Source: http://www.haus-brannenburg.de/newslettersolution/newsletter_06-2017.htm
Timestamp: 2018-02-24 11:57:46+00:00

Document:
Use-Letter Haus Brannenburg, Ausgabe 06/2017
Nr. 06/2017 vom 01.06.2017
die Gewerkschaften im DGB sind sich einig: Rechtspopulistische Tendenzen, menschenverachtende Äußerungen und rassistische Übergriffe müssen benannt und geächtet werden – nicht zuletzt in den Betrieben und Dienststellen, in denen wir tätig sind. Über verschiedene politische Initiativen und Aktionen haben wir im Brannenburger use letter immer wieder berichtet. Jetzt folgt dazu eine aktuell stattfindende wissenschaftliche Analyse. Diese soll aufzeigen, inwieweit die betrieblichen Verhältnisse und makro-ökonomischen Bedingungen dazu beitragen, dass rechtspopuläres und rassistisches Gedankengut unter den Beschäftigten entsteht und sich vor Ort ausbreiten kann. Wir alle wissen, dass Mitglieder von Gewerkschaften davon nicht ausgenommen sind.
Eine qualitative Analyse in Form von Einzel- und Gruppeninterviews mit Arbeitnehmer/-innen und Expert/-innen soll Erkenntnisse darüber bringen, inwieweit etwa Angst vor Arbeitsplatzverlust, Präkarisierung von Arbeit und die Nichtanerkennung von Qualifikationen dazu führen können, rechten Parolen zu folgen. Die Ergebnisse der Studie sollen noch vor der Bundestagswahl veröffentlicht werden.
Dazu passt unsere Seminarempfehlung zu einem Angebot der Stammtischkämpfer*innen. In verschiedenen Settings – auch im Rahmen des betrieblichen Alltags – vermitteln sie Wissen und Fähigkeiten, dumpfen menschenverachtenden Parolen zu begegnen. Wichtigste Erkenntnis: Diesen Parolen muss zunächst deutlich und wahrnehmbar widersprochen werden!
Last, but not least setzen wir unsere kleine Reihe von Portraits von Teamer/-innen im ver.di Bildungszentrum Brannenburg fort. Diesmal berichtet Stephanie Merz darüber, wie scheinbar dröges Arbeitsrecht plötzlich spannend werden kann. In diesem Sinne wünschen wir allen Leserinnen und Lesern viele Erkenntnisse und Mut zum Handeln.
Marion Fendt, Britta Klinkforth & das Team
Darum bin ich in der Bildungsarbeit aktiv
BA 01 170619 01
BA 01 170619 04
BA 01 170702 01
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BA 01 170709 02
BA 01 170717 01
Wirtschaftliches Grundwissen für Interessenvertretungen (siehe dazu auch den Erläuterungstext)
BA 01 170717 02
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BA 01 170723 04
Mobile Arbeit und Arbeit im Außendienst
Arbeits- und sozialrechtliche Probleme und Regelungsmöglichkeiten
BA 01 170724 02
(siehe dazu auch den Erläuterungstext)
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Werner Bareth, N. N.
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Stefanie Merz, N.N.
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Hinweis: Besuch des BR1-Grundseminars; vorheriger Besuch der BR-Grundseminare 2 und 3 empfohlen
Stephanie Merz, N. N.
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Elfriede Martin, Werner Tomek
Hinweis: Besuch des BR1-Grundseminars
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Otto Biederer, N.N.
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Stephan Kuchenbecker, N. N.
Hinweis: Besuch des PR1-Grundseminars
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Stephanie Merz, N.N.
Begründung des ArbeitsverhältnissesInhalte des Arbeitsvertrags
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BA 01 170724 03 [ Anmelden ]
Hinweis: Besuch des BR1-/PR1-Grundseminars
Freistellungsgrundlagen:§ 37 Abs. 6 BetrVG, § 46 Abs. 6 BPersVG, analog LPersVG
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Seminargebühr: 750,00 € Umsatzsteuer befreit
Arbeit im Außendienst ist die klassische Form mobiler Arbeit, die nicht an einen Ort gebunden ist und bei der ein hohes Maß an zeitlicher und räumlicher Flexibilität gefordert wird. Zunehmend wird diese Flexibilität auch von anderen Beschäftigten erwartet, z.B. bei Dienstreisen oder wenn Aufträge bei Kunden bearbeitet werden müssen. Dies ist mit sozialen Kosten und besonderen Belastungen verbunden und erfordert Regelungen.
Es werden häufig spezielle arbeitsrechtliche Probleme berührt. Es geht u.a. um Arbeitszeitgestaltung, Vergütungsgrundsätze und -methoden, Verkehrsmittelnutzung und Kostenerstattung, krankheitsbedingte Ausfälle und die Gewährung von Urlaub.
Das Seminar hilft, diese Probleme anzugehen und durch aktives Handeln des Betriebsrats - z.B. mithilfe von Betriebsvereinbarungen - zu lösen.
Mobile Arbeit und Arbeit im Außendienst: Typisierung, Anforderungen, Probleme
Ausgewählte gesetzliche und tarifliche Vorschriften
Entgelt (Grundgehalt, Provision, Spesen etc.) und Leistungsbemessung und -bewertung (z.B. Zielvereinbarungen)
Arbeitszeit, Reisezeit, Ruhezeit - Anforderungen an die Arbeitszeitgestaltung
Arbeits- und Verkehrsmittel(-wahl), Kontrolle von Leistung und Verhalten
Kundenzuteilung, Gebietszuweisungen, Gebietsschutz, Versetzungen und Kündigungsgründe
Handlungsmöglichkeiten des Betriebsrats, Betriebsvereinbarungen
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N. N., Emmy Sommerer
Freistellungsgrundlagen:§ 37 Abs. 6 BetrVG, § 46 Abs. 6 BPersVG, analog LPersVG, § 96 Abs. 4 SGB IX
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Werkstatt Psychische Belastungen
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Im Grundlagenseminar wurden rechtliche Grundlagen und einige Verfahren zur Erhebung psychischer Belastungen vermittelt. Dieses Praxisseminar baut darauf auf und legt den Schwerpunkt auf die Umsetzung im Betrieb.
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Betriebliche Aus- und Weiterbildung als Handlungsfeld des Betriebsrates (kompakt)
BA 01 170913 03 [ Anmelden ]
Hinweis: Besuch des BR1-/JAV1-Grundseminars
Freistellungsgrundlagen: § 37 Abs. 6 BetrVG, § 65 Abs. 1 i.V.m. § 37 Abs. 6 BetrVG
Planung, Qualitätssicherung, Kontrolle (Evaluation) der Maßnahmen zur Aus-, Fort- und Weiterbildunguswahlverfahren zur Teilnahme an internen und externen Qualifizierungsmaßnahmen
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Hinweis: Besuch des BR1-/PR1-/JAV1-Grundseminars
BA 01 170924 01 [ Anmelden ]
Die Arbeit als Mitglied einer gesetzlichen Interessenvertretung erfordert mehr als einen professionellen Umgang mit Gesetzestexten. Auch an die Art und Weise Ihres Auftretens und an Ihr rhetorisches Geschick werden hohe Ansprüche gestellt, z.B. beim Auftritt auf der Betriebs-/Personalversammlung, bei der Gestaltung kurzer Redebeiträge oder längerer Überzeugungsreden und bei Gesprächen mit dem Arbeitgeber. Neben den Inhalten und dem Aufbau entscheiden der Redestil, die Körpersprache und die innere Haltung über die Wirkung von Redebeiträgen. Dieses Seminar vermittelt Ihnen praxisnah und mit Spaß die Grundlagen erfolgreicher Rhetorik, angefangen bei der Überwindung von Lampenfieber und Sprachhemmungen, dem bestmöglichen Aufbau einer Rede, der angemessenen und persönlich stimmigen Körperhaltung, dem richtigen Stimmeinsatz bis hin zum souveränen Umgang mit möglichen Störungen.
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Die jüngsten Mobilisierungs- und Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien
sind nicht zuletzt das Ergebnis wachsender Unterstützung unter abhängig Beschäftigten. Warum das so ist, wird gerade erforscht. Ein Gespräch mit der Arbeitssoziologin Ursula Stöger
Derzeit läuft eine Befragung von Gewerkschaftsmitgliedern zum Thema rechtspopulistische Erscheinungen auf betrieblicher Ebene. Welche forschungsleitenden Fragen gibt es?
In der Vergangenheit gab es bereits verschiedene Studien zu rechten Tendenzen in der Bevölkerung. Besonders die Untersuchungen aus Leipzig und Bielefeld wurden mit Interesse wahrgenommen. Ergebnis war u.a., dass es auch unter Gewerkschaftsmitgliedern Sympathien für rechtspopulistische Parteien gibt.
In diesen Studien wurde zwar nach Hintergründen dieser Einstellungen gefragt – der Bezug zur Arbeitswelt fehlte aber bislang weitgehend. Da setzen wir nun an. Wir fragen, welche arbeitsweltlichen und betrieblichen Gründe für diese Affinität zum rechten Parteienspektrum es gibt.
Unsere Untersuchung ist dabei nicht statistisch repräsentativ angelegt, sondern wir befragen eine kleine Zahl von Menschen in qualitativen Interviews.
Auf welcher Ebene laufen diese Untersuchungen?
Die Interviews werden bundesweit gemacht. Wir befragen Menschen dort, wo wir auch hinkommen können. Wir führen Interviews mit Expert/-innen aus den Gewerkschaften. In der zweiten Stufe werden Gruppeninterviews mit Teilnehmenden von Seminaren von ver.di und der IG Metall durchgeführt.
Wie ist Bereitschaft, an den Interviews teilzunehmen?
Es gibt schon eine Bereitschaft. Alles ist natürlich freiwillig. Nachdem wir nur mit denjenigen sprechen können, die bereit sind, uns Auskunft zu geben, können wir über die Gründe derjenigen, die sich nicht beteiligen wollen, nichts sagen.
Gibt es eine Vermutung, was zu rechten Tendenzen auch bei Gewerkschaftsmitgliedern führen kann?
Wir arbeiten natürlich mit entsprechenden Thesen. Die Interviews sind als offene Fragen formuliert; wir fragen nach den betrieblichen Erfahrungen. Zunächst interessiert uns, ob es in den Betrieben überhaupt rassistische und menschenverachtende Tendenzen bzw. Äußerungen gibt. Hier interessiert uns, was die Beschäftigten in den Betrieben beobachten.
Danach fragen wir nach ihrer persönlichen Sicht auf die Dinge. Wir vermuten dabei, dass betriebliche Probleme durchaus dazu beitragen, dass es zur Zustimmung zu rechten Parolen und Überzeugungen kommt. Ursachen könnten etwa die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes sein, hoher Leistungsdruck, Arbeitsplatzverlagerungen aufgrund der Internationalisierung oder aber auch die Entwertung von eigenen Qualifikationen. Ein zweiter Komplex könnte die fortschreitende Prekarisierung von Beschäftigung durch Leiharbeit und Befristung oder Abwertungserfahrungen in der Arbeit sein. Aber hier stehen wir erst am Anfang der Bewertung des Materials und wollen noch keine verbindlichen Aussagen treffen.
So könnten u.a. Ohnmachtserfahrungen oder die Wut über die betriebliche Situation zu rechtspopulistischen Einstellungen beitragen. Es sieht so aus, als ob einige nun in den Geflüchteten Schuldige für Probleme gefunden haben, die wirtschaftliche und politische Ursachen haben.
Wie viele Interviews werden geführt?
Wir haben bereits 19 Expert/-innen und 14 Gruppen interviewt. Keine Standard-Fragebögen, sondern alles offene Gespräche.
Was kann und muss Bildung in diesem Kontext leisten?
Gewerkschaftlicher Bildung kommt natürlich Verantwortung zu – sie kann diese Verantwortung aber nicht alleine tragen. Es wäre sicherlich falsch, wenn man fordern würde, dass es Bildung alleine richten soll.
Wir sehen hier eine gesamtgewerkschaftliche Verantwortung. Nichtsdestotrotz soll Bildung aufklären. Und Bildung muss Räume und Gelegenheit zu gesellschaftlichen und politischen Debatten zur Verfügung stellen und den Austausch unter Kolleg/-innen über die Probleme und deren Ursachen ermöglichen.
Welche Vernetzungen sind dazu notwendig?
Es gibt zum Beispiel das Bündnis der Stammtisch-Kämpfer*innen – Aufstehen gegen Rassismus und andere lokale Bündnisse gegen Rassismus. Die müssen auf allen Ebenen ineinandergreifen. Gewerkschaften sind an vielen dieser Bündnisse beteiligt.
Kommt diese Umfrage möglicherweise zu spät – hätte man früher auf solche Tendenzen reagieren müssen?
Gewerkschaften haben schon früher diesen rechten Tendenzen gegengesteuert, wenn auch vielleicht nicht in ausreichendem Maße. Man kann natürlich immer noch mehr machen – zu spät kommt diese Befragung deshalb aber nicht. Jetzt kommt es darauf an, gemeinsam gegen rassistische und menschenverachte Entwicklungen vorzugehen und zu zeigen, dass Gewerkschaften bessere Lösungen für die Probleme der Beschäftigten anbieten können als rechtspopulistische Parteien und Bewegungen.
Und uns muss klar sein, dass – solange es menschenverachtende, rassistische und rechtsextreme Tendenzen in den Betrieben gibt, müssen wir wachsam sein und handeln. Den Gewerkschaften kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn sie sind die Organisation, die in die Betriebe direkt hineinwirken kann.
Wann sollen die Ergebnisse der Befragung veröffentlicht werden?
Die Forschungsgruppe, die sich aus Kolleg/-innen des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung in München (ISF) und von WissenTransfer – wissenschaftliche Vereinigung für Kapitalismusanalyse und Gesellschaftspolitik e.V. – zusammensetzt, hat beschlossen, dass die Ergebnisse noch vor der Bundestagswahl im Herbst vorliegen und veröffentlicht werden sollen.
ver.di selbst ist übrigens nicht an der Untersuchung beteiligt. Ich bin nicht in meiner Funktion als Gewerkschaftssekretärin, sondern in meiner zweiten Tätigkeit als Arbeitssoziologin dabei. Finanziert wird das Projekt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung und das europäische Netzwerk Transform!.
Mit den Stammtischkämpfer*innen unterwegs
Rechten und menschenverachtenden Parolen kann man begegnen – man muss es sogar, sagt Herbert Schmidt.
Gibt es überhaupt ein wirksames Mittel gegen Stammtischparolen?
Es gibt wirksame Reaktionen gegen Parolen, die wir in unseren „Stammtischkämpfer*innen“-Seminaren vorstellen und üben. Stammtisch bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur die Eckkneipe, sondern alle möglichen Orte, wo wir Parolen hören können: am Arbeitsplatz, im Bus, in der Familie.
Das Wesen solcher Parolen ist immer gleich; sie polarisieren: „Wir“ gegen „Ihr“, „Gut“ gegen „Böse“. Sie provozieren und drängen einen in die Defensive, weil sie meist unerwartet kommen und komplexe Zusammenhänge extrem vereinfachen. Ich empfehle, zunächst immer eine Grundhaltung einzunehmen: Keine Parole, die menschenverachtend ist, darf unwidersprochen bleiben.
Viele – auch wir Gewerkschafter/-innen – neigen oft dazu, gegen Parolen oder platte Behauptungen mit langen und guten Argumenten zu antworten. Aber wenn wir beispielsweise im Bus eine fremdenfeindliche Parole hören, bleibt keine Zeit, lückenlose Argumentationsketten zu bilden. Wir sagen deshalb, dass es nicht so sehr darauf ankommt, die wirksamsten Argumente zu finden, sondern den Mut zu haben, gegen solche Parolen aufzubegehren – Stopp zu sagen. Eine Methode ist dabei, Fragen zu stellen, denn wir alle wissen, dass derjenige führt, der fragt …
„Nein, das kann ich so nicht stehenlassen“ könnte eine unmittelbare Reaktion sein …
Genau. Es ist deutlich zu machen, dass man anderer Meinung ist. Der Treibstoff von Parolen ist nämlich die passive Unterstützung durch eine schweigende Mehrheit. Wer mit provokanten Äußerungen ohne Widerspruch auftritt, fühlt sich bestätigt durch die schweigende Menge um sich herum. Doch Widerspruch sollte im wahrsten Sinne des Wortes hörbar sein – andere Menschen im Umfeld sollen diese Entgegnung wahrnehmen können.
Wie verhindert man in dieser Situation, dass man rein emotional reagiert oder gar unsachlich wird?
Das kann geübt werden; wenn beispielsweise Gegenfragen gestellt werden, können wertvolle Sekunden gewonnen werden, um eine angemessene Antwort zu finden. Damit wird der andere gezwungen, zu reagieren, seine Quellen zu nennen etwa. Ich empfehle in diesem Zusammenhang, eine Unterscheidung zwischen dem Menschen und seiner Aussage zu treffen. Dem Menschen kann man immer noch wertschätzend begegnen – seinen rechten Aussagen und Parolen muss man widersprechen.
Können platte Parolen letztlich doch noch zu einem Dialog führen?
Das hängt vom betroffenen Personenkreis ab. Habe ich etwa einen NPD-Funktionär mir gegenüber, ist es sehr unwahrscheinlich, mit ihm in einen konstruktiven Diskurs zu kommen. Das Gleiche gilt für die Mitglieder solcher rechten Parteien, die eher ein geschlossenes Weltbild vertreten. Vielversprechender ist die Auseinandersetzung mit Sympathisanten/-innen und Unentschlossenen – auch mit der stummen Mehrheit. Bei diesen Personenkreisen kann man eher Aufmerksamkeit gewinnen und leichter in einen Dialog treten.
Wie läuft nun solch ein Seminar ab?
Wir nehmen uns – je nach Voraussetzung – zwei bis sechs Stunden Zeit dafür.
Zunächst lassen wir uns Zeit für einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmenden. Es werden Situationen beschrieben, in denen man/frau mit rechten oder rassistischen Parolen konfrontiert wurde und in denen man/frau sich gewünscht hätte, anders reagiert zu haben.
In der zweiten Stufe diskutieren wir, wie jemand hätte reagieren können, um deutlich zu machen, dass man/frau diesen Parolen widerspricht und anderer Meinung ist. Wir geben Hinweise, wie beispielsweise gegen Verallgemeinerungen oder Themen-Hopping vorgegangen werden kann.
Schließlich gibt es eine Übung, die wir „Kugellager“ nennen. Es werden zwei Kreise aus Teilnehmenden gebildet, die ineinandergreifen. So stehen sich im Innen- und Außenkreis immer zwei Menschen gegenüber. Die eine Seite beginnt nun, dem/der gegenüberstehenden Person Parolen entgegenzuschleudern. Diese muss reagieren, die „Schrecksekunde“ überwinden. Die Kreise bewegen sich weiter, sodass immer eine neue Situation entsteht, in der man/frau mit neuen unerwarteten Parolen konfrontiert wird, denen es erneut zu entgegnen gilt.
Muss man dieses Vorgehen immer wieder trainieren?
Man muss begreifen, warum solche Parolen wirkmächtig sind. Um widersprechen zu können, bedarf es tatsächlich Übung. Wichtig ist aber, zu erkennen, dass ich kein Rhetoriker sein muss, um aufzubegehren, sondern Mut haben muss.
Ein viertes Element kommt im Seminar übrigens hinzu. Wenn es die Zeit erlaubt, praktizieren wir Elemente des Forum-Theaters, das aus Südamerika stammt. Wir stellen konkrete Szene nach, die Teilnehmende erlebt haben und diskutieren dann, wie idealweise reagiert werden sollte. Die Teilnehmenden übernehmen verschiedene Rollen und testen unterschiedliche Interventionsmöglichkeiten. Dabei erleben sie, wie sich die Handlung „anfühlt“, was eine Aktion emotional mit einem Selbst macht und welche Emotionen und Reaktionen sie bei anderen auslöst. Jede Intervention wird kritisch-solidarisch reflektiert.
Letztlich sensibilisieren wir vor allem dafür, dass man alltäglichen Rassismus wahrnehmen und ihm begegnen muss und kann. Insofern machen wir Mut, die eigene Stimme zu erheben, Position zu beziehen.
Es gibt übrigens keine spezielle Zielgruppe für dieses Angebot – wir haben solche Seminare bei Kiezgruppen in Berlin, Vertretern von Parteien, in Betriebsversammlungen oder bei Musikveranstaltungen angeboten. Überall stößt man auf solche Parolen – und überall muss man damit umgehen können.
Für weitere Informationen: www.aufstehen-gegen-rassismus.de
Stephanie Merz … teamt in Brannenburg - klar, dass sie als Anwältin ein Faible für das Thema Arbeitsrecht hat …
Wie bist du zum Teamen gekommen?
Während meines Studiums hatte ich als Tennis- und Ski-Lehrerin gearbeitet und fand es damals schon spannend, Menschen etwas beizubringen und zu erklären und sie für etwas, was sie noch nicht können, zu begeistern und an die Thematik heranzuführen. Als ich dann Anwältin wurde, dachte ich, dass es interessant sein könnte, diese Begeisterung für das Weitergeben von Wissen an dieser Stelle zu nutzen. Ich habe dann u. a. für ver.di b+b in Baden Württemberg Seminare durchgeführt. Es kamen immer mehr dazu – über Walter Lukas kam ich dann auch nach Brannenburg.
Du teamst überwiegend Seminare der Grundqualifikation für Betriebsräte und zum Arbeitsrecht. Wie kommt das?
Als Fachanwältin für Arbeitsrecht ist das einfach naheliegend, da ich tagtäglich damit zu tun habe, da wir in der Kanzlei ausschließlich die Arbeitnehmerseite und Betriebsräte vertreten und keine Arbeitgeber. Ich würde mich aber gern noch thematisch verbreitern – Arbeits- und Gesundheitsschutz; und etwas weg vom juristischen, hin zu z. B. Rhetorik, Coaching oder Mediation würden mich auch interessieren.
Gab es einen sichtbaren Bedarf an entsprechenden Seminarangeboten, den du wahrgenommen hast?
Ich hatte immer den Eindruck, dass für die Betriebs- und Personalräte Arbeitsrecht vor allem eines ist – langweilig, unnahbar und unverständlich. Ich will den Kolleginnen und Kollegen mit meinem Angebot den Einstieg in diesen Themenkomplex erleichtern, sodass sie das Rüstzeug bekommen, alle weiteren Schritte selbst zu gehen. Sie sollen ihre Rechte kennen – aber auch Grenzen ihres Wirkens sehen und Gefahren einschätzen können. Ich finde es toll, wenn ich sehe, wie die Teilnehmenden an dieser Aufgabe persönlich und fachlich wachsen.
Ein erster Schritt dazu ist, Bewusstsein zu schaffen …
Man kann alles lernen – auch die komplexe Materie des Arbeitsrechts. Bedarf gibt es jedenfalls, sich intensiver damit auseinanderzusetzen. Und ohne Formalien geht es nun mal nicht. Es kommt dann auf den Teamenden an, wie er das „appetitlich“ verpackt.
Bildung ist eine Zwei-Wege-Kommunikation. Wie funktioniert das in der Praxis bei dir?
Ich frage bei den Teilnehmenden zu Beginn des Seminars nach ihren praktischen Erfahrungen, Ängsten und Problemen und versuche das so weit wie möglich in das Seminar einzubeziehen. Ich bin der Meinung man muss die Menschen bei ihren tatsächlichen Problemen abholen und nicht einfach nur die Theorie übermitteln. Zum Beispiel: Im Betrieb soll eine neue Telefonanlage installiert werden. Welche Rolle soll, möchte und muss das Gremium einnehmen. Hier setze ich an. Ich nehme mir immer Zeit, auch individuelle Fragen zu beantworten.
Was sollten Menschen mitbringen, die künftig auch teamen wollen?
Man muss die Fähigkeit besitzen, sich in andere und deren Problem und Ängste hineinzuversetzen – empathisch zu sein. Und man muss komplexe Sachverhalte auf eine verständliche Sprache runterbrechen können. Und natürlich ist es hilfreich, wenn man grundsätzlich ein offener Mensch ist und Spaß an der Sache hat.
Man kann aber auch hier alles lernen …
Learning on the Job heißt das wohl neudeutsch. Das bedeutet, dass man nicht allein ist als neuer Teamender. Es gibt immer ein Backup und Rückendeckung von uns. Wichtig ist, einfach mal zu machen, anzufangen. Der Rest ergibt sich sehr schnell.
Rückblickend – was begeistert dich bis heute am Teamen?
Es macht einfach Spaß. Ich kann Lösungswege aufzeigen, kann Unterstützung anbieten, Sicherheit geben. Und last, but not least lernt man unheimlich interessante Menschen kennen. Arbeitsrecht ist am Ende gar nicht so schlimm, wie viele denken. Das spüren und reflektieren die Teilnehmenden am Ende eines Seminares durchgängig auch.
Ich erlebe das Haus in Brannenburg immer als besonderen Ort für Seminare. Eine spürbar offene Atmosphäre, hilfsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Zeit und Gelegenheit, sich zu entspannen (nicht immer für die Teamer, aber bestimmt immer für die Teilnehmer J ). Das ist auch ganz wichtig, dass man sich bei Seminaren rundum wohlfühlt.
Pfingstvolksfest Bad Aibling vom 2. bis 11. Juni
Wies'n-Einzug: Freitag, 02.06.
Traditionell findet wieder ein Standkonzert mit Freibierausschank am Marienplatz statt. Der festliche Einzug mit Salutschießen führt dann durch die Stadt zum Volksfestplatz. Dort wird das erste Fass vom 1. Bürgermeister Felix Schwaller angezapft. Festbetrieb: geöffnet Samstag, Sonn- & Feiertage ab 11 Uhr, Werktage ab 14 Uhr, Großer Vergnügungspark mit Autoscooter, Flipper, Wellenflug, Coco Bongo und vielem mehr.
Volksfestplatz, Krankenhausstraße, 83043 Bad Aibling
Informationen: info@fahrenschon-festzelte.de
Seeoner Bierweltreise
mit Biersommeliére & Touristikfachwirtin Andrea Wittmann
Vom Trost und Nahrung spendenden Gebräu der Benediktiner bis zur innovativen, dynamischen Braukultur führt Sie die außergewöhnliche Bierreise um die Welt! Genießen Sie mit allen Sinnen Natur, Kultur sowie nationale und internationale CAMBA - Bierspezialitäten bei einem Spaziergang mit bieriger Historie. Termine: Donnerstag 8. Juni, 6. Juli, 24. August 2017, Kosten: (inkl. Bierverkostung bzw. alkoholfreies Getränk): Erwachsene ohne Gästekarte: 16,00 € (mit Gästekarte: 13,00 €)
Großparkplatz Kloster Seeon (ehemaliges Bistro Leuchtenberg), Klosterweg 15, 83370 Seeon
Informationen und Anmeldung: Andrea Wittmann, Tel. 0151 15603577
Kultur im Park mit „Austria4“
Die Band „Austria4“ hat sich ganz dem Austro-Pop verschrieben und schon mehrfach das Publikum bei Kultur im Park zu Beifallsstürmen hingerissen. Die Lieder von Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich, Georg Danzer, STS und anderen Legenden werden in der Besetzung mit zwei Akustikgitarren, Bass und Schlagzeug – manchmal auch mit Gastmusikern an Keyboard und E-Gitarre dargeboten. Eine besondere Stärke der Band sind dabei die ausgefeilten Gesangsarrangements, die Klassiker wie „Großvater“ oder „Du entschuldige“ wieder aufleben lassen. Bei schlechtem Wetter findet das Konzert im Kurhaus statt. Der Eintritt ist frei.
Kurhaus – Brunnenhof, Wilhelm-Leibl-Platz 1, 83043 Bad Aibling
Informationen: www.antons-im-park.de
„Hoppla!“ Volkstheater Flintsbach
Wer kennt sie nicht „The Beggar`s Opera“ – die Gesellschaftssatire des John Gay aus dem Jahr 1728? Die Geschichte um den Bettlerkönig Peachum, den korrupten Polizeichef Lockit und den Frauenheld Mackie Messer. Der Autor und Regisseur Johannes Reitmeier, seit 2012 Intendant am Tiroler Landestheater Innsbruck, hat mit dem leider schon verstorbenen Komponisten Roger Boggasch aus der Vorlage von John Gay eine bairische Fassung der Bettleroper geschaffen. Die Sprache ist bairisch - Ort, Handlung und Kostüme sind in den 1920er Jahren in London angesiedelt. Dort sorgen Mackie Messer mit seiner Bande, die heiratswilligen Töchter Polly und Lucy, eine Schar Flitscherl, die "Schwarzen Witwen" und noch viele andere skurrilen Gestalten für einen Ausflug in die Welt der Bettler, Gauner, Huren und verlassenen Frauen. Ein musikalisches, lustiges, bilder- und farbenreiches, freches, schmissiges und ohrwurmverdächtes Theaterfeuerwerk.
Volkstheater Flintsbach e. V., Theaterweg 2, 83126 Flintsbach a.Inn
Informationen: www.volkstheater-flintsbach.de
Wanderausstellung „Bilderzyklus Weltreligionen“
Wanderausstellung: 4.Station (bis Ende Juni), von Christine Hötzendorfer aus Waging am See
In einem Zeitraum von zwei Jahren entstanden sieben 1,60 m und 0,65 m hochformatige Bilder. Mit den verschiedensten Materialien unterlegt, wurde das Thema 'Weltreligionen' in abstrahierender Technik in den Mittelpunkt jeden Bildes gesetzt. Eine Herausforderung für die Malerin. Wie ein roter Faden zieht sich ihr großes Interesse an diesem Thema seit Jahren durch ihre Arbeiten. Ein hartes Ringen angesichts der momentanen politischen Situation, in der wir fast täglich mit Glaubenskämpfen und Verfolgung religiöser Minderheiten konfrontiert werden. Unsicherheit und Mutlosigkeit, auch Angst vor der eigenen Courage, stellten die Arbeit teilweise infrage.
Walburgiskirche, Klosterweg, 83370 Seeon
Informationen: www.atelier-hoetzendorfer.de
Peter Ludwig – Zwielicht
Der Arbeitskreis 68 präsentiert: „Zwielicht“, Fotokunst von Peter Ludwig
Am Samstag, 13. Mai 2017, eröffnete der Arbeitskreis 68 die Fotoausstellung „Zwielicht“ in der Galerie im Ganserhaus. Dort präsentiert Peter Ludwig rund 70 großformatige Bilder aus dem Genre künstlerische Fotografie mit Motiven, die auf vielschichtige Art in Beziehung zu Wasserburg und seinen Bewohnern stehen. „Zwielicht“ zeigt das Ergebnis eines neuen, kreativen Engagements, das für Peter Ludwig in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewann. Denn eigentlich ist Peter Ludwig Pianist, Komponist und Arrangeur. Neben dem Musikerberuf widmet sich der Wasserburger Künstler der Film und Fotokunst. Deshalb lassen sich in seinen Kompositionen und in den jetzt vorgestellten fotografischen Arbeiten viele Gemeinsamkeiten entdecken. Beides verbindet eine charmante, unaufdringliche Poesie.
Galerie im Ganserhaus, Schmidzeile 8, 83512 Wasserburg a. Inn
Informationen: www.arbeitskreis68.de

References: § 46
 § 46
 § 96
 § 37
 § 65
 § 37