Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20106/13
Timestamp: 2020-08-11 10:45:19+00:00

Document:
BGH, 24.02.2015 - VI ZR 106/13 - dejure.org
https://dejure.org/2015,4574
BGH, 24.02.2015 - VI ZR 106/13 (https://dejure.org/2015,4574)
BGH, Entscheidung vom 24.02.2015 - VI ZR 106/13 (https://dejure.org/2015,4574)
BGH, Entscheidung vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13 (https://dejure.org/2015,4574)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2015,4574) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
BGB § 280 Abs. 1, § 823 Abs. 1
§ 630h Abs. 5 BGB, § 276 Abs. 2 BGB
§ 280 Abs 1 BGB, § 823 Abs 1 BGB, § 286 ZPO
Arzthaftungsprozess: Unerlässlichkeit eines medizinischen Sachverständigengutachtens zur Ermittlung des medizinischen Standards und zur Einstufung des ärztlichen Fehlverhaltens
Sachverständigengutachten, Erforderlichkeit von
Erforderliche Maßnahmen eines Arztes aus der berufsfachlichen Sicht seines Fachbereichs in der jeweiligen Behandlungssituation
Zu den erforderlichen Maßnahmen eines Arztes in der jeweiligen Behandlungssituation
BGB § 280 Abs. 1; BGB § 823 Abs. 1
christmann-law.de (Kurzanmerkung und ausführliche Zusammenfassung)
Gericht ist verpflichtet, medizinische Fragen durch den Gutachter beantworten zu lassen - es darf sie nicht selbst beantworten
Arzthaftung - grobes Fehlverhalten und Beweislastumkehr
Arzthaftung - der medizinische Standard und das Sachverständigengutachten
Befunderhebungsfehler - und die Darlegungslast des Patienten im Arzthaftungsprozess
Anforderungen an die Einordnung einer ärztlichen Maßnahme als behandlungsfehlerhaft im Arzthaftungsprozess
Eigene gerichtliche Bestimmung eines medizinischen Standards kann verfahrensfehlerhaft sein
Deutsche Gesellschaft für Kassenarztrecht , S. 97 (Leitsatz und Kurzinformation)
Arzthaftung | Erforderliches Sachverständigengutachten/Juristische Wertung als grobes Fehlverhalten
LG Bad Kreuznach, 31.08.2012 - 3 O 70/10
OLG Koblenz, 21.12.2012 - 5 U 1175/12
OLG Koblenz, 29.01.2013 - 5 U 1175/12
OLG Koblenz, 20.01.2016 - 5 U 1175/12
NJW 2015, 1601
MDR 2015, 587
FamRZ 2015, 1715
FamRZ 2015, 715
VersR 2015, 712
Bei einem Befunderhebungsfehler tritt eine Beweislastumkehr hinsichtlich der haftungsbegründenden Kausalität ein, wenn bereits die Unterlassung einer aus medizinischer Sicht gebotenen Befunderhebung einen groben ärztlichen Fehler darstellt (vgl. Senat, Urteile vom 13. Januar 1998 - VI ZR 242/96, BGHZ 138, 1, 5 f.;… vom 29. September 2009 - VI ZR 251/08, VersR 2010, 115 Rn. 8;… vom 13. September 2011 - VI ZR 144/10, VersR 2011, 1400 Rn. 8;… vom 2. Juli 2013 - VI ZR 554/12, VersR 2013, 1174 Rn. 11;… vom 21. Januar 2014 - VI ZR 78/13, VersR 2014, 374 Rn. 20; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712 Rn. 15).
Zudem kann auch eine nicht grob fehlerhafte Unterlassung der Befunderhebung dann zu einer Umkehr der Beweislast hinsichtlich der Kausalität des Behandlungsfehlers für den eingetretenen Gesundheitsschaden führen, wenn sich bei der gebotenen Abklärung der Symptome mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein reaktionspflichtiges positives Ergebnis gezeigt hätte und sich die Verkennung dieses Befundes als fundamental oder die Nichtreaktion hierauf als grob fehlerhaft darstellen würden, und diese Fehler generell geeignet sind, den tatsächlich eingetretenen Gesundheitsschaden herbeizuführen (vgl. Senat, Urteile vom 13. Februar 1996 - VI ZR 402/94, BGHZ 132, 47, 52 ff.; vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03, BGHZ 159, 48, 56;… vom 13. September 2011 - VI ZR 144/10, VersR 2011, 1400 Rn. 8;… vom 2. Juli 2013 - VI ZR 554/12, VersR 2013, 1174 Rn. 11;… vom 21. Januar 2014 - VI ZR 78/13, VersR 2014, 374 Rn. 20; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712 Rn. 15).
Vielmehr darf er sich auf Vortrag beschränken, der die Vermutung eines fehlerhaften Verhaltens des Arztes aufgrund der Folgen für den Patienten gestattet (vgl. Senatsurteile vom 8. Juni 2004 - VI ZR 199/03, BGHZ 159, 245, 252; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712 Rn. 19).
Geschädigter muss sich nicht um Aufklärung bemühen!
Der Patient und sein Prozessbevollmächtigter sind nicht verpflichtet, sich im Hinblick auf einen Haftungsprozess medizinisches Fachwissen anzueignen (…vgl. Senatsurteile vom 10. Oktober 2006 - VI ZR 74/05, VersR 2007, 66 Rn. 24;… vom 8. Juni 2004 - VI ZR 199/03, BGHZ 159, 245, 254, juris Rn. 28;… vom 19. Februar 2019 - VI ZR 505/17, BGHZ 221, 139 Rn. 15; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, NJW 2015, 1601 Rn. 19;… Senatsbeschlüsse vom 28. Mai 2019 - VI ZR 328/18, NJW 2019, 3236 Rn. 11;… vom 12. März 2019 - VI ZR 278/18, VersR 2019, 1450 Rn. 8; jeweils mwN).
Die Patientenseite darf sich deshalb auf Vortrag beschränken, der die Vermutung eines fehlerhaften Verhaltens der Behandlungsseite aufgrund der Folgen für den Patienten gestattet (…vgl. Senatsurteile vom 14. März 2017 - VI ZR 605/15, VersR 2017, 822 Rn. 19; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, NJW 2015, 1601 Rn. 19; vom 8. Juni 2004 - VI ZR 199/03, BGHZ 159, 245, 252, 254).
Dabei muss diese wertende Entscheidung des Tatrichters jedoch in vollem Umfang durch die vom ärztlichen Sachverständigen mitgeteilten Fakten getragen werden und sich auf die medizinische Bewertung des Behandlungsgeschehens durch den Sachverständigen stützen können (vgl. zuletzt Senatsurteil vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712 Rn. 16 mwN).
BGH, 01.03.2016 - VI ZR 49/15
Anforderungen an die Informations- und Substantiierungspflichten der Partei im …
Der Patient und sein Prozessbevollmächtigter sind insbesondere nicht verpflichtet, sich zur ordnungsgemäßen Prozessführung medizinisches Fachwissen anzueignen (vgl. Senatsurteil vom 8. Juni 2006 - VI ZR 199/03, BGHZ 159, 245, 252; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712 Rn. 19;… Beschluss vom 15. Juli 2014 - VI ZR 176/13, Rn. 5).
Die Beantwortung der Frage, ob anhand der Behandlungsunterlagen, insbesondere der von den Ärzten der Beklagten zu 2 erstellten Dokumentation, verlässliche Feststellungen dazu getroffen werden können, ob das nach dem Eingriff vom 4. Februar 2010 erfolgte Wunddebridement dem damals geltenden medizinischen Standard entsprach, bestimmt sich nach medizinischen Maßstäben, die der Tatrichter mit Hilfe eines Sachverständigen aus dem betroffenen medizinischen Fachgebiet zu ermitteln hat (vgl. Senatsurteil vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712).
So sind an seine Substantiierungspflichten im Arzthaftungsprozess nur maßvolle und verständige Anforderungen zu stellen, da von ihm regelmäßig keine genaue Kenntnis der medizinischen Vorgänge erwartet und gefordert werden kann (vgl. Senatsurteile vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712 Rn. 19; vom 8. Juni 2004 - VI ZR 199/03, BGHZ 159, 245, 252;… Senatsbeschluss vom 16. August 2016 - VI ZR 634/15, VersR 2016, 1380 Rn. 14).
Die Patientenseite darf sich deshalb auf Vortrag beschränken, der die Vermutung eines fehlerhaften Verhaltens des Arztes aufgrund der Folgen für den Patienten gestattet (vgl. Senatsurteile vom 8. Juni 2004 - VI ZR 199/03, BGHZ 159, 245, 252 f.; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712 Rn. 19;… Senatsbeschluss vom 16. August 2016 - VI ZR 634/15, VersR 2016, 1380 Rn. 14; OLG Saarbrücken, VersR 2002, 193, 195).
Die Patientenseite darf sich deshalb auf Vortrag beschränken, der die Vermutung eines fehlerhaften Verhaltens der Behandlungsseite aufgrund der Folgen für den Patienten gestattet (…Senatsurteil vom 19. Februar 2019 - VI ZR 505/17, juris Rn. 15;… vgl. weiter Senatsurteile vom 14. März 2017 - VI ZR 605/15, VersR 2017, 822 Rn. 19; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, NJW 2015, 1601 Rn. 19; vom 8. Juni 2004 - VI ZR 199/03, BGHZ 159, 245, 252, 254).
OLG Dresden, 07.07.2020 - 4 U 352/20
a) Weil das Gericht im Arzthaftungsprozess nur maßvolle Anforderungen an die Darlegungs- und Substantiierungslast des klagenden Patienten stellen darf, muss es - soweit die Patientenseite diesen maßvollen Anforderungen genügt - den Sachverhalt "von Amts wegen" aufklären (vgl. BGH…, Beschluss vom 12. März 2019 - VI ZR 278/18 -, Rn. 7 - 9, juris;… Urteil vom 19. Februar 2019 - VI ZR 505/17, juris Rn. 15;… Urteile vom 14. März 2017 - VI ZR 605/15, VersR 2017, 822 Rn. 19; vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, NJW 2015, 1601 Rn. 19; vom 8. Juni 2004 - VI ZR 199/03, BGHZ 159, 245, 252, 254).
BGH, 25.06.2019 - VI ZR 12/17
Zahlungsanspruch eines Patienten auf Schadensersatz und Schmerzensgeld nach …
BGH, 28.05.2019 - VI ZR 328/18
Anforderungen an die Berücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots im …
BGH, 15.10.2019 - VI ZR 105/18
Anwendung eines nicht allgemein anerkannten den Korridor des medizinischen …
OLG Köln, 20.12.2017 - 5 U 100/17
Haftung eines gerichtlich bestellten Sachverständigen wegen Erstattung eines …
OLG Dresden, 08.08.2019 - 4 U 506/19
Folgeentscheidung zu OLG Dresden 4 U 506/19 v. 04.06.2019
OLG Hamm, 15.03.2016 - 26 U 137/15
Zwerchfelllähmung durch chiropraktische Manipulation
OLG Köln, 15.10.2018 - 5 U 76/16
Arzthaftung; Verschluss einer Trokaröffnung; Entscheidungskonflikt bei …
OLG Naumburg, 14.03.2016 - 1 U 115/14
Arzt- und Krankenhaushaftung: Schädigung eines Kindes durch fehlerhaft geleistete …
OLG Dresden, 04.06.2019 - 4 U 506/19
Schadensersatzanspruch wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers
OLG Koblenz, 24.02.2016 - 5 U 852/15
AG Paderborn, 25.01.2019 - 57a C 398/16
Erstattung der Kosten eines Versicherers aufgrund eines ärztlichen …
OLG Nürnberg, 10.07.2015 - 5 U 621/13
Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung bei Wendung des gerichtlichen …

References: § 280
 § 823

§ 630
 § 276

§ 280
 § 823
 § 286
 § 280
 § 823