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Timestamp: 2020-07-09 14:32:33+00:00

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Bauträger - und die Korrektur unrichtiger Umsatzbesteuerung | Rechtslupe
Hat ein Bau­trä­ger auf­grund der rechts­ir­ri­gen Annah­me sei­ner Steu­er­schuld als Leis­tungs­emp­fän­ger von ihm bezo­ge­ne Bau­leis­tun­gen nach § 13b UStG ver­steu­ert, kann er das Ent­fal­len die­ser rechts­wid­ri­gen Besteue­rung gel­tend machen, ohne dass es dar­auf ankommt, dass er einen gegen ihn gerich­te­ten Nach­for­de­rungs­an­spruch des leis­ten­den Unter­neh­mers erfüllt oder die Mög­lich­keit für eine Auf­rech­nung durch das Finanz­amt besteht [1].
Sind Bau­un­ter­neh­mer und Leis­tungs­emp­fän­ger bei einem vor Erlass des BFH-Urteils vom 22.08.2013 [2] abge­schlos­se­nen und durch­ge­führ­ten Bau­ver­trag über­ein­stim­mend von der Steu­er­schuld­ner­schaft des Bau­trä­gers aus­ge­gan­gen und hat der Bau­trä­ger die auf die erbrach­ten Leis­tun­gen des Bau­un­ter­neh­mers ent­fal­len­de Umsatz­steu­er an das Finanz­amt abge­führt, steht dem Bau­un­ter­neh­mer auf­grund einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung ein Anspruch auf Zah­lung des Umsatz­steu­er­be­trags zu, wenn der Bau­trä­ger Erstat­tung der Steu­er ver­langt und des­halb für den Bau­un­ter­neh­mer die Gefahr ent­steht, wegen der Her­an­zie­hung als Steu­er­schuld­ner gemäß § 27 Abs.19 UStG die Umsatz­steu­er abfüh­ren zu müs­sen [3].
Der Klä­ger schul­det für der­ar­ti­ge Umsät­ze nicht gemäß § 13b Abs. 1 Satz 1 Nr. 4, Abs. 2 Satz 2 UStG (2008) bzw. § 13b Abs. 2 Nr. 4, Abs. 5 Satz 2 UStG (2010) Umsatz­steu­er [4]. An die­ser Recht­spre­chung hält der Bun­des­fi­nanz­hof fest.
Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­weist inso­weit zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf das BFH-Urteil vom 27.09.2018 [5]. Auf die Fra­ge, ob der V. Senat des BFH sei­ne im Beschluss in BFHE 252, 187 geäu­ßer­ten ernst­li­chen Zwei­fel bereits mit sei­nem Urteil in BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760 auf­ge­ge­ben hat, was das Finanz­amt in Abre­de stellt, kommt es dabei nicht an.
Aus dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 16.05.2018 [6] folgt im Streit­fall schon des­halb nichts ande­res, weil § 17 UStG, auf den § 14c Abs. 1 Satz 2 UStG ver­weist, im Streit­fall weder direkt noch ana­log anwend­bar ist.
Zu den vom Finanz­amt befürch­te­ten "wind­fall pro­fits" kann es in die­sem Zusam­men­hang nicht kom­men: Besteht ein Anspruch des Bau­un­ter­neh­mers gegen den Leis­tungs­emp­fän­ger auf Zah­lung von Umsatz­steu­er, kann das Finanz­amt ihm gegen­über den Umsatz­steu­er­be­scheid gemäß § 27 Abs.19 UStG ändern [7]. Sind Bau­un­ter­neh­mer und Leis­tungs­emp­fän­ger bei einem vor Erlass des BFH-Urteils vom 22.08.2013 [2] abge­schlos­se­nen und durch­ge­führ­ten Bau­ver­trag über­ein­stim­mend von der Steu­er­schuld­ner­schaft des Bau­trä­gers aus­ge­gan­gen und hat der Bau­trä­ger die auf die erbrach­ten Leis­tun­gen des Bau­un­ter­neh­mers ent­fal­len­de Umsatz­steu­er an das Finanz­amt abge­führt, steht dem Bau­un­ter­neh­mer auf­grund einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung ein Anspruch auf Zah­lung des Umsatz­steu­er­be­trags zu, wenn der Bau­trä­ger Erstat­tung der Steu­er ver­langt und des­halb für den Bau­un­ter­neh­mer die Gefahr ent­steht, wegen der Her­an­zie­hung als Steu­er­schuld­ner gemäß § 27 Abs.19 UStG die Umsatz­steu­er abfüh­ren zu müs­sen [8]. Die­ser Anspruch ist abtret­bar [9]. Eine even­tu­el­le Abtre­tung hat das Finanz­amt anzu­neh­men [10].
Der Bun­des­fi­nanz­hof weicht mit die­ser zivil­recht­li­chen Sicht­wei­se nicht vom Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs in BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760, das einen Anspruch auf Nach­zah­lung der Umsatz­steu­er auf­grund von § 313 BGB bejaht hat, ab; denn in Rz 58 sei­nes Urteils in BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760 hat der Bun­des­fi­nanz­hof aus­drück­lich offen­ge­las­sen, ob ein Anspruch auf Nach­zah­lung der Umsatz­steu­er nach den Grund­sät­zen der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung besteht.
Anschluss an das BFH, Urteil vom 27.09.2018 – V R 49/​17, BStBl II 2019, 109; ent­ge­gen BMF, Schrei­ben vom 26.07.2017, BStBl I 2017, 1001, Rz 15a[↩]
BFH, Urteil vom 22.08.2013 – V R 37/​10, BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128[↩][↩]
vgl. dazu all­ge­mein BFH, Urtei­le in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128; vom 11.12 2013 – XI R 21/​11, BFHE 244, 115, BStBl II 2014, 425[↩]
BFH, Urteil vom 27.09.2018 – V R 49/​17, BStBl II 2019, 109[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760, Rz 24 ff.[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760, Rz 61 f.[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760, Rz 63 ff.[↩]

References: § 13
 § 27
 § 13
 § 13
 § 17
 § 14
 § 27
 § 27
 § 313