Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/lohnsteuer/geldwerte-vorteile-und-die-lohnsteuerpauschalierung-3102234
Timestamp: 2019-11-19 23:37:17+00:00

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Die­ser Ver­pflich­tung kam die Arbeit­ge­be­rin im Hin­blick auf die Zuwen­dung des Bezugs­rechts nicht nach. Denn die­ses stellt einen geld­wer­ten ‑auf dem Arbeits­ver­hält­nis beru­hen­den- Sach­be­zug und damit Arbeits­lohn (§ 19 EStG) dar, der den Arbeit­neh­mern mit Aus­übung und damit dem Erwerb der Jah­res­kar­ten gemäß § 11 EStG (ein­ma­lig) zuge­flos­sen ist. Hier­über besteht zwi­schen den Betei­lig­ten nach der Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs im ers­ten Rechts­gang 1 zu Recht kein Streit mehr.
Für die Pau­scha­lie­rung nach § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG ist ein Antrag oder eine Geneh­mi­gung durch das Finanz­amt nicht erfor­der­lich 2. Das Wahl­recht wird viel­mehr durch die Anmel­dung der mit einem Pausch­steu­er­satz erho­be­nen Lohn­steu­er aus­ge­übt 3.
Zwar wird die kos­ten­lo­se oder ver­bil­lig­te Abga­be von Fahr­kar­ten des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs (Job-Ticket) grund­sätz­lich von § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG erfasst 4.
Folg­lich war auch der vor­lie­gen­de Rechts­streit weder vom BFH noch von der Vor­in­stanz gemäß § 74 FGO aus­zu­set­zen. Hier­zu hät­te allen­falls dann Anlass bestan­den, wenn das gegen den Haf­tungs­be­scheid gerich­te­te Revi­si­ons- bzw. Kla­ge­ver­fah­ren nicht hät­te fort­ge­setzt wer­den kön­nen, bevor ein ‑bei­spiels­wei­se durch einen Pau­scha­lie­rungs­an­trag nach § 40 Abs. 1 EStG oder die Erhe­bung (Anmel­dung) der pau­scha­len Lohn­steu­er nach § 40 Abs. 2 EStG- eröff­ne­tes Pau­scha­lie­rungs­ver­fah­ren durch einen Pau­scha­lie­rungs­be­scheid oder in ande­rer Wei­se rechts­kräf­tig abge­schlos­sen ist. Denn wenn das Finanz­amt einen Haf­tungs­be­scheid erlas­sen hat, darf das Finanz­ge­richt nicht die­sen Bescheid auf­he­ben und statt­des­sen einen (nied­ri­ge­ren) Nach­for­de­rungs­be­trag fest­set­zen 5. Im Streit­fall fehlt es aber ‑wie dar­ge­legt- an einer Lohn­steu­er­pau­scha­lie­rung durch die Arbeit­ge­be­rin und damit an einem vor­greif­li­chen Rechts­ver­hält­nis i.S. von § 74 FGO.
Da die Arbeit­ge­be­rin ihr Pau­scha­lie­rungs­wahl­recht nach § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG nicht aus­ge­übt hat, kann die von ihr auf­ge­wor­fe­ne Rechts­fra­ge, ob das Wahl­recht des Arbeit­ge­bers, die Lohn­steu­er für geld­wer­te Vor­tei­le bei Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te nach § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG zu pau­scha­lie­ren, noch im Kla­ge­ver­fah­ren und damit auch noch nach Über­mitt­lung oder Aus­schrei­bung der Lohn­steu­er­be­schei­ni­gun­gen aus­ge­übt wer­den kann, eben­falls offen­blei­ben. Damit kann auch dahin­ste­hen, ob an der Recht­spre­chung, nach der ein erst­mals im Kla­ge­ver­fah­ren aus­ge­üb­tes Pau­scha­lie­rungs­wahl­recht gegen­über einem Haf­tungs­be­scheid gel­tend gemacht wer­den kann 6, fest­zu­hal­ten ist. Denn eine ande­re zeit­li­che Begren­zung des Pau­scha­lie­rungs­ein­wands gegen einen Haf­tungs­be­scheid könn­te des­halb gebo­ten sein, weil für die Ent­schei­dung über die Recht­mä­ßig­keit eines Haf­tungs­be­scheids nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der Ein­spruchs­ent­schei­dung maß­geb­lich ist 7. Die Aus­übung eines Wahl­rechts im Revi­si­ons­ver­fah­ren vor dem BFH kommt ohne­hin nicht in Betracht 8.
BFH, Urteil in BFHE 239, 410, BSt­Bl II 2013, 382[↩]
Schmidt/​Krüger, EStG, 34. Aufl., § 40 Rz 11; Trz­as­ka­lik, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 40 Rz C 1; Blümich/​Thürmer, § 40 EStG Rz 86; Wag­ner in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, § 40 EStG Rz 32, 45; Eis­gru­ber in Kirch­hof, EStG, 14. Aufl., § 40 Rz 18; Wier­schem in Bordewin/​Brandt, § 40 EStG Rz 52; Paetsch in Frot­scher, EStG, Frei­burg 2011, § 40 Rz 41; Mar­tin in Lade­mann, EStG, § 40 EStG Rz 61; a.A. Stick­an in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 40 Rz 49[↩]
Blümich/​Thürmer, § 40 EStG Rz 86; Paetsch in Frot­scher, a.a.O., § 40 Rz 41; zur Pau­scha­lie­rung nach § 40a EStG eben­so BFH, Urteil vom 26.11.2003 – VI R 10/​99, BFHE 204, 186, BSt­Bl II 2004, 195[↩]
HHR/​Wagner, § 40 EStG Rz 46[↩]
BFH, Urteil vom 16.03.1990 – VI R 88/​86, BFH/​NV 1990, 639[↩]
BFH, Urtei­le vom 25.05.1984 – VI R 223/​80, BFHE 141, 54, 57 f., BSt­Bl II 1984, 569 zu § 40a EStG, und in BFH/​NV 1990, 639 zu § 40 Abs. 1 EStG[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 27.10.2014 – VII B 192/​13, BFH/​NV 2015, 155; BFH, Urteil vom 26.09.2012 – VII R 3/​11, BFH/​NV 2013, 337[↩]
vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 20.05.1976 – VI R 207/​74, BFHE 119, 70, BSt­Bl II 1976, 548; BFH, Urtei­le vom 28.03.1984 – I R 191/​79, BFHE 141, 244, BSt­Bl II 1984, 664; vom 13.07.1993 – VIII R 85/​91, BFHE 172, 416, BSt­Bl II 1994, 243[↩]

References: § 11
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 § 74
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