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Timestamp: 2019-08-18 23:18:28+00:00

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BSG > 2015 > BSG, 12.02.2015 - B 10 ÜG 11/13 R - Entschädigung von Nachteilen wegen überlange...
Urt. v. 12.02.2015, Az.: B 10 ÜG 11/13 R
Auch bei kleinen Beträgen und langer "Dauer" kann es im Verfahrensrecht 1.200 Euro geben
Allein ein geringer "Streitwert" darf regelmäßig nicht zur Folge haben, dass ein Sozialgerichtsverfahren, das sich übermäßig lange hingezogen hat, nur in der Höhe vom Staat entschädigt wird, die von dem Bürger eingeklagt worden war. Das Gesetz sieht eine "Pauschalwiedergutmachung" in Höhe von 1.200 Euro "für jedes Jahr der Verzögerung" vor - von der nur "in atypischen Sonderfällen" abgewichen werden kann. (Hier war einer Hartz-IV-Bezieherin, die sich wegen angeblicher Meldeversäumnisse gegen eine Kürzung ihrer Stütze um 216 € gewehrt - und gewonnen - hatte, zunächst nur der eingeklagte Betrag als Entschädigung für das Verfahren zugesprochen worden. Für den “rund 18 Monate nicht bearbeiteten“ Vorgang wurde ihr schließlich die gesetzliche Pauschale von 1.200 € doch noch zugebilligt.)
Referenz: JurionRS 2015, 18070
Aktenzeichen: B 10 ÜG 11/13 R
LSG Rheinland-Pfalz - 25.09.2013 - AZ: L 4 SF 40/12 EK AS
SG Speyer - AZ: S 20 AS 2256/09
GVG § 198 Abs. 1 S. 1
GVG § 198 Abs. 1 S. 2
GVG § 198 Abs. 2 S. 1
GVG § 198 Abs. 2 S. 2
GVG § 198 Abs. 2 S. 3
GVG § 198 Abs. 2 S. 4
GVG § 198 Abs. 3 S. 1
GVG § 198 Abs. 3 S. 2
GVG § 198 Abs. 3 S. 3
GVG § 198 Abs. 3 S. 4
GVG § 198 Abs. 4 S. 1
GVG § 198 Abs. 5 S. 1
GVG § 198 Abs. 5 S. 2
GVG § 198 Abs. 6 Nr. 1
GVG § 200 S 1
GVG § 201 Abs. 1 S. 1
ÜberlVfRSchG Art. 23 S. 1
ÜberlVfRSchG Art. 23 S. 2
ÜberlVfRSchG Art. 23 S. 3
ÜberlVfRSchG Art. 24
SGG § 202 S 2
SGG § 86b
SGG § 70 Abs. 2 S. 2
§ 201 GVG
Az: B 10 ÜG 11/13 R
L 4 SF 40/12 EK AS (LSG Rheinland-Pfalz)
S 20 AS 2256/09 (SG Speyer)
Klägerin, Antragstellerin, Revisionsklägerin und Anschlussrevisionsbeklagte,
Prozessbevollmächtigte: .........................................................,
vertreten durch den Generalstaatsanwalt,
Deinhardpassage 1, 56068 Koblenz,
Beklagter, Revisionsbeklagter und Anschlussrevisionskläger.
Der 10. Senat des Bundessozialgerichts hat auf die mündliche Verhandlung vom 12. Februar 2015 durch den Vizepräsidenten Prof. Dr. S c h l e g e l , die Richterin Dr. R o o s und den Richter O t h m e r sowie den ehrenamtlichen Richter L e i t e und die ehrenamtliche Richterin Dr. P i c k e r
Mit ihrer am 8.12.2009 beim SG Speyer erhobenen Klage wandte sich die Klägerin im Ausgangsverfahren S 20 AS 2256/09 gegen die Aufhebung der Absenkung. Nach Aktenbeiziehung und Schriftsatzwechsel forderte das Ausgangsgericht die Klägerin seit März 2010 wiederholt zur Vorlage der Einladungen zu den Meldeterminen auf. Nachdem die Klägerin im August 2010 mitgeteilt hatte, die Einladungen seien nicht mehr auffindbar, bewilligte das Ausgangsgericht im September 2010 Prozesskostenhilfe und verfügte die Wiedervorlage zum 7.10.2010. Am 16.12.2011 erhob die Klägerin Verzögerungsrüge. Im Mai 2012 erfolgte die Ladung zur mündlichen Verhandlung am 25.6.2012. Das Ausgangsverfahren S 20 AS 2256/09 endete in diesem Termin mit der Annahme eines vom Beklagten unterbreiteten Anerkenntnisses durch die Klägerin.
a) Der Senat hat das Begehren der Klägerin sowohl in prozessualer als auch in materiellrechtlicher Hinsicht an §§ 198 ff GVG zu messen, obwohl diese Vorschriften während des hier von der Klägerin als überlang gerügten Verfahrens in Kraft getreten sind (zeitlicher Anwendungsbereich des § 198 GVG). Die Vorschriften des Gesetzes über den Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren und strafrechtlichen Ermittlungsverfahren (ÜGG) vom 24.11.2011 (BGBl I 2302) und damit auch die §§ 198 ff GVG finden aufgrund der Übergangsregelung des Art 23 S 1 ÜGG auch auf Verfahren Anwendung, die bei Inkrafttreten des ÜGG am 3.12.2011 (vgl Art 24 ÜGG) anhängig waren.
c) Das beklagte Land ist im Verfahren wirksam durch den Generalstaatsanwalt vertreten worden (vgl Zuständigkeit der Generalstaatsanwaltschaft nach § 1 Nr 1 Buchst c Landesverordnung über die Zuständigkeit zur Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz im Geschäftsbereich des Ministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz [Vertretungsordnung Justiz und Verbraucherschutz] vom 22.8.1997, GVBl 331, zuletzt geändert durch VO vom 20.7.2013, GVBl 280).
b) Die am 16.12.2011 vor dem SG Speyer angebrachte Verzögerungsrüge war rechtzeitig. Entschädigung erhält ein Verfahrensbeteiligter gemäß § 198 Abs 3 GVG nur, wenn er bei dem mit der Sache befassten Gericht die Dauer des Verfahrens gerügt hat (Verzögerungsrüge, zur Eigenschaft als materiell-rechtliche Voraussetzung BSG Beschluss vom 27.6.2013 - B 10 ÜG 9/13 B - SozR 4-1710 Art 23 Nr 1 RdNr 27; BFH Zwischenurteil vom 7.11.2013 - X K 13/12 = BFHE 243, 126, [BFH 07.11.2013 - X K 13/12] Juris, RdNr 24; BGH Urteil vom 17.7.2014 - III ZR 228/13 - RdNr 14 mwN). Die Verzögerungsrüge kann erst erhoben werden, wenn Anlass zur Besorgnis besteht, dass das Verfahren nicht in einer angemessenen Zeit abgeschlossen wird (§ 198 Abs 3 S 2 Halbs 1 GVG). Für anhängige Verfahren, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens des ÜGG am 3.12.2011 schon verzögert waren, gilt dies mit der Maßgabe, dass die Verzögerungsrüge unverzüglich nach Inkrafttreten erhoben werden muss (Art 23 S 2 ÜGG). Für die unverzügliche Erhebung der Verzögerungsrüge in bei Inkrafttreten des ÜGG bereits anhängigen Verfahren ist es ausreichend, wenn die Rüge, wie im Fall der Klägerin geschehen, spätestens drei Monate nach Inkrafttreten des ÜGG erfolgt (BSG Urteil vom 3.9.2014 - B 10 ÜG 2/14 R - SozR 4-1720 § 198 Nr 5 RdNr 26 ff). In diesem Fall wahrt die Verzögerungsrüge einen Anspruch auf Entschädigung auch für den vorausgehenden Zeitraum (Art 23 S 3 ÜGG).
Bei der Feststellung der Tatsachen, die zur Ausfüllung der von § 198 Abs 1 S 2 GVG genannten unbestimmten Rechtsbegriffe erforderlich sind, kommt dem Entschädigungsgericht ein erheblicher tatrichterlicher Beurteilungsspielraum zu. Das Revisionsgericht kann lediglich überprüfen, ob das Entschädigungsgericht den Bedeutungsgehalt der unbestimmten Rechtsbegriffe aus § 198 Abs 1 S 2 GVG und damit den rechtlichen Rahmen zutreffend erkannt und ihn ausfüllend alle erforderlichen Tatsachen festgestellt und angemessen berücksichtigt hat, ohne Denkgesetze bzw allgemeine Erfahrungssätze zu verletzen (vgl BGH Urteil vom 5.12.2013 - III ZR 73/13 - BGHZ 199, 190 RdNr 47 mwN) oder gegen seine Amtsermittlungspflicht zu verstoßen. Maßgeblich ist, wie das Gericht die Lage aus seiner ex-ante-Sicht einschätzen durfte (BGH Urteil vom 13.2.2014 - III ZR 311/13 - NJW 2014, 1183, Juris RdNr 47; BVerwG Urteil vom 11.7.2013 - 5 C 23/12 D - BVerwGE 147, 146 [BVerwG 11.07.2013 - BVerwG 5 C 23.12 D] RdNr 41).
BSG, 12.02.2015 - B 10 ÜG 7...
BSG, 11.02.2015 - B 4 AS 26...

References: § 198
 § 198
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 § 198
 § 198
 § 198
 § 198
 § 198
 § 198
 § 198
 § 200
 § 201
 Art. 23
 Art. 23
 Art. 23
 Art. 24
 § 202
 § 86
 § 70

§ 201
 § 198
 § 1
 § 198
 BGH 
 § 198
 § 198
 § 198
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