Source: http://www.carta.info/77503/das-recht-auf-remix-oder-der-elefant-im-raum/
Timestamp: 2018-02-21 10:56:03+00:00

Document:
Carta — Das Recht auf Remix – oder der Elefant im Raum - Carta
Mittwoch | 21.02.2018
Julia Reda hat kein Ohr für Künstler.
„Julia wer?“, werden einige jetzt fragen.
Julia Reda ist nach eigenen Worten „the Pirate in the European Parliament“. Und das kam so: Kurz vor der Europawahl 2014 erklärte das Bundesverfassungsgericht das Europaparlament mangels ausreichender politischer Macht zum demokratischen Experimentierlabor und verwarf deshalb die bis zu diesem Zeitpunkt gültige 3-Prozent-Hürde. Die damals bereits im freien Fall befindliche Piratenpartei, die das Verfahren mit angestrengt hatte, erreichte 1,3 Prozent und damit immerhin einen Sitz im Europaparlament. Dieser ging an die besagte Julia Reda, die zugleich die einzige Piratin blieb, da die diversen Piratenparteien anderer Mitgliedsstaaten nirgendwo erfolgreich waren.
Frau Reda hätte ihr politisches Leben in Straßburg nun als fraktionsloser Satellit einer sterbenden Partei still beschließen können, wenn nicht die Fraktion Die Grünen/EFA ein Erbarmen mit ihr gehabt hätte. Nicht nur wurde Frau Reda dort aufgenommen, nein, sie wurde von den Oppositionsparteien des Parlaments zur Berichterstatterin des europäischen Parlaments für die Evaluierung der Urheberrechtsrichtlinie von 2001 (“InfoSoc-Richtlinie”) ernannt, wie die Piratenpartei stolz verkündete. Eine Piratin an den Schalthebeln der europäischen Urheberrechtspolitik. Der Knabenblütentraum der Piratenpartei wurde ebenso wahr, wie der Alptraum vieler Künstler.
Ihren Bericht hat Frau Reda Ende Januar vorgelegt. Und danach hatte sie dann eine echt prima Idee. „Kunst- und Kreativschaffende“, so fragte Frau Reda – wohlgemerkt etwa zwei Wochen nach Abschluss ihres Berichts für das Parlament – „sagt mir Eure Meinung!“.
Und genau das möchte ich jetzt hier tun.
„Warum ist ihm die ganze Angelegenheit überhaupt so wichtig?“, mögen Sie sich jetzt fragen.
Antwort: Weil in der Kommunikation zwischen Kreativen und Piraten in der Urheberrechtsdebatte schon seit Jahren und auch heute immer noch etwas grundlegend schief läuft und ich meine, dass ich es benennen kann. Eine Art Elefant im Zimmer, über den irgendwie keiner reden will, jedenfalls nicht Frau Reda.
„Aber warum sollte das irgendjemand interessieren? Die Piraten sind mausetot“, mögen Sie weiterfragen.
Antwort: Das stimmt nur bedingt. Die Piratenpartei mag Schnee von gestern sein, aber der piratische Geist lebt fort. Jede deutsche Parlamentspartei hat spätestens seit Zensursula ihren eigenen kleinen Netzpolitikklüngel und diese sind – vor allem was die Urheberrechtsreform angeht – von den Piratenpositionen kaum zu unterscheiden. Sie können also getrost „Pirat“ durch „Netzpolitiker“ ersetzen und Frau Reda als die europaweit sichtbare Spitze dieses Eisbergs begreifen.
Nachdem das nun geklärt ist, auf zum Inhaltlichen. Und das möchte ich exemplarisch an einer von mehreren Fragen festmachen, die Frau Reda in ihrem Text an die Künstler stellte. Wobei das genaue Thema eher exemplarischer Art ist:
„Sind Sie [die Kunstschaffenden] wirklich gegen Remixes?“
Kurze Erklärung: Remix ist die Erschaffung eines neuen Kunstwerks durch Veränderung eines alten. Der Begriff stammt vor allem aus der Clubmusikkultur der 90er. Ein prominentes Beispiel wäre die aus dem Film „Donny Darko“ bekannte Version des „Tears for Fears“-Klassikers „Mad World“ von Gary Jules.
Wenn Frau Reda fragt, ob Künstler WIRKLICH „gegen Remixes“ sind, muss man dies aus dem Piratischen übersetzen in „Sind Künstler gegen Remixes, die andere ohne ihre Erlaubnis vornehmen?“
Fällt Ihnen übrigens auch die markante Verwendung des Wortes „wirklich“ in dem obigen Zitat auf? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mein Eindruck ist: Wer so fragt, hat die Antwort längst gegeben. But anyway …
Meine persönliche Antwort auf Frau Redas Frage lautet jedenfalls schockierenderweise „Ja“ mit etwa einem Dutzend Ausrufezeichen.
„Warum eigentlich?“, können Sie mich nun fragen und bringen mich damit zum angekündigten Kerndissens. Und der lautet…
Folgen Sie mir zur Antwort auf diese Frage bitte auf einen kurzen Exkurs. Gehören Sie auch zu den Leuten, die genervt bis zornig zur Kenntnis nehmen, dass die NSA allerorten ihre Daten abschöpft, sei es aus öffentlichen, sei es aus nichtöffentlichen Quellen? Sind sie so sauer wie ich, dass Facebook, Google und Co. sie per Kleingedrucktem dazu zwingen, der ökonomischen Vereinnahmung ihrer Daten zuzuschauen, statt ihnen ein wirklich transparentes Optionsmodell anzubieten, bei dem Sie ganz genau bestimmen können, was wer, wo, wie, wann und wie oft mit ihren Daten anstellen kann? Dann zürnen sie zu Recht und Frau Reda und die Piraten im Fleisch und im Geiste sind voll auf ihrer Seite. Denn Datenschutz ist bei Frau Reda und den netzbewegten Parteipolitikern voll en vogue. Und Datenschutz bedeutet wiederum nichts anderes als Kontrolle. Auch wenn Sie ihre Daten freiwillig bei Facebook eingestellt haben, heißt das noch lange nicht, dass die alles damit machen können, was sie wollen, richtig?
Tja, und wenn sie das so empfinden, werden sie jetzt vielleicht etwas besser verstehen, warum ein Kreativschaffender WIRKLICH eine Erlaubnis möchte, bevor jemand sein Werk „remixt“. Tatsächlich wurzeln übrigens sowohl Urheberrecht als auch Datenschutz in Deutschland im selben verfassungsrechtlich geschützten Grundrecht, nämlich dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, das wiederum auf der Garantie der Menschenwürde durch Art. 1 Grundgesetz fußt. Kontrolle über die eigenen Daten und Äußerungen ist also qua Verfassung ein Aspekt der Menschenwürde.
Für das Verlangen des Künstlers nach fortgesetzter Kontrolle sind – wenn sie es noch genauer wissen wollen – mindestens zwei Motive denkbar. Erstens ein ideelles. Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber ich hatte vollstes Verständnis, als die Toten Hosen sich über die Vereinnahmung ihres Stückes „Tage wie diese“ durch die CDU bitterlich beschwerten. Als Künstler möchte man mit seinem Werk eben nicht vor jeden beliebigen Karren gespannt, oder wenigstens gefragt werden und nein dazu sagen dürfen.
Motiv Nummer zwo: Geld. Gary Jules Version von „Mad World“ war in vielen Ländern ein Nummer-Eins-Hit. Ist es da zu viel verlangt, wenn er für die Lizensierung des Remixes Gebühren abdrückt? Gut, jetzt könnten sie natürlich sagen: „Aber die alten Säcke von Tears for Fears haben doch schon genug an dem Song verdient.“ Sicherlich richtig, aber abstrakt betrachtet setzt Frau Redas Frage jeden beliebigen Kreativschaffenden in Beziehung zu jedem beliebigen Nutzer oder Konsument. Analysieren wir diese Beziehung einmal sozioökonomisch. Kulturkonsument ist irgendwie eigentlich jeder von uns. Damit kann ich für einen Konsumenten das statistische Jahresbrutto von knapp über 30.000 Euro veranschlagen. Das Durchschnittseinkommen der Kreativschaffenden dagegen liegt laut Künstlersozialkasse bei etwa der Hälfte dieses Betrages. Sie sehen, worauf ich hinaus will? Frau Reda möchte einer Bevölkerungsgruppe ein Geschenk auf Kosten einer zweiten machen und spielt dabei quasi Robin-Hood revers:
It’s the rich remixing the poor.
Warum sich übrigens die Netzpolitik so prominent in das Remixthema verbeißt, ist mir ein Rätsel. In der Musik mag es einigermaßen virulent sein, aber in anderen Kreativsparten? Deutschland, ein Volk von urheberrechtsfrustrierten Remixern? Echt jetzt? Doch das Recht auf Remix scheint halt irgendwie die Herdprämie des politischen Arms der Netzbewegung zu sein. Warum kommt eigentlich keine Frau Reda und kein anderer Netzpolitiker vor Formulierung einer solchen Forderung mal auf die Idee ein bisschen echte Bedarfsempirie zu betreiben? Wäre das zu viel verlangt, bevor man eben mal so die Kontrollrechte der Künstler beschneidet? Würden Sie, liebe Lesende, es gutheißen, wenn die Politik so nonchalant mit ihren Datenschutzrechten umginge? „Hey Nutzer, Facebook möchte gerne Deine Familienfotos remixen. Kannst Du da WIRKLICH nein sagen, Nutzer? Wir basteln da mal schnell eine Remixschranke in den Datenschutz.“
Wenn Frau Reda und die anderen Netzpolitiker WIRKLICH (scnr) an der Meinung der Kreativschaffenden interessiert sind, macht es keinen Sinn, diesen Grunddissens zu vernebeln, in dem man parallel ständig behauptet, Urheberrechte stärken zu wollen. Dass das bei den Künstlern als pure Heuchelei ankommen muss, haben schon vor langer Zeit Wolfgang Michal und Piratenvordenker Michael Seemann begriffen und aufgeschrieben. Ich bin da nur der Wiederholbär. Wenn Frau Reda und ihre Anhängerschaft das nicht zur Kenntnis nehmen, werden sie eben weiter über Kreative reden statt mit ihnen.
Dieses argumentatorische Manöver ist übrigens ebenso durchschaubar, wie der beständige Versuch, aus den zweifelsohne vorhandenen, aber eben für jede ökonomische Beziehung üblichen Interessenkonflikten zwischen den Künstlern und ihren so genannten „Verwertern“ politisches Kapital zu schlagen, indem man versucht, beide gegeneinander auszuspielen. „Divide et impera“ schlug schon Macchiavelli vor.
Und ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber für mich haben die von Frau Reda und ihren Kollegen im Geiste so gern verwendeten Begriffe „Verwerter“ oder „Verwertungsindustrie“ klaren Diffamierungscharakter. Ich stelle sogar die steile These auf, dass der Begriff „Verwerter“ vor Beginn der Urheberrechtsdebatte allenfalls in ein paar staubigen Kreativökonomielehrbüchern ein einsames Dasein fristete. Dann hat ihn die Netzszene als ihren Schurkenstaat entdeckt. Doch kein Schriftsteller käme auf die Idee, seinen Verlag, kein Musiker würde je darauf verfallen, seinen Produzenten als „Verwerter“ zu bezeichnen. Derartige Pauschalkategorien sind IMHO nur einen semantisch-moralischen Steinwurf von anderen Anwärtern auf das Unwort des Jahres, wie „Sozialtouristen“ oder „Systempresse“ entfernt. Die Motivlage ist immer dieselbe: Entmenschlichung als Voraussetzung der Formulierung eines Feindbilds.
Und wie um mich zu bestätigen, flanscht Frau Reda am Tag, an dem ich das Manuskript zu diesem Artikel eigentlich schon fertig gestellt habe, in die englische Version ihrer Frage an die Künstler nachträglich einen neuen Satz ein:
„Note: Several collecting societies have called on their members to voice general disagreemend [sic] with the report.“
Es folgt ein Appell, sich doch noch mal eingehend mit Frau Redas Plänen zu befassen, um zu schauen, ob man denn WIRKLICH ein Problem damit hat.
Der intendierte Spin ist offensichtlich: Die vor Ergänzung dieses Satzes schon gut sechs Dutzend Kreativen aus den verschiedensten europäischen Ländern, die Frau Redas Pläne eher negativ kommentiert haben, sind im besten Falle zu naiv, um sich ordentlich zu informieren und im schlimmsten Fall bloß ferngesteuerte Marionetten ihrer „Verwerter“. Ich habe mich in meinen Kreativnetzwerken mal umgehört und zumindest hier in Deutschland ist nichts von derartigen Aufrufen bekannt. Umgekehrt war sich übrigens die netzpolitische Szene nicht zu schade, letzten Herbst anlässlich einer öffentlichen Konsultation der EU-Kommission zum Urheberrecht den reformgeneigten Konsumenten „Ausfüllhilfen“ in Form von vorgefertigten Textbausteinen zur Verfügung zu stellen. Aber ich schweife ab.
Mein schlussendlicher Appell an Frau Reda, die Piraten und urheberrechtsreformistisch bewegte Netzpolitiker egal, welcher Couleur:
Redet mit uns, aber verkauft uns nicht für dumm.
Schlagwörter: Datenschutz, Europaparlament, Kontrolle, Kunst, Künstler, Netzpolitik, Netzpolitiker, Piratenpartei, Remix, Urheberrecht, Verwerter
Julia Reda hat kein Ohr für Künstler. „Julia wer?“, werden einige jetzt fragen. Also: Julia Reda ist nach eigenen Worten „the Pirate in the European Parliament“. Und das kam so:... Twittern
Andreas Roedl | 16.03.2015 | 22:26 Uhr
Volker, Ulf, Stefan (in direkter Anrede, damit dieser Kommentar freigeschaltet wird, ansonsten spricht sich das in der Szene herum): das nennt sich Freestyle-Jurismus oder Rechts-Remix. Sprach- und sonstige Fehler sind ja die Merkmale dieser aufkommenden Kunstform, deren Vorreiter natürlich erst einmal lediglich von der Aufmerksamkeit leben wollen und müssen. Verlockend, die Zukunftsaussicht, bei einem der Geldgeber Anstellung zu finden, wenn nicht gerade sie derzeit am eigenen Ast sägen würden. Welche Aussichten hat man denn als Urheberrechtsreformer, wenn nach der Reform der Content ausstirbt, wovon Google legt? Beiss nicht die Hand, die dich füttert, würde unsereins gerne Google und seinen nützlichen Idioten zurufen, wüsste man nicht, dass ihnen die Vorausschau fehlt. Morgen ist nämlich auch noch ein Tag.
Ulf J. Froitzheim | 16.03.2015 | 13:02 Uhr
Vielleicht spricht er ja wirklich nicht vom Grund-, sondern von einem erfundenen Grunzgesetz*, dessen Artikel uns nur rein zufällig bekannt vorkommen (* ich hatte gedacht, ich hätte mich verhört, aber wenn andere das auch gehört haben…).
Aber jetzt sollten wir dem Herrn die Ehre, ihm unsere Aufmerksamkeit zu widmen, vielleicht doch entziehen.
Stefan Herwig | 16.03.2015 | 11:53 Uhr
Die Sache mit dem Video ist ja erschreckend. „Das Grundgesetzt gilt für jeden, ausnahmslos, immer.“
Eben nicht. Das Grundgesetz weicht da zurück, wo andere, spezifischere Rechtsnormen angewendet werden.
Volker Rieck | 16.03.2015 | 08:07 Uhr
@ Ulf Froitzheim: Danke für den Youtube Link, hilft die Aussagen etwas anders einzuordnen.
@ Nutellaberliner: Danke für das Video. Wie nennt sich diese Kunstform? Jura-Slapstick?
Sehr gelungen, auch der Running Gag mit Grundsgesetz (gehört Grunzgesetz) oder Grundsrechte (gehört Grunzrechte)war wirklich gut. Vor allem, weil er auf den Folien immer wieder mal auch geschrieben eingesprenkelt wurde. Leider nicht mit z, aber egal.
Hut ab, bisher kannte ich nur das BGB von Christoph Maria Herbst gelesen, welcher sich mit dem Thema beschäftigt.
Selbst das Publikum hat bei dem Vortrag mitgemacht: Kann man das Grundgesetz heiraten? Köstlich. Bitte mehr davon!
Stefan Herwig | 15.03.2015 | 23:24 Uhr
„Herzlichen Glückwunsch für die Anpassung an das piratige „wenn ich kein Argument hab, werd ich persönlich“.
Damit ist die Unterhaltung mit einem lauten *plonk* beendet.“
Komm‘ mal wieder runter. Dafür das die Piraten jahrelang küberlweise Scheisse über die sog. „Content Mafia“ ausgeschüttet haben, werrdet ihr jetzt ganz schln dünnhäutig, ausserdem war da nix ad hominem-Mässiges in menem Post.
Ihr geht nur über Rechte anderer, und das ist ein Problem. dabei gäbe es m.E. durchaus Ansätze, die Transkaktionskosten von Lizenzen zu senken, und ob du es glaubst, in Teilen sind wir da auch noch mit mal weit voneinander enfternt. Aber ihr versucht das halt unbedingt über eine rechteabschlkeifung zu machen, und wie du slebst sagst: Das wird spätestens auf verfassungsgerichtlicher Ebene wieder kassiert – und zwar zu Recht.
Ulf J. Froitzheim | 15.03.2015 | 18:45 Uhr
Hier noch ein paar Anmerkungen zur Sache.
3. Würde man „Remixe“ grundsätzlich freigeben, würden alle Dämme brechen, was die Arbeit von Journalisten und Fotografen betrifft. Als wäre es nicht schlimm genug, dass Bilder manipuliert und Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen werden, würden derlei Unsitten und unethische Gebräuche ebenso legalisiert und legitimiert wie im akademischen Bereich Dissertationen à la Guttenberg und Schavan. Texte, die man sich heute noch selbstständig erarbeiten muss, würden degenerieren zu beliebigen Kompilationen von Passagen, die einer Vielzahl von Köpfen entsprungen sind. Der Wert eines vom Anfang bis zum Ende gedachten Textes würde sinken, weil irgendwann niemand mehr an so etwas gewöhnt wäre. Immer mehr Texte würden sich lesen wie schlechte Wikipedia-Einträge.
4. Entzöge man Fotos der Kontrolle der Fotografen, käme es zu einer massiven Zunahme juristischer Risiken. Gerade bei Bildern von Menschen unterliegen Fotografen oft nicht nur gesetzlichen Vorschriften, sondern auch zivilrechtlichen Verträgen, zum Beispiel bei Model Releases. Da geht es dann nicht mehr nur ums Urheberrecht des Fotografen, sondern auch um die Persönlichkeitsrechte des Fotografierten. Allerdings bräuchte sich niemand mehr über verfälschte Nachrichtenfotos mehr aufzuregen – weil das dokumentarische Foto, also das Bilddokument, endgültig tot wäre. Jedes einzelne Bild stünde unter Verdacht, ein Remix und damit wertlos zu sein, sein Informationsgehalt: Null.
5. Die Idee des freien Remixes fußt auf der absurden Prämisse, jedwede schöpferische Tätigkeit sei nur ein Neumischen von Altbekanntem, alle stünden auf den Schultern von Riesen.
Wie absurd das ist, erkennt man, wenn man fragt: Butter bei die Fische, wer sind denn ganz konkret diese Riesen? Wann haben sie gelebt? Und vor allem: Auf wessen Schultern standen sie?
Tatsächlich ist diese Gründungsthese der Piratisten in sich paradox. So pauschal, wie sie dahergeplappert wird, beschreibt sie eine Henne-Ei- oder Ei-Henne-Konstellation: Immer war schon vorher etwas da, was alles Spätere unbedeutend erscheinen lässt. Jeder vermeintliche Riese wird sofort klein gemacht, weil angeblich unter ihm schon jemand steht, der aber logischerweise selbst nur ein Scheinriese gewesen sein kann, weil auch unter seinen Füßen Schultern gewesen sein müssen.
Wenn es echte Riesen aber gar nicht gibt, wenn alles eine große Menschenpyramide gleich großer Wesen ist, warum werden dann nicht alle Werke in gleichem Umfang regemixt? Warum picken sich Remixer zufälligerweise immer Originale heraus, die kommerziell erfolgreich waren?
Sie tun das, weil sie wissen, dass diese Originale anders sind, originell, überdurchschnittlich kreativ. Sie tun es, weil es leichter ist, etwas Gutes zu variieren, zu interpretieren oder auch perfektionieren, als selbst etwas Originelles zu schaffen. Es gibt Riesen sui generis.
Böse gesagt: Remixe zu verherrlichen, ist eine Selbstrechtfertigungsstrategie der Mittelmäßigen und Einfallslosen, intellektueller Neid der Besitzlosen und eine Kriegserklärung an Vordenker, Avantgardisten, Innovatoren, Genies – im Grunde an jedwede intellektuelle Elite. Diese Elite sollten wir nicht schlechtreden, sondern ihr nacheifern und sie als Vorbild begreifen.
Wäre ich Karikaturist, würde ich das so zeichnen: Zwerg steht auf Schultern des Riesen und sagt zu ihm: Nimm Dich nicht so wichtig, Du stehst nur auf den Schultern eines Riesen.
Andrew Noah Cap | 15.03.2015 | 17:38 Uhr
Nun, eine Lizensierung muss nicht zwangsläufig auch mit Kosten verbunden sein.
Zur Zeit ist das nicht-autorisierte Remixen nicht statthaft, was nicht zuletzt auf der Untrennbarkeit von Urheberpersönlichkeitsrecht und Verwertungsrecht gründet.
Und das Ihre Argumentation in Hinsicht auf eine Trennung bei Entscheidungsträgern Früchte trägt, darf zurecht stark bezweifelt werden.
Und nach wie vor empfinde ich das Pochen auf ein Recht, dass einem zur Zeit nicht zusteht, in der Sache als zutiefst kontraproduktiv.
Es ist in der Tat nur ein Nebenschauplatz und da Sie als Jurist nunmehr über die gleichen Quellen verfügen wie ich, würden sich noch unsere Enkelkinder mit diesem Post beschäftigen.
Die wesentlichen Dinge wurden gesagt.
Und aus diesem Grund verabschiede ich mich mit einen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit genommen haben.
Ulf J. Froitzheim | 15.03.2015 | 17:26 Uhr
Jetzt habe ich in dieser Kommentarspalte genug regemixten Piraten*** (Bitte bleiben Sie sachlich, Anmerk. der Redaktion) gelesen, um neugierig zu werden, wer denn dieser, ähem, „Urheber“ eigentlich ist, der den kindischen Nom de guerre „Nutellaberliner“ so originell findet. Rasch stieß ich auf ein entlarvendes Youtube-Video, in dem dieser Berliner Pirat (laut eigener Aussage _Voll_jurist) das Grundgesetz in einer Weise lächerlich macht, die einfach nur peinlich ist für den sie vortragenden Schlaumeier.
https://www.youtube.com/watch?v=DaiJcNgz9W4
Zu Art. 3 GG fällt dem Herrn Kern z.B. die lachhafte Interpretation ein, ich dürfe nicht nur an _einem_ Dönerstand einen Döner kaufen, sondern müsse dem benachbarten Stand auch einen abkaufen, weil ich sonst gegen den Gleichheitsgrundsatz verstieße. Der hier einschlägige Satz 1 von Art. 3 besagt aber, jeder sei vor dem Gesetz (!) gleich. Einen ähnlichen Quatsch trägt er zum Recht auf körperlicher Unversehrtheit vor (Art. 2): Tattoos und Piercings dürfe es nicht geben, weil kein Gesetz sie erlaube, will er seinen Zuhörern weismachen.
Wer ein paar Minuten hineingehört hat, erkennt: Der Nussnugatcremer ist fest entschlossen, das Grundgesetz zur Makulatur zu erklären. An den Haaren zieht er irgendwelche albernen Auslegungen herbei, die dem ernsthaften Anliegen, dem wir unser Grundgesetz verdanken, keinerlei Respekt entgegenbringen. Wer die Verfassung verhöhnt und billige Witze über sie reißt wie beim Erstsemesterabend einer Burschenschaft, um bei passender oder unpassender Gelegenheit mit ihr zu argumentieren, disqualifiziert sich selbst. Die Altvorderen hätten gesagt, so jemand sei nicht satisfaktionsfähig.
Nun duellieren wir uns heute zum Glück nur noch verbal. Aber es hat keinen Sinn, mit einem Rechthaber zu streiten, der nur provozieren will und von den Grundlagen unserer Rechtsordnung offenbar gar nichts hält. Schließlich argumentiert er so, als habe die Kombination aus Digitalisierung und der normativen Kraft mutwillig geschaffener Fakten ein Supergrundgesetz hervorgebracht, das alle demokratisch beschlossenen Normen autonomer Nationalstaaten obsolet macht. So wie Merkel von marktkonformer Demokratie schwadronierte, fordert er die Unterwerfung des kodifizierten Rechts unter das Primat des technisch Machbaren – eine interessante Volte der alten Diskussion über den Satz „das Internet ist kein rechtsfreier Raum“.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich wünsche diesem Menschen die Verschwörungstheoretiker an den Hals, die eine neue Weltordnung fürchten. Hier finden sie endlich einen, der diese ganz unverblümt fordert.
nutellaberliner | 15.03.2015 | 11:34 Uhr
Ok, das war lang, ich versuche es mal kurz zu machen.
Der Verweis auf Art. 1 GG kommt Hr. Elbel. Er ist nicht meiner, ich halte ihn für vergleichsweise weit hergeholt. Er macht sich rhetorisch allerdings toll. Historisch ist das Urheberpersönlichkeitsrecht älter als Art. 1 GG, es kommt in seiner Grundstruktur eigentlich aus dem 19. Jhdt. Dann kann und sollte man sich auch fragen, ob das Nutzungsrecht des eigenen Werks in Teilen zur Erzeugung neuer Werke wirklich unter das Urheberpersönlichkeitsrecht fallen muss.
Jedenfalls aber muss man das Urheberpersönlichkeitsrecht von den wirtschaftlichen Verwertungsrechten trennen. Denn die gerne gelesene Argumentation „Das ist Teil meiner Persönlichkeit, damit darf niemand Geld verdienen (verkürzt)“ trägt nicht. Entweder es geht um den Schutz des Werkes vor unerwünschter Verwendung oder um die Erzielung von Einnahmen. Aber eine unerwünschte Verwendung, die im Fall der Zahlung von Geld erwünscht wird, das ist keine Frage des Persönlichkeitsrechts. Sondern des Verwertungsrechts.
Das wichtige Wort, warum ich das Recht auf Remix im Kontext DIESER Diskussion als Verwertungsrecht sehe, ist das vom Autor zitierte Recht auf KOSTENLOSEN Remix. Wir können uns auch gerne über nicht-kostenlose Remixe unterhalten, darum ging es Hr. Elbel aber gerade nicht. Und das führt dann wirklich weit.
Ich glaube auch nicht, dass ein Recht auf Remix wirklich eine Enteignung wäre: das Eigentum an dem ursprünglichen Werk behält der Urheber schließlich. Das verschwindet ja nicht beim Remix. Ein Recht auf Remix wäre vielleicht ein Eingriff in Art. 14 GG, aber bei gesetzlicher Regelung wohl eher eine Inhalts- und Schrankenbestimmung des Eigentums, die grundsätzlich zulässig ist (ich möchte die Dogmatik von Art. 14 GG allerdings nicht vertiefen, die macht selbst mir als Juristen Kopfschmerzen und ist nicht unbedingt allgemein verständlich).
Ich halte das Recht auf Remix nun auch wirklich nicht für einen zentralen Streitpunkt (mir persönlich ist es herzlich egal) und auch nicht für den wichtigsten Punkt, der reformiert gehört. Eigentlich müsste man an die Fundamente des Urheberrechts ran, aber die sind durch eine Vielzahl internationaler Verträge gesichert und damit praktisch unveränderlich. Leider.
Andrew Noah Cap | 15.03.2015 | 01:57 Uhr
wie ich es ja in meinem vorangegangenen Post bereits sagte, bin ich grundsätzlich für Remixes und ich würde mich da auch gerne angagieren.
Ich sehe in dieser Szene ein enormes Potenzial und einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben.
Ich würde es begrüßen, wenn diese Szene noch wesentlich deutlicher als bisher in der Öffentlichkeit wahr- und vor allem ernst genommen wird.
Natürlich gibt es, wie in jedem anderen Bereich auch, qualitative Unterschiede, aber ich maße mir sicherlich nicht an, dies zu berwerten.
Ich habe seinerzeit als Tontechniker bei einigen Remixes als Mischer gearbeitet. Das war in der Blütezeit der Remixes in den 1990ern, als Urheber, Interpret, Produzent und Remixer noch Hand in Hand arbeiteten und Remixes unter anderem auch einen sehr guten Beitrag zu veröffentlichten Alben darstellten.
Leider gibt es da jedoch ein Aber.
Ich glaube nicht, dass die grundlegende Argumentation seitens der Remixer Früchte tragen wird.
Im Gegenteil, – ich erachte die Argumentationskette als im höchsten Maße kontraproduktiv.
Warum, würde ich gerne im fortlaufenden erläutern.
Da ich versuche, das ganze halbwegs in logischer Reihenfolge zu tun, werde ich entsprechende Bezüge mit Sternchen markieren.
Die Person des Urhebers ist unabdingbar mit seinem geschaffenen Werk verbunden, da dies die Persönlichkeit des Urhebers in dem von ihm geschaffenen schöpferischen Werk widerspiegelt.
Diese Verbindung wurde seinerzeit auch folgerichtig vom Gesetzgeber erkannt, und dem wurde im sogenannten Urheberpersönlichkeitsrecht, Art. 12 – 14 UrhG, Rechnung getragen. In der Begründung stellt dies einen direkten Bezug zum Art. 1 GG dar.
Natürlich können wir darüber lange und ausführlich diskutieren und philosophieren.
Aber es wäre unerheblich, denn dies ist letztlich die Argumentation des Gesetzgebers und der Gerichte, allen voran des Bundesverfassungsgerichtes.
**** Mit dem Urheberpersönlichkeitsrecht steht und fällt alles. Und durch die oben erwähnten Bezüge zum Art. 1 GG wird kein Politiker den Mut aufbringen, dieses Eisen anzufassen. Und wenn doch, so wird es spätestens beim Bundesverfassungsgericht, bzw. EUHG wieder vom Tisch sein, – nicht vielleicht – sicher.
Meines Erachtens ist dies auch die völlig falsche Schraube, an der da gedreht wird. Ich würde vielmehr empfehlen, auf gegenseitiges Vertrauen zu setzen. Wie ich ja eingangs erwähnte, gab es in der Tat eine Zeit, in der Remixer explizit von Urhebern, bzw. Produzenten angesprochen wurden und das gibt es ja auch noch heute, wenn auch nicht mehr ganz so ausgeprägt. Es war schon fast eine Art Ehrencodex, der Intension des Urhebers zu folgen und mit der eigenen Kreativität zu bereichern.
Und am Ende fühlen sich beide gut, Urheber und Remixer.
Ich sehe in der Tat bei solch einer Zusammenarbeit nur Vorteile für beide und vor allem, die rechtliche Grundlage ist bereits jetzt gegeben.
Der Knackpunkt ist wohl sicherlich der gewünschte freie Zugang zu allem zwecks Remix. Nun, ob das realisierbar ist, glaube ich nicht. Dafür sind die Meinungen und Prägungen der einzelnen Urheber zu unterschiedlich.
Und vor allem, wenn es um anglo-amerikanisches, copyright-protected, Material geht, wird es unter Umständen kritisch. Zum einen ist jetzt eine neue Software auf dem Markt, welche auch kleinste Snippets sehr treffsicher identifizieren kann, zum anderen scheuen sich US-amerikanische Gerichte auch nicht, Vorladungen nach Europa zu schicken. Ich habe den Begriff „copyright protected“ bewusst gewählt, da er sich von der Intension und Anwendung grundsätzlich vom Urheberrecht unterscheidet.
Aber sicherlich kann man sich in der Mitte treffen. Auch die GEMA bietet in Deutschland meines Wissens mittlerweile die Möglichkeit, bestimmte Verwertungswege für spezifische Werke von der Lizensierung auszuklammern. Hinzu kommt natürlich noch die C3S. Allerdings kenne ich da den derzeitigen Sachstand nicht.
Ich fand den schon öfter genannten Vorschlag einer allgemein zugänglichen Datenbank auch nicht schlecht. Dort könnte neben den zur Verfügung stehenden Werken auch bestimmte Dinge für die Verwendung ausgeklammert werden, wie z.B. keinen rassistischen Content etc.
Ja, dies würde im Ermessen des Urhebers liegen, welche Werke ge-remixed werden dürfen, aber es würde gleichermaßen auch Rechtssicherheit bedeuten.
Es steht und fällt alles mit dem zur Zeit desolaten Vertrauen, aber ich bin überzeugt, dass ein Aufeinander zugehen, der besser Weg ist. ****
Zum Artikel 14 GG. Zugegebener Maßen habe ich nicht die geringste Ahnung, warum sie diesen in ihrem ersten Post hier angeführt haben. Dieser Artikel ist in dieser Diskussion so absurd und sachlich wie faktisch falsch, dass er mehr Schaden anrichtet, als dass er dienlich ist.
Das Problem fängt schon mit dem eigentlichen Zweck des Urheberrechts an. Der Autor definiert es als Persönlichkeitsrecht, das in der Menschenwürde wurzelt. Das könnte für das Urheberpersönlichkeitsrecht stimmen, stimmt aber mit Sicherheit nicht für die für den Autor bestimmende Frage, ob es ein Recht auf kostenlosen Remix gibt. Da sind wir dann im Bereich des Eigentums, nicht mehr der hochtrabende Art. 1, sondern der viel profanere, aber trotzdem wichtige Art. 14 GG.
Das ist nicht korrekt. Gerade in bezug auf Remixes greift hier aus oben erwähnten Gründen Art. 14 UrhG mit Bezug auf Art. 1 GG.
Hier noch einmal Art. 14 GG
— Hier erklärt sich mit unter die Etablierung der Schutzfrist, aber nicht ausschließlich —
— Hier wird angeführt, dass der Gebrauch dem Wohle dienen soll. Da mit keinem Wort angeführt ist, dass auch Dritte uneingschränkten Zugang zum Eigentum einer Person haben, greift bezüglich des Remixes auch hier wieder Art. 14 UrhG, zumal eine Auslegung in dieser Art umfassender Weise jegliches Eigentum anderer beinhalten würde. Und das ist zugegebenermaßen so reizvoll wie absurd, zumal es durch ergänzende Bundesgesetze klar in seine Schranken gewiesen wird. —
— Dieser Artikel kommt nur Fall-bezogen zum Einsatz und auch nur dann, wenn es nicht im Konflikt mit Art. 1 GG steht. Ergänzend dazu gilt auch Art. 15. Eine Gesetzesänderung mit bezug auf diesen Artikel wird aus besagten Gründen nicht stattfinden, zumal insbesondere beim Urheberrecht ein klarer Bezug auf Art. 1 GG über das Art. 14UrhG gewährleistet ist. Hinzu kommt der fehlende Nachweis, dass in unserem Fall ein Remix dem Wohle der Allgemeinheit dient. Dies liegt nicht an Qualitätskriterien, sondern an der subjektiven Wahrnehmung. —-
Wie gesagt, warum hier Art. 14 GG bemüht wird, ist mir ein Rätsel. Dieser ist hier in der Debatte völlig haltlos und würde höchstens die Frage aufwerfen, ob auch wirklich alle musikalischen Werke dem Wohle des Volkes dienen, aber auch das wäre wieder eine subjektive Wahrnehmung.
Als Antwort auf meine Fragen leiten Sie Ihren Kommentar wie folgt ein:
„Ich glaube nur, dass das derzeitige Urheberrecht nicht in der Lage ist, so etwas gewährleisten. Ebenso glaube ich, dass ein “Recht auf Remix” auch so gestaltet werden kann, dass es gewährleistet wird. Man könnte sich dazu Standardlizenzen ähnlich der CC vorstellen, als Denkansatz. Bisher wird jedenfalls wild geremixt und sie bekommen es wahrscheinlich nicht einmal mit. Und wenn etwas passiert, kriegen sie es erst mit, wenn es zu spät ist und der Schaden schon eingetreten ist. Die Digitalisierung sorgt nämlich nicht nur für schnelleres Remixen, sondern insbesondere für eine schnellere Verbreitung. “
Ich glaube tatsächlich nicht, dass es am Urheberrecht liegt. Im Gegenteil. Das Urheberrecht als Regelwerk ist auf Grund seines „schlanken“ Designs bestens für den digitalen Markt geeignet.
Vielmehr ist es die Exekutive, die Nachverfolgung, die auf gut deutsch alles ziemlich vergeigt und verpennt hat.
Das Urheberrecht als solches kann sehr wohl die von mir angesprochenen Bedenken seitens der Urheber stemmen. Aber ich sehe hier auch nicht wirklich Handlungsbedarf. Vielmehr sind es einerseits die Vertragsgestaltung Urheber/Verwerter (namentlich Label oder Verlag) und die Vermarktungsstrategien der Verwerter. Dort finden meines Erachtens die eigentlichen Behinderungen statt. Da ja ein offensichtlicher Bedarf da ist, fragt es sich, warum dieser von Verwertern nicht schon für sich entdeckt wurde. Sample-Content Hersteller mischen da schon lange mit.
Die Antwort darauf, ist der Schlüssel. Und das hat nichts mit dem Urheberrecht zu tun.
**** Ich lehne mich jetzt etwas weit aus dem Fenster, muss aber klar darlegen, dass dies meine ureigensten Gedankenspiele sind.
Und der Sache „Recht auf Remix“ zu dienen, muss zuerst einmal der aktuelle Status in die Legalität gehoben werden. Und da wäre in der Tat ein „Remix-Tarif“ denkbar.
Dies könnte sogar mit der GEMA bewerkstelligt werden, der Mitgliederkonsens vorausgesetzt und unter der Prämisse, dass ein Urheber stets noch die Möglichkeit hat, einzelne Werke davon auszuschließen. Dann wäre es sicherlich ein Gewinn für beide Parteien.
Aber auch dafür muss die Wahrnehmung gestärkt werden, vor allem aber das gegenseitige Vertrauen.
Und wenn ich mich jetzt noch weiter aus dem Fenster lehne, könnte ein Remixer selbst natürlich auch ein Mitglied einer Verwertungsgesellschaft sein, da es sich ja auch bei einem Remix durchaus um ein schützenswertes Werk handeln kann, unter Berücksichtigung der Teilhabe des Ursprungsurhebers.
Dies könnte sich wahrscheinlich im Falle eines Remixes durchaus mit Art. 8 UrhG vereinbaren lassen.
Um den Kreis zu schließen. Das Urheberrecht bezüglich des Remixes ist die falsche Schraube. Es ist offen genug gehalten, um jeder denkbaren Art der Verwertung und Lizensierung Spielraum zu lassen.
Das eigentliche Problem hat eine andere Ursache. Es sind Vermarktungsstrategien, Vertragskonstrukte, etc.
Es hilft nicht, wenn sich Urheber und Remixer gegenseitig zerfleischen. So etwas geht nur gemeinsam.
Und fragwürdige Artikel oder Aussagen wie „von Künstlern des 20. Jahrhunderts erstrittenen Rechts auf Remix“, was im übrigen völliger Blödsinn ist, sind im höchsten Maße kontraproduktiv.
Wenn man den Wunsch eines Urhebers respektiert, auch Werke ausklammern zu dürfen, wenn man ein für beide Parteien vernünftiges Lizenzmodell schafft, hat man keine langwierigen Verfahrenwege mehr bezüglich der Urheberkontaktierung mit Bitte um Genehmigung, Urheber und Remixer gleichermaßen gewinnen neue Märkte, und letzlich, – man musste nicht einen Punkt oder ein Komma am Urheberrecht ändern, denn all das geht auch mit dem aktuellen und flexiblen Urheberrecht, man muss es nur wollen und auf einander zugehen. ***
Abschließend: Ich habe aus dem Ausland auch E-Books in Landessprache erworben. Wo und wie da genau das Urheberrecht eine Barriere sein soll, ist mir immer noch schleierhaft.
nutellaberliner | 14.03.2015 | 22:38 Uhr
@Stefan Hertwig
Herzlichen Glückwunsch für die Anpassung an das piratige „wenn ich kein Argument hab, werd ich persönlich“.
Damit ist die Unterhaltung mit einem lauten *plonk* beendet.
Stefan Herwig | 14.03.2015 | 14:30 Uhr
„Wenn Du auf den Link geklickt hättest, wüsstest Du, dass nicht nach BRÜSSEL(!) eingeladen wird, sondern lediglich in die Sprachkonferenzsoftware Mumble, mit der sich jeder von seinem heimischen Computer aus, Internetanschluss vorausgesetzt, in die am Montag stattfindende Diskussion einklinken kann. Bis Montag dann!“
Danke für den Hinweis. Hatte ich in der Tat überlesen. Das letzte Mal als ich Mumble benutzt habe, hat sich die Anwendung nach 15 Minuten Gespräch irreversibel aufgehgängt. Schauen wir mal….
„Dann steht mit dem Steuerrecht ja alles zum Besten… Recht und Gerechtigkeit sollten zumindest theoretisch etwas miteinander zu tun haben. Je komplexer Rechtsnormen werden, desto ungerechter werden sie – weil sie in ihrer Anwendung nur noch demjenigen offen stehen, der Spezialisten für die Materie bezahlen kann. Das Urheberrecht ist aber eigentlich ein Gebiet, das täglich in der Anwendung ist und wo eigentlich jeder wissen sollte, was erlaubt ist und was nicht. Das ist bei überkomplexen Materien nicht der Fall. Beim AGB Recht ist das für den Verbraucher egal, das muss im Detail nur kennen, wer AGBs schreibt. Dafür gibt es übrigens Muster.“
Ja, das spräche für eine VERIENFACHUNG der Rechtsmaterie, aber das heisst nicht zwangsläufig eine einseitige Abschleifung, wie die Piraten es fordern. Und das sind wiederum zwei komnplett unterschiedliche Dinge.
„Recht zielt darauf ab, dass es Antworten auf Fragen des (Wirtschafts)Lebens gibt. Und zwar auf die, die einer Regelung bedürfen. Natürlich könnte man jetzt auch den Sachsenspiegel wieder in Kraft setzen – er wäre nur als Rechtsordnung einer ständischen Agrargesellschaft untauglich für die Fragen, die sich heutzutage in einer Handelsgesellschaft stellen. Und würde im Alltag ignoriert.“
recht zelt vor allem darauf ab, weiderstreitende Interessen und Kiollissionen einander abzuwägen, und eine proprietäre Entscheidungshilfe an die Hand zu geben. Es eght also nicht nur darum, das urheberrecht an das Netz anzupassen, sodnenr vielleiocht auch anderes herum: Das Netz muss ebenfalls an das urheberrecht angepasst werden, denn die vielfältigen Kollisionen mit anderen rechtsgebieten sahen seine erfinde rnicht im geringsten voraus. Genau diese GEGENSEITIGKEIT ind er ABwägung sehe ich bei den Piraten nicht im Ansatz. Da ist keiune Abwägung, das ist nur ein Gut&Böse Bild. welches ihr euch aus eurer eignen Filterbubblebespassung (Ich sage nur: „Content Mafia“) herangezogen habt, und ie rechte der“Bösen“ müssen jetzt entsprechend abgeschnitten werden.
DAS, mein lieber Nutellaberliner hat weder etwas mit dem Alltag der Kreativen zu tun, noch mit Intreressensaiusgleich. Ich erinner emich noch, wie sich die Piraten an die Verlinkungen von illlegalen Streaming-Plattfoirmen wie Movie2k und Kinox.to agengeschleimt hat. Und jetzt wollt ihr uns glaubeen machen, dass euch das Auskommen der Kreativen am herzen liegt???
Geh mal wieder mit Nutella spielen, lieber Berliner… Ihr habt euch mit solchen Aktivitäten jede Kredibilität bei den Kreativen verspielt.
Der Bock kann meinetwegen versuchen, sich zum Gärtner ztu machen, aber das wird nicht lange unbemerkt bleiben.
nutellaberliner | 14.03.2015 | 10:46 Uhr
Zur Ja/Nein-Frage: JA.
Ich glaube nur, dass das derzeitige Urheberrecht nicht in der Lage ist, so etwas gewährleisten. Ebenso glaube ich, dass ein „Recht auf Remix“ auch so gestaltet werden kann, dass es gewährleistet wird. Man könnte sich dazu Standardlizenzen ähnlich der CC vorstellen, als Denkansatz. Bisher wird jedenfalls wild geremixt und sie bekommen es wahrscheinlich nicht einmal mit. Und wenn etwas passiert, kriegen sie es erst mit, wenn es zu spät ist und der Schaden schon eingetreten ist. Die Digitalisierung sorgt nämlich nicht nur für schnelleres Remixen, sondern insbesondere für eine schnellere Verbreitung.
Zu Urheberrechtlichen Verbreitungsproblemen: das mag bei gedruckten Büchern tatsächlich kein so großes Problem sein, bei allen digitalen Werken ist es eines. Und die Ursache für die Existenz der illegalen Plattformen.
Gesellschaftliche Normen und Internet: Das Internet ist jetzt bereits Realität. Die Digitalisierung ist Realität. Es gibt keinen Lebensbereich mehr, der nicht durch die Digitalisierung verändert wird. Und die Veränderungen werden weitergehen. Da können wir drüber philosophieren, ob uns das gefällt oder nicht – es ändert nichts. Die gesellschaftlichen und (in der Folge) rechtlichen Normen werden sich dem anpassen.
Das Urhebergesetz ist auf die Digitalisierung nicht vorbereitet. Weder stimmen die gedanklichen und wirtschaftlichen Grundlagen, auf denen es fußt noch wird es respektiert. Übrigens auch nicht von denen, die sich als seine Verteidiger aufspielen. Das schadet nicht zu letzt Urhebern. Denjenigen, die das Urheberrecht ignorieren, ist das egal.
Was ich nicht verstehe sind die Ausführungen zu § 14 UrhG und Art. 14 GG. § 14 UrhG ist das Urheberpersönlichkeitsrecht, das gerade nicht Ausfluss von Art. 14 GG ist.
Andrew Noah Cap | 14.03.2015 | 02:32 Uhr
Da ich grundsätzlich jeden Post, sofern er denn lesenswert ist und nicht über eine zu leicht durchschaubare Rhetorik verfügt, aufmerksam lese und zuerst einmal vorbehaltslos bewerte, würde ich Ihnen ganz gerne einige Fragen stellen, um zu vermeiden, etwas in irgendeiner Form falsch zu verstehen.
So wie ich es verstanden habe, bemühen Sie zur Durchsetzung des Rechts auf Remix den Artikel 14 des Grundgesetzes, wahrscheinlich Absatz 3:
„(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.“
Da es dabei nicht nur um die Verwertungsrechte gehen kann, da diese ja an Artikel 14 UrhG gebunden sind, dient der Art. 14 GG letztlich wahrscheinlich der Aushebelung desselbigen, genauer gesagt, Sie begründen die Zweckmäßigkeit der Änderung von Art. 14 UrhG mit der Anwendung von Art. 14 GG.
„Der Urheber hat das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden.“
Und da dies auf Grund der Natur der Beziehung zwischen Urheber und Werk unmittelbar auf Artikel 1 des Grundgesetzes gründet, möchten Sie das wie argumentieren?
Bitte, bitte sagen Sie mir, dass Sie noch einen Plan B haben.
Mit dem Begriff „Künstler“ tue ich mich in Urheberrechtsfragen und -diskussionen etwas schwer, da ein Künstler nicht zwingend auch ein Urheber ist.
Gleichfalls empfinde ich den Begriff „Idee“ als fehl am Platz, da grundsätzlich von einem Werk die Rede ist, sei es ein Gemälde, eine Skulptur, ein Buch oder eben eine Komposition.
Darf ich stillschweigend davon ausgehen, dass Sie mit Künstler stets einen Urheber meinen?
Ich möchte generell betonen, dass ich einem Remix durchaus positiv gegenüber stehe.
Das ich gefragt werden möchte, hat weniger mit finanziellem Ausgleich zu tun, als mit der Tatsache, dass mein Name unabdingbar mit meinem Werk verbunden ist.
Und aus genau diesem Grund möchte ich verschiedene Dinge einfach nicht.
Ich habe einige Werke, die ich aufgrund ihrer Historie genauso belassen möchte, wie sie sind.
Ich möchte nicht, dass meine Werke für politische Zwecke oder im Rahmen von Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit benutzt werden.
Ich möchte auch nicht, dass meine Werke mit pornografischem Inhalt in Verbindung gebracht werden.
Bei einem generellen Recht auf Remix wären mir, dem obigen Argumentationsstrang folgend, keine Möglichkeiten mehr gegeben, darauf einzuwirken und dass dies passieren könnte, kann zu keinem Zeitpunkt mehr ausgeschlossen werden.
Würde es jetzt geschehen, könne ich zumindest noch rechtliche Schritte einleiten.
Nun meine Frage, und es wäre mir genehm, wenn Sie diese kurz und knapp mit JA oder NEIN beantworten würden:
Respektieren Sie solch ein Anliegen eines Urheber? Ja oder Nein?
Nun eine ganz andere Frage, bei der ich in der Tat Probleme habe, dies nachzuvollziehen, da ich noch nicht auf ein solches Problem gestossen bin.
Sie berichten, dass Sie durch das Urheberrecht daran gehindert werden, legal Bücher aus Frankreich in französisch und aus den USA in englisch zu beziehen.
Nun, ich beziehe seit Jahren regelmäßig Fachbücher und Romane in der Landessprache aus Südafrika, den USA, England und auch hin und wieder aus Italien, – diese sowohl als E-Book als auch als Print. (Hier sei angemerkt, dass ich gedruckte Bücher bevorzuge).
Das einzige Hindernis in jüngster Vergangenheit war die neue Umsatzsteuerregelung bei E-Books als Download.
Wie genau ist das Urheberrecht da hinderlich?
Ist es eine ganz spezielle Literatur?
Ernsthaft, da habe ich Verständnisschwierigkeiten.
Zum Uhrebergesetz kann ich sagen, dass ich zur Zeit keine wirkliche Notwendigkeit einer Reform sehe. Eher würde ich die Durchsetzung ebendieses Gesetzes wünschenswerterweise optimieren.
Hier erhoffe ich mir aber, durch Sie eventuell zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.
Zum Gebrauch des Internets im allgemeinen, da es ja immer wieder anklingt, möchte ich einige Punkte feststellen:
Zum einen muss trotz Steigerung des durchschnittlichen IQs von 3 Punkten pro Generation bezüglich Sprach- und Lesekompetenz, Sozialkompetenz, Wertewahrnehmung und der Fähigkeit zu differenziertem Denken, was ja unmittelbar an den Umfang des Wortschatzes geknüpft ist, nachweislich (und da sind sich seltsamerweise einmal alle Soziologen einig) degenerative Entwicklung festgestellt werden.
Ich bin der festen Überzeugung, dass Mechanismen, dem entgegenzuwirken, weniger durch den Gesetzgeber als durch soziale Strukturen etabliert werden sollten.
Grundsätzlich sollte man technische Neuerungen nicht begrenzen, solange nicht die Rechte, Körper oder Seele, Hab und Gut sowie Lebensqualität eines „realen“ Menschen gefährdet werden.
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, denn an jedem Ende einer Leitung sitzt ein Mensch und dessen Grundbedürfnisse und Eigenschaften haben und werden sich durch Technologien nicht ändern.
Gesellschaftliche Normen sind wandelbar, – das müssen sie sein. Aber wer diese ganz aufgibt, dem bleibt am Ende in der Tat nur noch das Internet.
Ich bedanke mich bei Ihnen schon einmal für Ihre Antworten und verbleibe
flo | 14.03.2015 | 00:55 Uhr
„Das ist schön, das sie uns nach BRÜSSEL (!) einladen.“
Wenn Du auf den Link geklickt hättest, wüsstest Du, dass nicht nach BRÜSSEL(!) eingeladen wird, sondern lediglich in die Sprachkonferenzsoftware Mumble, mit der sich jeder von seinem heimischen Computer aus, Internetanschluss vorausgesetzt, in die am Montag stattfindende Diskussion einklinken kann. Bis Montag dann!
nutellaberliner | 13.03.2015 | 18:34 Uhr
„Komplexität ist ein schlechter Indikator für Reformbedarf, weil AGB-Recht ja auch komplex ist“.
Dann steht mit dem Steuerrecht ja alles zum Besten… Recht und Gerechtigkeit sollten zumindest theoretisch etwas miteinander zu tun haben. Je komplexer Rechtsnormen werden, desto ungerechter werden sie – weil sie in ihrer Anwendung nur noch demjenigen offen stehen, der Spezialisten für die Materie bezahlen kann. Das Urheberrecht ist aber eigentlich ein Gebiet, das täglich in der Anwendung ist und wo eigentlich jeder wissen sollte, was erlaubt ist und was nicht. Das ist bei überkomplexen Materien nicht der Fall. Beim AGB Recht ist das für den Verbraucher egal, das muss im Detail nur kennen, wer AGBs schreibt. Dafür gibt es übrigens Muster.
„Urheberrecht muss sich nicht um Digitalisierung kümmern“
Recht zielt darauf ab, dass es Antworten auf Fragen des (Wirtschafts)Lebens gibt. Und zwar auf die, die einer Regelung bedürfen. Natürlich könnte man jetzt auch den Sachsenspiegel wieder in Kraft setzen – er wäre nur als Rechtsordnung einer ständischen Agrargesellschaft untauglich für die Fragen, die sich heutzutage in einer Handelsgesellschaft stellen. Und würde im Alltag ignoriert.
Genau das passiert dem Urheberrecht. Man kann schon die Realität ignorieren, wenn sie nicht zur Regelung passt – das interessiert die Realität aber herzlich wenig.
Der Effekt davon ist nicht etwa, dass es Urhebern gut geht, sondern dass es ihnen immer schlechter geht. Weil die Realität nicht mehr zu den Regelungen passt und sie deshalb ignoriert werden. Dann brechen die Einnahmen ein, weil Gutmeinende meinen, sie müssten den derzeitigen Zustand des Urheberrechts konservieren. Damit wird das Urheberrecht nur noch weiter in die Bedeutungslosigkeit rutschen.
nutellaberliner | 13.03.2015 | 18:12 Uhr
Lieber Herr Elbel,
Ich hielt es eigentlich für selbstverständlich, dass in einem Diskurs, der eben kein Roman sein soll und auch keine wissenschaftlicher Fachaufsatz Selbstverständlichkeiten nicht empirisch belegt werden müssen, insbesondere wo rechtswissenschaftliche Diskurse doch eher selten empirisch sind. Was sollte Empirie auch bringen, wer mehr Zitate findet hat recht?
Gleichfalls bedarf es eigentlich für mich keiner näheren Begründung, dass ein Rechtsgebiet, das allein in Deutschland ca. 15 Werkarten und Schutzrechte mit unterschiedlichen Schranken kennt, komplex ist. Wenn man diese Werkarten noch beliebig kombinieren kann (das geht erstmals mit der Digitalisierung) und weltweit zugänglich machen kann, dann ist ein Recht, das von analoger Verbreitung in nationalstaatlichen Grenzen ausgeht, aus der Zeit gefallen. Recht, das von der Zeit überholt wird, zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es weitgehend ignoriert wird. Ich denke, es bedarf keines empirischen Beweises, dass dies beim Urheberrecht inzwischen der Fall ist.
Die Beibehaltung der nationalen Grenzen geschieht auch nicht zum Schutz der Urheber. Das mag für den Druck von Büchern gerade noch so gelten (ich hätte gerne viel mehr französische Bücher hier!) – für die wirtschaftlich deutlichen bedeutenderen Bereiche der Musik und des Films und für den wachsenden Markt an E-Books gilt dies nicht mehr. Da hindert mich das Urheberrecht daran, Bücher, Musik und Filme aus Frankreich auf französisch oder aus den USA auf englisch legal zu erwerben – der illegale Erwerb ist aber unkompliziert. Wenig überraschend ist dieser Zustand für Künstler unbefriedigend, aber legale Geschäftsmodelle sind wirtschaftlich und rechtlich scheinbar nicht darstellbar. Die Nachfrage existiert, ein legales Angebot nicht, den Rest regelt der Markt. Ob es den Künstlern gefällt oder nicht.
Zur Trennung von Art.14 und Art.1 GG: Meines Erachtens schützt Art. 1 keine Gewinnmöglichkeit. Das Urheberrecht kennt die Trennung übrigens: das unabtretbare Urheberpersönlichkeitsrecht verbleibt immer beim Urheber, die (wirtschaftlichen) Verwertungsrechte sind übertragbar. Ich halte es aber für verfehlt, eine Debatte, der es wesentlich um das Einkommen von Künstlern geht über das Urheberpersönlichkeitsrecht zu führen. Wenn es um Einkünfte geht, die sind auch legitim, sollte man das Problem mit Mitteln behandeln, die dafür gemacht sind. Das Urheberpersönlichkeitsrecht ist es nicht. Die Trennung der Debatte vom Urheberpersönlichkeitsrecht ermöglicht dann aber beispielsweise „Zwangslizenzen“ bzw. Einkünfte die sich an Einnahmen bei der Verwertung orientieren. Digital wäre so etwas sogar darstellbar. Ein wenig mehr Ehrlichkeit stünde hier den Künstlern gut zu Gesicht.
Die Behauptung, diejenigen, die remixen, wären keine Künstler, führt zu einer Trennung in – polemisch gesprochen – echte Kunst, wahre Kunst, vielleicht-Kunst und eher-nicht-Kunst anhand von ökonomischen Kriterien. Dieser Ansatz ist dem bisherigen Urheberrecht fremd. Wie oben beschrieben hat der derzeitige Ansatz einfach nur die Folge, dass wild geremixt wird und sich hin und wieder ein Anwalt einschaltet, in den meisten Fällen aber nicht. Auch das kann keine Rechtslage im Sinne der Künstler sein – weder derjenigen, die remixen noch derjenigen, deren Werke geremixt werden, die dafür aber keine Vergütung erhalten.
Man kann natürlich Frau Reda dafür kritisieren, dass sie die Realität des Urheberrechts als Ausgangspunkt für Reformvorschläge nimmt (meine wären radikaler, aber nicht mehr in Übereinstimmung mit den Berner Verträgen (weg damit!)). Es hilft den Künstlern allerdings rein gar nichts, das theoretisch vorhandene Urheberrecht für die gelebte Praxis zu halten und Anpassungen der Theorie an die Praxis und neuartige Möglichkeiten für Einschnitte zu verkaufen. Die Beibehaltung des inzwischen nur mehr theoretisch vorhandenen Urheberrechts schadet am meisten den Urhebern selbst. Weil es Nutzer und andere Künstler zwingt, die Rechte der Urheber zu ignorieren.
Stefan Herwig | 13.03.2015 | 17:06 Uhr
„Dass das Urheberrecht, das auf Grundlagen des späten 19. Jahrhunderts fußt, die für die Digitalisierung weitestgehend unbrauchbar sind, dürfte außer Zweifel stehen.“
Der Satz ist so schön, man kann ihn agrnicht oft genug zitieren. Muss urheberrecht denn wirklich „für digitalisierung brauchbar“ sein?
Das ist ja genauso, als wenn ich schriebe: „dass der Mensch mit sienem mimosenhaften Reagieren auf radioaktivtät für die Moderne Energieerzeugung unbrauchbar ist, dürfte ja wohl ausser Zweifel stehen.“
Ja, Digitaliserung und Urheberrecht stehen in einem Spannungsfeld zueinander, DASS ist unbestritten. Aber ob das gleichzeitig heisst, dass das urheberrecht der „Naturgewalt“ digitalisierung wirklich komplett nachgeben muss, das sollte bezweifelt werden. Es geht um nachhaltige Ausgestaltung von recht und tehcnonologie ZUEINANDER, nicht einseitige Anpassnung, Das kann doch garnicht so schwer sein.
Spätestens seit Snowden sollten wir doch gelernt haben, die „Urgewalt“ Digitalisierung etwaas zu relativieren….
Stefan Herwig | 13.03.2015 | 17:00 Uhr
„Komplexität ist im Übrigen m.E. ein eher schlechter Indikator für Reformbedarf. Wie viele Ihrer juristisch unbewanderten Freunde würden wohl das Recht der allgemeinen Geschäftsbedingungen ohne anwaltliche Expertise verstehen, oder das Baurecht, oder die Haftungsregeln im Straßenverkehr. Gleichwohl werden in Deutschland fröhlich Formularverträge geschlossen, Häuser gebaut und Autos gefahren.“
Lieber thomas Elbel,
ich stimme dir in fast allen Punkten zu, hier möchte ich aber trotzdallem einhaken. Gerade im Strassenverkehr wurde im Zuge der Individualmotorisierung 1970 das regelwerk „Strassenverkehrsordnung“ komplett überarbeitet und idiotensicher gemacht. Schau‘ dir mal die errsten 10 Parahgraphen der STVo an, da wirst du sehen, dass sich hier jede Menge kluge Köpfe um Zugänglichkeit der materie bemüht haben – kein Wunder bei ca. 21.000 Strassenverkehrstoten im Jahr 1970 (Heute sind es noch ungefähr 3.500 – bei fast gleicher Verkehrsdichte).
ich glaube also schon, dass etwas dran sein muss, dass das urheberrecht als Materie ebenso wie der Strassenverkehr „Nutzersicher“ gemacht wird. Das ist aber eben NICHT mit dem großflächigen einseitigen Abschleifen des Urheberrechts gleichzusetzen, wie uns hier Reda und einge forumsteilnehmer glauben machen wollen.
Schauien wir mal, wohin die reise geht….
Stefan Herwig | 13.03.2015 | 16:15 Uhr
„Sie möchten mit Julia Reda reden? Am kommenden Montag um 20:30 Uhr haben Sie dazu die Gelegenheit: https://www.piratenpartei.de/2015/02/12/bericht-aus-europa-spezial-julia-reda-steht-zur-eu-urheberrechtsreform-rede-und-antwort/“
Das ist schön, das sie uns nach BRÜSSEL (!) einladen. Wie wäre es denn, wenn Julia reda mal ALLE Kommentare feischalten würde, die sie zu ihrem Aufruf an die Künstler erhaqlten hat?
flo | 13.03.2015 | 11:21 Uhr
Sie möchten mit Julia Reda reden? Am kommenden Montag um 20:30 Uhr haben Sie dazu die Gelegenheit: https://www.piratenpartei.de/2015/02/12/bericht-aus-europa-spezial-julia-reda-steht-zur-eu-urheberrechtsreform-rede-und-antwort/
Thomas Elbel | 12.03.2015 | 16:00 Uhr
nutellaberliner | 11.03.2015 | 14:46 Uhr
ich muss zugeben, dass mich der Versuch einer produktiven Antwort auf Ihr Posting vor nahezu unüberwindliche Probleme stellt.
Ihr Text wimmelt nur so von Axiomen, die m.E. aber des (empirischen) Belegs bedürfen. Und Empiriemangel ist ja etwas, was ich in meinem Ursprungstext gerade bemängele. Exemplum gratia:
Dem möchte ich ein schlichtes „Tatsächlich?“ entgegensetzen. Wie Ihnen als Jurist bekannt ist, fußt ein maßgeblicher Teil unserer Rechtsordnung schon im römischen Zwölftafelgesetz und macht sich gleichwohl nicht schlecht. Die schlichte Formel „altes Gesetz = schlechtes Gesetz“ möchte ich also – auch wenn sie in diesem Diskurs fast gebetsmühlenartig wiederholt wird – nicht mitgehen. Und dann geht es in ihrem Text so weiter:
„Schranken zu eng“
„Regelungen zu komplex“ etc. pp.
Und immer wieder möchte ich fragen: Empirie?
Komplexität ist im Übrigen m.E. ein eher schlechter Indikator für Reformbedarf. Wie viele Ihrer juristisch unbewanderten Freunde würden wohl das Recht der allgemeinen Geschäftsbedingungen ohne anwaltliche Expertise verstehen, oder das Baurecht, oder die Haftungsregeln im Straßenverkehr. Gleichwohl werden in Deutschland fröhlich Formularverträge geschlossen, Häuser gebaut und Autos gefahren.
Zum Stichwort angstzentrierter Ansatz möchte ich auf meine obige Antwort an Herrn Rebentisch und insbesondere den in meinem Artikel verlinkten Text von Herrn Seemann verweisen. Die Urheber haben m.E. jedes Recht auf Frau Redas mannigfaltige und nur schlecht kaschierte Versuche ihnen in die Tasche zu greifen, ängstlich und wütend zu reagieren. Solange die Piratenpartei diese Angst und Wut zu delegitimieren versucht, wird sie bei den Künstlern wenig Sympathie bekommen.
Ihre Argumentation, derzufolge man Urheberrechte trennscharf in einen in Art. 1 GG wurzelnden Teil Persönlichkeitsrechte und in einen in Art. 14 GG wurzelnden Teil Verwertungsrecht aufspleißen kann, halte ich für zwar populär aber falsch. Im Kern ist m.E. auch der „ökonomische“ Teil des Urheberrechts vom allgemeinen Persönlichkeitsrecht erfasst, denn wer einem Urheber jegliche Verwertungsmöglichkeit nimmt, der höhlt damit das Urheberrecht quasi aus, aber das kann man gerne anders sehen. Ich halte das aber auch für eine akademische Diskussion, da wie Sie ja selbst sagen, der Art. 14 GG kein minderwertiges Grundrecht ist; man denke vor diesem Hintergrund an die Berufsverbote im Dritten Reich. Die Fähigkeit seinen eigenen Lebensunterhalt durch Arbeit zu bestreiten stiftet Autonomie und damit letztlich auch – und hier schließt sich der Kreis wieder – Würde.
Auch Ihrer Behauptung, nur Künstler würden Künstler remixen möchte ich wiederum entgegenhalten, dass mir hierzu die Empirie fehlt. Es wäre dann auch die Frage, warum eine derartige Forderung nicht lautestens aus Künstlermitte erhoben wird. Stattdessen laufen die Künstler dagegen Sturm. Wenn ich Ihren Gedanken (Künstler remixen Künstler) zu Ende denke, könnte man ja im Übrigen im Sinne des Erforderlichkeitsprinzips eine denkbare Recht auf Remix Schranke auf gewerbliche Kreativarbeit beschränken, aber das ist eben nicht das, was Frau Reda fordert.
Mein Bezug auf das Recht auf Remix war, wie ich selbst eingangs des Beitrags bemerkte, nur exemplarisch. Es geht mir darum ein abstraktes Prinzip sichtbar zu machen. Dieses Prinzip lautet: Während Frau Reda einerseits behauptet, Urheberrechte stärken zu wollen, unternimmt sie andererseits einen Haufen Schritte, von denen jeder einzelne geeignet ist, das Verwertungspotenzial kreativer Werke zu schmälern, da sie bis jetzt eine Lizenz erfordern. Frau Reda fordert dies aber ohne empirisch zu belegen, dass diese Veränderungen von breiten Bevölkerungsschichten gewünscht werden (Empirie). Außerdem nimmt Frau Reda dabei eine Umverteilung von abstrakt betrachtet ärmeren Künstlern zu ebenso abstrakt betrachtet wohlhabenderen Normalbürgern vor.
Thomas Elbel | 12.03.2015 | 15:16 Uhr
@A. Rebentisch | 11.03.2015 | 14:30 Uhr
Lieber Herr Rebentisch,
ich finde es schön, dass Sie das Thema Tonalität ansprechen. Ich halte es durchaus für möglich, dass auf diesem Gebiet von Kreativenseite nicht immer glücklichst agiert wurde, aber andererseits:
– Verwertungsgesellschaften sind keine Wohltätigkeitsveranstaltungen, sondern u.a. auch Künstlergewerkschaften und von Gewerkschaften erwarte ich, dass sie die Geldbeutel ihrer Mitglieder mit Zähnen und Klauen verteidigen
– Künstler sind keine Politiker und das ist auch gut so. Insofern würde ich mir etwas Nachsicht gegenüber dem „schrillen Dilletantismus“ und zugleich etwas aurale Offenheit für die dahinterstehende Not wünschen, selbst wenn sie NUR gefühlt sein sollte.
Die Künstler nehmen Frau Reda und ihre Forderungen halt nicht als moderat war. Die Frage ist da auch immer, was denn der Maßstab für „Moderatheit“ sein soll. Gemessen an alten piratischen Forderungen ist Frau Reda sicherlich erheblich „moderater“, aber davon abgesehen ist nahezu jede ihrer Forderungen (fair-use-Schranke, Recht auf Remix, Europalizenz, erweitertes Zitatrecht, erweiterte Wissenschafts- und Bildungsschranke, DRM-Verbot etc. pp.) ein schlecht verhohlener Griff in die Tasche der Kreativen.
Und wenn ich nun noch mal zurück zur Tonalität kommen dürfte: Die Tatsache, dass gerade das politische Lager, dass die meisten Künstler bis dahin als ihre politische Heimat betrachteten ohne jede Not ausgerechnet Frau Reda in diese symbolträchtige Position hievt hat verbrannte Erde im Übermaß hinterlassen. Da darf man sich über anschrillenden Bocksgesang nicht allzu sehr wundern.
Ceterum censeo, Sie haben völlig recht. Rumgefrickele am Urheberrecht ist keine Lösung für irgendwas.
Andrew Noah Cap | 12.03.2015 | 12:16 Uhr
Ich bin immer wieder fasziniert von der Trennung materieller und immaterieller Güter. Solch eine Trennung in bezug auf Eigentum gab es nie und wird es auch nicht geben.
Respekt und Anerkennung des Eigentums anderer sind mit unter Grundfeste, auf die eine Gesellschaft aufgebaut ist.
„Meins-Deins“ als altbacken darzustellen, würde, gemessen an Kohlberg Sozialkompetenz-Studien und der daraus entwickelten Stufen-Theorie, jeden Soziologen in Alarmbereitschaft versetzen.
Würde man vorhandene Gefüge als altbacken negieren, müsste man dies konsequent tun und nicht nur auf immaterielles Eigentum beschränken. Und damit wäre dann „Dein“ Auto auch mein „Auto“. Ja, das wäre konsequent.
Zum Glück wird es dies so in der Form nicht geben, denn das würde eine Zwangsenteignung darstellen, die im Widerspruch jeder Verfassung eines jeden EU-Staates steht.
Und zur Beschreibung der Realität:
„Remix machen ohne irgendwelche Rechteinhaber zu fragen oder sich Gedanken über Urheberrechte zu machen. Sollte man wider Erwarten doch Geld damit verdienen, wartet man daauf, ob ein Rechteinhaber eine Beteiligung einfordert.“
Den letzten Teilsatz würde ich gerne aufgrund meiner Erfahrungswerte korrigieren:
… wartet man darauf, ob der Rechteinhaber eine Klage einreicht. Man bezahlt daraufhin eine Vielstellige Geldstrafe und nimmt das illegal erstellte „Werk“ vom Markt. Bei Zuwiderhandlung gegen die Auflagen eines Gerichtsurteils empfängt man bereitwillig die daraus resultierende Strafe.
Ja, optimal ist dies sicherlich nicht, aber gewinnbringend, – und das sage ich aus Erfahrung.
ADA | 12.03.2015 | 11:47 Uhr
Das Absurde an der Right 2 Remix Bewegung ist schlicht, daß Sie es ggf. Dritten zu vernebeln versteht, wo den nun die wirkliche Problemstellung sein soll.Da man sich selbst in Hardcore Netzkreisen einig ist, das damit NICHT eine Absenkung von Persönlichkeitsrechten gemeint sein soll ( also z.b eine konkreter REMIX des handyfilmes eine Prügelopfers), na wo besteht den Bitteschön die Rechtslücke??? Was jeder im Privaten Nichtöffentlich macht, ist seit jeher seine Sache. Dem Picasso im heimischen Wohnzimmer übermalen? Just Do it. Musik zuhause verunstalten? Just Do it. Aber nun geht es darum, diesen Content Öffentlich zu verbreiten. Und hier zeigen sich die tatsächlichen Interessen. Um die Netzmaschine zu schmieren, besonders solche Angebote wie YouTube oder Flickr oder anderem, ist immer neuer Content notwendig. Nun ist es aber für Dritte wenig interessant, wenn Hinz und Kunz zu Ihren Urlaubsfilm auf den Kanaren, selbst die Musik dazu pfeifen, und dies auf YouTube stellen. Na wie schön ist da der Gedanke, das sie für die Aufwertung des ganzen, und folgend die Aufwertung der Contentqualität, mit nachfolgender Wertschöpfungsabgriff der Privaten Daten, oder direkt über Werbung, tolle Musik legal verwenden können. Und dies ist in alle anderen Bereiche übertragbar. Etwas noch zu Musik. Das was immer wieder in Netzmusikkreisen unter „REMIX “ läuft, ist schlicht lächerlich. Die Hochzeit der „Remixe“ war Anfang der 90iger Jahre, In sehr kreativer Art und Weise wurden völlig neue Stücke geremixt. Dir rechte wurden einfach eingeholt,Royalities bezahlt, es gab, außer in Fällen, daß man das inhaltlich nicht wollte, im Grunde niemanden, der etwas dagegen hatte. Aber heute ? Come On… Heute benutzen sogenannte Remixer Software im Style von Lego Bauklötzchen. Voller Stolz diese Software für 5 jährige bedienen zu können, geben Sie sich der Illusion hin, Musik zu machen. Dabei sind Sie nur in der Lage , sich auszusuchen, ob Sie Steine mit 2 – 4 – oder & Zacken nehmen, und ob die Steine, weiß, blau oder rot sind. Und damit diese Gruppe für sich und den 3 anderen die das klasse finden, sich der Illusion hingeben will, das dies Musik sein soll, soll ein recht eingestampft werden, mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen ?? Anstatt so einen durchschaubaren Unsinn zum Nutzen der Content Anbieter zu unterstützen, kann mit anderen Maßnahmen, der legale Zugang zu Content tatsächlich erleichtert werden. Ich selbst in ein Freund einer Europarechtlichen Datenbank auf der der Autor SELBST ( also eben nicht über AGBs z.b von Creative Commens ) seine Rechte,und die folgende Optionen einer Drittnutzung, einfach und digital zugänglich deklariert. Dann bestimmen nicht die Diensteanbieter per AGB, daß die Nutzugn gemeinfrei zu sein hat, sonder die Dienstanbieter haben automatisiert die Möglichkeit Rechte abzugleichen, und ggf. auch zu bezahlen. Die Content ID ist hier im Besitz des Rechteinhabers, und nicht etwa ein „AGB“ Angebot, wie es etwa YouTube handhabt.
Stefan Herwig | 12.03.2015 | 11:23 Uhr
„Und da interessieren mich Ihre engen, altbackenen ästhetischen Vorstellungen (“meins”, “deins”) ehrlich gesagt nicht die Bohne, tut mir leid.“
Glücklicherweise macht eine Person mit ihrem Sozialverständnis keine gesetze. Die sind nämlich ergebnis eines Aushandlungsprozesses an dem die Interessen ALLER PArteien berücksichtigt werdne, und nnicht nur IHRE.
Und wo irgendwelche Künstler ein „Recht Auf remix“ histroisch erstritten haben, würde ich auch gerne mal erfahren.
Stefan Herwig | 12.03.2015 | 10:45 Uhr
„Man merkt,dass der Autor kein Musiker ist.
Wenn man Samples benutzen möchte, was in elektronischer Musik und HipHop andauernd der Fall ist, müste man theoretisch ab 4 Takten eine Zustimmung des Rechteinhabers einholen.
Völlig utopisch.“
Nicht richtig. man muss sogar shcon ab einem Takt eine zustimmung einholen, siehe das Kraftwerk./.Moses Pelham-Urteil „Metall auf Metall“.
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Man kann diese Lizenzierungen viel einfacher gestalten, der lizenzgeber kan sie sogar vorab aussprechen, wenn er nix gegen Sampling hat.
praktiker | 12.03.2015 | 10:36 Uhr
Also als Künstler beharre ich eigentlich schon auf mein von Künstlern des 20. Jahrhunderts erstrittenen Rechts auf Remix von vorhandenem Material, in welcher Form auch immer. Und da interessieren mich Ihre engen, altbackenen ästhetischen Vorstellungen („meins“, „deins“) ehrlich gesagt nicht die Bohne, tut mir leid. Denn sie sind selbst ja kein Ergebnis künstlerischer Forderungen, oder sonst irgendwie spannend, sondern nur reine Affirmation, Anschmiegen an das Bestehende. Da will halt dann nicht jeder mitmachen.
DieDas | 12.03.2015 | 09:44 Uhr
Man merkt,dass der Autor kein Musiker ist.
Völlig utopisch.
Hier könnte eine Orientierung am Bundessortenschutzgesetz vielleicht helfen.
Solange das geremixte bzw. mit samples entstandene Werk eine Weiterentwicklung des Originals darstellt, ist die Verwendung legitim.
So viele Remixe sind besser als die Originale und die wenigsten davon sind von Anfang an mit Zustimmung entstanden.
Die gängige Praxis ist zur Zeit:
Remix machen ohne irgendwelche Rechteinhaber zu fragen oder sich Gedanken über Urheberrechte zu machen. Sollte man wider Erwarten doch Geld damit verdienen, wartet man daauf, ob ein Rechteinhaber eine Beteiligung einfordert.
So siehts jetzt aus und hört sich doch alles andere als Optimal für alle Beteiligten an.
Stefan Herwig | 12.03.2015 | 09:36 Uhr
„Künstler wissen, dass das nicht immer so einfach ist. Lizentgebende Künstler, die Mitglieder in Verwertungsgesellschaften sind, sind ferner in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Es wäre schön, diese Kontraktmühe zwischen beiden Parteien zu reduzieren. Dabei geht es nicht darum, Vergütung zu verhindern, sondern die Entstehung abgeleiteter Werke zu erleichtern.“
Das ist m.E. nicht ganz richtig. der Leistungsschutzrechtliche und urheberrechtliche bereich sind hier zu trennen. Probleme gibt es erst dann, wenn ein Remix so große teile eines Tracks nutzt, dass es an die schöpfungshöhe der Verwendeten PArts geht.
du sagst aber richtigerweise, dass wir diesen Prozess optimieren können, da bin ich voll bei dir. Das Urheberrecht kann theoretisch auf diese funktionsweise optimiert werden. Ein ERSTER schritt dahin ist cc, aber das schließt kommerzielle nutzungen ja weitgehend aus. Insoonfern sollt eman darüber hnachdenken, wie die Tranbsaktionskosten hier gesenkt werdne können. Das sollte aber nicht durch einen Blankoverzicht auf Urheberpersönlichkeitsrechte gehen, und genau die fordert ja das „Recht auf Remix“.
A. Rebentisch | 12.03.2015 | 09:13 Uhr
Nur zur Ergänzung, wir reden von folgendem Entwurf eines Berichtes für den Ausschuss, für den MdEP Reda Berichterstatterin ist:
http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+COMPARL+PE-546.580+02+NOT+XML+V0//DE
Dazu werden die Mitglieder des federführenden Ausschusses JURI und andere Ausschüsse Änderungen einbringen und auch das Plenum. Der Bericht des Parlamentes, wenn angenommen, hat reinen Empfehlungscharakter für die Europäische Kommission. Deshalb werden INI-Berichte allgemeinen relativ leicht genommen.
„Für einen Remix kontaktiert man den Urheber/Rechteinhaber und im Falle, dass dieser zustimmt, einigt man sich über die Lizensierung. (Was auch kostenfrei sein kann, je nach Ermessen des Urhebers/Rechteinhabers).“
Künstler wissen, dass das nicht immer so einfach ist. Lizentgebende Künstler, die Mitglieder in Verwertungsgesellschaften sind, sind ferner in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Es wäre schön, diese Kontraktmühe zwischen beiden Parteien zu reduzieren. Dabei geht es nicht darum, Vergütung zu verhindern, sondern die Entstehung abgeleiteter Werke zu erleichtern.
Stefan Herwig | 12.03.2015 | 08:55 Uhr
Ist das Video, das in dem link unten behandelt wird auch ein Remix? Und wenn nein, warum nicht? Ich glaube es wird nirgendwo so schön deutlich, wieso es eine Inhalteverwendung OHNE Zustimmung der Urheber nie geben kann, wie in diesem Text.
http://www.wecab.info/3328-teil-1-von-rechten-urhebern-und-urheberrechten/
Volker Rieck | 12.03.2015 | 08:39 Uhr
„Da die meisten meiner Erwiderung auf die Meinung von Thomas Elbel damit enden, dass er überall eine aus dem Silicon Valley finanzierte Verschwörung ausmacht..“
Davon kann ich in dem Text nichts finden. Daher ist das schon mal am Thema vorbei denn es ist keine Auseinandersetzung mit dem Text.
„und mir mit Anzeigen droht (es dann aber nie macht)“
Was hat das bitte schön mit den Text zu tun? Richtig – gar nichts, es ist nur der plumpe Versuch den Autoren zu diskreditieren. Erschreckende Art und Weise.
Thomas Elbel stellt zu Recht die Frage, ob überhaupt jemals Untersuchungen gemacht wurden (Empirie) wie sehr das Thema Remix unter den Nägeln brennt. Es brennt offenbar nicht, denn die Aktionen rund um das Thema sind in einer Nische. Es interessiert Otto-Normal-User schlicht nicht, der will im Zweifel ohnehin nur konsumieren aber gar nicht selber aktiv sein.
Niemand geht auf die Straße dafür. Und genau das frustriert die Verfechter der Kampagne offenbar so sehr, dass sie dann zu solchen „Argumenten“ greifen.
Der Kern sind aus meiner Sicht ganz andere Dinge.
Das Recht auf Remix hat heute bereits jeder. Ich kann remixen bis der Arzt kommt. Problematisch wird es dann, wenn der Remix veröffentlicht wird, denn dann ist es nicht mehr die Privatangelegenheit des Remixers. Noch eine Stufe weiter geht es dann, wenn monetarisiert wird, sprich Dritte damit Geld verdienen.
Diese Art der Nutzung muss vergütet werden.
Und genau da hapert es noch. Die Möglichkeit solche Nutzungsrechte zu lizenzieren und auch einfach zu bezahlen fehlen.
Dazu muss man aber nicht das Urheberrecht ändern.
Und ebenfalls wichtiger Punkt ist die Kontrolle. Es muss möglich sein zu verhindern, dass ein Werk sinnentstellt wird. Kaum ein Komponist möchte sein Werk mit einem Nazitext versehen veröffentlicht sehen. Diesen Punkt könnte man aber mit dem ersten verbinden.
Genau so wie den Punkt, was denn überhaupt ein Remix ist?
Kürze ich einen aktuellen Film um 10 Sekunden und lade den bei Youtube hoch ist das denn ein Remix? Spätestens hier wird klar, dass es noch einiges an Klärungsbedarf gibt. Genauso wie bei -kommerziell/nicht kommerziell- da scheiden sich die Geister.
Fragen, auf die auf die verlinkte Seite keine Antworten gibt.
Andrew Noah Cap | 12.03.2015 | 00:59 Uhr
Egal, wie viele Buchstaben man auch in einem Kommentar verwenden mag, die halbherzige Polemik und Intesion ist schnell entlarvt.
Für einen Remix kontaktiert man den Urheber/Rechteinhaber und im Falle, dass dieser zustimmt, einigt man sich über die Lizensierung. (Was auch kostenfrei sein kann, je nach Ermessen des Urhebers/Rechteinhabers).
Dazu bedarf es keiner Änderung der Rechtslage.
Alles weitere, wie auch viele andere Punkte von Frau Redas Entwurf, ist nur der in adrettem Kleid darherkommende Versuch, Missbrauch zu legalisieren.
nutellaberliner | 11.03.2015 | 23:02 Uhr
Dann ist es wohl ein sehr schlechtes Beispiel. Wenn es eben kein Beispiel für mehr ist, sondern nur ein einziger Punkt. Und das führt dann wohl zu genau der Frage.
„Alter!…“
Andreas Roedl | 11.03.2015 | 23:00 Uhr
Identitätsreformation:
https://neuemodelle.wordpress.com/2015/03/09/sharing-identities-is-caring-about-others/
Tobias Schwarz | 11.03.2015 | 21:16 Uhr
Da die meisten meiner Erwiderung auf die Meinung von Thomas Elbel damit enden, dass er überall eine aus dem Silicon Valley finanzierte Verschwörung ausmacht und mir mit Anzeigen droht (es dann aber nie macht), fasse ich mich kurz und bediene mich der Aussagen Dritter, die meine Meinung sehr gut wiedergeben:
1. Das was A. Rebentisch kommentiert hat (siehe oben).
2. Fast alles von hier: http://rechtaufremix.org/
Andreas Roedl | 11.03.2015 | 19:47 Uhr
„Dann kann man darüber spekulieren, wieso sich der Autor ausschließlich auf den urheberrechtlich doch eher nebensächlichen Punkt des ‚Recht auf Remix‘ beschränkt.“
Wie das sein kann, dass sich der Autor darauf bezieht? Steht im freaking Teaser: „exemplarisch“. Alter…
Dass das Urheberrecht, das auf Grundlagen des späten 19. Jahrhunderts fußt, die für die Digitalisierung weitestgehend unbrauchbar sind, dürfte außer Zweifel stehen. Dass eine Anpassung des Urheberrechts bei Beibehaltung aller Regelungen des derzeitigen Rechts unmöglich ist, ebenfalls.
Ein neues Urheberrecht müsste es schaffen, wieder einen Ausgleich zwischen Nutzung von Werken für die Allgemeinheit und Vergütungsinteressen der Urheber zu schaffen. Derzeit schafft das Urheberrecht nichts von beidem. Das Nutzungsrecht für die Allgemeinheit ist eher theoretisch, weil einerseits die Schranken zu eng gezogen sind und andererseits die Regelungen derart komplex geworden sind, dass allenfalls Fachanwälte für Urheberrecht noch in der Lage sein dürften, urheberrechtskonform zu arbeiten. Die Vergütungsinteressen der Urheber werden nur mehr rein theoretisch geschützt, weil das derzeitige Urheberrecht keine angemessenen Abrechnungsmodelle für digitale Werke ermöglicht. Verdienen tun an den Werken andere. Am besten verdienen derzeit wahrscheinlich Anwälte. Die sind aber keine Künstler.
Um dies zu ändern, bräuchte es einerseits eine derartige Einsicht bei den Urhebern und andererseits eine Offenheit für neue Ideen. Beides lässt dieser Text nicht im Ansatz erkennen. So schadet der Autor im Endeffekt den Interessen derjenigen, denen er zur Durchsetzung verhelfen will.
Ein angstzentrierter Ansatz, unbedingt die Kontrolle über alles, was man in den öffentlichen Raum losgelassen hat, zu behalten, wird jedenfalls nicht dem Anspruch gerecht, dass das Urheberrecht einen Ausgleich zwichen Interessen der Allgemeinheit und denen des Künstlers schaffen muss.
Das Problem fängt schon mit dem eigentlichen Zweck des Urheberrechts an. Der Autor definiert es als Persönlichkeitsrecht, das in der Menschenwürde wurzelt. Das könnte für das Urheberpersönlichkeitsrecht stimmen, stimmt aber mit Sicherheit nicht für die für den Autor bestimmende Frage, ob es ein Recht auf kostenlosen Remix gibt. Da sind wir dann im Bereich des Eigentums, nicht mehr der hochtrabende Art. 1, sondern der viel profanere, aber trotzdem wichtige Art. 14 GG. Dann geht es nur noch um wirtschaftlichen Ausgleich. Das offenbart aber das Dilemma des Urheberrechts: gedacht als Schutz des künstlerischen Ausdrucks des Künstlers dient es nur noch dem Schutz des Auskommens, also der wirtschaftlichen Verwertung. Das kann und will man aber natürlich nicht so offen sagen. Warum auch immer.
Der nächste Denkfehler ist der Vergleich von durchschnittlichem Einkommen des Künstlers mit dem der „Normalbevölkerung“ um zu rechtfertigen, dass es kein kostenloses Recht auf Remix geben darf. Dabei wird außer acht gelassen, dass das Recht auf Remix nicht in erster Linie von der gesellschaftlichen Oberschicht in Anspruch genommen werden soll (die damit angeblich Künstler enteignen), sondern von Künstlern. Die damit Kunst erschaffen. Dann nehmen also Künstler sich gegenseitig aus und enteignen sich. Sowas aber auch. Aber auch die Erkenntnis wäre für die Erschaffung von Empörung eher ungeeignet.
Dann kann man darüber spekulieren, wieso sich der Autor ausschließlich auf den urheberrechtlich doch eher nebensächlichen Punkt des „Recht auf Remix“ beschränkt. Es bieten sich verschiedene Erklärungen von Uninformiertheit bis Bösartigkeit an, keine davon ist schmeichelhaft für den Autor, es wäre aber reine Spekulation.
Dass der Autor aber Piraten, egal was sie tun, für eher mittelgut hält, die Erkenntnis ist offensichtlich. Das war sie aber auch schon vor der Lektüre.
A. Rebentisch | 11.03.2015 | 14:30 Uhr
Ich habe den Eindruck Sie verbeißen sich in ein Feindbild, das Sie nicht gut aussehen lässt. Reda hat im Parlament einen ziemlich konservativen Bericht vorgelegt. Die Debatte der letzten 15 Jahre im Europaparlament war auf Rechteverwerterseite durch einen ziemlich wahllosen Extremismus gekennzeichnet, der auf jedes Pferd gesetzt hat, das irgendwie ihre Position zu verbessern schien. Bis dahin, dass selbst um Blindenrechte kleinlichst gefeilscht wurde. Ich habe das einmal mit dem Ausbauen von Bremsen aus dem Rennwagen verglichen, weil das Ziel ja „mehr Geschwindigkeit“ sei. Das haben die meisten Parteien jetzt über. Nun treten aus der zweiten Reihe die Künstler mit einer rabiat dilettantischen Stimmungsmache hervor, die von ihrer Machtferne zeugt. Politiker nehmen diese Stimmungen war aber diese Tonalität schliesst alle Türen. Negative Campaigning kommt nicht gut an.
Wenn wir auf Null gehen und uns fragen, was die Einkommenssituation von Kreativschaffenden verbessern kann, fällt mir eine Reihe an Maßnahmen ein, Rumgebastel am Urheberrecht gehört da nicht dazu. Die Bemühungen der Kommission zum Urheberrecht sind derzeit dadurch gekennzeichnet, einfachere Binnenmarktlizenzen zu erhalten und Ausnahmen der Mitgliedstaaten anzugleichen, kurz Reduktion von „friction costs“. Ferner stellt sich die Frage, welche Anpassungen man für die digitale Umgebung benötigt. Redas Position wird hier als ausgesprochen moderat und konstruktiv wahrgenommen.
Dr. Thomas Elbel studierte Rechtswissenschaften in Deutschland und den USA und ist heute Professor für […]
Anne Frank, das Urheberrecht und die Piratin (02.05.2016)
Böse Störerhaftung? (27.04.2015)
Vom Totalitarismus der Wissensallmende (07.02.2013)

References: Art. 1
sui generis
 Art. 3
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 Art. 1
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 Art. 14
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 Art. 12
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