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Timestamp: 2019-10-21 20:23:47+00:00

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Prozesspfleger – WikiMANNia
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Als Prozesspfleger wird eine natürliche Person bezeichnet, die im Zivilprozess für eine prozess­unfähige (= geschäfts­unfähige) Partei die ohne gesetzlichen Vertreter[wp] (Eltern, Vormund, Betreuer, Ergänzungspfleger) ist, die Prozessführung übernimmt. Der Prozesspfleger wird vom Gericht bestellt (§ 57 ZPO).
Die Bestellung erfolgt auch bei Prozessen um herrenlose[wp] Grundstücke und Schiffe (§ 58 ZPO).
Auf die genannten Bestimmungen wird auch in den anderen Prozess­ordnungen (Sozial­gerichts­gesetz, Verwaltungs­gerichts­ordnung, Finanz­gerichts­ordnung, Arbeits­gerichts­gesetz) hingewiesen.
In Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit[wp] wird die gleiche Funktion als Verfahrenspfleger bezeichnet, in Verwaltungs­verfahren als besonderer Vertreter im Verwaltungsverfahren[wp].
Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Anspruch gegenüber dem Beklagten oder das Beitreibungs­recht gegenüber dem in die Prozesskosten verurteilten Gegner vorrangig vor einer Inanspruchnahme der Staatskasse nach §§ 45ff RVG geltend zu machen wären.
Die Parteien streiten über die Wirksamkeit eines Aufhebungs­vertrages. Der Kläger leidet aufgrund eines frühkindlichen Hirnschadens an einer Hirn­leistungs­schwäche und ist deswegen ein behinderter Mensch mit einem Grad der Behinderung von 80. Er macht geltend, er sei im Zeitpunkt des Abschlusses des Aufhebungs­vertrages zeitlich begrenzt nicht geschäftsfähig gewesen.
Im Rahmen eines Verfahrens über die Wirksamkeit eines Aufhebungs­vertrages begründet das bloße Bestehen einer Geistesschwäche noch nicht die Vermutung für das Vorliegen einer Geschäfts­unfähigkeit. Diese liegt erst vor, wenn die freie Willens­bestimmung infolge der Geistesschwäche ausgeschlossen ist. Gelangt ein Gericht zu der Überzeugung, dass eine Partei nicht prozessfähig ist, so muss es durch die weitere Verfahrens­gestaltung dafür Sorge tragen, dass der Partei das bisher fehlende rechtliche Gehör gewährt wird. Lehnt das Betreuungsgericht die Bestellung eines Betreuers ab, hat das Prozessgericht, das die Partei dessen ungeachtet für prozess­unfähig hält, einen Prozesspfleger zu bestellen, damit dem Prozess­unfähigen die Verfolgung seiner prozessualen Rechte nicht abgeschnitten wird.
Sollte das Betreuungsgericht die Bestellung eines Betreuers, die auch nur für den vorliegenden Rechtsstreit möglich wäre (vgl. BayOLG 13.12.2000, 3 Z BR 353/00; FamRZ 2001, 1249 (Ls.) = RPfl. 2001, 234; MünchKommBGB/ Schwab 5. Aufl. § 1896 Rn. 63), ablehnen, das Landes­arbeits­gericht aber gleichwohl an seiner Überzeugung der fehlenden Prozessfähigkeit des Klägers festhalten oder wiederum nicht aufklärbare und deshalb zu Lasten des Klägers gehende Zweifel an dessen Prozess­fähigkeit hegen, gilt es zu verhindern, dass die gerichtliche Geltend­machung der Unwirksamkeit des Aufhebungs­vertrages an dem vom Gericht angenommenen Mangel der Prozessfähigkeit des Klägers scheitert. In diesem Fall ist ausnahmsweise eine analoge Anwendung der Bestimmung des § 57 ZPO geboten.
Ihrem Wortlaut nach erfasst diese Vorschrift zwar nur die bei Prozessbeginn vorliegende vorübergehende Prozess­unfähigkeit des Beklagten (vgl. RG 20.05.1930 - II 385/ 29 - RGZ 129, 98, 108). Sie wird jedoch auch auf die dauernde sowie auf die erst im Laufe des Verfahrens eingetretene Prozessunfähigkeit entsprechend angewandt (BAG 19.09.2007 - 3 AZB 11/07 - EzA ZPO 2002 § 241 Nr. 1; BGH 09.05.1962 - IV ZR 4/62 - NJW 1962, 1510; BAG 20.01.2000 - 2 AZR 733/98). In dieser Vorschrift kommt der Rechtsgedanke zum Ausdruck, dass der Rechtsschutz nicht an der mangelnden gesetzlichen Vertretung scheitern soll (BVerwG 31.08.1966 - V C 223. 65 - BVerwGE 25, 36, 40).
Darum ist bei einer unterschiedlichen Beurteilung der Prozessfähigkeit durch verschiedene Gerichte oder Behörden, die dazu führt, dass dem Prozess­unfähigen die gerichtliche Verfolgung seiner Rechte verwehrt wird, eine analoge Anwendung des § 57 ZPO auch im Fall der Prozess­unfähigkeit des Klägers notwendig. Dem (möglicherweise) Prozess­unfähigen darf die Verfolgung seiner prozessualen Rechte nicht dadurch abgeschnitten werden, dass die Prozessfähigkeit vom Prozessgericht festgestellt werden muss, für die Bestellung eines gesetzlichen Vertreters aber das Betreuungsgericht zuständig ist (vgl. BVerwG 05.06.1968 - V C 147. 67 - BVerwGE 30, 24, 26; Käck Der Prozesspfleger 1990, S. 37, 45 f.).
Der Grundsatz, dass der Einleitung oder Fortsetzung des Disziplinarverfahrens die Verhandlungsunfähigkeit des Beamten nicht entgegensteht ("Durchführungs­grundsatz"), gilt unter dem Bundes­disziplinar­gesetz unausgesprochen fort. Ist ein Prozesspfleger bestellt, steht die dauerhafte Verhandlungs­unfähigkeit eines Beamten der Durchführung eines Disziplinar­klage­verfahrens nicht entgegen.
Die mögliche mangelnde Prozessfähigkeit des Klägers führt nicht zur Unzulässigkeit der Nicht­zulassungs­beschwerde. Für den Streit über die Prozess­fähigkeit ist die davon betroffene Partei als prozessfähig anzusehen.
Das Gericht muss dafür Sorge tragen, dass einem prozess­unfähigen Kläger ermöglicht wird, für eine ordnungsgemäße Vertretung zu sorgen (im Anschluss an BAG, Beschluss vom 28.05.2009 - 6 AZN 17/09, NJW 2009, 3051).
Der Senat führt in seiner Entscheidung u. a. aus: die Ablehnung der Bestellung eines Betreuers nach § 1896 BGB hindert nicht die Feststellung von Prozess­unfähigkeit. Denn eine Betreuer­bestellung setzt weder Prozess­unfähigkeit voraus, noch kann ein Betreuungsgericht die Prozess(un)fähigkeit für andere Gerichte verbindlich feststellen. Die fehlende Bestellung eines Betreuers für den Bereich der Führung eines gerichtlichen Verfahrens führt allein dazu, dass die Voraussetzungen des § 72 Abs. 1 SGG (wonach dem besonderen Vertreter - nur - bis zum Eintritt eines Betreuers alle Rechte mit Ausnahme des Empfangs von Zahlungen zustehen) prognostisch einstweilen ohne absehbares Ende erfüllt sind.
Weitere Rechtsprechung zur Prozesspflegschaft, dejure.org
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Prozesspfleger (10. Mai 2013) aus der freien Enzyklopädie Online-Lexikon Betreuungsrecht. Der Online-Lexikon Betreuungsrecht-Artikel steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Online-Lexikon Betreuungsrecht ist eine Liste der Autoren verfügbar, die vor Übernahme in WikiMANNia am Text mitgearbeitet haben.
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References: § 1896
 § 57
 § 241
 BGH 
 § 57
 § 1896
 § 72