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Timestamp: 2020-08-09 03:02:26+00:00

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BIEL-BIENNE - Traum DIREKT AM STRAND
Staatsoberhaupt Der Bundesrat bildet daskollektive Staatsoberhaupt:[4]
Ueli Maurer (Vizepräsident 2012),
Eveline Widmer-Schlumpf(Bundespräsidentin 2012)
Fläche 41'285[5] km²
Einwohnerzahl 7'952'600[6] (31. Dezember 2011), davon 1'814'800 ausländisch (23 %)
Bevölkerungsentwicklung ▲ +1,0 %[6] pro Jahr
Human Development Index ▲ 0,903 (11.)[8]
1 CHF = 0,82768 EUR
Unabhängigkeit 1499 faktische Ablösung vomHeiligen Römischen Reich imFrieden zu Basel,
1648 juristische Trennung vom Heiligen Römischen Reich imWestfälischen Frieden
Die Schweiz (französisch Suisse [sɥis(ə)], italienisch Svizzera [ˈzviːtːsɛra], rätoromanisch Svizra?/i[ˈʒviːtsrɐ] oder [ˈʒviːtsʁːɐ], lateinisch Helvetia, amtlich Schweizerische Eidgenossenschaft) ist einföderalistischer, demokratischer Staat in Europa. Er grenzt an Deutschland im Norden, an Österreich undLiechtenstein im Osten, an Italien im Süden und an Frankreich im Westen. Die Schweiz hat lautBundesverfassung keine Hauptstadt; der Sitz der Bundesbehörden (Regierung und Parlament) ist dieBundesstadt Bern.[3]
Die Schweizerische Eidgenossenschaft ging aus den sogenannten Urkantonen Uri, Schwyz und Unterwaldenhervor. Als inoffizielles und mythologisiertes Gründungsdokument gilt der Bundesbrief von 1291, die älteste noch erhaltene Bündnisurkunde. Der heutige Bundesstaat besteht seit 1848. Der Name Schweiz stammt vom Urkanton Schwyz.
Die Willensnation Schweiz zählt rund acht Millionen Einwohner, darunter zwei Millionen Ausländer (ca. 23 Prozent).[6] Das Land gehört zu den dichter besiedelten Ländern Europas, wobei sich die Bevölkerung im sogenannten Mittelland im Norden des Landes konzentriert (450 Personen pro Quadratkilometer auf 30 Prozent des Staatsgebiets).[9] Im Kanton Graubünden, im Alpengebiet gelegen, sinkt der entsprechende Wert auf einen Bruchteil (27 Personen pro Quadratkilometer). Die grössten Städte sind die Wirtschaftszentren Zürich, Genf,Basel, Lausanne und Bern.[6]
Das Land gliedert sich in 26 teilsouveräne Kantone. Die vier offiziellen Amtssprachen sind Deutsch,Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Das Landeskennzeichen lautet «CH», die lateinische Abkürzung für Confoederatio Helvetica, um keine der vier Amtssprachen zu bevorzugen.
6.3 Kantone
6.4 Enklaven
6.5 Aussenpolitik
6.6 Landesverteidigung
6.7 Sozialpolitik
6.9 Schulsystem
8.2 Gewerbe und Industrie
8.4 Aussenhandel
10.5 Bildkunst
10.8 Film
10.9 Literarisches Schaffen
10.10 Museen
Die Schweiz liegt zwischen dem 46. und 48. Breitengrad und verfügt über die Quellgebiete von Flüssen, die sich in die Nordsee, das Mittelmeer und das Schwarze Meer ergiessen. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 220,1 Kilometer (von Bargen nachChiasso), die grösste West-Ost-Ausdehnung 348,4 Kilometer (vonChancy nach Val Müstair).[10]
Der höchste Punkt in der Schweiz ist die mit 4'634 m ü. M. hoheDufourspitze, der tiefste Punkt ist das Ufer des Lago Maggiore mit193 m ü. M. Die höchstgelegene Siedlung Juf liegt auf2'126 m ü. M.; die tiefstgelegenen Siedlungen um den Lago Maggiore auf 196 m ü. M.
23,9 Prozent der Fläche der Schweiz sind landwirtschaftliche Nutzfläche, 13 Prozent sind alpwirtschaftlicheFlächen. Siedlungsfläche sind 6,8 Prozent und 25,5 Prozent – vorwiegend in den Bergen und im Jura – gelten als unproduktive Naturfläche. Rund 30,8 Prozent sind Wald und Gehölze.[11]
Die Schweiz lässt sich in drei landschaftliche Grossräume einteilen, die grosse Unterschiede aufweisen: den Jura, das dichtbesiedelteMittelland sowie die Alpen mit den Voralpen. Rund 48 Prozent der Landesfläche gehören zu den Alpen sowie 12 Prozent zu den Voralpen. 30 Prozent werden zum Mittelland gerechnet und der Jura nimmt die restlichen zehn Prozent der Landesfläche ein.
Das Schweizer Mittelland wird im Nordwesten und Norden geografisch wie auch geologisch durch die langgestrecktenHöhenzüge des Jura abgegrenzt. Im Süden gegen die Alpen hin wird meist der an einigen Orten relativ abrupte Anstieg zu Höhen über 1'500 m ü. M. als Kriterium für die Abgrenzung verwendet. Die südwestliche Grenze des Schweizer Mittellandes bildet der Genfersee, die nordöstliche Grenze der Bodenseezusammen mit dem Rhein. Die Bevölkerungsdichte der Schweiz wird von den sämtlich im Mittelland liegenden Ballungszentren mit den beiden in der Grösse bescheidenen und dennoch wichtigen Weltstädten Zürich undGenf bestimmt. In den typischen Mittellandkantonen Aargau und Zürich steigt die Bevölkerungsdichte auf 600 bis fast 800 Personen pro Quadratkilometer.
Alpensüdseite ist ein Begriff, der vor allem in Wettervorhersagen verwendet wird, da sich Wetterlage, Klima und Vegetation meist von derjenigen auf der Alpennordseite unterscheidet. Die Alpensüdseite umfasst den Kanton Tessin, die Bündner Südtäler Misox, Calanca, Bergell, Puschlav und Val Müstair, sowie das Gebiet südlich desSimplonpasses im Kanton Wallis und gehört naturräumlich zu den Alpen.
Gebirge [Bearbeiten]
Matterhorn in Zermatt (VS) an der Grenze zu Italien
Der wohl bekannteste Berg in den Schweizer Alpen ist das 4'478 m ü. M. hohe Matterhorn. Im Berner Oberland bilden der Eiger(3'970 m ü. M.), der Mönch (4'107 m ü. M.) und die Jungfrau (4'158 m ü. M.) eine bekannte und auch aus dem Mittelland sichtbare Gruppe. Die markanten Punkte der Ostalpen sind der Piz Bernina (4'049 m ü. M.), der östlichste Viertausender der Alpen und einziger Viertausender der Ostalpen, sowie der Piz Kesch, einem weiteren Berg mit mehr als 1500 Metern Prominenz.
In den Voralpen sind die Erhebungen niedriger, jedoch sind die Berge aufgrund ihrer Dominanz und Schartenhöhe mindestens so imposant. Bekannte Berge sind der Luzerner Hausberg Pilatus (2'132 m ü. M.), der Mythen (1'898 m ü. M.), die Rigi (1'797 m ü. M.) imKanton Schwyz oder der Säntis (2'502 m ü. M.) im Alpstein in der Ostschweiz.
Der höchste Schweizer Jura-Berg ist der Mont Tendre mit 1'679 m ü. M. Der bekannteste Vertreter ist der Chasseral (1'607 m ü. M.). Weitere bedeutende Berge sind Dôle (1'677 m ü. M.), Chasseron (1'607 m ü. M.) und Suchet (1'588 m ü. M.). Der östlichste Ausläufer desJura ist der Randen im Kanton Schaffhausen.
Palpuognasee beim Albulapass inBergün/Bravuogn (GR)
Genfersee bei Puidoux (VD)
Innerhalb der Schweiz hat der Rhein mit 375 Kilometern den längsten Lauf, gefolgt vom Rhein-Zufluss Aare mit 295 Kilometern. Die Rhone fliesst 264 Kilometer innerhalb der Schweiz, während die Reuss als viertgrösster Fluss der Schweiz 158 Kilometer Länge erreicht. Weitere prägende Flüsse sind die Saane im Westen, der Ticino in Süden, die Birs und der Doubs im Nordwesten, die Linth/Limmat und die Thur im Nordosten, und der Inn im Südosten. Bei Schaffhausen bildet der Rhein den grössten Wasserfall Mitteleuropas, den Rheinfall.
Die Schweiz hat aufgrund ihrer topografischen Struktur und vor allem aufgrund der Vergletscherung während der Eiszeiten rund 1500 Seen, ein Grossteil davon sind kleinere Bergseen. Insgesamt sind ungefähr vier Prozent der Oberfläche der Schweiz von Seen bedeckt, diese Summe wird aber hauptsächlich von den grössten Seen der Schweiz bestimmt: Der grösste See der Schweiz ist der Genfersee (580,03 Quadratkilometer) an der französischen Grenze. Er liegt zu knapp 60 Prozent auf Schweizer Boden. Der an Deutschland und Österreich grenzende Bodensee ist mit 536,00 Quadratkilometern etwas kleiner (23,73 Prozent der Uferlänge auf Schweizer Boden). Der Lago Maggiore an der italienischen Grenze (19,28 Prozent auf Schweizer Territorium) bildet mit 193 m ü. M. den tiefsten Punkt der Schweiz. Die grössten ganz in der Schweiz liegenden Seen sind derNeuenburgersee (215,20 Quadratkilometer), der Vierwaldstättersee (113,72 Quadratkilometer) und der Zürichsee(88,17 Quadratkilometer).
Grundsätzlich herrscht vom Jurabogen über Mittelland und Voralpen täglich ein ähnliches Wetter, während inneralpin und in derSüdschweiz vollkommen anderes Wetter herrschen kann. Während in der Innerschweiz, in den Alpen und im Tessin die durchschnittliche Niederschlagsmenge bei ungefähr 2000 Millimeter/Jahr liegt, beträgt sie im trockensten Ort Ackersand imMattertal nur 521 Millimeter im Jahr. Im Mittelland beträgt die Menge etwa 1000 bis 1500 Millimeter/Jahr. Die Niederschlagsmenge ist im Sommer allgemein ungefähr doppelt so hoch wie im Winter. Primär abhängig von der Höhenlage fällt viel Niederschlag im Winter als Schnee, sodass in den Alpen und Voralpen eine monatelang geschlossene Schneedecke vorhanden ist. Vergleichsweise selten schneit es in den Regionen um Genf und Basel sowie dem Südtessin, hier kann es auch Winter ohne Schneedecke geben.
Die Temperaturen in der Schweiz sind primär abhängig von der Höhenlage. Zudem sind sie in der Tendenz im Westen statistisch leicht höher als im Osten (ca. 1 °C). Generell liegt in den Niederungen die Durchschnittstemperatur im Januar bei rund −1 bis +1 °C. Im wärmsten Monat, dem Juli, liegt diese bei 16 bis 19 °C. Die Jahresmitteltemperaturen betragen ungefähr 7 bis 9 °C. Der durchschnittlich wärmste Ort (mit einer MeteoSchweiz-Messstation) ist Grono mit einem Jahresmittel von 11,7 °C, der kälteste auf dem Jungfraujoch mit −7,9 °C. Absolute Rekorde wurden in Grono mit 41,5 °C am 11. August 2003 gemessen, beziehungsweise in La Brévine mit −41,8 °C (12. Januar 1987).[12] Verglichen mit der Höhenlage von Vergleichsorten im Mittelland sind die Temperaturen im Rhonetal, im Rheintal und in der Region Basel durchschnittlich ein bis zwei Grad Celsius wärmer, in der Magadinoebene im Tessin zwei bis drei Grad Celsius wärmer. Obwohl klimatisch zur Südschweiz zählend, sind die Temperaturen im Engadin um durchschnittlich zehn Grad Celsius kälter. Dies liegt daran, dass das Engadin ein alpines Hochtal ist. Ähnliches gilt für die Seitentäler und dasGoms im Wallis.
Während Hagel in den Alpen, in der Romandie wie auch im Tessin ein eher seltenes Ereignis ist, war dessen Intensität in der Periode von 1999 bis 2002 vor allem imEmmental, im Laufental wie auch im Toggenburg am höchsten. Es hagelte dort bis zu 60 Minuten im Jahresdurchschnitt. In den anderen Regionen beschränkt sich Hagel auf unter 30 Minuten.
Das Jedermannsrecht gestattet in der Schweiz allen Menschen, sich unter bestimmten Einschränkungen frei in der Natur zu bewegen. Auch das Sammeln von Beeren undPilzen ist gestattet. Für das Fischen ist für gewisse Gewässer eine Lizenz nötig.
Flora und Vegetation [Bearbeiten]
Die Flora im Schweizerischen Nationalpark in Zernez (GR)
30 Prozent der Landoberfläche der Schweiz sind bewaldet. In den Alpen dominieren Nadelhölzer (Tannen, Fichten, Lärchen undArven). Die Wälder in den Alpen haben wichtige Funktionen als Lawinen-Bannwald und Hochwasserschutz (der Wald fängt die Regenmenge auf und gibt sie nur langsam wieder ab). Im Mittelland, im Jura und auf der Alpensüdseite unterhalb von 1000 Metern wachsen Laubmischwälder und Laubwälder. Im Tessin gibt es als regionale Besonderheit ausgedehnteKastanienwälder, die in früheren Zeiten eine Hauptrolle der Ernährung der Bevölkerung spielten.
Ausserdem gedeihen im Süden des Tessins, zum Beispiel am Ufer des Lago Maggiore einige Palmen (beispielsweise Zwerg-oder Hanfpalmen) als Zierpflanzen in Parks und Gärten, sowie an Strassenrändern.
Der grösste Anteil des unbebauten Landes dient der Erzeugung von Nutzpflanzen. Dies sind überwiegend Getreide (Gerste,Hafer, Roggen und Weizen), die Kartoffel und der Mais, der Apfelbaum, sowie zunehmend Raps.
In den Kantonen Wallis, Waadt, Neuenburg und Genf, in der Deutschschweiz, in der Drei-Seen-Region sowie in den KantonenAargau, Zürich, Schaffhausen, Graubünden und im Tessin werden Weine angebaut.
In der Schweiz leben circa 83 Säugetierarten in der freien Wildbahn, davon ist der grösste Teil den Fledermäusen und anderenKleinsäugern zuzuordnen. Alle grossen Raubtiere sind in den letzten hundert Jahren aus der Schweiz verschwunden. Die Wichtigkeit von Räubern wurde in einem gesunden Ökosystem erkannt und Luchs, Wolf und Bär wurden unter Schutz gestellt. Der Luchs wurde wieder in die Schweiz eingeführt. Der Wolf ist selbständig von Italien und Frankreich her eingewandert. Im Südosten Graubündens sind seit 2005 zudem vereinzelt von Italien herkommende Braunbären, die seit 1910 durch die Jagd verschwunden waren,[13] auf Schweizer Territorium anzutreffen, ohne dass sich jedoch bis anhin eine Population bilden konnte. Am Häufigsten zu beobachten ist der Rotfuchs. Er fühlt sich auch in den Schweizer Städten sehr wohl. Dachse bewohnen oft mit Füchsen zusammen dieselbe Wohnhöhle, weshalb sie stark unter der Verfolgung des Fuchses litten. Als weitere Baubewohner gibt es in einigen Alpenregionen Murmeltiere. Neben dem Luchs gibt es in der Schweiz noch vereinzelte Populationen vonWildkatzen im Jura. Fischotter sind seit 1990 aus der Schweiz verschwunden, letzte Spuren fanden sich 1989 amNeuenburgersee.[14] Hauptgrund ist wohl der Zustand der Gewässer und die dadurch resultierenden Fischbestände. Oft in Siedlungen anzutreffen ist der Steinmarder. Sein Verwandter, der Baummarder, ist eher selten und hält Abstand zu Menschen.
Bei den Huftieren sind ebenfalls verschiedene Arten aus der Schweiz verschwunden, so zum Beispiel der Wisent und der Elch. Einige ausgerottete Arten wie derAlpensteinbock wurden mittlerweile wieder angesiedelt, er bevölkert das Hochgebirge der Alpen. Im Unterwallis gibt es zwei Kolonien von Europäischen Mufflons, die aus Frankreich eingewandert sind. Die Gämse ist in den höher gelegenen Regionen der Alpen sowie des Juras sehr häufig. Grösste Hirschart ist momentan der Rothirsch. Kleinste einheimische Hirschart ist das Reh. Das Reh ist auch die häufigste Hirschart und besiedelt Mittelland und Jura. Im zürcherisch-schaffhausischen Grenzgebiet beim Rafzerfeld kommt der Sikahirsch vor. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges entkamen einige Tiere aus Süddeutschen Gehegen und besiedelten von dort aus die Schweiz. Ebenfalls recht häufig in einigen Gebieten der Nordschweiz ist das Wildschwein. Von den Nagetieren wurde der Biber wieder eingeführt.
In der Schweiz leben zahlreiche Vogelarten. Die Schweizer Seen und Flüsse sind wichtige Rast- und Überwinterungsgebiete für Wasservögel. So überwintern jährlich mehrere Tausend Reiher-, Tafel- und Kolbenenten sowie Blesshühner, Gänsesäger und Haubentaucher in der Schweiz. Von den Greifvögeln sind vor allem der Turmfalkeund der Mäusebussard sehr häufig. Aber auch Rot- und Schwarzmilane kommen regelmässig vor. Der Steinadler besiedelt erneut den gesamten Alpenraum. Auch die Bestände von Habicht und Sperber haben sich erholt und sind stabil. Der ausgerottete Bartgeier wurde im Schweizerischen Nationalpark ausgesetzt; 2007 brüteten drei Paare erstmals in der Schweiz.
In der Schweiz leben Eulenarten wie der Waldkauz, die Waldohreule, der Uhu, Sperlingskauz sowie Raufusskauz und Schleiereule. In den alten Bergwäldern leben vieleSpechtarten. Singvögel sind in der Schweiz zahlreich vertreten. Durch die Ausdehnung des Siedlungsraumes, der Intensivierung der Landwirtschaft auch in immer höheren Bergregionen sowie den Wintertourismus sind viele Vogelarten in der Schweiz gefährdet.
Amphibien sind in der Schweiz weit verbreitet. Häufig sind etwa der Grasfrosch, die Erdkröte und der Bergmolch. Deutlich seltener sind hingegen der Laubfrosch, dieGeburtshelferkröte und der Alpen-Kammmolch. Das typischste Wirbeltier der Schweiz ist der Alpensalamander – dessen grösste Populationen und das Zentrum seiner Verbreitung sind die Schweizer Alpen.
Ziel des Naturschutzes in der Schweiz ist es: das heimatliche Landschafts- und Ortsbild, die geschichtlichen Stätten sowie die Natur- und Kulturdenkmäler des Landes zu schonen, zu schützen sowie ihre Erhaltung und Pflege zu fördern.[15] Der Naturschutz ist rechtlich im Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) geregelt. Teilregelungen existieren zudem in der Wald- und Landwirtschafts-Gesetzgebung von Bund und Kantonen. Private Organisationen des einheimischen Naturschutz sind etwaPro Natura oder der Schweizer Vogelschutz.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt: von 3,3 Millionen (1900) auf 8,0 Millionen (2012). Das Bevölkerungswachstum flachte damit gegenüber 2008 leicht ab auf 1,1 Prozent.[16] Die Bevölkerungszunahme erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1950 und 1970. Zu Bevölkerungsrückgängen kam es einzig 1918 als Folge der Spanischen Grippe und in den wirtschaftlichen Rezessionsjahren 1975–1977.
Während die allgemeine Geburtenziffer 1963 noch bei 2,67 lag, nahm sie danach stetig ab bis auf einen Wert von 1,38 im Jahre 2001. Seither gab es wieder eine moderate Zunahme auf 1,46 im Jahr 2007.[17] Damit konnte auch erstmals seit zehn Jahren wieder ein Geburtenüberschuss von Schweizer Staatsangehörigen erzielt werden (+400).[18] Im Jahr 2011 lag die Geburtenziffer bei 1,52 Kindern pro Frau.[19]
Die Lebenserwartung betrug im Jahr 2011 gemäss Bundesamt für Statistik 84,7 Jahre für Frauen und 80,3 für Männer.[20]
Bevölkerungsbewegung [Bearbeiten]
Heute ist die Schweiz – wie fast alle wohlhabenden westlichen Staaten der Welt – ein Einwanderungsland. Die Schweiz hat einen Ausländeranteil von 23 Prozent.[6] Das heutige Bundesgebiet und insbesondere Zürich waren schon in früheren Zeiten Ziel grösserer Migrationsbewegungen. Zur Zeit der Industrialisierung gab es eine grosse Binnenwanderung vor allem aus den Alpen.
Seit dem enormen Wirtschafts- und Wohlstandswachstum, das in den 1950er Jahren begann und die Schweiz bis heute zu einem wohlhabenden Land macht, drehte sich die Wanderungsbilanz um. Gastarbeiter wurden gezielt angeworben, später erreichten die Schweiz immer wieder Flüchtlingsströme, etwa aus dem ehemaligen Jugoslawien während der Jugoslawienkriege. Aus der Türkei kamen viele Wirtschaftsflüchtlinge nach Westeuropa und damit auch in die Schweiz. In den letzten Jahren verstärkte sich auch die Zuwanderung aus Deutschland in die Schweiz, da hier die Chancen auf einen Arbeitsplatz als grösser empfunden werden. 2011 waren die italienischen Staatsbürger mit 16,3 Prozent die grösste Ausländergruppe, gefolgt von den deutschen Staatsbürgern (14,9 Prozent), portugiesischen (12,0 Prozent), serbischen (6,9 Prozent) und französischen (5,4 Prozent).[19] Die nächstkleineren Ausländergruppen bilden die Türken, Spanier, Mazedonier, Kosovaren, Österreicher, Briten, Bosniaken und Kroaten.[19] Insgesamt gab es Ende 2011 in der Schweiz 1'814'800 Bewohner mit ausländischem Pass (23 Prozent).[6]
Sprachgebiete der Schweiz – Mehrheitsverhältnis nach der Volkszählung2000; Karte mit einem Gemeindebestand per 1. Januar 2013
Der Art. 4 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) hält seit 1999 fest:
Im Art. 70 Abs. 1 BV heisst es zudem:
Die Bundesverfassung legt die Sprachgebiete der Schweiz nicht fest. Art. 70 Abs. 2 BV weist den Kantonen die Kompetenz zu, ihre Amtssprachen zu bestimmen. Dabei müssen sie jedoch sprachliche Minderheiten und die herkömmliche Zusammensetzung der Sprachgebiete beachten. Wer aus einem anderssprachigen Landesteil zuzieht, hat kein Recht darauf, in seiner angestammten Sprache mit den neuen Kantons- und Gemeindebehörden zu verkehren (Territorialitätsprinzip). Unter den mehrsprachigen Kantonen haben nur Bern und Wallis die Sprachgebiete räumlich festgelegt. Die Kantone Tessin und Jura definieren sich sogar als ganz zum italienischen bzw. französischen Sprachgebiet zugehörig, obwohl je eine Gemeinde eine deutschsprachige Mehrheit aufweist. Die verbleibenden mehrsprachigen Kantone Freiburg und Graubünden weisen die Regelung der Amtssprache den Gemeinden zu.
Mit einem Anteil von 63,7 Prozent an der Gesamtbevölkerung ist Deutsch (rot) die meistverbreitete Sprache.[21] Im deutschsprachigen Teil der Schweiz werden schweizerdeutsche Dialekte gesprochen, während Geschriebenes in der Regel in Standarddeutsch verfasst wird. Französisch wird von 20,4 Prozent (violett) der Bevölkerung gesprochen. Dieser Teil des Landes wird häufig als Romandie, Suisse romande oder Welschland bezeichnet. Im Kanton Tessin und vier Südtälern des Kantons Graubünden (Grigioni Italiano) wird Italienisch (grün, Anteil: 6,5 Prozent) gesprochen. Die vierte Landessprache, Rätoromanisch (gelb), hat einen Anteil von 0,5 Prozent und wird in Graubünden gesprochen, wobei praktisch alle Rätoromanischsprachigen die deutsche Sprache beherrschen. Das Rätoromanisch ist seit dem 19. Jahrhundert stark gefährdet und wird trotz Fördermassnahmen immer mehr vom Deutschen verdrängt. Seit 1860 haben 51 Gemeinden in Graubünden vom romanischen ins deutsche Sprachgebiet gewechselt. 1938 nahm das stimmberechtigte Volk eine Verfassungsänderung an, wonach das Rätoromanische als Amtssprache auf Bundesebene festgelegt wurde.[22]
Konfessionsgebiete der Schweiz per 1. Januar 2013
Die Religionsfreiheit in der Schweiz ist als verfassungsmässiges Grundrecht verankert. Es ist den Kantonen überlassen, ob sie ausgewählten Religionsgemeinschaften einen besonderen Status als Landeskirche oder als öffentlich-rechtliche Körperschaft[23] verleihen wollen. In den meisten Kantonen haben die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-reformierte Kirche, in vielen Kantonen zusätzlich die christkatholische Kirche und in einigen die jüdischen Gemeinden diesen Status inne. In den Westschweizer Kantonen Genf und Neuenburg gibt es keine Landeskirchen, weil dort Kirche und Staat vollständig getrennt sind; sie sind aber dennoch als «Organisationen von öffentlichem Interesse» anerkannt. In Basel besteht die sogenannte «hinkende Trennung» von Kirche und Staat.
Blick vom Bellevue nach Norden über dieInnenstadt Zürichs
Die grösste Stadt der Schweiz ist Zürich mit 389'992[24] Einwohnern (30. September 2011). Die Agglomeration umfasst 1'132'237 Einwohner (31. Dezember 2007). Weitere Grossstädte sind Genf mit 192'736 (30. November 2012), Basel mit 171'659 (30. September 2012), Lausanne mit 129'383 (31. Dezember 2011), die Bundesstadt Bern mit 125'681 (31. Dezember 2011) sowie Winterthur mit 103'075 (31. Dezember 2011). Die grössten Städte mit weniger als 100'000 Einwohnern sind Luzern (77'491), St. Gallen (73'505),Lugano (55'151) und Biel/Bienne (51'635) (alle per 31. Dezember 2010). Die Bevölkerungsdichte ist im flachen Mittelland sehr hoch, im Alpenland und im Jura naturgemäss dünn.
Das Gebiet der heutigen Schweiz ist seit der Altsteinzeit besiedelt. Erst nach der Eiszeit wurde das Schweizer Mittelland dichter besiedelt, besonders die Gebiete um die Seen (→ Pfahlbauten). Mit dem Beginn der Eisenzeit setzte die keltische Besiedlung des Mittellands ein. Funde bei La Tène im Kanton Neuenburg gaben der gesamten Periode der jüngeren Eisenzeit ihren Namen (→ Latènekultur). Die Kelten pflegten Handelsbeziehungen bis in den griechischen Kulturraum. Vor der Eroberung durch die Römer lebten laut Aufzeichnungen des römischen Feldherrn und Politikers Julius Caesar in seiner Rechtfertigungsschrift für den Gallischen Krieg (→ De Bello Gallico) auf dem Gebiet der heutigen Schweiz verschiedene keltische Stämme und Völker: dieHelvetier (Mittelland), die Lepontier (Tessin), die Seduner (Wallis, Genfersee) und die Raetier (Ostschweiz). Im Zuge der Ausdehnung des Römischen Reiches über die Alpen wurde das Gebiet der heutigen Schweiz bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. insRömische Reich integriert und die Bevölkerung romanisiert. Die wichtigsten römischen Städte der Schweiz waren Aventicum(Avenches), Augusta Raurica, Vindonissa (Windisch), Colonia Iulia Equestris (Nyon) und Forum Claudii Vallensium (Martigny). In der Spätantike wurde die Schweiz ausgehend von den städtischen Zentren christianisiert. Frühe Bischofssitze waren Genf, Augusta Raurica/Basel, Martigny/Sitten, Avenches/Lausanne und Chur.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches besiedelten die germanischen Stämme der Burgunder und Alamannen von Norden her kommend das Mittelland und vermischten sich mit der romanisierten Bevölkerung. In den zur Römerzeit stärker besiedelten Gebieten der Westschweiz sowie in den Alpentälern hielten sich romanische Sprachen (später Französisch, Rätoromanisch und Italienisch) und das Christentum, während sich in der Nordschweiz germanische Idiome verbreiteten. Bis 746 unterwarfen dieFranken die Burgunder und Alemannen, womit die Schweiz Teil des Fränkischen Reiches wurde. Bei der Teilung dieses Reiches kam das Gebiet der Schweiz zum Ostfrankenreich, dem späteren Heiligen Römischen Reich. Ihr Gebiet gehörte dabei grösstenteils zum Stammesherzogtum Schwaben und zum Königreich Burgund. Bis ins 9. Jahrhundert wurden auch die Alamannen ausgehend von wichtigen klösterlichen Zentren wie St. Gallen und Reichenau christianisiert.
In der frühen Geschichte des römisch-deutschen Reichs spielten Adelsgeschlechter aus der Schweiz wie die Habsburger, Kyburger, Lenzburger und Rudolfinger eine wichtige Rolle. Ausserdem waren die Alpenpässe für die deutsche Herrschaft über Italien von grösster Wichtigkeit. So lässt sich erklären, weshalb die deutschen Herrscher immer ein ganz besonderes Augenmerk auf die Talschaften in den Alpen legten und sich bemühten, diese direkt zu beherrschen. Die Bewohner der Talschaften der Innerschweiz sahen diese «Reichsunmittelbarkeit» als Privileg.
Alte Eidgenossenschaft [Bearbeiten]
Die drei Urkantone oder Waldstätte (Orte) Uri, Schwyz und (bei allerdings unsicherer Lesart) Unterwalden schlossen 1291 nach dem Tod des deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg einen Bund zum Schutz ihrer «alten Freiheiten». Eine diesbezügliche Urkunde, der sogenannte Bundesbrief, ist datiert auf Anfang August 1291. Der Legende nach geschah die Beschwörung dieses Bundes auf dem Rütli. Ins breite Bewusstsein der Menschen drang diese Legende mit dem 1804 veröffentlichten Theaterstück «Wilhelm Tell» von Friedrich Schiller. Im 19. Jahrhundert wurde der 1. August 1291 als Datum für die «Gründung» der alten Eidgenossenschaft und damit der 1. August als Schweizer Nationalfeiertag festgelegt.
Das schlechte Verhältnis zwischen den Eidgenossen und dem Herrscherhaus der Habsburger rührt von der deutschen Königswahl vom 25. November 1314 her, als der Wittelsbacher Ludwig der Bayer und der Habsburger Friedrich der Schönegleichzeitig zum deutschen König gewählt wurden. Die Eidgenossen hielten zu Ludwig dem Bayer. Dies und ein Überfall auf dasKloster Einsiedeln bewog Leopold I. von Österreich 1315 zu einem Kriegszug gegen die Eidgenossen, der in der Schlacht am Morgarten unglücklich für ihn endete. Um ihre Selbständigkeit gegenüber Habsburg zu wahren, schlossen sich die ReichsstädteLuzern, Zürich, Glarus, Zug und Bern im 14. Jahrhundert dem Bund der Waldstätte an. Das resultierende Gebilde wird als die Acht Alten Orte bezeichnet.
Es folgten weitere Auseinandersetzungen mit dem Haus Habsburg: 1386 bei Sempach (die Lombardei, die ihre wirtschaftlichen Interessen durch die Habsburger gefährdet sah, hatte die eidgenössische Bewaffnung finanziert) und 1388 bei Näfels gelang es den Eidgenossen, habsburgische Ritterheere zu schlagen. 1415 eroberten sie (auf Betreiben von Kaiser Sigismund) die habsburgischen Stammlande im Aargau. Zwischen der Stadt Zürich und den übrigen Eidgenossen kam es wegen der Erbschaft der Grafen von Toggenburg zum Alten Zürichkrieg (1436–1450), in dessen Verlauf sich Zürich mit Habsburg verbündete. In derSchlacht bei St. Jakob an der Birs wurden die Hilfstruppen der Armagnaken zwar nicht geschlagen, sie zogen sich jedoch angesichts der hohen Verluste wieder zurück. Zürich war schliesslich zur Rückkehr in die Eidgenossenschaft gezwungen. Ein weiterer Krieg brachte Habsburg 1460 um den Thurgau, sodass sich Herzog Sigismund von Tirol am 11. Juni 1474 in der «Ewigen Richtung» angesichts der Bedrohung durch Herzog Karl den Kühnen von Burgund gezwungen sah, die alte Eidgenossenschaft als eigenständiges Staatswesen anzuerkennen. 1474 zogen die Eidgenossen auf Wunsch Kaiser Friedrichs III. gegen Karl den Kühnen und zerstörten in den Burgunderkriegen im Verbund mit Lothringen und Habsburg dessen Reich. Bern und Freiburg expandierten in dieser Zeit ins vormals savoyisch und burgundisch kontrollierte Waadtland, das sie bis 1536 ganz eroberten.
Der militärische Sieg über die Burgunder bestärkte die Eidgenossenschaft in ihrem Willen nach Selbständigkeit. Aus diesem Grund widersetzte sie sich der Reichsreform des deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. Der Versuch Maximilians, die Eidgenossen im Schwabenkrieg gefügig zu machen, endete 1499 im Frieden zu Basel mit der faktischen Unabhängigkeit der Schweiz vom Heiligen Römischen Reich. Mit dem Beitritt von weiteren «Orten» erweiterte sich die Eidgenossenschaft bis 1513 auf Dreizehn Orte. Dazu kamen weitere Verbündete, die sogenannten zugewandten Orte, insbesondere das Wallis und die Drei Bünde, aber auch Monarchien wie die Fürstabtei St. Gallen oder die Grafschaft Neuenburg. Die Siege in den Burgunderkriegen und im Schwabenkrieg und ihre moderne Infanterietaktik begründeten den Ruf der eidgenössischen Kämpfer und gaben demSöldnerwesen enormen Auftrieb. Bis ins 19. Jahrhundert blieb dieses in den ländlichen Regionen der Innerschweiz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Die Expansion der Eidgenossenschaft in Richtung Oberitalien erfolgte zur Sicherung der Alpenpässe. Dadurch wurde die Eidgenossenschaft in die komplizierten italienischen Kriege zwischen Habsburg, Frankreich, Venedig, dem Papst, Spanien und den verschiedenen italienischen Potentaten verwickelt. Aus jener Zeit stammt auch die Schweizergarde, die der Papst Julius II.1506 gründete. Bis 1513 gelang den Eidgenossen die Eroberung des heutigen Tessin und schliesslich sogar von Mailand, über das sie die Schutzherrschaft ausübten. Nach der Niederlage gegen Frankreich in der Schlacht bei Marignano 1515 endete die militärische Dominanz über Oberitalien. Der politische Mythos der Unbesiegbarkeit der Schweizer war widerlegt und es offenbarte sich die politische Zerstrittenheit der Orte untereinander. Dadurch wurde ab 1515 eine wirksame Aussenpolitik verhindert und es begann die Phase des «Stillsitzens» (heute Neutralitätspolitik). Die Dreizehn Orte schlossen 1521 ein Soldbündnis mit Frankreichab und erhielten dafür Pensionen, Zoll- und Handelsvergünstigungen und politischen Beistand bei inneren und äusseren Konflikten.
Die von Ulrich Zwingli 1519 eingeleitete Reformation in Zürich breitete sich im Mittelland aus und führte zu grossen Spannungen zwischen den verschiedenen Kantonen. Nach dem religiös begründeten Ersten und Zweiten Kappelerkrieg kam es 1531 imZweiten Kappeler Landfrieden zum Kompromiss: Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen und Teile von Graubünden blieben reformiert; die Urkantone, Luzern, Zug, Solothurn und Freiburg blieben katholisch. 1541 setzte Johannes Calvin in Genf die Reformation durch, das durch sein Wirken zum «reformierten Rom» wurde. Trotzdem kam es noch zweimal in den Villmergerkriegen von 1656 und 1712 zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konfessionsgruppen unter den Orten. Die Zwinglianer und Calvinisten vereinigten sich 1536 im Helvetischen Bekenntnis und begründeten damit die reformierte Kirche, die sich über England, Schottland und die Niederlande weltweit verbreitete.
Angesichts der Wirren und Verwüstungen des Dreissigjährigen Krieges beschloss die Eidgenossenschaft 1647 im Defensionale von Wil, die «immerwährende bewaffnete Neutralität» und verhielt sich in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts weitgehend neutral. Am 24. Oktober 1648 erreichten die Schweizer Kantone im Westfälischen Frieden die Anerkennung ihrer Ausgliederung aus dem Heiligen Römischen Reich. Die Formulierung des betreffenden Art. VI IPO bzw. § 61 IPM war umstritten, wurde dann jedoch überwiegend als Anerkennung der völkerrechtlichen Souveränität interpretiert. Im Inneren verhinderte die religiöse Spaltung eine Reform des anachronistischen eidgenössischen Bündnisgeflechts. Besonders die städtischen Kantone konsolidierten im 17. und 18. Jahrhundert ihre Herrschaft im Inneren im absolutistischen Sinn und entwickelten sich wirtschaftlich teilweise so stark, dass von einer Proto-Industrialisierung gesprochen werden kann. Trotzdem blieb die Eidgenossenschaft als ganzes hinter den Entwicklungen zurück und wurde in der zeitgenössischen Literatur als rückständig, ungeordnet und überkommen wahrgenommen. Damit kontrastiert die in der Aufklärung in Literatur und Malerei vorherrschende Darstellung der Schweiz als Alpenidyll, Arkadien oder als Ort urtümlicher Demokratie (Rousseau).
Helvetische Republik und Restauration [Bearbeiten]
Am 5. Mai 1798 wurde die Alte Eidgenossenschaft nach kurzer Gegenwehr von Frankreich besetzt und unter der Bezeichnung «Helvetische Republik» als Tochterrepublik seinem Einflussgebiet einverleibt. Die Helvetische Republik war das erste moderne Staatswesen auf Schweizer Gebiet und im Gegensatz zur Tradition als Einheitsstaat stark zentralistisch organisiert. Die bisherigen Unterschiede zwischen Untertanenlande und herrschenden Städten und Orten wurden aufgehoben. Rechtsgleichheit, Schaffung eines einheitlichen Wirtschafts- und Währungsraumes, Glaubens- und Gewissensfreiheit waren nur einige der fortschrittlichen Neuerungen, die damit Eingang in die Schweiz fanden. Als französischer Satellitenstaat wurde die Helvetische Republik jedoch in die Kriegsereignisse der Koalitionskriege hineingezogen und mehrfach Kriegsschauplatz. Nach mehreren Staatsstreichen und der Niederschlagung eines bewaffneten Aufstands verordnete Napoleon Bonaparte 1803 in derMediationsakte der Schweiz wieder eine föderalistische Verfassung mit autonomen Kantonen. Als Staatsname wurde die Bezeichnung «Schweizerische Eidgenossenschaft» festgelegt. Die ehemaligen Untertanengebiete und die zugewandten Orte wurden in die neuen Kantone St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und die Waadt umgewandelt.
1815 wurden die inneren und äusseren Grenzen der Schweiz im Wiener Kongress international anerkannt. Die Grossmächte verordneten der Schweiz «immer währende bewaffnete Neutralität», um ihr Gebiet dem Einfluss Frankreichs zu entziehen. Zu den 19 Kantonen der Mediationszeit kamen nun noch Neuenburg, Wallis und Genf hinzu, der Kanton Bern erhielt das Gebiet desFürstbistums Basel. Die Schweiz wurde durch den «Bundesvertrag» wieder zu einem Staatenbund, sodass während der folgenden Epoche der Restauration die Eigenständigkeit der Kantone gegenüber der napoleonischen Zeit wieder grösser war. DerKanton Jura entstand erst 1979 durch die Abspaltung eines Teils des 1815 zum Kanton Bern geschlagenen Gebiets.
Moderner Bundesstaat [Bearbeiten]
Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Schweiz von einer starken Welle der Industrialisierung und des Eisenbahnbaus erfasst. Gleichzeitig fand auf religiösem und kulturellem Gebiet die Konfrontation zwischen dem Liberalismus und dem Konservativismus ihre Fortsetzung imKulturkampf. Die Integration der Katholiken in den neuen Bundesstaat erfolgte 1891 durch die Wahl des ersten Katholiken in den Bundesrat. Seither traten die bürgerlichen Parteien mehr oder weniger geschlossen gegen die Arbeiterbewegung an (seit dem Ersten Weltkrieg im «Bürgerblock»). Im Landesstreik von 1918 kam es zur bisher schärfsten Konfrontation zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum in der Schweiz. Die Arbeiterbewegung konnte sich politisch auf nationaler Ebene erst nach der Einführung des Proporzwahlverfahrens 1919 etablieren.
Auf Initiative von Henry Dunant erfolgt 1864 in Genf die Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Während der beiden Weltkriege bewahrte die Schweiz offiziell die bewaffnete Neutralität. Während im Ersten Weltkrieg mit der «Grenzbesetzung» die Verteidigung der Landesgrenzen gegen feindliche Übergriffe im Zentrum stand, zog sich im Zweiten Weltkrieg die Schweizer Armee mit dem Aktivdienst ins Réduit zurück, um einem deutschen Angriff möglichst harten Widerstand in Gebirgsstellungen entgegenzuhalten. Der Bevölkerung der Schweiz wurde durch die behördlich geförderte Bewegung der «Geistigen Landesverteidigung» ein starker Behauptungswillen gegen den Nationalsozialismus und später gegen die kommunistische Bedrohung vermittelt. Die Armee konnte in der Schweiz bis in die 1990er-Jahre eine starke gesellschaftliche Stellung behaupten, da durch ihren Aufbau als Milizarmee eine starke Verflechtung von zivilen und militärischen Führungskadern gegeben war. Bereits in den 1970er-Jahren und verstärkt anlässlich der Armee-Abschaffungsinitiative kam es aber auch zu Spannungen zwischen Traditionalisten und Kritikern um die Rolle der Armee in der Gesellschaft. Seit dem Ende des Kalten Krieges nahm der Einfluss der Schweizer Armee auf die Zivilgesellschaft stark ab.
Die Schweiz nahm während der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland zeitweise Flüchtlinge auf, wies aber nach einiger Zeit gezielt Juden und vor allem als «politisch Verfolgte» eingestufte Flüchtende zurück. Im Rahmen dieser Flüchtlingspolitik akzeptierten Schweizer Behörden den Vorschlag der deutschen Dienststellen zur Stempelung eines «J» in den Ausweis deutscher Juden (sogenannter Judenstempel). Damit sollten Menschen jüdischer Religion oder ehemals jüdischer Religion – als Juden bezeichnet – diskriminiert werden. Viele wehrlose Flüchtlinge wurden an den Grenzen zurückgeschickt, manche wurden sogar festgenommen und an die deutschen Behörden ausgeliefert. Die ins Land gelassenen Flüchtlinge wurden spätestens nach Kriegsbeginn in Lager interniert. Sie durften sich in keiner Weise politisch äussern. Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1990er-Jahren im Bergier-Bericht kritisch aufgearbeitet. In der Nachkriegszeit wurden weitere problematische Themen der Vergangenheit aufgegriffen wie die Verfolgung der Jenischen durch das Programm «Kinder der Landstrasse», die Verdingkinder-Problematik, die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Apartheid-Staat Südafrika oder die Rolle der Schweizer Banken im Zusammenhang mit Fluchtgeldern von Diktatoren der Dritten Welt.
Die Volksrechte wurden seit 1848 immer stärker ausgebaut. 1919 wurde das Proporzwahlverfahren für den Nationalrat eingeführt. 1971 wurde in einer Volksabstimmung dasFrauenstimmrecht nach jahrzehntelangem Kampf angenommen. Der von der Regierung angestrebte Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) scheiterte 1992. Die Schweiz trat nach einer positiv ausgegangenen Volksabstimmung am 10. September 2002 den Vereinten Nationen (UNO) bei.
Die Mitglieder der Eidgenossenschaft benutzten diesen Sammelnamen nicht, weil er ihnen missfiel. Im Schwabenkrieg von 1499 wendete sich das Blatt und die als «Schweizer» beschimpften Eidgenossen fingen in trotzigem Stolz an, sich selbst so zu bezeichnen. Offiziell benutzten sie aber weiterhin den Begriff «Eidgenossen». Erst im 18. Jahrhundert begann der Chronist Johannes von Müller damit, die Eidgenossen «Schweizerische Eidgenossen» zu bezeichnen. 1803 wurde dieser Begriff in derMediationsverfassung erstmals amtlich gebraucht.
Der lateinische Name der Schweiz, Confoederatio Helvetica, nimmt Bezug auf den antiken keltischen Stamm der Helvetier, der im Schweizer Mittelland und in Teilen Süddeutschlands siedelte. Die Erinnerung an dieses Volk, dessen Spuren sich im Frühmittelalter durch Romanisierung und Vermischung mit germanischen Einwanderern verlieren, blieb durch seine besondere Rolle im Bericht Julius Cäsars über den Gallischen Krieg im kollektiven Gedächtnis der geistigen und politischen Elite der Schweiz haften.
Nach dem Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 wurde gemäss der gängigen Praxis bei der Namensgebung für die französischen Tochterrepubliken für das neue Schweizer Staatswesen der Name «Helvetische Republik» gewählt. Bei der Neukonstituierung der Schweiz als Staatenbund 1803 wich man jedoch auf die Bezeichnung «Schweizerische Eidgenossenschaft» aus, um sich von der politisch instabilen und zentralistischen Helvetischen Republik abzugrenzen. Der Ausdruck «Confoederatio Helvetica» wurde 1848 anlässlich der Schaffung des Bundesstaates eingeführt. Er findet sich seit 1879 auf Münzen und seit 1948 auf dem Siegel der Eidgenossenschaft.[25] Er liegt dem Landeskürzel «CH» zugrunde. In irischer (an Eilvéis), griechischer (Ελβετία, translit. Elvetia) und rumänischer Sprache (Elveţia) wird der Ausdruck «Helvetia» ebenfalls verwendet.
→ Hauptartikel: Recht der Schweiz
Die Politik der Schweiz ist durch das Selbstverständnis als Willensnation geprägt – die nationale Identitätbasiert nicht auf einer gemeinsamen Sprache und Kultur, sondern unter anderem auf der gemeinsamen Geschichte, gemeinsamen Mythen, der freiheitlichen, basisdemokratischen und föderalistischen Tradition sowie zum Teil aus dem Gefühl, als neutraler und mehrsprachiger, auf sich selbst gestellter «Kleinstaat» in Europa einen «Sonderfall» zu bilden.
Urform der Schweizer Basisdemokratie: die jährlich stattfindende Landsgemeinde(Stimmberechtigte) im «Ring» stehend (hier im Kanton Glarus). Nur die Kantone Glarus und Appenzell Innerrhoden kennen heute noch diese Form der Demokratie.
Die Judikative der Schweiz – dasBundesgericht in Lausanne (VD)
Elemente der direkten Demokratie: Das Volk kann überInitiativen und Referenden direkten Einfluss auf die Regierungstätigkeit nehmen. In zwei Kantonen, Appenzell Innerrhoden und Glarus, gibt es noch eine Urform der Schweizer Basisdemokratie: dieLandsgemeinde.
Die Judikative besteht auf Bundesebene aus dem Bundesgericht mit Sitz in Lausanne und zwei sozialrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts in Luzern (bis 2006:Eidgenössisches Versicherungsgericht) als oberste gerichtliche Instanz. Als untere eidgenössische Instanzen sind das Bundesstrafgericht in Bellinzona sowie dasBundesverwaltungsgericht und das Bundespatentgericht in St. Gallen tätig. Gewählt werden die Bundesrichter, die meistens einer Partei angehören, von der Bundesversammlung. Das Strafgericht hat die Arbeit 2004 aufgenommen; das Verwaltungsgericht tat dies 2007. Ein besonderer Verfassungsgerichtshof wie in anderen Ländern existiert in der Schweiz nicht, doch können alle Gerichte eine (beschränkte) Verfassungsgerichtsbarkeit ausüben.
BDP, Graubünden
Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport(VBS)
CVP, Aargau
FDP, Neuenburg
Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten(EDA)
SP, Bern
FDP, Bern
Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement(EVD)
SP, Freiburg
Schweizerische Bundeskanzlei(BK)
Die Schweiz hat viele nationale, regionale und lokale politische Parteien. Die Organisation und Finanzierung der Parteien ist gesetzlich weitgehend nicht geregelt. Fünf Parteien sind im Bundesrat vertreten (siehe auch Zauberformel):
Laut einer Meinungsumfrage der deutschen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus dem Jahr 2008 haben 21 Prozent der Schweizer Vertrauen in ihre Politiker. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ist das zwar ein geringer Wert, doch das Vertrauen ist wesentlich höher als im westeuropäischen Durchschnitt mit 13 Prozent.[26]
Kantone mit ihren Eckdaten per 31. Dezember 2011 (offizielle Reihenfolge nach Bundesverfassung)[27]
Ausländer[28]
ZH Zürich Zürich 1'729 1'392'026 805 24,6 % deutsch
BE Bern Bern 5'959 984'726 165 13,5 % deutsch, französisch
LU Luzern Luzern 1'493 381'879 256 16,7 % deutsch
UR Uri Altdorf 1'077 35'381 33 10,1 % deutsch
SZ Schwyz Schwyz 908 147'881 163 19,0 % deutsch
OW Obwalden Sarnen 491 35'878 73 13,4 % deutsch
NW Nidwalden Stans 276 41'311 150 11,9 % deutsch
GL Glarus Glarus 685 39'214 57 21,4 % deutsch
ZG Zug Zug 239 115'084 482 25,1 % deutsch
FR Freiburg Freiburg 1'671 284'546 170 19,8 % französisch, deutsch
SO Solothurn Solothurn 791 256'941 325 19,7 % deutsch
BS Basel-Stadt Basel 37 186'221 5'033 33,7 % deutsch
BL Basel-Landschaft Liestal 518 275'321 532 19,7 % deutsch
SH Schaffhausen Schaffhausen 298 77'107 259 23,9 % deutsch
AR Appenzell Ausserrhoden Herisau,Trogen 1 243 53'307 219 14,3 % deutsch
AI Appenzell Innerrhoden Appenzell 173 15'741 91 10,0 % deutsch
SG St. Gallen St. Gallen 2'026 483'101 239 22,2 % deutsch
GR Graubünden Chur 7'105 193'349 27 17,0 % deutsch,rätoromanisch, italienisch
AG Aargau Aarau 1'404 618'147 440 22,6 % deutsch
TG Thurgau Frauenfeld 991 251'939 254 22,6 % deutsch
TI Tessin Bellinzona 2'812 336'888 120 26,8 % italienisch
VD Waadt Lausanne 3'212 725'791 226 31,4 % französisch
VS Wallis Sitten 5'224 316'773 61 21,5 % französisch, deutsch
NE Neuenburg Neuenburg 803 173'123 216 23,9 % französisch
GE Genf Genf 282 460'348 1'632 36,3 % französisch
JU Jura Delsberg 838 70'532 84 12,7 % französisch
CH Schweizerische Eidgenossenschaft Bern(Bundesstadt) 41'285 7'952'555 193 22,7 % deutsch (63,7 %), französisch (20,4 %),
italienisch (6,5 %), rätoromanisch[2](0,5 %)
1 Herisau ist Sitz der Regierung und des Parlaments des Kantons Appenzell Ausserrhoden, der Sitz von Justiz und Polizei des Kantons ist Trogen. Zu Zeiten derLandsgemeinde wurden diese abwechslungsweise in Trogen und Hundwil abgehalten. Appenzell Ausserrhoden hat daher keinen klar definierten Hauptort, da sich in allen anderen Kantonen die genannten Behörden und Versammlungen im Hauptort befinden.
Enklaven [Bearbeiten]
Büsingen am Hochrhein wie auch Campione d’Italia sind Enklaven in der Schweiz. Die deutsche Gemeinde Büsingen ist nördlich des Rheins vom Kanton Schaffhausenumgeben, südlich davon grenzt sie an die Kantone Zürich und Thurgau. Das italienische Campione, bekannt für sein Spielcasino, liegt am Luganersee innerhalb des Kantons Tessin.
Lange Zeit funktionale Enklave war das italienische Livigno. Seit der Errichtung einer Passstrasse ist Livigno auch von Italien aus zu erreichen. Um das Leben in der dennoch abgeschiedenen Lage zu attraktivieren, ist die Gemeinde heute eine zollfreie Zone, nachdem sie zuvor dem Schweizer Zollgebiet zugerechnet wurde.
Aussenpolitik [Bearbeiten]
Palais des Nations (Völkerbundpalast) inGenf
Die Schweiz versteht sich als aussenpolitisch neutral, d. h. sie beteiligt sich nicht an Kriegen zwischen Staaten. Die Neutralitätder Schweiz wurde 1815 am Wiener Kongress anerkannt. Sie ist dauernd und bewaffnet und auch heute noch international ausdrücklich anerkannt.
Die Schweiz ist Mitglied in vielen internationalen Organisationen. Als eines der letzten Länder trat die Schweiz 2002 der UNO bei, ist aber zugleich das erste Land, dessen Volk über den Beitritt abstimmen durfte. Daneben ist die Schweiz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), dem Europarat wie auch in der Europäischen Freihandelszone (EFTA) tätig. Die Schweiz nimmt an der Partnerschaft für den Frieden der NATO teil und ratifizierte das Kyoto-Protokoll. Die Schweiz ist Mitglied im UN-Menschenrechtsrat. In der Forschung kooperiert die Schweiz mit einigen europäischen Organisationen. Sie ist Gründungsmitglied sowohl der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), als auch der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) und stellt mit Genf den Standort der Forschungsanlage. Die Schweiz ist Mitglied des Schengener Abkommens.
Die Schweiz ist weder Mitglied der Europäischen Union (EU) noch des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR); jedoch bestehen wichtige bilaterale Verträge zwischen der Schweiz und der EU. Ein Beitritt zur NATO stünde im Konflikt zur Neutralität der Schweiz.
Landesverteidigung [Bearbeiten]
Die Schweizer Armee ist die bewaffnete Streitmacht der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie besteht aus den Teilstreitkräften Heer und Luftwaffe. Das jährliche Budget beträgt rund 4,873 Milliarden Franken (2011).[29]
Im Rahmen des Milizsystems bewahren die Angehörigen der Armee ihre persönliche Ausrüstung inklusive persönliche Waffe (bis 2008 inklusive Taschenmunition) zu Hause auf. Im Zusammenhang mit den Eigenheiten des Milizsystems entstand die früher übliche Redewendung «Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee». Militärdienstpflichtig sind alle männlichen Schweizer Bürger. Frauen können sich freiwillig für den Militärdienst melden. Jährlich werden ca. 20'000 Personen inRekrutenschulen von 18 oder 21 Wochen Dauer zu Soldaten ausgebildet. Die Dienstuntauglichen werden zivilschutzpflichtig und zahlen überdies eine jährliche Militärpflichtersatzsteuer. Militärdienstverweigerer haben die Möglichkeit, Zivildienst zu leisten, sofern sie Gewissensgründe geltend machen und bereit sind, als Tatbeweis anderthalb so viel Diensttage wie Soldaten zu absolvieren. Dienstverweigerung aus anderen (etwa politischen oder persönlichen) Gründen führt zwingend zu einemmilitärgerichtlichen Verfahren.
Die heutige Schweiz wurde seit ihrer Gründung 1848 noch nie mit offenen Angriffen feindlicher Kräfte zu Lande konfrontiert. Im Zweiten Weltkrieg kam es jedoch häufig zu Luftraumverletzungen durch deutsche und alliierte Kampfflugzeuge. In den schwerwiegendsten Fällen wurden – nach offizieller Darstellung irrtümlich – städtische Gebiete inSchaffhausen und Zürich-Oerlikon (beides Standorte der Rüstungsindustrie) von der US-Luftwaffe bombardiert.
Daneben gibt es die Erwerbsersatzordnung, sodass Militärdienstpflichtige während der Ausübung militärischer Pflichten ein Taggeld bekommen. Obligatorisch ist auch dieArbeitslosenversicherung.
Für Behandlungskosten bei Unfällen ist jeder Angestellte durch das Unfallversicherungsgesetz (UVG) obligatorisch versichert. Es gibt einerseits eine selbständige Unfallversicherung des öffentlichen Rechts (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt), andererseits bieten auch die meisten privaten Versicherungskonzerne Unfallversicherungen nach UVG an. Es ist Sache des Arbeitgebers, alle Angestellten – auch bei Freizeitunfällen – zu versichern. Wer nicht angestellt ist, muss sich selbst gegen Unfall versichern.
In der Tertiärstufe sind die Kompetenzen ebenfalls verteilt. Dem Bund obliegt die Regelungskompetenz für die Fachhochschulen(FH) und die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) in Zürich (ETHZ) und Lausanne (EPFL). Bei denUniversitäten liegt die Obhut wiederum bei den Kantonen.
In der Schweiz gibt es eine nationale Menschenrechtsinstitution und eine nationale Kommission zur Verhütung von Folter. Die Kommission besucht Orte des Freiheitsentzugs. In einer Volksabstimmung wurde eine Verfassungsänderung beschlossen, nach der ausländische Staatsangehörige, die wegen bestimmter Straftaten verurteilt werden, unmittelbar in ihre Heimatländer ausgewiesen werden müssen (siehe Eidgenössische Volksinitiative «für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)»). Das Strafrecht enthielt auch weiterhin keine nach internationalem Recht anerkannte Definition von Folter.[30]
Amnesty International übte wiederholt Kritik an der Asylpolitik der Schweiz. Der UN-Ausschuss gegen Folter äusserte 2010 seine Besorgnis darüber, dass das Schweizer Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer gegen die Prinzipien des Non-Refoulement (Abschiebungsverbot) verstossen könne. Das Gesetz erlaubt dieautomatische Ausweisung ausländischer Staatsangehöriger, die als Sicherheitsbedrohung gelten, ohne dass die Betroffenen Rechtsmittel einlegen können. Im gleichen Jahr drückte der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte seine Besorgnis darüber aus, dass angesichts unzureichender Einrichtungen für die Aufnahme von Asylsuchenden, Menschen für unbestimmte Zeit in unterirdischen Zivilschutzanlagen untergebracht werden.
Südportal des Lötschberg-Basistunnelsbei Raron (VS), Rhone
Die Schweiz hat mit etwa 122 m/km² das dichteste Eisenbahnnetz der Welt (ausgenommen Kleinststaaten wie Vatikanstaat oderMonaco), obwohl zwei Drittel des Landes in sehr gebirgigem Gelände liegen und keinerlei Beitrag zu diesem Rekord leisten. Nicht an die Eisenbahn angeschlossene Ortschaften werden generell durch Linienbusse oder Postautos angebunden. Es gibt kaum einen Ort, der nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist; selbst der Ort Juf (Kanton Graubünden), höchstgelegene Siedlung Europas, wird täglich achtmal vom öffentlichen Verkehr erschlossen. Das Schweizer normalspurige Eisenbahnnetz beträgt 3'778 km, wovon nur 10 km (0,3 Prozent) nicht elektrifiziert sind. Die Schmal-, Meter- und Breitspurbahnen haben zusammen eine Länge von 1'766 km, wovon 30 km (1,7 Prozent) nicht elektrifiziert sind. Die Elektrifizierung erfolgte zu 80 Prozent mit AC (Wechsel- und Drehstrom) und zu 20 Prozent mit DC (Gleichstrom).
Mit einer Strecke von 3'007 km betreiben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die meisten Eisenbahnlinien. Sie allein befördern jährlich über 300 Millionen Passagiere. Das zweitlängste Streckennetz mit gerade noch 440 km Streckenkilometern betreibt die BLS AG, worauf gleich die meterspurige Rhätische Bahn mit 384 Kilometern folgt, deren Linien ausschliesslich im Kanton Graubünden liegen. Daneben gibt es in der Schweiz weitere 47 Privateisenbahngesellschaften, die zum Teil von den Kantonen finanziell unterstützt werden. 2007 unternahm jeder Schweizer durchschnittlich 47 Bahnfahrten und legte dabei eine Distanz von 2103 km zurück; damit ist die Schweiz die weltweit führende Bahnfahrernation.[31]
Im Rahmen der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) wurden die Gotthard- und Lötschberg-Basistunnel erstellt, welche der verfassungsmässig vorgeschriebenenVerkehrsumlagerung des Transitverkehrs dienen. Der Lötschberg-Basistunnel wurde mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 für den regulären Personen- und Güterverkehr in Betrieb genommen, während sich der Gotthardtunnel als längster Tunnel der Welt im Endausbau befindet und voraussichtlich Ende 2016 in Betrieb genommen wird.[32]
Strassenverkehr [Bearbeiten]
Der Grossteil der Bevölkerung im dicht besiedelten Mittelland wohnt weniger als 10 km von der nächsten Autobahn oder Autostrasse entfernt. Eine grosse Fläche der Schweiz mit einem relativ geringen Bevölkerungsanteil ist demgegenüber durchHauptstrassen erschlossen und schliesslich gibt es im Gebirge verschiedene Verbindungen über Passstrassen, welche im Winter gesperrt sind. 2006 betrug die Gesamtlänge aller Strassen 71'298 km, wovon 1'758 km Autobahnen waren.[33] Das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz macht sich dadurch bemerkbar, dass rund ein Fünftel aller Schweizer Haushalte nicht über ein eigenes Auto verfügt. Dieser Anteil steigt in den Städten auf 43 Prozent[34], zusätzlich durch den Umstand unterstützt, dass in der Schweiz auch das Car-Sharing sehr weit verbreitet ist. Im Kanton Graubünden blieb der individuelle Motorfahrzeugverkehr bis zum Jahr 1926 verboten.[35]
Airbus A330 der Swiss am Flughafen Zürich
Die Schweiz verfügt über drei Landesflughäfen, elf Regionalflugplätze, 44 Flugfelder und fünf zivil mitbenutzte Militärflugplätze.[36] Die grössten Flughäfen und Ausgangspunkte von Langstreckenflügen befinden sich in Kloten (Flughafen Zürich) und Cointrin (Flughafen Genf). Der drittgrösste Flughafen der Schweiz, der Flughafen Basel-Mülhausen, liegt in Hésingueund Saint-Louis auf französischem Boden. Mittelgrosse Flughäfen befinden sich in Sion, Bern-Belp und Lugano-Agno.
Bis zur Nachlassstundung im Oktober 2001 war die Swissair nationale Fluggesellschaft und unterhielt ein weltumspannendes Streckennetz und die Regionalfluggesellschaft Crossair. Die Nachfolgerin Swiss ist seit Juli 2007 eine Tochtergesellschaft derDeutschen Lufthansa AG und weiterhin interkontinental tätig.
Die einzigen internationalen Häfen mit Meeresanbindung sind die Schweizerischen Rheinhäfen, welche in und bei Basel am Rheinliegen. Zusätzlich betreiben sechs Reedereien insgesamt 35 Schiffe unter Schweizer Flagge in der Hochseeschifffahrt (2008).[37]
Dazu kommen die Häfen der Binnenseen, welche neben den Fährbetrieben über den Zürichsee und den Bodensee sowie die Erschliessung der Gemeinde Quinten amWalensee einen hohen touristischen Anteil haben.
Langsamverkehr [Bearbeiten]
Unter dem Namen Wanderland Schweiz sind auch die Wanderwege Teil des Projekts SchweizMobil. Die Schweiz verfügt über ein Netz von einheitlich markierten Wanderwegen von einer Länge von insgesamt 62'441 km, davon 13'880 km Hartbelag und 23'090 km Bergwege (Stand: 2007).[38] Es werden dabei drei Arten von Wanderwegen unterschieden mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad: gelb markierte Wanderwege, weiss-rot-weiss markierte Bergwege sowie die weiss-blau-weiss markierten Alpinen Routen.
Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Entsprechend liegt das allgemeine Preisniveau relativ hoch. Gemessen am Bruttoinlandprodukt rangierte die Schweiz im Jahr 2007 mit umgerechnet 424 Milliarden US-Dollar an 20. Stelle, beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mit 58'084 US-Dollar auf dem vierten Platz. Im Global Competitiveness Report 2009–2010 des Weltwirtschaftsforums, das die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern misst, rangiert die Schweiz auf dem ersten Platz vor denVereinigten Staaten und Singapur.[39] Die Wirtschaft der Schweiz gilt als eine der stabilsten Volkswirtschaften der Welt. Als Erfolgsfaktor gilt unter anderem die Preisstabilität. So lag 2008 die Jahresteuerung mit 2,4 Prozent zum ersten Mal seit 1994 über einem Wert von 1,8 Prozent.[40] Die Rate der Arbeitslosigkeit lag im Mai 2012 bei 3,0 Prozent.[41]
Die wertvollsten Marken (und Unternehmen) aus der Schweiz sind laut Interbrand: Nescafé (Nestlé), Credit Suisse, UBS, Zurich.[42]
Landwirtschaft und Rohstoffe [Bearbeiten]
Weinberge bei Montreux (VD) amGenfersee
Heute arbeiten noch 2,1 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Dieser Wirtschaftszweig wird vom Bund mit beträchtlichen Mitteln unterstützt (Subventionen bzw. an Auflagen gebundene Direktzahlungen).
Die kleingliedrigen Strukturen, das zum Teil ungünstige Gelände, das hohe Lohnniveau und die strengen Vorschriften (Tierhaltung, Landschaftsschutz) wirken sich negativ auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit aus. Mit zunehmender Öffnung des Agrarmarktes (Welthandelsorganisation) gerät die Schweizer Landwirtschaft unter Druck. Der Strukturwandel von vielen Kleinbetrieben in Berg- und Voralpenregionen hin zu wenigen Grossbetrieben im flachen Mittelland hält seit Jahrzehnten an. Allein zwischen 2000 und 2010 ging die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in der Landwirtschaft um rund 7'000 zurück (−1,7 Prozent). Die Zahl der Betriebe sank ebenfalls um 1,8 Prozent, während die Nutzfläche kaum abnahm.[43][44]
In den gebirgigen Regionen dominieren die Viehzucht und Milchwirtschaft. Im Mittelland dagegen liegt der Schwerpunkt beimGetreide-, Kartoffel- und Rübenanbau. In der Ostschweiz wie auch im Wallis kommt Obst dazu. Vorwiegend in der Romandie wirdWeinbau betrieben.
Ein wichtiger Rohstoff der Schweiz ist die Wasserkraft, die über 500 grösseren und kleineren Speicherkraftwerke undLaufwasserkraftwerke decken rund zwei Drittel des Schweizer Elektrizitätsbedarfs.
Gewerbe und Industrie [Bearbeiten]
Der grösste Teil des Bruttoinlandsproduktes wird im sekundären und tertiären Sektor erwirtschaftet. Der Anteil der Wertschöpfung im Industriesektor am gesamten Bruttoinlandprodukt ging seit 1970 von rund 30 Prozent auf heute noch rund 22 Prozent zurück. Der grösste Rückgang entfiel dabei in die Jahre zwischen 1973 und 1979, in denen der Anteil um rund 6 Prozentpunkte auf unter 24 Prozent sank. Die früher dominante Textilindustrie ist weitgehend verschwunden. Nach wie vor eine wichtige Rolle spielt die Maschinen- und die Nahrungsmittelindustrie mit internationalen Grossfirmen wie ABB und Nestlé. 2008 zog die Schweiz mit ihrem Industrieanteil an der Wertschöpfung mit Deutschland gleich und überholte Japan. Dies liegt vor allem daran, dass die Industrie sehr hochwertige Güter produziert wie Medizinaltechnikprodukte, Pharmazeutika, Präzisionsinstrumente oder Luxusuhren. In absoluten Zahlen ist die Industrieproduktion der Schweiz mit rund 100 Milliarden US-Dollar deutlich grösser als diejenige Belgiens, Norwegens oder Schwedens und liegt etwa auf gleicher Höhe mit derjenigen von Taiwan und den Niederlanden. Umgerechnet auf einen Prokopfanteil liegt die Schweiz weltweit an der Spitze mit rund 12'400 US-Dollar, vor Japan mit 8600 US-Dollar und Deutschland mit 7700 US-Dollar.[45]
Der tertiäre Sektor zählt bei weitem die meisten Erwerbstätigen (72 Prozent). Dominant sind der Handel, das Gesundheits- und Bildungswesen sowie das Banken- und dasVersicherungswesen. In den letzten Jahren siedelten sich Firmen aus dem Bereich des Rohstoffhandels an (Glencore, Xstrata, Mercuria Energy Group).
Aussenhandel [Bearbeiten]
Haupthandelspartner (2011)[46]
Deutschland 20,1 Deutschland 33,6
Vereinigte Staaten 10,1 Italien 10,9
Italien 8,0 Frankreich 8,9
Frankreich 7,3 Vereinigte Staaten 4,7
Vereinigtes Königreich 4,2 Niederlande 4,6
China 3,7 Österreich 4,5
Japan 3,3 China 4,5
Österreich 3,0 Vereinigtes Königreich 3,3
(in Milliarden US-Dollar und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent)[46]
Einfuhr 155,4 −15,3 176,3 13,5 208,2 18,1
Ausfuhr 172,5 −14,0 195,6 13,4 234,8 20,0
Saldo 17,1 19,3 26,6
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 179,5 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 178,5 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,2 Prozent desBruttoinlandsprodukts.[47]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 198,4 Milliarden US-Dollar oder 40,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.[47]
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) im Bereich Gesundheit[48] 10,8 Prozent, im Bereich Bildung[47] 5,8 Prozent im Jahr 2005 und im Bereich Militär[47] 1,0 Prozent im Jahr 2005.
Erstausgabe der Neuen Zürcher Zeitungvom 12. Januar 1780
Zeitungen sind meist lokal und regional ausgerichtet, aber es gibt auch bekannte Zeitungen mit nationaler Verbreitung wie dieNeue Zürcher Zeitung (NZZ), die für ihre fundierte Berichterstattung besonders zu internationalen Ereignissen bekannt ist. Die am meisten gelesene Tageszeitung ist die kostenlose Pendlerzeitung 20 Minuten (französisch 20 minutes), gefolgt von der Boulevardzeitung Blick und dem Tages-Anzeiger. In der Romandie (französischsprachige Schweiz) ist Le Temps eine überregionale Tageszeitung. Die am meisten gelesenen Tageszeitungen der Romandie sind Le Matin, gefolgt von 24 Heures.
Die Kultur ist von den Nachbarländern beeinflusst, aber über die Jahre hat sich eine eigenständige Kultur entwickelt. Die Aufteilung der Schweiz in mehrere Sprach- und auch Kulturregionen macht es schwierig, von einer einheitlichen Schweizer Kultur zu sprechen. Die drei grösseren Sprachregionen werden von den jeweiligen Nachbarländern sowie von den angelsächsischen Ländern stark beeinflusst, während die rätoromanische Kultur keinen «grossen Bruder» hat.
Bräuche [Bearbeiten]
2008 ratifizierte die Schweiz die UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes (2003) und UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, in welchem die Sorge um das Verschwinden und die Vermarktung des Brauchtums zum Ausdruck kommt.[49]
Beispiele von Brauchtum in der Schweiz sind: die Luzerner Fasnacht, das Unspunnenstein werfen, das Sechseläuten oder die Fête des Vignerons (Fest der Winzer).
In der Schweiz ist auf Bundesebene nur der 1. August als Feiertag für das gesamte Land festgelegt (siehe auch Schweizer Bundesfeiertag). Die Regelung aller anderen Feiertage ist allein Sache der Kantone, die bis zu acht weitere Tage als gesetzliche Ruhetage festlegen können. Aufgrund dieser Tatsache gibt es ausser der Bundesfeier nur noch drei weitere Tage, die ebenfalls in der gesamten Schweiz anerkannt sind: Neujahr, Auffahrt und der erste Weihnachtsfeiertag. In weiten Teilen des Landes werden weiterhin Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag und derStephanstag (zweiter Weihnachtsfeiertag) begangen. Die Mehrheit der Feiertage hat einen christlichen Hintergrund. So werden Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt,Allerheiligen und Maria Empfängnis nur in den katholischen Kantonen gefeiert, umgekehrt ist der Berchtoldstag (zweiter Neujahrstag) weitgehend auf die protestantischen Kantone beschränkt. Ohne religiösen Bezug ist der Tag der Arbeit, der oft auch als Kampftag der Arbeiterbewegung bezeichnet wird. Daneben gibt es eine Vielzahl lokaler Feiertage wie etwa das Knabenschiessen in Zürich oder der Schmutzige Donnerstag.
Die Schweizer Küche verbindet Einflüsse aus der deutschen, französischen und norditalienischen Küche. Sie ist jedoch regional sehr unterschiedlich, wobei dieSprachregionen eine Art Grobaufteilung bieten. Viele Gerichte haben allerdings die örtlichen Grenzen überschritten und sind in der ganzen Schweiz beliebt.
Typische Schweizer Gerichte sind das Käsefondue, Raclette, Älplermagronen und Rösti. Letzteres hat auch den Röstigrabendefiniert. Östlich dieser Grenze gehört Rösti zu den populärsten Nationalgerichten, westlich davon nicht. Das heute weltweit bekannte Birchermüesli wurde um 1900 von einem Schweizer Arzt, Dr. Maximilian Bircher-Benner, in Zürich entwickelt. Die Honig-Mandel-Nougat-Schokolade Toblerone wird seit über 100 Jahren nur in Bern hergestellt und von dort aus in über 120 Länder verkauft.
Sehr beliebte Schweizer Produkte sind Schweizer Käse sowie Schweizer Schokolade. Zu lokalen Spezialitäten gehören etwa:Basler Läckerli, Vermicelles, Appenzeller Biber, Meringue, die Aargauer Rüeblitorte oder die Zuger Kirschtorte.
Der Stil der Romanik des 12. Jahrhundert zeigt sich im Basler Münster, in den Kathedralen von Sion, Chur, Genf und Lausanne. Dieser opulente Stil findet sich auch in vielen Schlössern und Burgen, die oft gut erhalten sind. Die Stadtkirchen vonSchaffhausen, Zug und Zürich sind im Stil der Gotik, die Klosterkirche von Einsiedeln, die Kathedralen in St. Gallen undSolothurn im Barock erbaut.
Der bekannteste und bedeutendste Schweizer Architekt ist Le Corbusier. Atelier 5, Mario Botta und Diener & Diener sind weitere bekannte Schweizer Architekten der Gegenwart, die die moderne Architektur im Ausland mitgeprägt haben. Die ArchitektenJacques Herzog und Pierre de Meuron (Herzog & de Meuron) haben sich in den vergangenen Jahren unter anderem mit dem Gebäude der Tate Modern in London oder dem Nationalstadion («Vogelnest») in Peking einen Namen gemacht und den Pritzker-Preis erhalten. Peter Zumthor, dessen bekanntester Bau das Thermalbad in Vals ist, ist ebenfalls Pritzker-Preis-Träger. Im Jahr 1928 entstand in Dornach bei Basel das Goetheanum, einer der ersten Stahlbetonbauten, der mit seiner skulpturalen Gestalt bis heute zu den bekannten Bauten des Expressionismus und der Organischen Architektur gezählt wird.
Bildkunst [Bearbeiten]
Das Schauspielhaus Zürich gilt als eines der bedeutendsten deutschsprachigen Theater. Zahlreiche Stücke von Bertolt Brechterlebten hier ihre Uraufführung. Auch die meisten Stücke von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt wurden hier uraufgeführt. In den Jahren 2002 und 2003 wurde es von den Kritikern der Zeitschrift Theater heute zum Theater des Jahres gewählt.
Weitere Theater von Bedeutung sind das Theater Basel, das Stadttheater Bern sowie das Cabaret Voltaire, der Geburtsort desDadaismus.
Das Freddie Mercury Memorial inMontreux (VD)
Die Schweiz wird gemeinhin nicht als eine der grossen Musiknationen betrachtet. Im 20. Jahrhundert jedoch hat sie eine Anzahl von bekannten Komponisten hervorgebracht. Arthur Honegger, Othmar Schoeck undFrank Martin haben es alle zu internationalem Ruhm gebracht. In Luzern findet jährlich ein internationales Musikfestival statt, dasLucerne Festival. Auch in anderen Orten gibt es ähnliche Veranstaltungen. Das Montreux Jazz Festival ist besonders bekannt. Zudem ist die Schweiz das Land mit den meisten Open-Air-Veranstaltungen der Welt. Daneben existiert seit den 1950er-Jahren eine lebendige Musikszene aus dem Pop- und Rockbereich. Vor allem seit den späten Siebzigerjahren etablierte sich in der Deutschschweiz mehr und mehr die Pop-/Rockmusik mit Dialekttexten (Mundartrock). Heute finden sich Mundarttexte in allen Bereichen der Musik. Besonders erfolgreiche Pop- und Rockmusiker sind etwa DJ BoBo, Polo Hofer, Patrick Nuo, Stephan Eicher, Krokus, Yello, The Young Gods, Gotthard, Sina und Andreas Vollenweider. Viele davon haben in mehreren Ländern Erfolg, einige wie zum Beispiel Polo Hofer, Züri West, Patent Ochsner, Stiller Has und Sina sind aufgrund der Dialekttexte quasi an die Schweiz gebunden. Nur wenige Mundart-Interpretationen wie Hemmige von Stephan Eicher oder Bärengeburibubuland vonRoland Zoss wurden auch international bekannt. Den Eurovision Song Contest gewann die Schweiz zweimal: bei der Erstausgabe 1956 sowie 1988 mit Céline Dion. Zudem ist eine breite Palette an Volksmusik und Volksliedern in allen Sprachregionen bekannt. Im Hip-Hop erfolgreich sind zum Beispiel die schweizerdeutsch rappenden Greis, Gimma, Bligg, Wurzel 5 und Sektion Kuchikäschtli, oder die Westschweizer Stress undSens Unik mit französischen Texten.
Der Schweizer Filmpreis wird jeweils an den Solothurner Filmtagen Ende Januar verliehen. Alljährlich im August findet zudem das Internationale Filmfestival von Locarnostatt, eines der bedeutendsten internationalen Filmfestivals weltweit. Das jüngste Festival ist das Zurich Film Festival, das 2005 zum ersten Mal stattfand.
Literarisches Schaffen [Bearbeiten]
Da die Schweiz vier Landessprachen besitzt, unterscheidet man oft vier Bereiche: die Literatur der deutschsprachigen, französischsprachigen, italienischsprachigen und rätoromanischen Schweiz. Schon im Mittelalter gab es literarisches Schaffen in verschiedenen Klöstern: Im Kloster Muri entstand um 1250 das älteste deutschsprachige Osterspiel und das ersteWeihnachtsspiel etwas später in St. Gallen. Obwohl die deutschsprachige Schweizer Literatur immer im Schatten Deutschlands stand, gibt es trotzdem einige Werke, die im ganzen deutschen Sprachraum bekannt sind, darunter jene von Friedrich Glauser,Johanna Spyri, Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Hermann Hesse, Adolf Muschg, Jeremias Gotthelf, Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer.
Das Schweizerische Landesmuseum inZürich
Das Schweizerische Landesmuseum hat seinen Hauptsitz in Zürich und beherbergt die grösste kulturgeschichtliche Sammlung der Schweiz. Sie umfasst sämtliche Epochen von der Urgeschichte bis zum 21. Jahrhundert. Das zweitgrösste historische Museum der Schweiz ist das Historische Museum Bern mit 250'000 Objekten verschiedenster Herkunft. Erwähnenswert sind insbesondere die Burgunderteppiche, die während der Burgunderkriege dem burgundischen Herzog Karl dem Kühnenabgenommen wurden.
Das Kunstmuseum Basel ist das älteste öffentliche Museum in Europa. Seinen Ursprung hat es im Kabinett der Familie Amerbach im 16. Jahrhundert. Dieses umfasste eine Sammlung weltberühmter Gemälde, sowie den Nachlass von Erasmus von Rotterdam. Das Kunsthaus Zürich besitzt die bedeutendste Sammlung von Werken Alberto Giacomettis, dazu die grössteMunch-Sammlung ausserhalb Norwegens. Das Kunstmuseum Bern ist das älteste Kunstmuseum der Schweiz mit einer permanenten Sammlung und beherbergt Werke aus acht Jahrhunderten.
Dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) zugeordnet, jedoch nicht unterstellt, sind die beiden technischen Hochschulen ETH in Zürich und EPF in Lausanne. Den technischen Hochschulen über den ETH-Bereich angeschlossen sind das Paul Scherrer Institut (PSI), die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt(Empa), die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und die Eawag. Dem EDI angegliedert sind die Swissmedic und dasNationalmuseum. Über das Bundesamt für Kultur (BAK) untersteht dem EDI die Schweizerische Nationalbibliothek.
Zu den sogenannten «typisch Schweizer» Sportarten zählen das Schwingen und das Hornussen. Dabei erfreut sich das Schwingen einer anhaltenden Beliebtheit, währenddessen das früher sehr verbreitete Hornussen nur noch eine Randsportart darstellt. Ebenfalls rückläufig ist das früher von der Armee geförderte Schiessen.
Verwaltungsgebäude des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne (VD)
Viele bedeutende Weltsportverbände, unter anderem die IIHF, die FIFA, die FIS und die ISU haben ihren Sitz in der Schweiz. Eine besondere Stellung hat Lausanne, das als Sitz des Internationalen Olympischen Komitees sowie des Internationalen Sportgerichtshofs zuweilen auch als «Sporthauptstadt» bezeichnet wird. Darüber hinaus hat der europäische FussballverbandUEFA seinen Sitz in Nyon.
Die Schweiz hat zahlreiche äusserst erfolgreiche Sportler hervorgebracht. Insbesondere im Ski- und Bobsport, wo besonders in den 1970er und 1980er Jahren Schweizer Sportler die Klassemente serienweise anführten. In jüngerer Zeit gelangen Schweizer Sportlern einzigartige Erfolge, v. a. im Tennis, mit den Weltranglistenersten Roger Federer, der bis zum Juni 2009 jedes Grand-Slam-Turnier mindestens einmal gewonnen hatte, und Martina Hingis, der Serienweltmeisterin Simone Niggli-Luder imOrientierungslauf, der Triathletin Natascha Badmann, die sechsmal den Ironman Hawaii gewann, oder dem Segel-SyndikatAlinghi.
Die Schweiz sowie Österreich waren Gastgeberländer der UEFA Fussball-Europameisterschaft 2008, ausserdem fanden im Jahr 1954 die Fussball-Weltmeisterschaften in der Schweiz statt. Das Finalspiel Ungarn–Deutschland ging als Wunder von Bern in die Geschichte ein. 2009 richtete die Schweiz bereits zum zehnten Mal die Eishockey-Weltmeisterschaft aus. Daneben wurden auch eine Vielzahl von Weltmeisterschaften derFIBT in der Schweiz ausgetragen. So wird St. Moritz 2013 bereits zum 20. Mal Gastgeber der Bob-Weltmeisterschaft sein. Dort fanden 1928 und 1948 auch zweimal die Olympischen Winterspiele statt.
Im Jahr 2006 fanden 230'000 Sportveranstaltungen in der Schweiz statt mit einem direkten Gesamtumsatz von 1.2 Milliarden Schweizer Franken, davon waren 68 Grosssportveranstaltungen mit einem Umsatz von 355 Millionen Franken.[50] Zu den bedeutendsten regelmässigen Sportveranstaltungen gehören die LeichtathletikmeetingsWeltklasse Zürich und Athletissima, die Tennisturniere ATP Basel, Zurich Open und ATP Gstaad, die Springturniere CSI Zürich und CSIO Schweiz, das EishockeyturnierSpengler Cup sowie die Skiweltcuprennen in Adelboden und Wengen (Lauberhornrennen).
Bundesamt für Statistik (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Schweiz 2012 — Annuaire statistique de la Suisse 2012. NZZ Libro, Zürich 2012, ISBN 978-3-03823-750-1(Sprachen: Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch).
Volker Reinhardt: Die Geschichte der Schweiz. Von den Anfängen bis heute. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62206-9.
Commons: Schweiz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Schweiz – Reiseführer
↑ a b Schweizer Bundesverfassung SR 101 Art. 70 Abs. 1 – Rätoromanisch besitzt (seit 1938) mit den anderen Amtssprachen des Bundes den Status einerLandessprache gemäss Art. 4 BV.
↑ Die Schweiz hat kein eindeutig bestimmtes Staatsoberhaupt. Grundsätzlich ist die Bundesversammlung unter dem Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen die oberste Macht im schweizerischen Staat (Art. 148 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung), der Nationalratspräsident gilt demzufolge im Volksmund als der «höchste Schweizer». Aufgaben eines Staatsoberhauptes (zum Beispiel bei Empfängen für ausländische Staatsoberhäupter) nimmt der Bundespräsident alsprimus inter pares wahr, der zwar gemäss der protokollarischen Rangordnung das höchste Amt der Schweiz ausübt, aber kein Staatsoberhaupt ist. Der Gesamtbundesrat als Kollektiv erscheint zudem aufgrund seiner Stellung de facto auch als Staatsoberhaupt.
↑ a b c d e f Pressemitteilung: Provisorische Ergebnisse zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz im Jahr 2011, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 26. April 2012
↑ 2011 Human development Report S. 17-20. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Abgerufen am 27. Dezember 2012.
↑ Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten: Mittelland
↑ http://www.oli.li/index.php?mode=ch_geographie Angaben zu den grössten Ausdehnungen in der Schweiz
↑ Angaben zur Flächennutzung auf der Webseite des Bundes
↑ Wetterrekorde der Schweiz (Stand Ende 2011) Abgerufen am 21. Oktober 2012
↑ Indikatoren der Sterblichkeit in der Schweiz, 1970-2060 (XLS, 34 kB). Bundesamt für Statistik. Abgerufen am 15. Dezember 2012.
↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Alter, Altersmasszahlen und Kanton, am 31. Dezember 2011, Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 28. April 2012
↑ Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende August 2012 (PDF). Bundesamt für Migration (BFM). Abgerufen am 10. Dezember 2012.
↑ Das VBS in Zahlen, Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, 20.September 2012, abgerufen am 21. Oktober 2012
↑ Agrarbericht 2011
↑ Gerhard Schwarz: „Industriemacht Schweiz. Der Mythos der De-Industrialisierung“. In: Neue Zürcher Zeitung, 28. Juli 2012, S. 35.
Koordinaten: 47° N, 8° O; CH1903: 660666 / 183511 (Karte)
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References: Art. 4
 Art. 70
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 § 61
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