Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F02-12-2010-8C_486-2010
Timestamp: 2016-10-23 16:14:37+00:00

Document:
8C_486/2010 (02.12.2010)
8C_486/2010
Invalidenversicherung (Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit; Invalidenrente)
V.________ (Jg. 1950) war seit 1987 als Textilmitarbeiter in der Firma B.________ angestellt, welche die Produktion per 31. Juli 2004 stilllegte. Danach ging er keiner Arbeitst�tigkeit mehr nach. Am 13. Juni 2005 meldete er sich bei der Invalidenversicherung wegen R�cken- und Kopfschmerzen sowie Schlaflosigkeit zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen holte unter anderem den Bericht des behandelnden Dr. med. R.________, Psychiatrie/ Psychotherapie, vom 3. Juli 2006 sowie das polydis-ziplin�re, rheumatologische und psychiatrische (vom 4. April 2007) Konsilien beinhaltende Gutachten der Academy M.________, Spital N.________ vom 13. August 2007 (im Folgenden: Spital N.________) ein und stellte mit Vorbescheid vom 6. Februar 2008 die Ablehnung des Leistungsgesuchs in Aussicht. Nach Vernehmlassung des Versicherten, mit welcher eine Stellungnahme des Dr. med. R.________ vom 13. M�rz 2008 eingereicht wurde, zog sie eine zus�tzliche psychiatrische Expertise des Spitals N.________ (undatiert; bei der IV-Stelle am 5. Februar 2009 eingegangen; im Folgenden: vom 5. Februar 2009) bei und verneinte mit Verf�gung vom 27. Februar 2009 gest�tzt auf die Einkommensvergleichsmethode einen rentenbegr�ndenden Invalidit�tsgrad.
Hiegegen liess V.________ beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde einreichen und beantragen, es sei ihm mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abkl�rung an die IV-Stelle zur�ckzuweisen. Weiter liess er den Bericht des Dr. med. R.________ vom 27. M�rz 2009 sowie das von ihm bestellte psychiatrische Gutachten der Frau med. pract. E.________, Assistenz�rztin, vom 10. Juli 2009, das von Dr. med. S.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mitunterzeichnet wurde, auflegen. Das angerufene Gericht wies das Rechtsmittel ab (Entscheid vom 29. April 2010).
Mit Beschwerde l�sst V.________ beantragen, es sei ihm eine Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abkl�rung an die Verwaltung zur�ckzuweisen.
1.1 Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 ff. BGG) kann wegen Rechtsverletzung gem�ss Art. 95 f. BGG erhoben werden. Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann deren Sachverhaltsfeststellung nur berichtigen oder erg�nzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG in Verbindung mit Art. 105 Abs. 2 BGG). Das Bundesgericht pr�ft grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
1.2 Die Beachtung des Untersuchungsgrundsatzes und der Beweisw�rdigungsregeln nach Art. 61 lit. c ATSG ist eine Rechtsfrage (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 397 und E. 4 S. 399). Die konkrete wie auch die antizipierte Beweisw�rdigung betreffen Tatfragen, die das Bundes-gericht lediglich auf offensichtliche Unrichtigkeit und Rechtsfehlerhaftigkeit hin zu �berpr�fen befugt ist (Art. 105 Abs. 2 BGG). Unter diesem Blickwinkel h�lt ein Verzicht der Vorinstanz auf weitere Beweisvorkehren aufgrund antizipierter Beweisw�rdigung etwa dann nicht stand, wenn die Sachverhaltsfeststellung unaufl�sbare Widerspr�che enth�lt oder wenn eine entscheidwesentliche Tatsache auf unvollst�ndiger Beweisgrundlage - beispielsweise ohne Beizug des notwendigen Fachwissens unabh�ngiger Experten - beantwortet wird (Urteile 8C_391/2009 vom 21. Oktober 2009 E. 1 und 9C_410/2008 vom 8. September 2008 E. 3.3.1 mit Hinweisen).
Streitig und zu pr�fen ist, ob die Vorinstanz den Gesundheitsschaden und die daraus resultierende Arbeitsunf�higkeit als wesentliche Voraussetzungen f�r die Invalidit�tsbemessung zutreffend beurteilt hat.
2.1.1 Arbeitsunf�higkeit ist die durch eine Beeintr�chtigung der k�r-perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unf�higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 Satz 1 ATSG). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare T�tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich ber�cksichtigt (Art. 6 Satz 2 ATSG). Erwerbsunf�higkeit ist der durch Beeintr�chtigung der k�rperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsm�glichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). F�r die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunf�higkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeintr�chtigung zu ber�cksichtigen. Eine Erwerbsunf�higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht �berwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Invalidit�t ist die voraussichtlich bleibende oder l�ngere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf�higkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG; vgl. Art. 4 IVG).
2.1.2 Im �brigen hat das kantonale Gericht die Bestimmungen und Grunds�tze �ber die Voraussetzungen und den Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 IVG), die Bemessung des Invalidit�tsgrades bei erwerbst�tigen Versicherten nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 S. 349), die Aufgabe des Arztes oder der �rztin im Rahmen der Invalidit�tsbemessung (BGE 125 V 256 E. 4 S. 261) sowie den Beweiswert und die W�rdigung �rztlicher Berichte und Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
2.2.1 Nach den vorinstanzlichen Erw�gungen ist unbestritten gest�tzt auf die rheumatologische Beurteilung im Gutachten des Spital N.________ vom 13. August 2007 von einer um 20 % eingeschr�nkten Arbeitsf�higkeit in einer den k�rperlichen Beeintr�chtigungen angepassten T�tigkeit (wenig belastend f�r das Achsenskelett; Heben und Tragen von Lasten auf Lendenh�he maximal bis 10 kg, in Brusth�he maximal bis 5 kg; Hantieren mit Werkzeugen hinsichtlich der oberen Extremit�ten nur f�r leichte bis maximal mittelschwere Belastungen; Arbeiten �ber Kopfh�he nicht l�nger als maximal 15 Minuten) auszugehen. Gem�ss den psychiatrischen Expertisen des Spitals N.________ vom 4. April 2007 und 5. Februar 2009 bestehe anamnestisch eine zum Zeitpunkt der Untersuchungen remittierte mittelgradige depressive Episode ohne Beeintr�chtigung der Arbeitsf�higkeit. Die Ausk�nfte und Stellungnahmen des behandelnden Dr. med. R.________ vom 3. Juli 2006, 13. M�rz 2008 und 27. M�rz 2009 gr�ndeten auf einer subjektiv anderen Interpretation der erhobenen Befunde und enthielten keine durch die genannten medizinischen Sachverst�ndigen unerkannt gebliebene, objektiv feststellbare Gesichtspunkte, die eine abweichende Beurteilung rechtfertigten. Dasselbe gelte f�r das Privatgutachten der Frau med. pract. E.________ vom 10. Juli 2009, die vor allem die Auswertung der vom Spital N.________ durchgef�hrten psychometrischen Tests, die zu einem erheblichen Teil auf den Angaben und Selbsteinsch�tzungen des Versicherten beruhten, in Frage stelle. Entscheidend sei f�r die Belange einer psychiatrischen Beurteilung des Gesundheitszustandes die klinische Untersuchung, die hier deutliche Anzeichen einer Aggravation oder sogar Simulation ergeben habe.
2.2.2 Der Beschwerdef�hrer bringt zusammengefasst vor, die psychiatrischen Gutachten des Spitals N.________ seien in verschie-dener Hinsicht mit M�ngeln behaftet, weshalb das kantonale Gericht den medizinischen Sachverhalt nicht gest�tzt darauf h�tte feststellen d�rfen.
3.1.1 Das kantonale Gericht hat die medizinischen Akten vollst�ndig sowie korrekt dargelegt und, wie sich aus dem Folgenden ergibt, diese in nicht zu beanstandender Weise gew�rdigt.
3.1.2 Die psychiatrischen Sachverst�ndigen nahmen im Gutachten vom 13. August 2007 mangels laborchemisch nachweisbarer gen�gender Einnahme von Antidepressiva eine spontane Remission der zu diagnostizierenden depressiven Episode "via naturalis" an, wogegen sie im zweiten Gutachten vom 5. Februar 2009 das Nachlassen psychischer Beschwerden auf die regelm�ssige Einnahme von Analgetika zur�ckf�hrten. Dies stellt entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers keinen Widerspruch dar. Gem�ss Feststellungen der psychiatrischen Experten war der Explorand anl�sslich der zweiten im Vergleich zur ersten klinischen Untersuchung deutlich weniger explosiv. Sodann ist zwar einzur�umen, dass die im Spital N.________ im Januar 2009 durchgef�hrten psychometrischen Tests voneinander erheblich differierende Ergebnisse ergaben; der Versicherte erreichte auf der Montgomery-Asperg Depression Rating Scale (MADRS) lediglich 3 von maximal 60 Punkten ("10 bis 20 Punkte [entsprechen] eine[r] leichte[n] Depression"), wogegen er beim Beck Depres-sions Inventar (BDI) 30 von maximal 63 Punkten erzielte ("ab 26 Punkten [besteht eine] bedeutende Depression"). Solche Testungen beruhen jedoch, wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, weitgehend auf den Angaben und Selbsteinsch�tzungen der zu untersuchenden Person und dienen einzig der �berpr�fung des klinischen Befunds, der hier gem�ss �berzeugenden Feststellungen der Gutachter des Spitals N.________ eine deutliche Tendenz zu Aggravation oder gar Simulation ergab. Ob dieser Befund weiter zu �berpr�fen ist, wie im Gutachten des Spitals N.________ vom 5. Februar 2009 angeregt wurde, kann offen bleiben. Zum einen ist in Bezug auf die Stellungnahme des behandelnden Dr. med. R.________ vom 27. M�rz 2009 festzuhalten, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und der begutachtenden Fachperson deshalb praktisch ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinische Interpretationen m�glich, zul�ssig und zu respektieren sind, zu gew�hren ist, sofern dabei lege artis vorgegangen worden ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abkl�rungsauftrag (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; vgl. auch Urteil I 701/05 vom 5. Januar 2007 E. 2 in fine, mit Hinweisen) kann eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise nicht stets in Frage gestellt und zum Anlass weiterer Abkl�rungen genommen werden, wenn die behandelnden �rzte zu unterschiedlichen Einsch�tzungen gelangen oder an vorg�ngig ge�usserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verh�lt es sich, wenn diese objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu f�hren (Urteile 8C_694/2008 E. 5.1 und I 51/06 vom 19. September 2006 E. 3.1.2). Daran fehlt es vorliegend auch in Ber�cksichtigung der �usserungen der Frau med. pract. E.________ (Privatgutachten vom 10. Juli 2009). Sie vermochte explizit bei gleichgebliebenen Befunden die von ihrer Arbeitsf�higkeitseinsch�tzung erheblich abweichende Auffassung der psychiatrischen Sachverst�ndigen des Spitals N.________ nicht zu erkl�ren. Hinzu kommt, dass die von ihr diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzst�rung vor allem auf psychosozialen Belastungsfaktoren beruhte, die bei der Beurteilung des rechtlich massgeblichen Begriffs des Gesundheitsschadens keine Bedeutung haben (vgl. Urteil I 738/05 vom 1. M�rz 2007 E. 5.2, publ. in: SVR 2007 IV Nr. 33 S. 117). Selbst wenn der Auffassung der Frau Dr. med. E.________ gefolgt w�rde, dass die depressive Episode als selbst�ndiges, von der anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung losgel�stes Leiden angesehen werden m�sste, w�re daher weder die praxisgem�ss erforderliche Erheblichkeit der Schwere, Auspr�gung und Dauer der Komorbidit�t (BGE 130 V 352 E. 2.2.3 S. 354) dargetan, noch erg�be sich die invalidisierende Wirkung aus den weiteren diesbez�glich relevanten Kriterien (BGE 130 V 352 E. 2.2.3 S. 354 f.). Insgesamt ist in Best�tigung des angefochtenen Entscheids festzuhalten, dass kein Raum f�r die Annahme einer mit psychischen Leiden begr�ndeten Arbeitsunf�higkeit bleibt. Von den beantragten Weiterungen ist abzusehen.
Der vom kantonalen Gericht korrekt durchgef�hrte, letztinstanzlich nicht beanstandete Einkommensvergleich hat einen unter 40 % liegenden Invalidit�tsgrad ergeben, weshalb kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung besteht.

References: Art. 95
 Art. 95
 Art. 105
 Art. 61
 Art. 4
 Art. 28
 BGE 
in fine