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Timestamp: 2016-10-24 03:31:17+00:00

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Art. 32 CP. Usage des armes par la police. 1. Pour justifier son comportement, le fonctionnaire peut aussi invoquer des prescriptions administratives lorsque ses devoirs sont r�gl�s par ces seules prescriptions et non par des dispositions l�gales (consid. 1). 2. Principe dit de la proportionnalit� en tant que limitation g�n�rale des empi�tements de la police sur les biensjuridiquement prot�g�s de tiers; exigences touchant la proportionnalit� de l'empi�tement (consid. 2 a). 3. Application du principe au comportement d'un agent de police, qui tire sur un criminel pr�sum�, pour se mettre en mesure de l'arr�ter (consid. 2 b). Faits � partir de page 6
A.- Polizeimann Jakob wollte am 17. April 1967, um 20 Uhr, in L�ufelfingen zusammen mit Polizeikorporal Plattner drei Jugendliche kontrollieren, die am gleichen Tag aus der Erziehungsanstalt Aarburg entwichen waren und sich auf dem Weg nach Basel befanden. Es handelte sich um Marcel Hochuli, Herbert Heimo und Urs Jakob, alle zwischen 18 und 19 Jahre alt. Da sie den Polizeibeamten verd�chtig erschienen, sich aber nicht ausweisen wollten, wurden sie aufgefordert, auf den Posten zu kommen. Auf diese Aufforderung hin ergriff Urs Jakob die Flucht. Der Polizeimann setzte ihm nach und konnte ihn mit der Warnung, dass er schiessen werde, nach etwa 100 m stellen. Mit der Pistole in der Hand trat er auf Urs Jakob zu und gab ihm deutlich zu verstehen, dass er bei nochmaligem Fluchtversuch von der Waffe Gebrauch machen werde.
Unterdessen hatte Plattner versucht, Hochuli und Heimo festzuhalten. Sie wehrten sich, und Heimo konnte sich losreissen. Polizeimann Jakob sah ihn gegen den Bahndamm fl�chten und rief ihm zu, er solle halten und als er dies nicht tat, gab der Polizist einen Warnschuss ab. Heimo liess sich von seinem Vorhaben indes nicht abschrecken; er entkam.
Der Polizeimann gebot dann Urs Jakob, vor ihm her zum Posten zu marschieren. Auf halbem Wege drehte der Jugendliche sich pl�tzlich um und griff den Polizisten an. Dieser wehrte ab und packte den Burschen vorne am Hemd, konnte aber nicht verhindern, dass Urs Jakob sich losriss und von neuem die Flucht ergriff. Auf einen Warnruf und die nochmalige Drohung mit der Schusswaffe reagierte er nicht. Der Polizeimann gab daraufhin aus etwa 15 m Entfernung einen gezielten Schuss auf die Beine des Fl�chtenden ab und traf ihn in den linken Oberschenkel. Zusammen mit seinem Vorgesetzten Plattner brachte er den Verletzten sogleich zu einem Arzt. Erst dort erkannte Polizeimann Jakob in dem Fl�chtling seinen j�ngern Bruder, den er seit drei Jahren nicht mehr gesehen hatte.
B.- Die Staatsanwaltschaft Baselland erhob gegen Polizeimann Jakob Anklage wegen vors�tzlicher einfacher K�rperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB. Das Strafgericht BGE 94 IV 5 S. 7Baselland erkl�rte den Angeklagten am 5. September 1967 dieses Vergehens schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingt vollziehbaren Gef�ngnisstrafe von zehn Tagen.
Auf Appellation hin sprach das Obergericht des Kantons Baselland am 12. Dezember 1967 den Angeklagten dagegen frei. Es h�lt daf�r, Jakob sei nach Art. 32 StGB in Verbindung mit dem Dienstreglement der Polizei zur Abgabe des gezielten Schusses berechtigt und verpflichtet gewesen; jedenfalls habe er unter den gegebenen Umst�nden mit guten Gr�nden solcher Meinung sein k�nnen.
C.- Die Staatsanwaltschaft f�hrt gegen dieses Urteil Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, es aufzuheben und die Sache zur Bestrafung des Angeklagten an das Obergericht zur�ckzuweisen.
1. Nach Art. 32 StGB ist die Tat, die das Gesetz gebietet oder f�r erlaubt erkl�rt, kein Verbrechen oder Vergehen. Das Gesetz, welches das Gebot oder die Erlaubnis enth�lt, braucht kein Bundesgesetz, auch kein Gesetz im formellen Sinne zu sein. Zur Rechtfertigung seines Verhaltens kann der T�ter sich vielmehr auf jeden Rechtssatz berufen, gleichviel, ob dieser in einem Gesetz oder in einer Verordnung, in einem eidgen�ssischen oder kantonalen, zivil- oder �ffentlichrechtlichen Erlass enthalten sei (vgl. BGE 85 IV 5; ferner WAIBLINGER, Schweiz. Juristische Kartothek, Karte 1204 Ziff. 12). Selbst blosse Verwaltungsvorschriften k�nnen ausreichen. Dies ergibt sich daraus, dass Art. 32 StGB durch Amtspflicht gebotenes Handeln ebenfalls als Rechtfertigungsgrund anerkennt, die Amtspflichten aber, was dem Gesetzgeber nicht entgangen sein kann, bei weitem nicht alle in gesetzlichen Bestimmungen geregelt sind. Das gilt namentlich f�r Amtshandlungen der Polizei. So sind gerade die kantonalen Vorschriften �ber den Waffengebrauch der Polizei noch heute durchwegs nicht in einem Gesetz, sondern in blossen Dienstanweisungen oder Dienstreglementen zu finden. Auch im Kanton Baselland verh�lt es sich nicht anders. Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten ist das allerdings, wie NOLL in ZStrR 1964 S. 182 mit Recht bemerkt, nicht unbedenklich.
2. Nach � 44 des Dienstreglementes hat die Polizei im Kanton Baselland die Waffe als letztes Mittel zu verwenden, insbesondere wenn Personen, welche ein schweres Verbrechen oder ein schweres Vergehen begangen haben oder eines solchen BGE 94 IV 5 S. 8dringend verd�chtigt sind, sich durch Flucht der Festnahme zu entziehen suchen (Ziff. 3). Die Staatsanwaltschaft macht geltend, diese Voraussetzungen f�r den Waffengebrauch seien hier entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht erf�llt gewesen. Ob das Obergericht das kantonale Recht richtig ausgelegt und angewendet habe, kann das Bundesgericht auf Nichtigkeitsbeschwerde hin jedoch nicht �berpr�fen (Art. 269 Abs. 1, 273 Abs. 1 lit. b BStP). Fragen kann sich nur, ob das angefochtene Urteil vor Art. 32 StGB standhalte. Die Staatsanwaltschaft f�gt denn auch bei, dass die Dienstvorschrift durch die bundesrechtliche Norm jedenfalls nicht mehr gedeckt sei, wenn man sie so weit auslege, wie das Obergericht dies tue.
a) Art. 32 StGB enth�lt selber keine Schranken f�r das kantonale Recht. Solche k�nnen sich indes aus dem allgemeinen Vorrang des Bundesrechts und, was das kantonale Amts- oder Dienstrecht insbesondere anbelangt, aus den Normen der allgemeinen Rechtsordnung ergeben (BGE 47 II 179und 508). Hiezu geh�rt in erster Linie der Grundsatz der Angemessenheit oder Verh�ltnism�ssigkeit, der besagt, dass Eingriffe in fremde Rechtsg�ter nicht �ber das hinausgehen d�rfen, was zur Erreichung des Zweckes, der sie rechtfertigt, erforderlich ist. Dieser Satz gilt zwar vor allem im Verwaltungsrecht (statt vieler: BGE 87 I 453, BGE 91 I 327; RUCK, Schweiz. Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bd. I S. 49), ist aber bei der Anwendung der Art. 32 ff. StGB ebenfalls zu beachten, gleichviel, ob er in der kantonalen Vorschrift, auf die sich der T�ter zu seiner Rechtfertigung oder Entschuldigung beruft, zum Ausdruck kommt oder nicht. Der Kassationshof hat denn schon bisher die Angemessenheit von Handlungen kantonaler Beamten immer unabh�ngig von kantonalen Vorschriften gepr�ft (vgl.BGE 72 IV 178,BGE 76 IV 26). Zu beachten ist ferner, dass alle Rechtfertigungs- und Entschuldigungsgr�nde eine Wertabw�gung voraussetzen, bei der nicht nur der Wert der kollidierenden Rechtsg�ter, sondern s�mtliche Unrechts- und Rechtfertigungselemente zu ber�cksichtigen sind (NOLL, a.a.O. S. 165).
Welche Anforderungen an die Verh�ltnism�ssigkeit des Eingriffes und damit an die Rechtfertigung zu stellen sind, entscheidet sich nicht allgemein, sondern nach den Umst�nden des Einzelfalles, namentlich nach dem Grund und der Art der Massnahme, den Mitteln und der Zeit, die dem Handelnden zur Verf�gung stehen. Je schwerwiegender der Eingriff ist und je mehr Mittel und Zeit dem Handelnden zur Verf�gung stehen, desto BGE 94 IV 5 S. 9schwieriger die Rechtfertigung, und umgekehrt. Das gilt auch f�r das Vorgehen der Polizei, was aber nicht heisst, dass sie stets volle Verh�ltnism�ssigkeit wahren m�sse. Bei Notwehr ergibt sich schon aus der Natur der Abwehr, dass dieser Massnahme keine engen Grenzen zu ziehen sind, und bei geringf�gigen Verletzungen oder Gef�hrdungen kann schon eine minimale Verh�ltnism�ssigkeit zur Rechtfertigung gen�gen. Und wo einl�ssliche Vorschriften fehlen oder verschiedene Mittel zur Verf�gung stehen, kommt dem Polizeibeamten notwendigerweise ein gewisses Ermessen zu, weshalb ihm z.B. aus dem Gebrauch der Waffe kein Vorwurf gemacht werden kann, wenn er nach den gegebenen Umst�nden Anlass hat, gerade zu diesem Mittel zu greifen. Denn Angemessenheit und Rechtfertigung seines Verhaltens beurteilen sich nicht nach dem Sachverhalt, wie er sich nachtr�glich dem Richter darstellt; massgebend ist vielmehr, was der Beamte im Zeitpunkt, als er sich zum Gebrauch der Waffe entschliesst, von der Sachlage halten muss (vgl.BGE 47 II 181und 509).
b) Nach diesen Grunds�tzen kann im vorliegenden Fall nicht zweifelhaft sein, dass das Verhalten des Angeklagten durch Art. 32 StGB gedeckt, seine Freisprechung folglich nicht zu beanstanden ist. Gewiss heben Staatsanwaltschaft und Strafgericht mit Recht hervor, dass die Polizei sich schon nach dem Grundsatz der Verh�ltnism�ssigkeit grosse Zur�ckhaltung auferlegen muss, die Waffe in F�llen, wie hier, daher nur verwenden darf, wenn der Fliehende ein schweres Delikt begangen oder eines solchen dringend verd�chtig erscheint und andere Mittel nicht ausreichen. Selbst dann soll die Polizei nicht �ber das hinausgehen, was zur Erreichung des Zweckes erforderlich ist, lebensgef�hrliche Verletzungen also m�glichst vermeiden. Im Schrifttum wird denn auch mit Recht vor leichtfertigem Waffengebrauch eindringlich gewarnt und eine Beschr�nkung dieses Mittels auf F�lle verlangt, die es nach den Grunds�tzen der Wertabw�gung und der Verh�ltnism�ssigkeit �berhaupt als zul�ssig erscheinen lassen (s. inbes. NOLL, a.a.O. S. 182 ff.; HARTMANN, Der Waffengebrauch der Polizei, in Festgabe Max Obrecht S. 331 ff.).
Das heisst indes nicht, dass die Angemessenheit polizeilichen Vorgehens auch dann zu verneinen sei, wenn gewichtige Gr�nde einen Polizeibeamten zur Auffassung bringen konnten, er habe mit einem gef�hrlichen Verbrecher zu tun, den er nur mit der Waffe zu stellen verm�ge. Solche Gr�nde aber hatte der Angeklagte.
BGE 94 IV 5 S. 10Die Staatsanwaltschaft bestreitet nicht, dass L�ufelfingen ein "heisses Pflaster" ist. Die Polizei will damit offenbar sagen, es seien dort in den letzten Jahren verh�ltnism�ssig viele Verbrecher aufgetaucht oder schwere Straftaten begangen worden. Einzig daraus durfte der Angeklagte freilich noch nicht schliessen, die drei Burschen seien Verbrecher oder h�tten sich schwere Delikte zuschulden kommen lassen, selbst wenn sie nicht nur ihm, sondern auch seinem Vorgesetzten schon auf den ersten Blick verd�chtig vorkamen. Diesen Schluss durfte der Angeklagte dagegen aus der Art und Weise ziehen, wie die Verd�chtigen auf die Aufforderung, sich auszuweisen, reagierten. Urs Jakob ergriff sogleich die Flucht und liess sich zun�chst nur durch die Drohung mit der Waffe aufhalten. Die beiden andern wehrten sich heftig gegen die Festnahme und versuchten ebenfalls zu entkommen, was dem Heimo, der sich weder durch einen Warnruf noch durch einen Schreckschuss des Angeklagten davon abbringen liess, auch gelungen ist. Urs Jakob konnte hierauf nicht mehr im Zweifel sein, dass es dem Polizisten mit der Drohung, bei einem erneuten Fluchtversuch auf ihn zu schiessen, ernst war. Er wusste zudem, dass dieser ihm mit schussbereiter Waffe unmittelbar folgte. Gleichwohl drehte er sich pl�tzlich um, griff den Polizisten, wie das Obergericht feststellt, t�tlich an und versuchte dann durch eine Bahnunterf�hrung erneut zu entfliehen.
Unter diesen Umst�nden durfte der Angeklagte mit Grund der Meinung sein, er habe mit einem gef�hrlichen Verbrecher zu tun, der sich dem Zugriff der Polizei um jeden Preis entziehen wolle. Das Obergericht stellt �brigens ausdr�cklich fest, dass der Angeklagte tats�chlich dieser Meinung war. Was die Staatsanwaltschaft dagegen vorbringt, ist Kritik an der Beweisw�rdigung und daher nicht zu h�ren. Der Angeklagte hat von der Waffe auch nicht leichtfertig, sondern erst nach mehreren Warnungen und nachdem er offenbar keine andere M�glichkeit zur Festnahme des vermeintlichen Verbrechers mehr sah, Gebrauch gemacht. Er vergewisserte sich zudem, dass keine Drittpersonen gef�hrdet waren, und schoss absichtlich auf die Beine des Fl�chtenden, um dessen Leben zu schonen. Auch dieses Vorgehen des Angeklagten war angemessen und ist folglich durch Art. 32 StGB gedeckt. Er ist daher zu Recht freigesprochen worden.

References: Art. 123
 BGE 
 Art. 32
 Art. 32
 BGE 
 Art. 32
 BGE 
 Art. 32
 Art. 32
 BGE 
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 Art. 32
 BGE 
 Art. 32

BGE 
 Art. 32