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Timestamp: 2020-08-13 07:55:58+00:00

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7 Sa 71/10
21. Fe­bru­ar 2013
hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21. Fe­bru­ar 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt
Gall­ner und Spel­ge so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Au­gat und Jos­tes für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 31. Mai 2011 - 7 Sa 71/10 - auf­ge­ho­ben, so­weit es auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 15. De­zem­ber 2009 - 10 Ca 3014/09 - die Kla­ge für die Zeit vom 1. Mai 2009 bis zum 31. März 2010 ab­ge­wie­sen hat.
2. In­so­weit wird die Be­ru­fung des Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.
3. Die Kos­ten des ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens hat der Kläger zu 76 % und der Be­klag­te zu 24 % zu tra­gen. Die Kos­ten der Be­ru­fung hat der Kläger zu 83 % und der Be­klag­te zu 17 % zu tra­gen. Die Kos­ten der Re­vi­si­on wer­den dem Kläger zu 87 % und dem Be­klag­ten zu 13 % auf­er­legt.
Die Par­tei­en strei­ten über die Stu­fen­zu­ord­nung des Klägers im Rah­men ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses.
Der Kläger war als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter auf­grund meh­re­rer be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se seit dem 1. Mai 2008 für den Be­klag­ten tätig. Noch während des Laufs der letz­ten Be­fris­tung schlos­sen die Par­tei­en am 18./19. März 2009 ei­nen wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 1. April 2009 bis 31. März 2011, in des­sen § 6 sie den vor­he­ri­gen Ar­beits­ver­trag aus­drück­lich auf­ho­ben. Im Un­ter­schied zu dem vor­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis er­folg­te die­se Be­fris­tung nach dem Wiss­Zeit­VG. In den Ar­beits­verträgen war je­weils die Gel­tung ua. des Ta­rif­ver­trags für den öffent­li­chen Dienst der Länder (TV-L) so­wie ei­ne Vergütung nach der EG 13 ver­ein­bart. Der Kläger war als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter durch­ge­hend mit der glei­chen Tätig­keit beschäf-
tigt. Der Be­klag­te zahl­te dem Kläger noch bis zum 31. März 2010 ein Ent­gelt aus der Stu­fe 1 sei­ner Ent­gelt­grup­pe.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Be­klag­te müsse ihm auf­grund sei­ner ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung be­reits ab dem 1. Mai 2009 ei­ne Vergütung aus der Stu­fe 2 der EG 13 zah­len. Der Be­griff „Ein­stel­lung“ in § 16 Abs. 2 TV-L im­pli­zie­re zu­min­dest ei­ne Un­ter­bre­chung bzw. ei­ne Ein­stel­lung für ei­ne an­de­re Tätig­keit, an der es in sei­nem Fall feh­le. Je­des an­de­re Verständ­nis der ta­rif­li­chen Nor­men führe zu ei­ner Ver­let­zung des Be­nach­tei­li­gungs­ver­bots des § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG.
Der Kläger hat un­ter teil­wei­ser Rück­nah­me der Re­vi­si­on zu­letzt be­an­tragt
fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Kläger ab dem 1. Mai 2009 bis zum 31. März 2010 ent­spre­chend der Ent­gelt­grup­pe 13 Stu­fe 2 zu vergüten.
Der Be­klag­te hat zur Be­gründung sei­nes Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags vor ge­tra­gen, bei ei­nem Neu­ver­trag, wie er hier vor­lie­ge, sei ei­ne Ein­stel­lung iSv. § 16 Abs. 2 TV-L zu be­ja­hen. Die Berück­sich­ti­gung der Be­rufs­er­fah­rung bei der Ein­stel­lung und der Stu­fen­auf­stieg nach der Ein­stel­lung sei­en scharf zu tren­nen. Die Be­rufs­er­fah­rungs­zei­ten aus frühe­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen, die bei der Stu­fen­zu­ord­nung nicht wirk­sam ge­wor­den sei­en, sei­en nicht zu berück­sich­ti­gen.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­ziel wei­ter.
Die Re­vi­si­on des Klägers ist, so­weit sie zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len ist, be­gründet. Der Kläger hat­te be­reits für die Zeit vom 1. Mai 2009 bis zum 31. März 2010 An­spruch auf ein Ent­gelt aus der Stu­fe 2 der EG 13. Bei ge­set-
zes­kon­for­mer Aus­le­gung des § 16 Abs. 3 Satz 1 TV-L war die in den frühe­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung bei der Stu­fen­lauf­zeit zu berück­sich­ti­gen. Der Kläger war des­halb be­reits seit dem 1. Mai 2009 der Stu­fe 2 der EG 13 zu­ge­ord­net.
A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist recht­lich zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass für die Stu­fen­zu­ord­nung des Klägers in dem seit dem 1. April 2009 be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis § 16 Abs. 2 Satz 2 idF des § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV-L maßgeb­lich war.
I. Die Par­tei­en ha­ben in § 6 des Ar­beits­ver­trags vom 18./19. März 2009 ver­ein­bart, dass der da­vor ge­schlos­se­ne, längs­tens bis zum 16. Sep­tem­ber 2009 be­ste­hen­de be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag mit dem 1. April 2009 außer Kraft trat. Sie ha­ben das zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis vor Be­ginn des neu­en Ar­beits­verhält­nis­ses auf­ge­ho­ben und ein neu­es be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis mit ei­nem an­de­ren Be­fris­tungs­grund ge­schlos­sen. Da­mit lag ei­ne Ein­stel­lung iSv. § 16 Abs. 2 TV-L vor. Ei­ne sol­che Ein­stel­lung er­folgt auch, wenn wie hier ein neu­es Ar­beits­verhält­nis im (un­mit­tel­ba­ren) An­schluss an ein be­en­de­tes Ar­beits­verhält­nis beim sel­ben Ar­beit­ge­ber be­gründet wird. Für § 16 Abs. 2 TV-L gilt in­so­weit nichts an­de­res als für § 16 Abs. 2 TVöD-AT (VKA) (vgl. zu die­ser Be­stim­mung BAG 27. Ja­nu­ar 2011 - 6 AZR 382/09 - Rn. 17 - 19, AP TVöD § 16 Nr. 1 = EzTöD 100 TVöD-AT VKA § 16 Nr. 3). Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers be­inhal­tet der Be­griff „Ein­stel­lung“ kein erst­ma­li­ges Mo­ment. Mit „Ein­stel­lung“ bzw. dem Verb „ein­stel­len“ wird le­dig­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass ein Ar­beit­neh­mer an­ge­stellt oder in ein Ar­beits­verhält­nis ge­nom­men wird (Du­den Das Große Wörter­buch der Deut­schen Spra­che 3. Aufl. Stich­wort: „ein­stel­len“ Ziff. 2). Auch die wie­der­hol­te Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses wird von die­sem Be­deu­tungs­ge­halt um­fasst (eben­so Fie­berg in Fürst GKÖD Bd. IV Stand Au­gust 2011 E § 16 Rn. 16, der sich al­ler­dings dafür aus­spricht, bei der Stu­fen­zu­ord­nung von der Fort­set­zung ei­nes ein­heit­li­chen Ar­beits­verhält­nis­ses aus­zu­ge­hen). Maßgeb­lich ist, wel­che Be­deu­tung die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die­sem Be­griff im je­wei­li­gen Re­ge­lungs­zu­sam­men­hang ge­ben wol­len.
1. So ist un­ter dem Be­griff der „letz­ten Ein­stel­lung“ in ei­ner Ver­sor­gungs­ord­nung, die zwi­schen un­un­ter­bro­chen beschäftig­ten und zeit­wei­lig aus­ge­schie­de­nen Ar­beit­neh­mern dif­fe­ren­ziert und da­bei auf den Be­ginn der Beschäfti­gungs­zeit, in der sich die Be­triebs­treue des Ar­beit­neh­mers nie­der­schlägt, ab­stellt, der Be­ginn des zeit­lich un­un­ter­bro­che­nen Ar­beits­verhält­nis­ses zu ver­ste­hen (BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 3 AZR 25/00 - zu I 1 und 4 der Gründe, EzA Be­trAVG § 1 Ablösung Nr. 28).
2. Da­ge­gen er­fasst der Be­griff der „Ein­stel­lung“ in § 16 Abs. 2 TV-L auch die Wie­der­be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nach ei­ner recht­li­chen Un­ter­bre­chung (aA Kahl ZTR 2012, 611, 613). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben nicht zwi­schen Neu­ein­stel­lun­gen und Wie­der­ein­stel­lun­gen dif­fe­ren­ziert. Dass sie im Ge­gen­teil da­von aus­ge­hen, ei­ne „Ein­stel­lung“ iSv. § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L lie­ge bei je­der, auch ei­ner wie­der­hol­ten, Be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor, folgt aus der durch Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 3 vom 10. März 2011 ein­gefügten Be­stim­mung des § 44 Nr. 2a Ziff. 1 TV-L. Da­nach wer­den bei Ar­beits­verhält­nis­sen von Lehr­kräften, die nach dem 1. April 2011 neu be­gründet wer­den, im Rah­men des § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L Zei­ten ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung aus meh­re­ren Ar­beits­verhält­nis­sen zum sel­ben Ar­beit­ge­ber zu­sam­men­ge­rech­net. Die­ser Re­ge­lung hätte es nicht be­durft, wenn nach Auf­fas­sung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en oh­ne­hin nur die ers­te Be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses als Ein­stel­lung iSv. § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L für die Stu­fen­zu­ord­nung maßgeb­lich sein soll­te, wie es der Kläger an­nimmt.
II. Aus § 16 Abs. 2 Satz 4 idF des § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV-L folgt ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers nichts an­de­res. § 16 Abs. 2 Satz 4 und Satz 5 TV-L idF des § 40 Nr. 5 Ziff. 1 TV-L le­gen für Beschäftig­te an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen le­dig­lich fest, dass im Fall ei­ner Vor­beschäfti­gung bei den dort ge­nann­ten an­de­ren Ar­beit­ge­bern grundsätz­lich ei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung iSv. § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L an­zu­neh­men ist. Ei­ne Zu­sam­men­rech­nung der Be­rufs­er­fah­rungs­zei­ten bei der Stu­fen­zu­ord­nung, wie sie
§ 44 Nr. 2a Ziff. 1 TV-L für Lehr­kräfte aus­drück­lich an­ord­net, ist in die­ser Vor­schrift da­ge­gen nicht vor­ge­se­hen.
B. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Un­recht an­ge­nom­men, § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L las­se nur die Berück­sich­ti­gung der Be­rufs­er­fah­rung aus ei­nem ein­zi­gen Ar­beits­verhält­nis zu. Dies ist je­doch nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich.
I. Al­ler­dings ord­net § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L nur die Berück­sich­ti­gung der ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung aus „ei­nem“ Ar­beits­verhält­nis zum sel­ben Ar­beit­ge­ber an. Un­ge­ach­tet die­ser miss­verständ­li­chen For­mu­lie­rung ist nach die­ser Be­stim­mung auch die ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung aus meh­re­ren vor­her­ge­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen zu berück­sich­ti­gen (Fie­berg in Fürst GKÖD Bd. IV Stand Ok­to­ber 2008 E § 16 Rn. 44 für die in­halts­glei­che Vor­schrift des § 16 Abs. 2 Satz 2 TVöD (Bund); aA Cle­mens/Scheu­ring/St­ein-gen/Wie­se TV-L Stand Mai 2012 Teil II § 16 Rn. 25; Brei­er/Das­sau/Kie-fer/Thi­ves­sen TV-L Stand Ok­to­ber 2009 Teil B 1 § 16 Rn. 34). Für die Be­ur­tei­lung, ob ei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung vor­liegt, die dem Ar­beit­ge­ber auch im ak­tu­el­len Ar­beits­verhält­nis zu­gu­te kommt, spielt es kei­ne Rol­le, ob die Er­fah­rung in ei­nem oder meh­re­ren vor­he­ri­gen, sei es auch be­fris­te­ten, Ar­beits­verhält­nis­sen er­wor­ben wor­den ist. Darüber hin­aus ist nur mit ei­ner Berück­sich­ti­gung auch meh­re­rer vor­he­ri­ger Ar­beits­verhält­nis­se, bei de­nen je­weils kei­ne schädli­che Un­ter­bre­chung im Sin­ne der Pro­to­kollerklärung Nr. 3 zu § 16 Abs. 2 TV-L vor­liegt, si­cher­ge­stellt, dass bei wie­der­hol­ten Be­fris­tun­gen, wie sie im öffent­li­chen Dienst ver­brei­tet üblich sind, die­ser Per­so­nen­kreis über­haupt die Chan­ce zur Berück­sich­ti­gung der in die­sen Ar­beits­verhält­nis­sen ge­won­ne­nen Be­rufs­er­fah­rung und da­mit zum Stu­fen­auf­stieg erhält (vgl. BAG 23. Sep­tem­ber 2010 - 6 AZR 180/09 - Rn. 16, BA­GE 135, 313).
II. Auch un­ter Zu­sam­men­rech­nung sämt­li­cher vor­he­ri­ger Ar­beits­verhält­nis­se seit dem 1. Mai 2008 wies der Kläger im Zeit­punkt sei­ner Ein­stel­lung am 1. April 2009 je­doch erst elf Mo­na­te ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung auf.
Man­gels ei­ner Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens ei­nem Jahr war der Kläger des­halb bei sei­ner letz­ten Ein­stel­lung nicht der Stu­fe 2 sei­ner Ent­gelt­grup­pe, son­dern zunächst noch der Stu­fe 1 zu­zu­ord­nen.
C. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat nicht ge­se­hen, dass § 16 Abs. 3 TV-L ge­gen § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG ver­stieße, wenn, wie von ihm an­ge­nom­men, Zei­ten der Beschäfti­gung in frühe­ren (be­fris­te­ten) Ar­beits­verhält­nis­sen bei der Stu­fen­lauf­zeit im neu­en Ar­beits­verhält­nis nicht berück­sich­tigt würden. An­halts­punk­te dafür, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­nen der­ar­ti­gen, höher­ran­gi­gem Recht wi­der­spre­chen­den Re­ge­lungs­wil­len hat­ten, las­sen sich § 16 Abs. 3 TV-L nicht ent­neh­men.
I. § 16 Abs. 3 Satz 1 TV-L sieht al­ler­dings im Un­ter­schied zu § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L, der für die Stu­fen­zu­ord­nung nach der Ein­stel­lung die An­rech­nung ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung, die in be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen er­wor­ben wor­den ist, aus­drück­lich an­ord­net, für den Stu­fen­auf­stieg nicht eben­so die An­rech­nung der bei der Stu­fen­zu­ord­nung nicht ver­brauch­ten Zeit ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung aus frühe­ren Ar­beits­verhält­nis­sen (Rest­lauf­zeit) auf die Stu­fen­lauf­zeit vor.
II. Gleich­wohl ver­bie­tet das Ge­bot der ge­set­zes­kon­for­men Aus­le­gung von Ta­rif­nor­men ein Verständ­nis des § 16 Abs. 3 Satz 1 TV-L da­hin, dass Rest­lauf­zei­ten aus frühe­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen ge­ne­rell un­berück­sich­tigt blei­ben. Ein sol­ches Verständ­nis wäre mit § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG nicht ver­ein­bar. Bei ge­set­zes­kon­for­mer Aus­le­gung des § 16 Abs. 3 Satz 1 TV-L be­ginnt die Stu­fen­lauf­zeit mit der Zu­ord­nung des Beschäftig­ten zu ei­ner Stu­fe sei­ner Ent­gelt­grup­pe nach sei­ner Ein­stel­lung nicht neu zu lau­fen, wenn er zu­vor be­reits be­fris­tet bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber beschäftigt war und kei­ne schädli­che Un­ter­bre­chung iSd. Pro­to­kollerklärung Nr. 3 zu § 16 Abs. 2 TV-L vor­liegt. Viel­mehr ist die Rest­lauf­zeit auf die Stu­fen­lauf­zeit an­zu­rech­nen. Das gilt un­abhängig da­von, ob die Ein­stel­lung aber­mals be­fris­tet er­folgt oder ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart wird (Pol­zer in Dörring/Kutz­ki TVöD-Kom­men­tar § 16 (Bund) AT Rn. 28 für den TVöD; Wurm ZfPR 2010, 47, 49; aA Fie­berg in Fürst GKÖD Bd. IV Stand Ja­nu­ar 2013 E § 16 Rn. 46 für die mit § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L in­halts­glei­che Vor­schrift des § 16 Abs. 2 Satz 2 TVöD (Bund);
Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se TV-L Stand Mai 2012 Teil II § 16 Rn. 51; Brei­er/Das­sau/Kie­fer/Thi­ves­sen TV-L Stand Au­gust 2012 Teil B 1 § 16 Rn. 46).
1. Ta­rif­nor­men sind grundsätz­lich so aus­zu­le­gen, dass sie nicht in Wi­der­spruch zu höher­ran­gi­gem Recht ge­ra­ten. Ta­rif­ver­trags­par­tei­en wol­len im Zwei­fel Re­ge­lun­gen tref­fen, die mit zwin­gen­dem höher­ran­gi­gem Recht in Ein­klang ste­hen und da­mit auch Be­stand ha­ben. Lässt ei­ne Ta­rif­norm ei­ne Aus­le­gung zu, die zu ei­nem mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­ba­ren Er­geb­nis führt, ist sie in die­sem Sin­ne an­zu­wen­den (BAG 21. Ju­li 1993 - 4 AZR 468/92 - zu B II 1 a bb der Gründe, BA­GE 73, 364; vgl. auch BAG 26. April 2005 - 1 ABR 1/04 - BA­GE 114, 272; 16. De­zem­ber 2004 - 6 AZR 658/03 - ZTR 2005, 424).
2. Ei­ne Nicht­berück­sich­ti­gung der in frühe­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung ver­stieße ge­gen § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG.
a) Die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zur Stu­fen­zu­ord­nung im TV-L hätten dann zur Fol­ge, dass in ei­ner Viel­zahl von Fällen Beschäftig­te, die ver­gleich­ba­re Tätig­kei­ten über ei­nen gleich­lan­gen Zeit­raum hin­weg er­brin­gen und da­bei die­sel­be, im ta­rif­li­chen Sin­ne „ein­schlägi­ge“ Be­rufs­er­fah­rung er­wer­ben, abhängig von ih­rem Sta­tus als be­fris­tet oder un­be­fris­tet Beschäftig­te ein un­ter­schied­lich ho­hes Ent­gelt er­hiel­ten. Die in un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung würde dann ta­rif­lich stärker ho­no­riert als die in meh­re­ren auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen er­lang­te (zu­tref­fend Kahl ZTR 2012, 611, 612, 614). Würden die bei der Stu­fen­zu­ord­nung nach § 16 Abs. 2 TV-L ver­blie­be­nen Rest­lauf­zei­ten nicht berück­sich­tigt, hätte dies ty­pi-scher­wei­se er­heb­li­che Verzöge­run­gen beim Stu­fen­auf­stieg zur Fol­ge. So stie­ge zB ein am 2. Ja­nu­ar 2007 un­be­fris­tet ein­ge­stell­ter Beschäftig­ter am 2. Ja­nu­ar 2017 in die Stu­fe 5 sei­ner Ent­gelt­grup­pe auf. Dem­ge­genüber er­reich­te ein eben­falls am 2. Ja­nu­ar 2007 be­fris­tet Ein­ge­stell­ter, bei dem sich am 2. Ja­nu­ar 2009, 2. Ja­nu­ar 2012 und 2. Ja­nu­ar 2016 oh­ne Un­ter­bre­chung wei­te­re Be­fris­tun­gen an­sch­ließen, die­se Stu­fe erst am 2. Ja­nu­ar 2020, al­so drei Jah­re später als der un­be­fris­tet Beschäftig­te. Im Fall des Klägers führ­te die ta­rif­li­che Re­ge­lung bei der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung da­zu, dass der Kläger erst am 1. April 2010 und da­mit elf Mo­na­te später als ein am 1. Mai
2008 un­be­fris­tet Ein­ge­stell­ter in die Stu­fe 2 sei­ner Ent­gelt­grup­pe auf­stie­ge. Die­se Nach­tei­le be­ruh­ten dar­auf, dass die Stu­fen­lauf­zeit bei ei­nem der­ar­ti­gen Norm­verständ­nis nach der er­neu­ten be­fris­te­ten Ein­stel­lung je­weils wie­der voll durch­lau­fen wer­den müss­te, weil die bei der Stu­fen­zu­ord­nung nicht ver­brauch­ten Rest­lauf­zei­ten gemäß § 16 Abs. 3 Satz 1 TV-L nicht berück­sich­tigt würden.
b) Ein Norm­verständ­nis, das sol­che Be­nach­tei­li­gun­gen be­fris­tet Beschäftig­ter bei der Berück­sich­ti­gung der er­wor­be­nen, ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung zur Fol­ge hätte, wäre mit § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG nicht zu ver­ein­ba­ren (eben­so Kahl ZTR 2012, 611, 614 f.).
aa) Ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen müssen mit § 4 Tz­B­fG ver­ein­bar sein. Die in die­ser Vor­schrift ge­re­gel­ten Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te ste­hen gemäß § 22 Tz­B­fG nicht zur Dis­po­si­ti­on der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en.
bb) Nach § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG müssen für be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer die­sel­ben Zei­ten wie für un­be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer berück­sich­tigt wer­den, wenn be­stimm­te Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen von der Dau­er des Be­stands des Ar­beits­verhält­nis­ses im sel­ben Be­trieb oder Un­ter­neh­men abhängen, es sei denn, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Berück­sich­ti­gung aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt ist. Die­se Be­stim­mung kon­kre­ti­siert den Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung in § 4 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG und stellt klar, dass ua. bei Ent­gelt­ansprüchen, die von zurück­zu­le­gen­den Beschäfti­gungs­zei­ten abhängen, für be­fris­tet Beschäftig­te die­sel­ben Zei­ten wie für un­be­fris­tet Beschäftig­te zu berück­sich­ti­gen sind (BT-Drucks. 14/4374 S. 16). Mit ihr wird Pa­ra­graf 4 Nr. 4 der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge, die im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ent­hal­ten ist (künf­tig: Rah­men­ver­ein­ba­rung), um­ge­setzt.
cc) Der Se­nat hat in sei­ner Recht­spre­chung zur Ein­grup­pie­rung und Stu­fen­zu­ord­nung von Beschäftig­ten, die nach Ab­lauf ei­ner Be­fris­tung neu ein­ge­stellt wor­den sind (zu­letzt 18. Ja­nu­ar 2012 - 6 AZR 496/10 - Rn. 24 ff., AP TVÜ § 1 Nr. 3 = EzTöD 310 TVÜ-Länder § 1 Abs. 1 Nr. 1), stets an­ge­nom­men, § 4 Abs. 2 Tz­B­fG ver­bie­te nur ei­ne Un­gleich­be­hand­lung während der Dau­er der Be­fris­tung und schütze Ar­beit­neh­mer, die im An­schluss an ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ein neu­es Ar­beits­verhält­nis mit dem Ar­beit­ge­ber ein­ge­hen, nicht vor ei­ner Ver­schlech­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen. Die­se Recht­spre­chung geht letzt­lich auf die Ent­schei­dung des Se­nats vom 11. De­zem­ber 2003 (- 6 AZR 64/03 - BA­GE 109, 110) zurück. Dar­in hat der Se­nat aus­geführt, dass es ab der Be­gründung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses an ei­nem Ver­s­toß ge­gen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des § 4 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG feh­le. § 4 Abs. 2 Tz­B­fG schütze nicht Ar­beit­neh­mer, die im An­schluss an ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zu geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen ein­gin­gen. Nach Ab­lauf der Be­fris­tung könne der Ar­beit­ge­ber frei darüber ent­schei­den, ob und zu wel­chen Be­din­gun­gen er dem Ar­beit­neh­mer ein An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags un­ter­brei­te. Im An­schluss an ei­ne als wirk­sam gel­ten­de Be­fris­tung könne die Be­gründung ei­nes Dau­er­ar­beits­verhält­nis­ses zu geänder­ten Be­din­gun­gen er­fol­gen (BAG 11. De­zem­ber 2003 - 6 AZR 64/03 - Rn. 49 ff., aaO).
dd) Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on hat in sei­ner neue­ren Recht­spre­chung ei­nen an­de­ren An­satz als der Se­nat gewählt und auf die­se Wei­se den An­wen­dungs­be­reich der Rah­men­ver­ein­ba­rung er­heb­lich aus­ge­dehnt. Er hat an­ge­nom­men, dass sich auch sol­che Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich auf die Rah­men­ver­ein­ba­rung be­ru­fen können, die zwi­schen­zeit­lich un­be­fris­tet beschäftigt sind (EuGH 18. Ok­to­ber 2012 - C-302/11 - [Va­len­za] Rn. 34 f., NZA 2013, 261; vgl. da­zu Ben­ecke Eu­ZA 2012, 236, 240).
ee) Durch die­se Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on ist der bis­he­ri­gen Ar­gu­men­ta­ti­on des Se­nats, die auf der An­nah­me be­ruh­te, die Par­tei­en sei­en nach dem En­de ei­ner wirk­sa­men Be­fris­tung bei der Neu­be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses in der Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen frei
und an frühe­re Ab­ma­chun­gen nicht ge­bun­den (BAG 18. Ja­nu­ar 2012 - 6 AZR 496/10 - Rn. 27, AP TVÜ § 1 Nr. 3 = EzTöD 310 TVÜ-Länder § 1 Abs. 1 Nr. 1), die Grund­la­ge ent­zo­gen. Bei der Aus­le­gung des § 4 Abs. 2 Tz­B­fG, der aus­drück­lich der Um­set­zung von Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung dient, ist die­se Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on zu berück­sich­ti­gen. Der Se­nat hält des­halb an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung nicht fest.
ff) Auch im vor­lie­gen­den Fall wäre un­ge­ach­tet des Um­stands, dass der Kläger aus­sch­ließlich be­fris­tet beschäftigt war, § 16 Abs. 3 TV-L nicht mit § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG zu ver­ein­ba­ren, wenn die vom Kläger in den frühe­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen mit dem Be­klag­ten er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung nicht berück­sich­tigt würde. Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on hat in sei­ner neue­ren Recht­spre­chung be­tont, dass die Rah­men­ver­ein­ba­rung, ins­be­son­de­re ihr Pa­ra­graf 4, ver­hin­dern soll, dass be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se von ei­nem Ar­beit­ge­ber be­nutzt wer­den, die­sen Ar­beit­neh­mern Rech­te vor­zu­ent­hal­ten, die Dau­er­beschäftig­ten zu­er­kannt wer­den. Des­halb muss Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung als Aus­druck ei­nes Grund­sat­zes des So­zi­al­rechts der Uni­on ver­stan­den wer­den, der nicht re­strik­tiv aus­ge­legt wer­den darf (st. Rspr. seit EuGH 13. Sep­tem­ber 2007 - C-307/05 - [Del Cer­ro Alon­so] Rn. 37 f., Slg. 2007, I-7109). Der Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung ver­langt, dass ver­gleich­ba­re Sach­ver­hal­te nicht un­ter­schied­lich und un­ter­schied­li­che Sach­ver­hal­te nicht gleich be­han­delt wer­den, so­fern ei­ne sol­che Be­hand­lung nicht ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt ist (EuGH 8. Sep­tem­ber 2011 - C-177/10 - [Ro­s­a­do San­ta­na] Rn. 65, NZA 2011, 1219). Leg­te man § 16 Abs. 3 TV-L wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus, wären be­fris­tet Beschäftig­te mit ein­schlägi­ger, bei der Stu­fen­zu­ord­nung nicht voll berück­sich­tig­ter Be­rufs­er­fah­rung un­ge­recht­fer­tigt be­nach­tei­ligt. Ei­ne der­ar­ti­ge Un­gleich­be­hand­lung ver­gleich­ba­rer Sach­ver­hal­te un­ter­sagt § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG als Um­set­zung von Pa­ra­graf 4 Nr. 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung.
(1) Al­ler­dings hat der Se­nat in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung die Beschäftig­ten, die nach ei­ner Be­fris­tung (er­neut) ein­ge­stellt wor­den sind, nicht mit Dau­er­beschäftig­ten, son­dern mit an­de­ren Ar­beit­neh­mern, de­ren Ar­beits­verhält­nis et­wa durch Kündi­gun­gen oder Auf­he­bungs­verträge un­ter­bro­chen wa­ren, ver­gli­chen. Aus­ge­hend von die­ser Ver­gleichs­grup­pen­bil­dung hat er ei­ne Ver­let­zung von § 4 Abs. 2 Tz­B­fG eben­so ver­neint wie ei­nen Ver­s­toß ge­gen Art. 3 Abs. 1 GG (seit Ur­teil vom 27. No­vem­ber 2008 - 6 AZR 632/08 - Rn. 20 ff., BA­GE 128, 317). Je­den­falls für den hier vor­lie­gen­den Fall des § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG sind als Ver­gleichs­grup­pe die Dau­er­beschäftig­ten her­an­zu­zie­hen. Das hat be­reits der Ge­setz­ge­ber klar­ge­stellt, wenn er für be­fris­tet Beschäftig­te die An­er­ken­nung der­sel­ben Zei­ten wie für un­be­fris­tet Beschäftig­te ver­langt (BT-Drucks. 14/4374 S. 16). Auch der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on zieht zum Ver­gleich aus­sch­ließlich die Dau­er­beschäftig­ten her­an (vgl. EuGH 18. Ok­to­ber 2012 - C-302/11 - [Va­len­za] Rn. 43, NZA 2013, 261).
(2) Be­fris­tet und un­be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer, die iden­ti­sche Auf­ga­ben ver­rich­ten, sind ver­gleich­bar, § 3 Abs. 2 Tz­B­fG. Das gilt auch hin­sicht­lich ih­rer Be­rufs­er­fah­rung. Der ein­zi­ge Un­ter­schied zwi­schen die­sen Ar­beit­neh­mern be­steht dar­in, dass in ei­nem Fall die Rechts­be­zie­hung mit dem Ar­beit­ge­ber be­fris­tet, im an­de­ren Fall auf Dau­er an­ge­legt ist (vgl. EuGH 8. Sep­tem­ber 2011 - C-177/10 - [Ro­s­a­do San­ta­na] Rn. 69 f., NZA 2011, 1219; 18. Ok­to­ber 2012 - C-302/11 - [Va­len­za] Rn. 44 ff., NZA 2013, 261).
(3) Für die un­ein­ge­schränk­te Berück­sich­ti­gung der bei der un­un­ter­bro­che­nen Ausübung der ge­schul­de­ten Tätig­keit er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung in § 16 Abs. 3 TV-L nur bei den un­be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern gibt es kei­nen sach­li­chen Grund, der die­se un­ter­schied­li­che Be­hand­lung recht­fer­ti­gen würde.
(a) Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on liegt ein sach­li­cher Grund iSv. Pa­ra­graf 4 Nr. 1 und/oder Nr. 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung und da­mit iSv. § 4 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG nur vor, wenn die Un­gleich­be­hand­lung ei­nem ech­ten Be­darf ent­spricht und zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich ist. Dafür ist Vor­aus­set­zung, dass kon­kre­te Umstände vor­lie­gen, die die Dif­fe­ren­zie­rung im kon­kre­ten Fall auf-
grund ob­jek­ti­ver und trans­pa­ren­ter Kri­te­ri­en recht­fer­ti­gen. Ge­eig­net sind da­bei nur sol­che Kri­te­ri­en, die nicht all­ge­mein und abs­trakt auf die Beschäfti­gungs­dau­er ab­stel­len (EuGH 22. De­zem­ber 2010 - C-444/09 ua. - [Ga­viei­ro Ga­viei­ro] Rn. 57, Slg. 2010, I-14031). Ei­ne Recht­fer­ti­gung kann auf­grund der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung be­fris­te­te Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­mal oder auf­grund der Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels in Be­tracht kom­men (EuGH st. Rspr. seit 13. Sep­tem­ber 2007 - C-307/05 - [Del Cer­ro Alon­so] Rn. 53, Slg. 2007, I-7109; zu­letzt 18. Ok­to­ber 2012 - C-302/11 - [Va­len­za] Rn. 51, NZA 2013, 261).
(b) Da­ge­gen kann die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung be­fris­tet Beschäftig­ter und Dau­er­beschäftig­ter nicht al­lein da­mit ge­recht­fer­tigt wer­den, dass sie in ei­ner all­ge­mei­nen, abs­trak­ten Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts, et­wa in ei­nem Ge­setz oder ei­nem Ta­rif­ver­trag, vor­ge­se­hen ist (EuGH st. Rspr. seit 13. Sep­tem­ber 2007 - C-307/05 - [Del Cer­ro Alon­so] Rn. 57, Slg. 2007, I-7109). Auch reicht der bloße Um­stand, dass ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis vor­liegt, als sach­li­cher Grund nicht aus (EuGH 22. De­zem­ber 2010 - C-444/09 ua. - [Ga­vi­ei-ro Ga­viei­ro] Rn. 56, Slg. 2010, I-14031). Eben­so we­nig kann die bloße Tat­sa­che, dass nach dem na­tio­na­len Recht ein neu­es Ar­beits­verhält­nis be­gründet wor­den ist, ei­nen sach­li­chen Grund iSv. Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung dar­stel­len (EuGH 18. Ok­to­ber 2012 - C-302/11 - [Va­len­za] Rn. 65, NZA 2013, 261). In all die­sen Fällen hat der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on an­ge­nom­men, dass die Zie­le der Rah­men­ver­ein­ba­rung und der Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung in Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung leer­lie­fen und die für die be­fris­tet Beschäftig­ten be­ste­hen­de ungüns­ti­ge Si­tua­ti­on fort­ge­schrie­ben würde, wenn letzt­lich der bloße Rechtscha­rak­ter der frühe­ren Beschäfti­gungs­verhält­nis­se die Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­te (zu­letzt EuGH 18. Ok­to­ber 2012 - C-302/11 - [Va­len­za] Rn. 52, 65, aaO). Da­nach ist Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung auch auf Fol­ge­ar­beits­verhält­nis­se, un­abhängig da­von, ob sie be­fris­tet oder un­be­fris­tet sind, und auf die un­ter­schied­lichs­ten For­men der in frühe­ren Beschäfti­gungs­verhält­nis­sen er­wor­be­nen An­wart­schaf­ten an­wend­bar (zu­tref­fend Ben­ecke Eu­ZA 2012, 236, 240).
(c) Nach die­sen Grundsätzen ist kein sach­li­cher Grund für die Un­gleich­be­hand­lung von be­fris­tet und un­be­fris­tet Beschäftig­ten bei der Stu­fen­lauf­zeit nach § 16 Abs. 3 TV-L er­sicht­lich. Wie aus­geführt, er­lit­ten be­fris­tet Beschäftig­te Nach­tei­le hin­sicht­lich der Stu­fen­lauf­zeit al­lein des­we­gen, weil sie ih­re Be­rufs­er­fah­rung in ei­nem oder meh­re­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen er­wor­ben hätten, ob­wohl die­se nach der Pro­to­kollerklärung Nr. 3 zu § 16 Abs. 2 TV-L grundsätz­lich bei der Er­mitt­lung die­ser Er­fah­rung berück­sich­tigt wer­den kann. Der Stu­fen­auf­stieg im Ent­gelt­sys­tem des TV-L soll die ge­won­ne­ne Be­rufs­er­fah­rung ho­no­rie­ren. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind da­von aus­ge­gan­gen, dass die Beschäftig­ten durch die Ausübung der ih­nen über­tra­ge­nen Tätig­keit lau­fend Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen sam­meln, die die Ar­beits­qua­lität und -quan­tität ver­bes­sern (vgl. für den TVöD BAG 27. Ja­nu­ar 2011 - 6 AZR 526/09 - Rn. 35, BA­GE 137, 80). Es spricht nichts dafür, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die in be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung ge­rin­ger ge­wich­ten woll­ten als die in un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen er­wor­be­ne. Da­ge­gen spricht schon die Berück­sich­ti­gung der Be­rufs­er­fah­rung aus be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen bei der Stu­fen­zu­ord­nung nach § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L. Un­abhängig da­von gibt es kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ent­ge­gen dem aus­drück­li­chen ge­setz­li­chen Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung von be­fris­tet Beschäftig­ten in § 4 Abs. 2 Tz­B­fG die­sen Per­so­nen­kreis ge­genüber un­be­fris­tet Beschäftig­ten zurück­set­zen woll­ten.
III. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TV-L ha­ben - im Un­ter­schied zu de­nen des TVöD in der für die VKA gel­ten­den Fas­sung - in der Pro­to­kollerklärung Nr. 3 zu § 16 Abs. 2 TV-L fest­ge­legt, in wel­chen Fällen ein vor­he­ri­ges Ar­beits­verhält­nis iSd. § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L vor­liegt. Sie ha­ben da­bei berück­sich­tigt, dass die ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung bei kur­zen zeit­li­chen Un­ter­bre­chun­gen ty­pi­scher­wei­se vom Be­ginn ei­nes neu­en Ar­beits­verhält­nis­ses zum sel­ben Ar­beit­ge­ber an ver­wert­bar ist und in Wahr­neh­mung ih­rer Einschätzungs­präro-gati­ve den unschädli­chen Zeit­raum auf sechs Mo­na­te bzw. für den Per­so­nen­kreis des Klägers auf ein Jahr fest­ge­legt. Bei al­len drei be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen, die die Par­tei­en vor dem letz­ten Ver­trag vom 18./19. März 2009 ge­schlos­sen ha­ben, han­delt es sich da­nach um berück­sich­ti­gungsfähi­ge frühe-
re Ar­beits­verhält­nis­se. Zwi­schen den Par­tei­en steht außer Streit, dass die Tätig­keit des Klägers stets un­verändert ge­blie­ben ist und er ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung iSv. § 16 Abs. 2 TV-L er­wor­ben hat, die da­mit auch für die Stu­fen­lauf­zeit nach § 16 Abs. 3 TV-L zu berück­sich­ti­gen ist. Der Kläger war des­halb be­reits seit dem 1. Mai 2009 der Stu­fe 2 der EG 13 zu­ge­ord­net.
D. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Da­bei war zu berück­sich­ti­gen, dass der an­walt­lich ver­tre­te­ne Kläger bis zum Ter­min der münd­li­chen Ver­hand­lung in der Re­vi­si­ons­in­stanz aus­drück­lich die be­gehr­te Fest­stel­lung oh­ne zeit­li­che Be­gren­zung für die Zu­kunft ver­folgt hat, ob­wohl der Be­klag­te be­reits im ers­ten Rechts­zug vor­ge­tra­gen hat­te, er wer­de dem Kläger ab dem 1. April 2010 ein Ent­gelt aus der Stu­fe 2 sei­ner Ent­gelt­grup­pe zah­len. Ei­ne Aus­le­gung des An­trags da­hin, dass ent­ge­gen des­sen aus­drück­li­chem Wort­laut ei­ne Zah­lung ursprüng­lich nur bis zum 31. März 2010 be­gehrt wor­den ist, war nicht möglich. Es ist ein Ge­bot der Rechts­si­cher­heit, Rechts­kun­di­ge bei Pro­zes­serklärun­gen, die der­art ein­deu­tig ab­ge­ge­ben wer­den, beim Wort zu neh­men (vgl. BAG 31. März 1993 - 2 AZR 467/92 - zu B II 2 a der Gründe, BA­GE 73, 30; vgl. auch BFH st. Rspr. seit 9. Ju­ni 1986 - IX B 90/85 - BFHE 146, 395; vgl. auch BVerwG 30. April 1985 - 3 CB 35.84 - Buch­holz 310 § 132 Vw­GO Nr. 231). Des­halb wa­ren dem Kläger die Kos­ten auf­zu­er­le­gen, so­weit sie durch die un­ein­ge­schränk­te An­trag­stel­lung ver­ur­sacht wor­den sind. Da­bei war zur Er­mitt­lung der Kos­ten­quo­te nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats ein fik­ti­ver, den ge­sam­ten Streit­ge­gen­stand ab­bil­den­der Streit­wert zu bil­den. Bei der Be­rech­nung die­ses fik­ti­ven Streit­werts war gemäß § 42 Abs. 3 Satz 2 GKG das 36-Fa­che der Dif­fe­renz zum Ent­gelt aus der Stu­fe 2 der Ent-gelt­grup­pe des Klägers an­zu­set­zen, weil die­ser bis zum Ter­min am 21. Fe­bru­ar 2013 die strei­ti­ge Dif­fe­renz nicht nur bis zum 31. März 2010 ver­langt hat. Für je­de In­stanz war be­zo­gen auf den Zeit­punkt des Schlus­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung der von der Fest­stel­lungs­kla­ge um­fass­te, ver­gan­gen­heits­be­zo­ge­ne Zeit­raum ei­ner­seits und der zu­kunfts­ge­rich­te­te Teil der Kla­ge an­de­rer­seits zu berück­sich­ti­gen. Letz­te­rer war we­gen der Un­ge­wiss­heit der künf­ti­gen Ent­wick­lung in An­leh­nung an § 42 Abs. 3 Satz 2 GKG mit dem 36-Fa­chen der
be­gehr­ten Vergütungs­dif­fe­renz zu be­wer­ten. Aus­ge­hend von die­ser Be­rech­nungs­wei­se wa­ren die Kos­ten zu quo­tie­ren (vgl. BAG 18. Ja­nu­ar 2012 - 6 AZR 462/10 - Rn. 22, AP TV Um­Bw § 6 Nr. 3).
Jos­tes
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References: § 6
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 § 22
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 § 1
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 § 1
 § 1
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 § 4
 EuGH 
 § 16
 § 4
 § 4
 Art. 3
 § 4
 EuGH 
 § 3
 EuGH 
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 EuGH 
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 § 4
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 § 16
 § 16
 § 16
 § 92
 § 132
 § 42
 § 42
 § 6