Source: https://www.haufe.de/finance/haufe-finance-office-premium/reverse-charge-verfahren-buchungsbeispiele_idesk_PI20354_HI2261079.html
Timestamp: 2020-05-31 18:30:07+00:00

Document:
Reverse-Charge-Verfahren: Buchungsbeispiele | Haufe Finance Office Premium | Finance | Haufe
Das Reverse-Charge-Verfahren stellt eine Abkehr von der üblichen Art der Umsatzsteuerbuchung und -abführung durch den leistenden Unternehmer dar. In den abschließend gesetzlich festgelegten Fällen des Reverse-Charge-Verfahrens schuldet der Empfänger der Leistung die Umsatzsteuer. Ähnlich wie bei innergemeinschaftlichen Erwerben wird die Umsatzsteuer beim Leistungsempfänger gebucht und bei voller Berechtigung zum Vorsteuerabzug gleichzeitig wieder als Vorsteuer abgezogen. Wie Geschäftsvorfälle richtig eingeschätzt und gebucht werden, zeigt der Beitrag.
Für das Reverse-Charge-Verfahren ist im Inland vor allem § 13b UStG maßgeblich. Die Finanzverwaltung nimmt u. a. Stellung in BMF, Schreiben vom 4.2.2011, IV D 3 – S 7279/10/10006; BMF, Schreiben v. 26.9.2014, IV D 3 – S7279/14/10002; BMF, Schreiben v. 26.7.2017, III C3 – S7279/11/10002-09.
1 Französischer Unternehmer erbringt Leistungen an deutschen Unternehmer
Französischer Unternehmer erbringt Leistungen an deutschen Unternehmer
Bauunternehmer B aus Breisach/Rhein wird von seinem französischen Freund und Unternehmer F im Januar besucht. F baut dabei gleichzeitig im Büro von B eine Holzdecke ein. Das Holz hat er aus Frankreich mitgebracht.
Zeitgleich mit der Werklieferung erhält B die Rechnung über 1.000 EUR, die er umgehend bar bezahlt.
F weist in seiner Rechnung korrekt keine Umsatzsteuer aus. Da er ausländischer Unternehmer ist und eine Werklieferung im deutschen Inland erbringt, schuldet nicht er, sondern der deutsche Unternehmer B die Umsatzsteuer im Reverse-Charge-Verfahren.
B kann jedoch die geschuldete Umsatzsteuer i. H. v. 19 % auf den Nettobetrag zugleich als Vorsteuer abziehen.
Die Werklieferung wurde für das Unternehmen von B ausgeführt. Daneben hat er noch weitere regelbesteuerte Inlandsumsätze (20.000 EUR netto). B führt nur steuerbare und steuerpflichtige Umsätze aus.
Buchungsvorschlag SKR 03: Einbau einer Holzdecke in Geschäftsräumen
3120 Bauleistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers 1.000 70000 Kreditorenkonto 1.000
1577 Vorsteuer nach § 13b UStG 19 % 190 1787 Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 % 190
Buchungsvorschlag SKR 04: Einbau einer Holzdecke in Geschäftsräumen
5920 Bauleistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers 1.000 70000 Kreditorenkonto 1.000
1407 Vorsteuer nach § 13b UStG 19 % 190 3837 Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 % 190
Im DATEV-Kontenrahmen gibt es einen extra Kontenbereich zur Buchung von bezogenen §13b-Leistungen mit hinterlegten Umsatzsteuerschlüsseln für eine zutreffende Erfassung in der jeweiligen Zeile der Umsatzsteuer-Voranmeldung.
Über die Kontensteuerung wird die Vorsteuer in der Umsatzsteuer-Voranmeldung für den zutreffenden Monat in der Zeile 59 des Formulars eingesetzt. Die abzuführende Umsatzsteuer nach § 13b UStG und die Bemessungsgrundlage werden je nach Sachverhalt in Zeile 48, 49, oder 50 des Formulars eingetragen. Bei diesem Beispiel ist Zeile 50 des Formulars und dort die Kennziffern 84 und 85 maßgebend. Es ist die Bemessungsgrundlage von 1.000 EUR und die Steuer in Höhe von 190 EUR einzutragen und in Zeile 56, Kz. 67 der Voranmeldung ist die Vorsteuer in Höhe von 190 EUR einzutragen. Im Ergebnis ergibt sich für B aus diesem Vorgang keine Umsatzsteuerzahllast, weil er für die für sein Unternehmen bezogene Werklieferung zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt ist.
Reverse Charge gilt auch in vielen Inlandsfällen unabhängig vom Unternehmenssitz des leistenden Unternehmers
Die regelmäßige Erweiterung des Reverse-Charge-Verfahrens durch den Gesetzgeber in den letzten Jahren dient in erster Linie der Betrugsbekämpfung und führt dazu, dass auch immer mehr Lieferungen und sonstige Leistungen zwischen inländischen Unternehmern von der Steuerschuldübernahme nach §13b UStG erfasst werden. Die unter das Gesetz fallenden Sachverhalte sind in § 13b Abs. 2 UStG grundsätzlich abschließend aufgezählt. Das Bundesministerium der Finanzen kann mit Zustimmung des Bundesrates jedoch unter bestimmten Voraussetzungen durch Rechtsverordnung den Anwendungsbereich der Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers auf weitere Umsätze erweitern, wenn im Zusammenhang mit diesen Umsätzen in vielen Fällen der Verdacht auf Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall aufgetreten ist, die voraussichtlich zu erheblichen und unwiederbringlichen Steuermindereinnahmen führen.
2 Werklieferung für privaten Bereich eines deutschen Bauunternehmers
Auch wenn ein im Ausland ansässiger Unternehmer eine Werklieferung oder eine Werkleistung an einen inländischen Unternehmer für dessen privaten Bereich erbringt, geht die Steuerschuld auf den inländischen Unternehmer über. Ein Vorsteuerabzug steht dem inländischen Leistungsempfänger in diesen Fällen nicht zu, weil der Leistungsbezug nicht für das Unternehmen des Leistungsempfängers erfolgt. Ist der Leistungsempfänger allerdings kein Unternehmer und keine juristische Pers...

References: § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 §13
 § 13
 §13
 § 13