Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Tariftreueregelung_BVerfG_1BvL4-00.html
Timestamp: 2017-01-21 00:04:42+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 1 BvL 4/00
1. Bei strit­ti­ger ge­mein­schafts­recht­li­cher und ver­fas­sungs­recht­li­cher Rechts­la­ge gibt es kei­ne fes­te Rang­fol­ge un­ter den vom Ge­richt ge­ge­be­nen­falls ein­zu­lei­ten­den Zwi­schen­ver­fah­ren (Vor­ab­ent­schei­dung nach Art. 234 EG und Vor­la­ge nach Art. 100 Abs. 1 GG).
2. Die Ta­rif­treue­re­ge­lung des § 1 Abs. 1 Satz 2 VgG Bln berührt das Grund­recht der Ko­ali­ti­ons­frei­heit aus Art. 9 Abs. 3 GG nicht und ver­letzt nicht das Grund­recht der Be­rufs­frei­heit aus Art. 12 Abs. 1 GG.
BUN­DES­VER­FASSUN­GS­GERICHT - 1 BvL 4/00 - IM NA­MEN DES VOL­KES
hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt - Ers­ter Se­nat - un­terMit­wir­kung des Präsi­den­ten Pa­pier,der Rich­te­rin Haas,des Rich­ters St­ei­ner,der Rich­te­rin Hoh­mann-Denn­hardtund der Rich­ter Hoff­mann-Riem,Bry­de,Gai­er,Eich­ber­geram 11. Ju­li 2006 be­schlos­sen: - 2 -
In der Ge­set­zes­be­gründung (Ab­ge­ord­ne­ten­haus von Ber­lin, Drucks 13/3726, S. 2) ist da­zu aus­geführt, dass die klas­si­schen Ver­ga­be­kri­te­ri­en Fach­kun­de, Leis­tungsfähig­keit und Zu­verlässig­keit um den As­pekt der Ta­rif­treue ergänzt wer­den soll­ten, um die Leis­tungsfähig­keit der Ber­li­ner Bau­un­ter­neh­men zu er­hal­ten und zu­gleich aus­bil­den­de Be­trie­be zu stärken. Die Aus­ge­stal­tung als Soll-Vor­schrift mei­ne ei­ne Bin­dung an die in Ber­lin gel­ten­den Lohn- und Ge­halts­ta­ri­fe. "Nur im Aus­nah­me­fall (et­wa auf Sei­ten Ber­lins Markt­be­herr­schung)" dürfe von dem Ver­lan­gen nach Ein­hal­tung der Ta­ri­fe ab­ge­wi­chen wer­den. Zur Ver­mei­dung ei­nes Ver­s­toßes ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit wer­de klar­ge­stellt, dass die Un­ter­neh­men nicht all­ge­mein, son­dern nur bei der Ausführung der be­auf­trag­ten Leis­tun­gen zur Be­zah­lung der in Ber­lin gel­ten­den Ent­gelt­ta­ri­fe ver­pflich­tet sei­en. - 4 -
§ 97 Abs. 4 GWB enthält die für die öffent­li­che Auf­trags­ver­ga­be maßge­ben­den Kri­te­ri­en: - 5 -
Die Be­schränkung auf Bun­des­ge­set­ze hätte u.a. die Un­zulässig­keit der von den Ländern teil­wei­se durch Ge­setz oder Ver­ord­nung, teil­wei­se durch Ver­wal­tungs­vor­schrift ein­geführ­ten Re­ge­lun­gen zur Fol­ge. Ei­ne ge­setz­li­che Öff­nungs­klau­sel, die et­wa ei­ne an­ge­mes­se­ne Berück­sich­ti­gung von ta­rif­ver­trags­treu­en, aus­bil­den­den und frau­enfördern­den Be­trie­ben möglich macht, ist er­for­der­lich.Bun­des­tag und Bun­des­rat ei­nig­ten sich im Ver­mitt­lungs­aus­schuss schließlich dar­auf, dass zusätz­li­che Ver­ga­be­kri­te­ri­en auf der Grund­la­ge von Bun­des- oder Lan­des­ge­set­zen zulässig sein soll­ten.
1. Be­reits vor dem In­kraft­tre­ten des Ber­li­ner Ver­ga­be­ge­set­zes for­der­te das Land Ber­lin bei der Ver­ga­be öffent­li­cher Bau­aufträge Ta­rif­treue­erklärun­gen von den Bie­tern. Das Bun­des­kar­tell­amt hat dies für den Be­reich des Straßen­baus mit - 7 -
We­gen des ei­genständi­gen Cha­rak­ters der ver­ga­be­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Ge­set­zes ge­gen Wett­be­werbs­be­schränkun­gen er­schei­ne es pro­ble­ma­tisch, ver­ga­be­recht­li­che Vor­schrif­ten der Länder, die auf § 97 Abs. 4 GWB be­ruh­ten, am Maßstab des § 20 Abs. 1 GWB zu prüfen. Selbst wenn man § 20 Abs. 1 GWB an­wen­de, sei kein Ver­s­toß ge­gen die­se Vor­schrift er­kenn­bar. Das Land Ber­lin ver­su­che, mit der ver­ga­be­recht­li­chen Re­ge­lung des § 1 Abs. 1 Satz 2 VgG Bln die so­zi­al­po­li­tisch be­deut­sa­me Auf­ga­be der Bekämp­fung der Ar­beits­lo­sig­keit zu erfüllen. Die un- - 18 -
Die Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 1 Abs. 1 Satz 2 VgG Bln wer­de nicht ge­teilt. Der Bund ha­be mit § 97 Abs. 4 GWB ei­ne Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge ge­schaf­fen, die es er­lau­be, ver­ga­be­frem­de Kri­te­ri­en durch Lan­des­ge­set­ze zu re­geln. Bun­des­recht­li­che Be­stim­mun­gen stünden der Ta­rif­treue­re­ge­lung nicht ent­ge­gen. Eben­so we­nig wer­de in die durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Ko­ali­ti­ons­frei­heit - 19 -
5. Nach Auf­fas­sung der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­verbände ist § 1 Abs. 1 Satz 2 VgG Bln ver­fas­sungs­wid­rig, weil es sich da­bei um ei­ne oh­ne aus­rei­chen­de Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz er­las­se­ne Re­ge­lung des Ta­rif­rechts han­de­le, - 20 -
Wenn fest­steht, dass ein Ge­setz dem eu­ropäischen Ge­mein­schafts­recht wi­der­spricht und des­halb we­gen des An­wen­dungs­vor­rangs des Ge­mein­schafts­rechts nicht an­ge­wandt wer­den darf, ist das Ge­setz nicht mehr ent­schei­dungs­er­heb­lich im Sin­ne von Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG (vgl. BVerfGE 85, 191 <203 ff.>; 106, 275 <295>; vgl. fer­ner für das Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de BVerfGE 110, 141 <155 f.>). Ist die ge­mein­schafts­recht­li­che und ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­la­ge strit­tig, gibt es hin­ge­gen aus der Sicht des deut­schen Ver­fas­sungs­rechts kei­ne fes­te Rang­fol­ge un­ter den vom Fach­ge­richt ge­ge­be­nen­falls ein­zu­lei­ten­den Zwi­schen­ver­fah­ren nach Art. 234 Abs. 2, 3 EG und Art. 100 Abs. 1 GG. Zwar kann es oh­ne vor­he­ri­ge Klärung der eu­ro­pa­recht­li­chen Fra­gen durch den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten da­zu kom­men, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­fas­sungsmäßig­keit ei­nes Ge­set­zes über­prüft, das we­gen des An­wen­dungs­vor­rangs des Ge­mein­schafts­rechts gar nicht an­ge­wandt wer­den darf. Um­ge­kehrt blie­be aber oh­ne Klärung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen - 22 -
Zur Re­ge­lung des Wirt­schafts­le­bens im Sin­ne des Art. 74 Abs. 1 Nr. 11 GG gehören auch die Vor­schrif­ten über die Ver­ga­be von öffent­li­chen Auf­trägen. Die­sem Rechts­ge­biet sind auch ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen darüber zu­zu­ord­nen, in wel­chem Um­fang der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber bei der Ver­ga­be­ent­schei­dung über die in § 97 Abs. 4 GWB aus­drück­lich vor­ge­se­he­nen - 24 -
Mit dem Er­for­der­nis ei­ner Ta­rif­treue­erklärung wird ein Kri­te­ri­um für die ver­ga­be­recht­li­che Aus­wah­l­ent­schei­dung ge­re­gelt. Un­mit­tel­bar be­trof­fen ist die Rechts­be­zie­hung zwi­schen dem öffent­li­chen Auf­trag­ge­ber und dem Bie­ter, des­sen An­ge­bots­ver­hal­ten bei der Be­wer­bung um ei­nen Auf­trag aus wirt­schafts- und so­zi­al­po­li­ti­schen Gründen da­hin­ge­hend ge­steu­ert wer­den soll, dass er sich ge­genüber an­de­ren Be­wer­bern kei­nen Vor­teil durch ei­ne un­ter­ta­rif­li­che Vergütung sei­ner Ar­beit­neh­mer ver­schafft. Mit der Ein­be­zie­hung ei­nes sol­chen Kri­te­ri­ums in die Aus­wah­l­ent­schei­dung wird das Ziel ver­folgt, die Ver­ga­be von Auf­trägen aus be­stimm­ten wirt­schafts- und so­zi­al-po­li­ti­schen Gründen un­mit­tel­bar zu be­ein­flus­sen. Die­se Ziel- - 25 -
2. Von dem für Ver­ga­be­re­ge­lun­gen ein­schlägi­gen Ge­setz­ge­bungs­ti­tel des Art. 74 Abs. 1 Nr. 11 GG hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber nicht ab­sch­ließend Ge­brauch ge­macht. - 26 -
Die­ses Grund­recht schützt für je­der­mann und für al­le Be­ru­fe das Recht, sich zu Ko­ali­tio­nen zu­sam­men­zu­sch­ließen, aber auch die Ko­ali­ti­on als sol­che und ihr Recht, durch spe­zi­fisch ko­ali­ti­ons­gemäße Betäti­gung die in Art. 9 Abs. 3 GG ge­nann­ten Zwe­cke zu ver­fol­gen (vgl. BVerfGE 19, 303 <312>; 84, 212 <224>; 100, 271 <282>; 103, 293 <304>). Die Ta­rif­treue­re­ge­lung des § 1 Abs. 1 Satz 2 VgG Bln lässt die­sen Schutz­be­reich - 27 -
bb) Die Ta­rif­treue­ver­pflich­tung schränkt das durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Recht der am Ver­ga­be­ver­fah­ren be­tei­lig­ten Un­ter­neh­mer, der ta­rif­ver­trags­sch­ließen­den Ko­ali­ti­on fern­zu­blei­ben, nicht ein. Durch das Ge­setz wird auch kein fak­ti­scher Zwang oder er­heb­li­cher Druck zum Bei­tritt aus­geübt. Dass sich ein nicht ta­rif­ge­bun­de­ner Un­ter­neh­mer we­gen des Ta­rif­treu­e­zwangs ver­an­lasst se­hen könn­te, der ta­rif­ver­trags­sch­ließen­den Ko­ali­ti­on bei­zu­tre­ten, um als Mit­glied auf den Ab­schluss künf­ti­ger Ta­rif­verträge Ein­fluss neh­men zu können, auf die er durch die Ta­rif­treue­erklärung ver­pflich­tet wird, liegt fern und ist für Un­ter­neh­men mit Sitz außer­halb - 28 -
Das Grund­recht der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit schützt nicht da­ge­gen, dass der Ge­setz­ge­ber die Er­geb­nis­se von Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen zum An­knüpfungs­punkt ge­setz­li­cher Re­ge­lun­gen nimmt, wie es be­son­ders weit­ge­hend bei der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für ver­fas­sungs­recht­lich zulässig an­ge­se­he­nen All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung von Ta­rif­verträgen ge­schieht (vgl. BVerfGE 44, 322 <351 f.>; 55, 7). Al­lein da­durch, dass je­mand den Ver­ein­ba­run­gen frem­der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en un­ter­wor­fen wird, ist ein spe­zi­fisch ko­ali­ti­ons­recht­li­cher As­pekt nicht be­trof­fen (vgl. BVerfGE 64, 208 <213>). Ge­gen ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge oder un­verhält­nismäßige Auf­er­le­gung der Er­geb­nis­se frem­der Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen ist der Un­ter­neh­mer ge­ge­be­nen­falls durch Art. 3 Abs. 1 und Art. 12 Abs. 1 GG geschützt. - 29 -
Das Aus­han­deln von Ta­rif­verträgen ist ein we­sent­li­cher Zweck der Ko­ali­tio­nen (vgl. BVerfGE 94, 268 <283>). Der Staat enthält sich in die­sem Betäti­gungs­feld grundsätz­lich ei­ner Ein­fluss­nah­me (vgl. BVerfGE 38, 281 <305 f.>) und überlässt die er­for­der­li­chen Re­ge­lun­gen der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zum großen Teil den Ko­ali­tio­nen, die sie au­to­nom durch Ver­ein­ba­run­gen tref­fen (vgl. BVerfGE 44, 322 <340 f.>). Zu den der Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ko­ali­tio­nen über­las­se­nen Ma­te­ri­en gehören ins­be­son­de­re das Ar­beits­ent­gelt und die an­de- - 30 -
Ih­re sich aus der Betäti­gungs­frei­heit er­ge­ben­de Norm­set­zungs­be­fug­nis ist schon des­halb nicht berührt, weil sich die­ses Recht oh­ne­hin nur auf die ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer und nicht auf Außen­sei­ter be­zieht (vgl. BVerfGE 44, 322 <347 f.>). Außer­dem führt die Ta­rif­treue­ver­pflich­tung auf der Grund­la­ge des § 1 Abs. 1 Satz 2 VgG Bln nicht zu ei­ner staat­li­chen Norm­set­zung in ei­nem Be­reich, in dem den ta­rif­au­to­nom ge­setz­ten Ab­spra­chen der So­zi­al­part­ner ein Vor­rang zu­kommt. Die ört­li­chen ta­rif­ver­trag­li­chen Ent­gel­tab­re­den wer­den nicht kraft staat­li­cher Gel­tungs­an­ord­nung In­halt der Ar­beits­verträge der bei der Auf­trags­ausführung ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­ter, son­dern nach in­di­vi­du­al­ver­trag­li­cher Um­set­zung der Ta­rif­treue­ver­pflich­tung durch den Ar­beit­ge­ber. Kon­kur­rie­ren­de Recht­set­zungs­kom­pe­ten­zen des Staa­tes und der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en tref­fen nicht auf­ein­an­der. Den ta­rif­ver­trags-schließen­den Ko­ali­tio­nen erwächst des­halb aus Art. 9 Abs. 3 - 31 -
bb) Nach die­sen Maßstäben ist in der Ta­rif­treue­re­ge­lung des § 1 Abs. 1 Satz 2 VgG Bln ei­ne sol­che ein­griffs­glei­che Be­ein­träch­ti­gung der Be­rufs­frei­heit zu se­hen. Re­ge­lungs­in­halt und Ziel­rich­tung der Norm ge­hen über ei­nen bloßen Re­flex auf Sei­ten der Un­ter­neh­men hin­aus, auch wenn sich das Ge­setz re­ge­lungs­tech­nisch nicht an sie, son­dern an die Auf­trag­ge­ber rich­tet und die Un­ter­neh­mer, die kei­ne Verträge mit öffent­li­chen Stel­len ab­sch­ließen wol­len, nicht vom Re­ge­lungs­be­reich des Ge­set­zes er­fasst wer­den. - 35 -
Das Ziel, die Ar­beits­lo­sig­keit zu bekämp­fen, hat auf­grund des So­zi­al­staats­prin­zips (Art. 20 Abs. 1 GG) Ver­fas­sungs­rang. Die Ver­rin­ge­rung von Ar­beits­lo­sig­keit ermöglicht den zu­vor Ar­beits­lo­sen, das Grund­recht aus Art. 12 Abs. 1 GG zu ver- - 37 -
Sch­ließlich darf der Ge­setz­ge­ber die Ord­nungs­funk­ti­on der Ta­rif­verträge un­terstützen, in­dem er Re­ge­lun­gen schafft, die be­wir­ken, dass die von den Ta­rif­par­tei­en aus­ge­han­del­ten Löhne und Gehälter auch für Nicht­ver­bands­mit­glie­der mit­tel­bar zur An­wen­dung kom­men. Da­durch wird die von Art. 9 Abs. 3 GG in­ten­dier­te, im öffent­li­chen In­ter­es­se lie­gen­de (vgl. BVerfGE 28, 295 <304 f.>; 55, 7 <23 f.>) au­to­no­me Ord­nung des Ar­beits­le­bens durch Ko­ali­tio­nen ab­gestützt, in­dem den Ta­ri­fent­gel­ten zu größerer Durch­set­zungs­kraft ver­hol­fen wird (vgl. BVerfGE 44, 322 <342>; 77, 84 <107>; vgl. fer­ner BVerfGE 92, 365 <397> m.w.N.). - 38 -
Hier­an ge­mes­sen ist § 1 Abs. 1 Satz 2 VgG Bln grundsätz­lich ge­eig­net, die ge­setz­ge­be­ri­schen Zie­le zu er­rei­chen. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber durf­te im Rah­men sei­ner Einschätzungs­präro­ga­ti­ve an­neh­men, dass er den Un­ter­bie­tungs­wett­be­werb über die Lohn­kos­ten be­gren­zen und auf die­se Wei­se Ar­beits­lo­sig­keit bekämp­fen kann, in­dem er den Be­wer­bern um ei­nen öffent­li­chen Auf­trag die Ver­pflich­tung zur Zah­lung der Ta­ri­fent­gel­te auf­er­legt. Die über die Ta­rif­treue­erklärung der An­bie­ter be­wirk­te Aus­wei­tung der Ta­riflöhne über den Kreis der ta­rif­ge­bun­de- - 39 -
Aus die­sen Gründen, im Übri­gen aber auch schon man­gels Kom­pe­tenz des Lan­des­ge­setz­ge­bers, kann auch in der Fest­le­gung von Min­destlöhnen auf der Grund­la­ge des Ge­set­zes über die - 41 -
Das Ge­wicht des Ein­griffs wird je­doch da­durch ge­min­dert, dass die Ver­pflich­tung zur Zah­lung der Ta­riflöhne nicht un­mit­tel­bar aus ei­ner ge­setz­li­chen An­ord­nung folgt, son­dern erst in­fol­ge der ei­ge­nen Ent­schei­dung, im In­ter­es­se der Er­lan­gung ei­nes öffent­li­chen Auf­trags ei­ne Ver­pflich­tungs­erklärung ab­zu­ge­ben. Die Aus­wir­kun­gen der Ta­rif­treue­pflicht sind - 42 -
1. Sie steht nicht im Wi­der­spruch zu § 5 TVG, da die Ta­rif­treue­erklärung nicht mit der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung ei­nes Ta­rif­ver­trags ver­gleich­bar ist. Die Ta­rif­treue­erklärung ist ein ne­ben der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung ste­hen­des, - 44 -
Der Bun­des­ge­richts­hof geht bei der Be­gründung der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit zu­tref­fend da­von aus, dass ei­ne Un­gleich­be­hand­lung von An­bie­tern dann sach­lich ge­recht­fer­tigt ist, wenn ei­ne gülti­ge ge­setz­li­che Vor­schrift sie an­ord­net. Von die­sem rich­ti­gen Stand­punkt aus­ge­hend ist es aber aus­ge­schlos­sen, das recht­fer­ti­gen­de Ge­setz selbst an § 20 Abs. 1 GWB zu mes­sen. Ist das Ge­setz in je­der an­de­ren Hin­sicht mit - 45 -
Die Rich­te­rin Haas ist aus dem Amt aus­ge­schie­den und des­halb an der Un­ter­schrift ge­hin­dert. Pa­pier Pa­pier St­ei­ner
Hoh­mann-Denn­hardt Hoff­mann-Riem Bry­de
Gai­er Eich­ber­ger	m.hensche.de
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References: Art. 234
 Art. 100
 § 1
 Art. 9
 Art. 12

§ 97
 § 97
 § 20
 § 20
 § 1
 § 1
 § 97
 Art. 9
 § 1
 Art. 100
 Art. 234
 Art. 100
 Art. 74
 § 97
 Art. 74
 Art. 9
 § 1
 Art. 9
 Art. 3
 Art. 12
 § 1
 Art. 9
 § 1
 Art. 12
 Art. 9
 § 1
 § 5
 § 20