Source: http://gerda-giusti.de/psora.html
Timestamp: 2018-03-22 04:21:47+00:00

Document:
Psora - als erste chronische Krankheit
1. Hahnemann entdeckt die Psora
2. Warum der Name Psora?
3. Infektiosität, Infektionsmodus, Inkubationszeit
4. Definition der Psora als chronisches Miasma
5. Einzelne Stadien und Symptome der Psora
6. Therapeutische Konsequenzen
7. Ätiologie der Psora und Schlussgedanken
Indem Hahnemann die Homöopathie entdeckte, hat er der Menschheit einen großen Dienst erwiesen. Von Anfang an wollte er auf die Grundursache der Dinge blicken und kam so zu dem Schluss, dass die Krankheit eine Verstimmung der Lebenskraft darstellt (Org. § 29) und nur durch einen energetisch gezielten Reiz an diese Lebens- oder Steuerungskraft zur Heilung zu bringen ist. Hierdurch heilte er viele akute Krankheiten und Epidemien. Doch musste er dann enttäuscht feststellen, dass bei den chronischen Krankheiten der bleibende Erfolg ausblieb. Er sagte: Das chronische Siechtum ließ sich durch alles dieses im Grunde nur wenig in seinem Fortgange vom hom. Arzt aufhalten und verschlimmerte sich dennoch von Jahr zu Jahr. Der Anfang der Behandlung war erfreulich, die Fortsetzung minder günstig, der Ausgang hoffnungslos. (Chr.Kr. S. 4).
Die chronischen Erkrankungen waren so hartnäckig, dass selbst bei geeigneter Diät, Hygiene und der Verabreichung des die gegenwärtigen Symptome bestens deckenden homöopathischen Arzneimittels keine dauernde Genesung zustande zu bringen war. Woran lag das? Bestimmt nicht an der Homöopathie, die doch auf das unumstößliche Naturgesetz, dass Ähnliches durch Ähnliches heilt, welches schon unzählige Male bewiesen worden war, aufgebaut ist. Lag es vielleicht an der zu geringen Zahl der geprüften Mittel? Hahnemann antwortete, dass sich mit diesem Gedanken bisher die Schüler der Homöopathie trösteten, doch dass ihm, dem Gründer der Homöopathie, diese Ausflucht nicht genügte, denn auch der neue Zuwachs an geprüften kräftigen Arzneimitteln brachte die Heilung der chronischen Krankheiten um keinen Schritt weiter.
Was war der Grund? Warum war die Lebenskraft nicht in der Lage, sich von bestimmten, wiederkehrenden Krankheitsäußerungen freizumachen? Vielleicht, weil immer die gleiche Wurzel zugrunde lag? Die Krankheit schien aus keiner äußeren Ursache, sondern vom Organismus selbst zu kommen, ja, sich aus einer eigenartigen Kraft im Innern zu entwickeln (A. S.7). Außerdem beobachtete er, dass die Krankheitserscheinungen einen physiologischen Vorgang begleiteten oder in irgendeiner Weise mit den Körperfunktionen gekoppelt waren. Deshalb lag die Frage nahe, ob es möglich wäre, dass Krankheit eine ins Falsche verkehrte Funktion ist und dass die den Lebensprozess beherrschende Funktion (nämlich die Lebenskraft) ebenfalls nun für immer aus ihrer Ordnung gebracht worden sein könnte (A. S.7).
Diese Fragen beschäftigten ihn 1816 bis 1817 Tag und Nacht und siehe, führte er aus, der Geber alles Guten ließ mich allmählich in diesem Zeitraum durch unablässiges Nachdenken, unermüdliche Forschungen, treue Beobachtungen und die genauesten Versuche das erhabene Rätsel zum Wohle der Menschheit lösen (Chr.Kr. S. 6).
Im Jahre 1828 teilte er dann in seinem Buch Die chronischen Krankheiten mit, dass er erkannte, dass der homöopathische Arzt in chronischen Krankheitsfällen es nicht allein mit der eben vor Augen liegenden Krankheitserscheinung zu tun habe, sie nicht als eine in sich abgeschlossene Krankheit anzusehen und zu heilen habe, sondern dass hier immer nur ein abgesonderter Teil eines tief liegenden Ur-Übels vorliegt und folglich der Arzt möglichst den ganzen Umfang aller der dem bekannten Ur-Übel eigenen Zufälle und Symptome kennen müsse, um wirklich ursächlich heilen zu können (Chr.Kr. S. 6).
Er erkannt auch, dass diese Ur-Übel, sobald es bis zu einer Höhe gediehen und entwickelt war, nicht durch die Kraft einer robusten Konstitution oder gesunden Diät und Lebensordnung besiegt werden konnte, sondern sich mit den Jahren immer mehr und mehr, bis zum Tod, verschlimmerte (Chr.Kr. S. 7). In seiner Anerkennung zu § 80 Organon führte er hierzu aus: 12 Jahre brachte ich darüber zu, um die Quelle jener unglaublich zahlreichen Menge langwieriger Leiden aufzufinden, diese der ganzen Vor- und Mitwelt unbekannt gebliebene große Wahrheit zu erforschen, zur Gewissheit zu bringen und zugleich die vorzüglichsten ... Heilmittel zu entdecken, welche diesem tausendköpfigen Ungeheuer von Krankheit in seinen so sehr verschiedenen Äußerungen und Formen zumeist gewachsen waren. Ehe ich mit dieser Kenntnis im Reinen war, konnte ich die sämtlichen chronischen Krankheiten nur als abgesonderte, einzelne Individuen behandeln lehren.
Hahnemann sah dann unter der Wirkung eines homöopathischen Mittels die Wiederkehr der Krankheit in umgekehrter Reihenfolge ihres Auftretens, wobei sie ihren Werdegang mit allen Veränderungen rückwärts durchlief, um schließlich vollkommen zu verschwinden (A. S. 7).
Seine Beobachtungen brachten ihn darauf, dass die Verhinderung der Heilung in den meisten Fällen mit einem früheren Krätze-Ausschlag oder kleinen Spuren davon zusammenhing oder sich der Anfang der Leiden von dieser Zeit an datierte. Er kam zu der Erkenntnis, dass in allen beobachteten Fällen eine derselben zu Grunde liegenden chronischen Ursache existierte, er es also mit einem inneren Feind zu tun hatte, der diesem Ausschlag zu Grunde lag und dass stets bei Unterdrückung desselben chronische Leiden folgten. Auch erkannte er, dass Tausende von der Pathologie mit verschiedenen Namen belegte, langwierige Leiden des Menschen nur Abkömmlinge dieses inneren, vielgestaltigen Feindes oder Ur-Übels waren (Chr.Kr. S. 9, 10).
Dieses von Hahnemann nun erkannte Ur-Übel, das sich nach seinen Beobachtungen unbehandelt im Organismus immer weiter vorfraß, zeitweise zu schweigen schien, dann aber wieder neu und an anderen Stellen des Körpers hervorbrach, glich in seiner destruktiven Art den schon damals bekannten venerischen Krankheiten  Syphilis und Gonorrhoe. Um zu zeigen, dass es auch eine nicht-venerische chronische Krankheit gab, ja sogar eine, die diesen venerischen Krankheiten schon vorausgegangen und auch so wie ein innerer, zerstörerischer Feind zu betrachten war, suchte er jetzt hierfür einen passenden Namen.
Da, wie er recherchieren konnte, juckende Hauterscheinungen der erste sichtbare Teil dieser inneren Krankheit waren, wählte er den griechischen Ausdruck für Krätze, nämlich Psora (Pschyrembel). Dieser Ausdruck war allgemein gebräuchlich als Sammelbegriff für Jucken und Hautleiden verschiedener Art. Hahnemann fand ihn auch in der Bibel, im 3. Buch Mose, Kap. 13:2, 6, 7 und 8 und Kap. 21:20, wo von den Gebrechen gesprochen wird, die einen Opfer darbringenden Priester vom Dienst ausschlossen, wobei die Krätze in der Septuaginta-Übersetzung* mit Psora wiedergegeben wurde (Chr.Kr. S. 12 Anmerk.). Auch in heutigen Bibelübersetzungen in Alt-Griechisch ist an den angegebenen Stellen das Wort Psora zu finden (siehe auch 3. Mo. 22:22 u. 3. Mo. 14:56), während deutsche Übersetzungen das Wort mit Ausschlag, Grind und Krätze wiedergeben.
Nun wollte Hahnemann mit dem Namen Psora auf keinen Fall sagen, dass es sich hier um eine eigenständige Hautkrankheit handelt, sondern er zeigte hiermit, dass der Krätzeausschlag sich nur auf einem Boden entwickeln konnte, den er Psora oder auch innere Psora nannte. Also wählte er diesen Namen für das innere Ur-Übel, das die Ursache der Krätze ist, ihr sozusagen das Bett bereitete (Ke. S. 179). In seinen Ausführungen sagte Hahnemann dazu, dass die Psora das im Innern verborgene Übel ist, wovon der Krätzeausschlag und andere Formen des Ausschlages nur Ankündigungszeichen der inneren, ungeheuren Krankheit, nur dieselben vikariierend beschwichtigenden, äußeren Lokalsymptome sind (Chr.Kr. S. 41).
Dass sich bei ihr etwas auf der Haut abspielt, ist nicht das Entscheidende und auch nicht das Gefährliche, sondern dass dabei der Mensch innerlich chronisch krank ist und dass sich diese Krankheit unaufhaltsam weiterfrisst, um schließlich in Destruktion zu enden, macht das Wesen dieser Krankheit aus (Ri. S. 110).
* vorchristliche Übersetzung von 70 Dolmetschern des hebräischen Teils der Bibel ins Griechische
Wie die Syphilis, ebenso ist die Psora (Krätz-Krankheit) eine miasmatisch-chronische Krankheit und von ähnlicher anfänglicher Bedeutung, erklärte Hahnemann (Chr.Kr. S. 48).
Hiermit zeigte er, dass die Psora ebenso wie die Syphilis durch Ansteckung erworben wird. Er benutzte den Ausdruck miasmatisch. Miasma ist ein griechisches Wort, welches mit Besudelung, Verunreinigung, Beschmutzung, Vergiftung wiedergegeben werden kann.
Bei der Entstehung aller Infektionskrankheiten, so auch bei der Psora, sind drei Hauptpunkte zu bemerken:
a) Zeitpunkt der Ansteckung
Dieser ist nach Hahnemann ein einziger, günstiger Augenblick. Er meinte hier nicht die Ansteckung durch Erreger, sondern eine dynamische bzw. energetische Übertragung aufgrund des Kontaktes, der nur der Berührung bedarf (Chr.Kr. S. 43, 49).
Sobald das Krätzemiasma z. B. die Hand berührt, so bleibt es in dem Augenblick, wo es gehaftet hat, nicht mehr örtlich. Alles Waschen und Reinigen der Stelle hilft nun nichts mehr... Der Nerv, welcher das Miasma zuerst ergriff, hatte es schon den Nerven des übrigen Körpers unsichtbar, dynamisch mitgeteilt. (Chr. Kr. S. 49).
b) der Zeitraum, in welchem der ganze Organismus von der angesteckten Krankheit durchdrungen wird, bis sie sich im Innern ausgebildet hat.
Zur Ansteckung genügt nur ein Augenblick, aber die Ausbildung zur allgemeinen Krankheit des ganzen Organismus bedarf längerer Zeit (Chr.Kr. S. 119). Hahnemann führte wieder die Syphilis als Beispiel an: Hat die Ansteckung gehaftet, so wird fortan der ganze leidende Körper davon ergriffen. Unmittelbar nach dem Ansteckungsmomente beginnt die Bildung der venerischen Krankheit im ganzen Innern. (Chr.Kr. S. 46). Hiermit meinte er eine Vergiftung bzw. Durchseuchung des gesamten Organismus.
Zu der Psora führte er aus:
Gewöhnlich bedarf es vom Augenblicke der Ansteckung an gerechnet einen Zeitraum von 6, 7, 10, auch wohl 14 Tagen, ehe jene Umstimmung zustande gekommen ist. (Chr.Kr. S. 50).
Erst dann erfolgt
c) der Ausbruch des äußeren Übels
Dann erst erfolgt nach einem abendlichen, kleineren oder größeren Froste und einer in der folgenden Nacht entstehenden, mit Schweiß endigenden, allgemeinen Hitze der Ausbruch der erst feinen, frieselartigen, weiterhin sich vergrößernden Krätzpusteln (Bläschen) auf der Haut  zuerst in der Gegend der anfangs angesteckten Stelle, und zwar mit einem wollüstig kitzelnden Jucken begleitet.
Dieses Jucken zwingt unaufhaltbar zum Reiben und Kratzen. Danach erfolgt dann ein lange andauerndes Brennen an der Stelle. Spät abends oder vor Mitternacht ist dann das Jucken am häufigsten und unerträglichsten (Chr.Kr. S. 50).
Als Anmerkung fügte Hahnemann dann noch hinzu, dass somit die Krätzpusteln kein für sich bestehendes, bloßes Hautübel, sondern im Gegenteil der zuverlässige Beweis der schon vorher geschehenen Vollendung der inneren Psora sind.
Genauso ist es ja auch bei der Syphilis, zuerst erfolgt die Durchdringung aller Organe und erst dann, wenn die innere Ausbildung der venerischen Krankheit vollendet ist, bestrebt sich die kranke Natur, das innere Übel dadurch zu erleichtern und zu beschwichtigen, dass sie das Lokalsymptom, den Schanker hervorbringt (Chr.Kr. S. 47).
Zur Psora sagte er dann wieder: Nur dann erst, nach mehreren Tagen, wenn die miasmatische Krankheit ihre innere, vollkommene Ausbildung im Menschen erreicht hat, nur dann erst bricht aus der Fülle des inneren Leidens das Lokalsymptom hervor, und zwar um die Krankheit abzuleiten oder zu beschwichtigen (Chr.Kr. S. 119).
So ist die Psora das höchstinfektiöse Miasma und bei weitem ansteckender als die beiden anderen chronischen Miasmen  Syphilis und Sykose (Feigwarzenkrankheit). Die Fähigkeit, angesteckt zu werden, hat  was bei den anderen Miasmen nicht der Fall ist  fast jeder Mensch und unter allen Umständen (Chr.Kr. S. 48).
Da es zur Ansteckung nur der Berührung der allgemeinen Oberhaut bedarf, gehören die von der Psora unangesteckt gebliebenen Menschen unter die selteneren. Der Einsiedler auf dem Montserrat entgeht in seinem Felsenneste ihr ebenso selten, als der kleine Prinz in den battistenen Windeln (Chr. Kr. S. 49).
Die Psora ist die älteste miasmatisch-chronische Krankheit, die wir kennen. (Chr. Kr. S. 11). Sie ist wie eine Epidemie zu betrachten, von der die Menschheit seit Generationen befallen ist. Im Gegensatz zu den akuten miasmatischen oder ansteckenden Krankheiten ist die Psora  wie auch die Syphilis  eine chronisch-miasmatische Krankheit, d. h. die chronische Krankheit endet nicht wie die akute durch eigene Gegenwehr der Lebenskraft (Fieber, Schweiß, Ausleitung etc.). Bei der chronischen Krankheit hat die Lebenskraft kein sog. Notprogramm, um sich zu wehren, sondern muss sich von dem Agens grundsätzlich und für immer umformen lassen. Sie ist ohne die Hilfe der homöopathischen Kunst unauslöschlich, durch die eigenen Kräfte, selbst der besten, robustesten Körperkonstitutionen unvertilgbar und stets in Zunahme begriffen bis ans Ende des Lebens (Chr.Kr. S. 56, 57).
Alle Lebensprozesse sind verfälscht oder pervertiert..., da ein todbringendes Element mit einem lebensspendenden Prinzip arbeitet oder versucht, dieses zu tun. (A. S. 16). Allen sagte weiter dazu, dass wir beim Studium der Psora diese nicht von der chemischen Seite betrachten dürfen, sondern von der dynamischen, denn die Psora ist eine Kraft, die sich mit dem großen Potential der Lebenskraft verbunden hat. Die Psora ist die dominierende Kraft. Die Lebenskraft hat in sich selbst nicht die Möglichkeit, sich aus dieser Bindung zu befreien. (A. S. 25).
Die Psora verursacht durch ihr Zusammenwirken mit der Lebenskraft und gemeinsam mit den anderen Miasmen jede Abweichung und Veränderung der Physiologie und jede funktionelle Störung, wobei die Veränderungen am Anfang immer funktionell sind und erst später pathologisch-anatomisch fassbar werden. (A. S. 26). Es ist so, dass, wenn ein chronisches Miasma in den Organismus eintritt, es sich augenblicklich mit der Lebenskraft verbindet. Diese nimmt sogleich seine untergrabende Natur an und das Wirken der Lebenskraft steht von nun an in Übereinstimmung mit der Natur des Miasmas. (A. S. 28). Allen bezeichnete auch die Psora als ein unbekanntes, devitalisierendes Prinzip. Er führte weiter aus: Heute verstehen wir unter Psora ein Grundmiasma, das nicht auf eine bestimmte Form des Hautausschlages beim Menschen beschränkt ist, sondern das der Urheber funktioneller und pathologischer Veränderungen im menschlichen Organismus ist. (A. S. 9). Nach Kents Worten ist sie eine Ordnungsstörung im Innern des menschlichen Organismus, also ein innerer Zustand (Ke. S. 168).
Hahnemann bezeichnete die Psora als die Mutter aller chronischen Krankheiten und wies ihr 7/8 allen chronischen Siechtums zu. Er sagte: Eine so große Flut von zahllosen Nevenübeln, schmerzhaften Leiden... gab es in den älteren Zeiten, wo die Psora noch meist auf ihr äußeres Hautsymptom, den Aussatz, sich beschränkte, lange nicht. (Chr.Kr. S. 17).
So ist die Psora eine innere Erkrankung, die immer tiefer in den Organismus hineingetrieben wurde. Früher war sie hauptsächlich an der Peripherie, doch sie ist heute immer mehr nach innen gegangen und dadurch gefährlicher geworden.
Allen sagte hierzu: dass die Psora in früheren Generationen weitgehend auf die Körperoberfläche beschränkt blieb. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass seine Wirkung erheblich stärker wurde und die durch dieses Miasma hervorgebrachten Krankheiten viel zahlreicher und komplizierter wurden, in dem Maße, wie die orthodoxe Schule mit chemischen Behandlungsweisen vertrauter wurde. Durch Unterdrückungen zeigten sich neue und bösartige Erscheinungen. Nur durch die unwissenschaftlichen und unterdrückenden Behandlungsmethoden hat die Psora einen so vielfältigen Charakter angenommen. (A. S. 10, 11).
Alles diese zeigt, dass die Psora leicht zu unterdrücken ist, welches aber immer böse Folgen nach sich zieht, denn der Hautausschlag dient der inneren Krankheit sozusagen als Ventil, ja wirkt  wie wir hörten  beschwichtigend. Unverständig und gedankenlos bezeichnete Hahnemann die Ärzte, die einen falschen Begriff von der Krätze haben, nämlich dass sie nur ein bloßes Übel der Haut sei, woran der innere Körper keinen Anteil nehme. Sie wussten nichts Besseres zu tun, als das Übel von der Oberfläche der Haut wegzubringen, während doch einzig die Tilgung der inneren Psora-Krankheit erforderlich war, um auch den Hautausschlag, der ja Folge dieser inneren Krankheit ist, zu heilen (Chr. Kr. S. 120). Treffend führte er aus: Indem sie hierdurch die von unzähligen Leiden schwangere, innere Krätzkrankheit (Psora) bloß entfesseln, statt sie zu vernichten und zu heilen und so das tausendköpfige Ungeheuer, statt es zu besiegen, durch Niederreißung der dasselbe einschließenden Schranken unerbittlich auf den betrogenen Kranken loslassen, zu dessen Verderben. (Chr.Kr. S. 55).
So gelangte die Psora als uralter Ansteckungszunder in einigen 100 Generationen zu unglaublicher Ausbildung (Org. § 81). Denn sie kann wie die übrigen chronischen Miasmen nicht nur erworben, sondern auch ererbt werden. Dies führte uns Kent deutlich vor Augen, indem er von einer einfachen Art der Psora und von der komplizierten Art sprach. Bei der einfachen Art haben alle Betroffenen das gleiche Anfangsstadium, den Bläschenausschlag, den sie auch bei richtiger homöopathischer Behandlung wiederbekommen. Die komplizierte Art der Psora ist jedoch die ererbte. Hierbei, sagte Kent, bekommen wir den Patienten nicht zur Anfangsform derselben zurück, da es dessen Eltern waren, welche die Anfangsform hatten; das Kind hat sie von ihnen in einer komplizierteren, höheren Form erhalten. (Ke. S. 174).
Das alles macht die Psora so gefährlich! Als ein tausendköpfiges Ungeheuer (Chr.Kr. S. 55) hat sie keine Prädilektionsstelle, sondern greift alle Teile des Körpers an. Wie ein mächtiger Seepolyp ergreift sie alles, sowohl das Körperliche als auch das Geistige ... Kein Lebensprozess ist frei von ihr. (A. S. 106). Auch kann das Lokalübel der Psora nicht nur unterdrückt werden, sondern auch von selbst verschwinden (Chr.Kr. S. 121), oft auch durch eine akute Krankheit. Zu alledem kann die Psora auch einen latenten Zustand einnehmen, schlummern und bei der richtigen Gelegenheit erwachen. Das innere Krätz-Siechtum ist ... von so sonderbarer Natur, dass es unter sehr günstigen, äußeren Umständen lange Zeit gleichsam gebunden und verdeckt bleiben kann, so dass der Mensch dem oberflächlichen Beobachter als gesund erscheint, bis sich dann ungünstige Umstände für Geist und Körper ereignen, die die Psora zum Erwachen bringen (Chr.Kr. S. 63).
Ein einfacher Diätfehler, ein Übermaß an Essen und Trinken, ein kalter Trunk, ein heißes Bad, ... Aufregung oder zu große Freude, fortgesetzter Kummer ..., all dieses kann oft den Anfang des Erwachens der Psora aus dem Schlafe einleiten. (A. S. 18).
Die Psora ist außerdem die Basis für die anderen Miasmen  Syphilis und Sykose. In § 80 Organon bezeichnete Hahnemann sie als wahre Grundursache und Erzeugerin fast aller übrigen unzähligen Krankheitsformen. Kent sagte hierzu: Die Psora ist die Ursache jeglicher Ansteckung. Ohne sie hätte das menschliche Wesen sich auch die zwei anderen Miasmen nie zugezogen, aber die Psora, das erste und älteste Miasma, wird zum Nährboden auch für die Entwicklung der anderen. (Ke. S. 50).
Auch Allen sagte: Wenn die Psora nicht im Organismus vorhanden wäre, könnte der Organismus von keiner anderen Krankheit befallen werden, nicht einmal von der Syphilis oder der Sykose. (A. S. 106).
Er bezeichnete sie weiter als das Grundprinzip aller Krankheitsäußerungen, die Annahme einer Schulverschreibung, welche die Lebenskraft veranlasst, Krankheit aufzunehmen. Er sah sie als Tor der Empfangshalle, als den Torweg, durch welchen Krankheit eintritt.
Damit aber nicht genug! Die Psora kann sich sogar leicht mit anderen Miasmen verbinden. Dieses geschieht besonders bei unterdrückender allopathischer Behandlung (Org. § 206). Allen erklärte hierzu, dass es dann zuweilen unmöglich erscheint, sie zu trennen. Tatsächlich kann die Trennung nur durch die Kraft des Simile erreicht werden. Keine andere vom Menschen entdeckte Kraft konnte bisher die Trennung bewirken (A. S. 106).
So können wir heute wirklich mit Hahnemann sagen, dass die Psora die älteste, allgemeinste, verderblichste und dennoch am meisten verkannte, chronisch-miasmatische Krankheit ist, welche seit vielen Jahrtausenden die Völker verunstaltete und peinigte, seit den letzten Jahrhunderten aber die Mutter aller der Tausende unglaublich verschiedener ... Übel geworden ist, von denen jetzt das kultivierte Menschengeschlecht auf der ganzen bewohnten Erde mehr und mehr heimgesucht wird. (Chr.Kr. S. 11).
6-14 Tage nach Ansteckung abendlicher Frost,
in der folgenden Nacht mit Schweiß endende Hitze,
feine, frieselartige, sich vergrößernde Krätz-Pusteln
mit unerträglichem Jucken und Brennen nach Kratzen.
Die Bläschen enthalten zuerst wasserhelle Lymphe,
die sich schnell in Eiter verwandelt (Chr. Kr. S. 50.)
(Die Lebenskraft ist bestrebt, mit dem Ausbrechen des Lokalübels die innere Psora zu beschwichtigen und sekundäre Leiden zu verhindern.)
Im vollkommenen Zustand, d. h. solange der das innere Siechtum beschwichtigende, ursprüngliche Ausschlag auf der Haut noch vorhanden ist, lässt sich die ganze Krankheit Psora am leichtesten, schnellsten und sichersten heilen (Chr.Kr. S. 120).
Das innere Krätz-Siechtum kann unter sehr günstigen äußeren Umständen lange Zeit gleichsam gebunden und verdeckt bleiben, so dass der Mensch dem oberflächlichen Beobachter als gesund erscheint. (Chr.Krs. S. 63 Anmerk.)
Hahnemann sagte: Viele hundert Beobachtungen haben mir nach und nach die Zeichen verraten, an denen die innerlich schlummernde, bisher latent gebliebene Psora auch in den Fällen zu erkennen ist, wo sie noch nicht zur auffallenden Krankheit sich hervorgetan hat. (Chr.Kr. S. 57).
Er führt nun Symptome auf, wie zum Beispiel u. a.:
Aufgetriebenen Leib, unersättl. Hunger, Blässe des Gesichts,
öfters leichtes Verheben, Gesichtshitze, öfteres Ausfallen der Kopfhaare,
Trockenheit der Haare, Zucken der Glieder beim Einschlafen,
Müdigkeit früh beim Erwachen, Leerheitsempfinden im Magen,
Jucken am After, Knacken der Gelenke, raue, abschuppende Haut,
hier und da zuweilen ein einzelnes juckendes Bläschen.
Sekundärstadium (durch Auto- oder allopathische Unterdrückung):
Ist die Psora des anfänglichen Hautausschlages beraubt worden, so ist sie in den naturwidrigen Zustand versetzt, einseitig bloß die inneren, feinsten Teile des ganzen Organismus zu beherrschen und ihre sekundären Symptome entwickeln zu müssen. (Chr.Kr. S. 120).
Nun machte Hahnemann einen Unterschied zu dem sich zur offenbaren sekundären Krankheit entwickelnden Krätz-Siechtum, dessen Symptome er aus Geschichten und Krankheitsfällen, die er selbst mit Erfolg behandelte und die aus der Krätzeansteckung hervorgingen, entnommen und beobachtet hat (Chr. Kr. S. 67).
Bei diesen dann auf den Seiten 67-100 Chr. Kr. folgenden Symptomen ordnete er noch viele Symptome der Psora seinem Lieblingskind zu, die später von Meistern wie J. H. Allen, J. T. Kent, C. Burnett, J. H. Clarke hauptsächlich anderen Miasmen zugeteilt wurden. Dies verwundert nicht, denn die Syphilis, Sykosis und Tuberkulinie wurden ja erst von diesen Meistern richtig erforscht. Was Hahnemann begonnen hatte, ist in den vergangenen 160 Jahren wesentlich erweitert worden und muss auch heute noch weiter erforscht werden. (Rep. S. ).
Hier folgen nun einige Erkennungsmerkmale der Psora, entnommen aus dem Repertorium miasmatischer Symptome v. Yves Laborde, in welchem eine umfangreiche Auflistung der psorischen Symptome zu finden ist.
Bei Kindern manifestiert sich das Angstgefühl oft in Angst vor Dunkelheit, vor Fremden, vor eingebildeten Dingen, in der Schule nicht weiterzukommen, zu spät zur Schule zu kommen. Diese Ängste beeinflussen das kindliche Leben so stark, dass sie zur Erschöpfung des Kindes führen.
Subjektive Symptome: Sie werden oft mit als ob wiedergegeben.
Kopfschmerzen werden durch heiße Anwendungen, Ruhe, Stille, Schlaf gebessert.
Der Schlaf ist durch Traum gestört und stellt sich erst gegen Morgen ein oder die Patienten würden am liebsten bis Mittag im Bett liegen bleiben.
Langsame Erholung nach akuten Erkrankungen, Schwache Reaktionskraft. Der Heilungsprozess muss Stück um Stück erkämpft werden. Das Kind ist für alle Krankheiten in seiner Umgebung anfällig, seine Körperabwehr scheint zu schwach zu sein.
Der Patient kann gut gehen, verträgt es aber nicht, still zu stehen.
Gewöhnliche Ausscheidungsprozesse erleichtern: Diaarrhö, Schweiß, reichliches Urinieren.
Fiebernde Kinder haben ein charakteristisches Verlangen, sich niederzulegen, Ruhe zu haben und in Ruhe gelassen zu werden.
Trigeminus-Neuralgie mit Schwindel, gefolgt von vorübergehender Blindheit.
Krusten dünn, leicht, Knötchen, kleine, mit starkem Jucken, Schuppen, fein, klein, leicht, brennend, Kratzen verschlechtert
In der Regel sind psorische Hautausschläge fleischfarben, es sei denn, es besteht ein entzündlicher Vorgang.
Der Patient leidet bei Herzbeschwerden mehr o. weniger unter Angst, bei echten Herzkrankheiten mehr o. weniger unter Furcht.
Die Psora bringt keine Strukturveränderungen des Auges zustande, sondern nur einfache Störungen der Lichtbrechung.
Ihre Größe und Form sind normal, trotz häufigen Waschens sehen sie schmutzig aus.
Speisen, die gern gegessen werden, werden auf einmal abgelehnt. Wenn dieser Zustand vorbei ist, werden die alten Gewohnheiten wieder aufgenommen. In der Schwangerschaft starkes Verlangen nach Nahrungsmitteln, die sie vorher nie gegessen hat. Nach dem Partus folgt eine Abneigung gegen diese Nahrungsmittel. Häufig überträgt sich das neue Verlangen (whd. d. Schwangerschaft) auf das Neugeborene und begleitet es viele Jahre.
Bei Fieber o. Leberbeschwerden starke Abneigung gegen Süßigkeiten und starkes Verlangen nach Saurem u. unverdaulichen Dingen.
Funktionelle Störungen im engen Bezug zu den Emotionen, daraus resultieren Dysmenorrhoe, Amenorrhoe und viele andere Zustände.
In diesem Stadium haben wir eine Vermischung mit anderen Miasmen. Es kommt zur Destruktion (Org. § 206, A. S. 106).
Warum ist es für uns heute so wichtig, die Psora zu erkennen? Weil ein Behandler, der sich über diese Erkenntnis hinwegsetzt, dem Patienten nicht grundlegend helfen kann. Bestimmt kann er ihm sogar mehr schaden als nützen. Denn wenn wir den Menschen gezielt und ursächlich bei ihren verschiedenen Leiden helfen wollen, müssen wir die Psora als grundlegendes chronisches Miasma berücksichtigen. Es gilt zu bedenken, dass die Lebenskraft grundlegend verstimmt ist. Dem Steuerungszentrum im Körper ist ein Fremdprogramm aufgedrückt worden, gegen das es sich nicht selbst zur Wehr setzen kann und durch das es gezwungen wird, nun immer nur falsch zu reagieren, bis der Mensch stirbt oder bis er geheilt wird (Ri. S. 113, 114). So könnte man die Psora mit einem Computer-Virus vergleichen, der unbefugt programmierte Anweisungen abgibt. Gegen diesen muss gezielt angegangen werden, durch ein Herummanipulieren an den Auswirkungen wird man gar nichts erreichen.
Deshalb sind folgende drei Grundsätze unbedingt zu beachten:
1. Man darf unter keinen Umständen die einzelnen Krankheitsstationen im Leben eines Menschen als eigenständige, neue Krankheiten ansehen (außer banale epidemische, wie Schnupfen etc.), sondern muss sie als Exacerbationen ein- und derselben chronischen Grundkrankheit verstehen. Will man daher den Menschen heilen und ihm nicht nur für kurze Zeit Ruhe verschaffen, dann muss man diese chronische Grundkrankheit ausrotten. (Ri. S. 113). Ja, einzig und allein muss die Ursache  die Psora  bekämpft werden. Alles andere ist therapeutisch verfehlt und verschlimmert nur die Psora, statt sie zu mildern. (Ri. S. 113).
Wenn wir diesen Grundsatz beachten, wird uns das nicht passieren, was Kent mit folgenden Worten beschrieb: Denn das Bestreben der Ärzte geht ja immer nur dahin, alle äußeren pathologischen Manifestationen zu unterdrücken, von der Oberfläche zu vertreiben. Indem sie das tun, verwurzeln sich aber diese Leiden umso tiefer im Organismus, intensivieren sich im Innern und ziehen sich mehr und mehr ganz ins Innere zurück, zeigen keine äußeren Manifestationen mehr, verlieren ihren objektiven Charakter und bedrohen schließlich die menschliche Rasse mit Ausrottung. (Ke. S. 169).
Auch werden wir uns dann immer an Hahnemanns Worte erinnern: Keine Ausrede gilt: Es darf, wenn der Arzt gewissenhaft und verständig verfahren will, kein Hautausschlag, gar keiner, egal welcher Art, durch äußere Mittel vertrieben werden! Denn nicht die Haut bringt den Ausschlag hervor, sondern der kranke Organismus, folglich muss dieser durch innere Arznei behandelt werden, worauf auch der Hautausschlag verschwindet. (Chr. Kr. S. 124).
Welche Gewissenssache es für einen menschenfreundlichen Arzt sei, alle seine Bestrebungen dahin zu richten, durch eine angemessene Behandlung vor allem die innere Krankheit zu heilen, (Chr.Kr. S. 21), wodurch dann natürlich auch die peripheren Erscheinungen verschwinden. Wir würden dem Patienten alle die nachgängigen, unzähligen, aus der Psora hervorquellenden, lebenslänglichen, chronischen Leiden ersparen.
Allen sagte hierzu:  Wenn die Miasmen außer acht gelassen werden, ist die Verschreibung oft auf die Gesamtheit von solchen Symptomen begründet, die nur nervös und reflexbedingt sind.
Das nervöse Erscheinungsbild mag zwar durch ein solches Vorgehen gelindert werden, doch das bedeutet Zeitverlust. Die Wertigkeiten müssen aber beachtet werden, denn Reflexe sind immer sekundär. Primäre oder Grundsymptome kommen jedoch direkt aus der miasmatischen Wurzel. (A. S. 5). Weiter führte Allen noch aus: Der in antimiasmatischer Behandlung erfahrene Arzt jedoch übersieht die schäumende Oberfläche und blickt tiefer in den Fall hinein, indem er nach der prima causa morbid sucht und wendet dann ein heilendes Mittel an, das eine tiefere und engere Beziehung zur pervertierten Lebenskraft hat.
Das führt uns zum zweiten wichtigen Grundsatz:
2. Denn es muss ein sehr ähnliches Mittel sein, das zu der Natur und Wirkung eines dieser chronischen Miasmen passt. (A. S. 5).
Es darf also nur ein homöopathisches Arzneimittel, und zwar eines, das zu dem chronischen Miasma passt, ein sog. Antimiasmatikum gegeben werden. Und dieses Antimiasmatikum muss dann auch, damit es die chronisch-dynamisch oder energetisch verstimmte Lebenskraft erreichen kann, auch energetisch, dynamisch eingesetzt werden, d. h. in Form einer verschüttelten, somit dynamisierten, entmaterialisierten Arznei, wobei die D 30, C30, LM 18 die Ausgangspotenzen sein können (Ri. S. 115).
(Hier liegt ein großer Unterschied zu der Behandlung akuter Krankheiten, bei denen der Patient auch auf Tiefpotenzen reagiert, wenn sie richtig eingesetzt werden.)  (Ri. S. 114).
Hahnemann führte z. B. den Schwefel als ein sehr wichtiges antipsorisches Mittel an und sagte dann: Um als antipsorische und homöopathische Arznei helfen zu können, darf er nur in den allerkleinsten Gaben eines Kraft-Entwicklungs-Präparates gereicht werden. Das zeigt, dass der Schwefel, wie auch die anderen Antipsorika* nur hochpotenziert eingesetzt die Psora wirklich treffen können.
(*Hahnemann führte die Antipsorika in seinem Werk Die chronischen Krankheiten auf.)
3. Umfangreiche Fallaufnahme ist erforderlich, wenn der Behandler die Bedeutung der Psora verstanden hat, wird er auch seine Fallaufnahme entsprechend gestalten, d. h. bei der chronischen Behandlung ist die Gesamtsymptomatik eines Lebens einschl. der verschiedenen Weichenstellungen durch äußere Einwirkungen (Impfungen, schwere Krankheiten, Operationen, starke Gemütsbelastungen etc.)aufzunehmen. Es müssen dem Behandler sowohl die Reaktionsweisen der Lebenskraft, die sich ja in Zeichen und Symptomen ausdrücken, wie auch die einzelnen Stationen in der Biographie des Patienten von Geburt einschl. der Krankheiten der Voreltern bekannt sein (Ri. S. 119).
Dieses alles zeigt, dass man bei der Behandlung von chronischen Krankheiten nur bleibenden Erfolg haben kann, wenn man die Psora berücksichtigt, wie Hahnemann es uns gezeigt hat. Das wird nicht immer so einfach sein, da sie heutzutage kombiniert bzw. kompliziert mit den anderen Miasmen vorliegt. Jedoch muss der Behandler zumindest sich über die ursächlichen Zusammenhänge im Klaren sein, um überhaupt etwas bewerkstelligen zu können.
Leider wird diese große Entdeckung von Hahnemann nicht von vielen Behandlern anerkannt. Es ist so, wie Hahnemann in seinem Vorwort zur ersten Ausgabe seines Buches Die chronischen Krankheiten 1828 sagte: Indem ich aber der Welt diese großen Funde mitteile, bedauere ich, zweifeln zu müssen, ob meine Zeitgenossen die Folgerichtigkeit dieser meiner Lehren einsehen, sie sorgfältig nachahmen und den unendlichen daraus für die leidende Menschheit zu ziehenden Gewinn, welcher aus der treuen, pünktlichen Befolgung derselben unausbleiblich hervorgehen muss, erlangen werden  oder ob sie, durch das Unerhörte mancher dieser Eröffnungen zurückgeschreckt, sie lieber ungeprüft und unnachgeahmt, also ungenutzt lassen werden.
Diejenigen aber, die diese Lehr annehmen und nach den Regeln, die Hahnemann herausgefunden hat, handeln, ziehen einen großen Nutzen daraus.
Nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung muss die Psora auch eine Ursache haben. Wie Kent schrieb, muss der Psora eine Störung der Ordnung vorausgegangen sein. Die Psora könnte im Menschen nicht aufkommen, böte er ihr nicht ein geeignetes Terrain. Das menschliche Geschlecht muss einmal in einen Zustand geraten sein, in welchem es empfänglich für die Psora war; bei einer vollkommen gesunden Rasse hätte die Psora nie Boden fassen können. (Ke. S. 177). Wäre die menschliche Rasse nie von der Ordnung abgewichen, so wäre die Psora nie ins Leben getreten. (Ke. S. 168). Weiter bezeichnete er den ersten großen Fehltritt des Menschen, die Ursünde, als geistige Aberration, als einen Primärzustand, der der gesamten menschlichen Rasse die Anfälligkeit für die Psora einbrachte und welche ihrerseits dann die Grundlage für alle weiteren Krankheiten abgab (Ke. S. 169).
Allen führte aus: Die Tätigkeit der Psora ist so allumfassend und sie beeinflusst alles organische Leben so allgemein, dass es kaum ein Geschöpf gibt, das nicht von ihr ergriffen wurde ... Die Psora ist die erste Manifestation der Ursünde, der ersten Verfluchung, die prophetische Erfüllung der Worte: Du sollst gewisslich sterben. (A. S. 15).
So sehe ich das auch und möchte ebenfalls die Bibel zitieren: In Römer, Kap.: 8:20,21 wird gesagt, dass die Schöpfung der Nichtigkeit unterworfen worden ist, dass sie aber auch von der Sklaverei des Verderbens wieder frei gemacht werden wird. Die Verurteilung zum Tode und somit die Bereitschaft zur Krankheit, die der Psora zugrunde liegt, wird der Schöpfer des Menschen aufheben (Offb. 21:3,4; Jes. 33:24). Doch bis dahin können die Nachfolger Hahnemanns durch das Verständnis über die Miasmen  besonders der Psora -, vielen Kranken ihr Los erleichtern, vor Gefahren der Unterdrückung warnen, die zerstörerische Kraft der Psora aufhalten und oft sogar die quälenden, destruktiven, chronischen Krankheiten durch Rückspulungen zu ihrem Ausgangspunkt heilen.
Dieses Wissen um die Psora und die nur durch sie auch möglichen anderen Miasmen stellt einen unschätzbaren Wert für die Menschen dar. Wir können dankbar sein, dass Hahnemann und die Nachfolger, die seiner Lehre treu geblieben sind, uns hierüber belehrt haben. Auch ich bin dankbar und betrachte es mit Wertschätzung als ein großes Vorrecht, hierüber etwas erfahren zu haben und dieses Wissen beim Behandeln von Kranken anwenden zu können.
Org. = Organon der Heilkunst
6. Auflage Samuel Hahnemann
Chr.Kr. = Die chronischen Krankheiten
Band 1 Samuel Hahnemann
Ke. = Zur Theorie der Homöopathie
Vorlesungen über Hahnemanns Organon J. T. Kent
A. = Die Chronischen Krankheiten
Textband J. H. Allen
Ri. = Homöopathik
Die Homöopathie Hahnemanns Gerhard Risch
Rep. = Repertorium miasmatischer Symptome Yves Laborde
© Copyright 1993 by Gerda Giusti - Abschlussarbeit bei der Clemens von Bönninghausen-Akademie

References: § 29
 § 80
 § 81
 § 80
 § 206
 § 206