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Timestamp: 2020-08-12 01:16:17+00:00

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Das aus dem Pflegegeld angesparte Vermögen - und die Vergütung des Berufsbetreuers | Rechtslupe
Das aus dem Pflegegeld angesparte Vermögen - und die Vergütung des Berufsbetreuers
Der Ein­satz eines aus Pfle­ge­geld nach § 37 SGB XI ange­spar­ten Ver­mö­gens für die Ver­gü­tung des Berufs­be­treu­ers stellt für den Betreu­ten kei­ne Här­te i.S.v. § 90 Abs. 3 Satz 1 SGB XII dar.
In dem hier ent­schie­de­nen Fall ist für die Betrof­fe­ne seit vie­len Jah­ren eine Betreue­rin bestellt. Die­se übt ihr Amt berufs­mä­ßig aus. In der Zeit vom 01.01.2016 bis 31.03.2018 wur­de ihr für ihre Tätig­keit eine Ver­gü­tung von ins­ge­samt 4.158 € aus der Lan­des­kas­se gezahlt. Mit Beschluss vom 07.05.2019 hat das Amts­ge­richt Köln die Erstat­tung die­ser Ver­gü­tung in Höhe von 3.000 € aus dem Ver­mö­gen der Betrof­fe­nen ange­ord­net [1]. Dabei ist es davon aus­ge­gan­gen, dass die Betrof­fe­ne über ein ent­spre­chen­des Ver­mö­gen ober­halb des Schon­be­trags von 5.000 € ver­fügt. Auf die Beschwer­de der Betreue­rin hat das Land­ge­richt Köln den amts­ge­richt­li­chen Beschluss ersatz­los auf­ge­ho­ben [2]. Hier­ge­gen rich­tet sich die zuge­las­se­ne Rechts­be­schwer­de der Lan­des­kas­se, die nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof teil­wei­se Erfolg hat­te:
Ver­gü­tungs­schuld­ner des Berufs­be­treu­ers ist bei Mit­tel­lo­sig­keit des Betreu­ten die Staats­kas­se (§§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 Abs. 1 Satz 3 BGB i.V.m. § 1 Abs. 2 Satz 2 VBVG) und bei vor­han­de­nem ver­wert­ba­ren Ver­mö­gen der Betreu­te (§§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 Abs. 1 BGB i.V.m. § 1 Abs. 2 Satz 1 VBVG). Soweit die Staats­kas­se Leis­tun­gen zur Ver­gü­tung eines Betreu­ers erbracht hat, geht gemäß § 1908 i Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 1836 e Abs. 1 Satz 1 BGB der Anspruch des Betreu­ers gegen den Betreu­ten auf die Staats­kas­se über. Ob bzw. inwie­weit die Staats­kas­se den Betreu­ten aus der über­ge­gan­ge­nen For­de­rung tat­säch­lich in Anspruch neh­men kann, bestimmt sich nach des­sen Leis­tungs­fä­hig­keit. Maß­stab hier­für ist das nach § 1836 c BGB ein­zu­set­zen­de Ein­kom­men und Ver­mö­gen des Betreu­ten, auf das sei­ne Inan­spruch­nah­me begrenzt ist. Dem­zu­fol­ge muss auch ein zur Zeit der Betreu­er­tä­tig­keit mit­tel­lo­ser Betreu­ter grund­sätz­lich spä­ter vor­han­de­ne Mit­tel im Rah­men des § 1836 c BGB für die Kos­ten der Betreu­ung ein­set­zen [3]. Dabei ist für die Fest­stel­lung, ob der Betreu­te mit­tel­los oder ver­mö­gend ist, auf den Zeit­punkt der Ent­schei­dung in der letz­ten Tat­sa­chen­in­stanz abzu­stel­len [4].
Das vom Betreu­ten ein­zu­set­zen­de Ver­mö­gen bestimmt sich gemäß § 1836 c Nr. 2 BGB nach § 90 SGB XII. Dabei geht § 90 Abs. 1 SGB XII von dem Grund­satz aus, dass das gesam­te ver­wert­ba­re Ver­mö­gen für die Betreu­er­ver­gü­tung ein­zu­set­zen ist [5], soweit es nicht zu dem in § 90 Abs. 2 SGB XII abschlie­ßend auf­ge­zähl­ten Schon­ver­mö­gen gehört. Im Übri­gen bleibt gemäß § 90 Abs. 3 SGB XII Ver­mö­gen unbe­rück­sich­tigt, des­sen Ein­satz oder Ver­wer­tung für den Betrof­fe­nen eine Här­te bedeu­ten wür­de.
Nach den vom Land­ge­richt Köln rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen betrug das Ver­mö­gen der Betrof­fe­nen zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Ent­schei­dung über die Beschwer­de 6.105,66 €. Davon hat das Land­ge­richt Köln zu Recht einen Betrag von 5.000 € als Schon­ver­mö­gen nach § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII i.V.m. § 1 Satz 1 Nr. 1 der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des § 90 Abs. 2 Nr. 9 des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch in Abzug gebracht, so dass die Betrof­fe­ne über ein ein­zu­set­zen­des Ver­mö­gen von 1.105,66 € ver­füg­te.
Rechts­feh­ler­haft ist aller­dings die Auf­fas­sung des Land­ge­richts Köln, bei der Berech­nung des ein­zu­set­zen­den Ver­mö­gens der Betrof­fe­nen blie­ben die ange­spar­ten Leis­tun­gen aus der Pfle­ge­ver­si­che­rung außer Betracht. Die Ver­wer­tung des Ver­mö­gens, das die Betrof­fe­ne mit Zah­lun­gen aus der Pfle­ge­ver­si­che­rung ange­spart hat, stellt kei­ne Här­te i.S.v. § 90 Abs. 3 Satz 1 SGB XII dar.
Mit die­ser Vor­schrift kön­nen aty­pi­sche Fall­kon­stel­la­tio­nen im Ein­zel­fall auf­ge­fan­gen wer­den, die nicht von den in § 90 Abs. 2 SGB XII genann­ten Fall­grup­pen erfasst sind, die aber den in die­ser Vor­schrift zum Aus­druck kom­men­den Leit­vor­stel­lun­gen des Geset­zes für die Ver­scho­nung von Ver­mö­gen ver­gleich­bar sind [6]. Dabei ist für die Anwen­dung des § 90 Abs. 3 SGB XII die Her­kunft des Ver­mö­gens grund­sätz­lich uner­heb­lich. Ledig­lich in Ein­zel­fäl­len kann die Her­kunft des Ver­mö­gens die­ses so prä­gen, dass sei­ne Ver­wer­tung eine Här­te dar­stel­len wür­de [7]. Davon kann etwa aus­ge­gan­gen wer­den, wenn der gesetz­ge­be­ri­sche Grund für die Nicht­be­rück­sich­ti­gung einer lau­fen­den Zah­lung als Ein­kom­men auch im Rah­men der Ver­mö­gens­an­rech­nung durch­greift, weil das Ver­mö­gen den glei­chen Zwe­cken zu die­nen bestimmt ist wie die lau­fen­de Zah­lung selbst [8]. Des­halb hat die ver­wal­tungs­und sozi­al­ge­richt­li­che Recht­spre­chung in der Ver­gan­gen­heit bereits mehr­fach den Ein­satz ange­spar­ter Beträ­ge aus Sozi­al­leis­tun­gen als eine Här­te für den Begüns­tig­ten nach § 90 Abs. 3 SGB XII ange­se­hen [9]. Auch ein aus Schmer­zens­geld­zah­lun­gen gebil­de­tes Ver­mö­gen bleibt nach § 90 Abs. 3 SGB XII grund­sätz­lich ein­satz­frei [10]. Eben­so ent­spricht es mitt­ler­wei­le ein­hel­li­ger Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Schrift­tum zur Betreu­er­ver­gü­tung, dass der Betrof­fe­ne ein aus Schmer­zens­geld­zah­lun­gen ange­spar­tes Ver­mö­gen ein­schließ­lich der erwirt­schaf­te­ten Zin­sen nicht für die Betreu­er­ver­gü­tung ein­set­zen muss, weil dies für ihn eine Här­te i.S.v. § 90 Abs. 3 SGB XII dar­stel­len wür­de [11].
Die­se Erwä­gun­gen gel­ten jedoch nicht für ein Ver­mö­gen, das aus Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung ange­spart wor­den ist.
Zwar wer­den nach § 13 Abs. 5 Satz 2 SGB XI Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung bei ein­kom­mens­ab­hän­gi­gen Sozi­al­leis­tun­gen nicht als Ein­kom­men berück­sich­tigt. Anders als bei den vor­ge­nann­ten Sozi­al­leis­tun­gen und beim Schmer­zens­geld führt die Zweck­be­stim­mung des Pfle­ge­gelds nach § 37 SGB XI jedoch nicht dazu, dass der Ein­satz eines aus die­sen Zah­lun­gen ange­spar­ten Ver­mö­gens für die Betreu­er­ver­gü­tung eine Här­te i.S.v. § 90 Abs. 3 SGB XII für den Betreu­ten dar­stel­len wür­de.
Mit dem Pfle­ge­geld soll der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge die erfor­der­li­chen kör­per­be­zo­ge­nen Pfle­ge­maß­nah­men und pfle­ge­ri­schen Betreu­ungs­maß­nah­men sowie Hil­fen bei der Haus­halts­füh­rung in geeig­ne­ter Wei­se selbst sicher­stel­len (vgl. § 37 Abs. 1 Satz 2 SGB XI). In der Regel han­delt es sich dabei um eine lau­fen­de monat­li­che Leis­tung [12]. Der Zweck des Pfle­ge­gelds besteht folg­lich allein dar­in, den Pfle­ge­be­darf des Leis­tungs­emp­fän­gers im jewei­li­gen Monat der Aus­zah­lung zu decken. Die­ser Zweck reicht nach Ablauf des Aus­zah­lungs­mo­nats nicht wei­ter fort. Ange­spar­tes Pfle­ge­geld kann sei­nen Zweck nicht mehr erfül­len, wenn der Pfle­ge­be­darf in der Ver­gan­gen­heit gedeckt war und der aktu­el­le Bedarf durch die fort­lau­fen­de Aus­zah­lung des Pfle­ge­gel­des gedeckt wer­den kann [13]. Hin­zu kommt, dass das Gesetz kei­ne Bestim­mung über die Ver­wen­dung des Pfle­ge­gel­des trifft und der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge hier­über auch kei­nen Nach­weis füh­ren muss. Er kann viel­mehr frei dar­über ent­schei­den, zu wel­chen Zwe­cken er das Pfle­ge­geld ein­setzt [14]. Kann der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge sei­nen Pfle­ge­be­darf kos­ten­güns­ti­ger decken oder nimmt er wie im vor­lie­gen­den Fall ihm zuste­hen­de Leis­tun­gen, die mit dem Pfle­ge­geld finan­ziert wer­den müss­ten, nicht in Anspruch, steht ihm der ver­blei­ben­de Rest des Pfle­ge­gelds mit Ablauf des Monats, für den es aus­ge­zahlt wur­de, zur frei­en Ver­fü­gung. Eine Rück­zah­lung nicht ver­brauch­ten Pfle­ge­gelds an die Pfle­ge­kas­se ist gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen. Spart er das nicht ver­brauch­te Pfle­ge­geld an, bil­det er damit Ver­mö­gen, das er nicht für sei­ne Pfle­ge ein­set­zen muss. Unter die­sen Umstän­den stellt es für den Betreu­ten auch kei­ne Här­te i.S.v. § 90 Abs. 3 SGB XII dar, wenn die­ses Ver­mö­gen zur Ver­gü­tung sei­nes Betreu­ers her­an­ge­zo­gen wird.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Land­ge­richts Köln stellt die Ver­wer­tung des ange­spar­ten Ver­mö­gens für die Betrof­fe­ne auch nicht des­halb eine Här­te i.S.v. § 90 Abs. 3 SGB XII dar, weil sie in naher Zukunft mög­li­cher­wei­se von ihrem Ver­mie­ter auf Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­men wird.
Bei der Ermitt­lung des ver­wert­ba­ren Ver­mö­gens kommt es, ent­spre­chend dem Zweck der sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Leis­tun­gen, einer tat­säch­li­chen Not­la­ge abzu­hel­fen bzw. einen tat­säch­li­chen Bedarf abzu­de­cken, auf die tat­säch­lich vor­han­de­nen und tat­säch­lich ver­wert­ba­ren Ver­mö­gens­wer­te an. Dabei ist grund­sätz­lich nicht zu berück­sich­ti­gen, ob den Ver­mö­gens­wer­ten Schul­den oder Ver­pflich­tun­gen des Hil­fe­be­dürf­ti­gen gegen­über­ste­hen [15]. Des­halb kön­nen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che, die mög­li­cher­wei­se zukünf­tig gegen einen Betreu­ten gel­tend gemacht wer­den kön­nen, bei der Ermitt­lung des für die Betreu­er­ver­gü­tung ein­zu­set­zen­den Ver­mö­gens nicht berück­sich­tigt wer­den.
Danach kann die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung kei­nen Bestand haben. Der Bun­des­ge­richts­hof kann in der Sache selbst ent­schei­den, weil die­se zur End­ent­schei­dung reif ist (§ 74 Abs. 6 Satz 1 FamFG). Da nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Köln das nach Abzug des Schon­be­trags ein­zu­set­zen­de Ver­mö­gen der Betrof­fe­nen allein aus ange­spar­tem Pfle­ge­geld besteht, ist auf die Beschwer­de der wei­te­ren Betei­lig­ten zu 1 der Beschluss des Amts­ge­richts abzu­än­dern, die von der wei­te­ren Betei­lig­ten zu 1 an die Lan­des­kas­se zu erstat­ten­de Ver­gü­tung auf 1.105, 66 € fest­zu­set­zen und deren Beschwer­de im Übri­gen zurück­zu­wei­sen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Janu­ar 2020 – XII ZB 500/​19
AG Köln, Beschluss vom 07.05.2019 – 57 XVII 15/​97[↩]
LG Köln, Beschluss vom 18.09.2019 – 1 T 200/​19[↩]
BGH, Beschluss vom 09.01.2013 – XII ZB 478/​11 FamRZ 2013, 440 Rn. 10 ff.[↩]
BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – XII ZB 582/​12 FamRZ 2013, 620 Rn. 18[↩]
BGH, Beschluss vom 09.06.2010 – XII ZB 120/​08 FamRZ 2010, 1643 Rn. 21 ff.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 09.06.2010 – XII ZB 120/​08 FamRZ 2010, 1643 Rn.19[↩]
vgl. BVerw­GE 137, 85 = NVwZRR 2010, 771 Rn.20 mwN[↩]
vgl. BVerw­GE 137, 85 = NVwZRR 2010, 771 Rn. 22 ff. zur Beschä­dig­ten­grund­ren­te nach dem Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz; BVerw­GE 185, 199 = NJW 1998, 397 zum Erzie­hungs­geld; BVerw­GE 45, 135 zur Grund­ren­ten­nach­zah­lung; BSG FEVS 59, 441 zum Blin­den­geld[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 26.11.2014 – XII ZB 542/​13 FamRZ 2015, 488 Rn. 13 mwN[↩]
Beck­OK SozR/​Diepenbruck [Stand: 1.03.2019] SGB XI § 37 Rn. 4[↩]
LG Heil­bronn FamRZ 2016, 402; SG Sta­de, Urteil vom 27.11.2014 – S 33 SO 65/​14 16[↩]
Udsching/​Schütze/​Wahl SGB XI Sozia­le Pfle­ge­ver­si­che­rung 5. Aufl. § 37 Rn. 3[↩]
BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – XII ZB 582/​12 FamRZ 2013, 620 Rn. 13 mwN[↩]
BerufsbetreuerBetreuervergütungBetreuungPflegegeldSchonvermögen

References: § 37
 § 90
 § 1
 § 1
 § 1908
 § 1836
 § 1836
 § 1836
 § 1836
 § 90
 § 90
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 § 1
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 § 13
 § 37
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 § 90
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