Source: https://bgb.kommentar.de/Buch-1/Abschnitt-1/Titel-2/Untertitel-2/Stiftung-von-Todes-wegen/Definitionen
Timestamp: 2020-03-28 17:46:30+00:00

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6§ 83 Satz 1 BGB regelt die Errichtung einer Stiftung durch letztwillige Verfügung des Stifters. Das Stiftungsgeschäft von Todes wegen kann durch Testament oder durch Erbvertrag erfolgen.BGH, Urteil vom 09.02.1978 – III ZR 59/76, BGHZ 70, 313; Schiffer/Reinke/Schürmann, in: Schiffer, Die Stiftung in der Beraterpraxis, 3. Aufl. (2013), § 9 Rn. 3; Ellenberger, in: Palandt, BGB, 73. Aufl. (2014), § 83 Rn. 1 Für die Stiftungserrichtung von Todes wegen gelten die persönlichen, sachlichen und formellen Voraussetzungen des Erbrechts,Hüttemann/Rawert, in: Staudinger, BGB (Neubearbeitung 2011), § 83 Rn. 1 m. w. N. also insbesondere § 2229 BGB, §§ 2064, 2065 BGB und §§ 2231 ff. BGB. Auch durch Vertrag zugunsten Dritter auf den Todesfall kann eine Stiftung errichtet werden, wobei umstritten ist, ob § 84 BGB oder § 331 Abs. 2 BGB oder auch beide Vorschriften anzuwenden sind.Schiffer/Pruns, in: Heidel/Hüßtege u.a., BGB, 2. Aufl. (2011), § 83 Rn. 12; Muscheler, DNotZ 2003, 661, 675 ff. Der Anerkennungsantrag wird vom Erben oder Testamentsvollstrecker, so denn die Testamentsvollstreckung angeordnet ist, und bei deren Untätigkeit vom Nachlassgericht gestellt.Dörner, Schulze/Dörner u.a., BGB, 8. Aufl. (2014), § 83 Rn. 2; Ellenberger, in: Palandt, BGB, 73. Aufl. (2014), § 83 Rn. 1 Eine Dauertestamentsvollstreckung ist nach h.M. mit der Verwaltung des Stiftungsvermögens, welche dem Vorstand der Stiftung und der Aufsicht der Stiftungsbehörde nicht entzogen werden darf, dagegen nicht vereinbar.OLG Frankfurt, Urteil vom 15.10.2010 – 4 U 134/10, DNotZ 2012, 217 = ZEV 2011, 605 mit Anm. Reimann; Ellenberger, in: Palandt, BGB, 73. Aufl. (2014), § 83 Rn. 1. Hüttemann/Rawert, in: Staudinger, BGB, (Neubearbeitung 2011), § 83 Rn. 20; Neuhoff, in: Soergel, BGB, 13. Aufl. (2000), § 83 Rn. 10; Reuter, in: MüKo, BGB, § 83 Rn. 12; a. A. Schewe, ZStV 2004, 301, 305; Hof, in: Seifart/v. Campenhausen, Stiftungsrechts-Handbuch, 3. Aufl. (2009), § 6 Rn. 106
7Die Anordnung der Testamentsvollstreckung kann aus unterschiedlichen Gründen erfolgen. Der Testamentsvollstrecker kann als Gehilfe und/oder Organ der Stiftung eingesetzt werden; auch eine Kontrollfunktion gegenüber den Stiftungsorganen ist möglich, je nach Sinn und Zweck der Stiftung.Schiffer/Reinke/Schürmann, in: Schiffer, Die Stiftung in der Beraterpraxis, 3. Aufl. (2013), § 9 Rn. 42 ff.
8Ebenso wie das Stiftungsgeschäft unter Lebenden besteht auch das Stiftungsgeschäft von Todes wegen aus einem organisationsrechtlichen Teil (Satzung) – für deren Auslegung die allgemeinen Regeln (§§ 133, 157 BGB)So Backert, in: Bamberger/Roth, BGB, 3. Aufl. (2012), § 83 Rn. 7 bzw. stiftungsrechtlichen Auslegungsregelungen (§ 85 BGB) gelten – und einem vermögensrechtlichen Teil, der die sachliche Ausstattung der Stiftung mit Mitteln des Stifters betrifft.Vgl. Reuter, in: MüKo, BGB, 6. Aufl. (2012), § 83 Rn. 1; Backert, in: Bamberger/Roth, BGB, 3. Aufl. (2012), § 83 Rn. 1; Hüttemann/Rawert, in: Staudinger, BGB (Neubearbeitung 2011), § 83 Rn. 3 Für die Auslegung des vermögensrechtlichen Teils, also der Erklärungen des Stifters, gilt § 2084 BGB.Werner, in: Erman, BGB, 13. Aufl. (2011), § 83 Rn. 2; Ellenberger, in: Palandt, BGB, 73. Aufl. (2014), § 83 Rn. 1 Das Stiftungsgeschäft muss im Testat zumindest ansatzweise zum Ausdruck kommenEllenberger, in: Palandt, BGB, 73. Aufl. (2014), § 83 Rn. 1; OLG Stuttgart, Beschluss vom 10. 6. 2009 - 8 W 501/08, ZEV 2010, 200 mit Anm. Wachter; vgl. noch zur alten Rechtslage LG Berlin, Beschluss vom 26.05.2000 – 97 T 708/99, FamRZ 2001, 450, da § 83 Satz 2 bis 4 BGB lediglich einige Auslegungs- bzw. Vermutungsregeln hinsichtlich des Stiftungsgeschäfts vorgibt. Zumindest ist aber erforderlich, dass sich der Zweck der Stiftung aus dem Stiftungsgeschäft oder den Umständen ergibtSchöpflin, in: Prütting/Wegen/Weinreich, BGB, 8. Aufl. (2013), § 83 Rn. 1; Schiffer/Pruns, in: Schiffer, Die Stiftung in der Beraterpraxis, 3. Aufl. (2013), § 3 Rn. 28 und eine Vermögenszusage gegeben wurde.Schöpflin, in: Prütting/Wegen/Weinreich, BGB, 8. Aufl. (2013), § 83 Rn. 1; Werner, in: Erman, BGB, 13. Aufl. (2011), § 83 Rn. 3 Ist eine Festlegung des Sitzes der Stiftung nicht getroffen, gilt der Ort, an dem die Verwaltung geführt werden soll, als Sitz der Stiftung. Gibt es auch für den Verwaltungssitz keine Anhaltspunkte, ist im Zweifel der letzte inländische Wohnsitz des Stifters Sitz der Stiftung.
9Ist dem Testament oder Erbvertrag keine oder nur eine unvollständige Satzung beigefügt, regelt § 83 Satz 2 bis 4 BGB die behördlichen Befugnisse zur Satzungsergänzung bei der Errichtung einer Stiftung von Todes wegen. Dabei soll die Stiftungsbehörde nach § 83 Satz 2 BGB den Willen des Stifters berücksichtigen. Soweit der Wille des Stifters feststellbar ist, ist dessen Berücksichtigung bindend, jedenfalls solange er nicht gemeinschädlich ist.
10Die Ausstattung der Stiftung kann durch Erbeinsetzung (§§ 2087 ff. BGB), Vermächtnis (§ 1939 BGB) oder Auflage (§ 1940 BGB) erfolgen.Backert, in: Bamberger/Roth, BGB, 3. Aufl. (2012), § 83 Rn. 3; BayObLG, Beschluss vom 17. 3. 1965 - BReg. 1 b Z 293/64, NJW 1965, 1438 Wird indes dem Erben oder einem Vermächtnisnehmer die Errichtung einer Stiftung aus Nachlassmitteln zur Auflage gemacht, ist nicht der Erblasser sondern der Erbe bzw. Vermächtnisnehmer der Stifter.Reuter, in: MüKo, BGB, 6. Aufl. (2012), § 84 Rn. 2 Die Mehrzahl der Stiftungen erhält ihre volle Vermögensausstattung erst aufgrund einer letztwilligen Verfügung, auch wenn sie bereits zu Lebzeiten errichtet wurde.Schiffer/Reinke/Schürmann, in: Schiffer, Die Stiftung in der Beraterpraxis, 3. Aufl. (2013), § 9 vor Rn. 1 Der Stiftung als „künstlicher“ Erbin kommt in der Praxis eine erhebliche Bedeutung zu.Schiffer/Reinke/Schürmann, in: Schiffer, Die Stiftung in der Beraterpraxis, 3. Aufl. (2013), § 9 vor Rn. 1 Für die Anfechtung der Zuwendung gelten die §§ 2078 f. BGB.Reuter, in: MüKo, BGB, 6. Aufl. (2012), § 83 Rn. 13 Rechtsfolge der Anfechtung ist, dass die Stiftung nach § 87 Abs. 1 Satz 1 BGB aufzuheben ist. Für die Auslegung der Erklärungen des Stifters gilt § 2084 BGB.Werner, in: Erman, BGB, 13. Aufl. (2011), § 83 Rn. 2; Ellenberger, in: Palandt, BGB, 73. Aufl. (2014), § 83 Rn. 1
11Im Gegensatz zu dem Stiftungsgeschäft unter Lebenden steht den Erben kein Widerrufsrecht zu (§ 81 Abs. 2 Satz 3 BGB). Ein Ausschlagungsrecht steht der Stiftung – anders als im Fall der UnternehmensträgerstiftungSo Schmidt, ZEV 1999, 141 – nach h.M. nicht zu.Hüttemann/Rawert, in: Staudinger, BGB, (Neubearbeitung 2011), § 83 Rn. 17; Backert, in: Bamberger/Roth, BGB, 3. Aufl. (2012), § 83 Rn. 7; Reuter, in: MüKo, BGB, 6. Aufl. (2012), § 83 Rn. 13

References: § 9
 § 83
 § 83
 § 2229
 § 84
 § 331
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 6
 § 9
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 2084
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 3
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 84
 § 9
 § 9
 § 83
 § 87
 § 2084
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83
 § 83