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Kritik Der Reinen Vernunft | Immanuel Kant, J. Timmermann, H. Klemme | download
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Nach der 1. und 2. Originalausg
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und4747
ist2969
nicht2679
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nichts533
noch526
haben522
nun519
der reinen Vernunft
PHILOSOPHISCHE BIBLIOTHEK BAND 37 a
Unveränderter Neudruck der von Raymund Schmidt besorgten
Ausgabe (nach der zweiten durchgesehenen Auflage von 1930)
Alle Abweichungen zwischen den beiden Original-Ausgaben
(der Ausgabe A = 1. Auflage VOn 1781 und der Ausgabe B
= 2. Auflage von 1787) sind im Text durch Kursivdruck
kenntlich gemacht, bei größeren Abweichungen auch unmittelbar einander gegenübergestellt.
Alle Reehte für die vorliegende Ausgabe, einsehl. des Ubersetzungsrechtes vorbehalten. Druck 1967: H. StÜrtZ AG., Würzburg.
Die vorliegende Neuausgabe des kritischen Grundbuches aller modernen Philosophie (auch derjenigen,
die sich in bewußter Abkehr von Kant befindet) verdankt ihren Habitus der Reihe der "Philosophischen
Bibliothek", in welcher sie erscheint. In solcher Umgebung konnte es sich nicht darum handeln, die Kritik
wieder einmal einer großen Öffentlichkeit so darzubieten, daß eine schnelle und soweit der schwierige
Inhalt es gestattet - mühelose Besitzergreifung durch
den Leser möglich ist, sondern es mußte ein Text geschaffen werden, der auch peinlicheren Ansprüchen
genügt, ein Text, der ohne auffallende Erschwerung der
Lesbarkeit wichtige Handhaben für ein gründliches
Studium der Entstehung und der Interpretation aller
einzelnen Teile .renthält.. Es war da;nicht eigentlich
vollständig und grundlegend Neues zu teisten, vielmehr
mußten alle in der gleichen Richtung bereits unternommenen Versuche peinlich beachtet, und die Vorzüge
vieler Ausgaben in einer einzigen vereinigt wercl.el}..
Selbstverständlich war es für einen solchen Zweck,
daß dem Druck der genaue Wortlaut beider Originalausgaben zugrundegelegt wurde. Mag der Streit um die
"Kanonisierung" der zweiten Ausgabe noch so endgültig für die Geschichtschreiber der kantischen Philosophie entschieden sein, für denjenigen, der unbefangen
Kants Gedank~n und ihren Wandel an der Quelle;  studieren will, ist die erste Ausgabe auch heute noch so
wichtig wie die zweite. Der Herausgeber hat sich aus
diesem Grunde bemüht, die Texte, soweit sie erheblich
voneinander abweichen, einander gegenüberzustellen, so
daß der mehr oder weniger einschneidende Charakter
der Umarbeit unmittelbar abgelesen werden kann.
Kleinere Abweichungen der 2. Auflage (B), soweit es
sich nur um Worte, Satzteile oder einzelne Sätze handelt, wurden im fortlaufenden Text kenntlich gemacht;
die ursprüngliche Fassung der 1. Auflage (A) findet
sich stets als. Note am Fuße der betreffenden Seite.
Herausgehoben sind die Abweichungen der beiden Originalausgaben voneinander in allen Fällen durch kursiven Druck.
Besonders fruchtbar erweist sich die Konfrontierung
der beiden Einleitungen zu A und .B, weil sie deutlich
die Entstehung des zweiten Textes aus dem ersten erkennen läßt und Schlüsse zuläßt nicht nur auf die
Arbeitsweise Kants, sondern auch auf die Absichten,
die ihn bei der Neuausgabe leiteten. Dieser Vorzug
mag den Leser für den unschönen Eindruck einiger
unbedruckter Seitenteile entschädigen, der bei der ungleichen Länge der konfrontierten Stücke nicht zu
umgehen war. Selbstverständlich wurden zur besseren
Vergleichung mit den Originalen 'und mit anderen kritischen Ausgaben die Originalpagierungen beider Ausgaben als Marginalien beigefügt.
Der Originaltext wurde auch in solchen Fällen beibehalten, wo er offensichtlich fehlerhaft ist. Bei der
Verschiedenheit und Unvereinbarkeit der Versuche zur
Textverbesserung durch mehrere Generationen von
Kantinterpreten, war häufig keine Möglichkeit gegeben, sich rückhaltlos für die eine oder für die andere
Version einzusetzen, a:uch sollte dem Leser selbst die
Entscheidung über die notwendige Korrektur und die
Art ihrer Ausführung überlassen bleiben, im Gegensatz zu allen bekalmten kritischen Ausgaben, die dem
Leser ihre Lesart aufzwingen und Abweichungen
davon in einen schwer übersichtlichen Anhang verweisen. Es wurden deshalb die Varianten der späteren
Bearbeiter in chronologischer Reihenfolge an den Fuß
der betreffenden Seite gesetzt und mit dem Namen desjenigen signiert, der als Erster die angeführten Varianten aufbrachte.
Diese Angaben über die Lesarten erheben Anspruch
auf Vollständigkeit nur soweit sie den Sinn der Stelle
treffen oder die Lesbarkeit erheblich fördern. Von der
Anführung der zahlreichen Varianten zur Verbesserung
des Textes durch Abänderung der Interpunktion, der
Rechtschreibung und der Betonung mußte auS Raum-·
mangel und auch wegen des geringen aktuellen Interesses solcher Verbesserungen größtenteils Abstand
Der so gebotene Text unterscheidet sich also von
dem kantischen nur in der Anwendung einer moderneren
Schreibweise. (Auch hier wurde vorsichtig alles geschont, was mit der kantischen Schreibweise den kantischen Sinn und die kantische Wucht verlieren würde.)
Die häufig als völlig unzulänglich beklagte ka:ntische
Interpunktion wurde ebenfalls aus einem guten Grunde
beibehalten. - Wer die Langatmigkeit und Unübersichtlichkeit gewisser kantischer Perioden beklagt,
macht häufig die überraschende Entdeckung, daß diese
Perioden sich im Original gar nicht so schwierig und
unübersichtlich ausnehmen. Der Grund ist in der für
Kant überaus bezeichnenden und im ganzen konsequent
durchgeführten Interpunktion zu suchen, die seine Sätze
zwar nicht immer in unserem Sinne grammatisch richtig
aber doch in sinnvollem gedanklichen Rhythmus gliedert.
Diesen Vorzug wollten wir unseren Lesern erhalten,
zumal in vielen Fällen Kants Arbeitsweise gar nicht gestattet, eine moderne Interpunktion auf seinen Text
anzuwenden. Sein Werk ist stellenweise au.; Einzelnotizen mosaikartig zusammengesetzt, wobei zuweilen
Satzkonstruktionen ineinander verflochten wurden, die
sich grammatisch nicht einwandfrei zueinander fügen.
Da kann allein die Originalinterpunktion auf die Spur
der Entstehung solcher Perioden und also auf den rechten kantischen Sinn helfen.
Die als Fußnoten angeführten Lesarten finden sich
in folgenden sorgfältig verglichenen Ausgaben bzw.
A = die erste Originalausgabe vom Jahre 178l.
B = die zweite Originalausgabe vom Jahre 1787.
Die dritte Originalausgabe vom Jahre 1790.
Die vierte Originalausgabe vom Jahre 1794.
Die fünfte Originalausgabe vom Jahre 1799
bzw. die an diese Ausgabe angefügten "Verbesserungen".
Kant: dessen "Nachträge zur Kritik" (aus Kants
Nachlaß herausgegeben von Benno Erdmann),
Kiel 1881Mellin: dessen "Marginalien und Register zu Kants
Kritik der reinen Vernunft". Züllichau 1794.
Grillo: dessen "Druckfehleranzeigen in den Schriften des Herrn I. Kant" in "Annalen der Philosophie" Halle 1795, 37.-40. Stück.
Meyer: dessen "Berichtigung" dazu. Ebendort im
54. Stück.
Schopenhauer: dessen "Collation der ersten und
fünften Auflage der Kritik der reinen Vernunft".
Beilage zu Schopenhauers Brief an Rosenkranz
vom 25. Sept. 1837. (Vgl. Altpreußische Monatsschrift 1889, Bd. XXVI. S. 310f.)
Rosenkranz: dessen Ausgabe der Kritik vom
Jahre 1838.
Hartenstein: dessen Ausgaben der Kritik aus den
Jahren 1838, 1853, 1867, 1868.
Kirchmann: dessen Ausgaben der Kritik auS den
Jahren 1868 u. später.
Fredrichs: dessen Schrift "Der phänomenale Idealismus Berkeleys und Kants". Breslau 1871.
Michelis: dessen Schrift "Kant vor und nach dem
Jahre 1770". Braunsberg 1871.
Laas: dessen Schrift "Kants Analogieen der Er·
fahrung". Berlin 1876.
Lec1ai r, v.: dessen "Kritische Beiträge zur Kategorienlehre Kants". Prag 1877.
Kehrbach: dessen Ausgaben der Kritik aus den
Jahren 1877, 1878, später ohne Jahr.
Erdmann: dessen Ausgaben der Kritik aus den
Jahren 1878 bis 1919, dessen "Akademie-Ausgabe" (1911) sowie seine "Beiträge zur Geschichte
und Revision des Textes der Kritik der reinen
Vemunft". Berlin 1900.
Müller: dessen Übersetzung der Kritik ins Englische. (London 1881).
N oire: dessen Einleitung zur Müllerschen übersetzung.
Vaihinger: dessen Kommentar zu Kants Kritik
der reinen Vernunft". Stuttgart 1881 bzw. 1892.
(2. Aufi. 1922 herausgegeben von Raymund
Schmidt), dessen "Notiz, den Kanttext betreffend"
in "Philosophische Monatshefte", Bd. XVIII
1881) sowie dessen "Siebzig textkritische Randglossen zur Analytik" in "Kant-Studien" Bd. IV
Medicus: nach Mitteilung von Vaihinger im "Kommentar".
J. B. M ey er: in "Deutsche Literaturzeitung" (1883).
Adickes: dessen Ausgabe der Kritik vom Jahre 1889.
Wille: dessen textkritische Arbeiten in "Philosophische Monatshefte" , Bd. XXVI (1890) und "KantStudien", Bd. IV, V, VIII.
Pa ulse n: dessen Schrift über "Kant". Stuttgart 1898.
Vorländer: dessen Ausgabe der Kritik vom Jahre
1899.Klein: nach Mitteilungen von Vorländer in dessen
Valentiner: dessen Ausgaben der Kritik aus den
Jahren 1901-1919.
Riehl: dessen "Korrekturen zu Kant" in " KantStudien" Bd. V (1901).
Goldschmidt: dessen Aufsatz "zum Ende der
Kant-Philologie" in "Altpreuß. Monatsschrift"
XXXIX (1902) sowie dessen "Kants Privatmeinungen über das Jenseits" Gotha 1905.
Görlan d: dessen Ausgabe der Kritik vom Jahre 1922.
Wenn der Herausgeber nach vielen Mühen sein Imprimat auf die Bogen der vorliegenden A:usgabe setzte,
so war er sieh zwar bewußt, getan zu haben, was getan
werden konnte und wozu die Bedeutung der Kantsehen Kritik verpflichtet, zugleich war er sich aber auch
bewußt, daß peinliche A:rbeit und sorgfältigste Drucküberwachung Fehler und Irrtümer nicht ausschließt. Er
gibt sich der Hoffnung hin, ihm vorläufig noch unbekannte Fehler in künftigen Auflagen ausmerzen zu können, und rechnet dabei auf die freundliche Mitarbeit der
Leser dieser Ausgabe.
Leipzig, März 1926.
Dr. Raymund Schmidt.
Die vorlie:gende neue Auflage der Kr. d. r. V. ist gleichlautend mit der des Jahres 1~26. Eine Anzahl von Druckversehen, die trotz aller Sorgfalt diese Auflage noch enthielt, hat beseitigt werden können. Zahlreiche Zuschriften
bewiesen dem Herausgeber, daß die mühevolle A:rbeit
einer gründlichen Textrevision nicht überflüssig war.Wie sorgfältig das Hauptwerk Kants auch jetzt noch
immer wieder gelesen wird, ging aus diesen Zuschriften,
die mancherlei beachtenswerte Verbesserungsvorschläge
enthielten, hervor. Besonderer Dank sei hier den Herren
E. Franck in Marburg, Norman Kemp Smith in
Edinburgh und M. Heidegger in Freiburg für ihre
wertvollen Anregungen ausgesprochen. Vermehrt wurde die vorliegende Ausgabe um ein
ausführliches Namenregister, welches die verschiedenen
Phasen der Auseinandersetzung Kants mit Vorläufern
und Zeitgenossen deutlich erkennen läßt. Es wird zusammen mit dem, in gesondertem Band erschienenen
"Systematischen Handlexikon zu Kants Kr. d. r. V:' von
Heinrich Ratke, dem Leser sicherlich gute Dienste
Leipzig, Oktober 1930.
Zueignung • . . . . .
Vorrede zur ersten Ausgabe •
Einleitung der ersten Ausgabe
I. Idee der Transzendental-Philosophie
Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer
Urteile . • . . . . . • . • . . .
II. Einteilung der Transzendental-Philosophie. . . , 57
Einleitung der zweiten Ausgabe. • . • • . .38*-59*
I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen
Erkenntnis. . . • . • . . . • . . . • 38*
II. Wir sind im Besitze gewisser Erkenntnisse apriori,
und selbst der gemeine Verstand ist niemals ohne
solche. • . . . . . . . . . . . • . • 39*
III. Die Philosophie bedarf einer Wissenschaft, welche
die Möglichkeit, die Prinzipien und den Umfang
aller Erkenntnisse apriori bestimme •
IV. Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile . . • • . . . . • . . • 46'"
V. In allen theoretischen Wissenschaften der Vernunft
sind synthetische Urteile apriori als Prinzipien
enthalten . . • . . . . . . • . . • .
61'"
VII. Idee und Einteilung einer besonderen Wissenschaft unter dem Namen einer Kritik der reinen
Vernunft. . . . . . . . . . • . •
61-660
Einleitung. § 1 . . . . . . .
1. Abschn. Von dem Raume. § 2, 3 . .
2. A bschn. Von der Zeit. § 4-7. . . .
Allgemeine Anmerkungen zur transzendentalen Asthetik.§8 . . . . . . . . . . . . . • • .
.94-650
Einleitung. Idee einer transzendentalen Logik. .94-105
1. Von der Logik überhaupt
H. Von der transzendentalen Logik . .
HI. Von der Einteilung der allgemeinen Logik in Analytik und Dialektik.
. . • . . • . . 100
IV. Von der Einteilung der transzendentalen Logik in
die transzendentale Analytik und Dialektik
Die transzendentale Analytik. 105-333
Erstes Buch. Die Analytik der Begriffe. • 106-191
1. Hauptst. Von dem Leitfaden der Entdeckung
aller reinen Verstandesbegriffe . . . . . • 107
1. Abschn. Von dem logischen Verstandesgebrauche überhaupt
. • .,
2. Abschn. Von der logischen Funktion des
Verstandes in Urteilen. § 9. . • . • • 110
3. Abschn. Von den reinen Verstandesbegriffen
oder Kategorien. § 10-12 • • • • • . 11ö
2. Hauptst. Von der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe . • . . • . . . . . • . 126
1. Ab s c h n. Von den Prinzipien einer transzendentalen Deduktion überhaupt. § 13 . . . • 126
Übergang zur transzendentalen Deduktion der
Kategorien. § 14 • • • . . • . .
2. Abschn. Transzendentale Deduktion der
reinen Verstandesbegriffe. § 15 - 27 • . • 137
Zweites Buch. Die Analytik der Grundsätze (transzendentale Doktrin der Urteilskraft) "
192-333
. • • • . •
1. Hauptst. Von dem Schematismus der reinen
Verstandesbegriffe • . • . • • • . . • . 196
2. Hau p t s t. System aller Grundsätze des reinen
Verstandes • • . • . . • . . . . . . 205
1. Abschn. Von dem obersten Grundsatze aller
analytischen Urteile. . • • . . "
2. Abschn. Von dem obersten Grundsatze aller
synthetischen Urteile. . . . . . . • • 209
3. Ab s c h n. Systematische Vorstellung aller synthetischen Grundsätze des reinen Verstande" 213
1) Axiome der Anschauung. . .
2) Antizipationen der Wahrnehmung. . • . 220
3) Analogien der Erfahrung.
Erste Analogie. Grundsatz der Beharrlichkeit der Substanz .
Zweite Analogie. Grundsatz der Zeitfolge
nach dem Gesetze der Kausalität
Dritte Analogie. Grundsatz des Zugleichseins nach dem Gesetze der Wechselwirkung oder Gemeinschaft
4) Die Postulate des empirischen Denkens
Widerlegung des Idealismus.
Allgemeine Anmerkung zum System der
3. Hauptst. Von dem Grunde der Unterscheidung
aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena
und N oumena
Anhang. Von der Amphibolie der Reflexionsbegriffe.
Anmerkung zur Amphibolie der Reflexionsbegriffe .
Zweite Abteilung. Die transzendentale Dialektik 334-650
334-646
1. Vom transzendentalen Schein. .
• . 334
11. Von der reinen Vernunft, als dem Sitze des tran·
szendentalen Scheins . . . .
A. Von der Vernunft überhaupt.
Erstes Buch. Von den Begriffen der reinen Vernunft . . • . . . . . . • . • • • . 347-368
1. Abschn. Von den Ideen überhaupt . .
2. A bschn. Von den transzendentalen Ideen. • 355
3. A bschn. System der transzendentalen Ideen. 364
Zweites Buch. Von den dialektischen Schlüssen
der reinen Vernunft .
.• . ..
. 368 - 650
1. H auptst. Von den Paralogismen der reinen
Vernunft . • . . • . . . • . • . . . 370
Widerlegung des Mendelssohnschen Beweises der
Beharrlichkeit der Seele . • . . . .
Allgemeine Anmerkung, den Übergang von der
rationalen Psychologie zur Kosmologie betreffend.
2. Hau p ts t. Die Antinomie der reinen Vernunft.
1. Abschn. System der kosmologischen Ideen
2. Abschn. Antithetik der reinen Vernunft
Erste Antinomie
Zweite Antinomie.
Dritte Antinomie .
Vierte Antinomie .
3. Abschn. Von dem Interesse der Vernunft
bei diesem ihrem Widerstreite
4. Abschn. Von den transzendentalen Aufgaben
der reinen Vernunft, insofern sie schlechterdings müssen aufgelöst werden können •
5. Abschn. Skeptische Vorstellung der kosmologischen Fragen durch alle vier transzendentalen Ideen •
6. Abschn. Der transzendentale Idealismus als
der Schlüssel zur Auflösung der kosmologischen Dialektik .
7. Abschn. Kritische Entscheidung des kosmologischen Streits der Vernunft mit sich
8. A bsch n. Regulatives Prinzip der reinen Vernunft in A.nsehung der kosmologischen Ideen
9. Ab sehn. Von dem empirischen Gebrauche
des regulativen Prinzips der Vernunft in Ansehung aller kosmologischen Ideen
I. Auflösung der kosmologischen Idee
von der Totalität der Zusammensetzung der Erscheinungen zu einem
Weltganzen.
II. Auflösung der kosmologischen Idee
von .der Totalität der Teilung eines
gegebenen Ganzen in der Anschauung
Schlußanmerkung und Vorerinnerung
IH. Auflösung der kosmologischen Idee
von der Totalität der Ableitung der
Weltbegebenheiten aus ihren Ursachen
Möglichkeit der Kausalität durch Frei~it.
Erläuterung der kosmologischen Idee
einer Freiheit .
IV. Auflösung der kosmologischen Idee
von der Totalität der Abhängigkeit
der Erscheinungen, ihrem Dasein
nach überhaupt. . . . • . • •
Schlußanmerkung zur ganzen Antinomie der reinen Vernunft •
3. Hauptst. Das Ideal der reinen Vernunft . .
1. Abschn. Von dem Ideal überhaupt • • •
2. Abschn. Von dem transzendentalen Ideal
(Prototypon transzendentale). . • . . .
3. A bschn. Von den Beweisgründen der spekulativen Vernunft, auf das Dasein eines
höchsten Wesens zu schließen . • . • •
4. Abschn. Von der Unmöglichkeit eines ontologischen Beweises vom Dasein Gottes. •
5. .A bschn. Von der Unmöglichkeit eines kosmologischen Beweises vom Dasein Gottes.
Entdeckung und Erklärung des dialektischen
Scheins in allen transzendentalen Beweisen
vom Dasein eines notwendigen Wesens. .
6. Abschn. Von der Unmöglichkeit des physikotheologischen Beweises. • • . . • • •
7. Abschn. Kritik aller Theologie aus spekulativen Prinzipien der Vernunft . • . . •
Anhang zur transzendentalen Dialektik. • . . •
Von dem regulativen Gebrauch der Ideen der
reinen Vernunft . . . • • • . • . .
Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik
der menschlichen Vernunft • . "
II. Transzendentale Methodenlehre 651-766
Einleitung . . . . • . • • . • . . • . . . 653
1. H auptst. Die Disziplin der reinen Vernunft. 654-720
1. Abschn. Die Disziplin der reinen Vernunft im
dogmatischen Gebrauche. • • • . . . • • 657
2. Abschn. Die Disziplin der reinen Vernunft in
Ansehung ihres polemischen Gebrauchs .
Von der Unmöglichkeit einer skeptischen Befriedigung der mit sich selbst veruneinigten reinen
Vernunft. . . • . . • . . .
3. Ab s c h n. Die Disziplin der reinen Vemunft in
Ansehung der Hypothesen . . .
4. Abschn. Die Disziplin der reinen Vernunft in
Ansehung ihrer Beweise .
2. Hauptst. Der Kanon der reinen Vemunft
1. Abschn. Von dem letzten Zwecke des reinen
Gebrauchs unserer Vernunft
2. Abschn. Von dem Ideal des höchsten Guts
3. Abschn. Vom Meinen, Wissen und Glauben
3. Hauptst. Die Architektonik der reinen Vernunft 748-763
4. Haupts t. Die Geschichte der reinen Vernunft 763-766
Professor in Königsberg,
de1' Kiinigl. Akademie de1' Wissenschaften in Be,.Un
MitgUed 1)
Zweite hin und wieder "erbesserte Auflage t )
beil) Johann Friedrich Hartknoch
t 7874.)
1) fehlt in A. t) fehlt in A. 3) A: ""erlegt,". ~) A.: ,,1181".
(B TI)
I Baco
lnatauratio magna.
De nobis iP8is 8ilemus: De re autem, quae agitur,
petimus : ut homines eam non Opinionem, 8ed Opus eB8e
eogitent; ae pro urto habeant, non Seetae no8 atieuius,
aut Plaeiti, 8ed utilitatis et amplitudiniB humanae fun·
damenta moliri. Deinde ut 8uis eommodis aequi . . • in
eommune eonaulant. . . et iP8i in partem veniant. Prae.
terea ut bene 8perent, neque lnataurationem n08tram ut
quiddam infinitum et ultra martale fingant, et animo
eoneipiant; quum revera 8it infiniti erroris fini8 et ter·
min>.t8 legitimus 1).
1) Zusatz von B. Die punktierten Stellen bezeichnen Ver·
kürzungen des Baconschen Textes durch Kant.
Blico von Verula.m
Instauratio magna. Vorwort.
Von unserer person schweigen wir. Was aber die Sache
angeht, um die es sich hier handelt, so wünschen wir I daß
sie nicht als eine bloße Meinungsäußerung , sondern als ein
rechtschaffenes Werk angesehen werde, bei dem man überzeugt
sein kann davon, daß es sich nicht etwa bloß um die Gründung
einer Sekte oder um die Rechtfertigung eines gelegentlichen
Einfalles handelt. sondern um die Grundlegung der mensch·
lichen Wohlfahrt und Würde überhaupt. Es möge also jeder
einzelne im eigensten Interesse ... auf das allgemeine Wohl
bedacht sein. .. und dafür eintreten. Schließlich möge jeder
unserer Instauratio den guten Glauben entgegenbringen, daß
sie nichts Endloses und übermenschliches darstelle, denn in
Wahrheit bedeutet sie das Ende und die gehörige Grenze
endlosen Irrtums.
I Sr. Exzellenz,
Königl. Staatsminister
Freiherrn von Zedlitz
I Gnädiger Herr I
(B V)
Den Wachstum der Wissenschaften an seinem Teile
befördern, heißt an E w. Exzellenz eigenem Interesse
arbeiten; denn dieses ist mit jenen, nicht bloß durch
den erhabenen Posten eines Beschützers, sondern durch
das viel vertrautere l ) eines Liebhabers und erleuchteten
Kenners, innigst verbunden. Deswegen bediene ich
mich auch des einigen Mittels, das gewissermaßen in
meinem Vermögen ist, meine Dankbarkeit für das
gnädige Zutrauen zu bezeigen, womit Ew. Exzellenz
mich beehren, als könne 2 ) ich zu dieser Absicht etwas
I Demselben gnädigen Augenmerke, dessen Ew. Exzellenz die erste Auflage dieses Werks gewürdigt haben,
') Erdmann, nach Kants Brief an Biester vom 8. Juni
1781 fügt hinzu : "Verhältnis".
2) A: "könnte".
(B VI)
1Didme ich nun auch diue zweite und hiemit zugleich 1)
alle übrige Angelegenheit meiner literarischen Bestimmung, und bin mit der tiefsten Verehrung
den 238ten April 1787').
1) Statt: "Demselben gnliiligen - zugleich· steht in A: n Wen
das spekulative Leben vergnügt, dem ist, unter mäligen WanscAen,
der &ifaU. eiMB aufgeklärten. gaUigen Richter. eine kräftige
Bemilhungen, deren Nutzen grol, ob.rwar entAufm/unterung
fernt ist, und daher von gemeinen Augen gän.lich verkannt wird.
Einem Solchen und De.,en gnädigem Augenmerke widme ich
nun diese Schrift und, Seinem Schutze," usw.
') A: "KÖ'nigsberg den 29sten Mär. 1781."
(A VlI)
Die menschliche Vermmft 1IaI daB be.Bondere 8cAlobal in
einer GatttWIg ihrtw Et-~e: daß rie durchFragtlfl beZti8ti9'
wird, die rie t'I4cAI abweisen l:onn; denn rie ftnd fIw durch die
Natur der Vermmft 8el1ut aufgegdJen, die rie abtw aucA t'I4cAI
beantworten kafm,' denn rie iJbtwBleigen allu Verm4gen der
menschlichen Vermmft.
In dieBe Vtwlegenheil gert'JI rie olme flwe Schuld. Sie ftilngl
oon GrufldBdtzen an, dtwen GdJrauc1t itn Laufe der Et-fahnmg
unvermeidlich und zugleich durch diese hinreichend bewä1wt
ist. Mil diesen steige rie (wie u aucA ihre Natur tn" rich 10
bringt) im. . 'AIJher, zu entfernteren Bedingr.mgen. Da I rie CA 'VIII)
abtw geflJahrtoird, daß auf dieseArl ilwGuc1llJft ietleruil unv0llendet bleiben tnüue, weü die Fragen nierntJlB au{h6ren, 80
sieht rie sich genöRge, zu GrufldBdtzen ihre Zuflucht zu nehmen,
die allen mögZi.chen Erf~gdJrauch iJbtw8c1weiten und
gleichwohl 80 t m ~ Bcheinen, daß auch die gemeine
M ensoh.emJemunft
im EinwJrBtändniB8e steht. Dadurch
abtw stürzt sie rich in Dunkelheit und W idtwsprüche, am
welchen rie zwar abnehmen kann, daß irgendwo ~orgene
Irrtümtw zmn Grunde Ziegen tniL9Ben, die rie abtw t'I4cAI 20
entdecken kann, weil die GrundstUu. deren rie sich bedient, da rie iJbtw die Grenze aller Et-fahru1l!! hinamgehen, keinen ProbitwBtein der Erfahrung me1w anerkennen.
Dtw Kampfplatz diestw endlosen Streiligkeiten heißt f1un
M etaph1l8ik.
E8 war eine ZeiI, in welcher sie die Königin aller WiBBen80haflen genannt wurde, und wenn tnan den W iZlen für die
Tat nimmt, 80 tltwdiente rie, wegen der VOf'ZiigUchen Wichtig-
dam.,
I) Diese Vorrede zur ersten Ausgabe vom Jahre 1781 bat
Kant bei der zweiten Ausgabe weggelassen.
keit im es Gegenstandes, allerding8 diesen Ehirennamen. Jetzt
bringt es der Modeton des Zeitalters 80 mit sich, ihire alZe V 61'aehtung zu beweisen und die Matrone klagt, ver8toßen und
(A IX) verlas8en, wie Hecuba: modo mamma rerum, I tot generis
natisque potens - nune tralw-r exul, inopsl) - Ovid. Metam.
Anfänglich war ihire He"1'scha/t unter der Verwaltung der
Dogmatiker, despoti8ch. Allein, weil die Gesetzgebung
noch die Spur der alten Barbarl'i an sich hatte, 80 artete 8ie
durch innere Kriege nach und nach in völlige Anarchie aus
10 und die S k ep ti k er, eine Art Nomaden, die allen beständigen
Anbau de8 Bodens verab8cheuen, zertrennten von Zeit zu Zeit
die bürgerliche Vereinigung. Da ihirer aber zum Glück nur
wenige waren, 80 konnten 8ie nicht hindern, daß jene 8ie nicht
1:mmer auf8 neue, obgleich nach keinem unter 8ich einstimmigen
Plane, wieder anzubauen 1>61'8uchten. In neueren Zeiten 8chien
es zwar einmal, al8 80llte allen diesen Streitigkeiten durch eine
gewi88e PhY8iologie des menschlichen Ver8tandes (t·on dem
bCTÜhmten Locke) ein Ende gemaeht und die Rechtmäßigkeit
jener Ansprüche völlig entschieden werden,. es fand sich aber,
20 daß, obgleich die Geburt jener vorgegebenen Königin aus dem
Pöbel der gemeinen Erfahir'ung abgeleitet wurde und dadurch
ihire Anmaßung mit Recht hätte verdächtig w61'de,n müs8en,
dennoch, weil diese Genealogie ihir in der Tat fäZschlich
(A X) angedichtet War, 8ie ihire Ansprüche noch immer behaupte Ite,
wodurch alle8 wiederum in den veralteten wurmstichigen
Dogmati8mu8 und daraus in die Gering8chätzUng verfiel,
daraus man die Wi8senschaft hatte ziehen wollen. Jetzt, nachdem alle Wege (wie man sich 1Wm }det) vergeblich versucht
8ind, herr8cht (Jberdruß und gänzlicher Indifferenti8mus,
30 die Mutter des Chaos und der Naeht, in Wi88enschaften, aber
doch zugleich der Ur8prung, wenig8tens das Vor8piel einer
nahen Um8chaffung und A ufkZärung der8elben, wenn sie durch
übel angebraehten Fleiß dunkel, verwirrt und unbrauchbar
Es ist nämlich umsonst, Gleichgültigkeit in Ansehung
1) Valentiner übersetzt: "Noch vor kurzem die Mächtigste
von Allen und Herrscherin durch so viele Schwiegersöhne und
Kinder - werde ich jetzt dem Vaterlande entrissen und hülf·
los fortgeführt".
80lcher Nachforschungen erkünsteln zu wollen, deren Gegenstand der menschlichen Natur nicht gleichgültig sein kann.
Auch fallen jene vorgeblichen Indifferenti8ten, so sehr sie
sich auch durch die Veränderung der Schulsprache in e1:nem
populären Tone unkenntlich zu machen gedenken, wofern 8ie
nur überall etwas denken, in metaphysische Behauptungen
unvermeidlich zurück, gegen die sie doch 80 viel Verachtung
vorgaben. Indessen ist diese Gleichgültigkeit, die sich mitten
in dem Flor aller Wi88enschaften ereignet und gerade diejenigen trifft, auf deren Kenntnis8e, wenn dergleichen zu haben 10
wären, man unter allen am wenig 18ten Verzicht tun würde, doch (A XI)
ein Phänomen, das Aufmerksamkeit 1md Nachsinnen verdient.
Sie ist offe'flhar die Wirkung nicht des Leichtsinns, 80ndern der
gereiften Urteil8kraft") des Zeitalter8, welches sich nicht
länger durch Scheinwissen hinhalten läPt und eine Aufforderung an die Vernunft, das beschwerlichste aller ihrer Geschäfte,
nämlich das der Selbsterkenntnis aufs neue zu übernehmen
und einen Gerichtshof einzusetzen, der 8ie bei ihren gerechten
A nspl'üchensichere, dagegen aber alle grundlosenAnlmapull1]en, CA XII)
nicht durch Machtsprüche, sondern nach ihren ewigen und 20
1~nwandelbaren Gesetzen, abfertigen könne, und dieser i8t kein
anderer als die Kritik der reinen Vernunft selbst.
Ich verstehe aber hierunter nicht eine Kritik der Bücher und
*) Man hört hin und wie"er Klagen über Seichtigkeit de?'
Denkungsart unserer Zeit und den Verfall gri.in,(llicher Wissenschaft. Allein ich sehe nicht. dall die, deren Gmnd 9t~t gelegt
ist, als Mathematik, Naturlehre usw. diesen Vorwurf im -mindesten
verdienen, sondern vielmehr den alten Ruhm der Gl"Ündlichkeit
behaupten, in der letzteren aber 80gar übertreffen. Eben derselbe
Geist will·de sich nun auch in ancle?'en Artm flon Erkenntnis
wirk.sam beweisen, wäre flur allererst fur die Berichtigung ihl'er
Prinzipien gesorgt worden, In Ermanglung derselben sind Gleichgültigkeit und Zweifel und endlich, strenge Kritik, vielmehr Beweise einer gründlichen Denkungsart. Unser Zeitalter ist das
eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen mull,
Reli,qion, durch ihre Heiligkeit, und Gesetzgebung durch
ihre M aj es t ä t, wolle-n sich gen~einiglich derselben entzi/'hen.
Aber alsdann erregen sie gerechten Verdacht wider sich und kannen
a1~f un"erstellte Achtun,q nicht Anslwuch machen, die die Vernunft
nur demjenigen bewilligt, was ihre freie und öffentliche Priifung
hat aushalten kannen.
SY8C6me, 80Mem die du VermmfW6f'mÖgenB iJb6f'haupe, in
Ansehung all6f' ErkermtniB8e, zu denen rie,l) unabhdngig
von aller Erfahrung, 8tf'ebenmag, mithin die Entscheidung
der Möglichkeit od6t' Unmöglichkeit einet' Metaphysik iJbet'.
haupt und die Bestimmung 8owoN G6'I' QueUen, al8 du Um.
fangu und der G1'eneen 1Ü1'8elben, aU68 ab6f' aus PriNlipien.
.Diuen Weg, den eiNigen, der übrig gelas8en 1Oar, bin ich
nun eing68chlagen und 8chmeichle mir, auf demaelben die
Ab8teUung aller Irrungen angetroffen zu haben, die bisher die
10 V 6f'nunft im 6'l'fahrung8freien Gebrauche mit sich 8elb8t mtztDeit
hatten. Ich bin ihren Pragen nicht dadurch etwa ausgewichen,
daP ich mich mit dem UntJ6t'mögen der mensohlichen Vernunft
entschuldigte; 8ond6f'n ich habe Bie nach Prinzipien t10UBtdndig
8p6Zif~ierl und, nachdem ich den Punkt d68 Mi{Jv6'I'8tandeB der
V 6f'nunft mit ihr 8elbst entdeckt hatte, rie zu ihret' völligen
(A XIII) Befrietßgung auf I gelöst. ZtDaf' ist die BeanttDorlung iefl6f'
Pragen gar nicht 80 ausgefallen, als dogmatisch 8chtDlirmende
WifJbegimk enoarten mochte; denn die könnte nicht ander8
als durch Zaubet'W/te, darauf ich mich nicht tJ6'I'8t6he, befriedigt
20 werde1/.. Allein, das tDar auch wohl nicht die AbBid&e der N amrb68timmung UnB6f'6f' V6f'nun/t: und die Pflicht der Philosophie
1Oar: das Blendtoerk, das aus Mi{Jdeutung entaprang, auf·
zuheben, 8aUte auch noch Boviel gepriesen6'/' und beliebtet' Wahn
dabei zu nichIe gehen. In dies6'l' B680Mftigung habe ich Ausführlichkeit mein grO{J68 Augenm6f'k 8ein laBBen und ich
611.iihne mich .zu Bagen, da{J nicht eine eiNige metaphyBiBche
Aufgabe 8ein mÜ88e, die hi6'l' nicht GufgeJ.öBt, od6t' zu d6'l'6n
Auflösung nicht tD6fl4g8t6nB der SchlÜ88el daf'g6f'6icht worden.
In der Tat ist auch reine V6f'nun/t eine 80 fJOUkommene EinSO heit: daP. toenn das Prinzip G6'I'8elben auch nur zu einer eiNigen
all6f' der Pragen, die ihr durch
eigene Natur aufgegeben
Bind. UN~ tDtire, man d4e8611 if'l'&mef'Mn nur 106(lW6'I'fen
könnte, weil 68 alBdann auch kein6'/' der ii1wigen mit f16Uig6'l'
Z~keit gewachsen 8ein 'WÜirde.
Ich glaube, indem ich di6868 8age, in dem G68ichte du
(A XIV) Leser8 einen mit V6f'achtung gemischten UnItDillen iJbet', dem
Anscheine nach, 80 rtI1lmredige und unb68cheidene Anaprikhe
wahrzunehmen, und gletchtDohl Bind rie ohne Vergleichung
I) Adickes: ..es".
gemliPigter, ola die, einea ietJen. Vtlff088ers des gemeiMtm
pf'Offt'amms, dtIf darin etwa die einfache Nat'Ulf der Sede,
oder die Notwendigkeit eines ersten Weleanfanges zu
beweisen vorgibt Denn diestlf mao1R sich anheischig, die
mensckUMe Erke"""""'is Ubtlf alle GrentUn möglicher Erfolwung
hinaus zu erweitern, UI()tJ()n ich demütig gestehe: daP dieses
mein VemWgen gänzlich übersteige, an dessen StQU ich es
lediglich mie der Vtll'nunft selbst und wem reinen Denken zu
wn habe, nach deren aua/ülwlicher Kenntnis ich niMI weie
um mich suchen darf, weil ich sie in mir selbse anereffe und 10
wotlon'mir auch schon die gem6'~.ne Logik ein Beispiel gibt, daP
sich aUs we einfachen Handlungen vöUig und systematisch
aufzählen lassen,' .n'Ulf dafJ hier die Frage aufgeworfen wird,
wietJieZ ich mil dtlfselben, wenn mir aller Stoff und Beiskmd
dtIf Erfahrwn,g genommen wird, etwa ausz'Ulfichten hoffen dÜllfe.
So tJieZ von der V oZZständigkeie in EfTeichung eines
ieden, und der Ausfiihrlichkeit in EtTeichung aU er
Zwecke zusammen, die mMt ein beZiebigtlf Vorsatz, sondef:n
die Nat'UIf dM ErkeMlnis selbst uns aufgibt, als der Materie
tmBtIftlf mtischen UnttII'iltWmng.
J Noch sind Gewipheit und Deudichkeit zwei Stücke, (A. XV)
die die Form derselben bellreffen, als W6Bemliehe Forderungen
anzusehen, die man an den VtlffaB6t1f, der sieh an eine MI
schZÜlpfrt,ge Untemehmung wagt, mil Recht tun kann.
Wa8 nun die Gewipheie betrifft, so habeichmir selbst das
Urteil gesprochen: daP es in diestlf Af't von BellratNungen
attf keine Weise et'Zaube sei, zu meinen und daP alles, Wa8
dann einet' Hypoehese n'Ulf tiMIJ,ich sieht, vtlfbotene W Me sei,
die auch nicht /iif' den geringsten Preis feil stehen darf, ~
sobald sie entdeckt wird, beschlagen werden mup. Denn das 80
kündigt eine iede Erkenntnis; die apriorifeststehen solZ, selbst
an, daP sie für schlechthin notwendig gehalten wtlfden wiU,
und, eine Bestimmung aUet' reinen Erkenntnis8e apriorinoch
fJielmeJw1), die das Riehtmap, mithin 8flbst das Beispiel aUet'
apodiktischen (philosophischen) Gewipheit sein soU. Ob ich
nun das, wozu ich mich anh.eißchig mache in diesem Stiicke
geleistet habe, das bleibt gänzUoh dem Urteile des Lewrs anheimgestellt, weil es dem V tlffauer n'Ulf geziemt, Griitlde fHm'lJlegen,
1) H artenstein:"viel mehr".
mcht aber über die Wirkung der8elben bei 8einen Richtern
zu urteilen. Damit aber nicht etwas unsM'lddigerwei8e an der
(A XVI) Schwächu1llJ der18elben Ur8ache 8ei, 80 mag es ihm wohll(?Jrlaubt
8ein, diejenigen Stellen, die zu eimgem Mißtrauen Anlaß
geben könnten, ob 8ie gleich nur den Nebenzweck angehen, 8elb8t
anzumerken, um den Einfluß, den auch nur die mindeste
Bedenklichkeit des Leser8 in diesem Punkte auf 8ein Urteil,
in Ansehung des Hauptzwecks, haben möchte, beizeiten
Ich kenne keine Unter8uchungen, die zur Ergründu1llJ des
Vermögens, welche8 wir Verstand nennen, und zugleich zur
Bestimmung der Regeln und Grenzen 8eines Gebrauchs, wich·
tiger wären, als die, welche ich in dem zweiten Hauptstücke der
trans8zendentalen Analytik, unter dem Titel der Deduktion
der reinen Ver8tande8begriff e, angestellt habe; auch
haben sie mir die meiste, aber, wie ich hoffe, mcht unvergoltene
Mühe gek08tet. Diese Betrachtung, die etWas tief angelegt ist,
hat aber zwei Seiten. Die eine bezieht 8ich auf die Gegenstände
des reinen Ver8tandes, und 80ll die objektive Gültigkeit 8einer
20 Begriffe apriori da.rtun und begreiflich machen; eben da.rum
ist 8ie auch wesentlich zu meinen Zwecken gehörig. Die andere
geht darauf aus, den reinen Ver8tand 8elb8t, nach 8einer
Möglichkeit und den Erkenntniskräften, au/ denen er 8elb8t be.
(A XVII) ruht, mithin ihn in subjektiver Beziehung zu betrachten und,
obgleich diese Erärteru1llJ in Ansehung meines Haupf~wecks
von großer Wichtigkeit ist, 80 gehört sie doch nicht wesentlich
zu demselben; weil die Hauptfrage immer bleibt, wa8 und wie
viel kann Ver8tand und Vernunft, frei von aller Erfrihirung,
erkennen UM mcht, wie i8t da8 Vermögen zu denken
30 8elb8t möglich? Da das letztere gleichsam eine Au/suchung der
Ur8ache zu einer gegebenen Wirkung i8t, und insofern etwas
einer Hypothese Ähnliches an 8ich hat, (ob es gleich, wie ich
bei anderer Gelegenheit zeigen werde, sich in der Tat nicht so
verhält), 80 8cheint es, als sei hier der Fall, da ich mir die
Erlaubms nehme, zu meinen, und dem Leser also auch /rei8tehen müsse, anders zu meinen. In Betracht dessen muß ich
dem Le8er mit der Erinneru1llJ zuvorkommen; daß, im Fall
meine subiektive Deduktion nicht die ganze V'berzeugu1llJ, die
ich erwarte, bei ihm gewirkt hätte, doch die objektive, um die es
40 mir hier vornehmlich zu tm~ ist, ihre ganze Stärke bekomme,
wozu allenfalls dasjenige, was Seite 92 bis 93 gesagt wirdl),
allein hi'Meichend sein kann.
Was endlich die Deutlichkeit betrifft, so hat der Leser ein
Recht. zuerst die diskursive (logische) Deutlichkeit, durch
Begriffe, dann aber auch eine in I tuitive (ästhetische) (A XVIII)
Deutlichkeü, durch Anschauungen, d.1:. Beispiele oder
andere Erläuterungen in conereto zu fordern. Für die erste
habe ich hinreichend gesorgt. Das betraf das Wesen meines
Vorhabens, war aber a1lch die zufällige Ursache, daß ich der
zweiten, obzwar nicht so strengen, abe1' doch billigen Forderung 10
nicht habe aenÜ(Je leisten können. Ich bin fast beständig im
li'ortgange meiner Arbeit unschlüssig gewe.~en, wie ich es
hiermit halten sollte. Beis-piele und Erläutertlngen schienen
mir immer nötig und flossen daher auch wirklich im ersten
Entwurfe an ihren Stellen gehörig ein. Ich sah aber d·ie Gtöße
meiner Au/(Jabe und die Menge der aegenstände, womit ich
es zu tun haben WÜ1de, gar bald ein und, da ich gewahr ward,
daß diese gan2, allein. im trockenen, bloß scholastischen
Vortrage, das Werk schon genug ausdehnen würden, so fand
ich es u'Matsam, es durch Beispiele und Erläuterungen, die 20
nur in populärer Absieht notwendig s-ind, noch mehr anzuschwellen, zumal diese Arbeit keines-wegs dem populären
aebrauche angemessen werden könnte und die eigentlichen
Kenner der Wissenschaft wiese Erleichterung nicht so nötig
haben, ob sie zwar iederzeit angenehm ist, hier aber sogar etwas
Zweckwidriges nach ftich ziehen konnte. Abt Terrassan sagt
zwar: wenn man Idie Größe eines Buchs nicht nach der Zahl (A XIX)
der Blätter, sondern nach der Zeit mißt, die man nötig hat, es
zu verstehen, so könne man von manchem Buche sagen: daß
es viel kürzer sein würde, wenn es nicht so kurz 30
wäre. Andererseits aber, wenn man auf die Faßlichkeit eines
weitläufigen, dennoch aber in einem Prinzip 2) zusammenhängenden aanzen spekulativer Erkenntnis seine Abs-icht
richtet, könnte man mit eben so gutem Rechte sagen: manches
Buch wäre viel deutlicher geworden, wenn es nicht
1) Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Originalausgabe(A),
die bezeichnete Stelle ist der "Übergang zur transzendentalen
Deduktion der Kategorien".
B) Kirchmann: "im Prinzip".
so gar deutHch häUe werden soUen. Denn die BUlIs.
mittel der DeutZichkeü I~) StDGr in Peilen, . . . .eU6n aber
öfters im Ganzen. indem sie den Luer nicht schmU genug
zut" tfbtJrschauung des Garaun gelangen lassen und ~ alle
i1we hellen Farben gZeie1wJoAl die .Arlihlation. odtJt' den
~ des 811.......Neben und tmhmnflic:A machen.
auf.den es doch. um !ibtJr die EinAm und PüMligkeü duselben
twteilm zu können. am mei ten ankommt.
Es kann, wH miM dtlnk, dem LutJr zu nioAt gmngtJt' .An10 lockung dienen. seine BemiJhung mv der des VtJrlauers. zu
ttereinigen. tDmn tJr d~ .A~ hat. ein grolJes und tDichtiges
WtJrk, nach dem fJOf'~ EnItDut"/e. gaM und doch da,.haft
(A XX) zu tJOllführen. Nun iBtMetaphtlsik. nach den Begriflen. die
wir MtJt' daoon geben tDtJrdm. die .Mige aller Wiumschaftm.
die sich eine soZche V nllMadung und ztIJ(Jf' in kut"zer Zeit. und
mit nut" tDmSgtJr. aber ttereinSgW BemlJlw,ng. tter~ dar/.
80 dalJ mMts fiNr die Nachkommenschaft übrig bleibt. als in
der didaktischen ManitJr alles nach wen AbsicAtm einzv.
riMtm. ohne darum den Inhalt im mindesten t16rmeMen zu
20 können. Denn es ist nic1tts als das I nt1entarium aller UMtJrtJr
Besitze dut"M reine VtJrnun/t. 8fJ8temaNch g6Of'llnet. Es kann
um hier mMts mtgehm. tD6Ü. was Vernunft gäMZich aus sich
selbst ~. sich nicht ttersteckm kann. sondern selbBt
dut"ch V tJrnUnft ans Licht gebracht tDitd. sobald man nut" das
gemeinschaftliche Prinzip cI6sselben MIItl6cla hat. Die voUkommme Einheit diestJr ArlErkennmisBe. und ztIJ(Jf' aus lauter
reinen Begriffen. ohne daß irgend 6t1D68 t10n Erlalwung. odtJt'
auch nut" besondere Anschauung. die zut" benMnmtm Erlahrung leiten sollte, aul sie einigen EinflulJ haben kann. sie zu
80 6f'W6i~ ,~nd zu tterm6hf'en. machen'/.) diese tmbedingte Vollstärldigkeü nic:At allein tunUch. sondtJt'n auch noW16ntlig.
Tecum habVa et
quam sV tibi Cut"ta 8Uf'6lle:e. I) PtJrftus.
(A XXI)
lEin soZches 811nem der reinen (B'Pe1ctIlativen) Vernunft
hoffe ich unttJr dem Titel: M etaph1lsik der N aeur. selbBt
zu Ziefsm. tDelches, bei noch nicht der Billte dtJt' WeitltiIufigkeü.
1) Rosenkranz: "helfen".
I) Hartenstein: "macht".
I) Valentiner übersetzt: "Sieh dich in deiner eigenen
Behausung um, und du wirst erkennen, wie einfach dein Inventarium ist".
dennoch ungleich reicheren Inhalt haben soU, als hier die
Kf"iIik, die zUOOrderst die Qudlen UM Bedingungen ilw6f'
Möglichkeit darlegen mußte, UM einen ganz t16I'Wachs61len
Boden zu reinigen uM zu ebnen nötig hatte. Hier 6f'f/Jarte ich
an meinem Les6f' die Geduld UM Unparteilichkeit eines
Richters, dorl ab6f' die WiUfähigkeit uM den BeislaM eines
Mithelfers,' denn, so '!JOUBtänd.ig auch alle Prinzipien zu
dem System in der Kritik fJOf'getf'agen sifItl, so gehört zur Ausjülwlichkeit des SyslemB selbst doch noch, daß es auch an
keinen abgeleiteten Begriffen mangle, die man a priof'i 10
nichI in tJb6f'schlag bringen kann, sontlem die nach ,,tM nach
aufgesucht werden müssen, imgleichen, da dort die ganzs
Synthesis der Begriffe 6f'schöpjt wurde, so wird iJbertlem
hier gefordert, daß eben dasselbe auch in Ansehung d.er Anal ysis geschehe, welches alles leicht UM meM Untetrhaltung als
I eh habe nur noch einiges in Anaehung des Drucks anzumerken. Da der Anfang desselben etwas tJ6f'spätet war, so
konnte ich nur etwa die Hälfte d.er Aushängebogen zu sehen (A. XXII)
bekommen, in denen ich zwar einige, den Sinn ab6f' nicht t16f'- 20
wif'rentle Druckfehler antreffe, auß6f' demjenigen, tl6f' S. 319,
Zeile 41 ) tIOn unten oorkommt, da spezifisch anstatt skepti8chgelesenwerdenmuß. Die Antinomie d.erreinen VSf'nUnjt,
von Seite 426 bis 461 1), ist so, nach An einer Tafel, angestellt,
clas alles, was zur Thesis gehört, auf der linken, was ab6f' zur
Antithesis gehört, auf d.er rechten Seite imm6f' fortläuft,
welches ich darum so anordnete, damit Satz uM Gegensatz
desto leichter miteinatldcr tJeII'glichen werden könnte.
1) Zählung der Originalausgabe.
(B VII)
zur zweiten Auflage 1)
Ob die Bearbeitung der Erkenntnisse, die zum Vernunftgeschäfte gehören, den sicheren Gang einer Wissenschaft gehe
oder nicht, das läßt sich bald aus dem Erfolg be1M'teilen. Wenn
sie nach viel gemachten Anstalten und Zurüstungen, sobald
es zum Zweck kommt, in Stecken gerät, oder, um diesen zu
erreichen, öfters wieder zurückgehen und einen andern Weg
einschlagen muß; imgleichen wenn es nicht möglich ist, dic
verschiedenen Mitarbeiter in der Art, 'lb'ie die gemeinschaftliche
Absicht erfolgt2 ) werden soU, einheUig zu machen: so kann man
10 immer überzeugt sein, daß ein solches Studium bei weitem Mch
nicht den sicheren Gang einer Wissenschaft eingeschlagen,
sondern ein bloßes Herumtappen sei, und es ist schon ein Verdienst um die Vernunft, diesen Weg womöglich ausfindig zu
machen, sollte a'lbch manches als vergeblich aufgegeben werden
müssen, was in dem ohne tJberlegung vorher genommenen
Zwecke enthalten war.
IDaß die La gi k diesen sicheren Gang schon von den ältesten
Zeiten her gegangen sei, läßt sich daraus ersehen, daß sie seit
dem Aristoteles keinen Schritt rückwärts hat tun dürfen,
20 wenn man ihr nicht etwa die Wegschaffung einiger entbehrlicher Subtilitäten, oder deutlichere Bestimmung des Vorgetragenen als Verbesserungen anrec1men will, welches aber
mehr Z1M' Eleganz, als Z1M' Sicherheit der Wissenschaft gehört.
Merkwürdig ist noch an ihr, daß sie a'lbch bis ietzt keinen Schritt
vorwärts hat tun können, und also allem Ansehen nach geschlossen und voUendet zu sein Mheint. Denn, wenn einige
Ne'lber6 sie dadurch zu erweitern dachten, daß sie teils psychologische Kapitel von den verschiedenen Erkenntniskräften
1) Vom Jahre 1787.
I) Grillo: "verfolgt".
(der Eirl1Jildungskraft, dem Witze), teil8 metaphY8ische
über den Ursprung der Erkenntnis oder der ver8chiedenen Art
der Gewißheit nach Verschiedenheit der Objekte (dem Ideali8mU8, Skeptizismu8 usw.), teils anthropologi8che von Vorwrteilen (den Ur8achen derselben und Gegenmitteln) hinein8choben, 80 'fÜhrt dieses von ihrer Unkunde der eigentümlichen
Natur die8er Wi88enschaft her. Es ist nicht Vermehrung,
sondern Verunstaltung der Wi88enschaften, wenn man ihre
Grenzen ineinander laufen läßt: die Grenze der Logik aber ist
dadurch ganz genau bestimmt, daß 8ie eine Wis8enschaft
ist, I welche nichts als die formalen Regeln alles Denkens (es
mag apriori oder empirisch 8ein, einen Ursprung oder Objekt
haben, welches es wolle, in unserem Gemüte zufällige oder
natürliche Hindernis8e antreffen) ausführlich darlegt und
strenge bewei8t.
Daß es der Logik so gut gelungen ist, diesen Vorteil hat 8ie
bloß ihrer Einge8chränktheit zu verdanken, dadurch sie berechtigt, ja verbunden ist, von allen Objekten der Erkenntnis und
ihrem Unter8chiede zu abstrahieren, und in ihr al80 der Ver8tand
es ~it nichts weiter, als sich 8elb~tl) und 8e1:ner Form, zu tun
hat. Weit 8chwerer mußte es natürlicherweise für die Vernunft
8ein, den 8icheren Weg der Wis8enschaft einzuschlagen, wenn
sie nicht bloß mit sich 8elbst, 80ndern auch mit Objekten zu
schaffen hat; daher jene aucJ~ als Propädeutik gleichsam nwr
den Vorhof der Wis8enschaften ausmacht, und wenn von
Kenntnis8en dieRede ist, man zwar eine Logik zur Bewrteilung
der8elben voraus8etzt, aber die Erwerbung der8elben in eigentlich und objektiv 80 genannten Wi8senschaften suchen muß.
Sofern in diesen nun Vernunft 8ein soU, 80 muß darin etwa.,
apriori erkannt werden, und ihre Erkenntni8 kann auf zweierlei
Art auf i'Men Gegenstand bezogen werden, entweder2 ) diesen
und seinen Begriff (der anderweitig gegeben werden muß) bloß
zu I be8timmen, oder ihn auch wirklich zu machen.
Die er8te ist theoreti8che, die ande1'e p'rakti8che Erkenntni8 der Vernunft. Von beiden muß der reine Teil, 80viel oder
sowenig er auch enthalten mag, nämlich derjenige, darin Vernunft gänzlich a priori ihr Objekt be8timmt, vO'1'her allein VO'1'1) Grillo: "als mit sich".
Görland; "entweder um".
(B IX)
(B X)
getragen werden, und daBjenige. was aus anderen Quellen
kommt, damit nicht t1ertnengt werden; denn ea gibt üble W inschaft, wenn man bZindlings auagt"bt, was einkommt, olme
naMher, wenn iene in Stecken gerät, wntersoheidm su können,
welcher TeiZ der EitvNihme den A ufwa'fld tragen k6nne, und
t1()fI. weZcher1) man denselben beachneiden muß.
M athemalik und Physik sind die beiden theormachen
Erkenntnisse der Vernunft, welche ihre Obiekte apriori bestimmen solZen, die erstere ganz rein, die sweit6 wenigsteN sum
10 Peil rein, dann aber (JfIJ,(;'h nach Maßgabe anderer ErlcermmiBquellen aZa der der Vernunft.
Die Mathematik ist t1()fI. den frühest6n Zeit6n her, wohin
die Geachichte der mense1Uichen Vernunft reicht, in dem bewunclernBwiWcligen Volke der Griechen den sicheren Weg einer
Wissenschaft gegangen. AUein man darf nicht denken, daß
ea ihr so leicht geworden, wie der Logik, wo die Vernunft ea nur
XI) mit sich selbst su tun hat, ienen 1cöniglicMn Weg su lref I fen,
oder vielmehr sich selbst zu bahnen; vielmehr glaube ich, daß
ealange mit ihr (oornehmlich noch unt6r den .l.g1lPI6m) beim
20 Herumtatppen geblieben ist, und dieae Umänclerung einer
Ret1olution zuzuschreiben sei, die der gliJclcUche EinfaU
einea einzigen M annea in einem Versuche zustande bracht6,
l1Qß weZchem an die Bahn, die man nehmen mußt6, nicht mehr
zu 11/lrfehlen war, und der sichere Gang einer Wissenschaft für
aUe Zeiten und in unendliche Weit6n eingeachZagen und oorgezeichnet war. Die Geachicht6 clieaer ReooZution der DenkfJrl,
welche 11iel wichtiger war, aZa die Entdeckung des Wegea um
das berühmte Vorgebirge, und des Gliiclclichen, der sie sustande
bracht6, ist uns nicht au/behalt6n. Doch beweiBt die Sage, weZche
80 Dio gen es der L aer Ii er uns überliefert, der t1()fI. den 1cleinst6n,
und, nach dem gemeinen Urt6Ü, gar nicht einmal einea BeweiBea bm6tigten, Elementen der geometrischen Demonstrationen den angeblichen Erfinder nennt, daß das Andenken der
Veränderung, die durch die erBt6 Spur der Entdeckung dieBea
neuen Wegea bewirTet wurde, den Mathemaflilcern äußerst
wichtig geachienen haben mÜ88e, und dadurch wntJeJrgeßlich
1) Erdmann: "von welchem"; Görland ergänzt: "welcher
(Einnahme)".
g6fJJO'l'de,n sei. Dem ersten. der den glei chseitigenl) Triangel
~ (er mag nun Thalea oder wie man tDiU ge'lla/kn
1KIben),demgingeinLichtlJUf;denner femd,daß I ermcAcdem, (B XII)
WIJB er in der Figur sOO, oder auch dem bloßen Begriffe derselben t140ABpüren und gleWaBam dallOR ihre Eigemchaft,en
ablemen, sondern durch tltW), WIJ8 er nach Begriffen s8lb8t
apriori hineindachte und darBteUce (durch KOfWI~),
~ngen8) mÜBBe, und daß er, um sicher 6CW1JB a pnon
zu toiBsen, er der') Sache Mehls beilegen mÜBBe, als WIJ8 SUB
dem ~ f()lgCe, WIJB er seinem Begriffe gmuJlJ 8elbBC in 10
8U gelegt W.
Mit der Natuf'tJJi8IIenschaft ging 68 weit langsamer zu, bu.
8U den Heer68We{J der Wissenschaft waf,' denn 68 Bind nur Moa
t:mtlerlhalb Ja1whunderCe, dalJ der Vorschlag des rinnreichen
B aco "on Verulam di8ae EntJecJcung teil8 fIerfJf'Ila!Jte, 1eÜ8,
da man bereits auf der Spur derselben toar, mehr belebte, welche
eben sowohl durch eine 8Chnell tJO'I'gegangene Reoolt4ion der
DenkarC er1clärc werden kann. Ich will hier nur die NaturtoiBsenschaft, so fern 8U auf empirische Primipi,en gegriindeI ist, in E'f"Wiigung ziehen.
AlB GaUlei seine Kugeln die schiefe Fläche mit einer t'Oß
ihm selbn getJJdhlten ScNwere herabrollen, oder TorriceUi die
Luft ein Gewicht, WIJ8 er sich zum t'Of'a'US dem einer ihm be.
kannten W IJ88ersäule gleich gedacht hatte, wagen lielJ, oder
in flOM späterer Zeit Stahl Metalle in Kalk tmd diesen
wieder I um in M ecall t'erWaf'ldelte, indem er ihnen UwIJB mIzog (B XIII)
und wiedergab*); so ging allen Naturforschern ein Licht IJUf.
*) Ich folge 1Ker nicl&t gmau dem Fadm der GucAicAte der
&:perittaet&talthetAode, deren erate Anfänge auch tric1It tDoAl bekannt sind.
1) Rosenkranz: gleichschenklig" (auf Grund eines Briefes
von Kant an Schütz vom 26. Juni 1787).
I) Hartenstein: "sondern sie durch das"; Erdma-nn:
"sondern diese durch das"; Adickes: "sondern das",
I) Erdmann: "darstellte, (durch Konstruktion) seinen
Gegenstand allererst hervorbringen": Hartenstein: .•. (durch
Konstniktion) sie hervorbringen".
&) Rosenkranz: "und daß, um sicher etwas apriori zu
wissen. er der Sache"; Kehrbach: "und daß er, um ..•
wissen, der Sache".
Kallt, Kritik der l'eiImI Vemunft.
Sie begriffen, daß die Vernunft nur das eirt8ieht, was sie selbst
nach ihrem Entwwrfe hervorbringt, daß sie mit Prinz'ipien
ihrer Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die
Natur nötigen müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber
sich von ihr allein gleich.,am am Leitbande gängeln lassen
müsse!); denn S0rt8t hängen zufällige, nach keinem vorher
entworfenen Plane gemachte Beobachtungen gar nicht in einem
notwendigen Gesetze zusammen, welches doch die Vernunft
sucht und bedarf. Die Vernunft muß mit ihren Prinzipien,
10 nach denen allein übereinkommend(2 ) Erscheinuf/{Jen für Gesetze
gelten können, in einer Hand, und mit dem Experiment, das
sie nach jenen ausdachte, in der anderen, an die Natur gehen,
zwar um von ihr belehrt zu werden, aber nicht in der Qualität
eines Schülers, der sich alles vorsagen läßt, 'Was der Lehrer will,
sondern eineS bestallten Richters, der die Zeugen nötigt, auf
die Fragen zu antworten, die er ihnen vorlegt. Und so hat sogar
Physik die so vorteilhafte Revolution ihrer Denkart lediglich
XIV) dem Einfalle zu verdanken, demje I nigen, was die Vernunft
selbst in die Natur hineinlegt, gemäß, dasjenige in ihr zu
20 suchen (nicht ihr anzudichten), was sie von die.ser lernen muß,
?tnd wovon sie für sich selbst nichts wissen würde. 1Iierdu'rch
ist die N aturwissert8chaft allererst in den sicheren Gang einer
Wissert8chaft gebracht worden, da sie so viel Jahrhunderte durch
nichts weiter als ein bloßes Herumtappen gewesen war.
Der Metaphysik, einer ganz isolierten spekulativen
Vernun/terkenntnis, die sich gänzlich iiber Erfahrungsbelehrung erhebt, und zwar durch bloße Begriffe (nicht wie Mathematik durch Anwendung derselben auf Art8chauung), wo
also Vernunft selbst ihr eigener Schüler sein soll, ist das
30 Schicksal bisher noch so {JÜrt8tig nicht gewesen, daß sie den
sicheren Oang einer W issert8chaft einzuschlagen vermocht
hätte,' ob sie gleich älter ist, als alle übrige3), und bleiben würde,
wenn gleich die übrigen irt8gesamt in dem Schlunde einer alles
vertilgenden Barbarei gänzlich 1'erschlungen werden sollten.
Denn in ihr gerät die Vernunft kontinuierlich in Stecken,
1) Grillo: "lassen; denn".
') Erdmann: "übereinstimmende".
3) 5. Aufl.: "alles übrige"; Rosenkranz: "alles Übrige";
Erdmann: "alle übrigen".
selhst wenn sie dieienigenGesetze, welche die gemeinste Erfahrung bestätigt, (wie sie s'ich anmaßt) apriori- einsehen will.
In ihr muß man unzählige Male den Weg zurück tun, weil
man findet, daß er dahin nicht führt, wo man hin will, und
was die Einhilligkeit ihrer Anhänger in Be I hauphm.gen (B XV)
betrifft, so ist sie noch so weit davon entfernt, daß sie vielmehr
ein Kampfplatz ist, der ganz eigentlich dazu bestimmt zu sein
scheint, seine Kräfte im Spielgefechte zu üben, auf dem noch
niemals irgend ein l!'echter sich auch den kleinsten Platz hat
erkämpfen und auf seinen Sieg einen dauerhaften Besitz 10
gründen können. Es ist also kein Zweifel, daß ihr Vcrfahren
bisher ein bloßes Herumtappen, und, was das Schlimmste ist,
unter bloßen Begriffen, gewesen sei.
Woran liegt es nun, daß hier noch kein sicherer Weg der
Wissenschaft hat gefunden werden können? Ist 0/1' etwa unmöglich? Woher hat denn die Natur unser'3 Ve;rnunft mit der
rastlosen Bestrebung heimgesucht, ihm als einer ihrer wichtigsten Angelegenheiten nachzuspüren? Noch mehr, wie wenig
haben wir Ursache, Vertrauen in unsere Vernunft zu setzen,
wenn sie uns in einem der wichtigsten Stücke unserer Wiß- 20
begierde nicht bloß verläßt, sondern durch VorspiegeZungen
hinhält und am Ende betrügt! Oder ist er bisher nur verfehlt;
welche Anzeige können wir benutzen, ".m bei erneuertem Nachsuchen zu· hoffen, daß wir glücklicher sein werden, als andere
vor uns gewesen sind?
Ich sollte meinen, die Beispiele der Mathematik und Naturwissenschaft, die durch eine auf ein I mal zustande gebrachte (B XVI)
Revolution das geworden sind, was sie ietzt sind, wärel)
merkwürdig genug, um dem wesentlichen Stücke der Umänderung der Denkart, die ihnen so vorteilhaft geworden ist, nach- 30
zusinnen, und ihnen, soviel ihre Analogie, als Vernunfterkenntnisse, mit der Metaphysik verstattet, hierin wenigstens zum
Versuche nachzuahtmen. Bisher nahm man an, alle unsere
Erkenntnis müsse sich nach den Gegenständen richten; aber
alle Versuche über sie a priori etwas durch Begriffe auszumachen, wodurch unsere Erkenntnis erwf!litert 'Urürde, gingen
unter dieser Voraussetzung zunichte. Man tJersuche es daher
einmal, ob wir nicht in den Au/gaben de1 Metaphysik damit
1) Rosenkranz: "wären".
bUHr I ~ drsß tIM ~ die Geg~
miiacet& ftcA t'&Cl.M URIerefR 1I1r~ric1aCeR. welcAM ao achoft
heuer _ der wrlcmglen Mög~ After 1I1rJ:etwnN dernlben tI priori Zfl8am~,die üb81' GegmtlldNle, Me .se
UM gegtben tDerdm, etwaB IUfHIU;n aoU. 1118 . . hiermit ebm.Bo,
ala milden1)
GedGnleerHlu K 01'
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tatJtMem u mil der 1I1r1cllJrwtq der HimmelsbetDefUftf1en ntehI
f1UI Itm wolZIs, tDefm . . CJfUkJ1Im, drJB gGftU S ~ iI.reM
atch 'IM den ZuBe1wJuer, verlUClhC&. ob u ntehI bUHr geltftgen
10 möcAIe, tDefm . . den Z...c1ttJuM Bkh drehen, und dagegen die
(B XVII) &.ne '" Ruhe lüß. In der MelcYpAgale 1ctJr&n f'IIt.m I mm,
weu die Ä nBelhtluung der~belri/#, u (JIU,f ä1mZtche
Weise wr8tlCAen. Wm.n die Anso1ltJuung Bkh t&tJo1l der BeBOIttJlfeMeil der ~ rio1lIm. müßte, ao .ehe iM ntehI
ein, wH Mon G priori ClOn ilw etwaB wiBBen kÖRne,' ric1atel ftM
OO81'derGegenBklnd (alaObje1t:t der Sifme) ntJC1lder BuchtJl1mheil Uft8fIf'U Ä~tJnB. 80 1cMm ich mir GieBe
MögUMleeiI gGnz tD01aI tJOf'BIellen. Weil iM 0081' bet dtuen
Änsc1lcJuungen, tDefm .se 1I1rkenrtmiB8e werden Bollen, ntehI
20 lfMm. bleiben 1ctJnn, BOfIdem .se als VorBt8Uungen (JIU,f irgmd
etwaB als Geg6ft8larld beWJaen und GieBen durch iene beBttmmen
mu/J,80 1ccmn iM e1IIlD6d6r ~ die Begr'lfe, tIJOdurch
iM GieBe BUltmmtmg ~ bringe, richten BiM ~ ntJtS1l
dem Gegen8ItJnde, und da"" btn ich ~ '" derBelben
VerlegeMeil, tDegen der A,.,. wH iM (J ,non hiervon etwaB
wiBBen I:önne: oder iM fIe1ame on, die Geg~ oder, weJc1w
einelW ... die lC r ftlhrung, '" t.oekher .se allein (als gegebene
G~) 81'1cGnt1I tD81'den, richte Bkh ntJtS1l dtuen Begriffen,
.0 .ehe iM 80ftm etne Ietohtere Ä ...letm#. toeil1l1rfciJwung selb8t
80 etne 1I1rJ:etwnNarl . ., die V 81'Btmad 81'forderl, duBen Regel
iM '" mir, noch ehe mir G ~ gegeben werden, mithin
(J ,non tJOf'(J!/J,8.etzen mu/J, welMe i" Begriffen (J ,non (J!/J,8.
getlrllo1ct tDird, nach denen ftM also tJlleG~ der 1I1r1aJa.
(B XVIIl) rtmg I notwndtgric1alenundmitihnenüberemmmmenmÜBBm.
WCJ8 Gegef&llliJnrJe beftf#. BOf..,. .se bloß durch V81'f'Mmft und
8tDOf' ftOWJmdig gedaohI, die 0081' (80 wentgBtenB, wH die V81'mmft N denk) gar ntehI '" der 1I1rlalwung gegeben W81'den
iönNm, ao W81'den die VerBUMe N zu den1:en (denn denken
I) Erdmann: "dem".
mÜHm sie ritih tJoM lGAm), AemtJcla eiMn 1aerrUdIm ProWer·
BIeiA dujmigm abgtlH;n, fD(U tIM az. dN wnInderIe MeI1fotM
der D ~ ~ dofJ tIM fICimUch t1tm cfm ~
nUf' du G priori erketwam, fD(U tIM Be11m in sie legen.*)
DieHr Vflf'8UClh gelingI ftCICA Wunec1l, und wrlfJricAl der
Melaph7l11Ü '" ihrem er". Peile, do .ie 8ich ncJmUclh mit Begriffm GprioribucM#igI,dcwondN ~ a . , . .
8Iäntla in der lfJr/aIwtmg jenen ~ gegeben .".,...,.
können, den I .ic1wrm GMI(J einer W........". DeM .... (B XIX)
kann ftCICA me.er Verciradert.mg der Den1ctJrI dN MligUo1ahit 10
eina- lfJrkemamU G priori g(Jftl$ tI101tl er1:llren, und, fD(U noM
mehr ist, die ae..e, UlelcAe G priori der N GItW, az. dem Inbegriffe der Geg6Nl4ftde der lfJrftl1wtmg, ..... G'nmde Uegen.
mit ihrm1 ) gm~ Bewei.teft tIer.Mm, fDeZo1aeI beidu
fW.ICh der biBherigeft Verf~ tmmeJgUM tDGr. Aber SB
ergibt 8ich tIW tUeBer ~ UNerSB V ~ G priori
zu erkmnm, im er.1en Petze der MelGP1l7IBi1c ... be/r~
und dem g(Jftl$6ft ZtDeCl:e derBelbm, der cfm swiIm Peil be.eMfIigI, dem A~ ftCICA . . ~ B6B1flIaI,
*) Diae deta Nattw(oruAer tlClCAgeaAMte Met1torU 6attAt tJlIo
darin: die Elemente der . . . . V.....ft in deta .sv BIden, tIIG'
.ich durcll ein E:J:perimen' b6lt4",en oder tIIiderle,.n
läl'. NM 1JJ1t tic1l .... Prifu, der Sät" dtJr . . . . VtnIMjI,
t10mehmlicA IHM N Qber ""'" Gnfue m6glicAer JiJrfa1wwtg Aiu..
,etI1tJgt wrtlen, iM .E:rp!ri"'" mit ihrM ObJ"'" mtJCMIt
rw in dtJr Natwrtllittentc1laft): alto tllird. """ mit B.,riffen
Md Grund,atsen, tUe tIIir G priori tUIfIeA_, ttmliM - .
indem fJI(Jft tie tItimW 80 einriMtd, dal t.lieNlbm (hgeul4flde
einer,eit, alt Gegefl8t4ntle der Si..... I Md du VerttancIet ftir
die Erfa1wwtg, Gndereruit, aber tlocA alt Geg6fl8Ulflde, die
fJI(Jft blol dm.W, allI!tAfalb fir die isolierte Md ihr') 1Grfallf"UfI/IBgr- Ili.....trebmtle Vet"lMmtt, trritAin t10ft . . . tHlt"8cAiedenen Seiten betrtJc1ltet tII6f'CIen können. ßIfIdet. tic1 MIt, dal,
'"",. .... die Dittge alllj__ tloppeltm ~ bdrt.JtideI,
Eins"""""", mit dem Priuip der NÜttll V........ft BlaUflwM,
bri einerlei GaiclttBpM1le aber ein ~ Wiclertlrrit
der V..,..,." _ tic1 telbt,
80 ~ tlat EreperifllMt fir die BicMigl:ri' ierter l1tItmf:ieitl"",.
""""'e.
I} Görland: "ihnen".
I) Erdmann: .ü~ die"; Adickel: "über alle".
(B XIX)
nämlich daß 'wir mit ihm nie. über die Grenze möglicher Erfahrung hinauskommen können, welches doch gerade die wesent(B XX) lichste Angelegenheit dieser Wissenschaft ist. Aber hierin I liegt
eben das Experiment einer Gegenprobe der Wahrheit des
Restdtats jener ersten Würdigung unserer Vernunfterkenntnis
apriori, daß sie nämlich nur auf Erscheinungen gehe, die Sache
an sich selbst dagegen zwar als für sich wirklich, aber VOr/. uns
unerkannt, liegen lasse. Denn das, was uns notwendig über
die Grenze der Erfahrung und aller Erscheinungen hinaus zu
10 gehen treibt, ist das U nb edingte, welches die Vernunft in den
Dingen an sich selbst notwendig und mit allem Recht zu allem
Bedingten, und dadurch die Reihe der Bedingungen als vollendet
verlangt. Findet sich nun, wenn man annimmt, unsere Erfanrungserkenntnis richte sich nach den Gegenständen als Dingen
an sich selbst, daß das Unbedingte ohne Widerspruch gar
nicht gedacht werden könne: dagegen, wenn man annimmt,
un-sere Vorstellung der Dinge, wie sie uns gegeben werden, richte
sich nicht nach diesen, als Dingen an sich selbst, sondern diese
Gegenstände vielmehr, als Erscheinungen, richten sich nach
20 unserer Vorstellungsart, der Widerspruch wegfalle; und
daß folglich das Unbedingte nicht an Dingen, sofern wir sie
lcennen, (sie uns gegeben werden,) wohl aber an ihnen, sofern
wir sie nicht kennen, als Sachen nn sich selbst, angetroffen
werden müsse: so zeigt sich, daß, was wir anfangs nur zum
(B XXI) Versuche annahmen, gegTÜn I det sei.*) Nun bleibt uns immer
noch übrig, nachdem der spektdatit'en Vernunft alles Fort.
lcommen in diesem Felde des Übersinnlichen abgesprochen
worden, zu versuchen, ob sich nicht in ihrer praktischen Er.
kenntnis Data finden, jenen transzendenten Vernunftbegriff
30 de.~ Unbedingten zu bestimmen, und auf solche Weise, dem
*) Dieses .Experiment der reinen Vernunft hat mit dem der
Ohemiker, welches sie manchmal den Versuch d~ Reduktion,
im allgemeinen aber das synthetische Verfahren nennen, viel
Ähnliches. Die Analysis des Metaphysikers schied die reine
Erkenntnis apriori in zwei sehr ungleichartige Elemente, nämlich die der Dinge als Erscheinungen, und dann der Dinge an
sich selbst. Die Di alektik verbindet beide wiederum zur Einhelligkeit mit der notwendigen Vernunftidee des Unbedingten
und findet, da{l diese Einhelligkeit niemals anders, als durch jene
Unterscheid'Wflg herauskomme, welche also die wahre ist.
Wunsche der Metaphysik gemäß, über die Grenze aller möglichen
Er/ahrung hinaus mit unserem, aber nur in praktischer Absicht
möglichen Erkenntnisse a priori zu gelangen. Und bei einem
solchen Ver/aMen hat uns die spekulative Vernunft zu solcher
Erweiterung immer doch wenigste'YW:i Platz 'Verschafft, wenn sie
ihn gleich leer lassen mußte, und es bleibt uns also noch unbenommen, ia wir sind gar dazu durch sie aufgefordert, ihn
durch I praktische Data derselben, wenn wir können, aus- (B XXll)
zufiillen. "')
In ienem Ver.~uche, das bisherige VerfaMen dCIT Metaphysik 10
umzuändern, und dadurch1 ), daß wir nach dem Beispiele der
Geometer und Naturforscher eine gänzliche Revolution mit
derselben vornehmen, be.steht nun das Geschäft dieser Kritik
der reinen 8pekulativen Vernttnft. Sie ist ein Traktat von der
Methode, nicht ein System der Wissenschaft selbst; aber sie
verzeichnet gleir.l//Wohl den ganzen Umriß derselben, sowohJ,2) in
AnsehungihrerGrenzen, als auch I den ganzen innerenGlieder- (B XXill)
bau3 ) derselben. Denn das hat die reine 8pekulative Vernunft
EigcnW,mliches an sich, daß sie ihr eigen Vermögen, nach
*) So verschafften die Zentra~qesetze der Bewegung der
IIimmelskiJrper dem, was Kopernikus, anfanglich nnr als
Hypothese annahm, ausgemachte Gewi{lheit und bewiesen zugle:ich die unsichtbare, den Weltbau verbindende Kraft (der
Ne,wtonischen Anziehung), welche auf immer unentdeckt geblieben wäre, wenn der erstere es nicht gewagt Mtte, auf eine
widersinnische, aber doch wahre Art, die beobachteten Bewegungen
nicht in den Gegenständen des Himmels, sondern in ihrem Zuschauer zu suchen. Ich stelle in dieser Vorrede die in der Kritik
vorgetragene, :jener Hypothese analogische, Umänderung der Denkart auch nur als Hypothese auf, ob sieqleich in der Abhandlung selbst aus der Beschaffenheit unserer Vorstellungen von Raum
und Zeit und den Elementarbe(Jriffen des Verstandes, nicht hypothetisch, sondern apodiktisch bewiesen wif·d, um nur die ersten
Versuche einer solchen Umänderung, welche allemal hypothetisch
sind, bemerklich zu machen.
1) Adickes: "und zwar dadurch"; Erdmann vermutet,
daß hier ausgefallen sei: "ihr den sichern Gang einer Wissenschaft zu geben", evtl. sei "und" zu streichen.
2) Valentiner verlegt das Komma hinter "sowohl".
') Erdmann: "des •..• Gliederbaus".
der An. tDie Me trich Objekte zum DeMen.
und GtCClh 86lb8e die mcmcAerZet Anm, trich
A ufgabm vorzulegen., "OllBländig tlOt'ZdhZen, uM 80 den. gcmun
Yorri/l su einem 81181em der MtJaiph,lN wrzeic1men l:tmt\
und soll; weil. was das erBCe bstrifte. in der Er~ apriori
den Objekltn McAt8 beigelegl werden. l:tmt\, als was das denkende
8ubjek GU8 trich H1b8I1aerMmml. Uftd. was das ~ tIfIkmgI.
Me in Amehung der J!W~iptm eine gGM abguonderIe. /Ur BiM b68khetatle EiMetI ül. in welcher ein jedes GUed.
10 tDie in einem org~ Körper. um aller Gflderm uM alle
um etMB wtllm da Bind. uM kein PriM", mit 8tMerheit
e'ner BeßMU"f1 gmommen. werden kann. ohne u sugZetM 'n
der durchgäng'gen BatMung sum gcmun remen Vermm/lgebrGtCClh UftIersuMlsu·habm. Da,/Ur aber MI GtCClh die Meta,.
ph1lN das seltene Glüo1c. welMu keiner a,nderm Vernun/lwiuenBMaft. die u mit Obie1clm su Iun MI (denn die Log'Te
buchdfttgl riM nur mit der FOf'm du Dm1cmB iiberhaupl),
sUIeiJ werden l:tmt\, da/l. werm Me dwrM diue KmiTe in den.
riMeren. Gang einer WW6f&8Maft gebraohl worden. Me das
20 gGMe Ff!ld der /Ur Me geMrigm J!W~e völUg befrJ886n
XXIV) uM aLso ihr WerTe t10llentIm uM /Ur die NoMweZI. als emen
tKe su ~ HaupfBlu1Il, sum GWrGtCClhe niederlegm
1ca,,,,,,. weil Me u bZo/l mit P ~ uM den. 1!:wclwätakungm
ihru GebrGtCClhB su Iun haI, wdclhe dwrM ime selbsl bultmml
werden. Zu diuer VollBtdndtgkeil ÜI Me daher. als (}rund.
wtNenBo1I.ate. auch verbunden., uM "0" ihr mu/l geBauI werden.
k6m&m: ntl aclum repuIc:mB. Bi qWI ~eI a,gmtJum1 ).
Aber was ÜI detm das. 1IMd t'IU.m fragen., für ein Schals.
den tIM der NtJCh1«Jmm8fl8Maft mit einer 80lMm durM KrittTe.
80 geld1ACerlen, ~ obtIr GtCClh in emen belaorrUcAenZueIcJftd 96braohlm Meltlph1lN, N 1M~~' M(JfI wH·d bei
einer /ZüMligmt.J6.. . . cIiuu Wer1cu ~ glauben.,
da/l der Nutur& dat10n doch nur ftegal'., Ht, tm8 flCimUM
mit der ~.,. VfJt'fW,f&te ....... iiber die J!Wfa1wurllp·
gr6M6 Mf&GU8 sv wagen., und das ÜI GtCClh in der TGI ihr erBter
NtIItUf&. Dtuer aber 1IMd alBbClld pos.,•.,. wenn t'IU.m tnf&e
1IMd. da/l die fJrundMJ/u. mit den.m trich ~ Vernuftte
iiber tMe Grertu ~ in der Tal MeIle Brve"ervftg.
I) Valentiner übenetzt: ..Sie hilt noch nichts für getan.
10 lange noch etwas ZII tlIn übrig ist."
tJJtWI.
ClU8f'll6888ft,
Bondern, tDefm man aN nciher bewachtet, Verengung UftBeI'U
Vermmftgtlwrw.cM zum ~Uchm Erfolg haben, tradem
Bie wirklich die Gr6flUft der 8im1lic1&1ceit, zu der Bie eigentliM
gMlJrm, I über aZleB zu~ und BO denreinen (prtJ1mBc1&en) (B xxv)
Verwunftgtlwauc1& gM zu t16rdräf&gen drohen. DaMIt ist eine
Kritik, weZc1&e die erstere einBchrän1et, Bofern ZWM negaeiv,
aber, mdem Bie dadurch zugZeiM ein Hit'IdemiB, t06lchu den
Zelzceren GtlwauM einBckrtinkt oder gM zu ~ droht,
aufMbe, in der Tat f10ft pOBiei"em und B. tOichtigem Nutzen,
Bobald man überzeugl tOirtl. daIJ 68 einen Bc1&Zec1&terd,i,ngB not- 10
wendigen praktischen GtlwGtl.Ch der reinen Verwunft (den
~ ) gtbe, in weZcbem Bie Bich u~ über die
Grenzen der 8 ~ erweitert, dazu sie ZWM f10ft der 8fJelculativen 1eeiner Beihilfe bedarf, dewnoch aber tDider iMe Gegmwir1eung g68ic1&erc Bein muß, um nicht in WiderBfJruc1& mit Bic1&
Belbse zu geraten. Di68em Dienste der Kritik den pOB'Hi"en
Nutzen abZU8fJrechen, tOMe tben BO M, e&lB Bagm, daß Polizei
poBitioen Nutzen Behalte, weil iM HatllpCg68tJ1ii.ft doch
nur ise, der GCtOalctiJtigkeie, tOeZc1&e Biirger f10ft Bürgern zu
buorgen haben, einen Riegel f1MZUBc1&itben, damie ein jeder 20
.eine AngeZgenheie ruhig tmtl Bieher treiben könne. Da{J Raum
und Zeit nur :Formen der BimIlichen Anschauung, e&lB0 '""
Bedingungen der ENtenz der Dinge e&lB ErBcheinungen Bind,
daß 11M ferner 1eeine Ver~lfe, mithin atech gM keine
.Elemente zur ErkennmiB der Dinge habm, als .ofern I di68en (B XXVI:
Begriffen korrespondierende Anschauung gegtben werden kann,
folglich 11M von 1eeinem Gegenstande als Dinge an Bich selbsc,
Bondern nur Bofern er) Objekt der sinnlichen Anschauung isc,
d. i. e&lB Erscheinung, Er1eeMtnia haben können, tDird im
analytischen Teile der Kritik betOiuen: tOOrlJUB denn freilich 80
die EinstJlwtinkung aller nur möglichen 8fJe1eulatWen ErkennmiB
der Verwunft auf bloße ~ der Erfahrung folge.
Gleichwohl tDird, tOelchu wohl gemerkt werden muß, doch dabei
immer tIOt'behalten, daß wir tben di68eZben Gegenstände auch
e&lB Dinge an Bich aZWt, t06ftft gZeic1& nicht erkennen, doch
tDmigBCenB miiBBen denieß können.). Denn sonst würde der
*) Ji}inm GegenltantJ erkennen, dazu wird erfordert,
ich .rine Jl6glic1&keit (t.8 .ri nach dem Zeugnia der Erfahrwng
1) Erdmann: "er".
X~I1) ungereimte Satz
daraua folgen, daß Er I scheinttng ohne etwas
wäre, was da erscheint. Nun wollen wir annehmen, die durch
unsere Kritik notwendiggemachteI) Unterscheidung der Dinge
als Gegenstände der Erfahrung, von eben denselben, als Dingen
an sich selbst, wäre gar nicht gemacht, so müßte der Grundsatz
der Kauaalität und mithin der N aturmechanismua in Bestimmung derselben durchaus f:on aUen Dingen üherhaupt als
wirkenden Ursachen gelten. Von eben demselben Wesen also,
z. B. der menschlichen Seele, würde ich nicht sagen können,
10 iM Wille sei frei, und er sei doch zugleich der N atumotwendig.
keit unterworfen, d. i, nicht frei, ohne in einen offe'Ylharen
Widerspruch zu geraten: weil ich die Seele in beiden Sätzen
in eben derselben Bedeutung, nämlich als Ding üherhau1)t
(als Sache an sich selbst) genommen habe, und, ohne vorhergehende Kritik, auch nicht anders nehmen konnte. Wenn aber
die Kritik nicht geirrt hat, da sie das Objekt in zweierlei
Bedeutung nehmen lehrt, nämlich als Erscheinung, oder als
Ding an sich selbst; wenn die De.duktion ihrer Verstandesbegriffe richtig ist, mithin auch der Grundsatz der Kausalität
20 nur auf Dinge im ersten Sinne genommen, nämlich sofern sie
Gegenstände der Erfahrung sind, geht, eben dieselben aber na.ch
der zweiten Bedeutung ihm nicht unte'l'worfen sind, so wild
XXVIII) eben derselbe Wille in der I Erscheinung (den sichtbaren Handlungen) als dem Naturgesetze notwendig gemäß und sofern
nicht frei, und doch andererseits, als einem Dinge an sich
selbst angehörig, jenem nicht unterworfen, mithin als frei
gedacht, ohne daß hierbei ein Widerspruch vorgeht. Ob ich nun
gleich meine Seele, von der letzteren Seite betrachtet, durch
aus seiner Wirklichkeit, oder a pliori durch Vernunft} beweisen
könne. Aber denken kann ich, was ich will, wenn ich mir nur
nicht selbst widerspreche, d. i. wenn mein Begl'iff nur ein möglicher Gedanke ist, ob ich zwar dafiir nicht stehen kann, ob im
Inbegriffe aller Möglichkeiten diesem auch ein Objekt korrespondiere oder nicht. Um einem solchen Begriffe aber objektive Gultigkeit (reale Möglichkeit, denn die erstere war bio! die logische)
beizulegen, dazu wird etwas mehr erfordert. Dieses Mehrel'e abel'
braucht eben nicht in theoretischen Erkenntnisquellen gesucht zu
werden, es kann auch in praktischen liegen.
1) Erdmann: "notwendig gemachte".
keine spekUlative Vernunft (noch weniger durch empirische
Beobachtung), mithin auch nicht die Freiheit als Eigenschaft
eines Wesens, dem ich Wirkungen in der Sinnenwelt zmchreibe,
erkennen kann, darum weil ich ein so'lches seiner Existenz
nach, und doch nicht in der Zeit, bestimmt erkennen müßte,
(welches, weil ich meinem Begriffe keine Anschauung unterlegen kann, unmöglich ist), so kann ich mir doch die Freiheit
denken, d. i. die Vorstellung davon enthält wenigstens keinen
Widerspruc/> in sich, wenn unsere kritische Unterscheidung
beider (der sinnlichen und intellektuellen) Vorstellungs arten 10
und die davon herrührende E1:nschränkung der reinen Verstandesbegriffe, mithin auch der am ihnen fließenden Grundsätze, statt hat. Gesetzt nun, die Moral setze notwendig Freiheit
(im strengsten Sinne) als Eigenschaft unseres Willens voram,
indem sie praktische in unsel/"er Vernunft liegende ursprüngliche Grundsätze als Data derse11Jen a prim anführt, die ohne
Voramsetwng der Frei I heit schlechterdings unmöglich wären, (B XXIX)
die spekUlative Vernunft aber hätte be1viesen, daß diese sich
gar nicht denken laRse, so muß notwendig jene Voratt8setzung,
nämlich die moralische, derjenigen weichen, deren Gegenteil 20
einen offenlJaren Widerspruch enthält, folglich Freiheit und
mit ihr Sittlichkeit (denn deren Gegenteil enthält keinen
Widerspruch, wenn nicht schon Freiheit voramgesetzt wird,)
dem Naturmechanismus den Platz einräumen. So aber,
da ich zur Moral nichts weiter brauche, als daß Freiheit sich
nur nicht se11Jst widerspreche, und sich also doch wenigstens
denken lasse, ohne nötig zu haben. sie weiter einz'U-sehen, daß
sie also dem Naturmechanismus wen derse11Jen Handlung (in
anderer Beziehung genommen) gar kein Hindernis in den Weg
lege: so behauptet die Lehre der!) Sittlichkeit ihren Platz, und 30
die Naturlehre auch den ihrigen, 1velches aber nicht stattgefunden hätte, wenn nicht Kritik uns zuvor von unserer unvermeidlichen Unwissenheit in Ansehung der Dinge an sich selbst
belehrt, und alles, was wir theoretisch erkennen können, auf
bloße Erscheinungen eingeschränkt hätte. Eben diese Erörterung
des positiven Nutzens kritischer Grundsätze der reinen Vernunft
läßt sich in Ansehung des Begriffs von Gott und der einfachen Natur unserer Seele zeigen, die ich aber der Kürze
1) Valentiner: "von der".
AIJ11J"" vorbeigehe. 1cA mnn ,.., I Go". Freih.i, tmd Un·
".rblichk.i' sum Btlwuf du ~ e n " . ~ (h..
brClUChl meiner Vemun# Mehl eitlmal a"n.hm.n. wenn iM
nichI"lp6~VtJrfWnft ngleicA w.AfIIIltJ/Jung üb""•
•t1rMengUcAer ~ b.n.Am., U1fIÜ aN ftcA, um sudieeen
zu geltJngen, aolcher Gnmt.iIdIu bedMnen mup, die, Wem aN
in . . Pal bloP tJtJ,f (hgenattIrtde miigUc'Iaer 1IJrfalwung reiMen,
wenn aN gleic1w1oM tJtJ,f da CHlfetI7CInt.U tHI'den, tDCI8 nichI ein
~ . . 1IJrfalwung . . Ann, wWicA dieHI jetltneil
10 in 1IJr~~ tmd so tIlIe prak,i.ch. lCrwe',••
runll . . reinen V tJrfWn# für unmögUcA erwaren. IcA muPle
aMo da W i ••• n atl/AtiJen, um SfIfII Glau".n platz su l1el:ommen, tmeP) . . ])ogmt;INmw . . MeltJph"Bt1e, tI. i. da
VonwIeiI, in i1w ohne Krinl: . . reinen V""",,,# forlZUl:ommen, NI cUc tDfiIw, Quelle t.JUe. . . MoraIiItiI wider.
weilentlen UnglmWene," i ~ /IM BeM ~ .... Wenn u also mil einer ntJcA MfJ/JgOO." KrilÜ" reinen
VtJrfWn/l OOgeffJ/Jeen ",BIemtJIi8c11.en MdtJlphgnk eben nichI
.ar1W1tJr • • kann, . . N adaI:ommenscAtJ# • Vermcic1ImiI su
00 Mn.IerltJuen, so VI tJiu Mn /Ur gering _ ~ GucAenl:;
man mtJ{/ nun bloP auf die KuUur . . Vemun# tJurcA .Jen
ftcAeren GG'IIfl einer WielenecAtJ# über~" in Verg~
DXl) mit tkm ~ Pappen tmd leichlftnrri Ium H"""";'fen
der.elben ohne Krin1c .e1aen, otler ~ atI/ bUB"". Zeila.ritDen.Jung einer wi/IbegUrigen Jugttnil, die beim g8tl1Ö1ml.ichtm
DogmtJlimaw so ~ t.mtl so viel Aufmumerung bekomme,
üb"" Ding., tJat10n aN nichtB fJ6f'8I8AI, tmd darin aN, so tDN
niemt.mtJ in . . Weil, tJUM nie eltDtJB eitve1aen tDirtJ, bequem
su fJemiln/feln, otler fItJf' auf 1IJr/inrJtmg neuer GedtJnleen tmd
80 Meinungen aunuge1aen, und so tlie 1IJrlernung grüfIdlicAer
WwenechtJ/Ien _verab8äumen; 11m meiBten 00"", wenn man
.Jen utl8cMtzbcmm VorleÜ in AnacMa,g bringe, allen ICinwiJrfen
wider ~ t.mtl Religion tJtJ,! .ol:rali.ch. An, tICitnUch
tJurcA .Jen kltJr8len BeweiB der UmDiueMeil der Gegner, tJtJ,f
alle I:ün/tige ZeiI"n ICntk su mtJcAen. Denn irgend eine MeItJph1lnl: NI immer in . . Weil gewuen, tmd tDWtJ tmeh tD01aI
ferner. mil ihr 00"" auth eina Dialeleäk . . reinen V"""""",
wea aN w natürlicA .." darin MUl.tltlrtffen ftin. lC. NI ,..,
(B XXX)
1) Erdmann: "denn der".
die erBte und fJ1ichtigBte Angelegenheit der PMlosopAie, einmal
für aIlemtJZ tJw dadurch, aa,/J m«m die QueUe der 1rrliimer
tJtII'*Pft, aUen nachteiligen Emflu/J zu benehmen.
Bei diuer wichtigen Veräfldertmg im Pelde der Wi&9mBMo.ftm, und dem VerJuBte, den spelcuZatifJ8 Vernunft t.m
ilwem bNher eingebildeten Buitu erkiden mu/J, bleibt dtmtaoch (B
aUu mil der aUgemeinen I m8f&8c1aUchen Angelegenheit, und xXXD)
dem Nutzen, den die Welt bisher GU8 den LiIwm der reinen
Vemunft ~, in demBeZbtm 9H1'I't8iUIa/ttm Zustande. ale u
iemaZtm tDar, und dtJr VerZtm trifft ftUt' das M onopoJ der 10
S clauJen. keit'&Utt1eg8 aber das Inter eBBe der M enBehen.
Ich frage den tmbiegBtJmBttm Dogmatiker, Ob der BeweiB t10ft
der Fortdauer tmBeNr Suk nach dem Tode GU8 der Einfach1tat
d6f' Su1NJtf.mz, Ob der f10ft der Preiheit du W ülenB gegen den oll·
gemeinenMec1wmi8m... durch die Bttbtütm, Ob&tDar olmmälJhtigen
UmeraMeitlungen Bflb;ektWer und ob;ekm1er praktiBcAer NottDefldig1ceil, oder Ob der t1Of'I& DtJBeift Gottu a... dem Begriffe
tÄftU allerrealeten W U8fl8, (der ZufäZUg1ceil du VerdnderUchen,
und der NotIDtJn,tjigkeil tÄftU erBten BewegerB,) ftachdem Bie
t10ft den Sc1wlett, tJfJBgingm, jemale haben bis zum PtlbU1Dum W
gelangen und auf duaen tJb~ den mit'lduteft Eiftflu/J
haben körmen, 18t diuu nun mMt guchehMl" und kiJfm u
auch, tDegen der Uma'lJ{lZic1akeit du ~ M8f&8MmtJe1'Btandu zu 80 Btlbßkr SpekuZatitm, ftiemale er1Dartet werden;
hat t1Wme1w, fDtI8 das erBtere betrifft, die jedem M8f&8chen
bemerl:Kc1ae Anlage Beiner Natur, durch das Zeitliche (ale zu
den AftZagm BNaer gMlUft Bemmmung unztl1iJngUc'h) nN
zu/rietltm guteUt ~ zu kcJnnen, die Hoff'flllJ#lg einu (B
1cünftigen LebenB, inAt'&8Mung MB ~ die bZo/Je I 1cZare XXXIIl)
Dar8teUung der Pflitihttm im Geg8f&8atu aller AfI81Jt'ÜC1ae der SO
NeigvwJen das BefD'U/JIBein der Preilaeit, und mtlKch, fDtI8
das dri#e aNangt, die herrliche Ordnung, ScMMeit und Für·
8orge, die allertt1drt8 in der Natur hervorbKc1ct, allein den
Glauben (1ft einen weiBtm und gro/Jen WeZturlaeber, die riM
au/B PtlbZi1Dum tJtII'breittmtle tJberr.eugung. 80fern Bie auf
Vemrm/fgriifltleft bet"ll1ll, gcma allein bewir1cm müum: 80 bleibt
ja ftic1at alleitI diuer B.... Uf&(JUIIJrl. 80ndem er gewimaI f1iel.
meAr dadurc1a tIoeA (1ft AMe1atm, dafJ die Sc1wlett, tWnmeIw
btJMrt ~ aWa Wtae höMre und GUBgebreitetere EinBiclat
in einem Pwa1cIe MlZ/IlIII4!Jen, der die aUgemeif&8 mtm8c1aUMe 40
Angelegenheit betrifft, als dieienige ist, zu der die (J1'oße (fWr
uns achtungSWÜ'T'digste) Menge a'UCh wen so leiche gelangen
kann, und sich also auf die Kultur dieser allgemein faßlichen
und in moralischer Absicht hinreichenden Bewei.9gründe
allein einzuschränken. Die Veränderung betrifft also bloß die
arroganten Ansprüche der Schulen, die sich gerne hierin (wie
sonst mit Recht in melen anderen Stücken) fiilr die alleinigen
Kenner und Aufbewahrer solcher Wahl'heiten möchten halten
lassen, von denen sie dem Publikum nur den Gwrauch mitteüen,
10 den Schlüssel derselben aber fWr sich behalten (quod mecUffl
nescit, solus tfult scire mderi). Gleichwohl ist doch auch für
XXXIV) einen I billigeren A nspr'UCh des spekulativen Philosophen gesorgt.
Er bleibt immer ausschließlich Depositär einer dem Pttblikum
ohne dessen Wissen nützlichen Wissenschaft, nämlich der
Kritik der Vernunft; denn die kann niemals populär werden,
hat aber auch nicht nötig, es zu sein; weil, so wenig dem Volke
die fein ge.sponnenen Argumente für nützliche W cihrheiten in
den Kopf wollen, wensowenig kommen ihm a'UCh die wen so
subtilen Einwürfe dagegen iemals in den Sinn; dagegen, weil
20 die Schule, so wie feder sich zur Spekulation erhebende Mensch,
unvermeidlich in beide gerät, iene dazu vet'bunden ist, durch
gründliche Untersuchung der Rechte der spekulativen Vernunft
einmal fWr allemal dem Skandal vorzuheugen, das über kwrz
oder lang selbst dem Volke aus den Streitigkeiten aufstoßen
muß, in welche sich Metaphysiker (und als solche endlich (/,'UCh
wohl Geistliche) ohne Kritik unausblet'blich verwickeln, und
die selbst na~hher ihre Lehren verfälschen. Durch wiese kann
nun alleindemM aterialismus, Fatalismus, Atheismus,
dem freigeisterischen U nglaub en, der Schwärmerei und
30 Aberglauben' ), die allgemein schädlich werden können,
zuletzt auch dem Idealismus und Skeptizismus, die mehr
den Schulen gefährlich sind und schwerl,ich ins Puhlikum
übergehen können, selbst die Wurzel abgeschnitten werden.
XXXV) Wenn Regierungen I sich ia mit Angelegenheiten der Gelehrten
zu befassen gut finden, so 1Cürde es ihrer weisen Fürsorge für
Wissenschaften sowohl als Menschen weit gemäßer sein, die
Freiheit einer solchen Kritik zu begünstigen, wodurch die
Vermmftbearbeitungen allein auf einen festen Fuß gwracht
1) Valentiner: "dem Aberglauben".
werden können, als den lächerlichen Despoti8m'U8 der Schulen
zu unter8tützen, welche übet· öffentliche Gefahr ein lautes
Geschre·i erheben, wenn man ihre Spinneweben zerreißt, von
denen doch das Publikum niemals Notiz genommen hat, und
deren Vcrl'U8t e8 al80 auch nie fü!den kann.
Die Kritik i8t nicht dem dogmati8chen Verfahren der
Vernunft in ihrem reinen Erkenntni8 al8 Wissenschaft entgegengesetzt, (denn diese muß jederzeit dogmatisch, d. i. aus
8icheren Prinzipien apriori strenge beweisend sein,) sondern
dem Dogmati8mus, d. i. der Anmaßung, mit einer reinen
Erkenntnis aus Begriffen (der philosophischen), nach Prinzipien, so wie sie die Vernunft längst im Geb-rauche hat, ohne
Erkundigung d.er Art und des Rechts, womit1 ) sie dazu gelangt
ist, allein fortzukommen. Dogmatism'U8 ist also das dogmatische
Verfahren der reinen Vernunft, ohne vorangehende Kritik
ihres eigenen Vermögens. Diese Entgegensetzung soll daher
nicht der geschwätzigen Seichtigkeit, unter dem angemaßten
Namen der Popu Ilarität, oder wohl gar dem Skeptizismus, der
mit der ganzen Metaphysik kurzen Prozeß macht, das Wort
reden; vielmehr ist die Kritik die notwendige vorläufige Veranstaltung zur Beförderung einer gründlichen Metaphysik als
Wissenschaft, die notwendig dogmatisch und nach der strengsten
Forderung systematisch, mithin schulgerecht (nicht populär)
ausgeführt werden muß: denn diese Forderung an sie, da sie
sich anheischig macht, gänzlich apriori, mithin zu völliger
Befriedigung der spekulatitlfm Vernunft ihr Geschäft auszuführen, ist unnachläßlich. In der Ausführung also des Plans,
den die Kritik vorschreibt, d. i. im künftigen System der Metaphysik, müssen wir dereinst der strengen Methode des berühmten
Wo l f, des größten unter allen dogmatischenPhilosophen, folgen,
der zuerst da.~ Beispiel gab, (und durch dies Beispiel de-r Urheber des bisher noch nicht erloschenen Geistes der Gründlichkeit
in Deutschland wurde,) wie durch gesetzmäßige Feststellung
der Prinzipien, deutliche Bestimmung der Begriffe, versuchte
Strenge der Beweise, Verhütung kühner Sprünge in Folgerungen der sichere Gang einer Wissenschaft zu nehmen sei, der
auch eben darvm eine 8olcl~e, als Metaphysik ist, in diesen
Stand zu versetzen vorzüglich geschickt war, wenn es ihm
1) Grillo: "wodurch".
beige/aUen wäre, durch Kritik deB Orgam, nämlich der reinen
V M'mmft I Be1bBI. rich daa Feld, fJOf'Mr zu bereiten: ein Mangel,
der mMlBowohli1am. als tnelmehr der dogmatiBchm Dmkungs.
an SeifUIB ZeitaUers beizumessen iBt. und darilber die Phüosophm seiner sowohl. als aller f1Of'igm Zeilen einander mchIs
fJOf'Zuwer/en habm. Diejenigen. welche seme Le1wan und doch
zugleich atteh daa Ver/ahren der Kritik der reinen VerßUnft
tJeJrWerfen. können mchts anderea im Sinne habm. als die
Fesseln der Wissenschaft gar abzuwerfen. Arbeit in Spiel,
10 GewiIJheit
Meinung und Philosophie in Philodozie zu
t16I"Wandeln.
WaB diese zweite Auflage betrifft. 80 habe ich. wie
billig. die Gelegenheit derselbm nicht tlorbei laBsm wollen, um
den Schwierigkeiten und der Dunkelheit BO tliel möglichI) abzuhelfm, woraus manche MifJdeutungen entsprungm Bein mögm,
welche BcharfsimKgm Mänßem, tlieUeicht mcht ohne meine
Schuld. in der Beurteilung diesea Buchs aufgeatoIJen sind.
In den Sätzm selbst und ihrm Beweisgründen, imgZeichm der
Form aowohl als der Vollständigkeit deB Plans, habe ich mchts
W zu ändem gefunden.. welchea teils der langm PriJ,ftmfl, der ich
sie unterworfen hatte, ehe ich er) dem P1J1JZikum vorlegte. teils
der Beachaffenheit der Sache selbst. nämlich der N tJtur einer
reinen BPekulatitlm Verwu.nft, beizumessm iBt. die einen wcilwm
Gliederbau enthält. worin alles Organ iBt. nämlich alles um
eifUIB willm und ein I jedes Einzelne um aller willm. mithin
jede noch so kleine Gebrechlichkeit, sie Bei ein Fehler (Irrtum)
oder Mangel, rich im Gebrauche unausbleibZic1a tlerraten muIJ.
In dieaer Utwercinderlichkeit wird rich dieaea System. wie ich
ho/fe. auch fernerhin behaupten. Nicht Eigendünkel. Bondem
80 bloIJ die EtJide1&I:. welche daa Ewperfmem der Gleichheit deB
BesultatB. im Ausgange flOß den mindeatm Elernen.ten biB
zum Gtmzm der reinen Vernunft. und im Rückgange t:am
Ganzm (denn auch diesea iBt für sich durch die Endabsicht
derselbm im Praktischen gegebm) zu jedem Teile bewirkt,
indem der Versuch. auch nur den 1deimten Teil aba:uändem.
sofort. Wider8'prüche. mMI bloIJ deB Sy8tem8. 8011dern der all.
gemeinen M~nft herbeijilhrl. berechtigt miM zu
nl'VIIl)
1) Kehrbach: "als möglich": Vorländer: "wie möglich".
I) Erdmann: "sie"; Görland: "dieses Buch".
diesem Vertrauen. Allein in der Dar.tellung i8t noch viel
zu ,"n, und hierin habe ich mit die8er Auftage Vet'bes8erungen
t1erBtAChl, welcÄ6 eeilB dem Mi/Jver8tfJhld6 der Ä8ehetik, vornehmlich dem im Begriffe der Zeit, eeilB der Dunkelheit der Deduktion
der Ver.lcmdubegrille, eeilB dem tJef'meintUchen Mangel einer
genüg.amen Evidenz in den BeweiBen der GrundBätze des
reinen Vemaftdes, teils endUch der Mißdeutung der der
raeionalen P.ychologie tJOf'gerückten Paralogismen abMlfen
80llen. Bis 'Met-her (fl6mlich nur biB zu Ende des er8ten H awpt.eückB der wanszen I dentalen Dialektik) und weiter nicht er8trecken sich meine Abänderungen der Dar.tellung8art""), weil
<XXXIX)
*) Eigentliche Vwmehnmg, aber doch nur in der Bewei8art.
kl1nnte ich "Uf' die nennen, die ich durch eine neue Widerlegung
des IJBYChologischm Ideali.mu., und einen .wengen (wie ich
glallbe awch eiflZig möglichen) Bewei. von der objektiven Realitllt
der 4u1eren .AtI8chavu?ig S. 2'/9 gemacht habe. Der Idealismus
mag in .AftleI&Uf&g der wuentlichen Zwecke der Metaph'!J8ik für
noch '0 UfIIJchMldig gehaUen werden. (dar er in der Tat nicht
ist,)
bleibe 6B immer ein Skandal der Philosophie und allgemeinen MenrchmtJemunft, dar DaBein der Dinge au1er uns (von
denen wir doch de7t ganzen Stoff zu Erketlntni8Ben Betb.t für
u7l8eren inneren Sin" her haben) blo1 auf Glauben annehmen
zu mÜBBen, und, wenn f8 jemand ei?ifitllt e. zu bezweifeln. ihm
keinen genugtuenden BeweiB entgegensteUen zu können. Weil,ich
in den AUBdrücken des BeweiBes von der dritten Zeile biB zur
'eehrten einige Dunkelheit findet, so bitte ich diesen Periodl)
umzuändern: "DieBes Beharrliche aber kann nicht eine
An.chauung in mir sein. Denn alle Be,timmung,gründe meineB Dasein" die in mir angetroffen werden
kannen, .ind Vor8tellungen, und bedurfen, als 8olche,
selbst ein von ihnen unter.chiedenes Beharrliches.
worauf in Beziehung der Wechsel der.elben. mithin
mein Da.ein in der Zeit, darin sie wechseln. bestimmt
werden könne." Man wird gegen die.en BeweiB verfl'l1dlich
.agen: ich bin mir doch nur de8Sen, war in mir iBt, d. i. meiner
Vor.tellung 4u1erer Dinge, unmittelbar bewuptj folglich bleibe
immer noch U1la'l48gemacht, ob etwar ihr Korr6Bpondierendes
au1er mir sei, oder nicht. Allein ich I bin mir meines Da- (B XL)
Bein. in der Zeit (folglich auch der Be.timmbarkeit demlben
in dieser) durch innere Erfahrung bewult, und die.e. ist
1) Rosenkranz: "diesen Perioden"; Hartenstein: "diese
Perioden"; Erdmann: "diese Periode".
Kant, Kritik der reinen .VemlUlft.
(B XL)
I die Zeit zu kurz und mir in Anaehung des übrigen auch kein
Mißverstand scwhkundiger 1md unparteii I scher Prii,fer vorgekommen war, welche, auch ohne daß ich sie mit dem ihnen
(B XLII) gebührenden Lobe nennen I darf, die Rücksicht, die ich auf
ihre Erinnerungen genommen habe, schon von selbst an ihren
Stellen antreffen werden, Mit dieser Verbesserung aber ist ein
kleiner Verlust für den Leser verbunden, der nicht zu verhüten
war, ohne das Buch gar zu voluminös zu mcwhen, nämlich, daß
verschiedenes, was zwar nicht wesentlioh zur Vollständigkeit
10 des Ganzen gehört, manoher Leser aber doch ungern missen
möchte, indem es sonat in ande1'er Absioht brauchbar sein kann,
hat weggelassen oder abgekürzt vorgetragen werden mÜRsen. um
meiner, wie ich hofte, 1'etzt faßlicheren Darstellung Platz zu
machen, die im Grunde in Ansehung der Sätze und selbst ihrer
Bewe1:sgTÜnde schleohterdings nichts 1!erändert, aber dOM in der
(B XLI)
mehr, als blof/ mich l ) meiner Vorstellung bewuf/t zu sein, doch
aber einerlei mit dem empirischen Bewufltsein meines
Daseins, welchp-B nur durch Beziehung auf etwas, was mit
meiner Existenz verbunden, auf/er mir ist, bestimmbar ist.
Dieses Bewuf/lsein meines Daseins in der Zeit ist also mit dem
Bewuf/tsein eines Verhältnisses zu etwas auf/er mir identisch verbunden, und es ist also Erfahrung und nicht Erdichtung, Sinn
und nicht Einbildungskraft, welches das Äuf/ere mit meinem
inneren Sinn unzertrennlich verknüpft,. denn der äuflere Sinn
ist schon an sich Beziehung der Anschauung auf etwas Wirkliches auf/er mir, und die Realität desselben, zum Unterschiede
von der Einbildung, beruht nur darauf, daf/ er mit der inneren
Erfahrung selbst, als die Bedingung der Möglichkeit derselben
tmzertrennlich verbunden werde, welches hier geschieht. Wenn
ich mit dem intellektuellen Bewuf/tsein meines Daseins,
in der Vorstellung Ich bin, welche alle meine Urteile und Verstandeshandlungen begleitet, zugleich eine Bestimmung meines
Daseins durch in tellektuelle A nsch auung verbinden könnte,
so wäre zu derselben das Bewuf/tsein eines Verhältnisses zu etwas
auf/er mir nicht notwendig gehörig, Nun aber jenes intellektuelle
Bewuf/tsein zwar vorangeht, aber die innere Anschauung, in der
mein Dasein allein bestimmt werden kann, sinnlich und an Zeitbedingung gebunden ist, diese Bestimmung aber, mithin die
innere Erfahrung selbst, von etwas Beha'frlichem, welches in mir
nicht ist, folglich nur in etwas aufler I mir, wogegen ich mich
in Relation betrachten mUf/, abltängt: so ist die Realität des
1) Hartenstein: "mir".
Methode des Vortrags hin und wieder so von der vorigen
abgeht, daß sie durch Einschaltungen sich nicht bewerkstelligen
ließ. Dieser kleine Verlust, der ohnedem, nach iedes Belieben,
durch Vergleichung mit der e1'sten Auflage ersetzt werden kann.
wird durch die größere Faßlichkeit, wie ich hoffe, 'Überwiegend
ersetzt, lch habe in verschiedenen öffentlichen Schriften (teils
bei Gelegenheit der Rezension mancher Bücher, teils in besonderen Abhandlungen) mit dankbarem Vergnügen wahrgenommen, daß der Geist der Gründlichkeit in Deutschland nicht
erstorben, sondern nur durch den Modeton einer geniemäßigen 10
Frei I heit im Denken auf kurze Zeit 'Überschrieen worden, (B XLIII)
und daß die dornigen Pfade der Kritik, die zu einer schulgerechten, aber als solche allein dauerhaften und daher höchst.
notwendigen Wissenschaft der reinen Vernunft führen, mutige
und helle Köpfe nicht gehindert haben, sich derselben zu
äufleren Sinnes mit der des inneren, zur Möglichkeit einer Erfahrung überhaupt, notwendig verbunden: d. i. ich bin mir eben
so siclter bewuflt, dafl es Dinge aufler mir gebe, die sich auf
meinen Sinn beziehen, als ich mir bewujlt bin, dajl ich selbst in
der Zeit bestimmt existiere. Welchen gegebenen Anschauungen
nun aber wirklich Objekte aujler mir korrespondie'ren, und die
also zum äufleren Sinne gehören, welchem sie und nicht der
Einbildungskraft Z'Uzu8chreibe11 sind, mufl nach den Regeln, nach
welchen Erfahrung überhaupt (selbst innere) von Einbildung
unterschieden wird, in jedem besonderen Falle ausgemacht werden,
u'obei der Satz: dafl es wirklich äujlere Erfahrung gebe, immer
zum Grunde liegt. Man kann hiezu noch die Anmerkung fügen:
die Vorstelllmg '1:on etwas Beharrlichem im Dasein ist nicht
einerlei mit der beharrlichen Vorstellung; denn diesel)
kann sekr wandelbar und wechselnd sein, wie alle mIsere ttnd
selbst die Vorstellungen der Materie, und bezieht sich doch auf
etwas Beharrliches, welches also ein von allen meinen Vorstellungen unterschiedenes und äufleres Ding sein mujl, dessen
Existenz in der Bestimmung meines eigenen Daseins notwendig
mit eingeschlossen wird, und mit derselben nur eine einzige Erfahrung ausmacht, die nicht einmal innel'lich stattfinden würde,
wenn sie nicht (zum Teil) zugleich äujlerlich wäre. Das Wie?
läßt sich hier ebensowenig weiter erklären, als wie wir überhaupt
das Stehende in der Zeit denken, dessen Zugleichsein mit dem
Wechselnden den Begriff der Veränderung hervorbringt.
1) Wille: "jene"; Erdmann: = "die Vorstellung von etwas
Beharrlichem".
bemeistern. DieBen verdienten Männem, die mit df!/l' GrihId·
lichk6it df!/I' Einsicht noch das Talent einer lichtvollen DM·
stellung (dessen ich mir eben nicht bewußt bin) so glücklich
verbinden, trof!/l'lasBe ich meine in Ansehung df!/I' letzteren hin
u1ld wiedf!/l' etwa noch mangelhafte Bearbeitung zu txJUenden,.
denn wid.(!jf'legt zu werden ist in di68em Falle keine Gefahir, wohl
aber nicht Vf!/l'standen zu wf!/l'den. Meinerseits kann ich mich
auf Streitigkeiten von nun an nicht einlassen, ob ich ZWM auf
aUe Winke, 68 sei von Freu1lden odf!II' Gegnern, sorgfältig achten
10 werde, um sie in df!/l' künftigen AusjijJwung des Systems cUe8f!II'
Propädeutik gemäß zu benutzen. Da ich währe1ld M68f!/1'
Arbeiten schon ziemlich tief ins Altf!/l' fortgrickt bin (in di68em
Monat ins mcrundBechzigste JaJw,) so muß ich, wenn ich
meinen Plan, die MetOlphysik der Natur sowohl als df!/I' Sitten,
als Bestätigung der R~chtigkeit df!/l' Kritik df!/I' spekulativen
sowohl als praktischen V f!/I'nunft, zu lieff!/l'n, ausführen will,
mit df!/I' Zeit spMsam vf!/I'faJwen, u1ld die AUfhellung sowohl
XLIV) df!/l' in di68em W f!/I' I ke anfangs kaum tJf!II'meidlichen Dunkelheilen, als die V f!/I'teidigung d68 Ganzen von den tJf!II'diemen
20 Männem, di-e 68 sich z1l eigen gemacht haben, 6'f'WMten. An
einzelnenStellen läßt 8ich jedf!/l' philosophische Vortrag zwacken,
(denn f!/I' kann nicht so gepanzert auftreten, als df!/I' mathematische,) indessen, daß doch df!/I' Gliedf!/l'bau des System8, als
EinhP.it betrachtet, dabei nicht die mindeste GefaJw läuft, zu
dessen Obf!/l'sicht, wenn es neu ist, nur wenige die Gewa1ldtheit
des Geist68, noch wenigere abf!/l', weil ihnen alle Neuerung
ungelegen kommt, Lust beBitzen. Auch scheiooMe Widf!/I'sprüche lassen sich, Wenn man einzelne Stellen, aus ihrem
Zusammenhange gerissen, gegeneina1ldf!/l' vergleicht, in jedf!/l',
80 vornehmlich als freie Rede fortge1~e1lden Schrift ausklauben,
die in den Augen dessen, df!/I' sich auf fremde Beurteilung
vf!/I'läßt, ein nachteilig68 Licht auf dieBe wf!/l'fen, demjenigen abf!/l',
df!/I' sich. der Idee im Ganzen bemächtigt hat, sehr leicht auf·
zulösen si1ld. Indessen, wenn eins Theorie in sich B68ta1ld
hat, so dienen Wirkung u1ld Gegenwirkung, die ihr anfänglich.
große Gefahir drohten, mit der Zeit nur dazu, um ihre Unebenheiten abzuschleifen, u1ld wenn Bich Männf!/I' von U1lIPQIf't6üichkeit, Einsicht u1ld wahirf!/l' Popularität damit beschäftigen, ihr
in kurzf!/l' Zeit auch die f!/I'forderlieke Eleganz zu WJrBchaffen,
Königsberg, im Aprilmonat 1787.
(.A.XXIU)
seUe')
Einleitung . . . . . . . . . . .
I. Transzendenf4/e Elementar/ekre
ErBter Teil. Transzendentale .Äathetik
1. Abschnitt. Vom Raume . . . .
1. Abteilung. Transzendentale Analytik in zwei
Büchern und deren verschiedenen Hauptstücken
und Abschnitten. . . . . . . . . . . . 64
2. Abteilung. Transzendentale Dialektik in zwei
Büchern und deren verschiedenen Hauptst'ÜCken
und Abschnitten. . . • . . . . . . . . 293
1/. Transzendentale MethodenleItre . . . . . . . .
1. Hauptstilck. Die Disziplin der reinen Vernunft
2. Hauptstück. Der Kanon der reinen Vernunft •
1) Dieses Inhaltsverzeichnis befindet sich nur in A.
') Die Seitenzahlen sind die der ersten Ausgabe (A).
105 (.A. XXIV)
[nach Ausgabe A]
Erfahrung iBt ohne Zweifel das erste Produkt. welches unser
Verstand hervorbringt, indem er den rohen Stoff sinnlicher
Empfindungen bearbeitet. Sie ist eben dadurch die erste
Belehrung und im Fortgange so unerschöpflich an neu,em
Unterricht, daß das zusammengekeUete Leben aller künftigen
Zeugungen an neuen Kenntnissen. die auf diesem Boden
10 gesammelt werden können. niemals Mangel haben wird.
Gleichwohl ist sie bei weitem nicht das einzige Feld. darin sich
unser Verstand einschränken läßt. Sie sagt uns ZWar, was
da sei, aber nicht, daß es notwendigerweise, so und nicht anders,
sein müsse. Eben darum gibt sie uns auch keine wahre All·
gemeinheit, und die Vernunft, welche nach dieser Art von
(A 2) Erkenntnissen so begiet'ig ist, I wird durch sie mehr gereizt, als
befriedigt. Solche allgemeine Erkenntnisse nun, die zugleich den
O1MJJrakter der innern Notwendigkeit haben, müssen, von der
Erfahrung unabhängig, Vor sich selbst klat' und gewiß sein;
20 man nennt sie daher Erkenntnisse apriori: da im Gegenteil
das, was lediglich von der Erfahrung erborgt ist, wie man sich
ausdrückt, nur aposteriori, oder empirisch erkannt wird.
Nun zeigt es sich, welches überaus merkwürdig ist, daß
selbst unter unsere Erfahrungen sich Erkenntnisse mengen, die
ihren Ut'SPt'ung apriori haben müssen und die vieUeicht nur
dazu dienen, um unsern Vorstellungen der Sinne Zusammen·
hang zu verschaffen. Denn wenn man aus den et'steren auch
alles wegschafft, Was den Sinnen angehört, so bleiben dennoch
gewisse urspt'Üngliche Begriffe und aus ihnen erzeugte Ut'teile
30 übrig, die gänzlich apriori, unabhängig von der Erfalvrung
entstanden sein müssen, weil sie ma,chen, daß man von den
Gegenständen, die den Sinnen erscheinen, mehr sagen kann.
[nach Ausgabe B]
Daß alle unsere Erkenntnis mü der Erfa1llrung anlange,
daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur A tlSübung erweclet werden, geschähe es
nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teüs
von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere V er,~tandes·
tätigkeit l ) in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu 10
verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher
Eindrücke zu et~ne.r Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten,
die Er/alvrung heißt? Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis
in uns vor der Erfa1llrung vorher, und mit dieser fängt alle an.
Wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfa1llrung
anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle. aus de?'
Erfahrung. Denn es könnte wohl sein, daß selbst unsere
Erfalvrungserkenntnis ein Zusammenge.setztes aus dem sei, was
wir durch Eindrücke empfangen, und dem, was unser eigenes
Erkenntnisvermögen (durch sinnliche Eindrücke bloß veran- 20
laßt) ans sich selbst hergibt, welchen Zusatz wir von ienem I
Grundstoffe nicht eher unterscheiden, als bis lange tJbung uns (B 2)
darauf aufmerksam und zur Absonderung desselben geschickt
gema.cht hat.
Es ist also wenigstens eine der näheren Untersuchung noch
benötigte und nicht auf den ersten Anschein sogleich abzufertigende Frage: ob es ein dergleichen von der ErfahlT'ung und
selbst von allen Eindrücken der Sinne unabhängiges Erkenntnis
gebe. Man nennt solche Erkenntnisse apriori, und unter1) Die fünfte Originalausgabe: "Verstandesfähigkeit".
Einleitung [nach Ausgabe Al
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Einleitung [nach Ausgabe B]
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imigm reift, denen gM nichIB Em~ beigemiacAl.... 80
ia' z. B. de

References: § 1
 § 2
 § 4
 § 9
 § 10
 § 13
 § 14
 § 15