Source: https://www.asf-wuerzburg-land.de/geschichte-der-frauenbewegung/
Timestamp: 2018-08-18 22:41:08+00:00

Document:
Geschichte der Frauenbewegung - Herzlich Willkommen bei der AsF Würzburg-Land
von Christa Naaß, MdL
1865: Auf dem 3. Vereinstag der deutschen Arbeitervereine fordern Bebel und Moritz Müller die Gründung von Arbeiterinnenvereinen und die freie Zulassung der Frauen zu allen Berufen.
1866: Auf dem Kongreß der "Internationalen Arbeiter- Association" in Genf wendet sich Karl Marx scharf gegen die Forderung der Gewerkschaften nach einem Verbot der Frauenarbeit und verlangt statt dessen gesetzlichen Schutz für arbeitende Frauen.
Bebel fordert deswegen:
"Die Frau muß ökonomisch unabhängig sein, um es körperlich und geistig zu sein, damit sie nicht mehr von der Gnade und dem Wohlwollen des anderen Geschlechtes abhängig ist.
Zwei Dinge waren für Bebel wichtig!
- Erstens müssen die Frauen aufgeklärt werden über das Ausmaß ihrer Unter-
- Zweitens müßten sie über so viel Bewegungsfreiheit, sprich Unabhängigkeit,
verfügen, daß sie eine Bewegung bilden können, die die alten Zustände verän- dert.
Diese Bebel- Idee war natürlich eine Marx- Engels- Idee, aber es war Bebel, der sie theoretisch aufgearbeitet hat und praktisch in seiner Politik von Anfang an unbeirrt vertrat.
1869: Auf dem Arbeiterkongreß in Eisenach gründen Bebel und Liebknecht die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands" und fordern die Gleichberechtigung der Frauen in der Parteiorganisation mit Sitz und Stimme und das Frauenwahlrecht
1875 Auf dem Arbeiterkongreß in Gotha schließen sich die Lasalleaner und die Eisenacher zur "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" zusammen.
Bebel stellt den Antrag, unter die dringlichsten Forderungen der neuen Partei das Wahlrecht gleichermaßen für Männer wie Frauen aufzunehmen. Sein Antrag unterliegt mit 55 zu 62 Stimmen.
1877 Bei den Reichtstagswahlen erreicht die "Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands" 12 Abgeordnetensitze. Die Abgeordneten Auer und Bebel bringen erstmals einen Arbeiter- und Arbeiterinnenschutzantrag im Reichstag ein.
1878 Zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1878 hatten die Öffentlichkeit erregt. Obwohl keinerlei Verbindung zur SPD nachzuweisen war, benutzte Bismarck diesen Anlaß, um gegen linke Organisationen einzuschreiten.
1883 Der Verein der Mantelnäherinnen wird in Berlin gegründet, die 1. Frauengewerkschaft in Deutschland. Arbeiterinnenvereine entstehen in Düsseldorf, Frankfurt, Mainz, Gera und Halle.
1885 Gertrud Guillaume- Schack gründet innerhalb eines Jahres 16 Arbeiterinnenvereine.
1886 Die 1. Arbeiterinnenzeitung erscheint unter dem Namen "Die Staatsbürgerin".
1890 Bei den Reichstagswahlen vom 20.02.1890 bekamen die Sozialdemokraten 1,4 Mill. Stimmen, das Sozialistengesetz fällt und am 1. legalen Parteitag, der stattfindet, wird die Gleichberechtigung der Geschlechter auf allen Gebieten zur Kampfparole erhoben.
- 11- Stunden- Arbeitstag verboten
1891 Auf dem Erfurter Parteitag wurde folgendes beschlossen:
1. Allgemeines, gleiches, direktes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe aller über 20 Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechtes für alle Wahlen und Abstimmungen.
2. Abschaffung aller Gesetze, welche die Frau im öffentlichen und privatrechtlichen Bereich gegenüber dem Manne benachteiligt.
1894 Parteitag in Frankfurt: Ottilie Bader wird zur Zentralvertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands bestellt.
1895 Resolution zum Frauenwahlrecht: Die Frauen fordern die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte wie die Männer und besonders die Gewährung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts.
1896/97 Zeit der ersten Frauenstreiks
In der kleinen Stadt Neu- Isenburg bei Frankfurt streikten 208 Wäscherinnen und Büglerinnen sieben Wochen lang.
1882: 60,57 % der männl. Bevölkerung
1895: 61,13% der männl. Bevölkerung
1950: 31,4 % der weibl. Bevölkerung (im erwerbsfähigen Alter)
1960: 33,4 % der weibl. Bevölkerung (im erwerbsfähigen Alter)
1970: 30,2 % der weibl. Bevölkerung (im erwerbsfähigen Alter)
1975: 31,1 % der weibl. Bevölkerung (im erwerbsfähigen Alter)
1987: 39 % der weibl. Bevölkerung (im erwerbsfähigen Alter)
1995: 61 % der weibl. Bevölkerung (im erwerbsfähigen Alter)
Bebel: "Die Frauenarbeit hat somit einen solchen Umfang, eine solche Bedeutung gewonnen, die die lächerliche Hohlheit des Philistersprüchleins erweisen: "Die Frau gehört ins Haus".
"Die Bezahlung der Frauen ist in fast allen Bereichen erheblich niedriger als jede der Männer bei gleicher Arbeitszeit. Im allgemein verdient eine Frau ein Drittel oder die Hälfte des Wochenlohnes des Mannes."
Die hohe Klasse umfaßte
den Wochenlohn über 24,00 Mark
- Widerwille, überhaupt Frauen aufzunehmen (1890)
- Mangel an Zeit und Kraft der Frauen, sich beharrlich und erfolgreich bei dieser Männerorganisation einen festen Platz zu verschaffen.
Die Frauenfrage blieb ein Tagesordnungspunkt für Männer.
1903 Auf der 2. sozialdemokratischen Frauen- Reichskonferenz wird gefordert: Arbeiterinnen- und Mutterschutz, politische Gleichberechtigung
1906 Die SPD gründet die Parteischule in Berlin und beruft Rosa Luxemburg als Dozentin
Die führende Theoretikerin, politische Kämpferin und radikale Sozialistin Clara Zetkin- Eißner (1857- 1933) war für die Entwicklung der feministisch- sozialistischen Position verantwortlich, welche zuerst von der deutschen sozialistischen Partei und anschließend von der sozialistischen Frauen- Internationalen akzeptiert wurde, eines von ihr gegründeten und geleiteten lockeren Bündnisses. Die Tochter einer Hausfrau ,und eines Lehrers war eine der ersten deutschen Frauen, die eine offizielle Ausbildung zur Lehrerin erhielten, nämlich am Seminar von Auguste Schmidt, die 1865 auch eine gemäßigte Frauenrechtsbewegung ins Leben gerufen hatte. In den späten 1870er Jahren begegnete Clara Zetkin russischen Exilrevolutionären in Leipzig und wurde Sozialistin. Sie trat 1881 in die Partei ein und verliebte sich im folgenden Jahr in Ossip Zetkin. [...] Nach 1882 lebte das Paar im Pariser Exil als Teil der internationalen sozialistischen Gemeinde. [...]
Da sie selbst durch bittere eigene Erfahrung das schwierige Leben der Frauen der Unterschicht kennengelernt hatte, erklärte Zetkin - zuerst als Repräsentantin der Arbeiterinnen am Kongreß der Zweiten Internationale von 1889, später im gleichen Jahr in ihrem einflußreichen Pamphlet "Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart"- , daß Sozialismus und Feminismus eng verbunden seien. In Erweiterung der These von Marx, Engels und Bebel, daß die außerhäusliche Arbeit schließlich zur Befreiung der Frauen führen werde, fügte Zetkin ihre feministische Ansicht an, daß die Frauen auch an der männlichen Vormacht litten. [...]
Von 1891- 1916 leitete sie die Redaktion der sozialistischen Frauenzeitschrift "Die Gleichheit"; bis 1919 redigierte sie die Frauenbeilage der "Leipziger VolksZeitung". [...] Ihre anfänglich führende Stellung in der Zentrale der KPD verlor sie bereits 1921, ohne daß dadurch ihr Aufstieg in der Hierarchie der Kommunistischen Internationale unterbrochen wurde. Obwohl während der ganzen Dauer der Weimarer Republik in den Deutschen Reichstag gewählt, lebte sie von 1924 an in Moskau, wo sie das Frauensekretariat der III. Internationale leitete. Als Gegnerin Stalins geriet sie, obschon immer wieder Gegenstand offizieller Ehrungen, in vollständige politische Isolierung. Die Ursache ihres Todes ist umstritten.
1908 Es gibt ein neues Reichsvereinsgesetz in Deutschland
1909 Luise Zietz wird daraufhin als Vertreterin der sozialdemokratischen Frauen in den Parteivorstand aufgenommen
1910 Gründung der "Sozialistischen Frauen- Internationale". Antrag von Luise Zietz, jährlich einen Frauentag durchzuführen, hatte Erfolg.
19.3.1911 1. Internationaler Frauentag: 45 000 Frauen treffen sich in Berlin.
Motto: "Her mit dem Frauenwahlrecht!"
Auf diesem Frauentag schlugen die Frauen Töne an, die die Männer offensichtlich verschreckten:
"Die etwa 10 Mill. Frauen, die im gesellschaftlichen Produktionsprozeß tätig sind, die Millionen Frauen, die als Mütter Gesundheit und Leben auf Spiel setzen, die als Hausfrauen die schwersten Pflichten übernehmen, erheben mit allem Nachdruck Anspruch auf soziale und politische Gleichberechtigung.
Wie sieht es aus mit der politischen Macht?
1912 Letzte Reichstagswahlen vor dem 1. Weltkrieg
13.8.1913 starb August Bebel, Nachfolger in der Parteiführung Friedrich Ebert
1914 Die SPD hat 1 085 000 Mitglieder, davon weiblich 175 000
1917 Die Deutsche Sozialdemokratie spaltet sich. Prominente politische Frauen wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Luise Zietz gehen alle drei zum radikalen Flügel, zur USPD (Unabhängige Sozialisten der Partei Deutschlands). Diese Sozialistinnen hatten kein Verständnis für die sozialdemokratischen Männer im Reichstag, die 1914 die Kriegskredite bewilligten.
1918 Nach dem Krieg - werden neue Verfassungen ausgearbeitet.
Die Frage der politischen Recht der Frauen steht nun an.
12.11.1918 Die Frauen erhielten durch Erlaß der neuen Regierung, des Rates der Volksbeauftragten (SPD und USPD) das aktive und passive Wahlrecht. Im Art. 109 der Weimarer Verfassung heißt es nun: "Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.
30.12.1918 Gründung des Spartakusbundes - Programm von Rosa Luxemburg verfaßt
15.01.1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden verhaftet und auf bestialische Weise umgebracht.
19.01.1919 Frauen dürfen zum 1. Mal wählen: 9.6 % Frauen im Parlament
1930 Die Reichstagswahl vom 14.09.1930 hatte das Gesicht des Reichstages völlig verändert. Die Große Koalition, die aus Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum, Bayer. Volkspartei und Deutsche Volkspartei gebildet war und 21 Monate lang regierte, hatte mit rund 300 Mandaten eine sichere Mehrheit.
Im neuen Reichstag bestand diese Koalitionsmöglichkeit nicht mehr. Die SPD- Fraktion bildete nur noch ein Viertel des Parlaments.
1931 Letzter Internationaler Frauentag vor der Machteinsetzung des Faschismus mit dem Motto: "Für Sozialismus und Frieden, gegen Naziterror und Krieg".
1933 Für 12 Jahre war es vorbei mit allen demokratischen, auf Selbstbestimmung und Solidarität gerichteten Bestrebungen in Deutschland.
In rascher Folge wurde nach 1933 der Zugang der Frauen zu qualifizierten Berufen eingeschränkt. Elisabeth Selbert war 1933 die letzte Rechtsanwältin im Reich. Die Frauen, so wollte es die NS- Ideologie, sollten Mutter sein.
1945 Die Frauenarbeit der SPD nach Faschismus und Krieg wird von einem unglaublichen Optimismus getragen. Im SPD- Parteivorstand arbeitet Herta Gotthelf als gewähltes hauptamtliches Vorstandsmitglied bis 1958, gleichzeitig als Frauenbeauftragte und als Frauensekretärin der Partei.
1947 In den drei Westzonen und in Berlin wird zum ersten Mal wieder der Internationale Frauentag gefeiert.
1948 Im Parlamentarischen Rat gab es von 70 Mitgliedern nur 4 Frauen = 5,7 %.
05.10.1948 Antrag der SPD für das Grundgesetz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" wurde zum erstenmal abgelehnt. Die CDU wollte nur die staatsbürgerlichen Rechte der Frau, wie sie schon in der Weimarer Verfassung standen. Gegen Gleichberechtigung in allen anderen Bereichen wehrte sie sich heftig.
03.12.1948 Elisabeth Selbert brachte den Antrag ein zweites Mal ein. CDU- und FDP- Fraktion leisteten jedoch weiterhin Widerstand.
18.01.1949 Der Artikel 3 des Grundgesetzes wurde schließlich angenommen.
Elisabeth Selbert war keine aktive Widerstandskämpferin, aber sie stand in der NS- Zeit immer mit ihren zum Teil untergetauchten und illegal tätigen politischen Freunden in Verbindung. So gehörte sie bereits unmittelbar nach Kriegsende zu den Frauen der ersten Stunde, die herangezogen wurden, um an der Neugestaltung des Staatswesens mitzuwirken. [...]
Auf die Initiative von Elisabeth Selbert geht auch die Ubergangsregelung in Artikel 177 Grundgesetz zurück, nach der alle dem Gleichheitsprinzip entgegenstehenden Gesetze bis Ende März 1953 angepaßt sein mußten. Damit sollte das während der Ratssitzungen immer wieder herbeidiskutierte "Rechtschaos" vermieden werden. Daß der erste deutsche Bundestag diese Frist tatenlos verstreichen ließ, beurteilte Elisabeth Selbert erstaunlicherweise mit Nachsicht. Als der Gesetzgeber schließlich die Gesetzes- anpassung aufnahm, beobachtete sie allerdings "mit Schmerz, wie manche versucht haben, das Rad der Geschichte zurückzudrehen". [...]
1949 Der 1. Deutsche Bundestag wurde gewählt: von 410 Abgeordneten sind 29 Frauen = 7,1 %
1953 Das Grundgesetz legte zwar fest, daß alle Paragraphen in geltenden Gesetzen, die dem Gleichheitsgebot widersprechen, bis zum 31. März 1953 anzugleichen sind. Der 1. Deutsche Bundestag erledigte diese Aufgabe jedoch nicht.
1951 Elisabeth Selbert forderte auf der Frauenkonferenz in Fulda die Beschleunigung der Eherechtsreform.
1953 Beschluß der Frauenkonferenz:
1958 Das Ehe- und Familienrecht im BGB wird durch ein Gleichberechtigungsgesetz geändert. Doch auch diese "Reform" schreibt die patriarchalische Auffassung von Ehe und Familie fest. Der Mann ist zuständig und verantwortlich für die Ernährung der Familie, die Frau ist vor allem verantwortlich für die Haushaltsführung.
1962/63 In diesen Jahren ist Frauenpolitik kein Thema für die SPD. Frauenanteil in der SPD geht zurück.
1965 Politisches Ziel der SPD ist die Verwirklichung des 3- Phasen- Rhythmus (Ausbildung / Berufstätigkeit - Kindererziehung - Wiedereintritt in den Beruf) im Leben einer Frau.
1966 Die SPD, seit 1966 mit Regierungspartei, setzt eine Reihe von Reformen durch, die das Verfassungsgebot der Gleichberechtigung der Verwirklichung näher bringen.
1968 Die SPD- Frauen verlangen eine eigene demokratische gewählte Organisation
1970 In den 70er Jahren, das zeigt nicht nur die Gründung der AsF, ist Frauenpolitik wieder ein Thema für die SPD.
01.07.1970 Die Rechtsstellung der nichtehelichen Kinder und ihrer Mütter wird der der ehelichen Kinder weitgehend angeglichen.
1972 Gründung der AsF auf Bundesebene, 1. Vorsitzende wird Elfriede Eilers.
01.01.1974 haben Mütter und Väter einen Anspruch auf Arbeitsbefreiung für 5 Arbeitstage im Jahr zur Betreuung eines Kindes unter 8 Jahren.
01.07.1977 Im BGB wird das Leitbild der Hausfrauenehe abgelöst durch die Vorstellung gemeinsamer Verantwortlichkeit beider Partner für Haushaltsführung und Erwerbstätigkeit.
Die Ehescheidungsreform führt das Zerrüttungsprinzip ein und löst das Schuldprinzip ab.
1974 Der Bundestag beschließt auf Antrag der SPD die Neuformulierung des § 218 StGB in Form einer Fristenregelung.
Auf Antrag CDU- regierter Bundesländer verwirft das Bundesverassungsgericht im Febr. 1975 diese Regelung.
21.07.1976 Ab diesem Zeitpunkt tritt dann eine geänderte Fassung des § 218, die Indikationsregelung, in Kraft.
1975 Das von den Vereinten Nationen (UNO) ausgerufene "Internationale Jahr der Frau" unter dem Motto "Gleichheit, Entwicklung und Frieden" gibt den Bemühungen um die Verwirklichung der Gleichstellung zusätzlichen Antrieb.
Seit 1977 fordert die AsF die 30- Stunden- Woche für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sie fordert ein verbessertes Betriebsverfassungsgesetz und die Ausweitung der Mitbestimmung.
1982 Auf dem Münchener Parteitag hat sich die SPD endlich die Forderung nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu eigen gemacht.
1983 Die Arbeitsmarktsituation und die durch den Regierungswechsel sich verschärfende soziale Lage der Frauen machen in den folgenden Jahren den Internationalen Frauentag zu einem bitter nötigen Kampftag für die bedrohten Rechte der Frauen. Dabei knüpfen die Sozialdemokratinnen nicht nur an die alte Gemeinsamkeit mit den Gewerkschafterinnen an, sondern sie suchen bewußt die Zusammenarbeit mit Feministinnen und autonomen Gruppen.
Das ist dringend notwendig, denn die neue konservative Regierung aus CDU/CSU und FDP bedroht immer mehr mit den Kürzungen im Sozialbereich, aber auch mit ihren Ankündigungen zur Revision des § 218 StGB und des Ehe- und Familienrechts die mühsam erreichten Frauenrechte.
1984 Für die Europawahlen können die SPD- Frauen nicht nur erhebliche Verbesserungen bei den Listenaufstellungen verbuchen - 25 % der sozialdemokratischen Europa- Abgeordneten sind Frauen. Sie können auch erreichen, daß zum ersten Mal eine Frau, Katharina Focke, Spitzenkandidatin ist.
1985 Forderungen der AsF: Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt, Sozialausbau, Beteiligung an der Politik, an Mandaten und Funktionen
1986 75 Jahre Internationaler Frauentag:
In ihren Beschlüssen zur Gleichstellungspolitik auf dem Nürnberger Parteitag fordert die SPD, den Anteil der Frauen an Mandaten, Ämtern und Funktionen in der Partei so zu steigern, daß noch in den 90er Jahren der Anteil der Frauen an allen Funktionen und Mandaten grundsätzlich dem Bevölkerungsanteil entspricht.
Dieses Ziel sollte in drei Schritten erreicht werden:
10./11.10.1987 Erstmals in der Geschichte der SPD wurden auf dem Parteitag der bayerischen SPD in Regensburg die Führungsgremien mit der in der neuen Satzung zwingend festgeschriebenen Parität von Männern und Frauen gewählt: Dem Landesvorstand gehören nun 12 Beisitzerinnen und 12 Beisitzer an. In das Präsidium wurden ebenfalls 2 Frauen und 2 Männer gewählt.
§ 2.3 der neuen Satzung:
1988 Internationaler Frauentag 1988:
30.08.1988 Der Bundesparteitag der SPD beschließt die Mindestabsicherung von Frauen und Männern bei Wahlen. Diese 40%- Quote für Mandate für Europa- /Bundestags- /Landtags- und Kommunalwahlen tritt stufenweise in Kraft:
ab 1994 33 1/3 %
1989 Der Internationale Frauentag 1989 ist für Frauen in der SPD zu nächst ein Anlaß, der Einführung der Quotenregelung auf dem Münsteraner Bundesparteitag ein Jahr zuvor zu gedenken. Der Internationale Frauentag 1989 ist für die AsF nicht nur ein Kampftag, sondern auch Feiertag, ein Tag, um die unbestreitbaren Erfolge der letzten Jahre zu feiern. Im 70. Jahr nach der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland durch Sozialdemokraten hat die SPD mit der Einfühung der Geschlechter- Quoten die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß Frauen nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden können.
Aber wir dürfen uns nicht auf unseren Siegen ausruhen. Mit der Verwirklichung des Europäischen Binnenmarktes kommen neue Herausforderungen auf die Frauen zu. Wir müssen verhindern, daß die Starken noch stärker, die Schwachen, Benachteiligten noch schwächer, noch mehr diskriminiert werden. Trotz der Initiativen des Europäischen Parlaments, trotz fortschrittlicher EG- Richtlinien sind Frauen in allen Ländern der EG benachteiligt. Die Benachteiligung ist in der reichen Bundesrepublik unangemessen hoch. Das gilt insbesondere für den Arbeitsmarkt und die Kinderbetreuung. Wir müssen deshalb unsere nationalen Anstrengungen zur Gleichstellung drastisch verstärken.
1991 macht die Euphorie dem Realismus Platz, auch und gerade in den Augen der Frauen, die der Einheit Deutschlands durchaus vorsichtig optimistisch gegenüberstehen.
Inge Wettig- Danielmeier schreibt: "Die Teilung Deutschlands schien überwunden. Jetzt tritt die Teilung in ein reiches und ein armes Deutschland hervor. Der Teilung der DDR- Gesellschaft in eine schmale Schicht von Privilegierten und eine bereite Masse von Betrogenen schien überwunden. Jetzt tritt die nie überwundene Teilung zwischen Männern und Frauen wieder an die Oberfläche."
1992 Konservative Politiker und Teile der Wirtschaft verfolgen die erklärte Strategie, das Problem der Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern durch Senkung der Frauenerwerbsquote zu lösen.
1994 Frauenanteil in der SPD nach der Bundestagswahl und Landtagswahl in Bayern:
Bundestag: 87 Frauen = 34,8 %
Landtag: 21 Frauen = 30 %
1995 Frauen sind die Lösung, nicht das Problem!
Zwanzig Jahre nach dem Internationalen Jahr der Frau, zehn Jahre nach der Weltfrauenkonferenz in Nairobi haben die Vereinten Nationen zur Vierten Weltfrauenkonferenz nach Peking eingeladen, um die Situation der Frauen in den Staaten der Welt zu analysieren und Forderungen an die nationale und internationale Frauenpolitik zu formulieren. 1975 - 1985 - 1995: Noch immer sind Frauen und Männer noch längst nicht gleichberechtigt: Auch nach 84 Jahren Internationaler Frauentag, nach 77 Jahren Frauenwahlrecht in Deutschland, 20 Jahre nach dem "Jahr der Frau" der Vereinten Nationen und 10 Jahre nach der Weltfrauenkonferenz in Nairobi muß festgestellt werden, daß die Demokratisierung des Geschlechterverhältnisses als Grundlage für die Entwicklung einer wahrhaft demokratischen Gesellschaft noch nicht erreicht ist.
Die Stärkung der Daseinsmöglichkeiten für Frauen sind der Schlüssel für eine positive Entwicklung in der ganzen, einen Welt. Frauen sorgen in aller Welt für das (Über- )Leben der Menschen, in welcher (Zusammen- )Lebensform auch immer. Sie tragen vor allem die Verantwortung für die Zukunftschancen der Kinder. Ihre Zukunftschancen entscheiden daher über die Chancen zukünftiger Generationen. Ihre Probleme zu lösen heißt, dazu beitragen, die Probleme der Welt zu lösen. Daher: Frauen sind die Lösung, nicht das Problem!"
1996 Nicht nur für die Entwicklungsländer gibt es immer noch erhebliche Defizite - auch für die westliche Demokratie ist noch vieles einzufordern:
- Gleiche Möglichkeiten und Chancen für Frauen im Erwerbsleben.
- Rahmenbedingungen schaffen, um Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.
- Eigenständige soziale Sicherung von Frauen schaffen.
- Rechtliche Gleichstellung aller Lebensgemeinschaften realisieren und die einseitige Privilegierung der Institution Ehe aufheben.
- Erreichen eines gesellschaftlichen Klimas der Achtung von Frauen und der Ächtung von Sexismus und Gewalt gegen Frauen.
- Die Hälfte der Macht in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft - ohne wenn und aber.
10.03.1996 Nach den Kommunalwahlen haben wir 200 Mandatsträgerinnen in Mittelfranken
Im Gegenteil: Die Gleichstellung der Frau ist durch die konservative Regierungskoalition stärker bedroht als je zuvor. Frau genießt politisch- gesellschaftlichen Schutz nur noch minderen Wertes:
- § 218 - Bayerischer Sonderweg
- Versteuerung der Nacht- /Schichtarbeit
- Zunahme der 610- Mark- Jobs
Wie die Französische Revolution ist auch die Revolution von 1848 ein wichtiger Ausgangspunkt für die Frauenbewegung in Europa. In der politischen Bewegung des Vormärz spielten Frauen wie Louise Otto- Peters eine ebenso wichtige Rolle wie auf den Barrikaden der Märzrevolution. Es ging um Berufsfreiheit, Wahlrecht, Bildung und soziales Wirken.
1903 errangen die Frauen in Bayern und 1908 Preußen ihren großen Sieg in ihrem Kampf um Bildung. Sie hatten nun Zutritt zu den Universitäten, während sie vorher den Umweg über Lehrerinnen- Seminare gehen mußten und nur an auswärtigen Universitäten studieren und promovieren konnten. Bis heute sind die Hochschulen und Wissenschaftsinstitutionen - frei nach Jutta Limbach - die "zurückgebliebenste aller Provinzen"!
Mit der Gründung des "Aktionsrates zur Befreiung der Frau" durch weibliche Mitglieder des SDS in Berlin (West) im Januar 1968 und jenem legendären Tomatenwurf auf männliche SDS- Größen auf dem Frankfurter Kongreß im September desselben Jahres erwachte aus der Studentenbewegung heraus und weit über sie hinaus die Frauenbewegung zu einem neuen kämpferischen Leben.
10 Jahre Quote in der SPD- Satzung.
Bundesparteitag 30.8. bis 2.9.1988 in Münster: Wer nicht hören will, kriegt die verbindliche Statuten- Quote: 40 Prozent eines jeden Geschlechts in Ämtern und Mandaten. Für Bayern konnte die 50- Prozent- Quote für Mandate durchgesetzt werden. Seither sind die Anteile von Frauen in Parlamenten und sozialdemokratisch geführten Regierungen tatsächlich erheblich gestiegen. Um ihre Einhaltung muß immer noch gekämpft werden; bei jeder Kandidatinnen- Aufstellung, jeder Tagung.

References: Art. 109
 § 218
 § 218
 § 218

§ 2
 § 218