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Therapie statt Haft - Sozialtherapie - Knastforum • » Das Archiv «
Therapie statt Haft
Sonntag, 16. November 2014, 15:06
Ich habe einige Fragen zur Therapie statt Haft nach §35 BtmG.
Mein Freund ist momentan in der Jva Kislau (Außenstelle von Jva Bruchsal).
Er wurde wegen Diebstahl zu 7 Monaten Haft verurteilt und hat dazu noch einen Bewährungswiderruf von einem Jahr bekommen.
Schon bei seiner Hauptverhandlung (nach einem Monat U-Haft) wurde ihm Therapie statt Haft genehmigt.
Da sein Widerruf erst letzte Woche schriftlich kam, durfte er vorher noch nichts in die Wege leiten wegen der Therapie (was ich totalen schwachsinn finde). Er hat jetzt schon seinen "Drogenlebenslauf" geschrieben.
Meine Fragen sind wie wird das jetzt weiter Ablaufen? Er hat mir erzählt, dass er im Knast an 5 Motivationsstunden teilnehmen muss, bis er auf Therapie kann.
Und die für mich wichtigste Frage ist, kann ich ihm von draußen helfen? Weil denen im Knast ist es egal ob das mit der Therapie schnell geht oder nicht, ihm wurde gesagt das kann bis zu 6 Monaten gehen bis er auf Therapie kann.
Ich hoffe auf viele Antworten ich stehe momentan mit meinem Latein am ende, habe auch vorher noch nie die Erfahrung mit dem Knast gemacht.
Haftzeit: 11Monate
JVA: Niedersachsen
Sonntag, 16. November 2014, 16:01
Huhu,ich bin im moment in der selber situation wie du,mein Mann möchte auch auf therapie.
Ich kann dir von meiner Seite aus sagen wie es grad bei mir ist.
Erstmal haben wir ein Anwalt beauftrag,der auch denn antrag beim Gericht stellen tut für die zustimmung der Therapie.
Dann habe ich gechaut was es für einrichtungen gibt bei uns in der Nähe wo er eine Therapie machen kann,habe mich da erkundigt.
Die meisten Einrichtungen verlangen eine schriftliche Bewerbung,sprich formlos Bewerbung,der Suchtverlauf,Lebenslauf,Lebenssituation,dann muss dein Freund ein Antrag auf Kostenübernahme stellen,dies macht er am besten in der Jsa oder Jva mit seinem Suchtberater.
Der wird ihn auch mit rat und Tat zur Seite stehn,
ich kann dir nur empfehlen sich mit dem Sozialdienst in der Jsa (geh ich mal von aus) in verbindung zu setzen die können dir auch noch hilfreiche Tipps geben.
Ich hoffe ich konnte dir etwas weiter helfen,auch wenn es nur die sicht der dinge von mir ist.
Wünsche alles gute für dich und deinem Freund
edit: Bitte nutzt doch ab und zu nach einen Punkt, die Entertaste. man bekommt sonst Augenkrebs. Ly
Sonntag, 16. November 2014, 16:08
Bei ihm wurde die Therapie vom Richter ja schon genehmigt,
Seinen Suchtlebenslauf hat er auch schon geschrieben. Ich habe mir jetzt auch Therapieeinrichtungen bei mir in der Nähe rausgeschrieben und werd morgen Kontakt aufnehmen.
Seine Sozialarbeiterin in der Jva habe ich vor 2 Monaten kontaktiert, aber er selbst hat mir gesagt das er die bis jetzt (3 Monate) nur einmal gesehen hat und das war weil er ihr eine Schweigepflichtsentbindung mir gegenüber unterschrieben hat. Auch sein Drogenberater ist zum Termin nicht erschienen. Ich finde es echt zum Kotzen das denen da drin alles so egal ist und deshalb erkundige ich mich hier was ich selbst tun kann.
Sonntag, 16. November 2014, 16:21
Dann fehlt das mit dem Anwalt ja schonmal weg,mein Mann hat nur das Therapie statt Strafe im Urteil.
Bei mein Mann sind die Sozialarbeiter sehr bemüht und helfen wo sie können, schade das es bei euch nicht so ist.Der Suchtberater ist leider auch ein fall für sich,der sagte auch er hätte keine Zeit usw,daher habe ich mir von meinem Mann den Suchtverlauf schicken lassen und habe für ihn jetzt eine Bewerbung fertig gemacht.
Wenn das alles weg ist bleibt nur warten,warten bis die Kostenzusage kommt,warten auf Therapiezusage die bekommt man aber meistens wenn man eine kostenzusage hat.So wäre es im fall von meinem Mann. Und dann noch hoffen das sie auch sofort einplatz haben.
Weiter weiß ich grade auch nicht,weil mein Mann erst seid 16tagen in Haft durch ist,sobald ich mehr erfahren habe werde ich dir das mitteilen und hoffe ich kann dir damit weiter helfen.
Sonntag, 16. November 2014, 16:29
ja ich werde morgen auch mal die Therapieeinrichtungen durchtelefonieren und fragen wie ich das alles so schnell wie möglich in die Gänge bekomme. Ich hoffe ich kann seine Bewerbung auch selbst dort hin schicken dann soll er mir am Freitag beim Besuch sein geschriebenes mitgeben.
Seine Sozialarbeiterin werde ich auch kontaktieren das geht ja nicht das die sich kein bisschen Bemüht, die wird ja dafür bezahlt.
Aber du hast mir echt schon etwas weitergeholfen
auch für euch
Sonntag, 16. November 2014, 16:47
Ja mach da mal druck und dein Freund am besten auch dafür sind die ja schließlich da und dafür das die Leute sich selbst überlassen sind
Sonntag, 16. November 2014, 20:47
Zitat von »YouAndMe«
Es wird sicher nicht nur deinen Partner geben, um den sie sich kümmern muss.
Wie auch in anderen Berufen gibt es auch dort die Unterbesetzung.
Eines musst Du sicher noch lernen: Geduld!
silent hope (16. November 2014, 21:33)
Montag, 17. November 2014, 15:52
ja ich verstehe aufjedenfall das die Sozialarbeiter viel zu tun haben.
Aber es ist halt sehr krass, wenn in drei Monaten Haft ein Gespräch mit der Sozialarbeiterin stattfindet.
Und telefonisch versuche ich sie auch schon seit September zu erreichen.
Das sie nicht jeden Tag für jeden Gefangenen Zeit hat, ist mir bewusst.
Montag, 17. November 2014, 22:03
Wenn ich bei mein Mann sehe er ist seid 3wochen da und hat jeden zweiten Tag gespräche mit dem Sozialdienst und in 3mon nur einmal ist krass
Dienstag, 18. November 2014, 17:56
Mein Mann ist seid ende Dezember in der für seine Straflänge zuständigen JVA und da war bis jetzt auch kein Sozialarbeiter da wir hatte in der vorherigen JVA Pech mit der Sozialarbeiterin und auch die jetzige soll ...... naja sagen wir mal kompliziert sein mal schauen.
Für Euch auf jedenfall sind die Daumen gedrückt
Mittwoch, 19. November 2014, 20:47
Er hat jetzt schon seinen "Drogenlebenslauf" geschrieben.
Kleine Anmerkung: Das nennt sich "Anamnese" und ist einer der wichtigsten Bausteine für eine Therapie.
Was ich nicht verstehe und auch wohl nie verstehen werde, wozu ein Anwalt eingeschaltet werden soll um nachträglich den § 35 BtMG zubeantragen?
Entweder ist das schon im Urteil berücksichtigt worden oder man kann ihn bei der STA selbst mit einem formlosem Schreiben beantragen. Dabei soll man auf keinen Fall vergessen den § 36 BtMG mit zu beantragen, damit die Therapie auch angerechnet wird und die Strafaussetzung zur Bewährung erfolgen kann!
Denn nur der § 35 BtMG alleine bedeutet nur die Zurückstellung der Strafvollstreckung.
dass er im Knast an 5 Motivationsstunden teilnehmen muss, bis er auf Therapie kann.
Das höre bzw. lese ich hier zum ersten Mal. Was sollen denn die 5 Std. bringen?? Wenn man mich zur Therapie erst motivieren muss, dann gaht die eh schief. Für mich ist das absoluter Blödsinn, denn die JVA kann eine genehmigte oder angestrebte Therapie nicht verhindern.
Ich hoffe ich kann seine Bewerbung auch selbst dort hin schicken dann soll er mir am Freitag beim Besuch sein geschriebenes mitgeben.
Sorry, aber das geht echt nicht.
Dein Freund kann und sollte das alles schön alleine machen. Wenn Du ihm Adressen von Therapieeinrichtungen zusendest, ist das Hilfe genug. Die Bewerbungen muss er schon vom Knast aus machen, schließlich ist ihm das Briefe schreiben ja nicht verboten worden.
Das Du die Sozialarbeiterin nicht erreichst, ist ja schon fast logisch. Stell Dir mal vor, jede Frau oder Freundin würde sie tägl. anrufen oder sprechen wollen, die würde ja gar nicht mehr aus ihrem Büro kommen. Im Knast laufen die Uhren langsamer und das schon seit Jahrhunderten und man sollte schon Verständnis aufbringen.
Es bringt nämlich nichts, wenn sich die Angehörigen zusätzlich noch einmischen und ggf. noch die Bewerbungen für Ihren Mann oder Freund abschicken. Das kann unter Umständen dazu führen, das die Einrichtungen eine Aufnahme ablehen.
Die Zeit bis zum Antritt der Therapie dauert auch in der Freiheit zwischen 3 bis 6 Monate. Wie schnell ich an einem Platz komme, hängt allein von mir ab. Aussenstehende können mit Adresse unterstützen, aber alles andere muss ich selber machen und je aktiver ich in meiner Haft bin, desto schneller komme ich ans Ziel.
Mittwoch, 19. November 2014, 21:12
Zu den Motivationsstunden. Ich weiss nicht warum die das wollen, aufjedenfall muss er an diesen Teilnehmen um den Bericht vom Drogenberater zu bekommen.
Und wie schon erwähnt habe ich volles Verständnis dafür,
dass sich ein Sozialarbeiter nicht um jeden regelmäßig kümmern kann,
aber 1 Gespräch in drei Monaten Haft finde ich schon etwas wenig.
Und das der Drogenberater ohne Ankündigung zweimal hintereinander nicht zum Termin erscheint
und mein Freund deshalb noch länger warten muss bis er diesen blöden Bericht für die Kostenzusage
bekommt finde ich einfach nicht in Ordnung.
Deshalb habe ich mich nur Informiert ob ich das von draußen irgendwie Beschleunigen kann.
Und vielen Dank für die Auskunft mit dem §36 BtmG!
Ich kenne mich überhaupt nochnicht mit dem Thema Knast bzw.
Drogentherapie aus und weiss auch nichtmehr ob beide § bei der Verhandlung genehmigt wurden.
Mittwoch, 19. November 2014, 21:27
und mein Freund deshalb noch länger warten muss bis er diesen blöden Bericht für die Kostenzusage bekommt finde ich einfach nicht in Ordnung.
Mit der Dauer der Kostenzusage hat der oder die Sozialarbeiterin nichts zu tun, das liegt an dem Rentenversicherungsträger oder an der Krankenkasse.
Er kann auch ohne den Bericht diese Kostenzusage beim Träger beantragen und um "Amtshilfe" bitten. Einfach formlos in einem Brief reinschreiben, das man den Bericht wegen inaktivität des Drogenberaters nicht beifügen kann und eben um diese Hilfe bittet. Meist geht das dann alles ganz schön schnell.
Damit wird dem Träger unteranderem gezeigt, das dem Antragssteller auch wirklich was an der Therapie liegt.
Drogenberater oder Sozialdienstmitarbeiter bekommen nur sehr ungern von oben eins übergebraten. Macht nämlich keinen guten Eindruck beim Träger. Es ist immer besser um etwas Hilfe zu bitten, als geleich mit der großen Keule (Anwalt ect.) zu zuschlagen.
Donnerstag, 20. November 2014, 13:13
Mein Mann hat auch nur ein Anwalt zu rate gezogen,weil er noch ein offendes Verfahren hat und deswegen der Anwalt,sicherlich geht das alles ohne.Bei meinem Freund ist es halt nur der fall
Donnerstag, 20. November 2014, 14:37
Wie gesagt ich bin noch sehr unerfahren was dieses Thema angeht.
Ich dachte der Bericht vom Drogenberater ist zwingend notwendig für die Kostenzusage.
Muss er die Kostenzusage bei Rentenversicherung oder bei der Krankenkasse beantragen?
Weil morgen habe ich einen Besuchstermin und werde ihm das dann auch so erklären.
Er geht nähmlich auch davon aus das ohne den Drogenberater nichts weiter läuft
Also mir wurde das auch so gesagt,das er ein bericht vom drogenberater braucht.so sagte mir das auch die therapiestelle.bin oder gehe auch davon aus das es ohne dies nicht geht,haben sie ds mein freund auch erklärt.Komisch
Freitag, 21. November 2014, 22:54
Ich war heute bei meinem Freund zu Besuch.
Er hat jetzt schon das dritte mal Antrag auf Drogenberatung gestellt. Und wieder kam rein garnichts zurück.
Er wird sich jetzt an die Suchtberatungsstelle hier bei uns wenden und dann hoffen wir, dass die ihm dort helfen.
Und ich werde am Montag mal bei der Rentenversicherung anrufen und nach alternativen wegen einer Kostenzusage fragen.
Es ist echt der Hammer was dort abgeht bei ihm, aber naja für die Beamten ist er halt auch nur eine Nummer von vielen.
Freitag, 21. November 2014, 23:40
Also die Alltanative zur Kostenzusage ist, die selbst zahler Therapie. Dies wollte mein Mann auch aber bei uns hier ist das so das wenn man selbst zahler ist das man eine wartezeit von 6-12mon auf ein Therapieplatz habe,die Frau von der Therapiestelle sagte zu mir dann,wissen sie was ihr Freund solle ein Antragstellen auf Kostenübernahme.Derzeit verweigert sein Suchtberater diesen Antrag aber in auszuhändigen noch ihn mit ihn aus zufüllen.
Ich habe dann bei der Rentenversicherung angerufen,weil man das ja in Haft nicht mal einfach machen kann,daher finde ich es ok wenn wir das übernehmen und die ferundliche Frau sagte zu mir ich solle mir die Anträge holen und ihn beim Besuch überreichen.Vielleicht wäre das ja eine möglichkeit.
Ich habe ja verständnis das noch andere Häftlinge da sind aber drei mal ein Antrag gestellt und nichts passiert finde ich echt nicht gut.Ich hoffe sehr für euch das die rogenstelle euch weiter Helfen tut.
Sonntag, 23. November 2014, 00:22
Ich habe gestern einen Bekannten von mir in der Suchthilfe der Torburg besucht und mich da auch einmal mit den Betreuern unterhalten.
Es gibt oft Probleme mit der Kostenzusage, egal ob in einer Haft oder in Freiheit. Wichtig ist, das Pferd nicht von hinten aufzuzäumen, sondern Schritt für Schritt den Weg zur Therapie gehen.
Wichtig ist erst einmal zu wissen, in welcher Einrichtung ich meine Therapie machen möchte. Wenn nicht schon vor Haftantritt Kontakt zur einer Einrichung aufgenommen wurde, ist der Briefkontakt aus der Haft schon meag wichtig. Denn sollten Probleme, wie z. B. bei Euch aufkommen, stehen ihm die Sozialarbeiter der Einrichtung zur Seite.
Oft kommt es vor, das Inhaftierte aus der Haft von einem Sozialarbeiter zur Therapie - Einrichtiung gefahren werden müssen, weil der Inhaftierte noch keinerlei Lockerungen erhalten hat.
Wer eine Therapie machen will, der muss auch etwas dafür tun, auch wenn viele Hürden den Weg versperren.
Mein Bekannter ist freiwillig in dieser Einrichtung, weil er wieder im Moment viele Probleme hat. Dort befinden sich auch einige die einen "§ 35" haben und vom Gericht da sind. Beliebt sind die bei den Patienten jedoch nicht, weil viele von den "35" sagen, das sie freiwillig nie eine Therapie machen würden.
Auch sind die Therapieabrüche bei den "§ 35" sehr hoch, in diesem Jahr haben 63 % dieTherapie schon in den ersten zwei oder drei Wochen abgebrochen.
Von den Freiwilligen nur 14 %.
Ich kenne es ja auch aus eigener Erfahrung, dass viele die Therapie nur machen, um den Knast zu umgehen. Manche dachten sie seien schlauer und suchten sich Einrichtungen die nur maximal 4 Monate gingen. Viele mussten aber danach wieder in den Knast einrücken, weil sie den § 36 BtmG vergessen haben.
Wer mal Zeit und Lust hat, kann sich ja mal die ARD-Dokumentation über die drogenabhängige 13 jährigen Tanja Hülsen aus Hamburg ansehen.
Sonntag, 23. November 2014, 14:29
Ich kann schon nachvollziehen das eine Kostenzusage nicht so einfach zu bekommen ist. Letztendlich muss der Therapieplatz auch irgendwie bezahlt werden und das Geld unser aller soll ja auch verantwortlich ausgegeben werden.
Ich hab mir den Film angeschaut und bin, obwohl ich das Problem kenne immer wieder von neuen geschockt.
Nun hoffe ich für euch das es schnell geht mit dem Therapieplatz, er ist halt letztlich "alternativlos".
Chris (23. November 2014, 19:59)
Therapie statt Knast (21. Dezember 2006, 03:42)
Samstag, 22. Februar 2020, 07:35

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