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Timestamp: 2019-03-25 15:14:11+00:00

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BVerwG, 29.09.2011 - 7 C 21.09 - dejure.org
Richtlinie 85/337/EWG Art. 10a, 2008/1/EG Art. 9 Abs. 4; UmwRG § 2 ... Abs. 3 und 5 Satz 1 Nr. 1; BImSchG § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, § 10 Abs. 3 und 4; BNatSchG 2002 §§ 34, 36; HeNatG §§ 32, 34; 22. BImSchV § 3 Abs. 4 und 6; TA Luft Nr. 4. 2. 1, Nr. 4. 4. 1, Nr. 4. 4. 3
Umweltschutzvereinigung; Umweltverbandsklage; Einwendungen; Substantiierung; Präklusion; Verbrennungsanlage; FFH-Verträglichkeit; Vorprüfung; Stickstoffdepositionen; Critical Loads; Luftkonzentrationswerte; TA Luft; Irrelevanzwerte; Vorbelastung; Zusatzbelastung
Umweltschutzvereinigung; Umweltverbandsklage; Einwendungen; Substantiierung; Präklusion; Verbrennungsanlage; FFH-Verträglichkeit; Vorprüfung; Stickstoffdepositionen; Critical Loads; Luftkonzentrationswerte; TA Luft; Irrelevanzwerte; Vorbelastung; Zusatzbelastung.
Art 10a EWGRL 337/85, Art 9 Abs 4 EGRL 1/2008, § 2 Abs 5 S 1 Nr 1 UmwRG, § 2 Abs 3 UmwRG, Art 267 Abs 3 AEUV
Immissionsschutzrechtliche Genehmigung für den Bau und den Betrieb einer Verbrennungsanlage für Ersatzbrennstoffe/Sekundärbrennstoffe im Industriepark Frankfurt/Höchst; Klage eines anerkannten Naturschutzvereins; Umweltverbandsklage
Vereinbarkeit der Beschränkung der Rügebefugnis anerkannter Umweltschutzvereinigungen auf "drittschützende" Umweltvorschriften mit Europarecht
Klagerecht von Umweltverbänden gegen Großprojekte erheblich gestärkt // Bundesverwaltungsgericht setzt EuGH-Urteil um
NVwZ 2012, 176
DÖV 2012, 326
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. September 2011 - 7 C 21.09 -, NVwZ 2012, 176 = juris Rn. 40; zur Vorprüfung Gellermann, in: Landmann/Rohmer, Umweltrecht, Band II, Stand: 15. Dezember 2015, § 34 BNatSchG Rn. 9 ff. m. w. N., Verzichtbar ist eine Verträglichkeitsprüfung daher nur, wenn eine Beeinträchtigung der Erhaltungsziele bzw. Schutzzwecke offensichtlich ausgeschlossen ist oder aus wissenschaftlicher Sicht keine ernst zu nehmenden Anhaltspunkte in diese Richtung weisen.
Dabei geht der Senat im Anschluss an die Rechtsprechung des BVerwG, vgl. nunmehr auch BVerwG, Urteil vom 29. September 2011 - 7 C 21.09 -, juris Rn. 41 und Leitsatz 4, davon aus, dass gegen die Anwendung des Konzepts der Critical Loads, das dem Teilgutachten der ÖKO-DATA vom 17. Oktober 2009 zugrunde liegt, keine grundsätzlichen Bedenken bestehen.
Eine FFH-Vorprüfung ist ausreichend und eine FFH-Verträglichkeitsprüfung nicht erforderlich, wenn erhebliche Beeinträchtigungen offensichtlich ausgeschlossen werden können, also keine vernünftigen Zweifel am Ausbleiben von erheblichen Beeinträchtigungen bestehen (…vgl. BVerwG, Urt. v. 17.01.2007 - 9 A 20.05 -, juris RdNr. 58 und 60; Beschl. v. 26.11.2007 - 4 BN 46.07 -, juris RdNr. 6; Urt. v. 29.09.2011 - 7 C 21.09 -, juris RdNr. 40).
Genehmigungs- oder Prüfschwellen des BImSchG oder der TA Luft, die nicht explizit den Schutz von Natura-2000-Gebieten vor erheblichen Beeinträchtigungen berücksichtigen, können nicht ohne weiteres in einer FFH-Verträglichkeitsprüfung angewendet werden (…vgl. BVerwG, Urt. v. 14.04.2010 - 9 A 5.08 -, juris RdNr. 92 zu der in der "Vollzugshilfe Brandenburg" vorgeschlagenen Irrelevanzschwelle von 10 % des Beurteilungswertes für Stickstoffdepositionen; Urt. v. 29.09.2011 - 7 C 21.09 -, a.a.O. RdNr. 41; BASt-Bericht, S. 37).
In Anbetracht der Unsicherheiten, denen die Beurteilung der durch ein Projekt hervorgerufene Stickstoffbelastungen für habitatrechtlich geschützte Lebensräume unterliegt, ist gegen die Verwendung dieses Konzepts nichts einzuwenden (…vgl. BVerwG, Urt. v. 14.04.2010 - 9 A 5.08 -, a.a.O. RdNr. 87; Urt. v. 29.09.2011 - 7 C 21.09 -, a.a.O. RdNr. 41; BASt-Bericht, S. 114 ff.).
Vielmehr ist für eine am Erhaltungsziel orientierte Beurteilung der projektbedingten Zusatzbelastung die Berücksichtigung der Vorbelastung unverzichtbar (…vgl. BVerwG, Urt. v. 14.04.2010 - 9 A 5.08 -, a.a.O. RdNr. 88; Urt. v. 29.09.2011 - 7 C 21.09 -, a.a.O. RdNr. 42).
Anerkannt ist eine gebiets- bzw. rezeptorbezogene Irrelevanzschwelle von 3 % des Critical Loads, da Zusatzbelastungen von nicht mehr als 3 % des Critical Loads außerstande sind, signifikante Veränderungen des Ist-Zustandes auszulösen oder die Wiederherstellung eines günstigen Zustandes signifikant einzuschränken (…vgl. BVerwG, Urt. v. 14.04.2010 - 9 A 5.08 -, a.a.O. RdNr. 94; Urt. v. 29.09.2011 - 7 C 21.09 -, a.a.O. RdNr. 42;… Urt. v. 06.11.2012 - 9 A 17.11 -, juris Rdnr. 93;… Urt. v. 23.04.2014 - 9 A 25.12 -, a.a.O. RdNr. 45;… OVG NW, Urt. v. 01.12.2011 - 8 D 58.08.AK -, a.a.O. RdNr. 600;… Urt. v. 16.06.2016 - 8 D 99/13.AK -, juris RdNr. 548; BASt-Bericht, S. 216 ff.).
Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts markiert die Irrelevanzschwelle zugleich die Erheblichkeitsschwelle für die Erforderlichkeit einer FFH-Verträglichkeitsprüfung (vgl. BVerwG, Urt. v. 29.09.2011 - 7 C 21.09 -, a.a.O. RdNr. 42).
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. September 2011 7 C 21.09 -, NuR 2012, 119, juris Rn. 35 m.w.N.
vgl. EuGH, Urteil vom 12. Mai 2011 - C-115/09 (Trianel) -, NJW 2011, 2779, Rn. 48 und 56 ff.; BVerwG, Urteil vom 29. September 2011 - 7 C 21.09 -, NUR 2012, 119, juris Rn. 27 f.
Die Klagebefugnis nach § 2 Abs. 1 UmwRG ist schutznormakzessorisch (BVerwG, Urteil vom 29. September 2011 - BVerwG 7 C 21.09 - juris Rn. 27).
Bis zur erforderlichen Anpassung des Umwelt-?Rechtsbehelfsgesetzes können anerkannte Umweltschutzvereinigungen Verstöße gegen Umweltvorschriften, die aus Unionsrecht hervorgegangen sind, unmittelbar auf der Grundlage des Art. 10a UVP-RL rügen (EuGH, Urteil vom 12. Mai 2011 - Rs. C-115/09 - juris; BVerwG, Urteil vom 29. September 2011 - BVerwG 7 C 21.09 - juris Rn. 27 f.; VGH Mannheim…, Urteil vom 20. Juli 2011 - 10 S 2102/09 - juris Rn. 67; OVG Münster…, Urteil vom 1. Dezember 2011 - 8 D 58/88.AK - a.a.O. Rn. 99 - 109).
Die Präklusionsregelung des § 2 Abs. 1 Nr. 3 Alt. 2, Abs. 3 UmwRG ist mit europäischem Gemeinschaftsrecht vereinbar (BVerwG…, Beschluss vom 11. November 2009 - BVerwG 4 B 57.09 - juris Rn. 3;… Urteil vom 14. April 2010 - BVerwG 9 A 5.08 - juris Rn. 107;… Beschlüsse vom 14. September 2010 - BVerwG 7 B 15.10 - juris Rn. 7 …und vom 17. Juni 2011 - BVerwG 7 B 79.10 - juris Rn. 10;… Urteile vom 14. Juli 2011 - BVerwG 9 A 14.10 - juris Rn. 23 und vom 29. September 2011 - BVerwG 7 C 21.09 - a.a.O. Rn. 31; VGH München…, Urteil vom 23. Juni 2009 - 8 A 08.40001 - juris Rn. 58 …und Beschluss vom 18. Februar 2011 - 22 CS 10/2460 - juris Rn. 10;… OVG Münster, Urteile vom 9. Dezember 2009 - 8 D 10/08.AK - a.a.O. Rn. 75 ff. …und vom 1. Dezember 2011 - 8 D 58/08.AK - a.a.O. Rn. 121; VGH Mannheim…, Urteil vom 20. Juli 2011 - 10 S 2102/09 - a.a.O. Rn. 79).
Das BVerwG hat im Urteil vom 29. September 2011 - BVerwG 7 C 21.09 - a.a.O. Rn. 32 - 33 folgendes ausgeführt:.
Die Ausgestaltung der Einwendungspräklusion in § 10 Abs. 3 und 4 BImSchG stellt dabei einen effektiven Zugang zu Gericht nicht infrage (BVerwG, Urteil vom 29. September 2011 - BVerwG 7 C 21.09 - a.a.O.).
Es entspricht außerdem der höchstrichterlichen Rechtsprechung, dass die geltenden Regelungen über eine Einwendungspräklusion auch mit dem Unionsrecht, insbesondere mit der UVP-RL und der IVU-RL vereinbar sind (vgl. BVerwG, Urt. v. 29.9.2011, NVwZ 2012, 176;… Urt. vom 14.7.2011, BVerwGE 140, 149 - Ortsumgehung Freiberg;… Urt. v. 14.4.2010, NVwZ 2010, 1225;… Beschl. v. 14.9. 2010, NVwZ 2011, 364, Rn. 7 ff.; ferner BVerwG…, Beschluss vom 17.6.2011 - 7 B 79.10 -, juris Rn. 10; vgl. auch VGH Mannheim…, Urteil vom 20.7.2011, ZUR 2011, 600, juris Rn. 79).
Eine FFH-Verträglichkeitsprüfung ist nur erforderlich, wenn und soweit erhebliche Beeinträchtigungen der Erhaltungsziele des Gebiets nicht offensichtlich ausgeschlossen werden können, was der Fall ist, wenn keine vernünftigen Zweifel am Ausbleiben von erheblichen Beeinträchtigungen bestehen (…vgl. BVerwG, Urt. v. 17.1.2007 - BVerwG 9 A 20.05 -, BVerwGE 128, 1 ff., hier zitiert nach juris, Rnrn. 43, 58 und 60;… Beschl. v. 26.11.2007 - BVerwG 4 BN 46.07 -, NVwZ 2008, 210 ff., hier zitiert nach juris, Rn. 6, und Urt. v. 29.9.2011 - BVerwG 7 C 21.09 -, NVwZ 2012, 176 ff., hier zitiert nach juris, Rn. 40).
Je umfangreicher und intensiver die vom Vorhabenträger bereits geleistete Begutachtung und fachliche Bewertung in den Planunterlagen ausgearbeitet ist, desto intensiver muss - jedenfalls grundsätzlich - auch die Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Material ausfallen (vgl. zum Ganzen: BVerwG, Urt. v. 29.09.2011 - 7 C 21.09 -, NuR 2012, 119, RdNrn. 34 f.).
In dem vom Bundesverwaltungsgericht entschiedenen Fall (Urt. v. 29.09.2011, a.a.O), auf den die Vorinstanz Bezug genommen hat, enthielt das Einwendungsschreiben des dortigen Klägers Ausführungen des Inhalts, dass "die Problematik von Schäden an Flora und Fauna der Gebiete "Schwanheimer Düne" und "Schwanheimer Wald" durch Schadstoffemissionen der beantragten Verbrennungsanlage sowie die Folgen der zu erwartenden Schadstoffanreicherungen (Summationsschäden) für Flora und Fauna im Rahmen des Antrags nicht untersucht bzw. abgearbeitet worden seien.
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. Urt. v. 29.09.2011, a.a.O., RdNr. 40 ) ist eine FFH-Verträglichkeitsprüfung erforderlich, wenn und soweit derartige Beeinträchtigungen nicht offensichtlich ausgeschlossen werden können, also zumindest vernünftige Zweifel am Ausbleiben von erheblichen Beeinträchtigungen bestehen.
b) Die Vereinbarkeit der Einwendungspräklusion mit höherrangigem nationalem Recht ist darüber hinaus entgegen der Auffassung der Klägerin nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts nicht zweifelhaft (vgl. BVerfG, B.v. 8.7.1982 - 2 BvR 1187/80 - BVerfGE 61, 82/110 ff.; BVerwG, U.v. 23.4.1997 - 11 A 7/97 - BVerwGE 104, 337/345; BVerwG, U.v. 29.9.2011 - 7 C 21/09 - NVwZ 2012, 176/177 Rn. 31).
Der sog. Grundsatz der Proportionalität des Vorbringens (d.h. je umfangreicher und intensiver die vom Vorhabensträger bereits geleistete Begutachtung und fachliche Bewertung in den Planunterlagen ausgearbeitet ist, desto intensiver muss die Auseinandersetzung des Einwendungsführers mit dem vorhandenen Material ausfallen; vgl. BVerwG, U.v. 29.9.2011 - 7 C 21/09 - NVwZ 2012, 176/178 Rn. 35), betrifft in erster Linie die Einwendungen spezialisierter Natur- und Umweltschutzvereinigungen.
Mit ihrer Fachkenntnis und Verfahrensroutine ist ihnen die zweiwöchige Einwendungsfrist auch unter erhöhten Substantiierungsanforderungen zumutbar (vgl. BVerwG, U.v. 29.9.2011 - 7 C 21/09 - NVwZ 2012, 176/178 Rn. 34 ff.).
Ebenso wenig liegt eine Verletzung des Effektivitätsprinzips vor, weil angemessene Ausschlussfristen für die Einlegung von Rechtsbehelfen und für die Inanspruchnahme von in das Verwaltungsverfahren vorverlagertem Rechtsschutz dem grundlegenden Prinzip der Rechtssicherheit dienen, insbesondere dem gesteigerten Bedürfnis des Vorhabensträgers nach Schutz und Beständigkeit der unter Drittbeteiligung zu Stande gekommenen Zulassungsentscheidung (…vgl. BVerwG, U.v. 14.7.2011 - 9 A 14/10 - NVwZ 2012, 180/183 Rn. 23 ff.; BVerwG, U.v. 29.9.2011 - 7 C 21/09 - Rn. 31 m.w.N.).
Ein Verstoß von Präklusionsvorschriften allgemein oder in ihrer konkreten Anwendung u.a. gegen Art. 1 Abs. 2, Art. 10a der Richtlinie (RL) 85/337/EWG des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten (ABl EG Nr. L 175/40) i.d.F. von Art. 3 Nr. 7 der RL 2003/35/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Mai 2003 über die Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Ausarbeitung bestimmter umweltbezogener Pläne und Programme und zur Änderung der RL 85/337/EWG und 96/61/EG des Rates in Bezug auf die Öffentlichkeitsbeteiligung und den Zugang zu Gerichten (ABl EG Nr. L 156/17) liegt entgegen dem Vorbringen der Klägerin nicht vor (vgl. BVerwG, U.v. 29.9.2011 - 7 C 21/09 - Rn. 31 m.w.N. und BVerwG, U.v. 14.7.2011 - 9 A 14/10 - NVwZ 2012, 180/183 Rn. 22 ff. zu § 17a Nr. 7 FStrG).

References: Art. 10
 Art. 9
 § 2
 § 5
 § 10
 § 3
 § 2
 § 2
 § 34
 § 2
 Art. 10
 § 2
 § 10
 Art. 1
 Art. 10
 Art. 3
 § 17