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Timestamp: 2019-05-25 20:06:28+00:00

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BVerwG, 2 B 41.06: Programm, Beihilfe, Fürsorgepflicht, Krankheit
Urteil des BVerwG vom 31.08.2006, 2 B 41.06
2 B 41.06
Programm, Beihilfe, Fürsorgepflicht, Krankheit
Programm, Beihilfe, Fürsorgepflicht, Krankheit, Bestandteil, Konkretisierung
BVerwG 2 B 41.06 OVG 1 A 3633/04
hat der 2. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 31. August 2006 durch die Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dawin, Groepper und Dr. Bayer
Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 24. Mai 2006 wird zurückgewiesen.
Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 4 480,70 € festgesetzt.
2Der Kläger, der eine konkrete Rechtsfrage nicht formuliert, hält offenbar sinngemäß für klärungsbedürftig, ob es mit dem „Programmcharakter“ der Beihilfevorschriften vereinbar ist, dass Nr. 4 der Anlage 2 zu § 6 Abs. 1 der Beihilfevorschriften in der hier anwendbaren Fassung vom 1. Juli 1997 (GMBl S. 429)
- BhV - die Beihilfeleistungen für bestimmte implantologische Leistungen des
Zahnarztes selbst dann begrenzt, wenn darüber hinausgehende Leistungen
medizinisch indiziert sind.
3Diese Frage ist hinreichend geklärt. In der von der Beschwerde herangezogenen Entscheidung vom 30. Oktober 2003 - BVerwG 2 C 26.02 - (BVerwGE 119,
168) hat der Senat dargelegt, dass die für die Ausgestaltung der Beihilfe erlassenen Vorschriften der Konkretisierung der Fürsorgepflicht dienen. Art, Ausmaß
und Begrenzung der Hilfe, die der Dienstherr dem Beamten gewährt, müssen
sich aus dem Gesamtzusammenhang der Beihilfevorschriften selbst als „Pro-
gramm“ ergeben. Ergänzende Verwaltungsvorschriften müssen sich im Rahmen des normativen Programms halten, können dieses also norminterpretierend konkretisieren und Zweifelsfälle im Interesse einer einfachen und gleichartigen Handhabung klären und auch die Ausübung eines etwa vorhandenen Ermessens- oder Beurteilungsspielraums lenken. Sie dürfen dagegen nicht Leistungsausschlüsse oder Leistungsbegrenzungen festsetzen, die sich nicht bereits zumindest dem Grunde nach aus dem „Programm“ der Beihilfevorschriften
4Die Begrenzung der Beihilfe für Aufwendungen des Beamten zu implantologischen zahnärztlichen Leistungen ergibt sich hier unmittelbar aus den Beihilfevorschriften selbst, nämlich aus Nr. 4 der Anlage 2 zu § 6 BhV, die somit ein
integraler Bestandteil der ungeachtet ihres Charakters als Verwaltungsvorschrift
normativ zu interpretierenden Beihilfevorschriften ist. Sie ist selbst Teil des
„Programms“ und steht damit nicht im Widerspruch zu der generellen Regelung
des § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 BhV, derzufolge Aufwendungen aus Anlass einer
Krankheit (und damit auch zahnärztliche Leistungen) grundsätzlich beihilfefähig
sind. Denn nach Satz 2 der Vorschrift bestimmen sich Voraussetzungen und
Umfang der Beihilfefähigkeit für Aufwendungen für zahnärztliche und kiefernorthopädische Leistungen nach der Anlage 2 zu § 6 BhV. Diese wiederum zählt
- vom Obersatz der Verweisungsnorm gedeckt - spezielle Maßgaben für
implantologische Leistungen auf, die sich auf bestimmte Indikationen beziehen
und u.a. eine zahlenmäßige Begrenzung auf höchstens vier Implantate pro Kiefer enthalten.
5Das Berufungsgericht hat sich eingehend mit der Frage beschäftigt, ob diese
Begrenzung auch dann durchgreift, wenn eine höhere Anzahl von Implantaten
- wie hier im Falle des Klägers - medizinisch indiziert ist. Es hat hierzu ausgeführt, dass eine derartige Begrenzung dem in der Gesamtheit der anwendbaren
Beihilfevorschriften niedergelegten „Programm“ auch dann nicht von vornherein
widerspricht, wenn die ausdrücklich bestimmten Leistungsausschlüsse auch
medizinisch erforderliche Behandlungen betreffen, solange derartige Ausschlüsse nicht insgesamt gesehen einen solchen Umfang und ein solches Gewicht erreichen, dass auch bei typisierender Betrachtung die Beihilfegewährung
den Vorgaben des höherrangigen Rechts, insbesondere der Fürsorgepflicht des
Dienstherrn, nicht mehr gerecht würde. Das Beschwerdevorbringen zeigt keinen in dieser Richtung bestehenden weitergehenden Klärungsbedarf auf.
6Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf § 52 Abs. 3 GKG.
Prof. Dawin Groepper Dr. Bayer

References: § 6
 § 6
 § 6
 § 6
 § 154
 § 52