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Timestamp: 2019-12-09 08:45:05+00:00

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Abschnitt: Organisation und Kooperation der Kita → Zertifizierung zum Familienzentrum
Wie sind Familienzentren gesetzlich geregelt? – ein Überblick
Das KiBiz stellt die rechtliche Grundlage der Familienzentren dar. In § 16 Abs. 1 KiBiz1 werden die vier zentralen Ziele für die Familienzentren in NRW festgehalten:
»Familienzentren sind Kindertageseinrichtungen, die über die Aufgaben nach diesem Gesetz hinaus insbesondere
Informations- und Beratungsangebote zur Unterstützung der Eltern bei der Förderung ihrer Kinder vorhalten oder leicht zugänglich vermitteln, und Beratungs- und Hilfsangebote für Eltern und Familien bündeln und miteinander vernetzen,
Unterstützung bei der Vermittlung, Beratung oder Qualifizierung von Tagespflegepersonen in Absprache mit dem Jugendamt bieten,
die Betreuung von unter 3-jährigen Kindern und Kindergartenkindern außerhalb üblicher Öffnungszeiten von Kindertageseinrichtungen gewährleisten oder vermitteln,
Sprachförderung für Kinder und ihre Familien anbieten, auch solche die über § 13c hinausgeht; insbesondere sind dies Sprachfördermaßnahmen für Kinder im Alter zwischen vier Jahren und Schuleintritt mit zusätzlichem Sprachförderbedarf, die keine Kindertageseinrichtung besuchen und als Familienzentrum in die örtliche Jugendhilfeplanung aufgenommen sind sowie ein vom Land anerkanntes Gütesiegel »Familienzentrum NRW« haben.«
In einem 2. Absatz2 gibt das Gesetz einen Hinweis auf eine mögliche sozialräumliche Verankerung durch die Vernetzung mit anderen kinder- und familienorientierten Einrichtungen. Die Zertifizierung der Familienzentren wurde als Voraussetzung für den Rechtsanspruch auf eine Finanzierung im § 21 Abs. 5 KiBiz mit vormals 1.000 € monatlich (heute 13.000 € im Kindergartenjahr festgelegt3.
Umsetzung und Struktur des Gütesiegels Familienzentrum NRW
Zu Anfang des Jahres 2006 erfolgte die Ausschreibung der Pilotphase, gerichtet an Kindertageseinrichtungen, die bereit waren, ihr Aufgabenspektrum um einen umfänglichen Aufgabenkatalog zu erweitern. Unter Leitung von Prof. Dr. Tietze (PädQuis)4 wurde in Kooperation mit dem Institut Arbeit und Qualifikation5 ein kleines Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammengestellt, das in kurzer Zeit die Grundstruktur für ein Gütesiegel Familienzentren NRW vorlegte.
Das Gütesiegel gliedert sich in 8 Bereiche. Bei den 4 Leistungsbereichen geht es um die Inhalte der Angebote eines Familienzentrums. Bei den 4 Strukturbereichen stehen organisatorische Fragen im Vordergrund.
Jeder Themenbereich ist in Basis- und Aufbauleistungen unterteilt, von denen eine Mindestanzahl umgesetzt werden muss.6
Zur Absicherung der Neutralität erfolgt die Prüfung durch eine externe Zertifizierungsstelle. Hier werden die im Zertifizierungsverfahren zusammengetragenen umfangreichen Nachweise und Materialien geprüft. Im Anschluss daran findet eine Begehung der Einrichtung statt, um die Angaben in Augenschein zu nehmen und vor Ort zu prüfen. Ist dieser Gesamtprozess erfolgreich abgeschlossen, kann die Einrichtung als Familienzentrum NRW zertifiziert werden7. Die Zertifizierung hat eine Gültigkeit von 4 Jahren und ist nach dieser Zeit im Rahmen der Re-Zertifizierung zu erneuern.
Strukturen der Familienzentren NRW
Das Fundament für Familienzentren in NRW stellen Kindertageseinrichtungen dar. Um aus einer Kita ein Familienzentrum zu machen, muss ein aus knapp 100 Fragen bestehender Kriterienkatalog bearbeitet werden (siehe Fußnote 7). Für die Arbeit als Familienzentrum NRW erweitern Kindertageseinrichtungen ihre Angebotsstruktur. Sie öffnen sich für den Sozialraum, sorgen dort für Angebote und unterstützen Menschen mit Erziehungsfunktion vornehmlich durch Bildungsangebote und Eltern-Kind-Aktivitäten. Im Kern geht es darum, Eltern und Miterziehende in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Das können entweder Anregungen für das Erziehungsverhalten, aber auch Kreativ- oder Bewegungsangebote in Gemeinschaft mit anderen Eltern sein. In vielen Fällen wird das Familienzentrum aber auch zu einer vertrauensvollen Beratungsinstanz mit einem niederschwelligen Zugang zu Familien.
Zuvor verfolgten unterschiedliche Institutionen im Sozialraum diese Ziele.8 Diese getrennt nebeneinander stehendenden Angebote werden im Familienzentrum zu einem integrierten Gesamtkonzept verzahnt, greifen je nach regionalem Umfeld Vorhandenes auf und fügen neue Ideen hinzu. Durch das Aufbrechen von isolierten Angebotsstrukturen im Sozialraum werden Synergieeffekte ermöglicht und niederschwellige Zugänge zu familienunterstützenden Angeboten geschaffen.
Im Unterschied zu anderen Bundesländern basierte das Landesprogramm in NRW aber bereits bei der Entwicklung der Familienzentren im Jahr 2006 auf einer flächendeckenden Verbreitung. Ein dafür festgelegter Verteilungsmodus orientierte sich quantitativ an der Anzahl von Kindern bis zum 6. Lebensjahr und jeder Jugendamtsbezirk erhielt zu Beginn eine Übersicht für die Kontingentzuweisungen der kommenden Jahre.
Die qualitative Auswahl wurde den Jugendhilfeausschüssen mit der Vorgabe übertragen, vor Ort unter Berücksichtigung der Trägervielfalt für eine flächendeckende Verteilung zu sorgen. So können bspw. Familienzentren in NRW sehr von einer Verankerung in einem kommunalen Gesamtkonzept profitieren, das die »öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern und die Unterstützung von Familien ins Zentrum politischen Handelns stellt.« (Diller, 2006)
Diese Grundbedingungen geben den Familienzentren NRW von Anfang an ein klares Profil und unterscheiden diese von familienspezifischen Angeboten in anderen Bundesländern (Schlevogt, 2012).
Seit dem Jahr 2012 erfolgt die Standortauswahl für die Familienzentren NRW nach einem »Sozialindex«9 und ist seither auf ca. 100 neue Familienzentren pro Jahr festgelegt. Für das Ausbaujahr 2018/2019 wurden von der Landesregierung NRW sogar 150 neue Familienzentren beschlossen.
Diese Ausbauleistungen haben zu einer nahezu flächendeckenden Verbreitung der Familienzentren geführt:
Abb. 1: Die Verteilung von Familienzentren in NRW. Quelle: Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW o.J., o.S.: http://www.familienzentren.nrw.de/standorte.html)
Fragenkatalog und Handreichungen zum Gütesiegel Familienzentren NRW. URL: http://www.paedquis-familienzentrum.de
Gütesiegel Familienzentrum Nordrhein-Westfalen. Unter: www.familienzentrum.nrw.de (Stand: 2.1.2018).
Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (2018): Kleinräumige Auswahlkriterien für neue Familienzentren. URL: https://www.kita.nrw.de/fachkraefte-fachberatung/familienzentren-nordrhein-westfalen
Diese Arbeitshilfe gibt Ihnen einen Überblick über die Einrichtung von Familienzentren in NRW. Was sind Familienzentren und welche Werte vertreten diese? Dokument herunterladen
Die aktuelle Gesetzesfassung finden Sie unter https://recht.nrw.de.
16 Abs. 2 KiBiz NRW: Familienzentren können auch auf der Grundlage eines sozialräumlichen Gesamtkonzeptes als Verbund unter Einbeziehung mehrerer Kindertageseinrichtungen oder auch anderer kinder- und familienorientierter Einrichtungen tätig sein.
§ 16 Abs. 5 KiBiz NRW: Für jedes Familienzentrum im Sinne des § 16 Abs. 1 gewährt das Land dem Jugendamt einen zusätzlichen Zuschuss von 13.000 EUR pro Kindergartenjahr. Im Einzelfall können auch Einrichtungen von Verbünden nach § 16 Abs. 2 die Förderung nach Satz 1 erhalten, auch wenn sie keine Tageseinrichtung für Kinder sind. Absatz 2 Satz 2 gilt entsprechend.
Weitere Informationen online unter www.paedquis-familienzentrum.de.
Weitere Informationen online unter http://www.iaq.uni-due.de/.
Weitere Informationen zu konkreten Anforderungen oder der Gewichtung finden sich in verschiedenen Materialien, z.B. im »Gütesiegel Familienzentrum Nordrhein-Westfalen« oder unter: www.familienzentrum.nrw.de, »Fragenkatalog und Handreichungen« unter http://www.paedquis-familienzentrum.de.
Vgl. § 21 Abs. 5, 6 KiBiz.
Vor dem Jahr 2006 fanden sich diese Strukturen bereits in Mehrfamilienhäusern oder Eltern-Kind-Häusern, die vereinzelt bundesweit in Erscheinung getreten sind.
Es gelten kleinräumige Auswahlkriterien zur Förderung von Kindertageseinrichtungen und Familienzentren mit besonderem Unterstützungsbedarf, weitere Informationen: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, 2018.

References: § 16
 § 13
 § 21

§ 16
 § 16
 § 16
 § 21