Source: http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Kommentar:Jona_1
Timestamp: 2014-03-10 06:26:06+00:00

Document:
Kommentar:Jona 1 – Die Offene Bibel
Kommentar:Jona 1
Jona, der Fanatiker. Ein Kommentar zum Jonabuch
Vorbereitendes und Vorläufiges | Jona 1 | Jona 2 | Jona 3 | Jona 4
3.1 Jon 1,1-3
3.2 Jon 1,4-6
3.3 Jon 1,7-10
3.4 Jon 1,11-16
An den Leser::
Dies ist mein Kommentar. Das schreibe ich nicht aus Geltungssucht, sondern, weil es wichtig ist, dies im Hinterkopf zu behalten: Anders als hinter Studien- und Lesefassung der Offenen Bibel steht hinter diesem Kommentar und seiner Übersetzung nicht die Offene Bibel-Community, sondern nur ich.
Dies ist nicht mein Kommentar. Er ist offen - d.h., anders als klassische Kommentare steht er nicht fest, sondern will offen sein für Kritik, Anmerkungen, Diskussionen und Verbesserungen. Die geplante Infrastruktur für eine solche Textsorte ist momentan noch nicht vorhanden, aber einstweilen können Anmerkungen auf der Diskussionsseite hinterlassen werden.
--Sebastian Walter 13:06, 10. Sep. 2012 (CEST)
1,1 Ein weiteres Mal sprach Jahwe zu Jona ben Amittai〈a〉, nämlich:〈b〉 1,2 „Steh auf! Geh〈c〉 nach Ninive〈d〉, der großen〈e〉 Stadt〈f〉, und rufe gegen sie〈g〉, denn〈h〉 ihre〈i〉 Arg〈j〉ist bis zu mir hinauf gestiegen!“ 1,3 Also〈k〉 stand Jona auf - um nach Tarschisch〈l〉 zu fliehen, fort von Jahwe.〈m〉 Er ging hinab nach Jafo, wo zufällig〈n〉 gerade ein Schiff aus Tarschisch〈l〉〈o〉 im Begriff war〈p〉, einzulaufen.〈o〉 Er bezahlte seinen〈q〉 Preis und stieg in es hinab, um mit ihnen nach Tarschisch〈l〉 zu kommen, fort von Jahwe.1,4 Da jedoch schleuderte Jahwe〈r〉 einen großen Sturm auf das Meer hinab, so dass〈s〉 ein großer Seegang〈t〉 im Meer entstand. Als〈s〉 das Schiff zu zerbrechen drohte〈u〉, 1,5 fürchteten sich die Schiffsleute; ein jeder schrie〈v〉 zu seinem Gott〈w〉 - und um die See zu beschwichtigen〈x〉, schleuderten sie die Ladung〈y〉 vom Schiff hinab. Jona indes〈z〉 war nach Unterdeck〈aa〉 hinabgestiegen〈z〉 und lag ohnmächtig da〈ab〉. 1,6 Da nahte sich ihm der Kapitän〈ac〉 und sprach: „Was ist denn hier los?!〈ad〉 Warum〈ae〉 bist du ohnmächtig〈af〉?! Steh auf! Rufe zu deinem Gott! Vielleicht hilft uns ja dieser Gott〈ag〉, so dass wir nicht zugrunde gehen〈ah〉 müssen〈ai〉!“1,7 Daraufhin〈aj〉 fasste die Schiffsbesatzung einen Plan〈ak〉: „Kommt! Lasst uns losen, damit uns bekannt werde〈al〉, wer uns den ganzen Ärger eingebrockt hat〈am〉!“ Also losten sie - und Jona war es, den sie losten〈an〉. 1,8 Da sprachen sie: „Sag uns, du, der du uns den ganzen Ärger eingebrockt hast〈ao〉: Was für einen Auftrag führst du aus〈ap〉 und von woher kommst du? Aus welchem Land und von welchem Volk stammst du?“ 1,9 Er antwortete: „Ein Diener bin ich,〈ap〉 und Jahwe ist es〈aq〉, den ich fürchte:〈ap〉 der Himmelsgott〈ar〉, der das Meer und das Festland gemacht hat!“ 1,10 Da fürchteten sich die Männer mit großer Furcht〈as〉 und sprachen: „Wie konnest du das nur tun?!〈at〉“ - denn es war ihnen bekannt geworden〈al〉, dass es Jahwe war〈au〉, vor dem er floh (〈av〉er hatte es ihnen nämlich selbst erzählt). 1,11 Und sie fragten ihn: „Was obliegt uns〈aw〉, mit dir zu tun, damit〈ax〉 das Meer von uns ablassen könnte〈ay〉?“〈az〉 - denn das Meer stürmte immer heftiger〈ba〉. 1,12 Er antwortete: „Nehmt mich und schleudert mich ins Meer hinab, damit〈bb〉 es von euch ablässt. Denn es ist mir ja bekannt〈al〉, dass ich es bin, wegen dem〈bc〉 dieser große Sturm über euch gekommen ist.“ 1,13 Doch die Männer ruderten heftig〈bd〉, um zum Festland〈be〉 zurückzukehren. Jedoch: Sie vermochten es nicht, denn das Meer stürmte immer heftiger〈ba〉 gegen sie. 1,14 Da riefen sie Jahwe an〈bf〉: „Oh bitte, Jahwe - lass uns doch nicht zugrunde gehen〈ah〉 wegen dem Leben dieses Mannes und bringe nicht unschuldiges Blut〈bg〉 über uns! Denn du, Jahwe, hast so gehandelt, wie es dir gefiel〈bh〉“, 1,15 nahmen〈bi〉 Jona und schleuderten ihn hinab ins Meer. Und das Meer ließ ab von seinem Wüten. 1,16 Da〈bj〉 fürchteten die Männer Jahwe mit großer Furcht, opferten Jahwe Opfer und gelobten Gelübde.
zum Namen und seiner Bedeutung vgl. Diskussion 1 (Zurück zum Text: a)
wörtlich: „Und es erging das Wort JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.´s an Jona ben Amittai, besagend...“. Es handelt sich hier um eine in der Bibel gut bezeugte Konstruktion, die sogenannte „Wortereignisformel“. In der Regel wird mit ihr ausgedrückt, dass innerhalb einer kontinuierlichen Handlung durch ein überraschendes Eingreifen Gottes ein neuer Abschnitt des Handlungsverlaufes eingeleitet wird (vgl. Baldwin 2009, S. 552; Limburg 1993, S. 22f.; Tucker 2006, S. 11; Vanoni 1978, S. 126; Wendland 1996, S. 191). Deshalb, und da (1) das Jonabuch „presupposes knowledge of the figure of Jonah“ (Bolin 1997, S. 75) und (2) JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. in der Tat in der Bibel schon einmal zu Jona ben Amittai gesprochen hat, habe ich so übersetzt. (Zurück zum Text: b)
dies wird gelegentlich gelesen als Hendiadyoin, in dem das erste Wort als adverbiale Modifikation des zweiten fungiert; also etwa „Gehe schnell...“ (so etwa der NET-Kommentar und Tucker 2006, S. 13). So kann es ohne Zweifel gelesen werden; mit Jon 1,3 beginnt jedoch die sogenannte „absteigende Jonalinie“ (Deissler): Jona geht „hinab nach Jafo“, steigt „hinab ins Schiff“, sinkt „hinab zu den Füßen der Berge“ usw. Derart bildet der Befehl zur „Aufwärtsbewegung“ des Aufstehens hier mit dem Absteigen Jonas einen Gegensatz, weshalb dies wörtlich beibehalten werden sollte (vgl. ähnlich Pelli 1979/80, S. 19).Auch von einer Verbindung der beiden Befehle zu einem Satz (vgl. etwa EÜKurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern.: „Mache dich auf den Weg und geh...“) sollte man Abstand nehmen: Der MT hat hier einen sogenannten talîsa gadôlâ, einen starken disjunktiven Akzent (vgl. auch Christensen 2005, S. 2.). Dies ist bedeutsam (vgl. die Deutung), so dass die Aufteilung der Textstelle in zwei Sätze beibehalten werden sollte. (Zurück zum Text: c)
zu „Ninive“ vgl. den Kommentar zu Jon 3,2 (Zurück zum Text: d)
zu „groß“ vgl. den Kommentar zu Jon 3,3 (Zurück zum Text: e)
„die große Stadt“ wird im MT durch Akzentsetzung (konjunktiv unter „Stadt“, disjunktiv unter „der großen“ (vgl. auch Sasson 1990, S. 71) vom restlichen Vers abgehoben, weshalb ich hier mit „Ninive, der großen Stadt“ statt mit „der großen Stadt Ninive“ übertragen habe (Zurück zum Text: f)
Das „rufe gegen sie“, so unschön es stilistisch auch sein mag, muss beibehalten werden: „rufen“ ist eines der Leitwörter des Jonabuches, und ûqera´ `alêha hat eindeutig adversative Bedeutung. Es ist eine Anklage, die Jona hier der Stadt entgegenschreien soll, eine verbale Attacke. vgl. Christensen 2005, S. 2; Sasson 1990, S. 73ff.; s. auch 1 KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 13,4.32 (Zurück zum Text: g)
häufig heißt es hier, das kî würde den Satz hier mit „dass“ einleiten - „rufe gegen sie, dass ihre Arg...“. Wenn tatsächlich beide Möglichkeiten zur Verfügung stünden, wäre dennoch „denn“ vorzuziehen, da dies dem Stil des Jonabuchs besser entspricht (Rudolph 1971, S. 334). Wahrscheinlich steht diese zweite Möglichkeit aber auch gar nicht zur Verfügung: „It cannot, as it seems to do in some accounts, introduce direct speech: „declare against it that its citizens´ wickedness...“ In fact, this last way of translating kî is not available to Hebrew and should be deleted from the dictionaries.“ (Sasson 1990, S. 75; vgl. auch schon Ehrlich 1912, S. 263) (Zurück zum Text: h)
„dieses Pronomen steht hier im Maskulinum Plural statt im Femininum Singular, was deutlich macht, dass hier auf die Bosheit der Einwohner statt der Bosheit der Stadt Ninives selbst verwiesen wird (vgl. Tucker 2006, S. 14). Die NET-Bible hat daher auch das meiner Meinung nach sehr schöne „announce judgment against its people because their wickedness...“ (meine Hervorhebung). Das trifft den Text zwar gut, jedoch erschien mir „its people“ für „it“ als allzu interpretative Übersetzung, so dass ich es bei der traditionellen Übersetzungsweise belassen habe. (Zurück zum Text: i)
vgl. hierzu Diskussion 2 (Zurück zum Text: j)
Hinzufügung. Das wayyiqtol markiert hier die Progression der Erzählung. Der Gegensatz von scheinbar gewöhnlicher Progression im Versbeginn und dem mit dieser Erwartung brechendem Folgenden kommt durch die ausdrückliche Übersetzung mit „also“ noch besser zum Ausdruck (Zurück zum Text: k)
kursiv, da unsicher. Alternativ: „aufs Meer / vom Meer her“; vgl. Diskussion 3 (Zurück zum Text: l / l-2 / l-3)
wörtlich: „fort von Jahwe´s Angesicht“, aber vgl. Diskussion 4. (Zurück zum Text: m)
überlicherweise übersetzt mit „wo er ein Schiff fand“. Das Hebräische drückt hier aber auch die Bedeutungsnuance „zufällig auf etwas treffen“ aus (vgl. KBL3, S. 586; auch Tucker 2006, S. 16) Diese Nuance kommt in der obigen Übersetzung deutlicher zum Ausdruck und klingt zudem natürlicher. (Zurück zum Text: n)
Deutsche und englische Übersetzungen übertragen hier ausnahmslos mit „nach Tarschisch fahren“. Schlägt man aber bô in Lexika nach, wird hier für Qal primär nicht „gehen“, sondern „kommen“ angegeben (vgl. z.B. KBL3, S. 109, wo „gehen“ überhaupt nicht aufgeführt wird.). Es handelt sich hier also nicht um ein Schiff, das ohnehin gerade nach Tarschisch will, sondern um ein Schiff, das gerade von Tarschisch kommt (vgl. auch Person 1996, S. 32; Sasson 1990, S. 83f.; Tucker 2006, S. 16; ähnlich Christensen 2005, S. 3 („a ship going to (and from) Tarshish“). vgl. auch die Fußnote zu „seinen Preis“ (Zurück zum Text: o / o-2)
futur instans; vgl. Baldwin 2009, S. 553 (Zurück zum Text: p)
Das Suffix des Pronomens steht hier im Femininum; das Pronomen verweist also auf das Schiff. Das legt nahe, dass Jona nicht allein seinen Mit-fahr-preis, sondern den Preis für das ganze Schiff und seine Besatzung zahlt (vgl. auch Sasson 1990, S. 83f.; Tucker 2006, S. 17; so auch schon Ehrlich 1912, S. 264 („Nach den alten Rabbinen ist שכרה hier von der gesamten Einnahme für die Fahrt des Schiffes zu verstehen; vgl. Nedarim 38a. Demgemäss hätte Jona, weil ihm die Flucht sehr eilig war, dem Schiffskapitän, der auf mehr Passagiere und Kargo warten wollte, alles gezahlt, was solche ihm eingebracht haben würden, damit er sofort absegle.“). (Zurück zum Text: q)
„Da jedoch...“: Hinzufügung. Für den Einsatz dieses Verses hat der Autor die Konstruktion Waw - X - Qatal gewählt, die im Hebräischen häufig / in der Regel ein Diskontinuitätsmerkmal ist. Sie signalisiert, dass hier auf irgendeine Weise mit dem kontinuierlichen Verlauf eines vorangehenden Abschnitts gebrochen wird (vgl. z.B. Buth 1995Buth, Randall: Functional Grammar, Hebrew and Aramaic: An Integrated, Textlinguistic Approach to Syntax, in: Walter R. Bodine: Discourse Analysis of Biblical Literature. What It Is and What It Offers. Atlanta, 1995., S. 89.97-100). Der neue Abschnitt ab 1,4 muss adversativ zum Geschehen in 1,1-3 verstanden werden, das wird derart nicht nur an der Aussage des Textes, sondern auch an der Syntax deutlich. Jahwes Eingreifen in die Handlung läutet einen neuen, Vv. 1-3 entgegenstehenden Textabschnitt ein. (Zurück zum Text: r)
Die Inversion des Subjekts mit dem perfektischen Verb macht sowohl aus 1,4aα als auch aus 1,4b Vordersätze, auf die dann jeweils Sätze folgen, die die Folgen des im Vordersatz Geschilderten zum Ausdruck bringen (vgl. Wolff 1977, S. 83; auch Person 1996, S. 32). Daher „so dass“ und „Als das Schiff...“. (Zurück zum Text: s / s-2)
nach Wolff 1977, S. 87:„“Was bewirkt der Windwurf? Einen סַעַר. Das kann hier nicht den Windsturm meinen wie zumeist (Jer 23,19; Ps 83,16) [...]. Denn erstens verhalten sich der Wurf des Windes und das Entstehen des סַעַר zueinander wie Ursache und Wirkung [...] Zweitens wird der Wind „auf das Meer“ [...] geworfen, der סַעַר aber entsteht „im Meer“ [...] Drittens zeigt der verbale Gebrauch von סַעַר in 11b.13b, daß das Meer selbst sein Subjekt ist. Demnach meint סַעַר hier den hohen Seegang, die aufgepeitschten Wogen des Meeres.“; so auch schon Schegg (1854), S. 416. (Zurück zum Text: t)
wörtlich: „Das Schiff dachte zu scheitern“. „drohte“ (/„dachte“) wurde daher häufig für defektiv erklärt. Dagegen schreibt jedoch Bolin: “That personification, so much a common literary feature in many (if not all) languages, should be denied to Hebrew is puzzling. There are other examples of personification in the Old Testament. Most fitting for this context is Isa. 23.1, where Tarshish ships are commanded to wail.“ (Bolin 1997, S. 78; vgl. auch Sasson 1990, S. 96f.)
Weiterhin ist „drohte, zu zerbrechen“ im Hebräischen onomatopoetisch; es soll den Klang der vom Wasser gequälten krachenden Planken ausdrücken (so Sasson 1990, S. 96; vgl. ferner Trible 1995, S. 132 und Tucker 2006, S. 20); ein weiteres Indiz für den „eher lyrischen" Charakter auch des Prosateils des Jonabuches. Würde es nicht so unnatürlich klingen, könnte man es übertragen mit „als dass das Schiff zu zerkrachen gedachte“. Weder die Personifikation noch die Onomatopoesie scheinen hier aber bedeutsam zu sein, und es ist uns auch kein Kommentar bekannt, in dem sie als bedeutsam angesehen würden. Daher habe ich diese beiden Sonderfälle an unsere heutige Sprachnorm angepasst. (Zurück zum Text: u)
wörtlich: „Es fürchteten sich die Seeleute und es schrien ein jeder zu seinem Gott“ - Subjekt des Plural-prädikats „schreien“ ist das Singular „ein Jeder“. Es ist dies ein hebräisches Stilmittel, womit unterstrichen wird, dass ausnahmslos jeder Matrose für sich zu seinem Gott schreit. (vgl. NET-Kommentar; Christensen 2005, S. 5). Man könnte übertragen mit „Es schrie absolut jeder zu je seinem Gott“, aber das wäre wohl zuviel des Guten. (Zurück zum Text: v)
oder: „zu seinen Göttern“ (so z.B. Rudolph 1971, S. 339). Da aber nicht auszuschließen ist, dass auch weitere Monotheisten auf dem Schiff waren, habe ich doch lieber mit „seinem Gott“ übertragen; dass zu mehreren Göttern gerufen wird, kommt auch so (über die Vielzahl der zu-seinem-Gott-Rufern) zum Ausdruck. vgl. außerdem zum System der Gottesnamen die Deutung. (Zurück zum Text: w)
nach Trible 1963, S. 219f. (auch: Bolin 1997, S. 79): Für gewöhnlich wird dies gelesen als „Sie schleuderten die Ladung ins Meer hinab, um das Schiff (von ihr) zu erleichtern.“ Trible ist jedoch aufgefallen, dass haqel hier kein grammatisches Objekt hat, das letzte Nomen aber nicht „Schiff“, sondern „Meer“ ist. Grammatisch naheliegender ist damit eine Übersetzung nach dem Muster „um das Meer zu erleichtern“. vgl. auch die Deutung zu 1,5. (Zurück zum Text: x)
vgl. BDB 8761; sonst meist: „Geräte, Gefäße“ (Zurück zum Text: y)
Ein weiteres mal verwendet der Autor die Konstruktion Waw - X - Qatal; hier zweifellos mit plusquamperfektischer Bedeutung (vgl. NicNiccacci, Alviero: The Syntax of the Verb in Classical Hebrew Prose. Sheffield, 1990. §40; ad loc. auch Buth 1992, S. 102; Gese 1991, S. 128; Kutscher 1982, §66; NET-Kommentar; Tucker 2006, S. 22; Wolff 1977, S. 83; WO´C § 30.5.2. u.ö. (Zurück zum Text: z / z-2)
wörtlich vermutlich etwa „das Äußerste / Unterste des Gedeckten“. Das Problem bei diesem Ausdruck ist, dass einzig hier statt `onîyah auf einmal sefînah verwendet wird; ein Wort, das nur hier im AT zu finden ist. Für gewöhnlich wird auch dies einfach mit „Schiff“ übersetzt, da dies sich auch stützen lässt durch Mischna und Gemara. Jedoch: „Uns muss klar sein, dass das gewöhnliche hebräische Wort für „Schiff“ hier und in den beiden vorangehenden Versen verwendet wird. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass das Wort hier eine andere Bedeutung hat. Es kann sich um eine Ableitung der hebräischen Wurzel safan handeln, die „bedecken“ bedeutet, und es kann als für den bedeckten Teil des Schiffes stehend gelesen werden; es bringt also zum Ausdruck, dass Jona zum Schlafen „unter Deck“ gegangen ist.“ (Aalders 1948, S. 11; meine Übersetzung. Ähnlich Baldwin 2009, S. 556; Mulzer 2005; Rudolph 1971, S. 339; Sasson 1990, S. 101; Tucker 2006, S. 22; Wilson 1918, S. 282; Wolff 1977, S. 83.89)
Und yareka könnte sowohl übersetzt werden mit „Fernstes“ als auch mit „Hinterstes“ oder „Unterstes“, da Jona aber „hinabstieg“, ist „Unterstes“ sehr wahrscheinlich die richtige Alternative.“ (Zurück zum Text: aa)
vgl. hierzu Diskussion 5 (Zurück zum Text: ab)
wörtlich vermutlich etwas wie „Der Oberste der Gesamtheit der Tauzieher“ (vgl. Christensen 2005, S. 6; Sasson 1990, S. 102; Simon 1994, S. 83; Wolff 1977, S. 89). Das muss nicht notwendigerweise für den Kapitän stehen; TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. etwa interpretiert ihn als den Schiffseigner, LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. als ersten Maat. Letztendlich muss spekuliert werden, welchen „Posten“ genau dieser „Oberste der Gesamtheit der Tauzieher“ innehat, aber um der Verständlichkeit willen folge ich hier der üblichen Interpretation als „Kapitän“, die auch die verschiedener griechischer Versionen un der Vulgata ist. (Zurück zum Text: ac)
Heb. mahlekha. Diese Frage wird in der Bibel ausschließlich von Höhergestellten an Tiefergestellte geäußert (vgl. Limburg 1993, S. 50; ähnlich Simon 1994, S. 83 („scharfe Zurechtweisung“)), was noch zusätzlich unterstrichen wird durch die Redeeinleitung mit אָמַר לְ, die nach Jenni 2005Jenni, Ernst: Verwendungen des Imperativs im Biblisch-Hebräischen, in: Ders.: Studien zur Sprachwelt des Alten Testaments II. Herausgegeben von Jürg Luchsinger, Hans-Peter Mathys und Markus Saur. Stuttgart, 2005. ebenfalls besonders gerne verwendet wird, wenn ein Höhergestellter sich an einen Tieferstehenden wendet (vgl. ad loc. S. 137). Häufig soll sie Überraschung ausdrücken (vgl. NET-Kommentar; auch Ijob 9,12; 22,12; Koh 8,4; Jes 45,9f.). Als nächstes Äquivalent erschien uns daher das deutsche „Was ist denn hier los?“ (Zurück zum Text: ad)
nach JMJoüon, Paul S.J./T. Muraoka: A Grammar of Biblical Hebrew. Rom, 1996. § 127a; § 161i (Zurück zum Text: ae)
vgl. wieder Diskussion 5. Gelegentlich wird es interpretiert als Vokativ (so etwa ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen.: „Was ist mit dir, du Schläfer?“, aber das würde in der Regel einen Partikel erfordern. Wahrscheinlicher ist es ein Niphal Partizip (vgl. Baldwin 2009, S. 556; DavDavidson, A.B.: Hebrew Syntax. Edinburgh, 2 1896. §70; NET-Kommentar; vgl. auch HKLHS III §412j: „Endlich das am meisten auffallende מַה־לְךָ נִרְדָם hat im Arab. die genaueste Parallele [...] „was ist dir als einem Stehenden (=was stehst du)?““ (Zurück zum Text: af)
Wörtlich „Vielleicht denkt dieser Gott an uns“; so jedenfalls die Mehrheitsübersetzung. Mehr Sinn macht aber hier der Vorschlag von BDB 7512: „to give a thought to sth“ (= deutsch „über etwas nachdenken“) - „Vielleicht entscheidet Gott ja noch einmal anders“. Höchstwahrscheinlich handelt es sich hier aber um ein hebräisches Idiom: Im AT bedeutet die Rede von „Gottes Denken an x“ meist nicht, dass Gott x im Kopf herumgeht, sondern dass Gott sich diesem x helfend zuwendet und dabei aus einer Not rettet (vgl. z.B. TWATJenni, Ernst/Claus Westermann: Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament. München - Zürich, 1971-9. Bd 1, S. 513f.). (Zurück zum Text: ag)
wörtlich „umkommen / verderben“. In vielen deutschen Übersetzungen wird es aber mit dem kontextuell besser passenden und daher schöneren „untergehen“ übertragen. Mit „zugrunde gehen“ habe ich nach einer Übertragungsweise gesucht, die diesen beiden Möglichkeiten gerecht wird und zweitens problemlos auch in Jon 3,9 verwendet werden kann. (Zurück zum Text: ah / ah-2)
zu „müssen“ vgl. Sasson 1990, S. 104: Folgend auf eine hypothetische Situation („vielleicht hilft uns ja dieser Gott“) wird die Konsequenz nahmhaft gemacht („andernfalls müssten wir sterben“). ähnlich auch Simon 1994, S. 84: „Konsekutives Waw zur Bezeichnung einer Folge“; auch Tucker 2006, S. 25; BHRGvan der Merwe, Christo H.J./Jackie A. Naudé/Jan H. Kroeze: A Biblical Hebrew Reference Grammar. Sheffield, 1999. S. 299. Die Übersetzung mit „müssen“ soll diese Satzbedeutung unter nächstmöglichem Beibehalt der hebräischen Satzstruktur auszudrücken. (Zurück zum Text: ai)
wörtl.: „Und sie sagten“. „Und-sie-sagten“, im Hebräischen ein Wort, fungiert hier als „discourse switch cue“ (Tucker 2006, S. 26); hier beginnt ein neuer Abschnitt im ersten Kapitel - ein „Unterhaltungs-abschnitt“. Ich habe dies ausdrücklich gemacht durch die Einfügung des „Daraufhin“, das aber nicht wirklich Ergänzung ist, sondern ausdrücklich machen soll, was im hebräischen Text selbst schon angelegt ist. (Zurück zum Text: aj)
wörtl.: „sie sagten einer zum anderen.“ Wie schon in 1,5 steht hier das Pluralverb „sie sagten“ mit dem Singular-nomen „ein Mann“. Ebenso wie dort soll dies hier ausdrücken, dass absolut jeder an diesem Gespräch beteiligt ist (vgl. NET-Kommentar; Christensen 2005, S. 7; Tucker 2006, S. 26). Um dies ausdrücklich zu machen, habe ich hier frei übersetzt („Schiffsbesatzung“ statt „ein Mann sagten zum anderen“ und „einen Plan fassen“ statt „jeder sagte zum anderen“) (Zurück zum Text: ak)
Meist: „damit wir wissen“. Weil auch dies ein Leitwort ist, habe ich es im Jonabuch durchgehend mit „bekannt werden“ übersetzt, da es hiermit am natürlichsten im ganzen Buch gleich übertragen werden kann. (Zurück zum Text: al / al-2 / al-3)
wörtl. etwa „um wessentwillen dies Arge auf uns ist“. Das „um wessentwillen“ hat im Deutschen ohnehin keine wirkliche Entsprechung und muss daher so oder so frei übersetzt werden (auch „um wessentwillen“ ist schon frei); hier wird es verwendet, um den als Komplement zum mit „bekannt werden“ übersetzten Verb fungierenden Teilsatz einzuleiten (vgl. Tucker 2006, S. 27), und diese Funktion erfüllt genau so gut das „wer“. Zu „Ärger“ vgl. wieder Diskussion 2 (Zurück zum Text: am)
„losen“ steht zweimal im Hiphil und einmal im Qal, welshalb hier im Deutschen für gewöhnlich richtigerweise zweimal mit „Lose werfen“ und einmal mit „das Los fiel auf Jona“ übersetzt wird. Tucker macht jedoch darauf aufmerksam, dass dies zur Folge hätte, dass ein typisches Stilmittel für folkloristisches Erzählen, nämlich die dreimalige Wiederholung der selben Textsequenz (in diesem Fall naphal und gôral) in der Übersetzung nicht mehr erkennbar wäre (Tucker 2006, S. 28; nach Trible 1994, S. 137f.). Um dieses Stilmittel auch in der Übersetzung beizubehalten, habe ich auch die letzte Stelle übersetzt mit „sie losten“ und den Satz etwas umgestellt. (Zurück zum Text: an)
„du, der du uns diesen Ärger eingebrockt hast“ ist unter Umständen eine nachträgliche Hinzufügung, da dieser Teilvers als einziger des ganzen Jonabuches in manchen Manuskripten fehlt. Rudolph 1971 streicht es denn auch ganz aus seiner Übersetzung. Es macht aber in diesem Kontext durchaus Sinn, weshalb man von einer solchen Maßnahme eher absehen sollte. Ich sehe außerdem nicht, was an diesem Vers so unklar sein sollte, das nachträgliche Ergänzer zur Einfügung dieser Glosse veranlasst haben sollte; wahrscheinlicher scheint mir, dass es den Schreibern der „Mangel-Mss“ redundant erschien und sie es daher ausließen. Das liegt auch aus einem anderen Grund nahe: die betreffende hebräische Stelle lässt sich auf zwei Weisen lesen. Erstens nämlich als normale Frage: „Um wessentwillen ist dies Arge auf uns?“. So gelesen ist die Stelle tatsächlich redundant; dennoch ist außer bei Buber und Tur-Sinai dies die gewöhnliche Übersetzungsweise in deutschen Bibeln (EÜKurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. und Neue Herder streichen es bis heute). Die andere Lesart liest als appositional fungierenden Relativsatz, nämlich eben „du, um dessentwillen dies Arge auf uns ist“ (so etwa schon im 12. Jh. David Kimchi, auch Tyndale, KJV, Ehrlich, Brichto, Sasson. vgl. auch GesK 131 o-r; Bolin 1997, S. 83. Brichto überträgt es mit dem sehr schönen „Now, then, Mr. On-Whose-Account-This-Misfortune-Has-Come-Upon-Us...“ (Brichto 1992, S. 69)). So gelesen macht die Stelle mehr Sinn, weshalb ich mich auch für diese Lesart entschieden habe.
Eine letzte Lesart bietet schließlich Landes 1999: Auch dieser liest nach Version 2, geht aber davon aus, dass die Matrosen hier mit dem „um wessentwillen“ nicht nach dem Schuldigen, sondern nach dem verursachenden Gott fragen (vgl. Landes 1999, S. 279). Allerdings würde, so gelesen, dann der unvermittelte Umschwung zu den Fragen nach Jonas Identität im Folgevers irritieren. (Zurück zum Text: ao)
vgl. hierzu Diskussion 6 (Zurück zum Text: ap / ap-2 / ap-3)
der Gottesname wird hier durch die Satzstruktur besonders betont, daher habe ich es vorgezogen. (Zurück zum Text: aq)
für gewöhnlich wird dies übertragen mit „der Gott des Himmels“. Aber im Hinblick auf die Verwendung des Gottesnamens im Jonabuch ist auffällig, dass sich „Jahwe Elohim des Himmels“ stark dem späteren „Jahwe Elohim“ (4,6) annähert. Da dies sich nicht übersetzen lässt mit „Jahwe, der Gott“ (da dies unnatürlich klänge) sondern übersetzt werden muss mit „der Gott Jahwe“ habe ich auch hier übertragen mit „der Himmelsgott Jahwe“. (Zurück zum Text: ar)
gleichwohl stilistisch wenig elegant muss das „sich mit großer Furcht fürchten“ auf jeden Fall beibehalten werden. Im weiteren Verlauf werden dem Leser nämlich noch mehrere parallel strukturierte figurae etymologicae begegnen, die in ihrem Zusammenhang sinnstiftend und textorganisierend wirken. Auch die growing phrase (vgl. Deutung zu 1,9) wäre nicht mehr ersichtlich, wenn man anders übersetzte; letztendlich bedeutet es aber nichts anders als: „Sie fürchteten sich sehr.“ (Zurück zum Text: as)
„Wie konntest du das nur tun?“ ist nicht wirklich eine Frage, sondern in erster Linie ein vorwurfsvoller Ausruf des Entsetzens, der keine Antwort erwartet (vgl. Joüon-Muraoka § 143 g., auch Bolin 1997, S. 87; Sasson 1990, S. 120; Tucker 2006, S. 34; Wolff 1977, S. 84). Wörtlich lautete es etwa „Was ist das, dass du dies getan hast?“ und wird daher häufig vereinfacht übertragen mit „Was hast du da getan“; es wird aber ja direkt im Anschluss ein Grund angegeben für diesen Ausruf („denn es war ihnen bekannt geworden, dass...“); und dieser Grund ist eben die bereits erfolgte Auskunft Jonas, was er da getan hat. „Wie konntest du das nur tun?!“ ist hier kontextuell sehr viel stimmiger. Stuart paraphrasiert es mit dem schönen „How could you?“ (Stuart 1987, S. 604); Brichto wählt diese Variante denn auch tatsächlich in seiner Übersetzung. (Zurück zum Text: at)
nach Tucker 2006, S. 35 („The subordinate clause is marked, with the prepositional phrase fronted. The plight of the sailors and Jonah was not because Jonah had fled, it was because Jonah had fled from Yahweh.“). Auch Niccacci 1996 übersetzt mit „it was from the presence of the Lord that he was fleeing.“ (S. 23) (Zurück zum Text: au)
in Klammern, da erklärender Nachsatz (Zurück zum Text: av)
Meist übersetzt mit „Was sollen wir tun?“; da das Verb hier aber im Yiqtol steht und der Text relativ eindeutig klar macht, dass hier nach einer Verpflichtung gefragt wird, empfiehlt z.B. JMJoüon, Paul S.J./T. Muraoka: A Grammar of Biblical Hebrew. Rom, 1996. §113 hier eine Übersetzung mit „müssen“. (Zurück zum Text: aw)
Finalsatz, vgl. GesK § 165a; Niccacci 1996, S. 23 (Zurück zum Text: ax)
nach Tucker 2006, S. 23 („Since the verb is functioning modally, the translation should attempt to convey the sense of possibility („might“).“); vgl. auch JMJoüon, Paul S.J./T. Muraoka: A Grammar of Biblical Hebrew. Rom, 1996. § 161m (Zurück zum Text: ay)
das folgende „denn das Meer stürmte immer heftiger“ könnte auch noch als Teil der Äußerung der Seeleute angesehen werden (vgl. Rudolph 1971, S. 340; Sasson etwa übersetzt daher mit „What must we do to you for the sea to calm its raging against us, for the sea is becoming increasingly tempestuous?“). Es ist dies keine grammatische Frage, ich habe mich nur aufgrund des Kontextes für diese Variante entschieden: dass das Meer immer heftiger stürmt, sieht Jona ja selbst und also wäre dies als erläuternde Nachsatz in der Frage der Seeleute redundant. Aber gerade in dieser Situation ist informative Redundanz etwas, das nicht zu erwarten ist von den Seeleuten - „die Situation ist kritisch, also heraus damit!: Was müssen wir tun?“Der Leser dagegen weiß es nicht, und also machte eine derartige Information als erläuternder Nachsatz außerhalb der wörtlichen Rede mehr Sinn. (Zurück zum Text: az)
wörtl. etwa: „Denn das Meer fuhr fort, immer heftiger zu wüten“. Zur Übersetzung vgl. BrSyntBrockelmann, Carl: Hebräische Syntax. Neukirchen-Vluyn, 2 2004. § 93g; GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. §113u; Joüon-Muraoka §123s; NET-Kommentar; Limburg 1993, S. 54; Sasson 1990, S. 123; Tucker 2006, S. 37; Wolff 1977, S. 84 (Zurück zum Text: ba / ba-2)
Finalsatz; vgl. GesK § 165a; Niccacci 1996, S. 23 (Zurück zum Text: bb)
Die hebräische Entsprechung von „wegen dem“ ist ähnlich konstruiert wie das „um wessentwillen“ in 1,7.8, das ich dort mit „wer“ und „der“ übertragen habe (Zurück zum Text: bc)
wörtl. etwa: „Aber die Männer buddelten, um...“; bildl. für heftiges Rudern (vgl. Christensen 2005, S. 11; NET-Kommentar; TWOT 783 u.ö.). Stuart hält dies zwar für unsicher, ich bin aber bisher auf noch keine andere sinnvolle Deutung gestoßen. (Zurück zum Text: bd)
dieser Ausdruck steht in der Bibel einzig hier und in Jon 2,11 (vgl. auch Tucker 2006, S. 40), ein weiteres Indiz für die Ein-Guß-Deutung. (Zurück zum Text: be)
wörtl.: „Da riefen sie zu JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. und sagten“; es ist dies aber ein gewöhnlicher multiple verb frame, der idiomatisch für das Anrufen Gottes ist (vgl. ad loc. Tucker 2006, S. 41). (Zurück zum Text: bf)
Wolff schlägt hier die Übersetzung mit „Blut, das zu unrecht vergossen wird“ vor (vgl. Wolff 1977, S. 82.96). Das ist exakt, was der Ausdruck bedeutet; Wolffs Intention hinter dieser Übersetzung ist aber, damit zum Ausdruck zu bringen, dass es keinesfalls Jona´s Blut ist, das hier als „unschuldig“ bezeichnet wird (vgl. ebd.). Das aber ist falsch; dass „unschuldiges Blut auf einem ist“ ist ein stehender Ausdruck aus der atl. Rechtsterminologie (vgl. Deutung); er drückt aus, dass der Vorgang des Blut-vergießens genau deswegen „ungerecht“ wäre, weil es eben unschuldiges Blut ist, das hier vergossen wird. Um diesem Missverständnis vorzubeugen, sollte man daher hier doch wörtlich übersetzen und von der schöneren Übersetzung Wolffs Abstand nehmen. (Zurück zum Text: bg)
zum Satzbau vergleiche Niccacci 1996, S. 12f.23 - wörtl. etwa: „Oh Herr! [Casus pendens]: Wie es dir gefällt [Protasis], so hast du gehandelt [Apodosis].“ (Zurück zum Text: bh)
„nahmen“, „schleuderten“ und „ablassen von“ ist im MT jeweils eingeleitet durch ein waw, das diese Teilsätze eng zusammenschließt - die drei geschilderten Begebenheiten ergeben sich auseinander, etwa: „Also nahmen sie Jona und also schleuderten sie ihn hinab und daraus ergab sich, dass das Meer abließ von ihnen.“ (Zurück zum Text: bi)
Stuart 1987 übersetzt mit „As a result“, was den Text zwar trifft, aber im Deutschen nicht natürlich klingt. In der Übersetzung habe ich darauf gesetzt, dass „Da“ die resultative Nuance zu Genüge transportiert. (Zurück zum Text: bj)
1,1 Ein weiteres Mal sprach Jahwe zu Jona ben Amittai, nämlich: 1,2 „Steh auf! Geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe gegen sie, denn ihre Arg ist bis zu mir hinauf gestiegen!“ 1,3 Also stand Jona auf - um nach Tarschisch zu fliehen, fort von Jahwe. Er ging hinab nach Jafo, wo zufällig gerade ein Schiff aus Tarschisch im Begriff war, einzulaufen. Er bezahlten seinen Preis und stieg in es hinab, um mit ihnen nach Tarschisch zu kommen, fort von Jahwe.
1,1 Unvermittelt setzt das Jonabuch ein mit der sogenannten „Wortereignisformel“ - „Ein weiteres Mal sprach Jahwe zu Jona ben Amittai“. Diese Formulierung lenkt den Blick des Lesers zurück auf bereits gelesene Teile der Bibel, und, in der Tat - schon einmal sprach Gott zu Jona ben Amittai: Dieser nämlich ist uns bereits bekannt aus 2Kön 14. Jona wird dort geschildert als „der letzte wahre Heilsprophet, der vor dem Ende der Geschichte Israels, des Nordreiches, auftritt und durch dessen Verkündigung die letzte Wiederherstellung Israels ermöglicht wird, bevor Assur es vernichtet.“〈bk〉 Schwerlich wird sich ein israelitischer Schriftsteller späterer Zeit gerade diese Figur heraussuchen, um sie als Negativfolie für eine Didaxe zu verwenden; und hierauf weist auch schon die Wortereignisformel: Im Alten Testament findet sie sich insgesamt 85x〈bl〉; und: außer einem Mal an David und einem Mal an Salomon ergeht das Wort des Herrn ausschließlich an Propheten, weshalb Baldwin hier auch kommentieren kann: „To receive the word of the Lord was the authenticating mark of a true prophet [...].“〈bm〉. So finden sich bereits im ersten Vers des Jonabuchs gleich zwei Indizien, die vor einer allzu schnellen negativen Beurteilung der Jonafigur warnen müssten.
1,2 Das Wort, das hier an Jona ergeht, ist ein Auftrag: Er soll nach Ninive gehen, denn: „ihre Arg ist bis zu JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. gestiegen“. Dieses „steigen“ wird in der Bibel gewöhnlich verwendet im Zusammenhang mit dem Wohlgeruch von Brandopfern, der zu Gott emporsteigt. Hier aber wird diese Vorstellung ins Gegenteil verkehrt: Die Arg der Niniviten ist so groß, dass sie wie ein übler Geruch bis zu JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. empor dringt.〈bn〉 So groß ist sie, dass er keine andere Wahl hat - es muss etwas geschehen; er braucht einen Sprecher, der in seinem Namen Ninive anklagt. Als diesen Sprecher wählt Jahwe Jona ben Amittai. Dass ein israelitischer Prophet ins Ausland entsandt wird, ist selten (wenn auch nicht noch nie dagewesen, wie es häufig in Kommentaren heißt - sowohl Elija als auch Elischa waren bereits in Jahwe´s Auftrag im Ausland), und auch dies verdeutlicht nur noch zusätzlich die Sonderrolle des Propheten Jona.
Es mag trivial scheinen, aber es ist so bedeutsam im Verlauf des Jonabuchs, dass noch einmal betont werden muss: Der Auftrag, der hier an Jona ergeht, besteht aus zwei Teilen: „Steh auf!“ und „Geh nach Ninive und rufe!“. Beide Bestandteile sind hier durch einen disjunktiven Akzent, einen sogenannten talîsa gadôlâ, getrennt, der vermutlich sehr bewusst gesetzt ist: Es ist ja durchaus nicht so, dass Jona sich im folgenden Vers Jahwes Auftrag völlig wiedersetzt - in der Tat steht Jona auf, jedoch statt zu rufen „geht er hinab“ usw. Das wird noch deutlicher, wenn man diesen Vers vergleicht mit Jon 1,6: Wieder heißt es hier: „Stehe auf! Rufe...!“, und wieder: Jona steht auf, ob er aber zu Gott ruft oder nicht, bleibt zumindest unerwähnt. Und das macht deutlich: Es ist nicht die Tatsache, dass Gott einen Auftrag für ihn hat, die dazu führt, dass Jona sich ihm widersetzt. Das Entscheidende ist das gegen-Ninive-rufen. Noch deutlicher wird das in Jon 2: Eingeleitet wird der Jonapsalm nämlich wieder mit „Ich rief in meiner Not zum Herrn“; rufen ist hier das erste Wort des Jonapsalms überhaupt.〈bo〉 Das Rufen ist der springende Punkt von Jona 2, dem Kapitel der Umwendung Jonas, und allein das Rufen ist es, dem Jona sich widersetzt. Unter Umständen hat diese Tatsache sich auch niedergeschlagen in den Targum Jona: Dort nämlich ergeht nicht allein „das Wort des Herrn“, sondern (sinngemäß): „Und das Wort der Prophezeiung...“, was Levine kommentiert mit „The characteristic paraphrase „word of prophecy from before the Lord“ may here also be intended to convey that Jonah is fleeing from the „word“, not from the Lord.“〈bp〉
Der Jona des Jonabuches ist kein Feind Gottes - Ninive ist es, gegen das Jona etwas hat. Und deshalb wird er dann trotz Allem in 1,9 bekennen können: „Ich, Jona, bin ein Diener des Herrn.“ Man könnte geradezu sagen: Das Nicht-Rufen ist im gesamten Jonabuch das einzige Negative, das über Jona ausgesagt wird.
1,3 Noch einmal wird es in 1,3 klar, dass das „Steh auf!“ und „Gehe und rufe!“ unbedingt getrennt gesehen werden muss und dass das Problem nicht der Auftrag als Gottes Auftrag, sondern als Auftrag des gegen-Ninive-rufens ist. Wir stoßen hier nämlich zum ersten Mal auf eine konzentrische Struktur:
Also stand Jona auf -
A um nach Tarschisch zu fliehen, fort von Jahwe.
B Er ging hinab nach Jafo
C und fand ein Schiff,
D das im Begriff war, von Tarschisch her einzulaufen.
C"Er bezahlte den Preis [des Schiffes]
B"und stieg in es hinab
A"Um mit ihnen nach Tarschisch zu kommen, fort von Jahwe.〈bq〉
Die konzentrische Struktur setzt genau zu dem Zeitpunkt ein, da Jona beginnt, Jahwes Willen zuwider zu handeln und der springende Punkt ist ganz deutlich zu erkennen: Gebetsmühlenartig wird es wiederholt: nach Tarschisch will er, fort von Jahwes Angesicht. Und wieder, von Tarschisch kommt das Schiff (s.u.; es ist dies höchst eindrücklich: Von woher das Schiff kommt, ist im Prinzip egal.〈br〉 Aber um des Leitwortstils Willen muss das Schiff natürlich aus Tarschisch kommen). Und noch einmal: Natürlich steigt er ein, denn er will ja mit ihnen nach Tarschisch kommen, fort von Jahwes Angesicht. Davon wird die Struktur gerahmt - nach Tarschisch, fort von Jahwes Angesicht -, und dies ist der Mittelpunkt: das Schiff, das von Tarschisch kommt.〈bs〉
Übrigens geht allein aus diesen drei Versen noch gar nicht hervor, dass Jona sich hier gegen Gott vergeht. So hat etwa der große karäische Bibelkommentator und -übersetzer Yefet ben Eli hier eine faszinierende, weil völlig singuläre, Auslegung des Jonabuchs vorgelegt: In seiner Übersetzung und Deutung verweigert Jona Gott überhaupt nicht den Dienst. "Fliehen" z.B. überträgt er zu lil-mudiy - arabisch für "schnell gehen" -, was eine durchaus zulässige Übersetzung ist, und kommentiert: „Auf diese Weise nahm Jona - Friede sei mit ihm - die schnellste Reiseroute. Er entschied sich für den Meerweg, um damit die Reise abzukürzen: Er würde von Tarschisch aus nach Ninive weiterreisen.
Oder er wusste, dass Gott durch ihn auf dem Meer ein Wunder wirken würde, damit es für ihn Zeichen sei und ein seine Worte an die Niniviten („noch 40 Tage und Ninive soll umgestürzt sein (3:4)“) unterstützender Beweis, wenn er sie ausrufen würde. Aus diesem Grund heißt es hier „schnell nach Tarschisch gehen“. Der Ausdruck fort von vor dem Herrn bezeichnet den Ort, an dem Jona angerufen wird. Er teilt uns mit, dass seine einzige Verspätung die Zeit war, die während seiner schnellen Reise nach Tarschisch verging.“〈bt〉
Wenn man nun noch, anders als üblich (s.u.) Tarschisch nicht in den westlichen Mittelmeerraum lokalisiert, sondern nach Tarsus in der Türkei, ist das sogar eine sinnvolle Reiseroute; und einige der durch diese Lesart entstehenden interpretativen Schwierigkeiten lassen sich tatsächlich ohne größere Mühen mit dieser Interpretation harmonisieren.
Soweit wir das sehen können, steht Ben Eli mit dieser Interpretation völlig allein da (wenn auch, wie gesagt, das durchweg positive Bild der alten Exegeten und der innerbiblischen Jona-Zeugnisse von Jona auffällig ist); und der Gesamtverlauf des Jonabuches weist auch eher in Richtung der üblichen Jonainterpretation - aber es ist dennoch auf jeden Fall schade, dass diese Interpretation in wissenschaftlichen Kommentaren und Aufsätzen nicht einmal mehr erwähnt wird.
Eines der Indizien, die gegen die schöne Deutung Ben Eli´s spricht, lässt sich noch in diesem Vers aufzeigen - eine weitere Auffälligkeit ist nämlich hier zu sehen: Unser Herr fordert Jona auf, er solle sich aufrichten. Dieser richtet sich auf, und dann beginnt es: Er steigt hinab nach Jafo und hinab ins Schiff. Das ist umso auffälliger, als „in ein Schiff hinabsteigen“ nicht nur im Deutschen, sondern auch im Hebräischen eine ungewöhnliche Konstruktion ist.〈bu〉 Aus aufwärts ist abwärts geworden: Jonas Niedergang beginnt, und mit ihm der Teil der Geschichte, der von Deissler treffend als die „absteigende Jonalinie“ bezeichnet wurde. Auch tut sich hier die größte Leerstelle des Jonabuches auf: Warum flieht Jona? - Doch der Leser muss sich gedulden; erst in Jon 4,2 gibt Jona seine Gründe Preis.
Auf ein letztes möchte ich gerne noch den Leser aufmerksam machen: In der Jonaexegese werden Jona allzuoft xenophobe oder fundamentalistische (i.S.v. „anderen Religionen gegenüber feindlich eingestellte“) Veranlagungen unterstellt. Jon 1,2 und 1,3 sind aber bereits ein erstes Indiz dafür, wie verfehlt diese Lesart ist. In beiden Versen trifft man nämlich auf eine parallele Konstruktion. In 1,2 heißt es „rufe gegen sie, denn ihre Arg...“. Das mit „ihre“ nicht die Bosheit der Stadt gemeint ist, sondern die der Niniviten, kommt allein in der Flexion von „ihre“ zum Ausdruck, obwohl sonst mit keinem Wort auf die Einwohner Ninive´s verwiesen wird (Man müsste es, wenn man sehr streng übersetzen würde, eigentlich übertragen mit „Rufe gegen sie, denn deren Arg ist bis zu mir hinaufgestiegen.“). Ebenso werden die anderen Menschen auf dem Schiff von Tarschisch mit keinem Wort erwähnt, und dennoch heißt es: „Er stieg in das Schiff hinab, um mit ihnen nach Tarschisch zu kommen“. Auf den ersten Blick kann es einem Leser derart vorkommen, als wählte Jona statt Ninive das Schiff; gleichzeitig aber kommt hier sozusagen „zwischen den Zeilen“ zum Ausdruck, dass er ebenso (stattdessen?) statt den Niniviten die Menschen auf dem Schiff wählt. Und diese, das wird spätestens Jon 1,5 klar (dem ursprünglichen Leser war es vermutlich schon klar, als die Rede davon ging, dass Jona (1) ein Schiff bestieg und (2) dieses Schiff in Jafo bestieg), sind (a) ebenso Ausländer (b) ebenso Heiden wie die Niniviten.
Im Übrigen ist festzuhalten, dass erstens Jonas Selbstverweigerung hier keinesfalls komisch ist (vgl. die Einleitung) und zweitens erst recht keine „Parodie“ auf die narrative Sequenz Berufung eines Propheten ist (wie z.B. Miles 1975 und neuerdings auch Kynes 2011 das wollen). Wäre dies eine Parodie, dann wäre auch schon jede Filmszene, in der auf die Frage „Liebst du mich?“ mit „Nein“ geantwortet wird, Parodie auf die Textsorte Romanze.
Jon 1,4-6
1,4 Da jedoch schleuderte Jahwe einen großen Sturm auf das Meer hinab, so dass ein großer Seegang im Meer entstand. Als das Schiff zu zerbrechen drohte, 1,5 fürchteten sich die Schiffsleute; ein jeder schrie zu seinem Gott - und um die See zu beschwichtigen, schleuderten sie die Ladung vom Schiff hinab. Jona indes war nach Unterdeck hinabgestiegen und lag ohnmächtig da. 1,6 Da nahte sich ihm der Kapitän und sprach: „Was ist denn hier los?! Warum bist du ohnmächtig?! Steht auf! Rufe zu deinem Gott! Vielleicht hilft uns ja dieser Gott, so dass wir nicht zugrunde gehen müssen!“
1,4 In Jon 1,4 beginnt mit Jahwes Hinabschleudern des Sturmes ein neuer Handlungsabschnitt (vgl. Fußnote zu „Jahwe“): Jahwe reagiert auf den Abstieg Jona´s mit einem „Abwurf“. Mit diesem „hinabschleudern“ ist nach „groß“ und „hinabsteigen“ bereits das dritte Leitwort des Jonabuchs eingeführt, und jedes dieser Leitwörter ist sinnstiftend. Das Jonabuch ist damit ein äußerst dicht gewebter Text. Sinnstiftend ist „hinabschleudern“ insofern: Die Matrosen werden auf Jahwes Abwurf des Windes reagieren mit dem Abschleudern der Ladung; Jona wird offenbaren, dass sie stattdessen ihn hinabschleudern müssen, und schließlich schleudern sie ihn tatsächlich hinab aufs Meer. Wie Jahwe auf den Abstieg Jonas mit dem Abwurf des Windes reagiert, so ist auch der Abwurf Jonas durch die Seemänner direkte Reaktion auf den Abwurf des Windes durch Jahwe. Auf diese Weise kommt schon in der Tiefenstruktur des Textes zum Ausdruck, dass es in der Tat Gottes Wille ist, dass Jona ins Meer geworfen werde (und nicht etwa Ausdruck von Jonas „Todeswunsch“ o.Ä.; vgl. u.).
Der Neueinsatz der Handlung kommt auch in einer weiteren Eigenart des Textes zum Ausdruck: Ein weiteres mal beginnt hier ein abermals konzentrisch strukturierter Abschnitt: 1: 1,4-5a: Narrative, Fear
2: 1,5b: Prayer of Sailors
3: 1,5c-6a: Narrative
4: 1,6b: Cpt Speech
5: 17a: Sailor Speech
6: 1,7b: Narrative
7: 1,8: Sailor Speech
x: 1,9-10a: Jonah + Fear
7“:1,10b: Sailor Speech
6“:1,10c: Narrative
5“:1,11: Sailor Speech
4“:1,12: Jonah Speech
3“:1,13: Narrative
2“:1,14: Prayer of Sailors
1“: Narrative, Fear〈bv〉
Aus dem Schema ist auch schon das vierte Leitmotiv abzulesen, das Jon 1 durchwalten wird: „Fürchten“. Die Furcht ergibt sich direkt aus dem neuen Eingriff Gottes in den Handlungsverlauf (sie ist es auch, die „Brücke“ ist zwischen dem Abwurf des Windes und dem Abwurf Jonas; das Fürchten ist damit eines der zentralsten Motive im Jonabuch überhaupt; vgl. u.); die Gottesfurcht Jonas steht im Zentrum der Struktur (ein weiteres Indiz, das vor einer negativen Beurteilung Jona´s warnen sollte) und die Gottesfurcht der Seeleute ist das Ziel des Kapitels. All dies werden wir im weiteren Verlauf noch mit Bedeutung füllen; fahren wir aber vorerst fort.
1,5 Die Reaktion der Seeleute auf Jahwes Sturm-wurf folgt im Nu: Eine hektische Betriebsamkeit bricht unter ihnen aus - in rascher Folge folgen die Verben aufeinander: Sie „fürchten sich“, sie „schreien“ zu ihren Göttern und sie „schleudern“ die Ladung hinab. In krassem Gegensatz hierzu steht, was mit Jona hier vor sich geht: Der liegt ohmächtig unter Deck. Dieser Gegensatz kommt sogar in der Syntax zum Ausdruck:
“Note also in the structure of verse 5, the movement of the sailors begins with simple clauses and builds to a longer clause suggesting great activity. The three clauses devoted to Jonah suggest just the opposite - a longer clause suggesting activity, culminating with two shorter clauses suggesting inactivity.“〈bw〉
Der Targum macht hier ganz klar, dass er das hebräische elohim keinsfalls als Ausdruck für JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., unseren Gott, verstanden wissen will - er verwendet dafür stattdessen

References: §40
 §66
 § 30
 § 127
 § 161
 §70
 §412
 § 143
 §113
 § 165
 § 161
 § 93
 §113
 §123
 § 165