Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4273.htm
Timestamp: 2018-12-15 05:26:49+00:00

Document:
4.273 Ehinger Galgenberg
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Ehinger Galgenberg« vom 1. Oktober 1996 (GBl. v. 08.11.1996, S. 694).
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Ehingen an der Donau, Gemarkung Ehingen, Alb-Donau-Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt, Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Ehinger Galgenberg«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 19 ha.
(2) Es umfaßt Teile des Gewannes »Galgenberg« sowie des Gewannes »Halden«.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 7.Juni 1994 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt (Ersatzverkündung).
(1) Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Förderung und Pflege einer Restfläche der einst auf der Schwäbischen Alb weit verbreiteten Kalkmagerweiden im Verbund mit Hecken, Obstwiesen, Brachen, Wiesen, Ackerrainen und ‑säumen. Der Vernetzungsgrad führt zu einer bemerkenswerten Artenvielfalt sowohl der Pflanzen‑ als auch der Tierwelt im Schmiechtal.
(2) Der Schutzzweck ist insbesondere:
1. Schutz und Erhaltung des in Resten noch vorhandenen Enzian‑Schillergrasrasens (Gentiano-Koelerietum) und der frühlingsenzianreichen Halbtrockenrasen (Gentiano vernae‑Brometum);
2. Schutz und Erhaltung der Flächen als Habitat der artenreichen und bedrohten Pflanzen‑ und Tiergemeinschaften der Magerrasen bzw. Heideflächen sowie zu extensivierenden Wiesen im Verbund mit Stufenrainen, Hecken, Brachen, mageren Wiesen und Ackersäumen. Diese Biotopstruktur ist insbesondere für die vorkommenden Spezies wie Dorngrasmücke (Sylvia communis) und den stark gefährdeten Neuntöter (Lanius collurio) von großer Bedeutung;
3. die Erhaltung der Altgrasbestände der Ackerraine und Wegsäume für das gefährdete Rebhuhn (Perdix perdix) als Bodenbrüter. Schutz des Offenlandes und der Heideflächen vor Umbruch, Aufforstung und anderen Nutzungsintensivierungen;
4. die Erhaltung des Gebiets als Kernflächen für die regionale Biotopvernetzung mit dem Hausener-/Büchelesberg und zur Landschaftsentwicklung;
5. der Schutz der landschaftsprägenden Schönheit und Eigenart, die im Schmiechtal eine Besonderheit darstellt und als Relikt der früheren Wirtschaftsweise von hohem landeskulturellem Wert ist;
6. Schutz und Entwicklung der Äcker und Ackerraine als Standorte für seltene Ackerwildkräuter.
(3) Schutzziel ist es, die Nutzung so zu steuern, daß der ökologische, landeskundliche und wissenschaftliche Wert des Gebietes erhalten und optimiert werden kann. Die vorhandenen Äcker sollen für seltene Wildkräuter extensiviert und gegebenenfalls, wo sinnvoll, wieder als Grünland genutzt werden. Das Grünland soll extensiver bewirtschaftet werden.
6. Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, ausgenommen behördlich zugelassene Beschilderungen;
7. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;
9. außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;
16. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;
18. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;
19. wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;
23. Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, anzuwenden;
1. 1 die Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen, Wegebau, oder die Auffüllung von Bodenvertiefungen oder Senken nicht zulässig ist;
1.4 Feldraine, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen; ein ordnungsgemäßer Rückschnitt außerhalb der Vogelbrutperiode (l. März bis 31. Juli) ist zulässig;
1.5 die Verwendung von Düngemitteln nur auf Wirtschaftsgrünland, Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist;
1.6 die Anwendung von Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie von Wirkstoffen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen und Tieren beeinflussen, nur auf Ackerflächen und in Sonderkulturen, in begründeten Ausnahmefällen nach ausdrücklicher Befürwortung durch das zuständige Amt für Landwirtschaft, Landschafts‑ und Bodenkultur, auch auf Wirtschaftsgrünland zulässig ist. Nr. 1.5 Satz 2 gilt entsprechend;
1.7 landwirtschaftliche Erzeugnisse oder andere Wirtschaftsstoffe sowie Feldmieten, Fahrsilos oder ähnliche Einrichtungen nur auf intensiv genutzten Flächen gelagert oder angelegt werden dürfen;
1.8 Schafpferche auf den in der Schutzgebietskarte als Heideflächen dargestellten Kalkmagerweiden nicht errichtet werden dürfen;
1.9 auf den Kalkmagerweiden keine Düngung außer durch den Schaftrieb verursachte Kotablage und keine Anwendung von Chemikalien aller Art erlaubt ist;
1.10 abgängige Obsthochstämme durch Obsthochstämme robuster, lokal typischer Sorten ersetzt werden sollen. Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs‑ oder Stillegungsprogramm (z. B. Dauerbrache) zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben worden war, bleibt unberührt;
2. die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität fortzusetzen, wobei Neuaufforstungen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde zulässig sind;
3. die Jagd in Übereinstimmung mit dem Schutzzweck auszuüben, wobei
3.1 neue Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur als einfache Leitern aus naturbelassenen Hölzern landschaftsgerecht in hochwüchsigen Gehölzen errichtet werden dürfen. Abgängige oder nicht mehr genutzte Hochsitze sind zu entfernen;
3.2 auf den gekennzeichneten Heideflächen keine neuen Wildäcker, Futterstellen und Kirrungen eingerichtet und unterhalten werden dürfen;
3.3 keine Tiere eingebracht werden dürfen;
4. die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Wassergräben und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung fortzusetzen.
(1) Die Entwicklungs‑, Schutz‑ und Pflegemaßnahmen haben als Ziel die Erhaltung und Förderung der vielfältigen Struktur des Gebietes mit seiner reichen, teilweise gefährdeten Tier‑ und Pflanzenwelt, insbesondere der Kalkmagerweiden.
(2) Für die zu extensivierenden Flächen sollen im Rahmen der haushaltsrechtlichen Ansätze Pflegeverträge abgeschlossen werden, die unter Berücksichtigung der Ziele des Naturschutzes im Gebiet die erforderliche Pflege sicherstellen. Dabei sind die Grundsätze der Landschaftspflegerichtlinie vom 18.Dezember 1990 (GBl. 1991 S. 145) zu berücksichtigen.
(3) Schutz‑ und Pflegemaßnahmen werden ‑ soweit sie die Belange der Forstwirtschaft berühren im Einvernehmen mit dem zuständigen Forstamt ‑ von der höheren Naturschutzbehörde festgelegt.
(4) Die untere Naturschutzbehörde kann verlangen, daß die Außenbeleuchtung des angrenzenden Vereinsheimes im Falle der Ersetzung der Leuchtkörper auf die umweltfreundlicheren Natriumniederdruckgasentladungslampen umgestellt wird.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 1.1 bis 1.9 verbotenen Handlungen vornimmt.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 3.1 bis 3.4 die Jagd ausübt.
Die Verordnung des Landratsamts Alb‑Donau‑Kreis über das Landschaftsschutzgebiet »Sommerschafweide westlich Galgenberg und Heckenbühl« vom 9. Mai 1989 tritt innerhalb des Geltungsbereichs dieser Naturschutzverordnung außer Kraft.
Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist (§ 2 Abs. 3 Satz 4) in Kraft.
TÜBINGEN, den 1. Oktober 1996

References: § 2
 § 64
 § 4
 § 5
 § 40
 § 4
 § 5