Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/verurteilung-zur-belegvorlage-und-die-beschwer-3145720?pk_campaign=feed&pk_kwd=verurteilung-zur-belegvorlage-und-die-beschwer
Timestamp: 2020-05-29 06:19:31+00:00

Document:
Verurteilung zur Belegvorlage - und die Beschwer | Rechtslupe
Verurteilung zur Belegvorlage - und die Beschwer
Ver­ur­tei­lung zur Beleg­vor­la­ge – und die Beschwer
Ist ein Betei­lig­ter zur Beleg­vor­la­ge ver­pflich­tet wor­den und umfasst die­se Ver­pflich­tung die Beschaf­fung von Unter­la­gen aus dem Besitz eines nicht zur Her­aus­ga­be berei­ten Drit­ten, ist im Rah­men der Beschwer der Kos­ten­auf­wand für eine ent­spre­chen­de Rechts­ver­fol­gung zu berück­sich­ti­gen 1.
Der Wert der Beschwer eines Rechts­mit­tels gegen die Ver­pflich­tung 5 zur Aus­kunfts­er­tei­lung rich­tet sich grund­sätz­lich nach dem Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Abge­se­hen von dem Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses ist hier­bei grund­sätz­lich auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert 2. Hat die vom Rechts­mit­tel­füh­rer ange­grif­fe­ne Aus­kunfts­ver­pflich­tung kei­nen voll­streck­ba­ren Inhalt oder ist sie auf eine unmög­li­che Leis­tung gerich­tet, wird die Beschwer inso­weit durch die mit der Abwehr einer unge­recht­fer­tig­ten Zwangs­voll­stre­ckung ver­bun­de­nen Kos­ten bestimmt 3. Das vom Ober­lan­des­ge­richt bei der Bemes­sung des Werts der Beschwer aus­ge­üb­te tatrich­ter­li­che Ermes­sen kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob das Ober­lan­des­ge­richt die gesetz­li­chen Gren­zen über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat 4.
Gemes­sen dar­an war im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Köln 5 von Ermes­sens­feh­lern beein­flusst:
Soweit die Antrags­geg­ner gel­tend machen, dass ein Teil der in dem fami­li­en­ge­richt­li­chen Teil­be­schluss genann­ten Unter­la­gen (Ver­ein­ba­rung zur Löschung der Vor­mer­kung, Bewil­li­gung über die Löschung, Ver­ein­ba­rung über Zah­lun­gen an Herrn M.) nicht exis­tier­ten, ist für die Wert­be­mes­sung dar­auf abzu­stel­len, wel­che Kos­ten den Antrags­geg­nern ent­stün­den, um sich gegen die Voll­stre­ckung der Pflicht zur Vor­la­ge die­ser Unter­la­gen zur Wehr zu set­zen. Im Ver­fah­ren der Zwangs­voll­stre­ckung kön­nen bis zu 0,6 Rechts­an­walts­ge­büh­ren (vgl. § 18 Nr. 13 RVG iVm VV RVG 3309, 3310) zuzüg­lich Aus­la­gen (VV RVG 7000 ff.) und Mehr­wert­steu­er anfal­len 6. Dies hat im Aus­gangs­punkt auch das Ober­lan­des­ge­richt erkannt. Für die Wert­be­mes­sung in einem Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren wäre aber anders als das Ober­lan­des­ge­richt offen­sicht­lich meint nicht das Ver­tei­di­gungs­in­ter­es­se des Voll­stre­ckungs­schuld­ners, son­dern das Angriffs­in­ter­es­se des Voll­stre­ckungs­gläu­bi­gers an der Vor­la­ge der Bele­ge maß­geb­lich. Da man­gels greif­ba­rer Anhalts­punk­te für die Bewer­tung des antrag­stel­ler­sei­ti­gen Inter­es­ses an der Beleg­vor­la­ge eini­ges dafür spre­chen wür­de, zur Wert­be­stim­mung auf den Auf­fang­wert des § 42 Abs. 3 FamGKG in Höhe von 5.000 € zurück­zu­grei­fen, errech­nen sich für die Ver­tei­di­gung im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren Rechts­an­walts­kos­ten in Höhe von 240, 14 €. Die­ser Betrag über­steigt die vom Ober­lan­des­ge­richt zuge­stan­de­nen 147, 56 €.
Rechts­be­den­ken­frei sind dem­ge­gen­über die Erwä­gun­gen des Ober­lan­des­ge­richts zur Bemes­sung des Auf­wands für das Zusam­men­stel­len der Miet­un­ter­la­gen und die Anfer­ti­gung der gefor­der­ten Foto­ko­pien. Es ist nicht zu bean­stan­den, dass das Ober­lan­des­ge­richt den erfor­der­li­chen Zeit­auf­wand mit 20 Stun­den geschätzt und die­sen Zeit­auf­wand im Ein­klang mit der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­spre­chend § 20 JVEG mit einem Stun­den­satz von 3, 50 € bewer­tet hat. Auch die Rechts­be­schwer­de erin­nert nichts dage­gen, für den erfor­der­li­chen Arbeits­auf­wand kei­nen höhe­ren Betrag als 70 € anzu­set­zen. Es ist eben­falls nicht ermes­sens­feh­ler­haft, wenn das Ober­lan­des­ge­richt die erfor­der­li­chen Kopier­kos­ten nicht mit pau­scha­len Erstat­tungs­sät­zen (vgl. § 7 Abs. 2 Satz 1 JVEG), son­dern mit den tat­säch­lich zu erwar­ten­den Auf­wen­dun­gen bewer­tet und des­halb für die Anfer­ti­gung von 400 Ablich­tun­gen kei­nen höhe­ren Betrag als 50 € ange­setzt hat.
Durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken begeg­net die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts aller­dings, soweit es eine Berück­sich­ti­gung von Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten im Zusam­men­hang mit dem Ver­lan­gen nach Ein­sicht in die Miet­ver­trags­un­ter­la­gen ohne wei­te­res abge­lehnt hat.
Noch zutref­fend ist das Ober­lan­des­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass die Antrags­geg­ner nach den inso­weit ein­deu­ti­gen Aus­füh­run­gen in den Grün­den der amts­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung dazu ver­pflich­tet sind, die Her­aus­ga­be der genann­ten Miet­ver­trags­un­ter­la­gen zum Zwe­cke der Anfer­ti­gung von Foto­ko­pien erfor­der­li­chen­falls auch mit gericht­li­cher Hil­fe gegen­über den neu­en Eigen­tü­mern der Miets­häu­ser durch­zu­set­zen.
Eine wert­er­hö­hen­de Berück­sich­ti­gung von Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten kann unter die­sen Umstän­den nicht im Hin­blick auf pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­sprü­che unter­blei­ben, die den Antrags­geg­nern im Fal­le einer erfolg­rei­chen gericht­li­chen Durch­set­zung ihres Her­aus­ga­be­ver­lan­gens gegen­über den neu­en Haus­ei­gen­tü­mern zuste­hen wür­den. Denn unab­hän­gig davon, dass die Antrags­geg­ner wegen der Gerichts­kos­ten und der Kos­ten für den eige­nen Rechts­an­walt auf jeden Fall in Vor­leis­tung tre­ten müss­ten, begrün­det schon die Unsi­cher­heit der Rea­li­sie­rung eines etwai­gen Kos­ten­er­stat­tungs­an­spru­ches eine Beschwer in Höhe der vor­aus­sicht­li­chen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten 7.
Eine abwei­chen­de Beur­tei­lung ergä­be sich auch dann nicht, wenn ein Anspruch auf Her­aus­ga­be der Miet­ver­trags­un­ter­la­gen zum Zwe­cke der Ein­sicht­nah­me nicht bestün­de und die Rechts­ver­fol­gung der Antrags­geg­ner aus die­sem Grun­de kei­ne Aus­sicht auf Erfolg hät­te. Es könn­te den Antrags­geg­nern auch in die­sem Fall nicht ver­sagt wer­den, sich auf die Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung für ihre Beschwer zu beru­fen. Andern­falls wür­de man ihnen den Ver­such abspre­chen, die nach § 120 Abs. 1 FamFG iVm § 888 ZPO durch Fest­set­zung eines Zwangs­gel­des bzw. von Zwangs­haft erfol­gen­de Zwangs­voll­stre­ckung bezüg­lich der Vor­la­ge der Miet­ver­trags­un­ter­la­gen abzu­wen­den. Zwar kann der Schuld­ner auch im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren Unmög­lich­keit ein­wen­den. Er muss indes­sen zunächst alles Zumut­ba­re unter­nom­men haben, um die geschul­de­te Hand­lung vor­zu­neh­men; erst wenn die Unmög­lich­keit der Erfül­lung fest­steht, darf eine Zwangs­maß­nah­me nicht mehr ver­hängt wer­den 8.
Es ist evi­dent, dass bei zusätz­li­cher Berück­sich­ti­gung die­ser Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten der Beschwer­de­wert des § 61 Abs. 1 FamFG erreicht wür­de. Soweit das Ober­lan­des­ge­richt offen­sicht­lich in Zwei­fel zieht, dass ein gericht­li­ches Vor­ge­hen zur Erlan­gung einer Ein­sicht­nah­me in die Miet­ver­trags­un­ter­la­gen über­haupt erfor­der­lich ist, muss­te es den Antrags­geg­nern jeden­falls Gele­gen­heit dazu geben, ihr dies­be­züg­li­ches Vor­brin­gen ent­spre­chend § 511 Abs. 3 ZPO gemäß § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG iVm § 294 ZPO glaub­haft zu machen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. März 2019 – XII ZB 564/​18
Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 26.10.2011 – XII ZB 465/​11, FamRZ 2012, 24[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.07.2018 – XII ZB 637/​17 FamRZ 2018, 1762 Rn. 8; und vom 08.03.2017 – XII ZB 471/​16 FamRZ 2017, 982 Rn. 5, mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.09.2018 – XII ZB 588/​17 FamRZ 2018, 1934 Rn. 18; und vom 11.05.2016 – XII ZB 12/​16 FamRZ 2016, 1448 Rn. 16 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.07.2018 – XII ZB 82/​18 FamRZ 2018, 1529 Rn. 8; und vom 08.03.2017 – XII ZB 471/​16 FamRZ 2017, 982 Rn. 6 mwN[↩]
OLG Köln, Beschluss vom 08.11.2018 – 27 UF 180/​18[↩]
vgl. auch BGH, Beschluss vom 11.05.2016 – XII ZB 12/​16 FamRZ 2016, 1448 Rn.19; und BGH, Urteil vom 10.12 2008 – XII ZR 108/​05 FamRZ 2009, 495 Rn. 16[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2011 – XII ZB 465/​11 FamRZ 2012, 24 Rn.20[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2011 – XII ZB 465/​11 FamRZ 2012, 24 Rn. 21[↩]

References: § 18
 § 42
 § 20
 § 7
 § 120
 § 888
 § 61
 § 511
 § 113
 § 294