Source: http://www.datadiwan.de/geistigesheilen/gh_000d_.htm
Timestamp: 2017-10-19 07:07:25+00:00

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Autor: Firgau, Bernhard
Keywords: Heilen, Healing, Geistiges Heilen, Spiritual Healing, Ethik, Dachverband Geistiges Heilen, Heilkunde, Rechtslage, gesetzliche Bestimmungen
Abstract: Dieses Dokument soll Aufklärung geben über Möglichkeiten uind Grenzen von Geistigem Heilen in Deutschland. Es gibt eine Übersicht der Rechtslage in Deutschland. Inhalt: Gesetzliche Bestimmungen, Gerichtsentscheidungen und eine Literaturauswahl zur Rechtslage.
Copyright: Dr. iur. Firgau, Bernhard, Weinheim 1997
Geistiges Heilen ist in Deutschland im Grundsatz erlaubt. Wer berufsmäßig oder gewerblich Heilkunde betreibt, muß dazu allerdings Arzt oder Heilpraktiker sein. Auseinandersetzungen vor Gericht befassen sich daher mit zwei Schwerpunkten:
Ist geistiges Heilen überhaupt "Heilkunde" oder ein religiöser Ritus? Die Gerichte vertreten die sog. "Eindruckstheorie". Danach ist jede Tätigkeit Heilkunde, die beim Patienten den Eindruck erweckt, sie ziele darauf ab, Krankheit, Leiden oder Körperschäden zu heilen. Auf die tatsächliche Wirksamkeit des Heilens kommt es dabei nicht an. Der Streit um die Wissenschaftlichkeit oder Placebowirkung ist dadurch ohne jede Bedeutung für die Rechtslage. Die Rechtsfrage verlagert sich damit auf die Frage, wann ein solcher Eindruck entsteht und wie man ihn vermeiden kann: Kommt es auf die Betrachtung des Einzelfalles an oder geht es um eine pauschale Bewertung, wie der Durchschnittspatient die Tätigkeit werten würde? Die meisten Gerichte vertreten die zweite Alternative. Wegen dieser allgemeinen Betrachtungsweise berufen sich die Gerichte auf den Schutz der Volksgesundheit auch in den Fällen, wo ein unheilbar Kranker von den behandelnden Ärzten als therapieresistent oder austherapiert aufgegeben worden ist.
Der Heiler tritt "berufsmäßig" auf. Streitpunkt ist vor allem, ob die Berufsmäßigkeit sich dadurch ergibt, daß der Heiler Spenden nimmt und ab welchem Umfang der Tätigkeit eine berufsmäßige Ausübung der Heilkunde vorliegt. Sobald ein Heiler unter der Aufsicht eines Arztes oder Heilpraktikers arbeitet, liegt jedoch keine selbständige Tätigkeit mehr vor. Vielmehr ist dies eine der "Sprechstundenhilfe" vergleichbare erlaubnisfreie Tätigkeit.
In der Diskussion befinden sich auch die Vorschriften über die Ausgestaltung der Heilpraktikerprüfung. Für eine psychotherapeutische Tätigkeit werden nicht die sonst z.B. in Anatomie und Physiologie geprüften Kenntnisse verlangt, da der Therapeut auf diesen Gebieten überhaupt nicht tätig werden will. Der Dachverband geistiges Heilen e.V. hat entsprechende Überlegungen für Heiler empfohlen. Zur Zeit wird in einem Musterverfahren der Antrag eines Heilers auf eingeschränkte Prüfung behandelt.
Heilpraktikergesetz (auszugsweise)
(2) Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs­ oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienst von anderen ausgeübt wird.
Wer, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufes berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach diesem Gesetz die Heilkunde ausübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
(geordnet nach Gerichten und danach in chronologischer Reihenfolge):
Entscheidung vom: 10.05.1988
Az.: 1 BvR 482/84, 1166/85
Fundstelle: NJW 1988, 2290 = BVerfGE 78, 179
§ 1 III HPG
§ 2 Abs.I lit i) DVO HPG
§ 2 I lit.b der 1. DVO zum HPG.Ausländer
Berufsbildfixierungen
Entscheidung vom: 24.10.1994
Az.: 1 BvR 1016/89
Fundstelle: Süddeutsche Zeitung v. 25.2.1995
§ 7 HPG
allgemein-heilkundliche Kenntnisse
Art. 74 Nr.19 GG
Art.123 Abs.1 GG
Art.125 GG
beabsichtigtes Tätigkeitsgebiet
Erlaubniszwang
geplante Berufstätigkeit
selbständige Ausübung nichtärztlicher Psychotherapie
Überprüfung auf die Kenntnisse und Fähigkeiten
vollständige Heilpraktikerprüfung
Entscheidung vom: 24.1.1957
Az: I C 10/54 (Berlin)
Fundstelle: NJW 1957, 841 = BVerwGE 4, 154
§ 1 Abs.2 1 DVO
§ 2 Abs.1 HPG
§ 8 1. DVO
§ 9 1. DVO
Anspruch auf Berufszulassung
Rechtsanspruch auf die Erteilung der Berufserlaubnis
Entscheidung vom: 9.5.1957
Az: I C 31/54
Fundstelle: MDR 1957, 503
BerufsO 1941
Betrieb einer Zweigstelle
Praxis in Gastwirtschaft
Entscheidung vom: 14.10.1958
Az.: I C 25/56 (Münster)
Fundstelle: NJW 1959, 833
amtl. Begründung zum HPG
besondere ärztliche Fachkenntnisse
Schutzbedürftigkeit des Kranken
unsachgemäße Ausführungen
Entscheidung vom: 25.6.1970
Az.: I C 53/66 (Münster)
Fundstelle: NJW 1970,1987 = BVerwGE 35, 308
Anleitung und Beaufsichtigung durch einen Arzt
ärztliche Fachkenntnisse
ärztliche Leitung und Aufsicht
Beschränkung auf ein Spezialgebiet
Gefahr für die Volksgesundheit
keine nennenswerten Gesundheitsgefahren
nichtärztliche Hilfskräfte
Entscheidung vom: 10.02.1983
Az.: 3 C 21/82
Fundstelle: NJW 1984,1414 = BVerwGE 66,367
abhängige Stellung
allgemeine Auffassung
angestrebte berufliche Tätigkeit
Art.3 I GG
Bevölkerung als Ganzes
Gefährdung des Patienten
heilkundliche Fachkenntnisse
hypnotische Beeinflussung
keine Fachprüfung
konkret beabsichtigte Heilkundetätigkeit
psychoanalytische Beeinflussung
weisungsabhängig
Zusatzausbildung als Psychotherapeut
Entscheidung vom 2.8.1991
Az.: 3 B 2.91 (Koblenz)
Fundstelle: MedR 1992, 52
§ 132 Abs.2 Nr.3 VwGO
§ 144 Abs.4 VwGO
außerhalb jedes vernünftigen Zweifels
Entscheidung vom: 21.1.1993
Az.: 3 C 34/90 (Lüneburg)
Fundstelle: NJW 1993, 2395 = DÖV 1993, 568
§ 30 BSeuchG
allgemeine medizinische Grundkenntnisse
Anspruch auf Erteilung der Erlaubnis
Bezeichnung Heilpraktiker
Gleichartigkeit der geplanten Betätigung
Entscheidung vom: 11.11.1993
Az.: 3 C 45/91 (Mannheim)
Fundstelle: NJW 1994, 3024
ärztliche Berufsausübung ersetzende Tätigkeit
Eindruckstheorie des BGH
Heilmagnetisieren
nationalsozialistischer Charakter
Zuständigkeit für Untersagungsverfügungen
Entscheidung vom: 23.2.1971
Az.: II OE 103/69
Fundstelle: GewArch 1971, 238
Heilpraktikerzulassung ohne medizinische Kenntnisse
Kenntnis gemeingefährlicher Krankheiten
Kenntnis des Seuchengesetzes
Kenntnis gesetzlicher Meldepflichten
Entscheidung vom: 8.11.1988
Az.: 6 A 21/88
Fundstelle: MedR 1990, 283
Entscheidung vom: 16.12.1993
Az.: S 326/93 (VG Freiburg)
Fundstelle: MedR 1994, 369
Abgabe von Essenzen
Ablehnung der Schulmedizin gegenüber den Patienten
Behandlung ohne Diagnose und Anamnese
Verstoß gegen medizinische Grundsätze
Verwaltungsgericht Stade (Kammer Lüneburg)
Entscheidung vom: 27.04.1989
Az.: 1 A 153/87
Fundstelle: NJW 1990,789
Entscheidung vom: 4.11.1955
Az.: 5 StR 421/55 (LG Itzehoe)
Fundstelle: BGH St 8,237 = NJW 1956, 313
Tateinheit zwischen Betrug und Vergehen gegen das HPG
übernatürliche Gewalten
vorgetäuschte Kräfte
Entscheidung vom: 13.9.1977
Az.: 1 StR 389/77 (LG Offenburg)
Fundstelle: NJW 1978, 599 = LM HeilpraktikerG Nr.3
allgemeine Anschauung
geordnete Gesundheitspflege
medizinisch-wissenschaftliche Fachkenntnisse
überirdische göttliche Kräfte
Entscheidung vom: 5.7.1983
Az.:1 StR 168/83
Fundstelle: BGH St 32, 38 = NJW 1983, 2579 = NStZ 1984, 70
Entscheidung vom: 21.7.1948
Az.:1 Ss 179.48
Fundstelle: JR 1950, 117
Entscheidung vom: 3.4.1984
Az.: RReg. 4 St 40/84
Fundstelle: NJW 1984, 2463
nichtärztlicher Psychotherapeut
Zusammenarbeit mit Arzt/Heilpraktiker
Entscheidung vom: 16.04.1987
Az.: 1 Ss 123/87
Fundstelle: Rebmann, Dahs, Miebach, NStE Nr.1 zu § 5 HPG = NStZ 1987, 468
Entscheidung vom: 25.2.1993
Az.:2 Ss 1/93
Fundstelle: Rebmann, Dahs, Miebach, NStE Nr.2 zu § 5 HPG
Entscheidung vom: 14.05.1987
Az.: (505) 1 Wi Js 6159/84 Ls(Ns)(26/86)
Fundstelle: Rebmann, Dahs, Miebach, NStE Nr.1 zu § 1 HPG = NJW 1988, 780
Entscheidung vom: 18.03.1988
Az.: 5 Ds 20 Js 1422/87 (9/88)
Fundstelle: Rebmann, Dahs, Miebach, NStE Nr.2 zu § 1 HPG
Begutachtung des Seelenzustandes
Eintrag im Telefonbranchenverzeichnis
Selbstheilung des Patienten
Entscheidung vom: 29.6.1987
Az.: II ZR 5/87 (Schleswig)
Fundstelle: NJW 1987, 2928
allgemeine Anpreisung eines Heilmittels
Beziehung des Behandelnden zu der Krankheit des Behandelten
Esper-Klötze
Hinweis auf Konsultation eines Arztes
konkreter Krankheitsfall
operative Eingriffe zu kosmetischen Zwecken
Entscheidung vom: 28.11.1985
Az.: 7 S 327/84
Fundstelle: NJW-RR 1986, 478
Mißverhältnis von Leistung und Gegenleistung
Firgau, Rechtshandbuch für Heiler, Bd.1 der DGH-Schriftenreihe, 2.Aufl. 1996
Gillhausen, Das Berufsrecht des Heilpraktikers, 1953;
Käfer-Dünisch, Der Heilpraktiker in Theorie und Praxis, Loseblatt;
Schumacher, Psychotherapie und Heilbehandlung aus rechtlicher Sicht, NJW 1970, 1945 ff;
Theobald­Erdle, Recht der Heilberufe, Hebammen u. Heilpraktiker, Loseblatt ab 1985
Wegener, Was ist Heilkunde? Heilpraktikergesetz, Rechtssystem und Gesetzessprache, MedR 1992, 250 ff;
Dr. Bernhard Firgau ist der erste Vorsitzende des DGHs und verantwortlich für die Abteilung Recht. Seine Anschrift ist:
Fax: +49/(0)6201/69666
Geschäftsstelle des Dachverband Geistiges Heilen (DGH)
Tel: ++ 49 - (0)6221 - 169606
Fax: ++49 - (0)6221 - 169607.

References: § 1

§ 2

§ 2

§ 7

Art. 74

Art.123

Art.125

§ 1

§ 2

§ 8

§ 9

Art.3

§ 132

§ 144

§ 30
 BGH

 BGH 
 BGH 
 § 5
 § 5
 § 1
 § 1