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Timestamp: 2020-05-31 20:08:46+00:00

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Land- und Forstwirtschaft / UMSATZSTEUER | Haufe Finance Office Premium | Finance | Haufe
1 Durchschnittssteuersätze und Vorsteuern
Für die im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs ausgeführten Umsätze (vgl. Tz. 2) gelten – abweichend von der Regelbesteuerung – nach der sog. ("subventionierten") Durchschnittsbesteuerung des § 24 UStG folgende Steuersätze und Vorsteuersätze:
Art der Umsätze (§ 24 Abs. 1)
Nr. 1: Lieferung (und Eigenverbrauch) forstwirtschaftlicher Erzeugnisse, ohne Sägewerkserzeugnisse 5,5 5,5 0
Nr. 2: Lieferungen (ausgenommen Ausfuhrlieferungen und Umsätze im Ausland) der in der Anlage 2 (zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG) nicht aufgeführten Sägewerkserzeugnisse und Getränke, sowie (sonstige) Verzehrleistungen z. B. in sog. Straußwirtschaften 19 10,7 8,3
Nr. 3: Übrige landwirtschaftliche Umsätze, z. B. Getreide, Vieh, Fleisch, Milch, Obst, Gemüse, Eier 10,7 10,7 0
Lieferungen und Eigenverbrauch der in der Anlage 2 aufgeführten Sägewerkserzeugnisse, z. B. Schnittholzabfälle, Hobel-, Hack- und ­Sägespäne 10,7 10,7 0
Ausfuhrlieferung und im Ausland bewirkte Umsätze der in der Anlage 2 nicht aufgeführten Sägewerkserzeugnisse und Getränke 10,7 10,7 0
Es handelt sich hier um eine umsatzsteuerliche pauschalierte Sonderbehandlung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe. Diese deutsche Regelung gilt nicht nur für landwirtschaftliche Kleinbetriebe (was die EU-Kommission im Gegensatz zur Bundesregierung für unzulässig hält).
Der Verkauf land- und forstwirtschaftlichen Unternehmensvermögens, z. B. der Verkauf gebrauchter landwirtschaftlicher Geräte, unterliegt eigentlich der Regelbesteuerung. Jedoch kann hierfür die Durchschnittssatzbesteuerung des § 24 UStG angewandt werden, wenn diese Gegenstände während ihrer Zugehörigkeit zum Land- und Forstwirtschaftsunternehmen zu mindestens 95 % für Umsätze verwendet wurden, die den Vorsteuerabzug nach § 24 Abs. 1 Satz 4 UStG ausschließen.
Nur bei den Umsätzen nach § 24 Abs. 1 Nr. 2 UStG ergibt sich für den leistenden Land- und Forstwirt eine Zahllast von 8,3 %. Bei allen anderen Umsätzen ergibt sich keine Zahllast gegenüber dem Finanzamt. Jedoch hat der unterschiedliche Steuersatz Bedeutung für den unternehmerischen Abnehmer, der z. B. bei § 24 Abs. 1 Nr. 3 UStG einen Vorsteuerabzug erhält.
Milchlandwirt L verkauft selbst erzeugte Milch für 10.000 EUR an den Milchverarbeiter M. M erteilt dem L eine Gutschrift über 9.033,43 EUR zzgl. 966.57 EUR (10,7 % nach § 24 Abs. 1 Nr. 3 UStG).
L zieht von 966,57 EUR Umsatzsteuer pauschalierte Vorsteuer in gleicher Höhe ab und hat damit beim Finanzamt keine Zahllast. Abnehmer M erhält vom Finanzamt Vorsteuern i. H. v. 966,57 EUR.
Auf Durchschnittssatzbesteuerung evtl. verzichten
Allerdings erhält der Land- und Forstwirt keinen höheren Vorsteuerabzug als die nach den Durchschnittssätzen des § 24 UStG geschuldete Umsatzsteuer. Tätigt der Landwirt daher erhebliche Investitionen (Stallbau usw.) mit hohem Vorsteuerabzug, sollte er auf die Anwendung der Durchschnittssatzbesteuerung verzichten (vgl. Tz. 7).
2 Der Durchschnittsbesteuerung unter­liegende Umsätze
2.1 Land- und forstwirtschaftliche Umsätze
Die in Tz. 1 genannten Durchschnittssätze des § 24 UStG gelten nur für die Lieferungen selbst erzeugter landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die landwirtschaftlichen Dienstleistungen. Andere Umsätze des Land- und Forstwirts unterliegen der Regelbesteuerung.
Die Zierfischzucht in Teichen fällt i. d. R. nicht unter § 24 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG. Ein Substanzbetrieb, z. B. Torf-, Ton-, Lehm-, Kies- und Sandabbaubetrieb) ist kein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb i. S. d. § 24 Abs. 2 Satz 1 UStG. Die Abgrenzung der landwirtschaftlichen Tierzucht und Tierhaltung von der übrigen Tierzucht und Tierhaltung erfolgt nach den §§ 51 und 51a BewG. Ein Tierhaltungsbetrieb ist kein landwirtschaftlicher Betrieb, wenn dem ­Unternehmer nicht in ausreichendem Umfang selbst bewirtschaftete Grundstücksflächen zur Verfügung stehen.
Der Verkauf eigenerzeugter Biomasse durch Landwirte an Stromerzeuger fällt unter § 24 UStG; ebenso die Lieferung von selbsterzeugtem Biogas, wenn die erzeugte Energie überwiegend im eigenen Land- und Forstwirtschaftsbetrieb verwendet wird. Nicht im Landwirtschaftsbetrieb verwendete Wärme und Strom unterliegt der Regelbesteuerung.
Aktive Bewirtschaftung erforderlich
§ 24 UStG erfordert, dass der Landwirtschaftsbetrieb noch aktiv bewirtschaftet wird. Für nach Betriebsaufgabe erfolgte Lieferung (noch) selbst erzeugter Produkte und für im engen Zusammenhang mit der Betriebsaufgabe verkaufte (gebrauchte) landwirtschaftliche Geräte oder für die verkaufte Milchquote gilt § 24 UStG u. U. noch.
2.2 Verkauf zugekaufter Produkte
§ 24 UStG gilt nicht für den Verkauf zugekaufter Produkte, außer sie werden im eigenen Landwirtschaftsbetrieb bis zur Verkaufsreife kultiviert, z. B. Samen, Zwiebeln, Knollen, Stecklinge. Der Verkauf zugekaufter – nicht selbst kultivierter – Produkte in einem Hofladen etc. unterliegt der Regelbesteuerung.
Führt die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte zu einem Produkt der zweiten oder höheren Verarbeitungsstufe, unterliegen deren Verkäufe der Regelbesteuerung. Der Verkauf ...
FG Kommentierung: Durchschnittssatzbesteuerung für den Verkauf von Joghurt
Die Herstellung von Joghurt durch einen Landwirt unter Zusatz eines zugekauften Fruchtanteils von 14 % gehört noch zur landwirtschaftlichen Tätigkeit.
Die OFD Karlsruhe legt dar, wie Leistungen im Zusammenhang mit ökologischen Ausgleichsmaßnahmen umsatzsteuerlich zu beurteilen sind.
Zusammenfassung Überblick Für die im Rahmen eines Land- und Forstwirtschaftsbetriebs ausgeführten Umsätze wird die Umsatzsteuer und die Vorsteuer abweichend von der Regelbesteuerung nach Durchschnittssätzen festgesetzt. Bei der Durchschnittssatzbesteuerung ...

References: § 24
 § 12
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