Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20119/75
Timestamp: 2019-01-20 18:18:56+00:00

Document:
BGH, 11.10.1976 - II ZR 119/75 - dejure.org
Gültigkeit von Stimmrechtsvereinbarungen im Zusammenhang mit der treuhänderischen Abtretung eines GmbH-Geschäftsanteils
DNotZ 1977, 372
WM 1976, 1247
BB 1977, 10
DB 1976, 2295
Eine solche uneingeschränkte Übertragung von Stimmrechten getrennt von Geschäftsanteilen verstößt gegen das Gesellschaftsrecht (vgl BGH Urteil vom 11.10.1976 - II ZR 119/75 - Juris RdNr 29 mwN; ebenso: [zur unzulässigen Abspaltung des Stimmrechts vom Mitgliedschaftsrecht für die Aktiengesellschaft] BGH Urteil vom 17.11.1986 - II ZR 96/86 - Juris RdNr 9; [zum Nießbrauch an Gesellschaftsanteilen] BFH Urteil vom 21.1. 2015 - X R 16/12 - Juris RdNr 45).
Demgemäß hat er Vereinbarungen, mit denen diese rechtliche Regelung umgangen worden ist, als unzulässig angesehen (BGH, NJW 1987, 780 = LM § 134 AktG 1965 Nr. 2 = ZIP 1987, 185; BGH, LM § 47 GmbHG Nr. 25 = WM 1976, 1247 (1250) (GmbH)).
Denn beide sind Bestandteil der Mitgliedschaft, die nach der bestehenden Rechtsordnung auf eine in sich abgestimmte Einheit von Rechten, Pflichten und Verantwortung hin angelegt ist (vgl. Senat, § 47 GmbHG Nr. 25 = WM 1976, 1247).
Angesichts dessen begegnet die Annahme einer einer unmittelbaren Mitgliedschaft entsprechenden Rechtsstellung des qualifizierten Treugebers auch keinen Bedenken im Hinblick darauf, dass die Mitgliedschaft in einer Gesellschaft nach der Rechtsordnung allgemein auf eine in sich abgestimmte "Einheit von Rechten, Pflichten und Verantwortung" hin angelegt ist (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 11. Oktober 1976 - II ZR 119/75, WM 1976, 1247, 1250 unter Bezugnahme auf Wiedemann, Die Übertragung und Vererbung von Mitgliedschaftsrechten bei Handelsgesellschaften, 1965, S. 276, 283 ff.; siehe auch Tebben, ZGR 2001, 586, 611 f.;… Armbrüster, Die treuhänderische Beteiligung an Gesellschaften, 2001, S. 199 ff.).
Durch diese vertragliche Gestaltung war gewährleistet, daß das Auseinanderklaffen von Mitgliedschaft und Stimmrecht durch die Kündigung des zugrundeliegenden Schuldverhältnisses, hier des Treuhandverhältnisses, jederzeit beseitigt werden konnte, so daß sich alle Mitgliedschaftsrechte und -pflichten wieder voll in einer Hand, nämlich hier der Person des Treugebers W, vereinigten (zur Zulässigkeit einer solchen Stimmrechtsregelung bei der GmbH vgl BGH DB 1976, 2295, 2297;… Lutter-Hommelhoff, GmbH-Gesetz, Komm, 13. Aufl, § 14 RdNr 8, § 47 RdNr 2).
Doch andererseits ist zu berücksichtigen, daß - wie der BGH bereits in anderem Zusammenhang ausgeführt hat (BGH DB 1976, 2295) - der Treuhandvertrag ganz unterschiedlich gestaltet sein kann.
Angesichts dessen begegnet die Annahme einer unmittelbaren Mitgliedschaft entsprechenden Rechtsstellung des qualifizierten Treugebers auch keinen Bedenken im Hinblick darauf, dass die Mitgliedschaft in einer Gesellschaft nach der Rechtsordnung allgemein auf eine in sich abgestimmte "Einheit von Rechten, Pflichten und Verantwortung" hin angelegt ist (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 11. Oktober 1976 - II ZR 119/75, WM 1976, 1247, 1250 unter Bezugnahme auf Wiedemann, Die Übertragung und Vererbung von Mitgliedschaftsrechten bei Handelsgesellschaften, 1965, S. 276, 283 ff.; siehe auch Tebben, ZGR 2001, 586, 611 f.;… Armbrüster, Die treuhänderische Beteiligung an Gesellschaften, 2001, S. 199 ff.).
Ein Treuhandverhältnis ist dadurch gekennzeichnet, dass der Treugeber einem Treuhänder Vermögenswerte überträgt, ihn aber in Ausübung des sich hieraus ergebenden Außenverhältnisses (des Treuhänders zu Dritten) ergebenden Rechtsmacht im Innenverhältnis (Treuhänder zu Treugeber) nach Maßgabe der schuldrechtlichen Treuhandvereinbarung beschränkt (BGH, Urteil v. 11.10.1976, II ZR 119/75, BB 1977, 10 ff.; BSG, Urteil v. 25.1.2006, B 12 KR 30/04 R; Bundesfinanzhof [BFH], Urteil v. 20.1.1999, I R 69/97).
Dem Treuhänder als Vollmachtgeber ist in solchen Fällen für die Dauer des Treuhandverhältnisses die eigene Stimmrechtsausübung gegen den Willen des Bevollmächtigten (Treugeber) verwehrt; auch diese Vollmacht ist indes schuldrechtlicher Natur, eine mit dinglicher Wirkung "verdrängende" Vollmacht gibt es nicht (BGH DB 1976, 2295, 2297 mwN; zu den zivilrechtlichen Bedenken vgl Schaub, DStR 1995, 1634, 1638 mwN).
Die auf die quantitative Kapitalbeteiligung verkürzte Prüfung der Frage, ob eine beitragspflichtige Beschäftigung vorliegt, würde den denkbaren Fallkonstellationen treuhänderischer Bindungen nicht gerecht, weil es keinen typischen Treuhandvertrag gibt (BGH DB 1976, 2295).
Ein Treuhandverhältnis ist dadurch gekennzeichnet, dass der Treugeber dem Treuhänder Vermögenswerte überträgt, ihn aber in Ausübung des sich hieraus ergebenden Außenverhältnisses (des Treuhänders zu Dritten) ergebenden Rechtsmacht im Innenverhältnis (Treuhänder zu Treugeber) nach Maßgabe der schuldrechtlichen Treuhandvereinbarung beschränkt (BGH, Urteil v. 11.10.1976, II ZR 119/75, BB 1977, 10 ff.; BSG, Urteil v. 25.1.2006, B 12 KR 30/04 R; BFH, Urteil v. 20.1.1999, I R 69/97).
Doch andererseits ist zu berücksichtigen, dass - wie der BGH bereits in anderem Zusammenhang ausgeführt hat (BGH DB 1976, 2295) - der Treuhandvertrag ganz unterschiedlich gestaltet sein kann.
Denn eine mit dinglicher Wirkung "verdrängende" Vollmacht gibt es nicht (vgl. Senat, Urteil v. 5.7.2017, L 8 R 622/16; BGH, Urt. v. 11.10.1976, II ZR 119/75, juris).
BGH, 17.11.1986 - II ZR 96/86
Eine solche, der Abtretung des Stimmrechts gleichzusetzende Vollmacht wäre ebenfalls unwirksam (vgl. BGHZ 3, 354, 358 [BGH 10.11.1951 - II ZR 111/50]; Sen.Urteile v. 15.12.1969 - II ZR 69/67, LM HGB § 105 Nr. 27;v. 11.10.1976 - II ZR 119/75, LM GmbHG § 47 Nr. 25 Bl. 4 R).

References: BGH 
 BGH 
 § 134
 § 47
 § 47
 BGH 
 § 14
 § 47
 BGH 
 BGH 
 § 105
 § 47