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Timestamp: 2016-07-25 00:11:22+00:00

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Niedersächsische Ausführungsbestimmungen zum SGB XII -
Nds. AB SGB XII - Recht und Gesetz in
Niedersachsen Niedersächsische Ausführungsbestimmungen zum SGB XII - Nds. AB SGB
XII - RdErl. d.
MS v. 18.2.2010 - 101.1-20 00 05/12 (Nds.MBl. Nr.9/2010 S.280) - VORIS 21141 -
Bezug: RdErl. v. 29.9.2008 (Nds.MBl. S.1047) - VORIS 21133 -
1. In der Anlage werden zusammenfassend die Niedersächsischen
Ausführungsbestimmungen zum SGB XII veröffentlicht, die
ausschließlich die Gewährung von Leistungen in sachlicher
Zuständigkeit des überörtlichen Trägers der Sozialhilfe in
Niedersachsen betreffen. 2. Dieser RdErl. tritt am 3.3.2010 in Kraft. _________An die Region Hannover,
Landkreise und kreisfreien Städte, Landeshauptstadt Hannover, Städte
Gelle, Göttingen, Hildesheim, Lingen (Ems) und Lüneburg das
Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie Anlage
Ausführungsbestimmungen zum SGB XII - Nds. AB SGB XII - Inhaltsübersicht
Kapitel SGB XII Zu § 2 02.01.00.00 Nachrang der Sozialhilfe Zum Zweiten Kapitel SGB XII
Zu § 19 19.03.00.00 Eigenleistung 19.05.00.00 Voraussetzungen der erweiterten Hilfe 19.05.00.01 Formvorschriften für die Bescheide bei Gewährung
erweiterter Hilfe 19.05.00.02 Verwaltungsakte mit Dauerwirkung - Einstellung der erweiterten
Hilfe 19.05.00.03 Erbenhaftung 19.05.00.04 Bagatellgrenze Zu § 21 21.00.00.00 Sonderregelungen für leistungsberechtigte Personen nach dem
SGB II 21.00.00.01 Leistungen nach dem SGB II in stationären
Einrichtungen 21.00.00.02 Ergänzende Leistungen zum Lebensunterhalt 21.00.00.03 Verfahrensregelungen Zum Dritten Kapitel SGB XII
Zu § 28 28.01.00.00 Gewährung von Leistungen nach dem Dritten oder Vierten
Kapitel SGB XII bei Beurlaubung und vorübergehender Abwesenheit von
stationär betreuten leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung
28.01.00.01 Definition 28.01.00.02 Zuständigkeiten 28.01.00.03 Umfang der Leistungen Zu § 30 30.00.00.00 Mehrbedarf Zu § 35 35.00.00.00 Allgemeines 35.01.00.00 Notwendiger Lebensunterhalt in Einrichtungen 35.01.00.01 Gruppen- und Einzelintegration im Kindergarten 35.02.01.00 Kleidung und Barbetrag 35.02.01.01 Kleidung - Allgemeines 35.02.01.02 Kleidung - Verfahren 35.02.01.03 Kleidung - Territorialitätsprinzip 35.02.01.04 Kleidung - Abrechnung 35.02.01.05 Kleidung - Ermittlung der Leistungen nach dem Dritten Kapitel SGB
XII 35.02.01.06 Kleidung - Regelung für leistungsberechtigte Personen nach
den §§ 67 ff. SGB XII 35.02.01.07 Barbetrag - Anspruchsberechtigte 35.02.01.08 Barbetrag - Zweck 35.02.01.09 Barbetrag - Ermessen 35.02.01.10 Barbetrag - Aufnahme- und Entlassungsmonat, Abwesenheiten 35.02.01.11 Barbetrag - Regelung für Leistungsberechtigte nach den
§§ 67 ff. SGB XII 35.02.01.12 Barbetrag - Blinde 35.02.01.13 Barbetrag - Territorialitätsprinzip 35.02.02.01 Barbeträge für Erwachsene 35.02.03.01 Barbeträge für Kinder und Jugendliche 35.03.00.00 Kosten von Medikamenten und Hilfsmitteln Zum Vierten Kapitel SGB XII
Zu § 41 41.01.01.00 Antrag 41.01.01.01 Gewöhnlicher Aufenthalt 41.01.01.02 Leistungsberechtigte 41.04.00.00 Anspruchsausschluss Zu § 42 42.00.01.00 Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII bei Beurlaubung oder
sonstiger vorübergehender Abwesenheit von stationär betreuten
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung 42.00.01.01 Regelsatz 42.00.01.02 Kosten der Unterkunft - Bruttowarmmiete 42.00.01.03 Mehrbedarf Zu § 43 43.02.00.00 Grundsatz 43.02.00.01 Kein Übergang von Unterhaltsansprüchen 43.02.01.01 Einkommensgrenze 43.02.02.01 Widerlegbare Vermutung 43.02.02.02 Zweifelsfälle Zum Achten Kapitel SGB XII
Zu § 67 67.00.00.00 Allgemeines 67.00.00.01 Ziel der Hilfe 67.00.00.02 Zuständigkeiten 67.00.00.03 Nachrang 67.00.00.04 Anspruchsgrundlagen 67.00.00.05 DVO gemäß § 69 SGB XII 67.00.00.06 Dauer der Leistungsgewährung 67.00.00.07 Verfahrensregelungen 67.00.01.00 Leistungsberechtigte Personen 67.00.01.01 Besondere Lebensverhältnisse (§ 1 Abs. 2 DVO
gemäß § 69 SGB XII) 67.00.01.02 Fehlende oder nicht ausreichende Wohnung 67.00.01.03 Ungesicherte wirtschaftliche Lebensgrundlage 67.00.01.04 Gewaltgeprägte Lebensumstände 67.00.01.05 Entlassung aus einer geschlossenen Einrichtung 67.00.01.06 Vergleichbare nachteilige Umstände 67.00.01.07 Nichtsesshafte 67.00.01.08 Soziale Schwierigkeiten 67.00.01.09 Unfähigkeit zur Überwindung aus eigener Kraft 67.00.02.00 Nachrang 67.00.02.01 Personen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen 67.00.02.02 Leistungsberechtigte Personen zwischen dem 18. und 27. Lebensjahr
67.00.02.03 Leistungsberechtigte Personen in Mutter-Kind-Einrichtungen Zu § 68 68.01.01.00 Umfang der Leistungen 68.01.01.01 Beratung und persönliche Unterstützung (§ 3 DVO
gemäß § 69 SGB XII) 68.01.01.02 Leistungsumfang des § 3 DVO gemäß § 69 SGB
XII 68.01.01.03 Beratung 68.01.01.04 Persönliche Unterstützung 68.01.01.05 Maßnahmen zur Erhaltung und Beschaffung einer Wohnung
68.01.01.06 Hilfe zur Ausbildung, Erlangung und Sicherung eines
Arbeitsplatzes 68.01.01.07 Hilfe zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen
und zur Gestaltung des Alltags 68.01.01.08 Materielle fachliche Leistungen auf Grundlage der §§
67 ff. SGB XII 68.01.02.00 Gesamtplan 68.01.02.01 Vorbereitung und Erstellung des Gesamtplans 68.01.02.02 Inhalt des Gesamtplans Zum Elften Kapitel SGB XII Zu § 82 82.01.01.00 Allgemeines 82.01.01.01 Sonderregelungen für Leistungen nach dem Achten Kapitel SGB
XII 82.01.01.02 Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung
Erstattungsansprüche 82.01.02.00 Kindergeld 82.01.02.01 Volljährige Kinder 82.01.02.02 Vollwaisen 82.01.02.03 Abzweigung von Kindergeld 82.01.03.00 Ausbildungsförderung nach dem BAföG 82.02.01.00 Grundsätzliches 82.02.01.04 Einkünfte aus Kapitalvermögen 82.03.01.00 Nichtselbstständige Tätigkeiten 82.03.02.00 Freibetrag Zu § 85 85.00.00.00 Einkommensgrenze Zu § 87 87.01.00.00 Ermessen 87.01.00.01 Zumutbare Eigenleistung bei laufenden Leistungen 87.01.00.02 Inanspruchnahme von Eigenleistungen bei Beurlaubung oder
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung 87.01.00.03 Bereinigtes Gesamteinkommen 87.01.02.00 Höhe der Eigenleistung 87.01.02.01 Subjektive Kriterien 87.01.02.02 Zu berücksichtigende Aufwendungen 87.01.02.03 Besondere Belastungen 87.01.02.04 Höhe der zumutbaren Eigenleistung 87.01.03.00 Höhe der zumutbaren Eigenleistung bei
schwerstpflegebedürftigen und blinden Menschen 87.02.00.00 Kurzzeitiger Bedarf Zu § 88 88.01.00.00 Grundsatz 88.01.00.01 Vorübergehende Abwesenheit von stationär betreuten
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung . 88.01.00.02 Schuldverpflichtungen 88.01.01.01 Zweckgleiche Leistungen 88.01.01.02 Ausbildungsgeld im Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich
einer WfbM und Übergangsgeld 88.02.00.00 Einkommen aus entgeltlicher Beschäftigung Zu § 90 90.02.00.00 Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII 90.02.00.01 Vermögensschonbetrag bei stationärer Betreuung beider
Ehepartner 90.02.00.02 Ausschluss der erweiterten Hilfe Zu § 92 92.00.00.00 Anwendungsbereich des § 92 SGB XII 92.01.00.00 Anwendungsbereich des § 92 Abs. 1 SGB XII 92.01.00.01 Tageseinrichtungen für behinderte Menschen 92.01.00.02 Erweiterte Hilfe 92.01.00.03 Reihenfolge der Anrechnung von Einkommen 92.01.00.04 Gleichzeitige Betreuung in einer teilstationären und in
einer stationären Einrichtung 92.02.01.01 Häusliche Ersparnis 92.02.01.02 Schließ- und Abwesenheitszeiten 92.02.01.03 Integrative Gruppen und Einzelintegration in Kindergärten
92.02.01.04 Einrichtungen i.S. von § 92 Abs. 2 Satz 1 Nr. 8 SGB XII
92.02.02.00 Einsatz von Vermögen 92.02.03.00 Eigenleistung in den Fällen des § 92 Abs. 2 Satz 1
Nrn. 1 bis 6 SGB XII 92.02.05.00 Häusliche Ersparnis/Eigenleistung für Mittagessen 92.03.00.00 Verpflichtungen Anderer - Beihilfe 92.03.01.00 Zweckgleiche Leistungen zu § 92a 92a.01.01.01 Allgemeines 92a.01.01.02 Eigenleistungen bei Beurlaubung oder sonstiger
vorübergehender Abwesenheit von stationär betreuten
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung 92a.02.01.00 Inanspruchnahme von Eigenleistungen bei Beurlaubung oder
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung 92a.02.01.01 Verfahren bei Bezug von Ausbildungsgeld im Eingangsverfahren und
Berufsbildungsbereich einer WfbM und Übergangsgeld 92a.02.01.02 Monatliche Festsetzung Zu § 94 94.00.00.00 Allgemeines 94.00.00.01 Bedeutung und Zielsetzung der Regelung 94.00.00.02 Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und
private Fürsorge (DV) 94.00.00.03 Sonderregelungen bei der Hilfe zur Überwindung besonderer
sozialer Schwierigkeiten nach dem Achten Kapitel SGB XII 94.01.01.00 Allgemeines 94.01.01.01 Gesetzlicher Forderungsübergang 94.01.01.02 Gesetzliche Unterhaltsansprüche 94.01.01.03 Zeitraumidentität 94.01.01.04 Auskunftsanspruch 94.01.01.05 Gerichtliche Durchsetzung 94.01.01.06 Unterhaltstitel der leistungsberechtigten Person 94.01.02.01 Erfüllung des Anspruchs durch die unterhaltspflichtige
Person 94.01.03.01 Angehörige 94.01.03.02 Grundsicherung 94.01.03.03 Aufhebung der Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft 94.01.03.04 Unterhaltsansprüche minderjähriger Personen 94.01.04.00 Unterhaltsansprüche von Müttern und schwangeren Frauen
94.02.00.00 Allgemeines 94.02.00.01 Anwendungsbereich 94.02.00.02 Kurzzeitige Leistungserbringung 94.02.01.00 Einschränkung der Heranziehung zum Unterhalt 94.02.01.01 Höchstbeträge der Heranziehung für den
Lebensunterhalt und die fachliche Leistung 94.02.01.02 Lebensunterhalt bei stationären Leistungen 94.02.01.03 Weitergehende Unterhaltsansprüche der leistungsberechtigten
Personen 94.02.02.00 Gesetzliche Vermutungen 94.02.02.01 Unterhaltsfähigkeit 94.02.02.02 Anteilige Haftung 94.02.02.03 Widerlegbarkeit 94.03.01.00 Härteregelungen 94.03.01.01 Sozialhilfebedürftige Unterhaltspflichtige 94.03.01.02 Allgemeine Härte 94.03.01.03 Immaterielle Härte 94.03.01.04 Immaterielle und materielle Härte bei behinderten
volljährigen Kindern 94.03.02.01 Einschränkung des Amtsermittlungsgrundsatzes 94.04.01.00 Rechtswahrungsanzeige 94.04.01.01 Unterhalt für die Vergangenheit 94.04.01.02 Verfahren 94.04.01.03 Kein Verwaltungsakt 94.05.01.00 Rückübertragung Zu § 133a 133a.00.00.00 Zusatzbarbetrag Zum Ersten Kapitel SGB XII Zu § 2 02.01 Zu
§ 2 Abs. 1 02.01.00.00 Nachrang der Sozialhilfe Der Grundsatz des Nachrangs der Sozialhilfe wird für die Leistungen
nach dem Fünften bis Neunten Kapitel SGB XII hinsichtlich der
Eigenbeteiligung der leistungsberechtigten Person und der Bedarfsgemeinschaft
durch § 19 Abs. 3 SGB XII konkretisiert. Danach werden diese Leistungen
durch Übernahme der Restkosten oder Gewährung von Beihilfen nur
gewährt, soweit die notwendigen Mittel die zumutbare Eigenleistung
überschreiten (sog. Nettoprinzip). Bei Leistungsberechtigten, die Leistungen der Eingliederungshilfe nach
dem Sechsten Kapitel erhalten, ist Nummer 92.01.00.02 (erweiterte Hilfe) zu
beachten. Zum Zweiten Kapitel SGB XII Zu § 19 19.03 Zu
§ 19 Abs. 3 19.03.00.00 Eigenleistung Ab dem Monat der Vollendung des 18. Lebensjahres des behinderten
Menschen ist von dessen Eltern eine Eigenleistung nach § 92 SGB XII nicht
mehr zu fordern. Pflegeeltern gehören nicht zum Personenkreis des §
19 Abs. 3 SGB XII. Soweit Leistungen der Eingliederungshilfe gewährt werden, ist
Nummer 92.01.00.02 (erweiterte Hilfe) zu beachten. 19.05 Zu § 19 Abs. 5 19.05.00.00 Voraussetzungen der erweiterten Hilfe § 19 Abs. 5 SGB XII eröffnet die Möglichkeit, alle in
§ 19 Abs. 1 bis 3 SGB XII genannten Leistungen als erweiterte Hilfe zu
erbringen. Soweit die in § 92 Abs. 1 SGB XII genannten Leistungen der
Eingliederungshilfe erbracht werden, geht § 92 SGB XII als speziellere
Regelung dem § 19 Abs. 5 SGB XII vor. Insoweit ist Nummer 92.01.00.02 zu
beachten. Die Entscheidung, erweiterte Hilfe zu leisten, ist in das
pflichtgemäße Ermessen des Trägers der Sozialhilfe gestellt.
Als Ausnahme vom sog. Nettoprinzip (siehe Nummer 02.01.00.00) ist die
erweiterte Hilfe restriktiv zu handhaben. Dies ist bei der Ausübung des
Ermessens zu beachten. Die erweiterte Hilfe ist eine Leistung im Interesse der
leistungsberechtigten Person. Entscheidend ist, ob ohne das Eintreten der
Sozialhilfe in Gestalt des Verauslagens notwendige Hilfe an der
Kostenfrage zu scheitern droht (Urteil des BVerwG vom 30.10.1979 - 5 C 39/78 -,
Fürsorgerechtliche Entscheidungen der Verwaltungs- und Sozialgerichte - im
Folgenden: FEVS - 28 S.13). Die Leistung erweiterter Hilfe kann auch nicht
ausschließlich zu dem Zweck erfolgen, eine Verwaltungsvereinfachung
für den Träger der Sozialhilfe zu ermöglichen (Urteil des BVerwG
vom 4.6.1992 - 5 C 25/87 -, Nachrichtendienst des Deutschen Vereins - im
Folgenden: NDV - 1993 S.129). § 19 Abs. 5 SGB XII ist keine Vorschrift,
die der Wahrung des Interesses eines Einrichtungsträgers dient, Kosten,
die durch die Aufnahme einer Bewohnerin oder eines Bewohners entstehen
(entstanden sind) und für die eine dem Grunde nach verpflichtete dritte
Person nicht aufkommt, möglichst schnell und ohne größeren
Verwaltungsaufwand gedeckt zu erhalten. Die erweiterte Hilfe setzt das Einverständnis der
leistungsberechtigten Person voraus. Datum und Form der Zustimmung sind in der
Akte zu dokumentieren. Dem Träger der Sozialhilfe steht bei erweiterter Hilfe
gemäß § 19 Abs. 5 SGB XII zur Wiederherstellung des Nachrangs
der Sozialhilfe in Höhe des zu errechnenden Eigenanteils ein Anspruch auf
Aufwendungsersatz zu. Zur Sicherung des Anspruchs soll ggf. eine
Abtretungserklärung zugunsten der herangezogenen kommunalen
Körperschaft erwirkt werden. 19.05.00.01 Formvorschriften für die Bescheide bei Gewährung
erweiterter Hilfe In den Fällen der erweiterten Hilfe gemäß § 19 Abs.
5 SGB XII ist in den Bescheiden über die Leistungsgewährung
klarzustellen, inwieweit die Leistung als erweiterte Hilfe nach § 19 Abs.
5 SGB XII erbracht wird und die Verpflichtung zum Einsatz von Einkommen und
Vermögen nach § 19 Abs. 1 bis 3 SGB XII und den Vorschriften des
Elften Kapitels besteht. Der Bewilligungsbescheid ist in diesen Fällen
allen Mitgliedern der Einsatzgemeinschaft bekannt zu geben, deren Heranziehung
zum Aufwendungsersatz in Betracht kommt. Bei den Bescheiden über die Heranziehung zu Eigenleistungen handelt
es sich um belastende Verwaltungsakte, für deren Rechtmäßigkeit
die allgemeinen Grundsätze des Verwaltungsrechts zu beachten sind. Insbesondere wird auf folgende Vorschriften
hingewiesen: a)
Anhörung gemäß § 24 Abs. 1 oder 2 Nr. 3 SGB X
mit den erforderlichen Ausführungen im Bescheid, b)
Begründungspflicht gemäß § 35 SGB X, c)
Ermessensausübung und nachvollziehbare Ausführungen
hierzu gemäß § 35 Abs. 1 Satz 2 SGB X und § 39 SGB I, z.B.
erkennbar individuelle Anwendung der entsprechenden Verwaltungsvorschriften als
Ermessensrichtlinien, d)
Bestimmtheit und Form gemäß § 33 SGB X, e)
Bekanntgabe an die Adressatin oder den Adressaten des
Verwaltungsaktes und sonstige Betroffene gemäß § 37 SGB X. Sind
Eheleute oder Lebenspartner Adressaten eines Verwaltungsakts, so ist dieser
sowohl der Ehefrau als auch dem Ehemann oder beiden Lebenspartnern zuzustellen,
ggf. Anordnung der sofortigen Vollziehung gemäß §
86a Abs. 2 Nr. 5 SGG, wenn anderenfalls der Anspruch auf Aufwendungsersatz ins
Leere zu gehen droht. Das kann u.a. dann geboten sein, wenn gegen den
Heranziehungsbescheid Widerspruch oder Klage erhoben wird, die aufschiebende
Wirkung haben. Das über das Interesse am Erlass des Verwaltungsakts und
fiskalische Interessen hinausgehende besondere Vollzugsinteresse
ist besonders zu begründen (Beschl. des Landessozialgerichts
Niedersachsen-Bremen - im Folgenden: LSG NB - vom 19.4.2006 - L 8 SO 49/05 ER -
und vom 10.8.2006 - L 8 SO 69/06 ER -). 19.05.00.02 Verwaltungsakte mit Dauerwirkung - Einstellung der
erweiterten Hilfe Soweit erweiterte Hilfe nach § 19 Abs. 5 SGB XII gewährt wird,
ist im Bescheidtext die Bewilligung für einen einzelnen bestimmten Monat
auszusprechen. Der Endpunkt der Leistung ist als Zeitpunkt, bis zu dem
höchstens jeden Monat eine stillschweigende erneute Bewilligung der
Leistung erfolgen wird, zu bezeichnen. In den Tenor der Bescheide, mit
denen Geldleistungen bewilligt werden, ist folgende Formulierung aufzunehmen:
Die Leistung wird für den Monat (Aufnahmemonat)
in Höhe von ............ EUR und den Monat
.................... (Folgemonat) in Höhe von ......................
bewilligt. Es wird zugesichert, dass die Leistung für die Folgemonate in
zuletzt genannter Höhe bis einschließlich ... erbracht wird, sofern
sich keine Änderungen in den für die Leistung maßgeblichen
Verhältnissen ergeben. Einen erneuten schriftlichen Bescheid erhalten Sie
in dieser Zeit nur auf ausdrücklichen Antrag oder bei einer Änderung
der Voraussetzungen für die Leistung. 19.05.00.03 Erbenhaftung Kostenbeiträge und Aufwendungsersatz sind
öffentlich-rechtliche Verpflichtungen, die auch auf Erben übergehen
(Urteil des BGH vom 22.1.1971 - I ZR 132/69 -, NDV 1971 S.142). Der
Leistungsbescheid kann somit auch den Erben erteilt werden. 19.05.00.04 Bagatellgrenze Die Heranziehung einer verpflichteten Person zum monatlichen oder
einmaligen Aufwendungsersatz mit Beträgen von insgesamt weniger als 5 EUR
unterbleibt. Zu § 21 21.00 21.00.00.00 Sonderregelungen für leistungsberechtigte Personen nach
dem SGB II § 21 SGB XII stellt klar, dass für Leistungen nach dem Dritten
Kapitel SGB XII gegenüber den Leistungen zum Lebensunterhalt nach dem SGB
II, die die betroffene Person selbst oder als Angehörige oder als
Angehöriger in Anspruch nehmen kann, ein Leistungsausschluss besteht. Leistungsberechtigte Personen, die einen Anspruch auf Leistungen nach
dem Vierten Kapitel SGB XII haben, sind wegen § 5 Abs. 2 Satz 2 SGB II
nicht betroffen. Bei leistungsberechtigten Personen, die die in § 92 Abs.
1 Satz 1 SGB XII genannten Leistungen der Eingliederungshilfe und gleichzeitig
Leistungen zum Lebensunterhalt nach dem SGB II erhalten, ist § 92 Abs. 1
SGB XII die gegenüber § 21 SGB XII und § 5 Abs. 2 SGB II
speziellere Regelung. Damit ist auch in diesen Fällen Nummer 92.01.00.02
(erweiterte Hilfe) zu beachten. 21.00.00.01 Leistungen nach dem SGB II in stationären Einrichtungen
Das BSG hat mit Urteil vom 6.9.2007 - B 14/7b AS 16/07 R - (FEVS 59
S.305) einen Anspruch auf Leistungen nach dem SGB II für
erwerbsfähige Menschen in stationären Einrichtungen bestätigt,
wenn die leistungsberechtigte Person trotz des Aufenthalts in der Einrichtung
objektiv einer Erwerbstätigkeit von mindestens 15 Stunden wöchentlich
nachgehen kann. Insofern sei von einem eigenständigen Begriff der
Einrichtung i.S. des § 7 Abs. 4 SGB II auszugehen. Danach ist davon auszugehen, dass die stationären Einrichtungen
nach den §§ 67 ff. SGB XII in Niedersachsen aufgrund ihrer Strukturen
keine stationären Einrichtungen i.S. des § 7 Abs. 4 SGB II sind und
die dort betreuten Personen grundsätzlich einen Anspruch auf Leistungen
nach dem SGB II haben, soweit sie die sonstigen Anspruchsvoraussetzungen nach
§ 7 Abs. 1 SGB II erfüllen. Für Einrichtungen außerhalb
von Niedersachsen ist die Einordnung durch den zuständigen Träger der
Sozialhilfe maßgeblich. In diesen Fällen besteht nicht nur ein Anspruch auf Leistungen zur
Sicherung des Lebensunterhalts gemäß § 19 SGB II
(einschließlich der angemessenen Kosten der Unterkunft und Heizung),
sondern auch auf Leistungen zur Eingliederung in Arbeit nach den §§
16 ff. SGB II. 21.00.00.02 Ergänzende Leistungen zum Lebensunterhalt Soweit bei stationären Hilfefällen der notwendige
Lebensunterhalt in Einrichtungen nach § 35 SGB XII nicht durch Leistungen
des SGB II-Trägers vollständig gedeckt ist, ist vom SGB
XII-Träger unter Information der leistungsberechtigten Person ein sog.
Aufstockungsbetrag direkt an die Einrichtung zu zahlen. Das kann u.a.
insbesondere bei der Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII oder
kurzfristigen Rehabilitationsmaßnahmen vorkommen. Es handelt sich
insoweit nicht um Leistungen zum Lebensunterhalt, sondern um einen Teil der
Vergütung nach § 76 Abs. 2 Satz 1 SGB XII. Bei der Berechnung des
Aufstockungsbetrages ist auf den Bescheid des SGB II-Trägers abzustellen.
Dabei sind grundsätzlich alle Freibeträge und dahingehenden
Entscheidungen (sofern nicht offensichtlich unrichtig) aus dem Bereich des SGB
II zu übernehmen. Darüber hinaus sind bei der Hilfe nach
den §§ 67 ff. SGB XII weiterhin Fallkonstellationen möglich, in
denen ein erhöhter Aufstockungsbetrag zu gewähren ist, insbesondere:
Die gewährten Leistungen nach dem SGB II sind im
Aufnahmemonat nicht mehr verfügbar. -
Überbrückungsgeld nach Haftentlassung ist nicht mehr
verfügbar, wird aber vom SGB II-Träger bedarfsmindernd
berücksichtigt. -
Leistungsberechtigte Personen erhalten zum Zeitpunkt der Aufnahme
in die Einrichtung nur gekürzte Leistungen nach dem SGB II (Sanktionen).
In diesen Fällen sollte die Einrichtung - auch zur Vermeidung
weiterer Sanktionen - auf jeden Fall Kontakt mit der ARGE aufnehmen. Eine Ausschöpfung des Rechtswegs ist lediglich in Fällen
angezeigt, in denen im Rahmen der Eingliederungsvereinbarung an die
leistungsberechtigte Person im Hinblick auf die besonderen sozialen
Schwierigkeiten zu hohe Anforderungen gestellt worden sind. -
Kosten für die Erstausstattung mit Bekleidung wurden vom SGB
II-Träger nicht oder nur darlehensweise übernommen (siehe Nummer
35.02.01.06). Auch bei offensichtlich unrichtigen Bescheiden des SGB II-Trägers
ist grundsätzlich zunächst ein erhöhter Aufstockungsbetrag zu
zahlen, weil ein Widerspruch gegen den SGB II-Bescheid keine aufschiebende
Wirkung hat. In diesen Fällen ist ggf. der Rechtsweg auszuschöpfen.
Bei rechtswidrigen Bescheiden, die Bestandskraft erlangt haben, ist die
Möglichkeit eines Antrags nach § 44 SGB X zu prüfen. Die
entscheidungserheblichen Unterlagen zur eventuellen Geltendmachung und
Verfolgung von Erstattungsansprüchen gemäß §§ 102 ff.
SGB X gegenüber dem SGB II-Träger sind gemäß § 2 Abs.
2 Nr. 5 Buchst. a DVO Nds. AG SGB XII vom 13.6.2006 (Nds.GVBl. S.299),
geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 21.6.2007 (Nds.GVBl. S.241),
dem LS unverzüglich vorzulegen. Sofern eine leistungsberechtigte Person den Hilfeprozess nach den
§§ 67 ff. SGB XII vorzeitig abgebrochen hat und der SGB
II-Träger wegen mangelnder Antragsunterlagen eine Leistungserbringung
ablehnt, werden die Kosten für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen
zulasten des Landes Niedersachsen übernommen. Das gilt jedoch nur, soweit
die Hilfevoraussetzungen gemäß den §§ 67 ff. SGB XII
für die Aufnahme in die Einrichtung vorlagen. 21.00.00.03 Verfahrensregelungen Bei Aufnahme in eine stationäre Einrichtung ist grundsätzlich
unverzüglich ein Antrag bei dem zuständigen SGB II-Träger zu
stellen, da die Leistungen nach dem SGB II antragsabhängig sind. Dieser kann zur Fristwahrung zunächst auch formlos (schriftlich,
per Fax oder auch persönlich) gestellt werden. Es sollte eine
Bestätigung über den Eingang des formlosen Antrags erbeten werden, um
einen später möglicherweise erforderlichen Nachweis über die
rechtzeitige Antragstellung führen zu können. Die Träger der
Einrichtungen sind darauf hinzuweisen, dass die für die Bescheidung des
Antrags erforderlichen Angaben und Unterlagen zwingend in den hierfür
gesetzten Fristen beigebracht werden müssen. Von der Antragstellung sind von vornherein
lediglich die stationär betreuten leistungsberechtigten Personen
ausgenommen, die aufgrund a)
des Alters oder einer dauerhaften Erwerbsminderung einen Anspruch
auf Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
gemäß den §§ 41 ff. i.V.m. § 97 Abs. 4 SGB XII haben
in einer stationären Einrichtung untergebracht sind, die
unter den Einrichtungsbegriff des SGB II zu subsumieren ist und wenn die
leistungsberechtigte Person nicht tatsächlich i.S. des § 7 Abs. 4
Satz 3 Nr. 2 SGB II mindestens 15 Stunden wöchentlich auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt erwerbstätig ist. Anträge auf Leistungen nach dem SGB II sind auch von stationär
betreuten leistungsberechtigten Personen zu stellen, bei denen die
Erwerbsfähigkeit in Zweifel zu ziehen ist. Gemäß § 44a SGB
II stellt die Agentur für Arbeit fest, ob diese erwerbsfähig und
hilfebedürftig sind. Bei Widerspruch gegen die Feststellung der Agentur
für Arbeit hat der Träger der Grundsicherung für Arbeitssuchende
nach § 44a SGB II vorzuleisten. Sofern die leistungsberechtigte Person einer Aufforderung zur
Antragstellung nicht nachkommen sollte, ist von der herangezogenen kommunalen
Körperschaft die Feststellung der Sozialleistung zu betreiben, soweit die
Voraussetzungen des § 95 SGB XII erfüllt sind. Zum Dritten Kapitel SGB XII Zu § 28 28.01 Zu
§ 28 Abs. 1 28.01.00.00
Gewährung von Leistungen nach dem Dritten oder Vierten
28.01.00.01 Definition Eine Beurlaubung setzt wie die vorübergehende Abwesenheit voraus,
dass am neuen Aufenthaltsort kein gewöhnlicher Aufenthalt begründet
wird. Eine Beurlaubung liegt vor, wenn die Einrichtung in Absprache mit dieser
mit der Absicht verlassen wird, dorthin zurückzukehren. Sie liegt nicht
vor, wenn bereits bei Verlassen der Einrichtung die Absicht besteht,
unmittelbar im Anschluss an die Abwesenheit zu einem bereits feststehenden
Zeitpunkt einen Übertritt i.S. des § 98 Abs. 2 Satz 2 SGB XII in eine
ebenfalls bereits konkret bestimmte Einrichtung (Beschl. des OVG Frankfurt vom
7.12.1999, FEVS 51 S.406) zu vollziehen. Welcher Zeitraum als
vorübergehend anzusehen ist, richtet sich nach den konkreten
Umständen des Einzelfalles. Soweit keine besonderen Umstände
hinzukommen, wird ein Zeitraum, der jeweils bezogen auf die einzelne
Abwesenheit mehr als die üblichen Schulferien oder die Gesamtdauer des
Jahresurlaubs (einschließlich des Zusatzurlaubs von schwerbehinderten
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern) beträgt, nicht mehr als kurzzeitig
anzusehen sein. Diese Einschränkung gilt nicht für die Dauer einer
ärztlich festgestellten Erkrankung. Nicht mehr vorübergehend ist eine
Abwesenheit unabhängig von deren Dauer, sobald die Absicht, in die
Einrichtung zurückzukehren, aufgegeben wird. Ebenfalls ist eine
Abwesenheit nicht nur vorübergehend, wenn die leistungsberechtigte Person
sich unmittelbar, nachdem sie nach einem Entweichen aus der
Einrichtung aufgegriffen worden war, noch nicht in die Einrichtung
zurückgekehrt ist, sondern sich zunächst noch besuchsweise z.B. bei
ihren Eltern aufhält. 28.01.00.02 Zuständigkeiten Sachlich zuständig ist der überörtliche Träger der
Sozialhilfe für den während einer vorübergehenden Abwesenheit
aus der stationären Einrichtung zu gewährenden Lebensunterhalt
gemäß § 6 Abs. 3 Satz 1 Nds. AG SGB XII vom 16.12.2004
(Nds.GVBl. S.644), zuletzt geändert durch Gesetz vom 26.3.2009 (Nds.GVBl.
S.1165) nur, wenn er im Rahmen seiner Zuständigkeit nach § 6 Abs. 2
Nrn. 1 und 4 Nds. AG SGB XII auch Leistungen für die fachliche Hilfe in
der Einrichtung erbringt (vgl. Beschl. des BVerwG vom 13.3.2001 - 5 B 83/00 -,
FEVS 52 S.448, zur mit § 6 Abs. 3 Satz 1 Nds. AG SGB XII vergleichbaren
Rechtskonstruktion nach § 100 BSHG bei sog. Therapienebenkosten). Örtlich zuständig für die Gewährung der Hilfe zum
Lebensunterhalt bleibt die herangezogene kommunale Körperschaft, die auch
nach § 3 Abs. 1 DVO Nds. AG SGB XII für die stationäre Leistung
zuständig ist. 28.01.00.03 Umfang der Leistungen Unter Beachtung von § 2 SGB XII sind Leistungen nach dem Dritten
oder Vierten Kapitel SGB XII außerhalb der Einrichtung zu gewähren,
wenn die leistungsberechtigte Person den notwendigen Lebensbedarf während
der Abwesenheit aus der stationären Einrichtung nicht selbst decken kann,
der Lebensunterhalt nicht durch Dritte sichergestellt und der Hilfebedarf
gemäß § 18 SGB XII bekannt wird. Auch wenn ein besuchsweiser
Aufenthalt bei einer anderen Person keine Haushaltsgemeinschaft
gemäß § 36 SGB XII begründet, entspricht es allgemeiner
Lebenserfahrung, dass für den Lebensunterhalt von Gästen
grundsätzlich der Gastgeber unabhängig von einer rechtlichen oder
sittlichen Verpflichtung auf kommt. Sofern gemäß § 16 Abs. 3
Buchst. a der Vereinbarung zur Fortgeltung des sog.
Niedersächsischen Landesrahmenvertrages nach § 93d Abs. 2
BSHG (Fortführungsvereinbarung Landesrahmenvertrag I, im Folgenden:
FFV LRV I) die um 2,56 EUR verminderte Grundpauschale gezahlt wird, ist davon
auszugehen, dass der laufende Unterkunftsbedarf gemäß § 29 SGB
XII sichergestellt ist. Dies gilt unabhängig davon, ob sich die
nachfragende Person in einem anderen Haushalt aufhält oder an einer selbst
finanzierten Ferienmaßnahme teilnimmt. Sofern demgegenüber aus
besonderem Anlass ein Unterkunftsbedarf außerhalb der Einrichtung geltend
gemacht wird, ist dieser zu begründen. Das Maß der Leistungserbringung richtet
sich nach den §§ 28 ff. SGB XII, d.h., die Höhe des
sozialhilferechtlichen Bedarfs und der zu gewährenden Hilfe zum
Lebensunterhalt richten sich nach dem maßgeblichen Regelsatz
zuzüglich eines eventuell im Einzelfall zu begründenden Mehrbedarfs
gemäß § 30 SGB XII. Da ein Bedarf an einmaligen Leistungen, der
seit dem 1.1.2005 mit dem Regelsatz abgegolten ist, nicht entsteht oder der
Kleidungsbedarf im Rahmen der stationären Betreuung weiterhin
sichergestellt wird, ist der Regelsatz bei der Bedarfsermittlung wegen
anderweitiger Bedarfsdeckung gemäß § 28 Abs. 1 SGB XII auf den
Teil des Regelsatzes eines Haushaltsangehörigen zu kürzen, der nicht
zur Deckung einmaliger Bedarfe bestimmt ist. Dies sind ab 1.7.2009 -
230 EUR für sonstige Haushaltsangehörige ab Beginn des
15. Lebensjahres (80 v.H. des Regelsatzes von 287 EUR), -
201 EUR für sonstige Haushaltsangehörige ab Beginn des
7. bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres (80 v.H. des Regelsatzes von 251
EUR), -
172 EUR für Personen bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres
(80 v.H. des Regelsatzes von 215 EUR). Dieser Betrag ist bei Änderungen der Regelsätze jeweils
anzupassen. Der Barbetrag wird grundsätzlich weiter geleistet, aber auf die
für die Dauer der Abwesenheit zu erbringenden Leistungen zum
Lebensunterhalt zeitanteilig angerechnet. Bei Bedürftigkeit unter einem
Monat ist der Regelsatz anteilig für die maßgeblichen Tage zu
ermitteln. Anreise- und Abreisetag sind als ein Tag zu berücksichtigen.
Von einem geltend gemachten Bedarf an Hilfe
zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen sind abzusetzen: -
entsprechend der Regelung in § 16 Abs. 3 Buchst. a FFV LRV I
bei vorübergehender Abwesenheit der nachfragenden Person bis zu drei Tagen
von der stationären Einrichtung zur Verfügung gestellte Verpflegung
in Höhe von 2,56 EUR täglich, -
der tageweise ermittelte Barbetrag zur persönlichen
Verfügung, der während der Abwesenheit weiter zu leisten ist,
einschließlich der eventuell zustehenden Besitzstandsleistung
gemäß § 133a SGB XII, -
anteilig zu erstattende Eigenleistungen gemäß den
§§ 92a Abs. 1 und 2 sowie § 88 Abs. 1 Satz 2 SGB XII, die zur
Bedarfsdeckung wieder zur Verfügung stehen (siehe Nummern 92a.01.01.02,
92a.02.01.00 und 88.01.00.01), -
bei volljährigen leistungsberechtigten Personen das anteilige
an die kindergeldberechtigten Eltern nach Abzug des gezahlten
Unterhaltsbetrages nach § 94 Abs. 2 SGB XII und eines evtl. abgezweigten
Betrages nach § 74 EStG ausgezahlte Kindergeld. Auf den geltend gemachten Bedarf an Hilfe zum Lebensunterhalt
außerhalb von Einrichtungen ist ferner Vermögen oberhalb des
kleineren Barbetrages gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a der
Verordnung zur Durchführung des § 90 Abs. 2 Nr. 9 des Zwölften
Buches Sozialgesetzbuch (im Folgenden: DVO zu § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII)
vom 11.2.1988 (BGBl. I S.150), zuletzt geändert durch Artikel 15 des
Gesetzes vom 27.12.2003 (BGBl. I S.3022) anzurechnen. Einkommensfreibeträge, die sich aus der Anwendung des § 82
Abs. 2 und 3 SGB XII ergeben, sind unberücksichtigt zu lassen. Auf den
Grund der Abwesenheit aus der stationären Einrichtung (z.B. Erkrankung
oder Urlaub) kommt es bezüglich eines Anspruchs auf Hilfe zum
Lebensunterhalt nicht an. Zu § 30 30.00 30.00.00.00 Mehrbedarf Bei Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII und bei Leistungen nach
§ 35 Abs. 1 SGB XII ist im Rahmen der stationären Betreuung konkret
zu prüfen, ob die Voraussetzungen für einen Mehrbedarf erfüllt
werden (z.B. Schwerbehindertenausweis oder Bescheid mit Merkzeichen G"
oder aG"). Die Anerkennung des Mehrbedarfs führt bei leistungsberechtigten
Personen in stationären Einrichtungen nur zu einer Verschiebung zwischen
den einzelnen Bestandteilen der Gesamtleistung, erhöht diese aber
insgesamt nicht. Sofern in der Vergangenheit Leistungsbescheide ohne
Berücksichtigung eines Mehrbedarfs erteilt worden sind, wird eine
Aufhebung der Bescheide mit Blick auf den erheblichen Verwaltungsaufwand nicht
für erforderlich gehalten. Dieses gilt nicht für die Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB
XII. Sofern Leistungen für Mehrbedarfe nach § 21 SGB II gewährt
werden, sind diese bei der Ermittlung des notwendigen Lebensunterhalts in
Einrichtungen nur als Bedarf zu berücksichtigen, sofern diese Mehrbedarfe
nicht von dem mit der Einrichtung abgestimmten Leistungsangebot umfasst sind.
Zu § 35 35.00 35.00.00.00 Allgemeines Das SGB XII sieht eine Trennung von Leistungen für den
Lebensunterhalt sowie Grundsicherung und den Kosten der fachlichen Leistungen
nach dem Fünften bis Neunten Kapitel vor. Gegenüber dem bisherigen
§ 27 Abs. 3 BSHG erfolgte also ein Systemwechsel. Das bedeutet, dass
für die Leistungen nach dem Dritten und Vierten Kapitel SGB XII in der
Regel das Nettoprinzip (keine erweiterte Hilfe) gilt. Wenn die in § 92
Abs. 1 Satz 1 SGB XII genannten Leistungen der Eingliederungshilfe nach dem
Sechsten Kapitel SGB XII erbracht werden, sind abweichend davon auch die zum
Lebensunterhalt gewährten Leistungen nach dem Dritten und Vierten Kapitel
SGB XII als erweiterte Hilfe zu gewähren (vgl. Nummer 92.01.00.02). 35.01 Zu § 35 Abs. 1 35.01.00.00 Notwendiger Lebensunterhalt in Einrichtungen Der notwendige Lebensunterhalt in stationären Einrichtungen richtet
sich gemäß § 35 Abs. 1 Satz 2 SGB XII nach dem Umfang der
Leistungen der Grundsicherung nach § 42 Satz 1 Nrn. 1 bis 3 SGB XII. Es
handelt sich dabei nicht um den tatsächlichen Grundsicherungsanspruch nach
dem Vierten Kapitel SGB XII, sondern um einen bloßen Rechenbetrag. Der in
teilstationären Einrichtungen erbrachte Lebensunterhalt wird mit 20 v.H.
des für die leistungsberechtigte Person maßgeblichen Regelsatzes
eines Haushaltsangehörigen nach SGB XII bewertet (siehe auch Nummer
92.02.05.00). 35.01.00.01 Gruppen- und Einzelintegration im Kindergarten Bei der Betreuung behinderter Kinder in integrativen Gruppen von
Kindergärten i.S. des § 1 Abs. 2 Buchst. b KiTaG vom 7.2.2002
(Nds.GVBl. S.57), zuletzt geändert durch Gesetz vom 18.6.2009 (Nds.GVBl.
S.277), und bei der Einzelintegration beschränken sich die pauschalierten
Leistungen der Sozialhilfe auf Leistungen der Eingliederungshilfe nach dem
Sechsten Kapitel SGB XII. Die Pauschalen für die Betreuung dieser Kinder
umfassen daher keine Kosten für den Lebensunterhalt (siehe auch Nummer
92.02.01.03). 35.02 Zu § 35 Abs. 2 35.02.01.00 Kleidung und Barbetrag 35.02.01.01 Kleidung - Allgemeines a) Kleidung wird als Geldleistung gewährt. Sie wird nur in dem
Umfang gewährt, dass sie den notwendigen Bedarf sicherstellt.
Günstige Angebote sind zu nutzen. Besondere Umstände, die z.B. in der
Person der oder des Leistungsberechtigten (u.a. Übergrößen,
behinderungsbedingter Bedarf) oder den örtlichen Gegebenheiten
begründet sind, sind zu berücksichtigen. b) Wäsche von geringem Anschaffungswert ist aufgrund der
geänderten Regelsatzsystematik im Rahmen des Bedarfs für Kleidung
gemäß § 35 Abs. 2 SGB XII zu übernehmen. c) Besondere Wünsche der leistungsberechtigten Personen, die
über die Deckung des notwendigen Bedarfs hinausgehen, können nur
durch den ergänzenden Einsatz des Barbetrages gedeckt werden. 35.02.01.02 Kleidung - Verfahren Dieses Verfahren gilt für leistungsberechtigte Personen in
stationären Einrichtungen in Niedersachsen mit Ausnahme der Einrichtungen
der Altenhilfe und der Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII (siehe Nummer
35.02.01.06). Die Einrichtung ermittelt den Bedarf an
Kleidung. Sie kann nach eigener Disposition, ohne vorher einen Antrag bei der
herangezogenen kommunalen Körperschaft zu stellen, den Bedarf bis zu einem
Höchstbetrag (Dispositionsbetrag) decken. Der Dispositionsbetrag ist keine
Pauschale, sondern darf nur in dem Umfang ausgeschöpft werden, wie er zur
Beschaffung des notwendigen Bedarfs benötigt wird. Innerhalb eines
Kalenderjahres beträgt der Dispositionsbetrag 282 EUR. Im Hinblick auf
einen evtl. arbeitsbedingten Kleidungsmehrbedarf erhöht er sich auf 384
EUR pro Kalenderjahr für leistungsberechtigte Personen, die -
einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
nachgehen, -
an einem Integrationsprojekt teilnehmen (§§ 132 ff. SGB
IX), -
in einer Werkstatt für behinderte Menschen - im Folgenden:
WfbM - (§§ 40, 41 ff., 132 ff. SGB IX) oder -
einer sonstigen Beschäftigungsstätte (§ 56 SGB XII)
tätig sind. Der Dispositionsbetrag ist im Aufnahmejahr ab dem Monat der Aufnahme in
die Einrichtung anteilig für das Kalenderjahr zu bemessen (ein
Zwölftel von 282 EUR oder 384 EUR pro Monat). Bei leistungsberechtigten
Personen, denen Leistungen nach dem Nettoprinzip gewährt werden und die
über Eigenmittel verfügen, findet das Verfahren bezüglich des
Dispositionsbetrages keine Anwendung. Übersteigt der notwendige Bedarf an
Kleidung innerhalb eines Kalenderjahres den Dispositionsbetrag, so ist ein
Antrag bei der im Einzelfall zuständigen herangezogenen kommunalen
Körperschaft zu stellen. Der Antrag ist zu begründen; es sind eine
Liste der vorhandenen Kleidung und ein Nachweis, für welche
Kleidungsstücke der Dispositionsbetrag bereits verbraucht wurde,
beizufügen. 35.02.01.03 Kleidung - Territorialitätsprinzip Wenn leistungsberechtigte Personen außerhalb des Landes
Niedersachsen untergebracht sind, gelten die Regelungen des für den
Standort der Einrichtung zuständigen Trägers der Sozialhilfe. 35.02.01.04 Kleidung - Abrechnung Die Einrichtungen rechnen die verauslagten Kleidungskosten als
Nebenkosten zusammen mit der übrigen Vergütung mit der
zuständigen herangezogenen kommunalen Körperschaft ab. Eine
Belegprüfung durch die herangezogene kommunale Körperschaft
entfällt, wenn durch eine Wirtschaftsprüferin bzw. einen
Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Jahresabschlussprüfung mit
geprüft und testiert wird, dass die betragsmäßigen Vorgaben
(Dispositionsbetrag) in jedem Einzelfall beachtet wurden und die mit der
herangezogenen kommunalen Körperschaft abgerechneten Kleidungskosten mit
den Belegen übereinstimmen. Die herangezogenen kommunalen
Körperschaften sind berechtigt, durch Stichproben zu prüfen, ob die
getroffenen Regelungen eingehalten wurden. Bei den von Einrichtungen in
Trägerschaft des Landes abgerechneten Kosten für Kleidung
entfällt die Vorlage von Nachweisen. 35.02.01.05 Kleidung - Ermittlung der Leistungen nach dem Dritten
Kapitel SGB XII Zur Ermittlung der Leistungen nach dem Dritten Kapitel SGB XII wird der
nach Nummer 35.02.01.02 maßgebliche Dispositionsbetrag mit einem
Zwölftel auf den Monat umgerechnet. 35.02.01.06 Kleidung - Regelung für leistungsberechtigte Personen
nach den §§ 67 ff. SGB XII Als Bedarf an Kleidung nach § 35 Abs. 2 SGB XII ist monatlich ein
Betrag von 35,00 EUR (hochgerechnet 34,84 EUR) zu berücksichtigen. Der Bedarf an Kleidung wird bei Aufnahme einer leistungsberechtigten
Person nach dem SGB XII in die Einrichtung auf Antrag von der herangezogenen
kommunalen Körperschaft gewährt. Für leistungsberechtigte Personen nach dem SGB II gelten folgende
Regelungen: Die Einrichtung ermittelt im Aufnahmemonat den Bedarf an Kleidung.
Gegebenenfalls ist beim SGB II-Träger ein Antrag auf Erstausstattung
für Kleidung gemäß § 23 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB II zu
stellen. Sofern mögliche Ansprüche gegenüber dem SGB
II-Träger von der leistungsberechtigten Person an die Einrichtung
abgetreten worden sind, kann die Einrichtung nach eigener Disposition den
Bedarf bis zu einem Höchstbetrag von 150,00 EUR decken. Dieser Betrag
stellt keine Pauschale dar, sondern darf nur in dem Umfang ausgeschöpft
werden, wie er zur Beschaffung des notwendigen Bedarfs benötigt wird.
Sofern die Kosten vom SGB II-Träger nicht oder nur darlehensweise
übernommen werden, sind diese im Rahmen eines erhöhten
Aufstockungsbetrages zu übernehmen (siehe Nummer 21.00.00.02). Sofern eine leistungsberechtigte Person den Hilfeprozess nach den
ablehnt, werden die Kosten für Kleidung bis zu einem Höchstbetrag von
150,00 EUR zulasten des Landes Niedersachsen als überörtlichem
Träger der Sozialhilfe übernommen. Das gilt jedoch nur, soweit die
Hilfevoraussetzungen gemäß den §§ 67 ff. SGB XII für
die Aufnahme in die Einrichtung vorlagen. Die Einrichtung rechnet die verauslagten Kosten für Kleidung mit
der herangezogenen kommunalen Körperschaft ab. Eine Belegprüfung
durch die herangezogene kommunale Körperschaft entfällt, wenn durch
eine Wirtschaftsprüferin oder einen Wirtschaftsprüfer im Rahmen der
Jahresabschlussprüfung mit geprüft und testiert wird, dass der
Höchstbetrag von 150,00 EUR in jedem Einzelfall beachtet wurde und die mit
der herangezogenen kommunalen Körperschaft abgerechneten Kleidungskosten
mit den Belegen übereinstimmen. Die herangezogenen kommunalen
getroffenen Regelungen eingehalten wurden. 35.02.01.07 Barbetrag - Anspruchsberechtigte Anspruch auf einen Barbetrag zur persönlichen Verfügung haben
nach dem SGB XII leistungsberechtigte Personen, die in einer stationären
Einrichtung leben. Der Barbetrag ist an die leistungsberechtigte Person auszuzahlen, es sei
denn, sie hat sich mit der Auszahlung an Dritte ausdrücklich einverstanden
erklärt. 35.02.01.08 Barbetrag - Zweck Der Barbetrag zur persönlichen
Verfügung zählt zum notwendigen Lebensunterhalt in Einrichtungen. Er
dient insbesondere der Deckung folgender Bedarfe: -
einschließlich Fahrgeld für den öffentlichen
Personennahverkehr, -
Körperpflege, soweit dies über den von der Einrichtung
zu erbringenden hygienischen Sachaufwand hinausgeht, -
Reinigung der Kleidung und Schuhe, Instandhaltung der Schuhe,
Kleidung und Wäsche in kleinerem Umfang, -
Zuzahlungen nach § 61 SGB V und -
Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben. 35.02.01.09 Barbetrag - Ermessen Es ist davon auszugehen, dass mit dem Barbetrag in Höhe von 27 v.H.
des Eckregelsatzes der Bedarf regelmäßig gedeckt werden kann. Die
abweichende Festsetzung des Barbetrages ist eine Ermessensentscheidung (Beschl.
des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 17.10.2003 - 10 TP 2353/03 -, FEVS
55 S.270, und Urteil des BVerwG vom 8.7.2004 - 5 C 42/03 -, Neue Juristische
Wochenschrift - im Folgenden: NJW - 2005 S.167) und kommt nur in atypischen
Fällen in Betracht, in denen dauerhaft ein höherer Bedarf
anzuerkennen ist. Die Ausübung des Ermessens ist deutlich zu machen und zu
begründen. Hierbei ist das Bedarfsdeckungsprinzip zu berücksichtigen.
35.02.01.10 Barbetrag - Aufnahme- und Entlassungsmonat, Abwesenheiten
Im Aufnahme- und im Entlassungsmonat ist der Barbetrag tagesgenau zu
gewähren. Bei Abwesenheit infolge Krankheit, kurzzeitiger Abwesenheit oder bei
Beurlaubung (Nummer 28.01.00.01) wird der Barbetrag grundsätzlich
weitergewährt. Bereits ausgezahlte Barbeträge sind zu belassen. Dies
gilt auch bei unplanmäßiger Beendigung der Hilfe. 35.02.01.11 Barbetrag - Regelung für leistungsberechtigte Personen
nach den §§ 67 ff. SGB XII Der Barbetrag zur persönlichen Verfügung gemäß
§ 35 Abs. 2 SGB XII wird für leistungsberechtigte Personen nach dem
SGB XII durch die Einrichtung ausgezahlt. Die Auszahlung erfolgt im
Aufnahmemonat und den drei folgenden Monaten wöchentlich im Voraus, in
begründeten Fällen in Absprache mit der herangezogenen kommunalen
Körperschaft auch für zwei Wochen im Voraus. Im Anschluss daran ist
der Barbetrag monatlich im Voraus auszuzahlen, soweit es der Hilfeprozess
zulässt. Für leistungsberechtigte Personen nach dem SGB II gelten folgende
Regelungen: Die vorgenannte Verfahrensregelung ist auch für
leistungsberechtigte Personen nach dem SGB II anwendbar, sofern mögliche
Ansprüche gegenüber dem SGB II-Träger von der
leistungsberechtigten Person an die Einrichtung abgetreten worden sind. Sofern eine leistungsberechtigte Person den Hilfeprozess nach den
ablehnt, werden die Kosten für den Barbetrag zulasten des Landes
Niedersachsen übernommen. Das gilt jedoch nur, soweit die
die Aufnahme in die Einrichtung vorlagen. 35.02.01.12 Barbetrag - Blinde Nach § 72 Abs. 4 SGB XII haben Empfängerinnen und
Empfänger von Blindenhilfe oder Landesblindengeld keinen Anspruch auf
einen Barbetrag. 35.02.01.13 Barbetrag - Territorialitätsprinzip Für die Gewährung von Barbeträgen in stationären
Einrichtungen außerhalb Niedersachsens gelten die Grundsätze, die am
Ort der Einrichtung bestehen. 35.02.02.01 Barbeträge für Erwachsene Der angemessene Barbetrag zur persönlichen Verfügung
beträgt für Leistungsberechtigte, die das 18. Lebensjahr vollendet
haben, mindestens 27 v.H. des Eckregelsatzes (bis 31.12.2006: 26 v.H.). Der
danach ermittelte Barbetrag wird nicht gerundet. Zur Übergangsregelung zum
Zusatzbarbetrag wird auf Nummer 133a.00.00.00 verwiesen. 35.02.03.01 Barbeträge für Kinder und Jugendliche a)
Für Kinder und Jugendliche werden die Barbeträge
gemäß § 35 Abs. 2 Satz 3 SGB XII ab 1.7.2009 wie folgt
festgesetzt: Alter Prozentualer Anteil vom (analog der Regelungen in der
Jugendhilfe gerundeten) Barbetrag für Volljährige Monatlicher Barbetrag in EUR bis 3. Lebensjahr
0,00 4. Lebensjahr
6 v.H. 5,80 6. Lebensjahr 7 v. H.
6,80 7. Lebensjahr 10 v. H.
9,70 8. Lebensjahr
11 v. H. 10,70
9. Lebensjahr 13 v. H.
12,60 10. Lebensjahr 15 v. H. 14,60
11. Lebensjahr 18 v. H. 17,50 12. Lebensjahr 22 v. H. 21,30 13. Lebensjahr 26 v. H. 25,20 14. Lebensjahr 31 v. H. 30,10 15. Lebensjahr
35 v. H. 34,00 16. Lebensjahr 44 v. H. 42,70 17. Lebensjahr 52 v. H. 50,40 18. Lebensjahr
63,10. Von den Regelwerten ist abzuweichen, soweit es nach der
Besonderheit des Einzelfalles geboten ist (§ 9 Abs. 1 SGB XII). Eine Anpassung der Barbeträge erfolgt entsprechend der
Veränderung des Eckregelsatzes. Berechnungsgrundlage für die Höhe und Staffelung der
monatlichen Barbeträge für Kinder und Jugendliche ist der Barbetrag
für Erwachsene nach § 35 Abs. 2 Satz 2 SGB XII, von dem die aus der
vorstehenden Tabelle ersichtlichen prozentualen Anteile für die
Altersstufenstaffelung festgesetzt werden. Die mithilfe der festgesetzten
prozentualen Anteile berechneten monatlichen Barbeträge sind auf volle
0,10 EUR auf- bzw. abgerundet. In Anlehnung an die vergleichbaren Regelungen in
der Jugendhilfe wird der als Berechnungsgrundlage dienende Barbetrag für
Erwachsene ausschließlich für diese Berechnungszwecke auf volle EUR
auf- bzw. abgerundet (so auch Nummer 4 des Bezugserlasses). b)
Zweck und Verwendung des Barbetrages für Kinder und
Jugendliche Der Barbetrag soll den Kindern und Jugendlichen grundsätzlich
zur freien Verfügung gegeben werden. Dies schließt eine Beratung bei
der Einteilung und Verwendung des Geldes nicht aus. Der Bedarf für die
nicht durch die Vergütung und die Bekleidungsbeihilfe gedeckten
persönlichen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen orientiert sich
an den üblichen Lebensgewohnheiten in Familien. Die Minderjährigen
und Jugendlichen können den Barbetrag u.a. für zusätzliche
Süßigkeiten und andere Genussmittel, Körper-, Haarpflege- und
Kosmetikartikel, Hobbybedarf, individuelle Bedürfnisse bei freiem Ausgang
und modische Kleinigkeiten verwenden. Ist die oder der Minderjährige oder
Jugendliche zur bestimmungsgemäßen Verwendung nicht in der Lage,
soll in der Regel die Einrichtung den Barbetrag für sie oder ihn
verwenden. Zu § 35 Abs. 3 35.03 35.03.00.00 Kosten von Medikamenten und Hilfsmitteln Bei stationär betreuten leistungsberechtigten Personen kommt die
Übernahme der Kosten von nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten und
Hilfsmitteln i.S. des § 33 Abs. 1 SGB V, die nach dem SGB V nicht zulasten
der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden (z.B. für eine
Brille) seit dem 1.1.2005 als Beihilfe nicht mehr in Betracht. Für
Aufwendungen, die durch einen medizinisch notwendigen Bedarf an Arznei- oder
Hilfsmitteln entstehen, die die gesetzliche Krankenversicherung nach § 34
SGB V nicht übernehmen kann, kommt im Rahmen des Ermessens eine einmalige
oder laufende Erhöhung des Barbetrages in Betracht (Beschl. des
Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen - im Folgenden: LSG NRW - vom
23.1.2006 - L 20 B 69/05 SO ER - und Beschl. des LSG NB vom 12.10.2006 - L 8 SO
4/06 NZB -). Voraussetzung für die Erhöhung des Barbetrages ist, dass
eine Übernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung auch nach
Abschnitt F der Arzneimittelrichtlinie nicht in Betracht kommt
(Verwaltungsgericht - im Folgenden: VG - Hannover vom 15.2.2006 - 9 A 118/05
-). Soweit eine Übernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung nach
der Arzneimittelrichtlinie zulässig ist, sind die leistungsberechtigten
Personen auf ihre Ansprüche gegen die gesetzliche Krankenversicherung ggf.
auch im Rahmen des § 264 SGB V zu verweisen. Zum Vierten Kapitel SGB XII Zu § 41 41.01 Zu
§ 41 Abs. 1 41.01.01.00 Antrag Die Leistungen der Grundsicherung werden ab Beginn des Antragsmonats
gewährt. Der Antrag ist nicht an eine besondere Form gebunden. Die
Anwendung des vom Deutschen Verein für öffentliche und private
Fürsorge entwickelten Antragsformulars (Stand: Dezember 2004) wird
empfohlen. Anträge können die leistungsberechtigten Personen selbst,
deren Betreuerinnen und Betreuer sowie entsprechend bevollmächtigte
Personen stellen. 41.01.01.01 Gewöhnlicher Aufenthalt Die leistungsberechtigten Personen müssen ihren gewöhnlichen
Aufenthalt i.S. des § 30 SGB I an einem Ort oder in dem Gebiet der
Bundesrepublik Deutschland haben. Personen ohne festen Wohnsitz, die sich in
einem bestimmten Bereich aufhalten, können, wenn die sonstigen materiellen
Voraussetzungen erfüllt sind, anspruchsberechtigt sein. 41.01.01.02 Leistungsberechtigte In den Fällen, in denen sich die nachfragende Person im
Eingangsverfahren oder im Berufsbildungsbereich einer anerkannten WfbM befindet
und gleichzeitig stationäre Leistungen der Eingliederungshilfe beantragt
oder erhält, findet ein Ersuchen nach § 45 SGB XII beim
zuständigen Träger der Rentenversicherung nicht statt, da eine volle
Erwerbsminderung i.S. des § 43 Abs. 2 SGB VI vorliegt. Es ist nur in
begründeten Einzelfällen (z.B. befristete Rente oder bei seelisch
behinderten Menschen, deren dauerhafte volle Erwerbsminderung nicht ohne
weiteres durch die Werkstattbeschäftigung anzunehmen ist) zu prüfen,
ob eine dauerhafte volle Erwerbsminderung i.S. des § 41 Abs. 1 SGB XII
vorliegt und die Voraussetzungen für die Bewilligung von Leistungen nach
dem Vierten Kapitel SGB XII vorliegen. Bei der Versagung von Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII sind
für die Dauer des Eingangsverfahrens und Berufsbildungsbereichs Leistungen
der Hilfe zum Lebensunterhalt innerhalb von Einrichtungen nach dem Dritten
Kapitel SGB XII (§ 35 Abs. 1 SGB XII) zu gewähren. Zu § 41 Abs. 4 41.04.00.00 Anspruchsausschluss Bei der Prüfung, ob Antragsberechtigte ihre Bedürftigkeit in
den zehn Jahren vor Antragstellung vorsätzlich oder grob fahrlässig
herbeigeführt haben, ist ergänzend zu prüfen, ob das Verhalten
insgesamt als sozialwidrig i.S. des § 104 SGB XII zu bewerten
ist. Zu § 42 42.00.01 Zu
§ 42 Satz 1 42.00.01.00 Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII bei Beurlaubung
oder sonstiger vorübergehender Abwesenheit von stationär betreuten
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung Zur Gewährung von Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII bei
Beurlaubung oder sonstiger vorübergehender Abwesenheit von stationär
betreuten leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung wird auf die
Nummern 28.01.00.00 ff. hingewiesen. Der Bedarf an Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII
außerhalb von Einrichtungen ist dabei allerdings, anders als bei den
Leistungen nach dem Dritten Kapitel SGB XII, nicht um das an den
kindergeldberechtigten Elternteil ausgezahlte Kindergeld zu kürzen (Urteil
des BSG vom 26.8.2008 - B 8/9b SO 16/07 R -, FEVS 60 S. 349). 42.00.01.01 Regelsatz Für leistungsberechtigte Personen in einer stationären
Einrichtung ist der Regelsatz einer oder eines Haushaltsangehörigen
anzusetzen. 42.00.01.02 Kosten der Unterkunft - Bruttowarmmiete Für leistungsberechtigte Personen, die stationäre Leistungen
erhalten, sind als Aufwendungen für Unterkunft und Heizung nach § 42
Satz 1 Nr. 2 SGB XII die anerkannten laufenden Durchschnittskosten für
Unterkunft und Heizung je Bedarfsgemeinschaft des Bedarfsgemeinschafts-Typs
Single nach der Statistik der BA zur Grundsicherung für
Arbeitsuchende (BA) nach SGB II [http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/
services/statistik/detail/l.html > Grundsicherung für Arbeitsuchende
(SGB II) > Kreisreport SGB II - Daten nach einer Wartezeit von 3 Monaten]
für den Juli des Vorjahres im Bereich des zuständigen herangezogenen
örtlichen Trägers der Sozialhilfe anzusetzen. Soweit die im Internet veröffentlichte Statistik der BA für
den Bereich eines örtlichen Trägers der Sozialhilfe diese Daten nicht
enthält, wie dies im Bereich der zugelassenen kommunalen Träger nach
dem SGB II der Fall ist, müssen diese Daten beim zuständigen
Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende erfragt werden, der sie
gemäß § 51b Abs. 2 Nr. 2 SGB II im Rahmen der amtlichen
Statistik zu erheben hat. 42.00.01.03 Mehrbedarf Zum Mehrbedarf siehe Nummer 30.00.00.00. Zu § 43 43.02 Zu
§ 43 Abs. 2 43.02.00.00 Grundsatz Die Unterhaltsansprüche bleiben gegenüber Kindern und Eltern
in der Regel unberücksichtigt; tatsächlich geleisteter Unterhalt der
Kinder oder Eltern stellt aber dennoch ein anrechenbares Einkommen dar. 43.02.00.01 Kein Übergang von Unterhaltsansprüchen Für die nach dem Vierten Kapitel SGB XII gewährten Leistungen
der Grundsicherung findet gemäß § 94 Abs. 1 Satz 3 SGB XII ein
Übergang von Unterhaltsansprüchen, die gegenüber Eltern und
Kindern der leistungsberechtigten Person bestehen, nicht statt. Wenn die
Vermutung widerlegt ist, dass Eltern oder Kinder über Gesamteinkünfte
verfügen, die unter den in Nummer 43.02.01.01 genannten Beträgen
liegen, ist der Anspruch auf Grundsicherung gemäß § 43 Abs. 2
Satz 6 SGB XII daher zwingend abzulehnen. Die leistungsberechtigte Person ist
in diesen Fällen auf die Durchsetzung des Unterhaltsanspruchs oder die
Inanspruchnahme von Hilfe zum Lebensunterhalt zu verweisen. 43.02.01.01 Einkommensgrenze Sofern Kinder jeweils einzeln oder Eltern gemeinsam über ein
jährliches Gesamteinkommen von über 100 000 EUR verfügen,
führt dies zum Ausschluss des Grundsicherungsanspruchs.
Gesamteinkünfte gemäß § 16 SGB IV i.V.m. § 2 Abs. 2
EStG sind danach alle Einnahmen und der Gewinn abzüglich der
Werbungskosten. 43.02.02.01 Widerlegbare Vermutung Es besteht grundsätzlich die Vermutung, dass das Einkommen der
Kinder oder Eltern der leistungsberechtigten Person unter 100 000 EUR liegt.
Nur dann, wenn bei kritischer Betrachtung konkrete Anhaltspunkte (z.B. anhand
des ausgeübten Berufs der unterhaltspflichtigen Person) für ein
höheres Einkommen vorliegen, sind Auskünfte über die
tatsächlichen Einkommensverhältnisse zu verlangen. Auf die
Möglichkeit, gemäß § 21 Abs. 4 SGB X bei den
Finanzämtern Auskunft einzuholen, wird besonders hingewiesen. Über
den Anspruch auf Grundsicherung ist in diesen Fällen erst nach der
Klärung des Sachverhalts zu entscheiden. Im Hinblick auf das
überwiegende Interesse der Antrag stellenden Person ist hierbei mit
knappen Fristen zu arbeiten. Zur Vermeidung einer existenziellen Notlage ist
der Antrag stellenden Person Auskunft nach § 15 SGB I zu erteilen und ggf.
auf Leistungen nach dem Dritten Kapitel SGB XII zu verweisen. 43.02.02.02 Zweifelsfälle Verbleiben Zweifel daran, ob das Einkommen der Unterhaltspflichtigen die
in § 43 Abs. 2 Satz 1 SGB XII genannten Grenzen überschreitet, ist
Grundsicherung zu bewilligen. Zum Achten Kapitel SGB XII 67.00 Zu § 67 67.00.00.00 Allgemeines 67.00.00.01 Ziel der Hilfe Ziel der Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII ist, die
leistungsberechtigten Personen durch die Behebung oder Milderung ihrer
nachteiligen Lebensumstände und Aktivierung ihrer Selbsthilfekräfte
in die Lage zu versetzen, möglichst eigenverantwortlich und
selbstständig am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen zu können. Die
Hilfe umfasst vor allem sozialpädagogische Maßnahmen. Diese
Maßnahmen werden im Rahmen eines sozialpädagogischen Konzeptes
erbracht. Hilfe erhält nicht, wer mit anderen Leistungen (z.B. SGB II, SGB
V, SGB VIII) in die Lage versetzt werden kann, das Hilfeziel zu erreichen. 67.00.00.02 Zuständigkeiten Der überörtliche Träger der Sozialhilfe ist nach §
97 Abs. 2 Satz 1 SGB XII i.V.m. § 6 Abs. 2 Nr. 4 Buchst. a und b Nds. AG
SGB XII für die (teil-)stationäre Hilfe sowie für die ambulante
Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII und für Leistungen nach dem
Dritten Kapitel SGB XII für Nichtsesshafte sachlich zuständig. 67.00.00.03 Nachrang Bei der Bewilligung von Hilfen nach den §§ 67 ff. SGB XII sind
der allgemeine sowie der interne Nachrang im Verhältnis zu anderen
Sozialleistungen zu beachten. 67.00.00.04 Anspruchsgrundlagen Anspruchsgrundlagen für nachfragende Personen sind die §§
67 ff. SGB XII i.V.m. der Verordnung zur Durchführung der Hilfe zur
Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (im Folgenden: DVO
gemäß § 69 SGB XII) vom 24.1.2001 (BGBl. I S.179),
geändert durch Artikel 14 des Gesetzes vom 27.12.2003 (BGBl. I S.3022).
Die Vorschrift des § 6 Abs. 2 Nr. 4 Nds. AG SGB XII ist lediglich eine
Zuständigkeitsnorm (Urteil des BVerwG vom 17.9.1998 - 5 C 18/97 -, FEVS 49
S.241). 67.00.00.05 DVO gemäß § 69 SGB XII Die Abgrenzung des Personenkreises nach § 67 SGB XII sowie Art und
Umfang der Maßnahmen sind in der DVO gemäß § 69 SGB XII
geregelt. 67.00.00.06 Dauer der Leistungsgewährung Soweit die nachfragende Person bereit ist,
die Hilfe anzunehmen, wird die Hilfe grundsätzlich so lange gewährt,
wie die Voraussetzungen vorliegen. Neben der Zugehörigkeit zu dem
leistungsberechtigten Personenkreis gehört dazu auch die Aussicht, dass
das Ziel der Hilfe erreicht wird und dass der im Einzelfall bestehende
Hilfebedarf nicht durch andere Leistungen nach dem SGB XII oder durch
Leistungen anderer vorrangig verpflichteter Sozialleistungsträger gedeckt
werden kann. Die Hilfe ist nicht auf Dauer angelegt (Beschl. des Hamburgischen
OVG vom 25. 7. 1991 - Bs IV 178/91, Bs IV 179/91 -, FEVS 42 S.89). Die
Anforderungen an die Erfolgsaussichten sind nicht zu hoch zu setzen.
Erfolgsaussichten bestehen bereits dann, wenn nach fachlicher Kenntnis eine
(weitere) Stärkung der Selbsthilfefähigkeiten erwartet werden kann.
Im Rahmen dieses Prozesses zur Festigung des bisher Erreichten oder der
Verhütung der Verschlimmerung wird im Regelfall weiterhin Beratung und
persönliche Unterstützung notwendig sein. Dies gilt allerdings nicht,
eine nachfragende Person dauerhaft in eine
Einrichtungsgemeinschaft eingegliedert ist und an diesem Ort nach eigenem
Willen beheimatet ist, -
eine nachfragende Person mit psychischer Erkrankung
behinderungsbedingt in keiner Weise (mehr) in der Lage ist, einen
entsprechenden Hilfeprozess (erfolgreich) zu durchlaufen, da es nicht Aufgabe
der Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII ist, einen behinderten Menschen
zu einer geordneten Lebensführung innerhalb einer Einrichtung zu
befähigen, -
bei einem älteren Menschen aus objektiven Umständen auch
bezüglich der Stärkung seiner Selbsthilfefähigkeiten das
Erreichen des Zieles der Hilfe nicht mehr erwartet werden kann. Ein derartiger Hilfebedarf wäre unter
Berücksichtigung der Besonderheit des Einzelfalles nach anderen
Vorschriften, wie z.B. §§ 35, 53, 54 oder § 61 SGB XII zu
decken. Im Übrigen ist im Rahmen eines stationären Hilfeprozesses
unter Berücksichtigung des § 9 Abs. 2 SGB XII regelmäßig
zu überprüfen, ob nunmehr eine gemäß § 2 Abs. 5 Satz
1 DVO gemäß § 69 SGB XII vorrangige ambulante Hilfe nach den
§§ 67 ff. SGB XII ausreichend ist. 67.00.00.07 Verfahrensregelungen 67.00.00.07.01 Verfahren bei stationären Leistungen 67.00.00.07.01.1 Regelaufnahme Gemäß § 2 Abs. 5 DVO gemäß § 69 SGB XII
ist im Regelfall der Gesamtplan (Nummer 68.01.02.00) vor Beginn der
stationären Aufnahme zu erstellen. Bei einer Regelaufnahme entscheidet die
herangezogene kommunale Körperschaft vor einer Aufnahme der
leistungsberechtigten Person in die stationäre Einrichtung (z.B. bei
Entlassung aus dem Strafvollzug, nach Krankenhausaufenthalten) über die
Hilfe gemäß §§ 67 ff. SGB XII. In diesen Fällen ist
neben dem Antrag auf Sozialhilfe der Gesamtplan einen Monat vor Aufnahme in die
Einrichtung vorzulegen. Die herangezogene kommunale Körperschaft erteilt
der leistungsberechtigten Person unverzüglich einen Bescheid und teilt der
aufnehmenden Einrichtung das Ergebnis mit. Die Einrichtung informiert die
herangezogene Körperschaft über die erfolgte Aufnahme in Form eines
Aufnahmebogens. 67.00.00.07.01.2 Akutaufnahme Eine Akutaufnahme einer leistungsberechtigten Person in die Einrichtung
erfolgt dann, wenn es nicht möglich ist, vor Aufnahme in die Einrichtung
den Gesamtplan zu erstellen und die Entscheidung der herangezogenen kommunalen
Körperschaft über die Hilfe gemäß §§ 67 ff. SGB
XII herbeizuführen. Bei jungen Volljährigen, aus Strafvollzug
Entlassenen und ausländischen Staatsbürgern gelten Sonderbestimmungen
(siehe 67.00.00.07.01.9). a) Aufnahmephase Die Einrichtung hat die Akutaufnahme
unverzüglich der herangezogenen kommunalen Körperschaft mitzuteilen.
Im Rahmen dieser Mitteilung sind spätestens zwei Wochen nach Aufnahme der
leistungsberechtigten Person -
ein Aufnahmebogen für das Hilfeersuchen nach den §§
67 ff. SGB XII, -
die Angaben über die persönlichen Verhältnisse und
die für den Einsatz des Einkommens und Vermögens der
leistungsberechtigten Person sowie Drittverpflichteter erheblichen
wirtschaftlichen Verhältnisse sowie -
der anspruchsbegründende Bericht zu erstellen. Die leistungsberechtigte Person hat die Aufnahmeunterlagen zu
unterzeichnen. Sie ist über die Bedeutung zu belehren. Auf der Grundlage
der Angaben der Aufnahmeunterlagen entscheidet die herangezogene kommunale
Körperschaft unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb von zwei
Wochen nach Zugang der entscheidungsreifen Aufnahmeunterlagen, über den
Antrag auf Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII und teilt das Ergebnis
gleichzeitig der Einrichtung mit. Die Hilfe wird bei Vorliegen der
Voraussetzungen unter Hinweis auf die der leistungsberechtigten Person
obliegenden und im Gesamtplan dokumentierten Mitwirkungspflichten im
Hilfeprozess (vgl. Nummer 68.01.02.02) gewährt. Für die Festsetzung
der Eigenleistung ist die herangezogene kommunale Körperschaft
zu-ständig. b) Clearingphase Im Rahmen der Clearingphase, die bis zu drei Monate ab Aufnahmetag
dauern kann, ist der Gesamtplan zu erstellen. Die Einrichtung prüft in der
Clearingphase, ob eine Vermittlung in andere Hilfesysteme (insbesondere nach
dem SGB II, SGB III, SGB XI oder andere Hilfen nach dem SGB XII) in Betracht
kommt. Der Entwurf des Gesamtplans ist der herangezogenen kommunalen
Körperschaft spätestens einen Monat vor Ablauf des
Dreimonatszeitraums vorzulegen. 67.00.00.07.01.3 Kostenanerkenntnis Das Kostenanerkenntnis wird bei der Regelaufnahme grundsätzlich bis
zum Ende des fünften auf den Aufnahmetag folgenden Monats erteilt. Bei der
Akutaufnahme ist das Kostenanerkenntnis im Rahmen der Clearingphase
zunächst für die Dauer von drei Monaten zu erteilen. Sofern die
Voraussetzungen für die Hilfe gemäß den §§ 67 ff. SGB
XII nach Beendigung der Clearingphase weiterhin vorliegen, wird die
stationäre Hilfe grundsätzlich bis zum Ende des fünften auf das
Ende der Clearingphase folgenden Monats fortgesetzt. Die Bescheide sind auf
längstens sechs Monate zu befristen. Es ist darauf hinzuweisen, dass
gemäß § 2 Abs. 5 DVO gemäß § 69 SGB XII die
Hilfegewährung nach jeweils sechs Monaten überprüft wird. 67.00.00.07.01.4 Fortschreibung des Gesamtplans Die Hilfe ist gemäß § 2 Abs.
5 DVO gemäß § 69 SGB XII nach jeweils sechs Monaten zu
überprüfen. Spätestens einen Monat vor Ablauf des
Überprüfungszeitraumes ist der herangezogenen kommunalen
Körperschaft ein fortgeschriebener Gesamtplan vorzulegen, damit
rechtzeitig eine Entscheidung getroffen werden kann. Nach spätestens zwei
Jahren der Hilfegewährung ist im Rahmen einer Fallkonferenz zu
überprüfen, ob die Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII noch
die adäquate Hilfe darstellt, d.h. das Hilfeziel in absehbarer Zeit
erreicht werden kann oder eine Vermittlung in andere Hilfesysteme angezeigt
ist. Die Fallkonferenz setzt sich zusammen aus -
der leistungsberechtigten Person, -
Vertreterinnen oder Vertretern der Einrichtung und des nachgehenden
Dienstes der Einrichtung, -
Vertreterinnen oder Vertretern der herangezogenen kommunalen
Körperschaft und -
bei einem möglichen Zuständigkeitswechsel gegebenenfalls
auch Vertreterinnen und Vertretern des örtlichen Trägers der
Sozialhilfe und seiner ambulanten Dienste. Dem LS bleibt eine Teilnahme vorbehalten. Die Federführung obliegt
der herangezogenen kommunalen Körperschaft. Der Termin der Fallkonferenz
ist dem LS unter Angabe der Einzelfälle mindestens vier Wochen vorher
anzuzeigen. Das Ergebnis der Fallkonferenz ist zu protokollieren und dem LS zu
übersenden. Nach drei Jahren der Hilfegewährung ist dem LS ein
Bericht vorzulegen, in dem die Gesichtspunkte detailliert darzulegen sind, die
erwarten lassen, dass das Hilfeziel erreicht werden kann. 67.00.00.07.01.5 Entlassung aus der Einrichtung Bei einem stationären Aufenthalt hat die Einrichtung einen
Abschlussbericht über das im Rahmen des Gesamtplans erreichte Hilfeziel
und die von dort für notwendig erachteten weiteren Maßnahmen zu
fertigen und der herangezogenen kommunalen Körperschaft zuzuleiten. In
Fällen, in denen nach § 3 Abs.1 Satz 2 DVO Nds. AG SGB XII i.V.m.
§ 98 Abs. 1 Satz 1 SGB XII im Rahmen der ambulanten nachgehenden Hilfe
nach den §§ 67 ff. SGB XII eine andere herangezogene kommunale
Körperschaft für die Aufgabenwahrnehmung zuständig wird, hat die
bisher zuständige herangezogene kommunale Körperschaft die
entscheidungserheblichen Unterlagen an diese weiterzuleiten. 67.00.00.07.01.6 Abrechnung Die Einrichtung rechnet die Kosten der stationären Hilfe mit der
zuständigen herangezogenen kommunalen Körperschaft ab, soweit ein
entsprechender Bewilligungsbescheid über die Hilfegewährung
gemäß den §§ 67 ff. SGB XII erteilt wurde. Sofern die
leistungsberechtigte Person den Hilfeprozess abbricht und eine
Bescheiderteilung wegen mangelnder Antragsunterlagen nicht möglich ist,
werden die Kosten für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen zulasten des
Landes Niedersachsen übernommen. Das gilt jedoch nur, soweit die
die Aufnahme in die Einrichtung vorlagen. Die Abrechnung erfolgt in diesen Fällen grundsätzlich per
Einzelabrechnung. Eine kurze Unterbrechung der Hilfegewährung von bis zu
drei Tagen setzt den Vierwochenzeitraum nicht erneut in Gang. Die Einrichtung
hat der herangezogenen kommunalen Körperschaft einen Abbruch der Hilfe
unverzüglich mitzuteilen. Sollte ein Einrichtungswechsel erforderlich
sein, ist auch dies der herangezogenen kommunalen Körperschaft unter
Angabe der Gründe anzuzeigen. Eine nochmalige Abrechnung von bis zu vier
Wochen kommt für die aufnehmende Einrichtung nicht in Betracht. 67.00.00.07.01.7 Unzureichende Kooperation der Einrichtung Bei unzureichenden Auskünften oder unzureichender sonstiger
Mitwirkung der Einrichtung wird die herangezogene kommunale Körperschaft
im Einzelfall aktenkundig prüfen, ob die Kosten für die Unterbringung
in der Einrichtung nach entsprechendem schriftlichen Hinweis ab diesem
Zeitpunkt nicht mehr übernommen werden, weil der Erfolg der Maßnahme
nicht mehr sichergestellt ist. 67.00.00.07.01.8. Befugnisse zur Verwaltungsvereinfachung Sofern aufgrund örtlicher Besonderheiten zwischen einer Einrichtung
und der herangezogenen kommunalen Körperschaft am Einrichtungsort
schriftliche Vereinbarungen zum Verwaltungsverfahren getroffen worden sind,
gelten diese auch, wenn eine andere herangezogene kommunale Körperschaft
für die Aufgabenwahrnehmung zuständig ist. 67.00.00.07.01.9 Sonderbestimmungen zu den allgemeinen stationären
Verfahrensregeln Über die allgemeinen Verfahrensregeln hinaus gelten für
bestimmte Personenkreise folgende Sonderbestimmungen: a) Junge Volljährige Junge Volljährige, für die nach den Abgrenzungskriterien unter
Nummer 67.00.02.02 vorrangig Leistungen der Jugendhilfe in Betracht kommen,
sind an den zuständigen Träger der Jugendhilfe zu verweisen, um einen
(ggf. auch zur Durchführung eines Kostenerstattungsverfahrens notwendigen)
Antrag auf Jugendhilfe zu stellen. Die Einrichtung soll ebenfalls darauf
hinwirken, dass die leistungsberechtigte Person zuerst einen Antrag
gemäß § 41 SGB VIII beim zuständigen Träger der
Jugendhilfe stellt. Im Übrigen gelten die Vorleistungsregelungen des
§ 43 Abs. 1 SGB I. Die entscheidungserheblichen Unterlagen zur eventuellen
Geltendmachung und Verfolgung von Erstattungsansprüchen gemäß
den §§ 102 ff. SGB X gegenüber dem Träger der Jugendhilfe
sind gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 5 Buchst. c DVO Nds. AG SGB XII dem
LS unverzüglich vorzulegen. Die Verfahrensregelungen unter Nummer 1.2
Buchst. a (Akutaufnahme) finden in diesen Fällen keine Anwendung. b) Entlassene aus dem Strafvollzug Sofern nach der Entlassung aus dem Strafvollzug ein Hilfebedarf
gemäß den §§ 67 ff. SGB XII vorliegt, besteht eine
gesetzliche Verpflichtung der Strafvollzugsanstalt, der kommunalen
Körperschaft sowie sonstiger beteiligter Stellen zur Zusammenarbeit
(§ 68 Abs. 3 SGB XII i.V.m. § 154 StVollzG). Bei einer bevorstehenden
Entlassung ist es angezeigt, dass die Strafvollzugsanstalt mit Zustimmung der
leistungsberechtigten Person der herangezogenen kommunalen Körperschaft
spätestens sechs Wochen vor Hilfebeginn einen ausführlichen
Sozialbericht über die Ergebnisse der bisherigen Betreuungstätigkeit
erstattet, damit die notwendigen Verfahrensschritte für den weiteren
Hilfeverlauf rechtzeitig in die Wege geleitet werden können (z.B.
Abgrenzung ambulanter und stationärer Hilfebedarf). Bei Kenntnis eines
stationären Hilfebedarfs hat die herangezogene kommunale Körperschaft
Kontakt mit der Strafvollzugsanstalt aufzunehmen. c) Ausländerinnen und Ausländer Bei Ausländerinnen und Ausländern ist zunächst unter
Beteiligung der zuständigen Ausländerbehörde zu klären,
welchen Aufenthaltsstatus die entsprechende Person hat und inwieweit dieser
durch die Sozialhilfebedürftigkeit anders zu bewerten wäre. Die
Verfahrensregelungen unter Nummer 67.00.00.07.01.2 Buchst. a (Akutaufnahme)
finden in diesen Fällen keine Anwendung. 67.00.00.07.02. Verfahrensregeln für Leistungen der ambulanten
Hilfe für Nichtsesshafte 67.00.00.07.02.1 Aufnahmeverfahren für die ambulante
flächenorientierte Hilfe für Nichtsesshafte Die ambulante Beratungsstelle hat die Aufnahme der leistungsberechtigten
Person in die Hilfe unverzüglich der kommunalen Körperschaft
mitzuteilen. Spätestens zwei Wochen nach Aufnahme sind ein Aufnahmebogen
für das Hilfeersuchen nach den §§ 67 ff. SGB XII, die Angaben
über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie
der anspruchsbegründende Bericht zu erstellen. Die leistungsberechtigte
Person hat die Aufnahmeunterlagen zu unterzeichnen und ist über die
Bedeutung zu belehren. Anhand der Aufnahmeunterlagen prüft die kommunale
Körperschaft, ob die Voraussetzungen für die sachliche
Zuständigkeit des überörtlichen Trägers der Sozialhilfe
gegeben sind. Gehört die leistungsberechtigte Person zu dem Personenkreis
der Nichtsesshaften und sind die Voraussetzungen nach den §§ 67 ff.
SGB XII erfüllt, erteilt die herangezogene kommunale Körperschaft
unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb von zwei Wochen nach Zugang
der entscheidungserheblichen Aufnahmeunterlagen, eine Kostenanerkenntnis. In
Fällen, in denen die kommunale Körperschaft feststellt, dass die
leistungsberechtigte Personen nicht zum Personenkreis der Nichtsesshaften
gehört, prüft der örtliche Träger der Sozialhilfe, ob
Ansprüche nach den §§ 67 ff. SGB XII in seiner sachlichen
Zuständigkeit bestehen und zu erfüllen sind. 67.00.00.07.02.2 Aufnahmeverfahren für die ambulante nachgehende
Hilfe Die Aufnahme einer leistungsberechtigten Person in die ambulante
nachgehende Hilfe ist einen Monat vor Abschluss der stationären Hilfe bei
der herangezogenen Körperschaft zu beantragen. Bei der Fortsetzung der
Hilfe in ambulanter Form sind ein erneuter Aufnahmebogen für das
Hilfeersuchen nach den §§ 67 ff. SGB XII sowie ein erneuter
anspruchsbegründender Bericht entbehrlich. Den Antragsunterlagen ist
lediglich ein fortgeschriebener Gesamtplan für die Hilfe nach den
§§ 67 ff. SGB XII beizufügen, der vom nachgehenden Dienst der
Einrichtung in Zusammenarbeit mit der Einrichtung zu erstellen ist. Anhand der
Antragsunterlagen und der Angaben aus den stationären Aufnahmeunterlagen
prüft die kommunale Körperschaft, ob die Voraussetzungen für die
sachliche Zuständigkeit des überörtlichen Trägers der
Sozialhilfe gegeben sind. Gehört die leistungsberechtigte Person zum
Personenkreis der Nichtsesshaften, entscheidet die kommunale Körperschaft
im Rahmen der Heranziehung über die Erteilung eines Kostenanerkenntnisses
nach den §§ 67 ff. SGB XII. Für die Beurteilung, ob die
leistungsberechtigte Person zum Personenkreis der Nichtsesshaften gehört,
ist der Zeitpunkt der Aufnahme in die stationäre Einrichtung
maßgeblich. Gegebenenfalls ist eine Abstimmung mit der herangezogenen
kommunalen Körperschaft notwendig, die über die stationäre
Hilfegewährung entschieden hat. Ist die sachliche Zuständigkeit des
überörtlichen Trägers der Sozialhilfe nicht gegeben, trifft die
Kommune die Entscheidung über die Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB
XII als örtlicher Träger der Sozialhilfe in eigener sachlicher
Zuständigkeit. 67.00.00.07.02.3 Erteilung des Bescheides a) Allgemeines Die Entscheidung über die ambulante Hilfe nach den §§ 67
ff. SGB XII ist durch einen Verwaltungsakt nach § 31 SGB X gegenüber
der nachfragenden Person zu regeln. Die ambulante Beratungsstelle oder der
nachgehende Dienst der Einrichtung erhalten eine Durchschrift zur Kenntnis. Die
Hilfe wird bei Vorliegen der Voraussetzungen unter Hinweis auf die der
leistungsberechtigten Person obliegenden und im Gesamtplan dokumentierten
Mitwirkungspflichten im Hilfeprozess (vgl. Nummer 68.01.02.02) gewährt.
b) Dauer der Befristung Im Rahmen der ambulanten flächenorientierten Hilfe ist das
Kostenanerkenntnis zu Beginn der Hilfe grundsätzlich zunächst
für die Dauer von zwölf Monaten zu erteilen, bei der nachgehenden
ambulanten Hilfe für die Dauer von sechs Monaten. Danach sind die
Bescheide auf längstens sechs Monate zu befristen. Die
leistungsberechtigte Person ist darauf hinzuweisen, dass die
Hilfegewährung entsprechend überprüft wird. 67.00.00.07.02.4 Gesamtplan Im Rahmen der ambulanten flächenorientierten Hilfe ist der
Gesamtplan innerhalb von drei Monaten ab Aufnahme in die Hilfe nach den
§§ 67 ff. SGB XII zu erstellen. Der Gesamtplan zu Beginn der Hilfe
sollte den Zeitraum des Kostenanerkenntnisses umfassen. Dabei ist auch zu
prüfen, inwieweit eine Vermittlung in andere Hilfesysteme (insbesondere
nach dem SGB II, SGB III, SGB IX, SGB XI oder andere Hilfen nach dem SGB XII)
in Betracht kommt. Der Entwurf des Gesamtplans ist der herangezogenen
kommunalen Körperschaft spätestens einen Monat vor Ablauf des
Dreimonatszeitraums vorzulegen. Spätestens einen Monat vor Ablauf des
Kostenanerkenntnisses ist der herangezogenen kommunalen Körperschaft von
der ambulanten Beratungsstelle oder dem nachgehenden Dienst der Einrichtung ein
fortgeschriebener Gesamtplan vorzulegen, damit gegenüber der
leistungsberechtigten Person rechtzeitig eine Entscheidung getroffen werden
kann. 67.00.00.07.02.5 Ende der Hilfe Nach Ende der Hilfe ist von der ambulanten Beratungsstelle oder dem
nachgehenden Dienst der Einrichtung ein Abschlussbericht zu fertigen und der
herangezogenen kommunalen Körperschaft zuzuleiten. 67.00.00.07.02.6 Gefährdung der Hilfe Bei der Heranziehung zum Einkommens- und Vermögenseinsatz der
leistungsberechtigten Person und der nach bürgerlichem Recht
Unterhaltspflichtigen ist zu beachten, dass § 68 Abs. 2 Satz 2 SGB XII nur
materielle fachliche Leistungen aus § 68 SGB XII erfasst. Die Vorschrift
gilt nicht für Leistungen nach dem dritten oder vierten Kapitel SGB XII.
Die Einrichtung, der nachgehende Dienst der Einrichtung oder die ambulante
Beratungsstelle hat den Tatbestand der konkreten Hilfegefährdung
schriftlich festzuhalten. Auf die Sonderregelungen für diesen
Personenkreis unter den Nummern 82.01.01.01 und 94.00.00.03 wird hingewiesen.
67.00.01.00 Leistungsberechtigte Personen (Personen mit besonderen
sozialen Schwierigkeiten) Für die Zugehörigkeit zu dem Kreis
der Personen, die Anspruch auf Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer
Schwierigkeiten haben, müssen drei Voraussetzungen gleichzeitig
erfüllt sein (§ 67 SGB XII i.V.m. § 1 Abs. 1 DVO
gemäß § 69 SGB XII): -
besondere Lebensverhältnisse müssen vorliegen (Nummer
67.00.01.01), -
diese müssen mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sein
(Nummer 67.00.01.08) und -
die oder der Betroffene darf nicht fähig sein, diese
besondere Lebenslage aus eigenen Kräften zu überwinden (Nummer
67.00.01.09). Dabei ist zu beachten, dass weder das Bestehen besonderer
Lebensverhältnisse noch soziale Schwierigkeiten für sich allein
ausreichen, sondern ihre Verbindung in der Art erforderlich ist, dass eine
isolierte Beseitigung eines der beiden Tatbestandsmerkmale nicht zu einer
nachhaltigen Beseitigung, Verbesserung oder Milderung des anderen Tatbestands
führt. 67.00.01.01 Besondere Lebensverhältnisse (§ 1 Abs. 2 DVO
gemäß § 69 SGB XII) Besondere Lebensverhältnisse i.S. von § 1 Abs. 2 DVO
gemäß § 69 SGB XII sind Mangelsituationen des Lebens, die der
Führung eines menschenwürdigen Lebens i.S. von § 1 SGB XII
entgegenstehen. Dies liegt insbesondere vor bei -
fehlender oder nicht ausreichender Wohnung (Nummer 67.00.01.02),
ungesicherter wirtschaftlicher Lebensgrundlage (Nummer
67.00.01.03), -
gewaltgeprägten Lebensumständen (Nummer 67.00.01.04),
Entlassung aus einer geschlossenen Einrichtung (Nummer
67.00.01.05), -
vergleichbaren nachteiligen Umständen (Nummer 67.00.01.06).
Die Lebensverhältnisse können ihre Ursachen in
äußeren Umständen oder in der Persönlichkeit der oder des
Betroffenen haben. 67.00.01.02 Fehlende oder nicht ausreichende Wohnung (§ 1 Abs. 2
Satz 1 DVO gemäß § 69 SGB XII) Besondere Lebensverhältnisse bestehen bei Personen, die keinen
Wohnraum haben oder in Unterkünften leben, die kein Wohnraum i.S. des SGB
XII sind. Beseitigung von Obdachlosigkeit ist in erster Linie eine
Maßnahme der Gefahrenabwehr nach dem Nds.SOG. Maßnahmen zur
Beschaffung einer Wohnung nach § 68 SGB XII können in Fällen in
Betracht kommen, in denen das zugewiesene Obdach nicht den Anforderungen an
eine angemessene (Dauer-)Wohnung erfüllt (siehe Nummer 68.01.01.05). 67.00.01.03 Ungesicherte wirtschaftliche Lebensgrundlage (§ 1 Abs.
2 Satz 1 DVO gemäß § 69 SGB XII) Darunter ist zu verstehen, dass die nachfragende Person den
Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln finanzieren kann, sondern der Hilfe
durch Andere bedarf (z.B. Tagessätze, Bettelei, Hilfe durch kirchliche
Einrichtungen). Eine gesicherte wirtschaftliche Lebensgrundlage setzt sowohl
eine Mindesthöhe an Einkommen als auch dessen regelmäßige
Verfügbarkeit voraus. Von einer gesicherten Lebensgrundlage ist
auszugehen, wenn das Einkommen der nachfragenden Person regelmäßig
die Höhe des Eckregelsatzes zuzüglich eines Betrages in Höhe von
10 v.H. des Eckregelsatzes sowie eines Unterkunftsbetrages in Höhe von
250,00 EUR übersteigt. 67.00.01.04 Gewaltgeprägte Lebensumstände (§ 1 Abs. 2
Satz 1 DVO gemäß § 69 SGB XII) Gewaltgeprägte Lebensumstände bestehen bei einer
Gewalterfahrung oder -bedrohung, die so intensiv ist, dass sie die
Lebenssituation einer leistungsberechtigten Person insgesamt bestimmt. Typische
Fälle sind gewaltgeprägte Partnerschaftskonflikte oder
gewaltgeprägte Abhängigkeitsverhältnisse (z.B. Prostitution oder
Drückergewerbe). Eine Maßnahme im Rahmen des § 68 SGB XII ist
nur dann erforderlich, wenn materielle Leistungen nicht ausreichen, um eine
Herauslösung aus gewaltgeprägten Lebensumständen zu
ermöglichen. Bei dem Kreis der leistungsberechtigten Personen nach §
67 SGB XII sind oftmals auch Konfliktlösungsstrategien in Form von
Gewaltausübung als Folge gewaltgeprägter Lebensumstände in der
Vergangenheit vorhanden. In diesen Fällen ist zu prüfen, ob sozialpädagogische
Leistungen ausreichen oder ergänzende therapeutische Maßnahmen
erforderlich sind (siehe Nummer 67.00.02.01). 67.00.01.05 Entlassung aus einer geschlossenen Einrichtung (§ 1
Abs. 2 Satz 1 DVO gemäß § 69 SGB XII) Durch die Entlassung aus einer geschlossenen Einrichtung wird ein
Lebensabschnitt in Unfreiheit beendet. Ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit
muss häufig wieder erlernt werden. Entscheidend ist dabei die Dauer der
Absonderung aus der Gemeinschaft. Bei einer nicht nur vorübergehenden
Unterbrechung der Kontakte zur Umwelt (mindestens sechs Monate) ist davon
auszugehen, dass besondere Lebensverhältnisse vorliegen. Bei der Entlassung müssen folgende
Voraussetzungen erfüllt sein: -
Entlassung aus einer richterlich angeordneten Freiheitsentziehung
oder nach freiwilliger Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung, -
Entlassung in ungesicherte Lebensverhältnisse. In den Fällen einer Flucht oder eines eigenmächtigen
Fernbleibens liegt eine Entlassung nicht vor. Zu den richterlich angeordneten
Freiheitsentziehungen gehören z.B. -
Freiheitsstrafe, -
Jugendstrafe, -
Untersuchungshaft, -
einstweilige Unterbringung gemäß § 126a StPO i.d.F.
vom 7.4.1987 (BGBl. I S.1074), zuletzt geändert durch Artikel 3 des
Gesetzes vom 30.7.2009 (BGBl. I S.2437), -
Unterbringung nach dem NPsychKG vom 16.6.1997 (Nds.GVBl. 1997,
S.272), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 25.1.2007
(Nds.GVBl. S.50), -
Quarantäne - § 30 IfSG vom 20.7.2000 (BGBl. I S.2091),
zuletzt geändert durch Artikel 2a des Gesetzes vom 17.7.2009 (BGBl. I
S.2091), -
Maßregeln der Besserung und Sicherung gemäß den
§§ 63, 64, 66 StGB i.d.F. vom 13.11.1998 (BGBl. I S.3322), zuletzt
geändert durch Artikel 3 des Gesetzes vom 2.10.2009 (BGBl. I S.3214).
Bei den freiheitsentziehenden Maßregeln
der Besserung und Sicherung handelt es sich um -
gemäß § 63 StGB; in der Regel wird dieser Personenkreis der
Vorschrift des § 53 SGB XII zuzurechnen sein, -
Unterbringung in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB), -
Sicherungsverwahrung (§ 66 StGB). Die Führungsaufsicht gemäß § 68 StGB gehört zu
den nicht freiheitsentziehenden Maßregeln. Ein Anspruch auf Leistungen
gemäß § 68 SGB XII für unter Führungsaufsicht
gestellte Personen in einer stationären Einrichtung kann nicht
grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die herangezogene kommunale
Körperschaft hat vorab aufgrund der Umstände des Einzelfalles zu
prüfen, ob die (vorrangigen) Leistungen der Führungsaufsicht (siehe
§§ 68a bis 68g StGB) ausreichen oder eine intensivere Hilfeleistung
unter Abgrenzung der Hilfen gemäß den §§ 53, 54 SGB XII
und §§ 67 ff. SGB XII erforderlich ist (Beschl. des
Niedersächsischen OVG vom 4.1.1999 - 12 M 5528/98 - und vom 8.1.1999 - 12
M 193/99). Betroffene, die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung sich selbst oder
andere gefährden könnten, können auch freiwillig in einer
geschlossenen Einrichtung betreut werden. Die Entlassungssituation
unterscheidet sich dabei in der Regel nicht von der Entlassungssituation bei
richterlich angeordneter Unterbringung. Ungesicherte Lebensverhältnisse
können vor allem bestehen bei -
fehlenden sozialen Bezügen (Partner, Verwandte, Freunde),
fehlender oder nicht ausreichender Wohnung, -
Fehlen ausreichender finanzieller Mittel, -
verloren gegangenem Arbeitsplatz. Offene Hilfe im Rahmen des Strafvollzugs ist vorrangig. Allein der
Wohnungsverlust während der Haft rechtfertigt keine Maßnahmen nach
den §§ 67 ff. SGB XII (siehe Nummer 67.00.00.00). 67.00.01.06 Vergleichbare nachteilige Umstände (§ 1 Abs. 2
Satz 1 DVO gemäß § 69 SGB XII) Die in den Nummern 67.00.01.02 bis 67.00.01.05 aufgezeigten
Konstellationen stellen die typischen und besonders gravierenden
Lebensverhältnisse dar. Dies schließt nicht aus, dass vergleichbare
nachteilige Lebensumstände denkbar sind, die beim Vorliegen der sonstigen
Voraussetzungen einen Leistungsanspruch gemäß den §§ 67
ff. SGB XII auslösen. Vergleichbare nachteilige Umstände sind jedoch
nur anzunehmen, wenn durch sie elementare Lebensbedürfnisse vergleichbar
den Nummern 67.00.01.02 bis 67.00.01.05 eingeschränkt werden. 67.00.01.07 Nichtsesshafte Nichtsesshaftigkeit ist ein besonderes Lebensverhältnis i.S. des
§ 67 SGB XII. Der unbestimmte Rechtsbegriff
Nichtsesshafte i.S. von § 6 Abs. 2 Nr. 4 Buchst. b Nds. AG SGB
XII setzt zwei Tatbestandsmerkmale voraus: a)
Umherziehen, b)
keine gesicherte wirtschaftliche Lebensgrundlage. Beide Tatbestandsmerkmale müssen nebeneinander vorliegen. Nichtsesshafte verlieren ihren Status nicht, wenn sie sich zur
Vorbereitung auf eine Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft in einer
Einrichtung der Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII aufhalten oder zu
zweit umherziehen, z.B. als Ehepaar. Unter dem Begriff des Umherziehens ist zu verstehen, dass die oder der
Betroffene den Aufenthaltsort wechselt, ohne eine Wohnung zu haben. Davon
abzugrenzen sind Ortsobdachlose, die lediglich im Zuständigkeitsbereich
eines örtlichen Trägers der Sozialhilfe umherziehen. In diesen
Fällen liegt keine Nichtsesshaftigkeit vor, sodass der örtliche
Träger der Sozialhilfe sachlich zuständig ist. Auf die Dauer des
Umherziehens kommt es grundsätzlich nicht an. Im Allgemeinen
begründet ein kurzfristiges Umherziehen ohne feste Lebensgundlage die
Zugehörigkeit zum Kreis der Nichtsesshaften für sich allein noch
nicht; vielmehr müssen besondere Umstände hinzutreten. Es muss
vorrangig eine psychische und soziale Situation gegeben sein, die für das
Umherziehen verantwortlich ist. Dies sind vor allem Bindungslosigkeit und
daraus resultierende Unstetigkeit der Lebensführung (Urteil des OVG
Rheinland-Pfalz vom 25.10.2000 - 12 A 111 35/00 OVG -, Zeitschrift für
Strafvollzug 2001 S.368). Wenn sich demnach aus den Gesamtumständen
ergibt, dass die leistungsberechtigte Person diese Verhaltensweisen auch
beibehalten will oder beibehalten wird, liegt ein Umherziehen vor (Beschl. des
OVG Lüneburg vom 21.8.1985 - 4 OVG B 51/85). Bei einer zur Nichtsesshaftigkeit neigenden Person können durchaus
Phasen der Sesshaftigkeit vorkommen. Bei Personen, die sich aus dem bisherigen
sozialen Umfeld aufgrund einer psychischen Situation unmittelbar in eine
Einrichtung begeben, die sie nach kurzer Zeit wieder verlassen und danach
kurzfristig mehrere andere Einrichtungen aufsuchen (Einrichtungswanderinnen und
Einrichtungswanderer), zeigt sich in dieser Verhaltensweise eine psychische und
soziale Bindungslosigkeit, sodass ein Umherziehen vorliegt. Anders liegt der
Fall, wenn Personen nach Abbruch der sozialen Bindungen unmittelbar eine
Einrichtung für einen lang andauernden Aufenthalt (z.B. ein Jahr)
aufsuchen und danach jeweils für einen längeren Zeitraum in anderen
Einrichtungen versorgt werden. Es liegt dann keine Bindungslosigkeit an einen
Ort vor, sodass das Tatbestandsmerkmal des Umherziehens ausscheidet. Dies
schließt jedoch nicht aus, dass eine Zugehörigkeit zu dem
Personenkreis des § 67 SGB XII besteht. Nichtsesshaftigkeit kann auch im Zusammenhang mit einer verdeckten
Obdachlosigkeit vorliegen, z.B. bei nichtsesshaften Frauen. Diese
übernachten, soweit es sich vermeiden lässt, nicht im Freien, sondern
wechselhaft bei Fremden, die sie während des Umherziehens kennen lernen.
Entscheidend ist dabei das Vorhandensein einer psychischen und sozialen
Bindungslosigkeit. Insoweit unterscheidet sich dieses Umherziehen im Regelfall
von dem nichtsesshafter Männer. Personen, die ihren Beruf im Umherziehen ausüben (z.B. im
Schaustellergewerbe, in Drückerkolonnen, im Zirkus usw.) gehören
nicht zum Personenkreis der Nichtsesshaften. Dies schließt allerdings
nicht aus, dass Betroffene nach gescheiterten Beschäftigungsversuchen als
Nichtsesshafte umherziehen. Zum Tatbestandsmerkmal ohne gesicherte
wirtschaftliche Lebensgrundlage siehe Nummer 67.00.01.03. 67.00.01.08 Soziale Schwierigkeiten (§ 1 Abs. 3 DVO
gemäß § 69 SGB XII) Soziale Schwierigkeiten sind solche, die der
sozialen Integration entgegenstehen. Sie können ihre Ursachen in der
Person oder im sozialen Umfeld der leistungsberechtigten Person haben und
drücken sich aus als -
Schwierigkeiten bei der Erhaltung oder Beschaffung einer Wohnung,
Schwierigkeiten bei der Erlangung und Sicherung eines
Arbeitsplatzes, -
fehlende oder gestörte familiäre oder andere soziale
Beziehungen, -
Straffälligkeit. Die Schwierigkeiten müssen von gravierender Art sein. Allgemeine
soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie sie bei jeder Person
auftreten können, reichen nicht aus (z.B. bloße Arbeits-, Wohnungs-
und/oder Mittellosigkeit). Beispiele für allgemeine Schwierigkeiten
Eingliederungsschwierigkeiten mit neuen Nachbarn nach Umzug in eine
andere Wohnung, -
langjährige Arbeitslosigkeit und damit im Zusammenhang
stehende Verschuldung (Beschl. des OVG Bremen vom 9.9.1986 - 2 BA 1/86 -, FEVS
36 S.106), -
Massenarbeitslosigkeit nach Schließung einer Firma, -
kurzfristige Krisen nach Ehe- oder Partnerschaftsschwierigkeiten
oder Scheidung, -
psychische Belastung eines jungen Menschen. Die Aufzählung schließt nicht aus, dass bei Hinzukommen
weiterer persönlicher Probleme soziale Schwierigkeiten i.S. von § 67
SGB XII eintreten können, wie z.B. Rückzug von der Umwelt bei
Arbeitslosigkeit, verbunden mit einer Alkoholproblematik. 67.00.01.09 Unfähigkeit zur Überwindung aus eigener Kraft Zu den nach außen hin in Erscheinung
tretenden beiden Tatbestandsmerkmalen besondere
Lebensverhältnisse und soziale Schwierigkeiten kommt ein
in der Person begründetes Element hinzu: die mangelnde Fähigkeit, die
Beschränkungen der Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft aus eigenen
Kräften überwinden zu können. Die Ursachen dafür
können in der Person der oder des Betroffenen (z.B. fehlende
Selbstbehauptungskraft, unzureichende soziale Kompetenz, Verwahrlosung)
und/oder in äußeren Umständen (z.B. Ausgrenzung und Abwertung
durch Dritte wegen der Zuordnung zu einer sozial gering geschätzten
Personengruppe) liegen. Äußere Merkmale für diesen Mangel an
Selbsthilfefähigkeiten können sein -
äußeres Erscheinungsbild der leistungsberechtigten
Person, -
Dauer des besonderen Lebensverhältnisses, -
Scheitern von Selbsthilfeversuchen, -
Wunsch der leistungsberechtigten Person, fachlich professionelle
Hilfe zu erhalten, -
drohende Wahrscheinlichkeit der Wiederkehr des Hilfebedarfs. Dieses Tatbestandsmerkmal ist abzugrenzen von der Beeinträchtigung
oder Unfähigkeit zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft infolge einer
Krankheit oder Behinderung, die Ansprüche nach vorrangigen Leistungsnormen
auslöst (siehe auch Nummer 67.00.02.01). 67.00.02.00 Nachrang Der allgemeine Nachrang nach § 2 SGB XII und der interne Nachrang
des § 67 Satz 2 SGB XII schließen Ansprüche auf Leistungen nach
§ 68 SGB XII nur dann aus, wenn Hilfen nach anderen Gesetzen (z.B. SGB II,
SGB V, SGB VIII) oder andere Hilfen nach dem SGB XII den vorhandenen Bedarf in
vollem Umfang decken. Wird der Bedarf der nachfragenden Person nur teilweise
durch Leistungen nach anderen Vorschriften gedeckt, sind daneben Leistungen
nach § 68 SGB XII zu gewähren. 67.00.02.01 Personen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen
Sind medizinische Leistungen infolge psychischer Erkrankungen
erforderlich, kommen vorrangig Leistungen der Träger der Kranken- oder
Rentenversicherung in Betracht, mit denen grundsätzlich eine
vollständige Bedarfsdeckung sichergestellt ist. Andernfalls ist Hilfe nach
anderen Vorschriften des SGB XII (Hilfe bei Krankheit gemäß §
48 SGB XII oder bei Vorliegen einer seelisch wesentlichen Behinderung i.S. des
§ 3 Eingliederungshilfe-Verordnung i.d.F. vom 1.2.1975, BGBl. I S.433,
zuletzt geändert durch Artikel 13 des Gesetzes vom 27.12.2003, BGBl. I
S.3022, 3059, gemäß den §§ 53, 54 SGB XII i.V.m. den
Vorschriften des SGB IX) zu leisten. Bei der Abgrenzung zur Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII gelten
folgende Regelungen: Sofern die Unfähigkeit zur Mobilisierung und zum Einsatz der
eigenen Kräfte auf krankhafter Veranlagung oder Behinderung beruht oder
das Fehlen eigener Kräfte selbst eine Krankheit oder Behinderung darstellt
(z.B. Psychosen, Suchterkrankungen und Ähnliches), stellt die Hilfe nach
den §§ 67 ff. SGB XII grundsätzlich nicht die adäquate
Hilfeart dar, da die solchermaßen in Erscheinung tretenden Symptome
Auswirkungen und Folgen des normwidrigen Zustandes sind. Soweit im Einzelfall
Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten, insbesondere
Beratung und persönliche Unterstützung gemäß § 3 DVO
gemäß § 69 SGB XII, erforderlich sind, damit die nachfragende
Person überhaupt den Zugang zu den entsprechenden Hilfeangeboten findet
und deren Leistungen in Anspruch nimmt, wird für einen begrenzten Zeitraum
Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII geleistet (sog. Motivationshilfe).
Dieses ist im Gesamtplan entsprechend zu dokumentieren. Als primäres Abgrenzungsmerkmal ist die ärztliche Behandlung
oder ärztlich verordnete Maßnahme ausschlaggebend. 67.00.02.02 Leistungsberechtigte Personen zwischen dem 18. und 27.
Lebensjahr (Junge Volljährige) Die Leistungen der Hilfe nach den §§ 67 ff. SGB XII sind
nachrangig zu den Leistungen der Jugendhilfe (siehe Nummer 67.00.02.00). Bei den um Hilfe ersuchenden jungen Volljährigen vor Vollendung des
21. Lebensjahres handelt es sich im Regelfall um noch unreife, aus dem
Familienverband ausgeschlossene Menschen, die noch keine ihrem Alter
entsprechende Persönlichkeit entwickelt haben und infolge mangelnder
Konfliktlösungsstrategien noch nicht in der Lage sind, eine realistische
Lebensplanung aufzustellen und diese eigenständig umzusetzen. Diesem
Personenkreis ist nach Rechtsprechung des VG Hannover vorrangig Jugendhilfe zu
gewähren (vgl. Urteile des VG Hannover vom 9.12.1997 - 3 A 290/97 -, vom
21.12.1998 - 3 A 4306/97 - und vom 29.8.2000 - 3 A 7922/98 -). Bei den jungen Volljährigen zwischen dem 21. und 27. Lebensjahr
bleibt der Träger der Jugendhilfe zuständig, wenn mit der
Maßnahme der Jugendhilfe vor Vollendung des 21. Lebensjahres begonnen
worden ist (Fortsetzungshilfe gemäß § 41 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz
2 SGB VIII). Andernfalls ist ein bestehender Hilfebedarf im Rahmen der
§§ 67 ff. SGB XII zu decken. Sofern bei einer oder einem jungen
Volljährigen so schwerwiegende Verhaltensstörungen bestehen, dass mit
Mitteln der Jugendhilfe nicht geholfen werden kann, scheidet eine Hilfe nach
den §§ 67 ff. SGB XII ebenfalls aus, da im Rahmen des § 68 SGB
XII keine therapeutischen Leistungen erbracht werden und diese damit erst recht
nicht die adäquate Leistung darstellt. Ein derartiger Hilfebedarf ist
hinsichtlich seiner Intensität grundsätzlich den §§ 41, 35
a SGB VIII oder den §§ 53, 54 SGB XII i.V.m. den Vorschriften des SGB
IX zuzuordnen (insbesondere bei Neurosen und Persönlichkeitsstörungen
i.S. von § 3 Eingliederungshilfe-Verordnung, weil darunter jedes von der
Norm abweichende Verhalten und Erleben fällt, sofern es eine gewisse Dauer
und Intensität aufweist, sodass die Fähigkeit zur Eingliederung in
die Gesellschaft in erheblichem Umfang beeinträchtigt ist - Urteil des OVG
Lüneburg vom 24.11.1976 - IV A 51/76 -, FEVS 25 S.340). 67.00.02.03 Leistungsberechtigte Personen in Mutter-Kind-Einrichtungen
Für leistungsberechtigte Personen in Mutter-Kind-Einrichtungen
gilt, dass ein Hilfebedarf, der im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft oder
mit Kindererziehung entsteht, grundsätzlich über vorrangige
Leistungen wie insbesondere Jugendhilfe nach dem SGB VIII (Hilfe zur Erziehung)
oder auch § 50 SGB XII (Hilfe bei Schwangerschaft und Mutterschaft) zu
decken ist. Zu § 68 68.01 Zu
§ 68 Abs. 1 68.01.01.00 Umfang der Leistungen In erster Linie kommen Beratung und
persönliche Unterstützung gemäß § 3 DVO
gemäß § 69 SGB XII der leistungsberechtigten Person und der
Angehörigen infrage, insbesondere -
bei der Erhaltung und Beschaffung einer Wohnung (§ 4 DVO
gemäß § 69 SGB XII), -
zur Ausbildung, Erlangung und Sicherung eines Arbeitsplatzes
(§ 5 DVO gemäß § 69 SGB XII), -
zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen und zur
Gestaltung des Alltags (§ 6 DVO gemäß § 69 SGB XII). 68.01.01.01 Beratung und persönliche Unterstützung (§ 3
DVO gemäß § 69 SGB XII) Das Gesetz räumt der Beratung und persönlichen
Unterstützung Priorität vor allen anderen Maßnahmen ein. Das
wird auch dadurch deutlich, dass gemäß § 68 Abs. 2 SGB XII die
persönliche Hilfe ohne Rücksicht auf Einkommen und Vermögen
geleistet wird. 68.01.01.02 Leistungsumfang des § 3 DVO gemäß § 69
SGB XII Zur Beratung und persönlichen Unterstützung gehört vor
allem, den Hilfebedarf zu ermitteln, die Ursachen der besonderen
Lebensumstände sowie der sozialen Schwierigkeiten festzustellen, sie
bewusst zu machen, über die zur Überwindung der besonderen
Lebensverhältnisse und sozialen Schwierigkeiten in Betracht kommenden
Maßnahmen und geeigneten Hilfeangebote und -organisationen zu
unterrichten, diese - soweit erforderlich - zu vermitteln und ihre
Inanspruchnahme und Wirksamkeit zu fördern. 68.01.01.03 Beratung Beratung ist nicht nur auf Nachfrage der leistungsberechtigten Personen,
sondern als Bestandteil der Hilfe bei Bedarf auch unaufgefordert zu
gewähren. Die Beratung nach § 3 Abs. 1 DVO gemäß § 69
SGB XII ist umfassender als die allgemeine Beratung nach § 11 SGB XII und
§ 14 SGB I. Insbesondere ist auch auf die Pflicht zur Beantragung von
vorrangigen Leistungen (z.B. nach dem SGB II, SGB III, SGB V und SGB VI) sowie
die Folgen eines Unterlassens (z.B. Versagung von Sozialleistungen)
hinzuweisen. 68.01.01.04 Persönliche Unterstützung Die persönliche Unterstützung ist auf der Grundlage von
Freiwilligkeit und vertrauensvoller Zusammenarbeit in erster Linie darauf
gerichtet, mit der leistungsberechtigten Person die Ursachen der vorhandenen
Schwierigkeiten zu erkennen, die Fähigkeiten zur Überwindung dieser
Schwierigkeiten sowie Eigeninitiative zu fördern. Soweit die
leistungsberechtigte Person im Einzelfall nicht oder noch nicht in der Lage
ist, die zur schnellstmöglichen Realisierung einer vorrangigen Leistung
notwendigen Schritte selbst zu bewältigen, sind im Rahmen der
persönlichen Unterstützung auch vom Leistungserbringer
Maßnahmen im notwendigen Umfang zu ergreifen. 68.01.01.05 Maßnahmen zur Erhaltung und Beschaffung einer Wohnung
(§ 4 DVO gemäß § 69 SGB XII) Ziel des § 4 DVO gemäß § 69 SGB XII ist die
Integration der leistungsberechtigten Person in ihr Wohnumfeld durch
sozial-pädagogische Maßnahmen (Beratung und persönliche
Unterstützung). Die Vorschrift des § 68 SGB XII ist keine
Anspruchsgrundlage für materielle Leistungen hinsichtlich der Kosten einer
Wohnungsbeschaffung und -einrichtung. Ein insoweit bestehender Bedarf ist nach
den Vorschriften der Hilfen zur Sicherung des notwendigen Lebensunterhalts zu
decken. 68.01.01.06 Hilfe zur Ausbildung, Erlangung und Sicherung eines
Arbeitsplatzes (§ 5 DVO gemäß § 69 SGB XII) Der Leistungsumfang der Hilfe zur Ausbildung
sowie zur Erlangung und Sicherung eines Arbeitsplatzes gemäß §
5 DVO gemäß § 69 SGB XII umfasst dem Grunde nach Hilfen
persönlicher Art (Beratung und persönliche Unterstützung). Dabei
sind die vorrangigen Leistungen nach dem SGB II und dem SGB III zu beachten,
die im Problembereich Ausbildung-, Berufs- und Arbeitssituation
grundsätzlich eine vollständige Bedarfsdeckung sicherstellen. Eine
Leistung im Rahmen des § 68 SGB XII kann nur in Betracht kommen, sofern
eine Begleitung und Unterstützung zur Inanspruchnahme von vorrangigen
Leistungsangeboten notwendig ist oder ein vorrangiger Leistungsträger die
Leistung Psychosoziale Begleitung bei der Qualifizierung und
Aufnahme einer Tätigkeit (§ 16 Abs. 2 Nr. 3 SGB II)
ermessenfehlerfrei abgelehnt hat. Im Rahmen dieses Beratungs- oder
Unterstützungsprozesses sind die gegenwärtige Lebenssituation und die
Erwerbsbiographie der leistungsberechtigten Person abzuklären, um
festzustellen oder feststellen zu lassen, -
ob Erwerbs- oder Arbeitsfähigkeit i.S. von SGB II, SGB V oder
SGB VI vorliegt oder welche Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation ggf.
in Betracht kommen, -
ob Ansprüche gegenüber der Agentur für Arbeit
bestehen, welche Maßnahmen der beruflichen Förderung durch die
Agentur für Arbeit in Betracht kommen und was ggf. getan werden kann, um
die entsprechenden Leistungen zu realisieren, -
ob und welche Probleme einer Arbeitsvermittlung oder
Arbeitsaufnahme entgegenstehen und mit welchen Maßnahmen diesen ggf.
begegnet werden kann, -
welche Bedeutung der Arbeitslosigkeit für die Entstehung
und/oder die Verfestigung der besonderen sozialen Schwierigkeiten zukommt und
welche Bedeutung einer Ausbildung, einer Arbeit oder einer
Beschäftigung für die Überwindung der besonderen sozialen
Schwierigkeiten zuzumessen ist. Die Schaffung eines bestimmten sozialversicherungspflichtigen
Arbeitsplatzes stellt keine Maßnahme i.S. dieser Vorschrift dar
(Entscheidung des VG Hannover vom 9.12.2003 - 7 A 1900/03 -, Beschluss des Nds.
OVG vom 19.4.2006 - 4 LA 90/04 -). Insoweit können
Arbeitsmöglichkeiten auch nicht unter dem Aspekt eines
arbeitstherapeutischen Mittels geschaffen werden, da Arbeit seinem Wesensgehalt
nach Arbeit bleibt und deshalb nicht als Maßnahme i.S. von § 5 DVO
gemäß § 69 SGB XII zu bewerten ist. Derartige Leistungen sind
nur im Rahmen der Vorschriften des SGB II und SGB III vorgesehen. 68.01.01.07 Hilfe zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung sozialer
Beziehungen und zur Gestaltung des Alltags (§ 6 DVO gemäß
§ 69 SGB XII) Die im Rahmen der Hilfe zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung sozialer
Beziehungen und zur Gestaltung des Alltags gemäß § 6 DVO
gemäß § 69 SGB XII vorgesehenen Maßnahmen dienen als
persönliche Hilfen in erster Linie dazu, die leistungsberechtigte Person
aus der Isolation zu lösen und Kontakte zu ermöglichen. Geld- und
Sachleistungen kommen in der Regel nicht in Betracht. Die zur Ermöglichung
von Maßnahmen i.S. des § 6 DVO gemäß § 69 SGB XII
erforderlichen Aufwendungen werden dem Grunde nach bei den Leistungen nach dem
Dritten Kapitel SGB XII durch den Barbetrag zur persönlichen
Verfügung gemäß § 35 Abs. 2 SGB XII oder den Regelsatz
gemäß § 28 SGB sowie bei Leistungen nach dem SGB II durch die
Regelleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts gemäß § 20
Abs. 1 SGB II gedeckt. 68.01.01.08 Materielle fachliche Leistungen auf Grundlage der
§§ 67 ff. SGB XII Nur in Ausnahmefällen können
ergänzende materielle Leistungen in Betracht kommen: a)
Ein Ausnahmefall ist gegeben, wenn die Maßnahme dazu dient,
auf das Training bestimmter Lebenssituationen hinzuwirken, um eine ungehinderte
Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Als
anerkennungsfähige Hilfeangebote kommen daher Freizeitmaßnahmen in
Betracht, in denen die Betreuung in Gruppen im Vordergrund steht. Als
angemessen für diese Gruppenmaßnahmen werden Tagesfahrten und
mehrtägige Fahrten bis längstens eine Woche anerkannt.
Mehrtägige Freizeitmaßnahmen können zweimal jährlich
genehmigt werden. Es können Zielorte innerhalb Europas gewählt
werden. Folgende Höchstbeträge werden anerkannt: -
Fahrtkosten bis zu 51,13 EUR für jede teilnehmende
Kosten für Unterkunft und Verpflegung bis zu 15,34 EUR
pro Person und Tag. Die Kosten der Betreuer oder Betreuerinnen sind nicht in die
Maßnahme einzubeziehen. Eine Eigenbeteiligung aller Teilnehmerinnen und
Teilnehmer ist einzusetzen. Da es sich um eine eigenständige
Maßnahme handelt, bedarf es für die Hilfegewährung eines
Antrags bei der herangezogenen kommunalen Körperschaft. b) Fahrtkosten Die Übernahme von Fahrtkosten im Rahmen des § 68 SGB XII
kommt in Fällen in Betracht, in denen dies zur Überwindung der
besonderen sozialen Schwierigkeiten notwendig ist und dieser Bedarf nicht im
Rahmen vorrangiger Leistungsnormen oder durch einen vom Einrichtungsträger
vorgehaltenen Fahrdienst gedeckt wird. Ein solcher Ausnahmefall liegt vor, wenn
aufgrund der örtlichen Gegebenheiten der
leistungsberechtigten Personen angemessene Fahrtkosten zu einer
Beratungsstellte (ambulante Beratungsstellen, Suchtberatungsstelle usw.)
entstehen und ohne deren Übernahme eine Inanspruchnahme dieser für
den Hilfeprozess notwendigen Leistungen nicht möglich wäre, -
die Übernahme von Fahrtkosten zur Kontaktaufnahme und
Herstellung sozialer Bindungen (vor allem zu den Angehörigen) im Rahmen
der Hilfeplanung zur Überwindung der besonderen sozialen Schwierigkeiten
von zentraler Bedeutung ist, -
an den Schnittstellen des Hilfeprozesses aufgrund
örtlicher Gegebenheiten (z.B. größere Entfernungen) für
einen erfolgreichen Hilfeprozess notwendige Fahrtkosten anfallen, die zwar
grundsätzlich den im Regelsatz oder Barbetrag enthaltenen Fahrtkosten
zuzuordnen sind, jedoch hinsichtlich ihrer Höhe nicht abgedeckt sind. Bei
folgenden Fallkonstellationen besteht regelmäßig in den ersten zwei
Monaten nach Hilfebeginn sowie im stationären Bereich zwei Monate vor Ende
der Hilfe ein Bedarf, der im Rahmen des § 68 SGB XII übernommen
werden kann, soweit die im Barbetrag oder im Regelsatz enthaltenen Fahrtkosten
in Höhe von 15,00 EUR (abgerundet) angerechnet werden, wobei alternativ
auch eine Übernahme der Kosten einer Monatskarte abzüglich eines
Eigenanteils in Höhe von 15,00 EUR möglich ist: 1. Fallkonstellation Bei Hilfebeginn müssen sowohl im stationären als
auch im ambulanten Bereich regelmäßig fast alle persönlichen
Papiere der leistungsberechtigten Person neu erstellt werden. Es sind
umfangreiche Behördengänge notwendig, um den Menschen in das
Sozialleistungssystem zu integrieren (z.B. Vorsprachen bei der Agentur für
Arbeit, dem Sozialamt, dem Gesundheitsamt, dem Ordnungsamt, dem Versorgungsamt,
der Krankenkasse, dem Rentenversicherungsträger). 2. Fallkonstellation Bei Ende der Hilfe im stationären Bereich und bei
Hilfebeginn im ambulanten Bereich entstehen bei der Beschaffung einer Wohnung
über das übliche Maß hinausgehende Fahrtkosten (z.B.
Vorsprachen bei der Agentur für Arbeit, dem Sozialamt, dem Wohnungsamt,
den Wohnungsvermittlungsstellen, der Wohngeldstelle, dem Einwohnermeldeamt, den
Stadtwerken, Wohnungsbesichtigungen, Abschluss und Abwicklung des
Mietvertrags). Die Fahrtkosten werden von der herangezogenen kommunalen
Körperschaft auf Antrag erstattet. c) Persönliche Dokumente Die Kosten von persönlichen Dokumenten (Geburtsurkunde,
Ausweispapiere) können übernommen werden, soweit eine Realisierung
von Ansprüchen nach dem SGB II sonst nicht möglich wäre. 68.01.02.00 Gesamtplan Die Hilfe gemäß den §§ 67 ff. SGB XII ist nur
befristet und nur dann zu gewähren, wenn sie Teil eines Gesamtplans ist.
Der Gesamtplan stellt die Grundlage für eine fachlich erfolgversprechende
Hilfe dar. 68.01.02.01 Vorbereitung und Erstellung des Gesamtplans Die Vorbereitung des Gesamtplans obliegt der Einrichtung, dem
nachgehenden Dienst der Einrichtung oder der ambulanten Beratungsstelle, die
den Hilfebedarf nach den §§ 67 ff. SGB XII ermittelt. Die
herangezogene kommunale Körperschaft und die leistungsberechtigte Person
sind dabei zu beteiligen. Die Erstellung des Gesamtplans kann nach Lage des
Einzelfalles auch im Wege der Hilfekonferenz unter Beteiligung erforderlicher
weiterer Stellen wie z.B. den Jugendämtern, Agenturen für Arbeit,
Gesundheitsämtern, Suchthilfestellen, Strafvollzugsbehörden und
Rentenversicherungsträgern erfolgen. 68.01.02.02 Inhalt des Gesamtplans Im Gesamtplan ist die Lebenssituation der leistungsberechtigten Person
in sozialer, persönlicher, rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht
darzustellen, wobei für den Kostenträger deutlich werden soll,
weshalb eine Hilfebedürftigkeit gemäß den §§ 67 ff.
SGB XII besteht. Im Rahmen dieser Zustandsanalyse sind insbesondere die
Ressourcen zur Überwindung der sozialen Schwierigkeiten und die Barrieren
aufzuzeigen, die einer Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft entgegenstehen.
Die leistungsberechtigte Person ist bei der Festlegung der Hilfeziele und des
Zeitplans einzubeziehen. Des Weiteren ist die Verpflichtung der
leistungsberechtigten Person zur entsprechenden Mitwirkung am Hilfeprozess zu
dokumentieren. Der Gesamtplan soll Möglichkeiten der Problemlösung
und die Einleitung konkret darauf abgestimmter Hilfsmaßnahmen benennen.
Zum Elften Kapitel SGB XII Zu § 82 82.01 Zu
§ 82 Abs. 1 82.01.01.00 Allgemeines Für den Begriff des Einkommens nach dem SGB XII ist es ohne
Bedeutung, ob Identität der Zweckbestimmung zwischen der Einkunft und dem
Bedarf vorliegt (unbeschadet der Sonderregelung in § 83 SGB XII) und ob
Identität des Bedarfszeitraums mit dem Zeitraum vorliegt, für den die
Einkünfte bestimmt sind. Sozialhilferechtlich ist Einkommen alles das, was
jemand in der Bedarfszeit wertmäßig dazu erhält, und
Vermögen das, was er in der Bedarfszeit bereits hat. Dabei ist
grundsätzlich vom tatsächlichen Zufluss auszugehen, es sei denn,
rechtlich wird ein anderer Zufluss als maßgeblich bestimmt (normativer
Zufluss). Für die Frage, ob Geld und Geldeswerte dem Einkommen oder
Vermögen zuzurechnen sind, ist der Zeitpunkt des Zuflusses entscheidend.
Erfolgt der Zufluss im Bedarfszeitraum, ist er Einkommen. Bedarfszeitraum ist
bei länger dauerndem Bedarf der Monat des Zuflusses. Der nicht verbrauchte
Teil des Zuflusses wächst nach Ablauf des Bedarfszeitraums dem
Vermögen zu. Die Berechnung des Jahreseinkommens nach § 11 der
Verordnung zur Durchführung des § 82 des Zwölften Buches
Sozialgesetzbuch (im Folgenden: DVO zu § 82 SGB XII) vom 28.11.1962 (BGBl.
I S.692), zuletzt geändert durch Artikel 11 des Gesetzes vom 21.3.2005
(BGBl. I S.818, 829), bleibt unberührt. Für die Deckung des Bedarfs an Hilfe zum Lebensunterhalt in
Einrichtungen nach § 35 SGB XII ist gemäß § 19 Abs. 2 Satz
3 SGB XII die Grundsicherung einzusetzen. Bei gleichzeitiger Betreuung in einer
teilstationären, in einer stationären Einrichtung und zur Deckung
eines sonstigen Bedarfs ist ein Kostenbeitrag für alle Leistungen zu
erheben. Die Einschränkungen des § 92 Abs. 2 SGB XII sind zu
beachten. Das Einkommen ist in folgender Reihenfolge
zur Deckung des Bedarfs einzusetzen: 1.
stationäre Leistung 1.1
Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII 1.2
Leistungen nach dem Dritten Kapitel SGB XII 1.3
Leistungen nach dem Fünften bis Neunten Kapitel SGB XII 2.
teilstationäre Leistung 2.1
Leistungen nach dem Dritten Kapitel SGB XII 2.2
Leistungen nach dem Fünften bis Neunten Kapitel SGB XII 3.
sonstige Leistungen 3.1
Leistungen nach dem Fünften bis Neunten Kapitel SGB XII.
Wird die Leistung innerhalb eines Kalendermonats erbracht, ist das volle
Monatseinkommen zu berücksichtigen, auch wenn sich die Leistung nicht
über den gesamten Monat erstreckt. Es ist aber in diesen Fällen auch
der sozialhilferechtliche Bedarf vor Leistungsbeginn in diesem Kalendermonat zu
berücksichtigen. Bei Leistungserbringung über mehrere Monate ist das
monatliche Einkommen für den im gleichen Monat festgestellten Bedarf zu
berücksichtigen. 82.01.01.01 Sonderregelungen für Leistungen nach dem Achten Kapitel
SGB XII Dienstleistungen, also die persönliche Hilfe nach den §§
67 ff. SGB XII, werden gemäß § 68 Abs. 2 Satz 1 SGB XII immer
ohne Einsatz von Einkommen und Vermögen gewährt. Dieses gilt auch
für die in Einrichtungen erbrachte persönliche Hilfe nach § 68
Abs.1 SGB XII. Für materielle fachliche Leistungen nach § 68 SGB XII
sind außerdem Einkommen und Vermögen der nach § 19 Abs. 3 SGB
XII verpflichteten Personen gemäß § 68 Abs. 2 Satz 2 SGB XII
nicht einzusetzen, soweit der Erfolg der Hilfe gefährdet werden
würde. Der Erfolg der Hilfe ist z.B. dann gefährdet, wenn die
begründete Sorge besteht, dass wegen der Inanspruchnahme der
verpflichteten Personen die oder der Leistungsberechtigte nicht die erwartete
und angestrebte Aufnahme in die Familiengemeinschaft erfahren würde.
Dasselbe gilt, wenn durch die Heranziehung der leistungsberechtigten Personen
deren Bereitschaft zur Mitwirkung bei der Erreichung der Ziele der Leistung
oder zur Selbsthilfe ernsthaft gefährdet wird. Die Einrichtung hat den
Tatbestand der konkreten Hilfegefährdung schriftlich festzuhalten. Das
Wort soweit drückt aus, dass der Träger der Sozialhilfe
auch teilweise von der Heranziehung von Einkommen und Vermögen absehen
kann; wenn dies bereits ausreicht, um eine Gefährdung des Erfolgs der
Hilfe auszuschließen. Diese Schutzbestimmung gilt nicht für
Leistungen nach anderen Kapiteln des SGB XII. 82.01.01.02 Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung -
Erstattungsansprüche Bei Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung ist vom Träger
der Sozialhilfe ein Erstattungsanspruch nach § 104 SGB X beim
Rentenversicherungsträger zu stellen. Hierbei gilt auch für den
Sterbemonat, dass der Träger der Sozialhilfe die Rente in voller Höhe
als Erstattungsanspruch nach § 104 SGB X fordern kann, wenn er zu dem
Ergebnis kommt, dass sich die leistungsberechtigte Person im Sterbemonat in
Höhe der vollen monatlichen Rente an den Leistungen zu beteiligen hat, da
die Höhe der tatsächlichen Leistungen (Drittes bis Sechstes Kapitel
SGB XII) bis zum Sterbetag der Rentenhöhe entspricht oder diese
übersteigt. Dies gilt bei allen Leistungen, die als erweiterte Hilfe
erbracht wurden, also immer bei Leistungen der Eingliederungshilfe und den dazu
gleichzeitig nach anderen Kapiteln des SGB XII gewährten Leistungen (siehe
Nummer 92.01.00.02) und in den Fällen des § 19 Abs. 5 SGB XII.
Darauf, dass Leistungen nach dem Fünften und Siebten bis Neunten Kapitel
SGB XII nur unter den in Nummer 19.05.00.00 dargestellten Voraussetzungen
ausnahmsweise als erweiterte Hilfe erbracht werden können, wird
hingewiesen. Erfasst werden jeweils auch die gleichzeitig nach anderen Kapiteln
erbrachten Leistungen. Für Leistungen, auf die das Nettoprinzip anzuwenden ist, kommt ein
Erstattungsanspruch nicht in Betracht. Für die Anrechnung des zur
Verfügung stehenden Einkommens im Sterbemonat gelten die vorstehenden
Ausführungen jedoch entsprechend. 82.01.02.00 Kindergeld 82.01.02.01 Volljährige Kinder Unabhängig von der Einkommensanrechnung bei minderjährigen
Kindern gilt bei volljährigen Kindern unverändert, dass es sich bei
dem Kindergeld um Einkommen der anspruchsberechtigten Personen i.S. des §
62 EStG (in der Regel die Eltern oder ein Elternteil) handelt, es sei denn, das
Kindergeld wird dem außerhalb des Haushalts lebenden Kind zeitnah
(innerhalb eines Monats nach Auszahlung bzw. Überweisung des Kindergeldes)
zugewendet (Urteil des BSG vom 26.8.2008 - B 8/9b SO 16/07 R -, FEVS 60 S.346).
82.01.02.02 Vollwaisen Nach § 1 Abs. 2 BKGG erhält Kindergeld für sich selbst,
u.a. wer Vollwaise ist oder wer den Aufenthalt seiner Eltern nicht kennt. Der
Anspruch besteht längstens bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres (Urteil
des BSG vom 19.2.2009 - B 10 KG 2/07 R -, Behindertenrecht 2009 S.185). 82.01.02.03 Abzweigung von Kindergeld Kommt die kindergeldberechtigte Person allerdings ihrer
Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem Kind nicht nach, ist sie mangels
Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig oder braucht sie nur
Unterhalt in Höhe eines Betrages leisten, der geringer ist als das
für die Auszahlung in Betracht kommende Kindergeld, so kann das für
ein Kind festgesetzte Kindergeld nach § 74 EStG auch an die Stelle
ausgezahlt werden, die dem Kind Unterhalt gewährt. Hat der Träger der Sozialhilfe Leistungen erbracht, ist
regelmäßig die Abzweigung des Kindergeldes an den Träger der
Sozialhilfe zu prüfen. Dabei sind etwaige Zahlungen, die die
kindergeldberechtigte Person an den Träger der Sozialhilfe leistet, zu
berücksichtigen. Die Höhe des abzuzweigenden Kindergeldes ist nicht
auf die Beträge nach § 94 Abs. 2 Satz 1 SGB XII beschränkt
(Urteil des BFH vom 17.2.2004 - VIII R 58/03 -, BStBl II 2006 S.130). Wenn die kindergeldberechtigte Person neben den Leistungen des
Trägers der Sozialhilfe nur geringe eigene Unterhaltsleistungen für
das Kind erbringt, ist die Ermessensentscheidung der Familienkasse, ob und in
welcher Höhe das Kindergeld an den Träger der Sozialhilfe abgezweigt
wird, nicht dahingehend auf Null reduziert, dass das gesamte Kindergeld an den
Träger der Sozialhilfe auszuzahlen ist. Zu prüfen ist in diesen
Fällen eine teilweise Abzweigung an den Träger der Sozialhilfe
(Urteil des BFH vom 23.2.2006 - IIIR 65/04 -, BStBl II 2008 S.753). Wenn bei der regelmäßig vorzunehmenden Überprüfung
der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, bei der
Auswertung der regelmäßig anzufordernden Entwicklungsberichte oder
auf andere Weise ersichtlich wird, dass insbesondere keine oder nur seltene
Kontakte der Kindergeldberechtigten zu der leistungsberechtigten Person
bestehen, ist die Abzweigung des Kindergeldes nach § 74 EStG zu
beantragen. In der Regel wird dabei nur der Teil des Kindergeldes abzuzweigen
sein, der den Wert des erbrachten Bar- und Naturalunterhalts übersteigt.
Bei der Prüfung, ob Aufwendungen in Höhe des Kindergeldes entstanden
sind, dürfen keine fiktiven Kosten für die Betreuung des Kindes,
sondern nur tatsächliche Aufwendungen für die Betreuung des Kindes
berücksichtigt werden (Urteil des BFH vom 9.2.2009 - III R37/07 -, BStBl
II 2009 S.928). 82.01.03.00 Ausbildungsförderung nach dem BAföG Ausbildungsförderung nach dem BAföG und vergleichbare
Leistungen sind Einkommen i.S. des § 82 Abs. 1 SGB XII und hinsichtlich
des Teils, der auf die Ausbildungskosten entfällt, eine zweckbestimmte
Leistung nach § 83 SGB XII. Sozialhilferechtlich ist der nicht
zweckbestimmte Teil der Leistung bei der auszubildenden Person als Einkommen
anzusetzen. Soweit die tatsächlichen Ausbildungskosten nicht zu ermitteln
sind, können sie in Höhe von 20 v.H. der Gesamtleistung pauschaliert
werden. 82.02 Zu § 82 Abs. 2 82.02.01.00 Grundsätzliches § 82 Abs. 2 SGB XII enthält eine abschließende
Aufzählung. Somit dürfen z.B. Schuldverpflichtungen und Aufwendungen
im Zusammenhang mit der Auflösung einer Wohnung nicht vom Einkommen
abgesetzt werden (Beschl. des Sozialgerichts Oldenburg vom 27.7.2005 - 2 SO
127/05 ER -, Zeitschrift für das Fürsorgewesen 2006 S.135). 82.02.01.04 Einkünfte aus Kapitalvermögen Zinsen aus Kapitalvermögen bleiben als pauschaler Freibetrag nach
§ 82 Abs. 2 Nr. 4 SGB XII unberücksichtigt, wenn sie 50 EUR
jährlich nicht übersteigen. 82.03 Zu § 82 Abs. 3 82.03.01.00 Nicht selbstständige Tätigkeiten Zu den Einkünften aus nicht selbstständiger Tätigkeit
zählen auch eine Ausbildungsvergütung (Beschl. des
Niedersächsischen OVG vom 24.7.1998 - 4 L 3278/98 -, FEVS 49 S.272) sowie
Entgeltfortzahlungen aufgrund gesetzlicher oder in Anlehnung an gesetzliche
Bestimmungen (z.B. bei Krankheit, Urlaub, Mutterschutz). Bei den unter § 3
Abs. 3 Satz 3 der DVO zu § 82 SGB XII angeführten einmaligen
Leistungen handelt es sich ebenfalls um Einkommen aus nicht
selbstständiger Tätigkeit. Kein Einkommen aus nicht
selbstständiger Tätigkeit sind z.B. Leistungen nach dem SGB II,
Leistungen nach dem SGB III (insbesondere Ausbildungsgeld gemäß
§ 104 SGB III und Übergangsgeld gemäß § 160 SGB III),
Krankengeld gemäß § 44 SGB V, Übergangsgeld
gemäß § 20 SGB VI und sonstige Rehabilitationsmaßnahmen
ergänzende Rehabilitationsleistungen mit Lohnersatzfunktion (Urteil des
BVerwG vom 19.12.1995 - 5 C 27/93 -, FEVS 46 S.309). 82.03.02.00 Freibetrag Die Freibetragsregelung des § 82 Abs. 3 SGB XII gilt sowohl bei
Einkünften der leistungsberechtigten Person selbst als auch bei solchen
von Angehörigen ihrer Einsatzgemeinschaft nach § 19 Abs. 1 oder 2 SGB
XII. Der Freibetrag ist von dem nach § 82 Abs. 2 SGB XII bereinigten
Einkommen zu errechnen. Die Freibetragsregelung des § 82 Abs. 3 Satz 2 SGB XII ist analog
auf ein Entgelt aus praktischer Tätigkeit in Einrichtungen sowie aus
therapeutischer Beschäftigung anzuwenden. Dieses gilt nicht für
leistungsberechtigte Personen nach dem SGB II. Zu § 85 85.00 Zu
§ 85 Abs. 1 und 2 85.00.00.00 Einkommensgrenze Bei der Ermittlung der Einkommensgrenze nach § 85 SGB XII sind als
angemessene Aufwendungen für Unterkunft die anerkannten laufenden
Durchschnittskosten für Unterkunft (mit Nebenkosten, aber ohne Heizkosten)
je Bedarfsgemeinschaft des Bedarfsgemeinschafts-Typs Single nach
der Statistik der BA zur Grundsicherung für Arbeitsuchende nach SGB II
[http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/ detail/l.html >
Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) > Kreisreport SGB II - Daten
nach einer Wartezeit von 3 Monaten] für den Juli des Vorjahres im Bereich
des zuständigen herangezogenen örtlichen Trägers der Sozialhilfe
anzusetzen. Soweit die im Internet veröffentlichte Statistik der BA für
gemäß § 51 b Abs. 2 Nr. 2 SGB II im Rahmen der amtlichen
Statistik zu erheben hat. Der Familienzuschlag ist für den nicht getrennt lebenden Ehegatten
oder Lebenspartner nach § 85 Abs. 1 Nr. 3 SGB XII und für eine
nachfragende minderjährige unverheiratete Person nach § 85 Abs. 2
Satz 1 Nr. 3 SGB XII unabhängig davon zu berücksichtigen, ob
tatsächlich Unterhalt geleistet wird. Für die übrigen Personen
ist ein Familienzuschlag nur anzusetzen, wenn sie tatsächlich
überwiegend von der nachfragenden Person oder ihrem nicht getrennt
lebenden Ehegatten oder Lebenspartner unterhalten werden. Nicht erforderlich
ist, dass sie im Haushalt der Einsatzgemeinschaft leben oder dass eine
gesetzliche Unterhaltspflicht besteht. Überwiegend unterhalten wird eine
Person, wenn mehr als 50 v.H. ihres nach dem Dritten Kapitel des SGB XII
anzuerkennenden Bedarfs durch Geld- oder Sachleistungen gedeckt werden. Eigenes
Einkommen der überwiegend unterhaltenen Person darf bei der
Gegenüberstellung von Einkommen und Einkommensgrenze nicht
berücksichtigt werden. Wenn eine Person nicht mehr überwiegend
unterhalten wird, entfällt der Familienzuschlag mit Ablauf des
Ereignismonats. Für jede nach Entscheidung über die Leistung dem
Grunde nach erstmals eintretende Unterhaltspflicht wird der Familienzuschlag zu
Beginn des Ereignismonats berücksichtigt. Das nach § 82 Abs. 2 SGB
XII bereinigte Einkommen ist der Einkommensgrenze gegenüberzustellen. Zu § 87 87.01 Zu
§ 87 Abs. 1 87.01.00.00 Ermessen § 87 Abs. 1 SGB XII räumt dem Träger der Sozialhilfe ein
Ermessen hinsichtlich der Bestimmung der zumutbaren Eigenleistung ein. Die
Ausübung des Ermessens ist insbesondere auch hinsichtlich der
Ausfüllung des in den Nummer 87.01.02.04 oder 87.01.03.00 beschriebenen
Rahmens kenntlich zu machen und besonders zu begründen. 87.01.00.01 Zumutbare Eigenleistung bei laufenden Leistungen Die zumutbare Eigenleistung ist bei laufenden Leistungen für die
Dauer des Bedarfs und grundsätzlich monatlich zu fordern. Wird die Hilfe
nur für einen Teil des Kalendermonats gewährt, ist die Eigenleistung
anteilig für jeden Anwesenheitstag zu fordern. 87.01.00.02 Inanspruchnahme von Eigenleistungen bei Beurlaubung oder
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung Eigenleistungen aus dem Einkommen über der Einkommensgrenze
gemäß § 87 SGB XII werden bei Abwesenheit aus der
stationären Einrichtung nicht erstattet. 87.01.00.03 Bereinigtes Gesamteinkommen Das nach den §§ 82 bis 84 SGB XII i.V.m. der DVO zu § 82
SGB XII zu berücksichtigende monatliche Gesamteinkommen (bereinigt nach
§ 82 Abs. 2 SGB XII) der in § 19 Abs. 3 SGB XII genannten Personen
(leistungsberechtigte Person, nicht getrennt lebende Ehe- und Lebenspartnerin
oder nicht getrennt lebender Ehe- und Lebenspartner, bei minderjährigen
unverheirateten Kindern auch die Eltern) ist der Einkommensgrenze nach §
85 SGB XII gegenüberzustellen. 87.01.02.00 Höhe der Eigenleistung Aus dem die Einkommensgrenze
übersteigenden Einkommensbetrag ergibt sich unter Berücksichtigung
der Art des Bedarfs, -
der Art und Schwere der Behinderung oder der
Pflegebedürftigkeit, -
der Dauer und Höhe der erforderlichen Aufwendungen und -
der besonderen Belastungen der nachfragenden Person und ihrer
unterhaltsberechtigten Angehörigen die zumutbare Eigenleistung. Beim Einkommenseinsatz ist im Gegensatz zu
der starr anzuwendenden Einkommensgrenze nach den Grundsätzen der
individuellen und bedarfsdeckenden Hilfe zu verfahren und darauf zu achten,
der leistungsberechtigten Person und ihren Angehörigen die
Führung eines menschenwürdigen Lebens ermöglicht wird (§ 1
Satz 1 SGB XII), -
die Leistungen familiengerecht erbracht werden (§ 16 SGB
XII), -
die wirtschaftlichen und sonstigen Verhältnisse der
leistungsberechtigten Person und ihrer in § 19 Abs. 3 SGB XII genannten
Angehörigen einzelfallbezogen beurteilt werden, -
der nachfragenden Person und den örtlichen Verhältnissen
Rechnung getragen wird und -
die Selbsthilfekräfte erhalten und gestärkt werden. 87.01.02.01 Subjektive Kriterien Die geforderte Berücksichtigung der Dauer und Höhe der
erforderlichen Aufwendungen sowie der Art und Schwere der
Behinderung oder der Pflegebedürftigkeit wird in der Regel bei der
Gewährung von Leistungen an Personen mit einer schweren und nicht nur
vorübergehenden körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung
in Betracht kommen. 87.01.02.02 Zu berücksichtigende Aufwendungen Ferner sind Aufwendungen zu berücksichtigen, die diesen Personen
vor Einsetzen der Sozialhilfe dadurch entstanden sind, dass sie über das
sozialhilferechtlich zumutbare Maß hinaus versucht haben, die Notlage aus
eigenen Mitteln zu beheben. 87.01.02.03 Besondere Belastungen Von dem die Einkommensgrenze übersteigenden Betrag sind in jedem
Fall die besonderen Belastungen der leistungsberechtigten Person und ihrer
unterhaltsberechtigten Angehörigen abzusetzen, es sei denn, dafür
besteht ein Anspruch auf Sozialhilfe (Urteil des BVerwG vom 10.11.1965 - V C
104.64 -, NDV 1966 S.87). Besondere Belastungen können sein: -
Schuldverpflichtungen (Abzahlungen), die vor Kenntnis der
Hilfebedürftigkeit eingegangen sind und die Gesichtspunkte
wirtschaftlicher Lebensführung nicht verletzen, -
die erforderlichen Aufwendungen im Zusammenhang mit
Familienereignissen (Geburt, Heirat, Tod), -
Aufwendungen für Fahrten zum Besuch naher Angehöriger in
stationären Einrichtungen, -
die erforderlichen Aufwendungen bei Krankheit,
Pflegebedürftigkeit oder Behinderung (Krankenkost, teure Arzneien, Heil-
und Erholungskuren, Haushaltshilfen, Pflegepersonen oder Pflegekräfte,
soweit für diese Maßnahmen andere Sozialleistungen nicht infrage
kommen), -
Unterhaltsleistungen (Unterhaltsbeiträge, Aufwendungen
für eine angemessene Erziehung, Ausbildung oder Fortbildung
unterhaltsberechtigter Angehöriger), soweit sie nicht durch Leistungen
Anderer oder steuerliche Vorteile gedeckt werden, -
die erforderlichen Aufwendungen für das Beschaffen oder
Erhalten einer angemessenen Unterkunft (Baukostenzuschüsse, Abfindungen,
Umzugskosten, Abtragung von Mietrückständen, angemessene Zahlungen an
Bausparkassen, größere Reparaturen), -
die erforderlichen Aufwendungen für sonstige gerechtfertigte
Zwecke (Fort- und Weiterbildung, Kosten zweckentsprechender Rechtsverfolgung),
angemessene Sterbekassenbeiträge, soweit sie nach § 82
Abs. 2 Nr. 3 SGB XII nicht berücksichtigt wurden, sowie -
angemessene Aufwendungen zur Grabpflege und notwendige
Friedhofsgebühren. Laufende Unterhaltsleistungen sind bei der Berechnung der Eigenleistung
in voller Höhe abzusetzen, soweit sie nicht bereits durch einen
Familienzuschlag nach § 85 SGB XII abgedeckt sind. Bereits aufgelaufene
Unterhaltszahlungsverpflichtungen sind wie Schuldverpflichtungen zu behandeln.
Nicht berücksichtigungsfähige
Schuldverpflichtungen sind: -
Geldstrafen, -
Bußgelder, -
Schmerzensgelder wegen vorsätzlicher Handlung, -
Gerichtskosten in Strafverfahren. Von der Einrichtung soll die oder der Leistungsberechtigte durch
Beratung und persönliche Unterstützung motiviert werden, mit den
Gläubigern eine Schuldenregulierung zu vereinbaren. 87.01.02.04 Höhe der zumutbaren Eigenleistung Von dem nach Abzug der besonderen Belastungen verbleibenden Einkommen
sind 60 bis 100 v.H. als zumutbare Eigenleistungen zu fordern. Unter Berücksichtigung der in Nummer
87.01.02.00 genannten Sachverhalte ist auszugehen von: a)
der unteren Grenze bei teilstationären Leistungen sowie bei
Kurzzeit- und Verhinderungspflege, wobei darauf hingewiesen wird, dass in den
Fällen des § 92 Abs. 2 SGB XII ein Einkommenseinsatz nach den
§§ 85 ff. SGB XII nicht in Betracht kommt, b)
der oberen Grenze bei den übrigen stationären Leistungen.
Dies gilt nicht in den Fällen der Nummer 87.01.03.00. 87.01.03.00 Höhe der zumutbaren Eigenleistung bei
schwerstpflegebedürftigen und blinden Menschen Bei schwerstpflegebedürftigen Menschen nach § 64 Abs. 3 und
blinden Menschen nach § 72 SGB XII ist die zumutbare Eigenleistung auf
höchstens 40 Prozent des die Einkommensgrenze übersteigenden
Einkommens begrenzt. Für die Inanspruchnahme der zumutbaren Eigenleistung
nach § 87 Abs. 1 Satz 3 SGB XII sind die Merkmale Bl nach dem
SGB IX, die Festsetzung der Pflegestufe III durch den MDK, Medicproof oder des
Amtsarztes erforderlich. Ein Leistungsanspruch nach § 64 Abs. 3 oder
§ 72 SGB XII ist nicht erforderlich. Zu § 87 87.02 Zu
§ 87 Abs. 2 87.02.00.00 Kurzzeitiger Bedarf Bei einem Bedarf von kurzer Dauer und dadurch bedingtem Wegfall des
Einkommens der leistungsberechtigten Person kann eine Eigenleistung auch aus
dem während der drei folgenden Monate des nach Wegfall des Bedarfs
erzielten Einkommens der oder des Leistungsberechtigten verlangt werden, wenn
es die maßgebliche Einkommensgrenze übersteigt; das Einkommen der
übrigen in § 19 Abs. 3 SGB XII genannten Personen bleibt dabei
unberücksichtigt. In diesen Fällen darf die zumutbare Eigenleistung
nur insoweit gefordert werden, als sie ohne den Einkommensverlust während
der Bedarfssituation zuzumuten gewesen wäre. Ist das Einkommen für
die drei Monate nach Ablauf des Entscheidungsmonats noch nicht bekannt oder
noch nicht sicher abschätzbar, sollte erweiterte Hilfe geleistet und
später Aufwendungsersatz gemäß § 19 Abs. 5 SGB XII erhoben
werden. Zu § 88 88.01 Zu
§ 88 Abs. 1 88.01.00.00 Grundsatz Unabhängig davon, ob und in welcher Höhe eine Eigenleistung
nach § 87 SGB XII aus dem Einkommen über der Einkommensgrenze
gefordert wird, ist zu prüfen, ob und inwieweit nach § 88 Abs. 1 SGB
XII aus dem Einkommen unterhalb der Einkommensgrenze eine Eigenleistung
verlangt werden kann. Von Personen, die voraussichtlich länger als sechs
Monate oder dauernd der vollständigen Versorgung und Betreuung in einer
stationären Einrichtung bedürfen, ist grundsätzlich das unter
der Einkommensgrenze liegende Einkommen in voller Höhe als Eigenleistung
zu fordern, solange sie nicht einen Anderen überwiegend unterhalten.
Verbleiben der nicht getrennt lebende Ehegatte oder Lebenspartner sowie
minderjährige unverheiratete Kinder der nachfragenden Person im Haushalt,
ist zunächst die nach § 92 a SGB XII erforderliche Prüfung
vorzunehmen. Bei der Prüfung, welcher Umfang angemessen ist, sind
insbesondere die im Rahmen des § 92a SGB XII aufgebrachten Mittel zu
berücksichtigen. Außerdem können neben den in Nummer
87.01.02.03 zu berücksichtigenden Belastungen Aufwendungen zur
Auflösung einer Unterkunft gehören. 88.01.00.01 Vorübergehende Abwesenheit von stationär betreuten
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung Für die Zeit der Abwesenheit ist eine Eigenleistung für die
stationäre Leistung gemäß § 88 Abs. 1 Satz 2 SGB XII nicht
zu erheben, wenn die leistungsberechtigte Person tatsächlich nicht durch
die stationäre Einrichtung betreut wird und der Träger der
Sozialhilfe die umfassende Betreuung nicht anderenorts sicherstellt (Urteil des
BVerwG vom 25.11.1982 - 5 C 13/82 -, FEVS 32 S.309). Auf den Grund der
Abwesenheit aus der stationären Einrichtung (z.B. Erkrankung oder Urlaub)
kommt es bei einem Anspruch auf Erstattung von Eigenleistungen nicht an (siehe
auch Nummern 28.01.00.00 und 92a.02.01.00). 88.01.00.02 Schuldverpflichtungen Schuldverpflichtungen i.S. von Nummer 87.01.02.03 können auch bei
einem Einkommen unter der Einkommensgrenze berücksichtigt werden, soweit
sie noch nicht wegen eines Einkommens über der Einkommensgrenze
berücksichtigt worden sind. Zu § 88 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 88.01.01.01 Zweckgleiche Leistungen Soweit andere Stellen oder Personen für denselben Zweck, dem die
Leistungen nach dem Fünften bis Neunten Kapitel SGB XII dienen, (Sach-
oder Geld-) Leistungen gewähren, ist dem generellen Nachrangprinzip der
Sozialhilfe entsprechend eine Eigenleistung in dieser Höhe
grundsätzlich zuzumuten. Entsprechende zweckgleiche Leistungen sind neben
den in § 83 Abs. 1 SGB XII genannten öffentlich-rechtlichen
Leistungen auch privatrechtliche (z.B. Schadensersatz) oder freiwillige
Leistungen, wie z.B. Unterhaltsbeiträge, die wegen der besonderen Lage der
oder des Hilfesuchenden gezahlt werden. 88.01.01.02 Ausbildungsgeld im Eingangsverfahren und
Berufsbildungsbereich einer WfbM und Übergangsgeld Sofern eine leistungsberechtigte Person Ausbildungsgeld nach § 104
SGB III erhält, ist dieses nach Maßgabe des § 88 Abs. 1 Satz 2
SGB XII lediglich zur Hälfte als Einkommen zu berücksichtigen (Urteil
des Niedersächsischen OVG vom 14.3.2001 - 4 L 3636/00 -). Von dem
Übergangsgeld bleibt ein Betrag in Höhe der Hälfte des
Ausbildungsgeldes nach den §§ 104, 107 SGB III frei. 88.02 Zu § 88 Abs. 2 88.02.00.00 Einkommen aus entgeltlicher Beschäftigung Als Einkommen aus entgeltlicher Beschäftigung i.S. des § 88
Abs. 2 Satz 1 SGB XII sind auch das Arbeitsentgelt aus der Beschäftigung
in einer anerkannten WfbM, das Entgelt aus praktischer Tätigkeit in
Einrichtungen sowie aus therapeutischer Beschäftigung anzusehen. Im
Übrigen wird auf Nummer 82.03.02.00 (Freibetrag) verwiesen. Der Freibetrag
ist von dem nach § 82 Abs. 2 SGB XII bereinigten Einkommen aus
entgeltlicher Beschäftigung zu berechnen. Die Bagatellgrenze von 5 EUR
(Nummer 19.05.00.04) ist in den Fällen, in denen ein Freibetrag nach
§ 88 Abs. 2. SGB XII in Betracht kommt, nicht anzuwenden. Nummer
87.01.00.01 (monatliche Festsetzung) ist entsprechend anzuwenden. Zu § 90 90.02 Zu
§ 90 Abs. 2 90.02.00.00 Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII Die Verordnung zu § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII sieht keinen
Schonbetrag für Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII vor.
Gleichwohl gilt der Schonbetrag nach dem Dritten Kapitel SGB XII für
Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII entsprechend. 90.02.00.01 Vermögensschonbetrag bei stationärer Betreuung
beider Ehepartner Die DVO zu § 90 Abs. 2 Nr. 2 SGB XII enthält keine
ausdrückliche Sonderregelung für den Fall, dass beide Ehegatten
Sozialhilfe empfangen (mit Ausnahme bei Blindheit oder Pflegestufe III). Der
Sachverhalt ist daher unter § 1 Abs. 1 Nr. 2 DVO zu § 90 Abs. 2 Nr. 2
SGB XII zu subsumieren. Heiraten leistungsberechtigte Personen während des
stationären Aufenthalts, so ist analog § 89 Abs. 2 SGB XII zu
verfahren. 90.02.00.02 Ausschluss der erweiterten Hilfe Ist die Aufbringung der Mittel in voller Höhe zuzumuten, besteht
kein Anspruch auf erweiterte Hilfe. Das gilt nicht in den Fällen des
§ 92 Abs. 2 SGB XII. Zu § 92 92.00 92.00.00.00 Anwendungsbereich des § 92 § 92 SGB XII betrifft nur die behinderten Menschen, die Leistungen
der Eingliederungshilfe nach dem Sechsten Kapitel SGB XII erhalten. Bei den
Leistungen nach dem Fünften, Siebten, Achten und Neunten Kapitel SGB XII
ist § 92 SGB XII dagegen nicht anwendbar. 92.01 Zu § 92 Abs. 1 92.01.00.00 Anwendungsbereich des § 92 Abs. 1 § 92 Abs. 1 SGB XII betrifft ausschließlich behinderte
Menschen, deren Behinderung dafür ursächlich ist, dass
stationäre Leistungen, Leistungen für eine Tageseinrichtung oder
ärztliche oder ärztlich verordnete Maßnahmen erforderlich sind.
Ein Anspruch auf erweiterte Hilfe besteht nicht, wenn den in § 19 Abs. 3
SGB XII genannten Personen die Aufbringung der Mittel in voller Höhe
zugemutet werden kann. 92.01.00.01 Tageseinrichtungen für behinderte Menschen Der Begriff der Tageseinrichtung erfasst nur Einrichtungen, in denen die
behinderten Menschen während des Tages für eine nicht unwesentliche
Dauer gefördert werden (ständige Rechtsprechung seit Urteil des
BVerwG vom 22.5.1975 - V C 19.74 -, FEVS 23 S.403). Dies sind z.B.
Sonderkindergärten, Tagesbildungsstätten, WfbM,
Tagesförderstätten und Tagesstätten. 92.01.00.02 Erweiterte Hilfe In den Fällen des § 92 Abs. 1 Satz 1 SGB XII sind ausnahmslos
alle in der Einrichtung erbrachten Leistungen und damit auch die in der
Einrichtung nach dem Dritten und Vierten Kapitel SGB XII erbrachten Leistungen
des Lebensunterhalts als erweiterte Hilfe zu gewähren. Bei Gewährung erweiterter Hilfe gemäß 92 Abs. 1 SGB XII
ist in den Bescheiden über die Hilfegewährung auf die Verpflichtung
zum Einsatz von Einkommen und Vermögen nach § 19 Abs. 3 SGB XII und
den Vorschriften des Elften Kapitels SGB XII hinzuweisen. Die Nummern 19.05.00.01 und 19.05.00.02 gelten entsprechend. Dabei ist
zu beachten, dass die Gewährung erweiterter Hilfe nach § 92 Abs. 1
SGB XII nicht in das Ermessen des Trägers der Sozialhilfe gestellt und
auch nicht von der Zustimmung der Leistungsberechtigten abhängig ist. 92.01.00.03 Reihenfolge der Anrechnung von Einkommen Nummer 82.01.01.00 (Reihenfolge der Anrechnung von Einkommen) gilt
entsprechend. 92.01.00.04 Gleichzeitige Betreuung in einer teilstationären und in
einer stationären Einrichtung Bei gleichzeitiger Betreuung in einer teilstationären und in einer
stationären Einrichtung ist ein Kostenbeitrag für beide Leistungen zu
beachten. Das Einkommen und Vermögen sind in
folgender Reihenfolge zur Deckung des Bedarfs einzusetzen: stationäre Leistung, teilstationäre Leistung, sonstige Leistung. 92.02 Zu § 92 Abs. 2 92.02.01 Zu § 92 Abs. 2 Satz 1 92.02.01.01 Häusliche Ersparnis In den Fällen des § 92 Abs. 2 Satz 1 Nrn. 1 bis 6 SGB XII darf
für den in der Einrichtung gewährten Lebensunterhalt nach § 35
Abs. 1 und Abs. 2 SGB XII nur eine Eigenleistung in Höhe der
häuslichen Ersparnis gefordert werden (siehe Nummer 92.02.05.00). 92.02.01.02 Schließ- und Abwesenheitszeiten Regelmäßig vorhersehbare Schließzeiten der
Einrichtungen und andere regelmäßige Abwesenheitszeiten der
leistungsberechtigten Person von der Einrichtung können bei der Festlegung
der Eigenleistung so berücksichtigt werden, dass sich wieder zwölf
gleiche Monatsraten ergeben. Regelmäßige Schließ- und
Abwesenheitszeiten sind in Niedersachsen insbesondere -
bei Sonderkindergärten und Tagesbildungsstätten 30
Betreuungstage im Jahr, -
bei WfbM maximal 30 Arbeitstage zuzüglich ggf. Zusatzurlaub
nach § 125 SGB IX, -
bei Tagesförderstätten maximal 30 Betreuungstage, -
bei Landesbildungszentren und anderen Internatsschulen drei
Monate. Bei einer regelmäßigen Abwesenheit der leistungsberechtigten
Person aus einer stationären Einrichtung an jedem Wochenende, z.B. wegen
Schließung der Einrichtung am Wochenende, verringert sich die wegen
häuslicher Ersparnis für den Lebensunterhalt zu verlangende
Eigenleistung um ein Drittel, wenn die vereinbarte Vergütung nicht in
voller Höhe weitergezahlt wird (z.B. Landesbildungszentrum für
Hörgeschädigte, Landesbildungszentrum für Blinde, Einrichtungen
außerhalb Niedersachsens). Die regelmäßige Abwesenheit ist vom
Einrichtungsträger zu bestätigen. Soweit die vereinbarte Vergütung in voller Höhe weitergezahlt
wird, kommt eine Herabsetzung der Eigenleistung nicht in Betracht, weil der
Einrichtungsträger die Verpflegung sicherzustellen hat. Sofern die Hilfe für einen begrenzten Zeitraum von weniger als
einem Jahr gewährt wird, sind feststehende Urlaubs- und Ferienzeiten nicht
von vornherein zu berücksichtigen. Unabhängig von der
Berücksichtigung der vorhersehbaren Schließzeiten müssen nicht
vorhersehbare (z.B. krankheitsbedingte) Abwesenheitszeiten ausgeglichen werden.
Basis für die Berechnung dieser Eigenleistung ist der Einkommenseinsatz,
der von den Pflichtigen aufgrund der häuslichen Ersparnisse für einen
Monat unabhängig von der Ferien- oder Urlaubsregelung zu erbringen ist.
92.02.01.03 Integrative Gruppen und Einzelintegration in
Kindergärten Der überörtliche Trä3er der Sozialhilfe erbringt in
integrativen Gruppen von Kindergärten i.S. des § 1 Abs. 2 Buchst. b
KiTaG und in der Einzelintegration die fachliche Leistung, d.h. Leistungen der
Eingliederungshilfe nach dem Sechsten Kapitel SGB XII und keine Leistung zum
Lebensunterhalt nach § 35 Abs. 1 Satz 1 SGB XII (siehe Nummer
35.01.00.01). Daher entsteht durch die Leistungen des überörtlichen
Trägers der Sozialhilfe keine häusliche Ersparnis. Wie bei Kindern
ohne Behinderung richtet sich bei der Gruppen- und Einzelintegration damit die
Kostenbeteiligung an den Aufwendungen für den Lebensunterhalt nach den
Regelungen der Jugendhilfe und nicht nach § 92 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und
Satz 2 SGB XII. 92.02.01.04 Einrichtungen i.S. von § 92 Abs. 2 Satz 1 Nr. 8 § 92 Abs. 2 Satz 1 Nr. 8 SGB XII kann nur zur Anwendung kommen,
wenn die Hilfen zum Erwerb praktischer Fähigkeiten geeignet und
erforderlich sind, behinderten Menschen die für sie erreichbare Teilhabe
am Arbeitsleben zu ermöglichen. Leistungen der teilstationären
Einrichtung, die nur der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft dienen, reichen
hierfür nicht aus. Ob die Leistungen geeignet sind, die erreichbare
Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, ist anhand der
Leistungsbeschreibung, sofern diese nicht vorhanden ist, anhand der Konzeption
der Einrichtung und des Inhalts der tatsächlich erbrachten Leistungen zu
prüfen. Bei der Hilfe in einer Tagesförderstätte oder
Tagesstätte ist darauf abzustellen, ob im Einzelfall der Hilfeplan darauf
ausgerichtet ist, eine Teilhabe am Arbeitsleben erreichbar werden zu lassen.
92.02.02 Zu § 92 Abs. 2 Satz 2 92.02.02.00 Einsatz von Vermögen § 92 Abs. 2 Satz 2 SGB XII macht deutlich, dass sich der
Personenkreis nach § 19 Abs. 3 SGB XII auch außerhalb der fachlichen
Leistungen nach § 92 Abs. 2 Satz 1 SGB XII nicht mit dem Vermögen an
den Kosten des Lebensunterhalts zu beteiligen hat. 92.02.03 Zu § 92 Abs. 2 Satz 3 92.02.03.00 Eigenleistung in den Fällen des § 92 Abs. 2 Satz 1
Nrn. 1 bis 6 Es ist zu prüfen, ob eine geringere
Eigenleistung zu verlangen ist, weil die Ersparnis für den häuslichen
Lebensunterhalt nicht oder nicht in dieser Höhe zu einem wirtschaftlichen
Vorteil führt. Das ist insbesondere anzunehmen bei -
kurz dauerndem Aufenthalt und dadurch verursachten
Nebenaufwendungen, -
Familien mit mehr als zwei Kindern. 92.02.05 Zu § 92 Abs. 2 Satz 5 92.02.05.00 Häusliche Ersparnis/Eigenleistung für Mittagessen
Häusliche Ersparnis Die zum Zeitpunkt der Entscheidung festgesetzte Höhe des
Kostenbeitrags bleibt bis zu einer Neufestsetzung der Regelsätze
unverändert. Eine bis dahin altersbedingt eingetretene Veränderung
bei der Zuordnung zu Regelsatzstufen führt in dieser Zeit zu keiner neuen
Festsetzung. Bei einer Neufestsetzung der Regelsätze ist der Kostenbeitrag
auch dann neu festzusetzen, wenn sich die Höhe der Regelsätze nur
geringfügig geändert hat. Der monatliche Kostenbeitrag bei
stationärer Leistung entspricht dem für die leistungsberechtigte
Person maßgeblichen Regelsatz eines Haushaltsangehörigen. Für die Teilnahme an Gemeinschaftsreisen i.S. des § 54 Abs. 1
Satz 1 Halbsatz 1 SGB XII i.V.m. § 55 Abs. 2 Nr. 7 und § 58 SGB IX
ist von den behinderten Menschen und von den unterhaltspflichtigen
Angehörigen kein Kostenbeitrag zu fordern, der über den für die
Betreuung in der Einrichtung bereits festgesetzten Betrag hinausgeht. Bei der stationären Sprachheilbehandlung richtet sich die
Festsetzung des Kostenbeitrags nach § 92 Abs. 2 Nr. 1 oder 2 SGB XII.
Gemäß § 92 Abs. 2 Satz 3 SGB XII ist der Kostenbeitrag auf die
Höhe der für den häuslichen Lebensunterhalt ersparten
Aufwendungen begrenzt. Vor dem Hintergrund der Kostenteilung mit den
Krankenkassen ist zu beachten, dass für den durch die Einrichtung
erbrachten Lebensunterhalt (§ 35 Abs. 1 SGB XII) keine häusliche
Ersparnis entsteht. Demgegenüber stellt die Gewährung des weiteren
notwendigen Lebensunterhalts i.S. des § 35 Abs. 2 SGB XII (Bekleidung und
Barbetrag) eine Leistung dar, durch die eine häusliche Ersparnis entsteht
und in deren Höhe ein Kostenbeitrag zu fordern ist. Aus
Vereinfachungsgründen bestehen keine Bedenken, in den Fällen, in
denen sich eine Krankenkasse an den Kosten der stationären
Sprachheilbehandlung nach § 6 der Vereinbarung vom 26.6.2008 über die
Kostenteilung bei der stationären Sprachheilbehandlung in Niedersachsen
beteiligt, die Eltern über die Kostenfreiheit der Maßnahme als
solche einschließlich der Kosten des durch die Einrichtung erbrachten
Lebensunterhalts zu informieren. Weiterhin ist den Eltern zu erläutern,
dass bei einem Verzicht auf die Leistungen nach § 35 Abs. 2 SGB XII ein
Kostenbeitrag nicht erhoben wird. Der monatliche Kostenbeitrag bei teilstationärer Leistung
entspricht bei Teilnahme an einer vollständigen Mahlzeit 20 v.H. des
für die leistungsberechtigte Person maßgeblichen Regelsatzes einer
oder eines Haushaltsangehörigen. Das sind bei folgenden Regelsätzen
folgende Beträge: Regelsatz Kostenbeitrag (ohne Berücksichtigung von
Schließ- und Abwesenheitszeiten gemäß Nummer 92.02.01.02)
323 EUR 64,60 EUR 287 EUR
57,40 EUR 251 EUR 50,20 EUR 215 EUR
43,00 EUR. Bei Einkommen aus dem SGB II siehe auch Nummer 21.00.00.00. Bei Bezug von Leistungen zum Lebensunterhalt
nach dem SGB II kann nur der im Regelsatz enthaltene Anteil für das
Mittagessen als Kostenbeitrag gefordert werden. Das sind bei folgenden
Regelsätzen folgende Beträge: Regelsatz (monatlich)
Anteil für das Mittagessen (täglich) 359 EUR 1,76 EUR 323 EUR 1,58 EUR 287 EUR 1,41 EUR 251 EUR 1,23 EUR 215 EUR 1,06 EUR. Sofern keine Neubemessung der Regelsätze nach § 28 Abs. 3 Satz
5 SGB XII erfolgt, sind diese Beträge jeweils entsprechend den
gegenüber dem Eckregelsatz eintretenden Veränderungen der
Regelsätze nach § 28 Abs. 2 SGB XII anzupassen. Ein Bezug von Leistungen zum Lebensunterhalt innerhalb von Einrichtungen
nach dem SGB II in Fällen der Eingliederungshilfe nach den §§
53, 54 SGB XII ist nach § 7 Abs. 4 SGB II - mit Ausnahme der Fälle
des § 7 Abs. 4 Satz 3 Nr. 2 SGB II - ausgeschlossen. Bei
minderjährigen leistungsberechtigten Personen ohne Anspruch auf Sozialgeld
ist neben eventuellen weiteren Einkünften auf jeden Fall das Kindergeld
dem jeweiligen Kind als Einkommen zuzurechnen (§ 82 Abs. 1 Satz 2 SGB
XII). Bei vorübergehender Abwesenheit der leistungsberechtigten Person aus
der Einrichtung besteht ein Anspruch auf Leistungen nach dem Dritten oder
Vierten Kapitel SGB XII. Nummer 28.01.00.00 ff findet Anwendung. Eigenleistung für Mittagessen Die Aufbringung des Beitrags ist aus dem eigenen Einkommen des
behinderten Menschen nicht zumutbar, wenn das nach den §§ 82 bis 84
SGB XII bereinigte Einkommen den zweifachen Eckregelsatz nicht übersteigt.
Bei der Ermittlung des nach den §§ 82 bis 84 SGB XII
bereinigten Einkommens bleiben Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII
unberücksichtigt. In den in § 92 Abs. 2 Satz 1 Nrn. 7 und 8 SGB XII genannten
Fällen werden für ein tatsächlich eingenommenes Mittagessen 2,50
EUR als Eigenleistung festgesetzt. Zu § 92 Abs. 3 92.03.00.00 Verpflichtungen Anderer - Beihilfe Verpflichtungen Anderer zur Leistung für denselben Zweck wie die
Hilfe nach § 92 Abs. 2 SGB XII bleiben gemäß § 92 Abs. 3
SGB XII unberührt. Das gilt insbesondere für Beihilfeansprüche
gegen einen öffentlich-rechtlichen Dienstherrn oder Arbeitgeber,
Schulbeihilfen (z.B. an Angehörige des öffentlichen Dienstes),
Leistungen nach dem SGB III oder dem BAföG und Schadenersatz nach den
§§ 823 ff. BGB. 92.03.01.00 Zweckgleiche Leistungen Das Bundesverwaltungsgericht hat in dem Urteil vom 26.7.1994 - 5 C 11/92
- (FEVS 45 S.274) ausgeführt, dass unter einer zweckgleichen Leistung i.S.
des § 92 Abs. 3 SGB XII nur eine solche zu verstehen ist, die dem Zweck
einer Eingliederungshilfe in Gestalt einer der in § 92 Abs. 2 SGB XII
genannten Leistung entspricht. Die von Anderen gewährten Leistungen
müssen vom Leistungszweck her mit der jeweiligen in § 92 Abs. 2 SGB
XII genannten Leistung der Eingliederungshilfe konkret übereinstimmen, um
den Einsatz dieser Leistungen über die Kosten des Lebensunterhalts hinaus
(§ 92 Abs. 2 Satz 3 und 4 SGB XII) verlangen zu können. Soweit
Leistungen aufgrund von Schadensersatzverpflichtungen geflossen sind, bedeutet
dies, dass im Einzelnen festzustellen ist, in welcher Höhe Anteile in der
Leistung der oder des Schadenersatzpflichtigen enthalten sind, die demselben
Zweck dienen wie die in § 92 Abs. 2 SGB XII aufgeführten Leistungen
der Eingliederungshilfe. Sofern im Einzelfall eine Aufgliederung der
Gesamtleistung im Hinblick auf die einzelnen Schadenpositionen, zum Ausgleich
derer sie gewährt werden, nicht möglich ist, ist eine Schätzung
vorzunehmen. Liegt ein Vergleich vor, so ist zu prüfen, ob Leistungen,
für die Eingliederungshilfe in Anspruch genommen wird, überhaupt
Gegenstand des Vergleichs waren. Die Zuordnung zu konkreten Leistungszwecken
ist auch dann erforderlich, wenn dem Träger der Sozialhilfe ein
gesetzlicher Forderungsübergang gemäß § 116 SGB X
eingeräumt ist oder durch Überleitungsbescheid ein Übergang
eines Anspruchs gemäß § 93 SGB XII bewirkt werden soll, da
Ansprüche auf den Träger der Sozialhilfe nur insoweit übergehen
oder ein Übergang bewirkt werden kann, als Leistungen fließen,
für die nachrangig Sozialhilfe zu gewähren ist. Zu § 92 a 92a.01 Zu
§ 92 a Abs. 1 92a.01.01.01 Allgemeines § 92a Abs. 1 SGB XII regelt den Einkommenseinsatz bei
teilstationären und stationären Leistungen zum Lebensunterhalt. In
§ 92a Abs. 2 und 3 SGB XII wird darüber hinaus die Aufbringung der
Mittel für den Fall geregelt, dass eine Person auf voraussichtlich
längere Zeit der Leistungen in einer stationären Einrichtung bedarf.
Die Sonderregelung des § 92a SGB XII stellt insbesondere sicher, dass ein
nicht getrennt lebender Ehegatte oder Lebenspartner (Partner) mit den im
Haushalt lebenden minderjährigen unverheirateten Kindern (Kinder) nicht
deshalb in die Lage geraten kann, Leistungen zur Deckung des notwendigen
Lebensunterhalts beim Träger der Sozialhilfe beanspruchen zu müssen,
weil der andere Partner einen Bedarf auf Leistungen in einer
teilstationären oder stationären Einrichtung hat. Dies gilt unter der
Voraussetzung, dass das gemeinsame Einkommen der Partner mindestens ausreicht,
um in dem bestehenden Haushalt den notwendigen Lebensunterhalt beider Partner
und den der Kinder zu decken. Auf Grundlage der Gegebenheiten des Einzelfalles
muss die Höhe des Betrages festgestellt werden, der für den im
Haushalt verbliebenen Partner und die Kinder aus dem gemeinsamen Einkommen der
Partner frei zu lassen ist (Garantiebetrag). Aus dieser Feststellung ergibt
sich dann die Höhe des Betrages, der aus dem Gesamteinkommen vom
Träger der Sozialhilfe zum Einsatz für Leistungen, die der andere
Partner nach dem Dritten und Vierten Kapitel des SGB XII in der Einrichtung
erhält, verlangt werden kann. Im Rahmen dieser Feststellungen soll den im
Haushalt Verbliebenen als Garantiebetrag ein angemessener Betrag oberhalb des
sozial-hilferechtlich notwendigen Lebensunterhalts belassen werden. Zwischen
der Einkommensfreilassung / Kostenbeteiligung nach § 92a SGB XII
einerseits und der ggf. weiteren Einkommensfreilassung/Kostenbeteiligung nach
§ 87 SGB XII andererseits muss unterschieden werden. Zur Berücksichtigung der bisherigen Lebenssituation soll auf das
gemeinsame Durchschnittseinkommen im Jahr vor Eintritt des Hilfebedarfs
abgestellt werden, sofern keine andere Betrachtung gerechtfertigt ist (z.B.
absehbare Einkommensminderung wegen bevorstehenden Rentenbezugs).
Einkommensminderungen, die vor Aufnahme in die stationäre Einrichtung
wegen Krankenhausaufenthalten oder Maßnahmen zur Rehabilitation
eingetreten waren, sollen in der Regel unberücksichtigt bleiben. Der
Umstand, dass mit dem konkreten Garantiebetrag gemäß § 92a Abs.
3 SGB XII auch der bisherigen Lebenssituation Rechnung getragen
wird, erlaubt es, während eines lang andauernden Leistungszeitraums zu
überprüfen, ob die Höhe des Garantiebetrages, der bei Eintritt
des Bedarfs in der stationären Einrichtung ermittelt wurde, noch
gerechtfertigt ist. Im Einzelfall kann es einem Partner wegen der
geänderten Lebenssituation mit Rücksicht auf ihr oder sein Alter oder
nicht mehr im Haushalt lebende Kinder zumutbar sein, die Kosten der Unterkunft
zu senken. Eine Veränderung des Garantiebetrages kann im Einzelfall auch
in Betracht gezogen werden, wenn dieser unter Berücksichtigung eines hohen
und stark überwiegenden Einkommens der oder des Leistungsberechtigten
gebildet worden war und sich inzwischen das durch den Partner erzielte
Einkommen deutlich erhöht hat oder von diesem mit Rücksicht auf sein
Alter und das Alter der im Haushalt lebenden Kinder zumutbar erhöht werden
könnte. Die Regelungen zur häuslichen Ersparnis unter Nummer 92.02.05.00
sind entsprechend anzuwenden. Ferner ist Nummer 87.01.00.01 (monatliche
Festsetzung) entsprechend anzuwenden. 92a.01.01.02
Eigenleistungen bei Beurlaubung oder sonstiger
leistungsberechtigten Personen aus der Einrichtung Eine Eigenleistung gemäß § 92a Abs. 1 SGB XII für
Leistungen nach dem Dritten und Vierten Kapitel SGB XII kann nur verlangt
werden, soweit die Ersparnis des häuslichen Lebensunterhalts während
der Abwesenheit aus der stationären Einrichtung fortbesteht, d.h. der
Barbetrag weiter gewährt wird und/oder die Einrichtung Verpflegung
anbietet. Sie ist nicht zu fordern, wenn und soweit ein Bedarf an Hilfe zum
Lebensunterhalt für die Zeit der Abwesenheit festgestellt wird. Auf den
oder Urlaub) kommt es bezüglich der Erstattung von Eigenleistungen oder
Nichtinanspruchnahme von Eigenmitteln nicht an (siehe auch Nummern 28.01.00.00,
88.01.00.01 und 92a.02.01.00). Die Eigenleistung für die Leistung
gemäß § 35 Abs. 2 SGB XII ist bei Abwesenheit aus der
stationären Einrichtung nicht zu erstatten. Ferner sind Eigen-mittel
einzusetzen, weil die Leistung gemäß § 35 Abs. 2 SGB XII
während der Abwesenheit weiter gewährt wird. 92a.02 Zu § 92a Abs. 2 92a.02.01.00 Inanspruchnahme von Eigenleistungen bei Beurlaubung oder
stationäre Leistung nach § 92a Abs. 2 SGB XII nicht zu erheben, wenn
die leistungsberechtigte Person tatsächlich nicht durch die
stationäre Einrichtung betreut wird und der Träger - der Sozialhilfe
die umfassende Betreuung nicht anderenorts sicherstellt (Urteil des BVerwG vom
25.11.1982 - 5 C 13/82 -, FEVS 32 S.309). Auf den Grund der Abwesenheit aus der
stationären Einrichtung (z.B. Erkrankung oder Urlaub) kommt es bei dem
Anspruch auf Erstattung von Eigenleistungen nicht an (siehe auch Nummern
28.01.00.00 und 88.01.00.01 und 92a.01.01.01). 92a.02.01.01 Verfahren bei Bezug von Ausbildungsgeld im
Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich einer WfbM und Übergangsgeld
Ausbildungsgeld nach den §§ 104 und 107 SGB III ist nicht dazu
bestimmt, den Lebensunterhalt sicherzustellen. Das Ausbildungsgeld bleibt daher
bei Leistungen nach dem Dritten und Vierten Kapitel SGB XII
unberücksichtigt. Zur Anrechnung des Ausbildungsgeldes bei der fachlichen
Leistung wird auf Nummer 88.01.01.02 verwiesen. Übergangsgeld dient dagegen auch der Sicherstellung des
Lebensunterhalts und ist insoweit bei den Leistungen nach dem Dritten und
Vierten Kapitel SGB XII als Einkommen zu berücksichtigen. Es bleibt
allerdings ein Betrag in Höhe der Hälfte des Ausbildungsgeldes nach
den §§ 104, 107 SGB III frei. Zur Anrechnung des Übergangsgeldes
bei der fachlichen Leistung wird auf Nummer 88.01.01.02 verwiesen. 92a.02.01.02 Monatliche Festsetzung Nummer 87.01.00.01 (monatliche Festsetzung) ist entsprechend anzuwenden.
Zu § 94 94.00 94.00.00.00 Allgemeines 94.00.00.01 Bedeutung und Zielsetzung der Regelung Der Träger der Sozialhilfe ist aufgrund des Nachrangs der
Sozialhilfe verpflichtet, Unterhaltsansprüche im Rahmen des § 94 SGB
XII umgehend zu sichern und zu realisieren. Nach § 2 SGB XII hat die
leistungsberechtigte Person vorrangig vor der Gewährung von Sozialhilfe
unterhaltspflichtige Angehörige auf Unterhalt in Anspruch zu nehmen.
§ 94 SGB XII dient der Wiederherstellung des Nachrangs der Sozialhilfe in
den Fällen, in denen Unterhaltspflichtige nicht leisten oder in denen es
der oder dem Leistungsberechtigten nicht möglich oder zumutbar ist, den
Unterhaltsanspruch rechtzeitig zu realisieren. In diesen Fällen geht der
Unterhaltsanspruch kraft Gesetzes auf den Träger der Sozialhilfe
über, soweit Sozialhilfe geleistet wird. 94.00.00.02 Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche
und private Fürsorge (DV) Bei der Heranziehung Unterhaltspflichtiger im Rahmen der
Sozialhilfegewährung in der sachlichen Zuständigkeit des
überörtlichen Trägers der Sozialhilfe ist grundsätzlich
nach den Empfehlungen für die Heranziehung Unterhaltspflichtiger in
der Sozialhilfe des DV vom 16.10.2008 zu verfahren. Die Anwendung dieser
Empfehlungen wird auch von der Rechtsprechung gebilligt (Urteil des BGH vom
21.4.2004 - XII ZR 251/01 -, Zeitschrift für das gesamte Familienrecht
S.1097). Die nachstehenden Regelungen gehen den Empfehlungen des DV vor.
Für die Frage, ob ein gesetzlicher Unterhaltsanspruch besteht, ist auf die
unterhaltsrechtlichen Leitlinien des Oberlandesgerichts abzustellen, in dessen
Bezirk eine eventuelle Unterhaltsklage zu erheben wäre. Die
unterhaltsrechtlichen Leitlinien der OLG Celle und Oldenburg und die
Anmerkungen und Hinweise zur Rechtsprechung des OLG Braunschweig in
Unterhaltssachen sind auf den Internetseiten dieser Gerichte
veröffentlicht. 94.00.00.03 Sonderregelungen bei der Hilfe zur Überwindung
besonderer sozialer Schwierigkeiten nach dem Achten Kapitel SGB XII Bei materiellen fachlichen Leistungen nach § 68 SGB XII ist bei der
Heranziehung Unterhaltspflichtiger eine mögliche Gefährdung des
Hilfeerfolgs nach § 68 Abs. 2 Satz 2 SGB XII zu beachten. Im Übrigen
gilt Nummer 82.01.01.01 entsprechend. Die Einrichtung hat den Tatbestand der
konkreten Hilfegefährdung schriftlich festzuhalten. § 68 Abs. 2 Satz
2 SGB XII stellt hinsichtlich der Leistungen der fachlichen Hilfe, nicht aber
hinsichtlich der gleichzeitig erbrachten Leistungen zum Lebensunterhalt nach
dem Dritten und Vierten Kapitel SGB XII von der Heranziehung zum Unterhalt
frei. In der Regel wird aber den Personen, die Leistungen nach dem Achten
Kapitel SGB XII erhalten, kein zivilrechtlicher Unterhaltsanspruch gegen ihre
Angehörigen zustehen. Unterhaltsansprüche sind daher auch für
die Leistungen zum Lebensunterhalt nach dem Dritten und Vierten Kapitel SGB XII
lediglich in Einzelfällen geltend zu machen, wenn konkrete Anhaltspunkte
für einen durchsetzbaren Unterhaltsanspruch vorliegen. 94.01 Zu § 94 Abs. 1 94.01.01.00 Allgemeines 94.01.01.01 Gesetzlicher Forderungsübergang § 94 Abs. 1 SGB XII begründet einen gesetzlichen
Forderungsübergang. Eine Überleitung des Unterhaltsanspruchs durch
förmlichen Bescheid, d.h. Verwaltungsakt, ist daher nicht vorzunehmen
(siehe aber Nummer 94.04.01.03). 94.01.01.02 Gesetzliche Unterhaltsansprüche Der Übergang ist auf gesetzliche Unterhaltsansprüche
beschränkt. Dazu gehören auch Unterhaltsansprüche, die dem
Grunde nach auf Gesetz beruhen, aber durch Verträge bestätigt oder
konkretisiert worden sind, z.B. Unterhaltsvergleiche, nicht aber
ausschließlich durch Vertrag begründete Unterhaltsansprüche.
94.01.01.03 Zeitraumidentität Der Unterhaltsanspruch geht nur über, soweit er für denselben
Zeitraum fällig ist, für den die Leistungen der Sozialhilfe bestimmt
sind. 94.01.01.04 Auskunftsanspruch Neben dem Unterhaltsanspruch geht auch der unterhaltsrechtliche
Auskunftsanspruch auf den Träger der Sozialhilfe über. Der
unterhaltsrechtliche Auskunftsanspruch nach § 1605 BGB erstreckt sich auf
die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der unterhaltspflichtigen
Person sowie auf Vorlage entsprechender Belege und ermöglicht dem
Träger der Sozialhilfe die Prüfung, ob ein Unterhaltsanspruch
überhaupt besteht. Neben dem unterhaltsrechtlichen Auskunftsanspruch besteht für den
Träger der Sozialhilfe auch weiterhin der öffentlich-rechtliche
Auskunftsanspruch nach § 117 SGB XII, der ihm die Durchsetzung des
Auskunftsanspruchs im Wege der Verwaltungsvollstreckung ermöglicht. Dieser
Weg ist in der Regel aber aufwändiger als die Durchsetzung des
Auskunftsanspruchs über die zivilrechtliche Auskunftsklage (siehe Nummer
94.01.01.05). 94.01.01.05 Gerichtliche Durchsetzung Der Auskunftsanspruch kann durch eine Auskunftsklage, der
Unterhaltsanspruch durch ein gerichtliches Mahnverfahren (§§ 688 bis
703 d ZPO) oder eine Klage durchgesetzt werden. Zuständig ist das
Amtsgericht - Familiengericht - (§ 23b GVG). Bevor ein gerichtliches
Mahnverfahren oder eine Klage erhoben wird, ist dies der unterhaltspflichtigen
Person schriftlich anzukündigen, um die negative Kostenfolge im Fall eines
sofortigen Anerkenntnisses seitens der oder des Beklagten zu vermeiden. Es
empfiehlt sich, die unterhaltspflichtige Person in diesem Schreiben auf die ihr
im Fall ihres Unterliegens entstehenden erheblichen Kosten hinzuweisen.
Gleichzeitig ist eine Frist zur Erfüllung der geforderten Leistung zu
setzen. Diese soll mindestens vier Wochen ab Zugang betragen. Es empfiehlt
sich, die Ankündigung der Klage förmlich zuzustellen. Sonst besteht
die Gefahr, dass die herangezogene kommunale Körperschaft im Fall eines
sofortigen Anerkenntnisses der Gegenseite unter Umständen nicht nachweisen
kann, dass Anlass zur Klageerhebung bestanden hatte. Dies hätte zur Folge,
dass die herangezogene kommunale Körperschaft nach § 93 ZPO die
Kosten des Klageverfahrens zu tragen hätte. 94.01.01.06 Unterhaltstitel der leistungsberechtigten Person Soweit eine leistungsberechtigte Person bereits einen vollstreckbaren
Unterhaltstitel (z.B. ein Urteil) erwirkt hat und der Anspruch auf den
Träger der Sozialhilfe übergegangen ist, kann dieser Titel auf den
Träger der Sozialhilfe umgeschrieben werden (§ 727 ZPO). Die
leistungsberechtigte Person ist insoweit zur Herausgabe des Titels verpflichtet
(siehe aber Nummer 94.01.02.01). Eine erneute gerichtliche Geltendmachung durch
den Träger der Sozialhilfe entfällt in diesem Fall. 94.01.02.01 Erfüllung des Anspruchs durch die unterhaltspflichtige
Person Der Übergang des Unterhaltsanspruchs ist nach § 94 Abs. 1 Satz
2 SGB XII ausgeschlossen, wenn die unterhaltspflichtige Person in gesetzlich
zustehender Höhe Unterhalt an die leistungsberechtigte Person zahlt oder
Naturalunterhalt leistet. Erbrachte Unterhaltsleistungen sind Einkommen der
unterhaltsberechtigten Person i.S. des Elften Kapitels SGB XII. 94.01.03.01 Angehörige Gemäß § 94 Abs. 1 Satz 3 SGB XII gehen auf den
Träger der Sozialhilfe nur gesetzliche Unterhaltsansprüche über,
die zwischen Ehepartnern, eingetragenen Lebenspartnern sowie zwischen Eltern
und deren Kindern oder Kindern und Eltern bestehen. Eltern sind die leiblichen
Eltern und Adoptiveltern, nicht Stiefeltern und Pflegeeltern. 94.01.03.02 Grundsicherung Für die nach dem Vierten Kapitel SGB XII gewährten Leistungen
der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung findet der Übergang
von Unterhaltsansprüchen, die gegenüber Eltern und Kindern der
leistungsberechtigten Person bestehen, nicht statt. Hinsichtlich der
beschränkten Berücksichtigung von Unterhalt bei der Gewährung
von Leistungen nach dem Vierten Kapitel SGB XII wird im Übrigen auf die
Nummern 43.02.00.00 ff. Bezug genommen. 94.01.03.03 Aufhebung der Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft Ein Unterhaltsanspruch, der gegenüber einer Ehepartnerin oder einem
Ehepartner oder einer eingetragenen Lebenspartnerin oder einem eingetragenen
Lebenspartner besteht, geht nach § 94 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. § 19 Abs.
1 Satz 3, Abs. 2 Satz 2 oder Abs. 3 SGB XII nur über, wenn die Lebens- und
Wirtschaftsgemeinschaft dauerhaft aufgehoben ist. Dies ist selbst bei einer
Aufnahme in eine stationäre Einrichtung erst der Fall, wenn sich aus den
Gesamtumständen ergibt, dass zumindest einer der Partner den Willen hat,
sich unter Aufgabe der bisherigen Lebensgemeinschaft von seinem Partner zu
trennen (Urteil des BVerwG vom 26.1.1995 - 5 C 8/93 -, FEVS 45 S. 447). 94.01.03.04 Unterhaltsansprüche minderjähriger Personen Unterhaltsansprüche minderjähriger unverheirateter Kindern
gegen ihre Eltern gehen gemäß § 94 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. §
19 Abs. 3 SGB XII für nach dem Fünften bis Neunten Kapitel SGB XII
gewährte Hilfen zur Gesundheit, Eingliederungshilfe für behinderte
Menschen, Hilfe zur Pflege, Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer
Schwierigkeiten und Hilfen in anderen Lebenslagen nicht auf den Träger der
Sozialhilfe über. In diesen Fällen ist aber zu prüfen, ob dem
Träger der Sozialhilfe gegen die Eltern ein Anspruch auf Aufwendungsersatz
nach § 19 Abs. 5 SGB XII zusteht oder er eine Eigenleistung nach § 92
SGB XII verlangen kann. 94.01.04.00 Unterhaltsansprüche von Müttern und schwangeren
Frauen Unterhaltsansprüche einer Leistungsberechtigten, die schwanger ist
oder von leistungsberechtigten Personen, die ihr leibliches, noch nicht sechs
Jahre altes Kind betreuen, gehen gemäß § 94 Abs. 1 Satz 4 SGB
XII nur auf den Träger der Sozialhilfe über, soweit die
Unterhaltsansprüche gegenüber dem Ehepartner oder dem eingetragenen
Lebenspartner der leistungsberechtigten Person oder zwischen nicht
verheirateten Eltern gemäß § 1615 1 BGB bestehen. 94.02 Zu § 94 Abs. 2 SGB XII (Besondere Regelungen für die
Eltern behinderter Kinder) 94.02.00.00 Allgemeines 94.02.00.01 Anwendungsbereich § 94 Abs. 2 SGB XII begrenzt den Übergang der gegenüber
den Eltern bestehenden Unterhaltsansprüche der leistungsberechtigten
Personen, die volljährig sowie behindert (§ 53 SGB XII) oder
pflegebedürftig (§ 61 SGB XII) sind. Er gilt für
leistungsberechtigte Personen, die stationäre, teilstationäre oder
ambulante Leistungen erhalten. 94.02.00.02 Kurzzeitige Leistungserbringung Wenn von vornherein feststeht, dass Leistungen nur für einen
Zeitraum von bis zu drei Monaten erbracht werden, ist der Unterhaltsanspruch in
den Fällen des § 94 Abs. 2 SGB XII nicht geltend zu machen. 94.02.01.00 Einschränkung der Heranziehung zum Unterhalt 94.02.01.01 Höchstbeträge der Heranziehung für den
Lebensunterhalt und die fachliche Leistung Für Leistungen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen
nach dem Sechsten Kapitel SGB XII und der Hilfe zur Pflege nach dem Siebten
Kapitel SGB XII geht gemäß § 94 Abs. 2 Satz 1 SGB XII der
Unterhaltsanspruch in Höhe von bis zu 31,06 EUR (ab 1.1.2010) über.
Zusätzlich geht für Leistungen der Hilfe zum Lebensunterhalt der
Unterhaltsanspruch in Höhe von bis zu 23,90 EUR (ab 1.1.2010) über.
Die Einschränkung der Unterhaltsheranziehung gilt nur für den nach
dem Dritten Kapitel SGB XII in der Einrichtung gewährten Lebensunterhalt,
nicht aber für die Grundsicherung nach dem Vierten Kapitel SGB XII
(insofern siehe auch Nummern 94.01.03.02 und 43.02.00.00 ff.). Unterhaltspflichtige können für die Kosten der Maßnahme
oder der Leistungen zum Lebensunterhalt nur zum Unterhalt herangezogen werden,
soweit die leistungsberechtigte Person selbst dem Grunde nach dazu verpflichtet
ist, aus eigenem Einkommen oder Vermögen zu diesen Kosten beizutragen,
hierzu aber ganz oder teilweise nicht in der Lage ist. In den Fällen des § 92 Abs. 2 Satz 1 Nrn. 1 bis 6 SGB XII ist
damit die Unterhaltsheranziehung auf den Lebensunterhalt begrenzt und für
die Maßnahmekosten ausgeschlossen, weil die dort genannten Leistungen
ohne Rücksicht auf Einkommen und Vermögen gewährt werden. Der
Beitrag für die Aufwendungen des Lebensunterhalts ist auf die
tatsächlich ersparten Aufwendungen begrenzt. Ein Unterhaltsanspruch gegen
die Eltern volljähriger behinderter Kinder geht daher nur dann auf den
Träger der Sozialhilfe über, wenn die leistungsberechtigte Person
selbst (und ggf. ihre nicht getrennt lebende Ehefrau oder ihr nicht getrennt
lebender Ehemann) diese häuslichen Ersparnisse nicht aufbringen kann. In
den Fällen des § 92 Abs. 2 Satz 1 Nrn. 7 und 8 SGB XII ist
gemäß § 92 Abs. 2 Satz 4 SGB XII Einkommen der
leistungsberechtigten Person in einer Höhe vom Einsatz für den
Lebensunterhalt freigestellt, die in der Regel deutlich über dem für
den Lebensunterhalt bestehenden unterhaltsrechtlichen Bedarf liegt. Daher
scheidet in den Fällen des § 92 Abs. 2 Nrn. 7 und 8 SGB XII die
Heranziehung zum Unterhalt auch für die Kosten des in der
teilstationären Einrichtung gewährten Lebensunterhalts aus. Dies
steht einer Heranziehung zum Unterhalt für die Kosten von gleichzeitig
nach anderen Vorschriften des SGB XII durchgeführten Maßnahmen, z.B.
bei einer stationären Leistung nach § 54 Abs. 1 Satz 1 SGB XII i.V.m.
§ 55 Abs. 2 Nr. 6 SGB XI, und des im Zusammenhang mit diesen
Maßnahmen gewährten Lebensunterhalts nicht entgegen. 94.02.01.02 Lebensunterhalt bei stationären Leistungen Die Höhe des in einer stationären Einrichtung erbrachten
notwendigen Lebensunterhalts orientiert sich nach § 35 Abs. 1 Satz 2 SGB
XII an den Leistungen der Grundsicherung nach § 42 Satz 1 Nrn. 1 bis 3 SGB
XII (siehe Nummer 35.01.00.00). Neben dem in der stationären Einrichtung
erbrachten notwendigen Lebensunterhalt wird der weitere notwendige
Lebensunterhalt (das sind die Leistungen nach § 35 Abs. 2 SGB XII,
insbesondere Barbetrag, Kleidung) gewährt. Der Barbetrag und die
Leistungen für Kleidung machen immer einen Betrag aus, der mehr als 23,90
EUR (ab 1. 1. 2010) erreicht. Der in der Einrichtung gewährte
Lebensunterhalt liegt also immer um mehr als 23,90 EUR (ab 1.1.2010) über
den Leistungen der Grundsicherung nach dem Vierten Kapitel SGB XII. Damit
besteht immer die Möglichkeit darzulegen, dass der für den
Lebensunterhalt in der stationären Einrichtung bestehende
Unterhaltsanspruch um mindestens 23,90 EUR (ab 1.1.2010) oberhalb der Höhe
der Leistungen der Grundsicherung liegt. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz
ergibt sich nur, soweit die leistungsberechtigte Person in der Lage ist, aus
ihrem Einkommen und Vermögen die Kosten des gesamten Lebensunterhalts
selbst aufzubringen. 94.02.01.03 Weiter gehende Unterhaltsansprüche der
leistungsberechtigten Personen § 94 Abs. 2 Satz 1 SGB XII begrenzt nur den Teil des
Unterhaltsanspruchs, der auf den Träger der Sozialhilfe übergeht. Der
Teil des tatsächlich zustehenden Unterhaltsanspruchs, der die in § 94
Abs. 2 Satz 1 SGB XII genannten Beträge übersteigt, steht der
leistungsberechtigten Person weiterhin zu. 94.02.02.00 Gesetzliche Vermutungen 94.02.02.01 Unterhaltsfähigkeit Nach § 94 Abs. 2 Satz 2 SGB XII gilt die gesetzliche Vermutung,
dass die Eltern im Umfang der in § 94 Abs. 2 Satz 1 SGB XII genannten
Beträge leistungsfähig sind und keine unbillige Härte vorliegt
(zur immateriellen Härte bei diesen Fällen siehe Nummer 94.03.01.04).
Die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Eltern sind
daher vor der Geltendmachung des Anspruchs nicht zu ermitteln. 94.02.02.02 Anteilige Haftung Aus § 94 Abs. 2 Satz 2 SGB XII ergibt sich außerdem die
gesetzliche Vermutung, dass mehrere Unterhaltspflichtige zu gleichen Teilen
haften. Es besteht keine gesamtschuldnerische Haftung. Wenn nur noch ein
Elternteil lebt, sind die in § 94 Abs. 2 Satz 1 SGB XII genannten
Beträge gegenüber dem überlebenden Elternteil in voller
Höhe geltend zu machen. 94.02.02.03 Widerlegbarkeit Die in § 94 Abs. 2 Satz 2 SGB XII aufgestellten Vermutungen
können widerlegt werden; die Beweis- und Darlegungslast liegt bei den
Eltern. Eine Überprüfung erfolgt nur, wenn zumindest ein Elternteil
darlegt, dass und aus welchen Gründen er nicht leistungsfähig ist
oder mit einem geringeren Teil als der Hälfte des Anspruchs haftet. Die
Eltern sind auf diese Möglichkeit in der Rechtswahrungsanzeige (siehe
Nummern 94.04.01.01 ff.) ausdrücklich hinzuweisen. Soweit die Prüfung
ergibt, dass die Auffassung des Elternteils zutrifft, der geltend gemacht hat,
er hafte mit weniger als der Hälfte der in § 94 Abs. 2 Satz 1 SGB XII
genannten Beträge, ist zu prüfen, ob der andere Elternteil mit dem
gesamten Rest der in § 94 Abs. 2 Satz 1 SGB XII genannten Beträge zum
Unterhalt herangezogen werden kann. 94.03 Zu § 94 Abs. 3 94.03.01.00 Härteregelungen 94.03.01.01 Sozialhilfebedürftige Unterhaltspflichtige Unterhaltsansprüche sind im Hinblick auf § 94 Abs. 3 Satz 1
Nr. 1 SGB XIl nicht zu prüfen oder geltend zu machen, wenn bereits bekannt
ist, dass die unterhaltspflichtige Person Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem
Dritten Kapitel SGB XII oder Leistungen der Grundsicherung nach dem Vierten
Kapitel SGB XII bezieht oder bekannt ist, dass sie bei Erfüllung des
Unterhaltsanspruchs einen Anspruch auf diese Leistungen hätte. Dass eine
unterhaltspflichtige Person Leistungen zur Sicherung des.. Lebensunterhalts
nach dem SGB II bezieht, schließt den Übergang von
Unterhaltsansprüchen auf den Träger der Sozialhilfe zwar nicht
bereits dem Grunde nach aus. In diesen Fällen kann jedoch unterstellt
werden, dass die Unterhaltsfähigkeit nicht gegeben ist. 94.03.01.02 Allgemeine Härte Aus § 94 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB XII ergibt sich, dass
Unterhaltsansprüche nicht übergehen, soweit eine unbillige Härte
vorliegt. 94.03.01.03 Immaterielle Härte Für die Prüfung der unbilligen Härte aus immateriellen
Grün-den sind in allen Fällen des § 94 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB
XII die Empfehlungen für die Heranziehung Unterhaltspflichtiger in
der Sozialhilfe des DV vom 16.10.2008 maßgeblich (siehe Nummer
94.00.00.02). Das Vorliegen einer Härte hat zur Folge, dass ganz oder
teilweise von der Heranziehung zum Unterhalt abgesehen werden muss. Härtegründe aus immateriellen
Gründen können u.a. sein: a)
Verletzung des Grundsatzes der familiengerechten Leistungen (§
16 SGB XII), insbesondere weil die laufende Heranziehung in Anbetracht der
sozialen und wirtschaftlichen Lage der unterhaltspflichtigen Person mit
Rücksicht auf die Höhe und Dauer des Bedarfs zu einer nachhaltigen
und unzumutbaren Beeinträchtigung der unterhaltspflichtigen Person und der
übrigen Familienmitglieder führen würde (Urteil des BGH vom
21.4.2004 - XII ZR 251/01 -, a.a.0.), b)
Betreuung der Leistungsberechtigten durch die unterhaltspflichtige
Person vor Eintritt der Sozialhilfebedürftigkeit über das Maß
der zumutbaren Unterhaltsverpflichtung hinaus (Urteil des BGH vom 23.7.2003 -
XII ZR 339/00 -, NDV-Rechtsprechungsdienst S.115) c)
Unterhaltspflicht gegenüber mehreren nicht behinderten
Kindern, d)
Belastung des Haushalts, weil Großeltern mit versorgt werden,
Krankheit eines weiteren Familienangehörigen, f)
Eltern befinden sich im Rentenalter (Urteil des BGH vom
23.7.2003.- XII ZR 339/00 -, a.a.0.), g)
Aufhebung der Bindung zwischen unterhaltspflichtiger und
leistungsberechtigter Person durch Jahrzehnte andauernde Unfähigkeit der
leistungsberechtigten Person, für die unterhaltspflichtige Person zu
sorgen (Urteil des BGH vom 21.4.2004 - XII ZR 251/01 -, a.a.0.). 94.03.01.04 Immaterielle und materielle Härte bei behinderten
volljährigen Kindern Für behinderte und pflegebedürftige volljährige Kinder
hat der Gesetzgeber die unbillige Härte aus materiellen Gründen
insoweit konkretisiert, als er den auf den Träger der Sozialhilfe
übergehenden Teil des Unterhalts in § 94 Abs. 2 SGB XII auf feste
Beträge begrenzt hat. Eine materielle Härte wird dadurch bei Bestehen
der zivilrechtlichen Unterhaltsfähigkeit ausgeschlossen. Eine immaterielle
Härte kann in diesen Fällen weiterhin vorliegen, ist aber aufgrund
der gesetzlichen Vermutung des § 94 Abs. 2 Satz 2 SGB XII (siehe Nummern
94.02.02.01 und 94.02.02.03) erst zu prüfen, wenn mindestens eine
unterhaltspflichtige Person das Vorliegen einer immateriellen Härte
geltend macht oder einen Sachverhalt vorträgt, der das Vorliegen einer
immateriellen Härte begründen kann. In den Fällen des § 94
Abs. 2 SGB XII ist daher weder das Vorliegen einer unbilligen Härte aus
immateriellen Gründen noch das Bestehen einer materiellen Härte zu
prüfen, bevor der Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern geltend
gemacht wird (vgl. Nummer 94.02.02.01). 94.03.02.01 Einschränkung des Amtsermittlungsgrundsatzes Der Träger der Sozialhilfe hat den Ausschluss des
Unterhaltsübergangs nach den Härteregelungen gemäß §
94 Abs. 3 Satz 2 SGB XII zu berücksichtigen, wenn das Vorliegen der
Voraussetzungen des § 94 Abs. 3 Satz 1 SGB XII nachgewiesen oder auf
andere Weise bekannt wird. Er ist aber nicht verpflichtet, ohne besonderen
Anlass selbst Ermittlungen zum Nachweis dieser Voraussetzungen anzustellen.
Insofern schränkt § 94 Abs. 3 Satz 2 SGB XII als gegenüber
§ 20 SGB X speziellere Vorschrift den Amtsermittlungsgrundsatz ein. 94.04 Zu § 94 Abs. 4 94.04.01.00 Rechtswahrungsanzeige 94.04.01.01 Unterhalt für die Vergangenheit Nach § 94 Abs. 4 Satz 1 SGB XII kann der Träger der
Sozialhilfe Unterhalt für die Vergangenheit erst ab dem Zeitpunkt fordern,
in dem der unterhaltspflichtigen Person eine schriftliche Mitteilung über
die Erbringung seiner Leistungen zugegangen ist (sog. Rechtswahrungsanzeige).
94.04.01.02 Verfahren Die Rechtswahrungsanzeige ist unverzüglich zu erteilen, sobald
bekannt wird, dass gegen die jeweilige unterhaltspflichtige Person ein
Unterhaltsanspruch beste Zen kann. Der Unterhaltsanspruch braucht zu diesem
Zeitpunkt weder dem Grunde noch der Höhe nach festzustehen. Jeder in
Betracht kommenden potenziell unterhaltspflichtigen Person ist eine gesonderte
Rechtswahrungsanzeige zu erteilen. Um den Zugang der Rechtswahrungsanzeige
nachweisen zu können, wird empfohlen, diese den unterhaltspflichtigen
Personen förmlich zuzustellen. Der leistungsberechtigten Person oder,
falls vorhanden, ihrer Betreuerin oder ihrem Betreuer ist eine Durchschrift der
Rechtswahrungsanzeige zur Kenntnis zu geben. 94.04.01.03 Kein Verwaltungsakt Die Rechtswahrungsanzeige ist nicht mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu
versehen. Sie trifft keine Regelung (siehe auch Nummer 94.01.01.01) und ist
daher kein Verwaltungsakt. Widerspruch und Klage gegen eine
Rechtswahrungsanzeige sind nicht zulässig. 94.05 Zu § 94 Abs. 5 94.05.01.00 Rückübertragung Von der Möglichkeit, den Unterhaltsanspruch gemäß §
94 Abs. 5 SGB XII auf die leistungsberechtigte Person
zurückzuübertragen, ist bei geistig und seelisch behinderten
Menschen, minderjährigen Leistungsberechtigten und Personen, die Hilfe zur
Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten erhalten (siehe auch
Nummer 94.00.00.03), abzusehen. Zu § 133 a 133a.00.00.00 Zusatzbarbetrag Voraussetzung für die Anwendung der Übergangsregelung ist der
fortlaufende Bezug des Zusatzbarbetrages seit Dezember 2004. Maßgeblich
für die Höhe ist der für den vollen Monat Dezember 2004
tatsächlich festgestellte Zusatzbarbetrag, unabhängig davon, ob
dieser Betrag gegenüber den anderen Monaten überdurchschnittlich hoch
oder niedrig war. Allerdings setzt die Gewährung der Besitzstandsleistung in
Höhe des Zusatzbarbetrages aus Dezember 2004 voraus, dass die
Tatbestandsmerkmale des früheren § 21 Abs. 3 Satz 4 BSHG weiterhin
vorliegen, d.h., die leistungsberechtigte Person muss weiterhin einen Teil der
Kosten des Aufenthalts in. der Einrichtung selbst tragen. Andernfalls wäre
die leistungsberechtigte Person besser gestellt als bei Fortbestand der
früheren Regelung zum zusätzlichen Barbetrag. Bei der Besitzstandsregelung nach § 133a SGB XII handelt es sich um
eine Leistung i.S. des § 35 Abs. 2 SGB XII, die bei der
Einkommensanrechnung zu berücksichtigen ist. Der Anspruch auf die
Besitzstandsleistung erlischt nicht bei einem Einrichtungswechsel, wohl aber
bei Beendigung einer stationären Leistung, bei Wegfall der
Bedürftigkeit (z.B. wegen Zugang von Einkommen oder Vermögen) und in
Fällen, in denen leistungsberechtigte Personen sich an den Kosten des
Aufenthalts in der Einrichtung nicht mehr beteiligen und somit die
Voraussetzungen für die Gewährung des Zusatzbarbetrages dem Grunde
nach nicht mehr vorliegen. Der Anspruch lebt nicht wieder auf. Nummer 9 der Empfehlungen für die Heranziehung
Unterhaltspflichtiger in der Sozialhilfe des DV vom 16.10.2008 findet
keine Anwendung. Recht und Gesetz in Niedersachsen (www.recht-niedersachsen.de)

References: § 2
 § 19
 § 21
 § 28
 § 30
 § 35
 § 41
 § 42
 § 43
 § 67
 § 69
 § 69
 § 68
 § 69
 § 3
 § 69
 § 82
 § 85
 § 87
 § 88
 § 90
 § 92
 § 92
 § 92
 § 92
 § 92
 § 92
 § 94
 § 133
 § 2

§ 2
 § 19
 § 19

§ 19
 § 92
 §
19
 § 19
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 § 92
 § 92
 § 19
 § 19
 § 19
 § 19
 § 19
 § 19
 § 24
 § 35
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 § 39
 § 33
 § 37
 §
86
 § 19
 BGH 
 § 21
 § 21
 § 5
 § 92
 § 92
 § 21
 § 5
 § 7
 § 7

§ 7
 § 19
 § 35
 § 76
 § 44
 § 2
 § 97
 § 7
 § 44
 § 44
 § 95
 § 28

§ 28
 § 98
 § 6
 § 6
 § 6
 § 100
 § 3
 § 2
 § 18
 § 36
 § 16
 § 93
 § 29
 § 30
 § 28
 § 16
 § 133
 § 88
 § 94
 § 74
 § 1
 § 90
 § 90
 § 82
 § 30

§ 35
 § 21
 § 35

§ 27
 § 92
 § 35
 § 35
 § 42
 § 1
 § 35
 § 35
 § 35
 § 23
 § 61

§ 35
 § 72
 § 35
 § 35
 § 35
 § 33
 § 34
 § 264
 § 41

§ 41
 § 30
 § 45
 § 43
 § 41
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 § 104
 § 42

§ 42
 § 42
 § 51
 § 43

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 § 94
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 § 16
 § 2
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 § 15
 § 43
 § 67
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97
 § 6
 § 69
 § 6
 § 69
 § 67
 § 69
 § 61
 § 9
 § 2
 § 69
 § 2
 § 69
 § 2
 § 69
 § 2
 § 69
 § 3

§ 98
 § 41

§ 43
 § 2
 § 154
 § 31
 § 68
 § 68
 § 1
 § 69
 § 69
 § 1
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 § 69
 § 69
 § 68
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67
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 § 126
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 § 63
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 § 68
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§ 3
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 § 68
 § 3
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§ 68
 § 3
 § 69
 § 69
 § 69
 § 69
 § 69
 § 68
 § 3
 § 69
 § 3
 § 69
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§ 14
 § 69
 § 4
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 § 68
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5
 § 69
 § 68
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 § 6
 § 69
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 § 68
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62
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 § 83
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 § 85

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 § 92
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 § 19
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 § 28
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 § 7
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 § 92
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 § 92
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 § 116
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§ 92
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 § 35
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 § 94
 § 2

§ 94
 BGH 
 § 68
 § 68
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 § 94
 § 94
 § 1605
 § 117
 § 93
 § 94
 § 94
 § 94
 § 19
 § 94
 §
19
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 § 92
 § 94
 § 1615
 § 94
 § 94
 § 94
 § 94
 § 92
 § 92
 § 92
 § 92
 § 54

§ 55
 § 35
 § 42
 § 35
 § 94
 § 94
 § 94
 § 94
 § 94
 § 94
 § 94
 § 94
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 § 94
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 BGH 
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 BGH 
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 § 94
 § 94
 § 94
 §
94
 § 94
 § 94

§ 20
 § 94
 § 94
 § 94
 §
94
 § 133
 § 21
 § 133
 § 35