Source: http://energieeffizienz-handwerk.de/querschnittsthemen/282/Einf%C3%BChrung+%26amp%3B+Grundlagen
Timestamp: 2020-04-02 05:03:14+00:00

Document:
Querschnittsthemen / Heizung/Klima/Lüftung / Einführung & Grundlagen
„Die Energiewende ist in den deutschen Heizungskellern noch nicht angekommen. Dies verdeutlicht die vom Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e .V. (BDH) und vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks - Zentralinnungsverband (ZIV) vorgelegte Auswertung über den energetischen Zustand der Heizungsanlagen in Deutschland. Von den insgesamt rund 20,5 Millionen zentralen Wärmeerzeugern sind 71 Prozent der Anlagen unzureichend effizient und damit modernisierungsbedürftig. Die Anzahl der Geräte, die sich auf dem Stand der Technik befinden und zusätzlich Erneuerbare Energien einkoppeln, beträgt gerade einmal 17%.“[1]
Zentrale Wärmeerzeuger 2013
Copyright: Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) und Bun-desverband des Schornsteinfegerhandwerks - Zentralinnungsverband (ZIV): Anlagenbestand, 2013
Heizungsanlagenbestand 2013
Diese Zahlen verdeutlichen, dass im Bereich der Wärmeerzeugung ein hohes Energieeinsparpotential besteht. Der Großteil der Anlagen ist über 20 Jahre alt und verbraucht deutlich mehr Energie als Neuanlagen. Durch die steigenden Energiepreise werden die Energiekosten für die Unternehmen zu einem erheblichen Kostenfaktor. Umso mehr zahlt es sich aus, wenn Unternehmen sich frühzeitig mit dem Thema Energieeffizienz im Betrieb auseinandersetzen, um ihre Heizkosten zu senken.
Der folgende Leitfaden betrachtet die Möglichkeiten der Steigerung der Energieeffizienz bei der Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser, bei der Be- und Entlüftungs- sowie Klimatisierungsanlagen in Unternehmen. Die energetische Nutzung der Prozesswärme wird in dem Querschnittsthema Abwärmenutzung bearbeitet.
Rechtliche Anforderung an Anlagen der Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik
Es gibt für Anlagen der Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik eine Reihe von rechtlichen Vorgaben für die Planung, Errichtung, Betrieb, Instandhaltung und Prüfung, die auch Anforderungen an die Energieeffizienz stellen.
In der Energieeinsparverordnung 2014 stellt der Gesetzgeber Anforderungen an den Einbau, die Inbetriebnahme, die Ausstattung der Verteilungseinrichtungen für die Heizungs- und Warmwasseranlagen, für den Austausch und Nachrüstung, aber auch für die Bedienung, Wartung und Inspektion. Die Verpflichtungen gelten für Wohn- und Nichtwohngebäude, Altbau wie Neubau.
Viele Betriebe werden der Nachrüstungsverpflichtung für heiztechnischen Anlagen nach § 10 EnEV nachkommen müssen. Der Gesetzgeber betrachtet den Austausch alter Kessel nach 30 Jahren als "generell wirtschaftlich." In der Praxis werden Heizkessel im Rahmen einer Heizungsmodernisierung meist ohnehin einige Jahre früher gewechselt (die rechnerische Lebensdauer eines Heizkessels beträgt gemäß VDI 15 - 20 Jahre). Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 hat die Bundesregierung Deutschland nochmal die Anforderungen der Austauschpflicht für alte Heizkessel geändert. Bisher mussten alte Öl- und Gas-Standardheizkessel ausgetauscht werden, die vor 1978 eingebaut wurden. Nach § 10 Absatz 1 EnEV 2014 dürfen Eigentümer von Gebäuden Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden und vor dem 1. Januar 1985 eingebaut oder aufgestellt worden sind, ab dem Jahre 2015 nicht mehr betreiben. Ferner dürfen Eigentümer Heizkessel, die nach dem 1. Januar 1985 eingebaut oder aufgestellt wurden, nach Ablauf von 30 Jahren nicht mehr betreiben.
Ausgenommen von dieser Regelung sind Brennwertkessel und Niedertemperaturkessel mit besonders hohem Wirkungsgrad (Nennleistungsbereich von 4 bis 400 Kilowatt). Die Austauschpflicht für alte Heizkessel greift also im Falle von alten Standardkesseln/Konstanttemperaturkesseln. Heizkessel mit einer Leistung unterhalb von 4 Kilowatt und über 400 Kilowatt sind von der Nachrüstpflicht nicht betroffen. Nach § 10 EnEV muss ein Eigentümer auch ungedämmte, zugängliche Wärmeverteilung- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen in unbeheizten Räumen dämmen. Diese Maßnahmen erweisen sich häufig als sehr wirtschaftlich.
Der Gesetzgeber fordert mit der EnEV 2014 (§ 11), dass Anlagen und Einrichtungen der Heizungs-, Kühl- und Raumlufttechnik sowie der Warmwasserversorgung vom Betreiber sachgerecht zu bedienen sind und dass Komponenten mit wesentlichem Einfluss auf den Wirkungsgrad solcher Anlagen regelmäßig zu warten und instand zu halten sind. Er verbietet auch die Verschlechterung haustechnischer Anlagen.
Unternehmen, die eine Klimaanlage von mehr als 12 kWh Nennleistung für den Kältebedarf haben (§ 12), müssen erstmals im 10. Jahr nach der Inbetriebnahme oder Erneuerung wesentlicher Bauteile wie Wärmeüberträger, Ventilator oder Kältemaschine eine Inspektion durch führen. Sie umfasst Maßnahmen zur Prüfung der Komponenten, die den Wirkungsgrad der Anlage beeinflussen, und der Anlagendimensionierung im Verhältnis zum Kühlbedarf des Gebäudes. Bei älteren Anlagen verkürzt sich das Inspektionsintervall.
In § 13 EnEV geht es um die Inbetriebnahme von Heizkesseln mit dem Hinweis auf die Beachtung der DIN V 4701-10 und in § 14 EnEV um die Verteilungseinrichtungen und Warmwasseranlagen. Gegenstand der Anforderungen sind verschiedene automatische Steuerungseinrichtungen für heizungstechnische Anlagen und Warmwasseranlagen sowie die Wärmedämmung von Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen, Armaturen und Warmwasserspeichern.
Die Pflicht zur Inspektion von Heizungsanlagen und die Erstellung entsprechender Protokolle durch den Bezirksschornsteinfeger ist in der Kleinfeuerungsanlagenverordnung geregelt.
Raumlufttechnische Anlagen, die für einen Volumenstrom der Zuluft von wenigstens 4.000 m3 je Stunde ausgelegt sind, müssen nach der § 15 Abs. 5 bei Neueinbau und Erneuerung mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet werden, die mindestens der Klassifizierung H3 nach DIN EN 13053: 2007-11 entspricht.
Kleinfeuerungsanlagenverordnung (1. BImSchV)
„Bis zum 22.03.2012 enthielt die 1. BImSchV nur für Holzfeuerungsanlagen über 15 kW und für Öl- und Gasfeuerungsanlagen über 11kW Nennwärmeleistung Emissionsgrenzwerte, deren Einhaltung nach Inbetriebnahme sowie durch wiederkehrende Messungen des Schornsteinfegers nachzuweisen war.
Wegen besserer Wärmedämmung und gestiegener Effektivität der Heizungsanlagen werden heutzutage oftmals Anlagen mit geringerer Nennwärmeleistung eingebaut. Die novellierte Verordnung enthält daher strengere Grenzwerte für alle Anlagen ab 4 Kilowatt Nennwärmeleistung, deren Einhaltung im Rahmen von wiederkehrenden Messungen einzuhalten ist (mit Ausnahme der Einzelraumfeuerungsanlagen).
Für alle ab dem 22.03.2010 errichteten Heizungsanlagen für Festbrennstoffe ab 4 kW gelten Emissionsbegrenzungen für Kohlenmonoxid und Staub, deren Einhaltung alle 2 Jahre durch Schornsteinfegermessungen nachzuweisen sind. Hier existieren 2 Grenzwertstufen, wobei derzeit davon ausgegangen wird, dass die Staubgrenzwerte der Stufe 2, welche für alle ab dem 01.01.2015 errichtete Anlagen gelten, nur in Verbindung mit Staubabscheideeinrichtungen eingehalten werden können. Lediglich die Hersteller von Pelletheizungen sollten in der Lage sein, die Einhaltung der Emissionsbegrenzung rein durch konstruktive Maßnahmen zu erreichen.
In Abhängigkeit von der Art des Festbrennstoffes wurden die Grenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid (CO) in zwei Stufen verschärft. In der Stufe 1, die seit 2010 einzuhalten ist, sollen Grenzwerte gelten, die dem derzeitigen Stand der Technik entsprechen und von modernen Anlagen heute gut eingehalten werden können. In der Stufe 2, die ab dem Jahr 2015 einzuhalten ist, gilt für Staub generell ein Grenzwert von 20 mg/m³. Dies setzt weitere Entwicklungen in der Anlagentechnik voraus, wobei bereits heute modernste Anlagen, wie Pelletheizungen mit dem Blauen Engel, den Grenzwert von 20 mg/m³ im Betrieb einhalten können.
Anforderungen an Heizungsanlagen für Festbrennstoffe, die vor dem 22.03.2010 errichtet wurden:
Für vor dem 22.03.2010 errichtete Heizungsanlagen für Festbrennstoffe gab es Emissionsbegrenzungen ursprünglich erst ab einer Größe von 15 kW. Diese Grenzwerte sind nach wie vor gültig. Zukünftig müssen jedoch alle Altanlagen ab 4 kW, für die bisher keine Messpflicht bestand, nach einer Übergangsfrist die Grenzwerte der Stufe 1 einhalten. Diese Frist hängt vom Errichtungszeitpunkt des Kessels ab, die ersten Anlagen müssen ab 01.01.2015 gemessen werden.
Übergangsfristen Stufe 1
Der Schornsteinfeger informiert die Betreiber rechtzeitig über den Zustand der Anlage. Die Übergangsfristen orientieren sich an der durchschnittlichen technischen Lebensdauer der Anlagen.
- Ölfeuerstätten: Schwärzung, Ölderivate, Abgasverlust, Kohlenmonoxidemissionen
- Gasfeuerstätten: Abgasverlust
Bei Brennwertgeräten erfolgt keine Überwachung der Abgasverluste. Für Anlagen, die älter als 12 Jahre sind, sind Messungen alle zwei, bei jüngeren Anlagen, alle drei Jahre vorgesehen. Bei selbstkalibrierenden Anlagen sind nur alle 5 Jahre Messungen vorgeschrieben. Brennwertkessel unterliegen hinsichtlich der Abgasverluste keiner Messverpflichtung. Auch bivaltente Heizungssysteme unterliegen der Überwachungspflicht.“[2]
Nach § 10 der 1. BImSchVO sind bei Öl- und Gasfeuerungsanlagen die Abgasverluste wie folgt begrenzt.
Link EEWärmeG
Das EEWärmeG verpflichtet Eigentümer von Neubauten mit einer Nutzfläche von mehr als 50 m² den Wärme- (oder Kälte)-Energiebedarf im nach verwandter Energieart unterschiedlichen Umfang aus erneuerbaren Energien zu decken (Nutzungspflicht nach § 3 Abs. 1 EEWärmeG). Als erneuerbare Energien im Sinne des Gesetzes gelten die Geothermie, Umweltwärme, solare Strahlungsenergie und Biomasse.
Solare Strahlungsenergie: 15 % (aus Vereinfachungsgründen muss bei Ein- und Zweifamilienhäusern die Fläche der montierten Solarkollektoren mindestens 4 % der beheizten Nutzfläche, bei Mehrfamilienhäusern entsprechend 3 % betragen)
Geothermie und Umweltwärme: 50 % (beispielsweise Wärmepumpen)
Die Anforderungen des EEWärmeG sind im Falle eines Neubaus oder einer Erweiterung des Unternehmens einzuhalten. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat jedoch nur Baden-Württemberg ein vom bundeseinheitlich geltenden EEWärmeG abweichendes Landesgesetz für Altbauten erlassen.
[1] = Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) und Bun-desverband des Schornsteinfegerhandwerks - Zentralinnungsverband (ZIV): Anlagenbestand, 2013
[2] = Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz: http://mulewf.rlp.de/luft/luftreinhaltung/hausfeuerungsanlagen/anforderungen-an-heizungsanlagen/

References: § 10
 § 10
 § 10
 § 13
 § 14
 § 15
 § 10
 § 3