Source: http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=fr&zoom=&type=show_document&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-IV-26%3Afr
Timestamp: 2016-10-21 11:27:59+00:00

Document:
134 IV 263. Auszug aus dem Urteil der Strafrechtlichen Abteilung i.S. McKim gegen Miller und Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Z�rich (Beschwerde in Strafsachen)
Art. 123 et 125 CP; l�sions corporelles simple intentionnelle et grave par n�gligence lors d'une partie de hockey sur glace. Pour qualifier p�nalement les fautes commises dans les sports d'�quipe, les r�gles du jeu doivent �tre �galement prises en consid�ration. Plus la violation des r�gles tendant � prot�ger l'int�grit� corporelle des joueurs est grave, moins on peut consid�rer qu'il s'agit d'un risque inh�rent au jeu et plus para�t justifi�e une r�pression p�nale du joueur fautif (consid. 3). Celui qui veut causer une l�sion corporelle simple ou qui accepte sa survenance, mais qui inflige sans le vouloir une atteinte grave, r�alise les infractions de l�sions corporelles simple intentionnelle et grave par n�gligence en concours id�al parfait (consid. 4). Faits � partir de page 27
A. Am 31. Oktober 2000 spielte Kevin Miller (Beschwerdegegner) f�r den HC Davos in einer Eishockey Nationalliga A Meisterschaftspartie gegen die ZSC Lions. Dabei foulte er Andrew McKim (Beschwerdef�hrer) grob. Die bei diesem Foul erlittenen gesundheitlichen Sch�den zwangen Andrew McKim, seine Profikarriere zu beenden.
Zum Foulspiel kam es in der zehnten Minute des ersten Spieldrittels. Der ZSC-Spieler Andrew McKim gelangte unmittelbar hinter dem Tor des HC Davos in Puckbesitz. Er nutzte seine vorhandene Bewegung aus und setzte seine Fahrt in einem Bogen fort, um in eine g�nstige Torschussposition zu gelangen. 0.38 Sekunden nach der Schussabgabe wurde er durch Kevin Miller von hinten in den R�cken gecheckt. Durch den Check fiel er vorn�ber und schlug mit seinem Kopf auf dem Eis auf.
B. Kevin Miller wurde f�r dieses Foul vom Schiedsrichter f�r die gesamte Spieldauer des Feldes verwiesen ("Spieldauerdisziplinarstrafe"). Im verbandsinternen Disziplinarverfahren wurde er vom Einzelrichter der Nationalliga am 15. November 2000 f�r die n�chsten 8 Meisterschaftsspiele gesperrt und mit einer Busse von Fr. 3'000.- belegt. Dieser Entscheid wurde am 16. Dezember 2000 von der Rekurskammer des schweizerischen Eishockeyverbands best�tigt.
C. Am 20. September 2005 wurde Kevin Miller vom Bezirksgericht Z�rich der einfachen K�rperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der fahrl�ssigen schweren K�rperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB f�r schuldig befunden und mit 3 Monaten Gef�ngnis bestraft. Der Vollzug wurde bedingt aufgeschoben. Auf seine Berufung hin wurde er vom Obergericht des Kantons Z�rich mit Urteil vom 23. M�rz 2007 vollumf�nglich freigesprochen.
D. Gegen diesen Freispruch erhebt Andrew McKim Beschwerde in Strafsachen. Er verlangt unter anderem die Aufhebung des obergerichtlichen und die Best�tigung des bezirksgerichtlichen Urteils.
E. Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Z�rich verzichtet mit Schreiben vom 7. September 2007 auf eine Vernehmlassung. Mit Schreiben vom 1. Oktober 2007 hat der Beschwerdegegner seine BGE 134 IV 26 S. 28Vernehmlassung eingereicht, mit der er im Wesentlichen ein Nichteintreten auf die Beschwerde resp. deren Abweisung beantragt.
3. Der Beschwerdef�hrer r�gt zusammenfassend, der Freispruch vom Vorwurf der K�rperverletzung sei bundesrechtswidrig.
3.1 Der Beschwerdegegner schliesst sich im Wesentlichen den Ausf�hrungen der Vorinstanz an. Soweit er die �berpr�fung des Freispruchs vom Fahrl�ssigkeitsvorwurf f�r unzul�ssig h�lt, verkennt er, dass das Bundesgericht die Anwendung von Bundesrecht im Rahmen der gestellten Antr�ge von Amtes wegen �berpr�ft (Art. 106 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 �ber das Bundesgericht [BGG; SR 173.110]). Der Beschwerdef�hrer beanstandet den vorinstanzlichen Freispruch von den K�rperverletzungsvorw�rfen als bundesrechtswidrig und beantragt die Aufhebung des angefochtenen Urteils. Im Rahmen dieses Antrags ist sowohl der Freispruch von der eventualvors�tzlichen als auch von der fahrl�ssigen K�rperverletzung zu �berpr�fen.
3.2 3.2.1 Nach Art. 122 StGB wird unter anderem mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagess�tzen bestraft, wer vors�tzlich einen Menschen bleibend arbeitsunf�hig macht oder eine andere schwere Sch�digung des K�rpers oder der k�rperlichen oder geistigen Gesundheit verursacht. F�r einfache K�rperverletzungen droht nach Art. 123 StGB, auf Antrag, eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Der gleichen Strafandrohung untersteht die fahrl�ssige K�rperverletzung (Art. 125 StGB).
3.2.2 Vors�tzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen ausf�hrt (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). Vors�tzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat f�r m�glich h�lt und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Nach st�ndiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der T�ter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirklichung f�r m�glich h�lt, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg f�r den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerw�nscht sein. F�r den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht - soweit der T�ter nicht gest�ndig ist - BGE 134 IV 26 S. 29regelm�ssig nur auf �usserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln st�tzen, die ihm R�ckschl�sse von den �usseren Umst�nden auf die innere Einstellung des T�ters erlauben. Zu den �usseren Umst�nden, aus denen der Schluss gezogen werden kann, der T�ter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, z�hlt auch die Gr�sse des dem T�ter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je gr�sser dieses Risiko ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert werden, der T�ter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 131 IV 1 E. 2.2; BGE 130 IV 58 E. 8.2).
3.2.3 Fahrl�ssig begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht R�cksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der T�ter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umst�nden und nach seinen pers�nlichen Verh�ltnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrl�ssiger K�rperverletzung setzt somit voraus, dass der T�ter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 127 IV 34 E. 2a mit Hinweisen).
3.2.4 Das Bundesgericht hatte in BGE 121 IV 249 bereits einmal Foulspiele mit Verletzungsfolgen beim Eishockey zu beurteilen. Ob Eventualvorsatz oder bewusste Fahrl�ssigkeit vorliegt, h�ngt unter anderem von der Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung und von der dem T�ter bekannten N�he des Verletzungsrisikos ab. Bei der Festlegung des zul�ssigen Verhaltens und der zu respektierenden Sorgfaltspflichten sind nebst dem allgemeinen Grundsatz "neminem laedere" insbesondere auch die Spielregeln des Internationalen Eishockey Verbands (IIHF) zu beachten. Diese Regeln dienen nicht nur dem geordneten Spielverlauf, sondern vor allem auch der Unfallverh�tung und der Sicherheit der Spieler (E. 3, a.a.O.). Wird eine den Schutz der Spieler vor Verletzungen bezweckende Spielregel absichtlich oder in grober Weise missachtet, so darf keine stillschweigende Einwilligung in das der sportlichen T�tigkeit innewohnende Risiko einer K�rperverletzung angenommen werden (E. 4, a.a.O.; Best�tigung von BGE 109 IV 102 E. 2). In casu war der Spieler seinem Gegenspieler mit vorgestrecktem Knie und hoher Geschwindigkeit in die Beine gefahren ("Kniestich"). Von der hohen, dem Spieler BGE 134 IV 26 S. 30bekannten Verletzungswahrscheinlichkeit bei dieser klar regelwidrigen Aktion durfte auf die Inkaufnahme der Verletzungsfolgen geschlossen werden (E. 3, a.a.O).
3.2.5 In der Lehre wird die Auffassung vertreten, dass k�rperkontaktintensiven Mannschaftssportarten wie dem Eishockey ein Verletzungsrisiko inh�rent ist, das von den Spielern in Kauf genommen werde. Allerdings w�rden grunds�tzlich nur Risiken gebilligt, welche durch regelkonformes oder leicht davon abweichendes Verhalten von Gegenspielern drohten. Absichtliche und grobe Verletzung von Spielregeln, welche dem Schutz der Spieler dienen, seien von dieser stillschweigenden Einwilligung nicht erfasst (vgl. ANDREAS A. ROTH/ANNE BERKEMEIER, Basler Kommentar, 2. Aufl., N. 21 f. vor Art. 122 StGB; HANS FELIX V�GELI, Strafrechtliche Aspekte der Sportverletzungen, Z�rich 1974, S. 175 ff.; STEFAN TRECHSEL/PETER NOLL, Schweizerisches Strafrecht, Allg. Teil I, 6. Aufl., S. 142). Dagegen wird von verschiedener Seite eingewendet, dass nicht unbesehen von der Inkaufnahme des Risikos auf die Einwilligung in die Verletzung geschlossen werden sollte, zumal die Spieler ja gerade darauf vertrauten, nicht verletzt zu werden. In Sportarten, bei denen das Beibringen von Verletzungen nicht das eigentliche Ziel (wie z.B. Boxen), sondern bloss eine mehr oder weniger h�ufige Nebenfolge des Wettkampfs ist (Fussball, Eishockey, Handball etc.), k�nne deshalb nicht von einer Einwilligung ausgegangen werden. Auch mache es keinen Sinn, die G�ltigkeit der Einwilligung von der Regelkonformit�t der Attacke abh�ngig zu machen, zumal dem Spieler regelkonform und regelwidrig beigebrachte Verletzungen gleichermassen unwillkommen seien. Nach diesen Lehrmeinungen sind Verletzungen bei Mannschaftssportwettk�mpfen strafrechtlich nicht �ber die Einwilligung des Betroffenen zu l�sen, sondern ein Problem der Tatbestandseinschr�nkung nach den Grunds�tzen der Sozialad�quanz, des erlaubten Risikos oder des selbstverantworteten Handelns auf eigene Gefahr (vgl. ANDREAS DONATSCH, Gedanken zum strafrechtlichen Schutz des Sportlers, ZStrR 107/1990 S. 420 ff.; J�RG REHBERG, Verletzung beim Fussballspiel, BGE 109 IV 102, recht 2/1984 S. 56 ff.; DOROTHE SCHERRER, Strafrechtliche Sanktionen nach Sportverletzungen, Causa Sport 2006 S. 31 ff., 34; KURT SEELMANN, Basler Kommentar, 2. Aufl., N. 15 vor Art. 14 StGB; JEAN-MARC SCHWENTER, De la faute sportive � la faute p�nale, ZStrR 108/1991 S. 325 ff.; PHILIPPE WEISSENBERGER, Die Einwilligung des Verletzten bei Delikten gegen Leib und Leben, Bern 1996, S. 169 ff.). In der neueren BGE 134 IV 26 S. 31Literatur werden Zurechnungseinschr�nkungen von Sportverletzungen auch unter dem Gesichtspunkt der objektiven Zurechnung diskutiert (vgl. MELANIE BERKL, Der Sportunfall im Lichte des Strafrechts, Baden-Baden 2007, S. 79 ff.). Die Teilnahme an einem Eishockeyspiel k�nnte danach als einverst�ndliche Fremdgef�hrdung gewertet werden. Die Spieler setzen sich im Bewusstsein des Verletzungsrisikos der Gef�hrdung durch die Gegenspieler aus. Eine Fremd- und nicht eine Eigengef�hrdung liegt vor, da in der Regel der foulende Spieler das rechtsgutsverletzende Kausalgeschehen beherrscht. Kommt es zu einer Sch�digung, so stellt sich die Frage, inwieweit dem foulenden Spieler die verursachten Verletzungsfolgen aufgrund des gegnerischen Gef�hrdungseinverst�ndnisses nicht zugerechnet werden k�nnen. Nach DONATSCH (a.a.O., S. 420) sind sorgfaltspflichtwidrige Fremdgef�hrdungen insoweit strafrechtsrelevant, als sie das sportspezifische Grundrisiko �berschreiten. Auch hier muss bei der Frage, mit welchen Fremdgef�hrdungen sich ein Spieler (noch) einverstanden erkl�rt, letztlich auf die einschl�gigen Regelwerke zur�ckgegriffen werden, wobei insbesondere auf den Schutzzweck der verletzten Spielregel abzustellen ist.
Unabh�ngig davon, ob Foulspiele mit Verletzungsfolgen strafrechtlich �ber die unrechtsausschliessende Risiko- oder Sch�digungseinwilligung, �ber tatbestandseinschr�nkende Lehren des erlaubten Risikos oder der Sozialad�quanz oder �ber objektive Zurechnungseinschr�nkungen abgehandelt werden, ist f�r die Abgrenzung unerlaubter von noch tolerierten Risiken auf die im jeweiligen Wettkampf anwendbaren Spielregeln zur�ckzugreifen, weshalb sich die verschiedenen Lehrmeinungen zusammenfassend mehr in der dogmatischen Begr�ndung als im Ergebnis unterscheiden. Gemeinsam ist den L�sungsvorschl�gen, dass bei Realisierung des sportartspezifischen Grundrisikos von strafrechtlicher Ahndung abgesehen werden sollte. Zu diesem Grundrisiko geh�ren auch die mit k�rperkontaktbetonten Mannschaftssportwettk�mpfen zwangsl�ufig einhergehenden "normalen" Fouls und Verletzungen. Je krasser indes Regeln verletzt werden, die dem k�rperlichen Schutz der Spieler dienen, desto weniger kann von der Verwirklichung eines spieltypischen Risikos gesprochen werden und desto eher r�ckt eine strafrechtliche Verantwortlichkeit des Spielers ins Blickfeld (SCHERRER, a.a.O., S. 36; SCHWENTER, a.a.O., S. 334; BERKL, a.a.O., S. 174 f.). Mit dieser Einsch�tzung liegt die herrschende Lehre auf der Linie der st�ndigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung. BGE 134 IV 26 S. 32
3.3 Der vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf der eventualvors�tzlichen K�rperverletzung ist bundesrechtswidrig.
3.3.1 Fest steht, dass der Beschwerdegegner die eingetretenen Verletzungen durch sein Handeln verursacht hat. Ebenso unbestritten ist, dass er dabei in grober Weise Eishockeyregeln verletzt hat. F�r sein Foul wurde er vom Schiedsrichter umgehend vom Spiel ausgeschlossen. Die Schwere des Regelverstosses wurde sowohl vom Einzelrichter der Nationalliga (vgl. Entscheid vom 15. November 2000, S. 3: "derbes Foul") als auch von der Rekurskammer des Eishockeyverbands (Entscheid vom 16. Dezember 2000, S. 16: "sehr grobes Foul") best�tigt. Zwar sah die Vorinstanz den Vorwurf des Ellenbogenchecks gegen die Halspartie als nicht zweifelsfrei erwiesen an. Die Verneinung dieses einen Regelverstosses bleibt indes ohne entscheidende Bedeutung, zumal auch die Vorinstanz davon ausgeht, dass gleichzeitig noch andere Regeln verletzt wurden. Sie verweist diesbez�glich auf die Entscheide der verbandsinternen Disziplinarinstanzen, welche klar festhielten, dass in grober Weise dem Schutz der Spieler dienende Regeln verletzt wurden (vgl. Regel Nr. 523 - "Checking from Behind" [Check von hinten] und Regel Nr. 522 - "Charging" [unerlaubter K�rperangriff] des im Zeitraum von 1998-2002 geltenden Regelwerks des Internationalen Eishockey-Verbands). Mit dem Verbot, Gegenspieler von hinten zu checken, soll genau das verhindert werden, was im vorliegenden Fall eingetreten ist, n�mlich dass der gefoulte Spieler vorn�ber f�llt und mit dem Kopf auf dem Eis aufprallt. Es ist somit erstellt, dass sich die K�rperverletzung auf ein objektiv krass regelwidriges Verhalten des Beschwerdegegners zur�ckf�hren l�sst. Zu Recht geht auch die Vorinstanz von objektiv regelwidrigem Verhalten aus.
3.3.2 In subjektiver Hinsicht kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwerdegegner darum gegangen sei, den Beschwerdef�hrer am Torschuss oder Passgeben zu hindern. Er sei deshalb auf diesen zugefahren, um ihn zu checken. Ein gezielter Ellenbogen-Check gegen den Nacken sei nicht erwiesen. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner seine Schlittschuhe unmittelbar vor dem Check quergestellt habe, verkantet und w�hrend des Umfallens in den R�cken des Beschwerdef�hrers geprallt sei. Dieser habe sich in einer relativ langen Drehbewegung befunden und erst in den letzten Sekundenbruchteilen, nach erfolgter Schussabgabe mit dem R�cken zum Beschwerdegegner gewandt. Weil zwischen der Schussabgabe und der Kollision lediglich 0.38 Sekunden BGE 134 IV 26 S. 33vergangen seien, sei eine willentliche Reaktion nicht mehr m�glich gewesen. Zu seinen Gunsten sei anzunehmen, dass er zu einem zul�ssigen Bodycheck ansetzte, dabei um Sekundenbruchteile zu sp�t kam und so mit dem Beschwerdef�hrer zusammenprallte, als dieser ihm in nicht sicher vorhersehbarer Weise den R�cken zuwandte. Bei dieser Sachlage lasse sich eine eventualvors�tzliche Inkaufnahme der zugef�gten Verletzungen nicht nachweisen.
3.3.3 Die vorinstanzliche Begr�ndung des Freispruchs ist widerspr�chlich. Es l�sst sich nicht sagen, dass ein Spieler zu einem zul�ssigen Bodycheck ansetzte, wenn das Verhalten seines Gegenspielers f�r ihn "zu keinem Zeitpunkt klar vorhersehbar und kalkulierbar" war. Nach verbindlicher Feststellung hat der Beschwerdegegner beim Ansetzen zum Bodycheck insbesondere nicht genau wissen k�nnen, welche Position der Gesch�digte einnehmen werde. Wer sich trotz der Ungewissheit um die genaue Position seines Gegenspielers entschliesst, diesen zu checken, der mag zwar hoffen, dass ihm eine regelkonforme Attacke gelingt, der nimmt aber gleichzeitig auch den regelwidrigen Check von hinten in Kauf. Dass der Beschwerdegegner als professioneller Hockeyspieler den Torschuss nicht habe vorhersehen k�nnen, will indes nicht richtig einleuchten. Viel wahrscheinlicher - aber eben nicht festgestellt - ist, dass der Beschwerdegegner die Drehbewegung durchaus richtig antizipierte und hoffte, den Beschwerdef�hrer noch rechtzeitig durch einen regelkonformen Check am Torschuss hindern zu k�nnen, mit seiner Zufahrt aber gleichzeitig auch in Kauf nahm, zu sp�t zu kommen und den Beschwerdef�hrer nur noch nach abgeschlossener Schuss- und Drehbewegung von hinten zu erwischen. Wie es sich mit den Tatsachenfeststellungen der Vorinstanz im Einzelnen verh�lt, kann jedoch offenbleiben. Selbst wenn man mit der Vorinstanz davon ausgeht, dass der Beschwerdegegner nicht bewusst zu einem regelwidrigen Ellenbogenschlag (Regel Nr. 526 - "Elbowing") gegen den Kopf und Nacken ansetzte, sondern im letzten Moment verkantete und in den R�cken des Beschwerdef�hrers prallte, entlastet ihn dies entgegen den Ausf�hrungen im angefochtenen Urteil nicht. Wie die erste Instanz zutreffend ausf�hrt, hat sich ein Eishockeyspieler immer so auf dem Eis zu bewegen, dass er auf gef�hrliche Situationen reagieren und notfalls noch bremsen oder einem Gegenspieler ausweichen kann. Mit seiner riskanten Zufahrt begab sich der Beschwerdegegner aller Ausweich- oder Bremsm�glichkeiten. Wer aber in hohem Tempo auf einen Gegenspieler zuf�hrt, in der Absicht diesen zu BGE 134 IV 26 S. 34checken, und sich dabei in eine unkontrollierbare Situation man�vriert, in der es nur noch vom Zufall abh�ngt, ob der Check noch regelkonform durchgef�hrt werden kann, der kann sich nicht darauf berufen, dass er den regelwidrigen Check nicht mehr verhindern konnte. Dass er im letzten Moment noch vergeblich zu bremsen versuchte, macht die Verursachung des Zusammenpralls nicht zu einer fahrl�ssigen Handlung. Wie erl�utert, hat er sich willentlich in eine Situation man�vriert, in der ihm die Verhinderung eines regelwidrigen Checks nicht mehr m�glich war. Er hat mithin die M�glichkeit eines Checks von hinten in den R�cken in Kauf genommen und die daraus resultierenden Verletzungen als m�gliche, wenn auch unerw�nschte Folgen, seinem vorrangigen Ziel untergeordnet, den Beschwerdef�hrer um jeden Preis am Abschuss zu hindern. Ausser Zweifel steht nach den getroffenen Tatsachenfeststellungen, dass er als professioneller Hockeyspieler um die mit einem Bodycheck in den R�cken verbundenen Verletzungsrisiken wusste. Es ist nicht ersichtlich und ergibt sich auch nicht aus dem angefochtenen Urteil, inwiefern er bei dieser waghalsigen Aktion auf das Ausbleiben von Verletzungsfolgen h�tte vertrauen d�rfen. Wie bereits in BGE 121 IV 249 kann auch im vorliegenden Fall aus dem hochgradig risikotr�chtigen Vorgehen des Beschwerdegegners auf die Inkaufnahme von Verletzungsfolgen geschlossen werden. Der Freispruch von der eventualvors�tzlichen K�rperverletzung verletzt daher Bundesrecht. Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen und das angefochtene Urteil aufzuheben.
4. Die Vorinstanz sprach den Beschwerdegegner auch vom Vorwurf der fahrl�ssigen schweren K�rperverletzung frei.
Nach ihrer Auffassung entspricht die Kombination von einfacher vors�tzlicher und fahrl�ssiger schwerer K�rperverletzung im erstinstanzlichen Urteil dem fr�heren "erfolgsqualifizierten" Tatbestand von Art. 123 Ziff. 1 aStGB. Ob diese Verbindung zul�ssig sei, k�nne offenbleiben. Dem Beschwerdegegner werde nur vors�tzliches Handeln mit einer unvorhergesehenen Verletzungsfolge, nicht aber eine fahrl�ssige K�rpersch�digung vorgeworfen. Der Schuldspruch f�r das Fahrl�ssigkeitsdelikt h�nge somit vom damit verkn�pften Vorsatzdelikt ab. Der Freispruch von der vors�tzlichen m�sse daher auch zum Freispruch von der fahrl�ssigen K�rperverletzung f�hren. Zur Eventualbegr�ndung wird ausgef�hrt, dass die schweren Kollisionsfolgen dem Beschwerdegegner mangels Voraussehbarkeit der Drehbewegung nicht vorgeworfen werden k�nnten. BGE 134 IV 26 S. 35
4.1 Der Freispruch vom Vorwurf der fahrl�ssigen schweren K�rperverletzung h�lt vor Bundesrecht nicht stand.
In Bezug auf die Eventualerw�gung wurde bereits erl�utert, dass es den Beschwerdegegner belastet und nicht entlastet, sich willentlich in eine Situation man�vriert zu haben, in der er weder die korrekte Ausf�hrung des Checks kontrollieren noch dessen schwere Verletzungsfolgen absehen konnte. Auch die Auffassung, dass die Verurteilung wegen fahrl�ssiger von derjenigen wegen vors�tzlicher K�rperverletzung abh�ngen soll, erweist sich als unzutreffend. Nach Art. 123 Ziff. 2 StGB in der Fassung vor der Revision der K�rperverletzungsdelikte durch das Bundesgesetz vom 23. Juni 1989 (in Kraft seit 1. Januar 1990; AS 1989 S. 2449, 2456) wurde wegen vors�tzlicher K�rperverletzung bestraft, wer anstelle der gewollten einfachen eine schwere K�rperverletzung bewirkte und dies voraussehen konnte. Diese Tatbestandsvariante wurde anl�sslich der Revision ersatzlos gestrichen, weil sich die ihr zu Grunde liegende Erfolgsqualifizierung mit den Grunds�tzen des Schuldstrafrechts nicht vereinbaren l�sst. Wer eine einfache K�rperverletzung beibringen will, versehentlich aber eine schwere verursacht, darf f�r den nicht von seinem Willen erfassten Erfolg nicht wegen vors�tzlicher Tatbegehung bestraft werden. Die Vorinstanz geht zwar zu Recht davon aus, dass das vorliegende Unfallgeschehen vor 1990 wohl als erfolgsqualifizierte K�rperverletzung im dargestellten Sinne eingestuft worden w�re. Sie zieht indes unrichtige Schl�sse aus der Streichung dieser Tatbestandsvariante. Der Wegfall der Erfolgsqualifikation f�hrt nicht dazu, dass die �ber die gewollte einfache K�perverletzung hinausgehenden, versehentlich verursachten Verletzungsfolgen gar nicht mehr bestraft werden. Vielmehr soll nach dem Willen des Gesetzgebers in diesen F�llen die vors�tzliche einfache K�rperverletzung in echte (Ideal-)Konkurrenz zu der fahrl�ssigen Verursachung des schweren Verletzungserfolgs nach Art. 125 Abs. 2 StGB treten (Botschaft �ber die �nderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches - Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben etc. vom 26. Juni 1985, BBl 1985 II S. 1027 f.; ebenso G�NTER STRATENWERTH/ GUIDO JENNY, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 6. Aufl., Bern 2003, � 3 N. 31 und 32). In Bezug auf den Fahrl�ssigkeitsvorwurf ist mit der Anklagebeh�rde und der ersten Instanz davon auszugehen, dass die �ber die einfache K�rperverletzung hinausgehenden Sch�digungsfolgen f�r den Beschwerdegegner als professionellen Hockeyspieler vorhersehbar und bei sorgf�ltigerem BGE 134 IV 26 S. 36Vorgehen zweifellos auch vermeidbar gewesen w�ren. Der vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf der fahrl�ssigen schweren K�rperverletzung ist somit ebenfalls aufzuheben.
109 IV 102,
130 IV 58 suite... ,
Art. 123 et 125 CP,
Art. 106 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 �ber das Bundesgericht [BGG; SR 173.110],
Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB,
Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB,
Art. 123 Ziff. 2 StGB

References: Art. 123
 Art. 123
 Art. 125
 BGE 
 Art. 122
 Art. 123
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
In casu
 BGE 
 Art. 122
 BGE 
 Art. 14
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 123
 BGE 
 Art. 123
 Art. 125
 BGE 

Art. 123

Art. 106

Art. 12

Art. 12

Art. 123