Source: https://inter-act.net/UrhG_42.html
Timestamp: 2019-10-16 15:05:46+00:00

Document:
§ 42 - Vervielfältigung zum eigenen und zum privaten Gebrauch
(7) Der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtungen, die Werkstücke sammeln, dürfen Vervielfältigungsstücke zur Aufnahme in ein eigenes Archiv herstellen (Vervielfältigung zum eigenen Gebrauch von Sammlungen), wenn und soweit die Vervielfältigung zu diesem Zweck geboten ist. Dies ist auf anderen als den im Abs. 1 genannten Trägern aber nur dann zulässig, wenn sie damit keinen unmittelbaren oder mittelbaren wirtschaftlichen oder kommerziellen Zweck verfolgen. Unter dieser Einschränkung dürfen sie ferner
1.von eigenen Werkstücken jeweils ein Vervielfältigungsstück herstellen und dieses statt des vervielfältigten Werkstücks unter denselben Voraussetzungen wie jenes ausstellen (§ 16 Abs. 2), verleihen (§ 16a) und nach § 56b benützen;
2.von veröffentlichten, aber nicht erschienenen oder vergriffenen Werken einzelne Vervielfältigungsstücke herstellen und diese ausstellen (§ 16 Abs. 2), nach § 16a verleihen und nach § 56b benützen, solange das Werk nicht erschienen beziehungsweise vergriffen ist.
1.die Vervielfältigung ganzer Bücher, ganzer Zeitschriften oder von Musiknoten; dies gilt auch dann, wenn als Vervielfältigungsvorlage nicht das Buch, die Zeitschrift oder die Musiknoten selbst, sondern eine gleichviel in welchem Verfahren hergestellte Vervielfältigung des Buches, der Zeitschrift oder der Musiknoten verwendet wird; jedoch ist auch in diesen Fällen die Vervielfältigung durch Abschreiben, die Vervielfältigung nicht erschienener oder vergriffener Werke sowie die Vervielfältigung unter den Voraussetzungen des Abs. 7 zulässig;
2.die Ausführung eines Werkes der Baukunst nach einem Plan oder Entwurf oder der Nachbau eines solchen Werkes.
§ 42 UrhG regelt die Vervielfältigung zum eigenen oder privaten Gebrauch. Dabei handelt es sich wohl um die praktisch wichtigste Beschränkung urheberrechtlicher Befugnisse. Bei dieser Form der freien Werknutzung ist zwischen Kopien auf Papier oder ähnlichen Trägern und der digitalen Kopie zu unterscheiden.
In den Abs 1 bis 4 des § 42 UrhG ist die Herstellung einzelner Vervielfältigungsstücke freigestellt. Die Obergrenze der zulässigen Anzahl an Vervielfältigungsstücken ist im Einzelfall zu beurteilen. Im einzelnen sind folgende freie Nutzungen in § 42 UrhG enthalten:
eigener Gebrauch (Abs 1);
eigener Forschungsgebrauch (Abs 2);
Medienbeobachtung (Abs 3);
privater Gebrauch (Abs 4);
Unterrichts- und Lehrgebrauch (Abs 6); und
Sammlungsgebrauch (Abs 7)
Den in den genannten Absätzen enhaltenen Schranken des Urheberrechts sind Schranken gesetzt (sogenannte "Schranken-Schranken"; vgl Abs 5 und 8). Demnach dürfen Vervielfältigungsstücke, die im Rahmen des eigenen oder privaten Gebrauchs hergestellt wurden, nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (Abs 5). Andere Vervielfältigungshandlungen bedürfen per Gesetz in jedem Fall der Einwilligung des Rechteinhabers (Abs 8)
TAGS: Privatkopie, Musik, Video, Media, Bilder; Kopieren; Unterricht; Berichterstattung; Festplatte; Download; Upload;
« Voriger Paragraph (§ 41a)Nächster Paragraph (§ 42a) »
(1) Jedermann darf von einem Werk einzelne Vervielfältigungsstücke auf Papier oder einem ähnlichen Träger zum eigenen Gebrauch herstellen. (2) Jedermann darf von einem Werk einzelne Vervielfältigungstücke auf anderen als den in Abs. 1 genannten Trägern zum eigenen Gebrauch zu Zwecken der Forschung herstellen, soweit dies zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke gerechtfertigt ist. (3) Jedermann darf von Werken, die im Rahmen der Berichterstattung über Tagesereignisse veröffentlicht werden, einzelne Vervielfältigungsstücke zum eigenen Gebrauch herstellen, sofern es sich nur um eine analoge Nutzung handelt. (4) Jede natürliche Person darf von einem Werk einzelne Vervielfältigungsstücke auf anderen als den in Abs. 1 genannten Trägern zum privaten Gebrauch und weder für unmittelbare noch mittelbare kommerzielle Zwecke herstellen. (5) Eine Vervielfältigung zum eigenen oder privaten Gebrauch liegt vorbehaltlich der Abs. 6 und 7 nicht vor, wenn sie zu dem Zweck vorgenommen wird, das Werk mit Hilfe des Vervielfältigungsstückes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, oder wenn hiefür eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird. Zum eigenen oder privaten Gebrauch hergestellte Vervielfältigungsstücke dürfen nicht dazu verwendet werden, das Werk damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (6) Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen dürfen für Zwecke des Unterrichts beziehungsweise der Lehre in dem dadurch gerechtfertigten Umfang Vervielfältigungsstücke in der für eine bestimmte Schulklasse beziehungsweise Lehrveranstaltung erforderlichen Anzahl herstellen (Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch) und verbreiten; dies gilt auch für Musiknoten. Auf anderen als den im Abs. 1 genannten Trägern ist dies aber nur zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke zulässig. Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind. (7) Der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtungen, die Werkstücke sammeln, dürfen Vervielfältigungsstücke zur Aufnahme in ein eigenes Archiv herstellen (Vervielfältigung zum eigenen Gebrauch von Sammlungen), wenn und soweit die Vervielfältigung zu diesem Zweck geboten ist. Dies ist auf anderen als den im Abs. 1 genannten Trägern aber nur dann zulässig, wenn sie damit keinen unmittelbaren oder mittelbaren wirtschaftlichen oder kommerziellen Zweck verfolgen. Unter dieser Einschränkung dürfen sie ferner	1.von eigenen Werkstücken jeweils ein Vervielfältigungsstück herstellen und dieses statt des vervielfältigten Werkstücks unter denselben Voraussetzungen wie jenes ausstellen (§ 16 Abs. 2), verleihen (§ 16a) und nach § 56b benützen; 2.von veröffentlichten, aber nicht erschienenen oder vergriffenen Werken einzelne Vervielfältigungsstücke herstellen und diese ausstellen (§ 16 Abs. 2), nach § 16a verleihen und nach § 56b benützen, solange das Werk nicht erschienen beziehungsweise vergriffen ist. (8) Die folgenden Vervielfältigungen sind – unbeschadet des Abs. 6 – jedoch stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig:	1.die Vervielfältigung ganzer Bücher, ganzer Zeitschriften oder von Musiknoten; dies gilt auch dann, wenn als Vervielfältigungsvorlage nicht das Buch, die Zeitschrift oder die Musiknoten selbst, sondern eine gleichviel in welchem Verfahren hergestellte Vervielfältigung des Buches, der Zeitschrift oder der Musiknoten verwendet wird; jedoch ist auch in diesen Fällen die Vervielfältigung durch Abschreiben, die Vervielfältigung nicht erschienener oder vergriffener Werke sowie die Vervielfältigung unter den Voraussetzungen des Abs. 7 zulässig; 2.die Ausführung eines Werkes der Baukunst nach einem Plan oder Entwurf oder der Nachbau eines solchen Werkes.
Abs 5 spricht von der „offensichtlichen Rechtswidrigkeit der Vorlage“, jedoch ergibt sich weder aus dem Paragraphen selbst, noch aus dem restlichen Gesetzestext, wann eine Rechtswidrigkeit offensichtlich ist. Es bleibt mMn ua auch fragwürdig aus wessen Perspektive die Offensichtlichkeit der Rechtswidrigkeit zu beurteilen ist. Wird auf eine durchschnittliche Person abgestellt, liegt dabei eher eine Beurteilung des Täters als der Tat an sich vor. Sowohl die kognitiven Fähigkeiten als auch das Wissen des vermeintlichen Täters sollte jedenfalls in die Bewertung mit einfließen. Es kann sich daher nicht um ein objektives Kriterium der Offensichtlichkeit handeln, vielmehr muss eine Bewertung ex ante aus der Sicht der jeweiligen Person erfolgen dem die Einhaltung der gebotenen Sorgfalt im Ausmaß der eigenen Fähigkeiten unterstellt werden kann. Eine Klarstellung im Gesetzestext durch eine demonstrative Aufzählung von Kriterien die bei der Beurteilung über das Vorliegen einer offensichtlichen Rechtswidrigkeit der Vorlage heranzuziehen ist, wäre aus diesen Gründen der Rechtssicherheit wünschenswert.
Es muss noch ergänzt werden, inwieweit dieser Paragraph auch für elektronische Arten der Kopie zutrifft.
Nach dieser Norm die besagt, dass keine Vervielfältigung zum eigenen bzw. privaten Gebraucht vorliegt, wenn das Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, oder eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugängliche gemachte Vorlage verwendet wurde. Der Terminus „offensichtlich rechtswidrig“ (das Augenmerk wohl eher auf dem Wort „offensichtlich“) kann Fragen bzgl. seiner Bedeutung aufwerfen und Unsicherheiten hervorrufen. Es sollte im Gesetzestext deutlicher bzw genauer formuliert werden was hier gemeint ist. Der Normadressat hat durch diese Formulierung weder Hinweise noch Anhaltspunkte für eine möglicherweise drohende strafrechtliche Verfolgung und kann aus dem Gesetz auch nicht erkennen, wann dies der Fall wäre. Weiters stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage welcher Sorgfaltsmaßstab in Bezug auf die genannte Offensichtlichkeit angelegt werden soll. Also worauf, in diesem Fall der Verbraucher, achten muss, wenn er Vervielfältigungen eines Werkes vornimmt.
In § 42 Abs 5 wird die Ausnahme der Vervielfältigung für den privaten Gebrauch eingeschränkt. Und zwar gilt diese nicht, wenn hierfür eine offensichtlich rechtswidrige Quelle verwendet wird. Da der Begriff der Offensichtlichkeit nicht weiter erläutert wird, ist dessen Auslegung nicht eindeutig. Fraglich ist daher ob es sich hierbei um ein objektives oder subjektives Kriterium handelt. Dies bedeutet natürlich für den bloßen Nutzer eine große Unsicherheit, da es heutzutage sehr schwer sein kann, eine Quelle als offensichtlich unrechtmäßig zu qualifizieren oder eben nicht. Dies liegt vor allem daran, dass auch die Qualität der unrechtmäßigen Vorlagen (Raubkopien) stetig besser wird und kaum von Originalen Werken zu unterscheiden ist. Auch ähnliche Seiten wie das bekannte Bsp. Kino.to werden zunehmen seriöser und qualitativ hochwertiger gestaltet, so dass die Offensichtlichkeit, gerade aus subjektiver Sicht, zunehmend schwer zu beurteilen ist. ME könnte daher die Formulierung“offensichtlich“ im Gesetzestext noch eindeutig für den Rechtsanwender erläutert werden undsomit die Rechtssicherheit erhöht werden.
(6) machen.
(5a) Die Offensichtlichkeit der Rechtswidrigkeit beurteilt sich nach der Kenntnis eines
durchschnittlichen flüchtigen Verbrauchers. Dieser ist eine durchschnittlich Intelligente und
informierte Person, welche aber die Rechtmäßigkeit einer Vorlage weder besonders genau noch
besonders kritisch würdigt.
(5a) Eine offensichtliche rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage liegt vor, wenn dem Nutzer leicht erkennbar ist, dass sie ohne Zustimmung des Urhebers angeboten wird.

References: § 56
 § 16
 § 56

§ 42
 § 42
 § 42
 § 56
 § 16
 § 56
 § 42