Source: http://www.sgipt.org/gipt/diffpsy/ich/ICHKPsy.htm
Timestamp: 2017-10-21 12:16:43+00:00

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Ich-Konzepte in der Psychologie
IP-GIPT DAS=15.10.2013 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 16.10.13
Imressum: Diplom-Psychologe Dr. phil. Rudolf Sponsel Stubenlohstr. 20 D-91052 Erlangen
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Willkommen in unserer Internet-Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie, Abteilung Differentielle Psychologie der Persönlichkeit (Persönlichkeitspsychologie, Typen, Charaktere), Bereich ICH, und hier speziell zum Thema:
"Der Mensch ist sich selbst das rätselhafteste Ding der Natur ... "
(Pascal: Gedanken, 35)
Das Ich, das Ich ist das tief Geheimnisvolle!
Ludwig Wittgenstein (Tagebücher 5.8.1916)
Ich-Konzepte in der Psychologie, in Geistes- und Sozialwissenschaften:
Titcheners ICH-Konzept (1912).
Ernst Mach zum Ich aus der Analyse der Empfindungen (1922).
ICH im Eisler Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Ich-Begriffe (alphaebtisch sortiert nach): Aristoteles; Augustinus; Avenarius; Beneke; Bergmann, J. ; Berkeley, Bonnet; Carriere; Chevalier; Cicero; Clifford; Condillac; Cornelius, H.; Czolbe; Descartes; Destutt De Tracy; Drews; Drobisch; Duboc; Ebbinghaus; Eccles; Erdmann, B,; Feuerbach, L.; Fichte; Fortlage; Freud, S.; Garnier; Gerber, G.; Geulincx; Göring, C.; Green; Günther; Gutberlet; Hamerling; Hartmann, E.v.; Hegel; Heinroth; Herbart; Höffding; Horwicz; Hume; Husserl; James, W.; Jerusalem; Jodl; Kant; Krause; Kroell; Krug; Külpe; Lasswitz, K, ; Leibniz; Lindner; Lipps; Locke; Lotze; Mach; Maimon; Maine De Biran; Meynert; Mill, J.St.; Münsterberg; Natorp; Nietzsche; Platner; Plato; Plotin; Preyer; Rehmke; Reinhold; Ribot; Riehl; Rosenkranz; Schelling; Schneider, O.; Schopenhauer; Schubert-Soldern; Schuppe; Spencer, H.; Spinoza; Strindberg; Teichmüller; Thiele, G.; Titchener; Volkmann; Wernicke, A.; Wundt; Ziegler;
Exkurs: Inhalts-Übersicht aus Selbstbild.
Exkurs: Kann man sein ICH, seine Identität verlieren?
Exkurs: ICH als Ergebnis einer Selbstorganisation neuronaler Funktionseinheiten ohne Zentrale.
Literatur (Kleine Auswahl) * Literatur Selbstorganisation und Schwärme.
Glossar, Endnoten, Anmerkungen.
Zitierung, Änderungen.
Ich-Konzepte in der Psychologie, in Geistes- und Sozialwissenschaften
Titcheners ICH-Konzept (1912), S. 545ff:
"§ 148. Das Ich. — Unter dem „Ich" als einem psychologischen Begriff verstehen wir die besondere Verbindung von Talent, Temperament und Charakter — von intellektueller, affektiver und Willensveranlagung — die sich in einem Individuum findet. Als Bewußtseinserlebnis ist das Ich irgend ein Komplex seelischer Vorgänge, der den augenblicklichen Zustand dieser Verbindung bedeutet, und das Ichbewußtsein ist ein Bewußtsein, in dem das Ich als ein Bewußtseinsinhalt in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit tritt. Das Ichbewußtsein kann ebenso mannigfach variieren, wie die objektiven Beziehungen, in denen der Organismus zu den persönlichen und unpersönlichen Bestandteilen seiner Umgebung steht. Es hat aber doch gewisse ziemlich konstante Bestandteile: Organempfindungen, eine vi-[>]suelle Wahrnehmung oder Vorstellung des Körpers: und die Wortvorstellungen des „Ich" oder „mein".
Man kann in vielen psychologischen Lehrbüchern lesen, daß ein bewußtes Ich den dauernden Hintergrund des Bewußtseins bildet, und daß wir nur die Aufmerksamkeit auf diesen Hintergrund zu lenken brauchen, um das Selbst zur vollen Wirklichkeit zu erheben. Die Behauptung ist so häufig und mit solcher Sicherheit ausgesprochen worden, daß der Verf. dazu neigt, an individuelle Unterschiede zu glauben. Es mag Individuen geben, die sozusagen in eine persönliche Form gegossen sind, während andere relativ unpersönlich sind. Nach der Selbstbeobachtung des Verf. tritt des bewußte Ich, obgleich es jederzeit durch einen Willensakt hervorgerufen werden kann, verhältnismäßig selten auf. Es fehlt jedenfalls innerhalb des Verlaufes von Bewußtseinsvorgängen, die die alltägliche Beschäftigung begleiten. Ebenso sicher entschwindet es aus dem Bewußtsein beim konzentrierten Nachdenken; die Ansichten und Theorien, welche die Vulgärpsychologie als persönliche beschreibt, werden völlig ohne Ichbewußtsein ersonnen und formuliert. Es fehlt gleichfalls in Situationen, von denen man vorausgesetzt hat, daß sie ein Selbstbewußtsein im Sinne eines „Bewußtseins, daß man beobachtet werde" entstehen lassen; es können alle Anzeichen eines starken Affektes vorhanden sein — Trockenheit im Gaumen, Brennen der Backen, Störung der Atmung, Stocken der Stimme, Schwitzen und Zittern der Hände, Unsicherheit aller Bewegungskoordinationen FN1 — und doch kann jede Spur eines bewußten Ichs fehlen. Mit einem Wort, das seelische Leben ist wenigstens bei dem Verf. nur mit großen Unterbrechungen ein persönliches (S. 17); das bewußte Ich erscheint als ein gelegentlicher Begleiter in verschiedenen Zusammenhängen; am häufigsten vielleicht in Verbindung mit dem Gefühl der Einsamkeit; aber bei den erwachsenen Kulturmenschen wird dieses Gefühl selbst nur gelegentlich erlebt.
Ohne Zweifel besteht eine instinktive Tendenz zur Personifizierung. Der Mensch wächst, wie wir in § 5 sahen, von frühe an in den Glauben hinein, daß es zwei beharrliche Substanzen gibt, Materie und Geist, von denen die eine dazu dient, den Fluß der physischen natürlichen Vorgänge zu fixieren, die andere die Kontinuität des individuellen Erlebens zu sichern. Aus jenem [>547] ersten entspringt unsere instinktive Tendenz, die Welt der Wahrnehmung für eine Welt realer Dinge zu halten (S. 464); und aus dem zweiten eine instinktive Neigung zur Personifizierung, für welche die Tendenz, die Beständigkeit unseres Gefühlslebens zu überschätzen, ein Beispiel war (S. 496). Instinktive Tendenzen können von Bewußtsein begleitet sein, aber brauchen es nicht; hier zeigen sich leicht individuelle Differenzen. Wir haben aber ein besonders belehrendes Beispiel für die Unbewußtheit der Tendenz zur Personifizierung in den Formen der Sprache. Die Unterhaltung ist reich an „ich" und „mich" und „mein", und doch braucht nicht die leiseste Spur des Ich in dem Bewußtsein enthalten zu sein, das die Worte zum Ausdruck bringen. Es ist unmöglich, diese Sprachformen zu vermeiden, und es ist auch gar nicht nötig; der Verf. kann sein Fehlen des Ichbewußtseins dem Leser viel leichter ausdrücken, wenn er sagt „Ich habe kein Ichbewußtsein", als wenn er das Wort „Ich" in irgend einen unpersönlichen Ausdruck übersetzte. Unsere Umgangssprache enthält eine Metaphysik der Persönlichkeit genau, so wie sie die metaphysische Theorie einer Wechselwirkung zwischen Geist und Körper einschließt (S. 13). Wir alle sprechen so, als wenn wir diese Theorien annähmen; wenn es aber zu einer wissenschaftlichen Erörterung kommt, setzen wir unsere Stellung zu der Theorie in denselben Ausdrücken auseinander.
Die Tendenz zur Personifizierung ist von Anfang an eine soziale, und die Vorstellung des Ich wird durch soziale Einflüsse gefördert. Das Individuum in einer primitiven Gesellschaft ist zu eng mit seiner Familie oder seinen Stammesgenossen verbunden, um eine klare Vorstellung des individuellen Ich bilden zu können. Aber es ist für sich und auch in der Meinung der andern eine unabhängige Quelle von Willenshandlungen. Der einzelne rühmt sich seiner Tapferkeit und seine Genossen preisen ihn; der Stamm will sich ernähren, und er hat sein eigenes Revier in den Jagdgründen des Stammes; er ist in irgend einer Handfertigkeit erfahren, und die andern lassen sich von ihm mit seinen Erzeugnissen versorgen. Endlich hat er auch einen Namen; dieser bezieht sich vielleicht auf seinen Mut oder seine Geschicklichkeit, oder rührt von irgend einem besondern Ereignis in seinem Leben her; ein Spitzname, der seinem Stammesnamen hinzugefügt wird. Alle diese Züge haben als seelische Erlebnisse eine große Eindrucksstärke. Sie liefern das Material für die Bildung einer beruflichen oder sozialen Ichvorstellung; und es ist nur noch eine Frage der [>548] Zeit, wann diese zu der Vorstellung des individuellen Selbst verfeinert wird. Wir Spätgeborenen tragen den Stempel der Personifizierungstendenz auf unserm Nervensystem; aber auch wir erhalten die Vorstellung von unserm Ich ursprünglich von Eltern, Lehrern und Genossen. Von der Zeit an, wo wir die gesprochenen Worte zu verstehen anfangen, sind wir mit der Verwendung der Eigennamen und der persönlichen Fürwörter zur Bezeichnung verschiedener Individuen vertraut. Das Ichbewußtsein entsteht so aus unserm Leben in der Gesellschaft; der Verf. hält es völlig für ausgeschlossen, daß es außer vielleicht in gelegentlichen Fällen, aus einer Untersuchung des Hintergrundes des Bewußtseins in der Selbstbeobachtung entspringt.
Hinsichtlich der Abbildung des Ichs im Bewußtsein ist zu dem Bisherigen wenig hinzuzufügen. Bei dem Verfasser ist der Komplex von Organempfindungen, der das intellektuelle oder aktive Ich bedeutet, gewöhnlich kinästhetisch, derjenige, der das emotionale Ich bedeutet, viszeral. Man hat behauptet, daß die Organempfindungen sich besonders zu Trägern der Ichbedeutung eignen, da sie immer vorhanden sind, und während der individuellen Lebensdauer so gut wie unverändert bleiben. Wenn aber dieser organische Hintergrund nicht von selbst das Ich darstellt, wenn ein Ichzusammenhang nötig ist, ist jene Behauptung nicht stichhaltig. Die Organempfindungen sind von hoher Wichtigkeit als Bestandteile assoziativer Zusammenhänge und als die sensorischen Elemente in vielen intensiven Gefühlszuständen; aus beiden Gründen eignen sie sich zu Trägern der Ichbedeutung, so gut wie zu Trägern vieler anderer Bedeutungen; aber ihr eigenes Fortdauern im Bewußtsein ist nicht notwendig ein Bewußtsein des Fortdauerns, und sie können ebenso bestimmt auf eine äußere Realität wie auf ein inneres Selbst hinweisen. — Das Gesichtsbild des Ichs kann schematisch sein, wie auf S. 528 beschrieben, oder ein eigentliches Bild; im letzteren Falle ist es gewöhnlich, nach den Beobachtungen des Verf., das Bild des eigenen Körpers in irgend einer ungewöhnlichen Kleidung oder Stellung FN2
Spaltung der Persönlichkeit. — Sehr interessant sind [>549] die Fälle einer Spaltung der Persönlichkeit oder eines Doppelichs, in denen dasselbe Individuum in verschiedenen Perioden auffallende Unterschiede der Intelligenz, des Gefühlslebens und des Gesamtverhaltens darbietet. Der psychologische Schlüssel zu diesen Erscheinungen, die hier nicht erörtert werden können, liegt in dem Wandel der Persönlichkeit, den normale Individuen bei Änderung der Bedingungen zeigen (S. 17).
FN1) Jeder, der sich mit Psychologie beschäftigt, sollte Machs Darstellung der Selbstbetrachtung des Ichs (Beiträge zur Analyse der Empfindungen, 1886) kennen. Der Verf. hätte sie hier reproduziert, wenn er nicht die Hoffnung hegte, durch diesen Hinweis den Leserkreis des M achschen Buches zu erweitern.
FN2) Vgl. die Schilderung des Zustandes vor einer Audienz bei Mosso, Furcht, S. lff.
Ernst Mach zum Ich aus der Analyse der Empfindungen
> Mach kurz und bündig bei Eisler.
S.2f :
"... Als relativ beständig zeigt sich ferner der an einen besonderen Körper (den Leib) gebundene Komplex von Erinnerungen, Stimmungen, Gefühlen, welcher als Ich bezeichnet wird. Ich kann mit diesem oder jenem Ding beschäftigt, ruhig und heiter oder aufgebracht und verstimmt sein. Doch bleibt (pathologische Fälle abgerechnet) genug Beständiges übrig, um das Ich als dasselbe anzuerkennen. Allerdings ist auch das Ich nur von relativer Beständigkeit. Die scheinbare Beständigkeit des Ich besteht vorzüglich nur in der Kontinuität, in der langsamen Änderung. Die vielen Gedanken und Pläne von gestern, welche heute fortgesetzt werden, an welche die Umgebung im Wachen fortwährend erinnert (daher das Ich im Traume sehr verschwommen, verdoppelt sein, oder ganz fehlen kann), die kleinen Gewohnheiten, die sich unbewußt und unwillkürlich längere Zeit erhalten, machen den Grundstock des Ich aus. Größere Verschiedenheiten im Ich verschiedener Menschen, als im Laufe der Jahre in einem Menschen eintreten, kann es kaum geben. ..."
S.3f :
"... Das Ich ist so wenig absolut beständig als die Körper. Was wir am Tode so sehr fürchten, die Vernichtung der Beständigkeit, das tritt im Leben schon in reichlichem Maße ein. Was uns das Wertvollste ist, bleibt in unzähligen Exemplaren erhalten, oder erhält sich bei hervorragender Besonderheit in der Regel von selbst. Im besten Menschen liegen aber individuelle Züge, um die er und andere nicht zu trauern brauchen. Ja zeitweilig kann der Tod, als Befreiung von der Individualität, sogar ein angenehmer Gedanke sein. Das physiologische Sterben wird durch solche Überlegungen natürlich nicht erleichtert.
Ist die erste Orientierung durch Bildung der Substanzbegriffe "Körper", "Ich" (Materie, Seele) erfolgt, so drängt der Wille zur genaueren Beachtung der Veränderungen an diesem relativ Beständigen. Das Veränderliche an den Körpern und am Ich ist es eben, was den Willen3) bewegt. Erst jetzt treten die Bestandteile des Komplexes als Eigenschaften desselben hervor. Eine Frucht ist süß, sie kann aber auch bitter sein. Auch andere Früchte können süß sein. Die gesuchte rote Farbe kommt an vielen Körpern vor. Die Nähe mancher Körper ist angenehm, jene anderer unangenehm. So erscheinen nach und nach verschiedene Komplexe aus gemeinsamen Bestandteilen zusammengesetzt. Von den Körpern trennt sich das Sichtbare, Hörbare, Tastbare ab. Das Sichtbare löst sich in Farbe und Gestalt. In der Mannigfaltigkeit der Farben treten wieder einige Bestandteile in geringerer Zahl hervor, die Grundfarben u.s.w. Die Komplexe zerfallen in Elemente4), d. h. in letzte Bestandteile, die wir bisher nicht weiter zerlegen konnten. Die Natur dieser Elemente bleibe dahin gestellt; dieselbe kann durch künftige Untersuchungen weiter aufgeklärt werden. Daß der Naturforscher nicht die direkten Beziehungen dieser Elemente, sondern Relationen von Relationen derselben leichter verfolgt, braucht uns hier nicht zu stören. ..."
S. 6ff:
"... Auch das Ich, sowie das Verhältnis der Körper zum Ich, gibt Anlaß zum Auftreten analoger Scheinprobleme, deren Kern im folgenden kurz angegeben werden soll. Die zuvor statuierten Elemente wollen wir durch die Buchstaben A B C ... K L M ... a b g... andeuten. Die Komplexe von Farben, Tönen u.s.w., welche man gewöhnlich Körper nennt, bezeichnen wir der Deutlichkeit wegen mit A B C ...; den Komplex, der unser Leib heißt, und der ein durch Besonderheiten ausgezeichneter Teil der ersteren ist, nennen wir K L M ... ; den Komplex von Willen, Erinnerungsbildern u.s.w. stellen wir durch a, b, g, . . . dar. Gewöhnlich wird nun der Komplex a b g... K L M ... als Ich dem Komplex A B C ... als Körperwelt gegenübergestellt; zuweilen wird auch a b g ... als Ich, K L M ... A B C ... als Körperwelt zusammengefaßt. Zunächst erscheint A B C ... als unabhängig vom Ich und diesem selbständig gegenüber stehend. Diese Unabhängigkeit ist nur relativ, und hält vor gesteigerter Aufmerksamkeit nicht stand. In dem Komplex a b g ... kann sich allerdings manches ändern, ohne daß an A B C ... viel bemerklich wird, ebenso umgekehrt. Viele Änderungen in a b g... gehen aber durch Änderungen in K L M ... nach A B C ... über und umgekehrt. (Wenn z. B. lebhafte Vorstellungen in Handlungen ausbrechen, oder die Umgebung in unserm Leib merkliche Änderungen veranlaßt.) Hierbei scheint K L M ... mit a b g... und auch mit A B C ... stärker zusammenzuhängen, als letztere untereinander. Diese Verhältnisse finden eben in dem gewöhnlichen Denken und Sprechen ihren Ausdruck.
Genau genommen, zeigt sich aber, daß A B C ..., immer durch K L M ... mitbestimmt ist. Ein Würfel wird, wenn er nahe, groß, wenn er fern, klein, mit dem rechten Auge anders als mit dem linken, gelegentlich doppelt, bei geschlossenen Augen gar nicht gesehen. Die Eigenschaften eines und desselben Körpers erscheinen also durch den Leib modifiziert, sie erscheinen durch denselben bedingt. Wo ist denn aber derselbe Körper, der so verschieden erscheint? Alles, was man sagen kann, ist, daß verschiedene A B C ... an verschiedene K L M gebunden sind FN6). ..."
S. 10f:
"...Gewöhnlich wird der Komplex ab g... K L M ... als Ich dem Komplex A B C ... gegenübergestellt. Nur jene Elemente von A B C ..., welche ab g... stärker alterieren, wie einen Stich, einen Schmerz pflegt man bald mit dem Ich zusammenzufassen. Später zeigt sich aber durch Bemerkungen der oben angeführten Art, daß das Recht, A B C ... zum Ich zu zählen, nirgends aufhört. Dem entsprechend kann das Ich so erweitert werden, daß es schließlich die ganze Welt umfaßt7). Das Ich ist nicht scharf abgegrenzt, die Grenze ist ziemlich unbestimmt und willkürlich verschiebbar. Nur indem man dies verkennt, die Grenze unbewußt enger und zugleich auch weiter zieht, entstehen im Widerstreit der Standpunkte die metaphysischen Schwierigkeiten.
7) Wenn ich sage, der Tisch, der Baum u. s. w. sind meine Empfindungen, so liegt darin, der Vorstellung des gemeinen Mannes gegenüber, eine wirkliche Erweiterung des Ich. Aber auch nach der Gefühlsseite ergibt sich eine solche Erweiterung für den Virtuosen, der sein Instrument fast so gut beherrscht als seinen Leib, für den gewandten Redner, in dem alle Augenaxen convergieren, und der die Gedanken seiner Zuhörer leitet, für den kräftigen Politiker, der seine Partei mit Leichtigkeit führt, u. s. w. — In Depressionszuständen hingegen, wie sie nervöse Menschen zeitweilig zu ertragen haben, schrumpft das Ich zusammen. Eine Wand scheint es von der Welt zu trennen.
Sobald wir erkannt haben, daß die vermeintlichen Einheiten "Körper", "Ich" nur Notbehelfe zur vorläufigen Orientierung und für bestimmte praktische Zwecke sind (um die Körper zu ergreifen, um sich vor Schmerz zu wahren u.s.w.), müssen wir sie bei vielen weitergehenden wissenschaftlichen Untersuchungen als unzureichend und unzutreffend aufgeben. Der Gegensatz zwischen Ich und Welt, Empfindung oder Erscheinung und Ding fällt dann weg, und es handelt sich lediglich um den Zusammenhang der Elemente ab g ... A B C ... K L M ..., für welchen eben dieser Gegensatz nur ein teilweise zutreffender unvollständiger Ausdruck war. Dieser Zusammenhang ist nichts weiter als die Verknüpfung jener Elemente mit andern gleichartigen Elementen (Zeit und Raum). Die Wissenschaft hat ihn zunächst einfach anzuerkennen, und sich in demselben zu orientieren, anstatt die Existenz desselben sofort erklären zu wollen.
Bei oberflächlicher Betrachtung scheint der Komplex ab g ... aus viel flüchtigeren Elementen zu bestehen, als A B C ... und K L M ..., in welchen letzteren die Elemente stabiler und in mehr beständiger Weise (an feste Kerne) geknüpft zu sein scheinen. Obgleich bei weiterem Zusehen die Elemente aller Komplexe sich als gleichartig erweisen, so schleicht sich doch auch nach dieser Erkenntnis die ältere Vorstellung eines Gegensatzes von Körper und Geist leicht wieder ein. Der Spiritualist fühlt wohl gelegentlich die Schwierigkeit, seiner vom Geist geschaffenen Körperwelt die nötige Festigkeit zu geben, dem Materialisten wird es sonderbar zu Mut, wenn er die Körperwelt mit Empfindung beleben soll. Der durch Überlegung erworbene monistische Standpunkt wird durch die älteren stärkeren instinktiven Vorstellungen leicht wieder getrübt. ---"
"... Daß aus diesem Elementenkomplex, welcher im Grunde nur einer ist, die Körper und das Ich sich nicht in bestimmter, für alle Fälle zureichender Weise abgrenzen lassen, wurde schon gesagt. Die Zusammenfassung der mit Schmerz und Lust am nächsten zusammenhängenden Elemente in einer ideellen denkökonomischen Einheit, dem Ich, hat die höchste Bedeutung für den im Dienste des schmerzmeidenden und lustsuchenden Willens stehenden Intellekt. Die Abgrenzung des Ich stellt sich daher instinktiv her, wird geläufig und befestigt sich vielleicht sogar durch Vererbung. Durch ihre hohe praktische Bedeutung nicht nur für das Individuum, sondern für die ganze Art machen sich die Zusammenfassungen "Ich" und "Körper" instinktiv geltend und treten mit elementarer Gewalt auf. In besonderen Fällen aber, in welchen es sich nicht um praktische Zwecke handelt, sondern die Erkenntnis Selbstzweck wird, kann sich diese Abgrenzung als ungenügend, hinderlich, unhaltbar erweisen FN17). ..."
"... Die Gewohnheit, den unanalysierten Ich-Komplex als eine unteilbare Einheit zu behandeln, hat sich wissenschaftlich oft in eigentümlicher Weise geäußert. Aus dem Leibe wird zunächst das Nervensystem als Sitz der Empfindungen ausgesondert. In dem Nervensystem wählt man wieder das Hirn als hierzu geeignet aus, und sucht schließlich, die vermeintliche psychische Einheit zu retten, im Hirn noch nach einem Punkt als Sitz der Seele. So rohe Anschauungen werden aber schwerlich geeignet sein, auch nur in den gröbsten Zügen die Wege der künftigen Untersuchung über den Zusammenhang des Physischen und Psychischen vorzuzeichnen. Daß die verschiedenen Organe, Teile des Nervensystems, mit einander physisch zusammenhängen und durch einander leicht erregt werden können, ist wahrscheinlich die Grundlage der "psychischen Einheit". Ich hörte einmal ernstlich die Frage diskutieren: "Wieso die Wahrnehmung eines großen Baumes in dem kleinen Kopfe des Menschen Platz fände"? Besteht auch dieses Problem nicht, so wird doch durch die Frage die Verkehrtheit fühlbar, die man leicht begeht, indem man sich die Empfindungen räumlich in das Hirn hineindenkt. Ist von den Empfindungen eines andern Menschen die Rede, so haben diese in meinem optischen oder überhaupt physischen Raum natürlich gar nichts zu schaffen; sie sind hinzugedacht, und ich denke sie kausal (oder besser funktional), aber nicht räumlich an das beobachtete oder vorgestellte Menschenhirn gebunden. Spreche ich von meinen Empfindungen, so sind dieselben nicht räumlich in meinem Kopfe, sondern mein "Kopf" teilt vielmehr mit ihnen dasselbe räumliche Feld, wie es oben dargestellt wurde. (Vergl. das über Fig. 1, Abschn. 9, 10 Gesagte)20). ..."
Ende Mach.
Eisler - Lexikon der philosophischen Begriffe
"Ich ist der Ausdruck der Selbstunterscheidung eines lebenden Subjects von anderen Subjecten und den Objecten (Nicht-Ichs), also der Beziehung von Erlebnissen auf das Subject als deren Eigner, Träger, constanten Factor. Das Ich ist das Identische, Permanierende, die Einheit eines lebenden, bewußten Wesens. Es erfaßt sich selbst, »setzt« (s. d.) sich selbst zuerst in einer Summe von Trieben, dann im (beseelten) Leibe, dann in einem Zusammenhange von Vorstellungen, Urteilen und Gefühlen, zuletzt im Willen und in der kraftvollen, synthetischen Einheit des Bewußtseins überhaupt, die sich von allen ihren Teilgliedern und Inhalten unterscheidet. Das Wesen des Ich liegt in der unterscheidenden, (rück-) beziehenden und synthetischen Tätigkeit selbst. Das Ich ist kein Schein, keine Erscheinung, es ist als (activer) Bewußtseinsfactor idealreal zugleich wie alles Geistige, es ist kein Summationsphänomen, sondern ist schon ein Factor des primitiven Bewußtseins (als »Ichgefühl«, concrete Ichheit, Für-sich-sein). Aber es ist keine Wesenheit außerhalb des Bewußtseins, keine starre Substanz, sondern substantiell nur in und mit dem Complex individueller Erlebnisse gegeben, als Ich-Moment. Das »reine« Ich ist ein begriffliches Gebilde, es ist das Ich, losgelöst gedacht von seinem Inhalte und in seinen Ichcharakter, der »Ichheit«, fixiert. Die verschiedenen Arten der Setzung des Ich, des Ich-Erlebens, Ich-Wissens kommen in der Entwicklung des Selbstbewußtseins (s. d.) zum Ausdruck. Die Unterscheidung eines »primären« vom »secundären« (entwickelten, entfalteten, Reflexions-) Ich ist berechtigt. Dem individuellen Ich wird zuweilen ein Gesamt-Ich, ein universales Ich gegenübergestellt. - Die Ichheit ist die Urkategorie, die subjective Quelle der Kategorien (s. d.). Die Geschichte des Ich-Begriffes zeigt, daß das Ich bald als Seele, Substanz, bald als Action, Synthesis, Einheit, bald als Complex, Associationsproduct, bald also als etwas Ursprüngliches, Reales, Wesenhaftes, bald als etwas Abgeleitetes, als Product, als Erscheinung oder Schein aufgefaßt wird.
Als geistige Wesenheit, als Träger des Denkens besonders erscheint das Ich bei PLATO, ARISTOTELES, PLOTIN, bei denen wir Ansätze zu einer Lehre vom Selbstbewußtsein (s. d.) finden. Die Stoiker beziehen das »Ich« auf das hêgemonikon (s. d.) houtô de kai to egô legomen kata touto (hêgem.) deiknyontes; (Galen., De plac. Hipp. et Plut. V, 215 k). CICERO betont: »Neque nos corpora sumus«, »ab animo tuo quidquid agitur, id agitur a te« (Tuscul. disput. I, 22, § 52). - Nach AUGUSTINUS ist das Ich die Seele selbst (De trin. X, 10). So auch die Scholastiker.
DESCARTES betont die Immaterialität des Ich, es ist das Subject des Denkens, die »res cogitans«, die sich aus dem »cogito, ergo sum« ergibt (Medit. II u. III). Das »ego« ist »mens«, denn nur das Denken kann vom Ich nicht abstrahiert werden. »Examinantes enim, quinam simus nos, qui omnia, quae a nobis diversa sunt, supponimus falsa esse, perspicue videmus, nullam extensionem, nec figuram, nec motum localem, nec quid simile, quod corpori tribuendum, ad naturam nostram pertinere, sed cogitationem solam« (Princ. philos. I, 7). GEULINCX erklärt: »Corpus meum pars huius mundi. Ego vero minime pars huius mundi sum, utpote qui sensum omnem fugiam, qui nec videri ipse, nec audiri, nec manu tentari possim. Haec omnia in corpore meo sistunt, nihil horum ad me neque permeat; ego speciem omnem excedo. Ego sola cognitione volitioneque definior« (Eth. annot. p. 204). »Ego non facio id, quod, quomodo fiat, nescio« (l.c. p. 205). SPINOZA identificiert das Ich mit dem Intellecte (»mens«), betrachtet es aber nicht als Einzelsubstanz, sondern als modus (s. d.) der Gott-Natur (vgl. Selbstbewußtsein). LOCKE versteht unter dem Ich ein denkendes, vernünftiges Wesen, das sich als sich selbst und als dasselbe Wesen auffassen kann (Ess. II, ch. 27, § 9 f.). Das Ich besteht in dem stetigen, mit sich identischen Bewußtsein selbst (l.c. § 25), so daß es für dieses gleichgültig ist, ob ihm eine oder mehrere Substanzen zugrundeliegen (l.c. §16 f.).
LEIBNIZ unterscheidet die reale, physische von der persönlichen, bewußten Identität des Ich (Nouv. Ess. II, ch. 27, § 19). Die Ichheit als Für-sich-sein, Innerlichkeit kommt allen Wesen (Monaden, s. d.) zu. BERKELEY faßt das Ich als rein geistige, active Substanz auf (Princ. XXVII). Nach BONNET ist das Ich eine »modification de l'âme, et cette modification n'est que l'âme elle-même existant dans un certain état« (Ess. C. 38). - Nach CONDILLAC ist das Ich (der fingierten »Statue«) »tout à la fois la conscience de ce qu'elle est et le souvenir de ce qu'elle a été«(Trait. d. sensat. I, ch. 6, § 3). Das Ich eignet nur einem Wesen, »qui remarque que dans le moment présent il n'est plus ce qu'il a été. Tant qu'il ne change point, il existe sans aucun retour sur lui-même: mais aussitôt qu'il change, il juge qu'il est le même qui a été auparavant de telle manière, et il dit moi« (l.c. § 2). Das Ich des Wahrnehmenden ist nur eine »collection« von Empfindungen und Erinnerungsvorstellungen (l.c. 1, ch. 6, § 3). HUME setzt Ich und Seele gleich (Treat. IV, sct. 6) und hebt die Substantialität desselben ganz auf. Das Ich trifft sich niemals ohne Perception an und findet sich stets nur in Perceptionen. Es ist nur ein »bundle or collection« »verschiedener Perceptionen, die einander mit unbegreiflicher Schnelligkeit folgen und beständig in Fluß und Bewegung sind« (l.c. S. 327).
Die actuale Auffassung des Ich tritt bei KANT wieder auf, aber in einer andern Form, die der Activität und synthetischen Einheit des Ichbewußtseins mehr Rechnung tragt. Die metaphysische Einfachheit und Substantialität des Ich wird bestritten, die Einheit des Subjects aber betont. Das »Ich bin einfach« ist nur »ein unmittelbarer Ausdruck der Apperception«, der Bewußtseinstätigkeit selbst (Krit. d. r Vern. S. 302). Es bedeutet, daß die Vorstellung »Ich« »nicht die mindeste Mannigfaltigkeit in sich fasse und daß sie absolute (obzwar bloß logische) Einheit sei« (l.c. S. 303). »So viel ist gewiß: daß ich mir durch das Ich jederzeit eine absolute, aber logische Einheit des Subjects (Einfachheit) gedenke, aber nicht, daß ich dadurch die wirkliche Einfachheit meines Subjects erkenne« (ib.). Das Ich ist nicht das »Ding an sich« (s. d.), es ist Erscheinung, weil es der Form des inneren Sinnes (s. d.) unterliegt, jedenfalls aber ist es nicht körperlich (l.c. S. 304). Das durch den innern Sinn erfaßte (Vorstellungs-) Ich ist das »empirische« Ich, von dem das »reine«, »transcendentale« Ich der reinenApperception (s. d.), das »Ich denke«, das alle Vorstellungen als Einheitspunkt begleiten muß können, die Ichheit, die reine Synthesis (s. d.) zu unterscheiden ist (l.c. S. 675). Das reine Ich ist ein Begriff, ein Abstractum, es bezeichnet das Subject der Gedanken, das Correlat der Apperception (WW. IV, 438). »Ich bin mir meiner selbst bewußt, ist ein Gedanke, der schon ein zwiefaches Ich enthält, das Ich als Subject und das Ich als Object.« »Von dem Ich in der erstern Bedeutung (dem Subject der Apperception), dem logischen Ich, als Vorstellung a priori, ist schlechterdings nichts weiter zu erkennen möglich, was es für ein Wesen, und von welcher Naturbeschaffenheit es sei; es ist gleichsam, wie das Substantiale, was übrigbleibt, wenn ich alle Accidenzen, die ihm inhärieren, weggelassen habe, das aber schlechterdings gar nicht weiter erkannt werden kann, weil die Accidenzen gerade das waren, woran ich seine Natur erkennen konnte.« »Das Ich aber in der zweiten Bedeutung (als Subject der Perception), das psychologische Ich, als empirisches Bewußtsein, ist mannigfacher Erkenntnis fähig.« Das empirische Ich ist Erscheinung; das logische Ich zeigt das Subject an, wie es an sich ist, im reinen Bewußtsein, als reine Spontaneität, ist aber keiner Erkenntnis fähig (Üb. d. Fortschr. d. Metaph. S. 109 f.). - REINHOLD versteht unter dem (empirischen) Ich »das vorstellende Subject, inwiefern es Object des Bewußtseins ist« (Vers. e. neuen Theor. II, 336). Nach S. MAIMON ist das Ich die »Einheit des Bewußtseins«, das im Verhältnis zu den wechselnden Vorstellungen Beharrliche (Vers. üb. d. Transc. S. 157). Nach KRUG kann man mir vom empirischen Ich die Existenz aussagen. »Dem reinen Ich hingegen kann das Prädicat des realen Seins nicht beigelegt werden, weil es kein reales Ding, sondern ein bloßer Begriff, ein Gedankending ist. Denn man denkt es nur dadurch, daß man von seinen empirischen Bestimmungen abstrahiert und bloß auf die ursprünglichen reflectiert. Das reine Ich ist also nichts anderes als der Inbegriff des ursprünglichen oder Transcendentalen in mir, was ich als den Grund alles Empirischen in mir denke« (Fundam. S. 143). Später jedoch erklärt er: »Die Urbestimmungen des Ich sind die wesentlichen, allgemeinen und notwendigen Elemente der menschlichen Natur; sie machen unser Wesen aus... und müssen daher bei allen Menschen auf gleiche Weise angetroffen werden. In ihnen muß unsere ursprüngliche Einrichtung oder Anlage... bestehen. Ihr Inbegriff heißt auch das reine oder absolute Ich.« Dieses ist nichts anderes als die reine Menschheit selbst im Individuum, etwas Reales, das sich unter der Hülle des Empirischen offenbart (Handb. d. Philos. I, 53). Als Setzung des reinen, schöpferischen, logischen, des absoluten Ich bestimmt das empirische, das Einzel-Ich J. G. FICHTE, der die Ichheit zum Seinsgrunde macht. Das absolute, unbegrenzte, schlechthinige Ich setzt in einer Reihe intellectueller Acte sich und sich gegenüber das Nicht-Ich. Das Ich ist wesentlich setzende, d.h. fixierende, objectivierende Tätigkeit. »Dasjenige, dessen Sein (Wesen) bloß darin besteht, daß es sich selbst als seiend setzt, ist das Ich, als absolutes Subject. So, wie es sich setzt, ist es; und so, wie es ist, setzt es sich, und das Ich ist demnach für das Ich schlechthin und notwendig. Was für sich selbst nicht ist, ist kein Ich.« »Das Ich ist nur insofern, inwiefern es sich seiner bewußt ist« (Gr. d. g. Wiss. S. 9). Das Ich ist schlechthin durch sein Sein (l.c. 10 f.), es »setzt ursprünglich sein eigenes Sein« (l.c. S. 11). Das »Ich = Ich« ist die ursprünglichste Erkenntnis, die Urquelle alles Denkens (ib.), es bedeutet »erstens die rein logische Identität von Subject und Object im Acte des reinen Selbstbewußtseins, zweitens die reale metaphysische Identität des setzenden absoluten Ich und des gesetzten begrenzten Ich, und drittens die zeitliche Identität des Ich in zwei rasch aufeinander folgenden Zeitpunkten« (E. V. HARTMANN, Gesch. d. Metaphys. II, 71). Ich und Nicht Ich sind beide »Producte ursprünglicher Handlungen des Ich« (Gr. d. g. Wiss. S. 23). »Ich setze im Ich dem teilbaren Ich ein teilbares Nicht-Ich entgegen« (l.c. S. 28). D.h. das absolute Ich setzt in sich Innenwelt und Außenwelt in einem Acte. Das Ich als Intelligenz, als Vernunft ist ein Product der Setzung, eine zu realisierende Idee, ein Strebensziel (l.c. S. 224; WW. I, 463 f., 515 f.; II, 382). Einerseits setzt das Ich das Nicht-Ich als beschränkt durch das Ich, anderseits setzt es sich selbst als beschränkt durch das Nicht-Ich, so sich praktisch und theoretisch verhaltend (Gr. d. g. Wiss. S. 49 f.). Als »den ganzen schlechthin bestimmten Umkreis aller Realitäten umfassend« ist das Ich Substanz (l.c. S. 73), aber nur im Sinne reiner Actualität, als beharrendes Tun (»Tathandlung«), das durch intellectuelle Anschauung sich selbst erfaßt (Syst. d. Sittenl. S. 110 f.). Das Ich ist »das erste Princip aller Bewegung, alles Lebens, aller Tat und Begebenheit«. Das Wirken des Nicht-Ich gegenüber dem empirischen Ich ist selbst schon eine Tat des (absoluten) Ich (l.c. S. 213 u. ff.). Das Ich findet sich (praktisch) wesentlich als wollend (l.c. S. 8).
SCHELLING bestimmt (in seiner ersten Periode) das absolute Ich als das, »was schlechterdings niemals Object werden kann« (Vom Ich S. 12). Das Ich bringt sich durch absolute Causalität denkend hervor (ib.). Es ist Anfang und Ende aller Philosophie, indem es die Freiheit ist, (l.c. S. 38 ff.). Das bewußte Ich ist nicht das reine, absolute Ich; dieses wird nur in intellectueller Anschauung bestimmt (l.c. S. 44, 49). Das Ich enthält alles Sein, alle Realität (l.c. S. 61), ist unendlich (l.c. S. 74), wie auch seine Attribute (l.c. S. 77). Es ist die einzige Substanz, alles andere ist Accidenz des Ich (l.c. S. 79). Es ist das Ich die »immanente Ursache alles dessen, was ist« (l.c. S. 84). »Der Inbegriff alles Subjectiven... heiße das Ich« (Syst. d. tr. Ideal. S. 1). Der Begriff des Ich ist nur »der Begriff des Selbst-Object-werdens« (l.c. S. 45). Das Ich ist nur und kann nur vorgestellt werden als Act (ib.), ist »nichts außer dem Denken« (l.c. S. 46), »kein Ding, keine Sache, sondern das ins Unendliche fort nicht Objective« (l.c. S. 47 f.), es ist »reiner Act, reines Tun« (l.c. S. 49), ein »Wissen, das zugleich sich selbst (als Object) produciert«, ein »beständiges intellectuelles Anschauen« (l.c. S. 51). Das Ich als solches ist überindividuell, überempirisch (l.c. S. 59), es ist das Subject alles Seins. »Der ewige, in keiner Zeit begriffene Act des Selbstbewußtseins, den wir Ich nennen, ist das, was allen Dingen das Dasein gibt, was also selbst keines andern Seins bedarf, sondern sich selbst tragend und unterstützend, objectiv als das ewige Werden, subjectiv als das unendliche Producieren erscheint« (l.c. S. 61). Das Ich liegt der Intelligenz zugrunde (l.c. S. 147). »Nur an der ursprünglichen Kraft meines Ich bricht sich die Kraft der Außenwelt. Aber umgekehrt auch die ursprüngliche Tätigkeit in mir erst am Objecte zum Denken, zum selbstbewußten Vorstellen« (Naturphilos. S. 305). Das Ich wird bei Schelling später zu einem Entwicklungsproducte des Absoluten. Nach CHR. KRAUSE ist das Ich ein »Teilwesen« der allgemeinen Vernunft.
HEGEL, bestimmt das Ich als »das Allgemeine, das bei sich ist« (Rechtsphilos. S. 43 f.). »Das Denken als Subject vorgestellt ist Denkendes, und der einfache Ausdruck des existierenden Subjects als Denkenden ist Ich« (Encykl. § 20). »Ich aber abstract als solches ist die reine Beziehung auf sich selbst, in der vom Vorstellen, Empfinden, von jedem Zustand,. wie von jeder Particularität der Natur, des Talents, der Erfahrung u.s.f. abstrahiert ist. Ich ist insofern die Existenz der ganz abstracten Allgemeinheit, das abstract Freie« (ib.). Das Ich (die Seele) ist »der Begriff selbst in seiner freien Existenz« (Ästhet. I, 141), es ist eine ideelle Einheit (ib.). K. ROSENKRANZ erklärt: »Indem das Selbst aus dem Objectiven in sich zurückgeht, findet es sich selbst als mit ihm, dem Subject, identisch.« »Das Ich setzt sich selbst, setzt sich ihm selbst entgegen und setzt sich auch als die Einheit des setzenden und gesetzten Ich« (Syst. d. Wiss. S. 411). »Das Ich kann nicht Ich sein, ohne seiner selbst gewiß, d.h. ohne sich selbst als Subject Object zu sein« (Psychol.3, 63. 288). Das Selbst ist »die sich unaufhörlich erneuernde Tat des Geistes« (l.c. S. 289). Nach HEINROTH ist das Ich das Beharrliche an der Seele (Psychol S. 150), es wird als Einheit immer schon vorausgesetzt (l.c. S. 155). Die Ichheit ist »der Focus aller Functionen oder aller Radien des geistigen Menschen« (Psychol. S. 8). Ichheit ist »persönliche Einheit« vermöge des Selbstbewußtseins (l.c. S. 29). Die Ichheit, das Ich ist ein unmittelbar-gewisses, unbestreitbares Grundfactum (l.c. S. 283). »Sentio, ergo sum«, »volo, ergo sum« (l.c. S. 284). Das Ich ist das sich selbst Gleiche in allen seinen Acten, »die allgemeine Gleichung für eine unendliche Reihe von Functionen« (l.c. S. 285). Das Ich ist das Band von Wissen und Sein (l.c. S. 287), die Quelle der Kategorien (s. d.) CARRIERE betont: »Wir sind nur ein Ich, insofern wir uns als solches setzen« (Ästh. I, 42; Weltordn. S. 158). - Nach GÜNTHER wird das Ich nicht erlebt, sondern erschlossen. GARNIER bemerkt: »Le moi est l'âme se percevant ou se connaissant« (Trait. I, p. 373). Nach GUTBERLET u. a. ist das psychologische Ich die Seelensubstanz (Kampf um d. Seele S. 105). »Bei dem Wechsel der inneren Zustände bleibt immer ein Element, nämlich der mir zugehörende Umstand, daß es immer meine Zuständlichkeit ist. Dieses constante Element, welches sich mit allen wechselnden Zuständen verbindet, ist das, was wir zunächst als Ich ausscheiden und auffassen« (ib.). Es ist ferner auch »das Subject, welches jene Zustände an sich und in sich erfährt« (ib.). Nach SCHOPENHAUER ist das Ich »das pro tempore identische Subject des Erkennens und Wollens« (W. a. W. u. V. II. Bd., C. 19). Es ist der »Indifferenzpunkt« von Willen und Intellect, deren Wurzelstock, gemeinschaftlicher Endpunkt, »der zeitliche Anfangs- und Anknüpfungspunkt der gesamten Erscheinung, d.h. der Objectivation des Willens« (l.c. II. Bd., C. 19). Das »theoretische« Ich ist der »Einheitspunkt des Bewußtseins«, es ist eine Erkenntnisfunction des »wollenden« Ich (l.c. C. 20). Kern und Trüger des Ich ist der Wille (s. d.). Nach J. H. FICHTE ist das Ich ein Product des Geistes (Psychol. I, 167 f.). Das Ich ist »weder ein Reales, noch viel weniger Princip eines Realen, sondern lediglich das Product einer psychologischen Abstraction«; es ist »die leere Form. des Selbstbewußtseins, in welcher der Geist seine realen, aber ihm bereits bewußt gewordenen Unterschiede vorstellend zusammenfaßt: Zeichen eines Realen« (Psychol. I, S. XVIII f.). Das Ich ist nichts Substantielles, sondern Prädicat und Merkmal des Geistes (l.c. I, 167). E. V. HARTMANN sieht im Ich keine Substanz, keine Wesenheit, sondern die Erscheinung des unbewußten Subjects (Philos. d. Unbew.3, S. 535). Das Ich ist »die Abstraction des Selbstbewußtseins, die leere Form des Selbstbewußtwerdens unter Absehung von allem concreten Bewußtseinsinhalt, in welcher die Reflexion auf die in allen meinen Bewußtseinsacten identische Form meines Bewußtseins selbst zum Inhalt eines bestimmten Bewußtseinsactes wird« (Kategorienl. S. 501). Es darf nicht hypostasiert werden (l.c. S. 502). Das »reale Subject der psychischen Tätigkeiten« »kann nicht ein Ich, ein schon an und für sich selbstbewußtes, sein, weil das Bewußtwerden selbst erst eine der psychischen Tätigkeiten ist, also ein Posterius des Subjects sein muß, ein zu ihm erst nachträglich Hinzukommendes« (l.c. S. 507). Das Ich ist »eine subjectiv ideale Erscheinung der Seele« (l.c. S. 511). So auch A. DREWS (Das Ich S. 132). Das Ich ist »Subject«, »aber dies bedeutet nicht das reale denkende Subject, sondern nur den subjectiven Pol des Bewußtseins, dem das Object als sein notwendiges Correlat gegenübersteht« (l.c. S. 138). Das Ich ist die Form des Bewußtseins (l.c. S. 144), setzt das Bewußtsein schon voraus (ib.). Jedes Ich ist ein empirisches Ich (l.c. S. 228). Die Ichheit ist der einheitliche Act des Zusammenfassens, der bei allen Wesen identisch ist (ib.). Das Selbigkeitsbewußtsein bezieht sich »nur auf die unbewußten Factoren des Bewußtseinsinhalts« (Arch. f. system. Philos. VIII, S. 207). Die Wirklichkeit des Ich ist bloß eine ideelle (l.c. S. 208). Jeder Versuch, das Reale unmittelbar vom Ich aus zu bestimmen, hebt sich schließlich in seinen Consequenzen selber auf (Das Ich S. 130).
NIETZSCHE erklärt das »Subject« des Bewußtseins für eine Fiction (WW. XV, 282). Das Ich darf nicht substantialisiert werden (WW. XV, 354). Es ist eine Mehrheit von Kräften, von denen bald diese, bald jene im Vordergrunde steht; der »Subjectpunkt« springt herum (WW. XI 6,157). Das Ich als primäre Ursache, als Täter ist eine Fabel (WW. VIII 2, S. 94 f.). Ich und »organisches Einheitsgefühl« sind zu unterscheiden. Das Ichbewußtsein ist das letzte, was hinzukommt, wenn ein Organismus fertig functioniert (WW. XII 1, 32). Das Selbstbewußtsein ist ein sociales Product (WW. V, S. 293).
Als Bewußtsein, Bewußtseinsform, Bewußtseinsmoment, psychische Wesenheit wird das Ich verschiedenerseits bestimmt. J. BERGMANN erklärt: »Gewiß ist..., daß wir nichts als daseiend denken können, ohne unser denkendes Ich selbst als daseiend zu denken« (Begr. d. Das. S. 294). »Dies aber, sich selbst zu denken und zwar als daseiend, also als identisch mit sich, ist das Wesen des Ich. Ich bin das, was ich mit dem Worte ›Ich‹ meine, nur, inwiefern ich mich denke« (l.c. S. 296). Das Ich ist »nichts anderes als das wahrnehmende Bewußtsein, inwiefern dasselbe sich selbst zum Inhalte hat und, indem es sich zum Inhalte hat, hervorbringt« (Sein u. Erk. S. 97). »Ich habe nicht, sondern ich bin Bewußtsein« (l.c. S. 155). »Der reine Inhalt meines Bewußtseins ist... mein allgemeines oder reines Ich, der empirische Inhalt mein besonderes oder empirisches Ich und weiter nichts« (ib.). Das Ichbewußtsein steckt schon »in der schwächsten sinnlichen Empfindung, in dem dumpfesten Gefühle« (l.c. S. 156), Nach O. SCHNEIDER ist das Ichbewußtsein nur »daraus erklärlich, daß in dem Wechsel ein unbedingt Gleiches, Beharrliches mit festen Stammbegriffen bleibt, welches das Bewußtsein der Dasselbigkeit (Identität) erzeugt« (Transcendentalpsychol. S. 122). »Es ist immer dasselbe einheitlich geschlossene, als Ganzes tätige Ich, welches Ordnung und Einheit in den Vorstellungen stiftet und sich seine Bewußtseinszustände auf Veranlassung der Erfahrung nach. Maßgabe seiner apriorischen Kraft macht. Die kritische Philosophie erkennt in diesem tätigen Ich ein transcendentales, übersinnliches, bei allen verständigen und vernünftigen Menschen gleiches Bewußtsein« (l.c. S. 447). Ein absolutes, zeitloses Ich als Seinsprincip nimmt u. a. GREEN an (Proleg. to Ethics § 11). Nach G. THIELE gibt es ein »überzeitliches Ich«, dessen Äußerungen die einzelnen Ich-Acte sind (Philos. d. Selbstbew. S. 311). Das Ich ist »Selbstgefühl«, »das reine Sich-selbst-fühlen der Seele«, »Identität von Wissen und realem Sein«, »Sich-selbst-wollen« (l.c. S. 303 ff., 327, 311). K. LASSWITZ erklärt: »Das naturbedingte Ich ist unsere individuelle Existenz in Raum und Zeit... Das Ich als Selbstgefühl aber ist gerade das allgemeine, das allen individuellen Ich, die sich durch ihren Inhalt unterscheiden, in gleicher Weise zukommt. Nur jener besondere empirische Inhalt ist naturgesetzlich bestimmt, das Ich-sein als solches aber ist eine autonome Bestimmung im Bewußtsein, wodurch die Bestimmung von Inhalt, d.h. Einheit von Mannigfaltigem, somit Natur, erst möglich wird« (Wirklichk. S.151). - Nach B. ERDMANN ist das Ich ein bei allem Wechsel des Bewußtseins beharrendes selbständiges Wirkliches (Log. I, 7.5 f.). Indem wir von den Objecten leiden und uns in diesem Leiden selbst erhalten, werden wir uns unserer eigenen Wirklichkeit bewußt (l.c. I, 83). A. WERNICKE betont: »Unser Ich ist die Formaleinheit seiner Vorstellungen«. »Da unser Ich es an sich selbst erfährt, daß ein Etwas trotz der Verschiedenheit seiner Zustände sich stets als dasselbe erscheinen kann, so überträgt es diese Erfahrung unmittelbar auf das Mannigfaltige, welches ihm gegenübertritt, und erfaßt dasselbe nach dem Muster (Analogie) der Identität Ich = Ich, so daß es im Gegebenen schließlich ein Reich von Dingen sieht, welche Formaleinheiten seiner Zustände sind« (Die Grundlag. d. Euklid. Geometr. l887, S. 6). Nach REHMKE ist das Ich »das unmittelbar gegebene concrete Bewußtsein«. »Das in Wechselwirkung Zusammen von Seele und Leib... ist der Anlaß, daß dasselbe Wort ›ich‹... auch für jenes zusammen gebraucht wird« (Lehrb. d. allg. Psychol. S. 126). SCHUPPE erklärt: »Bewußtsein und Ich können promiscue gebraucht werden. In dem ich-seiner-bewußt-sein besteht das Ich.« »Das Ich erweist sich im unmittelbaren Bewußtsein als etwas, was nur Subject sein, nur Eigenschaften haben, Tätigkeiten ausüben kann... Es bedarf nicht nur keines Substrates, sondern kann keines haben« (Log. S. 16). Ich-Subject und Ich-Object weisen gegenseitig aufeinander hin. »So weit ist das Ich absolut einfach, ein absoluter Einheitspunkt« (l.c. S. 19). »Bewußtsein oder Ich« abstract genommen ist nur ein »begriffliches Moment in dem Ganzen des concreten oder individuellen Bewußtseins« (l.c. S. 20). Als »Subject des Bewußtseins« ist das Ich unräumlich (l.c. S. 24), räumlich wird es erst, indem es sich als Object unter Objecten findet (l.c. S. 25). Die Individualität des Ich hängt allein vom Bewußtseinsinhalt ab, welcher das empirische Ich darstellt (l.c. S. 21). »Das einzelne individuelle Ich ist dieses Ich nur dadurch, daß es diesen räumlich und zeitlich bestimmten Inhalt hat« (l.c. S. 07). »Die psychischen Vorgänge coincidieren in dem einen unteilbaren Einheitspunkt des Ich, welches sich in ihnen findet, als handelnd oder leidend, bestimmt oder bestimmend« (l.c. S. 76). »Das Ich findet und hat sich in diesen psychischen Elementen so etwa, wie die einfachste Erscheinung aus den Erscheinungselementen besteht« (l.c. S. 140). Durch seine ihm eigene Einheit ist das Ich ein »Ich-Ding« (ib.). SCHUBERT-SOLDERN bestimmt: »Die continuierliche, zeitlich einheitliche Entwicklung von Vorstellungen, Gefühlen, Begehrungen u.s.w., gebunden an einen Leib mit der Seinsart der Wahrnehmung und den Mittelpunkt der unmittelbar gegebenen Raumwelt bildend, ist das Ich.« »Zu ihm steht alles in Beziehung« (Gr. e. Erk. S. 8). Zu unterscheiden ist zwischen concretem und abstractem Ich (l.c. S. 11). Auf der Continuität der Erneuerung des »Ich denke« beruht die Identität des Ich (l.c. S. 75). »Ich bin mir eines Inhaltes bewußt, heißt; es ist im Zusammenhange meines Ich gegeben« (l.c. S. 76). Das Ich ist »die stetige Verknüpfung der Gegenwart mit der Vergangenheit« (ib.). Das empirische (concrete) Ich ist die Grundlage des abstracten Ich-Zusammenhanges (l.c. S. 77; vgl. S. 82 ff.). RIEHL erblickt im Ich »keine absolut fixe Idee, sondern eine Vorstellung, die sich beständig erneut, die fortwährend aus ähnlichem, aber niemals vollkommen identischem Material erzeugt wird«. Es ist keine Seins-, sondern eine Tätigkeitsform (Philos. Krit. II 1, 66). »Nur der bloße Gedanke, ›Ich‹, der Begriff des Subjectseins, ist immer und überall derselbe Gedanke, die nämliche Form des Bewußtseins überhaupt; das empirische Selbstbewußtsein aber, das concrete Ich, ist so reich und mannigfaltig, so verschieden an Ausdehnung und Gehalt, wie es die individuellen Unterschiede der Begabung und der Erlebnisse mit sich bringen« (Zur Einleit. in d. Philos. S. 167). Nach G. GERBER ist die Ichheit das »Sein des Universums« (Das Ich S. 425). Die Gottheit ist Ichheit (l.c. S. 415). Ohne Ichheit keine Welt (l.c. S. 41). Das Ich hat ein »formendes Wirken«, eine »Bildekraft«, es gestaltet erkennend-handelnd die Welt in den Formen seines Bewußtseins, indem es sich ihr einbildet (l.c. S. 222, 34O).
Nach HUSSERL ist das Ich nichts, was über^den Erlebnissen schwebt, sondern identisch mit ihrer eigenen Verknüpfungseinheit (Log. Unters. II, 331), eine »einheitliche Inhaltsgesamtheit« (ib.), welche in causaler Gesetzlichkeit liegt (l.c. S. 332). Ein eigenes »reines« Ich, wie es u. a. NATORP annimmt, gibt es nicht. Nach MÜNSTERBERG wird die »Ichfunction« nicht vorgefunden, sondern erlebt, behauptet, gewollt. Sie ist nicht beschreibbar, nicht erklärbar, aber die gewisseste Realität, die nur nicht objectivierbar ist (Grdz. d. Psychol. S. 93). Aus der Summation oder der Wechselwirkung von Vorstellungen, Empfindungen (und Gefühlen) entspringt das Ich nach verschiedenen Philosophen. HERBART findet im Begriff des einfachen, reinen Ich als Subject-Object einen »Widerspruch«, indem das Ich als vorstellend sein Vorstellen u.s.w. »unendliche Reihen« mit sich führt (Psychol. als Wiss. I, § 27; Lehrb. zur Psychol.3, S. 142). Das Ich als einfacher »Träger« einer Vielheit von Zuständen ist ein »Unwesen« (Hauptpunkte d. Metaphys. S. 74). Das Ich setzt sich nur im »Zusammen« mit anderen Wesen (l.c. S. 76). Es ist »ein Mittelpunkt wechselnder Vorstellungen« (Met. II, 403), eine »Complexion« (Lehrb. zur Psychol.3, S. 140). »Bei jedem Menschen erzeugt sich das Ich vielfach in verschiedenen Vorstellungsmassen« (l.c. S. 141). Das Ich liegt in den jeweilig appercipierenden Vorstellungsmassen. Es ist »ein Punkt, der nur insofern vorgestellt wird und werden kann, als unzählige Reihen auf ihn, als ihr gemeinsames Vorausgesetztes, zurückweisen« (Psychol. als Wiss. II, § 132). Im Sinne Herbarts bestimmt G. A. LINDNER das reine Ich als den idealen Vereinigungspunkt aller nicht nach außen projicierten Vorstellungen, durch den eine allgemeine Bezogenheit aller Vorstellungen aufeinander hergestellt wird (Lehrb. d. empir. Psychol.9, S. 14l). »Das von allen einzelnen Bestimmungen des Seelenlebens abhängige und mit ihnen sich beständig verändernde Ich heißt das historische oder empirische Ich des Menschen.« Es ist streng genommen »eine stetige Aufeinanderfolge ineinander übergehender Iche« (l.c. S. 143). BENEKE betrachtet das Ich als Resultat einer Verschmelzung von Vorstellungen (Pragmat. Psychol. II, § 37; Lehrb. d. Psychol.3, § 151). - Nach J. ST. MILL ist das Ich nur die Summe succedierender Erlebnisse, es besteht in der »permanent possibility of feeling« (Examin.). Nach H. SPENCER resultiert das Ich aus der Wechselwirkung gleichzeitiger Vorstellungsgruppen (Psychol. § 219). NachCZOLBE ist das Ich ein Summationsproduct von Vorstellungen (Entsteh. d. Selbstbew. S. 11). DROBISCH bemerkt: »Die Continuität der Reihe der einzelnen zeitlich unterschiedenen empirischen Iche ist das, was in der psychischen Erfahrung dem bleibenden reinen Ich der Speculation entspricht« (Empir. Psychol. S. 146). VOLKMANN betont: »Das Ich ist nichts als ein psychisches Phänomen, d.h. die Vorstellung des Ich ist nicht die Vorstellung eines Wesens - denn dieses ist die Seele - oder einer Zusammensetzung von Wesen, sondern lediglich das Bewußtsein einer Wechselwirkung innerhalb eines unübersehbaren Vorstellungscomplexes« (Lehrb. d. Psychol. II4, 170). Zunächst ist das Ich »der empfindende und begehrende Leib«, dann »das Bewußtsein des vorstellenden und begehrenden Innern«, endlich die »Vorstellung des denkenden und wollenden Subjectes« (l.c. S. 162, 164, 167). - Nach LIPPS »scheiden wir mit zunehmender Erfahrung, was ursprünglich eine ungetrennte Einheit bildet, den Inhalt der Welt und den Inhalt unserer Persönlichkeit, oder kürzer die Welt und das Ich« (Grundt. d. Seelenleb. S. 408). »Wir können die Inhalte unseres freien Vorstellens als die erste Zone um den eigentlichen Kern des Ich, das wollende und vorstellende Ich als das Ich der ersten Zone bezeichnen. Unser Körper bildet dann die zweite Zone. Als dritte Zone können wir dann die Welt der Dinge außer uns bezeichnen« (l.c. S. 443). Nach RIBOT ist das Ich ein Complex coordinierter Bewußtseinselemente, in deren jeweiligem Zusammenhange die Einheit des Ichbewußtseins besteht (Mal. de la Personnal.3, p. 169; Mal. de la Volonté p. 87, 120, 169, 176; Psychol. d. Sentim. II, C. 5). Nach J. DUBOC ist das Ich »das Bewußtseinscentrum des jeweiligen inneren Mischungsverhältnisses des Individuums« (Die Lust S. 2). Nach EBBINGHAUS ist das Ich ein reichhaltiger Complex, die reiche Gesamtheit aller Empfindungen, (Gedanken, Wünsche etc. eines Individuums, ein »System«, keine Substanz (Gr. d. Psychol. I, S. 11, 15 ff.). Nach E. MACH besteht die scheinbare Beständigkeit des Ich »nur in der Continuität, in der langsamen Änderung« (Anal. d. Empfind.4, S. 3). »Das Ich ist nicht scharf abgegrenzt, die Grenze ist ziemlich unbestimmt und willkürlich verschiebbar« (l.c. S. 10). Zwischen Ich und Welt besteht kein absoluter Gegensatz (l.c. S. 11) Das Ich ist nur eine ideelle, denkökonomische Einheit von praktischer Bedeutung (l.c. S. 18). »Nicht das Ich ist das Primäre, sondern die Elemente (Empfindungen). Die Elemente bilden das Ich. Ich empfinde Grün, will sagen, daß das Element ›Grün‹ in einem gewissen Complex von anderen Elementen (Empfindungen, Erinnerungen) vorkommt« (l.c. S. 19). »Aus den Empfindungen baut sich das Subject auf welches dann allerdings wieder auf die Empfindungen reagiert« (l.c. S. 21). Das Ich ist »nur eine praktische Einheit« (l.c. S. 23), »eine stärker zusammenhängende Gruppe von Elementen, welche mit anderen Gruppen dieser Art schwächer zusammenhängt«(ib.). Nach Ostwald besteht die Einheit des Ich nur in der Stetigkeit seiner Änderungen (Vorles. üb. Naturphilos. S. 411). Das Ich besteht in unseren »Erinnerungen und in dem Apparat, sie zu benutzen« (l.c. S. 410). CLIFFORD bemerkt: »Das Gefühl der Persönlichkeit ist... ein gewisses Gefühl des Zusammenhanges zwischen verblaßten Bildern vergangener Empfindungen; die Persönlichkeit selbst besteht in der Tatsache, daß derartige Verbindungen vorhanden sind, in der dem Flusse der Empfindungen zukommenden Eigentümlichkeit, daß Teile derselben aus Banden bestehen, die schwache Reproductionen vorhergegangener Teile miteinander verbinden. Sie ist somit etwas Relatives, eine Art von Verknüpftheit gewisser Elemente und eine Eigenschaft des so erzeugten Complexes. Dieser Complex ist das Bewußtsein« (Von d. Nat. d. Ding. an sich S. 39). Nach H. CORNELIUS gehören alle Inhalte, die wir unserer Persönlichkeit oder unserem Ich zurechnen, dem »Zusammenhang unseres Bewußtseins« an. Die Identität des Ich ist nicht Schein, weil es immer denselben Zusammenhang bedeutet, der durch ein eigenes Gefühl charakterisiert ist. Durch psychische Processe bilden sich Begriffe »constanter Factoren unserer Persönlichkeit«, dauernder Dispositionen (Einleit. in d. Philos. S. 300; vgl. S. 326). Nach STRINDBERG ist das Ich »eine Mannigfaltigkeit von Reflexen, ein Complex von Trieben (Begierden)« (Vergang. c. Toren I, S. 235). R. WAHLE erklärt: »Unter ›Ich‹ versteht man Fühlen, Urteilen, Willenskraft etc. So oft nun solche Gattungen von Vorkommnissen in verschiedenartigster Weise auftreten, hat
man ein ›Ich‹«. Dieses Ich ist nichts Substantielles, Selbständiges (Das Ganze d. Philos. S. 72 ff.). PREYER betont, das Ich sei nicht einheitlich, nicht unteilbar, nicht ununterbrochen. »Im Wachsein ist es stets nur da, wo die centro-sensorischen Erregungen gerade am stärksten hervortreten, das heißt, wo die Aufmerksamkeit angespannt ist.« Das Ich ist nicht Summe, sondern Vereinigung (Seele d. Kind. S. 392). Das »Rinden-Ich« ist ein anderes als das »Rückenmark-Ich« (l.c. S. 390). Nach KROELL ist das Ich »nicht eine ureigne Kraft, sondern immer nur, wie das Bewußtsein überhaupt, ein vorübergehender und während des ganzen Lebens sich stets erneuernder Inhalt der ›Bahnen mit bewußten Erscheinungsformen‹«,. Der Mensch wird erst zum Subject durch seine geistige Entwicklung (Die Seele S. 56).
Auf den Leib bezieht das Ich L. FEUERBACH Im psychologischen Organismus erblickt das Ich BAIN (Ment. Scienc. p. 402), in gewisser Beziehung auch im Willen (Sens. and Int.3, p. 342). Nach C. GÖRING ist das »Ich« nichts als das »persönliche Fürwort, welches in Rücksicht auf seinen Inhalt durchaus bestimmt wird von der Auffassung des Namens, welcher es vertritt« (Syst. d. krit. Philos. I, 162). Für den natürlichen Menschen ist das Ich der Leib (l.c. S. 169). Das Ich als solches ist eine Abstraction, es besteht in Wirklichkeit nur mit und in Bewußtseinsinhalten (ib.). Nach R. AVENARIUS ist das Ich eins mit dem Individuum. Das »Ich«-Bezeichnete ist mit der »Umgebung« als ursprünglicher »Befund« gegeben, es bildet das »Centralglied« einer »Principialcoordination«, deren »Gegenglied« die Umgebung ist (Der menschl. Weltbegr. S. 82 ff.; Vierteljahrsschr. f. wiss. Philos. 18. Bd., S. 405). Wissenschaftlich tritt an die Stelle des Gesamtindividuums das »System C« als dessen Repräsentant (»empiriokritische Substitution«, Weltbegr. S. 87). Als Kraft, lebendige Wirksamkeit, Willenstätigkeit im Zusammenhang eines Bewußtseins tritt das Ich beieiner Reihe von Philosophen auf. PLATNER erklärt: »Das Selbstgefühl von meinem Ich ist nicht ein Haufen von Ideen, sondern das Gefühl einer Kraft, welche Ideen behandelt, selbst nicht wechselt, jedoch sich verändert, d.h. übergehet von einer Art des Seins auf die andere, und ihre eigene Beharrlichkeit von dem Wechsel ihrer Zustände klar unterscheidet« (Philos. Aphor. I, § S66). MAINE DE BIRAN unterscheidet »moi phénomenal« und »moi nouménal«. Das Ich ist Wille. Es ist »une force hyperorganique naturellement en rapport avec une résistance vivante« (Ess. I, sct. II, ch. 1). »Je sais une force agissante« (Oeuvr. III, p. 18). Es gibt eine »apperception interne immédiate ou conscience d'une force, qui est moi« (l.c. III, 5). »Le moi s'apercoit... primitivement, et il s'entend à la foi au titre d'être réellement existant dans un temps par son opposition à tout ce qui est appellé chose ou objet« (l.c. III, 13). Das Ichbewußtsein ist die Quelle der metaphysischen Begriffe. Auch DESTUTT DE TRACY bestimmt das Ich als Wille (E1. d'idéol. IV, p. 72; vgl. IV, 67, 69). Nach J. G. FICHTE findet sich das Ich wesentlich als wollend (Syst. d. Sittenl. S. 8). Nach FORTLAGE besteht das Ich in einem »System von Trieben« (Psychol. II, § 73). Nach LOTZE ist die Ichheit etwas Ursprüngliches. »Jedes Gefühl der Lust oder Unlust, jede Art des Selbstgenusses, enthält für uns den Urgrund der Persönlichkeit, jenes unmittelbare Für-sich-sein...« (Mikrokosm. III2, 567). Denkbar ist das Ich nur in Beziehung auf das Nicht-Ich, aber erlebbar ist es schon vorher außer jeder solchen Beziehung (l.c. S. 568). Nach TEICHMÜLLER ist das Ich Substanz (N. Grundleg. S. 156). Es ist »der gemeinsame Beziehungspunkt für alles im Bewußtsein gegebene reale und ideelle Sein« (l.c. S. 167). Die Ichheit ist in allen qualitativ identisch (ib.), aber die vielen Iche sind numerisch verschieden (ib.). Das Ich ist zeitlos (l.c. S. 170). Es ist Bedingung und Prototyp des Substanzbegriffes (l.c. S. 171 ff.). Nach R. HAMERLING ist das Ich nichts außer und neben seinen Bestimmungen, aber es ist doch real (Atomist. d. Will. I, 220). Die Setzung der eigenen Existenz ist eine absolut gültige (l.c. S. 223). Das Ich ist ein Actives, es ist ein Geschehen, ein Lebensproceß (l.c. S. 232). »Das Ich als Subject ist das allgemeine, unändliche, absolute, das Ich als Object das endliche, individuelle Ich, mit dem besondern Inhalt seiner Vorstellungen und Willensacte« (l.c. S. 233). Es gibt einen »Ichsinn« (l.c. II, S. 154 ff.). HORWICZ erblickt im Ich das allerrealste Wesen, die Ichheit ist der Quell des Dingbegriffes (s. d.) (Psychol. Analys. II, l27, 150). Nach TH. ZIEGLER ist das Ich »nichts neben seinem Fühlen, Vorstellen oder Wollen« (Das Gef.2, S. 70); dem Ichbewußtsein liegt das Gefühl zugrunde (l.c. S. 68). HÖFFDING bestimmt das Ich im engeren Sinne als Träger der Willenshandlungen (Psychol.2, S. 123).
Nach WUNDT ist das Ich keine Substanz, sondern ein Gefühl des Zusammenhanges der Willensvorgänge, die bei aller Verschiedenheit ihrer Inhalte doch als gleichartig aufgefaßt werden. Daß Ich ist Tätigkeit, Einheit des Wollens, im Bewußtsein wirksam. »Dieses Ich, isoliert gedacht von den Objecten, die seine Tätigkeit hemmen, ist unser Wollen. Es gibt schlechterdings nichts außer dem Menschen noch in ihm, was er voll und ganz sein eigen nennen könnte, ausgenommen seine Willen« (Vorles. üb. d. Mensch.2, S. 250, 270. Log. II2, 2, S. 246 f.; Syst. d. Philos.2, S. 377). Ein leeres, reines Ich gibt es nicht, da das »Ich« nur die Form des Zusammenhanges von Erlebnissen in einem Individuum, zugleich die Gesamtwirkung der früheren Erlebnisse auf die momentanen Zustände bedeutet (Vorles.2, S. 269 ff.; Grdz. d. phys. Psychol. II4, 302 ff.; Log. II2, 2, 246 f.; Syst. d. Philos.2, S. 40; Eth.2, S. 448). Die Identität des Ich mit sich selber ist bedingt durch die Stetigkeit der Willensvorgänge und durch die Einheit und Gleichartigkeit der Apperception (s. d.), ohne daß die Annahme einer absoluten Beharrlichkeit des Ich notwendig ist. In der »reinen Apperception«, »d.h. in der dem übrigen Bewußtseinsinhalte gegenübergestellten inneren Willenstätigkeit«, erkennt das Individuum sein eigenstes Wesen (Eth.2, S. 448). »Das Ich empfindet sich zu jeder Zeit seines Lebens als dasselbe, weil es die Tätigkeit der Apperception als vollkommen stetige, in sich gleichartige und zeitlich zusammenhängende auffaßt« (ib.). »Indem... die Willensvorgänge als in sich zusammenhängende und bei aller Verschiedenheit ihrer Inhalte gleichartige Vorgänge aufgefaßt werden, entsteht ein unmittelbares Gefühl dieses Zusammenhanges, das zunächst an das alles Wollen begleitende Gefühl der Tätigkeit geknüpft ist, kann aber... über die Gesamtheit der Bewußtseinsinhalte sich ausdehnt. Dieses Gefühl des Zusammenhangs aller individuellen psychischen Erlebnisse bezeichnen wir als das ›Ich‹. Es ist ein Gefühl, nicht eine Vorstellung... Es ist jedoch, wie alle Gefühle, an gewisse Empfindungen und Vorstellungen gebunden« (Gr. d. Psychol.5, S. 264j. Durch die Sonderung des Selbstbewußtseins (s. d.) ergeben sich drei Bedeutungen des Begriffes »Subject« (s. d.). Metaphysisch ist das Ich »relativer Individualwille« (Syst. d. Philos.2, S. 413 ff.), »vorstellender Wille« (ib.). KÜLPE betont: »Die Erfahrung, daß man nicht widerstandslos den Einflüssen und Eindrücken von außen her preisgegeben ist, sondern sich wählend und handelnd ihnen gegenüber verhalten kann, also die Tatsache der Apperception oder des Willens, ist eines der wichtigsten Motive für die Sonderung des Ich und Nicht-Ich« (Gr. d. Psychol.S. 465; vgl. Ich u. Außenw.). Nach W. JERUSALEM gilt als Ich erst der Leib, dann das Denken, endlich das Wollen. »So schränkt sich denn das Ich nunmehr mehr auf ein einziges Gebiet psychischer Phänomene ein, nämlich auf die Willensimpulse... Das Ich ist nunmehr der active Träger der Willenshandlungen und kehrt damit zu jenem Punkte zurück, von dem es ursprünglich ausgegangen« (Urteilsfunct. S. 168; Lehrb. d. Psychol.3, S. 196 ff.). Schon MEYNERT unterscheidet ein primitives, »primäres« und ein entwickeltes, »secundäres« Ich (Gehirn u. Gesitt. S. 32 ff.). Diese Unterscheidung u. a. auch bei Jerusalem (Lehrb. d. Psychol.3, S. 196 ff.) und JODL (Lehrb. d. Psychol.). Nach ihm ist das primäre Ich schon die Voraussetzung der Bewußtseinsentwicklung, jedem Bewußtseinszustande notwendig inhärent (Lehrb. d. Psychol. S. 92). Das secundäre Ich hingegen ist das Product psychologischer Entwicklung; es besteht aus Vorstellungen und Gefühlen (l.c. S. 559). L. CHEVALIER erklärt: »Das Ich, das sich seiner Vorstellungen, Gefühle und Begehrungen bewußt ist, ist nicht in Vorstellungen gegeben. Wir sind unser selbst als tätig und leidend unmittelbar bewußt, und daher kennen wir uns als wirkliches Ding« (Entsteh. u. Werd. d. Selbstbew. S. 26). W. JAMES bemerkt: »In its widest possible sense... a man's Self is the sum total of all that he can call his« (Princ. of Psychol. I, p. 291 ff.). Das »spiritual Self« ist »a man's inner or subyective being, his psychical faculties or dispositions« (l.c. p. 296). »Ressemblance among the parts of a continuum of feelings... thus constitutes the real and verifiable ›personal identity‹ which we feel« (l.c. p. 336; vgl. LADD, Philos. of Mind 1895, p. 147 ff.). Vgl. Selbstbewußtsein, Subject, Seele, Doppel- Ich, Identität, Person."
[Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Geschichte der Philosophie, S. 13496 (vgl. Eisler-Begriffe Bd. 1, S. 446 ff.) http://www.digitale-bibliothek.de/band3.htm ]
Psychologische ICH-Konzepte
Arnold, Eysenck & Meili (1987, Bd. 2): "Ich. I. Interpretationen des Begriffes: 1. Der Begriff bezieht sich primär auf ein Erlebnis. Ich ist der evidenteste Bewußtseinsinhalt, was nicht hinderte, daß es aus der expt. Psychol. allem der behavioristischen Richtung eliminiert wurde. Schon F. Nietzsche hat es als eine grammatikalische Illusion bezeichnet. Als Erlebnis ist es einer genauen Definition kaum zugänglich, da es in fast allen Erlebnissen mitenthalten ist. Es werden ihm die Qualitäten des »Zentralen oder Allesumfassenden zugeschrieben, n. W. Wundt bezeichnet mit dem Begriff das Gefühl des Zusammenhangs aller psychischen Erlebnisse". In der /Schichtenlehre erscheint es als die letzte, oberste Schicht, als die Spitze einer Pyramide und wird damit zum wesentlichen Charakteristikum der Struktur der Persönlichkeit. Eine wichtige Unterscheidung im Bereich der Ich-Erlebnisse hat W. James vorgenommen, durch die deutlich gemacht wird, wie Verschiedenartiges allein von Erlebnisseite her in dem Begriff enthalten Es gibt nach ihm zwei Aspekte des Ich: das wissende Ich, d. h. das Erlebnis, das mit den verschiedensten Tätigkeiten verbunden ist, indessen sich das Individuum als Subjekt erlebt, das „mich", das empirische Ich; dieses mißt alle jene Inhalte, die das Subjekt in eibesonderen Weise als zu sich gehörig erlebt. ... ...
Ich. II. Zentraler Begriff der Persönlichkeitsforschung. Syn.: Ego, Selbst. Die wichtigsten Bedeutungen, in denen der Begriff Ich verwendet wurde, sind:
1. Motivationspsychologischer IchBegriff. Das I. wird als Motivationsquelle bzw. -ziel aufgefaßt (Beispiele: „Selbstbehauptung" oder „Eigenliebe"). Dieselbe Bedeutung des Ich liegt auch dem Begriff der „Ich-Beteiligung („Ego-Involvement") zugrunde; darunter wird das Ausmaß verstanden, in dem Motive, die auf die eigene Person gerichtet sind (Selbstbehauptung, Leistungsmotivation, Streben nach Ansehen und Einfluß usw. in die Motivation) für ein bestimmtes Verhalten eingehen. In Zusammenhang damit steht
2. die Auffassung vom Ich als Organisationsintanz von Verhalten und Erleben. Danach zielt das Ich etwa im Sinne des psychoanalitischen Begriffs von Ich als Realitätsprinzip (Psychoanalyse) - auf die Steuerung und Erhaltung der Anpassung des Individuums an seine (physischen, psychischen und sozialen) Umweltsbedingungen ab. So bezeichnet "Ich-Stärke" das Ausmaß solcher Realitätskontrolle (gegenüber konkurrierenden Trieben und Bedürfnissen), in funktionaler Hinsicht sind verschiedene Mechanismen der sogenannten Ich-Abwehr" (z. B. Nichtbeachtung bedroh[>953]licher Reize („perceptual defense"), Proijektion, Rationalisierung) beschrieben worden
3. In der empirischen Persönlichkeitsforschung wird unter Ich die Gesamtheit der Erlebnisinhalte und Verhaltensweisen verstanden, pelche die eigene Person zum Gegenstand haben. Inhalt des Ich sind daher die Wahrnehmung der eigenen Person (die Selbstwahrnehmung, das Selbstbild, das Selbstkonzept) und die auf ihre eigene Person gerichteten Handlungstendenzen, Einstellungen und Gefühle. Die Selbstwahrnehmung wiederum schließt z. B. das Wissen um den eigenen persönlichen Werdegang, um die persönlichen Bedürfnisse, Ziele und Werthaltungen, Fähigkeiten und Schwächen, Neigungen und Abneigungen ein, aber auch das Bewußtsein des persönlichen Hier-und-jetzt-Seins. Die phänomenologische Ich-Forschung untersucht die Formen und Eigentümlichkeiten dieses Ich-Erlebens, die verhaltenspsychologische Ich-Forschung beschränkt sich auf testmäßig objektivierbare Komponenten der Selbstwahrnehmung, des Selbstgefühls und der Einstellung zur eigenen Person.
Beim psychisch gesunden Menschen ist das Ich-Erleben im Sinne H. Rohrachers mitbewußt: Das Ich wird weder ständig noch stets in allen Inhalten in vollem Umfang bewußt, kann aber jederzeit und ohne Gedächtnisaufwand voll voll bewusst gemacht werden (wie z. B. der eigene Name, der eigene Familienstand, Beruf usw.). Das Ich-Erleben ist ferner beim psychisch Gesunden durch das Merkmal der räumlich-zeitlichen Kontinuität charakterisiert: ich erlebe mich selbst im Wechsel der Zeit (z. B. von einem Tag auf den anderen) und beim Wechsel des Ortes (wenn ich verreise) stets als ein und dieselbe Person. Demgegenüber sind vermiedene Formen der Geisteskrankheiten duch Störungen im Ich-Erleben gekennzeichnet. Beispielsweise in der Schizophrenie »kann die räumlich-zeitliche Kontinuität eingeschränkt oder vollkommen aufgehoben sein (der Patient kann sich sogar gleichzeitig in mehreren Personen erleben) und/oder die persönliche Orientiertheit so weit gemindert, dass Inhalte des Ichs nicht mehr mitbewußt sind oder nur mit Erinnerungsanstrengung oder unvollständig bzw. unrichtig reproduziert werden können.
Aber auch weniger schwerwiegende Verhaltensstörungen, wie beispielsweise Neurosen, finden im Ich-Erleben ihren Niederschlag. In neuerer Zeit hat insbes. die nach C. Rogers ausgerichtete Schule der „client-centered" Psychotherapie neurotische Symptomentwicklungen in diesem Zusammenhang untersucht und psychotherapeutisch anzugehen versucht (Nicht-direktive Psychotherapie). Psychodiagnostischen Verfahren zur Erfassung des Selbstgefühls (Selbstwertgefühls), der Ichideal-Diskrepanz, der Einstellung zur eigenen Person, des „self-sentiment" u. a. kommt dabei bes. Bedeutung zu. Faktorenanalytische Ergebnisse zu diesen und anderen testmäßig erfaßbaren Komponenten des Ichs liegen in der Hauptsache aus der Schule von R. B. Cattell vor.
Zur bes. Bedeutung des Ichs in verschiedenen Schichtenlehren der Persönlichkeit vgl. Revers (1960) und Arnold (3,1969).
Lit.: Cattell, R. B.: Personality and motivation strueture and measurement. New York, 1957; C'umming, J. & E.Ciun-ming: Ich und Umwelt. Göttingen, 1979; Lersch, P.: Aufbau der Person. München, "1970; Lowe, C.M.: The self-coneept: fact or artifact? Psychol. Bull., 1961, 58,325-336; Revers, W.J.: Philosophisch orientierte Theorien der Person und Persönlichkeit. In: P. Lersch & H.Thomae (Hrsg.): Hdb. der Psychol., Bd. 4. Göttingen, 1960. Kurt Pawlik."
Tiefenpsychologische ICH-Konzepte
Merkwürdigerweise enthält Nageras Buch der Psychoanalytischen Grundbegriffe keinen Eintrag zum ICH. Das Vokabular der Psychoanalyse von Laplanche & Pontalis (184-202) einen ganzen Aufsatz von 18 Seiten!
Freud, Sigmund Das ICH ist eine der drei Instanzen neben ES und ÜBERICH. Das ICH ist der Ort der realen Funktionen, der Fähigkeiten, des Könnens, der Kompetenzen, des Selbst- und die Wahrnehmung der Weltbildes wie der Anpassungsfähigkeit an die Gegebenheiten. Das ICH ist zum großen Teil bewusst, nicht so die Abwehmechanismen. Kritisch sei angemerkt, dass Freud ein völlig naives Sprach- und Wissenschaftsverständnis, so dass psychoanalytischen Begriffsschöpfungen bestenfalls heuristischer Wert zukommt.
Medizinisch-Psychosomatisch-Psychiatrische ICH-Konzepte
Bleuler, E.; Eccles; Jaspers;
Soziologische ICH-Konzepte
Neurowissenschaftliche ICH-Konzepte
Roth, Singer,
Exkurs Inhalts-Übersicht aus Selbstbild
Glossar wichtiger verwandter oder dazugehöriger Begriffe (Kurzkennzeichnungen):
Abwehrmechanismen * Ambivalenz * Blinder Fleck * Charakter * Entwicklungspsychologie des Identitäts- und Selbstkonzeptes * Egomanisch * Egozentrik * ES * Fremdbild * Fremdwunschbild * Glauben im psychologischen Sinne * Ich * Ich-Auflösung * Ichmensch * Ideal-Ich * Ich-Identität * Ich-Verlust * Identität * Identitäts-Verlust * Innerer Schweinehund * Johari-Fenster * Kognitive Dissonanz * Maniform, hypo- manisch * Norm-Ich * Persönlichkeit, Persönlichkeitstheorie * Persönlichkeitsstörungen * Perspektive * Projektion * Real-Ich * Rolle * Selbst * Selbstachtsamkeit * Selbstaktualisierung * Selbstakzeptanz * Selbstaufmerksamkeit * Selbstbehauptung * Selbstbeherrschung * Selbstbeurteilung * Selbstbewertung * Selbstbewußtsein * Selbstbezogenheit * Selbstbild * Selbstbild, projiziertes * Selbstdurchsetzung * Selbstentfremdung * Selbstentwicklung * Selbstexploration * Selbstfremdwunschbild * Selbstkongruenz * Selbstkontrolle * Selbstkonzept * Selbstkritik * Selbstorganisation * Selbstreflexion * Selbstreflexivität * Selbstsicherheit * Selbstüberzeugung * Selbstvergessenheit * Selbstvertrauen * Selbstverwirklichung * Selbstvorwürfe * Selbstwahrnehmung * Selbstwerdung (Fritz Riemann) * Selbstwert, Selbstwertgefühl * Selbstwunschbild * Selbstzentrierung * Selbstzufriedenheit * Selbst-Zweifel * Super-Ich * Über-Ich * Vital-Ich * Wahrnehmungsebenen *
Einführung und Begriffsverständnis von Selbstbild.
Dimensionen (Aspekte, Kriterien) des Selbstbildes.
Dimension Identität.
Dimension Körper und äußere Erscheinung.
Dimension Herkunft, Familie und Sozialisation.
Dimension Anlage und Begabungen.
Dimension Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Dimension Bildung, Ausbildung, Arbeit und Beruf.
Dimension Vitalität und Vitalbedürfnisse.
Dimension Wünsche, Interessen, Ziele, Träume.
Dimension Charakter und Werte.
Dimension Lebens- und Wohnformen.
Dimension Erfahrungen.
Dimension Haben, Geld und Besitz.
Dimension Sozialbeziehungen.
Dimension Entspannung, Erholung, Freizeit, Spiel, Sport, Muse, Muße, Vergnügen.
Exkurs: Kann man sein ICH, seine Identität verlieren ?
Ja, und die Folgen sind meistens sehr dramatisch, wie z.B. der Film "Hilfe, wer bin ich?" (Phönix 21.7.11, 23.50-) anhand dreier Fälle eindrucksvoll dokumentierte: "Dieser Film von Liz Wieskerstrauch begleitet Menschen ohne Erinnerung an die Vergangenheit, ohne Bezug zu denen, die einmal von größter Bedeutung waren, Menschen mit gebrochener Identität, aber voller Hoffnung."
"Nach Unfällen oder durch Krankheit erleiden manche Menschen einen Gedächtnisverlust, der manchmal das ganze Leben betrifft. Wie ist das, wenn man den Menschen, den man im Spiegel sieht, nicht mehr kennt – ebenso wenig wie alle anderen Menschen in seinem Umfeld?" Es werden drei Fälle vorgestellt, die ihr Gedächtnis und Identität nach Erkrankung verloren: (1) "Sabine B. lebt heute in Hamburg, der Stadt ihres zweiten Lebens. Es gab ein erstes Leben in Würzburg, mit Mann und Tochter und einem Beruf. Dann hatte sie eine Gehirnhautentzündung und erlitt einen totalen Gedächtnisverlust. Sie kannte ihren Mann nicht, ihre Tochter nicht, sich selbst nicht und konnte auch mit all den Fotos und Tagebüchern von früher nichts anfangen." (2) "Der Student Michael W. hat durch einen epileptischen Anfall vor einem Jahr komplett das Gedächtnis verloren." (3) "Martina K. hatte kurz nach der Geburt ihres Wunschkindes eine schwere, lebensgefährliche Gehirnblutung. Die Folge: Sie kann sich an die Geburt und die Zeit der Schwangerschaft nicht mehr erinnern, das Kind, das man ihr in die Arme legte, war ihr fremd."
Exkurs: ICH als Ergebnis einer Selbstorganisation neuronaler Funktionseinheiten ohne Zentrale > Lit.
Es gibt Systeme, die erwecken von außen betrachtet den Eindruck, als ob sie von einer Lenkungs-Zentrale organisiert würden, obwohl es nicht so ist. Solche Systeme kann man selbstorganisierende Systeme nennen. Einige Hirnforscher (Neuroscience) vertreten die Hypothese, dass es gar kein ICH im Sinne einer Zentrale gibt, wobei sich führende Vertreter gelegentlich selber widersprechen, wie z.B. Singer in der Scobel-Sendung "Wahn-Sinn - über Schizophrenie" am 27.10.11; fett-kursiv RS):
Singer: "Wahrscheinlich entwickelt sich in der, aber das ist jetzt sehr hypothetisch, in der späten Hirnentwicklungsphase, die Module in sich zu relativ autonomen Strukturen, weil die instrumentellen Fertigkeiten überall optimiert werden, und dann muss ein neues Organisationsprinzip installiert werden, dass die nun schon ziemlich selbständigen autonomen Strukturen wieder auf einen gemeinsamen Nenner einschwören kann, das braucht eine neue Architektur."
Dieses neue Organisationsprinzp, das autonomen Strukturen auf einen gemeinsamen Nenner einschwören kann, erfüllt nun genau das, was man gemeinhin mit ICH oder SELBST meint. Aber so etwas dürfte es nach Singer, wie er kurze Zeit vorher ausführt, ja gar nicht geben:
"Ein großes Problem bei der Organisation des Gehirns, das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum diese Erkrankung möglich ist, diese sehr geheimnisvolle, ist ja, dass es im Gehirn keinen zentralen Organisator gibt, keinen Dirigenten, keinen Orchesterchef, sondern dass es sich um ein sehr verteilt organisiertes System handelt, in dem sehr viele verschiedene Areale sich mit unterschiedlichen Teilaspekten, die aber, um kohärentes Verhalten zu erzeugen, und natürlich auch, um dem Besitzer dieses Gehirns, die Empfindung zu vermitteln, ein intentionaler Agent zu sein, also jemand, der selbst bestimmt und über seine Zukunft entscheiden kann, muss dieses System präzise organisiert werden, so dass es kohärent als Ganzes arbeiten kann." [Im Media Player ungefähr bei 45 min].
Querverweis: Lenken, Ordnung, Selbstorganisation und Selbstlenkung.
Literatur (Kleine Auswahl) > Literatur Selbstorganisation und Schwärme.
3sat Scobel: Identität, Ich, Selbst.
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Literatur Selbstorganisation und Schwärme. (Kleine Auswahl > Lenken, freier Wille)
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Glossar, Endnoten, Anmerkungen
FN01 Das Buch ist sehr weitschweifig, wenig operational und substanziell, obwohl es sich ausdrücklich auf Piaget beruft.
FN02 Man findet den Begriff z.B. nicht als Stichwort bei Grunwald, Wolfgang (1979, Hrsg.). Kritische Stichwörter zur Gesprächspsychotherapie. München: Fink. Indirekt findet er sich aber im Stichwort "Persönlichkeitstheorie" unter "3.13 Verwirklichungstendenz". Der Ausdruck wird auch nicht im Register von Tausch, R. (1973, 5.A.). Gesprächspsychotherapie. Göttingen: Hogrefe aufgeführt. Und so auch nicht bei Rogers, C. R. (dt. 1972, engl. 1942). Die nicht-direktive Beratung. München: Kindler. Und nicht in: GwG (1975, Hrsg.). Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie. München: Kindler. Man muß schon in ein DDR-Buch schauen, um eine ordentliche Sachregistererfassung zu finden, so in: Helm, J. (1978). Gesprächspsychotherapie. Forschung - Praxis - Ausbildung. Berlin: VEB der Wissenschaften. Es heißt dort (S. 34): "Allen Änderungsprozessen bzw. Lernvorgängen liegt nach Rogers eine sog. Selbstaktualisierungstendenz des Organismus als allgemeiner Motivationsfaktor zur Realisierung der eigenen Potenzen zugrunde, dessen Wirksamkeit durch die psychotherapeutischen Bedingungen erheblich gefördert werden soll." Dies hört sich sehr tautologisch an, indem der Mensch offenbar danach strebt, wonach er strebt. Rogers hat hier wohl wunschgeleitetet seine eigene "humanistische" Ideologie und Metaphysik mit der Wissenschaft verwechselt, eine weit verbreitete Unsitte in der Psychotherapietheorie und ganz extrem von Freud und den PsychoanalytikerInnen betrieben. Es ist erstaunlich, mit welcher Naivität und wissenschaftlicher Basis- Inkompetenz die Begründer von Psychotherapie-Schulen ihre Quasi-Theologien in die Welt setzen.
FN03 Egoisten sind wir alle, entweder kluge oder dumme. Mit "Ichmensch" ist gewöhnlich der dumme Egoist gemeint, der sich über die Interessen anderer einfach hinwegsetzt, ohne zu bemerken, daß die Umgebung dann seine Interessen zunehmend weniger berücksichtigt. Ein kluger Egoist ist daher sozial: er berücksichtigt die Interessen anderer, weil er auch möchte, daß die anderen seine Interessen berücksichtigen.
Abstract Eckert, Martina & Wicklund, Robert A. (1987). Selbstkenntnis als Personenwahrnehmungsphänomen - Eine vernachlässigte Annäherung an ein bevorzugtes Konzept. Archiv für die Psychologie, 139, 159-179.
Neigung der Menschen, vage und allgemeine Beschreibungen über sich selbst, für wahr zu halten. [W]
FN04. Die Arbeit wurde wissenschaftssprachanalytisch untersucht von Fabriele Graefen (1997). Der Wissenschaftliche Artikel – Textart und Textorganisation. Arbeiten zur Sprachanalyse Herausgegeben von Konrad Ehlich Band 27. Frankfurt: Lang.
"Die Autoren sind Martina Eckert und Robert A. Wicklund. Der Titel lautet: "Selbstkenntnis als Personenwahrnehmungsphänomen – Eine vernachlässigte Annäherung an ein bevorzugtes Konzept". Der Artikel erschien 1987 in der Zeitschrift "Archiv für Psychologie" (Jahrgang 139). Er gehört zu den langen Texten des Korpus (21 Seiten, 286 Sätze, 44.695 Zeichen).
b) Thema ist das psychologische Konzept der "Selbstkenntnis" bzw. des "Selbstkenners". Die Autoren demonstrieren, daß verschiedene theoretische Schulen gegensätzliche Aussagen darüber gemacht haben. Die Autoren äußern Vorbehalte besonders gegenüber den "klinischen Modellen". Die im Artikel dargestellten Experimente dienen der Kontrolle der fragwürdigen theoretischen Aussagen. Anlage, Durchführung und Ergebnisse der Experimente werden einzeln beschrieben und diskutiert. Das erste Experiment geht der Frage nach, ob sich die Kontrollierbarkeit einer Zielper-son für den Beobachter positiv auf dessen Zuschreibung von Selbstkenntnis auswirkt. Das wird bestätigt. Das zweite und dritte Experiment dienen der Klärung der entgegengesetzten Frage, ob "das offene autonome Verhalten einer Zielperson zu höheren Selbstkenntniszuschreibungen führt". Diese Frage wird fast vollständig verneint.
Am Ende kommen die Autoren auf die allgemeine Fragestellung zurück. Sie belegen deren praktische Bedeutung. Der letzte Paragraph setzt die ei-gene Untersuchung ins Verhältnis zur aktuellen sozialpsychologischen Forschung.
c) Dem Text geht eine Zusammenfassung in Deutsch und Englisch voraus. Er ist mit Zwischenüberschriften in zwei verschiedenen Schrifttypen unter-gliedert, ohne numerische Einteilung. Die experimentellen Ergebnisse werden mit Hilfe von Wertetabellen wiedergegeben."
Standort: Ich-Konzepte.
Rätsel ICH. * Übersichten: Freier Wille * Symposien Turm der Sinne *
Axiome und Konstruktionsprinzipien Differentieller Psychologie der Persönlichkeit in der Allgemeinen und Integrativen Psychodiagnostik, Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie.
Wünschen und Wollen, Werten, Lenken, Anpassen und Gestalten, Aufgeben,
Sponsel, R. (DAS). Selbstbild. Glossar, Dimensionen, Meta-Dimensionen, Lebensregel, Psychotherapiedidaktischer Auseinandersetzungs-Text zur Anregung, Besondere Bilder: Zur Theorie und Praxis der Wahrnehmungsebenen, Literatur (Auswahl). Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/gipt/diffpsy/ich/ICHKPsy.htm
Ende Selbstbild_Überblick_Rel. Aktuelles_ Rel. Beständiges_ Titelblatt_ Konzept_ Archiv_ Region__Service-iec-verlag__Zitierung & Copyright___Wichtige Hinweise zu Links und Empfehlungen_
irs: noch nicht korrigiert.
Änderungen/ Ergänzungen wird allgemein im Laufe der Zeit unregelmäßig ergänzt und überarbeitet
16.10.13 Eislers 86 Einträge aufgenommen und zum direkten Anklicken alpabetisch sortierte Liste aufbereitet.

References: § 5
 § 52
 § 9
 § 25
 §16
 § 19
 § 3
 § 2
 § 3
 § 20
 § 11
 § 27
 § 132
 § 37
 § 151
 § 219
 § 73