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Timestamp: 2017-04-24 19:09:57+00:00

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I. Abschnitt. Die Jahre des Aufbaues und der Aufarbeitung. Herbst 1946 bis Mitte 1948 Präsident: Alois Johannes Lippl - PDF
I. Abschnitt. Die Jahre des Aufbaues und der Aufarbeitung. Herbst 1946 bis Mitte 1948 Präsident: Alois Johannes Lippl
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1 I. Abschnitt Die Jahre des Aufbaues und der Aufarbeitung Herbst 1946 bis Mitte 1948 Präsident: Alois Johannes Lippl Der Landesjugendausschuss wird gegründet 1946 Wir können es uns ersparen, die äußeren Lebensumstände des Jahres 1945 in Bayern hier zu schildern. Andere Schriften geben über die Einzelheiten Auskunft Gründungsverversammlung Militärregierung Anwesenheitsliste Am Freitag, den 24. Mai 1946, lenkten 66 Personen ihre Schritte zum Staatsministerium für Unterricht und Kultus in München, Salvatorplatz 2. Im wahrsten Sinne des Wortes sie stolperten über Trümmer, und nur wenigen Auserwählten von ihnen war es vergönnt, mit einem Kraftwagen zu der Gründungsversammlung des Bayerischen Landesjugendausschusses vorzufahren die für 9 Uhr vormittags angesetzt war. Zu diesen Auserwählten zählten natürlich die Vertreter der Militärregierung in Bayern, allen voran General Muller, assistiert von drei weiteren Militärpersonen und zwei Zivilamerikanern. Einer der beiden zivilen Amerikaner war der allmächtige Chef der Information Control Division (Kontrollabteilung des Informationswesens). Mit einem klapprigen Vorkriegs-Pkw erschien zu der Sitzung Bayerns zweiter Nachkriegs-Ministerpräsident, Dr. Wilhelm Hoegner. Die Anwesenheitsliste verzeichnete ferner u. a. folgende Namen: der damalige Kultusminister Dr. Franz Fendt, der damalige Regierungspräsident von Mittelfranken Dr. Schregle, Münchens Stadtschulrat Dr. Anton Dingerle, der Nestor der bayerischen Jugendherbergen Prof. Ernst Enzensperger, aus dem Kultusministerium Dr. Heinrich Lades (heute Oberbürgermeister von Erlangen), Franz Josef Strauß (der damalige Jugendreferent im Kultusministerium und heutige CSU-Landesvorsitzende), ferner die Namen Leonhard Burger (heute 2. Vorsitzender des bayer. Jugendherbergswerkes), Dr. Guido Fischer, Dr. Anton Graßl (heute Leiter der Referate für Jugendfragen, Begabtenförderung und Erwachsenenbildung im Kultusministerium), Otto Fischer (lange Jahr Vorsitzender der Pfadfinderschaft St. Georg), Martin Rueff (langj. Leiter des Münchner Stadtamtes für Leibesübungen), Edmund Johannes Lutz (heute Don-Bosco-Verlag), Hans Weinberger (heute Vertreter der Wohlfahrtsverbände im Senat), Hans Martin Helbich (damals Vertreter der Evang. Kirche, heute Generalsuperintendent in Berlin), Josef Abbt (damals Referent im Kultusministerium, heute Weingroßhändler in München), Dr. Elisabeth Bamberger (damals Landesjugendamt, später viele Jahre Leiterin des Jugendamtes München), Franz Steber2 (damals als Vertreter der CSU anwesend, später viele Jahre Mitarbeiter in der kath. Sozialarbeit, heute im Ruhestand). Lizenzierungsverfahren Was war dieser von einem Teenachmittag mit musikalischen und literarischen Darbietungen umrahmte Gründungsversammlung vorausgegangen? Bald nach dem Einmarsch der Amerikaner in Bayern hatten sich antifaschistische Kräfte zumeist Mitglieder der ehemaligen Parteien, zusammengefunden, um die alten Organisationen wieder ins Leben zu rufen. Die Militärregierung verbot zunächst jegliche Zusammenschlüsse. Nach einiger Zeit machte sie Neugründungen von einem Lizenzierungsverfahren (Lizenz = Erlaubnis, Zulassung) abhängig. Die jeweiligen Gründungsmitglieder wurden auf ihre politische Vergangenheit hin genauestens durchleuchtet. Eine Jugendarbeit bzw. die Bildung von Jugendgruppen wurde den Parteien jedoch anfangs in keinem Fall gestattet. Jugendverbände aus Auch Mitglieder aus den ehemaligen Jugendverbänden ver- Der Zeit vor 1933 suchten zunächst einen Wiederbeginn. Einige wenige Gruppen konfessionellen Jugend hatten sich sogar, beschränkt auf rein religiöse Zusammenkünfte, über die Nazizeit und Hitlerjugend hinwegretten können. Aber auch diese Gruppen durften anfangs nicht wieder arbeiten Bildung örtlicher Jugendkomitees Münchner Jugendkomitee Die Wende hatte ein Erlass des Frankfurter US-Hauptquartiers am 21. September 1945 gebracht. Darin wurde die Bildung örtlicher Jugendkomitees zugelassen: unter dem Vorsitz des (Ober-)Bürgermeisters bzw. des Landrats sollten nach diesem Erlass Komitees gebildet werden, in denen die Vertreter der Besatzungsmacht sowie die in Bildung begriffenen Jugendorganisationen Aufnahme finden sollten. Den Komitees war es aufgetragen, eine Arbeitslizenz für zahlreiche Formulare an die Militärregierung weiterzuleiten. Die Genehmigung zur Lizenzausgabe sprach die Besatzungsmacht aus. Das Münchner Jugendkomitee konnte nach diesem Verfahren zwischen Oktober 1945 und Mai 1946 an neun Verbände Lizenzen vermitteln: an die Kath. Jugend, die Evang. Jugend, die Falken, die FDJ, den Jugendclub München-Süd, die Pfadfinderjugend, die St.-Georgs-Pfadfinder, den Ortsverband für Jugendwandern und Jugendherbergen sowie an einen Verband für Jugendwandern. Weitere Jugendkomitees Zu diesem Zeitpunkt bestanden in Bayern in ähnlicher Zu- In Bayern sammensetzung wie in München 47 weitere Jugendkomitees, die nach der Gründung des Landesjugendausschusses den Namen Kreisjugendausschuss führten, und zwar in: Fürstenfeldbruck, Tölz, Dachau, Pfaffenhofen, Ingolstadt, Ansbach, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Dinkelsbühl, Ebermannstadt, Eichstätt, Erlangen, Feuchtwangen, Fürth, Gunzenhausen, Hersbruck, Hilpoltstein, Höchstadt, Hof, Pegnitz, Rehau, Rothenburg, Kronach, Kulmbach, Lauf, Lichtenfels, Münchberg, Naila, Neustadt/Aisch, Nürnberg, Scheinfeld, Schwabach, Roth, Stadtsteinach, Staffelstein, Uffenheim, Weißenburg und Wunsiedel. Teilweise als Zusammenschluss innerhalb der Städte, teilweise für den Landkreis (Zusatzbezeichnung Land oder Stadt). Bei der Gründung des Kreisjugendausschusses Nürnberg tritt zum erstenmal (damals als Vertreter der Kath. Jugend) der Name3 des heutigen Arbeitministers Dr. Fritz Pirkl in Erscheinung, der von diesem Zeitpunkt an viele Jahre hindurch in der Jugendarbeit tätig war. Landesjugendausschuss Die Gründung des Landesjugendausschusses war im Kultusministerium organisatorisch vorbereitet worden. Salvatorplatz 2 wurde auch die Anschrift der Landesgeschäftsstelle nach der Gründungssitzung. Die Militärregierung hatte die Anweisung gegeben (in den Akten befindet sich darüber noch eine dick unterstrichene handschriftliche Notiz), zu der konstituierenden Versammlung Vertreter möglicht aller politischen Richtungen einzuladen. Zwischenebenen Wir kommen damit zu einer wichtigen Feststellung: der Wiederbeginn der Jugendarbeit in Bayern vollzog sich nicht organisch von untern nach oben, sondern von Zwischenebenen aus: Bevor die einzelnen Jugendgruppen zur Arbeitsaufnahme befugt waren, bedurften sie der Lizenz des örtlichen Jugendkomitees. Vor der Grupperangierte also das Stadt- oder Landkreiskomitee. Ohne Komitee konnte eine Gruppe nicht gegründet werden. Gründungsmitglieder Ganz ähnlich auf der Landesebene: die zur Gründungsverohne Verbandauftrag sammlung des Landesjugendausschusses Eingeladenen kamen nicht als Beauftrage ihrer Landesverbände, denn solche gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Sie waren auf Grund einer früheren Mitgliedschaft in einem Jugendverband oder in einer Partei eingeladen worden oder als politisch unbelastete Fachleute. Aufgabe des Landesjugendausschusses war es dann später, die Lizenzen von werdenden Landesverbänden zu begutachten und ähnlich wie auf der Stadt- und Landkreisebene der Militärregierung zur Prüfung zuzuleiten. Die Lizenzen trugen die Unterschriften eines Beauftragten der Militärregierung und des Präsidenten des Landesjugendausschusse. Die Konzeption Der Amerikaner Demokratische Zusammenarbeit die Jugendringidee An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein, ob die Besatzungsmacht hier den richtigen Weg gewählt hat. Rückblickend kann man wohl sagen, dass es für die Amerikaner der einzig mögliche Weg war. Zu tief steckte ihnen das Misstrauen gegen den nationalsozialistischen Ungeist und gegen die Gefahren seines möglichen Wiederauflebens in den Gliedern. Sie wollten erreichen, dass neue Leute die Jugend leiteten und führten. Sie waren keineswegs davon überzeugt, dass die Persönlichkeiten aus der Zeit vorn 1933 in der Lage sein würden, die jungen Generation mit ihren Vorstellungen von Demokratie vertraut zu machen. Einen Neubeginn sahen sie dann als möglich an, wenn die Gruppen sich nicht in eine Vielzahl zersplittern, sondern von Anfang an in Gremien demokratisch zusammenarbeiten würden. Sie respektierten durchaus das Eigenleben der einzelnen Gruppen, wollten sie jedoch auf einer überschaubaren Basis zur Lösung der vielfältig anstehenden Jugendprobleme zusammenführen. Das Verdienst der amerikanischen Besatzungsmacht ist es, den Gedanken demokratischer Zusammenarbeit bei der Lösung überverbandlicher Jugendaufgaben verankert zu haben. Dieser Gedanke musste später folgerichtig zur Jugendringidee führen. Vielleicht hat gerade diese von der Militärregierung ausgegangene nach damaliger Auffassung4 zu starke Forcierung der Jugendkomitees in Bayern dazu geführt, dass hier die Jugendringidee so tiefgreifend wurzeln konnte. Wenn wir die Entwicklung in anderen Bundesländern überblicken, erkennen wir die Lücken der Jugendringe in ihrem Unterbau, die sich auch auf die teilweise bescheidene Wirksamkeit der Jugendring-Spitzen noch heute erstrecken. Unberechtigte Vorwürfe Bereits an dieser Stelle muss gesagt werden, dass der Vorwurf gegen die Amerikaner, sie hätten der deutschen Jugendarbeit ihre Ideen aufgepfropft, unberechtigt ist. Die mit dem erwähnten Erlass eingeleitete Gründung von Jugendkomitees hat sich trotz vieler, vor allem bürokratischer Mängel, doch bis in die Gegenwart hinein als segensreich erwiesen. Franz Josef Strauß Blenden wir noch einmal in jene denkwürdige Gründungsversammlung des Landesjugendausschusses im Kultusministerium zurück. Wir begegnen hier in der Öffentlichkeit zum erstem Mal dem Namen Franz Josef Strauß, in der Anwesenheitsliste und späteren Protokollen noch ohne den Josef aufgeführt. Von Schongau aus, wo er kurze Zeit als stellv. Landrat amtiert hatte, kam er ins bayerische Kultusministerium. Hier wurde er Jugendreferent, und in dieser Eigenschaft nahm er an der Gründungssitzung teil. Anschließend wählte man ihn neben dem damaligen Regierungsassessor Dr. Heinrich Lades, Prof. Enzensperger, Ludwig Koch, Leonhard Burger und anderen in die erste Vorstandschaft des Landesjugendausschusses, also in ein Gremium, das als Vorläufer des heutigen BJR- Landesvorstands betrachtet werden kann. Schlussstrich unter die Vergangenheit Jugend und demokratischer Staatsaufbau Staatshilfen für die Jugend Nach freundlichen Begrüßungsworten durch Kultusminister Fendt hielt Franz Josef Strauß ein richtungsweisendes Referat über das Thema Die junge Generation, das einmal einen Schlussstrich zog unter zwölf Jahre Jugendkollektivismus der Hitlerzeit und zum anderen den Standort der jugenderzieherischen Bemühungen für die kommenden Jahre in wahrhaft prophetischer Weise umriss. Strauß analysierte die Fehler der Vergangenheit. Aber er riss die Anwesenden temperamentvoll nach vorn zu einem Blick in die Zukunft. Nicht die ältere Generation allen dürfe die Trümmer beseitigen und den neuen Staat zimmern, sagte er, dieser Staat könne nur dann Beständigkeit haben, wenn es gelinge, die Jugend für seinen Aufbau zu gewinnen. Was geschaffen wird, muss im Einklang stehen mit dem neu sich bildenden Willen der Jugend und muss ihr geistiges und sittliches Eigentum werden. Im Gegensatz zu den Vorstellungen mancher Parteivertreter der ersten Nachkriegsjahre setzte sich Strauß für eine politische Erziehung der jungen Menschen ohne Zugaben von Parteipolitik ein. Es dürfe in den neuen Verbänden auch kein Führerprinzip mehr geben, keine nach militärischen Grundsätzen aufgebaute Jugendorganisationen sollten wiedererstehen und keine Gruppen, die rassische oder religiöse Vorurteile kultivierten. Schließlich steckte Strauß auch die Grenzen zwischen jugendlicher Eigeninitiative und staatlichem Interesse an der Jugenderziehung in einer Form ab, wie wir sie auch heute noch sehen. Der neue Staat müsse für seine Jugend in materieller Hinsicht etwas tun, er sei ihr als seinem künftigen5 Träger verpflichtet. Er müsse sich geistig und materiell der Jugend annehmen, aber er dürfe nicht die Jugend durch einen Allmachtsanspruch in seinen Dienst zwingen. Nach diesem Referat berichteten sieben Sprecher verschiedener Verbände über den Stand der Aufbauarbeit. Anschließend begab man sich ins Hotel Bayerischer Hof zu einem markenfreien und für damalige Verhältnisse recht frugalen Mittagessen. Alois Johannes Lippl Präsident Unterausschüsse Gründungsurkunde Aufgaben des Landesjugendausschusses Am Nachmittag wurde die Vorstandschaft gewählt. Der Dichter Alois Johannes Lippl wurde zum ersten, der frühere Führer der sozialistischen Arbeiterjugend August Albrecht zum zweiten Präsidenten gewählt. Warum sprach man von einem Präsidenten und nicht einfach von einem Vorsitzenden des Landesjugendausschusses? Die Erklärung klingt ein wenig simpel: Da alle Dokumente, so auch der Satzungsentwurf, ins Englische übersetzt werden mussten, war in den englischen Texten immer von president die Rede. Bei der Rückübersetzung blieb es gleich beim Präsidenten. Und somit verdankt eben heute der Bayerische Jugendring seinen Präsidenten nicht etwa einem überheblichen Funktionärsgefühl, sondern lediglich einer Übersetzungsfaulheit. Mit dieser Wahl war jedoch die Gründungsversammlung keineswegs zu Ende. Nachdem Franz Josef Strauß die geistigen Konturen der Arbeit gezeichnet hatte, blieb Dr. Heinrich Lades der organisatorische Teil vorbehalten. Sein Vorschlag, sechs Unterausschüsse zum Landesjugendausschuss zu bilden, wurde gutgeheißen. Man berief die Mitglieder der folgenden Ausschüsse: Organisationsausschuss, Sozial- und Wirtschaftsausschuss, Informationsausschuss, Kulturausschuss, Sportausschuss, Ausschuss für Jugendwandern und Jugendherbergen. Danach traf sich die Versammlung zu einer Teestunde mit musikalischen und literarischen Darbietungen. Der Abend diente mit einem geselligen Beisammensein dem Kennenlernen der Delegierten. Am nächsten Tag kamen die Ausschüsse zusammen. Der Organisationsausschuss bearbeitete die Gründungsurkunde des Landesjugendausschusses, der als Aufgaben des neuen Gremiums u. a. bezeichnete: Die Lebensbedingungen der Jugend zu verbessern / Die Bildung von Jugendverbänden unabhängig von parteipolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen zu gewährleisten / Die Zusammenarbeit der Jugend der verschiedenen Verbände herbeizuführen und ihnen Wege zu Überwindung der Jugendnot aufzuzeigen. Um diese Aufgaben durchführen zu können, wurde der Landesjugendausschuss von der Militärregierung und vom Kultusministerium mit folgenden Aufgaben betraut: Vorprüfung von Anträgen zur Erteilung von Lizenzen für die Jugendverbände / Berichterstattung über die Tätigkeit der Jugendverbände / Überwachung und Beratung der Jugendverbände nach den von der Militärregierung aufgestellten Grundsätzen / Beratung von öffentlichen Stellen in allen die Jugend berührenden Fragen / das Vorschlagsrecht für die Verwaltung der vorhandenen Mittel und Hilfsmittel / die Einholung von Berichten und Auskünften über die6 Jugendarbeit aus Kreis- und Stadtjugendausschüssen sowie aus Landesjugendverbänden / Die Erteilung von Empfehlungen an die Jugendverbände, um auf ihre Entwicklung einzuwirken / Die Entgegennahme von Anträgen aus den Jugendverbänden. Dank an die Militärregierung Der erste Präsident, Alois Lippl, sprach das Schlusswort. Er dankte insbesondere der Militärregierung für die im Verlauf der Aussprachen zugesagte Hilfe und Mitarbeit im Landesjugendausschuss. Am Samstag, dem 23. Mai 1946 um Uhr, war die Gründungsversammlung zu Ende. Der Landesjugendausschuss in Aktion Treffen mit Erziehungsoffizieren Bereits vier Wochen später, am 21. Juni 1946, traf sich die Vorstandschaft des Landesjugendausschusses in München mit Erziehungs-Offizieren der Besatzungsmacht. Die Militärregierung wollte hören, wie sich nun die neugebildete Jugendvertretung die Lösung der Jugendprobleme praktisch vorstelle und welche Wünsche sie habe. Erste Arbeitsvorhaben Präsident Lippl berichtete über die wachsende Jugendkriminalität und die Beschäftigungslosigkeit der Jugend. Er schlug zur Überwindung der Arbeitslosigkeit ein Jugendhilfswerk vor. Insbesondere erbat Lippl die Hilfe der Militärregierung für diese Anliegen: Überlassung von Ausrüstungsgegenständen aus den Beständen der ehemaligen Wehrmacht / Freigabe von Jugendherbergen für Jugendleiterkurse / Zuweisung von Zusatzverpflegung für wiedergeöffnete Jugendherbergen / Einrichtung von Jugendbüchereien und Jugendlesestuben / Erstellung einer Liste zugelassener Jugendbücher / Einrichtung von Jugendfilmstunden / Beschaffung von Musikinstrumenten und Noten / Beschaffung von Laienspieltexten / Freimachung von Übungsplätzen für den Jugendsport / Zusammenarbeit von Sportlehrern der US-Armee mit deutschen Jugendsportgruppen. Erste Ausgabe der Jugendnachrichten Jugendleiterschule Problematik der Jugendleiterschulung Was Präsident Lippl den Erziehungsoffizieren vortrug, war nur ein kleiner Extrakt aus der Fülle von Überlegungen und Plänen, die damals in den Ausschüssen beraten wurden. Ein lebendiges Spiegelbild für jene Fülle von Anregungen, die damals aus dem Landesjugendausschuss selbst kamen oder ihm von außen zugetragen wurden, bieten die erste Ausgabe der jugendnachrichten. Die Zeitschrift war unmittelbar nach der Gründung des Landesausschusses erschienen. Bereits in Nr. 3 vom Juli 1946 taucht zum erstenmal der Gedanke auf, eine Jugendleiterschule zu gründen. Der ungenannt bleibende Autor des Beitrags (vermutlich Dr. Graßl) untersucht darin, ob es überhaupt möglich ist, Jugendleiter in eine Art Schule zu schicken und ob in dieser Schule ein Programm entwickelt werden könnte, das den Jugendleitern aus allen Verbänden etwas biete. Der Begriff Schule rufe zunächst Reminiszenzen an die KJ- Schulungslager in Erinnerung. Es gibt Dinge, die lehrbar sind, schreibt der Verfasser, und es gibt Dinge, die nicht lehrbar sind. Lehrbar ist das Technische in Lied und Musik,7 Spiel und Sport. Dagegen ist das Erlebnis der Natur ebenso wenig lehrbar wie man Liebe und Freundschaft einüben kann. Eine Jugendleiterschule müsste also ein Mittelding zwischen einem Lehrgang und einer Tagung sein. Bei dieser Thematik und in solcher Form würden Jugendleiter aller Verbände angesprochen und interessiert. Der Aufsatz schließt, solche Lehrgänge würden voraussichtlich in einer landschaftlich schön gelegenen Jugendherberge stattfinden und etwa acht bis 14 Tage dauern. Klärung grundsätzlicher Bereits die erste Ausgabe der jugendnachrichten hatte Fragen Grundsatzfragen erörtert, die uns auch heute noch beschäftigen, und dazu praktische Verschläge unterbreitet. Man beschäftigte sich darin beispielsweise mit Fragen der staatsbürgerlichen Erziehung ( Jugend und Demokratie ), mit Fragen des Jugendschrifttums, der Sportförderung und der Vermittlung von Allgemeinbildung in der Freizeit. Dazu kamen immer wieder Themen, die sich mit der ungeheuren Jugendnot beschäftigten. Jugendverbände, Kreisjugendausschüsse, GYA Jugendverbände gebildet Erste Jugendtreffen Erste Jugendbuchausstellung Jugendarbeit in US-Regie Der Juni 1946 ist jener Monat, in dem sich die ersten Landesjugendverbände in Bayern konstituierten und feste Formen annehmen. Es würde zu weit führen, die Gründungsgeschichte jedes einzelnen Verbandes hier zu schildern. Wir müssen uns auf dien größeren Überblick beschränken. So konnten denn auch bereits in diesem Monat mehrere größere Jugendtreffen in Bayern stattfinden. Mit welchen Schwierigkeiten sie verbunden warten, lässt sich heute kaum ausmalen. Immerhin waren zu dieser Zeit die meisten Bahnverbindungen noch zerstört. Wichtige Eisenbahn- und Straßenbrücken lagen im Wasser. Die Teilnehmer der Jugendtreffen waren also auf den spärlichen deutschen Lkw- Verkehr angewiesen und auf die Mitnahmebereitschaft von Militärkonvois. Ebenso schwierig waren die Verpflegung und die Unterkunft der Teilenehmer. Gasthäuser oder Jugendherbergen standen nicht zur Verfügung; man schlief beim Bauern im Heu oder bei Mutter Grün. Ohne die Unterstützung der Amerikaner hätte keines dieser Jugendtreffen stattfinden können, auch nicht die am 3. Juli eröffnete erste internationale Kinder- und Jugendbauchausstellung in München. Auch zu diesem Zeitpunkt war die Militärregierung freilich noch lange nicht davon überzeugt, das es den neuen Jugendverbänden gelingen würde, die jungen Menschen zur Demokratie so zu erziehen, wie sie es sich vorstellte. Es war naheliegend, dass sich die Besatzungsmacht nicht lange mit der Rolle eines Zuschauers, Beobachters und Kontrolleurs begnügen würde. Junge Erziehungsoffiziere hatten den Ehrgeiz, selbst mit dieser ihnen noch immer nicht ganz geheuren Jugend in Gespräch zu kommen und deren Ansichten nicht nur aus den angeforderten Berichten des Landesjugendausschusses kennen zu lernen. Allerdings begann diese Jugendarbeit in US-Regie nicht in Bayern, wo seit der Gründung des Landesjugendausschusses die Dinge sich eigentlich zur Zufriedenheit der8 Besatzungsmacht entwickelten, sondern in Hessen und Bremen, wo es noch keine Landesjugendausschüsse gab. Gründung von GYA Ungleiche Konkurrenz Im Juli 1946 wurde denn auch in Hessen eine Organisation gegründet, die sich German Youth Activities (GYA) nannte. Die von Angehörigen der Truppe, nicht von den Jugendoffizieren der Militärregierung geleitete Organisation (die später freilich keine Organisation mehr sein wolle) versprach der Jugend ein schönes und frohes Gemeinschaftsleben. Der damaligen Besatzungsmacht fiel es nicht schwer, Räume für GYA-Clubs aufzutreiben und von den Bewohnern zu befreien. Hier gab es in der Folgezeit auch etwas zu essen. Die jungen Leute fanden hier Bücher und Schallplatten und eine zwanglose Unterhaltung vor. Was die deutschen Jugendgruppen noch lange nicht bieten konnten, hatte GYA: vom Sportgerät bis zum Lkw-Ausflug wurde hier der Jugend manche gern angenommene Offerte gemacht. Den mit viel Freizeit ausgestatten Angehörigen der Truppe gefiel es, direkt auf die in Scharen herbeiströmende Jugend einwirken zu können, und sie fanden immer mehr Spaß an der neuen Aufgabe. GYS brachte die Jugend von der Straße weg, und dies schien fast schon ein Erziehungsideal zu sein in einer Zeit, da Jugendliche zu Tausenden durch die Lande strömten, Schwarzhandel betreiben, Diebstähle ausführten und sogar von bewaffneten Raubüberfällen auf einsame Bauernhöfe nicht zurückschreckten. Der Bayerische Landesjugendausschuss erkannte schon bald die Gefahren, die durch die Aktivitäten der Amerikaner seinen angeschlossenen Jugendgruppen drohte. Er versuchte, den erzieherischen Betätigungsdrang der jungen Offiziere von der ausschließlichen GYA-Arbeit auch auf seine eigenen Verbände zu lenken. Der Landesjugendausschuss führte bei den Kreisausschüssen eine Befragung mit dem Ziel durch, über bereits zwischen Erziehungsoffizieren und Jugendgruppen bestehende Kontakte Aufschluss zu erhalten. Er forderte die Kreisausschüsse auf, durch Aussprachen und Vorträge in den kommenden Wintermonaten einen engeren Kontakt zwischen Angehörigen der Besatzungsmacht und unseren Jugendgruppen herzustellen. Zu diesem Zeitpunkt konnte der Landesjugendausschuss auch den Gruppen erste materielle Hilfen bieten: zur Verteilung an die lizenzierten Jugendgruppen hatten ihm die Amerikaner eine große Zahl von Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenständen sowie Sportgeräten der ehemaligen Wehrmacht überlassen. 112 Kreisjugendausschüsse Im August 1946 bestanden 112 Kreisjugendausschüsse mit 294 lizenzierten Jugendgruppen und Mitgliedern in Bayern. Diese Zahl stammt aus einem der vom Landesjugendausschuss der Militärregierung wöchentlich vorzulegenden Bericht. Über die durch GYA erfassten Jugendlichen wurden allerdings keine Statistiken geführt. Erster Auslandsbesuch Den ersten nicht mit der Besatzungsmacht zusammenhängenden internationalen Besuch erhielt der Landesjugendausschuss am 2. August Mr. Monroe Smith, der Präsident des amerikanischen Jugendherbergswerks, traf in Begleitung von Richard Schirrmann, dem Gründer des deutschen Jugendherbergswerks sowie der Leiterin einer amerikanischen Jugendorganisation in München ein. Am 4.9 Herbergsverband gegründet Oktober konnte der Landesverband für Jugendwandern und Jugendherbergen seine Gründungsversammlung durchführen. Ebenfalls im Oktober zeichnete sich die Notwendigkeit ab, Verbindungsglieder zwischen dem Landesjugendausschuss uns einen ständig sich vermehrenden Kreis- bzw. Stadtjugendausschüssen zu schafften. Mit Datum vom wurden sogenannte Bezirksjugendleiter vom Bezirksjugendleiter eingesetzt Landesjugendausschuss eingesetzt. Ihre Aufgabe war es vor allem, den Ausschüssen in Städten und Kreisen beratend zur Seite zu stehen. Nicht so sehr sachliche Aufgaben, die auf einer Bezirksebene hätten bearbeitet werden können, waren der Anlass zu diesem Schritt, sondern einfach geographische Hindernisse. Briefe benötigten oft noch viele Tage von draußen nach München, Telefongespräche begegneten ebenfalls uns heute unbekannten Schwierigkeiten. Im übrigen stöhnten die Mitarbeit des Landesjugendausschusses bereits Berichte und Statistiken über die täglich sich vermehrende Arbeit. Der Zwang, ständig in vielfacher Ausfertigung Statistiken und Berichte an die Militärregierung zu liefern und dem dort fortlaufend wechselnden Personal Vortrag zu halten, kostete die Mitarbeiter viel Zeit und verursachte einen kaum vorstellbaren Leerlauf. Gespräch mit Parteien und Presse Erfahrungsberichte über bisherige Jugendarbeit Man beherrschte im Landesjugendausschuss allmählich die Spielregeln der Besatzungs-Bürokratie, aber man entfernte sich in der Veraltung im gleichen Maße auch von der Jugend. Man konferierte mit den von der Aktivität des Landesjugendausschusses etwas aufgeschreckten Parteien (7. Oktober), und man begann, über die Presse den Kontakt zur Öffentlichkeit zu suchen (Erste Pressekonferenz des Landesjugendausschusses am 19. Oktober). Aber man hatte doch zuweilen das Gefühl, trotz aller Statistiken und Berichte, die tagtäglich in die Geschäftsstelle regneten, über die Vorstellungen der jungen Menschen draußen nur unzureichend informiert zu sein. Das Vorhandensein von Zelt- Wander- und Sportausrüstungen ermöglichte ein Preisausschreiben, das sich an Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren richtete (Ausschreibung im November 194&). An- Regungen aus der Jugend und Erfahrungsberichte aus der Jugendarbeit sollten zu folgenden Themen eingesandt werden: Wie stehe ich zur älteren Generation? / Jugend und Besatzungsmacht / Wie kommt meine Jugendgruppe zu einem eigenen Heim? / Welche Erfahrungen mussten wir bei unserer letzten Fahrt machen? Heime, Herbergen, Jugendnot Neue Inhalte der Jugendarbeit Unsicher über die Interessen dieser Jugend in der spärlichen Freizeit, die der Kampf ums nackte Dasein ließ, war aber auch die Öffentlichkeit ganz allgemein. Dies wurde deutlich auf der zweiten Pressekonferenz, die der Landesjugendausschuss am 15. November 1946 veranstaltete. Der österreichische Journalist Wilhelm Maschner, der noch heute in München als Korrespondent tätig ist, war der eifrigste Fragesteller in dieser Zusammenkunft. Er meine, mit Wandern, Singen und Volkstanz könne man das Vertrauen der Jugend nicht gewinnen, könne man sie nicht begeistern. Die Jugendverbände sollten ihren Mitgliedern das bieten, was sie gerne haben wollen. Sie sollten ihnen eine Antwort auf das Verhalten der älteren Generation in den zurückliegenden zwölf Jahren geben. Die Jugendvertreter antworteten: die10 Erste Jugendleiterkurse neuen Freizeitwochen und Jugendleiterlehrgänge versuchten durchaus nicht, Formen bündischer Jugendarbeit wiedererstehen zu lassen und genau dort weiterzumachen, wo man 1933 oder noch früher aufgehört habe. Sie berichteten über den Verlauf der ersten Jugendleiterlehrgänge auf dem Berghaus Kühroint bei Berchtesgaden, das dem Landesjugendausschuss zur Verwaltung übergeben worden war, und sie schilderten den Ablauf von Jugendleitertreffen auf der Jugendburg Feuerstein und in Seeshaupt. Wenn man die 20 zurückliegenden Jahre überblickt, kann man wohl sagen: solche Fragen wie die von Wilhelm Maschner wurden später auf Pressekonferenzen noch oft gestellt. Und sie tauchen sogar heute trotz einer laufenden und umfassenden Information der Öffentlichkeit durch den Bayerischen Jugendring zuweilen wieder auf. Es ist schwierig, Fragen in der Öffentlichkeit die inhaltlichen Veränderungen der Jugendarbeit der Öffentlichkeit nahe zu bringen. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie (scheinbar!) gut diese Öffentlichkeit über den Inhalt der Jugendarbeit in der Vergangenheit unterrichtet ist und wie wenig sie von dem weiß, was heute in Gruppen, Ringen und Verbänden geschieht. Arbeitstagungen der Kreisausschussvertreter Viele Wünsche Jugendräume fehlen Der Landesjugendausschuss stand 1946 im ersten Aufbaujahr. Seine organisatorische Festigung mache von Tag zu Tag Fortschritte. Am 9. Und 10. November trafen sich Vertreter der Kreisjugendausschüsse aus den Regierungsbezirken Oberbayern und Schwaben in Seeshaupt im Standhotel zu einer ersten Arbeitstagung. Am 23. Und 24. November versammelten sich auf Burg Feuerstein erstmals Vertreter der drei fränkischen Regierungsbezirke. Die Hauptsorge der Jugendvertreter: Geld! Geld, das in jener Zeit auf dem Schwarzmarkt immer weniger wert war, denn es galt als einzige harte Währung die Zigarettenwährung. Die Kreissausschüsse erkannten, dass sich hauptamtliche Kräfte der Jugendarbeit annehmen müssen, um wirklich Fortschritte zu erzielen. Sie wünschten sich Geschäftsräume, in denen Sportgeräte aufbewahrt, Jugendbücher gesammelt und Jugendliche beraten werden konnten. Ohne Geld aber bekam man weder einen hauptamtlichen Jugendbetreuer noch einen Geschäftsraum. Auch in dieser Beziehung hatte es GYA leichter: die Jugend- und Erziehungsoffiziere konnten sich ganztägig ihrer Aufgabe widmen, und ihre Diensträume befanden sich in den örtlichen Truppenunterkünften. Die dritte Sorge der Kreisjugendausschüsse aber galt den Jugendräumen. Noch immer strömten aus dem Osten die Flüchtlinge heran. Kaum ein Gasthaus, das noch über einen freien Raum verfügte. Kaum eine Schule, die noch ein Eckchen für die Jugendgruppe freigehabt hätte. Freimachung von Heimen Die Militärregierung indessen unterstützte den Landjugendund Herbergen ausschuss im Gegensatz zu mancher deutschen Dienststelle, die andere Aufgaben für wichtiger hielt intensiv in seinem Bemühen, der Jugend wieder Heime und Herbergen zu geben. Mr. Thomson, der Jugendbeauftragte der Militärregierung und ständige Gesprächspartner des Landesjugendausschusses, beklagte sich bitter darüber, dass die deutschen Behörden die Jugendarbeit offensichtlich als nebensächlich ansähen. Räume, die von der Besatzungsmacht für die Jugend feigegeben worden waren,11 Kampf mit deutschen Behörden Zwischenbilanz wurden entweder auf Veranlassung deutscher Stellen nicht geräumt oder nach der Räumung wieder anderweitig belegt. Die Presse berichtete ausführlich über die Kontroverse zwischen Prof. Enzensperger und dem Leiter des Flüchtlingsamtes in Bad Tölz, der die freigegebene Jugendherberge Urfeld am Walchensee partout in ein Altersheim mit der Begründung verwandeln wolle, Jugendarbeit sei heute mehr oder weniger unzeitgemäß. Ende 1946 standen der Jugend in Bayern immerhin wieder zur Verfügung: 21 Jugendherbergen, 36 Jugendheime, 70 Sportplätze. Zu dieser Zeit existierten 160 Kreisjugendausschüsse mit 534 Jugendgruppen, die zusammen Mitglieder zählten. Einen anerkennenswerten Beschluss fasste zu dieser Zeit der Touristenverein Die Naturfreunde : 17 Ferienheime und Hochgebirgshütten, die wieder in seien Besitz übergegangen waren, stellte er den wandernden Jugendgruppen aller Jugendverbände in Bayern zur Verfügung. Öffentlichkeitsarbeit Die Öffentlichkeitsarbeit des Landesjugendausschusses machte ebenfalls gute Fortschritte. Jeden Monat fanden Pressekonferenzen statt. Ab November verfügte der Informationsausschuss des LJA über Papierzuteilungen, so dass die jugendnachrichten gedruckt werden konnten. Mitte Oktober 1946 hatte Radio München ( a station of the mililtary gouvernment ) mit kurzen Jugendsendungen begonnen. Ab Anfang 1947 konnte der Informationsausschuss eine Zeit lang jede Woche eine viertelstündige Jugendfunksendung zusammenstellen. Krank, Krüppel, Arbeitslos Streuner und Kriminelle Laienspiele zu Weihnachten Das erste Nachkriegs-Weihnachten stand zugleich im Zeichen der Hoffnungslosigkeit und der Hoffnung: hier die sich ständig verschlechternden äußeren Lebensbedingungen, dort aber das vielzitierte neu aufblühende Leben in den Ruinen. Rund junge Menschen zwischen 14 und 18 Jahren erlebten das Weihnachtsfest 1946/47 ohne Beschäftigung, ohne Lehrstelle, ohne Aussicht, in einem Beruf Fuß fassen zu können Jugendliche krank, Krüppel oder wegen Unterernährung nicht arbeitsfähig. Dazu eine unbekannte Zahl von Streunern, von Jugendlichen, die ihre verlorenen Eltern suchten. 700 Streuner wurden, wie die Zeitungen berichten, in dem Wanderhof Herzogsägmühle bei Schongau einer nützlichen Arbeit zugeführt. Der Landesjugendausschuss muss an Behörden und private Gönner appellieren, ihm Büromöbel und Gegenstände zu überlassen: Die Fülle der Arbeit, die sich im immer steigenden Maße für die Jugend ergibt, lässt sich nun nicht einmal ohne Tische und Stühle durchführen. Manche Jugendgruppen üben Weihnachtsspiele ein. Seit kurzem sind beim Heinrich-Buchner-Verlag wieder Texte zu haben, die Militärregierung hat dem Verlag eine Laienspiel- Lizenz gegeben. Die Textbücher werden in mühseliger Arbeit geschrieben, manchmal auch auf Packpapier und zusammengestückelte Zeitungsränder. Es fehlt an Bastelmaterial, aber viele Gruppen entwickeln unglaubliche Phantasie, trotz mangelnder Mittel doch nette Kleinigkeiten für den Gabentisch entstehen zu lassen. In den jugendnachrichten heißt es: Aber noch nicht einmal die Lichtlein für den Christbaum sind zu bekommen.12 1947 Gründung des Bayerischen Jugendrings Treffen auf dem Hohen Meißner Schussstrich unter die Jugendbewegung Jugendringe BLJA nur ein Verwaltungsapparat Wer ist wem verantwortlich? german-board - Hauptausschuss Das wichtigste Ereignis des Jahres 1947 wird die Gründung eines Gesamtverbandes der bayerischen Jugend, das Bayerischen Jugendrings. Am 24. Oktober 1946 hatten auf dem Hohen Meißner eine Zusammenkunft von Persönlichkeiten stattgefunden, die ehedem in der Jugendarbeit führend waren. Neben den Vertretern der alten bündischen Jugend und des Wandervogels waren auch ehemalige Mitglieder jener Verbände erschienen, die sich im Reichsauschuss der deutschen Jugendverbände von 1933 zusammengeschlossen hatten. Die Jugendtagung auf dem Hohen Meißner aber zog einen Schussstrich unter die deutsch-tümelnde Romantik von Wandervogel und bündischer Jugend; sie stand bereits im Zeichen der ersten Ansatzpunkte zu einem europäischen Wollen. Man sah im Aufbau des demokratischen Staates eine gemeinsame Aufgabe, die nur durch Zusammenarbeit aller Jugendverbände zu lösen sei. Die Tagung endete mit einem Aufruf an die Jugend in Stadt und Land, überall in Deutschland sich einen Jugendring zum gemeinsamen Wirken im demokratischen Geist zusammenzufinden. Vertreter des Bayerischen Landesjugendausschusses traten auf dem Meißnertreffen nachdrücklich für einen gesamtdeutschen Zusammenschluss der zu bildenden Jugendringe ein. Sie trugen, wie einer der Teilnehmer der Tagung, Dr. Lades, später vor dem Hauptausschuss berichten konnte, wesentlich zur Klärung der Auffassung bei. Vom Hohen Meißner brachten die Vertreter des Landesausschusses den Begriff und die Idee des Jugendrings mit. Mr. Thomson regte am 13. Dezember 1946 die Neugestaltung des Landesjugendausschusses an. Bis dahin hatte der Ausschuss praktisch nur aus dem Präsidenten und neun Referenten mit fünf weiteren zugeordneten Jugendleitern bestanden. Landesverbände waren noch nicht lizenziert und hatten damit im Landesjugendausschuss keine direkte Möglichkeit einer Mitarbeit. Mr. Thomson meinte: der Landesjugendausschuss solle keine Behörde, kein Apparat und keine Maschine sein, die nur die Absichten der Militärregierung ausführt. Der Präsident sei letztlich nur der Militärregierung gegenüber für die Arbeit des BLJA verantwortlich, aber sonst niemand. Die Militärregierung wolle nunmehr in Übereinstimmung mit dem Kultusministerium den Verbänden die Möglichkeit der Mitarbeit einräumen. Nur auf einer derart erweiterten Basis werde es auch möglich sein, noch eine andere Absicht zu verwirklichen: Den Gedanken der Jugendgruppenarbeit auch in den Schulen zu verankern. Mr. Thomson schlug vor, ein german board zu bilden, also einen Ausschuss, in dem die Vertreter der Behörden, der Jugendorganisationen, der Schulen und unabhängige Repräsentanten, deren Berufung sich die Militärregierung vorbehalten wollte, zusammenarbeiten. Dieser Ausschuss13 (der spätere Hauptausschuss ) solle den Präsidenten wählen, der Präsident wiederum habe die hauptamtlichen Referenten einzusetzen. Bei dieser Gelegenheit kündigte Thomson an, die Militärregierung werde nun bald einige Landeslizenzen an Jugendverbände erteilen. Im übrigen meinte er, die Arbeit der Kreisjugendausschusse solle durch den neuen Ausschuss nicht abgewertet werden, sondern in der bisherigen Form weiterlaufen. Arbeit an der Satzung Heinz Beck im LJA Damit war dem Landesjugendausschuss die Aufgabe gestellt, eine Satzung für das neue Gremium und damit für die spätere Konstruktion Bayerischer Jugendring auszuarbeiten. Die Satzung solle, wie Thomson sagte, ganz ohne Einfluss der Militärregierung zustande kommen. Selbstverständlich blieb das Einspruchsrecht der Besatzungsmacht davon unberührt. Im Januar 1947 kam man erneut zusammen. An der Satzung wurde laufend gearbeitet. Mr. Thomson wurde durch Mr. Fritz als Vertreter der Militärregierung abgelöst. Heinz Beck, bis dahin im Kultusministerium als Referent tätig, trat als Mitarbeiter des Präsidenten in den Landesjugendausschuss ein. Vom 21. Bis 23. Februar traf sich der von Mr. Thomson vorgeschlagene Ausschuss noch in kleiner Besetzung auf dem Berghaus Sudelfeld. Im Mittelpunkt dieser ersten Hauptausschusstagung des Bayerischen Jugendrings stand die erste Lesung der Satzung. Körperschaft Diskussion um Waffendienst Dr. Heinrich Lades schlug vor, den künftigen Bayerischen Jugendring als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu konstituieren. Nur über den Paragraphen 3 der Satzung, der den Statuten als Präambel vorangestellt werden sollte, entspann sich eine lebhafte Diskussion. Es hieß darin u. a., die Mitglieder der dem Bayerischen Jugendring angeschlossenen Verbände, der Schulen und Gruppen würden nie zu den Waffen greifen oder sich zum Waffendienst zwingen lassen. In der Aussprache gab Dr. Graßl zu bedenken, die Satzung fordere hier eine rechtliche Grundlage. Nur der Bayerische Landtag könne eine solche Bestimmung in die Verfassung aufnehmen. Demgegenüber meine Dr. Lades, der Verfassungsentwurf sei von Männern ausgearbeitet worden, die sowieso nie mehr zum Waffendienst herangezogen werden würden, es sei also ein gutes Recht der Jugend, hier Forderungen zu stellen. Interessant scheint jedoch in dieser Diskussion, dass sich die Vertreter der FDJ, Keim und von Caprivi, am stärksten gegen eine so weit gefasste Formulierung aussprachen; sie argumentierten, in einem Verteidigungskrieg müsse der Waffengebrauch erlaubt sein. Schließlich einigte man sich darauf, in den Verbänden intern eine Meinungsbildung zu der strittigen Frage herbeizuführen und bei der zweiten Lesung erneut darüber zu sprechen. Ringen um gemeinsame Beschlüsse Ein wichtiger Gedanke, der für die gesamte spätere Arbeit im Bayerischen Jugendring bestimmend sein sollte, wurde ebenfalls bereits auf dieser Tagung im Februar 1947 ausgesprochen: Die Anwesenden waren sich darüber einig, dass im Hauptausschuss möglichst wenig Abstimmungen stattfinden sollten. Eine Einigung könne fast immer, so war es die Überzeugung der Anwesenden, aus dem Wissen um die14 gemeinsame Aufgabe zustande kommen. Und falls Abstimmungen unumgänglich seinen, so sollten Meinungsbildungen wenigsten von einer Zweidrittelmehrheit getragen sein. Gründungs-Tagung Zwei Monate später brachte die Hauptausschusstagung vom 18. Bis 20. April zwei wichtige Ereignisse in der Geschichte des Bayerischen Jugendrings: die Annahme der Unterzeichnung der Statuten sowie die Überreichung der Lizenzurkunden an acht Landesverbände durch Mr. Fritz. Das Personal der Geschäftsstelle, die mit der Jahreswende 1946/47 die provisorische Unterkunft im Kultusministerium verlassen und in die Possartstraße umgezogen war, reiste zusammen mit den Mitgliedern des Hauptausschusses in zwei Omnibussen zum Berghaus Sudelfeld. Zum erstemal nahmen an dieser Zusammenkunft auch Schulvertreter teil Problem Jugendparlamente Die zweite Lesung der Satzung behandelte als neu aufgetautes Problem die Frage, inwieweit die inzwischen entstandenen Jugendparlamente in den Bayerischen Jugendring eingebaut werden könnten. Schon im Dezember 1946 hatte sich an der Wirtschaftsoberrealschule München ein Schülerparlament konstituiert. Anschließend wurden in der Landeshauptstadt zwei weitere Jugendparlamente, die Junge Stadt sowie eine Arbeitsgemeinschaft der jungen Parteimitglieder gegründet. Zusammen mit Jugendparlamenten, die in anderen Städten entstanden waren, strebten die hier mitarbeitenden jungen Leute die Bildung eines Landesparlaments der Jugend an. Natürlich hatten sich zwischen den Absichten des Landesjugendausschusses, im Hauptausschuss ein für die gesamte Jugend verantwortliches und sorgendes Gremium zum bilden, und den Jugendparlamenten Spannungen ergeben. Dr. Lades, der zunächst die Sudelfeldtagung leitete, unterbreitete einen sehr glücklichen Vorschlag: die Jugendparlamente örtlich an die Kreisjugendausschüsse zu binden (und damit von der Mitarbeit im Hauptausschuss praktisch auszuschalten!) Angesichts der Kurzlebigkeit der Jugendparlamente, die sich aus dem Mangel an echten Aufgaben erklären lässt, war damit das Problem ein für allemal erledigt. Späteren Jugendparlamenten war immer nur eine kurze Lebensdauer beschieden; ihr Publicity stand stets im umgekehrten Verhältnis zu ihrer praktischen Wirksamkeit. Sie waren immer nur Diskussionsforen, aber nicht handelnde und beschließende Gremien. Behördenvertreter im HA Satzung angenommen Der wichtigste Punkt dieser Aussprache war jedoch die Frage, welche Rolle die Behördenvertreter im Hauptausschuss spielen. Bei der Gründung des Landesjugendausschusses war man davon ausgegangen, dass alle Eingeladenen uneingeschränkt verantwortlich seine, Verbandsvertreter könnten gegenüber ihrem Verband Verantwortung übernehmen, nicht aber Behördenvertreter gegenüber einer anonymen Behörde. Schließlich wurde den Vertretern der Ministerien trotz mancher Bedenken das Stimmrecht zuerkannt. Nach Abschluss der zweiten Lesung der Satzung galt diese als angenommen. Am nächsten Tag unterzeichneten sie die Verbandsvertreter.15 Im Anschluss an die Satzungsdebatte begaben sich die Teilenehmer der ersten Hauptausschusstagung in s Freie, wo herrliches Frühlingswetter herrschte. Die Verleihung der Landeslizenzen nahm Mr. Fritz vor der Kulisse der umrahmenden Bergwelt in feierlicher Form vor. Heinz Beck erinnerte daran, dass zu diesem Zeitpunkt fast eine halbe Million Jugendlicher wieder in Verbänden erfasst sein. Mr. Fritz erklärte, er habe die Statuten des Bayerischen Jugend- Überreichung der Lizenzen rings durchgesehen und durch seine Unterschrift gutgeheißen. Die Militärregierung könne sagen, dass sie mit den bayerischen Jugendverbänden gut zusammenarbeite. Lizenzierte Landesverbände Lippl und Beck Lizenzen erhielten sodann die Falken (Weinberger), die Gewerkschaftsjugend (Reuter), die Naturfreunde (Steinberger), der Bund der katholischen Jugend (Dr. Rössler), die Kolpingjugend (Friesinger), die Evangelische Jugend (Helbich), die Pfadfinderschaft St. Georg (Fischer) sowie der Bund Deutscher Pfadfinder (Tröschel). Zum Abschluss kündigte Oberregierungsrat Franz Josef Strauß an, das Kultusministerium stelle den acht Landesverbänden ein Geburtstagsgeschenk von je 3000 RM als Starkhilfe zur Verfügung. Die nachfolgende Präsidentenwahl leitete Strauß. Im zweiten Wahlgang wurde Alois Johannes Lipps mit 25 gegen 7 Stimmen erneut zum Präsidenten gewählt. Im ersten Wahlgang wurde Heinz Beck mit dem gleichen Stimmverhältnis als zweiter Präsident berufen. Einstimmig wurde anschließend Landespräsens Roman Friesinger zum Vorsitzenden für den weiteren Verlauf der Hauptausschusstagung bestimmt. Schule, Schülervertreter, Nichtorganisierte Schulreformpläne Von den auf der Gründungstagung des BJR behandelten weiteren Themen sei an dieser Stelle nur mehr eines herausgegriffen: Die Schulreform. Späteres vorwegnehmend kann man sagen, dass sich der Bayerische Jugendring in jenem ersten Abschnitt seiner Entwicklung viel mehr mit Schulproblemen befasst hat als in den folgenden drei Abschnitten seiner 20-jährigen Geschichte zusammengenommen. Es ist indessen nicht möglich, aus den Äußerungen der April- Hauptausschusstagung von 1947 und aus späteren Diskussionen eine einheitliche Linie oder übereinstimmende Vorstellungen des Bayerischen Jugendrings zur Schulreform herauszudestillieren. Das Bemerkenswerte all dieser Äußerungen ist, dass sich der Jugendring überhaupt sehr stark mit den Überlegungen zu Schulreform befasst hat. BJR-Kritik am Schulsystem Ferner lässt sich sagen, dass die entwickelten Vorstellungen durchweg auf sehr radikale Veränderungen im Schulsystem abzielten. Veränderungen, die im Allgemeinen mehr mit den Vorstellungen der Besatzungsmacht als mit dem bayerischen Kultusministerium übereinstimmten. Mehr als die Aufzählung von Einzelheiten erhellen wenige Sätze aus einem Referat dieser Hauptausschusstagung wie manche damals die Schule im Bayerischen Jugendring beurteilten: Das Schulsystem, das in Deutschland allgemein herrscht, ist eine Mischung der Traditionen von Klosterschulen und Kadettenanstalten. In16 beiden Systemen herrschten das absolute Untertanenideal, Unterordnung und Pflichtauffassung. Die Schulen waren und sind heute noch im wesentlichen Untertanen-Plantagen, geeignet für Regierungsformen, wie wir sie in Deutschland nur allzu gut kennen gelernt haben. Es wurden mit relativ geringen Ausnahmen Sklaven und im besten Fall Sklavenhalter gezüchtet... Mitarbeit von Schülervertretern Wahlen in den Schulen Schule unterstützt Jugendarbeit Wenn auch die auf dieser Hautpausschusstagung entwickelten Vorschläge zur Schulreform wie auch zahlreiche spätere Anregungen kaum Berücksichtung fanden, so hat der Bayerische Jugendring in der Schule doch etwas anderes erreicht: die Bestimmung seiner Satzung, wonach nicht nur im Hauptausschuss, sondern auch in den Kreisjugendringen Schülervertreter die Möglichkeit der Mitarbeit erhalten sollten, bildete von Organisatorischen her gesehen den Anlass zur Wahl von Schülervertretern in den Schulen. Der Gedanke des Schülerparlaments und der Sprecherwahl kam nicht vom Bayerischen Jugendring. Den gewählten Schülervertretern wurde jedoch durch den Bayerischen Jugendring eine Ebene der Mitarbeit außerhalb der Schule verschafft. Die Arbeit der Schülervertreter erhielt damit durch den Bayerischen Jugendring zu einem im Vergleich mit dem übrigen Deutschland sehr frühen Zeitpunkt eine nicht zu unterschätzende Aufwertung. Nach der Hauptausschusstagung vom April 1947 führte der Bayerische Jugendring Gespräche mit dem damaligen Kulturminister Dr. Alois Hundhammer über den Wahlmodus für Schülervertreter. Allerdings wurde dafür noch keine ideale Form gefunden. Das Kultusministerium ordnete die Wahl von Schülervertretern für die Kreisjugendringe an; die Oberkassen der höheren Lehranstalten hielten Versammlungen ab, in denen die Vertreter gewählt wurden. Sie gingen nicht wie heute aus einem demokratischen Unterbau, nämlich aus der Vollversammlung der Klassensprecher, hervor. Erfreulich für die Jugendarbeit war noch ein anderer Akt des Kultusministeriums: in einer Entschließung an die Direktorate der höheren Lehranstalten und an die Leitungen der Berufsund Volksschulen wurde auf die Tätigkeit der lizenzierten Jugendgruppen und verbände hingewiesen. Ihre Arbeit wurde als besonders wichtiger Erziehungsfaktor gewürdigt. Wörtlich: Der kameradschaftliche Zusammenhalt und die gegenseitige Erziehung erscheinen als eines der besten Mittel, der heute so überaus gefährdeten Jugend wieder Halt und Vertrauen zu sich selbst zu geben. Die eingerichteten Jugendausschüsse bieten die Gewähr dafür, dass die Arbeit der Jugendorganisationen mit den Zielen der übrigen Erziehungseinrichtungen Hand in Hand geht. Die Direktorate und Schulleitungen werden daher angewiesen, die Schüler regelmäßig in geeigneter Form zum beitritt in die lizenzierten Jugendorganisationen aufzufordern. Die Schulen werden ferner angewiesen, die jugendnachrichten in mindestens zwei Stücken zu beziehen. Diese Stücke sind an geeigneter Stelle möglichst in der Nähe des Schwarzen Brettes anzuschlagen. Wenn man diese Sätze liest, dann wird man unwillkürlich an die 17 Jahre später ergangene Entschließung des Kultusministeriums (1. Juni 1964) über die Würdigung der außerschulischen Jugendarbeit erinnert (siehe Seite 161).17 Wäre das, was in dieser Bekanntmachung vom April 1947 stand, in die Tat umgesetzt worden, dann hätte es vielleicht dieser späteren Würdigung und Anerkennung kaum mehr bedurft. So steht die damalige Bekanntmachung eben nur als typischer Markstein in der Geschichte des BJR, aus dem wir freilich rückblickend erkennen können, wie nach sich damals Schule und freie Jugendarbeit gekommen waren. Mitverantwortung für die Nichtorganisierten Erste Zeltlageraktion Sowohl der Landesjugendausschuss als auch der Bayerische Jugendring fühlten sich von Anfang an nicht nur für die organisierte Jugend in Bayern, sondern für die gesamte Jugend verantwortlich. Dies geht schon aus der Zusammensetzung der sie tragenden Gremien hervor, aber auch aus den Absichten der Besatzungsmacht. Ein weiterer Beweis ist die von der Sorge um die gesamte Jugend bestimmte Arbeit des leitenden Gremiums der Jugendarbeit in Bayern. Schließlich zeigt auch eine Durchsicht der zahlreichen Stellungnahmen und Entschließungen, dass bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Fahrpreisermäßigungen für Jugendleiterlehrgänge oder Haushaltswünsche) stets Fragen angesprochen wurden, die die gesamte Jugend betrafen. Die erste große Aktion, die der neue gegründete Bayerische Jugendring durchführte, war eine Aktion für die gesamte Jugend. Im März 1947 hatte die Militärregierung dem Landesjugendausschuss 1000 Tonnen Zeltmaterial mit der Auflage zur Verfügung gestellt, in ganz Bayern während des Sommers Zelterholungslager vorzubereiten. Ein Referent des LJA suchte die Kreisjugendausschüsse von Nürnberg, Würzburg, Bamberg, Amberg, Regensburg, Augsburg und Kaufbeuren auf, um die Aktion zu besprechen und von diesen Orten aus die Lager zu organisieren. Zum erstenmal ließ sich in diesen Kreisjugendausschüssen anlässlich der Zeltlageraktion ein Referent aus München sehen, und der Beauftragte bekam in den Versammlungen der Ausschussmitglieder mehr über Kritik am LJA, als über die Zeltlageraktion zu hören. Immerhin bildete dieses Vorhaben den Anfang einer ganzen Reihe späterer Jugendring-Aktionen im Lande. Ihr guter Verlauf hat zweifellos viel dazu beigetragen, den in solchen Aktionen auf die Probe gestellten organisatorischen Zusammenhalt des Bayerischen Jugendrings zu festigen. Zusatzverpflegung Die amerikanischen Jugendoffiziere begannen mit Lebensmittelsammlungen, um den Jugendlichen in den Ferienlagern eine Zusatzverpflegung zu sichern. Trotz der damals katastrophalen Ernährungslage stellte auch der damalige Landwirtschaftsminister Dr. Josef Baumgartner so viele Lebensmittel bereit, dass die Lagerteilnehmer 350 Kalorien am Tag zusätzlich erhalten konnten und damit die damals unwahrscheinliche Kalorienzahl von 2500 bis 3000 erreichten. Die 350 Zusatzkalorien setzten sich zusammen aus 10 g Fett, 75 g Fleisch und 50 Nährmitteln. Die Gewichtszunahme der Lagerteilnehmer lag denn auch bei durchschnittlich zwei Kilo in 14 Tagen. Gewichtszunahme - pädagogische Betreuung Insgesamt bestanden im Juli/August feste Zeltlager und 150 Wanderlager Jugendliche erlebten nach den Kriegsjahren zum erstenmal wieder frohe Ferien. Nicht die pädagogische Betreuung, sondern allein die Gewichtszunahme und die Befreiung aus der tristen Alltagsumgebung waren die Ziele der ersten Zeltlageraktion.18 Das einzige Unerfreuliche der Aktion war die Tatsache, dass beim Abbruch der Lager unwahrscheinlich viel gestohlen wurde: Tauschende von Decken, Schlafsäcken und Zelten verschwanden. Konkrete Aufgabe für die Kreisjugendringe Zuschüsse für KJR-Arbeit Jüngere Kräfte drängen vor Situation der Jugendgruppen GYA-Betrieb Die Zeltlageraktion wirkte sich auch auf die Arbeit zahlreicher Kreisjungendausschüsse belebend aus. Man hatte hier zum erstenmal eine Aufgabe von umfassender Bedeutung gestellt bekommen. Die örtliche Öffentlichkeit, vor allem auch die bisher gegenüber der Jugendarbeit teilweise noch sehr zurückhaltenden Behörden, konnten erkennen, dass die Kreisjugendringe nicht nur bestanden, um Betrieb zu machen, sondern dass ihnen allmählich wichtige Jugendaufgaben zuwuchsen. Die Stadt und Kreisräte honorierten die Ernsthaftigkeit der durch die Kreisjugendringe geleisteten Tätigkeit nunmehr mit beträchtlichen Zuschüssen. Sie stellten auch Räume zur Verfügung und nahmen sich überhaupt der Jugend nun mit viel Verständnis an. Die bisherigen Benotungen der Kreisjugendausschüsse mit gut arbeitend oder geringe Tätigkeit in den Berichten an die Militärregierung konnten im Zeichen solch umfassender Aktivitäten aufgegeben werden. In den Versammlungen der Kreisausschüsse meldete sich manche spontane Aktivität zu Wort und siehe da schon stellten sich auch die ersten Auslegungsschwierigkeiten mit der Satzung ein. Jüngere Kräfte begannen gegen ergraute Vorsitzende zu rebellieren, die einst als politisch unbelastete Persönlichkeiten mit der Leitung des Kreisausschusses betraut worden waren, die für ihre Aufgabe aber nun zu alt erschienen. Für diejenigen Kreisausschüsse, die im April 1947 noch kein Sommerprogramm aufgestellt hatten, empfahlen die jugendnachrichten folgende Aufgaben: Zeltlageraktion, Jugendbildungswerk, Hilfe für die Ostjugend, Mitarbeit an der Jugendausstellung (von der noch die Rede sein wird) sowie Diskussionen über die Schulreform und der Gewissensfreiheit gegenüber dem Waffendienst. Wie aber sah es zu dieser Zeit in den Jugendgruppen selbst aus? Dr. Heinrich Lades schrieb dazu: Die Lebensformen der alten Jugendbewegung, Fahrt, Lager, Volkslied, Laienspiel, werden übernommen, aber noch nicht wieder als Ausdruck eines eigenen Lebensstiles empfunden. Ob sich ein solcher besonderer Lebensstil der Jugend überhaupt wieder entwickeln wird, ist sehr zweifelhaft. Die Verbände und Gruppen werden heute vielfach von Menschen der Mittelgeneration, 25 bis 40, geführt. Die obere Altersgrenze der in Verbänden vereinigten Jugend geht in den Westzonen meist über die frühere Grenze des 18. Lebensjahres hinaus und liegt zum Teil erst bei 25 Jahren. Der Grund hierfür liegt in der Entwicklung der heute 18- bis 25-jährigen, denen viele Jahre ihrer Jugend durch den Krieg gestohlen wurden... In den Städten und Landkreisen gelingt es nicht, die GYA- Arbeit mit der Tätigkeit der Kreisausschüsse und später der Kreisjugendringe zu koordinieren bzw. die GYA-Aktivitäten in die Jugendringe zu integrieren. In zunehmendem Maße kann GYA Clubhäuser, Bibliotheken, Sportgeräte und kalorienreiche Fahrten anbieten. Das sind alles Dinge, über die die Kreisjugendringe nur in sehr begrenztem Ausmaß verfügen. Dr. Lades meinte: Der gute Wille der Amerikaner19 Erste Internationale Jugendkundgebung fällt hier indessen nicht immer auf guten Boden. Es wird zuviel Betreib gemacht. Ihr Ton erinnert manchmal an den der HJ- Führer, welche die Macht des Staates hinter sich fühlten. Sie spielen die Macht der Militärregierung gerne gegen andere, beispielsweise gegen die Kreisjugendringe, aus... Das bedeutendste Ereignis Drei Ideen Dokumentation der Veranstaltung Zwölf Jahre Abschnürung Das beherrschende Ereignis des Jahres 1947, vielleicht das bedeutendste Ereignis in der gesamten 20-jährigen Geschichte des Bayerischen Jugendrings, war die Erste Internationale Jugendkundgebung am 28. Juni 1947 in der Aula der Universität München mit dem nachfolgenden Beisammensein deutscher Jugendlicher und ausländischer Gäste in Sudelfeld, Seeshaupt, Kühroint, Hohenschwangau und Raintaler Hof vom 29. Juni bis 4. Juli. Die Idee, ein solches Treffen zu veranstalten, lag nahe. Uns so ist es nicht verwunderlich, dass der Gedanke von drei Seiten fast gleichzeitig aufgegriffen wurde: Von dem Münchner Jugendparlament Junge Stadt, von der Zeitschrift Echo der Woche und vom Bayerischen Jugendring. Über die Vorgeschichte der Idee schrieb Alois Johannes Lippl in jenem Buch, das eine einzigartige Dokumentation über die Jugendkundgebung darstellt ( Ruf an die deutsche Jugend, München 1947; Ein Bericht, zusammengestellt von Gerhard Fauth, Verlag die Zwölf, München): Als im Mai 1946 der Bayerische Landesjugendausschuss zum erstenmal zusammentrat... da waren sich alle Vertreter der Jugend... einig, dass eine der wichtigsten Aufgaben darin bestehen würde, über den klaffenden Graben aus Fremdheit, Unkenntnis und Misstrauen, der uns tödlich von der übrigen Welt trennte, Brücken zu bauen...wir wussten, dass es für uns auf diesem Weg aus dem solange vergitterten Dasein heraus viele geistige und technische Schwierigkeiten geben würde. Das Schicksal einer menschlichen Inferiorität, eingesammelt in dem bedrückenden und lähmenden Begriff der Schuld, schien die Wege vorerst noch versperren zu wollen... Unser erstes Beginnen auf diesem Weg in die Welt musste auch in seinen Formen einem ehrlichen Willen entspringen und fern von jeder auch nur unbewussten Anbiederung echte menschliche Würde und überzeugende Lauterkeit zeigen... Dennoch, wir hätten damals am Beginn unserer Arbeit wohl alle etwas ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn uns jemand gesagt hätte, dass nach einem knappen Jahr schon als ein beglückendes Ereignis eine erste große internationale Jugendkundgebung in München stattfinden würde. Aber das Unglaubwürdige geschah: fast erschraken wir über das erste Echo, das uns in einer überwältigenden Herzlichkeit und Zustimmung auf unsere ersten Vorbereitungen vom Ausland her wiederfuhr und das uns gerade in seinem spontanen Wesen aufs neue klarmachte, wie wenig wir doch von draußen wussten... Eine Zeitschrift Partner Dr. Lades und Heinz Beck saßen zwecks Besprechung von des BJR aktuellen Fragen eines Tages Anfang 1947 bei der Militärregierung, als ein Vertreter der Zeitschrift Echo der Woche erschien und den Wunsch zur Anhaltung einer derartigen Kundgebung äußerte. Der Sprecher der Militärregierung fand den Plan gut und forderte den20 Landesjugendausschuss auf, die Kundgebung gemeinsam mit der Zeitschrift durchzuführen. Nach den Plänen des Echo der Woche, die der Beauftragte in dieser Besprechung vorlegte, hätte es sich jedoch nicht um eine Jugendkundgebung, sondern um ein Treffen geistiger Prominenz aus Europa gehandelt. Die Militärregierung forderte den Landesjugendausschuss auf, Gegenvorschläge zu machen, und so kam das endgültige Konzept zustande. Organisationsplan Ruf an die Jugend der Welt Zustimmung viele Zusagen Die Aufgaben waren so verteilt: Echo der Woche lud die Ausländer ein und übernahm in München ihre Betreuung. Der Landesjugendausschuss übernahm alle organisatorischen Vorbereitungen, er lud die deutschen Teilnehmer ein und sorgte für das anschießende gemeinsame Beisammensein in den genannten Jugendhäusern. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass ohne den BLJA das Münchner Treffen nicht in dieser Form und mit diesem weltweiten Echo hätte stattfinden können. Der beschränkte Redaktionsstab des Echo der Woche war gar nicht in der Lage, eine solche Aufgabe zu bewältigen. Der BLJA trug zwar die Hauptlast des Unternehmens, hielt sich jedoch streng an die vereinbarte Partnerschaft. Echo der Woche veröffentlichte am 19. April einen Ruf An die Jugend der Welt in deutsch, englisch und französisch, der von dem Jugendparlament Die Junge Stadt unterzeichnet war. Darin hieß es u. a.: Kommt zu uns, helft uns, überzeugt Euch, dass es auch eine andere deutsche Jugend gibt, eine Jugend, die arbeiten und aufbauen will. Helft uns in unserem Kampf gegen die dumpfe abseits stehende Masse. Gebt uns die Mittel, diesen Kampf zu bestehen. Liefert uns die Bücher Eurer großen Denker, die uns ein verbrecherisches System vorenthielt, mit denen uns unsere früheren Lehrer nicht bekannt machten und die jetzigen nicht bekannt machen können, weil es im zerstörten Deutschland keine Bücher mehr gibt. Wir wollen die Lücke ausfüllen, wir wollen lernen, wollen wissen, wie Eure Völker über Recht und Schicksal des Menschen urteilen. Wir wollen noch einmal in die Schule gehen, in die Schule des praktischen, friedlichen Lebens. Helft uns, die Lehrer zu finden. Seit selbst unsere Lehrer! Die Einladungen an Persönlichkeiten des geistigen Lebens im Ausland wurden durch Echo der Woche direkt versandt. Zustimmungserklärungen zur Idee einer Internationalen Jugendkundgebung liefen in großer Zahl ein, und auch die Zusagen für eine Teilnahme kamen in größerer Zahl, als man in der damaligen Situation erwarten konnte. Man muss sich vor Augen halten, dass gerade zu dieser Zeit die nationalsozialistischen Verbrechen in der Welt erst in ihrem vollen Umfang nach und nach bekannt wurden. Hunderttausende deutscher Kriegsgefangener lebten Mitte 1947 noch hinter den Stacheldrähten von Lagern in Europa, in Sibirien und in den USA. Die Welt saß zu Gericht über die Verbrechen Deutschlands. Aber der Glaube an ein anderes Deutschland war noch ein zartes Pflänzchen, das noch kaum Wurzeln geschlagen hatte. Die Vorstellung, alle Deutschen hätten von den Verbrechen des Naziregimes gewusst und hätten sie gebilligt, war zu dieser Zeit in den meisten Siegerstaaten noch ganz allgemein verbreitet. Mehr anzeigen
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References: Art. 23
 Art.1
 Art. 60
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