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Timestamp: 2019-05-19 20:18:33+00:00

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Machtgeber --> Gewaltgeber
Magaritsch, Magritsch (russ.)
1. Trunk zur Bekräftigung eines Kaufabschlusses, auch in der Form eines Festmahles mit Beteiligung weiterer Personen.
2. Draufgabe.
3. In Riga auch Festessen, das ein Verlobter seinen Freunden kurz vor der Hochzeit gab.
4. Trunk am Verdingungstage.
Rechenberg-Linten, Zustände Kurlands, Mitau 1858, 37; Rig. Wörterb. 146; Latv. Enc. 1510.
1. Größeres Ladengeschäft (StGB 1845 § 1314, im Unterschied zur --> Bude).
2. Speicher, insbesondere Gemeindemagazin zur Lagerung von Getreidevorräten der Gemeinde zur Vorsorge für Mißernten. In Livland hatten seit 1763 die Gutsbesitzer eine gewisse Menge Getreide (Reservatkorn) zum Besten der Bauern bereitzuhalten, auch die Bauern mußten bestimmte Mengen Brot- und Saatgetreide speichern. In Estland wurden Dorfmagazine aufgrund kaiserlichen Befehls vom 27. Juni 1785 eingerichtet. Aufgrund des allgemeinen russischen Gesetzes über Getreidemagazine von 1799 wurden solche auch in Kurland sowie Lettgallen eingeführt. Bauern wie Gutsherren mußten jährlich bestimmte Kornmengen abliefern. Die Magazine konnten Saatdarlehen ausgeben, die nach der Ernte zurückzugeben waren (--> Baat). 1904 wurden die Getreidevorräte aufgelöst, da zu viel Verderb eingetreten war, und durch Geldzahlungen ersetzt
Gernet 120, 152; Tobien, Agrargesetzgebung I 359, Creutzburg 33 ff., 84; Latv. Enc. 1828.
Magistrat, Rat
In Riga und Reval die aus Rechtsgelehrten und Kaufleuten bestehende Stadtobrigkeit und zugleich der erste Stand der --> Bürgergemeinde. Vereinte als rechtsprechende, gesetzgebende und verwaltende Körperschaft alle drei Gewalten. In Reval bestand er aus vier Bürgermeistern (darunter mindestens ein Jurist) dem ebenfalls rechtsgelehrten --> Syndikus und vierzehn --> Ratsherren (Ratmännern), darunter zwei weitere Juristen. Die Zuwahl erfolgte durch Kooptation nach bestimmten Regeln. In Riga war die Zusammensetzung ähnlich, mit zeitweilig leichten Abweichungen. In Dorpat bestand der Magistrat aus zwei Bürgermeistern und sieben Ratsherren, von denen der eine zugleich Syndikus war. In der --> Statthalterschaftszeit vorübergehend aufgehoben, durch die russische --> Städteordnung 1878 auf die juristische Funktion beschränkt und 1889 endgültig abgeschafft. --> Justizbürgermeister, -->Kommerzbürgermeister.
Aktenstücke Riga I 296, Hartmann 53; BPR I § 635.
Seit Justizreform von 1889 Bezeichnung der Richterschaft in Gegenüberstellung zur Anwaltschaft und Staatsanwaltschaft: Magistratur – Advokatur – Prokuratur.
Latv.Enc. 1592.
Magritsch --> Magaritsch
Die baltischen Mühlen waren ursprünglich sämtlich, im 20. Jh. noch auf dem Lande, sogenannte Kunden- oder Lohnmühlen, die nicht mit Getreide oder Mehl handelten, sondern das von den Kunden angefahrene Getreide gegen Entgelt verarbeiteten. Jeder Kunde erhielt das aus seinem eigenen Korn hergestellte Mehl. Bei starkem Arbeitsanfall mußten die Kunden oft tagelang auf Abfertigung warten. Es waren daher vielfach für sie Aufenthalts- und Übernachtungsräume eingerichtet. Aus dieser Beherbergung in oder bei der Mühle mag die Bezeichnung M. geprägt worden sein, da die Lage des Kunden eine gastähnliche war.
Anrede des rigischen Stadtteils-Polizeioffiziers.
Rig. Wörterb. 146.
Majorat --> Fideikommiß
Vermittelte nicht nur Geschäfte, sondern beaufsichtigte auch den Handel in Riga. Ursprünglich wurden sie allein vom Rat bestellt, später erhielt die Große --> Gilde das Präsentationsrecht, das dann auf das --> Börsenkomitee überging. Für Reval gilt das Entsprechende.
Aktenstücke Riga I 506; Carlberg, Verwaltung Rigas 83 f.
Malzkerl --> Fußarbeiter
Im Mittelalter gab es von den Landesherren ernannte --> Mannrichter, die mit Urteilsfinder und Schöffen Gericht hielten. Sie wurden in Estland bis zur Justizreform von 1889 beibehalten, wiewohl Zuständigkeit, Verfahren und Zusammensetzung des Gerichts sich im Laufe der Zeit gewandelt hatten. In russischer Zeit bestanden die Manngerichte aus einem Mannrichter und zwei Assessoren (--> Assessor). Sie tagten nicht in ihrem Bezirk, sondern sämtlich auf dem Revaler Dom im Ritterhaus und zwar zu gleicher Zeit mit dem --> Oberlandgericht, das dann sofort als Berufungsinstanz angerufen werden konnte. Die Mannrichter waren ehrenamtlich tätig; sie mußten immatrikulierte Adlige sein und wurden von der Ritterschaft auf drei Jahre gewählt. Eine juristische Ausbildung war nicht erforderlich. Der Mangel wurde dadurch ausgeglichen, daß der lebenslänglich angestellte --> Sekretär rechtskundig sein mußte. In Strafsachen war das M. Prozeß- und Vollstreckungsgericht seines Kreises, in Zivilsachen zuständig für alle Einwohner weltlichen Standes, ausgenommen die vor die Bauernbehörden kompetierenden Sachen.
BPR I § 917 ff.; R-S II 16 f., 23 f; Oswald Schmidt, Das Verfahren vor dem M. in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten zur Zeit der bischöflichen und Ordensherrschaft, Dorpat 1865.
1.Estland: Vorsitzender eines --> Manngerichts. Die drei Mannrichter mit ihren sechs Assessoren waren zugleich Mitglieder beim --> Niederland- und Landwaisengericht, der Harrische M. vertrat auch den --> Ritterschaftshauptmann als Vorsitzender dieses Gerichts.
BPR I § 892, 904.
2. Kurland und Pilten: Noch in herzoglicher Zeit gab es in jeder Hauptmannschaft einen Mannrichter, der vom Adel gewählt und vom Herzog oder (in Pilten) vom König bestätigt wurde. Ihm oblag die Urteilsvollstreckung und die Aufsicht über Wege und Brücken. 1812 wurde das Amt in Kurland aufgehoben und die Obliegenheiten dem --> Hauptmannsgericht übertragen. In Pilten, wo der Mannrichter mit zwei Beisitzern amtierte, erfolgte die Aufhebung 1817 bei der Vereinigung mit Kurland.
R-S II 69 ff., 74; Ziegenhorn §§ 551 f.; Bunge, Geschichte 282 f., 311.
Handakten.
Samson § 82 Anm.
Manufaktur, Werkstühle
Wird als kleinere nichtzünftige Produktionsstätte in der StadtO 1785 genannt, darf von jedem Bürger (§ 90), steuerrechtlich von Kaufleuten der III. Steuergilde betrieben werden (--> Gildekaufmann, --> Vermögenssteuer). Der Begriff taucht im BPR nicht mehr auf.
StadtO 1785 §§ 90, 117.
Marinereglement
Dem --> Kriegsreglement für das Landheer entsprechende Zusammenstellung der Vorschriften für die Flotte vom 13. Januar 1720 (PS zak 3458). Es enthielt unter anderem Strafbestimmungen für Seeleute und wurde ebenso wenig wie das Kriegsreglement in den --> Swod Sakonow aufgenommen, sondern bestand neben diesem.
Einer der beiden Ratsdiener beim Kommerz- und Polizeibürgermeister (--> Kommerzbürgermeister) in Narva. Seine Aufgabe war die Überwachung des Markthandels, insbesondere die Verhinderung der Vorkäuferei. --> Vorkauf.
BPR I § 1631.
Marschkommissär
Beamter zur Organisation des Durchmarsches von Truppen und ihrer Versorgung mit Futter und Fuhren (Vorspann, --> Schüsse). In Livland vom --> Landratskollegium beim --> Ordnungsgericht bestellt, in Estland von der --> Gouvernementsregierung beim --> Hakenrichter angestellt und als --> Kreiskommissär bezeichnet, in Kurland beim --> Hauptmannsgericht Doblen durch die Ritterschaft gewählt.
BPR I §§ 400, 405, 965, 1362, 1364; Tobien, Ritterschaft 1484.
Nach Maßgabe zu befriedigende Forderung
Anteilsmäßig, "wenn die Masse nicht zur vollen Befriedigung ausreicht".
Konk. Regeln §§ 35 f.
Verkäufer von Arzneisubstanzen en gros, pharmazeutische Großhändler.
StGB 1845 § 1096.
Matrikel, Adelsmatrikel
Verzeichnis der zu einer Ritterschaft gehörenden Adelsgeschlechter. Die älteste Matrikel entstand in Kurland im 17. Jh., zunächst --> Ritterbuch genannt, aufgrund von Entscheidungen der "Ritterbanken" (Gremium aus Mitgliedern des Stammadels), ebenso im Kreis Pilten. Nach der "Verbrüderung" beider Ritterschaften 1819 wurden die Matrikeln vereinigt. In Liv- und Estland wurde zwar zu schwedischer Zeit die Errichtung einer M. angeordnet, jedoch erst nach dem Nordischen Kriege durchgeführt und 1742 bzw. 1756 durch die hierzu eingesetzten Kommissionen beendet. Die adligen Familien wurden nach Klassen, entsprechend der Zeit ihrer Aufnahme in den Adel bzw. dem Nachweis des Stammadels eingeteilt: Bischöfliche und Ordenszeit, polnische, schwedische, russische Zeit. In der Zeit der --> Statthalterschaftsverfassung (1785-1796) wurden anstelle der Matrikel die russischen -->Gouvernements-Adelsgeschlechtsbücher geführt. Die --> Immatrikulation, das heißt die Aufnahme neuer Mitglieder in die Adelskorporationen, fand auf den Landtagen statt, ebenso ein Ausschluß, der jedoch nur eine Einzelperson betraf, nicht das ganze Geschlecht, während die Aufnahme auch für die Nachkommenschaft galt. Personen, die durch kaiserlichen Gnadenakt ein --> Rittergut in den baltischen Provinzen erhielten, mußten mit ihrem Geschlecht unverzüglich ohne Aufnahmeverfahren in die M. eingetragen werden. Die Matrikeln wurden von den Ritterschaften geführt.
BPR II §§ 7-25, 893.
Maximum --> Bauernhöfe, Minimum-Maximum der
Medizinalinspektor
1797 eingesetzter Leiter der --> Medizinalverwaltung eines Gouvernements, seit 1869 Leiter der Medizinalabteilung der Gouvernementsregierung mit der Amtsbezeichnung „Oberster Sanitätsbeamter des Gouvernements“.
1797 im Rahmen der einheitlichen Medizinalorganisation in der Provinz für jedes Gouvernement eingerichtet, bestehend aus --> Medizinalinspektor, Accoucheur und Operateur (PS zak I Bd. 24 Nr. 17 743). Aufgaben: die gesamte Sanitätsaufsicht (einschließlich Viehseuchen) und gerichtsmedizinische Untersuchungen. Die Kompetenz erstreckte sich bis 1805 auch auf medizinische Einrichtungen von Armee und Marine, danach nur auf Ärzte, Krankenanstalten und Apotheken. 1865 der Gouvernementsregierung eingegliedert, 1869 in eine Medizinalabteilung derselben umgebildet. Accoucheur und Operateur wurden 1869 abgeschafft; später kamen Pharmazeuten und Veterinäre (ab 1897 Gouvernements-Veterinärinspektor) hinzu. -->Apothekengericht, --> Rettungsanstalt.
Meilengelder
Reisekostenentschädigung, berechnet nach der zurückgelegten Strecke in Meilen anhand einer besonderen Taxe. Seit der Justizreform von 1889 wurde in Werst, in den baltischen Republiken in Kilometern gerechnet.
Versteigerung an den Meistbietenden. Hierfür war auch der russische Ausdruck --> Torg geläufig.
BPR III Art. 3962 ff.; Gutzeit II 231.
Zünftiger Handwerker, der die vorgeschriebene Laufbahn (Lehre, Gesellenzeit, Gesellenwanderung) absolviert und durch ein Meisterstück nachgewiesen hatte, daß er seine Profession beherrschte. Nur M. waren selbst ausbildungsberechtigt und durften Lehrlinge und Gesellen beschäftigen. --> Amt, --> Gewerk, --> Muthen.
Blumenbach 16 ff.
Meister, gelehrter
In Rußland verliehener Rang an Absolventen einer Handwerkslehranstalt. Gelehrte Meister waren von den Leibesstrafen ausgenommen.
StGB 1845 Beil. I § 4 Nrn. l u. 8.
Meldungsurkunden
Nach russischem Recht öffentliche Urkunden, die in der Weise zustande kamen, daß der Aussteller sie dem Notar vorwies, seine Urheberschaft erklärte und die Vorweisung und Erklärung beglaubigen ließ. Mit der --> Justizreform von 1889 wurde das Verfahren auch in den baltischen Provinzen zulässig.
ReorgVO § 165; G-N I 120.
Verwendungen. Der Ausdruck wird noch in Bunges zivilrechtlichen Schriften gebraucht, vom BPR III nur noch im Stichwortregister.
Bunge, Liv-estl.PR § 158; Ders., KurlPR § 154.
Sein Recht in der Berufungsinstanz verbessern.
IKP l I § 44.
Mengekauf
Kauf mehrerer Grundstücke zu einem Gesamtpreis (BPR III Art. 1626). Das LZ erwähnt ihn nicht mehr, ebensowenig den "Kauf in Bausch und Bogen" oder "Aversionskauf" (Art. 3857), das ist der Kauf einer Sachgesamtheit zu einem Preis.
Menschenalter --> Besitz, unvordenklicher
Mensual --> Tischregister
Meschtschanin, Kleinbürger, Beisasse
Die Stadtordnung von 1785 nennt diese Kategorie der städtischen Bevölkerung, die sich in niederen Berufen (nicht --> Gildekaufmann oder zünftiger Handwerker) betätigte, Poßadskie (Beisassen). Auch diese gehörten nunmehr (bis 1796) zu dem erblichen Stand der --> Bürger mit Anteil an der Stadtverwaltung. In zeitgenössischen Quellen der Ostseeprovinzen (Kirchenbücher, Album academicum der Universität Dorpat) meist als "Kleinbürger" bezeichnet, obwohl sie formal das örtliche Bürgerrecht von 1796 bis 1878 nicht besaßen; seit 1866 von der --> Kopfsteuer befreit, als Kategorie bis 1917 erhalten, jedoch mit Aufstiegsmöglichkeiten in Wirtschaft, akademischen Berufen und als Beamte. --> Beisasse.
StadtO 1785 § 138, BPR II § 941; Balt. Bürgerkunde 116; Blumenbach 47.
Messeramt
Rigisches Amt für Arbeiter, die das Messen der Waren besorgten. Es gab Saat-, Salz-, Steinkohlen-, Kalk- und andere Messer. In Reval gehörten die Messer zu den Arbeitskerls. --> Undeutsche Ämter.
Gutzeit II 235; Elias 38.
Meßkanzlei, Meßkomptoir
Geschäftsstelle des Vermessungsamts (StGB 1845 § 465).
Meßrevisionskommission
Die mit der Livl. BVO 1804 ins Leben gerufene --> Revisionskommission wurde 1809 durch eine M. abgelöst, bestehend aus vom Kaiser ernannten Präsidenten und Vizepräsidenten und vier von der Ritterschaft gewählten Mitgliedern. Sie sollte für die Katastrierung der noch nicht vermessenen und bonitierten Bauernhöfe sorgen, die Wackenbücher auf ihre Richtigkeit prüfen und nötigenfalls abändern, um das Soll des Bauern mit Größe und Qualität des Hofes in Einklang zu bringen (--> Wackenbuch). Die der M. gesetzte Frist von sechs Jahren konnte wegen der Napoleonischen Kriege nicht eingehalten werden. Die Kommission beendete das Werk erst nach Erlaß der BVO 1819, als die Verbindlichkeit der Wackenbücher bereits aufgehoben war.
Tobien, Agrargesetzgebung 206, 252 ff., 267.
Meßsachen
Vermessungssachen, Grenzstreitigkeiten.
ReorgVO § 162.
Messungssoldaten
Den Vermessungsbeamten als Hilfskräfte zugeteilte Soldaten, vornehmlich Pioniere.
StGB 1845 § 467.
Verzeichnis der Glieder der orthodoxen Staatskirche in Rußland. 1886 wurden die Eingetragenen von den Abgaben (Reallasten) für die Landeskirche befreit.
Balt.Ki.Gesch.201.
Mietgelder
Zahlungen an den Herrn eines als Rekruten gestellten Leibeigenen.
StGB 1845 § 534.
1559 in Riga von der Brüderschaft Großer Gilde begründete Stiftung zur Unterstützung der Prediger, Lehrer und armer Theologiestudenten. Die freiwilligen Beiträge sollten jährlich zu Weihnachten ausbezahlt werden. Seit 1592 lag die Oberaufsicht beim --> Magistrat: Ein Bürgermeister hatte die Oberinspektion, ein Ratsherr als Vertreter die Inspektion. Im übrigen bestand der Vorstand aus dem Ältermann und vier Bürgern der Großen --> Gilde.
Aktenstücke Riga I 300; Campenhausen 60; Keußler 80.
Im Rahmen der Militärverwaltungsreform 1862 eingerichtet: Liv- und Kurland zunächst beim Bezirk Wilna; 1864 bis 1870 Rigaer Bezirk für alle drei Ostseeprovinzen; danach Estland beim Petersburger, Liv-und Kurland wieder beim Wilnaer Bezirk; 1890 Livland ohne den Kreis Riga beim Petersburger Bezirk. Der Oberkommandierende der Truppen im Militärbezirk befehligte die im Bezirk stehenden Formationen der Armee. Weitere militärische Bezirke vor 1864: Livländischer --> Artilleriebezirk, 1861 bis 1864 Festungsartilleriebezirk genannt (die Aufgaben übernahm der Artilleriechef im M.); Livländischer -->Ingenieurbezirk (die Aufgaben übernahm 1864 der Ingenieurchef im M.).
Amburger 327ff.
Militärdienst --> Rekrutierung
Militärgouverneur --> Kriegsgouverneur
Militärkantonist
Von einem Soldaten abstammender Waisenknabe in öffentlicher Fürsorge. Die Militärkantonisten wurden in Livland vom--> Ordnungsgericht, in Estland vom --> Hakenrichter, in Kurland vom --> Hauptmannsgericht betreut; sie wurden als Halbwaisen dem lebenden Elternteil, sonst Verwandten zur Erziehung anvertraut. Die Gerichte hatten besondere Verzeichnisse über sie zu führen.
Gutzeit II 239 (Militärwaisenknabe); BPR I §§ 411 Nr. 44, 973 Nr. 52, 1371 Nr. 45.
Militärwaisenknabe --> Militärkantonist
Minimum-Maximum-Regelung --> Bauernhöfe, Minimum-Maximum der
Diese alte mittelalterliche Bezeichnung wurde in Reval für die vier Gerichtsdiener des Rats (auch Wachtmeister oder Bürgermeisterdiener genannt) verwendet (BPR I § 1009), welche Ladungen zustellten und als Aktenträger wirkten, während der Sitzungsdienst – der Funktion eines deutschen Justizwachtmeisters entsprechend – von einem Hausschließer wahrgenommen wurde. Das --> Stadtgericht, --> See- und Frachtgericht und das --> Mündliche Gericht hatten eigene Ministeriale.
BPR I § 1094.
In Riga und Reval Bezeichnung für die Geistlichen der Stadt: In Riga standen bei der St. Peterskirche ein Oberpastor und ein Diakon, am Dom und an der Johanniskirche je ein Pastor, ein Diakon und ein Wochenprediger. In Reval waren es ebenfalls acht: Bei jeder Kirche standen ein Pfarrer und ein Prediger (Diakonus), bei der Hauptkirche St. Olai aber ein Oberpastor und ein Pastor. Ersterer war mit dem Titel Superintendent geistlicher Vizepräsident beim --> Stadtkonsistorium.
Aktenstücke Riga I 428; II 353;Elias 55.
Ministerschule
Gemeinde- oder --> Parochialschule, die ab 1884 im Zuge der Russifizierung in der dritten Klasse die russische Unterrichtssprache einführte und dafür nicht von der Gemeinde oder vom Kirchspiel unterhalten werden mußte, sondern gouvernemental subventioniert wurde.
Tobien, Ritterschaft I 250, 270; Latv.Enc. 1707.
Mischehe --> Ehe, Gemischte
Missiv(buch)
Verzeichnis der ausgehenden Schreiben, Berichte, Zeugnisse und sonstigen Schriftstücke. In Reval wurde es seit jeher als Konzeptbuch geführt. Für die übrigen Behörden wurde erst 1852 angeordnet, daß die ausgehenden Schreiben ihrem Hauptinhalt nach einzutragen seien, jedoch mit Verweisung auf das --> Protokoll oder --> Journal.
BPR I §§ 188 und Anm. (F) 489 Nr. 1, 653, 873 Nr. 3, 1051.
Mistreesche --> Reesche
Indigener Adliger.
Tobien, Agrargesetzgebung I 27.
Mitdeputierter
Zweiter Deputierter eines Kirchspiels auf dem kurländischen Landtag (--> Kirchspielsdeputierter). Beide hatten zusammen jedoch nur eine Stimme. Auf Abstimmungen gab nur der als erster gewählte Deputierte die Stimme ab, der Mitdeputierte nur in Abwesenheit des ersten.
BPR II § 301; Kurl. LandtagsO 1897 §§ 86, 92.
Mitgabe --> Ehegeld
Bei einer Weide- oder Hutgerechtigkeit die Befugnis des dienenden Grundstücks, auch das zum Bestand seines Eigentümers gehörende Vieh auf derselben Weide zu hüten. Reichte der Ertrag nicht für beide Herden, so mußten die Bestände anteilsmäßig verkleinert werden. Das dienende Grundstück hatte aber diese Verpflichtung allein, wenn die Zahl des fremden Viehs vertraglich festgelegt war (BPR III Art. 1137). Das LZ hat die Servitut der Weidegerechtigkeit abgeschafft.
1. In der Republik Lettland: Bezeichnung der Gymnasien. Sie führten jedoch zum Teil "Gymnasium" in ihrer Benennung, zum Beispiel Klassisches Gymnasium in Riga.
Rauch 113; Wachtsmuth, Deutsche Arbeit II 121.
2. In der Republik Estland: auf der Grundschule aufbauende fünfklassige Schule, die zur Aufnahmeprüfung in das dreiklassige Gymnasium führte. Teilweise wurden die Gymnasien auch als M. bezeichnet.
Handwörterbuch 214.
Mahnung auf dem Amtswege mit Androhung sofortiger Zwangsvollstreckung. Eine Voraussetzung des zu den summarischen Verfahren in Kurland gehörenden Exekutionsprozesses. Dieser war nur bei "klaren und liquiden Obligationen" zulässig (IKP 2 I § 2). War die gerichtliche --> Aufsage wirkungslos geblieben und zum --> Johannistermin nicht bezahlt, konnte "der Executionsprozeß mit Nachsuchung eines landesüblichen Monitorii" eingeleitet werden (§ 10). Dieser Antrag wurde an den Herzog gerichtet. Seine Kanzlei erließ das Monitorium des Inhalts, der Schuldner solle das Kapital nebst Zinsen und Kosten erlegen und den Antragsteller "in allen Stücken nach Inhalt der Obligation binnen rechtlicher Frist vergnügen oder widrigenfalls der Hülfe des Rechtes gewärtig sein". Nach Prüfung etwaiger Einwendungen entschied die "Hochfürstliche Kammer" über die Zulässigkeit der Exekution und erteilte bejahendenfalls dem --> Mannrichter einen Vollstreckungsbefehl (Executoriale). In den Städten wurde das Monitorium (stadtübliches M.) vom Rat bewilligt (IKP 2 IV §§ 13 ff.), das Executoriale vom Stadtsekretär erteilt, worauf die --> Immission stattfinden konnte.
Monopolbude
Im Jahre 1900 wurde in Rußland ein staatliches Branntweinmonopol eingeführt und auch auf die baltischen Provinzen ausgedehnt. Der Verkauf des Branntweins erfolgte in besonderen Läden, den Monopolbuden.
Moratorium --> Anstandsbrief
Mortifikationsprozeß
Aufgebotsverfahren zwecks Kraftloserklärung einer Urkunde.
BPR I § 1332 Nr. 3.
Mukeisen, Munkeisen (lett.: mukizeris)
Mündelvermögen --> Tutorium
Verfassen von Reinschriften anhand des Konzepts.
Kurl. KanzlO 1796 § 25 Nr. 5 u. 6.
Mündliche Klage
Beim Friedensrichter zu Protokoll erklärte Klage. Ursprünglich mußte diese in ein besonderes Buch eingetragen werden (ZPO 1864 § 52). In den baltischen Republiken wurde es jedoch nicht mehr geführt, sondern das Protokoll gleich einer Klageschrift zu den Akten genommen.
Mündliche Konferenz -->Konferenz
Mündliches Gericht
Schon im 18. Jh. war es in Reval üblich, daß der --> Gerichtsvogt Bagatellsachen mündlich auf seiner Diele abmachte. Im 19. Jh. wurde dieser Brauch institutionalisiert. Das M. G. amtierte als Revaler Untergericht in den einzelnen Stadtteilen für kleine Zivilstreitigkeiten und für Schuldsachen, "deren Bestand sich aus mündlichen Angaben der Beteiligten ergibt" (BPR I § 1160), wo mithin keine Schuldurkunden vorlagen. Den Vorsitz führte ein Ratsherr, Beisitzer war ein aus der Bürgerschaft oder den Stadtbeamten gewählter Polizeiinspektor. Verhandelten schon die übrigen Untergerichte mündlich und summarisch (§ 1119) und grundsätzlich ohne Zulassung von Anwälten, so war deren Beteiligung beim Mündlichen Gericht "unbedingt ausgeschlossen". Das Verfahren war auf einen gütlichen Ausgleich gerichtet; gelang dieser nicht, wurde eine Entscheidung nach billigem Ermessen getroffen. Hiergegen konnte Berufung an das --> Niedergericht eingelegt werden. Die Vollstreckung erfolgte durch die Polizei aufgrund einer Protokollabschrift. Eigentlich eine Einrichtung der --> Statthalterschaftsverfassung (Elias 82), wurde nach deren Aufhebung (1796) beibehalten.
Mündliches Verhör --> Konferenz, mündliche
Munsterdiener , Musterdiener
Angestellter beim Rigaer --> Munstereigericht.
Aktenstücke Riga II 356; Gutzeit II 262.
Munstereigericht, Mustereigericht
Bestand in Riga aus dem ältesten Bürgermeister als --> Obermunsterherrn und einem Ratsherrn als --> Munsterherrn. Zuständig für alle die Stadtsoldaten (--> Stadtinfanteriekompagnie) betreffenden Sachen (Musterung, Disziplinarrecht), es führte die Aufsicht über die Zeughäuser, Pulvertürme und andere militärische Gebäude sowie über die Wall- und Befestigungsarbeiten. Bestand bis zur Aufhebung der Militärverfassung. In Reval --> Stadtkriegsgericht.
Aktenstücke Riga I 301, 307, 317; Campenhausen 84.
Munsterherr, Münsterherr, Musterherr
In Riga Ratsherr als Mitglied des --> Munstereigerichts. In Reval sprach man von Munster- oder Artillerieherren (zwei Ratsherren), die zusammen mit dem Munsterschreiber dieselben Aufgaben wahrnahmen.
Aktenstücke Riga I 307; Elias 17.
Münsterherr --> Munsterherr
Munsterherrschaft, Munstereiherrschaft --> Obermunsterherrschaft
Musterdiener --> Munsterdiener
Mustereigericht --> Munstereigericht
Musterherr --> Munsterherr
"Die den Gesellen, welche um das Meisterrecht ansuchen, obliegende Verpflichtung, vor Einreichung ihres Meisterstücks (ihrer Probearbeit), sich der Prüfung wegen einige Zeit bei einem zuständigen zünftigen --> Meister aufzuhalten". In Riga Pflicht für Ofensetzer, Zimmerleute, Maurer, Schlosser und Wagenbauer, "der besonderen Wichtigkeit dieser Handwerke wegen" (BPR II § 954 Anm.).

References: § 1314
 § 635
 § 917
 § 892
 § 82
 § 1631
 § 1096
 Art. 3962
 § 4
 § 165
 § 158
 § 154
 § 44
 Art. 1626
 § 138
 § 941
 § 465
 § 162
 § 467
 § 534
 § 1009
 § 1094
 § 301
 Art. 1137
 § 2
 § 1332
 § 25
 § 52
 § 1160
 § 954