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Timestamp: 2019-11-18 13:16:57+00:00

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BGH zur Einbeziehung allgemeiner Geschäftsbedingungen bei einem konkludent geschlossenen Fernwärmeversorgungsvertrag ( 01 / 2014 ) | DASV - Die Deutsche Anwalts- und Steuerberatervereinigung für die mittelständische Wirtschaft e.V.
BGH zur Ein­be­zie­hung all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen bei einem kon­klu­dent geschlos­se­nen Fern­wär­me­ver­sor­gungs­ver­trag ( 01 / 2014 )
(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in einer Ent­schei­dung mit der Fra­ge befasst, wel­che Anfor­de­run­gen an die Ein­be­zie­hung all­ge­mei­ner Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen bei einem durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten abge­schlos­se­nen Fern­wär­me­ver­sor­gungs­ver­trag zu stel­len sind.
Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 15.01.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. VIII ZR 111/13.
Die beklag­te GmbH ist Eigen­tü­me­rin eines Grund­stücks in Cott­bus. Nach dem Aus­zug des Mie­ters, des­sen Fern­wär­me­ver­sor­gungs­ver­trag mit der Klä­ge­rin auf­grund einer wirk­sa­men Kün­di­gung des Mie­ters geen­det hat­te, ent­nahm die Beklag­te von der Klä­ge­rin bereit­ge­stell­te Fern­wär­me für ihr Grund­stück. Mit einer “Ver­trags­be­stä­ti­gung” begrüß­te die Klä­ge­rin die Beklag­te dar­auf­hin als neue Kun­din, mit der ein Ver­trag nach § 2 der AVB­Fern­wär­meV* zustan­de gekom­men sei. Sie über­sand­te der Beklag­ten mit wei­te­rem Schrei­ben vom 19. Sep­tem­ber 2008 den Ent­wurf eines Ver­sor­gungs­ver­tra­ges. Die­ser sah eine drei­jäh­ri­ge Ver­trags­lauf­zeit sowie des­sen Ver­län­ge­rung um je ein Jahr vor, sofern der Ver­trag nicht mit einer Frist von neun Mona­ten gekün­digt wür­de.
Die Beklag­te unter­zeich­ne­te die­sen Ver­trag nicht. Sie erklär­te im März 2009 “mit sofor­ti­ger Wir­kung” die Kün­di­gung des Ver­trags. Die Klä­ge­rin meint, der Ver­trag ende erst im Sep­tem­ber 2010, weil in ihren Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen eine Min­dest­lauf­zeit von einem Jahr und eine Kün­di­gungs­frist von sechs Mona­ten vor Ablauf der jewei­li­gen Ver­trags­zeit für den Kun­den vor­ge­se­hen sei­en. Für den Zeit­raum vom 28. März 2009 bis 29. Okto­ber 2009 begehrt die Klä­ge­rin unter ande­rem den für den Abrech­nungs­zeit­raum ange­fal­le­nen Grund­preis, ins­ge­samt Zah­lung von 4.633,19 Euro nebst Zin­sen und Mahn­ge­büh­ren. Die Beklag­te hat­te in die­sem Zeit­raum kei­ne Fern­wär­me mehr ent­nom­men.
Das Amts­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Land­ge­richt hat sie auf die Beru­fung der Beklag­ten hin abge­wie­sen. Die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on, mit der die Klä­ge­rin im Wesent­li­chen die Wie­der­her­stel­lung des amts­ge­richt­li­chen Urteils begehr­te, hat­te kei­nen Erfolg, so Klar­mann.
Der unter ande­rem für das Kauf­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die Beklag­te weder an die in den Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen der Klä­ge­rin jeweils vor­ge­se­he­ne Min­dest­lauf­zeit von einem Jahr sowie die Kün­di­gungs­frist von sechs Mona­ten noch an die in § 32 Abs. 1 AVB­Fern­wär­meV gere­gel­te neun­mo­na­ti­ge Kün­di­gungs­frist gebun­den ist.
Die Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen der Klä­ge­rin sind nicht Ver­trags­in­halt gewor­den, da es an der auch im kauf­män­ni­schen Ver­kehr erfor­der­li­chen Ein­be­zie­hungs­ver­ein­ba­rung fehlt. Die blo­ße “Bran­chen­üb­lich­keit” reicht für die Beacht­lich­keit All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen nicht aus. Auch aus § 1 Abs. 1 und § 2 Abs. 3 AVB­Fern­wär­meV* ergibt sich nicht, dass die­se unab­hän­gig von einer Ein­be­zie­hungs­ver­ein­ba­rung (sozu­sa­gen “auto­ma­tisch”) Ver­trags­in­halt gewor­den wären. Denn bei­de Bestim­mun­gen tref­fen kei­ne Rege­lung zur Ein­be­zie­hung der vom Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men gestell­ten Bedin­gun­gen in den Ver­trag. An die in § 32 Abs. 1 AVB­Fern­wär­meV gere­gel­te Kün­di­gungs­frist ist die Beklag­te nicht gebun­den, weil die­se Vor­schrift nur für Ver­trä­ge mit fes­ter Lauf­zeit gilt.

References: BGH 
 § 2
 § 32
 § 1
 § 2
 § 32