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Timestamp: 2020-08-08 09:42:27+00:00

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Steuerberater als Bank-Vorstand | Kanzleilupe
Gewerb­li­che Tätig­keit ist gekenn­zeich­net durch ein selb­stän­di­ges, gleich­mä­ßig fort­ge­setz­tes und maß­ge­bend von erwerbs­wirt­schaft­li­chem Stre­ben nach Gewinn bestimm­tes Han­deln, wobei uner­heb­lich ist, ob die Tätig­keit in eige­nem Namen oder als Organ einer juris­ti­schen Per­son aus­ge­übt wird [1].
Die Genos­sen­schafts­bank, die gemäß § 17 Abs. 2 GenG Form­kauf­mann ist [2], übt mit der Vor­nah­me von Finanz­ge­schäf­ten eine gewerb­li­che Tätig­keit aus [3].
Im Streit­fall ist das organ­schaft­li­che Han­deln des Klä­gers als Vor­stand not­wen­dig vom gewerb­li­chen Cha­rak­ter der Unter­neh­mens­tä­tig­keit der Genos­sen­schafts­bank geprägt [4] 4/​95, BGHSt 42, 55; Gehre/​Koslowski, a.a.O., § 57 Rz 90)).
Die­ser Beur­tei­lung steht nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger von Geset­zes wegen nicht allein­ver­tre­tungs­be­rech­tigt ist (vgl. § 25 Abs. 1 Satz 1 GenG), son­dern nur gemein­schaft­lich mit sei­nen Vor­stands­kol­le­gen die Genos­sen­schafts­bank ver­tre­ten kann [5]. Auch änder­te eine –hier nicht fest­ge­stell­te– Beschrän­kung des Vor­stands­am­tes des Klä­gers auf Auf­ga­ben, die sich im Rah­men einer steu­er­be­ra­ten­den Tätig­keit hal­ten, nichts an der Ein­ord­nung als gewerb­li­che Tätig­keit [6].
Fer­ner ist es uner­heb­lich, dass ein Vor­stand einer Genos­sen­schaft –im Gegen­satz zum Geschäfts­füh­rer einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung (vgl. § 37 Abs. 1 GmbHG)– kei­nen Wei­sun­gen unter­liegt. Denn aus­schlag­ge­bend für die Gewerb­lich­keit der Tätig­keit eines Organs ist nicht, ob es wei­sungs­ge­bun­den ist, son­dern viel­mehr, ob die juris­ti­sche Per­son –wie im Streit­fall die Genos­sen­schafts­bank– ihrer­seits gewerb­lich ist [5].
Zwar soll mit der grund­sätz­li­chen Unver­ein­bar­keit einer gewerb­li­chen Tätig­keit der abs­trak­ten Gefahr einer Ver­let­zung der dem Steu­er­be­ra­ter oblie­gen­den Berufs­pflich­ten begeg­net wer­den [7]. Auf­grund des in § 57 Abs. 4 Nr. 1 StBerG ange­leg­ten Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis­ses, das mit dem in § 46 Abs. 2 Nr. 4 1. Halb­satz StBerG ent­hal­te­nen [8] ver­gleich­bar ist, ist aber bei der Zulas­sung einer Aus­nah­me nach § 57 Abs. 4 Nr. 1 2. Halb­satz StBerG dar­auf abzu­stel­len, ob im kon­kre­ten Fall die Ver­let­zung von Berufs­pflich­ten aus­nahms­wei­se aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Stell­te man hin­ge­gen auf die abs­trak­te Gefahr einer sol­chen Ver­let­zung ab [9], käme die Zulas­sung einer Aus­nah­me regel­mä­ßig von vorn­her­ein nicht in Betracht, was mit der durch Art. 12 GG garan­tier­ten Frei­heit der Berufs­wahl unver­ein­bar wäre [10]. Wenn aber die kon­kre­te Gefähr­dung der Berufs­pflich­ten im Ein­zel­fall aus­ge­schlos­sen wer­den kann –wofür den Antrag­stel­ler die Dar­le­gungs- und Fest­stel­lungs­last trifft–, besteht ein Anspruch auf Zulas­sung einer Aus­nah­me. In einem sol­chen Fall besteht –unbe­scha­det des Wort­lauts des § 57 Abs. 4 Nr. 1 2. Halb­satz StBerG („kann“)– kein Ermes­sens­spiel­raum der Steu­er­be­ra­ter­kam­mer [11].
Im Streit­fall sind die Vor­aus­set­zun­gen für die Zulas­sung einer Aus­nah­me nach § 57 Abs. 4 Nr. 1 2. Halb­satz StBerG schon des­halb nicht gege­ben, da der Klä­ger nicht dar­ge­legt hat, dass eine kon­kre­te Gefähr­dung bzw. Ver­let­zung der Berufs­pflich­ten als Steu­er­be­ra­ter durch sei­ne Vor­stands­tä­tig­keit für die Genos­sen­schafts­bank nicht zu erwar­ten ist. Somit ist die von der Steu­er­be­ra­ter­kam­mer und dem FG vor­ge­nom­me­ne Beur­tei­lung der sich aus der Vor­stands­tä­tig­keit des Klä­gers erge­ben­den Inter­es­sen­kol­li­si­on mit der –ange­streb­ten– Berufs­tä­tig­keit als Steu­er­be­ra­ter nicht zu bean­stan­den. Dar­an ver­mag auch die Tat­sa­che nichts zu ändern, dass die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer und das Finanz­ge­richt als Maß­stab für die Zulas­sung einer Aus­nah­me auf die abs­trak­te Gefähr­dung der Berufs­pflich­ten abge­stellt haben. Denn ein Steu­er­be­ra­ter befin­det sich jeden­falls dann in einem Inter­es­sen­kon­flikt, wenn sei­ne Man­dan­ten Kun­den einer Bank sind, als des­sen Vor­stands­mit­glied er zusätz­lich tätig ist. Ins­be­son­de­re besteht die kon­kre­te Gefahr, dass ein Steu­er­be­ra­ter in einer der­ar­ti­gen „Dop­pel­funk­ti­on“ sei­ne Pflich­ten zur unab­hän­gi­gen und eigen­ver­ant­wort­li­chen Berufs­aus­übung (§ 57 Abs. 1 StBerG) ver­letzt. Auch wenn der Klä­ger kei­nen Wei­sun­gen unter­wor­fen ist (vgl. § 27 Abs. 1 Satz 1 GenG), ergibt sich ein Inter­es­sen­kon­flikt dar­aus, dass er auf­grund sei­nes Dienst­ver­trags ver­pflich­tet ist, die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Genos­sen­schafts­bank zu ver­fol­gen. Die von § 57 Abs. 1 StBerG gefor­der­te unab­hän­gi­ge und eigen­ver­ant­wort­li­che Berufs­aus­übung erscheint unter die­sen Bedin­gun­gen nicht mög­lich oder jeden­falls ernst­lich gefähr­det.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Inkom­pa­ti­bi­li­täts­re­ge­lung des § 57 Abs. 4 Nr. 1 StBerG, die bis zum Inkraft­tre­ten des Ach­ten Geset­zes zur Ände­rung des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes (8. StBe­rÄndG) am 12. April 2008 kei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung beinhal­te­te, als mit Art. 12 GG ver­ein­bar ange­se­hen [12] und in sei­nem Beschluss vom 4. Novem­ber 1992 [13] die Inter­es­sen­kol­li­si­on bei gewerb­li­cher Tätig­keit eines Steu­er­be­ra­ters her­vor­ge­ho­ben und auf die anders­ar­ti­ge Inter­es­sen­la­ge des Rechts­an­walts hin­ge­wie­sen. Dass sich an die­ser ver­fas­sungs­recht­li­chen Beur­tei­lung durch die mit dem 8. StBe­rÄndG bezweck­te Libe­ra­li­sie­rung des Berufs­rechts der Steu­er­be­ra­ter etwas geän­dert haben soll, ver­mag der BFH in Anbe­tracht der Recht­spre­chung des BVerfG nicht zu erken­nen. Ins­be­son­de­re genügt die Rege­lung des § 57 Abs. 4 Nr. 1 StBerG dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, da sie die Mög­lich­keit einer Aus­nah­me vor­sieht.
Da die Vor­stands­tä­tig­keit des Klä­gers auf­grund ihrer Gewerb­lich­keit bereits nach § 57 Abs. 4 Nr. 1 1. Halb­satz StBerG mit dem Beruf des Steu­er­be­ra­ters unver­ein­bar ist, ist es –ent­ge­gen der Rechts­an­sicht der Revi­si­on– uner­heb­lich, ob die wei­te­re Inkom­pa­ti­bi­li­täts­re­ge­lung des § 57 Abs. 4 Nr. 2 StBerG kei­ne Anwen­dung fin­det, weil die Vor­stands­tä­tig­keit des Klä­gers als eine Tätig­keit eines Syn­di­kus-Steu­er­be­ra­ters i.S. des § 58 Satz 2 Nr. 5a StBerG anzu­se­hen wäre. Im Übri­gen ist der Klä­ger auch nicht als Syn­di­kus-Steu­er­be­ra­ter tätig. Denn § 58 Satz 2 Nr. 5a Satz 1 StBerG ist dahin zu ver­ste­hen, dass im Rah­men des Ange­stell­ten­ver­hält­nis­ses aus­schließ­lich Tätig­kei­ten im Sin­ne des § 33 StBerG wahr­ge­nom­men wer­den [14]. Dies ergibt sich ins­be­son­de­re aus der Geset­zes­be­grün­dung, die auf die Tätig­keit in der Steu­er­ab­tei­lung eines Unter­neh­mens abstellt [15], was für die Vor­stands­tä­tig­keit des Klä­gers nicht zutrifft.
Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs besteht auch kein Anspruch auf eine unter Auf­la­gen ver­se­he­ne Wie­der­be­stel­lung als Steu­er­be­ra­ter. Der Bun­des­fi­nanz­hof H hat bereits ent­schie­den, dass die Bestel­lung als Steu­er­be­ra­ter nur vor­be­halts­los erfol­gen und nicht mit Ein­schrän­kun­gen oder modi­fi­zie­ren­den Auf­la­gen ver­se­hen wer­den kann [16]. Zwar hat die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer nach § 76 Abs. 1 StBerG die Auf­ga­be, die Erfül­lung der beruf­li­chen Pflich­ten zu über­wa­chen, ein Anspruch auf eine mit Auf­la­gen ver­se­he­ne Bestel­lung zum Steu­er­be­ra­ter kann aus die­ser Vor­schrift jedoch nicht abge­lei­tet wer­den.
vgl. Groß­komm-HGB/Oetker, 5. Aufl., § 6 Rz 24[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 22.09. 1992 VII R 43/​92, BFHE 169, 286, BStBl II 1993, 203[↩]
BVerfG, Beschluss vom 15.02.1967 – 1 BvR 569, 589/​62, BVerfGE 21, 173; so auch BFH, Urtei­le vom 05.09.1978 – VII R 50/​77, BFHE 126, 346, BStBl II 1979, 202; vom 04.08.1987 – VII R 169/​85, BFHE 150, 272, BStBl II 1987, 790; und vom 09.02.1993 – VII R 89/​92, BFH/​NV 1993, 693[↩]
BFH, Beschluss vom 04.03.2004 – VII R 21/​02, BFHE 204, 563, BStBl II 2004, 1016[↩]
Das gekün­dig­te Man­dat – und die Ver­pflich­tung des Steu­er­be­ra­ters zur Daten­über­las­sung
Meh­re­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne am glei­chen Tag – und die Fest­set­zung der Rei­se­kos­ten

References: § 17
 § 57
 § 25
 § 37
 § 57
 § 46
 § 57
 Art. 12
 § 57
 § 57
 § 27
 § 57
 § 57
 Art. 12
 § 57
 § 57
 § 57
 § 58
 § 58
 § 33
 § 76
 § 6