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Timestamp: 2017-11-24 13:00:01+00:00

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BAG, Urteil vom 06.12.2006, 4 AZR 798/05 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 06.12.2006, 4 AZR 798/05
Schlagworte: Sozialplan, Tarifvertrag, Tarifsozialplan
Aktenzeichen: 4 AZR 798/05
§§ 111, 112 BetrVG schränken die Befugnis von Tarifvertragsparteien zum Abschluss eines Tarifvertrages mit einem sozialplanähnlichen Inhalt nicht ein.
Der Ausschluss eines tariflichen Abfindungsanspruchs für den Fall der Erhebung einer Kündigungsschutzklage durch den gekündigten Arbeitnehmer, wenn der Arbeitgeber vorher auf diese Bedingung hingewiesen hat, verstößt weder gegen Art. 3 Abs. 1 GG noch gegen § 612a BGB.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Gera
4 AZR 798/05
8 Sa 175/05
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 6. De­zem­ber 2006 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Be­p­ler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Bott und Creutz­feldt so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Va­len­ti­en und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Pfeil für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Thürin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 17. Ok­to­ber 2005 - 8 Sa 175/05 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen An­spruch der Kläge­rin auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung we­gen der be­triebs­be­ding­ten Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses.
Die Kläge­rin war seit dem 1. No­vem­ber 1990 bei der Be­klag­ten beschäftigt, zu­letzt im In­nen­dienst als Sach­be­ar­bei­te­rin für all­ge­mei­ne Leis­tun­gen und Zahn­er­satz. Nach § 2 Abs. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges sind die für die Be­klag­te „gel­ten­den Ta­rif­verträge und sons­ti­gen Be­stim­mun­gen maßge­bend“.
Die Be­klag­te über­nahm ne­ben ih­rem ei­gent­li­chen Tätig­keits­feld im Jah­re 1998 zusätz­lich für an­de­re All­ge­mei­ne Orts­kran­ken­kas­sen Auf­ga­ben im Be­reich der Rech­nungs­prüfung und Be­legle­sung. Dies ge­schah auf ver­trag­li­cher Grund­la­ge ge­gen ei­ne Vergütung, nach­dem die Ver­si­cher­ten­zahl in Thürin­gen er­heb­lich zurück­ge­gan­gen war. Die Erfüllung die­ser „ex­ter­nen Auf­ga­ben“ wur­de zu­letzt durch 256 Beschäftig­te (entspr. 238,3 Voll­beschäftig­ten­ein­hei­ten) ge­leis­tet.
Im Jah­re 2003 be­schloss die Be­klag­te die Auf­ga­be die­ser „ex­ter­nen“ Ar­bei­ten, da sie nicht mehr kos­ten­de­ckend durch­zuführen und Ver­su­che ge­schei­tert wa­ren, bes­se­re ver­trag­li­che Be­din­gun­gen zu er­rei­chen. Nach Be­tei­li­gung des bei ihr be­ste­hen­den Per­so­nal­ra­tes wur­de am 13. No­vem­ber 2003 ent­schie­den, die Geschäfts­fel­der der Rech­nungs­prüfung und Be­legle­sung auf­zu­ge­ben, kei­ne neu­en Dienst­leis­tungs­aufträge von an­de­ren All­ge­mei­nen Orts­kran­ken­kas­sen mehr an­zu­neh­men und die be­ste­hen­den Auf­träge bis zum 31. De­zem­ber 2003, spätes­tens bis zum 31. März 2004 zu be­en­den. Da­durch ent­fiel bei der Be­klag­ten der Beschäfti­gungs­be­darf für 238,3 Voll­beschäftig­ten­ein­hei­ten. Mit dem Per­so­nal­rat wur­de ei­ne Aus­wahl­richt­li­nie für die be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen ver­ein­bart, mit de­nen ein ent­spre­chen­der Per­so­nal­ab­bau durch­geführt wer­den soll­te.
Die Be­klag­te ver­han­del­te mit dem Per­so­nal­rat auch über ei­nen So­zi­al­plan. Da­bei er­ga­ben sich zwei Al­ter­na­ti­ven. Nach dem ers­ten Vor­schlag soll­te ein Ge­samt­be­trag von 4 Mil­lio­nen Eu­ro für die Zah­lung von Ab­fin­dun­gen zur Verfügung ge­stellt
wer­den; nach dem zwei­ten Vor­schlag soll­te das Vo­lu­men 4,5 Mil­lio­nen Eu­ro be­tra­gen, wo­bei ein Ab­fin­dungs­an­spruch al­ler­dings an die Be­din­gung ge­knüpft wer­den soll­te, dass der gekündig­te Beschäftig­te kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge nach § 4 KSchG er-he­ben würde. Der Per­so­nal­rat ent­schied sich für die zwei­te Al­ter­na­ti­ve. Ei­ne ent­spre­chen­de Dienst­ver­ein­ba­rung wur­de am 22. Ja­nu­ar 2004 un­ter­zeich­net (im Fol­gen­den: DV-Soz­Plan).
An­sch­ließend stell­ten sich bei den Be­tei­lig­ten der Dienst­ver­ein­ba­rung Be­den­ken hin­sicht­lich der Wirk­sam­keit der DV-Soz­Plan ein. Denn nach § 72 Abs. 1 Satz 1 ThürPers­VG können Dienst­ver­ein­ba­run­gen nur wirk­sam ab­ge­schlos­sen wer­den, wenn sie im Ge­setz aus­drück­lich vor­ge­se­hen sind. Die Möglich­keit, So­zi­alpläne ab­zu­sch­ließen, ist in § 74 Abs. 2 Nr. 7 ThürPers­VG nur für ei­ne „Ra­tio­na­li­sie­rungs­maßnah­me“ vor­ge­se­hen. Ob un­ter die­sen Be­griff auch die von der Be­klag­ten ge­plan­te Maßnah­me fällt, wur­de als zwei­fel­haft an­ge­se­hen. Der Per­so­nal­rat der Be­klag­ten trat da­her an die Ge­werk­schaft ver.di so­wie die Ge­werk­schaft der So­zi­al­ver­si­che­rung (GdS) mit der Bit-te her­an, sich für den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges mit der Be­klag­ten ein­zu­set­zen, der den In­halt der DV-Soz­Plan über­neh­men soll­te. In den an­sch­ließen­den Ver­hand­lun­gen der Be­klag­ten mit den Ta­rif­kom­mis­sio­nen der Ge­werk­schaf­ten kam es am 9. März 2004 zu dem Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges über ei­nen So­zi­al­plan zwi­schen der Be­klag­ten und den Ge­werk­schaf­ten ver.di und GdS (im Fol­gen­den: TV-Soz­Plan), in dem noch ver­bes­ser­te Be­din­gun­gen für die Beschäftig­ten er­reicht wer­den konn­ten. Die Ab­fin­dungs­re­ge­lung in dem TV-Soz­Plan lau­tet aus­zugs­wei­se wie folgt:
„§ 2 Ab­fin­dung
1. Grund­ab­fin­dung bei Kündi­gung
a) Beschäftig­te, die in den Gel­tungs­be­reich die­ses Ta­rif­ver­tra­ges fal­len und nach Er­halt ei­ner be­triebs­be­ding­ten or­dent­li­chen Kündi­gung we­gen der Be­en­di­gung der Auf­trags­geschäfte für an­de­re AOK’s bis zum Ab­lauf der Frist nach § 4 Satz 1 KSchG kei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung er­he­ben, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung nicht auf­gelöst wor­den ist, er­hal­ten ei­ne Ab­fin­dung. Der Ar­beit­ge­ber wird in der Kündi­gungs­erklärung dar­auf hin­wei­sen, dass die Kündi­gung auf drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se gestützt ist und der Beschäftig­te bei Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist die Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann. Enthält ei­ne Kündi­gungs­erklärung die­se bei­den Hin­wei­se nicht, be­steht der Ab­fin­dungs­an­spruch auch dann, wenn der Beschäftig­te ei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung er­hebt, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung nicht auf­gelöst wor­den ist.
5. Ab­fin­dungs­an­spruch bei Einwänden des Per­so­nal­ra­tes ge­gen ei­ne be­ab­sich­tig­te be­triebs­be­ding­te Kündi­gung
Er­hebt der Per­so­nal­rat im Rah­men sei­ner Mit­wir­kung Ein-wände nach § 78 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 - 5 ThürPers­VG ge­gen die be­ab­sich­tig­te be­triebs­be­ding­te Kündi­gung ei­nes Beschäftig­ten, die nicht of­fen­sicht­lich un­be­gründet sind, hat der Beschäftig­te ab­wei­chend von § 2 Abs. 1 die­ses Ta­rif­ver­tra­ges auch dann ei­nen An­spruch auf Ab­fin­dung nach die­sem Ta­rif­ver­trag, wenn er die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung durch Kla­ge gel­tend macht und in die­sem Ver­fah­ren rechts-kräftig un­ter­liegt. In die­sem Fall wird der An­spruch auf Zah­lung der Ab­fin­dung erst fällig, wenn rechts­kräftig fest­steht, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung be­en­det wur­de.“
Nach Anhörung des Per­so­nal­ra­tes, der kei­ne Einwände ge­gen die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung er­hob, wur­de die Kläge­rin mit Schrei­ben vom 1. April 2004 or­dent­lich be­triebs­be­dingt zum 31. De­zem­ber 2004 gekündigt. Wei­ter heißt es in dem Kündi­gungs­schrei­ben der Be­klag­ten aus­zugs­wei­se:
„Wie Ih­nen eben­falls be­kannt ist, hat die AOK Thürin­gen mit den Ge­werk­schaf­ten ver.di und GdS ei­nen Ta­rif­ver­trag ab­ge­schlos­sen, der Ab­fin­dungs­zah­lun­gen für be­triebs­be­dingt aus­schei­den­de Beschäftig­te vor­sieht. In die­sem Zu­sam­men­hang wird aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass auch Sie ei­nen An­spruch auf Ab­fin­dung nach die­sem Ta­rif­ver­trag ha­ben, wenn Sie die Kla­ge­frist des § 4 Kündi­gungs­schutz­ge­setz ver­strei­chen las­sen, oh­ne ei­ne ge­gen die Kündi­gung ge­rich­te­te Kla­ge zu er­he­ben.“
Mit Schrift­satz vom 13. April 2004 er­hob die Kläge­rin beim Ar­beits­ge­richt Ge­ra Kla­ge auf Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 1. April 2004 zum 31. De­zem­ber 2004 nicht auf­gelöst wer­de, son­dern un­verändert fort­be­ste­he.
Während des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses er­wei­ter­te die Kläge­rin die Kla­ge zunächst um den Hilfs­an­trag auf die Fest­stel­lung, dass ihr ein Ab­fin­dungs­an­spruch nach der DV-Soz­Plan zu­ste­he. In der Kam­mer­ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt schlos­sen die Par­tei­en am 30. No­vem­ber 2004 fol­gen­den Teil-Ver­gleich:
„1. Die Par­tei­en sind sich dar­in ei­nig, dass das zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auf Grund or­dent­li­cher be­triebs­be­ding­ter Ar­beit­ge­berkündi­gung vom 01.04.2004 zum 31.12.2004 be­en­det wird.
2. Die Be­klag­te zahlt an die Kläge­rin für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes ei­ne Ab­fin­dung gemäß §§ 9, 10 KSchG, § 3 EStG in Höhe von 6.209,91 € brut­to, fällig zum 31.12.2004. Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass die­se Ab­fin­dung auf ei­nen even­tu­ell be­ste­hen­den Ab­fin­dungs­an­spruch nach dem So­zi­al­plan­tarif­ver­trag vom 09.03.2004 an­ge­rech­net wird.“
Die Kläge­rin hat so­dann noch die „zwei­te Hälf­te“ der nach dem TV-Soz­Plan vor­ge­se­he­nen Ab­fin­dung in rech­ne­risch un­strei­ti­ger Höhe gel­tend ge­macht. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass der Aus­schluss des Ab­fin­dungs­an­spruchs bei Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge nicht wirk­sam sei. Ein So­zi­al­plan dürfe nicht funk­ti­ons­wid­rig da­zu ge­nutzt wer­den, dem Un­ter­neh­mer die ge­plan­te Be­triebsände­rung zu er­leich­tern und ihm das Ri­si­ko von Rechts­feh­lern, die im Voll­zug der Be­triebsände­rung un­ter­lau­fen, ab­zu­neh­men. Dies führe auch zu ei­ner Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes, da auch ein gekündig­ter Ar­beit­neh­mer, ge­genüber des­sen Kündi­gung kei­ne recht­li­chen Be­den­ken bestünden und für den des­halb auch kein An­lass für ei­ne ge­richt­li­che Über­prüfung be­ste­he, für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes ei­ne Ab­fin­dung er­hal­te.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­ne Ab­fin­dung aus dem So­zi­al­plan­tarif­ver­trag in Höhe von 12.419,81 Eu­ro un­ter Ab­zug der Ab­fin­dung aus dem So­zi­al­ver­gleich in Höhe von 6.209,91 Eu­ro zu zah­len.
Die Be­klag­te hat ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag mit dem Weg­fall ei­nes Ab­fin­dungs­an­spruchs durch die Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge durch die Kläge­rin be­gründet. Da der TV-Soz­Plan ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung der Be­klag­ten re­ge­le, sei­en die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en frei, den erklärten Zweck der Leis­tung, nämlich Rechts­si­cher­heit und rei­bungs­lo­se Ab­wick­lung der Be­triebsände­rung in Form ei­ner Be­din­gung im TV-Soz­Plan zu re­geln.
Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen.
I. Die Re­vi­si­on ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ge­setzmäßig be­gründet und da­mit zulässig.
1. Zur ord­nungs­gemäßen Be­gründung der Re­vi­si­on gehört die An­ga­be der Re­vi­si­ons­gründe, § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO. Bei Sachrügen gehört da­zu die be­stimm­te Be­zeich­nung der Umstände, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung er­gibt, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a ZPO. Die Re­vi­si­ons­be­gründung muss die Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts so auf­zei­gen, dass Ge­gen­stand und Rich­tung des Re­vi­si­ons­an­griffs er­kenn­bar sind. Da­her muss die Re­vi­si­ons­be­gründung ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ur­teils­gründen des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ent­hal­ten (Se­nat 30. Au­gust 2000 - 4 AZR 333/99 -; BAG 29. Ok­to­ber 1997 - 5 AZR 624/96 - BA­GE 87, 41, 44). Mit die­sen An­for­de­run­gen soll auch si­cher­ge­stellt wer­den, dass der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Re­vi­si­onsklägers das an­ge­foch­te­ne Ur­teil im Hin­blick auf das Rechts­mit­tel über­prüft und mit Blick­rich­tung auf die Rechts­la­ge ge­nau durch­denkt. Außer­dem soll die Re­vi­si­ons­be­gründung durch ih­re Kri­tik des an­ge­foch­te­nen Ur­teils zur rich­ti­gen Rechts­fin­dung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt bei­tra­gen (Se­nat 30. Au­gust 2000 - 4 AZR 333/99 -; 30. Mai 2001 - 4 AZR 272/00 -; BAG 6. Ja­nu­ar 2004 - 9 AZR 680/02 - BA­GE 109, 145, 148 f.). Die bloße Dar­stel­lung an­de­rer Rechts­an­sich­ten oh­ne je­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gründen des Be­ru­fungs­ur­teils genügt den An­for­de­run­gen an ei­ne ord­nungs­gemäße Re­vi­si­ons­be­gründung nicht (BAG 13. April 2000 - 2 AZR 173/99 -).
2. Die Re­vi­si­ons­be­gründung der Kläge­rin wird die­sen ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen noch ge­recht.
a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne ab­wei­sen­de Ent­schei­dung da­mit be­gründet, dass die Kläge­rin ei­nes mögli­chen Ab­fin­dungs­an­spruchs aus dem TV-Soz­Plan ver­lus­tig ge­gan­gen sei, in­dem sie ei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nach § 4 KSchG er­ho­ben ha­be. Die ent­spre­chen­de Klau­sel im TV-Soz­Plan sei wirk­sam. An­ders als bei ei­nem er­zwing­ba­ren So­zi­al­plan der Be­triebs­part­ner sei­en
die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ner frei­wil­li­gen so­zi­al­planähn­li­chen Re­ge­lung nicht ge­hin­dert, den An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes von der Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge abhängig zu ma­chen. Dies sei vom Bun­des­ar­beits­ge­richt für ei­ne frei­wil­li­ge Be­triebs­ver­ein­ba­rung (31. Mai 2005 - 1 AZR 254/04 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 175 = EzA Be­trVG 2001 § 112 Nr. 14) und für frei-wil­li­ge Leis­tun­gen auf Grund ei­ner Ge­samt­zu­sa­ge (15. Fe­bru­ar 2005 - 9 AZR 116/04 - BA­GE 113, 327) be­reits ent­schie­den wor­den. Glei­ches gel­te für den TV-Soz­Plan, weil auch die dar­in vor­ge­se­he­ne Leis­tung der Be­klag­ten als frei­wil­lig an­zu­se­hen sei. Ein So­zi­al­plan sei durch den Per­so­nal­rat nicht er­zwing­bar ge­we­sen, weil es sich bei der ge­plan­ten Be­triebsände­rung der Be­klag­ten nicht um ei­ne Ra­tio­na­li­sie­rungs­maßnah­me im Sin­ne von § 74 Abs. 2 Nr. 7 ThürPers­VG ge­han­delt ha­be. Die Klau­sel ver­s­toße we­der ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz noch ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot (§ 612a BGB). Mit der frei­wil­lig über­nom­me­nen Ver­pflich­tung könne der Zweck ver­bun­den wer­den, nicht nur wirt­schaft­li­che Nach­tei­le der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer aus­zu­glei­chen, son­dern auch den Ab­lauf des Ab­baus der Ar­beits­kräfte möglichst störungs­frei und planmäßig zu ge­stal­ten. Dies ent­spre­che auch „mu­ta­tis mutan­dis“ der durch § 1a KSchG seit 2004 ein­geführ­ten Rechts­la­ge.
b) Die dem ent­ge­gen­ge­stell­te Re­vi­si­ons­be­gründung der Kläge­rin be­steht zwar in wei­ten Tei­len aus ei­ner - weit­ge­hend wört­li­chen - Wie­der­ga­be der Ent­schei­dungs­gründe des Ur­teils des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 20. De­zem­ber 1983 (- 1 AZR 442/82 - BA­GE 44, 364), in dem die Ver­knüpfung ei­ner So­zi­al­plan­leis­tung gem. § 112 Be­trVG mit ei­nem Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist des § 4 Satz 1 KSchG für un­wirk­sam erklärt wur­de. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung je­doch aus­drück­lich und tra­gend da­mit be­gründet, dass es sich vor­lie­gend ge­ra­de nicht um ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung, son­dern um ei­ne ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­te Ab­fin­dung han­delt. Da­mit trifft das zen­tra­le Ar­gu­ment der Kläge­rin, es feh­le an ei­ner kol­lek­ti­ven Re­ge­lungs­macht des Be­triebs­ra­tes, den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt nicht, weil es hier nicht um ei­ne vom Be­triebs­rat/Per­so­nal­rat ab­ge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­rung geht, mit­hin des­sen kol­lek­ti­ve Re­ge­lungs­macht vom Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht erörtert wur­de. Die Kläge­rin ar­gu­men­tiert je­doch ergänzend, die Zu­las­sung der Möglich­keit, die § 1a KSchG bie­te, könne nicht auf ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für die Ar­beit­neh­mer über­tra­gen wer­den und macht hier­zu wei­te­re Ausführun­gen. Das lässt er­ken­nen, dass die Re­vi­si­on sich zu­min­dest auch ge­gen die Erwägung des Lan­de­ar­beits­ge­richts rich­ten soll, die - von der Re­vi­si­on be­strit­te­ne - Zulässig­keit ei­ner sol­chen ta­rif­ver­trag­li­chen
Re­ge­lung las­se sich auch durch den Rück­griff auf den Rechts­ge­dan­ken des § 1a KSchG be­gründen. Da­mit ist die Re­vi­si­on zulässig.
II. Die Re­vi­si­on ist je­doch un­be­gründet. Die Kläge­rin be­ruft sich oh­ne Er­folg auf den TV-Soz­Plan als An­spruchs­grund­la­ge. Sie erfüllt die dort wirk­sam ge­re­gel­ten An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen nicht, weil sie ge­gen die ihr ge­genüber aus­ge­spro­che­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung ei­ne Kla­ge gemäß § 4 Satz 1 KSchG er­ho­ben hat.
1. Die Ta­rif­re­ge­lung, nach der die Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge durch den be­triebs­be­dingt gekündig­ten Ar­beit­neh­mer Vor­aus­set­zung für ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch ist, ist wirk­sam.
a) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on steht dem der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht ent­ge­gen.
Die­se Erwägung ist schon des­halb fehl­sam, weil der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nur ein­greift, wenn ein Ar­beit­ge­ber ge­stal­tend wirkt und nicht le­dig­lich - auch ver­meint­li­chen - Norm­voll­zug be­treibt (Se­nat 6. Ju­li 2005 - 4 AZR 27/04 - AP BGB § 611 Leh­rer, Do­zen­ten Nr. 166 = EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 6; BAG 26. No­vem­ber 1998 - 6 AZR 335/97 - BA­GE 90, 219, 228). Mit der im Ta­rif­ver­trag aus­drück­lich vor­ge­se­he­nen Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen gekündig­ten Ar­beit­neh­mern, die kei­ne Kla­ge er­ho­ben ha­ben, und sol­chen, die sich ge­richt­lich ge­gen die ih­nen ge­genüber aus­ge­spro­che­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung ge­richt­lich zur Wehr ge­setzt ha­ben, woll­te die Be­klag­te er­kenn­bar le­dig­lich die von ihr als ver­bind­lich an­ge­se­he­ne Ta­rif­norm des § 2 Abs. 1 TV-Soz­Plan voll­zie­hen.
b) Die zu­grun­de lie­gen­de ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung ver­letzt aber auch nicht den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG.
aa) Der ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­heits­satz ver­bie­tet es, glei­che Sach­ver­hal­te un­ter­schied­lich zu be­han­deln. Ei­ne Un­gleich­be­hand­lung liegt vor, wenn sich für die vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung ein vernünf­ti­ger, sich aus der Na­tur der Sa­che er­ge­ben­der oder sonst wie ein­leuch­ten­der Grund nicht fin­den lässt, wenn al­so für ei­ne am Gleich­heits­ge­dan­ken ori­en­tier­te Be­trach­tung die Re­ge­lung als willkürlich an­zu­se­hen ist. Der Gleich­heits­satz wird durch ei­ne Ta­rif­norm ver­letzt, wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en es versäumt ha­ben, tatsächli­che Gleich­hei­ten oder Un­gleich­hei­ten der zu ord­nen­den Le­bens­verhält­nis­se zu berück­sich­ti­gen, die so be­deut­sam sind, dass sie bei ei­ner am Ge­rech­tig­keits­ge­dan­ken ori­en­tier­ten Be­trach­tungs­wei­se be­ach­tet wer­den
müssen. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben hier­nach ei­ne weit­ge­hen­de Ge­stal­tungs­frei­heit. Sie brau­chen nicht die zweckmäßigs­te, vernünf­tigs­te und ge­rech­tes­te Lösung zu wählen, viel­mehr genügt es, wenn sich für die ge­trof­fe­ne Re­ge­lung ein sach­lich ver­tret­ba­rer Grund er­gibt. Es ist nicht Auf­ga­be der Ge­rich­te zu prüfen, ob die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die ge­rech­tes­te oder zweckmäßigs­te Lösung für ein Re­ge­lungs­pro­blem ge­fun­den ha­ben (ständi­ge Recht­spre­chung, vgl. BAG 6. No­vem­ber 2002 - 5 AZR 487/01 - AP GG Art. 3 Nr. 300; 18. Ja­nu­ar 2001 - 6 AZR 492/99 - AP BAT § 52 Nr. 8 = EzA GG Art. 3 Nr. 92).
bb) Da­nach wa­ren die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht ge­hin­dert, den Ab­fin­dungs­an­spruch an die Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu bin­den. Hierfür be­stand ein sach­li­cher Grund.
Die Be­klag­te hat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der frühzei­ti­gen Klärung, ob das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Durchführung ei­nes Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens be­en­det wird. Selbst wenn der Ar­beit­ge­ber in ei­nem Kündi­gungs­rechts­streit ob­siegt, ist dies mit - mögli­cher­wei­se nicht un­er­heb­li­chen - Kos­ten ver­bun­den, schon weil die erst­in­stanz­li­chen Kos­ten ei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten auch von der ob­sie­gen­den Par­tei selbst zu tra­gen sind (§ 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG) und weil zusätz­li­cher Auf­wand durch die ge­bo­te­ne In­for­ma­ti­on der Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten und die außer­ge­richt­li­che Auf­be­rei­tung des Streitstof­fes ent­steht. Fer­ner be­steht das Ri­si­ko, den Kündi­gungs­rechts­streit zu ver­lie­ren mit der re­gelmäßigen Fol­ge der Ver­pflich­tung zur Zah­lung von An­nah­me­ver­zugs­lohn (§ 615 BGB, § 11 KSchG). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben in ei­ner Ge­samt­abwägung die­ses In­ter­es­se als sach­lich ge­recht­fer­tigt an­er­kannt und sei­ne Berück­sich­ti­gung durch die frag­li­che Klau­sel ge­genüber der von der Be­klag­ten an­ge­bo­te­nen Ge­gen­leis­tung als aus­ge­wo­gen an­ge­se­hen. Das genügt.
c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist es für die Wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Re­ge­lung oh­ne Be­deu­tung, ob die DV-Soz­Plan we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen § 72 Abs. 1 Satz 1, § 74 Abs. 2 Nr. 7 ThürPers­VG un­wirk­sam ist. Die Wirk­sam­keit oder Un­wirk­sam­keit der DV-Soz­Plan berührt die Wirk­sam­keit der ta­rif­ver­trag­li­chen Klau­sel nicht. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts kommt es für die Zulässig­keit der Be­din­gung der Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge in § 2 Abs. 1 Buchst. a TV-Soz­Plan nicht dar­auf an, ob hier ein Fall der Er­zwing­bar­keit ei­nes So­zi­al­plans vor­liegt. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind nicht ge­hin­dert, ei­nen Ta­rif­ver­trag zu ver­ein­ba­ren, der ei­nen so­zi­al­planähn­li­chen In­halt hat, ins­be­son­de­re ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung bei be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen vor­sieht, auch wenn
vor­her, gleich­zei­tig oder da­nach von Be­triebs- oder Dienst­stel­len­part­nern ein So­zi­al­plan gemäß § 112 Be­trVG, § 75 Abs. 3 Nr. 13 BPers­VG, § 74 Abs. 2 Nr. 7 ThürPers­VG ab­ge­schlos­sen wor­den ist oder auch nur er­zwing­bar wäre. Ei­ne sol­che Ein­schränkung der Ta­rif­au­to­no­mie, die die Zulässig­keit von ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen an die feh­len­de Er­zwing­bar­keit von Be­triebs- oder Dienst­ver­ein­ba­run­gen knüpft, ist nicht be­gründ­bar. Eben­so we­nig be­gren­zen Schran­ken, wel­chen die Be­triebs­par­tei­en bei ih­rer ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Re­ge­lungs­auf­ga­be im Rah­men des § 112 Be­trVG un­ter­lie­gen, die Rechts­set­zungs­macht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en.
aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat mit den Erwägun­gen über die von ihm an­ge­nom­me­ne Un­wirk­sam­keit der DV-Soz­Plan be­gründet, dass die Leis­tun­gen der Be­klag­ten als „frei­wil­lig“ und nicht er­zwing­bar an­zu­se­hen sind. Es hat sich da­mit auf die Ausführun­gen des Ers­ten Se­nats in sei­ner Ent­schei­dung vom 31. Mai 2005 (- 1 AZR 254/04 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 175 = EzA Be­trVG 2001 § 112 Nr. 14) be­zo­gen. Der Ers­te Se­nat hat­te ei­ne zusätz­li­che Ab­fin­dungs­leis­tung für gekündig­te Ar­beit­neh­mer, die kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung nur des­halb als zulässig an­ge­se­hen, weil die­se Re­ge­lung in ei­ner ge­son­der­ten, ne­ben ei­nem So­zi­al­plan ab­ge­schlos­se­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­hal­ten war und nicht in ei­nem - er­zwing­ba­ren - be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen So­zi­al­plan selbst, bei dem ei­ne sol­che Re­ge­lung aus­ge­schlos­sen sei. Bei ei­ner sol­chen Ge­stal­tung sei­en die Be­triebs­part­ner auf Grund der Frei­wil­lig­keit der Leis­tung in der Be­stim­mung des Zwecks der zusätz­li­chen Ab­fin­dung auch in­so­fern frei, als da­mit das sach­li­che In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit berück­sich­tigt wer­den könne (BAG 31. Mai 2005 - 1 AZR 254/04 - aaO, zu II 2 b der Gründe).
bb) Die Erwägung, es müsse sich um ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung des Ar­beit­ge­bers idS han­deln, ist im Rah­men der Rechts­kon­trol­le ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges je­doch nicht dar­an ge­bun­den, dass ein So­zi­al­plan mit iden­ti­schem oder ähn­li­chem In­halt nicht er­zwing­bar oder dass er wirk­sam wäre. Denn ein Ta­rif­ver­trag ist recht­lich oh­ne­hin nicht er­zwing­bar; ei­ne dar­in ver­ein­bar­te Leis­tung des Ar­beit­ge­bers ist vor dem Hin­ter­grund der Ent­schei­dung des Ers­ten Se­nats stets als „frei­wil­lig“ an­zu­se­hen. Die Ta­rif­par­tei­en sind des­halb auch dann nicht an ei­ner so­zi­al­planähn­li­chen Re­ge­lung, in der Ab­fin­dungs­ansprüche un­ter die Be­din­gung ge­stellt sind, dass ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung klag­los hin­ge­nom­men wird, ge­hin­dert, wenn ein So­zi­al­plan bestünde, in dem ei­ne sol­che Re­ge­lung nicht wirk­sam vor­ge­se­hen wer­den kann (BAG 31. Mai 2005 - 1 AZR 254/04 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 175 = EzA Be­trVG 2001 § 112 Nr. 14). Ein
Ta­rif­ver­trag, der oh­ne wei­te­res nur für die bei der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer des Be­trie­bes gilt, und ein für al­le be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer des Be­trie­bes un­abhängig von ih­rer Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit gel­ten­der So­zi­al­plan sind prin­zi­pi­ell ne­ben­ein­an­der möglich (so be­reits Se­nat 24. No­vem­ber 1993 - 4 AZR 225/93 - BA­GE 75, 126, 133; BAG 11. Ju­li 1995 - 3 AZR 8/95 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Ver­si­che­rungs­ge­wer­be Nr. 10 = EzA TVG § 4 Öff­nungs­klau­sel Nr. 1; vgl. auch Fit­ting Be­trVG 23. Aufl. §§ 112, 112a Rn. 178; Oet­ker GK-Be­trVG 8. Aufl. §§ 112, 112a Rn. 127; Ri­char­di/An­nuß Be­trVG 10. Aufl. § 112 Rn. 178; DKK-Däubler Be­trVG 10. Aufl. §§ 112, 112a Rn. 55; Hess in HSWG Be­trVG 6. Aufl. § 112 Rn. 60 ff.; Preis/Ben­der in Wlotz­ke/Preis Be­trVG 3. Aufl. §§ 112, 112a Rn. 24; Löwisch/Kai­ser Be­trVG 5. Aufl. § 112 Rn. 66; Ha­Ko-Be­trVG/Stef­fan 2. Aufl. §§ 112, 112a Rn. 61; HWK/Ho­hen­statt/Wil­lem­sen 2. Aufl. § 112 Be­trVG Rn. 80). Dies ist ins­be­son­de­re im Be­reich der sog. ta­rif­li­chen Ra­tio­na­li­sie­rungs­schutz­ab­kom­men, bei de­nen sich die An­wen­dungs­be­rei­che zu­min­dest teil­wei­se auf Fälle der Be­triebsände­run­gen iSv. § 111 Satz 3 Be­trVG er­stre­cken, häufig der Fall (vgl. zB § 13 Man­tel­ta­rif­ver­trag für die che­mi­sche In­dus­trie vom 24. Ju­ni 1992 bei BAG 26. Mai 1998 - 3 AZR 23/97 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Che­mie Nr. 14 = EzA TVG § 4 Che­mi­sche In­dus­trie Nr. 2; für das pri­va­te Bank­ge­wer­be und die öffent­li­chen Ban­ken §§ 3, 9 Ta­rif­ver­ein­ba­rung zur Ab­si­che­rung von Ar­beitsplätzen und Ein­kom­men bei Ra­tio­na­li­sie­rungs­maßnah­men idF vom 8. Ju­li 2004 da­zu Kap­pes/Sau­er Kom­men­tar 6. Aufl. RSA § 3 Anm. b) ff.; für den öffent­li­chen Dienst ent­spre­chend § 1 Abs. 1 Un­terabs. 2, § 7 des Ta­rif­ver­tra­ges über den Ra­tio­na­li­sie­rungs­schutz für An­ge­stell­te vom 9. Ja­nu­ar 1987 idF vom 2. April 2002; wei­te­re Bei-spie­le bei Wie­de­mann TVG 6. Aufl. § 1 Rn. 405). Die Ta­rif­au­to­no­mie iVm. § 2 Abs. 1 TVG deckt aber auch die Be­fug­nis zum Ab­schluss ent­spre­chen­der Fir­men­ta­rif­verträge ab (Fit­ting aaO §§ 112, 112a Rn. 179a; Ha­nau/Thüsing ZTR 2001, 1, 49, 53; vgl. auch grdl. BAG 10. De­zem­ber 2002 - 1 AZR 96/02 - BA­GE 104, 155, 160 ff.). Die da­bei mögli­cher­wei­se ent­ste­hen­de Kon­kur­renz zu be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen So­zi­alplänen ist nach all­ge­mei­ner Mei­nung nach dem Güns­tig­keits­prin­zip zu lösen (vgl. nur Hess in HSWG aaO § 112 Rn. 64; Ri­char­di/An­nuß aaO § 112 Rn. 181; Röder/Ba­eck In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan 3. Aufl. S. 140; Mar­tin Heit­her So­zi­al­plan und So­zi­al­recht S. 66). Aus der in § 112 Abs. 1 Satz 4 Be­trVG ge­setz­lich ge­re­gel­ten Aus­nah­me vom grundsätz­li­chen Ta­rif­vor­be­halt nach § 77 Abs. 3 Be­trVG kann nicht der Um­kehr­schluss ge­zo­gen wer­den, dass es in die­sem Be­reich den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­wehrt ist, ei­genständi­ge Ver­ein­ba­run­gen ab­zu­sch­ließen (Zwan­zi­ger in Däubler TVG 2. Aufl. § 4 Rn. 1018c; ErfK/Ka­nia 6. Aufl. §§ 112, 112a Be­trVG Rn. 13; Löwisch DB
2005, 554, 557 f.; aA Ni­co­lai Anm. SAE 2004, 240, 248 ff. un­ter Ver­ken­nung der un­ter­schied­li­chen Bin­dungs­re­ge­lun­gen; ein­schr. Bau­er/Krie­ger NZA 2004, 1019, 1022 f.). Die An­nah­me ei­ner Sperr­wir­kung ei­nes be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen So­zi­al­plans ge­genüber dem Ta­rif­ver­trag ist sys­tem­fremd; aus dem Be­trVG er­gibt sich kei­ne Ein­schränkung der Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en (BAG 18. Au­gust 1987 - 1 ABR 30/86 - BA­GE 56, 18, 36; Thüsing/Ri­cken JbAr­bR Bd. 42 S. 113, 122 f.; Kühling/Ber­tels­mann NZA 2005, 1017, 1018 f.). Dies würde im Übri­gen im Er­geb­nis den or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern den Ta­rif­schutz auch in be­triebs­rats­lo­sen Be­trie­ben neh­men (Löwisch DB 2005, 554, 558; Braun/Schrei­ner Ar­bRB 2006, 243). Für ei­ne sol­che Ein­schränkung der grund­recht­lich geschütz­ten Ta­rif­au­to­no­mie gibt es kei­ne Rechts­grund­la­ge. Zur Erörte­rung theo­re­tisch mögli­cher Gren­zen der Be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en beim Ab­schluss und ggf. bei der Durch­set­zung von so­zi­al­planähn­li­chen Ta­rif­verträgen gibt der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt kei­nen An­lass. Aus der grundsätz­li­chen Un­abhängig­keit von ne­ben­ein­an­der mögli­chem Ta­rif­ver­trag und So­zi­al­plan folgt je­den-falls, dass die recht­li­chen Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten je­weils ei­ge­nen Re­geln un­ter­lie­gen und ge­setz­li­che Ge­stal­tungs­gren­zen, de­nen die Be­triebs­par­tei­en un­ter­lie­gen, nicht oh­ne wei­te­res ge­genüber den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en wir­ken.
d) Die ta­rif­ver­trag­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zung der Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on auch kein Ver­s­toß ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot aus § 612a BGB.
aa) § 612a BGB ver­bie­tet dem Ar­beit­ge­ber die Be­nach­tei­li­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers, weil die­ser in zulässi­ger Wei­se sei­ne Rech­te ausübt. Da­bei kann das Maßre­ge­lungs­ver­bot auch ver­letzt sein, wenn dem Ar­beit­neh­mer Vor­tei­le vor­ent­hal­ten wer­den, die der Ar­beit­ge­ber an­de­ren Ar­beit­neh­mern gewährt, die ih­re - ent­spre­chen­den - Rech­te nicht aus­geübt ha­ben (BAG 12. Ju­ni 2002 - 10 AZR 340/01 - BA­GE 101, 312, 318; 23. Fe­bru­ar 2000 - 10 AZR 1/99 - BA­GE 94, 11, 22 f., je­weils mwN).
bb) Die ta­rif­li­che Re­ge­lung verstößt nicht ge­gen die­ses Ver­bot. Re­gelmäßig wer­den Ver­ein­ba­run­gen, in de­nen der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mern für den Fall des Ver­zichts auf die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ei­ne Ab­fin­dung ver­spricht, als mit § 612a BGB ver­ein­bar und recht­lich nicht zu be­an­stan­den an­ge­se­hen (Se­nat 3. Mai 2006 - 4 AZR 189/05 - EzA BGB 2002 § 612a Nr. 3; BAG 31. Mai 2005 - 1 AZR 254/04 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 175 = EzA Be­trVG 2001 § 112 Nr. 14, mit zahl­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen; 15. Fe­bru­ar 2005 - 9 AZR 116/04 - BA­GE 113, 327, 339).
Dem Ar­beit­neh­mer bleibt die freie Ent­schei­dung, ob er sein Kla­ge­recht ver­folgt oder für die Nicht­wahr­neh­mung die­ser Möglich­keit ei­ne Ge­gen­leis­tung des Ar­beit­ge­bers erhält. An­dern­falls wären Ab­fin­dungs­ver­glei­che in Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren eben­so wie sog. „Ab­wick­lungs­ver­ein­ba­run­gen“ nicht möglich. Die­se Fol­ge wäre mit dem Schutz­ziel des Maßre­ge­lungs­ver­bo­tes von § 612a BGB nicht zu ver­ein­ba­ren (BAG 15. Fe­bru­ar 2005 - 9 AZR 116/04 - aaO). Das gilt auch für Ta­rif­ver­trags­re­ge­lun­gen, die ei­nem Ar­beit­neh­mer - wie hier der Kläge­rin - ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch, zu de­ren Leis­tung der Ar­beit­ge­ber nicht aus an­de­ren Rechts­gründen ver­pflich­tet ist, nur dann gewähren, wenn er - nach vor­he­ri­gem Hin­weis des Ar­beit­ge­bers - die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nicht ge­richt­lich gel­tend macht.
2. Die Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge war Vor­aus­set­zung für ei­nen ta­rif­ver­trag­li­chen Ab­fin­dungs­an­spruch der Kläge­rin. Die­se Vor­aus­set­zung hat sie nicht erfüllt.
a) Die Be­klag­te hat die nach § 2 Abs. 1 Buchst. a Satz 2 TV-Soz­Plan er­for­der­li­che vor­he­ri­ge In­for­ma­ti­on über die Be­triebs­be­dingt­heit der Kündi­gung und die Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge als Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch nach dem TV-Soz­Plan erfüllt (zur Not­wen­dig­keit der Kennt­nis des Ar­beit­neh­mers von den Fol­gen der Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge vgl. Se­nat 3. Mai 2006 - 4 AZR 189/05 - EzA BGB 2002 § 612a Nr. 3). Im Kündi­gungs­schrei­ben der Be­klag­ten vom 1. April 2004 an die Kläge­rin ist der In­halt der ent­spre­chen­den Ta­rif­vor­schrift be­son­ders her­aus­ge­ho­ben wie­der­ge­ge­ben. Auch hat der Per­so­nal­rat bei der Be­klag­ten kei­ne Einwände ge­gen die Kündi­gung gemäß § 2 Abs. 5 TV-Soz­Plan er­ho­ben.
b) Die Kläge­rin hat ge­gen die ihr ge­genüber aus­ge­spro­che­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung beim Ar­beits­ge­richt Ge­ra am 13. April 2004 ei­ne Kla­ge gemäß § 4 KSchG er­ho­ben. Da­mit erfüllt sie nicht die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ab­fin­dung nach § 2 TV-Soz­Plan.
3. Ob die Kläge­rin ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch in der gel­tend ge­mach­ten Höhe aus der DV-Soz­Plan hat, hat­te der Se­nat nicht zu ent­schei­den. Die Kläge­rin hat ih­re Kla­ge nicht hier­auf gestützt.
zur Übersicht 4 AZR 798/05

References: Art. 3
 § 612
 § 2
 § 4
 § 72
 § 74
 § 4
 § 78
 § 2
 § 4
 § 3
 § 72
 § 551
 § 551
 § 4
 § 112
 § 112
 § 74
 § 1
 § 112
 § 4
 § 1
 § 1
 § 4
 § 611
 § 242
 § 2
 Art. 3
 Art. 3
 § 52
 Art. 3
 § 11
 § 72
 § 74
 § 2
 § 112
 § 75
 § 74
 § 112
 § 112
 § 112
 § 112
 § 112
 § 1
 § 4
 § 112
 § 112
 § 112
 § 112
 § 111
 § 13
 § 1
 § 4
 § 3
 § 1
 § 7
 § 1
 § 2
 § 112
 § 112
 § 112
 § 77
 § 4
 § 612
 § 612
 § 612
 § 612
 § 112
 § 112
 § 612
 § 2
 § 612
 § 2
 § 4
 § 2