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Timestamp: 2017-07-24 14:41:19+00:00

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Inhalt: Einkomensverteilung, Lohnquote, Umverteilung, Bruttosozialprodukt, Wohlstand, Wachstum, Wirtschaftskreislauf, Arbeitslosigkeit, Stabilitätsgesetz. Zwei Schaubilder zum Thema "Wirtschaft" finden Sie hier
Einkommen ist das Geld für das Zurverfügungstellen von Produktionsfaktoren (Boden, Arbeitskraft, Kapital) auf den Faktormärkten.
Der Boden wird zur Verfügung gestellt auf dem Immobilienmarkt.
Die Arbeitskraft wird zur Verfügung gestellt auf dem Arbeitsmarkt.
Das Kapital wird zur Verfügung gestellt auf dem Investitionsgütermarkt.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden vertreten durch ihre Interessenverbände, nämlich Arbeitsgeberverbände und Gewerkschaften. Maßstab bei Arbeitskämpfen sind an sich die Schwächsten, die auch noch über die Runden kommen sollen. Von den Gewerkschaften werden im Arbeitskampf aber die Stärksten vorgeschickt, von den Arbeitsgebern die Schwächsten. Auch der Kapitalist hat ein Interesse am sozialen Frieden: Er will keine extremen Einkommensunterschiede bei den Arbeitnehmern, deshalb sollten an sich die Löhne relativ nahe beieinander liegen, die „prekären Arbeitsverhältnisse“ (Hungerlohn) entsprechen nicht dieser Theorie. Der soziale Friede macht sich bezahlt durch weniger Streiks, denn im Export können Lieferfristen eingehalten werden und der Arbeitgeber bekommt auch Aufträge trotz höherer Löhne.
Wenn man etwas produzieren will, werden die Produktionsfaktoren nachgefragt. Ein Lohn wird vereinbart. Der Streit geht darum, wer wieviel vom Kuchen bekommt. Bei Zuwachs sind alle noch zufrieden, weil der Arbeitnehmer dann immer noch einen Zuwachs hat, auch wenn er relativ weniger vom Kuchen hat. Die Verteilungskämpfe werden aber härter, wenn der Zuwachs aufhört. Einkommensverteilung:
Die Einkommensverteilung eines Landes gibt an, wie sich das im Produktionsprozeß erwirtschaftete Volkseinkommen auf die einzelnen Personen, Gruppen oder Klassen der Bevölkerung verteilt. Je nach der angestrebten Information über die Verteilung lassen sich als Konzepte unterscheiden: Funktionelle Einkommensverteilung:
Die Einkommensverteilung wird zunächst gemessen werden mit Hilfe der Lohnquote. Diese wird wie folgt berechnet: Einkommen aus unselbständiger Arbeit geteilt durch das Volkseinkommen (VE). Das Volkseinkommen besteht aus Einkommen aus unselbständiger Arbeit und Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen. Die Bruttolohnquote läßt sich leicht ausrechnen aus den Löhnen. Aber für eine Wertung muß auch beachtet werden, wie viele Arbeitnehmer es gibt, denn die absolute Summe kann steigen, aber auf immer mehr Arbeitnehmer verteilt werden. Wenn man die Arbeitnehmerquote berücksichtigt, ergibt sich die „strukturbereinigte Bruttolohnquote“: Bruttolohnquote geteilt durch Arbeitnehmerquote mal konstante Arbeitnehmerquote ist die strukturbereinigte Bruttolohnquote. Diese klammert die Wanderungsbewegung aus und tut so, als sei die Arbeitslosenquote seit einem bestimmten Jahr gleich geblieben. Ob der Einzelne mehr oder weniger hat, wird dabei nicht festgestellt. Das ist dann die funktionale Einkommensverteilung.
Die funktionelle Verteilung spiegelt wider, in welchem Ausmaß die Eigentümer der verschiedenen Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, Boden) aus deren Einsatz ein Einkommen in der Form von Lohn und Zins, Miete und Pacht erzielen konnten. Von besonderem Interesse ist dabei der Anteil, den die Löhne (in der Regel der überwiegende Teil der Einkommen der unselbständig Beschäftigten) am Volkseinkommen haben (Lohnquote) im Vergleich zum Anteil der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen (häufig, aber nicht korrekt als „Gewinnquote“ bezeichnet). Die Arbeiter können absolut wohlhabender werden, aber im Verhältnis zum Kapital werden sie ärmer, zum Beispiel durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder Minderung der Kapitalertragsteuer. Die Lohnquote stieg in der Bundesrepublik von 58,5 Prozent im Jahr 1950 auf 7 Prozent im Jahr 1978. Daraus den Schluß zu ziehen, die „Arbeiter“ hätten ihren Anteil am Volkseinkommen um zehn Prozentpunkte erhöht, wäre jedoch falsch, denn die Lohnquote gibt nicht an, wie groß die Zahl der abhängig Beschäftigten im Verhältnis zur gesamten Erwerbsbevölkerung ist. Ein Unternehmer, der seinen Betrieb verkauft und weiter als Manager für die neuen Eigentümer tätig bleibt, erhöht mit seinem Einkommen fortan die Lohnquote, ohne daß sich an der Lage der übrigen unselbständig Beschäftigten etwas geändert hätte.
Personelle Einkommensverteilung:
Bei ihr bleibt die ökonomische Herkunft des Einkommens unberücksichtigt und es wird nur gefragt, „wer wieviel“ verdient. Zur Darstellung wählt man gewöhnlich die „Lorenzkurve“ (nach dem Amerikaner Lorenz, der sie 1905 entwickelte). Mit ihr wird dargestellt, wieviel Prozent der Einkommensbezieher (von der untersten Stufe an gerechnet) wieviel Prozent des Gesamteinkommens verdienen. Verdient jeder gleich viel, so beziehen zum Beispiel zehn Prozent der Haushalte auch zehn Prozent des Gesamteinkommens und der graphische Verlauf ist dann eine Gerade. Aber in der Praxis weicht die Kurve von der Ideallinie ab. Je näher aber die Linie an der Ideallinie ist, desto gleicher ist die Einkommensverteilung. Die Kurve wird beeinflußt auf den Faktormärkten (primäre Einkommensverteilung korrigiert durch sekundäre Einkommensverteilung).
Bestehen hingegen Einkommensunterschiede, so verdienen zum Beispiel die untersten zehn Prozent der Haushalte weniger als zehn Prozent des Gesamteinkommens: Die Kurve wölbt sich. Je größer die Einkommensdifferenzen, desto größer wird der „Bauch“ der Kurve. Deshalb bietet sich die Fläche zwischen der tatsächlichen Kurve und der Diagonalen (,,Kurve der Gleichverteilung“) als Maß für die Einkommensverteilung an. Allerdings fehlt dann immer noch die Information, wo in der Einkommenspyramide die größten Unterschiede liegen. Dabei unterscheidet man auch zwischen den Erwerbstätigengruppe (Beamte, Angestellte, Arbeiter), aber auch nach Einkommenshöhe oder Berufsgruppen. Die Frage ist: Wieviel entfällt auf jede Gruppe und wieviel ist das vom Volkseinkommen?
Verteilung nach sozialen Gruppen:
Bei der Einkommensverteilung nach sozialen Gruppen geht man von der augenblicklichen Sozialstruktur aus und unterteilt in Unselbständige, Selbständige und Nichterwerbstätige (wobei oft noch weiter gegliedert wird). Man berechnet entweder den Anteil der einzelnen Gruppen am Volkseinkommen oder das jeweilige Durchschnittseinkommen. In beiden Fällen fehlt zur Abrundung des Bildes die Information über Wanderungen und Strukturveränderungen.
Verteilung nach Wirtschaftszweigen (Branchen).
Die Einkommensverteilung nach Branchen (Landwirtschaft, Industrie und Handwerk, Handel und Banken, Wohnungswirtschaft, Staat) soll Einblick in die Strukturveränderung der Wirtschaft geben. Deshalb ist sie nur im Vergleich mehrerer Jahre sinnvoll. Auch hier besteht jedoch das Problem, Wanderungsbewegungen zwischen den Sektoren von Produktivitätsänderungen innerhalb der Sektoren zu trennen.
Offiziell gibt die Bundesanstalt für Arbeit die Erwerbslosenzahl mit 3,47 Millionen an - registriert sind aber mehr als sieben Millionen. Ursula Engelen-Kefer, stellvertretende DGB-Vorsitzende und Vizepräsidentin der Bundesanstalt für Arbeit, schimpfte schon: „Die Zahlen stimmen hinten und vorne nicht!“
In die reguläre Statistik gehen einzig die im Arbeitsförderungsgesetz definierten Arbeitslosen ein. Jene, die der Vermittlung ohne Wenn und Aber zur Verfügung stehen. Doch die machen nicht mal die Hälfte der tatsächlichen Arbeitslosen aus. Unsere Statistik sagt über die Gesamtheit der vom Schicksal Arbeitslosigkeit Betroffenen deshalb gar nichts aus.
Vollkommen unberücksichtigt bleiben (Stand: Ende Januar 1993)
• 84.300 Arbeitslose, die 58 Jahre und älter sind. Ihnen wird unterstellt, daß sie nicht mehr vermittelbar sind.
• 756.000 arbeitslose Bezieher von Vorruhestandsgeld in West- und Ostdeutschland und Altersübergangsgeld ab dem 55. Lebensjahr in den neuen Bundesländern;
• 388.00 arbeitslose Teilnehmer von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). Betriebe oder Kommunen machen mit ihnen Beschäftigungstherapie. Ihren Lohn zahlt das Arbeitsamt - für 63.400 ABM-Teilnehmer in Westdeutschland und für 325.000 im Osten.
• 802 600 Teilnehmer an Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen. Die Nürnberger Bundesanstalt kommt derzeit für den Lebensunterhalt von 383.600 Fortbildungs- und Umschulungsteilnehmern im Westen und 419.000 im Osten auf.
• Auf 1,7 Millionen Personen schätzt die Bundesanstalt die „Stille Reserve“. Sie sind der Arbeitsverwaltung ganz offiziell bekannt, auch wenn sie bei ihr weder als Arbeitssuchende
noch als Leistungsempfänger registriert sind. Resignierte etwa.
Zu den von der Statistik ausgewiesenen 3.468.600 offiziellen gesellen sich also noch mal 3.731.300 inoffizielle Arbeitslose.
Getrickst wird auch bei den Beschäftigten:
35,37 Millionen sollen es laut Bundesanstalt für Arbeit Ende 1992 gewesen sein. In Wirklichkeit waren es aber rund 500.000 Personen weniger. Die werden per Gesetz einfach doppelt gezählt: Junge Mütter im 36monatigen Erziehungsurlaub und Wehrdienstleistende einerseits sowie die für sie vom Arbeitgeber eingestellten Ersatzleute andererseits.
Diese Doppelzählungen ändern zwar nichts an der absoluten Zahl der Arbeitslosen. Dafür aber drücken sie die prozentuale Arbeitslosenquote, wenn - wie es üblich ist - die Arbeitslosenzahlen in Beziehung zu den Beschäftigtenzahlen gestellt werden.
Bereinigt man die offiziellen Statistiken also um all die gezielten Schönungen, sieht es nämlich so aus:
• Statt 3,47 Millionen sind in Deutschland tatsächlich etwa 7,18 Millionen Personen arbeitslos.
• Statt 35,37 Millionen sind nur 34,87 Millionen Menschen beschäftigt.
• Und statt 11,9 Prozent Arbeitslosenquote im Bundesdurchschnitt haben wir tatsächlich 20,59 Prozent (Stand: Ende Januar 1993).
„Wer zuläßt, daß monatlich in Nürnberg eingestanden wird, daß wir heute mehr Arbeitslose haben als zu Beginn des Dritten Reiches, der provoziert doch nur, daß wir alle vier Wochen einen Regierungswechsel erleben.“ So beschreibt ein hoher Beamter des Bundesarbeitsministeriums resignierend die Motivation zum Tricksen.
Auch im Ausland werden die Statistiken über Arbeitslosenzahlen kräftig geschönt. So werden in Großbritannien, Frankreich, Italien, Irland oder Belgien listig die Selbständigen bei den Beschäftigten mitgezählt. Der Effekt: Die prozentuale Arbeitslosenquote fällt optisch geringer aus.
In den USA und in Kanada wird die Zahl der Arbeitslosen gar aus Umfragen bei repräsentativen Bevölkerungsquerschnitten hochgerechnet. Da hängt es nur noch von der Fragestellung ab, welches (gewünschte) Ergebnis herauskommt. Die Lohnquote - ein Maßstab für die Einkommensverteilung
Die Lohnquote wird zunehmend als weniger aussagekräftig angesehen, weil viele Arbeitnehmer auch Einkommen aus Vermögen beziehen, denn zu dem Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit muß das Einkommen aus Vermögen (Geldvermögen, Besitz) hinzugezählt werden. Die Einkommensverteilung hängt davon ab, wie die Produktionsfaktoren verteilt sind, vor allem vom Vermögen. Einkommen kommt aus Arbeit und Vermögen. Geringe Arbeitseinkommen führen kaum zu Vermögen. Die Vermögensverteilung ist in Deutschland immer ungleicher geworden. Die mittleren Einkommen haben zwar zugenommen, vor allem das der Selbständigen. Aber das richtig große Vermögen konzentriert sich auf immer weniger Familien. Geändert würde das nur durch eine veränderte Einkommenspolitik, die Vermögensbildung erlaubt.
Manche meinen, die Ungleichheiten hätten mit der Christianisierung begonnen. Aber vielleicht traf die wirtschaftliche Entwicklung nur zufällig mit der Christianisierung zusammen:
Jedenfalls wurde das genossenschaftliche Eigentum zum Privateigentum, zunächst der geistlichen Herren, dann auch der weltlichen Herren (die die Entwicklung aber nur für sich ausnutzten).
Die zweite Enteignungswelle ereignete sich bei Beginn der Industrialisierung: Durch die Textilindustrie wurden die Weber arbeitslos, weil die Manufaktur zu teuer wurde. Auch in der Landwirtschaft wurden Arbeitskräfte freigesetzt, aus einer arbeitsintensiven Tätigkeit wurde eine kapitalintensive. Durch Überhöhung der Pacht kam es zu einer Verschuldung („Bauernlegen“). Durch Industrialisierung und Gewalt wurden die Eigentumsverhältnisse „geordnet“. Es liegt an der Geschichte des Wirtschaftssystems, daß es so geworden ist.
Das Grundgesetz und noch mehr die Hessische Verfassung erlauben die Vergesellschaftung. . Man könnte auch Betriebe haben, die privatwirtschaftliche geführt werden, aber voll im Eigentum des Staates sind. Das hat man auch vielfach gemacht, weil Private es angeblich besser können als der Staat. Es gab aber auch Gegenbeispiele, so daß schon teilweise wieder eine Rückkehr zur staatlichen Wirtschaft erfolgt. Aber die Marktwirtschaft gehört immer dazu.
Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände weist immer wieder einmal die Behauptung der Gewerkschaften zurück, daß die Lohnquote in der Bundesrepublik auf ihren niedrigsten Stand in der Nachkriegszeit gesunken sei. Mit dieser These werde versucht, den Eindruck zu erwecken, als habe in den achtziger Jahren ein geradezu dramatischer Umverteilungsprozeß stattgefunden.
Im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Bundesrepublik wird für jedes Jahr das Volkseinkommen berechnet. Im Jahr 1986 wurde beispielsweise ein Volkseinkommen von 1.514,20 DM errechnet. Dieses Volkseinkommen setzt sich im wesentlichen aus zwei Einkommensarten zusammen:
- Einkommen aus unselbständiger Arbeit 1.039,13 Mrd. DM
- Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen 475,07
Volkseinkommen (= Nettosozialprodukt zu Faktorkosten) 1.514,20.
Im Leben eines jeden Staatsbürgers spielen Einkommen und Vermögen eine wichtige Rolle. Die Höhe des Einkommens, das jemand erzielt, und die Größe des Vermögens, das jemand besitzt, bestimmen wesentlich sein gesellschaftliches Ansehen und seine Entfaltungsmöglichkeiten. Einkommen und Vermögen sind deshalb keine Größen, die nur für Statistiker und Wirtschaftspolitiker von Interesse sind. Vielmehr stellen sie einen zentralen gesellschaftspolitischen Streitgegenstand dar, weil in der Diskussion über die Angemessenheit eines bestimmten Einkommens oder Vermögens unterschiedliche Vorstellungen von „sozialer Gerechtigkeit“ sowie gegensätzliche Bewertungsmaßstäbe aufeinandertreffen.
Der Verteilungskonflikt, d.h. die Auseinandersetzung zwischen den gesellschaftlichen Gruppen um ihren jeweiligen Anteil am Sozialprodukt, gehört zum Alltag jeder Demokratie. In Zeiten hohen wirtschaftlichen Wachstums, wie es für die Wiederaufbauphase der Bundesrepublik in den fünfziger und sechziger Jahren charakteristisch war, lassen sich Verteilungskonflikte im allgemeinen leichter lösen, denn der ständige reale Zuwachs an Gütern und Dienstleistungen eröffnet einen hinreichend großen Spielraum, um alle sozialen Gruppen am Zuwachs teilhaben zu lassen.
Die Unterscheidung der Einkommen aus unselbständiger Arbeit und Unternehmertätigkeit bezeichnet man als funktionelle Einkommensverteilung, d.h. die Verteilung des Volkseinkommens auf die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände (Gewerkschaften) haben daher ein Interesse daran, diese Einkommensverteilung zu beeinflussen. Aus Sicht der Gewerkschaften ist eine Umverteilung des Volkseinkommens „von unten nach oben“ unerwünscht.
Standpunkte der Gewerkschaften:
- Löhne und Gehälter sind die Einkommen der Arbeitnehmer und sollen möglichst hoch in.
- Steigende Einkommen der Arbeitnehmer bewirken eine größere Kaufkraft.
- Der davon ausgehende Anstieg des Konsums führt zur Erhöhung der Produktion.
- So werden letztlich auch die Arbeitsplätze gesichert.
Standpunkte der Arbeitgeberverbände
- Löhne und Gehälter sind wesentliche Kostenfaktoren.
- Steigende Löhne und Gehälter beeinträchtigen die Gewinnaussichten der Unternehmen.
- Gewinne sind ausschlaggebend für die Investitionstätigkeit der Unternehmen.
- Ohne Investitionen kann die Arbeitslosigkeit nicht abgebaut werden. Investitionen führen zu einem höheren Beschäftigungsgrad („Die Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen und die Beschäftigten von übermorgen“).
Die Aussagefähigkeit der bereinigten Lohnquote zeigt an einem Beispiel: In einem beliebigen Jahr beträgt die Lohnquote 60 Prozent. Fünf Jahre später wird eine Lohnquote von 70 Prozent ermittelt. Parallel dazu ist die Arbeitnehmerquote von 50 Prozent Ausgangsjahr auf 60 Prozent gestiegen, d.h. die höhere Lohnquote teilen sich zuletzt mehr Arbeitnehmer als zuvor. Nimmt man nun an, die Arbeitslosenquote habe sich in diesem Zeitraum nicht verändert (konstant 50 Prozent), läßt sich die bereinigte Lohnquote berechnen:
Bereinigte Lohnquote = konstante Arbeitnehmerquote (50 %) mal Lohnquote durch Arbeitnehmerquote (70% durch 60 %). Die bereinigte Lohnquote (58,33 %) ist demnach gesunken, d.h. auf eine als gleichbleibend angenommene Zahl von Arbeitnehmern entfielen nach Jahren nur noch 58,33 Prozent des Volkseinkommens als Einkommen aus unselbständiger Arbeit.
Falsche Maßstäbe für die Verteilung der Einkommen:
Nach Meinung der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände ist die aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgeleitete „Lohnquote“ bzw. die als Rest des Volkseinkommens ermittelte „Gewinnquote“ als Verteilungsmaßstab gänzlich ungeeignet:
* Als Anteil am Volkseinkommen hätten sich die Vermögenseinkünfte der privaten Haushalte von 3,3 Prozent im Jahre 1960 auf reichlich 7 Prozent mittlerweile mehr als verdoppelt. Die Haushalte hätten 1986 ein Geldvermögen von rund 2 Billionen DM, aus denen ihnen mehr als 110 Milliarden DM an Einkommen zugeflossen seien, ohne aber eigentliche Unternehmenseinkommen zu sein.
* Der jeweilige Beschäftigungsgrad werde in der Lohnquote nicht berücksichtigt. Gemessen werde lediglich der Anteil der Einkommen der jeweils Beschäftigten am Volkseinkommen. Eine hohe Lohnquote könne also Ausdruck eines hohen Beschäftigungsstandes bei relativniedrigem Lohnniveau oder eines hohen Lohnniveaus bei Arbeitslosigkeit sein. Wolle man die Arbeitsmarktsituation mitberücksichtigen, müsse die Lohnquote um den Beschäftigungsgrad bereinigt werden.
* Veränderungen der Lohnquote spiegelten nur den Wandel im Einsatzverhältnis von Kapital und Arbeit wider, ohne jedoch etwas auszusagen über die Rentabilität des investierten Sachkapitals im Vergleich zu den Finanzanlagen. Mit der Lohnquote als verteilungspolitischem Indikator werde nicht berücksichtigt, daß angesichts der in den letzten Jahren ständig gewachsenen Kapitalintensität die Sicherung der vorhandenen Arbeitsplätze und die Finanzierung zusätzlicher Arbeitsplätze einen immer höheren Kapitalaufwand erforderten. Dieser müsse aber aus den Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen finanziert werden.
* Auch die „bereinigte“ Lohnquote, die eine über die Jahre hinweg völlig konstante Erwerbs­tätigenstruktur unterstelle, könne nicht als Verteilungsmaßstab herangezogen werden. Sie gehe nämlich von der Fiktion aus, daß die Höhe des Volkseinkommens unabhängig sei von der Erwerbstätigenstruktur. Bei abnehmendem Anteil der Selbständigen an der Erwerbs­tätigenzahl führe diese Bereinigung dazu, daß in immer größerem Umfang Einkommen aus Unternehmertätigkeit als Fiktion unterstellt würden, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden seien. Und in den 70er Jahren sei der wachsende Anteil der Lohn- und Gehaltsempfänger an der Erwerbstätigenzahl nicht nur Ursache, sondern auch Folge der steigenden Lohnquote: Unzureichende Gewinne führten dazu, daß immer mehr Selbständige gezwungen waren, ihren Betrieb aufzugeben, um einer Tätigkeit als Arbeitnehmer nachzugehen.
Der Rückgang der Lohnquote bedeutet nicht unbedingt eine „Umverteilung von unten nach oben“:
- Zu den Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen zählen nicht nur die höheren Einkommen von Unternehmern, Ärzten usw., sondern auch die eher mit Arbeitnehmereinkommen vergleichbaren Einkommen von kleineren landwirtschaftlichen oder Einzelhandelsbetrieben. Andererseits rechnen die Bezüge von Vorstandsmitgliedern einer AG zu den Einkommen aus unselbständiger Arbeit. Vor allem aber können Arbeitnehmer neben dem Gehalt auch andere Einkünfte wie Mieteinnahmen oder Kapitalzinsen haben, die dann dem Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen zuzuordnen sind. Von daher sagt die Aufteilung des Volkseinkommens in Lohnquote und Gewinnquote wenig über die individuellen Einkommen aus.
- Die Lohnquote kann sich auch erhöhen, ohne daß eine Veränderung der Einkommensunterschiede zwischen Selbständigen und Arbeitnehmern stattgefunden hat. Dies geschieht, wenn der Anteil der unselbständigen Arbeitnehmer an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen zunimmt und die Zahl der Selbständigen abnimmt. Der Anteil der unselbständigen Arbeitnehmer an der Zahl der Erwerbstätigen stieg bis 1980 kontinuierlich und ist seitdem konstant (= Arbeitnehmerquote).
Um die Lohnquoten über die Jahre hinweg vergleichbar zu machen, ist es notwendig, die Arbeitnehmerquote eines bestimmten Jahres als konstante Bezugsgröße bei der Berechnung der Lohnquote zugrunde zu legen. Das Ergebnis ist die bereinigte Lohnquote. Die bereinigte Lohnquote zeigt weitaus geringere Veränderungen als die Lohnquote. Auch wenn sie seit 1982 gesunken ist, weist sie doch langfristig eine bemerkenswerte Stabilität auf.
Die Einkommensverteilung auf den Faktormärkten ist die primäre Einkommensverteilung (= funktionale Einkommensverteilung). Die sekundäre Einkommensverteilung erfolgt durch den Staat, weil das Markergebnis nicht akzeptiert werden kann, so daß der Staat umverteilen soll.
Der Staat nimmt eine sekundäre Einkommensverteilung vor zugunsten derer, die kein Einkommen beziehen oder nicht genug beziehen. Aber es darf keine Sondersteuer geben.
Der Staat sorgt für eine gerechte Verteilung der Kosten, damit nicht ein kleine Gruppe für bestimmte Leistungen hohe Kosten allein zahlen muß (Beispiel: Kindergarten). Bestimmte Leistungen kann nur der Staat erbringen.
Er tut das durch…..
Einkommenssteuer: Es gibt einen viergeteilten Steuertarif:
Nullzone (Steuerfreiheit) Untere Proportionalstufe (gleichbleibender Steuersatz von 19 Prozent)
Progressionszone (linear steigender Steuersatz von 19 bis 43 Prozent)
Obere Proportionalzone (gleichbleibender Steuersatz von 43 Prozent).
Der Anstieg der Progression sollte linear sein. Der Spitzensteuersatz war zur Zeit Helmut Kohls bei 53 Prozent, heute beträgt er 43 Prozent. Benachteiligt sind die mittleren Einkommen, weil sie bei einer Lohnerhöhung immer mehr in die Progression kommen (bei höherem Einkommen wird der Steueranteil prozentual höher). Alle zehn Jahre wäre eine Reform der Einkommenssteuer nötig, aber die Parteien scheuen das, weil dadurch sehr viel mehr Steuern einkommen. Die unteren Einkommen wurden entlastet (hohe Freibeträge), ebenso die hohen Einkommen (Steuersparmodelle). Aber durch die Inflation wachsen immer mehr Arbeitnehmer in die mittleren Einkommen hinein („Mittelstandsbauch“).
Diese Erscheinung wird auch „kalte Progression“ genannt. Dabei bleibt allerdings die Steuerklasse gleich, nur die Steuerstufe ändert sich. Es kann also sein, daß ein Arbeitnehmer am oberen Rand seiner Steuerstufe war, durch die Lohnerhöhung aber in den unteren Rand der nächst höheren Steuerstufe kommt. Im Extremfall (aber nur in diesem) kann es sein, daß seine Steuer damit höher wird als die Lohnerhöhung.
Weil das Bundesverfassungsgericht schon 1990 das Existenzminimum auf 6.000 bis 7.000 Euro beziffert hat, war der steuerfreie Grundbetrag zu niedrig. Er muß im Grunde immer wieder einmal angepaßt werden.
Die Mehrwertsteuer bewirkt keine Umverteilung: Ein Sozialhilfeempfänger braucht für den Grundbedarf hundert Prozent seines Einkommens, ein Spitzenverdiener aber vielleicht nur 20 Prozent. Er kann sich dadurch mehr Dinge leisten, auch solche, die gar keiner Mehrwertsteuer unterliegen (wie die Kultur). Die Mehrwertsteuer scheint gerecht zu sein, weil sie für jeden gleich hoch ist. Sie ist aber ungerecht, weil sie die unteren Einkommensschichten schwerer belastet.
Gesetzliche Sozialversicherung (Krankheit, Pflege, Unfall, Arbeitslosigkeit, Rente). Die Umverteilung erfolgt von den Aktiven auf die Passiven und die keine Produktionsfaktoren zur Verfügung stellen können („Generationenvertrag“).
Transferzahlungen, für die man nichts eingezahlt hat, also Kindergeld, Ausbildungsbeihilfen (Bafög), Sozialhilfe, Wohngeld. Die Mittel werden aus dem allgemeinen Haushalt genommen.
Bereitstellung von öffentlichen Gütern und Dienstleistungen:
Dazu gehören „öffentliche Güter“, deren Nutzen nicht nur dem Erwerber zufällt (Polizei, Justiz, Verteidigung, Verkehrseinrichtungen). Es besteht aber die Gefahr der „Trittbrettfahrer“, die zwar nutzen wollen, aber nichts dafür tun. Deshalb werden öffentliche Güter nicht privat angeboten, sondern durch eine Zwangsumlage finanziert, weil der Nutzen durch andere nicht ausschließbar ist.
„Meritorische Güter“: Zwischen privaten und öffentlichen Gütern gibt es „meritorische Güter“. Beispiele sind: Zu den Gesundheitsleistungen zahlt der Einzelne, aber auch die Gemeinschaft, Kleingärten bringen auch einen Nutzen für andere. Umgekehrt sollte auf Autobahnen eine Nutzungsgebühr verlangt werden. Oder wenn ein Schaden für andere entsteht, sollte der Nutzer zahlen (zum Beispiel bei Umweltschäden).. Nur im Straßenverkehr trägt auch die Allgemeinheit den Schaden. Straßen und Schulen liegen zwischen privatem und meritorischem Gut.
Öffentliche Güter und öffentliche Dienstleistungen haben einen Umverteilungseffekt, weil sie nicht von allen in Anspruch genommen werden (Die Alte Oper in Frankfurt kommt auch den Bürgern aus dem Taunus zugute, aber finanziert wird sie unter anderem von dem Säufer über die Getränkesteuer). Umgedreht geschieht Verteilung von oben nach unten, zum Beispiel durch öffentliche Bibliotheken, die nur von den Ärmeren genutzt werden. Die Umverteilung von oben nach unten hilft der Konjunktur mehr als die Umverteilung nach oben.
Bruttosozialprodukt und Volkseinkommen
Durch die Berechnung des Bruttosozialprodukts will man Auskunft haben über die Leistungsfähigkeit und Entwicklung der Volkswirtschaft und Auskunft über den Wohlstand und dessen Entwicklung, auch jeweils im Vergleich mit dem Ausland. Es gibt verschiedene Berechnungsweisen des Bruttosozialprodukts:
Nominelles Brutosozialprodukt (BSPn): Summe aller Güter und Dienstleistungen, die in einer Periode (in der Regel ein Jahr) in einer Volkswirtschaft produziert werden.
Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen (BSPm): Bruttoproduktionswert minus Vorleistungen Reales Sozialprodukt (BSPreal): Nominelles Sozialprodukt deflationiert um die Inflationsrate. . Bei der Ermittlung des Bruttosozialprodukts in konstanten Preisen werden die Güter und Dienstleistungen mit den Preisen bewertet, die sie in einem bestimmten Basisjahr hatten.
Nettosozialprodukt (NSPn): Nominelles Bruttosozialprodukt minus Abschreibung. Diese erfaßt wertmäßig den Verschleiß (Abnutzung). So muß auch beim Sozialprodukt das abgezogen werden, was bei der Produktion schon verlorengeht, denn nur was übrigbleibt, kann verteilt werden.
Volkseinkommen ((NSPf): Nettosozialprodukt minus Steuern und Subventionen.
Das Volkseinkommen minus direkte Steuer ist das verfügbare Volkseinkommen. Erst diese Zahl gibt das tatsächliche Einkommen an.
NSPf (VE)
KGh = Konsumgüter Haushalte
KGst=Konsumgüter Staat
(minus Zuschüsse)
Ibr= Brutto-Investitionen
Vom Nettosozialprodukt werden aber die indirekten Steuern abgezogen (Unternehmersteuern) und die Subventionen hinzugezählt. So erhöht man das Nettosozialprodukt um Faktorkosten (NSPf) oder das Volkseinkommen. Von diesem gehen aber noch die direkten Steuern ab (Einkommensteuer) und die Zuschüsse werden hinzugezählt. So erhält man das verfügbare Volkseinkommen. Das Volkseinkommen ist geringer als das Sozialprodukt zu Marktpreisen. Die Steuer erhöht nur den Preis, schafft aber nicht mehr am Produkt.
Der Wert der erzeugten Güter errechnet sich aus der Gesamtnachfrage minus Vorleistungen:
Der Bäcker kalkuliert mit 400, hat aber von Bauern und Bäcker schon Vorleistungen erhalten: Vom Bauern 200 und vom Bäcker noch einmal plus 100 = 300, insgesamt 500. Die Gesamtnachfrage (900) ergibt sich aus diesen Vorleistungen (500) und dem Buttosozialprodukt (400). Gesamtnachfrage minus Vorleistungen ist der Bruttoproduktionswert. Der Zuwachs wird gemessen mit Hilfe der Mehrwertsteuer: Der Müller zahlt an den Bauern 20, erhält aber 30 vom Bäcker. Die Differenz von 10 muß er mittels der Mehrwertsteuer versteuern, es wird also nur das versteuert, was man selber hinzugefügt hat. Wohlstand und Wohlstandsmessung
Auf die Frage, wie es einem Volk geht, antwortet man meist mit einer festen Kompaktziffer: „Wachstumsrate des Sozialproduktes“. Aber man kann nur das reale Wachstum vergleichen. Zwischen den subjektiven Eindrücken vom Wohlbefinden eines Bundesbürgers und der objektbezogenen Wachstumsrate klafft eine Lücke der Unsicherheit. Sozialprodukt und Wachstumsrate sind als Produktionsanzeiger beschränkt brauchbar, als Wohlstandsanzeiger überfordert.
Entgegen gängigen Lehrbuchdefinitionen enthält das Sozialprodukt nicht das, was in einer Volkswirtschaft tatsächlich produziert und geleistet wird, sondern nur jene Güter und Dienstleistungen, die in Geldwert faßbar über den Markt gegangen sind. Die Wachstumsrate des Sozialproduktes aber ist der Stoff, aus dem die Presse Schlagzeilen macht. Die Unternehmer richten ihre Planungen und die Gewerkschaften ihre Lohnforderungen danach aus. Die Bundesanstalt für Arbeit knüpft daran Modellrechnungen, wieviel Wirtschaftswachstum die Arbeitslosigkeit beseitigen würde. Die Berechnung nach dem Bruttosozialprodukt hat folgende Mängel:
• Es wird nur erfaßt, was über den Markt läuft und einen Marktwert hat. Aber Hausarbeit in 30 Millionen Haushalten bringt mehr als halb so viel wie das offizielle Bruttosozialprodukt. Wenn diese Dienstleistungen über den Markt liefen, wäre das Bruttosozialprodukt höher. Es fehlen auch Eigenverbrauch der Landwirtschaft und ehrenamtliche Tätigkeiten: • Schwarzarbeit macht bis zu zehn Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Der gesamte Bereich der sogenannten Schattenwirtschaft nimmt ständig zu. Dadurch verliert das Bruttosozialprodukt als Maßstab für die Entwicklung einer Volkswirtschaft immer mehr an Bedeutung. • Die Größe „Volkseinkommen pro Kopf der Bevölkerung“ wird häufig im nationalen zeitlichen und internationalen Vergleich als Wohlstandsanzeiger verwendet. Dieser Maßstab hat eine Vielzahl von Mängeln. Im zeitlichen Vergleich bedarf er einer nicht einfach zu bewältigenden Inflationsbereinigung. Im internationalen Vergleich bewirken zum Teil schon geringfügige Änderungen der Wechselkurse, daß sich die Reihenfolge der Nationen ändert. • Das Bruttosozialprodukt steigt zum Beispiel auch dadurch, daß ein Arzt einen Unfallkranken behandelt. Seine Leistung geht mit dem entsprechenden Preis in die Berechnung ein. Der rein materielle Maßstab „Bruttosozialprodukt“ gibt keinerlei qualitative Aspekts des Lebensstandards wieder. • Die Beseitigung von Umweltschäden erhöht das Bruttosozialprodukt. Die Kosten müßten aber an sich abgezogen werden. Den gleiche Effekt würde man erreichen, wenn man die Schäden vermiede.
• Zuwachsraten bleiben zuweilen innerhalb statistisch unvermeidlicher Fehlergrenzen (auch bezüglich der Bevölkerungsentwicklung). • Je nach dem Anteil der direkten und indirekten Steu­ern am gesamten Steueraufkommen ändert sich das Volkseinkommen. • Die zur Sozialprodukterstellung aufgewandte Arbeitszeit, die Arbeitsintensität und auch die gegebene Arbeitslosigkeit werden nicht berücksichtigt. • Das in einer Volkswirtschaft vorhandene Vermögen kommt in der Maßzahl nicht zum Ausdruck..
• Die Art der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung mit ihren unterschiedlichen allgemeinen und wirtschaftlichen Freiheitsrechten kommt nicht zur Geltung. Die Einkommensverteilung hat eine Schieflage. Es ist nicht so, daß es den Arbeitern gut geht, wenn es den Unternehmen gut geht. Aber umgedreht gilt: Wenn es den Unternehmen nicht gut geht, geht es auch den Arbeitern nicht gut. Wenn das Volk die Regierung wählt, die von unten nach oben verteilt, ist es selbst daran schuld. „Wohlfahrtsprodukt“ und „soziale Anzeiger“ (Indikatoren)
Seit einiger Zeit wird der Versuch unternommen, einigen Einschränkungen im Aussagewert der Sozialproduktgrößen auch Rechnung zu tragen und durch Umrechnungen ein sogenanntes „Wohlfahrtsprodukt“ zu ermitteln. Dazu gehört unter anderem, daß Freizeit und Hausfrauendienste bewertet werden, ebenso Umweltbelastungen. Wenn dieses Wohlfahrtsprodukt auch eine Verbesserung der Sozialproduktberechnung darstellt, so kann sich in ihm doch nur ein Teil der Wohlstandsfaktoren widerspiegeln. Ein aussagefähigerer Ausweis verlangt letztlich noch weiterreichende Informationen. Bei der „Wohlstandsmessung“ werden auch die Umweltschäden und Umweltreparaturen mit eingerechnet, obwohl beides keinen Wohlstand bringt. Sie müßten abgezogen werden, damit ein „Öko-Bruttosozialprodukt“ entsteht. Steigende Umweltbelastungen und die dadurch bedingten Gegenmaßnahmen erhöhen das Sozialprodukt, obwohl letztere lediglich darauf zielen, das den Wohlstand mitbestimmende „Umweltkapital“ zu erhalten oder Verluste zu ersetzen, soweit dies überhaupt möglich ist. Letztlich bestimmt der private Konsum die gegenwärtige Wohlfahrt wesentlich mit, während private und öffentliche Investitionen diese Konsum- und Wohlfahrtswirkung erst in der Zukunft haben. Während nichtmarktliche Leistungen (Hausfrauendienste, Hobbytätigkeit) nicht erfaßt werden, erhöht ihr Ersatz durch marktliche Leistungen (Wäscherei, Gaststättenessen, Handwerkerleistungen) das Sozialprodukt.
Von verschiedenen Bevölkerungsgruppen werden die Wohlfahrtswirkungen von Teilen des Sozialprodukts unterschiedlich beurteilt (zum Beispiel Reklame-, Weltraum- und Rüstungsausgaben). Wohlstand und Wohlstandsentwicklung sind nicht zuletzt von der Verteilung des Sozialprodukts und der Struktur der Bevölkerung abhängig, was ebenfalls nicht in den Globalgrößen zum Ausdruck kommt. Diese Mängel wiegen besonders schwer bei dem Vergleich weit auseinander liegender Jahre sowie von Ländern mit sehr unterschiedlichen Wirtschaftsordnungen und ungleichem Entwicklungsstand.
Das Konzept der sozialen Anzeiger („Indikatoren“) beinhaltet den Versuch, eine derartige breite Darstellung des Lebensstandards in den einzelnen Nationen vorzunehmen. Dazu werden statistische Angaben zu den verschiedensten Lebensbereichen ermittelt bzw. ausgewertet, deren Entwicklung aufgezeigt und Prognosen aufgestellt. Ob solche Informationen zur Grundlage politischer Entscheidungen gemacht werden können, ist nicht nur eine Frage ihrer Vollständigkeit. Vielmehr sind zuvor politische Entscheidungen darüber zu fällen, welche Informationen überhaupt als soziale Anzeiger gelten sollen und welches Gewicht ihnen im einzelnen zuzumessen ist. Denn hierin liegen Wertungen von Zuständen und Entwicklungen, die wissenschaftlich nicht begründbar sind. Insofern verdeutlicht das Konzept der sozialen Anzeiger ebenso wie das Wohlfahrtsprodukt nur die Einseitigkeit, die darin liegt, in erster Linie das herkömmliche Sozialprodukt als Handlungsgrundlage zu wählen.
In zehn Bereichen wurde mit rund 200 Anzeigern die Wohlfahrtsentwicklung gemessen:
1. Bevölkerung: Bevölkerungsstruktur, Geburten und Sterbefälle
2. Gesundheit: Erkrankungen, Säuglingssterblichkeit, Personal und Betten in Krankenhäusern .Die Frühinvalidität liegt oft sehr hoch.
3. Bildung: Schulbildung der Bevölkerung, Schüler je Lehrer, Bildungsausgaben. Die Anzahl der Abiturienten sagt etwas aus , ob man Wert legt auf Allgemeinbildung oder auf frühe Spezialisierung.
4. Wissenschaft und Forschung: In Forschung und Entwicklung tätiges Personal
6. Erwerbstätigkeit, Arbeitsmarkt und Beschäftigungsbedingungen Struktur der Erwerbspersonen, Berufswechsel, Arbeitslosigkeit, Arbeitszeit, Urlaub, Unfälle, Streiks.
7. Einkommen und Einkommensverteilung, Einkommensverwendung und Versorgung,
8. Verbrauch: Genußmittel, Urlaubsreisen
9. Physische Umwelt: Wasserversorgung, Luftreinhaltung, Bevölkerungsdichte, Motorisierung (Verkehrstote), Wohnungsbestand, Mieten
10. Soziale Umwelt: Rentenniveau, Sozialhilfeempfänger, Arbeitszufriedenheit
11 Politische, berufliche und betriebliche Beteiligungen
12. Rechtspflege: Straftaten, Verurteilte
13. Öffentliche Finanzen: Ausgaben und Schulden der Gebietskörperschaften.
14. Sozialer Wandel und Mobilität, Teilhabe an der Gesellschaft („Partizipation“).
Soziale Indikatoren leisten mehr zur Beschreibung der Wirklichkeit sowie für Prognosen und als Entscheidungshilfe. Sie können die Gerechtigkeit aber nicht automatisieren und Politik nicht ersetzen. Sie sind konzeptionell zudem unausgereift und in der praktischen Anwendung nicht unproblematisch. Jedenfalls aber lohnt es sich, die neuen Meßlatten zur Ergänzung der heutigen Sozialproduktrechnung weiterzuentwickeln und zu benutzen.
Das Bruttosozialprodukt ist an sich keine Meßgröße. Anders ist es, wenn man die Wachs­tumsrate betrachtet, also die Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Aber auch dann kann man nur ähnliche Volkswirtschaften vergleichen. Man liest es fast täglich in der Zeitung: Zur Überwindung der Arbeitslosigkeit sei ein verstärktes wirtschaftliches Wachstum notwendig. Nur wenn die Wirtschaft wieder stärker wachse, könne die Arbeitslosigkeit auf Dauer überwunden werden. Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff „wirtschaftliches Wachstum“?
Der gängige Maßstab fürr das Wachstum einer Volkswirtschaft ist das sogenannte „Bruttosozialprodukt“. Um das Bruttosozialprodukt eines Jahres zu berechnen, werden alle innerhalb dieses Zeitraums von Inländern erstellten Guter und Dienstleistungen mit ihren jeweiligen Preisen bewertet und diese Werte dann aufaddiert. Das ist das „Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen“.
Das Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen kann auf dreierlei Art ermittelt und dargestellt werden:
Ansatz auf der Entstehungsseite: Zusammenzählen der von meinen Wirtschaftsbereichen erbrachten Güter und Dienstleistungen. Die Frage ist dabei: Welcher Wirtschaftssektor leistet mehr (Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen).
„Verteilungsrechnung des Bruttosozialprodukts“. Ausgangspunkt hierbei sind die in einem Jahr entstandenen Einkommen. Addiert man die Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit und die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen (Gewinne und Zinsen) und addiert hierzu die indirekten Steuern sowie die Abschreibungen, so erhalt man wiederum das Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen. Dies ist deshalb der Fall, weil die Gegenwerte für die erstellten Güter und Dienstleistungen zu Arbeitnehmereinkommen, Gewinnen und Zinseinkünften werden bzw. für indirekte Steuern und Abschreibungen aufgewandt werden müssen. Investieren bedeutet Konsumverzicht, aber wer nicht vernünftig investiert, kann sich nicht entwickeln und hat in Zukunft nichts mehr.
„Verwendungsrechnung“: Verwendet werden können die in einer Volkswirtschaft in einer bestimmten Periode produzierten Güter und Dienstleistungen einmal von den privaten Haushalten (Konsumgüter), dann vom Staat aber auch von den Unternehmen (Investitionsgüter) in Form von Investitionen. Addiert man den privaten Verbrauch, den Staatsverbrauch und die Investitionen, so erhalt man den Wert des Bruttosozialprodukts, der in Inland verwendet wird. Da nun keine Volkswirtschaft von ihrer Außenwelt abgeschottet ist, muß zu der inländischen Verwendung noch die ausländische hinzugerechnet worden. Diese ergibt sich aus der Differenz zwischen den Exporten und den Importen einer Volkswirtschaft. Ein positiver Außenbeitrag (Überschuß der Exporte über die Importe) bedeutet, daß ein Teil der von den Inländern erbrachten Leistungen vom Ausland verbraucht wurde. Nur wenn man diese ausländische Verwendung zu der inländischen hinzuzahlt, kommt man auf die insgesamt von Inländern erstellten Leistungen.
Da man von einem Wachstum der Volkswirtschaft oder von einem größeren Wohlstand nur dann sprechen kann, wenn mehr Leistungen erbracht worden sind und nicht einfach die Inflation das Bruttosozialprodukt hat wachsen lassen, wird üblicherweise das reale Bruttosozialprodukt (also das zu konstanten Preisen berechnete) als Maßstab für das Wachstum herangezogen. Ein Anstieg des realen Bruttosozialprodukte muß nun aber nicht automatisch mit einem Zuwachs an Wohlstand und Lebensstandard gleichbedeutend sein. Erst wenn das reale Bruttosozialprodukt auch pro Kopf der Bevölkerung steigt, ist dies ein Zeichen für wachsenden Wohlstand. Denn erst dies bedeutet, daß jedem Einwohner mehr Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stehen als vorher. Wächst dagegen die Bevölkerung schneller als das reale Bruttosozialprodukt, so hat dies trotz realen Wachstum der Volkswirtschaft ein Absinken des Lebensstandards zur Folge. Eine Problematik, die wir aus vielen Entwicklungsländern kennen.
Bis­lang ist es jedoch noch nicht gelungen, eine brauchbare Alternative zu entwickeln. Bei allen Mängeln gibt das Bruttosozialprodukt doch (Jahr für Jahr in gleicher Weise angewandt) wichtige Aufschlüsse über die Versorgungslage der Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen und damit euch über den Wohlstand in einer Volkswirtschaft. Aber nicht nur der Maßstab, sondern auch das Ziel „wirtschaftliches Wachstum“, ist umstritten. Aber wer sich gegen ein vernünftiges wirtschaftliches Wachstum ausspricht, der sollte wissen, daß in einer stagnierenden Wirtschaft ein Mehr an Lebensstandard der einen Gruppe nur durch ein Weniger an Lebensstandard bei einer anderen erreicht werden kann, daß real­isti­scherweise nur bei weiter steigendem Wohlstand im Inland die für die Entwicklungshilfe notwendigen Beträge freigemacht werden können und daß schließlich nur eine investierende und damit wachsende Wirtschaft auf Dauer neue rentable Arbeitsplätze bereitstellen kann. Wachstum löst sicherlich nicht alle Probleme, aber ohne Wachstum werden viele Probleme unlösbar.
Jedem realen Strom an Gütern entspricht ein monetärer Strom in Form von Geld. Beide Ströme sind gegenläufig: Man gibt Geld und erhält etwas dafür.
¬ Konsumausgaben
® Faktoreinkommen Aber die Privat-Haushalte sparen zum Teil (Vermögensveränderung). Wenn der Haushalt spart, hat er eine Forderung auf die künftige Gegenwart.
Unternehmen tätigen Brutto-Investitionen (Vermögensbildung), sie erhöhen das Vermögen real, aber der monetäre Strom läuft entgegengesetzt. Ein Mensch kann vier Dinge in wirtschaftlicher Hinsicht tun
(ökonomische Grundaktivitäten eines Wirtschaftssubjekts):
1. Güter produzieren (vor allem Unternehmen) 2. Einkommen verwenden (vor allem Haushalte) 3. Vermögen bilden (Unternehmen und Haushalte)
4. Kredite gewähren oder nehmen.
Unternehmen ® Haushalt
¬ Veränderung ¬
Wenn der Haushalt spart, gibt die Bank dieses Geld als Kredit, mit dem ein Unternehmen Maschinen kauft (diese gehören dann an sich dem Haushalt).
Brutto-Investition ist der Anschaffungswert der Maschine. Dieser nimmt ab mit der Abschreibung (= Vermögensverzehr). Wenn man die Abschreibung abzieht, hat man am Jahresende die Netto-Investition. Die Abschreibung erfaßt wertmäßig den technischen Verschleiß.
¯ ­ ¯ Investition ¬ Veränderung ¬
Abschreibung ® ® ­
Der Unternehmer hat eine kalkulatorische Abschreibung, je nach Lebensdauer der Maschine. Kalkulatorisch pendelt sich die Abschreibung ein: Wenn ich einen kurzen Zeitraum nehmen, sind die Kosten pro Jahr höher. Aber an sich muß man die kalkulatorische Abschreibung strecken, um kostengünstig zu bleiben.
Etwas anderes ist die steuerliche Abschreibung: Wenn diese abgelaufen ist, kann man die Maschine meist noch benutzen. Wenn aber die Maschine früher als die steuerliche Abschreibung kaputtgeht, ist da ein untenerhmerisches Risiko (es sei denn, es ist eine außerordentliche Abschreibung möglich). Wer Geschick hat und Glück, kalkuliert richtig, kann sich am Markt halten und macht Gewinn. Kredite läßt man beim Wirtschaftskreislauf weg, weil sie im Grunde nur von Haushalten kommen. Die Summen aller Kredite unter Haushalten heben sich auf: Die Summe der gewährten Kredite entspricht der Summe der genommenen Kredite.
Jetzt kommt aber noch der Staat zu diesem Kreislauf (erweiterter Kreislauf für staatliche Aktivitäten): ¬ Staat ® ¯
Subventionen Zuschüsse ®
Unternehmen ¬ KA Haushalt
FE ®
A Import ¯ ­ ¯
Export ¯ ­ Sparen
Investition ¬ Veränderung ¬ ¬
Erläuterungen zu dem Schaubild:
Staat sind die Gebietskörperschaften und der Parafiskus (Sozialversicherungen, usw.).
Indirekte Steuern werden über den Preis abgewälzt.
Direkte Steuern sind Lohn- und Einkommenssteuern.
Faktoreinkommen (FE) erhalten die Steuerbeamten. Aber der Staat hat auch Konsumausgaben (KA).
Dazu Zuschüsse bei den privaten Haushalten und Subventionen bei den Unternehmen. Außerdem kommen dazu Transferzahlungen (Rente, Sozialhilfe).
Wenn der Staat oder ein Privater investiert, sind sie wie ein Unternehmer. Der Staat kann aber auch sparen (auch eine Vermögensänderung). Auch Unternehmen können sparen; aber das ist unrealistisch, weil sie sich Wertpapiere kaufen, also Finanz-Investitionen machen statt Real-Investitionen in Anlagevermögen. Zu diesen drei Kreisläufen (Haushalte, Unternehmen, Staat) kommen dann noch die Auslandsbeziehungen. Durch hohen Export und niedrigeren Import kommt es zu einem Ungleichgewicht. Das Ausland muß sich dann Geld leihen. Verleihen kann man aber nur, wenn vorher gespart wurde. Doch der Verleiher lebt dann unter seinen Möglichkeiten, der Entleiher lebt über seinen Möglichkeiten. Exportüberschüsse sind Vermögensverlust ans Ausland. Besser ist das Gleichgewicht zwischen Export und Import.
¬ Konsumausgaben ¬
® Faktoreinkommen ® ­
® Konsumgüter ®
Was für den Haushalt das Einkommen ist, sind für das Unternehmen die Kosten. Es stellt seine Produktionsfaktoren zur Verfügung und erhält dafür Faktoreinkommen (für das Unternehmen : Faktorkosten). Der Haushalt gibt das Einkommen aber wieder aus für die Konsumgüter, die von den Unternehmen hergestellt wurden. Konsumgüter sind an sich gleich Einkommen, wenn man einmal vom Sparen absieht. Das Sozialprodukt kann man deshalb auch am Einkommen messen. Steuern sind notwendig: Sie sichern Arbeitsplätze und stellen eine Infrastruktur zur Verfügung, die irgendwie jedem zugute kommt (auch wenn ich nicht die Autobahn benutze, kaufe ich doch Produkte, die über die Autobahn herbeigeschafft wurden.
Steuern sichern die Einnahmen des Staates, aber sie haben auch eine Lenkungsfunktion:
Umweltfreundliches Verhalten kann man erreichen mit Abwasserabgabe, Mineralölsteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer).
Siehe auch Schaubild „Wirtschaftskreislauf“ im PDF-Format.
Darstellung des Wirtschaftskreislaufs in Form von Konten
(Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung)
Volkswirtschaftliches Produktionskonto
Volkswirt­schaftliches Einkommenskonto
Volkswirtschaftliches Vermögensänderungskonto
Abschrei-bung
(ohne Zuschüs-
sein­-
güter Haushalt
güter Staat
Brutto-Investi-
Die Rechnung muß immer ausgewogen sein: Was in einen Bereich hineingeht, muß auch wieder herauskommen, auf jedem Konto müssen beide Seiten ausgeglichen sein.
Wenn man auf dem Produktionskonto den Saldo bildet, erhält man die Abschreibungen.
Wenn man auf dem Einkommenskonto den Saldo bildet, erhält man den Sparbetrag.
Man kann nicht nur den Bruttoproduktionswert betrachten (Konsumgüter, Investitionen, Exportgüter; Spalte zwei), sondern muß alles abziehen, was auf der linken Seite des Kontos steht. Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist von d er OECD standardisiert, damit man vergleichen kann.
Bestimmende Kennziffern:
Der Arbeitsmarkt ist wirklich ein Markt mit Zugängen und Abgängen. Die bestimmenden Kennziffern (Determinanten) auf dem Arbeitsmarkt sind:
1. Größe der Erwerbsbevölkerung:
Dabei geht es nicht nur um den Umfang, sondern auch um Aufbau aus Selbständigen und Erwerbstätigen. Die Wohnbevölkerung minus Nicht-Erwerbspersonen ergibt die Erwerbspersonen zwischen 18 und 65 Jahren. Die Erwerbspersonen sind abhängig oder selbständig. Die Abhängigen bestehen aus abhängig Beschäftigten und Arbeitslosen. Diese bilden den Arbeitsmarkt. Die Selbständigen gehören nicht dazu, denn sie bieten Waren und Dienstleistungen an und verkaufen nicht sich selbst. Auf dem Arbeitsmarkt befinden sich diejenigen, die ihre Arbeitskraft anbieten, und zwar ständig, denn sie können sie nicht horten, um Durststrecken überstehen zu können. Man muß es sich auch leisten können, nicht erwerbstätig zu sein: Einkommenshöhe, Vermögen, Alterssicherung, Emanzipation der Frau. Zuflüsse kommen durch Aussiedler und Übersiedler, Abflüsse durch Frühinvalidität.
2. Lohnhöhe:
Bei relativ niedrigem Lohn erhöht sich das Angebot an Arbeitskräften, weil sie einfach arbeiten müssen, vor allem wenn der Lohn unter dem Existenzminimum liegt. Wenn der Lohn steigt, geht das Arbeitskräfteangebot zurück. Wenn das Eigentum weiter steigt, steigt auch das Arbeitskräfteangebot, weil man bei einer solchen Höhe des Verdienstes wieder arbeiten geht, weil es sich wieder lohnt
Ist der Lohn aber noch höher, geht das Arbeitskräfteangebot wieder zurück, denn wenn man sich schon alles leisten kann, lohnt sich die Mitarbeit des Ehepartners nicht mehr. Man kann auch durch hohes Einkomme soviel Vermögen gebildet haben, daß dieses Vermögen wieder neues Vermögen hervorbringt. Besserverdienende schätzen dann die Freizeit höher ein als den Gelderwerb. Durch das Ehegattensplitting werden diese Leute sogar noch steuerlich bevorteilt. Aber heute spielt dieser Gesichtspunkt nicht mehr so eine große Rolle, weil die Frauen heute zum großen Teil nicht mehr die „industrielle Reserverarmee“ sind, sondern in der Regel mitarbeiten, wenn sie nur können. Aber neben der Lohnhöhe spielt also auch das Vermögen eine Rolle.
3.Qualifikationsangebot:
Angebot und Nachfragemüssen sich bei der Qualifikation treffen. Bei Facharbeiterangebot werden die Nicht-Qualifizierten arbeitslos. Bei M angel wird aber auch ein Facharbeiter oft durch eine Maschine ersetzt, die ein Ungelernter bedient. Wenn hier aber ein Mißverhältnis entsteht, ergibt sich Arbeitslosigkeit.
4. Produktivität der Volkswirtschaft (Maß der Ergiebigkeit):
Die Produktivität ist das Ergebnis geteilt durch den Mitteleinsatz. Man kann die Produktion steigern oder die Arbeitskräfte reduzieren. Wenn die Produktion hoch ist, braucht man nicht so viele Arbeitskräfte. In einer kapitalintensiven Landwirtschaft braucht man nicht so viele Arbeitskräfte: Heute schaffen vier Arbeitskräfte die Nahrung für hundert Leute. Wenn Arbeitskräfte freigesetzt werden, wandern sie ab in andere Bereiche, zum Beispiel aus der Landwirtschaft in die Industrie und von dort in den Dienstleistungsbereich. Der quartäre Bereich der Ausbildung wächst. Außerdem könnt die Arbeitszeit weiter reduziert worden und Ungelernte müßten qualifiziert werden.
Wer durchs Raster fällt, darf nicht dem Konkurrenzkampf ausgesetzt werden. Im Wettbewerbsbereich muß zwar rationalisiert werden. Aber die freiwerdenden Arbeitskräfte sollten vom öffentlichen Dienst übernommen werden, zum Beispiel im Umweltbereich. Hier spielt der internationale Wettbewerb keine Rolle, hier sollte man lieber anstellen als Arbeitslosengeld zahlen, denn nichts ist schädlicher als Geld zu erhalten nicht dafür zu arbeiten.
Es gibt aber auch Menschen mit mehrfachen Einschränkungen. Doch nur ganz wenige verweigern eine zumutbare Arbeit, jedenfalls weniger als reiche Müßiggänger. Deshalb muß der Staat für die mehrfach Benachteiligten sorgen.
Die nachgefragte Beschäftigungsmenge hängt ab von der Arbeitszeit und Menge der Arbeit. Beim Entstehen von Arbeitslosen muß die Arbeitszeit verkürzt werden. Man muß nicht unbedingt zuerst die Produktivität steigern, um die Arbeitszeit reduzieren zu können. Rationalisiert wird sowieso. Wenn die Produktivität vorauseilt, muß nachträglich die Arbeitszeit verkürzt werden. Für eine vergleichbaren Lebensstandard arbeiten wir in Deutschland am kürzesten, weil wir produktiver arbeiten. Umgedreht zwingt Arbeitszeitverkürzung zur Rationalisierung. In jedem Fall wird zur Höchstleistung stimuliert. Arbeitsintensive Produktion aber lähmt die Volkswirtschaft, weil sich Investitionen nicht lohnen.
Seit etwa dem Jahre 2000 hat sich aber eine andere Entwicklung gezeigt: Die Zahl der Arbeitslosen geht nicht so zurück, wie man das bei dem von der Wirtschaft behaupteten Arbeitskräftemangel erwarten könnte. Das mag einmal daran liegen, daß sich einige bequem in der „sozialen Hängematte“ niedergelassen haben und sich mit den Transferleistungen zufrieden geben. Eine größere Rolle aber dürfte die mangelnde Qualifizierung der Arbeitslosen und schon der Schulabgänger spielen. Handwerk und Industrie aber haben es versäumt, sich Fachkräfte heranzuziehen und rufen jetzt nach ausländischen Arbeitskräften. Das hilft zwar auch gegen die Überalterung („demographischer Wandel“), aber es entzieht dem Ausland auch Fachkräfte, die dort vielleicht gebraucht würden, die aber zu uns kommen, weil sie da mehr verdienen. Gegenmittel gegen den Arbeitskräftemangel sind auch die Erhöhung der Arbeitszeit (offiziell oder unter der Hand) und die Heraufsetzung des Rentenalters. Unterentwickelte Regionen müssen sich nicht unbedingt mit entwickeln, wenn sie mit ent­wickelten zusammengelegt werden. Eher ist es so, daß die schon entwickelten immer höher steigen. Das gilt für die EU wie weltweit. Aber die Märkte werden nicht geöffnet, die Entwicklungsländer werden ihre Produkte nicht los und verarmen immer mehr.
a. Technologische Arbeitslosigkeit durch Rationalisierung, besonders schädlich, wenn kein Bereich da ist, der Arbeitskräfte aufnimmt (gegen den Rückgang des Bergbaus wurde das Opelwerk in Bochum gebaut, dann aber auch wieder wegrationalisiert). In der Regel ist der Vorgang unumkehrbar und Maschinen übernehmen immer mehr die Arbeit der Menschen.
b. Marktsättigung (zum Beispiel bei Küchengeräten oder Autos)
c. Materialökonomie (weniger Wiederverwertung oder anderes Material).
d. Regionale Arbeitslosigkeit (Monostruktur, mangelhafte Infrastruktur).
2. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit:
Die Wirtschaft verläuft zyklisch: Ein Konjunkturabschwung bedeutet das Wachsen der Arbeitslosigkeit. Sie müßte sich beim nächsten Aufschwung beheben, sonst war sie nicht nur konjunkturell bedingt. Abschwünge gab es 1967, 1974, 1981und 1993.
3.Saisonale Arbeitslosigkeit:
Bedingt durch die Jahreszeit oder die Witterung (Bauwirtschaft, Fremdenverkehr), durch Kündigungstermin am Quartalsende oder Sommerarbeitslosigkeit wegen Betriebsferien.
4. Friktionelle Arbeitslosigkeit durch Betriebsunterbrechungen (Brand, Hochwasser).
5. Fluktionale Arbeitslosigkeit: Wechsel der Arbeitsstelle führt oft zu einer kurzzeitigen Arbeitslosigkeit, zum Beispiel auch umzugsbedingt.
Gegen manche Arbeitslosigkeit kann man nichts tun, es bleibt immer ein „Bodensatz“. Ziel ist nicht die Vollbeschäftigung, sondern eine möglichst hohe Beschäftigung. In der Statistik wird eine Arbeitslosigkeit von drei Prozent schon als Vollbeschäftigung angesehen.
Kurzarbeit ist ein Frühindikator für Arbeitslosigkeit, sie ist eine Art Teilarbeitslosigkeit.
Wohnbevölkerung minus Nichterwerbspersonen ergibt die Erwerbspersonen.
Diese spalten sich auf in Selbständige und abhängige Erwerbspersonen.
Und diese wiederum spalten sich auf in anhängig Beschäftigte und Arbeitslose. Arbeitslosenquote = Zahl der Arbeitslosen geteilt durch die Zahl der Erwerbspersonen.
Diese Quote gibt nur die Zahl der amtlich registrierten Arbeitslosen im Verhältnis zur Zahl der Erwerbspersonen an:
Mit eingeschlossen sind auch die Unternehmer, die ungefähr ein Prozent in der Quote ausmachen. Nicht dazu gehören aber die Selbständigen, die ja nicht in Die Arbeitslosenversicherung einzahlen und deshalb auch kein Arbeitslosengeld erhalten).
Die Quote ist ungenau, weil die „stille Reserve‘“ nicht erfaßt wird: Hausfrauen, Umschüler, „Parkstudenten“, zurückgekehrte ausländische Arbeitskräfte, Vorruheständler.
Wiedererlangung eines hohen Beschäftigungsstandes:
A. Vorschläge der Tarifparteien:
1. Arbeitszeitverkürzung:: Wöchentliche Arbeitszeit, Jahresarbeitszeit (Urlaub), Lebens­arbeitszeit (Ausbildung länger, Rentenalter früher).
Der höchste Beschäftigungseffekt wird erreicht durch die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit, sie ist auch die gerechteste. Aber sie greift erst, wenn die Produktionsreserve ausgereizt ist und wirklich neue Leute eingestellt werden müssen. Die Verkürzung muß also groß genug sein, um eine Wirkung zu haben.
2. Mehr Teilzeitarbeitsplätze: Ein Weg, um an Frauen heranzukommen, die qualifiziert sind. Außerdem haben Teilzeitkräfte eine höhere Produktivität (nicht so viele Bildschirmpausen)..
3. Überstundenabbau: Zwei Milliarden Überstunden = Million Arbeitsplätze.
4. Lohnerhöhung, die mehr Nachfrage bewirkt. Oder Lohnsenkung, um Arbeitsplätze zur erhalten. B. Vorschläge an den Staat:
1. Ausweitung des öffentlichen Dienstes: Kindergarten, Umwelt, Finanzamt.
2. Ausweitung der öffentlichen Nachfragen nach Gütern und Dienstleistungen (Straßenbau, Wohnungsbau).
3. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mit Lohnkostenzuschüssen.
4. Beschäftigungswirksame Gesetze und Auflagen: Umweltschutz, Abwasser.
5. Subventionen und Steuererleichterungen an die Wirtschaft und Zuschüsse an Private.
6. Einschränkung der Nebentätigkeiten (speziell im öffentlichen Dienst).
7. Verfolgung der Schwarzarbeit durch stärkere Kontrolle (aber die Preise gingen dann höher).
8. „Klimaverbesserung“: Optimismus verbreiten, damit Investitionsneigung besteht (Abschreibungsmöglichkeiten ausweiten).
C. Vorschläge an die Bundesbank:
1. Zinsen senken: Die Kreditaufnahme wird dadurch leichter, aber auch zum Teil der Konsum höher. Es gilt aber nur generell, daß niedrige Zinsen die Nachfrage erhöhen, langfristige Investitionen hängen mehr ab von den langfristigen Zinssätzen und den erwarteten Erträgen, nicht von den gegenwärtigen Kosten.
2. Mindestreserven verringern:
Ziel der Bundesbank ist die Geldwertstabilität. Die Bank ist gegen hohe Löhne und gegen hohe Staatsverschuldung. Deshalb setzt sie die Zinsen hoch. Dennoch kann es eine hausgemachte Inflation geben. Diese kann gemildert werden durch fallende Rohstoffpreise.
Der Staat ist relativ zinsunempfindlich, weil er notfalls die Steuern erhöhen kann. Wenn er auf Steuererhöhungen verzichtet, muß er Kredite aufnehmen. Aber eine Regierung, die den Haushalt saniert hat, wird immer abgewählt, weil sie zu wenig für die Bevölkerung gemacht hat. Alle diese Vorschläge rauschen aber an den Langzeitarbeitslosen vorbei (die also mehr als zwei Jahre arbeitslos sind). Weil die Arbeitswelt sich aber so schnell ändert, kommt man nur schwer wieder hinein. Wirtschaftspolitische Ziele: Das Stabilitätsgesetz von 1967:
„ Magisches Viereck“:
1. Preisniveaustabilität: (Preissteigerungsrate, Inflationsrate). Inflation ist ein anhaltender Preisanstieg oder Verlust der Kaufkraft, aber auch Deflation führt zu Arbeitslosigkeit.
2. Hoher Beschäftigungsstand, gemessen an der Arbeitslosenquote (aber Ziel ist nicht unbedingt die Vollbeschäftigung).
3. Angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum, gemessen an der Wachstumsrate (= Veränderung des Bruttosozialprodukts).
4. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht, gemessen am Außenbeitrag (=Saldo der Leistungsbilanz). . Gleichgewicht ist erreicht, wenn der Außenbeitrag nicht größer ist als zwei Prozent des Bruttosozialprodukts. Diese Ziele soll die Bundesregierung verfolgen im Rahmen der marktwirtschaftlichen Möglichkeiten. Diese marktwirtschaftlichen Ordnung. Diese wurde 1967 mit dem Stabilitätsgesetz festgelegt.
Daneben gibt es weitere Ziele, die nicht erwähnt werden, aber unbestritten sind und von politischen Gruppen bis heute immer wieder eingeklagt werden:
5. Soziale Gerechtigkeit (gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung) 6. Umweltpolitik.
Problematisch ist vor allem der Beschäftigungsstand: Wenn er niedrig ist, erhöht das die Sozialabgaben und ist für den Staat unmittelbar spürbar (familiäre und seelische Folgen kommen dazu). Durch mehr Wachstum aber steigt das Steueraufkommen
Konjunkturpolitische Maßnahmen sollen bei schmaler Konjunktur die Konjunktur wieder ankurbeln, bei starker Konjunktur dagegen dämpfen. Investitionsmaßnahmen des Staates haben eine Kettenwirkung auf die ganze Wirtschaft durch Schaffung von Kaufkraft.
Lohnver­zicht bringt nicht so viel wie Kredite, weil das Geld beim privaten Verbrauch fehlt. Aber eine Zwangsanleihe bei den Reichen würde schon etwas bringen. Auch die Erhöhung der Sozialleistungen hilft, denn die untere Einkommensgruppe gibt das Geld gleich wieder aus. Die Wirtschaftsentwicklung verläuft zyklisch (zu Punkt 3). Der Staat greift anti-zyklisch ein: Bei eine Abschwung steigert der Staat seine Maßnahmen über den Haushalt (antizyklische Fiskalpolitik). Bei einem Aufschwung wird gedämpft oder er muß Kredite aufnehmen, weil er weniger Steuern erhält. Ziel ist es, die Entwicklung zu verfestigen.
Was kann der Staat gegen die Inflation tun?
1. Kürzung der Staatsausgaben (fehlende Nachfrage drosselt Preisauftrieb)
2. Subventionen kürzen, Zuschüsse verringern
3. Steuern erhöhen und stillegen („Konjunkturrücklage“)
4. Verstärkte Wettbewerbspolitik (freie Tankstellen)
5. Preisstop, zum Beispiel Begrenzung der Mietpreiserhöhung.
„Stagflation“ ist wirtschaftlicher Stillstand bei geldmäßiger Inflation.
Die Meßlatte für die wirtschaftliche Entwicklung sind die Konjunktur-Anzeiger (Konjunktur.
-Indikatoren wie Wachstumsrate, Arbeitslosenquote, Inflationsrate, usw.):
Die Wachstumsrate zeigt den aktuellen Stand an.
Die Inflationsrate ist ein später Anzeiger
Der Außenbeitrag spielt kaum eine Rolle
Die Investitionsquote ist ein Früh-Anzeiger: Man übt Konsumverzicht, um in der Zukunft investieren zu können. Diese Quote ist abhängig vom Auftragsbestand.
Die Sparquote ist der Anteil am laufenden Einkommen, der zurückgelegt wird. Dafür gibt es verschiedene Motive: Vorsorge, Arbeitsplatzsicherheit. Wer ein hohes Einkommen hat, kann mehr spare. Als Konjunkturfaktor wird die Sparquote immer weniger wichtig.
Probleme und Grenzen der Fiskalpolitik:
Für die Wirtschaft sind die Frühanzeiger am interessantesten. Aber auch der Staat muß gegensteuern. Dazu ist eine Diagnose nötig:
1. Das „Gutachten der fünf Weisen“ ist eine Prognose von fünf wirtschaftlichen Instituten gemacht. Auch der Jahreswirtschaftsbericht geht darauf ein.
2. Die Zeitverzögerung, bedingt durch Koalitionsabsprachen, Gesetzgebungsverfahren, Einbindung der Sozialpartner (Faktoren, die man nicht beeinflussen kann).
3. Der Spielraum der öffentlichen Haushalte: Jede Investition hat Folgekosten, die Spielräume einengen. Die Kommunen haben sowieso nur zwei bis drei Prozent ihres Haushaltsumfangs als Spielraum.
4. Ausgabeverhalten der Politiker in Demokratien: Sie machen Wahlversprechen und können nicht antizyklisch handeln. Dabei verspricht man mehr, als man einhalten kann. Wenn Geld da ist, wird es auch ausgegeben, denn Bedarf ist immer. Unterschiedliche Akzente gibt es nur, wofür man das Geld ausgibt: Museum oder Kindergarten, Straße oder Jugendzentrum. In der Tendenz steigen die Ausgaben, weil man Versprechen halten will..
5. Vielzahl der öffentlichen Haushalte, die sich nicht aufeinander abstimmen lassen. Grenzen der staatlichen Investitionspolitik:
1.Neuverschuldung nur in Höhe der Bruttoinvestitionen:
Vor allem für Baumaßnahmen, aber nicht für Personal (§ 106 Grundgesetz). Das gilt für alle Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden. Eine Kreditaufnahme bei der Bundesbank ist nicht möglich, abgesehen von kurz­fristigen Kassenkrediten des Bundes oder der Länder. Bei außerordentlichen Störungen des wirtschaftlichen Gleichgewichts darf der Staat noch einmal eine Summe zusätzlich leihen.
2. Wirtschaftliche Grenzen:
Eine Grenze ist erreicht, wenn aus laufenden Einnahmen die Zinsen nicht mehr getragen werden können. Das würde zum Konkurs (Insolvenz) führen. Der Staat hilft sich mit Steuererhöhung. Die muß aber vom Staatsvolk getragen sein, sonst kommt es zur Steuerflucht. Letztes Mittel wäre die Währungsreform (Entwertung der Guthaben, Streichung der Staatsschulden).
Möglichkeiten der antizyklischen Fiskalpolitik:
Ziel ist ein stetiges Wachstum entlang dem Trend.
1. Bei Abschwung die Steuern senken in der Hoffnung, daß das Geld in den Konsum geht. Oder Kredite aufnehmen, damit die Steuerzahler entlastet werden. Einnahmen des Staates sind Steuern, Beiträge, Gebühren, privatrechtliche Einnahmen.
2. Beim Abschwung kann auf der Ausgabenseite ein Investitionsprogramm aufgelegt werden: - Der Staat selber investiert (Baumaßnahmen)
- ABM-Maßnahmen
- Zuschüsse an private Haushalte,
- Subventionen an die Unternehmen.
3. Psychologische Offensive: Tatkraft, Optimismus
4. Beim Aufschwung Steuern und Gebühren erhöhen und bei der Bundesbank stillegen.
Zahlungsbilanz: Gesamter Wirtschaftsverkehr mit dem Ausland
Leistungsbilanz: Handelsbilanz (Ausfuhr- Einfuhr)
Dienstleistungsbilanz (Tourismus, Transport)
Übertragungen (Mitgliedsbeiträge an internationale Organisationen, Überweisungen von Ausländischen Arbeitskräften)
Kapitalbilanz: Kurzfristige Anlagen (bis zu einem Jahr) und längerfristige Anlagen.
Die Handelsbilanz der Bundesrepublik ist meist fast zu positiv, die Wirtschaft ist nur exportorientiert. Das ist problematisch:
1.Das Ausland hat eines Tages kein Geld mehr und macht Schulden.
2. Man gibt dem Ausland mehr Leistung als man selber erhält.
Durch die neuen Bundesländer entstand zunächst eine Nachfragesteigerung, vor allem an Konsumgütern. Dadurch ist die Leistungsbilanz für kurze Zeit ins Negative abgesunken. Aber das änderte sich, weil die neuen Bundesländer dann auch exportieren konnten.
Ist die Leistungsbilanz in den USA dauernd negativ, dann drucken diese einfach neue Dollars oder sie erhöhen die Zinsen und locken damit Kapital an. Bei den anderen Ländern entsteht dann aber ein Druck auf die Währung und die Devisenreserven nehmen ab.
Aufgaben der Bundesbank:
1. Sicherung der Währung nach außen (Preisniveaustabilität und Wechselkursstabilität) und innen (Inflation), „Hüterin der Währung“
2. Steuerung der Geldmenge, Ausgabe von Geld, Banknotenhoheit (Banknoten, Münzen)
3. Regelung des Geldumlaufs, Bereitstellung von Krediten
4. Bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs (Bank des Staates und Bank der Banken)
5. Unterstützung der Wirtschaftspolitik der Regierung.
Die ersten beiden Aufgaben hat in der Europäischen Union inzwischen die Europäische Zentralbank übernommen. Aber die Bundesbank versorgt weiter die Wirtschaft und die anderen Banken mit Geld.
Laut Bundesbankgesetz ist die Bundesbank unabhängig und nicht an Weisungen der Regierung gebunden. Aber die allgemein wirtschaftspolitische Lage und die wirtschaftspolitischen Ziele sollen beachtet werden und die Politik der Regierung unterstützen (zum Beispiel durch Förderung von Investitionsprogrammen durch niedrige Zinsen).
Zinspolitik der Bundesbank:
Leitzinssätze für Kredite an die Geschäftsbanken (nicht Private) sind…
- Lombardsatz: Zinssatz für Wertpapiere, die die Bundesbank von Geschäftsbanken verlangt
- Diskontsatz: Zinssatz für Handelswechsel, die die Bundesbank von Geschäftsbanken übernimmt gegen Zinsen (Händler bezahlen die Produzenten mit Wechseln, diese geben sie ihrer Bank und diese an die Bundesbank).
Der Verkehr zwischen Bundesbank und Geschäftsbanken wird „Rediskontierung“ genannt. Jede Bank hat ein Kontingent bei der Bundesbank, bis zu dessen Höhe noch Wertpapiere oder Wechsel angenommen werden.
„Restriktive Zinspolitik“ heißt: Die Bundesbank setzt die Zinsen hoch oder setzt die Kontingente herunter. Wenn die Kredite verteuert werden, wird die Inflation zwar gesenkt, aber auch die Wirtschaft gedämpft. Zur Geldmenge gehört nicht nur das Bargeld, sondern auch alle Wertpapiere und sonstigen unbaren Werte, die aber kurzfristig in Bargeld umgesetzt werden könnten. Aber das Bargeld soll in einem guten Verhältnis zur Geldmenge und zur Wirtschaft stehen. Die Bedeutung des Bargeldes sinkt aber, der bargeldlose Verkehr steigt.
Die gesetzliche Grundlage für wirtschaftspolitische Maßnahmen ist das Stabilitätsgesetz von 1967. Die Bundesbank hat dabei als Ziel die „Geldwertstabilität“, die Geldpolitik wie die Diskontsenkung wird also von der Bundesbank betrieben. Die Bundesregierung hat das Ziel „Wirtschaftswachstum und hohe Beschäftigung“; die Fiskalpolitik (zum Beispiel verbilligte Kredite) wird vom Staat betrieben, speziell von den Gebietskörperschaften (Ausgabe von Steuermitteln für Investitionen oder Kreditaufnahme).
Die Bundesbank schreibt den Geschäftsbanken eine Mindestreserve vor. Die Geschäftsbanken dürfen nur einen Teil ihrer Einlagen verleihen bzw. sie müssen eine Prozentsatz bei der Bun­des­bank anlegen (10-30 Prozent). Diese Mindestreservesätze können geändert werden, allerdings für alle Banken gleichmäßig. Durch eine Erhöhung der Mindestreserven wird dem Wirtschaftskreislauf ein Teil des Geldes entzogen.
Schließlich hat die Bundesbank noch als wirtschaftspolitische Maßnahme die Offenmarktpolitik: Durch Ankauf und Verkauf von Wertpapieren auf dem offenen Markt beeinflußt sie auch die Wirtschaft. Wenn sie aber Wertpapiere aufkauft und festlegt, bringt sie Bargeld auf den Markt, wenn sie verkauft entzieht sie der Wirtschaft einen Teil des Geldes.
Die Exportkraft hängt ab von dem Wert der Währung, aber auch von der Produktivität und den Lohnkosten. Die Unternehmer klagen natürlich immer, aber trotz hoher Lohnkosten läuft meist der Export gut, weil die Qualität der Produkte und auch die Produktivität gut war. Abschlußprüfung im Ausbildungsberuf „Verwaltungsfachangestellte“
Teilgebiet 2 Wirtschaftskunde
1. Welche Aufgabe weist das Gesetz der Deutschen Bundesbank zu? 4 Punkte
- Regelung des Geldumlaufs und der Kreditversorgung der Wirtschaft,
- bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland.
2. Welche Zielsetzung hat sie dabei zu beachten? 2 Punkte
- Sicherung der Währung
3. Wie ist das Verhältnis zwischen Bundesbank und Bundesregierung geregelt? 4 Punkte
- Die Bundesbank ist von den Weisungen der Bundesregierung unabhängig (autonom),
- Verpflichtung zur Unterstützung der Wirtschaftspolitik 4. Was bedeutet im Gesetzestext (§12) die Formulierung „unter Wahrung ihrer Aufgabe“
Die Verpflichtung der Bundesbank, die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zu unterstützen, wird eingeschränkt durch die Formulierung „unter Wahrung ihrer Aufgabe“. Die spezielle Aufgabenstellung der Bundesbank besteht darin, die Währung zu sichern.
5. Im Rahmen der Geschäftstätigkeit hat die Deutsche Bundesbank Funktionen, die sich in den folgenden Begriffen äußern: 6 Punkte
a) Bank des Staates,
b) Bank der Banken,
c).Hüterin der Währung.
a. - Bundesbank ist Institution des Staates, - Bundesbank gewährt dem Staat in begrenztem Umfang Kredite, - Einnahmeüberschüsse des Staates sind bei der Bundesbank anzulegen. 2 Punkte
- alleiniges Recht zur Ausgabe von Banknoten,
- bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs,
- Erteilung von Anweisungen für die allgemeine Kreditpolitik. 2 Punkte
c. Aufgabe, die Währung zu sichern (§ 3) 2 Punkte.
6. Nennen und beschreiben Sie drei geldpolitische Maßnahmen der Deutschen Bundesbank!
Diskontpolitik/Mindestreservepolitik/ Offenmarktpolitik/Lombardpolitik, mit Erläuterungen! 7. Erläutern Sie eine geldpolitische Maßnahme, mit der die Bundesbank Anreize für eine zusätzliche Nachfrage geben kann! (Die Wirkungszusammenhänge sind zu verdeutlichen!)
- Senkung des Diskontsatzes - Ankauf von Wertpapieren
- Senkung der Mindestreserve - Senkung des Lombardsatzes 6 Punkte
Auszug aus dem Gesetz über die Deutsche Bundesbank (BBankG): § 3: Aufgabe: Die Deutsche Bundesbank regelt mit Hilfe der währungspolitischen Befugnisse, ... den Geldumlauf und die Kreditversorgung der Wirtschaft mit dem Ziel, die Währung zu sichern, und sorgt für die bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland.
§ 12 Verhältnis der Bank zur Bundesregierung: Die Deutsche Bundesbank ist verpflichtet, unter Wahrung ihrer Aufgabe die allgemeine Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zu unterstützen. Sie ist ... von Weisungen der Bundesregierung unabhängig.
§ 14 Notenausgabe Die Deutsche Bundesbank hat das ausschließliche Recht, Banknoten .... auszugeben. Sie sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel.
§ 15 Diskont- , Kredit- und Offenmarktpolitik: Zur Beeinflussung des Geldumlaufs und der Kreditgewährung setzt die Deutsche Bundesbank die für ihre Geschäfte jeweils anzuwendenden Zins- und Diskontsätze fest und bestimmt die Grundsätze für ihr Kredit- und Offenmarktgeschäft.
§ 16 Mindestreservepolitik: Zur Beeinflussung des Geldumlaufsund der Kreditgewährung kann die Deutsche Bundesbank verlangen, daß die Kreditinstitute in Höhe eines Vom-Hundert-Satzes ihrer Verbindlichkeiten...Guthaben auf Girokonto bei ihr unterhalten (Mindestreserve).
S 17 Einlagenpolitik: Der Bund ...und die Länder haben ihre flüssigen Mittel, auch soweit Kassenmittel nach dem Haushaltsplan zweckgebunden sind, bei der Deutschen Bundesbank auf Girokonto einzulegen....
§ 19 Geschäfte mit Kreditinstituten:
Die Deutsche Bundesbank darf mit Kreditinstituten...folgende Geschäfte betreiben:
1. Wechsel und Schecks kaufen und verkaufen...,
2. Schatzwechsel kaufen und verkaufen, die von dem Bund...oder einem Land ausgestellt...sind;
3. verzinsliche Darlehen gegen Pfänder...auf längstens drei Monate gewähren, und zwar gegen...Wechsel und Schuldschreibungen...
8. auf ausländische Währung lautende Zahlungsmittel einschließlich Wechsel und Schecks, Forderungen und Wertpapiere sowie Gold, Silber und Platin kaufen und verkaufen;
9. alle Bankgeschäfte im Verkehr mit dem Ausland vornehmen...
§ 20 Geschäfte mit öffentlichen Verwaltungen:
1. dem Bund...sowie den Ländern kurzfristige Kredite in Form von Buch- und § 21 Geschäfte am offenen Markt:
Die Deutsche Bundesbank darf zur Regelung des Geldmarktes am offenen Markt zu Marktsätzen kaufen und verkaufen:
1. Wechsel,
2. Schatzwechsel und Schatzanweisungen...
4. andere zum amtlichen Börsenhandel zugelassene Schuldverschreibungen
§ 29 Sonderstellung der Deutschen Bundesbank:
Der Zentralbankrat und das Direktorium der Deutschen Bundesbank haben die Stellung von
obersten Bundesbehörden.
[So kann es einem in der Prüfung ergehen: Im Unterricht war nie von der Bundesbank die Rede, jetzt aber werden ganz viele Fragen über sie gestellt].
„So trägt beispielsweise das Gemetzel auf unseren Straßen in hohem Maß zur Erhöhung des Bruttosozialprodukts bei: Krankenschwestern werden eingesetzt, Ärzte und Medikamente werden bezahlt, Versicherungen werden tätig, neue Autos ersetzen die zu Schrott gefahrenen, Milliardensummen treiben die Statistik nach oben.
Wenn die Anrainer verpesteter Straßen riesige Summen in schwere Lärmschutzfenster investieren, damit sie wenigstens bei geschlossenem Fenster miteinander reden oder einschlafen können, so sind diese Leute gleichwohl nicht besser, sondern schlechter dran als ihre Vorfahren, die ihre billigen Einfachfenster getrost öffnen konnten. Wenn der Konsum an Schweinefett, Alkohol oder Medikamenten in unserer Gesellschaft steigt, so erhöht dies ebenso das Bruttosozialprodukt wie die daraus folgenden Mehrausgaben für die Wiederherstellung der physischen und psychischen Gesundheit.
Je weiter ein Arbeiter mit seinem Wagen zum Arbeitsplatz fahren muß, desto mehr Wachstum. Hätte er nur fünf Minuten zu Fuß zu gehen, so würde das Bruttosozialprodukt sinken, seine Lebensqualität wachsen. Man darf also getrost annehmen, daß sich in solchen Erhöhungen des Bruttosozialprodukts nicht ein besseres Leben manifestiert.“ (Zitat Erhard Eppler).
8, Geben Sie eine Definition für den Begriff „Bruttosozialzrodukt2“ 4 Punkte
Summe aller Güter und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft in einem Jahr erstellt werden, ausgedrückt in Geldeinheiten (bewertet zu Marktpreisen). 9. Erläutern Sie an zwei Beispielen, welche volkswirtschaftliche Leistungen nicht im Bruttosozialprodukt erfaßt werden! 6 Punkte
Es handelt sich im wesentlichen um private Dienste, für die kein Marktpreis vorhanden ist.
Beispiel: Schwarzarbeit, Hausarbeit, u.a. 10. a.)Erklären Sie anhand des Artikels den Unterschied zwischen Lebensstandard, gemessen an der Höhe des Bruttosozialprodukts und Lebensqualität! 4 Punkte
b) Beurteilen Sie die beiden Maßstäbe zur Wohlstandsmessung, die von Eppler in dem Text beschrieben werden! 6 Punkte Lösung:
- Lebensstandard als Wohlstandsmaßstab, ermittelt durch Auflistung materieller Werte (reine Addition, quantitative Betrachtung),
- Lebensqualität als qualitativer Maßstab, berücksichtigt auch immaterielle Werte, die jedoch unterschiedlichen persönlichen Wertungen unterliegen können. 4 Punkte
b) Problematisierung der rein quantitativen Wohlstandsmessung und Darstellung der positiven Aspekte einer qualitativen Wohlstandsdefinition. 6 Punkte
11 a) Wie wirkt es sich auf das Bruttosozialprodukt aus, wenn Kindererziehung und Alten- und Krankenpflege aus dem Kreis der Familie heraus in Kindergärten, Alten- und Pflegeheime verlagert werden? 3 Punkte
b) Erörtern Sie mögliche Vor- und Nachteile! 6 Punkte a) Erhöhung des Bruttosozialprodukts
b) Vorteile: z.B. Erweiterung des Dienstleistungsbereichs, mehr Arbeitsplätze, Entlastung von Angehörigen u.a.
Nachteile: Aufhebung sozialer Bindungen, zunehmende Verstaatlichung privater Bereiche, Finanzierungsprobleme (Kostenfrage) u.a. 6 Punkte
12. Erläutern Sie am Beispiel der Umweltpolitik drei Maßnahmen zur Förderung der Lebensqualität! 6 Punkte
13. Beschreiben Sie eine Graphik im Hinblick auf die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen, der Zahl der Kurzarbeiter und der Zahl der offenen Stellen und erläutern Sie die Zusammenhänge! 9 Punkte
Arbeitslosenzahlen: steiler Anstieg von 1980 bis 1983, seitdem etwa konstante Größenordnung bei 2,3 Millionen.
Kurzarbeiter: synchroner oder paralleler Verlauf bis 1983, danach gegenläufig, nämlich Rückgang, danach wieder leichter Anstieg. Offene Stellen: Rückgang bis 1983, danach Anstieg bis 1987, In etwa konträrer Verlauf zu 14. Wie läßt sich erklären, daß es trotz vieler Arbeitsloser gleichzeitig viele offene Stellen gibt? 4 Punkte
- Differenz von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, qualitative und regionale Unterschiede. (Die Erläuterung eines Punktes reicht aus)
15 .Warum ist auch die Beobachtung der Zahl der Kurzarbeiter von Bedeutung für den Arbeitsmarkt? 2 Punkte
Kurzarbeit kann ein Anzeiger für eine beginnende Wirtschaftskrise sein.
16. Erläutern Sie drei Arten der Arbeitslosigkeit! - saisonale Arbeitslosigkeit: jahreszeitliche Einflüsse (Witterungseinflüsse) bedingen regelmäßig wiederkehrende jährliche Beschäftigungsschwankungen (Landwirtschaft, Baugewerbe)
- konjunkturelle Arbeitslosigkeit: durch die regelmäßig wiederkehrenden Schwankungen im Wirtschaftsablauf steigt und fällt der Arbeitskräftebedarf in mehrjährigen Wellenbewegungen.
- strukturelle Arbeitslosigkeit: Rückgang der Beschäftigung aufgrund einer krisenhaften Entwicklung einer Branche (Bergbau, Schiffbau)
- friktionelle Arbeitslosigkeit: Umstellungen der betrieblichen Organisation, Produktionswechsel oder einzelne Werkschließungen können Arbeitsplatzverluste im begrenzten Umfang und von kurzer Dauer hervorrufen. Ebenso bei Arbeitsplatzwechsel (Orientierungsphase).
Drei von den genannten Vier sind aufzuführen! 9 Punkte
17. Mit welchen Instrumenten und Maßnahmen kann gegen die Arbeitslosigkeit vorgegangen werden? Drei Maßnahmen sind anzuführen 9 Punkte
- kürzere Wochenarbeitszeit - Verlängerung des Jahresurlaubs - Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
- Herabsetzung der flexiblen Altersgrenze (60 Jahre)
- Verlängerung der Bildungs- und Ausbildungszeiten
- mehr Teilzeitbeschäftigung (Job-sharing)
- längere Ruhe- und Erholungspausen
- allgemeiner Bildungsurlaub, also Veränderung der Arbeitszeit und staatliche Förderung.
18. Nennen Sie fünf Indikatoren, mit denen die konjunkturelle Lage eingeschätzt werden kann! 5 Punkte
Industrieproduktion, Auftragseingänge, Preisentwicklung, Beschäftigungsentwicklung, Außenhandel, Bruttosozialprodukt.
19. Erläutern Sie, wie zwei dieser Indikatoren in der Hochkonjunktur ausgeprägt sein müssen! 6 Punkte
Beschreibung zweier Indikatoren, zum Beispiel steigende Inflationsrate, expansive Lohnpolitik, ausgelastete Produktionskapazitäten, nur noch langsames Wachstum des Bruttosozialprodukts, Investitionsgüternachfrage sinkt
20. Stellen Sie in einem Koordinatensystem den klassischen Konjunkturverlauf graphisch dar und bezeichnen Sie die einzelnen Konjunkturphasen und die Achsen des Koordinatensystems!
Aufschwung, Boom, Rezession, Talsohle der Depression, Aufschwung (Kurve zeichnen)
21. Erklären Sie den Begriff „Bruttosozialprodukt“ 4 Punkte
Summe aller Güter und Dienstleistungen, die Euro). 22. Das Bruttosozialprodukt gilt als recht ungenauer Wohlstandsmaßstab, weil es teils zu hoch, teils zu niedrig ausgewiesen wird. Führen Sie für diese Aussage drei Beispiele an!
- Hausfrauentätigkeit
- Reparationskosten nach Unfällen
- allgemein: soziale Folgekosten: Umwelt, Gesundheit u.a. 9 Punkte
23, Angenommen, in zwei Volkswirtschaften A und B ist das Volkseinkommen gleich groß. Bei der Volkswirtschaft A entfallen 90 Prozent Volkseinkommens auf 10 Prozent der Bevölkerung, bei der Volkswirtschaft B 60 Prozent des Volkseinkommens auf 40 Prozent der Bevölkerung. In welcher Volkswirtschaft hat die Zunahme zum Sozialprodukt für die Wohlfahrt des Volkes eine geringere Bedeutung? (Begründen Sie kurz Ihre Antwort!)
Für den Wohlstand der gesamten Bevölkerung wird bei einer stark ungleichen Einkommensverteilung der Zuwachs eine geringere Bedeutung haben als bei einer mehr gleichmäßigen Einkommensverteilung, weil sich bei einer sehr ungleichen Verteilung die Wohlstandmehrung nur bei wenigen auswirkt. 4 Punkte
24. Der Zentralbankrat hat folgenden Beschluß gefaßt: Erhöhung des Diskontsatzes, Erhöhung der Mindestreserven, Verkauf von Wertpapieren im Rahmen des Offenmarktgeschäftes.
Was versteht man unter diesen Instrumentarien? Erläuterung der Instrumente:
- Offenmarktpolitik Je Erläuterung 3 Punkte 9 Punkte
25. Welche Meßgröße dient vorrangig der Ermittlung des Wirtschaftswachstums? b) Geben Sie eine Definition dieser Meßgröße! c) Verdeutlichen Sie an zwei Beispielen, warum diese Meßgröße als Wohlstandsmaßstab kritisiert wird! a) Veränderung des Bruttosozialproduktes (Wachstumsrate) 2 Punkte
b) Summe der Wertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche einer Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres 3 Punkte c) - muß die Bevölkerungszahl berücksichtigt werden
- gehen auch Leistungen zur Beseitigung von Gesundheitsschäden und Umweltschäden in das Sozialprodukt ein
- werden bestimmte Leistungen nicht erfaßt (Hausfrauenarbeit, Schwarzarbeit) - werden soziale Kosten nicht mindernd berücksichtigt 6 Punkte 26 . a. Für das nächste Jahr wird ein Anstieg der Verbraucherpreise von 3,5 Prozent erwartet. Nennen Sie zwei mögliche Gründe für den erwarteten Preisanstieg! b. Zeigen Sie drei Folgen hoher Inflationsraten auf! - Verstärkte Nachfrage aus den neuen Bundesländern a.) - Lohnsteigerungen verstärken die Konsumgüternachfrage
- Krieg treibt die Ölpreise nach oben
Je Grund 3 Punkte, insgesamt 6 Punkte
- Flucht in die Sachwerte - Wertverlust für die Sparer - Vorteile für die Schuldner - Nachteile für die Bezieher konstanter Einkommen - Exportnachfrage verringert sich Je Folge 2 Punkte, insgesamt 6 Punkte 27. Welches Ziel des Stabilitätsgesetzes wird durch den Außenbeitrag gemessen? Außenwirtschaftliches Gleichgewicht 2 Punkte Bei der Prüfung beachten:
„Beschreiben“ ist etwas anders als „Nennen“. Es genügt also nicht, nur „Arbeitslosenquote“ zu schreiben, sondern hier muß die Formel hin, auch der Unterschied zwischen Erwerbspersonen und abhängig Beschäftigten. Powered by Joomla!. Valid XHTML and CSS.

References: § 3

§ 12

§ 14

§ 15

§ 16

§ 19

§ 20
 § 21

§ 29