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Timestamp: 2019-07-21 18:11:34+00:00

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36 € pro Stunde für das Reinigen der Wohnung? Ist das nicht ein bißchen (zu)viel verlangt? / Häusliche Pflege Blog / Infopool - Häusliche Pflege Online
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Dieser Blog-Beitrag ist die No. 02 von 12 in einer kleinen regelmäßigen Reihe
von mir bis zum Jahresende 2016: Jede Woche ein relativ kurzes Statement, was für das Jahr 2017 alles vorbereitet werden sollte.
Tatsächlich werden hauswirtschaftliche Leistungen seit Januar 2015 in großem Maße im Rahmen der Betreuungsleistungen nach § 45 b SGB XI verkauft. Viele Pflegedienste verlangen hierfür 36 € pro Stunde, teilweise werden diese Leistungen sogar für bis zu 52 € pro Stunde verkauft.
Den Kassen scheint es weitgehend egal zu sein, was derzeit mit den 104 € gemacht wird. Oft wird den Pflegebedürftigen sogar aktiv seitens der Pflegekassen empfohlen, die 104 € oder die 208 € "doch für das Reinigen der Wohnung zu verwenden".
Legendär war das Schreiben der AOK Nordost im Herbst des Jahres 2014, in dem es sinngemäß hieß, die bei der AOK versicherten Pflegebedürftigen bekämen ab Januar 2015 jede/r 104 € überwiesen. Die Aussage wurde zwar zurückgenommen, zeigt aber die grundsätzliche Haltung. Die Budgets bzw. die Ausgaben für diese Leistungen sind fest eingeplant, und es wird grundsätzlich mit einer 100%igen Ausschöpfung gerechnet.
So entsteht eine scheinbare Win-win-win-Situation:
1) Die Pflegebedürftigen, genauer gesagt die pflegenden Angehörigen bekommen eine Leistung geschenkt. Dafür wird möglicherweise ein Teil der Sachleistungen "frei" für mehr Pflegeleistungen oder für mehr Pflegegeld.
2) Die Pflege- und Betreuungsdienste freuen sich über eine Leistungsart, die gegebenenfalls mit Gewinn kalkuliert wird. Da es sich um eine Privatzahlerleistung handelt, ist das auch OK.
3) Die Pflegekassen freuen sich auch, weil die Budgets der Sachleistungen dadurch möglicherweise geschont werden, so dass die für die Kassen günstigere Geldleistung den Pflegebedürftigen gewährt wird.
Grundsätzlich können die Pflege- und Betreuungsdienste die Preise für die Leistungen zum Entlastungsbetrag ja weitgehend frei bestimmen. Vergleichsweise ähnliche Leistungen, nämlich die Zeitleistungen oder Leistungskomplexe im Rahmen der Sachleistungen, wurden jedoch in den letzten Jahren fast überall in Deutschland nicht ordentlich/korrekt verhandelt.
Meist klafft zwischen den tatsächlichen Kosten (z.B. 29,56 € pro Stunde, mathematisch richtig berechnet, unter Konditionen eines Tarifvertrages) und den gezahlten Vergütungen (z.B. 21,48 € pro Stunde in Bayern).
Deshalb führen die hauswirtschaftlichen Sachleistungen ein Schattendasein, weil sie nicht aktiv im Rahmen der Sachleistungen angeboten werden, teilweise verbunden mit regelrechten Ausreden: "Wir haben leider kein Personal für diese Leistungen."
Für die Hauswirtschaft im Rahmen der Betreuungsleistungen nach § 45b SGB XI aber schon!?
Als Mißbrauch im Sinne der ursprünglichen Intention würde ich es ansehen, wenn die 104 € (zukünftig die 125 €) nur dazu verwendet würden, die Wohnung oder das Haus blitzeblank von der letzten Kellerecke bis zum Dachstuhl zu reinigen, allein deswegen, weil es "kostenlos" ist.
Es ist dann naheliegend, dass eines Tages oder in naher Zukunft die Frage gestellt wird "Warum kosten (bzw. kostet) Putzen bei dem Pflegedienst XY 36 € pro Stunde? Das ist doch Abzocke!" Dabei nutzt man das Wort "Putzen" nicht als Verb, sondern als abschätzige Bezeichnung für eine Mitarbeiterin, die reinigt. Das ist bitter. Und doch irgendwie gerechtfertigt? Denn was soll an dieser Tätigkeit so besonderes sein, oder warum sind diese "Putzen" (Entschuldigung!) so wertvoll, dass sie für 36 € pro Stunde verkauft werden, wo doch eine "Putzfrau" (Entschuldigung!) nur 12 oder 15 oder maximal 20 € kostet, je nachdem ob diese sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist oder "schwarz" arbeitet.
Inhaltliche Lösungsansätze und Preisgestaltung
Meine Empfehlung ist, die Hauswirtschaftliche Versorgung im Rahmen der Betreuungs-/Entlastungsleistungen nur noch dann zu erbringen, wenn tatsächlich eine Entlastung der Pflegeperson stattfindet; ganz im Sinne der ursprünglichen Intention der "zusätzlichen Betreuungsleistungen" (so wie sie erstmals im Jahr 2008 im Pflege-Erweiterungsgesetz angedacht waren).
Es sollte also nicht nur um das Reinigen der Wohnung gehen. Denkbar wäre es, dass die pflegenden Angehörigen und die Hauswirtschaftskraft zusammen, also gemeinsam die Wohnung im Umfeld des Pflegebedürftigen in einen gewünschten Zustand bringen. Dabei kann und sollte durchaus auch kommuniziert werden ;-)
Weiterhin hielte ich es für sinnvoll, dass die Mitarbeiter entsprechend geschult sind, um sie zu befähigen, in entsprechenden Situationen zu erkennen, wenn weitere Unterstützung oder Pflege durch den Pflege- und Betreuungsdienst angemessen wäre. Dann sollte eine entsprechende Rückmeldung an die Leitung erfolgen, und die Situation muss neu kommuniziert und beraten werden.
Wir benötigen also – meiner Meinung nach, im Sinne einer langfristigen vertretbaren Geschäftspolitik – nicht Mitarbeiter, die "nur" gut putzen können.
Die kommunikativen Fähigkeiten und Sozialkompetenz der Bewerberinnen/Mitarbeiter sollten schon bei der Personalauswahl und dann im Rahmen der Personalentwicklung berücksichtigt werden.
Dann ist auch ein Preis von 36 € pro Stunde gerechtfertigt?!
Wenn, wie in Bayern z.B. für die "Häusliche Betreuung" (zukünftig "pflegerische Betreuung") 32,18 € pro Stunde vergütet werden, so können sich die Betreuungsleistungen nach § 45b SGB XI (zukünftig Entlastungsbetrag) an diesen Preisen "orientieren" (wenn die Leistungen inhaltlich ähnlich oder vergleichbar sind). Allerdings müssen entgegen den Sachleistungen nach § 36 SGB XI bei den Entlastungsleistungen Investitionskosten mit eingerechnet werden, also teurer sein als "pflegerische Betreuung".
Lirum larum, ich mache es kurz, und empfehle Ihnen folgende Preisgestaltung:
¼ Stunde................................ 12 €
½ Stunde................................ 22 €
¾ Stunde................................ 30 €
1 ganze Stunde...................... 36 €
jede weitere ¼ Stunde............ 9 €
+ Fahrtpauschale*.................... 5 €
* wenn die Leistungen nicht im Zusammenhang mit anderen Sachleistungen erbracht werden.
Ein absolut "verbotener Preis" ist übrigens in diesem Jahr 26 € pro Stunde, und ab 2017 der Preis von 25 € pro Stunde. Warum?
Lesen Sie bitte hier die Antwort.
In PDL-Praxis 10-2016 der Fachzeitschrift "Häusliche Pflege" lesen Sie in meinem Beitrag "Professionelle Beratung als Basis des Erfolges, Teil 5: Preise anpassen und Inhalte definieren", wie Sie die Preise der Betreuungsleistungen mit anderen ähnlichen Leistungen abstimmen können.
Eine tabellarische Übersicht der Leistungen finden Sie hier, als
Wie läuft das denn so bei Ihnen?
Haben Sie andere, ergänzende Ideen?
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen. DANKE.
Weitere Beiträge in dieser Serie mit BLOG-Beiträgen zur Vorbereitung auf die Zeiten mit dem PSG II und dem PSG III - ab 2017:
Beitrag 01: Der Name Ihres Pflege- und Betreuungsdienstes?
Beitrag 02: 36 € pro Stunde für das Reinigen der Wohnung? Ist das nicht ein bißchen (zu)viel verlangt?
Beitrag 03: Alle Preise gleichzeitig anpassen zum 1. Januar 2017
Beitrag 04: Der "Pflegerischen Betreuung" als "neuem" Leistungsangebot eine Chance geben
Beitrag 05: Mehr Geld kommt ins System!
Beitrag 06: Preisobergrenzen bei den Entlastungsleistungen nach § 45 b SGB XI?
Beitrag 07: Die Hauswirtschaft 2017 im Plus? Die Hauswirtschaft in der Kostenrechnung
Beitrag 08: Die Internet-Seite auf Vordermann bringen
Beitrag 09: Diskussion um die neue Preisobergrenze im PSG III bei Leistungen nach § 45b SGB XI
Beitrag 10: Wachstum planen in zwei Teilschritten
Beitrag 11: Die wichtigsten Pflegegrade in den Jahren 2017, 2018, 2019 und 2020
Beitrag 12: Neue, bewährte und erprobte Kennzahlen für 2017, 2018, 2019
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References: § 45
 § 45
 § 45
 § 36
 § 45
 § 45
 § 45
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 § 39