Source: https://www.post-und-telekommunikation.de/PuT/KEP_1990_1_Jan-Dez.php
Timestamp: 2018-07-16 06:57:23+00:00

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Post und Telekommunikation, Postreform 1989: Entwicklung Deutsche Bundespost POSTDIENST 1990
Januar bis Dezember 1990
500 Jahre Post - Die Postverwaltungen Belgiens, Österreichs, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik feiern 500-jähriges Jubiläum
Am Beginn der modernen Post stand die Organisation des Nachrichtentransportes im Stafettensystem zu festgelegten Zeiten. Die 1. regelmäßig bediente Strecke führte 1490 von Innsbruck ins belgische Mechelen. Dieses 500-jährige Postjubiläum feiern die Postverwaltungen Belgiens, Österreichs und der Bundesrepublik Deutschland. Auch die Postverwaltung der noch existierenden Deutschen Demokratischen Republik (DDR) hat sich diesem Kreis angeschlossen. Die 4 Postverwaltungen geben zum Jubiläum gemeinsam motivgleiche Sonderpostwertzeichen heraus. Sie alle zeigen als Motiv den Kupferstich „Der kleine Postreiter” von Albrecht Dürer.
Das 1. Geschäftsjahr der Deutschen Bundespost POSTDIENST
Das 1. Geschäftsjahr des durch die Postreform neu geschaffenen Unternehmens Deutsche Bundespost POSTDIENST nachgezeichnet mit Auszügen aus dem Geschäftsbericht 1990 der Deutschen Bundespost POSTDIENST. Die Grafiken und Foto sind - soweit nichts anderes vermerkt - dem Geschäftsbericht entnommen.
Das Statistische Jahrbuch 1990 finden Sie hier.
Das 1. Geschäftsjahr - Ausgangssituation
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST entstand zusammen mit der TELEKOM und der POSTBANK auf Basis des Poststrukturgesetzes vom 8. Juni 1989. 1990 ist das 1. Geschäftsjahr des Unternehmens.
Im Jahr der Vereinigung Deutschlands wurde am 3. Oktober 1990 die Fusion mit der ehemaligen Deutschen Post der DDR vollzogen und die sofortige Verantwortung für den Betrieb und fast 90.000 Mitarbeiter übernommen. Die Rechnungslegung für diesen Teíl des Unternehmens erfolgt für 1990 gesondert.
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST versteht sich als ein Service-Unternehmen in der Transport- und Verkehrswirtschaft. Als Dienstleister richtet es seine Angebote auf die Forderungen der privaten und gewerblichen Kunden aus.
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST steht in vielen Bereichen im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft. Sie erfüllt zudem den ihr vom Staat vorgegebenen Infrastrukturauftrag einer flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung.
Die grundlegenden und langfristigen Ziele der Deutschen Bundespost POSTDIENST sind:
Führerschaft in der Service-Qualität, auch im internationalen Maßstab.
Umgestaltung von einer Behörde in ein modernes Unternehmen mit eigener Wirtschaftlichkeit.
Einheitliches Angebotsspektrum und Qualitätsniveau für 79 Millionen Einwohner und die Wirtschaft in ganz Deutschland bei gleicher Produktivität für fast 400.000 Mitarbeiter in den neuen und alten Bundesländern.
Entwicklung 1990: Besser als der erste Wirtschaftsplan
Der Jahresabschluss 1990 der Deutschen Bundespost POSTDIENST bezieht sich allein auf die Unternehmensaktivitäten in den alten Bundesländern (Verkehrsgebiet West). Das POSTDIENST-Ergebnis im Bereich der früheren Deutschen Post (Verkehrsgebiet Ost) ist wegen der Zusammenfassung mit TELEKOM für 1990 nur im Gesamtjahresabschluss der Deutschen Bundespost enthalten.
Die in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Erträge von 20,2 Milliarden DM liegen um 750 Millionen DM (+ 3,9 Prozent) höher als im Wirtschaftsplan 1990 erwartet. Der Außenumsatz betrug nahezu 16,7 Milliarden DM; die restlichen Erträge ergaben sich vor allem durch die Umsätze mit den Schwesterunternehmen POSTBANK und TELEKOM. Die Nachfrage nach den Dienstleistungen im POSTDIENST wuchs auch 1990 deutlich. Mit 13.083 Millionen im Inland eingelieferten Briefsendungen konnte gegenüber 1989 ein Zuwachs von 1,6 Prozent erzielt werden. Die Zahl der im Inland eingelieferten Frachtsendungen (Pakete und Päckchen) wuchs gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent auf 545 Millionen. Auch die Zahl der Sendungen im Postzeitungsdienst wuchs um 1,5 Prozent auf rund 2 Milliarden.
Die Aufwendungen stiegen 1990 auf insgesamt 20,0 Milliarden DM und lagen damit um 3,3 Prozent über dem Wirtschaftsplan 1990. Hier konnten die nicht eingeplanten Steigerungen bei den Personalaufwendungen, insbesondere durch die von der Bundesregierung beschlossene allgemeine Zulage im öffentlichen Dienst (360 Millionen DM), nicht durch Einsparungen bei den Sachkosten und Rationalísierungsmaßnahmen kompensiert werden. Knapp 76 Prozent des Gesamtaufwandes entfallen auf die Personalkosten.
Insgesamt aber konnte ein weiteres Öffnen der Preis-Kosten-Schere verhindert werden. Das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wurde gegenüber dem Wirtschaftsplan um 113 Millionen DM gesteigert. Vor Ablieferung schließt damit der POSTDlENST mit einem Überschuss von 176 Millionen DM ab.
Nach Ablieferung wird ein Verlust von 1.494 Millionen DM ausgewiesen. Für eine Übergangszeit ist das Unternehmen durch eine umsatzbezogene Ablieferungspflicht von derzeit 10 Prozent an den Bund belastet. Diese wird schrittweise reduziert und ab 1996 wie eine normale Unternehmenssteuer berechnet, die sich dann auf die Ertragskraft des Unternehmens bezieht. Gemäß Postverfassungsgesetz wird das Defizit durch die Deutsche Bundespost TELEKOM ausgeglichen (Finanzausgleich).
Die Bilanzsumme am 31. Dezember 1990 erreichte 16,2 Milliarden DM. Davon waren 9,8 Milliarden DM in Sachanlagen investiert. Von den Finanzanlagen in Höhe von 3,5 Milliarden DM entfielen über 90 Prozent auf den Wohnungsbau, den das Unternehmen POSTDIENST für die gesamte Deutsche Bundespost verwaltet. Der Eigenkapitalanteil lag mit 8,9 Milliarden DM bei 55 Prozent.
Der entscheidende Erfolgsfaktor: Unsere Mitarbeiter
Am Jahresende 1990 waren im Verkehrsgebiet West 313.177 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Kopfzahl) beschäftigt. Umgerechnet auf Vollzeitkräfte waren das 255.774 Arbeitskräfte sowie mehr als 14.000 Nachwuchskräfte.
Die Qualität des POSTDIENSTES als Dienstleister wird entscheidend durch die Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geprägt. Sie sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren des Unternehmens. Das in vielfacher Weise außergewöhnliche Jahr 1990 hat uns vor neue und veränderte Aufgaben gestellt. „Wir danken an dieser Stelle allen, die mitgeholfen haben, unser Unternehmen ein gutes Stück weiter an das gemeinsame Ziel zu bringen: die Deutsche Bundespost POSTDIENST zu einem modernen, leistungsstarken und dauerhaft wettbewerbsfähigen Unternehmen zu machen. Dies bleibt unsere gemeinsame Herausforderung. Wír werden weiterhin unsere Mitarbeiter gezielt fördern, aber auch fordern.”
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST betreibt systematisch Forschung und Entwicklung. Nur durch ständige Innovationsorientierung kann Wettbewerbsfähigkeit gewonnen und gehalten werden. Vor allem im Posttechnischen Zentralamt in Darmstadt werden neue Dienstleistungen entwickelt und Produktionsverfahren optimiert. Zur Verbesserung unserer Betriebsabläufe werden in verstärktem Umfang die Möglichkeiten der modernen Informationstechnologie genutzt. Die Entwicklung eines Leitwegverfolgungssystems für Frachtsendungen (Tracking and Tracing) im POSTDIENST ist hier ein Beispiel, bei dem auch für den Kunden direkte Leistungsverbesserungen erkennbar sind.
Aktuelle Lage: Neue Größenordnungen
Durch Eingliederung der früheren Deutschen Post hat das Unternehmen neue Größenordnungen erreicht. Die Mitarbeiterzahl insgesamt einschließlich des Verkehrsgebíetes Ost betrug zu Beginn des Jahres 1991 rund 400.000. Damit ist der POSTDIENST in Deutschland das mitarbeiterstärkste Unternehmen. Wir können eine beispielhaft kundennahe Infrastruktur anbieten. Insgesamt über 29.000 Filialen (Postämter und Poststellen) sowie fahrbare Postschalter, mehr als 150.000 Briefkästen und rund 28.000 Briefmarkenautomaten stehen den Postkunden zur Verfügung, etwa 35 Millionen Abgabestellen (Privathaushalte und Betriebsstätten) werden regelmäßig bedient. Pro Jahr bearbeitet das Unternehmen 14,5 Milliarden Briefsendungen (das sind etwa 50 Millionen Briefe pro Werktag), fast 600 Millionen Frachtsendungen und 4 Milliarden Zeitungen. Rund 80 Prozent der Sendungen im Brief- und Frachtdienst kommen dabei aus dem gewerblichen Bereich.
Im Geschäftsjahr 1990 hat das Unternehmen in den alten Bundesländern insgesamt 1,4 Milliarden DM investiert. Im laufenden Jahr 1991 wird der Investitionsumfang in ganz Deutschland bei etwa 2 Milliarden DM liegen. Für die kommenden Jahre sind weiterhin hohe Investitionen geplant. Allein für die neuen Bundesländer sind bis 1995 etwa 4 Milliarden DM vorgesehen.
In den ersten Monaten 1991 ist eine erfreuliche Entwicklung der Verkehrsmengen festzustellen. Insbesondere im Frachtdienst und generell im Verkehr von den alten in die neuen Bundesländer gibt es hohe Zuwachsraten. Auch im Briefdienst ist die Tendenz unverändert positiv. Im Verkehrsgebiet Ost sind allerdings erhebliche Umschichtungen zu erkennen. Den hohen Zuwachsraten im Brief- und Frachtdienst steht ein deutlicher Abbau im Bereich Zeitungsdienst gegenüber.
Mit umfassenden Analysen und systematischen Controlling-Maßnahmen wird die im Postverfassungsgesetz geforderte betriebswirtschaftliche Orientierung verstärkt. Kostenreduktion und Verbesserung der Umsatzerlöse sind dabei gleichermaßen wichtig. Gleichzeitig bleiben bessere Leistungsangebote und größere Kundennähe die leitenden Prinzipien.
2 neue Töchter für den Wettbewerb: EMS und ISP
Für die umfangreichen Aktivitäten im Geschäftsjahr 1991 können im Geschäftsbericht nur exemplarisch wenige Bereiche genannt werden. Zu Beginn des Jahres wurden 2 schlagkräftige Tochtergesellschaften gegründet: Die „EMS Kurierpost GmbH” soll die Kurierdienst-Aktivitäten im lokalen, nationalen und internationalen Bereich zusammenfassen. Durch eine flexiblere Leistungs- und Preisgestaltung wird der POSTDIENST besser auf die individuellen oder branchenspezifischen Kundenbedürfnisse auf diesem Spezialmarkt eingehen können. Die „ISP Immobilien Service POSTDIENST GmbH” wird die wirtschaftliche Nutzung des umfangreichen Immobilienbestandes der Deutschen Bundespost POSTDIENST sicherstellen. Allgemeine Geschäftsbedingungen gestalten ab 1.Juli 1991 das Verhältnis zum Kunden klarer und stellen es auf eine privatrechtliche Grundlage.
Neues Frachtkonzept
Der POSTDIENST arbeitet mit großem Nachdruck an der weiteren Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens. Diese wird alle Geschäftsfelder berühren. Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung im Frachtbereich. Das neue Frachtkonzept, mit dessen Umsetzung im laufenden Jahr begonnen wird, beinhaltet vor allem eine entscheidende Verbesserung der Dienstleistungen. Durch eine neuartige Logistik und durchgehend veränderte innerbetriebliche Produktionsstrukturen wird der POSTDIENST dem Kunden ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten können.
In 33 optimal verteilten Frachtzentren und 330 Zustellbasen schafft der POSTDIENST durch den Einsatz neuester Technik und verstärkte Direkttransporte die Voraussetzungen für effiziente und effektive Abläufe.
Die Angebote für den Kunden werden einheitlicher und übersichtlicher. „Ein 24-Stunden-Service, hohe Zuverlässigkeit, die unverändert hohe Zahl unserer Einlieferungspunkte sowie die Abholung der Sendungen bei unseren gewerblichen Kunden werden uns in die Lage versetzen, in einem weiterhin wachsenden Markt dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein.”
Die neuen Bundesländer: Einheitliches Postsystem möglichst schnell
Für die ehemalige DDR wurde zum 1. Juli 1990 eine gemeinsame DM-Eröffnungsbilanz für die Bereiche POSTDIENST und TELEKOM der früheren Deutschen Post aufgestellt. Die formale Eingliederung des Bereichs POSTDIENST in das Unternehmen erfolgte mit dem Beitritt der 5 neuen Bundesländer zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990. Zum 1. Januar 1991 findet die bilanzielle Trennung zwischen POSTDIENST und TELEKOM statt.
Obgleich zum 1. April 1991 die Postgebühren an das Niveau der westlichen Bundesländer angepasst wurden, muss für das Verkehrsgebiet Ost im Jahre 1991 mit einem Defizit von mindestens 800 Millionen DM gerechnet werden. Bezogen auf den zu erwartenden Umsatz von etwa 2,2 Milliarden DM macht dieser Verlust das Ausmaß der zu lösenden Probleme deutlich. Enorme Investitionen in Bauten, Maschinen und Fahrzeuge sind notwendig. Durch Austausch von Personal und durch Ämterpartnerschaften wird der Know-how-Transfer sichergestellt. Um die Laufzeiten im Briefdienst zu verbessern, sind die neuen Bundesländer inzwischen an das Nachtluftpostnetz angeschlossen. Neue Dienstleistungen sind eingeführt, zahlreiche alte Angebote harmonisiert worden. lm Rahmen der Herstellung eines einheitlichen Postsystems werden die Leistungen in den nächsten Jahren den westlichen Standards angeglichen.
Ausblick: „Wir stellen uns dem Wettbewerb”
Mit den neuen Management-Strukturen, die das Poststrukturgesetz vorsieht, ist das Unternehmen in die Lage versetzt worden, seine Aufgaben mit geeigneten Strategien, der notwendigen Flexibilität und der gebotenen Schnelligkeit zu erfüllen. Nach wie vor wird das anspruchsvolle, aber realistische Ziel im Westen angestrebt, ab 1996 die Rentabilitätszone zu erreichen.
Marktorientierung in allen Geschäftsfeldern
Um unsere neuen Wettbewerbsstrategien erfolgreich umsetzen zu können, werden weitere organisatorische Verbesserungen und neue Führungs- und Steuerungssysteme notwendig sein. Stärker noch als in der Vergangenheit wird das Unternehmen die absolute Kundenorientierung als zentrale Leitlinie seiner Arbeit betonen. Der Kunde steht im Mittelpunkt aller Aktivitäten. Wir werden uns in verstärktem Umfang darum bemühen, insbesondere unseren gewerblichen Kunden individuelle Problemlösungen anzubieten. In diesem Zusammenhang sind wir dabei, unsere Geschäftskundenberatung und -betreuung nachdrücklich zu verbessern.
Kommunikationsträger sind die Basis unserer modernen Gesellschaft
Der permanente Wandel der Postmärkte - gerade im vereinigten Deutschland - birgt Chancen und Risiken. Aber auch nach 500 lahren Postgeschichte hat sich eines nicht geändert: Die Post verbindet Menschen. Der schnelle und verlässliche Austausch von Informationen und Gütern bildet nicht nur die Voraussetzung für ein funktionierendes Wirtschaftssystem, sondern ist auch die Basis für unsere moderne Gesellschaft.
„Geschenksendung, keine Handelsware": Die Zeit der Versandbeschränkung in DDR-Paketen ist vorbei
Seit den 1960er-Jahren bestimmte die DDR, welche Lebensmittel, Medikamente, Kleidung usw. in welchen Höchstmengen Westbürger ihren Verwandten und Bekannten in der DDR in Geschenksendungen schicken durften. Nun ist die Zeit der „Geschenksendungen, keine Handelsware” endgültig vorbei. Hier ein Informationsblatt für DDR-Privatpakete aus dem Jahr 1968:
Hier das Merkblatt vergrößert im PDF-Format
Aufsichtsrat: Vereinigung war eine Hauptaufgabe
Im Bericht des Aufsichtsrats stellt der Vorsitzende, Dr. rer.pol. h.c. Walter Trux, fest, im ersten Jahr des Neuanfangs war neben der Beratung der Geschäftspolitik mit dem Vorstand die Vereinigung der beiden Postsysteme in West und Ost eine Hauptaufgabe.
„Eine Herausforderung für Aufsichtsrat und Vorstand war die deutschlandpolitische Entwicklung. Die Vereinigung ließ das Unternehmen um fast 80.000 Mitarbeiter und 12.000 Ämter und Amtsstellen wachsen.” Der Aufsichtsrat befasste sich in allen Sitzungen mit der Zusammenarbeit und dem Zusammenwachsen der beiden Postdienste. Er ließ sich vor der Vereinigung vom Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Iürgen Niehof des Postministeriums der Regierung de Maizière auch über die postalische Lage in der Noch-DDR informieren.
Amtszeit einiger Aufsichtsratsmitglieder verlängert
23.08.1990 Mit Beschluss der Bundesregierung vom 23. August 1990 wurde die Amtszeit folgender Mitglieder des Aufsichtsrates um 5 Jahre verlängert, die in der konstituierenden Sitzung am 14. September 1989 durch Losentscheid gemäß § 19 Abs.5 Postverfassungsgesetz zunächst nur für 1 Jahr berufen worden waren: Konrad Porzner (Vertreter des Bundes), Eberhard Ebner (Vertreter der Kunden und Anwender), Siegfried Schulze (Vertreter des Personals).
Ilse Brusis aus der Gruppe der Vertreter des Personals ist nach ihrer Berufung als Ministerin für Bauen und Wohnen des Landes Nordrhein-Westfalen am 30. Oktober 1990 aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Ihre Stelle übernahm für den Rest ihrer Amtszeit durch Beschluss der Bundesregierung vom 31. Oktober 1990 Horst Kissel.
Briefdienst bleibt Kernstück der Kommunikation
Der Briefdienst bleibt trotz neuer Medien und Übertragungswege ein Kernstück der Kommunikation. Das unterstreicht die Zunahme der durch die Deutsche Bundespost POSTDIENST im Geschäftsjahr 1990 beförderten Briefsendungen. Gegenüber 1989 nahm die Gesamtzahl der im Inlandsdienst eingelieferten Briefsendungen - Briefe, Postkarten, Drucksachen, Briefdrucksachen, Massendrucksachen, Büchersendungen, Warensendungen und Wurfsendungen - um 1,6 Prozent zu. Den größten Anteil daran haben die Briefe, Massendrucksachen und Drucksachen. Zusammen mit den aus dem Ausland eingehenden Sendungen wurden von der Deutschen Bundespost POSTDIENST insgesamt mehr als 14,2 Milliarden Sendungen bearbeitet.
Automatische Briefverteilanlage beim Postamt Mönchengladbach mit dem Endfach der Feinverteilmaschine
Auch den Briefdienst am Markt ausrichten
Die 1990 realisierte Umstrukturierung der Deutschen Bundespost gibt Anlass, auch das Dienstleistungsangebot im Briefdienst zu überdenken und es entsprechend den Markterfordernissen neu zu gestalten. Mit den Arbeiten zur Entwicklung eines neuen Geschäftssystems Briefdienst wurde 1990 begonnen. Strategisches Ziel des neuen Briefkonzeptes ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In den Konzeptüberlegungen werden kundenfreundliche Vereinfachungen der Produktpalette und eine verlässliche Laufzeitqualität eine wichtige Rolle spielen. Die Deutsche Bundespost POSTDIENST will auf diese Weise am Wachstum des Kommunikationsmarktes angemessen teilhaben und ein positives Ergebnis erzielen.
Mit dem Poststrukturgesetz wurden die Voraussetzungen für die Umwandlung des bisherigen öffentlich-rechtlichen Nutzungsverhältnisses in ein privatrechtliches Vertragsverhältnis für alle Dienstleistungsbereiche geschaffen. Dadurch wird die Deutsche Bundespost POSTDIENST auch im Briefdienst in die Lage versetzt, künftig flexibler auf die Wünsche der Kunden einzugehen. Die im Berichtsjahr erarbeiteten Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind am 1. Juli 1991 in Kraft getreten.
Die Vereinigung Deutschlands hat auch den Briefdienst vor schwierige Probleme gestellt. Es galt, die hier im Bereich der neuen Bundesländer zum Teil sehr unterschiedlichen Dienstleistungen des Briefdienstes denen der alten Bundesländer anzupassen. Dazu mussten zunächst die betrieblichen Voraussetzungen geschaffen werden, um die bisher nicht vorhandenen Sendungsarten und Versendungsformen anbieten zu können.
Die Liste der wichtigsten Maßnahmen verdeutlicht den Umfang der Veränderungen des Dienstleistungsangebots:
1. April 1990: Zulassung von Briefdrucksachen, Warensendungen, Büchersendungen und unversiegelten Wertbriefen in der DDR.
26. April 1990: Zulassung von Massendrucksachen in und von Werbeantworten aus der DDR.
1. Juni 1990: Zulassung von Wurfsendungen in die DDR.
2. Juli 1990: Zulassung von Sendungen mit Nachnahme in die DDR, Anerkennung der Postwertzeichen beider Verwaltungen zum Freimachen von Postsendungen im gegenseitigen Postverkehr.
In den alten Bundesländern wurden 1990 pro Kopf der Bevölkerung etwa 210 Briefsendungen versandt, in den neuen Bundesländern waren es im gleichen Zeitraum nur rund 100 Briefsendungen. Hier liegt zukünftig ein Marktpotenzial, dessen künftiges Volumen allerdings von der Entwicklung der Wirtschaftskraft in den neuen Bundesländern abhängig ist.
Elektronischer Textbriefdienst
Die auf Faksimilebasis mit dem Telebriefdienst begonnene elektronische Briefübermittlung soll verstärkt erweitert werden. Der elektronische Textbrief ist ein Produkt, bei dem elektronische und physische Nachríchtenübermittlung zusammenwirken. Er gestattet die Einlieferung von Texten auf elektronischem Wege zur Netzzentrale in Frankfurt am Main. Von dort werden die Texte elektronisch auf Druck- und Kuvertierungsstationen in den Empfangsregionen weiterverteilt und anschließend den Empfängern zugeleitet.
Diese neue Dienstleistung könnte für die kurzfristige Übermittlung von sehr eiligen Nachrichten der gewerblichen Wirtschaft von besonderem Interesse sein. Die internationale Verbindung mit bereits bestehenden Diensten anderer Postverwaltungen wird ebenfalls vorbereitet.
Verdrängungswettbewerb kennzeichnet den Frachtdienst
Mit seinem Frachtdienst befindet sich der POSTDIENST in einem Markt mit stabilen, deutlich über dem Wachstum des Bruttosozialprodukts liegenden Zuwachsraten. Andererseits ist dieser Markt geprägt durch einen starken Wettbewerb mit zunehmenden Verdrängungstendenzen, dem sich der POSTDIENST ohne Monopolvorteile stellen muss. Zudem müssen in diesem Bereich Rücksichten auf die politischen Vorgaben einer flächendeckenden Versorgung genommen werden.
Der POSTDIENST konnte im vergangenen Jahr in den alten Bundesländern eine Zuwachsrate von 7,5 Prozent auf 305 Millionen bei den Päckchen und ein stabiles Verkehrsvolumen von ca. 240 Millionen Sendungen im Paketgeschäft verzeichnen. Dieses Ergebnis ist nach rückläufigen Zahlen im 1. Halbjahr insbesondere auf die außergewöhnliche Nachfrageentwicklung im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung zurückzuführen.
Letztlich bedeutet jedoch auch dieses Ergebnis immer noch: Der POSTDIENST verliert im Frachtbereich fortlaufend Marktanteile. Darüber hinaus produziert das Unternehmen - gemessen am vergleichbaren Wettbewerb - zu deutlich höheren Kosten. So weist das Betriebsergebnis 1990 für den Frachtbereich einen Verlust von rund 2 Milliarden DM aus.
Die so umrissene Markt- und Kostensituation im Bereich der Post-Frachtdienste verlangt eine umgehende Neuorientierung mit einem neuen Frachtkonzept. Über 80 Prozent der Aufträge im Frachtdienst erhält der POSTDIENST aus dem Geschäftskundenbereich. Betrachtet man die Anforderungen dieses Kundenkreises, ergibt sich für die Leistungsmerkmale eines modernen Frachtdienst-Produkts folgendes Bild:
Gewichte bis 31,5 kg
Abholung der Sendungen beim regelmäßig einliefernden Kunden
genormte, zuverlässige Laufzeiten, dabei weitgehend ein 24-Stunden-Service
Ein- und Auslieferungsnachweis/Versicherung
DV-gestütztes Paketverfolgungssystem und
Haus-zu-Haus-Preis.
Ein Standardprodukt nach den Wünschen des Marktes
Die Forderungen an ein neues Frachtkonzept liegen damit auf der Hand:
Zusammenfassen der vom Markt geforderten Leistungsmerkmale in ein Standardprodukt,
deutliches Absenken des gegenwärtigen Kostenniveaus.
Mit dem bisherigen Betriebssystem ist das nicht möglich. Erforderlich ist ein Logistiksystem, das durch ein Maximum an Direktverkehren mit möglichst voll ausgelasteten Transporteinheiten zwischen möglichst wenigen Bearbeitungszentren gekennzeichnet sein muss.
Das Ergebnis einer intensiven Optimierungsrechnung ist ein Frachtsystem mit zunächst 33 Frachtzentren für die eigentlichen Sortierleistungen und mit 330 Zustellbasen. Für die Transportleistungen zwischen den Frachtzentren soll weiterhin der Einsatz der Bundesbahn im Vordergrund stehen. Deshalb werden unsere Planungen auch in engem Kontakt mit der Bundesbahn ausgeführt. Die Hoffnungen des POSTDIENSTES richten sich dabei insbesondere auf das im Aufbau befindliche Konzept des kombinierten Ladeverkehrs.
Das grundsätzlich völlig neu zu gestaltende Betriebssystem erfordert erhebliche Investitionen. Das Unternehmen geht von rund 3,5 Milliarden DM aus, davon allein 800 Millionen DM in den neuen Bundesländern. Das neue Frachtkonzept soll Mitte 1994 umgesetzt sein.
Von dem neuen Logistiksystem erwartet der POSTDIENST eine deutliche Anhebung der Qualität bei gleichzeitiger Kostensenkung. „Wir gehen fest davon aus, dass bis zum Jahr 1996 das Defizit von z. Z. 2 Milliarden DM abgebaut sein wird.”
Bündelung von Vorteilen
Mit dem neuen Frachtkonzept hofft der POSTDIENST, die Zahl vollbeschäftigter Arbeitskräfte - in den alten Bundesländern rund 44.000 - weitgehend erhalten zu können. Vorbedingung hierfür ist allerdings die Bereitschaft unserer Mitarbeiter zu einer erhöhten räumlichen und zeitlichen Mobilität.
Das neue Frachtkonzept soll mit zeitlichem Vorrang in den neuen Bundesländern realisiert werden. Mit der raschen Bereitstellung einer flächendeckenden modernen Infrastruktur für Frachtleistungen schafft der POSTDIENST einen wichtigen Beitrag zum notwendigen wirtschaftlichen Aufschwung in diesem Gebiet.
Durch Zentralisierung der Bearbeitung und bessere Auslastung der Ladekapazitäten wird eine Reduzierung der Fahrleistungen - auch auf der Straße - gegenüber dem jetzigen System erreicht. Besorgnisse hinsichtlich der Umweltverträglichkeit des neuen Frachtkonzepts sind aufgrund dieser Belastungsminderung unbegründet.
„Zentralisierung im Betriebssystem heißt nicht Rückzug aus der Fläche. Die mit dem neuen Frachtkonzept zum Ausdruck kommende Orientierung an den Kundenanforderungen macht nicht vor dem Privatkunden halt. Wir wollen unser bestehendes Annahmestellennetz erhalten und darüber hinaus die Zahl der Ausgabestellen für Sendungen, die nicht zugestellt werden konnten, auf der Grundlage dieses Netzes deutlich erhöhen.” Mit einem Standardprodukt, das die von den Kunden erwarteten Leistungsmerkmale in sich vereinigt, mit einem hinsichtlich Angebotsvarianten und Preisgestaltung vereinfachten und damit kundenfreundlicheren Angebot und mit dem zusätzlichen Kundenservice eines flächendeckenden Netzes von Annahme- und Ausgabestellen sieht sich der POSTDIENST für die Zukunft gut gerüstet. „Die Marktposition im Frachtdienst kann so gefestigt und in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Betriebsgestaltung der Infrastrukturauftrag langfristig gesichert werden.”
Der Schalterdienst: Hohes Ansehen bei den Postkunden
Eine überaus positive Einschätzung des Schalterdienstes hat sich aus einer Befragung von Postkunden im Sommer 1990 ergeben. Die beauftragte Marktforschungsgesellschaft ermittelte, dass 98 Prozent der Befragten die Schalterkräfte für kompetent und freundlich halten. Diese Einschätzung beruht nicht auf Zufallsnoten, sondern auf sehr intensiven Erfahrungen mit dem Schalterdienst. Die Umfrage ergab, daß etwa 2 Drittel der erwachsenen Bundesbürger mindestens einmal im Monat ein Postamt oder eine Poststelle aufsuchen, 22 Prozent sogar mindestens einmal pro Woche. Dies führt zu ca. 13 Millionen wöchentlichen Kundenkontakten im Schalterdienst.
Der Vertriebsweg Schalter bildet die Schnittstelle zwischen dem Dienstleistungsangebot der Deutschen Bundespost und den Privatkunden bzw. denjenigen Geschäftskunden, deren Geschäftsaufkommen im Schalterdienst noch bearbeitet werden kann. Über die Schalter der Deutschen Bundespost POSTDIENST werden im traditionellen Verbundbetrieb Dienstleistungen bzw. Produkte aller 3 Unternehmen der Deutschen Bundespost angeboten. Hinzu kommen Leistungen für Dritte - dies sind im Wesentlichen Leistungen für öffentliche Verwaltungen. Neben dem reinen Verkauf nimmt der Bereich der Kundeninformation und -beratung einen immer größeren Stellenwert ein. Dies zeigt sich in der wachsenden Zahl von kundenfreundlich gestalteten besonderen Informations- und Beratungsbereichen, die in erster Linie den Privatkunden dienen. Die auf die speziellen Bedürfnisse von Geschäfts- und Großkunden ausgerichtete Beratung wird von besonders geschulten Kräften an anderer Stelle durchgeführt, am Schalter jedoch oft vermittelt.
POSTDIENST-Leistungen
Über die Schalter des POSTDIENSTES werden Leistungen für den Brief- und Frachtdienst angeboten und Produkte für die Philatelie und Tochterunternehmen der Deutschen Bundespost verkauft. Neben dem Verkauf von Briefmarken, Wertkarten und anderen Freimachungsmöglichkeiten nimmt die Annahme von Brief- und Frachtsendungen in das In- und Ausland einen wesentlichen Platz ein. Dagegen spielt die Ausgabe von Sendungen, deren Empfänger vom Zusteller zu Hause nicht angetroffen werden konnten, eine relativ geringe Rolle.
Postbank-/Telekomleistungen
Einen umfangreichen Anteil an den Dienstleistungen am Postschalter nehmen die Postbankdienste ein. Für den Postgirodienst werden der gesamte bare und halbbare Zahlungsverkehr der Postbank, in größeren Ämtern auch Reisedevisen, vermittelt. Für besonders beratungsbedürftige Postbankleistungen stehen den Kunden in größeren Postämtern Postbankberater an derzeit rund 180 Standorten - mit wachsender Tendenz - zur Verfügung. An anderen Standorten können Beratungsgespräche mit Kundenberatern des nächsten Postgiroamtes vermittelt werden.
Mit dem Telefon- und Telegrammdienst stellt auch die TELEKOM ein Basisangebot an Dienstleistungen im Schalterdienst zur Verfügung. Auf Wunsch können auch Beratungen über TELEKOM-Leistungen durchgeführt bzw. Beratungsgespräche mit TELEKOM-Spezialkräften vermittelt werden. In Postämtern mit ausreichenden räumlichen Möglichkeiten werden zunehmend Telefonapparate zum Direktverkauf oder über Bestellkarten im TELEKOM-Versand angeboten. Immer mehr an Bedeutung gewinnt der Verkauf der attraktiven Telefonkarten.
Leistungen für Dritte - kommunale Dienstleistungen
Die Leistungen für Dritte an Postschaltern beschränken sich gegenwärtig auf die Vermittlung einfacher kommunaler Dienstleistungen sowie den Verkauf von Fahrkarten für regionale Verkehrsbetriebe und die Deutsche Bundesbahn. Kommunale Dienstleistungen werden zurzeit in 90 Verkaufsstellen wahrgenommen. Dazu gehören die Entgegennahme von Anträgen für Pässe und Ausweise sowie deren Aushändigung, die Ausgabe von Formularen und Informationsschriften, Leistungen für den örtlichen Fremdenverkehr. Diese Vermittlungstätigkeiten erfreuen sich bei Bürgern und Gemeinden zunehmender Beliebtheit.
Das Verkaufsstellennetz
Die Schalterleistungen werden an Verkaufsstellen verschiedener Organisationsformen angeboten. In Abhängigkeit vom durchschnittlichen Umfang der Nachfrage nach Schalterleistungen, die auf der Basis sogenannter Verkehrsmengenzählungen ermittelt wird, werden die Verkaufsstellen in Postämter, Poststellen I und Poststellen II unterschieden. Insgesamt besteht dieses Netz in den alten Bundesländern gegenwärtig aus 17.216 ortsfesten und 40 mobilen Verkaufsstellen.
Grund-Dienstleistungen flächendeckend gewährleistet
Die Postämter und Poststellen I sind für den Postkunden, außer in ihrer Größe und den Öffnungszeiten, kaum zu unterscheiden. Beide befinden sich in posteigenen oder angemieteten, ausschließlich für das Postgeschäft vorgesehenen Räumlichkeiten mit den bekannten Schalteranlagen. Die Dienstleistungen bei einer Poststelle II werden über einen sehr einfachen „Schalter” in Privat- bzw. Geschäftsräumen des Posthalters angeboten. Die Poststellen II sind vorwiegend in ländlichen Gebieten in sehr kleinen Orten anzutreffen, wo sie aus Praktikabilitätsgründen z. T. auch Symbiosen mit dörflichen Geschäften oder Gastwirtschaften eingegangen sind. Das Dienstleistungsangebot der Deutschen Bundespost kann hier verständlicheiweise jedoch nicht, vor allem im Bargeldverkehr, uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden. Die Poststellen II gewährleisten aber die flächendeckende Sicherung postalischer Grund-Dienstleistungen.
Ist die durchschnittliche Nachfrage nach Schalterleistungen selbst für die Organisationsform einer Poststelle II zu gering, kann der dortige Landzusteller Brief- und Frachtsendungen annehmen, Briefmarken verkaufen und auch einfache Postbankdienstleistungen erbringen. In einigen ländlichen Regionen werden auf festgelegten Haltepunkten mit festgelegten Haltezeiten auch fahrbare Postschalter eingesetzt, die beinahe das gesamte Leistungsspektrum der ortsfesten Postämter anbieten.
Sonderpostämter bei Bedarf
Aus Anlass von Messen, Ausstellungen, Kongressen, Sport- und sonstigen Veranstaltungen können auf Antrag des Veranstalters Sonderpostämter eingerichtet werden. Das Leistungsangebot richtet sich hierbei ganz nach den Veranstalterwünschen.
28.000 Briefmarken-Automaten
Eine relativ kostengünstige, weil kundenfreundliche und wenig personalintensive Ergänzung zum Verkaufstellennetz besteht in den knapp 7.000 „Amtlichen Abgabestellen für Postwertzeichen” und in den rund 28.000 Briefmarkenautomaten in verschiedenen technischen Ausstattungen. In den amtlichen Abgabestellen für Postwertzeichen verkaufen private Geschäftsleute gegen eine Provision neben ihrem eigentlichen Sortiment auch Briefmarken in kleinen Mengen. Diese Abgabestellen sind häufig in Souvenir- oder Schreibwarengeschäften in Fremdenverkehrsorten angesiedelt.
Das sehr umfangreiche Verkaufsstellennetz des POSTDIENSTES orientiert sich in seinen unterschiedlichen Formen an der Kundennachfrage und wird ständig dem aktuellen Bedarf angepasst.
Anschluss an ein weltweites Service-Netz
Mit der Deutschen Bundespost POSTDIENST können Sendungen weltweit versandt werden. Vom Privatkunden, der seine Geburtstagsgrüße versendet, bis zum Geschäftskunden, der Direktversand per Post betreibt, gibt es ein entsprechendes Angebot. Auf der Basis des Weltpostvereins, dem 168 Länder angehören, und zahlreichen Einzelabkommen findet ein ständiger Erfahrungsaustausch zur Verbesserung des weltweiten Services statt. Im internationalen Dienst wurden 1990 über 1 Milliarde Sendungen befördert. Die Einnahmen für internationale Sendungen betrugen ca. 1,5 Milliarden DM.
Direktwerbung wird zunehmend internationaler
Im internationalen Briefdienst wuchs das Volumen auf 425 Millionen Briefsendungen, zu denen im internationalen Bereich auch Päckchen zählen. Ein zunehmendes Interesse ist bei den Massendrucksachen als Medium für die Direktwerbung zu verzeichnen. Seit Oktober 1990 wird in diesem Bereich der internationale Werbeantwortdienst angeboten. Internationale Werbeantworten sind vom Freimachungszwang des internationalen Briefpostverkehrs ausgenommen. Der umworbene Kunde kann Werbeantworten daher zurücksenden, ohne dafür zu bezahlen. Diese Dienstleistung steht derzeit im Verkehr mit 14 Ländern Europas sowie mit den USA zur Verfügung.
Bessere Heimbasis für internationalen Frachtverkehr
Im internationalen Frachtdienst verstärkte sich der bereits 1989 einsetzende Abwärtstrend bei den in das Ausland abgehenden Sendungsmengen. Bei den eingehenden Sendungen ging das Volumen nach leichten Steigerungen in den Vorjahren ebenfalls deutlich zurück. Damit verringerte sich das Gesamtvolumen gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Prozent auf 11,6 Millionen Sendungen. Durch straffere Kooperationsabkommen mit den größten internationalen Partnern werden derzeit Laufzeiten und Zuverlässigkeit erheblich verbessert, um so verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Auch das neue Frachtkonzept ist auf Optimierungen im internationalen Frachtverkehr ausgerichtet.
Auf weltweite Kontakte kann der POSTDIENST durch Mitarbeit in den internationalen Post-Organisationen zurückgreifen. Der Vorstandsvorsitzende, Dr. Klaus Zumwinkel, wurde in den Aufsichtsrat der Internationalen Post Cooperation (IPC) gewählt. Im Konsultativrat für Poststudien des Weltpostvereins leitet der POSTDIENST die Arbeitsgruppe „Elektronischer Briefdienst” und in der CEPT Post die Arbeitsgruppe „Postpakete”.
Zum internationalen Kontakt gehören auch die Hilfestellung für Postverwaltungen in den Entwicklungsländern durch Beratungsdienste und die Fortbildung von Fach- und Führungskräften. Dieses geschah - zum Teil in Kooperation mit dem Weltpostverein und der Telepost Consulting GmbH (DETECON) - 1990 mit Ägypten, Argentinien, Indien, Iran, Pakistan, Peru, Philippinen, Sierra Leone und Zaire.
PHlLATELlE: Briefmarken - ein Stück Zeitgeist
Briefmarken sind mehr als nur Postwertzeichen. Sie sind ein Spiegel ihrer Zeit. Sie geben Aufschluss darüber, was eine Gesellschaft bewegt und prägt, sind ein Stück Geschichte und Kultur, erinnern an wichtige Ereignisse und bedeutende Persönlichkeiten, weisen auf Feste und Gedenktage hin. Briefmarken geben aber auch einen Eindruck vom gestalterischen Zeitgeist und seinem Wandel.
Briefmarkenausgaben „500 Jahre Post”
Motiv: Der kleine Postreiter von Albrecht Dürer
Deutsche Bundespost Deutsche Bundespost Berlin Deutsche Post der DDR
Vereinigung: Wettlauf mit der Zeit
Die Vereinigung Deutschlands hat den Bereich Briefmarken doppelt geprägt: inhaltlich durch die Gestaltung spezieller Sondermarken und organisatorisch durch die Zusammenführung mit der Deutschen Post der ehemaligen DDR. Da die Briefmarke ein staatliches Symbol, vergleichbar einer Banknote, ist, konzentrierte sich der POSTDIENST auf das Ziel, die vorhandenen 3 Markenprogramme (West-Berlin hatte aufgrund der alliierten Vorbehaltsrechte eigene Serien) mit dem Tage der Vereinigung zu vereinheitlichen. Es begann ein Wettlauf mit der Zeit, da die Herstellung von Marken sehr zeitaufwendig ist (Themenfindung, Auswahl der Entwürfe, Druck und Auslieferung an die Schalter und Versandstellen) und der genaue Zeitpunkt der Vereinigung erst Ende August 1990 feststand.
Briefmarkenblockausgabe „1 Jahr Grenzöffnung”
Die letzten Marken der DDR erschienen am 2. Oktober 1990. Als erste Sondermarken des vereinigten Deutschlands kamen am 3. Oktober 1990 2 Marken mit dem Thema „Deutsche Einheit” heraus. Es folgte eine Gedenkblockausgabe zur Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989.
Das erste gesamtdeutsche Postwertzeichen: Sondermarke „Deutsche Einheit”
Ausgabetag: 3. Oktober 1990
Entwurf: Paul Effert
Briefmarken in der Zeit des Übergangs
Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 folgten ereignisreiche Monate voller zäher Verhandlungen und leidenschaftlicher Demonstrationen, voller Hoffen und Bangen. Doch dann, im Sommer 1990, hielten die Bürgerinnen und Bürger der Deutschen Demokratischen Republik den greifbaren Beweis für die Annäherung an Westdeutschland in den Händen: Am 1. Juli 1990 wurde im Rahmen der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion die D-Mark eingeführt und löste die Mark der DDR ab.
Über die letzten Briefmarken-Ausgaben der Deutschen Post der DDR berichtet das Philatelie-Journal der Deutschen Post „Postfrisch” in der Ausgabe 5/2015:
D-Mark brachte neue Marken
Natürlich hatte die Entwicklung der Einigungsverhandlungen und die DM-Einführung auch Auswirkungen auf die ostdeutschen Briefmarken: Schon am Tag nach der DM-Einführung wurden mit der Dauerserie „Bauwerke und Denkmäler” die ersten DDR-Marken in neuer Währung ausgegeben. Auf den Briefmarken selbst war der Währungswechsel übrigens nicht direkt zu erkennen, da der Wert in Pfennig weiterhin nur durch Ziffern angegeben wurde. Die Bezeichnung „DDR” wurde auf den neuen Ausgaben jedoch durch „Deutsche Post” ersetzt.
Die alten Mark-Briefmarken durften in der DDR noch bis zum 2. Oktober 1990 verwendet werden und waren auch in Kombination mit den neuen Ausgaben gültig. So entstanden interessante Mischfrankaturen mit DDR-Briefmarken in Mark- und DM-Währung. Gegenüber ihren Vorgängern hatten die neuen DDR-Marken jedoch einen entscheidenden Vorteil: Sie waren auch im „Verkehrsgebiet West”, also in der Bundesrepublik und in West-Berlin gültig. Zugleich konnten die West-Marken nun im „Verkehrsgebiet Ost” verwendet werden. Einzig für Sendungen ins Ausland musste man auf Briefmarken des eigenen Verkehrsgebiets zurückgreifen.
Nur 3 Monate später war die DDR Gesehichte. Trotzdem erschienen noch am letzten Täg ihres Bestehens 6 DM-Sondermarken. Diese Marken blieben bis zum 31. Dezember 1991 frankaturgültig. Doch in der DDR war der 2. Oktober 1990 sowohl ihr Erst- als auch ihr Letzttag - Frankaturen mit diesem Stempeldatum sind deshalb bei Sammlern ganz besonders begehrt.
Neue Postleitzahlen fürs vereinte Deutschland
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands entstand auch ein neues Postgebiet. Da aber beide deutsche Staaten über ein eigenes 4-stelliges Postleitzahlensystem verfügt hatten, kam es nun zu Verwirrung: Hunderte Ziffernfolgen waren doppelt vergeben! Man behalf sich daher zunächst mit einer Übergangsregelung: Je nach Zielort wurde der Postleitzahl ein O für „Verkehrsgebiet Ost” oder ein W für „Verkehrsgebiet West” vorangestellt, beispielsweise O-5300 für Weimar und W-5300 für Bonn.
Weiterhin gültig waren zunächst auch die alten Poststempel, deren Aussehen sich in Ost und West unterschied: In der DDR befand sich die Postleitzahl stets im oberen, in der Bundesrepublik dagegen im unteren Bereich des Stempels. Nach der Wiedervereinigung führten einige Poststellen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR jedoch neue Stempel mit unten stehender 4-stelliger Postleitzahl ein - eine philatelistische Besonderheit, die nur über einen kurzen Zeitraum zu finden ist. Denn schließlich entschied man sich dafür, ein neues 5-stelliges Postleitzahlensystem einzuführen.
Ende des „Postfrisch”-Beitrags. Zur Geschichte der 5-stelligen Postleitzahl siehe unter „Der Gastbeitrag” den Aufsatz von Heimo Thomas.
Die Marke mit der Parole „Wir sind das Volk” (Motto der Montagsdemonstrationen 1989/1990 in der DDR) - ein erstes Zeichen der Wende
Nikolaikirche Leipzig, Demonstranten, Stadtwappen,
Entwurf: Grit Fiedler
(DDR-Michel-Katalog Nr. 3315) Ausgabetag:
Die letzte DDR-Marke in Mark zeigt „Kostbarkeiten in Bibliotheken der DDR”:
Einband aus der Musikbibliothek der Prinzessin Anna Amalia von Preußen, (18. Jahrhundert),
Entwurf: Ralf-Jürgen Lehmann
(DDR-Michel-Katalog Nr. 3343) Ausgabetag:
Die erste DDR-Marke in DM
Dauermarkenserie: „Bauwerke und Denkmäler”:
Albrechtsburg und Dom, Meißen
(DDR-Michel-Katalog Nr. 3344)
Die letzte Marke der Deutschen Bundespost Berlin würdigt den 200. Geburtstag von Adolph Diesterweg, Pädagoge
Entwurf: Görs
(Berlin-Michel-Katalog Nr. 879) Ausgabetag:
Die letzte Marke der DDR erschien zum 100. Todestag von Heinrich Schliemann
Doppelhenkelbecher, Troja
(DDR-Michel-Katalog: Nr. 3365)
Künstlerische Impulse aus den neuen Bundesländern
Künftig werden die Briefmarken künstlerische Impulse auch aus den neuen Bundesländern erhalten. Der Anfang ist mit dem Briefmarkenblock zum 1. Jahrestag der Öffnung der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer gemacht. Entworfen hat ihn der Chemnitzer Graphiker Manfred Gottschall, als Sieger des ersten gesamtdeutschen Gestaltungswettbewerbs. Den von ihm gestalteten Block kürten zudem in einer Umfrage nahezu 400.000 Einsender zur schönsten Ausgabe des Jahres 1990.
Auch der Briefmarkensammler-Service der Deutschen Bundespost POSTDIENST wurde durch die Zusammenlegung der Versandstellen in West-Berlin und Ost-Berlin organisatorisch und räumlich neu geordnet. Die Versandstelle beim Postamt Berlin 12 versorgt heute die Stadt Berlin und die neuen Bundesländer.
Neues Marketingkonzept für junge Kunden
Zusätzlich zum bestehenden Angebot hat die Deutsche Bundespost POSTDIENST 1990 ein neues Marketingkonzept entwickelt und realisiert, um speziell Kinder und Jugendliche für das Hobby Briefmarkensammeln zu interessieren. Hierzu wurden neben flankierender PR-Arbeit vor allem 2 neue, kindgerechte Produkte entwickelt, die seit November 1990 bzw. Januar 1991 erfolgreich über das Schalternetz verkauft werden.
Die „Markenkiste”, eine Anfängerausstattung für junge Briefmarkensammler
Die „Markenkiste” ist eine Anfängerausstattung für junge Briefmarkensammler. In ihr finden Kinder alles, was sie für den Einstieg in das lehrreiche Hobby benötigen, einschließlich einer Auswahl deutscher und ausländischer Briefmarken. Das neue Postangebot wurde vom Markt auf Anhieb unerwartet positiv angenommen. Bis zum Jahresende 1990 konnten 45.000 Markenkisten verkauft werden. Da sich der Verkaufserfolg auch 1991 fortsetzte ~ im Juni 1991 wurde die 100.000er-Marke überschritten - wird inzwischen bereits eine 2. Auflage von 130.000 Exemplaren (diesmal in den neuen Bundesländern) produziert.
Seit Januar 1991 erscheint an allen Postschaltern monatlich „Salto”, eine Illustrierte für Kinder. „Salto” beschäftigt sich mit dem, wofür Kinder sich interessieren und womit sie sich beschäftigen. Jede Ausgabe berichtet auf einigen Seiten über das Hobby Briefmarken, und die Kinder finden in jeder „Salto” auch Briefmarken zum Sammeln.
Am Verkaufserfolg gemessen hat „Salto” inzwischen sogar die Markenkiste überholt. Gegenwärtig werden ca. 120.000 Stück verkauft, die Tendenz ist weiter steigend. Eine derart hohe und schnelle Akzeptanz ist auf dem schwierigen Markt der Jugendzeitschriften eine Ausnahme. Mit „Salto” ist es gelungen, den Dialog mit den Kunden von morgen auf breiter Basis aufzunehmen.
Zeitungsdienst: Zeitungsdienst: 10.000 Titel im Programm
Der Produktbereich Postzeitungsdienst konnte auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 1990 zurückblicken: So sind die beförderten Sendungsmengen erneut um 1,5 Prozent gestiegen, das entspricht einem Umsatzzuwachs von 32 Millionen DM. Insgesamt beläuft sich der Umsatz des Postzeitungsdienstes auf 795 Millionen DM. Mittlerweile sind etwa 10.000 Zeitungs- und Zeítschriftentitel „Kunde” des Postzeitungsdienstes, d. h. 1990 wurden etwa 2 Milliarden Zeitungen und Zeitschriften durch den Postzeitungsdienst befördert. Dies entspricht einer jährlichen Sendungsmenge von 300.000 Tonnen Postzeitungssendungen.
Das Dienstleistungsangebot des Postzeitungsdienstes ist kunden- und marktorientiert ausgestaltet. Verlagshäuser und Zeitungsvertriebsstellen können so Zeitungen und Zeitschriften unter bestimmten Bedingungen zu besonders günstigen Preisen versenden. Die in der Vergangenheit gesellschaftspolitisch begründeten niedrigen Gebühren führten im Berichtsjahr zu einem erheblichen Verlust in Höhe von über 500 Millionen DM.
Die Kunden des Postzeitungsdienstes können ihre Presseerzeugnisse als
Postzeitungsgut
versenden. In den einzelnen Postzeitungssendungen können auch sogenannte Fremdbeilagen enthalten sein, d. h. der Kunde kann seiner Zeitung oder Zeitschrift unter bestimmten Bedingungen auch Werbedruckschriften im Auftrag und im Interesse Dritter beifügen und durch den Postzeitungsdienst befördern lassen.
Zeitungsdrucksache als schnelle Lösung für neue Bundesländer
In Anbetracht der „historischen Situation” im Jahr 1990 hat der Postzeitungsdienst sein Dienstleistungsangebot speziell für die Bedürfnisse der neuen Bundesländer durch die sogenannte Zeitungsdrucksache ergänzt. Mithilfe dieser Versandart können Verlage beanschriftete und versandfertig vorbereitete Zeitungen und Zeitschriften zu speziellen Preisen sowohl innerhalb der neuen Bundesländer als auch zwischen den alten und den neuen Bundesländern und umgekehrt versenden. Die Zeitungsdrucksache wird bis zur Angleichung des postalischen Dienstleistungsangebotes im gesamten Bundesgebiet angeboten.
Hauptprodukt Postvertriebsstück
Hauptprodukt innerhalb des Dienstleistungsangebotes des Postzeitungsdienstes ist das sogenannte Postvertriebsstück. Durch diese Sendungsart werden allein ca. 90 Prozent des Umsatzes des Postzeitungsdienstes erzielt. Das angebotene Preis-Leistungs-Verhältnis wird bei dieser Dienstleistung auch durch die Vorleistung des Kunden bestimmt. So wird die Sendung vom Verleger für die zu versendenden Zielrichtungen vorsortiert und vorbereitet und als „Paket”- bzw. als Palettensendung eingeliefert. Entsprechend der Vorsortierung wird die Sendung dann auf dem Beförderungsweg auf die einzelnen Zielgebiete verteilt und beim Empfänger schließlich wie eine Briefsendung ausgeliefert. Das Postzeitungsgut wird vom Absender zum Empfänger als Paketsendung versandt. Durch diese Sendungsart werden in der Regel Zeitungs- und Zeitschriftenkioske, Zeitschriftenverkaufsstellen usw. beliefert. Die Streifbandzeitung hingegen wird von der Einlieferung bis zur Zustellung wie eine Briefsendung behandelt. Hier müssen vom Kunden, bis auf das Verpacken der Sendung, keine Vorleistungen erbracht werden.
Allgemeine Geschäftsbedingungen für den Postzeitungsdienst wurden 1990 vorbereitet und in zahlreichen Gesprächen mit den Verlegerverbänden abgestimmt. Diese Geschäftsbedingungen sind auf ein kundenorientiertes Dienstleistungsangebot ausgerichtet und ermöglichen eine schnelle Reaktion auf produktbezogene Wünsche der Verlage.
Rentendienst: Beitrag zur sozialen Sicherung
Der Postrentendienst nimmt mit gesetzlichem Auftrag die Auszahlung von Geldleistungen der Sozialversicherung vor. Damit trägt er entscheidend zur sozialen Sicherung ím Rahmen der Daseinsvorsorge in der Bundesrepublik bei. 1990 leistete er insgesamt 194 Millionen Zahlungen über 176,8 Milliarden DM. Fast alle Beträge zu Inlandsrenten wurden den Konten der Empfänger im Wege der Überweisung gutgeschrieben. Lediglich ca. 1 Prozent der Zahlungen wurden durch den Zusteller in der Wohnung oder durch Zahlungsanweisung zur Verrechnung bar ausgezahlt.
Auch die im Ausland lebenden Rentenempfänger konnten sich auf ihren Postrentendienst verlassen. Über die unterschiedlichsten Zahlwege wurden 9,1 Millionen Zahlungen mit einem Gesamtzahlbetrag von ca. 4,4 Milliarden DM in über 100 Länder geleitet.
Im Jahr 1990 wurden die Renten entsprechend dem Rentenanpassungsgesetz angehoben. Die erforderlichen Arbeiten wurden bei den Rentenrechnungsstellen und Rechenzentren der Deutschen Bundespost durchgeführt. Über die ab dem 1. Juli 1990 gültigen Zahlbeträge erhielten die Rentner im In- und Ausland von ihrer Rentenrechnungsstelle eine schriftliche Nachricht. Insgesamt wurden zu diesem Zweck ca. 15,5 Millionen Anpassungsmitteilungen erstellt und versandt.
Die Rentnerinnen der Geburtsjahrgänge 1917-1920 wurden im März 1990 mit vorbereiteten Formblättern gebeten, ggf. Ansprüche nach dem Kindererziehungsleistungs-Gesetz geltend zu machen. Aufgrund der zurückgelangten Anträge aus dieser Aktion wurden bis Ende 1990 etwa 669.000 Müttern Leistungen für Kindererziehung als Zuschlag zur Rente gezahlt. Damit sind seit Inkrafttreten des Kindererziehungsleistungs-Gesetzes im Jahre 1987 insgesamt ca. 3 Millionen Anträge auf Kindererziehungsleistung durch den Postrentendienst in Zahlungen umgesetzt worden.
Rentendienst in den neuen Bundesländern aufgebaut
Nach Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung mit der Sozialversicherung hat der Postrentendienst beginnend mit der Zahlung zum April 1991 das bisherige und bewährte Rentenzahlverfahren auch in den 5 neuen Bundesländern eingeführt. Zur Bewältigung dieser neuen Aufgabe bedeutete das im Vorfeld:
Aufbau einer neuen Rentenrechnungsstelle in Leipzig
Erweiterung der bestehenden Rentenrechnungsstelle Berlin
Schaffung von ca. 120 neuen Arbeitsplätzen
Ausbildung der Arbeitskräfte aus den neuen Bundesländern
Schaffung der für die Zahlung von zusätzlich ca. 4,5 Millionen Renten notwendigen technischen Voraussetzungen.
Kurierdienste: Im expandierenden Markt dabei
Stärkere Marktorientierung und bessere Ausrichtung auf die Kundenanforderungen sind die Hauptziele für den Bereich der Kurierdienste. In diesem kräftig expandierenden Markt ist es erforderlich, durch eine flexiblere Leistungs- und Preisgestaltung besser auf die individuellen oder auch branchenspezifischen Kundenbedürfnisse eingehen zu können. Dieser Zielsetzung dient die im Geschäftsjahr beschlossene Gründung unseres Tochterunternehmens „EMS Kurierpost GmbH” zum Jahresbeginn 1991.
Die EMS Kurierpost GmbH übernimmt unter dem Produktnamen „Kuríerpost” die bisherigen Dienstleistungsbereiche EMS/Datapostdienst, Datapostdienst Inland und Postkurierdienst. Den Kunden werden auf Kurierdienst spezialisierte Berater als feste Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Mehr Kundennähe in jeder Beziehung ist also angesagt. Für die betriebliche Abwicklung der Leistungen wird sich das Tochterunternehmen dagegen so weit wie möglich auf die Infrastruktur der Deutschen Bundespost stützen.
Die Herausforderung ohne Beispiel: Verkehrsgebiet Ost
Die Vereinigung Deutschlands hat für das Postwesen die größten Veränderungen seit Bestehen der Deutschen Bundespost gebracht. Mit dem 3. Oktober 1990 ist die zu versorgende Bevölkerung um 26 Prozent, das Gebiet des POSTDIENSTES um 44 Prozent, die Zahl der Amtsstellen um 68 Prozent und die Beschäftigtenzahl um ca. 30 Prozent angewachsen. Die Briefsendungen haben um 11 Prozent, die Paketsendungen um 13 Prozent, die zugestellten Zeitungen um 154 Prozent zugenommen. Der Umsatz wird nur um geplante 11 Prozent steigen. Der POSTDIENST stand und steht hier vor einer Herausforderung, die eine ungewöhnliche Bereitschaft zur Kreativität und Flexibilität aller Beteiligten in den neuen und alten Bundesländern erfordert. Vieles ist inzwischen erreicht. Die notwendigen betrieblichen, organisatorischen, finanziellen, personellen und vor allem investitionspolitischen Veränderungen sind aber auch Mitte 1991 noch nicht in allen Einzelheiten absehbar oder gar abgeschlossen.
Trabi als Zustellfahrzeug der Deutschen Post der ehemaligen DDR
Erste Stufe: „Arbeitsgruppe Postverkehr”
Die Vereinigung der Postverwaltungen in Deutschland erfolgte nicht schlagartig, sie wurde stufenweise seit Ende 1989 vorbereitet. Nachdem im Dezember 1989 zwischen dem Bundesminister für Post und Telekommunikation der Bundesrepublik Deutschland und dem Minister für Post- und Fernmeldewesen der DDR der Rahmen abgesprochen war, verabredeten die Deutsche Bundespost POSTDlENST und die Hauptabteilung Betrieb und Verkehr des Post- und Zeitungswesens Berlin (Ost) im Januar 1990 die Bildung einer „Arbeitsgruppe Postverkehr”. Diese erste gemeinsame Arbeitsgruppe erzielte folgende Ergebnisse:
Schnelle Aufnahme besonders wichtiger Dienstleistungen in Richtung West-Ost: In der Zeit zwischen dem 1. April und 2. Juli wurden die Dienstleistungen Briefdrucksache, Büchersendung, Warensendung, Massendrucksache, Wurfsendung, Werbeantwort, Nachnahme, EMS-/Datapostsendung neu eingeführt und ein gemeinsames Postleitzahlenverzeichnis herausgegeben.
BetrieblicheVerbesserungen: Hier wurden schrittweise der Anschluss an das Nachtluftpostnetz der Deutschen Bundespost POSTDIENST ermöglicht und zahlreiche zusätzliche Verbindungen für den Brief- und Frachtdienst eingerichtet.
Erhöhung der Sicherheit: Hier konnten durch eine enge Zusammenarbeit der Nachforschungs- und Ersatzstellen die Sendungsverluste vermindert werden.
2. Stufe: Projektorganisation „Postunion”
Das sich beschleunigende Tempo der Wiedervereinigung macht allerdings schon nach wenigen Sitzungen deutlich, dass für die zahlreichen damit zusätzlich anfallenden Aufgaben der Zusammenführung beider Verwaltungen der Rahmen dieser Arbeitsgruppe zu eng geworden war. Am 2. Mai 1990 beschlossen daher der POSTDIENST-Vorstand und die Leitung des POSTDIENSTES im Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der DDR die Bildung einer sehr viel breiter angelegten Projektorganisation „Postunion”.
Es wurden 35 jeweils aus Vertretern beider Unternehmen gebildete Arbeitsgruppen eingesetzt, deren Aufgaben in 6 - ebenfalls paritätisch geleiteten - Arbeitsbereichen zusammengefasst und koordiniert wurden. Technisch wurde die Projektorganisation durch eine ab Juni 1990 in Berlin eingerichtete „Gemeinsame Geschäftsstelle” unterstützt. Die Zielsetzung der Projektorganisation „Postunion” war es, möglichst schnell die Voraussetzungen für eine reibunglose Zusammenführung beider Unternehmen zu schaffen - entsprechend breit gefächert war die Aufgabenstellung.
Neuorganisation auf Direktions- und Amtsebene
Von den Ergebnissen des Projektes „Postunion” sind insbesondere hervorzuheben:
die organisatorische Trennung des Post- und Fernmeldewesens auf Direktions- und Amtsebene
die Bildung von 5 neuen Direktionen POSTDIENST in Schwerin, Potsdam, Halle, Erfurt und Dresden am 1. Oktober 1990 sowie
die Vorbereitung der Bildung von 65 neuen Postämtern mit Verwaltungsdienst Anfang 1991
Die Arbeitsgruppen hatten mit dem Vollzug der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 den wesentlichen Teil ihrer Arbeit abgeschlossen.
3. Stufe: Außenstelle Berlin der Generaldirektion POSTDIENST
Mit dem Beitritt der neuen Bundesländer zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 veränderte sich auch der organisatorische Rahmen der Zusammenführung des Postdienstes in Deutschland grundlegend. Erster Schritt war die Bildung einer für den Bereich der früheren Deutschen Post zuständigen „Außenstelle Berlin” der Generaldirektion POSTDIENST. Sie wurde am 4. Oktober 1990 in Berlin in feierlicher Form eröffnet. Ausgestattet mit weitgehenden Zuständigkeiten - vor allem im betriebslenkenden Bereich - wird sie vom Vorstandsmitglied Franz Schöll geleitet. Sie hat die Aufgabe, die Verhältnisse in beiden Teilen Deutschlands soweit zu vereinheitlichen, dass eine gemeinsame Leitung möglich wird. In 6 Geschäftsbereichen, deren Zuständigkeiten jeweils spiegelbildlich Vorstandsressorts des POSTDIENSTES entsprechen, arbeiten - unterstützt durch das angegliederte „Zentrum für Postdienste” - 86 Beschäftigte in 18 Fachbereichen.
Völlige Harmonisierung der Dienstleistungen
Die jetzt anstehenden Hauptaufgaben für die Zusammenführung der Postdienste in Deutschland sind:
Harmonisierung und dann völlige Anpassung der Dienstleistungsangebote,
die Verbesserung der Dienstgüte, insbesondere der Laufzeiten,
kurzfristig wirksame materielle Hilfe zur Bewältigung des in vielen Bereichen stark angestiegenen Verkehrs und
die Erarbeitung von Investitionsprogrammen für die zukünftige Gestaltung des Postwesens in den 5 neuen Bundesländern und in Berlin.
Bereits im 1. Halbjahr 1990 wurde das Dienstleistungsangebot der damaligen Deutschen Post im Wesentlichen harmonisiert. Nach der Währungseinheit wurden schrittweise auch die Dienstleistungspalette des Postbanksektors und des Nachnahmedienstes vereinheitlicht. Zum Zeitpunkt der staatlichen Vereinigung wurden mit Rücksicht auf die Einführung der Zivilprozessordnung und des Wechselgesetzes kurzfristig Dienstleistungsangebote wie Postzustellungsauftrag und Postprotestauftrag auch in den 5 neuen Bundesländern eingeführt.
Mit der Einführung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zum 1. Juli 1991 wurde die Angleichung des Dienstleistungsangebotes vollendet.
Dienstgüteverbesserung
Der erheblich angestíegene Verkehr, insbesondere bei Massendrucksachen und Paketsendungen aus dem Bereich der alten in die neuen Bundesländer, stellt den POSTDIENST im Verkehrsgebiet Ost vor erhebliche Probleme. Weder die baulichen Voraussetzungen noch die technische Ausstattung noch die Verkehrsanbindung entsprechen den Verhältnissen in den alten Bundesländern. Die bundesweit geltende Laufzeitvorgabe E+1 für Briefe wird z. Z. daher nur in Teilbereichen erreicht. Im Verkehr zwischen alten und neuen Bundesländern soll hier vor allem die ab Anfang 1991 schrittweise Einbeziehung in das Nachtluftpostnetz Verbesserungen bringen. Ein weiterer Ausbau des Verkehrsnetzes, insbesondere auf der Straße, ist vorgesehen. Im Frachtdienst soll die kurzfristige Schaffung von 80 großen Zustellbasen mit Investitionen von 250 Millionen DM Verbesserungen ermöglichen.
Weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Leistungsangebotes sind
Wiedereinführung der flächendeckenden Paketzustellung,
Einbeziehung von Nachnahme- und Bargeldsendungen in die Zustellung,
Zentralisierung der Briefzustellung,
Erweiterung der Telegramm- und Eilzustellung,
Einführung des neuen Brief- und des neuen Frachtkonzepts,
Erhöhung des Sicherheitsstandards in den Postämtern.
Ausrüstungshílfe und Investitionsprogramme
Die Abwicklung des Postdienstes bei der Deutschen Post bzw. in den neuen Bundesländern wurde bereits 1990 durch zahlreiche kurzfristig gewährte Ausrüstungshilfen wesentlich erleichtert. So wurden neben anderem technischen Gerät fast 1.200 Kraftfahrzeuge verschiedener Typen kurzfristig den Bearbeitungsstellen in den neuen Bundesländern zur Verfügung gestellt. Neben dieser von zentraler Stelle gesteuerten Soforthilfe wurden im Rahmen von Partnerschaftsbeziehungen zwischen bestimmten Ämtern und Dienststellen in den alten und neuen Bundesländern weitere dringend benötigte Arbeits- und Hilfsmittel kurzerhand zur Verfügung gestellt.
Umfassende Sanierung von Bauten und Technik
Eine grundlegende Verbesserung des Postdienstes in den neuen Bundesländern setzt eine umfassende Sanierung fast aller posteigenen Baulichkeiten voraus. Deren Zustand genügt fast ausnahmslos weder den Anforderungen des vorhandenen Verkehrs und erst recht nicht modernen Bearbeitungstechniken. Ein Investitionsplan ist in Vorbereitung und wird erstellt, sobald die neuen Konzepte für Fracht- und Briefdienst und damit die betrieblichen Standorte feststehen. Um die größten betrieblichen und human-sozialen Mängel zu mindern, werden unabhängig davon die notwendigen Maßnahmen zur kurzfristigen Baumängelbeseitigung eingeleitet. Für das Verkehrsgebiet Ost wurde ein eigener Teilwirtschaftsplan 1991 erstellt. Er sieht u. a. rund 450 Millionen DM Ausgaben für Investitionen (davon u.a. 200 Millionen DM für Grundstücke und Gebäude, 125 Millionen DM für Fahrzeuge und 75 Millionen DM für die technische Ausstattung der Bearbeitungsstellen des Brief- und Frachtdienstes und zur Erhöhung der Sicherheit) vor. Für die Instandhaltung von Kraftfahrzeugen, von maschinellem Gerät, Förder- und Verteilanlagen sowie für die Instandsetzung von Gebäuden sind rund 260 Millionen DM vorgesehen.
Investitionen, insbesondere für Baumaßnahmen, erfordern einen längeren Planungsvorlauf. Im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung werden die finanziellen Konsequenzen der Einführung moderner Technologien, z. B. der automatischen Briefverteilung, der stationären Bearbeitung im Frachtverkehr, des Schalterdienstes sowie der Einführung neuer betrieblicher Konzeptionen, untersucht und in Investitionspläne umgesetzt.
Die 1990 von der Deutschen Post übernommene Personal- und Führungsstruktur muss erheblich verändert werden.
Im Zeitungsdienst entfallen in großem Umfang Dienstleistungen. Der POSTDIENST zieht sich völlig aus den nicht posttypischen Geschäftsfeldern zurück. Gleichzeitig wird die Produktivität durch Einsatz verbesserter Arbeitsmittel und moderner Technik gesteigert.
Andererseits gibt es neue Aufgaben durch Verkehrszuwächse im Briefdienst und die Einführung der Paketzustellung. Zudem wird die 40-Stunden-Woche eingeführt. Diese Faktoren erfordern für 1991 große Veränderungen im Personalbereich. Der dramatische Rückgang im Zeitungsvertrieb und die zum Teil klar erkennbaren Überbesetzungen - insbesondere im Overhead-Bereich - ergeben insgesamt jedoch einen zu hohen Personalbestand.
Das Ausbildungsprogramm wurde 1990 nach den alten Berufsbildern der Deutschen Post - inhaltlich bereinigt - fortgesetzt. Ende 1990 befanden sich ca. 3.O00 Nachwuchskräfte in der Ausbildung. Ab Herbst 1991 wird die Ausbildung für den einfachen und mittleren Dienst wie im übrigen Bundesgebiet durchgeführt. Die Fortbildung diente in erster Linie der Wissensvermittlung im Rahmen der Einführung neuer Dienstleistungen. Hervorzuheben ist dabei die Großmaßnahme, mit der rund 27.000 Zusteller zum Thema des Postprotest- und des Postzustellungsauftrags fortgebildet wurden.
Einen detaillierten Bericht über die Zusammenführung der beiden Postunternehmen Deutsche Bundespost und Deutsche Post finden Sie im Register „Der Gastbeitrag”. Der Bericht „Die Vereinigung der Postdienste der Deutschen Bundespost und der Deutschen Post - Entwicklung, Stand, Perspektiven” aus dem Jahr 1992 stammt von Vorstandsmitglied Franz Schöll, der für das Projekt verantwortlich war.
Entwicklungen im Personalbereich
Das Personalwesen des Geschäftsjahres 1990 war stark geprägt von der Neustrukturierung der Deutschen Bundespost. Alle bei der Deutschen Bundespost beschäftigten Kräfte mussten in die 3 Unternehmen POSTDIENST, TELEKOM und POSTBANK integriert werden.
Im Rahmen der Neustrukturierung wurde das Management durch Einstellungen aus dem Bereich der Privatwirtschaft ergänzt. Um gegenüber den neuen Herausforderungen am Markt von Beginn an zu bestehen, wurden zudem zahlreiche neue Wege beschritten, um die stärkere marktwirtschaftliche Ausrichtung zu unterstützen. So wurden zur Entwicklung neuer Strategieprojekte schwerpunktmäßig Wirtschaftswissenschaftler herangezogen. Im Marketingbereich prägen in zunehmendem Maße Kräfte mit Facherfahrung das Erscheinungsbild unseres Unternehmens.
Die 2. Hälfte des abgelaufenen Geschäftsjahres war bestimmt von der Wiedervereinigung Deutschlands und der damit verbundenen Zusammenführung des Unternehmens Deutsche Bundespost POSTDIENST mit der Deutschen Post der ehemaligen DDR. Es wurden Schulungen und Tagungen zur Angleichung des Wissensstandes durchgeführt. Bestehende Regelungen wurden modifiziert und auf die Beschäftigten in den neuen Bundesländern übertragen. In vielen Bereichen, z. B. Personalvertretungsrecht, Arbeits- und Tarifrecht, mussten Übergangsregelungen geschaffen werden.
Der Personalhaushalt
Der Personalhaushalt für den POSTDIENST orientierte sich im Geschäftsjahr 1990 an den Ergebnissen des Vorjahres für den entsprechenden Teilbereich im Gesamthaushalt der Deutschen Bundespost. Er ist jedoch wie das gesamte Personalwesen sehr stark von der Neustrukturierung geprägt. Die Wochenarbeitszeitverkürzung zum 1. April 1990 von 39 auf 38,5 Wochenstunden sowie der Tarifvertrag über Zeitzuschläge und Erholungszeiten erhöhten zwar den Personalbedarf. Dem standen jedoch Einsparungen an anderer Stelle gegenüber.
Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten besonders im Betriebsdienst wurde eine tarifvertragliche Regelung vereinbart, wonach ab 1. August 1990 bestimmte pauschalierte Zeitzuschläge für Erholungszeiten und persönliche und sachliche Verteilzeiten zu Kurzpausen zusammengefasst werden können. Ebenso wurden die Regelungen für individuelle personengebundene Zeitzuschläge tarifvertraglich festgelegt.
Was sich in der Privatwirtschaft hervorragend bewährt hat, findet nun auch Einzug in das Unternehmen POSTDIENST. Die Postleistungszulagenverordnung eröffnet erstmals für ein öffentliches Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter individuell für kundenbewusstes und kostenorientiertes Engagement zu honorieren. Leistungszulagen werden zunächst schwerpunktmäßig auf der Amtsebene gezahlt und zwar vor allem in kunden- und wettbewerbsorientierten Bereichen.
Vom 1. Januar 1991 an können nach den Bestimmungen der Postleistungszulagenverordnung Leistungszulagen gezahlt werden. Die Postleistungszulagenverordnung gilt derzeit nur für Beamte, eine Regelung für Arbeiter und Angestellte ist in Arbeit.
Der Schalterdienst weist neben der Zustellung den höchsten Kundenkontakt auf. Um die Attraktivität des Schalterdienstes zu erhöhen und motiviertes Personal zu gewinnen, wird die besondere Inanspruchnahme unseres Personals in diesem Bereich mit einer speziellen Schalterzulage honoriert. Die Zulage beträgt bei einer vollbeschäftigten Kraft durchschnittlich ungefähr 200 DM im Monat.
Ferner wird allen Beschäftigten auf besonders schwierigen Arbeitsplätzen, deren Belastungen nicht durch die Erschwerniszulagenverordnung abgedeckt werden, eine Arbeitsplatzvergütung zwischen 50 und 70 DM gezahlt.
Motivationsanreize: Sonderprogramm für Ballungsgebiete
Ein besonderes Problem ist auch für die Deutsche Bundespost POSTDIENST der Mangel an ausreichenden und qualifizierten Kräften in Ballungsgebieten. Hier sind als Motivationsanreize neben den allgemein im öffentlichen Dienst eingeführten örtlichen Prämien für Mitarbeiter des POSTDIENSTES zusätzliche Anreize geplant. Ein Maßnahmenbündel aus finanziellen und sozialen Komponenten soll maßgeblich dazu beitragen, personelle Engpässe in Großstädten wie München oder Hamburg erfolgreich zu überwinden.
So soll zur weiteren Steigerung der Attraktivität unseres Unternehmens Beschäftigten in den Ballungsräumen Wohnraum zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt werden. Dies gilt nicht nur für Beschäftigte mit Familie, sondern zukünftig besonders auch für Alleinstehende.
Gleichstellung der Frauen verwirklicht
Ende 1990 waren in den alten Bundesländern rund 123.600 Frauen beschäftigt, das sind 39 Prozent der Gesamtbeschäftigten. Über 54 Prozent waren im Arbeiter-, 15 Prozent im Angestelltenverhältnis tätig, 26 Prozent waren als Beamte eingesetzt und 5 Prozent als Nachwuchskräfte beschäftigt. In den neuen Bundesländern lag der Anteil der Frauen weit höher und betrug etwa 77 Prozent der Gesamtbeschäftigten.
Seit 1987 gibt es bei der Deutschen Bundespost das Amt der Frauenbeauftragten, das 1990 auch bei der Generaldirektion und bei den Oberpostdirektionen eingeführt wurde. Die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern ist beim POSTDIENST verwirklicht. Die Realisierung von Chancengleichheit aller Beschäftigten wird konsequent in der Unternehmens- und Personalpolitik weiterverfolgt. Die Lohngleichheit ist realisiert. Alle Berufe und Laufbahnen stehen für Frauen offen. Ausbildungs-, Fortbildungs- und Aufstiegsangebote gelten für Frauen und Männer gleichermaßen.
Spezialseminare für weibliche Führungskräfte
Spezielle Seminare für weibliche Führungskräfte helfen, psychologische Bärrieren abzubauen und Frauen situationsbedingtes Führungsverhalten aufzuzeigen. Der Eintritt in die Familienphase führt beim POSTDIENST nicht zwangsläufig zur Aufgabe des Berufes, denn zur Betreuung von Kindern und zur Pflege von Familienangehörigen können Teilzeitbeschäftigung oder Urlaub ohne Bezüge in Anspruch genommen werden. Eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit ist durch den blockweisen Einsatzwechsel und durch spezielle Dienststundenpläne für teilzeitbeschäftigte Mütter mit kleinen Kindern erreicht worden. Es wird auch in Zukunft darum gehen, die Rahmenbedingungen für Frauen und Männer, die Kinder oder Familienangehörige betreuen, weiter zu verbessern.
Die Sicherung von Qualität und Leistungsvielfalt ist direkt abhängig von der Qualifikation des Personals. Die Nachwuchsausbildung und die Weiterbildung der Fachkräfte ist hierbei zunehmend ein entscheidendes Kriterium für Kontinuität. Der POSTDIENST misst diesem Teil der Personalarbeit einen strategischen Stellenwert für die erfolgreiche Zukunft des Unternehmens bei.
In den letzten Jahren konnte das Ausbildungsangebot nicht vollständig genutzt werden. Dies ist besonders in den Ballungsgebieten der alten Bundesländer spürbar. Die Gründe liegen in der demographischen Entwicklung, aber auch an den hohen Anforderungen und den Bedingungen, unter denen die postalischen Dienstleistungen erbracht werden müssen.
7.567 Plätze betrug das Ausbildungsplatzangebot im POSTDlENST 1990 in den alten Bundesländern. Es orientierte sich am Eigenbedarf des Unternehmens und umfasst neben den typischen Berufsbildern im Bereich Dienstleistung und Verwaltung auch technische Berufe.
Besondere Förderung im Bereich der Mikroelektronik
Für Fortbildungszwecke (Lehrgänge, Seminare) wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 500 Millionen DM aufgewandt. Die Schwerpunkte der Schulungsmaßnahmen lagen auf der Weiterbildung des Schalterpersonals für Postbank- und Telekommunikationsdienste sowie auf Informationen über neue Dienstleistungsangebote und DV-Lehrgängen.
Mit dem im Jahre 1986 gestarteten „Programm zur Förderung der Mikroelektronik, der Informations- und Kommunikationstechniken im Bereich der Beruflichen Bildung der Deutschen Bundespost”, kurz „Programm M-I-K” genannt, wird das Ziel verfolgt, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf die sich abzeichnenden bzw. bereits begonnenen Veränderungen an den Arbeitsplätzen vorzubereiten. Im Rahmen dieses Programms haben wieder in großem Umfang Fortbildungsmaßnahmen stattgefunden. Darüber hinaus erhielt das Personal die Möglichkeit, bei bestimmten Ämtern in einem „Informationszentrum Berufliche Bildung” M-I-K-Kenntnisse und -Fertigkeiten zu erwerben.
Für das Personal in den neuen Bundesländern wurde mit besonderen Fortbildungsmaßnahmen begonnen, um insbesondere Zusteller, Schalterkräfte und Stellenleitungskräfte so schnell wie möglich an den Wissensstand des Personals im übrigen Bundesgebiet heranzuführen.
Nach Erprobung in Pilot- und Feldversuchen konnte der computerunterstützte Unterricht in Aus-, Fort- und freiwilliger Weiterbildung des POSTDIENSTES eingeführt werden. Das „Computerunterstützte Lernen im POSTDIENST” (CLIP) ist eine neue Lehr- und Lernmethode auf der Basis von Lernstationen und Lernprogrammen. Jede Lernstation besteht aus einem Personalcomputer, einem Bildplattenspieler, einem Drucker und einem Lautsprecher mit Kopfhörern. Es wurden in einer ersten Ausbaustufe 1.000 Lernstationen beschafft, die den Postämtern zur Verfügung stehen. CLIP arbeitet mit Texten, Grafiken und Videofilmen. Die Lernprogramme sind lebendig, abwechslungsreich und nach den neuesten Erkenntnissen der Didaktik gestaltet.
Bei der Schulung von Führungspersonal kann der POSTDIENST auf ein Fortbildungsprogramm zurückgreifen, das sich an rund 2.500 Mitarbeiter im oberen und mittleren Management wendet. Die Qualifizierung umfasst unterschiedliche Managementpositionen und Aufgaben wie Personalführung, Marketing, Betriebstechnik, Verfahrensentwicklung etc. und ist in die einheitliche Konzeption zur Personalentwicklung eingebunden.
Die Managementschulung hat eine Wegweiserfunktion, um die Konzentration innerhalb des POSTDIENSTES auf ein unternehmerisches Denken zu fördern. Darum werden Nachwuchskräfte z.B. durch Assessment-Center-Verfahren für Managementaufgaben ausgewählt, besondere Fördermaßnahmen und Programme vor Übernahme neuer und schwierigerer Positionen angeboten und sonstige Qualifizierungen durchgeführt. Ein wesentliches Ziel ist dabei, möglichst vielen Mitarbeitern aus dem Unternehmen POSTDIENST die Chance zu eröffnen, bis in das obere Management aufzurücken.
Erfahrungen anderer Unternehmen nutzen
Die Managementschulung berücksichtigt auch wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen anderer Unternehmen. Sie verpflichtet deshalb Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft, um auch gesellschaftspolitischen, ökologischen, technischen, sozialen und kulturellen Belangen der modernen Unternehmensführung gerecht zu werden.
Nach der Neustrukturierung der Deutschen Bundespost galt es, die gesetzlichen und betrieblichen Sozialaufgaben möglichst einheitlich auf die 3 neuen Unternehmen zu übertragen. Mit dieser Neuorganisation wurden im POSTDIENST neue Ziele im Bereich des sozialen Engagements definiert, z.B. Aufgaben, die sich aus den Problemen der Ballungsräume ergeben.
Dem POSTDIENST fiel bei der Umsetzung von Vorgaben und der Betreuung der Beschäftigten aller Unternehmen eine Federführung zu, so die Abstimmung mit den Unternehmen POSTBANK und TELEKOM u.a. in den Bereichen Bundespost-Betriebskrankenkasse, Postbeamtenkrankenkasse und Postkleiderkasse. Es gelang, die Sozialaufgaben für den POSTDIENST nahtlos fortzuführen.
Beschäftigung von Behinderten über der Zielquote
Besonders hervorzuheben sind die Maßnahmen im Rahmen der Schwerbehindertenfürsorge und des Sozialen Arbeitsschutzes. Hier wurden Arbeitsplätze bereitgestellt bzw. erhalten und gestaltet. Der POSTDIENST konnte durch diese Maßnahmen eine Beschäftigten-Quote von 7 Prozent für Schwerbehinderte erreichen und damit die gesetzlich festgelegte Zielquote (6 Prozent) sogar überschreiten.
In der 2. Hälfte des Jahres war die Aufgabe, die Überleitung von Sozialaufgaben und -einrichtungen auf das Beitrittsgebiet vorzubereiten und - soweit möglich - zu übernehmen von besonderer Bedeutung. So konnte im gesetzlichen Krankenkassen- und Unfallversicherungsbereich für die Postmitarbeiter der Beitritt reibungslos erfolgen.
Bericht des Hauptpersonalrats
Der im Mai 1988 gewählte Hauptpersonalrat beim Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen setzt sich entsprechend dem Beschäftigungsverhältnis aus 19 Mitgliedern der Gruppe Beamte, 9 Mitgliedern der Gruppe Arbeiter und 3 Vertretern der Angestellten zusammen.
Von diesem 31-köpfigen Gremium wurden 29 Mitglieder von der Vorschlagsliste der Deutschen Postgewerkschaft gewählt, die auch alle 3 Gruppensprecher sowie den Vorsitzenden und die Stellvertreter stellt. 2 Mitglieder kommen von der gemeinsamen Liste Postverband Gewerkschaft im Beamtenbund - DPV und Christlich-demokratische Postgewerkschaft.
Der Hauptpersonalrat hat zur Erledigung der laufenden Aufgaben, der Vorbereitung der Sitzungen und Umsetzung der Beschlüsse eine Geschäftsführung gewählt. Hierfür wurden 14 Mitglieder des Hauptpersonalrats und 2 Mitglieder der Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung von ihrer dienstlichen Tätigkeit freigestellt. Die im November 1988 gewählte Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung setzt sich aus insgesamt 15 Mitgliedern zusammen.
Neustrukturierung und Vereinigung prägten Personalarbeit
Aufgrund der Reform des Post- und Fernmeldewesens und der zwischenzeitlich begonnenen Umsetzung der Neustrukturierung auf die 3 Unternehmen POSTDIENST, POSTBANK und TELEKOM war auch eine personelle Verstärkung der noch gemeinsamen Geschäftsführung des 13. Hauptpersonalrats nicht zu umgehen. Die Geschäftsführung des Hauptspersonalrats wurde um 7 Kolleginnen und Kollegen, die Geschäftsführung der Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung um 2 Mitglieder erweitert.
Diese Vergrößerung war jedoch nur von kurzer Dauer, denn nach der Vereinigung hatten sich die Geschäftsführungen und Haupt-Jugend-und Auszubildendenvertretung erneut zu verstärken. Für den Hauptpersonalrat wurden 15 Kolleginnen und Kollegen und für die Haupt-Jugend-und Auszubildendenvertretung 2 Kolleginnen aus den neuen Bundesländern als Sachverständige vorgesehen.
Da aufgrund der Neuorganisation der Direktionen in den neuen Bundesländern keine gewählte Personalvertretung bestand, fiel dem Hauptpersonalrat die Aufgabe zu, die Funktion der örtlichen Personalräte bei den Direktionen und der Bezirkspersonalräte wahrzuehmen.
Die Schwerpunkte der Arbeit des Hauptpersonalrats und der Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung waren deshalb auch durch die Neustrukturierung und die Vereinigung der beiden Postverwaltungen geprägt.
Oberpostdirektionen und Direktionen
Verkehrsgebiet West: Die 1990 bestehenden Oberpostdirektionen mit den Leitern des Bereichs POSTDIENST:
Oberpostdirektion Bereichsleitung POSTDIENST
1000 Berlin Dieter Wöhlert
2800 Bremen Präsident Johann Paffen
4600 Dortmund Jürgen Weith
4000 Düsseldorf N.N.
6000 Frankfurt Friedrich Brunner
7800 Freiburg Präsident Hans Hertle
2000 Hamburg Dr. Hans-Jürgen Schulte-Uhlenbrook
3000 Hannover Wolf-Dietrich Filter
(mit der Leitung beauftragt ab 1. September 1991)
7500 Karlsruhe Präsident Dr. Elmar Hauptmann
2300 Kiel Günter Weber
5400 Koblenz Dr. Michael Räth
5000 Köln Präsident Dipl.-Ing. Paul Oertel
8000 München Präsident Otto Kronthaler
8500 Nürnberg Präsident Dr. Karl Mauser
8400 Regensburg Präsident Dr. Alfons Hillenbrand
6600 Saarbrücken Präsidentin Dipl.-Ing. Elke Tobien-Wolf
7000 Stuttgart Dieter Mais
Verkehrsgebiet Ost: Die 5 neuen Direktionen POSTDIENST und ihre Leiter:
O-8016 Dresden Präsident Armin Stoffleth
O-5010 Erfurt Präsident Dr. Herbert Lotze
O-4020 Halle Präsident Peter Tornack
O-1560 Potsdam Präsident Dr. Norbert Herkner
O-2750 Schwerin Mit der Leitung beauftragt: Dr. Gerhard Troschke
Anhang zum Jahresabschluss 31. Dezember 1990 des öffentlichen Unternehmens Deutsche Bundespost POSTDIENST (VGW)
(1) Neuorganisation der Deutschen Bundespost (DBP) und Umstellung auf handelsrechtliche Bilanzierungsgrundsätze
Mit dem Inkrafttreten des Poststrukturgesetzes am 1. Juli 1989 hat das Unternehmen DBP POSTDIENST seinen Jahresabschluss nach § 44 Postverfassungsgesetz (PostVerfG) aufzustellen. § 44 PostVerfG bestimmt in Verbindung mit § 45 Abs.1 und § 39 Abs. 2, dass bei der Aufstellung des Jahresabschlusses die „Vorschriften über die Aufstellung des Jahresabschlusses” zu beachten sind, in denen die für den Postdienst derzeit geltenden handelsrechtlichen Bilanzierungsgrundsätze im Einzelnen festgelegt sind.
Das Unternehmen beabsichtigt, mit Wirkung vom 1.Januar 1993 die kaufmännische Finanzbuchführung einzuführen. Sie wird das bisherige Finanzbuchführungssystem der gehobenen Kameralistik ablösen. Fur die Ubergangszeit bis zur Einführung der kaufmännischen Buchführung wurden Übergangsvorschriften vorgesehen.
Der Jahresabschluss 1990 wurde erstmals in entsprechender Anwendung der Vorschriften des Dritten Buches des Handelsgesetzbuches für große Kapitalgesellschaften aufgestellt, soweit dies die besonderen Belange der DBP erlauben.
Mit Wirkung ab 3. Oktober 1990 gehört aufgrund Artikel 27 des Einigungsvertrags zum Teilsondervermögen des Unternehmens DBP POSTDlENST auch der entsprechende Unternehmensbereich der ehemaligen Deutschen Post im Beitrittsgebiet (Verkehrsgebiet Ost). Eine Einbeziehung bereits zum Bilanzstichtag 31. Dezember 1990 konnte arbeitstechnisch noch nicht realisiert werden; dies wird ab 1. Januar 1991 erfolgen.
Der Jahresabschluss hat erstmals der Prüfung durch eine unabhängige Prüfungsgesellschaft vorgelegen; er ist im Bundesanzeiger offenzulegen.
(2) Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 1990
Entsprechend der Aufteilung der Unternehmensaufgaben der DBP im Zusammenhang mit der Poststrukturreform auf die 3 öffentlichen Unternehmen DBP POSTDIENST, DBP POSTBANK und DBP TELEKOM wurde auch die Schlussbilanz der DBP zum 31. Dezember 1989 ab 1. lanuar 1990 entsprechend der sachbezogenen Zuordnung der einzelnen Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten zu den 3 neugeschaffenen Teilsondervermügen aufgeteilt. Nach § 63 Abs.6 PostVerfG waren dabei die Buchwerte der Schlussbilanz zum 31. Dezember 1989 zugrunde zu legen.
Die Umstellung von der bisherigen Bilanzierung und Bewertung auf der Grundlage der kameralistischen Jahresrechnung auf handelsrechtliche Bilanzierungsgrundsätze erforderte einige Anpassungsmaßnahmen, die beim Unternehmen DBP POSTDIENST mit rd. 1,6 Milliarden DM ergebnisneutral zulasten des ebenfalls auf die 3 Eröffnungsbilanzen zu verteilenden Eigenkapitals verrechnet wurden. Da die so ermittelte Aufteilung des Eigenkapitals der DBP auf die 3 DBP-Unternehmen für das Unternehmen DBP POSTBANK zunächst zu keinem befriedigenden Ergebnis führte, wurde anschließend durch Entnahme zulasten des vorläufig ermittelten Eigenkapitals der DBP POSTDIENST und einer entsprechenden Einlage zugunsten des Unternehmens DBP POSTBANK ein Eigenkapitaltransfer von 50 Millionen DM vorgenommen. Der Bundesminister für Post und Telekommunikation (BMPT) hat die Eigenkapitalverteilung anhand der Eröffnungsbilanzen zum 1. Januar 1990 genehmigt. Die Eröffnungsbilanz des Unternehmens DBP POSTDIENST zum 1. Januar 1990 ist nicht durch unabhängige Abschlussprüfer geprüft. Die Zahlen der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 1990 wurden nicht als Vergleichszahlen des vorherigen Geschäftsjahres(Gj.) im Sinne von § 265 Abs. 2 Satz 1 HGB verwendet.
(3) Anpassungen der gesetzlichen Gliederungsschemata
Zum Zwecke einer unternehmensspezifischen Ausgestaltung des Jahresabschlusses wurden in Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) einige Anpassungen vorgenommen. Durch sie werden Klarheit und Übersichtlichkeit verbessert. Bei den Finanzanlagen wird der Posten „Ausleihungen für Wohnungsfürsorgemaßnahmen” gesondert ausgewiesen. Es handelt sich dabei um eine Verbundaufgabe, die das Unternehmen DBP POSTDIENST für die gesamte DBP wahrnimmt und bilanziert. Die darin enthaltenen Ausleihungen für verbundene Unternehmen konnten infolge des kameralistischen Buchführungssystems noch nicht gesondert ermittelt werden. Im Umlaufvermögen trägt der Ausweis der Forderungen gegen das Schwesterunternehmen DBP TELEKOM der besonderen Struktur der Unternehmensgliederung der DBP Rechnung. Entsprechendes gilt für den gesonderten Ausweis der Verbindlichkeiten gegenüber dem Schwesterunternehmen DBP POSTBANK. Die GuV wurde um den GuV-Posten „Erträge aus Finanzausgleich” erweitert. Die Ergänzung beruht auf § 37 Abs. 3 PostVerfG, wonach zwischen den DBP-Unternehmen ein Finanzausgleich vorzunehmen ist, wenn ein Unternehmen die Aufwendungen aus den eigenen Erträgen nicht decken kann. Im Übrigen ist die GuV nach dem Gesamtkostenverfahren gegliedert.
(4) Entwicklung des Anlagevermögens
Mit der erstmaligen Anwendung der handelsrechtlichen Jahresabschlussgrundsätze wird die Entwicklung des Anlagevermögens anhand eines Anlagespiegels (siehe Geschäftsbericht 1990, Seiten 54/55) dargestellt.
In analoger Anwendung der Übergangsvorschriften des Art. 25 Abs. 6 HGB werden dabei die Buchwerte der Eröffnungsbiianz zum 1. Januar 1990 als ursprüngliche Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten betrachtet.
(5) Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
Die gegen Entgelt erworbenen immateriellen Vermögensgegenstände werden mit den Anschaffungskosten aktiviert und über 4 Jahre abgeschrieben. Die Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens werden mit ihren Anschaffungskosten (einschließlich Nebenkosten) bzw. Herstellkosten abzüglich der planmäßigen Abschreibung ausgewiesen. Die DBP schreibt alle Wirtschaftsgüter des Sachanlagevermögens linear ab. Dabei werden Wohn-, Dienst- und Betriebsgebäude bis zu 60 Jahre, technische Anlagen und Maschinen in längstens 15 Jahren, andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung in längstens 30 Jahren, überwiegend aber auf 4 bis 12 Jahre, abgeschrieben. Außerplanmäßige Abschreibungen werden - soweit erforderlich - vorgenommen. Geringwertige Anlagegüter werden im Zugangsjahr in voller Höhe im Aufwand verrechnet. Anlagen im Bau werden systembedingt nicht in allen Fällen zum Zeitpunkt der Bezugsfertigkeit bzw. der Inbetriebnahme, sondern teilweise erst bei Abrechnung der letzten die Anlage betreffenden Ausgabe umgebucht. Diese systembedingten Mängel werden zusammen mit der Umstellung der noch nicht den steuerlichen Nutzungsdauern entsprechenden Abschreibungsdauern im Rahmen der Einführung eines modernen EDV-Anlagenbuchhaltungsprogramms ab 1992 bereinigt. Anteile an verbundenen Unternehmen und Beteiligungen sind zu Anschaffungskosten aktiviert. Die Ausleihungen sind zu Nennwerten bilanziert. Unter den Vorräten werden Hilfs- und Betriebsstoffe, Ersatzteile, Werkstatt- und Dienstbedarf sowie Postwertzeichen und andere Druckerzeugnisse zu Anschaffungskosten angesetzt. Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände sind zum Nennwert abzüglich einer pauschalen Abwertung zur Deckung des allgemeinen Kreditrisikos bilanziert.
Die Rückstellungen für Pensionen betreffen ausschließlich im Gj. 1990 getroffene Pensionszusagen sowie Verpflichtungen aus Nachversicherungen gemäß Art. 131 Grundgesetz. Sie werden nach versicherungsmathematischen Berechnungen mit dem Teiiwert bilanziert. Der Abzinsungssatz betragt 6 Prozent p.a. Bei der Bildung der übrigen Rückstellungen ist den erkennbaren Risiken und ungewissen Verbindlichkeiten angemessen Rechnung getragen worden. Sie sind in der Höhe bemessen, die nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig ist. Die Verbindlichkeiten wurden mit dem Nennwert oder dem höheren Rückzahlungsbetrag angesetzt.
Die Umrechnung der Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten erfolgte zum Anschaffungskurs bzw. zum Kurs am Tag ihrer Entstehung.
(6) Anlagevermögen
Als immaterielle Vermögensgegenstände werden von Dritten erworbene anwendungsorientierte Software-Programme ausgewiesen. Bei den Anteilen an verbundenen Unternehmen betreffen die Zugänge zum einen die im Verkehrsgebiet 0st neu gegründeten Tochtergesellschaften Postdienst-Service GmbH und Deutsche Postphilatelie GmbH, beide Berlin. Dabei handelt es sich um 2 neue Service-Gesellschaften, die Dienstleistungen anbieten werden, die bisher nicht von der DBP angeboten wurden.
Eine Aufstellung über die verbundenen Unternehmen sowie die Beteiligungsunternehmen ist als Anlage 2 (siehe Geschäftsbericht 1990, Seite 56) beigefügt. Von verbundenen Unternehmen sind Erträge von 5,3 Millionen DM und von Beteiligungsunternehmen 2,1 Millionen DM zugeflossen.
Der Verrechnungssaldo mit dem Schwesterunternehmen DBP TELEKOM enthält die Forderung aus dem unternehmensübergreifenden Finanzausgleich für 1990 mit l.494 Millionen DM. Alle Posten haben Restlaufzeiten unter einem Jahr.
(8) Eigenkapital
Das Kaptial des öffentlichen Unternehmens DBP POSTDIENST beträgt am Bilanzstichtag unverändert gegenüber der Eröffnungsbilanz, Stand 1. Januar 1990, 8.902.700.000,- DM (vgl. Tz. 2). Die Eigentümerrechte des Bundes übt der BMPT aus. Nach dem PostVerfG soll die Eigenkapitalquote (Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital) mindestens 1 Drittel betragen. Zur Sicherung einer angemessenen Eigenkapitalausstattung verbleiben Gewinne im Unternehmen, soweit das Eigenkapital 50 vom Hundert des Gesamtkapitals nicht überschreitet.
(9) Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen
Die Unternehmen der DBP haben nach § 42 PostVerfG erstmals ab dem Gj. 1990 Pensionsrückstellungen nach handelsrechtlichen Grundsätzen zu bilden. In analoger Anwendung von Art. 28 EGHGB sind in Auswirkung einer historisch gewachsenen Bilanzpraxis nur die im Gj. entstandenen Pensionsanwartschaften der Bediensteten nach dem Beamtenversorgungsgesetz sowie einige einzelvertragiichen Zusagen, deren Versorgungsanspruch in diesem Jahr begründet worden ist, zu passivieren (Neuzusagen). Hierauf entfällt ein Teilbetrag von 10,8 Millionen DM. Die bereits vor 1990 gewährten laufenden Pensionszahlungen und die vor 1990 begründeten Pensionsanwartschaften sind nicht passiviert, und zwar auch insoweit nicht, als sich Anwartschaften oder Ansprüche in 1990 erhöht haben (Altzusagen und Altfälle). Hierfür wurde nach versicherungsmathematischen Grundsätzen ein Wert von 45.044 Millionen DM ermittelt. Daneben bestehen Zusagen an Postbedienstete über die Versorgungsanstalt der DBP (VAP). Die VAP mit Sitz in Stuttgart ist eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts, die u.a. den Versicherten und deren Hinterbliebenen eine zusätzliche Alters- und Hinterbliebenenversorgung gewährt. Da das Anstaltsvermögen die Verpflichtungen deckt, war bei der Anhangangabe kein Deckungsfehlbetrag zu berücksichtigen. Pensionsähnliche Verpflichtungen bestehen gegenüber den Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung für die Nachversicherung der unter Artikel 131 Grundgesetz fallenden Personen, soweit diese keinen Anspruch auf Alters- und Hinterbiiebenenversorgung gegenüber der DBP haben. Der anteilige Teiiwert hierfür ist mit 48,0 Millionen DM zurückgestellt.
(10) Rückstellungen für Steuern
Die DBP ist als öffentliches Unternehmen von den üblichen Steuerpflichten weitgehend befreit; stattdessen besteht derzeit die Abiieferungsverpflichtung an den Bund nach § 63 Abs.1 PostVerfG. Hierfür war zum Jahresende keine Ruckstellung erforderlich. Steuerliche Außenprüfungen bei der DBP für Umsatzsteuer und abzuführende Lohnsteuern haben für zurückliegende Zeiträume zu erwartende Nachzahlungen ergeben, die anteilig zurückgestellt wurden.
(11) Sonstige Rückstellungen
Die sonstigen Rückstellungen decken alle erkennbaren Risiken und enthalten Vorsorgen u.a. für Risiken aus schwebenden Geschäften, Urlaubslöhne und -gehälter, Überzeitarbeitsansprüche, Aufwendungen im Rahmen von Tarifverträgen, Beihilfen zu Krankehkosten, Altlastensanierungen, unterlassene Instandhaltungen, Wiederhersteliungsverpflichtungen bei Mietobjekten sowie noch zu erbringende Leistungen für am Biianzstichtag verkaufte Wertvorgaben für Freistempelmaschinen und Briefmarken.
(12) Verbindlichkeiten
Bei den Anleihen handelt es sich um den postintern festgelegten prozentualen Anteil des Unternehmens DBP POSTDIENST an den von der DBP am Kapitalmarkt platzierten Postanleihen einschließlich der Nullkupon-Anleihen. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten bestehen ausschließlich in der Form aufgenommener Schuldscheindarlehen. Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen enthalten zum großen Teil Währungsverbindlichkeiten aus dem Abrechnungsverkehr mit ausländischen Postverwaltungen. Die Verbindlichkeiten gegenüber dem Schwesterunternehmen DBP POSTBANK sind gesondert ausgewiesen und enthalten sowohl Finanzschulden aus kurzfristigen Kontokorrentkrediten sowie mittel- und langfristigen Krediten als auch die Salden aus dem gegenseitigen Verrechnungsverkehr. Der abgebildete „Verbindiichkeitenspiegel” (Geschäftsbericht Anlage 3) gibt einen Überblick über die bestehenden Restlaufzeiten. Zur Besicherung der Verbindlichkeiten wurden vom Unternehmen DBP POSTDIENST keine Pfandrechte oder ähnliche Rechte eingeräumt.
(13) Haftungsverhiiltnisse
Es lagen Bürgschaftsverpflichtungen in Höhe von 7,3 Millionen DM vor.
(14) Sonstige finanzielle Verpflichtungen
Am Bilanzstichtag bestanden an finanziellen Verpflichtungen rd. 243 Millionen DM für bestehende Miet- und Pachtverträge.
(15) Umsatzerlöse nach Dienstleistungsbereichen
Sonstige Umsatzerlöse 14.661,6
1.807,7
Summe; 17.349,4
Die Umsatzerlöse mit den anderen Unternehmen der DBP sind mit 676,0 Millionen DM enthalten; Kostenerstattungen aus Verbundleistungen sind unter Sonstige betriebliche Erträge ausgewiesen.
(16) Andere aktivierte Eigenleistungen
Als andere aktivierte Eigenleistungen sind insbesondere die Leistungen der Hochbaureferate der Oberpostdirektionen im Rahmen von Neubau-, Umbau- und Erweiterungsbaumaßnahmen erfasst.
(17)Sonstige betriebliche Erträge
Die sonstigen betrieblichen Erträge enthalten im wesentlichen Leistungsverrechnungen aus Verbundaufgaben an die Schwesterunternehmen der DBP (2.407,1 Millionen DM) sowie Erträge aus dem Versorgungsausgleichgemäß Art. 131 Grundgesetz (57,7 Millionen DM).
(18) Materialaufwand
Der Materialaufwand erreichte 2.112,9 Millionen DM. Die Aufwendungen für Roh-, Hiifs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren von 462,7 Millionen DM betreffen insbesondere Energiebezüge (193,4 Millionen DM), Kosten fur Druckerzeugnisse und Büromaterial (169,5 Millionen DM) sowie Betriebsstoffe für Kraftfahrzeuge (75,5 Millionen DM).
Die Aufwendungen für bezogene Leistungen von 1.650,2 Millionen DM enthalten die Inanspruchnahme von Fracht- und Transportleistungen (Deutsche Bundesbahn u.a,) von 723,3 Millionen DM, Instandhaltungen von 520,1 Millionen DM sowie Vergütungen an andere Unternehmen der DBP für die Inanspruchnahme von Dienstleistungen von 223,0 Millionen DM.
(19) Personalaufwand
Als Personalaufwand werden Löhne und Gehälter mit einem Gesamtbetrag von 10.777,7 Millionen DM, soziale Abgaben und Aufwendungen für Unterstützung mit 1.580,8 Millionen DM sowie Aufwendungen für Altersversorgung mit 2.713,3 Millionen DM ausgewiesen.
Im Durchschnitt des Berichtsjahres wurden 300.021 Mitarbeiter (ohne Auszubildende) beschäftigt, die in folgenden Dienstverhältnissen standen:
Gesamt 179.143
(20) Abschreibungen
Die Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen von 815,3 Millionen DM enthalten außerplanmäßige Abschreibungen im Zusammenhang mit dem neuen Frachtkonzept von 200,0 Millionen DM bei Gebäuden, Förder- und Verteilanlagen sowie Anlagen im Bau. Desgleichen wurden die bisher als Festwert geführten Bücher und Zeitschriften mit 27,9 Millionen DM voll abgeschrieben.
(21) Sonstige betriebliche Aufwendungen
In den Sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind im Wesentlichen Verwaltungs- und Vertriebskosten wie Mieten, Pachten, Reisekosten, Provisionen und sonstige Gemeinkosten sowie der Aufwand für Rückstellungszuführungen ausgewiesen. Kostenbelastungen von Schwesterunternehmungen der DBP sind mit 117,2 Millionen DM insbesondere für die Inanspruchnahme technischer Dienste (29,4 Millionen DM), Verwaltungsarbeiten (23,2 Millionen DM), Kfz-Werkstätten (21,7 Millionen DM) und der Fernmeldezeugamter (12,8 Millionen DM) enthalten.
(22) Zinsergebnisse
(davon: von Schwesterunternehmen 93,7) 173,5
(davon: an Schwesterunternehmen 210,7) - 210,7
(23) Ablieferungen an den Bund, sonstige Steuern
Die Ablieferungen an den Bund richten sich nach der Vorgabe „ablieferungspflichtige Titel”. Daraus ergibt sich eine Erlösbezogenheit anstelle einer Ergebnisorientierung.
(24) Erträge aus Finanzausgleich
Das Unternehmen DBP POSTDIENST schließt im Gj. 1990 mit einem Jahresfehlbetrag nach Ablieferungen an den Bund und Steuern von 1.494,5 Millionen DM ab. Die Forderung auf horizontalen Finanzausgleich an das Schwesterunternehmen DBP TELEKOM gemäß § 37 Abs. 3 PostVerfG wurde als Abschlussbuchung in den Jahresabschluss eingestellt und dem Ergebnis des Gj. 1990 gutgebracht.
(25) Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats
Die Mitglieder sind in der Anlage 4 des Geschäftsberichts im Einzelnen aufgeführt.
(26) Bezüge des Aufsichtsrats und des Vorstands
Die Aufwendungen im Berichtsjahr betragen für den Aufsichtsrat 0,6 Millionen DM und für den Vorstand 2,6 Millionen DM.
Zum Vergleich hier die 10-Jahresübersicht über die wichtigsten Geschäftszahlen 1980 - 1989, Quelle: Geschäftsbericht 1989 der Deutschen Bundespost
Das Statistische Jahrbuch 1990 der Deutschen Bundespost POSTDIENST finden Sie hier. Weitere Jahresbücher und Geschäftsberichte finden Sie im Dokumentenarchiv „Jahresberichte...”.

References: § 19
 § 44
 § 44
 § 45
 § 39
 § 63
 § 265
 § 37
 Art. 25
 Art. 131
 § 42
 Art. 28
 § 63
 Art. 131
 § 37