Source: https://www.ra-plutte.de/bgh-tauschboersenurteil-eltern-haften-grundsaetzlich-nicht-fuer-minderjaehrige/
Timestamp: 2018-07-18 20:10:22+00:00

Document:
BGH Urteil Morpheus: Eltern haften grds. nicht für Kinder
Kanzlei » News » Filesharing » BGH Urteil Morpheus: Eltern haften grds. nicht für Minderjährige
Direktkontakt zu Rechtsanwalt Plutte
Das bemerkenswerte Urteil beantwortet eine der umstrittensten Fragen der letzten Jahre im Kontext von Filesharingverfahren und schafft Rechtssicherheit zu Gunsten der elterlichen Anschlussinhaber. Zwar wurde bislang lediglich eine Pressemitteilung (Nr. 193/12) veröffentlicht, schriftliche Urteilsgründe liegen noch nicht vor. Die Pressemitteilung hat es jedoch in sich. Lesen Sie nachfolgend alles Wesentliche zum Fall.
Filesharing Clients Morpheus & Bearshare auf PC des Kindes
Mehrere Tonträgerhersteller gingen 2007 wegen der Verletzung von Urheberrechten via Tauschbörsen gegen ein Ehepaar vor, über dessen Anschluss 1147 Audiodateien zum kostenlosen Herunterladen angeboten worden waren. Im Rahmen einer damals noch üblichen staatsanwaltschaftlichen Hausdurchsuchung wurde der PC des 13jährigen Sohnes beschlagnahmt. Auf dem Computer waren die Tauschbörsenprogramme „Morpheus“ und „Bearshare“ installiert; das Symbol des Programms „Bearshare“ war auf dem Desktop des PC zu sehen. Dem Sohn war von den Eltern verboten worden, Tauschbörsen zu nutzen.
Die Tonträgerhersteller mahnten die Eltern anwaltlich vertreten ab und forderten Ersatz ihrer Anwaltskosten die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung sowie Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 3.000,00 EUR für insgesamt 15 Musiktitel. Die Eltern gaben zwar eine Unterlassungserklärung ab, verweigerten aber die Begleichung der Zahlungsforderungen.
Vorinstanzen: Eltern haften, weil Verbotsbefolgung nicht überprüft wurde
Die ersten beiden Instanzen gaben der Zahlungsklage der Abmahner statt (LG Köln, Urteil vom 30.03.2011, Az. 28 O 716/10; OLG Köln, Urteil vom 23.03.2012, Az. 6 U 67/11). Aus Sicht der Kölner Richter war gegenüber Minderjährigen die Aussprache eines „Downloadverbots“ nicht ausreichend, um die Haftung der Eltern zu beseitigen. Die Einhaltung des Verbots müsse darüber hinaus auch laufend überwacht werden. Sei dies nicht (oder nicht nachweisbar) erfolgt, müsse der Anschlussinhaber gemäß § 832 Abs. 1 BGB für den durch das illegale Filesharing seines minderjährigen Kindes entstandenen Schaden haften, weil er seine elterliche Aufsichtspflicht verletzt habe (Weitere Beispiele aus der Rechtsprechung zur Haftung für Dritte finden Sie hier).
BGH: Elterliches Verbot reicht aus, Prüfungspflicht nur im Ausnahmefall
Der Bundesgerichtshof hob die vielfach als lebensfremd kritisierten Entscheidungen am 15.11.2012 auf und wies die Klage in vollem Umfang ab. Der zentrale Satz der Pressemitteilung lautet:
Die schriftlichen Urteilsgründe sind mit Spannung zu erwarten, vor allem im Hinblick darauf, ob sich der BGH ein Hintertürchen zu Gunsten der Rechteinhaber offen hält. Angesichts der unzweideutig formulierten Pressemitteilung dürfte es jedoch kaum möglich sein, ein Urteil zu schreiben, dass die obige Kernaussage zum Umfang der elterlichen Pflichten nicht oder nur stark aufgeweicht enthält.
Spannend ist auch, welche Folgen sich aus der Entscheidung für ähnliche Fallkonstellationen wie jüngere, vor allem aber ältere Kinder ableiten lassen. Hält der BGH bereits einen 13jährigen für ausreichend einsichtsfähig, das Downloadverbot seiner Eltern zu befolgen, wird dies umso mehr für ältere Minderjährige gelten müssen, denen mit jedem zusätzlichen Lebensjahr eine Erhöhung ihrer Einsichtsfähigkeit unterstellt werden darf.
Abzuwarten bleibt auch, ob die Tonträgerhersteller von der Möglichkeit zur Erhebung einer Verfassungsbeschwerde Gebrauch machen. Mit dem Urteil des BGH ist der ordentliche Rechtsweg erschöpft, nun könnte nur noch das Bundesverfassungsgericht mit der Feststellung einer Grundrechtsverletzung helfen. Diskutieren ließe sich spontan etwa eine Aushöhlung der Eigentumsgarantie (Artikel 14 Abs. 1 Grundgesetz), bei längerem Nachdenken finden sich bestimmt auch weitere Angriffspunkte.
Denn machen wir uns nichts vor: Der Download urheberrechtsverletzender Dateien in Tauschbörsen wird in Familien oft nicht durch die als Anschlussinhaber gemeldeten Eltern, sondern deren (minderjährige) Kinder begangen. Falls die Urteilsgründe also halten, was die Pressemitteilung verspricht, müssten die Abmahnkanzleien direkt gegen die Minderjährigen vorgehen oder sich darauf einstellen, eine riesige Zahl von Fällen und mit ihnen Forderungen in Millionenhöhe abzuschreiben.
Sie wurden wegen illegalen Downloads in Tauschbörsen abgemahnt? Nehmen Sie unsere kostenlose und unverbindliche Ersteinschätzung in Anspruch.
In einem Grundsatzurteil hat der BGH heute entschieden, dass ein ...
Zuletzt geändert am 17. November 2014 von Niklas Plutte in: Filesharing · 3 Kommentare
Schlagwörter AnschlussinhaberAufsichtspflichtBGHDownloadHaushaltsmitgliederMinderjährigeStörerhaftungTauschbörse
Vorallem wird die Öffentlichkeit nicht gut darauf reagieren, wenn die Plattenfirmen Kinder verklagen sollten.
Das wird sicher ein kritischer Punkt werden. Die neue Rechtsprechung des BGH setzt aus meiner Sicht allerdings zwingend voraus, dass die Eltern (bzw. das als Anschlussinhaber gemeldete Elternteil) ihr Kind als Täter der Urheberrechtsverletzung benennen. Ein pauschales Bestreiten funktioniert nicht, in diesem Fall könnte die Privilegierung des BGH ja nicht greifen. Im Anschluss an seine Benennung könnte das Kind dann zwar im eigenen Namen abgemahnt werden. Sofern parallel mit der Stellungnahme der Eltern aber eine strafbewehrte Unterlassungserklärung für das Kind abgegeben wird, wäre der Unterlassungsanspruch erfüllt mit der Folge, dass es nur noch um Schadenersatz für die Rechteinhaber ginge (fiktive Lizenzgebühr).
Ich kann mir gut vorstellen, dass es so kommt. Wahrscheinlich würde es eine gewisse Zeit dauern, bis sich einheitliche Sätze in der Rechtsprechung eingepegelt haben, vielleicht sogar durch ein weiteres BGH-Urteil. Im Moment gehen die zugesprochenen Beträge ja teilweise noch extrem auseinander. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, kommen wir einem fairen Interessensausgleich zwischen Rechteinhaber und Abgemahnten aber sehr nahe.
Beispiel: Würde ein Jugendlicher, der illegal das Album einer Band über eine Tauschbörse heruntergeladen hat am Ende 500,00 EUR Schadenersatz (in Raten) an die Rechteinhaber zahlen müssen, wäre das aus meiner Sicht vertretbar, auch als Strafsanktion. Eine Summe dieser Größenordnung ließe sich über einen Ferienjob o.ä. zurückzahlen, im Prinzip ähnlich sonstiger „Jugendsünden“. Ich will mich an dieser Stelle übrigens nicht auf 500,00 EUR als „fairen“ Ausgleichsbetrag festnageln lassen. Über die genaue Höhe werden sich die Gerichte Gedanken machen müssen. Mir geht es hier vor allem um einen Ausblick auf die Folgen des Urteils.
Meiner Meinung nach ist es notwendig, Kinder Surfen im Internet zu überwaschen. Im Internet git es viele gefährlichen Dinge, wie Drogen, Gewalt, Pornografie, ungesunde Website und Inhlte usw. Es gibt viele Web Chatsoftware, falls die Kinder ausgehen, um sich mit Fremden zu treffen, wäre diese Situation sehr gefährlich. Um die Aktivitäte von Kindern rechtzeitig zu erfahren, muss man mithilfe der PC Überwaschungssoftware.

References: BGH 
 § 832
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH