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Timestamp: 2019-12-15 13:06:25+00:00

Document:
BGH, X ZB 29/07: Antennenhalter Leitsatzentscheidung
Urteil des BGH vom 11.12.2001, X ZB 29/07
Aktenzeichen: X ZB 29/07
Antennenhalter Leitsatzentscheidung
X ZB 29/07
betreffend das Gebrauchsmuster 202 19 274
GG Art. 103 Abs. 1; PatG § 100 Abs. 3 Nr. 3
BGH, Beschl. v. 16. September 2008 - X ZB 29/07 - Bundespatentgericht
Der X. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 16. September 2008
durch die Richter Scharen und Keukenschrijver, die Richterin Mühlens und die
Richter Prof. Dr. Meier-Beck und Asendorf
Die Rechtsbeschwerde gegen den am 19. Juni 2006 verkündeten
Beschluss des 5. Senats (Gebrauchsmuster-Beschwerdesenat)
des Bundespatentgerichts wird auf Kosten der Antragsgegner zurückgewiesen.
Der Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 100.000,-- €
1Die Antragsgegner sind Inhaber des Gebrauchsmusters 202 19 274
(Streitgebrauchsmuster), das einen Antennenhalter betrifft, aus der deutschen
Patentanmeldung 101 60 697.4 mit Anmeldetag vom 11. Dezember 2001 abgezweigt ist und 22 Schutzansprüche umfasst. Der eingetragene Schutzanspruch 1 lautet:
"Antennenhalter (10) mit einer Montagebasis (18), einem Antennenmast (12, 52, 52´) und Haltemitteln (14, 16; 54, 64; 54´, 64´) zur
Befestigung des Antennenmastes an der Montagebasis, wobei die
Montagebasis Mittel (20, 22) zur Veränderung ihrer Längsausdehnung umfasst, dadurch gekennzeichnet, dass die Montagebasis
(18) Befestigungselemente (24, 26) aufweist, mittels welcher sie auf
zwei benachbarte Dachsparren oder Dachlatten befestigbar ist."
2Wegen der weiteren Schutzansprüche wird auf das Gebrauchsmuster
3Auf den Teillöschungsantrag der Antragsteller hat die Gebrauchsmusterabteilung des Deutschen Patent- und Markenamts das Streitgebrauchsmuster im Umfang der Schutzansprüche 1 bis 6, 10 und 12 bis 14 gelöscht, soweit
es über den von den Antragsgegnern hilfsweise verteidigten, die eingetragenen
Schutzansprüche 1 bis 4 umfassenden Schutzanspruch 23 vom 20. Februar
2006 hinausgeht. Auf die Beschwerde der Antragsteller hat das Bundespatentgericht das Streitgebrauchsmuster im Umfang der Ansprüche 1 bis 6, 9, 10 und
12 bis 14 gelöscht; die Beschwerde der Antragsgegner, mit der diese im Wesentlichen die Klarstellung begehrt haben, dass die Löschung die Schutzansprüche 10 und 12 bis 14 nur betrifft, soweit diese auf die Schutzansprüche 1
bis 6 und 10 rückbezogen sind, hat das Patentgericht zurückgewiesen.
4Hiergegen richtet sich die nicht zugelassene Rechtsbeschwerde der Antragsgegner, der die Antragsteller entgegengetreten sind.
5Die Rechtsbeschwerde ist statthaft, da mit ihr der Beschwerdegrund der
Verletzung rechtlichen Gehörs (§§ 18 Abs. 3 Satz 1 GebrMG, 100 Abs. 3 Nr. 3
PatG) geltend gemacht wird, und auch im Übrigen zulässig. In der Sache bleibt
sie ohne Erfolg, da der geltend gemachte Beschwerdegrund nicht vorliegt.
61. Das Bundespatentgericht hat ausgeführt, es könne dahingestellt bleiben, ob das Streitgebrauchsmuster in der Fassung des Anspruchs 23 nach
Hauptantrag zulässig verteidigt werden könne, denn dessen Gegenstand möge
zwar neu sein, beruhe jedoch nicht auf einem erfinderischen Schritt. Dies hat
das Bundespatentgericht aus den Druckschriften 1 und 4 sowie aus dem Kathrein-Katalog für Satelliten-Empfangsantennen (Druckschrift 5) hergeleitet und
ausgeführt, aus diesem Katalog sei ein Mast-Abstandhalter … als Haltemittel für (Antennen-)Masten bekannt, mit dem ein Antennenmast offensichtlich in
verschienenen Winkelstellungen festlegbar sei. Dieses Haltemittel sei ersichtlich zur Befestigung eines Antennenmastes an einer als Rundrohr ausgebildeten Montagebasis ausgelegt. Es liege daher auf der Hand, die in Anspruch 7
der Druckschrift 1 nicht näher festgelegten teleskopierbaren Rohre der Montagebasis ebenfalls als Rundrohr auszubilden, um die Festlegung des Antennenmastes in verschiedenen Winkelstellungen zu ermöglichen. Aus diesem
Grunde hat das Bundespatentgericht die Schutzansprüche auch in der Fassung
des Hilfsantrags der Antragsgegner nicht für schutzfähig gehalten.
72. Die Antragsgegner sehen ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil das Gericht sie nicht auf die von ihm angenommene Maßgeblichkeit
gerade des Mast-Abstandhalters … hingewiesen habe, obwohl für sie die
Relevanz dieser Technik für die Schutzfähigkeit des Gegenstands des Ge-
brauchsmusters nicht erkennbar gewesen sei. In dem Katalog seien vier verschiedene Produkte abgebildet, nämlich Dachabdeckbleche, Abdeckkragen,
der Mast-Schuh … sowie der Mast-Abstandhalter … . Die Antragsteller hätten als Entgegenhaltung lediglich den Mast-Schuh … in das Verfahren eingeführt, nicht dagegen den Mast-Abstandhalter … . Aus dem Protokoll über die mündliche Verhandlung ergebe sich zwar, dass der Senatsvorsitzende den Akteninhalt vorgetragen habe. Da die Antragsteller nur den Mast-
Schuh angesprochen hätten, sei damit aber die besondere Relevanz des Mast-
Abstandhalters nicht angesprochen gewesen. Es möge zwar sein, dass - wie
die Antragsteller behaupten - die Druckschrift mit den vier genannten Produkten
Gegenstand der mündlichen Verhandlung gewesen sei. Es sei aber nicht deutlich geworden, dass das Gericht den Offenbarungsgehalt in dem im angefochtenen Beschluss dargelegten - unzutreffenden - Sinne verstehen würde.
83. Mit diesem Vorbringen legt die Rechtsbeschwerde eine Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör nicht dar.
9a) Der Anspruch auf rechtliches Gehör gibt jedem Verfahrensbeteiligten
das Recht, sich zu dem der Entscheidung zugrunde liegenden Sachverhalt zu
äußern und dem Gericht die eigene Auffassung zu den erheblichen Rechtsfragen darzulegen. Das Gericht ist verpflichtet, dieses Vorbringen zur Kenntnis zu
nehmen und in Erwägung zu ziehen (st. Rspr., BVerfG NJW 1995, 2095, 2096
m.w.N.; BVerfGE 86, 133, 144; BGHZ 173, 47 Tz. 30 - Informationsübermittlungsverfahren II; Sen.Beschl. v. 19.5.1999 - X ZB 13/98, GRUR 1999, 919
- Zugriffsinformation; Sen.Beschl. v. 30.3.2005 - X ZB 8/04, GRUR 2005, 572
- Vertikallibelle). Zwar schließt das Gebot der Gewährung rechtlichen Gehörs
im Sinne des § 100 Abs. 3 Nr. 3 PatG keine allgemeine Pflicht zu Hinweisen an
die Parteien im Sinne der §§ 139, 238 ZPO, § 91 PatG ein. Ein solcher Hinweis
kann aber im Hinblick auf das Gebot der Gewährung rechtlichen Gehörs dann
geboten sein, wenn für die Parteien auch bei sorgfältiger Prozessführung nicht
vorhersehbar ist, auf welche Erwägungen das Gericht seine Entscheidung stützen wird (Sen.Beschl. v. 25.1.2000 - X ZB 7/99, GRUR 2000, 792 - Spiralbohrer).
10b) Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze hat die Rechtsbeschwerde
eine Verletzung des Anspruchs der Antragsgegner auf rechtliches Gehör nicht
11Der Rechtsbeschwerde ist nicht zu entnehmen, dass das Patentgericht
in der mündlichen Verhandlung den Mast-Abstandhalter mit den Parteien nicht
erörtert hat. Vielmehr wird in der Rechtsbeschwerdebegründung lediglich gerügt, das Patentgericht habe die Parteien nicht darauf hingewiesen, dass es
dem Mast-Abstandhalter … im Rahmen seiner Prüfung "eine besondere
Relevanz beimessen" werde. Zum Vortrag in der Rechtsbeschwerdeerwiderung, der Vorsitzende des Beschwerdesenats habe in der ausführlichen mündlichen Verhandlung "natürlich" auch den Mast-Abstandhalter und dessen Relevanz für die Frage der Schutzfähigkeit angesprochen, führt die Rechtsbeschwerde in der Replik aus, den Antragsgegnern sei nicht deutlich geworden,
dass das Beschwerdegericht den Offenbarungsgehalt der Druckschrift 5 in einem unzutreffenden Sinne verstehen werde. Zwar möge diese Druckschrift
Gegenstand der mündlichen Verhandlung geworden sein; aufgrund der schriftsätzlichen Äußerungen der Antragsteller hätten die Antragsgegner jedoch davon ausgehen dürfen, dass lediglich Ausführungen zum Mast-Schuh …
12Hiernach macht die Rechtsbeschwerde nicht geltend, der Mast-
Abstandhalter sei in der mündlichen Verhandlung nicht zur Sprache gekommen, sondern lediglich, den Antragsgegnern sei nicht deutlich geworden, welche Bedeutung dem Mast-Abstandhalter in der in dem angefochtenen Beschluss gegebenen Begründung für die fehlende Schutzfähigkeit zukommen
werde. Der Anspruch auf rechtliches Gehör gibt den Parteien jedoch kein Recht
darauf, vor der gerichtlichen Entscheidung zu erfahren, wie das Gericht den die
Grundlage seiner Entscheidung bildenden Sachverhalt (voraussichtlich) würdigen wird. Vielmehr müssen sie nur Gelegenheit haben, sich zu diesem Sachverhalt zu äußern. Diese Gelegenheit war den Antragsgegnern eröffnet, wenn
- was der Beschwerdevortrag nicht ausschließt - der Mast-Abstandhalter in der
mündlichen Verhandlung angesprochen worden ist und die Antragsgegner somit erkennen konnten, dass dieser für die zu treffende Entscheidung Bedeutung erlangen konnte.
134. Die Kostenentscheidung folgt aus § 109 PatG. Eine mündliche Verhandlung hat der Senat nicht für erforderlich gehalten (§ 107 Abs. 1 PatG).
Scharen Keukenschrijver Mühlens
Bundespatentgericht, Entscheidung vom 19.06.2007 - 5 W(pat) 418/06 -
Rechtliches gehör, Mast, Verhandlung, Antragsteller, Patg, Bundespatentgericht, Druckschrift, Patentgericht, Schuh, Gegenstand

References: BGH 
 Art. 103
 § 100
 § 100
 § 91
 § 109