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Timestamp: 2020-06-04 04:19:20+00:00

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BAG, Urteil vom 22.10.2015, 8 AZR 168/14 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 22.10.2015, 8 AZR 168/14
Schlagworte: Diskriminierung, Arbeitszeit
Aktenzeichen: 8 AZR 168/14
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Herford, Urteil vom 18.06.2013 - 1 Ca 1445/12
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 30.01.2014 - 8 Sa 942/13
Dr. Win­ter und Dr. Rinck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Rei­ners und Soost für Recht er­kannt:
Die am 4. Ja­nu­ar 1964 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist seit 1990 bei der be­klag­ten Ge­werk­schaft bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te beschäftigt. Sie war zunächst in Voll­zeit­ar­beit tätig. Un­ter dem 26. Ju­li 2000 schlos­sen die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten und die Kläge­rin ei­nen Ände­rungs­ver­trag, der ua. den fol­gen­den In­halt hat:
(1) Die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit beträgt aus­sch­ließlich der Pau­sen
bis zum voll­ende­ten 40. Le­bens­jahr 38 St­un­den,
in ei­nem Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis ist ge­son­dert ge­re­gelt in der ab 1.1.2008 wirk­sa­men Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung ‚Ar­beits­zeit bei Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­sen‘.
(1) Das Ent­gelt ist mo­nat­lich be­mes­sen und bar­geld­los zu zah­len. Spätes­tens zum letz­ten Ar­beits­tag hat das Ent­gelt wert­ge­stellt zu sein.
4. Ja­nu­ar 2014 - hat sie sich für ei­ne tatsächli­che Her­ab­set­zung ih­rer Ar­beits-zeit ent­schie­den.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie für die Zeit von Ok­to­ber 2011 bis Mai 2013 ins­ge­samt 2.080,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus mo­nat­lich je­weils 104,00 Eu­ro seit dem je­wei­li­gen Letz­ten des je­wei­li­gen Mo­nats, be­gin­nend mit dem 31. Ok­to­ber 2011 und en­dend mit dem 31. Mai 2013 zu zah­len,
Sie die­ne dem Schutz „älter wer­den­der“ bzw. älte­rer Ar­beit­neh­mer durch suk­zes­si­ve Berück­sich­ti­gung ih­res erhöhten Ru­he- und Er­ho­lungs­bedürf­nis­ses. Es sei an­er­kannt, dass älte­re Beschäftig­te ein höhe­res Ru­he- und Er­ho­lungs­bedürf­nis hätten; dies wer­de auch durch Stu­di­en und Vor­ga­ben, ua. der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on be­legt. Da die in § 9 Abs. 1 AAB be­stimm­te Her­ab­set­zung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit un­ter Bei­be­hal­tung des bis­he­ri­gen Mo­nats­ent­gelts ei­ne Erhöhung des Ar­beits­ent­gelts pro Zeit­ein­heit be­wir­ke, müsse die Re­ge­lung aus Gründen der Gleich­be­hand­lung von Teil­zeit- und Voll­zeit­beschäftig­ten auch auf Teil­zeit­kräfte An­wen­dung fin­den.
lässt das ursprüng­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nicht ent­fal­len (vgl. zur st. Rspr. in ver­gleich­ba­ren Fällen: ua. BAG 25. März 2015 - 5 AZR 874/12 - Rn. 18; 12. Au­gust 2014 - 3 AZR 764/12 - Rn. 15; 12. De­zem­ber 2012 - 4 AZR 327/11 - Rn. 16; 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 580/10 - Rn. 20; vgl. auch BGH 6. No­vem­ber 2013 - VIII ZR 194/12 - Rn. 15; 28. Sep­tem­ber 2005 - IV ZR 82/04 - zu II 1 der Gründe, BGHZ 164, 181).
II. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zwar im Er­geb­nis zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass die in § 9 Abs. 1 AAB vor­ge­se­he­ne Her­ab­set­zung der re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit nach dem Le­bens­al­ter die je­weils jünge­ren Beschäftig­ten ge­genüber den je­weils älte­ren Beschäftig­ten un­mit­tel­bar we­gen des Al­ters be­nach­tei­ligt und dass für die­se Be­nach­tei­li­gung ei­ne Recht­fer­ti­gung nicht ge­ge­ben ist. Al­ler­dings folgt ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts der An­spruch der Kläge­rin nicht aus § 15 Abs. 1 iVm. §§ 1, 3 Abs. 1, § 7 Abs. 1 AGG, § 9 Abs. 1 AAB, son­dern aus § 4 Abs. 1 Tz­B­fG iVm. §§ 1, 3 Abs. 1, § 7 Abs. 1 und Abs. 2 AGG, § 9 Abs. 1 AAB.
42). Güns­ti­ge­re ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen ge­hen da­her den be­las­ten-den Re­ge­lun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor (BAG 5. März 2013 - 1 AZR 417/12 - Rn. 55 mwN; 26. Sep­tem­ber 2012 - 4 AZR 689/10 - Rn. 37; 6. No­vem­ber 2007 - 1 AZR 862/06 - Rn. 23, BA­GE 124, 323).
nicht die zusätz­li­che Möglich­keit ha­ben, sich für ei­ne An­he­bung des Ent­gelts un­ter Bei­be­hal­tung der ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit zu ent­schei­den, kann je­doch da­hin­ste­hen, denn tatsächlich wen­det die Be­klag­te § 9 Abs. 1 AAB auf Teil­zeit­beschäftig­te, mit de­nen - wie mit der Kläge­rin - kei­ne Teil­zeit­quo­te, son­dern ei­ne fes­te wöchent­li­che St­un­den­zahl ver­ein­bart ist, nicht ent­spre­chend an, son­dern räumt die­sen ei­ne Wahlmöglich­keit ein: Die­se Teil­zeit­beschäftig­ten können sich zwi­schen ei­ner an­tei­li­gen Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit un­ter Bei­be­hal­tung des bis­he­ri­gen Mo­nats­ent­gelts und ei­ner - in § 9 Abs. 1 AAB nicht vor­ge­se­he­nen - an­tei­li­gen Erhöhung des Ent­gelts un­ter Bei­be­hal­tung der ver­ein­bar­ten St­un­den­zahl ent­schei­den. Die­se Pra­xis der Be­klag­ten be­ruht nicht auf der in § 1 Abs. 2 AAB ge­trof­fe­nen Be­stim­mung, son­dern auf ei­ner tatsächli­chen - ggf. mit dem Ge­samt­be­triebs­rat ab­ge­stimm­ten - Vor­ge­hens­wei­se, die - wie die Be­klag­te selbst vorträgt - da­zu dient, die Teil­zeit­beschäftig­ten, mit de­nen ei­ne fes­te St­un­den­zahl ver­ein­bart ist, nicht we­gen der Teil­zeit­ar­beit ent­ge­gen § 4 Abs. 1 Satz 2 Tz­B­fG zu be­nach­tei­li­gen. Da­mit zeigt die tatsächli­che Hand­ha­bung der Be­klag­ten, dass die in § 9 Abs. 1 AAB ge­trof­fe­ne Re­ge­lung auf Teil­zeit­beschäftig­te, mit de­nen ei­ne fes­te wöchent­li­che Ar­beits­zeit ver­ein­bart ist, kei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung fin­det.
ge­recht­fer­tig­ten Be­nach­tei­li­gung we­gen der Teil­zeit­ar­beit (BAG 24. Sep­tem­ber 2008 - 6 AZR 657/07 - Rn. 34, BA­GE 128, 63; 25. Mai 2005 - 5 AZR 566/04 - zu I 1 a der Gründe, BA­GE 115, 12; 5. No­vem­ber 2003 - 5 AZR 8/03 - zu II 1 der Gründe).
ge­rin­ge­res Ar­beits­ent­gelt als die Voll­zeit­beschäftig­ten der Be­klag­ten. Die­se durch § 4 Abs. 1 Tz­B­fG un­ter­sag­te Un­gleich­be­hand­lung kann für Teil­zeit­beschäftig­te, mit de­nen ei­ne fes­te St­un­den­zahl ver­ein­bart ist, nur ver­mie­den wer­den, wenn ent­we­der de­ren Ar­beits­zeit un­ter Bei­be­hal­tung des bis­he­ri­gen Ar­beits­ent­gelts ent­spre­chend gekürzt wird oder wenn un­ter Bei­be­hal­tung der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit ein ent­spre­chend höhe­res Ar­beits­ent­gelt ge­zahlt wird. Letz­te­res be­gehrt die Kläge­rin.
28,5 St­un­den An­spruch auf ei­ne Ar­beits­vergütung in dem Um­fang, der dem An­teil ih­rer Ar­beits­zeit an der Ar­beits­zeit ei­nes ver­gleich­ba­ren voll­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers ent­spricht. Die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit ei­nes mit der Kläge­rin ver­gleich­ba­ren voll­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers, dh. ei­nes voll­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers der Be­klag­ten, des­sen re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit sich nach § 9 Abs. 1 AAB be­stimmt und der - wie die Kläge­rin - im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum be­reits das 40. Le­bens­jahr, je­doch noch nicht das 50. Le­bens­jahr voll­endet hat, beträgt je­doch 35 St­un­den. Dies folgt dar­aus, dass die in § 9 Abs. 1 AAB vor­ge­se­he­ne Staf­fe­lung der re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit nach dem Le­bens­al­ter die jünge­ren Beschäftig­ten ge­genüber den älte­ren Beschäftig­ten ent­ge­gen §§ 1, 3 Abs. 1, § 7 Abs. 1 AGG un­mit­tel­bar we­gen des Al­ters be­nach­tei­ligt und dass die­se un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung nicht nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt ist. Da­mit ha­ben die Voll­zeit­beschäftig­ten, die zwar das 40., al­ler­dings noch nicht das 50. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, An­spruch auf die­sel­ben Vor­tei­le, die den über 50-jähri­gen Voll­zeit­beschäftig­ten durch § 9 Abs. 1 AAB ein­geräumt wer­den. Sie können die An­pas­sung ih­rer Ar­beits­zeit „nach un­ten“ an die güns­ti­ge­re Ar­beits­zeit der Beschäftig­ten „ab dem voll­ende­ten 50. Le­bens­jahr“ ver­lan­gen, wes­halb sich ih­re re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit auf 35 statt auf 36,5 St­un­den beläuft. Da da­bei das mo­nat­li­che Ar­beits­ent­gelt un­verändert bleibt, be­wirkt dies im Er­geb­nis ei­ne An­pas­sung des Ar­beits­ent­gelts pro Ar­beits­stun­de „nach oben“.
Der Ge­setz­ge­ber hat die in § 1 AGG ge­re­gel­ten Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te in § 75 Abs. 1 Be­trVG über­nom­men. Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Be­triebs­an­gehöri­gen aus ei­nem in § 1 AGG ge­nann­ten Grund ist nur un­ter den im AGG nor­mier­ten Vor­aus­set­zun­gen zulässig (ausführ­lich BAG 9. De­zem­ber 2014 - 1 AZR 102/13 - Rn. 18 ff.).
denn, die be­tref­fen­den Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Be­stim­mun­gen in Ver­ein­ba­run­gen, die ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam.
(3) Die un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters, die die jünge­ren Voll­zeit­beschäftig­ten ge­genüber den älte­ren Voll­zeit­beschäftig­ten nach § 9 Abs. 1 AAB er­fah­ren, ist nicht nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt.
die mit der Beschäfti­gungs­po­li­tik, dem Ar­beits­markt und der be­ruf­li­chen Bil­dung im Zu­sam­men­hang ste­hen, und da­mit nur rechtmäßige Zie­le aus dem Be­reich „So­zi­al­po­li­tik“ (vgl. EuGH 13. Sep­tem­ber 2011 - C-447/09 - [Prig­ge ua.] Rn. 81, aaO; da­zu auch BAG 23. Ju­li 2015 - 6 AZR 457/14 - Rn. 36; 19. De­zem­ber 2013 - 6 AZR 790/12 - Rn. 26 mwN, BA­GE 147, 89). Zie­le, die als le­gi­tim iSd. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG an­ge­se­hen wer­den können, ste­hen als „so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le“ im All­ge­mein­in­ter­es­se. Da­durch un­ter­schei­den sie sich von Zie­len, die im Ei­gen­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers lie­gen, wie Kos­ten­re­du­zie­rung und Ver­bes­se­rung der Wett­be­werbsfähig­keit. Da­bei ist es zwar nicht aus­ge­schlos­sen, dass ei­ne na­tio­na­le Vor­schrift den Ar­beit­ge­bern bei der Ver­fol­gung der so­zi­al­po­li­ti­schen Zie­le ei­nen ge­wis­sen Grad an Fle­xi­bi­lität einräumt (EuGH 21. Ju­li 2011 - C-159/10, C-160/10 - [Fuchs und Köhler] Rn. 52, Slg. 2011, I-6919; 5. März 2009 - C-388/07 - [Age Con­cern Eng­land] Rn. 46, Slg. 2009, I-1569). Ein un­abhängig von All­ge­mein­in­ter­es­sen ver­folg­tes Ziel ei­nes Ar­beit­ge­bers kann ei­ne Un­gleich­be­hand­lung je­doch nicht recht­fer­ti­gen (vgl. BAG 23. Ju­li 2015 - 6 AZR 457/14 - aaO).
b der Richt­li­nie 2000/78/EG übe­rein, wes­halb sie mit den Er­for­der­nis­sen des Uni­ons­rechts ver­ein­bar sind (vgl. et­wa EuGH 16. Ok­to­ber 2007 - C-411/05 - [Pa­la­ci­os de la Vil­la] Rn. 52, Slg. 2007, I-8531; vgl. auch BAG 18. März 2014 - 3 AZR 69/12 - Rn. 21, BA­GE 147, 279; 25. Fe­bru­ar 2010 - 6 AZR 911/08 - Rn. 35, aaO; 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - aaO).
an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind (vgl. EuGH 21. Ju­li 2011 - C-159/10, C-160/10 - [Fuchs und Köhler] Rn. 83, Slg. 2011, I-6919).
(aa) Die Be­klag­te hat zur Recht­fer­ti­gung der al­ters­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung vor­ge­bracht, die in § 9 Abs. 1 AAB be­stimm­te Her­ab­set­zung der Ar­beits­zeit die­ne - wie auch die in der Pro­to­koll­no­tiz zu Ab­satz 1 nie­der­ge­leg­te Re­ge­lung zei­ge - dem Schutz „älter wer­den­der“ bzw. älte­rer Ar­beit­neh­mer durch suk­zes­si­ve Berück­sich­ti­gung ih­res erhöhten Ru­he- und Er­ho­lungs­bedürf­nis­ses. Es sei an­er­kannt, dass älte­re Beschäftig­te ein höhe­res Ru­he- und Er­ho­lungs­bedürf­nis hätten; dies wer­de auch durch Stu­di­en und Vor­ga­ben, ua. der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on be­legt.
all­ge­mei­ne Fra­gen der Dis­kri­mi­nie­rungs­wahr­schein­lich­keit und des Dis­kri­mi­nie­rungs­schut­zes.
Die Be­klag­te hat letzt­lich auch kei­nen Vor­trag ge­leis­tet, der das Ge­richt in die La­ge ver­set­zen würde, die in § 9 Abs. 1 AAB be­stimm­te Her­ab­set­zung der re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit um je­weils 1,5 St­un­den dar­auf­hin zu über­prüfen, ob sie zur Ziel­er­rei­chung ge­eig­net und er­for­der­lich ist. Auch un­ter Berück­sich­ti­gung ei­nes den Be­triebs­par­tei­en zu­ste­hen­den Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spiel­raums und ih­rer Be­fug­nis zur Ge­ne­ra­li­sie­rung, Ty­pi­sie­rung und Pau­scha­lie­rung hätte die Be­klag­te zu­min­dest vor­tra­gen und be­le­gen müssen, dass die in § 9 Abs. 1 AAB vor­ge­se­he­ne Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung ih­rem „We­sen nach“ (vgl. EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-476/11 - [HK Dan­mark] Rn. 66) tatsächlich ge­eig­net ist, den von ihr an­ge­nom­me­nen Man­gel der Beschäftig­ten an Er­ho­lung und Ru­he aus­zu­glei­chen oder die­sem De­fi­zit zu­min­dest sub­stan­ti­ell zu be­geg­nen. Auch hier­an fehlt es.
Abs. 1 AAB ge­re­gel­te Stu­fe „ab dem voll­ende­ten 50. Le­bens­al­ter“. Die re­gel-mäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit der von die­ser Re­ge­lung er­fass­ten voll­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer/in­nen der Be­klag­ten beträgt dem­nach be­reits ab der Voll­endung des 40. Le­bens­jah­res 35 St­un­den, und dies un­ter (Fort)Zah­lung des bei ei­ner re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 38 St­un­den ge­schul­de­ten Mo­nats­ent­gelts.
3. Die Kläge­rin muss­te ih­ren An­spruch auf ei­ne höhe­re Vergütung nicht im Rah­men der Aus­schluss­frist des § 15 Abs. 4 AGG gel­tend ma­chen. Die­se Be­stim­mung fin­det be­reits nach ih­rem Wort­laut nur auf Ansprüche nach § 15 Abs. 1 und Abs. 2 AGG, dh. nur auf Scha­dens­er­satz- und Entschädi­gungs­an-
sprüche und da­mit nicht auf die auf § 4 Abs. 1 Tz­B­fG gestütz­ten Ansprüche auf „An­pas­sung nach oben“ An­wen­dung.
D. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 2 ZPO.
N. Rei­ners
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References: § 9
 BGH 
 § 9
 § 15
 § 7
 § 9
 § 4
 § 7
 § 9
 § 9
 § 9
 § 1
 § 4
 § 9
 § 4
 § 9
 § 9
 § 7
 § 10
 § 9
 § 1
 § 75
 § 1
 § 7
 § 7
 § 9
 § 10
 EuGH 
 Art. 6
 EuGH 
 EuGH 
 § 9
 § 9
 § 9
 EuGH 
 § 15
 § 15
 § 4
 § 92