Source: http://urheber.und-recht.info/printable/beitraege/ghostwriting/index.html
Timestamp: 2018-01-20 11:14:35+00:00

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Geht es hingegen um die Inanspruchnahme von musikalischen oder rhethorischen Ghostwriter-Dienstleistungen werden diese Dienstleistungen mitunter von Arbeitnehmern des Ghostwriting-Unternehmens erbracht. Während das Außenverhältnis werkvertraglicher Natur ist, unterliegt das Innenverhältnis dann dienst- und arbeitsvertragsrechtlichen Besonderheiten. Arbeitsrechtliche Prägung erfahren ferner die Tätigkeiten von Ghostwritern, die für ihre Arbeitgeber schöpferisch tätig werden (Rojahn, in: Schricker/Loewenheim, UrhG, § 43 Rdnr. 77).
I. Grundsatz der Vertragsfreiheit
Wirkt allerdings der Auftraggeber bei der Erstellung eines Textes des Ghostwriters mit, stellt sich die Frage, ob und ggf. inwieweit von einer Miturheberschaft auszugehen ist. Geklärt ist, dass die bloße Finanzierung eines Werkes ebenso wenig ausreicht (Dreyer, in: Dreyer/Kotthoff/Meckel, UrhG I § 7 Rdnr. 7), eine Miturheberschaft anzuerkennen, wie Anregungen zur Werkschöpfung, die selbst noch keinen schöpferischen Beitrag beinhalten (Dreyer, in: Dreyer/Kotthoff/Meckel, UrhG I § 7 Rdnr. 5). Vielmehr bedarf es über eine bloße Gehilfenschaft hinaus einer eigenen schöpferischen Leistung des Kunden, um eine Miturheberschaft in Erwägung
ziehen zu können (Dreyer, in: Dreyer/Kotthoff/Meckel, UrhG I § 7 Rdnr. 3 f.). Wird beispielsweise ein wissenschaftlicher Aufsatz lediglich durch die Hinzufügung einer aus fünf Sätzen bestehenden Einleitung, einige wenige Umformulierungen im Text, Ergänzungen/Änderungen in vier Fußnoten und die Hinzufügung eines Zitats am Ende modifiziert, liegt kein eigenständiger Beitrag vor, der die Anerkennung einer eigenen schöpferischen Leistung desjenigen, der diese Modifikationen vornimmt, rechtfertigen könnte.
Bedenken an der Wirksamkeit von Ghostwriting-Vereinbarungen können sich – vor allem im Bereich des sog. wissenschaftlichen Ghostwritings - dann ergeben, wenn der Auftraggeber beabsichtigt, den Text des Ghostwriters als eigene Prüfungsleistung gegenüber einer Bildungseinrichtung (Universität, Fachhochschule, Schule etc.) auszugeben. Das OLG Düsseldorf sah in der Tätigkeit eines wissenschaftlichen Ghostwriters, der in seiner Internetwerbung betonte, dass er "ausschließlich auf Hochschulabschlussarbeiten und Dissertationen für den deutschsprachigen Raum für Privatpersonen spezialisiert" sei, einen Verstoß gegen die guten Sitten. Hieran ändere auch ein "Disclaimer" des Ghostwriters nichts, wonach die Leistungen nur zu Übungszwecken angeboten werde. Dieser Hinweis werde von den Lesern der Internetseite nicht ernst genommen und sei auch nicht ernst gemeint. Es sei nämlich lebensfremd, anzunehmen, dass jemand für einen reinen Übungstext, den er nicht als eigenen ausgeben darf, über 10.000,00 € zahlen würde. Es gehe der Sache nach damit darum, dass Abschlussarbeiten zum Erwerb akademischer Grade unter falschem Namen erstellt werden, wobei davon auszugehen ist, dass alle Beteiligten wissen, dass diese Arbeiten auch zum Erwerb des akademischen Abschlusses eingereicht werden. Ghostwriter-Vereinbarungen, die darauf abzielen, dass Abschlussarbeiten und andere Arbeiten zum Erwerb eines vom Auftraggeber erstrebten akademischen Grads bei einer Hochschule oder Prüfungsamt eingereicht werden können, sind sittenwidrig und damit nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig. Derartige Vertragsverhältnisse verstoßen gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden. In den Augen anständiger Menschen, die akademische Grade und Titel durch Mühen und Verdienste erwerben und nicht kaufen, ist das Angebot, die dazu erforderlichen Arbeiten gegen Entgelt durch Dritte anzufertigen, ebenso in hohem Maße zu missbilligen wie die Inanspruchnahme eines derartigen Angebots. Die Anstößigkeit ergibt sich aus der sachfremden, ethischen Prinzipien widersprechenden Absicht, sich diese Grade und Titel mit einer bloßen Geldaufwendung zu verschaffen. Die Möglichkeit, die Anfertigung akademischer Abschlussarbeiten gegen Entgelt Dritten in Auftrag zu geben und unter dem eigenen Namen vorzulegen, begründet letztlich eine Käuflichkeit akademischer Grade und Titel. Dies führt zur Sinnentleerung dieser Titel und zur Täuschung der Öffentlichkeit (vgl. BGH NJW 1994, 187; OLG Stuttgart NJW 1996, 665; OLG Koblenz NJW 1999, 2904; KG, Urt. v. 30.03.2012 - 5 U 82/11 -) .
•	Ghostwriter-Vereinbarungen sind nach dem Grundsatz der Vertragsfreiheit prinzipiell zulässig.
•	Einschränkungen der Vertragsfreiheit ergeben sich aus Verbotsgesetzen und den guten Sitten. Im Bereich des wissenschaftlichen Ghostwritings können sich vor allem aus hochschulrechtlichen Vorgaben Einschränkungen der Vertragsfreiheit ergeben.
•	Soweit Ghostwriter urheberrechtlich geschützte Werke schaffen, ziehen die Urheberpersönlichkeitsrechte vertraglichen Vereinbarungen Grenzen.
Baum, Armin Daniel	 Pseudepigraphie und literarische Fälschung im frühen Christentum, Tübingen, 2001.
Brunner, Richard	 Urheber- und leistungsschutzrechtliche Probleme der Musikdistribution im Internet - unter besonderer Berücksichtigung der Richtlinie 2001/29/EG und ihrer Umsetzung in deutsches Recht, Berlin, 2004, zugl. Diss. iur., Augsburg, 2004.
Dreyer, Gunda u. a.	 Urheberrecht, Kommentar, 2. Aufl., Heidelberg, 2009.
Hartmer, Michael/Detmer, Hubert	 Hochschulrecht, 2. Aufl., Heidelberg, 2011.
Flume, Werner	 Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, Bd. 2, Das Rechtsgeschäft, 4. Aufl., Berlin, 1992.
Huber, Ingeborg	 Reden: griechisch und deutsch / Lysias, Darmstadt, Brodersen, Kai (Hrsg.), Bd. 1, 2004; Bd. 2, 2005.
Loewenheim, Ulrich u. a.	 Urheberrecht, Kommentar, 4. Aufl., München, 2010.
Paulsen, Thomas	 Antiphon von Rhamnus, in: Zimmermann, Bernhard (Hrsg.): Handbuch der griechischen Literatur der Antike, Bd. 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit, München 2011
Schacht, Sascha T.	 Die Einschränkungen des Urheberpersönlichkeitsrechts im Arbeitsverhältnis, Göttingen, 2004.
Abs.	 Absatz
Alt.	 Alternative
Art.	 Artikel
Aufl.	 Auflage
Bd.	 Band
Beschl.	 Beschluss
BGB	 Bürgerliches Gesetzbuch
BGH	 Bundesgerichtshof
BGHZ	 Amtliche Entscheidungssammlung des BGH
BVerfG	 Bundesverfassungsgericht
BVerfGE	 Amtliche Entscheidungssammlung des BVerfG
d. h.	 das heisst
etc.	 et cetera
f.	 folgende
ff.	 fortfolgende
GG	 Grundgesetz
iur.	 iuris (das Recht)
KG	 Kammergericht
NJW	 Neue Juristische Wochenschrift
OLG	 Oberlandesgericht
Rdnr.	 Randnummer
Rdnrn.	 Randnummern
RG	 Reichsgericht
RGZ	 Amtliche Entscheidungssammlung des RG
S.	 Satz, Sätze; Seite, Seiten
sog.	 sogenannte
StGB	 Strafgesetzbuch
u. a.	 unter anderem; und andere
UrhG	 Urheberrechtsgesetz
Urt.	 Urteil
v.	 vom
vgl.	 vergleiche
zugl.	 zugleich

References: § 43
 § 7
 § 7
 § 7
 § 138
 BGH 

BGH	
 BGH