Source: http://vertraulichkeit-datenschutz-beratung.de/bundeskinderschutzgesetz/index.htm
Timestamp: 2019-03-23 19:30:50+00:00

Document:
Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) zum 1.1.2012
Der Bundestag hat am 15.12.2011 und der Bundesrat am 16.12.2011 den Änderungen des Vermittlungsausschusses zugestimmt, so dass das neue Bundeskinderschutzgesetz zum 1.1.2012 in Kraft tritt.
Die gesetzlichen Neuregelungen sind hier zu finden:
Text des Bundeskinderschutzgesetzes
Geänderte Vorschriften: (SGB VIII: §§ 8a, 8b; SGB IX; KKG; SchKG)
Datenschutzrechtlich sind nachfolgende Vorschriften relevant. Mit diesem Gesetz gibt es eine neue Befugnisnorm für Geheimnisträger und einen Rechtsanspruch auf berufliche Beratung (Supervision / Organisationsberatung).
"§ 4 Beratung und Übermittlung von Informationen durch Geheimnisträger bei Kindeswohlgefährdung
(3) Scheidet eine Abwendung der Gefährdung nach Absatz 1 aus oder ist ein Vorgehen nach Absatz 1 erfolglos und halten die in Absatz 1 genannten Personen ein Tätigwerden des Jugendamtes für erforderlich, um eine Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen abzuwenden, so sind sie befugt, das Jugendamt zu informieren; hierauf sind die Betroffenen vorab hinzuweisen, es sei denn, dass damit der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen in Frage gestellt wird. Zu diesem Zweck sind die Personen nach Satz 1 befugt, dem Jugendamt die erforderlichen Daten mitzuteilen."
Zur Unterstützung bei der Frage einer möglichen Schweigepflichtsdurchbrechung bei Kindeswohlgefährdung gibt es mit diesem Gesetz nun auch einen rechtlichen Anspruch auf berufliche Beratung:
"§ 8b Fachliche Beratung und Begleitung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen
(2) Träger von Einrichtungen, in denen sich Kinder oder Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages aufhalten oder in denen sie Unterkunft erhalten, und die zuständigen Leistungsträger, haben gegenüber dem überörtlichen Träger der Jugendhilfe Anspruch auf Beratung bei der Entwicklung und Anwendung fachlicher Handlungsleitlinien.
2. zu Verfahren der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an strukturellen Entscheidungen in der Einrichtung sowie zu Beschwerdeverfahren in persönlichen Angelegenheiten."
Mit § 8b SGB VIII wurde ein Anspruch auf berufliche Beratung (Supervision) geschaffen
Zur Umsetzung dieser Norm bedarf es qualifizierter Beraterinnen und Berater, die für diese komplexen Beratungssituationen entsprechende Beratungskompetenzen mitbringen. Nach § 8a SGB VIII sind "Kriterien für die Qualifikation der beratend hinzuzuziehenden insoweit erfahrenen Fachkraft" zu definieren.
Die erforderlichen Qualifikationen mögen sich im Einzelfall, je nach den konkreten Aufgaben der Einrichtung, unterscheiden. Nachfolgende Grundqualifikationen dürften jedoch erforderlich sein, wenn die "Beratung und Begleitung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen" qualifiziert erfolgen soll.
Grundqualifikationen der Berater/innen nach § 8b SGB VIII
Pädagogisch-/ Psychologische Ausbildung (i.d.R. Studium)
Qualifikation in Familienberatung
Supervisorische Qualifikation
Systemisch-organisatorische Kompetenzen
Rechtliches Wissen zum Themenfeld
Beratung nach § 8b SGB VIII ist nicht Beratung von Klienten, sondern fachliche Beratung, d.h. Supervision von Fachkräften bzw. Organisationsberatung von Einrichtungen, die selbst fachlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Das stellt eine weitergehende Anforderung und Komplexität an die Beratung dar. Um Beratung nach § 8b SGB VIII kompetent ermöglichen zu können, bedürfen die Berater/innen dabei nicht nur eigener Feld- und Familienberatungskompetenz, sondern müssen auch in der Lage sein nicht nur die anwesenden Fachkräfte in den Blick zu nehmen, sondern auch im Sinne des Gesetzes das Wohl der nicht anwesenden Kinder und Jugendlichen. Probleme, die dabei in der Praxis der Fallarbeit auftauchen sind sowohl erzieherisch-familialer Art als auch auf der organisatorisch-institutionellen Ebene angesiedelt. Sowohl diagnostisches als auch methodisches Systemwissen ist in diesen Konstellationen somit erforderlich, um die Fachkräfte kompetent beraten zu können. Darüber hinaus bedarf es grundlegenden rechtlichen Wissens, da eine mögliche Durchbrechung der Schweigepflicht nach § 4 KKG nur im Einklang mit dem verfassungsrechtlich begründeten Datenschutzrecht und Strafrecht rechtskonform möglich ist.
Sobald es entsprechende Ausführungsbestimmungen gibt, werden sie an dieser Stelle benannt und verlinkt.
04.01.2012 (JW)

References: § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 4