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Timestamp: 2020-07-12 11:22:12+00:00

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Aktuelles Steuerstrafrecht: Steuerfahndung, Steuerhinterziehung, Selbstanzeige
ralftgehrig
Hier steht das e-book "Aktuelles Steuerstrafrecht" zum kostenlosen download für Sie zur Verfügung. Der Titel behandelt inhaltlich die Themen Steuerfahndung, Steuerhinterziehung und Selbstanzeige. Der Verfasser Rechtsanwalt Dr. Markus Brender ist Fachanwalt für Steuerrecht und mit einem Schwerpunkt auf dem Gebiet des Steuerstrafrechtes als steuerstrafrechtlicher Verteidiger tätig.
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Steuerfahndung - Steuerhinterziehung - Selbstanzeige
- Aktuelle zu:
Steuerfahndung – Steuerhinterziehung – Selbstanzeige
MarkusBrender
Fachanwaltfür fürSteuerrecht
Autor: am Main
fürfürBank-
RA/Fachanwalt und
Steuerrecht Kapitalmarktrecht
sowie FA für Bank- und Kapitalmarktrecht Dr. iur. Brender,
www.brender-huelsmeier.de
Frankfurt am Main www.brender-huelsmeier.de
Brender & Hülsmeier, Leerbachstrasse 14, 60322 Frankfurt am Main
Die aktuelle Finanzmarktkrise ist Anlass für ein nachhaltiges staatliches Bemühen,
Steuerhinterziehungen aufzuspüren, um das Steueraufkommen weiter zu erhöhen. Die
aktuelle Entwicklung ist daher von einer hohen inhaltlichen Dynamik und von einem
immer weiteren Vordringen staatlicher Zugriffsbefugnisse gekennzeichnet. Die wich-
tigsten Punkte sind:
• Die durch das Jahressteuergesetz 2009 eingeführte Verlängerung der straf-
rechtlichen Verjährung der Steuerhinterziehung von bisher fünf auf jetzt zehn
• Die Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofes zur Strafhöhe bei Steu-
erhinterziehung vom 2. Dezember 2008
• Die Grundsatzentscheidung des Bundesfinanzhofes zur Zulässigkeit von Kon-
trollmitteilungen anlässlich einer Bankprüfung vom 9. Dezember 2008, mit der
das Bankgeheimnis weiter gelockert wurde
• Das „Gesetz zur Bekämpfung schädlicher Steuerpraktiken und der Steuerhin-
terziehung“, das zum Ziel hat, durch ein Maßnahmenbündel die von der Orga-
nisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgesehenen Stan-
dards der Erteilung von Auskünften durchzusetzen und die Möglichkeiten der
Sachverhaltsaufklärung weiter zu verbessern (Stand: Referentenentwurf vom
25.03.2009)
• Die internationale Durchsetzung des Informationsaustausches nach Maßgabe
des OECD Standards, insbesondere auch in der Schweiz, Österreich, Belgien,
Liechtenstein und Luxemburg.
Der Steuerwiderstand bleibt erheblich. Hierfür mag der einzelne Bürger aus seiner per-
sönlichen Sicht vermeintlich verschiedene gute Gründe anführen. Nicht verkennen
sollte er allerdings, dass das staatliche Maßnahmenbündel das Entdeckungs- und
Sanktionsrisiko klar verschärft.
Diese Veröffentlichung erläutert in einer auch Nichtjuristen verständlichen Weise typi-
sche steuerstrafrechtliche Themen, und zwar Aufgaben und Befugnisse der Steuer-
fahndung, den Straftatbestand der Steuerhinterziehung und die gesetzlichen Voraus-
setzungen einer strafbefreienden Selbstanzeige. Zugleich werden einzelne Aspekte
einer steuerstrafrechtlichen Verteidigung behandelt. Schließlich werden die aktuellen
Entwicklungen im Steuerstrafrecht dargestellt.
Frankfurt am Main, den 05.04.2009
Autor: RA/Fachanwalt für Steuerrecht sowie FA für Bank- und Kapitalmarktrecht Dr. iur. Brender,
Die Steuerfahndung 4
Steuerhinterziehung und Steuerfahndung 4
Die Aufgaben der Steuerfahndung 4
Der organisatorische Aufbau der Steuerfahndung 5
Die Doppelfunktion als Steuer- und Strafverfolgungsbehörde 6
Fahndungsmaßnahmen der Steuerfahndung 7
Rechtsmittel im Steuerstrafverfahren 11
Weiteres Verfahren 12
Die Steuerhinterziehung als Straftat 14
Der objektive Tatbestand der Steuerhinterziehung (§ 370 AO) 14
Der subjektive Tatbestand der Steuerhinterziehung (§ 370 AO) 16
Strafzumessung bei Steuerhinterziehung (§ 370 AO) 16
5. Hinterziehungszinsen 20
Straffreiheit durch Selbstanzeige 21
Bedeutung der Selbstanzeige 21
Voraussetzungen, Form und Inhalt der Selbstanzeige 21
Die Nachzahlung der hinterzogenen Steuern 23
Die Sperren für eine wirksame Selbstanzeige 24
Die Konsequenzen der wirksamen Selbstanzeige 25
Aktuelle Entwicklungen 26
Anhang 1: Auszug aus der Abgabenordnung 32
Anhang 2: Beispiel einer strafbefreienden Selbstanzeige 40
Anhang 3: Pressemitteilung BGH 41
Anhang 4: Pressemitteilung BFH 43
1. Steuerhinterziehung und Steuerfahndung
Über den Umfang der Steuern, die in der Bundesrepublik jährlich hinterzogen werden,
gibt es keine genauen Zahlen, sondern nur grobe Schätzungen, die je nach Stand-
punkt des Ermittelnden sehr unterschiedlich ausfallen.
Für die Mehrzahl der Bundesbürger dürfte die Kriminalität der Steuerhinterziehung
zwar feststehen. Dennoch wird dem Steuerhinterzieher mehr Verständnis entgegenge-
bracht als anderen Straftätern. Dies beruht vor allem darauf, dass es sich bei dem
durch den Straftatbestand der Steuerhinterziehung geschützten Rechtsgut um das
öffentliche Interesse an einem vollständigen und rechtzeitigen Steueraufkommen han-
delt. Dieses Rechtsgut aber ist abstrakt und überindividuell, so dass der durch die
Hinterziehung konkret entstehende Schaden kaum erkennbar ist. Auch glaubt der
Steuerbürger in Anbetracht eines nicht mehr überschaubaren Geflechtes von Steuer-
regelungen und –ausnahmen wie aber auch eines als überzogen empfundenen Fiska-
lanspruches eine Art moralisches Recht zur steuerlichen Notwehr zu besitzen. Ander-
seits ist in der öffentlichen Bewertung der Steuerhinterziehung durchaus festzustellen,
dass diese Straftat nicht länger als Kavaliersdelikt empfunden wird.
Auf der Seite des Staates ist es die Steuerfahndung, die dem Steuerhinterzieher
nachzuforschen hat. Die Steuerfahndung hat hierbei eine doppelte Funktion. Einer-
seits ist sie Finanzverwaltung und verfährt als solche nach den Regelungen des
Steuerrechts, insbesondere der Abgabenordnung. Andererseits ist sie zugleich Steu-
erpolizei auf dem Gebiet des Steuerrechts, d. h. also Strafverfolgungsbehörde mit Be-
fugnissen nach der Strafprozessordnung. Diese doppelte Aufgabe und doppelte Be-
fugnis macht die Steuerfahndung zu einer machtvollen Instanz für den betroffenen
2. Die Aufgaben der Steuerfahndung
§ 208 Abs. 1 AO formuliert lapidar: „Aufgabe der Steuerfahndung ist 1. die Erfor-
schung von Steuerstraftaten und Steuerordnungswidrigkeiten, 2. die Ermittlung der
Besteuerungsgrundlagen in den in Nummer 1 bezeichneten Fällen, 3. die Aufdeckung
und Ermittlung unbekannter Steuerfälle.“
Zu den in Nummer 1 genannten Steuerstraftaten, die die Steuerfahndung erforschen
soll, gehören nach § 369 AO folgende Taten: „Taten, die nach den Steuergesetzen
strafbar sind“, d. h. vor allem die Steuerhinterziehung; der so genannte Bannbruch, d.
h. ein Zollvergeben, die ein Steuerzeichen betreffende Wertzeichenfälschung und
schließlich die Begünstigung einer Person, die eine der vorgenannten Taten begangen
hat. Steuerordnungswidrigkeiten sind nach § 377 AO alle Zuwiderhandlungen, die
nach den Steuergesetzen mit Geldbuße geahndet werden können. Hierzu gehören vor
allem die leichtfertige Steuerverkürzung nach § 378 AO und die Steuergefährdung
nach § 379 AO. Wenn die Steuerfahndung Steuerstraftaten und –Ordnungswidrigkei-
ten erforscht, handelt sie als Steuerpolizei (§§ 404, 410 AO).
Wie § 208 Abs. 1 Nr. 2 AO zu entnehmen ist, ist die Ermittlung der Besteuerungs-
grundlagen im Falle von Steuerstraftaten und Steuerordnungswidrigkeiten ebenfalls
Aufgabe der Steuerfahndung. Dies leuchtet ein, weil etwa eine Steuerhinterziehung nur
dann bejaht werden kann, wenn zuvor der wirkliche Anspruch dem Grunde und der
Höhe nach festgestellt wurde. Die Aufgaben nach § 208 Abs. 1 Nr. 1 und 2 AO sind
somit untrennbar inhaltlich verschränkt.
Die weitere Aufgabe der Aufdeckung und Ermittlung unbekannter Steuerfälle nach §
208 Abs. 1 Nr. 3 AO ermächtigt die Steuerfahndung zwar nicht zu Ermittlungen ins
Blaue hinein. Gleichwohl darf hier bereits dann ermittelt werden, wenn gewisse An-
haltspunkte für rein objektive Steuerverkürzungen vorliegen, ohne dass zwingend der
Verdacht eines Steuerdeliktes, d. h. also einer Steuerstraftat oder einer Steuerord-
nungswidrigkeit, gegeben sein muss. Unbekannte Steuerfälle sind solche, bei denen
entweder der Steuerzahler oder der steuerliche Sacheverhalt oder auch beide Elemen-
te nicht bekannt sind.
Beispielsweise kann die Steuerfahndung ermitteln, ob Zahnärzte Einnahmen aus
Goldgeschäften, die sie mit Goldschmiedeanstalten getätigt hatten, versteuert haben
oder auch, ob Kfz-Händler, die unter Chiffre-Anzeige inseriert hatten, die Einkünfte aus
Pkw-Verkäufen versteuert haben. Insofern bieten die bloßen Erfahrungswerte der Fi-
nanzämter, dass bei derartigen Sachverhalten vielfach keine Versteuerung erfolgt,
nach Auffassung der Rechtsprechung bereits einen ausreichenden Anlass für Ermitt-
lungen der Steuerfahndung.
Über die vorgenannten drei Hauptaufgaben hinaus können sich schließlich auch aus §
208 Abs. 2 AO weitere Zuständigkeiten ergeben. Danach gehören auch steuerliche
Ermittlungen einschließlich der Außenprüfung auf Ersuchen der zuständigen Finanz-
behörde wie auch sonstige übertragene Aufgaben zum weiteren Aufgabenfeld der
Steuerfahndung.
3. Der organisatorische Aufbau der Steuerfahndung
Der organisatorische Aufbau der Steuerfahndung im einzelnen ist nicht vom Gesetz-
geber vorgegeben. Tatsächlich ist die Steuerfahndung in den verschiedenen Bundes-
ländern auch unterschiedlich strukturiert. In den weitaus meisten Bundesländern ist
die Steuerfahndung Teil eines Finanzamtes, so etwa in Baden-Württemberg, Hessen,
Bayern, Rheinland-Pfalz und den neuen Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen und in
Niedersachsen etwa wurden jedoch eigenständige Finanzämter gebildet, die aus-
schließlich die Zuständigkeiten der Steuerfahndung wie auch der so genannten Buß-
geld- und Strafsachenstelle in sich vereinen. Letztere verfügt über staatsanwaltschaft-
liche Befugnisse und übt die Funktion der Staatsanwaltschaft in Steuersachen aus.
Unabhängig von ihrer konkreten organisatorischen Ansiedlung ist die strukturelle An-
bindung der Steuerfahndung durch ihre Zwitterstellung als Steuerpolizei und Steuer-
behörde gekennzeichnet: Über die Steuerfestsetzung entscheidet das zuständige Fi-
nanzamt, über eine Strafverfolgung kann die Bußgeld- und Strafsachenstelle oder, so-
fern diese die Angelegenheit an sich gezogen hat, die Staatsanwaltschaft entscheiden.
Die Dienstaufsicht wird von der nächst höheren Behörde, d. h. der Oberfinanzdirekti-
on, ausgeübt. Die Ermittlungsarbeiten selbst werden von der Steuerfahndung geleis-
tet, wobei jeweils mehrere Fahndungsprüfer einem Sachgebietsleiter unterstehen.
4. Die Doppelfunktion als Steuer- und Strafverfolgungsbehörde
Da einerseits die Erforschung von Steuerdelikten und andererseits die Ermittlung von
Besteuerungsgrundlagen wie auch die Aufdeckung und Ermittlung unbekannter Steu-
erfälle zu den Aufgaben der Steuerfahndung gehören, stellt sich die Frage nach dem
Verhältnis von Steuerstrafverfahren und Besteuerungsverfahren.
§ 393 Abs. 1 Satz 1 AO führt hierzu aus: „Die Rechte und Pflichten der Steuerpflichti-
gen und der Finanzbehörde im Besteuerungsverfahren und im Strafverfahren richten
sich nach den für das jeweilige Verfahren geltenden Vorschriften.“ Der Wortlaut des
Gesetzes spricht für eine formal getrennte Betrachtung. Tatsächlich ist über die Frage
nach der Überlagerung, Kollision oder auch Abgrenzung der unterschiedlichen Verfah-
ren nach Abgabenordnung und Strafprozessordnung hier jedoch nur wenig ausgesagt.
Zwei weitere Vorschriften enthalten ergänzende Regelungen.
In § 393 Abs. 1 Satz 2-4 AO wird angeordnet: „Im Besteuerungsverfahren sind je-
doch Zwangsmittel gegen den Steuerpflichtigen unzulässig, wenn er dadurch gezwun-
gen würde, sich selbst wegen einer von ihm begangenen Steuerstraftat oder Steuer-
ordnungswidrigkeit zu belasten. Dies gilt stets, soweit gegen ihn wegen einer solchen
Tat das Strafverfahren eingeleitet worden ist. Der Steuerpflichtige ist hierüber zu beleh-
ren, soweit dazu Anlass besteht.“
Das soeben zitierte gesetzliche Verbot von Zwangsmitteln zur Durchsetzung steuerli-
cher Pflichten im Falle einer Selbstbelastung zeigt, dass beide Verfahrensarten nicht
isoliert betrachtet werden dürfen. Der rechtsstaatliche Gedanke, dass niemand zur
Selbstbelastung gezwungen sein kann, schlägt auf das Besteuerungsverfahren durch
und suspendiert den Steuerpflichtigen von den sonst bestehenden Mitwirkungspflich-
Wie § 393 Abs. 2 AO ferner zu entnehmen ist, kann der im Besteuerungsverfahren
ermittelte Sachverhalt im Strafverfahren nur dann verwertet werden, wenn dieses
spezifisch eine Steuerstraftat zum Gegenstand hat. Ist dies nicht der Fall, dürfen die
steuerlichen Erkenntnisse regelmäßig nicht verwertet werden. Eine Ausnahme besteht
jedoch dann, wenn an der Verfolgung der Straftat ein zwingendes öffentliches Interes-
se im Sinne von § 30 Abs. 4 Nr. 5 AO besteht, was beispielsweise bei umfangreichen
Wirtschaftsstraftaten bejaht werden kann.
Über die beiden soeben angesprochenen gesetzlichen Regelungen hinaus entscheidet
mangels weiterer konkreter Bestimmungen dann jedoch das jeweilige Vorverständnis:
Maßgeblich ist, inwieweit die Steuerfahndung als beschränkt auf die Regelungen der
einmal eingeschlagenen Verfahrensart, Besteuerungsverfahren oder Steuerstrafverfah-
ren, angesehen wird oder ob ihr weitergehende Verfahrensrechte und ggf. auch ein
sofortiger Wechsel der Verfahrensart zugebilligt werden. Diese Frage ist von erhebli-
cher praktischer Bedeutung wie folgendes Beispiel zeigt:
Die Steuerfahndung kann einer Bank in einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren
wegen Steuerhinterziehung etwa einen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebe-
schluss vorlegen. Dieser Beschluss erstreckt sich auf den Zeitraum, in dem die fünf-
jährige strafrechtliche Verjährung noch nicht eingetreten ist. Nunmehr möchte die
Steuerfahndung für den davor liegenden Zeitraum, in dem diese Verjährung bereits
eingetreten ist, gleichwohl noch im Wege des Auskunftsersuchens nach § 93 AO Kon-
tenumsätze erfragen. Im Ergebnis würde durch eine solche Anfrage im Besteuerungs-
verfahren die Verfahrenssperre im Strafverfahren unterlaufen. Dagegen könnten des-
wegen keine Einwendungen bestehen, weil Steuerstrafverfahren und Besteuerungs-
verfahren unterschiedliche Zwecke verfolgen. Gleichwohl ist der Auffassung zu-
zustimmen, dass die Steuerfahndung jedenfalls nicht willkürlich die Verfahrensart
wechseln darf, falls sie zunächst etwa ausdrücklich erklärt hat, im Steuerstrafverfahren
zu ermitteln. Die Klarheit über die jeweilige Verfahrensart ist Voraussetzung für einen
effektiven Rechtsschutz des betroffenen Bürgers. Zumindest insoweit gibt es daher
Grenzen für einen plötzlichen Verfahrenswechsel.
5. Fahndungsmaßnahmen der Steuerfahndung
Als allgemeine Grundsätze lassen sich festhalten: Der Anlass für die Ermittlung der
Steuerfahndung kann sehr verschieden sein: Strafanzeigen Dritter, Selbstanzeigen,
Einschaltung durch die Betriebsprüfung, Feststellungen anlässlich anderweitiger Er-
mittlungen, etwa wegen des Verdachtes der Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei Ban-
ken, nicht zuletzt auch Ermittlungen der Steuerfahndung bei unbekannten Steuerfäl-
len. Im Verfahren wegen Steuerstraftaten hat die Steuerfahndung die Aufgaben und
Befugnisse einer Steuerpolizei; ihre Beamten sind Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft.
Anders als im Besteuerungsverfahren ergeben sich die Kompetenzen der Steuerfahn-
dung daher nicht aus der Abgabenordnung, sondern aus der Strafprozessordnung (§
404 AO). Dies bedeutet insbesondere, dass die Steuerfahndung zu einem sofortigen
ersten Zugriff berechtigt ist: Bei so genannter Gefahr im Verzug ist sie berechtigt, eine
Beschlagnahme von Beweismitteln (§ 98 StPO), eine Durchsuchung (§ 105 StPO) oder
ggf. auch eine vorläufige Festnahme (§ 127 StPO) durchzuführen. Eine vorherige rich-
terliche Kontrolle ist in diesen Fällen nicht gegeben, da die vorausgesetzte Gefahr im
Verzug gerade bedeutet, dass zur Sicherung des Fahndungserfolges unverzüglich ge-
handelt werden muss. Die Steuerfahndung hat ferner auch die Befugnis, die Papiere
der von einer Durchsuchung betroffenen Person durchzusehen (§ 404 Satz 2 1. HS
StPO). Sie verfügt hingegen nicht über die weitergehenden Kompetenzen der Staats-
anwaltschaft. Sie kann daher beispielsweise nicht Zeugen in der Weise laden, dass
diese verpflichtet wären, vor der Steuerfahndung zu erscheinen und zur Sache auszu-
sagen (§ 161 a StPO).
Das Verbot bestimmter rechtsstaatwidriger Vernehmungsmethoden nach § 136 a
StPO gilt selbstverständlich auch für die Steuerfahndung: Die Freiheit der Willensent-
schließung und Willensbildung des Beschuldigten darf insbesondere nicht beeinträch-
tigt werden durch Misshandlung, durch Ermüdung oder durch Täuschung. So dürfte
die Steuerfahndung einen Beschuldigten beispielsweise nicht dadurch zu einer Aus-
sage veranlassen, dass ihm eröffnet wird, seine Ehefrau habe eine gemeinsam began-
gene Steuerhinterziehung bereits gestanden. Aussagen, die entgegen § 136 a StPO
zustande gekommen sind, unterliegen einem absoluten Verwertungsverbot.
Üblicherweise handelt die Steuerfahndung bei einer Durchsuchung und Beschlag-
nahme nicht unter Berufung auf Gefahr im Verzug, sondern erwirkt zuvor einen ent-
sprechenden richterlichen Beschluss. Wie die Praxis zeigt, stellen die Gerichte aller-
dings nur niedrige Anforderungen an einen Tatverdacht, so dass der jeweilige Be-
schluss rasch erlassen wird.
Die Voraussetzungen und der Ablauf einer Durchsuchung sind in wichtigen Punkten
ausdrücklich gesetzlich geregelt. §§ 102, 103 StPO regeln zunächst die Voraussetzun-
gen wie folgt: „Bei dem, welcher als Täter oder Teilnehmer einer Straftat oder der Be-
günstigung, Strafvereitelung oder Hehlerei verdächtig ist, kann eine Durchsuchung der
Wohnung und anderer Räume sowie seiner Person und der ihm gehörenden Sache
sowohl zum Zwecke seiner Ergreifung als auch dann vorgenommen werden, wenn zu
vermuten ist, dass die Durchsuchung zur Auffindung von Beweismitteln führen werde.
Bei anderen Personen sind Durchsuchungen nur zur Ergreifung des Beschuldigten o-
der zur Verfolgung von Spuren einer Straftat oder zur Beschlagnahme bestimmter Ge-
genstände und nur dann zulässig, wenn Tatsachen vorliegen, aus denen zu schließen
ist, dass die gesuchte Person, Spur oder Sache sich in den zu durchsuchenden Räu-
men befindet....“
Die Durchsuchung hat mithin zum Ziel, Beweismittel und ggf. auch den Verdächtigen
selbst ausfindig zu machen. Ergänzend ordnet § 104 StPO an, dass Durchsuchungen
zur Nachtzeit grundsätzlich unzulässig sind (1.4. bis 30.9. eines jeden Jahres: neun
Uhr abends bis vier Uhr morgens, sonst: neun Uhr abends bis sechs Uhr Morgens).
Der Durchsuchungsbeschluss des zuständigen Amtsgerichtes wird im Regelfall zu-
gleich mit einem Beschlagnahmebeschluss betreffend die sicherzustellenden Be-
weismittel verbunden. Er muss mindestens so konkret abgefasst sein, dass aus ihm
der Tatvorwurf, d. h. die angeblich hinterzogene Steuer und der angebliche Hinterzie-
hungszeitraum, hervorgehen.
Wie sich aus § 102 StPO ergibt, kann sich eine Durchsuchung auch auf die verdächti-
ge Person und die ihr gehörenden Sachen selbst beziehen. Dies bedeutet, dass etwa
auch die Kleidung durchsucht werden kann. Daneben wird sich die Durchsuchung vor
allem auch auf eine Durchsicht der persönlichen und beruflichen Papiere des Verdäch-
tigen erstrecken. Hierzu gehören etwa Notizen, Korrespondenz, Kontenbelege, Bank-
unterlagen, Rechnungen etc. Die Steuerfahndung ist zu einer solchen Durchsicht be-
fugt (§§ 404 Satz 2 AO, 110 StPO).
Der Inhaber der zu durchsuchenden Räume oder Gegenstände darf der Durchsuchung
beiwohnen. Ist er abwesend, so ist, wenn möglich, sein Vertreter oder ein erwachsener
Angehöriger, Hausgenosse oder Nachbar zuzuziehen (§ 106 StPO). Der Beschuldigte
selbst hat, sofern er nicht Inhaber der zu durchsuchenden Räume oder Gegenstände
ist, ebenso wenig ein Anwesenheitsrecht wie sein Verteidiger.
Auf Verlangen ist dem von einer Durchsuchung Betroffenen nach Beendigung eine
schriftliche Mitteilung zu machen, die sowohl den Grund der Durchsuchung als auch,
sofern beim Verdächtigen durchsucht wurde, die Straftat bezeichnen muss. Auch kann
ein Verzeichnis der in Verwahrung genommenen oder beschlagnahmten Gegenstände
verlangt werden bzw. eine Bescheinigung, dass nichts Verdächtiges gefunden wurde.
Die Beschlagnahme der im Rahmen der Durchsuchung aufgefundenen Beweismittel
geschieht im Regelfall ebenfalls aufgrund eines bereits vorab eingeholten richterlichen
Beschlusses. Befinden sich die Gegenstände im Gewahrsam einer Person und werden
sie freiwillig herausgegeben, ist eine formelle Beschlagnahme entbehrlich und die
schlichte Sicherstellung ausreichend (§ 94 Abs. 2 AO). Als beschlagnahmefähige Be-
weismittel kommen vor allem Bankbelege, Notizen, Korrespondenz, Rechnungen, Dis-
ketten etc. in Betracht. Sofern der von der Beschlagnahme oder Sicherstellung Betrof-
fene hieran ein berechtigtes Interesse hat, wird die Steuerfahndung ihm im Regelfall
gestatten, Kopien anzufertigen. Ein solches Interesse kann etwa gegeben sein, wenn
Unterlagen für den laufenden Geschäftsbetrieb benötigt werden.
Nach § 97 StPO sind gleichwohl bestimmte Gegenstände von einer Beschlagnahme
ausgenommen. Hierzu gehören insbesondere schriftliche Mitteilungen zwischen dem
Beschuldigten und den Personen, die aus persönlichen Gründen (Verlobte, Ehegatte,
nahe Verwandte und Verschwägerte) oder aus beruflichen Gründen (Verteidiger, An-
wälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer etc.) zur Zeugnisverweigerung berechtigt sind.
Das Zeugnisverweigerungsrecht soll nicht durch eine Beschlagnahme von Unterlagen
unterlaufen werden.
Bedeutsam ist ferner die Regelung zur Postbeschlagnahme nach § 99 StPO: „Zulässig
ist die Beschlagnahme der an den Beschuldigten gerichteten Briefe und Sendungen
auf der Post sowie der an ihn gerichteten Telegramme auf den Telegrafenanstalten; e-
benso ist zulässig an den bezeichneten Orten die Beschlagnahme solcher Briefe, Sen-
dungen und Telegramme, bei denen Tatsachen vorliegen, aus welchen zu schließen ist,
dass sie von dem Beschuldigten herrühren oder für ihn bestimmt sind und dass ihr In-
halt für die Untersuchung Bedeutung hat.“
Die in Verwahrung genommenen Gegenstände sind genau zu kennzeichnen und zur
Verhütung von Verwechslungen durch amtliche Siegel oder in sonst geeigneter Weise
kenntlich zu machen (109 StPO).
Schließlich ist auf die Regelung in § 98 Abs. 2 StPO hinzuweisen: Sofern die Steuer-
fahndung ohne richterliche Anordnung eine Beschlagnahme durchgeführt hat, soll sie
binnen drei Tagen die richterliche Bestätigung beantragen, wenn bei der Beschlag-
nahme weder der davon Betroffene noch ein erwachsener Angehöriger anwesend war
oder wenn der Betroffene und im Fall seiner Abwesenheit ein erwachsener Angehöri-
ger des Betroffenen gegen die Beschlagnahme ausdrücklich Widerspruch erhoben
hat. Der Betroffene selbst kann jederzeit die gerichtliche Entscheidung beantragen.
Solange die öffentliche Klage noch nicht erhoben ist, entscheidet das Amtsgericht, in
dessen Bezirk die Beschlagnahme stattgefunden hat.
Die Beschlagnahme endet, sofern die Unterlagen nicht vorher freigegeben wurden,
spätestens mit dem rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens.
Zum Verhalten bei Erscheinen der Steuerfahndung lassen sich unabhängig vom kon-
kreten Fall einige Hinweise geben:
Der Betroffene kann verlangen, dass sich die Beamten durch ihren Dienstausweis
ausweisen. Es wird sich empfehlen, die Namen und die Dienststellung der Beamten zu
Sodann sollte der Gerichtsbeschluss, den die Steuerfahndung im Regelfall präsentie-
ren wird, genau gelesen werden. Wesentlich ist vor allem, dass ein Beschluss im Ori-
ginal oder als Ausfertigung vorgelegt wird und dass seit richterlichem Erlass des Be-
schlusses nicht ein unangemessener Zeitraum, d. h. im Regelfall nicht mehr als einige
Wochen, vergangen ist. Ferner ist bedeutsam, ob es sich um einen Durchsuchungs-
und/oder einen Beschlagnahmebeschluss handelt, ob der Betroffene Adressat des
Beschlusses ist und ob der dem Beschluss zugrunde gelegte Tatvorwurf sowie die
durch den Beschluss abgedeckten Maßnahmen in den Grundzügen konkretisiert sind.
Vor Ort wird allerdings nur eine summarische Prüfung durch den Betroffenen auf gra-
vierende Unrichtigkeiten erfolgen können. Sofern dem Betroffenen nicht bereits von
der Steuerfahndung ein Exemplar des Beschlusses ausgehändigt wird, sollte der Be-
troffene dessen spätere Übersendung verlangen.
In jedem Fall sollte der Betroffene sodann versuchen, seinen Steuerberater oder Ver-
teidiger telefonisch zu erreichen und diesen um sein Erscheinen bitten. Unstreitig bes-
teht ein Anspruch darauf, ein solches Telefonat führen zu können.
Im Übrigen ist jeder von einer Durchsuchung oder Beschlagnahme Betroffene gut be-
raten, nicht gewaltsam Widerstand zu leisten und einen Beamten gar tätlich anzugrei-
fen. Dies wäre als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte strafbar (§ 113 StGB). Da
der Beschuldigte zu keinerlei Mitwirkung an der angestrebten Aufklärung verpflichtet
ist, darf und wird er vielmehr im Regelfall die Fahndung passiv begleiten. Im Rahmen
einer ersten Vernehmung durch die Beamten der Steuerfahndung haben diese dem
Beschuldigten zu eröffnen, welche Tat ihm zur Last gelegt wird. Er ist hierbei insbe-
sondere darüber zu belehren, dass es ihm freisteht, sich zu der Beschuldigung zu äu-
ßern oder nicht zur Sache auszusagen und jederzeit, auch schon vor seiner Verneh-
mung, einen von ihm zu wählenden Verteidiger zu befragen (§§ 163 a Abs. 4, 136 Abs.
1 Satz 2 StPO). Gerade weil der Beschuldigte bei seiner ersten Vernehmung emotional
stark belastet sein wird, ist ihm in aller Regel zu empfehlen, von seinem Aussagever-
weigerungsrecht Gebrauch zu machen. Im Übrigen sind auch Zeugen nicht verpflich-
tet, vor der Steuerfahndung auszusagen. Eine entsprechende Pflicht besteht im Er-
mittlungsverfahren nur gegenüber der Staatsanwaltschaft sowie auch der Bußgeld-
und Strafsachenstelle, welche über staatsanwaltschaftliche Befugnisse verfügt. In die-
sem Falle hat der Zeuge das Recht, mit einem Rechtsbeistand zu erscheinen.
6. Rechtsmittel im Steuerstrafverfahren
Ermittlungsmaßnahmen der Steuerfahndung unterliegen den von der Strafprozessord-
nung vorgesehenen Rechtsmitteln. Der Weg zum Finanzgericht ist hingegen versperrt.
Gegen richterliche Beschlüsse, etwa Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüs-
se, ist somit das Rechtsmittel der Beschwerde gegeben (§ 304 StPO). Diese ist nicht
fristgebunden und muss bei dem Amtsgericht, von dem die angefochtene Entschei-
dung erlassen wurde, eingelegt werden. Sofern das Gericht der Beschwerde nicht ab-
hilft, hat es die Beschwerde sofort, spätestens vor Ablauf von drei Tagen, dem Be-
schwerdegericht, d. h. dem Landgericht, zur Entscheidung vorzulegen (§ 306 StPO).
Durch die Einlegung der Beschwerde allein wird der Vollzug der angefochtenen Ent-
scheidung zwar nicht gehemmt, jedoch kann deren Vollziehung gerichtlich ausgesetzt
werden. Im Übrigen sind auch Zeugen, Sachverständige und andere Personen befugt,
gegen Beschlüsse und Verfügungen, durch die sie betroffen sind, Beschwerde einzu-
legen (§ 304 Abs. 2 StPO)
Soll nicht die Durchsuchung und Beschlagnahme als solche, sondern die Art und Wei-
se ihrer Durchführung angegriffen werden, ist ein Antrag auf gerichtliche Entschei-
dung nach §§ 23 ff. EGGVG über die Rechtsmäßigkeit der jeweiligen Maßnahmen
bei dem zuständigen Oberlandesgericht möglich. So könnte in diesem Verfahren etwa
gerügt werden, dass dem Beschuldigten verwehrt wurde, während der Durchsuchung
mit seinem Verteidiger telefonischen Kontakt aufzunehmen. Ggf. kann das Gericht
auch aussprechen, dass und wie die Behörde eine bereits vollzogene Maßnahme
rückgängig zu machen hat. Soweit sich die Maßnahme bereits erledigt hat, kann das
Gericht auf Antrag auch aussprechen, dass die Maßnahme rechtswidrig gewesen ist,
wenn der Antragsteller ein berechtigtes Interesse an dieser Feststellung hat (§ 28 Abs.
1 EGGVG).
Bei einer Beschlagnahme durch die Staatsanwaltschaft bzw. die Steuerfahndung unter
Berufung auf Gefahr im Verzug kann der Betroffene jederzeit eine gerichtliche Ent-
scheidung beantragen (§ 98 Abs. 2 S. 2 StPO, s. o.), welche ihrerseits sodann der Be-
schwerde unterliegt. Entsprechendes gilt bei einer Durchsuchung unter Berufung auf
Schließlich besteht die Möglichkeit, durch eine Dienstaufsichtsbeschwerde, die grund-
sätzlich bei der Oberfinanzdirektion einzulegen ist, ein persönliches Fehlverhalten ei-
nes Beamten zu rügen. Diese Beschwerde ist ein formloser Rechtsbehelf und dient
der innerdienstlichen Kontrolle.
Bei allen Rechtsbehelfen, die im Steuerstrafverfahren möglich sind, ist jedoch zu be-
denken, dass ein erfolgloser Rechtsbehelf lediglich eine weitere Bestätigung der an-
gegriffenen Maßnahme bedeutet. Aussichtsreicher kann es sein, den Tatvorwurf der
Steuerhinterziehung zu bekämpfen, und insbesondere die infolge der Ermittlungen er-
gehenden Steuerbescheide anzugreifen: Im Einzelfall kann hier bereits der bloße Zwei-
fel an den Steuerbescheiden auf das Strafverfahren zurückwirken.
Für den weiteren Fortgang des Verfahrens ist es wichtig, sich nochmals die Aufgaben-
verteilung vor Augen zu halten:
Die Steuerfahndung ist als Steuerpolizei Ermittlungsbehörde. Da die Beamten insofern
jedoch als so genannte Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft tätig sind, entscheidet ü-
ber den weiteren Fortgang des Strafverfahrens die Bußgeld- und Strafsachenstelle des
Finanzamtes oder, sofern die Sache an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurde, die
Die Behandlung des Ermittlungsverfahrens hängt vom jeweiligen Ermittlungsergebnis
Sofern das Verfahren nicht bereits wegen des Vorwurfes einer Ordnungswidrigkeit in
ein Bußgeldverfahren übergeleitet wurde, bestehen folgende Möglichkeiten: Besteht
kein für eine An-klage hinreichender Tatverdacht, wird das Verfahren eingestellt (§ 170
Abs. 2 StPO). Nur im Ausnahmefall kommt auch eine Einstellung wegen Geringfügig-
keit (§§ 153 StPO, 398 AO) oder im Rahmen der §§ 154, 154 a StPO (unwesentliche
Nebenstraftat / Beschränkung der Strafverfolgung) in Betracht. Eine Einstellung des
Verfahrens bei einer Erfüllung von Auflagen, insbesondere Geldauflage, und Weisun-
gen ist möglich, „wenn diese Auflage und Weisungen geeignet sind, das öffentliche
Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen und die Schwere der Schuld nicht ent-
gegensteht“ (§ 153 a StPO). Wird Anklage erhoben oder, sofern ein gerichtlicher Straf-
befehl erlassen wurde, Einspruch gegen diesen eingelegt, ist das Strafgericht zustän-
dig, und kann das Verfahren durch Verurteilung oder Freispruch enden.
Neben diesem Strafverfahren läuft auf der Basis der Ermittlungen der Steuerfahndung
das Besteuerungsverfahren. Regelmäßig wird die Bußgeld- und Strafsachenstelle bzw.
die Staatsanwaltschaft vor einer eigenen Entscheidung dessen Ergebnis abwarten. Die
im Besteuerungsverfahren vom Finanzamt erlassenen Steuerbescheide unterliegen
einer rechtlichen Überprüfung durch Einspruch sowie ggf. auch durch Klage vor dem
als Straftat
Straftaten und Ordnungswidrigkeiten werden in der Abgabenordnung in zwei Ab-
schnitten geregelt, und zwar in den §§ 369 bis 384 AO. Die für die Praxis bedeutsams-
te dieser Bestimmungen stellt die Straftat der Steuerhinterziehung gemäß § 370 AO
dar (Text siehe Anhang). Die Voraussetzungen für eine Strafbarkeit wegen Steuerhin-
terziehung werden nachfolgend dargestellt.
1. Der objektive Tatbestand der Steuerhinterziehung (§ 370 AO)
Wie sich bereits aus dem Wortlaut des § 370 AO ergibt, kann der Tatbestand in zwei
Begehungsformen verwirklicht werden, und zwar entweder durch aktives Tun (Abs. 1
Nr. 1) oder aber durch Unterlassen (Abs. 1 Nr. 2 und 3).
Die Begehung durch aktives Tun erfordert, dass der Täter „den Finanzbehörden oder
anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige
Angaben macht“. Dies ist etwa der Fall, wenn der Steuerpflichtige eine Einkommen-
steuererklärung abgibt, in der er seine Einkünfte bewusst niedriger als in Wirklichkeit
vorhanden angegeben hat. So können beispielsweise Zinseinkünfte oder Bareinnah-
men weggelassen sein. Oder aber der Steuerpflichtige hat sein zu versteuerndes Ein-
kommen dadurch in unzutreffender Weise zu niedrig dargestellt, dass er Werbungs-
kosten in falscher Höhe angegeben hat, etwa indem er bei den Einkünften aus unselb-
ständiger Tätigkeit für die Fahrt zur Arbeitsstätte überhöhte Fahrthäufigkeiten oder Ki-
lometerangaben erklärt hat.
Durch Unterlassen kann die Steuerhinterziehung begangen werden, indem der Steu-
erpflichtige „die Finanzbehörden pflichtwidrig über steuerlich erhebliche Tatsachen in
Unkenntnis lässt“ (Abs. 1 Nr. 2) oder „pflichtwidrig die Verwendung von Steuerzeichen
oder Steuerstemplern unterlässt“ (Abs. 1 Nr. 3). Abs. 1 Nr. 2 ist etwa erfüllt, wenn ein
Steuerpflichtiger keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgibt und entsprechend auch
keine Vorauszahlungen leistet. Die Bestimmung greift ferner auch dann ein, wenn der
Steuerpflichtige gegen die Berichtigungspflicht nach § 153 AO verstoßen hat, welche
unter folgenden Voraussetzungen besteht:
Erkennt ein Steuerpflichtiger nachträglich vor Ablauf der Festsetzungsfrist, 1. dass ei-
ne von ihm oder für ihn abgegebene Erklärung unrichtig oder unvollständig ist und
dass es dadurch zu einer Verkürzung von Steuern kommen kann oder bereits gekom-
men ist oder 2. dass eine durch Verwendung von Steuerzeichen oder Steuerstemplern
zu entrichtende Steuer nicht in der richtigen Höhe entrichtet worden ist, so ist er ver-
pflichtet, dies unverzüglich anzuzeigen und die erforderliche Richtigstellung vorzu-
nehmen. Das Unterlassen einer solchen Steuerberichtigung kann mithin eine Steuer-
hinterziehung darstellen.
Das durch den Tatbestand der Steuerhinterziehung geschützte Rechtsgut ist das öf-
fentliche Interesse an einer vollständigen und rechtzeitigen Leistung der Steuer. Da
sich § 370 AO nicht auf einzelne Steuerarten beschränkt, kann die Steuerhinterziehung
grundsätzlich bei allen Steuerarten begangen werden.
Die Steuerhinterziehung ist rechtlich ein so genanntes Erfolgsdelikt. Eine bloße Steu-
ergefährdung genügt nicht: In jedem Fall ist Voraussetzung, dass der Täter durch seine
Handlung „Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte
Steuervorteile erlangt“. Nach § 370 Abs. 4 Satz 1 sind Steuern „namentlich dann ver-
kürzt, wenn sie nicht, nicht in voller Höhe oder nicht rechtzeitig festgesetzt werden ...“.
Da bei einer Verkürzung von Steuern in aller Regel zugleich ein ungerechtfertigter
Steuervorteil erlangt wird, ist die Abgrenzung zu dieser zweiten Alternative praktisch
ohne Bedeutung. Lediglich bei den so genannten Steuervergütungen, wenn sich bei-
spielsweise ein Steuerpflichtiger die ihm in Rechnung gestellte Vorsteuer zu Unrecht
erstatten ließ, kann diese zweite Erfolgsalternative eingreifen.
Wird der Tatbestand der Steuerhinterziehung durch unrichtige oder unvollständige An-
gaben verwirklicht, ist die Tat vollendet und Steuerverkürzung eingetreten, wenn die
Behörde einen zu niedrigen Steuerbetrag festsetzt oder einen Vorteil zu Unrecht ge-
Im Fall der Verwirklichung durch Unterlassen ist Vollendung dann gegeben, wenn nach
dem üblichen behördlichen Arbeitsablauf die jeweilige Veranlagung vorgenommen
worden wäre. Eine Strafbarkeit wegen bloßen Versuches gemäß § 370 Abs. 2 AO, bei
dem die Strafe nach allgemeinen strafrechtlichen Regeln gemildert werden könnte, ist
dann nicht mehr möglich.
Das so genannte Kompensationsverbot in § 370 Abs. 4 Satz 3 AO besagt, dass eine
Steuerverkürzung und ein ungerechtfertigter Steuervorteil auch dann gegeben sind,
wenn „die Steuer, auf die sich die Tat bezieht, aus anderen Gründen hätte ermäßigt
oder der Steuervorteil aus anderen Gründen hätte beansprucht werden können“.
Dies bedeutet, dass es unberücksichtigt bleiben muss, wenn der Steuerpflichtige bei-
spielsweise angibt, dass er Zinseinnahmen in der Einkommensteuererklärung zwar
nicht angegeben habe, diese Einkünfte jedoch durch versehentlich nicht abgezogene
Werbungskosten bei seinen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung mehr als
kompensiert würden. Der Gesetzgeber hat die grundsätzlich denkbare Kompensation
derartiger Verrechnungspositionen mithin verboten. Sie kann jedoch gleichwohl im
Einzelfall im Rahmen der Strafzumessung schuld- und strafmindernd berücksichtigt
2. Der subjektive Tatbestand der Steuerhinterziehung (§ 370 AO)
Wie jeder Straftäter kann auch der Steuerhinterzieher nur dann bestraft werden, wenn
er die Tat schuldhaft begangen hat. Strafe setzt Schuld voraus.
Allgemein kommen als Schuldformen einer Straftat zwar Vorsatz oder Fahrlässigkeit in
Betracht. Der Gesetzgeber hat jedoch nur die vorsätzliche, d. h. wissentliche und wil-
lentliche Steuerhinterziehung unter Strafe gestellt. Die lediglich fahrlässige Steuerhin-
terziehung ist nicht mit einer echten Kriminalstrafe, d. h. mit Geld- oder Freiheitsstrafe,
bedroht. Sie kann jedoch unter Umständen in Form der so genannten leichtfertigen
Steuerverkürzung als Ordnungswidrigkeit gemäß § 378 AO mit Geldbuße bedroht sein.
Der Vorsatz bei der Steuerhinterziehung muss sich auf alle Merkmale des oben bereits
skizzierten gesetzlichen Tatbestandes erstrecken, d. h. der Täter muss diese Merkma-
le verwirklichen wollen. Insofern ist keine präzise juristische Vorstellung erforderlich.
Genügend ist, wenn der Täter als juristischer Laie weiß, dass sein Verhalten verboten
ist. Auch genügt der so genannte bedingte Vorsatz, d. h. es ist genügend, wenn der
Täter billigend in Kauf nimmt, dass es sich bei seinem Verhalten um eine Steuerhinter-
ziehung handelt, ohne diese direkt zu wollen.
Eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung setzt voraus, dass der Strafrichter voll
überzeugt davon ist, dass der Angeklagte die Tat tatsächlich begangen hat. Volle Ü-
berzeugung bedeutet hierbei keine hundertprozentige Gewissheit; ausreichend ist
vielmehr, dass ihm kein vernünftiger Zweifel mehr bleibt. Sofern solche Zweifel ver-
bleiben, gilt der Satz „in dubio pro reo“: Im Zweifel für den Angeklagten. Dies gilt auch
dann, wenn das Gericht keine volle Überzeugung davon erlangen konnte, dass der
Angeklagte vorsätzlich gehandelt hat.
3. Strafzumessung bei Steuerhinterziehung (§ 370 AO)
Als Strafe für Steuerhinterziehung sieht das Gesetz in § 370 Abs. 1 AO Freiheitsstrafe
bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Eine Geldstrafe wird in so genannten Tagessät-
zen verhängt. Die Höhe eines Tagessatzes hat das Gericht unter Berücksichtigung der
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters zu bestimmen. Dabei geht
es in der Regel von dem Nettoeinkommen aus, dass der Täter durchschnittlich an ei-
nem Tag hat oder haben könnte. Der Tagessatz beträgt jedoch mindestens ein Euro
und bisher höchstens fünftausend Euro (§ 40 StGB). Der Bundestag hat am 4. April
2009 jedoch eine drastische Erhöhung des vorgenannten Höchstsatzes von 5000 Euro
auf 30.000 Euro beschlossen. Mit Inkrafttreten dieser Regelung können künftig daher -
ein entsprechend hohes Einkommen vorausgesetzt – weit höhere Geldstrafen als bis-
her verhängt werden.
An die Obergrenze von dreihundertsechzig Tagessätzen oder fünf Jahren Freiheitsstra-
fe ist das verurteilende Gericht gebunden. Grundlage für die Zumessung der Strafe im
konkreten Fall ist der Grad der Schuld des Täters. Bei der Zumessung hat das Gericht
die für und gegen den Täter sprechenden jeweiligen Umstände abzuwägen (§ 46
StGB). Hierbei werden namentlich folgende Aspekte zu berücksichtigen sein: Höhe
der hinterzogenen Steuer, Dauer des Hinterziehungszeitraumes, Art und Weise des
Vorgehens des Täters, Verwendung der hinterzogenen Mittel, Motive des Täters, per-
sönliche und wirtschaftliche Situation des Täters etc.
Für Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall erhöht § 370 Abs. 3 AO
den Strafrahmen auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein be-
sonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter 1. in großem Ausmaß
Steuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt, 2. seine Befugnisse
oder seine Stellung als Amtsträger missbraucht, 3. die Mithilfe eines Amtsträgers aus-
nutzt, der seine Befugnisse oder seine Stellung missbraucht, 4. unter Verwendung
nachgemachter oder verfälschter Belege fortgesetzt Steuern verkürzt oder nicht ge-
rechtfertigte Steuervorteile erlangt, und 5. ferner, wenn der Täter als Mitglied einer
Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Taten nach § 370 Absatz 1 (Steuer-
hinterziehung) verbunden hat, Umsatz- oder Verbrauchssteuern verkürzt oder nicht
gerechtfertigte Umsatz- oder Verbrauchssteuervorteile erlangt.
In so genannte polizeiliche Führungszeugnisse, die das in Berlin geführte Bundeszen-
tralregister auf Antrag erteilt, werden „Verurteilungen, durch die auf Geldstrafe von
nicht mehr als neunzig Tagessätze“ oder auf „Freiheitsstrafe oder Strafarrest von nicht
mehr als drei Monaten erkannt worden ist“, nicht aufgenommen, wenn im Register
keine weitere Strafe eingetragen ist. In diesem Fall darf sich der Verurteilte als unbe-
straft bezeichnen und muss auch den der Verurteilung zugrunde liegenden Sachver-
halt nicht offenbaren (§§ 53, 32 Abs. 2 Nr. 5 BZRG).
Da Freiheitsstrafen unter sechs Monaten in der Regel von vornherein nicht verhängt
werden, kommt es der Verteidigung in geeigneten Fällen darauf an, möglichst dafür
Sorge zu tragen, dass die neunzig-Tagessätze-Grenze nicht überschritten wird.
Wichtig sind ferner die Regelungen zur Strafaussetzung zur Bewährung. Bei der Verur-
teilung zu Freiheitsstrafe von nicht mehr als einem Jahr setzt das Gericht die Vollstre-
ckung der Strafe zur Bewährung aus, wenn zu erwarten ist, „dass der Verurteilte sich
schon die Verurteilung zur Warnung dienen lassen und künftig auch ohne die Einwir-
kung des Strafvollzuges keine Straftaten mehr begehen wird“. Das Gericht kann unter
diesen Voraussetzungen auch die Vollstreckung einer höheren Freiheitsstrafe, die je-
doch höchstens zwei Jahre betragen darf, zur Bewährung aussetzen, wenn „nach der
Gesamtwürdigung von Tat und Persönlichkeit des Verurteilten besondere Umstände
vorliegen“. Bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren ist
eine Aussetzung zur Bewährung mithin nicht möglich (vgl. § 56 StGB).
4. Verjährungsfragen bei Steuerhinterziehung
Bei der Steuerhinterziehung sind zwei verschiedene Verjährungsaspekte zu unter-
scheiden. Die Strafverfolgungsverjährung führt dazu, dass eine Bestrafung wegen
Steuerhinterziehung nicht mehr möglich ist (§ 78 Abs. 1 StGB). Die Festsetzungsver-
jährung bedeutet demgegenüber, dass eine Steuerfestsetzung nach Ablauf der Fest-
setzungsfrist nicht mehr zulässig ist (§ 169 AO). Im einzelnen gelten folgende Rege-
lungen:
Der Eintritt der Strafverfolgungsverjährung schließt eine Bestrafung wegen Steuerhin-
terziehung aus. Die Verjährungsfrist beginnt mit der Beendigung der Steuerhinterzie-
hung, d. h. regelmäßig mit der Bekanntgabe des aufgrund der falschen Erklärung ab-
gegebenen Bescheides bzw. im Fall des Unterlassens mit Abschluss der Veranla-
gungstätigkeit durch die Finanzbehörde.
Die Verjährungsfrist beträgt grundsätzlich fünf Jahre (§ 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB). Nach
der Neuregelung der strafrechtlichen Verfolgungsverjährung für Steuerhinterziehung
durch das Jahressteuergesetz 2009 wurde allerdings die Verjährung für die besonders
schwere Steuerhinterziehung, und zwar die in § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 bis 5 AO ge-
nannten Fälle (Text siehe Anhang 1), auf nunmehr zehn Jahre verlängert (§ 76 Abs. 1
AO). Diese Verlängerung gilt nach § 23 EGAO für alle bei Inkrafttreten der Änderung
am 25.12.2008 noch nicht abgelaufenen Verjährungsfristen. Die Verlängerung wirkt
nicht zurück, sondern in die Zukunft, so dass nicht verjährte besonders schwere Steu-
erhinterziehungen im genannten Sinne von der bisher fünfjährigen nun in die zehnjäh-
rige Verjährung hineinwachsen.
Für die Praxis bedeutsam ist, dass die Rechtsprechung das frühere Institut eines so
genannten strafrechtlichen Fortsetzungszusammenhanges zwischenzeitlich aufge-
geben hat. Ein solcher Zusammenhang wurde dann angenommen, wenn ein Täter ei-
ne Reihe von Handlungen in der Weise begeht, dass diese Handlungen den Tatbe-
stand einer Strafnorm jeweils für sich voll erfüllen, ihre Verurteilung als selbständige
Einzeltaten jedoch als unnatürliche Aufspaltung eines einheitlichen Ablaufes erscheint.
Diese Handlungen wurden daher in der strafrechtlichen Bewertung verklammert und
als eine einzige Tat angesehen. Voraussetzung hierfür war rechtlich, dass sich die
Handlungen bei gleichartiger Begehungsweise gegen das gleiche Rechtsgut richteten
und als von einem einheitlichen Vorsatz getragen erschienen. So konnte beispielswei-
se wegen eines einheitlichen fortgesetzten Betruges verurteilt werden, wenn ein Be-
trüger hintereinander hundert unechte Goldmünzen an verschiedene Käufer als echte
Goldmünzen verkaufte und sich dies bereits von Anfang an so vorgenommen hatte.
Die Häufigkeit der Betrugshandlungen wurde im Rahmen der Strafzumessung straf-
schärfend bewertet. Rechtliche Konsequenz der Annahme eines Fortsetzungszusam-
menhanges war insbesondere, dass die einzelnen Goldmünzenverkäufe nicht als je-
weils eigenständige Betrugstaten einer selbständigen Verjährung unterliegen konnten.
Vielmehr begann die Verjährung erst mit der letzten Betrugshandlung, und es konnten
ggf. auch noch weit zurückreichende frühere Handlungen in die strafrechtliche Ahn-
dung einbezogen werden.
Für die Steuerhinterziehung bedeutet die Aufgabe der bisherigen Rechtsprechung zum
Fortsetzungszusammenhang, dass jede abgegebene bzw. nicht abgegebene Steuer-
erklärung nunmehr isoliert als Straftat bewertet werden muss. Dies ist für den Steuer-
hinterzieher vorteilhaft, da nun nicht mehr abstellend auf den letzten Teilakt ggf. auch
viele Jahre zurückliegende Tathandlungen in die Verurteilung einbezogen werden kön-
nen. Die Rechtsfigur der fortgesetzten Handlung steht damit dem realen Eingreifen der
fünfjährigen Strafverfolgungsverjährung nicht länger entgegen.
Die steuerliche Verjährung führt dazu, dass nach Fristablauf eine Steuerfestsetzung
nicht mehr zulässig ist. Die Festsetzungsfrist beträgt grundsätzlich vier Jahre. Diese
Frist gilt insbesondere auch für die Einkommen-, Gewerbe-, Körperschaft- und Um-
satzsteuer. Bei leichtfertiger Verkürzung ist die Frist auf fünf Jahre und bei Steuerhin-
terziehung auf zehn Jahre verlängert (§ 169 AO).
Wie sich aus § 171 AO ergibt, kann die Festsetzungsfrist jedoch aus verschiedenen
Gründen einer Ablaufhemmung unterliegen. Im Zusammenhang mit der Steuerhinter-
ziehung sind die in Abs. 5 und 7 dieser Bestimmung genannten Hemmungsgründe
von besonderer praktischer Bedeutung:
Im Fahndungsfall gilt: „Beginnen die .... mit der Steuerfahndung betrauten Dienststel-
len der Landesfinanzbehörden vor Ablauf der Festsetzungsfrist beim Steuerpflichtigen
mit Ermittlungen der Besteuerungsgrundlagen, so läuft die Festsetzungsfrist insoweit
nicht ab, bevor die auf Grund der Ermittlungen zu erlassenden Steuerbescheide unan-
fechtbar geworden sind .... Das gleiche gilt, wenn dem Steuerpflichtigen vor Ablauf der
Festsetzungsfrist die Einleitung des Steuerstrafverfahrens oder des Bußgeldverfahrens
wegen einer Steuerordnungswidrigkeit bekannt gegeben worden ist“ (Abs. 5). Der Be-
ginn der Ermittlungen beim Steuerpflichtigen durch die Steuerfahndung wie auch die
Bekanntgabe der Einleitung eines Straf- oder Bußgeldverfahrens führen somit zu einer
Ablaufhemmung.
Nach § 171 Abs. 7 AO ist die steuerliche Festsetzungsfrist ferner gehemmt, solange
eine strafrechtliche Verfolgungsverjährung der Steuerhinterziehung oder Steuerord-
nungswidrigkeit noch nicht eingetreten ist. Wie bereits skizziert, konnte die frühere
Annahme eines strafrechtlichen Fortsetzungszusammenhanges dazu führen, dass
auch weit vor der im Strafrecht grundsätzlich geltenden fünfjährigen Verjährungsfrist
liegende Handlungen in eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung einbezogen wur-
den. Aufgrund einer nach § 171 Abs. 7 AO zugleich gehemmten Festsetzungsfrist
konnten daher ggf. auch noch Steuern für Zeiträume festgesetzt werden, die vor der
bei Steuerhinterziehung sonst geltenden zehnjährigen steuerlichen Festsetzungsfrist
lagen, und zwar u. U. für Jahrzehnte zurückliegende Zeiträume. Mit der Aufgabe der
Rechtsprechung zum Fortsetzungszusammenhang ist diese Möglichkeit entfallen.
5. Hinterziehungszinsen
Hinterzogene Steuern sind zu verzinsen. Die Verzinsung beginnt vereinfacht formuliert
ab dem fiktiven Zeitpunkt, zu dem die hinterzogenen Steuern hätten bezahlt werden
müssen (§ 235 Abs. 1, 2 AO). Die Zinshöhe beträgt pro Monat ein halbes Prozent, d. h.
also sechs Prozent im Jahr. Der Steuerhinterzieher muss sich somit darüber im Klaren
sein, dass zu der nachzuzahlenden Steuer ein Zinsbetrag hinzukommen kann, der je-
denfalls bei mehrjährigen Hinterziehungszeiträumen eine weitere Hälfte dieses Betra-
ges oder mehr ausmachen kann.
Straffreiheit durch
Durch die in § 371 AO geregelte Möglichkeit, eine so genannte Selbstanzeige zu er-
statten, hat der Gesetzgeber der für Steuerhinterziehung vorgesehenen Strafdrohung
ein gutes Stück von ihrem Schrecken und wohl auch von ihrer Glaubwürdigkeit ge-
nommen: Der Täter wird straffrei, wenn er „unrichtige oder unvollständige Angaben bei
der Finanzbehörde berichtigt oder ergänzt oder unterlassene Angaben nachholt“ und
die hinterzogenen Steuern nachzahlt. Diese Möglichkeit besteht, wenn nicht eine der
unter Ziffer 4 behandelten Sperren für die Selbstanzeige eingetreten ist.
Wesentlicher Grund für die Milde des Gesetzgebers ist nicht der Gedanke, dass Steu-
erhinterziehung eine Art Bagatelldelikt sei. Sinn und Zweck der Selbstanzeige ist es
vielmehr, dem Fiskus bisher verheimlichte Geldmittel zu erschließen.
Die Selbstanzeige ist nicht auf versuchte Steuerhinterziehungen beschränkt. Sie ist
auch dann möglich, wenn die Steuerhinterziehung schon vollendet, d. h. also voll ab-
geschlossen ist. Ferner muss eine Selbstanzeige keineswegs freiwillig erfolgen, d. h.
die Straffreiheit tritt auch dann ein, wenn die Selbstanzeige lediglich aus Angst vor
Entdeckung erstattet wird. Eine Verpflichtung zu einer Selbstanzeige besteht jedoch
Als Anknüpfungstat für eine Selbstanzeige kommen nach dem Wortlaut des § 371 AO
„Fälle des § 370“, d. h. also die Steuerhinterziehung und deren Versuch in Betracht.
Nur in sehr wenigen Ausnahmefällen sieht der Gesetzgeber darüber hinaus für weitere
Delikte eine Selbstanzeige vor: So in § 378 Abs. 3 AO für die Ordnungswidrigkeit der
leichtfertigen Steuerverkürzung. Ferner wird im Einzelfall bei anderen gesetzlichen Re-
gelungen auf die Möglichkeit einer Selbstanzeige entsprechend § 371 AO verwiesen.
Ohne solche gesetzliche Anordnung kann § 371 AO nicht analog angewendet werden.
Eine wirksame Selbstanzeige kann jeder abgeben, der als Täter, sei er Alleintäter oder
Mittäter, eine Steuerhinterziehung begangen hat. Ferner können auch Teilnehmer der
Steuerhinterziehung, d. h. Anstifter oder Gehilfen, eine Selbstanzeige erstatten. Die
Selbstanzeige kann auch durch einen Bevollmächtigten abgegeben werden. Voraus-
setzung ist, dass der Bevollmächtigte seinen Auftrag hierzu bereits vorab erhalten hat,
eine lediglich nachträgliche Genehmigung ist nicht genügend. Die namentliche Benen-
nung des Vollmachtgebers soll nach einer in Rechtsprechung und juristischer Literatur
vertretenen Auffassung nicht zwingend erforderlich sein. Auch eine verdeckte Stellver-
tretung soll genügen, soweit das Vertretungsverhältnis nachträglich überprüft werden
kann. Im Hinblick auf die Absicht des Gesetzgebers, durch die Selbstanzeige bisher
verheimlichte Steuermittel zu erschließen, ist dieser Auffassung zuzustimmen. So kann
etwa eine Selbstanzeige durch ein Familienmitglied auch für andere namentlich nicht
benannte Familienmitglieder abgegeben werden. Ratsam ist allerdings, durch ein Pro-
tokoll festzuhalten, für welche weiteren Familienmitglieder die Anzeige erfolgt.
Adressat der Selbstanzeige ist nach § 371 AO „die Finanzbehörde“. Damit ist unstrei-
tig das örtlich und sachlich zuständige Finanzamt gemeint. Da zweifelhaft ist, ob auch
weitere Zuständigkeiten gegeben sind, etwa die eines anderen Finanzamtes, sollte die
Selbstanzeige stets beim örtlich und sachlich zuständigen Finanzamt abgegeben wer-
den. Je nach Bedeutung der Selbstanzeige sollten ggf. dritte Personen als Zeugen zur
Abgabe hinzugezogen werden.
Das Gesetz sieht für die Selbstanzeige keine bestimmte Form vor. Weil die Selbstan-
zeige jedoch erfordert, dass unrichtige oder unvollständige Angaben berichtigt oder
ergänzt werden, empfiehlt sich schon aus Gründen der Klarheit, die Selbstanzeige in
jedem Fall schriftlich zu erklären. Inhaltlich muss die Selbstanzeige so formuliert sein,
dass das Finanzamt auf den Informationsstand versetzt wird, den es bei ordnungsge-
mäßem Verhalten des Steuerpflichtigen bereits früher gehabt hätte. Dies bedeutet,
dass das Finanzamt auf Basis der Selbstanzeige nunmehr zum Erlass von Steuerbe-
scheiden in der Lage sein muss. Sofern keine exakten Zahlen vorliegen, kann dem Fi-
nanzamt eine begründete vorläufige Eigenschätzung der Steuer mitgeteilt und dieses
zugleich gebeten werden, eine Frist für die endgültige Lieferung der Zahlen zu gewäh-
ren. Eine Bezeichnung der Erklärung als Selbstanzeige ist nicht erforderlich.
Auf welchen Zeitraum die Selbstanzeige zu erstrecken ist, wenn eine mehrjährige
Steuerhinterziehung vorliegt, bedarf der besonderen Prüfung im Einzelfall: Einerseits
kann die Selbstanzeige grundsätzlich keine Wirkungen entfalten, soweit nach Ablauf
der grundsätzlich fünfjährigen steuerstrafrechtlichen Verjährung bereits deswegen eine
Bestrafung ausgeschlossen ist. Andererseits kann eine Beschränkung der Selbstan-
zeige auf diesen Zeitraum Ermittlungen der Steuerfahndung provozieren, ob und in-
wieweit im Hinblick auf die zehnjährige steuerliche Festsetzungsfrist eine weiterge-
hende Beitreibung hinterzogener Steuern möglich ist.
Ferner ist mit der Verlängerung der strafrechtlichen Verjährung von bisher fünf Jahren
auf nunmehr zehn Jahre in den Fällen des § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 bis 5 AO im Zwei-
felsfall nunmehr vorsorglich zu unterstellen, dass ein solcher schwerer Fall vorliegt.
Dies bedeutet, dass sicherzustellen ist, dass auch die zwischen fünf und zehn Jahre
zurückliegenden Steuerhinterziehungen von der Selbstanzeige umfasst sind; nur dann
ist die Straffreiheit durch Selbstanzeige eröffnet. Da sich nicht in allen Fällen für diese
Zeiträume noch Unterlagen für eine Nacherklärung beschaffen lassen, muss unter
Umständen auch geschätzt werden.
Der Gesetzgeber hat die Selbstanzeige eingeführt, um dem Fiskus bisher verheimlich-
te Geldmittel zu erschließen. Entsprechend dieser fiskalischen Zielsetzung genügt die
Selbstanzeige alleine daher nicht, um Straffreiheit zu erlangen. Zusätzliche Vorausset-
zung ist vielmehr, dass die hinterzogenen Steuern innerhalb einer vom Finanzamt ge-
setzten angemessenen Frist nachgezahlt werden (§ 371 Abs. 3 AO). Hinsichtlich dieser
Nachzahlung sind verschiedene Aspekte von besonderer praktischer Bedeutung:
Wichtig ist zunächst, dass eine Selbstanzeige nur dann sinnvoll ist, wenn der Betroffe-
ne tatsächlich in der Lage ist, die nachzuzahlenden Steuern nebst Hinterziehungszin-
sen zu leisten. Da es sich hierbei um erhebliche Beträge handeln kann, ist die tatsäch-
liche Leistungsfähigkeit Vorfrage jeder Selbstanzeige. Sofern keine hinreichenden Ei-
genmittel vorhanden sind, kommt ggf. auch eine Kreditfinanzierung der nachzuzahlen-
den Beträge in Betracht.
Für die Frage, welche vom Finanzamt gesetzt Frist als angemessen anzusehen ist,
lassen sich keine allgemeinen Regeln aufstellen. In der Rechtsprechung wurde eine
kurze Frist von nur wenigen Tagen mit der Begründung akzeptiert, dass auch die Zeit
vor der Fristsetzung nutzbar gewesen sei, um die spätere Nachzahlung zu ermögli-
chen. Da sich der Anzeigende jedoch auf die Nachzahlung und deren Höhe einstellen
können muss, werden derart kurze Fristen nur ausnahmsweise als noch angemessen
anzusehen sein.
Schließlich wirft die Formulierung des Gesetzes Fragen auf, wonach der Anzeigende
die „zu seinen Gunsten hinterzogenen Steuern“ fristgerecht nach zu entrichten hat.
Diese Formulierung lässt offen, ob auch die Steuern Dritter nachbezahlt werden müs-
sen. Wenn beispielsweise ein GmbH-Geschäftsführer Steuern der GmbH hinterzieht,
ist fraglich, ob seine Selbstanzeige auch ohne Steuernachzahlung strafbefreiend wirkt.
Insofern könnte argumentiert werden, dass der Geschäftsführer gerade nicht zu seinen
Gunsten, sondern zu Gunsten der GmbH hinterzogen habe. Diese Frage ist von der
Rechtsprechung noch nicht für alle Fälle abschließend geklärt worden. Nur unter Be-
rücksichtigung aller Umstände des jeweiligen Einzelfalls ist hier eine Aussage möglich.
Der Weg zur strafbefreienden Selbstanzeige ist unter bestimmten Voraussetzungen
versperrt: Nach § 371 Absatz 2 tritt Straffreiheit nicht ein und kommt die Selbstanzeige
zu spät, wenn bereits der Prüfer erschienen ist (1), dem Täter oder seinem Vertreter die
Einleitung des Verfahrens wegen der Tat bekannt gegeben wurde (2) oder die Tat ent-
deckt war und der Täter dies wusste oder davon ausgehen musste (3). Im einzelnen:
Die Sperre durch Erscheinen des Prüfers ist gegeben, wenn ein Amtsträger der Fi-
nanzbehörde zur steuerlichen Prüfung oder zur Ermittlung des Steuerdeliktes bereits
erschienen ist. Der Begriff ist im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauches zu verste-
hen. Erschienen ist der Prüfer daher, wenn er in oder vor den Räumen des Steuer-
pflichtigen oder auch seinen Steuerberaters auftaucht. Amtsträger sind insbesondere
der Steuerfahnder und der Außenprüfer. Die so genannte Prüfungsordnung, mit der
dem Steuerpflichtigen die Anordnung einer Außenprüfung grundsätzlich mitgeteilt wird
(§ 197 AO), löst als solche nicht automatisch eine Sperrwirkung aus. Maßgeblich soll
vielmehr der Inhalt der Prüfungsanordnung sein.
So wäre etwa keine Sperrwirkung gegeben, wenn die Einkünfte aus Gewerbebetrieb
geprüft werden, die Selbstanzeige jedoch wegen Einkünften aus Kapitalvermögen er-
folgt. Sofern die Tat im Rahmen der Prüfung nicht entdeckt wird, lebt die Möglichkeit
zur Selbstanzeige nach Prüfungsende wieder auf. Maßgebend ist hier der Zeitpunkt,
zu dem der berichtigende Bescheid bekannt gegeben wurde.
Die Sperre der Einleitung eines Straf- oder Bußgeldverfahrens tritt ein, sobald diese
Einleitung dem Täter oder seinem Vertreter bekannt gegeben wurde. Der Inhalt der
Einleitung bestimmt den Umfang der Sperrwirkung. So kann etwa die Einleitung eines
Verfahrens wegen Erbschaftsteuerhinterziehung nicht eine Selbstanzeige wegen Ein-
kommensteuerhinterziehung versperren. Sofern die Tat unentdeckt blieb, lebt das
Recht zur Selbstanzeige mit Einstellung des jeweiligen Verfahrens wieder auf.
Auch bei der Ordnungswidrigkeit der so genannten leichtfertigen Steuerverkürzung ist
die Sperre der Bekanntgabe eine bereits eingeleiteten Verfahrens vorgesehen (§ 378
Abs. 3 AO): Ist ein solches Verfahren bekannt gegeben, kommt die Selbstanzeige zu
spät und kann die Geldbuße gleichwohl festgesetzt werden.
Der Weg zur Selbstanzeige ist nach § 371 Abs. 2 Nr. 2 AO schließlich versperrt, wenn
die Tat im Zeitpunkt der Berichtigung, Ergänzung oder Nachholung ganz oder zum Teil
bereits entdeckt war und der Täter dies wusste oder bei verständiger Würdigung der
Sachlage damit rechnen musste. Vor allem die Frage, ob im konkreten Fall bereits eine
Entdeckung der Tat gegeben ist, kann in der Praxis erhebliche Abgrenzungsprobleme
bereiten: Wie der Bundesgerichtshof bestätigt hat, ist etwa eine bloß bevorstehende
Tatentdeckung gerade noch keine Tatentdeckung im Sinne der gesetzlichen Regelung.
Insofern reiche es daher nicht, wenn die Finanzbehörde zu dem Ergebnis gelangt,
dass eine Steuerverkürzung vorliegen müsse, den Tatverdacht bejaht und Ermittlungen
aufnimmt. Der Entdecker müsse vielmehr einen Tatverdacht in der Weise konkretisiert
haben, dass bei vorläufiger Tatbewertung die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung
gegeben sei. So genügt es beispielsweise nicht, dass Zollbeamte Ermittlungen wegen
Steuerhinterziehung aufnehmen. Die Sperrwirkung kann nur eintreten, wenn die Zoll-
beamten im Zeitpunkt der Selbstanzeige bereits den konkreten Geschehensablauf der
Hinterziehung unmittelbar wahrgenommen haben.
Im Übrigen ist die objektive Lage hinsichtlich der Tatentdeckung maßgebend. Eine
Selbstanzeige ist nicht deshalb unwirksam, weil der Täter irrtümlich glaubt, dass seine
Tat bereits entdeckt sei. Umgekehrt kann ein Steuerhinterzieher sich nicht darauf beru-
fen, dass er von einer Nichtentdeckung seiner Steuerhinterziehung ausgegangen sei,
wenn die Tat objektiv bereits entdeckt ist und der Täter damit jedenfalls bei verständi-
ger Würdigung der Sachlage rechnen musste.
Soweit die Selbstanzeige reicht und die hinterzogenen Steuern nachgezahlt werden,
tritt Straffreiheit ein. Bei gewerbs- oder bandenmäßiger Steuerhinterziehung ist ein
minder schwerer Fall dieses Tatbestandes erfüllt.
Wichtig ist ferner, dass die Selbstanzeige nicht von vornherein als strafrechtliches Ge-
ständnis gewertet werden darf. So könnte auch nach einer Selbstanzeige noch bestrit-
ten werden, dass eine Steuerhinterziehung vorliegt, und zwar etwa mit der Begrün-
dung, die Selbstanzeige sei lediglich vorsorglich erstattet worden, obwohl es in Wirk-
lichkeit bereits am objektiven Tatbestand einer Steuerhinterziehung fehle.
Regelmäßig wird bei einer Selbstanzeige allerdings damit zu rechnen sein, dass die
Steuerfahndung eingeschaltet wird und Ermittlungen bevorstehen.
Festzuhalten bleibt, dass eine Selbstanzeige nach Steuerhinterziehung die strafrecht-
lich besondere Chance eröffnet, trotz Straftat wieder Straffreiheit zu erlangen. Die im
einzelnen Fall konkret zu berücksichtigenden Umstände bedürfen jeweils einer indivi-
duellen Prüfung.
1. Verlängerung der strafrechtlichen Verjährung der Steuerhinterziehung
Das Jahressteuergesetz 2009 führte eine gravierende Verschärfung ein: Die bisher
fünfjährige strafrechtliche Verjährung bei Steuerhinterziehung wurde für besonders
schwere Fälle der Steuerhinterziehung im Sinne der § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 bis 5 AO
auf zehn Jahre verlängert. Damit blieb das Gesetz hinter dem Regierungsentwurf zu-
rück, der noch für alle Fälle der Steuerhinterziehung eine zehnjährige Verjährung vor-
gesehen hatte. Im Hinblick auf mögliche Wertungswidersprüche zum Unrechtsgehalt
der Straftaten, für die das Strafrecht sonst eine zehnjährige Verjährung vorsieht, wurde
die neue zehnjährige Verjährung allerdings nur für die vorgenannten besonders schwe-
ren Fälle der Steuerhinterziehung eingeführt (Text siehe Anhang 1).
Diese durch § 376 Abs. 1 AO eingeführte Verlängerung trat am 25.12.2008 in Kraft. Sie
führt nicht dazu, dass die noch nicht verjährten Anknüpfungstaten nun rückwirkend
der zehnjährigen Verjährung unterliegen, sondern dazu, dass die zu diesem Zeitpunkt
noch nicht verjährten Anknüpfungstaten in eine solche zehnjährige Verjährung sukzes-
sive hineinwachsen. Soweit es sich bei den Anknüpfungstaten nicht um einen beson-
ders schweren Fall im Sinne des § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 bis 5 AO handelt, bleibt es
bei der fünfjährigen Verjährung. Soweit die Verjährung verlängert wurde, werden die
Strafen künftig deutlich höher ausfallen als bisher.
2. BGH-Urteil zur Strafzumessung vom 2.12.2008
Der Entscheidung liegt ein Sachverhalt zugrunde, bei dem der Angeklagte seine Ar-
beitnehmer "schwarz" beschäftigte und demzufolge weder Lohnsteuern noch Sozial-
abgaben abführte. Er gab auch keine Umsatzsteuererklärungen ab. Zudem unterstütz-
te er die Umsatzsteuerhinterziehung seiner Auftraggeber durch die Beschaffung von
Scheinrechnungen, damit diese die an den Angeklagten geleisteten Zahlungen als Be-
triebsausgaben ansetzen und einen Vorsteuerabzug geltend machen konnten. Der da-
durch bewirkte Steuerschaden und die vorenthaltenen Sozialversicherungsbeiträge
betrugen jeweils insgesamt fast 1 Mio €.
Der Bundesgerichtshof (BGH) führt in den Entscheidungsgründen aus, dass bei der
Strafzumessung eine Gesamtwürdigung vorzunehmen ist. Auch wenn die Höhe des
Hinterziehungsbetrages ein bestimmender Strafzumessungsgrund für die Steuerhin-
terziehung ist, kann allein dessen Ausmaß nicht in dem Sinne ausschlaggebend sein,
dass eine Strafe gestaffelt nach der Höhe des Hinterziehungsbetrages und damit letzt-
lich „tarifmäßig“ zu verhängen ist. Vielmehr ist jeder Einzelfall individuell zu würdigen.
Einer allzu formalistischen Betrachtung, die allein an den Hinterziehungsbetrag an-
knüpft, wird damit eine Absage erteilt.
Ausgehend von den im jeweiligen Einzelfall gegebenen Strafmilderungs- und Straf-
schärfungsgründen und der Höhe des Hinterziehungsbetrages kommt der BGH zu ei-
ner allerdings nicht rein schematisch verstandenen Staffelung der Sanktion wie folgt:
In Anlehnung an das Verständnis beim Betrug hält der BGH eine Steuerhinterziehung
„in großem Ausmaß“ und damit einen besonders schweren Fall des Betruges im Sinne
des § 370 Abs. 3 Nr. 1 AO bei einem Hinterziehungsbetrag von 50.000 Euro für gege-
ben. Ob diese Schwelle überschritten wurde, ist für jede einzelne Tat im materiellen
Sinne gesondert zu bestimmen. Soweit der Täter keinen Vermögensvorteil in der vor-
genannten Höhe erlangt hat, sondern weniger weitgehend lediglich eine Gefährdung
des Steueranspruches gegeben war, ist eine Wertgrenze von 100.000 Euro maßge-
bend. Bis zu dieser Höchstgrenze kommt regelmäßig eine Geldstrafe in Betracht. Bis
zu einer Million Euro soll eine Bewährungsstrafe die Regel sein. Darüber hinaus kommt
eine Freiheitsstrafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, nur bei Vorlie-
gen besonders gewichtiger Milderungsgründe in Betracht. Das Urteil enthält ferner
Ausführungen zur Berechnung der Höhe der Beitragshinterziehung bei Schwarzarbeit
nach § 266a StGB (Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt).
Anhang 3 enthält die Presseveröffentlichung des BGH zu der dargestellten Entschei-
3. BFH-Urteil zur Zulässigkeit von Kontrollmitteilungen anlässlich einer Bankprü-
fung vom 9.12.2008
Mit Urteil vom 9. Dezember 2008 VII R 47/07 hat der Bundesfinanzhof (BFH) darüber
befunden, ob anlässlich einer Außenprüfung eines Finanzamts bei einem Kreditinstitut
Kontrollmitteilungen an die Wohnsitzfinanzämter von Bankkunden erteilt werden dür-
fen, wenn die gewonnenen Erkenntnisse im Zusammenhang mit sog. legitimitätsge-
prüften Guthabenkonten oder Depots stehen. Dabei ging es um die Tragweite des
Schutzbereichs des § 30a Abs. 3 der Abgabenordnung, nach dessen Wortlaut solche
Guthabenkonten oder Depots anlässlich einer Bankenprüfung "nicht zwecks Nachprü-
fung der ordnungsmäßigen Versteuerung festgestellt oder abgeschrieben werden"
dürfen (sogenanntes Bankgeheimnis). Der VII. Senat des BFH hat nun entschieden,
dass Kontrollmitteilungen anlässlich einer Bankenprüfung mit Bezug auf legitimations-
geprüfte Guthabenkonten oder Depots dann zulässig sind und gleichwohl den Kern-
bestand des Bankgeheimnisses wahren, wenn sich ein unter Berücksichtigung des
gesetzlichen Schutzes des sog. Bankgeheimnisses zu bestimmender hinreichender
Anlass für die "Nachprüfung der steuerlichen Verhältnisse" anhand der konkreten Er-
mittlungen im Einzelfall und der in vergleichbaren Prüfsituationen gewonnenen verall-
gemeinerungsfähigen Erkenntnisse nachvollziehbar ergibt. Im Ergebnis wurde mit die-
ser Entscheidung das Bankgeheimnis weiter gelockert.
Anhang 4 enthält die Presseveröffentlichung des BFH zu der dargestellten Entschei-
4. Gesetz zur Bekämpfung schädlicher Steuerpraktiken und der Steuerhinterzie-
Staaten und Gebiete, die nicht bereit sind, ausländischen Finanzbehörden entspre-
chend den von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) erarbeiteten Standards auf Ersuchen die für ein Besteuerungsverfahren erfor-
derlichen Auskünfte zu erteilen, sollen auf der Grundlage des Gesetzes veranlasst
werden, diese Standards zu akzeptieren. Auch soll die Aufklärung des Sachverhaltes
durch die Finanzbehörden verbessert werden. Zu diesem Zweck ist ein Bündel ver-
schiedener Maßnahmen vorgesehen. Hierzu gehören:
Die Bundesregierung soll die Möglichkeit erhalten, den Betriebsausgaben- bzw. Wer-
bungskostenabzug einzuschränken oder ganz zu versagen oder den Abzug von der
Erfüllung erhöhter Nachweispflichten abhängig zu machen, wenn die entsprechenden
Zahlungen an Personen oder Personenvereinigungen mit Wohnsitz, Sitz oder Ge-
schäftsleitung in einem anderen Staat oder Gebiet geleistet werden, mit dem kein
Auskunftsaustausch nach den Standards der OECD, hier Artikel 26 des OECD-Mus-
terabkommen für Doppelbesteuerungsabkommen, möglich ist.
Darüber hinaus soll die Bundesregierung die Möglichkeit erhalten, ausländischen Ge-
sellschaften die Entlastung von der Kapitalertragsteuer oder Abzugsteuer, wie sie § 50
d) Abs. 1,2 EStG vorsehen, ganz oder teilweise zu versagen, auch wenn sonst die Ab-
zugsvoraussetzungen gegeben sind. Die Entlastung soll wiederum untersagt werden
können, wenn an der ausländischen Gesellschaft Personen oder Personenvereinigun-
gen beteiligt sind, deren Wohnsitz, Sitz oder Geschäftsleitung sich in einem Staat oder
Gebiet befindet, mit dem kein Auskunftsaustausch nach den Standards der OECD
Diese Änderungen des Einkommensteuerrechtes werden ferner parallel im Bereich der
Körperschafsteuer vollzogen.
Daneben soll die Abgabeordnung in § 90 Abs. 2 geändert werden. Immer dann, wenn
„aufgrund allgemeiner Erfahrung oder konkreter Anhaltspunkte Anlass zu der Vermu-
tung (besteht), dass der Steuerpflichtige über Geschäftsbeziehungen zu Finanzinstitu-
ten in einem Staat oder Gebiet verfügt, mit dem kein Auskunftsaustausch“ entspre-
chend den OECD-Standards durchgeführt werden kann, hat der Steuerpflichtige auf
einem amtlichen Vordruck Fragen über die Art und den Inhalt seiner Geschäftsbezie-
hungen mit ausländischen Finanzinstituten zu beantworten und die im Vordruck be-
nannten Kreditinstitute von der Verschwiegenheit gegenüber der Finanzbehörde zu
befreien; die Finanzbehörde kann die Versicherung der Angaben an Eides Statt verlan-
gen. Kommt der Steuerpflichtige seinen Mitwirkungspflichten nicht nach oder sind
seine Angaben im Wesentlichen nicht verwertbar, soll ein Ordnungsgeld bis 5.000 Euro
Mit der vorgenannten Regelung hängt die neue Regelung in § 146 a AO zusammen.
Danach haben Steuerpflichtige, bei denen die Summe der positiven Überschussein-
künfte mehr als 500.000 Euro im Kalenderjahr beträgt, die Aufzeichnungen und Unter-
lagen über die den Überschusseinkünften zugrunde liegenden Einnahmen und Wer-
bungskosten sechs Jahre aufzubewahren. Die neue Bestimmung regelt hierzu weitere
Schließlich soll der Gesetzgeber eine neue Schätzungskompetenz erhalten. Hierzu
wird eine neue Regelung in § 162 Abs. 2 AO am Ende eingeführt. Sofern der Steuer-
pflichtige nach Aufforderung der Finanzbehörde die im amtlichen Vordruck nach § 90
Absatz 2 Satz 3 AO namentlich genannten Kreditinstitute nicht von der Verschwiegen-
heitsverpflichtung gegenüber der Finanzbehörde entbunden hat, so wird vermutet,
dass steuerpflichtige Kapitaleinkünfte im Ausland vorhanden oder höher als die erklär-
ten Einkünfte sind.
Das Gesetzgebungsverfahren befindet sich auf dem Stand eines überarbeiteten Refe-
rentenentwurfes vom 25.3.2009. Im Hinblick auf das politisch breit angelegte Bestre-
ben einer verstärkten Bekämpfung der Steuerhinterziehung ist zu erwarten, dass der
Entwurf im Wesentlichen unverändert Gesetzeskraft erlangen wird.
5. Internationale Durchsetzung des OECD-Standards zum Informationsaus-
Das OECD Musterabkommen zur Doppelbesteuerung entfaltet keine unmittelbare Wir-
kung, sondern enthält einen Standard für die einzelnen bilateralen Doppelbesteue-
rungsabkommen, die jeweils im Verhandlungsweg vereinbart werden. Artikel 26 des
Musterabkommens sieht als Grundsatz vor, dass die zuständigen Behörden die Infor-
mationen austauschen, die zur Durchführung des Abkommens oder zur Verwaltung
oder Anwendung innerstaatlichen Rechtes betreffend Steuern jeder Art und Bezeich-
nung, welche für Rechnung der Vertragsstaaten oder ihrer Gebietskörperschaften er-
hoben werden, voraussichtlich erheblich sind. Wenn ein Vertragsstaat in Überein-
stimmung mit Artikel 26 um Erteilung von Informationen ersucht, wendet der andere
Vertragsstaat zur Beschaffung der Informationen seine innerstaatlichen Ermittlungsbe-
fugnisse an, auch wenn er die Informationen nicht für seine eigenen Steuerzwecke be-
nötigt. Im Ergebnis sind aufgrund des OECD-Musterabkommens daher grenzüber-
schreitende steuerliche Auskunftsersuchen möglich.
Eine ganze Reihe von Ländern hatte sich bisher geweigert, die Standards des OECD-
Musterabkommens zu übernehmen. Wegen des großen internationalen Druckes, der
hierzu ausgeübt wurde, haben sich zwischenzeitlich jedoch unter anderem auch die
Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Belgien und Österreich zur Übernahme der
OECD-Standards bereit erklärt.
Eine große Bedeutung hatten hierbei die von der OECD veröffentlichen Listen. Die
„weisse“ Liste enthält die Länder, die bereits mindestens 12 Doppelbesteuerungsab-
kommen nach OECD-Standard abgeschlossen haben, insbesondere etwa die Bun-
desrepublik, die USA oder auch Frankreich und Großbritannien. Alle anderen, die sich
dem Standard möglicherweise zwar verpflichtet fühlen, ihn aber nach Ansicht des
OECD-Sekretariates noch nicht in ausreichendem Maße anwenden, finden sich auf
der „grauen“ Liste wieder. Hierzu gehören etwa Belgien, Österreich, Luxemburg oder
die Schweiz. In einer Fußnote weist die Liste aber darauf hin, dass diese Länder be-
reits Zugeständnisse beim Informationsaustausch gemacht haben. Insbesondere ha-
ben diese Länder ihre Vorbehalte gegen den einleitend dargestellten Artikel 26 des
Musterabkommens aufgegeben. Die „schwarze“ Liste ist für diejenigen Jurisdiktionen
bestimmt, die sich nicht verpflichtet haben. Hierzu gehören z.B. Costa Rica, die Phi-
lippinen und Uruguay.
Mit Umsetzung des Musterabkommens und damit von Artikel 26 in den jeweiligen
Doppelbesteuerungsabkommen ist die jeweilige bisherige „Steueroase“ nicht mehr
existent. Vielmehr muss klar damit gerechnet werden, dass in der Zukunft auf Anfrage
eines anderen Vertragsstaates für steuerliche Zwecke Auskunft erteilt werden wird.
Nicht auszuschließen ist auch, dass diese Auskünfte, die bisher nur auf Anfrage erfol-
gen, in Zukunft sogar automatisiert erteilt werden könnten. Jedenfalls gibt es Bestre-
bungen, die sich auch mit dem neuen Standard nicht begnügen wollen.
Bilsdorfer/Weyand, Die Informationsquellen und –wege der Finanzverwaltung, 7. Auf-
Bornheim/Birkenstock, Steuerfahndung – Steuerstrafverteidigung
Brender, Straffrei nach Steuerflucht
Franzen/Gast/Joecks, Steuerstrafrecht, 6. Auflage
Götzenberger, Diskrete Geldanlagen, 5. Auflage
Götzenberger, Steueramnestie und neue Zinsbesteuerung, 1. Auflage
Kaligin, Keine Angst vor Betriebsprüfung und Steuerfahndung
Quedenfeld/Füllsack, Verteidigung in Steuerstrafsachen, 3. Auflage
Simon/Vogelberg, Steuerstrafrecht, 2. Auflage
Stahl, Selbstanzeige und strafbefreiende Erklärung, 2. Auflage
Streck, Die Steuerfahndung, 4. Auflage
von Briehl/Ehlscheid, Steuerstrafrecht, 2. Auflage
Wannemacher, Steuerstrafrecht Handbuch, 5. Auflage
Anhang 1: Auszug aus der
… Achter Teil.
Straf- und Bußgeldvorschriften;
3. die Wertzeichenfälschung und deren Vorbereitung, soweit die Tat Steuerzeichen be-
4. die Begünstigung einer Person, die eine Tat nach den Nummern 1 bis 3 begangen
(2) Für Steuerstraftaten gelten die allgemeinen Gesetze über das Strafrecht, soweit die
Strafvorschriften der Steuergesetze nichts anderes bestimmen.
2. die Finanzbehörden pflichtwidrig über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis
lässt oder
und dadurch Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte
Steuervorteile erlangt.
(3) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis
zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1. in großem Ausmaß Steuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile er-
3. die Mithilfe eines Amtsträgers ausnutzt, der seine Befugnisse oder seine Stellung
4. unter Verwendung nachgemachter oder verfälschter Belege fortgesetzt Steuern ver-
kürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt, oder
5. als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Taten nach Ab-
satz 1 verbunden hat, Umsatz- oder Verbrauchssteuern verkürzt oder nicht gerechtfer-
tigte Umsatz- oder Verbrauchssteuervorteile erlangt.
(4) Steuern sind namentlich dann verkürzt, wenn sie nicht, nicht in voller Höhe oder
nicht rechtzeitig festgesetzt werden; dies gilt auch dann, wenn die Steuer vorläufig o-
der unter Vorbehalt der Nachprüfung festgesetzt wird oder eine Steueranmeldung ei-
ner Steuerfestsetzung unter Vorbehalt der Nachprüfung gleichsteht. Steuervorteile
sind auch Steuervergütungen; nicht gerechtfertigte Steuervorteile sind erlangt, soweit
sie zu Unrecht gewährt oder belassen werden. Die Voraussetzungen der Sätze 1 und 2
sind auch dann erfüllt, wenn die Steuer, auf die sich die Tat bezieht, aus anderen
Gründen hätte ermäßigt oder der Steuervorteil aus anderen Gründen hätte bean-
sprucht werden können.
(5) Die Tat kann auch hinsichtlich solcher Waren begangen werden, deren Einfuhr, Aus-
fuhr oder Durchfuhr verboten ist.
(6) Die Absätze 1 bis 5 gelten auch dann, wenn sich die Tat auf Einfuhr- oder Ausfuhr-
abgaben bezieht, die von einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Gemein-
schaften verwaltet werden oder die einem Mitgliedstaat der Europäischen Freihandel-
sassoziation oder einem mit dieser assoziierten Staat zustehen. Das Gleiche gilt, wenn
sich die Tat auf Umsatzsteuern oder auf harmonisierte Verbrauchsteuern, für die in Ar-
tikel 3 Abs. 1 der Richtlinie 92/12/EWG des Rates vom 25. Februar 1992 (ABl. EG Nr. L
76 S. 1) genannten Waren bezieht, die von einem anderen Mitgliedstaat der Europäi-
schen Gemeinschaften verwaltet wird. Die in Satz 2 bezeichneten Taten werden nur
verfolgt, wenn die Gegenseitigkeit zur Zeit der Tat verbürgt und dies in einer Rechts-
verordnung nach Satz 4 festgestellt ist. Das Bundesministerium der Finanzen wird er-
mächtigt, mit Zustimmung des Bundesrates in einer Rechtsverordnung festzustellen,
im Hinblick auf welche Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften Taten im
Sinne des Satzes 2 wegen Verbürgung der Gegenseitigkeit zu verfolgen sind.
(7) Die Absätze 1 bis 6 gelten unabhängig von dem Recht des Tatortes auch für Taten,
die außerhalb des Geltungsbereiches dieses Gesetzes begangen werden.
(1) Wer in den Fällen des § 370 unrichtige oder unvollständige Angaben bei der Fi-
nanzbehörde berichtigt oder ergänzt oder unterlassene Angaben nachholt, wird inso-
weit straffrei.
a) ein Amtsträger der Finanzbehörde zur steuerlichen Prüfung oder zur Ermittlung einer
Steuerstraftat oder einer Steuerordnungswidrigkeit erschienen ist oder
b) dem Täter oder seinem Vertreter die Einleitung des Straf- oder Bußgeldverfahrens
wegen der Tat bekannt gegeben worden ist oder
2. die Tat im Zeitpunkt der Berichtigung, Ergänzung oder Nachholung ganz oder zum
Teil bereits entdeckt war und der Täter dies wusste oder bei verständiger Würdigung
der Sachlage damit rechnen musste.
(3) Sind Steuerverkürzungen bereits eingetreten oder Steuervorteile erlangt, so tritt für
einen an der Tat Beteiligten Straffreiheit nur ein, soweit er die zu seinen Gunsten hin-
terzogenen Steuern innerhalb der ihm bestimmten angemessenen Frist entrichtet.
(4) Wird die in § 153 vorgesehene Anzeige rechtzeitig und ordnungsmäßig erstattet, so
wird ein Dritter, der die in § 153 bezeichneten Erklärungen abzugeben unterlassen o-
der unrichtig oder unvollständig abgegeben hat, strafrechtlich nicht verfolgt, es sei
denn, dass ihm oder seinem Vertreter vorher die Einleitung eines Straf- oder Bußgeld-
verfahrens wegen der Tat bekannt gegeben worden ist. Hat der Dritte zum eigenen
Vorteil gehandelt, so gilt Absatz 3 entsprechend.
(1) Bannbruch begeht, wer Gegenstände entgegen einem Verbot einführt, ausführt o-
der durchführt.
(2) Der Täter wird nach § 370 Absatz 1, 2 bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vor-
schriften als Zuwiderhandlung gegen ein Einfuhr-, Ausfuhr- oder Durchfuhrverbot mit
Strafe oder mit Geldbuße bedroht ist.
(1) Wer gewerbsmäßig Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben hinterzieht oder gewerbsmäßig
durch Zuwiderhandlungen gegen Monopolvorschriften Bannbruch begeht, wird mit
Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. In minder schweren
Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.
1. eine Hinterziehung von Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben oder einen Bannbruch be-
geht, bei denen er oder ein anderer Beteiligter eine Schusswaffe bei sich führt,
2. eine Hinterziehung von Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben oder einen Bannbruch be-
geht, bei denen er oder ein anderer Beteiligter eine Waffe oder sonst ein Werkzeug o-
der Mittel bei sich führt, um den Widerstand eines anderen durch Gewalt oder Dro-
hung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden, oder
3. als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung der Hinterziehung von
Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben oder des Bannbruchs verbunden hat, eine solche Tat
(1) Wer Erzeugnisse oder Waren, hinsichtlich deren Verbrauchsteuern oder Einfuhr-
und Ausfuhrabgaben im Sinne des Artikels 4 Nr. 10 und 11 des Zollkodexes hinterzo-
gen oder Bannbruch nach § 372 Abs. 2, § 373 begangen worden ist, ankauft oder
sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder abzusetzen hilft, um sich
oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit
(2) Handelt der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortge-
setzten Begehung von Straftaten nach Absatz 1 verbunden hat, so ist die Strafe Frei-
heitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. In minder schweren Fällen ist die
Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.
4. Begünstigung einer Person, die eine Tat nach den Nummern 1 bis 3 begangen hat,
kann das Gericht die Fähigkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden, und die Fähigkeit,
Rechte aus öffentlichen Wahlen zu erlangen, aberkennen (§ 45 Abs. 2 des Strafge-
setzbuchs).
(2) Ist eine Steuerhinterziehung, ein Bannbruch nach § 372 Abs. 2, § 373 oder eine
Steuerhehlerei begangen worden, so können
1. die Erzeugnisse, Waren und andere Sachen, auf die sich die Hinterziehung von Ver-
brauchsteuer oder Einfuhr- und Ausfuhrabgaben im Sinne des Artikels 4 Nr. 10 und 11
des Zollkodexes, der Bannbruch oder die Steuerhehlerei bezieht, und
2. die Beförderungsmittel, die zur Tat benutzt worden sind,
(1) In den in § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 bis 5 genannten Fällen besonders schwerer
Steuerhinterziehung beträgt die Verjährungsfrist zehn Jahre.
(2) Die Verjährung der Verfolgung einer Steuerstraftat wird auch dadurch unterbrochen,
dass dem Beschuldigten die Einleitung des Bußgeldverfahrens bekannt gegeben oder
diese Bekanntgabe angeordnet wird.
(1) Steuerordnungswidrigkeiten (Zollordnungswidrigkeiten) sind Zuwiderhandlungen,
die nach den Steuergesetzen mit Geldbuße geahndet werden können.
(2) Für Steuerordnungswidrigkeiten gelten die Vorschriften des Ersten Teils des Geset-
zes über Ordnungswidrigkeiten, soweit die Bußgeldvorschriften der Steuergesetze
(1) Ordnungswidrig handelt, wer als Steuerpflichtiger oder bei Wahrnehmung der An-
gelegenheiten eines Steuerpflichtigen eine der in § 370 Abs. 1 bezeichneten Taten
leichtfertig begeht. § 370 Abs. 4 bis 7 gilt entsprechend.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro ge-
(3) Eine Geldbuße wird nicht festgesetzt, soweit der Täter unrichtige oder unvollstän-
dige Angaben bei der Finanzbehörde berichtigt oder ergänzt oder unterlassene Anga-
ben nachholt, bevor ihm oder seinem Vertreter die Einleitung eines Straf- oder Buß-
geldverfahrens wegen der Tat bekannt gegeben worden ist. § 371 Abs. 3 und 4 gilt
1. Belege ausstellt, die in tatsächlicher Hinsicht unrichtig sind,
3. nach Gesetz buchungs- oder aufzeichnungspflichtige Geschäftsvorfälle oder Be-
triebsvorgänge nicht oder in tatsächlicher Hinsicht unrichtig verbucht oder verbuchen
lässt und dadurch ermöglicht, Steuern zu verkürzen oder nicht gerechtfertigte Steuer-
vorteile zu erlangen. Satz 1 Nr. 1 gilt auch dann, wenn Einfuhr- und Ausfuhrabgaben
verkürzt werden können, die von einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Ge-
meinschaften verwaltet werden oder die einem Staat zustehen, der für Waren aus den
Europäischen Gemeinschaften auf Grund eines Assoziations- oder Präferenzabkom-
mens eine Vorzugsbehandlung gewährt; § 370 Abs. 7 gilt entsprechend. Das Gleiche
gilt, wenn sich die Tat auf Umsatzsteuern bezieht, die von einem anderen Mitgliedstaat
der Europäischen Gemeinschaften verwaltet werden.
1. der Mitteilungspflicht nach § 138 Abs. 2 nicht, nicht vollständig oder nicht rechtzei-
tig nachkommt,
(3) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig einer Auflage nach § 120
Abs. 2 Nr. 4 zuwiderhandelt, die einem Verwaltungsakt für Zwecke der besonderen
Steueraufsicht (§§ 209 bis 217) beigefügt worden ist.
(4) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet
werden, wenn die Handlung nicht nach § 378 geahndet werden kann.
(1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder leichtfertig seiner Verpflichtung,
Steuerabzugsbeträge einzubehalten und abzuführen, nicht, nicht vollständig oder
nicht rechtzeitig nachkommt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünfundzwanzigtausend
Euro geahndet werden, wenn die Handlung nicht nach § 378 geahndet werden kann.
(1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder leichtfertig Vorschriften der Ver-
brauchsteuergesetze oder der dazu erlassenen Rechtsverordnungen
1. über die zur Vorbereitung, Sicherung oder Nachprüfung der Besteuerung auferleg-
ten Pflichten,
2. über Verpackung und Kennzeichnung verbrauchsteuerpflichtiger Erzeugnisse oder
Waren, die solche Erzeugnisse enthalten, oder über Verkehrs- oder Verwendungsbe-
schränkungen für solche Erzeugnisse oder Waren oder
3. über den Verbrauch unversteuerter Waren in den Freihäfen
zuwiderhandelt, soweit die Verbrauchsteuergesetze oder die dazu erlassenen Rechts-
verordnungen für einen bestimmten Tatbestand auf diese Bußgeldvorschrift verweisen.
(1) Ordnungswidrig handelt, wer als Pflichtiger oder bei der Wahrnehmung der Angel-
egenheiten eines Pflichtigen vorsätzlich oder fahrlässig Zollvorschriften, den dazu er-
lassenen Rechtsverordnungen oder den Verordnungen des Rates oder der Kommissi-
on der Europäischen Gemeinschaften zuwiderhandelt, die
1. für die zollamtliche Erfassung des Warenverkehrs über die Grenze des Zollgebiets
der Europäischen Gemeinschaft sowie über die Freizonengrenzen,
2. für die Überführung von Waren in ein Zollverfahren und dessen Durchführung oder
für die Erlangung einer sonstigen zollrechtlichen Bestimmung von Waren,
3. für die Freizonen, den grenznahen Raum sowie die darüber hinaus der Grenzauf-
sicht unterworfenen Gebiete
gelten, soweit die Zollvorschriften, die dazu oder die auf Grund von Absatz 4 erlasse-
nen Rechtsverordnungen für einen bestimmten Tatbestand auf diese Bußgeldvorschrift
(2) Absatz 1 ist auch anzuwenden, soweit die Zollvorschriften und die dazu erlassenen
Rechtsverordnungen für Verbrauchsteuern sinngemäß gelten.
(3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet
(4) Das Bundesministerium der Finanzen kann durch Rechtsverordnungen die Tatbe-
stände der Verordnungen des Rates der Europäischen Union oder der Kommission der
Europäischen Gemeinschaften, die nach den Absätzen 1 bis 3 als Ordnungswidrigkei-
ten mit Geldbuße geahndet werden können, bezeichnen, soweit dies zur Durchführung
dieser Rechtsvorschriften erforderlich ist und die Tatbestände Pflichten zur Gestellung,
Vorführung, Lagerung oder Behandlung von Waren, zur Abgabe von Erklärungen oder
Anzeigen, zur Aufnahme von Niederschriften sowie zur Ausfüllung oder Vorlage von
Zolldokumenten oder zur Aufnahme von Vermerken in solchen Dokumenten betreffen.
(1) Ordnungswidrig handelt, wer entgegen § 46 Abs. 4 Satz 1 Erstattungs- oder Vergü-
tungsansprüche erwirbt.
(1) Ordnungswidrig handelt, wer als nicht öffentliche Stelle vorsätzlich oder leichtfertig
entgegen § 139b Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 und § 139c Abs. 2 Satz 2 die Identifikationsnum-
mer nach § 139b oder die Wirtschaftsidentifikationsnummer nach § 139c Abs. 3 für
andere als die zugelassenen Zwecke erhebt oder verwendet, oder entgegen § 139b
Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 seine Dateien nach der Identifikationsnummer für andere als die
zugelassenen Zwecke ordnet oder für den Zugriff erschließt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro geahn-
Die Verfolgung von Steuerordnungswidrigkeiten nach den §§ 378 bis 380 verjährt in
Anhang 2: Beispiel einer strafbe-
freienden Selbstanzeige
(Anschrift Steuerpflichtiger)
An das Finanzamt Frankfurt V
(Steuerpflichtiger / Steuernummer)
nach Überprüfung meiner Papiere möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich über
meine Steuererklärungen der Vorjahre hinaus noch Zinseinkünfte aus Inhaber-
schuldverschreibungen wie folgt anzugeben habe: Für die Jahre 2004 und
2005 sind jeweils zehntausend Euro und für 2006 hunderttausend Euro an
Zinseinkünften aus Bundesanleihen nicht in den Erklärungen enthalten.
Die Bezeichnung als Selbstanzeige ist nicht erforderlich. Notwendig ist allerdings die
Angabe von Zahlen in der Weise, dass diese jeweils bestimmten Jahren zugeordnet
werden können, so dass das Finanzamt auf Basis der Selbstanzeige zum Erlass von
Steuerbescheiden in der Lage ist. Sofern keine exakten Zahlen vorliegen, kann dem
Finanzamt eine begründete vorläufige Eigenschätzung der Besteuerungsgrundlagen
mitgeteilt und dieses zugleich gebeten werden eine Frist für die endgültige Lieferung
der Zahlen zu gewähren. Das Beispiel kann nicht alle denkbaren Fallkonstellationen
abdecken. Vorsorglich sollte die Selbstanzeige daher mit einem Berater abgestimmt
Anhang 3: Pressemitteilung BGH
(Nr. 221/2008)
Das Landgericht Landshut hatte den Angeklagten, der ein Bauunternehmen als Sub-
unternehmer betrieb, mit Urteil vom 21. April 2008 unter anderem wegen Steuerhinter-
ziehung und Beitragshinterziehung zu der Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und
elf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Dagegen hatte der Angeklagte Revision einge-
legt und insbesondere die Strafzumessung gerügt.
Der Verurteilung liegt zugrunde, dass der Angeklagte seine Arbeitnehmer "schwarz"
beschäftigte und demzufolge weder Lohnsteuern noch Sozialabgaben abführte. Er
gab auch keine Umsatzsteuererklärungen ab. Zudem unterstützte er die Umsatzsteu-
erhinterziehung seiner Auftraggeber durch die Beschaffung von Scheinrechnungen,
damit diese die an den Angeklagten geleisteten Zahlungen als Betriebsausgaben an-
setzen und einen Vorsteuerabzug geltend machen konnten. Der dadurch bewirkte
Steuerschaden und die vorenthaltenen Sozialversicherungsbeiträge betrugen jeweils
insgesamt fast 1 Mio €.
Der Bundesgerichtshof hat die Revision des Angeklagten verworfen und dabei zu zwei
Fragen grundsätzliche Ausführungen gemacht:
Bei einer Steuerhinterziehung ist die Höhe des Hinterziehungsbetrags ein Strafzumes-
sungsumstand von besonderem Gewicht. Der Steuerschaden bestimmt daher auch
maßgeblich die Höhe der Strafe. Dabei kommt der gesetzlichen Vorgabe des
§ 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO indizielle Bedeutung zu, wonach bei einer Hinterziehung
in "großem Ausmaß" in der Regel nur eine Freiheitsstrafe, und zwar von sechs Mona-
ten bis zu zehn Jahren, angedroht ist. Der BGH hat ausgeführt, dass ein großes Aus-
maß – wie bereits zum gleichen Merkmal bei Betrug entschieden – dann vorliegt, wenn
der Steuerschaden über 50.000 € liegt. Das bedeutet, dass jedenfalls bei einem
sechsstelligen Hinterziehungsbetrag die Verhängung einer Geldstrafe nur bei Vorliegen
von gewichtigen Milderungsgründen noch schuldangemessen sein wird. Bei Hinter-
ziehungsbeträgen in Millionenhöhe kommt eine aussetzungsfähige Freiheitsstrafe nur
bei Vorliegen besonders gewichtiger Milderungsgründe noch in Betracht. Bei der
letztgenannten Fallgestaltung (Millionenbetrag) wird auch eine Erledigung im Strafbe-
fehlsverfahren regelmäßig nicht geeignet erscheinen, da hier nur eine Freiheitsstrafe
bis zu einem Jahr, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird, verhängt wer-
Die Berechnung der Höhe der Beitragshinterziehung nach § 266a StGB bei Schwarz-
arbeit richtet sich nach der neuen gesetzlichen Vorgabe in § 14 Abs. 2 Satz 2 SGB IV.
Danach gilt die Zahlung des Schwarzlohns nicht mehr wie bisher – für die Berechnung
der Sozialversicherungsbeiträge – als Bruttolohnabrede, sondern als Nettolohnabrede,
mit der Folge, dass das ausbezahlte Arbeitsentgelt zu einem Bruttolohn hochzurech-
nen ist. Das führt zu der Konsequenz, dass der Hinterziehungsbetrag höher ausfällt als
bei Annahme einer Bruttolohnabrede.
(nachfolgend Anhang aus Pressemitteilung, einschlägige Bestimmungen)
(1)Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1.den Finanzbehörden oder anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen
2.die Finanzbehörden pflichtwidrig über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis
3.pflichtwidrig die Verwendung von Steuerzeichen oder Steuerstemplern unterlässt
(3)1In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis
zu zehn Jahren. 2Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1.in großem Ausmaß Steuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt
§ 14 Abs. 2 Sozialgesetzbuch IV
(1) ……….
(2)Ist ein Nettoarbeitsentgelt vereinbart, gelten als Arbeitsentgelt die Einnahmen des
Beschäftigten einschließlich der darauf entfallenden Steuern und der seinem gesetzli-
chen Anteil entsprechenden Beiträge zur Sozialversicherung und zur Arbeitsförderung.
Sind bei illegalen Beschäftigungsverhältnissen Steuern und Beiträge zur Sozialversi-
cherung und zur Arbeitsförderung nicht gezahlt worden, gilt ein Nettoarbeitsentgelt als
Urteil vom 2. Dezember 2008 - 1 StR 416/08
Landgericht Landshut – Entscheidung vom 21. April 2008 – 3 KLs 54 Js 18017/06
Karlsruhe, den 2. Dezember 2008
Anhang 4: Pressemitteilung BFH
(Nr. 24 vom 18. März 2009)
Bankgeheimnis steht nicht generell Kontrollmitteilungen anlässlich einer Bank-
prüfung im Wege
Urteil vom 9. Dezember 2008 VII R 47/07
befunden, ob anlässlich einer Außenprüfung des Finanzamts (FA) bei einem Kreditin-
stitut Kontrollmitteilungen an die Wohnsitzfinanzämter von Bankkunden erteilt werden
dürfen, wenn die gewonnenen Erkenntnisse im Zusammenhang mit sog. legitimitäts-
geprüften Guthabenkonten oder Depots stehen. Dabei ging es um die Tragweite des
Schutzbereichs des § 30a Abs. 3 der Abgabenordnung (AO), nach dessen Wortlaut
solche Guthabenkonten oder Depots anlässlich einer Bankenprüfung "nicht zwecks
Nachprüfung der ordnungsmäßigen Versteuerung festgestellt oder abgeschrieben
werden" dürfen (sog. Bankgeheimnis). Der VII. Senat des BFH hat nun entschieden,
gemeinerungsfähigen Erkenntnisse nachvollziehbar ergibt.
Im Streitfall hatte das Finanzgericht (FG) beabsichtigte Kontrollmitteilungen für zuläs-
sig gehalten. Der BFH hat das Urteil aufgehoben und die Sache an das FG zur weite-
ren Prüfung zurückverwiesen. Der BFH konnte den Feststellungen des FG nicht ent-
nehmen, welche Umstände den Prüfer im Einzelnen veranlasst hatten, die umstritte-
nen Kontrollmitteilungen zu fertigen. Anders als das FG hielt er es jedenfalls für nicht
ausreichend, pauschal von hohen Schadensersatzzahlungen für Wertpapierfehlkäufe
auf nicht unerhebliches Kapitalvermögen und hieraus erzielte höhere Kapitaleinnah-
men als vom Steuerpflichtigen angegeben zu schließen und dies damit zu untermau-
ern, dass gerade im Bereich der Kapitaleinkünfte das Erklärungsverhalten vieler Steu-
erpflichtiger alles andere als vorbildlich sei. Im zweiten Rechtsgang wird das FA Gele-
genheit haben, die Kriterien darzulegen, die möglicherweise einen hinreichenden An-
lass für die beabsichtigten Kontrollmitteilungen ergeben.
Mit dem Urteil hat sich der VII. Senat einer früheren Entscheidung des VIII. Senats des
BFH angeschlossen. In der Vergangenheit waren sich die Senate des BFH in der hier
entschiedenen Frage nicht völlig einig. Übereinstimmung bestand zwar darin, dass
Zufallserkenntnisse, die den Verdacht einer Steuerverkürzung im Einzelfall begründen,
auch hinsichtlich legitimationsgeprüfter Konten mitgeteilt werden dürfen, für den Re-
gelfall, in dem die Mitteilungen nur der Gewinnung von Prüfmaterial für die Veranla-
gung dienen, gingen die Meinungen aber auseinander. Während der VIII. Senat § 30a
Abs. 3 AO dahin auslegte, dass auch solche Kontrollmitteilungen durch den Außen-
prüfer bei hinreichendem Anlass gefertigt und ausgeschrieben werden dürfen, war der
VII. Senat --allerdings bei der bloß summarischen Prüfung in einem einstweiligen
Rechtsschutzverfahren, in dem unbeschadet entsprechender Zweifel von der Verfas-
sungsmäßigkeit der Norm auszugehen war-- der Auffassung, dass eine solche Ausle-
gung eine ungerechtfertigte Aushöhlung des Bankgeheimnisses bedeute, da ein hin-
reichender Anlass Voraussetzung für jede Anfertigung von Kontrollmitteilungen sei.
Wenigstens ein Kernbestand des Bankgeheimnisses müsse gewahrt bleiben, solange
die Norm vom Gesetzgeber trotz der geäußerten Zweifel an ihrer Verfassungsmäßig-
keit nicht aufgehoben und auch nicht für verfassungswidrig erklärt worden ist.
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References: BGH 

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