Source: https://www.rechtslupe.de/europarecht/der-streit-vorlagepflicht-3129658
Timestamp: 2019-10-23 05:19:38+00:00

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Der Streit um die Vor­la­ge­pflicht an den EuGH | Rechtslupe
Ein Ver­stoß gegen das Recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter wegen einer Ver­let­zung der uni­ons­recht­li­chen Vor­la­ge­pflicht nach Art. 267 Abs. 3 AEUV 1 schei­det aus, wenn der Fall kei­ne Fra­gen auf­wirft, die die Gül­tig­keit oder Aus­le­gung des Uni­ons­rechts betref­fen und eine Vor­la­ge an den EuGH daher nicht in Betracht kommt.
Gemäß Art. 288 Abs. 3 AEUV sind die Mit­glied­staa­ten Adres­sat einer Richt­li­nie 2. Ihnen obliegt es, das in der Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Ziel frist­ge­mäß, voll­stän­dig und über­ein­stim­mend mit ihren inhalt­li­chen Vor­ga­ben in der natio­na­len Rechts­ord­nung umzu­set­zen 3. Ver­stößt ein Mit­glied­staat gegen sei­ne aus Art. 288 Abs. 3 AEUV fol­gen­de Ver­pflich­tung, alle erfor­der­li­chen Maß­nah­men zur Errei­chung des durch eine Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Ziels zu erlas­sen, kann dies unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen einen uni­ons­recht­li­chen Staats­haf­tungs­an­spruch begrün­den 4.
Dem­ge­gen­über sind die Mit­glied­staa­ten nicht ver­pflich­tet, Uni­ons­recht jen­seits des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms einer Richt­li­nie zur Anwen­dung zu brin­gen. Für die Begrün­dung eines uni­ons­recht­li­chen Staats­haf­tungs­an­spruchs ist in einer sol­chen Kon­stel­la­ti­on kein Raum, da hier kei­ne gegen das Uni­ons­recht ver­sto­ßen­den Hand­lun­gen oder Unter­las­sun­gen eines Mit­glied­staa­tes in Rede ste­hen kön­nen.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Dezem­ber 2017 – 2 BvR 444/​17
Vor­la­ge­pflicht an den EuGH – und kein Rechts­mit­tel bei… Es besteht kei­ne Pflicht, einen Ver­stoß gegen Art. 267 AEUV umfas­send und damit über den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Rah­men der Prü­fung des Art. 101 Abs.…
vgl. BVerfGE 126, 286, 316; 128, 157, 187; 135, 155, 231 f. Rn. 180[↩]
vgl. Ruf­fert, in: Calliess/​Ruffert, EUV/​AEUV, 5. Aufl.2016, Art. 288 Rn. 23; Net­tes­heim, in: Grabitz/​Hilf/​Nettesheim, Das Recht der Euro­päi­schen Uni­on, Bd. III, 62. Ergän­zungs­lie­fe­rung Juli 2017, Art. 288 AEUV Rn. 109; Gun­del, in: Pechstein/​Nowak/​Häde, Frank­fur­ter Kom­men­tar EUV GRC AEUV, Bd. IV, 2017, Art. 288 AEUV Rn. 18[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 19.11.1991, Fran­co­vich u.a., – C‑6/​90 und – C‑9/​90, EU:C:1991:428, Rn. 39; Urteil vom 18.12 1997, Inter-Envi­ron­ne­ment Wal­lo­nie, – C‑129/​96, EU:C:1997:628, Rn. 40; Urteil vom 25.02.1999, Car­bo­na­ri u.a., – C‑131/​97, EU:C:1999:98, Rn. 43[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 19.11.1991, Fran­co­vich u.a., – C‑6/​90 und – C‑9/​90, EU:C:1991:428, Rn. 38 ff.; Urteil vom 05.03.1996, Bras­se­rie du Pêcheur, – C‑46/​93, EU:C:1996:79, Rn. 37 ff.[↩]

References: EuGH 
 Art. 267
 EuGH 
 Art. 288
 Art. 288
 EuGH 
 Art. 267
 Art. 101
 Art. 288
 Art. 288
 Art. 288