Source: http://ostdeutsche-museen.de/html/bericht_p_96_bvfg.html
Timestamp: 2019-02-21 04:23:09+00:00

Document:
Bericht § 96 BVFG
Bericht der Bundesregierung über die Maßnahmen zur Förderung der Kulturarbeit gemäß § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) in den Jahren 2009 und 2010
1. Entdecken und bewahren – deutsches Kulturerbe im östlichen Europa
2. Struktur der Bundesförderung nach § 96 BVFG
3. Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
4.1 Donauschwäbisches Zentralmuseum, Ulm
4.2 Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg
4.3 Pommersches Landesmuseum, Greifswald
4.4 Schlesisches Museum zu Görlitz
4.6 Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
4.7 Westpreußisches Landesmuseum, Münster
4.8 Weitere museale Einrichtungen
5. Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
6. Forschungseinrichtungen und Bibliotheken
6.1 Herder-Institut e. V., Marburg
6.2 Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e. V., Lüneburg/Göttingen
6.3 Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V., München
6.4 Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek, Herne
7. Einrichtungen der Kulturvermittlung
7.1 Deutsches Kulturforum östliches Europa e. V., Potsdam
7.2 Adalbert Stifter Verein, München
8. Förderung kultureller Maßnahmen
8.1 Kulturelle Bildungs- und Vermittlungsarbeit der Kulturreferentinnen/Kulturreferenten
8.2 Weitere kulturelle Breitenarbeit
8.3 Förderung des kulturellen Austausches
9. Förderung im Wissenschaftsbereich
9.1 Forschung und Lehre
9.2 Historische Kommissionen/Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat
10. Sicherung und Erhaltung deutscher Bau- und Kulturdenkmale
11. Verständigungspolitische Arbeit der Vertriebenen
12. Ausblick: Deutsches Kulturerbe in einem zusammenwachsenden Europa
In den beiden letzten Jahrzehnten des europäischen Zusammenwachsens haben sich die Perspektiven auf Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa verändert und erweitert. Dies hat zu einer – wieder – stärkeren und auch vielschichtigeren Wahrnehmung der ehemals deutschen oder von Deutschen besiedelten Gebiete im östlichen Europa geführt. Heute geht das Interesse weit über die sogenannte Erlebnisgeneration und über die Familien der Vertriebenen hinaus. Neue Fragen an die Geschichte und eine neue Offenheit für die vielfältigen Aspekte des deutschen Kulturerbes in den einschlägigen Regionen des östlichen Europas prägen den Diskurs, der in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und dabei wie selbstverständlich keineswegs auf Deutschland beschränkt ist, sondern sich im europäischen und grenzüberschreitenden Dialog entfaltet. Die europäische Dimension drückt sich in prominenter Weise in der Wahl eines ganzen Reigens von „Kulturhauptstädten Europas“ aus, die sowohl die regionale Erstreckung deutscher Spuren im östlichen Europa verdeutlichen als auch in herausgehobener Weise für die kulturelle Vielfalt Europas stehen: Hermannstadt/Sibiu (2007), Fünfkirchen/Pécs (2010), Reval/Tallinn (2011), Marburg an der Drau/Maribor (2012), Kaschau/Košice (2013), Riga/Rīga (2014), Pilsen/Plzeň (2015) und Breslau/Wrocław (2016). Die Geschichte dieser in Rumänien, Ungarn, Estland, Slowenien, der Slowakei, Lettland, Tschechien und Polen gelegenen Städte ist ganz besonders durch das Miteinander verschiedener Kulturen, Sprachen, Konfessionen und nationaler Identitäten gekennzeichnet. Über Jahrhunderte lebten in ihnen Deutsche, die sie kulturell mitgeprägt, also ihr heutiges Kulturerbe mitgestaltet haben – als Mehrheit oder als Minderheit.
Zahlreiche Regionen des östlichen Europa waren über lange Zeiträume von Deutschen bewohnt: Gebiete, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die östlichen Provinzen des damaligen Deutschen Reiches bildeten – wie Schlesien, die brandenburgische Neumark, Hinterpommern oder Ostpreußen –, aber auch Regionen und Siedlungsgebiete, in denen Deutsche als nationale Mehr- oder Minderheit lebten, etwa in Westpreußen, Siebenbürgen, in den Böhmischen Ländern oder in unterschiedlichen Gebieten Russlands und des Baltikums.
Die Kultur und Geschichte der ehemals oder nach wie vor dort lebenden Deutschen wird heute auch als ein gemeinsames Erbe mit verbindender Funktion verstanden. Die kulturelle Überlieferung der Deutschen in den Städten und Regionen des östlichen Europas ist aber insbesondere aus dem Gesamtzusammenhang der deutschsprachigen Kultur und Geschichte nicht wegzudenken: Es ist für die Deutschen als Kulturnation von bleibender Bedeutung.
Deshalb haben sich Bund und Länder in § 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) dazu verpflichtet, das Kulturgut der Deutschen in den genannten Regionen im östlichen Europa zu bewahren, zu präsentieren und zu erforschen. Alle Bundesregierungen haben diesen gesetzlichen Auftrag anerkannt, ihn durch vielfältige Aktivitäten mit Leben erfüllt und darüber in Berichtform Rechenschaft abgelegt. Der vorliegende Bericht umfasst die entsprechenden Maßnahmen der Jahre 2009 und 2010 und schreibt damit den vorangegangenen Bericht an den Deutschen Bundestag über den Zeitraum 2007/2008 (Bundestagsdrucksache 17/381 vom 23.12.2009) fort. Die dort unter der Überschrift „Kulturerbe erschließen, um Zukunft zu gestalten“ dargelegten Leitperspektiven gelten unverändert fort. Darüber hinaus lagen die förderpolitischen Akzente der Jahre 2009 und 2010 auf folgenden Gebieten:
Neue Interessenten ansprechen
Jede Generation entwickelt ihre eigenen Sichtweisen auf die Geschichte und stellt deshalb jeweils neue Fragen an die Vergangenheit. Aus diesem Grund sind die Darstellung und Erforschung von Geschichte und Kultur niemals abgeschlossen, unabhängig davon, wie groß der Zeitraum ist, der sie von der Gegenwart trennt. Sie unterliegen vielmehr einer kontinuierlichen Überprüfung, Neubewertung und Weiterentwicklung – dies gilt angesichts der dynamisch fortschreitenden europäischen Integration, die immer neue Perspektiven auf die Vergangenheit eröffnet, gerade auch für die deutsche Geschichte im östlichen Europa.
Es sind keineswegs allein die Vertriebenen und Flüchtlinge, die Aussiedler und Spätaussiedler, die sich für ihre frühere Heimat interessieren und zahlreiche Brücken zu den heute dort lebenden Menschen gebaut haben. In Deutschland und seinen Nachbarländern sind inzwischen neue Generationen herangewachsen, die sich mit dem deutschen Kulturerbe im östlichen Europa auseinandersetzen. Dabei lässt sich beobachten, dass sich in Deutschland das Interesse an dieser Thematik zunehmend über diejenigen Kreise hinaus verbreitet, die biographisch oder familiengeschichtlich einen Bezug zum östlichen Europa aufweisen.
Die Menschen in Deutschlands östlichen Nachbarländern haben längst das geistige und materielle Kulturerbe der einst dort lebenden Deutschen angenommen, mit dem sie als Teil ihrer Lebenswelt unmittelbar konfrontiert sind. Infolgedessen zeigen sie großes Interesse an dessen Erforschung und Erhaltung. Zumeist geschieht dies in engem Austausch und in Zusammenarbeit mit Partnern in Deutschland.
Aufgabe der Förderung nach § 96 BVFG ist es, die breit gefächerten Aktivitäten in diesem Bereich zu unterstützen, dem Informationsbedarf dieser so unterschiedlichen Interessentengruppen Rechnung zu tragen und dafür zu sorgen, dass kompetente Ansprechpartner im Inland und für den internationalen Austausch zur Verfügung stehen.
Kulturelle Bildungs- und Vermittlungsarbeit stärken
Das zunehmende und unterschiedlich motivierte Interesse am deutschen Kulturerbe des östlichen Europas greifen die Kulturreferentinnen und Kulturreferenten mit ihrer Bildungs- und Vermittlungsarbeit auf. Damit bilden sie gleichsam eine Brücke zwischen den traditionell diesem Erbe verbundenen Vertriebenen und Aussiedlern und einer neuen geschichtsbewussten Generation, die sich mit der eigenen kulturellen Identität befasst, den großen Stellenwert der deutsch-östlich geprägten Überlieferungen erkennt und sich dafür interessiert. Zugleich führen die Kulturreferentinnen/Kulturreferenten Kinder und Jugendliche altersgerecht an die Materie heran und konzipieren Informationsangebote für Medien- und Verbandsvertreter. Dabei suchen sie die Zusammenarbeit mit Schulen, anderen Bildungsträgern, Multiplikatoren und vollziehen grenzüberschreitende Kooperationen mit ausländischen Partnern. Mit einem eigenen Förderetat beraten sie Antragsteller und unterstützen geeignete Projekte Dritter insbesondere aus dem Vertriebenenbereich.
Nachdem sich dieses 2002 geschaffene Tätigkeitsprofil sehr bewährt hat, konnte der BKM die dazugehörigen sechs Stellen im Jahr 2009 entfristen und erfolgreich verstetigen. Damit ist die Arbeit der Kulturreferentinnen und Kulturreferenten zu einem festen Pfeiler der Kulturförderung nach § 96 BVFG geworden, der den Museumsbereich sinnvoll ergänzt. Der vorliegende Bericht legt in Abschnitt 8.1 einen Schwerpunkt auf die Darstellung dieser Arbeit.
Museale Präsentationen ausbauen
Die Zahl der Menschen, die noch lebendige Erinnerungen an ihre Herkunftsregionen, an Krieg, Flucht und Vertreibung besitzen, nimmt stetig ab. Damit geht in Deutschland das individuelle Erfahrungswissen der Erlebnisgeneration unwiederbringlich verloren. Dieses Erfahrungswissen der Zeitzeugen soll in angemessener Form gesichert und unter anderem auch zur Veranschaulichung musealer Präsentationen genutzt werden. Durch das Erlöschen dieser Generation sind die Verantwortung und die Aufgaben der nach § 96 BVFG geförderten Museen, der Einrichtungen der kulturellen Vermittlung und der wissenschaftlichen Forschung umfangreicher geworden. Gerade im Museumsbereich müssen Konzepte für eine lebendige kulturelle Vermittlung erarbeitet werden, die Angebote für die unterschiedlichen Alters- und Interessengruppen unserer Gesellschaft bereithalten. Ein Aspekt der Fördertätigkeit war daher die Entwicklung von Konzeptionen zur Modernisierung der nach § 96 BVFG geförderten Landes- und Regionalmuseen.
Erinnerung an Flucht und Vertreibung wachhalten
Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen soll im geschichtlichen Kontext des 20. Jahrhunderts – insbesondere des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs – und anderer Zwangsmigrationen auf dem europäischen Kontinent lebendig gehalten werden. Deshalb wurde im Berichtszeitraum ein besonderer Akzent auf den Ausbau der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin gelegt. Mit ihrer Dokumentations-, Informations- und Erinnerungsarbeit soll sie nicht nur der Aufarbeitung von Flucht und Vertreibung der Deutschen dienen, sondern einen zukunftsweisenden Beitrag dazu leisten, dass Vertreibungen als Mittel der Politik nachhaltig geächtet werden.
Wissenschaftliche Begleitung gewährleisten
Das Förderspektrum nach § 96 BVFG bedarf der aktiven wissenschaftlichen Begleitung, um Professionalität und nachhaltige, erkenntnisweitende Ergebnisse gewährleisten zu können. Die Erforschung der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa hat daher aktuelle fachliche Fragestellungen und Methoden zu berücksichtigen, um nachhaltig Relevanz im Wissenschaftsdiskurs – und letztlich auch in der gesellschaftlichen Diskussion – zu entfalten. Im Jahre 2010 wurde daher durch den BKM und mit Unterstützung des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) ein runder Tisch namhafter Wissenschaftler aus den Bereichen Geschichte, Volkskunde, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte einberufen, um ein an aktuellen Gegebenheiten und Parametern orientiertes akademisches Förderprogramm zu konzipieren. Dieser Runde Tisch, an dem auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Länderseite vertreten waren, diente auch dazu, die gesamtgesellschaftliche Relevanz dieser Wissenschaftsförderung im politischen Raum zu akzentuieren und einen Anspruch auf Teilhabe an den Forschungsinitiativen der Bundesregierung zu postulieren. Auf diese Weise konnten die Weichen für die erstmalige Auflage eines umfangreichen wissenschaftlichen Förderprogramms unter Einbeziehung innovativer Formate, insbesondere der Schaffung von Juniorprofessuren, gestellt werden.
Das Spezifikum der Wissenschaftsförderung auf der Grundlage von § 96 BVFG liegt in ihrer Verklammerung mit der Arbeit der Museen, der Kulturinstitute und der transnationalen Erinnerungsarbeit. Nicht Hochschulförderung im engeren Sinn ist die politische Intention, sondern Professionalisierung und Verstetigung der Kulturforschung in diesem Bereich.
Digitale Welten nutzbar machen
Das Internet ist generationenübergreifend zum wichtigsten Informationsmedium geworden. Die digitale Welt hat nicht nur in Schule und Universität sowie im kulturellen Leben eine zentrale Bedeutung erlangt. Onlineangebote spielen übergreifend für die Wissensvermittlung eine immer größere Rolle. Digitale Bibliotheken ermöglichen heute standortunabhängig den Zugang zu Buch-, Zeitungs-, Zeitschriften- und Bildbeständen. Um die Geschichte und Kultur der Deutschen im östlichen Europa im Bewusstsein zu halten, gilt es, sie im Internet erfahrbar zu machen. Dafür müssen ansprechende themennahe Onlineportale und Informationsforen eingerichtet und mit Dokumentationen, Publikationen, Quellen und weiteren Inhalten gefüllt werden. Dies schafft zugleich die Voraussetzung, um in den großen, themenübergreifenden Internetplattformen – der Europeana und der bald verfügbaren Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) – präsent zu sein. Über längere Frist werden nicht nur Druckwerke, sondern auch darüber hinaus gehende Bestände von Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen als zentrales deutsches Kulturgut zugänglich und recherchierbar sein.
Gemäß § 96 BVFG haben Bund und Länder das Kulturgut der historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebiete im Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten. Insbesondere sind Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Wissenschaft und Forschung zu fördern. Dieser Gesetzesauftrag wird seitens des Bundes vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wahrgenommen. Er wird dabei vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa unterstützt. Die Kulturförderung des Bundes ist darauf ausgerichtet, dass die bedeutsamen historischen Provinzen und Siedlungsgebiete vertreten sind und durch museale Präsentationen, wissenschaftliche Forschungen, bibliothekarische Einrichtungen sowie in der kulturellen Bildung und Breitenarbeit und auch im Wege der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit erschlossen werden. Darüber hinaus dient sie der Erhaltung deutschen Kulturguts in den östlichen Nachbarländern; dazu gehören die Restaurierung von Kulturdenkmälern, die Sicherung von Bibliotheken und Archiven vor Ort.
Die museale Präsentation deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa erfolgt durch die kontinuierliche Förderung von sechs historisch-landeskundlich ausgerichteten Museen: das Donauschwäbische Zentralmuseum (Ulm), das Ostpreußische Landesmuseum (Lüneburg), das Pommersche Landesmuseum (Greifswald), das Schlesische Museum zu Görlitz, das Siebenbürgische Museum (Gundelsheim) und das Westpreußische Landesmuseum (Münster). Als überregional ausgerichtetes, zentrales Kunstmuseum wirkt die Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie (Regensburg). Mit Haus Schlesien (Königswinter) und dem Kulturzentrum Ostpreußen (Ellingen) fördert der Bund weitere Einrichtungen musealen Charakters.
Im Bereich der kulturellen Bildung und Breitenarbeit werden das regional übergreifend tätige Deutsche Kulturforum östliches Europa e. V. (Potsdam) und der regional auf Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien ausgerichtete Adalbert Stifter Verein (München) gefördert. Darüber hinaus finanziert der Bund die Arbeit der bei den Regionalmuseen und beim Adalbert Stifter Verein organisatorisch angesiedelten sechs Kulturreferentinnen und Kulturreferenten.
Vom Bund im Bereich des § 96 BVFG dauerhaft geförderte wissenschaftliche Forschungseinrichtungen sind das gemeinsam mit den Bundesländern geförderte Herder- Institut e. V. (Marburg) – eine Mitgliedseinrichtung der Leibniz- Gemeinschaft –, das Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e. V. (Lüneburg) und das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. (München).
Die Versorgung mit aktueller und älterer, insbesondere landeskundlicher Fachliteratur ist für eine Befassung mit der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa unverzichtbar. Als bibliothekarische Zentraleinrichtung ist die überwiegend vom Bund finanzierte Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek (Herne) für die Sammlung und die Versorgung mit in- und ausländischem Schrifttum zu allen deutschen Ost- und Siedlungsgebieten tätig.
Darüber hinaus förderte der BKM auf Antrag Maßnahmen der kulturellen Breitenarbeit, den kulturellen Austausch, wissenschaftliche Forschungen und trug zur Sicherung und Erhaltung deutscher Bau- und Kulturdenkmale bei.
Die durch den BKM für die Förderung kultureller Maßnahmen im Rahmen des § 96 BVFG bewilligten Mittel betrugen 2009 insgesamt 16,346 Mio. Euro und 2010 15,760 Mio. Euro, nachdem sie 2007 und 2008 jeweils bei rund 14 Mio. Euro gelegen hatten. Damit konnte der BKM unter der Leitung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann die bereits mit dem Haushaltsjahr 2006 eingeleitete positive Entwicklung weiter fortsetzen.
Das BKGE mit Sitz in Oldenburg ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BKM und zugleich An- Institut der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Das Haushaltsvolumen des Instituts betrug 896 000 Euro im Jahr 2009 und 966 000 Euro im Jahr 2010.
Auftrag: Das BKGE berät und unterstützt die Bundesregierung in allen die Umsetzung des § 96 BVFG betreffenden Angelegenheiten. Als Grundlage und Voraussetzung dieses Auftrags führt das BKGE eigene Forschungen durch, erstellt Dokumentationen und koordiniert wissenschaftliche Vorhaben im Auftrag der Bundesregierung. Im Unterschied zu anderen, regional und fachlich spezialisierten wissenschaftlichen Einrichtungen arbeitet es geographisch übergreifend und ist multidisziplinär ausgerichtet. Seine wissenschaftliche Tätigkeit bezieht sich auf die Bereiche Geschichte, Literatur und Sprache, Volkskunde/ Europäische Ethnologie sowie Kunstgeschichte der historischen deutschen Ostprovinzen und der Siedlungsgebiete der Deutschen in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa. Mit seinen breit gefächerten wissenschaftlichen Aktivitäten trägt das Bundesinstitut zur nationalen und europäischen Kooperation und Vernetzung im Sinne der Förderkonzeption der Bundesregierung bei. Dabei auch den Empfehlungen des Wissenschaftsrats aus dem Jahr 2007 folgend, hat das BKGE im Berichtszeitraum die Vernetzung mit akademischen Partnern in Deutschland und in Ostmitteleuropa weiter ausgebaut. Entsprechende Kooperationsverträge wurden mit dem Institut für Geschichte der Rumänischen Akademie in Klausenburg/Cluj-Napoca (Rumänien), dem Institut für Germanistik der Universität Breslau/Wrocław (Polen) und dem Institut für Germanistik der Universität Oldenburg abgeschlossen.
Schwerpunkte der beratenden und unterstützenden Tätigkeit des BKGE lagen erneut in der Begleitung der institutionellen und der projektbezogenen Förderung durch den BKM in den Bereichen kulturelle Breitenarbeit, Wissenschaft, museale Präsentation, Denkmalpflege und Publikationen. Diese Tätigkeit bestand unter anderem in der Prüfung von Arbeitsplänen und -berichten, in wissenschaftlich fundierten Stellungnahmen zu Projektanträgen sowie in der Erfolgskontrolle abgeschlossener Projekte. Die gutachterlichen Stellungnahmen bezogen sich dabei insbesondere auf die Durchführung von Tagungen, Konferenzen und Symposien sowie auf die fachliche Prüfung von Typoskripten in den Fachgebieten Geschichte, Literatur/Sprache, Volkskunde/Europäische Ethnologie, Musik, Kunstgeschichte und Denkmalpflege. Das BKGE arbeitete in den Jahren 2009 und 2010 jeweils rund 600 Stellungnahmen für den BKM aus.
Im Jahr 2010 hat das BKGE den BKM dabei unterstützt, ein an die aktuelle akademische Situation angepasstes Förderprogramm zu entwickeln, das sich speziell an die universitäre Forschung wendet und das Ziel hat, die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem in § 96 BVFG enthaltenen Auftrag nachhaltig zu sichern und zu verstärken.
Die Tätigkeit des BKGE erstreckte sich auch auf die fachliche Vorbereitung von kulturpolitischen Gesprächen des BKM auf internationaler und auf nationaler Ebene. Bei der Beantwortung zahlreicher aus Politik und Gesellschaft an den BKM herangetragener Anfragen war das BKGE, gestützt auf eigene Erhebungen und Dokumentationen, beratend tätig. Dabei wurden auch viele Hinweise im Zusammenhang mit Fragen zur grundsätzlichen Bedeutung, Aktualität und künftigen Entwicklung der Förderung auf der Grundlage von § 96 BVFG gegeben.
Im Folgenden werden exemplarisch wissenschaftliche Vorhaben des BKGE der Jahre 2009 und 2010 vorgestellt. Die meisten davon sind gemeinsam mit Einrichtungen in Deutschland und in den östlichen Nachbarländern durchgeführte Kooperationsprojekte. Tagungen: Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des BKGE wurde 2009 eine interdisziplinäre, international besetzte Jubiläumstagung zum Thema „Aufbruch und Krise. Das östliche Europa und die Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg“ durchgeführt und deren Ergebnisse 2010 veröffentlicht (Schriften des BKGE, Band 41).
Archivalien- und Quellenerschließung: Dieses Langzeitprojekt wurde im Berichtszeitraum 2009/2010 in Kooperation mit Einrichtungen in Ungarn und Rumänien fortgesetzt. Erarbeitet wurde ein Archivwegweiser zur Kultur und Geschichte der Deutschen in Ungarn, der in Ungarisch erschienen ist und auch in deutscher Sprache publiziert werden wird. Mit der Erschließung der Bestände zur Geschichte der Deutschen in Rumänien wurde begonnen; die Übersicht über das Archiv in Kronstadt/Braşov soll den Anfang bilden.
Dokumentation der Heimatsammlungen: In Kooperation mit der Christian-AlbrechtsUniversität zu Kiel, weiteren Einrichtungen und Initiativen sowie in Abstimmung mit entsprechenden regional ausgerichteten Vorhaben in den Bundesländern wurde das Projekt „Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland“ fortgesetzt. Im Berichtszeitraum erfolgte die Erfassung von bundesweit insgesamt 510 Heimatsammlungen. Die BasisdatendieserEinrichtungensindimInternetveröffentlicht (www.bkge.de/heimatsammlungen), ihre Bestände an Kulturgut wurden fotografisch dokumentiert und in einer Datenbank verzeichnet. Erste Ergebnisse aus der Auswertung dieser Dokumentation konnten auf zahlreichen Tagungen sowie in einer Reihe von kleineren wissenschaftlichen und populären Veröffentlichungen vorgestellt werden.
Zeitzeugenberichte zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa im 20. Jahrhundert: Ebenso wie die Dokumentation der Heimatsammlungen stieß das Zeitzeugenprojekt insbesondere im Vertriebenenbereich auf großes Interesse und Zustimmung. Die Erinnerungen der sogenannten Erlebnisgeneration festzuhalten, ist aber nicht allein für die unmittelbar Betroffenen von Belang. Der Erhalt dieses geschichtlichen Wissens ist auch für Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen wichtig. Daher hat das BKGE diese Thematik 2009 in Form eines umfangreichen Online-Projekts aufgegriffen. Es ist in drei Module gegliedert: 1. Erstellung eines Repertoriums, 2. Edition, 3. Forschung. Das Repertorium bildet eine Art Wegweiser zu einschlägigen Beständen und Sammlungen von Zeitzeugenberichten in Deutschland und im Ausland. Darüber hinaus ist vorgesehen, exemplarisch ausgewählte Zeitzeugenberichte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte und Biographie der Fernuniversität Hagen zu edieren, wissenschaftlich zu kommentieren und im Internet zu veröffentlichen. Im Modul „Forschung“ werden ausgewählte Probleme insbesondere des aktuellen Umgangs und der medialen und musealen Präsentation von Zeitzeugenberichten behandelt. Gemeinsam mit der Fachkommission Volkskunde des Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrats wurde zu dem Gesamtthema 2010 eine internationale und interdisziplinäre Tagung durchgeführt.
Adel in Schlesien – Herrschaft, Kultur, Selbstdarstellung: Dieses vom BKGE in Zusammenarbeit mit Einrichtungen in Deutschland und Polen koordinierte mehrjährige interdisziplinäre Projekt wurde 2010 mit der Veröffentlichung von zwei umfangreichen Bänden (Schriften des BKGE, Band 37 und 38), einem Grundlagen- und einem Referenzwerk zur Thematik, abgeschlossen. In diesem Kontext wurde im Rahmen eines Graduiertenkollegs ein Akzent auf die Förderung des akademischen Nachwuchses gelegt. Die lebhafte Resonanz, die das Projekt in der Wissenschaft und in der Öffentlichkeit erfuhr, war durchgehend positiv.
Forschungen zum Buchwesen: Die zunächst auf Südosteuropa ausgerichteten Forschungen zum Buchwesen wurden 2009 und 2010 mit neuem Schwerpunkt auf Schlesien fortgesetzt. Erarbeitet und als weiteres Ergebnis publiziert werden konnte eine kommentierte Bibliographie zum Buchwesen in Schlesien (Schriften des BKGE, Band 39). In absehbarer Zeit sollen die Forschungen zum schlesischen Verlagswesen in Form eines Kooperationsprojekts zwischen dem BKGE, der Universität Breslau/Wrocław (Polen) und der Universität Leipzig über das Verlagswesen der Stadt Breslau im Zeitraum von 1800 bis 1945 weitergeführt werden.
Europäisches Netzwerk Erinnerung und Solidarität: Das von Polen, der Slowakei, Ungarn und Deutschland gegründete Netzwerk dient der Aufarbeitung der in besonderer Weise von Gewaltausübung und -erfahrung geprägten Vergangenheit Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert. Dabei werden die totalitären Diktaturen und die Geschichte der Opfer von Kriegen, Eroberungen und Zwangsaussiedlungen sowie nationalistischer, rassistischer oder ideologischer Repressionen in den Mittelpunkt gestellt. Aufgrund der thematisch übergreifenden Kompetenz des BKGE in zahlreichen Fragen der Zeitgeschichte Ostmittelund Osteuropas vertritt der Direktor des BKGE die Bundesregierung als deutscher Koordinator für das Netzwerk und berät es auf wissenschaftlicher Ebene. Die vom Europäischen Netzwerk aufgegriffenen Themen weisen in vielen Bereichen Verflechtungen mit der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa auf. Bei diesen Themen findet eine inhaltliche Zusammenarbeit zwischen dem Netzwerk und dem BKGE statt. Ein Mitarbeiter des BKGE ist in dem seit 2010 in Warschau/Warszawa eingerichteten Sekretariat des Europäischen Netzwerks tätig.
Im Berichtszeitraum wurden eine Reihe von international besetzten Veranstaltungen durchgeführt und weitere öffentlichkeitswirksame Projekte realisiert. Beispielhaft zu erwähnen sind die Förderung des Films „Leise gegen den Strom“ sowie die internationalen Tagungen „1989 – ein Epochenjahr für Mittel- und Osteuropa“ und „Erinnern an den Zweiten Weltkrieg. Memorialkomplexe, Denkmäler und Museen in Zentral- und Osteuropa“, die das Netzwerk 2010 in Berlin veranstaltet hat.
Wissenschaftliche Nachwuchsförderung: Das BKGE betreut und verwaltet die vom BKM dotierten Immanuel-Kant- Stipendien zur Erforschung von Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa und der damit verbundenen Beziehungen zu den Nachbarvölkern. Damit werden gezielt hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftler gefördert, die Dissertationen über einschlägige Themen bearbeiten. Diese reichen von der Geschichte des Landesausbaus im mittelalterlichen Ostmitteleuropa bis zur gegenwärtigen Rezeption Königsbergs im heutigen Kaliningrad, von Fragen der Architekturgeschichte bis zur Dialektforschung. Durch das Stipendium gefördert werden auch Arbeiten zur Geschichte der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs im östlichen Europa sowie zur Erforschung von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung um und nach 1945 einschließlich der Integration im Westen. In Verbindung mit den jährlichen Stipendiatentagungen und den vorliegenden Ergebnissen hat das Immanuel-Kant-Stipendium internationales Renommee erlangt. 2009 vergab der Bund sechs und 2010 vier Stipendien.
Zusätzlich vergibt das BKGE zusammen mit dem Institut für Geschichte „George Bariţiu“ und dem Zentrum für Siebenbürgen-Studien der Rumänischen Akademie das EUStipendium „Samuel von Brukenthal“. Dieses Stipendium richtet sich an promovierte Nachwuchswissenschaftler, die sich mit der Kultur und Geschichte der Deutschen in Rumänien und ihren Wechselwirkungen mit anderen Ethnien und Kulturen des Landes beschäftigen. Das nach dem früheren siebenbürgischen Gouverneur, Gelehrten und Mäzen benannte Stipendium ist Teil eines Förderprogramms der Europäischen Union, das unter Federführung der Rumänischen Akademie von 14 Universitäts- und Forschungsinstituten aus Deutschland, Frankreich, Österreich und Rumänien in den Jahren 2010 bis 2012 realisiert wird. Die deutsche Jury hat insgesamt sechs Stipendien vergeben.
Internetpräsenz: Auf der Homepage des BKGE (www.bkge.de) stehen unterschiedliche Dokumentationen zur Verfügung, die einen Überblick über die Forschungslandschaft im In- und Ausland bieten. Kontinuierlich aktualisiert wird beispielsweise der „Wissenschaftliche Informationsdienst“, ein ca. 2 500 Titel umfassendes internationales Verzeichnis aktueller Forschungen zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Ein Schwerpunkt liegt auf Online-Publikationen, die im Durchschnitt von ca. 16 000 Nutzern pro Monat aufgerufen werden. Neben einem „Wörterbuch der deutschen Lehnwörter in der polnischen Schrift- und Standardsprache“ und einer „Auswahlbibliographie zum Polenbild in der deutschen Literatur“ ist die neue Rubrik Qualifikationsarbeiten hervorzuheben, die Studierenden die Möglichkeit bietet, herausragende Seminar- oder Abschlussarbeiten online zu veröffentlichen.
Museen sind Speicher der Erinnerung. Da ihre Hauptaufgaben in der publikumswirksamen Präsentation ebenso wie in der Erforschung und Bewahrung des kulturellen Erbes bestehen, nehmen sie eine Schlüsselfunktion zwischen Wissenschaft und Wissensvermittlung ein. Den gemeinsam von Bund und Ländern auf der Grundlage von § 96 BVFG geförderten Museen kommt innerhalb der bundesdeutschen Museumslandschaft eine besondere Rolle zu, weil sie das Kulturerbe der historischen Ostprovinzen sowie der Siedlungsgebiete der Deutschen im östlichen Europa erfahrbar machen und sich damit auf ein Gebiet jenseits der heutigen Staatsgrenze beziehen. Dabei geht es weniger um nostalgische Rückblicke als vielmehr um Schaffung eines Bewusstseins und Sensibilisierung für diesen spezifisch definierten Teil deutschen Kulturerbes. Die in den letzten 20 Jahren gewachsene, intensive Kooperation mit Partnereinrichtungen im östlichen Europa macht die Museen zudem zu Foren des Dialogs zwischen den Nachbarn in Europa einerseits und zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft andererseits.
Bundesförderung: Das Donauschwäbische Zentralmuseum (DZM) wird zu gleichen Teilen vom Bund und vom Land Baden-Württemberg gefördert; die Miet- und Betriebskosten werden von der Stadt Ulm getragen. Die Bundesförderung betrug 2009 und 2010 jeweils 318 000 Euro.
Aufgaben: Das Museum bewahrt die kulturelle Tradition und das Kulturgut der Donauschwaben, indem es Geschichte, Kultur und Landschaften umfassend dokumentiert, Kulturgut sammelt und präsentiert sowie der landes- und volkskundlichen Forschung über die donauschwäbischen Herkunftsgebiete zugänglich macht. Zugleich soll das Wissen über die südöstlichen Nachbarn verbreitert und vertieft werden. Das DZM veranstaltet jährlich Tagungen für Betreuer deutscher Heimatsammlungen zwecks Vernetzung und Kulturgutsicherung.
Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum verzeichneten die Dauer- und Sonderausstellungen des DZM in Ulm rund 24 000 Besucherinnen und Besucher. Die auswärts in Deutschland und im Ausland gezeigten Wanderausstellungen sowie die Vorträge der wissenschaftlichen Mitarbeiter erreichten annähernd 122 000 Interessierte. In den Jahren 2009 und 2010 wurden in Ulm 14 Sonderausstellungen gezeigt. Hinzu kamen Wanderausstellungen, die in Deutschland und im Ausland an insgesamt 40 Standorten zu sehen waren.
Ausgewählte Einzelprojekte: Das DZM unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu insgesamt acht Museen in Rumänien, Serbien und Ungarn und führt mit ihnen gemeinsame Projekte durch. Die Ausstellung „Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina“ wurde zusammen mit dem Museum der Vojvodina in Neusatz/Novi Sad konzipiert und zunächst dort vor Ort, später auch in Ulm und in Brüssel gezeigt. Erstmals konnte in einer deutsch-serbischen Gemeinschaftsarbeit die Geschichte der deutschen Minderheit in Serbien, darunter auch deren Vertreibungsgeschichte, aufgearbeitet werden. Desweiteren wurde eine Ausstellung zur rumänischen Stadt Temeswar/Timişoara in Kooperation mit dem Banater Museum durchgeführt und sowohl in Deutschland als auch in Rumänien gezeigt. Anlässlich des Programms zur Europäischen Kulturhauptstadt Pécs (Fünfkirchen/Pécs, Ungarn) im Jahr 2010 beteiligte sich das DZM mit mehreren Beiträgen, darunter eine Ausstellung zur multiethnischen Stadtgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Museum des Komitats Baranya/Baranya Megyei Muzeumok Igazgatósága sowie weitere Vorträge, Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen in Pécs und in Ulm. Das DZM beteiligte sich mit Veranstaltungen beim Internationalen Donaufest 2010 in Ulm.
Die Verleihung des Literaturnobelpreises an die aus dem rumänischen Banat stammende Herta Müller im Jahr 2009 war Anlass für eine Ausstellung über die Schriftstellerin, für literarische Sonderführungen durch die Dauerausstellung und Literaturveranstaltungen im DZM.
Insgesamt sechs teilweise mehrsprachige Wanderausstellungen des Museums wurden in Zusammenarbeit mit der Kulturreferentin im In- und Ausland gezeigt, unter anderem im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf, in der ungarischen Botschaft in Berlin und in Museen in Südosteuropa. Im Rahmen der kulturellen Bildung hat das DZM neue museumspädagogische Programme für verschiedene Zielgruppen ausgearbeitet, die regelmäßig angeboten und teilweise in Kooperation mit örtlichen Trägern angeboten werden.
Sammlung: Der Bestand wurde durch gezielte Zukäufe, vor allem aber durch Schenkungen erweitert. Hervorzuheben ist eine verschlossene Glasflasche mit Heiligenbild und einem beschriebenen Zettel aus einem anonymen Massengrab für internierte Donauschwaben zwischen 1945 und 1948. Der heutige serbische Besitzer des Grundstücks schenkte diese zeithistorische „Flaschenpost“ – ein sehr ausdrucksstarkes, gefühlsbeladenes Objekt – dem DZM.
Internetpräsenz: www.dzm-museum.de
Bundesförderung: Der Bund unterstützt das Museum mit rund 70 Prozent der Jahresförderung; 2009 waren das 498 000 Euro und 2010 535 000 Euro. Die übrigen rund 30 Prozent trägt das Land Niedersachsen.
Aufgaben: Das Ostpreußische Landesmuseum sammelt, bewahrt und erforscht das Kulturgut und vermittelt die jahrhundertealte Geschichte Ostpreußens als Teil der deutschen und europäischen Geschichte. Seit 2010 hat sich der Aufgabenkreis über Ostpreußen hinaus auf die Deutschbalten und ihre historischen Siedlungsgebiete Livland, Kurland und Estland erweitert. In diesem Zusammenhang ist eine bauliche Erweiterung vorgesehen, mit der zugleich auch die Dauerausstellung ergänzt und modernisiert wird. Das Museum arbeitet mit litauischen, polnischen und russischen Partnerinstitutionen zusammen und unterhält Kontakte zu estnischen und lettischen Einrichtungen.
Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum verzeichnete das Ostpreußische Landesmuseum rund 42 000 Besucher. Etwa noch einmal so viele Personen besuchten die Wanderausstellungen des Museums.
2009/2010 präsentierte das Museum 14 Wechselausstellungen an 16 verschiedenen Standorten in Deutschland, Litauen, Polen und Russland. Neben zahlreichen museumspädagogischen Aktivitäten führte es über 100 Kulturveranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und ähnliches bei guter Resonanz durch. Der Internetauftritt wurde grundlegend überarbeitet und im Sommer 2010 freigeschaltet; seitdem unterhält das Museum einen Blog und publiziert einen eigenen Newsletter. Die Zugriffszahlen haben sich seit dem Relaunch der Webseite versechsfacht.
Ausgewählte Einzelprojekte: Das bislang erfolgreichste Projekt des Hauses war die 2010 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg erarbeitete Ausstellung „Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos“ aus Anlass ihres 200. Todestages. Ein besonderer Schwerpunkt war der Rezeption der Begegnung zwischen der Königin und Napoleon in Tilsit 1807 gewidmet. Die Ausstellung behandelte ebenfalls den „Luisenmythos“ im Rahmen der Befreiungskriege 1813–1815 und der Reichsgründung 1871.
In mehreren Kunstausstellungen wurde 2010 der Schwerpunkt auf den Expressionismus und die Künstlerkolonien in Ostpreußen gesetzt. Herausragend war z. B. die Werkschau des großen Niddener Malers Ernst Mollenhauer „Fahrt in die Sonne“, der aus der Erinnerung heraus immer wieder das Licht auf der Kurischen Nehrung darzustellen suchte. Als wohl bedeutendster Vertreter der Moderne in Königsberg gilt Alexander Kolde, der als Gründer des Künstlerbundes „Der Ring“ unter den Nationalsozialisten Ausstellungsverbot erhielt und wie Ernst Mollenhauer 1945 die Zerstörung des größten Teils seines Oeuvres erleiden musste. Ihm war die Ausstellung „Sinfonie der Farben“ gewidmet.
Die vom Ostpreußischen Landesmuseum als Wanderausstellung mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt konzipierte Präsentation „Natur- und Umweltschutz verbinden – Deutsch-Russische Umweltkooperationsprojekte“ wurde an zahlreichen Standorten in ganz Deutschland und mehrfach im Verwaltungsbezirk (Oblast) Kaliningrad präsentiert. Sie thematisierte bereits erfolgreich durchgeführte länderübergreifende Umweltschutzprojekte und intendierte entsprechende Folgekooperationen.
Aktuellen architektonischen Entwicklungen im heute zu Russland und Litauen gehörenden nördlichen Ostpreußen widmeten sich die Fotos des Architekten Christian Papendick, der die Kaliningrader Oblast seit ihrer Öffnung jährlich bereiste und in beeindruckenden Bildern Modernisierungen wie auch Verfall teils jahrhundertealter Bausubstanz dokumentiert hat.
Der unsicheren Zukunft von Heimatstuben Rechnung tragend, thematisierte die Ausstellung „Gesammelte Schätze“ die Heimatstube des ehemaligen ostpreußischen Kreises Johannisburg und ihre Sammlungs- und Erinnerungskultur.
Exemplarisch für das umfangreiche museumspädagogische Angebot des Museums stand der Sommerferienworkshop zu dem gerade für zugewanderte Familien hochaktuellen Thema „Heimat“, das Kinder in Form einer medienübergreifenden „Ausstellung in der Ausstellung“ mit Ton-, Video- und Fotoelementen künstlerisch umsetzten. Im „Jahr der Astronomie“ 2009 wurde vielfältig Nicolaus Copernicus Kindern nahegebracht, 2010 dagegen in mehreren Reihen „Philosophieren für Kinder“ der Königsberger Immanuel Kant.
Als eines von sieben Museen und einziges norddeutsches Museum partizipierte das Ostpreußische Landesmuseum an dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projekt des Bundesverbandes Museumspädagogik „Museen und Kindergärten“, das der Erarbeitung und Formulierung übertragbarer museumspädagogischer Methoden für die Arbeit mit Kindergartenkindern im Museum diente. 2010 griff das Museum das Motto des Internationalen Museumstages „Museums for social harmony“ auf und organisierte in Kooperation mit den Landsmannschaften sowie kommunalen und privaten Migrationsinitiativen dazu ein Programm, in dem Zeitzeugen von Flucht und Vertreibung des Jahres 1945, russlanddeutsche Aussiedler und gegenwärtige Migrantenfamilien aus Afrika, der Türkei, arabischen und lateinamerikanischen Ländern von ihren Lebenswegen und den Schwierigkeiten des Neuanfangs berichteten.
Internetpräsenz: www.ostpreussisches-landesmuseum.de
Bundesförderung: Das Museum wird zur Hälfte vom Bund gefördert; weitere Zuwendungsgeber sind das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Stadt Greifswald. Die Fördermittel des Bundes betrugen 2009 532 000 Euro und lagen 2010 bei 535 000 Euro.
Aufgaben: Das Pommersche Landesmuseum sammelt, pflegt, erforscht und präsentiert pommersches Kulturgut. Darüber hinaus leistet das Museum einen Beitrag zur Verständigung mit Polen und lässt die historischen Verbindungen Pommerns zu den Anrainerstaaten der Ostsee sichtbar und lebendig werden.
Mit der Eröffnung der landesgeschichtlichen Dauerausstellung, Teil II wurde ein wichtiger Satzungsauftrag des Museums erfüllt. Unter der Beteiligung von Partnern aus Brasilien, Polen, Schweden und den USA sowie nationalen Einrichtungen konnten Lücken in der Darstellung der pommerschen Landesgeschichte von 1618 bis 1913 geschlossen werden: Neben der Schwedenzeit des 17. Jahrhunderts gehören eine Volkskundeabteilung, die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Provinzialhauptstadt Stettin, die Auswanderungsbewegung des 19. Jahrhunderts und die Entwicklung der Bäderindustrie an der pommerschen Ostseeküste zu den Schwerpunkten.
Besucherzahlen: 2009/2010 besuchten rund 100 000 Gäste das Museum.
Ausgewählte Einzelprojekte: Die Sonderausstellung „Die Geburt der Romantik in Pommern“ lockte mehr als 36 000 Besucher aus dem In- und Ausland an und war damit besonders erfolgreich. Sie zeigte etwa 20 Gemälde und 80 Grafiken von Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge und Friedrich August von Klinkowström, unter anderem aus dem Nationalmuseum Oslo, der Hamburger Kunsthalle, den Kupferstichkabinetten Berlin und Dresden, der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien, dem Wallraf-RichartzMuseum & Fondation Corboud in Köln. Erstmalig konnte ein umfangreicher Grafikbestand aus der „Stettiner Sammlung“ des Hauses sowie der noch nie gezeigte Nachlass von Friedrich August von Klinkowström präsentiert werden, der ein enger Freund und Weggefährte Runges und Friedrichs war. Wiederentdeckte Aktenfunde erbrachten neue Erkenntnisse über das Verhältnis der Künstler zueinander und über Projekte, an denen sie beteiligt waren.
Mit der Sonderausstellung „Für die Freiheit – gegen Napoleon. Ferdinand von Schill, Preußen und die deutsche Nation“ thematisierte das Haus erstmals das frühe 19. Jahrhundert und damit wichtige Ereignisse der pommerschen, preußischen und europäischen Geschichte. Im Mittelpunkt stand die Geschichte des Leutnants von Schill, eines Volkshelden der antinapoleonischen Befreiungskriege. Teil der Ausstellung war neben der Verlaufsgeschichte die nachfolgende Rezeption der Person Schill in der Kaiserzeit, der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der Nachkriegszeit. Dadurch konnten Forschungsdesiderate in Bereichen der Rezeptionsgeschichte geschlossen werden. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Preußenmuseum Wesel, dem Stadtmuseum Wesel, dem Stadtmuseum Braunschweig sowie nationalen und internationalen Leihgebern.
Mit einer multimedialen und jugendgemäßen Präsentation stellte die Stiftung für deutschpolnische Zusammenarbeit, Warschau, die Sonderausstellung „Polens Erbe – Eine Republik vieler Kulturen“ im Pommerschen Landesmuseum vor. Darin berichteten die heute in Polen lebenden Vertreter verschiedener Nationen wie beispielsweise Armenien, Deutschland, Frankreich, Israel und Litauen vom Einfluss ihres Erbes auf die kulturellen und politischen Traditionen Polens. Die Eröffnung erfolge im Rahmen der polnischen Kulturtage in Greifswald 2009; weiterer Kooperationspartner war das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.
Unter der Schirmherrschaft des Stadtpräsidenten von Kolberg/Kołobrzeg konnte in Zusammenarbeit mit dem „Museum der polnischen Waffen“ (Muzeum Oręża Polskiego w Kołobrzegu) die Ausstellung „Kolberg früher - Kolberg heute“ in Kolberg präsentiert werden. Die aus den Beständen des Pommerschen Landesmuseums und des Museum in Kolberg stammenden und von einem deutsch-polnischen Team ausgewählten Fotografien erzählen die Geschichte der Stadt und der dort lebenden Menschen vor und nach 1945. Die zweitsprachig konzipierte Ausstellung soll den deutsch-polnischen Dialog in Kolberg unterstützen und später als nachhaltiger Beitrag zur Stadtgeschichte und als Wanderausstellung für internationale Städtepartnerschaftsprojekte von der Stadt Kolberg genutzt werden.
Kulturpolitischer Höhepunkt des Jahres 2010 war die Festveranstaltung in Greifswald anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der „Gemeinsamen Erklärung über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Wojewodschaft Westpommern“, an der der Ministerpräsident von Mecklenburg- Vorpommern, der Marschall und der Wojewode der Wojewodschaft Westpommern sowie zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung teilnahmen.
Hervorzuheben ist für den Berichtszeitraum die enge Zusammenarbeit mit dem Stettiner Nationalmuseum. In dem Bestreben, nicht nur bei Sonderausstellungen und grenzüberschreitenden Sonderprojekten zusammenzuarbeiten, wurde 2009/2010 ein gemeinsames EU-Projekt konzipiert und umgesetzt, durch das beide Häuser ihre ständigen Ausstellungsbereiche noch attraktiver und moderner gestalten können. Dazu gehören der Einsatz von Audio- und Videostationen sowie ein mehrsprachiges akustisches Führungssystem, unter anderem in Deutsch und Polnisch.
Internetpräsenz: www.pommersches-landesmuseum.de
Bundesförderung: Die Stiftung Schlesisches Museum zu Görlitz als Träger des Museums wird vom Bund und vom Freistaat Sachsen etwa zu gleichen Teilen gefördert. Die Zuwendungen des Bundes betrugen 2009 und 2010 jeweils 446 000 Euro. Aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung erhielt das Museum Fördermittel in Höhe von rund 100 000 Euro für den Einbau eines Blockheizkraftwerkes.
Aufgaben: Das Museum sammelt, erhält und präsentiert dingliches Kulturgut mit dem Ziel, Vergangenheit und Gegenwart Schlesiens als einer europäischen Kulturregion umfassend darzustellen. Von großer Bedeutung ist dabei die Zusammenarbeit mit polnischen und tschechischen Museen und Bildungseinrichtungen, die Auseinandersetzung mit dem gemeinsamen kulturellen Erbe und mit den Lasten der jüngeren Vergangenheit (NS-Terror, Krieg und Vertreibung).
Besucherzahlen: 2009 und 2010 zählte das Museum rund 50 000 Besucherinnen und Besucher von Veranstaltungen und Ausstellungen. Wanderausstellungen und Veranstaltungen des Museums außerhalb von Görlitz, zumeist im polnischen Teil Schlesiens, erreichten weitere, mehr als 42 000 Interessierte.
Ausgewählte Einzelprojekte: 2009 und 2010 zeigte das Schlesische Museum acht Sonderausstellungen. Daraus hervorzuheben sind:
„Parlamentarier in Demokratie und Diktatur: Paul Löbe und Carl Ulitzka“: Die Ausstellung stellte zwei schlesische Demokraten vor, die deutsche Geschichte geschrieben haben, von der Weimarer Republik bis in die Frühzeit der Bundesrepublik Deutschland, Sozialdemokrat der eine, der andere Mitglied des Zentrums. „Rollenwechsel. Künstlerinnen in Schlesien um 1880 bis 1945“: Aus Anlass des 150. Geburtstages der Malerin Gertrud Staats entstand die Ausstellung, die erstmals einen Überblick über das Schaffen von Künstlerinnen in Schlesien vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bot.
„Silber aus Schlesien 1871–1945“: Die Ausstellung informierte über das Gewerbe der Gold- und Silberschmiede in Schlesien, zeichnete die Geschichte der wichtigsten Firmen seit der Reichsgründung nach und stellte deren Produkte vor, zusammen mit historischen Dokumenten und Fotografien. Kultur- und wirtschaftsgeschichtliche Aspekte standen im Mittelpunkt.
„Reiseziel: Schlesien“: 16 multimedial gestaltete Reisestationen nahmen Besucher mit auf eine Rundreise durch Nieder- und Oberschlesien und erläuterten die Entwicklung des Tourismus seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die Ausstellung mit ihren vielfältigen Spiel- und Lernangeboten war besonders auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten.
Zu den Ausstellungen wurden Kataloge und andere Begleitpublikationen herausgegeben, Exkursionen und Vortragsveranstaltungen angeboten. Die Entwicklung museumspädagogischer Programme und Projekte der kulturellen Bildung rückte in den letzten Jahren in den Mittelpunkt der Arbeit. Daneben standen Aktionstage und „Museums-Events“, ferner Tagungen, Zeitzeugen- und Schülerprojekte (etwa zu Migration und Vertreibung in Görlitz und Zgorzelec von 1933 bis heute) sowie regionalgeschichtliche Vorlesungszyklen (gemeinsam mit der Hochschule Zittau-Görlitz). Ein auf mehrere Jahre angelegtes Forschungs-, Publikations- und Ausstellungsprojekt zu den frühneuzeitlichen Anfängen der Keramikproduktion in Bunzlau und ihrer späten Blüte im frühen 20. Jahrhundert wird gemeinsam mit dem Museum in Bunzlau/Bolesławiec durchgeführt und von der EU im Rahmen des Operationellen Programms der grenzübergreifenden Zusammenarbeit gefördert.
Bei der Kooperation mit Museen im polnischen und tschechischen Teil Schlesiens sind der Austausch von Leihgaben und die Zusammenarbeit bei Publikationsprojekten inzwischen zur erfreulichen Selbstverständlichkeit geworden. Immer häufiger werden Ausstellungen gemeinsam mit polnischen Kolleginnen und Kollegen erarbeitet oder Ausstellungen der jeweiligen Partner übernommen. 2009 und 2010 waren Ausstellungen des Schlesischen Museums in zwölf Städten des polnischen Schlesien zu sehen: in Beuthen/Bytom (Ober-schlesisches Museum), Glatz/Kłodzko (Museum des Glatzer Landes), Glogau/Głogów (Archäologisch-Historisches Museum), Hirschberg/Jelenia Góra (Riesengebirgsmuseum), Kattowitz/Katowice (Schlesisches Museum), Landeshut/Kamienna Góra (Webereimuse-um), Lauban/Lubań (Regionalmuseum), Liegnitz/Legnica (Kupfermuseum), Neisse/Nysa (Stadtmuseum), Oppeln/Opole (Museum des Oppelner Schlesiens), Teschen/Cieszyn (Gnadenkirche) und Waldenburg/Wałbrzych (Stadtmuseum). Auch das Haus des Deutschen Ostens in München, die Niedersächsische Landesvertretung in Berlin und der Landtag von Nordrhein-Westfalen zeigten Ausstellungen aus Görlitz.
Internetpräsenz: www.schlesisches-museum.de
4.5 Siebenbürgisches Museum, Gundelsheim
Bundesförderung: 2009 förderte der Bund mit 238 500 Euro, 2010 belief sich die Förderung auf 211 000 Euro. (Der höhere Ansatz in 2009 ergibt sich aus zusätzlichen Fördermitteln für den Ankauf von Ausstellungsobjekten und die Herausgabe von Publikationen.)
Aufgaben: Schwerpunkte des Museums sind die Sicherung, Bewahrung, Dokumentation und Präsentation des beweglichen Kulturguts der deutschen Ethnien in Siebenbürgen, jedoch stets im Kontext der multiethnischen Gesellschaften Rumäniens und Südosteuropas. Das Siebenbürgische Museum nimmt seine Funktion auf zweifache Weise wahr: zum einen mit einer breit gefächerten Präsentation der spezifischen Kulturlandschaft Siebenbürgen in Deutschland und in Osteuropa und zum anderen durch eine zunehmend engere Kooperation mit Museen und anderen Institutionen in Rumänien.
Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum verzeichneten die Dauer- und Sonderausstellungen des Museums im Inland 15 000 Besucherinnen und Besucher. Die Sonderausstellungen im Ausland erreichten im gleichen Zeitraum 9 000 Interessierte.
Ausgewählte Einzelprojekte: „‚Schön das Haus und schön der Sinn …‘ Volkskunst im Lebensumfeld der Siebenbürger Sachsen“, Städtische Galerie Bad Wimpfen. Die vom Siebenbürgischen Museum Gundelsheim kuratierte Ausstellung – Auftakt zu einer langfristig geplanten Kooperation mit der Stadt Bad Wimpfen – führte den Besucher in die Welt des traditionalen siebenbürgischen Dorfes ein.
„Der Komponist Waldemar von Bausznern“ (in Zusammenarbeit mit dem Siebenbürgischen Archiv), Dinkelsbühl: Waldemar von Bausznern (1866–1931) entstammte einer alten siebenbürgisch-sächsischen Familie. Sein Werkverzeichnis umfasst nahezu alle musikalischen Gattungen, wobei das Hauptgewicht auf Chor-Symfonik und Orchesterwerken liegt.
„Ein nordsiebenbürgisches Malerschicksal. Gemälde und Zeichnungen von Norbert Thomae (1887–1977)“, Bistritz/Bistriţa (Rumänien): Thomae gehörte zu den wichtigsten Vertretern der nordsiebenbürgischen Kunstlandschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahr-hunderts. Die Ausstellung entstand als Gemeinschaftsprojekt des Siebenbürgischen Museums und des Kreismuseums in Bistritz/Bistriţa.
„Apokalyptische Bilderwelten. Holzschnitte von Gert Fabritius“, ASTRA-Nationalmuseum, Hermannstadt/Sibiu (Rumänien): Die Kunst des 1940 in Bukarest geborenen Holzschneiders und Malers siebenbürgisch-sächsischer Herkunft befasst sich intensiv mit dem Menschen in den Grenzen seines irdischen Daseins. Generell zeigt sich dabei eine unverkennbare Resonanzbereitschaft für die Lebenshaltung und Weltanschauung des Expressionismus.
Weitere Kooperationspartner in Rumänien waren das Kunstmuseum in Kronstadt/Brasov sowie das Brukenthal National Museum in Hermannstadt/Sibiu. Für die Dauerausstellung in Gundelsheim wurde der Trakt „Ländliches Leben“ neu gestaltet. Die Raumkonzeption erhielt einen neuen thematischen Schwerpunkt, der vor allem der traditionellen Inneneinrichtung siebenbürgisch-sächsischer Bauernhäuser Rechnung trägt.
Internetpräsenz: www.siebenbuergisches-museum.de
Bundesförderung: Die Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie wird rund zur Hälfte vom Bund unterstützt – 2009 mit rund 586 000 Euro und 2010 mit 593 000 Euro. Darüber hinaus fördern der Freistaat Bayern und die Stadt Regensburg. Aufgaben: Das Kunstforum präsentiert unter dem Leitmotiv „Erinnerung und Vision“ Künstlerpersönlichkeiten aus ehemals deutsch geprägten Kulturräumen im östlichen Europa von der Romantik bis zur Gegenwart und zeigt Tendenzen zeitgenössischer Kunst aus Mittel- und Südosteuropa. Mit seinen Projekten trägt das einzigartige Spezialmuseum moderner Kunst zum besseren kulturellen Verständnis im heutigen Europa bei. Die Schausammlung ist nach Themenräumen strukturiert, welche sich kunsthistorischen Epochen (Sezessionskunst, Expressionismus, Informel), künstlerischen Gattungen (Landschaft, Portrait, Geschichte) und herausragenden Künstlerpersönlichkeiten (unter anderem Lovis Corinth, Adolf Hölzel, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz, Sigmar Polke und Katharina Sieverding) widmen.
Neben den regelmäßigen Sonderausstellungen nimmt das kontinuierlich weiterentwickelte museumspädagogische Programm des Hauses mit umfangreichen Angeboten für Schulen, für behinderte und chronisch kranke Kinder (in Kooperation mit der Stiftung KreBeKi/Stiftung für krebskranke und behinderte Kinder in Bayern) sowie für Senioren einen großen Stellenwert ein.
Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum waren rund 86 000 Besucher im Kunstforum zu Gast.
Ausgewählte Einzelprojekte: Das herausragende Ereignis des Jahres 2009 war die Ausstellung „Lovis Corinth und die Geburt der Moderne“ unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Sie entstand in einer deutsch-französischen Kooperation des Musée d’Orsay Paris, des Museums der bildenden Künste Leipzig und des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Regensburg anlässlich des 150sten Geburtstages des ostpreußischen Künstlers. Das Museum besitzt eine der weltgrößten Corinth-Sammlungen in öffentlicher Hand; der Künstler ist allein mit über 500 Arbeiten in der Grafischen Sammlung vertreten. Die Schau gehörte zu den bisher museumspädagogisch am intensivsten betreuten Präsentationen im Haus.
In Kooperation mit der „donumenta 2009“ präsentierte das Kunstforum herausragende zeitgenössische Kunst der Slowakei. Die Schau „Perfect Asymmetry Perfekte Asymmetrie I“ zeigte mit ausgewählten Positionen der Malerei, Videokunst, Performance und Fotografie, wie mannigfaltig und aktuell die Kunstszene des europäischen Nachbarlandes ist. Mit der „donumenta 2010“ präsentierte das Kunstforum markante Positionen der zeitgenössischen Kunst aus Ungarn. Die „donumenta“ findet seit 2003 jedes Jahr als Festival für Kunst und Kultur der Donauländer in Regensburg statt.
Als Höhepunkt des Ausstellungsjahres 2010 stellte das Kunstforum Werke des deutschen Malers Markus Lüpertz in einer großen Schau vor. Zu sehen waren etwa 100 Arbeiten aus den letzten zehn Jahren auf rund 1 000 m˛ Ausstellungsfläche. Unter dem Thema „Mythos und Metamorphose“ stand der Dialog von Malerei und Skulptur im Zentrum. Die Werkschau des in Reichenberg (Böhmen), heute Liberec (Tschechische Republik), geborenen Künstlers ist eine Kooperation mit der Regionalgallerie in Liberec/Oblastní galerie v Liberci.
Im Frühjahr 2010 stellte das Kunstforum eine bislang noch nie gezeigte Münchner Privatsammlung von außerordentlichem Rang vor. Gezeigt wurden mit der Sammlung Kopp über 150 Werke von etwa 40 Künstlerinnen und Künstlern, darunter so berühmte Namen wie Günther Förg, Philip Guston, Mike Kelley, Paul McCarthy, Jonathan Meese, Albert Oehlen oder Tal R.
Lovis-Corinth-Preis 2010: Marcin Maciejowski (geb. 1974) erhielt als erster polnischer Künstler diesen vom Kunstforum und der KünstlerGilde Esslingen vergebenen Preis. Zu diesem Anlass präsentierte das Kunstforum eine Ausstellung mit über 60 ausgewählten Bildern des international bekannten Malers erstmals in einem deutschen Museum.
Mit einem 40-tägigen Festprogramm und einem prominent besuchten Festakt feierte das Kunstforum 2010 sein 40-jähriges Bestehen. Teil des Festprogramms war eine Werkschau des böhmischen Künstler Alfred Kubin (1877–1959), des wohl eigenwilligsten Zeichners der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Internetpräsenz: www.kunstforum.net
Bundesförderung: Das Westpreußische Landesmuseum wird zu rund 80 Prozent vom Bund getragen; weitere Förderer sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Münster. Der Bund förderte das Museum 2009 mit 448 000 Euro und 2010 mit 468 000 Euro.
Aufgaben: Das Westpreußische Landesmuseum ist die zentrale Einrichtung in Deutschland für die Sammlung, Bewahrung, Präsentation und Vermittlung der Geschichte und Kultur der Region an der unteren Weichsel, die ab 1773 offiziell den Namen Westpreußen trug. Neben der Ausstellungstätigkeit in Deutschland liegt ein Arbeitsschwerpunkt in der grenzüberschreitenden Kooperation mit polnischen Museen wie dem Nationalmuseum Danzig/Gdańsk, dem Schlossmuseum in Marienburg/Malbork und dem Diözesanmuseum in Pelplin. Das Museum betreibt unweit von Danzig/Gdańsk in Krockow/Krokowa eine Außenstelle in Zusammenarbeit mit dem dortigen Regionalmuseum.
Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum verzeichnete das Museum rund 29 000 Besucher.
Ausgewählte Einzelprojekte:
„Kostbarkeiten aus Bernstein“, eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Bernsteins mit zahlreichen Leihgaben aus dem Römisch-Germanischen Museum Köln, dem Deutschen Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten, dem Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg, der Universitäts- und Landesbibliothek Münster und dem Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
„Das Werk von Berthold Franz Hellingrath (1877–1954) in polnischen Sammlungen“: Diese Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum der Stadt Danzig/ Muzeum Historyczne Miasta Gdańska zählte zu den Höhepunkten der grenzüberschreitenden Kulturarbeit des Landesmuseums. Sie war einem der bekanntesten Danziger Grafiker und Maler gewidmet, dem die Nachwelt eine Fülle von zeichnerisch und atmo-sphärisch einzigartigen Grafiken mit Ansichten der Stadt Danzig vor 1945 verdankt.
„Auf zu neuen Ufern – Op nieuwe koers – Ku nowym brzegom. 25 Künstler im Dialog mit der Danziger Tapisserie“, eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Kulturbrücke Emsdelta: Erneut haben sich Künstler aus Polen, den Niederlanden und Deutschland von einem herausragenden Kunstwerk aus dem Jahr 1620 zu neuen Kunstwerken inspirieren lassen. Die Ausstellung wurde in Krockow/Krokowa und in Danzig/Gdańsk präsentiert.
„Bewegte Stille. Marie Luise Salden (geb. 1939 in Elbing/Westpreußen). Holzschnitte und Papierschöpfungen“: Marie Luise Salden ist eine international ausgewiesene Spezialistin in der Holzschnittkunst; ihr Weg führte sie über Stipendien, Lehraufträge und Arbeitsprojekte immer wieder nach Japan, Australien und in ihre alte Heimat Westpreußen. Die Ausstellung, die auch in Elbing/Elbląg und Krockow/Krokowa zu sehen war, zeigte Farbholzschnitte aus verschiedenen Schaffensphasen und geschöpfte großformatige Rollbilder von 2009 im Format traditioneller japanischer Schiebetüren.
Außerdem präsentierte das Landesmuseum drei Wanderausstellungen in Polen und Deutschland, darunter die Ausstellung „Ost-West-Begegnungen in Krieg und Frieden. Auf den Spuren einer Familiengeschichte“, die an das Leben im Osten Deutschlands vor dem Krieg, an Flucht, Vertreibung, Neuanfang und Versöhnung erinnert.
Internetpräsenz: www.westpreussisches-landesmuseum.de
Dokumentations- und Informationszentrum für schlesische Landeskunde in Haus Schlesien, Königswinter
Bundesförderung: Haus Schlesien mit dem Informations- und Dokumentationszentrum für schlesische Landeskunde erhielt 2009 und 2010 jeweils 205 000 Euro für seine Breiten-und Bildungsarbeit.
Aufgaben: Haus Schlesien dient der Bewahrung des schlesischen Kulturerbes, vermittelt einem breiten Publikum Kenntnisse über die historischen und kulturellen Besonderheiten Nieder- und Oberschlesiens und engagiert sich in der grenzübergreifenden Zusammenarbeit mit Polen und der Tschechischen Republik. Haus Schlesien versteht sich als Begegnungsstätte und Bildungseinrichtung mit verständigungspolitischer Ausrichtung für unterschiedliche Gruppierungen und unterhält einen Ausstellungsbereich, eine öffentliche Präsenzbibliothek, ein Archiv sowie Tagungs- und Unterkunftsmöglichkeiten. Zu seinem vielfältigen kulturellen Programm mit in- und ausländischen Referenten gehören Vorträge, Konzerte und Lesungen.
Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum zählte Haus Schlesien rund 31 000 Ausstellungsbesucher. Die Ausstellungen in Polen und Tschechien erreichten mehr als 50 000 Interessierte.
2009 und 2010 zeigte Haus Schlesien 15 Ausstellungen. Dabei galt ein besonderes Augenmerk der inhaltlichen Vermittlung durch Führungen und didaktische Angebote (z. B. Lehrerfortbildungen und Schülerprogramme). In Kooperation mit regionalen Schulen wurden spezielle Schülerprojekte in die Sonderausstellungen einbezogen. Zunehmende Außenwahrnehmung erzielt Haus Schlesien insbesondere durch seine zweisprachigen Wanderausstellungen. 2009/2010 wurden sie an 17 Ausstellungsorten in Deutschland und Polen gezeigt. Ausgewählte Einzelprojekte:
Die Ausstellung „Realität und Impression“ wurde als Retrospektive des Malers des expressiven Realismus, Wolfgang von Websky vom Museum kuratiert.
Eine zweisprachige Wanderausstellung „Zukunft – Stadt – Geschichte. Schlesische Städte gestern und heute“ konnte als deutsch-polnisches Kooperationsprojekt gemeinsam mit 12 polnischen Städten und deren Museen konzipiert werden. Sie durchlief acht externe Stationen im Inland und wird 2011/2012 in Polen zu sehen sein. Die Schirmherrschaft übernahmen der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und der Generalkon-sul der Republik Polen in Köln.
Die publikumswirksamste Präsentation war eine Ausstellung von Puppen der weltbekannten Breslauer Puppenmacherin Käthe Kruse (2010). Das zweisprachige Projekt „Klosterdämmerung – 200 Jahre Säkularisation in Schlesien am Beispiel der Zisterzienser“ entstand in Kooperation mit 19 polnischen Institutionen. Die Wanderausstellung wird weiter in Deutschland und Polen zu sehen sein. Aus dem Projekt sind zwei Dauerausstellungen in Polen hervorgegangen.
Von besonderer Bedeutung waren erneut die Kooperationen und Partnerschaften mit polnischen Einrichtungen und staatlichen Stellen. Haus Schlesien unterhält seit dem Jahr 2000 eine Außenstelle im ältesten und größten Zisterzienserkloster Schlesiens in Leubus/Lubiąż. Es hat dort mit einer Dauerausstellung und jährlich neuen Wechselausstellungen ein landeskundliches Informationstableau für Einheimische und Touristen erstellt. Wichtige Partner waren im Berichtszeitraum insbesondere das Städtische Museum Breslau/Muzeum Miejskie Wrocławia, die Universitätsbibliothek und das Staatsarchiv in Breslau/Wrocław sowie verschiedene Regionalmuseen, unter anderem in Grünberg/ Zielona Góra, Jauer/Jawor, Landeshut/Kamienna Góra und Liegnitz/Legnica.
Internetpräsenz: www.hausschlesien.de
Bundesförderung: Das Kulturzentrum wird jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Freistaat Bayern getragen. 2009 förderte der Bund die Einrichtung mit 179 000 Euro, 2010 mit 183 000 Euro.
Aufgaben: Das Kulturzentrum Ostpreußen sammelt, erhält und pflegt ostpreußisches Kulturgut einschließlich Bibliotheks- und Archivgut und macht es für die Forschung und die Öffentlichkeit im In- und Ausland zugänglich. Der Schwerpunkt liegt in der Archivierung und Erhaltung von kulturgeschichtlich bedeutsamen Nachlässen, Heimatstubeninventaren sowie von Dokumentationsmaterial aus den verschiedenen Bereichen des sozialen, wirtschaftlichen und persönlichen Lebens in Ostpreußen. Das Kulturzentrum unterhält eine Präsenzbibliothek und ist eine Anlaufstelle für kulturell und historisch Interessierte sowie für viele Heimatvereine und andere Gruppen. Darüber hinaus erfüllt das Kulturzentrum eine museale Schaufensterfunktion.
Besucherzahlen: 2009/2010 verzeichnete das Kulturzentrum Ostpreußen an seinem Standort Ellingen rund 9 000 Besucher. Hinzu kommen die auswärtigen Ausstellungen – besonders die Präsentationen im Altvaterturm Lehesten/Thüringen sowie in Polen –, die jährlich mehr als 20 000 Besucher anzogen. Die Dauerausstellung über Kultur und Geschichte des Preußenlandes im früheren Deutschordensschloss Ellingen/Bayern enthält eine Galerie mit Gemälden, Grafiken und Plastiken und behandelt typische Themen wie Bernstein, ein Königsberger Bürgerzimmer, historische Jagdwaffen, Majoliken der Manufaktur in Cadinen, die Salzburger Exulanten als evangelische Glaubensflüchtlinge, Landleben, Ostpreußen im Bild historischer Landkarten etc.
Ausgewählte Einzelprojekte: Das Kulturzentrum präsentierte 2009 und 2010 zehn Sonder- und Kabinettausstellungen unter anderem mit folgenden Bezügen: „Ein Franke zieht ins Preußenland“ – Siegfried von Feuchtwangen; die Marienburg und der Deutsche Orden (Jahresausstellung mit sieben Monatsveranstaltungen); Deutsch-polnische Kunstausstellung: Zwischen Himmel und Erde“ – Ursula Reiprich und Ewa Czerwinska-Romanowska; Dokumentation zur Volksabstimmung in Ost- und Westpreußen am 11. Juli 1920 (parallel in einer gleichlautenden zweisprachigen Version in Marienwerder/Kwidzyn präsentiert). Neu erarbeitet wurde eine Wanderausstellung „Franken in Preußen – Preußen in Franken“; sie war zunächst in Ansbach und in Hof zu sehen.
Im Rahmen der grenzüberschreitenden Kulturarbeit wurde die Zusammenarbeit mit den polnischen Partnern in Stuhm/Sztum, Saalfeld/Zalewo, Preußisch Holland/Pasłęk und Lyck/Ełk intensiviert. Kooperationen fanden ferner statt mit dem Museum für die Geschichte Klein-Litauens in Memel/Klaipėda („Die Franzosen in Memel“ und „Königin Luise – zwischen Zar und Imperator“) sowie mit dem Städtischen Museum „Friedländer Tor“ in Königsberg/Kaliningrad („Der Deutsche Orden“).
Internetpräsenz: www.kulturzentrum-ostpreussen.de
Im Dezember 2008 wurde mit dem Gesetz zur Errichtung einer Stiftung „Deutsches Historisches Museum“ (DHM) die unselbständige „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ unter dem Dach des DHM geschaffen. Ihr Zweck ist es, im Geiste der Versöhnung die Erinnerung und das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions-und Vernichtungspolitik und ihrer Folgen wachzuhalten. Flucht und Vertreibung der Deutschen bilden einen Hauptakzent. Die Stiftung wird das Schicksal der Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen thematisieren, die aufgrund von Kriegen, nationalen Konflikten und Diktaturen während des 20. Jahrhunderts in Europa ihre Heimat verloren und Schreckliches an Leib und Seele erfahren haben. Allein um die 14 Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach ihre Heimat in den früheren preußischen Ostprovinzen und den Siedlungsgebieten in Ostmittel-, Südost- und Osteuropa verlassen. Die Stiftung will dazu beitragen, dass Vertreibungen als gewalttätiges politisches Instrument und als Menschenrechtsverletzung zu jeder Zeit und an jedem Ort geächtet werden. Sie wird auch individuellem Gedenken angemessen und würdevoll Raum geben. Schwerpunkte der geplanten Dauerausstellung werden die Darstellung von Flucht und Vertreibung der Deutschen aus ihrer Heimat sowie die Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen in den beiden deutschen Teilstaaten nach dem Krieg und ihre Aufbauleistungen sein. Einen weiteren Aspekt bildet die europäische Dimension des Themas. Von Flucht und Vertreibung waren im vergangenen Jahrhundert auch Millionen anderer Menschen vor allem in Ostmitteleuropa und Russland betroffen.
2009 konstituierten sich die Stiftungsgremien und es erfolgte die Ernennung des Direktors der Einrichtung. Um der Komplexität der Aufgabenstellung und des Meinungsspektrums noch besser Rechnung zu tragen, wurden im Juni 2010 mit einer Gesetzesnovellierung der Stiftungsrat auf 21 Mitglieder und der international besetzte Wissenschaftliche Beraterkreis auf bis zu 15 Mitglieder vergrößert sowie das Berufungsverfahren für den Stif-tungsrat modifiziert. Im Oktober 2010 legte die Stiftung erste konzeptionelle Eckpunkte für ihre Arbeit vor. Parallel erfolgten planerische Vorarbeiten für die Sanierung und den Umbau des Berliner Deutschlandhauses, in dem das Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum der Stiftung später seinen Sitz haben wird. Mit diesen Schritten konnte eines der wichtigsten erinnerungspolitischen Vorhaben der Bundesregierung der letzten Jahre erfolgreich auf den Weg gebracht werden. Durch ihre Arbeit wird die Stiftung an der Gestaltung einer friedlichen und gemeinsamen Zukunft in Europa mitwirken. Die Gremien werden im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben die weitere Entwicklung intensiv gestalten und begleiten. Die Bundesförderung der Stiftung betrug 2009 und 2010 jeweils 2,5 Mio. Euro. Nicht verausgabte Mittel werden für die Einrichtung der künftigen Dauerausstellung vorgehalten.
Internetpräsenz: www.dhm.de/sfvv
Der wissenschaftliche Kenntnisstand zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa hat sich in den vergangenen Jahren im Kontext der historischen Ostmittelund Osteuropaforschung und der erweiterten Möglichkeiten der internationalen Kooperation dynamisch entwickelt. Die Ergebnisse dieser Forschungen bilden die Basis für alle Bereiche der kulturellen Bildungs- und Breitenarbeit, die nur auf dieser Grundlage zu-kunftsweisend weiterentwickelt werden können. Spezialbibliotheken stellen der wissenschaftlichen Arbeit und der allgemeinen Kulturvermittlung die notwendige Fachliteratur zur Verfügung. Deshalb legt § 96 BVFG einen besonderen Akzent auf die kontinuierliche Förderung von wissenschaftlichen Instituten und Fachbibliotheken.
Bundesförderung: Die Förderung, an der Bund und die Länder zu gleichen Teilen beteiligt sind, betrug von Seiten des Bundes 2009 1,837 Mio. Euro und 2010 1,969 Mio. Euro.
Aufgaben: Das 1950 gegründete Herder-Institut ist eine der zentralen Einrichtungen der historischen Ostmitteleuropaforschung in Deutschland. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft (Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V., Sektion A „Geisteswissenschaften und Bildungsforschung“). Laut Satzung betreibt und unterstützt das Institut als Wissenschaftsforum und als Einrichtung der wissenschaftlichen Infrastruktur die „historische Erforschung der Länder und Völker des östlichen Mitteleuropas in europäischen Bezügen unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte der histori-schen deutschen Ostgebiete und der deutschen Siedlungsgebiete in Ostmitteleuropa“. Definiert wird diese Region mit Polen, Estland, Lettland, Litauen, Tschechien, der Slowakei und der russischen Exklave Kaliningrad. Der Betrachtungszeitraum reicht vom Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart, in disziplinärer Hinsicht liegt ein Schwerpunkt auf den Geschichtswissenschaften, mit weiteren Bereichen in der Kunstgeschichte, der historischen Geographie und den Medien-, Bibliotheks- und Sammlungswissenschaften. Das Herder-Institut verfügt über ein dichtes Netzwerk an internationalen Kontakten. Seit 2007 kooperiert das Institut auch intensiv mit der Justus-Liebig-Universität Gießen, vor allem mit dem Gießener Zentrum Östliches Europa, dem Graduate Center for the Study of Culture und dem Zentrum für Medien und Interaktivität. Eine erste zentrale Aufgabe des Herder-Instituts ist die internationale Vernetzung der Wissenschaft, die durch vielfältige Initiativen unterstützt wird: ein eigenes Stipendienprogramm, hochkarätige Tagungen, Sommerakademien und eigene Veranstaltungen zur Nachwuchsförderung. Darüber hinaus betreibt das Institut einen eigenen Wissenschaftsverlag, der in deutscher und englischer Sprache Monographien und Tagungsbände veröffentlicht und in dem mit der „Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung“ das wichtigste Fachorgan für historische und kulturwissenschaftliche Fragen zu dieser Region erscheint. 2010 konnte darüber hinaus über den Pakt für Forschung und Innovation des Bundes und der Länder eine eigene Leibniz Graduate School eingeworben werden, die sich als strukturiertes Graduiertenprogramm intensiv mit Aspekten von Wissenskulturen und der Grundlage des Wissenschaftsdialogs zwischen Ostmitteleuropa und dem deutschsprachigen Raum auseinandersetzt. Zweitens verfügt das Herder-Institut über eine Reihe von weltweit einzigartigen Sammlungsbeständen, deren Erweiterung, Erschließung, Konservierung und Präsentation eine weitere Kernaufgabe des Instituts darstellt. Zu nennen sind hier die Spezialbibliothek mit 422 000 Medieneinheiten (zum Teil einzigartigen Beständen), eine Zeitungsausschnitt-sammlung mit über 5 Mio. Einheiten, ein Bildarchiv mit 570 000 Einheiten, eine Kartensammlung mit 44 000 Einheiten sowie eine Archivaliensammlung von 1 100 laufenden Metern mit einem bedeutenden Schwerpunkt im Bereich der baltischen Geschichte. Aus diesen Beständen werden immer wieder Ausstellungen entwickelt, die in Deutschland und in Ostmitteleuropa öffentlichkeitswirksam gezeigt werden. Teils aus seinen Beständen erarbeitet das Herder-Institut zudem drittmittelgestützte Editionsprojekte („Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen“, gefördert im Rahmen des Bund-Länder-Paktes für Forschung und Innovation; „Polen in der europäischen Geschichte“, Volkswagen- Stiftung; „Geschichte der Deutschen in Ungarn“, BKM). Der dritte Schwerpunkt liegt im Bereich der forschungsbasierten, internetgestützten Vermittlung von Wissen über Ostmitteleuropa. Die offensive Nutzung der neuen Medien spiegelt sich in dem online verfügbaren Bildkatalog, dem Textrepositorium und dem Bibliographieportal, verschiedenen Länderportalen und den „Dokumenten und Materialien“ für den Hochschulunterricht wider. In den letzten Jahren spielten hier Verbundkonstellationen und Drittmittelprojekte eine immer größere Rolle (Virtuelle Fachbibliothek Osteuropa – ViFaOst, im Verbund mit der Bayerischen Staatsbibliothek; „Historischer Städteatlas Schlesien“, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft; „Digitaler Atlas politische Raumbilder zu Ostmitteleuropa“, Pakt für Forschung und Innovation). Eine besonders zentrale Rolle spielte in den beiden Berichtsjahren das im Rahmen der hessischen Exzellenzinitiative LOEWE realisierte Verbundprojekt „Kulturtechniken und ihre Medialisierung“. Hier konnte schließlich mit dem multimedialen Portal zur Chronik des Ghettos Litzmannstadt/Lodz auch ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des Holocaust und zum deutsch-jüdisch-polnischen Verhältnis geleistet werden.
Internetpräsenz: www.herder-institut.de
Bundesförderung: Das ausschließlich vom Bund geförderte Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e. V. (IKGN) erhielt 2009 und 2010 jeweils 1,209 Mio. Euro.
Aufgaben: Das IKGN betreibt Forschungen zur Kultur und Geschichte der Deutschen im Beziehungsgeflecht zu den Nachbarvölkern des nördlichen Osteuropa, insbesondere auf dem Gebiet der historischen preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen sowie in Polen, Estland, Lettland, Litauen, Russland, der Ukraine und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Als An-Institut der Universität Hamburg ist das IKGN eng mit der universitären Forschung und Lehre in Deutschland verbunden.
Ausgewählte Einzelprojekte: Im Berichtszeitraum veranstaltete das IKGN mehrere internationale Tagungen, in deren Themen sich die durch die Vielfalt der Ethnien, Sprachen, Kulturen und Konfessionen geprägten Arbeitsregionen des Instituts widerspiegeln. 2009 stand unter dem Titel „Lebenswelt Ghetto“ ein Aspekt der nationalsozialistischen Gewaltpolitik im Mittelpunkt. Die Situation der Ghettobewohner, Anpassungs-, Widerstands- und Überlebensstrategien, Handlungsspielräume und Entscheidungsmuster, Interaktion und Kommunikation innerhalb und außerhalb des Ghettos wurden auf der Tagung von einem internationalen Kreis von 37 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern diskutiert und problematisiert. Mit dieser Tagung, die in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg konzipiert und organisiert wurde, setzte das Institut Akzente, die weit über die eigenen Forschungsgebiete hinaus auch von der Holocaust-Forschung zur Kenntnis genommen und rezipiert wurden. Das Institut war Mitveranstalter der Konferenz „Eugenics, Race Anthropology and Psychiatry in the Baltic States and the Influence from Western Europe“ in Riga, durch die ein bisher in der Forschung wenig beachtetes Thema behandelt wurde. Ähnlich übergreifend und auf ein breites wissenschaftliches Publikum zielend war die 2010 veranstaltete Tagung „Migration – Integration – Isolation – Interaktion. Imperialer Zerfall und staatlicher Neuaufbau in der Zwischenkriegszeit“. Mit dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück gelang es, einen kompetenten und ausgewiesenen Partner zu finden, so dass die Tagung neben den spezifischen regionalgeschichtlichen Themen (Russlanddeutsche, Flucht und Vertreibung) zugleich der modernen Migrationsforschung Raum gab.
Als neues langfristiges Forschungsvorhaben verfolgen die Wissenschaftler des Institutes seit 2010 das Projekt „Individuum und Gesellschaft in Ost- und Nordosteuropa“. Im Mittelpunkt stehen lebensgeschichtliche Einzel- oder Gruppenbiographien, die besonders unter beziehungs- und regionalgeschichtlichen Fragestellungen untersucht werden.
Die universitäre Lehre, damit verbunden die Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses, und die internationale Kooperation bilden einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit. Die Wissenschaftler halten regelmäßig Seminare an der Universität Hamburg, an der Leuphana-Universität Lüneburg, an der Leibniz-Universität Hannover und an der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg ab. Mit der Universität Tallinn (Estland) wurde 2010 eine Zusammenarbeit initiiert, aufgrund derer eine vom BKM geförderte Stiftungsprofessur für deutsche Geschichte und Kultur in der baltischen Region errichtet wird.
Unter dem Titel „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region“ entsteht – analog zu dem renommierten Handbuch über die Geschichte Russlands – eine von der VolkswagenStiftung geförderte, am Institut verankerte dreibändige deutschsprachige Gesamtdarstellung der Geschichte des Baltikums von den Anfängen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Bewusst wurde auf die Beteiligung einer Vielzahl internationaler Wissenschaftler aus Estland, Lettland, Litauen, Deutschland, Finnland, Großbritannien, den Niederlanden, Polen, Russland, Schweden und den USA Wert gelegt. Mitarbeiter des Instituts sind als Herausgeber und Autoren beteiligt.
Buchveröffentlichungen: Hier sind besonders zwei in der eigenen Schriftenreihe erschienene Bände zu erwähnen: Während sich der von Victor Herdt und Dietmar Neutatz herausgegebene Band „Gemeinsam getrennt“ den „Bäuerlichen Lebenswelten des späten Zarenreiches in multiethnischen Regionen am Schwarzen Meer und an der Wolga“ widmet, beschäftigt sich Ingo Eser mit dem Schulwesen der deutschen Minderheit in Polen in der Zwischenkriegszeit („,Volk, Staat, Gott!‘. Die deutsche Minderheit in Polen und ihr Schulwesen 1918–1939“). In den Themenheften der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nordost-Archiv“ wurde zum einen das Tagungsthema Migration aufgegriffen („Menschen in Bewegung. Migration und Deportation aus dem Baltikum zwischen 1850 und 1950“), zum anderen den Medien stärkere Aufmerksamkeit geschenkt („Nordosteuropäische Geschichte in den Massenmedien: Medienentwicklung, Akteure und transnationale Öffentlichkeit“).
Evaluierung: Das IKGN wurde 2010 von einer unabhängigen Gutachterkommission im Auftrag des BKM evaluiert. Dabei konnte das Institut die Ergebnisse und die Strukturen seiner Arbeit zum ersten Mal seit seiner Neugründung 2001 einer kritischen externen Überprüfung unterziehen. Der konsequent verfolgte transnationale Ansatz sowie die nationale und internationale Vernetzung und anspruchsvolle Forschungsarbeit des Instituts wurden bei der Begehung ausdrücklich gelobt. Der abschließende Bewertungsbericht lag 2011 vor.
Internetpräsenz: Mit der neuen Homepage (www.ikgn.de) hat das IKGN seine Internetpräsenz gezielt ausgeweitet. Jetzt können die aktuellen Hefte des „Nordost-Archiv“ auch als elektronische Ausgaben erworben werden, die Jahrgänge vor 2002 sind kostenfrei abrufbar.
Bundesförderung: Das allein vom Bund geförderte Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. (IKGS) erhielt in den Jahren 2009 und 2010 jeweils 657 000 Euro an Fördermitteln.
Aufgaben: Das IKGS mit Sitz in München führt Forschungsprojekte zur deutschen Kultur und Geschichte im Beziehungsgeflecht der Kulturregionen Südosteuropas durch, veranstaltet wissenschaftliche Tagungen und gibt im eigenen Verlag Buchreihen und Fachzeitschriften heraus. Damit fördert es den wissenschaftlichen Dialog, vermittelt seine Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit und knüpft grenzüberschreitende Netzwerke. Es ist bundesweit die einzige Einrichtung, die deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (Kulturlandschaften in der Slowakei, Ungarn, Rumänien, der Ukraine, der Republik Moldau, Slowenien, Kroatien und Serbien) in ihren regionalen und transnationalen Zusammenhängen zum ausschließlichen Forschungsgegenstand hat. Als An-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München ist das IKGS an die universitären Wissenschaftsstrukturen in Deutschland angebunden.
Das IKGS hat in den letzten beiden Jahren sein wissenschaftliches Angebot (Publikationen, Tagungen) erweitert. Es bietet Lehrveranstaltungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München und auch an mehreren ausländischen Universitäten an: in Rumänien (Bukarest, Hermannstadt/Sibiu, Klausenburg/Cluj-Napoca), Ungarn (Budapest, Fünfkirchen/Pécs), Slowenien (Laibach/Ljubljana) und in weiteren südosteuropäischen Ländern. In diesem Zusammenhang betreut das IKGS Studierende und junge Wissenschaftler aus Deutschland und Südosteuropa. Darüber hinaus begleitet und unterstützt das Institut die Tätigkeit der vom BKM geschaffenen Stiftungsprofessuren an der Babeş-BolyaiUniversität Klausenburg/Cluj-Napoca (Rumänien) und an der Universität Fünfkirchen/Pécs (Ungarn). Das IKGS gibt die Schriftenreihe „Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas“ mit den thematischen Schwerpunkten Literatur und Sprachgeschichte sowie Geschichte Südosteuropas heraus. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Spiegelungen“ des IKGS bietet ein breites Informationsspektrum zur Kultur und Geschichte der Deutschen aus Südosteuropa. Die Fachbibliothek, das Nachlassarchiv und das umfangreiche Mikrofilmarchiv zur deutschsprachigen Presse Südosteuropas stehen Forschern und anderen interessierten Benutzern zur Verfügung. In den letzten beiden Jahren wurde das Archiv durch mehrere Dokumentationsprojekte (Digitalisierung historischer Periodika und Quellen) erweitert, die teilweise in Ausstellungen des IKGS präsentiert wurden.
Ausgewählte Einzelprojekte: Erhöhte Aufmerksamkeit erfuhr das IKGS 2009 vor allem durch die Verleihung des Nobel-Preises für Literatur an die im Banat geborene Schriftstellerin Herta Müller. Im November 2009 war Herta Müller zu Gast in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo etwa 1 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die vom IKGS moderierte Lesung verfolgten. Große Resonanz in der Fachöffentlichkeit und in den überregionalen Medien fanden die vom IKGS veranstalteten internationalen Tagungen „Deutsche Literatur in Rumänien im Spiegel und Zerrspiegel der Akten des rumänischen Geheimdienstes Securitate“ (Dezember 2009, München) und „Die Securitate in Siebenbürgen“ (September 2010, Jena). Wissenschaftler, Schriftsteller und Zeitzeugen präsentierten vor jeweils ca. 200 Teilnehmern den neusten Forschungsstand sowie Erkenntnisse aus den Akten des früheren rumänischen Geheimdienstes, die unter anderem erstmals Verstrickungen des Dichters und Georg-Büchner-Preisträgers Oskar Pastior mit der Securitate offenbarten.
Ergänzt wurde dieser Forschungsschwerpunkt des IKGS durch zwei an rumänischen Universitäten durchgeführte internationale Kongresse zu den Themen „Interkulturelle Beziehungen im Spiegel der Sprache und Literatur“ (November 2010, Hermannstadt/Sibiu) sowie „Deutsche und andere Minderheiten in den nationalkommunistischen Staaten Südosteuropas 1964–1989“ (November 2010, Klausenburg/Cluj-Napoca). In den Jahren 2009 und 2010 baute das IKGS die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses deutlich aus, indem es sich an zwei bedeutenden Nachwuchstagungen als Mitveranstalter maßgeblich beteiligte: an der Internationalen Siebenbürgischen Akademiewoche für Nachwuchswissenschaftler (Rumänien) und dem Internationalen Graduiertenkolloquium zur Geschichte und Gegenwart des Donau-Karpatenraumes (Deutschland).
Im Rahmen des Programms von Fünfkirchen/Pécs (Ungarn) als Europäische Kulturhauptstadt 2010 beteiligte sich das IKGS am Internationalen Germanistenkongress „Wechselwirkungen – Deutschsprachige Literatur und Kultur im regionalen und internationalen Kontext“ (September 2010). In diesem Rahmen wurde der im IKGS-Verlag veröffentlichte Band „Eine Reise in das alte Fünfkirchen. Die europäische Kulturhauptstadt Pécs in deutschen Quellen“ vorgestellt. Der 2009 vom IKGS-Verlag herausgegebene Band „Die Buche. Eine Anthologie deutschsprachiger Judendichtung aus der Bukowina“ mit Gedichten unter anderem von Rose Ausländer und Paul Celan fand ein überaus positives Echo in den Feuilletons der deutschsprachigen Leitmedien.
Evaluierung: In demselben auch für das IKGN vom BKM in Auftrag gegebenen Verfahren wurde auch das IKGS 2010 erstmalig seit seiner Gründung von einer unabhängigen Gutachterkommission evaluiert und erhielt bei der Begehung ein positives Echo auf seine interdisziplinäre und international gut vernetzte Arbeit. Besonderes Interesse fand die Verschränkung von Forschung und Kulturvermittlung. Auch hier lag der abschließende Bewertungsbericht 2011 vor.
Internetpräsenz: www.ikgs.de
Bundesförderung: Die Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek (MOB) wird zu rund zwei Dritteln vom Bund gefördert, den anderen Förderanteil trägt die Stadt Herne; hinzu kommt der unentgeltlich durch die Stadt Herne getragene IT-Support sowie weitere kostenlos zur Verfügung gestellte Serviceleistungen im Bereich des Gebäudemanagements. In den Jahren 2009 und 2010 stellte der Bund jeweils 605 000 Euro an Förderung zur Verfügung.
Aufgaben: Die MOB wurde 1989 auf der Grundlage des § 96 BVFG als „zentrale Bibliothek“ für den Förderbereich errichtet. Sie ist die einzige Bibliothek mit überregionaler und alle Arbeitsfelder des Kulturlebens einbeziehender Aufgabenstellung, die sämtliche historischen und aktuellen deutschen Siedlungsgebiete im östlichen Europa bibliothekarisch betreut. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit sowie zwischen Bibliotheken in Deutschland und im östlichen Europa. Die MOB sammelt dazu im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten die gesamte schriftliche Überlieferung und die aktuell erscheinenden Publikationen zur deutschen Geschichte und Kultur im östlichen Europa in allen regionalen Sprachen und ergänzt ihre Bestandslücken – soweit urheberrechtlich zulässig – durch digitale und analoge Kopien. Sie sichert Bestände Dritter durch Übernahme oder als Dauerleihgabe. Durch die Übernahme gefährdeter Sammlungen leistet sie einen zentralen Beitrag zur Bestandssicherung. Im Berichtszeitraum wurden unter anderem übernommen: das Archiv der Deutschen aus Mittelpolen und Wolhynien (2009), der Nachlass Adolf Eichler (bis 1946 führender deutscher „Aktivist“ in Lodz, 1920/21 Leiter des Ostpreußischen Heimatdienstes Allenstein, aktiv in russlanddeutschen Organisationen im Deutschen Reich), das Galiziendeutsche Archiv (2010/11) und das Schriftgut aus der Heimatstube Greifenberg/Pommern (2010). Ziel der Sammlung ist die überregionale Literaturversorgung im In- und Ausland. Dazu werden Monographien und Zeitschriften in einem über das Internet allgemein zugänglichen Katalog erschlossen, der auch die Online-Fernleihe erlaubt. Die MOB berät und unterstützt technisch, organisatorisch und inhaltlich kleinere Bibliotheken und Sammlungen. Mit dem Verbundkatalog östliches Europa (VOE) bietet sie ein zentrales Nachweisinstrument für über 25 Bibliotheken mit mehr als 800 000 nachgewiesenen Titeln an, die aus unterschiedlichen, meist finanziellen Gründen nicht an die regionalen Verbundkataloge melden können. Sie richtet für diesen Kreis regelmäßig Fortbildungstagungen im In- und Ausland aus. Mit den Regionalbibliotheken im östlichen Europa – insbesondere in Polen, darunter die Universitätsbibliotheken in Breslau/Wrocław und Posen/Poznań mit den größten deutschsprachigen Altbeständen des Landes – bestehen intensive Kooperationen.
Durch Ankäufe, Schenkungen, Schriftentausch und Übernahmen wächst der Bibliotheksbestand im Jahresdurchschnitt um mehr als 10 000 bibliographische Einheiten. Pro Jahr sind rund 20 000 Entleihungen zu verzeichnen. Das konkurrierende Angebot elektronischer Medien hat die Benutzerstruktur verändert, nicht aber das Interesse gemindert. Durch Ausstellungen und Vorträge leistet die Martin-Opitz-Bibliothek im Rahmen ihrer personellen und finanziellen Möglichkeiten einen Beitrag zur kulturellen Bildung.
Internetpräsenz: Der elektronische Katalog verzeichnete Ende 2010 mehr als 215 000 Datensätze bei annähernd 260 000 Medieneinheiten. Seine Nutzung ist in den letzten Jahren weiter angestiegen, in den beiden Berichtsjahren konnten über 20 000 Zugriffe auf den Katalog gezählt werden. Die Homepage (www.martin-opitz-bibliothek.de) verzeichnete 2009 über 83 000 und 2010 rund 87 000 Besucherinnen und Besucher.
Die beiden institutionell geförderten Einrichtungen auf dem Gebiet der Kulturvermittlung präsentieren historische und aktuelle Aspekte deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa. Ihr weites mediales Angebot – unter anderem Ausstellungen, Vortragsveranstaltungen, Filme, Konzerte und Publikationen – zielt auf die breite Öffentlichkeit. Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit ist die Kooperation mit Partnereinrichtungen im östlichen Europa: Gemeinsam können neue Perspektiven auf historisch-kulturelle Zusammenhänge eröffnet werden.
Bundesförderung: Das vom Bund getragene Deutsche Kulturforum östliches Europa (DKF) wurde 2009 und 2010 mit jeweils 1,156 Mio. Euro gefördert.
Aufgaben: Ziel des DKF ist es, die Thematik des deutschen Kulturerbes im östlichen Europa einer breiten Öffentlichkeit im In- und Ausland zu vermitteln. Es versteht sich als Scharnier zwischen den Forschungseinrichtungen im Förderbereich und dem nichtwissenschaftlichen Publikum. Das DKF ist darüber hinaus als Serviceeinrichtung – insbesondere in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit – für alle vom Bund auf der Grundlage von § 96 BVFG geförderten Einrichtungen angelegt. Das Kulturforum präsentiert das gesamte Spektrum der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa und verfügt über ein breit angelegtes Netz von Kooperationspartnern im In- und Ausland. Es veranstaltet Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Lesungen, Ausstellungen, Filmvorführungen, publiziert Bücher, Broschüren und Tonträger im hauseigenen Verlag und stellt ein breit gefächertes Internetportal und einen Newsletter zur Verfügung.
In den Berichtsjahren wurden unter neuer Leitung vielfältige strukturelle Veränderungen vorgenommen, der Programmbereich wurde inhaltlich neu gestaltet. Die Zahl der Veranstaltungen stieg deutlich an, Qualitätssicherungsmaßnahmen wurden installiert. Die Zusammenarbeit mit den anderen nach § 96 BVFG geförderten Einrichtungen, insbesondere den Museen, den Kulturreferentinnen/Kulturreferenten und der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, wurde intensiviert.
2010 beging das DKF sein zehnjähriges Jubiläum. Unter dem Motto „Erinnern und Entdecken“ wurden zu zehn unterschiedlichen Gedenk- und Jahrestagen Veranstaltungen in Deutschland, aber auch in Osteuropa durchgeführt. Zu diesen Jahres- und Gedenktagen gehörten unter anderem der 40. Todestag von Johannes Urzidil und der 600. Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg/Grunwald. Von besonderer Bedeutung für den Förder- und Vertriebenenbereich war in dieser Reihe die Podiumsveranstaltung „Wie übersetzt man Heimat?“ anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Charta der deutschen Heimatvertriebenen.
Ausgewählte Einzelprojekte: 2009 vergab des DKF erstmalig das Stadtschreiber- Stipendium. Das Stipendium wird jährlich für einen fünfmonatigen Aufenthalt in einer kulturell, historisch und gesellschaftlich interessanten Stadt aus dem Arbeitsgebiet des DKF vergeben. 2009 berichtete Sabrina Janesch aus Danzig/Gdańsk (Polen), 2010 Maike Wetzel aus Fünfkirchen/Pécs (Ungarn). Aufenthalte und Internetblogs fanden jeweils ein großes öffentliches und mediales Echo. Ebenfalls erstmalig fanden die Usedomer Literaturtage statt. Mit Lesungen und Diskussionen wurde Ostpreußen und 2010 Schlesien vorgestellt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Veranstaltungs- und Verlagsbereich wird an der Fülle der Buchpräsentationen deutlich. Konzerte mit Werken von Anton Ferdinand Titz, dessen Streichquartette das Kulturforum in einer Ersteinspielung herausgab, wurden in Moskau, Orjol, Kiew, Odessa und Den Haag aufgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt des DKF liegt auf der jungen Generation. Das Projekt „Studenten machen Schule – Deutsche Kulturgeschichte im östlichen Europa“ erhielt eine zusätzliche Projektförderung im Bereich Kulturelle Bildung des BKM. Studierende wurden zum Thema qualifiziert und führten dann Unterrichtseinheiten mit Schülerinnen und Schülern im deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Grenzgebiet durch.
Wanderausstellungen: Das DKF bietet insgesamt 12 Ausstellungen an. Im Berichtszeitraum wurden Ausstellungen zu Schloss Friedrichstein, Daniel Ernst Jablonski, Pécs und zum postindustriellen Kulturerbe in Oberschlesien neu erarbeitet. Von der Ausstellung „Schloss Friedrichstein in Ostpreußen und die Grafen von Dönhoff“ wurde eine russische Fassung erstellt, die im Juli 2010 in Königsberg/Kaliningrad gezeigt wurde und seitdem in der Kaliningrader Oblast an verschiedenen Orten zu sehen ist. Die Ausstellung verbleibt anschließend dort vor Ort.
Georg-Dehio-Preis: Das Kulturforum vergibt den vom BKM dotierten Preis im jährlichen Wechsel als Kultur- und als Buchpreis, jeweils verbunden mit einem Ehrenpreis. Den Georg-Dehio-Kulturpreis im Jahr 2009 erhielt Dr. Christoph Machat für sein Engagement zur Erforschung und Erhaltung des siebenbürgisch-sächsischen bauhistorischen Erbes. Zbigniew Czarnuch bekam den Ehrenpreis für seine Verdienste um das gemeinsame deutsch-polnische Kulturerbe in der Neumark zugesprochen. 2010 erhielt der Publizist Dr. Martin Pollack den Georg-Dehio-Buchpreis für sein literarisches und journalistisches Schaffen, der Ehrenpreis ging an Włodzimierz Nowak und die Übersetzerin Joanna Manc für die Reportagesammlung „Die Nacht von Wildenhagen“.
Verlag: Im Verlag des DKF erscheinen Sachbücher, mit denen Themen der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Im Berichtszeitraum brachte der Verlag 12 Neuerscheinungen, zwei aktualisierte Neuauflagen sowie zwei Audio-CDs heraus, die im In- und Ausland auf große Aufmerksamkeit stoßen. Das DKF war 2009 und 2010 auf den Buchmessen in Frankfurt, Leipzig und Wien vertreten.
Internetpräsenz: Die Website des DKF (www.kulturforum.info) präsentiert sich als Onlineforum zum Thema Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa. Die Aufrufe der Internetseite liegen stabil bei 350 000 pro Jahr. Die Zahl der Abonnenten des Newsletters stieg im Berichtszeitraum von 1 000 auf 1 200.
Bundesförderung: 2009 und 2010 erhielt der ausschließlich vom Bund geförderte Adalbert Stifter Verein (ASV) jeweils 397 000 Euro.
Aufgaben: Der ASV hat das kulturelle Erbe der Deutschen aus Böhmen, Mähren und Schlesien zu bewahren und die wissenschaftliche und künstlerische Tradition der Sudetenländer als Teil der deutschen und europäischen Kultur weiterzutragen und insbesondere in den deutsch-tschechischen Kulturaustausch einzubringen. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs zählt der ASV zu den anerkannten Mittlern des deutsch-tschechischen Kulturaustausches. Der Verein arbeitet mit wissenschaftlichen, musealen und kulturellen Einrichtungen in Deutschland, Österreich und Tschechien zusammen. Der Schwerpunkt liegt auf der Böhmischen Literatur- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Zweites Standbein ist die Erarbeitung und Präsentation kulturgeschichtlicher Ausstellungen.
Ausgewählte Einzelprojekte: Das herausgehobene Vorhaben der Jahre 2009 und 2010 stellte das Forschungs- und Ausstellungsprojekt zur Prager Literaturgeschichte „Praha – Prag 1900–1945. Literaturstadt zweier Sprachen, vieler Mittler“ dar. Eine Besonderheit lag in der Verbindung von wissenschaftlicher Grundlagenforschung und ausstellungsmäßiger Umsetzung: Sozialgeschichtliche Fragen des Stadtlebens, die literarische Infrastruktur, die Rolle von Literatur und Kritik sowie die Wirkung von Bildern und Stereotypen waren Gegenstand einer internationalen Konferenz, die der ASV 2009 in Kooperation mit dem Institut für germanische Studien (Ústav germánských studií FFKU) und dem Institut für tschechische Literatur und Literaturwissenschaft der Prager Karlsuniversität (Ústav české literatury a literární vědy FFKU) sowie dem Prager Literaturhaus veranstaltete. Für die Gestaltung der Ausstellung wurde die Installation eines Kaffeehauses gewählt, von dem man durch drei Fensterwände in das Prag der k.u.k. Monarchie (bis 1918), der Ersten Republik (1918–1939) und des Protektorats Böhmen und Mähren (1939–1945) blicken kann. In Doppelvitrinen werden beispielhaft die Übersetzer und Kulturschaffenden Friedrich Adler, Max Brod, Paul Eisner, Otokar Fischer, Jan Grmela, Milena Jesenská, Jarmila Haasová-Nečasová und Otto Pick vorgestellt; eine Hörstation mit Originalstimmen unter anderem von Max Brod und Paul Eisner rundet die Präsentation ab. Die Ausstellung wurde im Frühjahr 2010 in München eröffnet und im Herbst 2010 in Zusammenarbeit mit dem Slawischen Seminar der Universität in Tübingen präsentiert. Nachfolgend wird sie in Tübingen, Passau, Regensburg und Oldenburg gezeigt. Weitere Stationen werden Kassel, Berlin, Schönsee, Prag und Aussig/Ústí nad Labem sein. Ein im Passauer Karl-Stutz- Verlag erschienener Konferenzband und ein Begleitband runden das Angebot ab. Die Wanderausstellung „Musen an die Front! Schriftsteller und Künstler im Dienst der k.u.k. Kriegspropaganda 1914–1918“ wurde 2009/2010 unter anderem in Stuhlweißenburg/Székesfehérvár (Ungarn) und im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien gezeigt. Der ASV arbeitet intensiv mit verschiedenen tschechischen Institutionen zusammen. Dazu gehören Universitätsinstitute in Prag/Praha, Brünn/Brno und Olmütz/Olomouc, Archive und Regionalmuseen in Städten wie Eger/Cheb, Karlsbad/Karlovy Vary, Aussig/Ústí nad Labem, Krumau/Český Krumlov und Nikolsburg/Mikulov, das Museum tschechischer Literatur (Památník národního písemnictví) und das Prager Nationalmuseum, der tschechische PEN-Klub, die Wissenschaftliche Bibliothek in Reichenberg/Liberec, die Landesversammlung der Deutschen sowie verschiedene Begegnungszentren der Deutschen, insbesondere dem Adalbert-Stifter-Zentrum in Oberplan/Horní Planá.
Seit 2010 vergibt der ASV zusammen mit der Prager Union für gute Nachbarschaft, dem Collegium Bohemicum in Aussig/Ústí nad Labem, dem Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren, der Brücke/Most-Stiftung in Dresden und dem internationalen Kunstverein pro arte vivendi in Berlin den „Kunstpreis zur deutsch-tschechischen Verständigung“. 2009 wurden die Museumsdirektoren Ivan Slavík (Krumau/Český Krumlov) und Manfred Pranghofer (Passau) ausgezeichnet, 2010 die Politiker Petr Pithart (Prag/Praha) und Petra Ernstberger (Berlin).
Internetpräsenz: www.asv-muen.de
§ 96 BVFG enthält explizit den Auftrag, das Kulturgut der Vertreibungsgebiete im Bewusstsein „des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes“ zu erhalten. Die Vermittlung einschlägiger Kenntnisse durch eine zeitgemäß gestaltete kulturelle Breitenarbeit, die insbesondere auch jüngere Generationen mit attraktiven Angeboten anspricht, bleibt daher eine wesentliche Aufgabe im Bereich der Kulturförderung. Nicht zuletzt wegen der Aktivitäten in diesem Bereich hat in den vergangenen Jahren das allgemeine gesellschaftliche Interesse an der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa merklich zugenommen.
Die vom Bund geförderten Kulturreferentinnen und Kulturreferenten (KR) sind in besonderer Weise für die Förderung der kulturellen Breitenarbeit nach § 96 BVFG zuständig. Ziel dieser Tätigkeit ist die nachhaltige Vermittlung der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa an einen möglichst großen Kreis von Multiplikatoren, Rezipientinnen und Rezipienten im In- und Ausland.
Das Spektrum umfasst die Durchführung von Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit, kulturelle Bildungs- und Jugendarbeit insbesondere durch Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungsträgern, grenzüberschreitende Kooperationen mit ausländischen Partnern, die Förderung von Projekten Dritter einschließlich der Beratung von Antragstellern, die Presse-, Öffentlichkeits- und Museumsarbeit.
Dabei stehen jeweils die reichhaltigen kulturellen Traditionen einer spezifischen Region im Mittelpunkt. Dieses vielfältige geistige und materielle Erbe der Deutschen im östlichen Europa wird zusammen mit den heute vor Ort ansässigen Menschen und Institutionen entdeckt und gepflegt und damit auch als gemeinsames Kulturerbe der Deutschen und ihrer Nachbarn vermittelt. Die KR beziehen in ihre Arbeit die Erinnerungen und Erfahrungen der Betroffenen, der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler, und ihrer Organisationen ein.
Diese 2002 ins Leben gerufene Tätigkeit hat sich sehr bewährt. Die Stellen der KR konnten 2009 verstetigt und die Fortführung dieser erfolgreichen Arbeit als grundlegender Bestandteil der Kulturförderung des Bundes damit dauerhaft gesichert werden. Die KR sind gemäß ihren regionalen Zuständigkeiten verschiedenen bundesgeförderten Einrichtungen organisatorisch zugeordnet, sie nehmen ihren Auftrag jedoch eigenverantwortlich wahr. Die KR sind mit einem eigenen, selbst zu bewirtschaftenden Jahresetat ausgestattet.
2009/2010 bestanden folgende sechs Kulturreferate:
- die Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg beim Pommerschen Landesmuseum in Greifswald,
- die Kulturreferentin für Ostpreußen, Baltikum, Russland und teilweise GUS-Staaten beim Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg,
- die Kulturreferentin für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien beim Westpreußischen Landesmuseum in Münster,
- der Kulturreferent für Schlesien beim Schlesischen Museum zu Görlitz,
- die Kulturreferentin für Südosteuropa (Kroatien, Moldawien, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Ukraine, Ungarn) beim Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm,
- der Kulturreferent für die böhmischen Länder (Böhmen, Mähren, Mährisch-Schlesien) beim Adalbert Stifter Verein in München.
2009 und 2010 stellte der Bund für die Arbeit der KR 847 000 Euro bzw. 824 000 Euro zur Verfügung. Zusätzlich zu eigenen Vorhaben förderten diese insgesamt 196 externe Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 447 000 Euro. Davon entfielen 144 Projektzuwendungen mit insgesamt rund 350 000 Euro auf die Landsmannschaften und andere Organisationen der deutschen Heimatvertriebenen, deren kulturelle Projekte einen besonderen Schwerpunkt bilden.
Die kulturelle Bildungs- und Vermittlungsarbeit der KR gliedert sich hauptsächlich in drei Bereiche: erstens in die Durchführung eigener Projekte und Veranstaltungen; zweitens in die kooperative Mitwirkung bei Vorhaben der Regionaleinrichtungen, an denen sie angesiedelt sind; drittens beraten und fördern die KR externe Projekte der kulturellen Breitenarbeit von Vereinen, Organisationen und Institutionen verschiedener Träger. Diese externe Projektförderung der KR ist antragsbezogen: Eingehende Anträge werden auf ihre Förderfähigkeit, Relevanz und Qualität geprüft und auf der Grundlage ausführlicher Bewertungskriterien beschieden. Mit diesem Angebot nehmen die KR einen eigenständigen und spezifischen Part in der Förderstruktur des Bundes ein. Sie wirken als kompetente Ansprechpartner in Bezug auf die jeweiligen historischen Siedlungsgebiete, begleiten die professionelle Museumsarbeit gegenwartsbezogen und zielgruppenorientiert und erreichen mit ihrer Tätigkeit auch neue Bevölkerungskreise und die junge Generation. Folgende ausgewählte Beispiele verdeutlichen die regionale Spannweite und inhaltliche Vielfalt der Tätigkeit der Kulturreferentinnen/Kulturreferenten:
Der Kulturreferent organisierte 2009 im Zusammenhang mit der vom Museum Aussig/Ústí nad Labem erarbeiteten Ausstellung „Vergessene Helden“ eine begleitende Veranstaltungsreihe. Ergänzend zu dieser in München gezeigten Wanderausstellung mit schwer punktmäßiger Präsentation von Einzelschicksalen sudetendeutscher Gegner des Nationalsozialismus wurden eine Podiumsdiskussion, ein Vortrag und eine Lesung angeboten. Die Bayerische Staatskanzlei konnte als Mitveranstalter des Projekts gewonnen werden. Eine mehrtägige Studienfahrt nach Süd- und Mittelböhmen ging unter anderem den Spuren des Johannes von Nepomuk und des böhmischen Kirchenreformators Jan Hus und ihrer Rezeption in Tschechien nach. Ein Ziel dieser Studienreisen ist neben der anschaulichen Wissensvermittlung auch, mit tschechischen Initiativen und Menschen, die sich vor Ort für die Erhaltung des gemeinsamen Kulturerbes einsetzen, ins Gespräch zu kommen.
Das von den Nationalsozialisten errichtete „Protektorat Böhmen und Mähren“ (1939–1945) ist vor allem in den letzten Jahren Gegenstand zahlreicher Forschungen geworden. Ein vom Kulturreferenten veranstaltetes, mehrtägiges grenzüberschreitendes Seminar in Klattau/Klatovy beschäftigte sich 2010 mit Widerstand, Kollaboration und der NS-Kulturpolitik im Protektorat. Erstmals führte der Kulturreferent 2010 einen Projekttag zum Themenkomplex „Flucht und Vertreibung“ auch an einem tschechischen Gymnasium durch: Für zwei Schulklassen im Prager Gymnasium Na Zatlance berichtete der vertriebene Prager Deutsche Horst Stölzig als Zeitzeuge von seinen Erlebnissen und diskutierte anschließend mit den Schülern. Insgesamt ist bei der jungen tschechischen Generation ein wachsendes Interesse an den deutsch-tschechischen Beziehungen und ihren Wurzeln zu beobachten.
Zusammen mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, Potsdam und dem Tschechischen Zentrum in München wurden in der Filmreihe „Anziehung und Distanz“ im Münchener Gasteig-Kulturzentrum tschechische Filme aus den Jahren 1947 bis 2004 präsentiert. Eingeführt durch filmhistorische Vorträge zeigten die Filme wichtige Stationen einer differenzierten Auseinandersetzung mit den Deutschen in der Tschechoslowakei.
Den Höhepunkt einer Veranstaltungsreihe zum 100. Geburtstag von Marion Gräfin Dönhoff im Jahr 2009 bildete eine Studienreise „Auf den Spuren von Marion Gräfin Dönhoff. Reise durch Ostpreußen“. Sie vermittelte Kenntnisse über das Dönhoffsche Lebenswerk und über die Geschichte Ostpreußens und ermöglichte zugleich Einblicke in die aktuellen Entwicklungen in Polen und Königsberg/Kaliningrad sowie zahlreiche Kontakte und Begegnungen. Ein Beispiel aus dem umfangreichen Begleitprogramm zur Museums-Sonderausstellung „Königin Luise von Preußen – Leben und Mythos“ im Jahr 2010 war ein Malwettbewerb für Kinder und Jugendliche „Wie sieht Deine Königin Luise aus?“. Mehr als sechzig eingesandte Bilder konnten in einer Sonderausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum präsentiert werden.
2010 führte ein bilaterales Schulprojekt „Sinfonie der Farben: Ostpreußen und seine Maler“ 28 Gymnasiasten aus Polen und Deutschland im masurischen Sorquitten/Sorkwity (Polen) zusammen. Die dabei entstandenen Bilder spiegelten die intensive Beschäftigung der Schüler mit der Geschichte und Landschaft Ostpreußens sowie seiner Künstler wieder und wurden anschließend in beiden Schulen ausgestellt.
Erstmals wurde 2010 ein Kinderferienprogramm zu Leben und Werk des Königsberger Philosophen Immanuel Kant gestaltet: „Kant für Kinder – Mit Kindern über Gott und die Welt philosophieren“. Wer bin ich, woher kommt die Welt, was ist (im Sinne Kants) eine gute Tat? – diese und andere Fragen beschäftigten die Kinder.
Pommern/Ostbrandenburg
Die Kulturreferentin führt seit 2009 in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit das deutsch-polnisch-brasilianische Bildungsprojekt „Lernen aus Migration“ durch. Beteiligt sind das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium (Greifswald), das IX. Lyzeum in Stettin/Szczecin (Polen) und die Escola Municipale Basica Almirante Barosso in Pomerode (Brasilien). Rund 30 Schüler aus Greifswald, Stettin und Pomerode im Alter von 14 bis 16 Jahren beschäftigen sich mit dem Thema der Auswanderung von Hinterpommern nach Brasilien im 19. Jahrhundert. Ziele des Projektes sind die gemeinsame Erforschung der pommerschen Identität, die Thematisierung der Migration von Pommern nach Brasilien und ihrer Folgen für die Geschichte, Kultur und Wirtschaft in diesen Regionen sowie die Beschäftigung mit den Auswirkungen globaler gesellschaftlicher Prozesse auf die regionale Identität bei Jugendlichen. Mit speziell vorbereiteten Unterrichtseinheiten werden die Schüler in die Themen Heimat, Identität, Tradition eingeführt und können sich nachfolgend in deutscher Sprache über das Bildungsportal „Chat der Welten“ online über ihre pommerschen Wurzeln und gegenwärtigen Lebenswelten austauschen.
2010 widmete sich das Projekt „Stettiner Filmstars“ den zu ihrer Zeit weltberühmten, in Stettin geborenen Schauspielern Dita Parlo, Heinrich George, Hans-Heinrich Twardowski und Hugo Döblin. Dazu gehörte eine Tagung von Film- und Kulturwissenschaftlern aus Deutschland und Polen (in Kooperation mit dem Institut für Kulturwissenschaften und internationale Beziehungen der Universität Stettin und dem Staatsarchiv Stettin) sowie die Präsentation prominenter Beispiele der Filmkunst der 1920er bis 1940er Jahre in verschiedenen Stettiner Kinos, mit der die Thematik publikumswirksam umgesetzt wurde. Besonders große Resonanz fanden die Vorführungen der Filme „Metropolis“ (Regie: Fritz Lang, 1927) mit über 1 000 Besuchern und der Vorbehaltsfilm „Kolberg“ (Regie: Veit Harlan, 1945) mit über 250 Besuchern.
Der Kulturreferent führte mehrtägige Studienreisen durch, die vertiefte Kenntnisse zu Geschichte und Gegenwart von Deutschen und Polen in Schlesien an Fachleiter Geschichte an den Studienseminaren des Landes Nordrhein-Westfalen (August 2009), sächsische Lehrerinnen und Lehrer (Oktober 2009) sowie Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung vermittelten. Dabei wurde besonderer Wert auf Orte des Lernens und der Begegnung sowie zahlreiche Hintergrundgespräche mit polnischen Wissenschaftlern, Museumsleuten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gelegt. Hinzu kamen eine dreitägige Exkursion nach Breslau/Wrocław und Trebnitz/Trzebnica sowie vier Tagesexkursionen an touristisch unerschlossene, kulturgeschichtlich aber hochrelevante kleinere Orte in Niederschlesien. Hierbei bewährte sich die Zusammenarbeit mit der Stiftung Evangelisches Schlesien.
Im Jahr 2010 veranstaltete der Kulturreferent zum dritten Mal das grenzüberschreitende deutsch-polnische Literaturfest „Schlesisches Nachtlesen“ in der Görlitzer Altstadt und in Zgorzelec. Bei der beliebten Veranstaltung lasen wieder Prominente an ungewöhnlichen Orten deutsche und polnische Texte aus der und über die Region. Ein weiterer Höhepunkt im Veranstaltungsprogramm beider Jahre war das Gastspiel der Opernworkshops aus dem Riesengebirge im Nordhof des Schlesischen Museums, bei dem junge Musiker aus Osteuropa und Asien mit Können und Hingabe in einem Opern- Pasticcio Arien und Lieder aus vergessenen deutschen Opern über den Berggeist Rübezahl darboten.
Einen besonderen Schwerpunkt bildete in den Jahren 2009 und 2010 die Vermittlung der Geschichte der Juden in Schlesien, insbesondere das Schicksal der schlesischen Juden nach 1933. Eine 2008 begonnene Vortragsreihe zum Thema „Von Schlesien nach Israel“ wurde 2009 fortgesetzt. Daraus entstand die 2010 erschienene, vom Kulturreferenten herausgegebene Publikation gleichen Titels, die wissenschaftliche Aufsätze sowie Beiträge mit Essaycharakter enthält. Aus der Zusammenarbeit mit dem „Verein ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel“ ging ein vom Sächsischen Innenministerium gefördertes Projekt zur Digitalisierung der seit 1961 erschienenen, in Deutschland schwer zu findenden Zeitschrift des Vereins hervor. Im Juli 2009 beteiligte sich der Kulturreferent als Kooperationspartner und Referent an einem Workshop des Edith-Stein-Hauses in Breslau/Wrocław, bei dem in Schlesien geborene Israelis mit polnischen und deutschen Studenten die Orte ihrer Kindheit und Jugend in Breslau aufsuchten und Interviews gaben. Neben der vielbeachteten öffentlichen Abschlussveranstaltung ging daraus der Film „Auf der Suche nach dem jüdischen Breslau“ von Stefanie Trambow und Andrea Zsigmont hervor.
Zum 20. Jahrestag der Revolution in Rumänien organisierte die Kulturreferentin 2009 eine Tournee des Deutschen Staatstheaters Temeswar/Timişoara mit der Lesung „Die Sehnsucht namens Freiheit“ in München, Nürnberg, Berlin und Ulm. Kooperationspartner waren das Deutsch-Rumänische Forum Berlin, das Generalkonsulat von Rumänien in München, die Landsmannschaft der Banater Schwaben und das Haus der Heimat in Nürnberg. Literarische Texte, Zeitzeugenaussagen der Vor- und Nachwendezeit sowie biografische Rückblenden ermöglichten Einblicke in den kommunistischen Alltag und in die Zeit unmittelbar nach den Ereignissen von 1989.
2009 fand die 20. Jugendveranstaltung „In weiter Ferne so nah – Südosteuropa gestern und heute“ in Ulm statt. Seit 2002 hat sie mehr als 2 000 Jugendliche aus Deutschland, Kroatien, Rumänien, Serbien und Ungarn zusammengeführt. Die Workshops eröffnen den Teilnehmern die Welt der Donauschwaben und Donauländer, sie vermitteln einen Einblick in die Geschichte und Traditionen der deutschen und multiethnischen Siedlungsgebiete und zugleich Kenntnisse über die heutigen Staaten in Ostmitteleuropa.
Im Rahmen der Kulturhauptstadt Fünfkirchen/Pécs 2010 fand die bereits vierte Tagung zur Bewahrung des kulturellen Erbes im Bereich der Architektur statt. Unter dem Titel „Europa – ein gemeinsames Erbe“ informierte sie über die Denkmalschutzgesetzgebung in einzelnen Donauländern und den Stand der Forschung, vermittelte einen Einblick in den derzeitigen baulichen Zustand ausgewählter Bauwerke in den donauschwäbischen Siedlungsgebieten. Es wurden Möglichkeiten zur Erhaltung der Bausubstanz aufgezeigt und Pläne für die Zukunft konkretisiert.
An dem Jugendcamp „Europa sind wir!“ anlässlich des Internationalen Donaufestes 2010 in Ulm und Neu-Ulm beteiligten sich über 100 Jugendliche aus Bulgarien, Deutschland, Kroatien, Rumänien, Serbien und Ungarn. Die Jugendlichen bekamen Gelegenheit, untereinander Kontakte zu knüpfen und mehr über ihre gemeinsame südosteuropäische Vergangenheit zu erfahren.
Ein bilaterales Projekt der Kulturreferentin im Jahr 2009 zur Suche nach deutschen Spuren in der Posener Provinz und Lodz stieß auf große Resonanz bei polnischen Institutionen und Wissenschaftlern in Posen/Poznań, Gnesen/Gniezno und Lodz/Łódź und bei der polnischen evangelischen Kirche. Dabei wurden weitere kulturelle Kooperationen mit Institutionen in Deutschland vermittelt und gemeinsame Projekte und Kooperationen für die kommenden Jahre geplant.
Im Rahmen der „Schachtzeichen Ruhr“ der Kulturhauptstadt Europas 2010 präsentierte das Kulturreferat in der einmaligen Atmosphäre der alten Werkshalle in Recklinghausen die Wanderausstellung „Die Ost- und Westbegegnungen im Krieg und Frieden“ über eine Familiengeschichte zwischen Westpreußen und dem Ruhrgebiet.
Im Sommer 2010 fand in Kooperation mit dem Historischen Museum der Stadt Danzig/ Gdańsk unter der Schirmherrschaft der Stadt Danzig und dem Patronat „Danzig, Kulturhauptstadt Europas 2016“ der internationale Wettbewerb „Erkennen Sie Danzig wieder?“ statt. Dabei wurden bisher unveröffentlichte Fotos aus dem zerstörten Danzig des Jahres 1945 publiziert und dem Publikum in Deutschland und Polen präsentiert.
Das in Schloss Krockow/Krokowa (Polen) vorgestellte Projekt „Marlene Dietrich, ihre Lieder und ihr politischer Kampf gegen den Nationalsozialismus“ erreichte ein internationales Publikum. Das mit Schülerinnen und Schülern aus Münster-Wolbeck einstudierte Theaterstück „Ein Westpreußisches Märchen“ von Hermann Löns wurde vor fünf Kindergärten und einer Grundschule aufgeführt.
Der BKM förderte 2009/2010 weitere kulturelle Projekte, die in unterschiedlicher Trägerschaft durchgeführt wurden. Hierzu zählten Organisationen der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler ebenso wie Bildungsträger und Vereine, die sich für die Pflege und Vermittlung des kulturellen Erbes der Deutschen im östlichen Europa einsetzen. Adressaten dieser Projekte waren neben den Angehörigen der sogenannten Erlebnisgeneration und ihren Nachkommen alle kulturell und historisch Interessierten, insbesondere auch die jüngeren Generationen hier und in den einschlägigen Regionen des östlichen Europas. Viele Projektvorhaben wurden in Kooperation mit Partnereinrichtungen im In- und Ausland durchgeführt. Die vielfältigen Förderungen des BKM betrafen Publikationen, Tagungen, Seminare/Workshops, Ausstellungsvorhaben sowie Konzerte, Theater- und Filmprojekte. Im Berichtszeitraum wurde beispielsweise die Wanderausstellung „Das Baltikum und die Deutschen“ der Deutsch-Baltischen Gesellschaft e. V. einschließlich einer estnischen und lettischen Version des Begleitkataloges gefördert. Ein Filmprojekt der Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e. V. widmete sich dem Thema „Vergessene Kirchen – Verlorene Geschichte. Gegenwart und Zukunft des kulturellen Erbes Schlesiens“; ein weiteres Projekt des Deutsch-Polnischen Journalistenclubs e. V. TRANSODRA befasste sich unter dem Titel „Streuselkuchen von zu Hause – Begegnungen in Oberschlesien“ dokumentarisch mit der Suche nach eigener Identität, Kultur und Sprache.
Die „Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR“, Bonn ergänzte ihre erfolgreiche Wanderausstellung „Im Dienste der Menschheit. Bedeutende Persönlichkeiten aus dem historischen deutschen Osten“ um eine gleichnamige Publikation, in der die Biographien bekannter Personen aus den historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebieten vorgestellt werden. Der OKR gibt das einschlägige Periodikum „Kulturpolitische Korrespondenz“ heraus, das einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Diskussionen in diesem Kulturbereich bietet. Die Monatsschrift ist als Internetausgabe kostenlos im Onlinearchiv verfügbar (www.ostdeutscher-kulturrat.de). Aus dem Tagungsprogramm der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn ist die 2009 durchgeführte literaturwissenschaftliche Fachtagung „Simon Dach und die Königsberger Kürbishütte“ hervorzuheben, die sich dem Werk dieses bekannten Königsberger Barockdichters widmete (www.kulturstiftungderdeutschen- vertriebenen.de).
Die Academia Baltica e. V., Lübeck (www.academiabaltica.de) wurde bei der Durchführung einer deutsch-polnischen Sommerschule „Städte im Krieg: Leben, Leiden und Erinnern in Lübeck und Danzig“ unterstützt, an der deutsche und polnische Jugendliche teilnahmen. Die Wanderausstellung der Seliger-Gemeinde „Von der DSAP zur Seliger Gemeinde“ griff das 90-jährige Gründungsjubiläum der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik (DSAP) auf. Das von dem Verein „Das Kunstwesen“ organisierte Konzert des Instrumental- und Vokalensembles „Camerata Nova Szczecin“ aus Stettin/Szczecin präsentierte alte und neue Musik aus Pommern; die Gesellschaft für deutsche Musikkultur im östlichen Europa befasste sich in einem Projekt mit dem OEuvre des siebenbürgisch-sächsischen Komponisten Carl Filtsch. Das Gewandhaus zu Leipzig führte mit dem Gewandhaus Kinderchor und dem Moran Choir aus Israel die von dem Prager Komponisten Hans Krása komponierte Oper „Brundibár" in mehreren deutschen und israelischen Städten auf. Der Verein „Juden in Ostpreußen“ präsentierte eine Ausstellung zu „Juden in Tilsit“ im Historischen Museum der Stadt Tilsit/Sovetsk.
Der BKM fördert den kulturellen Austausch mit Bezug auf die Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Dabei sollen die kulturellen Traditionen wiederbelebt und insbesondere bei der jungen Generation Neugier für das geschichtliche Erbe der ehemals deutsch geprägten Gebiete im europäischen Kontext geweckt werden. Eine solche Verständigung auf europäischer Ebene kann insbesondere durch den kulturellen Austausch von Personen, Initiativen und Einrichtungen zwischen Deutschland und seinen europäischen Nachbarn erreicht werden.
In den Jahren 2009 und 2010 unterstützte der BKM im Rahmen eines Musik- und Kulturfestivals gemeinsame kulturelle Traditionen und den Integrationsprozess entlang der deutsch-tschechischen Grenze, initiiert durch den Verein „Mißlareuth 1990. Mitte Europa e. V.“, Pirna. Die Deutsche Gesellschaft e. V., Berlin hat mit dem Projekt „Es schläft ein Lied in allen Dingen“ die Pflege und Weiterentwicklung von Sprache und Kultur der deutschen Minderheiten in Ost- und Südosteuropa gefördert. Das Berufsförderungswerk e. V., Berlin wurde durch den BKM dabei unterstützt, Fachwissen und handwerkliches Können denkmalgerechter Restaurierung von historischer Bausubstanz an Studierende des Kaliningrader Städtebau-Kollegs zu vermitteln. Dadurch konnte ein nachhaltiger Beitrag für die Erhaltung deutscher Kulturdenkmäler im Nordteil des ehemaligen Ostpreußen, der heutigen Oblast Kaliningrad, geleistet werden.
Lehre und Forschung zu Fragen der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa fördert der Bund auch projektbezogen. Dabei werden alle relevanten historischen Epochen, Regionen und Fachdisziplinen berücksichtigt. Orientiert an den aktuellen Methoden und Diskursen der „Scientific Community“, werden die geförderten Forschungsvorhaben, Tagungen und Publikationen in der Regel in internationalen Kooperationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor allem aus den östlichen Nachbarländern durchgeführt. Im Berichtszeitraum wurden wissenschaftliche Projekte in den Fachgebieten Geschichte, Kunstgeschichte, Literatur- und Sprachwissenschaft, Buch- und Bildungsgeschichte, Musikgeschichte und Volkskunde/Europäische Ethnologie finanziert. Ein wesentliches Ziel der Projektförderung des BKM ist es, den in § 96 BVFG enthaltenen Auftrag dauerhaft im akademischen Diskurs zu verankern. Es gilt, auch künftig nicht nur den Anschluss dieser spezifischen Thematik an den allgemeinen wissenschaftlichen Fortschritt zu gewährleisten, sondern die historische und kulturelle Vielfalt der angesprochenen Kulturlandschaften als attraktives Thema der Forschung in Deutschland und seinen Nachbarländern präsent zu halten.
Ziel der Förderung in diesem Bereich ist es, den Umgang mit der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa auf eine wissenschaftlich solide Grundlage zu stellen sowie wissenschaftlichen Nachwuchs und Multiplikatoren für die Thematik zu gewinnen. Mit diesem Ziel förderte der Bund weiterhin einschlägige Projektbereiche an verschiedenen Universitäten (z. B. in Bonn, Passau und Stuttgart). Um neues Interesse zu wecken und die Thematik an den deutschen Universitäten nachhaltig zu verankern, konzipierten BKM und BKGE ein nach akademischen Regeln gestaltetes, wettbewerblich organisiertes Förderprogramm. Dabei können Wissenschaftler und akademische Nachwuchskräfte sich mit thematisch geeigneten und innovativen Projekten bewerben und entsprechend weiterqualifizieren. Zugleich ist die Finanzierung von Juniorprofessuren vorgesehen, mit denen das bisherige, von den deutschen Universitäten heute nicht mehr akzeptierte Modell der Stiftungslehrstühle ersetzt werden soll. Ende 2010 erfolgte die erste Ausschreibung im Rahmen des akademischen Förderprogramms, das in den nachfolgenden Jahren weiter umgesetzt wird.
Bei der Förderung von Forschungsvorhaben zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa wurde gleichfalls auf fachliche Professionalität geachtet. Geförderte Tagungen, Workshops, Forschungsprojekte und Publikationen beschäftigen sich mit nahezu allen Epochen und Regionen, in denen Deutsche im östlichen Europa gewirkt haben. Besondere Akzente wurden mit Überblicksdarstellungen wie jenen über die Russlanddeutschen oder die „Geschichte der deutschen Literatur in Pommern“ gesetzt. Sie können in der akademischen und gymnasialen Lehre genutzt werden und wirken darüber hinaus für die weitere Befassung mit den behandelten Themen anregend, da sie der Forschung Desiderate aufzeigen.
Grundlagenwerke bilden nach wie vor ein Fundament, auf das solide Forschung aufzubauen vermag. Daher bildet die Förderung längerfristig angelegter Quellenerschließungs- und Editionsprojekte einen wichtigen Aspekt der Förderung nach § 96 BVFG. Hier seien beispielhaft die Editionen des Protokollbuchs der Philosophischen Fakultät der Albertus-Universität Königsberg und von Kolonistischen Liedern der Russlanddeutschen sowie die Erfassung der Protokolle der Evangelischen Kirche in Rumänien erwähnt. Darüber hinaus wurde die Publikation von literarischen Dokumenten gefördert, z. B. der ostmitteldeutschen Übersetzungen der „Catena aurea“ des Thomas von Aquin, der „Hinterlassenen Schriften eines polnischen Juden“ von Louis Meyer und die Edition von Texten aus dem Vorlass des rumäniendeutschen Schriftstellers Eginald Schlattner. Der an der Universität München erarbeitete „Audio-Atlas zur siebenbürgisch-sächsischen Dialektologie und Ethnographie“ dient der Dokumentation einer untergehenden Mundart aus dem südöstlichen Mitteleuropa.
Ausgangspunkt wissenschaftlicher Forschung sind auch Dokumentationen des Forschungsstandes und Bibliographien. Unter anderem wurde die bibliographische Erfassung der Theaterkritiken der „Ödenburger Zeitung“ der Jahre 1868–1920 gefördert. Das mehrteilige Bibliographieprojekt „Deutschlernen im östlichen Europa“ wurde mit einem Band über Ungarn fortgesetzt.
Der Bestandserhaltung und erleichterten Zugänglichkeit unterschiedlichster Quellengattungen dienen Digitalisierungsprojekte. Den aktuellen Entwicklungen im Bereich der digitalen Speicherung von Informationen Rechnung tragend, wurde die Onlinestellung von Urkunden, alten Büchern und Zeitschriften, Monographien und sonstigen Dokumentationen zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa unterstützt. Dabei wurde darauf geachtet, dass eine Kompatibilität zu den großen Portalen wie der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) oder der Europeana hergestellt werden kann. Beispiele für geförderte Projekte sind Digitalisierungen des „Brünner Tagesboten“ und anderer deutschsprachiger Zeitungen des östlichen Europa.
Mehrere geförderte Forschungsvorhaben betrafen die interethnischen Beziehungen im Laufe der Jahrhunderte, etwa über Prag als Literaturstadt zweier Sprachen, über die Musik in Prag im Spannungsfeld nationaler Bewusstseinsbildung, über Musikgeschichtsschreibung und Erinnerungskultur sowie das binationale Forschungsprojekt der Universität Hamburg und der Adam-Mickiewicz-Universität Posen/Poznań (Polen) über Adelssitze im Herzogtum Preußen und Nordpolen 1650–1850.
Der Aufarbeitung der jüngeren und jüngsten Vergangenheit dienten eine Reihe von Projekten, darunter exemplarische Einzelforschungen, die wissenschaftliche Desiderate ausfüllen, etwa zur Geschichte der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Zu nennen wären vor allem die Publikationen „Heimat, Kirche und Nation. Deutsche und polnische Nationalisierungsprozesse im geteilten Oberschlesien, 1922–1939“, „Einfluss der NS-Ideologie auf die Bessarabiendeutschen in den 1930er Jahren“ und „Die Rede von der Schweiz. Ein medial-politischer Nationalitätendiskurs in der Tschechoslowakei 1918–1938“.
Desgleichen wurden die kommunistischen Diktaturen und ihr Umgang mit der deutschen Minderheit in mehreren geförderten Forschungsprojekten thematisiert. Diese befassten sich z. B. mit den „Hungersnöten und Epidemien in Russland und in der Sowjetunion 1891–1947“ oder galten der Erforschung der rumäniendeutschen Zeitgeschichte, insbesondere der Verfolgung rumäniendeutscher Intellektueller durch den kommunistischen Geheimdienst Securitate, was im Kontext der Nobelpreisverleihung an Herta Müller ein äußerst starkes öffentliches Echo fand.
Positiv ist festzuhalten, dass sich das Konzept der Einrichtung von Stiftungslehrstühlen an ausländischen Hochschulen weiter bewährt hat. Nach dem Lehrstuhl für Deutsche Literatur in den böhmischen Ländern an der Palacký-Universität Olmütz/Olomouc (Tschechien) konnte 2008/2009 auch der an der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg/ClujNapoca (Rumänien) gestiftete Lehrstuhl für deutsche Literatur Südosteuropas nach Auslaufen der Bundesförderung verstetigt werden. Auch die Stiftungsprofessur für deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Fünfkirchen/ Pécs (Ungarn) arbeitete im Berichtszeitraum überaus erfolgreich.
Neben den kontinuierlich geförderten sowie universitären Forschungseinrichtungen im Bereich des § 96 BVFG sind es freie, in der Regel vereinsrechtlich organisierte Zusammenschlüsse von Wissenschaftlern, die einen wichtigen Beitrag zur Erforschung dessen leisten, was die historische und gegenwärtige Rolle der Deutschen im östlichen Europa sowie die Bedeutung des östlichen Europas für die deutsche Geschichte ausmacht.
Dazu zählt der Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat mit zur Zeit sechs Fachkommissionen (Musikkultur, Religions- und Kirchengeschichte, Sprache und Literatur, Volkskunde, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Zeitgeschichte). Der Herder-Forschungsrat ist in seiner Zielsetzung interdisziplinär und großregional auf Ostmitteleuropa orientiert. Hinzu kommen sieben eigenständig verfasste Historische Kommissionen (Baltische Historische Kommission, Historische Kommission für die böhmischen Länder, Historische Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen, Historische Kommission für Pommern, Historische Kommission für Schlesien, Südostdeutsche Historische Kommission), deren Arbeit regionalhistorisch verankert und daher kleingliedriger ausgerichtet ist. Dabei haben die Historischen Kommissionen als besondere Herausforderung erkannt, einerseits regionalhistorische Traditionen zu pflegen und zugleich auch die Rahmenbedingungen der eigenen historisch-landeskundlichen Forschung selbstkritisch zu reflektieren.
Ausgewählte Einzelprojekte: Im Berichtszeitraum entfalteten der Herder-Forschungsrat und die Historischen Kommissionen eine rege Publikationstätigkeit in Form von Reihen, Monographien, Sammelbänden und Fachbeiträgen und veranstalteten mehrere Tagungen. So konnte die Historische Kommission für Schlesien Band 10 des biographischen Lexikons „Schlesische Lebensbilder“ abschließen. Zudem war sie federführend an der „Zuordnung von flutgeschädigten Archivalien der deutschen Verwaltung vor 1945 zu Findmitteln im Staatsarchiv Breslau“ beteiligt.
Die Historische Kommission für Pommern begann mit der Vorbereitung eines mehrbändigen Biografischen Lexikons über „Pommersche Lebensbilder“. Als sehr publikumswirksam erwies sich ihre 2010 veranstaltete Tagung „Ernst Moritz Arndt – Anstöße und Wirkungen“. Die Baltische Historische Kommission verstetigte ihre traditionsreiche Zusammenarbeit mit Historikern der baltischen Länder und beteiligt sich ab Band 5 (2010) an der Herausgabe des deutschsprachigen Jahrbuchs „Forschungen zur baltischen Geschichte“, das an der Universität Tartu in Estland erscheint. Die Tagungen dieser Kommission in den Jahren 2009 („Die baltischen Länder und Europa in der Frühen Neuzeit“) und 2010 („Die baltischen Sowjetrepubliken“) verdeutlichen den breiten epochalen Zusammenhang, in dem sich die Arbeit der Kommission bewegt. Gleichsam wie eine Veranschaulichung des Motivs „transnationale Regionen“ liest sich das Programm einer von der Historischen Kommission für die böhmischen Länder 2010 mit veranstalteten Tagung über „Mähren als Spiegel Europas: Ethnische Minderheiten in Mähren bis zum Jahr 1918“. Die gleiche Kommission beschäftigte sich auf zwei Tagungen 2009 und 2010 mit dem Thema „Sport und Gesellschaft in den böhmischen Ländern/in der Tschechoslowakei: Sport unter Diktaturen (1938–1989)“. Ein größeres Editionsprojekt der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung galt dem Protokollbuch der Philosophischen Fakultät der Albertus-Magnus-Universität Königsberg (1916–1944). Die Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen veranstaltete 2009 eine Tagung, die sich mit dem für die Kulturgeschichte der Region wichtigen Problem der „Religionsgeschichte im nördlichen Ostmitteleuropa im 19. Jahrhundert“ beschäftigte. Die Ergebnisse der Tagung liegen inzwischen unter dem Titel „Zwischen Glaube und Nation?“ veröffentlicht vor. Von besonderer Bedeutung für die Arbeit der Kommission ist die Tatsache, dass sie sich in einer kritischen Kontinuität zu der 1885 gegründeten Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen sieht: Im Hinblick auf die „125 Jahre institutionelle historisch-landeskundliche Forschung in und über Posen“ hat die Kommission 2010 eine Tagung über „Historiographie und Landeskunde im deutsch-polnischen Kontaktbereich“ durchgeführt und das Jubiläum mit einer Ausstellung gewürdigt, in der die organisatorischen Strukturen, die beteiligten Personen und der wissenschaftliche Ertrag der Arbeit im kulturellen und politischen Kontext vorgestellt wurden.
Zu erwähnen ist das Engagement mehrerer Kommissionen an der Durchführung von Nachwuchstagungen, so 2009 die Tagung zum Thema „Schlesien als Anliegen einer deutsch-polnischen Regionalgeschichte“, an der junge Wissenschaftler aus Deutschland, Polen, Tschechien und den USA teilnahmen.
Der Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat richtete 2009 zusammen mit der Forschungsstelle für Ostmitteleuropäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Viadrina Universität in Frankfurt/Oder eine internationale Tagung über „Agrarismus in Ostmitteleuropa. Bauerngesellschaften auf dem Weg in die Moderne“ aus. 2010 stand eine gemeinsame Tagung des Herder-Forschungsrats, seiner einzelnen Fachkommissionen und der Historischen Kommissionen im Mittelpunkt, welche unter dem Titel „Transnationale Regionen in der wissenschaftlichen Praxis“ das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften mit der Praxis der Ostmitteleuropaforschung verknüpfte. Der Terminus „transnationale Regionen“ griff dabei bewusst Aspekte der älteren landes- und regionalgeschichtlichen Praxis auf und brachte sie mit neuen Formen der wissenschaftlichen Betrachtung zusammen. Im Fokus standen Regionen, die sich durch eine lange komplexe Geschichte, durch veränderte Grenzziehungen und/oder Herrschaftswechsel, durch Mehrsprachigkeit, Multikonfessionalität und Multikulturalität sowie durch Migrationen und Bevölkerungsaustausch auszeichnen und daher nicht allein in den Interpretations- und Darstellungskontext einer Nation einzuordnen sind.
Internetpräsenzen: Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat: www.hfr.lmu.de; Baltische Historische Kommission: www.balt-hiko.de; Historische Kommission für die böhmischen Länder: www.collegium-carolinum.de/hkbl; Historische Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung: www.hiko-owp.de; Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen: www.deutsche-polen.de; Historische Kommission für Schlesien: www.hiko-schlesien.de
10. Sicherung und Erhaltung deutscher Bau- und Kulturdenkmale im östlichen Europa
Im Berichtszeitraum wurden für Projekte in Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, der Slowakei und Tschechien insgesamt rund 754 000 Euro (2009: 428 000 Euro, 2010: 326 000 Euro) zur Verfügung gestellt.
Die Fördermittel dieses Bereichs werden gezielt dafür eingesetzt, historisch bedeutsame deutsche Bau- und Kulturdenkmäler im östlichen Europa vor dem Verfall zu bewahren. Wie in den Jahren zuvor gingen mehrfach Projektinitiativen von landsmannschaftlichen Vereinigungen aus, die sich gemeinsam mit den heutigen Bewohnern für die Erhaltung oder Restaurierung eines bestimmten Projekts einsetzen. Beispiele hierfür sind die von der Karpatendeutschen Landsmannschaft Slowakei fortgesetzte Restaurierung der Orgel der St. Jakobuskirche in Schmiedshau/Tužina (Slowakei) sowie die vom Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat angeregten Förderprojekte der wissenschaftlichen Begleitung eines EU-Großvorhabens zur Rettung siebenbürgisch-sächsischer Kirchenburgen und der Bestandssicherung altorientalischer Teppiche in siebenbürgisch-sächsischen Kirchen (Rumänien). In Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg wird seit 2009 in einem mehrjährigen Projekt die Sicherung, Konservierung und Erschließung stark gefährdeter Archivbestände in der Kreisdirektion Klausenburg/Cluj-Napoca des rumänischen Staatsarchivs gefördert und dafür eine Restaurierungswerkstatt eingerichtet. Mit der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, Görlitz wurden die Restaurierung der historischen „Sauer-Orgel“ in der ehemaligen Paulinerkirche von Topolno, die Restaurierung von historischen Fenstern der Friedenskirche in Schweidnitz/Świdnica sowie Notsicherungsmaßnahmen am Schloss Steinort/Sztynort in Polen gefördert. Des Weiteren ist die abschließende Restaurierung der Innenräume des ehemaligen „Jerusalem- Hospitals“ in Marienburg/Malbork (Polen) zu erwähnen, das als Veranstaltungs- und Begegnungszentrum genutzt werden soll.
Den Bewertungskriterien entsprechend werden alle Förderprojekte stets in Kooperation mit örtlichen Initiativen und Institutionen, mit den heutigen Eigentümern und den örtlichen Denkmalpflegebehörden realisiert. Damit wird ein maßgeblicher Beitrag zum fachlichen Austausch, zur Verständigung und zur positiven Auseinandersetzung der heutigen Bevölkerung mit dem kulturellen Erbe der früheren deutschen Bewohner geleistet. Diese arbeitsteilige Verantwortlichkeit hat identitätsstiftende Wirkung und erzeugt nachhaltige Impulse für die aktuelle Nutzung des kulturellen Erbes.
Vom Bundesministerium des Innern wurden für die verständigungspolitische Arbeit der Vertriebenen 2009 und 2010 jeweils rund 843 000 Euro zur Verfügung gestellt. Grundlage der Förderung ist der mehrfach zum Ausdruck gekommene Wille des Deutschen Bundestages, die deutschen Heimatvertriebenen in das Werk der europäischen Aussöhnung und Verständigung einzubeziehen. So hat er in der am 28. Februar 1997 nahezu einstimmig angenommenen interfraktionellen Entschließung (Drucksache 13/4912) anerkannt, dass viele Heimatvertriebene zu „Botschaftern der Aussöhnung und Verständigung geworden sind“, und bekräftigt, er werde „Heimatvertriebene und deren Verbände, die diesem Geist verpflichtet sind, bei diesen Bemühungen weiterhin unterstützen“.
In diesem Zusammenhang werden Maßnahmen der Vertriebenen mit zeitgeschichtlichem und politischem Inhalt unterstützt. Dies sind vor allem Projekte, die der Verständigung und Aussöhnung sowie der Zusammenarbeit zwischen den deutschen Heimatvertriebenen und den Völkern Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas dienen, sofern sie geeignet erscheinen, das friedliche Miteinander mit unseren östlichen Nachbarn und die europäische Einigung zu fördern.
Als Antragsteller kommen Vereinigungen und Einrichtungen der deutschen Heimatvertriebenen sowie diesen verbundene Träger in Betracht. Ihre Projekte können sowohl im Inland als auch in denjenigen Staaten stattfinden, in denen die ehemaligen Vertreibungsgebiete liegen.
Das Spektrum der im Berichtszeitraum geförderten 137 Projekte (2009: 65 Projekte; 2010: 72 Projekte) umfasste Themen aus dem gesamten mittel- und osteuropäischen Raum. Gefördert wurden beispielsweise
- Studienaufenthalte für Gruppen polnischer oder tschechischer Germanistik- und Geschichtsstudenten;
- Arbeits- und Informationstagungen namhafter sudetendeutscher Vereinigungen und Aktionsgruppen unter tschechischer Beteiligung;
- politische Weiterbildungswochen;
- Seminare und Fachtagungen zur Osterweiterung der Europäischen Union unter Beteiligung deutscher Vertriebener, der deutschen Minderheit in den ehemaligen Vertreibungsgebieten und der Mehrheitsbevölkerung.
2009 und 2010 gingen deutlich mehr Projektanträge ein, als Fördermittel zur Verfügung standen.
Das zusammenwachsende Europa konstituiert sich als Raum regionaler Vielfalt. Die Regionen werden als authentischer und mit der eigenen Lebenswirklichkeit verbundener Bezugsrahmen wahrgenommen, aus dem die Menschen Identität und Selbstbewusstsein beziehen. Die neuen regionalen Identitäten wirken sich zudem positiv auf die Entfaltung von Wissenschaft und Kulturleben aus.
Diese von einem europäischen Geist getragene, wachsende Bedeutung regionaler Identitäten, die heute in vielen Ländern zu konstatieren ist, führt zu einer ganz neuen Bewertung des deutschen Kulturerbes. Was einst ideologisch entzweite, wird zunehmend als verbindendes Merkmal in einem Europa der Regionen verstanden. Diese Entwicklung verspricht ein erhöhtes Interesse der Menschen und ein verstärktes Engagement in vielen Bereichen, angefangen bei der Begegnungs- und Erinnerungsarbeit über Kulturveranstaltungen und Forschungsvorhaben in neuen Formaten, neuen Akzenten in der Gestaltung akademischer und schulischer Curricula bis hin zu Kulturinitiativen der Europäischen Union und zum Kulturtourismus.

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