Source: http://www.manz.at/Zeitschriften/0029-9251/2015/23.html
Timestamp: 2018-09-19 08:41:05+00:00

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VfGH prüft (weitere) Ausnahmeregelungen zum Parteiantrag auf Normenkontrolle
ÖJZ 2015/137
Schadenersatz versus höhere Gewalt
Die Haftung nach § 26 WRG spielt in der Praxis wegen der Hochwasserereignisse des letzten Jahrzehnts eine wichtige Rolle. Umso erstaunlicher ist es, dass bisher die Unanwendbarkeit dieser Bestimmung auf den bevorzugten Wasserbau nicht erkannt wurde. Für andere Anlagen wird eine Bestimmung des Begriffs höhere Gewalt vorgenommen.
§ 26 Abs 1 und 2 WRG
Hochwasser; Haftung; höhere Gewalt; bevorzugter Wasserbau
ÖJZ 2015/138
Menschenrechtskonvention und Erbrecht
Die Grundrechte sollten ursprünglich primär dem Schutz von Personen vor staatlicher Übermacht, vor allem auf dem Gebiet der Verwaltung, dienen. Sie binden den Staat aber auch im Rahmen der anderen Staatsgewalten. Der Staat ist daher auch auf dem Gebiet des Erbrechts an konventionsrechtliche Schranken gebunden. Dieser Beitrag beleuchtet jene Vorgaben, die sich aus dem Eigentumsrecht des Art 1 des 1. ZPEMRK, dem Recht auf Privat- und Familienleben des Art 8 EMRK und dem Diskriminierungsverbot des Art 14 EMRK ergeben.
Art 1 des 1. ZPEMRK; Art 8, 14 EMRK
ÖJZ 2015/139
Rechtsprechung des EGMR 2014 (2)
Der zweite Teil des Überblicks über Rsp des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Jahr 2014 behandelt die Entscheidungen zu Art 8 und 9 EMRK.
Art 8, 9 EMRK
ÖJZ 2015/140
Erlaubte Einflussnahme und Verbotene Intervention
Durch das KorrStrÄG 2012 wurde die strafbare Handlung der Verbotenen Intervention grundlegend verändert. Das zentrale neue Tatbestandselement ist hierbei der „ungebührliche Einfluss“ hinsichtlich der Entscheidungsfindung eines Amtsträgers. Wo ist aber die Grenze zwischen erlaubter Einflussnahme und strafrechtlich verpönter Intervention?
Verbotene Intervention; Einflussnahme; ungebührlich; Entscheidungsfindung
ÖJZ 2015/141
Absolute Verjährungsfrist schafft Endtermin
OGH 18. 6. 2015, 1 Ob 41/15h (OLG Wien 14 R 136/14v; LG für ZRS Wien 30 Cg 18/14h)
§ 6 AHG (§ 1293 ABGB)
Mit einer Anmerkung von Lukas J. Peissl, Diwok Hermann Petsche Rechtsanwälte LLP & Co KG
EvBl 2015/152
Arbeitnehmerkündigung gem § 3 Abs 5 AVRAG: kein weitergehender Entgeltanspruch
OGH 28. 4. 2015, 8 ObA 28/15y (OLG Wien 7 Ra 59/14v; LG St. Pölten 27 Cga 124/13w)
§ 3 Abs 5 AVRAG
EvBl 2015/153
Feststellungsklage des aus wichtigem Grund gekündigten Handelsvertreters
OGH 29. 4. 2015, 9 ObA 36/15g (OLG Innsbruck 15 Ra 107/14v; LG Innsbruck 44 Cga 89/13v)
§ 23 Abs 1 HVertrG 1993
EvBl 2015/154
Akteneinsicht in beigeschaffte Sachwalterschaftsakten
OGH 8. 6. 2015, 2 Ob 194/14i (LG ZRS Wien 44 R 427/14s; BG Meidling 2 PS 1/13a)
§ 219 ZPO; §§ 45, 141 AußStrG
Mit einer Anmerkung von Antonia Cermak, Universität Wien
EvBl 2015/155
Beglaubigung des Auszugs aus einem ausländischen Handelsregister
OGH 19. 6. 2015, 5 Ob 96/15a (LG Krems 1 R 171/14y; BG Gmünd TZ 2101/2014)
§ 31 GBG (§ 77 Abs 5, § 89a NO)
EvBl 2015/156
Kfz-Elementarkaskoversicherung: „Wasserschlag“ nicht gedeckt
OGH 10. 6. 2015, 7 Ob 86/15w (OLG Graz 2 R 24/15i; LG ZRS Graz 11 Cg 76/13i)
Art 1.1.1.a AKKB 2007 (§§ 864a, 914f ABGB)
EvBl 2015/157
Begrenzter Weiterbestand der sukzessiven Kompetenz in der Bauordnung für Wien
OGH 13. 5. 2015, 2 Ob 216/14z (LGZ Wien 48 R 376/13v; BG Hernals 24 Nc 1/12k)
§ 136 Abs 1 WrBauO (§ 59 Abs 8 WrBauO alt; § 5 ABGB)
EvBl 2015/158
Haftfrist und Höchstdauer der UHaft nach UnzuständigkeitsU
OGH 30. 7. 2015, 14 Os 74/15m (OLG Graz 9 Bs 228/15w; LG Klagenfurt 8 HR 206/14d)
§ 175 StPO (§§ 175, 178, 261, 293 Abs 1 StPO)
EvBl 2015/159
Verantwortungsübernahme als Diversionsvoraussetzung
OGH 27. 8. 2015, 12 Os 82/15y (OLG Graz 8 Bs 413/14t; LGSt Graz 7 Hv 73/15i)
§ 198 StPO (§ 281 Abs 1 Z 10a StPO)
EvBl 2015/160
OGH 22. 7. 2015, 15 Os 75/15s (LG Salzburg 47 Hv 113/14i)
§ 32 Abs 2 erster Satz StGB (§ 281 Abs 1 Z 11 zweiter Fall StPO)
EvBl 2015/161
Europäische arbeitsvertragliche Zuständigkeit
OGH 25. 6. 2015, 8 ObA 41/15k
Art 20 Abs 1 EuGVVO (§ 8f VKG)
EvBl-LS 2015/173
Unterhaltsvorschuss: „Zustellkurator“ nicht nur für Bewilligungsverfahren bestellt
OGH 30. 6. 2015, 10 Ob 9/15v
§ 5 Abs 2 Z 1 lit b AußStrG (§ 116 ZPO)
EvBl-LS 2015/174
Hitzebedingte Mietzinsminderung
§ 1096 Abs 1, § 861 ABGB
EvBl-LS 2015/175
Fremdwährungskredit und Tilgungsträger bilden ein Gesamtkonzept
OGH 17. 9. 2015, 3 Ob 66/15z
EvBl-LS 2015/176
Anlageberatung: „Naturalrestitution“ ist ein besonderer Vertrauensschaden mit Bereicherungsausgleich
OGH 8. 7. 2015, 1 Ob 103/15a
§ 1295 ABGB (§ 1323 ABGB; § 7 EO)
EvBl-LS 2015/177
Fluggasteigenschaft des „fremden“ Arbeitnehmers
OGH 2. 7. 2015, 2 Ob 58/15s
Art 3 lit g VO (EG) 785/2004; Art 17 Montrealer Übereinkommen (§ 146 Abs 1 LFG)
EvBl-LS 2015/178
Verbesserungszusage löst neue Gewährleistungsfrist aus
OGH 22. 9. 2015, 4 Ob 123/15i
EvBl-LS 2015/179
Deckungsverkauf setzt eine berechtigte oder einvernehmliche Vertragsaufhebung voraus
OGH 11. 8. 2015, 4 Ob 131/15s
Art 75 CISG (UN-Kaufrecht) (Art 29, 64 CISG)
EvBl-LS 2015/180
Einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld – Berechnung der Sechsmonatsfrist
OGH 19. 5. 2015, 10 ObS 49/15a
§ 24 Abs 1 Z 2 KBGG (§ 902 ABGB)
EvBl-LS 2015/181
Senat 12 hält Subsumtionsfreispruch für geboten
OGH 22. 9. 2015, 12 Os 63/15d
§ 259 Z 3 StPO (§§ 28, 143 StGB; § 50 Abs 1 Z 3 WaffG)
EvBl-LS 2015/182
Entscheidung über Ausgeschlossenheit aller RidOLG samt Übertragung durch PräsdOGH
PräsdOGH 17. 7. 2015, 1 Präs 2690–3149/15x
§ 45 StPO (§ 25 Abs 4, §§ 28, 36 Abs 1, §§ 38f, 215 Abs 4 StPO; § 2 StAG; § 7 Abs 1 OGHG)
EvBl-LS 2015/183
Vollzugsentscheidungen nicht Gegenstand von Grundrechtsbeschwerde und Erneuerungsantrag
OGH 10. 6. 2015, 15 Os 47/15y
Art 4 des 7. ZPEMRK (§ 32 Abs 2 erster Satz StGB)
EvBl-LS 2015/184
Gesellschaftsrechtliche Pflichtverletzung des Geschäftsführers ist vertraglich anzuknüpfen
Gesellschaftsrecht; Geschäftsführer; Schadenersatz; Arbeitsvertrag; freiwillige Verpflichtung
EuGH 10. 9. 2015, C-47/14, Holterman Ferho
Art 18 EuGVVO 2001 (Art 5 Nr 1, Art 5 Nr 3 EuGVVO 2001)
ÖJZ 2015/142
Ausschluss arbeitssuchender Unionsbürger aus anderen Mitgliedstaaten von bestimmten Sozialleistungen unionsrechtskonform
Unionsbürgerschaft; Gleichbehandlung; Ausschluss arbeitssuchender Unionsbürger von besonderen beitragsunabhängigen Geldleistungen iSd VO (EG) 883/2004; RL 2004/38; Aufrechterhaltung der Erwerbstätigeneigenschaft; Entfall der Einzelfallprüfung
EuGH 15. 9. 2015, C-67/14, Jobcenter Berlin Neukölln/Nazifa Alimanovic, Sonita Alimanovic,Valentina Alimanovic,Valentino Alimanovic
Art 7 Abs 3 lit c, Art 14 Abs 4 lit b und Art 24 UnionsbürgerRL 2004/38 (Art 4 und 70 VO [EG] 883/2004)
ÖJZ 2015/143
Übermittlung personenbezogener Daten an „Safe Harbor“-Unternehmen nicht ohne Weiteres zulässig
Datenübermittlung in ein Drittland; angemessenes Schutzniveau
EuGH 6. 10. 2015, C-362/14, Schrems
Art 25 RL 95/46/EG; Beschluss 2000/520/EG
ÖJZ 2015/144
Deutsche Präklusionsregelung und Relevanzprüfung im Rechtsmittelverfahren verstoßen gegen die UVP-RL
Umweltverträglichkeitsprüfung; Präklusion; Relevanz; Rechtsbehelf
EuGH 15. 10. 2015, C-137/14, Kommission/Deutschland
Art 11 RL 2011/92/EU; Art 25 RL 2010/75/EU
ÖJZ 2015/145
Auch marktfremdes Beratungsunternehmen, das Kartellzusammenkünfte organisiert, ist für Zuwiderhandlung gegen Art 101 AEUV verantwortlich
Kartelle; abgestimmte Verhaltensweise; Kartellteilnahme
EuGH 22. 10. 2015, C-194/14 P, AC-Treuhand
Art 101 Abs 1 AEUV (Art 81 EG)
ÖJZ 2015/146
Will der Beklagte die Einrede der Unzuständigkeit erheben, so muss er Einspruch erheben
Europäischer Zahlungsbefehl; verspäteter Einspruch; internationale Zuständigkeit
EuGH 22. 10. 2015, C-245/14, Thomas Cook
Art 20 EuMahnVO (VO 1896/2006/EG) (Art 12 und 16 EuMahnVO)
ÖJZ 2015/147
Entscheidungen des VfGH – Juni-Session 2015
Hypo-Alpe-Adria-Sanierungsgesetz verfassungswidrig
VfGH 3. 7. 2015, G 239/2014 ua
Hypo-Untersuchungsausschuss: Akten sind ungeschwärzt vorzulegen
VfGH 15. 6. 2015, UA 2/2015 ua
Anspruch auf Verfahrenshilfe in Verfahren vor den Verwaltungsgerichten
VfGH 25. 6. 2015, G 7/2015
E-Zigaretten: Vertriebsmonopol für Tabaktrafikanten verfassungswidrig
VfGH 3. 7. 2015, G 118/2015 ua
Fernmeldegebühren: unterschiedliche Behandlung von Mietverhältnissen nach dem MRG und nach dem WGG unsachlich
VfGH 3. 7. 2015, G 176/2014 ua
Gemeindefriedhöfe: Errichtung eines Friedhofs erfolgt im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung
VfGH 18. 6. 2015, A 15/2013
Bundesheer: keine verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit des Bundesministers im Rahmen der Hoheitsverwaltung
VfGH 25. 6. 2015, E 473/2015
Ruhestörung im Nationalrat: Bestrafung nach dem SPG unzulässig
VfGH 30. 6. 2015, E 1054/2014
Kein Platzverbot zum Schutz von Versammlungen
VfGH 18. 6. 2015, V 105/2014
ÖJZ 2015/149
Zur Rückwirkung von Verfahrensbestimmungen
Anmerkungen zu OGH 2 Ob 216/14z
Oskar J. Ballon, Mondsee
ÖJZ 2015/148
Weniger demonstrativ
ÖJZ 2015/150
Zur Rechtzeitigkeit des Verzeichnens der Kosten
ÖJZ 2015/152
ÖJZ 2015/151
Die subsidiäre Anwendbarkeit des allgemeinen Zivilrechts im GmbHG.
Von Mathias Walch. Verlag Österreich, Wien 2014. 320 Seiten, br, Euro 69,–.
Der Grundsatz, dass das allgemeine Privatrecht das Sonderprivatrecht überall dort ergänzt, wo dieses keine Sonderregelungen enthält, ist nur auf den ersten Blick selbstverständlich. Denn wann ist Sonderprivatrecht ergänzungsbedürftig und nicht bewusst abschließend geregelt? Und wenn schon Ergänzungsbedarf: warum allgemeines Zivilrecht statt vergleichbarer Sonderregeln oder materienspezifischer Prinzipien?
Diesen grundlegenden methodischen Fragestellungen widmet sich die Untersuchung von Mathias Walch für das Verhältnis von GmbH-Recht und allgemeinem Zivilrecht. Ausgehend von der Fragestellung, wann im GmbHG subsidiär das allgemeine Zivilrecht unmittelbar zur Anwendung gelangt, wann dies nur sinngemäß erfolgt und wann das allgemeine Zivilrecht zur Gänze verdrängt wird, stellt der Autor zunächst die Funktionen des Subsidiaritätsgrundsatzes dar: die Festlegung des Vorrangs des GmbHG vor dem allgemeinen Zivilrecht (das ist noch keine Verdrängung von letzterem!) und das Ausfüllen von Unvollständigkeiten im GmbHG (das ist noch kein Analogieproblem!). Als Maßstab für die wertungsmäßige Vereinbarkeit des allgemeinen Zivilrechts mit dem GmbH-Recht arbeitet er spezifisch GmbH-rechtliche Prinzipien (va Individual-, Minderheiten-, Gläubigerschutz) und die strukturellen Besonderheiten des GmbH-Rechts heraus, die er auch mit zahlreichen Beispielen (zB Auslegung von Gesellschaftsverträgen und Beschlüssen, Leistungsstörungen bei Erbringung der Sacheinlage) veranschaulicht. IdF widmet er sich – auch unter Berücksichtigung der GesBR-Reform 2014 (bei Verfassung der Arbeit noch Ministerialentwurf) – der subsidiären Anwendbarkeit des GesBR-Rechts und der Frage der Normen- und Anspruchskonkurrenz. Daraus entsteht für den Fall des Ergänzungsbedarfs des GmbHG ein Prüfungsschema: Die subsidiäre Anwendbarkeit des allgemeinen Teils des ABGB-Gesellschaftsrechts (§§ 1175ff) geht dem allgemeinen Zivilrecht vor. Ausnahmen davon gelten, wenn rechtsähnliche Normen des sonstigen Gesellschaftsrechts (va AktG, UGB) oder spezifisch GmbH-rechtliche Prinzipien wertungsmäßig bessere Lösungen bieten oder strukturelle Besonderheiten des GmbH-Rechts eine Modifikation oder gänzliche Unanwendbarkeit des allgemeinen Zivilrechts erfordern. Die Bedeutung dieses Prüfungsschemas wird schließlich anhand mehrerer Beispiele dargestellt, zB zur fünfjährigen Verjährung von Ansprüchen aus der Geschäftsführerhaftung nach § 25 Abs 6 GmbHG (inwieweit besteht zB bezüglich des im GmbHG nicht geregelten Verjährungsbeginns Anspruchskonkurrenz mit § 1489 ABGB?), zur Möglichkeit eines Bereicherungsanspruchs nach Verfristung des Rückersatzanspruchs aus einem Verstoß gegen das Verbot der Einlagenrückgewähr (§ 83 GmbHG) oder zur Vererbung eines Geschäftsanteils (zB Einantwortungsprinzip vs § 78 GmbHG, wonach nur der im Firmenbuch Aufscheinende gegenüber der Gesellschaft als Gesellschafter gilt).
Insgesamt hat Walch hier ausgezeichnete Grundlagenforschung geleistet. Es ist schon erfreulich, wenn im Rahmen einer Dissertation jeweils historische Entwicklungen, gründliche dogmatische Auseinandersetzungen, der rechtsvergleichende Blick nach Deutschland und eine profunde Aufarbeitung des Meinungsstands mit jeweils eigener Positionierung geliefert werden. Noch bemerkenswerter ist, wenn sich dem Leser dabei ein neuer systematischer Blickwinkel auftut. Walch hat das erreicht. Dass er mit seiner in der Reihe der Innsbrucker Schriften zum Unternehmensrecht erschienenen Arbeit zu den Preisträgern 2014 des Verbands österreichischer Banken und Bankiers gehörte, war da fast logische Folge.
WEG Wohnungseigentumsgesetz 2002 und Heizkostenabrechnungsgesetz.
4. Aufl. Von Christian Prader. Manz Große Gesetzesausgabe. Verlag Manz Wien 2015. XVI, 898 Seiten, geb, Euro 174,–.
Das Erscheinen des bestens eingeführten Werks in der 4. Aufl war zeitlich eine Punktlandung, trifft es doch genau mit dem Inkrafttreten der Wohnrechtsnovelle 2015 (BGBl I 2014/100) zusammen. Die dadurch erfolgten WEG-Änderungen sind bereits berücksichtigt und der Autor hat den geänderten § 5 WEG auch bereits mit einer ausführlichen Anmerkung (Anm 8) versehen. Dies folgt dem gewohnten und beliebten Konzept, der jeweiligen Gesetzesbestimmung die Literaturnachweise, dann die Anmerkungen des Autors anzuschließen und folgend die Rsp möglichst sinnvoll geordnet zu präsentieren.
Der Einsatzzweck der Gesetzausgabe besteht darin, möglichst rasch und zielsicher einschlägige Entscheidungen zu der vom Nutzer zu klärenden Rechtsfrage zu finden. Dazu dient die bei der betreffenden Gesetzesstelle den Judikaturnachweisen vorangestellte, detaillierte und zumeist eingängige Übersicht mit einer nach Gesetzesabsätzen und themenbezogenen Gliederung des verfügbaren Entscheidungsmaterials. Dabei gelingt sogar zu § 16 WEG, einer „Lieblingsbestimmung“ der wohnrechtlichen Rsp, trotz der beachtlichen Anzahl von immerhin 640(!) ausgewiesenen Entscheidungssätzen eine zumeist plausible Aufbereitung. Bisweilen überraschen allerdings Themenwahl und Entscheidungszuordnung: So ist etwa bei besagtem § 16 WEG der Übersichtstitel „Allgemeines/Widerruf“ in seiner Kombination nicht wirklich selbsterklärend und die zB diesem Titel unterstellte E 7 über Gefahren durch „Schwarzparker“ und bewaffnete Raubüberfälle kann durchaus überraschen. Unklar bleibt bei der Gliederung dieser Bestimmung etwa auch, warum „Prozessuales“ (IX.) und die ebenfalls verfahrensrechtlichen Themen „Begehren“ (X.) sowie „Vorbringen“ (XI.) nicht zusammengeführt werden. Schließlich könnte bisweilen eine sachlich überzeugendere und damit die Suche erleichternde Reihung der Entscheidungen erfolgen; dies wird etwa bei § 24 Abs 6 WEG deutlich, wo unter dem wenig aussagekräftigen Titel „Allgemeines“ mit E 65 generelle Aussagen zu den Anfechtungsfristen, dann mit E 71 Entscheidungen etwa zur Parteienberichtigung sowie mit E 77 zur Vollziehbarkeit von Beschlüssen folgen und anschließend mit E 78 wieder der Beginn des Fristenlaufs angesprochen wird.
Von solchen kleineren Ungereimtheiten abgesehen erfüllt aber auch die Neuausgabe ihren Zweck als wohnrechtlich unverzichtbares Handwerkzeug trefflich.
Recht und Verwaltung in Wien.
Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Von Michael Holoubek, Verena Madner und Karl Pauer. Verlag Manz, Wien 2014. XX, 988 Seiten, geb, Euro 178,–.
Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass erst 2014 das erste Mal versucht wurde, eine Gesamtdarstellung der für Wien geltenden Rechtslage sowie der Verwaltung vorzunehmen. Dabei wurde auf den Umstand Bezug genommen, dass Wien aufgrund seiner besonderen Stellung sowohl als Bundeshauptstadt als auch als eigenes Bundesland in beiden Bereichen über eigene Rechtsvorschriften verfügt und darüber hinaus auch als eigenständige Gemeinde agiert.
Im allgemeinen Teil wird zunächst der Verfassung, also den bundesverfassungsrechtlichen Grundlagen, der Stadtverfassung sowie dem Wahlrecht und der direkten Demokratie breiter Raum eingeräumt. In einem weiteren Kapitel werden europäische Angelegenheiten und internationale Problemkreise thematisiert. Fortgesetzt wird mit einem Kapitel betreffend die Verwaltungsmodernisierung. Im Anschluss daran erfährt der interessierte Leser alles Wissenswerte über das Verwaltungsgericht Wien sowie diverse sonstige Einrichtungen, namentlich die Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft, die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft, die Wiener Umweltanwaltschaft, die unabhängige Bedienstetenschutzbeauftragte bzw den unabhängigen Bedienstetenschutzbeauftragten, die Schlichtungsstelle für wohnrechtliche Angelegenheiten und den Tierschutzobmann. Übersichtlich dargestellt werden schließlich auch die in verschiedenen Fachbereichen eingerichteten „Beauftragten“, wie etwa Frauen- und Gesundheitsbeauftragte udgl.
Nicht fehlen durfte naturgemäß auch das Kapitel Haushalt und Gebarungskontrolle, das überblicksmäßig und dennoch umfänglich die diesbezüglichen Problemkreise darstellt.
Im Bereich des besonderen Verwaltungsrechts wird äußerst übersichtlich und gut gegliedert die Beziehung der Bundeshauptstadt/des Landes/der Gemeinde den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber zur Darstellung gebracht. Nicht zu vergessen sind auch die Raumordnung sowie die baurechtlichen Aspekte, denen breiter Raum gewidmet wird. Ausführlich wird der Problemkreis Infrastruktur, Verkehr und Daseinsvorsorge erläutert, ebenso wie Umweltagenden.
Neben dem Veranstaltungs- und Sportwesen wird auch die Wirtschaft, das Dienstrecht sowie das Abgabenrecht der Bundeshauptstadt zur Darstellung gebracht. Insgesamt kann den Autoren zu ihrer äußerst gelungenen ersten systematischen Darstellung des Rechts und der Verwaltung der Bundeshauptstadt Wien nur herzlich gratuliert werden.
Verbot von Selbstzweckstiftungen in Österreich und Liechtenstein unter besonderer Berücksichtigung der Unternehmensträgerstiftung.
Von Ines Wohlgenannt. Verlag Manz, Wien 2015. XXII, 190 Seiten, br, Euro 54,–.
Unter Selbstzweckstiftungen versteht man Stiftungen, die keinen anderen Zweck verfolgen als die Erhaltung der eigenen Existenz und des angesammelten Vermögens. Dass die Frage der (Un-)Zulässigkeit derartiger Stiftungen durchaus umstritten und nicht bloß akademisch ist, zeigen die E dazu (vgl insb OLG Wien 28 R 274/04a sowie 28 R 253/07t; OGH 6 Ob 93/06d). Auch prominente Vertreter der Lehre und der anwaltlichen Praxis haben sich dazu geäußert. Was aber nun vorliegt, ist eine saubere Aufbereitung nicht nur der bisherigen Literatur und Judikatur, sondern eine tiefgehende Analyse zahlreicher Fragen zur Selbstzweckstiftung, wobei die Autorin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Gesellschafts-, Stiftungs- und Trustrecht an der Universität Liechtenstein, in rechtsvergleichender Betrachtung sowohl die österr Privatstiftung also auch die liechtensteinische Stiftung genau unter die Lupe genommen hat. In vorbildlich gründlicher Manier wird zuvorderst der Frage nachgegangen, welche möglichen Ausprägungen von Selbstzweckstiftung denkbar sind, um sodann insb die Anforderungen an einen gültigen Stiftungszweck sowie an die Festlegung von Begünstigten in der Stiftungserklärung zu durchleuchten; auch die Rechtsfolgen einer unzulässigen Selbstzweckstiftung werden erörtert.
Gesamt gesehen verdient das vorliegende Werk, dem eine von den Professoren Schurr und Zollner betreute Dissertation zugrunde liegt, höchste Anerkennung. Zum einen wird mit einer klaren und klug gegliederten Aufbereitung der Thematik der Selbstzweckstiftung ein hervorragender Überblick geboten, wobei die Ergebnisse der Überlegungen der Autorin am Ende des Werks in insgesamt 19 Thesen überblicksartig (mit Verweisen auf die entsprechenden Kapitel) festgehalten werden; zum anderen bieten publizierte Dissertationen wie die vorliegende auch für mit der Materie bereits einschlägig vertraute Juristen immer wieder neue interessante Aspekte und Argumente.
14., überarbeitete Aufl. Von Stefan Seiler. Verlag Facultas, Wien 2015. 336 Seiten, br, Euro 32,–.
Seiler hat in schon gewohnter Geschwindigkeit in der 14. Aufl seines Lehrbuchs zum Strafprozessrecht das Strafprozessrechtsänderungsgesetz 2014 und neue Rsp seit Erscheinen der letzten Aufl eingearbeitet.
Der Verfasser geht auf die schwierige Abgrenzung zwischen angezeigter Person, Verdächtigem und Beschuldigtem (§ 48 Abs 1 Z 1 und 2 StPO) ein und bemüht sich, in der gebotenen Kürze die Unterschiede zwischen einer substanzlosen Anzeige, die nicht einmal für einen Anfangsverdacht ausreicht, einem „vagen Anfangsverdacht“ aufgrund „bestimmter Anhaltspunkte“ und einem „konkreten Tatverdacht“ auf Grund „bestimmter Tatsachen“ darzulegen (Rz 186ff, 620f). Seiler geht auch kurz auf die Neuerungen beim Sachverständigenbeweis ein (Rz 432): Eine Verlesungspflicht für Privatgutachten, die nach der neuen Rechtslage (§ 222 Abs 3 StPO) zum Akt genommen werden müssen, verneint der Verfasser unter Hinweis auf eine (alte) Entscheidung des OGH (Rz 428). In Rz 975ff beschreibt Seiler das neu eingeführte Mandatsverfahren, ohne es positiv oder kritisch zu bewerten. Auf den möglichen Konflikt mit der Diversion und das problematische Einspruchsrecht auch für Opfer hätte kurz hingewiesen werden können.
Das Lehrbuch ist gut aufgebaut und leserfreundlich in 14 Kapitel gegliedert. Der Verfasser drückt sich klar und verständlich aus, wie man das von einem Lehrbuch erwartet. Die Ausführungen sind eher knapp, aber das ist unvermeidlich, um den Umfang in vertretbaren Grenzen zu halten. Es enthält dennoch alle wesentlichen Informationen, die man von einem Studierenden bei der Prüfung aus dem Bereich des Strafverfahrensrechts verlangen kann. Mitunter würde man sich als Leser noch das eine oder andere Beispiel wünschen, um die theoretischen Ausführungen verständlicher zu machen.
Naturgemäß ist es in einem Lehrbuch auch nicht möglich, sich mit anderen Lehrmeinungen und Rsp eingehend auseinanderzusetzen. Gelegentlich finden sich aber auch krit Äußerungen: So wird beispielsweise treffend die Rsp des OGH (EvBl 2013/158) kritisiert, die auch nach der rechtskräftigen Verurteilung einer nicht geständigen Person das Zeugnisverweigerungsrecht wegen Selbstbelastungsgefahr gem § 157 Abs 1 Z 1 StPO ablehnt (Rz 373). Erfreulicherweise nimmt Seiler die im Vorwort wiedergegebene Ansicht des OGH, dass es nur eine „rechtsrichtige“ Meinung, nämlich die des OGH, geben könne, nicht ernst.
Praxishandbuch Untreue.
Von Hubert Hinterhofer (Hrsg). Linde Verlag, Wien 2015. 232 Seiten, geb, Euro 49,–.
Im Linde Verlag ist eine umfassende Abhandlung zu Fragen der Untreue (§ 153 StGB) erschienen. Herausgeber ist der Salzburger Professor für Strafrecht Hubert Hinterhofer. Nach Vorwort (V f), Autorenverzeichnis (VII f), Inhaltsverzeichnis (IX f) und Abkürzungsverzeichnis (XI ff) befasst sich der 1. Teil des Buchs mit allgemeinen Problembereichen der Untreue. Martha Harreiter behandelt „Probleme des „Befugnismissbrauchs“ bei Ermessensentscheidungen“ (5ff), Peter Komenda den „Untreuevorsatz“ (35ff) sowie Patrick Madl und Julia Sagmeister den Bereich „Untreue und Verbandsverantwortlichkeit“ (57ff). Der 2. Teil widmet sich der „Untreue im Bereich von Gesellschaften“ (75ff). Dagmara Stryjak greift die „Untreue von Aufsichtsratsmitgliedern“ auf (77ff), Vanessa Mc Allister das Problem „Sonderdividende an Alleinaktionär: Untreue gemäß § 153 StGB?“ anhand der aktuellen Entscheidung des OGH 12 Os 117/12s und 118/12p sowie Hubert Hinterhofer die „Voraussetzungen und Grenzen strafbefreiender Zustimmung der Gesellschafter bei der Untreue“ (123ff). Der 3. Teil des Buchs behandelt die „Untreue bei Kredit- und sonstigen Risikogeschäften“ (145ff). Leo Chini erörtert „Kreditentscheidungen und Untreue“ anhand der aktuellen Entscheidungen 11 Os 101/13g und 11 Os 139/13w (147ff) und Irena Gogl-Hassanian die „Untreue im Zusammenhang mit Risikogeschäften (173ff). Der 4. Teil des Buchs widmet sich dem Thema „Untreue aus der Sicht der Strafverteidigung“ (187ff), mit dem sich, durch den Zusatz „In memoriam: Der Grundsatz der wirtschaftlichen Betrachtungsweise“ erweitert, Otto Dietrich und Jakob Urbanek befassen (189ff). Ein Stichwortverzeichnis (211ff) rundet das Buch ab.
Das vorliegende Buch widmet sich eingehend den Fragen der Untreue, die vor allem vor dem Hintergrund des StRÄG 2015 (siehe die Neufassung des § 153 StGB) und der aktuellen (und zukünftigen) Rsp zu § 153 StGB weiterhin relevant bleiben. Freilich mag man zu manchen Argumentationen eine differenzierte Meinung haben, doch dafür bietet der Rahmen einer Rezension nicht den nötigen Platz. Als Fazit bleibt jedenfalls festzuhalten, dass einem Leser, der an einer gründlichen Information zu diesem Themenkreis interessiert ist, die Lektüre dieses Werks sehr empfohlen werden kann.
Von Titos Partisanen beschlagnahmt – aber von Österreich entschädigt. Die Entschädigung des von Jugoslawien konfiszierten österreichischen Vermögens.
Von Otto Fritscher. Zu beziehen über Dr. Jorg Sladic, Sl-1000 Ljubljana, Kersnikova ul. 7 (E-Mail: advokat.sladic@sedmica.net), Ljubljana 2014. 240 Seiten, geb, Euro 20,–.
Der Autor (SPdOLG Wien iR und Historiker) befasst sich nach seinem erschienenen hochinteressanten Buch „Mauerbach-Schatz“ (2012) nunmehr mit dem Schicksal des österr Vermögens im ehemaligen Jugoslawien, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs enteignet wurde.
Untersuchungsgegenstand ist die Besserstellung Jugoslawiens gegenüber allen anderen damaligen kommunistischen Volksrepubliken, die sich aus Art 27 Abs 2 Österreichischer Staatsvertrag 1955 (StV) und dem 11. Staatsvertragsdurchführungsgesetz/StVDG (BGBl 1962/195) ergibt.
Zunächst wird die unsichere Situation Österreichs 1945 in Bezug auf das österr Auslandseigentum behandelt.
Danach erörtert Fritscher eingehend Fragen des österr Eigentums in Jugoslawien und seiner Entschädigung. Der Überfall des Deutschen Reichs auf Jugoslawien 1941 und die deutsche Behandlung Jugoslawiens führte zum Wunsch nach Rache und Vergeltung. Durch Beschluss der AVNOJ 21. 11. 1944, einer Art Kriegsparlament der Partisanen, wurde „deutsches“ Vermögen in das Eigentum des Staats übertragen; unter „Deutschen“ wurden auch ehemals österr Staatsbürger verstanden. Im Jahr 1947 stellte Jugoslawien an Österreich Gebietsansprüche in Kärnten und der Untersteiermark sowie eine Reparationsforderung von 150 Millionen US-Dollar. Die Gebietsansprüche wurden von den Alliierten zurückgewiesen; hingegen wurde Jugoslawien das Recht eingeräumt, das österr Vermögen in Jugoslawien zu beschlagnahmen, zurückzubehalten oder zu liquidieren. Das war ein klarer Kompromiss: Verzicht auf Gebietsansprüche gegen Konfiskation österr Vermögens.
Anhand von 142 Entschädigungsfällen wird die österr Entschädigungspraxis nach Art 27 Abs 2 StV und dem 11. StVDG erläutert. Der Autor setzt sich kritisch mit dieser Praxis auseinander, besonders mit den Schwierigkeiten bei der Beischaffung der Beweise und der Ermittlung der Entschädigung anhand von Richtwerten für einzelne Vermögensarten. Österreich hat insgesamt 446 Mio Schilling für Entschädigungen aufgewendet.
Interessant sind auch die Ausführungen Fritschers über die Entschädigung für enteignetes österr Vermögen nach den Vermögensverträgen mit anderen ehemals kommunistischen Staaten.
Dem Autor ist dafür zu danken, dass er die Kriegs- und Nachkriegsereignisse, die das beschlagnahmte österr Vermögen im ehemaligen Jugoslawien betreffen, nüchtern analysiert und dadurch zu einer objektiveren Bewertung und Beurteilung beiträgt. Dieses Buch ist das einzige, das sich mit der Enteignung deutschen und österr Vermögens in Jugoslawien beschäftigt; es sollte daher in keiner Bibliothek der österr und jugoslawischen Geschichte fehlen.
Das Recht in Zitaten.
Von Ernst A. Kramer und Max Leitner. Verlag Manz, Wien 2012. 168 Seiten, geb, Euro 28,–.
Aus vergorenen Früchten gewinnt der Schnapsbrenner durch Destillation Spirituosen. Destilliert der inspirierte Wissenschaftler aus ausgegorenen Früchten der juristischen Literatur Zitate, entstehen als deren Essenz Bonmots, die den Geist der Gesetze enthalten. Geistreichere Schnapsbrenner als Ernst A. Kramer und Max Leitner kann man sich nicht denken.
„Das Recht in Zitaten“ ist eine Sammlung von juristischen Edelbränden, die auch und gerade dem erfahrenen Juristen vieles bewusst machen, was in verwässerter und unausgegorener Form in seinem Unterbewusstsein bereits gelagert war. Beim Leser der klug ausgewählten Sentenzen treten dadurch zwei scheinbar miteinander unvereinbare Effekte zugleich auf, nämlich der Wiedererkennungs- und der Aha-Effekt. Gerade das scheint mir das Charakteristische eines gelungenen Aperçus zu sein: Es bringt das, was man selbst schon irgendwie an-, aber noch nicht zu Ende gedacht hat, auf den Punkt. Die innere Stimme jauchzt: „Genauso hab’ ich mir das auch gedacht“, obwohl man es noch gar nicht gedacht hat.
Das Buch der Kollegen Kramer und Leitner enthält eine derart große Zahl an solchen juristischen Aphorismen, dass jede Auswahl zur Willkür wird. Mein persönliches Lieblingszitat stammt von Voltaire und bezieht seine Schönheit aus seiner Schlichtheit: „Frei sein heißt, von nichts anderem als dem Gesetz abhängig zu sein.“ Dieser Satz ist in jedem Ethikseminar der ideale Partycrasher.
Ein Ausspruch von A. Kramer, der auch von Oscar Wilde stammen könnte, bringt den endlosen Regress im Ringen um Erkenntnis humorvoll auf den Punkt: „Interpretation is the discovery of the meaning of something, but what is meaning?“
Ein Zitat, das mich aus persönlichen Gründen etwas betroffen gemacht hat, ist jenes von Pfaff/Hofmann aus dem Jahr 1877: „Ein neuer Commentar zu einem seit mehr als zwei Menschenaltern geltenden, oft und ausführlich commentierten Gesetzbuch könnte den Verdacht unnützer Büchermacherei erwecken.“
Der inflationäre Satz, dass ein Werk in keiner wohlsortierten Bibliothek fehlen darf, trifft auf wenige so sehr zu wie auf das soeben besprochene.

References: § 26

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 EGMR 

OGH 

§ 6
 § 3

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 § 153
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