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Timestamp: 2018-03-22 19:45:27+00:00

Document:
Schlag­worte: Befristung: Schriftform, Befristung: Vorabarbeitsverhältnis
Akten­zeichen: 4 Sa 1287/14
Ent­scheid­ungs­datum: 23.09.2015
1.Ein auf­grund for­mun­wirk­sa­mer Be­fris­tung un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis kann nachträglich be­fris­tet wer­den, wenn ein sach­li­cher Grund be­steht.
2.Ein for­mun­wirk­sam be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis wird nicht durch tatsächli­che Ar­beits­auf­nah­me be­gründet (hier: Teil­nah­me ei­ner Leh­re­rin an der ein­lei­ten­den Schul­jah­res­kon­fe­renz), wenn sich der Ar­beit­ge­ber aus Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven Erklärungs­empfängers erst mit Un­ter­zeich­nung des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges bin­den will.
3.Un­ter­zeich­nen die Ver­trags­par­tei­en nach Be­gründung ei­nes for­mun­wirk­sam be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses formgültig ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag, ist re­gelmäßig von ei­nem auf die Gel­tung der Be­fris­tung ge­rich­te­ten rechts­geschäft­li­chen Wil­len aus­zu­ge­hen. Dies gilt auch dann, wenn die schrift­li­che Re­ge­lung le­dig­lich das zu­vor münd­lich Ver­ein­bar­te wie­der­holt. Ob die Par­tei­en das et­wai­ge Be­ste­hen ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges be­dacht ha­ben, ist im Übri­gen un­er­heb­lich (Ab­gren­zung zu BAG 16.04.2008 - 7 AZR 1048/06).
12 Ca 5365/14
ArbG Düssel­dorf
Ent­schei­dung vom 23.09.2015
Auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 17.11.2014 - 12 Ca 5365/14 - ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung.
Die Kläge­rin war vom 17.02.2011 bis zum 29.08.2013 auf­grund von sie­ben be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen für das be­klag­te Land als an­ge­stell­te Lehr­kraft oh­ne zwei­tes Staats­ex­amen zur Aus­hil­fe in Teil­zeit beschäftigt. Sie be­zog zu­letzt ein Brut­to­mo­nats­ge­halt von 3.883,34 €.
Am 06.08.2013 über­sand­te die zuständi­ge Be­zirks­re­gie­rung Düssel­dorf ei­nen wei­te­ren, ar­beit­ge­ber­sei­tig un­ter­zeich­ne­ten Ar­beits­ver­trag für die Kläge­rin (Bl. 81-83) an den Schul­lei­ter der beschäfti­gen­den Schu­le, den Zeu­gen E.. In § 1 des Ar­beits­ver­tra­ges heißt es, die Kläge­rin wer­de vom 30.08.2013, frühes­tens ab dem Tag der Ar­beits­auf­nah­me, bis zum 19.08.2014 als teil­zeit­beschäftig­te Lehr­kraft zur Aus­hil­fe mit 25,5 Un­ter­richts­stun­den die Wo­che ein­ge­stellt. Die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges sei sach­lich ge­recht­fer­tigt gem. § 21 Abs. 1 BEEG we­gen der El­tern­zeit der Lehr­kraft T.. Nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten bat der Zeu­ge E. die Kläge­rin per E-Mail, zur Un­ter­zeich­nung des Ver­tra­ges in der Schu­le zu er­schei­nen. Dies er­folg­te zunächst nicht. Die Kläge­rin nahm an der ein­lei­ten­den Schul­jah­res­kon­fe­renz am 02.09.2013 teil. Sie un­ter­zeich­ne­te den Ver­trag auch an die­sem Tag nicht. Hierüber ver­hielt sich ein Mail-Wech­sel zwi­schen ihr und dem Zeu­gen E. (Bl. 60, 85 d. A.). Die Kläge­rin un­ter­zeich­ne­te den Ar­beits­ver­trag am 05.09.2013 vor Auf­nah­me ih­rer ers­ten Un­ter­richtstätig­keit in die­sem Schul­jahr.
Mit ih­rer am 04.09.2014 beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge macht sie gel­tend, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund Be­fris­tung am 19.08.2014 ge­en­det ha­be. Sie rügt ins­be­son­de­re die For­mun­wirk­sam­keit der Be­fris­tung. Es sei be­reits mit ih­rer Teil­nah­me an der ein­lei­ten­den Schul­jah­res­kon­fe­renz ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zu­stan­de ge­kom­men. Die nach­fol­gen­de Un­ter­zeich­nung des be­fris­te­ten Ver­tra­ges wan­de­le das be­reits be­ste­hen­de un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nicht in ein be­fris­te­tes um. Hierfür feh­le es an ei­nem dar­auf ge­rich­te­ten rechts­geschäft­li­chen Wil­len der Ver­trags­par­tei­en.
Dem­ge­genüber hat das be­klag­te Land die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Ver­trags­schluss vom 05.09.2013 be­gründe ein wirk­sam be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis. Der Schul­lei­ter E. ha­be die Kläge­rin im Au­gust 2013 per E-Mail auf­ge­for­dert, zur Un­ter­zeich­nung des Ar­beits­ver­tra­ges in die Schu­le zu kom­men. Hier­zu legt das Land ein Gedächt­nis­pro­to­koll des Schul­lei­ters vom 03.10.2014 vor (Bl. 59 d.A.). Al­len Be­tei­lig­ten sei be­wusst ge­we­sen, dass vor Un­ter­zeich­nung ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges ein Ar­beits­verhält­nis nicht be­gründet wer­den könne. Dies ge­he auch aus ei­nem Mail-Wech­sel zwi­schen der Kläge­rin und dem Schul­lei­ter vom 03.09.2013 her­vor (Bl. 60, 85 d.A.). Die Teil­nah­me an der Leh­rer­kon­fe­renz sei ei­ner­seits kei­ne Ar­beits­auf­nah­me und an­de­rer­seits vor dem Hin­ter­grund des bei­den Sei­ten be­wuss­ten Schrift­lich­keits­er­for­der­nis­ses un­er­heb­lich. Sch­ließlich feh­le dem Schul­lei­ter, der die Kläge­rin an der Kon­fe­renz ha­be teil­neh­men las­sen, die er­for­der­li­che Ver­tre­tungs­be­fug­nis für das be­klag­te Land.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 17.11.2014, auf des­sen Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­gründe Be­zug ge­nom­men wird, an­trags­gemäß
fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der im Ar­beits­ver­trag vom 05.09.2013 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 19.08.2014 be­en­det wor­den ist.
Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, mit der Kon­fe­renz­teil­nah­me der Kläge­rin am 02.09.2013 sei ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­gründet wor­den. Es lie­ge kein Fall vor, in dem die An­nah­me des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges nur schrift­lich er­fol­gen könne. Hierfür hätte es der Über­sen­dung ei­nes vom Ar­beit­ge­ber be­reits un­ter­zeich­ne­ten Ver­trags­for­mu­lars an die Kläge­rin mit der Bit­te um Un­ter­zeich­nung vor dem münd­li­chen Ver­trags­schluss be­durft. Das Ar­beits­verhält­nis sei auch nicht nachträglich durch Un­ter­zeich­nung des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges wirk­sam be­fris­tet wor­den. Hierfür wäre es er­for­der­lich ge­we­sen, dass die Ver­trags­par­tei­en bei ih­rem münd­li­chen Ver­trags­schluss kei­ne oder ei­ne an­der­wei­ti­ge Be­fris­tungs­ab­re­de ver­ein­bart hätten, die mit dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag rechts­ge­stal­tend hätte ab­geändert wer­den sol­len. Dies sei nicht der Fall.
Ge­gen das ihm am 16.12.2014 zu­ge­stell­te Ur­teil hat das be­klag­te Land am 22.12.2014 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se - nach Verlänge­rung der Frist bis zum 16.03.2015 - am 16.03.2015 be­gründet. Es macht wei­ter­hin gel­tend, dass der Kläge­rin - schon auf­grund der vor­an­ge­gan­ge­nen Be­fris­tungs­ver­ein­ba­run­gen - be­wusst ge­we­sen sei, dass das Ar­beits­verhält­nis nur nach vor­he­ri­ger bei­der­sei­ti­ger Un­ter­zeich­nung des Ar­beits­ver­tra­ges wirk­sam be­gründet wer­den könne. Dass die Kläge­rin oh­ne Un­ter­zeich­nung an der Kon­fe­renz teil­ge­nom­men hat, könne nicht als "Ar­beits­auf­nah­me" in Be­zug auf die münd­lich ge­schlos­se­ne Be­fris­tungs­ab­re­de ge­wer­tet wer­den. Im Übri­gen sei der Schul­lei­ter nicht ver­tre­tungs­be­rech­tigt ge­we­sen.
das Ur­teil der 12. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 17.11.2014 - 12 Ca 5365/14 - ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Sie ver­tei­digt das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil nach Maßga­be ih­rer Schriftsätze vom 13.04.2015 so­wie vom 9., 16. und 22. Sep­tem­ber 2015. Mit Schrift­satz vom 22.09.2015 hat die Kläge­rin erst­mals be­strit­ten, im Au­gust 2013 ei­ne E-Mail des Schul­lei­ters er­hal­ten zu ha­ben, in der er sie ge­be­ten ha­be, zur Un­ter­zeich­nung des Ver­tra­ges in der Schu­le zu er­schei­nen. Außer­dem hat sie sich in die­sem Schrift­satz erst­mals dar­auf be­ru­fen, die Be­fris­tung sei we­gen der Viel­zahl der Verträge und ih­rer Ge­samt­dau­er als in­sti­tu­tio­nel­ler Rechts­miss­brauch gemäß § 242 BGB un­wirk­sam.
We­gen des wei­te­ren Be­ru­fungs­vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die in der zwei­ten In­stanz ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst bei­gefügten An­la­gen so­wie ih­re Pro­to­kollerklärun­gen Be­zug ge­nom­men.
Das Be­ru­fungs­ge­richt hat im Ter­min am 23.09.2015 Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung des vom be­klag­ten Land sis­tier­ten Zeu­gen E. und Anhörung der Kläge­rin. Auf die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 23.09.2015 wird Be­zug ge­nom­men (Bl. 209-214 d.A.).
Die zulässi­ge Be­ru­fung der Be­klag­ten ist be­gründet. Zu Un­recht hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ben. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat auf­grund wirk­sa­mer Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 05.09.2013 mit Ab­lauf des 19.08.2014 ge­en­det.
I. Die von der Kläge­rin recht­zei­tig gemäß § 17 Satz 1 Tz­B­fG mit der Kla­ge an­ge­grif­fe­ne Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 05.09.2013 ist nicht nach § 14 Abs. 4 Tz­B­fG, § 125 Satz 1 BGB nich­tig. Sie wahrt un­strei­tig durch bei­der­sei­ti­ge Un­ter­schrift die Form des § 126 Abs. 2 BGB (Bl. 83 d.A.).
II. Die Be­fris­tung vom 05.09.2013 ist nicht we­gen Feh­lens ei­nes sach­li­chen Grun­des i.S.v. §§ 14 Abs. 1 oder we­gen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs (§ 242 BGB) gemäß 16 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG un­wirk­sam.
1. Die Kläge­rin hat nicht be­strit­ten, dass ein sach­li­cher Grund für die Kündi­gung be­ste­he. Ein sol­cher liegt hier in der Ver­tre­tung der in El­tern­zeit be­find­li­chen Lehr­kraft T. durch die Kläge­rin (§ 23 Tz­B­fG i.V.m. § 21 BEEG). Hierüber strei­ten die Par­tei­en nicht.
2. Erst­mals in zwei­ter In­stanz hat sich die Kläge­rin aber dar­auf be­ru­fen, die Be­fris­tung sei we­gen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs rechts­un­wirk­sam. Dies ist der Prüfung ei­nes sach­li­chen Grun­des zu­ge­ord­net. Auf in­ner­halb der Kla­ge­frist (hier des § 17 Satz 1 KSchG) nicht gel­tend ge­mach­te Gründe kann sich der Ar­beit­neh­mer gemäß § 17 Satz 2 Tz­B­fG i.V.m. § 6 Satz 1 KSchG nur bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter In­stanz zur Be­gründung der Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung be­ru­fen. Hier­auf hat das Ar­beits­ge­richt die Kläge­rin gemäß § 17 Satz 2 Tz­B­fG i.V.m. § 6 Abs. 2 KSchG mit Be­schluss vom 05.09.2014 hin­ge­wie­sen (Bl. 38 d.A.). Ob dies tatsächlich zu ei­nem Aus­schluss der Gel­tend­ma­chung von Un­wirk­sam­keits­gründen führt (krit. et­wa HWK/Quecke, 6. Aufl., § 6 KSchG Rn. 2 m.w.N.), kann hier da­hin­ste­hen. Denn die Be­fris­tung ist nicht we­gen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs un­wirk­sam.
Die Ge­rich­te dürfen sich bei der Be­fris­tungs­kon­trol­le al­ler­dings nicht auf die Prüfung des gel­tend ge­mach­ten Sach­grunds be­schränken. Sie sind viel­mehr aus uni­ons­recht­li­chen Gründen ver­pflich­tet, durch Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls aus­zu­sch­ließen, dass Ar­beit­ge­ber miss­bräuch­lich auf das In­sti­tut der Sach­grund­be­fris­tung zurück­grei­fen (§ 242 BGB, so gen. in­sti­tu­tio­nel­ler Rechts­miss­brauch). Wer­den die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ge­nann­ten Gren­zen al­ter­na­tiv oder ins­be­son­de­re ku­mu­la­tiv in gra­vie­ren­dem Aus­maß - re­gelmäßig um ein Mehr­fa­ches - über­schrit­ten, kann ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der an sich eröff­ne­ten Möglich­keit zur Sach­grund­be­fris­tung in­di­ziert und An­lass für ei­ne sorgfälti­ge Prüfung un­ter Ein­be­zie­hung al­ler Umstände sein (zu­letzt BAG 29.04.2015 - 7 AZR 310/13, NZA 2015, 928, Rn. 24 ff.).
Die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ge­nann­ten Gren­zen wur­den im Streit­fall we­der ku­mu­la­tiv noch al­ter­na­tiv in gra­vie­ren­dem Aus­maß über­schrit­ten. Ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der Möglich­keit zur Sach­grund­be­fris­tung ist da­mit nicht in­di­ziert. Die Ver­trags­dau­er von ins­ge­samt ca. drei­ein­halb Jah­ren über­steigt die nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG mögli­che Be­fris­tungs­dau­er von zwei Jah­ren nicht um ein Mehr­fa­ches. Das Glei­che gilt für die An­zahl der Verträge, die gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG vier be­tra­gen darf (nach drei­ma­li­ger Verlänge­rung). Sons­ti­ge In­di­zi­en für ei­ne miss­bräuch­li­che Ver­trags­ge­stal­tung be­ste­hen nicht. Die Kläge­rin bringt sol­che auch nicht vor.
III. Der Wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­ab­re­de im Ar­beits­ver­trag vom 05.09.2013 steht schließlich auch nicht ent­ge­gen, dass den Par­tei­en der auf die Her­beiführung der Be­fris­tung ge­rich­te­te rechts­ge­stal­ten­de Wil­le ge­fehlt hätte. Ein sol­cher Wil­le lag viel­mehr vor.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts be­darf es al­ler­dings für die wirk­sa­me nachträgli­che Be­fris­tung ei­nes zu­vor we­gen for­mun­wirk­sa­mer münd­li­cher Be­fris­tungs­ab­re­de be­gründe­ten un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses Wil­lens­erklärun­gen der Par­tei­en, die ge­ra­de auf die Her­beiführung ei­ner nachträgli­chen Be­fris­tung ge­rich­tet sind (vgl. BAG 16.04.2008 - 7 AZR 1048/06, NZA 2008, 1184, Rn. 14). Da­nach ist die nachträgli­che Be­fris­tung hier in­des­sen wirk­sam. We­der be­stand zwi­schen den Par­tei­en bei Un­ter­zeich­nung des Ver­tra­ges am 05.09.2013 ein auf­grund for­mun­wirk­sa­mer Be­fris­tungs­ab­re­de un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis (da­zu 1), noch fehl­te es ih­ren schrift­li­chen Erklärun­gen vom 05.09.2013 an ei­ner ei­genständi­gen rechts­ge­stal­ten­den Re­ge­lung und ei­nem dar­auf ge­rich­te­ten rechts­geschäft­li­chen Wil­len (da­zu 2).
1. Zwi­schen den Par­tei­en be­stand bei Un­ter­zeich­nung des Ver­tra­ges am 05.09.2013 kein auf­grund for­mun­wirk­sa­mer Be­fris­tungs­ab­re­de un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis. Ein sol­ches kam ins­be­son­de­re nicht durch die Teil­nah­me der Kläge­rin an der "ein­lei­ten­den Kon­fe­renz" am 02.09.2013 zu­stan­de. Zwar dürf­te die Teil­nah­me an der Kon­fe­renz grundsätz­lich als Ar­beits­auf­nah­me an­zu­se­hen und da­mit für die kon­klu­den­te Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ge­eig­net ge­we­sen sein. Doch fehl­te es auf­grund der be­son­de­ren Umstände des Fal­les am 02.09.2013 an ei­nem auf die Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ge­rich­te­ten übe­rein­stim­men­den rechts­geschäft­li­chen Wil­len der Par­tei­en.
a. Nach § 125 Satz 1 BGB ist ei­ne Be­fris­tungs­ab­re­de, die dem ge­setz­lich nor­mier­ten Schrift­for­mer­for­der­nis nicht genügt, nich­tig mit der Fol­ge, dass der Ar­beits­ver­trag nach § 16 Satz 1 Tz­B­fG als auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen gilt. Vor­aus­set­zung für die­se Rechts­fol­ge ist ei­ne - form­nich­ti­ge - Ei­ni­gung der Par­tei­en über den Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags.
Dar­an fehlt es, wenn der Ar­beit­ge­ber den Ab­schluss von der Un­ter­zeich­nung der Ver­trags­ur­kun­de durch den Ar­beit­neh­mer abhängig ge­macht hat. Hier­von ist aus­zu­ge­hen, wenn der Ar­beit­ge­ber in den Ver­trags­ver­hand­lun­gen der Par­tei­en den Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags aus­drück­lich un­ter den Vor­be­halt ei­nes schrift­li­chen Ver­trags­schlus­ses ge­stellt oder dem Ar­beit­neh­mer die schrift­li­che Nie­der­le­gung des Ver­ein­bar­ten an­gekündigt hat. Das Glei­che gilt, wenn der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer - oh­ne vor­an­ge­gan­ge­ne Ab­spra­che - ein von ihm be­reits un­ter­schrie­be­nes Ver­trags­for­mu­lar mit der Bit­te um Un­ter­zeich­nung über­sen­det. Ei­ne sol­che Erklärung bzw. ein sol­ches Ver­hal­ten ist oh­ne Hin­zu­tre­ten von außer­gewöhn­li­chen Umständen nach dem maßgeb­li­chen Empfänger­ho­ri­zont (§§ 133, 157 BGB) da­hin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass der Ar­beit­ge­ber dem sich aus § 14 Abs. 4 Tz­B­fG er­ge­ben­den Schrift­form­ge­bot ent­spre­chen will. In die­sem Fall kann der Ar­beit­neh­mer ein ihm ge­genüber bis zur Ar­beits­auf­nah­me ab­ge­ge­be­nes schrift­li­ches Ver­trags­an­ge­bot nur durch ei­ne den An­for­de­run­gen des § 126 Abs. 2 BGB genügen­de An­nah­me­erklärung an­neh­men (zu al­lem BAG 16.04.2008 - 7 AZR 1048/06, NZA 2008, 1184, Rn. 14).
Nimmt der Ar­beit­neh­mer in die­sen Fällen vor Un­ter­zeich­nung der Ver­trags­ur­kun­de die Ar­beit auf, be­steht zwi­schen den Par­tei­en nur ein fak­ti­sches Ar­beits­verhält­nis, weil es an der Ab­ga­be der zum Ver­trags­schluss er­for­der­li­chen übe­rein­stim­men­den Wil­lens­erklärun­gen fehlt. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob in der Ar­beits­auf­nah­me des Ar­beit­neh­mers ein kon­klu­den­tes An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags ge­se­hen wer­den kann. Denn je­den­falls fehl­te es an der An­nah­me durch den Ar­beit­ge­ber. Hat der Ar­beit­ge­ber durch sein vor der Ar­beits­auf­nah­me lie­gen­des Ver­hal­ten ver­deut­licht, dass er den Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags von der Ein­hal­tung des Schrift­form­ge­bots des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG abhängig ma­chen will, liegt in der bloßen Ent­ge­gen­nah­me der Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers re­gelmäßig kei­ne An­nah­me ei­nes ver­meint­li­chen Ver­trags­an­ge­bots des Ar­beit­neh­mers. Der Ar­beit­neh­mer kann das schrift­li­che An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers dann noch nach der Ar­beits­auf­nah­me durch die Un­ter­zeich­nung des Ar­beits­ver­trags an­neh­men (BAG 16.04.2008 - 7 AZR 1048/06, NZA 2008, 1184, Rn. 14).
b. Da­nach ist es am 02.09.2013 nicht zu ei­ner (form­nich­ti­gen) Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en zur Be­gründung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ge­kom­men. Dem­gemäß war kein Ar­beits­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­sen wor­den, mit­hin auch nicht ein sol­cher, der nach § 16 Satz 1 Tz­B­fG als auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen galt.
aa. Zwei­fel­haft er­scheint schon, ob die Kläge­rin ih­rer­seits mit ih­rer Teil­nah­me an der Kon­fe­renz am 02.09.2013 über­haupt ein kon­klu­den­tes An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ab­ge­ge­ben hat. Der In­halt ei­nes sol­chen An­ge­bots, ins­be­son­de­re in Be­zug auf die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses, lässt sich nicht fest­stel­len. Gespräche darüber hat­ten die Par­tei­en nicht geführt. Auch er­scheint es mit Blick auf die Art der am 02.09.2013 auf­ge­nom­me­nen Tätig­keit, nämlich die bloße Teil­nah­me an der "ein­lei­ten­den Kon­fe­renz", nicht aus­ge­schlos­sen, dass auch die Kläge­rin da­von aus­ging, es han­de­le sich um ei­ne dem Be­ginn ih­rer ei­gent­li­chen Tätig­keit und da­mit dem Ver­trags­schluss vor­ge­la­ger­te, vor­be­rei­ten­de Hand­lung. Dafür spricht ih­re nach­fol­gen­de wi­der­spruchs­lo­se Un­ter­zeich­nung des be­fris­te­ten Ver­tra­ges vom 05.09.2013. Da­mit könn­te be­reits auf ih­rer Sei­te ein Wil­le zur rechts­geschäft­li­chen Be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­fehlt ha­ben, zu­mal sie sich auf­grund von sie­ben vor­aus­ge­gan­ge­nen be­fris­te­ten Verträgen des Er­for­der­nis­ses der Schrift­form be­wusst ge­we­sen sein muss. Die Fra­ge kann je­doch of­fen blei­ben.
bb. Denn je­den­falls fehl­te es an der An­nah­me ei­nes et­wai­gen An­ge­bots der Kläge­rin durch das be­klag­te Land.
Das ge­sam­te Ver­hal­ten des Be­klag­ten Lan­des konn­te aus der maßgeb­li­chen Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven Erklärungs­empfängers (§§ 133, 157 BGB) nicht da­hin ver­stan­den wer­den, das Land wol­le sich be­reits am 02.09.2013 un­abhängig von der Un­ter­zeich­nung des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ver­trag­lich bin­den. Das Land hat­te der Kläge­rin viel­mehr hin­rei­chend deut­lich an­gekündigt, den Ver­trags­schluss von der vor­he­ri­gen Un­ter­zeich­nung des Ar­beits­ver­tra­ges durch die Kläge­rin abhängig ma­chen zu wol­len.
(1) So wa­ren die Ver­trags­ur­kun­den mit der Be­fris­tungs­ab­re­de von der Be­zirks­re­gie­rung un­strei­tig be­reits un­ter dem 05.08.2013 un­ter­zeich­net (Bl. 83 d.A.) und un­ter dem 06.08.2013 an die Kläge­rin - auf dem Dienst­weg über die Schul­lei­tung - ver­sandt wor­den. Ver­bun­den hier­mit war die Auf­for­de­rung an den Schul­lei­ter, bei­de Ver­trags­ex­em­pla­re von der Kläge­rin un­ter­zeich­nen zu las­sen und ei­ne Aus­fer­ti­gung an­sch­ließend auf dem Dienst­weg an die Be­zirks­re­gie­rung zurück­zu­sen­den.
(2) Hierüber war die Kläge­rin durch die E-Mail des Schul­lei­ters E. noch im Au­gust 2013 per E-Mail un­ter­rich­tet wor­den ver­bun­den mit der Auf­for­de­rung, zur Ver­trags­un­ter­zeich­nung in der Schu­le zu er­schei­nen. Dies steht zur Über­zeu­gung des Be­ru­fungs­ge­richts auf­grund der Ver­neh­mung des Schul­lei­ters und der Anhörung der Kläge­rin im Ter­min am 23.09.2015 so­wie des ge­sam­ten In­halts der münd­li­chen Ver­hand­lung fest. Da­mit war für ei­nen ob­jek­ti­ven Empfänger oh­ne wei­te­res er­kenn­bar, dass sich das Land erst mit Un­ter­zeich­nung der Ver­trags­ur­kun­den bin­den woll­te.
Der Zeu­ge E. hat aus­ge­sagt, die Kläge­rin et­wa Mit­te Au­gust 2013 per E-Mail auf­ge­for­dert zu ha­ben, zur Un­ter­zeich­nung der Verträge in der Schu­le zu er­schei­nen. Er ha­be dar­auf­hin aber nur ei­ne au­to­ma­tisch ge­ne­rier­te Ant­wort-Mail er­hal­ten mit dem In­halt: "Ma­che Ur­laub von der di­gi­ta­len Welt." Die Aus­sa­ge ist glaub­haft. Das Vor­ge­hen des Zeu­gen ent­spricht den Vor­ga­ben der Be­zirks­re­gie­rung im Über­sen­dungs­schrei­ben. Der Zeu­ge schil­der­te zu­dem le­bens­nah, sich über die Ver­trags­verlänge­rung, für die er sich zu­vor sehr ein­ge­setzt ha­be, ge­freut zu ha­ben. Die­se Freu­de ha­be er mit Über­sen­dung der Mail als­bald an die Kläge­rin wei­ter­ge­ben wol­len. Sei­ne Aus­sa­ge steht im Ein­klang mit der von ihm be­reits ein Jahr zu­vor zum Sach­ver­halt ab­ge­ge­be­nen Erklärung in sei­nem Gedächt­nis­pro­to­koll vom 09.10.2014 (Bl. 59 d.A.). Ihr steht nicht ent­ge­gen, dass der Zeu­ge sei­ne E-Mail nicht mehr vor­le­gen kann. Sei­ne Erklärung hierfür, dies be­ru­he auf den Vor-Ein­stel­lun­gen sei­nes Mail-Pro­vi­ders, wo­nach E-Mails et­wa nach Ab­lauf ei­nes Jah­res gelöscht wer­den, ist eben­falls glaub­haft und hat­te schon ein Jahr zu­vor in sei­nem Gedächt­nis­pro­to­koll Nie­der­schlag ge­fun­den. Die Be­deu­tung et­wai­ger E-Mails trat erst im Zu­sam­men­hang mit der Gel­tend­ma­chung des Fort­be­stands ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses durch die Kläge­rin An­fang Sep­tem­ber 2014 zu Ta­ge. Zu die­sem Zeit­punkt wa­ren die Mails aus Au­gust 2013 ge­ra­de mehr als ein Jahr alt.
Mit der Aus­sa­ge des Zeu­gen steht für das Ge­richt zu­gleich fest, dass die E-Mail des Zeu­gen der Kläge­rin auch zu­ge­gan­gen ist. Dies folgt zwar nicht schon aus dem Um­stand, dass der Zeu­ge sie ab­ge­sandt hat; denn die bloße Ab­sen­dung ei­ner E-Mail be­weist noch nicht ih­ren Zu­gang beim Empfänger. Es folgt aber dar­aus, dass der Zeu­ge nach sei­ner Be­kun­dung die au­to­ma­tisch ge­ne­rier­te Ant­wort-Mail der Kläge­rin er­hal­ten hat. Das Ge­richt hat un­ter die­sen Umständen kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die Mail des Zeu­gen in den Macht- und Emp­fangs­be­reich der Kläge­rin ge­langt ist. Auf ih­re tatsächli­che Kennt­nis­nah­me kommt es nicht an.
Die Äußerung der Kläge­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung ver­moch­ten die Über­zeu­gung des Ge­richts vom Zu­gang der E-Mail nicht zu erschüttern. Al­ler­dings hat sie in ih­rer Anhörung vor der Kam­mer den Emp­fang der Mail be­strit­ten. Dar­aus fol­gen aber kei­ne durch­grei­fen­den Zwei­fel am Wahr­heits­ge­halt der Aus­sa­ge des Zeu­gen. Da­bei hat das Ge­richt ins­be­son­de­re berück­sich­tigt, dass die Kläge­rin den Emp­fang der Mail erst­mals mit ei­nem am 22.09.2015 und da­mit ei­nen Tag vor der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­strit­ten hat. Es han­del­te sich um das zen­tra­le erst­in­stanz­li­che Ver­tei­di­gungs­vor­brin­gen des be­klag­ten Lan­des (Kla­ge­er­wi­de­rung vom 15.10.2014, Bl. 57 ff.) und blieb als sol­ches un­be­strit­ten. In zwei­ter In­stanz hat das Land es mit der Be­ru­fungs­be­gründung wie­der­holt und - zu­tref­fend - als un­strei­tig be­zeich­net (Be­ru­fungs­be­gründung vom 16.03.2015, S. 3, Bl. 124 d.A.). Auch dar­auf­hin hat die Kläge­rin den Er­halt der Mail nicht be­strit­ten. Un­ter die­sen Umständen er­scheint ihr spätes Be­strei­ten als durch die Pro­zess­la­ge evo­ziert, ins­be­son­de­re durch die ge­richt­li­che Auf­for­de­rung an die Kläge­rin zur Vor­la­ge der Mail mit Schrei­ben vom 16.09.2015 (Bl. 175a d.A.). Je­den­falls ver­mag es der Aus­sa­ge des Schul­lei­ters E. nicht die Be­weis­kraft zu neh­men. Im Übri­gen konn­te das erst­ma­li­ge Be­strei­ten der Kläge­rin am 22.09.2013 nur des­halb nicht gemäß § 67 Abs. 4 ArbGG als ver­spätet zurück­ge­wie­sen wer­den, weil das be­klag­te Land im Ter­min am Fol­ge­tag von sich aus den ein­zi­gen be­nann­ten Zeu­gen, den Schul­lei­ter E., mit Aus­sa­ge­ge­neh­mi­gung sis­tiert hat.
Zwei­fel an des­sen Glaubwürdig­keit be­ste­hen nicht. Zwar ist es mögli­cher­wei­se ihm zu­zu­schrei­ben, dass es zum vor­lie­gen­den Rechts­streit kam, weil er die Kläge­rin oh­ne vor­he­ri­ge Un­ter­zeich­nung der Ver­trags­ur­kun­den an der Kon­fe­renz am 02.09.2013 teil­neh­men ließ. Doch ver­moch­te die Kam­mer we­der dem ru­hi­gen und ge­fass­ten Auf­tre­ten des Zeu­gen vor Ge­richt und sei­ner Aus­sa­ge noch der vor­ge­richt­li­chen Kor­re­spon­denz zwi­schen ihm und der Be­zirks­re­gie­rung, ins­be­son­de­re dem von ihm ge­fer­tig­ten Gedächt­nis­pro­to­koll, An­halts­punk­te dafür zu ent­neh­men, dass er sich mit sei­ner Aus­sa­ge ent­las­ten oder ei­nen ei­ge­nen Feh­ler "wie­der gut ma­chen" woll­te. Im Ge­gen­teil hat der Zeu­ge in dem Gedächt­nis­pro­to­koll sei­nen ei­ge­nen Bei­trag zu der miss­lun­ge­nen Ab­wick­lung der Ver­trags­verlänge­rung oh­ne wei­te­res ein­geräumt.
(3) Die Hal­tung des be­klag­ten Lan­des, den Ver­trags­schluss von der vor­he­ri­gen Un­ter­zeich­nung der Ver­trags­ur­kun­den abhängig zu ma­chen, kam un­abhängig von Vor­ste­hen­dem - für die Kläge­rin er­kenn­bar - auch un­miss­verständ­lich in der Ab­wick­lung der vor­aus­ge­gan­ge­nen sie­ben be­fris­te­ten Ver­trags­schlüsse zum Aus­druck (die wei­te­ren bloßen Ände­rungs­verträge der Par­tei­en blei­ben hier außer Be­tracht). In den vom be­klag­ten Land hier­zu vor­ge­leg­ten An­schrei­ben wur­de die Kläge­rin - je­weils fett­ge­druckt - auf­ge­for­dert, die Verträge vor Ar­beits­auf­nah­me zu un­ter­zeich­nen (Bl. 163 f. d.A.). Un­ter die­sen Umständen muss­te ei­nem ob­jek­ti­ven Be­trach­ter be­wusst ge­we­sen sein, dass sich das be­kla­ge Land auch am 02.09.2013 nicht vor Un­ter­zeich­nung bin­den woll­te.
(4) Für das Er­geb­nis spricht auch, dass die Kläge­rin nicht da­von aus­ge­hen konn­te, der Schul­lei­ter persönlich wol­le sie oh­ne schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag ein­stel­len, in­dem er sie an der Kon­fe­renz teil­neh­men ließ. Ei­ne sol­che Ab­wick­lung hätte dem Vor­ge­hen bei den vor­aus­ge­gan­ge­nen sie­ben Verträgen wi­der­spro­chen, die je­weils von der Be­zirks­re­gie­rung un­ter­zeich­net wa­ren. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob der Schul­lei­ter für das Land über­haupt mit Ver­tre­tungs­macht han­deln konn­te.
(5) Sch­ließlich mach­te die Teil­nah­me der Kläge­rin an der ein­lei­ten­den Kon­fe­renz auch oh­ne ei­nen Ver­trags­schluss be­reits zu die­sem Zeit­punkt Sinn. Die dort be­spro­che­nen In­hal­te wa­ren für sie auch im Hin­blick auf ein erst noch zu be­gründen­des Ar­beits­verhält­nis zwei­fel­los von Be­deu­tung, ih­re Teil­nah­me an der Kon­fe­renz auch bei erst be­vor­ste­hen­dem Ver­trags­schluss nur ein Ge­bot der Ver­nunft.
2. Un­abhängig von Vor­ste­hen­dem wäre auch bei An­nah­me ei­nes am 02.09.2013 for­mun­wirk­sam ver­ein­bar­ten be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der Ver­ein­ba­rung vom 05.09.2013 ein wirk­sam be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis nachträgli­chen be­gründet wor­den. Den schrift­li­chen Erklärun­gen der Par­tei­en vom 05.09.2013 fehl­te es nicht an ei­nem auf die­se Wir­kung ge­rich­te­ten rechts­geschäft­li­chen Wil­len.
a. Ein auf­grund for­mun­wirk­sam ver­ein­bar­ter Be­fris­tung nach § 16 Satz 1 Tz­B­fG ent­stan­de­nes un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis kann grundsätz­lich nachträglich be­fris­tet wer­den, was bei Vor­lie­gen ei­nes die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen­den sach­li­chen Grun­des zulässig ist (BAG 01.12.2004 - 7 AZR 198/04 - BA­GE 113, 75 zu B I 4 b der Gründe; BAG 16.04.2008 - 7 AZR 1048/06, NZA 2008, 1184, Rn. 12). Dies be­darf auf die Her­beiführung die­ser Rechts­fol­ge ge­rich­te­ter Wil­lens­erklärun­gen der Par­tei­en. In die­sem Fall wird das be­ste­hen­de un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis von die­sem Zeit­punkt an (ex nunc) rechts­wirk­sam zu ei­nem be­fris­te­ten. Ei­ne rück­wir­ken­de (ex tunc) Hei­lung der For­mun­wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­ab­re­de tritt nicht ein, so dass die nachträgli­che Be­fris­tung stets - wie hier ge­ge­ben - ei­nen Sach­grund er­for­dert (BAG 16.04.2008 - 7 AZR 1048/06, NZA 2008, 1184, Rn. 12 m.w.N.).
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts fehlt es an auf die Her­beiführung ei­ner nachträgli­chen Be­fris­tung ge­rich­te­ten Wil­lens­erklärun­gen der Par­tei­en in der Re­gel, wenn die Par­tei­en nach Ver­trags­be­ginn le­dig­lich ei­ne be­reits zu­vor münd­lich ver­ein­bar­te Be­fris­tung in ei­nem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag nie­der­le­gen. Da­durch wol­len sie im All­ge­mei­nen nur das zu­vor Ver­ein­bar­te schrift­lich fest­hal­ten und kei­ne ei­genständi­ge rechts­ge­stal­ten­de Re­ge­lung tref­fen (BAG 01.12.2004 - 7 AZR 198/04 - BA­GE 113, 75). An­ders ver­hal­te es sich, wenn die Par­tei­en vor Ver­trags­be­ginn und vor Un­ter­zeich­nung des schrift­li­chen Ar­beits­ver­trags münd­lich kei­ne Be­fris­tung ver­ein­bart ha­ben oder wenn sie ei­ne münd­li­che Be­fris­tungs­ab­re­de ge­trof­fen ha­ben, die in­halt­lich mit der in dem später un­ter­zeich­ne­ten schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­nen Be­fris­tung nicht übe­rein­stimmt. In die­sem Fall wer­de in dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag nicht le­dig­lich ei­ne zu­vor ver­ein­bar­te münd­li­che Be­fris­tung schrift­lich nie­der­ge­legt, son­dern ei­ne da­von ab­wei­chen­de und da­mit ei­genständi­ge Be­fris­tungs­ab­re­de ge­trof­fen, durch die das zunächst bei Ver­trags­be­ginn un­be­fris­tet ent­stan­de­ne Ar­beits­verhält­nis nachträglich be­fris­tet wer­de. Ent­spre­che die Ver­trags­ur­kun­de den Vor­aus­set­zun­gen des § 126 BGB, sei die Be­fris­tung nicht we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG un­wirk­sam (BAG 13.06.2007 - 7 AZR 700/06 - Rn. 18, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 39).
b. Es be­ste­hen Zwei­fel, ob die­ser Recht­spre­chung oh­ne Ein­schränkung ge­folgt wer­den kann.
aa. Frag­lich ist zunächst, ob es tatsächlich "in der Re­gel" an auf die Her­beiführung ei­ner nachträgli­chen Be­fris­tung ge­rich­te­ten Wil­lens­erklärun­gen der Par­tei­en fehlt, wenn die­se nach Ver­trags­be­ginn le­dig­lich ei­ne be­reits zu­vor münd­lich ver­ein­bar­te Be­fris­tung in ei­nem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag nie­der­le­gen. Die Be­deu­tung der schrift­li­chen Nie­der­le­gung und Un­ter­zeich­nung des Ver­ein­bar­ten durch die Par­tei­en erschöpft sich re­gelmäßig nicht in ei­ner bloßen fak­ti­schen Do­ku­men­ta­ti­on, son­dern ist ge­ra­de auf die rechts­ver­bind­li­che Fi­xie­rung des Ver­ein­bar­ten ge­rich­tet. Die­ses soll in der schrift­lich nie­der­ge­leg­ten Fas­sung zwi­schen ih­nen gel­ten un­ge­ach­tet vor­he­ri­ger münd­li­cher Ab­re­den. Dies ist re­gelmäßiger Zweck der schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung. Dar­in liegt ih­re ei­genständi­ge recht­lich ge­stal­ten­de Wir­kung.
Die­se Fra­ge kann hier aber of­fen blei­ben. Denn die Par­tei­en des Rechts­streits woll­ten am 05.09.2013 mit dem schrift­lich Ver­ein­bar­ten ei­ne ei­genständi­ge rechts­ge­stal­ten­de Re­ge­lung tref­fen (vgl. da­zu so­gleich un­ter c).
bb. Soll­ten die vor­ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 01.12.2014 und vom 16.04.2008 al­ler­dings da­hin zu ver­ste­hen sein, dass der Wil­le der Par­tei­en ge­ra­de auf "die Her­beiführung ei­ner nachträgli­chen Be­fris­tung" ge­rich­tet sein muss, kann ih­nen nicht ge­folgt wer­den. Es muss viel­mehr genügen, wenn sich der Wil­le der Par­tei­en auf die Gel­tung und Rechts­wirk­sam­keit des zu­letzt schrift­lich Nie­der­ge­leg­ten rich­tet. So liegt es im Übri­gen nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts bei Ket­ten­be­fris­tun­gen, de­ren letz­te nicht dar­auf zu prüfen ist, ob ih­re Ver­ein­ba­rung ge­ra­de auch auf die Her­beiführung der nachträgli­chen Be­fris­tung ei­nes (mögli­cher­wei­se schon be­ste­hen­den) un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ge­rich­tet ist. Ob die Ver­trags­par­tei­en das et­wai­ge Be­ste­hen ei­nes un­be­fris­te­ten Ver­tra­ges be­dacht ha­ben, ist für die maßgeb­li­che Gel­tung der neu­en Be­fris­tung re­gelmäßig un­er­heb­lich (ständ. Rspr. seit BAG 08.05.1985 - 7 AZR 191/84, BA­GE 49, 73; vgl. et­wa BAG 24.05.2006 - 7 AZR 640/05, ju­ris).
c. Hier liegt im Ver­trag vom 05.09.2013 schon des­halb ei­ne ei­genständi­ge rechts­ge­stal­ten­de Re­ge­lung, weil die Par­tei­en zu­vor kei­ne Ver­trags­ver­hand­lun­gen geführt ha­ben. Sie hat­ten da­her un­strei­tig zu­min­dest kei­ne ge­naue Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­ein­bart. Bei­de Par­tei­en tra­gen im Rechts­streit - je­weils für sich - wi­dersprüchlich zu der Fra­ge vor, ob am 02.09.2013 ein un­be­fris­te­tes oder be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­gründet wor­den ist und ge­ge­be­nen­falls für wel­chen ge­nau­en Zeit­raum. Kei­ne der Par­tei­en konn­te am 02.09.2013 oh­ne die An­ga­ben aus dem Ar­beits­ver­trag den ge­nau­en Be­ginn und das ge­naue En­de ei­ner et­wai­gen Be­fris­tung be­stim­men.
Un­abhängig da­von folgt der Cha­rak­ter des Ver­tra­ges vom 05.09.2013 als ei­genständi­ge rechts­ge­stal­ten­de Re­ge­lung auch dar­aus, dass sich bei­de Par­tei­en über die Be­deu­tung der Un­ter­zeich­nung für die Rechts­wirk­sam­keit ih­res Ver­tra­ges be­wusst wa­ren, wie sich ins­be­son­de­re aus dem Mail-Wech­sel zwi­schen dem Schul­lei­ter und der Kläge­rin vom 03.09.2013 und den frühe­ren Verträgen nebst da­zu gehöri­gen An­schrei­ben (Bl. 163 f. d.A.) er­gibt.
d. Der Um­stand, dass sich die Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung vom 05.09.2013 auch auf die Ver­gan­gen­heit er­streckt ("vom 30.08.2013, frühes­tens ab dem Tag der Ar­beits­auf­nah­me") und die feh­len­de Schrift­form nicht rück­wir­kend ge­heilt wer­den kann (BAG 16.04.2008 - 7 AZR 1048/06, NZA 2008, 1184, Rn. 12 m.w.N.), führt nicht zur (teil­wei­sen) Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­ab­re­de vom 05.09.2013. Der Schrift­form be­darf die Be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 4 Tz­B­fG nur, so­weit sie das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses be­stimmt. Denn dar­in al­lein liegt die Be­fris­tung i.S.v. § 14 Abs. 4 Tz­B­fG. Das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses ist am 05.09.2013 schrift­lich fest­ge­hal­ten wor­den. Die feh­len­de Rück­wir­kung der Ver­ein­ba­rung vom 05.09.2013 berührt da­her die Wirk­sam­keit die­ser Ver­ein­ba­rung nicht, son­dern hat al­lein zu Fol­ge, dass zu­vor ei­ne wirk­sa­me Be­fris­tung nicht be­stand.
IV. Die Kos­ten des Recht­streits wa­ren gemäß § 91 der Kläge­rin auf­zu­er­le­gen. Die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen.
Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
zur Übersicht 4 Sa 1287/14

References: § 1
 § 21
 § 242
 § 17
 § 14
 § 125
 § 126
 § 21
 § 17
 § 17
 § 6
 § 17
 § 6
 § 6
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 125
 § 16
 § 14
 § 126
 § 14
 § 16
 § 67
 § 16
 § 126
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 91
 § 72