Source: https://jungsundmaedchen.wordpress.com/2014/08/18/wie-wird-man-maskulist/
Timestamp: 2019-12-06 00:26:53+00:00

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Wie wird man Maskulist? « jungs & mädchen
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II. Väter
IV. Maskulistische Theorie
V. Offene Fragen und Projekte
Wir listen elementare Aussagen des Maskulismus gegenüber Männern, Frauen und Vätern und bewerten die Relevanz von unter Maskulisten disktuierten Theorien wie Biologismus, Antifeminismus oder Konstruktivismus für die praktische Forderungen des Maskulismus. Es zeigt sich, daß der Maskulismus eine humanistische und liberale Position ist, die sich vor allem aus seinem engagement für Menschenrechte und aus dem Gleichberechtigungsgebot verstehen läßt. Maskulismus ist keine Lobbybewegung für Männer, sondern interessiert sich für die Menschenrechte aller Geschlechter, so daß er jeden Sexismus ablehnt. Er ist der sexistischen Ideologie des Feminismus in keiner Weise analog, da er nicht auf soziologische oder erkenntnistheoretische Hypothesen angewiesen ist und auf jedes Feindbild verzichtet.
Wir skizzieren darüberhinaus vier richtungsweisende Projekte, die versprechen, die politische Wirksamkeit und mediale Sichtbarkeit des Maskulismus zu erhöhen: Erstens werden Frauenfördermaßnahmen bisher nicht unter dem Aspekt der ausgleichenden Gerechtigkeit zwischen Gruppen moralisch diskutiert und dies würde es dem Maskulismus erlauben, den Feminismus auf eigenem Gebiet zu stellen. Zweitens zieht die Unkenntnis der feministischen Epistemologie die Unfähigkeit nach sich, feministische Rhetorik zu erkennen, zu kontakarieren und eigene, legitime kommunikationswissenschaftliche Mittel auf der politischen Bühne einzusetzen. Drittens strebt der Feminismus als Staatsfeminismus eine generell unbeschränkte, unmittelbare Drittwirkung der Grundrechte an, was im Rang einer Verfassungsänderung steht und kritischerweise weitreichende Folgen für die Möglichkeit einer liberalen Gesellschaft hätte. Und viertens kann man vom Maskulismus einen eigenen kulturellen Beitrag zum Neuentwurf eines Männlichkeitsverständnisses verlangen, der begrifflich vom traditionellen kulturellen Konzept von Weiblichkeit unabhängig ist.
Die Reihenfolge der folgenden Thesen in diesem post ist zufällig und repräsentiert keinerlei Rangfolge. Je mehr Thesen jemand zustimmt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Maskulist zu sein.
Die Thesen dieses Abschnitts sind alle durch die Idee der Gleichheit aller Geschlechter als Menschen und das Recht auf Selbstbestimmung geleitet. Sie sind weitestgehend untheoretisch und intuitiv einsehbar.
Es gibt keine rechtliche Gleichberechtigung: Männer haben rechtliche Nachteile gegenüber Frauen bei Zwangsdiensten, durch Frauenquoten, bei der Beschneidung, im Strafrecht z.B. Strafbarkeitslücken und Exhibitionismus, vor dem Richter, im Familienrecht und einigen anderen Themen.
Männer sind aufgrund ihres Geschlechtes oder ihrer Biologie keine schlechteren Menschen als Frauen. Sie gehen daher moralisch und menschlich in die Irre, wenn sie versuchen, sich mit Hilfe möglichst breiter weiblicher Zustimmung zu ihren Entscheidungen zu anderen Menschen zu machen. Denn da Frauen ganz normal und daher gelegentlich auch unmoralisch handeln, liefert diese Methode höchstens zufällig eine Verbesserung.
Obwohl Jungen schon bevor sie in die Pubertät kommen in der Regel zum ersten Mal von ihrer Sexualität als Ursache von Verbrechen und Unmenschlichkeit hören, ist die männliche Sexualität ganz normal, sie ist weder schmutzig, anstößig oder unangenehm für Frauen. Sie unterliegt aber starken gesellschaftlichen und feministischen Beschränkungen und kann sich in der Regel nicht oder nicht frei entwickeln.
Die permanente Verletzung männlicher, sexueller Würde durch Politik und Medien ist menschenrechtswidrig. Männer verdienen denselben Respekt für sich als Personen wie auch für ihre Themen und Angelegenheiten wie Frauen.
Männer müssen sich von Frauen nicht erklären lassen, was wahre Männer sind. Sie können und müssen selbst darüber entscheiden, was sie unter ihrer eigenen Männlichkeit verstehen wollen. Die Anerkennung einer Frau entscheidet nicht über die Männlichkeit eines Mannes.
Männer müssen sich gegenüber Frauen weder in ihrer Männlichkeit rechtfertigen, noch entschuldigen. Der ubiquitäre Zwang, die persönliche Harmlosigkeit im Alltag beweisen zu müssen, verstößt gegen die Menschenwürde.
Männer müssen im Bett nicht die sexuellen Dienstleister von Frauen sein. Es ist nicht die Aufgabe des Mannes, der Selbstbefriedigung der Frau zu dienen. Männer haben ein Recht auf eine eigene Sexualität nach eigenen Vorstellungen und dürfen sexuelle Interessen und Bedürfnisse gegenüber ihren Sexpartnern formulieren, die diese Ansprüche auch zu respektieren haben, wenn sie den sexuellen Kontakt nicht verlieren wollen.
Schwulenrechte sind Männerrechte und Männerrechte sind Menschenrechte.
Jungen und Männer haben dasselbe Recht in ihren Anlagen, Begabungen und Interessen gefördert zu werden wie Mädchen. Der Zwang für Jungen, hinter Mädchen in irgendeiner Weise zurückzustehen oder sich für Mädchen oder andere Geschlechter in ihrem Leben allein aufgrund des Geschlechtes zurückzunehmen, ist sexistisch und damit unmoralisch.
Von staatlichen Zwangsdiensten dürfen nur alle Geschlechter gleichermaßen betroffene sein und kein Geschlecht kann davon aufgrund seines Geschlechtes befreit werden.
Vor dem Gesetz und vor dem Richter sind alle Menschen unabhängig des Geschlechtes gleich: Frauenbonusse beim – eigentlich nur schuldabhängigen – Strafmaß sind ebenso verfassungswidrig wie einseitige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zuungunsten von Männern. Das gilt auch für Vorverurteilungen bei dem Verdacht auf Sexualstraftaten.
Die vorsätzliche Falschbeschuldigung einer Sexualstraftat ist ihrerseits eine Straftat und erhält das Strafmaß des vorgetäuschten Deliktes.
Ein Mann, der von einer Frau belogen oder betrogen wurde, ist nicht etwas selbst schuld daran, insofern er sich verarschen läßt, sondern er wurde Opfer einer Person mit asozialer oder krimineller Energie.
Ein Mann kann Gefühle zeigen, Schmerzen zeigen, Risiken vermeiden oder Schmerzen scheuen, ohne daß er dadurch an Männlichkeit verliert.
Ein Mann, der in Lebensgefahr auf die Rettung einer ebenfalls in Lebensgefahr befindlichen Frau verzichtet, ist niemandem etwas schuldig und er hat auch nichts falsch gemacht. Jeder Mann darf sein eigenes Leben retten, das Leben eines Mannes ist nicht weniger wert als das Leben einer Frau. Alles andere ist rassistisch.
Kein Mann muß es hinnehmen, daß eine Frau ihre Geschlechtsteile vor ihm entblößt. Dies gilt auch dann, wenn dies der Ausdruck weiblicher Selbstverwirklichung sein sollte.
Die religiös oder kulturell motivierte Beschneidung minderjähriger Jungen ist nicht anders als die von Mädchen Genitalverstümmelung und folglich ein Verbrechen.
Gewalt von Frauen gegen Männer ist genauso schlimm wie Gewalt gegen Frauen. Das Gleiche gilt, für Frauen, die Männer oder eigene oder fremde Kinder sexuell mißbrauchen. Frauengewalt kommt regelmäßig vor, wird aber ungerechterweise für harmlos, süss oder gerechtfertigt gehalten und wir helfen entsprechend nur Frauen. Diese Ungleichbehandlung ist untragbar und ungerecht.
Väter haben es – rechtlich gesehen – besonders schwer: Das gilt ebenso vor der Ehe wie nach der Trennung und die folgenden Thesen versuchen, Vätern ein Mitbestimmungsrecht über die Zukunft ihres Nachwuchses zu sichern. Grundlage dieser Thesen ist wiederum lediglich eine völlig intuitive Gleichberechtigungsvorstellung der Geschlechter.
Die rechtliche Trennung von biologischem Vater und rechtlichem Vater erzeugt sowohl eine Benachteiligung des biologischen, wie auch des rechtlichen Vaters, der mit dem Problem der Kuckuckskinder zu kämpfen hat. Sie gehört daher im gesamten Recht abgeschafft.
Erfolgte die Schwangerschaft nicht durch Vergewaltigung, muß der biologische Vater jeder Freigabe zur Adoption zustimmen.
Das Sorgerecht wird grundsätzlich gemeinsam geteilt und einvernehmlich ausgeübt. Derjenige Elternteil, der sich unabhängig von einer Trennung der Eltern wider dem Kindswohl verhält, verliert sein Sorgerecht. Jedes Kind braucht grundsätzlich beide Elternteile. Kinder dienen nicht der Selbstverwirklichung von Frauen, so daß in jedem Scheidungsrecht die Interessen des Kindes den Interessen jedes einzelnen Elternteils vorgeht.
Unterhaltsansprüche müssen geschlechtsunabhängig sein und werden – unabhängig von der ökonomischen Bedürftigkeit – nur zu demjenigen Anteil gewährt, zu dem der Elternteil sich aus eigener Kraft und eigenen Mitteln an der Kindssorge beteiligt.
Jedes Kind hat das Recht, seinen biologischen Vater zu kennen, das Interesse der Mutter auf Privatsphäre steht hinter diesem Interesse zurück.
Ein Vaterschaftstest ist ab Geburt für jedes Kind obligatorisch.
Eine Abtreibung aufgrund einer sozialen Notlage ist an die Zustimmung des biologischen Vater gebunden.
Zustimmung zum Sex ist keine Zustimmung zur Vaterschaft: Wird eine Frau durch Täuschung und gegen den Willen des Erzeugers zukünftigen Vater schwanger, so ist dies einerseits via Unterhaltsforderungen eine Vermögensstraftat und andererseits eine Strattat gegen die sexuelle Selbstbestimmung des Mannes.
Jede Heirat verpflichtet die Eheleute zum Abschluß eines persönlichen Ehevertrages, den die Eheleute selbst ausformulieren müssen. Rechtliche Standardlösungen für die Ehe werden weitestgehend abgeschafft.
Väter sind nicht anders als Mütter zur Sorge um ihre Kinder befähigt. Die Häme und das Mißtrauen vieler Mütter Vätern gegenüber ist sexistisch.
Das Gutachterwesen wird reformiert, da sich weibliche Gutachter als parteilich erwiesen haben: Künftig wird es je zwei unabhängige Gutachten von einem Mann und einer Frau geben und die Unterlagen dazu werden vollständig anonymisiert, so daß nicht erkennbar ist, welchem Geschlecht was zugesprochen wird.
Die meisten Männer werden heutzutage – wie seit Generationen – in einer sozialen Atmosphäre groß, die ihnen einerseits den Eindruck vermittelt, allein durch ihre Anstrengung und Leistung zu für andere erträglichen und akzeptablen Mitmenschen zu werden, daß aber andererseits ihre Interessen und Wünsche, bis hin zu ihrem Wunsch, im Krieg nicht für die Interessen anderer ihr Leben und ihre Gesundheit riskieren zu müssen, gesellschaftlich völlig irrelevant sind, insofern Beschwerden von Männern meist höhnisch abgewiesen werden. Gegenüber Frauen wirkt sich das in der Regel so aus, daß Männer sich aufgefordert fühlen, unter Einsatz ihrer Zeit, ihres Kapitals, ihres Stolzes, ihres persönlichen Glücks, ihrer Gesundheit oder sogar ihres Lebens Frauen zu schützen, deren Leben angenehmer zu machen und der Erfüllung weiblicher Wünsche ohne Verzug dienstbar zu sein. Letzteres ist bis heute der effizienteste Weg, eine Partnerin zu finden. Aber auch fremden Frauen nicht zu dienen, kann den gesellschaftlichen Ruf eines Mannes, damit seine soziale Stellung als Persönlichkeit und folglich seinen Zugang zu Informationen, Chancen und Ämtern sehr schnell ruinieren. Darüberhinaus ist nach wie vor die bedingungslose, gesellschaftliche Forderung an Männer, in allen Lebenslagen die Initiative zu ergreifen und nicht aus der Hand zu geben – während Frauen sich an männlichen Angeboten erfreuen und aufs Mitmachen beschränken können – das Haupthindernis für das gewinnbringende Gelingen sozialer Kooperation.
Maskulismus läuft von diesem vierteiligen Standpunkt aus auf die folgenden Thesen hinaus:
Männer und Frauen sind gleichberechtigt, Gender-Mainstreaming ist hingegen männerfeindlich und sexistisch.
Frauen sind weder der erklärte Feind der Männer, noch wird ihr engagement im Maskulismus als verdächtig beargwöhnt. Frauenbewegung sind in den Augen von Maskulisten völlig normal, solange sie nicht sexistisch oder unmoralisch sind.
Frauen mit Gründen zu kritisieren, ist normal, auch für Männer erlaubt und nicht per se frauenfeindlich.
Eine Meinung ist nicht deshalb wahr, weil sie von einer Frau geäußert wird und Frauen wissen auch nicht aufgrund ihres Geschlechtes unfehlbar über Moral und richtiges Benehmen in der Öffentlichkeit Bescheid. Als Mann kann man den Versuch von Frauen, das kollektive Verhalten von Menschen zu dominieren, daher anzweifeln, ohne sich deshalb allein lächerlich zu machen. Frauen setzen nicht als Geschlecht die Norm.
Es ist kein gutes Benehmen, Frauen wie unfähige Kinder zu behandeln oder ihnen alle Lasten im Leben oder in ihrem Alltag abzunehmen. Daß sich die Gesellschaft Frauen an ihren Aufgaben beteiligt und sich auf sie stützt, ist normal, und daß Frauen dabei belastet werden, ebenfalls – nicht aber Ausdruck einer strukturellen Unterdrückung oder Sklavenhaltung.
Frauen treffen ihre Entscheidung selbst. Dabei kommen Fehler vor und es ist das Problem der Frauen, damit fertig zu werden. Männer haben weder eine Beratungspflicht, noch die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß Frauen die richtigen Entscheidungen treffen. Wenn Männer die Entscheidungen von Frauen als Risiko ansehen, sollten sie sie wie Männer behandeln und ohne diese Frauen weiterleben.
Wenn Männer die Rechnung von Frauen nicht bezahlen, dann sind diese Männer genauso wenig geizig, wie Frauen, die die Rechnung von Männern nicht bezahlen.
Männer, die ihre Interessen nicht hinter die Interessen von Frauen stellen, sind nicht egoistisch, sondern sorgen sich berechtigterweise um das Glück in ihrem Leben.
Frauen, die mehr von Männern verlangen, als sie zu geben bereit sind, sind egoistisch, nicht aber besonders weiblich.
Frauen, die zu Männern nur dann sprechen, wenn sie wollen, daß diese Männer ihre Wünsche erfüllen, zeigen menschenverachtendes Verhalten.
Wenn eine Frau von einem Mann verlangt, daß sich dieser so benehmen soll, daß er sich selbst nicht mehr versteht, dann ist das unmoralisch.
Männer haben nicht die Pflicht, Frauen zu unterhalten. Schweigende Frauen sind keine tiefen Seelen, sondern einfach langweilig.
Wenn eine Frau nicht von sich aus und in eigener Initiative auf den Mann zugeht und mit ihm spricht, dann kann der Mann davon ausgehen, daß die Frau kein Interesse an ihm hat, so daß jede weitere Aktion seinerseits verschwendete Zeit ist. Passive Frauen kann Mann als Frauen behandeln, die ohne Wünsche und Interessen sind – und deshalb ignorieren.
Es ist nicht die Pflicht des Mannes, die Frau zu beschützen, sie vor Gefahren oder Risiken zu bewahren oder ihnen auf andere Weise die Gewißheit zu verschaffen, daß die Entscheidungen von Frauen auf den von ihnen gewünschten Erfolg haben werden. Eine Frau, die das dennoch verlangt, nutzt einen Mann aus.
Wenn eine Frau Fehler macht, dann wird sie dadurch nicht süss oder liebenswert. Unfähige Frauen nerven einfach nur, aber der Wert einer Frau ist der Wert eines Menschen und der hängt nicht von seinen Eigenschaften ab.
Die Verantwortung einer Frau für die Folgen ihrer Entscheidungen wird weder durch den Inhalt ihrer Absichten begrenzt, noch erlischt sie, weil sie geltend macht, nur reagiert zu haben – jedenfalls solange Frauen als autonome Personen von Männern zur Kenntnis genommen werden wollen.
Frauen sind normale Menschen mit normalen Eigenschaften. Sie werden nicht als etwas Besonderes geboren und sie sind keine unergründlichen Mysterien. Deshalb können sie auch nichts Besonderes verlangen. Ihre Eigenschaften werden erworben und wo die Bereitschaft zur Selbstverbesserung bei Frauen fehlt, bleiben sie ebenso unvollkommen wie Männer auch.
Frauen, die jeden Mann erst mal pauschal verdächtigen, ein unterentwickelter Pavian zu tun, der weder bereit noch fähig ist, Frauen als Personen anzusehen, sondern nichts anderes als Sex will, den er sich notfalls mit Gewalt nimmt, pflegen eine radikalfeministische Einstellung, die menschenverachtend und sexistisch ist. Solche Frauen läßt man besten mit sich selbst allein. Eine Notwendigkeit, solche Vorurteile zu widerlegen, besteht für den Mann nicht.
Maskulistische Männer erwarten von Frauen minimalerweise neben einer engagierten und fairen Kooperation auf allen Gebieten Selbständigkeit, nachhaltiges engagement für ihre eigenen Interessen und daß sie offen zu ihren Überzeugungen stehen, sowie die Opferbereitschaft, die Konsequenzen all dessen ohne Murren zu ertragen.
IV. Theorien des Maskulismus
Muß man als Maskulist irgendwelche Theorien kennen? Grundsätzlich: Nein und damit ist der Maskulismus für Anfänger schlanker und einsichtiger als der Feminismus, der seine Anhänger erst einer theoretischen Schulung unterziehen muß, damit feministische Motivationen und Beschwerdegründe für sie nachvollziehbar werden.
Kein Maskulist muß hingegen mehr soziologische, biologische, philosophische oder normative Theorien kennen als über die intuitive Idee der Gleichheit hinausgeht. Zwar ist es oft von Vorteil, solche Theorien und Argumente zu kennen oder auch rhetorische Tricks der Feministen zu erkennen, abwehren zu können, andere Propagandamaßnahmen kontakarieren oder selbst benutzen zu können, doch der Hauptunterschied zu Feministen besteht darin, daß die Feministen eine soziale, rechtliche, wirtschaftliche oder politische Realität in ihren Behauptungen suggerieren, deren Wahrheit bei näherer Prüfung nicht nachweisbar ist.
Das Hauptproblem in der Auseinandersetzung der Maskulisten mit Feministen liegt daher in der Verfügbarkeit lexikalischer Fakten. Zwar mag es manchmal ein theoretisches Verständnis erfordern, diese Fakten zu erkennen, doch diese Theorien sind nicht selbst Teil des Maskulismus. Stattdessen nimmt der Maskulismus die Idee der Geschlechtergleichheit wirklich ernst und gerät ironischer genau deshalb mit dem Feminismus in Konflikt, dessen Lippenbekenntnisse ja bekanntlich Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit sind.
Damit gibt es eine Option, Maskulist aus eigener Erfahrung, aus persönlicher Berufung zu sein und viele Feministen kommen auf einem analogen Weg zu ihrer politischen Einstellung. Eine große Menge von Unterstützern maskulistischer Standpunkte wählen diesen Zugang und sind von theoretischen Diskussionen eher gelangweilt. Und dagegen ist auch nichts einzuwenden.
Nichtsdestoweniger nehmen theoretische Auseinandersetzungen im Maskulismus bzw. mit dem Feminismus über die oben bisher genannten praktischen Forderungen hinaus einen beträchtliche Raum z.B. in online-Diskussionen ein. Soweit ich sehen kann, sind das die folgenden Themen:
A. Biologismus
Einige Maskulisten empfinden den Nachweis biologischer Geschlechterunterschiede als schärfste Waffe gegen den Feminismus und werden daher auf alle Leute sehr böse, die ihnen diese Waffe wegnehmen oder wegnehmen wollen. Der Standpunkt dieser biologistischen Maskulisten hängt interessanterweise von verschiedenen anderen Theorien ab – eine Tatsache, die biologistische Maskulisten meistens nicht bemerken, weil ihr Biologismus durch ein radikales Mißverständnis sozialer und mentaler Phänomene motiviert und von begrifflicher Indifferenz angeleitet wird. Adäquate naturalistische Erklärungen, wie sie in der Philosophie des Geistes gesucht werden, um zu verstehen, wie das Gehirn den Geist erzeugt und der in der Männerrechtsszene virulente Vulgärbiologismus sind auf jeden Fall strikt zu trennen. Der unter den Maskulisten beobachtbare Vulgärbiologismus pflegt folgende Gewohnheiten:
eine inadäquate Theorie der Erklärung
eine falsche, weil reduktionistische Theorie über unsere epistemische angelegte Alltagspsychologie
eine völlig antiquierte Theorie über den freien Willen und die Willensschwäche von Personen
eine falsche, weil prozedurale Theorie der personalen Autonomie
eine anti-naturalistische und daher unhaltbare Theorie kausaler Beziehungen
ein defizitäres, kausales Handlungsmodell
Ignoranz gegenüber dem nicht-reduktiven Physikalismus
Ignoranz gegenüber dem Versagens der evolutionären Psychologie
Hier jeweils den richtigen Standpunkt zu finden, ist offenbar ein philosophisch äußerst anspruchsvolles Unterfangen und ich kann an dieser Stelle schon aus Platzgründen nur Hinweise geben, wo in Sachen Vulgärbiologismus in Zukunft gearbeitet werden müßte. Künftige posts müssen versuchen, diesen Sumpf weiter trockenzulegen, aber die Tatsache, daß Vulgärbiologisten im Ernst glauben, das Rätsel über den Zusammenhang von Gehirn und Geist so mal eben durch Zitieren von ein paar Studien geknackt zu haben, daß zu erforschen die Welt seit einem halben Jahrhundert die klügsten Köpfe auffordert und mit viel Geld bislang ohne abschließendes Ergebnis unterstützt, sollte allein schon mißtrauisch machen – inklusive der Selbsteinschätzung der Vulgärbiologisten.
Es ist jedoch bekannt, daß nicht nur Differenzfeministen, sondern auch postrukturalistische Feministen implizit biologistische Standpunkte vertreten und es stellt sich daher die Frage, ob der Feminismus nicht genauso kraftvoll wäre, wenn er biologische Unterschiede explizit zulassen würde – einfach weil Feminismus ein normatives Projekt ist, das Gleichstellung aus Gründen der Machtsymmetrie auch dann fordern kann, wenn die Startbedingungen der Geschlechter nicht gleich sind.
Die Rolle dieses Streites für den Maskulismus wird meiner Erfahrung nach überschätzt und die Bedeutung des Vulgärbiologismus liegt mehr in dem Eindruck, das subjektiv erlebte Fehlen der eigenen Macht zur Handlung in sozialen Zusammenhängen kompensieren zu können. Insbesondere für die o.g. praktischen Forderungen ist die Frage nach dem richtigen Biologismus eher nebensächlich und der enorme, theoretische Aufwand, der in Diskussion um die Aufklärung vulgärbiologistischer Fehlbegründungen getrieben werden muß, steht in keinem Verhältnis zu seinem praktischen Nutzen – zumal ungeklärt ist, ob Vulgärbiologismus anziehend oder abschreckend auf Männer wirkt.
Zusätzlich hat sich der Vulgärbiologismus politisch als wenig hilfreich erwiesen, insofern er oft in der Vergangenheit bereits Einfallstor heillos unliberaler konservativer Rollenmodelle war. Der Maskulismus ist hingegen liberal genug, um die Komplexität persönlicher Lebensentwürfe nicht auf die Folgerungen aus genau einer windigen Theorie reduzieren zu wollen. Genau das kritisiert der Maskulismus auch am Feminismus und die Biologisten müssen in ihren Formulierungen sehr aufpassen, daß ihre Thesen nicht ebenfalls einen diktatorischen Nachgeschmack hinterlassen. Denn der Feminismus neigt jedenfalls dazu, seine Gender-Professorinnen als platonische Philosophenköniginnen zu sehen, die aufgrund ihrer vermeintlichen Expertise über die Lebensweisen von Menschen final zu urteilen haben. Das aber lehnt ein liberaler Maskulismus ab, weil alle Menschen für sich selber bestimmen sollen, was sie sein und wie sie leben wollen. Es liegt damit bei den Vulgärbiologisten, zu zeigen, daß sie die Liberalität des linken Maskulismus noch teilen können.
B. Antifeminismus
Feministen geben Antifeminismus irreführenderweise gern als Frauenfeindlichkeit aus, was gegenüber dem propagandistischen Schachzug, Feminismus fälschlicherweise auf bloße Gleichberechtigung zu reduzieren, auch konsistent ist. Wer hingegen – wie Maskulisten dies tun – Feminismus als soziologische Konflikttheorie erkennt, der kann problemlos gegen die feministische Ideologie argumentieren, ohne deshalb Frauen gegenüber feindlich eingestellt sein zu müssen. Antifeminismus ist demzufolge auch kein gegen den Feminismus intendiertes Projekt, sondern lediglich eine Menge von alternativen Theorien über Themen, für die der Feminismus die Deutungshoheit beansprucht, während sich die Alternativtheorien im Grunde gar nicht für Geschlechter interessieren.
Antifeminismus spielt inhaltlich für die o.g. praktischen Themen des Maskulismus erwartungsgemäß kaum eine Rolle. Innerhalb des Maskulismus gibt es jedoch seit längerem eine erbitterte Diskussion um die politische Rolle des Antifeminismus bei der Durchsetzung politischer Ziele und der medialen Selbstdarstellung des Maskulismus, der nach wie vor dringend auf Unterstützung bei den Menschen angewiesen ist, um politisch überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden: Während der mainstream ihn für schädlich hält, glaubt eine konsequent humanistische Minderheit der Maskulisten, daß über Antifeminismus aufzuklären, durchaus hilfreich sein kann.
C. Rationale Rekonstruktion des Feminismus
Die meisten Feministen vertreten den Standpunkt, daß Feminismus nicht generell kritisiert werden könne, da es zu viele verschiedenen feministische Strömungen gebe, um in derselben Kritik jeder Richtung gerecht werden zu können. Maskulisten glauben in der Regel, daß dies nur eine rhetorische Finte ist, um den Feminismus vor Kritik zu immunisieren und es nichtsdestoweniger ein feministisches picture, einen feministischen Konsens gibt, der eine Perpetuierung traditioneller Geschlechterrollen ironischer Weise impliziert.
Für den Antifeminismus spielt dieser Punkt in der Praxis natürlich eine große Rolle, wer aber bei Feministen in praktischen Diskussionen geduldig nachhakt, der merkt schnell, wie wenig die feministischen Forderungen von ihren theoretischen Begründungen abhängen oder durch sie gedeckt werden.
D. Geschlechterrollen
Maskulismus ist prinzipiell eine sehr liberale Strömung. Im Gegensatz zu Feministen, die z.B. eine wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen von Männern für Teufelswerk halten und daher Paaren einen privaten Lebensstil vorschreiben wollen, respektieren Maskulisten die aufgeklärten und autonomen Entscheidungen der Individuen über ihr eigenes Leben.
In der Praxis opponieren Maskulisten daher lediglich gegen die ungerechte und beschränkende Handhabung von Geschlechterrollen durch alle Menschen irgendeines Geschlechtes. Maskulismus ist damit generell anti-sexistisch und nicht nur eine Lobbybewegung für Männer.
E. Feministische Sprachbereinigung
Der völlig übertriebene Sprachidealismus des Feminismus generiert regelmäßig eine künstliche Sexualisierung der Sprache durch explizite Erwähnung von Frauen und Vermeidung des generischen Maskulinums. Maskulisten halten solche Sprachanpassungen für überflüssig, wenngleich der endgültige Nachweis der semantischen Irreführung durch solch verbaler Verrenkungen immer noch aussteht.
In der Praxis ist hier nicht viel zu tun – außer korrekt und unverschnörkelt zu sprechen: Künstliche Sexualisierungen der sozialen Welt machen das Leben unnötig undurchsichtig.
F. Humanismus
Anders als der Feminismus versteht sich der Maskulismus als säkulär-humanistische Theorie.
Maskulisten sollten in der Praxis nicht nur verstehen, was das besagt, sondern auch trittfest in dieser Sache argumentieren können. Einen ersten Eindruck des vom linken Maskulismus implizierten Humanismus gibt es hier.
Vor allem folgt daraus, daß der Maskulismus die Lebensbedingungen aller Menschen und aller Geschlechter verbessern will. Folglich tritt er auch für die Menschenrechte von Frauen ein. Der Feminismus hingegen fühlt sich nur für Frauen zuständig.
G. Konstruktivismus und Relativismus
Während moderne Feministen häufig konstruktivistisch und relativistisch sind, ist das Lager der Maskulisten in dieser Frage gespalten. Immerhin sind auch in der Sozialwissenschaften und Psychologie der Konstruktivismus und der Relativismus populäre erkenntnistheoretische Standpunkte.
Für den Antifeminismus spielt das praktisch eine große Rolle und in der praktischen Auseinandersetzung mit Feministen ebenfalls, da Feministen maskulistische Einsprüche eben deshalb häufig als Privilegienmißbrauch klassifizieren, weil sie das aufklärerische Ringen um die Wahrheit entweder grundsätzlich oder einfach dann für irrelevant erklären, wenn sie davon profitieren. Belastbare Argumente gegen den Konstruktivismus und gegen den Relativismus zu geben, bleibt eine Basisanforderung an den Maskulismus – falls er den Feminismus durch rationale Argumentation mit Hilfe empirischer Fakten zurückdrängen will.
Wichtiger als die Klärung dieser Fragen dürften für Maskulisten in Fällen praktischer Konfrontation mit Feministen allerdings rhetorische Mittel sein. Denn en passant aufkommende Grundsatzfragen nutzen Feministen gerne zum derailing und maskulistische Anliegen gehen dann schnell unter.
Aus meiner Sicht ist der moderne, linke Maskulismus gegenwärtig mit verschiedenen, aber gleich dringenden Aufgaben konfrontiert, deren Lösung seine politische Relevanz und Wirksamkeit, aber auch seine Verständlichkeit gegenüber feminismusunkritischen Personen massiv erhöhen dürfte.
A. Gerechtigkeit zwischen Gruppen:
Wenn eine Ideologie wie der Feminismus, der das Geschlechterverhältnis dem sozialdarwinistischen Modell nachbildet, ausgleichende Gerechtigkeit zwischen sozialen Klassen verlangt, dann stehen ohne Zwischenschritt zwei Forderungen miteinander in Konflikt:
Zum einen kennen und verstehen wir sehr wohl die Idee, daß Gruppen moralisch Verantwortung für andere Gruppen übernehmen und dies auch rechtliche Konsequenzen hat wir z.B. beim Umweltschutz. Im Fall künftiger Generationen oder Generationenkonflikten ist eine Theorie der Gruppengerechtigkeit herangewachsen, die – auf Geschlechter sinnvoll übertragen – als Korrektiv für geschlechterpolitische Maßnahmen dienen würde. Eine solche Übertragung steht von maskulistischer Seite aber noch aus.
Zum anderen treten Gleichstellungsforderungen mit der Einzelfallgerechtigkeit in Konflikt und wir brauchen ein bisher nicht existentes Instrumentarium der ausgleichenden und vergeltenden Gerechtigkeit, um den sozialen Frieden in der Gesellschaft im Detail nachhaltig sichern zu können. Von maskulistischer Seite sehe ich bisher keinerlei Anstrengungen dazu.
Der Maskulismus hätte hier die Chance, durch eigene Beiträge zur praktischen Philosophie und ihre Anwendung auf – ohnehin kontraproduktive – Frauenquoten und Frauenfördermaßnahmen den Feminismus auf eigenem Gebiet zu stellen und sich zugleich Sichtbarkeit und Popularität zu verschaffen, da die feministische Argumentation für Frauenquoten ohnehin mangelhaft ist.
B. Public Diplomacy:
Die feministische Epistemologie versucht darzulegen, inwiefern das soziale Geschlecht (gender) den Wissensbegriff und unsere Untersuchungs- und Rechtfertigungsmethoden beeinflussen. Wissenschaft gilt generell als Teil des Patriarchats. Das zentrale Konzept lautet hier situated knowledge und meint eine Abhängigkeit assertorischer Aussagen von der historischen Sprechersituation derart, daß die intersubjektive Gültigkeit assertorischer Aussagen verschwindet und diese nicht mehr als eine persönliche Geschichte bilden, die allerdings nicht mehr ohne weiteres hinterfragt und kritisiert werden kann. Auf der anderen Seite geschieht der Wissensfortschritt in der feministischen Epistemologie vor allem durch persönliche Erfahrungen und kultur- und sprachabhängige Erlebnisse gelten als allein gültige empirische Basis des Wissens. Situated knowledge meint jedoch alles andere als blanken Relativismus: Laut der Standpunkttheorie sind Aussagen unterdrückter oder marginalisierter Personen generell anderen epistemischen Perspektiven überlegen, wenn es darum geht, die diskriminierenden Verhältnisse zu kritisieren. Erst im Postmodernisms finden wir einen vollentwickelten Relativismus, Sprachidealismus und epistemologischen Anarchismus derart, daß die Idee einer neutralen Beschreibung der Welt als schädliche Illusion gilt. Damit ist die – in meinen Augen eher dunkle und nebulöse – feministische Epistemologie der zentrale Ausgangspunkt feministisch motivierter Sprechhandlungen. Und daraus ergeben sich für den Maskulismus zwei Typen von Problemen:
Maskulisten wissen so wenig vom feministischen Wissensverständnis, daß sie in der Regel echte Überzeugungen von Feministen nicht von deren propagandistischer Rhetorik unterscheiden können. Daher arbeiten sich Maskulisten – zur klammheimlichen Freude von Feministen – in Diskussionen oft auf irrelevanten Nebenkriegsschauplätzen ab.
Weder können Maskulisten heute eine rhetorische Grundausbildung auf dem Niveau von Feministen vorweisen, noch besteht grundsätzliche moralische oder operative Einigkeit unter Maskulisten über den Einsatz propagandistischer Mittel und Strategien in der Auseinandersetztung mit dem Feminismus.
In beiden Fällen wundern sich Männer und Maskulisten trotz profunder Unkenntnis über den politischen Gegner darüber, daß es ihnen an politischer Wirksamkeit fehlt. Vielen Maskulisten ist weiterhin nicht klar, daß Feministen in keiner Weise mit Männern oder Maskulisten kooperieren wollen und sie von Feministen daher unter kaum einer Bedingung aufgeklärt oder ehrlich informiert werden: Denn Männer sind für Feministen prima facie keine moralisch legitimen Adressaten nicht-strategischer Kommunikation. Feministen bemerken uns überhaupt nur insofern, als wir dazu gebracht werden sollen, zu tun, was feministisch erwünscht ist. Die Wahl der Mittel ist dabei nebensächlich und dieser Kaltschnäuzigkeit haben Maskulisten im Moment nichts entgegenzusetzen – obwohl die moderne Kommunikationswissenschaft sich nun wahrlich nicht versteckt.
Als weitere, ganz praktische Konsequenz würde die gelegentlich unter Maskulisten diskutierte Frage, ob man mit Feministen reden soll, nach dem Erfolg dieses Projektes in neuer Fassung auftreten: Wer Feministen einfach nur in verbalem Wortgefecht schlagen will, kann unter jeder Bedingung mit ihnen reden und er kann viel besser entscheiden, welche Mittel zu welchem Zeitpunkt effizient sind. Wer sich hingegen auf einen nüchternen Austausch von Fakten und Argumenten beschränken will, kann viel besser entscheiden, wann er aufhören möchte, zu reden.
C. Verfassungsmäßigkeit von Gleichstellungsmaßnahmen:
Sowie der Feminismus über eine Bürgerrechtsbewegung hinausgeht und sich in den rechtlichen Regelungen des Staates verankert, entsteht das Problem des Staatsfeminismus. Staatsfeminismus wird von Maskulisten in der Regel nur als Problem demokratischer Legitimation sozialpolitischer top-down Maßnahmen bei fehlender Akzeptanz durch die Gesellschaftsmehrheit diskutiert. Das ist nicht falsch, aber auch viele andere politische Initiativen sind mit dieser ganz grundsätzlichen, demokratietheoretischen Schwäche konfrontiert. Wesentlich gravierender ist, daß der Staatsfeminismus beansprucht, das primäre Grundrechtsverständnis als Abwehrrecht des Individuums gegen den Staat abzuändern und zwar auf folgendes Weise:
Bisher war nur eine mittelbare Drittwirkung der Grundrechte anerkannt, die eigentlich nur Abwehrrechte der Bürger gegen den Staat sind. Mittelbare Drittwirkung bedeutet, daß bei einer Klage eines Staatsbürgers gegen einen anderen Staatsbürger bei der Urteilsfindung die Grundrechte nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Unmittelbar ist die Drittwirkung aber, wenn die Grundrechte ohne eine Beteiligung der öffentlichen Gewalt unmittelbar zwischen den Bürgern wirken und daher z.B. ein Staatsbürger gegen den Staat des grundrechteverletzenden Bürgers klagen kann, wenn der nicht alles Zumutbare tut, um die Grundrechtsverletzung zu unterbinden. Im dt. Recht gibt es das nur ausnahmsweise zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie im Fall der Vereinigungsfreiheit. In der juristischen Dogmatik werden im Moment Erweiterungen dieses Prinzips diskutiert, die jedoch auf die privatrechtliche Sphäre beschränkt werden sollen. Diejenige mehrheitliche Staatengemeinschaft – und die UNO ist hier ganz vorn dabei – die das Gender Mainstreaming von Beijing 1995 unterstützt, praktiziert aber eine unmittelbare Drittwirkung der Grundrechte mit rechtspolitischer Pointe weit darüberhinaus, insofern Frauen z.B. via staatlicher Quote standardmäßig Ansprüche gegen den Staat aufgrund ihrer vermeindlichen Grundrechtsverletzung durch Männer im Patriarchat beanspruchen. Völkerrechtlich wird das seit 3 Jahrzehnten kontrovers diskutiert und hat pilotprojektartige Konsequenzen für andere Menschenrechtsverletzungen z.B. beim Zerfall von Staaten.
Auch rechtsphilosophisch ist die unmittelbare Drittwirkung der Grundrechte keineswegs ausgestanden, da der Rawls’sche Schleier des Nichtwissens als unparteiliches Legitimitätskriterium künftigen staatlichen Handelns bei feministischen Ansprüchen mangels vorgeschriebener Parteilichkeit der staatlichen Eingriffe z.B. durch Frauenquoten nicht mehr angewendet werden kann.
Staatsfeminismus bedeutet, daß eine rechtliche Haftung für ein praktisches Ergebnis für eine soziale Gruppe schuldunabhängig und ohne, daß die Mitglieder dieser sozialen Gruppe dies persönlich ändern könnten, festgeschrieben wird. Dies durchbricht das Rechtsstaatsprinzip, nach dem Einzelne erstens verhältnismäßig und zweitens nur im Rahmen ihres persönlichen Verschuldens haften. Feminismus als Staatsziel durchbricht das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit noch nicht, Gleichstellungsmaßnahmen hingegen tun es unumstößlich.
Auch dieses Gebiet ist – trotz aller Aktualität – weitgehend unbeackert, obwohl wirksame Gegenmaßnahmen gegen den Staatsfeminismus hier in greifbarer Nähe liegen.
D. Selbstverständnis als Mann
Wenn sich heutzutage Männer fragen, inwiefern sie sich selbst als Mann sehen, dann antworten sie in der Regel mit einer Variante von „Ich bin ein Macher.“: Männer sind da, verfügbar und übernehmen unter großem persönlichen Einsatz, Risiken und Opfern die Verantwortung dafür, daß bestimmte Ergebnisse und Erfolge eintreten. Als Personen sind sie fast immer Helden, Familienernährer, Waldbrandaustreter, Väter, Verführer, Retter, Spaßvögel, Revolutionäre, Kavaliere, Organisatoren, Berater, Lebemänner, Seelsorger, Unterhalter – aber vor allem sind sie eines: als Menschen unvollkommen und geboren als halbwilde Tiere, die erst in Gegenwart und allein durch die helfende Hand von Frauen zu Menschen heranreifen können, so daß man sie ansehen kann, ohne daß einem moralische Übelkeit aufsteigt. Die Vorstellung, Männer könnten eine sexuelle Würde haben, erscheint uns gerade zu obzön. Entsprechend sind z.B. 79% der Briten der Meinung, daß sie eher einem Haustier in Not helfen würden als einem Mann – und vermutlich waren Sie belustigt statt bestürzt, als sie gelesen haben, das Männer für mehr als 3/4 der britischen Bevölkerung unwichtiger sind als Tiere: Männer sind einfach schuld, unempathische und gefühllose Idioten, letztlich böse und Frauen dagegen wahre Engel und mitfühlende Weltenretter. Und kaum eine Zeitschrift gibt Frauen in ihrer Männerverachtung so recht, wie z.B. die feministische Zeitschrift EMMA – die auch behauptet, Männer nicht zu hassen, sie weiß nur seltsamerweise nichts Positives über sie zu sagen.
Der wesentliche Grund dafür liegt meiner Ansicht nach darin, daß Männer sich damit zufriedengeben, als Problemlöser, Lückenbüßer und Dienstleister im Leben anderer Menschen und insbesondere im Leben von Frauen aufzutreten, auf die die gesellschaftliche Aufmerksamkeit, Fürsorge und Wertschätzung der Gesellschaft konzentriert ist.
Einen ersten Versuch, das alles wissenschaftlich nachzuvollziehen und zu belegen, hat Christoph Kucklick vorgelegt, der auf der einen Seite darlegt, daß Männlichkeit kaum mit eigenen Charakterisierungen aufwarten kann und stattdessen dort beginnt, wo Weiblichkeit endet, und auf der anderen Seite dafür argumentiert, daß die modernen Erklärungsansprüche an das Geschlecht völlig überzogen sind und gegenwärtig unternommene Sozialexperimente enttäuschend ausgehen werden. Doch obwohl sein Buch daher der Startpunkt einer maskulistischen postgender-Bewegung sein könnte, wurde sein Buch bisher vom Maskulismus kaum rezipiert: den einen ist es zu wenig biologisch, den anderen zu intellektuell.
Würde der Maskulismus dazu übergehen, Männlichkeit neu und im Kontrast zur medial omnipräsenten Idee von Männlichkeit als verkümmerter Weiblichkeit zu entwerfen, dann würde er die feministische Deutungshoheit von Männlichkeit schlicht obsolet machen, denn der Feminismus hat zu diesem Thema einfach nichts zu sagen. Folglich gibt es für den Maskulismus eine Lücke zu füllen, die medial wie politisch gleichermaßen relevant ist: Den Menschen einen eigenen und über Symmetriebetrachtungen hinausgehenden Grund zu geben, Männer ernst zu nehmen und zu schätzen, käme einem sozialen Umsturz gleich. Denn heutzutage wissen auch viele Frauen nach Jahrzehnten feministischer Beschallung gar nicht mehr, sich Männern gegenüber anders als demütigend zu verhalten.
Es ist hier deutlich geworden, daß der Maskulismus in keiner Weise dem Feminismus analog ist:
Feminismus wurzelt in einer soziologischen Konflikttheorie und hat sich zu einer Ideologie des Geschlechterklassenkampfes entwickelt. Für den Maskulismus gilt das nicht, insofern er – bis auf einen säkulären Humanismus – nicht die Akzeptanz bestimmter Theorien oder Feindbilder impliziert.
Kein Feminismus kann eine postgender-Theorie sein, da alle seine Aussagen auf der diskriminatorischen Kraft und der vermeidlichen Erklärungsleistung des Geschlechts beruhen. Eine solche Sexualisierung aller Lebensbereiche gibt es im Maskulismus nicht und er ist apriori mit der Idee der Geschlechterirrelevanz verträglich.
Feminismus beansprucht eine Frauenlobby zu sein, der Maskulismus hingegen ist eine humanistische Bewegung, der sich auch für die Menschenrechte von Frauen interessiert. Maskulismus ist keine Lobbybewegung nur für Männer.
Maskulismus ist eine liberale Bewegung, viele Maskulisten sind sogar libertär. Entsprechend hat der Maskulismus keine Vorschläge dazu, wie die Menschen leben sollen und mischt sich – anders als der Feminismus, der das Private als politisch deklariert – nicht in die Selbstbestimmung und das Privatleben der Menschen ein.
Während der Feminismus lediglich tradierte Geschlechterrollen fortsetzt, strebt der Maskulismus einen völligen Neuentwurf von Männlichkeit und damit einen eigenen kulturellen Beitrag für die Zukunft an.
Nur der Feminismus strebt de facto eine unmittelbare Drittwirkung der Grundrechte an, die im Moment nicht verfassungskonform ist.
Im Detail können wir die Ausgangsfrage nach den essentials des Maskulismus nun wie folgt beantworten:
Notwendige Bedingungen des Maskulismus: Maskulisten sind säkuläre Humanisten, die sich vorbehaltlos zu den Menschenrechten und der Geschlechtergleichberechtigung bekennen.
Eine abschließende Liste hinreichender Bedingungen für die Zugehörigkeit zum Maskulismus gibt es nicht und sie ist auch nicht nötig, denn Maskulisten sind pragmatisch genug, um auch mit denjenigen in der Sache zu kooperieren, die nicht in irgendeinem Sinne „auf Linie“ sind. Wer sich daher angesichts dieses postes als Maskulist klassifiziert, sei beglückwünscht. Wer es hingegen nicht tut, hat deshalb nichts zu befürchten.
Darüberhinaus gibt es vier zentrale Projekte für den Maskulismus, aus denen er mehr oder weniger sofort politisches Kapital schlagen könnte – vor allem deshalb, weil feministische Experten normalerweise nur Experten in Feminismus sind, nicht aber etwas von rechtlichen, philosophischen und kommunikationstheoretischen Problemen verstehen und dementsprechend Angriffe des Maskulismus aus dieser Richtung auch nicht erwarten. Zusätzlich sollte der maskulistische Mobilisierungswert dieser Projekte in bisher feminismusfreundlichen Bevölkerungsschichten nicht unterschätzt werden.
Doch die aus maskulistischer Berufung handelnden Männer und Frauen sind im Momen leider oft zu untheoretisch, und sie werfen den Theoretikern daher mangelndes politisches Engagement vor – ein Fehler, den der Feminismus schon immer mit sich herumträgt. Darüberhinaus gibt es ein maskulistisches establishment, daß die o.g. richtungsweisenden Probleme und Aufgaben des Maskulismus in den letzten Monaten ignoriert und anstelledessen seine persönliche Verteufelung des Antifeminismus und Anbiederung an den feministischen Wertekanon nicht mit wohlüberlegtem politischen Pragmatismus begründet und begrenzt, sondern ihre Ansichten durch persönlichen Angriffe durchzusetzen und Abweichler zum Schweigen zu bringen versucht.
Solange sich derartiges autoritäres Benehmen innerhalb des Maskulismus mit politischer Ignoranz und theoretischem Unverständnis verbünden – und bezeichne es sich auch verlogenerweise als noch so sachlich und gemäßigt – sehe ich für keinen Maskulismus eine Chance, etwas nachhaltig zu verändern – ganz davon abgesehen, daß diese melange jeden vernünftigen Menschen von einer aktiven Teilnahme an maskulistischen Aktionen abschreckt.
Acknowledgement: I’m grateful to LoMi for helpful discussions.
Ein weiteres Interview mit dieser Feministin, die fordert, den Männeranteil an der Bevölkerung auf 10% herunterzuschrauben, gibt es hier.
Schlagwörter: Biologismus, blogossphäre, Humanismus. Frauen, Maskulismus, Männer
Von elmardiederichs in Biologismus, First Steps for Newbies, Maskulismus, Männer am August 18, 2014 .
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August 18, 2014 um 1:21 pm
„der Maskulismus ist….“ „Maskulisten sind….“
Angesichts der Vielfalt von Ansichten im Maskulismus, der ja auch sehr konservative Elemente umfasst, lädt das zu „no true Scotsman“ ein. Es stellt Behauptungen über einen Maskulismus auf, die so aus meiner Sicht nicht von deren Gesamtheit erfüllt werden.
Soll das ein idealistisches Bild sein?
August 18, 2014 um 1:40 pm
„die so aus meiner Sicht nicht von deren Gesamtheit erfüllt werden.“
Es ist der Witz des Maskulismus, daß das auch nicht nötig ist. Beim Lesen meines postes wäre dir das aufgefallen.
August 18, 2014 um 1:43 pm
Also in der Art von: „Der Maskulismus ist grün. Es ist der Witz des Maskulismus, dass er nicht grün sein muss“
Wäre da „mein maskulismus ist grün“ oder „nach meiner Vorstellung sollte der Maskulismus grün sein“ nicht präziser?
August 18, 2014 um 3:56 pm
„Also in der Art von:“
Nein, weit daneben – weil du notwendige von hinreichenden Bedingungen nicht unterscheiden kannst.
Notwendige Bedingungen gibt es, was zur Folge hat, daß der Maskulismus dem Feminismus an Präzision überlegen ist: Maskulisten sind säkuläre Humanisten, die sich vorbehaltlos zu den Menschenrechten und der Geschlechtergleichberechtigung bekennen.
Die Menge der hinreichenden Bedingungen besteht aber nicht aus Bedingungen, die zugleich notwendig sind. Daher sind Varianten des Maskulismus möglich, was auch seinerseits notwendig ist, weil der Maskuslismus ja eine liberale Theorie ist – was bekanntlich im Widerspruch zu deinem Vulgärbiologismus steht. Daher hakst du hier auch nach: Dir gefällt es nicht, daß Maskulismus so vielfältig und so bunt ist.
Du bist der Einzige, der ein Idealbild vom Maskulismus will oder glaubt, daß Begriffe eine Farbe haben.
Meiner Meinung nach definierst du hier ohne Beleg und auch ohne Bezug zu den vielen Strömungen. Es gibt religiöse Maskulisten, es gibt Maskulisten, die Männer als etwas besseres ansehen als Frauen. Es gibt Maskulisten, die keine strikte Gleichberechtigung wollen, sondern mit gesellschaftlichen Regelungen liebäugeln, die unterschiede vorsehen.
Das definierst du einfach weg.
Maskulismus ist eine Interessenvertretung von Männern. Diese kann humanistisch ausgestaltet sein, sie als per se humanistisch zu definieren macht sie aber nicht humanistisch.
Genauso wenig wie der Feminismus einfach auf die Lexikondefinition verweisen kann, nach der er eben auch für Gleichberechtigung ist.
Meine Begründungen über die Biologie sind im übrigen durchaus liberal. Jeder kann sich so verhalten, wie er will. Es wird nur dargelegt, warum es trotzdem Häufungen gibt.
August 18, 2014 um 6:36 pm
Du hast mit allem Recht was du sagst. Aber: nach 50 Jahren Feminismus, meinst du nicht, dass es an der Zeit ist, eine adäquate Antwort zu geben ? Die Antwort wird notgedrungen sich nicht mehr allein auf einen empirischen, wissenschaftlichen Standpunkt reduzieren lassen. Sie wird eine Standpunktwahl sein. Der Standpunkt wird den feministischen als Aspekt integrieren, der einfliesst und verstanden wird, aber nicht mehr Maßstab und Orientieruingspunkt ist. Daher geht der Hinweis auf die Vielfalt der Strömungen im Maskulismus fehl. Es geht darum. die Unterströmung, den Drive zu fassen und auf den Punkt zu bringen. Du müsstest daher fragen: hat Elmar etwas ausgesprochen, bei dem Männerrechtler das „Gefühl“ haben, das, was er sagt, sei stimmig?
August 18, 2014 um 6:59 pm
„Aber: nach 50 Jahren Feminismus, meinst du nicht, dass es an der Zeit ist, eine adäquate Antwort zu geben ? “
Doch, da bin ich sehr für. Ich meine sie selbst auch zu geben, aber dann nicht unter dem Label „der Maskulismus ist so oder so“ wenn er gar nicht so ist.
Wegdefinieren bzw seine eigene Bewegung als gut definieren macht einen schlicht blind für die Fehler der eigenen Bewegung und angreifbar.
„Es geht darum. die Unterströmung, den Drive zu fassen und auf den Punkt zu bringen.“
Der Drive ist doch „Männerrechte“. Alles andere ist aus meiner Sicht eine überhöhende Idealisierung, wenn man allgemein über Maskulismus redet. Ich finde das dann auch nicht auf den Punkt gebracht
„hat Elmar etwas ausgesprochen, bei dem Männerrechtler das “Gefühl” haben, das, was er sagt, sei stimmig?“
Wichtiger wäre mir: Beschreibt er mit dem, was er dem Maskulismus zuordnet, die Szene richtig? Wenn er ein Gefühl ansprechen will, dann würde sich aus meiner Sicht besser machen, dass er nicht den Maskulismus definiert, sondern deutlich macht, wo nach seiner Vorstellung der Maskulismus (oder: Sein Maskulismus) hin sollte, wenn er gerecht sein soll.
Einfach zu behaupten, dass der Maskulismus per se humanistisch etc ist ist aus meiner Sicht nicht stimmig.
August 18, 2014 um 9:46 pm
„Einfach zu behaupten, dass der Maskulismus per se humanistisch etc ist ist aus meiner Sicht nicht stimmig.“
Doch, lässt sich machen! Einfach indem man sagt was nicht humanistisch ist, ist eben kein (Teil des) Maskulismus. 🙂
August 18, 2014 um 9:56 pm
klar, aber das wäre eben ein „no true scotsman“
August 18, 2014 um 10:07 pm
Christian, Du hast es erfasst. Das machst Du doch auch so, mit mir zB. Wenn ich zB Deine Sicht auf Gender nicht teile, dann bin ich eben zu doof oder will Deine Sicht einfach nicht teilen. Auf jeden Fall ist Deine Sicht in Deiner Vorstellung richtiger als meine?
Oder noch einfacher: Ein Eskimo ist eben kein Schotte. Er kann es werden, keine Frage, aber er ist es erstmal nicht …
Wenn sich jemand nicht als humanistisch sieht, dann KANN er aus meiner Sicht kein Maskulist sein. Er mag sich so bezeichnen, das hilft ihm aber nicht weiter. Im Gegensatz dazu hat der Feminismus bewiesen gegen Menschenrechte zu sein. Mein Lieblingsbeispiel ist die Wahlrechtsverweigerung für Männer zu Gleichstellungsbeauftragtenwahlen. An diese und anderen Realitäten kommt der Feminismus nicht vorbei.
August 18, 2014 um 10:23 pm
“ Wenn ich zB Deine Sicht auf Gender nicht teile, dann bin ich eben zu doof oder will Deine Sicht einfach nicht teilen.“
Deine Ansicht ist mir da eigentlich relativ egal: ich halte zudem die Gendertheorien auch für falsch (recht offensichtlich). Du verwendest allerdings die Worte falsch, was sehr anstrengend ist. Gender an sich, also einen sozialen Anteil der Geschlechter, gibt es ja durchaus.
August 18, 2014 um 10:50 pm
Siehst Du, das ist Dein Problem. Ich verwende Worte nach ihrem realem Sinn. Gender zB ist nicht mehr ohne den Zusammenhang mit GenderStudies und GM zu verwenden. Gender ist also hier kein unschuldiges Wort mehr.
Um ein Beispiel zu geben. Das Wort Homophobie ist für das was es beschreiben soll eigentlich Dummfug. Es würde allenfalls eine sehr kleine Menge von Menschen beschreiben, die eine übertriebene, unbegründete, fast schon krankhafte Angst vor Homos haben. Du und andere bestehen aber auf der Verwendung des Wortes, in demSinn wie ihr behauptet, daß es heute anerkannt sei. Für Euch ist jede Gegnerschaft, teilweise schon nicht jubelnde Zustimmung zu Homosexuallität = Homophobie. Damit wird der Begriff leer und sinnlos.
Das machst Du bei dem Begriff Gender nicht, da spielt dies plötzlich keine Rolle mehr. Du verschiebst also, so wie es Dir passt, die Torpfosten. Bei dem Begriff Maskulismus willst Du aber wieder keine Begriffsfestlegung zulassen.
Elmar hat also eine Definition des Maskulismus vorgeschlagen oder von mir aus vorgenommen. Die gefällt Dir offensichtlich nicht. Warum hast Du also Recht und Elmar nicht? Vielleicht verwendest Du den Begriff Maskulismus ja falsch? Gibt es eine Realität des Maskulismus die zB Deine Sicht stützt, so wie es reale Auswirkungen des Feminismus gibt die meine Sicht auf den Feminismiusbegriff stützen?
Warum soll der Humanismus nicht eine Bedingung für Maskulismus sein?
August 19, 2014 um 10:01 am
@ Christian „Wichtiger wäre mir: Beschreibt er mit dem, was er dem Maskulismus zuordnet, die Szene richtig? Wenn er ein Gefühl ansprechen will, dann würde sich aus meiner Sicht besser machen, dass er nicht den Maskulismus definiert, sondern deutlich macht, wo nach seiner Vorstellung der Maskulismus (oder: Sein Maskulismus) hin sollte, wenn er gerecht sein soll.“ Das ist, wie ich finde, eine Frage der Textsorte. Du kritisierst Elmars Text, als hätte er den Anspruch, eine umfassende empirische Studie über die derzeitige Männerrechtsbewegung zu sein. Den Anspruch erhebt er aber gar nicht.
So, wie ich ihn lese, hat er eher den Charakter eines Manifests, oder den eines Entwurfs zu einem Parteiprogramm. Und dabei geht es eher um innere Stimmigkeit, und um einen (Selbst-)Entwurf, an dem man sich daraufhin orientieren kann – als darum, jede einzige Variante einmal zu erwähnen.
Es kann sogar gerade Sinn eines solchen Textes sein, deutlich zu machen, dass bestimmte Varianten männerrechtlichen Engagements eben nicht stimmig sind – wer sich z.B. für Männerrechte einsetzt, aber gegen homosexuelle Männer hetzt, bietet eben keinen schlüssigen Entwurf an. Das festzustellen bedeutet ja nicht, solche Leute einfach wegzudefinieren (es ist in dem Sinne auch keine „No true Scotsman“-Taktik).
Warum es sinnvoll ist, einen solchen auf Stimmigkeit und Schlüssigkeit abstellenden Entwurf zu formulieren, kann man vielleicht an Deinem Hinweis zeigen, dass „Männerrechte“ DAS verbindende Thema, der „Drive“ von Männerrechtlern seien. Das sehe ich nicht so – wenn es nur um das ginge, wäre ich z.B. nicht dabei. Verbindend ist in meinen Augen vielmehr die Überzeugung, dass auch Rechte von Männern und Jungen Menschenrechte sind – und dass dieser eigentlich selbstverständliche Grundsatz von der gegenwärtigen Geschlechterpolitik verletzt wird.
Ohne diese Überzeugung müssten sich Männerrechtler auch gar nicht mit dem Feminismus auseinandersetzen – Männerrechtler und Frauenrechtlerinnen wären dann einfach Spiegelbilder, die komplementär zueinander unterschiedliche Felder beackern, sich gut ergänzen, aber ansonsten (außer einer Konkurrenz um Ressourcen) wenig miteinander zu tun haben.
Das geht aber an der Auseinandersetzung mit dem Feminismus, die tatsächlich geleistet wird, vorbei – ein (oder: das) Kernthema dieser Auseinandersetzung ist es nämlich, dass feministische Entwürfe die Universalität der Menschrechte verletzen.
Männerrechtler hingegen, die das anders sehen – die ihr männerrechtliches Engagement nicht in menschenrechtlichen Überzeugungen gründen – die produzieren tatsächlich ein doppeltes Problem: Sie können ihre eigene Position nicht überzeugend begründen, und sie können feministische Positionen nicht stimmig kritisieren. Und das wird eben dann deutlich, wenn ein Entwurf für eine stimmige Männerechtspolitik formuliert wird.
Insofern finde ich den Text Elmars sehr gut, auch wenn ich – was bei einem solch detailreichen Text normal ist – nicht allem zustimmen würde. Unnötig finde ich allein den Schluss: Sich (was für mich regelrecht rituell aussieht) hier wieder mal am „maskulistischen Establishment“ abzuarbeiten, ist ein Bruch mit dem vorangegangenen Text, kein effektvoller Schlussakkord. Da ist der Hinweis auf die Femitheistin schon wichtiger – an einer solchen (ja durchaus sehr erfolgreichen) Faschistin wird unmittelbar deutlich, warum Engagement für die Rechte von Männern und Jungen wichtig ist.
August 19, 2014 um 11:17 am
„Gender ist also hier kein unschuldiges Wort mehr.“
Die Schuld eines Wortes gibt es nicht. Es hat eine allgemeine Bedeutung. Wenn du es entgegen dieser verwendest, dann bringt das lediglich verwirrung.
„Warum soll der Humanismus nicht eine Bedingung für Maskulismus sein?“
Mit deiner obigen Definition könnte man sagen, dass das Wort eben kein unschuldiges Wort ist und du es gemäß seines realen Sinnes verwenden solltest 😉
Die Idealvorstellungen, die Elmar hier mit dem Wort verbindet, treffen eben nicht zu.
Deswegen ließt sich der Text für mich wie eine sehr angreifbare Idealisierung. „Wir können ja per Defintion gar nicht schlecht sein“ ist eben sehr dicht an „Im lexikon steht doch, dass Feminismus für Gleichberechtigung ist“.
Aber das mag meine Art sein einen solchen Text zu lesen. Ich hasse so ein Wegdefinieren.
August 19, 2014 um 11:50 am
Ach Christian, Du willst mir wirklich erklären Wörter hätten nie Schuld und könnten entsprechend nicht zB vor Gericht angeklagt werden? Hälst Du die Leser hier für so dumm, daß Du dies klarstellen zu müssen meinst?
Gender ist NICHT mehr von GenderStudies und GM zu trennen. So wird das Wort angewendet und allgemein verstanden. Gender ist nicht mal dies und mal das, je wie es Dir gefällt. In den Sinne ist Gender nicht mehr unschuldig. Gender ist zB keine wissenschaftliche Beschreibung sondern klar ein politisches Konzept.
Feminismus oder Gender sind durch die realen Auswirkungen auch schon in der Bedeutung sehr festgelet. Dies trifft auf den Begriff Maskulismus nicht zu. Kann ja noch kommen und ich hoffe er wird durch seine Taten positiv belegt werden. Für die Begriffe Gender und Feminismus ist diese Chance vertan …
Wenn Du Gender für ein wissenschaftliches oder reales Phänomen verwendest, dann stiftest Du Verwirrung, denn Gender ist weder das eine noch das andere. Gender ist eindeutig ein frei erfundener politischer Kampfbegriff.
August 19, 2014 um 12:02 pm
Schau zB mal hier für eine Verwendung ausserhalb der Gender Studies in wissenschaftlichen Studien:
http://scholar.google.de/scholar?q=gender+prenatal+testosterone&btnG=&hl=de&as_sdt=0%2C5
August 19, 2014 um 12:36 pm
Jau, einen Haufen Soziologenbücher dabei und Gequatsche von Genderrollen…
Wie wollen die überhaupt Studien durchführen bei den vielen Genders, die es angeblich geben soll? Andere reden wieder nur von Boys and Girls, also wieder nur 2 Genderrollen, die aber wohl doch wieder mit Sex, also Geschlecht zusammenhängen …
Mit anderen Worten, jeder verwendet Gender wie es ihm gefällt? Klär mich mal auf, wieviel Gender gibt es eigentlich?
Wenn Gender allgemein bekannt und verwendet wird, dann gib mir eine eindeutige Definition von Gender! Was ist Gender genau und was ist Gender nicht? Danach habe ich Dich schon mehrfach gefragt. Übrigens die Humbug Uni Berlin wehrt sich mit Händen und Füssen dem Hatmut Danisch Auskunft über die Inhalte der Genderstudies dort zu geben! Und gerade Du bist schlauer als die Berliner? Schreib den Berlinern doch eine Email, dann wissen die endlich was die dem Danisch antworten können. 🙂
Meine Def. ist: Gender ist ein frei erfundenes Kunstwort, ohne bezug zur realen Welt. Einzig zum politischen Kampf gebraucht und zur Vortäuschung von Wissenschaftlichkeit.
Und zürück zum Thema: Wahrhaftigkeit sollte eigentlich auch eine Eigenschaft des Maskulismus sein. Dann hätte er neben den Menschenrechten noch ein Alleistellungsmerkmal.
August 18, 2014 um 5:26 pm
Ein beeindruckender Beitrag. Es ist schwierig, die vielen Facetten des Maskulismus einzufangen, die Ebenen in einen Zusammenhang und nicht nur nebeneinander zu stellen. Ja, es ist eine Frage der Interdependenzen: das Bild der Männer von sich selbst, die Epistemologie, Relativismus, Sprache, Recht, der theoretische Zugang, der praktische, etc. . Ich nehme viele Anregungen mit. Mittelbare und unmittelbare Drittwirkung ist vollkommen neu für mich. Übrigens: ich habe gerade einen Beitrag von Dean Esmay bei avoiceformen gelesen. Der Anspruch und das Selbstbewusstsein der Bewegung nimmt zu. Faszinierend.
August 19, 2014 um 10:30 am
Ich habe den von dir angeführten Betrag nun auch gelesen – wirklich interessant. Ich stimme zu, daß viele Liberale und Libertäre in der MRA anzutreffen sind und auch, daß wir eine gesellschaftspolitische Bewegung ohne Treue zu alten Etiketten der Vergangenheit sind.
Eine pragmatische Einstellung mag am Anfang nicht schlecht sein, aber ich wünsche mit noch mehr einen eigenen Standpunkt für die MRA, eine Vision für Männer. Leider bin ich da selbst noch ganz am Anfang.
August 19, 2014 um 1:35 pm
Ich habe den Text mangels Zeit bisher nur schnell durchsehen können, habe aber noch Schwierigkeiten damit, ihn und seine Intention wirklich einzuordnen.
Das fängt mit der Überschrift an: „Wie wird man Maskulist?“ Der Prozeß einer Maskulist-Werdung oder eine Anleitung, wie man andere zum Maskulisten macht, wird hier offensichtlich nicht beschrieben. Eventuell wird man durch die Lektüre dieses Textes zum Maskulisten 🙂 Aber das war vermutlich nicht der Hauptzweck.
Die Einleitung deutet auf einen Selbsttest hin, ob man Maskulist ist. Könnte man am Anteil der Thesen, denen man zustimmt, messen und durch einen Prozentsatz ausdrücken. Maskulismus als graduelles Persönlichkeitsmerkmal, interessant. Ist aber auch nicht Hauptthema des Textes.
Nach meinem Eindruck wäre ein passender Titel: „Meine (E.D.s) Vision eines theoretisch fundierten Maskulismus und Hinweise auf die Umsetzung“. Im Text werden praktisch alle Aspekte einer kompletten Ideologie (die ich mir selber immer mit diesem Bild veranschauliche) angesprochen: ethisch / philosophische Grundwerte, soziale Theorien, einzelne Ziele und Forderungen sowie Strategien zur Umsetzung. Biologie bleibt außen vor, weil sie zur Begründung der Ziele und Forderungen nicht als notwendig angesehen wird und taktisch eher schädliche Auswirkungen befürchtet werden.
Soviel nur zu meiner Einordnung dieses langen Textes (die eventuell nicht korrekt ist).
August 19, 2014 um 1:40 pm
Die Sache mit der Ideologie interessiert mich: Würdest du es so formulieren, daß ich eine Ideologie des Maskulismus skizziere? Wenn ja, wie kommst du darauf?
August 19, 2014 um 2:51 pm
„Würdest du es so formulieren, daß ich eine Ideologie des Maskulismus skizziere?“
Kann man so formulieren, ich würde es aber eher als eine Maskulismus-Variante bezeichnen, um in meiner sonstigen Begriffswelt zu bleiben. Glücklich bin ich mit dem Begriff Ideologie nicht, die einzig naheliegende Alternative „Weltanschauung“ ist aber noch ungünstiger.
Den Begriff Ideologie verstehe ich hier übrigens wertneutral, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie: „Als wertfreier Begriff ist eine Ideologie die Gesamtheit der Ideen, Vorstellungen und Theorien, die von den bekennenden Mitgliedern einer sozialen Gruppe oder -Organisation als Leitbild zur Begründung und Rechtfertigung des gemeinsamen Handelns anerkannt wird. Es sind demnach die Grundeinstellungen für die Bedingungen und Ziele des Zusammenlebens sowie die dazu notwendigen Wertvorstellungen. Eine Ideologie möchte die Welt nicht nur erklären, sondern auch beeinflussen.“
S. auch meine Überlegungen zur Unterscheidung Maskulismus vs. politische Ideologie (Liberalismus, Konservatismus, Sozialismus u.a.)
Lesenswert ist das dort zitierte Papier von Priester und die Einordnung vom Feminismus als „dünne Ideologie“; diese Problematik trifft auch auf den Maskulismus zu.
August 19, 2014 um 2:57 pm
August 19, 2014 um 8:43 pm
Aber um noch mal konstruktiv zu werden:
„Ein Mann, der von einer Frau belogen oder betrogen wurde, ist nicht etwas selbst schuld daran, insofern er sich verarschen läßt, sondern er wurde Opfer einer Person mit asozialer oder krimineller Energie.“
Das erinnert mich etwas an das „victimblaming“ im Feminismus. Ihn kann durchaus ein Auswahlverschulden treffen oder er kann aus anderen Gründen eine Mitschuld haben.
„Erfolgte die Schwangerschaft nicht durch Vergewaltigung, muß der biologische Vater jeder Freigabe zur Adoption zustimmen.“
Wie läuft es, wenn er nicht bekannt ist? („der Typ aus der Disko“)?
(bei bekannten Vater müssen eh beide zustimmen)
„Jedes Kind braucht grundsätzlich beide Elternteile. Kinder dienen nicht der Selbstverwirklichung von Frauen, so daß in jedem Scheidungsrecht die Interessen des Kindes den Interessen jedes einzelnen Elternteils vorgeht.“
Das ist ja jetzt schon der Fall. Problematisch wäre eher, dass der Kontinuitätsgrundsatz davon ausgeht, dass es am besten für das Kindeswohl ist, wenn derjenige das Kind weiterbetreut, der das bisher schon ganz überwiegend gemacht hat. Und das ist meist die Frau.
„Unterhaltsansprüche müssen geschlechtsunabhängig sein und werden“
Sind sie ja heute schon.
“ – unabhängig von der ökonomischen Bedürftigkeit – nur zu demjenigen Anteil gewährt, zu dem der Elternteil sich aus eigener Kraft und eigenen Mitteln an der Kindssorge beteiligt.“
Kannst du das mal an einem Beispiel erläutern? Sagen wir mal sie übernimmt alle Arbeiten des täglichen Lebens, füttern, windeln, waschen, zu Bett bringen etc. Wenn Entscheidungen anstehen, die das gemeinsame Sorgerecht betreffen, dann beteiligt sie ihn und spricht diese mit ihm ab. Bekommt sie dann 95%?
Und wer legt das jedesmal fest? Klar, die Anwälte werden sich freuen, wenn jeden Monat neu gestritten werden kann, welchen Anteil der andere Elternteil diesesmal hatte (und viele Zahler werden vielleicht schnell merken, dass es billiger ist, direkt zu zahlen als einen Aufwändigen Prozess um sagen wir 20% des Kindesunterhalts der ersten Stufe, also sagen wir maö 241 € mal 20% = 48 € zu führen.
Und über welche Unterhaltsbeträge redest du da?
Bei Kindesunterhalt wäre es bisher ein Anspruch des Kindes selbst. Soll dieser dann zu einem Anspruch des Elternteils werden?
Bei Betreuungsunterhalt bedeutet das natürlich, dass derjenige, der das Kind hat, um so weniger Unterhalt bekommt, um so mehr er den anderen an der Kindererziehung teilhaben lässt.
„Eine Abtreibung aufgrund einer sozialen Notlage ist an die Zustimmung des biologischen Vater gebunden.“
Warum sollte sie dann sagen, dass sie aufgrund einer sozialen Notlage abtreibt? Sie würde einfach sagen, dass sie das Kind natürlich auch durchbringen könnte, aber es einfach nicht will.
„Jede Heirat verpflichtet die Eheleute zum Abschluß eines persönlichen Ehevertrages, den die Eheleute selbst ausformulieren müssen.“
Selbst? das kann nicht gut gehen. Laien, die sich an juristischen Regelungen versuchen, produzieren in der Regel Müll. Da sollte man eher einen Notar ransetzen.
Etwas praxisnäher würde ich es finden, wenn man verschiedene gesetzliche Regelungen zur Wahl stellt und gleichzeitig Vertragsfreiheit gewährt.
„Rechtliche Standardlösungen für die Ehe werden weitestgehend abgeschafft.“
Auch nicht ganz einfach. Wenn man eine Ehe ohne Pflichten aber mit Steuervorteilen hat, ist es dann tatsächlich noch eine Ehe?
„Das Gutachterwesen wird reformiert, da sich weibliche Gutachter als parteilich erwiesen haben: Künftig wird es je zwei unabhängige Gutachten von einem Mann und einer Frau geben und die Unterlagen dazu werden vollständig anonymisiert, so daß nicht erkennbar ist, welchem Geschlecht was zugesprochen wird.“
Worauf stützt du die Aussage, dass weibliche Gutachter sich als parteiisch erwiesen haben? Meiner Erfahrung entspricht das nicht.
Im übrigen bedeutet das doppelte Gutachterkosten, die eh schon nicht niedrig ist und dann die Gefahr, dass sich die Gutachten widersprechen und ein drittes eingeholt werden muss.
Die typische Dauer eines familienrechtlichen Gutachtens ist übrigens, weil die Gutachter stark überlastet sind, mindestens 6 Monate. Wenn alle Gutachten doppelt angefertigt werden wird das noch zunehmen.
„Wenn eine Frau nicht von sich aus und in eigener Initiative auf den Mann zugeht und mit ihm spricht, dann kann der Mann davon ausgehen, daß die Frau kein Interesse an ihm hat, so daß jede weitere Aktion seinerseits verschwendete Zeit ist. Passive Frauen kann Mann als Frauen behandeln, die ohne Wünsche und Interessen sind – und deshalb ignorieren.“
Klar kann er das. Niemand muss irgend jemanden ansprechen- Aber es ist für die wenigsten Männer eine effektive Strategie. Es ist vielleicht ein netter Umerziehungsansatz, aber diese erfordert einen „Männerstreik des Ansprechens“.
Die Schlußfolgerung ist auch nur sehr eingeschränkt richtig: Wenn sie nicht auf ihn zugeht, dann kann sie dennoch deutliche Signale des Interesses senden.
Die meisten Männer werden diese dann gerne annehmen. Ich sage da zu viele Streikbrecher voraus.
(diese Dynamiken unterschätzt du denke ich in vielen deiner obigen Punkte, die verlangen, dass Frauen ihr Verhalten ändern. Weder sind Männer bereit ihren einen Streik zu beginnen noch sind die anderen Taktiken für Frauen gleich effektiv, was auch in unterschiedlichen biologischen Mechanismen der Partnerwahl etc eine Begründung findet).
August 20, 2014 um 7:10 am
@ Christian „(bei bekannten Vater müssen eh beide zustimmen)“ Die Zustimmung kann natürlich auch ersetzt werden.
Einschlägig war ja der „Fall Görgülü“, in dem offenbar Väterfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit seitens eines Jugendamts und eines OLG (in Naumburg) zusammenspielten, um dem Vater über viele Jahre das Kind vorzuenthalten. Dies obwohl – oder gerade weil – es die Mutter ohne väterliche Zustimmung zur Adoption freigegeben hatte. Es gab dann aber auch entsprechende Entscheidungen des EuGH und des Verfassungsgerichts dazu.
Heute frag ich mich vor allem, wie sich eigentlich das Gesetz zur anonymen Geburt mit der Verpflichtung, die Zustimmung des Vaters einzuholen, vertragen soll. Passt offenbar nicht zusammen. Vielleicht hofft der Gesetzgeber darauf, dass es kein Verfahren gibt, wo es keine Kläger gibt…Jedenfalls ist es ein Beispiel dafür, dass die Zustimmung des Vaters keine besonders hohe Wertigkeit hat.
„Im übrigen bedeutet das doppelte Gutachterkosten, die eh schon nicht niedrig ist und dann die Gefahr, dass sich die Gutachten widersprechen und ein drittes eingeholt werden muss.“ Gutachten sind oft fragwürdig, schon weil Richter und Gutachter sich in der Regel kennen, schon lange zusammenarbeiten und jeweils die „passenden“ Gutachten eingeholt werden können. Zur Fragwürdigkeit von familienrechtlichen Gutachten hatte Kai auf seinem Frontberichterstatter-Blog gerade einiges geschrieben („Manuela S. möchte Kinder verstehen lernen“).
Ich würde eher das Gegenteil fordern – Gutachten in familienrechtlichen Verfahren möglichst zu begrenzen. Oft haben sie einfach die Funktion, eine Entscheidung herbeizuführen, weil die Eltern nicht kommunikationsbereit sind. Wenn wir, wie das ja in Cochem der Fall war, Verfahren hätten, die diese Kommunikationsbereitschaft fördern, ausgehend von dem Grundsatz, dass ein Kind beide Eltern braucht – und wenn es zudem klare Regeln gäbe, wie Gutachten im AUSNAHMEFALL angefordert werden können – dann würde das m.E. das Problem schon erheblich entschärfen.
Zum Thema „Ansprechen“: „Wenn sie nicht auf ihn zugeht, dann kann sie dennoch deutliche Signale des Interesses senden.“ Da wäre mir ohnehin eine deutliche Trennung wichtig, welche Forderungen politisch und juristisch sind – und welche eher einen Art Selbsthilfe-Charakter haben. Natürlich können Männer sich Gedanken darüber machen, inwieweit sie im Alltag durch bestimmte Geschlechtererwartungen manipulierbar sind, unnötig unter Druck gesetzt werden können etc.
Ich würde das von politischen Forderungen aber ganz getrennt halten. Für mich ist es eines der Probleme im Feminismus – das Elmar im Text ja auch anspricht – , staatliche Institutionen für die Regelung persönlicher Beziehungen verantwortlich zu machen.
Das ist für mich, bei Erwachsenen, eigentlich nur bei Straftaten vernünftig. Ansonsten ist das Wechselspiel in der Interaktion oft so subtil und auch widersprüchlich, dass es unmöglich durch ganz allgemeine Regelungen vernünftig gesteuert werden kann. Die Vorstellung, dass das Private politisch sei, hat jedenfalls nach meiner Einschätzung eine ganze Menge Schaden angerichtet – im Privaten UND im Politischen. (@ Elmar: Ich unterstelle Dir diese Vorstellung nicht, sondern will nur auf die erwähnte Trennung von politischen und anderen Erwägungen hinaus).
August 20, 2014 um 8:40 am
„Heute frag ich mich vor allem, wie sich eigentlich das Gesetz zur anonymen Geburt mit der Verpflichtung, die Zustimmung des Vaters einzuholen, vertragen soll.“
Die anonyme Geburt soll Fälle verhindern, in denen die Mutter vor lauter Verzweifelung die Schwangerschaft geheim hält und ansonsten das Kind töten würde, weil sie es nicht offenbaren kann. Es erscheint mir tatsächlich unhumanistisch in solchen Fällen das Recht des Vaters (das sich bei einer Tötung auch nicht realisiert) über den Schutz des Kindes zu stellen. Sicher ist das schmutzig und erlaubt auch einen Missbrauch. Aber wir reden da glaube ich über 5-6 Fälle pro Jahr, die extrem sind. Resultat wäre ansonsten wahrscheinlich 3-4 tote Babys mehr
August 20, 2014 um 10:23 am
@ Christian Es geht übrigens um die vertrauliche Geburt, nicht die anonyme. War mein Fehler.
Was Du dazu sagst, gibt ja tatsächlich die Argumentation der Befürworter wieder. Kennst Du eine Quelle, in der die Schätzung (3-4 tote Babys mehr) begründet wird? Einem Interview mit Danuta Sacher von Terre des Hommes entnehme ich jedenfalls, dass die Zahl der Kindstötungen sich mit der Einführung der Babyklappen nicht verringert hatte.
Im selben Interview kritisiert Sacher auch, dass die „Rechte der Väter (…) auch beim Gesetz zur vertraulichen Geburt leider kaum eine Rolle“ spielen.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/interview-mit-terre-des-hommes-zu-gesetz-vertrauliche-geburt-a-904214.html
August 20, 2014 um 10:36 am
das Problem ist ja, dass über eine Bekanntgabe gegenüber dem Vater der ganze Sinn der Sache weg ist. Denn der wird meist die Mutter recht schnell bestimmen können.
Damit wäre der Sinn, den Frauen einen Ausweg zu bieten, weg.
Ob der Weg effektiv ist ist eine andere interessante Frage.
Ich habe da auch nur den allgemeinen Wikipedialink:
Es wird dabei davon ausgegangen, dass eine Gefährdungssituation vorgelegen hat, die mit entsprechenden Angeboten ausgeschlossen werden kann. Ein empirischer Beleg für diese These kann (bisher) nicht erbracht werden. In einer Studie der Medizinischen Universität Wien aus Dezember 2012 wird für den Erhebungszeitraum 1991 bis 2009 festgestellt, dass sich seit der Entkriminalisierung der anonymen Geburt in Österreich im Jahr 2001 die Zahl der Kindstötungen innerhalb der ersten 24 Stunden (Neonatizid) von 7,2 Fällen pro 100.000 Geburten auf 3,1 Fälle halbiert habe [12]. Ein linearer Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Kindstötungen und der Inanspruchnahme von Angeboten der anonymen Geburt konnte nicht festgestellt werden. Ein Hinweis sei das Fehlen anderer großer sozioökonomischer Veränderungen im Beobachtungszeitraum, erklären die Autoren.
Natürlich ist so etwas schwer nachzuweisen. Es ist ja per se ein „gemeines Delikt“.
August 20, 2014 um 9:33 am
Die Vorstellung, daß das Private politisch sein könnte, erscheint mir mit denjenigen Aussagen und Ideen, die ich bisher von Maskulisten gehört habe, gänzlich unverträglich zu sein.
In einem Manifest müßten politische Forderungen und Vorschläge zur Veresserung des sozialen Klimas in der Tat gut sichtbar getrennt werden.
August 21, 2014 um 1:28 pm
„Die Vorstellung, daß das Private politisch sein könnte, erscheint mir mit denjenigen Aussagen und Ideen, die ich bisher von Maskulisten gehört habe, gänzlich unverträglich zu sein.“
Im Alltagsmaskulismus wird von einigen Personen durchaus analog zum Feminismus das Private politisiert, z.B. durch die Berufung auf PickUp als Form der Männerbewegung. Ebenfalls gehören in diese Schublade alle frauenkritischen Standpunkte. Du hast ja bereits gesagt, dass man hier strikt trennen muss. Ich sehe aber durchaus, dass viele Leute in ihrer eigenen Wahrnehmung a) die Trennung nicht vornehmen und b) die Parallelität zum Feminismus übersehen, die durch eine solche Politisierung des Privaten entstehen könnte.
August 21, 2014 um 1:51 pm
Lass uns da mal etwas konkreter werden: Der Witz an der Politik der ersten Person ist die Ablehnung einer Trennung zwischen „privat“ und „öffentlich“. Die Folgen sind z.B. daß
a) Schwangerschaftsabbruch gesetzlich geregelt ist
b) Kindererziehung eine öffentliche Aufgabe ist
c) das Sexualstrafrecht so scharf geworden ist, daß kein Mensch mehr selbst dafür verantwortlich ist, sich sexuellen Annäherungen zu entziehen
d) Prostitution staatlich kontrolliert wird
e) nacheheliche Versorgungsansprüche gesetzlich vorgeschrieben sind
f) die Frauenförderung aus Steuermitteln finanziert wird.
Nehmen wir nun mal an PickUp wäre wirklich ein Teil der Männerrechtsbewegung. Wie politisieren dann deren Vertreter eine Kritik an Frauen oder welche Forderungen erheben die Pickupper gegen den Staat?
August 21, 2014 um 2:05 pm
Ich persönlich bin nicht für eine Politisierung des Privaten, das nur vorweg.
Die PickUper treten selber kaum mit Forderungen nach Gesetzen in Erscheinung. Sie halten aber durchaus ihre alltägliche Lebensführung für ein politisches Statement. Ich gebe Dir recht, dass das einen Unterschied macht zu den konkreten Gesetzgebungen aufgrund feministischer Politisierung des Privaten.
Eine leichte Tendenz in die gleiche Richtung könnten aber diejenigen haben, die z.B. gegen sexistische Werbung zu Lasten von Männern sind. Hier ist es durchaus wahrscheinlich, dass irgendwann auch Männer ein Verbot solcher fordern.
Im Moment ist das noch nicht der Fall, weil es generell keine echte Politisierung der Männerszene gibt und keiner ihrer Vertreter politische Macht hat. Aber was passiert, wenn man den Marsch durch die Institutionen doch mal geschafft hat? Da wäre es besser, schon vorher mal diese Frage nach Privat und Politisch reflektiert zu haben.
Für mich ist ein Indiz für eine Parallelisierung, dass Diskursstrategien und Begriffe des Feminismus „gekapert“ worden sind: „Privilegien“, „Sexismus“, „Derailing“. Damit sollte man vorsichtig sein, weil diesen Dingen die Tendenz innewohnt, mit gleicher Empörung zu arbeiten und das gleiche Moralunternehmertum zu betreiben (= durch Skandalisierung Normen durchsetzen wollen).
August 21, 2014 um 3:08 pm
„Damit sollte man vorsichtig sein, weil diesen Dingen die Tendenz innewohnt, mit gleicher Empörung zu arbeiten und das gleiche Moralunternehmertum zu betreiben (= durch Skandalisierung Normen durchsetzen wollen).“
Ich seh das im Moment nicht, da im Maskulismus nicht davon die Rede ist, daß erzeugende Strukturen beteiligt sind. Uns geht es einfach um das Verhalten.
August 21, 2014 um 3:52 pm
„Ich seh das im Moment nicht, da im Maskulismus nicht davon die Rede ist, daß erzeugende Strukturen beteiligt sind.“
Doch, ich sehe Äquivalente zur feministischen „Gläsernen Decke“, etwa im Zusammenhang mit der Jungenkrise. Diese wird schon als strukturelles Problem begriffen. Man behauptet dort eine starke Benachteiligung von Jungen in der Schule, die durchaus flächendeckend ist. Als eine Ursache sehen manche die „Feminisierung“ des Bildungssystems an. Die Jungenbenachteiligung ist keine Folge von Gesetzgebung, sondern von pädagogischer Definitionsmacht. Sie ist also ein gesellschaftliches Problem, das auch strukturell verankert ist, weil die Jungenbenachteiligung flächendeckend erfolgt und nicht nur zufällig an einigen Schulen.
Politisch muss daraus nicht unbedingt eine gesetzliche Regulierung des Privaten folgen. Man könnte mit Jungenförderung reagieren, die dann nicht unbedingt in das Handeln der Lehrerinnen eingreift.
Aber die Diagnose der Krise und ihre Erklärung bewegen sich durchaus auf ähnlicher Ebene wie die Behauptungen struktureller Benachteiligung von Frauen.
August 21, 2014 um 4:03 pm
sorry, mein Fehler – es liegt am Strukturbegriff.
Was du beschreibst – Jungenkrise – hätte ich so formuliert, daß eine Menge einzelner Personen unabhängige mit gleicher Tendenz handeln. Das aber ist in meinen Augen keine Struktur – und schon gar keine erzeugende Struktur. Einige erzeugenden Strukturen sind gesellschaftlice Probleme, andere Strukturen charakterisieren nur die Gesellschaft.
Intuitiv würde ich eine erzeugende Struktur als in der Regel unvorhergesehene Folge von Entscheidungen oder Gewohnheiten betrachten, was seinerseits in die Handlungsoptionen von Gesellschaftsmitgliedern eingreift.
Beispiel: Wenn die SPD eine interne Frauenförderpolitik betreibt, dann hat das zur Folge, daß Männer aus der Partei abwandern und mangelns Frauenbeteiligung wenige Frauen die politischen Entscheidung dominieren. Die Struktur ist in diesem Fall die Überlebenswahrscheinlichkeit von politischen Projekten. Die unerwartete Folge ist die Abnahme der Fähigkeit der SPD „Demokratie zu produzieren“, sie spielt immer weniger eine Rolle für die Demokratie und ist für demokratische Anstrengungen eher eine Sackgasse.
Eine erzeugende Struktur ist immer eine Folge von constraints und sie „koppelt zurück“ in die Menge der Personen, die für sie verantwortlich sind.
Trends oder Mittelwerte haben begrifflich gar nichts mit Strukturen zu tun, weil letztere immer eine Dynamik realisieren.
„ntuitiv würde ich eine erzeugende Struktur als in der Regel unvorhergesehene Folge von Entscheidungen oder Gewohnheiten betrachten, was seinerseits in die Handlungsoptionen von Gesellschaftsmitgliedern eingreift.“
Streiche das „unvorhergesehene“, dann passt es eigentlich. Strukturen können auch erwartete Folgen produzieren. Diejenigen Strukturen, die unvorhergesehene Folgen produzieren, sind natürlich interessanter. Aber Struktur hat ja etwas mit der Verursachung von etwas zu tun und das schließt auch solche Wirkungen ein, die man kennt und erhofft.
„Trends oder Mittelwerte haben begrifflich gar nichts mit Strukturen zu tun, weil letztere immer eine Dynamik realisieren.“
Dem stimme ich auch zu. Eine Erscheinung ist nur dann strukturiert, wenn es einen Wirkmechanismus gibt, der immer wieder diese Folge erzeugt.
Für die Jungenkrise wird eine solche Strukturierung durchaus behauptet: Zunehmend verweiblicht sich das Bildungssystem. Die Lehrerinnen setzen weibliche Werte durch und betrachten männliches Verhalten entsprechend als abweichend und pädagogisch problematisch. Diese Tendenz verstärkt sich, je weniger Männer im Schuldienst sind. Das ist ähnlich wie in der SPD. Hier kommen dann die constraints zum Zuge: Die Möglichkeiten von Lehrerinnen, aus der Perspektive weiblicher Werte zu urteilen, wachsen, weil kaum jemand widerspricht.
Prinzipiell beinhaltet die Annahme von Strukturen auch die Idee der verändernden Steuerung. Kennt man den Wirkmechanismus, kann man eingreifen, um ihn zu verändern. Das wäre der Punkt, an dem die Annahme von Struktur übergeht in Politik, wenn nämlich ein solches Eingreifen gefordert wird.
Ob uns das weiterhilft, weiß ich nicht. Ich glaube zumindest, dass es naive Annahmen solcher Strukturierung männlicher Benachteiligung schon gibt und dass damit die politischen Fantasien auch in die Richtung des Eingreifens gelenkt werden. Dem kann man aber mit einer Kritik des „Privaten als Politischen“ und mit einer liberalen Grundhaltung begegnen, die auf „so wenig Staat wie möglich“ abzielt.
„Worauf stützt du die Aussage, dass weibliche Gutachter sich als parteiisch erwiesen haben? Meiner Erfahrung entspricht das nicht.“
Da diese Anregung unter anderem von mir stammt: Es ist das, was ich gehört habe, weil das Trennungsväter so berichtet haben. Vermutlich muss man das aber nicht immer am Geschlecht festmachen (siehe das Beispiel von Schoppe und dem männlichen Richter). Aber insgesamt könnte man die Qualität der Gutachten verbessern, denn sie scheinen ja kaum geeignet zu sein, dem Vater Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Sie unterstützen offenbar eher eine väterfeindliche Rechtssprechung. Deshalb meine ich, dass das Gutachterwesen auf jeden Fall reformiert werden sollte. Man kann das ergebnisoffen tun, sollte aber mal dringend prüfen, wer welche Gutachten in welcher Qualität erstellt. Nicht zuletzt der Fall Mollath hat ja auch deutlich gemacht, wie hoch das Missbrauchspotenzial ist.
August 21, 2014 um 1:55 pm
„Es ist das, was ich gehört habe, weil das Trennungsväter so berichtet haben“
Das ist ja bei Vätern auch ein naheliegender Gedanke.
Allerdings erfordert das Objektivität und Kenntnis der Grundlagen, auf denen entschieden wird. Beides haben die wenigsten Väter.
Der Vorschlag mit den zwei Gutachten hat aus meiner Sicht keinerlei Chance auf Umsetzung. Er verursacht sowohl mehr Kosten als auch Unsicherheit und ist außerdem in dieser Generalität schlicht sexistisch, wenn man es nur an weiblichen Gutachten festmacht und er berücksichtigt auch schlicht die Kapazitäten nicht.
Ich würde ihn generell fallen lassen an eurer Stelle. Dann eher Verpflichtungen an die Gutachter zur Fortbildung oder ähnliches.
„Sie unterstützen offenbar eher eine väterfeindliche Rechtssprechung“
Wenn man sich die Statistik mal anschaut, dann wird die Entscheidung, wo die Kinder hingehen, meist ohne Gerichte getroffen und es ist meist die Mutter.
Das finde ich in einer klassischen Ehe, in der die Mutter bisher die Kinder betreut hat und der Vater gearbeitet hat, jetzt auch nicht wirklich überraschend.
Wenn man da was ändern will, dann muss man sich – ich habe es hier schon geschrieben – mit dem Kontinuitätsgrundsatz auseinandersetzen, das ist der, der den meisten Vätern zum Verhängnis wird.
Viele Väter gehen da einfach mit viel weniger „pluspunkten“ auf ihrer Seite ins Rennen, so dass es auf dieser Basis nicht verwundert, dass auch die Gutachter und die Richter das ähnlich sehen.
Hier wird sich aus meiner Sicht zeigen, wie objektiv die Männerbewegung an ungleiche Zahlenverhältnisse herangeht.
Bei dem Gender Pay Gap wird dort ganz selbstverständlich beleuchtet, dass Männer die besseren Studiengänge, die höheren Arbeitszeiten und die geringeren Aussetzungszeiten haben.
Beim Aufenthaltsbestimmungsrecht macht eben die Frau meist mehr an „Betreuungsguthaben“, welches dann bei einer Entscheidung auch über die dadurch entstandene Bindung berücksichtigt wird.
Wenn dieses „Betreuungsguthaben“ in der Diskussion unterschlagen wird, dann geht man aus meiner sicht unredlich – und auch nicht mit dem Anspruch, dass man Fraueninteressen ganz neutral und humanistisch mit einbezieht – ins Rennen.
Es wäre hier vielleicht mal interessant, einen Artikel dazu zu schreiben, welche Kriterien aus eurer Sicht einer Sorgerechtsentscheidung, insbesondere dem Aufenthaltsbestimmungsrecht, zugrunde gelegt werden sollen. Bisher sind es ja im wesentlichen Förderprinzip, Kontinuitätsgrundsatz, Kindeswille, Bindung an Geschwister und Eltern.
Ein „Papakind“ hat also bessere Chancen zum Vater zu kommen, wenn es dort versorgt und betreut werden kann.
August 21, 2014 um 2:09 pm
„Das finde ich in einer klassischen Ehe, in der die Mutter bisher die Kinder betreut hat und der Vater gearbeitet hat, jetzt auch nicht wirklich überraschend.“
Das Problem haben auch die Väter, deren Frauen genauso Vollzeit arbeiten gegangen sind. Insofern gibt es dort wohl eher eine voreingenommene Haltung zugunsten der Mutter.
August 21, 2014 um 2:16 pm
Aber auch bei beiderseitiger Vollzeit gibt es die Möglichkeit, dass die Frau mehr Punkte gesammelt hat, über aussetzen, über Jobs mit weniger Überstunden, über die Übernahme von Kochen, Wäsche waschen etc.
Viele Frauen haben einen Job eben schon so eingerichtet, dass sie eher Zugeständnisse machen können und auch bereits gemacht haben.
Wobei mich da eine Untersuchung durchaus interessieren würde.
Ich will damit nicht sagen, dass ich eine voreingenomme Haltung im Sinne von „Das Kind gehört zur Mutter“ ausschließe. Eine faire Besprechung der Problematik sollte aber auch die Gründe prüfen, die möglicherweise ohne diese Vorurteile dazu führen, dass Frauen die Kinder eher bekommen.
August 23, 2014 um 3:03 pm
@ Christian „Hier wird sich aus meiner Sicht zeigen, wie objektiv die Männerbewegung an ungleiche Zahlenverhältnisse herangeht.
Beim Aufenthaltsbestimmungsrecht macht eben die Frau meist mehr an “Betreuungsguthaben”, welches dann bei einer Entscheidung auch über die dadurch entstandene Bindung berücksichtigt wird.“ Das finde ich einen sehr guten Punkt. Allerdings hinkt der Vergleich.
Das „Gender Pay Gap“ reflektiert ja u.a. eine familiäre Situation, in der Männer Vollverdiener sind, nach der Geburt von Kindern zum Unterhalt der Familie sogar noch mehr arbeiten als zuvor – und in der Frauen, wenn sie auch arbeiten, eher dazuverdienen, als das Familieneinkommen zu verantworten. Dass sich Männer wie Frauen auf diese Funktionen wohl schon im Vorfeld einstellen, zeigt sich schon an der Berufswahl, die bei Männern insgesamt deutlich stärker am Verdienst orientiert ist.
Das Gerede vom Gender Pay Gap ist nun nicht nur eine Mogelpackung, weil es diese Ursachen unterschlägt – sondern weil es auch unterschlägt, dass Frauen ja vom Einkommen der Männer auch profitieren. Wenn Männer für ihre Familien verdienen, dann verdienen sie ja für Frauen mit. Und die Konsumausgaben von Frauen sind m.W. im Schnitt höher als die von Männern.
Diese Situation lässt sich nicht sinnvoll mit der Situation von Vätern vergleichen, die ihre Kinder nicht mehr, oder kaum noch, sehen dürfen. Das ist durchaus eine gesetzlich grundierte Gewalt, die Deinem Beispiel entsprechend nur mit einer Situation parallel gesetzt werden könnte, in der es Frauen z.B. verboten würde, einen Beruf auszuüben oder selbst Geld zu verdienen Und ich kenne keinen vernünftigen Menschen, der so etwas fordern würde.
Es gibt auf Seiten der Väterbewegung zudem schon lange pragmatische Ansätze, auf diese Situation zu reagieren.
Was die völlige Entfremdung von Kindern und Vätern angeht, versucht sie aufzuklären über Mechanismen der Elternentfremdung (Parental Alienation).
Sie versucht zu zeigen und publik zu machen, wie wichtig der verlässliche Kontakt zu beiden Eltern auch nach der Trennung ist.
Sie versucht, gerichtliche Verfahren wie das Cochemer Modell zu unterstützen, die Konfrontation durch Kommunikation ersetzen.
Sie versucht, Alternativen zur ´so problematischen Aufspaltung der Elternschaft in Sorgeberechtigte und Unterhaltsverpflichteten zu entwickeln, beispielweise im Wechselmodell oder Nestmodell. Hier würde, wie Kais Bog Frontberichterstatter häufig zeigt, ein Blick nach Frankreich manchmal gut tun – da sind Väter nämlich deutlich weiter als hier.
Ich sehe es also nicht so, dass Männer hier einfach nur klagen, ohne etwas zu entwickeln. Im Prinzip stimme ich Deinem Punkt allerdings trotzdem zu. In meinen Augen ist ein wesentliches Problem am Feminismus die Vorstellung eines Patriarchats, einer umfassenden Männerherrschaft. Diese Vorstellung aus männlicher Sicht einfach zu spiegeln, hinter jeder ungünstigen Situation eine allgegenwärtige Benachteiligung zu entdecken, alle möglichen verfügbaren sozialen Daten rituell auf Elemente misandrischer Strukturen zu scannen – das wäre ganz sinnlos.
August 24, 2014 um 6:35 pm
„Diese Situation lässt sich nicht sinnvoll mit der Situation von Vätern vergleichen, die ihre Kinder nicht mehr, oder kaum noch, sehen dürfen“
Da vermischt du etwas: Das Sorgerecht in Gestalt des Aufenthaltsbestimmungsrecht bestimmt ja erst einmal nur, bei wem das Kind seinen Hauptwohnsitz hat. Umgang kann natürlich davon abhängig in einem beliebigen Umfang gewährt werden und eine Entscheidung für eine Sorgerecht der Mutter bedeutet nicht, dass der vater sein Kind nicht sehen kann (auch wenn das natürlich praktisch durchaus die Folge sein kann).
Das Nestmodell ist ja ganz nett, aber sehr unpraktisch oder? Wer ist denn tatsächlich dazu bereit, da alles an Möbeln etc zu teilen und alle Woche umzuziehen?
Das Wechselmodell hat auch so seine Tücken: Das Kind hat eben kein richtiges Zuhause. Es kann sich verrissen fühlen und evtl nicht richtig zur Ruhe kommen. Die Forschungslage dazu in den Sozialwissenschaften scheint mir das auch eher kritisch zu sehen, wenn ich das richtig verfolge.
„Das ist durchaus eine gesetzlich grundierte Gewalt, die Deinem Beispiel entsprechend nur mit einer Situation parallel gesetzt werden könnte, in der es Frauen z.B. verboten würde, einen Beruf auszuüben oder selbst Geld zu verdienen Und ich kenne keinen vernünftigen Menschen, der so etwas fordern würde.“
Das Problem ist eben, dass das Teilen des Kindes nicht wirklich einfach ist. Gerade dann, wenn sich die Eltern nicht mehr verstehen (sonst hindert das Gesetz ja auch beide nicht, nahezu beliebige Modelle zu betreiben).
Das die anderen Modelle ebenfalls ganz erhebliche Nachteile haben, dass sollte man durchaus in die Debatte einbringen.
Die Lage ist sicherlich nicht gut – momentan hat der neue Partner desjenigen, bei dem das Kind wohnt, fast mehr rechte als der eigentliche Elternteil.
Die Folgen mögen hier härter sein, natürlich. Sein Kind nicht zu sehen ist etwas anderes als weniger Geld zu verdienen.
Mir geht es aber erst einmal nicht um die Folgen mit geht es um die Frage der Diskriminierung und die kann man nicht aus den Folgen herleiten.
Die Diskriminierung muss aus dem Auswahlprozess selbst folgen und da darf man dann eben nicht vorschnell auf die bloßen Zahlen schauen. Sondern muss auch hinterfragen, wie die Zahlen zustande kommen.
August 21, 2014 um 2:02 pm
Aus meiner Sicht ist ein großes Problem in den obigen Forderungen, dass diese kaum auf praxistauglichkeit und die Frage, wie man so etwas umsetzt hin überprüft sind.
Wenn diese Forderungen Sinn machen sollen, dann muss man sich diese Ebene auch immer vor Augen halten, eben beispielsweise beim Unterhalt und der Frage, wie eine solche Beteiligung des Vaters bewertet wird (monatsgenau? pauschal für die ganze Zeit? pro Jahr nachträglich mit Rückzahlungen?)
Ich habe da versucht, das in meiner Kritik deutlich zu machen. Es würde mich insofern interessieren, wenn zb du da noch mal was zu schreibst, was jeweils etwas mehr ins Detail geht.
Forderungen zu erheben, bei denen man recht schnell auf praktische Schwierigkeiten angesprochen wird und dann keine Antwort hat, lässt einen nur unprofessionell wirken.
August 21, 2014 um 2:18 pm
„Aus meiner Sicht ist ein großes Problem in den obigen Forderungen, dass diese kaum auf praxistauglichkeit und die Frage, wie man so etwas umsetzt hin überprüft sind.“
Klar, die Praxistauglichkeit ist eine wichtige Frage. Aber vielleicht ist es auch ein Missverständnis, Politik als die Entwicklung von praxistauglichen Konzepten anzusehen. Das ist später die Aufgabe von Fachleuten. Das setzt dann natürlich auch voraus, dass man von untauglichen Forderungen abrückt. Aber man kann zunächst Forderungen erheben, um deutlich zu machen, was man will und welches Problem man gelöst haben möchte.
„Wenn diese Forderungen Sinn machen sollen, dann muss man sich diese Ebene auch immer vor Augen halten, eben beispielsweise beim Unterhalt und der Frage, wie eine solche Beteiligung des Vaters bewertet wird (monatsgenau? pauschal für die ganze Zeit? pro Jahr nachträglich mit Rückzahlungen?) “
Mir is es, ehrlich gesagt, Wurscht, welche Mühen die ministerialen Juristen mit der Lösung dieser Probleme haben. Es ist nicht einzusehen, ihnen diese Mühen zu ersparen, indem man als Vater auf Rechte verzichtet. Möglicherweise sollte man sich einen ganz anderen Ansatz überlegen als die Zahl der Betreuungsstunden. Es ist nicht unmöglich, dieses Problem auch mal kreativ zu bedenken. Die Grundforderung lautet: Es muss Vätern gleiches Recht eingeräumt werden.
„Forderungen zu erheben, bei denen man recht schnell auf praktische Schwierigkeiten angesprochen wird und dann keine Antwort hat, lässt einen nur unprofessionell wirken.“
Kennst du einen von uns, der professioneller Männerbewegter wäre und daher es sich leisten kann, expertengeprüfte Forderungen zu erheben? Ja, wir sind unprofessionell. Das kann doch kaum verwundern und der Vorwurf geht auch ins Leere angesichts der Umstände.
August 21, 2014 um 2:26 pm
„Aber vielleicht ist es auch ein Missverständnis, Politik als die Entwicklung von praxistauglichen Konzepten anzusehen. …Mir is es, ehrlich gesagt, Wurscht, welche Mühen die ministerialen Juristen mit der Lösung dieser Probleme haben. “
Das sehe ich anders. Die Frage, ob man eine solche Forderung überhaupt vernünftig umsetzen kann macht deutlich, ob man einfach mal was dahingeworfen hat, oder durchdachte Forderungen aufstellt. Und das bestimmt auch, wie diese Forderungen in den passenden Kreisen wahrgenommen werden. Sie in der Hinsicht zu überdenken ist daher sehr wichtig.
„Ja, wir sind unprofessionell. Das kann doch kaum verwundern und der Vorwurf geht auch ins Leere angesichts der Umstände.“
Deswegen ja eben mein Vorschlag, dass nicht nur als abstrakte Forderung zu sehen, sondern gemeinsam zu durchdenken.
Ich habe ja erste Ansätze gemacht, die man aufgreifen kann. Was spricht dagegen, es zB anhand dieser noch mal durchzugehen? Wenn es dann insgesamt stimmiger wird, dann ist das ja nur im Dienst der Sache und lässt die Forderungen auch besser dastehen.
August 20, 2014 um 4:21 am
„Im übrigen bedeutet das doppelte Gutachterkosten, die eh schon nicht niedrig ist und dann die Gefahr, dass sich die Gutachten widersprechen und ein drittes eingeholt werden muss.“
Deine sonstigen Ausführungen in diesem Kommentar haben mehr oder weniger Hand und Fuß. Nur das ist doch sehr bezeichnend. Du scheinst schon soweit zu sein, fehlerhafte Gutachten zu akzeptieren um Kosten zu sparen. Überhaupt scheinen Gerichte dazu bereit.
Das vielbeschworene Kindeswohl oder sonstige Rechte Prozessbeteiligter bei Gericht scheint aller Welt schon gleichgültig. Warum eigentlich sich teure Gutachter halten, wenn Würfeln dann doch billiger wäre?
Wie wäre es wenn man sich endlich mal Gedanken machen würde ob es Möglichkeiten gibt fehlerhafte Gutachten zu erkennen, auszusortieren und entsprechend nicht zu bezahlen. Ob nicht ein regelhafter Schadensersatzanspruch für Schäden durch solche Gutachten bedacht werden sollte. Ähnliches sollte man auch bei politisch motivierten Studien gemacht werden, oder zumindest mal bedacht werden aber das ist ein anderes Feld. 🙂
August 20, 2014 um 8:33 am
„Wie wäre es wenn man sich endlich mal Gedanken machen würde ob es Möglichkeiten gibt fehlerhafte Gutachten zu erkennen, auszusortieren und entsprechend nicht zu bezahlen.“
Die gibt es, die Kosten können niedergeschlagen werden. Man braucht aber eben dann die passende Fachkenntnis, also meist ein Obergutachten
Was es nicht alles gibt. Hast Du den von mir gelesenen Link beachtet? Die Wirklichkeit entspricht offensichtlich nicht Deinem Standardspruch vom schon Gegebenem. Es ist wie mit Gender, Du lässt nur Deine Ansicht, wie etwas sein sollte oder sein könnte, zu.
Gutachten sind sehr häufig Mist! Das ist Fakt! Dagegen muss man etwas machen, wenn man die Gutachterei nicht zum überteuertem Würfeln verkommen lassen will oder es vielmehr dabei lassen will. Es kann doch zB eine offen feministische Gutachtein nicht Gutachten in Familiensachen abgeben.
Nicht nur die Kosten des schlechten Gutachten sollten nicht bezahlt werden, sondern auch Schadensersatzansprüche normale Praxis werden. Was ich mich frage, müssen Gerichte eigentlich jedes offensichtliche Wertlosgutachten bezahlen?
Übrigens sollten in Familiensachen Gutachter normalerweise vom Staat bezahlt werden. Wenn der Staat Rechte aberkennen will, hier Elternrecht der Väter, soll er auch die notwendigen Beweismittel dazu bezahlen und für deren Qualität die volle Verantwortung übernehmen.
Ist doch einfach, in Zeiten immer neuer Gender und Sexologenlehrstühle lassen sich doch sicher auch Gelder für Gutachterstudiengänge finden, denn wir haben ja offensichtlich genug Geld.Wäre bestimmt auch für den Schwammbegriff Kinderwohl ganz gut …
August 20, 2014 um 1:40 pm
„Gutachten sind sehr häufig Mist! “
Vielleicht in methodischer Sicht, da gibt es immer ein besser, aber das bedeutet nicht, dass sie inhaltich Mist sind. Insbesondere sind auch gar keine anderen Sachverständigen greifbar. Es werden durch die Gerichte keine besseren mißachtet, es sind keine da.
August 20, 2014 um 5:42 pm
Du hast den Link einfach nicht beachtet. Ist Dir egal was da steht? Es ist durch die Studie genau das nachgewiesen was ich behaupte!
Wenn Gerichte also schlechte Gutachten benutzen weil keine besseren da sind, soll das also richtig sein?
Ich sehe schon wir leben in verschiedenen Denkwelten. Was Du Dir daherkriegst kann ja wohl nicht wahr sein und Du redest schlau was von Kindeswohl daher? Langsam wirds lächerlich. Das muss man sich mal vorstellen. Es werden massiv Leben zerstört und Du tust das mal eben mit einem Wisch ab! 🙂
August 20, 2014 um 6:12 pm
„Vielleicht in methodischer Sicht, da gibt es immer ein besser, aber das bedeutet nicht, dass sie inhaltich Mist sind. “
Um dem Fass den Boden ganz wegzuhauen übersetze ich mal eben:
*Wenn ich Gutachten mit der, von Dir ddbz beschriebenen, Würfelmethode erstelle, mag die Methode zwar schlecht sein aber das Ergebnis kann aber trotzdem gut und richtig sein!*
Also hänge ich jetzt meinen Beruf an den Nagel und gehe Lottospielen, soll schon Leute geben die davon guut leben können, von ihrem Lottogewinn! Du hast ein dolles Weltbild …
August 20, 2014 um 8:11 pm
Es ist eben keine Würfelmethode. Sie kritisieren, wenn du dir das Gutachten durchliest auch ganz andere Sachen, zB fehlende Protokollierung etc.
Das mag alles der Fall sein, aber dennoch kann die Einschätzung des Sachverständigen richtig sein. Und natürlich kann ein Sachverständiger seine Meinung in aller Regel auch in einem formelleren Gutachten durchbringen.
Ich sage damit nicht, dass alle Gutachten perfekt sind. Sicherlich gibt es da auch genug falsches. Bestimmte Arten ein Gutachten zu schreiben sind aber auch der Gerichtspraxis geschuldet.
Wenn sie die Angaben möglicher Fehlerquellen fordern ist das wissenschaftlich zwar richtig. Führt aber nur zu fünf Ergänzungsgutachten mit gleichem Inhalt.
August 20, 2014 um 8:32 pm
Vergiss es, wir reden aneinander vorbei. Ich habe Dir einen Link angegeben, den Du aber nicht beachtest. Dort wird eine Studie besprochen die genau das sagt was ich sage. Gutachten auch in Familiensachen sind das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben sind.
Ich sage, daß das Gutachterwesen schlecht ist und Du forderst einfach, wenn überhaupt mehr vom Schlechtem. So kommen wir einfach nicht weiter. Dazu habe ich keine Lust, denn Du gehst nicht auf meine Argumente ein.
Wir kommen so NICHT weiter! 😦
August 20, 2014 um 8:31 am
Bei nochmaliger Betrachtung scheint mir die Frage, inwiefern man weiblichen Gutachtern generell aufgrund ihres Geschlechtes misstraut auch ein guter Test für die Frage „Humanismus“ oder „Interessenvertretung für Männer“ zu sein.
Insofern würde mich die Basis dieses Mißtrauens noch mehr interessieren, ebenso wie die Frage, ob männlichen Gutachtern aus Sicht der Frauen zu trauen ist, wenn das Mißtrauen berechtigt ist.
Eine Erfahrung im Recht ist ja zB das gerade junge Richterinnen weitaus seltener Frauenboni geben, gerade als alte (konservativere) Richter.
August 20, 2014 um 9:30 am
Mich freuen diese lebhaften Diskussisonen zu meinem post sehr! 🙂
Noch mehr würde ich mich freuen, wenn die angeführten Aussagen zu weiteren posts und verbesserten Vorschlägen zu den einzelnen Sachfragen führen würde.
Denn am Ende der Diskussionen im Grunde an Männern interessierte Politiker mit gut durchdachten und in Bezug auf die gesellschaftlichen Folgen sorgfältig abgewogenen Vorschlägen zu typischen Männerproblemen selbständig und unaufgefordert per pdf zu versorgen, scheint mir einer von mehreren möglichen Wegen zu sein, effizient Lobbyarbeit zu betreiten.
http://www.netzpolitik,org hat das schon mal vorgemacht. Machen wir es nach!
August 20, 2014 um 9:47 am
Das Mißtrauen in weibliche Gutachter würde ich nicht zu hoch hängen. Es ist auch kein Widerspruch zu Humanismus. Mißtrauen gegenüber Menschen ist Teil des Humanismus, denn zum Humanismus gehört Menschenkenntnis. 🙂
Das hier angesprochene Mißtrauen gegenüber weiblichen Gutachtern ist wohl dem Zeitgeist geschuldet. Er ist anscheinend dem feministischem Zeitgeist auf den Leim gegangen, dar da behauptet Frauen würden in Solidarität Fraueninteressen vertreten. Wir sind eben alle Kinder unserer Zeit und können uns von schlechten Einflüssen nicht immer frei halten. 😦
Ich würde allerdings sehr wohl eine feministische Gutachterin ablehnen!
August 20, 2014 um 9:52 am
„Mißtrauen gegenüber Menschen ist Teil des Humanismus, denn zum Humanismus gehört Menschenkenntnis. “
Dann aber Widerspruch gegenüber allen Menschen unabhängig vom Geschlecht. Bei einer Beschränkung auf weibliche Gutachter wäre es ansonsten schlicht Sexismus.
August 20, 2014 um 9:55 am
Oh nein – Sexismus liegt nicht vor, wenn man etwas vom Geschlecht abhängig macht, sondern dann, wenn man etwas ohne Begründung von Geschlecht abhängig macht. Denn erst das macht Aktionen wie „Radwege für Frauen“ erst sexisitisch.
August 20, 2014 um 10:04 am
Ich bezweifele, dass du eine Voreingenommenheit bei weiblichen Gutachtern nachweisen kannst. Insofern fehlt aus meiner Sicht eine tragfähige Begründung und bis dahin ist die Unterstellung sexistisch.
Zumal es eben eine generelle Unterstellung an alle weiblichen Gutachter ist, die in der Praxis eben auf Erfahrungssätze fallen wird, die das nicht rechtfertigen. kleinere Gerichte haben meist nur 3 Sachverständige im Bezirk, die sie überhaupt beauftragen können. Mit denen arbeiten sie seit Jahren zusammen und natürlich kennen die sich auch untereinander und die Richter – die keineswegs alle im Lager der Frauen stehen – wissen schon, was sie von denen jeweils zu halten haben, ebenso wie die Rechtsanwälte aus dem Bereich.
Es ist denke ich eine Forderung, die in der Praxis allenfalls Kopfschütteln hervorbringt: Ausgangsthese nicht belegbar, sexistisch, verzögert die Verfahren (dann meist zu lasten der Männer) und kostet mehr (auch zu lasten der Männer).
August 20, 2014 um 10:16 am
“ Mit denen arbeiten sie seit Jahren zusammen und natürlich kennen die sich auch untereinander und die Richter –“ …“ – wissen schon, was sie von denen jeweils zu halten haben,“
Ist ja schlimmer als man sich vorzustelln mag. In Verbindung des Beitrags von Michael Klein (Link oben), den Du aber natürlich auch nicht beachtet hast, beteutet das ja, daß die Richter um die schlechten Gutachter wissen diese aber immer wieder beauftragen?
Dann gehört diese Gutachterunwesen umso dringender ausgehoben. Ist ja schon fast kriminell was die dort treiben.
Wenn das so läuft, steht diesen Praktikern kein Kopfschütteln zu! Nicht solchen Praktikern!! Jeden Handwerksmeister würden die wegen Pfusch, Unwürdigkeit und Betrug mit einem Tritt in den Allerwertesten aus der Innung befördern …
Du hast Meinen Kommentar offensichtlich nicht gelesen? Jetzt verstehe ich auch Deine manchmal doch etwas komischen Antworten! 🙂
Wie das Mißtrauen genenüber weiblichen Gutachtern in den Artikel von Elmar kam habe ich oben ja vermutet. Wer gelesen und verstanden hat der kann erkennen, daß ich weiblichen Gutachter nicht mehr mißtrauen würde als männlichen.
Einzig die feministischen würde ich ablehnen, sowohl Männlein wie Weiblein. Und natürlich auch sonst befangene Gutachter.
August 20, 2014 um 9:53 am
Ich seh es ebenfalls so, daß Mißtrauen gegenüber Menschen nicht dem Humanismus widerspricht. Das anders zu sehen, zeugt von einem sehr verwirrten Verständnis von Humanismus – eben einfach davon, daß man kein Humanist ist oder dessen Ideen einem total unwichtig sind.
Du hast es aber als Misstrauen gegen Frauen artikuliert. Nicht gegen Menschen. Sonst müsste es heißen „Gutachter sind für ihr Geschlecht parteiisch“.
August 20, 2014 um 10:20 am
Keine Sorge, die Männer sind mitgemeint. 😉
August 20, 2014 um 2:14 pm
ich sage ja: Es ist ein guter Test wie humanistisch man wirklich ist.
Daran kannste Dich jetzt festbeissen wa? Zeitgeist! Feministischer Zeitgeist, dem ist er auf den Leim gegangen wie ich oben schon schrieb und Du einfach nicht in Deinen Kopf lassen willst. Warum eigentlich liest Du die Beiträge anderer offensichtlich nicht ganz?
August 20, 2014 um 2:16 pm
Nur weil du etwas erklärst muss es ja nicht so sein. Elmar verteidigt es ja anscheinend oben noch, indem er darauf verweist, dass es hier eine Begründung gibt und es daher kein Sexismus ist.
Wie das Mitmeinen mit dem Zwinkersmilie zu werten ist kann er ja noch mal klarstellen.
August 20, 2014 um 5:58 pm
Wenn Elmar das auch noch verteidigt ist es laange nicht so schlimm wie die Dinge die Du oben verteidigst. Du findest es offensichtlich völlig normal unfähige Gutachter zu beschäftigen, weil es angeblich keine anderen gebe. So schlimm wie offensichtlich Deine Menschenverachtung geht KANN Elmar sein, von Dir behaupteter, Sexismus nicht sein.
Man stelle sich mal vor:- Fehlurteile? Egal, wir haben eben keine anderen Gutachter…
-Zerstörte Menschenleben aufgrund von Fehlurteilen? Wurst, das arme Gericht kennt eben nur die drei Taugenixe als Gutachter.
-Faire, saubere Gerichtsverfahren? … Wozu? Hast Du mal daran gedacht was das kostet? … usw
Selten soviel Menschenverachtung gepaart mit Sexismusvorwürfen gesehen, das können Femis auch nicht jeden Tag.
Ich habe immer gedacht, daß manche sich im Ton Dir gegenüber verhauen haben. Aber so verstockt wie ich Dich in letzter Zeit und auch hier wieder erlebe kann ich die Leute zumindest immer besser verstehen. Zumal Du nicht bereit bist auf Deinen Gesprächspartner einzugehen.
Entschuldigt bitte, aber was ich hier zu lesen bekomme kann ich fast nicht fassen! 😦
August 20, 2014 um 6:52 pm
@ ddbz Der Vorwurf der „Menschenverachtung“ geht hier viel zu weit, finde ich. Ich schätze die Vertrauenswürdigkeit von Gutachtern auch anders ein als Christian, aber das ist es eben – eine Frage der sachlichen Einschätzung, keine der Menschenliebe oder Menschenverachtung. Vermutlich haben wir einfach unterschiedliche Fälle im Kopf.
Richtig ist aber ganz bestimmt, die Frage nicht an der Geschlechtszugehörigkeit der Gutachter festzumachen. Das gilt insgesamt für Familiengerichtsverfahren. Das widerlichste, kinder- und väterfeindlichste Urteil, das ich persönlich kenne, wurde von einem männlichen Richter gesprochen. Betrieben wurde es von einem außergewöhnlich aggressiv agierenden männlichen Anwalt, der die Mutter vertrat.
Ich habe @C mehrfach auf eine Studie hingewiesen die genau meine Sicht auf Gutachten darstellt, er wischt meine Einwände aber mit, wie mir scheint, schablonenhaften Floskeln mit leichte Hand weg.
ZB der Wisch (und weg), es gebe eben keine anderen Gutachten, daher sei eben in Konsequenz mit Fehlurteilen zu leben. Daß hier Menschen erheblich, teilweise für den Rest ihres Lebens unberechtigte und unverschuldete Nachteile haben ist ihm offensichtlich wurst. Selbst meine Hinweise hierauf können sein Herz nicht erweichen, sondern er macht sich Sorgen um die Kosten die eine Verbesserung verursachen könnten. Auf Vorschläge von mir geht er nicht ein, einfach weil er, so mein Eindruck, bei seiner Sicht der Dinge bleiben WILL.
Das nehme ich als menschenverachtend war. Wie würdest Du dies denn nennen, wenn ihm offensichtlich die Opfer der schlechten Gutachter wurst sind?
August 20, 2014 um 8:16 pm
„Das widerlichste, kinder- und väterfeindlichste Urteil, das ich persönlich kenne, wurde von einem männlichen Richter gesprochen. Betrieben wurde es von einem außergewöhnlich aggressiv agierenden männlichen Anwalt, der die Mutter vertrat.“
Eben. Ich würde in einem familienprozess auch lieber eine junge Richterin als einen alten Richter haben. Die junge Richterin denkt sich dann eher „die blöde Kuh sitzt zu Hause rum, natürlich kann man mit 2 Kindern vollzeit arbeiten, mach ich ja auch“ während die Chance , dass der alte Richter eine Hausfrau zuhause hat und das rationalisieren muss weitaus höher ist.
(beim Rechtsanwalt möchte ich ergänzen, dass ich wenige Familienrechtler kenne, die sich auf ein geschlecht spezialisiert haben. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er im nächsten Termin für den Vater genauso aggressiv auftritt)
August 20, 2014 um 8:43 pm
@ C eigentlich @ Elmar
„Eben. Ich würde in einem familienprozess auch lieber eine junge Richterin als einen alten Richter haben. “
Herr (Lehrer) Elmar, der Christian ist ein Sexist!! Und gegen alte Männer hat der auch was gesagt!!!
Wie kann man nur in einem Strang mal den Antisexisten geben und dann selber den Sexisten raushängen! Das schaffen sonst eigentlich auch nur die Femis so gekonnt. Ich würde sagen wenn man sowas sieht, dann steht man zu liegen … 🙂
August 20, 2014 um 10:34 pm
Manches sagt EvoChris sagt, sagt er aus Dummheit, anderes aus böswilliger Trollerei, aber nicht alles ist Uninn, was er so emittiert. In diesem Sinne schlage ich vor, die Gelegenheit zu nutzen, um zu üben, mit dieser gefährlichen und hochviskosen melange fertig zu werden. Auf keinen Fall solltest du dir alles zu Herzen nehmen, was da so kommt.
Du wirst sehen, morgen klingt der Gute schon wieder ganz anders. 😉
Jeder leistet seinen Beitrag. Es kommt drauf an zu erkennen, worin er besteht.
August 20, 2014 um 11:17 pm
Ich nehme mir diese Sache nicht zu Herzen. Es geht mir auch weniger darum ihn zu überzeugen, denn das halte ich für sinnlos. Sinnlos weil, wenn er diesen Gutachter oder Genderunsinn wirklich glaubt ist ihm eh nicht zu helfen und wenn er nur trollen will … naja … ausserdem wird er hier kaum zugeben falsch zu liegen, so als Antisexismusheld.
Es geht mir mehr um die Mitleser.
Aber den Christian als Übungspuppenmann zu sehen das hat was. 🙂
August 22, 2014 um 8:20 pm
“ Darüberhinaus gibt es ein maskulistisches establishment, daß die o.g. richtungsweisenden Probleme und Aufgaben des Maskulismus in den letzten Monaten ignoriert und anstelledessen seine persönliche Verteufelung des Antifeminismus und Anbiederung an den feministischen Wertekanon nicht mit wohlüberlegtem politischen Pragmatismus begründet und begrenzt, sondern ihre Ansichten durch persönlichen Angriffe durchzusetzen und Abweichler zum Schweigen zu bringen versucht.“
Zu dem Zitat: Für ein Thesenpapier viel zu emotional (und ad personam) formuliert. Du muß bedenken, du lebst in einer Blase. Nach außen wirken z.B. Formulierungen wie „maskulistisches Establishment“ ein wenig lächerlich – ansonsten gut geschrieben
August 22, 2014 um 11:34 pm
Hm, ja stimmt, da hast du schon recht.
August 23, 2014 um 12:42 pm
„Die permanente Verletzung männlicher, sexueller Würde durch Politik und Medien ist menschenrechtswidrig. Männer verdienen denselben Respekt für sich als Personen wie auch für ihre Themen und Angelegenheiten wie Frauen.“
Ein ganz zentraler Punkt, Elmar. Ist m.E. nirgendwo anders bisher ausreichend erörtert, thematisiert worden.
August 24, 2014 um 8:31 pm
Wollte was zur Biologie in dem Artikel schreiben, es ist aber alles zu unkonkret.
Daher Vorschläge, die mich als Artikel interessieren würden:
„Was folgt aus dem nicht-reduktiven Physikalismus für die Geschlechterdebatte?
„Mein Modell von Mann und Frau“
„Wie ich die Studien über die Wirkung von Hormonen in meine Theorien einbaue, insbesondere auch in bezug auf nicht-reduktiven Physikalismus“
„warum ist es wichtig, sich „als Frau bzw. Mann zu fühlen“ und wodurch entsteht dieser Wunsch?“
Das würde für mich und vielleicht auch viele andere einiges deutlicher machen?
August 25, 2014 um 12:00 pm
„Was folgt aus dem nicht-reduktiven Physikalismus für die Geschlechterdebatte?“
Diese – nicht von mir entwickelte Theorie – ist im Moment der erfolgversprechenste Weg, zu erklären, wie das Gehirn den Geist erzeugt. Sie legt zugleich dar, daß und inwiefern evolutionäre Einflüsse, die sich in der zerebralen Organisation des Gehirn niederschlagen mögen, NICHT in unser alltagpsychologisches Verständnis „durchgepaust werden“. Das ist so also eine Art Biologismus ohne biologische Erklärung des Mentalen, ohne praktische Konsequenzen für das tägliche Miteinander.
“warum ist es wichtig, sich “als Frau bzw. Mann zu fühlen” und wodurch entsteht dieser Wunsch?”
Ist vermutlich vor allem kulturell und – das ist der Trick – über längere Zeiträume variabel – eine Variabilität mit der der Vulgärbiologismus nicht klarkommt.
August 25, 2014 um 12:21 pm
„Sie legt zugleich dar, daß und inwiefern evolutionäre Einflüsse, die sich in der zerebralen Organisation des Gehirn niederschlagen mögen, NICHT in unser alltagpsychologisches Verständnis “durchgepaust werden”“
Wie verträgt sich das denn zB nur mit David Reimer?
(oder CAH oder Udrys Studie)
„Das ist so also eine Art Biologismus ohne biologische Erklärung des Mentalen, ohne praktische Konsequenzen für das tägliche Miteinander.“
Dann bist du ja Sozialkonstruktivist. Oder was steht dem entgegen?
„Ist vermutlich vor allem kulturell“
und das grenzt sich dann von einem von dir abgelehnten Konstruktivismus wie ab?
„und – das ist der Trick – über längere Zeiträume variabel – eine Variabilität mit der der Vulgärbiologismus nicht klarkommt.“
Wen man ein vulgäres Verständnis von Biologie hat nicht. Tatsächlich ist die – in Grenzen bestehende – Variabiliät für die Biologie kein Problem. Das ist ein normaler Vorgang bei spieltheoretischen Überlegungen: Wenn sich zB die Umwelt ändert kann eine Strategie, die vorher nicht vorherrschend war, attraktiver werden, auch wenn sonstige Parameter gleich bleiben. Das gilt auch, wenn sich aufgrund anderer Umstände mehr Leute für eine andere Strategie entscheiden und die anderen Nachziehen müssen.
Dawkins hat da schon in „Das egoistische Gen“ von 1977 ein paar Kapitel zu geschrieben.
August 28, 2014 um 3:59 pm
Schade, keine Antwort, dabei ist aus meiner Sicht der recht alte Fall von David Reimer etwas, was man zwangsläufig in seine Betrachtungen einbeziehen muss, wenn man über Geschlechtertheorien redet.
Der Ansatz von Milton Diamond etc in diesem Fall würde ja, wenn ich das richtig verstehe, im Widerspruch zum nicht-reduktiven Physikalismus stehen.
August 29, 2014 um 9:34 am
Doch, sicher antworte ich. Das Problem ist, daß bei deinen Kommentaren nicht mehr angezeigt wird, daß du überhaupt kommentiert hast. Bei allen anderen ist das nicht so. Daher finde ich deine Kommentare eigentlich nur zufällig oder wenn jemand anderes darauf antwortet. Warum das so ist, weiß ich nicht.
August 29, 2014 um 10:23 am
>Wie verträgt sich das denn zB nur mit David Reimer? (oder CAH oder Udrys Studie)
Ohne Probleme, weil „Durchpausen“ bedeutet, daß man eine einzelne Handlung einer einzelnen Person zu erklären versucht. Viele Handlungen zu betrachten – auch von verschiedenen Personen – sagt aber nichts aus über die Wahrscheinlichkeit, mit der eine einzelne Handlung oder eine einzelne Person abweicht von einem Erwartungswert.
Nach einen ersten Blick in die Udry-Studie sträuben sich mir die Haare … halbwissenschaftiches Zeug. Irgendwann beschäftige ich mich mal damit.
>Dann bist du ja Sozialkonstruktivist. Oder was steht dem entgegen?
Keine Ahnung, was du unter Sozialkonstruktivismus verstehst. Als Fundamentalist lehne ich den Konstruktivismus ab.
>und das grenzt sich dann von einem von dir abgelehnten Konstruktivismus wie ab?
Ja, natürlich. Konstruktivismus impliziert immer die Idee der folgenlosen Substituierbarkeit. Das lehne ich natürlich ab.
>Wenn man ein vulgäres Verständnis von Biologie hat nicht.
Du hast es eindeutig. Du verstehst weder, was Biologie erklärt, noch wo das Problem an Verhaltenserklärungen sind.
„Das ist ein normaler Vorgang bei spieltheoretischen Überlegungen: Wenn sich zB die Umwelt ändert kann eine Strategie, die vorher nicht vorherrschend war, attraktiver werden, auch wenn sonstige Parameter gleich bleiben. “
Von Spieltheorie verstehst du auch nichts. Versuch mal zu berücksichtigen, daß die Leute denken und nicht nur irgendwie Präferenzenautomaten sind, deren Quelle du in deinem Zerrbild von Biologie siehst. Aber ich weiß schon, daß dir das viel zu komplizier ist, deshalb zitierst du ja ständig studien, die dich der Notwendigkeit entheben, darüber nachzudenken, was passiert, wenn Leute sich mal frei machen von irgendwelchen Neigungen – und neue entwickeln, die nicht durch Optimierung erklärbar sind. Menschen sind keine rational animals. Aber davor fürchtest du dich, denn du würdest wieder – wie schon vor deiner biologischen Phase – hilflos so sozialen Probemen stehen. Da geht es dir jetzt besser, jetzt bist du nur schrullig und das können die Leute viel besser akzeptieren.
>Dawkins hat da schon in “Das egoistische Gen” von 1977 ein paar Kapitel zu geschrieben.
Ja, ist aber falsch.
September 1, 2014 um 10:20 am
„Ohne Probleme, weil “Durchpausen” bedeutet, daß man eine einzelne Handlung einer einzelnen Person zu erklären versucht. Viele Handlungen zu betrachten – auch von verschiedenen Personen – sagt aber nichts aus über die Wahrscheinlichkeit, mit der eine einzelne Handlung oder eine einzelne Person abweicht von einem Erwartungswert.“
Bei David Reimer geht es gerade um die Wahrscheinlichkeit, dass er die künstlich geschaffene Geschlechterrolle der Frau ablehnt und lieber als Junge leben möchte. Das passt da irgendwie nicht ganz zusammen?
„Nach einen ersten Blick in die Udry-Studie sträuben sich mir die Haare … halbwissenschaftiches Zeug. Irgendwann beschäftige ich mich mal damit.“
Immerhin in einer der führenden soziologischen Fachzeitschriften veröffentlicht. Insofern bin ich gespannt auf deine Besprechung. ich hoffe das ist dann mehr als „kann nicht sein, weil nicht reduktiver Physikalismus“
„Ja, natürlich. Konstruktivismus impliziert immer die Idee der folgenlosen Substituierbarkeit. Das lehne ich natürlich ab.“
Was bremst denn bei dir die Substituierbarkeit aus?
„Du hast es eindeutig. Du verstehst weder, was Biologie erklärt, noch wo das Problem an Verhaltenserklärungen sind.“
Das meine Theorien mit denen in der Biologie übereinstimmen hatten wir inszwischen geklärt oder? es scheint also dann, dass sich die gesamte Biologie irrt.
„Von Spieltheorie verstehst du auch nichts. Versuch mal zu berücksichtigen, daß die Leute denken und nicht nur irgendwie Präferenzenautomaten sind, deren Quelle du in deinem Zerrbild von Biologie siehst“
Versuch du zu verstehen, dass wir genauso Tiere sind wie andere Tiere auch, nur mit einem etwas höher entwickelten Gehirn. Unsere Grundbedürfnisse und Präferenzen zu leugnen (entgegen dem Stand der Forschung) bringt da wenig, sie zu ignorieren auch nicht.
„Aber ich weiß schon, daß dir das viel zu komplizier ist, deshalb zitierst du ja ständig studien, die dich der Notwendigkeit entheben, darüber nachzudenken, was passiert, wenn Leute sich mal frei machen von irgendwelchen Neigungen“
Ja, Studien sind was schlimmes, man sollte lieber frei philosophieren, was stört es da schon, wenn die reale Welt nicht zu den eigenen Überlegungen passt?
Sich frei machen von neigungen, dass ist eben nicht so einfach. Haidt hat dazu zB einiges geschrieben, was du anscheinend komplett ausblendest.
„Menschen sind keine rational animals“
Wenn du da mal die Argumente unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Psychologie und bIologie bringen würdest, dann wäre es interessant.
Oben sagst du, dass du David Reimer problemlos einbauen kannst. Scheint ein leerer Satz gewesen zu sein, du weißt schon, warum es in dem Fall geht? Oder Bei CAH oder cloacal exstrophy? Oder biologischen Fällen wie “5a-reductase-2 deficiency” (5a-RD-2) und “17b hydroxysteroid dehydrogenase-3 deficiency” (17b-HSD-3) die sich auf die Geschlechterrollen auswirken?
„Aber davor fürchtest du dich, denn du würdest wieder – wie schon vor deiner biologischen Phase – hilflos so sozialen Probemen stehen. Da geht es dir jetzt besser, jetzt bist du nur schrullig und das können die Leute viel besser akzeptieren.“
Ich glaube bei mir würde da weniger zusammenbrechen als bei dir, wenn du einsehen müsstest, dass wir doch Tiere sind. Denn ich bin zumindest noch nicht in dem Stadium, wo ich Forschung ignoriere, keine Theorie habe, die ich wirklich ausführen kann, etwas vertrete, was in dem ganzen Thema sonst kaum eine Rolle spielt und noch nicht einmal die Klassiker der Debatte aufklären kann und deswegen Leute beleidigen muss.
>>Dawkins hat da schon in “Das egoistische Gen” von 1977 ein paar Kapitel zu geschrieben.
>Ja, ist aber falsch.
Lol, starkes Argument. Dawkins ist halt auch nur so ein Idiot ohne Ahnung vom Thema, der sich an die Biologie klammert, damit er nicht als schrullig wahrgenommen wird 🙂
schöne Zusammenfasung (bin noch nicht fertig mit dem Lesen ;-)).
Unter Punkt II, 8, sprichst Du von „gegen den Willen des Erzeugers“.
Der Staatsfeminismus hat es im Gesetz auch so formuliert, siehe §6:
3. andere Personen, insbesondere der Erzeuger sowie nahe Angehörige,
Nicht nur, dass der Vater vollkommen rechtlos gestellt wird, aber im Zeitalter der gentechnologischen Revolution, in der wir endlich Sicherheit über die Vaterschaft eines Kindes erhalten könnten (bis auf den Fall zweier, eineiige Zwillinge als potenzielle Väter), wird er auch noch hämisch als „Erzeuger“ betitelt.
Ich würde „(potenzieller) Vater“ verwenden.
August 26, 2014 um 9:00 am
Ja, sowas wie „zukünftiger Vater“ ist sicher neutraler.
September 6, 2014 um 10:37 am
Änderst Du das noch?
September 6, 2014 um 12:05 pm
Oh, ja … vergessen …. danke.
August 26, 2014 um 9:18 pm
Zu Punkt III, 1 darf ich vielleicht auf folgende Schrift hinweisen: „Die Rolle des Bundesverfassungsgerichts im Gleichberechtigungsprozess“ von Manfred Krause? (http://www.ev-akademie-boll.de/fileadmin/res/otg/520909-Krause.pdf)
Nebst der Geschichte die dabei erzählt wird, ist interessant festzuhalten, was Voll-Jurist.I.nnen mit unsere Gesellschaft so vorhaben.
Die Voll-Jurist.I.n Elisabeth Selbert hatte 1948 erreicht, dass die Formulierung – „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“, die an die Weimarer Verfassung anknüpfte – durch „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ersetzt wurde.
Welche Folgen diese Formulierung für die Familie und speziell für uns Männer hatte, wird dann im Abschnitt „dritte Phase“ (siehe Seite 4, unten) klar! Sobald das Bundesverfassungsgericht mit ausreichend „progressiven“ Richtern besetzt war, ging mann dazu über, Art. 3, II, GG dahingehend auszulegen, dass „dem Gleichberechtigungsgebot möglicherweise auch eine positive Verpflichtung des Gesetzgebers zur Förderung und Unterstützung der Grundrechtsverwirklichung entnommen werden könne.“
Den Schwachsinn hatte mann in der Entscheidung 1 BvR 455/82 vom 28. Jan. 1987 verzapft. Das war vor der Vergewaltigung des Art. 3, II, GG. Mann beachte, dass ursprünglich die Version „Zum Ausgleich bestehender Ungleichheiten sind Maßnahmen zur Förderung von Frauen zulässig.“ in Gespräch war.
Dass die hinzugefügte Änderung Art. 3, II, Satz 2 GG weder mit Art. 3, II, Satz 1 noch mit der EMRK vereinbar ist und dies auch den Jurist.I.nnen, die das verzapft hatten bekannt war, hat Hadmut sehr gut ausgearbeitet: http://www.danisch.de/blog/2014/07/21/ueber-den-neuen-verfassungsrichter-ulrich-maidowski/
Da sich sicherlich auch berufene Voll-Jurist.I.nnen zu Wort melden werden, um uns zu überzeugen, dass einzig Voll-Jurist.I.nnen für die Formulierung der Gesetze zuständig wären, sei auf die Verschlimmbesserung des §1626a BGB hingewiesen und auch auf folgenden Artikel: http://mann-om-man.blogspot.de/2014/08/in-deutschland-kann-man-statt-einen.html
Mit anderen Worten, wenn hier jemand die Fähigkeit hat, faire Gesetze zu formurlieren, dann sind die Väterrechtler garantiert vorne dabei, nicht aber die Voll-Jurist.I.nnen.
Daher sollten wir die Streichung des Art. 3, II, Satz 2 fordern und die alte Formulierung aus der Weimarer Verfassung fordern: „Frauen und Männer haben gleiche Rechte und Pflichten.“.
August 27, 2014 um 12:06 am
Guter Hinweis, danke – ich seh mir die Sache mal an.
August 28, 2014 um 7:36 pm
folgendes Buch könnte vielleicht interessant für dich sein (falls du es noch nicht kennst) und die Diskussionen bezüglich Biologie und Biologismus bereichern:
Manfred Velden – Biologismus. Folge einer Illusion
http://www.amazon.de/Biologismus-Folge-Illusion-Praktisch-Sekundar/dp/3899712005/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1409247176&sr=1-2
http://books.google.de/books?id=97R9CqLqDEEC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false
August 28, 2014 um 9:35 pm
Danke – klingt sehr interessant. 🙂
August 29, 2014 um 10:57 am
Ich hab mir das Buch besorgt. Vielleicht mache ich eine Rezension des Buches, danke.
What is Wrong with Pre-Emptive Strikes? « jungsundmaedchen sagt:
September 11, 2014 um 8:02 am
[…] Völkerrechtsbrüchen der USA nicht verkneifen: Der Maskulismus wird durch die vom Feminismus angestrebte Umdeutung der Grundrechte immer stäker zu einer eigenen Position in Sachen politischer Philosophie gedrängt. Dieser post […]
[…] der Geschlechter für Frauen nachteiliger auswirken als für Männer sind ebenfalls kaum in Sicht. Es gilt eher die […]
[…] hatte schon einmal eine Liste möglicher Schwerpunkte für den Maskulismus vorgeschlagen und leider blieb einerseits eine nachhaltige Diskussion und […]

References: EuGH 
 §6
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3
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 §1626
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