Source: https://www.bundesjustizamt.de/DE/Themen/Buergerdienste/BZAA/Fragen/11.html?nn=3450036
Timestamp: 2018-04-23 06:04:40+00:00

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BfJ - Information - 11. Was versteht man unter einer Volladoption bzw. einer starken oder schwachen Adoption?
11. Was versteht man unter einer Volladoption bzw. einer starken oder schwachen Adoption?
a) Volladoption
Von einer Volladoption spricht man, wenn das anwendbare ausländische Recht anordnet, dass das adoptierte Kind durch die Adoption die rechtliche Stellung eines leiblichen Kindes des/der Annehmenden erhält. Dies schließt mit ein, dass auch ein Verwandtschaftsverhältnis zu den Verwandten der Annehmenden entsteht und entsprechende Rechtsverhältnisse zur leiblichen Familie vollständig erlöschen. Das deutsche Adoptionsrecht ist ein Beispiel für die geregelte Volladoption. Bei der Erstellung der Länderliste (vgl. dazu Frage 10) wurden allerdings in der Regel nur die jeweiligen Adoptionsvorschriften der betreffenden Staaten zugrunde gelegt, da durch die Bundeszentralstelle für Auslandsadoption nicht das gesamte Rechtssystem des jeweiligen Staates geprüft werden kann. Dies gilt insbesondere für möglicherweise adoptionsrelevante Vorschriften, die in anderen, hier nicht vorliegenden Gesetzen verankert sind.
Von einer Volladoption ist ebenfalls auszugehen, wenn das ausländische internationale Privatrecht auf deutsches Sachrecht als Wirkungsstatut zurückverweist und deutsches Recht in der ausländischen Adoptionsentscheidung Anwendung gefunden hat.
b) Starke Adoption
Von einer starken Adoption spricht man, wenn das adoptierte Kind durch die Adoption einerseits die rechtlichen Bande zu seinen leiblichen Eltern verliert und andererseits entsprechende Rechte und Pflichten gegenüber dem/den Annehmenden durch die Adoption begründet werden. Somit bleibt das Entstehen eines Verwandtschaftsverhältnisses und insofern die Gleichstellung der ausländischen Adoption mit deutschen Sachvorschriften auf die neu entstandene Eltern-Kind-Beziehung beschränkt. Daher muss das ausländische Adoptionsrecht für eine Feststellung nach § 2 Absatz 2 Satz 1 Nr. 1 AdWirkG (starke Adoption) nicht unbedingt die Integration des Kindes in die gesamte Adoptivfamilie, das heißt das Entstehen von einem Verwandtschaftsverhältnis zu den Eltern, Geschwistern, ggf. weiteren, leiblichen Kindern der Adoptiveltern vorsehen. Bei Vorliegen einer starken Adoption stellt das Gericht in seinem Anerkennungsbeschluss gemäß § 2 Absatz 2 Satz 1 Nr. 1 AdWirkG fest, dass bei Erlöschen des ursprünglichen Eltern-Kind-Verhältnisses das Annahmeverhältnis (im Verhältnis zwischen Angenommenem und Annehmenden) einem nach den deutschen Sachvorschriften begründeten Annahmeverhältnis gleichsteht. Die Feststellung nach § 2 Absatz 2 Satz 1 Nr. 1 AdWirkG hat jedoch nicht zur Folge, dass sich die Adoptionswirkungen nach deutschen Sachvorschriften richtet, sondern das ausländische Recht bleibt anwendbar (BT-Drucks. 14/6011, S. 48). Vielmehr bezieht sich die Feststellung nach § 2 Absatz 2 Satz 1 Nr. 1 AdWirkG ausschließlich auf das Erlöschen des ursprünglichen Eltern-Kind-Verhältnisses und damit einhergehend auf das Entstehen eines neuen Eltern-Kind-Verhältnisses, welches rechtlich einem Eltern-Kind-Verhältnis entspricht, das nach deutschen Adoptionsvorschriften zustande gekommen ist (zur Umwandlung nach § 3 Absatz 2 AdWirkG siehe Frage 12).
c) Schwache Adoption
Von einer schwachen oder auch unvollständigen Adoption spricht man schließlich, wenn durch die Adoption zwar ein dauerhaftes Eltern-Kind-Verhältnis zu den Annehmenden begründet wird, restliche wesentliche Rechtsbeziehungen, beispielsweise Erbrechte, zu den leiblichen Eltern aber erhalten bleiben. Nach § 2 Absatz 2 Satz 1 Nr. 2 des AdWirkG wird bei Vorliegen einer schwachen Adoption daher nur festgestellt, dass das Annahmeverhältnis in Ansehung der elterlichen Sorge und der Unterhaltspflicht des Annehmenden einem nach den deutschen Sachvorschriften begründeten Annahmeverhältnis gleichsteht (zur Umwandlung nach § 3 Absatz 2 AdWirkG siehe Frage 12).
d) Andere Rechtsverhältnisse
Wenn das ausländische Recht kein dauerhaftes Eltern-Kind-Verhältnis vorsieht, sondern lediglich eine Inobhutnahme mit sorge- und unterhaltsrechtlichen Pflichten der Versorgungspersonen anordnet, kann nicht von einer Adoption nach hiesigem Verständnis gesprochen werden.

References: § 2
 § 2
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 § 3
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