Source: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/inspektorat/Arbeitsstaetten_Arbeitsplaetze/Ergonomie/Belastung_und_Beanspruchung
Timestamp: 2020-01-20 23:32:22+00:00

Document:
Der Begriff Ergonomie
Erfolgsfaktor Ergonomie im Betrieb
Wichtige Rechtsgrundlagen zur Ergonomie im Überblick
Handhaben von Lasten
Ergonomie setzt sich aus zwei griechischen Worten zusammen:
ergon ... das Werk, die Arbeit
nomos ... das Gesetz, die Lehre
Ergonomie ist also die Lehre von der Arbeit.
Das technische Komitee Ergonomie der ISO definiert Ergonomie etwas umfassender:
"Die Ergonomie erarbeitet und verarbeitet humanwissenschaftliches Wissen mit dem Ziel, eine Anpassung von Arbeit, Arbeitssystem und Umgebung an die physischen und psychischen Fähigkeiten der Menschen herbeizuführen und damit Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden sicherzustellen, indem gleichzeitig die Leistungsfähigkeit erhöht und das Arbeitsergebnis verbessert wird."
In der betrieblichen Praxis hat die Ergonomie daher zwei Zielrichtungen:
Humanität: Gestaltung beeinträchtigungsfreier und gesundheitlich unbedenklicher Arbeitsbedinungen
Produktivität: Erhöhung von Qualität und Rentabilität
Das im Vordergrund stehende Anliegen ist die Anpassung der Arbeit an den Menschen durch Gestaltung des Arbeitssystems bestehend aus:
Nicht außer Acht gelassen darf dabei der durch den technischen Fortschritt sich ergebende Anpassungsbedarf des Menschen:
Berücksichtigung der erforderlichen Eignung
Übung, Gewöhnung
Die Gestaltung der Arbeit soll folgende Forderungen erfüllen:
Arbeit muss ausführbar und erträglich sein und
Arbeit soll zumutbar und zufriedenstellend sein.
Erträglichkeit im Sinne von Schädigungslosigkeit
Ist die Ausübung der Arbeit bei täglicher Wiederholung über das gesamte Arbeitsleben ohne Gesundheitsschädigung möglich? - Eine Fragestellung, die mit Methoden der Ergonomie und Arbeitsmedizin zu beantworten ist.
Zumutbarkeit im Sinne von Beeinträchtigungsfreiheit
Werden die vorhandenen Erschwernisse und Beeinträchtigungen von den Betroffenen als zumutbar empfunden, entstehen dabei gar Beeinträchtigungen? - Eine Fragestellung, die mit Methoden der Sozialwissenschaften zu beantworten ist.
Zufriedenheit im Sinne von Persönlichkeitsförderlichkeit
Sind die Betroffenen mit der Arbeit zufrieden? Ist die Arbeit persönlichkeitsfördernd, trägt sie zur Persönlichkeitsentwicklung bei? - Eine Fragestellung, die mit Methoden der Psychologie und der Sozialwissenschaften zu beantworten ist.
Gute ergonomische Lösungen im Betrieb haben neben dem unmittelbaren Nutzen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch einen Nutzen für das Unternehmen:
Es nehmen ab:
Trainings- und Ausbildungsaufwand
Es nehmen zu:
Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Qualität der Erzeugnisse und Leistungen
Marktchancen und Image des Unternehmens
Ermittlung und Beurteilung der Gefahren, Festlegung von Maßnahmen (Arbeitsplatzevaluierung), § 4 ASchG
Berücksichtigung der Konstitution und Körperkräfte, Alter und Qualifikation bei der Auswahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, § 6 Abs. 1 ASchG
Grundsätze der Gefahrenverhütung - "Faktor Mensch", Gestaltung von Arbeitsplätzen, Arbeitsvorgängen, Arbeitsaufgaben, Arbeitsumgebung, Arbeitsabläufen, Arbeitsorganisiation, § 7 Z 4 und 4a ASchG
Unterweisung, § 14 ASchG
Gestaltung von Arbeitsräumen, zB Raumhöhe, Bodenfläche, Raumklima, Arbeitsstättenverordnung 3. Abschnitt
Eignung der Arbeitsmittel, § 33 Abs. 3 Z 1 ASchG
Gestaltung von Arbeitsvorgängen und Arbeitsplätzen, § 60 ASchG, § 61 ASchG
Handhabung von Lasten, § 64 ASchG
Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz, § 66 Abs. 2 ASchG
Bildschirmarbeitsplätze, § 67 ASchG, § 68 ASchG, Bildschirmarbeitsverordnung
Jede Tätigkeit ist mit verschiedenen von außen auf den Menschen einwirkenden Belastungen verbunden:
Belastungen werden (individuell unterschiedlich) als Beanspruchung wahrgenommen. Diese Wahrnehmung kann positiv sein, kann aber auch zu negativen Folgen führen. Entscheidend sind dabei die eigene Leistungsvoraussetzung sowie Umfang und Dauer der Einwirkung.
Eine beanspruchungsoptimierte Gestaltung der Arbeit kann dazu beitragen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Tätigkeit als anregend erleben, in der sie ihre Fähigkeiten optimal einsetzen können, durch die Technik dabei untertstützt werden und schlussendlich die Arbeit Freude bereitet.
"Es geht nicht darum, Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter zu finden, die extreme Anforderungen erfüllen, sondern eine Aufgabe so zu gestalten, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese erfüllen können!"
Kein Mensch gleicht dem anderen. Alter, Geschlecht, Veranlagung, körperliches Wachstum und viele Eigenschaften mehr sind verschieden. Zu den wichtigsten Eigenschaften zählen:
Variabilität physischer und psychischer Eigenschaften
Einfluss des Lebensalters
Die physischen und psychischen Eigenschaften des Menschen, wie Körpergröße, Körperkraft oder bspw. auch die Reaktionsschnelligkeit, unterliegen einer statistischen Verteilung. Standard in der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung ist, dass Arbeitsplätze so eingerichtet werden, dass sie für 90 % der zu erwartenden Beschäftigten geeignet sind (Bereich zwischen dem 5. und dem 95. Perzentil). Bekanntestes Beispiel dafür ist die Verstellmöglichkeit von Tischen und Arbeitsstühlen. Für besonders kleine oder besonders große Menschen sind daher aber immer individuelle Sonderlösungen notwendig.
Altersabhängigkeit der Leistungsvoraussetzungen
Die Arbeit sollte dem Prozess des Alterns entsprechend gestaltet werden. Der Prozess des Alterns setzt bereits in der Jugend an, deshalb soll eine "alternsgerechte Arbeitsgestaltung" schon bei jungen Arbeitnehmerinnen Arbeitnehmern beginnen.
Weitere Informationen siehe "Alternsgerechte Arbeitsgestaltung"
Tagesgang der Leistungsbereitschaft
Physiologische Funktionen sind tageszeitabhängig. Gleiche Arbeiten werden daher zu verschiedenen Tageszeiten als unterschiedlich beanspruchend empfunden. Dies ist insbesondere bei der Schichtarbeit zu berücksichtigen. Die meist für Tagesschichten konzipierte Gestaltung des Arbeitsplatzes erweist sich oftmals als ungenügend für die Nacht.
Der traditionelle Begriff der körperlichen Belastung reicht für die heutigen Belastungssituationen nicht mehr aus. Folgende Schwerpunkte bestehen aus heutiger Sicht:
häufig wiederkehrender Einsatz kleiner Muskelgruppen
Bewegung unter ungünstigen räumlichen Bedingungen
überhöhter Kraftaufwand
Körperliche Beanspruchungen betreffen hauptsächlich:
Skelettbeanspruchung
Kreislaufbeanspruchung
Diese Beanspruchungen treten immer gemeinsam auf und führen zum Teil zu Verschleißerscheinungen am Bewegungs- und Stützapparat, im übrigen zur Ermüdung.
Diese wird in der Regel über den erhöhten Energeieaufwand bei der Tätigkeit definiert. Neben der körperlichen Konstitution und Verfassung sind auch Klimaparameter (Lufttemperatur, Luftfeuchte) dabei von Bedeutung.
Lastenhandhabung findet sich in den Betrieben oftmals dort, wo bestimmte Arbeitsvorgänge selten erfolgen oder maschinell nicht wirtschaftlich durchgeführt werden können. Die Handhabung erfolgt am häufigsten durch Ziehen, Schieben, Heben, Tragen, Absetzen oder Halten.
Bei der Handhabung von Lasten werden das Muskell-Skelettsystem, das Herz-Kreislaufsystem und bei Frauen die Muskulatur des Beckenbodens besonders beansprucht.
Im Rahmen der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren ist die manuelle Lasthandhabung entsprechend zu berücksichtigen, um Unfälle und Schädigungen durch Überbelastung zu vermeiden.
Ebenfalls zu berücksichtigen ist die körperliche Eignung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
(siehe dazu § 6 ASchG sowie Bestimmungen über Jugendliche und werdende Mütter).
Ist die Vermeidung manueller Lasthandhabung nicht möglich, z.B. durch Automatisierung, so muss die Belastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Zurverfügungstellen von Lasthandhabungsmitteln (Fördermittel, Traghaken, Gurte, ...) oder durch organisatorische Maßnahmen auf ein gesundheitsgerechtes Ausmaß verringert werden.
Weitere Informationen siehe "Manuelle Lasthandhabung".
Das früher eher durch schwere körperliche Arbeit und die schädigende Einwirkung von Arbeitsumweltfaktoren gekennzeichnete Belastungsspektrum in der Arbeitswelt hat sich durch Technologieeinsatz und neuer Arbeitsformen zu psychomentalen und psychosozialen Belastungen hin verschoben. So können nicht nur ungünstige Arbeitsplatzgestaltungen und unergonomische Arbeitsabläufe, sondern auch rasche Innovation, Zeitdruck, Konflikte und soziale Isolation am Arbeitsplatz zu Gesundheitsgefahren werden.
"Gefahren durch psychische Belastung bei der Arbeit, also arbeitsbedingte psychische Belastungen, die zu Fehlbeanspruchungen führen können entstehen, wenn die Arbeitsanforderungen und die verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten nicht zusammenpassen.
Dieses Ungleichgewicht führt bei längerer Dauer zu kurz- und langfristigen Fehlbeanspruchungen."
Weitere Informationen siehe "Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen".

References: § 4
 § 6
 § 7
 § 14
 § 33
 § 60
 § 61
 § 64
 § 66
 § 67
 § 68
 § 6