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Timestamp: 2016-10-25 12:11:32+00:00

Document:
U 53/02 (27.05.2003)
C.________, 1968, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dominique Chopard, Werdstrasse 36, 8004 Z�rich,
Die 1968 geborene C.________ ist am 22. Mai 1998 beim Segeln von einem Segelbaum am Kopf getroffen worden. Zun�chst traten Schmerzen an der Aufschlagstelle, dann Nackenschmerzen auf und die Kopfschmerzen dehnten sich im ganzen Kopf aus. In der Permanence Z.________, welche C.________ wegen zunehmender Beschwerden an der Halswirbels�ule (HWS) aufsuchte, wurde am 24. Mai 1998 eine leichte skoliotische Schonhaltung der HWS bei paravertebraler und okzipitaler Druckdolenz festgestellt. Als Bez�gerin von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung war sie bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht f�r die Erstbehandlung vom 24. Mai 1998 in der Permanence; weitergehende Leistungen im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 22. Mai 1998 lehnte sie ab (Verf�gung vom 14. Januar 2000). Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 25. April 2000 fest.
C.________ liess dagegen beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich Beschwerde einreichen und beantragen, die SUVA sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Nach Eingang des von C.________ veranlassten Gutachtens des Dr. med. R._______, Spezialarzt f�r Neurologie FMH, vom 27. Februar 2001 und nach Durchf�hrung eines zweiten Schriftenwechsels wies das kantonale Gericht die Beschwerde ab (Entscheid vom 10. Dezember 2001).
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst C.________ das im kantonalen Gerichtsverfahren gestellte Rechtsbegehren erneuern. Ferner l�sst sie um Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung ersuchen. Der Eingabe liegen die Berichte des Dr. med. H.________, Spezialarzt FMH f�r Orthop�die und Sportmedizin, vom 26. M�rz 2001 und des Dr. med. S.________, Spezialarzt FMH f�r Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. Januar 2002 bei.
W�hrend die SUVA auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, verzichtet das Bundesamt f�r Sozialversicherung auf eine Vernehmlassung. Die als Mitinteressierte zum Verfahren beigeladene PROVITA Gesundheitsversicherung f�hrt aus, sie sehe von der Anfechtung des kantonalen Gerichtsentscheides ab, werde aber die R�ckerstattung der von ihr erbrachten Leistungen geltend machen, falls die SUVA vom Eidgen�ssischen Versicherungsgericht zur �bernahme der Behandlungskosten verpflichtet werde.
1.1 Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zum f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) zutreffend dargelegt (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b). Entsprechendes gilt f�r die von der Judikatur entwickelten Grunds�tze zum Erfordernis des ad�quaten Kausalzusammenhangs im Allgemeinen (BGE 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c), bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) und bei Folgen eines Unfalls mit Schleudertrauma der HWS ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle im Besonderen (BGE 117 V 359). Darauf wird verwiesen. Zu erg�nzen ist, dass das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 im vorliegenden Fall nicht anwendbar ist, da nach dem massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheides (hier: 25. April 2000) eingetretene Rechts- und Sachverhalts�nderungen vom Sozialversicherungsgericht nicht ber�cksichtigt werden (BGE 127 V 467 Erw. 1, 121 V 366 Erw. 1b).
1.2 Bei der Beurteilung der ad�quaten Kausalit�t von nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausf�lle zur�ckzuf�hrenden Unfallfolgen ist nicht nur nach erlittenem Schleudertrauma der Halswirbels�ule, sondern auch nach schleudertrauma�hnlichen Einwirkungen oder Sch�del-Hirntraumata mit vergleichbaren Folgen (BGE 117 V 366 ff. Erw. 6, 382 ff. Erw. 4; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) analog zur in BGE 115 V 138 Erw. 6 f�r psychische St�rungen entwickelten Methode vorzugehen (f�r Schleudertraumata: BGE 117 V 365; RKUV 1997 Nr. U 272 S. 173; f�r schleudertrauma�hnliche Einwirkungen: RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317; f�r Sch�del-Hirntraumata: BGE 117 V 382 f.; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317). Dabei ist im Rahmen der Pr�fung der massgebenden unfallbezogenen Kriterien im Gegensatz zur Rechtslage bei psychischen Fehlentwicklungen auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten zu verzichten, weil nicht entscheidend ist, ob die Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (f�r Schleudertraumata: BGE 117 V 367; RKUV 1997 Nr. U 272 S. 174; f�r schleudertrauma�hnliche Einwirkungen: RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317; f�r Sch�del-Hirntraumata: BGE 117 V 382 f.; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317).
Auf Grund der medizinischen Akten steht fest, dass die Beschwerdef�hrerin unter einem rechtsseitigen Zervikalsyndrom mit einer begleitenden Zervikobrachialgie rechts sowie unter einer reaktiv depressiven Entwicklung leidet.
2.1 Die Vorinstanz hat festgestellt, als Ursache dieser Gesundheitseinschr�nkungen falle ein Schleudertrauma ausser Betracht, da der von der Versicherten angegebene Mechanismus im Zusammenhang mit dem Schlag des Segelbaumes an ihren Kopf ein ganz anderer gewesen sei, als derjenige, der zu einem Schleudertrauma der HWS f�hre. Auch ein schleudertrauma�hnlicher Vorfall sei zu verneinen, weil keine mit einer Geschwindigkeits�nderung verbundene k�rperliche Reaktion vorliege. Auf Grund der gegens�tzlichen �rztlichen Beurteilungen k�nne das Bestehen struktureller Ver�nderungen an der HWS trotz etlicher, insbesondere radiologischer Untersuchungen weder eindeutig bejaht noch eindeutig ausgeschlossen werden. Da es bloss m�glich, nicht aber �berwiegend wahrscheinlich sei, dass der Schlag des Segelbaumes an den Kopf zu einer Sch�digung der HWS und damit zu den festgestellten Beschwerden gef�hrt habe, liege Beweislosigkeit vor, deren Folgen die Beschwerdef�hrerin zu tragen habe.
2.2 Der SUVA-Kreisarzt Dr. med. O.________ hat in seiner Beurteilung vom 12. Oktober 1999 angegeben, der Kopf der Versicherten sei anl�sslich des Unfallereignisses vom 22. Mai 1998 "unter Verdrehung in der Halswirbels�ule nach rechts geschlagen"; die Ursache der Beschwerden sehe er nicht im Unfallereignis, sondern in einem physiologischen Treppenph�nomen. Dr. med. F.________, Allgemeinpraktiker, hat am 26. August 1999 eine Distorsion/Luxation der HWS diagnostiziert, w�hrend Dr. med. H.________ von einem Status nach schwerem HWS-Schleudertrauma mit radiologisch eindeutig nachweisbarer Instabilit�t C3/4, etwas weniger C4/5, ausgegangen ist (Bericht vom 16. September 1999). Auf Veranlassung des Kreisarztes hat PD Dr. med. B.________, Leitender Arzt, Orthop�dische Klinik U.________, die R�ntgenbilder am 4. November 1999 analysiert und dabei keine Anhaltspunkte f�r eine Hypermobilit�t oder Instabilit�t auf dem Niveau L3/4 gefunden; die untere HWS habe eine Streckhaltung, auf dem Niveau C3/4 finde sich eine normale Beweglichkeit und auch das Segment C4/5 zeige keine Hinweise auf eine segmentale Instabilit�t. Frau Dr. med. V.________, Fach�rztin FMH f�r Neurologie, stellte gem�ss Bericht vom 15. Dezember 1999 ein ausgepr�gtes rechtsseitiges Zervikalsyndrom mit begleitender Zervikobrachialgie rechts und eine wahrscheinlich reaktiv depressive Entwicklung fest; eigentliche fokalneurologische Ausfallsymptome seien nicht objektiviert, so dass kein Hinweis f�r eine zus�tzliche L�sion zerebral oder im Bereich des Halsmarkes bestehe, was im �brigen durch das normale MRI der HWS best�tigt werde. Gest�tzt auf die Stellungnahmen des PD Dr. med. B.________ und der Frau Dr. med. V.________ hat der Kreisarzt am 30. Dezember 1999 erg�nzt, die Versicherte sei von grazilem Habitus und weise konstitutionell eine lockere ligament�re F�hrung der Gelenke auf. Dies pr�disponiere zur Entwicklung von muskul�ren Verspannungszust�nden im Bereich des Achsenskelettes. Die gewaltsame Torsion der HWS vom 22. Mai 1998 habe f�r diese Entwicklung fast ein Jahr sp�ter keine Bedeutung, da keine morphologischen Ver�nderungen eingetreten seien. Dr. med. R.________ hat in seinem Gutachten vom 27. Februar 2001 angegeben, die Wucht des Segelbaumaufpralles habe zu einer forcierten Kopfreklination mit gleichzeitigem Abdrehen des Kopfes gef�hrt. Zervikozephale Schmerzen seien eine typische Folge der passiven �berdehnung der HWS. Aus den Unfallschilderungen sei bekannt, dass die �berdehnung nach hinten, mit gleichzeitiger Drehung des Kopfes erfolgt sei. Derartige Mechanismen w�rden recht h�ufig zu langwierigen Heilverl�ufen f�hren, so dass sich die Entwicklung bei der Versicherten zwanglos erkl�ren liesse. Die Instabilit�t C3/4 deute zudem auf eine durchgemachte Bandl�sion hin.
2.3 Gest�tzt auf die medizinischen Akten ist die Vorinstanz - insbesondere mit Blick darauf, dass die MRI-Aufnahmen keine morphologischen Ver�nderungen der HWS zeigen - zu Recht davon ausgegangen, dass ein organisches Substrat f�r die Leiden der Versicherten nicht mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist. Entgegen der Ansicht des kantonalen Gerichts kann allerdings ein nat�rlicher Kausalzusammenhang zwischen einem Schleudertrauma der HWS, einer schleudertrauma�hnlichen Einwirkung oder einem Sch�del-Hirntrauma mit vergleichbaren Folgen und den eingetretenen Gesundheitssch�digungen auch ohne organisch nachweisbare Beschwerden vorliegen (Erw. 1.2 hiervor). Im zu beurteilenden Fall ist nach dem Unfallhergang (Aufprall des Grosssegels an der linken Stirnseite, dadurch forcierte Kopfreklination mit gleichzeitigem Abdrehen des Kopfes) ein Schleudertrauma zu verneinen. Wie den �rztlichen Stellungnahmen zu entnehmen ist, hat die Versicherte am 22. Mai 1998 aber ein Distorsionstrauma, eine schleudertrauma�hnliche Einwirkung erlitten. Die daf�r typischen Nackenbeschwerden sind innert der Latenzzeit von 24 bis 72 Stunden aufgetreten (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29). Die Versicherte klagt ausserdem �ber Kopfschmerzen, Konzentrations- und Ged�chtnisst�rungen sowie rasche Erm�dbarkeit und es liegt eine depressive Entwicklung vor (zum typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma, nach schleudertrauma�hnlichen Einwirkungen oder nach einem Sch�del-Hirntrauma: BGE 117 V 360 Erw. 4b). Seit dem Ereignis vom 22. Mai 1998 bestand keine Zeit der Beschwerdefreiheit. Wie die Versicherte glaubhaft angibt, hat sie zun�chst versucht, mit alternativen Heilmethoden, insbesondere mit Akupressur (Behandlungen vom 1. Juni, 8. Juli und 2. September 1998, durchgef�hrt von T.________) eine Besserung zu erreichen, bevor sie sich am 17. September 1998 wieder in �rztliche Behandlung begab. Pr�disposition allein (das "Treppenph�nomen" gem�ss der Beurteilung des Kreisarztes) kann bei dieser Entwicklung f�r den Gesundheitszustand der Versicherten, welche vor dem 22. Mai 1998 keine Beschwerden im Nacken- oder Kopfbereich hatte, nicht verantwortlich sein. Mit Blick auf die medizinischen Unterlagen ist davon auszugehen, dass das Distorsionstrauma der HWS vom 22. Mai 1998 zumindest eine Teilursache der geltend gemachten Leiden ist, was f�r die Bejahung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs praxisgem�ss gen�gt (BGE 121 V 329 Erw. 2a mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79).
3. Nach dem Gesagten ist der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 22. Mai 1998 zu bejahen. Die Sache geht deshalb zur Durchf�hrung der Ad�quanzpr�fung und anschliessenden neuen Entscheidung �ber die Versicherungsleistungen an das kantonale Gericht zur�ck. Mit Blick darauf, dass die Versicherte eine schleudertrauma�hnliche Einwirkung auf die HWS erlitten hat und �ber Beeintr�chtigungen klagt, die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS geh�ren, die psychische Problematik aber nicht im Vordergrund steht, hat die Beurteilung nach den in BGE 117 V 369 ff. festgelegten Grunds�tzen zu erfolgen. Dabei wird die Vorinstanz zu beachten haben, dass der Unfall vom 22. Mai 1998 auf Grund des augenf�lligen Geschehensablaufs und der Verletzungen, die sich die Beschwerdef�hrerin dabei zuzog, weder als leicht noch als schwer qualifiziert werden kann. Vielmehr ist er dem dazwischen liegenden mittleren Bereich zuzuordnen.
F�r das letztinstanzliche Verfahren werden auf Grund von Art. 134 OG keine Gerichtskosten erhoben. Dem Prozessausgang entsprechend steht der Versicherten eine Parteientsch�digung zu (Art. 135 in Verbindung mit Art. 159 Abs. 1 OG); damit erweist sich ihr Antrag auf Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung als gegenstandslos.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 10. Dezember 2001 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zur�ckgewiesen wird, damit sie im Sinne der Erw�gungen verfahre und �ber den Leistungsanspruch der Beschwerdef�hrerin neu entscheide.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich, dem Bundesamt f�r Sozialversicherung und der PROVITA Gesundheitsversicherung zugestellt.

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 134
 Art. 159