Source: http://schulkinderbetreuung.awo-trostberg.de/paedagogischeinhalte/integration/index.html
Timestamp: 2019-03-21 09:46:09+00:00

Document:
Seit Öffnung unserer Einrichtung leisten wir Integrationsarbeit, auch wenn wir kein staatlich anerkannter Integrationshort sind, d.h. keine zusätzlichen Förderungen erhalten.
Dies hängt zum einen damit zusammen, dass es für uns selbstverständlich ist, alle Kinder aufzunehmen, “normale” Kinder, “verhaltensoriginelle” Kinder, Kinder mit Lernschwierigkeiten, Entwicklungsrückständen, psychischen und körperlichen Problemen und Kinder aller Nationalitäten.
Zum anderen konnten wir aufgrund des großen Bedarfs an Betreuungsplätzen in unserer Einrichtung keine Reduzierung der Gruppenstärke befürworten.
Durch das neue Finanzierungsgesetz in Bayern, das im September 2007 in Kraft getreten ist, hat sich allerdings die Personalförderung gerade in Horten so dramatisch verschlechtert, dass wir für Beginn des Schuljahres 2008/09 eine Integrationsgruppe bzw. Einzelintegrationsplätze beantragen werden.
Kinder und Jugendliche, die aufgrund verschiedener Auffälligkeiten einen erhöhten Förderbedarf haben, können mit dem Personalschlüssel 1:12 (das bedeutet eine pädagogische Kraft für 12 Kinder) nicht mehr integriert und zusätzlich gefördert werden. Zeiten für höheren Aufwand für Elternarbeit, Zusammenarbeit mit den Schulen, dem Jugendamt und Fachdiensten werden durch die Personalkostenfinanzierung nicht berücksichtigt. Allerdings brauchen wir, das pädagogische Fachpersonal, auch fachliche Unterstützung, z.B. durch Ergotherapeuten oder psychologische Fachkräfte, um für unsere “Integrationskinder”eine optimale Förderung zu bekommen.
Zielgruppe für die Integration:
Alle Kinder und Jugendliche, die aufgrund körperlicher oder seelischer Probleme unsere intensive Unterstützung benötigen, damit sie in unserem bestehenden Gesellschaftssystem nicht ausselektiert werden (also in ihrer Familie und in ihrer Regelschule bleiben können und “Hilfe vor Ort” erhalten)
Um dies zu erreichen heißt es gesetzlich:
“Unsere Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, die seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht sind und deshalb Anspruch auf Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII haben.”
„Seelisch behindert“ bedeutet, dass die seelische Gesundheit über einen längeren Zeitraum von mindestens sechs Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht und dadurch eine Teilnahme am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist. Das bedeutet, dass ein soziales Integrationsrisiko hinzutritt und, dass die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit aller Voraussicht nach nicht unerheblich beeinträchtigt wird.
Mögliche Hinweise auf “heilpädagogischen Hilfebedarf” nach § 35a:
längerfristige psychische Belastungen des Kindes durch familiäre Probleme
erhebliche kulturelle und sprachliche Probleme durch Migrationshintergrund mit einem hohen Leidensdruck
Lernschwächen und Teilleistungsstörungen (z.B. Dyskalkulie oder Legasthenie) und dadurch eine zu erwartende Eingliederungsunfähigkeit in die Gesellschaft
Antragsverfahren auf Anerkennung nach § 35a
1. Antrag der Eltern auf Integrationsplatz beim Jugendamt
2. Diagnostik von einem Facharzt oder dem sozialpädriatischen Zentrum für Kinder und Jugendliche in Traunstein oder Altötting nach den Kriterien des ICD/10
3. standardisierte Stellungnahme der Schule
4. Feststellung des “heilpädagogischen Förderbedarfs” ausdrücklich für Hortbetreuung durch den allgemeinen sozialen Dienst des Jugendamtes
5. Zustimmung des Jugendamtes Traunstein als Bewilligungsbehörde
Praktische Umsetzung der Integration
1. Förderung in der Gruppe:
Unser Hauptziel ist die soziale Integration in der Gruppe, die für alle Kinder der
zentrale Lebensraum ist.
“Partizipation aller Kinder ohne Einschränkung an allen Angeboten, Hilfen und Maßnahmen, die für das seelische, geistige und körperliche Wohl des Kindes und für seine optimale Entwicklung notwendig sind, VON ANFANG AN!”
2. individuelle Förderung durch das pädagogische Personal:
Jedes Kind soll die fachliche und persönliche Unterstützung erhalten, die es für seine gesunde Entwicklung braucht. Ausgehend von den Fähigkeiten des Kindes wollen wir mit unserer Förderung zur Entwicklung einer selbstbewussten, sozialen und selbstständigen Persönlichkeit beitragen.
Ziel der Einzelförderung ist hierbei:
das Nachholen fehlender Erfahrungen
der Ausgleich einseitiger Erfahrungen
die Erweiterung vorhandener Kompetenzen zur Bewältigung der persönlichen Lebenssituation
Jedes Integrationskind erhält einmal in der Woche eine individuelle Förderung. Dabei erlebt jedes Kind eine Atmosphäre von Zuwendung, Ruhe und genügend Zeit, um auf seine Bedürfnisse eingehen zu können.
3. Förderung durch Fachdienste:
Je nach Förderbedarf holen wir Fachdienste ins Haus. Vorgesehen ist hauptsächlich ein psychologischer Fachdienst, um eine psychotherapeutisch fundierte Therapie zu gewährleisten. In der Regel erhalten die heilpädagogischen Förderkinder 2 Einheiten Einzeltherapie. Bei entsprechender Indikation wird die Einzelbehandlung gegebenenfalls durch Paar- oder Gruppentherapiestunden ergänzt, bzw. ersetzt.
Die Psychotherapiestunden sind in der Regel heilpädagogisch-spieltherapeutisch orientiert.
4. Förderpläne und Verlaufsdiagnostik - Zusammenarbeit mit den Fachdiensten:
Zur Förderung erstellen wir einen fachübergreifenden koordinierten Förderplan. Der Förderplan wird zusammen mit dem pädagogischen Fachpersonal und dem jeweiligen Fachdienst erstellt und fortlaufend reflektiert und aktualisiert. Zusätzlich wird die Entwicklung der Förderkinder nach §35a KJHG und die Wirkung der Behandlungsmaßnahmen fortlaufend überprüft und dokumentiert.
5. Zusammenarbeit mit den Eltern:
Zusammen mit den Eltern wird in regelmäßigen terminierten Gesprächen versucht, gemeinsame Erziehungsziele und Vorgehensweisen zu erarbeiten. Bei besonderem Bedarf wirkt das Jugendamt mit. Außerdem werden die Eltern regelmäßig über den Entwicklungsstand ihres Kindes informiert.
6. Zusammenarbeit mit den Schulen:
Um eine Förderung nach §35a zu erhalten, muss die Lehrkraft eine standar-disierte Stellungnahme beim Jugendamt abgeben. Dazu ist es zuerst einmal nötig, die Lehrkräfte über die Integrationsarbeit in unserer Einrichtung zu infomieren. Im Idealfall nimmt die Lehrkraft dann an allen Elterngesprächen in unserer Ein-richtung mit teil. Auch die gegenseitige Hospitation und Teilnahme an Konferen-zen wird von unserer Seite angestrebt. Wichtig ist gerade bei den Hausaufgaben eine regelmäßige Absprache darüber zu treffen, was möglich und nötig ist.
7. Zusammenarbeit mit dem Jugendamt:
Das pädagogische Fachpersonal hat bei der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt eine entscheidende Rolle, da es oft erst einmal zwischen Eltern und Jugendamt vermitteln bzw. die Eltern überzeugen muss, dass sie ein Recht auf Hilfe bei der Erziehung haben, das Jugendamt ihnen hilft, sie dabei unterstützt und nicht daran interessiert ist, ihnen das Kind zu entziehen, was gerade Familien mit Migrationshintergrund oft befürchten.
Das Jugendamt trägt entscheidend dazu bei in welcher Form Integration ermöglicht wird und letztendlich auch gelingt:
das Jugendamt genehmigt den Integrationsantrag nach §35a für den Hort
das Jugendamt entscheidet, ob ein Fachdienst für die Einrichtung erforderlich ist (gerade für Trostberg sehr wichtig, da es keine Fachstellen “vor Ort” gibt!)
das Jugendamt bezahlt den entsprechenden Fachdienst für die Einrichtung, wobei alle Leistungen mit der Jugendhilfe verhandelbar sind und momentan zwischen 42,00 und 120,00Euro pro Kind/pro Stunde liegen können
das Jugendamt bestimmt die Dauer der Maßnahme
Deshalb ist es sehr wichtig, dass Mitarbeiter des Jugendamtes regelmäßig an Besprechungen mit den Fachstellen, den Eltern und der Schule teilnehmen und über die laufenden Maßnahmen informiert wird. Gerade in Krisensituationen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Einrichtung und Jugendamt von großer Bedeutung.
Zusammenarbeit mit Träger und Stadt:
Nur wenn Träger und Stadt hinter dem Integrationsgedanken stehen, ist es möglich die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Integration gelingen kann, gerade im Hortbereich, wo es nicht um körperliche, sondern um seelische “Behinderung” geht. Deshalb wird angestrebt, dass Vertreter des jeweiligen Stadtrates und der Träger in regelmäßigen Treffen über die Integration im Haus informiert werden und es ist zu hoffen, dass Integration in Trostberg nicht von parteipolitischen Entscheidungen abhängt.
Finanziert wir die Integration über:
Förderbeiträge, die nach Art. 21 BayKiBiG (Bayerisches Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz) durch die Stadt Trostberg und das Jugendamt geleistet werden und abhängig von den Buchungszeiten sind
Pflegesatz für die Fachdienste durch das Jugendamt Traunstein
Elternbeiträge, abhängig von der Buchungszeit im Hort
Um unseren Integrationsansatz besser erklären zu können, beginnen wir am besten von Anfang an....
Seit dem 19. Jahrhundert wurden “nicht normal funktionierende” Kinder und Erwachsene selektiert. Gründe dafür waren u.a., dass durch die industrielle Entwicklung und der entstehenden Bildungsgesellschaft kein Platz mehr für Menschen mit Behinderungen war. Sie funktionierten einfach nicht “effizient”.
Es gab allerdings auch caritative Gründe für die Selektion. Durch die Schaffung eigener Einrichtungen wollte man den “nicht Normalen” Schonräume” bieten.
Seit Beginn der siebziger Jahre hat man in Deutschland begonnen, Kinder und Jugendliche mit körperlichen und seelischen Problemen zu integrieren, also zusammen mit “Nichtbehinderten” in Kindertagesstätten und Schulen zu betreuen und zu bilden. Hintergrund war, dass verschiedene Untersuchungen gezeigt haben, dass den Betroffenen durch die Selektion bedeutsame Entwicklungsfaktoren entzogen wurden und ihre geistigen und körperlichen Fortschritte größer waren, wenn alle zusammen gefördert wurden. Seitdem wird auch in den Schulen immer mehr versucht, Integration zu optimieren und umfassend zu erweitern (Inklusion). Ziel muss sein, dass sich eine “Pädagogik der Vielfalt” entwickelt, dass heißt, Unterschiedlichkeiten der Kinder nicht mehr als Störfaktor gesehen werden, sondern als Ausgangslage und auch als Zielvorstellung der pädagogischen Arbeit. Nur so *gelingt ein gemeinsames Leben und Lernen aller:
nicht behinderte und behinderte Kinder, Mädchen und Jungen, einheimische Kinder und Kinder mit einer anderen Hautfarbe, Kinder mit einem anderen kulturellen Hintergrund, schulisch begabte, hochbegabte und schulschwache Kinder mit allen ihren Unterschiedlichkeiten, Kinder mit schwieriger sozio-ökonomischer Familiensituation....

References: § 35
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 Art. 21