Source: https://fvm.de/aktiv-gegen-missbrauch/fragen-und-antworten/
Timestamp: 2020-05-26 11:49:39+00:00

Document:
Fussball-Verband Mittelrhein | Fragen und Antworten
Unter sexuellem Missbrauch versteht man jede Form der Nichtachtung der sexuellen und individuellen Selbstbestimmung von Mädchen, Jungen, aber auch von Erwachsenen. Sexueller Missbrauch kann in der Verletzung individueller Grenzen liegen oder auch den nach deutschem Strafrecht strafbaren Bereich erreichen.
Die Grenzen der Strafbarkeit bestimmen sich im Wesentlichen nach dem deutschen Strafgesetzbuch (StGB). Die Grenzen der Strafbarkeit sind im 13. Abschnitt des StGB unter der Überschrift „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ zusammengefasst. Die folgenden Ausführungen beschränken sich auf einige wenige Aspekte und nehmen nicht für sich in Anspruch, einen vollständigen rechtlichen Überblick zu geben.
Strafbar und gemäß § 176 StGB mit Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren bestraft ist es, sexuelle Handlungen an einer Person unter 14 Jahren (Kind) vorzunehmen oder zu veranlassen, dass ein Kind sexuelle Handlungen an einem anderen vornimmt. Ebenso nach § 176 StGB strafbar ist es, auf ein Kind durch Schriften oder ähnliches einzuwirken, um es zu sexuellen Handlungen an sich, dem Täter oder einem Dritten zu bringen. Auch das Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen gegenüber Kindern ist strafbar. Unerheblich für die Strafbarkeit ist es, ob das Kind mit den sexuellen Handlungen einverstanden war oder nicht.
Wiederholungstätern drohen Freiheitsstrafen von nicht unter einem Jahr, § 176 a StGB.
Gemäß § 180 StGB ist es strafbar, sexuelle Handlungen einer Person unter 16 Jahren an oder von einem Dritten zu vermitteln oder ihnen Gelegenheit zu verschaffen.
Wer eine Person unter 18 Jahren dadurch missbraucht, dass er unter Ausnutzung einer Zwangslage sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder sich von ihr vornehmen lässt oder solche Handlungen an einem Dritten vornehmen zu lassen, wird gemäß § 182 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bestraft.
Strafbar sind darüber hinaus unter anderem exhibitionistische Handlungen (§ 183 StGB).
In Zeiten des Internets wird die Verbreitung pornographischen Materials häufig für harmlos gehalten. Auch dies ist nicht zutreffend. Wer pornographische Schriften einer Person unter 18 Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Dasselbe gilt für denjenigen, der solche Schriften an Orten zugänglich macht, an denen üblicherweise Personen unter 18 Jahren verkehren und die Schriften dort einsehen können. Solche Orte sind z. B. auch Vereinsheime.
Besitz und Verbreitung pornographischer Schriften, die sexuelle Handlungen von, an oder vor Personen von bis zu 18 Jahren zum Gegenstand haben (Kinder- und jugendpornographische Schriften) ist gemäß § 184 b und § 184 c StGB strafbar. Gemäß § 184 StGB ist es darüber hinaus auch strafbar, Fotos mit pornographischen Abbildungen herzustellen und sie Kindern oder Jugendlichen zugänglich zu machen.
Die meisten der Vergehen gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern sind sogenannte Offizialdelikte. Dies bedeutet, dass die Vergehen selbst dann verfolgt werden, wenn die Kinder oder deren Eltern eine Strafverfolgung nicht wünschen. Ob die Taten verfolgt werden, ist also nicht abhängig vom Wunsch des Opfers.
Nein! Jedes Kind und jeder Erwachsene hat das Recht auf eine umfassende sexuelle und individuelle Selbstbestimmung. Alles, was dieses Recht verletzt, ist verboten. Die Grenzen der Strafbarkeit bestimmen lediglich die äußersten Grenzen dessen, was innerhalb der Gesellschaft unter keinem denkbaren Aspekt mehr zulässig ist. Die Grenzen dessen, was gesellschaftlich verboten ist und auch im Fußball nicht vorkommen darf, sind erheblich weiter. Wer die Grenzen eines anderen verletzt, verhält sich verboten!
Verhaltensweisen, die wie oben die Grenzgefühle eines jeden verletzen, sind ausnahmslos zu unterlassen.
Wer merkt, dass er durch andere Verhaltensweise die Grenzen seiner Mitsportler verletzt, muss seine Verhaltensweisen ebenfalls sofort unterlassen. Dabei ist Sensibilität gefragt: Nicht jeder bringt ein „nein“ auf dieselbe Weise zum Ausdruck. Der eine äußert es klar und deutlich, der andere kann dies eventuell nicht.
Darf ich meine E-Jugendlichen nun nicht mehr nach dem Spiel in den Arm nehmen?
Doch, ich kann und darf meine Spieler auch weiterhin in den Arm nehmen, denn Körperkontakte sind nicht stets verboten. Bestimmte Verhaltensweisen gehören zum Sport, sie zeichnen eventuell sogar einen guten Trainer aus. Den Kindern nach einem guten Spiel auf die Schulter zu klopfen oder sie auch kurz in den Arm zu nehmen, ist normal und gehört zum Sport dazu. Ebenso Umarmungen nach Torjubel etc. Gerade im Kinderfußball kommt es häufig zu Situationen, in denen die Kinder Trost und Zuwendung brauchen. Der Trainer oder Betreuer, der nach einem Foul seinen weinenden Spieler in den Arm nimmt und tröstet, begeht keine Grenzverletzung, sondern verhält sich sozialadäquat. Anders ist dies aber schon dann, wenn diese Situation ausgenutzt wird.
Die Tatsache, dass im Sport erlaubtes, ja erwünschtes Verhalten und verbotenes Verhalten so eng beieinander liegen, führt allerdings zu einer gesteigerten Verantwortlichkeit insbesondere von Trainern und Betreuern. Wir haben einige grundsätzliche Verhaltensregeln zusammengetragen (Quelle:http://www.spiritofsport.ch):
Wie verhalte ich mich als Verein?
Wir im Verein sind verantwortlich für alle uns anvertrauten Menschen, insbesondere den uns anvertrauten Kindern. Setzen Sie sich daher aktiv für Maßnahmen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen im Verein ein. Nehmen Sie die Angebote des Verbandes an. Haben Sie dabei keine Angst davor, dass der Verein stigmatisiert wird, davor, dass die Kinder Ihrem Verein fernbleiben. Das Gegenteil wird der Fall sein: Ein Verein, der sich offensiv mit dem Aspekt der Prävention auseinandersetzt, wird auf Dauer für Eltern und Kinder attraktiver sein als ein Verein, der sich gemäß dem „Sankt-Florians-Prinzip“ verhält. Erörtern Sie dieses Thema im Kreis der Betreuer und Trainer! Schaffen Sie Transparenz auch in unangenehmen Themen.
Was mache ich als Verein, wenn es im Verein zu sexuellen Übergriffen kommt?
Ratschläge und Hinweise zum Verhalten bei vermuteten oder festgestellten sexuellen Übergriffen im Verein finden Sie auf unseren Informationsseiten für Vereine.

References: § 176
 § 176
 § 176
 § 180
 § 182
 § 184
 § 184
 § 184