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Timestamp: 2020-06-03 13:37:18+00:00

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Zahlungen nach Insolvenzreife - und die Haftung trotz erfolgreicher Insolvenzanfechtung | Rechtslupe
Die erfolg­rei­che Anfech­tung der von einem debi­to­ri­schen Kon­to geleis­te­ten Zah­lun­gen an Gläu­bi­ger der Schuld­ne­rin durch den Insol­venz­ver­wal­ter ist bei einer Haf­tung des organ­schaft­li­chen Ver­tre­ters für Zah­lun­gen auf das debi­to­ri­sche Kon­to nicht anspruchs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen.
Die erfolg­rei­che Anfech­tung der von dem debi­to­ri­schen Kon­to geleis­te­ten Zah­lun­gen an Gläu­bi­ger der Schuld­ne­rin ist bei einer Haf­tung für Zah­lun­gen auf das debi­to­ri­sche Kon­to nicht anspruchs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen. Zwar kommt die erfolg­rei­che Aus­übung des Anfech­tungs­rechts dem nach § 130a Abs. 3 Satz 1 HGB aF haf­ten­den organ­schaft­li­chen Ver­tre­ter zugu­te, wenn die haf­tungs­be­grün­den­de mas­se­schmä­lern­de Leis­tung, etwa eine Zah­lung an einen Gläu­bi­ger der Schuld­ne­rin, dadurch aus­ge­gli­chen wird [1]. Es wür­de zu einer unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung der Insol­venz­mas­se füh­ren, wenn sie neben der Rück­ge­währ der anfecht­bar weg­ge­ge­be­nen Ver­mö­gens­wer­te zusätz­lich Ersatz für deren Weg­ga­be von dem dafür ver­ant­wort­li­chen Geschäfts­füh­rer erhiel­te. Die in der Zah­lung lie­gen­de Schmä­le­rung der Mas­se ist rück­gän­gig gemacht, wenn die Mas­se durch die erfolg­rei­che Anfech­tung wie­der auf­ge­füllt ist. Der Zweck der in § 130a Abs. 3 Satz 1 HGB aF ange­ord­ne­ten Haf­tung des organ­schaft­li­chen Ver­tre­ters für Zah­lun­gen nach Insol­venz­rei­fe, eine Mas­se­schmä­le­rung im Inter­es­se einer gleich­mä­ßi­gen Befrie­di­gung aller Gläu­bi­ger im Insol­venz­ver­fah­ren zu ver­hin­dern und nicht ein­zel­ne Gläu­bi­ger zu bevor­zu­gen, ist auch erreicht, wenn die Leis­tung an den zunächst bevor­zug­ten Gläu­bi­ger erfolg­reich ange­foch­ten ist.
Die erfolg­rei­che Anfech­tung der Zah­lun­gen an Gläu­bi­ger von dem debi­to­ri­schen Kon­to betrifft hier aber kei­ne mas­se­schmä­lern­den Zah­lun­gen, für die der Geschäfts­füh­rer nach § 130a Abs. 3 Satz 1 HGB aF haf­tet. Der Geschäfts­füh­rer haf­tet nach den im Revi­si­ons­ver­fah­ren zugrun­de zu legen­den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts nicht wegen der Zah­lun­gen von dem debi­to­ri­schen Kon­to, son­dern wegen der Zah­lungs­ein­gän­ge auf dem debi­to­ri­schen Kon­to. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs liegt bei Zah­lun­gen von einem debi­to­ri­schen Kon­to kei­ne mas­se­schmä­lern­de Leis­tung vor, wenn die Bank über kei­ne frei­en Gesell­schafts­si­cher­hei­ten ver­fügt [2]. Wenn aus einem debi­to­risch geführ­ten Bank­kon­to eine Gesell­schafts­schuld begli­chen wird, wird ledig­lich der befrie­dig­te Gläu­bi­ger durch die Bank als Gläu­bi­ge­rin ersetzt, ohne dass die Insol­venz­mas­se geschmä­lert wür­de und die gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der Mas­se unter den übri­gen Gläu­bi­gern beein­träch­tigt wäre [3] . Wenn die Mas­se bei der Zah­lung aus dem debi­to­ri­schen Kon­to nicht geschmä­lert wird, wird durch die erfolg­rei­che Anfech­tung einer sol­chen Zah­lung gegen­über dem Gläu­bi­ger auch kei­ne, die Haf­tung des organ­schaft­li­chen Ver­tre­ters begrün­den­de Mas­se­schmä­le­rung rück­gän­gig gemacht. Die erfolg­rei­che Anfech­tung der Zah­lun­gen aus dem debi­to­ri­schen Kon­to durch den Insol­venz­ver­wal­ter hat aus die­sem Grund kei­nen unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit den Zah­lun­gen, für die der Geschäfts­füh­rer haf­tet.
Der Geschäfts­füh­rer haf­tet viel­mehr für die Zah­lun­gen auf das debi­to­ri­sche Kon­to. Mit der Zah­lung auf ein debi­to­ri­sches Kon­to liegt eine mas­se­schmä­lern­de Leis­tung an die kon­to­füh­ren­de Bank vor, weil der Debet ver­min­dert wird [4]. Der organ­schaft­li­che Ver­tre­ter muss, wenn er schon sei­ner Insol­venz­an­trags­pflicht nicht recht­zei­tig nach­kommt, auf­grund sei­ner Mas­seer­hal­tungs­pflicht dafür sor­gen, dass ent­spre­chen­de Zah­lun­gen als Äqui­va­lent für dadurch erfüll­te Gesell­schafts­for­de­run­gen der Mas­se zugu­te kom­men und nicht nur zu einer Ver­rin­ge­rung der Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft gegen­über der Bank sowie ent­ge­gen § 130 a Abs. 2 HGB aF zur bevor­zug­ten Befrie­di­gung der Bank füh­ren. Dem organ­schaft­li­chen Ver­tre­ter kommt es in die­sem Fall zugu­te, wenn die Gut­schrift bzw. die Ver­rech­nung mit dem Debet gegen­über der kon­to­füh­ren­den Bank spä­ter erfolg­reich ange­foch­ten wird, weil damit die mas­se­schmä­lern­de Leis­tung an die Bank rück­gän­gig gemacht wird. Eine sol­che Anfech­tung ist hier aber nicht vor­ge­tra­gen, nur eine Anfech­tung der spä­ter von dem Kon­to geleis­te­ten Zah­lun­gen gegen­über den damit befrie­dig­ten Gläu­bi­gern.
Der Insol­venz­ver­wal­ter erhält damit die mas­se­schmä­lern­de Leis­tung ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on auch nicht dop­pelt, ein­mal vom organ­schaft­li­chen Ver­tre­ter und ein zwei­tes Mal vom Gläu­bi­ger, dem gegen­über erfolg­reich ange­foch­ten wur­de. Wenn mit der Zah­lung auf das debi­to­ri­sche Kon­to zugleich ermög­licht wird, ande­re Gläu­bi­ger mit den Mit­teln die­ses debi­to­ri­schen Kon­tos zu befrie­di­gen, ändert das nichts dar­an, dass die auf das debi­to­ri­sche Kon­to gelang­te Zah­lung am Ende in der Mas­se fehlt [5]. Wenn die Befrie­di­gung ande­rer Gläu­bi­ger erfolg­reich ange­foch­ten wird, wird daher nur der spä­te­re Mit­tel­ab­fluss an die­se Gläu­bi­ger zuguns­ten einer Gleich­be­hand­lung aller Gläu­bi­ger wett­ge­macht, nicht aber die bereits durch die Zah­lung auf das debi­to­ri­sche Kon­to und Ver­rech­nung mit dem Debet erfolg­te mas­se­schmä­lern­de Leis­tung aus­ge­gli­chen.
Soweit der Geschäfts­füh­rer die auf das debi­to­ri­sche Kon­to der Schuld­ne­rin geflos­se­nen Zah­lun­gen auch zu erstat­ten hat, weil die von ihm über­nom­me­ne Bürg­schaft für den Kon­to­kor­rent­kre­dit der Schuld­ne­rin eigen­ka­pi­ta­ler­set­zen­den Cha­rak­ter i.S. von § 172 a HGB i.V.m. § 32 a, b GmbHG aF hat­te und er durch die von der Bank ver­rech­ne­ten Kon­to­zu­flüs­se von sei­ner Bür­gen­haf­tung in ent­spre­chen­der Höhe auf Kos­ten des Gesell­schafts­ver­mö­gens ent­las­tet wur­de [6], gilt nichts ande­res. Der Rück­zah­lungs­an­spruch gegen den Geschäfts­füh­rer ist mit der Ver­rech­nung mit dem Debet ent­stan­den und wird durch nach­fol­gen­de Zah­lun­gen an Gläu­bi­ger aus dem debi­to­ri­schen Kon­to nicht berührt, so dass deren Rück­füh­rung durch eine erfolg­rei­che Aus­übung des Anfech­tungs­rechts kei­ne Aus­wir­kung auf den Anspruch gegen ihn hat.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Juni 2014 – II ZR 100/​13
vgl. BGH, Urteil vom 18.12 1995 – II ZR 277/​94, BGHZ 131, 325, 327[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 25.01.2011 – II ZR 196/​09, ZIP 2011, 422 Rn. 26; Urteil vom 16.03.2009 – II ZR 32/​08, ZIP 2009, 956 Rn. 12; Urteil vom 26.03.2007 – II ZR 310/​05, ZIP 2007, 1006 Rn. 8; Urteil vom 29.11.1999 – II ZR 273/​98, BGHZ 143, 184, 187 f.[↩]
zum Anspruch der Bank auf Ersatz ihres dadurch bewirk­ten Indi­vi­du­al­scha­dens bei schuld­haf­ter Insol­venz­ver­schlep­pung BGH, Urteil vom 05.02.2007 – II ZR 234/​05, BGHZ 171, 46 Rn. 13 f.[↩]
BGH, Urteil vom 26.03.2007 – II ZR 310/​05, ZIP 2007, 1006 Rn. 12; Urteil vom 29.11.1999 – II ZR 273/​98, BGHZ 143, 184, 187 f.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 29.11.1999 – II ZR 273/​98, BGHZ 143, 184, 187 f.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 26.03.2007 – II ZR 310/​05, ZIP 2007, 1006 Rn. 13 m.w.N.; Urteil vom 14.03.2005 – II ZR 129/​03, ZIP 2005, 659, 660[↩]
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References: § 130
 § 130
 § 130
 § 130
 § 172
 § 32