Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGE%20135,%20155
Timestamp: 2018-09-21 22:25:08+00:00

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a) Das Bundesverfassungsgericht (U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 100ff.) hat entschieden, dass § 66 FFG sowie die für die Beurteilung der Vorschrift unter kompetenziellen Gesichtspunkten belangvollen übrigen Regelungen des Filmförderungsgesetzes durch die vom Bundesgesetzgeber in Anspruch genommene Gesetzgebungskompetenz für das Recht der Wirtschaft (Art. 74 Abs. 1 Nr. 11 GG) gedeckt sind und die Voraussetzungen des Art. 72 Abs. 2 GG für die Inanspruchnahme dieses Kompetenztitels vorliegen.
Wie das Bundesverfassungsgericht (U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 100ff.) und das Bundesverwaltungsgericht (…U.v. 23.2.2011 - 6 C 27/10 - juris Rn. 15ff.) ausführlich dargelegt haben (s.o. a), regelt das Filmförderungsgesetz schwerpunktmäßig nicht das Kulturrecht, sondern das Recht der Wirtschaft, so dass die Gesetzgebungskompetenz des Bundes gemäß Art. 74 Abs. 1 Nr. 11 GG gegeben ist.
cc) Eine andere rechtliche Beurteilung ergibt sich auch nicht aus dem Umstand, dass es sich hier um eine Annexkompetenz des Bundes handelt, da Annexkompetenzen oder Kompetenzen kraft Sachzusammenhangs, wie sie dem Bund nach allgemeinen Grundsätzen zuzubilligen sind, nicht nur im Kulturbereich zulässig sind (s. BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 104;… BVerwG, U.v. 23.2.2011 - 6 C 27/10 - juris Rn. 18), sondern auch im Rundfunkbereich.
dd) Schließlich ist auch zu berücksichtigen, dass das Bundesverwaltungsgericht in seinen Vorlagebeschlüssen vom 25. Februar 2009 an das Bundesverfassungsgericht der Auffassung war, dass § 67 FFG 2004 keinen Bedenken im Hinblick auf die Gesetzgebungskompetenz begegne (s. BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 34).
Auch diese Vorschrift beinhaltete aber bereits einen Kontrahierungszwang bzw. eine Abgabepflicht für die Fernsehveranstalter (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 147;… BVerwG, U.v. 23.2.2011 - 6 C 27/10 - juris Rn. 37).
Der Vorlagebeschluss wurde nach Erlass des § 67 FFG in seiner jetzigen Fassung vom Bundesverwaltungsgericht zurückgenommen (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 35), da dieses keine Bedenken mehr hinsichtlich der Abgabengerechtigkeit hatte.
aa) Zwar haben das Bundesverfassungsgericht (U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 100ff.) und das Bundesverwaltungsgericht (…U.v. 23.2.2011 - 6 C 27/10 - juris Rn. 15ff.) entschieden, dass Hauptzweck des FFG die Förderung der Filmwirtschaft ist (s.o. 1.1).
Mit dem FFG werden aber neben der Wirtschaftsförderung auch kulturelle Zwecke verfolgt, insbesondere ging es dem Gesetzgeber auch um die Erhöhung der Qualität des deutschen Films um ihrer selbst willen, weil er den Film nicht nur als Wirtschafts-, sondern auch als ein Kulturgut ansah (vgl. BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 102ff.;… BVerwG, U.v. 23.2.2011 - 6 C 27/10 - juris Rn. 19, 21, 25).
Es hat in seinem Urteil vom 28. Januar 2014 (2 BvR 1561/12 u. a. - juris) zwar dahingestellt sein lassen, ob das Filmförderungsgesetz mit den Beihilfevorschriften des für die streitgegenständliche Gesetzesfassung maßgeblichen Art. 87 Abs. 3 Buchstabe d EG (jetzt Art. 107 Abs. 3 Buchstabe d AEUV) vereinbar war (…Rn. 172).
Gegenüber den Steuern müssen Sonderabgaben die seltene Ausnahme bleiben (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 121f. m. w. N.;… BVerwG, U.v. 23.2.2011 - 6 C 27/10 - juris Rn. 39;… vgl. a. BVerfG, B.v. 16.7.2012 - 1 BvR 2983/10 - juris Rn. 26;… U.v. 3.2.2009 - 2 BvL 54/06 - juris Rn. 100ff.;… B.v. 31.5.1990 - 2 BvL 12/88 u. a. - juris Rn. 92ff.).
Damit dient die Erhebung der Abgabe einem über die bloße Mittelbeschaffung hinausgehenden Sachzweck (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 108, 130).
Die homogenitätsstiftende Gemeinsamkeit muss zudem eine vorgegebene, darf also keine erst durch die Abgabenregelung selbst begründete sein (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 123 m. w. N.).
Der die Abgabe rechtfertigende Gruppennutzen muss hier evident sein (vgl. BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 124ff.;… U.v. 3.2.2009 - 2 BvL 54/06 - juris Rn. 108).
Das Gericht folgt der Auffassung des Bundesverfassungsgerichts (U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 131ff.), wonach die mit der Abgabe belasteten Untergruppen der Kinobetreiber (§ 66 FFG), der Programmanbieter und gleichgestellten Lizenzrechteinhaber der Videowirtschaft (§ 66a FFG) sowie der Fernsehveranstalter (§ 67 FFG) als Inlandsvermarkter von Kinofilmen, und insbesondere auch deutschen Kinofilmen, gemeinsam eine homogene, durch spezifische Nähe zu diesem Sachzweck der Abgabe und eine daraus resultierende spezifische Finanzierungsverantwortung verbundene Gruppe bilden.
Der Nutzen, den die Hauptverwerter deutscher Filme hieraus ziehen, ist auch evident (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 149ff.).
Auch dass die gesetzlichen Förderkriterien oder die gesetzlich vorgegebenen institutionellen Rahmenbedingungen, unter denen die Förderentscheidungen getroffen werden, nicht in der gebotenen Weise auf die Erzielung eines angemessenen Gruppennutzens ausgerichtet wären, ist nicht erkennbar (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 150).
Denn es werden nicht nur die drei Untergruppen und damit auch die Fernsehveranstalter ausdrücklich angesprochen, auch § 67 FFG wird vom Bundesverfassungsgericht explizit zitiert (vgl. z. B. BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 131, 134, 145ff.).
Wenn das Bundesverfassungsgericht mit der Formulierung "Abgabe nach §§ 66ff. FFG" (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 129) nur die Abgaben nach § 66 und § 66a FFG gemeint hätte, hätte es korrekterweise von der "Abgabe nach §§ 66f. FFG" sprechen müssen.
Bei Sonderabgaben ist allein auf die Gruppe insgesamt abzustellen, wobei Ungleichbehandlungen typisierend in Kauf genommen werden können (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 125).
Die Beklagte kann sich auch nicht darauf berufen, dass das Bundesverfassungsgericht (U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 132ff.) eine Untergrenze des Anteils der deutschen Kinofilme an den insgesamt verwerteten Kinofilmen verlange.
ccc) Ebenso ist der für Sonderabgabenregelungen geltenden Pflicht zur Überprüfung in angemessenen Abständen genügt und es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass es an der gebotenen haushaltsrechtlichen Dokumentation fehlt (vgl. BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 155).
Das Gericht folgt insoweit den vom Bundesverfassungsgericht (U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 147f.) bestätigten Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts (…U.v. 23.2.2011 - 6 C 22/10 - juris Rn. 92ff.;… vgl. a. U.v. 23.2.2011 - 6 C 27/10 - juris Rn. 37, 92 ff.), wonach die in § 73 Abs. 7 Satz 1 FFG angeordnete Rückwirkung des § 67 FFG zum 1. Januar 2004 nicht das Rechtsstaatsprinzip aus Art. 20 Abs. 3 GG verletzt.
Denn das Bundesverfassungsgericht (U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 141) hat ausgeführt, dass die Filmabgabe, da sie nicht speziell auf die mit deutschen Filmen erzielten Erlöse erhoben wird, keine speziell den deutschen Film und seine Nutzung verteuernde Wirkung entfaltet.
Die aufgrund der Vereinbarungen in den Jahren 2004 bis 2009 tatsächlich erbrachten Leistungen der anderen Fernsehveranstalter lagen dabei zwar über dem, was nach dem rückwirkend in Kraft gesetzten § 67 FFG von der betreffenden Gruppe hätte geleistet werden müssen (BVerfG, U.v. 28.1.2014 - 2 BvR 1561/12 u. a. - juris Rn. 146;… BVerwG, U.v. 23.2.2011 - 6 C 27/10 - juris Rn. 102).

References: § 66
 Art. 72
 Art. 74
 § 67
 § 67
 Art. 87
 Art. 107
 § 67
 § 66
 § 66
 § 73
 § 67
 Art. 20
 § 67