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Timestamp: 2020-08-11 12:41:06+00:00

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OLG Frankfurt/Main, 18.04.1997 - 24 U 115/95 - Urteil - EversOK
OLG Frankfurt/Main, Urteil, 18.04.1997 - 24 U 115/95 - EversOK
ECLI:DE:OLGHE:1997:0418.24U115.95.0A
EversOK; r+s 98, 439; VersR 99, 439; OLGR 97, 133; VW 97, 1469; VW 99, 884; Juris; BeckRS 97, 12969; openJur; Wolters Kluwer; Justiz.Hessen
§ 87 a Abs. 3 HGB analog; § 87 a Abs. 2 HGB analog; § 87 a Abs. 3 HGB; § 92 HGB; § 134 BGB; § 133 BGB; § 157 BGB; § 242 BGB; § 817 Satz 2 BGB; § 765 BGB; § 766 BGB
- Mannheimer -; Nachbearbeitungsgrundsätze; Nachbearbeitungspflicht; Pflicht des VU zur Stornogefahrmitteilung an den VM; Wegfall der Pflicht zur Überlassung einer Stornogefahrmitteilung; Zahlungsunfähigkeit des VN; Treuepflicht des VU gegenüber dem VM; Anpassung unzulässig hoher Vermittlungsprovision; Anordnung zur Begrenzung der Abschlusskosten; Teilunwirksamkeit bei Verstoß gegen preisrechtliche Verbotsgesetze; Nachbearbeitung notleidender Verträge; Erhaltung des Anspruchs auf Provision bei vollständiger Vertragserfüllung bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist; Auslegung einer Bürgschaft eines Einzelkaufmanns; Rückforderungsanspruch; unverdiente Provision
Vorinstanz LG Darmstadt - 8 O 393/94 -;
zu LS 1 vgl. BGH, 13.06.1951 LS 2; RG, 12.03.1919 LS 8; OLG Düsseldorf, 27.05.2016 LS 40; LG Düsseldorf, 06.03.1991 LS 2; LG Oldenburg, 12.04.2002 LS 11; AG München, 24.03.2004 LS 1, 4, 5; AG St. Blasien, 18.05.1999 LS 4 - Mannheimer -; AG Erfurt, 05.11.2018 LS 17; Oetker/Busche, HGB, 6.A. § 92 Rz. 10, Baumbach/Hopt/Roth, HGB, 38.A., § 93 Rz. 7; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 92 Rz. 19; a.A. OLG Hamburg, 24.08.1950 LS 1; LG Mosbach, 28.07.2005 LS 9; OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 10; Evers, VMV 00, 24, 27 ff.; Evers/Friele, Maklerkompass 2014, B.II.6.2, S. 189; einschränkend auf Fälle besonderer Schutzbedürftigkeit des VM (OLG Hamm, 21.01.2009 LS 12; 21.01.1999 LS 12; 28.11.1996 LS 8; 11.03.1996 LS 20; 09.05.1994 LS 10, 11); nach Stötter, Das Recht der Handelsvertreter, 3.A., S. 47 f. muss die Vorschrift des § 87 a Abs. 3 HGB zumindest dann analog angewendet werden, wenn dadurch ein Dauerschuldverhältnis geschaffen wird, dass der VM eine langfristige Courtagevereinbarung mit dem VU trifft, auf Grund derer er eine Provision für die gesamte Dauer des Versicherungsvertrages erhält; Stötter/Stötter, Das Recht der Handelsvertreter, 4.A, S. 9, sind der Ansicht, dass praktische Gründe für die entsprechende Anwendung des § 87 a Abs. 3 HGB sprechen; offenlassend BGH, 01.12.2010 LS 8 m.w.N.; BAG, 21.01.2015 LS 50; LG Düsseldorf, 16.09.2014 LS 3; stattdessen Anwendung von § 242 BGB (OLG Frankfurt/Main, 18.04.1997 LS 2 m.w.N.);
1.1 Das Erfordernis, § 87 a Abs. 3 HGB analog auf den Courtageanspruch des VM anzuwenden, ergibt sich bereits daraus, dass sich in der Praxis der Versicherungsvermittlung für den Courtageanspruchs des VM eine weitgehende Gleichstellung mit dem Provisionsanspruch des VV herausgebildet hat (OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 1 m.w.N.; BFH, 21.10.1971 LS 5; vgl. ferner BGH, 26.04.2012 LS 3 - RCA risk control assekuranzmakler -). Folgt die Courtage des VM aber den Regeln der Provision des VV, so ist nicht einzusehen, dass damit konsequent nach heute wohl allgemeiner Meinung der Courtageanspruch des VM dem aus der Norm des § 92 Abs. 4 HGB hergeleiteten (OLG Frankfurt/Main, 25.09.2001 LS 1 m.w.N. - Atlanticlux 15 -) Schicksalsteilungsgrundsatz unterworfen wird (OLG München, 19.11.1974 LS 1 m.w.N.), der §§ 92 Abs. 4, 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB entfließende Grundsatz des Provisionserhalts (vgl. dazu BGH, 10.10.2013 LS 9; 05.03.2008 LS 11 - BFI Bank -) hingegen nicht gelten soll.
1.2 Aber auch dann, wenn man für eine analoge Anwendung eine Schutzbedürftigkeit des VM für erforderlich hielte, wäre diese bereits daraus herzuleiten, dass der VM durch den Schicksalsteilungsgrundsatz gegenüber der Vorschrift des § 652 BGB schlechter gestellt wird und es bei diesen Gegebenheiten sachlich nicht zu rechtfertigen ist, ihm die Berufung auf die Schutzvorschrift zu versagen (Evers, VMV 00, 24, 27 ff.; Evers/Friele, Maklerkompass 2014, B.II.6.2, S. 189).
zu LS 2 vgl. BGH, 01.12.2010 LS 8 m.w.N.; OLG Hamm, 21.01.1999 LS 12; 28.11.1996 LS 8; 11.03.1996 LS 20; 09.05.1994 LS 10; weitergehend KG, 14.01.1999 LS 8; OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 13; AG Erfurt, 05.11.2018 LS 18; AG München, 24.03.2004 LS 7; a.A. LG Düsseldorf, 06.03.1991 LS 1; LG Köln, 26.05.2009 LS 5 - European Broker Systems -; zur Rechtslage beim HM vgl. BGH, 18.04.1966 LS 2; vgl. aber LG Mosbach, 28.07.2005 LS 9;
zu LS 3 - Wegfall der Nachbearbeitungsobliegenheit bei Zahlungsunfähigkeit des Kunden - vgl. OLG Düsseldorf, 13.01.2017 LS 48 - DVAG 51 -; OLG Brandenburg, 09.07.2009 LS 23; LG Frankfurt/Oder, 21.12.2010 LS 35 - AWD 75 -;
zu LS 4 vgl. aber OLG Celle, 23.02.1994 LS 1 m.w.N.;
zu LS 5 vgl. OLG Jena, 13.12.2000 LS 3; LG Gera, 04.04.2000 LS 3 - Mannheimer -; vgl. auch KG, 14.01.1999 LS 7;
Es trifft zu, dass die Parteien einer Courtagevereinbarung die 50-Prozent-Klausel oder -Marke, die das BAV in der mit dem Rundschreiben R 2/93 vom 16.12.1993 bekannt gemachten Anordnung zur Begrenzung der Abschlusskosten in der Lebensversicherung gebildet hat (VerBAV 94, 3) auch in formularmäßigen Verträgen wirksam festgelegt können. Dies gilt unbeschadet des Umstandes, dass das BAV es später zugelassen hat, dass eine Courtage in Höhe von bis zu 70 Prozent der gezahlten Prämie verdient sein darf (vgl. Rundschreiben R 5/95 v. 31.10.1995, VerBAV 95, 366), weil gesetzliche Regelungen nicht bestehen, die die Vertragsfreiheit insoweit beschränken. Ebenso gilt dies für die Zeit nach dem Fortfall der Anordnung zur Begrenzung der Abschlusskosten, die vor dem Hintergrund des Inkrafttretens der größere Transparanz schaffenden Vorschriften des VVG 2008 und der Inf-Vo mit Schreiben der BAFin vom 22.08.2008 - VA 21 – A - 2007/0107 - aufgehoben worden ist. Denn die Vorschriften der § 169 Abs. 3 VVG und § 49 VAG bilden lediglich Mindeststandards zum Schutz der VN. Sie schließen nicht aus, dass Versicherer Tarife kalkulieren, nach der mehr als 60 Monatsprämien oder -beiträge zum Vollerwerb des Anspruchs auf Abschlusscourtage für die Vermittlung einer Lebens- und Krankenversicherung eingehen müssen und demzufolge eine Abschlusscourtage nur nach Maßgabe des tatsächlich eingegangenen Anteils der monatlichen Prämien oder Beiträge zu den insgesamt zum Vollerwerb des Anspruchs erforderlichen verdient ist.
zu LS 7 vgl. Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 87 a Rz 27;
zu LS 10 vgl. LG Berlin, 05.03.2009 LS 8;
zu LS 11 vgl. LG Berlin, 05.03.1997 LS 12;
zu LS 13 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., vor § 93 Rz. 20; Anordnung zur Begrenzung der Abschlusskosten, die vor dem Hintergrund des Inkrafttretens der größere Transparanz schaffenden Vorschriften des VVG 2008 und der Inf-Vo mit Schreiben der BAFin vom 22.08.2008 - VA 21 – A - 2007/0107 - aufgehoben worden ist;
zu LS 14 - Wegfall der Nachbearbeitungsobliegenheit bei Zahlungsunfähigkeit des Kunden - vgl. OLG Düsseldorf, 13.01.2017 LS 48 - DVAG 51 -; OLG Brandenburg, 09.07.2009 LS 23; LG Frankfurt/Oder, 21.12.2010 LS 35 - AWD 75 -;
zu LS 16 - Treuepflicht des VU gegenüber dem VM - vgl. KG, 05.05.1937 LS 5 f.; OLG Koblenz, 21.10.2003 LS 2, 14 ff. (keine Pflicht Direktwerbung beim vom VM vertretenen VN zu unterlassen);
zu LS 17 vgl. Rundschreiben des BAV R 5/74, und R 4/86;
zu LS 18 vgl. Palandt/Heinrichs, BGB, 56.A., § 134 Rz. 27; vgl. aber auch OLG Frankfurt/Main, 06.02.1997 LS 14; einerseits und OLG Celle, 23.02.1994 LS 1 m.w.N. andererseits

References: § 87
 § 87
 § 87
 § 92
 § 134
 § 133
 § 157
 § 242
 § 817
 § 765
 § 766
 § 92
 § 93
 § 92
 § 87
 § 87
 § 242
 § 87
 § 92
 § 652
 § 169
 § 49
 § 87
 § 93
 § 134