der Anschluß an die nördlich vom Dorf verlaufende Landeswasserleitung. 1913 wurde die elektrische Licht- und Kraftleitung eingerichtet. Den Strom lieferte das Überlandwerk Jagst in Ellwangen. Seit etwa 1930 finden die Rundfunkgeräte in größerer Zahl Eingang in die Familien. Im Jahre 1861 wurde im benachbarten Remstal der Eisenbahnverkehr feierlich eröffnet und 1927 wurde Bargau durch den von Gmünd über Bargau nach Heubach führenden Omnibusverkehr n den Weltverkehr angeschlossen. Am 31.März 1937 fuhr der "Postalois" von Weiler mit seinem Einspännerwägele zum letzten Male über Bargau und Bettringen nach Gmünd, um Post dort abzuliefern und abzuholen. Seitdem wird die Post durch Kraftwagen befördert. Die Ortsstraßen waren früher in einem schlechten Zustand. 1935 ging der Unterhalt der Hauptstraße auf den Kreisverband über. 1951 wurde die Straße in der "Hinteren Gasse" und 1952 die Aalbuchstrasse geteert und gewalzt. Große Veränderungen wurden am Ortsbach im Laufe der letzten 100 Jahre durchgeführt. 1800 gab es noch keine Brücke über denselben; man ging und fuhr durch den Bach und benutzte sogar kleinere Strecken den Bach als Weg. 1870 gab es zwei hölzerne Brücken und fünf Stege, 1950 vier steinerne und drei hölzerne Brücken und mehrere Stege. Im Jahre 1952 wurde der Ortsbach im Ortsteil "Steig" und im "Dorf" in 100 und 120cm starke Schleuderbetonrohre gefaßt. Nach einer 400 Meter langen Strecke tritt er erst hinter dem Westrande des Dorfes wieder ans Tageslicht. Auch der Spitalbach wurde eingedolt. Außerdem wurde die Kanalisation des größten Teils des Dorfes durchgeführt, wobei 1500 laufende Meter Zementrohre zwei bis drei Meter tief verlegt wurden. Die Kosten betrugen ca. 150000 DM. Da der Ortsbach und vor allem der Spitalbach oft sehr verschmutzt waren und die Hauptstraße im "Dorf" bedeutend verbreitert werden konnte, ist die Neuerung in hygienischer und verkehrstechnischer Hinsicht sehr zu begrüßen. Leider büßte Bargau durch das Verschwinden des Baches und der hundertjährigen Pappeln beiderseits desselben viel von seinem ländlich- idyllischen Charakter ein. 1953 wurde der unter Teil der Steigstraße und die Spitalbachstraße in guten Zustand versetzt.
Flurnnamen und deren Deutung zurück nach oben
Nicht uninteressant ist die Deutung der Flurnamen. Da gehen wir am besten auf das iin 559m über dem Meere liegende Schlößle hinauf, den von dort aus übersehen wir fas die ganze Markung.
Zu Füßen des Schlößle liegt in 515m Höhe der Birkhof und darunter das Strutfeld (Strut ist mittelhochdeutsch und bedeutet Gebüsch oder Dickicht). Östlich davon sind die Schinderäcker, wo einst gefallenes Vieh vergraben wurde, und westlich die langen, aber schmalenStrangwiesen(Strang =langer Strick oder Zugseil). Vorn an der Straße nach Heubach ist der Brühl, der heute größtenteils überbaut ist. Brühl ist auch hier wie anderwärts gutes Wiesenland und war in der Regel im Besitze des Grund-, Orts- oder Zehntherrn. Dahinter liegen die "Hinteren Wiesen" und die Brunnenäcker, wo vor der Entwässerung ein Brunnen lief. Nördlich der Straße nach Heubach sehen wir den Wiesenschwang(?), das Hirschfeld, wo vielleicht Hirse gebaut wurde, und die Stockerwiesen, genannt nach den Stumpen oder Stöcken, die nach der Rodung zurückblieben, und daran anschließend die Breite; letzteres ist die Bezeichnung für breite und ertragreiche Grundstücke, die oft in der Hand der Grund- und Ortsherren waren. Dann schließen sich das Frendenloch(?), der Kaiserhof (ob dort früher ein Hof war dessen Besitzer Kaiser hieß?), die Gumpenäcker mit Vertiefungen oder Gumpen im Boden und als nördliche Markungsgrenze die Barrenhalde, die gegen Zimmern zu als Barre oder Querriegel daliegende Halde (=Hang), an. Westlich davon ist das Aspenfeld (Aspe - Espe) und die Schwedenwiese (ob dort die Schweden gelagert haben oder Schweden dort beerdigt sind?) und anschließend der auf der Markung Bettringen sich hinziehende Gügling (444m hoch; Gügling = spitze Kappe), der Stripsig (von Gestrüpp) und die Krummäcker , die nach dem krummen Verlauf der Gewand genannt sind. Hinter dem Dorfe sehen wir vom Schlößle aus den bis 445m ansteigenden Bühl (Bühl ist häufig die Bezeichnung für einen übersehbaren Hügel), davor das breite Feld (ähnlich wie Breite) mit dem in 413m Höhe liegenden Sportplatz, daneben den Haltenrain (Halde und Rain = Hang), beiderseits des Baches die oberen und unteren Bachwiesen und den Liebermann, der nach einem früheren Besitzer genannt ist. Vor der Kirche liegen die Kirchäcker und anschließend daran das Lixfeld, auch Lichsfeld geschrieben (Lichs ist ein mergeliger Lehm) und das Bodenfeld, wie mancherorts fruchtbares und im Talgrund gelegenes Gelände genannt wird. Gegen Westen sieht man den in 465m Höhe liegenden Oberen Lauchhof, der wohl seinen Namen von Lauchen = Grenze hat. Davor befinden sich das Gschleif, wo man leicht ausrutscht oder schleift, oberhalb des Oberen Lauchhofs die Oberern Wiesen und auf der Markung Weiler das Köld (früher Gehäld geschrieben; von Halde, Gehalde) und unterhalb desselben das Mittelfeld, noch weiter unten das Unterfeld, die Unteren Wiesen, und gegen den Unteren Lauchhof zu, der erst 1873 entstand, die Mühlhalden, die wohl früher einmal zur Mühle gehört haben; davor ist der Litzebühl, womit wasserarmes Gelände bezeichnet wird. Nahe beim Schlößle gegen Südwesten ist der Bitzel (so wird mancherorts das von der Dreifelderwirtschaft ausgenommene Gelände genannt), der Lohwasen (= lichter Wald oder kleiner Wald im Privatbesitz am Rande großen Waldgebiets), der Weinberg, wo früher Wein angebaut wurde, und der Feuerbach (Name deutet auf Abbrennen von Gebüsch hin). Im Süden steigt, das nach seiner hohen Lage genannte Himmelreich bis 698m und gegen den Rosenstein zu der Scheuelberg mit dem "hohen Felsen" bis 717m an. Scheuelberg, früher Schewelberg geschrieben; Scheuel ist eine Ableitung des mittelhochdeutschen schiuwe = Scheu, Furcht, Schreckbild; Scheuelberg wäre mithin ein Berg, an dem alte Sagen haften, die von Kobolden, Gespenstern und Geistern oder sonstigen furchtbaren Dingen erzählen; ursprünglich dürfte der Berg anders geheißen haben. Das Volk will es damit erklären, daß dort das "Wetterkräutlein" wächst, das die Gewitter vertreibt, und folglich die Gewitter sich vor dem Berge scheuen. Unterhalb des Himmelsreiches ist dieEichhalde, woh früher wenigstens an den Grundstücksgrenzen Eichen standen, die Bärenäcker(?) und auf der anderen Seite des Eselsbrunnenbachs die steilen Bergäcker, die Hermeshalde oder Hermannshalde(?) und weiter gegen Süden das Bargauer Horn, eine hornartig gekrümmte Bergspitze, die bis auf 754m ansteigt. Dort steht in 742m Höhe das "Bargauer Kreuz", wo man nach altem Brauch vorher betet, ehe man ins Dorf heruntergeht. Die Flurnamen sind damit noch nicht vollständig genannt, so mannigfach sind sie. Sie sind meist sehr alt, ja gehen teilweise auf die Urbarmachung des Bodens zurück. Mögen andere den Versuch der Deutung der Flurnamen fortsetzt!
Sagen und besondere Ereignisse zurück nach oben
Die "Freistätte" im Adler
Der Adler in Bargau war weit und breit berühmt, wurde doch Wein ausgeschenkt, der aus dem gräflichen Weinberg bei der Burg stammte. Selbst ein Kaiser hat dort Einkehr gehalten, als er in die Gegend kam. Der Wirt hat sich in seinen schönsten Leibrock geworfen und den hohen Gast unter der Haustüre empfangen, wo er der Majestät alle Ehre und Reverenz erwies. Er führte den Kaiser in sein Wirtslokal und setzte ihm die köstlichsten Weine vor, gewachsen in den besten Bargauer Lagen, derweil sein Weib das Essen bereitete. Der Wirt deckte dazu den Tisch und, weil er an große Reinlichkeit gewöhnt war und es bei seinem hohen Gaste besonders genau nehmen wollte, so putzte er jeden Teller, ehe er ihn vor den Kaiser auf den Tisch stellte, nochmals ab, aber nicht mit einem Tuche, sondern an seiner Hose und dazu am Hosenboden. Ebenso verfuhr er mit Löffel, Gabel und Messer. Der Kaiser war nicht wenig verblüfft, doch nahm er die Sache von der heiteren Seite und lachte dazu. Wie er dann gut gespeist und noch einen Becher Bargauer Wein getrunken hatte, beschloß er in fröhlicher Stimmung, dem Körperteil des Wirts, mit dem sich solcher um das Wohl seiner Majestät so absonderlich bemüht hatte, einen besonderen Hulderweis zu geben. Und derohalber bestimmte er, daß hinfüro, und zwar für ewige Zeiten: der Sitzplatz des Wirts, der sich im Hergottswinkel befand, solle ein Freiplatz sein für jeden, der sich darauf niederlassen werde. Also geschehen zu Bargen und nachher beurkundet und besiegelt in des Kaisers Hofkanzlei. Die Dorfkirche in Bargau soll eine Freistätte für Totschläger gewesen sein und hier hat diese launige Sage eine weitere Freistätte geschaffen. An einer Freistätte durfte einem Verbrecher oder Verfolgten nichts geschehen; auch durfte er nicht zum Verlassen der Freistätte gezwungen werden.
Der starke Joseph 1709/39
In der Mühle lebte von 1709 ab Joseph Herzer, genannt "der starke Josef". Dieser zeichnete sich durch eine ungewöhnliche Größe und eine entsprechende Kraft aus. Er war so groß, daß er mit seiner Hand die 253cm hohe Zimmerdecke im oberen Stock des Adler erreichte. Seine Körperkraft war so groß, daß er auf einmal zwei, je ungefähr zwei Zentner schwere Säcke Mehl, den einen auf der Schulter, den andern unterm Arm, von der Mühle zum Birkhof hinauftragen konnte. Der Weg war ca. 1km lang und ging steil nach oben. Diesen Riesen wollte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. für die "Potsdamer Garde" gewinnen und machte ihm durch seine Werber die verlockendsten Versprechungen. Da er nicht darauf einging, überfielen ihn an einem Sonntagmorgen, wo er die Mühle zu bedienen hatte, ein Werbeoffizier und drei handfeste Soldaten in seinem Stübchen und suchten ihn zu fesseln. Mit seinen Riesenkräften wehrte sich der Überfallene. Im oberen Stock war eine Schwester von ihm durch den Lärm aufgeschreckt worden und sprang durchs Fenster auf die Dunglege, um dann zur Kirche zu eilen und Hilfe zu holen. Mittlerweile kam dem Überfallenen, den sie schon bis zur Mitte des Hauses geschleppt hatten, ein rettender Gedanke: "Wenn ich nur mein Handbeil hätte!" und zerrte mit übermenschlicher Kraft die vier Soldaten in Richtung des Ganges, wo das Beil an der Wand hing. Mit einem kräftigen Ruck machte er seine Rechte frei, ergriff das handbeil und schlug wie wahnsinnig um sich, so daß sofort zwei Mann verwundet niederstürzten. Mittlerweile läuteten die Sturmglocken und die preußischen Werber erkannten, daß sie nur in schleunigster Flucht ihr Heil finden konnten. Rasch brachten sie ihre Verwundenten in die bereitgestellte Kutsche und fuhren gen Heubach, das württembergisch war, davon. Dieser Überfall setzte den Nerven des "starken Joseph" derart zu, daß er dahinsiechte und am 20.Juli 1739 im Alter von 30 Jahren verstarb.
Die Herrgottstritte
An einem Felsen des Rosensteins sah man früher den Eindruck eines rechten Fußes. Auf dem gegenüberliegenden Scheuelberg zeigte sich deutlich die Tapfe eines linken Fußes. Alte Leute erzählten, daß einst Christus auf der Flucht vor den Juden diese Fußtritte hineingedrückt habe. Das Wasser, das sich darin ansammelte, gebrauchte man für die Augen. Auf Befehl der württembergischen Regierung wurde der "abergläubissche" Tritt 1740 in die Luft gesprengt. Der Fußtritt auf dem Scheuelberg soll dann herausgehauen worden sein. Eine andere Sage will wissen, vom Rosenstein aus habe der Satan dem Herrn die Herrlichkeiten der Erde gezeigt. Der Versucher sei vom Herrn darauf in eine finstere Schlucht, die Teufelsklinge, geschleudert worden. Mit 2 Schritten ging Christus dann vom Rosenstein auf den Scheuelberg, wobei sich der rechte Fuß auf dem Rosenstein und linke auf dem Scheuelberg abgebildet habe, und dann weiter ins Himmelreich.
Der Güglingsgeist
Der Güglingsgeist war von den Bargauern und Bettringern gefürchtet, besonders von denen, die erst spät in der Nacht den Weg nach Hause einschlugen. Er führte den Wanderer in die Irre und hockte sich ihm auf die Schultern (Der Gügling zieht sich nördlich der Straße Bettringen-Bargau).
Ein Deserteur in der Bargauer Kirche
In Bargau gab es 1787 eine Aufregung. Ein württembergischer Deserteur mit Namen Johann Ambros Hommel aus Stuttgart hatte sich in die Bargauer Kirche geflüchtet und hielt sich ein paar Wochen in der Kirche und auf dem um die Kirche herumliegenden Friedhof auf. Obwohl das Asylrecht schon längst aufgehoben war, durften die württembergischen Behörden nicht eingreifen, da Bargau auf dem Gebiet der Reichsstadt Gmünd lag. Es entstand ein Briefwechsel zwischen dem Bürgermeister und Rat von Gmünd, Dekan Ziegler in Lautern, Oberamtmann Kapf in Heubach und Herzog Karl von Württemberg. Erst als die württembergische Regierung Straffreiheit zugesichert hatte und für die Unkosten aufkam, wurde der Deserteur den württembergischen Behörden übergeben.
Die oben aufgeführten Informationen sind entnommen aus "Bargau in Geschichte und Gegenwart" von Pfarrer Josef Seehofer erschienen in der Rems Druckerei 1953.

References: §1
 §2

§3

§4
 §5

§6
 §7
 §10
 §14
 §18
 §22
 §23
 §29