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Timestamp: 2019-08-18 23:26:04+00:00

Document:
BVerfG, 2 BvR 290/02: BVerfG: verfassungsbeschwerde, verwarnung, bekanntmachung, verfassungsrecht, copyright, presse, bibliothek, organisation
Urteil des BVerfG vom 27.05.2002, 2 BvR 290/02
2 BvR 290/02
BVerfG: verfassungsbeschwerde, verwarnung, bekanntmachung, verfassungsrecht, copyright, presse, bibliothek, organisation
Verfassungsbeschwerde, Verwarnung, Bekanntmachung, Verfassungsrecht, Copyright, Presse, Bibliothek, Organisation
- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Martin Böhmer, Hirtengraben 16, 91257 Pegnitz/Buchau -
gegen a) den Beschluss des Landgerichts Bayreuth vom 10. Januar 2002 – Qs 5/02 -,
b) den Beschluss des Amtsgerichts Bayreuth vom 11. Dezember 2001 – 3 Ds 9 Js 2383/01 -
gemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 27. Mai 2002 einstimmig beschlossen:
Die von ihnen vorgenommene Auslegung der Vorschriften der §§ 460 Abs. 1 StPO, 59 c Abs. 2 und 55 StGB und ihre Anwendung auf die Verwarnung mit Strafvorbehalt ist zwar in der fachgerichtlichen Rechtsprechung und Literatur umstritten (befürwortend Lackner, StGB, 24. Aufl., § 59 c Rn. 3; Leipziger Kommentar zum StGB, 10. Aufl., § 59 c Rn. 4; Landgericht Flensburg, SchLHA 1997, S. 285 <286>; ablehnend Tröndle/Fischer, StGB, § 59 c Rn. 2; Stree in Schöncke/Schröder, StGB, 26. Aufl., § 59 c Rn. 5; Amtsgericht Dieburg, NStZ 1996, S. 613). Sie ist jedoch von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden. Die Vorschrift des § 460 StPO dient in erster Linie dazu, den mit der
Vorschrift des § 55 StGB verfolgten Zweck, die durch eine verfahrensrechtlich getrennte Aburteilung an sich gesamtstrafenfähiger Entscheidungen entstandenen Vor- und Nachteile nachträglich auszugleichen, auch dann zu sichern, wenn die nachträgliche Gesamtstrafenbildung im Erkenntnisverfahren unterblieben ist (vgl. BGH NJW 1958, S. 1643 <1644 f.>). Da die Vorschrift des § 59 c Abs. 2 StGB für diesen Fall die Verwarnung mit Strafvorbehalt einer Vorverurteilung gleichstellt, ist die von den Fachgerichten getroffene Entscheidung nachträglicher Gesamtstrafenbildung verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.

References: § 93
 § 93
 § 59
 § 59
 § 59
 § 59
 § 460
 § 55
 BGH 
 § 59