Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-lag-koeln-4sa1067-16-27.10.2017-beweislast-arbeitgeber-u.html
Timestamp: 2019-07-15 18:14:24+00:00

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Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 4 Sa 1067/16
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 09.11.2016– 2 Ca 1685/16 – wird zurück­ge­wie­sen.
2 Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz über die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung, ein Zwi­schen­zeug­nis und An­nah­me­ver­zugs­vergütung.
3 Die Be­klag­te, die re­gelmäßig mehr als zehn Ar­beit­neh­mer beschäftigt, be­treibt in Köln ei­nen recht­lich selbständi­gen S -E -Markt im Ver­bund der M -S Deutsch­land GmbH. Ein Be­triebs­rat ist ge­bil­det.
4 Der am 02.12.1983 ge­bo­re­ne und ver­hei­ra­te­te Kläger ist seit dem 01.11.2011 bei der Be­klag­ten als Ver­kaufs­lei­te­ras­sis­tent in der Mo­bil­funk­ab­tei­lung (GSM) beschäftigt. Zu­letzt er­ziel­te er ei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung in Höhe von € 2.630,00.
5 Über die GSM-Ab­tei­lung der Be­klag­ten wer­den Mo­bil­funk­verträge zwi­schen End­kun­den und An­bie­tern, un­ter an­de­rem der Fir­ma T , ver­mit­telt. Da­bei sind als Ver­mitt­ler so­wohl ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten als auch so ge­nann­te Pro­mo­to­ren tätig. Bei letz­te­ren han­delt es sich um pro­fes­sio­nel­le Wer­be­kräfte, die über Agen­tu­ren zum Be­wer­ben von T - Ta­ri­fen von T be­auf­tragt wer­den.
6 Die Fir­ma T stell­te anläss­lich Stich­pro­ben fest, dass im Un­ter­neh­mens­ver­bund der M -S Deutsch­land GmbH Mo­bil­funk­verträge mit ei­nem Ra­batt­code (=Rah­men­ver­trags­num­mer) ab­ge­schlos­sen wor­den wa­ren, der für die Märk­te des Ver­bun­des nicht frei­ge­ge­ben war. Un­ter Nut­zung des Codes konn­ten Mo­bil­funk­verträge zu ei­nem Nor­mal­preis von € 39,99 mo­nat­lich um € 30,00 auf € 9,99 re­du­ziert wer­den. Kom­bi­niert mit ei­nem wei­te­ren – in den Märk­ten des Ver­bun­des frei­ge­ge­be­nen – Ra­batt­code konn­te ein End­preis von € 4,99 mo­nat­lich er­zielt wer­den. Das Com­pu­ter­sys­tem, über das die Verträge vor Ort ab­ge­schlos­sen wur­den, be­an­stan­de­te die Ein­ga­be des nicht frei­ge­ge­be­nen Ra­batt­codes nicht.
7 Auch im Markt der Be­klag­ten kam es zum Ab­schluss ent­spre­chen­der Verträge. Der Kläger schloss bei dem Pro­mo­tor A am 30.12.2015 ei­nen Ver­trag nach der zu­vor be­schrie­be­nen Ra­bat­tie­rung zu ei­nem Preis von € 4,99 mo­nat­lich für sei­ne Ehe­frau ab. Die Über­las­sung ei­nes Mo­bil­te­le­fons war da­bei nicht ent­hal­ten.
8 Am 03.02.2016 führ­te die Geschäftsführe­rin der Be­klag­ten ein Gespräch mit dem Kläger, in dem die­ser den Ver­trags­ab­schluss bestätig­te und erklärte, dass der Pro­mo­ter A ihm den Ta­rif als Son­der­an­ge­bot mit be­grenz­ter Stück­zahl an­ge­bo­ten ha­be.
9 Mit Schrei­ben vom 10.02.2016 lei­te­te die Be­klag­te dem bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat ein Anhörungs­schrei­ben zur be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung des Klägers zu. In die­sem heißt es wie folgt:
10 „Herr E hat beim Pro­mo­ter M A im Na­men sei­ner Frau ei­nen O -Ver­trag (Check24 All In L) am 30.12.2015 ab­ge­schlos­sen.
11 Die­ser Ver­trag ba­siert auf ei­ner Rah­men­ver­trags­num­mer mit ei­nem Ra­batt­code von Check24 für aus­sch­ließlich Check24-Mit­ar­bei­ter, der für S nicht frei­ge­ge­ben ist und ra­bat­tiert den mo­nat­li­chen Grund­preis zum ei­nen um € 30,00. Sei­tens O wur­de die­se Vergüns­ti­gung für un­se­re Un­ter­neh­mens­grup­pe nicht gewährt (…) Es ist auch aus­ge­schlos­sen, dass ei­ne Führungs­kraft in der GSM-Ab­tei­lung die­ses nicht ge­wusst hat. (…).
12 Das gan­ze wur­de da­durch ver­schlei­ert, dass ei­ne Ver­trags­ko­pie – nicht wie sonst bei GSM-Verträgen vor­ge­schrie­ben – im Markt auf­be­wahrt wur­de. Die Ver­trags­ko­pie ha­ben wir erst auf Nach­fra­ge durch Herrn E er­hal­ten. (…)
13 Am 28.01.2016 er­hielt Herr E vom zuständi­gen Außen­dienst­ler Herrn D und dem Ke­yac­count Herrn Z die In­fo über Be­trugs­vorfälle (...) im Rah­men der nicht zulässi­gen Check24-Rah­men­ver­trags­num­mer. Herr E hat dar­auf­hin nichts un­ter­nom­men und schlicht die Geschäftsführung über den Be­trugs­fall und sei­ne Be­tei­li­gung nicht in­for­miert. Am 02.02.2016 ist der Außen­dienst er­neut im Haus ge­we­sen und zeig­te dem Ver­kaufs­lei­ter Herrn N kurz ei­ne Lis­te mit den Na­men der ab­ge­schlos­se­nen Verträge – im Bei­sein von Herrn E . Herr N stell­te da­bei fest, dass auch der Fa­mi­li­en­na­me E dar­auf steht und be­fragt Herrn E . Die­ser (...) teilt mit, er wis­se da­von nichts, er müsse sei­nen Bru­der fra­gen. (...)
14 Im Rah­men sei­ner Tätig­keit als Führungs­kraft ist Herr E sei­ner Sorg­falts­pflicht der ob­jek­ti­ven Prüfung der Rich­tig­keit des An­ge­bo­tes nicht nach­ge­kom­men. Er hat ei­nem Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen (durch Ver­trags­schluss durch ihn) ei­nen Vor­teil gewähren las­sen in Form ei­nes 30,00 €-Ra­bat­tes (den er noch mit ei­nem an sich le­ga­len 5,00 €-Ra­batt kom­bi­nier­te) und da­mit ei­nen Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen be­rei­chert. Dies ob­wohl er wuss­te (er kennt ja die er­laub­ten Ak­tio­nen), dass es ei­ne sol­che Ak­ti­on für S -Mit­ar­bei­ter nicht gibt. Darüber hin­aus hat er we­der nach In­for­ma­ti­ons­er­halt am 28.01.2016 so­wie am 02.02.2016 ei­ne Mel­dung bei der Geschäftsführe­rin vor­ge­nom­men und da­mit die Sa­che be­wusst ver­schlei­ert. Darüber hin­aus hat er ge­lo­gen, als er mit­teil­te, mit dem Ver­trag nichts zu tun zu ha­ben. (…)
15 Herr E hat zu dem Sach­ver­halt bei sei­ner Be­fra­gung geäußert, sei­tens des Pro­mo­ters sei ihm mit­ge­teilt wor­den, dass dies ein Son­der­an­ge­bot mit be­grenz­ter Stück­zahl für ihn sei. Dies ändert je­doch nichts an der Tat­sa­che, dass Herrn E klar sein muss­te, dass es die­ses An­ge­bot für S -Mit­ar­bei­ter nicht gibt (da er als GSM-Mit­ar­bei­ter al­le Vergüns­ti­gun­gen kennt) und schon gar nicht er­scheint es plau­si­bel, wie er ein Check24-Ver­trag un­ter­zeich­nen konn­te, oh­ne zu mer­ken, dass die­ser nicht für ihn be­stimmt war. Im Übri­gen ent­las­tet ihn das nicht da­von, den Be­trug ver­schlei­ert zu ha­ben und später ge­lo­gen zu ha­ben. (…)“
16 We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Anhörungs­schrei­bens wird auf Blatt 57 bis 59 der Ak­te Be­zug ge­nom­men. Der Be­triebs­rat wi­der­sprach der be­ab­sich­tig­ten hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung mit Schrei­ben vom 17.02.2016 (Blatt 62 der Ak­te).
17 Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 16.02.216 frist­los, mit Schrei­ben vom 25.02.2016 hilfs­wei­se or­dent­lich zum 31.03.2016.
18 Mit sei­ner am 08.03.2016 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger sich ge­gen die Kündi­gun­gen ge­wandt und die Er­tei­lung ei­nes Zwi­schen­zeug­nis­ses, Wei­ter­beschäfti­gung so­wie An­nah­me­ver­zugs­lohn be­gehrt.
19 Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, dass ihm nicht be­kannt ge­we­sen sei, dass er den Ver­trag nicht ha­be ab­sch­ließen dürfen. Der Pro­mo­tor A ha­be ihm ei­nen Ta­rif oh­ne End­gerät und Gut­schein an­ge­bo­ten, den er – A – we­gen ei­nes ver­ein­bar­ten Pro­vi­si­ons­ver­zichts nur zwei­mal im Mo­nat ab­sch­ließen könne. Die­ses An­ge­bot ha­be er an­ge­nom­men und Herr A n ha­be ihm nach Ein­ga­be der Da­ten ins Sys­tem ei­nes der drei aus­ge­druck­ten Ver­trags­ex­em­pla­re aus­gehändigt.
20 Der Kläger hat be­an­tragt,
21 1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die frist­lo­se Kündi­gung vom 16.02.2016 be­en­det wor­den ist, son­dern über den 16.02.2016 hin­aus zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­be­steht;
22 2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die hilfs­wei­se frist­ge­rech­te Kündi­gung vom 25.02.2016 auf­gelöst wor­den ist, son­dern über den 31.03.2016 hin­aus zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­be­steht;
23 3. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände auf­gelöst wor­den ist;
24 4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm ein Zwi­schen­zeug­nis zu er­tei­len, das sich auf Führung und Leis­tung er­streckt;
25 5. hilfs­wei­se für den Fall, dass den Fest­stel­lungs­anträgen zu Zif­fer 1. - 4. nicht statt­ge­ge­ben wird, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm ein endgülti­ges Zeug­nis zu er­tei­len, das sich auf Führung und Leis­tung er­streckt;
26 6. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn für den Fall des Ob­sie­gens mit ei­ner der Fest­stel­lungs­anträge zu Zif­fer 1. - 3. zu eben dem Ar­beits­ver­trag vom 23.10.2013 ge­re­gel­ten Be­din­gun­gen als Ab­tei­lungs­lei­te­ras­sis­tent in der G -Ab­tei­lung bis zu ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag wei­ter zu beschäfti­gen;
27 7. hilfs­wei­se für den Fall des Ob­sie­gens mit den Kündi­gungs­schutz­anträgen,
28 a. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 1.250,70 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.03.2016 zu zah­len;
29 b. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 2.842,51 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.04.2016 zu zah­len;
30 c. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 2.842,51 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.05.2016 zu zah­len;
31 d. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 2.842,51 brut­to abzüglich er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des in Höhe von € 706,44 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.06.2016 zu zah­len;
32 e. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 2.842,51 brut­to abzüglich er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des in Höhe von € 1.009,20 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.07.2016 zu zah­len;
f. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 2.842,51 brut­to abzüglich er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des in Höhe von € 1.009,20 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.08.2016 zu zah­len;
34 g. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 2.842,51 brut­to abzüglich er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des in Höhe von € 1.009,20 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.09.2016 zu zah­len.
35 Die Be­klag­te hat be­an­tragt,
36 die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
37 Die Be­klag­te hat be­strit­ten, dass der Pro­mo­ter A dem Kläger den Ver­trag als ein Son­der­an­ge­bot mit be­grenz­ter Stück­zahl an­ge­bo­ten ha­be. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass der Kläger durch die Ver­wen­dung des nicht au­to­ri­sier­ten Ra­batt­codes un­ter Aus­nut­zung ei­ner Si­cher­heitslücke im Com­pu­ter­sys­tem sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten in schwer­wie­gen­der Wei­se ver­letzt ha­be. Hier­durch sei bei ih­rem Geschäfts­part­ner T ein po­ten­ti­el­ler Scha­den ent­stan­den. Als ver­ant­wort­li­cher Mit­ar­bei­ter der GSM-Ab­tei­lung ha­be der Kläger ge­wusst, dass er nur auf au­to­ri­sier­te und be­kannt ge­ge­be­ne Ra­batt­codes zu­grei­fen dürfe. Dass es sich bei dem an­geb­li­chen An­ge­bot des Herrn A nicht um ei­nen frei­ge­ge­be­nen Ra­batt­code ge­han­delt ha­be, ha­be der Kläger schon des­halb er­ken­nen müssen, weil ei­ne ent­spre­chen­de Frei­ga­be nicht er­folgt sei, weil der Preis des ab­ge­schlos­se­nen Ta­rifs ex­trem nied­rig sei und weil der Ta­rif auf den On­line Kon­kur­ren­ten Check24 lau­te­te. Er­schwe­rend kom­me hin­zu – so hat die Be­klag­te wei­ter ge­meint – dass der Kläger sei­ne Be­tei­li­gung ab­ge­strit­ten und die ihm als Ab­tei­lungs­ver­ant­wort­li­chem zu­ge­tra­ge­nen In­for­ma­tio­nen über die Be­trugs­vorwürfe nicht wei­ter­ge­lei­tet ha­be.
38 Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 09.11.2016 un­ter Ab­wei­sung des Wei­ter­beschäfti­gungs­an­tra­ges den Kündi­gungs­schutz­anträgen statt­ge­ge­ben, die Be­klag­te zur Er­tei­lung ei­nes Zwi­schen­zeug­nis­ses ver­ur­teilt und den Zah­lungs­anträgen im We­sent­li­chen – in Höhe ei­nes Brut­to­be­tra­ges in Höhe von € 2.630,00 – ent­spro­chen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, dass die Be­klag­te vor­ran­gig ei­ne Ab­mah­nung ha­be aus­spre­chen müssen. Es sei be­reits zwei­fel­haft, ob der Kläger, der dem Pro­mo­ter wie ein Kun­de ge­genüber ge­stan­den ha­be, über­haupt ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Pflicht ver­letzt ha­be. Je­den­falls ha­be es sich nicht um ei­ne so schwe­re Pflicht­ver­let­zung ge­han­delt, dass ei­ne Hin­nah­me des Ver­hal­tens durch den Ar­beit­ge­ber of­fen­sicht­lich aus­ge­schlos­sen sei. Der Kläger ha­be schon nicht er­ken­nen können, dass durch die Nut­zung des nicht au­to­ri­sier­ten Codes Nach­tei­le oder gar ein Scha­den ent­ste­hen könne, den die Be­klag­te im Übri­gen auch nicht kon­kret auf­ge­zeigt ha­be. Zu ei­ner mögli­chen ar­beits­ver­trag­li­chen Pflicht­ver­let­zung durch das Nicht Wei­ter­lei­ten der In­for­ma­tio­nen über die „Be­trugsfälle“ ha­be es an kon­kre­tem Sach­vor­trag ge­fehlt.
39 Ge­gen das ihr am 26.11.2016 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 23.12.2016 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 24.02.2017 am 24.02.2017 be­gründet.
40 Die Be­klag­te rügt ei­ne feh­ler­haf­te Rechts­an­wen­dung des § 626 Abs. 1 BGB. An­ders als das Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men ha­be, lie­ge ein wich­ti­ger Grund für die frist­lo­se Kündi­gung vor. Der Kläger ha­be dem Pro­mo­ter A ge­ra­de nicht wie ein Kun­de ge­genüber ge­stan­den, son­dern ha­be mit die­sem statt­des­sen kol­lu­siv zu­sam­men­ge­wirkt. Als Lei­ter der GSM-Ab­tei­lung sei dem Kläger klar ge­we­sen, dass ein „Check24-Ver­trag“ mit ei­ner nicht frei­ge­ge­be­nen Ver­trags­num­mer im Markt der Be­klag­ten nicht ver­mit­telt wer­de und da­her nicht ha­be ab­ge­schlos­sen wer­den dürfen. Dass dem Kläger das Un­wert sei­nes Tuns be­kannt ge­we­sen sei, zei­ge auch die Tat­sa­che, dass der Ver­trag für die Ehe­frau des Klägers nicht in der Wa­ren­wirt­schaft an­ge­legt wor­den sei. Ein wei­te­rer Be­leg lie­ge dar­in, dass der Kläger an der Sach­ver­halts­aufklärung nicht mit­ge­wirkt und zunächst auf Nach­fra­ge nur mit­ge­teilt ha­be, ein „Ver­trag E “ sei ihm nicht be­kannt. Dies zei­ge, dass – ent­ge­gen der An­nah­me des Ar­beits­ge­richts – ei­ne Ver­hal­tensände­rung des Klägers in Zu­kunft selbst nach ei­ner Ab­mah­nung nicht zu er­war­ten ge­we­sen wäre.
41 Die Be­klag­te be­an­tragt,
42 das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 09.11.2016– 2 Ca 1685/16 – zu ändern und die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen.
43 Der Kläger be­an­tragt,
45 Der Kläger ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­trags. Er trägt wei­ter vor, dass die Be­klag­te in Par­al­lel­ver­fah­ren ein­geräumt ha­be, dass die den Mit­ar­bei­tern auf so ge­nann­ten „Spick­zet­teln“ mit­ge­teil­ten Codes nicht ab­sch­ließend ge­we­sen sei­en und dass der Ver­trag nicht in das Wa­ren­wirt­schafts­sys­tem ha­be ein­ge­tra­gen wer­den müssen, weil kei­ne Hard­ware zu­ge­ge­ben wor­den sei. Oh­ne­hin sei er, der Kläger, nicht an der Ein­ga­be des Ver­tra­ges und der Ver­trags­da­ten be­tei­ligt ge­we­sen.
46 We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die wech­sel­sei­tig aus­ge­tausch­ten Schriftsätze der Par­tei­en, die Pro­to­kol­le der münd­li­chen Ver­hand­lun­gen so­wie das erst­in­stanz­li­che Ur­teil Be­zug ge­nom­men.
47 E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e
48 Die Be­ru­fung ist zulässig, aber un­be­gründet.
49 A. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1 Satz 1 und 2, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG in Ver­bin­dung mit §§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO.
50 B. Die Be­ru­fung ist in der Sa­che je­doch er­folg­los. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht den Kündi­gungs­schutz­anträgen statt­ge­ge­ben und die Be­klag­te zur Er­tei­lung ei­nes Zwi­schen­zeug­nis­ses so­wie zur Zah­lung von An­nah­me­ver­zugs­lohn ver­ur­teilt.
51 I. Die Kündi­gun­gen sind so­wohl in Form der frist­lo­sen Kündi­gung vom 16.02.2016 ist als auch in Form der hilfs­wei­se or­dent­lich erklärten Kündi­gung vom 25.02.2016 un­wirk­sam. Es liegt we­der ein wich­ti­ger Grund im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB vor, noch ist die Kündi­gung durch im Ver­hal­ten des Klägers lie­gen­de Gründe im Sin­ne des § 1 Abs. 2 KSchG be­dingt. Es fehlt an ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Pflicht­ver­let­zung, weil steht nicht fest­steht, dass der Kläger im Zu­sam­men­hang mit der Nut­zung des Ra­batt­codes be­wusst pflicht­wid­rig ge­han­delt hat.
52 1. An­ders als das Ar­beits­ge­richt geht die Kam­mer je­doch zunächst da­von aus, dass ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Pflicht­ver­let­zung durch den Kläger nicht be­reits des­halb zwei­fel­haft ist, weil der Ver­trags­ab­schluss durch den Pro­mo­tor A er­folgt ist und der Kläger die­sem „wie ein Kun­de“ ge­genüber ge­stan­den ha­be.
53 Ein Ar­beit­neh­mer, der bei oder im Zu­sam­men­hang mit sei­ner Ar­beit rechts­wid­ri­ge und vorsätz­li­che Hand­lun­gen un­mit­tel­bar ge­gen das Vermögen sei­nes Ar­beit­ge­bers be­geht, ver­letzt da­mit zu­gleich in schwer­wie­gen­der Wei­se sei­ne schuld­recht­li­che Pflicht zur Rück­sicht­nah­me (§ 241 Abs. 2 BGB) auf die Ver­trags­in­ter­es­sen der Ge­gen­sei­te und miss­braucht das in ihn ge­setz­te Ver­trau­en (BAG, Ur­teil vom 03.11.2011 – 2 AZR 748/10 –, Rn. 20, ju­ris; BAG, Ur­teil vom 10.06.2010 – 2 AZR 541/09 –, Rn. 26, ju­ris; LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 14.04.2016 – 6 Sa 1096/15 –, Rn. 24, ju­ris; KR/Grie­be­ling/Ra­chor, 11. Aufl. 2016, § 1 KSchG Rn. 496). Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob der Ar­beit­ge­ber durch das Ver­hal­ten sei­nes Ar­beit­neh­mers un­mit­tel­bar geschädigt wird oder der Ar­beit­neh­mer ei­nen Geschäfts­part­ner des Ar­beit­ge­bers schädigt. Ent­schei­dend ist, ob der Ar­beit­neh­mer ge­gen ver­trag­li­che Haupt- oder Ne­ben­pflich­ten ver­s­toßen hat, nicht ent­schei­dend ist hin­ge­gen die sa­chen­recht­li­che oder straf­recht­li­che Be­wer­tung des Sach­ver­hal­tes (BAG, Ur­teil vom 10.06.2010 – 2 AZR 541/09 –, Rn. 30, ju­ris; LAG Köln, Be­schluss vom 16.06.2017 – 10 TaBV 74/16).
54 In An­wen­dung die­ser Grundsätze kann auch das be­wuss­te Aus­nut­zen der pflicht­wid­ri­gen Ver­wen­dung ei­nes Ra­bat­tie­rungs­codes durch ei­nen Drit­ten zu ei­ge­nen Guns­ten ge­eig­net sein, ei­nen ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gungs­grund „an sich“ im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB bzw. § 1 Abs. 2 KSchG dar­zu­stel­len. Die Be­klag­te wirft dem Kläger vor, dass er in kol­lu­si­vem Zu­sam­men­wir­ken mit dem Pro­mo­ter A ei­nen nicht zu­ge­las­se­nen Ra­bat­tie­rungs­code zu sei­nen Guns­ten bzw. zu Guns­ten sei­ner Ehe­frau hat nut­zen las­sen. Ein sol­cher Sach­ver­halt ist da­mit grundsätz­lich ge­eig­net, ei­nen Grund für ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung im Sin­ne des § 1 Abs. 2 KSchG und auch ei­nen wich­ti­gen Grund „an sich“ im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB dar­zu­stel­len.
55 2. An­ders als die Be­klag­te in ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung aus­geführt hat, kann im vor­lie­gen­den Fall je­doch nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Kläger im Zu­sam­men­hang mit der Nut­zung des Ra­bat­tie­rungs­codes tatsächlich be­wusst pflicht­wid­rig ge­han­delt und sich selbst bzw. sei­ner Ehe­frau ei­nen er­kenn­bar rechts­wid­ri­gen Vermögens­vor­teil ver­schaf­fen woll­te. Im Kündi­gungs­schutz­pro­zess ob­liegt dem Ar­beit­ge­ber die vol­le Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen ei­nes Kündi­gungs­grun­des. Da­zu gehört es auch, die­je­ni­gen Tat­sa­chen zu wi­der­le­gen, die ei­nen vom Gekündig­ten be­haup­te­ten Recht­fer­ti­gungs­grund be­tref­fen und die­se ent­las­ten­den Umstände aus­zu­sch­ließen (BAG, Ur­teil vom 08.05.2014 – 2 AZR 75/13 –, Rn. 30, ju­ris; BAG 24.11.1983 2 AZR 327/82 –, AP Nr. 76 zu § 626 BGB). Da­bei darf sich der Ar­beit­ge­ber nach den Grundsätzen der ab­ge­stuf­ten Dar­le­gungs­last zunächst dar­auf be­schränken, den ob­jek­ti­ven Tat­be­stand ei­ner Ar­beits­pflicht­ver­let­zung vor­zu­tra­gen und muss nicht je­den er­denk­li­chen Recht­fer­ti­gungs- oder Ent­schul­di­gungs­grund vor­beu­gend aus­sch­ließen. Es ist viel­mehr Sa­che des Ar­beit­neh­mers, Recht­fer­ti­gungs- oder Ent­schul­di­gungs­gründe kon­kret dar­zu­le­gen (BAG, Ur­teil vom 21.05.1992 – 2 AZR 10/92 –, Rn. 31, ju­ris). Kommt der Ar­beit­neh­mer sei­ner ihn in­so­weit tref­fen­den se­kundären Dar­le­gungs­last nach, ist es Sa­che des Ar­beit­ge­bers, den Tat­sa­chen ent­ge­gen­zu­tre­ten und de­ren Nicht­vor­lie­gen ggf. zu be­wei­sen.
56 Der Kläger hat sich vor­lie­gend da­hin­ge­hend ein­ge­las­sen, dass der Pro­mo­ter A ihm ei­nen Son­der­ta­rif mit be­grenz­ter Stück­zahl an­ge­bo­ten und er selbst von der feh­len­den Frei­ga­be des Ra­bat­tie­rungs­codes kei­ne Kennt­nis ge­habt ha­be. Da­bei hat der Kläger den Gesprächs­ab­lauf kon­kret ge­schil­dert und zum An­lass dafür aus­geführt, dass der Pro­mo­ter A ihm den Son­der­ta­rif an­ge­bo­ten hat. Mit die­se Ein­las­sung hat der Kläger sei­ner ihn tref­fen­den se­kundären Dar­le­gungs­last genügt. Die Ein­las­sung schließt ein kol­lu­si­ves Zu­sam­men­wir­ken des Klägers mit dem Pro­mo­ter A zur Ver­schaf­fung ei­nes rechts­wid­ri­gen Vor­teils da­mit ein be­wusst pflicht­wid­ri­ges Han­deln des Klägers aus. Die­ser Ein­las­sung ist die Be­klag­te nicht in er­heb­li­cher Wei­se ent­ge­gen ge­tre­ten. Die Be­klag­te hat die­se Ein­las­sung zwar be­strit­ten, sie hat je­doch be­weisfällig dafür ge­blie­ben, dass die Ein­las­sung des Klägers nicht den Tat­sa­chen ent­spricht. Dies geht nach der zu­vor dar­ge­stell­ten Ver­tei­lung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last zu Las­ten der Be­klag­ten.
57 3. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten kann auch aus den wei­te­ren von ihr an­geführ­ten In­di­zi­en nicht ge­schlos­sen wer­den, dass der Kläger mit dem Pro­mo­ter A kol­lu­siv zu­sam­men­ge­wirkt hat. Im Ein­zel­nen:
58 Zwar stellt die Be­zeich­nung des Ra­bat­tie­rungs­codes mit dem Hin­weis auf das Por­tal „Check-24-All-in“ ein ge­wis­ses In­diz dafür dar, dass die­ser Ver­triebs­weg für die S -M Deutsch­land GmbH nicht vor­ge­se­hen war. War dem Kläger je­doch – wo­von die Kam­mer aus­zu­ge­hen hat – ein Son­der­an­ge­bot von dem Pro­mo­ter A un­ter­brei­tet wor­den, lässt sich aus die­ser Tat­sa­che ei­ne be­wusst pflicht­wid­ri­ge Hand­lungs­wei­se des Klägers nicht zwin­gend ab­lei­ten. Dies gilt ins­be­son­de­re des­halb, weil das Com­pu­ter­sys­tem die Ein­ga­be des Codes bei Ein­ga­be der Ver­trags­da­ten nicht be­an­stan­det und da­mit den Ein­druck er­weckt hat, dass „al­les in Ord­nung“ sei. Die Be­klag­te hat hier auf ei­ne be­ste­hen­de Si­cher­heitslücke hin­ge­wie­sen. Dafür dass der Kläger die­se – ge­mein­sam mit dem Pro­mo­ter A – aus­ge­nutzt hat, ist die Be­klag­te, wie aus­geführt, be­weisfällig ge­blie­ben.
59 Der feh­len­de Ein­trag des Ver­trags­schlus­ses in der so ge­nann­ten Wa­ren­wirt­schaft ist eben­falls kein hin­rei­chend aus­schlag­ge­ben­des In­diz für ein be­wuss­tes pflicht­wid­ri­ges Fehl­ver­hal­ten des Klägers. Tatsächlich wur­de der schrift­lich ab­ge­schlos­se­ne Ver­trag der Ver­wal­tung der Be­klag­ten zu­ge­lei­tet und die Be­klag­te konn­te – wie auch ge­sche­hen – von die­sem Ver­trags­schluss Kennt­nis neh­men. Dies spricht nach Auf­fas­sung der Kam­mer eher da­ge­gen, dass der Kläger den Ver­trags­schluss an der Be­klag­ten „vor­bei“ kol­lu­siv mit dem Pro­mo­ter A ge­stal­ten woll­te.
60 Der nied­ri­ge Preis des Ta­rifs ist nach Auf­fas­sung der Kam­mer auch kein In­diz für ein be­wusst pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Klägers. Zum ei­nen han­del­te es sich um ei­nen Ta­rif, der – wenn auch für ei­nen vor­be­stimm­ten Kreis von Ab­neh­mern – zu ei­nem et­was höhe­ren Preis von € 9,99 tatsächlich „im An­ge­bot“ war. Zum an­de­ren war der noch ein­mal re­du­zier­te Ta­rif in Höhe von € 4,99 dem Kläger aus­drück­lich als Son­der­an­ge­bot mit be­grenz­ter Stück­zahl an­ge­bo­ten wor­den.
61 Sch­ließlich folgt aus dem Hin­weis der Be­klag­ten dar­auf, dass der Kläger ge­wusst ha­be, dass der ver­wen­de­te Ra­bat­tie­rungs­code für die S -M -Märk­te nicht frei­ge­ge­ben war und des­halb nicht ge­nutzt wer­den durf­te, kein hin­rei­chend aus­schlag­ge­ben­des In­diz für ein be­wusst pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Klägers. Zunächst hat­te die Kam­mer auch an die­ser Stel­le da­von aus­zu­ge­hen, dass der Kläger den Ra­bat­tie­rungs­code ge­ra­de nicht selbst ver­wen­det hat, son­dern der Pro­mo­ter A die ent­spre­chen­den Ein­ga­ben vor­nahm und den Ver­trag auf­grund ei­nes Son­der­an­ge­bo­tes er­stell­te. So­dann teilt die Kam­mer nicht die Auf­fas­sung der Be­klag­ten, dass der Kläger als ver­ant­wort­li­cher Mit­ar­bei­ter der GSM-Ab­tei­lung al­le frei­ge­ge­be­nen Ra­bat­tie­rungs­codes ge­kannt hat. Dies nimmt die Be­klag­te des­halb an, weil sie meint, dass der Kläger al­le Ra­bat­tie­rungs­codes ge­kannt ha­ben müsse. Nach Auf­fas­sung der Kam­mer ist es je­doch nicht fern­lie­gend, dass auch je­mand, der et­was wis­sen soll­te, dies gleich­wohl nicht weiß. Et­was an­de­res folgt auch nicht aus dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer am 27.10.2017 zu den so ge­nann­ten Spick­zet­teln. Die­se Spick­zet­tel, auf de­nen die Ra­bat­tie­rungsmöglich­kei­ten ab­sch­ließend dar­ge­stellt sein sol­len, wer­den je­den­falls wöchent­lich ak­tua­li­siert. Und die Tat­sa­che, dass es sol­che Spick­zet­tel gibt, führt nicht zwin­gend zu der An­nah­me, dass ihr In­halt den Mit­ar­bei­tern je­de Wo­che ta­ges­ak­tu­ell tatsächlich auch be­kannt ist.
62 Zu­letzt kann nach Auf­fas­sung der Kam­mer auch aus dem wei­te­ren Ver­hal­ten des Klägers nicht auf ein be­wusst pflicht­wid­ri­ges Tun ge­schlos­sen wer­den. Zwar ist der Kläger nach den Gesprächen mit dem Außen­dienst­mit­ar­bei­ter der Fir­ma T bzw. dem Ver­kaufs­lei­ter nicht un­mit­tel­bar an die Geschäftsführung her­an­ge­tre­ten und hat den Ver­trags­schluss für sei­ne Ehe­frau mit­ge­teilt. Nach dem un­wi­der­leg­ten Vor­brin­gen des Klägers, dass er nicht be­wusst pflicht­wid­rig ge­han­delt hat, hat­te er kei­ne An­halts­punk­te dafür ein pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten sei­ner­seits oder ei­nen ver­meint­li­chen Be­trugs­fall mit­zu­tei­len. Aus die­sem Grund schei­det ein ei­genständi­ger Kündi­gungs­sach­ver­halt in­so­weit aus.
63 Von ei­nem be­wusst pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­ten kann mit der für ei­ne Tatkündi­gung er­for­der­li­chen hin­rei­chen­den Si­cher­heit dem­nach nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Glei­ches gilt für den für ei­ne Ver­dachtskündi­gung er­for­der­li­chen drin­gen­den Tat­ver­dacht, wo­bei ei­ne Ver­dachtskündi­gung vor­lie­gend be­reits auch des­halb aus­schei­det, weil die Be­klag­te den bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat nicht zu ei­ner Ver­dachtskündi­gung an­gehört hat.
64 II. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt die Be­klag­te zur Er­tei­lung des gel­tend ge­mach­ten Zwi­schen­zeug­nis­ses im un­gekündigt fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis ver­ur­teilt. Bei be­son­de­rem An­lass steht dem Ar­beit­neh­mer auch außer­halb des Re­ge­lungs­be­reichs des § 109 Ge­wO die Er­tei­lung ei­nes Zwi­schen­zeug­nis­ses zu (vgl. LAG Köln, Ur­teil vom 27.07.2015 – 2 Sa 284/15 –, Rn. 101, ju­ris). Der be­son­de­re An­lass liegt in der Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch Be­klag­te.
65 III. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt die Be­klag­te zur Zah­lung des gel­tend ge­mach­ten An­nah­me­ver­zugs­lohns ver­ur­teilt. Der An­spruch des Klägers folgt aus §§ 611, 615 BGB. Das Ar­beits­ge­richt hat da­bei das – in der An­trag­stel­lung be­reits berück­sich­tig­te – vom Kläger er­hal­te­ne Ar­beits­lo­sen­geld in Ab­zug ge­bracht. Ein­wen­dun­gen der Be­klag­ten sind mit Be­ru­fung nicht gel­tend ge­macht wor­den.
66 C. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Der Be­klag­ten wa­ren die Kos­ten für das von ihr er­folg­los ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel auf­zu­er­le­gen.
67 D. Die Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on folgt aus § 72 Abs. 2 ArbGG. Die ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen sind von der Recht­spre­chung geklärt und die Ent­schei­dung be­ruht auf den Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les.
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References: § 626
 § 626
 § 1
 § 1
 § 626
 § 1
 § 1
 § 626
 § 626
 § 109
 § 97
 § 72