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Timestamp: 2019-08-23 09:19:33+00:00

Document:
Sicherheitsunterweisung – Arbeitsschutz ist Pflicht
"Sicherheitsunterweisung – So kommen Unternehmen ihrer jährlichen Pflicht nach"
01.10.18 09:30 | juse
Ausschnitt aus einem Unterweisungsvideo: Pflichten von Auszubildenden
Rechtliche Grundlagen der Sicherheitsunterweisung
Wann ist die Unterweisung durchzuführen?
Wie eine Sicherheitsunterweisung ausgestalten?
Häufige Fehler bei einer Unterweisung
Konsequenzen bei Nichtbeachtung der Unterweisungspflicht
Jeder Beschäftigte hat ein Recht auf einen gefährdungsfreien Arbeitsplatz. Für Arbeitgeber bedeutet das, dass sie Sicherheit und Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten haben. Um dieser Verpflichtung gemäß § 12 Arbeitsschutzgesetz nachzukommen, müssen Arbeitgeber ihre Beschäftigten u. a. regelmäßig bezüglich der Gefährdungen unterweisen, die während der Ausübung ihrer Tätigkeit auftreten können.
Zur Gestaltung einer vollständigen Sicherheitsunterweisung muss der Unternehmer die geltenden Gesetze und Verordnungen beachten, die für die Unterweisung am Arbeitsplatz von Bedeutung sind. Wichtigste Rechtsquellen sind:
§ 15 Siebtes Sozialgesetzbuch (SGB VII)
§ 14 Mutterschutzgesetz (MuSchG)
§ 29 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)
§ 81 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)
Verordnungen / Unfallverhütungsvorschriften
§ 14 (2) Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
§ 6 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
Je nach Branche müssen Arbeitgeber zudem spezielle Vorschriften wie die Unfallverhütungsvorschriften berücksichtigen.
Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet grundsätzlich nur den Unternehmer bzw. Geschäftsführer zur Durchführung einer Sicherheitsunterweisung. In der Praxis wird diese Pflicht jedoch regelmäßig an die Vorgesetzten der einzelnen Mitarbeiter übertragen (was schriftlich zu erfolgen hat). Die Verantwortung bleibt in diesem Fall aber weiterhin beim Arbeitgeber. Gängige Praxis ist es zudem, die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) mit der Unterweisung zu beauftragen.
Praxistipp: Eine Sicherheitsunterweisung durch den Vorgesetzten erscheint sinnvoller als durch eine Sifa. Zum einen, weil Beschäftigte auf diese Weise mehr Vertrauen aufbauen. Zum anderen, weil der Vorgesetzte die Gefährdungen, die in seinem Verantwortungsbereich auftreten können, selbst besser kennenlernt.
Der Zeitpunkt der Sicherheitsunterweisungen ist genau festgelegt:
Mindestens einmal jährlich (Wiederholungsunterweisung)
Bei Versetzungen an einen anderen Arbeitsplatz (Anlassbezogene Unterweisung)
Bei wesentlichen Änderungen am Arbeitsplatz (Anlassbezogene Unterweisung)
Für Jugendliche wird zudem eine gesonderte Erstunterweisung notwendig, weil das Arbeitsschutzgesetz besondere Regelungen für Personen unter 18 Jahren definiert.
Durch Sicherheitsunterweisungen sollen Mitarbeiter
Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz erkennen (Prävention),
damit verbundene Risiken richtig einschätzen und geeignete Maßnahmen zur Gegenabwehr kennen,
über die Fähigkeit verfügen, ihre Arbeit sicher auszuführen sowie
gewohnheitsmäßig sicher handeln und für den Arbeitsschutz motiviert werden.
Festlegung des Unterweisungstermins
Unterweisungen sollten nach Möglichkeit direkt nach Arbeitsbeginn oder im Anschluss an Arbeitspausen geplant werden. Dann sind die Arbeitnehmer noch bzw. wieder voll aufnahmefähig.
Dauer einer Unterweisung
Die Dauer der Sicherheitsunterweisung richtet sich nach der Teilnehmerzahl, dem Unterweisungsthema sowie dem Unterweisungsziel, und kann somit unterschiedlich ausfallen. Im Allgemeinen sollte die Dauer jedoch 30 Minuten nicht überschreiten, sonst sinkt die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu stark. Umfangreichere Unterweisungen sollten durch Pausen, die mindestens 10 Minuten dauern, aufgelockert oder auf mehrere Termine gesplittet werden.
Hinweis: Mehrfach stattfindende Unterweisungen sind weitaus effektiver als einmal jährlich stattfindende.
Die unterweisende Person sollte in jeden Fall einen Ort wählen, an dem keine Störungen durch Lärm, Telefon oder unbeteiligte Personen auftreten können. Unterweisungen können auch vor Ort durchgeführt werden, so ist bei Fragestellungen ein unmittelbarer Bezug vorhanden.
Bei der Auswahl der Teilnehmer sollten Arbeitgeber darauf achten, dass die Unterweisungsinhalte für alle Teilnehmer von gleicher Bedeutung und gleich relevant sind. Dafür sollte unbedingt der aktuelle Kenntnis- und Erfahrungsstand einzelner Beschäftigter berücksichtigt werden.
Die Teilnehmerzahl sollte 15 nicht überschreiten. Bei zu vielen Teilnehmern ist der Erfolg der Sicherheitsunterweisung höchst fragwürdig.
Die Sicherheitsunterweisung sollte sowohl allgemeine Themen behandeln, als auch Themen, die im direkten Zusammenhang mit der Tätigkeit stehen.
Hinweis: Im Anschluss an die Unterweisung ist eine Lernerfolgskontrolle durchzuführen.
Unterweisungsthemen im Überblick (Auswahl)
Thema Inhalt Zielgruppe
Arbeitsschutz Allgemein Gefahren und Schutzmaßnahmen, sicherheitsgerechtes Verhalten Alle Arbeitnehmer
Verhalten im Gefahrenfall Flucht- und Rettungsplan, Übungen Alle Arbeitnehmer
Erste Hilfe Verhalten bei Unfällen Alle Arbeitnehmer
Gefahrstoffe Gefahren, Schutzmaßnahmen, Umgang mit Gefahrstoffen Beschäftigte, die mit Gefahrstoffen umgehen
Heben und Tragen Gesundheitsgefahren, richtiges Heben und Tragen Beschäftigte, die mit Lasten umgehen
Maschinen, Geräte, Werkzeuge oder Anlagen Gefahren, richtiger Umgang mit Arbeitsmitteln, Verhalten bei Störungen Beschäftigte, die mit Maschinen, Werkzeugen und Anlagen umgehen
Persönliche Schutzausrüstung Umgang mit PSA Beschäftigte, die PSA tragen müssen
Lärm Höhe der Belastungen, Gesundheitsgefahren, Schutzmaßnahmen Alle Arbeitnehmer
Baustellen Gefahren und Schutzmaßnahmen Beschäftigte auf Baustellen
Biologische Arbeitsstoffe Gefahren, Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln Beschäftigte, die mit biologischen Arbeitsstoffen umgehen
Unterweisung Jugendlicher Unfall- und Gesundheitsgefahren, Schutzmaßnahmen Minderjährige Arbeitnehmer
Vibrationen Höhe der Belastung, Gesundheitsgefahren, Schutzmaßnahmen Beschäftigte, die von Vibrationen betroffen sind
Besondere Gefahren für werdende und stillende Mütter
Arbeitnehmerinnen im gebärfähigen Alter
Vorlagen für Sicherheitsunterweisungen
Editierbare Vorlagen in Form von PowerPoint®-Präsentation sowie Unterweisungsfilmen zu allgemeinen Unterweisungsthemen wie z. B. Brandschutz oder Datenschutz sind in der Software „Unterweisung direkt“ enthalten. Mit dieser Software erstellen Sie zudem ganz einfach Unterweisungen, die an die Belange in Ihrem Unternehmen angepasst sind. Gleichzeitig werden Sie automatisch daran erinnern, bei welchen Mitarbeitern die verpflichtende Jahresunterweisung ansteht.
Erleichtern Sie sich die Organisation und Durchführung von Sicherheitsunterweisungen mit der Software
Die Unterrichtung muss dokumentiert werden und sollte mindestens Folgendes festhalten:
Unterschrift der unterwiesenen Mitarbeiter
Dokumentationsunterlagen müssen Arbeitgeber mindestens zwei Jahre aufbewahren, um in einem kritischen Fall einen Nachweis für eine erfolgreich durchgeführte Unterweisung zu haben.
Unpassende Ortsauswahl
Zu willkürliche Auswahl der Teilnehmer
Keinen Wert und keine Ziele vermittelt
Falsche Themen, unvollständige Inhalte
Mängel bei der Didaktik
Zu langweilige oder ermüdende Gestaltung
Zu lange Unterweisung
Fehlender Abschluss inkl. Feedback
Arbeitgeber, die ihrer Unterweisungspflicht nicht nachkommen, müssen mit Schadensersatzforderungen rechnen. Denn nach Arbeitsunfällen wird grundsätzlich ermittelt, ob der verunfallte Beschäftigte ordnungsgemäß über die Gefahren an seinem Arbeitsplatz unterwiesen wurde. Hierbei wird auch die persönliche Haftung des Unternehmers geprüft.
Als Ursache für Arbeitsunfälle ist die fehlende Sicherheitsunterweisung zudem mit einem kaum vorhersehbaren Anwachsen von Betriebskosten verbunden (Arbeitsunfähigkeit, Produktionsstopp etc.). Die normgerechte Unterweisung von Beschäftigten sichert folglich neben Rechtsfolgen die Planbarkeit der Betriebskosten.
Quelle: „Unterweisung direkt“
Betriebssicherheit Arbeitsschutz

References: § 12

§ 15

§ 14

§ 29

§ 81

§ 14

§ 6