Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Urlaubsanspruch_bei_Tod_des_Arbeitnehmers.html
Timestamp: 2016-12-03 02:29:21+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 56 Ca 10968/15
Urlaubsanspruch, Abgeltungsansprüche der Erben
Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 56 Ca 10968/15 Verkündet am 07.10.2015
hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin, 56. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 07.10.2015durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt E. als Vor­sit­zen­der so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau P. und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Dr. H.für Recht er­kannt: I.Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläger 4.903,12 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 15.09.2014 zu zah­len.
III.Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen. IV.Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 5.054,94 Eu­ro fest­ge­setzt. - 3 -
Das Ar­beits­verhält­nis un­ter­lag gemäß § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges dem Ta­rif­ver­trag der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (TV- BA) und den die­sen ergänzen­den Ta­rif­verträgen in der je­weils gel­ten­den Fas­sung. Den Jah­res­ur­laub aus 2012 nahm die Erb­las­se­rin vollständig. Von dem Jah­res­ur­laubs­an­spruch für das Jahr 2013 nahm sie ei­nen Tag. Un­ter Berück­sich­ti­gung des Teil­ur­laubs­an­spruchs für das Jahr 2014 ver­blie­ben der Erb­las­se­rin, zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig, zu ih­rem To­des­zeit­punkt 33 of­fe­ne Ur­laubs­ta­ge.
Mit von den Erb­las­sern un­ter­zeich­ne­ten Schrei­ben vom 15.08.2014 mach­ten die­se ge­genüber der Be­klag­ten die Ab­gel­tung des von ih­rer Toch­ter, der Erb­las­se­rin, nicht ge­nom­me­nen Ur­laubs gel­tend. Die Kläger sind un­ter Hin­weis auf die Ent­schei­dung des EuGH vom 12.06.2014 – C - 118/13 der An­sicht, dass der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch bei Tot ih­rer Toch­ter ent­stan­den und ver­erb­bar sei. Die Kläger be­an­tra­gen, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 5.054,94 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 15.09.2014 zu zah­len.
Die Be­klag­te be­gründet ih­ren Ab­wei­sungs­an­trag da­mit, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt von der Nicht­ver­erb­bar­keit des Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spru­ches aus­ge­he. Ent­schei­dungs­gründe
Die zulässi­ge Kla­ge ist ganz über­wie­gend be­gründet. 1. Die Kläger ha­ben als Ge­samt­rechts­nach­fol­ger, § 1922 Abs. 1 BGB, ge­gen die Be­klag­te ei­nen An­spruch aus § 7 Abs. 4 BUrlG auf Ab­gel­tung des, zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig, in der Per­son in der Erb­las­se­rin ent­stan­de­nen Ur­laubs­an­spru­ches von 33 Ta­gen in un­ter I. des Ur­teils te­n­o­rier­ter Höhe. Nach § 7 Abs. 4 BUrlG ist der Ur­laub ab­zu­gel­ten, wenn die­ser we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ganz oder teil­wei­se nicht mehr gewährt wer­den kann. 1.1. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­neint in ständi­ger Recht­spre­chung die Ent­ste­hung ei­nes Ab­gel­tungs­an­spru­ches wenn das Ar­beits­verhält­nis durch den Tod des Ar­beits­neh­mers en­det (zu­letzt: BAG vom 12.03.2013 – 9 AZR 532/11, NZA 2013, 678). Da mit dem Tod des Ar­beits­neh­mers re­gelmäßig des­sen höchst­persönli­che Leis­tungs­pflicht im Sin­ne des § 613 Satz 1 BGB er­lischt, gin­gen auch die Ansprüche auf Be­frei­ung von die­ser Ar­beits­pflicht un­ter mit der Fol­ge, dass sein auf Be­frei­ung von der Ar­beits­pflicht ge­rich­te­ter Ur­laubs­an­spruch eben­falls un­ter­geht. Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch könne da­mit nicht vor dem Tod des Ar­beit­neh­mers, der erst zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses führe, ent­stan­den sein. § 7 Abs. 4 BUrlG sta­tu­ie­re in­so­weit mit­tel­bar ein Ab­gel­tungs­ver­bot im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis (BAG vom 20.09.2011 – 9 AZR 416/10, NZA 326, 327, 2012).
Auch kann dem Ab­gel­tungs­an­spruch bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­se durch den Tod des Ar­beit­neh­mers nicht Sinn und Zweck, die Ver­wen­dung des Ab­gel­tungs­be­trags zu Er­ho­lungs­zwe­cken ent­ge­gen ge­hal­ten wer­den oder dass der Ar­beit­neh­mer zu­min­dest nicht mehr in den Ge­nuss der Ur­laubs­ab­gel­tung kom­me (BAG, Ur­teil vom 12. März 2013 – 9 AZR 532/11 –, Rn. 13, NZA 2013, 678). Nach der Auf­ga­be der Sur­ro­ga­ti­ons­theo­rie ent­steht der Ab­gel­tungs­an­spruch nach § 7 Abs. 4 BUrlG als rei­ner Geld­an­spruch mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses - 6 -
§ 29 Abs. 2 TV-BA ver­weist aus­drück­lich auf das BUrlG. So­weit § 29 Abs. 2 TV-BA hier­von ab­weicht, wird da­bei nicht zwi­schen dem ge­setz­li­chen und dem über­ta­rif­li­chen Ur­laub dif­fe­ren­ziert, so­dass auch der der Erb­las­se­rin zu­ste­hen­de den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub über­schrei­ten­de ta­rif­ver­trag­li­che Ur­laub ab­zu­gel­ten ist. 1.5. Sch­ließlich ha­ben die Er­ben den Ab­gel­tungs­an­spruch mit Schrei­ben vom 15.08.2014 bin­nen der 6 mo­na­ti­gen ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist des § 39 TV-BA gel­tend ge­macht, so­dass die­ser nicht da­nach ver­fal­len ist. 2. So­weit die Kla­ge­for­de­rung über den un­ter I. te­n­o­rier­ten Be­trag hin­aus­geht, war die Kla­ge ab­zu­wei­sen, da, von den Klägern nicht wei­ter be­strit­ten, die Erb­las­se­rin ent­ge­gen dem Vor­trag der Kläger le­dig­lich ein mo­nat­li­ches Brut­to­ge­halt in Höhe von 3.212,57 Eu­ro er­ziel­te, wel­ches der Be­rech­nung der Höhe der Ur­laubs­ab­gel­tung zu­grun­de zu le­gen ist.
4. Der Streit­wert war in Höhe der Kla­ge­for­de­rung fest­zu­set­zen. Rechts­mit­tel­be­leh­rung
Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt oder ei­nem Ver­tre­ter ei­ner Ge­werk­schaft bzw. ei­ner Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung oder ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses sol­cher Verbände ein­ge­reicht wer­den.Die Be­ru­fungs­schrift muss in­ner­halb
Für die Kläge­rin ist kei­ne Be­ru­fung ge­ge­ben.Von der Be­gründungs­schrift wer­den zwei zusätz­li­che Ab­schrif­ten zur Un­ter­rich­tung der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter er­be­ten.Wei­te­re Statt­haf­tig­keits­vor­aus­set­zun­gen er­ge­ben sich aus § 64 Abs.2 ArbGG:"Die Be­ru­fung kann nur ein­ge­legt wer­den,a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 Eu­ro über­steigt,c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oderd) wenn es sich um ein Versäum­nis­ur­teil han­delt, ge­gen das der Ein­spruch an sich nicht statt­haft ist, wenn die Be­ru­fung oder An­schluss­be­ru­fung dar­auf gestützt wird, dass der Fall schuld­haf­ter Versäum­ung nicht vor­ge­le­gen ha­be."
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References: § 2
 EuGH 
 § 1922
 § 7
 § 7
 § 613
 § 7
 § 7

§ 29
 § 29
 § 39
 § 64