Source: https://m.hausarbeiten.de/document/201109
Timestamp: 2020-05-26 12:23:01+00:00

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von Marco Ganzhorn (Autor)
II. Der Ist-Zustand: Aktuelle Probleme
1. Die Grundproblematik: Filesharing
b. Urheberrechtsverletzung
c. Möglichkeiten der Rechtsverfolgung
d. Schwierigkeiten bei der Rechtsdurchsetzung
2. Digital Rights Management als Gegenmaßnahme
c. Möglichkeiten durch DRM
bb. Berücksichtigung der Schranken
cc. Das Verhältnis zu Verwertungsgesellschaften
dd. Gefahr der Doppelvergütung
ee. Einschränkungen für Nutzer
ff. Tatsächliche Umgehung
III. Die Internetflatrate als Lösung
aa. Urhebergesetz
bb. Verstoß gegen Art. 14 I GG der Rechteinhaber?
aaa. Schutzbereich
bbb. Eingriff
ccc. Verfassungsrechtliche Rechtfertigung
ddd. Verhältnismäßigkeit
eee. Zwischenergebnis
cc. Verstoß gegen Art. 12 I GG der Anbieter von Downloaddiensten?
dd. Verstoß gegen Art. 2 I GG der Internetnutzer?
aaa. Schutzbereich und Eingriff
bbb. Verfassungsrechtliche Rechtfertigung
c. Internationales und Europäisches Recht: Der Dreistufentest
aa. Bestimmter Sonderfall
bb. Beeinträchtigung der normalen Auswertung
cc. Unzumutbare Verletzung der berechtigten Interessen
aaa. Berechtigte Interessen
bbb. Unzumutbare Verletzung
3. Rechtspolitische Bewertung
a. Die wesentlichen Streitpunkte
aa. Die Zwangsabgabe
bb. Verdrängung neuer Geschäftsmodelle
cc. Der Bürokratie- und Verwaltungsapparat
dd. Verflachung der Kultur
ee. Planwirtschaft statt Marktwirtschaft?
ff. Umfang der Kulturflatrate
gg. Offene Fragen
4. Die Lösung aller Probleme?
IV. Weitere Lösungsmodelle
1. Warnbriefe und Internetsperren
2. Verbot von Tauschbörsen
3. Generelles Verbot der digitalen Privatkopie
4. Verfeinerung des geltenden Systems
Die Undurchsetzbarkeit digitaler Privatkopien gegenüber technischen Schutzmaßnahmen im Lichte der Verfassung, CR 2005, 646-651.
Bernault, Carine / Lebois, Audrey
Peer-to-peer File Sharing und Literary and Artistic Property, Nantes 2006, abrufbar unter http://privatkopie.net/files/ Feasibility-Study-p2p-acs_Nantes.pdf (Stand: 21.3.2010).
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Böger, Sabine
Kulturflatrate, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.), Der aktuelle Begriff 2006, Berlin 2007, S. 42-44.
- zitiert als: Böger, in: Der aktuelle Begriff 2006 -
Der Dreistufentest als urheberrechtliche Schrankenbestimmung. Karriere eines Begriffs, in: Ahrens, Hans-Jürgen u.a. (Hrsg.), Festschrift für Willi Erdmann zum 65. Geburtstag, Köln 2002, S. 29-48.
- zitiert als: Bornkamm, in: Festschrift Erdmann -
Brinkel, Guido 2006.
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Czychowski, Christian / Nordemann, Jan Bernd
Vorratsdaten und Urheberrecht – Zulässige Nutzung gespeicherter Daten, NJW 2008, 3095-3099.
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Grundgesetz-Kommentar, Band 1, 2. Auflage, Tübingen 2004.
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Heidelberger Kommentar zum Urheberrecht, 2. Auflage, Heidelberg 2009.
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Digital Rights Management Systeme (DRMS) als besondere Herausforderung an das Urheberrecht, ZUM 2004, 593-605.
The Law of Copyright and the Internet: The 1996 WIPO Treaties, Their Interpretation and Implementation, Oxford University Press, New York 2002.
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Promises to Keep – Technology, Law, and the Future of Entertainment. Palo Alto: Stanford University Press 2004.
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Aus der Zukunft an die Gegenwart – Zu den Erfordernissen einer angemessenen Vergütung für die Nutzung im Internet: Kulturflatrate –, in: Hilty, Reto M./ Drexl, Josef/ Nordemann, Wilhelm (Hrsg.), Schutz von Kreativität und Wettbewerb, Festschrift für Ulrich Loewenheim zum 75. Geburtstag, München 2009, S. 97-101.
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Debatte um Chartmanipulation. "Jeanette hat das auch schon gemacht", Spiegel online v. 13.4.2005, abrufbar unter http://spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,351164,00.html (Stand: 21.3.2010).
Ein Plädoyer für durchsetzbare Schrankenbestimmungen für Privatkopie, Zitat und Filesharing, ZUM 2005, 104-109.
Greve, Holger / Schärdel, Florian
Zwischenruf. Internetsperren wegen Urheberrechtsverstößen, ZRP 2009, 54-55.
Guntrum, Sebastian
Zur Zukunft der Privatkopie in der Informationsgesellschaft, Hamburg 2007.
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Pauschalvergütung und digitale Privatkopie. Digitale Privatkopie, Geräte- und Speichermedienabgabe im Referentenentwurf zum zweiten Korb der Urheberrechtsreform, CR 2004, 829-835.
Hoeren, Thomas / Sieber, Ulrich (Hrsg.)
Handbuch Multimedia-Recht, 21. Ergänzungslieferung, München 2009.
- zitiert als: Verfasser, in: Handbuch Multimedia-Recht -
Holznagel, Bernd / Brüggemann, Sandra
Das Digital Right Management nach dem ersten Korb der Urheberrechtsnovelle. Eine verfassungsrechtliche Beurteilung der neuen Kopierschutzregelungen, MMR 2003, 767-773.
Homeister, Dieter
Gutachten „Technische Durchführbarkeit der Blockierung von Filesharing-Diensten und Hindernisse bei der Beweisführung bei Urheberrechtsverletzungen“, Heidelberg 2006, abrufbar unter http://www.wbe-law.de/news/wp-content/uploads/2006/11/ filesharing-gutachten.pdf (Stand: 21.3.2010).
BigChampagne is watching you, Wired.com v. Oktober 2003, abrufbar unter http://www.wired.com/wired/archive /11.10/fileshare.html (Stand: 21.3.2010).
Herausforderungen an das System der Pauschalvergütung nach den §§ 54, 54a UrhG durch die Umsetzung der Richtlinie 2001/29/EG, ZUM (Sonderheft) 2003, 1041-1045.
Lischka, Konrad / Kremp, Matthias
Macworld Expo. Apple beerdigt den Kopierschutz, Spiegel online v. 6.1.2009, abrufbar unter http://www.spiegel.de/netzwelt/ tech/0,1518,599833,00.html (Stand: 21.3.2010).
DRM und die Zukunft von Verwertungsgesellschaften im digitalen Zeitalter, in: Taeger, Jürgen/ Wiebe, Andreas (Hrsg.), Aktuelle Rechtsfragen zu IT und Internet: Tagungsband DSRI-Herbstakademie 2006, Edewecht 2006, S. 116-124.
- zitiert als: Meyer, in: Aktuelle Rechtsfragen zu IT und Internet -
Zukunft des P2P. Kultur-Flatrate statt Knast, Spiegel online v. 22.07.2004, abrufbar unter http://www.spiegel.de/netzwelt/ web/0,1518,309768,00.html (Stand: 21.3.2010).
Mühlberger, Sven
Die Haftung des Internetanschlussinhabers bei Filesharing-Konstellationen nach den Grundsätzen der Störerhaftung, GRUR 2009, 1022-1027.
Nümann, Peter / Mayer, Markus A.
Rechtfertigung und Kritik von Massenabmahnungen gegen Urheberrechtsverletzungen in Filesharing-Netzwerken, unveröffentlichter Aufsatz (voraussichtlich ZUM 04/2010, 41 ff).
DRM: Ende der kollektiven Vergütung?, sic! 2004, 749-757.
Digital Rights Management Systeme aus der Sicht von Verwertungsgesellschaften, ZUM 2004, 198-203.
„Korb 2“: Was wird aus der Privatkopieregelung in §§ 53 ff. UrhG?, ZUM 2006, 96-103.
Röhl, Christoph / Bosch, Andreas
Musiktauschbörsen im Internet. Eine rechtliche Bewertung aus aktuellem Anlass, NJW 2008, 1415-1420.
DRM – Herausforderung und Chance in der digitalen Welt, ZUM 2004, 203-204.
Pauschalvergütung für digitale Medieninhalte – Reflexionen der U.S.-amerikanischen Rechtswissenschaft zum Urheberrecht im digitalen Zeitalter, GRUR Int 2005, 991-997.
Haftung von Medientauschbörsen und ihrer Nutzer in Nordamerika, Australien und Europa, MMR 2006, 503-511.
Roßnagel, Alexander / Jandt, Silke / Schnabel, Christoph
Kulturflatrate. Ein verfassungsrechtlich zulässiges Modell zur Künstlervergütung?, MMR 2010, 8-12.
Roßnagel, Alexander / Jandt, Silke / Schnabel, Christoph / Yliniva-Hoffmann, Anne
Die Zulässigkeit einer Kulturflatrate nach nationalem und europäischem Recht, Kurzgutachten, Saarbrücken/Kassel 2009, online abrufbar unter https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/ handle/urn:nbn:de:hebis:34-2009051227379 (Stand: 21.3.2010).
- zitiert als: Roßnagel/Jandt/Schnabel/Yliniva-Hoffmann, Die
Zulässigkeit einer Kulturflatrate -
Die Vereinbarkeit einer Content-Flatrate für Musik mit dem Drei-Stufen-Test, GRUR Int 2007, 130-137.
Urheber- und Urhebervertragsrecht, 4. Auflage, Tübingen 2007.
- zitiert als: Schack, Urheber- und Urhebervertragsrecht -
Schutz digitaler Werke vor privater Vervielfältigung – zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf § 53 UrhG, ZUM 2002, 497-511.
Das Recht auf private Vervielfältigungen von Tonträgern: Modell einer rechtlichen Lösung und ihrer technischen Umsetzung, Frankfurt a.M. 2005.
- zitiert als: Schäfer, Das Recht auf private Vervielfältigung -
Böse Zensur, guter Filter? – Urheberrechtliche Filterpflichten für Access-Provider, MMR 2008, 281-286.
Urheberrecht Kommentar, 3. Auflage, München 2006.
- zitiert als: Verfasser, in: Schricker (Hrsg.) -
Der Bedeutungswandel des Urheberrechts durch Digital Rights Management – Paradigmenwechsel im deutschen Urheberrecht?, GRUR 2006, 470-477.
Privates digitales Kopieren im Spiegel des Dreistufentests, CR 2003, 914-919.
Rechtliche Beurteilung der Nutzung von Musiktauschbörsen, K&R 2007, 138-143.
Solmecke, Christian / Kost, Kilian
Aktuelle Entwicklungen zum Thema Filesharing. Abmahnungen wegen illegaler Nutzung von Tauschbörsen, K&R 2009, 772-776.
Staudacher, Stefan-Frederick
Die digitale Privatkopie gem. § 53 UrhG in der Musikbranche, Norderstedt 2008.
Tücken im Schutz für Kopierschutz. Gibt es einen Wertungswiderspruch zwischen § 95a UrhG und dem materiellen Urheberrecht?, CR 2004, 674-679.
Ulmer, Claus
Rechteverwaltung zwischen Effektivität und Datenschutz, in: Roßnagel, Alexander (Hrsg.), Digitale Rechteverwaltung. Eine gelungene Allianz von Recht und Technik?, Baden-Baden 2009, S. 75-90.
- zitiert als: Ulmer, in: Digitale Rechteverwaltung -
Österreichisches Urheberrecht, Handbuch, I. Teil, Wien 2008.
- zitiert als: Walter, Österreichisches Urheberrecht -
Wandtke , Artur-Axel / Bullinger , Winfried (Hrsg.)
Praxiskommentar zum Urheberrecht, 3. Auflage, München 2009.
- zitiert als: Verfasser, in: Wandtke/Bullinger (Hrsg.) -
Internetflatrate – Die Lösung aller Probleme?
Die rasante Entwicklung des Internets in den vergangenen Jahren hat nicht nur großen Einfluss auf das Geschäfts- und Privatleben vieler Internetnutzer genommen, sondern auch auf die Rechteinhaber urheberrechtlich geschützter Werke. Mittels Online-Tauschbörsen werden Musiktitel, Videofilme, Software und weitere Werke getauscht und damit massenhaft gegen das Urheberrecht verstoßen. In diesem Zusammenhang wird immer wieder intensiv über die Einführung einer „Kulturflatrate“ diskutiert.[1] Im Wesentlichen geht es dabei um die Legalisierung des bisher illegalen Tausches von urheberrechtlich geschützten Werken über Peer-to-peer-Netzwerke durch Zahlung eines Pauschalbetrages.[2] Das Nutzen urheberrechtlich geschützter Werke im Internet zu privaten Zwecken würde damit frei werden. Ob die Einführung einer solchen Internetflatrate wirklich die Lösung aller bestehenden Probleme in diesem Zusammenhang herbeiführen kann, ist Gegenstand dieser Seminararbeit.
Dazu müssen zunächst alle Problemfelder in der gegenwärtigen Situation unter Berücksichtigung der Rechtslage aufgezeigt werden (II.). Der sich daran anschließende Abschnitt befasst sich mit der Kulturflatrate: Die Darstellung derer Vor- und Nachteile in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht bildet die Grundlage für eine Entscheidung, ob die Flatrate tatsächlich alle Probleme lösen kann (III.). Abschließend werden alternative Vorschläge zur Lösung der gegenwärtigen Probleme vorgestellt (IV.).
In den vergangenen Jahren wurde der traditionelle Vertrieb von urheberrechtlich geschützten Werken fortschreitend durch einen digitalen Vertrieb ersetzt. Parallel dazu entstanden durch Internettauschbörsen („filesharing“ über peer-to-peer-Netzwerke) massenhaft genutzte Foren für Urheberrechtsverletzungen.[3] Dabei wird ausgenutzt, dass die Digitaltechnik im Gegensatz zur analogen Vervielfältigung mit einfachen technischen Mitteln und mit geringer technischer Kenntnis Kopien ohne jeden Qualitätsverlust erlaubt.[4] Weitere Faktoren für die zunehmende „Kopierwut“ in privaten Haushalten waren der Preisverfall für Speichermedien bei gleichzeitigem Anstieg der Kapazität sowie die Entwicklung und Verbreitung des Internets, so dass die möglichen Vorlagen für Kopien sehr schnell vermehrt wurden.[5]
Neben serverlosen und damit dezentral strukturierten Tauschbörsen (z.B. Overnet und Gnutella), die sich aufgrund der langen Suchdauer keiner großen Beliebtheit erfreuen, existieren serverbasierte Systeme (z.B. edonkey2000, eMule). Letztere verfügen allerdings nicht mehr über zentrale Server wie z.B. Napster und sind damit ebenfalls dezentral. Nach der Installation der entsprechenden Software wird man mit verschiedenen Servern verbunden, welche die unterschiedlichen Anfragen der Nutzer verwalten. Das gesuchte Werk wird sodann in Teilen von verschiedenen anbietenden Nutzern heruntergeladen, so dass es sich nach Erhalt aller Teile zum gewünschten Werk zusammensetzt. Alle heruntergeladenen Dateien landen schließlich in einem sog. „Shared“-Folder des anfragenden Nutzers (Dateiordner auf der Festplatte des PCs), wo sie direkt wieder anderen Nutzern zum Download angeboten werden. Erst nach Verschieben bzw. Löschen der Dateien aus diesem Ordner ist kein Upload dieser Dateien durch andere P2P-Netzwerkteilnehmer mehr möglich.[6]
Geklärt werden muss zunächst, inwiefern in Tauschbörsen überhaupt Urheberrechtsverletzungen begangen werden.
Nutzer von Tauschbörsen laden sich urheberrechtlich geschützte Werke auf ihren PC herunter („ Download “) und verursachen damit eine Vervielfältigung i.S.d. § 16 I UrhG. Seit der letzten Änderung des § 53 I 1 UrhG ist die Vervielfältigung nunmehr selbst bei privatem Handeln illegal, da Musik, Software und Filme von kommerziellem Wert, die kostenlos angeboten werden, „offensichtlich rechtswidrig öffentlich zugänglich“ gemacht worden sind.[7]
Auch wenn alle Tauschbörsennutzer in erster Linie den Download urheberrechtlich geschützter Werke beabsichtigen, bieten sie diese meist auch – ohne Einwilligung der Rechteinhaber – automatisch zum „ Upload “ an. § 15 II UrhG erfasst ausdrücklich auch das öffentliche Zugänglichmachen (§ 19a UrhG).
Es wird somit durch den Download gegen § 16 I UrhG und durch den Upload gegen § 19a UrhG verstoßen, was gem. § 97 UrhG zu Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen führen und gem. § 106 UrhG strafrechtlich verfolgt werden kann.
Das Ausmaß des illegalen Filesharings erscheint immens: Die Filmindustrie hat nach einer Universitätsstudie einen Schaden von rund 193 Mio. Euro pro Jahr[8] , die deutsche Musikindustrie verbuchte im Jahr 2008 316 Mio. illegale Musikdownloads – sie nimmt acht illegale auf einen legalen Musikdownload an[9] . Diese Zahlen zeigen, dass eine effektive und wirksame Durchsetzung des Urheberrechts notwendig ist.
Aufgrund der dezentralen Struktur der Filesharing-Netzwerke kann die öffentliche Zugänglichmachung der Inhalte systemnotwendig nur durch Vorgehen gegen die einzelnen Teilnehmer bekämpft werden, die mittels der verwendeten Technologie weltweit und tausendfach verbunden sind.[10]
Anknüpfungspunkt ist die so genannte IP-Adresse („Internet Protocol“), die jeder Nutzer von seinem Internetzugangsprovider erhält und Kommunikation erst ermöglicht. Sie ist als eine Art Telefonnummer anzusehen, über die jeder Computer in einem Netzwerk angewählt und identifiziert werden kann.[11] Anders als bei einer Telefonnummer erhält der normale Nutzer aber bei jeder „Online-Sitzung“ eine neue IP-Adresse zugeteilt, so dass man von dynamischen IP-Adressen spricht.[12] Die IP-Adresse etwa eines P2P-Filesharers ist zwar für Dritte meist ermittelbar, aber aus ihr ergibt sich nicht seine Identität, die für rechtliche Schritte notwendig ist. Dessen Ermittlung ist als praktisch schwierig anzusehen.
Der Gesetzgeber hat zwar mit § 101 II und IX UrhG einen zivilrechtlichen Auskunftsanspruch geschaffen, durch den der Provider seine Daten abgleichen und ermitteln muss, wem er zum Verletzungszeitpunkt die dynamische IP-Adresse zugeteilt hat.[13] Hierbei sorgt allerdings das undefinierte Tatbestandsmerkmal des „gewerblichen Ausmaßes“ der Urheberrechtsverletzung für Rechtsunsicherheit: Während einerseits ein aktuelles Musikalbum für ein gewerbliches Ausmaß ausreichen soll[14] , werden von anderer Seite 3.000 Musiktitel verlangt.[15]
Eine weitere Möglichkeit, die Namen der Rechtsverletzer zu erhalten, bietet die Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Urheberrechtsverletzung gem. § 106 UrhG mit anschließender Beantragung von Einsicht in die Ermittlungsakten nach § 406e StPO. Obwohl dieses Vorgehen seit Jahren gängige Praxis ist, wird seine Zulässigkeit mit der Begründung, es handle sich um einen unzulässigen Eingriff in die Kommunikationsfreiheit sowie in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, in Frage gestellt.[16]
[1] Z.B. Grassmuck, ZUM 2005, 104 (107 ff); Rösler, GRUR Int 2005, 991 (995 ff).
[2] Roßnagel/Jandt/Schnabel, MMR 2010, 8 (8).
[3] Czychowski/Nordemann, NJW 2008, 3095 (3095 f).
[4] Schulz, GRUR 2006, 470 (470).
[5] Schulz, GRUR 2006, 470 (470 f).
[6] Solmecke, K&R 2007, 138 (138 f).
[7] BT-Drucks. 16/1828, S. 26.
[8] Studie der Bauhaus-Universität Weimar, http://www.uni-weimar.de, Stichwort „illegale Filmkopien“ (Stand: 21.3.2010). Alle weiteren Internetquellen haben den gleichen Stand.
[9] Übersicht Jahreswirtschaftsbericht der IFPI Deutschland, Stichwort Musikkopien, online abrufbar unter http://www.musikindustrie.de/musikkopien0/.
[10] Nümann/Mayer, Rechtfertigung und Kritik von Massenabmahnungen gegen Urheberrechtsverletzungen in Filesharing-Netzwerken (unveröffentlichter Aufsatz).
[11] Solmecke, K&R 2007, 138 (140).
[12] Solmecke, K&R 2007, 138 (140).
[13] Czychowski/Nordemann, NJW 2008, 3095 (3096).
[14] LG Frankfurt a.M., GRUR-RR 2009, 15 (15 f).
[15] LG Frankenthal, MMR 2008, 830 (830 f).
[16] Z.B. Solmecke/Kost, K&R 2009, 772 (774 f).
9783656270645
9783656270911
Kulturflatrate Internetflatrate Download Tauschbörse DRM Filesharing Doppelvergütung Verwertungsgesellschaft Dreistufentest Privatkopie Digital Rights Management Pauschalvergütung P2P
Marco Ganzhorn (Autor)

References: Art. 14
 Art. 12
 Art. 2
 § 53
 § 53
 § 95
 § 16
 § 53
 § 15
 § 16
 § 19
 § 97
 § 106
 § 101
 § 106
 § 406