Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F15-11-2012-8C_341-2012
Timestamp: 2016-10-26 23:23:53+00:00

Document:
8C_341/2012 (15.11.2012)
8C_341/2012 {T 0/2}
vom 12. M�rz 2012.
Der 1979 geborene Z.________ arbeitete seit 1. August 2006 bei der Firma S.________ und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch unfallversichert. Am 12. Juni 2008 erlitt er einen Unfall, als sich eine Verankerung eines Holztransportseils l�ste und ihn traf. Gem�ss dem Bericht des Spitals L.________ vom 14. Juni 2008 erlitt er eine Kontusion der Schulter links und des Beckenkamms links. Die SUVA erbrachte Heilbehandlung und Taggeld. In der Folge klagte der Versicherte �ber starke R�ckenschmerzen lumbal. Bei einer MRI-Untersuchung der Lendenwirbels�ule (LWS) vom 30. Oktober 2008 wurde als Zufallsbefund ein Tumor entdeckt, der am 20. April 2009 operativ entfernt wurde. Der Versicherte litt weiterhin an R�ckenbeschwerden. Die SUVA nahm weitere medizinische Abkl�rungen vor. Mit Verf�gung vom 6. September 2010 stellte sie die Leistungen per 30. September 2010 ein. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 26. Oktober 2010 ab.
Die hiegegen gef�hrte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Entscheid vom 12. M�rz 2012 ab.
Mit Beschwerde beantragt der Versicherte, in Aufhebung des kantonalen Entscheides seien ihm eine Invalidenrente und eine Integrit�tsentsch�digung zuzusprechen; durch das Gericht, eventuell die Vorinstanz oder die SUVA, seien die Akten mit weiteren medizinisch-therapeutischen und/oder diagnostischen Abkl�rungen (Begutachtung) zu erg�nzen, wobei w�hrend der Dauer der Abkl�rungen/Therapien weiterhin die Taggelder und Heilungskosten auszurichten seien.
Mit Verf�gung vom 23. August 2012 wies das Bundesgericht das Begehren des Versicherten um Sistierung des Verfahrens ab. Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung. Mit Eingabe vom 15. Oktober 2012 erneuert der Versicherte seinen Antrag auf Ausrichtung von Taggeldern und Heilungskosten w�hrend der Dauer der Abkl�rungen/Therapien.
Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber den f�r die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden (BGE 134 V 109 E. 2 S. 111 f.), den Wegfall unfallbedingter Ursachen eines Gesundheitsschadens bei Erreichen des Status quo sine vel ante und die diesbez�glich beim Unfallversicherer liegende Beweislast (SVR 2011 UV Nr. 4 S. 12 E. 3.2 [8C_901/2009]) sowie den Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen. Zu erg�nzen ist, dass die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen praktisch keine Rolle spielt, da sich hier ad�quate und nat�rliche Kausalit�t weitgehend decken (BGE 134 V 109 E. 2 S. 112; nicht publ. E. 2 des Urteils BGE 135 V 465, in: SVR 2010 UV Nr. 6 S. 25 [8C_216/2009]). Soweit sich ein Entscheid auf versicherungsinterne �rztliche Beurteilungen st�tzt, sind an die Beweisw�rdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit dieser �rztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung nach Art. 44 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 135 V 465).
3.1 Streitig und zu pr�fen ist, ob die lumbalen R�ckenschmerzen auch nach dem 30. September 2010 kausal auf den Unfall vom 12. Juni 2008 zur�ckzuf�hren sind. In diesem Rahmen ist unbestritten, dass der am 30. Oktober 2008 entdeckte und am 20. April 2009 entfernte Tumor keine Unfallfolge und f�r diese Schmerzen nicht relevant ist.
3.2 Neue Tatsachen und Beweismittel d�rfen nur soweit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt, was von der Partei n�her darzulegen ist (Art. 99 Abs. 1 BGG; BGE 135 V 194; SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63 E. 4 [8C_239/2008]). Der Versicherte legt neu einen Bericht des Spitals L.________ vom 29. Mai 2012 auf, macht hief�r aber keine relevanten Gr�nde geltend (vgl. nicht publ. E. 2.3 des Urteils BGE 135 V 163, in SVR 2009 BVG Nr. 30 S. 109 [9C_920/2008]; Urteil 8C_924/2011 vom 7. M�rz 2012 E. 4.1). Dieser Bericht ist somit unbeachtlich.
Der Versicherte bringt vor, die Vorinstanz habe relevante medizinische Berichte, die er ihr unterbreitet habe, nicht erw�hnt. Zudem sei sie mit keinem Wort auf die ins Recht gelegten Zeugnisse des behandelnden Hausarztes eingegangen. Diese Aktenw�rdigung sei unsachgem�ss und willk�rlich und verletzte sein Recht auf ein faires Verfahren (Art. 29 Abs. 1, Art. 30 Abs. 1 BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK).
Selbst wenn eine vorinstanzliche Verletzung der aus dem Geh�ranspruch fliessenden Begr�ndungspflicht (Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Art. 29 Abs. 2 BV; BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88; vgl. auch Urteil 8C_528/2011 vom 7. M�rz 2012 E. 7.2.1) vorl�ge, w�re allein deswegen eine R�ckweisung der Sache an die Vorinstanz nicht gerechtfertigt. Denn dem Bundesgericht steht die volle Kognition zu (E. 1 hievor) und die R�ckweisung w�rde zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unn�tigen Verz�gerungen f�hren, die mit dem (der Anh�rung gleichgestellten) Interesse des Versicherten an einer bef�rderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren ist (BGE 133 I 201 E. 2.2 S. 204). Damit hat es sein Bewenden, ohne dass gepr�ft werden muss, ob eine Geh�rsverletzung vorlag (Urteil 8C_875/2011 vom 10. Mai 2012 E. 4.2.1).
5.1 Das von Dr. med. P.________, Leitender Arzt Radiologie, Spital L.________, am 30. Oktober 2008 durchgef�hrte MRI der LWS zeigte eine minimale Spondylarthrose L5/S1 und einen milde abgelaufenen Morbus Scheuermann. Gest�tzt auf ein CT der LWS vom 18. November 2008 f�hrte Dr. med. B.________, Chefarzt, Spital L.________, Klinik f�r Orthop�die, am 28. November 2008 aus, es falle einerseits eine partiale Lumbalisation von S1 mit einer m�glichen Fazetten-gelenksarthrose S1/S2 sowie eine ausgepr�gte Spondylarthrose beidseits, aber rechtsbetont von L5/S1, auf. Das ISG weise ebenfalls diskrete degenerative Ver�nderungen auf. Er gehe davon aus, dass das ISG eher asymptomatisch sei und die Schmerzen auf die traumatisierte Spondylarthrose L5/S1 zur�ckzuf�hren seien. Am 23. Dezember 2009 f�hrte Dr. med. P.________ aus, das gleichentags durchgef�hrte MRI der LWS zeige eine lumbosakrale �bergangsanomalie mit partieller Lumbalisation vom SWK1 (rudiment�res Bandscheibenfach SWK1/2); im Seitenvergleich bestehe nun im Verlauf eine gut erkennbare partielle Atrophie vom rechtsseitigen Musculus Psoas, hier kein Hinweis auf ein Tumorrezidiv.
5.2 Im Bericht vom 2. Juni 2010 diagnostizierten die Dres. med. T.________, Chefarzt Innere Medizin, und C.________, Ober�rztin Rheumatologie, Spital L.________, ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechtsbetont (Beschwerdebeginn nach dem Trauma von 12. Juni 2008 mit Kontusion des Beckens und der linken Schulter; Wirbels�ulenfehlform/Fehlhaltung [Hyperlordose der LWS]; leichte Psoasatrophie rechts, leichte Fazettengelenksarthrosen L5/S1, leichte foraminale Enge L5/S1 rechts [MRI LWS 4/10]; Status nach diagnostischer Fazettengelenksinfiltration L5/S1 bds. ohne Ansprechen; Status nach diagnostischer interspin�ser Infiltration L4/5 mit initial gutem Ansprechen, dann Schmerzverst�rkung; DD: Fazettensyndrom L4/5, Baastrup-Ph�nomen, radikul�re Reizung L5 rechts). Aufgrund der klinischen und bildgebenden Befunde werde von einer Schmerzursache im dorsalen Wirbels�ulen-Kompartiment ausgegangen. Als Risikofaktor hierf�r finde sich eine Hyperlordose der LWS. Das zeitliche Auftreten der Schmerzen nach dem schweren Forstunfall impliziere eine traumatische Schmerzausl�sung. Als weiterf�hrende Diagnostik werde die M�glichkeit eines SPECT-CT der LWS gesehen mit der Frage nach aktivierter Fazettengelenksarthrose oder Baastrup-Ph�nomen und im Anschluss diagnostischer Infiltration. Im Bericht vom 23. Dezember 2010 erneuerte Frau D. med. C.________ die am 2. Juni 2010 gestellte Diagnose. Zudem legte sie dar, da schwere strukturelle posttraumatische Ver�nderungen der LWS fehlten, k�nne wohl nie g�nzlich bewiesen werden, dass die anhaltenden lumbalen Schmerzen Folge des Unfalls seien. Aufgrund der pr�zisen Schilderung der Beschwerden in klarem zeitlichem Zusammenhang mit dem Unfall und ohne Vorbeschwerden s�he sie die Beschwerden als Unfallfolge. Eine Begutachtung durch einen nicht involvierten Experten sei zu empfehlen.
6.1 Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, weder mit dem am Unfalltag gemachten noch mit sp�teren bildgebenden Untersuchungen h�tten hinsichtlich der tief lumbalen R�ckenschmerzen je Unfallfolgen objektiviert werden k�nnen, insbesondere auch keine richtunggebende Verschlimmerung eines allf�lligen krankhaften Vorzustandes. Der Status quo sine sei �berwiegend wahrscheinlich erreicht und die nat�rliche Kausalit�t sei zu verneinen.
6.2 Entgegen der vorinstanzlichen Auffassung f�hrte Dr. med. B.________ am 28. November 2008 die Schmerzen auf eine traumatisierte Spondylarthrose L5/S1, mithin auf eine objektivierbare Ursache zur�ck (E. 5.1 hievor).
Wenn die SUVA letztinstanzlich geltend macht, nach medizinischer Erfahrungstatsache sei der Status quo sine bei blosser Prellung oder Zerrung der Wirbels�ule sp�testens 6 Monate nach dem Unfall erreicht, ist dem entgegenzuhalten, dass der Kreisarzt Dr. med. A.________, FMH Chirurgie, am 14. April 2009, mithin rund 10 Monate nach dem Unfall, die Unfallkausalit�t der Beschwerden im linken Becken/LWS-Bereich bejahte. Er f�hrte aus, am Beckenkamm best�nden noch Zeichen einer Prellmarke; wahrscheinlich w�rden auch im ISG und in der unteren LWS Beschwerden ausgel�st, die durch die Prellung und Kontusion des Beckens erkl�rbar seien.
Soweit der Kreisarzt Dr. med. D.________, Facharzt f�r Orthop�die und Orthop�dische Chirurgie, in der Aktenstellungnahme vom 9. M�rz 2010 ausf�hrte, gest�tzt auf die im Spital L.________ durchgef�hrte Zweiphasen-Skelettszintigraphie vom 18. Februar 2010 - die keine Hinweise auf entz�ndliche/degenerative Ver�nderungen der LWS und des ge-samten Beckenskeletts ergeben habe - k�nne davon ausgegangen werden, dass Unfallfolgen heute keine Rolle mehr spielten, kann dem nicht ohne Weiteres gefolgt werden. Denn die Dres. med. T.________ und C.________ stellten am 2. Juni 2010 gest�tzt auf ein MRI der LWS vom April 2010 weiterhin bildgebende Befunde fest und gingen von traumatischer Schmerzausl�sung aus, wobei sie als M�glichkeit zur weiterf�hrenden Diagnostik ein SPECT-CT der LWS ansahen (E. 5.2 hievor).
Die Vorinstanz erwog, Frau Dr. med. C.________ habe am 23. De-zember 2010 selber darauf hingewiesen, da schwere strukturelle posttraumatische LWS-Ver�nderungen fehlten, k�nne wohl nie g�nzlich bewiesen werden, dass die anhaltenden lumbalen Schmerzen Folge des Unfalls seien. Hierzu ist festzuhalten, dass f�r die Bejahung der Unfallkausalit�t kein Sicherheitsbeweis verlangt wird, sondern zu kl�ren ist, ob der Unfall �berwiegend wahrscheinlich zumindest eine indirekte Teilursache des Gesundheitsschadens ist (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 f.; Urteil 8C_117/2012 vom 20. September 2012 E. 6.1). Da SUVA und Vorinstanz die Kausalit�t der Beschwerden bis 30. September 2010 bejaht haben, muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen des Gesundheitsschadens �berwiegend wahrscheinlich nachgewiesen sein. Die Beweislast liegt bei der SUVA; bevor sich aber die Beweislastfrage stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig und vollst�ndig zu kl�ren (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG; SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63 E. 3.2 [8C_239/2008]; Urteil 8C_232/2012 vom 27. September 2012 E. 5.1). Es kann nicht gesagt werden, von einem nachvollziehbar und schl�ssig begr�ndeten medizinischen Gutachten - dessen Durchf�hrung am 23. Dezember 2010 auch von Dr. med. C.________ empfohlen wurde - seien keine entscheidrelevanten Erkenntnisse mehr zu erwarten (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9 E. 8.3 [8C_354/2007]). Die Sache ist demnach an die SUVA zur�ckzuweisen, damit sie ein solches Gutachten anordne und danach �ber den Leistungsanspruch neu verf�ge.
Beschwerdeweise beantragte der Versicherte, w�hrend der Dauer der Abkl�rungen/Therapien seien ihm weiterhin die Taggelder und Heilungskosten auszurichten, ohne hief�r eine Begr�ndung zu liefern (Art. 42 Abs. 1 BGG). Erst mit erg�nzender Eingabe vom 15. Oktober 2012, mithin nach Ablauf der Rechtsmittelfrist, begr�ndete er diesen Antrag. Diesbez�glich ist auf die Beschwerde des anwaltlich vertretenen Versicherten somit nicht einzutreten, wie die SUVA zu Recht einwendet (BGE 134 II 244 E. 2.1 S. 245 und E. 2.4 S. 247; Urteil 8C_751/2012 vom 18. Oktober 2012; Laurent Merz, in: Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 38-40 zu Art. 42 BGG und dortige weitere Hinweise).
Bei diesem Ergebnis sind die Verfahrenskosten zu einem Drittel dem Versicherten und zu zwei Dritteln der SUVA aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 2 BGG; BGE 132 V 215 E. 6.1 S. 235).
Die Beschwerde wird - soweit darauf einzutreten ist - teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom 12. M�rz 2012 und der Einspracheentscheid der SUVA vom 26. November 2010 werden aufgehoben. Die Sache wird an die SUVA zur�ckgewiesen, damit sie, nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen, �ber den Leistungsanspruch neu verf�ge. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Von den Gerichtskosten von Fr. 750.- werden Fr. 250.- dem Beschwerdef�hrer und Fr. 500.- der SUVA auferlegt.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdef�hrer f�r das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 1'900.- zu entsch�digen.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Parteientsch�digung des vorangegangenen Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, zur�ckgewiesen.

References: BGE 
 Art. 44
 BGE 
 BGE 
 Art. 30
 Art. 6
 Art. 29
 BGE 
 Art. 61
 Art. 42
 Art. 68
 BGE