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Timestamp: 2020-01-20 07:26:55+00:00

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Brandschutz Ba-Wü: Türschließer Pflicht? - recht.de
Brandschutz Ba-Wü: Türschließer Pflicht?
fori55
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Beitrag von fori55 » 22.02.17, 12:46
die Landesbauordnung LBO Baden-Württemberg schreibt in § 28 Absatz (4) bezüglich der Ausführung von Türen in Rettungswegen lediglich
Türen und Fenster, die bei einem Brand der Rettung von Menschen dienen oder der Ausbreitung von Feuer und Rauch entgegenwirken, müssen so beschaffen und angeordnet sein, dass sie den Erfordernissen des Brandschutzes genügen.
Das dürfte wohl bedeuten, dass normalerweise die Vorgaben der Musterbauordnung eingehalten werden müssen, oder? Die Musterbauordnung verlangt in § 35 Absatz (6) Punkt 2., dass die Öffnungen von notwendigen Treppenhäusern zu notwendigen Fluren rauchdichte und selbstschließende "Abschlüsse" (=Türen) haben müssen. In § 36 Absatz (4) Satz 4 verlangt sie, dass Türen in notwendigen Fluren dicht schließend sein müssen. Sie verlangt hingegen nicht, dass diese Türen selbstschließend sein müssen.
Nun nehme ich mal ein Hochhaus an (also Gebäude der Klasse 5), in dem sich auf jedem Stockwerk vier Wohnungen befinden. Zwischen dem notwendigen Treppenraum und dem Flur mit den Wohnungstüren sind vorschriftsgemäß selbstschließende Feuerschutztüren installiert. Die dem Treppenraum nächstgelegene Wohnung sei die Nr. 1, die am entferntesten gelegene die Nr. 4.
Nun behauptet jemand, entweder alle oder mindestens die Wohnungen Nr. 1 bis 3 müssten mit selbstschließenden Wohnungseingangstüren zum notwendigen Flur hin ausgestattet sein, weil ja die Bewohner aus Wohnung Nr. 4 im Ernstfall nur an den anderen Wohnungen vorbei zum notwendigen Treppenraum gelangen können.
Schreibt die LBO B-W das vor oder nicht?
Wenn sie es nicht tut, kann das sonst jemand vorschreiben (Bauträger, Architekt, Bauamt, Türhersteller, Brandschutzsachverständiger etc.)?
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Re: Brandschutz Ba-Wü: Türschließer Pflicht?
Beitrag von ktown » 24.02.17, 22:53
Beitrag von fori55 » 26.02.17, 09:31
Vielen Dank für den Link auf das Merkblatt "Dichtschließende Türen" in der Fassung vom 10.12.2014 !
Dichtschließende Türen nach § 11 Abs. 5 Nr. 3 LBOAVO müssen darüber hinaus mit einem Selbstschließ-Mechanismus ausgestattet sein.
Das sind Türen zu einem notwendigen Treppenraum. Damit ist noch keine schriftliche Aussage getroffen, ob die Wohnungstüren zu dem notwendigen Flur im o.g. Fall ebenfalls einen Türschließer haben müssen. Zwar fordert auch § 12, Absatz (4) Satz 4 der LBOAVO für Türen zu notwendigen Fluren
Türen in diesen Wänden müssen dicht schließen;
Damit ist m.E. die Definition aus dem Merkblatt gemeint
Als dichtschließend gelten regelmäßig einflügelige Türen mit gefälztem vollwandigem Türblatt und dreiseitig umlaufender Dichtung.
Darüber hinaus sind auch andere Ausführungen denkbar, z.B. stumpfe Türblätter, zweiflügelige Türkonstruktionen, etc.
Auf eine Dichtung des unteren Türspaltes kann verzichtet werden, da sich der Brandraum zunächst nur oben mit Rauch füllt (warme Gase steigen auf) und die Druckverhältnisse im Brandraum (oben Überdruck/unten Unterdruck) den Rauchaustritt am unteren Türspalt verhindern.
Türen zu einem notwendigen Flur müssen m.E. also keinen Türschließer haben. Wenn die Landesstelle für Bautechnik das für notwendig gehalten hätte, dann hätte sie in dem Merkblatt formuliert
Dichtschließende Türen nach § 11 Abs. 5 Nr. 3 LBOAVO sowie § 12 Abs. 4 Satz 4 LBOAVO müssen darüber hinaus mit einem Selbstschließ-Mechanismus ausgestattet sein.
Diese vielleicht auf den ersten Blick spitzfindig wirkende Unterscheidung ist sowohl im normalen Leben als auch im Brandfall wichtig:
Die standardmäßig verbauten mechanischen Türschließer an den Wohnungstüren stellen eine erhebliche Erschwernis im alltäglichen Leben dar für alle Bewohner, die mit Gepäck durch die Tür wollen, außerdem natürlich für körperlich schwache Menschen oder Gehbehinderte. Rollstuhlfahrer werden feststellen, dass die "barrierefreie" Standardausstattung für sie nicht reicht, sondern dass sie einen motorbetriebenen Türöffner und -schließer an ihrer Wohnungstür brauchen.
Im Brandfall müsste die Feuerwehr die durch Selbstschließer geschlossenen Wohnungstüren erst aufbrechen. Wenn die von der zentralen Brandmeldeanlage alarmierten Bewohner ihre Wohnungstüren bei der Flucht offen stehen lassen können, können die Feuerwehrleute viel schneller und leichter zur Menschenrettung und zur Brandbekämpfung in die einzelnen Wohnungen gelangen.
Beitrag von ExDevil67 » 26.02.17, 11:02
fori55 hat geschrieben: Wenn die von der zentralen Brandmeldeanlage alarmierten Bewohner ihre Wohnungstüren bei der Flucht offen stehen lassen können, können die Feuerwehrleute viel schneller und leichter zur Menschenrettung und zur Brandbekämpfung in die einzelnen Wohnungen gelangen.
Und neben der eigentlichen Brandwohnung wären auch die offenen Nachbarwohnungen betroffen weil der Brandrauch durch die offene Tür sich ungehindert ausbreiten kann.
Beitrag von Kurt Knitz » 26.02.17, 13:02
Am besten wäre, sowohl die Bewohner der einzigen anfangs brennenden Wohnung als auch die aus den vielen noch nicht brennenden Wohnungen würden bei der Flucht die Wohnungstür schließen, aber nicht abschließen. Das bringt mich zu der Frage: Warum ist es üblich, die Wohnungseingangstüren auf der Flurseite mit einem festen Knauf (und nicht mit einer herunterdrückbaren Klinke) zu versehen?
Beitrag von ktown » 26.02.17, 15:53
Also ich weiß jetzt nicht was sie wirklich wollen. Die Verordnungen sind eindeutig, daher:
fori55 hat geschrieben: Nun behauptet jemand, entweder alle oder mindestens die Wohnungen Nr. 1 bis 3 müssten mit selbstschließenden Wohnungseingangstüren zum notwendigen Flur hin ausgestattet sein, weil ja die Bewohner aus Wohnung Nr. 4 im Ernstfall nur an den anderen Wohnungen vorbei zum notwendigen Treppenraum gelangen können.
Wenn derjenige was behauptet, dann kann er es sicherlich belegen. Ach ja für Hochhäusern bedarf es grundsätzlich bei der Planung einen Brandschutzsachverständigen, da diese in die Kategorie der Sonderbauten fällt. Hinzu kommt, dass es hier immer einen Sicherheitstreppenraum bedarf.
Beitrag von fori55 » 26.02.17, 16:22
Hallo ktown,
ktown hat geschrieben: Also ich weiß jetzt nicht was sie wirklich wollen.
Na ich möchte wissen, ob in so einem Hochhaus so unbequeme Türschließer aus Brandschutzgründen notwendig sind oder ob man sie schadlos weglassen kann.
ktown hat geschrieben: Die Verordnungen sind eindeutig
Na ja, nicht auf Anhieb. Sie interpretieren die Verordnungen auch so, dass an Türen zu notwendigen Fluren Türschließer n i c h t vorgeschrieben sind?
ktown hat geschrieben: für Hochhäusern bedarf es grundsätzlich bei der Planung einen Brandschutzsachverständigen
Ja. Entweder der hat die Türschließer mit geplant oder die Türfirma hat gedacht, sie muss als Wohnungstüren Brandschutztüren für notwendige Treppenräume liefern.
ktown hat geschrieben: Hinzu kommt, dass es hier immer einen Sicherheitstreppenraum bedarf.
Ist vorhanden und zwischen Treppenhaus und den Fluren ist jeweils ein Durchgang mit zwei "richtigen" Brandschutztüren.
Beitrag von ktown » 26.02.17, 16:39
fori55 hat geschrieben: Na ich möchte wissen, ob in so einem Hochhaus so unbequeme Türschließer aus Brandschutzgründen notwendig sind oder ob man sie schadlos weglassen kann.
Wenn sie vorhanden sind, dann sind sie teil des Brandschutzkonzeptes und dürfen nicht einfach entfernt werden.
fori55 hat geschrieben: Sie interpretieren die Verordnungen auch so, dass an Türen zu notwendigen Fluren Türschließer n i c h t vorgeschrieben sind?
Ich interpretiere nicht, ich lese.
fori55 hat geschrieben: Ja. Entweder der hat die Türschließer mit geplant oder die Türfirma hat gedacht, sie muss als Wohnungstüren Brandschutztüren für notwendige Treppenräume liefern.
Ein Türhersteller liefert nur das, was bestellt worden ist. OTS kosten nämlich Geld.
fori55 hat geschrieben: Ist vorhanden und zwischen Treppenhaus und den Fluren ist jeweils ein Durchgang mit zwei "richtigen" Brandschutztüren.
das reicht für ein Sicherheitstreppenhaus nicht aus.

References: § 28
 § 35
 § 36
 § 11
 § 12
 § 11
 § 12