Source: https://www.nervenstark.org/forensik
Timestamp: 2020-05-25 17:38:17+00:00

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Nervenstark! - Forensik
Forensik ist ein Sammelbegriff für wissenschaftliche und technische Arbeitsgebiete, in denen kriminelle Handlungen systematisch untersucht werden. Der Begriff stammt vom lateinischen forensis „zum Forum, Markt[platz] gehörig“, da Gerichtsverfahren, Untersuchungen, Urteilsverkündungen sowie der Strafvollzug im antiken Rom öffentlich und meist auf dem Marktplatz (Forum) durchgeführt wurden.
wissenschaften Natur-
wissenschaften Ingenieur-
wissenschaften Informatik und
Kommunikation Sozial-
wissenschaften Human-
Thanatologie, Pathologie Todesursachen-
ermittlung durch Leichenschau
Alkohologie, Drogendiagnostik
Leichenidentifizierung
Leichenidentifizierung anhand von Zähnen
identifizierung anhand von Knochen
Brandanalytik
Materialanalytik (Glas, Lack, Metall, Kunststoff, etc.)
Haaranalyse (menschlich, tierisch)
Blutverteilungsbild
Textil- und Faserspuren
Stichspuren in Kleidung
Lippen-, Ohr-, Hautspuren
Physik / Elektronik
Untersuchung elektrischer Apparaturen
Elektronische Sicherungs-
Schuh-, Reifen-, und Handschuhspuren
Werkzeug- und Passspuren
Mechanische Sicherungs-
Schussrichtungsanalyse
Schussenergiemessung
Passuntersuchungen
Papieranalytik
Druckanalytik
Druck- und Maschinenschriften
Computer- / Disk-Forensik
Analyse von Computer und Mobilgeräten + Sicherung
Datenanalyse / Data-Forensik
Analyse von Datenbeständen aus Anwendungen und Datenbanken + Sicherung
Datendiebstahl, -veränderung, -beschädigung
Ausspähen und Abfangen von Daten / Hacking
Identitätsdiebstahl / Phishing, Digitale Erpressung
Infizieren oder Sabotage von Computern, Schadsoftware, Bot-Netze
Cyberterrorismus, -krieg
Cybermobbing, -bullying, -stalking
Cybergrooming, Sexting
Internetrecherche (BtM, Waffen, Kinderpornografie, etc.)
überwachung (TKÜ)
Schuldunfähigkeits-
Erkennen von psychischen oder neurologischen Erkrankungen
Mustererkennung aufgrund soziologischer, kriminalistischer und kriminologischer Erfahrungen
Erstellen eines Täterprofils
Erkennen von Serienstraftaten
Hand- und Fingerspuren
Schriftvergleichsanalyse
Linguistik / Stimmanalyse
Vergleichsanalyse zur Personenidentifizierung
2D / 3D Vergleichsanalyse
Seit einiger Zeit werden zudem auch epigenetische Analysen in der forensischen Genetik vornehmlich zu den Zwecken der Spurenartidentifikation[2], zur Bestimmung des Alters eines Individuums[3] und zur Unterscheidung eineiiger Zwillinge[4] eingesetzt, außerdem wird die Möglichkeit des Einsatzes der Mikrobiom-Analyse zur Zuordnung von Individuen, Orten und Gegenständen erforscht.[5]
Die forensische Linguistik untersucht geschriebene Sprache auf einen kriminologischen Aspekt hin (zum Beispiel bei der Feststellung des Urhebers eines Erpresserbriefes). Dabei wird der Text des unter Tatverdacht stehenden Autors (z. B. des Erpressers) unter linguistischen Gesichtspunkten mit anderen Texten desselben Autors (z. B. Geschäftskorrespondenz) abgeglichen. Durch diesen Abgleich werden Rückschlüsse auf die Identität des tatverdächtigen Autors gezogen. Je mehr Textmenge zum Abgleich zur Verfügung steht, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Identitätsfeststellung gelingt. Hilfreich ist auch die „Kompatibilität“ der abzugleichenden Textsorten.[6]
Die forensische Ballistik befasst sich mit der Aufklärung von Delikten, die mit Schusswaffen begangen werden. Dabei werden Geschosse verglichen (zum Beispiel mit einem Vergleichsmikroskop) und Geschosswirkungen beurteilt. Mittels der Comparative Bullet Lead Analysis wird versucht Geschosse einer bestimmten Produktionscharge zuzuordnen.
Technische Formspuren und Fingerabdrücke
Die forensische Altersdiagnostik versucht, mit wissenschaftlichen Methoden das vermutete Lebensalter von Menschen einzugrenzen. Einsatzgebiete sind die Altersbestimmung von unbekannten Leichen sowie Leichen- und Skelettteilen, um darüber die Identifikation von unbekannten Toten aus Straftaten aber auch aus Unfällen und Katastrophen zu erleichtern.[7][8] An Lebenden Personen werden Untersuchungen vorgenommen, um Diagnosen zum wahrscheinlichen Vorliegen bestimmter Altersgrenzen im Jugendstrafverfahren und in der Jugendfürsorge[9] aber auch über das Erreichen der Altersgrenze für den Renteneintritt[10] zu machen.
Das Gebiet der Wirtschaftsforensik umfasst die fachkundige Untersuchung betriebswirtschaftlicher und operativer Vorgänge rund um wirtschaftskriminelle Handlungen. Untersuchungen erfolgen einerseits auf Ebene der Buchhaltung (Forensic Accounting bzw. Forensische Rechnungsprüfung), andererseits durch fachliche Tiefenprüfungen, die jeweils Detailwissen von Sachverständigen über die jeweiligen Unternehmensbereiche und die dortigen Vorgänge und Abläufe erfordern.[11][12]
Im Rahmen der wirtschaftsforensischen Tätigkeit werden Befragungen durchgeführt und es erfolgt häufig eine umfassende Sichtung von sichergestellten physischen und zunehmend digitalen Unterlagen, welche entsprechende Rückschlussmöglichkeiten eröffnen. Im Bereich digitaler Daten kommen sogenannte eDiscovery-Lösungen zur Durchführung der Sichtungstätigkeit zum Einsatz.[13][12]
Material Analyse auf
Die Forensik im heutigen Sinne geht auf das 19. Jahrhundert zurück. In diesem Jahrhundert fanden wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend eine praktische Anwendung. Parallel setzte sich die Idee durch, dass ein Tatort eine Reihe wertvoller Informationen enthalten kann die zur Aufklärung des Falls beiträgt.[14] Einzelne forensische Praktiken sind jedoch wesentlich älter.
Im Altertum waren standardisierte forensische Praktiken weitgehend unbekannt. Untersuchungen von Kriminalfällen und Prozesse verließen sich häufig auf unter Folter erzwungene Geständnisse sowie Aussagen von Zeugen. Einzelne antike Quellen berichten jedoch von Techniken, die bereits forensische Methoden vorwegnahmen.[15] Nach Vitruv[16] sollte Archimedes den Gold-Gehalt einer vom Herrscher Hieron II. den Göttern geweihten Krone prüfen, ohne sie jedoch zu beschädigen. Der König verdächtigte den Goldschmied, ihn betrogen zu haben. Um die gestellte Aufgabe zu lösen, tauchte er einmal die Krone und dann einen Goldbarren (sowie einen Silberbarren), der genauso viel wog wie die Krone, in einen vollen Wasserbehälter und maß die Menge des überlaufenden Wassers. Die Krone verdrängte mehr Wasser als der Goldbarren. Dadurch war bewiesen, dass die Krone ein kleineres spezifisches Gewicht hatte und daher nicht ganz aus Gold gefertigt war.
Namen der Knochen des Menschen in Song Ci: ‘Gesammelte Aufzeichnungen zur Tilgung von Ungerechtigkeiten’ (Sòng Cí: Xǐ-yuān lù jí-zhèng, Druckausgabe von 1843)
Das weltweit erste Werk zur Gerichtsmedizin mit dem Titel Aufzeichnungen zur Tilgung von Ungerechtigkeit (chinesisch 洗冤录 / 洗冤錄, Pinyin Xǐ yuān lù, W.-G. Hsi Yüan Lu) stammt von dem chinesischen Arzt Song Ci aus dem Jahre 1247. Der Autor beabsichtigte mit diesem Werk für amtliche Leichenbeschauer, der von ihm wiederholt beobachteten Verurteilung von Unschuldigen vorzubeugen. Song Ci greift in diesem Werk historische Fallbeispiele auf, die er mit eigenen Erfahrungen verknüpft. Er fordert unter anderem, dass der ermittelnde Beamte verwundete oder getötete Personen nicht anderen überlassen, sondern selbst untersuchen solle – bei Leichen möglichst rasch, um Veränderungen durch Verwesung oder Manipulationen durch Dritte zuvorzukommen.
Nach Val McDermid beschreibt Song Ci in Aufzeichnungen zur Tilgung von Ungerechtigkeit auch den ersten dokumentierten Fall von forensischer Entomologie.[17] Das Opfer war erstochen am Straßenrand aufgefunden worden. Der Leichenbeschauer kam, nachdem zuvor an einem Kuhkadaver die Schnittspuren verschiedener Klingen überprüft wurden, zu dem Schluss, dass es sich bei der Tatwaffe um eine Sichel handeln müsse. Er ordnete an, dass sich alle siebzig erwachsenen Männer der Umgebung mit ihrer jeweiligen Sichel zu ihren Füßen in einer Reihe aufstellten. Keine der Sicheln wies Blutspuren auf, jedoch zog eine Sichel, die einem Geldverleiher gehörte, Fliegen an. Er gestand, als der Leichenbeschauer ihm die Tat vorwarf.
Vom 16. Jahrhundert bis zur Aufklärung
In Europa begannen ab dem 16. Jahrhundert Mediziner, Informationen über Todesursachen zu sammeln. Ambroise Paré, ein französischer Chirurg, untersuchte systematisch die Auswirkungen des gewaltsamen Todes auf Körperorgane, hielt fest, was auf einen Tod durch Blitz, Ertrinken, Erstickung, Gift oder Schlaganfall hinweise und zeigte auf, wie unterschieden werden könne, ob eine Wunde einem lebenden oder bereits verstorbenen Menschen beigebracht wurde.[18] Mit der Aufklärung begann im 18. Jahrhundert allmählich ein der Rationalität verpflichtetes Denken sich durchzusetzen. Untersuchungen von Kriminalfällen basierten immer mehr auf Beweisen – dagegen wurde der Gebrauch von Folter zur Erzwingung von Geständnissen immer weniger von den Gerichten zugelassen und Todesfälle weniger mit Hexerei und anderen okkultistischen Ursachen in Verbindung gebracht. Als einer der ersten Fälle, deren Aufklärung allein auf Beweismaterial beruht, gilt der Mordfall Edward Culshaw im Jahre 1794. Culshaw starb an einem Kopfschuss von einer Pistole. Zu diesem Zeitpunkt waren Pistolen Vorderlader, bei denen Kugel und Pulver durch zusammengeknäueltes Papier im Lauf gehalten wurde. Als der Chirurg die Leiche von Culshaw untersuchte, fand er in der Schusswunde dieses Papier – es erwies sich als die herausgerissene Ecke eines Flugblattes. Bei dem Verdächtigen John Toms wurde das entsprechende Flugblatt mit der fehlenden Ecke gefunden und Toms auf dieser Basis als Mörder verurteilt.[19]
Marshsche Probe zum Nachweis von Gift und erste ballistische Beweisführung
Aufbau für die sogenannten Marshsche Probe, mit der unter anderem Arsen nachgewiesen werden kann[20]
Über viele Jahrhunderte war Gift eine der bevorzugten Mordmethoden, da es an entsprechenden Nachweismöglichkeiten für Vergiftungen fehlte. 1836 entwickelte der britische Chemiker James Marsh einen zuverlässigen Test für Arsen­vergiftungen. Marsh hatte bereits 1832 in einem Mordprozess die Verwendung von Arsen nachweisen können – als er jedoch dem Gericht den Beweis vorführen wollte, hatte die Probe sich bereits so zersetzt, dass der Beschuldigte freigesprochen wurde. Für Marsh war dies der Anlass, auf Basis der Arbeiten des deutsch-schwedischen Apothekers Carl Wilhelm Scheele seinen Nachweis weiter zu verfeinern.[21]
Fast zeitgleich zur Arbeit von Marsh klärte Henry Goddard, der den Londoner Bow Street Runners angehörte, erstmals einen Fall über eine ballistische Beweisführung auf. Joseph Randall, Butler im Haus einer Mrs Maxwell in Southampton, behauptete, er hätte erfolgreich einen Einbruch verhindert und dabei hätte der Einbrecher unter anderem auf ihn geschossen. Anhand der Spuren der gefundenen Kugel konnte Ballard jedoch nachweisen, dass die fragliche Kugel aus Randalls Waffe stammte. Konfrontiert mit dieser Behauptung, gestand Randall, dass er den Einbruch in Hoffnung auf eine Belohnung durch seine Arbeitgeberin fingiert habe.[22]
Fingerabdruckverfahren
Das Fingerabdruckverfahren ist das älteste aller biometrischen Verfahren. Sir William James Herschel (1833–1917), britischer Kolonialbeamter in Bengalen (Indien), war damit konfrontiert, dass nach der blutigen Niederschlagung des Indischen Aufstands von 1857 viele Inder passiven Widerstand leisteten, indem sie Verträge nicht einhielten oder Steuern nicht zahlten. Herschel kam auf die Idee, zusätzlich zur Unterschrift auf einem Kontrakt von seinen Vertragspartner Hand- und Fingerabdrücke zu nehmen, um so die bindende Wirkung eines Vertrages zu unterstreichen. Herschel registrierte ab 1860 auf diese Weise auch Zahlungsempfänger, um Identitätsschwindel zu verhindern. Pensionsbetrug durch Mehrfachauszahlungen konnte er in der britischen Kolonialarmee so wirksam unterbinden.[23] Trotz seiner Erfolge in Bengalen gelang es ihm nicht, dieses System über Indien hinaus durchzusetzen. Herschel erfasste auf diese Weise auch neu eingelieferte Straftäter, um so zu verhindern, dass diese einen anderen bezahlten, um die Strafe abzusitzen. Herschels Verdienst ist es, als erster über eine Sammlung verfügt zu haben, mittels derer er zeigen konnte, dass sich Fingerabdrücke im Zeitablauf nicht verändern und zur Identifizierung von Menschen dienen können. Unabhängig von Herschel kam der in Japan lebende Schotte Henry Faulds nach eingehenden Untersuchungen der menschlichen Hautleisten zu ähnlichen Erkenntnissen. Faulds war aufgefallen, dass japanische Töpfer so ihre Arbeiten kennzeichneten. Er machte 1880 den Vorschlag, die Fingerabdrücke am Tatort zur Überprüfung von Verbrechern zu nutzen und dafür alle zehn Finger zur Aufnahme von Fingerabdrücken zu daktyloskopieren. Seine Bemühungen führten jedoch zu keinem Erfolg.[24] Dem Engländer Francis Galton (1822–1911) war es vorbehalten, das im Wesentlichen heute noch verwendete Klassifizierungssystem der Daktyloskopie zu entwickeln, welches der praktischen Verwendung als Identifizierungsmittel bei Polizeibehörden den Weg ebnete.
1891 gelang Ivan Vučetić in La Plata (Argentinien) die praktische Umsetzung der Prinzipien Galtons. Dank dieses, Daktyloskopie genannten, Systems war die argentinische Polizeibehörde die erste, die mit Hilfe von Fingerabdrücken einen Mord aufklärte. Im Juni 1892 wurde in einem Dorf in der Nähe von Buenos Aires die vierjährige Teresa Rojas und ihr sechsjähriger Bruder Ponciano tot aufgefunden. Ihre Mutter Francisca Rojas, die am Hals Schnittverletzungen aufwies, beschuldigte ihren Nachbarn Pedro Velázquez, in ihr Haus eingedrungen, die Kinder ermordet und sie verletzt zu haben. Velázquez dagegen behauptete auch unter Folter unschuldig zu sein. Der ermittelnde Polizeiinspektor fand am Tatort einen blutigen Fingerabdruck, der nicht wie erwartet von Velázquez, sondern von Francisca Rojas stammte. Konfrontiert mit dem Beweis gab die Mutter zu, ihre Kinder ermordet zu haben, die einer Heirat mit ihrem Lebensgefährten im Wege standen.[25] Argentinien war das erste Land, das systematisch Fingerabdrücke erfasste. Edward Henry, ein leitender Polizeibeamter in Britisch-Indien, entwickelte im ausgehenden 19. Jahrhundert zusammen mit zwei indischen Assistenten das sogenannte „Henry-System“ , um Fingerabdrücke zu klassifizieren. Diese Codierung, sozusagen das Handlinien-Alphabet, ermöglicht den Experten erst einen Vergleich von individuellen Fingerabdrücken und wurde ab 1897 in ganz Britisch-Indien genutzt. 1901 wurde Henry nach Großbritannien zurückberufen, um dort das Criminal Investigation Department am Scotland Yard zu leiten und führte dort sofort ebenfalls dieses Klassifizierungssystem ein.[26]
Jürgen Thorwald: Die Stunde der Detektive. Werden und Welten der Kriminalistik. Droemer, Zürich 1966, DNB 576679402.
John D. Wright: Dem Täter auf der Spur. Forensik – DNA-Analyse – Kriminaltechnik: moderne Wege zur Verbrechensaufklärung. Parragon, Bath 2008, ISBN 978-1-4075-2404-7.
Beat Kneubuehl (Hrsg.); Robin Coupland, Markus Rothschild, Michael Thali: Wundballistik. Grundlagen und Anwendungen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-79008-2.
Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. Profile Books, London 2014, ISBN 978-1-84765-990-3.
1) C. Courts, B. Madea: Ribonukleinsäure. In: Rechtsmedizin. Band 22, Nr. 2, 1. April 2012, ISSN 0937-9819, S. 135–144, doi:10.1007/s00194-011-0796-3 (springer.com [abgerufen am 26. Oktober 2017]).
2) Farzeen Kader, Meenu Ghai: DNA methylation and application in forensic sciences. In: Forensic Science International. Band 249, April 2015, S. 255–265, doi:10.1016/j.forsciint.2015.01.037 (elsevier.com [abgerufen am 26. Oktober 2017]).
3) Athina Vidaki, David Ballard, Anastasia Aliferi, Thomas H. Miller, Leon P. Barron: DNA methylation-based forensic age prediction using artificial neural networks and next generation sequencing. In: Forensic Science International: Genetics. Band 28, Mai 2017, S. 225–236, doi:10.1016/j.fsigen.2017.02.009.
4) Athina Vidaki, Celia Díez López, Elena Carnero-Montoro, Arwin Ralf, Kirsten Ward: Epigenetic discrimination of identical twins from blood under the forensic scenario. In: Forensic Science International: Genetics. Band 31, November 2017, S. 67–80, doi:10.1016/j.fsigen.2017.07.014.
5) Jarrad T. Hampton-Marcell, Jose V. Lopez, Jack A. Gilbert: The human microbiome: an emerging tool in forensics. In: Microbial Biotechnology. Band 10, Nr. 2, 1. März 2017, ISSN 1751-7915, S. 228–230, doi:10.1111/1751-7915.12699.
6) Für den gesamten Absatz: Interview mit der forensischen Linguistin Isabelle Thormann: Sprachwissenschaftler im Dienste von Justitia. In: NJW-aktuell. Heft 26/2015, S. 12.
7) Berthold Mueller: Gerichtliche Medizin. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-662-27217-6, S. 141 ff.
8) Andreas Olze: Forensisch-odontologische Altersdiagnostik bei Lebenden und Toten. Dissertation. 2005.
9) Forensische Altersdiagnostik bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In: Deutsches Ärzteblatt. Heft 18, 2004.
10) Arbeitsgemeinschaft für forensische Altersdiagnostik: Empfehlungen für die Altersdiagnostik bei Lebenden im Rentenverfahren.
11 Malte Buhse: Wirtschaftsforensiker: Auf der Jagd. In: Zeit online. 27. März 2013.
12) Georg H. Jeitler: Forensische Ermittlungen: Probleme und Chancen durch digitale Arbeitsumwelten. In: Compliance Praxis. (2), 2017, S. 32–35, LexisNexis Verlag ARD Orac, Wien 2017.
13) e-fellows.net: Interview über die Tätigkeit als Wirtschaftsforensiker
14) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, Einleitung.
15) Elizabeth D. Schafer: Forensic Science. Hrsg.: Ayn Embar-seddon, Allan D. Pass. Salem Press, 2008, ISBN 978-1-58765-423-7, Ancient science and forensics, S. 40.
16) I. X. De Architectura, Vorwort, Paragraph 9–12, Deutsche Übersetzung bei Ivo Schneider Archimedes, Kultur und Technik, 1979, (pdf)
17) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, S. 43.
18) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, S. 66.
19) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, Einleitung.
20) Hugh McMuigan: An Introduction to Chemical Pharmacology. P. Blakiston's Son & Co., Philadelphia 1921, S. 396–397 (google.com [abgerufen am 16. Dezember 2007]).
21) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, Einleitung.
22) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, S. 10.
23) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, S. 118.
24) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, S. 119.
25) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, S. 120.
26) Val McDermid: Forensics – The Anatomy of Crime. 2014, S. 120.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Forensik. Abgelesen am 22.01.2020)
Die Forensische Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Psychiatrie, das sich mit der Begutachtung, der Behandlung und mit der Unterbringung von psychisch kranken Straftätern befasst. Psychiater können die Bezeichnung „Schwerpunkt Forensische Psychiatrie“ führen, wenn sie die von der Ärztekammer in der Weiterbildungsordnung definierten Bedingungen erfüllen.
Im engeren Sinn befasst sich die forensische Psychiatrie mit Fragen, die von Gerichten und Behörden im Gebiet der Psychiatrie gestellt werden. Gutachten in der forensischen Psychiatrie haben eine größere Bedeutung als in anderen medizinischen Fachgebieten, weil ihnen freiheitsentziehende Maßnahmen folgen können. Die gutachterliche Beurteilung befasst sich bevorzugt mit den Voraussetzungen der Schuldfähigkeit von Straftätern, die in Deutschland in den Paragraphen § 20 und § 21 StGB geregelt sind.
Für die Ermittlung der Frage, ob ein Täter bei Begehung der Tat dazu in der Lage war, das Unrecht seines Handelns zu erkennen und nach dieser Einsicht zu handeln, kann die Einholung eines Sachverständigengutachtens notwendig werden. Dies ist in der Regel bei dem Verdacht auf psychische oder neurologische Erkrankungen des Täters angezeigt, die seine Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit beeinträchtigen können. Auf Grundlage des Gutachtens entscheidet das Gericht, ob der Täter zum Tatzeitpunkt (vermindert) schuldfähig gewesen ist. Der begutachtende Arzt wird selbst keine Aussage über die Schuldfähigkeit treffen, da die Schuldfähigkeit eine Rechtsfrage ist, die vom Gericht im Rahmen der Hauptverhandlung zu beantworten ist. Er äußert sich lediglich zu der Frage, ob die Voraussetzungen zur Annahme einer Schuldfähigkeit vorliegen.
Kommt das Gericht zum Schluss, ein Täter sei nicht schuldfähig gewesen oder kann dies zumindest nicht ausgeschlossen werden, entscheidet es sich (Letztentscheidungsbefugnis) nach einer Prüfung des Gutachtens auf Plausibilität und abhängig von der Schwere der Schuld und der Wiederholungsgefahr gegebenenfalls für eine Unterbringung und Behandlung des Straftäters in einem psychiatrischen Krankenhaus. Diese Art der Unterbringung nennt man Maßregelvollzug in Abgrenzung zum Strafvollzug. 2010 waren in Deutschland über 10.000 Personen in Krankenhäusern des Maßregelvollzuges untergebracht.[1]
Das deutsche Strafgesetzbuch sieht zwei Arten der forensisch-psychiatrischen Unterbringung vor: § 63 und § 64 StGB.
Begutachtungskunde
In den von ihnen erstellten Gutachten beantworten forensische Psychiater Fragen zur Schuldfähigkeit von Beschuldigten, Angeklagten und verurteilten Straftätern, wie sie in § 19, § 20 und § 21 StGB geregelt sind. Auftraggeber können Richter, Amts- und Staatsanwälte oder Rechtsanwälte sein. Verständlichkeit und Transparenz der Ausführungen im Gutachten eines forensischen Psychiaters sind von besonderer Bedeutung, zumal sie Grundlage der Entscheidung über freiheitsentziehende Maßnahmen sein können.
In bedeutenden Strafprozessen wird die Gutachtertätigkeit des Psychiaters von Medien und Öffentlichkeit häufig mit großem Interesse verfolgt.
Aufgaben der Forensischen Psychiatrie sind die Besserung und die Sicherung von psychisch- und suchtkranken Tätern. Das Ziel einer Behandlung im Rahmen der forensischen Psychiatrie liegt in einer Minimierung des Risikos zukünftiger Straftaten. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass viele Patienten im Maßregelvollzug nicht nur bedingt durch ihre psychische Erkrankung, sondern z. B. auch durch Entwicklungs- und Bildungsdefizite in ihrer Fähigkeit, ein deliktfreies Leben zu führen, eingeschränkt sind. Das Behandlungsangebot in einer forensischen Institution sollte daher ein breites Spektrum abdecken und etwa auch sozial-edukative Maßnahmen umfassen. Eine Therapie im forensischen Rahmen findet stets auch unter dem Aspekt der Risikoerfassung statt. Dies bedeutet, dass vom Patienten ausgehende Gefährdungsaspekte im Auge behalten werden müssen. Insofern bleiben Behandlung und Prognose in der forensischen Psychiatrie sehr oft miteinander verbunden, da bei Lockerungen oder Entlassungen stets auch prognostische Fragestellungen berücksichtigt werden müssen.
Stellungnahmen nach § 67e StGB, welche von der Strafvollstreckungskammer eingefordert werden, sollen dann auch in erster Linie den vorhandenen Therapiefortschritt darstellen und beinhalten nicht die ausdrückliche Frage, ob bei einer Bewährungsentlassung mit erneuter Straffälligkeit zu rechnen ist.
In Deutschland bestehen folgende Lehrstühle bzw. Professuren für forensische Psychiatrie:
Abteilung für Forensische Psychiatrie der Universitäts-Nervenklinik Würzburg
Forensische Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
Abteilung für Forensische Psychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)
Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie an der LWL-Universitätsklinik Bochum der Ruhr-Universität Bochum
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie (BKH Günzburg) der Universität Ulm
Klinik für Forensische Psychiatrie an der Universitätsmedizin Rostock
Forensische Psychiater werden von den Vollstreckungskammern der Strafgerichte auch mit Prognosegutachten für Mörder und Täter anderer schwerer Straftaten beauftragt, wenn es um deren vorzeitige Entlassung aus dem Strafvollzug geht. Da diese zu lebenslänglicher Haftstrafe und zu langen Zeitstrafen Verurteilten bei Begehung der Tat psychisch gesund waren, stellt sich die Frage, warum ein Psychiater geeignet sein soll, bei einem nicht psychisch Kranken eine Voraussage zu treffen, ob dieser nach der Entlassung weitere erhebliche Straftaten begehen wird.
Der frühere Präsident des Oberlandesgerichts Wien, Harald Krammer, sagte zur Presse: „Die Allmacht des Sachverständigen ist ein notwendiges Übel.“ Und: „Der Sachverständige stellt Augen und Ohren des Richters dar. Dort, wo das Wissen des Richters versagt, schaut er durch die Augen des Sachverständigen. Doch wie uns unsere Augen manchmal täuschen, täuschen uns die geliehenen Augen. Das ist fatal.“[2] Bernd Wager (1989)[3] spricht von einer janusgesichtigen Anstaltspsychiatrie. Damit werde einerseits die Frage aufgeworfen, ob die Methoden Erfolg versprechen oder Scharlatanerie sind, und andererseits, ob sie eine gerechte oder eine ungerechte Behandlung darstellen. Helmut Pollähne (1992)[4] beklagt, dass sich die therapeutischen Behandlungsmodelle der forensischen Psychiatrie in einem fortdauernden Experimentierstadium befänden. Es gäbe keine objektivierbaren Behandlungsmethoden. Die im Bereich der sonstigen Medizin verbreitete Behandlung „lege artis“ suche man besonders in der forensischen Psychiatrie vergebens.
In Bezug auf den Fall Mollath schrieb der Jurist, Journalist und Autor Heribert Prantl im November 2012 in der Süddeutschen Zeitung, der Paragraf 63 des Strafgesetzbuches sei ein dunkler Ort des deutschen Strafrechts. Eine Unterbringung in der Psychiatrie wegen vermeintlicher Gemeingefährlichkeit sei für einen Angeklagten schlimmer als jede Haftstrafe. Der auf diese Art Untergebrachte wisse nicht, ob und wann er die geschlossene Institution wieder verlassen könne. Die von Psychiatern erstellten gerichtlichen Gutachten, die die Gefährlichkeit der untergebrachten Personen überprüfen sollen, seien qualitativ oft „miserabel“. Auch seien psychiatrische Gutachter aus Haftungsgründen immer weniger bereit, ein Risiko einzugehen, und im Zweifel werde daher eine hohe Gefährlichkeit prognostiziert. Die Anzahl der Personen, die gerichtlich in die Psychiatrie eingewiesen worden sind, habe sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt, dies liege auch an der gestiegenen Sicherheitserwartung der Gesellschaft. Die Justiz gebe immer häufiger einem öffentlichen Druck nach, der von ihr „die rasche Entsorgung von Gefahrenquellen erwartet“.[5] Nach der Freilassung Mollaths im August 2013 schrieb Prantl, der § 63 StGB bleibe ein Paragraf, „der in Theorie und Praxis rechtsstaatlichen Ansprüchen nicht genügt“.[6]
Andrea Trost, Stefan Rogge: Umgang mit Menschen im Maßregelvollzug. Psychiatrie Verlag, Köln 2016, ISBN 978-3-88414-633-0.
Hans Ludwig Kröber u. a. (Hrsg.): Handbuch der Forensischen Psychiatrie. 5 Bände. Steinkopff, Darmstadt 2006–2011.
Albrecht Langelüddeke: Gerichtliche Psychiatrie. Berlin 1950.
Maren Lorenz: Kriminelle Körper – Gestörte Gemüter. Die Normierung des Individuums in Gerichtsmedizin und Psychiatrie der Aufklärung. Hamburg 1999, ISBN 3-930908-44-1.
Norbert Nedopil: Forensische Psychiatrie. Klinik, Begutachtung und Behandlung zwischen Psychiatrie und Recht. 4., überarb. und erw. Auflage. Stuttgart 2012, ISBN 978-3-13-103454-0.
Cornelia Schaumburg: Maßregelvollzug (Basiswissen). 2. Auflage. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2005, ISBN 3-88414-334-4.
Friedhelm Schmidt-Quernheim, Thomas Hax-Schoppenhorst (Hrsg.): Praxisbuch Forensische Psychiatrie. Behandlung und Rehabilitation im Maßregelvollzug. 3. Auflage. Hogrefe, Bern 2018.
Georg Stolpmann: Psychiatrische Maßregelbehandlung. Hogrefe, Göttingen u. a. 2001, ISBN 3-8017-1448-9.
Günter Tondorf, Babette Tondorf: Psychologische und psychiatrische Sachverständige im Strafverfahren. 3. Auflage. C.F. Müller, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8114-3655-8.
Ulrich Venzlaff, Klaus Foerster: Psychiatrische Begutachtung: Ein praktisches Handbuch für Ärzte und Juristen. Hrsg. von Klaus Foerster und Harald Dressing. 5. Auflage. Urban & Fischer, München 2008, ISBN 978-3-437-22901-5.
Erich Wulff: Das Unglück der kleinen Giftmischerin und zehn weitere Geschichten aus der Forensik. 2. Auflage. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2006, ISBN 3-88414-390-5.
Die Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg (Hrsg.): Forensik-Fibel. Kleines ABC des Maßregelvollzugs. (PDF; 1,4 MB) 2. Auflage. 2003.
Schwerpunkt „Forensische Psychiatrie“ (Weiterbildungsordnung für Ärzte). In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie.
1) Strafvollzugsstatistik. (Memento vom 15. November 2012 im Internet Archive) (PDF)
2) Manfred Seeh: Die Republik der Gerichtsgutachter. – Experten-Allmacht. Wer berät die Richter? Und wie? In: Die Presse. 12. September 2008.
3) Bernd Wagner: Sind psychiatrische Therapiemethoden gerecht? In: Recht & Psychiatrie. 1989. 4) Zweifelhafter Rechtsschutz gegen zweifelhafte Therapiemaßnahmen. In: Recht & Psychiatrie. 1990.
4) Helmut Pollähne: Positive Rechte gegen negative Verstärker. In: Recht & Psychiatrie. 1992.
5) Heribert Prantl: Fall Mollath – Die Psychiatrie, der dunkle Ort des Rechts. In: Süddeutsche Zeitung. 27. November 2012.
6) Heribert Prantl: Gustl Mollath darf Psychiatrie verlassen – Die im Dunkeln sieht man nicht. In: Süddeutsche Zeitung. 6. August 2013.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Forensische_Psychiatrie. Abgelesen am 22.01.2020)

References: § 20
 § 21
 § 63
 § 64
 § 19
 § 20
 § 21
 § 67
 § 63