Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/startgutschriften-in-der-vbl-332590
Timestamp: 2020-07-14 05:31:44+00:00

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Startgutschriften in der VBL | Rechtslupe
Wer gericht­lich gegen die Start­gut­schrif­ten in der VBL-Ver­sor­gung vor­ge­hen will, tut gut dar­an, eine Unver­bind­lich­keits­er­klä­rung bereits vor­ge­richt­lich bei der VBL ein­zu­for­dern:
In Ver­fah­ren wegen sog. Start­gut­schrif­ten der Zusatz­ver­sor­gung des Öffent­li­chen Diens­tes (VBL) kann die kla­gen­de Par­tei im Rah­men der Bil­lig­keits­ent­schei­dung nach § 91 a ZPO auch nach einer Betriebs­ren­ten­mit­tei­lung der Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se nach Treu und Glau­ben mit den durch eine Anru­fung des Gerichts anfal­len­den Kos­ten des Ver­fah­rens belas­tet wer­den, wenn die auf der Grund­la­ge der Recht­spre­chung des BGH [1] abzu­ge­ben­de Unver­bind­lich­keits­er­klä­rung vor­ge­richt­lich nicht ange­for­dert wor­den ist.
Im Rah­men der Kos­ten­ent­schei­dung nach § 91a ZPO ist aner­kannt, dass grund­sätz­lich der ohne die Erle­di­gung – hier: mate­ri­ell­recht­li­che Erklä­rung im Schrift­satz vom 18.07.2011 – zu erwar­ten­de Ver­fah­rens­aus­gang bei der Kos­ten­ent­schei­dung den Aus­schlag gibt [2]. Hät­te die Beklag­te indes die­se mate­ri­ell recht­li­che Erklä­rung, die das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ent­fal­len lässt [3], nicht abge­ge­ben, wäre sie im Urteil unter­le­gen, da die Kla­ge zuläs­sig und begrün­det war [4].
Die Beklag­te hat vor Pro­zess­be­ginn Ver­an­las­sung zur Kla­ge gege­ben, so dass § 93 ZPO, der der kla­gen­den Par­tei im Fal­le sei­ner Anwend­bar­keit die vol­len Kos­ten des Rechts­streits auf­er­le­gen wür­de und des­sen Rechts­ge­dan­ken im Rah­men des § 91a ZPO grund­sätz­lich berück­sich­tigt wer­den kann, hier kei­ne Anwen­dung fin­det. Die Start­gut­schrift wur­de von der Klä­ge­rin zwar nicht vor­ge­richt­lich bean­stan­det. Hier hat­te die Beklag­te indes­sen durch die Mit­tei­lung vom 31.03.2010 Anlass zur Kla­ge­er­he­bung gege­ben. Auch sie stellt nicht in Abre­de, dass die dort mit­ge­teil­te Ren­ten­hö­he auf der Start­gut­schrift beruht, die nach der Grund­satz­ent­schei­dung BGHZ 174, 127 die durch die Klä­ge­rin errech­ne­te Ren­ten­an­wart­schaft nicht ver­bind­lich fest­legt. Da die Beklag­te in der Ren­ten­mit­tei­lung vom 31.03.2010 auf die­se Unver­bind­lich­keit nicht hin­wies, son­dern eine Rechts­mit­tel­be­leh­rung erteil­te, in der sie ohne jede Ein­schrän­kung auf die Kla­ge­er­he­bung ver­wies, hat sie Anlass zur Kla­ge­er­he­bung gege­ben. Die Klä­ge­rin muss­te sich unter die­sen Umstän­den grund­sätz­lich nicht mehr zu einer außer­ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung der Unwirk­sam­keit der Start­gut­schrift ver­an­lasst sehen. Es wäre der Beklag­ten ohne wei­te­res mög­lich gewe­sen – wie dies z.B. im Rah­men von Steu­er­be­schei­den bei schwe­ben­den Pro­zes­sen erfolgt – in der Ren­ten­mit­tei­lung dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sie die der Ren­ten­mit­tei­lung zugrun­de lie­gen­de Start­gut­schrift wegen der zitier­ten Grund­satz­ent­schei­dung des BGH als unver­bind­lich behan­delt [5].
Jedoch ist im vor­lie­gen­den Fall nach Treu und Glau­ben im Rah­men der Bil­lig­keits­er­wä­gun­gen des Gerichts zu berück­sich­ti­gen, dass bei einer vor­ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung und ent­spre­chen­der Erklä­rung durch die Beklag­te nicht in dem Umfang Kos­ten ent­stan­den wären, wie sie nun­mehr nach der Anru­fung des Gerichts ent­ste­hen.
So ist aner­kannt und auch Recht­spre­chung die­ser Kam­mer, dass bei „ver­spä­tet“ abge­ge­be­nen Erle­di­gungs­er­klä­run­gen, d.h. einer Erklä­rung erst im Ver­hand­lungs­ter­min, obwohl ohne wei­te­res zu einem deut­lich frü­he­ren Zeit­punkt auf Erklä­run­gen der Beklag­ten hät­te reagiert wer­den kön­nen, die kla­gen­de Par­tei die durch einen Ver­hand­lungs­ter­min ver­an­lass­ten Kos­ten zu tra­gen hat [6]. Dies ent­spricht dem Grund­satz des § 91 Abs. 1 ZPO, dass dem Geg­ner nur die Kos­ten zu erstat­ten sind, die zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung not­wen­dig waren. Als Aus­fluss des auch das gesam­te Kos­ten­recht beherr­schen­den Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben ist die Ver­pflich­tung jeder Pro­zess­par­tei all­ge­mein aner­kannt, die Kos­ten ihrer Pro­zess­füh­rung, die sie im Fal­le ihres Sie­ges vom Geg­ner erstat­tet ver­lan­gen will, so nied­rig zu hal­ten, wie sich dies mit der Wah­rung ihrer berech­tig­ten Belan­ge ver­ein­ba­ren lässt [7].
Das Glei­che gilt bei der Ent­ste­hung zusätz­li­cher Kos­ten durch pro­zes­su­al nicht sinn­vol­les Vor­ge­hen der kla­gen­den Par­tei [8].
Eben­so ist dann im vor­lie­gen­den Fall nach Treu und Glau­ben zu berück­sich­ti­gen, dass die kla­gen­de Par­tei durch die sofor­ti­ge Anru­fung des Gerichts, ohne der Beklag­ten die Mög­lich­keit ein­zu­räu­men, vor­ge­richt­lich die begehr­te mate­ri­ell­recht­li­che Erklä­rung abzu­ge­ben, in Höhe der Gerichts­kos­ten Kos­ten ver­ur­sacht hat, die bei einer außer­ge­richt­li­chen Erklä­rung der Beklag­ten so nicht ent­stan­den wären.
Eine Kos­ten­re­ge­lung, wonach die Beklag­te sämt­li­che Kos­ten des Ver­fah­rens mit Aus­nah­me der Gerichts­kos­ten zu tra­gen hat, ent­sprä­che nicht der oben auf­ge­zeig­ten Bil­lig­keit. Denn dann blie­be unbe­rück­sich­tigt, dass die Beklag­te auch ohne Ein­schal­tung eines Anwalts vor­ge­richt­lich die ent­spre­chen­de Erklä­rung hät­te abge­ben und die außer­ge­richt­li­chen Anwalts­kos­ten auf die Kos­ten der kla­gen­den Par­tei hät­te begren­zen kön­nen. Indem die Klä­ge­rin Kla­ge zum Land­ge­richt erho­ben hat, war die Beklag­te gehal­ten sich mit einem Rechts­an­walt zu ver­tei­di­gen (§ 78 ZPO), was nicht zu ihren Las­ten gehen darf.
Dies führt hier dazu, dass im Ver­hält­nis der zusätz­lich ent­stan­de­nen wei­te­ren Kos­ten die Klä­ge­rin die­se Kos­ten zu tra­gen hat.
Land­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 16. August 2011 – 6 O 185/​11
vgl. Zöl­ler; ZPO, 27. Auf­la­ge, § 91a; Rd.Nr. 24[↩]
vgl. etwa die Urtei­le des LG Karls­ru­he vom 06.03.2009 – 6 O 330/​03 und 6 O 235/​08 – jeweils ver­öf­fent­licht in Juris[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06[↩]
vgl. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 19.03.2010 – 12 W 3/​10[↩]
vgl. Beschluss der Kam­mer vom 10.06.2011 – 6 O 73/​11 unter Hin­weis auf OLG Ros­tock, Beschluss vom 31.05.2006, 3 W 36/​06 und Hin­weis auf Lin­dacher in Münch/​Komm, ZPO, 2. Aufl., Rn. 60 zu § 91 a; OLG Köln MDR 1979, 407; OLG Düs­sel­dorf NJW-RR 1997, 156; Zöller/​Vollkommer, ZPO, Kom­men­tar, 28. Auf­la­ge, 2010, Rn 25 a.E. m.w.N.[↩]
vgl. OLG Frank­furt, NJW-RR 2007, 788; Zöller/​Vollkommer a.a.O.[↩]
Fik­ti­ve Über­schuss­be­tei­li­gung bei der VBL Den Ver­si­cher­ten steht im Rah­men des in der Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes ein­ge­führ­ten Betriebs­ren­ten­sys­tems (hier: Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der) zu. Die Ver­si­cher­ten haben…
ErledigungKostenentscheidungÖffentlicher Dienstrd.nrStartgutschriftenVBLVBL-Rente

References: § 91
 BGH 
 § 91
 § 93
 § 91
 BGH 
 § 91
 § 91
 § 91