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Timestamp: 2019-12-08 01:08:42+00:00

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(Vervolg van blz. 475.)
Die 54. und 55. lieferung der ‘Bibliotheek van mnl. Letterk.’ enthalten den 1. u. 2. teil einer ausgabe von Dr. J. Bergsma ‘De Levens van Jezus in het Middelnederlandsch.’ Da diese interessante und wichtige nl. bearbeitung der evangelien bisher nur nach der St. Truijener hs. mangelhaft von Meijer herausgegeben war, und der durch frühere arbeiten schon bewährte jetzige herausgeber drei hss. nebst fragmenten einer vierten benutzt, so ist nicht zu bezweifeln dass seine arbeit als eine höchtst willkommene zu bezeichnen sein wird. Er druckt die Stuttg. hs., deren text flämisch ist, und die limb. nebeneinander, was an sich schon gelegenheit zu interessanten studien gewährt. Unser urteil müssen wir bis zur vollendung der arbeit aufsparen und behalten uns vor, dann an diesem orte auf sie zurück zu kommen.
Wir wollen dafür, nachdem nun ein reicheres material vorliegt, um die mundart in ihren verschiedenen abschattungen zu studieren hier zum schlusse für die leser dieser zeitschrift die haupteigentümlichkeiten, durch die sich das Limb. von den übrigen nl. mundarten unterscheidet, zusammenstellen. Dabei sei noch einmal auf den eingang dieses artikels verwiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass es ein einheitliches Limburgisch ebenso wenig gibt, wie ein einheitliches Niederländisch, oder Westniederländisch. Die sprache des St. Truijener Leven van Jezus z.b. - die hs. könnte wohl in St. Truijen selbst geschrieben sein - nähert sich bereits viel mehr dem Vläm. und damit dem allgemeinen charakter der mnl. schriftsprache, als die übrigen hier in betracht gezogenen limb. schriftwerke. Von den anzuführenden einzelheiten gilt auch wohl keine einzige für das Limb. in seiner gesammtheit, oder begegnet nicht irgendwie auch im Nl., wie überhaupt kaum eine einzige sprachform aufzutreiben sein dürfte, die das gesammt-Limburg. gegen das gesammt-Nl. kennzeichnet.
Orthographie. 1. Ein bemerkenswerter unterschied besteht darin dass die lange oder gedehnte vocalquantität in geschlossener silbe häufiger unbezeichnet bleibt als im Nl. Es steht also z.b. häufig bei vermutlicher dehnung nact, bilde, dogt, arm, scarp, wort, 3. p. gert, lest, heft, sprict, praet. werde, macde, lefde, gen. dags lofs und trotz bewahrter länge oc, gelic, ser, gut,
not, rat, altos, verlist, irst, blef, genugt, horde gevulde, wisde, ledre ‘ladder,’ scaps, lons, richeit.
Es ist mithin schwieriger, die thatsächliche quantität zu bestimmen. Wo für die mittelalterliche sprache unsicherheit bleibt, müssen besonders die neueren mundarten herangezogen werden, wobei aber nur nicht übersehn werden darf, dass ohne zweifel in der zwischenzeit noch kürzungen, wie neue dehnungen platz gegriffen haben.
2. Soweit die länge beim i bezeichnet wird, tritt neben das nl. ij (y) auch ie, also z.b. siet ‘gij zijt’ wies ‘wijs’. S. no. 20.
Was die consonanten betrifft, so ist kaum über etwas anderes, als über g zu sprechen, in dessen gebrauch oder bezeichnung allerdings wesentliche unterschiede bestehn.
3. Die schreibung gh tritt sehr stark zurück und überlässt dem einfachen g den platz. G wird aber auch gern geschrieben, wo phonetische verwandlung in ch statt findet, wie in dags, vragde, jegenwertge, dag, weg, drug, heileg, rosteg. Weiter tritt g auch für etymologisches ch (h) ein, z.b. in dog und nog, in lighame (statt lichhame), laghen ‘lachen’, und so ist auch gt für altes ht die beliebte schreibung z.b. regt, rigten, nagt, dogte, sogte, geslegte, sagte ‘zacht.’
4. Anderseits werden aber auch phonetische veränderungen manchmal genauer bezeichnet als im Ndl. Fälle wie tfolk, ontfangen sind zwar auch nl., aber etwas entsprechendes wie stags (‘des daags’), stivels, scheens (= des geens), schuts (des guts), schees (des geestes), suschedan (sus gedaen) wird man dort nicht leicht finden. Kern § 114.
Thatsächlich scheint die quantität in allen wesentlichen puncten mit der nl. übereingestimmt zu haben. Abweichend ist nur 5. die oben s. 337 besprochene dehnung nach analogie in fällen wie naet ‘nat’, leet ‘lid’ oder in präteriten wie aet, baet und 6. die dehnung vor gewissen consonanten, besonders vor cht wie reegt, naecht, doechter. Kern § 16.1) Zu den consonantverbin-
dungen die dehnung bewirken können tritt hier auch rr; s. Kern § 16 b u. vgl. oben s. 470 puren.
7. Neuere mundarten beweisen vielfach vocalkürzung vor gewissen consonanten, besonders consonatverbindungen; vgl. roerm. dümke ‘duimpje’, hüske, krütje, dütsch, bedüje (Simons s. 24; ü gegen sonstiges ; merkwürdiger weise nicht bei anderen langen vocalen); lilk ‘leelijk’, innig ‘eenig’ (Simons § 5 b.), löpt ‘loopt’, zwätde ‘zweette’ u.a. (Simons s. 51), vgl. auch Jellinghaus Ndl. Volksmundarten § 66, 3. Es wäre zu fragen, wie alt die erscheinungen sind.
Wir gehn zu den einzelnen lauten über.
8. Im Nl. sind vor ld und lt a und o zusammengefallen, indem in beiden fällen (über old, olt) oud, out entstanden. Das Limb. unterscheidet beide noch, indem a und o ihre verschiedene qualität gewahrt haben. Die auflösung des l zu einem vocalischen laut hat sich auch hier vollzogen, so dass also z.b., wenn u daraus entsteht, cāut und gōut nebeneinander stehn. Veldeke und Gl. Bern. haben noch al, ol und auch später kommt die schreibung, als historische, neben au und ou vor. Ganz sicher kann man aus ihr auch für die älteste zeit nicht schliessen, dass das l noch nicht aufgelöst sei. Kern § 78, 79; Levit. § 51.
9. Für ursprünglich i oder auch e standen im Westgerm. öfter e und i nebeneinander, wie z.b. skerm skirm; spil und spel; skip und skep; sleht und sliht nhd. schlecht und schlicht; nest und nist; lekkôn und likkôn, mnl. silver u. selver. Die verteilung dieser laute ist anscheinend ziemlich regellos, so dass sich mancherlei springende verhältnisse nicht nur zwischen den einzelnen grössern sondern auch zwischen kleimern sprachgebieten ergeben, die sich schwer formulieren lassen. So auch zwischen Limb. und Nl. oder zwischen einzelnen teilen dieser gebiete. Wir hätten hier etwa zu nennen vesch ‘visch’, screft ‘schrift’, lest ‘list’, besonders das regelmässige adv. decke (mnl. dicke) ‘oft’; umgekehrt z.b. stric, mnl. gewöhnlich strec. Kern § 30 ff., Behaghel XLIV ff., Levit. § 54 ff.
10. Statt i vor nasalverbindungen steht sehr häufig e, z.b. begen, sen, bennen, blent, venden, wenter, wenken, dwengen, penxdag. Obwohl in limb. schriften dafür auch häufig i steht, und anderseits auch im Mnl. dafür häufig e vorkommt (Mnl. Gr. § 73; § 60 anm. 1; van Helten § 96 opm. 1), kann doch die häufigkeit des e immerhin als characteristisch für 's Limb. gelten. Kern u.s.w.a.a.O. Im übrigen gehören die beiden letzten erscheinungen zu denen, worüber oben gesagt ist, dass sie sich nur durch neue und weitgreifende untersuchungen genauer erfassen lassen werden.1)
11. Wie beim alten i, so haben wir auch beim u schon im Westgerm. öfter doubletten; vgl. wulf und wolf, wulle und wolle, buk und bok, up und op, lust und lost, kus und kos u.a. Später wird dann die entwicklung eine fast ebenso bunte, wie bei i und e. Auch fürs Limb. ergeben sich dem Nl. gegenüber
unterschiede in einzelnen wörtern. Da sie aber auch innerhalb des Nl. und innerhalb des Limb. selbst vielfach zwischen u und o wechseln, so ist es schwer, etwas zu formulieren. Kern § 39 und 46, Simons § 6.
12. Mehr gruppenweise tritt hervor, dass vor nasalverbindungen, wo das Nl. dort, wo in der folgenden silbe kein i, j folgt, und durch ausgleich auch sonst, o hat, im Limb. wenigstens neben o auch u erscheint, z.b. dump ‘dom,’ gesunt, hunger, hundert, iunc, kumber, sunne, gebunden, gedrunken, stunde. S. no. 23.
13. Dieses u entbehrt, soweit nicht i-umlaut hinzutritt, der färbung nach ü hin, die die nl. (wie die franz.) u-laute kennzeichnet. Auch sonst ist das limb. ŭ der aussprache nach als das deutsche u aufzufassen, nicht als das nl.; z.b. buc (vläm. buc, nnl. bok), bucken ‘bukken’ wären in nnl. orthographie als boek, boekken zu schreiben.
Ursprünglich kurze vocale in der dehnung.
14. ĭ und ŭ in offener silbe werden im Nl. bekanntlich zu ē und ō, hingegen im Nhd. zu ī (geschrieben ie) und ū: nl. weder nhd. wieder, mnl. stove nhd. stube. Das Limb. nimmt auch hier eine mittelstellung ein, sowohl ē wie ī, ō wie u kommen vor. Soweit nicht ausgleiche oder sprachmischung im spiel sind ist die heimische lautregel wohl so zu fassen, das ē und ō entstehn, wo in der folg. silbe a-, o-, e-laute oder deren diphthonge folgten, sonst ī (und ū) (s. Tijdschr. 15, 62). Einige beispiele für i: wider, widewe, himel, geviderte, bilde (aus bilede), hiden ‘heden’, siker, nider, sigeloes, sigel, liveren; auch ie geschrieben, so z.b. auch 3. p. briect.1) Kern § 33 ff., Behagel XLV, Jellingh § 6 X. Das Gl. Bern. stimmt ziemlich mit den Serm., während man für Veldeke nur ē annimt.
15. Auf dem gebiet der langen vocale kommt verhältnismässig selten o für â vor wie roet ‘raad’, moscap ‘maagschap’, stoen (Kern s. 22 und die ‘toevoegsels’, Levit. s. 144, molen Gl. Bern.). Es sind vereinzelte versuche die aussprache des â als , die auch ausserhalb Limburgs in Nieder-, Mittelu. Oberdeutschland so weit verbreitet ist, zum ausdruck zu bringen. Stellenweise mag auch eine noch mehr geschlossene aussprache als gemeint sein. Auch viele nl. mundarten stimmen freilich mit gleicher oder ähnlicher aussprache ein.
16. Im Germ. gab es einen verhältnismässig seltenen laut, der als ê2 bezeichnet wird (vgl. Zeitschrift für deutsch. Altertum 40, 1 ff.) und auf
dem grössten teil des westgerm. gebietes, vielleicht auf einem noch grösseren, als man annimmt, (s. oben s. 107) zu einem Diphthongen, altlimb. ie, geworden war. Derselbe laut war in verschiedenen anderen fällen entstanden, so in fremdwörtern aus rom. e oder ae (oder auch ê) wie in brief, in den pronominalformen die, sie, wie und weiter flectierten formen, im zahlwort drie, im Nl. auch in einigen verba mit e in der wurzelsilbe auf das h folgte, besonders sien, geschien, plien, sowie im zahlwort tien und in vie (neben vee). In allen diesen fällen trifft der laut mit dem aus germ. iu entstandenen ie, wie in lief, zusammen und ist mit diesem unten in no 20 zu besprechen. Hier ist nur zu erwähnen dass in bezug auf die zuletzt genannten wörter das Limb. nicht ganz mit dem Nl. stimmt. Die Serm. haben zwar sin, plin, geschin aber abweichend vom Nl. das zahlwort als ten (Kern § 27), vgl. deutsch zehn, wo es aber z.b. auch sehn lautet (dagegen z.b. im pron. sie). Limb. auch vee.
17. Ähnlich wie dies ê2 war der germ. Diphthong ô zu uo diphthongiert. Während im Mnl. dafür oe herscht, sind im Limb. u-laute überwiegend; die normalen bezeichnungen sind ue, oder u, z.b. buec, gnug ‘genoeg’ blume, dun, ruepe, gut, suffix -dum. Die aussprache ist schwer zu bestimmen. Im Nl. herscht die aussprache von deutsch u, während im Limb. - u. gewiss schon zur zeit der denkmäler - wieder ein o-laut eingetreten ist, wie im Nd. und Deutschfränkischen. Im Deutschfränkischen ist hingegen vor r der u-laut geblieben, was auch wenigstens für Veldekes mdart anzunehmen ist. Dass man dies o nicht für identisch mit dem alten ô-laut, auf den es zurück geht halten darf, ist früher gesagt (oben s. 106 f.). Kern § 41 ff., Behaghel LIV ff., Leviticus § 37 ff., Simons s. 31; Jellingh. § 4 X.
18. Die verteilung der laute (resp. schreibungen) ei und ê in entsprechung von ahd. ei aus germ. ai stimmt nicht ganz mit der nl. Aber bei den vielfachen schwankungen einerseits im Nl., andrerseits im Limb. lässt sich nicht leicht etwas darüber formulieren. Ich verweise auf die ausfübrliche behandlung von Kern § 50-52. Hervorheben möchte ich nur dass auch im praet. der st. vba mit im î im praes. manchmal ei erscheint. Über den i-umlaut ist nachher zu sprechen.
19. Das germ. au hatte sich im Altfränk. und Ahd. in ô und ou gespalten, ô steht im auslaut und vor dentalen sonst ou; im Sächs. und Nl. war dagegen auch in den letzteren fällen ô eingetreten. Das Limb. befindet sich hier wieder auf der seite des Deutsch-Fränk., indem in denselben fällen wie dort häufig ou (neben ô) begegnet, welches für den grössten teil des gebietes als die mundartliche aussprache anzusehn ist, z.b. ouch ‘ook’, rouven, koukeler, ouge, rouc, gelouf ‘geloove’ boum. Im sg. praet. der st. vba der u-klasse scheint kein ou (wie im ahd. souf, vloug, stouf) mehr bezeugt zu sein. Kern § 61 f.; Simons s. 30; Jellingh. § 5 X.
20. Der germ. Diphtong eu (iu) hatte sich im Westgerm. in io und iu gespalten. Im Vläm. und in folge dessen meistens auch in der mnl. schriftsprache (minder in der nnl.) waren beide (von ganz vereinzelten fällen abgesehn) wieder in ie zusammengefallen. Der gröste teil des Limb. hält dagegen
beide auseinander, z.b. dief aber dufde ( iubi a), siek aber kuken ‘kieken’. Für den ersteren laut ist neben ie die gewöhnliche schreibung i, also dif, dinen, sik, schiten, verdrit, vlin. Hieran schliessen sich die abkömmlinge einiger anders entstandener früheren io, z.b. vir, kni, dann i ‘ie’ und seine zusammenstellungen wie iman, igelic, iwet, nit, ferner praet. wie rip, stit. Bei dem wort für ‘ziel’ liegt neben der entwicklung seola = nl. siele eine entwicklung sêla = hd. seele vor, welche letztere im Limb. gleichfalls zu tage tritt. Mit diesen ie (i) fallen nun die früher genannten ie (no 16), die nicht auf io, sondern auf ea, ie zurückgehn, vollständig zusammen. Die schreibung i weist auf monophthonge aussprache, weshalb denn auch andere lange monophthongische i-laute, wie in wieder, (no 10) und gi siet ‘zijd’ (no 2) mit ie bezeichnet werden können (wie im Nhd.). Wenn im Mnl. die aussprache des früheren diphthongen ie auch bereits monophthongisch war, was allerdings wahrscheinlich ist, so ist der unterschied zwischen Nl. und Limb. in diesem falle nur graphischer natur. Die schreibung i begegnet übrigens auch in einzelnen nicht limburg. nl. handschriften; trotzdem darf sie zu den wesentlichen kennzeichen gerechnet werden. Wie der diphthong uo im Limb. wieder einen o-laut ergeben hat, so sind alle diese ie, bis auf einzelfälle, wie bei uo, später wieder zu einem e-laut geworden. Statt dieses ê wird auch wohl ei geschrieben. In den alten denkmälern ist das e (ei) noch selten und nicht überall sicher; Kern § 29 u. 56.
21. Dagegen ist altniederfränk. iu im Limb. û mit der nl.-franz. aussprache (mdartlich zuweilen auch mit übergang zur aussprache von hd. û, zb. roerm. troêw ‘treu’ vor w, Simons s. 37), z.b. lude, sturen, vur, dure, lugten (mit kürzung) verdruteg, sukede. Kern § 53 f.; Simons § 7.
Anm. Wohl unterscheiden von diesem wechsel zwischen io und iu, limb. i, u muss man solche fälle, wo einerseits io anderseits aber altes û vorliegt, wie in sliten neben sluten (s. oben s. 105).
Starke unterschiede ergeben sich aus der geschichte des i-umlautes. Um die sache richtig aufzufassen, vergesse man nicht dass umlaute oft in der schrift nicht zu tage treten, darum aber doch in der sprache vorhauden sind. Im Nl. wird der umlaut durch einzelne laute verhindert (Mnl. gr. § 33), häufiger wird er durch ausgleich beseitigt (ebendort § 34). Das Limb. vollzieht den lautwandel consequenter. Bei einzelnen vocalen ist im Nl. der umlaut latent, oder überhaupt nicht, wenigstens in der schriftsprache und den für sie massgebenden mundarten nicht vorhanden. Auch hier lautet das Limb. um. Wo im Limb. neben den zu nennenden beispielen unumgelautete formen vorkommen, müssen wir entweder einfluss der westlichen schriftsprache annehmen, oder abweichende grundformen voraussetzen. Vereinzelt mag auch bei schreibenden Limburgern spontan dasselbe pedantische ausgleichsgelüste gewirkt haben, wie im Nl. selbst, das sich ja, wie wir sahen in der sprache der schreibenden leichter einstellt, als in der naiven mundart.
22. ă: megteg, dregteg, egterste, eenveldeg, geweldich, velleg ‘hinfällig’, ferner in der endung -egteg aus -haftîg, z.b. deelegteg, sorfegteg, qualegteg ‘ziek’; gevenenisse, beheltnisse, cregtelike, enxtelike, bevellic, scedelic, lesterlike,
degelics, nemelike ‘namelijk, praesertim’, tegenglec, beheldere, wegtere, scomekere; dregs, dregt, vels, velt, vers, vert, helds, helt, optat. praet. kende, sende, sette; trene plur. von traen, bencke, cregte, megede, nach analogie auch vedere, (genitive u. dative sg. femininer i-stämme mit umlaut scheinen nicht belegt zu sein; vgl. gegen Leviticus § 95, Kern, Litteraturbl. f. germ. u. rom. phil. XIII 404); dempeg, gensen, velschen, wermen, wermde ‘wärme’, sedde ‘sattheit’. Kern § 19, Behaghel s. XLIV. Über selme ist oben s. 470 gesprochen. Als einzelheit sei hier noch gederen neben gaderen erwähnt, die aber verschiedene grundformen voraussetzen.
23. Der umlaut von ŭ ist, soweit diesem selbst die deutsche aussprache zukam, nicht latent wie im Nl. Die mittelalterliche schreibung gewährt für sein vorhandensein kaum sichere anhaltspuncte, während die neueren mundarten ihn beweisen. Der laut schwankt zwischen ö (nl. u) und ü und zwar wohl schon je nachdem der grundlaut mehr nach o oder nach u stand, ferner aber auch wohl secundär je nach der umgebenden consonanz, oder je nach der correctur durch verwante wörter mit o. Veranschaulichen mögen es folgende roermondsche beispiele: mök (schon mittelalterlich mogge neben mugge), brök (wohl durch die consonanten), fölle, gölje (wohl durch einfluss von vol, gold); vurste, kunst; zünj ‘zonde’. Im älteren Limb. unterschieden sich also z.b. grunt en grunden, busch en buschelken, buc en bukske, hulpen (indicativ) en hulpe (optativ); vgl. Simons § 6 c, Kern § 46.
Umlaut in der dehnung, z.b. doget, vlogel, dure, huvel, jude, muge, sule, logene u.s.w. (s. auch no 14 note). Wegen des optativs praet. der u-klasse s. Kern § 202. An welcher stelle zwischen ö und ü der laut früher stand ist nicht ausgemacht. Kern § 47; Simons s. 22; Jellingh § 16 und 17.
24. Der umlaut von â ist ê, z.b. trege, tege ‘taai’, neest, neken, seleg, wenen, archwenen, beswerde ‘bezwaar, smert’, gedende ‘gedaante’, onmere, stedeg, stedelike, schekere, melre, retsel, redere ‘der anratet’; dreien, weien; veet von vaan, leet von laten, sleept, optat. praet. wie spreke, sprekes, geve, weres; beswernisse; vrogtbereg; scepken ‘schaapje’. Besonders erwähne ich das suffin -êre in wörtern wie sundere, bedelere, erlosere. In einigen fällen ist der laut durch die consonanten gekürzt, wie in brechte, degte (opt. praet. von brengen en denken), segte ‘zacht’. Kern § 24 f.; Levit. § 42; Simons s. 27.
Wie weit der corrigierte ablaut (s. oben s. 108) sich schon im mittelalter geltend machte, ist schwer zu sagen. Unter diesem gesichtspunct gestaltete formen sind vielleicht öfter mit a (ae) bezeichnet worden, also etwa scape (plural), scapken (statt scepe, scepken); vgl. jedoch m lre ‘maler’ Gl. Bern.
25. Umlaut von germ. ô in wörtern wie druve, grune, sune ‘sühne’, huden, numen, vuren, pruven, blojen, overvludeg; in der 2. sg. und im opt. praet. von verba der a-klasse wie druges, druge, stunde (? Kern § 208); hudere, bucsken. Bei pluralen wie vute, huner scheint die sache nicht ausgemacht; nach Kern § 131 wäre für die frühere zeit kein umlaut anzunehmen; vgl. aber veut § 43. Dieser umlaut steht je nach der zeit oder der gegend zwischen ö und ü je nach massgabe des klanges des grundlautes zwischen o und u. Kern § 43, 45; Simons s. 31 f.; Jellingh § 11 X.
26. Soweit û den deutschen klang hat, unterscheidet sich der umlaut = nl. û deutlich; also z.b. brut, pl. brüde, brüdegom, cume ‘vix’, cümen ‘stöhnen’, crupen, crüps, crüpt, buc, bücsken, lut ‘laut’, lüden ‘läuten’; ferner z.b. cruce, rumen mit ü zu lesen. Verkürzung in suchten. Der umlaut von û fällt also mit dem alten iu zusammen (no. 21), crüpt aus crûpid und güt aus giutid haben gleichen vocal, und die 3. pers. lautet sl t einerlei ob wir den inf. sliten oder sluten vorauszusetzen haben (s. oben s. 418 anm.). Kern § 48; Simons § 7 no 2; Jellingh § 12 X.
27. Der umlaut von ô aus au (no 19) muss ein ö-laut gewesen sein, z.b. in bose, scone, losen, nodeg, clotken, orken, brodeken, vrolike, von ou dagegen öu z.b. in loupt, loupere, coupen, gelouven, houvet, loupt, boumken (plur. boume?). Kern § 60, 62; Simons § 10 b.u.c.; Jellingh. § 13 X.
28. Dass ein i-umlaut des ai, resp. der daraus entstandenen laute (ê, ei) möglich ist, beweist aufs deutlichste das Nd. Man will diesen unterschied auch fürs Nl. und Limb. geltend machen, und Kern meint § 51 denselben noch in neulimb. mundarten feststellen zu können, wenn es in Helchern z.b. dîl ‘deel’ lautet, aber dêëlĕ ‘deelen’ (aus deel: deilen). Die annahme ist an sich wahrscheinlich genug, aber es ist noch nicht gelungen auf ihrer grundlage die historischen verhältnisse einigermassen überzeugend zu erklären. Jedesfalls ist es auch nicht der durch den umlaut bedingte unterschied allein, der die uns überlieferte verteilung von ei und ê regelt.
29. Wir haben die betonten vocale im wesentlichen mit den mnl. verglichen. Nehmen wir die nnl. in anmerkung, so wäre also wesentlich noch darauf hinzuweisen dass das Limb. die diphthongierung des früheren î und zu nnl. ij und ui nicht teilt. Das Limb. bleibt also mit wîn, hûs, h ske, bed de auf dem früheren stand.
30. Aus dem gebiete der nebensilbenvocale erwähne ich dass die grade in der mnl. schriftsprache so beliebte endung -ijn (kiekijn, teekijn, guldijn, selverijn, woestine) im Limb. das schwache e hat. Levit. s. 26.
31. Characteristisch ist auch dass im satz tonlose oder ganz inclinierte wörter mehr der vollen verkürzung ausgesetzt sind, als in der offenbar schon etwas deftigeren mnl. schriftsprache. Das tonlose du wird oft zu te hinter verbalformen: comste, hebste, siste, vin(t)ste, saute ‘sollst du’ usw. Hierhin gehört es auch, wenn die pronominalform se mit tonlosem e, die die guten handschriften Maerlants z.b. auf den acc. sg. f. und den acc. pl. beschränken, auch für die nominative gebraucht wird. Entsprechend dürfte auch der gebrauch anderer kürzester pronominalformen, besonders der des artikels, freier sein. Ich erwähne hier auch die in den Serm. geläufige form mi des pron. men. Die kürzung me kommt auch auf anderen sprachgebieten vor, auffallend ist das i für den tonlosen vocal.
32. Im zusammenhang mit der grösseren naivität der sprache steht die grössere ausdehnung der syncope, die zum besonderen character des Limb. wesentlich beiträgt. In decl. wie conjugation treten die häufigen formen hervor wie dags, kints, gots, loens, dencs, doets, honegs, kerstens, brodekens, du rups, mins, vints, deils für ind. und opt., im praet. rips, kants, kents, entsprechend
bei der 3. pers. auf t. Nicht nl. sind syncopen wie drop, draf, drin usw. aus dar op, der op oder, zwischen liquida und n, wie horn ‘hooren’, steln, predikern, verstoln, characteristisch solche in der silbe -ege wie iegenwertge, oder iegenwerdge, megtge, menegful(t)ge, eenge, inge ‘innige’, menge, iamerge, vrogtberge, ongeloefge, sontgen vb. ‘sündigen’, bescultgen, verkundgen. Kern § 71; 112 f.; 178 ff. Entsprechend hat sich wohl auch die apocope des auslaut. e leichter vollzogen, z.b. bei adj. mit ja-stämmen (Kern § 150), oder in optativformen (Kern § 185). Vgl. Jellingh. § 64 X.
Aus dem consonantismus ist verhältnismässig wenig zu bemerken.
33. Characteristisch sind die ch, g statt und neben k, wie in den pronominalformen ich, mich, dig, sich oder ig usw., in sullech, sulge, willeg, welge, in ooch, ouch, in adj. und adv. auf-liche, -lig, in verbalformen wie sprach, streich, in nomina wie ongemach, rijch. Die belegten beispiele aus früherer zeit findet man Behagh. LXVIII ff.; Levit. § 66; Kern § 86 ff.; Aiol s. 48. Vgl. weiter Simons § 15, 3; Jellingh. § 46. Meine ansicht darüber, s. oben s. 466. Eine verschiebung von k zur spirans ist auch vor t belegt, wie geswacht, von swaken, oder swecken, bestricht 3. p. von bestriken, vervlucht von vervluken, tregt, trecht von trecken, lagtwarie aus lactuaria; Kern § 69.
34. Auch spuren von der in deutschfränk. mundarten (vgl. anch Jellingh. § 54) belegten schwäche des ch vor t treten hervor wie gewart = gewarht von werken, geslete = geslechte, woretige = warechtige (Kern § 103), vorte = vorchte ‘furcht’ (Aiol s. 48). Wahrscheinlich ist die erscheinung nach ursprünglich kurzem vocal durch dessen verlängerung (no 6) bedingt.
35. Während im Nl. die aussprache von inlaut ng auch auf den auslaut übertragen ist (dingen, ding gegen mnl. dinge, dinc) bleibt im Limb. die aussprache nk im auslaut: gank, dink usw. Simons § 15, 4; Jellingh. § 50. Desgleichen bewahrt gg den character als verschlusslaut, auslautent = k: mök, brök, rök ‘rug’, zäk ‘zeg’; Simons ebenda; Jellingh. § 47, 48 X.
36. Das ursprüngliche sk hat heute östlich der Maas an allen wortstellen die aussprache š = hd. sch; ebenso ist in übereinstimmung mit dem Deutschen diese aussprache für anlaut. s in den verbindungen sl, sm, sn, sp, st und sw (= žw gesprochen) eingetreten. Zum teil ebenso in Maastricht. Sonst gilt westlich von der Maas die nl. aussprache für anlaut., inlaut. und auslaut. sk, und Kern § 95 f. nimmt auch für die Serm. in dieser hinsicht übereinstimmung mit dem Mnl. an. Simons § 15, 2; Jellingh. § 51 X.
37. Wenigstens stellenweise muss sich das mb., auslaut. mp länger ohne Assimilation erhalten haben: in den Serm. noch gewöhnlich domp, dombe, lamp, lambs, ombe, comber, Kern § 85; ebenso schreibt Gl. Bern. z.b. ombe, comberen, sogar dompe horsamheit ‘supersticio,’ p aus domp verschleppt.
38. In folge des übergangs von m im anlaut der unbetonten silbe zu b (Anz. der Zeitschr. f. deutsch. Altert. 41, 3 anm.) ist bit, bet im Limb. sehr gewöhnlich.
39. Eigenartig ist dem Limb. eine regressive assimilation, die Kern § 115 folgendermassen fasst. ‘Indien midden in een woord op elkaâr volgen een
harde medeklinker (of een groep van harde medeklinkers), onverschillig welke, en eene d, maar oorspronkelijk de twee gescheiden waren door een klinker, dan wordt de harde medeklinker (of de groep van harde medeklinkers) geassimileert aan de d en niet de d aan den medeklinker (of de medeklinkers.) Deze assimilatie, die dus in betrekkelijk laten tijd plaats had, kenmerkt de limburgsche dialecten en scheidt ze ten scherpste van het Westelijk Ndl., dat ook hier de d aan de harde medeklinkers assimileert.’ Beispiele - die assimilation ist meistens in der schrift nicht ausgedrückt - macde, dancde, lachde, clapde, erloesde, velschde, grutde, haetde, segde (von segten), tasde, voraus zu setzen storde von storten; dipde, sucde, stercde (substantive auf -de); drincdi ‘trinkt ihr,’ macdi, sucdi, etdi, latdi, weddi (aus weted-ji); agde ‘achte’ aus achtede, nacde aus nakede ‘nakte;’ dogdi aus dochte di; neumastr. (g als media) māgde von ‘maken,’ bedägde von bedekken, plande, spodde u.s.w.
40. Eindrucksvoll ist auch die häufige Assimilation von ts zu ss (Kern § 118), wie causte st. cautste superlativ, verkels 2 p. von verkelden, 2 sg. praet. makest aus maketst, makedest, besonders insofern sie auch häufige verbindungen wie wat si, dat si, dat sich zu dassi, dasse, wasse, dassich überführt; dassin = dass sie ihn, dassaute = dat saut du.
Declination. 41. Die endungslose pluralform der neutra kint, wort, been, dinc u.s.w. ist noch lebendiger als im Mnl. (Kern § 132), auch der vom sg. nicht unterschiedene plural der masculina auf -ere scheint länger als hier lebendig geblieben zu sein. (Kern § 138.)
42. Kurzsilbige i-stämme wie biti, vlugi, baki bleiben im Nl. zweisilbig, mnl. bete, vlöge, beke, während sie im Hd. einsilbig zu biz, flug, bach werden. Kern verzeichnet § 139 auch aus den Serm. überwiegend einsilbige formen, aber ich weiss aus dem material nicht sicher zu entscheiden, ob ältere einsilbigkeit oder jüngere apocope vorliegt. Die gestalt der vocale, sowie andere momente sprechen eher für das letztere, so dass übereinstimmung mit dem Nl. anzunehmen wäre.
43. Im Plural der fem. i-stämme (Kern § 142) wie const, vlut, buc, cragt sind die aualogieformen auf en wesentlich seltener. Auch in den g.d.s.f. dieser stämme ‘is het Limburgsch taaier geweest dan het Wndl. in het vasthouden der oude vormen op -e’ (vgl. meine Mnl. Gr. § 189.)
44. Auch im d.s. der masc. n-stämme bewahrt das Limb. die alte form auf -en, neben der auf -e, vielleicht etwas zäher; Kern § 144.
Dagegen dürften in bezug auf die vermischnng der fem. ô- und ôn- (st. und schw.) declination beide mundarten so ziemlich miteinander stimmen; Kern § 145, 146; Behagh. LXXIX f.
45. Beim ‘zelfstandig gebruikte bijvoegelijke naamwoord wijkt de verbuiging eenigszins van 't Wmndl. af door eene grootere voorkeur voor de oude zwakke vormen’; Kern § 152.
Sehr wesentlich sind die unterschiede in der Pronominaldeclination (über Veldeke ist jetzt Kerus obengenannter aufsatz in der Festschrift für Sievers zu vergleichen.)
46. Während im Nl. die dativformen mi und di die accus.-formen mik und dik vollständig verdrängt haben, hat das Limb. diese formen als mich, mig, dich, dig (auch in der 2 plural ch) erhalten, wenn auch nicht die Serm., die auch grade in bezug auf die pronominalformen einen starken einfluss der nl. schriftsprache verraten. Ebenso bewahrt das Limb. das reflexivpronomen sich, sig, das während der mnl. zeit in der nl. schriftsprache unbekannt war.
47. Die nl. pronominalformen wij, gij, hij en die haben ein ursprüngliches auslautendes z verloren, das im deutschen als r erhalten ist. Im Limb. bestehen beide formen nebeneinander, ursprünglich wohl so, dass die form ohne r die betonte, die mit r die minder betonte war, welcher zustand in der regel aber nicht sauber gewahrt wird. So kommen als vom nl. abweichende formen vor: wir, 2 pers. incliniertes-er (auch in den Serm. sulder ‘zult gij’ u. ä.) nlimb. gēr u. ä.; neben hi: her, hēr u. incliniertes-er (auch-re); artikel (selten auch demonstrativum) der neben die u. anderen nebenformen.
Anmerkug. In den limb. formen für ons ohne n, us. os, u. ä. nimmt K. mit allem recht jüngere lautentwickelung an; sie sind nicht etwa mit alts. ags. ûs direct zu vergleichen.
48. Abweichend vom Mnl. (und der 1. person onser) lautet der gen. plur. der 2 pers. re (u. öre), dass man auf früh syncopiertes w(e)re zurückführt. Auch - um das gleich hier zu erwähnen - dass possessivum der 2. pers. pl. zeigt einen bemerkenswerten unterschied ven dem der 1. Ursprünglich waren für beide je zwei stämme nebeneinander vorhanden: unsa und unsar, iuwa und iuwar. In der ersten pers. ist nur der erstere erhalten geblieben, ons (dagegen hd. unser), in der 2. dagegen verdrängt im Limb. der stamm mit r den anderen: in den Serm. noch uwe und ure (aus uwere), später nur mehr das letztere. Kern § 165; Behagh. LXXXVI; Levit. § 112.
49. Wir haben unter no 30 bemerkt dass die kurze form se im Limb. häufiger für den nom. gebraucht wird als im Mnl. Umgekehrt hat es auch die form si häufiger für den a.s.f. und a. pl., während das Schriftmnl. die differenzierung, si für den nom., se für den acc., strenger durchführt. Levit. § 111; Kern s. 592, zeile 11, anm.; Verd. Aiol s. 49. Von der gegenseitigen verwechslung des Nl. zwischen den formen des dat. (acc.) sg. auf m und dat. (acc.) pl. auf n, wonach besonders hem auch für den pl. gilt, scheint das limb. sich frei gehalten zu haben.
Anm. 1. In wie weit in bezug auf die färbung der vocale in den formen hem, hen, hare zu ö, o, ü, u (Kern § 161-165) etwa unterschiede festzustellen seien, ist schwer zu sagen. - Anm. 2. Uber eine inclinierte form -ghe neben -se s. Cosijn T. en L.B. 5, 309 ff., Mnl. Gr. § 219 Anm.
50. Beim Artikel haben wir neben den dem Mnl. entsprechenden formen mit tonlosem e wie, des, den auch formen mit i, wie dis, din. Ob das i nun als variante des tonlosen vocals (wie in mi ‘man’?) zu erklären ist, oder als verkürzung von î, ie = nl. ie (nom. die) lässt sich nicht leicht entscheiden. In den entsprechenden formen des fragepronomens wis u.s.w. ist das i neben ie und e (= ë und tonlosem vocal?) wahrscheinlich ebenso aufzufassen.
51. Beim letzteren pronomen ist die dativform mit der alten endung -me, apocop. -m, erhalten, wem(e), wim(e) und verdrängt allmälich die accusativform. Kern § 173; Simons § 18 e.
Verbalflexion. 52. Wenigstens für die Serm. ist eine endung der 2. s. -(e)st neben -(e)s anzunehmen; Kern § 180 (vgl. Mnl. Gr. § 130, 2; van Helten § 208.)
53. In der 3. pers. pl. ind. praes. ist die alte endung -(e)nt öfter neben -en gewahrt und sogar auch auf die anderen 3. plur. sowie auf die 1. pl. übertragen. Kern § 184 (vgl. Jellingh. § 61.)
54. Die beiden typen der 2. sg. imperativ, der eine auf den consonanten, der andere auf vocal ausgehend scheinen sich im Limb. weniger stark vermischt zu haben, als im Mnl. Kern § 195; vgl. Mnl. Gr. § 129; van Helten § 187; 214.
55. Bei den praeteritopraesentia hat im Limb. auch weten die alte form der 2. s. du weest (got. waist) erhalten.
56. Bei den verba gan, stan en don ist im Limb. in der 1. s. praes. noch die aus der alten bildung auf -mi entsprungene endung -n gebräuchlich, zum unterschied wenigstens vom Schriftmnl. (vgl. Mnl. Gr. § 130, 1; van Helten § 239 und 241). Obwohl höchst auffallender weise ic stan in den Serm. nehen gan, don nicht belegt ist, muss sein bestehn vorausgesetzt werden.
57. In den Serm. kommt von willen die 2. pers. nur als wilt, nach analogie des regelmässigen verbums vor. Doch besass das gesammte sprachgebiet grössere mannichfaltigkeit der formen; Kern § 224.
Anmerkung. Auf die häufigen syncopen in den endungen des verbums, sowie auf die merkwürdige assimilation beim praet. auf -de ist unter no 32 und 39 aufmerksam gemacht.
58. Durch das particip gewest unterscheidet sich das Limb. wenigstens vom älteren Mnl. (Vläm.); s. Mnl. Gr. § 169.
Zur stammform der verba ist folgendes zu bemerken.
59. Nach no 14 ist bei st. vba. im praes. noch ein wechsel zwischen i und e vorhanden, der im Mnl. fehlt. Auch in anderen fällen hat das Nl. diesen wechsel ausgeglichen (mnl. Gr. § 138, 1) während das Limb. noch z.b. gilt, hilp(e)t von helpen, gelden kennt (Kern § 203; Behagh. s. XCI f.) Andere unterschiede in den praesensformen nach no 22 ff. (umlaut); vgl. auch oben s. 417 (sliet, slut). Über formen wie sît aus sited, s. oben s. 418
60. Das Limb. muss auch wohl einen lautlichen unterschied zwischen u und o in partic. und plur, praet. starker verba, wie hulpen, geholpen, sturven, gestorven, der im Mnl. lautlich oder durch ausgleich beseitigt ist, gewahrt gehabt haben. Wenn die schriftdenkmäler die formen mit u nicht aufweisen, so scheinen sie mir doch durch part. wie verlusschen, gehulpen (Kern § 203) *gesturven vorausgesetzt. Denn solche participia, die mndartlich auch im Deutschen und Mnl. zuweilen vorkommen, entstehn wohl auf grund der gleichheit von si bunden (opt. bunde) und ptcp. gebunden, si wunnen (wunne) und gewunnen durch eintritt des vocals des plur. (resp. optativs) ins participium.
61. Die verba sceppen, heffen, wassen u.s.w. behalten ihre organ. praeteri-
tumsform mit û (ô) fester als im Nl. Levit. s. 128; Kern s. 151, gegen Mnl. Gr. § 150, van Helten § 175 e.
62. Die klasse der mittelvocallosen, unter umständen auch durch ‘rückumlaut’ gekennzeichneten praeterita, wie dochte von dunken, brande von brennen, ist zahlreicher als im Nl.; z.b. satte von setten, getaut von tellen, gesocht wahrscheinlich von söken ‘säugen’ (s. Kern, Woordenlijst), dochte, gedocht von dopen sind im Mnl. seltener, oder gar nicht bekannt (Kern § 215, Mnl. Gr. § 159, van Helten § 203). Hierher gehören auch die neben anderen formen vorkommenden lachte, gelacht von leggen und sachte, gesacht von seggen (Verd. Aiol s. 48, Kern § 101, Behagh. s. XCIV ff.). Die Ansicht Kerns, dass diese formen aus dem Hd. eingedrungen seien teile ich nicht. Dass im Limb. cht bleibt, nicht (nach no 39) zu chd (= gd) wird, beweist grade das alter der formen, es lautete schon altlimb. sahta, lahta. Äusserlich wenigstens schliessen sich noch eine reihe anderer verba an, wie trecken, getregt; vervluken, vervlucht; rocken (oder rucken), rochte (Kern § 215 am schluss und § 94; vgl. oben no 33).
63. Aus dem praesens von hebben ist das auftauchen von formen mit geschwundenem f hest, het in den Serm. anzumerken, deren e nach neueren mundarten als lang anzusehen ist (Kern § 214). Wegen contrahierter formen mit â, wie im Deutschen, bei Veldeke vgl. Behaghel s. XCVI, Levit. § 132.
Anmerkung. Umlaut in der 2. sg. ind und im opt. praet. schwacher verba s. no 22 (Kern § 215).
64. Aus der wortbildung sei nur das im Limb. geläufige verbalpraefix er-erwähnt, über dessen vorkommen man sich aus den wörterbüchern u. glossaren ein bild gestalten kann, dann die gestalt des suffixes -unge, -onge (mhd. -unge) gegenüber nl. -inghe (Kern § 68, dazu Behagh. s. XCVIII), ferner adj. und adverbia der art wie minnentlike Taal en Letterb. 5, 183, Verdam Aiol s. 48 (vgl. Wilmanns Deutsche Gr. II § 364 ff.).
65. Auch im geschlecht der substantive sind unterschiede vorhanden. Da Kern auch die in dieser hinsicht bemerkenswerten wörter in seine Woordenlijst aufgenommen, kann man sich daraus manches sammeln.
66. Auch wegen der natürlich nicht geringen unterschiede im wortschatz sei auf die wörterbücher und glossare verwiesen; eine kleine liste stellt Verdam, Aiol s. 49, zusammen; vgl. auch die listen von Kern s. 168 f. und Behaghel XCIX f. Ich hebe nur ein paar einzelheiten hervor: wie ‘hoe’, danne und hinne, went oder want ‘bis’, entgegen, hie ‘hier’; bet für met ist als lautliche variante bereits früher erwähnt. Angereiht sei hier noch das limb. clere ‘klaar’, dessen form nicht erklärt ist (ê umlaut von â?).
Bonn im März, 1897.
Kern hat diese erscheinung nicht erschöpfend verfolgt. Für die dehnung vor cht ist auch das material in § 15 und § 215 hinzuzunehmen, ausserdem die zusammenstellungen von B.H. oben 6, 317 ff. Solche fälle wie reegt hätten vielleicht in den text aufgenommen werden sollen, obwohl es sehr gut denkbar ist, dass der autor mit vollem bewustsein zwischen schriftsprachlichem recht und mundartlichem reecht unterschied. Die beispiele finden sich in den Serm. nämlich nur da, wo die ae, ee usw. durch den zeilenschluss getrennt werden, und vielleicht aus rein graphischen rücksichten ausnahmsweise die mundartliche form herangezogen wurde. Dass aber die dehnung der mundart gemäss war ergibt sich aus anderen limb. texten, ferner auch aus dem ausfall des h (s. unten no. 34) und aus der übereinstimmenden erscheinung in benachbarten deutschen mundarten. Da nun bekanntlich cht (auch das aus ft) in weitem maasse eine verkürzende wirkung auf vorangehende vocale ausübt, so haben wir hier zwei entgegengesetzte erscheinungen nebeneinander, und es kann in der that im einzelnen fall zweifel entstehn, ob wir z.b. in saechte ‘zacht’ (aus sâft) oder in soechte, suechte ‘zoekde’ (aus sôhta) wieder jüngere dehnung oder noch bewahrung der alten länge haben; vgl. Mnl. Gr. § 42, van Helten § 5 und 8 e. Da wo fälle wie gereecht, also neue dehnung, erwiesen ist, dürfte stets die erstere annahme die wahrscheinlichere sein.
Anscheinend umgekehrt geht das durch den i umlaut aus a entstandene oder durch entlehnungen aufgenommene e vor nasalverbindungen, wie in denken, mensche, kennen, venster limb. und mnl. gern in i über. Die neueren limb. mundarten bestätigen diesen übergang. Kern § 20.
Für u verzeichnet Kern nur einige fälle, wo i-umlaut hinzukommt: dure ‘tür’, huvel ‘hügel, unebenheit,’ iude, gevugelte und formen von mogen, sowie zullen: muge, sule, sulen, Auch aus den neueren mdarten weiss ich nichts entscheidendes beizubringen, jut (joet) ‘Jude’ kann beeinflusst sein. Da die plurale der praet. der u-klasse (budun usw.) gleichfalls - durch ausgleich - beeinflusst sein können, so bleiben in der that kaum beispiele übrig. Aber die schreibug u für den umlaut spricht stark dafür dass theoretisch dem ē ein ū parallel zu setzen wäre. - Wenn man ganz vorsichtig sein will, mag man übrigens die möglichkeit in betracht ziehen, dass zunächst überall ē und ō eingetreten seien, die dann zum teil je nach dem ursprünglichen vocal der folg. silbe später zu ī und ū geworden seien, also doch nicht in allen fällen gleich gelautet haben könnten.

References: § 114
 § 16
 § 16
 § 5
 § 66
 § 78
 § 51
 § 30
 § 54
 § 73
 § 60
 § 96
 § 39
 § 6
 § 33
 § 6
 § 27
 § 41
 § 37
 § 4
 § 50
 § 61
 § 5
 § 29
 § 53
 § 7
 § 33
 § 34
 § 95
 § 19
 § 6
 § 46
 § 202
 § 47
 § 16
 § 24
 § 42
 § 208
 § 131
 § 43
 § 43
 § 11
 § 48
 § 7
 § 12
 § 60
 § 10
 § 13
 § 51
 § 71
 § 150
 § 185
 § 64
 § 66
 § 86
 § 15
 § 46
 § 69
 § 54
 § 103
 § 15
 § 50
 § 47
 § 95
 § 15
 § 51
 § 85
 § 115
 § 118
 § 132
 § 138
 § 139
 § 142
 § 189
 § 144
 § 145
 § 152
 § 165
 § 112
 § 111
 § 161
 § 219
 § 173
 § 18
 § 180
 § 130
 § 208
 § 184
 § 61
 § 195
 § 129
 § 187
 § 130
 § 239
 § 224
 § 169
 § 138
 § 203
 § 203
 § 150
 § 175
 § 215
 § 159
 § 203
 § 101
 § 215
 § 94
 § 214
 § 132
 § 215
 § 68
 § 364
 § 15
 § 215
 § 42
 § 5
 § 20