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Timestamp: 2016-10-25 05:01:40+00:00

Document:
F.________, 1951, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch den Rechtsdienst f�r Behinderte, Sch�tzenweg 10, 3014 Bern,
Die 1951 geborene F.________ meldete sich am 23. April 2003 unter Hinweis auf mehrere Unf�lle (Schleudertrauma [1983], Skiunf�lle, Busunfall vom 2. April 2002 [mit Kontusion des rechten Knies]) sowie seit Jahren bestehende Migr�ne, Tinnitus, Trigeminus-Neuralgie und Depressionen bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an. Die IV-Stelle Bern f�hrte erwerbliche Abkl�rungen durch und holte einen Bericht der Haus�rztin Dr. med. H.________, Innere Medizin FMH, vom 1. Juli 2003 (dem weitere medizinische Akten beilagen) ein.
Am 19. Januar 2004 meldete sich F.________ wegen einer H�rbehinderung erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle veranlasste einen spezial�rztlichen Bericht bei Dr. med. W.________ vom 30. Januar 2004, und erteilte am 17. September 2004 Kostengutsprache f�r die Abgabe von zwei H�rger�ten.
In der Folge liess die IV-Stelle eine Expertise im �rztlichen Begutachtungsinstitut (ABI) vom 13. Mai 2004 erstellen. Am 25. Juni 2004 gew�hrte sie F.________ Beratung und Unterst�tzung bei der Stellensuche und sprach ihr mit Verf�gung vom 10. August 2004, ausgehend von einem Invalidit�tsgrad von 57 %, eine halbe Rente ab 1. M�rz 2004 zu.
Die gegen die Verf�gung vom 10. August 2004 erhobene Einsprache wies die IV-Stelle am 20. Oktober 2004 ab. Am 22. Oktober 2004 verf�gte sie den Abschluss der Arbeitsvermittlung, da diese derzeit nicht m�glich sei.
Die gegen den Entscheid vom 20. Oktober 2004 erhobene Beschwerde, mit welcher F.________ die Zusprechung einer ganzen Rente ab einem "fr�heren Zeitpunkt" beantragen liess, wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern am 7. September 2005 ab.
F.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und die Zusprechung einer ganzen Rente ab 1. M�rz 2004, eventualiter die Durchf�hrung einer zus�tzlichen psychiatrischen Abkl�rung, beantragen.
Das kantonale Gericht legt die massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen und Grundlagen zum Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 28 Abs. 1 IVG in der vorliegend anwendbaren, ab 1. Januar 2004 g�ltigen Fassung), zum Begriff der Invalidit�t (Art. 8 ATSG), zur Aufgabe von �rztinnen und �rzten bei der Invalidit�tsbemessung (BGE 125 V 261 Erw. 4), zum Beweiswert �rztlicher Berichte und Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweisen) und zur Invalidit�tsbemessung bei erwerbst�tigen Versicherten nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 16 ATSG) zutreffend dar. Korrekt ist auch, dass eine somatoforme Schmerzst�rung allein in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidit�t f�hrende Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit zu bewirken vermag (BGE 130 V 352 und 396 sowie BGE 131 V 49). Darauf wird verwiesen.
Die Vorinstanz erwog gest�tzt auf das Gutachten des ABI, der Beschwerdef�hrerin sei seit M�rz 2003 eine leichte bis mittelschwere T�tigkeit im Umfang von 50 % zumutbar.
Demgegen�ber bringt die Versicherte vor, die Beurteilung des ABI sei aus psychiatrischer Sicht ungen�gend bzw. unrichtig. Gest�tzt auf die Angaben der Kantonalen Psychiatrischen Dienste (KPD), sei von einer vollst�ndigen Arbeitsunf�higkeit auszugehen.
W�hrend dar�ber Einigkeit besteht, dass die somatischen Befunde die Arbeitsf�higkeit nur bei k�rperlich belastenden T�tigkeiten beeintr�chtigen, werden die Einschr�nkungen aus psychischer Sicht uneinheitlich beurteilt.
Der Psychiater Dr. med. O.________ gelangte bei seiner Untersuchung vom 24. M�rz 2004 im Rahmen der ABI-Begutachtung zum Schluss, die Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung (ICD-10 F45.4), einer chronifizierten leicht- bis mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.0) bei einer wahrscheinlich zugrunde liegenden depressiven Neurose sowie an einer somatoformen autonomen Funktionsst�rung im Sinne rezidivierender Abdominalbeschwerden seit Jahren (ICD-10 F45.3; wobei letzte keine Auswirkungen auf die Arbeitsf�higkeit h�tten). Zwischen der depressiven Symptomatik und der Schmerzsymptomatik bestehe ein Teufelskreis ("circulus vitiosus"). Den chronifizierten und bisher therapieresistenten Beschwerden, von denen sich die Versicherten nicht aus freiem Willen befreien k�nne, komme Krankheitswert zu. Aufgrund der Depressivit�t und der Schmerzproblematik sei die Arbeitsf�higkeit seit M�rz 2003 um 50 % eingeschr�nkt.
Nach Ansicht der KPD (Ober�rztin Dr. T.________, Diplompsychologe Z.________) leidet die Beschwerdef�hrerin an einer (schweren) Pers�nlichkeitsst�rung mit vorwiegend narzisstischen, aber auch dependenten Z�gen (ICD-10 F61.0). Die depressiven und somatoformen St�rungskomponenten seien als Teilsyndrome der zentralen narzisstischen Problematik zu verstehen. Diese f�hre zu einer praktisch vollst�ndigen Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit, wobei sich die narzisstische St�rung bereits seit 1997 - mit zunehmender Progredienz - auf die Arbeitssituation auswirke (Brief vom 21. September 2004). Mit Schreiben vom 10. Oktober 2005 an das Eidgen�ssische Versicherungsgericht bekr�ftigten die KPD, dass ihre diagnostische Beurteilung im Hinblick auf die Grundst�rung und deren Gravit�t erheblich vom Gutachten des ABI abweiche. Zwar h�tten die Gutachter des ABI darauf hingewiesen, dass der Depression m�glicherweise eine "narzisstisch-depressive Problematik" zugrunde liege, eine diagnostische Einordnung als (narzisstische) Pers�nlichkeitsst�rung sei aber unterblieben. Die Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit im Gutachten des ABI beruhe einzig auf der Depressivit�t und der Schmerzproblematik (die als Teilkomponenten der Grundst�rung zu betrachten seien), nicht aber auf der Pers�nlichkeitsst�rung.
Die Rechtsprechung hat es mit dem - vorinstanzlich zutreffend dargelegten - Grundsatz der freien Beweisw�rdigung (Art. 40 BZP in Verbindung mit Art. 19 VwVG; Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG) als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien f�r die Beweisw�rdigung aufzustellen. So weicht das Gericht etwa bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gr�nde von der Einsch�tzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verf�gung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/aa mit Hinweisen).
Sodann darf zum einen - worauf das kantonale Gericht ebenfalls zu Recht hinweist - bei der W�rdigung �rztlicher Berichte und Gutachten der Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden, dass Haus�rzte mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc). Zum andern kann im Hinblick auf einen m�glichen Ziel- und Interessenkonflikt (Behandlung versus Begutachtung) namentlich in umstrittenen F�llen regelm�ssig auch nicht unbesehen auf die Angaben behandelnder Spezialisten abgestellt werden (Urteil P. vom 5. April 2004, I 814/03, unter Hinweis auf Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunf�higkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich f�r den Einkommensvergleich in der Invalidit�tsbemessung, in: Schaffhauser/Schlauri, Schmerz und Arbeitsunf�higkeit, St. Gallen 2003, S. 51).
5.1 Sowohl das Gutachten des ABI als auch die Ausf�hrungen der KPD wurden sorgf�ltig abgefasst und ber�cksichtigen die geklagten Beschwerden. Indessen leuchtet die durch die KPD gestellte Diagnose einer Pers�nlichkeitsst�rung insoweit nicht ohne weiteres ein, als sich eine solche St�rung dadurch auszeichnet, dass sie in der Kindheit oder Jugend auftritt und bis ins Erwachsenenalter andauert (im Unterschied zu Pers�nlichkeits�nderungen, welche im Erwachsenenalter, zum Beispiel als Folge schwerer oder anhaltender Belastungen, erworben werden; Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], von der Weltgesundheitsorganisation [WHO] herausgegebene Internationale Klassifikation psychischer St�rungen, �bersetzung der 10. Revision [1992] der International Classification of Diseases, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 4. Aufl., Bern 2000, S. 225). Den Ausf�hrungen der KPD ist aber lediglich zu entnehmen, dass die psychische Problematik seit etwa 1997 Auswirkungen auf die Arbeitssituation hat, indem sich die Versicherte wiederholt mit Mitarbeitenden �berworfen, "gemobbt" gef�hlt oder Arbeitsverh�ltnisse nach Kr�nkungs- bzw. �berforderungserleben gek�ndigt hat (Schreiben vom 21. September 2004). Indessen erkl�rte die Beschwerdef�hrerin anl�sslich der Begutachtung durch Dr. med. O.________, keine belastenden oder schlechten Erinnerungen an ihre Kindheit und eine sch�ne Jugend verlebt zu haben, in der sie sich durchgehend wohlgef�hlt habe. An Symptomen wie N�gel beissen oder Bettn�ssen habe sie nicht gelitten, in der Schule und in der weiteren sozialen Umgebung seien keine Probleme aufgetreten. Erst nach einem im Jahre 1981 erlittenen Schleudertrauma h�tten die Schmerzen im Bereich des Nacken/Schulterg�rtels und des Kopfes begonnen.
Selbst wenn diese Beschreibung der Vergangenheit (teilweise) idealisiert sein sollte (Gutachten des ABI vom 13. Mai 2004), fehlen in den Akten doch Anhaltspunkte, die auf eine bereits in der Kindheit oder Adoleszenz aufgetretene St�rung hindeuten.
Auch aus dem verminderten Selbstwertgef�hl, auf das sowohl Dr. med. O.________ als auch die KPD ausf�hrlich eingehen (und welches beispielsweise dazu f�hrte, dass die Versicherte weder auf weiteren Abkl�rungen bez�glich ihrer Kinderlosigkeit bestand noch an ihrem Adoptionswunsch festhielt, hingegen manchmal das Gef�hl hat, ihre Meinungen und Empfindungen seien dem Ehemann egal), l�sst sich nicht zwingend auf eine (narzisstische) Pers�nlichkeitsst�rung schliessen. Denn ein solches geht regelm�ssig auch mit einer depressiven Neurose (wie sie Dr. med. O.________ diagnostizierte) einher (vgl. Dilling/Mombour/Schmidt/Schulte-Markwort [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer St�rungen, ICD-10 Kapitel V [F], Diagnostische Leitlinien f�r Forschung und Praxis, 3. Auflage, Bern etc. 2004, S. 111).
5.2 Unabh�ngig davon, wie die psychischen Beeintr�chtigungen der Versicherten diagnostisch einzuordnen sind (zumal letztlich nicht die korrekte Diagnose, sondern allein der aufgrund der Auswirkungen des Leidens ermittelte Grad der Arbeitsunf�higkeit relevant ist; BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen), f�llt weiter ins Gewicht, dass selbst Haus�rztin Dr. med. H.________ die Arbeitsf�higkeit wesentlich h�her einsch�tzte als die KPD. Zwar kommt den Ausf�hrungen einer medizinischen Fachperson hinsichtlich ihres Spezialgebietes im Allgemeinen h�heres Gewicht zu als den Einsch�tzungen einer nicht spezialisierten Haus�rztin (statt vieler: Urteil B. vom 3. August 2000, I 178/00). Dies bedeutet indessen nicht, dass letzte unbeachtlich sind. Unter Ber�cksichtigung, dass die haus�rztliche Beurteilung nach dem Gesagten im Zweifel eher zugunsten der Patientinnen ausf�llt (Erw. 4 hievor), d�rfen die Ausf�hrungen der Frau Dr. med. H.________, wonach eine geeignete T�tigkeit (beispielsweise im Verkauf, B�ro, Empfang, Archiv) zumutbar ist und die Arbeitsf�higkeit bei gutem zwischenmenschlichem Klima sowie Gelegenheit zu Bewegung und Vermeidung von Heben schwerer Lasten langsam gesteigert werden kann, eventuell sogar bis hin zu einer vollen Leistung (Bericht vom 1. Juli 2003), als weiteres Indiz daf�r gewertet werden, dass auf die �berzeugende und nachvollziehbar begr�ndete Einsch�tzung im Gutachten des ABI abgestellt werden kann.
Wenn Vorinstanz und Verwaltung eine 50%ige Arbeitsf�higkeit f�r leichte bis mittelschwere T�tigkeiten angenommen haben, ist dies somit nicht zu beanstanden. Auf weitere Beweismassnahmen kann in antizipierter Beweisw�rdigung (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b mit Hinweisen auf BGE 124 V 94 Erw. 4b und 122 V 162 Erw. 1d) verzichtet werden.
Streitig und zu pr�fen ist im Weiteren die Festsetzung des Valideneinkommens.
6.1 Die IV-Stelle errechnete ausgehend von dem zuletzt, d.h. von Januar bis April 2001, erzielten Lohn ein zumutbares Erwerbseinkommen ohne Behinderung von Fr. 61'126.-. Die Vorinstanz erwog, das Jahreseinkommen der Versicherten sei zufolge h�ufiger Stellenwechsel erheblichen Schwankungen unterlegen, weshalb aussagekr�ftige konkrete Anhaltpunkte f�r die Ermittlung des Valideneinkommens fehlten. Ausgehend von der vom Bundesamt f�r Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2002 setzte sie das zumutbare Einkommen ohne Gesundheitsschaden auf Fr. 49'431.95 fest.
Hiegegen bringt die Beschwerdef�hrerin vor, sie sei aus gesundheitlichen Gr�nden seit Jahren nicht in der Lage gewesen, die verantwortungsvolle T�tigkeit einer (stellvertretenden) Filialleiterin w�hrend l�ngerer Zeit auszu�ben. Es m�sse auf den bei der Arbeitslosenkasse versichert gewesenen Lohn in H�he von Fr. 55'464.- abgestellt werden.
6.2 Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdef�hrerin von 1990 bis August 1998 bei der Firma X.________ gearbeitet und Jahreseinkommen zwischen Fr. 20'095.- (1990) und Fr. 50'669.- (1997) erzielt hat. In den Jahren 1998, 1999 uns 2001 war sie zeitweilig arbeitslos, arbeitete dazwischen bei der Firma Y.________ (Oktober bis Dezember 1999 [Einkommen: monatlich Fr. 1'960.67] sowie Januar bis Mai 2000 [Monatslohn: Fr. 3'014.60]) und bei der Firma Q.________ AG (Oktober 2000 bis April 2001 [Monatseinkommen im Jahr 2000: Fr. 4'424.-; im Jahr 2001 Fr. 4'839.75]).
In Anbetracht der grossen Einkommensschwankungen kann der Auffassung der Beschwerdef�hrerin, wonach der Validenlohn basierend auf dem bei der Firma Q.________ AG erzielten Verdienst zu ermitteln sei, nicht beigepflichtet werden. Sie war in dieser Firma lediglich wenige Monate angestellt und der dort erzielte hohe Lohn ist unter Ber�cksichtigung der vorher erzielten wesentlich geringeren Einkommen nicht aussagekr�ftig f�r die Festlegung des durchschnittlichen Einkommens im Gesundheitsfall. Einzig auf letztes aber kommt es f�r die Invalidit�tsbemessung an. Im �brigen erzielte die Versicherte auch lange bevor die psychischen Probleme - selbst nach Einsch�tzung der KPD - Auswirkungen auf die Arbeitst�tigkeit hatten, wesentlich tiefere L�hne. Dem Vorgehen des kantonalen Gerichts, welches auf statistische Durchschnittswerte zur�ckgegriffen hat, ist daher beizupflichten und das auf Fr. 49'431.95 festgesetzte Valideneinkommen nicht zu beanstanden.

References: BGE 
 Art. 19
 Art. 95
 Art. 113
 BGE 
 BGE