Source: https://copwatchleipzig.home.blog/2019/01/17/gesamte-wvz-als-gefahrlicher-ort/
Timestamp: 2019-08-19 05:46:16+00:00

Document:
Gesamte WVZ als “Gefährlicher Ort” – Cop Watch Leipzig
cwl	Uncategorized	 January 17, 2019 January 17, 2019 6 Minutes
Whole weapon prohibition zone declared as “gefährlicher Ort”
Eine neue Anfrage bezüglich der “gefährlichen Orte” wurde von der Sächsischen Landesregierung “beantwortet”. (https://kleineanfragen.de/sachsen/6/15964-nachfrage-zu-6-15402-gefaehrliche-orte-kontrollbereiche-und-bodycams-in-leipzig)
Klarheit gibt es jetzt darüber, dass das gesamte Gebiet, welches die Waffenverbotszone umfasst, als “gefährlicher Ort” im Sinne des § 19 I 1 Nr. 2 SächsPolG geführt wird. Durch diese Einstufung, die allein aufgrund polizeilicher Einschätzung intransparent festgelegt wird, werden verdachtsunabhängige Kontrollen ermöglicht.
In vergangenen Artikeln, die wir auf der Grundlage von den vorangegangenen Anfragen verfasst haben, wiesen wir immer wieder darauf hin, dass es eine große Rechtsunsicherheit gibt. Es ist nicht für alle Bürger*innen erkennbar, wo ein “gefährlicher Ort” ist, da dies nicht öffentlich bekannt gegeben wird, sondern nur durch Anfragen zu erfragen ist. Wo ein solcher Ort ist, an dem erfahrungsgemäß Straftaten begangen werden oder sich zu solchen verabredet wird, liegt im Ermessen der Polizei und verändert sich ständig. So weiteten sie die Größe des “gefährlichen Ortes” im Raum Eisenbahnstraße in den letzten Monaten immer weiter aus. Das bedeutet, dass mittlerweile im ganzen Raum der Waffenverbotszone Identitätsfeststellungen und Durchsuchungen von Sachen und Personen durchgeführt werden können. Die Zahl der rechtswidrig durchgeführten Kontrollen der Polizei, die innerhalb der WVZ ,aber außerhalb der “gefährlichen Orte” stattfanden (sprich ohne Rechtsgrundlage), wird sich dadurch verringern.
Kontrollen und Identitätsfeststellungen sind dadurch trotzdem nicht automatisch immer zulässig. Dazu eine Gerichtsentscheidung aus Bayern, die aufgrund der Ähnlichkeit der Gesetze in Sachsen und Bayern (alte Fassung, vor der Reform) auf Leipzig übertragen werden kann.
VGH München, Beschl. v. 8. 3. 2012 – 10 C 12.141, BeckRS 2012, 58287: „Für eine Durchsuchung nach Art. 21 I Nr. 3 i. V. mit 13 I Nr. 2 aPAG reicht es nicht aus, dass der Betroffene sich an einem „gefährlichen Ort“ aufhält. Hinzukommen muss, dass die Durchsuchung der betreffenden Person auch in einer entsprechenden Beziehung zu den Tatsachen steht, die die Gefährlichkeit des Ortes begründen (im Anschluss an BayVerfGH, NVwZ 2003, 1375, und NVwZ 2006, 1284) „Da … eine Durchsuchung von Personen und Sachen mit einem intensiveren Eingriff in das Grundrecht der allgemeinen Handlungsfreiheit und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verbunden ist als die Identitätsfeststellung, genügt es für eine Durchsuchung nach Art. 21 I Nr. 3 i. V. mit 13 I Nr. 2 aPAG nicht, dass sich die Person an einem der genannten Orte aufhält. Erforderlich ist vielmehr, dass die Durchsuchung in einer inneren Beziehung zu den polizeilichen Gesichtspunkten steht, auf welche Art. 13 I Nr. 2 PAG abstellt, also auf die Verabredung, Vorbereitung und Verübung von Straftaten etc. Art. 21 I Nr. 3 PAG darf nicht dahingehend ausgelegt werden, dass beliebige Personen durchsucht werden, nur weil sie sich gerade an einem gefährlichen Ort aufhalten“.
Noch mal zur Erinnerung: Wenn Polizist*innen euch kontrollieren wollen:
Fragt nach der Rechtsgrundlage – Waffenverbotszone ist nicht die richtige Antwort!
Sagt, dass sie eure Identität nur feststellen können, wenn ihr euch am “gefährlichen Ort” aufhaltet und nicht nur durchquert.
Durchsuchungen von Kleidung und mitgeführten Sachen ist nur erlaubt, wenn es irgendwelche Hinweise darauf gibt, dass ihr ein Straftaten begeht oder vorbereitet oder gefährliche Gegenstände/Waffen mithabt.
Widersprecht den Maßnahmen, die sie durchführen wollen.
Fragt nach der Dienstnummer der kontrollierenden Beamt*innen.
Fertigt ein Gedächtnisprotokoll an und schickt es an copwatchleipzig@riseup.net.
Und weil wir immer wieder Berichte hören, dass bei Kontrollen Personen gezwungen werden sich und im Winter (!) in der Öffentlichkeit (!) zu entkleiden:
„Einen Anspruch darauf, an Ort und Stelle durchsucht zu werden, hat der Kl[äger] nicht. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gebietet es vielmehr, die Durchsuchung so durchzuführen, dass diskriminierende Begleitumstände vermieden werden (Grundsatz der geringsten Beeinträchtigung). Eine Durchsuchung in aller Öffentlichkeit wäre für den Kl. mit einem stärkeren Eingriff in seine Privat- und Intimsphäre verbunden gewesen als eine Durchsuchung in den Räumen der Polizeiinspektion, weil sie von allen Passanten hätte wahrgenommen werden können. Das Einverständnis des Kl. mit einer Durchsuchung an Ort und Stelle ändert daran nichts. Der Schutz der Privatsphäre ist Ausfluss des Grundrechts auf Achtung der Menschenwürde (Art. 1 I GG) und daher unverzichtbar.“
Wenn ihr Kontrollen beobachtet, zeigt euch solidarisch, bleibt stehen, beobachtet kritisch und berichet uns, damit wir dokumentieren können, was alles gemacht wird!
A new request concerning the “dangerous places” was “answered” by the Saxon government. (https://kleineanfragen.de/sachsen/6/15964-nachfrage-zu-6-15402-gefaehrliche-orte-kontrollbereiche-und-bodycams-in-leipzig)
It is now clear that the entire area, which includes the weapons prohibition zone, is listed as a “dangerous place” in the sense of § 19 I 1 No. 2 SächsPolG. This classification, which is intransparently determined on the basis of police assessment, makes it possible to carry out checks independent of suspicion.
In past articles, which we have written on the basis of previous questions, we have repeatedly pointed out that there is a great deal of legal uncertainty. It is not clear to all citizens where a “dangerous place” is, as this is not made public, but can only be obtained through enquiries. Where such a place is, where criminal offences are committed according to experience or are arranged to such, lies in the discretion of the police and changes constantly. In recent months they have been expanding the size of the “dangerous place” in the Eisenbahnstraße area. This means that identity findings and searches of objects and persons can now be carried out in the entire area of the weapons prohibition zone. This will reduce the number of illegal police checks carried out inside the weapon prohibition zone but outside the “dangerous places” (without a legal basis).
Nevertheless, controls and identity checks are not always automatically permitted. In addition a court decision from Bavaria, which can be transferred due to the similarity of the laws in Saxonia and Bavaria (old version, before the reform) to Leipzig.
VGH München, Beschl. v. 8. 3. 2012 – 10 C 12.141, BeckRS 2012, 58287: “For a search according to Art. 21 I No. 3 i. V. with 13 I No. 2 aPAG it is not sufficient that the person concerned is in a “dangerous place”. In addition, the search of the person concerned must also have a corresponding relationship to the facts justifying the dangerous nature of the place (following BayVerfGH, NVwZ 2003, 1375, and NVwZ 2006, 1284). a search of persons and objects is associated with a more intensive interference in the fundamental right of general freedom of action and the right to informational self-determination than the determination of identity, it is not sufficient for a search according to Art. 21 I No. 3 i. V. with 13 I No. 2 aPAG that the person is at one of the named places. Rather, it is necessary that the search has an internal relationship to the police aspects on which Art. 13 I No. 2 PAG is based, i.e. the agreement, preparation and perpetration of criminal offences, etc. The search must be carried out in accordance with the following criteria Art. 21 I No. 3 PAG may not be interpreted as meaning that “any persons are searched simply because they are in a dangerous place”.
If police officers want to check you out:
Ask for the legal basis – weapons prohibition zone is not the right answer!
Say that they can only determine your identity if you are at the “dangerous place” and not just crossing it.
Searches of clothes and items carried are only allowed if there are any indications that you are committing a crime or are preparing to commit a crime or are carrying dangerous items/weapons.
Contravene the measures they want to carry out.
Ask for the service number of the inspecting officers.
Draw up a memory protocol and send it to copwatchleipzig@riseup.net.
And because we hear again and again reports that with controls persons are forced to undress themselves and in the winter (!) in the public (!):
“The claimant does not have a right to be searched on the spot. The principle of proportionality requires it rather to accomplish the search in such a way that discriminating accompanying circumstances are avoided (principle of the smallest impairment). A search in all public would have been connected for the cl. with a stronger interference into his private and intimate sphere than a search in the rooms of the police inspection, because it could have been noticed by all passers-by. The cl.’s consent to a search on the spot does not change this. The protection of privacy is a consequence of the fundamental right to respect for human dignity (Article 1 I GG) and is therefore indispensable”.
If you observe controls, show solidarity, stand still, observe critically and tell us so that we can document what is being done!
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References: § 19
 Art. 21
 Art. 21
 Art. 13
 Art. 21
 § 19
 Art. 21
 Art. 21
 Art. 13
 Art. 21