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Timestamp: 2020-02-22 01:06:47+00:00

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Neue Rheinische Zeitung – nn_nrhz079_1848.txt.xml
No 79. Köln, Freitag 18. August 1848.
@facs 0397
Deutschland. Düsseldorf. (Der Conflikt mit den Preußen. ‒ Bekanntmachung des Oberbürgermeisters. ‒ Neueste Lorbeeren des Oberprokurators Schnaase.) Trier. (Conflikt mit den Preußen.) Wiesbaden. (Vermehrung des Heers.) Berlin. (Russische Truppen auf Laland und Falster gelandet. ‒ Die Partei des Prinzen von Preußen. ‒ Demonstrationen.) Aus dem Großherzogthum Posen. (Die jetzigen Zustände. ‒ Reaktion in Oberschlesien.) Hamburg. (Das provisorische Comité entlassen.) Apenrade. (Die dänische Armee.) Flensburg. (Deutsche Kriegsführung.) Rendsburg. (Die Unterhandlung.) Stralsund. (Below nach Malmö. ‒ Die Unterhandlung.) Wien. (Empfang des Kaisers ‒ Proklamation Jellachich's. ‒ Fortsetzung der Eisenbahn über den Sömmering.)
Italien. Mailand. (Como von den Oestreichern besetzt. ‒ Die Oestreicher im Piemontesischen. ‒ Ihre Erklärung. ‒ Dienst und Gegendienst. ‒ Waffenablieferungen. ‒ Die Zeitungen abgesperrt.) Verona. (Peschiera geräumt.) Genua. (Karl Alberts Depesche an die Venetianer. Romarino. Der Großherzog von Toskana. ‒ Englischer Protest.)
Donaufürstenthümer. Buckarest. (Adresse der provisorischen Regierung an den russischen Kaiser. ‒ Rang-Titularwürden, Prügelstrafe abgeschafft. ‒ Forderungen an den östreichischen Agenten.)
Ungarn. Groß-Becskerek. (Neuzina von den Ungarn wiedergewonnen.) Pesth. (Die ungarischen Zustände.)
Schweiz. Zürich. (Die Abstimmung über die Bundesverfassung. ‒ Die italienischen Flüchtlinge in Tessin.)
Portugal. Lissabon. (Die Finanzpläne der Regierung vor den Cortes. ‒ Costa und Silva Cabral in Opposition.)
Rußland. Petersburg. (Cholera.)
Französische Republik. (Journalschau v 14. Aug. [Schluß]. ‒ Geld! ‒ Die „Republique“ über die Finanzen. ‒ Die Lyoner Klubs und Proudhon. ‒ Vermischtes. ‒ Senard. ‒ Polen und Deutsche bei dem ersten Insurgententransport.)
Belgien. Brüssel. (Arabien und die belgische Polizei.) Antwerpen. (Affaire Risquons-Tout.)
Großbritannien. London. (Parlamentsdebatten. ‒ Die „Times“ über die Jury in Irland wie über die französische Politik in Italien und Schleswig-Holstein. ‒ Unruhen in Ashton. ‒ Ankunft des Dämpfers Hibernia.) Dublin. (Begnadigungsgesuch der katholischen Geistlichen für S. O'Brien. ‒ Die Einwohner von Abbeyfeale.)
Amerika. Die Hängebrücke über die Niagarafälle.
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[ 28 ] Düsseldorf, 16. Aug.
Die Untersuchung über die Vorfälle des 14. ist im Gange, und es soll sich herausstellen, daß die gereizten Elberfelder einer Rotte bergischer Jungens ihren Haß gegen unsere Bürger vermacht haben. Von mehreren Augenzeugen wurde mir versichert, daß die Elberfelder am Bahnhof unter die Schaar der Soldaten sich gemischt, dieselben mit in ein nahgelegenes Wirthshaus genommen, ihnen tüchtig zugetrunken, ja sogar Geld gegeben haben sollen. Später wurden von diesen preußischen Jungens die Elberfelder unter beständigem Hurrahrufen zum Bahnhof begleitet, hier wurde ein Hoch nach dem andern dem König gebracht, letzteres faßte aber den Elberfelder Patriotismus noch nicht zusammen, man brachte ein Hoch dem Kommandanten von Schweidnitz!! Schöner konnten sich doch die Wupperthaler nicht charakterisiren!!
Nach Abfahrt der Elberfelder zog denn die trunkene Rotte in die Stadt und bewies ihre Liebe zum König durch Einhauen auf ruhige Bürger, wie mein gestriger Bericht es besagt.
Es sollen militärischerseits zwei Todte und mehrere Schwerverwundete sein, auf der Seite der Bürger sollen nur einige schwere Verwundungen zu beklagen sein.
Gestern morgen nun sah man aus beiden Kasernen schwarze große Fahnen hängen neben den preußischen; das war eine Demonstration die Angst und Wuth zugleich unter die Bevölkerung verbreitete. Eine ermahnende und beruhigende Proklamation des Oberbürgermeisterei-Amts, die Nachmittags in alle Häuser gebracht wurde, verfehlte nicht ganz ihren Zweck, war aber dennoch nicht im Stande die Zusammenrottungen gegen Abend zu verhindern. Das Militär sollte in die Kasernen konsignirt werden und starke Bürgerwehrpatrouillen sollten die Haufen zerstreuen. Was geschah? Um 6 Uhr war die Allee gedrängt voll von Soldaten, die alle mit Seitengewehren bewaffnet waren. Man schrie wieder Hurrah, das Proletariat pfiff und brummte, es gab wieder Reibungen, die indeß nicht in Thätlichkeiten übergingen; drohend war die Stellung im höchsten Grade, überall flogen die Schaufenster zu, die Thüren wurden verriegelt. ‒ Die Soldateska, brennend nach einer Kampf-Gelegenheit, machte nun Miene, sich an der Statue der Germania, die noch vom 6. August her steht, zu vergreifen; während sich hier die Parteien drängten, und man jeden Augenblick eine Explosion befürchtete, langten der Chef der Bürgerwehr und der kommandirende General glücklicherweise von Köln wieder an; der Chef, wie immer, trat trotz der drohenden Gebärden von beiden Seiten vermittelnd zwischen die Gegner und hielt die Spannung hin, bis von der Kaserne der Generalmarsch ertönte. Alles stürmte nun fort der Kaserne zu und hinter den Soldaten her das Volk, zwischen beiden remonstrirend und agirend der Chef. Eingangs der Kasernenstraße stemmte er und der Vicechef sich mit bloßem Degen dem Andrang entgegen und hielt die Massen auf. Die Soldaten, in der Meinung vielleicht man wolle dort die Volksmasse ordnen und dann gegen sie führen, machten noch einmal „kehrt“ wurden aber sofort beschwichtigt, mußten indeß mit Gewalt von ihren Vorgesetzten zur Subordination gezwungen werden, ich selber sah zwei Offiziere mit dem Degen auf die Säumenden einhauen. Nun wurde die Kasernenstraße an allen Punkten mit Bürgerwehr gesperrt. Ein Piquet Jäger trat vor die Hauptwache, die Kavallerie aus der Neustädter-Kaserne stellte sich vor dem Thor der Kasernenstraße auf, die Artillerie ritt an die Geschütze, und dem Allem sah hinter den Spalieren der Bürgerwehr hervor die dumpfe, wogende Volksmasse zu. Dabei blieb's; das Volk verlief gegen 10 Uhr, die aufgestellten Militärs zogen sich zurück, die Passage wurde wieder freigegeben, und die weiteren Vorsichtsmaßregeln bestanden in dem Zirkuliren starker Bürgerwehr-Patrouillen.
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Düsseldorf, 15. Aug.
Mitbürger! In der gestrigen Nacht haben höchst bedauerliche Vorfälle stattgefunden, worüber die im Gange befindliche Untersuchung die nöthige Aufklärung geben wird. Wir fordern unsere Mitbürger auf, dem Resultat dieser Untersuchung mit Vertrauen entgegenzusehen, und durch ihr ruhiges Verhalten, von ihrer Seite, jeder möglichen Veranlassung zu ähnlichen Auftritten aus dem Wege zu gehen.
Von Seiten der Militär-Behörden sind die erforderlichen Anordnungen getroffen, um jedweden Konflikt zu vermeiden.
Die Bürgerwehr wird in genügender Zahl in ihren Wachtlokalen versammelt sein, und vertrauen wir, daß ihr in allen Vorkommnissen willig Folge geleistet wird.
Das Oberbürgermeisteramt.
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[ 31 ] Düsseldorf.
Die Untersuchung wider den Bürger Julius Wulff hat, Dank dem Forschergeiste und Patriotismus des Herrn Oberprokurators Dr. Schnaase, neue Nahrung bekommen. Was ich in Nr. 58 d. Z. nur als eine kühne Vision hingestellt, nämlich daß die kön. preuß. Staatsbehörde dem etc. Wulff am Ende gar aus der Vorlesung und Verbreitung des republikanischen Katechismus ein Verbrechen (Art. 102 der Strafgesetzbuches) machen könnte, ist in die nackte Wirklichkeit getreten. Dieses Verbrechen ist sogar das einzige, welches unter den vielen Verbrechen, deren man ihn beschuldigt, mit einigem Scheine juristisch begründet werden kann.
In meiner letzten Mittheilung habe ich gesagt: „Wenn es mit dem Art. 293 nicht geht, so geht es vielleicht mit dem Art. 102.“ Jetzt heißt es aber: Wenn es mit dem Art. 102 nicht geht, so geht es jedenfalls mit den Art. 222 und ff. in Verbindung mit der preußischen Kabinetsordre vom 5. Juli 1819. Das ist die neue Nahrung, von der ich oben gesprochen. Eine Kabinetsordre aus dem Jahre der Karlsbader Beschlüsse! Sage, was willst Du mehr? Der Art. 222 Code pénal bedroht die Verruchten, welche es wagen, die Ehre und Delikatesse der Beamten à l'occasion der Ausübung ihrer Amtsverrichtungen (ein weiter Begriff) par parole zu verletzen, mit Gefängnißstrafe von einem Monate bis zu zwei Jahren. Aber par parole! Welch ungenügender Schutz für die Ehre und Delikatesse der Beamten! Die genannte preuß. Kabinetsordre hat den Fehler der ruchlosen Franzosen gut gemacht, hat die Bestimmungen der Art. 222 und ff. auch auf Beleidigungen par écrit ausgedehnt. Und wer hat diese wichtige Kabinetsordre aus Staub und Schutt hervorgeholt? Ich habe es bereits gesagt, der Hr. Ober-Prokurator Dr. Schnaase zu Düsseldorf. Ein schallendes unendliches Hoch dem Oberprokurator Schnaase!
Hr. Wulff ist Mitverfasser einer vom Volksklub unterm 17. Mai an die Berliner Vereinbarerversammlung beschlossenen Adresse, worin die Maßregeln des selig entschlafenen Ministeriums Camphausen schamlos reaktionär genannt worden sind. Es ist klar, Wulff hat die Ehre und Delikatesse des Ministeriums Camphausen angegriffen!!
(Wir gestehen, es war ein „kühner Griff“ des Hrn. Schnaase, diese bestaubte Kabinetsordre aus dem Labyrinth der Gesetzsammlung ans Tageslicht hervorzuziehen. Was gilt der Code neben einer k. Kabinetsordre vom Jahre 1819! Leider aber dürfte Hr. Schnaase sich in seinen Hoffnungen täuschen. Die Jurisprudenz des Kassationshofes in Berlin hat die Kabinetsordre vom 5. Juli 1819 keineswegs in der Ausdehnung anerkannt, die Hr. Schnaase ihr gibt. Mehrere seiner Urtheile liegen vor, nach denen Beleidigungen par écrit keineswegs unter die Bestimmungen des Art. 222 „in Verbindung“ mit besagter Kabinetsordre fallen.
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Trier, 14. Aug.
Seit dem 6. August, an welchem Tage ein großer Theil unserer Bürgerschaft ein Volksfest zu Ehren des Reichsverwesers feierte, scheint unser Militär in einer gereizten Stimmung sich zu befinden. Während drei Abenden bereits finden jedesmal gegen 7 Uhr Zusammenrottungen von Soldaten des 26. Regiments und von Ulanen statt. In dem Gartenlokale der Götschel'schen Bierbrauerei sollen am Freitag Abende von beiden Parteien Lieder gesungen worden sein, welche die Erbitterung zum Ausbruch kommen ließen. Samstag Abends schloß Hr. Götschel seine Wirthschaft, nichtsdestoweniger erschienen eine Menge Gäste, welchen indessen von der Polizei der Eintritt verwehrt wurde. Am selben Abende wurde im demokratischen Verein der Beschluß gefaßt, den Stadtrath durch eine Deputation zu bitten, es veranlassen zu wollen, daß das Kommando des 26. Regiments den Soldaten den Besuch von Wirthshäusern untersage, in welchen es bisher zu Reibereien gekommen, und vor Allem denselben das Tragen der Seitengewehre verbiete. Gestern wurde durch eine Deputation des demokratischen Vereins dieser Wunsch einem Mitgliede des Magistrats vorgebracht, und gestern bewiesen sowohl Infanteristen des 26. Regiments als auch Ulanen, wie gerecht derselbe ist. In der Vorstadt Matheis wurde Nachmittags von dem Militär ein Gartenlokal verwüstet, in der Götschel'schen Wirthschaft entwickelte sich gegen Abend ein bedeutender Krawall. Zwar zum Theil veranlaßt durch den Muthwillen eines jungen Menschen, welcher einem der in Masse vor dem Hause stehenden Soldaten die Mütze vom Kopfe riß und damit in den Götschel'schen Garten lief, stürmten die Soldaten mit gezogenem Säbel demselben nach in den Garten und mißhandelten und verwundeten, wer ihnen in den Weg kam und nicht schnell genug die Flucht ergreifen konnte. Mittlerweile erschienen mehrere Personen von Rang, um mittelst Patrouillen die Ruhe herzustellen, aber heute lieferten die Soldaten den Beweis, daß es gefährlich ist, bei ihnen als Vereinbarer aufzutreten. Eine Patrouille des 30. Regiments machte endlich von ihren Waffen Gebrauch und da dieselbe mit vieler Energie auf die uniformirten Wütheriche einstürmte, so ergriffen dieselben die Flucht, jedoch nicht ohne mehrere Verhaftete zurückzulassen. Etwas später begann auf dem Marktplatze das Schauspiel von Neuem. Mit blankem Säbel stürzte eine zahlreiche Rotte von Soldaten des 26. und des Ulanen-Regiments auf Jeden, der ihnen in den Wurf kam, verwundete mehrere Personen, zertrümmerte Angesichts der Hauptwache, nur etwa 50 Schritte davon entfernt, die Läden von zwei Verkaufslokalen, und warf bei dem einen die Fenster des ersten Stocks ein, wohin ein Bürger sich geflüchtet haben sollte, den sie heraushaben wollte. Der Posten der Hauptwache machte zuletzt eine Attaque mit gefälltem Bajonette auf die brutale Schaar, worauf diese durch die Simeonsstraße ihren Rückzug nahm.
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[ * ] Wiesbaden, 16. Aug.
Auf den bekannten Beschluß der Frankfurter National-Versammlung über Vermehrung der stehenden Heere, hat der Reichskriegsminister unser Ministerium zuerst mit einer Verfügung beglückt, wonach binnen 4 Wochen der nassauische Militärstand bis auf 2 pCt. der Bevölkerung vermehrt werden soll. Man weiß nicht, welche Zwecke dieser plötzlichen und dringlich gemachten Maßregel zu Grunde liegen, eben so wenig, wie dieselbe bei den erschöpften Staatskassen ins Werk zu setzen sei.
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[ X ] Berlin, 15. August.
Von einer Urlaubsreise nach dem Norden zurückgekehrte Abgeordnete bringen die Nachricht mit, daß auf den dänischen Inseln Laland, Femern (?) und Falster 10,000 Mann russischer Truppen gelandet. Eine halbe Meile nördlich von Arcona sind neue russische Schiffe zu sehen, von denen sechs Linienschiffe. Sie werden durch englische Transportschiffe vom Greifswalder Boden aus mit Lebensmitteln versorgt.
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[ * ] Berlin, 14. August.
Gestern hat in Charlottenburg im café hypodròme eine Versammlung der Berliner und Charlottenburger Landwehr stattgefunden, wo man eine Petition an den König berieth, dem Prinzen von Preußen den Oberbefehl über das ganze Heer zu geben. Im Heer sollen bereits viele tausend Unterschriften gesammelt sein, womit man den König bei seiner Rückkehr zu überraschen gedenkt. ‒ Unter den Linden machte das Volk einige Demonstrationen gegen preußische Fahnen, und auf dem Kreuzberg sollen, wie [Forsetzung?]
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Große Tage liegen hinter uns. Tage, groß wie die Welt, groß wie der Dom. Erhabne Erinnerungen lassen sie zurück und manchen unangenehmen Schnupfen. In der That, die Kölner können sagen, daß sie für ihren König zwar nicht in's Feuer gegangen sind, wohl aber in's Wasser.
Gab es je ein herrlicheres Regenschauer als das vom Dienstag Morgen, zwischen eilf und zwölf? In die konstitutionellen Könige der Erde vertieft, hatte das Volk die absoluten Monarchen des Himmels vergessen, den Wolkenversammler Zeus, der ärgerlich darüber, plötzlich seine Schleusen öffnete und die gottvergessene Menge in so nachdrücklicher Weise von aller Unsauberkeit reinigte, daß wirklich an den meisten Menschen kein einziger sündhafter Zoll mehr zu waschen übrig blieb.
Nichts ist übrigens heiterer als so ein urkräftiger Guß über eine ehrfurchtsvoll harrende Menge. Es ist damit gerade so wie mit einem Pastor, der mitten im besten Redezuge auf offener Kanzel niesen muß. Alle Illusion ist verloren. Die frommen Pfarrkinder des Pastors werden daran erinnert, daß Alles irdisch ist und die armen Begossenen des Regengusses gehen mit dem kühlen Bewußtsein ihrer nassen Füße nach Hause und denken mehr an ein Paar warme Pantoffeln als an Ibrahim Pascha oder an die Königin Pomare.
Für mein Leben gern sehe ich aus einem trocknen Hinterhalte dem erfrischenden Schauspiele einer allgemeinen Taufe zu. Zuerst ein leiser Wind, der den Staub mit lustigen Kräuseln vom Boden erhebt ‒ die Locken einer schönen Dame gaukeln anmuthig an den blühenden Wangen vorüber. Dann ein fühlbarerer Stoß, der die Fensterläden und die Dachpfannen klappern läßt ‒ das Gewand unserer Dame schmiegt sich inniger um die harmonischen Formen des schlanken Wuchses. Hierauf die ersten schweren Tropfen, flüssige Perlen niederrollend auf die lechzende Erde ‒ unsre Dame schaut ängstlich empor und das hübsche Profil des schneeweißen Antlitzes sticht entzückend gegen den schwarzblauen Himmel ab. Jetzt Sturm und Regen zu gleicher Zeit, wirbelnder Staub und klappende Fenster ‒ unsere Dame zieht den Shawl über die seligen Schultern und sieht sich so ängstlich nach einem Regenschirm um, wie ein Gänschen nach dem Fittich der Mutter Gans. Immer heftiger stürmt es und tropft es, und immer unruhiger wird unsere jugendliche Schöne; kein Schirm, kein Mantel, kein Dach und kein Fach: losplatzt da die ungalanteste der Wolken und Himmel und Erde schwelgen im Kuß der nassen Umarmung ‒ unsere Dame reißt aus wie besessen. Aber ach, mit ihr flüchten auch alte Matronen und weinende Kinder, lange Gymnasiasten und duftende Hofräthe, Flegel vom Lande und gebildete Städter, Soldaten und Handwerker und Gemüsefrauen und Taschendiebe, bis unsere Dame zuletzt im Gedränge verschwindet und sich der ganze Haufen unter jauchzendem Verwünschen dem nächsten Zufluchtsort entgegendrängt, Hüte und Schuhe und Stöcke und erlöschende Cigarren im Strudel zurücklassend, immer vorwärtsdringend und immer toller verfolgt von dem heillosen Wetter und o, es giebt nichts köstlicheres als so eine allgemeine Retirade!
Leider sollte ich dem berühmten Festregen der Dombautage nicht so heiter zusehen. Tollkühn genug hatte ich mich gerade vor das Portal des Domes gepflanzt, fest entschlossen meinen Posten zu behaupten, denn ich sollte ja auf drei Schritt unsern Reichsverweser sehen und unsern König ‒ ich muß gestehen, ich befand mich in einer eigenthümlich schwarz-weiß und schwarz-roth-golden gemischten Stimmung. Der Regen floß hinab: ich stand wie eine Mauer. Ich habe da zum ersten Mal für einen König gelitten; ich bin stolz darauf. Ich wartete eine halbe Stunde, im Regen nämlich. Ein Verliebter kann nur so thöricht sein, oder Jemand der einen König sehen will. Weder der König noch der Reichsverweser wollte indeß aus dem Dom hinaus in's Freie treten.
So gequält von banger Erwartung und gepeitscht vom Regen legte ich mich auf den süßen Zeitvertreib des Gedankenspiels. Ist unser König nicht wirklich ein guter König ‒ sagte ich zu mir selbst. Ja wahrhaftig, er ist es! Wenn je ein Fürst rücksichtsvoll und artig mit einer Stadt verfuhr, so war es Friedrich Wilhelm. War ich nicht selbst dabei, als ihm die guten Kölner in ihrer Naivetät einst zur Karnevalszeit eine bunte Schellenkappe überreichten? Wir standen in der Komödienstraße, vor dem Eiserschen Saale, dem Lokale der jüngern Faschings-Gesellschaft. Da kam der königliche Wagen und eine Deputation, wenn ich mich nicht sehr irre mit dem Dr. B., dem jetzigen Abgeordneten zur Berliner Versammlung an ihrer Spitze, trat an den Wagenschlag und überreichte die herrlichste Mütze, die Schellenkappe, ‒ Gott weiß, wie man zu dieser Kühnheit kam! Ein Nero oder ein Tiberius würde uns gleich haben köpfen lassen ‒ Friedrich Wilhelm nahm die Narrenkappe aber lächelnd entgegen und seit der Zeit bin ich fest davon überzeugt, daß er ein geistreicher Mann und kein Nero ist. Es lebe die Naivetät der Kölner!
Die kölnischen Funken setzen ihre Schellenkappen eigentlich nie ab. Das ganze Jahr hindurch klingelt es ihnen in den Ohren wie Römergeklirr und „O Jerum! O Jerum!“ Man ist verrathen und verkauft wenn man mit diesen Leuten in ernster Weise anbinden will. Der Spaß ist der Grundzug ihres Charakters und dieser Spaß kitzelt sie auch bei jeder Gelegenheit. Die ganze Welt existirt nur für sie, damit Späße darüber gerissen werden. Ein Kölner ist mit seinem alten holprigen Köln so liebend verwachsen, wie ein Großvater mit seinem Schlafrock. Ein humoristischer Großvater und ein humoristischer Schlafrock. Ein Kölner ist ganz unglücklich wenn er nicht außer seinem Karneval jedes Jahr wenigstens zwei oder drei recht gründliche Feste in seinen Mauern feiert. Ein Musikfest, der Empfang eines hohen Geistlichen oder eines Künstlers, eine Erinnerungsfeier vergangener Herrlichkeit, ein politisches Fest, die Ankunft des neuen Weißen, ein Bockessen u. s. w., man
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@facs 0398
die Voss. Ztg. erzählt, „Männer mit rothen Federn an den Hüten“ Absichten gegen die preußische Fahne gehabt haben, was eben so merkwürdig ist, wie die zufällige Anwesenheit einer Schwadron Uhlanen bei der Fahne. ‒ Aus Königsberg schreibt man folgenden Vorfall: Vorgestern fiel ein 16 jähriger Junge zwei Soldaten auf der Straße an, brachte dem einen eine lebensgefährliche und dem andern eine leichte Wunde mit einem Taschenmesser bei. Wie man hört ist ein im Preußenverein zwischen diesen Soldaten und dem Jungen vorgefallener Streit die Ursache zu der Verübung des Mordanfalles gewesen. Er soll als er mit dem Messer nach jenen Leuten stach, die Worte ausgestoßen haben: „ich werde Euch lehren deutsch und nicht preußisch gesinnt zu sein.“
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Aus dem Großherzogthum Posen.
Der Militär- und Polizeidespotismus, durch welchen unser unglückliches Land so lange auf eine unerhörte Weise geknechtet wurde, hat nun ziemlich seine Endschaft erreicht, hiermit ist jedoch noch keine Beruhigung in die Gemüther gedrungen, denn wenn man früher jeden Augenblick gewärtig sein mußte, von Soldaten gemißhandelt, oder in schmutzigen Polizeiarresten wochenlang gefangen gehalten zu werden, so drohen jetzt unaufhörlich gerichtliche Untersuchungen und Verhaftungen. Das ganze Material schamloser und boshafter Denunciationen ist nämlich nunmehr den Gerichtsbehörden übergeben worden, und diese entwickeln in Verfolgung der Kompromittirten einen Eifer, welcher einer bessern Sache würdig wäre, und welcher sich selbst durch wohlmeinende, von Oben herabkommende Andeutungen einer bald zu erwartenden allgemeinen Amnestie, und durch den dort ausgesprochenen Wunsch, nur mild und versöhnend einzuwirken, nicht bändigen läßt. Wie kann es auch anders sein? Die Gerichtspersonen, welchen unsere Sensenmänner so viel Angst und Schreck bereiteten, können doch unmöglich diese schöne Gelegenheit zu einer eklatanten Satisfaktion vorübergehen lassen, und wenn sich auch Viele selbst sagen müssen, daß ihre Furcht eine übertriebene, und eben nur das Resultat gränzenloser Furchtsamkeit war, so sind dieselben doch nicht geneigt, dies einzugestehen, sie suchen vielmehr ihre Beschämung darüber in einem recht rigorösen Auftreten zu ersticken. ‒ Geschwornengerichte für politische Vergehungen sind schon längst und wiederholt versprochen, aber noch nicht in's Leben getreten, und so seufzen unsere Angeschuldigten nicht nur unter dem inquisitorischen Prinzipe eines allgemein repobirten Verfahrens, sondern sie stehen auch Richtern gegenüber, welchen mindestens jede Unbefangenheit abgeht.
Das nämliche Blatt enthält über die „Reaktion in Oberschlesien“ Folgendes: Wie dies kürzlich zu Herford in Westphalen geschehen, so hat auch das Kreisblatt von Polnisch-Wartenberg in Schlesien, das gewöhnliche Organ des dasigen landräthlichen Amtes, die Verbreitung derjenigen Gesinnungen sich angelegen sein lassen, welche in der Neuen Preußischen Zeitung vertreten werden. In einer der letzten Nummern gibt das Kreisblatt einen Aufsatz aus der genannten Zeitung, worin die Regierung aufgefordert wird, die Nationalversammlung nach Hause zu schicken, und worin man gleichzeitig dem Volke weiß machen will, der König sei nicht frei gewesen, als er im März das Versprechen freierer Institutionen gegeben habe. Unter diesem Aufsatze steht: auf höhere Veranlassung abgedruckt. Der Herr Minister des Innern hat hiervon Kenntniß genommen, und wird dem Verleger des P.-Wartenberger Kreisblattes Gelegenheit geben, sich darüber auszusprechen, von wem diese höhere Veranlassung ausgegangen ist.
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Hamburg, 14. Aug.
Die auf Verfügung des Senats zum Zwecke einzuleitender Untersuchung vorläufig verhafteten Mitglieder des in der Tonhalle am 7. d. gewählten „provisorischen Comite's“ sind nach stattgehabter Vernehmung, gegen gestellte Bürgschaft und von ihnen geleisteten Eid, sich zu dem ferneren Verfahren jeder Zeit stellen und sich aller aufrührerischen Bestrebungen, sei es durch Rede, Schrift oder That, enthalten zu wollen, ihrer Haft wieder entlassen.
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Apenrade, 14. Aug.
Die noch bei der dänischen Armee in Jütland befindlichen zwei schleswig'schen Bataillone sind, nach Aussage eines von unseren Patrouillen gefangen genommenen dänischen Jäger-Unteroffiziers, in offene Rebellion ausgebrochen, so daß man sie hat auflösen und entwaffnet nach Fühnen senden müssen. Ueberhaupt soll, außer bei einigen Freikorps, den Husaren und den Jägern, der Geist ein sehr schlechter bei der dänischen Armee sein, und die Muthlosigkeit immer mehr einreißen. Gar die Nachricht, daß nun noch 40,000 frischer Soldaten einrücken, soll viel Schrecken verursacht haben. Daher sind, außer den genannten Abtheilungen, die übrigen dänischen Truppen zu Patrouillen und Streifzügen gar nicht mehr zu gebrauchen. ‒ Heute rückte wieder hannover'sche Infanterie, die bis dahin in Rendsburg gelegen, hier durch der nördlichen Gränze zu.
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Flensburg, 13. Aug.
Die Blätter erzählen in diesen Tagen von dem dänischen Ueberfall eines Detachements preußischer Cuirassiere in Steppinge. Aus den Erzählungen ersehen wir wieder, in welcher schwächlichen und entmuthigenden Weise der Krieg von deutscher Seite und wie herausfordernd doch wenig ehrenvoll von dänischer Seite geführt wird. Das dänische Heer aus Schleswig fliehend, nie zum entscheidenden Kampfe Stich haltend, verbirgt sich hinter der Königsau. Die Königsau zu überschreiten, verbietet eine blöde Politik dem deutschen General. Ja es heißt, daß er seinen Soldaten bei strenger kriegsrechtlicher Strafe hat verbieten müssen, auch nur über die Gränze hinüber zu schießen, geschweige den angreifenden Feind zu verfolgen. Die deutschen Soldaten müssen sich von den dänischen Kugeln hereinschleichender Horden hinstrecken lassen, aber hinter seiner Gränze ist der Däne, des Deutschen ehrlosester Feind, für ihn unverwundbar. Wo gibt es ein zweites Volk dieser Erde, welches solche Schmach ertrug?
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Rendsburg, 14. August.
Gestern Mittag ist das weimarsche Bataillon reichlich 1000 Mann stark, gestern Abend um Mitternacht das Frankfurter Bataillon, wie es heißt 700 Mann stark, hier eingezogen. Diesen Morgen sind bereits beide weiter nach Norden marschirt. Ob sie Gelegenheit haben werden, sich Ruhm zu erwerben, scheint mehr als zweifelhaft, da allem Anschein nach die Waffenstillstands- und Friedensunterhandlungen im vollen Gange sind. Man bringt die Anwesenheit des zum Unterstaatssekretär im Reichsministerium der auswärtigen Angelegenheiten ernannten Hrn. Max Gagern hierselbst mit letzterem Zweck in Verbindung. Doch geht derselbe erst in einigen Tagen, wie man sagt, nach dem Hauptquartier. Morgen wird die ganze provisorische Regierung sich nach Kiel begeben, um bei Eröffnung der konstituirenden Versammlung zugegen zu sein.
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Stralsund, 13. Aug.
Diesen Mittag traf der Generalmajor Below von Berlin hieselbst ein und reiste per Dampfschiff nach Schweden weiter. Derselbe besitzt die Vollmacht des Königs von Preußen behufs Abschlusses der Verhandlungen mit Dänemark und machte kein Hehl daraus, daß die größte Hoffnung auf den Erfolg seiner Mission vorhanden und eine unverzügliche Beilegung der Streitfrage zu erwarten sei.
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Der Kaiser ist da, der Triumph der Demokratie ist vollständig. Bedenken Sie, der absoluteste Monarch der Erde hat sich zum dritten Male dem fordernden Willen seiner Völker unterworfen; er hat es in einem Augenblicke gethan, wo die Siegesbotschaften seiner absolutistischen Armee aus Italien ihn zu neuem Trotz hätten bestimmen können.
Noch gestern schwebte ich in banger Besorgniß über das Benehmen Wiens bei der Ankunft des Kaisers; ich glaubte Pferdeausspannen, Wagenziehen, Auf den Händentragen, Sklavenglücksgeschrei, Fackelzüge, Zufüßewerfen, kurz mein Herz empörende Unterwürfigkeit sehen und hören zu müssen; aber nun schäme ich mich dieser Besorgniß, denn Wiens Volk benahm sich groß und würdig. Im Vollgefühle seiner eigenen Majestät empfing es den Kaiser mit siegreicher Miene; auf allen Stirnen leuchtete der Gedanke: „Du kommst, weil wir's gewollt!“
Um 5 Uhr landete der Kaiser in Nußdorf und fuhr durch die dichten Reihen der von überallher, selbst von Brünn und Grätz, zusammengeströmten Nationalgarden in den Dom zum heiligen Stephan, um dort einem von dem Hofe bestellten Dank-Tedeum beizuwohnen, unterdessen sich das Volk über die Motivirung der Feier von Seiten des Hofes die Köpfe zerbrach, weil es nicht begreifen wollte, wofür der Hof sich denn eigentlich zu bedanken habe. Das Kaiserpaar wurde zwar überall mit Hochs empfangen, aber die Hochs am 28. Juli und am 6. August, wodurch die Revolution zum Grundsatz, Deutschland zum Vaterland emporgehoben worden, waren doch allmächtige Riesen dagegen. Seit dem März und 18. Mai hat Wien aber auch mehr als das Alphabet der Freiheit gelernt. Gegen halb acht Uhr trafen in einer ungeheuren Wagenreihe alle Deputirten des Reichstags, der Sicherheitsausschuß, Gemeindeausschuß u. s. w. im Schlosse zu Schönbrunn ein. Schon früher war der Palatin von Ungarn angekommen. Das Volk lagerte bis fast in die Gemächer des Schlosses hinein; hemmende Polizei ließ sich nirgendwo blicken. Um 8 Uhr erschienen die kaiserlichen Wagen, das Kaiserpaar schien nicht angenehm erregt zu sein; mit besorgnißvollem Erstaunen überschaute es die souveräne Menge; es kam mir vor als schwebe eine bloße Puppe über dem Geiste dieser Menge. ‒ Schmidt, der Präsident des Reichstags, der übrigens ohne alle Kleiderförmlichkeit vor den Kaiser trat, hielt eine an Inhalt der Antwort auf die Eröffnungsrede des Erzherzogs Johann gleiche Ansprache an den Kaiser. ‒ Die Beleuchtung war nicht so glänzend als ich es vermuthet hatte. Einen unangenehmen Eindruck verursachte es übrigens, daß das Haupt der Kamarilla, die Erzherzogin Sophie, nebst ihrem Pantoffelgemahl, mit dem Kaiserpaare zugleich in demselben Wagen erschienen; man zischte sogar mitunter. Sophie sollte nämlich nach dem Programm erst heute eintreffen; doch die Erwägung, daß sie dann ohne alle Empfangsfeierlichkeit hier hätte einziehen müssen, mag wohl ihren Entschluß umgeändert haben. Daß die Hofhefe ihre Intriguen trotz der erzwungenen Rückkehr noch lange nicht aufgeben wird, weil sie dadurch nur noch giftiger geworden sein muß, ist natürlich und wird zum Theil schon durch ein Plakat dargethan, welches heute in aller Frühe in den Straßen angeheftet erschien. Es ist dies nämlich eine Erklärung, welche mit seiner Unterschrift der Ban Jellachich in die Agramer Zeitung vom 8. August angeblich hatte einrücken lassen. Jellachich sagt darin ungefähr, daß er sich, um die Wünsche seiner Kroaten, Illyrier und Serben mit Ungarn und dem kaiserlichen Willen in Einklang zu bringen, mit Gefahr seines Lebens zum dritten Male in die Hauptstadt der Gesammtmonarchie begeben und, die Anwesenheit Johanns benutzend, eine Versöhnung erwartet habe, wodurch die ungetrennte Einheit der zur apostolischen Krone (!) gehörenden Länder und Völker untereinander und mit der großen Monarchie erhalten würde, daß er sich dazu ungeachtet des schmählichen Beschlusses vom 10. Juli (wodurch Ungarn ihn zum Reichsfeind erklärt) entschlossen habe. „Zur Grundlage,“ fährt er fort, „der von Johann übernommenen Vermittelung mußte ich, als von ihm selbst bestellter Vertreter der Nation, (?) nach dem Beschlusse des letzten Landtags (?) die Vereinigung der Ministerien des Kriegs, der Finanzen und der auswärtigen Geschäfte mit der Verwaltung der Gesammtmonarchie die volle Wahrung und Gleichberechtigung unserer Nationalität und Sprache, sowohl in der inneren Verwaltung als auf dem gemeinsamen Reichstag in Ungarn und endlich die Erfüllung der Wünsche und Ansprüche der serbischen Nation in Ungarn feststellen, eine Grundlage, von welcher abzugehen mir weder meine Ueberzeugung erlaubte, noch der ausgesprochene Wille der Nation ein Recht gab. Dieses guten Vorhabens ungeachtet, so schließt der serbische Räuberchef, hätten sich der Palatin (den er in Agram in Effigie an den Galgen hat aufhängen lassen) und Ministerpräsident (Bathyany) dem Reichstag und seiner Partei gegenüber nicht in die Lage versetzt, ihm auf diesem letzten Schritt die verlangte Gnugthuung zu geben, und müsse es daher der Zukunft anheimgestellt bleiben die kroatische Sache zu entscheiden. Italien ist zerschmettert, nun soll es mit aller Macht über Ungarn hergehen, und diese Erklärung ist nichts weiter als die Kriegserklärung Jellachich's, wodurch alle Schuld auf Ungarn gewälzt und die Gemüther Wiens dawider aufgestachelt werden sollen. Mit dieser Kriegserklärung steht aber eine ebenfalls in den Straßen angeheftete, von morgen an stattfindende freiwillige Werbung für das steierische Schützen-Freibataillon um so mehr in offenbarem Zusammenhang, als man damit die durch Jellachich's Erklärung in Wien gewonnenen Slaven mit denen in Steiermark vereint in der Nähe Wiens und Ungarns bewaffnet aufstellen kann. So erklärt sich auch Jellachich's Anwesenheit in Grätz.
Die Nationalgarde duldete, wie schon bemerkt, bei der Ankunft des Kaisers, weder in Wien, noch in Schönbrunn, Polizeiaufstellung. ‒ In seinem bösen Gewissen träumte man sich indessen allerhand Möglichkeiten, und meinte gar, es könne, um mich eines stereotypen Ausdrucks zu bedienen, von einer gewissen Partei auf einen Handstreich gegen den Kaiser abgesehen sein. Aus diesem Grunde wurden theils öffentlich unter Vorwänden, theils insgeheim, Abtheilungen Militär, schwere Kavallerie und Infanterie, nach Schönbrunn beordert, und alle Posten sorgfältiger als gewöhnlich, mit Jägern bestellt, deren Gesinnung als volksfeindlich bekannt ist. Ferner wurde die versteckte, aber dicht beim Schlosse gelegene Reitschule in aller Eile zur Aufnahme von Kavallerie und Infanterie eingerichtet.
Der größere Theil der Kamarilla ist in Innsbruck verblieben, die Operationen dürften vorläufig daher schwieriger sein. Daß der Empfang des Kaisers ein nicht blos konstitutioneller, sondern ein eines souveränen Volks durchaus würdiger gewesen, geht, wenn man ihn recht ansieht, indirekt selbst aus dem altösterreichischen Pfaffensalbader der Wiener Zeitung hervor, in welchem sie gestehen muß, daß der Reichstag an dem Te Deum keinen Theil genommen, sondern sich darauf beschränkt hat, den Kaiser in Schönbrunn zu erwarten, weil er ihn aus Innsbruck zurückgefordert hatte.
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[ 15 ] Wien, 13. August.
Wir haben gesiegt, wir, das souveräne Volk von Oesterreich! Das Volk hat in seiner Reichstagsdeputation den Kaiser zurückgeführt in seine Residenz, auf den Platz, den ihn die Hofpartei so feige verlassen machte. Wir haben gesiegt, die Revolution ist anerkannt, ist sanktionirt, und wird nun unaufhaltsam ihren Gang fortgehen; die Umgestaltung des Staates durch den Reichstag wird vollendet werden, wie bitter auch die Bezwinger Mailand's darüber grollen.
Der Einzug des Kaisers ‒ er erfolgte gestern Abend 6 1/2 Uhr ‒ war ein wahrer Triumphzug des Volkes, das in allen Straßen wogte und seinen reuigen Fürsten mit ziemlich lauer Feierlichkeit empfing. Der Kaiser sah sehr blaß aus und schien sehr ergriffen, über die Wangen der Kaiserin rollten helle Thränen. Ruhiger, stolzer, sicherer blickte die Erzherzogin Sophie über die Menge hin, sie scheint den Sieg des Volkes noch gern als ihr Werk betrachtet wissen zu wollen. Einige Hofdamen der Suite, namentlich die berüchtigte Bibini, empfingen an der Bognergasse die unzweideutigsten Beweise der öffentlichen Meinung über sie in gellenden Pfiffen. Nach dem im Dome zu St. Stephan abgehaltenen Te Deum eilte der Hof nach Schönbrunn, wohin ihn der Reichstag in corpore begleitete.
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Heute hat endlich der Minister Schwarzer bei Gloggnitz den ersten Spatenstich zur Gebirgseisenbahn über den Sömmering thun lassen, und soll dies großartige Werk, das unter der alten Büreaukratie aus Bedenklichkeiten aller Art niemals zu Stande gekommen wäre, nunmehr in raschester Weise gefördert werden, denn ohne Vollendung dieser bedeutenden Wegstrecke (mit Umwegen 5 Meilen) kann der Verkehr der Südbahn, obschon diese eben auf einen großartigen Handelsverkehr angewiesen ist, nie seine volle Wichtigkeit erlangen, da die Umladungen ein zu lästiges Hinderniß sind.
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[ * ] Mailand, 11. August.
Gestern erst ist Como von den Oestreichern besetzt worden. Sie haben den Ticino überschritten und Gravellona besetzt. Sie sollen dabei erklärt haben, daß sie nur kämen, um den Sardinerkönig vor jeglichem Attentat, „böswilliger und stürmischer Neuerer“ zu beschützen. Natürlich ist ein Dienst des andern werth. Für den Verrath an den Lombarden, Venetianern, Modenesen etc.: erhält jetzt Karl Albert Schutz gegen [Fortsetzung]
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[Fortsetzung] ist wahrhaftig nicht verlegen um irgend einen denkwürdigen Gegenstand. Für alle möglichen Feierlichkeiten ist man vorbereitet. Wenigstens zwei oder drei Mal im Jahre läutet man zur Feier irgend eines Festes mit allen Glocken und mit allen Römergläsern; wenigstens zwei oder drei Mal schießt man aus Kanonen und Böllern und läßt Raketen aufsteigen und steckt die Giebel der Häuser voll Fahnen und schmückt die Thüren mit Eichenlaub und die eigenen Rücken mit Sonntagsröcken; wenigstens zwei oder drei Mal öffnet man die Kirchen, damit alle Welt die lieblichen Heiligenbilder sehe und läßt die Wirthshäuser wagenweit offen stehen, damit jeder Fremde sich davon überzeuge, wie die Kölner so fromme und so lustige Leute sind; wenigstens zwei oder drei Mal läßt man die Lokalgrößen ihre wundervollsten Reden halten, die Mädchen und Frauen ihre schönsten Kleider spazieren führen, alle Stadtmusikanten zu irgend einem stillen Gartenvergnügen ihre Waldhörner blasen und zwei oder drei Mal im Jahre läßt man den alten Gürzenich bis in seine basaltenen Grundfesten zittern von dem Tanz oder dem Gelage seiner heitersten Bürger. So war es bisher und so wird es in Zukunft sein; der Feste wird es geben in Cöln, so lange Groß-Martin und der Baienthurm in den Rhein schauen und so lange über dem Rhein das alte Banner weht mit den 3 Kronen und den 11 Funken und den Farben roth und weiß, die gewissermaßen das Sinnbild des vielen rothen und weißen Weines sind, der in Köln getrunken wird.
So mit Erinnerungen spielend und zitternd vor Nässe und süßer Erwartung mochte ich eine halbe Stunde im furchtbarsten Gedränge gestanden haben, da entstand vor der Thüre des Domes eine unruhige Bewegung; die Mäuler flüsterten, die Hälse reckten sich, die Regenschirme wurden geschlossen und Federbüsche und lange Schnurrbärte und kriegerische Figuren nickten in den Domhof hinaus.
Voran der Erzherzog Reichsverweser und der König von Preußen. Der Reichsverweser ist ein kleiner, alter Mann mit gutmüthigem Gesichte und mit großem fahlen Schädel. In der That, dieser ernste Schädel hängt über dem freundlichen Antlitz wie Gletscher über einem friedlichen Alpenthale. Der alte Herr nahm sich ganz liebenswürdig in dem grauen Soldatenmäntelchen aus; nach der frommen Hitze des Domes schien es ihn in der feuchten Außenwelt zu frösteln; er hielt die Krämpe des Mantels fest an einander und trippelte vorsichtig über die glatten Steine. Wenn ich nicht den tiefsten Respekt vor unserm Reichsverweser hätte, so glaube ich, daß mir das Lachen näher gewesen wäre, als das Weinen. Es ist nämlich ein Fehler meiner Einbildungskraft, daß ich mir einen Kaiser, oder einen Reichsverweser, noch immer wenigstens 7 Fuß hoch denke, mit furchtbaren Lenden, breiter Brust, schrecklichem Barte ‒ mit einem Worte, ein Kaiser mußte meiner Meinung nach ein Eisenfresser sein, ein Mann, der bei jedem Ritt ein oder zwei Hengste zu Schanden reitet, der die Türken lebendig frißt und allzeit Mehrer des Reiches mit einem Säbel über das Pflaster rasselt, bei dem einem alle Schrecken des jüngsten Gerichts einfallen. Wie freute ich mich daher, als ich das friedliche Antlitz des alten Johann erblickte. Es wurde mir ganz familiär zu Muthe, ich würde den Hut vom Kopf gerissen und ihn bewillkommend geschwenkt haben, wenn nicht meine Hände in den Taschen gesessen hätten und dergestalt von meinen schaulustigen Nachbarn zusammengepreßt worden wären, daß nur eine Herzensregung nicht zu den Unmöglichkeiten gehörte und an ein Schwingen des Hutes vollends gar nicht zu denken war. Genug, der alte Erzherzog Reichsverweser hat mir ausnehmend gut gefallen; was mich betrifft, so habe ich mir fest vorgenommen ihn nie zu kränken, weder durch Wort noch durch Schrift; und was ihn angeht, so erwarte ich, daß Herr Johann ebenfalls Mitleid mit mir haben und mich nie köpfen lassen wird. Se. Majestät den König von Preußen kannte ich schon von früher. Er ist noch immer derselbe, wohlaussehende Mann, mit den jugendlich rothen Wangen und dem pfiffigen Lächeln. Manche meiner Nachbarn behaupteten freilich, er sei etwas magerer geworden, man sähe Spuren der Sorge und der Betrübniß in seinen Zügen und sein Auge strahle nicht mehr so volksvertrauend wie früher.
Ich muß gestehen, ich halte diese Ansicht für grundfalsch. Ich habe noch nie eine so heitere Majestät gesehen ‒ und ist nicht alle Ursache dazu vorhanden? geht nicht Alles nach Wunsch? ist nicht Alles wieder ruhig und kommt nicht Alles Herrn Hansemann auf die Kappe, wenn wieder einmal ein unhöflicher Krawall losbrechen sollte? Aus voller Kehle schrie ich daher: „Es lebe der König!“ und: „Es lebe der Erzherzog Reichsverweser!“ und ich mäßigte erst meinen Jubel als einige alte Generäle mit grausenerregenden Gesichtern den beiden Fürsten auf dem Fuße folgten und mich mit so komischen Augen von oben bis unten betrachteten, als merkten sie trotz meiner loyalen Jubelausbrüche einigen Unrath und als wollten sie sagen: „Kerl, du bist doch ein Kryptorepublikaner und der Teufel soll dich holen, Kanaille!“ ‒ Da saßen die Fürsten in der Tiefe des schützenden Wagens und hinter ihnen her wogte das Volk, lange Gymnasiasten und duftende Hofräthe, Flegel vom Lande und gebildete Städter, Soldaten und Handwerker, Gemüseweiber und Taschendiebe, und in dem steinernen Laubgewinde des Domes fingen die Glocken an zu brummen und zu summen, gleich riesigen Käfern in den Zweigen einer Linde und unter Lachen und Fluchen, unter Boxen, Beten, Grunzen und Hurrahrufen stürzte der Strom der Menge in die engen Gassen hinunter, daß man seinen besten Feinden auf die Hühneraugen trat und an den Wänden der Häuser hinauf zu fliegen meinte vor lauter Luft und Begeisterung.
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Der Ballon des Herrn Coxwell.
Der bekannte englische Luftschiffer Herr Coxwell ist bereits 2 Mal von Köln aufgestiegen. Das erste Mal, am vorigen Sonntag, erhob sich der Ballon in östlicher Richtung und senkte sich nach einer Fahrt von 3/4 Stunden bei Neu-Hohenrath, Bürgerm. Wahlscheidt, in einer Entfernung von 7 Stunden. Gestern, am Mittwoch, beim herrlichsten Wetter, trieb der Ballon in nordwestlicher Richtung und fiel nach einer Fahrt von 1 Stunde, in einer Entfernung von 5 1/2 Stunden bei Evinghoven, Kreis Grevenbroich. Jedesmal wurde Herr Coxwell von mehreren Freunden begleitet. Der Coxwell'sche Ballon ist von höherer Elegance als der Green'sche und vielleicht der größeste der existirt.
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@facs 0399
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 595.]
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[ * ] Verona, 11. Aug.
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[ * ] Genua, 10. August.
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Bukarest, 24. Juli.
Hier sind folgende Dekrete erschienen: Im Namen des rumanischen Volkes! Gerechtigkeit, Brüderlichkeit. Die provisorische Regierung decretirt: Dem Willen des rumanischen Volkes gemäß sind Rang und Titularwürden für immer abgeschafft. Fortan wird Niemand in was immer für einem öffentlichen Akt sich irgend einen Rang beilegen können. Der einzige Unterschied der zwischen den Rumanen bestehen wird, ist der ihrer Tugenden und ihrer Verdienste um das Vaterland. ‒ Ein Dekret fordert jeden Bewohner der Hauptstadt auf, der im Besitze von zwei Gewehren ist, eins dem Staate zu leihen. Endlich wird im Civil- wie im Militärgericht die entehrende Prügelstrafe im ganzen Lande für immer abgeschafft. ‒ An den österreichischen Agenten Timoni richtet „ein compactes Häuflein österreichischer Staatsbürger“ einen Aufruf, worin die Aufpflanzung der schwarz-roth-goldenen Fahne, statt der schwarz-gelben, die noch immer vom Agentiegebäude herabweht, verlangt wird.
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Bukarest, 26. Juli.
Die provisorische Regierung fordert zur Unterzeichnung einer Adresse an den Kaiser von Rußland auf. Diese lautet:
Bukarest, 20. Juli. Im Namen des rumanischen Volks. Gerechtigkeit, Brüderlichkeit! Die provisorische Regierung. Brüder! In Uebereinstimmung mit der Proklamation des Volkes hat die Regierung folgende Adresse verfaßt, welche von Seiten des Landes Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland zugesendet werden soll. Ihr werdet daher sämmtlich zur Kenntnißnahme von dieser gedruckt circulirenden Adresse eingeladen und ersucht, dieselbe auf der Kommission, in deren Bezirk ihr wohnt, zu unterschreiben. Gruß und Brüderlichkeit. Die Mitglieder der Regierung. Neophit, Metropolit der Ungro-Walachei: Ehr. Tell. St. Golesco. G. Magieru. I. Eliad. K. A. Rosetti.
Sire! Nachdem sich das rumanische Volk mit Vorbehalt einer unabhängigen Verwaltung im Innern unter Suzerainetät der hohen Pforte gestellt, hat es stets gegen jeden Versuch von innen oder von außen, dieses Recht, die erste und hauptsächliche Bedingung seiner Unterwerfung, anzugreifen, protestirt. Daher kam es, daß die zwischen der hohen Pforte und Rußland geschlossenen Tractate dieses Recht Rumaniens bekräftigten und sicherten durch die Bürgschaft der letztern Macht. So hat der Tractat von Akjerman, in Berücksichtigung, daß Rumaniens Wohlfahrt durch Einsetzung fremder Fürsten stets gefährdet sei, dem Lande das Recht eingeräumt, sich seinen Fürsten aus seiner Mitte zu wählen; und im Jahr 1829, als sich das Bedürfniß einer socialen Reform noch fühlbarer machte, wurde durch die Traktate von Adrianopel das organische Reglement eingeführt. In allen diesen Verhältnissen hat der kaiserl. russische Hof bei Abschluß der Tractate mit der Pforte sich auf den Willen des rumanischen Volks berufen, gestützt auf eine gewisse Anzahl Unterschriften von Personen, welche das Bedürfniß einer radikalen Reform weniger empfanden, denn sie gehörten Alle der privilegirten Klasse an. Das rumanische Volk, welches in dem organischen Reglement die Morgenröthe seiner Freiheit und seines Heiles zu begrüßen wähnte, hat nach trauriger, siebenjähriger Erfahrung seinen Irrthum eingesehen und sich soeben durch eine friedliche, würdevolle Revolution Gesetze gegeben, welche mit den Fortschritten der Civilisation und den Bedürfnissen des Landes in besserm Einklange stehen. Diese Revolution war binnen drei Stunden vollendet, ohne daß man das mindeste Unglück zu beklagen hatte, ohne daß die öffentliche Ruhe nur einen Augenblick gestört worden wäre. Indem Fürst Bibesco, nachdem er die ihm zur Bestätigung vorgelegte Konstitution unterzeichnet, zwei Tage später die Regierung niederlegte, mußte eine provisorische Regierung, den Metropoliten an der Spitze, sich organisiren, und sie arbeitet seither ohne Unterlaß, die gute Ordnung aufrecht zu erhalten, welche nichts zu wünschen übrig läßt, und die neue Reform in Ausführung zu bringen, welche da sie sich nur mit Ordnung der innern Angelegenheiten auf breitern und angemessenern Grundlagen befaßt, die Rechte keiner fremden Macht im mindesten verletzt. Diese neue, von dem einstimmigen Wunsche des rumanischen Volks geforderte und festgestellte Ordnung der Dinge haben die Unterzeichneten die Ehre, im Namen des Volks zur Kenntniß Ew. kaiserl. Maj. zu bringen, wie sie dieselbe auch zu gleicher Zeit im Angesicht Europas ausgesprochen, fest überzeugt, daß Ew. Maj. sie ansehen werden als eine natürliche Folge der Unabhängigkeit unserer innern Verwaltung, einer Unabhängigkeit, welche nothwendigerweise das Recht nach sich zieht, die Gesetzgebung des Landes zu modificiren, ja sie gänzlich umzuändern. Von diesem Grundsatz ausgehend, und ohne Zweifel über die Aufrichtigkeit der Sympathien, welche Rußland stets für uns an den Tag gelegt, leben wir der festen Hoffnung, daß Ew. Maj. dieses Werk friedlicher Regeneration, den einzigen und wahrhaften Ausdruck des Volkswillens anzuerkennen keinen Anstand nehmen werde. Endlich glauben wir erklären zu müssen, daß wir an ganz Europa appelliren, uns unter seinen unmittelbaren Schutz stellen und seinen Beistand ansprechen für den Fall, daß man unserm Recht und der neuen Ordnung der Dinge Anerkennung verweigern sollte.
[(Sieb. W.)]
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Pesth, 9. Aug.
Wie gut man in Deutschland von den ungarischen Zuständen unterrichtet ist, erhellt daraus, daß Hr. Möring am 22. Juli im Parlament zu Frankfurt begeistert sagte: „Vor Allem Bündniß mit Ungarn. Ungarn habe 200,000 Mann aus dem Boden gestampft, die für die deutsche Sache in die Schranken treten werden; er fordere die Versammlung auf, diese große Anstrengung anzuerkennen, indem sie sich erhebe,“ und die Versammlung erhob sich in der That, ohne daß auch nur eine Stimme dagegen moderirend auftrat. Beruhte diese Begeisterung nicht auf gänzlicher Unkenntniß der ungarischen Verhältnisse, so müßte man solche eine Verhohnung der deutschen Nation nennen; denn von den 200,000 Mann, wovon beiläufig bemerkt, vorerst nur 40,000 Mann konscribirt werden sollen, ist bis zur Stunde auch noch nicht ein Mann gestellt.
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Groß-Becskerek, 6. August.
Gestern wurde ein Versuch gemacht, den von den Raitzen eroberten Ort Neuzina zurückzunehmen.
Neuzina ist durch unsere Truppen wieder erobert worden. Die Empörer haben einen harten Schlag erhalten.
Zwischen Neuzina und Szàrcsa ist die Erde mit vielen Leichnamen bedeckt.
[(Oppos.)]
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[ *** ] Zürich, 14. August.
Zwar nicht einstimmig, wie ich in meinem letzten Schreiben vermuthete, aber doch mit großer Mehrheit ist in Zürich, Bern, Solothurn, Genf und Baselland vom Volk die Bundesverfassung angenommen, in Zürich mit 25061 gegen 2488. Am meisten verwerfende Stimmen ergaben sich, nicht in Bern, wie man erwartet hatte, sondern in Solothurn, wo man es am wenigsten erwartet hatte, nämlich 3810 Verwerfende gegen 4141 Annehmende; unter den sechs Amteien hatte Dorneck und Thierstein, das sogenannte Schwarzbubeland, mit großer Mehrheit verworfen. Ich glaube beinah, die Schwarzbuben und die übrigen verwerfenden Solothurner haben blos einmal ihren eigenen Kopf aufsetzen und Herrn Münzinger zeigen wollen, daß doch nicht immer Alles nach seiner Pfeife tanzen mag. Es wäre allerdings wohl schicklicher gewesen, dieses bei einer minder wichtigen Gelegenheit zu zeigen, aber wenn dem Schweizer einmal etwas quer durch den Kopf geht, so läßt er auch nicht davon ab. Und so gar wichtig erscheint ihm denn so eine Bundesverfassung auch nicht; das zeigt sich schon in der großen Anzahl stimmfähiger Bürger, die gar nicht an der Abstimmung Theil genommen haben; in Zürich war es über die Hälfte, in Bern wohl 4/5, die gar nicht mitgestimmt haben. Die Schweizer thun ganz erstaunt über diesen Mangel an Theilnahme und suchen ihn aus allerlei Gründen zu erklären, da sie den wahren und ganz auf der flachen Hand liegenden Grund, den beschränkten Kantönligeist, der ein allgemeines Interesse an Bundesangelegenheiten nicht aufkommen läßt, sich nicht gern eingestehen wollen, denn er paßt allerdings schlecht zu den eidgenössischen Phrasen, womit man sich so gern amüsirt. In Bern hatte man (die Annahme erfolgte mit etwa 11000 gegen 1353 Stimmen) auf eine größere Zahl verwerfender Stimmen gerechnet; denn die Berner Unitarier, die wohl wußten, daß von dem Standpunkte ihrer Einheitsbestrebungen aus das Volk nicht gegen den Bundesentwurf in Bewegung zu setzen sein würde, hatten an das Kantonalinteresse appellirt, und den Bernern vorgerechnet, daß ihr Kanton bei der neuen Bundesverfassung jährlich 400,000 Schw. Fr. Schaden haben würde. Und dennoch nur 1353 Stimmen! Man sieht, wie wenig die Schweizer von einem Einheitsstaate etwas wissen wollen. Ich will es durchaus nicht bestreiten, daß der Bundesentwurf wesentliche Mängel darbietet; indessen das Schweizervolk wollte nun einmal nicht auf revolutionärem Wege mit der Vergangenheit brechen, und somit mußte denn auch die Bundesrevisionskommission auf die speziellen Verhältnisse und Wünsche von 22 Kantonen und außerdem noch auf hunderttausend Privatköpfe Rücksicht nehmen. Unter den Verwerfenden haben aber, mit Ausnahme der hier und da zerstreuten Unitarier, die Wenigsten sich durch die wirklichen Mängel des Entwurfes bestimmen lassen; denn selbst im Kanton Zürich, der unter den deutschen Kantonen der politisch gebildetste sein will, herrscht bei einem großen Theile des Volks eine ganz erschreckliche Unwissenheit in Beziehung auf die Bundesverhältnisse und auf das Wesen der neuen Bundesverfassung. Wo die Einzelnen für Verwerfung stimmten, da war's entweder ein ganz untergeordneter, unwesentlicher Punkt, oder auch irgend ein querer Einfall, der sie dazu bewog. Die kleine Gemeinde Zumikon im Kanton Zürich stimmte für Verwerfung, weil sie in der Verfassung die Garantie für die Neujahrgeiger (eine Art privilegirte musicirende Bettelei) vermißte. In einer andern Gemeinde stimmte ein alter Mann, der Einzige in der ganzen Gemeinde, für die Verwerfung; auf die Fragen seiner Mitbürger, welche gern einstimmige Annahme in ihrer Gemeinde gesehen hätten, wußte er nichts zu erwiedern als: „es gefallt mir nun emol nütt.“ Die demokratischen Waadtländer sind dem Entwurf auch gar nicht sonderlich gewogen, aber aus entgegengesetzten Gründen, als die Berner Radikalen, mit denen sie sonst, namentlich in der auswärtigen Politik, sympathisiren. In einer Versammlung der „patriotischen Association“ drang Eytel entschieden auf Verwerfung; die Versammlung fand, der Entwurf sei zu wenig demokratisch ‒ nun das begreift sich und ist ganz plausibel; sodann, er sei allzu unitarisch. Der Staatsrath trägt zwar beim Gr. Rathe auf Annahme an, aber in sehr kühlen Worten; kurz das Schicksal der Bundesverfassung in der Stadt Waadt ist noch sehr zweifelhaft. ‒ Der Tessiner Staatsrath hat eine Proklamation erlassen, die bedrängte Lage der unglücklichen Flüchtlinge nicht zu benutzen, um sie zu übervortheilen; die Tessiner scheinen dieses also ziemlich stark getrieben zu haben. Die Zahl der Flüchtlinge ist unglaublich groß, namentlich von jüngeren Männern, die durch das Gerücht, Radetzky stecke alle jungen Leute unter die Soldaten und schicke sie nach Ungarn, zu dieser massenhaften Flucht veranlaßt wurden.
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[ * ] Lissabon, 9. Aug.
Die Regierung hat mit ihren Finanzplänen bezüglich der Dividenzahlung in der Deputirtenkammer gesiegt; im Senat aber setzte die Opposition mehrere wichtige veränderungen in zwei von den Minister vorgelegten Gesetzentwürfen durch. Silva Cabeal, früher der intimste Bundesgenosse seines Bruders Casta Cabral, ist jetzt dessen entschiedenster Gegner in den Cortes. Die Verhaftung des Gonzales Bravo in Madrid machte hiehr bedeutendes Aufsehen.
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Zum 4. August waren hier 1578 Cholerakranke in Behandlung verblieben; im Verlaufe dieses Tages erkrankten 64, genasen 126 und starben 45 (darunter 24 in den Wohnungen). Es verblieben zum 5. August 1471 Kranke in Behandlung. Im Laufe des 5. kamen hinzu 61, 138 genasen, 30 starben (darunter 17 in den Wohnungen.) Zum 6. blieben demnach noch 1364 in Behandlung.
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[ 17 ] Paris, 14. August.
(Schluß des gestern abgebrochenen Artikels):
Der „Representant du Peuple“ Proudhon's kündigt an, mehrere Kapitalisten hätten ihm bereits die Kaution von 24,000 Fr. zu Gebot gestellt, und bringt einen schneidenden Angriffsartikel auf die „Malthusianer, in deren tödtenden Händen jetzt Frankreich schmachtet“, auf „die Herren vom Constitutionnel und deren langen bösen Schleppschweif, der durch die ganze Presse sich hinzieht,“ gegen „die Infamen, welche im Alleinbesitz des großen Kapitals zehren vom Marke des Arbeitervolkes und höhnisch frech demselben zurufen: zeuge nur immerfort Töchter, wir wollen sie lieben; für die Knaben freilich ist kein Platz mehr nach dieser Theorie am Orgientische des Lebens, die können und sollen verhungern. Das Gouvernement ist von Malthus inspirirt gewesen, als es die hunderttausend Nationalatelierarbeiter absichtlich arbeitslos ließ oder zu fruchtloser Scheinarbeit verdammte, wodurch sie lächerlich wurden; von Malthus inspirirt, als es die Transportirung der Gefangenen dekretirte; Malthus ist überall, wo der Große den Kleinen aussaugt und noch größer und dicker wird, Malthus ist auch, wo der große Industrielle den kleinen Gewerbsmann, der große Kaufherr den kleinen Händler, der große Geschäftsmann den kleinen Agenten niederdrückt u. s. w. Die „Vraie Republique“ stimmt völlig bei und fragt: „Ist den Machthabern des Tages etwa unbekannt, daß vor 50 Jahren bei uns zwei Dürftige auf zwölf, heute aber zwei auf neun gezählt werden? Daß 22 Millionen vom Salair Lebende, und 8 Mill. Bettler zwischen Rhein und Pyrenäen seufzen und fluchen? Wenn ihr diesem Umstande nicht abhelfen mögt, dann war es nicht nöthig eine Februarrevolution zu machen. Ihr geht einer heitern Zukunft entgegen, meine lieben Herren, wir gratuliren zu diesem steigenden Wohlbefinden unserer armen Nation.“ Der „Père du Chène“ ist endlich wieder erschienen, er erklärt nichts über die Junischlacht sagen zu wollen, da er entweder zu wenig oder zu viel sagen würde, vor Allem aber die Republik retten wolle. Er hatte an die Kammer vor ihrem Votum über die Journalkautionen eine Petition zugeschickt, worin es hieß: „um dem Preßmißbrauch vorzubeugen macht ihr aus dem Rechte Aller ein Recht einiger Weniger; aus der Sittlichkeitsfrage macht ihr eine Geldfrage, und doch hat die Februarrevolution selbst die Ansprüche der Kapacitäten abgeschaft; ihr seid im besten Zuge Frankreichs Nation in zwei sehr ungleiche Haufen zu spalten, in die Reichen und Armen, in die Erwählten und Verfluchten. Zu den erstern sprecht ihr: Gebt Geld, Geld! und eure Gedanken und Federn sind frei; zu den letztern: Ihr müßt schweigen, denn ihr seid im Verdacht, eine Gesellschaft stürzen zu wollen, wo der Zufall der Geburt nicht Jedem das große Loos zuwirft; also still, ihr Unbemittelten! nur die Juden des Gedankens dürfen fortan reden. Repräsentanten! ihr solltet verzichten auf jede Vorkehrungsmaßregel; sonst müßtet ihr auch vom Kaufmann Gewähr verlangen, daß er nicht die öffentliche materielle Gesundheit, vom Priester und Lehrer, daß er nicht das geistige Wohl vergifte; das wäre logisch. Ihr müßt wissen, mit Geldbußen straft ihr weniger den Schuldigen, als seine unschuldige Familie; ihr erdrosselt die Presse des Arbeitervolks, und drängt den Groll zurück in das Herz, wo er verwüstet und zu neuer schrecklicher Verwüstung aufstachelt. Straft aber streng jede Verläumdung in der Presse; das wird genügen.“ Er bevorschlagt ferner die auf etwa 40,000 Fr. gestiegene, für das riesenhafte Volksbanquet à 5 Sous bestimmte und auf der Bank deponirte Summe jetzt ohne Säumen an die nothleidenden Angehörigen der Gefangenen auszutheilen; den Arbeitern im Seinedepartement räth er bei der nahen Ersatzwahl zweier Repräsentanten ihre Stimmen auf nur zwei Männer zu koncentriren. Ein Gespräch zwischen einem Bourgeois und Bauer findet sich in dieser Nummer, worin es heißt:
„Sagt mal, Bourgeois, was ist das: Sozialisten? ‒ Ha, das sind Räuber, Schufte! ‒ So? ‒ Ja, das sind Hunde, sie wollen, daß die Republik allen Arbeitern Arbeit sichere. ‒ Na, das ist nicht übel. ‒ Was? ‒ nicht übel? es ist scheußlich, wir reiche Leute müßten ja dann Geld ausgeben. ‒ Na, das wäre nicht schlimm. ‒ (Der Bourgeois wird roth und bläulich, bebt vor Wuth) Was? nicht schlimm? das wäre ja der Todesstoß für Freiheit, Familie, Eigenthum!! Ho, wenn alle Welt arbeiten thäte, das wäre kein Unglück für die Familien und das Eigenthum, scheint mir's. ‒ (Der Bourgeois fährt krampfhaft zusammen, schimpft den Bauern, der aber sagt): Na, ruhig da, nicht so hitzig; die Reichen haben ihr Geld im Kasten verschlossen, dem Armen keine Arbeit gegeben, also den Armen am Eigenthum geschmälert und zum Tode verdammt, denn Arbeit ist sein einziges Eigenthum. ‒ Das sagen die verfluchten Sozialisten! ‒ So? na, nur zu, dann bin ich auch ein Räuber, auf die Namen kommt nichts an, Bourgeois, guten Abend.“ ‒ Daß eine Reaktion gegen die Reaktion, eine Kontre-Reaktion herannaht, scheint unzweifelhaft; die Kammer steht an der Schwelle eines eklatanten Bruches, und die öffentliche Meinung desgleichen; nur dürfte es noch gar weit sein von da bis zur Rehabilitation des Proletariats. Gewiß ist, daß alle sozialistischen Parteien sich seit der Junischlacht die Hände reichen, und über ihre speziellen Marotten das Wort: „Arbeitsrecht“ aufpflanzen; diese Tendenz ist sichtbar, wenn man Representant du Peuple, Demokratie pacifique, Republique, Vraie Republique, Reform und Populaire vergleichend liest. Es ist eine Fussion, die der Konstitutionnel zwar höhnisch „eine babylonische Konfusion“ nennt, die aber sehr schnell fatal ihm und seinem Gelichter werden dürfte. Auch ist er bereits mit Cavaignac nicht mehr recht zufrieden; diese hochnäsige Bourgeoisie ist nahe dran zu vergessen, daß sie im Juni platt geschlagen und entwaffnet worden wäre, hätte der Afrikaner ihr nicht beigestanden.
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[ 12 ] Paris, 13. August.
Geld! Was ist zu thun, um das Geld in sichern Fluß, die Fonds in Cirkulation, den Cours in die Höhe und die Republik in den Cours zu bringen? Hierauf kommt Alles hinaus, und nur von diesem Standpunkte aus ist es möglich, die Debatten in der Kammer, die Sprache in den Journalen und die diplomatischen Angelegenheiten Frankreichs zu verstehen. Geld! Die Debats und der National sind darüber vollkommen einverstanden.
„Sicherlich, zur Ordnung gehören eben die Bayonette nicht. Aber wir Franzosen sind einmal so; wir fahren leicht aus der idealen Ordnung hinaus, die man bürgerliches Gesetz nennt; ein Leichtes aber ist es uns, in Uniform der Uniform zu gehorchen. Wir sind ein wahrhaft friedfertiges und stabiles Volk, wenn wir im Feldlager sind, eine Armee bilden: auf dem Forum dagegen gerathen wir sehr leicht in Anarchie.“
„Unsere Freiheiten bedürfen daher eines starken Gegengewichtes. Das beste Gegengewicht ist der Degen.“
Wer hat dies geschrieben, die „Debats“ oder der National? Beide können sich als Verfasser hinstellen; beide wollen Ordnung; nur muß der National ein wenig schonender, milder, ideologischer, mit einem Worte, konservativer auftreten, da die Sache, die er zu konserviren hat, weit zarterer, weit geistigerer Natur ist; er hat hat eben für den Augenblick nur eine ideologische Sprache zu konserviren. Caussidière gestand sehr offen, daß er die Ordnung mit der Unordnung machen mußte; jetzt handelt es sich darum, die Ordnung mit dem Despotismus herzustellen, und warum alles dies? Um den Handel herzustellen, die Industrie zu beleben und die „Fonds“ flott zu machen.
Aber das Diktatorschwerdt ist keine Achilleslanze! Es mag die Agiotage wieder beleben; es wird keineswegs den Handel und die Industrie hervorrufen. Glaubt man etwa, daß die französische Gesellschaft dem Herrn Marrast und seinen Salons zu Liebe, sich in ein Mauseloch resp. eine Kaserne hineindrängen lassen wird?
Ordnung auf Kosten des Despotismus, Frieden und Geld um jeglichen Preis! Die Republik braucht Geld, und Marrast ebenfalls. Und um Geld zu haben, muß die Regierung die friedfertigsten Gesinnungen allenthalben kund thun: Bündniß mit England, die Nichtintervention und die Debatten in der Kammer. Zu verhypothekiren ist nichts mehr da, wenigstens muß man zeigen, daß man an dem, was Andere haben, festhält, es ihnen garantirt, um dann es ihnen entlehnen zu können. Vor allen Dingen soll also le principe de la propriété, das Eigenthumsprincip als unverletzlich erklärt werden, und die „Debats“ nennen [0400] den Urheber dieses Amendements, Jules Fabre, einen großen Redner. Das Eigenthum soll nicht mehr in Frage gestellt werden. Welches Eigenthum? Die Grundrente, die Hypotheke, die Staatsschuldverschreibungen? Wenn man Herrn Dupin zuhört, so sollte man glauben, es handele sich bloß von dem, was ich eigens in Händen habe, und was unverschämte Räuber mir entreißen wollen. Man sieht, daß ein Staatsprokurator spricht. Die „philosophischen Diskussionen“ will er gelten lassen; aber nicht die Negation des Rechtes, des Eigenthumsrechts. Jules Favre unterscheidet die Diskussion dieses Princips, von Angriffen gegen dieses Princip. Der Angriff sei ein Aufruf zur Leidenschaft, zum Umsturze, und dieses eben veranlasse ihn zu seinem Amendement der Heiligsprechung, der Unverletzbarkeit des Eigenthumsprincips.
Die Eisenfabrikanten in Frankreich sind bekanntlich sehr reich; es steht ein ungeheurer Zoll auf englische Eisenwaaren, und es gehört ein enormers Kapital dazu, eine Eisenhütte anzulegen. Wenn der Staat morgen den Zoll aufhebt, so sind die Eisenfabrikanten, ungeachtet ihrer Eisenhütte und Rechtstitels ruinirt. Dieses Eigenthumsrecht ist daher lediglich ein gesellschaftliches Verhältniß. Haben Herr Favre und Dupin alle Angriffe auf dieses Recht untersagen wollen?
Herr Leroux empfand wohl, daß man einen Unsinn beschlösse. Er will bloß das „wahre Eigenthum“ als unverletzlich erklärt haben. Das „nicht wahre Eigenthum“ ist nach ihm das Kapital. Wie Dupin in seinem Staatsprokurator-Bewußtsein beim Eigenthum an's Stehlen denkt, so denkt Leroux in seiner philosophischen Naivität an's Verdienen, an den klein-bürgerlichen Erwerb. Statt die verschiedenen Formen des Eigenthums in ihrer verschiedenen historischen Entwickelung uns zu geben, spricht man von einem Princip des Eigenthums, das als unantastbar aufgestellt werden soll. Das „Eigenthumsprincip“ setzt doch offenbar einen Rechtstitel, im juristischen Sinne voraus; dieser Rechtstitel, als solcher ist mir durch den Code schon als unantastbar, als unangreifbar, ich meine als den Händen unzugänglich garantirt, eben so sehr wie das Grundeigenthum, das er vertritt. Also Hr. Dupin hat für die Rechtsgültigkeit gar nichts zu fürchten. Aber die Werthgültigkeit, das ist eine andere Sache. Ungeachtet meines Rechtstitels, kann „in Folge von Umständen, die mit dem Angriffe auf das Recht“, gar nichts zu thun haben, der Rechtstitel gar keinen Werth ökonomisch mehr haben, obgleich er noch sehr rechtsgültig sein mag. Wie dann? Das Princip, das droit de propriété existirt und die propriété ist eine Null, ein Nichts geworden. Herr Dupin hat das Princip gerettet, das Recht auf Nichts! Obgleich mein Eigenthum werthlos geworden, so habe ich doch noch mein Recht darauf, ein Recht auf Nichts!
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@facs 0400
[ 16 ] Paris, 15. August.
Der edle Siegesjubel der „Ordnungsbeschützer“ bekommt einen bittern Nachgeschmack von Seiten der Finanzen, wie aus folgendem Aufsatz des Blattes „La Republique“ erhellt: „Summa der durch die Junischlacht verursachten Unkosten ist sechs und siebzig Millionen Franken; nämlich 1) die 12,000 Gefangenen kosten 1 Fr. täglich per Kopf, macht während 100 Tagen 800,000 Fr.; 2) die Vorkehrungen zur Aufnahme der Gefangenen kosten 20 Fr. per Kopf, zählt man auch nur 7500 Personen, so macht das 150,000 Fr.; 3) fünfzig Tage Hospital-Existenz durchschnittlich für nur 2000 Verwundete à 2 Fr. täglich per Kopf gibt 200,000 Fr.; 4) Ungeheuere Ladungen Leichen wurden anfangs bunt durcheinander in den großen Wagen, die zum Möbeltransport dienen, unter die Erde befördert, aber 1500 Todte der Bourgeoisie wurden gewiß mit einem Begräbniß vierter Klasse bestattet à 500 Fr., macht ein Sümmchen von 750,000 Fr., wozu zuzufügen etwa 300 Leichen mit einem Grabe à 200 Fr., macht 60,000 Fr. Total 810,000 Fr., wobei die 158,000 Fr. des Todtenfestes auf dem Konkordienplatz nicht mitgezählt sind; 5) die Pensionen für Wittwen und Waisen der Sieger eine Million jährlich, d. h. ein Kapital von 20 Mill.; 6) bekanntlich sind amtlicher Berechnung nach 3000 Kanonenschüsse à 2 Fr. 14 Sous jeder, und 2 Mill. Flintenschüsse á ein Sous gefallen, wenigstens hat die Linie, National- und Mobilgarde diese Anzahl erhalten und auch verbraucht; viele Waffen sind verschleudert worden, Summa 200,000 Fr., ferner 7) der Hr. Finanzminister schätzt auf 18 Mill. die Prozeßkosten und Unterstützungen in Frankreich und in den Kolonien; der Herr Goudchaux (der edle Jude) sagt zwar nicht ausdrücklich, daß letztere sich auf die Junischlacht beziehen, allein er hat sie unter dem Artikel Prozeßausgaben eingeschrieben, und da er ein großer Finanzier ist, so wollen wir ihm gern glauben; 8) deportirt werden wohl 4000 Männer; die meisten sind Familienväter á vier Personen, macht 16,000 Köpfe, denn sie werden die Ihrigen wohl mitnehmen wollen. Unsere lieben Nachbarn in England verfahren oft ihre unnützen Leute von Portsmouth gen Botanybay, und diese Menschenfracht kostet 750 Fr. per Kopf während 250 Tagen Fahrt. Schickt die Republik die unsrigen nach dem Senegal, nach dem Eiland Mayotte in 90 Tagen, so gibt das per Kopf 270 Franken; Total 4,320,000 Fr. Bis an unsre Häfen 40 Fr. Reisegeld per Kopf, macht 640,000 Fr. total 4,960,000 Fr. ‒ 9) An 2000 Männer werden wohl durchschnittlich auf 5 Jahre Haft bekommen; jeder kostet 355 Fr. 11 Sous jährlich, Total 3,505,500 Fr.; bis an die Schwelle des Kerkers 10 Fr. Reisekosten giebt die Summa von 3,525,500 Fr. 10) Von 23. zum 30. Juni erhielten Linie und Nationale und Mobile eine halbe Million Fr. außergewöhnlicher Austheilungen aller Art; für 50,000 Liniensoldaten die im Feuer standen, der Marsch nach Paris, der Aufenthalt in Paris bis zum Schluß des Prozesses, à zehn Sous per Mann täglich vom 1. Juli bis 30. September macht 2,250,000 Fr. 11) Vortrefflich ist noch daß 16,000 Fr. an 2000 Arbeiter der Nationalwerkstätten, die (wie Matrosen gepreßt) in den Reihen der Bourgeoisiegarde fochten, für den viertägigen Zeitverlust ausbezahlt wurden. 12) Die Einbußen durch Geschäftsstockung sind dreist auf 24 Millionen anzukreiden. 13) Endlich allerlei Nebenausgaben 589,000 Franken. Da habt Ihr es, freut Euch; à 2 Franken tägliches Lohn könntet Ihr mit diesen 76 Millionen 100,000 Arbeiter der Nationalateliers 380 Tage lang bei unendlich produktiven Arbeiten beschäftigen. Noch gar nicht zu reden von den Kosten einer Niederlassung; mindestens 25,000 Franken täglich für 16,000 Köpfe, macht 9 Mill. jährlich nebst Wacht und Polizei. In der Botanybay zahlt der englische Beutel runde 530 Franken jährlich per Mann, Ihr habt also die Erheiterung, jährlich für Eure 16,000 Landsleute 8 Milliönchen nachzuschießen, bis diese Junikolonie productiv geworden sein wird; freut Euch! und tröstet Euch recht stoisch, es könnte noch mehr kosten, wären noch mehr Gefangene!“
„Diese Kanaillen hätte man alle todtmachen sollen,“ rief ein „Ehrsamer“, dem ich das Rechenexempelchen zu studiren gab, „dann würden sie weniger uns kosten, nicht wahr?“ So logisiren Pariser Bourgeois. ‒ Proudhon's Journalverkäufer werden immer noch malträtirt, die Kinder und Frauen brutalisirt, die Männer mit Permissionsverlust polizeilich bedroht, obschon er im Blatte den Herrn Dr. med. Ducoux, Polizeipräfekten, zur Rede gestellt hatte. Die des „Père Duchene“ sind übrigens vor den Junitagen manchmal auf der Straße im Beisein der Polizei geprügelt worden, wie ich selbst einmal sah. ‒ Die Lyoner Klubs haben zu guterletzt sich mit „obrigkeitlicher Erlaubniß“ versammelt und berathen: „auf Vorschlag des Bürgers Moulin, in Betracht daß Bürger Proudhon's Proposition auf der Tribüne die Heilung unserer elenden finanziellen und politischen Lage wollte, durch Begründung des Kredites auf ächt demokratische Basis; in Betracht daß diese Proposition gerade im Interesse der Arbeiterklasse war, wird beschlossen ihm eine Dankadresse zu senden; mit Beifügen einer Belobung des Lyoner Volksrepräsentanten Greppo, Mitglieds und Stifters des Lyoner Klubs Grand-Sencinaire, da er allein den Muth hatte von allen in der Kammer Anwesenden, mit einem der glühendsten Apostel des Sozialismus öffentlich zu votiren.“ Greppo ist ein junger Industrieller, mit Proudhon von früher befreundet. Die „Assemblée Nationale“ knirscht und verlangt in ihrer heutigen Nummer Spezialgesetze gegen diese Lyoner „Gesellschaftsfeinde, die sich mit dem glänzenden Titel Gesellschaftsreformer zieren“. In einem Leitartikel sagt Proudhon: „Leser, beruhige Dich! Man nennt mich den Nachfolger eines Cartouche, Mandrin, Lacenaire und anderer famösen Straßenräuber; meine Biographen, die Herren Theorieenschmiede im Constitutionnel nennen mich den Professor des Diebstahls; der protestantische Herr Priester Athanasius Coquerel der Große erklärt meine Theorieen würdig der Galeeren; andere sagen ich sei ein uneheliches Kind, andere ich unterhalte eine öffentliche Dirne, andere ich sei Atheist und Materialist! Bah, das sind alles Bagatellen in meinen Augen, denn ich achte nicht auf Verläumdungen wenn die Revolution in Gefahr ist und der Hunger die Reihen des Volkes lichtet! Ich will nur für diese heilige Sache fechten, das Persönliche rührt mich nicht. Die Republik ruft dem National zu: gehe weiter; er schreit wüthig: halt, halt! Der National ist eine Akademie von hohen, höhern, höchsten und allerhöchsten monarchischen und quasimonarchischen, republikanischen und quasirepublikanischen Staatsforschern und Staatslenkern, die Herren Mignet, Thiers, Marrast, Carrel u. s. w. sind aus ihm entsprossen. Dies ist sehr glorios für ihn und für sie. Aber er ist ein Verräther bei alle dem.… Die in Trauer gehüllten Hinterbliebenen der Insurgenten mögen jetzt, die Kinder an der Hand, auf sein akademisches Büreau gehen und um fünf Sous betteln. Die Malthusische Nationaltheorie hat Frankreich zerrüttet; Austausch zwischen Land und Stadt ist im Stocken, der Kredit erlischt, die Großmeister der Agiotage allein blühen und glühen vor Wonne und Ueppigkeit, und schreien noch über Unmoralität und predigen Familienkeuschheit und Fleiß! sie und ihr Gelichter! es ist komisch, denn das Tragische liegt tiefer als dies. ‒ O Cavaignac, wir lieben dich um deines verstorbenen Bruders Godefroy willen; du bist ein Werkzeug der Fatalität und unschuldig wie die Kugeln deiner armen treuen Krieger; sei aber kein General Monk, sei ein Washington, guter Eugen Cavaignac; mir daucht man umgarnt dich schon, bedenke, die Arbeit ist keine Königsgabe, sondern ein Geschenk der Republik!“
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Paris, 15. Aug.
Heute, Maria-Himmelfahrt weder Börse noch Nationalversammlung. Dieser Festtag ist den Pariserinnen sehr heilig. Die meisten Läden sind geschlossen und die Journale zeigen an, daß sie morgen nicht erscheinen werden.
‒ Große militärische Maßregeln sind für den heutigen Tag, man weiß nicht warum, getroffen.
‒ Der Moniteur widerlegt das Gerücht, laut welchem Emissäre der Regierung den Nachbarn an der italiänischen Gränze erklärt hätten, Frankreich werde sich bei der bevorstehenden Mediation die Grafschaft Nizza und ganz Savoyen zueignen.
Außerdem enthält der Moniteur mehrere Dekrete, die unsern Lesern schon aus den Beschlüssen der Nationalversammlung bekannt sind. Wir heben nur das eine hervor, das denjenigen Militärpensionären, welche auch noch einen Civilposten bekleiden, Gehaltsabzüge von 5-10 pCt. verordnet.
Die Debats zeigen an, daß Bulwer nach London zurückgekehrt sei. Seine Anwesenheit habe keinen politischen Charakter gehabt. (?)
‒ Ricci, der Abgesandte des Turiner Kabinets, dessen Abreise mehrere Blätter anzeigten, befindet sich noch in Paris.
‒ Abd-el-Kader soll von Pau in das Schloß Amboise (Jndre- und Loire-Departement) übergesiedelt werden.
‒ Die brittische Regierung hat mit den Eisenbahnverwaltungen der Bahn des Centrums Verträge abgeschlossen, die ihr die Spedition der indischen Depeschen von Marseille bis Boulogne und Calais sichern. Der lange Kampf des Herrn Waghorn, ob der Weg von London nach Calcutta durch die Schweiz und Deutschland, oder über Marseille führe, hätte somit seine definitive Erledigung gefunden.
‒ Die Nationalversammlung, der unsere demokratische Presse den Vorwurf der Oberflächlichkeit und Faulheit macht, geht mit dem Plane, vom Ende dieses Monats an täglich zwei öffentliche Sitzungen zu halten. Die erste würde Vormittags stattfinden und ausschließlich der Diskussion des Budgets gewidmet sein, während die zweite um 1 Uhr beginnen und etwa bis 6 Uhr dauern und ausschließlich der Berathung des Verfassungsentwurfs bestimmt würde.
‒ Gegen Senard ist eine Verschwörung im Gange. Unsere sämmtliche absolute Demokratie (etwa 100 Deputirte) hielt gestern (Siehe den Verfolg in der Beilage.)
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 17. August 1848.
Angekommen: Franz Schulz vom Niedermain; L. Bühler von Kannstadt; Fr. Müssig von Heilbronn.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Joh. Linkewitz; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr A. Meyer; nach Andernach und Neuwied Pet Gies und M. Wiebel; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Koblenz, der Mosel und Saar P. G. Schlaegel nach der Mosel, Trier und der Saar Frdr. Deiß nach Mainz Joh. Kiefer; nach dem Niedermain C. Nees; nach dem Mittel- und Obermain C. Schleicher; nach Heilbronn C. Heuß; nach Kannstadt und Stuttgart L. Klee; nach Worms und Mannheim Seb. Stehlin.
Köln, am 17. August. Rheinhöhe 6′ 8″
Die Zeitung des Arbeiter-Vereins von Köln hat heute nicht erscheinen können, weil der Redakteur derselben plötzlich in Familien-Angelegenheiten hat verreisen müssen. Die nächste Nummer wird Sonntag früh ausgegeben werden.
Köln, 17. August 1848.
Freitag, den 18. August, Abends 8 Uhr, Versammlung im Eiser'schen Saale auf der Comödienstraße (ausnahmsweise wegen Reparatur des gewöhnlichen Lokals).
J. Maton, professeur de langues à Cologue s. R. Hohestrasse Nr. 31.
Weberstraße Nro. 18 ‒ sind Zimmer zu vermiethen.
Ein schönes Tafelklavier steht billig zu verkaufen.
Hafenstraße Nro. 35.
In Köln kann doch nichts zu Stande kommen, ohne „dä leeve köllsche Klüngel.“
Der Bürgerhauptmann Philipp Hoffmann glaubte sich am vorigen Diensttage gewiß in eine Karnevals-Sitzung versetzt oder gar Schuljungens vor sich zu haben, daß er die 10. Kompagnie von der ihr angewiesenen Stellung zurückdrängte und sie zum Säubern des Crakamschen Grundstückes benutzte, blos um seine eigenen Leute dort aufzustellen.
Ihr Wupper- und Ruhrthaler Heuchler und Pietisten, ihr rundköpfige Schurken ‒ wat sagt ehr nu! alaaf Köln!
Vivat Sibilla!
Maria-Ablaß-Plätzchen Nr. 7.
Ph. W........ff.
Vivat Helena! auf der Cäcilienstraße Nr. 34.
Vivat! Vivat Sibylla auf der Brück und ihr Schwester daneben, so leben sie alle zwei.
Freitag, den 18. August:
Belisar, große Oper in 3 Akten von Bellini.

References: Art. 293
 Art. 102
 Art. 102
 Art. 222
 Art. 222
 Art. 222
 Art. 222