Source: https://justitiasnews.wordpress.com/2015/08/25/das-reichsstrafgesetzbuch-vom-15-05-1871-schuetzte-in-%C2%A7-168-zunaechst-nur-den-leichnam/
Timestamp: 2017-08-22 07:15:15+00:00

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Das Reichsstrafgesetzbuch vom 15.05.1871 schützte in § 168 zunächst nur den „Leichnam“ … – justitiasnews
25. August 2015 justitiasnews1 Kommentar
In der Begründung zum Vorentwurf zu einem Deutschen Strafgesetzbuch von 1909 heißt es etwa, dass die sich bei einer Feuerbestattung „ergebenden Aschereste aber den gleichen Schutz gegen einen pietätlosen Zugriff verdienen“ und „nach dem Vorbild ausländischer Gesetzgebungen dem Leichnam die Asche eines Verstorbenen gleichgestellt“ werden sollen13. Die Begründung verweist auf das in der Literatur herangezogene Vorbild im italienischen Recht14. Die in diesem Zusammenhang verwendete Formulierung „Aschenreste“, die im Bestattungsrecht synonym für das Wort „Asche“ gebraucht wird (vgl. etwa § 6 Preußisches Feuerbestattungsgesetz vom 14.09.1911; § 9 Feuerbestattungsgesetz 1934; § 10 der Verordnung über die Durchführung des Feuerbestattungsgesetzes vom 26.06.1934, RGBl. – I 519; § 6 Abs. 4 der Verordnung über die Anforderungen für den Betrieb von Feuerbestattungsanlagen im Land Brandenburg vom 04.09.2002; § 20 Abs. 3 Hessisches Friedhofs- und Bestattungsgesetz vom 05.07.2007; Hellwig, Feuerbestattung und Rechtspflege 1911, 14 f.; Gaedke, aaO S. 110, 238, 240 f.), macht deutlich, dass historisch mit „Asche“ sämtliche Reste des verbrannten menschlichen Körpers gemeint waren. Dementsprechend war unter der Geltung des ursprünglichen Straftatbestandes bemängelt worden, dass die bei der Feuerbestattung zurückbleibende Asche nicht geschützt sei: „Eine ausdrückliche Bestimmung, kraft deren auch die Reste der Feuersbestatteten geschützt werden, würde zur Aufnahme bei einer Revision unseres Strafgesetzbuches also wohl zu empfehlen sein …“ 15. „Auch diejenigen Orte, an welchem die nach Verbrennung verbliebenen Reste des menschlichen Leichnams bestimmungsgemäß aufbewahrt werden, [sollten] Gräber im rechtlichen Sinne werden“ 16. Denn in einem Urnengrab ruhten die „individuell gesonderten leiblichen Überreste des Todten …, und auch in dieser Gestalt haben sie Anspruch auf Frieden“ 17. Damit waren die Verbrennungsreste eines menschlichen Körpers, die nicht ausnahmslos – wie auch der Einsatz der Knochenmühle im Krematorium zeigt – einen pulverigen Zustand aufweisen, historisch in ihrer Gesamtheit als schützenswert anerkannt. Hieran knüpfte der Gesetzgeber mit dem Dritten Strafrechtsänderungsgesetz ausdrücklich an12.
Einäscherung, Reichsstrafgesetzbuch
Ein Gedanke zu “Das Reichsstrafgesetzbuch vom 15.05.1871 schützte in § 168 zunächst nur den „Leichnam“ …”
25. August 2015 um 21:28

References: § 168
 § 6
 § 9
 § 10
 § 6
 § 20
 § 168