Source: https://www.rechtambild.de/2011/02/das-recht-am-bild-im-dienst-oder-arbeitsverhaltnis/
Timestamp: 2017-12-17 02:26:02+00:00

Document:
Das Recht am Bild im Dienst- oder Arbeitsverhältnis - Recht am Bild
Das Recht am Bild im Dienst- oder Arbeitsverhältnis
2 Februar 2011, 10:00
Oftmals werden Bilder im Auftrag eines Arbeitgebers erstellt und es stellt sich die Frage, wer nun diese Bilder sein Eigen nennen und was damit alles gemacht werden darf. Kurz: wem stehen welche Rechte zu?! Hier ein Einblick in bestehende Problematiken.
Anders als beim Vereinigten Königreich, in den USA („works made for hire“- Prinzip) oder Holland wird in Deutschland dem Arbeitgeber das Urheberrecht nicht zugesprochen. Der Arbeitgeber erlangt zwar kraft Gesetz Besitz und Eigentum an der Fotografie / am Werk (der Einfachheit halber wird im folgenden nur von „Werken“ gesprochen, für Fotografien gilt das geschriebene gleichermaßen soweit nicht anders gekennzeichnet), §§ 855, 950 BGB, nicht jedoch urheberrechtliche Befugnisse. Prinzipiell gilt vielmehr, dass aufgrund des Schöpferprinzips von § 7 UrhG der Fotograf Urheber seiner Bilder ist und auch bleibt (Schack, Urheber- und Urhebervertragsrecht, 5. Auflage, Rn 1114). Dieses daraus entstehende Urheberrecht ist nicht übertragbar, allenfalls vererblich, §§ 28 ff. UrhG.
Welche Rechte bekommt also der Arbeitgeber?
Der Urheber kann seinem Arbeitgeber gemäß § 29 Abs. 2 UrhG Nutzungsrechte (sog. Lizenzen) einräumen. Die Regelungen darüber sind in den §§ 31 ff. UrhG zu finden.
Aus § 72 UrhG in Verbindung mit § 43 UrhG ergibt sich, dass die §§ 31 bis 42 UrhG nur auf solche Werke anzuwenden sind, die in der Pflicht des Dienst- oder Arbeitsverhältnisses entstanden sind. Solche Pflichten sind in der Regel dem Arbeitsvertrag zu entnehmen. In Einzelfällen, wie bei Fotografen der Presse, ist gesondert auf Tarifverträge zu achten.
Ab wann besteht ein Arbeits- oder Dienstverhältnis?
Als Arbeitnehmer wird bezeichnet, wer in eine Betriebsorganisation eingebunden, weisungsabhängig ist und fremdbestimmte Arbeit leistet (vgl. BAG ZUM 2007, 507, 508.; Fischer/Reich, UrhVR, Kapitel 2 Rn 4 ff, 20 ff mit Beispielen). Die reine Bezeichnung z.B. als „freier Mitarbeiter“ ist daher für die rechtliche Betrachtung irrelevant.
Mit Dienstverhältnis ist prinzipiell das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis gemeint.
Frei gestaltende Künstler sowie private Dienstverhältnisse gemäß § 611 BGB sind daher nicht erfasst (vgl. Schack, Rn 1116, mwN.). Relativ unklar ist noch, ob die von § 12a TVG erfassten arbeitnehmerähnlichen Personen von § 43 UrhG erfasst sind (dagegen Götz von Olenhusen GRUR 2002, 14 ff. mwN).
Was ist wenn kein Vertrag vorliegt oder entsprechende Klauseln fehlen?
Die Frage, ob auch der Arbeitsvertrag generell – und insbesondere im Rahmen des § 40 UrhG für noch entstehende Werke – eine schriftliche Regelung enthalten müsse, wird vor allem in der Literatur diskutiert (vgl. FN-Jan Nordemann § 40 UrhG Rn 7; Dreier/Schulze § 43 UrhG Rn 19). Die Rechtsprechung (vgl. LG Köln Urteil v. 20.12.2006, Az. 28 O 468/06 = MMR 2007, 465 f. – Bewerbungsfotos im Internet) sieht mit der verbreiteten Ansicht von einem Schriftformerfordernis ab:
Abweichend von § 40 UrhG ist i.R.e. bestehenden Arbeitsvertrags im Regelfall eine schriftliche Übertragung der Nutzungsrechte nach vorzugswürdiger h.M. entbehrlich, da der Arbeitnehmer insoweit nicht in dem von § 40 UrhG vorausgesetzten Maße schutzbedürftig ist. Denn er weiß aus dem – seinerseits schriftlich fixierten – Arbeitsvertrag, wozu er aus diesem verpflichtet ist.
Bei fehlender Abrede wird daher für die Frage, was der Arbeitnehmer mit dem Werk anstellen darf, unter anderem der Zweck des Werkes für den Betrieb sowie die Funktion des Arbeitnehmers im Betrieb von Bedeutung sein. Die Rechteeinräumung wird dann stillschweigend erklärt. So räumt ein angestellter Fotograf seinem Arbeitgeber regelmäßig die Reproduktionsrechte ein, wenn die gewerbliche Auswertung dieser Aufnahmen dem Betriebszweck dient bzw. diesen überhaupt darstellt, wie bei einem Bildarchiv oder einer Bildagentur (KG GRUR 1976, 264 (265) – Gesicherte Spuren).
Veröffentlichungsrecht und Anerkennung des Urheberschaft
§ 12 I gibt allein dem Urheber das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu veröffentlichen ist. § 43 UrhG steht dem insoweit entgegen, als dass dieses Recht des Arbeitnehmers als Urheber das Recht des Arbeitgebers, die Bilder zu verwerten, erheblich einschränken würde. So hätte der Arbeitgeber zwar das Nutzungsrecht am Werk, wäre jedoch vom Arbeitnehmer abhängig, wann dieses Werk auch veröffentlich werden dürfte.
Möchte man also das Verwertungsrecht des Arbeitgebers sicherstellen, muss in der Einräumung der Nutzungsrechte, bzw. spätestens der Übergabe, auch eine Einwilligung zur Veröffentlichung gesehen werden.
Das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft ist hingegen unübertragbar und dinglich unverzichtbar. Jedoch kann schuldrechtlich durch Vertrag vereinbart werden, dass der Arbeitnehmer auf Geltendmachung dieses Rechtes verzichtet. Das heißt, das Recht des Arbeitnehmers wird zwar verletzt, dieser verzichtet aber auf jegliche Ansprüche die ihm daraus entstehen würden. Ebenso hängt das Recht auf Namensnennung aus § 13 Satz 2 UrhG von der vertraglichen Vereinbarung ab.
Änderungen an den Bildern durch den Arbeitgeber
§ 39 UrhG regelt, dass eine Vereinbarung bezüglich der Änderungsrechte getroffen werden muss, soweit diese nicht schon nach „Treu und Glauben“ zu gewähren sind. Die Grenze stellt eine Entstellung des Werkes dar, die gemäß § 14 UrhG verboten werden kann. Um das Nutzungsrecht des Arbeitgebers nicht zu gefährden, wird ihm auch hier generell ein großzügiges Recht auf Änderung des Werkes zugesprochen werden müssen. Jedoch sollte dies nicht als Freibrief verstanden werden.
Vor allem bei Fotografien ist besondere Vorsicht geboten. Insbesondere bei Vorgängen wie reiner Nutzung von Bildausschnitten, Fotomontagen, Kolorierungen und ähnlichen Vorgängen der Bildbearbeitung besteht immer die Gefahr die Grenze des § 14 UrhG zu überschreiten. Dies bedarf immer einer genauen Einzelfallbetrachtung.
Ende der Nutzungsrechte und Vergütungen
Sollte der Arbeitgeber das Bild nicht verwerten wollen, kann der Arbeitnehmer sein Rückrufsrecht wegen Nichtausübung gemäß § 41 UrhG geltend machen, soweit dies nicht gegen ein berechtigtes Interesse des Arbeitgebers verstößt.
Sobald das Arbeitsverhältnis beendet wird, entfällt jedenfalls die Verfügung bezüglich zukünftiger Werke, die noch nicht abgeliefert wurden, § 40 Abs. 3 UrhG. Der Arbeitgeber darf jedoch die Bilder, die der Arbeitnehmer während des Arbeitsverhältnisses geschaffen hat, weiter nutzen.
Als Gegenleistung für seine Bilder bekommt der Arbeitnehmer sein Gehalt. Weitere Vergütungsansprüche sind grundsätzlich nicht gegeben. Als Ausnahme ist § 32a UrhG zu nennen, wenn sich herausstellen sollte, dass mit den Bildern außergewöhnlich hohe Erlöse erzielt werden. Dann kann der Arbeitnehmer als Urheber unter Umständen Anspruch auf Beteiligung an diesen Erlösen geltend machen.
Für den Arbeitgeber wird es unter Umständen teurer, wenn der Arbeitnehmer vor Vertragsabschluss sogenannte Vorausverfügungen zugunsten einer Verwertungsgesellschaft getroffen hat. Es können dann noch Lizenzgebühren anfallen, die an die Verwertungsgesellschaften zu zahlen sind, um die im Arbeitsverhältnis entstandenen Werke nutzen und verwerten zu dürfen. Schutz geben nur §§ 89 Abs. 2, 92 Abs. 2 UrhG für Filmwerke.
Urheber bleibt Urheber, der Arbeitgeber kann nur Nutzungsrechte erlangen. Wer jedoch nicht genau weiß, was in seinem Arbeitsvertrag genau geregelt ist oder generell unsicher über die Urheberschaft und damit verbundener Rechte ist, sollte einen Anwalt aufsuchen, damit Rechtsverletzungen möglichst vermieden werden.
(Foto: complize / photocase.com)
Zu diesem Thema ist auch unser Podcast verfügbar: iTunes, Browser, Feed
anstellung arbeitsverhältnis chef dienst job verhältnis
Neues Urteil in der Datenbank
Jeta 18. September 2016 Antworten
bei meinem ehemahligen Arbeitgeber ist, ohne meine Einwilligung, ein Firmenfoto in einer Zeitschrift aufgetaucht, obwohl ich schriftlich verlangt habe mich aus der Homepage zu löschen und auch den gedrehten Videoclip wobei ich ein Slogan der Firma ausspreche und in einem anderen Videoclip auch Werbung für die Firma mache(ebenfalls schon von Anfang an ohne schriftliche einwilligung). Nun bin ich anderweitig arbeitstätig und möchte nicht mehr in dessen Videcplip vorhanden sein, wobei die meinten ich hätte es freiwillig gemacht(ohne schriftliche Einwilligung, nur mündliche). Meine Frage wie viel Schadensersatzgeld müsste mir die Frima dafür geben?
Rechtsanwalt Florian Wagenknecht 19. September 2016 Antworten
ein Einzelfall den wir uns gerne in unserer Kanzlei anschauen können. Hier aus dem Stegreif ohne die notwendigen Hintergrundinformationen eine Zahl zu nennen ist nicht möglich. Gerne melden Sie sich für eine kostenfreie Ersteinschätzung bei uns unter 0228 387 560 200 oder über info@tw-law.de
Peter 30. November 2016 Antworten
Für eine Galileo Spezial Sendung die bei Pro7 ausgestrahlt wurde, war ich unter anderem als Kameramann unterwegs. Ist es mir gestattet, mein gedrehte Material welches ausgestrahlt wurde sowohl als auch gedrehtes, nicht ausgestrahltes Material, für mein Showreel zu benutzen?
Rechtsanwalt Florian Wagenknecht 30. November 2016 Antworten
hierbei handelt es sich um einen Einzelfall, auf den wir hier leider nicht eingehen dürfen.
Gerne können Sie sich bei uns in der Kanzlei für ein unverbindliches Gespräch melden: 0228 387 560 200 oder uns an info@tw-law.de eine Telefonnummer hinterlassen, bei der wir Sie zurückrufen dürfen.
Johannes 2. April 2017 Antworten
im Rahmen einer Veranstaltung möchte mein Arbeitergeber Mitarbeiterfotos(bzw. Einzelfoto von jedem Mitarbeiter)machen.
Bin dazu verpflichtet? Falls ja,wie oft hat der Arbeitgeber Recht ein neues Foto zuverlangen.
Die Fotos sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
Rechtsanwalt Florian Wagenknecht 3. April 2017 Antworten
aus arbeitsrechtlicher Sicht müsste zunächst ein Anspruch bestehen, diese Bilder auch gegen den Willen der Mitarbeiter anzufertigen. Und dann stellt sich die Frage nach der Größe des Konzerns; denn auch eine Nutzung im Intranet kann "öffentlich" sein.
Fall es sich hier um einen realen Fall handelt, müsste dies genauer geprüft werden. Ein Blick in die Verträge und die gängige Übung im Unternehmen etc. sind zu untersuchen, ebenso wie die geplante Nutzung, Art und Weise etc.
M. Sp. 27. Mai 2017 Antworten
bei meinem ehemaligen Arbeitgeber, ist ohne meine Einwilligung, ein Foto von mir im Hauptkatalog 2016/2017 (auch online als PDF) wärend meiner Arbeit aufgetaucht.
Was kann ich gegen eine Löschung tun?
Sollte ich mich an das Arbeitsgericht wenden?
Welche Ansprüche kann ich geltend machen und auf welchen Zeitraum?
Welche Kosten könnten auf mich zu kommen vor Gericht?
Rechtsanwalt Florian Wagenknecht 29. Mai 2017 Antworten
Hallo Herr Sp.
bitte haben Sie Verständnis, dass wir hier in den Kommentaren keine Rechtsberatung geben dürfen. Gerne können Sie sich für eine kostenfreie Kontaktaufnahme per E-Mail (info@tw-law.de) oder Telefon (0228 387 560 200) bei uns melden.
Veröffentlichung: 2. Februar 2011

References: § 7
 § 29
 § 72
 § 43
 § 611
 § 12
 § 43
 § 40
 § 40
 § 43
 § 40
 § 40

§ 12
 § 43
 § 13

§ 39
 § 14
 § 14
 § 41
 § 40
 § 32