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Timestamp: 2020-07-16 16:54:23+00:00

Document:
Blome, Otto; John, Swen Malte
Die BG, 2007, Heft 1, Seite 27-31, Berlin: Schmidt, ISSN: 0723-7561
Das Hautarztverfahren (HAV) wurde 1972 eingeführt. Dieses muss nun nach 35 Jahren einer kritischen Analyse unterzogen werden, da sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geändert haben.
Unter den Berufskrankheiten-Verdachtsfällen stehen Hautkrankheiten an erster Stelle und verursachen in der gesetzlichen Unfallversicherung die höchsten Kosten für Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Berufsdermatosen sind durch frühzeitige präventive Anstrengungen vermeidbar. Für die Erhaltung des Arbeitsplatzes ist dies also von großer Bedeutung.
Nach § 1 SGB VII ist es Aufgabe der Unfallversicherung, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu verhüten und nach Eintreten eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit die Gesundheit wieder herzustellen. Im 2. Kapitel SGB VII ist in § 14 die Präventionsverpflichtung als Generalklausel festgelegt, die das gesetzliche Gestaltungsprinzip für die Prävention aus § 1 SGB VII wiederholt.
In Absatz 1 des § 9 Sozialgesetzbuch VII ist hingegen der Versicherungsfall der Berufskrankheit definiert. Zudem enthält der Absatz 6 Nummer 1 eine wichtige Ermächtigungsnorm für den Verordnungsgeber. § 3 enthält Maßnahmen gegen Berufskrankheiten und Übergangsleistungen. Insgesamt ist das HAV ein Verfahren zur Verhütung von Berufskrankheiten der Haut. Das HAV ist in den §§ 41-43, wie im Folgenden aufgeführt wird, geregelt.
Die Vorstellungspflicht beim Hautarzt ist durch § 41 gegeben. Ein Arzt muss demnach jeden Patienten an einen Hautarzt überweisen, der krankhafte Hautveränderungen aufweist. Dieser hat den Versicherten zu untersuchen und den Hautarztbericht an Unfallversicherungsträger, Arzt und Krankenkasse zu senden. Soweit erforderlich muss der Hautarzt gemäß § 42 den Krankheitsverlauf durch Wiedervorstellung überwachen. Zudem ist er durch § 43 dazu berechtigt, Tests zur Klärung des Ursachenzusammenhangs durchzuführen. Wichtig ist auch die Regelung der Übernahme der erforderlichen Hauttestungen zur Klärung des Ursachenzusammenhangs zwischen der Hautkrankheit und der beruflichen Tätigkeit.
Prävention gliedert sich in der gesetzlichen Unfallversicherung in drei Bereiche, die primäre, sekundäre und tertiäre Prävention. Als Maßnahme der Sekundärprävention befindet sich das Hautarztverfahren an der Schnittstelle. Der Unfallversicherungsträger wird durch den Bericht des Hautarztes erstmals über einen Hautbefund unterrichtet, der eine berufliche Ursache haben kann. Damit ist die Gelegenheit gegeben, über den Präventionsdienst die schädigenden Faktoren zu vermeiden. Das Spektrum der Maßnahmen nach § 3 BKV umfasst unter anderem technische und organisatorische Maßnahmen sowie persönliche Schutzmaßnahmen.
Durch das Hautarztverfahren wurde ein deutlicher Rückgang der entschädigungspflichtigen Hautkrankheiten sowie ein Rückgang der klassischen Umschulungen erzielt. In Zeiten der angespannten Arbeitsmarktsituation kann durch dieses Verfahren der Erhalt zahlreicher Arbeitsplätze sichergestellt werden.
Im Dezember 2005 wurde parallel zum Hautarztverfahren das Stufenverfahren Haut eingeführt. Seitens der Unfallversicherung wird damit die Prävention berufsbedingter Hautkrankheiten weiter verbessert. Das System hat eine neue Herangehensweise an berufsbedingte Hauterkrankungen zum Ziel. Die ABD hat darüber hinaus eine Leitlinie Hautarztverfahren erarbeitet. Die wichtigsten Aspekte zur Indikation und Durchführung des Hautarztverfahrens sollen übersichtlich dargestellt und somit die Qualität des Hautarztverfahrens sichergestellt werden.
Auch wenn mit dem Hautarztverfahren bereits deutliche Erfolge erzielt werden konnten, bedarf es einer weiteren Optimierung. Aufgrund datenschutzrechtlicher Gründe ist das Hautarztverfahren vom Einverständnis des Versicherten abhängig. Das HAV wird noch nicht von allen Dermatologen genutzt und auch seitens der Allgemeinärzte besteht eine Zurückhaltung. 2007-2008 bietet die Präventionskampagne Haut die Möglichkeit, sich ausführlich zu diesem Thema zu informieren.
R/ZS0156/6043
Informationsstand: 06.03.2007

References: § 1
 § 14
 § 1
 § 9
 § 3
 § 41
 § 42
 § 43
 § 3