Source: http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&zoom=OUT&type=show_document&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-III-369%3Ade
Timestamp: 2014-04-24 19:30:11+00:00

Document:
137 III 36954. Auszug aus dem Urteil der II. zivilrechtlichen Abteilung i.S. X. gegen Y. und Z. (Beschwerde in Zivilsachen)
5A_876/2010 vom 3. Juni 2011
Zust�ndigkeit (Art. 87 Abs. 2 IPRG); Klage auf Leistung einer Soulte aus einem Erbteilungsvertrag. Die Klage auf Zahlung einer in einem Erbteilungsvertrag vereinbarten Ausgleichsleistung (Soulte) ist erbrechtlicher Natur. F�r die Beurteilung der Klage ist deshalb das in erbrechtlichen Angelegenheiten vorgesehene Gericht zust�ndig (E. 4). Sachverhalt ab Seite 369
BGE 137 III 369 S. 369
A. Am 12. Juni 1986 verstarb A., Witwe des Schriftstellers B. Sie hatte letzten Wohnsitz in Vaduz (Liechtenstein) und war in Basel heimatberechtigt. In einem Testamentsnachtrag hatte sie die Teilung ihres Nachlasses schweizerischem Recht unterstellt. Sie hinterliess drei Kinder, n�mlich die beiden T�chter X. (Beschwerdef�hrerin) und C. (verstorben 1998; deutsche Staatsangeh�rige mit letztem Wohnsitz in Deutschland) sowie den Sohn D.
Nach l�ngeren Auseinandersetzungen einigten sich die beiden T�chter mit Vertrag vom 15. August/18. September 1990 �ber die Erbteilung. Dabei ergab sich eine Ausgleichsforderung von X. gegen BGE 137 III 369 S. 370ihre Schwester C. in der H�he von Fr. 49'095.-. Letztere beglich diese Forderung in der Folge nicht.
Am 8. Februar 1995 reichte X. am Zivilgericht Basel-Stadt Klage gegen ihre Schwester C., die Nachkommen ihres inzwischen verstorbenen Bruders D. sowie den Willensvollstrecker ein. Sie beantragte, den Nachlass von A. entsprechend dem Erbteilungsvertrag vom 15. August/18. September 1990 aufzuteilen, soweit dies noch nicht geschehen sei, und insbesondere C. zu verurteilen, ihr Fr. 49'095.- nebst Zinsen zu bezahlen. Am 3. Juli 1996 wurde das Verfahren infolge Klageanerkennung durch C. abgeschrieben.
C. verstarb am 6. Juni 1998. Sie hinterliess ihren Ehemann E., die S�hne F. (verstorben am 2. M�rz 2000) und Y. (Beschwerdegegner 1) sowie die Tochter Z. (Beschwerdegegnerin 2).
B. Am 3. Juli 2006 reichte X. am Zivilgericht Basel-Stadt gegen Y. und Z. Klage ein. Sie beantragte, in Erg�nzung der Anerkennung der Teilungsklage von 1995 festzustellen, dass die Beklagten als Erben in die Verpflichtungen von C. gem�ss Klageanerkennung und entsprechendem Abschreibungsbeschluss vom 3. Juli 1996 eingetreten seien. Die Beklagten seien demgem�ss solidarisch zur Bezahlung der Ausgleichszahlung von Fr. 49'095.- zuz�glich 5 % Zins seit 18. September 1990 zu verurteilen.
Am 10. Juni 2008 beschr�nkte der Instruktionsrichter das Verfahren auf die Frage der �rtlichen Zust�ndigkeit. Mit Urteil vom 15. Mai 2009 trat das Zivilgericht auf die Klage nicht ein.
C. Gegen dieses Urteil hat X. am 29. Mai 2009 appelliert. Am 18. August 2010 wies das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt die Appellation ab und best�tigte das erstinstanzliche Urteil.
D. Am 10. Dezember 2010 hat X. gegen das Urteil des Appellationsgerichts Beschwerde in Zivilsachen erhoben. Sie beantragt die Aufhebung des angefochtenen Urteils sowie die R�ckweisung der Sache zur Sachverhaltsfeststellung und zur materiellen Beurteilung der Klage. Eventualiter sei die Sache zur Beurteilung der Rechtskraft zur�ckzuweisen.
Das Appellationsgericht hat auf Vernehmlassung verzichtet, beantragt aber Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegner haben auf Vernehmlassung verzichtet.
BGE 137 III 369 S. 371Aus den Erw�gungen:
4. Zu pr�fen ist, ob die Basler Gerichte zur Beurteilung der Klage auf Zahlung der Soulte international und �rtlich zust�ndig sind.
4.1 Die Beschwerdef�hrerin st�tzt die Zust�ndigkeit des angerufenen Gerichts darauf ab, dass Basel-Stadt Heimatgerichtsstand von A. sei und dem geltend gemachten Anspruch auf Wertausgleich im Rahmen der Teilung des Nachlasses von A. erbrechtliche Natur zukomme.
4.2 A. ist 1986 verstorben. Das IPRG (SR 291) ist am 1. Januar 1989 in Kraft getreten. Seine Zust�ndigkeitsvorschriften kommen immer zur Anwendung, wenn die Klage nach dem 1. Januar 1989 eingereicht wurde (BGE 116 II 209 E. 2b/bb S. 212; Urteil 4C.3/1994 vom 13. Juni 1994 E. 4, in: SJ 1994 S. 687, mit Hinweisen). Dies ist vorliegend der Fall. Gem�ss Art. 87 Abs. 2 i.V.m. Art. 86 Abs. 1 IPRG sind die schweizerischen Gerichte oder Beh�rden f�r Nachlassverfahren und erbrechtliche Streitigkeiten zust�ndig, wenn ein Schweizer B�rger mit letztem Wohnsitz im Ausland sein in der Schweiz gelegenes Verm�gen oder seinen gesamten Nachlass durch letztwillige Verf�gung oder Erbvertrag der schweizerischen Zust�ndigkeit oder dem schweizerischen Recht unterstellt hat. Dies hat A. unstrittig getan. Es stellt sich aber die Frage, ob die vorliegende Streitigkeit �berhaupt eine erbrechtliche im Sinne des IPRG ist.
4.3 Eine Klage ist erbrechtlicher Natur, wenn sich die Parteien auf einen erbrechtlichen Titel berufen, um einen Teil ihrer Erbschaft zu fordern und die Existenz ihrer Rechte feststellen zu lassen. Erbrechtliche Streitigkeiten betreffen demnach Klagen, mit denen Bestand oder H�he erbrechtlicher Anspr�che geltend gemacht oder bestritten werden (BGE 132 III 677 E. 3.3 S. 679 f.; BGE 119 II 77 E. 3a S. 81; je mit Hinweisen). Ob die Klage auf Leistung aus einem Erbteilungsvertrag bzw. ob konkret die Einklagung einer in einem Erbteilungsvertrag vereinbarten Ausgleichszahlung (Soulte) eine erbrechtliche Angelegenheit darstellt, musste das Bundesgericht bisher nicht entscheiden.
Im Zusammenhang mit dem Vollzug von Erbteilungsvertr�gen sind zwei Entscheide zu erw�hnen, in denen das Bundesgericht die erbrechtliche Zust�ndigkeit verneint hat. In BGE 117 II 26 E. 2 S. 27 ff. hat es das Bundesgericht abgelehnt, eine Klage auf Errichtung einer Dienstbarkeit als erbrechtliche Klage zu behandeln. Die fragliche BGE 137 III 369 S. 372Verpflichtung war zwar anl�sslich einer Erbteilung von einem Erben eingegangen worden, doch war die Durchf�hrung der Teilung als solche nicht mehr streitig. Die strittige Verpflichtung stellte zudem einen Vertrag zugunsten einer am Nachlass nicht beteiligten Drittperson (Art. 112 OR) dar und hatte keinen direkten Bezug zur fraglichen Erbschaft. Mithin fehlte der enge Bezug zum Erbrecht, der zur Annahme einer erbrechtlichen Streitigkeit erforderlich ist (BGE 117 II 26 E. 2a S. 28). Ebenso fehlte dieser Bezug im Urteil 5A_230/2007 vom 7. Juli 2008, wo es zwar ebenfalls um eine Streitigkeit im Nachgang zu einer Erbteilung ging und unter dem Titel der Soulte eine Ausgleichszahlung verlangt wurde. Die fragliche Forderung diente aber nicht dem Ausgleich in der Erbteilung, sondern war auf einen separaten Kaufvertrag �ber bereits vorher zugeteilte Gesellschaftsanteile aus dem Nachlass zur�ckzuf�hren, wobei geltend gemacht wurde, der Kaufpreis sei zu tief angesetzt worden (E. 4.2).
Anders als in diesen F�llen verh�lt es sich jedoch, wenn die in einem Erbteilungsvertrag festgelegte Ausgleichszahlung (Soulte) Streitgegenstand bildet. Eine solche Ausgleichsleistung ist eng verkn�pft mit der Bildung und Zuteilung der Lose als Teil der Erbteilung. Sind sich die Erben einig, so sind sie frei, einen solchen Ausgleich bei der Erbteilung zu vereinbaren. Aber auch das Gesetz sieht in Art. 608 Abs. 2 ZGB einen entsprechenden Ausgleich ausdr�cklich vor und Art. 612 Abs. 1 ZGB geht implizit von der Zul�ssigkeit einer Soulte aus. Die Soulte hat ihren Entstehungsgrund im Erbrecht und weist somit einen engen Bezug dazu auf. Dies gilt in der Folge auch f�r Streitigkeiten �ber die Soulte, namentlich f�r die Klage auf Vollzug eines abgeschlossenen Erbteilungsvertrags. G�ltigkeit und Wirksamkeit des Erbteilungsvertrags sind Voraussetzung, damit die Klage gutgeheissen werden kann, und M�ngel dieses Vertrages k�nnen einrede- oder einwendungsweise in den Prozess eingebracht werden. Schliesslich unterstehen nach der Rechtsprechung auch andere Klagen im Umfeld der Erbteilung dem Erbrechtsgerichtsstand. Dies gilt zun�chst f�r die Erbteilungsklage (Urteil 5A_230/2007 vom 7. Juli 2008 E. 4.1), dann aber auch f�r die Anfechtung des Erbteilungsvertrags (Art. 638 ZGB; BGE 117 II 26 E. 2a S. 28 mit Hinweis). Der enge erbrechtliche Bezug der Vollzugsklage besteht im �brigen unabh�ngig davon, ob die Erbengemeinschaft bereits als aufgel�st zu gelten hat oder nicht (vgl. dazu Urteil 5D_133/2010 vom 12. Januar 2011 E. 4), so dass im Weiteren die offenbar BGE 137 III 369 S. 373umstrittene Frage, ob der literarische Nachlass von B. bereits geteilt sei, in diesem Zusammenhang unerheblich ist.
Best�tigt wird dieses Ergebnis durch einen Vergleich mit den Zust�ndigkeitsvorschriften im Binnenverh�ltnis. Im binnenrechtlichen Verh�ltnis wird die Klage auf Erf�llung des Erbteilungsvertrages von der �berwiegenden Lehre ebenfalls als erbrechtliche Streitigkeit qualifiziert und Art. 18 GestG (in Kraft bis am 31. Dezember 2010; AS 2000 2358 f. und AS 2005 5707) bzw. Art. 28 ZPO (SR 272) unterstellt (HAROLD GR�NINGER, in: Gerichtsstandsgesetz, M�ller/Wirth [Hrsg.], 2001, N. 24 zu Art. 18 GestG; NICOLAS VON WERDT, in: Gerichtsstandsgesetz, Kellerhals und andere [Hrsg.], 2. Aufl. 2005, N. 14 zu Art. 18 GestG; BR�CKNER/WEIBEL, Die erbrechtlichen Klagen, 2. Aufl. 2006, Rz. 232; CLAUDIA MARTIN-SP�HLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 2010, N. 4 zu Art. 28 ZPO; ALEXANDER Z�RCHER, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Sutter-Somm und andere [Hrsg.], 2010, N. 9 zu Art. 28 ZPO; BRUNO COCCHI, in: Commentario al Codice di diritto processuale civile svizzero, 2011, S. 49; vgl. zu aArt. 538 Abs. 2 ZGB als Vorg�ngernorm zu Art. 18 GestG GEORG LEUCH UND ANDERE, Die Zivilprozessordnung f�r den Kanton Bern, 5. Aufl. 2000, N. 2b zu Art. 30 ZPO/BE). Im Sinne einer systematischen, auf die Einheit der Rechtsordnung bedachten Rechtsprechung kann diese Doktrin zur Auslegung des IPRG beigezogen werden, zumal Gr�nde f�r eine unterschiedliche Behandlung der Klage auf Zahlung der Soulte im Binnen- und im internationalen Verh�ltnis nicht ersichtlich sind.
Schliesslich steht auch das Lugano-�bereinkommen (Lug�; ehedem SR 0.275.11 [Fassung vom 16. September 1988; AS 1991 2436] und SR 0.275.12 [Fassung vom 30. Oktober 2007]) der Anwendung von Art. 86 Abs. 1 i.V.m. Art. 87 Abs. 2 IPRG nicht entgegen. Das Gebiet des Erbrechts ist von seinem Anwendungsbereich ausgeschlossen (Art. 1 Abs. 2 Ziff. 1 Lug� 1988 bzw. Art. 1 Ziff. 2 lit. a Lug� 2007). Der Begriff des Erbrechts im Lug� braucht zwar nicht mit dem schweizerischen Verst�ndnis dieses Begriffs identisch zu sein. Allerdings werden auch im Zusammenhang mit dem Lug� Streitigkeiten �ber Teilungsvertr�ge als erbrechtlich qualifiziert (FELIX DASSER, in: Kommentar zum Lugano-�bereinkommen [Lug�], 2008, N. 74 zu Art. 1 Lug�).
Daraus folgt, dass das Zivilgericht Basel-Stadt zur Behandlung der Klage der Beschwerdef�hrerin international und �rtlich zust�ndig ist. BGE 137 III 369 S. 374
4.4 Die soeben bestimmte Zust�ndigkeit gilt auch f�r die Vorfrage der Erbenstellung der Beschwerdegegner. Nach allgemeinen prozessrechtlichen Grunds�tzen hat der in der Hauptsache zust�ndige Richter auch �ber Vorfragen zu entscheiden (MAX GULDENER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl. 1979, S. 81 und 101; vgl. auch DASSER, a.a.O., N. 52 f. zu Art. 1 Lug�). Im vorliegenden internationalrechtlichen Zusammenhang ist keine abweichende Regelung ersichtlich.
117 II 26,
132 III 677,
119 II 77
Art. 18 GestG,
Art. 28 ZPO,
Art. 87 Abs. 2 IPRG,
Art. 1 Lug� mehr... ,
Art. 86 Abs. 1 IPRG,
Art. 608 Abs. 2 ZGB,
Art. 638 ZGB,
Art. 30 ZPO

References: BGE 
 BGE 

BGE 
 Art. 87
 Art. 86
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 608
 Art. 612
 BGE 
 BGE 
 Art. 18
 Art. 28
 Art. 18
 Art. 18
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 18
 Art. 30
 Art. 86
 Art. 87
 Art. 1
 Art. 1
 BGE 
 Art. 1

Art. 18

Art. 28

Art. 87

Art. 1

Art. 86

Art. 608

Art. 638

Art. 30