Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/die-unterbliebene-eintragung-in-die-kulturdenkmalliste-364644
Timestamp: 2020-01-18 15:25:40+00:00

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Die unter­blie­be­ne Ein­tra­gung in die Kul­tur­denk­mal­lis­te | Rechtslupe
Die unter­blie­be­ne Ein­tra­gung in die Kul­tur­denk­mal­lis­te
Die unter­blie­be­ne Beach­tung der Ver­wal­tungs­vor­schrift des Lan­des Baden-Würt­tem­berg für die Erfas­sung von Kul­tur­denk­ma­len in einer Lis­te (VwV-Kul­tur­denk­mal­lis­ten) 1 mit der dar­in vor­ge­se­he­nen Unter­rich­tung der Eigen­tü­mer der betrof­fe­nen Objek­te begrün­det man­gels Ver­let­zung dritt­be­zo­ge­ner Amts­pflich­ten kei­ne Amts­haf­tungs­an­sprü­che spä­te­rer Erwer­ber gegen die Trä­ger der Denk­mal­schutz­be­hör­den.
Ob eine Amts­pflicht gegen­über einem geschä­dig­ten Drit­ten besteht, bestimmt sich danach, ob die Amts­pflicht – wenn auch nicht not­wen­dig allein, so doch gege­be­nen­falls neben der Erfül­lung all­ge­mei­ner Inter­es­sen und öffent­li­cher Zwe­cke auch – den Sinn hat, gera­de sein Inter­es­se wahr­zu­neh­men. Aus den die Amts­pflicht begrün­den­den und sie umrei­ßen­den Bestim­mun­gen sowie aus der beson­de­ren Natur des Amts­ge­schäfts muss sich erge­ben, dass der Geschä­dig­te zu dem Per­so­nen­kreis zählt, des­sen Belan­ge nach dem Zweck und der recht­li­chen Bestim­mung des Amts­ge­schäfts geschützt und geför­dert wer­den sol­len; dar­über hin­aus kommt es dar­auf an, ob in qua­li­fi­zier­ter und zugleich indi­vi­dua­li­sier­ba­rer Wei­se auf schutz­wür­di­ge Inter­es­sen eines erkenn­bar abge­grenz­ten Krei­ses Drit­ter Rück­sicht zu neh­men ist. Es muss mit­hin eine beson­de­re Bezie­hung zwi­schen der ver­letz­ten Amts­pflicht und dem geschä­dig­ten Drit­ten bestehen. Hier­für ist die unmit­tel­ba­re Betei­li­gung am Amts­ge­schäft frei­lich eben­so wenig not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung wie ein Rechts­an­spruch des Betrof­fe­nen auf die streit­ge­gen­ständ­li­che Amts­hand­lung. Ande­rer­seits genügt es nicht allein, dass sich die Ver­let­zung der Amts­pflicht für den Geschä­dig­ten nach­tei­lig aus­ge­wirkt hat. Da im Übri­gen eine Per­son, der gegen­über eine Amts­pflicht zu erfül­len ist, nicht in allen ihren Belan­gen immer als Drit­ter anzu­se­hen sein muss, ist jeweils zu prü­fen, ob gera­de das im Ein­zel­fall berühr­te Inter­es­se nach dem Zweck und der recht­li­chen Bestim­mung des Amts­ge­schäfts geschützt sein soll 2.
Gemäß § 2 des baden-würt­tem­ber­gi­schen Denk­mal­schutz­ge­set­zes (DSchG) ste­hen "ein­fa­che" Kul­tur­denk­ma­le kraft Geset­zes unter Denk­mal­schutz, ohne dass es hier­zu noch der Auf­nah­me in eine Denk­mal­lis­te oder einer ent­spre­chen­den Erklä­rung der Denk­mal­schutz­be­hör­de bedarf ("ipso iure"-Prinzip 3; bei Kul­tur­denk­ma­len von beson­de­rer Bedeu­tung besteht aller­dings die – hier nicht inter­es­sie­ren­de – Beson­der­heit, dass die­se her­aus­ra­gen­den Denk­ma­le den über den all­ge­mei­nen Schutz von Kul­tur­denk­ma­len (vgl. § 8 DSchG) hin­aus­ge­hen­den zusätz­li­chen Schutz nur dann genie­ßen, wenn sie in das Denk­mal­buch ein­ge­tra­gen sind (sie­he §§ 12, 15 DSchG). Da es sich beim Voll­zug des Denk­mal­schutz­ge­set­zes als not­wen­dig her­aus­ge­stellt hat­te, über die für Kul­tur­denk­ma­le von beson­de­rer Bedeu­tung (§ 12 DSchG) vor­ge­se­he­ne Ein­tra­gung in das Denk­mal­buch hin­aus alle Kul­tur­denk­ma­le im Sin­ne von § 2 DSchG auf­zu­lis­ten, wur­de in Baden­Würt­tem­berg durch Erlass von Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten die Erfas­sung von Kul­tur­denk­ma­len in einer Lis­te (Kul­tur­denk­mal­lis­ten) vor­ge­schrie­ben. Nach den Bestim­mun­gen der – vor­lie­gend noch maß­geb­li­chen – Ver­wal­tungs­vor­schrift des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums für die Erfas­sung von Kul­tur­denk­ma­len in einer Lis­te vom 02.07.1993 4 (im Fol­gen­den: VwV) wird die­ser Lis­te aus­drück­lich nur "dekla­ra­to­ri­sche Bedeu­tung" zuge­mes­sen (Nr. 0.2.1 VwV). Sie dient der Ver­deut­li­chung der Denk­ma­l­ei­gen­schaft zur Infor­ma­ti­on der Eigen­tü­mer, zur Schaf­fung von Pla­nungs­un­ter­la­gen jeg­li­cher Art und zur Ratio­na­li­sie­rung der Arbeit der Denk­mal­schutz­be­hör­den (Nr. 0.1.2 VwV). Die Kul­tur­denk­mal­lis­te wird für jede Gemein­de geson­dert ange­legt (Nr. 2.1.1 VwV). Im Gefol­ge der Vor­er­fas­sung der Kul­tur­denk­ma­le durch die Gemein­den ist die Erstel­lung eines Lis­ten­ent­wurfs durch das Lan­des­denk­mal­amt und die Anhö­rung des Eigen­tü­mers durch die unte­re Denk­mal­schutz­be­hör­de vor­ge­se­hen (s. Nr. 3.1, 3.2, 3.3 und 3.5 VwV). Über die Auf­nah­me eines Gegen­stands in die end­gül­ti­ge Lis­te ist der Eigen­tü­mer von der unte­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de schrift­lich zu benach­rich­ti­gen (s. Nr. 3.8 und 4.1 VwV).
Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he hat den Zweck der Ein­tra­gun­gen in die Denk­mal­lis­te und der damit ver­bun­de­nen Benach­rich­ti­gung der Eigen­tü­mer zu Recht vor­nehm­lich dar­in gese­hen, einen wirk­sa­men Denk­mal­schutz zu gewähr­leis­ten 5. Die zustän­di­gen Behör­den und die betrof­fe­nen Eigen­tü­mer sol­len auf die­se Wei­se ver­deut­licht bekom­men, dass es sich bei den erfass­ten Objek­ten um Kul­tur­denk­ma­le han­delt, die in Bezug auf ihre Erhal­tung und die an ihnen durch­zu­füh­ren­den bau­li­chen Maß­nah­men in beson­de­rer Wei­se Augen­merk und Schutz erfor­dern. Ob die Rege­lun­gen der Ver­wal­tungs­vor­schrift für die Erfas­sung von Kul­tur­denk­ma­len in einer Lis­te – denen im Hin­blick auf die Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung die glei­che dritt­schüt­zen­de Wir­kung wie der Erlass eines for­mel­len Geset­zes zukom­men kann 6 – sonach über­haupt eine dritt­schüt­zen­de Bedeu­tung haben und ins­be­son­de­re auch Belan­ge der Eigen­tü­mer wah­ren sol­len, bedarf hier kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung. Denn jeden­falls fal­len spä­te­re Kauf­in­ter­es­sen­ten, wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend dar­ge­legt hat, nicht in den Schutz­be­reich die­ser Bestim­mun­gen.
Die Ein­tra­gun­gen in der Kul­tur­denk­mal­lis­te haben, wie aus­ge­führt, nur eine dekla­ra­to­ri­sche und ver­deut­li­chen­de Funk­ti­on und begrün­den ins­be­son­de­re kei­nen öffent­li­chen Glau­ben dar­an, dass (nur) die dar­in erfass­ten Objek­te die Denk­ma­l­ei­gen­schaft besit­zen; maß­geb­lich hier­für ist allein das Vor­lie­gen der in § 2 Abs. 1 DSchG beschrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen ("ipso-iure"-Prinzip). Dies bringt es mit sich, dass stets mit der Mög­lich­keit gerech­net wer­den muss, dass Objek­te im Rechts­sin­ne Denk­ma­le und gleich­wohl in der Lis­te nicht auf­ge­führt sind oder dass in der Lis­te erwähn­ten Objek­ten die Denk­ma­l­ei­gen­schaft fehlt. Dem­entspre­chend ver­mö­gen die Lis­ten­ein­tra­gun­gen für sich allein genom­men grund­sätz­lich kei­nen Ver­trau­ens­schutz für Drit­te zu begrün­den. Die Lis­ten­ein­tra­gun­gen und die im Ver­lauf des Ein­tra­gungs­ver­fah­rens (Vor­er­fas­sungs­lis­te, Lis­ten­ent­wurf, Auf­nah­me in die Lis­te) 7 vor­zu­neh­men­den Anhö­run­gen und Benach­rich­ti­gun­gen der Objek­tei­gen­tü­mer die­nen mit­hin nicht dem Inter­es­se spä­te­rer Erwer­ber. Die­se müs­sen in eige­ner Ver­ant­wor­tung über­prü­fen, ob die in § 2 Abs. 1 DSchG genann­ten Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen und hier­nach das Risi­ko besteht, dass es künf­tig durch behörd­li­che Ver­fü­gun­gen zu Ein­schrän­kun­gen in der Nut­zung oder Ver­än­de­rung des Objekts kom­men könn­te 8.
Woll­te man spä­te­re Erwer­ber als ein­be­zo­ge­ne Drit­te anse­hen, so wür­de dies den Erfor­der­nis­sen der Indi­vi­dua­li­sier­bar­keit und Abgrenz­bar­keit des Krei­ses der geschütz­ten Per­so­nen wider­spre­chen und, wie das Beru­fungs­ge­richt mit Recht aus­ge­führt hat, zu einer ufer­lo­sen Aus­wei­tung der Amts­haf­tung füh­ren. Denn der Kreis von Per­so­nen, die künf­tig am Wert des betrof­fe­nen Grund­stücks und den die­sen beein­flus­sen­den Fak­to­ren inter­es­siert sein könn­ten, ist von vorn­her­ein nicht abseh­bar. Hier­zu zäh­len nicht nur künf­ti­ge Erwerbs­in­ter­es­sen­ten, son­dern, wor­auf die Revi­si­ons­er­wi­de­rung der Beklag­ten zu 1 zutref­fend hin­weist, etwa auch Kre­dit­ge­ber und (wei­te­re) Grund­pfand­gläu­bi­ger.
Sol­che Per­so­nen haben, wenn sie über das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen nach § 2 Abs. 1 DSchG im Ein­zel­fall im Zwei­fel sind und ihnen die Ant­wort der Eigen­tü­mer auf ent­spre­chen­de Nach­fra­gen unge­nü­gend erscheint, die Mög­lich­keit, die zustän­di­ge Denk­mal­schutz­be­hör­de vor­ab um Aus­kunft bit­ten, ob aus deren Sicht die Vor­aus­set­zun­gen eines Kul­tur­denk­mals vor­lie­gen. Wer­den hier­auf Aus­künf­te erteilt, so müs­sen die­se zur Ver­mei­dung von Amts­haf­tungs­fol­gen voll­stän­dig, rich­tig und unmiss­ver­ständ­lich sein, so dass der Emp­fän­ger der Aus­kunft ent­spre­chend dis­po­nie­ren kann 9.
Da bereits den Anhö­rungs- und Benach­rich­ti­gungs­pflich­ten, die der beklag­ten Stadt als der unte­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de unmit­tel­bar gegen­über den Eigen­tü­mern oblie­gen, kei­ne dritt­schüt­zen­de Wir­kung im Ver­hält­nis zu spä­te­ren Erwer­bern zukom­men, haben haf­tungs­be­grün­den­de Amts­pflicht­ver­let­zun­gen der im Rah­men des Lis­ten­ein­tra­gungs­ver­fah­rens wei­ter tätig wer­den­den Behör­den des beklag­ten Lan­des (Regie­rungs­prä­si­di­um als höhe­re Denk­mal­schutz­be­hör­de; Lan­des­denk­mal­amt) gegen­über die­sem Per­so­nen­kreis erst recht aus­zu­schei­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Juni 2013 – III ZR 196/​12
Fas­sung: 2. Juli 1993[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BGH, Urtei­le vom 11.07.1955 – III ZR 178/​53, BGHZ 18, 110, 113; vom 12.06.1986 – III ZR 146/​85, NJW 1987, 585, 586; vom 26.10.1989 – III ZR 147/​88, BGHZ 109, 163, 167 f; vom 06.05.1993 – III ZR 2/​92, BGHZ 122, 317, 320 f; vom 13.10.2011 – III ZR 126/​10, BGHZ 191, 173, 179 Rn. 14 mwN und vom 08.11.2012 – III ZR 151/​12, NJW 2013, 604, 605 Rn. 15 mwN[↩]
vgl. etwa VGH Baden-Würt­tem­berg, NVwZ 1983, 100; NVwZ 1986, 240, 241; VG Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 13.09.2007 – 6 K 1919/​06, mwN[↩]
MW BW, VVom 02.07.1993 – VI2555.10/1, GABl. S.966; mit die­ser VwV wur­de die gleich­lau­ten­de VwV des Innen­mi­nis­te­ri­ums vom 28.12.1983 – V 7452/​15, GABl.1984, 36 neu erlas­sen; sie­he auch die nach­fol­gen­de VwV-Kul­tur­denk­mal­lis­te vom 20.06.2001 – 62555.10/4, GABl. S. 802[↩]
OLG Karls­ru­he, Urteil vom 15.05.2012 – 12 U 188/​11[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 22.05.1984 – III ZR 18/​83, NJW 1984, 2216, 2218 mwN[↩]
vgl. im Ein­zel­nen Nr. 3 und 4.1 VwV[↩]
vgl. zum feh­len­den Schutz der Belan­ge spä­te­rer Erwer­ber des Kraft­fahr­zeugs bei Beschei­ni­gun­gen nach § 21 StVZO: BGH, Urteil vom 11.07.1955 aaO S. 114 ff, 116 f und Beschluss vom 30.09.2004 – III ZR 194/​04, NJW 2004, 3484 mwN[↩]
vgl. hier­zu all­ge­mein BGH, Urteil vom 08.11.2012 aaO S. 607 Rn. 25 mwN; zum Fall der Haf­tung für eine Aus­kunft über die Denk­ma­l­ei­gen­schaft eines Kauf­ob­jekts s. Thü­rin­ger OLG, Urteil vom 01.07.2009 – 4 U 588/​08[↩]
AmtshaftungDenkmalschutzKulturdenkmal

References: § 2
 § 8
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 21