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Timestamp: 2020-04-09 07:42:55+00:00

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Die miss­glück­te Auf­he­bung der Pfle­ge­geld­be­wil­li­gung | Rechtslupe
Die missglückte Aufhebung der Pflegegeldbewilligung
Die miss­glück­te Auf­he­bung der Pfle­ge­geld­be­wil­li­gung
Nennt die Pfle­ge­kas­se in dem Bescheid, mit wel­chem sie die wei­te­re Bewil­li­gung von Pfle­ge­geld wegen tat­säch­li­cher Ände­rung der Ver­hält­nis­se ablehnt, weder den auf­zu­he­ben­den letz­ten maß­geb­li­chen Bewil­li­gungs­be­scheid noch die inso­weit maß­geb­li­che Rechts­grund­la­ge des § 48 SGB X, ist eine wirk­sa­me Auf­he­bung der Bewil­li­gung von Pfle­ge­geld nicht erfolgt.
Als ver­wal­tungs­ver­fah­rens­recht­li­che Grund­la­ge der Leis­tungs­ein­stel­lung kommt nur § 48 SGB X in Ver­bin­dung mit § 15 SGB XI in Betracht. Gemäß § 48 Abs. 1 Satz 1 SGB X ist, soweit in den tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ver­hält­nis­sen, die bei Erlass eines Ver­wal­tungs­akts mit Dau­er­wir­kung vor­ge­le­gen haben, eine wesent­li­che Ände­rung ein­ge­tre­ten ist, der Ver­wal­tungs­akt mit Wir­kung für die Zukunft auf­zu­he­ben. Gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB XI sind Pfle­ge­be­dürf­ti­ge der Pfle­ge­stu­fe I (erheb­lich Pfle­ge­be­dürf­ti­ge) Per­so­nen, die bei der Kör­per­pfle­ge, der Ernäh­rung oder der Mobi­li­tät für wenigs­tens zwei Ver­rich­tun­gen aus einem oder meh­re­ren Berei­chen min­des­tens ein­mal täg­lich der Hil­fe bedür­fen und zusätz­lich mehr­fach in der Woche Hil­fen bei der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung benö­ti­gen. Nach § 15 Abs. 3 Nr. 1 SGB XI muss dabei der Zeit­auf­wand, den ein Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ger oder eine ande­re nicht als Pfle­ge­kraft aus­ge­bil­de­te Pfle­ge­per­son für die erfor­der­li­chen Leis­tun­gen der Grund­pfle­ge und der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung benö­tigt, wöchent­lich im Tages­durch­schnitt in der Pfle­ge­stu­fe I min­des­tens 90 Minu­ten betra­gen; hier­bei müs­sen auf die Grund­pfle­ge mehr als 45 Minu­ten ent­fal­len. Bei Kin­dern ist für die Zuord­nung der zusätz­li­che Hil­fe­be­darf gegen­über einem gesun­den gleich­alt­ri­gen Kind maß­ge­bend (vgl. § 15 Abs. 2 SGB XI).
Die Ent­schei­dung über die Bewil­li­gung von Leis­tun­gen der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung nach einer bestimm­ten Pfle­ge­stu­fe ist als Ver­wal­tungs­akt mit Dau­er­wir­kung zu qua­li­fi­zie­ren. Ein sol­cher Ver­wal­tungs­akt mit Dau­er­wir­kung liegt vor, wenn sich der Ver­wal­tungs­akt nicht in einem ein­ma­li­gen Gebot oder Ver­bot oder in einer ein­ma­li­gen Gestal­tung der Rechts­la­ge erschöpft, son­dern ein auf Dau­er berech­ne­tes und in sei­nem Bestand vom Ver­wal­tungs­akt abhän­gi­ges Rechts­ver­hält­nis begrün­det bzw. inhalt­lich ver­än­dert 1.
Da die beklag­te Pfle­ge­ver­si­che­rung in ihren ange­grif­fe­nen Beschei­den kei­nen nach § 48 SGB X auf­zu­he­ben­den Leis­tungs­be­scheid angibt, geht das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg davon aus, dass ihr nicht bekannt gewe­sen ist, über­haupt einen maß­ge­ben­den Bewil­li­gungs­be­scheid auf­he­ben zu müs­sen, um die Leis­tungs­ge­wäh­rung ein­stel­len zu kön­nen. Die beklag­te Pfle­ge­ver­si­che­rung kann sich daher auch nicht dar­auf beru­fen, den (nicht benann­ten) maß­ge­ben­den Bewil­li­gungs­be­scheid sinn­ge­mäß auf­ge­ho­ben zu haben. Das von der Beklag­ten her­an­ge­zo­ge­ne Urteil des BSG vom 07. Juli 2005 2 betraf den hier nicht vor­lie­gen­den Fall, dass bei einem Auf­he­bungs­be­scheid nach § 48 Abs. 1 SGB X ledig­lich ein Bescheid aus­drück­lich als auf­ge­ho­ben bezeich­net wor­den war, der durch einen maß­ge­ben­den Fol­ge­be­scheid gegen­stands­los gewor­den war. Nur für die­sen Fall hat­te das BSG ange­nom­men, dass die Ver­fü­gungs­sät­ze des dor­ti­gen auf § 48 SGB X gestütz­ten Auf­he­bungs­be­scheids nicht den gegen­stands­los gewor­de­nen Bescheid, der genannt war, son­dern den maß­ge­ben­den Fol­ge­be­scheid erfasst hät­te. Dies kann nicht auf den hier vor­lie­gen­den Fall erstreckt wer­den, in dem ein nach § 48 SGB X auf­zu­he­ben­der Ver­wal­tungs­akt über­haupt nicht bezeich­net wur­de.
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 5. März 2010 – L 4 P 4773/​08
Die geplan­te Rechts­än­de­rung in der Ermes­sens­aus­übung Die Behör­de muss eine geplan­te Rechts­än­de­rung bei der Ermes­sens­aus­übung nur berück­sich­ti­gen, wenn die­se mit hin­rei­chen­der Sicher­heit zu einem bestimm­ten, abseh­ba­ren Zeit­punkt zu erwar­ten ist. Bei…
vgl. z.B. BSG. SozR 1300 § 45 Nr. 6; SozR 4 – 1300 § 48 Nr. 6[↩]
B 3 P 8/​04 R = SozR 4 – 1300 § 48 Nr. 6[↩]
PflegegeldPflegeversicherung

References: § 48
 § 48
 § 15
 § 48
 § 15
 § 15
 § 15
 § 48
 § 48
 § 48
 § 48
 § 45
 § 48
 § 48