Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2032/07
Timestamp: 2019-02-19 14:01:15+00:00

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BGH, 19.02.2008 - VI ZR 32/07 - dejure.org
Zur Abweisung eines Klageanspruchs auf Ersatz von Mietwagenkosten zum Unfallersatztarif als Verfahrensfehler bei unstrittiger Notwendigkeit eines Mietwagens direkt nach dem Unfall
Ersatz von Mietfahrzeugkosten als Schaden aus Verkehrsunfall; Angewiesensein auf sofortige Weiterfahrt mit einem Mietfahrzeug; Substanziiertheit des Parteivortrags zur Notwendigkeit der Inanspruchnahme eines Mietwagens
Mietwagenkosten - Angewiesenheit auf Mietwagen für Weiterfahrt
Anforderungen an die Substantiierung der Notwendigkeit von Mietwagenkosten nach einem Unfallersatztarif
Schadensrecht - Angewiesensein auf sofortige Weiterfahrt des Unfallgeschädigten
Verkehrsrecht - Unfallersatztarif kann bei erforderlicher sofortiger Weiterfahrt zulässig sein
Mietwagen - Vor Anmietung bei Versicherung fragen?
Mietwagenkosten - Übers Ziel hinausgeschossen
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 19.02.2008, Az.: VI ZR 32/07 (Feststellungen des Gerichts im Mietwagenprozess)" von RAin Rita Zorn, original erschienen in: VRR 2008, 264 - 265.
Kurznachricht zu "Anforderungen an Urteilsbegründung in Mietwagenstreitigkeiten" von Ass. jur. F. Roland A. Richter, original erschienen in: SVR 2008, 261 - 262.
AG Westerstede, 24.05.2006 - 21 C 160/06
AG Westerstede, 03.01.2007 - 21 C 160/06
LG Oldenburg, 03.01.2007 - 5 S 401/06
NJW-RR 2008, 689
MDR 2008, 502
NZV 2008, 286
VersR 2008, 554
Solche Umstände haben die Klägerin und die Streithelferin geltend gemacht, indem sie vorgetragen haben, die Klägerin sei nicht in der Lage gewesen, einen Mietpreis vorzufinanzieren, und eine Anmietung zum "Normaltarif" hätte neben der nicht möglichen Angabe der voraussichtlichen Mietdauer die Leistung einer Sicherheit und Vorauszahlung des Mietpreises mittels einer Kreditkarte erfordert, welche die Klägerin nicht besessen habe (vgl. dazu Senatsurteile BGHZ 163, 19, 26;… vom 14. Februar 2006 - VI ZR 32/05 - VersR 2006, 564 Rn. 9;… vom 20. März 2007 - VI ZR 254/05 - VersR 2008, 235 Rn. 13, 17 f.; vom 19. Februar 2008 - VI ZR 32/07 - VersR 2008, 554 Rn. 18).
Im Ansatz zutreffend geht das Berufungsgericht davon aus, dass der Geschädigte nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB als Herstellungsaufwand Ersatz derjenigen Mietwagenkosten verlangen kann, die ein verständiger, wirtschaftlich vernünftig denkender Mensch in seiner Lage für zweckmäßig und notwendig halten darf (st. Rspr., vgl. Senatsurteile vom 19. Februar 2008 - VI ZR 32/07 -VersR 2008, 554, 555 und vom 16. September 2008 - VI ZR 226/07 - [...], jeweils m.w.N.).
Gegen seine Pflicht zur Schadensgeringhaltung verstößt der Geschädigte noch nicht allein dadurch, dass er ein Kraftfahrzeug zu einem Unfallersatztarif anmietet, der gegenüber dem "Normaltarif" teurer ist, soweit die Besonderheiten dieses Tarifs mit Rücksicht auf die Unfallsituation einen gegenüber dem "Normaltarif" höheren Preis rechtfertigen, weil sie auf Leistungen des Vermieters beruhen, die durch die besondere Unfallsituation veranlasst und infolgedessen zur Schadensbehebung nach § 249 BGB erforderlich sind (BGH NJW 2006, 360, 1506, 1508, 2106, 2621; 2007, 2758, 3782; VersR 2008, 554).
Wie bei speziellen Unfallersatztarifen ist auch hier entscheidend, ob die Mehrkosten mit Rücksicht auf die Unfallsituation - etwa die Vorfinanzierung, das Risiko eines Ausfalls mit der Ersatzforderung wegen falscher Bewertung der Anteile am Unfallgeschehen durch den Kunden oder das Mietwagenunternehmen - einen gegenüber dem Normaltarif höheren Preis bei Unternehmen dieser Art aus betriebswirtschaftlicher Sicht rechtfertigen, weil sie auf Leistungen des Vermieters beruhen, die durch die besondere Unfallsituation veranlasst sind (BGH NJW 2006, 360, 2621; 2007, 2758, 2916; NJW-RR 2008, 689; NJW 2009, 58).
Der erkennende Senat hat die insoweit zu beachtenden Grundsätze in einer Vielzahl veröffentlichter Entscheidungen ausführlich dargestellt (…zuletzt Senatsurteile vom 9. Oktober 2007 - VI ZR 27/07 - aaO; 19. Februar 2008 - VI ZR 32/07 - VersR 2008, 554; 11. März 2008 - VI ZR 164/07 - VersR 2008, 699; vom 24. Juni 2008 - VI ZR 234/07 - Juris, jeweils mit zahlreichen weiteren Nachweisen).
b) Nach § 249 Abs. 2 BGB kann der Geschädigte vom Schädiger als erforderlichen Herstellungsaufwand nur die Kosten erstattet verlangen, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen erscheinen (vgl. BGHZ 115, 364, 369; 160, 377; 162, 161, 165; Urteile vom 19. Februar 2008 - VI ZR 32/07, VersR 2008, 554 f., …und vom 23. Januar 2007 aaO; Kammerurteile vom 12. Februar 2010 - 13 S 146/09 - und vom 30. Mai 2008 - 13 S 20/08).
Nach § 249 Abs. 2 BGB kann der Geschädigte vom Schädiger als erforderlichen Herstellungsaufwand nur die Kosten erstattet verlangen, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen erscheinen (vgl. BGHZ 115, 364, 369; 160, 377; 162, 161, 165; Urteile vom 19. Februar 2008 - VI ZR 32/07, VersR 2008, 554 f., …und vom 23. Januar 2007 - VI ZR 67/06, VersR 2007, 560 f. aaO;… im Einzelnen Kammerurteile aaO.).
Maßgebend sind insoweit die konkreten Umstände des Einzelfalles (vgl. zu Vortsehendem nur BGH, Urteil vom 19.02.2008, Az. VI ZR 32/07; BGH, Urteil vom 30.01.2007, Az.: VI ZR 99/06 m.w.N.; zitiert nach juris).
Deshalb ist bei der Prüfung, ob der Geschädigte den Aufwand zur Schadensbeseitigung in vernünftigen Grenzen gehalten hat, eine subjektbezogene Schadensbetrachtung anzustellen, d.h. Rücksicht auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten sowie auf die möglicherweise gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten zu nehmen (st. Rspr., BGHZ 115, 364; 115, 375; BGH NJW-RR 2008, 689; NJW 2009, 1265; 2009, 1663; 2010, 1445; 2010, 2569; jeweils zit. n. Juris).
Ihm ist grundsätzlich nicht zuzumuten, "Marktforschung" zu betreiben und in jedem Fall mehrere Kostenvoranschläge von Sachverständigen einzuholen (vgl. zu den parallel gelagerten Mietwagenkosten [UET]: BGH NJW 1996, 1958; NJW-RR 2008, 689; jeweils zitiert nach juris).
NJW 2006, 1506; BGH NJW 2006, 1726; BGH NJW 2006, 2106; BGH NJW 2006, 2621; BGH NJW 2006, 2693; BGH NJW 2007, 122; BGH NJW 2007, 1124; BGH NJW 2007, 1449; BGH NJW 2007, 1676; BGH NJW 2007, 2122; BGH NJW 2007, 2758; BGH NJW 2007, 2782; BGH NJW 2007, 2916; BGH NJW 2007, 3782, BGH NJW 2008, 1519; BGH NJW 2008, 2910; BGH NJW-RR 2008, 689; BGH NJW 2009, 58; BGH NJW-RR 2009, 318; BGH NJW 2010, 1445).
In der Rechtsprechung besteht weiterhin Übereinstimmung darin, dass nach § 249 Abs. 2 BGB der Geschädigte vom Schädiger als erforderlichen Herstellungsaufwand nur die Kosten erstattet verlangen kann, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen erscheinen (…LG Saarbrücken a.a.O., mit Verweis auf BGHZ 115, 364, 369; 160, 377; 162, 161, 165; Urteile vom19. Februar 2008- VI ZR 32/07, VersR 2008, 5541, …und vom 23. Januar2007 a.a.O.), wobei er nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot gehalten ist, im Rahmen des ihm Zumutbaren den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu wählen, sofern er die Höhe der für die Schadensbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen kann.

References: BGH 
 § 249
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