Source: https://forum-bge.de/thread-14.html
Timestamp: 2020-08-03 11:28:02+00:00

Document:
Steckbrief_AK_Bergbau.pdf (Größe: 204,62 KB / Downloads: 237)
vielen Dank für diesen wichtigen Einwand.
Sie schlagen vor, einen (steilsten) Grenzwinkel für jede Sohle aller bundesweit verfügbaren Bergwerke einzeln zu ermitteln um dadurch zu einer besseren Abschätzung von Beeinflussungs- und Ausschlussbereichen zu gelangen. Wir stimmen Ihnen zu, dass dieses Vorgehen verglichen mit dem von der BGE vorgeschlagenen Verfahren zu einer methodisch präziseren Abschätzung von Beeinflussungsbereichen führen kann.
Gleichzeitig lässt sich Ihr Vorschlag von uns nicht durch eine Änderung in der Reihenfolge unserer Verfahrensschritte realisieren. Die laterale Ausdehnung einzelner Sohlen liegt der BGE in den wenigsten Fällen digital vor. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass ein Risswerk üblicherweise in analoger Form durch die Betreiber eines Bergwerkes an die zuständige Behörde übergeben wird. Wir arbeiten daher auf Basis der maximalen lateralen Erstreckung von Bergwerken (nicht einzelner Sohlen), die uns entweder digital von den zuständigen Behörden übermittelt oder durch unsere eigenen Digitalisierungsarbeiten erstellt wurden.
Nun stellt sich die Frage, ob die von Ihnen beschriebene methodische Präzisierung zur Abschätzung von Beeinflussungsbereichen für Phase 1, Schritt 1 des Standortauswahlverfahrens einen signifikanten Mehrwert hätte. Letztendlich stellt die pauschale Annahme eines Grenzwinkels von 85 Gon eine starke Vereinfachung dar, die verglichen mit der im Standortauswahlgesetz gewählten Formulierung „dass daraus negative Einflüsse auf den Spannungszustand und die Permeabilität des Gebirges (…) zu besorgen sind“ (§ 22 Abs. 2 Nummer 3 StandAG) zu einer mitunter signifikanten Unterschätzung von Ausschlussflächen führt. Eine Anwendung dieses Verfahrens auf jede Sohle einzeln würde zwar auf der einen Seite eine methodische Präzisierung darstellen, auf der anderen Seite aber auch eine Scheingenauigkeit suggerieren, denn eine genaue Abschätzung der tatsächlichen Beeinflussungsbereiche im oben zitierten Sinne läge auch dann nicht vor.
Die BGE bearbeitet in dieser Phase des Standortauswahlverfahrens eine große Anzahl von Objekten, die auf Basis einfacher geometrischer Verfahren ausgewertet werden. Bei fehlender Einzelfallbetrachtung ist es wichtig, dass wir uns die Möglichkeit einer zukünftigen Präzisierung von Ausschlussflächen erhalten. Aus diesem Grund verfolgt auch die BGE für den Zwischenbericht Teilgebiete den von Ihnen beschriebenen Grundsatz, Ausschlussbereiche im Zweifel eher zu unter- als zu überschätzen. Diesem Grundsatz werden wir mit dem von uns beschriebenen Verfahren auch ohne eine sohlenhafte Anwendung des steilsten Grenzwinkels gerecht.
Bei nochmaliger Prüfung Ihres Verfahrens fällt folgendes auf, was ebenfalls zu einem zu großen Ausschluss führt:
Oben führt die BGE aus, dass unterhalb von bergbaulichen Objekten keine negative Beeinflussung auf Endlagerbereiche auftreten würde, und begründet damit, dass bergbauliche Objekte, die eine Teufe weniger als 300 m erreichen, nicht betrachtet werden müssten.
Ein gewisser vertikaler Abstand unterhalb von bergbaulichen Objekten wird aber naturgemäß festzulegen sein. Dieser ist jedoch nicht, wie die obige Begründung auch zeigt, unbegrenzt groß. Ein Ausschluss unterhalb der Projektion in der Tiefe für den gesamten endlagerrelevanten Bereich ist in der Folge unzulässig.
Es ist nicht zu vermitteln, dass beispielsweise unterhalb eines kleinen Bergwerks, mit einer Ausdehung bis zu einer Teufe von 400 m, in einer Teufe von 1000 m ein Endlager von vornherein ausgeschlossen ist.
Liebes Forums-Mitglied „Königin“,
vielen Dank für Ihren Beitrag. Mit Ihrer Frage sprechen Sie zwei Punkte an, die wir in unserer Antwort gerne aufgreifen möchten:
1.) Kein Ausschluss von Bergwerken oberhalb einer Teufe von 300 m unter GOK: Sie weisen völlig richtig darauf hin, dass die BGE in der aktuellen Ausschlussmethodik keinen Ausschluss von Bergwerken vorsieht, die sich oberhalb von 300 m unter GOK befinden. Diese Entscheidung ist jedoch nicht damit begründet, dass das Gebirge unterhalb dieser oberflächennahen Bergwerke unbeeinflusst wäre. Uns ist bewusst, dass auch für diese Objekte mit einer Beeinflussung des endlagerrelevanten Teufenbereichs (300 m – 1500 m) zu rechnen ist. Eine Bewertung dieser Objekte ist daher im weiteren Verlauf des Standortauswahlverfahrens vorgesehen. Gegenwärtig stellt diese Teufengrenze eine für Phase 1, Schritt 1 des Standortauswahlverfahrens angemessene Reduzierung des Detaillierungsgrads dar, wodurch wir auf eine Bewertung von einer Vielzahl kleiner Objekte, inkl. kleiner Tagebaue und Weinkeller, verzichten.
2.) Ausschluss im gesamten endlagerrelevanten Bereich für Bergwerke tiefer als 300 m unter GOK: Unser Vorschlag, Bergbauobjekte mit einer Teufe größer als 300 m unter GOK über den gesamten endlagerrelevanten Teufenbereich hinweg auszuschließen, ist in erster Linie dadurch begründet, dass die vom Bergbau induzierten Einflüsse auf den Spannungszustand und die Permeabilität des Gebirges auch in weitreichender vertikaler Erstreckung zu besorgen sind. Wir gehen davon aus, dass die Errichtung eines Endlagers unter Ausweisung und Berücksichtigung des einschlusswirksamen Gebirgsbereiches unterhalb eines z.B. 400 m tiefen Bergwerks vor dem Hintergrund der in § 22 Abs. 2 Nr. 3 StandAG gewählten Formulierung „dass […] negative Einflüsse auf den Spannungszustand und die Permeabilität des Gebirges […] zu besorgen sind“ nicht möglich ist. Denn im Gebirgsbereich, der ein Bergwerk umgibt, ist allseitig eine Spannungsentlastung und ggf. sogar Schädigung zu erwarten. Dies betrifft auch den Gebirgsbereich unterhalb des Bergwerkes.
hier folgen Ergänzungen zum Steckbrief für das Ausschluss­kriterium „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit“:
Download "Ergänzungen zum Steckbrief" auf der BGE Webseite
Grundlage der Ausschlussmethodik für Bergbau im Rahmen des Ausschlusskriteriums „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit“ sind die Beeinflussungsbereiche, die - je nach landesspezifischem Vorgehen und Verfügbarkeit - von den Bergbehörden ausgewiesen bzw. durch die BGE selbst abgeschätzt werden. Die Einschätzung der Beeinflussungsbereiche durch die BGE erfolgt auf Grundlage der an die Erdoberfläche projizierten größten lateralen Erstreckung eines Bergwerkes anhand vorliegender Risswerke.
Die aktuelle Bewertung der Datenlage und -menge zu den Regionen des Steinkohle­bergbaus in Nordrhein-Westfalen (NRW) erfordert ein methodisches Vorgehen, das von der oben beschriebenen Ausschlussmethode abweicht. Mit dieser Ergänzung zu unserem Methodensteckbrief möchten wir Ihnen unser Vorgehen für den Steinkohlebergbau in NRW vorstellen:
Der Steinkohlebergbau in NRW, insbesondere des Ruhrgebiets, nimmt aufgrund des jahrhundertelangen Bergbaus eine Sonderstellung in Deutschland ein. Kein Gebiet ist bundesweit so stark vom Bergbau betroffen wie das Ruhrgebiet. Nirgends sonst in Deutschland ist die Dichte von Bergwerken in einem Gebiet so hoch, mit weitreichenden Folgen für das Gebirge. Die Konzentration hunderter Bergwerke auf diesem Gebiet führt zu einer großflächigen Überlagerung und gegenseitigen Beeinflussung der bergbaulichen Einwirkungsbereiche.
Steinkohlebergwerke sind in NRW auf Basis sogenannter „Rissblattumhüllender“ digital erfasst. Solche Rissblattumhüllende repräsentieren Ränder analoger Kartenblätter, auf denen das Grubengebäude dargestellt ist. Durch das Übereinanderlegen und Zusammenführen sämtlicher zu einem Bergwerk gehörender Kartenränder entsteht eine Fläche, die das darunterliegende Bergwerk in Hinblick auf seine laterale Ausdehnung abdeckend erfasst. Der Abstand zwischen Rissblattumhüllender und der tatsächlichen lateralen Erstreckung eines Bergwerks ist jedoch variabel und reicht von einigen Metern bis hin zu wenigen Kilometern.
Nun könnte ein Ausschluss auf Basis dieser Rissblattumhüllenden im Randbereich der Steinkohlereviere in NRW zu einer Überschätzung von Ausschlussflächen führen. Um dies zu vermeiden, wird der tatsächliche geometrische Zusammenhang zwischen der maximalen lateralen Ausdehnung des Grubengebäudes und der dazugehörigen Rissblattumhüllenden aktuell von der BGE für eine Stichprobe von Objekten untersucht.
Um die räumliche Distanz zwischen Rissblattumhüllender und dem tatsächlich aufgefahrenen Grubengebäude in Hinblick auf eine mögliche Überschätzung von Ausschlussflächen zu bewerten, ist zudem eine Abschätzung der Ausdehnung von Beeinflussungsbereichen nötig (Entfernung um die ein Ausschluss um das Grubengebäude herum erfolgt). Dabei haben wir uns für den Steinkohlebergbau in NRW bewusst gegen den im Methodensteckbrief beschriebenen Ansatz der Abschätzung von Beeinflussungsbereichen auf Basis des steilsten Grenzwinkels entschieden. Aufgrund der eingangs beschriebenen Situation der massiven Durchörterung des Gebirges im Zusammenhang mit dem Steinkohlebergbau in NRW, halten wir es für zielführend, für die uns vorliegende Stichprobe von Objekten bereits für Phase 1, Schritt 1 des Standortauswahlverfahrens zu einer detaillierten Abschätzung des Bereichs zu gelangen, in dem nach § 22 Abs. 2 Nr. 3 StandAG[1] „negative Einflüsse auf den Spannungszustand und die Permeabilität des Gebirges […] zu besorgen sind“. Dazu führt die BGE auf Basis numerischer Verfahren rechnerische Abschätzungen durch, um die Änderungen des Spannungszustandes im Gebirge zu erfassen und diese in Abhängigkeit des Abstandes zum Abbaubereich zu quantifizieren.
Anschließend prüft die BGE die räumliche Distanz zwischen Rissblattumhüllender und dem tatsächlich aufgefahrenen Grubengebäude inklusive dem durch die BGE ausgewiesenen Beeinflussungsbereich. Gegebenenfalls werden die Rissblattumhüllenden im Randbereich des Ruhrgebiets um einen definierten Betrag verkleinert, sollten die von uns stichprobenartig abgeschätzten Beeinflussungsbereiche ergeben, dass die Rissblattumhüllende im Verhältnis zum tatschlichen Grubenhohlraum den zu erwartenden bergbaulichen Einwirkungsbereich signifikant überschätzt.
[1] Standortauswahlgesetz vom 5. Mai 2017 (BGBl. I S. 1074), das zuletzt durch Artikel 247 der Verordnung vom 19. Juni 2020 (BGBl. I S. 1328) geändert worden ist

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 § 22
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