Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Aufstockungen_Transferkurzarbeitergeld_Nettoentgelt_Aufstockungen_zum_Transferkurzarbeitergeld_sind_Nettoentgelt_LAG_Muenchen_11Sa200-14.html
Timestamp: 2018-01-24 03:51:55+00:00

Document:
Akten­zeichen: 11 Sa 200/14
Ent­scheid­ungs­datum: 23.07.2014
12 Ca 2061/13
Verkündet am: 23.07.2014
Öschay
hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23. Ju­li 2014 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Neu­mei­er und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Gei­er und Kirch­schla­ger
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München (Az.: 12 Ca 2061/13) vom 20.02.2014 wird auf Kos­ten des Klägers zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die rich­ti­ge Ab­rech­nung des dem Kläger im Rah­men ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft zu­ste­hen­den Ent­gelts.
Der Kläger war bis 31.08.2012 bei der E. GmbH & Co. KG (Fa. E.) beschäftigt. Der Ver­dienst des Klägers lag dort zu­letzt (Au­gust 2012) bei mo­nat­lich € 6.569,92 brut­to.
Auf­grund ei­ner er­heb­li­chen Ver­lust­si­tua­ti­on bei der Fa. E. war in­so­weit ei­ne Stand­ort­schließung vor al­lem be­tref­fend ei­nen Stand­ort in der St.-Mar­tin-Straße in B-Stadt ge­plant. Des Wei­te­ren soll­ten wei­te­re Re­struk­tu­rie­rungs­maßnah­men statt­fin­den. Während für den Be­reich der St.-Mar­tin-Straße B-Stadt ein Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trag zwi­schen der Fa. E. und der IG-Me­tall ab­ge­schlos­sen wur­de, wur­de für den Be­reich der Re-gi­on Süd, in der der Kläger beschäftigt war, nach Ver­hand­lun­gen am 26.07.2012 ein So­zi­al­plan ab­ge­schlos­sen.
Der Kläger un­ter­zeich­ne­te am 06.08.2012 ei­nen drei­sei­ti­gen Ver­trag vom 30.07.2012, mit dem sein Ar­beits­verhält­nis zur Fa. E. mit Ab­lauf des 31.08.2012 be­en­det wur­de und er
zum 01.09.2012 be­fris­tet bis 28.02.2014 in die Trans­fer­ge­sell­schaft der Be­klag­ten über-trat. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te schließlich auf­grund Ei­genkündi­gung des Klägers zum 08.12.2013.
Der drei­sei­ti­ge Ver­trag be­inhal­tet un­ter An­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen:
1. Am 26.07.2012 wur­de ein In­ter­es­sen­aus­gleich und ein So­zi­al­plan mit dem Be­triebs­rat der Re­gi­on Süd der E. ab­ge­schlos­sen. Die Be­stim­mun­gen die­ser Ver­ein­ba­run­gen sind dem Ar­beit­neh­mer be­kannt. Dem Ar­beit­neh­mer ist auch be­kannt, dass sein Ar­beits­platz bei E. entfällt und in­so­weit das Ar­beits­verhält­nis bei E. mit Wir­kung zum 31.08.2012 aus be­triebs­be­ding­ten Gründen be­en­det wer­den muss. Aus die­sem Grund wird dem Ar­beit­neh­mer ein be­fris­te­tes Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­verhält­nis mit der E.-TG an­ge­bo­ten, um ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung zu ver­mei­den.
2. Die E.-TG wird für den Ar­beit­neh­mer Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld i.S.d. § 111 SGB III be­an­tra­gen.
Ab­schnitt B: Be­gründung ei­nes Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­verhält­nis­ses mit E.-TG
1. Ver­trags­dau­er / Kurz­ar­beit 0
Der Ar­beit­neh­mer und die E. ver­ein­ba­ren den Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ver­tra­ges ab dem 01.09.2012. Das Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­verhält­nis en­det mit Aus­tritt aus der beE-E. Re­gi­on Süd, spätes­tens am 28.02.2014, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf.
Es wird Kurz­ar­beit 0 an­ge­ord­net und der Beschäfti­gungs­an­spruch entfällt. Der Ar­beit­neh­mer erklärt mit sei­ner Un­ter­schrift un­ter die­sem Ver­trag sein Ein­verständ­nis zu Kurz­ar­beit 0.
Der Ar­beit­neh­mer erhält auf der Ba­sis der von E. an die E.-TG zur Verfügung ge­stell­ten Ge­halts­da­ten, ab Ein­tritt in die E.-TG – un­ter An­rech­nung von Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit – bis zu sei­nem Aus­schei­den mo­nat­lich 75 % sei­nes Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens. Das Brut­to­mo­nats­ein­kom­men ist das 13,5-fa­che des bis­he­ri­gen Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens di­vi­diert durch zwölf. Während des Zeit­raums des Be­zu­ges von Trans­fer-Kurz­ar­bei­ter­gelt be­steht das Ent­gelt aus zwei Aus­zah­lungs­kom­po­nen­ten, der „KuG-
Leis­tung“ und dem „KuG-Zu­schuss“, die als Net­to­ent­gelt ge­zahlt wer­den, wel­ches sich aus 75 % des Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens er­rech­net.
1.1 So­fern im Rah­men der Jah­res­steu­er­erklärung (Pro­gres­si­ons­vor­be­halt) Nach­zah­lungs­ver­pflich­tun­gen ge­genüber dem Fi­nanz­amt ent-ste­hen soll­ten, hat der Ar­beit­neh­mer ge­genüber NSN und/oder NSN-TG kei­nen Er­stat­tungs­an­spruch.
Der So­zi­al­plan vom 26.07.2012 be­inhal­tet un­ter An­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen:
(2) Die­ser So­zi­al­plan soll die Be­din­gun­gen dafür schaf­fen, dass durch die Schaf­fung ei­ner Auf­fang­struk­tur die von Ent­las­sung be­droh­ten Beschäftig­ten der E. bei ih­rer not­wen­di­gen be­ruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung un­terstützt wer­den. Zu die­sem Zweck soll den von Ar­beits­lo­sig­keit be­droh­ten Beschäftig­ten nach Maßga­be die­ses So­zi­al­plans der Ab­schluss von Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­sen an­ge­bo­ten wer­den.
§ 6 Min­dest­be­din­gun­gen der Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­se
Der Über­tritt in die Trans­fer­ge­sell­schaft er­folgt auf Ba­sis ei­nes drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges (= drei Ver­trags­par­tei­en), der die Be­en­di­gung des mit E. be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges und die Be­gründung ei­nes be­fris­te­ten Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­ses bei der E.-Trans­fer­ge­sell­schaft mbH be­inhal­tet.
„(1) Ma­xi­mallauf­zeit des Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­ses von 18 Mo­na­ten.
(2) Ein Jah­res­ur­laubs­an­spruch von 20 Ta­gen auf Ba­sis ei­ner 5-Ta­ges­ar­beits­wo­che.
(3) Die Beschäftig­ten er­hal­ten in­ner­halb der BeE – un­ter An­rech­nung der Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit – ein BeE-Mo­nats­ent­gelt von 75 % ih­res Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens. Das Brut­to­mo­nats­ein­kom­men ist das 13,5-fa­che des diesjähri­gen Brut­to­mo­nats­ge­hal­tes di­vi­diert durch zwölf.“
Un­ter dem 14.12.2012 er­ließ die Ta­rif­schieds­stel­le gemäß § 8 des Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­tra­ges (be­tref­fend St.-Mar­tin-Str. B-Stadt) ei­nen Schieds­spruch zur Aus­le­gung der Be­rech­nung des Trans­fe­rent­gelts. Auf die Ein­zel­hei­ten des Schieds­spruchs (vgl. Bl. 115 – 123 d. A.) wird Be­zug ge­nom­men.
Ab Sep­tem­ber 2012 er­teil­te die Be­klag­te für den streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum bis Au­gust 2013 dem Kläger je­weils mo­nat­li­che Ent­gel­tab­rech­nun­gen. Da­bei wur­de von der Be­klag­ten aus dem letz­ten Brut­to­mo­nats­ein­kom­men des Klägers (be­rech­net aus dem 13,5-fa­chen Be­trag ge­teilt durch 12) ein Net­to­ent­gelt er­rech­net nach den persönli­chen Merk­ma­len des Klägers. Von die­sem Net­to­ent­gelt wur­de das Kurz­ar­bei­ter­geld, das der Kläger von der Bun­des­agen­tur er­hielt, ab­ge­zo­gen. Der rest­li­che Be­trag wur­de von Sei­ten des Ar­beit­ge­bers als Zu­schuss zum Kurz­ar­bei­ter­geld be­zahlt. Die­ser Be­trag wur­de auf ein Brut­to­ent­gelt hoch­ge­rech­net, auf das Steu­ern und So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge be­rech­net und ab­geführt wur­den.
Im vor­lie­gen­den Rechts­streit be­gehrt der Kläger vor al­lem die Ab­rech­nung des Ent­gelts während der Trans­fer­ge­sell­schaft in der Form, dass nicht nur der Zu­schuss des Ar­beit­ge­bers brut­to ab­ge­rech­net wird, son­dern die vol­len 75 % des letz­ten Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens (er­rech­net aus den 13,5-fa­chen Be­trag ge­teilt durch zwölf). Der Kläger war erst­in­stanz­lich der Auf­fas­sung, dass der Ge­samt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag gem. § 28 d SGB IV sich grundsätz­lich aus dem Brut­to­ar­beits­ent­gelt gem. § 14 Abs. 1 SGB IV er­rech­ne. Aus­schlag­ge­bend für die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung sei da­bei stets der Brut­to­lohn und so­mit der Be­trag, der sich vor Ab­zug der Steu­ern und So­zi­al­ver­si­che­rungs­an­tei­le er­ge­be. Dies fol­ge letzt­lich aus § 14 Abs. 2 SGB IV, der bei Ver­ein­ba­rung ei­nes Net­to­ar­beits­ent­gelts ei­ne Um­rech­nung in ein Brut­to­ar­beits­ent­gelt nach Maßga­be der Lohn­steu­er­richt­li­ni­en vor­se­he. Die Par­tei­en hätten von ei­ner Ver­ein­ba­rung ei­ner Net­to­lohn­ab­re­de aber ab­ge­se­hen. Ei­ne Net­to­lohn­ab­re­de wäre zwar pro­blem­los ver­ein­bar ge­we­sen. Der drei­sei­ti­ge Ver­trag spre­che aber in­so­weit nur von ei­nem Brut­to­ein­kom­men. Dies er­ge­be
sich auch aus dem So­zi­al­plan vom 30.07.2012. Die Be­klag­te ha­be da­her den Kläger von Nach­tei­len, die ihm aus der gewähl­ten Ab­rech­nungs­pra­xis auf Net­to­ba­sis entstünden, frei­zu­stel­len.
Der Kläger be­an­trag­te erst­in­stanz­lich, so­weit für die Be­ru­fung von Be­deu­tung:
1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat No­vem­ber 2012 in Höhe von EUR 5.568,77 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 2.445,26 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.12.2012 zu be­zah­len.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat De­zem­ber 2012 in Höhe von EUR 5.568,37 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 2.7967,13 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.01.2013 zu be­zah­len.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat Ja­nu­ar 2013 in Höhe von EUR 5.543,37 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 3.262,95 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.02.2013 zu be­zah­len.
4. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat Fe­bru­ar 2013 in Höhe von EUR 5.543,37 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 3.632,62 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.03.2013 zu be­zah­len.
5. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat März 2013 in Höhe von EUR 5.543,37 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 3.645,28 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.04.2013 zu be­zah­len.
6. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat April 2013 in Höhe von EUR 15.555,15 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 9.556,67 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.05.2013 zu be­zah­len.
7. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat Ju­ni 2013 in Höhe von EUR 5.543,37 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 3.636,84 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.07.2013 zu be­zah­len.
8. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat Ju­li 2013 in Höhe von EUR 5.543,37 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 3.636,84 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.08.2013 zu be­zah­len.
9. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger wei­te­res BeE Ge­halt für den Lohn­mo­nat Au­gust 2013 in Höhe von EUR 5.543,37 brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter EUR 3.636,84 net­to zzgl. 5 %-Punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 01.09.2013 zu be­zah­len.
10. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die in­so­weit feh­ler­haf­ten BeE Lohn­ab­rech­nun­gen seit Gel­tung des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges vom 30.07.2012, al­so ab dem Lohn­mo­nat Sep­tem­ber 2012, zu kor­ri­gie­ren und ei­ne mo­nat­li­che Neu­be­rech­nung des BeE Ge­halts vor­zu­neh­men un­ter der Maßga­be, dass die Be­klag­te 75% des Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens schul­det, wo­bei Brut­to­mo­nats­ein­kom­men in die­sem Sin­ne das 13,5 fa­che des bis­he­ri­gen Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens bei der NO­KIA Sie­mens Net­works GmbH & Co. KG di­vi­diert durch zwölf ist.
11. Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Kläger von jeg­li­chen Nach­tei­len ge­genüber Drit­ten frei­zu­stel­len, die dem Kläger aus der seit 1.9.2012 gewähl­ten Lohn­ab­rech­nungs­wei­se auf Ba­sis ge­leis­te­ten KUG Zu­schus­ses in Fol­ge des Pro­gres­si­ons­vor­be­hal­tes gem. § 32b EStG er­wach­sen.
12. Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Kläger von jeg­li­chen Nach­tei­len ge­genüber Drit­ten frei­zu­stel­len, die dem Kläger aus der seit
1.9.2012 gewähl­ten Lohn­ab­rech­nungs­wei­se auf Ba­sis ge­leis­te­ten KUG Zu­schus­ses in Fol­ge un­ter­zahl­ter So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben er­wach­sen.
Die Be­klag­te be­an­trag­te erst­in­stanz­lich:
Die Be­klag­te war erst­in­stanz­lich der Auf­fas­sung, dass die vor­ge­nom­me­ne Ab­rech­nung des Trans­fe­rent­gelts zu­tref­fend sei. Der vom Kläger be­gehr­te Be­rech­nungs­weg sei un­zu­tref­fend. Ei­ne Brut­to­lohn­ab­re­de für die Mo­na­te, in de­nen Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld be­zo­gen wer­de, sei nicht ge­trof­fen wor­den. In § 6 Ziff. 3 des So­zi­al­plans vom 26.07.2012 sei aus­drück­lich ein „BeE-Mo­nats­ent­gelt“ ver­ein­bart, kein Brut­to­mo­nats­ent­gelt. Der Wort­laut wei­se dar­auf­hin, dass es sich nicht um ein übli­ches Ar­beits­ent­gelt hand­le, son­dern um Trans­fe­rent­gelt und da­mit um ei­ne Auf­sto­ckungs­leis­tung zum Kurz­ar­bei­ter­geld. Die For­mu­lie­rung in Ab­schnitt B Ziff. 4 des drei­sei­ti­gen Ver­trags sei an­ge­lehnt an die For­mu­lie­rung des § 106 Abs. 2 Satz 2 SGB III, die für den Be­griff des Ar­beit­ge­ber­zu­schus­ses zum Kurz­ar­bei­ter­geld von „Ar­beits­ent­gelt, das un­ter An­rech­nung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des ge­zahlt wird“ spricht. Die Be­klag­te berück­sich­ti­ge die­se Re­ge­lung und die Re­ge­lung des So­zi­al­plans bei der Be­rech­nung der an den Kläger zu zah­len­den Ent­gel­te. Sie rech­ne auf Ba­sis des Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens ab, al­ler­dings un­ter An­rech­nung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des. In­so­weit ha­be auch die Ta­rif­schieds­stel­le bestätigt, dass die von der Be­klag­ten an­ge­wand­te Ab­rech­nungs­me­tho­de kor­rekt sei. Zwar sei der Spruch der Ta­rif­schieds­stel­le nicht un­mit­tel­bar an­wend­bar, er bestäti­ge aber, dass rich­tig ab­ge­rech­net würde. Zu­dem er­ge­be sich die Ab­rech­nungs­wei­se auch aus dem Wort­laut des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges. Aus die­sem wer­de deut­lich, dass 75% des Brut­to­ein­kom­mens während des Be­zugs von Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld nur als Re­chen­größe her­an­zu­zie­hen sei­en. Ei­ne Brut­to­lohn­ab­re­de für die Mo­na­te, in de­nen Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld be­zo­gen wer­de, sei nicht ge­trof­fen wor­den. Es sei le­dig­lich die Zah­lung ei­nes Auf­sto­ckungs­be­trags als Zu­schuss zu dem von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit gewähr­ten Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld ver­ein­bart wor­den. Da dies als Net­to­be­trag gewährt wer­de, be­ste­he kei­ne an­de­re Ab­rech­nungsmöglich­keit als die von der Be­klag­ten gewähl­te.
Das Ar­beits­ge­richt München hat mit dem an­ge­foch­te­nen En­dur­teil vom 20.02.2014 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Es hat dies da­mit be­gründet, dass der drei­sei­ti­ge Ver­trag ei­ne aus­drück­li­che Re­ge­lung der Vergütung für die Zeit des Be­zu­ges von Trans­fer-Kurz­ar­bei­ter­geld ent­hal­te, wo­nach sich das Ent­gelt aus den zwei als Net­to­ent­gelt zu zah­len­den Kom­po­nen­ten KuG-Leis­tung und KuG-Zu­schuss zu­sam­men­set­ze. In­so­fern lie­ge ei­ne Ei­ni­gung auf die Zah­lung ei­nes Net­to­ent­gel­tes und ei­ne Be­rech­nungs­for­mel und nicht auf ein Brut­to­ent­gelt vor. Auch Sys­te­ma­tik und Sinn der Ent­gelt­re­ge­lung würden die­ses Er­geb­nis der Wort­laut­aus­le­gung bestäti­gen.
Ge­gen die­ses, dem Kläger am 03.03.2014 zu­ge­stell­te, En­dur­teil rich­tet sich die Be­ru­fung des Klägers mit Schrift­satz vom 12.03.2014, am glei­chen Tag beim Lan­des­ar­beits­ge­richt München ein­ge­gan­gen.
Der Kläger ist im Rah­men der Be­ru­fung wei­ter­hin der Auf­fas­sung, dass die vor­ge­nom­me­ne Ab­rech­nungs­wei­se der Be­klag­ten un­zu­tref­fend sei. Im drei­sei­ti­gen Ver­trag sei ei­ne Brut­to­lohn­ab­re­de ent­hal­ten. Nach­dem der Ta­rif­ver­trag nicht an­wend­bar sei, kom­me es auch nicht auf die Aus­le­gung der Ta­rif­schieds­stel­le an. Be­mes­sungs­grund­la­ge für Steu­er und So­zi­al­ver­si­che­rung müss­ten da­her der Brut­to­lohn, al­so 75 % des Re­fe­renz­ge­hal­tes sein, nicht ein fik­ti­ves Brut­to, wel­ches aus dem Net­to­auf­sto­ckungs­be­trag er­rech­net wer­de. Auch neh­me der drei­sei­ti­ge Ver­trag nicht Be­zug auf den So­zi­al­plan. Aus dem drei­sei­ti­gen Ver­trag sei auch nicht zu ent­neh­men, dass das dort erwähn­te Brut­to­mo­nats­ein­kom­men le­dig­lich als Be­rech­nungs­größe die­nen sol­len. Die Dar­stel­lung im drei­sei­ti­gen Ver­trag, dass hier KuG-Be­zug und der KuG-Zu­schuss als Net­to­leis­tung ge­leis­tet würden sei an sich überflüssig, da die­se Leis­tun­gen oh­ne­hin im­mer nur net­to zu zah­len sei­en. Auf­grund der ver­schie­de­nen Be­zeich­nun­gen der zu zah­len­den Vergütung als Brut­to­mo­nats­ein­kom­men, mo­nat­li­che Vergütung, BeE-Mo­nats­ent­gelt oder Ent­gelt sei für den Kläger un­klar ge­we­sen, wie die Zah­lung er­fol­gen müsse. In­so­weit sei nicht hin­rei­chend klar ge­wor­den, dass ei­ne Net­to­lohn­ver­ein­ba­rung vor­lie­gen sol­le. Da­her sei nach der Un­klar­hei­ten­re­ge­lung des § 305 c BGB je­den­falls die Brut­to­lohn­ab­rech­nung ge­schul­det. Auch nach Aus­le­gung und Sinn und Zweck der Ver­ein­ba­rung sei zwar das Ar­beits­ent­gelt nach § 106 Abs. 2 Satz 2 SGB III an­rech­nungs­frei. Dies sa­ge aber nichts über ei­ne Brut­to- oder Net­to­lohn­ab­re­de aus. Die ge­setz­li­che Be­rech­nung in §§ 105, 106 SGB III würde die Net­to­lohn­ver­ein­ba­rung nicht vor­ge­ben. Zu­dem sei § 106 Abs. 2 Satz 2 oh­ne­hin man­gels hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit nicht an­zu­wen­den. Es sei auch möglich, das KuG und den KuG-
Zu­schuss in ei­nen Brut­to­be­trag hoch­zu­rech­nen und ins­ge­samt der Steu­er und So­zi­al­ver­si­che­rung zu un­ter­wer­fen. Ei­ne Er­spar­nis für die Be­klag­te recht­fer­ti­ge noch kein Abrücken von der ver­trag­li­chen Brut­to­lohn­ab­re­de. Bei der Aus­le­gung sei­en auch die Nach­tei­le für den Kläger zu berück­sich­ti­gen. Auch sei der Kläger nicht auf die be­ste­hen­den Nach­tei­le hin­ge­wie­sen wor­den. Die For­mu­lie­rung in Ab­schnitt C des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges hin­sicht­lich des Pro­gres­si­ons­vor­be­hal­tes sei für den Kläger nicht nach­voll­zieh­bar ge­we­sen.
Auf die Be­ru­fung der Kla­ge­par­tei wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 20.02.2014, Az.: 12 Ca 2061/13, wie folgt ab­geändert:
12. Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Kläger von jeg­li­chen Nach­tei­len ge­genüber Drit­ten frei­zu­stel­len, die dem Kläger aus der seit 1.9.2012 gewähl­ten Lohn­ab­rech­nungs­wei­se auf Ba­sis ge­leis­te­ten KUG Zu­schus­ses in Fol­ge un­ter­zahl­ter So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben er­wach­sen.
Die Be­klag­te be­an­trag­te zu­letzt:
Die Be­klag­te ist wei­ter­hin der Auf­fas­sung, dass die Be­rech­nung des Trans­fe­rent­gelts rich­tig sei. Denn es sei kei­ne Brut­to­lohn­ab­re­de, aber auch kei­ne Net­to­lohn­ab­re­de ge­trof­fen wor­den, viel­mehr sei zwi­schen den Par­tei­en die Zah­lung ei­nes Auf­sto­ckungs­ent­gelts gem. § 106 SGB III ver­ein­bart wor­den. So­wohl der drei­sei­ti­ge Ver­trag und der So­zi­al­plan würden be­stim­men, dass die Vergütung un­ter An­rech­nung von Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit er­fol­ge. Da­mit ent­spre­che die Re­ge­lung dem Wort­laut von § 106 Abs. 2 Satz 2 SGB III. Die Re­ge­lung des So­zi­al­plans, in der kein Brut­to­ent­gelt ver­ein­bart wor­den sei, son­dern le­dig­lich ein BeE–Mo­nats­ent­gelt, das sich aus ei­nem Brut­to­mo­nats­ge­halt er­rech­ne zei­ge, dass durch­aus zwi­schen Brut­to­ent­gelt und dem BeE–Mo­nats­ent­gelt dif­fe­ren­ziert wer­de. Ins­be­son­de­re stel­le aber Satz 3 von Ab­schnitt B Zif­fer 4 des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges klar, dass das von der Kla­ge­par­tei er­hal­te­ne Ent­gelt sich aus den bei­den Aus­zah­lungs­kom­po­nen­ten KuG-Leis­tung und KuG-Zu­schuss zu­sam­men­set­ze. Die­se würden als Net­to­ent­gelt ge­zahlt wer­den, wel­ches sich wie­der­um aus 75 % des Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens er­rech­ne. Dar­aus sei klar zu er­se­hen, dass die 75 % des Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens le­dig­lich ei­ne Re­chen­größe dar­stel­len würden. Auch nach dem Sinn und Zweck der
Vergütungs­ver­ein­ba­rung, nämlich die Kla­ge­par­tei während des Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­ses weit­ge­hend ma­te­ri­ell ab­zu­si­chern und gleich­zei­tig die Be­klag­te um Lohn-kos­ten zu ent­las­ten, sei die­se Ab­rech­nungs­mo­da­lität ge­schul­det. Der Zweck würde an­sons­ten völlig ver­fehlt, weil die Aus­le­gung, wie sie von Sei­ten des Klägers vor­ge­nom­men würde, da­zu führen würde, dass der An­spruch der Kla­ge­par­tei auf Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld ent­fie­le oder je­den­falls auf ein wirt­schaft­lich un­be­deu­ten­des Maß zu­sam­men­schrump­fen würde. Würden auf den vol­len Be­trag von 75 % des Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens Steu­er und So­zi­al­ver­si­che­rung be­rech­net und ab­geführt, würde dies auch der Re­ge­lung wi­der­spre­chen, wo­nach das Kurz­ar­bei­ter­geld ge­ra­de nicht steu­er­pflich­tig sei. In­so­fern ha­be die Be­klag­te rich­tig ab­ge­rech­net. Steu­er und So­zi­al­ver­si­che­rungs­beträge würden auch von der Be­klag­ten nicht verkürzt, son­dern ent­spre­chend den steu­er­li­chen und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten ord­nungs­gemäß ab­ge­rech­net und ab­geführt. Zu­dem sei auch im drei­sei­ti­gen Ver­trag ge­re­gelt, dass Nach­zah­lungs­ver­pflich­tun­gen we­gen Nach­tei­len durch Pro­gres­si­ons­vor­be­halt von Sei­ten des Klägers nicht ge­stellt wer­den könn­ten. Die Re­ge­lung sei in­so­weit auch klar. In­dem die Aus­le­gung auch nicht meh­re­re Er­geb­nis­se möglich ma­che, kom­me es auch nicht auf die Un­klar­hei­ten­re­ge­lung des § 305 c Abs. 2 BGB an. Auf­grund der De­ckungs­gleich­heit der Wort­lau­te auch des So­zi­al­plans und des Ta­rif­ver­tra­ges sei zu­dem auch die Aus­le­gung der Ta­rif­schieds­stel­le ergänzend her-an­zu­zie­hen.
Im Übri­gen wird auf die Schriftsätze vom 12.03.2014, 03.06.2014, 16.07.2014 so­wie auf die Sit­zungs­nie­der­schrift Be­zug ge­nom­men.
Die nach § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des Klägers ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 519, 520 ZPO) und da­her zulässig.
1. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf wei­te­re Zah­lun­gen ge­genüber der Be­klag­ten un­ter Neu­ab­rech­nung der während der Trans­fer­ge­sell­schaft be­zahl­ten Ent­gel­te ins­ge­samt als Brut­to­lohn, be­rech­net aus den vollständi­gen 75 % des rech­ne­ri­schen letz­ten Brut­to­ein­kom­mens. Es schei­den auch Er­satz­ansprüche für steu­er­li­che oder so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Nach­tei­le aus.
a) Dies er­gibt die Aus­le­gung des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges in Ver­bin­dung mit § 6 des So­zi­al­plans.
aa) Bei den Klau­seln des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges han­delt es sich um all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen, die nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen sind, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. An­satz­punkt für die nicht
am Wil­len der je­wei­li­gen Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­ses zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss. So­weit auch der mit dem Ver­trag ver-folg­te Zweck ein­zu­be­zie­hen ist, kann das nur in Be­zug auf ty­pi­sche und von red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Zwe­cke gel­ten (vgl. z.B. BAG Ur­teil vom 17.04.2013 – 10 AZR 281/12).
bb) Berück­sich­tigt man die­se Aus­le­gungs­grundsätze, so ist zum ei­nen ge­genüber der Auf­fas­sung des Klägers fest­zu­stel­len, dass bei Aus­le­gung des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges u.a. auch der So­zi­al­plan her­an­zu­zie­hen ist. Zwar wur­de der So­zi­al­plan nicht aus­drück­lich im Rah­men des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges in Be­zug ge­nom­men. Dies war auch nicht er­for­der­lich, da der So­zi­al­plan, an­ders als ein Ta­rif­ver­trag, der ei­ne Ta­rif­bin­dung ent­we­der durch Mit­glied­schaft, in­fol­ge All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung oder In­be­zug­nah­me vor­aus­setzt, als Be­triebs­ver­ein­ba­rung un­mit­tel­bar für die Mit­ar­bei­ter gilt, wenn der für sie zuständi­ge Be­triebs­rat die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­sen hat. Dies ist un­strei­tig der Fall. Da­her ist der So­zi­al­plan auch oh­ne aus­drück­li­che In­be­zug­nah­me auf das Ar­beits­verhält­nis an-zu­wen­den. Zu­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass in der Präam­bel des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges auch fest­ge­hal­ten ist, dass die Ar­beit­neh­mer Be­stim­mun­gen die­ses So­zi­al­pla­nes ken­nen. Nach­dem der So­zi­al­plan aber in § 6 eben­falls das Ent­gelt während der Dau­er der Trans­fer­ge­sell­schaft re­gelt, wa­ren auch die­se Re­ge­lun­gen des So­zi­al­plans ergänzend zur Aus­le­gung des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges und zur Aus­le­gung der rich­ti­gen Be­rech­nungs­me­tho­de zu­grun­de zu le­gen.
cc) Bei der Re­ge­lung des So­zi­al­plans muss­te zum ei­nen der Kläger be­reits er­ken­nen, dass es sich hier­bei vom Wort­laut her nicht um die Zah­lung ei­nes Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens in Höhe der 75 % des zu­grun­de zu­le­gen­den Re­fe­renz­ge­hal­tes han­delt, son­dern um ein BeE-Mo­nats­ent­gelt, wel­ches sich hier­aus er­rech­ne­te. Dies wur­de noch­mals deut­lich durch die Re­ge­lung im drei­sei­ti­gen Ver­trag, in dem zwar grundsätz­lich ge­re­gelt ist, dass der Kläger 75 % sei­nes Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens erhält, gleich­zei­tig aber durch die Re­ge­lung am En­de des ers­ten Ab­sat­zes von Zif­fer 4 er­sicht­lich ist, dass das Ent­gelt sich letz­ten En­des aus zwei Net­to­kom­po­nen­ten, der KuG-Leis­tung und dem KuG-Zu­schuss
zu­sam­men­setzt, wel­ches sich nur aus 75 % des Re­fe­renz­ge­hal­tes er­rech­net. Es er­gibt sich be­reits aus dem Wort­laut, nämlich aus dem Wort­laut des So­zi­al­plans und dem drei­sei­ti­gen Ver­trag, dass kein Brut­to­be­trag ins­ge­samt ge­schul­det ist, son­dern dass ein BeE-Ent­gelt ge­schul­det ist, wel­ches sich letz­ten En­des aus den zwei Net­to­kom­po­nen­ten zu­sam­men­setzt und sich nur an der Re­chen­größe des Brut­to­ein­kom­mens ori­en­tiert.
dd) Das Aus­le­gungs­er­geb­nis er­gibt sich auch dar­aus, dass im drei­sei­ti­gen Ver­trag wie auch im So­zi­al­plan ein­deu­tig ge­re­gelt ist, dass die zu zah­len­de Vergütung un­ter An­rech­nung von Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit er­folgt. Nach­dem aber die Leis­tung der Agen­tur für Ar­beit, das Kurz­ar­bei­ter­geld, nach den ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Re­ge­lun­gen ( § 3 Nr.2 EStG) steu­er­frei ist und in­so­weit ein Net­to­ent­gelt dar­stellt, ein Net­to­ent­gelt aber nicht von ei­nem Brut­to­ent­gelt ab­zieh­bar ist, war es oh­ne­hin un­aus­weich­lich, zunächst die Net­to­ge­samt­leis­tung zu er­rech­nen und hier­von das Kurz­ar­bei­ter­geld ab­zu­zie­hen. Zu Recht weist die Be­klag­te dar­auf hin, dass an­sons­ten das Kurz­ar­bei­ter­geld prak­tisch der Steu­er und der So­zi­al­ver­si­che­rung un­ter­wor­fen würde. Gleich­zei­tig ist auch nach­voll­zieh­bar, dass, wenn von vorn­her­ein ei­ne Brut­to­lohn­ab­rech­nung vor­ge­nom­men würde, auch der Sinn und Zweck der Trans­fer­ge­sell­schaft, nämlich zum ei­nen den Kläger wei­test­ge­hend ab­zu­si­chern, an­de­rer­seits aber auch die Be­klag­te zu ent­las­ten, nicht er­reicht würde. Nach der im Schrift­satz der Be­klag­ten vom 12.02.2014 ge­schil­der­ten Bei­spiel­rech­nung (Bl. 129 d. A.), der der Kläger auch nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten ist, würde an­sons­ten ins­be­son­de­re der Zweck, auch Er­spa­run­gen bei der Be­klag­ten durch Ver­rin­ge­rung von Lohn­kos­ten zu er­rei­chen, ver­ei­telt. Im Rah­men der Aus­le­gung sind aber auch die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen mit ein­zu­be­zie­hen und nicht et­wa nur ein­sei­ti­ge In­ter­es­sen des Klägers. Die In­ter­es­sen des Klägers wer­den aber in der vor­lie­gen­den Aus­le­gungs­va­ri­an­te be­reits da­durch berück­sich­tigt, dass er von der Höhe des Net­to­be­zu­ges prak­tisch ma­te­ri­ell weit-ge­hend in Höhe von 75 % ab­ge­si­chert ist, während an­sons­ten die Be­klag­te ih­re In­ter­es­sen bei ei­ner an­de­ren Ab­rech­nungs­mo­da­lität nicht ge­wahrt sähe. Darüber hin­aus ist auch aus der Re­ge­lung in Ab­schnitt C des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges, in der die Fol­gen des Pro­gres­si­ons­vor­be­hal­tes an­ge­spro­chen wer­den, be­reits er­sicht­lich, dass die verständi­gen Ver­trags­part­ner tatsächlich da­von aus­ge­gan­gen sind, dass hier Nach­tei­le ent­ste­hen können und die­se dann ge­ge­be­nen­falls vom Kläger al­lein zu tra­gen sind. Wenn dem Kläger die For­mu­lie­run­gen des Pro­gres­si­ons­vor­be­hal­tes in die­ser Klau­sel un­klar ge­we­sen sein soll­ten, wäre es möglich ge­we­sen in­so­weit nach­zu­fra­gen oder recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len.
An sich ist im Rah­men des Pro­gres­si­ons­vor­be­hal­tes klar, dass durch Gewährung steu­er-frei­er Leis­tun­gen zwar auf die steu­er­freie Leis­tung kei­ne Steu­er anfällt, je­doch die­se Zah­lung zur Erhöhung des Ein­kom­mens führt, was wie­der­um über den Pro­gres­si­ons­vor­be­halt zu ei­ner erhöhten Steu­er und even­tu­el­len Steu­er­nach­zah­lung führen kann.
Sch­ließlich ist auch nicht er­sicht­lich, wie die von Sei­ten des Klägers an­ge­spro­che­ne Hoch­rech­nung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des auf ei­nen Brut­to­be­trag von stat­ten ge­hen soll. Nach­dem die­ses Kurz­ar­bei­ter­geld ein­deu­tig steu­er­frei ist, wäre es wi­der­sin­nig, die­ses Kurz­ar­bei­ter­geld wie­der­um zu ei­nem Brut­to­be­trag hoch­zu­rech­nen, der dann wie­der der Steu­er un­ter­wor­fen sein soll­te.
Da­her spre­chen so­wohl der Wort­laut des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges wie auch Sinn und Zweck der Re­ge­lung für die Ab­rech­nungs­me­tho­de, die die Be­klag­te vor­ge­nom­men hat. Da so­mit das Aus­le­gungs­er­geb­nis ein­deu­tig ist, ist für die Un­klar­hei­ten­re­ge­lung des § 305 c Abs. 2 BGB kein Raum.
Da­her war die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen.
2. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO.
3. We­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung des Rechts­streits auf­grund ei­ner Viel­zahl von Par­al­lelfällen war die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen. Auf die nach­fol­gen­de Rechts­mit­tel­be­leh­rung wird in­so­weit ver­wie­sen.
Gei­er
Kirch­schla­ger
zur Übersicht 11 Sa 200/14

References: § 111

§ 6
 § 8
 § 28
 § 14
 § 14
 § 32
 § 6
 § 106
 § 305
 § 106
 § 106
 § 106
 § 106
 § 305
 § 64
 § 6
 § 6
 § 3
 § 305
 § 97