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Timestamp: 2019-10-17 23:50:02+00:00

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Brasilianischen Sohn meiner Frau adoptieren? - frag-einen-anwalt.de
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| 05.10.2005 16:28 |
Der Sohn meiner brasilianischen Frau ist diese Woche mit einem Visum zur Familienzusammenführung zu uns nach Deutschland eingereist. Dieses Visum hat eine Gültigkeit von 90 Tagen. Natürlich wollen meine Frau und ich ihn für immer bei uns haben. Ich habe vor in den nächsten Tagen zu unserer zuständigen Ausländerbehörde zu gehen, was muss ich tun damit diese Behörde das Visum entsprechend verlängern wird bzw. welche Möglichkeiten habe ich überhaupt?
Ist es Notwendig bzw. von Vorteil für uns wenn ich den Sohn meiner Frau Adoptiere? Und falls ja, wie muss ich dann bei einer Adoption in welcher Reihenfolge vorgehen und wie lange kann dieser Vorgang dauern?
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Ich gehe zunächst davon aus, dass Sie mit Ihrer Frau verheiratet und nicht der leibliche Vater des Sohnes sind.
Leider haben Sie nicht angegeben, wie alt der Sohn Ihrer Frau ist.
Sollte dieser noch minderjährig und ledig, also höchtens 18 Jahre sein, besteht ein Anspruch auf Kindernachzug gemäß § 32 Aufenthaltsgesetz, soweit Ihre Frau eine Aufenthaltserlaubnis bzw. eine Niederlassungerlaubnis (unbefristeter Aufenthaltstitel) beitzt, wovon ich ausgehe.
Sie müssten dann vor Ablauf des Visums einen Antrag auf Aufenthaltserlaubnis gemäß § 32 AufG bei der zuständigen Ausländerbehörde stellen.
§ 32 AufenthG lautet übrigens wie folgt:
"(1) Dem minderjährigen ledigen Kind eines Ausländers ist eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen, wenn
1. der Ausländer eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 1 oder 2 oder eine
Niederlassungserlaubnis nach § 26 Abs. 3 besitzt oder
2. beide Eltern oder der allein personensorgeberechtigte Elternteil eine
Aufenthaltserlaubnis oder Niederlassungserlaubnis besitzen und das Kind
seinen Lebensmittelpunkt zusammen mit seinen Eltern oder dem allein
personensorgeberechtigten Elternteil in das Bundesgebiet verlegt.
(4) Im Übrigen kann dem minderjährigen ledigen Kind eines Ausländers eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn es auf Grund der Umstände des Einzelfalls zur Vermeidung einer besonderen Härte erforderlich ist. Hierbei sind das Kindeswohl und die familiäre Situation zu berücksichtigen."
Sollte der Sohn schon volljährig sein, wäre ein Familiennachzug gemäß § 29 AufenthG nur möglich, soweit dieser schutzbedürftig wäre, also einer gewissen Verfolgung in Brasilien unterläge. Davon gehe ich aber nicht aus.
Die Adaption an sich ist ein höchst kompliziertes und langwieriges Verfahren.
Adoptionen eines minderjährigen Kindes im Ausland haben oftmals andere Voraussetzungen und Rechtsfolgen als solche nach deutschem Recht. So erlauben manche Staaten die Adoption durch Ausländer gar nicht. Andere beschränken sie auf Ausländer mit dem Wohnsitz im Herkunftsland des Kindes. Wieder andere kennen nur die sogenannte schwache Adoption, bei der weder die alten rechtlichen Beziehungen des Kindes zu seinen leiblichen Eltern durch die Adoption vollständig aufgehoben werden, noch das Kind denselben Status zu seinen Adoptiveltern erhält wie ein leibliches Kind.
Die Adoption eines Erwachsenen ist möglich. Dazu wendet man sich an einen Notar, der mit den Beteiligten einen notariellen Vertrag aufsetzt und über alle Rechtsfolgen (§§ 1754, 1755 BGB) aufklärt. Nachdem der Vertrag geschlossen wurde, stellt der Notar beim örtlich zuständigen Amtsgericht den Antrag, die Adoption zu beschließen. Kommt das Amtsgericht zu dem Schluss, dass ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist, kann es den beantragten Beschluss fassen. Wenn die volljährige Person bereits verheiratet ist, ist der Ehepartner auch beteiligt am notariellen Vertrag und muss einwilligen nach § 1749 Abs. 2 BGB.
Eine Adoption kann daher Jahre dauern. Jedenfalls gelingt diese nicht innerhalb der Visafrist.
Ich rate Ihnen daher, falls der Sohn minderjährig ist, den oben bezeichneten Antrag einzureichen. Formulare gibt die Ausländerbehörde aus.
Sollte der Sohn volljährig oder bereits verheiratet sein, sollte dieser versuchen einen familienunabhängigen Aufenthaltstitel zu erhalten. Dies kann z.B. zum Zwecke des Studiums oder einer qualifizierten Arbeit geschehen. Näheres dazu erfahren Sie auch über amnesty international oder bei der örtlichen Ausländerbeauftragten.
Nachfrage vom Fragesteller	06.10.2005 | 13:04
Zunächst einmal Vielen Dank für Ihre umfangreiche Antwort! Ja ich bin mit meiner Frau verheiratet und nicht der leibliche Vater des Sohnes. Er ist 3 Jahre alt. Ich bin mit meiner Frau seit knapp einem Jahr verheiratet, sie besitzt daher eine Aufenthaltserlaubnis mit den Anmerkungen §28 Abs. 1 Nr 1....
Diese Aufenthaltserlaubnis muss sie dann jedes Jahr wieder um ein Jahr verlängern lassen. Meine Frau hat im Moment noch keine Arbeitsstelle.
Wenn ich Sie in Ihrer ersten Antwort richtig verstanden habe, raten Sie mir momentan nicht zu einer Adoption sondern einen Antrag auf Aufenthaltserlaubnis nach § 32 des AufG bei unserer zuständigen Ausländerbehörde zu stellen.
Nun zu meiner Nachfrage:
Was für Vorteile hätten meine Frau und ich wenn ich den Sohn meiner Frau adoptiere würde (Rechte und Pflichten für mich)? Wie sieht es da mit den staatlichen Unerstützungen wie Kindergeld usw. aus wenn ich ihn nicht adoptiere? Wenn ich mich doch entscheide ihn zu adoptieren an wenn wen muss ich mich dann wenden um das ganze Verfahren zu beginnen?
Ich bedanke mich bereits im Voraus für Ihre Antwort!
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 06.10.2005 | 16:52
Sie sollten aufgrund des Alters von 3 Jahren einen Antrag auf Aufenthaltserlaubnis wie bereits beschrieben einreichen. Dem steht nichts entgegen.
Für ein Adoptionsverfahren, wenden Sie sich an die Adoptionsstelle des örtlichen Jugenamtes. Dort wird man Ihnen alles erklären.
Die Adoption hätte für Sie erbrechtliche Konsequenzen, denn ein adoptiertes Kind steht einem leiblichen Kind gleich.
Einen Vorteil vermag ich in einer Adoption allerdings nicht zu erkennen. Insbesondere Sie würden sich sogar Unterhaltspflichtig machen, könnten aber die elterliche Sorge ausüben.
Kindergeld bekommt die Kindesmutter auch so. Eine Adoption hat darauf keinen Einfluss. Im Falle einer Adoption wäre das Kind aber besser abgesichert für der Fall, dass der Mutter, Ihrer Frau, etwas zustößt und diese nicht mehr für das Kind sorgen kann.
"Die Antwort meiner Frage und der Nachfrage hat mir gut geholfen. Ich weis jetzt über die grundlegenden Dinge Bescheid und kann so besser eine Entscheidung treffen was zu tun ist. "

References: § 32
 § 32

§ 32
 § 25
 § 26
 § 29
 § 1749
 §28
 § 32