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Timestamp: 2018-04-27 08:08:41+00:00

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Hessisches LAG, Beschluss vom 05.07.2007, 5 TaBV 223/06 - HENSCHE Arbeitsrecht
Hes­si­sches LAG, Be­schluss vom 05.07.2007, 5 TaBV 223/06
Aktenzeichen: 5 TaBV 223/06
Leitsätze: Dem Betriebsrat steht kein Mitbestimmungsrecht gem. § 87 Abs 1 Nr 1 BetrVG zu, wenn der Arbeitgeber von einer Gruppe von Arbeitnehmern, die arbeitsvertraglich ausdrücklich zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, aus Anlass eines konkreten Projektes besondere, formularmäßige Geheimhaltungsverpflichtungen unterzeichnen lässt.
Be­schl. v. 05.07.2007, Az.: 5 TaBV 223/06
Die Be­schwer­de des Bet. zu 1) ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 12. Sep­tem­ber 2006 – 18/7 BV 355/06 wird zurück­ge­wie­sen.
Der Be­tei­lig­te zu 1. (Be­triebs­rat) macht Mit­be­stim­mungs­rech­te gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG ge­genüber der Be­tei­lig­ten zu 2. (Ar­beit­ge­be­rin) beim Ab­schluss von Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­run­gen gel­tend.
Der Be­triebs­rat ver­tritt ca. 600 bei der Ar­beit­ge­be­rin beschäftig­te Ar­beit­neh­mer. Die­se be­treibt u. a. die Ent­wick­lung, den Ver­trieb und die Be­treu­ung von EDV-Re­ser­vie­rungs­sys­te­men für Rei­sebüros. Im Jahr 2006 plan­te sie mit dem Ziel ei­ner Kos­ten­re­du­zie­rung ein Out­sour­cing-Pro­jekt. Im Rah­men der ent­spre­chen­den Ver­trags­ver­hand­lun­gen er­hielt ei­ne Rei­he von Mit­ar­bei­tern be­son­de­re Kennt­nis­se, die den Cha­rak­ter von Be­triebs- bzw. Geschäfts­ge­heim­nis­sen hat­ten. Mit die­sem Per­so­nen­kreis schloss die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne be­son­de­re "Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung und Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung" ab, hin­sicht­lich de­ren Wort­laut ergänzend auf Bl. 8 d. A. Be­zug ge­nom­men wird. Die Ar­beits­verträge sämt­li­cher Mit­ar­bei­ter der Ar­beit­ge­be­rin ent­hal­ten in ei­nem § 10 ei­ne Ver­pflich­tung zur Ge­heim­hal­tung, bezüglich de­ren For­mu­lie­rung auf Bl. 16 d. A. Be­zug ge­nom­men wird.
Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Ar­beit­ge­be­rin ha­be mit dem Ab­schluss und der Durchführung der Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­run­gen sei­ne Mit­be­stim­mungs­rech­te gem. § 87 Abs. 1 Nr.
Be­trVG ver­letzt, da er ihn un­strei­tig nicht be­tei­ligt ha­be. Die Einführung der Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tun­gen ha­be nämlich nicht das Ar­beits­ver­hal­ten, son­dern das Ord­nungs­ver­hal­ten im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ge­re­gelt.
1. der An­trags­geg­ne­rin auf­zu­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, Ar­beit­neh­mern den Ab­schluss von ... (Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung und Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung) an­zu­bie­ten, so­lan­ge nicht die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers bzw. ei­ne die­se er­set­zen­de der Ei­ni­gungs­stel­le vor­liegt;
2. der An­trags­geg­ne­rin auf­zu­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, Ar­beit­neh­mer zum Ab­schluss von ... (Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung und Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung) auf­zu­for­dern, so­lan­ge nicht die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers bzw. ei­ne die­se er­set­zen­de der Ei­ni­gungs­stel­le vor­liegt;
3. der An­trags­geg­ne­rin auf­zu­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, Ar­beit­neh­mer zur Ein­hal­tung von ... (Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung und Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung) auf­zu­for­dern, so­lan­ge nicht die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers bzw. ei­ne die­se er­set­zen­de der Ei­ni­gungs­stel­le vor­liegt;
4. der An­trags­geg­ne­rin für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen ih­re Ver­pflich­tun­gen gemäß den Anträgen zu 1. bis 3. ein Ord­nungs­geld bis zu € 10.000,00, er­satz­wei­se
Ord­nungs­haft an­zu­dro­hen;
5. der An­trags­geg­ne­rin auf­zu­ge­ben, ge­genüber den­je­ni­gen Ar­beit­neh­mern, mit de­nen sie ein ... (Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung und Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung) ab­ge­schlos­sen hat,
un­verzüglich die schrift­li­che Erklärung ab­zu­ge­ben, dass sie die­se von der Ver­schwie­gen­heits- und Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung ent­bin­det;
6 .der An­trags­geg­ne­rin auf­zu­ge­ben, dem An­trag­stel­ler un­verzüglich die Na­men der­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer mit­zu­tei­len, mit de­nen sie ein ... (Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung und Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung) ab­ge­schlos­sen hat bzw. die sie zur Ein­hal­tung ei­nen ... auf­ge­for­dert hat.
Sie hat ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats ver­neint, da die um­strit­te­nen Ver­ein­ba­run­gen kei­ne Re­ge­lung des Zu­sam­men­wir­kens und Zu­sam­men­le­bens der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb be­trof­fen ha­be, son­dern die Umstände bei der Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung. Auch ha­be die Re­ge­lung le­dig­lich die oh­ne­hin ver­trag­lich be­gründe­te Ver­schwie­gen­heits­pflicht kon­kre­ti­siert.
Mit am 12.09.2006 verkünde­tem Be­schluss hat das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main – 18/7 BV 355/06 – die Anträge zurück­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, die ge­stell­ten Anträge sei­en zurück­zu­wei­sen, da ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG bezüglich des Ab­schlus­ses der Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­run­gen nicht be­stan­den ha­be. Das Vor­ge­hen der Ar­beit­ge­be­rin ha­be die gem. § 242 BGB bzw. auf­grund der Ar­beits­verträge oh­ne­hin be­ste­hen­de Ver­schwie­gen­heits­pflicht le­dig­lich kon­kre­ti­siert. Nicht das Ord­nungs­ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer un­ter­ein­an­der, son­dern ihr Ar­beits­ver­hal­ten ha­be be­ein­flusst wer­den sol­len. Der vom Be­triebs­rat für sei­ne ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung in An­spruch ge­nom­me­ne Be­schluss des LAG Hamm vom 17.12.1980 (DB 1981, S. 1336 ff.) ha­be ei­nen an­de­ren Sach­ver­halt be­trof­fen. In je­nem Fall sei Grund­la­ge der den Ar­beit­neh­mern ab­ver­lang­ten Un­ter­zeich­nung ei­ner Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung ei­ne vom Be­triebs­rat mit­be­stimm­te Be­triebs­ord­nung ge­we­sen, die auch Ge­heim­hal­tungs­pflich­ten ge­re­gelt ha­be. We­gen des vollständi­gen In­halts der Ent­schei­dungs­gründe wird ergänzend auf die S. 5 - 8 des Be­schlus­ses (Bl. 29 - 32 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen die­sen dem Be­triebs­rat am 23.10.2006 zu­ge­stell­ten Be­schluss hat er am 23.11.2006 Be­schwer­de ein­ge­legt und die­ses Rechts­mit­tel nach recht­zei­ti­ger Verlänge­rung der Be­schwer­de­be­gründungs­frist bis zum 27.01.2007 am Mon­tag, dem 29.01.2007 be­gründet. Er meint, nach dem Wort­laut von § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG un­ter­lie­ge je­des Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb der Mit­be­stim­mung. Auch der Rang des an die ers­te Stel­le der Norm ge­setz­ten Mit­be­stim­mungs­rechts spre­che ge­gen sei­ne Ein­schränkung. Sch­ließlich spre­che auch der Schutz­zweck der Norm dafür, das Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers kol­lek­tiv­recht­lich zu be­gren­zen. Je­den­falls sei ein Mit­be­stim­mungs­recht zu be­ja­hen, wenn Maßnah­men der Ar­beit­ge­be­rin so­wohl das Ar­beits- als auch das Ord­nungs­ver­hal­ten beträfen. Auf den über­wie­gen­den Re­ge­lungs­zweck könne es nicht an­kom­men. Auch bei Zu­grun­de­le­gung der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts aber sei ein Mit­be­stim­mungs­recht zu be­ja­hen. Durch die Maßnah­me der Ar­beit­ge­be­rin würden nämlich nicht le­dig­lich Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis kon­kre­ti­siert. Viel­mehr würde ei­ner vom Ar­beit­ge­ber aus­gewähl­ten Grup­pe von Ar­beit­neh­mern ge­genüber ei­ne über die be­ste­hen­den Ver­pflich­tun­gen hin­aus rei­chen­de An­ord­nung ge­trof­fen. Es wer­de ei­ne Ver­hal­tens­re­gel auf­ge­stellt, die auch das Verhält­nis zu an­de­ren Mit­ar­bei­tern be­tref­fe. Der-Be­schluss des LAG Hamm vom 08.06.1999 (a. a. O.) sei durch­aus ein­schlägig. Die Ge­heim­hal­tungs­pflicht aus der Ar­beits­ord­nung, die je­nem Fall zu­grun­de lag, sei un­mit­tel­bar Ge­gen­stand der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen ge­wor­den. Den­noch sei die zusätz­li­che Un­ter­schrif­ten­ak­ti­on als ei­ge­ne Re­ge­lung gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG ge­wer­tet wor­den. In der Ver­pflich­tung ei­ner be­stimm­ten Grup­pe von Ar­beit­neh­mern die Ge­heim­hal­tungs­pflicht er­neut zu bestäti­gen lie­ge ei­ne neue ei­genständi­ge und mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Re­ge­lung. Ein mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ger Sach­ver­halt be­ste­he im vor­lie­gen­den Fall schon dar­in, dass die Ar­beit­ge­be­rin ein stan­dar­di­sier­tes Vor­ge­hen der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer er­rei­chen wol­le.
Nach­dem zwi­schen den Be­tei­lig­ten im Ter­min zur Anhörung vom 05.07.2007 un­strei­tig wur­de, dass das Out­sour­cing-Pro­jekt der Ar­beit­ge­be­rin zum 01.10.2006 ab­ge­schlos­sen wor­den sei, je­doch auch für die Zu­kunft ent­spre­chen­de Maßnah­men nicht aus­ge­schlos­sen wer­den könn­ten (Pro­to­koll vom 05.07.2007, Bl. 77 d. A.), hat der Be­triebs­rat sei­ne ursprüng­lich ge­stell­ten Anträge, die de­nen aus dem ers­ten Rechts­zug ent­spra­chen, geändert und be­an­tragt,
den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 12.09.2006 – Az.: 18/7 BV 355/06 – ab­zuändern und
fest­zu­stel­len, dass ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats be­steht, wenn der Ar­beit­ge­ber ge­genüber ein­zel­nen oder ei­ner von ihm ein­sei­tig fest­ge­leg­ten Grup­pe von Ar­beit­neh­mern die Ver­pflich­tung zur Ver­schwie­gen­heit und Ge­heim­hal­tung durch den ge­son­der­ten Ab­schluss ei­ner for­mu­larmäßigen, stan­dar­di­sier­ten Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung und Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung ab­ver­langt.
Sie ver­tei­digt den an­ge­foch­te­nen Be­schluss.
We­gen des vollständi­gen Vor­trags der Be­tei­lig­ten im Be­schwer­de­rechts­zug wird ergänzend auf die Be­schwer­de­be­gründung (Bl. 59 - 69 d. A.) so­wie die Be­schwer­de­be­ant­wor­tung (Bl. 73 - 75 d. A.) ins­ge­samt Be­zug ge­nom­men.
Die­sem Be­schluss­ver­fah­ren ging ein einst­wei­li­ges Verfügungs­ver­fah­ren im Be­schluss­ver­fah­ren mit ent­spre­chen­dem Streit­ge­gen­stand vor­aus (ArbG Frank­furt am Main – 18 BV­Ga 159/06 –; Hess. LAG – 5 TaBV­Ga 85/06 –) .
Die zulässi­ge Be­schwer­de ist un­be­gründet.
Dem Be­triebs­rat steht kein Mit­be­stim­mungs­recht zu, wenn die Ar­beit­ge­be­rin von ein­sei­tig durch sie aus­gewähl­ten Ar­beit­neh­mern den Ab­schluss ei­ner for­mu­larmäßigen Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung ver­langt.
Der im Be­schwer­de­rechts­zug sei­tens des Be­triebs­rats ge­stell­te Fest­stel­lungs­an­trag ist zulässig.
a) Die im Anhörungs­ter­min sei­tens des Be­triebs­rats vor­ge­nom­me­ne An­tragsände­rung ist zulässig, weil sie sach­dien­lich ist ( § 263 ZPO ).
Der bis­he­ri­ge – durch­weg un­strei­ti­ge – Streitstoff bleibt ver­wert­ba­re Ent­schei­dungs­grund­la­ge und die geänder­te An­trag­stel­lung ist ge­eig­net, ei­ne endgülti­ge Bei­le­gung des Streits zwi­schen den Be­tei­lig­ten zu fördern.
b) Der Be­triebs­rat hat auch das für sei­nen An­trag gem. § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se.
Zwar wur­de das Out­sour­cing-Pro­jekt, das An­lass für das Be­schluss­ver­fah­ren war, zum 01.10.2006 be­en­det. Un­strei­tig ist aber zwi­schen den Be­tei­lig­ten, dass ent­spre­chen­de Maßnah­men in die­sem oder in an­de­ren Be­rei­chen er­neut die Fra­ge der Zulässig­keit der um­strit­te­nen Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­run­gen auf­wer­fen können. Ei­ne Klärung der dies­bezügli­chen Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen den Be­tei­lig­ten ist da­her hilf­reich ( BAG, Be­schluss vom 15.12.1998 – 1 ABR 9/98 – AP Nr. 56 zu § 80 Be­trVG 1972) .
Der An­trag des Be­triebs­rats ist je­doch un­be­gründet, weil ihm in den dar­in ge­nann­ten Fällen ein Mit­be­stim­mungs­recht gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG nicht zu­steht.
a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. aus jünge­rer Zeit: Be­schluss vom 28.05.2002 – 1 ABR 32/01 – NZA 2003, S. 166 ff.) ist Ge­gen­stand des Mit­be­stim­mungs­rechts gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG das be­trieb­li­che Zu­sam­men­le­ben und Zu­sam­men­wir­ken der Ar­beit­neh­mer. Da sie ih­re ver­trag­lich ge­schul­de­te Leis­tung in­ner­halb ei­ner vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­be­nen Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on er­brin­gen, ist er be­rech­tigt, Re­ge­lun­gen vor­zu­ge­ben, die das Ver­hal­ten der Be­leg­schaft im Be­trieb be­ein­flus­sen und ko­or­di­nie­ren sol­len. Sol­che An­ord­nun­gen, die da­zu die­nen, das sons­ti­ge Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer zu ko­or­di­nie­ren, be­tref­fen die Ord­nung des Be­triebs. Über de­ren Einführung und über de­ren In­halt hat der Be­triebs­rat mit­zu­be­stim­men. Mit­be­stim­mungs­frei gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG sind da­ge­gen le­dig­lich Maßnah­men, die das Ar­beits­ver­hal­ten re­geln sol­len. Die­ses ist berührt, wenn der Ar­beit­ge­ber kraft sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Lei­tungs­macht näher be­stimmt, wel­che Ar­bei­ten aus­zuführen sind und in wel­cher Wei­se das ge­sche­hen soll (BAG, a. a. O., zu B. I. 2. a) - d) d. Gr.) . Dem folgt das Be­schwer­de­ge­richt. Es teilt ins­be­son­de­re nicht die weit rei­chen­de Auf­fas­sung des Be­triebs­rats, wo­nach al­le Maßnah­men, die das Ar­beit­neh­mer­ver­hal­ten re­gle­men­tie­ren, der Mit­be­stim­mung gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG un­ter­fal­len sol­len. Die nach Auf­fas­sung des Be­triebs­rats er­for­der­li­che Be­schränkung des Di­rek­ti­ons­rechts des Ar­beit­ge­bers im Hin­blick auf die gestörte Ver­trags­pa­rität muss nicht gem. § 87 Abs. 1 Be­trVG er­fol­gen, da § 106 Satz 1 Ge­wO den Ar­beit­ge­ber bei Ausübung sei­nes Di­rek­ti­ons­rechts be­reits an die Ausübung bil­li­gen Er­mes­sens bin­det.
b) Bei An­wen­dung der un­ter a) dar­ge­leg­ten Grundsätze er­gibt sich, dass das mit dem Fest­stel­lungs­an­trag um­ris­se­ne Ver­hal­ten der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Re­ge­lung des Ar­beits­ver­hal­tens be­trifft.
Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend her­aus­ge­ar­bei­tet hat, be­inhal­te­te der Ab­schluss der Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­run­gen im Jahr 2006 nach dem Mus­ter ent­spre­chend Bl. 8 d. A. le­dig­lich ei­ne Ak­tua­li­sie­rung und Kon­kre­ti­sie­rung der be­reits gem. § 10 Nr. 1 der je­wei­li­gen Ar­beits­verträge oh­ne­hin für die Ar­beit­neh­mer gel­ten­den Ver­pflich­tung zur Ver­schwie­gen­heit. Die Ar­beit­ge­be­rin hat­te in Ausübung ih­res Wei­sungs­rechts ei­nen von ihr aus­gewähl­ten Per­so­nen­kreis mit der Vor­be­rei­tung und Be­treu­ung des Out­sour­cing-Pro­jekts be­auf­tragt. Die Aus­wahl der Mit­ar­bei­ter­grup­pe er­folg­te auch nach Vor­trag des Be­triebs­rats nicht willkürlich. Viel­mehr war sie an der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung in Be­zug auf das Vor­ha­ben ori­en­tiert. Da­mit hat die Ar­beit­ge­be­rin ihr an un­ter­neh­me­ri­schen Er­for­der­nis­sen ori­en­tier­tes Di­rek­ti­ons­recht da­hin­ge­hend aus­geübt, ei­nem in be­son­de­rer Wei­se mit sen­si­blen Da­ten kon­fron­tier­ten Mit­ar­bei­ter­kreis die be­ste­hen­de Ver­pflich­tung zur Ver­schwie­gen­heit in verstärk­ter Form in Er­in­ne­rung zu ru­fen. Der im We­ge der Kla­geände­rung for­mu­lier­te Fest­stel­lungs­an­trag des Be­triebs­rats er­fasst ent­spre­chen­de Maßnah­men für die Zu­kunft. Auch in sol­chen Fällen wäre da­her das Ar­beits­ver­hal­ten be­trof­fen, bezüglich des­sen dem Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht eben nicht zu­steht.
Der Sach­ver­halt ist nicht des­halb an­ders zu be­ur­tei­len, weil die Maßnah­me der Ar­beit­ge­be­rin in der Ver­gan­gen­heit und ent­spre­chen­de Maßnah­men in der Zu­kunft auch das Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer ge­genüber an­de­ren Ar­beits­kol­le­gen ge­re­gelt hat bzw. re­geln würde. Die mit­be­stim­mungs­freie Ausübung des Wei­sungs­rechts durch den Ar­beit­ge­ber hat in zahl­lo­sen Fällen auch die Ver­pflich­tung ei­nes be­stimm­ten Ver­hal­tens den Ar­beits­kol­le­gen ge­genüber zur Fol­ge. Die­se Kon­se­quenz der Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts wird im­mer dann be­ste­hen, wenn ei­ne be­trieb­li­che Auf­ga­ben­stel­lung nicht iso­liert durch ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer, son­dern im Ver­bund mit an­de­ren Ar­beits­kol­le­gen zu er­le­di­gen ist. Der Re­flex des so aus­geübten Wei­sungs­rechts auf das Ver­hal­ten der Mit­ar­bei­ter un­ter­ein­an­der be­gründet je­doch noch kein Mit­be­stim­mungs­recht gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG .
Auch der Um­stand, dass die Ar­beit­ge­be­rin ggf. ih­re Hin­wei­se auf das Be­ste­hen ver­trag­lich ver­ein­bar­ter Ver­schwie­gen­heits­pflich­ten als Ne­ben­pflich­ten for­mu­larmäßig und stan­dar­di­siert vor­nimmt, be­gründet nach Auf­fas­sung der Kam­mer nicht das vom Be­triebs­rat gel­tend ge­mach­te Mit­be­stim­mungs­recht. Ei­ne sol­che Vor­ge­hens­wei­se ist nämlich wie­der­um le­dig­lich Aus­fluss des ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­neh­mer­kreis ge­genüber in glei­cher Wei­se aus­geübten Di­rek­ti­ons­rechts. Wenn meh­re­ren Ar­beit­neh­mern in glei­cher Wei­se ei­ne spe­zi­el­le Auf­ga­be über­tra­gen wird, bei de­ren Erfüllung sich ei­ne be­stimm­te Ne­ben­pflicht in be­son­de­rer Wei­se ak­tua­li­siert, ent­spricht es dem Ge­bot der Gleich­be­hand­lung, die­se Ne­ben­pflicht auch gleichförmig zu kon­kre­ti­sie­ren.
Zu Un­recht be­ruft sich da­her der Be­triebs­rat auf den Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 28.05.2002 (a. a. O., zu B. III. 2. d. Gr.) . In je­nem Fall hat­te die Ar­beit­ge­be­rin von ei­nem von vorn­her­ein fest­ste­hen­den und für die Zu­kunft fest um­ris­se­nen Per­so­nen­kreis, nämlich den Re­dak­teu­ren ei­ner Wirt­schafts­zei­tung ver­langt, ein Form­blatt über die "Mit­tei­lung über mei­nen Ak­ti­en­be­sitz" aus­zufüllen. Mit die­ser An­ord­nung zur Ver­wen­dung ei­nes Form­blatts hat­te die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge be­trieb­li­che Ver­hal­tens­re­gel ge­schaf­fen. Im vor­lie­gen­den Fall geht es da­ge­gen um die gleichförmig aus­ge­stal­te­te Kon­kre­ti­sie­rung ei­ner ar­beits­ver­trag­lich ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung ge­genüber ei­nem an­lass­be­zo­gen aus­zuwählen­den Mit­ar­bei­ter­kreis.
c) Eben­falls zu Un­recht be­ruft sich nach Auf­fas­sung der Kam­mer der Be­triebs­rat auf den Be­schluss des LAG Hamm vom 07.12.1980 (– 12 TaBV 61/80 – DB 1981, S. 1336 ff.) . Dies hat be­reits der an­ge­foch­te­ne Be­schluss des Ar­beits­ge­richts zu­tref­fend fest­ge­stellt.
Im dort ent­schie­de­nen Fall exis­tier­te ei­ne Ar­beits­ord­nung, die vom Be­triebs­rat mit­be­stimmt wor­den war, wo­bei zwi­schen den Be­tei­lig­ten kein Streit darüber be­stand, dass ihr Ge­heim­hal­tungs­pflich­ten be­tref­fen­der § 14 den Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand des § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG be­traf. Der Streit ging nun dar­um, ob auch ei­ne auf die­se mit­be­stimm­te Be­triebs­ver­ein­ba­rung gestütz­te und über sie hin­aus­ge­hen­de Ge­heim­hal­tungs­ver­pflich­tung eben­falls mit­be­stim­mungs­pflich­tig sei. Dies hat das LAG Hamm be­jaht. Im vor­lie­gen­den Fall da­ge­gen exis­tie­ren ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tun­gen in den Ar­beits­verträgen, die die Ar­beit­ge­be­rin ggf. für ein­zel­ne oder für ei­ne von ihr ein­sei­tig fest­ge­leg­te Grup­pe von Ar­beit­neh­mern for­mu­larmäßig ak­tua­li­sie­ren
und kon­kre­ti­sie­ren will. Al­lein der Um­stand, dass die Ar­beit­ge­be­rin den glei­chen Text ei­ner Mehr­zahl von Ar­beit­neh­mern zur Un­ter­schrift vor­legt, be­gründet nach Auf­fas­sung der Kam­mer aber nicht das vom Be­triebs­rat gel­tend ge­mach­te Mit­be­stim­mungs­recht. Ei­ne sol­che Vor­ge­hens­wei­se der Ar­beit­ge­be­rin mag ggf. ei­nen kol­lek­ti­ven Be­zug ha­ben. Oh­ne die Erfüllung ei­nes der in § 87 Abs. 1 Be­trVG en­u­me­ra­tiv auf­geführ­ten Tat­bestände re­sul­tiert dar­aus aber noch kein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats.
Sch­ließlich ha­ben auch die Erörte­run­gen im Anhörungs­ter­min vor der Be­schwer­de­kam­mer deut­lich ge­macht, dass es dem Be­triebs­rat um ein Mit­be­stim­mungs­recht bezüglich des Ar­beits­ver­hal­tens geht. Er möch­te nämlich Ein­fluss auf die Aus­wahl des Per­so­nen­krei­ses neh­men, von dem die Ar­beit­ge­be­rin ggf. die frag­li­che Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung ver­langt. Es ist aber Aus­fluss des dem Ar­beit­ge­ber zu­ste­hen­den Di­rek­ti­ons­rechts fest­zu­le­gen, wel­che sei­ner Ar­beit­neh­mer er – im Rah­men der je­wei­li­gen Ar­beits­verträge – mit wel­chen Auf­ga­ben be­fasst. Aus die­ser durch Ausübung des Wei­sungs­rechts über­tra­ge­nen Auf­ga­ben­stel­lung kann sich dann ein Bedürf­nis zur be­son­de­ren Be­to­nung von und Er­in­ne­rung an ver­trag­lich be­ste­hen­de Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tun­gen er­ge­ben. Ei­ne Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats in die­sem Be­reich würde in die Re­ge­lung des Ar­beits­ver­hal­tens als Fol­ge der Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts ein­grei­fen.
Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist gem. § 92 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. § 72 Abs. 2 ArbGG die Rechts­be­schwer­de zu­zu­las­sen.
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References: § 87
 § 87
 § 10
 § 87
 § 87
 § 242
 § 87
 § 87
 § 263
 § 256
 § 80
 § 87
 § 87
 § 87
 § 87
 § 87
 § 106
 § 10
 § 87
 § 14
 § 87
 § 87
 § 92
 § 72