Source: http://nci-br.netzwerkit.de/docs/nci-aktuell-archiv-08-06.htm
Timestamp: 2017-10-23 04:11:22+00:00

Document:
NCI Aktuell Archiv: Juni 2008
NCI Aktuell Archiv Juni 2008
Siemens-Stellenabbau konkretisiert sich
Gestern waren's noch 15.000 Stellen weltweit - jetzt sind es schon 17.200. Inflation made in Siemens. Was wir schon befürchtet haben: Mit 6.450 Stellen darf der Hochlohnstandort Deutschland dazu mal wieder den dicksten Brocken beitragen. Besonders hart trifft es dabei den Standort Erlangen, besonders hart trifft es auch die Sparte Verkehrstechnik mit rund 10% Personalabbau. Das ist freilich mit natürlicher Fluktuation nicht mehr zu schaffen, es sei denn man streckt den Abbau auf 3 Jahre.
Etwas widersprüchlich noch die Signale zur Abbau-Methode: Einerseits schloss Löscher einmal betriebsbedingte Kündigungen aus, andererseits aber wird auch die Schließung einzelner Standorte nicht ausgeschlossen.
Warum klingt das widersprüchlich? Wessen Standort geschlossen wird, der hat noch nicht automatisch seinen Job verloren - er könnte ja an andere Standorte versetzt werden. Will ein Arbeitgeber per Standortschließung Personal abbauen, muss er also seinem dortigen Personal explizit kündigen; genau das hat aber Löscher angeblich nicht vor. Soweit zumindest der Stand vom Ende der letzten Woche – und heute?
Auch Österreicher frönen anscheinend mitunter dem deutschen Spruch "was interessiert mich mein eigenes Geschwätz von gestern?" Das Statement, bei Siemens nicht zu kündigen, war nunmal nur eine unverbindliche mündliche Absichtserklärung und kein unterschriebenes Papier (wie die Nicht-Kündigungs-Zusage bis September 2009 für Nokia Siemens Networks), und prompt wird alles schon wieder aufgeweicht: Heute schließt Löscher auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus, sondern zieht sich auf den Standard-Spruch aller stellenabbauenden Arbeitgeber zurück: "Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich ablaufen, Kündigungen sind das allerletzte Mittel". Die Halbwertszeit solcher mündlicher Beteuerungen ist nunmal doch recht endlich.
Den Widerspruch, über 3.000 freie Stellen bei Siemens ausgeschrieben zu haben, während gleichzeitig Personal abgebaut, möglicherweise sogar gekündigt werden soll, lässt Löscher einfach mal so im Raum stehen. Damit, vom Jobverlust bedrohte Mitarbeiter auf andere, freie Stellen einfach mal umzuschulen, tut sich Siemens schon lange schwer, daran hat auch die Erfindung der Transfergesellschaft beE (die viel zu wenige firmeninterne Vermittlungen zustande bringt) nichts geändert. Falls Herr Löscher aber tatsächlich mit dem Gedanken an betriebsbedingte Kündigungen spielen sollte, könnte ihm §1 Absatz 2 des Kündigungsschutzgesetzes ein Bein stellen: Demnach darf niemand entlassen werden, der stattdessen auf einer geeigneten freien Stelle in einem anderen Unternehmensteil weiterbeschäftigt werden könnte. Erfahrungsgemäß betrachten die Arbeitsgerichte dabei eine Umschulungszeit von bis zu 6 Monaten als dem Unternehmen zumutbar.
Und was bedeutet das alles nun für München?
Auch wenn München diesmal "nur" mit 900 Stellen dabei sein dürfte (mit Fokus auf die Verwaltung): Es ist nicht mehr zu übersehen, dass sich Siemens salamischeibchenweise vom Standort München verabschiedet. Der letzte Kahlschlag war die Ausgliederung der Kommunikations-Sparte. Heute arbeiten nur noch 13.500 (von ursprünglich einmal 50.000) Siemensianer in München.
Was tut sich bei Broadband Access?
Die Einstellung der GPON-Aktivitäten bei der Business Unit Broadband Access (BBA) wirkt sich auf die NSN-Mitarbeiter je nach Standort unterschiedlich aus.
Während in Lissabon 76 Stellen bei BBA reduziert werden (die Mitarbeiter sollen möglichst offene Stellen, die von anderen Business Units aufgebaut werden, besetzen) und die Auswirkungen in China noch nicht klar sind, gibt es an den deutschen Standorten wenigstens keinen Stellenabbau, allerdings natürlich Aufgabenänderungen.
In Deutschland wird ein Teil der derzeit für GPON arbeitenden Mitarbeiter an ihren aktuellen Standorten zukünftig für DSLAM-Produkte eingesetzt. Weitere BBA-Mitarbeiter werden bei RTP ein neues Entwicklungsteam bilden, und zwar für "Next Generation Optical Access", den GPON-Nachfolger für das in 2-3 Jahren erwartete Anziehen des Massenmarktes.
Neben der Änderung des Portfolio steht auch noch eine Organisationsänderung bei BBA an. Für alle personellen Veränderungen an den deutschen Standorten erwartet der Betriebsrat demnächst detaillierte Informationen, um eingehend mit dem Arbeitgeber beraten zu können. Immerhin hat es die Geschäftsleitung (wieder mal) ziemlich eilig - die neue Organisation soll Ende Juli stehen.
Arbeitssicherheit heute
Wer weiß es noch: 14-Stunden-Schichten, giftige Dämpfe und Flüssigkeiten, unerträgliche Hitze, ungeschützte Maschinenteile und Stromleitungen ... Das waren die Arbeitsplätze am Beginn der Industrialisierung (und heute noch in den Billiglohnländern wie China oder Indien). Die Auswirkungen: tödliche Arbeitsunfälle, Verkrüppelung, körperlicher Verschleiß ...
Die Erste Welt hat sich von solchen Arbeitsplätzen größtenteils befreit. Dank dem technischen Fortschritt, aber hauptsächlich Dank den gesetzlichen Regelungen. In Deutschland kümmern sich neben dem Gesetzgeber auch die Berufsgenossenschaften um Vorschriften und Verordnungen zu Arbeitssicherheit und Unfallverhüttung und die Sicherheitsingenieure überwachen die Einhaltung in den Betrieben.
Sind also unsere Arbeitsplätze heute gesundheitlich sicher? Ja, aber nicht alle. Denn, wer kennt es nicht: überquellendes E-Mail-Postfach, Erinnerungs-SMS ja sofort zu antworten, Terminvorgaben, die nicht einzuhalten sind, alles gleichzeitig erledigen zu müssen ... Die gesundheitlichen Folgen reichen von Schlafstörungen über Burnout bis Karoshi (Bürotod durch Überarbeitung).
Hat hier das Arbeitsschutzgesetz versagt? Nein, denn seit 1996 ist dort festgelegt, dass der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung durchführen muss und diese auch die psychischen Gefährdungen umfassen muss. Bisweilen hapert es aber an der Umsetzung, der Weg bis zu einem "Sicherheitsingenieur" für psychische Gefährdung ist noch weit. Die Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften und Betriebsräte kümmern sich zunehmend um diese Gefahren. Kontraproduktiv, ja geradezu gefährlich ist dabei die Ignoranz so manchen Arbeitgebers und die fehlende Sensibilisierung der Arbeitnehmer selbst. Wer die (Über)Belastung nicht dauerhaft verkraftet, ist ein Weichei, unfähig oder gar ein Leistungsverweigerer.
Im Zangengriff aus Arbeitsbelastung (vom Arbeitgeber verursacht) und selbsterzeugten Druck (ja alles zu schaffen) brechen die Psyche und der Körper früher oder später zusammen. Den Preis zahlen zuerst die Betroffenen selbst mit Krankheit, Depression, schlimmstenfalls Tod. Auch ihre Angehörigen zahlen einen hohen Preis durch Vernachlässigung bis hin zu Zerrüttung der Familien. Am Ende muss dann die Gesellschaft die Sozialkosten wie Hartz IV oder Berufsunfähigkeitsrente tragen. Aber auch der Arbeitgeber erleidet Verluste wie verminderte Motivation und Leistung, schlechte Arbeitsqualität, langwierige Krankheitsausfälle ...
Ich fürchte, bis das Problem der psychischen Belastung so gut gelöst ist wie mit der körperlichen Belastung, werden womöglich noch Jahrzehnte vergehen. Umso wichtiger bleibt also die Eigenvorsorge. Als erster Schritt empfiehlt sich ein Selbsttest, ob und im welchen Maße man/frau schon gefährdet ist. (Wer im Internet der Anonymität misstraut, kann auf der Homepage des NSN-Betriebsrat in Mch P einen Test herunterladen).
Wer weitere Tests, Infos und Ratschläge zum Thema der psychischen Belastung am Arbeitsplatz sucht, findet es z.B. hier:
NSN: Übertragung von "Workplace Management" Aufgaben an CB Richard Ellis
Infolge eines Outsourcings von Aufgaben (kein Betriebsübergang) wird WM-Mitarbeitern angeboten, NSN gegen Abfindung zu verlassen und stattdessen bis 8/08 bei CB Richard Ellis anzuheuern. Ein Jahr lang gelten dann die bisherigen finanziellen Vertragsbedingungen (aber dann ...?!); die Betriebszugehörigkeit geht dabei natürlich futsch. Dass keine Probezeit vereinbart wird, ändert natürlich nichts an der Halbjahresfrist laut Kündigungsschutzgesetz.
Dieses Angebot ist daher recht problematisch, auch wenn dabei drohend auf den 30.09.09 (Ende der Nicht-Kündigungs-Zusage bei NSN) hingewiesen wird, falls jemand es ablehnen sollte. Die Zusicherung dabei vorrangig Schwerbehinderte zu berücksichtigen hat ein Geschmäckle, denn es sind tatsächlich überdurchschnittlich viele Schwerbehinderte betroffen (wobei gerade bei denen auch am 30.09.09 eine Kündigung allenfalls über's Integrationsamt ginge).
Siemens will bis zu 15.000 Stellen streichen, verkündet die Presse; die Einsparungen sollen überwiegend oberes und mittleres Management (die "Lehmschicht") treffen. (Was gerüchteweise übrigens auch auf NSN zukommt.)
Kommt Schadenfreude auf? Lieber nicht, denkt lieber mal drüber nach was das Wort "überwiegend" wohl bedeuten mag - das sind nicht nur Häuptlinge, keine falschen Hoffnungen, wir Indianer sind schon auch wieder mit dabei! (PA, Kaufmannschaft, ...)
Wieviel davon auf Deutschland entfällt, sei noch unklar; unklar?
Hmmm - ob wohl mehr Stellen in China, oder in Deutschland abgebaut werden? Mal kurz nachdenken ... Einen kleinen Hinweis bietet vielleicht die Formulierung "... ich hätte gerne, dass ein richtig guter Chinese das China-Geschäft führt, und ein richtig guter Inder für Indien zuständig ist". Die SZ prangert in einem Kommentar an, dass nur 17% des Umsatzes in Deutschland erzielt werde, aber Siemens zu 90% von deutschen Managern geführt werde; als Vorzeigebeispiel der Vorzüge ausländischer Manager wird ausgerechnet DB-Chef und Siemens-Aufsichtsrat Ackermann erwähnt; er ist bekanntlich Schweizer, während Löscher Österreicher ist; folgerichtig zeigen sie recht geringe Identifikation mit dem Standort Deutschland, was sich dann halt auch an der Arbeitsplatzentwicklung (keineswegs nur für Führungskräfte) ablesen lässt. So hat Ackermann zeitgleich mit Milliarden-Rekordgewinnen der Deutschen Bank Tausende von Mitarbeitern entlassen, und welchen Nutzen davon die Anleger nun haben, kann der geplagte Aktionär am heutigen Kurs der Deutsche-Bank-Aktie ablesen. Das soll jetzt also unser gutes Beispiel sein? Gleichzeitig kritisiert die SZ, dass die 13 Mitglieder der Cromme-Regierungskommission für gute Unternehmensführung alle deutsch sind – andererseits: Wollen wir wirklich, dass chinesische Manager in einer deutschen Regierungskommission über gute Unternehmensführung mitbestimmen?
Siehe auch: Interview in der SZ
Blick zur Konkurrenz: Huawei
Die Hälfte der Huawei-Handyproduktion soll für rund 2 Milliarden Dollar an Finanzinvestoren gehen, erste unverbindliche Angebote der Private Equity Branche wurden bis vorgestern eingesammelt. Die Rede ist von "mindestens 49%", Huawei sei aber auch bereit eine Mehrheit an seiner Handysparte abzugeben, abhängig von den Offerten.
Ein Verkauf an einen US-Finanzinvestor könnte beiden Seiten nützen: Dem amerikanischen Investor für ein substanzielles Investment in China, und dem chinesischen Handyhersteller für einen besseren Zugang zum abgeschotteten Markt der US-Mobilfunknetzbetreiber.
Obwohl Huawei primär auf niedrigpreisige Einstiegsmodelle für China und andere "emerging markets" setzt, wird für 2008 doch eine über 10%ige Umsatzrendite erwartet (380 Mio $ Gewinn bei 3.5 Mia $ Umsatz). Allerdings dominiert Nokia den Markt für "Einstiegshandys" und hat in China mit einem Marktanteil von rund 50% erhebliche Skalenvorteile, daher will sich Huawei lieber wieder verstärkt auf sein Kerngeschäft im Infrastrukturmarkt konzentrieren und dort Ericsson, Alcatel-Lucent und Nokia Siemens Networks preisaggressiv einheizen.
Wie die Börsenzeitung weiter berichtet, ist Huawei zu 100% in der Hand der Belegschaft.
Korruptionsprozess mit Unterhaltungswert
Der vorsitzende Richter führt den Siemens-Prozess mit viel Ironie.
Wenn (in guter alter Firmentradition) mit neuen Wortkreationen um unschöne Ausdrücke wie das böse K.-Wort herumgeredet wird, etwa zurückhaltend-kryptisch von "diesen Themen" die Rede ist, greift das Richter das dankbar auf und fragt ironisch zurück, ob sie sich denn mit "diesen Themen" auskennen?
SZ: "Mit scheinbar naiven Fragen ... gelingt es Noll immer wieder, die Scheinheiligkeit bei Siemens zu entlarven."
Einen Zeugen verabschiedete er nach dessen Aussage mit den Worten
"für das Erscheinen vor Gericht gibt es bei uns nur 2 Euro die Stunde, die aber legal" ...
NSN Mch-H nach den BR-Wahlen – was ändert sich?
Heute hat sich der neu gewählte MchH-Betriebsrat konstituiert.
Wie haben sich dabei die deutlich geänderten Mehrheitsverhältnisse konkret ausgewirkt?
Leider kaum eine Veränderung war im Betriebsrats-Vorsitz zu erzielen:
Bernd Lehmann bleibt weiterhin unser BR-Vorsitzender.
Veränderungen nur bei seinen Stellvertretern:
Erster Vertreter ist nun Peter Kloeber (AIN),
zweiter Vertreter ist Bernhard Tröger (NCI).
Um mehr durchsetzen, also Bernd Lehmann als BRV ablösen zu können, hätten wir andere Mehrheitsverhältnisse im BR benötigt, die 4 NCI-Mandate reichten dafür natürlich nicht.
Einen zumindest halben Erfolg gab es aber bei der Besetzung des Gesamtbetriebsrats:
Alex Sowa (IGM) ist kein GBR mehr! Es dürfte ein offenes Geheimnis sein, dass wir damit, wie Alex uns im Gesamtbetriebsrat vertreten hat, nicht zufrieden waren; daher begrüssen wir diese Veränderung, auch wenn stattdessen mit Bernfried Brüggemann ein anderer Metaller, und nicht unser NCI-Kandidat, das Rennen machte.
Der zweite GBR-Entsandte aus Mch-H ist und bleibt Peter Kloeber (AIN).
NCI ist (dank unserer 4 Mandate) natürlich nun in allen BR-Ausschüssen Mch-H mit dabei:
Bernhard Tröger im Betriebsausschuss,
Michaela Dischmann im ABB (Einkommen),
Peter Litz im DV-Ausschuss ADV (als Ausschusssprecher),
Michaela Dischmann im AEU (Ergonomie und Umweltschutz),
Peter Litz und Bernhard Tröger im Personalausschuss BR/APA,
Bernhard Tröger im Ausschuss für Soziales & Gesundheit ASG,
Klaus Hess im Weiterbildungsausschuss AWA und im Arbeitszeitausschuss AZA,
und Michaela Dischmann in der Gleichstellungs-Kommission AGG.
Assessment Center: Hart und wenig herzlich
Ein recht interessanter Artikel, wenn man bei einem Assessment Center unter Beweis stellen soll, daß man für seinen Traumjob geeignet ist:
Siemens Schmiergeldprozess-Prozess - Keiner weiß was, man ist entsetzt und keiner will's gewesen sein
Es ist schon verwunderlich, was in diesem Prozess so alles passiert. Jede Menge Manager von Siemens sind geladen. Der eine (HvP) macht von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch (ihm droht bekanntlich ein Ordnungswidrigkeitsverfahren), der andere, Finanzvorstand Joe Kaeser (seit 30 Jahren bei Siemens), ist entsetzt. Mal sehen, was den anderen Managern noch so alles einfällt. Am Ende war's die Putzfrau, die für alles verantwortlich ist.
Siehe dazu: www.sueddeutsche.de.
KPMG fühlt sich betrogen
Die KPMG macht der Siemens AG jetzt schwere Vorwürfe, weil die Führungskräfte die Prüfer der KPMG bei Ihrer Arbeit behindert hätten. Jetzt nach ca. 5 Jahren und weil man in die Schlagzeilen geraten ist, merkt man, daß man behindert wurde. Wieso hat man nicht gleich ein Ende der Behinderung verlangt? Man hat das Spiel genauso mitgespielt wie alle anderen im Stil: gegen Siemens kann man ja sowieso nichts machen und es kommt sowieso nicht raus. Wir sehen jetzt, was passiert, wenn man den Unregelmäßigkeiten nicht gleich Paroli bietet.
Aber, Geld regiert die Welt und mittlerweile frage ich mich: Wer hat eigentlich noch ein Gewissen? Es ist doch so bequem, für viel Geld sein Gewissen zu verkaufen und was noch schlimmer ist, es ist zu einem regelrechten Sport geworden, für Geld alle guten Vorsätze oder ein Gewissen über Bord zu werfen.
Wann besinnt man sich mal wieder darauf zurück, daß es für ein Unternehmen wichtig ist, eine gute Entwicklung, gute Produkte und motivierte Mitarbeiter zu haben, denn dann kommen die Aufträge auch ohne Schmiergeldzahlungen.
InWaChRo machen weiter!
Prima! Zu den Hintergründen siehe InWaChRo.
Wir sollten nicht vergessen: Auch Inken und Christine funktionieren wie normale Menschen und brauchen mitunter etwas Motivation, Respekt, Wertschätzung für ihre Arbeit. Eure zahlreichen Feedbacks haben dazu beigetragen, dass unser Appell, es sich mit der Einstellung der InWaChRo-Seite doch nochmal zu überlegen, nicht unerhört blieb. Besonders die voreilige Jubelmeldung des NSN-Vorstands "NCI gibt endlich auf" war wohl auch so ein Stück unfreiwilliger Wertschätzung: Wenn das oberste Management so erleichtert über’s Aufhören ist, dann ist das eine indirekte Bestätigung, wie wichtig NCI als Gegengewicht zur Arbeitgeberstrategie ist.
Das ändert jedoch nichts daran, dass wir künftig die Arbeit etwas gerechter auf mehr Schultern verteilen müssen, und dass tägliche News-Artikel daher künftig auf der NCI-BR-Homepage erscheinen; die InWaChRo-Seite hingegen versteht sich als „Frühwarn-Radar" mit Schwerpunkt auf existenzbedrohende oder rechtlich schwierige Themen und Rechtsverstöße.
Also zu früh gefreut, Ihr seid uns noch nicht los!
Warendurchlassschein, die dritte
Die Anweisung keinen Warendurchlassschein mehr zu erstellen, gilt also für den Sicherheitsdienst auch an anderen Standorten - na gut zu wissen, wir werden also nicht sofort wegen Diebstahl angezeigt.
Andererseits muss ich mich doch sehr wundern. Geht es hier wirklich nur um "geänderte Regeln"? Geht es hier nicht um die "Ordnung im Betrieb"? Jahrzehntelang gab es Durchlassscheine und jetzt ist es still und heimlich eingestellt. Keiner weiss, ob es überall so ist - wie schaut es denn z.B. in Berlin aus?
Wie war das doch noch mal mit der "Ordnung im Betrieb"? Das war doch mitbestimmungspflichtig. Geregelt in § 87 Mitbestimmungsrechte des Betriebsverfassungsgesetzes. Gleich beim ersten Absatz steht:
(1) Der Betriebsrat hat, ..., in folgenden Angelegenheiten mitzubestimmen:
1. Fragen der Ordnung des Betriebs und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb.
Hier geht es doch um echte Mitbestimmung. Kommt eine Einigung nicht zustande, so entscheidet die Einigungsstelle. An vielen anderen Stellen hat der Betriebsrat ja nur ein Anhörungsrecht oder ein Informationsrecht. Hier nicht, hier hat der Betriebsrat Mitbestimmung. Hat sich da etwa der Betriebsrat was wegnehmen lassen? Still und heimlich. Muss man das verstehen?
Wo bleibt mein Schutz? Ich würde mich sicherer fühlen, wenn ich eine offizielle Legitimation, also weiterhin einen gültigen Warendurchlassschein hätte und nicht evtl. doch eines Tages des Diebstahls beschuldigt werden würde, weil ich meinen Klappcomputer durch die Pforten des Werksgeländes transportiere.
Noch eine schwarze Kasse?
In der Siemens-Schmiergeldaffäre ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft bekanntlich gegen 300 Beschuldigte.
FOCUS online berichtet, dass die Staatsanwaltschaft nun sogar gegen eine ehemalige Tochterfirma der Deutschen Bank ermittelt, die als schwarze Kasse gedient haben soll.
Am 14. Juli soll der ehemalige Leiter der Sparte Telekommunikation, Lothar Pauli, als Zeuge in dem laufenden Gerichtsverfahren angehört werden.
Informationen zum Siemensprozess:
Weitere Sitzungstermine sind vorerst für den 14. (Zeugenaussage von Lothar Pauly?), 17. (Zeugenaussage von Albrecht Schäfer?), 23., 24., 28. Juli (Urteil?) angesetzt. Die Sitzungen finden im Saal B173/I statt. Beginn jeweils 9h30. (Aktenzeichen: 5KLs 563 Js 45994/07)
Opinion Polls: Gefährliches Mitarbeiter-Feedback?
NSN-Manager haben die gefährliche Seite von Opinion Polls entdeckt.
Deutlich illustrieren bunte Statistikfolien, dass mit Abstand das schlechteste Feedback aus den bedrohten Highcost-Standorten Deutschland und Finnland, und mit Abstand das beste Feedback aus dem Wachstums- (da Lowcost-) Land Indien kommt.
Personalabbau demotiviert, Aufbau motiviert, was’n Wunder aber auch!
Klar könnte man nun auf die Idee kommen, das Übel an der Wurzel zu packen, d.h. auch den Mitarbeitern hier eine nachvollziehbare Zukunftsperspektive aufzuzeigen, aber das wäre dann vielleicht doch etwas zu unkreativ. Stattdessen eine kleine Drohung für den Fall weiteren Negativ-Feedbacks an das Management: Die Belegschaft möge sich doch bitte der Gefahr bewusst sein, dass unsere klugen Firmenlenker auf die Idee kommen könnten "ich übertrage neue Aufgaben lieber an eine motivierte als an eine unmotivierte Mannschaft". Frei nach der Logik: Erst Mitarbeiter durch Stellenabbau demotivieren, ihnen dann keine Aufgaben mehr geben, weil sie ja nun demotiviert und lustlos sind, und dann noch mehr Stellen abbauen oder gar Standorte schließen, weil es dort ja keine Aufgaben mehr gibt.
Könnte ja tatsächlich so kommen; aber: Sollen wir deswegen nun bei Opinion Polls unsere Welt schön-lügen?
Businesstalk Takeaways
Nun hat uns Simons Letter bereits im Mai auf "Strategy sharing 2008" vorbereitet. Wir sollen alle die NSN Strategie kennen lernen und seither finden diverse Veranstaltungen statt, bei denen eben diese Strategie vorgestellt wird.
Wie immer werden schöne Folien präsentiert, deren Inhalt sich nicht unbedingt selbsterklärend erschließt. Besonders interessant ist das Titelbild, denn es zeigt die verschiedenen Kapitel, die angesprochen werden:
Market and NSN expectations Verstanden!
Strategic direction Verstanden!
Go-to-market strategy Verstanden!
Key takeaways Doch was bedeutet das?
Was sind takeaways? Dieses Wort kenne ich nicht. Schnell im Übersetzer Leo nachschauen (ich muß zugeben, das mache ich durchaus öfters). Dort steht unter "takeaway" Imbissstube, Imbissbude. Das Wort "Key" kenne ich, das heißt Schlüssel, Haupt- oder als Adjektiv entscheidend. Also würde "Key takeaways" demnach "Hauptimbissbuden" bedeuten. Ach? Und was soll das bedeuten? Wollen wir jetzt, wie es Leo Maier schon vor Jahren ausgesprochen hat, eine Würstlbude werden?
Aber, es gibt ja noch das Lexikon Businesstalk, was steht denn dort? - leider gar nichts.
Warendurchlassschein, die zweite
Am 13.06. hatten wir über Probleme mit geänderten Regeln zum Warendurchlassschein berichtet.
Wie im letzten Absatz dieses Artikels angeregt, ergab eine Nachfrage am Standort Mch H:
Nach Auskunft der Sicherheitsleute an den Eingängen in der Machtlfingerstraße und Hofmannstraße wird von NSN-Mitarbeitern bei Mitnahme von Firmeneigentum kein Warendurchlassschein mehr verlangt. Ist diese Mitnahme also dienstlich bedingt (z.B. Dienstreise oder Dienstgang zu einem anderen Standort), sollte der Mitarbeiter folglich keine Probleme bekommen.
Selbstverständlich ist die nicht dienstlich veranlasste Mitnahme von Firmeneigentum nach wie vor unzulässig, auch wenn der Sicherheitsdienst das nicht mehr kontrollieren kann.
Wie die SZ am 19.6. schreibt, ruht die Hoffnung der gesamten Mobilfunkbranche auf dem rasanten Geschäft in den Schwellenländern Asien und Afrika.
Indische Fischer z.B. freuen sich über 8% mehr Einkünfte dank Handy: "Nun, wo wir Mobiltelefone haben, können wir die Preise in verschiedenen Häfen vergleichen, und das hilft uns, den Fisch direkt von unserem Boot zu verkaufen."
Afrika gilt wegen seiner geringen Marktabdeckung von erst 30% als der weltweit am schnellsten wachsende Markt für Mobilfunk. NSN reagierte u.a. mit seinem speziell für Wachstumsländer entwickelten Produkt „Village Connection"; ein lokaler Kleinunternehmer soll dabei in Eigenregie sein gesamtes Dorf mit Mobilfunk versorgen, er mietet dazu eine Funkstation an und tritt im Gegenzug wie ein eigenständiger Mobilfunkanbieter auf, das funktioniert mit bis zu einigen tausend Teilnehmern (gerade so wie früher bei den Festnetzen mit unserem Siemens/EWSD-Produkt „SDE").
Mit Vodacom hat NSN einen ersten Kunden dafür gefunden, das Unternehmen ist Marktführer im Handymarkt von Tansania, wo es erst eine Mobilfunk-Marktdurchdringung von 17% gibt.
Das bietet natürlich Raum für neue Geschäftsideen. In Kenia und Uganda z.B. können via Handy auch Beträge zwischen 0,45 und 110 Euro überwiesen werden, der Empfänger bekommt eine SMS mit einem Code und kann das Handy-Geld in einem Telefonladen gegen Bares tauschen (in einem Land mit relativ wenigen Bankfilialen eine echte Hilfe).
Umstellung der NSN-ÜT-Verträge
In FAQ’s des Arbeitgebers ist (ungeachtet hoffentlich dazu noch laufender GBR-Verhandlungen) folgende Aussage zu finden:
"Wie wird der Unternehmensfaktor in Zukunft sein?... Eine... Anbindung an den ...BRM (Business Result Multiplier) von Nokia Siemens Networks gibt es nicht".
Im Klartext würde das wohl bedeuten, dass es künftig quasi 2 völlig entkoppelte BRM’s geben wird, den BRM („Unternehmensfaktor“) für böse Vertragsänderungs-Ablehner, und den für die anderen, die brav die neuen Verträge unterschrieben haben. Der Arbeitgeber könnte demnach bei gutem Geschäftsverlauf für die „Braven“ den BRM hochsetzen, den Unternehmensfaktor für die „Bösen“ aber runterfahren. Wer das nicht riskieren will, dem bleibt wohl nichts anderes übrig als zu unterschreiben, von „Freiwilligkeit“ bei der AT-Vertragsänderung kann da keine Rede mehr sein.
LAG-Urteil wegen Praktikanten-Lohnwucher
Das Stuttgarter LAG (AZ 5Sa45/07) hat einer früheren Praktikantin wegen „Lohnwucher“ einen nachträglichen Lohn von fast 7.100.- Euro zugesprochen, da sie in Wahrheit als Arbeitnehmerin und nicht als Praktikantin tätig war, sie aber nur als Praktikantin mit 2,46 Euro Stundenlohn abgespeist wurde (und das bei lt. eigener Angabe bis zu 70 Stunden Wochenarbeitszeit). Entscheidend war, dass bei dem „Praktikum“ nicht der Ausbildungszweck im Vordergrund gestanden hat.
Wie die SZ vom 17.6. berichtet, ergab eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung, dass immer mehr Bundesbürger die Einkommens- und Vermögens-Verteilung als ungerecht empfinden (73%) und an unserer sozialen Marktwirtschaft zweifeln. Selbst in Westdeutschland gibt es mittlerweile mehr Kritiker (35%) als Befürworter (34%) unseres Wirtschaftssystems.
Woher dieser Sinneswandel zu diesem Zeitpunkt?
Es hängt mit der laufenden Umverteilung zusammen, bei der wenige Reiche noch reicher werden auf Kosten vieler Armer und unseres immer schmaler werdenden existenzangstgebeutelten Mittelstandes, eine Umverteilung zu der viele Politiker sich mit der Ausrede „das ist halt die Globalisierung, da kannste nix machen“ bequem zurücklehnen. Sie verlassen sich darauf, dass zwar unser System immer weniger Akzeptanz findet, es sich aber mangels besserer Alternativen trotzdem halten wird (und man deshalb ja nichts zu unternehmen braucht).
Betriebsvereinbarung zum Tool Success4U
Was anscheinend im Zuge der Einführung der neuen Personalprozesse etwas untergegangen ist: Es gibt nicht nur die Gesamtbetriebsvereinbarungen zu ATP und ACP selbst (vom Dezember 2007), sondern mittlerweile auch eine eigene zum Einsatz des dazu verwendeten Tools Success4U (vom April 2008). Darin ist insbesodere in Punkt 6 klar geregelt, wie es mit dem Datenschutz steht.
"Da NSN im Rahmen des web-basierten Zugangs auf das DV-Verfahren Success4U trotz der getroffenen Datenschutzvorkehrungen den Zugriff unberechtigter Dritter auf die Daten einzelner Mitarbeiter nicht ausschließen kann, steht es jedem MA frei, die Erfassung und Verarbeitung seiner Daten in Success4U abzulehnen."
Gemeint ist also nicht nur die eigene aktive Nutzung, die man durch Ablehnung eines etwaigen Disclaimers verweigert, sondern jegliche Erfassung und Verarbeitung, auch durch die Vorgesetzten oder Personaler.
"Aus der Ablehnung der Datenerfassung und Verarbeitung in Success4U dürfen den Mitarbeitern keinerlei Nachteile entstehen.""
... also insbesondere auch keine Verzögerung bei der Auszahlung von Incentives durch die manuelle Ermittlung dieses Incentive mittels Excel-Sheet.
Ein weiterer bemerkenswerter Punkt:
"MA können auch jederzeit die ggf. bereits erteilte Zustimmung zur Erfassung und Verarbeitung ihrer Daten in S4U widerrufen.""
... für all die, die nach den ersten Anlaufschwierigkeiten das Vertrauen in Qualität und Sicherheit dieser Software inzwischen verloren haben.
Richtig toll finde ich:
"Die Mitarbeiter werden über die Inhalte dieser Gesamtbetriebsvereinbarung, insbesondere bezüglich Ziff. 6 Datenschutz umfassend informiert.""
Formal handelt es sich um eine "Pilot-Gesamtbetriebsvereinbarung". Soll heißen, dass explizit vereinbart wurde dass sie Ende des Jahres ausläuft und nicht nachwirkt. Der GBR hat vor, vor einem Nachfolger weltweit ein besseres Datenschutzniveau (wichtig für alle mit Vorgesetzten im Nicht-EU-Ausland) zu vereinbaren.
Gemäß einer zur Gesamtbetriebsvereinbarung gehörigen Protokollnotiz soll es den vorgeschalteten Disclaimer nicht mehr geben.
"Nach Ansicht des beteiligten Sachverständigen begründet die Anerkennung der Datennutzungserklärung durch die MA ohnehin nicht die Zulässigkeit der Datenverarbeitung nach §4f BDSG, da bei einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis nach Rechtssprechung nicht von einer Freiwilligkeit im Sinne der informationellen Selbstbestimmung ausgegangen werden kann.""
Links (nur NSN intern):
NSN-Gesamtbetriebsvereinbarung 2008/09 zu Success4U
NSN-Gesamtbetriebsvereinbarung 2007/23 zum Achieving Together Process ATP
NSN-Gesamtbetriebsvereinbarung 2007/24 zum Annual Compensation Planning ACP
"Manage to Profit"? Was bedeutet das konkret?
Am Beispiel des Bereichs BBA (Broadband Access) sehen wir, was im Rahmen der "Manage to Profit" Strategie auf uns zukommt. Vergangene Woche wurde dort offiziell mitgeteilt, dass die Weiterentwicklung von GPON (Gigabit passive optical networks) mangels Profitabilität und auf Grund von Unwägbarkeiten des Marktes erst einmal auf Eis gelegt wird. Man will ggf. auf einen später im GPON-Markt abfahrenden Zug wieder aufspringen, aber ob das aus dem Stand möglich sein wird, ohne beizeiten in die Weiterentwicklung investiert zu haben, bleibt fraglich. Zumindest ist dann unser derzeitiger technologischer Vorsprung dahin. Außerdem dürften die derzeitigen Kunden nicht gerade begeistert über diese Entscheidung und später vermutlich viel schwieriger wieder zu gewinnen sein.
In der GPON-Entwicklung arbeiten überwiegend Mitarbeiter in Greifswald, weitere in Berlin, München, Lissabon und Peking. Diese sind vermutlich bis Ende dieses Jahres mit der Fertigentwicklung der letzten geplanten Produktversionen beschäftigt. Aber was dann? Wird dann BBA geschlossen (was manche trotz Dementis von Management-Seite befürchten)? Die Mitarbeiter haben natürlich die Sorge, nach Auslaufen der Projekte erst einmal keine Beschäftigung mehr zu haben.
Was immer das Management vorhat, es bleibt festzuhalten, dass zumindest die deutschen NSN-Mitarbeiter weiterhin Kündigungsschutz bis September 2009 haben und ihnen bei Wegfall der bisherigen Beschäftigung vom Arbeitgeber unmittelbar anschließend eine neue Tätigkeit zu geben ist.
Angeblich wurden die Arbeitnehmervertreter von der Geschäftsleitung bereits informiert. Naja, umindest bei den NCI-Betriebsräten in Mch H ist bisher nichts von dieser Seite angekommen. Was hier steht, erreichte uns aus unserem Mitarbeiternetz.
Fragen zu Standorten oder Abbauzahlen kann das Management nach eigenen Angaben jetzt noch nicht beantworten, möglicherweise jedoch auf der am 25.6. stattfindenden Mitarbeiterveranstaltung.
InWaChRo hört auf: Künftig wieder nur eine NCI-Homepage
Nicht alle NCI’ler sind mit dem Ergebnis der Betriebsratswahlen in Mch-H gleich zufrieden:
Die zur Wahl angetretenen BR-Kandidaten sehen mehr das respektable Wachstum im Vergleich zu den letzten Wahlen vor 2 Jahren und sind damit recht zufrieden, zwei andere wichtige NCI’ler hingegen, Inken und Christine, sehen mehr das Gesamtergebnis aller Listen, und nehmen dieses zum Anlass, ihre Internetseite mit den "InWaChRo-News" zwar noch als Nachschlagewerk im Netz zu erhalten, aber nicht mehr mit aktuellen News fortzuführen.
Das bedauern und respektieren wir zugleich, verbunden mit dem Wunsch, die beiden mögen es sich noch mal anders überlegen, und auch mit unserem ganz herzlichen Dank für alles, was sie in den vergangenen sechs Jahren auf die Beine gestellt haben. Wir schätzen die bisherige Arbeit der Autorinnen dieser Website sehr und bedanken uns dafür, dass sie NCI soviel von ihrer Freizeit geopfert haben.
Was bedeutet das für unsere Betriebsratsarbeit?
Wir NCI-Betriebsräte teilen nicht die Enttäuschung von Inken und Christine über das Wahlergebnis in Mch-H, auch wenn es immer noch auf Grund der Sitzverteilung schwierig bleibt, die NCI-Positionen durchzusetzen.
Die kontinuierliche Verbesserung unseres Wahlergebnisses (vervierfachter NCI-Stimmenanteil) zeigt aber, dass inzwischen ein immer größer werdender Anteil der Belegschaft einen Betriebsrat wünscht, der sie umfassend informiert und in Entscheidungen mit einbezieht, so dass wir unseren eingeschlagenen Weg weitergehen sollten. Jetzt ist es an uns, durch erweiterte Präsenz, u.a. in BR-Ausschüssen von Mch-H, auch dem Teil der Belegschaft, der uns noch nicht gewählt hat, zu zeigen, welche Vorteile sie von einer Vertretung durch NCI-Betriebsräte haben.
Was bedeutet das für unser Mitarbeiternetz NCI?
Zunächst mal einfach, dass es künftig (wie in den Anfangszeiten von NCI) wieder nur eine, keine zwei NCI-Homepages mehr gibt, und News-Artikel (ggf. auch von Inken und Christine) also nur noch auf unserer NCI-BR-Homepage erscheinen.
Wie auf nci-net.de schon angekündigt, werden wir NCI-Betriebsräte den NCI-Auftritt im Internet weiterhin maßgeblich mitgestalten, auf dieser schon seit 2006 parallel aufgebauten Domäne. Unsere verstärkte Präsenz im Betriebsrat Mch-H gibt uns dazu noch bessere Informationsmöglichkeiten als bisher. Durch die Fokussierung auf künftig nur noch eine NCI-Internetseite erleichtern wir uns eine sehr arbeitsintensive Aufgabe, und durch eine breitere Beteiligung von noch mehr aktiven NCI’lern verteilen wir nicht nur die Arbeit auf mehr Schultern, sondern rücken zugleich den Netzwerkgedanken wieder verstärkt in den Vordergrund.
Wir müssen uns noch mehr darauf rückbesinnen, dass NCI ein Mitarbeiternetz ist, das nicht nur vom Engagement von zwei besonders aktiven NCI’lern, sondern davon lebt, dass die darin vernetzten Mitarbeiter alle sowohl Konsumenten als auch Aktive, zugleich Informations-Empfänger und Informations-Lieferanten sind!
Die Infos, die Sie alle dankbar unseren News entnehmen, stammen nur zum Teil aus den Betriebsräten, der Presse und dem Internet, zu einem wesentlichen Teil jedoch von Ihnen allen! Der Informationsfluss in einem lebendigen Mitarbeiternetz darf niemals zur Einbahnstraße werden. Wie schlecht oder gut auch künftig unsere Infos für Sie auf unserer NCI-Homepage sind, hängt schlicht auch davon ab, wie gut Sie uns wiederum mit Infos darüber, was in unserer Firma abgeht, versorgen! Diese können Sie jederzeit (selbstverständlich unter Wahrung der Anonymität) bei uns (info@nci-br.de) oder auch direkt bei Ihren NCI-Betriebsräten loswerden.
Auf dieser Basis können und werden wir uns auch weiterhin engagieren, sowohl als Betriebsräte (und in Mch-H nun auch in den BR-Ausschüssen) als auch als Mitarbeiternetz. Dieses Netz sind aber nicht nur ein paar Aktive, sondern wir alle, und es lebt von einem intensiven Informationsfluss in beiden Richtungen.
Das NCI-Redaktionsteam
Siemens-Vorstandsmitglied Joe Kaeser: "Eine kapitale Degeneration des Rechtsempfindens"
Der Leiter Corporate Finance der Siemens AG Joe Kaeser sagte heute im Siemens-Korruptionsprozess als bislang prominentester Zeuge aus. Deshalb waren auch wieder Fernsehkameras und Fotoreporter anwesend: Joe Kaeser durfte etwa zehn Minuten in die Kameras lächeln...
Anschließend wies er jegliche Mitwisserschaft am der Korruptionsgeschehen bei Siemens von sich: In seiner Zeit als Mitglied des Bereichsvorstands bei ICM habe er mit "Schwarzen Kassen" nichts zu tun gehabt, das Thema war ihm völlig fremd. Als er im November 2006 damit konfrontiert wurde, war er sehr bestürzt. Auch den Angeklagten Reinhard S. habe er erst aus der Presse kennen gelernt. "Ich hätte mir gewünscht, dass Herr S. den Kontakt mit mir gesucht hätte, dann hätte ich Siemens großen Schaden erspart. Dieses System der "Schwarzen Kassen" sei "eine kapitale Degeneration des Rechtsempfindens".
Auf Fragen der Staatsanwältin bestätigte Kaeser die Gesamtsumme der fragwürdigen Zahlungen von 1.3 Milliarden Euro. Als der Verteidiger fragte, wie es sein kann, dass Barauszahlungen in Millionenhöhe an eine einzelne Person der ihm unterstellten Revision und Contolling nicht aufgefallen seien, bekam er die für ihn ziemlich offensichtlich unbefriedigende Antwort, die Organisation bei Siemens sei "stark fragmentiert" gewesen, d.h. dezentral, das lief alles bei den Regionalgesellschaften ab.
Auf die sehr interessante Frage, um wie viel sich der Umsatz durch diese "Beratungszahlungen" erhöht habe, antwortete er: das sei nur Spekulation.
Weitere Sitzungstermine sind vorerst für den 18. und 20. Juni und für den 14., 17, 23., 24., 28. Juli angesetzt. Die Sitzungen finden im Saal B173/I statt. Beginn jeweils 9h30. (Aktenzeichen: 5KLs 563 Js 45994/07)
Alle Jahre wieder – Ingenieure „verzweifelt“ gesucht
Der VDI beklagt mal wieder, Ingenieure würden immer mehr zum Engpass für die deutsche Industrie, das sich mehr und mehr verschärfende Problem sei auch durch Zuzug ausländischer Ingenieure nicht mehr lösbar.
Zu Letzterem mag er ja recht haben – aber sonst:
Wenn die Industrie sich mal mit dem Gedanken anfreunden könnte, Ingenieure nötigenfalls auch umzuschulen (z.B. Software-Entwickler von einem auf das andere Produkt), ggf. dazu auch von einem Unternehmensteil oder Tochterunternehmen auf das andere zu versetzen, wäre schon vielen geholfen. Auch den Mitarbeitern, die nämlich auch jenseits der 50 noch gerne einen Job hätten.
Wie kann z.B. Siemens über Ingenieursmangel klagen, wenn gleichzeitig Siemens Enterprise Networks Ingenieure rausschmeisst, und auch zahlreiche Kollegen aus der Siemens-Transfergesellschaft beE noch einen Job suchen? Nicht nachvollziehbar! Nun werden gar in bestimmten Sparten Kopfprämien für die Vermittlung neuer Ingenieure ausgelobt – was wohl geschieht, wenn ihnen abzubauende SEN-Ingenieure (die man erst noch umschulen müsste) angeboten werden? Das Ergebnis lässt sich leider denken...
Letztlich klingt das alles nach Jammern über selbstverursachte Probleme, die die Unternehmen auch selbst lösen könnten, wenn sie nur ernsthaft wollten.
Die 10 dümmsten Fehler - oder wie bekomme ich eine Abmahnung?
Lange Jahre hat sich der Arbeitgeber mit Abmahnungen oder fristlosen Kündigungen eher zurückgehalten. Aber die Zeiten sind schlecht, und somit greift der Arbeitgeber schon mal zu jener höchsten disziplinarischen Maßnahme, der Abmahnung oder sogar der verhaltensbedingten Kündigung. "Jeder Cent zählt", somit auch jeder Arbeitnehmer, der weg zu bekommen ist.
Wie also stelle ich es an, um garantiert eine Abmahnung zu bekommen? Hier eine Auswahl der Klassiker, die alle nicht erfunden sind:
Man sage laut und deutlich: "Das mach ich nicht ...", und schon ist es passiert. Egal was man danach sagt ("weil ..."), keiner wird mehr zuhören. Man hat mit dem ersten Satz bereits eine Arbeitsverweigerung bekundet. Wenn man was nicht machen will oder kann, muss man immer deutlich sagen: "Selbstverständlich werde ich prüfen, ob das machbar ist!"
Privat telefonieren, surfen, kopieren, etc.
In der Arbeitsordnung ist geregelt: "bürotechnische Einrichtungen dürfen nicht privat benutzt werden" oder krasser ausgedrückt: "private Nutzung von Firmenressourcen ist nicht erlaubt".
Wer die Pausen ausdehnt, läuft Gefahr eine Abmahnung zu kassieren. Die Pause variiert, je nach Standort, zwischen 35 und 42 Minuten. Wehe dem, der den Standort wechselt und für die Pause wie gewohnt nur 35 Minuten von der Gleitzeit abzieht.
Auch die Arbeitszeit bietet viele Möglichkeiten, in eine Abmahnung zu rauschen. Wer kennt schon genau das Arbeitszeitgesetz? Hier verbergen sich viele Stolperfallen, in die man hinein tappen kann. Uns allen bekannt ist die in § 3 geregelte Zehn-Stunden-Regelung, die nicht überschritten werden darf. Aber es gibt im Arbeitszeitgesetz noch viele weitere Fallstricke (z.B. die elf Stunden Ruhezeit zwischen den Arbeitstagen in § 5), und zusätzlich kommen noch die individuellen Betriebsvereinbarungen zur Gleitzeit hinzu, die einen auch in ein Vergehen und somit in eine Abmahnung rauschen lassen können.
Das versteht jeder: wer die silbernen Löffel klaut, wird gefeuert. Da braucht es gar keine Abmahnung mehr. Wir finden zwar keine Silberlöffel, aber es gibt viele Dinge, die durchaus interessant sind. Es genügt der Bleistift! Also lieber den eigenen Bleistift von zu Hause mitbringen, da freut sich dann auch Cost sensifit, denn "jeder Cent zählt".
Krankheit ist natürlich kein Grund für eine Abmahnung, aber wenn man sie nicht form- und fristgerecht meldet, dann natürlich schon. Es ist alles genau geregelt, bis wann man eine Fehlzeit wegen Krankheit melden muss und bis wann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegen muss. Es empfiehlt sich, sich daran penibel zu halten - sonst hat man sie, nicht die Krankheit, sondern die Abmahnung.
Ja, ja, auch bei der Dienstreise kann man reinrauschen, in die Abmahnung. Man trete niemals eine Dienstreise ohne Genehmigung an. Auch wenn der Termin noch so dringend sei. Ohne approval des Chefs geht gar nichts. Hier bleibt man neben seiner Abmahnung auch noch auf den Kosten sitzen.
Auch bei der Abrechnung einer Dienstreise kann man sich schwer vertun. Niemals einen Kilometer mehr abrechnen und ja keinen Umweg fahren. Lieber im Stau stehen und warten, bis er sich wieder auflöst. Und auch die korrekte Erfassung der kostenlos erhaltenen Mahlzeiten (z.B. Frühstück im Hotel oder Einladung zum Abendessen) ist fast immer ein Intelligenztest, bei dem man sehr leicht durchfallen kann. Macht man es falsch, kann es schon mal zur Abmahnung führen.
Auch das gibt es! Abmahnungen wegen Beleidigung. Aber bei zivilisierten Menschen gibt es das natürlich nicht.
Freistellungen auf Zuruf
Sagt Ihnen der Chef: "Bleiben Sie morgen zu Hause, ich habe sowieso keine Arbeit für Sie" - tun Sie es nicht! Es kann ganz schnell schief gehen. Solange man das nur mündlich hat, darf man dieser Aufforderung keinesfalls nachkommen. Wer zu Hause bleibt, muss Gleitzeitstunden oder Urlaub nehmen. Andernfalls ist es unerlaubtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz und schon hat man sie, die Abmahnung. (Eine "echte" Freistellung gibt's nur durch ein hochoffizielles Schreiben, das Sie "von der Anwesenheitspflicht freistellt.")
Wer weitere Abmahnungsgründe kennt, melde diese bitte an info@nci-br.de . Unsere Kreativität ist nur beschränkt - wir brauchen Nachschub aus dem richtigen Leben.
Warendurchlassschein verlängern
Mein Durchlassschein für meinen Klappcomputer ist abgelaufen. Dieser Schein war nur befristet auf ein Jahr ausgestellt. Also, ich hin zu meinem Kostenstellenverantwortlichen: "Ich brauche einen neuen Druchlassschein." "Das gibt es nicht mehr" bekomme ich zur Antwort. Wie, das gibt es nicht mehr, was soll das heißen? Werde ich jetzt sofort am der Pforte verhaftet, weil ich Firmeneigentum entwende? Diebstahl? Also schnell zum Empfang gerannt: "mein Chef unterschreibt mir keinen Warendurchlassschein mehr, was soll ich tun?" Da bekomme ich von den Damen am Empfang folgende Auskunft: "Die Durchlassscheine gibt es nicht mehr, es wird an der Pforte nicht mehr überprüft, ob man Firmeneigentum mitnimmt". Aha
Aber was bedeutet das? In der Martinstraße wird nichts mehr überprüft. Schön, da kann man jetzt alles mitnehmen, es wird nicht überprüft, also kann auch nichts passieren. Aber wie sieht es bei den anderen Standorten aus? Also schnell nach Perlach gerannt und am Perlacher Empfang nachgefragt. Doch in Perlach gilt es diese Anweisung nicht. Selbstverständlich braucht man hier noch den Durchlassschein, wenn man seinen Computer mitnimmt. Also wenn ich von der Martinstraße meinen Klappcomputer zu einer Besprechung nach Perlach mitnehme und ich in Perlach an der Pforte überprüft werde, dann habe ich keinen gültigen Durchlassschein. Was passiert dann? Habe ich dann gestohlen?
Fragt mal an Euren Standorten, welche Anweisungen aktuell die Pförtner haben, pardon, der Sicherheitsdienst. Denn der Sicherheitsdienst soll ja die Sicherheit sicherstellen, also unter anderem auch dafür sorgen, dass nichts unbefugt entwendet wird.
Von Pierer sagt doch nicht im Siemens-Korruptionsprozess aus
Tja, zu früh gelobt: Nun folgt Heinrich von Pierer doch noch errötend den Spuren seiner ex-Kollegen Ganswindt und Neubürger, und verweigert ebenfalls seine (für den 20.6. vorgesehene) Zeugenaussage im laufenden Schmiergeldprozess.
Dieses Recht auf Aussageverweigerung hat er, weil gegen ihn ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren läuft (die Münchner Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn, seine Aufsichtspflicht als Vorstandsvorsitzender und nachher auch als Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens vernachlässigt zu haben).
Errötend wenn auch reichlich spät folgt er nun auch den Spuren seines Nachfolgers Löscher, indem er zumindest andeutungsweise Verantwortung übernimmt: "Wahrscheinlich hätte ich deutlicher sagen sollen, dass ich die politische Verantwortung trage für diese Dinge, die während meiner Amtszeit geschehen sind", sagte er der "Zeit".
Ja, in der Tat, das kann man so sehen - gut erkannt, wenn auch wie gesagt reichlich spät. "Mehr könne er nicht tun", heisst es noch in der SZ vom 12.6. - doch, könnte er, wahrheitsgemäß vor Gericht aussagen nämlich. Könnte er, will er aber nicht.
Was tief blicken lässt: Keine Aussage ist auch eine Aussage.
Weitere Sitzungstermine sind vorerst für den 16., 18. 20. Juni und für den 14., 17, 23., 24., 28. Juli angesetzt. Die Sitzungen finden im Saal B173/I statt. Beginn jeweils 9h30. (Aktenzeichen: 5KLs 563 Js 45994/07)
Betriebsrats-Wahlen bei NSN in Mch-H: Deutliche Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse
2008 (NSN)
2006 (SAG)
2004 (SAG)
2002 (SAG)
Stimmen % Sitze Stimmen % Sitze Stimmen % Sitze Stimmen % Sitze
(AUB NSN) 49 5,7 1 308 11,3 3 674 16,9 5 1559 26,8 11
(AUB SEN) - - - 111 4,1 1 - - - - - -
ULH-UNS 26 3 0 205 7,6 2 347 8,7 3 592 *) 10,2 *) 3 *)
AIN 234 27,4 5 589 21,6 7 802 20,1 6 1111 19,1 8
IGM 336 39,3 7 1214 44,7 15 1815 45,5 15 2348 40,4 16
NCI 209 24,5 4 205 7,6 2 224 5,6 1 - - -
FFF - - - 82 3,0 1 124 3,1 1 209 3,6 1
Summe 854 100 17 2714 100 31 3986 100 31 5819 100 39
Wahlbet. 58,5 % 57 % 70 % 47 %
*) ULH und UNS 2002 in getrennten Listen
Stimmenanteile hinzugewonnen haben AIN und vor allem NCI, verloren haben OLi (AUB), IG Metall und ULH/UNS. Die Mehrheitsverhältnisse von IGM, AIN und NCI sind dadurch nun deutlich ausgewogener.
Infolge der Verkleinerung des Betriebsrats (31->17) haben alle BR-Listen außer uns Mandate eingebüßt, nur die NCI-Liste ist (wie erhofft) von 2 auf 4 Mandate gewachsen!
Damit wurde sicher auch unsere Informationsarbeit honoriert, und wir verstehen dieses tolle Wahlergebnis zugleich als Auftrag, diese offene Kommunikation auch auf den Betriebsrat zu übertragen und die Belegschaft künftig stärker in die BR-Arbeit einzubinden.
Ihre NCI-Betriebsräte sind Bernhard Tröger, Michaela Dischmann, Peter Litz und Klaus Hess.
Nokia überwacht EMail-Verkehr seiner Mitarbeiter
Wie Helsingin Sanomat und SZ (am 11.6.) berichteten, ist Nokia in Espoo auf der Jagd nach Industriespionen wohl etwas über's Ziel hinausgeschossen. Nachdem auf einer Messe in Cannes 2005 große Ähnlichkeiten zwischen einem chinesischen Gerät und einem nagelneuen Nokia-Produkt aufgefallen waren, hatte der Konzern den E-Mail-Verkehr seiner Angestellten überwacht, um so herauszufinden, ob jemand Informationen über neue Mobilfunk-Basisstationen an chinesische Konkurrenten weitergibt. Nokia erstattete Anzeige wegen Industriespionage.
Soweit noch nachvollziehbar – dann allerdings hat Nokia die Ermittler "großzügig mit Daten über den E-Mail-Verkehr der Angestellten versorgt", nach Meinung von Rechtsexperten zu großzügig und nicht mehr im Einklang mit finnischen Datenschutzrichtlinien. Nokia verteidigte hingegen ihr Vorgehen damit, man habe bei der Überwachung des E-Mail-Verkehrs nur die Anweisungen der Polizei befolgt.
Das klingt bekannt, ähnlich argumentierte damals Siemens bei der Ausspähung von Betriebsratschef Heribert Fieber (obwohl sich nachher herausstellte, dass Siemens dabei den Grenzen der Legalität etwas zu nahe gekommen ist, es war dann von Missverständnissen zwischen Firma und Staatsanwaltschaft die Rede. Siehe auch unser Artikel über die Finanzierung dieser Ausspähung aus den Siemens-Schwarzgeldkonten).
Übrigens hat Nokia mittlerweile besagte Anzeige wegen Industriespionage wieder zurückgezogen, weil sich der Verdacht nicht erhärten ließ. Kein Wunder: Welcher käufliche Mitarbeiter wäre wohl so dämlich, seine Informationen direkt von seinem Nokia-Firmen-PC aus an die Chinesen zu mailen? Nokia Siemens Networks löst das intelligenter: Die vermitteln ihre Experten über die Transfergesellschaft beE direkt an ihren Konkurrenten Huawei...
Schon wieder: Kopfprämien bei Siemens
Nach unserer leidvollen Erfahrung "wenn Kopfprämien ausgelobt werden, steht ein Stellenabbau kurz bevor" schaut's schlecht aus: Siemens IT Solutions and Services (SIS) hat ein HR-Rundschreiben "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" veröffentlicht, in dem vielsagend steht:
"…dass wir gerade in Zeiten eines knappen Arbeitsmarktes für qualifizierte Fachkräfte... Sie einladen, an dem Programm »Mitarbeiter werben Mitarbeiter« teilzunehmen... Für Ihre Unterstützung bei der Suche nach neuen Kollegen erhalten Sie eine Prämie in Höhe von 3.000 Euro brutto..."
Noch Fragen? Ein vorausschauendes Management!
Vielleicht sollten die ja mal bei SEN nachfragen. Hier Leute rausschmeißen, dort Kopfprämien ausloben? Hmmm...
Reinhard S.: ICN-Personalchef Dr. Matthias B. ließ Fieber und Mayer bespitzeln
Am Rande des "Siemens-Prozesses" gegen Reinhard S. am Münchner Landgericht, bei dem es um die "Schwarzen Kassen" bei Siemens geht, berichtet am Montag der Angeklagte auch, dass er 2003 für den damaligen ICN-Personalchef Dr. Matthias B. 40 bis 50 Tausend Euro an eine Detektei überwiesen habe. Dies sei aber nicht über die "Schwarzen Kassen" abgewickelt worden, sondern auf dem ganz normalen Weg.
Dr. B. habe den damaligen Betriebsratsvorsitzenden Heribert Fieber und dessen Stellvertreter Leo Mayer, beide IG Metall, bespitzeln lassen. Dr. B. sei deshalb zu ihm gekommen, weil er über seine "Nebenaufgabe" bescheid wusste!
Ziel der Bespitzelungsaktion sei es gewesen, Fieber und Mayer ein Fehlverhalten nachzuweisen und dadurch ihre Position zu schwächen. Beide Betriebsräte hatten sich bekanntlich gegen den Abbau von Arbeitsplätzen bei ICN mit großem persönlichen Einsatz erfolgreich zur Wehr gesetzt.
Dr. B. ist mittlerweile Personalchef des Handelskonzerns Arcandor. "Herr B. will sich derzeit nicht äußern, da dieses ein laufendes Verfahren ist", sagte ein Arcandor-Sprecher.
Wie wird heute eigentlich ein Wahlkampf geführt? Zunächst die Frage: Wie stellt man sich als Wähler einen Wahlkampf vor? Als Wähler würde ich mir vorstellen, dass die Parteien, Gruppierungen, allgemein, die zu Wählenden sagen, was sie die nächste Wahlperiode zu tun gedenken, oder allgemeiner ausgedrückt: Das Wahlprogramm vorstellen. Zumindest stelle ich mir einen Wahlkampf so vor.
Anscheinend ist das antiquiert. Schaut man sich den Wahlkampf zur Betriebsratswahl bei NSN in der Hofmannstraße an, dann kann man sich nur wundern. Warum wählen die eigentlich überhaupt? Die nächste Wahl wäre doch erst 2010. Ach ja, dort hatte sich die Belegschaft halbiert und deswegen gibt es bereits 2008 Wahlen. Aber wie schaut da nun der Wahlkampf aus?
Spannend, durchaus spannend ist das Flugblatt der IG-Metall. Dort wird der Fokus auf das Schlechtmachen der Konkurrenz gelegt: dort wird von mangelnder Kompetenz, Mogelpackungen, Laubsägearbeiten und beim Werkzeugkasten bleibend auch vom Hammer geredet. Jede Konkurrenz bekommt ein Attribut ab, das dem Leser und Wähler wohl suggerieren soll, jene Konkurrenzlisten seien ungeeignet.
Nun frage ich mich: glaubt man denn, der Wähler sei wirklich so dumm, dass er das nicht durchschaut? Sicher, es gibt die Wähler, die sich nicht so viele Gedanken machen, die wissen bereits, wen sie wählen wollen. Aber erreicht man mit Schlechtmachen der Konkurrenz, dass ein noch zweifelnder Wähler einen wählt? Gerade ein noch zweifelnder Wähler müßte doch überzeugt werden. Der, gerade der ist doch Argumenten aufgeschlossen, gerade der Zweifelnde will doch überzeugt werden. Oder soll etwa die Vorgehensweise, alle schlecht zu machen gar den Wähler davon abhalten, zur Wahl zu gehen? Weil er angewidert ist über eine Schlammschlacht? Hätte jemand Vorteile von einer geringen Wahlbeteiligung?
- Es läßt sich nur hoffen, dass die Wähler sich von diesem Flugblatt nicht abhalten lassen, zur Wahl zu gehen.
Betriebsrat der Belegschaft?
Betriebsräte werden aus der Mitte der Belegschaft von der Belegschaft für die Belegschaft gewählt. Oder doch nicht?
In der Wirklichkeit sieht es oft etwas anders aus, wie hier schon beschrieben:
"Die Auswahl besteht (zumindest in Großbetrieben) aus Listen der Gewerkschaften, häufig auch der AUB, der 'Tarnlisten' dieser Organisationen, und betriebsbezogenen Listen der 'Unorganisierten', die meistens von niemandem abhängig sind. Die letzten spielen bisher eher selten eine Rolle in den dann gewählten Betriebsratsgremien. De facto haben also die großen Organisationen (Gewerkschaften, AUB, ...) häufig einen entscheidenden Einfluss auf den BR, wenn nicht gar die Mehrheit dort."
Auf die Kandidaten der Listen und ihre Reihenfolge hat die Belegschaft keinen Einfluss. Die Listenplätze werden mehr oder weniger offen durch Funktionäre der jeweiligen Organisation "ausgekungelt". Selten wird eine geheime Wahl durch die Listenorganisatoren zugelassen (rühmliche Ausnahme sind z.B. die NCI-BR-Listen). Die Mitarbeiter können nur eine Liste wählen und keine Kandidaten darauf. Wer also auf der Liste vorne steht, ist praktisch gewählt, auch wenn die Mehrheit der Wähler ihn/sie nicht gewollt hätte. Wie werden die weiteren Plätzen auf den großen Listen besetzt? Oft suchen sich die Listenführer gefügige Mitläufer oder Opportunisten, damit ihrer Machtposition in der Fraktion nicht gefährdet ist. So ist es auch leichter bei Abstimmungen den Fraktionszwang durchzusetzen, statt freie Entscheidungen zuzulassen. Sachgerechte Entscheidungen mit wechselnden Mehrheiten kommen so selten zustande.
Vielleicht ist diese fehlende Einfluss- und Kontrollmöglichkeit auch der Grund dafür, dass in vielen Großbetrieben die Wahlbeteiligung nur um die 50% liegt. Kann die Belegschaft eine echte Wahl erreichen, ohne das (Listen-)Wahlrecht zu ändern? Ja, der Trend geht eindeutig in Richtung kleine und (echt) unabhängige Listen, was fast schon eine Personenwahl ermöglicht.
Aber welches Gewicht hat schon meine einzelne Stimme dabei? Hier ein Zahlenbeispiel: Bei einer Belegschaft von ca. 1.600 Mitarbeitern besteht der BR aus 17 Mitgliedern. Bei einer angenommenen Wahlbeteiligung von 50% braucht man pro Sitz ca. 50 Stimmen! Das bedeutet, dass sogar in einem mittelgroßen Betrieb die einzelne Stimme ein großes Gewicht hat. Also sollte sich jeder ganz genau die Listen und die Kandidaten darauf vor der Wahl anschauen. Als Auswahlhilfe kann er/sie z.B. die hier früher beschriebenen Kriterien nehmen.
Auch umgekehrt, wer sich für die BR-Arbeit interessiert, hat bei so wenig benötigten Wählerstimmen gute Chancen, einen Sitz zu bekommen. Sogar Ein-Mann-Listen sind nach der gültigen Wahlordnung zulässig (mindestens 2 Kandidaten aber empfehlenswert, z.B. wegen Vertretung). Jeder Kandidat muss nur eine überschaubare Zahl seiner Kollegen persönlich überzeugen ihn zu wählen, um einen Sitz zu bekommen.
Natürlich wird ein Einzelner, auch wenn er ein perfektes Betriebsratsmitglied sein sollte noch keinen perfekten Betriebsrat etablieren. Aber es werden sich wohl in jedem Betrieb ein Dutzend guter, verantwortungsvoller und kooperationsfähiger Kandidaten finden (z.B. bewährte alte Mitglieder und Neulinge), welche dann eine kritische Masse ergeben könnten, um die Qualität des Betriebsrats entscheidend zu beeinflussen.
Und wenn ich keinen Kandidaten meines Vertrauens finde? Dann würde ich trotzdem zur Wahl gehen und eine ungültige Stimme abgeben. Als Zeichen meines Protestes und als Ermunterung für neue Kandidaten bei der nächsten Wahl. Denn nur mit einer ungültigen Stimme (wenn es sein muss) kann ich mich von den am Betriebsrat wirklich uninteressierten Mitarbeitern unterscheiden.
Die nächste reguläre Betriebsratswahl findet bundesweit im Frühjahr 2010 statt (vorgezogene Wahlen können jederzeit stattfinden, z.B. bei Ausgliederungen). Es bleibt also noch etwas Zeit, sich seine Kandidatur zu überlegen, Gleichgesinnte zu finden und sich in den Betriebsversammlungen zu profilieren. Denn wenn die Wahlkommission den Wahlbrief veröffentlicht hat, gibt es nur zwei Wochen Zeit, um eine Liste mit (bei größeren Betrieben) mindestens 50 gültigen Unterstützerunterschriften einzureichen (§14 BetrVG). Also lasst Euch nicht zu viel Zeit! Und auch nicht von den vermeintlichen Kosten des Wahlkampfs abschrecken. Ein paar Hundert schwarz-weiße Flugblätter im Kopier-Shop kosten ca. 50-100 Euro. Aber viel wichtiger ist es, mit den KollegInnen selber zu reden!
Die Belegschaft kann also den Betriebsrat von unfähigen und/oder eigensüchtigen Funktionären, Mitläufern oder Vorteilsnehmern befreien, wenn sie will! Es muss sich nur ca. ein Dutzend verantwortungsvoller, williger und fähiger KollegInnen zu Wahl stellen.
Wer das Thema weiter diskutieren möchte, kann es hier tun: www.netzwerkit.de
Betriebsspaltung vor Betriebsübergang zu SGS?
Anlässlich des zum 01.06.2008 stattgefundenen Übergangs von Mitarbeitern des Testcenters CQE zur Société Génerale de Surveillance (SGS) erwartet die Betriebsleitung vom Betriebsrat Mch H die nachträgliche Unterzeichnung einer "Protokollnotiz", in der eine rechtzeitige und umfassende Information des Betriebsrats und abschließende Beratung zu einer angeblichen Betriebsspaltung entsprechend §111 BetrVG bestätigt werden soll.
Dies unterstellt das Vorliegen einer solchen Betriebsspaltung bereits vor dem 01.06.2008 und anschließendem Übergang des gesamten abgespaltenen Betriebes zur SGS. Hingegen war der Betriebsrat Mch H bisher nur über einen Teilbetriebsübergang zur SGS ohne vorherige Betriebsspaltung informiert.
Möglicherweise wird mit der Unterzeichnung der Protokollnotiz sowohl den zu SGS übergegangenen Mitarbeitern als auch den Widersprechern das Recht auf einen potenziellen Nachteilsausgleich nach §113 BetrVG (im Fall von Kündigungen oder anderen wirtschaftlichen Nachteilen) genommen. Dieses Recht würde sich daraus ableiten, dass es nur eine Betriebsvereinbarung zur Überleitung der Beschäftigungsbedingungen gibt, jedoch kein Interessenausgleich zur angeblichen Betriebsspaltung versucht wurde.
Weitere Auswirkungen ergäben sich bei einer solchen Betriebsspaltung für die Widersprecher. Diese wären in diesem Fall nicht Teil des großen NSN-Restbetriebs Mch H, sondern die einzigen Mitarbeiter des abgespaltenen Betriebes. Zwar gilt auch für diese Mitarbeiter (ebenso wir für andere NSN'ler oder die neuen SGS'ler) der Kündigungsschutz bis September 2009. Aber was dann? Folgt dann die Betriebsschließung?
Da der Betriebsrat von einer Betriebsspaltung bis zur Plenumssitzung am 04.06.2008 nichts wusste, ist eine Erklärung, die sich auf eine Spaltung vor dem 01.06.2008 bezieht, sinnlos. Trotzdem hat u.a. gegen die Stimmen von NCI der Betriebsrat Mch H die Unterzeichnung der Protokollnotiz angenommen, unter der Voraussetzung, dass diverse Auflagen erfüllt werden.
NCI ist der Hammer!
Sagt zumindest die IG Metall...
Während andere BR-Listen (wie zuletzt der AIN) eher zurückhaltend darin waren, mit vergleichender Werbung über ihre Konkurrenten Dreckkübel auszuleeren, zieht die IG Metall in ihrem neuesten Wahlkampf-Flugblatt ganz ungeniert über ihre Konkurrenz her, jeder kriegt dabei sein Fett ab. Die OLi wird als AUB-Mogelpackung entlarvt, ULH/UNS (deren bisherige Köpfe alle in Rente gingen) wird vorgeworfen zwar noch den Listennamen, aber nicht mehr die Kompetenzen und Aufgaben von früher zu haben, und den (ebenfalls gewerkschaftlichen) AIN-Kollegen wird vorgeworfen, sich in "Laubsägearbeiten" wie Umfragen zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz sowie Wahlwerbung zu erschöpfen.
Während die eigentliche wichtige BR-Arbeit natürlich ausschließlich von den IGM-Betriebsräten gemacht werde. Behaupten die Kollegen zumindest von sich selbst, und loben sich dabei selbst über den grünen Klee; vergessen vorschnelle Verhandlungsabschlüsse, vergessen ERA, ...
... aber lassen wir die Sünden-Aufzählung, wir wollen nicht mit gleicher Münze zurückzahlen. Als IGM-Erfolg wird z.B. die Etablierung von Aufsichtsrat und Gesamtbetriebsrat bei NSN genannt; aber tut dieser Aufsichtsrat wirklich etwas für uns, und würden wir ohne diesen GBR (als lokaler Betriebsrat) nicht mindestens genauso viel für unsere Betriebsbelegschaft erreichen?!
Reichlich realitätsfremd erscheint auch die kühne Behauptung, nach Abschluss des Personalabbaus erwarte die IGM nun, dass damit auch den Beschäftigten die Existenzangst genommen wird. Welch eine Schönfärberei!
Ergänzt wird das ganze um das n-te Wiederaufkochen der völlig ergebnislosen Innovationsoffensiven, mit denen die IGM schon vor 2 Jahren zu punkten versuchte.
Richtig an’s Geld geht es bei den Jahreszahlungen für AT’s, die eine Vertragsänderung ablehnen: Die IGM-Forderung nach einer fixen „BRM-Mindestabsicherung“ reicht uns nicht, wir fordern eine nachvollziehbare Kopplung des Unternehmensfaktors für Vertragsänderungs-Ablehner an die NSN-BRM’s (keinen entkoppelten Ablehner-BRM); der Unterschied kann jährlich Tausende von Euros auf dem Gehaltskonto der NSN-AT’s ausmachen.
Fast schon Arbeitgeberpositionen vertritt die IGM gar, wenn sie sich (und den GBR) dafür lobt, dass "bereits sechs Monate nach Abschluss des Interessenausgleichs dieser Personalabbau bei NSN in Deutschland praktisch beendet" ist: Personalabbau ist keine Betriebsratsaufgabe!
Über uns, das NCI, schreibt die IG Metall ungnädig: "Leider gibt es inzwischen noch andere, die viel Wert auf ihre Unabhängigkeit von Gewerkschaften legen. Aber anders als im Falle der AUB liegt hier sicher keine finanzielle Unterstützung durch den Arbeitgeber vor".
Richtig bis dahin… Weiter geht’s:
"Viele NCI-Kandidaten haben bereits am eigenen Leib in den Kündigungsverfahren der vergangenen Jahre erlebt, dass unser Arbeitgeber auch Methoden zur Durchsetzung seiner Profitinteressen anwendet, die sich vor Gericht als illegal erweisen. Dieser Erfahrung, dass man sich dagegen mit dem Hammer eines Gerichtsprozesses wehren kann, war offenbar prägend für viele NCI-Kandidaten. Leider scheint dabei etwas aus dem Blickfeld geraten zu sein, dass es außer diesem Hammer auch noch weitere Werkzeuge zur Vertretung unserer Interessen gegenüber dem Arbeitgeber gibt", rügt die IGM die Kompromisslosigkeit des NCI.
Ihre Geheimdiplomatie verteidigt sie mit den Worten „...solche Verhandlungen sind nicht immer und zu allen Zeiten mit öffentlicher Beteiligung zu führen, was Anlass geben kann für einen gewissen Argwohn gegenüber den gewerkschaftlichen Vertretern der Arbeitnehmerschaft."
Gut erkannt… In IGM-typischer Bescheidenheit geht es weiter:
"Wir Gewerkschafter sehen es als Aufgabe an, diesen Argwohn zu überwinden, und weihen die NCI-Kandidaten gern in die Möglichkeiten unserer Werkzeugkiste ein."
Danke, herzlichen Dank, Ihr seid ja sooo gut zu uns NCI’lern!
Das Fazit der IGM: "Sie haben die Wahl, rufen Sie einen Meisterbetrieb, oder genügt der Hammer-bewehrte NCI-Nachbar, wenn Ihre Küche unter Wasser steht?"
Unsere Empfehlung: Wählen Sie einen Meisterbetrieb, der wenn nötig auch mal den Hammer auspackt. Wählen Sie NCI.
Mittwoch, 4.6.2008 (korrigiert am 7.6.2008)
Sperrzeiten in der beE
Von betroffenen beE-Kollegen haben wir erfahren, dass die BA (Bundesagentur für Arbeit) mittlerweile entschieden hat, Sperrzeiten für Mitarbeiter in internen Transfergesellschaften auszusprechen. Im Rahmen des Vertrauensschutzes, also vor dem Hintergrund, dass den Betroffenen zum Zeitpunkt Ihrer Unterzeichnung der Aufhebungsvereinbarung mit Eintritt in die beE diese Vorgehensweise nicht bekannt war, habe die BA in München folgende Ausnahmeregelung kommuniziert:
Grundsätzlich räumt die BA eine fehlerhafte Beratung ein und somit war die Vorgehensweise bezüglich des Eintretens von Sperrzeiten nicht bekannt. Für die Arbeitnehmer in der beE wird davon ausgegangen, dass sie auf diese Information, dass keine Sperrzeiten verhängt werden, vertraut haben und dass dies auch eine wesentliche Bedingung für den Wechsel in die Transfergesellschaft gewesen war. Somit findet eine interne Weisung der Regionaldirektion in Nürnberg, dass keine Sperrzeit ausgesprochen werden, für alle Eintrittstermine der beE Anwendung. Falls Sie betroffen sind und Ihr eigener Berater bei der BfA diese inoffizielle Regelung nicht kennt und eine Sperrzeit verhängen will, sollten Sie sich mit der beE und der Sachbearbeiterin der Leistungsabteilung bei der Agentur für Arbeit (AA) München, Frau Weinzierl, die den Vorgang kennt, in Verbindung setzen.
BR-Neuwahlen in Mch-H: Die Meinung der Konkurrenz über die NCI-Betriebsräte
Nach kritischen Worten über den "Schmusekurs" der IGM-Betriebsräte schreiben die (Verdi-basierten) AIN-Kollegen in einer Rundmail über ihre Konkurrenten bei den anstehenden BR-Neuwahlen: "Der NCI hat es in dieser Situation als "Oppositionspartei" mit seiner zum Teil durchaus nachvollziehbaren Kritik am Betriebsrat und Gesamtbetriebsrat schon leichter. Sollte er den Sprung in den neuen Betriebsrat wieder schaffen, erwarten wir, dass diesmal neben Kritik auch effektive Mitarbeit angesagt ist."
Danke für die Blumen; selbstverständlich werden wir wie schon seit 2004 wieder effektiv mitarbeiten, und je mehr Mandate uns die wählende Belegschaft diesmal gibt, umso effektiver können und werden wir dafür sorgen, dass im Betriebsrat (und dann hoffentlich auch wieder in den BR-Ausschüssen, von denen wir derzeit ausgeschlossen sind) die Interessen der Hofmannstraßen-Belegschaft richtig und konsequent vertreten werden. Dazu gehört natürlich die richtige Einstellung, aber auch die nötige Konfliktbereitschaft, wenn dem auch Taten und Ergebnisse folgen sollen. Dafür stehen wir vom NCI !
Nun ist also die "Restrukturierung" laut Interessenausgleich vom 13.7.2007, also der Personalabbau in Deutschland, bei dem 2290 Mitarbeiter bis 2009 abgebaut werden sollten, als abgeschlossen erklärt worden. Geflüstert hört man, dass sogar 2500 Mitarbeiter die Firma verlassen hätten. Wer hätte das gedacht? So einfach ging der Personalabbau früher nicht. So erfolgreich waren bisherige Abbaumaßnahmen noch nie.
Was bedeutet es denn nun, dass die Restrukturierung als abgeschlossen erklärt wurde? Zunächst mal ganz einfach: wer jetzt, heute oder morgen, die Firma verlassen will, der bekommt keine Abfindung mehr, denn in diesem Interessenausgleich waren die Abfingungsmodalitäten geregelt. Sprich, es war geregelt wer wie viel Geld bekommt, wenn er geht. Und durch diesen Interessenausgleich hatte man auf die Abfindung sogar einen Rechtsanspruch. Es war keine Good-Will-Aktion des Arbeitgebers, wenn man diese Abfindung bekommen hat. Heute bekommt man nichts mehr, zumindest hat man keinen Anspruch mehr darauf.
Die Beendigung der Resturkturierung bedeutet andererseits, dass rund 2.500 Mitarbeiter die Firma verlassen haben. In Deutschland. Eigentlich würde man sich nun vorstellen, dass die Gesamtmitarbeiterzahl bei NSN geringer ist, als bei Start der Firma im April 2007. Im April 2007 wurde der Mitarbeiterstand mit 60.000 Mitarbeiter weltweit angegeben. Nach dem Abbau von 2.500 Mitarbeitern würde man etwa 57.500 Mitarbeiter erwarten. Doch weit gefehlt. Die Mitarbeiterzahl im ersten Quartal 2008 betrug 60.301. Was in Deutschland abgebaut wurde, das wurde demnach in anderen Ländern aufgebaut!

References: §1
 § 87
 §4
 § 3
 § 5
 §111
 §113