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Timestamp: 2018-12-11 02:52:55+00:00

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Schönberg, den 10. März 1891
[ => Original lesen: 1891 Nr. 20 Seite 1]
[ => Original lesen: 1891 Nr. 20 Seite 2]
E. Holm,
C. Hamann Nachf.
Zur Frühjahrssaison
Drahtgeflechte in den verschiedensten Breiten und Maschenweiten,
verzinkte Einfriedungs- und Bindedrath
Engl. verzinkte Milchsatten
in verschiedenen Größen empfiehlt
Die Meier'schen Erben beabsichtigen, das circa 50 Ruthen große Ackerstück auf dem Rübenkamp ganz oder getheilt und eine daselbst belegene Wiese sofort zu verpachten.
Elisabeth Lohse Ww.
[ => Original lesen: 1891 Nr. 20 Seite 3]
Zu vermiethen! Zu Michaelis ist meine
Vor acht Tagen ist ein weißes
[ => Original lesen: 1891 Nr. 20 Seite 4]
von Maria Cordes, Sopran,
von der großen Deutschen Oper in Gent (Belgien), unter Mitwirkung der Pianistin Frl. Bargstedt aus Hamburg und des Hofopernsängers Herrn Paul Lange aus Weimar
am Donnerstag, den 12. März 1891,
Abends 7 1/2 Uhr, in Spehr's Hotel.
1. Schumann, Romanze, Fis-dur, f. Piano.
Rubinstein, Etüde, C-dur, f. Piano.
2. Weber, Arie aus Freischütz f. Sopran.
3. v. Kern, Abschied, Lied f. Tenor.
4. Sachs, Geburtstagslied f. Sopran.
5. Posca, Husch, Hinterm Busch f. Sopran.
6. Chopin, Ballade, G-moll, f. Piano.
7. Eberle, Unterm Lindenbaum f. Tenor.
8. Ries, Wiegenlied f. Sopran.
9. Meyer=Helmund, Mutter, Mütterchen f. Sopran.
10. Gall, Mädchen m. d. rothen Mündchen f. Tenor.
11. Abt, Zum Kukuk mit dem Lieben f. Tenor.
12. Chopin, Etüde, As-dur, f. Piano.
J. Raff, Polka de la reine f. Piano.
13. Schubert, Gretchen am Spinnrad f. Sopran.
14. Franke, Nur du bist meine Seligkeit f. Tenor.
15. Bizet, Duett aus "Carmen".
Entrée 1 Mk.
Billets im Vorverkauf sind zum Preise von 75 Pfg. bei Hrn. Spehr zu haben.
Rauchen während des Concerts ist nicht gestattet.
[ => Original lesen: 1891 Nr. 20 Seite 5]
Schönberg, den 10. März 1891.
(1.) Verordnung, betr. Versammlungen und Vereine zu politischen Zwecken.
(1.) Publicandum, betr. die Liquidationen über Militärleistungen.
(2.) Bekanntmachung, betr. die für Leistungen an das Militär zu vergütenden Durchschnittspreise von Naturalien pro Monat Januar 1891.
(3.) Bekanntmachung, betr. die zehnjährigen Durchschnittspreise des Liquidationsjahres 1. April 1891/92 für Landlieferungen.
(4.) Bekanntmachung, betr. die Zusammensetzung des Schiedsgerichts der Berufsgenossenschaft für die Unfallversicherung der land= und forstwirthschaftlichen Arbeiter des Großherzogthums Mecklenburg=Strelitz.
(5.) Bekanntmachung, betr. die Anwendung des ermäßigten Portosatzes für Drucksachensendungen im Verkehr mit Oesterreich=Ungarn.
(6.) Bekanntmachung, betr. den Postanweisungsverkehr mit der Südafrikanischen Republik (Transvaal).
Die Meldungen verschiedener linksliberaler Blätter, nach welchen ein Zwiespalt zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler von Caprivi bestehen sollte, haben durch die "Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ein Dementi öfficiösen Ursprungs erfahren. Das genannte Blatt konstatirt, daß an dem, was in dieser Beziehungen gesagt wird, kein wahres Wort ist!
Der Kaiser hat dem Abgordneten von Koscielski, dem Referenten des Reichstags über den Marine=Etat, ein Bild der Flotte des Großen Kurfürsten geschenkt mit der Unterschrift: Herrn von Koscielski für sein mannhaftes Eintreten für meine Marine; sein dankbarer Kaiser und König Wilhelm."
Um den Fürsten Bismarck doch noch zur Annahme einer Kandidatur im 19. hannöverschen Wahlkreis zu bewegen, hat sich der Landtagsabgeordnete Schoff dieser Tage nach Friedrichsruh begeben. Jetzt wird gemeldet, daß diese Kandidatur aufgestellt werden soll, ob mit Zustimmung des Fürsten Bismarck wird nicht gesagt.
Die officiöse "Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bespricht die Adresse des elsässischen Landes=Ausschusses an den Kaiser und glaubt, durch dieselbe werde sich beim Kaiser das Vertrauen zu der Bevölkerung des Reichslandes und zu dessen Vertretung befestigen. Der Protest gegen die unberechtigte auswärtige Einmischung werde den hitzigen Pariser Chauvinismus abkühlen. Je größer der Gewinn sei, der hierdurch der Sache des Friedens erwachse, desto eher werde das Reichsland des Preises für die muthige That theilhaftig werden, als welche die Adresse sich darstelle.
Auf die neue Reichsanleihe sind in Straßburg 26 Millionen und in Metz 33 1/2 Millionen Mark gezeichnet worden. Darüber sich zu ärgern, hätte die "Patriotenliga" in Paris wirklich Grund!
Für die Uebungen des Beurlaubtenstandes im Etatsjahre 1891/92 sind soeben als besondere Beilage zum "Arme=Verord.=Blatt" die näheren Bestimmungen erschienen. Wir entnehmen denselben folgendes: Die Uebungen finden in der Zeit vom 1. April bis zur Einstellung der Rekruten, die der Schiffahrt treibenden Mannschaften im Winterhalbjahr 1891/92 statt. Die Interessen der am meisten betheiligten Berufskreise sind bei der Wahl des Zeitpunktes möglichst zu berücksichtigen. Die Gestellungsbefehle sind dem Einzuberufenden so frühzeitig als möglich zu übermitteln. Bei der Infanterie und den Jägern finden außer der Einziehung von Ergänzungsmannschaften zu den Kaisermanövern nur die durch die Verordnung festgesetzten Uebungen statt. Es handelt sich besonders um Volksschullehrer, welche nach zehnwöchiger, activer Dienstzeit zur Reserve beurlaubt sind, und welche während ihres Reserveverhältnisses grundsätzlich zu zwei Uebungen herangezogen werden sollen. Mannschaften, welche als Einjährig=Freiwillige activ gedient haben, sind während ihres Reserveverhältnisses zu den beiden gesetzlich zulässigen Uebungen auch dann heranzuziehen, wenn dieselben nicht Officier=Aspiranten sind. Solche Mannschaften sind soweit als thunlich zu brauchbaren Unterofficieren heranzubilden. - Für die Uebungen der Ersatzreservisten 1891/92 wird Folgendes bestimmt: Zu einer 2. (6wöchigen) bezw. 3. (4wöchigen) Uebung sind - abgesehen vom Train - alle diejenigen Ersatzreservisten heranzuziehen, welche im Vorjahre die 1. bezw. 2. Uebung abgeleistet haben. Auch können aus früheren Jahren zur Deckung etwaigen Ausfalles Ersatzreservisten zu einer 2. bezw. 3. Uebung herangezogen werden, soweit hierdurch bei jeder dieser Uebungen die für die erste Uebung festgesetzten Zahlen nicht überschritten werden. Der Beginn der 1. (10wöchigen) Uebung ist bei der Fuß=Artillerie auf den 1. Juli, bei den übrigen Waffen auf die Herbstmonate anzusetzen. Die 2. (6wöchige) Uebung ist im Allgemeinen während der letzten 6 Wochen der ersten Uebung abzuhalten. Bei dem Gardecorps werden Ersatzreservisten nicht eingezogen. Bei der Ausbildung der Ersatzreservisten ist der Hauptwerth auf ihre Einzelausbildung zu legen. Bajonettfechten ist überhaupt nicht, Turnen nur in so weit zu betreiben, als es die feldmäßige Durchbildung erfordert; eine Uebung des nur Parademäßigen ist ausgeschlossen.
Die Wiener "Presse" meldet jetzt, daß der Abschluß der sachlichen Verhandlungen zwischen Oesterreich und Deutschland unmittelbar bevorstehe. Wenn die Seitens der deutschen Regierung ertheilten Instruktionen bezüglich der Holz= und Getreidezölle "befriedigender Natur" seien, könnte die endgültige Redaktion des Ertrags bis zu den Osterfeiertagen beendet sein.
Die Wahlschlacht in Oesterreich ist nunmehr der Hauptsache nach entschieden. Von den bis jetzt vollzogenen 213 Wahlen entfallen auf die Deutsch=Liberalen 65, auf die Deutsch=Nationalen 7, auf die Polen 34 und auf die Antisemiten 12 Wahlsiege, In 8 Kreisen sind Stichwahlen erforderlich. In 87 Wahlkreisen ist der Besitzstand geblieben. Abgesehen vom tschechischen Lager, wo die alttschechische Partei nahezu verschwunden ist, sind bedeutende Veränderungen nicht vorgekommen. Die Alttschechen haben beschlossen, für die Nachwahlen ihre Kandidaturen zurückzuziehen und vollständig abzudanken. Es wird sonach ein einziger Alttscheche im Reichsrath erscheinen, als Reminiscenz an eine Partei, die noch in der vorigen Session eine der stärksten des Hauses gewesen ist. Der Wahlkampf in Wien ist der heftigste gewesen, den die Kaiserstadt jemals erlebt hat. Die Antisemiten haben in Wien gleich im ersten Wahlgang 4 Mandate errungen und kommen viermal in die Stichwahl, was neben der Vernichtung der alttschechischen Partei das wichtigste Moment der Wahlen ausmacht. Die Regierung gedenkt aus den Deutsch= Liberalen, Polen und den Vetretern des konservativen Großgrundbesitzers ihre künftige Mehrheit herzustellen.
Der Pariser "Figaro", der in letzter Zeit in vieler Beziehung sich sehr gut unterrichtet gezeigt hat, läßt sich aus London melden, die englische Regierung sei im Besitze solcher Beweise gegen Boulanger, daß sie der französischen Regierung seine Auslieferung, falls sie verlangt würde, zu billigen geneigt wäre. Drei Tage vor dem Besuch der Kaiserin in Versailles hatten Boulanger und seine Hel=
[ => Original lesen: 1891 Nr. 20 Seite 6]
fershelfer schon beschlossen gehabt, um jeden Preis eine Bewegung gegen Deutschland und zu Gunsten Boulanger's anzufachen. Lord Salisbury sei äußerst entrüstet über den General, und seine Kollegen pflichteten ihm bei. Wenn Boulanger aus Brüssel nach Jersey zurückkehren sollte, so würde er auf Ansuchen der französischen Regierung verhaftet und von den Behörden der Insel an Frankreich ausgeliefert werden. Es ist wohl nicht anzunehmen, daß die französische Regierung die Auslieferung Boulanger's verlangen wird.
Prinz Napoleon, welcher in Rom erkrankte, ist an der rechten Seite gelähmt und die Ernährung so ungenügend, daß man einen tödtlichen Ausgang befürchtet. Der König Humburt ertheilte den Befehl, seinen kranken Schwager nach dem königlichen Palaste zu schaffen.
Die Erklärungen, die der italienische Ministerpräsident Rudini in der Deputirtenkammer in Bezug auf die auswärtige Politik abgegeben hat, nämlich, daß er dem Dreibund treu bleiben und dabei gute Beziehungen zu Frankreich und allen anderen Staaten zu pflegen gedenke, habe in Wien, Berlin, London und Paris einen guten Eindruck gemacht.
Der Papst hat am vergangenen Freitag in den Gärten des Vatikans, wie aus Rom berichtet wird, zum ersten Mal wieder einen Spaziergang unternommen. Die Gerüchte, daß der Papst neuerdings wieder von Ohnmachtsanfällen heimgesucht sei, werden für unbegründet bezeichnet.
Exkönig Milan von Serbien traf zum Besuche seines Sohnes in Belgrad ein und wurde von dem Könige Alexander, den Regenten und Ministern empfangen. Der König war recht gut aufgelegt, Geldsorgen soll er diesmal nicht mitgebracht haben.
König Karl von Rumänien feiert am 20. April ds. Js. sein 25jähriges Regierungsjubiläum und rumänische Blätter melden, daß aus diesem Anlaß sowohl Kaiser Wilhelm wie Kaiser Franz Josef von Oesterreich nach Bukarest kommen würden.
Die Königin=Regentin Christine von Spanien hat zur Eröffnung der Kortes eine Botschaft erlassen, in der eine Amnestie für politische Vergehen angekündigt wird. Ferner wird darin gesagt, die Beziehungen Spaniens zu allen Staaten seien freundschaftliche; die neue Regierung Brasiliens sei von Spanien anerkannt und die Unterhandlungen mit Frankreich seien in herzlichem und freundschaftlichem Sinn fortgesetzt worden; auch die Beziehungen zum heiligen Stuhl wären die innigsten, wie dies den Gefühlen der Katholiken entspreche. Die Reclamationen an den Sultan von Marokko hätten guten Erfolg. Schließlich kündigt die Botschaft die Kündigung der Handelsverträge, eine Reform des Strafgesetzbuches, die Einführung des obligatorischen Militärunterrichts, Herabminderung der Ausgaben und Konsolidirung der schwebenden Schuld angesichts der Höhe derselben an.
Wahrhaft entsetzliche Zustände herrschen gegenwärtig in der von einem Bürgerkriege zerrütteten südamerikanischen Republik Chile. Dem Privatbriefe eines dort lebenden Deutschen entnehmen wir folgendes: "Das Landheer, aus dessen Offizierkorps jeder anständige Mensch schon früher entfernt war, bleibt bis jetzt der Regierung treu, da die Gehälter aufs Dreifache erhöht worden sind und man den Soldaten verspricht, das Eigenthum der wohlhabenden Klasse unter sie zu vertheilen. Die Häuser hervorragender Leute in Santiago wurden von diesem Gesindel schon am hellen, lichten Tage geplündert. Eine wahre Schreckensherrschaft ist eingetreten. Im nicht amtlichen Theile des Regierungsblattes wurde das Volk angeregt, sich des Eigenthums der Reichen zu bedienen. Der kaiserlich deutsche Konsul hatte den Gouverneur der Provinz auf diesen Artikel aufmerksam gemacht, mußte aber leider auf höhere Weisung die Note zurückziehen, weil sie der Regierung unangenehm sein könnte. Chile geht wirthschaftlich zu Grunde, und Jeder ist aufrichtig zu bedauern, der hier Gelder angelegt hat. Der Kurs ist jetzt 19 Pence für den Paso. Schauerlich."
Nach einer über Paris eingetroffenen Meldung aus Sansibar sind sämmtliche Stämme im Gebiet von Mpwapwa im Westen von Deutsch=Ostafrika im Aufruhr. Die Dörfer wurden angegriffen und geplündert, Mpwapwa selbst sei bedroht. Wenn diese Nachricht sich bestätigt, dann wird die deutsche Truppe von 200 Mann, die von Bagomoyo in's Innere abmarschirt ist, heiße Arbeit haben.
Aus Sansibar wird vom 5. März berichtet: Reichscommissar von Wißmann hat den Stamm der Kibosho wegen zahlreicher an Karawanen begangener Räubereien blutig gezüchtigt. Wir erbeuteten 6000 Stück Vieh, viel Munition und eine große Menge Elfenbein. Zweihundert Kibosho=Krieger sind im Kampfe gefallen, sechzig verwundet, fünfzig gefangen genommen. Von der deutschen Schutztruppe sind zwei schwarze Soldaten gefallen, fünfzehn Mann sind verwundet, darunter zwei deutsche Unteroffiziere. Wißmanns Adjutant, Dr. Bumiller, erstürmte eine colossale befestigte Boma; die Position der Feinde war eine ungeahnt starke. Die Eingeborenen erbaten die deutsche Flagge, die auch gehißt wurde. Wir sind auf dem Rückmarsch nach der Küste.
- Schönberg. Das am Donnerstag den 12. dss. in Spehr's Hotel von Maria Cordes veranstaltete Concert scheint nach dem vorliegenden Programm uns wieder einen großen Kunstgenuß zu bereiten. Frl. Cordes verstand es bei ihrem letzten Hiersein, sich die Herzen des musikliebenden Publikums durch ihren herrlichen Gesang im Sturme zu erobern. Außer Herrn Lange, der auch noch bei uns in bester Erinnerung steht, ist es der Concertgeberin gelungen, Frl. Bargstedt aus Hamburg als Pianistin zu gewinnen. Wir unterlassen es nicht, Musikfreunde auf diesen Kunstgenuß aufmerksam zu machen, da uns ein derartiger Genuß so bald nicht wieder bevorsteht.
- Güstrow, 6. März. Tableau der diesjährigen ersten ordentlichen Schwurgerichtsperiode:
Montag, 9. März. Arbeitsmann Joachim Schröder aus Güstrow: § 306 des Strafgefetzbuches (Brandstiftung). Drechslergeselle Drietrich Haack aus Wetterdeich: § 177 (unzüchtige Handlung).
Dienstag, 10. März. Unverehelichte Maria Friemann aus Bresegard: §§ 306, 43 (Brandstiftungsversuch). Dienstmädchen Luise Kahl aus Vorderhagen: § 217 (Kindestödtung).
Mittwoch, 11. März. Posthülfsbote Carl Hollandt aus Schönebeck: §§ 351 (Unterschlagung im Amte). Knecht Johann Ortmann und Erbpächtersohn Carl Schmidt aus Brunnow: § 176 (unzüchtige Handlungen.)
Donnerstag, 12. März. Unverehelichte Dora Suhr aus Fahren: § 217 (Kindestödtung).
Freitag, 13. März. Fuhrmann Brand aus Lübz: § 153 (Meineid).
Sonnabend, 14. März. Arbeiter Franz Hübner Collnow und Matschulrath aus Untereissel: § 226 (Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange).
Montag, den 16. März und Dienstag 17. März. Arbeiter Gustav Busch aus Sähle und Schmiedegeselle Richard Richter aus Neustadt=Eberswalde: §§ 211, 250, 251, 73, 74 (Raubmord).
Mittwoch, 18. März. Dienstmädchen Rosalie Kaniovsla aus Brodinca: § 217 (Kindestödtung). Kaufmann Christian Ortmann aus Güstrow und Genossen: § 209 der Concursordnung (betrügerischer Bankerott).
Den Vorsitz führt der Oberlandesgerichtsrath Oesten aus Rostock die Stellvertretung hat der Landgerichtsrath Sibeth von hier. Die erste Sitzung beginnt Morgens 10 Uhr, die übrigen Morgens 9 Uhr.
- Der Gesundheitszustand der Frau Großherzogin=Mutter von Mecklenburg Schwerin, der jüngsten Schwester Kaiser Wilhelms I., hat sich derart gebessert, daß die Abreise der hohen Frau nach Meran, wo dieselbe bis in die wärmere Jahreszeit hinein zu verweilen gedenkt, auf den 12. März festgesetzt ist.
- Die am 1. Februar d. J. eingetretene Ermäßigung der Telegraphen=Gebühren innerhalb Deutschlands von 6 auf 5 Pfg. für das Wort und von 60 auf 50 Pfg. Mindestgebühr ist von überraschend günstiger Wirkung. Trotz mannigfacher
[ => Original lesen: 1891 Nr. 20 Seite 7]
Störungen hat sich schon im ersten Monat der Depeschenverkehr um 7 Prozent gehoben!
- Eine Anzahl Hamburger Abiturienten fuhr dieser Tage nach Friedrichsruh, um womöglich Bismarck zu sehen. Der Fürst, von ihrer Anwesenheit unterrichtet, ließ die jungen Leute zu sich kommen, setzte ihnen Rheinwein vor und plauderte mit ihnen ein Viertelstündchen über die kommende Studentenzeit, wobei er es auch an einigen guten Rathschlägen, z. B. der Warnung vor dem Schuldenmachen nicht fehlen ließ. Der Fürst, der heiter aussah, reichte schließlich jedem von ihnen die Hand zum Abschied und die Gesellschaft zog hocherfreut von dannen.
- In einem in Hamburg zur Verhandlung gekommenen Schmuggelprozeß beantragte der Staatsanwalt gegen die beiden Hauptbetheiligten Prange und Hirschel Holländer je 593 000 Mark Geldstrafe, sowie gegen alle vier Angeklagte je drei Monate Gefängniß.
- Ein unerhört frecher Diebstahl wurde am Sonntag früh in dem Postamt am Altenwall zu Hamburg ausgeführt. Ein junger Mensch kam an den Schalter Nr. 4 und frug den dort anwesenden Beamten nach einem Postlagernden Briefe. Als der Beamte nach dem verlangten Brief sehen wollte, vergaß er das Schalterfenster zu schließen. Diesen Umstand benutzte der Fremde, langte durch die Oeffnung hindurch und ergriff drei Stück 100=Markscheine. Trotzdem der Diebstahl gleich entdeckt und der freche Dieb hart verfolgt wurde, ist es ihm doch gelungen, mit seinem Raube zu entkommen.
- Im October vorigen Jahres verunglückte auf der Bahn unweit Harburg der Arbeiter Püttmann, worauf seine Leiche nach dem dortigen Todtenkeller geschafft wurde. Gemäß dem alten Spruch, die Todten soll man ruhen lassen, ließ man aber - so schreibt die Harburger Ztg. - den Leichnam denn auch "ruhen", bis derselbe endlich vor 2 Tagen - also nach ungefähr 4 Monaten - durch einen Zufall wieder aufgefunden und auf dem dortigen Friedhofe der Erde übergeben wurde.
- Die drei königl. Gewehrfabriken in Spandau, Erfurt und Danzig entlassen insgesammt 7500 Arbeiter. Zum April wird auch in den übrigen Militärwerkstätten mit Entlassungen vorgegangen.
- Was beim überaus niedrigen Wasserstand der Vater Rhein sich alles gefallen lassen muß, konnte man am Sonntag bei einem Ausflug nach Kehl sehen. Auf dem an vielen Stellen völlig ausgetrockneten und nur noch aus mächtigen Sandbänken bestehenden Rheinbett belustigten sich nämlich viele Hunderte bei den Klängen eines auf einer Sandbank aufgeschlagenen Karussells und bei den Getränken verschiedener Erfrischungszelte. Der jetzige Wasserstand ist am Ober=Rhein der allerniedrigste des Jahrhunderts.
- In Darmstadt bewilligte die zweite Kammer eine Erhöhung der Gehälter sämmtlicher Staatsbeamten und Bediensteten in der Weise, daß Gehälter bis 2000 Mark um 10 Prozent, Gehälter darüber bis 5000 Mark um 5 Prozent erhöht werden.
- Von dem bekannten oberschlesischen Hüttenwerk "Laurahütte" wurden nach dortigen Zeitungen zahlreiche Arbeiter wegen sozialdemokratischer agitatorischer Umtriebe sofort entlassen.
- Der in Bromberg wegen Straßenraubes zu acht Jahren Zuchthaus verurtheilte Arbeiter Wozniak versuchte Nachts aus dem Gerichtsgefängniß zu entfliehen, wurde jedoch vom Wachtposten bemerkt und, da er auf dessen dreimaliges Halt nicht stehen blieb, von diesem erschossen.
- Ein kostspieliges Autodafé veranstaltete kürzlich die Steuerbehörde in Königsberg. Dieselbe ließ auf einer freien Wiese 6 große Rollwagenladungen Thee verbrennen. Die Waare hat durch Seewasser derart gelitten, daß der Thee als gesundheitsschädlich bezeichnet werden mußte und daher auch unverwendbar war. Zur Unterhaltung des Feuers waren 6 Meter Holz zwanzig Centner Steinkohlen und ein Faß Petroleum angeliefert worden.
- Die Verschärfung der Paßmaßregel in den Reichslanden hat bereits in Metz ihre Wirkung in unliebsamer Weise ausgeübt. Die für Mittwoch angesetzte französische Vorstellung mußte abgesagt werden, weil die seit Einführung der Paßmilderung zugelassene Truppe aus Nancy fortan nicht ohne Paß über die Grenze nach Metz kommen darf.
- Als weitere Probe französischen Anstandes theilt die Kreuzzeitung ein Erlebniß mit, das Dr. Peters auf seiner Rückreise von England in Antwerpen und Brüssel erfahren hat, welches allerdings für einen der betheiligten Herrn, Henri Rochefort, einen tragi=komischen Verlauf genommen hat.
H. Rochfort hatte sich zur Zeit, als Dr. Peters in Brüssel zu Besuch war, daselbst wegen eines Exzesses vor Gericht zu rechtfertigen und fuhr zufällig mit mehreren französischen Begleitern am Abend des 17. Februar mit demselben Zuge von Antwerpen nach Brüssel, auf welchem Dr. Peters mit mehreren Herren der deutschen Gesandtschaft und Herrn Borchert sich ebendorthin begab. Dr. Peters wurde von einer größeren Anzahl deutscher Herren an die Bahn geleitet. In das für ihn reservirte Coupee hatte sich Rochefort mit seiner Begleitung gesetzt. Die Franzosen wurden in Folge dessen höflichst ersucht, in ein anderes Coupee zu steigen. Der Zorn, so viele deutsche Herren in Antwerpen zu sehen, war groß, und nach französischer Art äußerte sich derselbe unverweilt in einer theatralischen Vorstellung ,,A bas les Allemands, à bas les Chinois de l'Europe, morpions du monde! A bas le Docteur Feters, à bas le voleur de l'Afrique! Vive la France! Vive la France!" erscholl es im Pathos aus dem Coupeefenster der Franzosen. Als der Bahnhofsbeamte ihnen das Declamiren verbot, stimmten die patriotischen Herren die Marseillaise an. Insbesondere reizte die Wuth der Pariser der ein wenig militärische Zuschnitt der Livree des Dieners des Dr. Peters, eines braven, harmlosen Mecklenburgers. Dieser ließ sich das Schreien gegen ihn eine Zeit lang gefallen, als aber Henri Rochefort aus dem Coupeefenster heraus nach seiner Mütze griff, "da," erzählte Wilhelm selbst, "stieß ich meinen Stock in die Höhe, daß er ihm unter die Nase fuhr und er lingelongs hinschlug; aber ich thot das ja man blos aus Spoß." Dann fuhr man nach Brüssel. Daselbst angelangt, postirten sich die französischen Herren vor dem deutschen Coupee. Von Neuem ging das Geschrei los. Da die deutschen Herren den Franzosen einfach geringschätzig den Rücken zukehrten, begaben diese sich wieder zu Wilhelm, dem sie den Weg zu versperren suchten. "Den Stock hatte ich ja in der Hand," erzählte Wilhelm hernach, "deshalb mußte ich dem einen mit dem langen Bart einen mit dem Koffer vor den Bauch geben, das er gegen die Säule schlug. Dem andern gab ich einen mit dem Fuß vor den Bauch. Dann sagte ich: "Sie Schw . . ., kommen Sie doch man blos mit in die Ecke, dann will ich Ihnen doch man zeigen, was die Deutschen sind und was Sie sind!" Darauf eilten die Herren auf Dr. Peters zu, mit Pathos und Gestikulationen ausrufend: ,,Votre domestique, votre domestique!" Als ihnen jedoch hier der kurze nüchterne Bescheid wurde: "Halten Sie den Mund," wandten sie sich an die Polizei. Diese nahm aber gegen die Schreier Partei und das Schlußtableau war folgendes: Auf den Stufen des Gar du Nord standen die Franzosen, beschwichtigt von der Polizei, mit Pathos und Declamation das Volk harranguirend. In einer Droschke erster Klasse fuhr Wilhelm ab, den Declamatoren im Abfahren mit seinem Knotenstock zuwinkend. Die deutschen Herren begaben sich lachend zu einem nicht weit davon befindlichen Weinrestaurant, um daselbst ihr Abendbrod einzunehmen.
- Von dem verschollenen Erzherzog Johann (Johann Orth), den man schon zu den Todten gerechnet hatte, ist wieder eine neue Kunde gekommen. Wie aus London gemeldet wird, soll nach dort eingegangener Nachricht das Schiff "Santa Margarita" mit Johann Orth an Bord in einen japanesischen Hafen eingelaufen sein. Ob sich diese Nachricht bestätigen wird, bleibt abzuwarten.
- Nachdem in Graz am Dienstag mehr als 12 Lawinen niedergegangen waren, mußte der gesammte Eisenbahnverkehr bei Cilli eingestellt werden. Der Wien=Triester Eilzug entging nur mit knapper Noth dem Sturz einer Lawine.
[ => Original lesen: 1891 Nr. 20 Seite 8]
- In Trier spricht man seit Wochen davon, daß im Laufe dieses Jahres der heilige Rock wieder ausgestellt werden soll. Der heilige Rock ist im vorigen Jahre in Gegenwart einer Anzahl geistlicher und weltlicher Notabeln aufgedeckt und sachkundig geprüft worden.
- Ueber ein doppeltes Unglück im Gotthardt=Tunnel berichtet der Berner "Bund" folgendes: Am Donnerstag Nachmittag fiel ein Eisenbahn=Conducteur mitten im Tunnel so unglücklich vom Zuge, daß er mit dem Oberkörper auf die Schienen zu liegen kam und die Räder dem Unglücklichen den Kopf vom Rumpfe schnitten. Als der Vorfall nach Geschönen gemeldet wurde, machte sich sofort der dortige Bahnmeister in Begleitung von zwei Bahnarbeitern mittelst Draisine auf den Weg, um den Verunglückten hervorzuholen. Die drei hatten die Leiche des Conducteurs noch nicht erreicht, als ca. 100 Meter von ihnen entfernt, ein Zug in schnellster Gangart gegen ihre Draisine heranbrauste. Zu spät, um sich zu retten, war im nächsten Augenblick das noch größere Unglück geschehen. Zerschmettert lag die Draisine umher; dem Bahnmeister waren beide Beine abgefahren und seine beiden Begleiter wurden ebenfalls schwer verwundet unter dem Zuge hervorgezogen. Die Aufregung unter den Reisenden und dem Bahnpersonal war natürlich sehr groß.
- In Paris herrscht lebhafte Erregung wegen des am kommenden Sonntag in Kraft tretenden Verbotes der Rennwetten. Der Minister des Innern ertheilte in Folge dessen strengen Befehl, jede Ruhestörung auf den Rennplätzen ohne alle Rücksichtnahme mit Gewalt zu unterdrücken.
- Die Feier der Mittfasten verlief in Paris sehr lärmend. Die Polizei war total machtlos und die Boulevards waren Nachts vollständig im Besitze des Pöbels, welche die Passanten beleidigte und mißhandelte. Vor den Cafès wagte Niemand Platz zu nehmen.
- Der kranke Großfürst Georg von Rußland, zweiter Sohn des Kaisers, wird zu Anfang nächster Woche für längeren Aufenthalt in Algier eintreffen Die Aerzte glauben nicht, daß der Prinz sehr alt werden dürfte.
- Wie der "Kölnischen Ztg." aus Paris gemeldet wird, soll die Gemahlin des Großfürsten Sergius von Rußland, die zweite Tochter des Großherzogs von Hessen, welche, seit sechs Jahren verheirathet, bisher ihren lutherischen Glauben bewahrt hat, gesonnen sein, nunmehr zur griechisch=orthodoxen Kirche überzutreten.
- Der Kosakenhäuptling Atschinow, der vor Kurzem in Paris Gastrollen gegeben, aber auf Befehl des Zaren seine Abreise von dort beschleunigt hat, wird den Parisern in "theurem Andenken" bleiben. Er hat nämlich bedeutende Schulden hinterlassen und sogar seine Hotelrechnung ist unbezahlt geblieben, da die deutsch=feindliche Madame Adam, in deren Salons Atschinow am meisten verkehrt hat, plötzlich ihre Hand von dem russischen Günstling zurückgezogen hat.
- Der Verband der in London tagenden Handelskammern sprach sich soeben für die Einführung des Penny=Portos (Groschen=Portos) nach dem gesammten britischen Reiche aus.
- Das geheimnißvolle Verschwinden einer vermögenden Dame erregt in London, wie von dort telegraphirt wird, großes Aufsehen. Die Vermißte ist eine Frau Cathcart, welche ein Vermögen von anderthalb Millionen Pfund Sterling besitzen soll. Zuletzt wurde Frau Cathcart am 24. v. Mts. in der Nähe des Londoner Justizpalastes gesehen. Die Polizei ist der Ansicht, daß die Dame in einen Hinterhalt gelockt und ermordet worden ist.
- Aus der Bank von Schottland wurden weit über eine Million Mark in englischen Banknoten gestohlen. Der Dieb soll seine Flucht über Vlissingen genommen haben.
- Wie aus Glasgow bestätigt wird, ist der Strike der schottischen Hochofenarbeiter beendet, da die Arbeiter die Bedingungen der Arbeitgeber auf Herabsetzung der Löhne um 5 Prozent angenommen haben. Der Ausstand hat 21 Wochen gedauert und viel Noth und Elend herbeigeführt.
Falsche Freunde, falsche Thränen,
Falsche Wechsel, falsche Bons,
Ein Gebiß von falschen Zähnen,
Falsche Zöpfe und Chignons,
Falsche Münzen, falsche Scheine,
Falsche Frauen große Schaar,
Falsche Bier' und falsche Weine,
Falsche Kriegsgerüchte gar.
Falsche Cassabücherschreibung,
Falsche Zeugen, falscher Eid,
Falsche Ordenfabricirung,
Schmählich falsche Frömmigkeit,
In der Oper falsch gesungen,
Quell vom falschen Mineral,
Böse Menschen, falsche Zungen,
Falsche Wähler, falsche Wahl.
Falsche Steine und Juwelen,
Falsches Silber, falsches Gold,
Falscher Pathos, falsche Seelen,
Kurzum falsch, was ihr nur wollt.
Falsche Perlen, falsche Ringe,
Falsche Herzen weit und breit,
Alle diese falschen Dinge
Sind ein Zeichen unsrer Zeit.
Zugelaufen ein weißer Hund mit Leder=Halsband ohne Abzeichen.
Gegen Erstattung der Insertions= und Futterkosten abzuholen bei
W. Bohnhoff, Barbier.

References: § 306
 § 177
 § 217
 § 176
 § 217
 § 153
 § 226
 § 217
 § 209