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Timestamp: 2019-10-23 02:28:21+00:00

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VG Münster, 9 Nc 487/09: VG Münster (zahnmedizin, studienjahr, festsetzung, antragsteller, wwu, verteilung, zahl, stelle, verfügung, vergabe)
Urteil des VG Münster vom 14.12.2009, 9 Nc 487/09
Aktenzeichen: 9 Nc 487/09
VG Münster (zahnmedizin, studienjahr, festsetzung, antragsteller, wwu, verteilung, zahl, stelle, verfügung, vergabe)
Verwaltungsgericht Münster, 9 Nc 487/09
Der Antragsteller / Die Antragstellerin trägt die Kosten des Verfahrens.
3Der Antragsteller/Die Antragstellerin begehrt im Verfahren der einstweiligen Anordnung die vorläufige Zulassung zum Studium der Zahnmedizin an der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster (WWU Münster) in erster Linie zum 3. Fachsemester, hilfsweise einem niedrigeren, nach den tatsächlichen und rechtlichen Verhältnissen des Wintersemesters (WS) 2005/2006 außerhalb - ggf. hilfsweise innerhalb - der festgesetzten Aufnahmekapazität bzw. die Teilnahme an einem Losverfahren zur Verteilung entsprechend vorhandener Studienplätze.
4Das Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWFT) hat durch Verordnungen über die Festsetzung von Zulassungszahlen und die Vergabe von Studienplätzen im ersten Fachsemester für das Wintersemester 2009/2010 (ZulassungszahlenVO) vom 8. Juli 2009 (GV. NRW. 2009, 350, 351) und vom 24. November 2009 (GV. NRW. 2009, 636 ff.) sowie durch Verordnung über die Festsetzung von Zulassungszahlen und die Vergabe von Studienplätzen in höheren Fachsemestern an den Hochschulen des Landes Nordrhein- Westfalen zum Studienjahr 2009/2010 (ZulassungszahlenVO höh. Fs.) vom 20. August 2009 (GV. NRW. 2009, 452), die Zahlen der für den Studiengang Zahnmedizin an der WWU Münster aufzunehmenden Bewerberinnen und Bewerber festgesetzt, denen nach Mitteilung der Antragsgegnerin (Schriftsatz vom 22. 10. 2009) folgende Einschreibungen gegenüberstehen:
Festsetzung Einschreibungen 5
1. Fachsemester 58 Studienplätze 58 6
2. Fachsemester 55 Studienplätze 50 7
3. Fachsemester 54 Studienplätze 53 8
4. Fachsemester 51 Studienplätze 50 9
5. Fachsemester 51 Studienplätze 54 10
6. Fachsemester 48 Studienplätze 51 11
7. Fachsemester 47 Studienplätze 45 12
8. Fachsemester 45 Studienplätze 40 13
9. Fachsemester 44 Studienplätze 56 14
10. Fachsemester 42 Studienplätze 41 15
2. – 10. FS 437 440 16
17Dazu hat die Antragsgegnerin weiter dargelegt, im 2., 3., 4., 7., 8. und 10. Fachsemester könne im Hinblick auf die einschlägige Vorschrift der Vergabeverordnung trotz Kapazitätsunterschreitung keine Vergabe stattfinden, da die Gesamtzahl der zur Verfügung stehenden Studienplätze überschritten wird.
18Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Gerichtsakte und der zum Leitverfahren 9 Nc 357/09 von der Antragsgegnerin auf Anforderung des Gerichts vorgelegten Kapazitätsunterlagen sowie der hierauf bezogenen Erläuterungen verwiesen.
20Der auf den Erlass einer einstweiligen Anordnung gerichtete Antrag des Antragstellers/ der Antragstellerin hat jedenfalls mangels glaubhaft gemachten Anordnungsanspruchs keinen Erfolg.
21Der Antragsteller/ Die Antragstellerin hat nicht glaubhaft gemacht, dass der Antragsgegnerin im Studiengang Zahnmedizin zum WS 2009/2010 über die festgesetzten Zulassungszahlen des 3. bis 1. Fachsemesters bzw. über die kapazitätsdeckend tatsächlich vergebenen Studienplätze in höheren Fachsemestern hinaus ein freier Studienplatz zur Verfügung steht, der - ggf. nach Maßgabe eines gerichtlich anzuordnenden Losverfahrens - vergeben werden könnte, § 123 Abs. 3 VwGO, §§ 920 Abs. 2, 294 Abs. 1 ZPO.
22Das Gericht hat keinen Anlass daran zu zweifeln, dass die Studienplätze in den genannten Fachsemestern des Studiengangs Zahnmedizin entsprechend den Angaben der Antragsgegnerin vom 22. Oktober 2009 besetzt sind. Durch diese Besetzungszahlen werden die durch die Zulassungszahlenverordnungen festgesetzten Aufnahmekapazitäten des 1. bis 10. Fachsemesters insgesamt und damit auch in den
streitbefangenen Fachsemestern abgedeckt.
23Nach dem Ergebnis der im vorliegenden Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes allein gebotenen Überprüfung der von der Antragsgegnerin überreichten und erläuterten Kapazitätsunterlagen ist es - auch unter Einbeziehung des Vortrags des Antragstellers/ der Antragstellerin - nicht überwiegend wahrscheinlich, dass darüber hinaus noch weitere Studienplätze zur Verfügung stehen, an deren Verteilung teilzunehmen der Antragsteller/ die Antragstellerin Anspruch haben könnte.
24Rechtsgrundlage für die Kapazitätsermittlung für das Studienjahr 2009/2010 und damit für das WS 2009/2010 ist die Verordnung über die Kapazitätsermittlung, die Curricularnormwerte und die Festsetzung von Zulassungszahlen (Kapazitätsverordnung KapVO) vom 25. August 1994 (GV. NRW. S. 732), zuletzt geändert durch die Dritte ÄnderungsVO vom 12. August 2003 (GV. NRW. 2003, 223).
25Der Festsetzung der Zulassungszahl liegt nach diesen Bestimmungen, die mit den in Abschnitt 3 Art. 6 des Staatsvertrages vom 5. Juni 2008 (GV. NRW. 2008, 714 und hierzu Ratifizierungsgesetz in Art. 1 des Hochschulzulassungsreformgesetzes NRW vom 18. November 2008, GV. NRW. 2008, 710) nochmals bekräftigten Maßgaben übereinstimmen, die jährliche Aufnahmekapazität zugrunde, die auf die einzelnen Vergabetermine (Wintersemester bzw. Sommersemester) aufgeteilt wird. Die Aufnahmekapazität für den Berechnungszeitraum 2009/2010 wird ermittelt durch Berechnung aufgrund der zum 1. März 2009 (§ 5 Abs. 1 KapVO) erhobenen und zum letzten Berechnungsstichtag (hier: zum 15. September 2009, § 5 Abs. 3 KapVO) überprüften Daten zum Lehrangebot nach Maßgabe der Vorschriften des Zweiten Abschnitts der KapVO. Dieses Berechnungsergebnis ist anschließend anhand der weiteren kapazitätsbestimmenden Kriterien nach den Vorschriften des Dritten Abschnitts dieser Verordnung zu überprüfen.
1. Lehrangebot: 26
Die Antragsgegnerin (Berichte vom 20. März und zuletzt vom 6. Oktober 2009) und das Ministerium (Prüfberichte vom 6. Mai 2009 und nachfolgende Ergebnismitteilungen, abschließend zum Stichtag 15. September 2009) sind bei der Berechnung nach den Vorschriften des Zweiten Abschnitts der KapVO auf der Lehrangebotsseite davon ausgegangen, dass der Lehreinheit Zahnmedizin der WWU Münster zum maßgeblichen Berechnungsstichtag für das Studienjahr 2009/2010 79,50 Personalstellen zur Verfügung stehen. Diese Stellen wissenschaftlichen Personals sind folgenden Stellengruppen, mit denen ein bestimmtes Lehrdeputat verbunden ist, zugeordnet worden:
Stellengruppe Deputat je Stelle in DS Anzahl der Stellen ( ( = Stand 2008/2009
Summe in DS ( ( = Stand 2008/2009 27
W3 Universitätsprofessor 9 4 (4) 36 {36}
W2 Universitätsprofessor 9 4 (3( 36 {27}
C 3 Universitätsprofessor a. Z. 9 0 {1} 0 {9}
A 15 - 13 Akad. Rat ohne 5 2 (2( 10 {10}
ständige Lehraufgaben
A 13 Akad. Rat auf Zeit 4 1 (1( 4 (4(
4 55,50 (53,50( 222 {214} TV-L Wiss. Angestellter (befristet)
8 13 (14( 104 {112} TV-L Wiss. Angestellter (unbefristet)
Summe 79,50 (78,50( 412 {412}
29Die Kammer geht auf der Grundlage der von Amts wegen vorgenommenen Prüfung der vorgelegten Kapazitätsunterlagen und der hierauf bezogenen Erläuterungen der Antragsgegnerin davon aus, dass hiermit das der Lehreinheit Zahnmedizin der WWU Münster für das Studienjahr 2009/2010 kapazitätsbeachtlich zur Verfügung stehende Lehrpersonal beanstandungsfrei erfasst ist.
30Der Abgleich der im Kapazitätsberechnungsverfahren des Studienjahres 2009/2010 vom Ministerium entsprechend den Meldungen der Hochschule eingestellten Anzahl und Verteilung der der Lehreinheit zuzuordnenden Stellen mit dem von der Antragsgegnerin vorgelegten Stellenplan "Lehreinheit Zahnmedizin WWU Münster – Stichtag 15.09.2009" über die Verteilung der wissenschaftlichen Stellen der Lehreinheit für das Jahr 2009 (Bl. 41 f. der Gerichtsakte des Leitverfahrens) und schließlich auch der Vergleich mit dem (um 1 niedrigeren) Bestand von 78,50 Personalstellen des Studienjahres 2008/2009, den das Gericht seinerzeit nicht beanstandet hat,
31vgl. Beschlüsse des Gerichts vom 21. Januar 2009 – 9 Nc 202/08 u.a. -, bestätigt durch das OVG NRW, Beschluss vom 4. März 2009 - 13 C 9/09 -,
32hat keinen Anhaltspunkt dafür ergeben, in der Lehreinheit seien weitere - oder anders zuzuordnende - kapazitätsrelevante Stellen wissenschaftlichen Personals vorhanden. Die auf den letzten Überprüfungszeitpunkt bezogene Übersicht weist anforderungsgemäß u.a. die Namen der Dienstkräfte, den Beschäftigungszeitraum, die Eingruppierung und die etwaige Inanspruchnahme von Teilstellen sowie vakante Stellen aus. Sie belegt die von der Antragsgegnerin an das Ministerium gemeldete und von diesem nach Prüfung bei Erlass der Zulassungszahlenverordnung zugrunde gelegte Stellenzahl bzw. -verteilung.
33Die aus der oben stehenden Tabelle ersichtlichen Veränderungen in der Personalstruktur im Verhältnis zum vorangegangenen Berechnungszeitraum wirken sich insgesamt nicht kapazitätsmindernd aus. Der Wegfall einer Stelle eines Universitätsprofessors a. Z. (Besoldungsgruppe C 3) zugunsten einer zusätzlichen Stelle eines Universitätsprofessors (Besoldungsgruppe W2) bleibt kapazitätsneutral. Denn beiden Stellen ist jeweils ein Deputat von 9 DS zugeordnet (vgl. § 3 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Abs. 4 S. 1 der Lehrverpflichtungsverordnung – LVV - vom 24. Juni 2009, GV. NRW. 2009, 409). Soweit eine Stelle eines unbefristet beschäftigten Wissenschaftlichen Angestellten mit einem Deputat von 8 DS abgezogen worden ist (13 statt 14 Stellen), hat die Antragsgegnerin diese Kapazitätsminderung durch die Erhöhung der Zahl der befristet beschäftigten Wissenschaftlichen Angestellten um 2 (von 53,50 auf 55,50) aufgefangen. Dazu hat sie in ihrem Kapazitätsbericht vom 20. März 2009 an das
Ministerium ausgeführt:
34"Nach Ausscheiden des Stelleninhabers wurde eine unbefristete Angestelltenstelle in zwei befristete Angestelltenstellen umgewandelt. Dadurch wurde zwei Wissenschaftlern die Möglichkeit einer Beschäftigung geboten. Diese Maßnahme wurde vorerst – mit der Möglichkeit der Verlängerung – auf ein Jahr befristet. Änderungen im hauptamtlichen Lehrangebot ergeben sich durch diese zeitliche befristete Maßnahme nicht."
35Die Personalmaßnahme der Antragsgegnerin gibt in kapazitätsrechtlicher Hinsicht keinen Anlass zu Bedenken, weil sie – wie die Antragsgegnerin zutreffend dargelegt hat – zu keiner Änderung des aus den der Lehreinheit zugeordneten Stellen sich ergebenden Gesamtdeputats führt, das die Antragsgegnerin - wie schon im Berechnungszeitraum 2008/2009 – unverändert mit 412 Deputatstunden (DS) zugrundegelegt hat. Denn eine Stelle eines im unbefristeten Arbeitsverhältnis stehenden Wissenschaftlichen Angestellten erbringt 8 Deputatstunden Lehrleistung und damit ebenso viele Deputatstunden wie 2 Stellen im befristeten Arbeitsverhältnis tätiger Wissenschaftlicher Angestellter, denen jeweils ein Deputat von 4 DS zugewiesen ist, so dass die Stellenzahlveränderung damit im Grundsatz kapazitätsneutral bleibt.
36Der Ansatz von jeweils 4 DS für die 55,50 Stellen der befristet beschäftigten Wissenschaftlichen Angestellten ist nicht zu beanstanden. Dies entspricht der ausdrücklichen normativen Anordnung in § 3 Abs. 4 Satz 6 LVV. Vor dem Hintergrund der in den Vorjahren vom Gericht gewonnenen Erkenntnisse über den Stellenbestand in der Lehreinheit Zahnmedizin ist nichts dafür ersichtlich, dass die Antragsgegnerin mit Stelleninhabern dieser Stellengruppe individualvertraglich höhere Lehrleistungsverpflichtungen vereinbart hätte. Ebenso wenig besteht Grund für die Annahme, in der Lehreinheit seien als befristet eingestufte Wissenschaftliche Angestellte tätig, deren Befristung zum Berechnungsstichtag durch eine arbeitsgerichtliche Entscheidung oder aufgrund übereinstimmender Abrede der Vertragsparteien in Wegfall geraten sei. Diese Frage hat die Antragsgegnerin ausdrücklich verneint (Schriftsatz vom 22. Oktober 2009 im Leitverfahren 9 Nc 357/09).
37Der Ansatz einer Lehrleistungsverpflichtung von jeweils 8 DS auf der Grundlage des geltenden Tarifrechts für die 13 Wissenschaftlichen Angestellten in unbefristeten Arbeitsverhältnissen ist ebenfalls rechtmäßig. Insoweit hat das Gericht bereits in seinen Beschlüssen zum Berechnungszeitraum 2007/2008
38vom 27. November 2007 - 9 Nc 165/07 u.a. , Zahnmedizin , WWU Münster, WS 2007/2008; vgl. hierzu auch etwa OVG NRW, Beschluss vom 12. Februar 2008 - 13 C 8/08 u.a. -.
39die sich aus dem - neuen - Tarifrecht der Angestellten (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst des Länder - TV-L - vom 12. Oktober 2006 nebst Überleitungs- und Übergangsbestimmungen sowie Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken - TV-Ä - vom 30. Oktober 2006) in Verbindung mit § 3 Abs. 4 LVV ergebende Lehrverpflichtung von 8 DS gebilligt. Darauf wird Bezug genommen. Der im vorherigen Berechnungszeitraum im unbefristeten Arbeitsverhältnis stehende Privatdozent Dr. C. F. besetzt ausweislich des Stellenbesetzungsplans jetzt als ordentlicher Professor die Stelle eines Universitätsprofessors - Besoldungsgruppe W2 -, der ein Deputat von 9 DS zugeordnet ist. Auf die in den vorherigen
Berechnungszeiträumen erörterte Frage, ob er aufgrund einer individualvertraglichen Verpflichtung, des Arbeitsvertrages, eine bei der Kapazitätsermittlung zu berücksichtigende abweichende Lehrleistung von 9 DS zu erbringen hat, kommt es – unabhängig davon, dass die jetzt von ihm besetzte Professorenstelle ohnehin mit dem gleichen Deputat verbunden ist - daher nicht an. Die Arbeitsverträge der weiteren Stelleninhaber in der Gruppe der unbefristet beschäftigten Angestellten, die alle vor dem Jahr 2006 datieren, hat das Gericht in der Vergangenheit bereits überprüft, ohne dass Beanstandungen in der Weise aufgetreten sind, dass individualvertraglich eine höhere Lehrverpflichtung als 8 DS vereinbart war.
40Der Aufklärung eines etwaigen Einsatzes von Drittmittelbediensteten in der Pflichtlehre bedarf es nicht, weil deren eventuelle Leistungen nach der ständigen Rechtsprechung auch des OVG NRW (vgl. zuletzt etwa Beschluss vom 19. August 2008 -13 C 213/08 –, Medizin, Ruhr-Universität Bochum) im Lehrangebot nicht zu berücksichtigen sind. Unabhängig davon sind nach Mitteilung der Antragsgegnerin in ihrem Schriftsatz vom 22. Oktober 2009 derartige Stellen in der Lehreinheit Zahnmedizin nicht vorhanden.
41Das Gesamtlehrdeputat von nach alledem 412 DS ist auf der Basis 79,50 Personalstellen zur Berücksichtigung der Krankenversorgungsleistungen der Lehreinheit Zahnmedizin gemäß § 9 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 KapVO zu kürzen. Ein Stellenabzug für stationäre Krankenversorgungsleistungen der Lehreinheit Zahnmedizin (§ 9 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Buchstabe b KapVO) entfällt, weil die stationäre Krankenversorgung an der WWU von der Lehreinheit Klinisch-praktische Medizin vorgenommen wird. Der danach allein vorzunehmende Stellenabzug wegen des Personalbedarfs für die ambulante Krankenversorgung beträgt nach § 9 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Buchstabe c KapVO 30 vom Hundert der Gesamtstellenzahl der Lehreinheit Zahnmedizin, mithin (79,50 x 30/100 =) Stellen. Damit verbleiben (79,50 - 23,85 =) 55,65 Stellen.
42Den von einigen Antragstellern gegen den Parameter 30 v. H. und damit gegen die Höhe des pauschalen Abzugs erhobenen Einwendungen ist das Gericht bereits bei der Überprüfung der Kapazitätsermittlung für frühere Berechnungszeiträume nicht gefolgt. Auf die ausführlichen Ausführungen des Gerichts dort wird ebenso verwiesen wie auf damit korrespondierende Rechtsprechung des OVG NRW.
43Beschlüsse des Gerichts vom 17. Januar 2007 - 9 Nc 240/06 u. a. , Zahnmedizin WS 2006/2007; OVG NRW, Beschluss vom 4. März 2009 - 13 C 9/09 -.
44Ausgehend von einem durchschnittlichen (mittleren) Lehrdeputat von (412 : 79,50 =) gerundet 5,18 DS beträgt das um den Krankenversorgungsabzug bereinigte Lehrdeputat der verfügbaren Stellen damit (55,65 x 5,18 DS =) gerundet 288,27 DS.
45Dieses Lehrdeputat ist nicht gemäß § 10 KapVO zu erhöhen. In der Lehreinheit Zahnmedizin sind nämlich im maßgeblichen Zeitraum (hier: SS 2008 und WS 2008/2009) keine im Sinne dieser Vorschrift in die Berechnung einzubeziehenden der Pflichtlehre zugehörigen Lehrauftragsstunden angefallen (siehe Seite 3 des Schriftsatzes des Antragsgegners vom 22. Oktober 2009 im Leitverfahren 9 NC 357/09).
46Eine Verminderung des Lehrangebots gemäß § 11 KapVO um Dienstleistungen, welche die Lehreinheit Zahnmedizin für einen nicht zugeordneten Studiengang erbringt, ist nicht vorzunehmen. Ein Dienstleistungsexport für die Lehreinheit Medizin (klinisch-
praktischer Teil), wie er in früheren Berechnungszeiträumen zu verzeichnen war, findet nicht mehr statt.
47Vgl. Beschlüsse der Kammer zum Wintersemester 2005/2006 vom 16. Januar 2006 - 9 Nc 116/05 u. a. -.
48Es verbleibt damit ein bereinigtes Lehrangebot je Semester von 288,27 DS, das als bereinigtes Jahres-Lehrangebot (288,27 x 2 =) 576,54 DS beträgt.
2. Lehrnachfrage und Aufnahmekapazität 49
50Auf der Lehrnachfrageseite legt die Kammer ausgehend von dem Curricularnormwert in Höhe von 7,8 (Anlage 2 zu § 13 Abs. 1 KapVO) einen Eigenanteil (CAp) der Lehreinheit Zahnmedizin in Höhe von - wie bisher - 5,85 zu Grunde.
51Zur Ermittlung dieses Eigenanteils vgl. u.a. den Beschluss des Gerichts vom 12. Februar 1993 - 8 Nc 275/92 u.a. - Seiten 10 und 17.
52Nach der Formel (5) der Anlage 1 zu § 6 KapVO ergibt sich damit eine jährliche Aufnahmekapazität (AP) des der Lehreinheit Zahnmedizin allein zugeordneten Studiengangs Zahnmedizin von
2 x 288,27 5,85 = 576,54 5,85 = 98,55
54gerundet 99 Studienplätzen für das Studienjahr 2009/2010. Diese Zahl ist mit der des vorherigen Berechnungszeitraumes 2008/2009 – vor Ansatz des Schwundausgleichs – identisch.
55Diese auf Grund des Zweiten Abschnitts der KapVO ermittelte jährliche Aufnahmekapazität von 99 Studienplätzen ist nach den Vorschriften des Dritten Abschnitts der KapVO zu überprüfen. Das führt auf der Grundlage des vom Ministerium im Überprüfungsverfahren – kapazitätsgünstig - angesetzten Schwundfaktors von 1/0,86 zu einer Erhöhung im Wege des Schwundausgleichs (§§ 14 Abs. 3 Nr. 3, 16 KapVO) auf (99 : 0,86 = 115,12) gerundet 115 Studienplätze.
56Zur Rundung des Berechnungsergebnisses vor der Schwundberechnung vgl. OVG NRW, Beschluss vom 22. Juni 1992 - 13 C 104/92 -.
57Der angesetzte, auf der amtlichen Statistik beruhende, Schwundausgleichsfaktor von 1/0,86 ist nach summarischer Prüfung nicht zu beanstanden.
58Das Berechnungsergebnis von 115 Studienanfängerplätzen ist anhand der Kriterien des § 19 KapVO zu überprüfen. Als Grenzwert für die jährliche Aufnahmekapazität ist gemäß § 19 Abs. 1 KapVO je Studentin oder Student 0,67 klinische Behandlungseinheiten für die Zahnerhaltungs- und Zahnersatzkunde anzusetzen. Vorliegend sind - wie im vorherigen Berechnungszeitraum - (nur noch) 72 klinische Behandlungseinheiten berücksichtigt worden, weil – wie die Antragsgegnerin seinerzeit mitgeteilt hatte - die Anzahl der Behandlungseinheiten im Rahmen der Sanierung und
Modernisierung des klinischen Ausbildungsbereiches reduziert worden ist. Es errechnet sich eine Zahl von (72 : 0,67 =) gerundet 107 Studienanfängerplätzen, die mithin um 8 Plätze niedriger als das nach der Personalausstattung ermittelte Ergebnis von 115 Studienplätzen liegt. Soweit nach § 19 Abs. 2 KapVO bei einer solchen Abweichung der Festsetzung der Zulassungszahl der niedrigste Wert zugrunde zu legen ist, sind dem die Antragsgegnerin und das Ministerium zu Gunsten einer erhöhten Studienanfängerquote nicht gefolgt.
59Es verbleibt damit für das Studienjahr 2009/2010 bei 115 Studienanfängerplätzen. Bei Aufteilung dieser (ungeraden) Studienplatzzahl auf die beiden Aufnahmetermine für Studienanfänger entfallen auf das Sommersemester 57 und auf das - längere - Wintersemester 58 Plätze. Diese Zulassungszahl entspricht der Festsetzung durch die Zulassungszahlenverordnung. Die Zahl von 58 Studienplätzen für das verfahrensbetroffene WS 2009/2010 ist mit der Einschreibung von 58 Studienanfängern in der Lehreinheit Zahnmedizin ausgeschöpft worden. Ein freier Platz im 1. Fachsemester, der dem Antragsteller/der Antragstellerin entsprechend seinem hilfsweise gestellten Antrag zugewiesen werden könnte, ist daher nicht festzustellen.
60Soweit der Antragsteller/ die Antragstellerin in erster Linie die vorläufige Zulassung zum 3. oder – dies entnimmt die Kammer der Sache nach der Antragsschrift ebenfalls - hilfsweise 2. Fachsemester begehrt, bleibt dieser Antrag gleichfalls erfolglos.
61Die KapVO gilt gemäß deren § 22 Abs. 2 für die Festsetzung der Zulassungszahlen (Auffüllgrenzen) für höhere Fachsemester entsprechend.
62Die insoweit vom Ministerium auf der Basis des - wie oben dargelegt - beanstandungsfreien Schwundausgleichsfaktors von 1/0,86 ermittelten Auffüllgrenzen des WS 2009/2010 für die höheren Fachsemester lassen Fehler nicht erkennen. Angesichts einer Jahreskapazität vor Schwundermittlung für das 1. bis 10. Fachsemester im Studiengang Zahnmedizin von (99 x 10 =) 990 Studienplätzen beläuft sich die halbjährliche Kapazität auf 495 Studienplätze. Die Kapazität der höheren Fachsemester beträgt im Wintersemester unter Abzug der Zulassungszahl des 1. Fachsemesters mithin (495 – 58 =) 437 Studienplätze.
63Bei einer dem Schwundausgleichsfaktor von 1/0,86 entsprechenden Übergangsquote von 0,9659 ergeben sich - bezogen auf das Studienjahr 2009/2010 – für das 2. und 3. Fachsemester folgende Studienplatzzahlen:
(115,12 x 0,9659 =) 111,19 gerundet 111 Studienplätze/Jahr für das 2. Fs. 64
(111,19 x 0,9659 =) 107,39 gerundet 107 Studienplätze/Jahr für das 3. Fs. 65
66Hieraus folgen bei einer gleichmäßigen bzw. dem jeweiligen Kohortenverlauf folgenden Verteilung der für das Studienjahr zur Verfügung stehenden Kapazität auf das Wintersemester bzw. das Sommersemester die der ZulassungszahlenVO höh. Fs. entsprechenden Zuordnungen:
WS 2009/2010 SS 2010
1. Fachsemester 58 57
2. Fachsemester 55 56
3. Fachsemester 54 53
Soll 2. - 10. FS 437 438
68Damit ergibt sich auch für das 3. und 2. Fachsemester zum WS 2009/2010 kein zu vergebenden freier Studienplatz. Die Summe der nach der vorstehenden Übersicht zum WS 2009/2010 für höhere Fachsemester auszubringenden Studienplätze beläuft sich unter Einbeziehung der vom Ministerium festgesetzten Zulassungszahlen für das 4. bis 10. Fachsemester auf (55 + 54 + + 51 + 51 + 48 + 47 + 45 + 44 + 42 =) 437 Studienplätze. Dem stehen (50 + 53 + 50 + 54 + 51 + 45 + 40 + 56 + 41 =) 440 tatsächlich besetzte Studienplätze in den höheren Fachsemestern gegenüber.
69Wegen der aufgezeigten Überlast von 3 zusätzlich besetzten Studienplätzen kommt im Hinblick auf die Saldierungsregelung des § 25 Abs. 3 der VergabeVO NRW vom 15. Mai 2008 (GV. NRW. 2008, 386) i.d.F. der ersten Änderungsverordnung vom 20. Februar 2009 (GV. NRW. 2009, 162) und der zweiten Änderungsverordnung vom 12. Mai 2009 (GV. NRW. 2009, 325) keine Vergabe weiterer Studienplätze für das 3. und 2. Fachsemester in Betracht, obwohl die tatsächlichen Besetzungszahlen in diesen Fachsemestern hinter den Auffüllgrenzen zurückbleiben. Denn diese Vorschrift bestimmt: Wird die für ein höheres Fachsemester festgesetzte Zahl der Studienplätze durch die Zahl der Rückmeldungen überschritten, verringern sich die Zulassungszahlen für die anderen Fachsemester, und zwar vorrangig für das jeweils höchste Fachsemester, entsprechend. Angesichts der Überbesetzung im 5., 6., und 9. Fachsemester wird die Unterlast in den anderen höheren Fachsemestern nicht nur aufgefüllt, sondern die durch die festgesetzten Zulassungszahlen sich ergebende Gesamtzahl der Studienplätze in den höheren Fachsemestern sogar um 3 überschritten.
70Damit ergibt sich zum WS 2009/2010 auch im 2. und 3. Fachsemester des Studienganges Zahnmedizin kein zu vergebender freier Studienplatz. Zugleich scheidet damit, soweit dies ergänzend geltend gemacht worden ist, eine vorläufige Zulassung zum Studium innerhalb der festgesetzten Kapazität aus.
71Darauf, ob der Antragsteller/die Antragstellerin den auf den Anordnungsgrund bzw. Anordnungsanspruch im Übrigen bezogenen und mit der Eingangsverfügung mitgeteilten Anforderungen des Gerichts hinreichend Rechnung getragen hat, kommt es daher nicht mehr an.
73Die Streitwertfestsetzung beruht auf §§ 52 Abs. 2, 53 Abs. 3 Nr. 1 GKG. Sie entspricht der neueren ständigen Streitwertpraxis des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen und des beschließenden Gerichts in Verfahren der vorliegenden Art.
9 Nc 487/09
Zahnmedizin, Studienjahr, Festsetzung, Antragsteller, Wwu, Verteilung, Zahl, Stelle, Verfügung, Vergabe

References: § 123
 Art. 6
 Art. 1
 § 5
 § 3
 § 3
 § 3
 § 9
 § 9
 § 10
 § 11
 § 13
 § 6
 § 19
 § 19
 § 19
 § 22
 § 25
 Art.
9