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Timestamp: 2020-07-10 08:23:45+00:00

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BAG, Urteil vom 23.07.2009, 8 AZR 357/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 23.07.2009, 8 AZR 357/08
Schlagworte: Betriebsübergang, Kündigung: Betriebsbedingt, Aufhebungsvertrag, Abwicklungsvertrag
Aktenzeichen: 8 AZR 357/08
Vorinstanzen: Arbeitsgericht München, 5. Oktober 2007, Az: 34 Ca 18389/06, Teilurteil Landesarbeitsgericht München 4. Kammer, 17. April 2008, Az: 4 Sa 1063/07, Urteil
23. Ju­li 2009
hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23. Ju­li 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger
so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Döring und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hen­ni­ger für Recht er­kannt:
Der Kläger war seit 15. Ja­nu­ar 2001 bei der Be­klag­ten als Kon­struk­teur beschäftigt, zu­letzt im Be­reich „Com MD (Mo­bi­le De­vices)“. Auf­grund ei­nes Ver­tra­ges vom 6. Ju­ni 2005 mit der BenQ Cor­po­ra­ti­on (Sitz in Tai­wan) über­trug die Be­klag­te mit Wir­kung vom 30. Sep­tem­ber 2005 die Vermögens­ge­genstände die­ses Geschäfts­be­rei­ches in Deutsch­land im We­ge der Ein­zel­rechtsüber­tra­gung („As­set Deal“) auf die BenQ Mo­bi­le GmbH & Co. OHG (im Fol­gen­den: BenQ Mo­bi­le OHG). Die­se Ge­sell­schaft wur­de mit Ge­sell­schafts­ver­trag vom 30. Au­gust 2005 ge­gründet. Ge­sell­schaf­ter wa­ren die BenQ Mo­bi­le Ma­na­ge-
ment GmbH und die BenQ Wire­less GmbH. Am 16. Sep­tem­ber 2005 wur­de die BenQ Mo­bi­le OHG in das Han­dels­re­gis­ter beim Amts­ge­richt München ein­ge­tra­gen. Die bei­den Ge­sell­schaf­ter der BenQ Mo­bi­le OHG verfügten über ein Stamm­ka­pi­tal von je­weils 25.000,00 Eu­ro. Im Zu­sam­men­hang mit der Über­tra­gung der Vermögens­ge­genstände von der Be­klag­ten auf die BenQ Mo­bi­le OHG zahl­te die Be­klag­te an die BenQ Cor­po­ra­ti­on ei­nen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag.
Für den Stand­ort K wur­de der ört­li­che Be­triebs­rat in­for­miert, dass an die­sem Stand­ort auf­grund von Pro­duk­ti­vitäts­stei­ge­run­gen in der Fer­ti­gung der Ab­bau von ca. 340 Mit­ar­bei­tern im Be­reich der Lohn­grup­pen 2 bis 7 ge­plant ist.
Dem Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf BenQ Mo­bi­le können Sie nach § 613 a Abs. 6 BGB schrift­lich wi­der­spre­chen. Ihr Wi­der­spruch hätte zur Fol­ge, dass Ihr Ar­beits­verhält­nis nicht auf BenQ Mo­bi­le über­geht. Wir möch­ten Sie je­doch bit­ten, von die­sem Recht nur nach sorgfälti­ger Abwägung Ge­brauch zu ma­chen, denn Ihr Wi­der­spruch si­chert Ih­nen kei­nen Ar­beits­platz bei der Sie­mens AG, da die Com MD - Ak­ti­vitäten vollständig auf BenQ Mo­bi­le über­tra­gen wer­den und da­mit die­se Ar­beitsplätze bei der Sie­mens AG ent­fal­len, so dass es letzt­lich zu be­triebs­be­ding­ten Be­en­di­gun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses kom­men kann.
Soll­ten Sie trotz die­ser Über­le­gun­gen den­noch wi­der­spre­chen wol­len, bit­ten wir dar­um, Ih­ren et­wai­gen Wi­der­spruch un­verzüglich, je­doch spätes­tens in­ner­halb von 1 Mo­nat nach Zu­gang die­ses Schrei­bens schrift­lich an Herrn R B, Com HR CG, M
Der Kläger meint, er sei auch noch im De­zem­ber 2006 be­rech­tigt ge­we­sen, dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zu wi­der­spre­chen, weil die
ein­mo­na­ti­ge Wi­der­spruchs­frist des § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB durch die Un­ter­rich­tung der Be­klag­ten über den Be­triebsüber­gang nicht in Gang ge­setzt wor­den sei. Die­se Un­ter­rich­tung ha­be nämlich nicht den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB ent­spro­chen. So sei er ins­be­son­de­re nicht über den Fir­men­sitz, die Adres­se der Be­triebs­er­wer­be­rin und den Grund des Be­triebsüber­gangs un­ter­rich­tet wor­den. Auch sei in dem Un­ter­rich­tungs­schrei­ben aus­drück­lich auf die wirt­schaft­li­che Po­tenz der BenQ (Tai­wan) ab­ge­stellt wor­den, oh­ne dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se nicht die Ar­beit­ge­be­rin war und die persönlich haf­ten­den Ge­sell­schaf­ter sei­ner neu­en Ar­beit­ge­be­rin nur mit ei­nem Stamm­ka­pi­tal von je­weils 25.000,00 Eu­ro aus­ge­stat­tet ge­we­sen sei­en. Da­durch sei der Ein­druck er­weckt wor­den, ihm stünde auch nach Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ein wirt­schaft­lich ähn­lich star­ker Ar­beit­ge­ber wie bis­her zur Verfügung. Die Kon­zern­mut­ter BenQ Cor­po­ra­ti­on, Tai­wan, sei aber nicht ver­pflich­tet ge­we­sen, dem Be­triebs­er­wer­ber BenQ Mo­bi­le OHG fi­nan­zi­ell bei­zu­ste­hen.
Sie ist der An­sicht, den Kläger mit Schrei­ben vom 29. Au­gust 2005 ord­nungs­gemäß nach § 613a Abs. 5 BGB über den be­ab­sich­tig­ten Be­triebsüber­gang un­ter­rich­tet zu ha­ben. Des­halb sei der Wi­der­spruch des Klägers mit Schrei­ben vom 22. De­zem­ber 2006 we­gen Ab­laufs der ein­mo­na­ti­gen Wi­der­spruchs­frist ver­spätet. Auf je­den Fall sei das Recht zum Wi­der­spruch aber ver­wirkt. Auch ha­be der Kläger durch den Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges mit der BenQ Mo­bi­le OHG auf sein Wi­der­spruchs­recht ver­zich­tet.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Teil­ur­teil der Fest­stel­lungs­kla­ge statt­ge­ge­ben und die Kla­ge auf Wei­ter­beschäfti­gung ab­ge­wie­sen. Über gel­tend ge­mach­te Vergütungs­ansprüche des Klägers hat es nicht ent­schie­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat so­wohl die Be­ru­fung des Klägers als auch die der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen und die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten als zulässig be­trach­tet. Ent­ge­gen der An­sicht des Klägers sei die­se nicht des­halb un­zulässig, weil die Be­ru­fungs­schrift nur von ei­nem der bei­den in der Un­ter­schrifts­zei­le an­geführ­ten Rechts­anwälte, nämlich durch die Rechts­anwältin Dr. S, un­ter­zeich­net sei.
I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten sei zulässig. Der Be­ru­fungs­ein­le­gungs­schrift­satz vom 22. No­vem­ber 2007 ha­be den An­for­de­run­gen des § 519 Abs. 4 iVm. § 103 Nr. 6 ZPO genügt. Es sei unschädlich, dass der Schrift­satz nicht von dem in der Un­ter­schrifts­leis­te mit auf­geführ­ten Rechts­an­walt Dr. M mit­un­ter­zeich­net wor­den sei und dass die Un­ter­schrift der Rechts­anwältin Dr. S kei­nen Ver­tre­tungs­zu­satz auf­wei­se. Der Be­ru­fungs­schrift­satz der Be­klag­ten sei von zwei pos­tu­la­ti­onsfähi­gen Rechts­anwälten ver­fasst/ver­ant­wor­tet, ob­wohl er nur
von Dr. S, un­ter­zeich­net wor­den sei. Die­se ha­be im Zwei­fel die al­lei­ni­ge, vol­le Ver­ant­wor­tung für den In­halt des Be­ru­fungs­schrift­sat­zes über­nom­men. Bei der Kanz­lei der Be­klag­ten­ver­tre­ter han­de­le es sich um ei­ne Part­ner­schafts­ge­sell­schaft, die als sol­che als Pro­zess- oder Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te be­auf­tragt wer­den könne und in die­sem Fal­le durch ih­re Part­ner und Ver­tre­ter han­de­le. Auch da­mit sei oh­ne wei­te­res von der Pos­tu­la­ti­onsfähig­keit und al­lei­ni­gen Un­ter­zeich­nungs­be­fug­nis und so­mit wirk­sa­men Be­ru­fungs­ein­le­gung durch die Rechts­anwältin Dr. S aus­zu­ge­hen.
Das Wi­der­spruchs­recht des Klägers sei nicht ver­wirkt oder ent­spre­chend § 144 BGB als aus­ge­schlos­sen an­zu­se­hen. Es könne of­fen­blei­ben, ab wann das für die An­nah­me ei­ner Ver­wir­kung er­for­der­li­che Zeit­mo­ment zu lau­fen be­gin­ne, weil es selbst bei der An­nah­me der Erfüllung des Zeit­mo­ments am Um­stands­mo­ment feh­le. So er­ge­be sich ein sol­ches we­der aus der Wei­ter­ar­beit des Klägers bei der BenQ Mo­bi­le OHG noch dar­aus, dass ihm von die­ser am 1. Ja­nu­ar 2006 ei­ne Ge­halts­erhöhung gewährt wor­den sei. Dass der Kläger durch den Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges mit der BenQ Mo­bi­le OHG ge­genüber der Be­klag­ten zum Aus­druck ge­bracht ha­be, sich endgültig (auch) aus den Rechts­be­zie­hun­gen mit ihr zu lösen, sei nicht an­zu­neh­men. Dies
würde vor­aus­set­zen, dass der Kläger in Kennt­nis vom Be­ste­hen sei­nes Wi­der­spruchs­rechts ge­han­delt hätte und er da­von hätte aus­ge­hen müssen, die Be­klag­te wer­de Kennt­nis von sei­ner ver­trag­li­chen Aus­schei­dens­re­ge­lung mit der BenQ Mo­bi­le OHG er­hal­ten oder be­reits ha­ben. An die­sen bei­den Vor­aus­set­zun­gen feh­le es. Aus den glei­chen Gründen sei auch das Wi­der­spruchs­recht des Klägers nicht in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 144 BGB aus­ge­schlos­sen.
I. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet.
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist nicht be­reits des­halb un­be­gründet, weil ih­re Be­ru­fung un­zulässig war.
Zu­tref­fend hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­ru­fung der Be­klag­ten als zulässig an­ge­se­hen. Im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren müssen Be­ru­fungs- und Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift­satz von ei­nem nach § 11 Abs. 2 ArbGG (in der bis 30. Ju­ni 2008 gel­ten­den Fas­sung, § 11 Abs. 4 ArbGG in der ab 1. Ju­li 2008 gel­ten­den Fas­sung) pos­tu­la­ti­onsfähi­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten hand­schrift­lich und ei­genhändig un­ter­zeich­net sein. Fehlt es hier­an, ist die Be­ru­fung un­zulässig (st. Rspr., vgl. Se­nat 27. Ok­to­ber 2005 - 8 AZR 546/03 - mwN, AP ArbGG 1979 § 12a Nr. 13 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 180).
Die ei­genhändi­ge Un­ter­schrift soll dem Nach­weis die­nen, dass die Be­ru­fung von ei­ner Per­son, die nach dem Ar­beits­ge­richts­ge­setz befähigt und be­fugt ist, Pro­zess­hand­lun­gen vor­zu­neh­men, in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung ein­ge­legt bzw. be­gründet wor­den ist (st. Rspr., vgl. BAG 11. Au­gust 1987 - 7 AZB 17/87 - mwN, AP ZPO § 518 Nr. 54).
anwältin Dr. S die Ver­ant­wor­tung für die Ein­le­gung der Be­ru­fung nicht über-neh­men woll­te.
In­ter­es­se des Be­rech­tig­ten der­art über­wie­gen, dass ihm die Erfüllung des An­spruchs nicht mehr zu­zu­mu­ten ist.
bb) Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ver­wir­kung lie­gen im Streit­fal­le vor.
(1) Die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob ein Recht ver­wirkt ist, ob­liegt zwar grundsätz­lich den Tat­sa­chen­ge­rich­ten, die den ih­nen zur Be­gründung des Ver­wir­kungs­ein­wan­des vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt ei­gen­ver­ant­wort­lich zu würdi­gen ha­ben (vgl. BAG 17. Ja­nu­ar 2007 - 7 AZR 23/06 - EzAÜG AÜG § 10 Fik­ti­on Nr. 116). Vom Re­vi­si­ons­ge­richt ist das Be­ru­fungs­ur­teil je­doch dar­auf zu über­prüfen, ob das Tat­sa­chen­ge­richt die von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Ver­wir­kung be­ach­tet so­wie al­le er­heb­li­chen Ge­sichts­punk­te berück­sich­tigt hat und ob die Be­wer­tung die­ser Ge­sichts­punk­te von den ge­trof­fe­nen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen ge­tra­gen wird (vgl. BAG 12. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 747/06 - mwN, EzA BGB 2002 § 242 Ver­wir­kung Nr. 1).
(3) Das Zeit­mo­ment ist erfüllt.
Die Frist für das für die Ver­wir­kung maßgeb­li­che Zeit­mo­ment be­ginnt nicht erst mit der um­fas­sen­den Un­ter­rich­tung des Ar­beit­neh­mers über den Be­triebsüber­gang und sei­ne Fol­gen zu lau­fen (vgl. Se­nat 27. No­vem­ber 2008 - 8 AZR 174/07 - NZA 2009, 552). Da­mit setzt auch nicht erst die Kennt­nis des Ar­beit­neh­mers von der Feh­ler­haf­tig­keit der Un­ter­rich­tung die Frist für die Be­ur­tei­lung des Vor­lie­gens des Zeit­mo­ments in Lauf. Bei dem Zeit­mo­ment han­delt es sich nicht um ei­ne ge­setz­li­che, ge­richt­li­che oder ver­trag­lich vor­ge­schrie­be­ne Frist, für wel­che be­stimm­te An­fangs- und End­zeit­punk­te gel­ten, die in den §§ 186 ff. BGB ge­re­gelt sind. Viel­mehr hat bei der Prüfung, ob ein Recht ver­wirkt ist, ei­ne Ge­samt­be­trach­tung statt­zu­fin­den, bei der das Zeit- und das Um­stands­mo­ment zu berück­sich­ti­gen und in Re­la­ti­on zu set­zen sind.
Er­folgt die Prüfung ent­spre­chend die­sen Grundsätzen, so ist es nicht ge­bo­ten, ähn­lich wie bei ge­setz­li­chen, ge­richt­li­chen oder ver­trag­li­chen Fris­ten
für das so ge­nann­te Zeit­mo­ment ei­nen be­stimm­ten Frist­be­ginn, wie et­wa die Kennt­nis des Be­rech­tig­ten von be­stimm­ten Tat­sa­chen fest­zu­le­gen. Viel­mehr ist dar­auf ab­zu­stel­len, ob der Ver­pflich­te­te auf­grund des Zeit­ab­laufs, in dem der Be­rech­tig­te sein Recht nicht aus­geübt hat, und den Umständen des Ein­zel­falls, zu de­nen auch der je­wei­li­ge In­for­ma­ti­ons­stand des Be­rech­tig­ten gehört, dar­auf ver­trau­en durf­te, der Be­rech­tig­te wer­de sein Recht nicht mehr gel­tend ma­chen. Grundsätz­lich ist der ge­sam­te Zeit­ab­lauf seit der Rechts­ent­ste­hung von Be­deu­tung, im Fal­le der Be­klag­ten je­den­falls der Zeit­raum ab En­de Sep­tem­ber 2005, weil zu die­sem Zeit­punkt die aus ih­rer Sicht durch ihr Un­ter­rich­tungs­schrei­ben vom 29. Au­gust 2005 in Gang ge­setz­te ge­setz­li­che ein­mo­na­ti­ge Wi­der­spruchs­frist (§ 613a Abs. 6 Satz 1 BGB) für den Kläger ab­lief.
(4) Der Kläger hat durch sein Ver­hal­ten, ins­be­son­de­re durch den Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges mit der BenQ Mo­bi­le OHG am 9. Au­gust 2006 das Um­stands­mo­ment ver­wirk­licht.
Auf­grund des Ab­schlus­ses des Auf­he­bungs­ver­tra­ges zwi­schen dem Kläger und der BenQ Mo­bi­le OHG am 9. Au­gust 2006 durf­te die Be­klag­te
da­von aus­ge­hen, der Kläger wer­de sein Wi­der­spruchs­recht nicht mehr ausüben (Erfüllung des Um­stands­mo­ments).
Die Un­ter­rich­tungs­pflicht des § 613a Abs. 5 BGB trifft als Ge­samt­schuld­ner so­wohl den bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber als auch den neu­en Be­triebs­in­ha­ber. Der von ei­nem Be­triebsüber­gang be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer er­langt die Fort­dau­er sei­nes Wi­der­spruchs­rechts so­wohl durch In­for­ma­ti­ons­feh­ler des ei­nen wie des an­de­ren. Wenn das Ge­setz in der Fra­ge der In­for­ma­ti­ons­pflicht zum Be­triebsüber­gang den al­ten und neu­en Ar­beit­ge­ber als Ein­heit sieht, legt dies na­he, Be­triebs­veräußerer und Be­triebs­er­wer­ber auch hin­sicht­lich des In­for­ma­ti­ons­stan­des zum Ar­beit­neh­mer­ver­hal­ten ein­heit­lich auf­zu­fas­sen. Auch Art. 3 Abs. 2 der RL 2001/23/EG fin­giert ei­nen glei­chen In­for­ma­ti­ons­stand von Veräußerer und Er­wer­ber über die Rech­te und Pflich­ten der über­ge­gan­ge­nen Ar­beits­verhält­nis­se. Ent­schei­dend kommt hin­zu, dass nach § 613a Abs. 6 Satz 2 BGB der Ar­beit­neh­mer den Wi­der­spruch so­wohl ge­genüber dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber (Be­triebs­veräußerer) als auch ge­genüber dem neu­en In­ha­ber (Be­triebs­er­wer­ber) erklären darf. Der Wi­der­spruch kann aber nicht ge­genüber dem neu­en Ar­beit­ge­ber ver­wirkt sein, weil die­ser die ein­ge­tre­te­nen
„Umstände“ kennt, ge­genüber dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber we­gen des­sen Un­kennt­nis je­doch nicht. Für das Schuld­verhält­nis von Be­triebs­veräußerer und Be­triebs­er­wer­ber als Ge­samt­schuld­ner ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer als Be­rech­tig­tem ist in § 613a BGB, ins­be­son­de­re in des­sen Abs. 6, „ein an­de­res“ nor­miert (§ 425 Abs. 1 BGB). Neu­er und al­ter Ar­beit­ge­ber dürfen sich wech­sel-sei­tig auf die Kennt­nis des an­de­ren vom Ar­beit­neh­mer­ver­hal­ten be­ru­fen. Ei­ne nach­ge­wie­se­ne Kennt­nis des in An­spruch ge­nom­me­nen Ver­pflich­te­ten von ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­neh­mer­ver­hal­ten ist nicht er­for­der­lich, wenn fest­steht, dass die­ses Ver­hal­ten we­nigs­tens dem an­de­ren Ver­pflich­te­ten be­kannt ge­wor­den ist (Se­nat 2. April 2009 - 8 AZR 220/07 -).
II. Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge auf Wei­ter­beschäfti­gung im Er­geb­nis zu Recht ab­ge­wie­sen.
III. Der Kläger hat nach § 91 Abs. 1, § 97 ZPO die Kos­ten der Be­ru­fung und der Re­vi­si­on zu tra­gen.
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References: § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 519
 § 103
 § 144
 § 144
 § 11
 § 11
 § 12
 § 4
 § 518
 § 10
 § 242
 § 613
 Art. 3
 § 613
 § 613
 § 91
 § 97