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Timestamp: 2020-04-09 14:03:25+00:00

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Gesellschafterdarlehen oder Kapitalrücklage Kapitalgesellschaften www.frag-einen-steuerprofi.de
4/2/2020, Guten Tag
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Frage geschrieben am 03.03.2014 12:54:51
Betreff: Gesellschafterdarlehen oder Kapitalrücklage
ich bin alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer einer kleinen deutschen GmbH. Mein Wohnsitz ist Deutschland.
Geschäftszweck dieser GmbH ist das Erwerben, Halten und Veräußern von Beteiligungen an anderen Kapital- und Personengesellschaften.
Meiner GmbH habe ich einige Gesellschafterdarlehen gegeben, um ihr Kapital für den Erwerb von Beteiligungen zur Verfügung zu stellen.
Wichtig: meine GmbH ist quasi eine One-Man-Show ohne sonstige Fremdkapitalgeber oder Gläubiger, sämtliche Rechnungen werden zeitnah beglichen, es handelt sich quasi um ein passives Vehikel zum Halten von Beteiligungen.
Auf der Ebene meiner GmbH fallen für diese Gesellschafterdarlehen nun Zinsen an, die dort eine Betriebsausgabe darstellen.
Auf meiner privaten Ebene entstehen hingegen Zinseinkünfte aus diesen Gesellschafterdarlehen, die steuerpflichtig sind und zu einem Abfluß von Liquidität auf meiner privaten Ebene an das Finanzamt führen.
Ich überlege jetzt, meiner GmbH statt Gesellschafterdarlehen einfach Kapital via Zuführung in die Kapitalrücklage nach HGB §272 (2) Absatz 4 zuzuführen, damit auf meiner privaten Ebene keine Steuern auf die Zinsen aus den Gesellschafterdarlehen mehr anfallen.
1. Kann Kapital, welches ich meiner GmbH nach HGB §272 (2) Absatz 4 zuführe zu einem späteren Zeitpunkt wieder problemlos entnommen werden?
2. Können meine vorhandenen Gesellschafterdarlehen nach HGB §272 (2) Absatz 4 in Kapitalrücklagen gewandet werden (Annahme: Darlehen sind werthaltig, GmbH steht finanziell auf sicheren Beinen)?
Antwort geschrieben am 03.03.2014 14:24:01
im Rahmen einer Erstberatung und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:
Wenn ich Ihre Schilderung richtig verstehe, hat Ihre GmbH in der Vergangenheit liquide Mittel zum Erwerb von Umlaufvermögen benötigt. Dieses Kapital haben Sie im Wege von Gesellschafterdarlehn Ihrer GmbH zur Verfügung gestellt. Sie empfinden die Situation eher als unbefriedigend, weil Sie einerseits die Zinsen bei der GmbH als Betriebsausgaben Körperschaft- und Gewerbesteuermindernd sehen, in Ihrem Privatbereich aber eine Einkommensteuerbelastung, die Liquidität fordert.
Das bedeutet im Schluß, dass möglicherweise Ihre GmbH keine der o. g. Steuern zahlen muß, wegen möglicher Verlustvorträge. Sonst wäre ja die Steuerbelastung inkl. der Ausschüttung bei der GmbH nahezu gleich hoch wie der Höchststeuersatz bei der Einkommensteuer.
Wenn dem nicht so ist, können wir das gerne über die kostenlose Nachfrage noch einmal klären. Nun aber zu Ihren konkreten Fragen:
Frage 1. Kann Kapital, welches ich meiner GmbH nach HGB §272 (2) Absatz 4 zuführe zu einem späteren Zeitpunkt wieder problemlos entnommen werden?
Antwort: Frei verfügbare Rücklagen im Sinne der Vorschrift des § 268 (8) HGB sind zum einen Gewinnrücklagen, die weder gesetzlich noch gesellschaftsvertraglich verwendungsbeschränkt sind. Frei verfügbar sind weiterhin die Kapitalrücklagen, die aufgrund von sonstigen Zuzahlungen (§ 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB) entstanden sind.
Frage 2. Können meine vorhandenen Gesellschafterdarlehen nach HGB §272 (2) Absatz 4 in Kapitalrücklagen gewandelt werden (Annahme: Darlehen sind werthaltig, GmbH steht finanziell auf sicheren Beinen)?
Antwort: Es geht im § 272 HGB um das Eigenkapital einer Kapitalgesellschaft
§ 272 (2) HGB sagt:
4.	der Betrag von anderen Zuzahlungen, die Gesellschafter in das Eigenkapital leisten.
Es handelt sich hierbei um Finanzierungsmittel, von außerhalb der GmbH. Wenn Sie schreiben, dass Ihre Gesellschafterdarlehn werthaltig und nicht kapitalersetzend waren, ausserdem auch kein qualifizierter Rangrücktritt vorliegt, habe ich eigentlich keine Bedenken, diese umzuwandeln und in einer freie Rücklage gem. § 272 (2) Abs. 4 HGB auszuweisen. Um jedoch künftigen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, würde ich besser den Weg der Rückzahlung der Dafrlehn und unmittelbar darauf die Wiederzuführung gem. § 272 (2) 4 HGB wählen.
Wenn es keine haftungsrechtlichen Bedenken Ihrerseits gibt, sprechen Sie doch einmal mit Ihrem Notar über die Rückzahlung Ihrer Gesellschafterdarlehn und einer anschließenden Stammkapitalerhöhung.
Nachfrage vom Fragesteller geschrieben am 03.03.2014 15:08:20
erstmal vielen Dank für die qualifizierte erste Antwort.
Zu dem Thema habe ich noch eine Rückfrage mit einigen Kommentaren:
1. Ich habe meiner GmbH via Gesellschafterdarlehen liquide Mittel zum Erwerb von Anlagevermögen zur Verfügung gestellt (Beteiligungen an einigen Software-Unternehmen).
2. Die GmbH bezahlt derzeit keine Steuern, da sie keine Einkünfte erzielt, sondern nur Beteiligungen hält, aus denen keine Dividenden oder Zinsen fließen. Daneben fallen aber gewisse operative Kosten an (Buchführung, Jahresabschluß, Bundeanzeiger) sowie eben die Zinskosten für die Gesellschafterdarlehen.
3. Für die Gesellschafterdarlehen wurde ein qualifizierter Rangrücktritt eingeräumt. Ansonsten wäre eine Überschuldung gegeben (Hintergrund: die GmbH erzielt keine Einkünfte, hat aber die genannten operativen Ausgaben (siehe oben) und zehrt daher ihr Eigenkapital langsam auf). Die Beteiligungen hingegen sind zu Anschaffungskosten bilanziert.
Zusatzfrage daher: wenn für die Gesellschafterdarlehen ein qualifizierter Rangrücktritt eingeräumt wurde, ist dann eine Umwaldung in eine Kapitalrücklage (entweder via Wandlung oder Kündigung und erneute Einzahlung) problemlos machbar?
Ist eine teilweise Umwandlung machbar (d.h. Teil der Gesellschafterdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt bleiben stehen um die Verluste abzufedern, Teil wird in Kapitalrücklage gewandelt)?
Antwort auf Nachfrage vom Steuerprofi geschrieben am 03.03.2014 21:04:53
Auf Ihre Nachfrage antworte ich Ihnen sehr gerne.
Ihrer jetzigen Schilderung bezüglich der Werthaltigkeit der von Ihnen gewährten Darlehn, sieht nun doch etwas anders aus. Sie schildern nämlich genau das, was ich in meiner ersten Antwort bereits vermutet hatte. Ihre Gesellschafterdarlehn sind mit einem qualifizierten Rangrücktritt versehen. Das heißt ja nichts anderes, als dass Sie sich verpflichtet haben, die Darlehn erst dann zurückzuzahlen, wenn dies aus laufenden Gewinnen der GmbH möglich sein wird. Mit anderen Worten, Sie stehen nicht zur Rückzahlung/Verrechnung zur Verfügung.
Ich gehe weiter davon aus, dass die Finanzverwaltung auch die Meinung vertreten wird, dass ein "ordentlicher" Geschäftsführer seiner GmbH anstelle von Darlehn, zu dieser Zeit um die Überschuldung zu vermeiden, Eigenkapital zugeführt hätte.
Insoweit können Sie die Darlehn nicht umbuchen und in einer Kapitalrücklage ausweisen, auch nicht teilweise, um diese dann auszukehren. Das würde ja auch Ihrer qualifizierten Rangrücktrittsvereinbarung widersprechen und diese ad absurdum führen. Wie ich schon ausführte, muß eine Kapitalrücklage aus freien Mitteln der GmbH von außen zugeführt werden.
Ich hoffe, ich könnte Ihnen mit der Antwort auf Ihrer Nachfrage Klarheit verschaffen.
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References: §272
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