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Timestamp: 2019-06-26 20:01:20+00:00

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Wer mit Steuern nicht so kann –
der fragt doch mal den Heinemann!
Dipl.-Betriebswirt Jan Heinemann ist Geschäftsführer der SEB Steuerberatungsgesellschaft mbH. Das Unternehmen ist u.a. auf die Beratung von Psychologen und Psychotherapeuten spezialisiert.
Monatlich gibt er wertvolle Steuertipps für Mitglieder des BDP.
Steuertipp Nr. 34: Neue Regeln für die Steuererklärung!
Mit dem Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens (StModernG) will das Finanzamt bei der Steuererklärung weitgehend ohne schriftliche Belege auskommen. Des Weiteren wurden neue Regeln bei den Aufbewahrungs- und Steuererklärungsfristen festgelegt.
Mit der Steuererklärung des Jahres 2017 müssen dem Finanzamt keine Belege mehr eingereicht werden. Jedoch müssen diese weiterhin aufbewahrt und auf Nachfrage des Finanzamtes vorgelegt werden.
Die Frist zur Einreichung wurde für beratende Steuerpflichtige vom 31. Dezember des Folgejahres auf den 28. Februar des Zweitfolgejahres verlängert. Die neuen Regeln sind erstmals für die Steuererklärung 2018 geltend. Für das Jahr 2017 gelten noch die alten Regeln.
Werden Steuererklärungen verspätet eingereicht, so entstehen Verspätungszuschläge. Der Verspätungszuschlag beträgt für jeden angefangenen Monat der eingetretenen Verspätung 0,25 % der festgesetzten Steuer – mindestens jedoch 25 € für jeden angefangenen Monat. Die Neuregelungen sind erstmals für 2019 einzureichende Steuererklärungen anzuwenden.
Im Urteil des BVerfG vom 10.04.2018 wurde entschieden, dass die Regelungen des Bewertungsgesetzes zur Einheitsbewertung von Grundvermögen in den alten Bundesländern jedenfalls seit dem Beginn des Jahres 2002 mit dem allgemeinen Gleichheitssatz unvereinbar sind.
Das Gericht hat dem Gesetzgeber aufgegeben, bis Ende 2019 eine neue Regelung zu treffen. Sobald diese Neuregelung besteht, gelten die verfassungswidrigen Bewertungsregeln noch für weitere fünf Jahre fort, aber längstens bis zum 31.12.2024.
Ab dem Jahre 2025 ist eine Berechnung der Grundsteuer nach den alten Verhältnissen ausgeschlossen.
Mit dem neuen Jahr ergeben sich auch Änderungen bei der Einreichung von Einnahmen-Überschuss-Rechnungen beim Finanzamt.
Bisher konnten Freiberufler, die nur Einnahmen von 17.500 Euro hatten, Ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung in Papierform (Word oder Excel) erstellen und beim Finanzamt einreichen. Diese Vereinfachungsregel fällt weg.
Ab dem Kalenderjahr 2017 gilt die Authentifizierungspflicht! D.h., Einnahmen-Überschuss-Rechner müssen nach amtlich vorgeschriebenen Datensatz (ELSTER, Steuerprogramm oder Steuerberater) durch Datenfernübertragung (elektronische Übermittlung) an das Finanzamt die Einnahmen-Überschuss-Rechnung unter Verwendung der Anlage EÜR übermitteln.
In Härtefällen ist auch ein Antrag möglich, der weiterhin die Papierform erlaubt. Jedoch sind die Hürden für diesen Antrag jetzt sehr hoch (kein Internet, kein PC, Unwirtschaftlichkeit).
Wie jedes Jahr ist zu prüfen, für welche Geschäftsunterlagen die zehn- bzw. sechsjährigen Aufbewahrungspflichten ablaufen. Mit dem Bürokratieentlastungsgesetz sind Lieferscheine weitgehend von der Aufbewahrungspflicht ausgenommen worden. Sie endet mit dem Eingang der Rechnung.
Zu beachten ist, dass die Fristen erst mit Verzögerungen beginnen, z.B. mit der letzten Eintragung bzw. mit der Aufstellung der Gewinnermittlung. Darüber hinaus wird ein Fristablauf bis zu drei Jahren gehemmt (verzögert), wenn Unterlagen verspätet beim Finanzamt eingereicht werden und dort Fristen zur leichtfertigen Steuerverkürzung bzw. Steuerhinterziehung zu beachten sind.
Gehen wir also vom 31.12.2017 aus, dann können ohne Sorgen Unterlagen vor dem Jahre 2005 vernichtet werden (zehn Jahre + drei Hemmjahre beim Finanzamt).
Unterlagen, die vernichtet werden können:
Anlagevermögensbücher
Bankbelege (Kontoauszüge)
Belege (Rechnungen, Quittungen, Reisekostenabrechnungen etc.)
Geschäftsbriefe (vor 2008, da sechs Jahre)
Schaffen Sie eine Immobilie mit Vermietungsabsicht an, so sind Aufwendungen innerhalb von drei Jahren nach Anschaffung dieser Immobilie „anschaffungsnahe Herstellungskosten“, sofern die Kosten insgesamt 15 % der ursprünglichen Anschaffungskosten überschreiten.
In seiner Begründung führt er an, dass die Regelung der „anschaffungsnahen Herstellungskosten“ Instandsetzungsmaßnahmen umfasst, die zur Beseitigung verdeckter, jedoch im Anschaffungszeitpunkt bereits vorhandener oder aber nach dem Erwerb auftretender altersüblicher Mängel aufgewendet werden. Denn es kommt nicht auf die subjektive Vorstellung des Käufers vom Zustand der Immobilie an.
Müssen hingegen Schäden zur Wiederherstellung der Betriebsbereitschaft beseitigt werden, die im Anschaffungszeitpunkt noch nicht vorhanden waren und mutwillig nach dem Erwerb durch einen Dritten verursacht worden sind, liegen keine „anschaffungsnahen Herstellungskosten“ vor.
Steuertipp Nr. 28: Geschenke – neue alte Welt
Im Steuertipp Nr. 26 haben wir auf das Risiko der Übernahme der Pauschalsteuer in Höhe von 30% aufmerksam gemacht. Auf das Unverständnis über diese Entscheidung des BFH hat nun das Bundesministerium für Finanzen reagiert.
Fazit: Es bleibt bei der bisherigen Rechtslage!
Das Urteil ist zwar für alle Finanzbeamten bindend, aber es soll auf ein Verwaltungsschreiben vom 19.05.2015 verwiesen werden, bei dem der Betriebsausgabenabzug (35 Euro-Grenze) allein vom Geschenkewert abhängig ist.
Die 35 Euro-Grenze bleibt somit weiterhin maßgeblich.
Quelle: BdSt, Pressemitteilung vom 29.08.2017
Steuertipp Nr. 22: Selbstbehalt bei privaten Krankenversicherungen
Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung sind gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a EStG zu 100% (Basistarif) als Sonderausgaben bei der Steuererklärung abzugsfähig.
Der von einem Steuerpflichtigen vereinbarte und getragene Selbstbehalt, um die monatlichen Prämien zu reduzieren, ist jedoch kein Beitrag zu einer Krankenversicherung und kann daher auch nicht als Sonderausgaben abgezogen werden (BFH-Urteil 01.06.2016 – X R 43/14). Im Ergebnis mindern er Ihre Steuerersparnis.
Der gezahlte Selbstbehalt kann zwar als außergewöhnliche Belastung nach § 33 Abs. 3 EStG berücksichtigt werden, jedoch muss er die zumutbare Belastung erst einmal übersteigen, um eine steuerliche Wirkung zu entfalten.
Gesamtbetrag der Einkünfte 70.000 € 70.000 €
Sonderausgaben (PKV) -5.000 € -4.000 €
Außergewöhnliche Belastungen (zumutbar) 0 € 0 €
zu versteuerndes Einkommen 65.000 € 66.000 €
zu zahlende Steuern 19.860 € 20.300 €
Vergleich der Auswirkungen
Steuermehraufwand 440 €
PKV-Ersparnis durch Selbstbehalt - 1000 €
gezahlter Selbstbehalt 560 €
keine Auswirkungen im Geldbeutel - €
Unter der Annahme, dass der zu zahlende Selbstbehalt nur bei 560,00 € im Jahr lag, würde sich aber finanziell nichts verändern.
Nach dem BFH soll nun eine subjektbezogene statt eine objektbezogene Auslegung gelten (Änderung der Rechtsprechung: BFH, Urteil vom 15.12.2016 – VI R 53/12; veröffentlicht am 22.02.2017).
Selbiges gilt natürlich auch für Lebensgefährten (Zur Nutzung des Arbeitszimmers durch Lebensgefährten in einer gemeinsamen Wohnung: BFH, Urteil vom 15.12.2016 – VI R 86/13; ebenfalls veröffentlicht am 22.02.2017).
Steuertipp Nr. 20: Abzug von Fahrten für Kinderbetreuung
Nach § 10 Abs. 1 EStG können 2/3 der Kosten für Kinderbetreuung als Sonderausgaben von den Einkünften abgezogen werden und senken so die Steuerlast. Pro Kind wären maximal 4.000 Euro möglich.
Üblicherweise werden familieninterne Betreuungsleistungen durch Angehörige kostenlos erbracht und kommen so nicht zum Ansatz. Zahlen jedoch die Eltern an die Großeltern eine Vergütung für die Betreuung ihrer Kinder, so ist eine Berücksichtigung als Sonderausgaben möglich, wenn die Großeltern nicht im gleichen Haushalt leben. Auch zu beachten wäre, dass die Vereinbarung über die Betreuung (zeitlicher Umfang und die Höhe der Entlohnung) wie unter fremden Dritten üblich geregelt wird und die Bezahlung über Bankkonto erfolgen sollte.
Die Großeltern müssen natürlich diese Einnahmen versteuern. Liegt jedoch Ihr Einkommensteuersatz sehr niedrig bzw. sie zahlen gar keine Steuern mehr, dann ist diese Variante sehr empfehlenswert.
Sind die Großeltern jedoch in der Situation, dass sie selber noch Steuern zahlen müssen, dann wäre eine andere Variante anzuraten. Zu den Kinderbetreuungskosten zählen auch der Ersatz von Fahrtkosten (0,30 Euro/km pro gefahrenen Kilometer) an die Großeltern, sogar wenn die sonstigen Betreuungsleistungen unentgeltlich erbracht werden. Mit dem Ersatz von entstandenen Kosten würde sich bei den Großeltern in der Steuererklärung nichts verschlechtern. Wichtig sind jedoch die vertraglichen Vereinbarungen.
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Steuertipp Nr. 19: Neues zur Steuererklärung
Der Bundesrat hat am 17.06.2016 dem Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens zugestimmt.
Die wichtigsten Änderungen sind, dass die Frist zur Abgabe der Steuererklärung ab 2018 (ohne Mitwirkung eines Steuerberaters) von Ende Mai auf Ende Juli des Folgejahres verlängert und dass Bürger, die ihre Steuererklärung mit erheblicher Verspätung einreichen, einen Verspätungszuschlag zahlen sollen.
Ab dem 01.01.2019 beträgt der Verspätungszuschlag für jeden angefangenen Monate 0,25% der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25,00 Euro.
Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit soll ab 2017 das Steuerverfahren von der Steuererklärung über den Steuerbescheid bis hin zu einem möglichen Rechtsbehelf (Einspruch) vollständig elektronisch erfolgen. Steuererklärungen in Papierform werden nur noch in Ausnahmefällen akzeptiert.
Für das Jahr 2016 gelten noch die alten Regeln der Abgabe: bis 31.05.2017 bzw. bei Unterstützung durch einen Steuerberater bis 31.12.2017.
Steuertipp Nr. 18: KV-Überraschung bei Praxisaufgabe
Die Praxisveräußerung oder –aufgabe ist der letzte „betriebliche“ Akt in einer Praxis.
Wenn der/die Psychologe/in bei der Veräußerung der Praxis nebst Gebäude sowie Grund und Boden eine finanzielle Entschädigung in Form eines Kaufpreise bekommt, handelt es sich um einen „Veräußerungsgewinn oder –verlust“ der steuerlich zu berücksichtigen ist. Bei einem Gewinn muss auch ein/e freiwillig krankenversicherte/r Psychologe/in Beiträge zur gesetzlichen Pflege- und Krankenversicherung zahlen.
Das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg möchte dies nun auch bei einer Praxisaufgabe zu berücksichtigen wissen, auch wenn dort keine Gelder fließen (AZ: L 11 KR 739/16). Wenn ein/e Psychologe/in die Praxis mit Gebäude sowie Grund und Boden aufgibt, so werden die vorher betrieblich genutzten Wirtschaftsgüter ins Privatvermögen überführt und gelten als beitragspflichtige Einnahmen.
Das Finanzamt wertete 100.000 Euro als „Veräußerungsgewinn“ und erkannte davon 45.000 Euro als Freibetrag an. Die verbliebenen 55.000 Euro sah die Kranken- und Pflegekasse als Einnahmen an. Der 70-Jährige müsse daher höhere Monatsbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.
Nach eine aktuell veröffentlichten Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) in München gilt dies auch für ein Zimmer, das nicht dem üblichen „Typus“ eines als Büro genutzten häuslichen Arbeitszimmers entspricht, etwa auch für einen Lagerraum oder ein Besprechungszimmer (Az.: VIII R 24/12).
Nach Überzeugung des Finanzgerichts stehe im Streitfall für die Ausübung seiner erforderlichen Büro- und Verwaltungsarbeiten kein anderer Arbeitsplatz im konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise zur Verfügung, sodass die Kosten des Arbeitszimmers bis zu dem gesetzlichen Höchstbetrag von 1.250 EUR abgezogen werden könnten (FG des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil v. 1.3.2016, 4 K 362/15). Der BFH muss nun entscheiden – BFH III R 9/16.
Steuertipp Nr. 15: Vermittlungsgebühr für eine Haushaltshilfe
Der Frauenanteil bei Psychologen / Psychotherapeuten liegt zwischen 64 – 72%. Daher wundert es nicht, dass sich die Zahl der Teilzeitbeschäftigungen (halbe Stelle, halber Arztsitz, Jobsharing etc.) auf 28% erhöht hat.
Um den Praxisalltag und den privaten Haushalt in den Griff zu bekommen, ist oft Hilfe von außen in Form einer Haushaltshilfe notwendig. Bei diesem Thema ist das Finanzamt jedoch durch Regularien, wie keine Barzahlung, Zahlungsnachweis durch das Bankkonto oder Einhaltung der Nähe zum Haushalt, recht streng. Wer sich zum Beispiel eine Haushaltshilfe durch eine Agentur vermitteln lässt, kann außer den Zahlungen an die Beschäftigte nicht auch die Gebühren für die Vermittlung der Arbeitskraft steuerlich geltend machen.
In einem Urteil bestätigt das Finanzgericht Köln (Az. 3 K 2253/13) die Entscheidung des Finanzamtes, dass im Streitfall der Steuerzahlerin die für die Vermittlung der Kraft und die laufenden Gebühren geltend gemachten 204 Euro nicht als „haushaltsnah“ anerkannte. Die Leistung der Agentur habe „keine ausreichende Nähe zur Führung des Haushalts“, so das Gericht.
Steuertipp Nr. 14: Steuerliche Förderung von Elektrofahrzeugen
Die Änderung der Mobilität scheint beschlossene Sache zu sein. Mit dem Gesetz zur Förderung von Elektromobilität im Straßenverkehr wird ein Grundstein dafür gelegt.
Beim Kauf von Neufahrzeugen soll eine Kaufprämie in Höhe von 4.000 Euro für rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge und in Höhe von 3.000 Euro für Plug-In-Hybride gewährt werden. Die Prämie wird jeweils zur Hälfte von der Bundesregierung und von der Industrie finanziert. Das Auto darf einen Nettolistenpreis für das Basismodell von 60.000 Euro nicht überschreiten.
Seit dem 02.07.2016 können Anträge gestellt werden. Dies soll auch rückwirkend für Kauf- und Leasingverträge, die ab dem 18.05.2016 abgeschlossen wurden, gelten. (Anträge über das Online-Portal der BAFA: www.bafa.de)
Darüber hinaus wurde die ab dem 01.01.2016 bis zum 31.12.2020 geltende Kfz-Steuer-Befreiung für reine Elektrofahrzeuge auf 10 Jahre verlängert (2025).
Wer seine private Kfz-Nutzung über die 1%-Regel ermittelt, bekommt weitere Vergünstigungen bei der Ermittlung des Bruttolistenpreises, da Abschläge von 350 Euro pro kWH der Batteriekapazität max. 8.500 Euro für das Jahr 2016 vorgesehen sind.
Bei der Fahrtenbuchmethode wird der pauschale Minderbetrag von z.B. max. 8.500 Euro für das Jahr 2016 von den Anschaffungskosten abgezogen, um die Abschreibungswerte zu berechnen. Die Summe der Gesamtaufwendungen mindert sich somit.
Elektrofahrzeug mit Batteriekapazität 30 kWh für 43.500 Euro
AK 43.500,00 Euro 43.500,00 Euro
Minderbetrag 0,00 Euro 8.500,00 Euro
(30 kWh x 350 Euro pro kWh, max. 8.500 Euro)
AK für Afa 43.500,00 Euro 35.000,00 Euro
Abschreibung (Afa) 7.250,00 Euro 5.834,00 Euro
Sonstige Kosten 10.000,00 Euro 10.000,00 Euro
Summe Kosten Kfz 17.250,00 Euro 15.834,00 Euro
Privatnutzung 20% als Gewinnerhöhung 3.450,00 Euro 3.166,80 Euro
Die Differenz von 283,20 Euro x Steuersatz z.B. 30% ergibt ca. 85 Euro Steuerersparnis.
Steuertipp Nr. 13: Falsch geänderter Steuerbescheid im Urlaub?
Nicht jeder Steuerbescheid, der vom Finanzamt erlassen wurde, ist auf Anhieb richtig. Steuerpflichtige können sich gegen diese Steuerbescheide in einem Einspruchsverfahren wehren. Die Dauer eines solchen Verfahrens ist dabei ungewiss. Was passiert nun, wenn statt der erhofften positiven Bescheidänderung eine Verböserung des Bescheides eintritt und dies gerade im wohlverdienten Urlaub?
Eine Verböserung kann nur eintreten, wenn der Einspruchsführer vor einer Entscheidung des Finanzamtes auf die Möglichkeit einer verbösernden Entscheidung unter Angaben von Gründen hingewiesen und im Rahmen einer angemessenen Frist Gelegenheit gegeben wurde, sich hierzu zu äußern, um ggf. den Einspruch zurücknehmen zu können. Diese Frist kann aber erst dann beginnen zu laufen, wenn der Einspruchsführer tatsächlich die Möglichkeit hatte, Kenntnis über den Hinweis zu erlangen. Diese Möglichkeit fehlt, wenn man sich im Urlaub und nicht zu Hause befindet!
Wird ein Verböserungshinweis bzw. auch eine Einspruchsentscheidung im Urlaub per Briefkasten zugestellt und die Kenntnis darüber kommt erst nach dem Urlaub, dann kann die Aufhebung der Einspruchsentscheidung beantragt werden, um das Einspruchsverfahren wieder eröffnen zu können. Das Finanzamt muss auch nicht während des Einspruchsverfahrens über den Urlaub informiert werden, da meist keine Anhaltspunkte vorliegen, die auf eine Verböserung des Bescheides schließen lassen. Das Finanzgericht geht von einem üblichen Jahresurlaub von bis zu 6 Wochen aus.
In vergleichbaren Fällen ist die Aufhebung der Einspruchsentscheidung, mit Hinweis auf die Entscheidung des FG Hamburg vom 27.11.2014, 2 K 108/14, anzuraten.
Steuertipp Nr. 12: Psychologen müssen Entschädigung für Nutzungsausfall versteuern
Psychologen müssen eine nach einem Autounfall von der gegnerischen Versicherung gezahlte Nutzungsausfallentschädigung (z.B. Verzicht auf einen Leihwagen) versteuern, wenn sie ihr Auto im Praxisvermögen halten.
Nach einem jetzt schriftlich veröffentlichten Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) in München gilt dies auch dann, wenn der Wagen privat genutzt wird. Danach spielt es keine Rolle, ob der Unfall bei privater oder beruflicher Fahrt geschah.
Bewegliche Wirtschaftsgüter sind selbst dann, wenn sie gemischt genutzt werden, ungeteilt entweder Praxisvermögen oder Privatvermögen, so im Münchener Urteil. Daher richte sich die Steuerbarkeit von „Ersatzleistungen“, wie hier der Ausfallentschädigung, an der Zuordnung. Auch eine anteilige Minderung der steuerbaren Ausfallentschädigung entsprechend dem privaten Nutzungsanteil am Auto scheidet danach aus (BFH-Urteil vom 27.01.2016, X R 2/14).
Nach diesem Maßstab des Gerichtes gehören Schadenersatz- oder Versicherungsleistungen für Beschädigung, Zerstörung oder Diebstahl grundsätzlich zu den Praxiseinnahmen, wenn sie für Wirtschaftsgüter des Praxisvermögens vereinnahmt werden.
Nähere Hinweise gibt es auch in den Seminaren „Praxisgründung und Niederlassung„.
Steuertipp Nr. 11: Ferienaufenthalte = Kinderbetreuungskosten?
Ferienzeit – schöne Zeit! Nur wo bringe ich meine Kinder, neben meiner Tätigkeit als Psychologe/in, in dieser Zeit unter?
Nach jetzigem Stand sind Betreuungskosten aus Kinderkrippe, Kindergarten oder Kinderhort kein Problem. Die Aufwendungen sind zu 2/3 bis max. 4.000 Euro je Kind und Kalenderjahr ansetzbar und wirken sich sofort auf die Steuerlast mindernd aus (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG).
das Kind hat das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht,
der Anbieter stellt einen Nachweis (Rechnung / Vertrag) aus und
die Bezahlung erfolgt über Bank
Leider werden Aufwendungen für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sowie für sportliche und andere Freizeitbetätigungen nicht als begünstigte Kinderbetreuungskosten gesehen. Das Sächsische FG hat mit Urteil v. 7.1.2016 (6 K 1546/13) entschieden, dass Aufwendungen für Ferienaufenthalte der Kinder des Steuerpflichtigen der Freizeitbetätigung der Kinder dienen, und daher nicht als Kinderbetreuungskosten zu berücksichtigen sind.
Nach Argumentation der Eltern stand die Betreuung der Kinder im Vordergrund und sei auch Hauptzweck der Ferienaufenthalte gewesen. Die Ferienlager seien mit Kindergarten- oder Hortaufenthalten vergleichbar, bei denen ebenfalls Freizeitbetätigung stattfinde und sogar besondere Fähigkeiten vermittelt würden.
Soweit das FA beanstandete, in den vorgelegten Belegen seien keine Kostenanteile für Betreuungsleistungen ausgewiesen trägt der Kläger vor, dass dies auch für die Betreuung im Kindergarten oder Hort nicht der Fall sei. Etwaige nicht berücksichtigungsfähige Kosten seien im Übrigen bereits durch die vorgesehene typisierende Kürzung von einem Drittel abgedeckt.
Da das FG die Revision nicht zugelassen hat, hat der Kläger Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt welche beim BFH unter dem Az. III B 20/16 geführt wird. Wenn auch die Aussichten auf eine positive Entscheidung als eher gering eingeschätzt werden müssen, sollten Betroffene in vergleichbaren Fällen die Kosten für die Ferienaufenthalte oder Schulfahrten als Kinderbetreuungskosten geltend machen, gegen die ablehnenden Bescheide unter Hinweis auf das vorstehende Verfahren beim BFH Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens nach § 363 Abs. 2 Satz 1 AO beantragen.
– Übertragbare Praxiskosten 52.259 €
– Praxisspezifisches Psychotherapeutengehalt 74.000 €
Bsp.: Kosten je Teilnehmer 160,- Euro. Pro Mitarbeiter 160,- Euro – 110,- Euro = 50,- Euro steuer- und sozialversicherungspflichtig. Die 50,- Euro bleiben sozialversicherungsfrei, wenn sie mit 25% pauschal versteuert werden. Beim Praxisinhaber entstehen 50,- Euro nicht abziehbare Praxisausgaben.
Steuertipp Nr. 4: Auslandsreisekosten steuerlich ansetzbar?
Mit Schreiben vom 19.12.2014 hat das BMF neue Kriterien für beruflich veranlasste Auslandsdienstreisen ab 1.1.2015 bekanntgegeben. Reisen ins Ausland können demnach sowohl dem beruflichen Bereich als auch der privaten Lebensführung zuzurechnen sein. Die Reisekosten sind nur dann als Werbungskosten oder Praxisausgaben abziehbar, wenn die Reisen im beruflichen Interesse unternommen werden und die Verfolgung privater Interesse von untergeordneter Bedeutung ist. Bei einer untergeordneten privaten Mitveranlassung (< 10 %) sind die Aufwendungen in vollem Umfang als Praxisausgaben oder Werbungskosten abziehbar, die Abzugsbeschränkungen des § 4 Absatz 5 EStG und § 9 Absatz 5 EStG bleiben unberührt. Die Aufwendungen für Auslandsreisen im Rahmen einer Ausbildung in einem nicht ausgeübten Beruf können unter Umständen auch als Sonderausgaben abzugsfähig sein.
Maßgebend sind folgende Abgrenzungskriterien:
Zuschnitt der Reise auf die Berufsgruppe;
Homogenität des Teilnehmerkreises;
straffe und fachliche Organisation; erhebliche touristische Elemente schaden nur; eine Organisation durch den einschlägigen Fachverband genügt allein jedoch nicht;
Nachweis der Teilnahme am Programm; eine besondere Form des Nachweises ist jedoch nicht vorgeschrieben.
Es ist die Bedeutung des Rahmenprogramms zu würdigen (kulturelle, touristische Veranstaltungen und Besichtigungen). Ein umfangreiches touristisches oder kulturelles Programm ist sehr schädlich. Ebenso schädlich ist, wenn die Gestaltung des Tagungsablaufs (lange Pausen) Gelegenheit zu privater Tätigkeit bietet.
Zu beachten ist, in welchem Land und zu welcher Jahreszeit der Kurs stattfindet. Für private Veranlassung spricht auch der häufige Ortswechsel an touristisch interessante Orte.
Angemessene Art des Beförderungsmittels.
Bei gemischten Reisekosten sind zunächst die Kostenbestandteile zu trennen, die sich leicht und eindeutig dem beruflichen und privaten Bereich zuordnen lassen. Betreffen die Kosten sowohl den beruflichen als auch dem privaten Reiseteil (Kosten für Beförderung, Hotelunterbringung, Verpflegung) wird als sachgerechter Aufteilungsmaßstab das Verhältnis der beruflich und privat veranlassten Zeitanteile herangezogen. Hierfür sind An- und Abreisetag nur zu berücksichtigen, wenn diese Tage zumindest teilweise für touristische bzw. berufliche Unternehmungen zur Verfügung standen. Ansonsten sind diese Tage neutral zu behandeln.
Eine niedergelassene Psychologin besucht einen Fachkongress in London. Sie reist Samstagfrüh an. Die Veranstaltung findet ganztägig von Dienstag bis Donnerstag statt. Am Sonntagabend reist sie nach Hause zurück.
Die Psychologin fährt nicht als Zuhörerin, sondern als Mitveranstalterin zu dem Fachkongress.
Die Kosten für die Hin- und Rückreise sind vollständig dem betrieblichen Bereich zuzurechnen und daher nicht aufzuteilen.
Abschließend lässt sich feststellen, dass ein Abzug von Reisekosten als Werbungskosten bzw. Praxisausgaben weiterhin an unbedingt zu beachtende Voraussetzungen geknüpft ist. Die Mitwirkungspflicht des/der Psychologen/in wiegt schwer. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass
eine ins Gewicht fallende berufliche Veranlassung nachweisbar ist – im erhöhtem Maße bei Auslandsgruppenreisen,
objektive Abgrenzungskriterien und Quantifizierungsmöglichkeiten erkennbar sind,
die angefallenen Aufwendungen möglichst lückenlos nachgewiesen werden.
Steuertipp Nr. 3: Ausbildungskosten retten
Die derzeitige Rechtslage für den Abzug von Ausbildungskosten sieht so aus, dass Aufwendungen für die Berufsausbildung oder für ein Studium nur dann als vorab entstandene Praxisausgaben bzw. Werbungskosten abziehbar sind, wenn zuvor bereits eine „Erstausbildung“ (Berufsausbildung oder Studium mit einer Mindestdauer von 12 Monaten und/oder ggf. einer Abschlussprüfung) absolviert wurde. Ein Abzug als Werbungskosten ist auch möglich, wenn die Berufsausbildung oder das Studium im Zusammenhang mit einer Anstellung stattfindet (§§ 4 Abs. 9 und 9 Abs. 6 EStG).
Die Ausbildungskosten aus der „Erstausbildung“, die nur als Sonderausgaben abgezogen werden dürfen, wirken sich steuerlich nicht aus, wenn im Übrigen kein eigenes steuerpflichtiges Einkommen vorhanden ist. Eine Verlustfeststellung kann nicht stattfinden (§ 10 d Abs. 1 EStG).
Die Ausbildungskosten aus der „Zweitausbildung“, die als vorab entstandene Praxisausgaben bzw. Werbungskosten abgezogen werden dürfen, können negative Einkünfte erzielen, die in den späteren Jahren im Rahmen eines Verlustvortrages steuermindernd abgezogen werden dürfen (§ 10 d Abs. 2 EStG). D.h., der Verlust wird im ersten Jahr, in denen positive Einkünfte erzielt werden, verrechnet und höhere Steuern verhindert.
Haben Sie nun vergessen, diese Verluste über Ihre Einkommensteuererklärung anzusetzen, weil Sie noch nie eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt eingereicht haben? Dann wird dieses Untätigsein jetzt belohnt! Der BFH hat am 13.01.2015 in seinem Urteil bestätigt, dass Verluste aus früheren Jahren auch dann noch beantragt werden können, wenn für das Verlustentstehungsjahr keine Einkommensteuer-Veranlagung erfolgt ist und auch nicht mehr durchgeführt werden kann, weil die Festsetzungsverjährung eingetreten ist (BFH-Urteil 13.01.2015, IX R 22/14).
Darüber hinaus wurde dem Bundesverfassungsgericht die Frage vorgelegt, ob es nicht gegen den Artikel 3 Abs. 1 GG verstößt, dass Aufwendungen für die „Erstausbildung“ nicht als vorab entstandene Praxisaufwendungen bzw. Werbungskosten berücksichtigt werden dürfen. Bis zur Klärung dieser Frage sollten die Steuerbescheide offengehalten werden.
Steuertipp Nr. 1: Vermietung von Räumen nebst Ausstattung an ­„Kollegen“
Die Umsätze aus der Tätigkeit als Psychotherapeut (ähnlich heilberufliche Tätigkeit) sind gem. § 4 Nr. 14 a UStG umsatzsteuerbefreit. Voraussetzung ist, dass es sich um Heilbehandlungen (Vorbeugung, Diagnose/Behandlung sowie Heilung von Krankheiten) im Bereich der Humanmedizin handelt.
Der BFH (Urteil vom 18.03.2015 XI R 15/11, veröffentlicht am 24.06.2015) hat entschieden, dass eine bloße Überlassung von Räumen nebst Ausstattung keine steuerfreie Heilbehandlung darstellt, wenngleich sie auch einer Heilbehandlung dienen kann. Steuerfreiheit kann indes gegeben sein, wenn eine einheitliche Leistung vorliegt. Dies ist der Fall, wenn Leistungen so eng miteinander verbunden sind, dass sie einen untrennbar wirtschaftlichen Vorgang darstellen (Zusammenarbeit mit einem Kollegen am selben Patienten).
Ob jedoch eine einheitliche Leistung gegenüber dem Patienten vorliegt, hängt von der vertraglichen Gestaltung ab. Steuerfreiheit kann aber auch über § 4 Nr. 12 a UStG oder § 19 UStG erzielt werden.

References: § 10
 § 33
 § 10
 § 363
 § 4
 § 9
 § 4
 § 4
 § 19