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Timestamp: 2020-08-04 23:04:43+00:00

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Oberlandesgericht Düsseldorf, Beschluss vom 30.12.1999 mit dem Az.: 2b Ss (OWi) 253/99 - (OWi) 91/99 I	/* Banner Ads */
Aktenzeichen: 2b Ss (OWi) 253/99 - (OWi) 91/99 I
StVO § 8 Abs. 1 Satz 1
StVO §§ 1 Abs. 2, 8 Abs. 1 Satz 1, 9 Abs. 5, 10, 12
Auf öffentlichen Parkplätzen gilt die Vorfahrtregel des § 8 Abs. 1 Satz 1 StVO ("rechts vor links") nur, wenn die "Fahrbahnen" zwischen den einzelnen Abstellplatzreihen den Charakter von Straßen haben, und auch dann nur für den darauf "fließenden Verkehr", nicht aber zwischen diesem und den in einen Abstellplatz einfahrenden oder aus einem solchen ausfahrenden Fahrzeugführern. Für die zuletzt Genannten gelten die Regeln des § 1 Abs. 2 StVO bzw. der §§ 9 Abs. 5, 10 StVO entsprechend.
OLG Düsseldorf, 1. Senat für Bußgeldsachen, Beschluß vom 30.12.1999 - 2b Ss (OWi) 253/99 - (OWi) 91/99 I
2b Ss (OWi) 253/99 - (OWi) 91/99 I 13 Js 364/99 StA Krefeld
geborene, geboren am, in
hat der 1. Senat für Bußgeldsachen durch den Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht S sowie die Richter am Oberlandesgericht H und S auf die Rechtsbeschwerde der Betroffenen gegen das Urteil des Amtsgerichts Krefeld vom 7. Juni 1999 nach Anhörung der Generalstaatsanwaltschaft am 30. Dezember 1999 beschlossen:
Das angefochtene Urteil wird mit den Feststellungen aufgehoben. Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an das Amtsgericht Krefeld zurückverwiesen.
Das Amtsgericht hat die Betroffene "wegen einer fahrlässigen Vorfahrtverletzung" zu einer Geldbuße von 120,-- DM verurteilt. Hiergegen wendet sich die Betroffene mit der Rechtsbeschwerde. Mit dem durch besonderen Beschluß vom heutigen Tage zugelassenen Rechtsmittel rügt sie die Verletzung materiellen Rechts.
"Die Betroffene befuhr am 28.01.1999 gegen 11.45 Uhr mit dem PKW VW, amtliches Kennzeichen KR-, in Krefeld den Zooparkplatz an der Uerdinger Straße. Hierbei handelt es sich um einen öffentlichen Parkplatz, der Tag und Nacht frei zugänglich ist. Die Betroffene mißachtete die Vorfahrt der von rechts kommenden Zeugin M, die den Parkplatz mit dem PKW KR- in westlicher Richtung befuhr. Die Betroffene fuhr in die linke Seite des von der Zeugin M geführten PKW's, wobei ein Sachschaden von ca. 5.000,00 DM entstand. Aufgrund dieses Zusammenstoßes geriet die Zeugin gegen den PKW des Zeugen, der in einer Parktasche abgestellt war. Am Fahrzeug des Zeugen entstand ein Sachschaden von ca, 3.000,00 DM."
Die Betroffene stellt ihre Beteiligung an der Verursachung des Unfalls nicht in Abrede. Sie ist allerdings der Auffassung, sie habe sich zwar einer Verkehrsordnungswidrigkeit nach § 1 Abs. 2 StVO, nicht jedoch der Vorfahrtverletzung zum Nachteil der Zeugin schuldig gemacht, da die Regel "rechts vor links" (§ 8 Abs. 1 Satz 1 StVO) auf einem Parkplatz nicht gelte.
Das Amtsgericht hat die gegenteilige Rechtsauffassung vertreten und dazu in den Urteilsgründen u.a. ausgeführt:
"Nach dem festgestellten Sachverhalt war die Betroffene wegen einer fahrlässigen Vorfahrtverletzung ... in eine Geldbuße zu nehmen.
Da es sich vorliegend um einen öffentlichen, frei zugänglichen Parkplatz handelt, ist die Vorfahrtregel "rechts vor links" anzuwenden."
Die Feststellungen des angefochtenen Urteils tragen der Schuldspruch wegen einer tateinheitlich mit einem Verstoß gegen § 1 Abs. 2 StVO fahrlässig begangenen Verkehrsordnungswidrigkeit der Vorfahrtverletzung nach § 8 Abs. 1 Satz 1 StVO nicht.
1. Zutreffend hat das Amtsgericht allerdings den Parkplatz als öffentlichen Verkehrsraum angesehen und demgemäß angenommen, daß die Regeln der Straßenverkehrsordnung grundsätzlich Anwendung finden. Das entspricht für öffentliche Parkplätze, d.h. für solche, die jede tatsächlich zugänglich sind, seit jeher gefestigter Rechtsprechung (vgl. Senat VRS 61, 455 m.w.N.; ferner Jagusch/Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 35. Aufl., § 1 StVO Rdnr. 14; Mühlhaus/Janiszewski, StVO, 15. Aufl., § 1 Rdnr. 14 und § 12 Rdnr. 66, beide ebenfalls m.w.N.).
2. Nach den vom Amtsgericht getroffen tatsächlichen Feststellungen kann indes nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, daß im vorliegenden Fall die Vorfahrtregel des § 8 Abs. 1 Satz 1 StVO - "rechts vor links" - anwendbar ist.
a) Nach der genannten Bestimmung hat an Kreuzungen und Einmündungen Vorfahrt, wer von rechts kommt. Eine Kreuzung ist die Schnittfläche zweier oder mehrerer sich schneidender Fahrbahnen verschiedener Straßen, die sich jenseits, u.U. seitlich versetzt, fortsetzen (vgl. Senat, a.a.O.; Jagusch/Hentschel, a.a.O., § 8 Rdnr. 32; Mühlhaus/Janiszewski, a.a.O., § 8 Rdnr. 4, alle m.w.N.). Eine Einmündung ist das - rechtwinkelige oder schräge - Zusammentreffen einer Straße mit einer durchgehenden Straße ohne Fortsetzung über diese hinaus (vgl. Senat, a.a.O.; Jagusch/Hentschel, a.a.O., § 8 StVO Rdrn. 33; Mühlhaus/Janiszewski, a.a.O., § 8 StVO Rdnr. 5, alle m.w.N.).
b) Daraus folgt, daß für die Anwendung der Vorfahrtregel des § 8 Abs. 1 Satz 1 StVO auf den Parkplatzverkehr nicht generell, sondern nur dann Raum ist, wenn die "Fahrbahnen" zwischen den einzelnen Abstellplatzreihen den Charakter von Straßen haben und die Vorrangfrage zwei Parkplatzbenutzer betrifft, die beim Befahren der Fahrbahnen mit Straßencharakter an einer Kreuzung oder Einmündung gleichzeitig zusammentreffen (vgl., Senat, a.a.O.; Jagusch/Hentschel, a.a.O., § 8 StVO Rdnr. 31 a; Mühlhaus/Janiszewski, a.a.O., § 12 StVO Rdnr. 66 sowie 8 StVO Rdnr. 46). Weiter ergibt sich daraus, daß die Vorfahrtregel "rechts vor links" nur für den "fließenden Verkehr" gilt, vorausgesetzt, die "Fahrbahnen" zwischen den einzelnen Abstellplätzen haben - wie erwähnt - den Charakter von Straßen (vgl. Senat a.a.O., m.w.N.). Andernfalls besteht für die Teilnehmer des Parkplatzverkehrs Verständigungspflicht (vgl. Jagusch/Hentschel, a.a.O., § 8 StVO Rdnr. 31 a) Im Verhältnis "des fließenden Verkehrs" auf den "Fahrbahnen" und den ein- bzw. ausparkenden Fahrzeugführern, gelten die Regeln des § 1 Abs. 2 StVO bzw. des § 9 Abs. 5 und des § 10 StVO entsprechend (vgl. Senat a.a.O.; Mühlhaus/Janiszewski, a.a.O § 12 Rdnr. 66 m.w.N.).
Diese Rechtslage hat das Amtsgericht, das unkritisch von der entsprechenden Anwendung der Vorfahrtregel des § 8 Abs. 1 Satz 1 StVO auf den hier zu entscheidenden Fall ausgegangen ist, ersichtlich verkannt.
Möglicherweise findet die genannte Regel Anwendung. Das setzt aber voraus, daß die Fahrbahnen auf dem fraglichen Zooparkplatz an der Uerdinger Straße zwischen den einzelnen Abstellplätzen den Charakter von Straßen haben und die Vorrangfrage zwischen zwei Benutzern aufgetreten ist, die beim Befahren dieser Fahrbahnen mit Straßencharakter an einer Kreuzung oder Einmündung gleichzeitig zusammengetroffen sind. Dies vermag der Senat jedoch den knappen tatsächlichen Feststellungen des Amtsgerichts nicht zu entnehmen.
In seinem bereits erwähnten Beschluß vom 26. Mai 1981, abgedruckt in VRS, a.a.O., hat der Senat unter Hinweis auf weitere obergerichtliche Entscheidungen u.a. ausgeführt:
"Allerdings läßt die Rechtsprechung die analoge Anwendbarkeit der Vorfahrtregeln der StVO auch auf Parkplätzen, die Fahrbahnen mit Straßencharakter aufweisen, nicht uneingeschränkt zu. Während der Straßenverkehr die möglichst zügige Ortsveränderung zum Ziele hat, dient der Verkehr auf Parkplätzen dem Aufsuchen und vorübergehenden Abstellen von Kraftfahrzeugen, um sie alsbald wieder in Betrieb zu nehmen. Die Aufmerksamkeit der Benutzer ist in erster Linie auf Parkplatzsuche und vorsichtiges Rangieren beim Ein- und Ausparken ausgerichtet. Auch muß vermehrt mit Fußgängerverkehr (der Fahrzeuginsassen) gerechnet werden. Das Gebot der allgemeinen Rücksichtnahme nach § 1 StVO erfordert, daß alle Parkplatzbenutzer ihre Geschwindigkeit nach 3 Abs. 1 StVO einrichten und brems- und anhaltebereit fahren. ... Den Vertrauensgrundsatz in bezug auf ein Vorrecht gibt es auf Parkplätzen nicht. Das Vorrecht des Fahrbahnbenutzers auf einem Parkplatz wird durch § 1 StVO erheblich eingeschränkt ..."
An diesen Grundsätzen ist nach erneuter Überprüfung festzuhalten (vgl. dazu auch Jagusch/Hentschel, a.a.O., § 8 StVO Rdnr. 31 a).
Dem angefochtenen Urteil läßt sich nicht entnehmen, daß sich der Tatrichter bei seiner Entscheidung dieser Grundsätze bewußt war. Zur Fahrweise der an dem Unfall beteiligten Zeugin K sind keinerlei Feststellungen getroffen worden.
Die aufgezeigten Mängel haben zur Folge, daß die angefochtene Entscheidung mit den getroffenen Feststellungen aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an das Amtsgericht zurückverwiesen werden muß (§§ 79 Abs. 3 Satz 1, Abs. 6 OWiG, 353 StPO). Der Senat hält eine Zurückverweisung an dieselbe Abteilung des Amtsgerichts für angezeigt (§ 79 Abs. 6 OWiG).

References: § 8
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