Source: http://www.jur-blog.de/multimediarecht/rechtsanwalt/2009-07/bgh-vertrieb-eines-filmfonds-keine-aussetzung-des-verfahrens-wegen-fehlerhafter-beratung/
Timestamp: 2019-10-23 10:18:36+00:00

Document:
« VG Münster: Diplomarbeit als Plagiat und Suchtools des Internet
BGH: Keine Gehörsrüge bei Vorlage von Büchern statt EDV-Daten »
Die dagegen gerichteten sofortigen Beschwerden beider Parteien hat das Oberlandesgericht München als unzulässig verworfen, da der Aussetzungsbeschluss gemäß § 7 Abs. 1 Satz 4 KapMuG keinem Rechtsmittel unterliege. Auf die vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerden beider Parteien hat der XI. Zivilsenat den Verwerfungsbeschluss des Oberlandesgerichts München und den Aussetzungsbeschluss des Landgerichts München aufgehoben.
Der XI. Zivilsenat hat entschieden, dass das Landgericht den Rechtsstreit nicht nach § 7 Abs. 1 Satz 1 KapMuG hätte aussetzen dürfen und dass § 7 Abs. 1 Satz 4 KapMuG der Statthaftigkeit der Beschwerden nicht entgegensteht, da die gesamte Vorschrift des § 7 KapMuG von vornherein nur solche Rechtsstreitigkeiten erfasst, in denen zulässigerweise ein Musterfeststellungsantrag gestellt werden kann. Dies ist bei Schadensersatzansprüchen nur dann der Fall, wenn diese auf eine falsche, irreführende oder unterlassene öffentliche Kapitalmarktinformation gestützt werden (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 KapMuG). Wie der Bundesgerichtshof bereits mehrfach ausgesprochen hat, ist demgegenüber ein Musterverfahren bei Rechtsstreitigkeiten, in denen – wie hier – Schadensersatzansprüche wegen einer fehlerhaften individuellen Anlageberatung geltend gemacht werden, nicht zulässig, auch wenn zur Beratung ein fehlerhafter Prospekt herangezogen worden ist. Ein Rechtsstreit, in dem ein Musterfeststellungsantrag nach diesen Grundsätzen als unzulässig zurückgewiesen werden müsste, kann nicht über die Aussetzung nach § 7 KapMuG in das Musterverfahren einbezogen werden. Eine erweiterte Auslegung des § 7 Abs. 1 KapMuG, wie sie die Instanzgerichte vorgenommen haben, widerspricht dem Sinn und Zweck der Regelung, ist mit der Systematik des Gesetzes nicht vereinbar und findet auch in der Entwurfsbegründung keine tragfähige Stütze. Soweit das Landgericht die Aussetzung auch auf § 148 ZPO gestützt hat, fehlt es an der insofern erforderlichen Vorgreiflichkeit des Musterverfahrens für den vorliegenden Rechtsstreit.
Vorinstanzen: OLG München – Beschluss vom 26. November 2008 – 5 W 2678/08; LG München I – Beschluss vom 23. September 2008 – 29 O 7189/08
BGH, Nr. 144/2009
Tags: Multimediarecht, Urteile, Verbraucherschutz
Düsseldorf Beweis BVerfG Daten Haftung Telefon EuGH Abo-Falle Foto Pressefreiheit UWG AGB Reform BGH Rundfunk Meinungsfreiheit Straftat filesharing Berlin Provider Internet eBay Verbraucher Werbung Widerrufsbelehrung Bild Domain Frankfurt München Urheberrecht Auskunft Schadensersatz einstweilige Verfügung Persönlichkeitsrecht Köln Computer E-Mail Unterlassungserklärung Abmahnung Streitwert Hamburg Unterlassung Musiktauschbörsen Abmahnkosten Handy

References: § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 148
 EuGH 
 BGH