Source: https://stjosef.at/dokumente/gemeindegottesdienst_ohne_priester.htm
Timestamp: 2019-01-20 12:37:19+00:00

Document:
﻿ Kongr. für d. Gottesdienst u. d. Sakramentenordnung: Direktorium Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester
(2. Juni 1988)
Einführung der Deutschen Bischofskonferenz
1. Wegen der veränderten pastoralen Situation mußten sich zu Beginn der siebziger Jahre einige Diözesen im Gebiet der Deutschen Bischofskonferenz mit der Frage des sonntäglichen Gottesdienstes in jenen Gemeinden befassen, in denen vorübergehend oder auch längerfristig die Zahl der Eucharistiefeiern im bisherigen Umfang nicht aufrechterhalten werden konnte.
In ihrem Beschluß „Gottesdienst“ vom 21.11.1975 hat auch die Gemeinsame Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland Überlegungen und Richtlinien für „Sonntäglichen Gemeindegottesdienst ohne Priester“ verabschiedet. Hinsichtlich der liturgischen Gestaltung dieser Sonntagsgottesdienste, die wegen Fehlens eines Priesters nicht als Eucharistiefeier gehalten werden können, hat die Synode einige allgemeine Hinweise gegeben und darüber hinaus gewünscht, „daß für das deutsche Sprachgebiet gemeinsame Grundmodelle ... erarbeitet werden“. In einer Anzahl von Bistümern, in denen sich eine Notwendigkeit für sonntägliche Gemeindegottesdienste ohne Priester ergab, wurden den jeweiligen Verhältnissen entsprechende Weisungen veröffentlicht.
2. Die Deutsche Bischofskonferenz hat erneut 1983 eingehend die dogmatischen, rechtlichen, pastoralen und liturgischen Aspekte des Problems studiert und für ihr Gebiet einige prinzipielle Empfehlungen für die Feier sonntäglicher Gemeindegottesdienste ohne Priester verabschiedet, die den diözesanen Regelungen zugrunde gelegt werden sollten.
3. Unter dem Datum des 2. Juni 1988 hat die Kongregation für den Gottesdienst ein „Directorium de celebrationibus dominicalibus absente presbytero“ veröffentlicht. Es behandelt diese Art von Gottesdiensten mit Blick auf die lateinische Weltkirche und enthält wichtige pastorale Hinweise und liturgische Anregungen, ohne jedoch für alle Verhältnisse eine verbindliche Regelung treffen oder neue kirchenrechtliche Bestimmungen einführen zu wollen.
Das römische Dokument weist ausdrücklich auf das Recht der Bischofskonferenzen und Bischöfe hin, genauere Richtlinien für diese Art von sonntäglichen Gottesdiensten zu erlassen (Nr. 7; 24; 41).
In vielen entscheidenden Aussagen stimmen die Weisungen der deutschen Diözesen und das römische Direktorium überein.
Die bisherigen diözesanen Regelungen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz werden durch das Direktorium nicht außer Kraft gesetzt. Zum angemessenen Zeitpunkt werden sie gemäß Entscheidung des Diözesanbischofs unter Verwertung der inzwischen gesammelten Erfahrungen überarbeitet.
4. Die Deutsche Bischofskonferenz empfiehlt das Studium des Direktoriums der Gottesdienstkongregation allen, die sich mit Fragen des Sonntagsgottesdienstes ohne Priester zu beschäftigen haben.
Besondere Beachtung verdienen im 1. Kapitel die Nr. 8–17 mit ihren theologischen und pastoralen Erwägungen zur Bedeutung des Sonntags und der sonntäglichen Eucharistiefeier.
Unter den „Allgemeinen Bestimmungen“ im II. Kapitel sieht das Direktorium die Möglichkeit von Sakramentenfeiern am Sonntag vor (Nr. 20). Bei der vorausgesetzten Abwesenheit eines Priesters kann es sich nur um Tauf- und Trauungsfeiern handeln, die von Diakonen — in einigen Teilen der Kirche auch von Laien — geleitet werden können. Die Deutsche Bischofskonferenz sieht für ihren Bereich nicht die Notwendigkeit einer solchen Beauftragung von Laien.
Was die durch den Pfarrer zu benennenden Leiter/innen von sonntäglichen Gemeindegottesdiensten betrifft, die auch die Heilige Kommunion austeilen (Nr. 30), so bleibt es in den Diözesen der Deutschen Bischofskonferenz bei den bisherigen Regelungen bezüglich der Beauftragung zur Leitung von Sonntagsgottesdiensten ohne Priester und für den Kommunionhelferdienst.
Bei der Beschreibung der einzelnen Elemente eines sonntäglichen Gemeindegottesdienstes anstelle einer Messe, die das Direktorium im III. Kapitel bietet, verdient der Hinweis besondere Beachtung, daß keine für die Messe typischen Teile, wie z.B. Gabenbereitung und Eucharistisches Hochgebet, vorkommen dürfen (Nr. 35). Jede Gefahr einer Verwechslung dieser Art von Gottesdienst mit einer Meßfeier ist zu vermeiden (vgl. auch Nr. 22; 23; 45).
Was die Verkündigung nach den Schriftlesungen betrifft, so gilt neben der in Nr. 43 des Direktoriums erwähnten Möglichkeit einer „Erklärung der Lesungen“ weiter der Beschluß der Deutschen Bischofskonferenz vom 24. Februar 1988, wonach katholische Laien (Männer und Frauen) „bei Wortgottesdiensten am Sonntag ohne Priester, sofern keine Eucharistie gefeiert werden kann“, mit dem Predigtdienst beauftragt werden können.
5. Besonders zu beherzigen bleibt der Hinweis des Direktoriums: „Den Gläubigen muß der Ersatzcharakter derartiger Feiern klar sein, damit sie diese nicht für eine optimale Lösung der heutigen Schwierigkeiten oder für ein Zugeständnis an die Bequemlichkeit halten“ (Nr. 21). Gerade der Sonntag ist ja der Tag, an dem die Kirche sich zur Feier des Pascha-Mysteriums versammelt, um — wie die Liturgiekonstitution in Art. 6 erklärt hat, — „dabei zu lesen, ‚was in allen Schriften von ihm geschrieben steht‘ (Lk 24 27), die Eucharistie zu feiern, in der ‚Sieg und Triumph seines Todes dargestellt werden‘ ... und zugleich ‚Gott für die unsagbar große Gabe dankzusagen‘ (2 Kor 9,15), in Christus Jesus ‚zum Lob seiner Herrlichkeit‘ (Eph 1,12).“
Aufgrund ähnlicher Überlegungen hat die Würzburger Synode 1975 erklärt: „Bei all den notwendigen Bemühungen um einen Sonntäglichen Gottesdienst ohne Priester muß deutlich bleiben, daß es sich um eine Notsituation handelt, die alle zur Sorge um genügend Priester aufruft“.
Direktorium Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester“
1. Die Kirche Christi kommt seit der Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingsttag zur Feier des österlichen Mysteriums immer gläubig an dem Tag zusammen, der im Gedenken an die Auferstehung des Herrn „Herrentag“ genannt wird. In der sonntäglichen Versammlung liest die Kirche, was in der gesamten Schrift über Christus steht[1], und feiert die Eucharistie als Gedächtnis des Todes und der Auferstehung des Herrn, bis er wiederkommt.
3. In manchen Gegenden haben die Bischöfe nach der Erstverkündigung Katechisten beauftragt, die Gläubigen am Sonntag zu versammeln und ihr Gebet — in Form von Andachten — zu leiten. Denn mancherorts lebten die Christen, die an Zahl stark zugenommen hatten, weit verstreut auseinander, so daß nicht jeden Sonntag ein Priester zu ihnen kommen konnte.
4. An anderen Orten wird es den Gläubigen auf Grund von Christenverfolgungen oder anderen schwerwiegenden Einschränkungen der Religionsfreiheit völlig untersagt, sich am Sonntag zu versammeln. Und wie einst Christen wegen der Teilnahme an der sonntäglichen Versammlung das Martyrium auf sich nahmen[3], so gibt es auch heute Gläubige, die unter großen Schwierigkeiten am Sonntag zum Gebet in der Familie oder in kleinen Gruppen auch ohne Anwesenheit eines Priesters zusammenkommen.
Der Sonntag und die Feier des Sonntags
9. Ausdrückliche Zeugnisse von der Versammlung der Gläubigen an dem Tag, der schon im Neuen Testament als „Herrentag“ bezeichnet wird[6], finden sich in frühen Dokumenten des ersten und zweiten Jahrhunderts[7]. Unter ihnen ragt das Zeugnis des heiligen Justin heraus: „Am Sonntag, wie dieser Tag genannt wird, kommen aus Stadt und Land alle an einem Ort zusammen …“[8] Jener Tag, an dem sich die Christen versammelten, fiel jedoch nicht zusammen mit den Feiertagen des griechischen und römischen Kalenders und wurde darum für die Mitbürger gewissermaßen zu einem Unterscheidungsmerkmal der Christen.
10. Von den ersten Jahrhunderten an haben die Hirten niemals aufgehört, die Gläubigen mahnend auf die Notwendigkeit der Zusammenkunft am Herrentag hinzuweisen: „Laßt euch also, da ihr Glieder Christi seid, nicht von der Kirche trennen, indem ihr nicht zusammen kommt ...; laßt nicht zu, daß die Glieder ihren Retter nicht kennen oder ihm fremd werden, und laßt nicht zu, daß sein Leib auseinandergerissen und zerstreut wird …“[9] Daran hat das Zweite Vatikanische Konzil mit den Worten erinnert: „An diesem Tag müssen die Christgläubigen zusammenkommen, um das Wort Gottes zu hören, an der Eucharistiefeier teilzunehmen und so des Leidens, der Auferstehung und der Herrlichkeit des Herrn Jesus zu gedenken und Gott dankzusagen, der sie ‚wiedergeboren hat zu lebendiger Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten‘ (1 Petr
1,3)“.[10]
11. Die Bedeutung der Feier des Sonntags für das Leben der Gläubigen beschreibt Ignatius von Antiochien so: „Die Christen feiern nicht mehr den Sabbat, sondern leben gemäß dem Herrentag, aus dem unser Leben durch Christus und seinen Tod hervorgegangen ist“.[11] Das gläubige Empfinden hat die Christen in der Vergangenheit wie in der Gegenwart den Sonntag so hoch in Ehren halten lassen, daß sie ihn auch in Zeiten der Verfolgung oder in Kulturen, die dem christlichen Glauben fremd oder entgegengesetzt sind, als Tag des Herrn nicht aufgeben wollten.
a) die Versammlung der Gläubigen als Zeichen, daß die Kirche nicht aus sich selbst entsteht, sondern von Gott zusammengerufen ist, d.h. das organisch aufgebaute Volk Gottes, dem der Priester vorsteht, der die Person Christi, des Hauptes, vertritt.
13. Die Seelsorge muß vor allem darauf ausgerichtet sein, daß an jedem Sonntag das Meßopfer gefeiert wird, durch das allein das Pascha des Herrn wahrhaft fortdauert[12] und die Kirche in ihrer Fülle dargestellt wird. „Deshalb ist der Herrentag der Ur-Feiertag, den man der Frömmigkeit der Gläubigen eindringlich vor Augen stellen soll ... Andere Feiern sollen ihm nicht vorgezogen werden, wenn sie nicht wirklich von höchster Bedeutung sind; denn der Herrentag ist Fundament und Kern des ganzen liturgischen Jahres“[13].
14. Solche Grundsätze sind von Anfang an in der christlichen Unterweisung einzuprägen, damit die Gläubigen das Gebot der Sonntagsheiligung aus Einsicht befolgen und auch verstehen, warum sie jeden Sonntag — von der Kirche gerufen[14] und nicht bloß aus privater Frömmigkeit — zur Eucharistiefeier zusammenkommen. So werden die Gläubigen den Herrentag als ein Zeichen der Transzendenz Gottes über alle menschlichen Werke erfahren können und nicht nur als einen Ruhetag. Sie werden auch Stärkung aus der sonntäglichen Versammlung empfangen und nach außen zeigen, daß sie Glieder der Kirche sind.
16. Schließlich soll die Pastoral die Bestrebungen unterstützen, „die dahin zielen, daß der Sonntag ‚auch ein Tag der Freude und der Muße sei‘“[15]; er könnte in der heutigen Gesellschaft allen als ein Zeichen der Freiheit erscheinen und so als ein zum Wohl der menschlichen Person bestimmter Tag, die ohne Zweifel wichtiger ist als Geschäfte und Produktionsprozesse.[16]
17. Das Wort Gottes, die Eucharistie und der priesterliche Dienst sind Gaben, die der Herr seiner Braut, der Kirche, darbietet. Als Geschenke Gottes sind sie zu empfangen, ja zu erbitten. Die Kirche, die sich dieser Gaben vor allem in der sonntäglichen Versammlung erfreut, sagt in ihr Gott Dank und erwartet die ewige Freude des Tages des Herrn, „vor Gott, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Lamm“[17].
Allgemeine Bestimmungen für Sonntagsgottesdienste bei Abwesenheit eines Priesters
18. Wenn an einem Ort am Sonntag keine Messe gefeiert werden kann, ist zunächst zu überlegen, ob die Gläubigen eine in der Nachbarschaft gelegene Kirche aufsuchen können, um dort an der Feier der Eucharistie teilzunehmen. Diese Lösung ist auch heute noch zu empfehlen und — soweit möglich — beizubehalten. Erforderlich dafür ist, daß die Gläubigen — über die große Bedeutung der sonntäglichen Versammlung unterrichtet — sich den neuen Verhältnissen bereitwillig anpassen.
20. Von den verschiedenen Arten der Gottesdienste, die gemäß der liturgischen Überlieferung dann gehalten werden, wenn keine Meßfeier stattfinden kann, wird der Wortgottesdienst sehr empfohlen[18], der — wo es angemessen erscheint — durch die Kommunion abgeschlossen werden kann. So können die Gläubigen gleichzeitig mit dem Wort und dem Leib Christi genährt werden. „Wenn sie nämlich das Wort Gottes hören, erkennen sie, daß die Wundertaten des Herrn, die verkündigt werden, ihren Höhepunkt im Pascha-Mysterium erreichen, dessen Gedächtnis in der Messe sakramental gefeiert wird und an dem sie durch den Empfang der heiligen Kommunion teilhaben.“[19]
21. Den Gläubigen muß der Ersatzcharakter derartiger Feiern klar sein, damit sie sie nicht für eine optimale Lösung der heutigen Schwierigkeiten oder für ein Zugeständnis an die Bequemlichkeit halten[20]. Versammlungen und Zusammenkünfte dieser Art dürfen daher niemals an einem Sonntag an Orten gehalten werden, an denen am selben Tag schon eine Messe gefeiert wurde oder noch gefeiert wird oder am Vorabend gefeiert wurde, auch nicht in einer anderen Sprache; zudem sollten nicht mehrere derartige Versammlungen stattfinden.
23. Die Gläubigen müssen wissen, daß das eucharistische Opfer nicht ohne Priester möglich ist und daß die Kommunion, die sie bei Sonntagsgottesdiensten ohne Priester empfangen können, auf das engste mit dem Meßopfer verbunden ist. Von daher kann den Gläubigen deutlich gemacht werden, wie notwendig es ist, darum zu beten: „daß die Zahl der Ausspender der heiligen Geheimnisse wachse und sie in der Liebe des Herrn bleiben“.[21]
25. „Eine christliche Gemeinde wird nur auferbaut, wenn sie ihre Wurzel und ihren Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat.“[22] Bevor daher ein Bischof die Einführung sonntäglicher Versammlungen ohne Eucharistiefeier beschließt, soll er nicht nur die Organisation der Pfarreien überprüfen (vgl. Nr. 5), sondern auch die Möglichkeiten, auf Priester (auch Ordensleute) zurückzugreifen, die nicht direkt in der Seelsorge tätig sind; ebenso ist die Meßhäufigkeit in den verschiedenen Pfarreien und Kirchen zu überprüfen[23]. Die Feier der Eucharistie muß Vorrang vor anderen pastoralen Tätigkeiten behalten, vor allem am Sonntag.
26. Der Bischof soll persönlich oder durch jemand anderen die diözesane Gemeinschaft über die Gründe unterrichten, die zu solchen Maßnahmen führen, und dabei ihre Bedeutung aufzeigen sowie zur Solidarität und Zusammenarbeit auffordern. Er soll einen Beauftragten oder eine eigene Kommission einsetzen, die für die rechte Durchführung dieser Feiern sorgt. Er wähle Leute aus, die sich dieser Feiern annehmen, und er sorge dafür, daß sie entsprechend unterwiesen werden. Sein Bestreben sollte zugleich dahin gehen, daß die betroffenen Gläubigen mehrmals im Jahr auch an einer Eucharistiefeier teilnehmen können.
27. Aufgabe des Pfarrers ist es, den Bischof darüber zu unterrichten, ob in seinem Gebiet solche Feiern angebracht sind; er hat ferner die Gläubigen darauf vorzubereiten, sie zwischendurch an den Wochentagen zu besuchen und zu passenden Zeiten für sie die Sakramente, vor allem das der Buße, zu feiern. So wird eine solche Gemeinde wirklich erfahren können, daß sie sich am Sonntag nicht „ohne Priester“ versammelt, sondern nur „in seiner Abwesenheit“, besser noch „in seiner Erwartung“.
28. Wenn eine Messe nicht möglich ist, wird der Pfarrer dafür sorgen, daß die heilige Kommunion ausgeteilt werden kann. Er wird auch Vorsorge treffen, daß in jeder Gemeinde zu passenden Zeiten die Eucharistie gefeiert wird. Die konsekrierten Hostien sollen häufig erneuert und an einem sicheren Ort aufbewahrt werden.
29. Zum Vorsteherdienst für solche sonntäglichen Versammlungen sind als erste Helfer der Priester Diakone heranzuziehen. Weil nämlich der Diakon zur Leitung und Förderung des Wachstums des Volkes Gottes geweiht ist, kommt es ihm zu, das Gebet zu leiten, das Evangelium zu verkünden, die Homilie zu halten und die Kommunion auszuteilen[24].
Er soll zunächst Akolythen und Lektoren dafür heranziehen, die für den Dienst am Altar und am Wort Gottes beauftragt sind. Wenn keine zur Verfügung stehen, können andere Laien — Männer und Frauen — benannt werden, die diesen Dienst kraft Taufe und Firmung ausüben können[25]. Bei ihrer Auswahl ist auf ihre Lebensführung zu achten, die mit dem Evangelium übereinstimmen muß; es soll auch darauf geachtet werden, daß sie von den Gläubigen angenommen werden. Die Benennung für diesen Dienst soll gewöhnlich für eine bestimmte Zeitdauer gelten und der Gemeinde bekanntgegeben werden. Es ist angebracht, daß in einem Gottesdienst für sie gebetet wird[26].
31. Die benannten Laien sollen die ihnen anvertraute Aufgabe nicht nur als Ehre, sondern mehr noch als Verpflichtung ansehen, vor allem als Dienst — unter der Leitung des Pfarrers — für ihre Brüder und Schwestern. Es handelt sich ja nicht um eine ihnen eigene Aufgabe, sondern um eine Vertretung, die sie wahrnehmen, „wo es ein Bedarf der Kirche nahelegt, weil für diese Dienste Beauftragte nicht zur Verfügung stehen“[27].
Sie sollen „nur das und all das tun, was zu dem anvertrauten Dienst gehört“[28]. Sie sollen ihre Aufgabe in aufrichtiger Frömmigkeit und in Ordnung erfüllen, wie sie ihrem Dienst ziemt und wie sie das Volk Gottes mit Recht von ihnen verlangt[29].
32. Wenn am Sonntag ein Wortgottesdienst mit Austeilung der heiligen Kommunion nicht stattfinden kann, wird den Gläubigen sehr empfohlen, „daß sie sich eine entsprechende Zeit lang dem persönlichen Gebet oder dem Gebet in der Familie oder gegebenenfalls in Familienkreisen widmen“[30]. In diesen Fällen können auch Radio- oder Fernsehübertragungen von Gottesdiensten eine Hilfe sein.
33. Vor allem soll man die Möglichkeit in Betracht ziehen, einen Teil der Stundenliturgie — z. B. die Laudes oder die Vesper — zu feiern, in die auch die Sonntagslesungen eingefügt werden können. Denn wenn „die Gläubigen zur Feier des Stundengebetes gerufen werden und in ihrer Versammlung Herz und Stimme vereinen, wird in ihnen Kirche sichtbar, die das Mysterium Christi feiert“[31]. Am Ende dieser Feier kann die Kommunion ausgeteilt werden (vgl. Nr. 46).
Die gottesdienstliche Feier
35. Die Feier eines Sonntagsgottesdienstes anstelle einer Messe besteht aus zwei Teilen: dem Wortgottesdienst und der Austeilung der Kommunion. In die Feier soll nichts eingefügt werden, was typisch für die Messe ist, vor allem keine Gabenbereitung und kein Eucharistisches Hochgebet. Der Gottesdienst soll so gestaltet werden, daß er ganz dem Beten dient und als eine liturgische Versammlung erscheint und nicht als ein bloßes Treffen.
Er darf nicht die Worte verwenden, die dem Priester oder dem Diakon eigen sind, und muß jene liturgischen Elemente auslassen, die allzu sehr an die Messe erinnern, z.B. Grußrufe, vor allem „Der Herr sei mit euch“, und die Entlassung, die den die Feier leitenden Laien als geweihten Amtsträger erscheinen lassen könnte[33].
40. Der Laie soll eine Kleidung tragen, die für diesen Dienst nicht unziemlich oder eventuell vom Bischof vorgeschrieben ist[34]. Den Vorstehersitz soll er nicht benutzen, vielmehr soll außerhalb des Altarraumes ein eigener Sitz aufgestellt werden[35]. Der Altar — Tisch des Opfers und des österlichen Mahles — soll nur zum Niederstellen des konsekrierten Brotes vor der Austeilung der Eucharistie verwendet werden.
43. Damit die Teilnehmer das Wort Gottes besser behalten können, soll entweder eine gewisse Erklärung der Lesungen stattfinden oder eine Zeit der Stille gehalten werden, um das Gehörte zu betrachten. Da die Homilie dem Priester oder Diakon vorbehalten ist[36], ist zu wünschen, daß der Pfarrer eine vorher von ihm vorbereitete Homilie dem Leiter der Versammlung zur Verfügung stellt, der sie dann vorliest. Diesbezügliche Bestimmungen der Bischofskonferenz sind zu beachten.
44. Beim Fürbittgebet soll die übliche Reihe der Anliegen eingehalten werden[37]. Nicht ausgelassen werden sollen die Anliegen, die gegebenenfalls vom Bischof für die ganze Diözese vorgeschrieben sind. Ebenso sollen häufig Bitten um Priesterberufe, für den Bischof und den Pfarrer vorkommen.
1) Nach dem Fürbittgebet oder nach der Austeilung der Kommunion.
Der Leiter lädt alle zur Danksagung ein, in der die Gläubigen Gottes Herrlichkeit und Barmherzigkeit bekennen. Das kann geschehen durch einen Psalm (z.B. Psalm 100, 113, 118, 136, 148, 150), durch einen Hymnus oder einen Gesang (z.B. Gloria, Magnifikat ...) oder auch ein litaneiartiges Gebet, das der Leiter gemeinsam mit allen Gläubigen betet; dabei steht er mit ihnen zum Altar gewandt.
2) Vor dem Vaterunser.
Der Leiter geht zum Tabernakel oder dorthin, wo die Eucharistie aufbewahrt wird, macht ein Zeichen der Verehrung und überträgt die Schale mit dem Allerheiligsten zum Altar. Dann kniet er vor dem Altar nieder und betet zusammen mit den Gläubigen einen Hymnus, einen Psalm oder ein litaneiartiges Gebet, die in diesem Fall an den in der heiligen Eucharistie gegenwärtigen Christus gerichtet sind.
Diese Danksagung darf auf keinen Fall die Form des Eucharistischen Hochgebetes haben. Die im Römischen Meßbuch für die Präfation und das Eucharistische Hochgebet vorgesehenen Texte dürfen nicht verwendet werden, damit jede Gefahr einer Verwechslung vermieden wird.
46. Für die Kommunionausteilung gelten die Bestimmungen des Ritualeteils „Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe“[38]. Die Gläubigen sollen öfter daran erinnert werden, daß sie auch bei der Kommunion außerhalb einer Meßfeier mit dem eucharistischen Opfer verbunden sind.
48. Das Gebet des Herrn wird immer von allen gesprochen oder gesungen, auch wenn keine heilige Kommunion ausgeteilt wird. Es kann der Friedensgruß ausgetauscht werden. Nach der Kommunionausteilung „kann gegebenenfalls eine Stille gehalten oder ein Psalm bzw. ein Lobgesang vorgetragen werden“[39]. Es kann aber auch die in Nr. 45, 1 erwähnte Danksagung stattfinden.
Alle Christen müssen überzeugt sein, daß sie ihren Glauben nicht leben und nicht an der universalen Sendung der Kirche in der ihnen zukommenden Weise teilhaben können, wenn sie sich nicht mit dem eucharistischen Brot nähren. Ebenso müssen sie überzeugt sein, daß die sonntägliche Versammlung vor der Welt ein Zeichen für das Geheimnis der Gemeinschaft — die Eucharistie — ist.“[40]
Am Sitz der Gottesdienstkongregation, den 2. Juni 1988, am Hochfest des Leibes und Blutes Christi.
Paulus Augustinus Kardinal Mayer OSB
Virgilius Noè
[1] Vgl. Lk 24,27.
[2] C.I.C., can. 1248, §2.
[3] Vgl. Acta Martyrum Bytiniae. In: D. Ruiz Bueno, Actas de los Martires (BAC 75). Madrid 1951, S. 973.
[4] Ritenkongregation und Consilium, Instruktion Inter Oecumenici (26. Sept. 1964), Nr. 37: AAS, 56(1964), S. 884f.; C.I.C., can. 1248, §2.
[5] Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 106. Vgl. ebd., Anhang, Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Kalenderreform.
[6] Vgl. Offb 1,10. Vgl. auch Joh 20,19.26; Apg 20,7–12; 1 Kor 16,2; Hebr 10,24f.
[7] Didache 14,1; ed. F. X. FUNK, Doctrina duodecim Apostolorum, 42.
[8] Justin, Apologia I, 67; PG 6, 430.
[9] DidascaliaApostolorum, 2, 59, 1–3; ed. F. X. FUNK 1, 170.
[10] Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 106.
[11] Ignatius von Antiochien, Ad Magnesios 9,1; ed. F.X. FUNK 1, 199.
[12] Vgl. Paul VI., Ansprache an französische Bischöfe beim Ad-limina-Besuch, 26. März 1977: AAS, 69 (1977), S. 465: „Das Ziel muß die Feier des Meßopfers, der einzigen wahren Verwirklichung des Pascha des Herrn, bleiben.”
[13] Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 106.
[14] Vgl. Ritenkongregation, Instruktion Eucharisticum mysterium (25. Mai 1967), Nr. 25: AAS, 59 (1967), S. 555.
[15] Ebd.; Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 106.
[16] Vgl. „Le sens du dimanche dans une société pluraliste. Réflexions pastorales de la Conférence des évêques du Canada.“ In: La Documentation Catholique, Nr. 1935 (1987), S.273–276.
[17] Offb 7,9.
[18] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 35,4.
[19] Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe, Nr. 26.
[20] Vgl. Paul VI., Ansprache an französische Bischöfe beim Ad-limina-Besuch, 26. März 1977: AAS, 69 (1977), S. 465: „Gehen Sie mit Umsicht vor, aber ohne diese Art von gottesdienstlichen Versammlungen so zu vermehren, als wären sie die beste Lösung oder eine letzte Chance.“
[21] Missale Romanum, Pro vocationibus ad Sacros Ordines, Gabengebet.
[22] Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum Ordinis, Nr. 6.
[23] Ritenkongregation, Instruktion Eucharisticum mysterium (25. Mai 1967) Nr. 26: AAS, 59 (1967), S. 555.
[24] Vgl. Paul VI., Motu proprio Ad pascendum (15. August 1972), Nr. 1: AAS, 64 (1972), S. 534.
[25] C.I.C. can. 230, §3.
[26] Rituale Romanum, De Benedictionibus, caput IV, 1, B.
[27] C.I.C., can. 230, §3.
[28] Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 28.
[29] Vgl. ebd., Nr. 29.
[30] C.I.C., can. 1248, §2.
[31] Allgemeine Einführung in das Stundengebet, Nr. 22.
[32] Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben ... über einige Fragen bezüglich des Dieners der Eucharistie (6. August 1983): AAS, 75 (1983), S. 1007.
[33] Vgl. Allgemeine Einführung in das Stundengebet, Nr. 258; vgl. Rituale Romanum, De Benedictionibus, Nr. 48, 119, 130, 181.
[34] Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe, Nr. 20.
[35] Vgl. Allgemeine Einführung in das Stundengebet, Nr. 258.
[36] Vgl. C.I.C., can. 766–767.
[37] Vgl. Allgemeine Einführung in das Meßbuch, Nr. 45–47.
[38] Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe, Nr. 1.
[39] Vgl. ebd., Nr. 37.
[40] Johannes Paul II., Ansprache an französische Bischöfe beim Ad-limina-Besuch, 27. März 1987.

References: Art. 6
 §2
 §2
 §3
 §3
 §2