Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=30.05.2000&Aktenzeichen=IX%20ZR%20121%2F99
Timestamp: 2019-03-20 06:08:32+00:00

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BGH, 30.05.2000 - IX ZR 121/99 - dejure.org
BGB §§ 138 Bb Abs. 1, 195, 196 Abs. 1 Nr. 15 und 16, 249 Bb, 652, 667, 675, 812 Abs. 1, 826 B; BRAGO § 3
Makler - Sittenwidrig überhöhte Provision - Abführung an einen Rechtsanwalt - Vorsätzliche sittenwidrige Schädigung - Vereinbarung eines anwaltlichen Pauschalhonorars - Voraussetzungen - Nichtigkeit wegen Sittenwidrigkeit - Verjährung - Provision
Maklerprovision, sittenwidrig überhöhte -; Anwaltshonorar, sittenwidriges -
Zu den Ansprüchen des Mandanten gegen seinen Anwalt, der ihn in Kontakt zu einem Makler gebracht und diesen veranlaßt hat, eine überhöhte Provision zu nehmen und einen Teil davon an ihn abzuführen; zu den Voraussetzungen, unter denen die Vereinbarung eines anwaltlichen Pauschalhonorars wegen Sittenwidrigkeit nichtig ist; Verjährung des Anspruchs auf Rückgewähr des aufgrund sittenwidriger Vereinbarung Gezahlten nach 30 Jahren
Mietrecht - Sittenwidrig hohe Anwaltsgebühren und Maklerprovision
Ansprüche wegen sittenwidrig hoher Anwaltsgebühren und Maklerprovisionen
Eingabe in der Suchmaske auf der nächsten Seite: Jahrgang 2000, Seite 237
Berufsrecht; Provisionsteilung zwischen Rechtsanwalt und Makler
Auffälliges Mißverhältnis als Indiz für Sittenwidrigkeit eines Maklervertrages
Rückforderung von Anwaltshonorar und für die Vermittlung des Mandanten an Dritte erhaltene Provision
Maklerprovision und Unterprovisionen sittenwidrig? (IBR 2000, 566)
BGHZ 144, 343
NJW 2000, 2669
MDR 2000, 1400
NZM 2000, 912
ZMR 2000, 841
VersR 2001, 1235
WM 2000, 1596
BB 2000, 2124 (Ls.)
DB 2000, 2473 (Ls.)
AnwBl 2000, 754
BauR 2000, 1914 (Ls.)
Daneben können auch die Bedeutung der Sache für den Auftraggeber sowie dessen Einkommens- und Vermögenslage bedeutsam sein (BGHZ 144, 343, 346).
Für die Frage eines auffälligen Missverhältnisses von Leistung und Gegenleistung sind also nicht ohne weiteres die gesetzlichen Gebühren gegenüberzustellen, wenn sie den mit der anwaltlichen Tätigkeit verbundenen Aufwand nicht angemessen abdecken (BGHZ 144, 343, 346; BGH…, Urt. vom 4. Juli 2002, aaO S. 2775).
Dies kann anzunehmen sein, wenn ein zur Vertretung bereiter und geeigneter Rechtsanwalt zu den gesetzlichen Gebühren, etwa wegen der Aufwändigkeit des Rechtsstreits und des geringen Streitwerts, oder wenn ein erforderlicher spezialisierter Anwalt zu den gesetzlichen Gebühren nicht gefunden werden kann (vgl. BGH, Urteil vom 30. Mai 2000 - IX ZR 121/99, BGHZ 144, 343, 346).
a) Beide Tatbestände erfordern zunächst objektiv ein auffälliges Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung (vgl. dazu: BGHZ 104, 102, 104 m.w.N.; 128, 255, 257; BGH, Urteile vom 30. Mai 2000 - IX ZR 121/99 - NJW 2000, 2669 unter II 1 m.w.N.; vom 19. Januar 2001 - V ZR 437/99 - NJW 2001, 1127 unter II 1 b m.w.N.).
Dabei ist das vereinbarte Entgelt dem marktüblichen Preis, den die Mehrzahl der übrigen Anbieter für vergleichbare Leistungen fordert, gegenüberzustellen (vgl. BGHZ 104, 102, 105; 125, 135, 137;… BGH, Urteile vom 22. Dezember 1999 aaO; vom 30. Mai 2000 aaO; jeweils m.w.N.).
Diese Überlegung steht im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, auch bei anderen auf Leistungsaustausch gerichteten Vertragsverhältnissen die Schlußfolgerung auf eine verwerfliche Gesinnung grundsätzlich schon dann eingreifen zu lassen, wenn allein der objektive Tatbestand des § 138 Abs. 1 BGB durch ein entsprechendes Äquivalenzmißverhältnis erfüllt ist (vgl. für Kreditverträge: BGHZ 98, 174, 178; 104, 102, 107; für Maklerverträge: BGHZ 125, 135, 140; BGH, Urt. v. 30. Mai 2000, IX ZR 121/99, NJW 2000, 2669, 2670; für Finanzierungsleasing: BGHZ 128, 255, 267).
(1) Eine Vergütungsabrede ist nach ständiger Rechtsprechung gemäß § 138 Abs. 1 BGB sittenwidrig, wenn zwischen Leistung und Gegenleistung ein auffälliges Missverhältnis besteht und weitere Umstände hinzutreten, welche die Sittenwidrigkeit begründen (vgl. BGH, Urteil vom 30. Mai 2000 - IX ZR 121/99, BGHZ 144, 343, 345 unter 1.a.;… vom 24. Januar 2014 - V ZR 249/12, NJW 2014, 1652 Rn. 10 mwN;… vom 15. Januar 2016 - V ZR 278/14, MDR 2016, 455 Rn. 7), insbesondere etwa eine verwerfliche Gesinnung oder die Ausbeutung der schwierigen Lage oder Unerfahrenheit für das eigene unangemessene Gewinnstreben (BGH, Urteil vom 22. Dezember 1999 - VIII ZR 111/99, WM 2000, 431, 432 unter II.1.).
Gerade bei Sachen mit niedrigem oder mittlerem Streitwert kann auch ein Honorar, das die gesetzlichen Gebühren um ein Mehrfaches übersteigt, angemessen sein (BGH…, Urteil vom 15. Mai 1997, aaO; vom 30. Mai 2000, aaO; vom 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, WM 2003, 89, 90 f;… vom 18. März 2004, aaO unter II.3.a.).
Umgekehrt kann bei hohen Streitwerten unter Umständen schon aus der Überschreitung der gesetzlichen Gebühren auf ein auffälliges oder besonders grobes Missverhältnis geschlossen werden, wenn die Tätigkeit bereits durch die gesetzlichen Gebühren angemessen abgegolten wäre (vgl. etwa BGH, Urteil vom 30. Mai 2000, aaO; Beschluss vom 24. Juli 2003 - IX ZR 131/00, NJW 2003, 3486 unter 3.).
Übersteigt sie das angemessene, adäquate Honorar in krasser Weise, liegt ein besonders grobes Missverhältnis vor, aus dem auf die verwerfliche Gesinnung des Rechtsanwalts geschlossen werden kann (vgl. BGH, Urteil vom 30. Mai 2000 - IX ZR 121/99, BGHZ 144, 343, 346 f: 5-fache der angemessenen gesetzlichen Vergütung; Beschluss vom 24. Juli 2003 - IX ZR 131/00, NJW 2003, 3486 unter 3.: annähernd das Doppelte des aufwandsangemessenen Honorars bei 17-facher Überschreitung der gesetzlichen Gebühren).
Zwar ist bei Anwaltsdienstverträgen in der Regel davon auszugehen, daß ein auffälliges Mißverhältnis zwischen der Leistung des Anwalts und dem vereinbarten Honorar den Schluß auf eine verwerfliche Gesinnung desjenigen rechtfertigt, der sich die überhöhte Vergütung hat zusagen lassen (BGHZ 144, 343, 346).
(1) Der Bundesgerichtshof hat in seiner Rechtsprechung allein das mehrfache Überschreiten der gesetzlichen Gebühren ohne Berücksichtigung des tatsächlichen Aufwandes nicht für ein sittenwidriges Mißverhältnis von anwaltlicher Leistung und vereinbarter Gegenleistung ausreichen lassen (BGHZ 144, 343, 346;… BGH, Urt. v. 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, NJW 2002, 2774, 2775;… Urt. v. 15. Mai 1997 aaO S. 2389; vgl. ferner OLG Hamm, AGS 2002, 268 m.w.N.;… Gerold/Schmidt/v. Eicken/Madert, aaO § 3 Rn. 20;… Gebauer/Schneider, aaO § 3 Rn. 121).
Allerdings hat der Bundesgerichtshof (BGHZ 144, 343, 346) nach der Höhe des Streitwerts differenziert.
Bei hohen Streitwerten hat er ein Honorar für unangemessen gehalten, das mehr als das Fünffache der gesetzlichen Gebühren betrug, weil nichts dafür spreche, daß die anwaltliche Tätigkeit durch die gesetzlichen Gebühren nicht angemessen abgegolten sei (BGHZ 144, 343, 346).
Hierbei müssen die gesetzlichen Gebühren Ausgangspunkt sein (vgl. BGHZ 144, 343, 346;… OLG Düsseldorf aaO S. 211).
(1) Der Kläger, der die Existenz einer ihn in sittenwidriger Weise schädigenden Schmiergeldabrede behauptet und deshalb einen Schadensersatzanspruch aus § 826 BGB geltend macht, trägt grundsätzlich die volle Darlegungs- und Beweislast für alle Anspruchsvoraussetzungen (vgl. BGH, Urteil vom 30. Mai 2000 - IX ZR 121/99, NJW 2000, 2669, 2672 [insoweit in BGHZ 144, 343 nicht abgedruckt];… Urteil vom 18. Dezember 2007 - VI ZR 231/06, BGHZ 175, 58 Rn. 21;… Urteil vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, NJW-RR 2012, 404 Rn. 8, mwN;… Luckey in Baumgärtel/Laumen/Prütting, Handbuch der Beweislast, 3. Aufl., Schuldrecht BT III, § 826 Rn. 1;… MünchKomm.BGB/Wagner, BGB, 7. Aufl., § 826 Rn. 51, mwN;… HK-BGB/Staudinger, BGB, 9. Aufl., § 826 Rn. 12).
(2) Die Annahme einer sekundären Darlegungslast setzt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs voraus, dass die nähere Darlegung dem Behauptenden nicht möglich oder nicht zumutbar ist, während der Bestreitende alle wesentlichen Tatsachen kennt und es ihm zumutbar ist, nähere Angaben zu machen (vgl. BGH, Urteil vom 17. März 1987 - VI ZR 282/85, BGHZ 100, 190, 196; Urteil vom 7. Dezember 1998 - II ZR 266/97, BGHZ 140, 156, 158; BGH, NJW 2000, 2669, 2672; BGH…, Urteil vom 4. Dezember 2012 - VI ZR 378/11, DStRE 2013, 702 Rn. 16;… Urteil vom 4. Dezember 2012 - VI ZR 381/11, NJW-RR 2013, 536 Rn. 13).
Auf Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung wegen zur Erfüllung eines nichtigen Vertrags rechtsgrundlos geleisteter Zahlungen fand bis zum 31. Dezember 2001 grundsätzlich die dreißigjährige Verjährungsfrist des § 195 BGB aF Anwendung (vgl. BGH, Urteil vom 30. Mai 2000 - IX ZR 121/99, BGHZ 144, 343, 347).
b) Der Schadensersatzanspruch aus § 826 BGB ist, sofern infolge des vorsätzlichen sittenwidrigen Verhaltens des Schädigers ein Vertragsschluß bewirkt wurde, nach § 249 Abs. 1 BGB darauf gerichtet, den Geschädigten so zu stellen, als ob vertragliche Beziehungen nicht bestünden (…Bamberger/Roth/Spindler aaO, Rn. 20;… MünchKomm-BGB/Wagner aaO, Rn. 43;… Staudinger/Oechsler aaO, Rn. 153; vgl. auch: BGH, Urteil vom 30. Mai 2000 - IX ZR 121/99 - NJW 2000, 2669, 2670).
OLG Brandenburg, 14.10.2009 - 4 U 11/09
Maklervertrag: Schadensersatz wegen sittenwidriger Schädigung bei Vereinbarung …
Kündigung eines Anwaltsvertrages wegen gänzlicher Ungeeignetheit gefertigter …
LG Berlin, 30.05.2013 - 9 O 540/11
16,47% statt 7,14% Maklerprovision: Maklervertrag ist sittenwidrig
BGH, 03.03.2005 - IX ZR 148/01
Verjährung von Ansprüchen gegen einen Rechtsanwalt auf Rückzahlung von …
Bauträgervertrag: Pflicht zur Sicherung der Freistellung von Grundpfandrechten …
BGH, 26.10.2006 - IX ZR 79/06
Ablehnung der Bestellung eines Notanwalts wegen Aussichtslosigkeit des …
BGH, 29.06.2006 - IX ZR 211/05
OLG Brandenburg, 19.03.2003 - 7 U 235/97
Möglicher Schadenersatzanspruch eines Verwertungsbetriebs bei Unterschreitung der …
BGH, 19.12.2002 - IX ZR 428/99
OLG Karlsruhe, 05.04.2001 - 9 U 151/00
Nichtigkeit eines Dienstvertrages wegen einer sittenwidrig vereinbarten …
OLG Köln, 21.04.2005 - 18 U 179/03
Berufung des ehemaligen Geschäftsführers der RSAG gegen die Verurteilung zur …
OLG Köln, 30.04.2003 - 13 U 90/02
OLG Hamm, 27.11.2001 - 27 U 210/00

References: § 3
 § 138
 § 138
 § 3
 § 3
 § 826
 § 826
 § 826
 § 826
 § 195
 § 826
 § 249