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Timestamp: 2019-09-20 10:39:08+00:00

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Wo hört Tierschutz auf und fängt Hundehandel an? - Die tut nichts
In meinem Beruf als Recht­san­wältin im Bere­ich des Tier­rechts arbeite ich immer wieder mit Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen, Pflegestellen und Pri­vat­per­so­n­en, die einen Hund aus dem Tier­schutz aufgenom­men haben, zusam­men.
Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen und Tier­schützer sprießen nur so aus dem Boden. Egal, ob erfahrene Hun­de­train­er, Tier­heim­mi­tar­beit­er, Haus­frau oder Unternehmer­gat­tin. Wer Tiere liebt, engagiert sich.
Zeit, sich ein­mal kri­tisch mit dem The­ma Tier­schutz auseinan­derzuset­zen.
In diesem Artikel geht es vor allem um die Ret­tung soge­nan­nter Straßen­hunde in Europa. In Süd- und Osteu­ropa gibt es zahlre­iche Tier­schützer, die Straßen­hunde aufnehmen und den Trans­port nach Deutsch­land organ­isieren. Von dort aus wer­den sie aus Tier­heimen und Pflegestellen an pri­vate Hun­de­hal­ter ver­mit­teln. Es gibt aber auch Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen in Deutsch­land, die mit Tier­heimen im Aus­land zusam­me­nar­beit­en. In solchen Fällen wer­den die Tiere meist über das Inter­net an Abnehmer oder Pflegestellen in Deutsch­land ver­mit­telt. In solchen Fällen wird der Trans­port oft mith­il­fe soge­nan­nter Flug­pat­en organ­isiert. Das sind ganz nor­male Touris­ten, die sich auf dem Heimweg nach Deutsch­land befind­en und sich bere­it erk­lären, den Hund mit ins Land zu brin­gen.
Nicht jed­er Hund hat das Glück in einem Flugzeug trans­portiert zu wer­den. Unzäh­lige Hunde wer­den von pri­vat­en Tier­schützern in Klein­trans­porten oder über­füll­ten Kof­fer­räu­men über lange Streck­en ins Land gebracht.
Ver­mit­telt wer­den die Hunde von den Tier­schutzvere­inen gegen eine Schutzge­bühr. Mein­er Erfahrung nach liegt diese aktuell bei ca. 350 EUR, Ten­denz steigend.
Wer bei den Trans­porten und über­füll­ten Pkw noch keinen Klos im Hals hat­te, wird ihn jet­zt bekom­men.
Im Rah­men der Ver­mit­tlung wer­den “Schutzverträge” aufge­set­zt. Einige Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen glauben lei­der, dass sie sich in einem rechts­freien Raum bewe­gen. Nicht sel­ten lagen Verträge auf meinem Tisch, in denen nicht nur die Kas­tra­tion zur Pflicht gemacht wurde, son­dern auch unangekündigte Kon­trollbe­suche sowie die rechtliche falsche For­mulierung “Der Hund verbleibt im Eigen­tum der Tier­schut­zor­gan­i­sa­tion”.
Bitte ver­ste­ht mich nicht falsch: Viele Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen machen eine fan­tastis­che Arbeit, vor der ich jed­erzeit meinen Hut ziehe. Doch lei­der gibt es immer mehr schwarze Schafe. Ich habe Ver­ständ­nis dafür, dass man wis­sen will, dass es dem Hund in seinem neuen Zuhause gut geht. Doch diese Auf­gabe übern­immt das Vet­er­inäramt und keine soge­nan­nten Außen­di­en­st­mi­tar­beit­er der Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen. Nicht sel­ten wur­den Tiere ein­fach wieder mitgenom­men. Es lägen ange­bliche Ver­stöße vor. Bevor sich die neuen Hal­ter zur Wehr set­zen kon­nten, war das Tier schon weit­er ver­mit­telt. Natür­lich unter erneuter Zahlung der “Schutzge­bühr”.
In erster Lin­ie han­delt es sich bei den Straßen­hun­den um Mis­chlinge. Doch es gibt eine Entwick­lung, die mir Bauch­schmerzen bere­it­et. Seit einiger Zeit kom­men immer mehr Rasse­hunde — deklar­i­ert als “Straßen­hund” — aus dem Aus­land hier her. Immer mehr rein­ras­sige Welpen. Ich komme nicht umher mich zu fra­gen, ob die tat­säch­lich alle von der Straßen kom­men? Rein­ras­sig?
Die Men­schen bekom­men dann einen meist jun­gen Hund mit­tlerer Größe. Sozial verträglich und fre­undlich.
Ger­ade Welpen und junge Hunde haben bin­nen aller kürzester Zeit ein Zuhause gefun­den.
Die Schutzge­bühr dient in erster Lin­ie der Ret­tung weit­er­er Hunde. Das mag bei ser­iösen Organ­i­sa­tio­nen auch der Fall sein, doch wo genau das Geld hinge­ht, bleibt oft unklar.
Ich kann aus eigen­er Erfahrung sagen, dass es Organ­i­sa­tio­nen und “Tier­schützer” gibt, die unter dem Deck­man­tel des Tier­schutzes mit Hun­den han­deln. Man kann hier nicht mehr von Tier­schutz sprechen und muss das Wort Hun­de­han­del in den Raum wer­fen.
In Süd- und Osteu­ropa herrscht eine völ­lig andere Beziehung zu Hun­den. Dort ist es nor­mal, dass die Hunde draußen schlafen und an Ket­ten gehal­ten wer­den. Das ist nicht schön, völ­lig ver­al­tet und tier­schutzrechtlich beden­klich, aber es ist nun mal so.
Viele Hunde laufen den ganzen Tag draußen herum und ver­paaren sich mit Straßen­hun­den.
Viele Straßen­hunde befind­en sich in einem schlecht­en Zus­tand. Sie sind oft krank und unter­ernährt. Immer wieder bericht­en die Medi­en über Tötungsak­tio­nen der Regierung, um die Zahl von Straßen­hunde zu reduzieren. Gezielte Kas­tra­tionspro­jek­te kön­nten den gle­ichen Effekt erzie­len.
Hunde, die dort in Tier­heimen sitzen und nicht ver­mit­telt wer­den, wer­den meist nach kurz­er Zeit eingeschläfert. Die Ver­mit­tlungschan­cen in ihrer Heimat sind äußerst ger­ing.
Mit der Ein­führung des § 11 Abs.1 Nr.5 Tier­schutzge­setz wurde der Aus­land­stier­schutz grund­sät­zlich erlaub­nispflichtig. Dies gilt unab­hängig davon, ob der Hund aus dem Aus­land in Deutsch­land zunächst in ein Tier­heim, bei ein­er Pflegestelle oder direkt bei seinen neuen Besitzern unterge­bracht wird.
§ 11 Abs.1 Nr. 5 i. V. m. § 21 Abs.4a Tier­schutzge­setz bes­timmt, dass der­jenige eine Erlaub­nis benötigt, der Wirbeltiere, die nicht Nutztiere sind, zum Zwecke der Abgabe gegen Ent­gelt oder eine son­stige Gegen­leis­tung in das Inland ver­bringt oder ein­führt oder die Abgabe solch­er Tiere, die in das Inland ver­bracht oder einge­führt wer­den sollen oder wor­den sind, gegen Ent­gelt oder eine son­stige Gegen­leis­tung ver­mit­telt.
Wer Fund- oder Abgabehunde aus dem In- oder Aus­land zur weit­eren Ver­mit­teln aufn­immt und pflegt, bedarf abhängig vom Umfang der Tätigkeit und nach Beurteilung durch die zuständi­ge Behörde gem. § 11 Abs.1 Nr.3 Tier­schutzge­set­zt ein­er Erlaub­nis.
Die selb­st­ständi­ge Weit­er­ver­mit­tlung der Hunde gegen Ent­gelt oder son­stige Gegen­leis­tung an Dritte fällt unter die Erlaub­nispflicht nach § 11 Abs.1 Nr.5 Tier­schutzge­setz.
Viele pri­vate Pflegestellen ver­fü­gen nicht über die tier­schutzrechtliche Erlaub­nis. Auf­grund der Ähn­lichkeit zur Sit­u­a­tion in einem Tier­heim, spricht vieles dafür, dass auch hier eine Erlaub­nis erforder­lich ist. Der Begriff “Pflegestelle” existiert im Tier­schutzge­setz jedoch nicht, sodass hier keine ein­deutige Regelung vor­liegt. In allen von mir erlebten Fällen wurde von den Gericht­en und Behör­den angenom­men, dass eine Erlaub­nispflicht beste­ht.
Eine Erlaub­nis nach § 11 ist nur dann zu erteilen, wenn die für die Ver­sorung der Hunde ver­ant­wortliche Per­son über die notwendi­ge Sachkunde ver­fügt und diese schriftlich nach­weisen kann. Zudem muss diese Per­son über die erforder­liche Zuver­läs­sigkeit ver­fü­gen (in den let­zten 5 Jahren keine tier­schutzwidrige Ord­nungswidrigkeit oder entsprechende Straftat). Die Räume und Ein­rich­tung muss zudem eine angemessene Ernährung, Pflege und ver­hal­tensart­gerechte Unter­bringung ermöglichen.
Mit der Ausübung der Tätigkeit darf erst nach Erteilung der Erlaub­nis begonnen wer­den.
Sollte keine Erlaub­nis vor­liegen, unter­sagt die zuständi­ge Behörde die weit­ere Ver­mit­tlung und / oder Auf­nahme von Tieren. Tier­heime, Pflegestellen und die Ver­mit­tlungstätigkeit unter­liegen der Auf­sicht der zuständi­gen Kreisor­d­nungs­be­hörde und wer­den daher regelmäßig und unangekündigt kon­trol­liert.
Bevor ein Hund ein­reisen kann, wird er zunächst in ein Tier­heim, eine Auf­fangsta­tion oder zu ein­er pri­vat­en Pflegestelle gebracht. Dort bleibt das Tier, bis alle Voraus­set­zun­gen für den Trans­port erfüllt sind.
Seit dem 05.01.2007 sind bei dem Trans­port die Bes­tim­mungen der Verord­nung (EG) Nr.1/2005 (Tier­schutz Trans­portverord­nung der EU) zu beacht­en.
Die Verord­nung ist nach Art. 1 Abs.1 anwend­bar auf alle Trans­porte leben­der Wirbeltiere inner­halb der Gemein­schaft, gilt jedoch nur für Trans­porte, die in Verbindung mit ein­er wirtschaftlichen Tätigkeit durchge­führt wer­den. Hier­von ist in jedem Fall auszuge­hen, weil die Ver­mit­tlung gegen eine Schutzge­bühr zumin­d­est einen indi­rek­ten Gewinn darstellt. Auch sollte unter Tier­schutz­gesicht­spunk­ten selb­stver­stän­lich sein, dass die Verord­nung Anwen­dung find­et.
Laut der Verord­nung gel­ten fol­gende Regelun­gen:
Hunde dür­fen nur trans­portiert wer­den, wenn sie trans­port­fähig sind und wenn gewährleis­tet ist, dass ihnen unnötige Ver­let­zun­gen und Lei­den erspart wer­den
Welpen müssen min­destens acht Wochen alt sein, außer sie wer­den von ihrer Mut­ter begleit­et
die Tiere müssen min­destens alls 24 Stun­den gefüt­tert und min­destens alle acht Stun­den getränkt wer­den
schriftliche Füt­terungs- und Tränkean­weisun­gen sind mitzuführen und zu befol­gen
den Tieren dür­fen keine Beruhi­gungsmit­tel verabre­icht wer­den, es sei denn, dies ist unbe­d­ingt erforder­lich, um das Wohlbefind­en der Tiere zu sich­ern. Dann aber nur unter ärztlich­er Kon­trolle
Zudem gibt es einige Vorschriften, die das Trans­port­mit­tel, Trans­port­be­häl­ter, die erforder­lichen Doku­mente sowie den Umgang mit den Tieren betr­e­f­fen.
Amtliche Über­prü­fun­gen der Trans­porte auf dem Straßen­weg find­en in der Regel nur noch an den Gren­zkon­trollen statt, falls die Tiere aus Drit­tlän­dern in die EU einge­führt wer­den. Inner­halb der EU gibt es grund­sät­zlich keine Kon­trollen an den Gren­zen. Oft wer­den die tat­säch­lichen Trans­portbe­din­gun­gen nur durch eine zufäl­lige Stich­probenüber­prü­fung fest­gestellt. Nicht sel­ten wer­den hier grobe Ver­stöße gegen tier­schutzrechtliche Bedin­gun­gen aufgedeckt. Oft sind die Fahrzeuge über­laden, die Tiere nicht ver­sorgt. Die Trans­portzeit­en sind lang und die Tiere oft zu jung.
Beim Trans­port auf dem Flug­weg wer­den die Tiere nach Maß­gabe der ein­schlägi­gen Vorschriften der Inter­na­tion­al Air Trans­port Asso­ci­a­tion (IATA) befördert. Die einge­fan­genen Straßen­hunde lei­den oft unter gr0ßen Äng­sten in den für sie unge­wohn­ten kleinen Box­en. Die Organ­isatoren verneinen einen solchen Zus­tand, doch wird dieser immer wieder von Mitar­beit­ern der Flugge­sellschaft bestätigt. Oft wird dieser Zus­tand auch unter dem Deck­man­tel “der Hund wird schließlich geretet­tet” schön gere­det.
Seit dem 29. Dezem­ber 2014 haben sich die Vet­er­inärbe­din­gun­gen für die Ver­bringung von Heimtieren inner­halb der EU, die durch die Verord­nung (EG) Nr.998/2003 des europäis­chen Par­la­ments und des Rates vom 6. Mai 2003 fest­gelegt wor­den waren, geän­dert. Die Regelung zur Ein­führung eines Heimtier­ausweis­es wird seit­dem in vollem Umfang ange­wandt.
Ziel der Regelung ist es, die Vet­er­inärbe­di­gun­gen für die Ver­bringung von Heimtieren im Rei­sev­erkehr zwis­chen den EU — Staat­en und Drit­tlän­dern zu har­monieren. Ins­beson­dere die Vorschriften über die Toll­wut haben den Schutz der Bevölkerung zum Ziel.
Zudem gilt der Grund­satz, dass für die Ein­fuhr von Hun­den zu Han­del­szweck­en die gle­ichen Regelun­gen gel­ten wie bei Nichthandel­szweck­en. Es soll unbe­d­ingt ver­mieden wer­den, dass tierseuchen­rechtliche Anforderun­gen durch die Deklar­ierung als pri­vate Ein­fuhr umgan­gen wer­den kön­nen.
So dür­fen zum Beispiel Welpen aus gelis­teten Drit­tlän­dern früh­estens im Alter von knapp vier Monat­en (21 Tage nach erfol­gter Toll­wuter­stimp­fung im Alter von 12 Wochen) nach Deutsch­land gebracht wer­den. Aus nicht gelis­teten Drit­tlän­dern dür­fen Hunde früh­estens im Alter von 7 Monat­en nach Deutsch­land einge­führt wer­den (nach Toll­wutimp­fung im Alter von 3 Monat­en, Blu­tun­ter­suchung auf Toll­wu­tan­tikör­p­er früh­estens 30 Tage nach erfol­gter Imp­fung und nochma­liger drei­mon­tiger Wartezeit).
Hunde, die den seuchen­rechtlichen Anforderun­gen nicht entsprechen, kön­nen gem. § 24 Abs.3 TierGesG auf Kosten des Hal­ters, der sie einge­führt hat oder ver­bracht hat, in das Herkun­ft­s­land zurück­geschickt wer­den oder solange isoliert gehal­ten wer­den, bis die tierge­sund­heitlichen Anforderun­gen erfüllt sind. Bei Krankheitsver­dacht ist sog­ar die Tötung des Tieres zuläs­sig. Die Kosten für die Isolierung, Kennze­ich­nung, Imf­pung und Toll­wu­tan­tikör­perbes­tim­mung sind vom Eigen­tümer bzw. Hal­ter zu tra­gen.
Nach § 19 der Bin­nen­mark­t­tierseuchen­schutz — Verord­nung kann das zuständi­ge Vet­er­inäramt anord­nen, dass der Emp­fang von Hun­den aus anderen Mit­gliedsstat­ten unter Angabe der Ankun­ft­szeit und der Anzahl der Hunde vor­ab angezeigt wird, sodass stich­probe­nar­tige Über­prü­fun­gen stat­tfind­en kön­nen.
Nach wie vor wer­den immer noch Heimtier­ausweise über das Inter­net bestellt und in die anderen Staat­en mitgenom­men, um sie dort vom zuständi­gen Tier­arzt ausstellen zu lassen. Dieses Vorge­hen ist kostengün­sti­er als der Kauf eines EU — Heimtier­ausweis­es im jew­eili­gen Staat. Den­noch ist dieses Vorge­hen ver­boten. Der Heimtier­ausweis muss aus dem Herkun­ft­s­land stam­men.
Die seuchen­rechtlichen Bes­tim­mung sind also unbe­d­ingt einzuhal­ten. Hier geht es nicht nur um Toll­wut, son­dern auch um die Ver­hin­derung ander­er schw­er­er Krankheit­en wie Leish­man­iose, Babesiose, Ehrli­chiose, Herzwürmer u.a.
Ich kann mich nur wieder­holen.
Es gibt zahlre­iche Organ­i­sa­tio­nen, die einen per­fek­ten Job machen. Das Wohl der Tiere ste­ht an erster Stelle.
Doch lei­der sprießen die schwarzen Schafe aus dem Boden wie Unkraut. Unser­iöse, inkom­pe­tente Möchte­gern­tier­schützer trans­portieren zahlre­iche Tiere nach Deutsch­land. Der Fokus liegt nicht auf dem Wohl der Tiere, son­dern auf der Ver­mit­tlungs­gs­bühr, die durch zahlre­iche Tricks und krim­inelle Vorge­hensweisen oft dop­pelt und dreifach kassiert wird. Hunde wer­den wieder abge­holt und neu ver­mit­telt. Unter unglaublichen Argu­menten gehen diese Men­schen gegen die neuen Besitzer vor, schick­en teil­weise “Män­ner Mod­ell Klei­der­schrank” in die Woh­nun­gen um die Hunde wieder her­auszu­holen. Das Mitleid der Men­schen wird scham­los aus­genutzt.
Man muss sich das mal vorstellen. Ich musste “Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen” ken­nen ler­nen, die keine Erlaub­nis nach § 11 hat­ten. Men­schen haben durch die Grün­dung eines solchen Vere­ins den Weg aus Hartz IV gesucht. Keine Erfahrun­gen mit Hun­den, keine Ken­nt­nisse. In deren Woh­nung lebten mehr als 20 einge­fan­gene Straßen­hunde. Bei Pflegestellen, die mit dem Vere­in zusam­mengear­beit­et haben, sah das Ganze ähn­lich aus. Durch die hohe Anzahl an Tieren kam es erneut zur Ver­mehrung untere­inan­der. Ständig wur­den Hunde ver­mit­telt und wieder abge­holt. Der Hund lebt an ein­er viel befahre­nen Straße (auf einem eingezäun­ten Grund­stück). Diese “Gefahr” ist nicht zumut­bar, daher wurde das Tier von drei großen schw­eren Män­nern gegen den Willen der neuen Besitzerin abge­holt. Am Fol­ge­tag war der Hund schon weit­er ver­mit­telt. Natür­lich gegen erneute Bezahlung der Gebühr.
Zudem komme ich nicht umher mir die Fra­gen zu stellen, ob man tat­säch­lich jedem dieser Hunde einen Gefall­en tut. Straßen­hunde, die nach Schätzun­gen rund 7 bis 8 Jahre auf der Straße gelebt haben, wohlernährt sind und einen gesun­den Ein­druck machen, wer­den einge­fan­gen. Diese Hunde wer­den in kleinen Box­en nach Deutsch­land geflo­gen und ver­mit­telt. Und dann wird sich noch gewun­dert, dass diese Hunde die erste Gele­gen­heit nutzen um weglaufen zu kön­nen. Muss das sein?
Auch die Fol­gen für unsere Tier­heimhunde sind nicht unter den Tisch zu kehren. Nicht sel­ten wer­den Hunde mit ansteck­enden Krankheit­en nach Deutsch­land ver­bracht. Die Seuchen­schutzregelun­gen wer­den oft mis­sachtet. Ganze Tier­heime erkranken dann an Staupe oder Par­vovi­rose. Immer mehr Welpen und Junghunde kom­men aus Ost- und Südeur­poa. Diese wer­den in der Regel wesentlich schneller ver­mit­telt. Da bleibt der 6 Jahre alte Mis­chling, der hier in Deutsch­land aus­ge­set­zt wurde, lei­der unver­mit­telt.
Oft wird vergessen, dass die Straßen­hunde dort ein völ­lig anderes Leben geführt haben. Sie haben ihre eige­nen Entschei­dun­gen getrof­fen, ihr Essen selb­st besorgt und Prob­leme eigen­ständig gelöst. Kom­men Junghunde hier nach Deutsch­land darf man nicht überse­hen, dass diese in der entschei­de­nen Prä­gungsphase ihres Lebens wahrschein­lich in ein­er Isolier­sta­tion ver­bracht haben. Ohne Kon­takt zu anderen Hun­den und ohne Kon­takt zu anderen Men­schen. Oft lei­den diese Hunde hier unter Stress und Äng­sten, was dazu führt, dass sie anfäl­liger für Krankheit­en sind. Sollte ein solch­er Hund dann hier nicht ver­mit­telt wer­den, bleibt er unter Umstän­den den Rest seines Lebens in einem Tier­heim. Würde man den Hund fra­gen, ob er den Zwinger der Frei­heit als Straßen­hund vorziehen würde, dann glaube ich die Antwort zu ken­nen.
Ich bin der Auf­fas­sung, dass die Arbeit der Tier­schut­zor­gan­is­tio­nen nicht auss­chließlich in dem Trans­port der Hunde nach Deutsch­land beste­hen sollte. Hil­fe zur Selb­sthil­fe ist hier ein großes The­ma. Man sollte dafür sor­gen, dass Straßen­hunde kas­tri­ert und gekennze­ich­net wer­den. Dass die Hunde von Ost- und Südeu­ropa nach Deutsch­land ver­bracht wer­den, führt in zahlre­ichen Städten dazu, dass die Behör­den sich zurück­lehnen und nichts gegen die Sit­u­a­tion ihrer Straßen­hunde unternehmen. Ange­blich wer­den bere­its zahlre­iche Spenden­gelder benutzt, um die Straßen­hunde kas­tri­eren zu lassen. Dies wider­spricht jedoch der unfass­bar deut­lich ansteigen­den Zahl der ver­bracht­en Welpen und Junghunde.
Aufk­lärung ist eben­falls ein wichtiges The­ma. Die Men­schen dort müssen ein anderes Gefühl für Tiere entwick­eln. Tötungsak­tio­nen sind nicht nur grausam, son­dern kon­trapro­duk­tiv. Wer­den Tiere getötet, rück­en Tiere aus anderen Gebi­eten an und es kommt zu ein­er höheren Ver­mehrungsrate.
Aufk­lärung im Zusam­men­hang mit flächen­deck­ender Kas­tra­tion und Kennze­ich­nung würde die Anzahl der Straßen­hunde senken. Der Fokus sollte also in erster Lin­ie darauf gerichtet sein. Ein Ver­brin­gen der Hunde stellt zwar in vie­len Fällen eine Ret­tung dar. Es gibt aber auch Fälle, in denen man zum Wohl des Tieres anders han­deln müsste.
Ich wün­sche mir einen Tier­schutz, in dem kranke und unter­ernährte Hunde einge­fan­gen wer­den. Die Hunde sollen jede medi­zinis­che Ver­sorgung bekom­men, die sie benöti­gen und anschließend hier ver­mit­telt wer­den.
Ich wün­sche mir einen Tier­schutz, in dem Straßen­hunde kas­tri­ert und gekennze­ich­net wer­den.
Ich wün­sche mir einen Tier­schutz, in dem das Wohl der Tiere an erster Stelle ste­ht und das Geld in die Tiere investiert wird.
Nur so kann unser­iösen Hun­de­händlern das Handw­erk gelegt wer­den.
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20 thoughts on “Wo hört Tierschutz auf und fängt Hundehandel an?”
18. Juni 2017 um 22:23 Uhr
Es ist lei­der “nicht alles Gold was glänzt” und so scheint es lei­der auch oft in Sachen Tier­schutz zu sein. Vie­len Dank daher für diesen tollen und sehr aus­führlichen Artikel, der hof­fentlich vie­len die Augen öffnet oder zumin­d­est zum Nach­denken anregt, bevor gehan­delt wird. Bleibt zu hof­fen, dass die Hunde, die in Deutsch­land dann doch ver­mit­telt wer­den, in sorgsame Hände ger­at­en, die Ver­ständ­nis für die Umstände und das vorherige Leben haben…
Marita Koester sagt:
Dieser Artikel war lange über­fäl­lig, Danke!
E. Heller sagt:
Der Beitrag ist gut, aber wo und wie finde ich gute Tier­schützer?
Wir haben einen Hund vom Tier­schutz und hat­te auch davor Hunde vom Tier­schutz. Wir hät­ten gerne einen 2. Hund, Lei­der muss ich sagen das ich nicht glaube nochmal einen Hund vom Tier­schutz zu nehmen.
Die Art und Weise was man von sich in der so genan­nten Selb­stauskun­ft preis­geben soll, finde ich unmöglich.
Hajo Czirski sagt:
21. Juni 2017 um 14:31 Uhr
Wenn nun noch geschrieben wor­den wäre, dass nur eine Ster­il­i­sa­tion der Rüden und deren anschließende Freilas­sung sehr viel erfol­gver­sprechen­der die Pop­u­la­tion ver­ringert, dann wäre meine Begeis­terung uneingeschränkt.
Binggeli Éva sagt:
Danke für die artikel !!! Ich bin Ungarin und Tier­schützerin. Bei uns ist zu Zeit zwis­chen Tier­schützern und Tier­schützern eine grosse kampf. Lei­der erleben wir die soge­nan­nte Han­del jeden Tag. Einige leute leben sog­ar sehr gut davon. Ich bitte sie alle in Deutsch­land sehr sehr gut über­legen und andere die mei­n­ung fra­gen bevor Geld spendet oder eine Adop­tion durch­führt! Machen sie liebe sel­ber Urlaub bei uns und kön­nen sie eine Hund in einem Tier­heim ken­nen­ler­nen , mit dem spazieren gehen usw. Und vergessen sie die Schutzge­bür! Eine Kas­tra­ton kostet bei uns Zir­ca 50 euro , die imp­fun­gen 10 euro pro imp­fung. Also sie kön­nen um 80 euro eine Hund zu sich nehmen welche auch zu innen passt! In Tier­heimen haben die Hunde die pfilcht tol­lut imp­fung schon längst bekom­men , also sie müssen nur zum Tier­arzt gehen , der die Hund unr­ersucht vor den Reise und stellt eine Euro­pean inf­pass auf!
Schlomo von Reifenstein sagt:
24. Mai 2018 um 20:03 Uhr
@Binggeli Éva :
Bei dir/euch gibt es also sozusagen Hunde vom Wühltisch zu absoluten Son­derange­boten ?!
Vorkon­trolle / Nachkon­trolle ? Wer braucht denn diesen Quatsch, Haupt­sache die Hunde sind aus eurem Tier­heim raus und wenn der Hund nicht passt, wird er ein­fach entsorgt, hat ja eh nicht viel gekostet und (Ver­trags) Verpflich­tun­gen gibt es ja auch keine.…
Ich glaube nicht, dass die Ungarin es so gemeint hat. Nur wir holen uns die Tiere nach Deutsch­land, ohne sie vorher kennne gel­ernt zu haben. Viele von Ihnen haben ern­stzunehmende Erkrankun­gen, um die sich der „Tier­schutz“ dann nicht geküm­mert hat, stattdessen den Hund unter der Angabe „gesund“ hier ver­mit­telt. Ich bin selb­st in diese Falle getappt, mein Helfer­herz wurde übel benutzt. Mir bleibt kein ander­er Weg als der Recht­san­walt, um meine kleine Maus, die ich lieb gewon­nen habe und für die ich schon viel Geld beim Tier­arzt gelassen habe, behal­ten zu kön­nen.
26. Juni 2017 um 7:19 Uhr
Ein toller Artikel. Doch meis­tens lesen nur solche Men­schen so einen Artikel, weil sie es eh schon wis­sen und der­jeni­gen, die es wis­sen soll­ten, lesen so etwas nicht, weil sie es “vielle­icht aus Prof­it­grün­den oder Selb­st­be­weihräucherung” nicht lesen wollen.
Ich war auch mal eine “Tier­schutz­tante”. Und ich habe mich irgend­wann gefragt, “Wer schützt die Tiere eigentlich vor den Tier­schützern?”
JeaNete sagt:
10. Juli 2017 um 23:19 Uhr
Pingback: Kind und Hund? Fragen zum Familienhund! • Natuerlich kindgerecht
Durch Zufall bin ich auf ihren Artikel gestoßen und find ihn Grossar­tig …ich habe alle Erfahrun­gen in Sachen*Suche Hund*durch , habe dabei Sachen erlebt ‚die so unfass­bar waren daß mir ger­ade die Trä­nen in die Augen schießen wenn ich dran zurück denke .Ich selb­st habe nun genau so ein Hund aus dem Tier­schutz bekom­men ‚von unser Hun­de­train­er Anti­hund genan­nt also alles was man nicht von einem Hund nicht haben möchte. Sie hat mich soviel Geld das erste Jahr gekostet, vom Vere­in wurde ich mit den Prob­le­men kom­plett allein gelassen bzw nicht drauf vorbereitet.Tierschutz im Aus­land ?Eine tolle und gute Sache wenn man es richtig macht…Lasst die armen Tiere doch bitte in ihrem Land ‚Geld an Organ­i­sa­tio­nen ‚die im Land aktiv sind fliessen lassen damit die Leben­squal­ität sich vor Ort verbessert ‚vorallem für Kas­tra­tion und Ster­il­i­sa­tion der Stre­uner
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Bollallla BingBong sagt:
13. April 2018 um 8:25 Uhr
Danke für Ihren Artikel, der sehr zum Nach­denken anregt! Es hat schon einen Grund, warum ich mir Hunde entwed­er nur vom Tier­heim oder von einem ser­iösen Züchter holen würde. Unser örtlich­es Tier­heim kooperiert mit zwei rumänis­chen Tier­heimen und bei uns find­en sich auch viele Ex-Straßen­hunde. Ich wollte mal einen Hund von ein­er Organ­i­sa­tion adop­tieren und hab mir deren Frage­bo­gen für poten­tielle Inter­essen­ten durchge­le­sen. Man hat sich beim Durch­le­sen des Frage­bo­gens gefühlt, als sei man bei der Inqui­si­tion. Die haben extrem pri­vate Dinge abge­fragt unter anderem, ob man psy­chis­che Erkrankun­gen aufweise oder mal straf­fäl­lig gewor­den ist. Des Weit­eren haben sie unangekündigte Besuche ange­dro­ht und natür­lich ist der Hund “Eigen­tum” der Organ­i­sa­tion usw.
Ich kann ja ver­ste­hen, dass die ihre Schüt­zlinge nur in beste Hände ver­mit­teln wollen, aber irgend­wo hört die Fragerei auch auf! Ich habe schon eini­gen Tier­heim-Insassen (auch eini­gen “Problem”-Hunden) ein schönes, art­gerecht­es Zuhause gegeben mit hochw­er­tigem Fut­ter, stun­den­lan­gen Gas­si-Gän­gen und viel, viel Liebe. Ich habe NIE für einen Hund an Kosten ges­part.
Die Arro­ganz und das Mis­strauen einiger (zum Glück nicht aller) Organ­i­sa­tio­nen schreckt mich jedoch ab diese zu unter­stützen!
Friedel dahl sagt:
27. April 2018 um 17:11 Uhr
Endlich wird es auf den Punkt gebracht.es ist schon zum grossen Geschäft geworden.ich halte seit 99 nur noch Hunde vom Tier­schutzvere­in und hole sie mir jet­zt sel­ber.
Ich habe den Ein­druck die Vere­ine ste­hen im Wet­tbe­werb, wer die meis­ten Hunde ver tickt.
Fuer mich fängt das Geschäft dort an wo ein Plus unterm Strich ist
Danke für den Artikel! Es ärg­ert mich immer wieder zu erleben, wie die Hil­fs­bere­itschaft und Gut­gläu­bigkeit von Hun­de­fre­un­den aus­genutzt wird um ein­fach nur Geld zu machen!
Marlies Habeck sagt:
16. August 2018 um 13:56 Uhr
Vie­len Dank für diesen Artikel. Ich habe zur Zeit 2 span. Hunde die ich über alles liebe. Die Tier­schut­zorg. Nimmt ihre Arbeit sehr ernst. Bess­er so als anders.
Marian Lamp sagt:
18. Februar 2019 um 15:46 Uhr
Toller Artikel und geteilt — nur die Kol­le­­gin-Unternehmerin war aufmerk­samer als ich und hat drauf hingewiesen, dass der Hun­de­train­er und der Tier­heim­mi­tar­beit­er und die Haus­frau und die Unternehmer­gat­tin.… und ich frage mit ihr: warum nur, warum. ?
18. Februar 2019 um 15:47 Uhr
Ich ver­ste­he jet­zt nicht was du mir sagen möcht­est ?
Jennifer Regenbrecht sagt:
23. Februar 2019 um 11:15 Uhr
Lesenswert­er Artikel, vie­len Dank.
Gabriele Sauerland | communicanis | Die Sicht der Tiere sagt:
Danke für diesen wichti­gen Artikel, von dem ich hoffe, dass er von vie­len Tier­fre­un­den gele­sen wird.
Das Geschäft mit dem Tier­schutz ist nur möglich, weil viele nicht hin­schauen, nicht hin­ter­fra­gen, wen und was sie da ger­ade unter­stützen. Genau diese Aufk­lärung ist aber wichtig, eben­so wie die nötige Sachken­nt­nis, bevor jemand im Tier­schutz aktiv wird.
Aus Sicht der Tiere gibt es noch sehr viel Verbesserungs­be­darf. Wer Tiere ein­fach von A nach B holt, hier im Tier­heim wieder abgibt, betreibt keinen Tier­schutz, son­dern Hun­de­han­del und zwar ohne Rück­sicht auf das Tier.
Ich bin selb­st als Vor­stand eines Vere­ines aktiv, der sich für die medi­zinis­che Ver­sorgung im Aus­land ein­set­zt. Der ein oder andere Hund darf auch nach Deutsch­land reisen, nach ein­er umfassenden Vor­bere­itung von Hund und zukün­ftigem Hal­ter und selb­stver­ständlich mit den notwendi­gen Papieren.
Die nötige Sachken­nt­nis zu ver­mit­teln gehört zu meinem Ver­ständ­nis vom Tier­schutz, dem komme ich beru­flich durch eine entsprechende Aus­bil­dung nach.
Tier­schutz – das beschäftigt mich im Beruf und im Ehre­namt und es ist wichtig sich einzuset­zen, über den soge­nan­nten Teller­rand hin­aus zu schauen. Tier­schutz mit Ver­ant­wor­tung sollte jedem Tier­fre­und am Herzen liegen und er sollte wis­sen, dass die Ver­ant­wor­tung nach dem Ret­ten begin­nt !

References: § 11

§ 11
 § 21
 § 11
 § 11
 § 11
 Art. 1
 § 24
 § 19
 § 11