Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/die-kurgemeinde-unternehmer-3135392?pk_campaign=feed&pk_kwd=die-kurgemeinde-unternehmer
Timestamp: 2019-08-18 21:17:38+00:00

Document:
Da der „Betrieb der Kur­ein­rich­tun­gen” gegen eine Kur­ta­xe kei­ne unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit dar­stellt, sind die erklär­ten Umsät­ze aus der Erhe­bung der Kur­ta­xe im Übri­gen nicht umsatz­steu­er­bar und folg­lich die bereits vom Beklag­ten gewähr­ten Vor­steu­er­be­trä­ge abzu­er­ken­nen. Das Finanz­ge­richt ist dar­an aller­dings auf­grund des Ver­bö­se­rungs­ver­bo­tes nach § 96 Abs. 1 Satz 2 Halbs. 1 FGO gehin­dert, da der Gemein­de bereits Vor­steu­ern in erheb­li­chem Umfang zuer­kannt und erstat­tet wur­den 10.
Selbst wenn aber die Gemein­de durch den „Betrieb der Kur­ein­rich­tun­gen” gegen eine Kur­ta­xe unter­neh­me­risch tätig gewe­sen sein soll­te, wür­de der begehr­te, wei­te­re Vor­steu­er­ab­zug jeden­falls am feh­len­den Zusam­men­hang zwi­schen den Kos­ten für die Errich­tung, Unter­hal­tung und den Betrieb der Anla­gen und ihrer (unter­stell­ten) wirt­schaft­li­chen Tätig­keit (Kur­be­trieb) schei­tern.
Ent­spre­chen­des gilt für den Park, des­sen erklär­tes Ziel es ist, die Lebens­qua­li­tät für die Men­schen im länd­li­chen Raum zu sichern und zu ver­bes­sern sowie dem demo­gra­fi­schen Wan­del zu begeg­nen. Eine Zuord­nung zum Kur­be­trieb ergibt sich dar­aus nicht. Auch die von der Gemein­de ein­ge­reich­ten Foto­gra­fi­en bestär­ken das Finanz­ge­richt in der Auf­fas­sung, dass der Park dem All­ge­mein­ge­brauch gewid­met ist, weil er von allen Nut­zungs­wil­li­gen unein­ge­schränkt in Anspruch genom­men wer­den kann, wenn es auf der Infor­ma­ti­ons­ta­fel u.a. heißt: „Herz­lich Will­kom­men! Lie­be Kin­der und Jugend­li­che, lie­be Erwach­se­ne…”.
Den­noch ist der hin­sicht­lich des Kur­hau­ses gewähr­te Vor­steu­er­ab­zug im Ergeb­nis nicht zu bean­stan­den, denn die von der Gemein­de ein­ge­reich­te Dar­stel­lung ihrer Nut­zung in 2013 kann der Vor­steu­er­auf­tei­lung nicht zugrun­de gelegt wer­den. So geht die Gemein­de im Hin­blick auf Ver­an­stal­tun­gen wie „Tanz für Jeder­mann”, „Offe­ner Abend”, „Musik­hoch­schu­le Kam­mer­kon­zert”, „Come­dy Night”, Neu­jahrs­emp­fang und Got­tes­diens­te ‑die der All­ge­mein­heit kos­ten­frei zur Nut­zung ange­bo­ten wur­den- davon aus, dass die­se Teil einer unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit sei­en. Damit über­dehnt die Gemein­de die Reich­wei­te ihrer ‑an die­ser Stel­le vom Finanz­ge­richt ent­ge­gen obi­ger Aus­füh­rung ledig­lich hilfs­wei­se unter­stell­ten- unter­neh­me­ri­schen Sphä­re. An die­ser unzu­tref­fen­den Auf­fas­sung hält die Gemein­de auch wei­ter­hin im Wesent­li­chen fest, indem sie nur ein­zel­ne Nut­zun­gen (z.B. Agen­ten­din­ner, Pup­pen­thea­ter, Weih­nachts­fei­er, Sil­ves­ter­ball und ein Kam­mer­kon­zert) nun­mehr als nicht­un­ter­neh­me­ri­sche Ver­wen­dung des Kur­hau­ses ansieht und ein­zel­ne umsatz­steu­er­freie Ver­mie­tun­gen von Saal­flä­chen man­gels Opti­ons­mög­lich­keit zutref­fend als vor­steu­er­schäd­lich betrach­tet. Hin­sicht­lich des Groß­teils der vor­ge­nann­ten Nut­zun­gen hält sie jedoch ihre Auf­fas­sung auf­recht, dass die­se Ver­an­stal­tun­gen Teil einer unter­neh­me­ri­schen Ver­wen­dung durch die Gemein­de gewe­sen sei­en (z.B. „Tanz für Jeder­mann”, „Offe­ner Abend”, wei­te­re Kam­mer­kon­zer­te der Musik­hoch­schu­le, „Come­dy Night” und Neu­jahrs­emp­fang). Weil die­se genann­ten Ver­an­stal­tun­gen einen Groß­teil der Bele­gung des Kur­hau­ses aus­ma­chen, ergibt sich die Unge­eig­net­heit des klä­ger­sei­ti­gen Auf­tei­lungs­maß­stabs. Vor die­sem Hin­ter­grund und unter Berück­sich­ti­gung des Umstan­des, dass die Gemein­de hin­sicht­lich der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Vor­steu­er­ab­zugs die Fest­stel­lungs­last trägt, redu­ziert das Finanz­ge­richt die durch den Beklag­ten bereits gewähr­ten Vor­steu­er­be­trä­ge nur des­halb nicht, weil er hier­an auf­grund des Ver­bö­se­rungs­ver­bo­tes nach § 96 Abs. 1 Satz 2 Halbs. 1 FGO gehin­dert ist 10.
EuGH, Urteil Evita‑K vom 18.07.2013 – C‑78/​12, ABl EU 2013, Nr. C 260, 11 Rn. 37; BFH, Beschluss vom 03.08.2007 – V B 73/​07, BFH/​NV 2007, 2368 Rn. 12↩
BFH, Urtei­le vom 03.08.2017 – V R 62/​16, BFH/​NV 2018, 301 Rn. 23; vom 01.12 2011 – V R 1/​11, BSt­Bl II 2017, 834 Rn. 15 f.; vom 03.03.2011 – V R 23/​10, BSt­Bl II 2012, 74 Rn. 21; und vom 15.04.2010 – V R 10/​09, BSt­Bl II 2017, 863, 416 Rn. 14 bis 48↩
BFH, Urteil vom 03.08.2017 – V R 62/​16, BFH/​NV 2018, 301 Rn. 23↩
EuGH, Urteil Isle of Wight Coun­cil vom 16.09.2008 – C‑288/​07, ABl EU 2008, Nr. C 301, 9 Rn. 64↩
EuGH, Urteil Natio­nal Roads Aut­ho­ri­ty vom 19.01.2017 – C‑344/​15, ABl EU 2017, Nr. C 70 3 – 4 Rn. 44↩
vgl. EuGH, Urteil Natio­nal Roads Aut­ho­ri­ty vom 19.01.2017 – C‑344/​15, ABl EU 2017, Nr. C 70 3 – 4 Rn. 50 f.; Michel, Höchst­rich­ter­li­che Finanz­recht­spre­chung ‑HFR- 2018, 162, 163; Bir­ken­feld in Birkenfeld/​Wäger, Umsatz­steu­er-Hand­buch, § 46 Rn. 103; Evers­loh, juris Pra­xis­Re­port Steu­er­recht ‑juris­PR-Steu­er­recht- 12/​2018, Anm. 6 D↩
ABl EU 2015, Nr. C 414, 3 – 4↩
Meu­rer, MwStR 2016, 192, 195; a.A. Küff­ner, DStR 2015, 2444, 2445↩
vgl. Heu­er­mann in Sölch/​Ringleb, UStG, Stand Juni 2018, § 27 Rn. 80; Wid­mann, Umsatz­steu­er-Rund­schau ‑UR- 2016, 13, 15↩
vgl. BFH, Urteil vom 26.11.1997 – X R 146/​94, BFH/​NV 1998, 961 Rn.19; Rat­schow in Grä­ber, FGO, 8. Aufl., 2015, § 96 Rn. 51 f.↩↩
EuGH, Urtei­le Iber­dro­la vom 14.09.2017 – C‑132/​16, ABl EU 2017, Nr. C 382, 17 Rn. 25 f. und Sve­da vom 22.10.2015 – C‑126/​14, ABl EU 2015, Nr. C 414, 3 – 4 Rn. 25 m.w.N.↩
EuGH, Urtei­le Iber­dro­la vom 14.09.2017 – C‑132/​16, ABl EU 2017, Nr. C 382, 17 Rn. 28 bis 30 und SKF vom 29.10.2009 – C‑29/​08, ABl EU 2009, Nr. C 312, 3 – 4 Rn. 57↩
EuGH, Urtei­le Iber­dro­la vom 14.09.2017 – C‑132/​16, ABl EU 2017, Nr. C 382, 17 Rn. 31 und Sve­da vom 22.10.2015 – C‑126/​14, ABl EU 2015, Nr. C 414, 3 – 4 Rn. 29↩
BFH, Urtei­le vom 03.08.2017 – V R 62/​16, BFH/​NV 2018, 301 Rn. 26 – Markt­platz einer Kur­stadt; vom 26.04.1990 – V R 166/​84, BSt­Bl II 1990, 799 Rn. 13 – Spa­zier- und Wan­der­we­ge einer Kur­ge­mein­de; und vom 11.06.1997 – XI R 65/​95, BSt­Bl II 1999, 420 Rn. 21 – Strand­pro­me­na­de; Urteil des Finanz­ge­richts ‑FG- Mün­chen vom 24.07.2013 3 K 3274/​10, Ent­schei­dun­gen der Finanz­ge­rich­te ‑EFG- 2013, 1973 – Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de vom BFH zurück­ge­wie­sen mit BFH, Beschluss vom 12.03.2014 – XI B 97/​13, BFH/​NV 2014, 1062; Wäger, Ent­schei­dun­gen des BFH für die Pra­xis der Steu­er­be­ra­tung ‑BFH/PR- 2018, 65, 66 Zif­fer 3↩
Bock in Kunze/​Schmidt, GemO für Baden-Würt­tem­berg, Stand Febru­ar 2017, § 10 Rn. 15↩
Ade/​Pautsch in Pra­xis der Kom­mu­nal­ver­wal­tung, Stand Juli 2017, § 10 Rn.03.1; Aker in Aker/​Hafner/​Notheis, GemO Baden-Würt­tem­berg, 2013, § 10 Rn. 8↩
Bock in Kunze/​Schmidt, GemO für Baden-Würt­tem­berg, Stand Febru­ar 2017, § 10 Rn. 15 m.w.N.↩
BFH, Urtei­le vom 03.03.2011 – V R 23/​10, BSt­Bl II 2012, 74 Rn. 23; und vom 22.10.2009 – V R 33/​08, BFH/​NV 2010, 957 Rn. 27 ff.↩
BFH, Urteil vom 03.08.2017 – V R 62/​16, BFH/​NV 2018, 301 Rn. 26↩
BFH, Urtei­le vom 03.08.2017 – V R 62/​16, BFH/​NV 2018, 301 Rn.19; und vom 03.03.2011 – V R 23/​10, BSt­Bl II 2012, 74 Rn. 31↩
BFH, Urteil vom 08.10.2008 – XI R 58/​07, BSt­Bl II 2009, 394; Heid­ner in Bun­jes, 16. Aufl., 2017, UStG, § 15 Rn. 107↩

References: § 96
 § 96
 § 46
 § 27
 § 96
 § 10
 § 10
 § 10
 § 10
 § 15