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Timestamp: 2020-03-29 01:55:36+00:00

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Lagebericht / Konzernlagebericht
Bilanzierung [ Stand: 04.03.2015 ]
Wie Sie den Konzernlagebericht fehlerlos gestalten, erklärt Experte Oliver Glück.
Der Lagebericht spielt in der Finanzberichterstattung eine wesentliche Rolle, insbesondere vor dem Hintergrund, dass dieser dem Ersteller gewisse Freiheitsgrade lässt, während der aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und ggf. Anhang bestehende Jahresabschluss „standardisierter“ ist.
Insbesondere der Lagebericht kann dazu genutzt werden, die Unzulänglichkeiten der vergangenheitsorientierten Instrumente Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Anhang zu überwinden und zukunftsorientierte, für Anteilseigner und Gläubiger relevante Informationen zu geben, z.B. durch die Bereitstellung wertorientierter Kennzahlen.
Die immer umfangreicher werdenden Geschäftsberichte v.a. börsennotierter Unternehmen, von denen die Lageberichterstattung oft den größten Umfang einnimmt, zeigen, dass der Lagebericht immer mehr als Image bildendes Kommunikationsmedium verstanden wird.
Der Gesetzgeber gibt in § 289 HGB einen Rahmen im Sinne von Mindestanforderungen für die Aufstellung des Lageberichts vor. Das rechnungslegende Unternehmen kann freiwillig darüber hinaus in weiterem Umfang bzw. detaillierter berichten.
Ende 2012 wurde der DRS 20 Konzernlagebericht verabschiedet. Dieser regelt zwar im Grundsatz lediglich die Lageberichterstattung für Mutterunternehmen, die einen Konzernlagebericht gemäß § 315 HGB aufzustellen haben oder freiwillig aufstellen; allerdings wird die entsprechende Anwendung auf den Lagebericht gemäß § 289 HGB empfohlen und es bietet sich an, die im DRS 20 enthaltenen detaillierten Vorgaben als Leitfaden für den Lagebericht zu verwenden.
Im Folgenden wird der Lagebericht nach HGB behandelt, die IFRS sehen keine Verpflichtung zu einer Lageberichterstattung vor, da dort die gesetzlichen Vorgaben für die Anhangangaben sehr umfangreich sind. Gleichwohl wird jedoch ein (zusammenfassender) Lagebericht empfohlen.
Die Ziele der externen Rechnungslegung umfassen u.a. die Darstellung des Vermögens und der Schulden, die Dokumentation, die Rechenschaftslegung, die Zahlungsbemessung sowie die Information.
Der Lagebericht dient im Wesentlichen der Informationsfunktion, in gewissem Maße auch der Rechenschaftslegung, insoweit dort über den Geschäftsverlauf und die Verwendung der seitens der (Eigen-)Kapitalgeber zur Verfügung gestellten Ressourcen berichtet wird.
Die zentrale Aufgabe des Lageberichts – die Darstellung der Lage der Gesellschaft – ist gleich zu Beginn des § 289 Abs. 1 Satz 1 HGB genannt: Im Lagebericht sind der Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage der Kapitalgesellschaft so darzustellen, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird.
Die Bedeutung des Lageberichts wird dadurch deutlich, dass der Lagebericht das einzige Instrument der externen Rechnungslegung ist, das einen Blick in die Zukunft wirft (der Prognosezeitraum beträgt laut DRS 20 Tz. 127 mindestens ein Jahr, gerechnet vom letzten Abschlussstichtag). Der Jahresabschluss selbst (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang) ist vergangenheitsorientiert, d.h., er endet mit seiner Berichterstattung am Bilanzstichtag, üblicherweise dem 31. Dezember.
Die Stakeholder einer Gesellschaft – und insbesondere die Investoren bzw. Eigentümer – sind aber auch an Informationen über die zukünftige Entwicklung interessiert, um den Wert ihrer Anteile (Investoren) oder die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes (Arbeitnehmer, Betriebsrat) beurteilen zu können. Diese Informationen liefert der Lagebericht*.
Die Verpflichtung zur Aufstellung eines Lageberichts besteht nach § 264 Abs. 1 Satz 1 HGB für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften sowie haftungsbeschränkte Personengesellschaften i.S.d. § 264a HGB (das betrifft v.a. die GmbH & Co. KGs). Eine kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaft i.S.d. § 264d HGB gilt dabei stets als große Kapitalgesellschaft (§ 267 Abs. 3 Satz 2 HGB). Die Verpflichtung zur Aufstellung eines Konzernlageberichts für Mutterunternehmen ergibt sich aus § 290 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 315 HGB.
Kleine Kapitalgesellschaften sind von der Aufstellungspflicht für den Lagebericht befreit (§ 264 Abs. 1 Satz 4 HGB), dürfen den Lagebericht aber freiwillig aufstellen. In vielen Fällen wird die Lageberichterstellung für kleine Kapitalgesellschaften auch durch den Gesellschaftsvertrag oder die Satzung verlangt.
Auch dem PublG unterliegende Gesellschaften mit Ausnahme von Einzelunternehmen und Personenhandelsgesellschaften haben einen Lagebericht aufzustellen (§ 5 Abs. 2 PublG). Die betrifft z.B. Körperschaften, Anstalten des öffentlichen Rechts oder Vereine, deren Zweck auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist (§ 3 Abs. 1 PublG).
Für Genossenschaften ergibt sich die Verpflichtung zur Lageberichterstellung aus § 336 Abs. 1 Satz 1 HGB.
Da Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen unabhängig von ihrer Rechtsform analog großen Kapitalgesellschaften behandelt werden (vgl. § 340a Abs. 1 und § 341a Abs. 1 HGB), sind sie ebenfalls zur Erstellung eines Lageberichts verpflichtet.
Kapitalgesellschaften, die Tochterunternehmen eines nach § 290 HGB zur Konzernrechnungslegung verpflichteten Mutterunternehmens sind, können gem. § 264 Abs. 3 HGB unter den dort genannten Voraussetzungen von der Befreiungsoption für u.a. die Aufstellung eines Lageberichts Gebrauch machen.
Der Lagebericht der Muttergesellschaft kann mit dem Konzernlagebericht zusammengefasst werden (§ 315 Abs. 3 i.V.m. § 298 Abs. 3 HGB); in diesem Fall ist ein Hinweis darauf im Jahresabschluss des Mutterunternehmens erforderlich. Zudem ist in dem Fall dafür Sorge zu tragen, dass Informationen, die lediglich den Konzern betreffen (z.B. globale Konjunkturschwäche) von den Informationen getrennt dargestellt werden, die nur das Mutterunternehmen betreffen*.
Im Falle der – auch im Falle einer für kleine Kapitalgesellschaften – freiwilligen Aufstellung des Lageberichts ist eine Kopie des Lageberichts der Steuererklärung beizufügen (§ 60 Abs. 3 EStDV).
2 Gesetzliche Grundsätze für die Aufstellung des Lageberichts
Der Lagebericht stellt neben dem Jahresabschluss, der aus einer Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und ggf. einem Anhang sowie – bei kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften, die nicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet sind – einer Kapitalflussrechnung und einem Eigenkapitalspiegel (§ 264 Abs. 1 Satz 2 HGB) besteht, und die eine Einheit (sog. erweiterter Jahresabschluss) bilden, eine separate Einheit dar, ist also kein Bestandteil des Jahresabschlusses.
Eine Verlagerung von Pflichtangaben des Anhangs (z.B. Arbeitnehmerzahl) in den Lagebericht ist nicht zulässig. D.h. eine detaillierte Darstellung von Sachverhalten im Lagebericht entbindet nicht von der (nochmaligen) Angabe im Anhang*.
Der Jahresabschluss und (im Falle einer bestehenden Aufstellungspflicht) der Lagebericht sind von den gesetzlichen Vertretern in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahrs für das vergangene Geschäftsjahr aufzustellen (§ 264 Abs. 1 Satz 3 HGB). Die Aufstellungsfrist für den Konzernlagebericht beträgt im Grundsatz fünf Monate bzw. für kapitalmarktorientierte Unternehmen vier Monate (§ 290 Abs. 1 Sätze 1 und 2 HGB).
Auch wenn § 245 HGB eine Unterzeichnung durch den Kaufmann bzw. die gesetzlichen Vertreter lediglich für den Jahresabschluss fordert, wird eine Unterzeichnung des Lageberichts aufgrund der Dokumentationsfunktion ebenfalls für empfehlenswert gehalten.
Für den Fall, dass der Lagebericht nicht aufgestellt wird, droht ein Zwangsgeld nach § 335 Satz 1 Nr. 1 HGB. Es handelt sich in dem Fall um mittelbare Sanktionen, die sich aus der Publizitätspflicht ergeben. Wird der Lagebericht nicht erstellt, kann er auch nicht veröffentlicht werden. In dem Fall kann der Lagebericht auch nicht geprüft werden, so dass als Folge der Jahresabschluss nicht festgestellt werden kann (§ 316 Abs. 1 Satz 2 HGB).
Während hierfür früher ein Antrag Voraussetzung war, leitet das Bundesamt für Justiz nunmehr von Amts wegen ein Ordnungsgeldverfahren ein. Das Ordnungsgeld wird zunächst unter Auflage einer sechswöchigen Frist zur Behebung des Missstands angedroht. Das Ordnungsgeld liegt zwischen 2.500 Euro und 25.000 Euro (§ 335 Abs. 1 Satz 4 HGB).
Wird der Lagebericht (oder Konzernlagebericht) hingegen nicht vollständig oder den §§ 289 Abs. 1, 4 oder Abs. 5 oder des § 289a HGB – bzw. im Falle des Konzernlageberichts dem § 315 Abs. 1 oder 4 HGB – entsprechend aufgestellt, liegt eine Ordnungswidrigkeit vor (§ 334 Abs. 1 Nr. 3 bzw. 4 HGB). Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden (§ 335 Abs. 3 HGB).
Unrichtige Wiedergaben oder Verschleierungen („unrichtige Darstellung“) der Verhältnisse der Kapitalgesellschaft u.a. im Lagebericht stellen einen Straftatbestand dar, der mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden kann (§ 331 HGB).
Die wesentlichen, den Lagebericht betreffenden Vorschriften sind § 289 HGB und im Falle kapitalmarktorientierter Aktiengesellschaften § 289a HGB. Für den Konzernlagebericht gilt § 315 HGB. Hilfestellung bei der Auslegung bezüglich der Lageberichtserstellung bietet DRS 20.
Größenabhängige oder rechtsformabhängige, die Aufstellung des Lageberichts betreffende Erleichterungen ergeben sich indirekt daraus, dass für große Kapitalgesellschaften (vgl. § 289 Abs. 3 HGB), für börsennotierte Aktiengesellschaften bzw. Kommanditgesellschaften auf Aktien (vgl. § 289 Abs. 4 HGB) oder kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften (vgl. § 289 Abs. 5 HGB) zusätzliche Angaben bzw. Erläuterungen verlangt werden. Für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute sowie Versicherungsunternehmen gelten die (indirekten) größenabhängigen Erleichterungen wiederum nicht. Sie sind gem. § 340a Abs. 1 bzw. § 341a Abs. 1 HGB unabhängig von Rechtsform und Größe zur Aufstellung eines Lageberichts nach den für große Kapitalgesellschaften geltenden Vorschriften verpflichtet.
Für den Lagebericht gelten die einschlägigen Offenlegungsvorschriften der §§ 325, 326 HGB. Dementsprechend haben mittelgroße und große Kapitalgesellschaften den Lagebericht bis zum 31. Dezember des Folgejahrs für das abgelaufene Geschäftsjahr beim elektronischen Bundesanzeiger einzureichen (§ 325 Abs. 1 Satz 3 HGB).
Kleine Genossenschaften sind durch § 339 Abs. 2 i.V.m. § 326 HGB von der Offenlegung des Lageberichts gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit befreit.
Allerdings ist der Lagebericht in allen Fällen den Eigentümern zur Verfügung zu stellen (§ 175 Abs. 2 AktG, § 42a Abs. 1 GmbHG, § 48 Abs. 3 GenG).
Aus der in § 289 Abs. 1 HGB kodifizierten Verpflichtung, ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Gesellschaft zu vermitteln, lassen sich Grundsätze ableiten, die auch für die Bestandteile des Jahresabschlusses gelten. Dazu zählen der Grundsatz der Vollständigkeit, der Wahrheit, der Klarheit und Übersichtlichkeit sowie der Verlässlichkeit und Ausgewogenheit. DRS 20 fügt dem noch die Grundsätze Wesentlichkeit, Vermittlung der Sicht der Konzernleitung sowie Informationsabstufung hinzu.
Vollständigkeit im Zusammenhang mit der Lageberichterstattung bedeutet, all diejenigen Sachverhalte aufzugreifen und darzustellen, die für die wirtschaftliche Gesamtbeurteilung erforderlich sind. Dazu zählen alle Informationen, die für die Stakeholder der Gesellschaft von wesentlicher Bedeutung sind. Dabei sind positive und negative Aspekte separat darzustellen.
Zudem muss der Lagebericht aus sich heraus – d.h. ohne das Hinzuziehen weiterer Informationsquellen – verständlich sein. Insbesondere entbindet eine anderweitige Berichterstattung des Unternehmens (z.B. im Rahmen von Pressemitteilungen, Ad-hoc-Mitteilungen oder Investorentreffen) nicht von der Berichterstattungspflicht im Lagebericht*. Ausgenommen sind lediglich zulässige Verweise, dazu gehören*:
Die Veröffentlichung der Erklärung zur Unternehmensführung gemäß § 289a HGB auf der Internetseite des Konzerns;
Der Einschluss von Angaben zur Vergütung der Organmitglieder innerhalb des Corporate-Governance-Berichts;
Der Einschluss von Angaben im (Konzern-)Anhang, sofern dies gesetzlich (§ 315 Abs. 4 Satz 2 HGB) oder aufgrund einschlägiger Regeln des DRS 20 zulässig ist.
Korrektheit/Verlässlichkeit und Ausgewogenheit
Die geforderte Korrektheit und Verlässlichkeit bezieht sich zum einen darauf, dass im Lagebericht keine wahrheitswidrigen bzw. fehlerhaften Angaben gemacht werden sollen. Darüber hinaus sollen die im Lagebericht enthaltenen Beurteilungen seitens der Geschäftsleitung deren tatsächliche Einschätzungen widerspiegeln und die angestellten Prognosen sollten plausibel und nachvollziehbar aus Prämissen abgeleitet sein. Zudem muss erkennbar sein, ob es sich bei den Ausführungen um Tatsachenangaben oder Meinungen (der Geschäfts- bzw. Konzernleitung) handelt.
Der Grundsatz der Ausgewogenheit bezieht sich darauf, dass positive und negative Aspekte nicht einseitig dargestellt werden und auch nicht saldiert betrachtet werden dürfen. Darüber hinaus muss jeweils zum Ausdruck kommen, ob es sich um zukunftsbezogene Aussagen, stichtagsbezogene oder vergangenheitsbezogene Informationen handelt.
Insbesondere dürfen keine Widersprüche zum Jahres- bzw. Konzernabschluss auftreten (z.B. eine „rosige“ Darstellung der Geschäftslage im Lagebericht, während die Gewinn- und Verlustrechnung einen Umsatz- und Gewinneinbruch in Höhe von 20 Prozent zeigt).
Der Grundsatz der Klarheit verlangt, dass die Berichterstattung im Lagebericht übersichtlich, unmissverständlich (d.h. eindeutig) und sprachlich verständlich für die Adressaten ist. Dazu gehören eine klare, übersichtliche, möglichst über die Jahre gleichbleibende Gliederung, aber auch die Verwendung einheitlich definierter Kennzahlen und die Bereitstellung von Vergleichsdaten vergangener Perioden, um die Entwicklung der Gesellschaft nachvollziehen zu können.
Die geforderte Gliederung in Abschnitte kann mit den Kapiteln eines Buches verglichen werden, wobei diesen Kapiteln entsprechende Überschriften (z.B. Wirtschaftsbericht, Risikobericht, Forschungsbericht) zugehören.
DRS 20 Tz. 29 betont einen in der Praxis bisher oft vernachlässigten Ansatz, wonach Informationen, die sich aus dem Konzernabschluss ableiten, für den Adressaten nachvollziehbar darzustellen sind. Dies bezieht sich insbesondere auf die im Lagebericht verwandten Kennzahlen. Hier empfiehlt es sich, die Berechnung der genannten Kennzahlen explizit darzustellen.
Beispiel:Ein Unternehmen gibt im Lagebericht an, dass die Eigenkapitalrendite als eine wichtige Steuerungsgröße auf 10 % gestiegen ist. Die Eigenkapitalrendite ist nicht gesetzlich definiert, wird aber regelmäßig als Gewinn/Eigenkapital formuliert. Es stellt sich aber z.B. die Frage, ob im Nenner der Formel das Eigenkapital zum Jahresanfang (i.d.R. 1. Januar), zum Jahresende (31. Dezember) oder das durchschnittliche Eigenkapital während des Geschäftsjahrs gemeint ist. Auch der Zähler der Formel wird von manchen Unternehmen nicht als Jahresüberschuss nach Steuern, sondern als Jahresüberschuss vor Steuern (EBT) „interpretiert“, wodurch eine ganz andere (nämlich eine Vorsteuer-) Renditeberechnung resultiert. Die Darstellung der Berechnung hilft dem Leser beim Verständnis des Lageberichts und ist insbesondere für die Vergleichbarkeit von Kennzahlen zwischen Unternehmen von Bedeutung. Dasselbe gilt für viele andere Kennzahlen wie z.B. die Umsatzrendite.
Zur Klarheit gehört auch, dass der Konzernlagebericht in geschlossener Form und unter der Bezeichnung aufzustellen und offen zu legen ist*.
Vermittlung aus Sicht der Konzernleitung
Der (Konzern-)Lagebericht muss die Einschätzungen und Beurteilungen der Konzernleitung bzw. Unternehmensleitung zum Ausdruck bringen*; d.h. z.B., dass Fakten und Entwicklungen nicht nur dargestellt, sondern auch dahingehend beurteilt werden, ob diese Sachverhalte positiv oder negativ aus Sicht des Unternehmens einzuschätzen sind.
Beispiel:Die zunehmende Internetnutzung kann sich für klassische Medienunternehmen/-konzerne in den Bereichen Print (Zeitungen, Zeitschriften), Radio oder Fernsehen negativ auswirken (Onlinewerbung absorbiert einen Teil des Werbebudgets der werbetreibenden Unternehmen); sie kann sich aber auch positiv auswirken, da die ergänzenden Online-Angebote der Zeitungen und Fernsehsender zusätzliche Nutzer und damit Werbeeinnahmen bringen können. Insofern ist eine Aussage der Unternehmensleitung erforderlich, ob aus der gesellschaftlichen Entwicklung eher Risiken oder Chancen für das Unternehmen resultieren.
Der (Konzern-)Lagebericht muss sich auf die wesentlichen Informationen konzentrieren, was z.B. bedeutet, dass Informationen über das Konzernumfeld (Weltkonjunktur, regionale Konjunktur, Branchenkonjunktur etc.) nur insoweit in den Lagebericht aufgenommen werden, wie dies zum Verständnis des Geschäftsverlaufs, der Lage und der voraussichtlichen Entwicklung des Unternehmens/Konzerns erforderlich ist*.
Beispiel:Weist ein mittelständisches Unternehmen aufgrund seiner einzigartigen Stellung im Markt ein konstant hohes Wachstum auf, ist es nicht erforderlich, die ggf. schlechten globalen Konjunkturdaten zu zitieren, sofern das Unternehmen und sein Geschäftsverlauf davon nicht betroffen sind.
DRS 20 erkennt an, dass die Ausführlichkeit und der Detaillierungsgrad der Darstellungen im Lagebericht von den spezifischen Gegebenheiten des Konzerns, insbesondere von seiner Geschäftstätigkeit, seiner Größe und seiner Kapitalmarktorientierung abhängen.
Das bedeutet, dass stark diversifizierte, global tätige, große börsennotierte Konzerne ausführlichere Angaben machen müssen, als ein mittelständisches Unternehmen, das in einem einzigen Geschäftsfeld tätig ist, sich durch Bankkredite finanziert und zu den mittelgroßen Kapitalgesellschaften i.S.d. § 267 HGB zählt.
Die Informationsabstufung erlaubt allerdings nicht das Weglassen einzelner Berichterstattungen (z.B. des Risikoberichts oder Forschungsberichts); lediglich der Umfang der Berichterstattung kann reduziert werden.
Handelt es sich um eine abhängige Gesellschaft i.S.d. §§ 308 ff. AktG, ist die nach § 312 Abs. 3 Satz 3 AktG vom Vorstand einer Aktiengesellschaft abzugebende Schlusserklärung zum Abhängigkeitsbericht in den Lagebericht aufzunehmen, in dem der Vorstand darlegt, ob nach den ihm in dem jeweiligen Zeitpunkt bekannten Umständen die abhängige Aktiengesellschaft durch Rechtsgeschäfte mit dem oder durch Maßnahmen des herrschenden Unternehmens oder der mit diesem verbundenen Unternehmen benachteiligt wurde bzw. ob diese Nachteile ausgeglichen wurden.
Der Gesetzeswortlaut unterscheidet zwar zwischen Tatbeständen, die im Lagebericht darzustellen sind (vgl. § 289 Abs. 1 HGB) und solchen, auf die der Lagebericht auch eingehen sollte (vgl. § 289 Abs. 2 HGB), allerdings handelt es sich bei letzteren nicht um Wahlangaben, vielmehr wird hier allgemein von einer Berichtspflicht ausgegangen.
3 Gliederung des Lageberichts
Eine gesetzliche Gliederung ist nicht vorgegeben. Empfehlenswert ist eine Strukturierung des Lageberichts durch Aufteilung in Teilberichte.
In der Regel wird der Lagebericht in Teilberichte unterteilt, die sich an den Anforderungen der einzelnen Absätze bzw. Sätze des § 289 HGB orientieren. Eine beispielhafte Aufteilung in Teilberichte, die auch so benannt werden können, stellt sich in der Übersicht wie folgt dar:
Wesentliche Vorgänge nach Geschäftsjahresende
IKS-/RMS-Bericht
Internes Kontrollsystem und Risikomanagementsystem bezogen auf den (Konzern-)Rechnungslegungsprozess
Der Zweck der Unterteilung in Teilberichte ist:
zum einen wird dadurch der Lagebericht übersichtlich, die einzelnen Teilberichte stellen eine Art „Buchkapitel“ dar; damit kommt man auch der gesetzlichen Anforderung nach Klarheit und Übersichtlichkeit des Lageberichts nach;
zum anderen kann dadurch eine Verteilung an Verantwortliche bzw. Bearbeiter vorgenommen werden, da am Lagebericht – im Gegensatz zum Jahresabschluss, der v.a. im Rechnungswesen bearbeitet wird – zahlreiche andere Abteilungen direkt mitwirken.
Beispiel:Während z.B. der Forschungsbericht vom F&E-Vorstand bzw. -Leiter erstellt werden kann, wird der Prognosebericht eher aus einer Vorarbeit des Controllings mit anschließender Durchsicht und Genehmigung durch den Vorstand resultieren. Der Risikobericht wird ggf. durch den Verantwortlichen für das Risikomanagementsystem vorbereitet.
Die Teilberichte können aber natürlich auch zusammen dargestellt werden. Z.B. kann die Berichterstattung über die voraussichtliche künftige Entwicklung (Prognosebericht) mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken (Risikobericht) sowie der Nachtragsbericht und Forschungsbericht in die Beschreibung des Geschäftsverlaufs und der Lage der Gesellschaft (Wirtschaftsbericht) einbezogen werden.
Die einzelnen Teilberichte des Lageberichts sollen im Folgenden beschrieben werden.
Vorangestellt werden sollen für den Konzernlagebericht die Grundlagen des Konzerns. Dazu gehört insbesondere die Darstellung des Geschäftsmodells des Konzerns.
Beispiel:Ein Automobilkonzern erläutert, dass er in den Bereichen Entwicklung, Produktion und Vertrieb von PKW global tätig ist und zudem Umsätze aus Leasing- und Finanzierungsgeschäften generiert.
Darüber hinaus werden weitere Angaben zur organisatorischen Struktur des Konzerns, seinen Segmenten, Standorten, Produkten und Absatzmärkten gemacht.
Insbesondere für den Fall, dass sich die Zusammensetzung oder das Geschäftsmodell des Konzerns durch den Zukauf oder die Aufgabe von wesentlichen Geschäftsbereichen geändert hat, sind Angaben dazu zu machen.
Das Unternehmen kann auf freiwilliger Basis Angaben über die strategischen Ziele und die zu deren Erreichung verfolgten Strategien machen; sofern es sich dafür entscheidet, ist dies im Einklang mit DRS 20 Tz. 40 bis 44 und 56 zu machen.
Handelt es sich um ein kapitalmarktorientiertes Mutterunternehmen, muss das im Konzern eingesetzte Steuerungssystem inklusive der in dem Zusammenhang eingesetzten Kennzahlen dargestellt werden*.
Beispiel:Ein Konzern erläutert, dass die Steuerung der einzelnen Unternehmensbereiche im Sinne einer wertorientierten Unternehmenssteuerung mittels der obersten Kennzahl Economic Value Added erfolgt (und wie diese berechnet wird). Die variable Vergütung des Managements hängt von dem Erreichen der Zielgrößen dieser Kennzahl ab.
Der Wirtschaftsbericht beinhaltet zwei Teile: zum einen ist der Geschäftsverlauf, zum anderen ist die Lage der Gesellschaft darzustellen, zu analysieren und zu beurteilen (§ 289 Abs. 1 Satz 1 – 3, Abs. 3 HGB).
Der Wirtschaftsbericht stellt den Geschäftsverlauf, die Umsatz-, Aufwands- und Personalentwicklung, die getätigten Investitionen sowie weitere wesentliche Entwicklungen wie z.B. die Kapazitätsauslastung dar. Dabei sind folgende Aspekte zu beachten:
es handelt sich um eine vergangenheitsorientierte, zeitraumbezogene Darstellung, die sich bis zum Ende des Geschäftsjahres erstreckt;
es sollten nicht nur die Entwicklung sondern auch die Ursachen (z.B. Gründe für einen Umsatzrückgang: Preis- und Mengeneinflüsse) beleuchtet werden;
es sollte eine Beurteilung der Geschäftsleitung zum Ausdruck kommen (Handelt es sich um eine günstige oder ungünstige Entwicklung?);
das Gesetz fordert ausdrücklich die Bezugnahme auf das Geschäftsergebnis:
das beinhaltet finanzielle Kennzahlen („Leistungsindikatoren“ wie Rentabilitäten, Liquidität, Cashflow, die zur internen Steuerung des Unternehmens verwendet werden) sowie
unter Bezugnahme auf die im Jahresabschluss ausgewiesenen Beträge und Angaben (d.h. sofern möglich, keine internen, nicht abstimmbaren „Management“-Kennzahlen);
eine Aufspaltung des Jahresergebnisses in Anlehnung an die in § 275 Abs. 2 und Abs. 3 HGB enthaltenen Gliederungsschemata der Gewinn- und Verlustrechnung in Betriebsergebnis (EBIT), Finanzergebnis, außerordentliches Ergebnis und Vorsteuerergebnis (EBT) bietet sich an.
bei großen Kapitalgesellschaften verlangt § 289 Abs. 3 HGB auch nichtfinanzielle Kennzahlen, z.B. Arbeitnehmerqualifikation, Kundenzufriedenheit, Kundenstruktur, Innovationstempo, Marktanteil- und -wachstum; darüber hinaus:
Arbeitnehmerbelange, z.B. Sozialbericht: betriebliche Gewinnbeteiligung, soziale Leistungen, Arbeitszeitmodelle, Fluktuation, Fortbildung, Unfallverhütung etc.;
Umweltbelange, z.B. Energieverbrauch, Emissionen, Umweltschutzmaßnahmen (und diesbezügliche Investitionen), Umweltverträglichkeit der Produkte.
Darüber hinaus hat der Wirtschaftsbericht auf die Lage der Gesellschaft, ihre Marktstellung, Finanzierung, Rentabilität und Liquidität in dem Umfang einzugehen, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Lage des Unternehmens vermittelt wird.
Die Informationen im Lagebericht gehen über die im Jahresabschluss enthaltenen hinaus; der Lagebericht soll damit solche Kenntnisse vermitteln, die sich nicht ohne weiteres aus dem Jahresabschluss ableiten lassen.
DRS 20 Tz. 57 betont die Notwendigkeit, die in der Vorperiode im Lagebericht angegebenen Prognosen mit der tatsächlichen Geschäftsentwicklung zu vergleichen. D.h., wurde im Vorjahr eine Steigerung der Umsatzerlöse z.B. um zehn Prozent oder in einer Bandbreite von acht bis zehn Prozent prognostiziert, ist im aktuellen Lagebericht zu analysieren, inwiefern dieses Ziel erreicht wurde bzw. woraus etwaige Abweichungen resultieren. Dies gilt analog für die Erreichung der strategischen Ziele, sofern das Unternehmen darüber im Konzernlagebericht freiwillig berichtet hatte (DRS 20, Tz. 56).
In veröffentlichten Lageberichten börsennotierter Gesellschaften lässt sich oftmals beobachten, dass die wesentlichen Entwicklungen und Kennzahlen (z.B. „EBIT um 20 Prozent über dem Vorjahreswert“; „anhaltendes Umsatzwachstum“; „Ergebnis pro Aktie 1,20 Euro“; etc.) stichpunktartig und an prominenter Stelle im Lagebericht vorangestellt werden.
Oftmals gliedern Unternehmen an dieser Stelle ähnlich der folgenden Aufstellung:
Gesamtwirtschaftliche/konjunkturelle Entwicklung
Auswirkungen von Konjunkturentwicklung (Wirtschaftswachstum, Inflation etc.), (wirtschafts-)politischen Entwicklungen, Wechselkursveränderungen etc. auf das Unternehmen
Branchenentwicklung (Branchenwachstum, Preisverfall etc.), Marktstruktur (Konzentration, neue Anbieter), Stellung des berichtenden Unternehmens (Marktanteil) etc.
Geschäftsfelder/Segmente
Tätigkeitsfelder, neue Geschäftsfelder, Veräußerungen, Kooperationen, neue strategische Aufstellung von Geschäftsbereichen etc.
Einkaufspreisentwicklung für Rohstoffe und Zulieferteile, Lieferverträge, Abhängigkeiten von Lieferanten, Lieferengpässe, finanzielle Stabilität der Zulieferer etc.
Produktionsmengen, Auslastungsgrad der Produktionsanlagen, geschlossene und neue Produktionseinheiten, Produktivitätssteigerungen, Rationalisierungsmaßnahmen, neue Verfahren, Investitionen etc.
Umsätze, Stückzahlen, Auftragseingänge, Preise, Distributionspolitik, Marketingmaßnahmen, neue Produkte, Konkurrenzprodukte, etc.
Finanzierungsmaßnahmen (Kredite, Kapitalerhöhungen), Liquiditätslage, Zinskosten, Innenfinanzierungsmaßnahmen, etc.
Zielerreichung/Rentabilität
Entwicklung der Umsätze und Aufwendungen, Margen, Eigenkapitalrentabilität, Gesamtkapitalrentabilität, Umsatzrenditen, Gewinnverwendung, etc.
Beteiligungserwerb, -verkauf, Veränderungen bei den Betriebsstätten, Fusionen, Unternehmens- und Führungsorganisation, anhängige Prozesse, Produkthaftungsfälle, Rückrufaktionen.
Der Grundsatz der Informationsabstufung erlaubt es kleineren und „unkomplizierten“ Unternehmen, auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und ggfs. auch auf die Branchenentwicklung lediglich kurz und knapp oder auch gar nicht einzugehen, sofern diese Entwicklungen für das Verständnis der Analyse von Geschäftsverlauf und Lage von untergeordneter Bedeutung sind (vgl. DRS 20, Tz. 58). Vielen mittelständischen Unternehmen gelingt es z.B., trotz schlechter Rahmenbedingungen/Konjunkturlage, Umsätze und Gewinn zu steigern, da für sie ganz andere Faktoren von Bedeutung sind.
Der zweite Teil des Wirtschaftsberichts ist die Darstellung der Lage der Gesellschaft. Dabei sind folgende Aspekte zu beachten:
der Maßstab für die Berichterstattung ist das Gesamtbild der Gesellschaft: alle Informationen, die hierfür von Bedeutung sind, sind in den Lagebericht aufzunehmen;
die Darstellung ist gegenwarts- und zukunftsorientiert;
es sollten alle bedeutsamen Vorgänge während des Geschäftsjahrs genannt werden, z.B. wesentliche Verträge, Beteiligungserwerbe oder -veräußerungen, Rechtsstreitigkeiten, Restrukturierungsmaßnahmen, Streiks, Unglücksfälle, politische Entwicklungen etc.
Die geforderte Darstellung der Lage bezieht sich insbesondere auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, wobei auch wieder der Kontext zum Jahresabschluss hergestellt wird.
Im Rahmen der Darstellung der Vermögenslage sollten nicht die einzelnen Bilanzposten bzw. deren Zusammensetzung wiedergegeben oder im Detail erläutert werden (das wären keine Zusatzinformationen neben dem Jahresabschluss), vielmehr sollten Zusammenhänge und Entwicklungen dargestellt werden.
Dies kann insbesondere dadurch geschehen, dass ein Vergleich zu den Vorjahres- oder auch Planwerten vorgenommen wird oder Kennzahlen wie die Anlagenintensität oder die Eigenkapitalquote abgeleitet werden. Empfehlenswert ist, verwendete Kennzahlen zu definieren. So kann die Umsatzrendite z.B. auf Basis des Jahresüberschusses nach Steuern oder auch des Betriebsergebnisses (EBIT) oder des EBITDA ermittelt werden.
Bezüglich der Vermögensseite können zum einen Veränderungen zum Vorjahr dargestellt werden, hier wiederum weniger in absoluten Zahlen als in Kennzahlenform, z.B. Anlagenintensität, Umlaufintensität, Vorratsumschlagshäufigkeit u.ä.
Bei der Darstellung der Kapitalstruktur kann auf die Eigenkapitalquote bzw. den Verschuldungsgrad abgestellt werden, auch Angaben zur Fristigkeit der Verbindlichkeiten können dazugehören.
Darüber hinaus bieten sich Kennzahlen an, die die Vermögens- und Kapitalseite in Beziehung setzen, z.B. Anlagendeckungsgrade bzw. die Einhaltung von Finanzierungsregeln.
Bei der Finanzlage sollte insbesondere auf die Liquiditätssituation, die Kapitalstruktur, die Investitionen und den Cashflow eingegangen werden.
Teilweise geben Unternehmen hier auch ihre Finanzierungspolitik an (z.B. eine Ziel-Eigenkapitalquote von 30 Prozent oder eine hohe Innenfinanzierungskraft aus Gewinnthesaurierung) sowie die getroffenen Maßnahmen (Schuldentilgung, Gewinneinbehaltung, Dividendenpolitik).
Für die Darstellung der Ertragslage bietet sich das in der handelsrechtlichen Gewinn- und Verlustrechnung vorgesehene Schema mit den entsprechenden Zwischensummen geradezu an. Das Unternehmen sollte hier insbesondere auf das Betriebsergebnis (operatives Ergebnis, EBIT), das Finanzergebnis, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, außerordentliche Ergebniseffekte sowie das Jahresergebnis nach Steuern (den „Gewinn“) eingehen.
Werden bereinigte Ergebniszahlen verwendet, sollte erläutert werden, worin die Bereinigungen bestehen. Dem Adressaten sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, die Zahlen mit dem Jahresabschluss abzustimmen.
Die Analyse des Umsatzes (oder einer vergleichbaren anderen Größe, z.B. bei Versicherungen oder Banken) ist Pflichtbestandteil der Analyse der Ertragslage. Hier sollte auf Preis- und Mengeneinflüsse, Regionen, Produktmix/-zusammensetzung etc. und ggf. auch die Auftragslage eingegangen werden*.
Eine Erläuterung der Ertragszahlen ist insbesondere dann geboten, wenn wesentliche absolute Veränderungen (in Euro) gegenüber dem Vorjahr auftreten, die Verhältniskennzahlen sich verändern (z.B. Materialkostenquote: Materialaufwand im Verhältnis zum Umsatz) oder größere Abweichungen zu den Prognosewerten bestehen.
Die im oben genannten Detaillierungsgrad gemachten Ausführungen zum Geschäftsverlauf und zur Lage sind abschließend zu einer Gesamtaussage zu verdichten; hierbei ist auch eine Beurteilung der Unternehmensleitung gefragt, ob die Geschäftsentwicklung insgesamt günstig oder ungünstig verlaufen ist*.
Die gesetzliche Grundlage für den Prognosebericht ist § 289 Abs. 1 Satz 4 HGB: „Ferner ist im Lagebericht die voraussichtliche Entwicklung mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken zu beurteilen und zu erläutern; zugrunde liegende Annahmen sind anzugeben.“
Dies ist auch Gegenstand der Prüfung (§ 317 HGB) bzw. des Bestätigungsvermerks des Abschlussprüfers (§ 322 Abs. 6 Satz 2 HGB): „Dabei ist auch zu prüfen, ob die Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung zutreffend dargestellt sind.“ (§ 317 Abs. 2 Satz 2 HGB).
Der Prognosebericht wirft einen Blick in die Zukunft, der abzudeckende Zeithorizont sollte nach DRS 20 Tz. 127 mindestens ein Jahr betragen. Die Berichterstattung beinhaltet die Einschätzung des Vorstands bzw. der Geschäftsführung über die voraussichtliche Entwicklung der Gesellschaft, aber auch der Branche bzw. der allgemeinen Konjunktur. Etwaige wesentliche absehbare Sondereinflüsse nach dem Prognosezeitraum von einem Jahr sind zusätzlich darzustellen und zu analysieren.
Beispiel:Für Energieunternehmen sind die Entwicklungen, gesetzlichen Maßnahmen und Investitionsmaßnahmen im Zusammenhang mit der „Energiewende“ auch jenseits des Einjahreshorizonts von Bedeutung und deshalb als Sondereinfluss berichtenswert.
Der Prognosebericht sollte folgende Aspekte adressieren:
die voraussichtliche Entwicklung mit ihren Chancen und Risiken, in der Regel durch Erläuterungen z.B. zu
der Umsatz- und Ergebnisentwicklung;
der Entwicklung der Geschäftsbereiche;
den Investitions- und Finanzierungsvorhaben.
zu Grunde liegende Annahmen (z.B. Konjunkturerwartung, Wechselkurs- oder Zinsentwicklung);
Viele Unternehmen gehen hier oft so vor, dass sie zunächst die allgemeinen Konjunkturaussichten, anschließend die Branchenperspektive und daraus abgeleitet die Erwartungen für das eigene Unternehmen beschreiben.
nicht zu berichten ist über:
noch nicht abgeschlossene Transaktionen wie z.B. Verhandlungen über wesentliche Aufträge, Fusionen, Beteiligungen;
Betriebsgeheimnisse;
Sachverhalte, deren Offenlegung der Gesellschaft Schaden zufügen würden (Ausnahme: Falls wesentliche Risiken damit verbunden sind, muss darüber berichtet werden).
DRS 20 Tz. 128 konkretisiert die Anforderungen an Prognosen im Lagebericht. Enthalten sein müssen Aussagen zur Veränderung gegenüber dem Istwert des aktuellen Jahres sowie über die Richtung und Intensität der Veränderung.
Beispiele:Angenommen, der Umsatz im Berichtsjahr sei zehn Mio. Euro.
Folgende Aussage zur Umsatzerwartung ist nicht ausreichend: „Wir erwarten für das kommende Jahr eine Umsatzsteigerung“. Hier ist zwar die Richtung der Veränderung (steigend) angegeben, jedoch nicht die Intensität.
Angemessen ist: „Wir erwarten eine Umsatzsteigerung von zehn Prozent.“ oder „Wir erwarten eine Umsatzsteigerung in der Bandbreite neun bis elf Prozent“ oder „Wir erwarten einen Umsatz von elf Mio. Euro“. Akzeptabel wäre auch: „Wir erwarten einen stark steigenden Umsatz“, da „stark“ die Intensität widerspiegelt*.
Die gesetzliche Grundlage ergibt sich wie für den Prognosebericht bereits zitiert aus dem § 289 Abs. 1 Satz 4 HGB. Der Risikobericht als notwendiger Bestandteil des Lageberichts wurde durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG vom 27. April 1997, BGBl I, S. 786) 1998 eingeführt.
Der Risikobericht soll auf Risiken der künftigen Entwicklung und hier insbesondere auf existenzbedrohende Risiken eingehen.
Mit Risiken sind mögliche ungünstige künftige Entwicklungen (v.a. der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage) und insbesondere Abweichungen von erwarteten positiven Entwicklungen (Planungen) gemeint. Dabei können Risiken sowohl aus den Entscheidungen des Managements als auch aus externen Ursachen (z.B. Konjunkturabschwächung) erwachsen.
In der Regel werden Kategorisierungen der Risiken vorgenommen. Dabei kann auf Informationen aus dem Risikofrüherkennungssystem bzw. Risikomanagementsystem des Unternehmens zurückgegriffen werden.
Es empfiehlt sich, existenzgefährdende Risiken (z.B. Liquiditätsprobleme oder Überschuldungstatbestände) „vorab“, d.h. zu Beginn des Risikoberichts, zu nennen.
Sonstige Risiken können dann nach Kategorien geordnet werden, z.B.
finanzwirtschaftliche Risiken;
Beschaffungsrisiken;
rechtliche Risiken;
Personalrisiken;
IT-Risiken;
Alternativ können die Risiken auch in einer Rangfolge geordnet werden (DRS 20 Tz. 162).
Neben Risiken ist auch über Chancen – z.B. Wachstumsregionen, neue Produkte, Innovationen – zu berichten.
Es ist in der Praxis (veröffentlichte Geschäftsberichte) zu beobachten, dass oftmals (analog der Vorgehensweise in Börsenprospekten) vorsorglich alle möglichen (sehr allgemeinen) Risiken (Beispiele: Fluktuationsrisiko des Personals, Konjunktureinbrüche) dargestellt werden, um „auf der sicheren Seite zu sein“.
Bezüglich der Begrenzung der Berichtspflicht bzw. des Berichtsumfangs nennt der Gesetzestext bereits das Kriterium der Wesentlichkeit. Darüber hinaus sind auch die Eintrittswahrscheinlichkeiten der Risiken bei einer Betrachtung der Berichtspflicht einzubeziehen.
Ggf. sollte eine Negativerklärung abgegeben werden, falls keine wesentlichen Chancen und Risiken bestehen.
Das dem Jahresabschluss eigene Stichtagsprinzip gilt nicht. D.h., Ereignisse nach dem Bilanzstichtag sind einzubeziehen.
Die einzelnen Risiken sollten nicht lediglich genannt, sondern so ausführlich beschrieben werden, dass sich der Leser ein Bild von der Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos und dem Ausmaß des Risikos machen kann. Das beinhaltet nicht unbedingt die Angabe von Zahlen bzw. Euro-Beträgen, oftmals wird auch eine verbale Beschreibung ausreichend sein. Eine Quantifizierung der Risiken ist jedoch dann vorzunehmen, wenn dies auch zur internen Steuerung erfolgt und quantitative Angaben für die Adressaten wesentlich sind*. An dieser Stelle bietet es sich an, an die Angaben im Prognosebericht anzuknüpfen, und auf die Risiken von Abweichungen von Prognosewerten einzugehen. Die Berichtspflicht über Risiken im Lagebericht entfällt auch nicht durch eine Berücksichtigung im Jahresabschluss (z.B. durch die Bildung von Rückstellungen oder die Vornahme von Wertberichtigungen).
§ 289 Abs. 2 Nr. 2 HGB sieht zudem eine Beschreibung der Risikomanagementziele und -methoden mit gesonderter Darlegung der Methoden zur Absicherung aller wichtigen Arten von Transaktionen vor, die im Rahmen der Bilanzierung von Sicherungsgeschäften erfasst werden. Darüber hinaus ist (sofern wesentlich) über Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken sowie die Risiken aus Zahlungsstromschwankungen, denen die Gesellschaft ausgesetzt ist, jeweils in Bezug auf die Verwendung von Finanzinstrumenten (z.B. Devisentermingeschäfte) zu berichten (§ 289 Abs. 2 Nr. 2 HGB). Diese Berichterstattung kann in den Risikobericht integriert werden, aber auch – im Falle börsennotierter Aktiengesellschaften – in die Berichterstattung nach § 289 Abs. 5 HGB.
Für die aus der Verwendung von Finanzinstrumenten resultierenden Risiken sind die Art und das Ausmaß der jeweils offenen Risikopositionen („Restrisiko“) darzustellen (nicht die Gesamtsumme der durch Sicherungsgeschäfte abgedeckten z.B. Zinsrisiken*).
Als Vorgehensweise bei der Erläuterung der Risiken bietet sich folgende Darstellung an (hier am Beispiel von Währungsrisiken für einen exportorientierten Mittelständler):
Risiko nennen
Risiko beschreiben (ggf. inkl. quantitativer Angaben)
z.B. 80 Prozent Auslandsgeschäft, davon 50 Prozent in Fremdwährung fakturiert
Gegenmaßnahmen bzw. Risikostrategie erläutern
Devisentermingeschäfte, Produktionsstandorte im Ausland, gegenläufige Finanzierungen
Einschätzung der Geschäftsleitung geben
verbleibendes Risiko (z.B. Währungsschwankungen überschreiten das übliche Maß bzw. gewisse Bandbreiten).
Als Abschluss zur Berichterstattung über Risiken empfiehlt es sich, eine Beurteilung über das Gesamtrisiko aus Sicht des Vorstands bzw. der Geschäftsführung vorzunehmen.
Beispielhafte Erklärung zur Einschätzung des Gesamtrisikos„Aus Sicht des Vorstands sind keine Risiken der zukünftigen Entwicklung erkennbar, die den Fortbestand der Gesellschaft gefährden könnten.
Unsere Risikoanalyse zeigt, dass die Risiken nicht dauerhaft die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft beeinträchtigen.
Im Gesamtbild ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr keine grundlegende Änderung der Risikolage.
Auf die aus unserer Sicht hauptsächlichen Risiken, das Währungsrisiko sowie das Konjunkturrisiko, haben wir mit den beschriebenen Maßnahmen angemessen reagiert.“
Der Nachtragsbericht gem. § 289 Abs. 2 Nr. 1 HGB beinhaltet Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach Ende des Geschäftsjahres (i.d.R. somit ab dem 1. Januar des folgenden Geschäftsjahrs) bis zum Zeitpunkt der Feststellung des Jahresabschlusses eingetreten sind.
Sofern Vorgänge werterhellende Tatsachen darstellen, sind sie im Jahresabschluss explizit zu berücksichtigen.
Beispiel 1:Die Fabrik eines Industrieunternehmens brennt im Februar des Jahres 02 ab. Der Schaden ist immens und umfasst neben dem Sachschaden auch einen Umsatzausfall von einem Monat.
Im Jahresabschluss zum 31. Dezember 01 wird dieser Vorgang nicht berücksichtigt, da der Brand nicht werterhellend, sondern wertbegründend ist. Die Fabrik steht somit in der Bilanz zum 31. Dezember 01 mit ihrem aktuellen Buchwert.
Der Nachtragsbericht muss jedoch über diesen wesentlichen Vorgang berichten und die Auswirkungen auf die Lage der Gesellschaft (z.B. aus dem Umsatzausfall resultierende Liquiditätsengpässe) erläutern.
Beispiel 2:Die Energieversorgungsunternehmen müssen über die neue deutsche Atompolitik berichten, da diese wesentliche Auswirkungen auf deren Geschäftsmodell sowie die künftige Umsatz- und Ertragslage hat.
Der Nachtragsbericht muss nur solche Vorgänge und Entwicklungen benennen, die für die Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft von Bedeutung sind. Dies ist dann der Fall, wenn der Vorgang, hätte er sich bereits vor dem Bilanzstichtag ereignet, eine deutliche andere Darstellung der VFE-Lage erfordert hätte.
DRS 20 Tz. 114 verlangt hier eine Negativanzeige, sollten keine derartigen wesentlichen Vorgänge zu vermelden sein.
Der nach § 289 Abs. 2 Nr. 3 HGB zu erstellende Forschungsbericht beinhaltet Informationen über die Grundlagenforschung, die angewandte Forschung sowie den Stand der Forschung im Hinblick auf die Produkte des Unternehmens. Gemeint ist hier die eigene Forschung (inklusive der Inanspruchnahme fremder Forschungs- oder Entwicklungsleistungen); auf die Auftragsforschung für andere Unternehmen ist nicht einzugehen.
Er geht dabei i.d.R. auch auf die Beträge der Forschungs- und Entwicklungskosten und die in diesem Bereich beschäftigten Mitarbeiter sowie die durchgeführten bzw. geplanten wesentlichen Projekte ein. Auch auf Kooperationen mit F&E-Partnern kann an dieser Stelle eingegangen werden.
Beispiel:Ein Unternehmen der Pharmaindustrie berichtet darüber, dass sich ein neu entwickeltes Krebsmedikament in der klinischen Studie befindet und bei Erfolg der Studien im kommenden Jahr auf den Markt kommt.
Auch im Forschungsbericht kann mit Kennzahlen gearbeitet werden; dabei kann man zwischen Einsatzgrößenkennzahlen (z.B. Forschungs- und Entwicklungskosten in Euro oder in Prozent vom Umsatz) und Ergebniskennzahlen (z.B. neue Patente) unterscheiden. Beispiele für Angaben zum Umfang der Forschungstätigkeit:
Anteil der F&E-Kosten im Verhältnis zum Umsatz („zehn Prozent des Umsatzes werden in F&E investiert“);
Anzahl der Mitarbeiter im F&E-Bereich;
Anzahl der neuen Patente;
Anzahl neu entwickelter Produkte;
Investitionen im F&E-Bereich (neue Forschungslabore etc.);
Über Betriebsgeheimnisse muss nicht berichtet werden. Ein Unternehmen wird insofern hier von einer Berichterstattung über neue geplante Produkte absehen, sofern es daraus einen wesentlichen Nachteil erwartet (z.B. dadurch, dass die Konkurrenz „auf den Plan gerufen wird“).
Der nach § 289 Abs. 2 Nr. 4 HGB zu erstellende Zweigniederlassungsbericht berichtet z.B. über neue Zweigniederlassungen oder auch die Schließung von Betriebsfilialen.
§ 289 Abs. 2 Nr. 5 HGB verlangt von börsennotierten Aktiengesellschaften eine Darlegung der Grundzüge des Vergütungssystems der Gesellschaft für die in § 285 Nr. 9 HGB genannten Gesamtbezüge. In dem Zusammenhang erlaubt § 289 Abs. 2 Nr. 5 Satz 2 HGB als Ausnahme – in der Regel entbinden Angaben im Lagebericht nicht von etwaigen den Anhang betreffenden Angabepflichten – dass die Angaben gem. § 285 Nr. 9 Buchstabe a Satz 5 – 8 im Lagebericht vorgenommen werden und dann im Anhang entfallen können.
Empfehlenswert ist eine Darstellung der gesamten die Vergütung betreffenden Informationen in einem geschlossenen Berichtsteil unter Inanspruchnahme der o.g. Ausnahmeregelung im Vergütungsbericht des Lageberichts oder im Anhang.
Der Vergütungsbericht soll die Grundsätze, die auf die Festsetzung der Gesamtvergütung der Vorstandsmitglieder Anwendung finden, sowie die Struktur und die Höhe der Vergütung der Vorstandsmitglieder darlegen. Darüber hinaus sind auch die Grundsätze für die Bestimmung und die Höhe der Vergütung für die Aufsichtsratsmitglieder Bestandteil des Vergütungsberichts.
Dabei können beispielhaft folgende Aspekte (jeweils für Vorstand und Aufsichtsrat) beleuchtet werden:
Übergeordnete Grundsätze des Vergütungssystems
Eine allgemeine Beschreibung des Vergütungssystems: nachhaltiges, langfristig orientiertes Anreizsystem; Angemessenheit im Hinblick auf Unternehmensgröße und Wettbewerber; Anpassung an wirtschaftliche Situation des Unternehmens; fixe/variable Bestandteile; Aufteilung in Barvergütung und aktienbasierter Vergütung; wesentliche Zielgrößen: Cashflow, Ergebnis je Aktie, Kapitalrendite etc.
Höhe der Grundgehälter
Pensions- bzw. Versorgungszusagen
zugesagte Beträge, geleistete Beiträge
Variable Vergütung (Boni, Tantiemen)
Höhe der variablen Vergütung im Verhältnis zu den Grundgehältern; Messung des Zielerreichungsgrads (z.B. welche Kennzahlen? Cashflow, Kapitalrendite etc.). Gewichtung der Ziele. Deckelung (Höchstbetrag) bei Übererfüllung?
Bemessung der aktienbasierten Vergütung; bestehende Aktienoptionen; gewährte Aktienzuteilungen.
Internes Kontrollsystem (IKS) und Risikomanagementsystem (RMS)
Kapitalmarktorientierte Unternehmen i.S.d. § 264d HGB müssen nach BilMoG im Lagebericht eine Beschreibung der wesentlichen Merkmale des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems im Hinblick auf die Rechnungslegung vornehmen (§ 289 Abs. 5 HGB). Eine analoge Regelung sieht § 315 Abs. 2 Nr. 5 HGB im Hinblick auf den Konzernrechnungslegungsprozess vor, sofern eines der in den Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen oder das Mutterunternehmen kapitalmarktorientiert ist.
Das Risikomanagementsystem (RMS) eines Unternehmens legt fest, wie Risiken erfasst, bewertet, wie sie kontrolliert bzw. gesteuert und wie mit ihnen umgegangen wird, d.h., ob sie akzeptiert werden, ob sie vermieden werden (z.B. durch regelmäßige Kontrollen) oder ob sie an andere übertragen werden (z.B. durch Versicherungen oder Derivate).
Das Interne Kontrollsystem (IKS) ist zum einen ein Teil des Risikomanagementsystems, umfasst aber auch andere Aspekte. Es dient v.a. der Vermeidung und ggf. Aufdeckung von Vermögensschäden.
Zur Beschreibung des internen Kontrollsystems in Bezug auf den Rechnungslegungsprozess werden z.B. folgende Aspekte beleuchtet:
Vorstand; Aufsichtsrat; Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats; Interne Revision.
Organisation des IKS
Organisation des Rechnungswesens; Ablauf der Abschlusserstellung; verpflichtende Einhaltung von Bilanzierungsrichtlinien, -handbüchern; Outsourcing von Abschlusstätigkeiten; Vorhandensein einer Internen Revision; Kontrollen der Controlling-Abteilung;
regelmäßiges Berichtswesen; Managementkontrollen; Steuerung und Abweichungsanalysen mittels Kennzahlen; Vier-Augen-Prinzip; Funktionstrennung; Unterschriftenregelung; Transparenz; IT-Kontrollen und IT-Zugriffsberechtigungen;
Angaben nach § 289 Abs. 4/§ 315 Abs. 4 HGB: Erklärung zur Unternehmensführung
§ 289a Abs. 1 Satz 1 HGB verlangt von börsennotierten und anderweitig kapitalmarktorientierten Aktiengesellschaften, eine Erklärung zur Unternehmensführung in ihren Lagebericht aufzunehmen, die dort einen gesonderten Abschnitt bildet.
Alternativ kann die Erklärung zur Unternehmensführung auf der Internetseite der Gesellschaft öffentlich zugänglich gemacht werden; in dem Fall muss der Lagebericht die Internetseite bzw. die genaue Internetadresse (z.B. „www.Beispielunternehmen.de/Unternehmenserklärung“) benennen (§ 289a Abs. 1 Sätze 2 und 3 HGB).
Darin aufzunehmen sind zum einen die Erklärung zum Corporate Governance Kodex gem. § 161 AktG, inwieweit das Unternehmen dem Corporate Governance Kodex gefolgt ist bzw. welche Empfehlungen aus welchen Gründen nicht angewendet wurden.
Beispiel:Eine Aktiengesellschaft berichtet, dass es den Empfehlungen der „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ mit den folgenden Ausnahmen vollständig folgt:
„Gem. Ziffer 5.4.6 Abs. 2 Satz 1 des Deutschen Corporate Governance Kodex“ sollen die Aufsichtsratsmitglieder neben einer festen eine erfolgsorientierte Vergütung erhalten.
Die Hauptversammlung vom 18. Mai 2011 hat einen Beschluss gefasst, die Vergütung des Aufsichtsrats ausschließlich mit festen Bezügen zu leisten.
Auf die erfolgsabhängige Vergütung des Aufsichtsrats wird verzichtet, um die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats zu gewährleisten.“
Nach § 289a Abs. 2 Nr. 2 HGB sind Unternehmensführungspraktiken anzugeben, die über die gesetzlichen Anforderungen hinaus angewandt werden. Dazu gehören z.B.
regelmäßige, umfangreiche Finanzberichterstattung; Bilanzpressekonferenzen; Analystenkonferenzen; Kommunikation mit den Aktionären (Aktionärsbriefe); Pressemeldungen etc.
Compliance-Aktivitäten
Verhaltenskodex; Etablierung eines Chief Compliance Officers; Anti-Korruptionsregelungen etc.
Ferner ist gem. § 289a Abs. 2 Nr. 3 HGB die Arbeitsweise von Vorstand und Aufsichtsrat sowie die Zusammensetzung und Arbeitsweise von deren Ausschüssen zu beschreiben.
Dazu zählen beispielhaft Angaben zur Zusammensetzung des Vorstands und Aufsichtsrat und zur jeweiligen Geschäftsordnung, zur regelmäßigen Berichterstattung des Vorstands an den Aufsichtsrat sowie zu den eingerichteten Überwachungssystemen.
Mutterunternehmen, die durch die Ausgabe stimmberechtigter Aktien einen organisierten Kapitalmarkt im Sinne des § 2 Abs. 7 WpÜG in Anspruch nehmen, müssen im Konzernlagebericht die übernahmerechtlichen Angaben gemäß § 315 Abs. 4 HGB machen*, u.a. die Zusammensetzung des gezeichneten Kapitals, Aktiengattungen und Stimmrechts- sowie Übertragungsbeschränkungen.

References: § 289
 § 315
 § 289
 § 289
 § 264
 § 264
 § 264
 § 290
 § 315
 § 336
 § 340
 § 341
 § 290
 § 264
 § 298
 § 245
 § 335
 § 289
 § 315
 § 289
 § 289
 § 315
 § 289
 § 289
 § 289
 § 340
 § 341
 § 339
 § 326
 § 42
 § 48
 § 289
 § 289
 § 267
 § 312
 § 289
 § 289
 § 289
 § 275
 § 289
 § 289
 § 289

§ 289
 § 289
 § 289
 § 289
 § 289

§ 289
 § 285
 § 289
 § 285
 § 264
 § 315
 § 289

§ 289
 § 161
 § 289
 § 289
 § 2
 § 315