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Wahl 2013: Schwurbel-Check von „Ab jetzt…“, „AfD“ und „BP“ | aargks
Wahl 2013: Schwurbel-Check von „Ab jetzt…“, „AfD“ und „BP“
Veröffentlicht am 20. Juli 2013 von aargks
Los geht’s mit dem Schwurbel-Check zur Bundestagswahl 2013 mit „Ab jetzt… Demokratie durch Volksabstimmung“, der „Alternative für Deutschland“ (AfD) und der Bayernpartei (BP). Hier steht das Wie und Warum.
1. Ab jetzt…Demokratie durch Volksabstimmung
Nationalkonservativ mit Elementen direkter Demokratie. Und gleich die erste Partei im Schwurbel-Check, die so richtig abgeht und kaum eine Verschwörungstheorie auslässt.
Zum Thema Gesundheit haben sie schwer was zu maulen, weil „Der Gesetzgeber in Person der etablierten Parteien, gesteuert von der Pharma-Lobby, toleriert […] Elektrosmog, Chemtrails, Mobilfunkstrahlung […]“
Und weiter geht’s mit „Dieser Gesetzgeber […] liefert uns der Schulmedizin aus, die uns punktuell mit Pharmamedikamenten mit diversen Risiken und Nebenwirkungen (siehe die Beipackzettel) behandelt. Ein solches „Gesundheitssystem“ erfüllt den Straftatbestand „Körperverletzung“
PÄNG, da haben wir’s: Gleich eine schöne Verschwörungstheorie, und der Chemtrail-Quark darf nicht fehlen. Außerdem ist AIDS eine Lüge und das ungeimpfte Kind gesünder. Sehr schön, alles dabei, was das Schwurbler-Herz höher schlagen lässt.
Deswegen fordern sie auch, Naturheilverfahren (siehe unten) mit der Schulmedizin gleichzustellen und liefern gleich noch 1a-Diagnosen, denn Alzheimer, Arthritis, Allergien, chronische Müdigkeit, Diabetes, Herzkrankheiten, Depressionen oder Prostataprobleme kommen – wovon? Weil wir vergiftet wurden. Wow, von wem? Verraten sie nicht, aber wahrscheinlich wird’s die Pharmamafia sein.
Doch Rettung naht: Denn „Die moderne Naturheilkunde kann bei fast allen Leiden erfolgreich eingesetzt werden.“ Jetzt bin ich aber froh. Weil mit Bioresonanztherapie oder PowerTube/Power QuickZap wird alles gut. Und gegen Brustkrebs hilft veganes Essen.
Nicht fehlen dürfen auch die Errungenschaften der Raumenergie und Verweise auf Claus Wilhelm Turtur, der mit selbiger Spaßphysik schon famos an die Wand gefahren ist. Hinzu kommen in dem Grundsatzprogramm Links zum Kopp-Verlag, dem Alpenparlament oder zur Chemtrail-Posse „Sauberer Himmel“. Alles hochgradiger Schwurbler-Kram.
Unbeschreibliches Geschwurbel, unbelegte Behauptungen, Verschwörungstheorien – alles drin, alles dran. Damit hat sich „Ab jetzt…“ redlich die Höchstwertung auf dem Schwurbel-o-Meter verdient: aargks!
2. Alternative für Deutschland (AfD)
konservativ populistisch, findet den Euro doof, und ich finde im vierseitigen Wahlprogramm keine Aussage zu Schwurbeleien.
Schwurbelfaktor 0
3. Bayernpartei (BP)
Christlich-konservativ, finden Bayern super und den Rest blöd.
Das Christentum trieft der Bayernpartei aus allen Lederhosen und Dirndln. Zitat: „Traditionelle christliche Feiertage dürfen nicht einer geistlosen Gleichmacherei und der zunehmenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche zum Opfer fallen.“ Im Bereich der Gesundheit sollen Ärzte sich auch in neuen Heilmethoden weiterbilden und sie fordern „[…] den Ärzten wieder mehr Möglichkeiten der Therapie, insbesondere auch im Hinblick auf Naturheilverfahren zu eröffnen.“ Was sie damit meinen, sagen sie leider nicht.
Lustiges am Rande:
Die Bayernpartei fordert die Einführung eines bayerischen Staatspräsidenten und Sitzplatzgarantie in Schulbussen.
Hach na ja, was soll man über die schon sagen. Sitzen in ihrem schönen Bayern und der Horizont endet an der Freistaatgrenze. Wegen der Frömmeleien und dem Wischi-Waschi-Gerede über Naturheilverfahren reicht’s immerhin für die „naives Geschwurbel“-Bewertung auf dem Schwurbel-o-Meter.
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32 Kommentare zu “Wahl 2013: Schwurbel-Check von „Ab jetzt…“, „AfD“ und „BP“”
21. Juli 2013 um 09:36
viele aus dem stimmvieh wollen keine veränderung und können wählen was sie wollen, aber sehr viele wollen eben eine veränderung. man hat gelernt, dass egal welche partei man wählt, es zu keiner veränderung kommen wird. „die scheisse die man gewählt hat muss man auch fressen !“
einzigartig ist aber im wahlprogramm der piraten “das bedingungslose grundeinkommen”.(hierzu gibt es bereits europaweit eine initiative).
nach dem ausschlussverfahren kommt man dann sehr schnell auf die alternativlosen “basisdemokratischen piraten”, zwar (noch) nicht regierungsfähig, aber aus einem solchen chaos kann dann nur etwas neues entstehen.
http://campogeno.wordpress.com/2013/06/15/piraten-fordern-bedingungsloses-grundeinkommen/
21. Juli 2013 um 11:12
Das Grundeinkommen geistert ja schon Jahre umher. Charmante Idee, aber bisher habe ich noch keine einzige Rechnung (nicht einfach nur “wir machen das duch Steuern hin und her”) gefunden, wie das finanziert werden könnte. Hast Du konkrete Zahlen, ein Berechnungsmodell? Das würde mich – auch wenn’s hier im Schurbel-Check nicht drum geht – interessieren.
21. Juli 2013 um 12:48
http://campogeno.wordpress.com/2013/07/10/eine-chance-fur-das-grundeinkommen/
http://campogeno.wordpress.com/2013/05/29/fordert-das-bedingungsloses-grundeinkommen/
http://kaernten.orf.at/tv/stories/2585450
21. Juli 2013 um 13:29
wenn man sich nicht zu den nichtwählern gesellen will, welche alternative siehst du, nach deinem schwurbel-check ?
21. Juli 2013 um 13:38
@aussteiger
alle Befürworter sagen, es sei machbar, rechnen es aber nicht vor, das macht micht stutzig.
Beispiel: in Deutschland leben 80 Mio Menschen. Angenommen, jeder würde 700 Euro im Monat (die Vorstellungen schwanken da stark, ich siedel das mal eher unten an, mit 700 Euro kommt man nicht allzu weit). Geldbedarf: 56 Milliarden Euro pro Monat, 672 Milliarden pro Jahr. Bundeshaushalt 2012 war 311 Milliarden, ich glaube, dass z.B. durch kommunlae Abgaben und Kram auch nochmal 300 Milliarden reinkommen (das ist mit Vorsicht zu genießen, ich finde auf die schnelle keine Zahlen, vielleicht kann jemand helfen).
So oder so: Wie sollen 700 Euro finanzierbar sein? Da ist dann noch keine Straße geflickt, keine Kindergärtnerin bezahlt, kein Krankenhaus gebaut, keine Verwaltung organisiert etc. Wie soll das gehen? Welche Posten konkret spart man ein (mein Favorit ist der Verteidigungshaushalt)? Wie funktionieren alternative Steuermodell konkret (MwSt-Erhöhung ist immer so ein Thema)?
21. Juli 2013 um 17:15
Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein sozialpolitisches Finanztransfermodell, nach dem jeder Bürger unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage vom Staat eine gesetzlich festgelegte und für jeden gleiche finanzielle Zuwendung erhält, für die keine Gegenleistung erbracht werden muss; es wird meist als Finanzleistung diskutiert, die bereits ohne weitere Einkommen oder bedingte Sozialhilfe existenzsichernd wäre. Die Idee, jedes Gesellschaftsmitglied an den Gesamteinnahmen dieser Gesellschaft ohne Bedürftigkeitsprüfung zu beteiligen, ist ein globales Phänomen, wobei sich der Name der Idee von Land zu Land und zu verschiedenen Zeiten unterscheidet.
Zu den in Deutschland diskutierten Modellen eines BGE gehören zum Beispiel das Solidarische Bürgergeld (Althaus-Modell), das Ulmer Modell oder das Modell der von Götz Werner gegründeten Initiative Unternimm die Zukunft.
2011 wurden in Deutschland pro Kopf und Jahr ca. 14.235 Euro an Staatsausgaben getätigt (insgesamt 1.162 Milliarden Euro).
Zur Finanzierung des Grundeinkommens ist in der Regel eine starke Vereinfachung und Neuordnung des Steuersystems vorgesehen sowie sehr viel weniger Aufwand und Bürokratie in der Sozialverwaltung, da bisherige Transferleistungen durch das bedingungslose Grundeinkommen ersetzt würden. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Rente, Ausbildungsförderung, Kindergeld und ähnliche Sozialleistungen würden schrittweise ersetzt und letztendlich wegfallen.
Zur Finanzierung gibt es zwei dominierende Modellansätze: Besteuerung des Einkommens oder Besteuerung des Konsums. Ein dritter Ansatz gestaltet das BGE als Gleichverteilung von Naturreichtümern, wie es z. B. im Bereich Öl in Alaska realisiert ist.
21. Juli 2013 um 17:17
siehe auch: http://www.bandbreitenmodell.de/
21. Juli 2013 um 13:40
@ aussteiger
zu Deiner Frage, welche Alternative ich sehe – weiß ich momentan noch nicht, wirklich. Ich bin selbst gespannt, wie der Schwurbel-Check ausgeht.
guido V schreibt:
21. Juli 2013 um 17:59
@aargks
Dein Schwurbelcheck hört sich interessant an. Ich bin vor allem auf das Ergebnis bei der Piratenpartei gespannt, weil es mich, auch wenn mir bisher kein extremes pseudowissenschaftliches oder verschwörungstheoretisches Geschwurbel im Programm aufgefallen ist, interessiert, ob sich doch und wie viel Geschwurbel sich in unser Wahprogramm verirrt hat, damit wir es beim nächsten mal sinnvoll weiterentwickeln können.
21. Juli 2013 um 18:09
Ein Pirat, willkommen! Na immerhin hat es dieser Antrag https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/PA582 schon mal nicht ins Wahlprogramm geschafft – sonst wäre mein armes Schwurbel-o-Meter explodiert ;-)
Aber bis „P“ ist es noch weit und ich habe zwar einige fertige Artikel im Köcher, bin aber noch nichtmal mit „B“ komplett durch. Ich bin gespannt aufs Piratenprogramm
21. Juli 2013 um 18:14
danke, jetzt hab ich was zu lesen. Ich hab das Bandbreitenmodell erst einmal überflogen und muss zugeben, noch nicht durchzublicken (wo sind die Volkswirtschaftler, wenn man einen braucht). Ich zieh mir das mal in aller Ruhe rein und versuche, deren Zahlen und Berechnungen nachzuvollziehen.
21. Juli 2013 um 19:00
hui, mit dem Bandbreitenmodell haste mir ne harte Nuss gegeben. Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler, habe aber mal die Geschichte mit den Arbeitsplätzen und der Umsatzsteuer einem Plausibilitätstest unterzogen. (siehe auch https://aargks.wordpress.com/2013/05/29/plausibilitat-die-kleine-kluge-schwester-der-logik/)
Wenn ich es richtig verstanden habe, dürfen Unternehmen ihre Waren umsatzsteuerbefreit verkaufen, wenn sie pro 1 Mio Umsatz 8 Mitarbeiter oder mehr beschäftigen. Wenn es weniger Mitarbeiter sind, müssen sie bis zu 200 Prozent Umsatzsteuer draufklopfen.
Das würde für folgende wahllos anhand dieser 2010er-Zahlen rausgepickte Unternehmen bedeuten (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Unternehmen_in_Deutschland):
47.259 Umsatzmillionen x 8 = 378.002 Mitarbeiter (realer Stand 2010 waren 303.000, entspricht einem nötigen Plus an Mitarbeitern von rund 75.000, plus 24 Prozent)
7.792 Umsatzmillionen x 8 = 62.336 Mitarbeiter (realer Stand 2010 waren 12.722, entspricht einem nötigen Plus an Mitarbeitern von rund 50.000, plus 393 Prozent)
62.424 Umsatzmillionen x 8 = knapp 500.000 Mitarbeiter (realer Stand 2010 waren knapp 250.000, entspricht einer Verdoppelung der Mitarbeiter)
Das haut nicht hin: Wenn die Unternehmen 200 Prozent auf ihre Waren draufrechnen müssen, kauft sie keiner. Wenn sie, wie im Beispiel Telekom oder Porsche ein Vielfaches an Mitarbeitern einstellen müssen, wird die Ware auch extrem teuer und verkauft sich ebenso wenig, auch ohne Umsatzsteuer.
Folge so oder so: Der letzte macht das Licht aus. Nun kann man sich drüber streiten, ob man einen Porsche überhaupt braucht, aber das ist ein anderes Thema.
Hab ich mich wo verrechnet oder sonst einen Denkfehler gemacht?
22. Juli 2013 um 09:40
bedingungsloses grundeinkommen: geht, wenn man nur will ! guckst du:
http://campogeno.wordpress.com/2013/07/22/bedingungsloses-grundeinkommen-geht-wenn-man-nur-will/
22. Juli 2013 um 14:49
das geht schon in die Richtung. Aber mir ist das immer noch zu unkonkret. auch wenn rund 1.200 Euro pro Kopf und Monat ausgegeben werden, heißt das ja nicht, dass das in Geldleistung beim Menschen ankommt.
Das ist mein Grundproblem mit dem, wie gesagt, durchaus charmanten Ansatz. Wieviel Geld stecken Bund, Länder und Kommunen wo rein, was könnte man um wieviel kürzen, wie könnte man neue oder andere – UND in welcher Höhe – Einnahmen erzielen etc.
Was sagst Du denn zu meinem Plausibilitätscheck? Liege ich falsch?
naturundwirtschaft schreibt:
25. Juli 2013 um 14:33
@aargks: aussteiger wird nicht konkret werden. Denn bisher habe ich auch noch kein bezahlbares Modell gesehen, was genauer berechnet wurde. Oder die Leute schmeißen einfach nur mit großen Zahlen um sich und es kommt zu Milchmädchenrechnungen, denn dann dürfte oft nichts anderes vom Staat mehr bezahlt werden außer das BGE. Aber was ist mit der Polizei, Militär, Infrastruktur, etc.?
Mit dem Plausibilitätscheck hast du vollkommen recht. Es ist sogar noch schlimmer. Es werden Unternehmen bestraft, die effizient sind. Effizienz ist ein wichtiger Bestandteil des Wirtschaftswachstum. Denn je weniger Produktionsmittel (inkl. Menschen) zur Erreichung eines Ziels eingesetzt werden, desto mehr Produktionsmittel bleiben übrig, die für weitere Ziele (z.B. Investitionen) eingesetzt werden können. Kritiker sehen darin immer nur die Arbeitslosen. Aber jeder Arbeitslose kann dazu eingesetzt werden etwas anderes zu produzieren bzw. eine andere Dienstleistung zu erfüllen. Und es ist ja nicht so, dass alle Arbeitslosen wirklich arbeitslos sind, da gibt es ja noch den schönen Schwarzmarkt und die Schwarzarbeit.
Wenn das Bandbreitenmodell vor 500 Jahren eigeführt worden wäre, dann würden wir heute nur ineffiziente Manufakturen haben, weil sich Investitionen in z.B. Automatisierung und technische Innovationen nicht lohnen würden, da man die Mitarbeiter ja trotzdem noch weiter beschäftigen müsste, wenn man nicht diese Strafsteuer zahlen will.
Weitere Probleme sind, dass Erhöhungen von Steuern nicht unbedingt zu einer Erhöhung des Steuervolumen führt. Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Laffer-Kurve
Da gibt es noch reichlich andere Kritikpunkte. Ich bin aber gerade ein wenig faul.
Ach ja, ich habe übrigens schöne (Ironie) Dinge im Blog von aussenseiter gefunden:
http://campogeno.wordpress.com/2013/07/19/spionage-daten-fur-us-billionare/
http://campogeno.wordpress.com/2013/07/25/wer-regiert-die-welt-wirklich/
25. Juli 2013 um 16:27
Hi naturundwirtschaft!
Ja schade, dass keine konkreten Berechnungen kommen. Und ja, ich habe auch die teils etwas schwurbeligen Artikel beim Kollegen aussteiger gelesen – wollte ihm aber eine Chance geben, mal was Konkretes zum Thema beizutragen.
@aussteiger: jetzt sach halt mal an, wie siehst Du meinen Plausibilitätscheck? Und bitte keine Links mehr mit „Geht-wenn-man-nur-will“. Sorry, aber das überzeugt nicht.
Freundeskreis AfD Köln schreibt:
26. Juli 2013 um 09:00
In Frechen bei Köln hat die Partei Alternative für Deutschland (AfD) bei einem Treffen lokaler Funktionäre und Vorstände der Partei erörtert, inwieweit auch ehemalige SPD-Wähler für die Ziele der jungen Partei zu gewinnen sind. Bei persönlichen Gesprächen im Wahlkampf vor Ort, habe man ein verstärktes Interesse bei Bürgerinnen und Bürgern mit niedrigen Einkommen und kleinen Renten bemerkt, die aufgrund der Eurokrise verstärkt Sorgen um ihre Ersparnisse hätten, stellten die Wahlkämpfer der AfD fest. Der Kölner Stadtverband hat sich unlängst auch für eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe eingesetzt. Die Partei versteht sich neben ihrer kritischen Haltung zum Euro, offenbar verstärkt als Partei der Rechtsstaatlichkeit. Auch die Einführung von Volksabstimmungen auf Bundesebene findet großen Anklang. Einig ist man sich in Köln auch darin, dass die AfD keine Rechtspartei ist, sondern eine Partei neuen Typs, die in allen politischen Lagern ihre Anhängerschaft mobilisieren kann.
26. Juli 2013 um 12:28
ok. und was tut das zur Sache?
28. Juli 2013 um 12:56
Es ist schon soviel zum #bge gedruckt, gebloggt, gesagt worden *stöhn … So einen wie den Aussteiger kann man natürlich nicht überzeugen, der lebt gedanklich und wie’s aussieht geographisch in seiner eigenen Welt.
Ich versuche ja immer, und das ist mein Beitrag hier zum Schwurbelcheck, die Argumente bei politischen Themen in mein eigenes kleines Modell einzuteilen:
1. Bullshitargumente (sind keine)
2. politische/gestalterische (weiche) Argumente
3. wirtschaftliche, technische, logische, mathematische (harte) Argumente
Es gibt auch noch die cuibono-Argumente (liegen hier auf der Hand, wenn man sich anschaut, wer das BGE so alles fordert), aber da kommt man schnell aufs Verschwörungstheorie-Eis oder rutscht ad-personam-Abhänge runter.
Ansonsten: 1 is‘ klar (hier nur mal z.B., dass die BGE-Debatte still unterstellt, so etwas gäbe es noch gar nicht, oder dass das BGE, wie es gefordert wird, wirklich jedem Menschen im Lande bedingungslos zugute kommen würde. Bullshit.)
2 hat eine große Schnittmenge mit 1, genannt „Ideologie“, aber hier kommen auch valide Argumente drin vor. Man denke mal daran, was die grüne Bewegung seit den 80ern in Sachen Umweltbewusstsein tatsächlich auf die Beine gestellt hat, meine Hochachtung vor der Reformierbarkeit unserer Gesellschaft. Nur dass die Grünen sich m.E. halt politisch überlebt haben und mehr im Feld Nr 1 unterwegs sind heutzutage.
Im vorliegenden Fall muss sich die Gesellschaft fragen, wieviele Arme und Erwerbslose wir uns eigentlich leisten wollen, die also weder als Konsumenten noch als Produzenten nennenswert zur Einnahmenseite (nicht immer gleich „Wachstum“ wollen) beitragen. Dazu müsste man erstmal von der populistischen Argumentation weg, dass alle diese Leute entweder Opfer oder Faulpelze sind und sich das mal sachlich angucken. Auf politischer Ebene praktisch unmöglich. Dazu kommen Abwägungen, was die Menschenwürde mehr beeinträchtigt: Ein niedriger Lohn oder gar keine Arbeit? Schwierig.
3 wären die härtesten Argumente, wenn man mit echten Zahlen arbeiten kann und nur wenige Annahmen braucht (die dann wieder zu 2 und 1 gehören können). Und das ist hier schwierig, denn schon die Grundfrage: „Wieviel Geld steht denn netto zum Verteilen überhaupt zur Verfügung?“ ist kompliziert (jedenfalls kenne ich keine Zahlen/-quelle).
In einer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (drunter geht’s bei dem Thema nicht) muss man die Einnahmen- (wie übrigens danach auch die Ausgaben-)seite des Staates als ganzes nämlich um alle Transfers innerhalb des Systems bereinigen (z.B. steuerfinanzierte Renten, Länderfinanzausgleich u.v.m.). Man kann das also nicht auf Steuereinnahmen und Kredite beschränken, da kommen auch alle Sozial- und sonstige Abgaben mit rein und die ganzen internen Verbräuche (die man ohnehin senken sollte, anderes Thema). Schaut Euch mal einen normalen kommunalen Haushalt an, das ist logisch gesehen dermaßen ein Teller Spaghetti, und das müsste zur Ermittlung des Verfügungsrahmens alles aufgedröselt werden. Und das wäre dann nur die Einnahmenseite.
Solchen Aussagen wie „2011 wurden in deutschland pro kopf und jahr ca. 14.235 euro an staatsausgaben getätigt, und davon könnte man doch… “ ist im besten Fall irreführend, weil es so simpel gesehen „den Staat“ gar nicht gibt und der das Geld auch und eben nicht „pro Kopf“ ausgibt. So etwas würde ich erst glauben, wenn ich die Rohdaten gesehen habe, s.o.
Ich nehme auch an, dass, wenn die anderen Parteien in die Debatte einsteigen, sehr bald auch die Klientelpolitik losginge, es also bald nicht mehr um 1. den gleichen Betrag 2. für alle (geht eh nicht) ginge, sondern um Differenzierung, Umverteilung, Bestandsschutz, „soziale Gerechtigkeit“ usw usw ad nauseam. Man sieht bei der Agenda 2010, wie das die Gesellschaft polarisiert. Im Falle des BGE befürchte ich ein Zerreißen.
28. Juli 2013 um 21:11
In einer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (drunter geht’s bei dem Thema nicht) …
Eben. Und auch wenn das sicher schwierig ist, sollten sich (meines Erachtens) Befürworter auch die Mühe geben, mal zumindest im Ansatz Rechenmodelle zu bringen. Denn, um in Deinem Argumentationsmodell zu bleiben,unter 3.) würde ich es nicht machen – aber da wird leider nichts kommen. Deshalb glaube ich nicht, dass es überhaupt zur Zerreißprobe kommen wird – weil ein BGE nie kommen wird.
29. Juli 2013 um 20:20
um in Deinem Argumentationsmodell zu bleiben,unter 3.) würde ich es nicht machen
Außergewöhnliche Behauptungen (hier: Forderungen) erfordern außergewöhnliche Belege, da bin ich bei Dir.
Deshalb glaube ich nicht, dass es überhaupt zur Zerreißprobe kommen wird – weil ein BGE nie kommen wird
Lass uns das gemeinsam hoffen. Wenn es einer auf die Zerreißprobe ankommen lässt, heißt das ja nicht gleich, dass er damit die Debatte auch gewinnt.
Aber Politik ist leider nicht der Austausch sachlicher Argumente mit anschließendem rationalen Richterspruch. Die BGE-Forderung ist zur Generierung von Wählerstimmen nicht nur bei den Gutmenschen (Grüne, Piraten), sondern vor allem an den Rändern des politischen Spektrums geeignet. Das polarisiert die Gesellschaft weiter, selbst wenn da nie was rauskommt, was irgendwas mit der Ursprungsvorstellung zu tun hat.
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31. Juli 2013 um 09:30
>Wir setzen uns dafür ein, dass auch unkonventionelle Meinungen im öffentlichen Diskurs ergebnisoffen diskutiert werden, solange die Meinungen nicht gegen die Werte des Grundgesetzes verstoßen. <
Das ist so wischi-waschi, das sollte doch für einen kleinen Geschwurbel ausreichen, oder? ;)
Ich meine, was meinen die damit? Prinzipiell ja eigentlich was ganz normales, warum extra so erwähnen?
31. Juli 2013 um 10:59
Neenee, da müssen sich die Afdler viel mehr Mühe geben, um das Schurbel-o-Meter ausschlagen zu lassen. ;-)
Bei solchen Worthülsen muss ich immer an den Indianer Nobody/Exaybachay aus dem genialen Film „Dead Man“ denken: He who talks loud saying nothing…
31. Juli 2013 um 11:50
Ich muss mal nachschauen, ich dachte, bei der AfD wäre auch irgendwo Geschwurbel gewesen. Aber gut, evtl. nicht im Parteiprogramm gelandet, sondern EInzelaussagen.
Hatte das von der 1. Ab jetzt…Demokratie durch Volksabstimmung gelesen und gedacht, ich wäre bei der AfD gelandet ;) Aber so wie es ausschaut trügt mich einfach meine Erinnerung.
31. Juli 2013 um 12:29
Ich habe mich an dieses Wahlprogramm gehalten -> https://www.alternativefuer.de/pdf/Wahlprogramm-AFD.pdf
Vier recht öde Seiten, keine Höbbaddie, nix mit Eso-Unfug und auch keine Verschwörungstheorien (die hätte ich vermutet, so nach dem Motto „Buäää, die pöhsen Ausländer haben uns die Reichsmark, äh D-Mark, weggenommen“). Leider nichts drin ;-)
Ja, fast langweilig ;)
Ich hätte eher so was wie Chemtrails vermutet, aber so wie es ausschaut:
So stark 1-Punkt-Partei, daher sogar ohne Geschwurbel ;)
rgr schreibt:
28. August 2013 um 07:43
Die Aussagen von AfD zum Euro sind ungefähr auf dem Niveau der Aussagen der anderen über Naturheilverfahren, nämlich irrational und nicht sachgemäß.
Übrigens bin ich auch für eine Sitzplatzgarantie in Schulbussen. Wegen einer Aussage eine Partei zu wählen, käme mir aber nie in den Sinn. Im Zweifelsfall ist das dann sowieso „nicht bezahlbar“.
28. August 2013 um 18:49
ich habe mich auch beim Abschluss meiner Bewertung gefragt, warum die AfD nix abbekommen hat. Aber rein vom Wahlprogramm hat’s halt nix Schwurbeliges ergeben (es sei denn, ich habe etwas übersehen). Sollte ich mich korrigieren? Immer her mit Belegen, rein gefühlsmäßig kann ich auch nicht mit denen.
Ach, und das mit den Schulbussen ist nur ne witzige Randnotiz, nimm’s nicht zu ernst ;-)
28. August 2013 um 20:13
>Beispiel: in Deutschland leben 80 Mio Menschen. Angenommen, jeder würde 700 Euro im Monat (die Vorstellungen schwanken da stark, ich siedel das mal eher unten an, mit 700 Euro kommt man nicht allzu weit). Geldbedarf: 56 Milliarden Euro pro Monat, 672 Milliarden pro Jahr. Bundeshaushalt 2012 war 311 Milliarden, ich glaube, dass z.B. durch kommunlae Abgaben und Kram auch nochmal 300 Milliarden reinkommen (das ist mit Vorsicht zu genießen, ich finde auf die schnelle keine Zahlen, vielleicht kann jemand helfen).<
Häh? Nicht jeder bekommt das doch automatisch, oder? Ich sehe das eher so als ALV ohne Druck. Ich verdiene normal mein Geld und wenn ich mal Sabbat machen will, mich neu ordnen, irgendwo für lau arbeiten etc. bekomme ich das Grundeinkommen.
Ah, ich lese weiter und sehe, ich liege wohl verkehrt.
Bekomme ich dann als Beispiel 700€/Monat zusätzlich zu meinen Einkommen?
28. August 2013 um 20:27
genauso verstehe ich das Grundeinkommen. Und deswegen kapier ich das Finanzierungsmodell auch nicht…
28. August 2013 um 20:54
ah, ok, geht also nicht nur mir so ;)

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