Source: http://www.der-kvprofi.de/veroeffentlichungen/notlagentarif-oder-die-hinrichtung-der-pkv.html
Timestamp: 2016-10-01 22:14:46+00:00

Document:
Notlagentarif oder die Hinrichtung der PKV « DerKVProfi
Sie sind hier: Startseite » » Veröffentlichungen » Notlagentarif oder die Hinrichtung der PKV	Artikel als PDF
derKVProfi kommentiert: Notlagentarif oder die Hinrichtung der PKV
Ich hatte im Vorfeld oft genug gewarnt und daruf hingewiesen, dass der Notlagentarif das Ende der PKV einläuten wird.
Der PKV Verband ist aber völlig begeistert von seiner Idee: Pressemitteilung
Die gesetzlichen Regelungen zum Notlagentarif finden Sie in folgenden Gesetzen:
(4a) In der substitutiven Krankheitskostenversicherung ist spätestens mit Beginn des Kalenderjahres, das auf die Vollendung des 21. Lebensjahres des Versicherten folgt und endend in dem Kalenderjahr, in dem die versicherte Person das 60. Lebensjahr vollendet, für die Versicherten ein Zuschlag von zehn vom Hundert der jährlichen gezillmerten Bruttoprämie zu erheben, der Alterungsrückstellung nach § 341f Abs. 3 des Handelgesetzbuchs jährlich direkt zuzuführen und zur Prämienermäßigung im Alter nach § 12a Abs. 2a zu verwenden. Für Versicherungen mit befristeten Vertragslaufzeiten nach § 195 Abs. 2 und 3 des Versicherungsvertragsgesetzes sowie bei Tarifen, die regelmäßig spätestens mit Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze enden, sowie für den Notlagentarif nach § 12h gilt Satz 1 nicht.
Übersetzt bedeutet das, dass im Notlagentarif kein 10% Zuschlag zu zahlen ist! § 12h Notlagentarif
(2) Für alle im Notlagentarif Versicherten ist eine einheitliche Prämie zu kalkulieren, im Übrigen gilt § 12 Absatz 1 Nummer 1 und 2. Für Versicherte, deren Vertrag nur die Erstattung eines Prozentsatzes der entstandenen Aufwendungen vorsieht, gewährt der Notlagentarif Leistungen in Höhe von 20, 30 oder 50 Prozent der versicherten Behandlungskosten. § 12 Absatz 1c Satz 1 bis 3 gilt entsprechend. Die kalkulierten Prämien aus dem Notlagentarif dürfen nicht höher sein, als es zur Deckung der Aufwendungen für Versicherungsfälle aus dem Tarif erforderlich ist. Mehraufwendungen, die zur Gewährleistung der in Satz 3 genannten Begrenzungen entstehen, sind gleichmäßig auf alle Versicherungsnehmer des Versicherers mit einer Versicherung, die eine Pflicht aus § 193 Absatz 3 Satz 1 des Versicherungsvertragsgesetzes erfüllt, zu verteilen. Auf die im Notlagentarif zu zahlende Prämie ist die Alterungsrückstellung in der Weise anzurechnen, dass bis zu 25 Prozent der monatlichen Prämie durch Entnahme aus der Alterungsrückstellung geleistet werden.
Übersetzt bedeutet das, dass der Notlagentarif nach Art der Schadenversicherung kalkuliert ist und er bereits gebildete Alterungsrückstellungen verbraucht!
Der Leistungsumfang ist: keine Selbstbeteiligung und akute Erkrankungen, Unfall, Schwangerschaft und Entbindung, sowie bei Kindern Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen.
Das Ruhen ergibt sich aus § 193.6 VVG
Schwangerschaft, Entbindung, bei Unfall und akuten Erkrankungen. Hier wird oft behauptet, dass die Leistung nur bei Notfällen erbracht wird, was aber § 12 h VAG widerspricht, da “Abweichend davon sind für versicherte Kinder und Jugendliche zudem insbesondere Aufwendungen für Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten nach gesetzlich eingeführten Programmen und für Schutzimpfungen, die die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut gemäß § 20 Absatz 2 des Infektionsschutzgesetzes empfiehlt, zu erstatten.” Daraus kann man relativ eindeutig schließen, dass akute Erkrankungen eben alle Erktrankungen sind, die akut zu behandeln sind, also auch ein Bluthochdruck, aber eben auch ein grippaler Infekt.
2. wenn ich nicht an chronischen Krankheiten (z. B. insulinpflichtige Diabetes, etc.), die eine laufende ärztliche Behandlung notwendig machen, leide, dann kann ich also eine KV für unter 100 Euro abschließen! Ich wechsel z. B. als Nicht-Versicherter, der der PKV zuzuordnen ist, in die PKV (Basistarif) und zahle den ersten Monatsbeitrag! Der erste Monatsbeitrag ist wichtig, weil:
Übersetzt bedeutet das, dass die PKV vom Vertrag zurücktreten kann, wenn ich nicht den Erstbeitrag gezahlt habe!
Nachdem ich den ersten Beitrag bezahlt habe, zahle ich meine Beiträge nicht mehr, bis ich in den Notlagentarif überführt bin. Dann richte ich einen Dauerauftrag ein, der monatlich den Beitrag für den Notlagentarif an die PKV überweist. Die Überweisung sollte so ausgestaltet sein, dass die genauen Beträge für KV und PV separat aufgeführt sind. Zwischenzeitlich gleiche ich mit einer einzelnen Überweisung den Beitragsrückstand vor Überführung in den Notlagentarif aus! Auch hier ist penibel auf die genaue Nennung der Beträge für KV und PV zu achten! (Achtung: bei einigen Gesellschaften ist die PV unter einer separaten VSNR geführt, d.h. zwei Überweisungen und zwei Daueraufträge)!
Das gleiche Verfahren kann jeder PKV Versicherte, unabhängig von der Höhe seinens Versicherungschutzes durchführen. Wichtig ist einzig und alleine, dass ich dafür Sorge trage, dass mein Rückstand immer etwas höher ist, als ein Monatsbeitrag! Er sollte aber nie zu hoch werden, so dass ich jederzeit problemlos meinen vollständigen Versicherungsschutz aufleben lassen kann. Wichtig ist auch darauf zu achten, dass die Pflegeversicherung nicht in den Bereich des Bußgeldes kommt!
Bußgeld § 121 SGB XI
Ggf. sollten die Beiträge der Pflegepflichtversicherung so aufgefüllt werden, dass ich sie laufend bezahle! Wichtig ist die exakte Bezeichnung auf der Überweisung!
Falls ich erkranke und in ärztlicher Behandlung bin, werden die Erstattungsleistungen für die eingereichten Kosten mit dem Beitragsrückstand verrechent, der sich aber eben nur aus dem Notlagentarif ergibt! Ich bin dann sofort in meinem alten Tarif versichert. War das der Basistarif, ist das zwar teuer, aber insgesamt ein gutes Geschäft!
Sobald meine Behandlung beendet ist, gehe ich wieder auf “Zahlungsverweigerung”, bis ich im Notlagentarif bin.
Bei planbaren Behandlungen kann ich durch Überweisung der Rückstände sogar kurzfristig vor Behandlungsbeginn wieder vollen umfassenden Versicherungsschutz zum nächsten 01. des nächsten Monats herstellen! Dadurch kann ich, wenn vorher vereinbart, auch Leistungen für Wahlleistungen im Krankenhaus oder Zahnersatz erzeugen! Bitte beachten Sie die Wartezeitregelungen, wenn Sie direkt nach Abschluss und Zahlung des Erstbeitrages den Notlagentarif erzwingen!
Wichtiger Hinweis für Vermittler: Bitte beachten Sie die genaue Regelung für die Stornohaftung in Ihrer Courtagevereinbarung. Bei Ruhen nach § 193.6 VVG gilt in der Regel nur eine 12 monatige Stornohaftung. Vergleiche auch § 80 VVG
Ich weiß nicht, wie lange die PKV das ertragen wird, aber die PKV hat es selber so gewollt! Und sie findet es sogar gut! Scheinbar hat niemand die Folgen durchdacht, die dieser Unsinn (Notlagentarif) auslöst!
Der zweite Aspekt, weshalb die PKV hier den letzten Nagel in den eigenen Sargdeckel geschlagen hat:
Die Alterungsrückstellung wird verbraucht, und damit ist final der Beweis erbracht, dass die Alterungsrückstellung individuell existiert und nicht kollektiv sein kann! Auf die Urteile bin ich wirklich gespannt, die erfolgen werden, wenn die Kunden, die den Risikoträger wechseln, auf die Mitgabe der Alterungsrückstellung klagen werden!
Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich diesen Artikel schreiben muss. Er ist eine Anleitung, wie man “egositisch” ein System ausnutzen kann! Ich habe die Veränderung des Systems aber eben nicht freudig begrüßt und auch nicht aktiv daran mitgearbeitet, so wie es der PKV Verband getan hat!

References: § 341
 § 12
 § 195
 § 12
 § 12
 § 12
 § 12
 § 193
 § 193
 § 12
 § 20
 § 121
 § 193
 § 80