Source: https://www.dgkj.de/service/meldungsarchiv/meldung/meldungsdetail/die_dgkj_zum_entwurf_fuer_ein_praeventionsgesetz/
Timestamp: 2018-01-22 04:08:41+00:00

Document:
Die DGKJ zum Regierungsentwurf für ein Versorgungsstärkungsgesetz
Entwurf einer Stellungnahme der DGKJ zum Regierungsentwurf für ein Versorgungsstärkungsgesetz
Zunächst möchten wir die Zielsetzung des Gesetzgebers, für eine Weiterentwicklung der Versorgung und eine bessere medizinische Behandlung zu sorgen, sehr anerkennen und hierfür unsere große Zustimmung signalisieren. Doch befürchten wir, dass sich dies weitgehend auf die Versorgung erwachsener Patienten auswirken wird. Dabei geht es uns nicht um die Berücksichtigung eines medizinisches Fachgebietes, das wir vertreten, sondern um die Belange der kindlichen und jugendlichen Patienten – die im vorliegenden Gesetzentwurf nicht genügend berücksichtigt wurden. Dies werden wir unten erläutern.
Zu Nr. 40, § 92a und 92b
Die DGKJ ist dem Netzwerk Versorgungsforschung beigetreten und hat hier eine Pädiatrie AG initiiert. Wir unterstützen daher die Idee für einen Innovationsfonds, der neue Versorgungsformen und die Versorgungsforschung belebt, nachdrücklich. In der Art und Weise wie dieser institutionalisiert und tätig werden soll, befürchten wir aber eine Vernachlässigung der pädiatrischen Belange, wenn hier nicht auch Kinder und Jugendliche explizit genannt werden. Diese machen 16% der Bevölkerung aus. – Es wäre nachvollziehbar, die Forderung aufzustellen, dass 16 % der Mittel, die dieser Fonds verteilt, auf die Erprobung neuer Versorgungsformen für Kinder und Jugendliche bzw. der Versorgungsforschung für diese Patienten aufgewendet werden sollte.
Bei den Antragsstellern (§ 92a, Absatz 1) sind neben Vertragsärzten Krankenhäuser, pharmazeutische Unternehmen oder auch Institutionen wie etwa Patientenorganisationen vorgesehen, nicht aber wissenschaftliche Fachgesellschaften. Wir plädieren für eine Erweiterung der vorgesehenen Antragsteller um wissenschaftliche Organisationen.
Wir begrüßen insbesondere, dass der Gesetzgeber einen wissenschaftlichen Beirat vorgesehen hat. Von den zehn vorgesehenen Personen sollte aus unserer Sicht aber unbedingt eine die spezifischen Belange der Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Blick haben: eine langjährig in der Wissenschaft tätige Kinder- und Jugendärztin bzw. ein Kinder- und Jugendarzt.
Zu Nr. 53, § 117
Zu Nr. 55, § 119c
Sorgen bereitet uns allerdings ebenso die Transition derjenigen jugendlichen Patienten mit chronischen Erkrankungen in die Erwachsenenmedizin, die als Kinder nicht im SPZ behandelt werden/wurden und die als Erwachsene durchaus ein autonomes Leben führen können, die aber dennoch einer engmaschigen Begleitung durch spezialisierte Fachärzte benötigen, auch wenn sie erwachsen sind. Die Transition dieser Patienten ist in keiner Weise geregelt; durch die zunehmende Zahl chronisch erkrankter Kinder und Jugendlicher ist die Problematik aber sehr akut: Einzelne Untersuchungen zeigen, dass der gesundheitliche Zustand junger Erwachsener sich verschlechtert, wenn sie keine hinreichende medizinische Versorgung in der Erwachsenenmedizin finden.
Die Transition Jugendlicher aus der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin sollte geregelt erfolgen und strukturell und finanziell durch die GKV abgedeckt werden. Eine Transition beinhaltet nach unserer Auffassung auch das sichere Ankommen des Patienten in der Erwachsenenmedizin im Rahmen eines durch Fallmanager begleiteten Prozesses. Ein möglicher Anknüpfungspunkt für eine Regelung im SGB V wäre aus unserer Sicht § 43.
Zu Nr. 56, § 120
Insbesondere zur Finanzierung der Hochschulambulanzen:
Um eine gute ambulante fachärztliche Versorgung chronisch kranker Kinder- und Jugendlicher in Wohnortnähe dauerhaft zu sichern, schlagen wir „Pädiatrische Institutsambulanzen“ vor – analog den sog. „Geriatrische Institutsambulanzen“ nach § 118a SGB V. Einen entsprechenden Textvorschlag für einen neuen § 118a SGB V finden Sie in Anlage 2.
Zu Nr. 69, § 140a
Die Änderungen zur Regelung der besonderen Versorgung (früher: Integrierte Versorgung) begrüßen wir und hoffen, dass diese zu einem neuen Schub der fachübergreifenden Versorgung führen wird.
Eine Schlussbemerkung zu Nr. 61, § 134a (auch wenn dies nicht direkt die Pädiatrie tangiert): Den Ausschluss eines Regressanspruches ausschließlich für Hebammen können wir auch bei wohlwollender Betrachtung der Thematik nicht nachvollziehen. Dieser müsste konsequenterweise auch auf Geburtshelfer und alle an einer Geburt Beteiligten ausgedehnt werden. Hier plädieren wir für eine Fonds-Lösung, wie sie die Bundesärztekammer vorschlägt

References: § 92
 § 117
 § 119
 § 43
 § 120
 § 118
 § 118
 § 140
 § 134