Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Abfindung_Schwerbehinderung_Sozialplan_22Ca8260-10.html
Timestamp: 2016-12-04 20:19:08+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 22 Ca 8260/10
Diskriminierung, Schwerbehinderung, Sozialplan, Abfindung
22 Ca 8260/10
22 Ca 8260110
Verkündet am: 17.02.2011
MerzUr­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le
Ar­beits­ge­richt München
Dr. AA-Straße, A-Stadt
Pro­zess­be­vellmäch­tig­te/r:
Rechts­anwälte B. B-Straße, B-Stadt
Fir­ma D.D-Straße, D-Stadt
Pro­zess­be­vollmäch­tig­tek:
Rechts­anwälte E. E-Straße, E-Stadt
erlässt das Ar­beits­ge­richt München durch den Vor­sit­zen­den der Kam­mer 22, den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Dr. Rei­pen und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hein­rich und Kon­rad auf­grund münd­li­cher Ver­hand­lung am 01.02.2011 fol­gen­den
Be­schluss:
I. Das Ver­fah­ren wird aus­ge­setzt.
II. Dem Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on wer­den im We­ge des Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens fol­gen­de Fra­gen vor­ge­legt:
Verstößt ei­ne in­ner­staat­li­che Re­ge­lung, die vor­sieht,dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig sein kann, wenn die Be­triebs­par­tei­en im Rah­men ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­ge­schlos­sen ha­ben, die wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind, weil sie, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, ren­ten­be­rech­tigt sind,ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung gemäß Art. 1 und Art. 16 der Richt­li­nie 2000/78/EG oder ist ei­ne sol­che Un­gleich­be­hand­lung gemäß Art. 6 Abs. 3 S. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000178/EG ge­recht­fer­tigt?
2. Verstößt ei­ne in­ner­staat­li­che Re­ge­lung, die vor­sieht,dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig sein kann, wenn die Be­triebs­par­tei­en im Rah­men ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­ge­schlos­sen ha­ben, die wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind, weil sie, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, ren­ten­be­rech­tigt sind,ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung gemäß Art. 1 und Art. 16 der Richt­li­nie 2000178/EG?
3. Verstößt ei­ne Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit, die vor­sieht,dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und be­triebs­be­dingt gekündigt wer­den, ei­ne al­ter­na­ti­ve Be­rech­nung der Ab­fin­dung auf Grund­la­ge des frühes­tens mögli­chen Ren­ten­be­ginns vor­ge­nom­men wird und im Ver­gleich zur re­guläre­ren Be­rech­nungs­me­tho­de, wel­che ins­be­son­de­re an die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit an­knüpft, der ge­rin­ge­re Ab­fin­dungs­be­trag, je­doch min­des­tens die Hälf­te der re­gulären Ab­fin­dungs­sum­me zu zah­len ist,ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung gemäß Art. 1 und Art. 16 der Richt­li­nie
- 3 - 2000/78/EG oder ist ei­ne sol­che Un­gleich­be­hand­lung gemäß Art. 6 Abs. 3 S. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt?
4. Verstößt ei­ne Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit, die vor­sieht,dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und be­triebs­be­dingt gekündigt wer­den, ei­ne al­ter­na­ti­ve Be­rech­nung der Ab­fin­dung auf Grund­la­ge des frühes­tens mögli­chen Ren­ten­be­ginns vor­ge­nom­men wird und im Ver­gleich zur re­guläre­ren Be­rech­nungs­me­tho­de, wel­che ins­be­son­de­re an die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit an­knüpft, der ge­rin­ge­re Ab­fin­dungs­be­trag, je­doch min­des­tens die Hälf­te der re­gulären Ab­fin­dungs­sum­me zu zah­len ist,und bei der al­ter­na­ti­ve Be­rech­nungs­me­tho­de auf ei­ne Al­ters­ren­te we­gen ei­ner Be­hin­de­rung ab­stellt wird,ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung gemäß Art. 1 und Art. 16 der Richt­li­nie 2000/78/EG.
Das Ver­fah­ren war gemäß § 148 ZPO bis zu ei­ner Ent­schei­dung durch den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH) aus­zu­set­zen. Als na­tio­na­les Ge­richt ist das Ar­beits­ge­richt München im Sin­ne von Art. 234 Abs. 2 EG vor­la­ge­be­rech­tigt. Der Be­schluss über die Vor­la­ge zum EuGH war in Hin­blick auf den ar­beits­ge­richt­li­chen Grund­satz der Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung, § 9 Abs. 1 ArbGG ge­bo­ten. Für die Ent­schei­dung des Rechts­strei­tes kommt es maßgeb­lich auf die Aus­le­gung von se­kundärem Uni­ons­recht an. Zur Wah­rung der Rechts­ein­heit in­ner­halb der Eu­ropäischen Uni­on ob­liegt die ab­sch­ließen­de In­ter­pre­ta­ti­on des Uni­ons­rech­tes dem EuGH. Das Ge­bot des ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes, das aus den ge­mein­sa­men Ver­fas­sungs­tra­di­tio­nen der Mit­glied­staa­ten re­sul­tiert, ge­bie­tet es, das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren so­fort aus­zu­set­zen und dem EuGH vor­zu­le­gen und nicht erst die Be­fas­sung durch das letzt­in­stanz­li­che na­tio­na­le Ge­richt ab­zu­war­ten.
Die Gleich­be­hand­lungs-Rah­men­richt­li­nie 2000/78/EG (Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 2T No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf, ABI. Nr. L 303 S. 16) sieht u. a fol­gen­de Re­ge­lun­gen vor:
Ar­ti­kel 6 Ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters
(1) Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.Der­ar­ti­ge Un­gleich­be­hand­lun­gen können ins­be­son­de­re Fol­gen­des ein­sch­ließen:
c) die Fest­set­zung ei­nes Höchstaf­ters für die Ein­stel­lung auf­grund der spe­zi­fi­schen Aus­bil­dungs­an­for­de­run­gen ei­nes be­stimm­ten Ar­beits­plat­zes oder auf­grund der Not­wen­dig­keit ei­ner an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­zeit vor dem Ein­tritt in den Ru­he­stand.
- 5 - (2) Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen bzw. Ka­te­go­ri­en von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung im Rah­men die­ser Sys­te­me von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar-stellt, so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts führt.
Ar­ti­kel 16 Ein­hal­tung
Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass
Das in­ner­staat­li­che All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) vom 14. Au­gust 2006 (BGBl. I S. 1897) sieht fol­gen­de Re­ge­lung vor:
Un­ge­ach­tet des § 8 ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters auch zulässig, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels müssen an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. Der­ar­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen können ins­be­son­de­re Fol­gen­des ein­sch­ließen: [..1
6. Dif­fe­ren­zie­run­gen von Leis­tun­gen in So­zi­alplänen im Sin­ne des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes, wenn die Par­tei­en ei­ne nach Al­ter oder Be­triebs­zu­gehörig­keit ge­staf­fel­te Ab­fin­dungs­re­ge­lung ge­schaf­fen ha­ben, in der die we­sent­lich vom Al­ter abhängen­den Chan­cen auf dem Ar­beits­markt durch ei­ne verhält­nismäßig star­ke
- 6 - Be­to­nung des Le­bens­al­ters er­kenn­bar berück­sich­tigt wor­den sind, oder Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­ge­schlos­sen ha­ben, die wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind, weil sie, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, ren­ten­be­rech­tigt sind.
Die Be­klag­te hat mit dem zuständi­gen Ge­samt­be­triebs­rat am 30.04.2004 ei­nen Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plan ab­ge­schlos­sen. § 6 Punkt 1.1 bis Punkt 1.5 lau­ten:
1. Ab­fin­dun­gen bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses (außer „Frühver­ren­tung")
1.1. Mit­ar­bei­tern, de­nen trotz al­ler Bemühun­gen kein zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz bei Bax­ter in Deutsch­land an­ge­bo­ten wer­den kann, bei de­nen auch ei­ne vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 5 nicht in Fra­ge kommt und die das Un­ter­neh­men ver­las­sen (durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gung oder ein­ver­nehm­li­che Be­en­di­gung), er­hal­ten ei­ne zu ver­steu­ern­de Brut­to­ab­fin­dung in EU­RO nach fol­gen­der For­mel:Ab­fin­dung = Al­ters­fak­tor x Be­triebs­zu­gehörig­keit x Brut­to­mo­nats­ent­gelt (De­fi­ni­ti­on Brut­to­mo­nats­ge­halt sie­he im Fol­gen­den Punkt 1.6)
1.2 Al­ters­fak­to­ren­ta­bel­le
Le­bens- al­ter
Al­ters- fak­to­ren
Al­ters­fak­to­ren
- 7 - 1.3 Mit­ar­bei­ter, die bis zu 36 Mo­na­te vor ih­rem be­triebs­be­ding­ten Aus­schei­den ih­re Ar­beits­zeit re­du­ziert ha­ben, wer­den so ge­stellt, wie ih­re Ar­beits­zeit vor der Re­du­zie­rung war.
1 4. Mit­ar­bei­ter, die von ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung in­ner­halb ih­rer El­tern­zeit be­trof­fen sind, wer­den so in ih­rer Ar­beits­zeit und ih­rem Ein­kom­men be­han­delt, als ob sie nicht in El­tern­zeit ge­gan­gen wären.
1.5 Bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und be­triebs­be­dingt gekündigt wer­den oder ein­ver­nehm­lich das Ar­beits­verhält­nis be­en­den, wird die sich gemäß § 6 Ab­satz 1, Punkt 1.1 er­rech­ne­te Ab­fin­dung fol­gen­der Be­rech­nung ge­genüber­ge­stellt:
Mo­na­te bis zum frühest mögli­chen Ren­ten­ein­tritt x 0,85 x Brut­to­mo­nats­ent­gelt
Soll­te die Sum­me der Ab­fin­dung, die sich gemäß § 6 Ab­satz 1, Punkt 1.1 er­rech­net, größer sein als die Sum­me, die sich aus der For­mel ,,Mo­na­te bis zum frühest mögli­chen Ren­ten­ein­tritt x 0,85 x Brut­to­mo­nats­ent­gelt" er­gibt, so kommt die ge­rin­ge­re Sum­me zur Aus­zah­lung. Die­se ge­rin­ge­re Sum­me darf je­doch die Hälf­te der Ab­fin­dung gemäß § 6 Ab­satz 1, Punkt 1.1 nicht un­ter­schrei­ten.
Ist das Er­geb­nis aus „Mo­na­te bis zum frühest mögli­chen Ren­ten­ein­tritt x 0,85 x Brut­to­mo­nats­ent­gelt" gleich Null, kommt die Hälf­te der er­rech­ne­ten Ab­fin­dungs-sum­me gemäß § 6 Ab­satz 1, Punkt 1.1 zur Aus­zah­lung.
Die Be­klag­te hat mit dem zuständi­gen Ge­samt­be­triebs­rat am 13.03.2008 ei­nen Ergänzen­den So­zi­al­plan ab­ge­schlos­sen. § 7 lau­tet:
§ 7 Ab­fin­dung. Mit­ar­bei­ter, die in den Gel­tungs­be­reich die­ses So­zi­al­plans fal­len, und de­ren Ar­beits­verhält­nis we­gen der Be­triebsände­rung en­det, er­hal­ten die fol­gen­den Leis­tun­gen:
7.1 Ab­fin­dung. Die Mit­ar­bei­ter er­hal­ten die ein­ma­li­ge Ab­fin­dung, die sich aus § 6 Zif­fer 1 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans er­gibt.
7.2 Klar­stel­lung. Zu § 6 Zif­fer 1.5. des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans ei­ni­gen sich die Par­tei­en auf fol­gen­de Klar­stel­lung: Un­ter frühest mögli­chen Ren­ten­ein­tritt wird ver­stan­den der Zeit­punkt, zu dem der Mit­ar­bei­ter erst­mals ei­ne der ge­setz­li­chen Al­ters­ren­ten, auch ei­ne sol­che mit Ab­schlägen we­gen vor­zei­ti­ger In­an­spruch­nah­me, in An­spruch neh­men kann.
7.3 Ab­wei­chen­de Fällig­keit. Bax­ter kann bei schrift­li­chem Ein­verständ­nis des ab­fin­dungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ters im Rah­men des recht­lich Zulässi­gen ab­wei­chend von § 8 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans späte­re ab­wei­chen­de Fällig­keits­ter­mi­ne für die ge­sam­te Ab­fin­dung be­stim­men.
Der Kläger ist am 25.07.1950 ge­bo­ren, ver­hei­ra­tet, hat zwei un­ter­halts­be­rech­tig­te Kin­der, ist öster­rei­chi­scher Staats­an­gehöri­ger und mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 50 als Schwer­be­hin­der­ter an­er­kannt. Der Kläger war seit dem 17.04.1979 bei der Be­klag­ten bzw. ih­ren Rechts­vorgänge­rin­nen in Deutsch­land beschäftigt, zu­letzt als Mar­ke­ting Ma­na­ger.
Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 25.04.2008 und bot dem Kläger die Fortführung des Ar­beits­verhält­nis­ses am Stand­ort B-Stadt-D-Stadt an. Der Kläger nahm die­ses An­ge­bot an und kündig­te dann sei­ner­seits das Ar­beits­verhält­nis zum 31.12.2009, nach­dem die Par­tei­en ver­ein­bart hat­ten, dass die­se Ei­genkündi­gung sei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch nicht schmälern wer­de.
Gemäß § 236a SGB VI kann der Kläger mit Voll­endung des 60. Le­bens­jahrs ab dem 01.08.2010 ge­genüber der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung ei­ne Al­ters­ren­te für schwer­be­hin­der­te Men­schen be­an­spru­chen.
Gemäß § 235 Abs. 1 SGB VI kann der Kläger mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs ab dem 01.08.2015 ge­genüber der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung ei­ne Re­gel­al­ters­ren­te be­an­spru­chen.
Die Be­klag­te zahl­te dem Kläger ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung von 308.253,31 brut­to. Da­bei leg­te die Be­klag­te ei­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit von 29,71 Jah­ren bis zum 31.12.2008 und ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt von € 12.210,47 zu­grun­de. Da­nach er­gibt sich gemäß § 6 Punkt
- 9 - 1.1 ei­ne Ab­fin­dung von 616.506,63 brut­to. Aus­ge­hend von ei­nem frühes­tens mögli­chen Ren­ten­ein­tritt zum 01.08.2010 we­gen der Schwer­be­hin­de­rung des Klägers er­rech­ne­te die Be­klag­te gemäß § 6 Punkt 1.5 ei­ne Ab­fin­dung von € 197.199,09 brut­to, so dass sie die Hälf­te der Ab­fin­dung gemäß § 6 Punkt 1.1 aus­zahl­te.
Der Kläger hat am Schrei­ben vom 30.06.2010 Kla­ge beim Ar­beits­ge­richt München er­ho­ben. Er be­an­tragt. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ei­ne wei­te­re So­zi­al­plan­ab­fin­dung von € 271.988,88 brut­to zu zah­len. Der ein­ge­klag­te Be­trag ent­spricht der Dif­fe­renz der ge­zahl­ten Ab­fin­dung zu der Ab­fin­dungs­sum­me, die Kläger er­hal­ten hätte, wenn er zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses — bei glei­cher Be­trieb­zu­gehörig­keit — 54 Jah­re alt ge­we­sen wäre. Der Kläger meint, dass die Be­rech­nung der So­zi­al­plan­ab­fin­dung ihn we­gen sei­nes Al­ters und sei­ner Be­hin­de­rung be­nach­tei­li­ge.
Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG sind ver­min­der­te So­zi­al­plan­leis­tun­gen für ren­ten­na­he Jahrgänge zulässig. Es wur­den die fol­gen­den Grundsätze auf­ge­stellt.
Die den Be­triebs­par­tei­en in § 10 S. 3 Nr. 6 Alt. 2 AGG ein­geräum­te Möglich­keit, älte­re Ar­beit­neh­mer un­ter den dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­zu­sch­ließen, verstößt nicht ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung im Recht der Eu­ropäischen Uni­on. Die na­tio­na­le Re­ge­lung ist i. S. von Art. 6 Abs. 1 S. 1 RL 2000/78/EG der Richt­li­nie 2000/78/EG durch ein im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­des so­zi­al­po­li­ti­sches Ziel des deut­schen Ge­setz­ge­bers ge­recht­fer­tigt. Die­ser woll­te es den Be­triebs­par­tei­en ent­spre­chend dem zu­kunfts­ge­rich­te­ten Entschädi­gungs­cha­rak­ter von So­zi­al­plan­leis­tun­gen ermögli­chen, die­se bei „ren­ten­na­hen' Ar­beit­neh­mern stärker an den tatsächlich ein­tre­ten­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len zu ori­en­tie­ren, die ih­nen durch den be­vor­ste­hen­den Ar­beits­platz­ver­lust und ei­ne dar­auf zurück­ge­hen­de Ar­beits­lo­sig­keit dro­hen. Durch die­se Ge­stal­tungsmöglich­keit kann das An­wach­sen der Ab­fin­dungshöhe, das mit der Ver­wen­dung der Pa­ra­me­ter Be­triebs­zu­gehörig­keit und / oder Le­bens­al­ter bei der Be­mes­sung der Ab­fin­dung zwangsläufig ver­bun­den ist, bei ab­neh­men­der Schutz­bedürf­tig­keit im In­ter­es­se der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit be­grenzt wer­den (BAG 23. 3. 2010 - 1 AZR 832/08, NZA 2010, 774).
§ 10 S. 3 Nr. 6 AGG er­fasst nach sei­nem Wort­laut nur den Aus­schluss von älte­ren Ar­beit­neh­mern, die ent­we­der un­mit­tel­bar nach dem Aus­schei­den oder im An­schluss an den Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld I durch den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind. Die Vor­schrift ist glei­cher­maßen an­wend­bar, wenn die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zwar nicht un­mit­tel­bar nach dem Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld I ren­ten­be­rech­tigt sind, die Ab­fin­dung aber aus­rei­chend be­mes­sen ist, um die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le aus­zu­glei­chen, die sie in der Zeit nach der Erfüllung ih­res Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs bis zum frühestmögli­chen Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te er­lei­den. (BAG 23. 3. 2010 - 1 AZR 832/08, NZA 2010, 774).
§ 10 S. 3 Nr. 6 AGG ermöglicht da­nach den Be­triebs­par­tei­en un­ter den dort be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung in ei­nem So­zi­al­plan. Die Vor­schrift be­stimmt aber nur das Le­gi­ti­me Ziel i. S. von Art. 6 Abs. 1 S. 1 der Richt­li­nie 2000/78/ EG und eröff­net den Be­triebs­par­tei­en ei­nen Ge­stal­tungs- und Be­ur­tei­lungs­spiel­raum. Des­sen Aus­ge­stal­tung un­ter­liegt noch ei­ner wei­te­ren Verhält­nismäßig­keitsprüfung nach § 10 S. 2 AGG. Die von den Be­triebs­par­tei­en gewähl­te So­zi­al­plan­ge­stal­tung muss ge­eig­net sein, das mit § 10 S. 3 Nr. 6 AGG ver­folg­te Ziel tatsächlich zu fördern und darf die In­ter­es­sen der be­nach­tei­lig­ten (Al­ters-)Grup­pe nicht un­verhält­nismäßig stark ver­nachlässi­gen. (BAG 23. 3. 2010 - 1 AZR 832/08, NZA 2010, 774).
Nach der Recht­spre­chung des BAG ha­ben So­zi­alpläne ei­ne zu­kunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on. Geld­leis­tun­gen in Form ei­ner Ab­fin­dung stel­len kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit er­brach­ten Diens­te dar, son­dern sol­len die vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­nes durch Be­triebsände­rung ver­ur­sach­ten Ar­beits­platz­ver­lusts aus­glei­chen oder zu­min­dest ab­mil­dern. Die Be­triebs­par­tei­en können die­se Nach­tei­le auf Grund ih­res Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spiel­raums in ty­pi­sier­ter und pau­scha­lier­ter Form aus­glei­chen. Da­zu können sie die übermäßige Begüns­ti­gung, die älte­re Beschäftig­te mit langjähri­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit bei ei­ner am Le­bens­al­ter und an der Be­triebs­zu­gehörig­keit ori­en­tier­ten Ab­fin­dungs­be­rech­nung er­fah­ren, durch ei­ne Kürzung für ren­ten­na­he Jahrgänge zurückführen, um ei­ne aus Sicht der Be­triebs­par­tei­en ver­tei­lungs­ge­rech­te Ab­mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Be­triebsände­rung zu ermögli­chen (BAG 23. 3. 2010 - 1 AZR 832/08, NZA 2010, 774).
So­fern die Ver­ein­bar­keit des § 10 S. 3 Nr. 6 AGG mit Uni­ons­recht, ein wei­ter Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spiel­raum der Be­triebs­par­tei­en bei der Aus­ge­stal­tung des So­zi­al­plans so­wie der frühes­tens mögli­che Ren­ten­ein­tritt zu­grun­de zu le­gen ist, so ist da­von aus­zu­ge­hen. dass der Vor­sorg­li­che So­zi­al­plan vom 30.04.2004 und der Ergänzen­de So­zi­al­plan vom 13.03.08 wirk­sam sind. Da­nach wäre die Kla­ge in An­wen­dung der Grundsätze des BAG ab­zu­wei­sen.
V. Die vor­lie­gen­de Kam­mer hegt Zwei­fel, ob § 10 S. 3 Nr. 6 AGG, § 6 Punkt 1.5. des Vor-sorg­li­chen So­zi­al­plans vom 30.04.2004 so­wie § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans vom 13.03.2008 in Ein­klang mit dem Uni­ons­recht ste­hen.
Über den Wort­laut hin­aus fin­det § 10 S. 3 Nr. 6 AGG nicht nur auf den Aus­schluss von Beschäftig­ten von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans An­wen­dung, son­dern § 10 S. 3 Nr. 6 AGG lässt gemäß dem ob­jek­ti­ven Zweck und im Sin­ne ei­nes „ar­gur­nen­turn a maio­re ad mi­nus' auch Re­du­zie­run­gen der So­zi­al­plan­leis­tun­gen we­gen der be­vor­ste­hen­den Ren­ten­be­rech­ti­gung des Ar­beit­neh­mers zu. So­fern § 10 5. 3 Nr. 6 AGG nicht in Ein­klang mit dem Uni­ons­recht steht und da­her An­wen­dung fin­det, ist der Kla­ge statt­zu­ge­ben. Die Re­ge­lung § 6 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans kann sich nicht auf ei­ne mit Art. 1 und 16 RL 2000/ 78/EG un­ver­ein­ba­re Norm stützen. Im vor­lie­gen­den Fall er­gibt sich die Ren­ten­be­rech­ti­gung zu­dem aus ei­ner Schwer­be­hin­de­rung des Ar­beit­neh­mers, so dass nicht nur ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung son­dern auch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung in Be­tracht kommt. Die dis­kri­mi­nie­ren­de Be­gren­zung der So­zi­al­plan­ab­fin­dung wäre un­wirk­sam und die Ab­fin­dung nach oben an­zu­he­ben (vgl. Brors, Däublerl­Bertz­bach, 2. Auf­la­ge 2008, § 10 AGG Rn. 136).
So­fern § 6 Punkt 1.5. des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans vom 30.04.2004 so­wie § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans vom 13.03.2008 nicht in Ein­klang mit dem Uni­ons­recht ste­hen und da­her kei­ne An­wen­dung fin­den, ist der Kla­ge statt­zu­ge­ben.
So­weit er­sicht­lich hat der EuGH zur Fra­ge der uni­ons­recht­li­chen Zulässig­keit, ren­ten­na­he Jahrgänge von Leis­tun­gen ei­nes So­zi­al­plans aus­zu­sch­ließen, noch kei­ne Stel­lung ge­nom­men. Auf­grund der er­heb­li­chen Be­deu­tung für die be­trieb­li­che Pra­xis er­scheint ei­ne Klärung die­ser Rechts­fra­ge an­ge­zeigt.
Die Vor­la­ge­fra­ge 1) be­trifft die uni­ons­recht­li­che Zulässig­keit ei­ner in­ner­staat­li­chen Re­ge­lung, nach der ren­ten­na­he Jahrgänge von So­zi­al­plan­leis­tun­gen ganz oder zum Teil aus-ge­schlos­sen wer­den können.
Die ren­ten­na­hen Jahrgänge sind mit den übri­gen vorn So­zi­al­plan Be­trof­fe­nen ver­gleich­bar, da sie aus dem glei­chen Grund und un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­den. Ih­re Le­bens­si­tua­ti­on ist nicht so un­ter­schied­lich, dass kei­ne Ver­gleich­bar­keit be­steht (so aber Mohr. RdA 2010, 44).
Die Re­ge­lung des § 10 S. 3 Nr. 6 AGG ermöglicht dis­kri­mi­nie­ren­de So­zi­al­plan­re­ge­lun­gen zu Las­ten älte­rer Ar­beit­neh­mer, weil sie al­lein we­gen des Al­ters bei der Be­mes­sung der So­zi­al­plan­leis­tun­gen schlech­ter be­han­delt wer­den als jünge­re Ar­beit­neh­mer. Frag­lich ist, ob die­se Re­ge­lung nach Art. 6 RL 2000/78/EG der Richt­li­nie aus Gründen der Beschäfti­gungs­po­li­tik und des Ar­beits­mark­tes ge­recht­fer­tigt ist und ob sie zu­dem auch ein an­ge­mes­se­nes Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Zie­les dar­stellt. Ab­fin­dungs­for­meln, die ver­su­chen, die Leis­tun­gen an­hand der mit ho­her Wahr­schein­lich­keit zu er­war­ten­den zukünf­ti­gen tat-sächli­chen Nach­tei­le zu be­mes­sen, dis­kri­mi­nie­ren in drei­fa­cher Hin­sicht we­gen des Le­bens­al­ters. Ers­tens knüpfen sie un­mit­tel­bar an das Le­bens­al­ter an, zwei­tens an der Ren­ten­be­rech­ti­gung. Und drit­tens re­sul­tiert ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung aus dem Um­stand, dass die Ab­fin­dun­gen der übri­gen Ar­beit­neh­mer deut­lich höher aus­fal­len (Tem­ming, RdA 2008, 205).
In der Ent­schei­dung vom 12.10.2010 (C-499/08) ist der EuGH von fol­gen­dem Über­le­gun­gen aus­ge­gan­gen: Gemäß Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 können Un­gleich­be­hand­lun­gen in Ab­wei­chung vom Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters durch Zie­le ge­recht­fer­tigt sein, die mit der Fest­le­gung be­son­de­rer Beschäfti­gungs-und Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließlich der Be­din­gun­gen für Ent­las­sung und Ent­loh­nung in Zu­sam­men­hang ste­hen, um die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung von älte­ren Ar­beit­neh­mern zu fördern oder ih­ren Schutz si­cher­zu­stel­len. Wei­ter ist zu prüfen, ob die Mit­tel, die zur Ver­wirk­li­chung die­ser Zie­le ein­ge­setzt wer­den, die­ser Vor­schrift ent­spre­chend "an­ge­mes­sen und er­for­der­lich" sind. In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten über ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum bei der Wahl der Maßnah­men zur Er­rei­chung ih­rer Zie­le im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik verfügen. Die­ser Wer­tungs­spiel­raum darf je­doch
nicht da­zu führen, dass der Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters aus­gehöhlt wird.
Des Wei­te­ren hat der EuGH im Grund­satz an­er­kannt, dass das Recht der älte­ren Ar­beit­neh­mer auf Be­rufstätig­keit ver­letzt sein kann, falls sie von Ent­las­sungs­ab­fin­dun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den. In der Ent­schei­dung vom 12.10.2010 (C-499/08, NZA 2010, 1341) be­ur­teil­te der EuGH ei­ne na­tio­na­len Re­ge­lung als uni­ons­rechts­wid­rig, nach der Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen können, die von ih­rem Ar­beit­ge­ber aus ei­nem Ren­ten­sys­tem ge­zahlt wird, dem sie vor Voll­endung ih­res 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten sind, al­lein aus die­sem Grund ei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung nicht be­zie­hen können, die da­zu be­stimmt ist. die be­ruf­li­che Wie­der­ein­glie­de­rung von Ar­beit­neh­mern mit ei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit von mehr als zwölf Jah­ren zu fördern. Die­se Maßnah­me er­schwe­re Ar­beit­neh­mern, die be­reits ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen können, die wei­te­re Ausübung ih­res Rechts, zu ar­bei­ten, weil sie beim Über­gang in ein neu­es Beschäfti­gungs­verhält­nis - im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ar­beit­neh­mern mit gleich lan­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit - kei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung er­hal­ten. Außer­dem ver­wehrt es die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me ei­ner gan­zen durch das Kri­te­ri­um des Al­ters de­fi­nier­ten Ka­te­go­rie von Ar­beit­neh­mern, vorüber­ge­hend auf die Zah­lung ei­ner Al­ters­ren­te durch ih­ren Ar­beit­ge­ber zu­guns­ten der Gewährung der Ent­las­sungs­ab­fin­dung zu ver­zich­ten, die da­zu be­stimmt ist, ih­nen zu hel­fen. ei­ne neue Stel­le zu fin­den. Sie kann so­mit die­se Ar­beit­neh­mer zwin­gen, ei­ne nied­ri­ge­re Al­ters­ren­te an­zu­neh­men als die, die sie be­an­spru­chen könn­ten, wenn sie bis in ein höhe­res Al­ter be­rufstätig blie­ben, was für sie ei­nen auf lan­ge Sicht er­heb­li­chen Ein­kom­mens­ver­lust nach sich zöge.
Der Aus­schluss ren­ten­na­her Jahrgänge von So­zi­al­plan­leis­tun­gen bzw. die Ver­min­de­rung der Leis­tun­gen er­fol­gen im Hin­blick dar­auf, dass Ar­beit­neh­mer, die — und sei es nach ei­ner vorüber­ge­hen­den Ar­beits­lo­sig­keit — ty­pi­scher­wei­se ge­rin­ge­re wirt­schaft­li­che Nach­tei­le er­lei­den als jünge­re Ar­beit­neh­mer, de­nen ei­ne lang­fris­ti­ge, wirt­schaft­lich nicht ab­ge­si­cher­te Zeit der Ar­beits­lo­sig­keit droht (BAG 20.01.2009 — 1 AZR 740/07, NZA 2009, 495). Mit an­de­ren Wor­ten: Auf­grund der Ren­ten­be­rech­ti­gung ist die Ge­fahr ver­min­dert, ei­nen länge­ren Zeit­raum der Ar­beits­lo­sig­keit über­brücken zu müssen. Ein wei­te­res Ziel, wel­ches in § 10 S. 3 Nr. 6 AGG zum Aus­druck kommt, ist die Ver­mei­dung ei­ner Über­ver­sor­gung des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers (Tem­ming, RdA 2008, 205).
Es ist al­ler­dings frag­lich, ob dies als sach­li­cher Grund gemäß Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG aus­reicht. Primäres Ziel für die Schaf­fung ei­ner Richt­li­nie zur ein­heit­li­chen Bekämp­fung von Dis­kri­mi­nie­run­gen in der Eu­ropäischen Uni­on war es, si­cher­zu­stel­len, dass ein möglichst ho­her Pro­zent­satz der Per­so­nen im er­werbsfähi­gen Al­ter tatsächlich ei­ner Beschäfti­gung nach­geht (KOM [1999] S. 565 endgültig S. 3). Nach dem Ge­set­zes­wort­laut des in­ner­staat­li­chen § 10 S. 3 Nr. 6 AGG sind der Aus­schluss bzw. die Ver­min­de­rung der So­zi­al­plan­leis­tun­gen im Hin­blick auf je­de Art der Ren­ten­be­rech­ti­gung zulässig. In­so­fern be­steht für den älte­ren Art­neh­mer oft­mals die wirt­schaft­li­che Not­wen­dig­keit, ei­ne Frühver­ren­tung zu be­an­tra­gen und die da­mit ver­bun­de­nen Ein­bußen hin­zu­neh­men. So hat der Ge­setz­ge­ber ins­be­son­de­re die Möglich­keit vor­ge­se­hen, ei­ne vor­zei­ti­ge Al­ters­ren­te we­gen Er­werbs­lo­sig­keit gemäß § 237 SGB VI zu be­an­tra­gen. Auf­grund des Aus­schluss bzw. der Ver­min­de­rung der So­zi­al­plan­leis­tun­gen ste­hen da­her älte­re Ar­beit­neh­mer dem Ar­beits­markt in ge­rin­ge­rem Um­fang zur Verfügung, als oh­ne die­se Re­ge­lung der Fall wäre.
Hin­sicht­lich der An­ge­mes­sen­heit wird ar­gu­men­tiert, dass die So­zi­al­part­ner mit der Kürzung von So­zi­al­plan­ansprüchen für ren­ten­na­he Jahrgänge das Ziel ver­fol­gen, die be­grenz­ten Mit­tel ei­nes So­zi­al­plans so zu ver­tei­len, dass die­ser sei­ner Über­brückungs­funk­ti­on für al­le Ar­beit­neh­mer — nicht nur für die Älte­ren — erfüllen kann. Es sei so­mit nicht nur für den ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer, son­dern auch volks­wirt­schaft­lich und ar­beits­markt­po­li­tisch nach­voll­zieh­bar, wenn jünge­re Ar­beit­neh­mer bei Be­triebsände­run­gen aus­rei­chen­de Über­brückungs­leis­tun­gen er­hiel­ten, um nicht aus fi­nan­zi­el­ler Be­dräng­nis ge­zwun­gen zu sein, „die erst­bes­te Ar­beit" an­zu­neh­men. Da­bei sei die ty­pi­sie­ren­de Einschätzung der Be­triebs­par­tei­en plau­si­bel. dass Ar­beit­neh­mern, die bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses An­spruch auf vor­ge­zo­ge­ne Al­ters­ren­te ha­ben, ge­rin­ge­re wirt­schaft­li­che Nach­tei­le als an­de­ren dro­hen, wes­halb ih­nen an­ge­sichts der zu­kunfts­ge­rich­te­ten Über­brückungs­funk­ti­on von So­zi­alplänen le­dig­lich ge­wis­se Aus­gleichs­beträge zu­ste­hen. So sei die Kürzung bzw. der Aus­schluss von Ab­fin­dun­gen ge­eig­net, das zulässi­ge Ziel der ver­tei­lungs­ge­rech­ten Über­brückung zwi­schen Jung und Alt zu er­rei­chen. Die Un­gleich­be­hand­lung der älte­ren Ar­beit­neh­mer sei auch er­for­der­lich, da an­ge­sichts der be­grenz­ten So­zi­al­plan­mit­tel kei­ne mil­de­re Maßnah­me er­sicht­lich ist, um die­je­ni­gen Beschäftig­ten, die nicht durch ei­nen Ren­ten­an­spruch ab­ge­si­chert sind, in glei­cher Wei­se adäquat ab­zu­si­chern (Mohr, RdA 2010, 44). Zu­dem wird vor­ge­bracht, dass das be­reit ge­stell­te, be­grenz­te Fi­nanz­vo­lu­men zur Mil­de­rung der Nach­tei­le möglichst ge­recht auf al­le Ar­beit­neh­mer ver­teilt wer­den
soll­te. Ge­he es um die Mil­de­rung ge­genwärti­ger und zukünf­ti­ger Nach­tei­le, ha­ben die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer ei­nen größeren fi­nan­zi­el­len Über­brückungs­be­darf, die we­der ren­ten­be­rech­tigt sind noch zu den ren­ten­na­hen Jahrgängen gehören (Tem­ming, RdA 2008, 205).
Selbst wenn hin­sicht­lich der Dis­kri­mi­nie­rung der älte­rer Ar­beit­neh­mer bei den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans auch die Kom­pen­sa­ti­on durch an­der­wei­ti­ge staat­li­che Leis­tun­gen an­zu­er­ken­nen ist (Brors, Däubler/Bertz­bach, 2. Auf­la­ge 2008, § 10 AGG Rn. 135), so ist wie­der­um zu berück­sich­ti­gen, dass die Frühver­ren­tung, wel­che bei der Be­rech­nung der So­zi­al­plan­leis­tun­gen zu Grun­de ge­legt wird, wie­der­um mit er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Ein­bußen ver­bun­den ist (§ 77 SGB VI). Den vor­ge­zo­ge­nen Ren­ten­ein­tritt „be­zahlt' der so­zi­al­ver­si­cher­te Ar­beit­neh­mer mit ei­nem deut­lich ver­rin­ger­ten Ren­ten­ni­veau. Ge­gen die An­ge­mes­sen­heit spricht al­so der un­mit­tel­ba­re Ver­gleich zwi­schen Ar­beit­neh­mern un­ter­schied­li­chen Al­ters. Ein 57jähri­ger und 30 Jah­re im Un­ter­neh­men beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer kann mit dem Hin­weis auf Beschäfti­gungs­po­li­tik oder Ar­beits­mark­chan­cen kein Verständ­nis dafür auf­brin­gen, dass er bei glei­cher Be­triebs­zu­gehörig­keit bei der So­zi­al­plan­be­rech­nung mit ei­ner nied­ri­ge­ren Ab­fin­dung rech­nen muss als ein 54jähri­ger Kol­le­ge (Leuch­ten, NZA 2002, 1254). Bei­de Ar­beit­neh­mer ha­ben bis zur Re­gel­al­ters­ren­te ei­nen er­heb­li­chen Zeit­raum zu über­brücken und sind so­wohl von ih­ren Er­werbs­chan­cen als auch in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht ver­gleich­bar.
Frag­lich ist zu­dem die Er­for­der­lich­keit der durch die Ver­wen­dung un­ter­schied­li­cher Ab­fin­dungs­for­meln für ren­ten­na­he Jahrgänge und für die übri­gen Ar­beit­neh­mer be­wirk­ten Dis­kri­mi­nie­rung. Denn es gibt an­de­re, gleich ge­eig­ne­te und we­ni­ger ein­schnei­den­de Mit­tel, die­ses Ziel zu er­rei­chen, oh­ne dafür bspw. an das un­mit­tel­bar dis­kri­mi­nie­ren­de Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um der Ren­tennähe bzw. Ren­ten­be­rech­ti­gung an­zu­knüpfen. Ein sol­ches Mit­tel ist bspw. ei­ne un­ter­schieds­los aus­ge­stal­te­te Höchst­be­trags­klau­sel.
Selbst wenn die un­mit­tel­bar dis­kri­mi­nie­ren­de Ver­wen­dung zwei­er Ab­fin­dungs­for­meln als er­for­der­lich an­ge­se­hen wer­den soll­te, ist die An­ge­mes­sen­heit frag­lich, weil ge­ra­de bei älte­ren Ar­beit­neh­mern mit lan­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit die Ziel­er­rei­chung (Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit we­gen be­grenz­ter Fi­nanz­mit­tel) außer Verhält­nis zum be­rech­ne­ten Wert ih­res Be­stands­schut­zes stünde. Denn ihr jah­re­lang er­ar­bei­te­ter Be­stands­schutz würde durch die Ver­wen­dung der für sie ein­schlägi­gen For­mel er­heb­li­chen ent­wer­tet. Die­se Ver­zer­rung
der Ab­fin­dungs­funk­ti­on ist im Verhält­nis zum Ziel der Maßnah­me un­an­ge­mes­sen (Tem­ming, RdA 2008. 205).
Art. 6 Abs. 1 S. 2 Buchst. a RE 2000178/EG ver­mag die Be­nach­tei­li­gung nicht zu recht­fer­ti­gen, da es nach dem Wort­laut der Be­stim­mung um die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung von „Ju­gend­li­chen" geht und nicht um den Schutz der re­la­tiv le­bensjünge­ren vor den älte­ren Ar­beit­neh­mern (Schlach­ter, Er­fur­ter Kom­men­tar, 11. Auf­la­ge 2011, § 10 AGG Rn. 12).
Die Vor­la­ge­fra­ge 2) berührt die uni­ons­recht­li­che Zulässig­keit ei­ner in­ner­staat­li­chen Re­ge­lung, nach der ren­ten­na­he Jahrgänge, de­ren Ren­ten­be­rech­ti­gung auf ei­ner Be­hin­de­rung be­ruht, von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den können. Die Re­ge­lung des § 10 S. 3 Nr. 6 AGG lässt ei­nen Aus­schluss von So­zi­al­plan­leis­tun­gen bzw. die Ver­min­de­rung von So­zi­al­plan­leis­tun­gen auch dann zu, wenn die Ren­ten­be­rech­ti­gung gemäß § 236a SGB VI aus ei­ner Schwer­be­hin­de­rung folgt.
Nach der De­fi­ni­ti­on der EuGH er­fasst „Be­hin­de­rung" je­de Ein­schränkung, die ins­be­son­de­re auf phy­si­sche, geis­ti­ge oder psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen zurück­zuführen ist, ein Hin­der­nis für die Teil­ha­be des Be­tref­fen­den am Be­rufs­le­ben bil­det und wahr­schein­lich von lan­ger Dau­er ist (EuGH 11.7.2006 - C-13/05, NZA 2006, 839). Die Richt­li­nie 2000/78/EG soll Dis­kri­mi­nie­run­gen be­stimm­ter Art in Beschäfti­gung und Be­ruf bekämp­fen. in die­sem Zu­sam­men­hang ist der Be­griff „Be­hin­de­rung" so zu ver­ste­hen, dass er ei­ne Ein­schränkung er­fasst, die ins­be­son­de­re auf phy­si­sche, geis­ti­ge oder psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen zurück­zuführen ist und die ein Hin­der­nis für die Teil­ha­be des Be­tref­fen­den am Be­rufs­le­ben bil­det (EuGH 11.7.2006 - C-13/05, NZA 2006, 839).
In­so­fern wird ar­gu­men­tiert, es lie­ge kei­ne un­zulässi­ge Be­nach­tei­li­gung vor. Schwer­be­hin­der­te müss­ten in Fol­ge ih­rer so­zi­al­recht­li­chen Begüns­ti­gung, früher ei­ne Al­ters­ren­te be­an­spru­chen zu können, ar­beits­recht­li­che Nach­tei­le hin­neh­men, wenn Klau­seln in So­zi­alplänen ei­ne ent­spre­chen­de Kürzungsmöglich­keit für ren­ten­na­he Jahrgänge vor­se­hen. Mit Ar­beit­neh­mern, die kei­nen der­ar­ti­gen Ren­ten­an­spruch ha­ben, sei­en Schwer­be­hin­der­te nicht ver­gleich­bar (Mohr, RdA 2010, 44).
Dies über­zeugt nicht. Viel­mehr er­gibt sich die Be­nach­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten dar­aus. dass ih­re Teil­ha­bemöglich­kei­ten am Be­rufs­le­ben auf­grund des § 10 S. 3 Nr. 6 AGG ver­min­dert wer­den. Schwer­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer sind — falls sie nicht zeit­nah ei­ne An­schluss­beschäfti­gung fin­den früher als gleich­alt­ri­ge Kol­le­gen oh­ne Schwer­be­hin­de­rung ge­zwun­gen, ei­ne Al­ters­ren­te zu be­an­tra­gen und aus dem Er­werbs­le­ben aus­zu­schei­den. Denn die höhe­ren, re­gulären So­zi­al­plan­leis­tun­gen ermögli­chen gleich­alt­ri­gen Kol­le­gen oh­ne Schwer­be­hin­de­rung, ei­ne länge­re Zeit oh­ne Er­werbs­ein­kom­men zu über­brücken und ak­tiv nach ei­ner neu­en Beschäfti­gung zu su­chen.Fer­ner könn­te ei­ne un­ge­recht­fer­tig­te Be­nach­tei­li­gung schwer­be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer dar­auf be­ru­hen, dass sie ge­zwun­gen sind, hin­sicht­lich der Ren­tenhöhe er­heb­li­che Ein­bußen in Kauf zu neh­men.
Die Vor­la­ge­fra­ge 3) stellt die uni­ons­recht­li­che Zulässig­keit der Ab­fin­dungs­re­ge­lung ei­nes So­zi­al­plans in Fra­ge, der für Ar­beit­neh­mer ab 54 Jah­ren in Abhängig­keit von dem frühes­tens mögli­chen Ren­ten­ein­tritt ge­rin­ge­re Zah­lun­gen vor­sieht.
Ei­ne Be­nach­tei­li­gung könn­te sich im Zu­sam­men­wir­ken von Ren­ten­sys­tem und So­zi­al­plan er­ge­ben. Das in­ner­staat­li­che Ren­ten­recht ermöglicht in be­stimm­ten Fällen ei­ne Frühver­ren­tung (bspw. we­gen Ar­beits­lo­sig­keit gemäß § 237 SGB VI), da­mit ver­min­dern sich die Ren­ten­zah­lun­gen um mit Ab­schläge (§ 77 SGB VI). Die Ab­fin­dungs­sum­me wird im Hin­blick auf den frühes­tens mögli­chen Ren­ten­ein­tritt des Ar­beit­neh­mers gekürzt gemäß § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans vom 13,03.2008. Im Ver­gleich zu der Be­rech­nung der Ab­fin­dung für Ar­beit­neh­mer un­ter 55 Jah­ren kann sich die Ab­fin­dungs­sum­me hal­bie­ren.
Kon­se­quenz des­sen ist. dass die Ausübung des Rechts, zu ar­bei­ten, er­schwert sein kann, weil ei­nem Ar­beit­neh­mer, der zur Frühver­ren­tung be­rech­tigt ist, we­ni­ger Mit­tel zur Verfügung ste­hen, um Zei­ten der Ar­beits­lo­sig­keit zu über­brücken. Zu­dem kann der Ar­beit­neh­mer aus wirt­schaft­li­chen Gründen ge­zwun­gen sein, früher ei­ne Al­ters­ren­te zu be­an­tra­gen und die da­mit ver­bun­de­nen Ab­schläge in Kauf zu neh­men.
Die Vor­la­ge­fra­ge 4) stellt die uni­ons­recht­li­che Zulässig­keit der Ab­fin­dungs­re­ge­lung ei­nes So­zi­al­plans in Fra­ge, der für Ar­beit­neh­mer ab 54 Jah­ren in Abhängig­keit von dem frühes­tens mögli­chen Ren­ten­ein­tritt we­gen ei­ner Be­hin­de­rung ge­rin­ge­re Zah­lun­gen vor­sieht.
Im Aus­gangs­fall könn­te sich ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung im Zu­sam­men­wir­ken von Ren­ten­sys­tem und So­zi­al­plan er­ge­ben. Das in­ner­staat­li­che Ren­ten­recht ermöglicht es dem schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer, vor Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­ne Ren­te zu be­an­tra­gen, da­mit ver­min­dern sich die Ren­ten­zah­lun­gen um mit Ab­schläge (§ 77 SGB VI). Die Ab­fin­dungs­sum­me wird gemäß § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans vom 13.03.2008 im Hin­blick auf den frühes­tens mögli­chen Ren­ten­ein­tritt des Ar­beit­neh­mers gekürzt. Im Ver­gleich zu der Ab­fin­dung für Ar­beit­neh­mer un­ter 55 Jah­ren kann sich die Ab­fin­dungs­sum­me hal­bie­ren.
Kon­se­quenz des­sen ist, dass die Ausübung des Rechts, zu ar­bei­ten, er­schwert sein kann, weil ei­nem Ar­beit­neh­mer, der zur Frühver­ren­tung be­rech­tigt ist, we­ni­ger Mit­tel zur Verfügung ste­hen, Zei­ten der Ar­beits­lo­sig­keit zu über­brücken. Auch im Ver­gleich zu Kol­le­gen oh­ne Schwer­be­hin­de­rung ist ein schwer­be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer im An­wen­dungs­be­reich des vor­lie­gen­den So­zi­al­plans er­heb­lich be­nach­tei­ligt, weil der nicht schwer­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer erst deut­lich später ei­ne Al­ters­ren­te be­an­spru­chen kann und aus die­sem Grun­de ei­ne er­heb­lich höhe­re So­zi­al­plan­ab­fin­dung gemäß § 6 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans erhält.
B-Stadt, den 17.02.2011
Dr. Rei­benRich­ter am Ar­beits­ge­richt	m.hensche.de
zur Übersicht 22 Ca 8260/10 Kontakt

References: Art. 1
 Art. 16
 Art. 6
 Art. 1
 Art. 16
 Art. 1
 Art. 16
 Art. 6
 Art. 1
 Art. 16
 § 148
 Art. 234
 EuGH 
 § 9
 EuGH 
 § 8
 § 6
 § 5
 § 6
 § 6
 § 6
 § 6
 § 7

§ 7
 § 6
 § 6
 § 8
 § 236
 § 235
 § 6
 § 6
 § 6
 § 10
 Art. 6

§ 10

§ 10
 Art. 6
 § 10
 § 10
 § 10
 § 10
 § 6
 § 7
 § 10
 § 10
 § 10
 § 6
 Art. 1
 § 10
 § 6
 § 7
 EuGH 
 § 10
 Art. 6
 EuGH 
 Art. 6
 EuGH 
 EuGH 
 § 10
 Art. 6
 § 10
 § 237
 § 10

Art. 6
 § 10
 § 10
 § 236
 EuGH 
 § 10
 § 237
 § 7
 § 7
 § 6