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Timestamp: 2020-05-27 06:15:09+00:00

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TV-L - und die Stufenzuordnung im Hochschulbereich | Rechtslupe
TV-L - und die Stufenzuordnung im Hochschulbereich
Ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung aus einer Beschäf­ti­gung bei einer ande­ren Hoch­schu­le oder außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung wird bei der Stu­fen­zu­ord­nung nach § 16 Abs. 2 Satz 4 TV‑L idF von § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV‑L so behan­delt, als ob sie beim sel­ben Arbeit­ge­ber iSd. § 16 Abs. 2 Satz 2 TV‑L erwor­ben wor­den wäre.
Eine geset­zes­kon­for­me Aus­le­gung des § 16 Abs. 3 TV‑L führt dazu, dass die in (hier:) befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen bei einer ande­ren Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät erlang­te Berufs­er­fah­rung auch bei der Stu­fen­lauf­zeit zu berück­sich­ti­gen ist.
Bei der Ein­stel­lung von Beschäf­tig­ten an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen in den Ent­gelt­grup­pen 13 bis 15 TV‑L wer­den Zei­ten mit ein­schlä­gi­ger Berufs­er­fah­rung an ande­ren Hoch­schu­len oder außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen gemäß § 16 Abs. 2 Satz 4 TV‑L idF von § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV‑L im Rah­men der Stu­fen­zu­ord­nung grund­sätz­lich aner­kannt.
§ 16 Abs. 2 TV‑L hat den Zweck, einen Arbeit­ge­ber­wech­sel inner­halb des öffent­li­chen Diens­tes, aber auch aus der Pri­vat­wirt­schaft in den öffent­li­chen Dienst zu erleich­tern, indem Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten aner­kannt wer­den. Bei Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen iSv. § 40 TV‑L gilt die­se Ziel­set­zung in beson­de­rem Maß. Sie sind im Wett­be­werb um die bes­ten Arbeits­kräf­te dar­auf ange­wie­sen, dass nach­tei­li­ge Fol­gen beim Arbeit­ge­ber­wech­sel ver­mie­den wer­den, damit die Per­so­nal­ge­win­nung nicht von vorn­her­ein aus­sichts­los ist. Hier ist beson­de­re Mobi­li­tät erwünscht und oft erfor­der­lich 1. Die tarif­li­che Ziel­set­zung einer Pri­vi­le­gie­rung von wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern kommt zudem im zwei­ten Halb­satz der Pro­to­koll­erklä­rung Nr. 3 zu § 16 Abs. 2 TV‑L zum Aus­druck.
Zur Errei­chung die­ser Ziel­set­zung hebt § 16 Abs. 2 Satz 4 TV‑L idF von § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV‑L als Spe­zi­al­vor­schrift die bei einem Wech­sel von einem ande­ren Arbeit­ge­ber nach § 16 Abs. 2 Satz 3 TV‑L ansons­ten gel­ten­de "Decke­lung" der Stu­fen­zu­ord­nung auf höchs­tens Stu­fe 3 auf (vgl. zu § 16 Abs. 2 Satz 3 TV‑L: BAG 3.07.2014 – 6 AZR 1088/​12, Rn. 15 ff.; 23.09.2010 – 6 AZR 180/​09, Rn. 11 ff., BAGE 135, 313). Soweit die Rn. 42 des Urteils vom 21.11.2013 – 6 AZR 23/​12 – nicht tra­gend ein abwei­chen­des Ver­ständ­nis der Tarif­nor­men erken­nen lässt, hält das Bun­des­ar­beits­ge­richt dar­an nicht fest. Die von § 16 Abs. 2 Satz 4 TV‑L idF von § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV‑L erfass­te Beschäf­tig­ten­grup­pe wird damit den­je­ni­gen Beschäf­tig­ten gleich­ge­stellt, die ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung aus einem oder meh­re­ren vor­he­ri­gen Arbeits­ver­hält­nis­sen zum sel­ben Arbeit­ge­ber auf­wei­sen und des­halb § 16 Abs. 2 Satz 2 TV‑L unter­fal­len 2. Ob auch die Pro­to­koll­erklä­rung Nr. 3 zu § 16 Abs. 2 TV‑L, die sich ihrem Wort­laut nach nur auf § 16 Abs. 2 Satz 2 TV‑L bezieht, Anwen­dung fin­det, bedarf kei­ner Ent­schei­dung, weil der wiss. Mit­ar­bei­ter ohne Unter­bre­chung beschäf­tigt war 3.
Die Gleich­stel­lung mit Beschäf­tig­ten iSv. § 16 Abs. 2 Satz 2 TV‑L gilt auch bei Aus­lands­be­zug. § 16 Abs. 2 Satz 4 TV‑L idF von § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV‑L unter­schei­det nicht danach, ob die ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung an einer ande­ren Hoch­schu­le oder For­schungs­ein­rich­tung in Deutsch­land oder im inner- oder außer­eu­ro­päi­schen Aus­land erwor­ben wur­de 4. Dies trägt der Struk­tur welt­weit betrie­be­ner For­schung Rech­nung. In Bezug auf das Gebiet der Euro­päi­schen Uni­on ist zugleich ein Kon­flikt mit Art. 45 Abs. 2 AEUV und Art. 7 Abs. 1 der Frei­zü­gig­keits­ver­ord­nung aus­ge­schlos­sen 5.
Für den in § 16 Abs. 3 TV‑L gere­gel­ten Stu­fen­auf­stieg, der durch § 40 Nr. 5 TV‑L kei­ne Ände­rung erfah­ren hat, gel­ten Stu­fen­lauf­zei­ten. § 16 Abs. 3 Satz 1 TV‑L sieht die Anrech­nung der bei der Stu­fen­zu­ord­nung nicht ver­brauch­ten Zei­ten ein­schlä­gi­ger Berufs­er­fah­rung aus frü­he­ren Arbeits­ver­hält­nis­sen (Rest­lauf­zei­ten) nicht aus­drück­lich vor. Das Gebot der geset­zes­kon­for­men Aus­le­gung von Tarif­nor­men ver­bie­tet mit Blick auf § 4 Abs. 2 Satz 3 TzBfG jedoch ein Ver­ständ­nis des § 16 Abs. 3 Satz 1 TV‑L dahin, dass Rest­lauf­zei­ten aus frü­he­ren befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen gene­rell unbe­rück­sich­tigt blei­ben.
Bei geset­zes­kon­for­mer Aus­le­gung des § 16 Abs. 3 Satz 1 TV‑L beginnt die Stu­fen­lauf­zeit mit der Zuord­nung des Beschäf­tig­ten zu einer Stu­fe sei­ner Ent­gelt­grup­pe nach sei­ner Ein­stel­lung nicht neu zu lau­fen, wenn er zuvor bereits befris­tet bei dem­sel­ben Arbeit­ge­ber beschäf­tigt war und kei­ne schäd­li­che Unter­bre­chung iSd. Pro­to­koll­erklä­rung Nr. 3 zu § 16 Abs. 2 TV‑L vor­liegt. Viel­mehr ist die Rest­lauf­zeit auf die Stu­fen­lauf­zeit anzu­rech­nen. Das gilt unab­hän­gig davon, ob die Ein­stel­lung aber­mals befris­tet erfolgt oder ein unbe­fris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis ver­ein­bart wird 6. Die­se Aus­le­gung berück­sich­tigt, dass befris­tet und unbe­fris­tet beschäf­tig­te Arbeit­neh­mer hin­sicht­lich ihrer Berufs­er­fah­rung ver­gleich­bar sind, wenn es sich um iden­ti­sche oder zumin­dest gleich­wer­ti­ge Tätig­kei­ten han­delt. In die­sem Fall besteht gewis­ser­ma­ßen ein ein­heit­li­ches, fort­ge­setz­tes Arbeits­ver­hält­nis 7.
Im Anwen­dungs­be­reich des § 16 Abs. 2 Satz 4 TV‑L idF von § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV‑L ist die Rest­lauf­zeit nach den glei­chen Grund­sät­zen auf die Stu­fen­lauf­zeit anzu­rech­nen, wenn ein davon erfass­ter Arbeit­neh­mer zuvor befris­tet bei einem ande­ren Arbeit­ge­ber beschäf­tigt war. Die Norm führt, wie dar­ge­stellt, grund­sätz­lich zur Gleich­stel­lung der von ihr erfass­ten Beschäf­tig­ten mit Beschäf­tig­ten, wel­che die ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung in vor­he­ri­gen befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen mit dem­sel­ben Arbeit­ge­ber erwor­ben haben.
Die dar­ge­stell­te geset­zes­kon­for­me Aus­le­gung von § 16 Abs. 3 Satz 1 TV‑L führ­te in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall zu einer voll­stän­di­gen Anrech­nung der in den befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen mit der TU Dres­den erwor­be­nen Berufs­er­fah­rung auch bezüg­lich der Stu­fen­lauf­zeit. Bei der TU Dres­den war der wiss. Mit­ar­bei­ter vom 15.08.2008 bis zum 31.05.2014 in der Ent­gelt­grup­pe 13 TV‑L beschäf­tigt. Seit dem 1.06.2014 wur­de er bei dem Beklag­ten eben­falls nach Ent­gelt­grup­pe 13 TV‑L ver­gü­tet. Die Anrech­nung der gesam­ten Stu­fen­lauf­zeit bei der TU Dres­den hät­te daher nach § 16 Abs. 3 Satz 1 iVm. § 17 Abs. 1 TV‑L zu einem Ver­gü­tungs­an­spruch nach Ent­gelt­grup­pe 13 Stu­fe 4 TV‑L seit dem 1.08.2014 füh­ren kön­nen, da eine leis­tungs­be­ding­te Ver­län­ge­rung der Stu­fen­lauf­zeit nach § 17 Abs. 2 Satz 2 TV‑L von dem Beklag­ten nicht behaup­tet wird. Aller­dings wäre eine etwai­ge Eltern­zeit gemäß § 17 Abs. 3 Satz 2 Halbs. 2 TV‑L nicht auf die Stu­fen­lauf­zeit ange­rech­net wor­den 8. Da der wiss. Mit­ar­bei­ter in sei­nem Schrei­ben vom 27.03.2015 eine vier­mo­na­ti­ge Eltern­zeit ange­führt hat, ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass er die Ver­gü­tung nach Ent­gelt­grup­pe 13 Stu­fe 4 TV‑L erst ab dem 1.12 2014 bean­spru­chen konn­te. Dies war auch sein außer­ge­richt­li­ches Begeh­ren, bevor er mit sei­ner Kla­ge die For­de­rung auf die Zeit ab Okto­ber 2014 erstreck­te.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Novem­ber 2017 – 6 AZR 33/​17
BAG 27.03.2014 – 6 AZR 571/​12, Rn. 23 mwN, BAGE 148, 1[↩]
vgl. Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese TV‑L Stand Novem­ber 2013 Teil II § 40 Rn. 12; Braun in Sponer/​Steinherr TV‑L Stand August 2014 § 40 Nr. 5 Rn. 10; zum Aus­schluss selb­stän­di­ger Tätig­keit vgl. BAG 21.11.2013 – 6 AZR 23/​12, Rn. 57[↩]
vgl. dazu Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese TV‑L Stand Juli 2014 Teil II § 40 Rn. 41 ff.; Braun in Sponer/​Steinherr aaO; Beck­OK TV‑L/​Müller Stand 1.03.2017 TV‑L § 40 Nr. 5 Rn. 3; zu § 16 Abs. 2 Satz 3 TV‑L vgl. BAG 3.07.2014 – 6 AZR 1088/​12, Rn. 24[↩]
vgl. Breier/​Dassau/​Kiefer/​Thivessen TV‑L Stand Juli 2016 Teil B 2 § 40 Nr. 5 Rn. 7; Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese TV‑L Stand Sep­tem­ber 2009 Teil II § 40 Rn. 23; Beck­OK TV‑L/​Müller Stand 1.03.2017 TV‑L § 40 Nr. 5 Rn. 1e; Braun in Sponer/​Steinherr TV‑L Stand August 2014 § 40 Nr. 5 Rn. 5[↩]
vgl. hier­zu BAG 29.06.2017 – 6 AZR 364/​16, Rn. 30 ff.; 23.02.2017 – 6 AZR 843/​15, Rn.20 ff., BAGE 158, 230[↩]
BAG 21.02.2013 – 6 AZR 524/​11, Rn. 18 ff., BAGE 144, 263[↩]
BAG 21.11.2013 – 6 AZR 23/​12, Rn. 66; 24.10.2013 – 6 AZR 964/​11, Rn. 28[↩]
vgl. Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese TV‑L Stand Mai 2015 Teil II § 17 Rn. 39 f.; zu § 17 Abs. 3 Satz 2 TVöD-AT vgl. BAG 27.01.2011 – 6 AZR 526/​09, Rn. 14 ff., BAGE 137, 80[↩]
Vor­läu­fi­ges Aus für "Stream­On" der Tele­kom Die Tele­kom Deutsch­land GmbH darf das von ihr ange­bo­te­ne Pro­dukt "Stream­On" in der bis­he­ri­gen Form vor­läu­fig nicht wei­ter­be­trei­ben. Dies hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land…
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 Art. 45
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