Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4276.htm
Timestamp: 2018-12-15 21:35:09+00:00

Document:
4.276 Katzenbach-Dünnbachtal
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Katzenbach-Dünnbachtal« vom 19. Dezember 1996 (GBl. v. 28.02.1997, S. 59).
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Rottenburg, Gemarkungen Dettingen und Rottenburg und der Gemeinde und Gemarkung Ofterdingen wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Katzenbach-Dünnbachtal«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 121,25 ha.
(2) Es umfaßt nach näherer Maßgabe der Karte im wesentlichen folgende Gewanne:
· Gemarkung Dettingen: Kirchhalde (z. T.), Beim Heiligen Holz, Wasserwiesen, Weglangen, Brandwiesen, Neue Brandwiesen, Ketters Stegle, Lindenwiesen, Lotschwiesen, Käsboden, Seidenbronnen, Grund, Rehbühl, Röhrich;
· Gemarkung Ofterdingen: Unterer Beurenbach;
· Gemarkung Rottenburg: Dünnbachtal, Im Dettinger Tal.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 26. Juni 1996 im Maßstab 1:5000, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, Konrad-Adenauer-Str. 20, und beim Landratsamt Tübingen in Tübingen, Bismarckstr. 110, auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
· die Erhaltung der kulturell geprägten Tallandschaft mit ihren naturnahen Feuchtflächen, Gehölzen und dem naturnah bewirtschafteten Wald und die Erhaltung der Vielgestaltigkeit des Lebensraumes seltener Pflanzen und Tierarten;
· insbesondere die Erhaltung, Pflege und Entwicklung des Komplexes aus Frisch‑, Feucht‑, Naßwiesen im Tal und der Salbei‑Glatthaferwiesen am Dettinger Talausgang, die auf Grund ihrer Größe als Lebensraum für gefährdete Tier‑ und Pflanzenarten von besonderer Bedeutung sind;
· der Charakter des altholzreichen Eichen‑Hainbuchen‑ und Eichen‑Linden‑Elsbeeren‑Waldes, der unabdingbar mit dem Wert des Tales verbunden ist. Gerade die historisch und ökologisch bedeutende Baumartenzusammensetzung und Altersstruktur und die hierin und hiervon lebende Fauna soll geschützt werden.
· das freie Mäandrieren des unverbauten Talbaches als Voraussetzung für eine ökologisch hochwertige Talaue.
5. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern und Misthaufen nicht nach spätestens drei Monaten vollständig abzutragen; Brennholzstapel sollen während der Vogelbrutperiode (1.März bis 31. Juli) nicht abgetragen werden;
12. die Ufer der Stillgewässer und die Hochstauden, Schilfbestände und die Wiesen während der Aufwuchszeit (1. März bis 31. August) zu betreten;
14. das Gebiet außerhalb von Straßen und befestigten Wegen mit motorisierten Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühle, zu befahren;
15. Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen und Modellboote zu Wasser zu lassen;
18. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;
22. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland, bisher nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen oder Dauerbrache in Ackerland umzubrechen;
24. Düngemittel oder Klärschlamm auszubringen.
1.3 der Umbruch von Dauergrünland, bisher nicht landwirtschaftlich genutzter Flächen oder Dauerbrache nicht zulässig ist und die Mahd der Wiesen mit Trollblumenvorkommen nicht vor dem 20. Juni, der übrigen Wiesen nicht vor dem 1. Juni erfolgen darf;
1.4 Hecken, Gebüsche oder sonstige landschaftsprägenden Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen, (gelegentliches Auf-den-Stock-Setzen ist mit der Naturschutzverwaltung abzusprechen);
1.5 eine Düngung alle drei Jahre mit bis zu 50 kg Gesamtstickstoff/ha aus organischem Dünger (dies entspricht z.B. 10Odt Festmist Rinder) zulässig ist;
1.6 die Anwendung von Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie von Wirkstoffen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen und Tieren beeinflussen, nur an Obstbäumen zulässig ist;
2. die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität fortzusetzen, bestehende Fichtenaufforstungen im Talgrund sollen in standortheimische Mischwaldflächen umgewandelt werden; die Bewirtschaftung der betroffenen Waldflächen regelt eine von der Forstverwaltung geplante und mit der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege abzustimmende Schonwaldverordnung;
3. die Jagd mit der Maßgabe auszuüben, daß
3.1 neue Hochsitze nur im unbedingt notwendigen Umfang aus naturbelassenen Hölzern landschaftsgerecht errichtet werden dürfen. Abgängige oder nicht mehr genutzte Hochsitze sind zu entfernen;
3.2 neue Wildäcker, Futterstellen und Kirrungen (ausgenommen Rehwild‑Kirrungen) außerhalb des Waldes nur zulässig sind, wenn sie mit der höheren Naturschutzbehörde (Regierungspräsidium Tübingen) oder deren Beauftragten abgestimmt worden sind und sich auf ein Minimum beschränken;
3.3 Abschußpläne sich auch nach dem Schutzzweck des Naturschutzgebietes und den Bedürfnissen einer natürlichen Wiederverjüngung des Waldes richten sollen;
3.4 im Gebiet keine Hunde abgerichtet werden dürfen, ausgenommen Hunde der Jagdberechtigten zwischen dem 1. August und dem 15. März unter Wahrung eines Abstands von mindestens 200 m von Feuchtgebieten, und Jagdhunde in der Zeit vom 15. März bis 31. Juli ‑ außer bei der Nachsuche ‑ außerhalb des Waldes angeleint oder »bei Fuß« geführt werden müssen;
3.5 keine Tiere ausgesetzt werden dürfen;
3.6 das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei Bedarf und nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf, es sei denn, um zur Unterhaltung bestehender oder zur zulässigen Errichtung neuer Jagdeinrichtungen sperriges oder schweres Material zu befördern oder erlegte Tiere größeren Gewichts zu bergen;
4.1 Besatzmaßnahmen nur mit standortheimischen Fischarten erfolgen dürfen;
4.3 das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf;
5.1 keine neuen Entwässerungseinrichtungen angelegt oder vergleichbare Maßnahmen vorgenommen werden dürfen, die den Wasserhaushalt entgegen dem Schutzzweck verändern. Bestehende Entwässerungseinrichtungen oder ähnliche Anlagen dürfen weder erweitert noch intensiviert werden;
5.2 die Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen, Wegebau oder die Auffüllung von Bodenvertiefungen oder Senken, nicht zulässig ist;
5.3 Feldraine, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen; (gelegentliches Auf-den-Stock-Setzen ist mit der Naturschutzverwaltung abzusprechen);
5.4 die Verwendung von Düngemitteln nicht zulässig ist;
5.5 Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewendet werden dürfen;
6. die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen, Gewässer und Wege, sonstiger Ver‑ und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen fortzusetzen, wobei Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewendet werden dürfen;
7. Pflegemaßnahmen durchzuführen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile zugelassen oder angeordnet werden, insbesondere für die im Pflegeplan vorgesehenen Arbeiten, im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt;
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 1, 2, 4 bis 6 verbotenen Handlungen vornimmt.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 3 die Jagd
Die Verordnungen des Landratsamts Tübingen über die Landschaftsschutzgebiete 2.007 »Rammert« und 2.016 »Rauher Rammert« treten für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.
Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist (§ 2 Abs. 3) in Kraft.
TÜBINGEN, den 19. Dezember 1996

References: § 2
 § 64
 § 4
 § 5
 § 40
 § 4
 § 5