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Timestamp: 2019-09-16 12:56:12+00:00

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Arbeitsrechtslexikon > V > Ve > Versetzung - billiges Ermessen
Schranken des Versetzungsrechts
Ausübung des billigen Ermessens
Kriterien des billigen Ermessens
Ermessenskontrolle
Fahrzeiterhöhung
Unwirksamkeitsfolge
Der Arbeitgeber hat bei einer Versetzung zwei Möglichkeiten, etwas einseitig zu regeln: Änderungskündigung oder Anweisung. Die Änderungskündigung muss nach den §§ 1, 2 KSchG sozial gerechtfertigt sein. Das Weisungsrecht darf nur nach billigem Ermessen ausgeübt werden - und findet weitere Schranken in § 106 Satz 1 GewO. Danach können einer Versetzung via Direktionsrecht vor allem individual- und kollektivrechtliche Grenzen gezogen sein.
Die Versetzung ist für Arbeitnehmer immer mit einer Änderung ihres gewohnten Arbeitsbereichs verbunden. Egal ob diese Änderung rechtlich durchsetzbar ist oder nicht: sie schafft Aufregung und Unmut. Da ist es besser, eine Versetzung von Anfang an einvernehmlich zu regeln. Wenn der Mitarbeiter selbst hinter der Maßnahme steht, wird er sich der neuen Herausforderung von Anfang an mit Engagement stellen.
Soweit der Arbeitgeber einem Mitarbeiter einen neuen Arbeitsbereich zuweist, muss diese Weisung der Billigkeit entsprechen. Der Arbeitgeber muss vor Ausübung seines Weisungsrechts die wesentlichen Umstände des Einzelfalls abwägen und die beiderseitigen Interessen angemessen berücksichtigen. Er darf nicht allein seine betrieblichen Interessen in den Vordergrund stellen. Außervertragliche Nachteile, finanzielle Einbußen, schlechtere Verkehrsanbindung und der Verlust von Privilegien sind nur einige der Punkte, die auf Arbeitnehmerseite zu berücksichtigen sind - und das, bevor die Versetzung erfolgt.
2. Schranken des Versetzungsrechts
Soweit eine Versetzung nicht einseitig über das Direktionsrecht, sondern nur via Änderungskündigung möglich ist, ergeben sich die Anforderungen an diese Änderungskündigung aus den §§ 1, 2 KSchG: Die Versetzung muss als Folge einer Änderungskündigung sozial gerechtfertigt sein.
Soweit der Arbeitgeber eine Versetzung mit seinem Weisungsrecht nach § 106 Satz 1 GewO vornehmen kann, setzt das zunächst voraus, dass die zu ändernden Arbeitsbedingungen nicht bereits durch
festgelegt sind, § 106 Satz 1 GewO.
Im Übrigen kann der Arbeitgeber Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nur nach billigem Ermessen bestimmen, § 106 Satz 1 GewO. Bei der Ausübung dieses Ermessens hat er zudem auf eine Behinderung des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen, § 106 Satz 3 GewO. "Behinderung" im Sinn des § 106 Satz 3 GewO ist keine Schwerbehinderung. Es reicht auch ein Grad der Behinderung unter 50 (dazu mehr im Stichwort Versetzung - Schwerbehinderte).
3. Ausübung des billigen Ermessens
Die Ausübung des billigen Ermessens erfolgt nach den Grundsätzen der §§ 315 ff. BGB. Dabei ist die Bestimmung für den Arbeitnehmer nur verbindlich, wenn sie der Billigkeit entspricht, § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB. Das setzt voraus, dass der Arbeitgeber
Bei der Abwägung ist nur auf die Interessenlage von Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Zeitpunkt der Ausübung des Direktionsrechts abzustellen (LAG Berlin-Brandenburg, 26.08.2008 - 7 Sa 640/08), das heißt auf den Zeitpunkt, in dem der Arbeitgeber die Ermessensentscheidung trifft (BAG, 25.08.2010 - 10 AZR 276/09).
Bei Versetzungsklauseln in Formulararbeitsverträgen erfolgt bereits nach § 307 BGB eine Angemessenheitskontrolle. Insoweit kommt man in den meisten Fällen schon deswegen zu dem Ergebnis, dass die Versetzung infolge einer unangemessenen Versetzungsklausel unwirksam ist. Erst wenn die Versetzungsklausel erfolgreich durch die AGB-Kontrolle des BGB gekommen ist, wird im Rahmen der so genannten Ausübungskontrolle auf das billige Ermessen im Sinn des § 315 BGB abgestellt (s. dazu BAG, 13.03.2007 - 9 AZR 433/06).
Gibt es Konflikte zwischen zwei Arbeitnehmern, kann der Arbeitgeber diese Konflikte dadurch lösen, dass er sein Versetzungsrecht ausübt. Dabei sind die Grenzen billigen Ermessens eingehalten, wenn zwischen den Kontrahenten keine gedeihliche Zusammenarbeit mehr zu erwarten ist. Um den Eindruck einer "Bestrafung" zu vermeiden, entspricht es billigem Ermessen, beide Arbeitnehmer zu versetzen. Das dient auch dem Betriebsfrieden (LAG Schleswig-Holstein, 02.05.2007 - 6 Sa 504/06 - mit dem Hinweis, dass eine Versetzung zudem gegen das Maßregelungsverbot des § 612a BGB verstoßen kann).
4. Kriterien des billigen Ermessens
Zu den Kriterien, die bei der Ausübung des billigen Ermessens anzuwenden sind, gehören:
außervertragliche Nachteile
außervertragliche Vorteile
Beeinträchtigung des sozialen Status
beiderseitige Bedürfnisse
betriebliche Interessen des Arbeitgebers
bisheriger Arbeitseinsatz
erheblich längere Fahrzeiten mit Freizeitverlust
familiäre Pflichten des Arbeitnehmers
fehlende anderweitige Beschäftigungsmöglichkeit
Personalüberhang im bisherigen Arbeitsbereich
Risikoverteilung zwischen Arbeitgeber und -nehmer
Vorteile der Versetzung
Um an Abwägungskriterien nichts zu vergessen, empfiehlt sich die Aufstellung eines detaillierten Punkteschemas. Dieses Punkteschema bietet sich für mitbestimmte Betriebe als Auswahlrichtlinie nach § 95 Abs. 1 BetrVG an. Aber aufpassen: Neben der Anwendung des Punkteschemas erfordert die Ausübung billigen Ermessens auch immer die Überprüfung des Einzelfallergebnisses. Erst dadurch wird sichergestellt, dass eventuell unberücksichtigt gebliebene Umstände doch noch beachtet werden und die jedem Punktesystem anhaftenden Härten und Vereinfachungen überprüft werden können (BAG, 25.08.2010 - 10 AZR 276/09).
Im Ergebnis kommt es bei der Ausübung des billigen Ermessens immer auf die Umstände des Einzelfalls an. Da lässt sich dem Rechtsanwender kein verlässliches Prüfungsschema an die Hand geben. Völlig falsch ist es dagegen, überhaupt keine Interessenabwägung vorzunehmen und ausschließlich die betrieblichen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Das ist keine Ausübung billigen Ermessens.
An dieser Stelle werden einige der interessantesten Entscheidungen zur Ausübung des billigen Ermessens bei Versetzungen in alphabetischer Reihenfolge nach Stichwörtern geordnet hinterlegt.
5.1 Auswahlentscheidung
Hat der Arbeitgeber - hier: die Bundesagentur für Arbeit - in einer Dienststelle einen Personalüberhang, ist das grundsätzlich ein dienstlicher Grund, mit dem die Versetzung von Arbeitnehmern gerechtfertigt werden kann. In diesem Fall ist der Personalüberhang dadurch entstanden, dass das BAG die bisherige Befristungspraxis - haushaltsrechtliche Befristung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG - gekippt hatte. Die Bundesagentur hatte danach etliche zuvor noch befristete Arbeitsverhältnisse entfristet, bei ihrer Versetzungsentscheidung aber nur die Arbeitnehmer in die Auswahl genommen, deren Arbeitsverhältnisse zuvor befristet waren. So eine Entscheidung wahrt nicht die Grundsätze billigen Ermessens, weil der Arbeitgeber nicht nur seine, sondern auch die Interessen der betroffenen Mitarbeiter angemessen berücksichtigen muss (BAG, 10.07.2013 - 10 AZR 915/12).
5.2 Beschäftigungsanspruch
Der Beschäftigungsanspruch gibt dem Arbeitnehmer gegen den Arbeitgeber einen Anspruch auf vertragsgemäße Beschäftigung. Konkretisiert der Arbeitgeber die Arbeitsaufgabe seines Mitarbeiters durch Direktionsrecht, muss er sowohl bei der Zuweisung anderer Aufgaben als auch bei der Entziehung bisheriger die Grenzen billigen Ermessens einhalten. Wird eine Umsetzung vom Direktionsrecht nicht gedeckt, muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter unverändert mit seiner bisherigen Tätigkeit beschäftigen. Solange er keinen neuen Tätigkeitsbereich zuweisen kann, bleibt es bei dem zuletzt erteilten Arbeitsauftrag (LAG Hamm, 15.07.2008 - 14 Sa 1957/07).
5.3 Betriebliches Eingliederungsmanagement
5.4 Darlegungs- und Beweislast
Der Arbeitgeber trägt bei Anwendung des § 106 GewO die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass die von ihm angeordnete Versetzung die Zulässigkeitsvorgaben des § 106 GewO erfüllt und nach billigem Ermessen erfolgt ist. Das muss er für den Arbeitnehmer und das Gericht nachvollziehbar darlegen. Bestreitet der Arbeitnehmer, dass die Versetzungsentscheidung nach billigem Ermessen erfolgte, müssen auch die einzelnen Abwägungsgesichtspunkte vorgetragen und unter Beweis gestellt werden (BAG, 13.03.2007 - 9 AZR 433/06).
5.5 Eingeschränkte Überprüfbarkeit
Der Begriff "billiges Ermessen" zählt zu den "weiten unbestimmten Rechtsbegriffen". Dabei weist das nach § 106 GewO zu berücksichtigende "billige Ermessen" gegenüber der Leistungsbestimmung nach billigem Ermessen gemäß § 315 Abs. 1 BGB keine prinzipiellen Besonderheiten auf (s. dazu BAG, 18.10.2017 - 10 AZR 330/16). So überprüft der BGH tatrichterliche Ausführungen in puncto Anwendung des § 315 BGB in ständiger Rechtsprechung bloß eingeschränkt (s. dazu BGH, 17.05.2017 - VIII ZR 245/15; aber auch BAG, 30.10. 2001 - 9 AZR 426/00). "Soweit der Senat in der Vergangenheit angenommen hat, eine Leistungsbestimmung nach § 315 Abs. 1 BGB sei unbeschränkt überprüfbar" (so: BAG, 10.05.1995 - 10 AZR 794/94 - und BAG, 02.12.1992 - 10 AZR 303/91), "hält er daran nicht länger fest" (BAG, 24.10.2018 - 10 AZR 285/16).
5.6 Fahrzeiten
Bei Ausübung des Direktionsrechts sind im Rahmen des billigen Ermessens nach § 106 Satz 1 GewO die wechselseitigen Interessen miteinander abzuwägen. Diese Abwägung erfolgt nach "verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Wertentscheidungen, allgemeinen Wertungsgrundsätzen der Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit sowie der Verkehrssitte und Zumutbarkeit". Weiterhin müssen die Umstände des Einzelfalls einbezogen werden: "Vorteile aus einer Regelung, die Risikoverteilung zwischen den Vertragsparteien, die beiderseitigen Bedürfnisse, außervertragliche Vor- und Nachteile, Vermögens- und Einkommensverhältnisse sowie soziale Lebensverhältnisse, wie familiäre Pflichten und Unterhaltsverpflichtungen". Die Tatsachengerichte dürfen bei Prüfung des Ermessens nicht ausschließlich darauf abstellen, ob die in § 121 Abs. 4 Satz 1 u. 2 SGB III (a.F. = § 140 Abs. 4 Satz 1 u. 2 SGB III n.F.) gezogenen Grenzen für zumutbare Pendelzeiten überschritten sind. (BAG, 17.08.2011 - 10 AZR 202/10 - hier: ÖNPV-Fahrzeiten zum neuen Arbeitsort zwischen 1 h 45 min und 2 h 12 min - im Ergebnis offen gelassen und zur weiteren Sachaufklärung an das LAG zurückverwiesen).
5.7 Gerichtliche Entscheidung
Die Frage, ob der Arbeitgeber sein Weisungsrechts nach billigem Ermessen ausgeübt hat, unterliegt der gerichtlichen Kontrolle, § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB. Da das Arbeitsgericht in diesem Fall eine Sachentscheidung treffen kann, ist diese Entscheidung wegen der dabei zu berücksichtigenden Umstände des Einzelfalls in erster Linie den Tatsachengerichten vorbehalten. Das BAG kann entscheiden, wenn die maßgeblichen Tatsachen feststehen und nur eine bestimmte Entscheidung dem Maßstab der Billigkeit entspricht (BAG, 13.04.2010 - 9 AZR 36/09).
5.8 Gerichtliche Kontrolle
"Ob eine einseitige Leistungsfestsetzung der Billigkeit entspricht, unterliegt der vollen gerichtlichen Kontrolle, § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB. Diese Sachentscheidung ist wegen der zu berücksichtigenden Umstände des Einzelfalls vorrangig den Tatsachengerichten vorbehalten" (s. dazu BAG, 19.03.2014 - 10 AZR 622/13). "Die Darlegungs- und Beweislast für die Einhaltung dieser Grenzen hat der Bestimmungsberechtigte. Maßgeblicher Zeitpunkt für die Ausübungskontrolle ist der Zeitpunkt, zu dem er die Ermessensentscheidung zu treffen hat" (BAG, 23.08.2017 - 10 AZR 376/16 - mit Hinweis auf BAG, 03.08.2016 - 10 AZR 710/14).
5.9 Ermessenskontrolle
Die Frage, ob der Arbeitgeber die Grenzen des Weisungsrechts beachtet hat, ist gerichtlich voll überprüfbar. Bei Beurteilung der Entscheidung des Arbeitgebers ist - das folgt aus § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB - ein objektiver Maßstab anzulegen. Stellt das Gericht fest, dass der Arbeitgeber die gesetzlichen Grenzen nicht eingehalten hat, kann es - so § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB - eine eigene Sachentscheidung treffen. Der Arbeitgeber muss im Rahmen des § 106 Satz 1 GewO auch bei der Auswahlentscheidung unter mehreren für eine Versetzung geeigneten Mitarbeitern die Grenzen des billigen Ermessens nach § 315 BGB beachten (LAG Sachsen, 22.05.2003 - 6 Sa 460/02).
5.10 Ermessenskriterien
"Die Leistungsbestimmung nach billigem Ermessen verlangt eine Abwägung der wechselseitigen Interessen nach den verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Wertentscheidungen, den allgemeinen Wertungsgrundsätzen der Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit sowie der Verkehrssitte und Zumutbarkeit. Das gebietet eine Berücksichtigung und Verwertung der Interessen unter Abwägung aller Umstände des Einzelfalls. Hierzu gehören die Vorteile aus einer Regelung, die Risikoverteilung zwischen den Vertragsparteien, die beiderseitigen Bedürfnisse, außervertragliche Vor- und Nachteile, Vermögens- und Einkommensverhältnisse sowie soziale Lebensverhältnisse, wie familiäre Pflichten und Unterhaltsverpflichtungen" (LAG Rheinland-Pfalz, 03.03.2010 - 7 Sa 538/09).
5.11 Fahrzeiterhöhung
Eine Fahrzeiterhöhung ist unwesentlich, wenn "die Fahrzeit nicht sehr merklich, nicht sehr spürbar, nicht bedeutend bzw. nur wenig länger ist als zuvor (...), sie der durchschnittliche Arbeitnehmer ... also praktisch kaum noch als Verlängerung empfindet". Insoweit ist eine Fahrzeiterhöhung um 10 % und mehr schon merklich länger als die zuvor aufgewendete Arbeitszeit und damit nicht mehr unwesentlich. Ob und in welcher Höhe sich die Fahrtzeit tatsächlich verlängert, ist "in Zweifelsfällen nicht nach den Angaben eines Routenplaners, sondern nach der tatsächlichen Fahrzeit unter Zugrundelegung typischer Verkehrsverhältnisse zu beurteilen" (BAG, 18.11.2010 - 6 AZR 273/10 - zum Anspruch auf eine tarifliche Versetzungszulage).
5.12 Interessenabwägung - 1
5.13 Interessenabwägung - 2
5.14 Konkretisierung
Gewisse Arbeitspflichten können sich nach längerer Zeit auf bestimmte Arbeitsbedingungen konkretisiert haben. Der bloße Ablauf von Zeit reicht jedoch nicht, diese Konkretisierung anzunehmen. Es müssen schon besondere Umstände hinzukommen, "auf Grund derer der Arbeitnehmer erkennen kann und vertrauen darf, dass er nicht in anderer Weise eingesetzt werden soll. (...) Dass ein Arbeitnehmer sich im Laufe der Zeit bezüglich der Gestaltung seines persönlichen Umfeldes an der ausgeübten Tätigkeit und insbesondere am Ort seiner Arbeitsleistung ausrichtet, ist nur eine Folge der langjährigen Tätigkeit und begründet, ohne dass weitere Umstände hinzutreten, keine Konkretisierung auf einen bestimmten Arbeitsort" (BAG, 13.03.2007 - 9 AZR 433/06).
5.15 Prüfungsreihenfolge
Eine Versetzung über das Direktionsrecht ist nach § 106 Satz 1 GewO unter anderem zulässig, wenn die Arbeitsbedingungen nicht bereits durch den Arbeitsvertrag festgelegt sind. Legt der Arbeitsvertrag die Arbeitsbedingungen fest, kann eine Versetzung nur über einer Änderungskündigung, aber nicht durch Ausübung des Weisungsrechts erfolgen. Ist das Direktionsrecht damit ausgeschlossen, kommt es nicht mehr darauf an, ob eine etwaige formularvertraglich vereinbarte Versetzungsklausel durch die AGB-Kontrolle der §§ 305 ff. BGB kommt. Des Weiteren braucht dann auch nicht mehr geprüft zu werden, ob die vom Arbeitnehmer vorgenommene Versetzung billigem Ermessen entspricht (BAG, 23.02.2010 - 9 AZR 3/09).
5.16 Spielraum - 1
Der Inhaber des Direktionsrechts nach § 106 GewO, § 315 Abs. 1 BGB hat auch bei einer Versetzung "für die rechtsgestaltende Leistungsbestimmung .. [einen] - hier auf betriebliche Gründe .. [beschränkten] - nach billigem Ermessen .. [auszufüllenden] Spielraum." Dabei kann der Bestimmungsberechtigte im Rahmen dieses Spielraums durchaus mehrere Entscheidungsmöglichkeiten haben. "Dem Gericht obliegt nach § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB die Prüfung, ob der Arbeitgeber als Gläubiger die Grenzen seines Bestimmungsrechts beachtet hat" (s. dazu BAG, 13.11.2013 - 10 AZR 1082/12 und BGH, 18.10.2007 - III ZR 277/06). Es kommt dabei nicht darauf an, welche Erwägungen der Arbeitgeber angestellt hat, sondern "ob das Ergebnis der getroffenen Entscheidung den gesetzlichen Anforderungen genügt" (BAG, 30.11.2016 - 10 AZR 11/16).
5.17 Spielraum - 2
Die Anforderungen an ein billiges Ermessen sind bei einer Leistungsbestimmung erfüllt, "wenn die wesentlichen Umstände des Falls abgewogen und die beiderseitigen Interessen angemessen berücksichtigt worden sind." Zugrunde zu legen ist der Zeitpunkt, in dem der bestimmungsberechtigte Arbeitgeber seine Ermessensentscheidung zu treffen hat. Der Bestimmungsberechtigte trägt auch die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass die von ihm vorgenommene Bestimmung der Leistung der Billigkeit entspricht. Dabei hat der Inhaber des Bestimmungsrechts nach § 315 Abs. 1 BGB einen nach billigem Ermessen auszufüllenden Spielraum, in dem ihm durchaus mehrere Entscheidungsmöglichkeiten eröffnet sind (BAG, 24.10.2018 - 10 AZR 285/16 - mit Hinweis auf BAG, 24.05.2018 - 6 AZR 116/17; BAG, 18.10.2017 - 10 AZR 330/16 - und BAG, 14.11.2012 - 10 AZR 783/11).
5.18 Unwirksamkeitsfolge
Der Fünfte BAG-Senat vertritt bisher die Auffassung, dass ein Arbeitnehmer eine Weisung des Arbeitgebers, die nicht billigem Ermessen entspricht, trotzdem so lange - vorläufig - befolgen muss, wie die Unbilligkeit nicht gerichtlich festgestellt ist (BAG, 22.02.2012 - 5 AZR 249/11). Der Zehnte Senat des BAG sieht das anders. Er meint, ein Arbeitnehmer brauche einer unbillig vorgenommenen Versetzung von Anfang an nicht nachzukommen - auch dann, wenn keine dementsprechende rechtskräftige arbeitsgerichtliche Entscheidung vorliegt. Der Zehnte Senat hat dem Fünften daher die Frage vorgelegt, ob er zukünftig an seiner Rechtsauffassung festhalten möchte (BAG, 14.06.2017 - 10 AZR 330/16). Der Fünfte BAG-Senat hat sich nachfolgend der Auffassung des Zehnten Senats angeschlossen (BAG, 14.09.2017 - 5 AS 7/17). Der 5. Senat hat daraufhin Mitte September 2017 mitgeteilt, dass er an seiner Rechtsauffassung nicht mehr festhält (BAG, 14.09.2017 - 5 AS 7/17).
Versetzung - Inhalt der Arb...

References: § 106
 § 106
 § 106
 § 106
 § 106
 § 106
 § 315
 § 307
 § 315
 § 612
 § 95
 § 14
 § 106
 § 106
 § 106
 § 315
 BGH 
 § 315
 § 315
 § 106
 § 121
 § 140
 § 315
 § 315
 § 315
 § 315
 § 106
 § 315
 § 106
 § 106
 § 315
 § 315
 § 315