Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Zusatzurlaub_Schwerbehinderter_verfaellt_nicht_bei_langer_Krankheit_BAG_9AZR128-09.html
Timestamp: 2018-06-21 23:53:12+00:00

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ar­beits­ge­richt Düwell, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krasshöfer, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gall­ner so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lang und Preuß für Recht er­kannt:
Der 1949 ge­bo­re­ne Kläger war seit 1971 - zu­letzt im Außen­dienst - in
Ur­laub, der nicht in­ner­halb der ge­nann­ten Fris­ten an­ge­tre­ten ist, verfällt.
gilt, wenn das Ar­beits­verhält­nis durch Auflösungs­ver­trag (§ 58) oder we­gen ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit (§ 59) en­det oder wenn das Ar­beits­verhält­nis nach § 59 Abs. 1 Un­terabs. 1 Satz 5 zum Ru­hen kommt.
Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses we­gen ver-
min­der­ter Er­werbsfähig­keit
Ar­beits­verhält­nis en­det. ...“
jähr­lich und des Schwer­be­hin­der­ten­zu­satz­ur­laubs von fünf Ta­gen pro Jahr sei­en ver­fal­len.
1. Nach § 47 Abs. 7 Un­terabs. 4 MTAng-BfA verfällt Ur­laub, der nicht
in­ner­halb der in § 47 Abs. 7 Un­terabs. 2 MTAng-BfA ge­nann­ten Fris­ten an­ge­tre­ten ist. § 51 Abs. 1 Un­terabs. 1 Satz 2 und 3 MTAng-BfA sieht vor, dass Ur­laub, der vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses we­gen be­stimm­ter Be­en-di­gungs- oder Ru­hen­stat­bestände nicht gewährt wer­den kann, ab­zu­gel­ten ist.
2. Der Kläger konn­te den Ur­laub für das Jahr 2004 nicht bis 30. Ju­ni 2005
und den Ur­laub für 2005 nicht bis zum En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses am 30. Sep­tem­ber 2005 an­tre­ten. Er war vom 8. Sep­tem­ber 2004 bis 30. Sep­tem­ber 2005 durch­ge­hend ar­beits­unfähig er­krankt und in die­ser Zeit nicht im­stan­de, sei­ne ver­trags­gemäße Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen. Der Kläger hat hin­sicht­lich des ta­rif­li­chen Mehr­ur­laubs für 2005 auch nicht be­haup­tet, er sei bis zum En­de des Über­tra­gungs­zeit­raums am 30. Ju­ni 2006 (§ 47 Abs. 7 Un­terabs. 2 Satz 2 2. Alt. MTAng-BfA) wie­der ar­beitsfähig ge­wor­den. Hierfür ist er dar­le-gungs- und be­weis­be­las­tet (vgl. Se­nat 27. Mai 1997 - 9 AZR 337/95 - zu I 2 d der Gründe, BA­GE 86, 30). Der An­spruch auf Mehr­ur­laub für 2005 wäre bis zum En­de des ta­rif­li­chen Über­tra­gungs­zeit­raums nicht erfüll­bar ge­we­sen (vgl. für die st. Rspr. des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor EuGH Schultz-Hoff, die dar­aus schloss, auch der Ab­gel­tungs­an­spruch sei nicht erfüll­bar, Se­nat 7. Sep­tem­ber 2004 - 9 AZR 587/03 - zu I 2 a der Gründe, EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 12).
3. Für das Jahr 2004 ent­stand be­reits kein An­spruch auf Ab­gel­tung des
ta­rif­li­chen Mehr­ur­laubs, weil der Kläger am 30. Ju­ni 2005 ar­beits­unfähig war und den Ur­laub des­halb nicht an­tre­ten konn­te. Der Mehr­ur­laubs­an­spruch aus 2004 ver­fiel mit dem 30. Ju­ni 2005 und konn­te sich mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses am 30. Sep­tem­ber 2005 nicht mehr in ei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch um­wan­deln. Der mit dem En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses am 30. Sep­tem­ber 2005 ent­stan­de­ne Ab­gel­tungs­an­spruch für das Jahr 2005 ver­fiel mit dem 30. Ju­ni 2006, weil der Kläger an die­sem Tag nach wie vor ar­beit­sun­fähig war.
4. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können Ur­laubs- und Ur­laubs­ab­gel­tungs-
ansprüche, die den von Art. 7 Abs. 1 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie gewähr­leis­te­ten und von §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG be­gründe­ten An­spruch auf Min­dest­jah­res­ur­laub
von vier Wo­chen über­stei­gen, frei re­geln (vgl. zu ver­trag­li­chen Mehr­ur­laubs­ansprüchen Se­nat 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 81 ff., AP BUrlG § 7 Nr. 39 = EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 15; eben­so Bau­er/Ar­nold Anm. AP BUrlG § 7 Nr. 39 zu 3; Krie­ger/Ar­nold NZA 2009, 530, 532; Liebs­cher öAT 2010, 11, 13; Schlach­ter RdA 2009 Son­der­bei­la­ge Heft 5, 31, 35; Sedl­mei­er Eu­ZA 2010, 88, 98; Su­bat­zus DB 2009, 510, 512; wohl auch Ge­nen­ger Anm. LA­GE BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 22 zu IV 1 d; aA mit Blick auf die im Uni­ons­recht gewähr­leis­te­ten Grund­rechts­po­si­tio­nen der Pri­vat­au­to­no­mie und der Ver­trags­frei­heit Abe­le RdA 2009, 312, 316 f.). Die Re­ge­lungs­macht der Ta­rif­part­ner ist nicht durch die für ge­setz­li­che Ur­laubs­ansprüche ge­genüber öffent­li­chen Ar­beit­ge­bern ein­tre­ten­de un­mit­tel­ba­re Wir­kung von Art. 7 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie oder die im Pri­vat­rechts­ver­kehr er­for­der­li­che richt­li­ni­en­kon­for­me Fort­bil­dung des § 7 Abs. 3 und 4 BUrlG be­schränkt (zu die­ser richt­li­ni­en­kon­for­men Rechts­fort­bil­dung ausführ­lich Se­nat 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 44 ff., aaO; me­tho­disch ab­leh­nend und für ei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung Ka­man­ab­rou SAE 2009, 233, 236). Ei­nem ta­rif­lich an­ge­ord­ne­ten Ver­fall des über­ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruchs und sei­ner Ab­gel­tung steht nach dem kla­ren Richt­li­ni­en­recht und der ge­si­cher­ten Recht­spre­chung des EuGH kein Uni­ons­recht ent­ge­gen (vgl. zu den Er­for­der­nis­sen ei­ner ei­ge­nen Aus­le­gung des Uni­ons­rechts durch das na­tio­na­le Ge­richt, des­sen Ent­schei­dun­gen nicht mehr mit Rechts­mit­teln des in­ner­staat­li­chen Rechts an­ge­foch­ten wer­den können, EuGH 6. De­zem­ber 2005 - C-461/03 - [Gas­ton Schul Doua­ne-Expédi­teur] Rn. 15 ff., Slg. 2005, I-10513; 15. Sep­tem­ber 2005 - C-495/03 - [In­ter­mo­dal Trans­ports] Rn. 33 ff., Slg. 2005, I-8151; 6. Ok­to­ber 1982 - Rechts­sa­che 283/81 - [C.I.L.F.I.T.] Rn. 13 ff., Slg. 1982, 3415). Ei­ne Vor­la­ge­pflicht nach Art. 267 Abs. 3 AEUV be­steht nach An­sicht des Se­nats nicht.
aa) Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat für die Ver­let­zung von Art. 101
Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on soll die ord­nungs­gemäße An­wen­dung und die ein­heit­li­che Aus­le­gung des Uni­ons­rechts in al­len Mit­glied­staa­ten si­cher­ge­stellt wer­den (vgl. zu Art. 234 Abs. 3 EG EuGH 15. Sep­tem­ber 2005 - C-495/03 - [In­ter­mo­dal Trans­ports] Rn. 29 und 38, Slg. 2005, I-8151; noch zu Art. 177 Abs. 3 EWG-Ver­trag 6. Ok­to­ber 1982 - Rechts­sa­che 283/81 - [C.I.L.F.I.T.] Rn. 7, Slg. 1982, 3415).
schei­den­de in­ner­staat­li­che Ge­richt ei­ne of­fen­kun­di­ge Aus­le­gung des Uni­ons­rechts an, braucht es den EuGH nicht um Vor­ab­ent­schei­dung zu er­su­chen. Das na­tio­na­le Ge­richt darf die Fra­ge in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung be­ant­wor­ten (vgl. EuGH 15. Sep­tem­ber 2005 - C-495/03 - [In­ter­mo­dal Trans­ports] Rn. 33 und 35, aaO).
cc) Die Ar­beits­zeit­richt­li­nie enthält im Un­ter­schied zur sog. Mut­ter­schutz-
(1) Nach Art. 8 Abs. 1 der Mut­ter­schutz­richt­li­nie tref­fen die Mit­glied­staa­ten
„die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass den Ar­beit­neh­me­rin­nen ... ein Mut­ter­schafts­ur­laub von min­des­tens 14 Wo­chen oh­ne Un­ter­bre­chung gewährt wird“. Art. 11 Nr. 2 Buchst. a der Mut­ter­schutz­richt­li­nie ver­langt, dass „die mit dem Ar­beits­ver­trag der Ar­beit­neh­me­rin­nen im Sin­ne des Ar­ti­kels 2 ver­bun­de­nen an­de­ren Rech­te als die un­ter dem nach­ste­hen­den Buch­sta­ben b) ge­nann­ten“ gewähr­leis­tet sein müssen. Art. 11 Nr. 2 Buchst. b der Mut­ter­schutz­richt­li­nie be­stimmt, dass „die Fort­zah­lung ei­nes Ar­beits­ent­gelts und/oder der An­spruch auf ei­ne an­ge­mes­se­ne So­zi­al­leis­tung für die Ar­beit­neh­me­rin­nen im Sin­ne des Ar­ti­kels 2“ gewähr­leis­tet sein müssen.
(2) Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on hat sich in der Ent­schei­dung 31
Me­ri­no Gómez zum Verhält­nis der Ur­laubs­re­ge­lung in Art. 7 Abs. 1, Art. 15 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie und der Be­stim­mung in Art. 11 Nr. 2 Buchst. a der Mut­ter-schutz­richt­li­nie 92/85/EWG geäußert (vgl. EuGH 18. März 2004 - C-342/01 - Rn. 42 bis 45, Slg. 2004, I-2605).
(b) Die Ar­beits­zeit­richt­li­nie enthält ab­wei­chend von der Mut­ter­schutz­richt-
a) Der Se­nat hat in st. Rspr. die Aus­le­gungs­re­gel auf­ge­stellt, für ei­nen
Re­ge­lungs­wil­len, der zwi­schen ge­setz­li­chen und über­ge­setz­li­chen ver­trag­li­chen Ansprüchen un­ter­schei­de, müss­ten deut­li­che An­halts­punk­te be­ste­hen (vgl. für die Aus­le­gung ei­ner kirch­li­chen Ar­beits- und Vergütungs­ord­nung nach §§ 133, 157 BGB zu­letzt 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 84 f., AP BUrlG § 7 Nr. 39 = EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 15; aA ArbG Ber­lin 22. April 2009 - 56 Ca 21280/08 - zu I 2.1.2 der Gründe, NZA-RR 2009, 411; Bau­er/Ar­nold Anm. AP BUrlG § 7 Nr. 39 zu 3; Ka­man­ab­rou SAE 2009, 233, 237; Krie­ger/Ar­nold NZA 2009, 530, 532; Sedl­mei­er Eu­ZA 2010, 88, 98). Der Se­nat hält an die­sem Aus­le­gungs­an­satz fest.
b) Die Kri­tik an der Se­nats­recht­spre­chung zum ein­zel­ver­trag­li­chen Mehr
ur­laub entzündet sich dar­an, dass das Re­gel-Aus­nah­me-Verhält­nis um­ge­kehrt zu be­stim­men sei.
aa) Der Se­nat hat das Re­gel-Aus­nah­me-Verhält­nis von un­ter­blei­ben­dem
(1) Die­se Auf­fas­sung nimmt an, das Re­gel-Aus­nah­me-Verhält­nis sei - auch
für Ta­rif­verträge - an­ders zu be­stim­men. Es sei nicht nach An­halts­punk­ten dafür zu su­chen, dass sich die Un­ver­fall­bar­keit des Min­des­t­ur­laubs­an­spruchs nicht auch auf den Mehr­ur­laub er­stre­cke. Viel­mehr sei da­nach zu fra­gen, ob es An­halts­punk­te dafür ge­be, dass ar­beits­unfähi­ge Ar­beit­neh­mer über das ge­setz­lich zwin­gen­de Maß hin­aus bes­ser­ge­stellt wer­den soll­ten als an­de­re Ar­beit­neh­mer.
(2) Die­se An­sicht dürf­te im Hin­blick auf die zi­tier­te Se­nats­recht­spre­chung 40
ei­nem Miss­verständ­nis un­ter­lie­gen (vgl. das Zi­tat in ArbG Ber­lin 22. April 2009
Ta­rif­ver­trags­par­tei­en kei­ne zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer wir­ken­den, da­von ab­wei­chen­den Son­der­re­ge­lun­gen ge­trof­fen hätten (- 9 AZR 587/03 - zu I 2 a der Gründe, EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 12).
(1) Die Kri­ti­ker im Schrift­tum mei­nen, vor der Ent­schei­dung des EuGH in 45
der Sa­che Schultz-Hoff vom 20. Ja­nu­ar 2009 (- C-350/06 und C-520/06 - AP Richt­li­nie 2003/88/EG Nr. 1 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2003/88 Nr. 1) sei­en die Ar­beits­ver­trags- und Ta­rif­ver­trags­par­tei­en da­von aus­ge­gan­gen, dass für (ta­rif-)ver­trag­lich ein­geräum­ten Mehr­ur­laub die da­ma­li­gen höchst­rich­ter­li­chen Grundsätze zum Erlöschen von Ur­laubs- und Ur­laubs­ab­gel­tungs-ansprüchen an­zu­wen­den sei­en. Man­gels an­der­wei­ti­ger An­halts­punk­te sei der übe­rein­stim­men­de Par­tei­wil­le in Alt­verträgen da­hin ge­gan­gen, dass sich über­ge­setz­li­che Ur­laubs­ansprüche und ih­re Ab­gel­tung nach den bis­he­ri­gen Grundsätzen der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts rich­te­ten (vgl. nur Bau­er/Ar­nold Anm. AP BUrlG § 7 Nr. 39 zu 3; in Rich­tung ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung Ka­man­ab­rou SAE 2009, 233, 237).
(2) Der Se­nat hält auch für ta­rif­li­che Ansprüche auf Ab­gel­tung von Mehr
ur­laub an sei­nen Aus­le­gungsüber­le­gun­gen fest (vgl. zu ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­tem Mehr­ur­laub 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 84 f., AP BUrlG § 7 Nr. 39 = EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 15).
(a) Für ei­nen Re­ge­lungs­wil­len, der zwi­schen Ansprüchen auf Ab­gel­tung
von Min­dest- und Mehr­ur­laub un­ter­schei­det, müssen auch bei Ta­rif­verträgen, die vor der Ent­schei­dung des EuGH in der Sa­che Schultz-Hoff (20. Ja­nu­ar 2009 - C-350/06 und C-520/06 - AP Richt­li­nie 2003/88/EG Nr. 1 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2003/88 Nr. 1) ge­schlos­sen wur­den, deut­li­che An­halts­punk­te be­ste­hen. Die­se deut­li­chen An­halts­punk­te müssen sich aus Ta­rif­wort­laut, -zu­sam­men­hang und -zweck so­wie ggf. aus der Ta­rif­ge­schich­te er­ge­ben.
(b) Die an der Se­nats­recht­spre­chung geäußer­te Kri­tik un­ter­nimmt den
Ver­such, im Be­reich (ta­rif-)ver­trag­li­chen Mehr­ur­laubs ei­ne Art Ver­trau­ens­schutz durch ei­ne nach Alt- und Neu­verträgen dif­fe­ren­zie­ren­de Ver­trags- oder Ta­rif­ver-trags­aus­le­gung zu be­gründen. Sie will nicht an die ob­jek­ti­ve Rechts­la­ge, son­dern an den „irr­tums­anfälli­gen Akt der Rechts­er­kennt­nis“ durch die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung an­knüpfen.
(aa) Ge­gen ei­nen sol­chen Aus­le­gungs­an­satz spricht, dass ei­ne Recht-
Fall ei­ner sol­chen ei­genständi­gen, zu­sam­menhängen­den und in sich kon­sis­ten­ten Re­ge­lung ist oh­ne ent­ge­gen­ste­hen­de An­halts­punk­te idR da­von aus­zu­ge­hen, dass die (Ta­rif-)Ver­trags­par­tei­en Ansprüche nur be­gründen und fort­be­ste­hen las­sen wol­len, so­weit ei­ne ge­setz­li­che Ver­pflich­tung be­steht (für ei­ne Un­ter­schei­dung zwi­schen kon­sti­tu­ti­ven und de­kla­ra­to­ri­schen Re­ge­lun­gen Reh­wald AiB 2010, 59, 60). Ei­ne aus­drück­li­che Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen ge­setz­li­chen und über­ge­setz­li­chen Ansprüchen ist dann nicht not­wen­dig.
nicht recht­zei­tig an­ge­tre­te­nen Ur­laubs an­ge­ord­net. Die­ser Ver­fall be­zog sich auch auf Fälle der Ar­beits­unfähig­keit. Da­mit mach­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en von ih­rem Ge­stal­tungs­spiel­raum Ge­brauch, den ih­nen die Rspr. des Fünf­ten Se­nats 1973 auch in Fällen der Ar­beits­unfähig­keit für über­ge­setz­li­che ta­rif­li­che Ur­laubs(-ab­gel­tungs)ansprüche eröff­net hat­te (vgl. zu § 47 Abs. 7 BAT 21. Ju­li 1973 - 5 AZR 105/73 - AP BUrlG § 7 Über­tra­gung Nr. 3 = EzA BUrlG § 7 Nr. 15).
(1) Nach § 48 Abs. 6 Satz 2 MTAng-BfA bleibt es beim vol­len Ur­laubs-
an­spruch, wenn das Ar­beits­verhält­nis in der zwei­ten Hälf­te des Ur­laubs­jah­res we­gen ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit (§ 59 MTAng-BfA) en­det. § 51 Abs. 1 Un­terabs. 1 Satz 2 und 3 MTAng-BfA sieht vor, dass der Ur­laub ab­zu­gel­ten ist, wenn das Ar­beits­verhält­nis durch Auflösungs­ver­trag (§ 58 MTAng-BfA) oder we­gen ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit (§ 59 MTAng-BfA) en­det oder wenn das Ar­beits­verhält­nis nach § 59 Abs. 1 Un­terabs. 1 Satz 5 MTAng-BfA zum Ru­hen kommt.
(2) § 48 Abs. 6 Satz 2 MTAng-BfA enthält für be­stimm­te Be­en­di­gungs­tat-
bestände ei­ne Zwölf­te­lungs­re­ge­lung. § 51 Abs. 1 Un­terabs. 1 Satz 2 und 3 MTAng-BfA knüpft den Ab­gel­tungs­an­spruch an aus­gewähl­te Be­en­di­gungs­tat­bestände und - über die Re­ge­lung in § 7 Abs. 4 BUrlG hin­aus - an ei­nen Ru-
hen­stat­be­stand (zu ei­ner ähn­li­chen Ta­rif­vor­schrift Se­nat 7. Sep­tem­ber 2004 - 9 AZR 587/03 - zu I 2 b bb der Gründe, EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 12). Bei­de Ta­rif­nor­men re­geln nicht den ab­so­lu­ten Um­fang des Ur­laubs­ab­gel­tungs-an­spruchs. § 51 Abs. 1 Un­terabs. 1 Satz 2 und 3 MTAng-BfA legt viel­mehr be­stimm­te Ab­gel­tungs­tat­bestände fest. Der Fall der Ar­beits­unfähig­keit ist nicht ge­re­gelt. Die Be­grif­fe der Ar­beits­unfähig­keit und der ver­min­der­ten Er­werbsfähig­keit iSv. § 59 MTAng-BfA de­cken sich nicht (vgl. zu ähn­li­chen Ta­rif­be­stim­mun­gen Se­nat 10. Mai 2005 - 9 AZR 253/04 - zu III 2 b der Gründe, EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 13; 7. Sep­tem­ber 2004 - 9 AZR 587/03 - zu I 2 b bb der Gründe, aaO). § 48 Abs. 6 Satz 2 1. Alt. MTAng-BfA zwölf­telt den Ab­gel­tungs­an­spruch, oh­ne sei­nen Ge­samt­um­fang zu be­stim­men.
(1) Da­nach wird le­dig­lich der­je­ni­ge Ur­laubs­an­spruch ab­ge­gol­ten, der dem 60
An­ge­stell­ten nach ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten bei An­wen­dung des § 48 Abs. 6 Satz 1 MTAng-BfA noch zustünde, wenn dem An­ge­stell­ten we­gen ei­nes vor­sätz­lich schuld­haf­ten Ver­hal­tens außer­or­dent­lich gekündigt wor­den ist oder der An­ge­stell­te das Ar­beits­verhält­nis un­be­rech­tig­ter­wei­se gelöst hat.
(2) Die Ta­rif­norm lässt den ta­rif­li­chen Mehr­ur­laubs­an­spruch aus­drück­lich
nur bei ei­ner außer­or­dent­li­chen Ar­beit­ge­berkündi­gung auf­grund vorsätz­lich schuld­haf­ten Ver­hal­tens des An­ge­stell­ten oder ei­ner un­ge­recht­fer­tig­ten Ei­genkündi­gung des Ar­beit­neh­mers ent­fal­len. Dar­aus kann nicht der Um­kehr­schluss ge­zo­gen wer­den, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hätten in al­len an­de­ren Fällen den „Gleich­lauf“ von ge­setz­li­chen und über­ge­setz­li­chen Ab­gel­tungs­ansprüchen be­ab­sich­tigt. Für ei­ne Un­ter­schei­dung der bei­den Ansprüche spre­chen ent­schei­dend das in § 47 MTAng-BfA ge­schaf­fe­ne ei­genständi­ge Ur­laubs-, ins­be­son­de­re Fris­ten­re­gime und die dort an­ge­ord­ne­te Rechts­fol­ge des Ver­falls bei Frist­versäum­nis.
ee) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en stel­len in § 51 Abs. 1 Un­terabs. 1 Satz 2
1. Nach § 125 Abs. 1 Satz 1 SGB IX ha­ben schwer­be­hin­der­te Ar­beit-
neh­mer, die in der Fünf­ta­ge­wo­che beschäftigt wer­den, An­spruch auf ei­nen be­zahl­ten zusätz­li­chen Ur­laub von fünf Ar­beits­ta­gen im Ur­laubs­jahr.
2. Der schwer­be­hin­der­ten­recht­li­che Zu­satz­ur­laub be­stimmt sich nach den
Re­geln des Min­des­t­ur­laubs der §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG.
a) Die­se sog. ur­laubs­recht­li­che Ak­zess­orietät ist schon we­gen der Be­grif­fe
des „zusätz­li­chen Ur­laubs“ in § 125 Abs. 1 Satz 1 SGB IX und des „Zu­satz­ur­laubs“ in § 125 Abs. 1 Satz 2 SGB IX ge­bo­ten. § 125 Abs. 3 SGB IX ord­net „auch“ für den Fall der rück­wir­ken­den Fest­stel­lung der Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft die An­wen­dung der „ur­laubs­recht­li­chen Re­ge­lun­gen“ an.
b) Hin­zu kommt, dass so­wohl der Min­des­t­ur­laub aus §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG 67
als auch der Schwer­be­hin­der­ten­zu­satz­ur­laub aus § 125 SGB IX ge­setz­li­che, nicht dis­po­ni­ble Ur­laubs­ansprüche sind. Sie un­ter­schei­den sich durch ih­re strik­te Un­ab­ding­bar­keit von über­ge­setz­li­chen ein­zel- oder ta­rif­ver­trag­li­chen Ansprüchen (vgl. Grie­se ju­risPK-SGB IX § 125 Rn. 30).
c) Die ta­rif­li­che Re­ge­lung des § 48 Abs. 3 Satz 1 MTAng-BfA, die den
Schwer­be­hin­der­ten­zu­satz­ur­laub von der Ver­rin­ge­rung der Dau­er des Er­ho­lungs­ur­laubs und des ta­rif­li­chen Zu­satz­ur­laubs bei Son­der­ur­laub aus­nimmt, greift das Prin­zip der Ak­zess­orietät des Schwer­be­hin­der­ten­zu­satz­ur­laubs auf.
d) Auf den Zu­satz­ur­laub sind die Vor­schrif­ten über die Ent­ste­hung, Über-
tra­gung, Kürzung und Ab­gel­tung des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs an­zu­wen­den (für die st. Rspr. Se­nat 24. Ok­to­ber 2006 - 9 AZR 669/05 - Rn. 12, BA­GE 120, 50; 21. Fe­bru­ar 1995 - 9 AZR 166/94 - zu I 1 der Gründe noch zu § 47 SchwbG, BA­GE 79, 211; eben­so Koh­te/Beetz ju­ris­PR-ArbR 25/2009 Anm. 1 zu C 2; aA Su­bat­zus DB 2009, 510, 512).
Ber­lin-Bran­den­burg 2. Ok­to­ber 2009 - 6 Sa 1215/09 und 6 Sa 1536/09 - zu 2.2 der Gründe; ArbG Ber­lin 22. April 2009 - 56 Ca 21280/08 - zu I 3 der Gründe, NZA-RR 2009, 411; Bau­er/Ar­nold Anm. AP BUrlG § 7 Nr. 39 zu 4; Sedl­mei­er Eu­ZA 2010, 88, 98 f.; im Er­geb­nis of­fen­ge­las­sen von Ge­nen­ger Anm. LA­GE BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 22 zu IV 1 c und Schlach­ter RdA 2009 Son­der­bei­la­ge Heft 5, 31, 35).
le­gung zu be­ru­fen, die er ei­ner uni­ons­recht­li­chen Be­stim­mung durch Vor­abent-schei­dung ge­ge­ben hat, nur (ganz) aus­nahms­wei­se mit Wir­kung für al­le Be­trof­fe­nen zeit­lich be­schränken (für die st. Rspr. 12. Fe­bru­ar 2009 - C-138/07 - [Co­bel­fret] Rn. 68, EuZW 2009, 329; 15. März 2005 - C-209/03 - [Bi­dar] Rn. 67, aao).
(1) Grund­la­ge ei­ner sol­chen Be­schränkung der Rück­wir­kung ist der all-
ge­mei­ne uni­ons­recht­li­che Grund­satz der Rechts­si­cher­heit (EuGH 12. Fe­bru­ar 2009 - C-138/07 - [Co­bel­fret] Rn. 68, EuZW 2009, 329; 15. März 2005 - C-209/03 - [Bi­dar] Rn. 67, Slg. 2005, I-2119). Ei­ne zeit­li­che Be­schränkung sei­ner Ant­wort kann mit Blick auf den An­wen­dungs­vor­rang des Uni­ons­rechts und die nöti­ge ein­heit­li­che An­wen­dung in den Mit­glied­staa­ten nur der EuGH selbst in dem Ur­teil vor­neh­men, das über die er­be­te­ne Aus­le­gung ent­schei­det (vgl. zB EuGH 1. April 2008 - C-267/06 - [Ma­ru­ko] Rn. 77, Slg. 2008, I-1757; 15. März 2005 - C-209/03 - [Bi­dar] Rn. 64 ff., aaO).
(2) Uni­ons­recht­li­cher Ver­trau­ens­schutz setzt die Ge­fahr schwer­wie­gen­der
wirt­schaft­li­cher Störun­gen bei An­wen­dung der vom EuGH vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung des Uni­ons­rechts auf ver­gan­ge­ne Vorgänge vor­aus (vgl. nur 1. April 2008 - C-267/06 - [Ma­ru­ko] Rn. 77 mwN, Slg. 2008, I-1757; 15. März 2005 - C-209/03 - [Bi­dar] Rn. 68 f., Slg. 2005, I-2119). Schwer­wie­gen­de wirt­schaft­li­che Kon­se­quen­zen können ins­be­son­de­re aus ei­ner großen Zahl von Rechts­verhält­nis­sen herrühren, die „gutgläubig“ auf der Grund­la­ge der als gültig be­trach­te­ten Re­ge­lung ein­ge­gan­gen wor­den wa­ren. Vor der Vor­abent-schei­dung muss darüber hin­aus ei­ne ob­jek­ti­ve und be­deu­ten­de Un­si­cher­heit hin­sicht­lich der Trag­wei­te der frag­li­chen Be­stim­mung des Uni­ons­rechts be­stan­den ha­ben, die ein­zel­ne Uni­onsbürger und an­de­re na­tio­na­le Rechts­persönlich­kei­ten zu ei­nem mit der Uni­ons­re­ge­lung un­ver­ein­ba­ren Ver­hal­ten ver­an­lass­te (vgl. EuGH 15. März 2005 - C-209/03 - [Bi­dar] Rn. 69, aaO; 20. Sep­tem­ber 2001 - C-184/99 - [Grzelc­zyk] Rn. 53, Slg. 2001, I-6193; zu den Vor­aus­set­zun­gen uni­ons­recht­li­chen Ver­trau­ens­schut­zes Abe­le RdA 2009, 312, 317; Rie­sen­hu­ber Anm. AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21; Schlach­ter RdA 2009 Son­der­bei­la­ge Heft 5, 31, 35; Wißmann FS Bau­er S. 1161, 1163).
(3) Äußert sich der EuGH nicht zu der Fra­ge der Rück­wir­kung oder zeit
li­chen Be­gren­zung sei­ner Ant­wort, schließt er da­mit in­zi­dent uni­ons­recht­li­chen Ver­trau­ens­schutz aus. An­de­res gilt nur, wenn das vor­le­gen­de Ge­richt den Ge­richts­hof aus­drück­lich nach ei­ner mögli­chen zeit­li­chen Be­gren­zung sei­ner Ant­wort ge­fragt hat (vgl. Rie­sen­hu­ber Anm. AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21; Wißmann FS Bau­er S. 1161, 1164; zu aus­drück­lich an­ge­frag­ten zeit­li­chen Be­gren­zun­gen zB EuGH 12. Fe­bru­ar 2009 - C-138/07 - [Co­bel­fret] Rn. 66 ff., EuZW 2009, 329; 15. März 2005 - C-209/03 - [Bi­dar] Rn. 64 ff., Slg. 2005, I-2119).
(1) Der EuGH hebt her­vor, die Pflicht des na­tio­na­len Ge­richts zur uni­ons-
rechts­kon­for­men Aus­le­gung wer­de durch die all­ge­mei­nen Rechts­grundsätze, ins­be­son­de­re den Grund­satz der Rechts­si­cher­heit und das Rück­wir­kungs­ver­bot be­grenzt (vgl. 16. Ju­li 2009 - C-12/08 - [Mo­no Car Sty­ling] Rn. 61, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 98/59 Nr. 2; 4. Ju­li 2006 - C-212/04 - [Aden­eler] Rn. 110, Slg. 2006, I-6057; 8. Ok­to­ber 1987 - Rechts­sa­che 80/86 - [Kol­ping­huis Ni­j­me­gen] Rn. 13, Slg. 1987, 3969). Er sei nicht be­fugt, über die Aus­le­gung in­ner­staat­li­cher Rechts­vor­schrif­ten zu ent­schei­den (26. Ok­to­ber 2006 - C-4/05 - [Güze­li] Rn. 36, Slg. 2006, I-10279).
(2) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt un­ter­schei­det in der Fra­ge na­tio­na­len Ver-
trau­ens­schut­zes zwi­schen Primär- und Se­kundärrecht (vgl. da­zu Wißmann FS
22. No­vem­ber 2005 [- C-144/04 - Rn. 55 ff., 74 ff. Slg. 2005, I-9981] re­zi­piert; sie­he auch EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 - C-555/07 - [Kücükde­ve­ci] Rn. 18 ff., 44 ff., EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2000/78 Nr. 14).
(3) Das deut­sche Schrift­tum be­jaht im Fall se­kundären Uni­ons­rechts wohl
über­wie­gend die Möglich­keit na­tio­na­len Ver­trau­ens­schut­zes in den Fort­be­stand ei­ner in­ner­staat­li­chen Rspr. oh­ne (wei­te­re) An­ru­fung des EuGH, auch wenn der Ge­richts­hof die Rück­wir­kung sei­ner Aus­le­gung des Uni­ons­rechts nicht be­grenzt hat (vgl. zB Bau­er/Ar­nold Anm. AP BUrlG § 7 Nr. 39 zu 2; Höpfner RdA 2006, 156, 164 f.; Ka­man­ab­rou SAE 2009, 233, 236 f.; Schlach­ter RdA 2009 Son­der­bei­la­ge Heft 5, 31, 35 f.; Sedl­mei­er Eu­ZA 2010, 88, 97 f.; Till­manns FS Buch­ner S. 885, 894 ff.; Wißmann FS Bau­er S. 1161, 1164 ff., der als Kor­rek­tiv in­ner­staat­li­chen Ver­trau­ens­schut­zes ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen den Mit­glied­staat Bun­des­re­pu­blik in Be­tracht zieht; na­tio­na­len Ver­trau­ens­schutz nur in en­gen Gren­zen be­ja­hend Rie­sen­hu­ber Anm. AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21; ge­gen in­ner­staat­li­chen Ver­trau­ens­schutz oh­ne An­ru­fung des EuGH et­wa Abe­le RdA 2009, 312, 317; Schiek AuR 2006, 41, 43 f.).
(4) Der von Art. 7 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie verbürg­te Min­dest­jah­res­ur­laubs- 84
an­spruch be­ruht nicht auf Primärrecht. Der EuGH hat stets her­vor­ge­ho­ben, dass der An­spruch je­des Ar­beit­neh­mers auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ein be­son­ders be­deut­sa­mer Grund­satz des So­zi­al­rechts der Ge­mein­schaft (heu­te:
Uni­on) sei (vgl. nur 10. Sep­tem­ber 2009 - C-277/08 - [Vicen­te Pe­re­da] Rn. 18, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2003/88 Nr. 3). Der Ge­richts­hof hat die­sen Grund­satz je­doch nicht auf die Verträge, son­dern auf das se­kundäre Uni­ons­recht des Art. 7 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie gestützt (näher Se­nat 17. No­vem­ber 2009 - 9 AZR 844/08 - Rn. 18 f., DB 2010, 850; 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 51, AP BUrlG § 7 Nr. 39 = EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 15, je­weils mwN). Ein Grund­satz des Uni­ons­rechts ist nicht gleich­zu­set­zen mit ei­nem Uni­ons­grund­recht (vgl. Schlach­ter RdA 2009 Son­der­bei­la­ge Heft 5, 31, 32).
(1) Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG verbürgt nur den Min­des­t­ur­laubs
an­spruch von vier Wo­chen und sei­ne Ab­gel­tung (eben­so LAG Ber­lin-Bran­den­burg 2. Ok­to­ber 2009 - 6 Sa 1215/09 und 6 Sa 1536/09 - zu 2.2 der Gründe; Bau­er/Ar­nold Anm. AP BUrlG § 7 Nr. 39 zu 4; Gaul/Jos­ten/Strauf BB 2009, 497, 498 f.; Rid AuA 2010, 178; Rum­mel AuR 2009, 217; Sedl­mei­er Eu­ZA 2010, 88, 98 f.; Su­bat­zus DB 2009, 510, 512; wohl auch Ge­nen­ger Anm. LA­GE BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 22 zu IV 1 c; zu der Reich­wei­te von Art. 7 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie ausführ­lich oben zu A I 4). § 125 SGB IX soll auch kein an­de­res Uni­ons­recht um­set­zen (ArbG Ber­lin 22. April 2009 - 56 Ca 21280/08 - zu I 3 der Gründe, NZA-RR 2009, 411).
(2) Ansprüche auf Ab­gel­tung des Schwer­be­hin­der­ten­zu­satz­ur­laubs wer­den
nur we­gen ih­rer ak­zes­s­o­ri­schen Bin­dung an den na­tio­na­len ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub von der un­mit­tel­ba­ren Wir­kung des Art. 7 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie ge­genüber öffent­li­chen Ar­beit­ge­bern und der uni­ons­rechts­kon­for­men Fort­bil­dung des § 7 Abs. 3 und 4 BUrlG im Verhält­nis zu pri­va­ten Ar­beit­ge­bern berührt (vgl. zu der für den Min­des­t­ur­laub im Pri­vat­rechts­ver­kehr vor­ge­nom­me­nen Rechts­fort­bil­dung Se­nat 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 57 ff., AP BUrlG § 7 Nr. 39 = EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 15). Der Se­nat kann we­gen die­ser Ak­zess­orietät of­fen­las­sen, ob im Streit­fall durch die rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung über die Ab­gel­tung des Min­des­t­ur­laubs darüber hin­aus ei­ne aus § 322 Abs. 1 ZPO ab­zu­lei­ten­de sog. Präklu­si­ons­wir­kung ein­tritt.
(3) Die Be­klag­te ist ei­ne rechtsfähi­ge Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts,
(a) Nach der st. Rspr. des EuGH kann sich der Ein­zel­ne in Fällen, in de­nen
die Be­stim­mun­gen ei­ner Richt­li­nie in­halt­lich un­be­dingt und hin­rei­chend ge­nau sind, vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten ge­genüber dem Staat (und sei­nen Un­ter­glie­de­run­gen) auf die­se Be­stim­mun­gen be­ru­fen, wenn der Mit­glied­staat die Richt­li­nie nicht frist­gemäß oder nur un­zuläng­lich in das na­tio­na­le Recht um­ge­setzt hat (vgl. zB 12. Fe­bru­ar 2009 - C-138/07 - [Co­bel­fret] Rn. 58 mwN, EuZW 2009, 329; Rie­sen­hu­ber Eu­ropäisches Ar­beits­recht § 1 Rn. 70).
(b) In Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Pri­va­ten können Richt­li­ni­en da­ge­gen
nicht selbst Ver­pflich­tun­gen für ei­nen Ein­zel­nen be­gründen. Ei­ner Pri­vat­per­son ge­genüber kann sich nie­mand auf die Richt­li­nie als sol­che be­ru­fen (vgl. für die st. Rspr. EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 - C-555/07 - [Kücükde­ve­ci] Rn. 46, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2000/78 Nr. 14). Richt­li­ni­en sind an die Mit­glied­staa­ten und nicht an pri­va­te Rechts­sub­jek­te ge­rich­tet. Die Mit­glied­staa­ten ha­ben die Richt­li­ni­en­zie­le nach Art. 288 Abs. 3 AEUV um­zu­set­zen. So­gar ei­ne kla­re, ge­naue und un­be­ding­te Richt­li­ni­en­be­stim­mung, mit der dem Ein­zel­nen Rech­te gewährt oder Ver­pflich­tun­gen auf­er­legt wer­den sol­len, ist zwi­schen Pri­va­ten
nicht an­wend­bar (vgl. nur EuGH 16. Ju­li 2009 - C-12/08 - [Mo­no Car Sty­ling] Rn. 59 mwN, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 98/59 Nr. 2).
und/oder nach den ein­zel­staat­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten vor­ge­se­hen sind“. Die Be­stim­mung wird da­mit nicht in­halt­lich be­dingt iSd. Rspr. des EuGH. Sie wirkt ge­genüber der Un­ter­glie­de­rung ei­nes Mit­glied­staats gleich­wohl un­mit­tel­bar. Die Mit­glied­staa­ten dürfen nach der ver­bind­li­chen Aus­le­gung des Art. 7 Abs. 1 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie durch den EuGH nicht vor­se­hen, dass der Min­dest­jah­res-ur­laubs­an­spruch er­lischt, wenn der Ar­beit­neh­mer bis zum En­de des Über­tra­gungs­zeit­raums er­krankt und des­halb ar­beits­unfähig ist (vgl. 20. Ja­nu­ar 2009 - C-350/06 und C-520/06 - [Schultz-Hoff] Rn. 48, AP Richt­li­nie 2003/88/EG Nr. 1 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2003/88 Nr. 1).
trat am 1. Ja­nu­ar 1995 in Kraft (vgl. zur Ge­set­zes­ge­schich­te ErfK/Dörner 10. Aufl. § 3 BUrlG Rn. 1; AnwK-ArbR/Düwell 2. Aufl. § 3 BUrlG Rn. 1).
schau­un­gen ein­tre­ten. Es muss je­doch den im Rechts­staats­prin­zip ver­an­ker­ten Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes be­ach­ten und ihm er­for­der­li­chen­falls durch Bil­lig­keits­erwägun­gen Rech­nung tra­gen. Ei­ne Ände­rung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist grundsätz­lich un­be­denk­lich, wenn sie hin­rei­chend be­gründet ist und sich im Rah­men ei­ner vor­her­seh­ba­ren Ent­wick­lung hält (vgl. für die st. Rspr. BVerfG 15. Ja­nu­ar 2009 - 2 BvR 2044/07 - Rn. 85, BVerfGE 122, 248; 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - zu C I 2 b und c der Gründe, BVerfGE 84, 212; 14. Ja­nu­ar 1987 - 1 BvR 1052/79 - zu B II 1 der Gründe, BVerfGE 74, 129; sie­he auch BAG 23. März 2006 - 2 AZR 343/05 - Rn. 33, BA­GE 117, 281; kri­tisch ge­genüber ei­nem nur de­duk­ti­ven Recht­spre­chungs­verständ­nis iS rei­ner Rechts­er­kennt­nis Buch­ner Gedächt­nis­schrift R. Dietz S. 175, 184 ff., der die de­zi­sio­nis­ti­schen und da­mit recht­set­zen­den Züge von Rspr. ins­be­son­de­re bei Ge­set­zeslücken und Ge­ne­ral­klau­seln her­vor­hebt; ihm zu­stim­mend Till­manns FS Buch­ner S. 885, 886 f.; für höchst­rich­ter­li­che Rspr. ähn­lich Höpfner RdA 2006, 156, 158, 161 ff.; der­sel­be NZA 2008, 91, 92; der­sel­be NZA 2009, 420, 421).
Um­set­zungs­frist. Die ein­zel­staat­li­chen Ge­rich­te sind ab die­sem Zeit­punkt ver­pflich­tet, das in­ner­staat­li­che Recht richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen oder fort­zu­bil­den, um das in der Richt­li­nie fest­ge­leg­te Ziel zu er­rei­chen und da­mit Art. 288 Abs. 3 AEUV zu genügen (vgl. zB EuGH 16. Ju­li 2009 - C-12/08 - [Mo­no Car Sty­ling] Rn. 60, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 98/59 Nr. 2). Ei­ne Rechts­fort­bil­dung ist uni­ons­recht­lich ge­bo­ten, wenn die na­tio­na­le Me­tho­den­leh­re die­ses In­stru­ment kennt.
(b) Na­tio­na­ler Ver­trau­ens­schutz in ei­ne be­ste­hen­de, vom Richt­li­ni­en­recht
ab­wei­chen­de na­tio­na­le Rspr. ist im Pri­vat­rechts­ver­kehr aus­nahms­wei­se an­zu­er­ken­nen, wenn das ein­zel­staat­li­che Recht der richt­li­ni­en­kon­for­men Rechts­fin­dung Gren­zen setzt. In die­sem Fall kann sich der na­tio­na­le Ver­trau­ens­schutz durch­set­zen (vgl. Rie­sen­hu­ber Anm. AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21). Die­ses sel­te­ne und nur aus­nahms­wei­se an­zu­neh­men­de Er­geb­nis wird von der Rspr. des EuGH an­er­kannt (vgl. 16. Ju­li 2009 - C-12/08 - [Mo­no Car Sty­ling] Rn. 61, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 98/59 Nr. 2; 26. Ok­to­ber 2006 - C-4/05 - [Güze-li] Rn. 36, Slg. 2006, I-10279; 4. Ju­li 2006 - C-212/04 - [Aden­eler] Rn. 110, Slg. 2006, I-6057; 8. Ok­to­ber 1987 - Rechts­sa­che 80/86 - [Kol­ping­huis Ni­j­me­gen] Rn. 13, Slg. 1987, 3969; sie­he auch die Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin Stix-Hackl vom 14. März 2006 in der Sa­che - C-475/03 - [Ban­ca Po­po­la­re di Cre­mo­na] Rn. 147).
(c) Die Er­mitt­lung na­tio­na­len Ver­trau­ens­schut­zes muss eben­so wie die
richt­li­ni­en­kon­for­me Rechts­fin­dung den grundsätz­li­chen Durch­set­zungs­an­spruch des Uni­ons­rechts be­ach­ten. Das Sys­tem meh­re­rer recht­li­cher Ebe­nen, die von Uni­ons­recht und na­tio­na­lem Recht ge­bil­det wer­den, ist dem Grund­ge­setz nicht fremd. Zu Ge­setz und Recht, die die in­ner­staat­li­che Rspr. nach Art. 20 Abs. 3 GG bin­den, gehören die uni­ons­recht­li­chen Richt­li­ni­en­vor­ga­ben. Auch das In­kraft­tre­ten ei­ner Richt­li­nie ist ein ver­trau­ens­be­gründen­der Um­stand. Der durch die Richt­li­nie Begüns­tig­te kann sich auf die richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung oder Fort­bil­dung des na­tio­na­len Rechts ver­las­sen, ob­wohl die Richt­li­nie zwi­schen Pri­va­ten nicht un­mit­tel­bar wirkt (vgl. Rie­sen­hu­ber Anm. AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21).
(d) Für die Schutzwürdig­keit des Ver­trau­ens auf ei­ne bis­he­ri­ge richt­li­ni­en-
wid­ri­ge na­tio­na­le Rspr. kommt es in dem Meh­re­be­nen­sys­tem von Uni­ons­recht und ein­zel­staat­li­chem Recht nicht (nur) dar­auf an, ob sich die Rechts­un­ter­wor­fe­nen über­wie­gend auf die in­ner­staat­li­che Rechts­an­wen­dung ver­las­sen. Die Durch­set­zung des Uni­ons­rechts ist in gleich­wer­ti­ger Wei­se si­cher­zu­stel­len wie die Durch­set­zung des ein­zel­staat­li­chen Rechts (sog. Äqui­va­lenz­grund­satz). Das be­deu­tet, dass das Ver­trau­en auf die Durch­set­zung uni­ons­recht­lich ge­währ­leis­te­ter Rech­te eben­so zu schützen ist wie das Ver­trau­en auf die Be­ständig­keit na­tio­na­ler Rechts­an­wen­dung. Die uni­ons­recht­lich verbürg­ten Rech­te dürfen im Er­geb­nis nicht leer­lau­fen (sog. Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz). Das Uni­ons­recht ver­langt der na­tio­na­len Me­tho­den­leh­re da­her ab, sei­ne Durch­set­zung so weit wie möglich si­cher­zu­stel­len (vgl. Rie­sen­hu­ber Anm. AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21).
(e) Da­mit kommt es nicht zu ei­ner „ver­kapp­ten“ un­mit­tel­ba­ren Wir­kung von 106
Richt­li­ni­en im Pri­vat­rechts­ver­kehr. Viel­mehr ist schützens­wer­tes Ver­trau­en auf ei­ne ein­zel­staat­li­che richt­li­ni­en­wid­ri­ge st. Rspr. we­gen der Mehr­glied­rig­keit von Uni­ons­recht und in­ner­staat­li­chem Recht nur aus­nahms­wei­se an­zu­neh­men. Na­tio­na­ler Ver­trau­ens­schutz setzt be­son­de­re Umstände vor­aus. Die richt­li­ni­en­wid­ri­ge Rechts­fin­dung darf nur im Aus­nah­me­fall fort­ge­setzt wer­den.
konn­te in der Ent­schei­dung vom 24. März 2009 (- 9 AZR 983/07 - Rn. 74, aaO) of­fen­las­sen, ob Ar­beit­ge­ber vor Be­kannt­wer­den des Vor­ab­ent­schei­dungser-su­chens in der Sa­che Schultz-Hoff bei fort­dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit bis zum En­de des Über­tra­gungs­zeit­raums be­rech­tigt auf den Ver­fall von Ur­laubs-ab­gel­tungs­ansprüchen ver­trau­en durf­ten. Die Ansprüche der Kläge­rin die­ses Rechts­streits wa­ren bei Be­kannt­wer­den der Vor­la­ge auch nach der frühe­ren Aus­le­gung von § 7 Abs. 3 und 4 BUrlG durch den Se­nat noch nicht ver­fal­len.
(2) Die Ver­trau­ens­schutz­erwägun­gen des Se­nats im Ur­teil vom 24. März
2009 (- 9 AZR 983/07 - Rn. 73 ff., AP BUrlG § 7 Nr. 39 = EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 15) sind im Schrift­tum auf schar­fe Kri­tik ges­toßen (für Ver­trau­ens­schutz Bau­er/Ar­nold NJW 2009, 631, 633 f.; die­sel­ben Anm. AP BUrlG § 7 Nr. 39 zu 2; Gaul/Bo­nan­ni/Lud­wig DB 2009, 1013 f., 1017; Kock BB 2009, 1181; Krie­ger/Ar­nold NZA 2009, 530, 531 f.; von St­ein­au-St­einrück/Mosch NJW-Spe­zi­al 2009, 338 f.; im Er­geb­nis of­fen­ge­las­sen, aber wohl für Ver­trau­ens­schutz Ge­nen­ger LA­GE BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 22 zu IV 2; Pi­cker ZTR 2009, 230, 235 f.; of­fen­ge­las­sen von Ka­man­ab­rou SAE 2009, 121, 127 und SAE 2009, 233, 236 f.; ge­gen Ver­trau­ens­schutz Abe­le RdA 2009, 312, 317; Koh­te/Beetz ju­ris­PR-ArbR 25/2009 Anm. 1 zu B 5 aE; Rum­mel AuR 2009, 217 f.; Schlach­ter RdA 2009 Son­der­bei­la­ge Heft 5, 31, 35 f., die ei­nen zeit­lich un­be­grenz­ten Aus­schluss von Ver­trau­ens­schutz erwägt).
(3) Be­an­stan­det wird ins­be­son­de­re die zeit­li­che An­knüpfung an das Be-
kannt­wer­den des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens (Abe­le RdA 2009, 312, 317; Kock BB 2009, 1181; Krie­ger/Ar­nold NZA 2009, 530, 531 f.; Sedl­mei­er Eu­ZA 2010, 88, 97 f.). Die Kri­ti­ker mei­nen, sie wi­der­spre­che der Vor­ge­hens­wei­se des Zwei­ten, des Sechs­ten und des Ach­ten Se­nats in der Fol­ge der Ent­schei­dung Junk des EuGH vom 27. Ja­nu­ar 2005 (- C-188/03 - Slg. 2005, I-885) zur Mas-sen­ent­las­sungs­an­zei­ge nach § 17 Abs. 1 KSchG (grund­le­gend BAG 23. März 2006 - 2 AZR 343/05 - Rn. 32 ff., BA­GE 117, 281; bestätigt zB von 12. Ju­li 2007 - 2 AZR 619/05 - Rn. 20 ff., AP KSchG 1969 § 17 Nr. 33; 8. No­vem­ber 2007 - 2 AZR 554/05 - Rn. 27 ff., AP KSchG 1969 § 17 Nr. 28 = EzA KSchG § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 156; dem zu­stim­mend 22. März 2007 - 6 AZR
499/05 - Rn. 16 ff., EzA KSchG § 17 Nr. 19; 26. Ju­li 2007 - 8 AZR 769/06 - Rn. 66 f., AP BGB § 613a Nr. 324). Dort wur­de Ver­trau­ens­schutz an­ge­nom­men und nicht an das Be­kannt­wer­den des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens oder der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts an­ge­knüpft.
sys­tem der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten (heu­te: der Eu­ropäischen Uni­on) die Deu­tungs­ho­heit des EuGH für Art. 7 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie und die In­ter­pre­ta­ti­ons­kom­pe­tenz des Bun­des­ar­beits­ge­richts für das Bun­des­ur­laubs­ge­setz ge­genüber. In­so­fern un­ter­schei­det sich der Streit­fall von der geänder­ten Rspr. des Vier­ten Se­nats zu sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­den (vgl. nur 21. Ok­to­ber 2009 - 4 AZR 396/08 - Rn. 17 ff. mwN). Die Ankündi­gung ei­ner Recht­spre­chungsände­rung für das na­tio­na­le Recht auf der Grund­la­ge des Richt­li­ni­en­rechts kommt hier schon im Hin­blick auf die Aus­le­gungs­kom­pe­tenz des EuGH für das Uni­ons­recht nicht in Be­tracht. We­gen der in­ner­staat­li­chen Bin­dung des Schwer-be­hin­der­ten­zu­satz­ur­laubs aus § 125 SGB IX an den Min­des­t­ur­laubs­an­spruch schei­det auch für den Zu­satz­ur­laub die Ankündi­gung ei­ner geänder­ten na­tio­na­len Rspr. aus.
(cc) Der EuGH mach­te mit sei­ner ers­ten Ent­schei­dung BEC­TU zu Art. 7 der
(bb) Der Zwei­te Se­nat hat­te nicht sehr lan­ge vor der Ent­schei­dung Junk des
die­sen Gründen nicht schutzwürdig. Der Be­klag­ten ist es zu­mut­bar, die fort­be­ste­hen­den Ansprüche des Klägers auf Ab­gel­tung des Schwer­be­hin­der­ten-zu­satz­ur­laubs für 2004 und 2005 zu erfüllen.
spre­chen­de Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten in der Haupt­sa­che rechts­kräftig und nicht zur Ent­schei­dung des Se­nats an­ge­fal­len.
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References: § 59
 § 47
 § 47
 § 51
 EuGH 
 § 7
 Art. 7
 § 7
 § 7
 § 7
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 Art. 267
 Art. 101
 Art. 234
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 Art. 177
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 Art. 8
 Art. 11
 Art. 11
 Art. 7
 Art. 15
 Art. 11
 EuGH 
 § 7
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 § 7
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 EuGH 
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 § 7
 EuGH 
 § 47
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 § 48
 § 51
 § 59
 § 48
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 § 7
 § 7
 § 51
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 § 48
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 § 47
 § 51
 § 125
 § 125
 § 125
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 § 48
 § 47
 § 7
 § 7
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 § 17
 EuGH 
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 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 § 7
 § 17
 EuGH 
 Art. 7
 EuGH 
 Art. 7
 § 7
 § 7
 Art. 7
 § 7
 § 7
 Art. 7
 § 125
 Art. 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 322
 EuGH 
 § 1
 EuGH 
 Art. 288
 EuGH 
 Art. 7
 EuGH 
 § 3
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 Art. 288
 EuGH 
 § 17
 EuGH 
 Art. 20
 § 17
 § 17
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 EuGH 
 § 17
 § 17
 § 17
 § 1
 § 17
 § 613
 EuGH 
 Art. 7
 EuGH 
 § 125
 EuGH 
 Art. 7