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Timestamp: 2019-11-12 04:13:39+00:00

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Voll­streck­bar­er­klä­rung eines EU-Urteils – und die Anord­nung einer Sicher­heits­leis­tung durch das Beschwer­de­ge­richt | Rechtslupe
Vollstreckbarerklärung eines EU-Urteils - und die Anordnung einer Sicherheitsleistung durch das Beschwerdegericht
Voll­streck­bar­er­klä­rung eines EU-Urteils – und die Anord­nung einer Sicher­heits­leis­tung durch das Beschwer­de­ge­richt
Die Rechts­be­schwer­de gegen die Anord­nung einer Sicher­heits­leis­tung durch das Beschwer­de­ge­richt ist nicht statt­haft.
Die auf Art. 46 Abs. 3 EuGV­VO aF gestütz­te Anord­nung des Beschwer­de­ge­richts ist kei­ne nach Art. 44 EuGV­VO aF, § 15 Abs. 1 AVAG, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO anfecht­ba­re Ent­schei­dung, weil sie nicht über einen Rechts­be­helf gegen die Ent­schei­dung über den Antrag auf Voll­streck­bar­er­klä­rung im Sin­ne von Art. 43 EuGV­VO aF ergan­gen ist.
Nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs zur Vor­gän­ger­vor­schrift Art. 37 Abs. 2 EuGVÜ waren mit dem auto­nom aus­zu­le­gen­den Begriff der "Ent­schei­dung, die über den Rechts­be­helf ergan­gen ist", nur Ent­schei­dun­gen gemeint, die über die Begründ­etheit des Rechts­be­helfs gegen die Zulas­sung der Voll­stre­ckung im Sin­ne von Art. 36 EuGVÜ befan­den. Nicht erfasst waren hin­ge­gen Ent­schei­dun­gen des Rechts­be­helfs­ge­richts nach Art. 38 EuGVÜ über die Aus­set­zung des Ver­fah­rens oder die Anord­nung einer Sicher­heits­leis­tung, waren sie auch for­mell gese­hen Teil des glei­chen Gerichts­ent­scheids 1. Lehn­te das Rechts­be­helfs­ge­richt zugleich mit der Ent­schei­dung über den Rechts­be­helf betref­fend die Zulas­sung der Voll­stre­ckung eine Aus­set­zung des Ver­fah­rens ab oder ord­ne­te es die Leis­tung einer Sicher­heit an, ent­hielt der Gerichts­ent­scheid zwei von­ein­an­der zu unter­schei­den­de Tei­le: Die gemäß Art. 37 Abs. 2 EuGVÜ anfecht­ba­re Ent­schei­dung nach Art. 36 Abs. 1 EuGVÜ und die gemäß Art. 37 Abs. 2 EuGVÜ nicht anfecht­ba­re Ent­schei­dung nach Art. 38 EuGVÜ 2.
Die­se enge Aus­le­gung ist auch für die im Streit­fall ein­schlä­gi­gen Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen der Artt. 44, 46 EuGV­VO aF zu beach­ten.
Die Aus­le­gungs­grund­sät­ze zum EuGVÜ sind auf die EuGV­VO aF zu über­tra­gen, soweit deren Vor­schrif­ten als gleich­be­deu­tend ange­se­hen wer­den kön­nen 3. Die­se Vor­aus­set­zung ist gege­ben.
EuGV­VO aF bestimmt mit nahe­zu iden­ti­schem Wort­laut zu Art. 37 Abs. 2 EuGVÜ den mög­li­chen Gegen­stand des wei­te­ren Rechts­be­helfs; Unter­schie­de erge­ben sich nur aus der Ver­wei­sung auf die im Anhang – IV vor­ge­se­he­nen mit­glied­staat­li­chen Rechts­be­hel­fe. Die vom Gerichts­hof im Rah­men der sys­te­ma­ti­schen Aus­le­gung her­an­ge­zo­ge­nen Bestim­mun­gen zum Rechts­be­helf gegen die Ent­schei­dung des mit dem Antrag auf Voll­streck­bar­er­klä­rung befass­ten Gerichts (Art. 36 Abs. 1 EuGVÜ) und zu den Anord­nungs­be­fug­nis­sen des Rechts­be­helfs­ge­richts bei einer im Ursprungs­staat noch nicht rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung (Art. 38 EuGVÜ) ent­spre­chen in ihrem wesent­li­chen Rege­lungs­ge­halt den Art. 43 Abs. 1 und Art. 46 Abs. 1 und 3 EuGV­VO aF, die den genann­ten Bestim­mun­gen aus dem Brüs­se­ler Über­ein­kom­men nach­ge­bil­det sind 4. Art. 43 Abs. 1 EuGV­VO aF fasst ledig­lich die im Brüs­se­ler Über­ein­kom­men in Abhän­gig­keit vom Aus­gang des Ver­fah­rens vor dem mit dem Antrag befass­ten Gericht getrennt gere­gel­ten Vor­schrif­ten zu den Rechts­be­hel­fen von Antrag­stel­ler und Schuld­ner (Art. 40 Abs. 1, Art. 36 Abs. 1 EuGVÜ und Art. 37 Abs. 2, Art. 41 EuGVÜ) zusam­men, so dass die gericht­li­chen Anord­nungs­be­fug­nis­se nach Art. 46 Abs. 1 EuGV­VO aF unab­hän­gig davon bestehen, wer Rechts­be­helfs­füh­rer im Voll­streck­bar­er­klä­rungs­ver­fah­ren ist. Die Neu­re­ge­lung erstreckt die Anord­nungs­be­fug­nis­se zudem auf das Gericht des wei­te­ren Rechts­be­helfs. Indes­sen gibt es wei­ter­hin kei­ne aus­drück­li­che Rege­lung zur Anfecht­bar­keit von Ent­schei­dun­gen über den Aus­set­zungs­an­trag oder die Anord­nung einer Sicher­heits­leis­tung.
Ange­sichts der gegen­über dem Brüs­se­ler Über­ein­kom­men unver­än­der­ten Ziel­set­zung, den frei­en Ver­kehr der Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen durch Ver­ein­fa­chung der For­ma­li­tä­ten im Hin­blick auf ihre rasche und unkom­pli­zier­te Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung zu gewähr­leis­ten (vgl. Erwä­gungs­grün­de 2, 6 und 17 der EuGV­VO aF), und der vom Ver­ord­nungs­ge­ber ange­streb­ten Kon­ti­nui­tät zum Brüs­se­ler Über­ein­kom­men (Erwä­gungs­grün­de 5 aE und 19) bestehen kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass mit der EuGV­VO aF eine Erwei­te­rung der Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten im Hin­blick auf Neben­ent­schei­dun­gen des Beschwer­de­ge­richts über die Aus­set­zung oder Anord­nung von Sicher­heits­leis­tun­gen gewollt gewe­sen wäre. Viel­mehr spricht Erwä­gungs­grund 18 Satz 2 davon, dass dem Antrag­stel­ler (nur) für den Fall der Ableh­nung sei­nes Antrags auf Voll­streck­bar­er­klä­rung ein Rechts­be­helf mög­lich sein muss. Zudem waren die Ände­run­gen im Ver­fah­ren zur Voll­streck­bar­er­klä­rung von der Erwä­gung getra­gen, die­ses Ver­fah­ren wei­ter zu straf­fen (vgl. Erwä­gungs­grün­de 17 und 18 EuGV­VO aF) 5. Die deut­sche Kom­men­tar­li­te­ra­tur hat die enge Aus­le­gung des Gerichts­hofs zum Brüs­se­ler Über­ein­kom­men eben­falls für das EuGV­VO aF über­nom­men 6.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Okto­ber 2016 – IX ZB 11/​16
EuGH, Urteil vom 04.10.1991, C183/​90, van Dalf­sen /​van Loon, Slg. 1991, I4743, 4765 Rn. 21 bis 24; vom 11.08.1995, C432/​93, Sis­ro, Slg. 1995, I2269, 2288 Rn. 28 ff; zur iso­lier­ten Anfech­tung der Wei­ge­rung, sol­che Maß­nah­men anzu­ord­nen: BGH, Beschluss vom 21.04.1994 – IX ZB 8/​94, NJW 1994, 2156, 2157 unter II. 1. und 3.[↩]
EuGH, Urteil vom 04.10.1991, aaO, Rn. 23 f; vgl. auch Gene­ral­an­walt van Ger­ven in der Rechts­sa­che van Dalf­sen /​van Loon, Slg. 1991, I4743, 4755 Nr. 11 ff[↩]
etwa EuGH, Urteil vom 14.05.2009, C180/​06, Ilsin­ger, Slg. 2009, I3961 Rn. 41; vom 14.03.2013, C419/​11, ?eská spo?itelna /​Gerald Feich­ter, RIW 2013, 292 Rn. 27 mwN; vom 28.01.2015, C375/​13, Kolas­sa /​Barclays Bank, NJW 2015, 1581 Rn. 21; vgl. für Art. 13 Abs. 1 EuGVÜ und Art. 15 Abs. 1 EuGV­VO aF BGH, Urteil vom 30.03.2006 – VII ZR 249/​04, BGHZ 167, 83 Rn.19; Kropholler/​von Hein, Euro­päi­sches Zivil­pro­zess­recht, 9. Aufl., Einl EuGVO Rn. 68; zur Über­tra­gung der Aus­le­gung zu EuGVÜ und EuGV­VO aF auf die Luga­no­Über­ein­kom­men BGH, Urteil vom 24.06.2014 – VI ZR 315/​13, WM 2014, 1614 Rn.20[↩]
zu Art. 38 EuGVÜ, Art. 46 EuGV­VO aF Alt­ham­mer in Simons/​Hausmann, Brüs­sel I-Ver­ord­nung, 2012, Art. 46 Rn. 1 mwN[↩]
OGH Wien, Beschluss vom 25.03.2004 – 3 Ob 20/​04v, unter 1.,; vom 27.04.2005 – 3 Ob 23/​05m[↩]
Münch­Komm-ZPO/Gott­wald, ZPO, 4. Aufl., Art. 46 EuGV­VO aF Rn. 9; Mäsch in Kind­l/­Mel­ler-Han­nich/­Wolf, Gesam­tes Recht der Zwangs­voll­stre­ckung, 3. Aufl., Art. 44 Brüs­sel I‑VO Rn. 3 und Art. 46 Brüs­sel I‑VO Rn. 15; Rauscher/​Mankowski, EuZPR/​EuIPR, 2011, Art. 44 Brüs­sel I‑VO Rn. 2 und Art. 46 Brüs­sel I‑VO Rn. 22; Kropholler/​von Hein, Euro­päi­sches Zivil­pro­zess­recht, 9. Aufl., Art. 44 EuGVO Rn. 5 und Art. 46 EuGV­VO Rn. 10; Alt­ham­mer in Simons/​Hausmann, Brüs­sel I‑Verordnung, 2012, Art. 46 Rn. 15[↩]
Brüssel-I-VOSicherheitsleistungVollstreckbarerklärung

References: Art. 46
 Art. 44
 § 15
 § 574
 Art. 43
 Art. 37
 Art. 36
 Art. 38
 Art. 37
 Art. 36
 Art. 37
 Art. 38
 Art. 37
 Art. 43
 Art. 46
 Art. 43
 Art. 36
 Art. 37
 Art. 41
 Art. 46
 Art. 13
 Art. 15
 Art. 38
 Art. 46
 Art. 46

OGH 
 Art. 46
 Art. 44
 Art. 46
 Art. 44
 Art. 46
 Art. 44
 Art. 46
 Art. 46