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Timestamp: 2017-08-19 22:20:42+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 13 Sa 650/10
Schlag­worte: Kurzarbeit
Akten­zeichen: 13 Sa 650/10
Ent­scheid­ungs­datum: 09.07.2010
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 3.12.2009, 13 Ca 16373/09
am 9. Ju­li 2010
13 Ca 16373/09
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 13. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 9. Ju­li 2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. F. als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sch. und N.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 3. De­zem­ber 2009 - 13 Ca 16373/09 - wird auf sei­ne Kos­ten bei un­veränder­tem Streit­wert zurück­ge­wie­sen.
F. W. Sch. N.
Der Kläger ver­langt von der Be­klag­ten Ent­gelt aus An­nah­me­ver­zug für ei­nen Zeit­raum, in dem Kurz­ar­beit ge­leis­tet wur­de, so­wie un­ge­min­der­tes Ent­gelt für ei­nen wei­te­ren Zeit­raum, in dem die Be­klag­te So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben nachträglich zu Las­ten des Klägers ab­ge­rech­net und von sei­nem Brut­to­lohn ab­ge­zo­gen hat.
Der Kläger ist seit dem 01. Ju­ni 2007 bei der Be­klag­ten als Ver­triebs­mit­ar­bei­ter für ei­nen Brut­to­lohn von 2.300,00 EUR pro Mo­nat auf Grund­la­ge des Ar­beits­ver­tra­ges vom 23. Mai 2007 beschäftigt (vgl. zum In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges die Ko­pie Bl. 4 bis 6 d. A.). Er wur­de zunächst in der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung geführt, da er ei­ne dem­ent­spre­chen­de Be­schei­ni­gung der D. vor­leg­te (vgl. die An­la­ge B 2 zum Schrift­satz vom 01.12.2009 der Be­klag­ten, Bl. 46 d. A.), die Be­klag­te über­wies an ihn den hälf­ti­gen An­teil des von ihm an­ge­ge­be­nen Bei­trags und führ­te den Kläger nicht in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung. Mit Schrei­ben vom 14. Fe­bru­ar 2008 kündig­te die Be­klag­te dem Kläger un­ter der Über­schrift „Rückführung ih­rer Pri­va­ten­kran­ken­ver­si­che­rung we­gen Nicht­vor­la­ge der Be­frei­ung von der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung hier: Ih­re heu­ti­ge Mit­tei­lung, dass das Schrei­ben zur Be­frei­ung von der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­se nicht exis­tiert“ an, dass sie ihn in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung an­mel­den wer­de, die Ge­halts­ab­rech­nun­gen ab Ju­ni 2007 neu be­rech­net würden, der 50 %ige An­teil für die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung in Höhe von 1.260,69 EUR ab Ju­ni 2007 zurück­ge­for­dert und der Zu­schuss bei der Ge­haltsüber­wei­sung Ja­nu­ar 2008 ab­ge­zo­gen wer­den würde (vgl. das Schrei­ben vom 14.02.2008, An­la­ge B 3 zum Schrift­satz vom 01.12.2009 der Be­klag­ten, Bl. 47 d. A.).
So ge­schah es: Der Kläger wur­de rück­wir­kend bei der T. an­ge­mel­det, die Abzüge ab Ju­ni 2007 wur­den neu be­rech­net und die sich dar­aus er­ge­ben­den Beträge eben­so wie die Zuschüsse zur pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung bei der Ab­rech­nung für Ja­nu­ar 2008 ab­ge­zo­gen. Dar­aus er­gab sich ein ne­ga­ti­ver Be­trag von 1.006,85 EUR net­to (vgl. die Ab­rech­nung für Ja­nu­ar 2008 in Ko­pie Bl. 7 d. A.). Die­sen Be­trag über­wies der Kläger im An­schluss an die Ab­rech­nung an die Be­klag­te.
Ab Fe­bru­ar 2009 gab es Kurz­ar­beit im Be­trieb der Be­klag­ten. Da­zu exis­tiert ein Schriftstück vom 26. Ja­nu­ar 2009 mit der Über­schrift
„Ver­ein­ba­rung zur Einführung von Kurz­ar­beit im Un­ter­neh­men F. G. GmbH mit Wir­kung vom 01.02.2009 bis 07/2009 (ers­ter An­trag)“,
„Hier­mit tref­fen die F. G. GmbH, ver­tre­ten durch den Geschäftsführer Herrn F. S., und fol­gen­de Mit­ar­bei­ter, als Ar­beit­neh­mer
fol­gen­de Ver­ein­ba­rung:
Mit Wir­kung vom 01.02.2009 wird im Un­ter­neh­men F. G. GmbH Kurz­ar­beit auf Grund von Auf­trags­man­gel in­fol­ge wirt­schaft­li­cher Ur­sa­chen ein­geführt.
Die / der Ar­beit­neh­mer wur­de von Herrn S. darüber in Kennt­nis ge­setzt, dass die Kurz­ar­beit ab 01.02.009 im Un­ter­neh­men be­ginnt und die / den Ar­beit­neh­mer be­trifft, d. h. sie / er kurz­ar­bei­ten wird.
Die Höhe der Kurz­ar­beit wird in­di­vi­du­ell nach Auf­trags­la­ge fest­ge­legt, beträgt je­doch min­des­tens 10 Pro­zent des mo­nat­li­chen Brut­to­ar­beits­ent­gelts.
Die / der Ar­beit­neh­mer wur­de darüber un­ter­rich­tet, dass die ma­xi­ma­le Be­zugs­zeit von Kurz­ar­bei­ter­geld den Mo­nat 08/2010 (18 Mo­na­te) um­fasst, der ers­te An­trag bis zum Au­gust 2009 ge­stellt wird und bei Be­darf verlängert wer­den kann und das das Un­ter­neh­men al­les dar­an setzt, um die Kurz­ar­beit so früh wie möglich zu be­en­den.
Die Ab­rech­nung der Bezüge während der Kurz­ar­beit wird nach den ge­setz­li­chen Er­for­der­nis­sen im Un­ter­neh­men er­fol­gen und auf der je­wei­li­gen Lohn- und Ge­halts­ab­rech­nung dar­ge­stellt.“
Die­ses Schriftstück ist auf der ers­ten Sei­te von der Be­klag­ten, auf der zwei­ten Sei­te von 22 Ar­beit­neh­mern, dar­un­ter dem Kläger, un­ter­schrie­ben wor­den. Ab Fe­bru­ar 2009 bis Ju­li 2009 wur­de Kurz­ar­beit ge­leis­tet und ent­spre­chend ab­ge­rech­net (vgl. die Ab­rech­nun­gen Bl. 9 bis 13 d. A. in Ko­pie).
Anläss­lich ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin zum Ak­ten­zei­chen 11 Ca 15431/09 bzw. nun­mehr Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-
Bran­den­burg Ak­ten­zei­chen 5 Sa 779/10 hat der Kläger am 07. Sep­tem­ber 2009 Kla­ge auf Zah­lung ge­gen die Be­klag­te in Höhe von 13.800,00 EUR (6 x 2.300,00 EUR für die Mo­na­te Fe­bru­ar bis ein­sch­ließlich Ju­li 2009) brut­to abzüglich 5.788,56 EUR brut­to Kurz­ar­bei­ter­geld so­wie in Höhe von 2.798,31 EUR net­to (1.791,46 EUR net­to aus der Ab­rech­nung für Ja­nu­ar 2008 und die ge­nann­ten 1.006,85 EUR aus der Ab­rech­nung von Ja­nu­ar 2008) er­ho­ben.
Der Kläger meint, dass die Ver­rech­nung mit den ab­geführ­ten So­zi­al-ver­si­che­rungs­beiträgen und Zurück­for­de­run­gen der Zuschüsse und die da­durch ver­ur­sach­te Über­wei­sung durch den Kläger un­zulässig ge­we­sen sei­en. Die Be­klag­te hätte die Pfändungs­frei­gren­zen ein­hal­ten müssen.
Die Kurz­ar­beit sei schon we­gen der ein­sei­ti­gen An­ord­nung un­wirk­sam, die Un­ter­schrift des Klägers stel­le nur ei­ne Kennt­nis­nah­me dar. Im Übri­gen sei die Ab­re­de in­trans­pa­rent und un­an­ge­mes­sen im Sin­ne von § 307 BGB.
Die Be­klag­te hält ihr Vor­ge­hen für ge­set­zes­treu, da nicht sie, son­dern der Kläger durch sei­ne fal­schen An­ga­ben zur an­geb­lich be­ste­hen­den Pri­vat­kran­ken­ver­si­che­rung die zunächst fal­sche Ab­rech­nung ver­ur­sacht ha­be, wes­we­gen sie gemäß § 28 g Satz 3 und Satz 4 SGB IV die Abzüge auch später hätte vor­neh­men dürfen.
Die Kurz­ar­beit sei nicht ein­sei­tig an­ge­ord­net, son­dern im We­ge des Ver­tra­ges mit dem Kläger ver­ein­bart wor­den. Die­se Ab­re­de sei we­der in­trans­pa­rent noch un­an­ge­mes­sen.
Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen, da der Kläger das An­ge­bot der Be­klag­ten auf Tätig­keit im Rah­men der Kurz­ar­beit zu­min­dest kon­klu­dent an­ge­nom­men ha­be, da er oh­ne Pro­test in Kurz­ar­beit tätig ge­wor­den sei. So­weit der Kläger die Rück­zah­lung von 1.006,85 EUR net­to for­de­re, sei die Kla­ge un­be­gründet, da er die Zah­lung in Kennt­nis da­von ge­leis­tet ha­be, dass in­so­weit kei­ne Ver­pflich­tung zur Zah­lung be­stan­den ha­be. Im Übri­gen sei er hin­sicht­lich der ge­leis­te­ten Zuschüsse der Ar­beit­ge­be­rin zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung des Klägers un­ge­recht­fer­tigt be­rei­chert ge­we­sen. Sch­ließlich sei der An­spruch auf Zah­lung des Net­to­loh­nes für Ja­nu­ar 2008 in Höhe von 1.791,46 EUR
ver­wirkt, oh­ne dass es auf die Be­rech­ti­gung der Be­klag­ten zur Auf­rech­nung im Rah­men des SGB IV und un­ter Berück­sich­ti­gung der Pfändungs­frei­gren­zen ankäme.
We­gen der wei­te­ren kon­kre­ten Be­gründung des Ar­beits­ge­richts und des Vor­trags der Par­tei­en in der ers­ten In­stanz wird auf das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 03. De­zem­ber 2009 (Bl. 49 bis 54 d. A.) ver­wie­sen.
Ge­gen die­ses Ur­teil rich­tet sich die zulässi­ge Be­ru­fung des Klägers, der sei­ne erst­in­stanz­li­chen Einwände ge­gen die Ar­gu­men­ta­ti­on des Ar­beits­ge­richts wie­der­holt und ver­tieft un­ter kon­kre­ter Aus­ein­an­der­set­zung mit dem erst­in­stanz­li­chen Ur­teil.
un­ter Abände­rung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 8.010,53 EUR brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über Ba­sis­zins­satz seit dem 01. Sep­tem­ber 2009 so­wie 2.798,31 EUR net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über Ba­sis­zins­satz seit dem 28. Fe­bru­ar 2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil un­ter Ver­tie­fung ih­rer erst­in­stanz­li­chen Ar­gu­men­ta­ti­on.
We­gen des kon­kre­ten Vor­trags in der zwei­ten In­stanz wird auf die Schriftsätze des Klägers vom 25. Mai 2010 (Bl. 75 ff. d. A.) und der Be­klag­ten vom 01. Ju­li 2010 (Bl. 90 ff. d. A.) ver­wie­sen.
Die gemäß §§ 8 Abs. 2; 64 Abs. 1, Abs. 2 b, Abs. 6; 66 Abs. 1 Satz 1 und Satz 5 ArbGG; §§ 519; 520 Abs. 1 und Abs. 3 ZPO zulässi­ge Be­ru­fung ist ins­be­son­de­re form­ge­recht und frist­gemäß ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
In der Sa­che hat die Be­ru­fung je­doch kei­nen Er­folg. Im Er­geb­nis zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin die Kla­ge ab­ge­wie­sen:
1. Der Kläger hat kei­nen An­spruch aus An­nah­me­ver­zug, da ei­ne wirk­sa­me ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über Kurz­ar­beit vor­liegt.
Ein An­spruch auf An­nah­me­ver­zug entfällt, wenn die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en wirk­sam Kurz­ar­beit ver­ein­bart ha­ben (BAG 11.07.1990 AP BGB § 615 Be­triebs­ri­si­ko Nr. 32; ErfK/Preis, 10. Aufl. 2010, § 611 BGB Rz. 662).
Ei­ne sol­che Ab­re­de ist von den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en durch den Ver­trag vom 26. Ja­nu­ar 2009 ge­trof­fen wor­den. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist dies kei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung, son­dern ei­ne „Ver­ein­ba­rung zur Einführung von Kurz­ar­beit im Un­ter­neh­men“, die zwi­schen der Be­klag­ten und „fol­gen­den Mit­ar­bei­tern als Ar­beit­neh­mern“ „… 9. F. L.“ ge­schlos­sen wur­de.
Die­se Ver­ein­ba­rung ist nicht in­trans­pa­rent im Sin­ne von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB und so­mit auch nicht un­wirk­sam. Aus der Ver­ein­ba­rung er­gibt sich „klar und verständ­lich“ im Sin­ne von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, war­um die Kurz­ar­beit ein­geführt wird („auf­grund von Auf­trags­man­gel in­fol­ge wirt­schaft­li­cher Ur­sa­chen“), ab wann sie be­ginnt und wann sie en­det („mit Wir­kung ab 01.02.2009 bis 07/2009“), wel­che Ar­beit­neh­mer da­von be­trof­fen sind (al­le an­geführ­ten 22 Ar­beit­neh­mer) und dass die Höhe der
Kurz­ar­beit in­di­vi­du­ell nach Auf­trags­la­ge fest­ge­setzt wird, je­doch min­des­tens 10 % des mo­nat­li­chen Brut­to­ent­gelts be­trifft.
Die Ver­ein­ba­rung be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer auch nicht un­an­ge­mes­sen. Sie ist ge­ra­de mit „we­sent­li­chen Grundsätzen der ge­setz­li­chen Re­ge­lung“ im Sin­ne von § 307 Abs. 2 BGB zu ver­ein­ba­ren, da vor­lie­gend nicht ein­sei­tig das Ent­gelt oh­ne ent­spre­chen­de Kom­pen­sa­ti­on ge­senkt wird, son­dern der Kläger da­ne­ben Kurz­ar­bei­ter­geld erhält. Die­se Ver­ein­ba­rung ent­spricht dem ge­setz­li­chen Leit­bild der §§ 178 ff. SGB III über die Kurz­ar­beit.
End­lich verstößt die Ver­ein­ba­rung auch nicht ge­gen un­ab­ding­ba­res Kündi­gungs­schutz­recht (vgl. da­zu un­ter an­de­rem BAG 18.10.1994 EzA § 615 BGB Kurz­ar­beit Nr. 2), da vor­lie­gend nicht ein­sei­tig Kurz­ar­beit an­ge­ord­net wor­den ist oder wie im zi­tier­ten Fall dem Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig die Möglich­keit der An­ord­nung von Kurz­ar­beit ge­stat­tet („die Einführung von Kurz­ar­beit ist zulässig“), son­dern ent­spre­chend dem ge­setz­li­chen Leit­bild der Kurz­ar­beit ei­ne ver­trag­li­che Ab­re­de zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ge­schlos­sen wor­den ist.
2. Der Kläger hat auch kei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung der von ihm an die Be­klag­te ge­zahl­ten 1.006,85 EUR net­to. Der An­spruch aus § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB ist nicht ge­ge­ben, da ein Rechts­grund für die Zah­lung des Klägers vor­liegt.
Denn der Kläger hat sich mit der Be­klag­ten über die­se Zah­lung ge­ei­nigt. Die Be­klag­te hat in dem Schrei­ben vom 14. Fe­bru­ar 2008 we­gen der Rückführung sei­ner Pri­vat­kran­ken­ver­si­che­rung in die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung dem Kläger un­ter Dar­stel­lung der dar­aus fol­gen­den Kon­se­quen­zen ein An­ge­bot über die Rück­ab­wick­lung der fal­schen Pri­vat­kran­ken­ver­si­che­rung in die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung ge­macht, wel­ches die­ser durch sei­ne Zah­lung an die Be­klag­te an­ge­nom­men hat.
Die­se Ver­ein­ba­rung ist auch nicht nich­tig gemäß § 134 BGB in Ver­bin­dung mit § 28 g SGB IV. Denn der Ar­beit­ge­ber darf gemäß § 28 g Satz 4 SGB IV ei­nen Ab­zug auch nach den auf die ei­gent­li­che zeit­lich rich­ti­ge Ab­rech­nung fol­gen­den drei Lohn- oder Ge­halts­zah­lun­gen gel­tend ma­chen, wenn der Beschäftig­te sei­nen Pflich­ten nach § 28 o Abs. 1 SGB IV vorsätz­lich oder grob fahrlässig nicht nach­ge­kom­men ist.
So liegt es hier: Der Kläger hat zu­min­dest grob fahrlässig der Be­klag­ten durch die Vor­la­ge sei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­la­gen sug­ge­riert, dass er von der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht be­freit sei und erst auf Nach­fra­ge der Be­klag­ten zu­ge­ben müssen, dass er ei­ne Be­frei­ungs­erklärung nicht vor­le­gen könne.
Die Auf­rech­nungs­ver­ein­ba­rung verstößt auch nicht ge­gen das Auf­rech­nungs­ver­bot der §§ 394 BGB; 850 ff. ZPO. Zwar gilt § 394 ZPO auch für die Auf­rech­nungs­ver­ein­ba­rung (BGH 25.02.1999 – IX ZR 353/98 – NJW 1999, 3264 ff.). Wird die­se je­doch nach Fällig­keit der unpfänd­ba­ren For­de­rung ge­schlos­sen, ist dies zulässig (BAG 18.08.1976 – 5 AZR 95/75 – EzA § 613 a BGB Nr. 7, zu 4. der Gründe m.w.N.).
So liegt es hier: Die Auf­rech­nungs­ver­ein­ba­rung ist kon­klu­dent durch die Zah­lung der ne­ga­tiv aus­ge­wie­se­nen 1.006,85 EUR an die Be­klag­te ge­schlos­sen wor­den. Dies lag nach dem Zeit­punkt der Fällig­keit der For­de­rung für Ja­nu­ar 2008, nach § 2 letz­ter Ab­satz Satz 2 des Ar­beits­ver­tra­ges bis zum 10. Ka­len­der­tag des Fol­ge­mo­nats, al­so am 10.02.2008. Da die Ab­rech­nung erst am 15.02.2008 er­stellt wur­de, ist die sich dar­aus für den Kläger re­sul­tie­ren­de Zah­lungshöhe frühes­tens erst ab die­sem Tag be­kannt ge­we­sen, die Über­wei­sung durch den Kläger ist dem­ent­spre­chend noch später vor­ge­nom­men wor­den.
Es kommt da­her nicht ein­mal dar­auf an, ob die For­de­rung des Klägers nicht auch ver­wirkt ist nach Treu und Glau­ben, da der Kläger sie erst 17 Mo­na­te nach der Auf­rech­nungs­ver­ein­ba­rung und de­ren Erfüllung er­ho­ben
hat, oder ob die §§ 28 g; 28 o SGB IV der Vor­schrift des § 394 BGB vor­ge­hen.
3. Aus den Ausführun­gen un­ter II. 2 a bis c er­gibt sich end­lich, dass we­gen der zulässi­gen Auf­rech­nungs­ver­ein­ba­rung der Kläger auch kei­nen An­spruch auf Zah­lung sei­nes Net­to­ent­gelts für Ja­nu­ar 2008 in Höhe von 1.791,46 EUR gemäß § 611 Abs. 1 BGB hat.
Der Kläger trägt da­her die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Be­ru­fung gemäß § 97 Abs. 1 ZPO.
Für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­stand kein An­lass.
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References: § 307
 § 28
 § 615
 § 611
 § 307
 § 307
 § 307
 § 615
 § 812
 § 134
 § 28
 § 28
 § 28
 § 394
 § 613
 § 2
 § 394
 § 611
 § 97