Source: https://medizinwelt.elsevier.de/homoeopathie/lf-homoeopathie/buchkapitel/haut_und_hautanhangsgebilde
Timestamp: 2020-07-13 18:41:35+00:00

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Medizinwelt | Homöopathie | Leitfaden Homöopathie | Haut und Hautanhangsgebilde
MedizinweltHomöopathieLeitfaden HomöopathieBuchkapitelHaut und Hautanhangsgebilde
B978-3-437-56353-9.00020-7
10.1016/B978-3-437-56353-9.00020-7
Psoriasis454
Allergisch bedingte Hauterkrankungen und Urtikaria457
Neurodermitis 457
Allergisches Kontaktekzem464
Urtikaria466
Seborrhoisches Ekzem469
Infektionen der Haut und Schleimhäute471
Rosacea471
Acne vulgaris472
Panaritium475
Impetigo contagiosa477
Erysipel480
Warzen482
Dellwarzen484
Herpes-simplex- Infektionen485
Herpes zoster488
Dermatomykosen490
Candidosen/Soor492
Alopezie494
Gutartige Fehlbildungen der Haut und gutartige Hauttumoren496
Nävi496
Hämangiom498
Vitiligo499
HauterkrankungenDefinition: Schuppenflechte. Chronische, meist schubförmig verlaufende Hauterkrankung mit genetischer Disposition; ca. 1–3 % der Bevölkerung betroffen; Altersgipfel: 10.–31. Lj.
Symptomatik: Entzündlich gerötete (erythematöse), scharf begrenzte Plaques mit silbrig glänzender Schuppung, die nicht schmerzen und selten jucken. Größe: punktförmig bis handtellergroß. Prädilektionsstellen: Streckseiten der Extremitäten (Ellenbogen, Knie), Region des Steißbeins und behaarter Kopf. Nagelveränderungen: häufig Tüpfelnägel, Ölflecke, Krümelnägel (vollständige Zerstörung der Nagelplatte).
Psoriasis guttata: Millimeter bis ca. 1 cm große, exanthemische Hautveränderungen, häufig postinfektiös.
Psoriasis vulgaris (chronisch-stationär): Hautveränderungen über den Gelenkstreckseiten (Ellenbogen, Knie), am behaarten Kopf, in den Gehörgängen, iliosakral, genital.
Grundsätzlich wird der Patient in seiner Gesamtheit behandelt. Dabei haben diejenigen Krankheiten Vorrang, die zuletzt aufgetreten sind, die sich im Körper zentraler oder weiter oben abspielen. Nur wenn sich während der Behandlung die Beschwerden in umgekehrter Reihenfolge ihres Auftretens, von innen nach außen und von oben nach unten bessern, ist die Prognose gut.
Die unkomplizierte Psoriasis als außen liegendes meist lange bestehendes Hautsymptom steht am Ende dieser Reihenfolge. Wenn derselbe Patient also noch irgendwelche anderen Beschwerden hat, sind diese vorrangig zu behandeln und sollten sich im Therapieverlauf zuerst bessern.
Konventionell werden PUVA, Retinoide, Keratolyse, lokale Steroide etc. angewendet. Fumarsäuretherapie gilt zwar als alternativ, ist aber letztlich Allopathie und mit schweren Nebenwirkungen behaftet.
Die Behandlung einer Psoriasis ist schwierig und bedarf meist einer langjährigen therapeutischen Strategie unter Berücksichtigung des Gesamtzustandes. Da sich viele Betroffene bis auf die Hauterkrankung als beschwerdefrei präsentieren, muss besonders gründlich nach Symptomen und Modalitäten gesucht werden, die eine Verordnung ermöglichen.
Während der homöopathischen Behandlung sollte möglichst vollständig auf unterdrückende, äußerliche Anwendungen verzichtet werden.
SymptomenwahlPsoriasisDa es sich um eine chronische konstitutionelle Krankheit handelt, wird nicht nur der Lokalbefund, sondern alle individuellen Symptome und Modalitäten zur Mittelwahl herangezogen, auch scheinbar krankheitsunabhängige Symptome aus der konstitutionellen Anamnese.
Die Psoriasis selbst liefert ggf. gute Modalitäten, auch im Sinne des Köbner-Effektes bzw. isomorphen Reizeffektes (Triggerung durch mechanische Reize, Piercing, Tätowierung usw.), z. B.:
Speisen und Getränke: z. B. Alkohol verschlimmern.
Klima wie Sonne und Meer: v. a. wenn sie paradoxerweise verschlechtern.
Auslöser wie Impfung oder Tonsillitis.
Fasten, Gewichtsabnahme bzw. Übergewicht.
Empfindungen der betroffenen Stellen wie Enge oder Zerbrechlichkeit.
Die Psoriasis ist eine sykotische Erkrankung (3.4). Maligne Fälle sind gelegentlich auch mit Syphilis verkompliziert.
RepertorisationPsoriasisIm Repertorium finden sich neben der Hauptrubrik Haut – Hautausschläge – Psoriasis (über 140 AM) zahlreiche (53) Rubriken, die durch Unterrubriken eine weitere Differenzierung erfahren. Zusätzlich kommen alle „Hautausschlag“-Rubriken infrage, die Aspekte oder Umstände der Effloreszenzen beschreiben. Rubriken sind außerdem in den Kapiteln zu finden, die die Lokalisation abbilden. „Kopf“, „Auge“, „Ohr“, „Gesicht“, jeweils unter dem Unterpunkt Hautausschläge:
Die Behandlung der Psoriasis muss selbstverständlich die Aufnahme der Gesamtheit der Symptome beinhalten. Dennoch sei hier auf einige hilfreiche und bei der Mittelwahl bedeutsame Repertoriumsrubriken hingewiesen, die sich als nützlich erwiesen haben.
Haut – Hautausschläge – Psoriasis
Haut – Hautausschläge // – blutend – Kratzen, nach
Haut – Hautausschläge // allgemein – Impfung, nach
Kopf – Hautausschläge // Psoriasis der Kopfhaut
Gesicht – Hautausschläge // Psoriasis um die Augenbrauen
Mund – Hautausschläge // allgemein – Psoriasis, Zunge
Männliche Genitalien – Hautausschläge // Psoriasis
Rücken – Hautausschläge // Psoriasis, Flecken
Extremitäten // Hautausschläge – Psoriasis// Schmerzen – allgemein – Gelenke – Psoriasis, mit // Schmerzen – allgemein – obere Gliedmaßen – Gelenke – Psoriasis, mit
Allgemeines // Impfung – nach // Wetter – nass – agg. // Wetter – warm und nass, schwül – agg.
Haut // Hautausschläge – allgemein – unterdrückt // Juckreiz – Entkleiden – agg. // Juckreiz – Wolle agg.
Rektum // Hautausschläge – Anus, um den
Nase // Risse, Schrunden – Nasenlöcher
Ohren – Hautausschläge – allgemein // hinter den // Schrunden, Fissuren – Gehörgang, äußerer // Schrunden, Fissuren – hinter dem
Gesicht – Risse, Schrunden //Lippen – Unterlippe – Mitte // Mundwinkel
Die Psoriasis erweist sich immer wieder als hartnäckige und schwer zu therapierende Erkrankung mit tief liegender Diathese. Häufig tritt sie in Verbindung mit Gelenkbeschwerden auf (Psoriasisarthritis). Jüngere Patienten können erfolgversprechender behandelt werden als ältere. Je kürzer die Erkrankung besteht, umso schneller lässt sich ein therapeutischer Erfolg erzielen. Häufig sind Zwischenmittel angezeigt.
Die Dosierung orientiert sich an den Erfordernissen. Sowohl Einzelgaben hoher Potenzen über längere Zeiträume, als auch Q-Potenzen können angezeigt sein. Eine Unterdrückung der Psoriasis kann bis zu Störungen im Gemütsbereich, den Gelenken oder zu Herzproblemen führen.
Prognose: Im günstigsten, aber seltenen Fall, bildet sich die manifeste Psoriasis in eine latente zurück. Dagegen kann und soll eine Psoriasis arthropathica oder pustulosa vollständig abheilen.
Ernährungstherapie (Gewichtsabnahme unter vegetarischer Vollwertkost) und Klimatherapie (Totes Meer o. Ä.) sind ratsam, aber allein meist nicht ausreichend bzw. nicht nachhaltig.
Keine Salben oder Bäder mit therapeutischen Inhaltsstoffen! (vgl. Organon § 285 mit Anm.)
Wichtige Zwischenmittel mit miasmatischem Bezug: Med., Sulph., Syph., Tub., Thuj.
Folgende Arzneimittel haben im Arzneimittelbild einen deutlichen Bezug zur Psoriasis: Berberis aquifolium, Castor equi, Kalium bichromicum#Kalium bichromicumPsoriasis, Mezereum, Oleander, Petroleum, Phosphorus, Sarsaparilla, Sulfur iodatum.#MezereumPsoriasis#OleanderPsoriasis#PetroleumPsoriasis#PhosphorusPsoriasis#SarsaparillaPsoriasis#Sulfur iodatumPsoriasis
Wesentlich ist aber die Analyse nach den auffallenden und charakteristischen Symptomen des Krankheitsfalles. Da die Mittelwahl letztlich immer konstitutionell erfolgt, hat es keinen Sinn, diese Mittel aufgrund bestimmter Lokalsymptome zu differenzieren. Wenn es klare Auslöser gibt, lassen sie sich meist auch Mitteln zuordnen. Für typische Psoriasisauslöser wie Verletzungen, Alkohol, Impfung, Gewichtszunahme, Schwangerschaft, seelische Ausnahmesituationen usw. gibt es passende Rubriken im Repertorium (seltener unter „Haut“, sondern eher im Kapitel „Allgemeines“). Für den Auslöser Tonsillitis müsste also z. B. ein Mittel gesucht werden, das damals akut gepasst hätte bzw. müssen die damaligen Akutsymptome in die Gesamtrepertorisation mit einbezogen werden.
Neurodermitis Dermatitis atopische
Definition: Atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem. Erkrankung aus dem atopischen Formenkreis; Manifestation zu 80 % im Kleinkindalter. Pathogenese multifaktoriell; erbliche Veranlagung, Neigung zur familiären Atopie, gestörte Immunregulation, vegetative Dysregulation, trockene Haut und erhöhte IgE-Bildung.
Symptomatik: Chronisch-rezidivierende Entzündung der Haut mit Juckreiz, Rötung, Nässen, Schuppung und Krustenbildung. Prädilektionsstellen sind:
Säuglinge: behaarter Kopf, Gesicht, Rumpf, Streckseiten der Extremitäten.
Krabbelalter: Knie.
Kindesalter: Ellenbeuge, Handgelenke, Kniekehlen, Nacken, seitliches Gesicht, Lider, Hände, Füße.
Jugendliche und Erwachsene: Gesicht, Hals, oberer Brustbereich, Schultergürtel, Handrücken, Gelenkbeugen.
Die Behandlung bezweckt eine dauerhafte Linderung oder Heilung. Therapien, die nur vorübergehend oberflächlich lindern, unterdrücken oder Symptome verschieben, werden nicht eingesetzt; sie würden auch die ganzheitliche (einschließlich homöopathische) Heilung beeinträchtigen. Insbesondere sollen keine Externa angewendet werden (vgl. Organon, § 285/Anm.) (3.4, Miasmen). Ausnahmen sind wässrige Externa bei Exazerbation (s. u. Unterstützende Maßnahmen).
Der entscheidende Faktor für eine dauerhafte Beschwerdefreiheit ist eine sorgfältige homöopathische Konstitutionsbehandlung (4.3). Die Prognose ist bei jüngeren Patienten besser als bei älteren. Bei Kindern sollte eine unkomplizierte Neurodermitis innerhalb eines Jahres ausheilen. Sind atopische Erkrankungen schon in der zweiten oder dritten Generation vorhanden, ist mit einer mehrjährigen Behandlungsdauer zu rechnen. Ungeimpfte Kinder mit Atopie haben eine bessere Prognose als geimpfte.
Es gibt viele Arzneien mit deutlichem Ekzembezug, die unter Umständen zunächst gut wirken können. Langfristig ist aber in aller Regel eine Konstitutionsbehandlung erforderlich, die den dermatologischen Befund bei Arzneiwahl und Verlaufsbeurteilung nur am Rande berücksichtigt. Eine Ausnahme ist das dyshidrotische Handekzem, bei dem auch Mittel mit starkem Bezug zum Lokalbefund zur Heilung führen können.
SymptomenwahlNeurodermitisFür die konstitutionelle Behandlung werden alle individuellen Symptome herangezogen, die sich aus der Anamnese und Untersuchung extrahieren lassen.
Für die Behandlung des akuten Schubes oder für Sonderfälle wie das dyshidrotische Handekzem oder atypische Lokalisationen und Erscheinungsformen können dagegen vorrangig die Hautsymptome verwendet werden.
Auslöser, besonders bei erstmaligem Auftreten, gerade bei Kleinkindern, z. B. Wettereinfluss, Impfung, Ernährungsumstellung, Zahnung usw.
Eindeutige Lokalisation, die bei diesem Patienten ausschließlich oder immer wieder auftritt, oder wo es anfing.
Lebensmittelverlangen und -abneigungen sowie Unverträglichkeiten und Allergene.
Temperaturabhängigkeit ist meist pathognomonisch, also nicht als individuelles Symptom zu verwerten. Wenn sie aber ungewöhnlich ist oder sich verändert hat, wird sie wichtig, z. B. extremes Frieren, Gewitter agg., aber auch die lokale Verbesserung des Juckreizes durch kalte, warme, extrem heiße Anwendungen usw.
Klimaabhängigkeit ist die Regel, aber manchmal ist sie besonders ausgeprägt oder paradox, z. B. am Meer agg.
Schlaf und nächtliches Jucken ergeben manchmal individuelle Auffälligkeiten. Es ist wichtig zu differenzieren, wann z. B. abends der Juckreiz auftritt (z. B. erst im Bett oder schon vorher, erst wenn der Patient im Bett warm wird oder schon vorher beim Ausziehen). Auch Sprechen, Lachen und Weinen im Schlaf und die Schlaflage können Hinweise auf das passende Mittel geben.
Kratzverhalten, z. B. ist Erleichterung erst da wenn es blutet, oder Kratzen agg. immer; wollüstiges Kratzen, wenn spontan berichtet; Jucken der Haut ohne Hautausschlag (Pruritus sine materia) oder Auftreten des Hautausschlages erst durch Kratzen.
Begleitsymptome, die sich nicht an der Haut manifestieren, z. B. Übelkeit oder Schwindel oder Hunger beim Juckreiz.
Unerwartete Modalitäten, z. B. Essen bestimmter Speisen bessert den Juckreiz. Eine verblüffende Modalität ist oft der Schlüssel zum richtigen Mittel.
Letztlich ist entscheidend, was in der gesamten Anamnese als besonders charakteristisch und eigenheitlich auffällt.
Die Neurodermitis lässt sich bis zu einem gewissen Grad über die Modalitäten des Hautausschlags einem Miasma zuordnen:
Psora: abendliches und nächtliches Jucken, Unfähigkeit zu schwitzen, Papelbildung mit starkem Juckreiz, trockene Hautausschläge, Waschen verschlimmert, Kratzen verschlimmert das Brennen, blutende Hautausschläge.
Sykosis: fleckweises Auftreten, kreisförmige Hautausschläge (auch Tuberkulinie), Neurodermitis mit Warzen/Dellwarzen.
Syphilis: kupferfarbene/bräunliche Ausschläge, Ausschläge wie roher Schinken, sehr dicke Krusten, kein Juckreiz.
Tuberkulinie: kreisförmige Ausschläge (auch Sykosis), starke Eiterung.
Bei hereditären Formen können die Arten des Ausschlags gemischt vertreten sein und weisen dann auf eine komplizierte Neurodermitis hin.
RepertorisationNeurodermitisDie Hauptrubrik für Neurodermitis mit zahlreichen differenzierenden Unterrubriken findet sich im Kapitel „Haut“: Haut – Hautausschläge – Ekzem (über 370 AM). Rubriken zum Thema „Ekzem“ sind außerdem in den Kapiteln „Kopf“, „Auge“, „Ohr“, „Gesicht“, jeweils unter dem Punkt Hautausschläge – Ekzem (mit Unterrubriken) zu finden. Die Vielfalt der Repertoriumseinträge zu diesem Thema macht das Auflisten einzelner Rubriken an dieser Stelle überflüssig. Entsprechende den Lokalbefunden müssen auch alle anderen Repertoriumsrubriken zum Thema „Hautausschlag“, „Hautjucken“, „Hautfarbe“ berücksichtigt werden, z. B. eindeutige Lokalisationen.
Bedeutsam können ebenfalls Symptome sein, die das Kratzverhalten und Schlafsymptome widerspiegeln, ebenso die Allgemeinsymptome.
Kopf – Hautausschläge – Ekzem
Auge – Hautausschläge – Ekzem
Ohr – Hautausschläge – Ekzem
Gesicht – Hautausschläge – Ekzem
Gesicht // Hautausschläge – allgemein – Kinn
Extremitäten // Hautausschläge – Gelenke – Beugen
Hautausschläge //obere Gliedmaßen – Finger – Fingerspitzen // obere Gliedmaßen – Handgelenke // obere Gliedmaßen – Hände – Handflächen // untere Gliedmaßen – Füße – Fußsohlen // untere Gliedmaßen – Oberschenkel – zwischen
Juckreiz – Hautausschläge – ohne // wollüstig // abends – agg. – Bett, im // abends – agg. – Hinlegen, nach // morgens – Bett, im // morgens – Erwachen, beim // Entkleiden – agg.
Allgemeines // Impfung, nach // Luft – Meeresluft – agg. // Schnee – Luft – agg. // Wetter – heißes – agg. // Wetter – Sturm – agg. – Aufziehen eines // Wetter – warm und nass, schwül – agg.
Allgemeines // Milch – Abneigung // – Süßigkeiten – Abneigung // – warme Getränke – Abneigung // – Salz oder salzige Nahrung – Abneigung
Allgemeines //Baden, Waschen – amel. – heiß // Luft – Meeresluft – agg. // Luft – Meeresluft – amel. // Wetter – heißes – agg.
Schlaf – Lage // Knie – auf den – Ellenbogen, und // Knie – auf den – Gesicht in das Kissen gedrückt // Rücken, auf dem – Hand – über dem Kopf
Gemüt // Schreien, Kreischen – allgemein – Schlaf, im // Lachen – allgemein – Schlaf, im // Weinen – allgemein – Schlaf, im
Hohe C-Potenzen: C30 als einmalige Gabe ist für die meisten Patienten zunächst richtig. Allergiker und Neurodermitiker sind oft auch auf Homöopathika überempfindlich. Deshalb im Zweifelsfall oder nach schlechten Erfahrungen nur mehrfach verdünnt nehmen lassen (6.3) oder sogar nur an den Kügelchen riechen lassen. C-Potenzen werden erst wiederholt, wenn ein eindeutiger Rückfall vorliegt (Faustregel: mindestens 3 eindeutig schlechtere Tage, meist länger). Mit sehr hohen Potenzen (M, XM) werden bisweilen starke Erstverschlimmerungen ausgelöst. Diese können manchmal wochenlang anhalten. Anschließend folgt jedoch fast immer eine auffallende Besserung der Hauterscheinungen über lange Zeiträume. Diese Art des Vorgehens bringt den Patienten oft an seine Belastbarkeitsgrenze, führt aber zu langfristig guten Ergebnissen.
Niedrige C- und D-Potenzen: Tiefe D-Potenzen sind der vorsichtigste Therapieeinstieg, Einnahme i. d. R. 1–3 × tgl. über längere Zeiträume. Manche Patienten sind so empfindlich, dass es bei der Konstitutionsbehandlung ausreicht, sie alle 6 Wo. an einer D6-Glob./Tbl. riechen zu lassen. Für die Behandlung eines akuten Schubes sind Tiefpotenzen vorzuziehen.
Q-Potenzen eignen sich besonders zur behutsamen Steuerung der Behandlung durch Schübe und Überreaktionen hindurch. Sie setzen allerdings eine engmaschige Betreuung und/oder selbstverantwortliche Patienten voraus. Zunächst Einnahme 1 × tgl., dann je nach Verlauf, weiterhin regelmäßig, aber allmählich seltener, schließlich nur noch nach Wochen bis Monaten wiederholen (oder auf die C-Potenz des entsprechenden Arzneimittels umsteigen). Für Q-Potenzen hat Hahnemann$Hahnemann, Samuel die Verdünnung in einem Glas Wasser angegeben (6.3.4).
Nur selten gibt es eine rasche und kontinuierliche Abheilung der Neurodermitis ohne Rückschläge. Im Sinne der Hering-Regel darf (und wird meistens) die Haut vorübergehend schlimmer aussehen und die Peripherie (Extremitäten, auch die Ohren) schlimmer und länger betroffen sein (7.3.3). Entscheidend für die Verlaufsbeurteilung sind das gesamte Wohlbefinden und die Auswirkung der homöopathischen Therapie auf andere Krankheiten wie z. B. Asthma (10.2.2). Erste Anzeichen für eine positive Arzneiwirkung können eine Verbesserung von Juckreiz und Schlaf sein. Erstreaktionen dauern bei den meisten Krankheiten etwa einen Tag, bei Hautkrankheiten dagegen durchaus mehrere Wochen.
Erstverschlimmerungen, die über länger Zeiträume anhalten, sind meist durch eine zu hohe Potenz ausgelöst. Wenn möglich, sollten Ausbrüche ohne zusätzliche homöopathische Mittel oder Kortikoide und Salben durchgestanden werden, sondern nur mit den unten genannten Hausmitteln. Wenn doch eine homöopathische Intervention erforderlich ist, sollte möglichst ein dermatotropes Komplementärmittel in Tiefpotenz gegeben werden; im Extremfall kann die Therapie mit einem Antidot unterbrochen und anschließend mit einer niedrigeren Dosierung oder passenderen Potenz fortgesetzt werden. Die Heilung von Patienten mit Neurodermitis erfordert den geduldigen Umgang mit den Höhen und Tiefen während der Behandlung. Die häufigen Heilungserfolge belohnen anschließend Arzt und Patient. Wenn man aus Rücksicht auf das äußere Erscheinungsbild oder aus Zweifeln bei externer oder kurzsichtiger Behandlung stehen bleibt, verpasst man dagegen leicht die Chance auf Heilung.
Die Prognose hängt von der Krankheitsaktivität ab. Bei einer heftigen, floriden Neurodermitis können die ersten Wochen bis Monate noch schwer durchzustehen sein. Dann sollte sich der Zustand beruhigen und nur noch seltene Interventionen erfordern. Bei einer ruhigeren Verlaufsform wird es von Anfang an eine allmähliche Besserung geben. Jedenfalls ist ein weitgehend dauerhaftes Verschwinden der Neurodermitis erst im Laufe von Monaten bis Jahren zu erwarten, dann aber in den meisten Fällen. Neurodermitis ist in dem Sinne homöopathisch heilbar, dass die atopische Veranlagung bestehen bleibt, aber die meiste Zeit und mit bestimmten Rücksichten in der Lebensführung (s. o.) nur noch selten manifest wird.
Keine Externa (Organon, § 285/Anm.), v. a. keine Steroide und keine Fettcremes anwenden! Alle Neurodermitiker sind nach anfänglicher Umgewöhnung froh, wenn sie davon frei geworden sind. Auch Antihistaminika sind bei ausreichender Betreuung nicht erforderlich. Dagegen bewähren sich im akuten Schub Eichenrindenauflagen (wenn Ausschlag stark nässend ist) oder Veilchenteeumschläge.
Pflanzliche Interna: Veilchentee und Dulcamara (Bittersüß), z. B. in Dermatodoron® oder Cefabene®.
Schwangere und stillende Atopikerinnen können Gammalinolensäure substituieren, die für die Reifung des Immunsystems erforderlich ist, aber bei Atopie unzureichend gebildet wird. Präparate: entweder das einheimische, günstige und ergiebige Borretschöl teelöffelweise als Salatöl oder das exotische und teure Nachtkerzensamenöl in Kapseln aus der Apotheke. Kann auch bei erwachsenen (nicht schwangeren) Neurodermitiskranken angewendet werden.
Bei jedem Atopiker sollte eine Nahrungsmittelallergie ausgeschlossen werden, am zuverlässigsten, preisgünstigsten und am wenigsten invasiv mittels einer Eliminationsdiät: Zunächst entweder Fasten oder eine allergenfreie Kost aus Kartoffeln, Reis, Brokkoli, Kürbis, Kohlrabi. Falls innerhalb von ein bis zwei Wochen die Neurodermitis abheilt, ist dies der Schlüssel und wird weiter verfolgt: Jeden Tag wird ein neues (naturbelassenes) Lebensmittel eingeführt; im Falle einer Exazerbation muss erst die erneute Abheilung abgewartet werden. So entstehen eine Positiv- und eine Negativliste, die dem Patienten ein gesundes Leben ermöglichen. Leider sprechen nicht alle Neurodermitiker (Kinder 30 %, Erwachsene seltener) auf eine Eliminationsdiät an. In diesen Fällen führt auch eine Auslassdiät nicht weiter, die nicht auf klinischer Manifestation, sondern lediglich auf Gerüchten oder allerlei Tests beruht. Gesicherte Allergene müssen selbstverständlich gemieden werden, können aber im Laufe der Behandlung wieder vertragen werden, v. a. bei Kindern.
Auch ohne spezifische Allergene ist eine ausschließlich biologische ErnährungNeurodermitisund antiinflammatorische Ernährungstherapie (vegetarisch und vollwertig) eine wichtige Grundlage. Milch erweist sich immer wieder als Schlüsselfaktor der Allergie.
Kleidung: Wolle kann wegen ihrer kratzigen Mikrostruktur oft nicht auf der Haut getragen werden. Das Etikett im Kragen stellt einen unnötigen Reiz dar. Am besten verträglich sind Baumwolle, Leinen etc. (vgl. CK Bd. 1, S. 134) aus kontrolliert biologischem Anbau („kbA“).
Klimatherapie kann für einige Wochen eine große Erleichterung sein, bringt aber keine Heilung.
Das Kratzen ist Folge, nicht Ursache der Neurodermitis. Wer das Kratzen aus eigener Disziplin einschränken kann, erreicht eine Linderung für den Augenblick, aber beeinflusst nicht den langfristigen Verlauf. Reiben oder Klopfen lindert den Juckreiz ebenso gut wie Kratzen, setzt aber keine Wunden. Deshalb ist die Umgewöhnung sehr zu empfehlen. Hilfreich sind kurze Fingernägel und Baumwollhandschuhe (in der Nacht), besonders bei Kindern. Das Kratzen durch Zwang zu unterbinden, ist eine unsinnige Quälerei. Kinder profitieren vom täglichen Eincremen auch im Sinne der Fürsorge und Aufmerksamkeit ihrer Krankheit gegenüber.
Entspannungsübungen und Meditation sind hilfreich, v. a. für die kritische Zeit des Schlafengehens.
Kaltwasseranwendungen nach Kneipp helfen sowohl momentan (z. B. nachts ein Knieguss) als auch langfristig über eine Steigerung der körpereigenen Kortisolsekretion. Dafür ist morgens der physiologisch richtige Zeitpunkt. Anwendung an den – warmen! – Füßen (Tautreten usw.) reicht für eine systemische Wirkung. Dagegen bringt das Überbrühen mit heißem Wasser, das viele Patienten praktizieren, nur eine Betäubung, aber keine echte Besserung.
Seife und warme Bäder verschlechtern den Zustand und sind deshalb möglichst zu meiden. Seife erhöht die Keimbesiedelung, ist zur Reinigung also nicht immer sinnvoll!
!!! Ars., Bry., Graph., Mez., Nat-m., Nux-v., Psor., Puls., Rhus-t., Sulph., Tub.
!! Ant-c., Caust., Cham., Ign., Kali-c., Lyc., Phos., Sars., Sel., Sep., Sil., Thuj.
! Agar., Alum., Anac., Ant-t., Arn., Aur., Bar-c., Bell., Brom., Calc., Calc-p., Calen., Canth., Carb-v., Cina, Coff., Colch., Con., Dulc., Fago., Hep., Hyos., Iod., Ip., Kali-br., Lach., Lil-t., Maland., Mez., Mur-ac., Nat-s., Olnd., Op., Ph-ac., Plat., Rhod., Rumx., Sanic., Staph., Stram., Sulph-i., Tarent., Zinc.
Da das Mittelspektrum bei der Neurodermitisbehandlung sehr groß ist, beschränkt sich die folgende Beschreibung auf spezielle Aspekte und hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.
Eine frisch aufgetretene Neurodermitis kann fast wie eine akute Krankheit behandelt werden, d. h. der Auslöser ist ein vorrangiges Kriterium.
Durchnässung und Auskühlung: Rhus toxicodendron oder Dulcamara. #DulcamaraNeurodermitis#Rhus toxicodendronNeurodermitis
Impfung: Thuja, Silicea, Sulfur, Mezereum, Malandrinum und Psorinum. #ThujaNeurodermitis#SiliceaNeurodermitis#MezereumNeurodermitis#MalandrinumNeurodermitis#PsorinumNeurodermitis
Verbrennungen oder Verletzungen: Cantharis, Calendula und Arnica.
Erfrierungen: Agaricus.
Die Verursachung mit ihrem Ergebnis muss dabei nicht medizinisch oder logisch nachvollziehbar sein, ein zeitlicher Zusammenhang reicht. Gerade unerklärliche Zusammenhänge sind zu beachten.
Bei länger bestehender Neurodermitis lässt sich meist kein klarer Auslöser finden, sondern nur begünstigende Faktoren wie Vererbung, was aber im Hinblick auf die Verordnung nicht weiterhilft. Fast immer lässt sich eine Psychogenese finden, für die es Rubriken im Kapitel „Gemüt – Beschwerden durch (…)“ gibt. Auch hier gilt „Organon“, § 153: Nur was merkwürdig, auffallend und außerdem eindeutig ist, führt zu einer guten Verordnung. „Beschwerden nach Kummer oder Kränkung“ führt meistens nicht weiter, wogegen z. B. ein Krankheitsbeginn nach einem freudigen Ereignis ein guter Hinweis auf Coffea oder Opium ist. Ein eindeutiger Zusammenhang mit Liebeskummer spricht für Ignatia, Staphysagria, Phosphoricum acidum, Aurum und Natrium muriaticum.
Die Ursprungsstelle kann berücksichtigt werden, v. a., wenn die Neurodermitis immer wieder an der gleichen Stelle anfängt oder dort am schlimmsten ist. Für typische Stellen (Ohren, Gelenkbeugen) gibt es Hauptmittel. Je ungewöhnlicher die Stelle, z. B. Achsel, Fußrücken, Rücken, umso aussagekräftiger und höherwertiger ist das Symptom.
Hinter den Ohren: z. B. Graphites #GraphitesNeurodermitisoder Calcarea.
In den Gelenkbeugen: Sepia und Graphites. #SepiaNeurodermitis
Unter der Achsel: Sulfur.
Auf dem Fußrücken: Psorinum und Causticum.
Auf dem Rücken: Silicea und Phosphorus.
An den Händen ist die Lokalisation immer hilfreich, z. B. Bläschen in der Handfläche (häufig Rhus toxicodendron), an den Fingern Sarsaparilla, Mezereum, Psorinum oder Selen.
Lebensmittelmodalitäten
Haben unabhängig von eventuellen Allergenen einen ähnlichen Wert wie bei anderen Krankheiten. So spricht z. B. Verlangen nach Milch für Rhus toxicodendron, Tuberculinum u. v. a. m. (vgl. die jeweiligen Rubriken).
Starke Entzündungen gehen oft mit Frieren oder Hitze einher.
Frieren: z. B. Psorinum oder Arsenicum album. #Arsenicum albumNeurodermitis
Hitze mit Aufdecken von Körperteilen: Sulfur, Pulsatilla, Medorrhinum, Chamomilla u. v. a. m. (vgl. Rubrik).
Juckattacken beim Ausziehen: z. B. Rumex und Tuberculinum, aber das sollte nicht überbewertet werden. #TuberculinumNeurodermitis
Verschlechterung in der Bettwärme: Sulfur und auch Psorinum (trotz des ständigen Frierens).
Unwiderstehliches Verlangen nach Überbrühen mit heißem Wasser: Rhus toxicodendron oder Arsenicum album.
Aufenthalt am Meer bessert bei Natrium muriaticum, Medorrhinum, Bromium u. v. a. m. und verschlechtert bei Muriaticum acidum, Sepia, Tuberculinum usw. Viele Mittel haben beides. #Natrium muriaticumNeurodermitis
Wenn Gewitter agg. ist an Rhododendron und Rhus toxicodendron zu denken, bei Sonne agg. an Natrium carbonicum und Belladonna.
Schneefall agg: Sepia und Conium als Hauptmittel
Die Winterverschlechterung ist so häufig, dass sie nur in extrem ausgeprägten Fällen verwendet wird und für Petroleum spricht, während Winterbesserung bei Sulfur iodatum vorkommt.
Ausbruch pünktlich zur Wintersonnenwende ist Rhus toxicodendron.
(s. a. Temperatur)
Das Symptom nächtliches Kratzen hilft nur dann weiter, wenn es immer zur gleichen Uhrzeit auftritt, z. B. 1 Uhr Arsenicum album, 3 Uhr Kalium carbonicum, 4 Uhr Sulfur, wobei aber die Zuordnung nicht so eindeutig ist (s. Repertorium).
Die unruhigen Nächte können sich äußern durch Lachen im Schlaf (Sulfur, Lycopodium), durch Aufschrecken (Tuberculinum, Cina, Borax, Kalium bromatum u. v. a. m.) oder durch Schlafwandeln (Aconitum und Opium).
Pruritus sine materia, also Kratzen auf normal aussehender Haut: Alumina#AluminaNeurodermitis, Arsenicum#Arsenicum albumNeurodermitis.
Wollüstiges Kratzen: Sulfur.
Kratzen, bis es blutet (erst dann ist Erleichterung spürbar): Arsenicum, Psorinum oder Alumina.
Haare ziehen statt Kratzen auf der Kopfhaut: Lilium tigrinum oder Tuberculinum
Zucken vor Juckreiz: Agaricus.
Erbrechen beim Kratzen: Ipecacuanha.
Diese können alles umfassen, was gleichzeitig auftritt, aber scheinbar nicht mit der Neurodermitis zusammenhängt, z. B.:
Erbrechen: Ipecacuanha.
Alpträume: Opium, Sulfur.
Heißhunger: Petroleum, Iodium, Tuberculinum, Psorinum, Sulfur.
Modalitäten, die den Juckreiz bessern oder verschlechtern, sind sehr wichtig, um das passende Arzneimittel bestimmen zu können.
Besserung durch Essen: Anacardium.
Besserung durch Sport oder Tanzen: Sepia, Tarentula, Rhus toxicodendron.
Verschlechterung in geschlossenen Räumen: Pulsatilla und Carbo vegetabilis.
Die Stimmungslage ist v. a. dann wichtig, wenn sie sich durch Jucken oder im Neurodermitisschub ändert. Pulsatilla ist anhänglich und weinerlich; reizbar und mit nichts zufrieden sind Chamomilla, Tuberculinum und Calcium phosphoricum, zurückgezogen Bryonia, verzweifelt Psorinum, exhibitionistisch Hyoscyamus, Stramonium und Phosphorus. #HyoscyamusNeurodermitis#StramoniumNeurodermitis#Calcium phosphoricumNeurodermitis
Definition: Akute oder chronische Dermatitis (entzündliche Hautreaktion) durch eine allergische Reaktion nach Hautkontakt mit einer allergisierenden Substanz, eine der häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Erhebliche soziale Bedeutung: 20 % aller Berufskrankheiten sind allergische Kontaktekzeme. Prädisponiert sind Maurer, Friseure, Maler/Lackierer und Krankenschwestern/-pfleger.
Symptomatik: Beginn typischerweise ungefähr 12–48 h nach dem Allergenkontakt. Rötung, Schwellung und Bläschenbildung am Einwirkungsort des Allergens mit starkem Juckreiz. Die Blasen platzen und hinterlassen nässende Läsionen, die später verkrusten und unter Schuppenbildung abheilen. Bei fortdauerndem Allergenkontakt kann ein chronisches Kontaktekzem entstehen. Die Haut ist gerötet, verdickt, lichenifiziert (mit vergröbertem Hautfaltenrelief) und schuppt. Wegen des häufigen, begleitenden Juckreizes häufig Kratzeffekte.
Auch aus homöopathischer Sicht steht die AllergenkarenzAllergenkarenzKontaktekzem als therapeutische Maßnahme an erster Stelle (vgl. Organon, § 4). Wenn Hahnemann$Hahnemann, Samuel (CK, Bd 1) generell verlangt, alle evtl. pharmakologisch oder toxisch wirkenden Substanzen, v. a. Externa, zu entfernen, wirkt das sonst übertrieben, aber für das Kontaktekzem ist es angemessen. Allopathische Externa wie Kortikoide, feuchte Umschlägen und Lotionen können zwar im Akutfall lindern, aber nicht heilen. Im Gegenteil: sie unterdrücken.
Sowohl die akute als auch die chronische Verlaufsform sind homöopathisch gut behandelbar, sodass das Allergen nach der Behandlung oft wieder vertragen wird. Entsprechend dem Stadienverlauf (s. u. Repertorium) der akuten Kontaktdermatitis müssen die Mittel ggf. gewechselt werden, falls nicht schon das erste Mittel dauerhaft heilt.
SymptomenwahlKontaktekzemDa das Allergen an sich nur selten in die Mittelwahl einfließt, entspricht die Behandlung weitgehend der bei Neurodermitis (20.2.1), ggf. auch der von akuter Urtikaria (20.2.3) unter Berücksichtigung der jeweiligen Morphe. In Ausnahmefällen lässt sich das Allergen für die Mittelwahl verwenden:
Isopathisch, d. h. das Allergen wird in potenzierter Form gegeben. Idealerweise gibt es von dieser Substanz auch ein Arzneimittelbild, das den Beschwerden des Patienten entspricht. Z. B. ist die Pflanze Rhus toxicodendron ein potentes Kontaktallergen und in potenzierter Form ein Hauptmittel bei Kontaktdermatitis, wenn beim Patienten das Symptombild von Rhus toxicodendron vorliegt. Andernfalls kann fast jede Noxe in D30 bestellt werden, auch wenn sie in der Homöopathie bislang unbekannt ist. Oft ist es ausreichend, wenn es ein ähnlicher oder verwandter Stoff ist.
Die allergische Reaktion wird als „Vergiftung“ interpretiert. Vergiftungen durch verschiedenste Stoffe sind im Repertorium und in der Literatur zu finden.
Die sonstige symptombezogene Arzneiwahl entspricht der bei Neurodermitis (20.2.1) und der von Urtikaria (20.2.3), soweit eine Ähnlichkeit des Zustandsbildes besteht.
Eine Zuordnung ist aufgrund der Heterogenität der Ursachen und der Verlaufsformen nicht möglich. Blasenbildende (bullöse) Dermatosen können einen syphilitischen Hintergrund haben.
RepertorisationKontaktekzemEine Hauptrubrik für die Kontaktdermatitis findet sich nicht im Repertorium. Die wenigen Nachträge mit diesem Stichwort führen zu ungeprüften Arzneien, sind also irreführend. Folgende Vorschläge stellen eine Auswahl von Rubriken dar, die das weite Spektrum der (akut allergischen) Kontaktdermatosen beschreiben.
Haut – Hautausschläge //Blasen //chronisches allergisches Kontaktekzem // Ekzem // Ekzem – exponierte Körperteile // Nesselsucht – unbedeckte Teile // vesikulär, Bläschenausschlag // vesikulär, Bläschenausschlag – Juckreiz – unbedeckt, wenn
Allgemeines – Abusus // Vergiftung – Drogen im Allgemeinen
Eine Erstverschlimmerung kann nur dann als solche angesehen werden, wenn beim Patienten gleichzeitig eine Besserung der Allgemeinsymptome vorliegt (Hering-Regel 7.3.3) oder wenn die Hauterscheinung als Ausscheidungsreaktion interpretiert werden kann (gleichzeitige Besserung eines zentralen Symptoms).
Prognose: Bei der akuten Kontaktdermatitis werden die Beschwerden i. d. R. rasch abklingen; auch die weiteren Stadien treten dann nur noch rudimentär auf. Die Behandlung des chronischen Kontaktekzems ist langwieriger. Wenn es homöopathisch ausgeheilt ist, werden frühere Allergene oft wieder vertragen.
Soweit möglich AllergenkarenzAllergenkarenzKontaktekzem, auch über die nachgewiesenen Allergene hinaus, denn eine vorgeschädigte Haut sensibilisiert sich leicht auf weitere Substanzen. Fast alle potentiellen Kontaktallergene im Privatbereich sind gut verzichtbar oder austauschbar, z. B. Kosmetika. (20.2.1)
Wichtige Arzneimittel und deren Differenzierungen: 20.2.1 (Neurodermitis) und 20.2.3 (akute Urtikaria).
Bemerkung zu häufigen, allergenen Substanzen: Wenn ein Allergen ermittelt ist, von dem es auch ein Arzneimittelbild gibt (z. B. Niccolum, Naphtalin, Cadmium sulfuricum, Plumbum, Aceticum acidum, Guajacum, Petroleum, Carbolicum acidum, Kresolum, Rhus toxicodendron, Gadus morrhua, Zincum, Ammonium carbonicum, Ammonium causticum, Fluoricum acidum, Chlorum, Lacticum acidum), sollte dieses Mittel in die engere Wahl gezogen werden – gegebenenfalls ein diesem verwandtes (9.3). Oft wird auch umgekehrt ein Allergen erst durch die homöopathische Mittelwahl gefunden und nachträglich in der Umwelt des Patienten entdeckt, denn die Homöopathie ist auch angewandte Toxikologie.
Definition: Nesselsucht, QuaddelsuchtQuaddelsucht. Verlauf Nesselsucht s. Urtikariaentweder akut (< 6 Wo.) oder chronisch (> 6 Wo.). Chronische Verlaufsform entweder intermittierend, rezid. oder persistierend. Quincke-Ödem mit Zuschwellen der Lider oder massiver Schwellung anderer Köperteile (z. B. Lippen, Ohr). Ursache: Histaminfreisetzung aus Mastzellen und basophilen Granulozyten bei allergischer Urtikaria (Arzneimittel, Insektenstiche, Nahrungsmittel) oder nicht allergischer Intoleranzreaktion auf Nahrungsmittel(-Zusätze) oder Arzneimittel. Weitere Ursachen können physikalische Auslöser (Kälte, Wärme, Licht) oder körperliche Belastung sein.
Symptomatik: Unscharf begrenzte, flüchtige Hautveränderungen (Urticae, Quaddeln) aufgrund exogener und endogener Ursachen. Starker Juckreiz. Ca. 20–30 % der Bevölkerung einmal im Leben davon betroffen.
Die Urtikaria tritt meist akut oder rezidivierend auf, dabei häufig mit dem gleichen Auslöser. Die einfache Urtikaria ist harmlos, der Übergang zur Anaphylaxie jedoch lebensgefährlich. Unter homöopathischer Behandlung soll die Urtikaria sehr schnell abklingen: die akute innerhalb weniger Minuten, die chronische innerhalb von Tagen bis Wochen. Häufig kommt es danach nicht bzw. nicht mehr zu Rezidiven.
Die alleinige homöopathische Behandlung reicht fast immer aus. Bei anaphylaktoider Reaktion sollte die Behandlung ggf. stationär erfolgen.
Die Urtikaria bietet verblüffend schnelle und einfache Therapieerfolge, auch für ungeübte Homöopathen. Die chronische Urtikaria erfordert zwar eine Konstitutionsbehandlung (4.3), ist aber auch relativ unkompliziert zu behandeln. Höhere Anforderungen an den Therapeuten stellt das Quincke-Ödem.
Meist reicht eine Einmalgabe aus, um die akute Urtikaria zum abklingen zu bringen. Selten ist eine Mittelwiederholung nötig.
Es kommt ohne Zwischenstadien oder Erstreaktion zum völligen Abklingen der Symptomatik. Nach der Hering-Regel (7.3.3) muss eine akute Urtikaria oder anaphylaktoide Reaktion als neu aufgetretenes Symptom rasch auf die Mittelgabe ansprechen. Bei einer chronischen flüchtigen, selten auftretenden (z. B. Kälteurtikaria) können andere Krankheiten des Patienten im Vordergrund stehen, sodass sich die Behandlungsergebnisse der Urtikaria verzögern. Falls in einem akut fortschreitenden Fall das erste Mittel nicht sofort greift, ist keine Zeit zu verlieren und auf notfallmedizinische Maßnahmen zurückzugreifen. Das schließt eine homöopathische Weiterbehandlung jedoch nicht aus.
Jede neu aufgetretene Urtikaria ist Anlass zu einem ausführlichen Anamnesegespräch.
SymptomenwahlUrtikariaBei der akuten Urtikaria ist es oft weder zeitlich möglich noch nötig, die individuellen Symptome zu differenzieren. Erst bei einem Versagen des ersten Therapieversuchs werden weitere Symptome berücksichtigt. Die konstitutionelle Behandlung der chronischen Urtikaria dagegen erfordert eine richtige Anamnese, aus der die jeweils auffallenden Symptome berücksichtigt werden. Auch die Modalitäten der Urtikaria selbst können wichtige Mittelhinweise geben. (20.2.1 Neurodermitis)
„Juckende Blüthchen“ sind Hauptsymptom der Psora. Schwer zu behandelnde Urtikariaformen sind oft Leitsymptom für eine Tuberkulinie.
RepertorisationUrtikariaDie Hauptrubrik des Repertoriums zur Urtikaria findet sich im Kapitel: Haut – Hautauschläge – Nesselsucht. Auch in anderen Kapiteln finden sich viele wegweisende Rubriken, z. B. Gesicht – Hautauschläge – Urtikaria und Extremitäten – Hautausschläge – Urtikaria. Die Urtikaria-Rubrik im Kapitel „Haut“ bietet eine Reihe von praktisch relevanten Differenzierungen.
Haut – Hautausschläge – Nesselsucht // Kratzen – agg.
Haut – Hautausschläge – Urtikaria // Baden, nach // Urtikaria – kalt – Luft, in // Urtikaria – Nasswerden, durch // Urtikaria – Rheumatismus, bei // Urtikaria – Wärme und Körperübungen
Gesicht – Hautauschläge – Urtikaria
Extremitäten – Hautausschläge – Urtikaria
Die Akutbehandlung ist mit einer zum Auftreten zeitnahen Gabe einer Hochpotenz i. d. R. abgeschlossen. Eine häufige Wiederholung der Arznei ist i. d. R. nicht nötig. Ggf. erfolgt eine Nachbehandlung des konstitutionellen Hintergrundes der Erkrankung.
Die chronische Urtikaria erfordert eine individuelle Anamnese und Verlaufsbeurteilung des Gesamtzustandes. Mehr als eine Wiederholung des Mittels ist kaum erforderlich. Komplizierter wird es durch Begleitkrankheiten, die in die Behandlung einbezogen werden müssen.
Das Quincke-ÖdemQuincke-Ödem oder angioneurotische Ödem bzw. Urticaria profunda ist von der Mittelwahl her komplizierter und zeigt sich in der Praxis als schwieriger zu behandeln, es können mehrere Versuche mit verschiedenen Arzneimitteln erforderlich sein. Das Quincke-Ödem sieht akut aus, der Behandlungsverlauf bestätigt aber, dass es nur das Aufflackern der Grundkrankheit ist. Die Neigung zum angioneurotischen Ödem ist dann einer von vielen Aspekten einer Konstitutionsbehandlung und Verlaufsbeurteilung.
Im Gegensatz zum Quincke-Ödem gibt es erstaunlicherweise zahlreiche Patienten, die mit einer einzigen Mittelgabe von ihrer Druckurtikaria oder Insektenstichüberempfindlichkeit geheilt wurden.
Die Prognose der Behandlung einer Urtikaria ist sehr gut, sowohl akut als auch chronisch. Bei Anaphylaxie (obwohl homöopathisch behandelbar) sollte im Falle einer ausbleibenden Heilwirkung homöopathischer Medikamente so bald wie möglich auf notfallmedizinische Maßnahmen umgestiegen werden.
Keine Externa (vgl. Organon, § 28/Anm.), v. a. keine Steroide, Antihistaminika und keine Fettcremes!
AllergeneAllergenkarenzUrtikaria müssen selbstverständlich gemieden werden, werden aber im Zuge einer erfolgreichen Behandlung schließlich meist wieder vertragen.
!!!! Apis
!!! Urt-u., Bell.
!! Apisin., Ars., Lach., Puls., Vesp.
! Ant-c., Aran., Bry., Calc-p., Camph., Carb-ac., Cham., Dulc., Hyos., Iod., Ip., Kali-c., Nat-m., Op., Petr., Phos., Psor., Rhus-t., Stram., Sulph., Tub.
Im Akutfall sind Apis#ApisUrtikaria und Belladonna häufig das richtige Mittel. Deshalb sollten sie jeder Notfallapotheke vorrätig sein; gefährdete Patienten sollten Apis dabei haben, wenn die anamnestisch eruierbaren Symptome nicht auf ein anderes akutes Urtikariamedikament hinweisen. Die zuverlässige und sofortige Wirkung von Apis bei akuten allergischen Reaktionen ist für viele Einsteiger das homöopathische Schlüsselerlebnis.
Belladonna#BelladonnaUrtikaria kann bei Urtikaria angezeigt sein, wenn heiße, hochrote, sehr schnell entstandene Rötungen vorhanden sind, und der Patient über Mundtrockenheit mit oder ohne Durst klagt.
Im Arzneimittelbild von Camphora#CamphoraUrtikaria finden sich viele Symptome des anaphylaktischen Schocks.
Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronUrtikaria löst als Pflanze noch eine heftigere Kontakturtikaria aus als die Brennnessel. Hinweisend dafür kann Wärmebesserung oder Bewegungsunruhe sein.
Urtica urens#Urtica urensUrtikaria (Brennnessel) wäre zwar vom Bild der Urtikaria und vom Namen her noch nahe liegender, ist aber nicht so oft angezeigt. Auch Urtica urens kann rein symptomatisch sofort gegeben werden.
Einige Insekten- und Schlangengifte wie Lachesis, Vespa crabro, Apisin (Bienengift), Aranea diadema kommen als Reservemittel infrage. Auch wenn das Mittelbild nicht genau passt, ist ein Versuch oft doch noch erfolgreich.
Chronische und chronisch rezidivierende Urtikaria
Reibung spricht für Pulsatilla.
Kälte für Dulcamara oder Rhus toxicodendron.
Insektenstiche für Apis, Arsenicum album oder Lachesis.
Schwitzen bei Anstrengung für Rhus toxicodendron, Urtica urens oder Natrium muriaticum.
Hand oder Unterschenkel: Sulfur.
Unterarm oder Knöchel: Natrium muriaticum.
Sicherer für die Verordnung sind aber kleine ungewöhnliche Stellen. Für das angioneurotische Lidödem kommen v. a. Apis, Rhus toxicodendron, Arsenicum album, Kalium carbonicum infrage, letzteres v. a. am Oberlid.
Lebensmittelallergien: bei Lebensmittelauslösern sind oft Arsenicum oder Pulsatilla angezeigt. Bei speziellen Lebensmitteln kommen infrage:
Fisch: Arsenicum album#Arsenicum albumUrtikaria
Fleisch: Arsenicum album oder Antimonium crudum.
Meerestiere oder Gemüse: Urtica urens.
Die Verschlechterung durch Kratzen ist pathognomonisch. Es ist sinnvoll, diese Rubrik zu berücksichtigen, um die Urtikaria-Mittel einzugrenzen.
Begleitsymptome: Diese können alles umfassen, was gleichzeitig auftritt, aber scheinbar nicht mit der Urtikaria zusammenhängt, z. B. Erbrechen (Ipecacuanha), Albträume (Opium, Sulfur), Heißhunger (Petroleum, Iodium, Tuberculinum, Psorium, Sulfur).
Stimmungslage: Die Stimmungslage ist v. a. dann wichtig, wenn sie sich durch Jucken oder im Schub ändert. Z. B. anhänglich und weinerlich (Pulsatilla), reizbar und mit nichts zufrieden (Chamomilla, Tuberculinum, Calcium phosphoricum), zurückgezogen (Bryonia), verzweifelt (Psorinum), exhibitionistisch (Hyoscyamus, Stramonium, Phosphorus).
Definition: SeborrhoischeEkzem, seborrhoisches DermatitisDermatitisseborrhoische.
Symptomatik: Ekzemform mit scharf begrenzten rundlichen, zu Beginn an Follikel gebundenen Hautrötungen, die von gelb-bräunlichen, fettigen (seborrhoischen) Schuppen bedeckt sind. Lokalisation: Effloreszenzen v. a. im Gesicht, am behaarten Kopf (besonders beim Säugling, Gneis) sowie in der Brust- und Rückenrinne.
Das seborrhoische Ekzem tritt bei Säuglingen und Kleinkindern in Form von gelblichen, teilweise bräunlichen und definitionsgemäß fettigen Schuppen und Krustenbildungen an der behaarten Kopfhaut auf. Wesentlich häufiger ist der „Milchschorf“ (Crusta lactea) als Erstmanifestation einer atopischen Dermatitis, auch 27.2.4, der aus trockenen Schuppen besteht. Bei betagten Patienten ist es ein häufiger Nebenbefund im Rahmen der Behandlung anderer chronischer Krankheiten und tritt insbesondere in den sogenannten Schweißrinnen von Brust und Rücken auf.
Bei Säuglingen ist der Milchschorf oft der erste Hinweis auf das Vorliegen einer Atopieneigung. Er darf auf keinen Fall durch lokale Maßnahmen (Abkratzen, Ölwaschungen, Anwendung von Salizylsäure) unterdrückt werden! Wird der Milchschorf von Anfang an homöopathisch unter Betrachtung der Gesamtheit der Symptome behandelt, zeigt sein Verschwinden unter dem richtigen Mittel ein tief greifende Heilung an, die dem Kind ein gesundes Leben ohne schwere chronische Störungen ermöglicht.
Bei älteren Menschen ist das seborrhoische Ekzem oft als Ausscheidungsreaktion im Rahmen von multiplen Grunderkrankungen zu sehen. Auch in diesen Fällen darf es nicht lokal unterdrückt werden, da dies oft zur Verschlimmerung des chronischen Grundleidens führt. Manchmal ist die Lokalunterdrückung einer Hauterscheinung bei alten und schwer kranken Menschen sogar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, mit der Folge lebensbedrohlicher Komplikationen.
Die Behandlung des seborrhoischen Ekzems muss deshalb immer die Analyse der gesamten Symptomatik des Patienten unter Berücksichtigung der auffallenden und sonderlichen Symptome nach „Organon“ § 153 umfassen. Das seborrhoische Ekzem spielt dabei nur die Rolle eines Lokalsymptoms.
Cave: „Milchschorf“ bei Kindern niemals lokal behandeln!
Da die Behandlung des seborrhoischen Ekzems streng nach den Richtlinien der homöopathischen Konstitutionstherapie zu erfolgen hat, wird an dieser Stelle bezüglich der Wahl der Symptome, des Repertorium, der Dosierung und Verlaufsbeurteilung auf die entsprechenden Theoriekapitel verwiesen.
Der Milchschorf ist häufig das erste Zeichen für das Vorliegen einer psorischen Störung. Wenn die Haut grundsätzlich zum Fettig- und Öligsein neigt, entsteht dies oft auf sykotischer oder tuberkulinischer Grundlage.
Definition: Akne rosacea: Erkrankung des Erwachsenenalters.
Symptomatik: Rötung, Teleangiektasien, Papeln und Pusteln im Gesicht; chronisch-progredienter Verlauf; im klinischen Bild akneähnlich; KomplikationenKomplikationenRosacea: Rhinophym (Knollennase durch Hyperplasie des Bindegewebes und der Talgdrüsen, nur bei Männern vorkommend); Augenbeteiligung.
Die Rosacea verläuft chronisch langwierig und heilt im Gegensatz zur Akne nicht altersbedingt ab. Die Beeinträchtigung ist unter Umständen sogar stärker als bei Akne vulgaris. Die Patienten wenden im Laufe der Zeit sowohl dermatologische als auch homöopathische Behandlung an, und erreichen damit nur zeitweilige Besserungen.
Aus homöopathischer Sicht (chronisches Miasma) ist auf Lokaltherapie (z. B. Antibiotika als Salbe oder oral, Retinoide etc.) zu verzichten.
Entsprechend schwierig, umfassend und langwierig ist die homöopathische Behandlung. Sie muss immer konstitutionell und individuell auf den Patienten zugeschnitten sein. Auch bei erfolgreicher Therapie muss mit Rückfällen gerechnet werden.
SymptomenwahlRosaceaDer Befund und Verlauf der Rosacea selbst hilft wenig zur Mittelfindung. Stattdessen muss für das Gesamtbild mit allen charakteristischen Symptomen des Patienten verschrieben werden.
Die Rosacea ist i. d. R. tuberkulinischer Natur, hat jedoch auch einen Bezug zur Sykosis (3.4.2).
RepertorisationRosaceaDie Hauptrubrik für Rosacea findet sich der Lokalisation entsprechend im Kapitel „Gesicht“: Gesicht – Hautausschläge – Akne – Akne rosacea – Nase (über 70 AM). In den Unterrubriken des Abschnitts Gesicht – Hautausschläge – Akne findet man spezielle, interessante Lokalsymptome der Rosacea. Eng mit der Rosacea gekoppelt ist das Rhinophym, das durch die danach aufgeführten Rubriken abgebildet wird.
Gesicht – Hautausschläge – Akne // Akne rosacea – Nase // verhärteten Papeln, mit
Nase – Schwellung – Nasenspitze // Verfärbung – rot – bläulichrot
Nur selten gibt es eine rasche und kontinuierliche Abheilung ohne Rückschläge. Im Sinne der Hering-Regel darf (und wird meistens) die Haut vorübergehend schlimmer aussehen. Entscheidend für die Verlaufsbeurteilung sind das gesamte Wohlbefinden und die Entwicklung bei ggf. anderen Krankheiten. Wenn die Patienten bei weiterhin sichtbarer Rosacea mit dem Gesamtverlauf zufrieden sind, ist Behandlung wahrscheinlich richtig.
Wenn eine tendenzielle Besserung des Gesamtzustandes erreicht wurde, sollte man möglichst lange bei dem jeweiligen Mittel bleiben! Wenn das Mittel – auch in anderen Potenzen – nicht mehr hilft, muss mithilfe der inzwischen aufgetretenen Veränderungen ein Folgemittel gesucht werden.
Prognose: Mit Mühe und Geduld lassen sich Besserungen erreichen, im günstigsten Fall auch langjährige Beschwerdefreiheit. Insgesamt ist der Rosacea schwer beizukommen.
Keine Externa (Organon § 285 Anmerkung), v. a. keine Steroide und keine Fettcremes anwenden! Auch aus dermatologischer Sicht sind Externa, Kosmetika, Seifen, alkoholische Tinkturen usw. zu meiden. Eine antiinflammatorische Ernährungstherapie (vegetarisch, vollwertig, Fastenphasen) kann eine wichtige Grundlage der Behandlung sein.
Da die Behandlung individuell und konstitutionell zu erfolgen hat, lassen sich keine diagnosespezifischen Arzneimittel und Verordnungskriterien angeben. Hinweise können dem Kapitel 23.3.2 (Acne vulgaris) entnommen werden.
Definition: Entzündliche Dermatose des Haarfollikels und des umgebenden Gewebes mit multifaktorieller Genese. Altersgipfel vom 15.–25. Lj. Ursachen sind neben genetischen und hormonellen Einflüssen auch bakterielle Infektionen (v. a. Propionibacterium acnes), chemische Noxen (z. B. bestimmte Öle, Teerprodukte) und Medikamente (z. B. Glukokortikoide, Antiepileptika).
Symptomatik: Hautveränderungen im Gesicht (Wangen, Stirn), auf dem Oberkörper und Rücken.
Acne comedonica: Komedonen (Mitesser), keine Entzündungsreaktion.
Acne papulo-pustulosa: Komedonen, Papeln, Pusteln mit Entzündungsreaktion.
Acne conglobata: Neben Komedonen, Papeln und Pusteln treten knotige Hautveränderungen und konfluierende Abszesse auf; flächenhafte Entzündungen, die beim Abheilen Narben hinterlassen können.
Die juvenile Akne zeigt zwar mit zunehmendem Alter eine Abheilungstendenz, wird im Rahmen der homöopathischen Behandlung als chronisch persistierend angesehen. Meistens ist Akne auch ein kosmetisches Problem; seltener ist auch die Acne conglobata oder fulminans zu behandeln. Trotz des chronischen Verlaufs kann das richtige Mittel bereits nach wenigen Gaben zur dauerhaften Abheilung führen.
Wie bei allen chronischen Lokalbefunden der Haut ist eine ausschließlich auf das Symptom fokussierte Therapie als Unterdrückung zu betrachten, die für den Gesamtkrankheitsverlauf ungünstig ist. Daher sind Maßnahmen wie lokale oder systemische Antibiose, Antiandrogene, Roaccutan®, Vitamin-A-Säure oder sonstige Schäl- und Äztbehandlungen, die über die kosmetische Reinigung und Pflege der Haut hinausgehen, als problematisch einzustufen.
Es geht immer um das Befinden des ganzen Menschen. Tiefer liegende Krankheiten haben Vorrang; bei den meist betroffenen Jugendlichen ist die subjektive Verarbeitung und die Art des Leidensdruckes wichtiger als der Hautbefund. Lern- und Verhaltensprobleme werden während der Anamnese oft mit erwähnt und rücken dann in den Vordergrund.
Für die Behandlung werden alle individuellen Symptome SymptomenwahlAkneherangezogen, die sich aus der Anamnese und Untersuchung ergeben. Im Fall einer akuten Exazerbation oder Acne fulminans kann auch das momentane Hautbild den Ausschlag geben.
Auslöser, besonders bei Akne venenata oder mechanica, (Halogene, Teer, Reibung usw.) können direkt zum Mittel führen.
Begleitsymptome und andere Krankheiten sind für die Arzneiwahl oft wichtiger als die Acne.
Eine unerwartete Modalität ist oft der Schlüssel zum richtigen Mittel.
Lebensmittelverlangen und -abneigungen.
Letztlich ist entscheidend, was aus der gesamten Anamnese als besonders charakteristisch und eigenheitlich auffällt, was immer es sei.
In der biologischen Umstellungsphase der Pubertät entwickelt sich ein bestehendes Miasma oft aus der Latenzphase in die Sekundärphase (3.4) und wird z. B. in Form einer Akne sichtbar, die je nach Art und Ausprägung psorischer, sykotischer und auch tuberkulinischer Natur sein kann.
Psora: Acne vulgaris.
Sykosis: große, rötliche, entzündliche Läsionen, schmerzhaft, ohne Eiter, bei Mädchen häufig zur Zeit der Menstruation. Einzelne, isolierte Eruptionen (keine Gruppenbildung wie bei Psora oder Tuberkulinie).
Tuberkulinie: Acne indurata, Acne rosacea.
Es ist wichtig zu verstehen, dass die Akne nur ein Symptom einer vielschichtigen Symptomatik ist, die bei genauer Befragung immer zum Vorschein kommt.
RepertorisationAkneDie große Hauptrubrik für die Akne findet sich im Kapitel „Gesicht“ unter Gesicht – Hautausschläge – Akne. Auch folgende Rubriken bzw. Unterrubriken können zur Repertorisation des Lokalbefundes Akne herangezogen werden.
Gesicht – Hautausschläge – Akne // anämischen Mädchen, bei – in der Pubertät // verhärteten Papeln, mit
Gesicht – Hautausschläge //Komedonen, Mitesser // Pickel // Pickel – juckend // Pickel – Kinn // Pickel – schmerzhaft
Haut // Narben – blau // Verfärbung – bläulich // Verfärbung – kupferfarben
Immer die Gesamtsituation im Auge behalten! Es ist wichtig, die Veränderungen aller Beschwerden zu erfragen und sie nach der Hering-Regel zu beurteilen. Wenn eine Besserung in anderen, wesentlicheren Bereichen aufgetreten ist, sollte das Arzneimittel nicht gewechselt werden. Ggf. muss die Dosierung angepasst werden.
Nur falls der Patient – die Hautsymptome der Akne ausgenommen – wirklich gesund ist, ist der Verlauf der Akne allein entscheidend.
Solange die Besserung bzw. der Heilungsverlauf nach der Hering-Regel anhält und mit weiteren Gabe reproduzierbar ist, soll das Mittel und die Potenz beibehalten werden. Wenn nicht: Erst die Potenz erhöhen, wenn das nicht hilft, Folgemittel suchen.
Die Rückmeldung vom Patienten, es hätte sich nichts verändert oder es sei schlimm, muss unbedingt genauer hinterfragt werden. Fast immer hat sich an der Lokalisation, den Begleitbeschwerden, am Allgemeinzustand, wie z. B. Schlaf oder anderen Beschwerden durchaus etwas geändert.
Prognose: Bei gelungener Mittelfindung gut
Keine Externa anwenden (Organon § 285 Anmerkung), v. a. keine Fettcremes! Diese sind auch dermatologisch kontraindiziert, es werden alkoholische Tinkturen empfohlen.
Viele Patienten erfahren eine rasche und endgültige Ausheilung, sobald sie auf Milchprodukte verzichten. In Gesellschaften, die keinen westlichen Lebensstil pflegen, tritt Akne erst dann auf, wenn Zucker, Milch und Transfette zum Nahrungsmittelspektrum hinzugefügt werden.
Es gibt einige Arzneien mit starkem Bezug zur Akne, v. a. die HalogeneHalogene, Akne, die auch toxikologisch Akne auslösen (Jodakne, Jododerm, Bromoderm usw.). Bei Acne vulgaris kommen jedoch weit häufiger die üblichen Konstitutionsmittel zum Einsatz. Die Halogene spielen eine größere Rolle bei schweren Akneformen oder wenn die Akne durch Halogene oder andere Noxen ausgelöst wurde.
Da die Akne ein Lokalsymptom ist, wird für die Arzneimitteldifferenzierung auf die Theoriekapitel und die Arzneimittellehre verwiesen (34).
Acne disseminata in der Pubertät, häufig auf der Stirn, den Wangen und den Schultern: Belladonna, Carbo vegetabilis und Sulfur.
Acne indurata: Carbo vegetabilis, Ledum, Sulfur.
Acne miliaris (feinkörnige, meist auf der Stirn junger Mädchen): Sulfur, Calcarea carbonica, Nitricum acidum.
Acne punctata: Sulfur und Nitricum acidum.
„Mitesser“ (Acne vermiformis): Sulfur, Selenium, Graphites und Nitricum acidum.
Definition: Eitrige Entzündung an Fingern oder Zehen, meist nach Bagatellverletzung mit nachfolgender bakterieller Infektion (v. a. Staphylokokken und Streptokokken). Je nach Ausdehnung werden oberflächliche und tiefe Panaritien unterschieden.
Symptomatik: Pulsierende Schmerzen im Finger, evtl. mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung. Rötung, Schwellung und evtl. beginnende Abszedierung. Finger überwärmt, im fortgeschrittenen Stadium Druckschmerzen entlang der Sehnen oder in der Hohlhand.
Jedes bestehende Panaritium wird wegen der drohenden Komplikationen wie eine akute Krankheit behandelt. Nur die im Augenblick im Vordergrund stehenden Symptome werden für die Mittelwahl herangezogen. Ziel ist die rasche und komplikationslose Abheilung innerhalb weniger Tage. Die Neigung zu rezidivierenden Panaritien ist aus homöopathischer Sicht eine chronische Krankheit und erfordert die Aufnahme der Gesamtheit der Symptome.
Bei schweren Verläufen ist gelegentlich eine chirurgische Abszesseröffnung zur Entlastung notwendig. Die homöopathische Behandlung wird in diesen Fällen zusätzlich zur chirurgischen fortgesetzt. Eine Antibiose ist normalerweise nicht indiziert.
Bei der homöopathischen Behandlung muss v. a. unterschieden werden zwischen der Akutbehandlung und der chronischen Behandlung bei Patienten mit der Neigung zu Panaritien, die sich im symptomfreien Intervall befinden. Zudem ist zu unterscheiden:
Panaritien infolge von Verletzung, Quetschungen, Fremdkörpern, Fingerverbrennungen etc.
Panaritien bei Patienten mit Niednägeln oder habituellem Nägelbeißen.
Panaritien bei Patienten mit Neigung zum Einwachsen von Finger- oder Zehennägeln oder sonstigen Nagelbildungsstörungen.
SymptomenwahlPanaritiumFür die Behandlung der akuten Situation sind oft schon die auffälligen Lokalsymptome sehr hilfreich. Dennoch ist es immer wichtig, allgemeine und Begleitsymptome mit zu erfragen, um die Mittelwahl sicher zu machen. Auch die oben genannten Ursachen für ein Panaritium können wegweisend sein.
Lokalbefund und Stadium: z. B. Wunde, Ulkus, Absonderungen (Blut, Eiter, Geruch etc.), Verfärbung, Temperatur.
Auslöser: Verletzung, Verbrennung, Fremdkörper, Niednägel, eingewachsene Nägel.
Modalitäten: Empfindlichkeit auf Berührung, Wärme oder Kälte, Bewegung, Hängenlassen usw. (auch wenn pathognomonisch).
Schlaf: Gestört um wie viel Uhr? Erwachen durch Schmerzen? Was tut der Patient dann nachts?
Begleitsymptome, Stimmung, Allgemeinreaktionen.
Panaritien sind meist tuberkulinischer Natur. Entzündungen des Nagelbetts können auch ein Hinweis auf die Syphilis hin.
RepertorisationPanaritiumDie Hauptrubrik für das Panaritium findet man im Repertorium unter Extremitäten – Nagelgeschwür, Paronychie – allgemein – Panaritium. Innerhalb dieser Rubrik finden sich einige hilfreiche Symptome. Weitere wichtige Rubriken findet man außerdem unter den Allgemeinsymptomen.
Extremitäten – Nagelgeschwür, Paronychie // Nadelstich unter den Nagel, durch // Nägel – erstreckt sich vom // Niednägel, durch // Panaritium – tiefsitzend // schmerzhaft – Stechen, heftiger, scharfer Schmerz // Splitter, durch
Allgemeines – Verletzungen, Stöße, Stürze, Prellungen // allgemein – Operation, Beschwerden // Beschwerden durch
Allgemeines – Wunden // Bisse, Stiche // eiternd // Fremdkörper, durch // gangränös // heilen – langsam // Schmerzen – Splittergefühl // Stichwunden
Im Frühstadium kommt es fast immer zu einem raschen Abklingen ohne Komplikationen. Bei Wiederauftreten nach anfänglicher Besserung wird das Mittel zunächst wiederholt.
Falls das Panaritium weiter fortschreitet oder Komplikationen entwickelt, muss die Mittelwahl überprüft und der aktuellen Situation angepasst werden. Ggf. muss ein chirurgisches Vorgehen erwogen werden. Rasche Mittelwiederholung und häufige Mittelwechsel sind dann vertretbar und erforderlich; nicht aber bei deutlicher Besserung.
Rezidive lassen sich meist schon durch die homöopathische Akutbehandlung vermeiden. Nötigenfalls muss auf die Rezidivneigung an sich hin verordnet werden (konstitutionelle Therapie). Dafür reicht es im günstigsten Fall, das Akutmittel zu wiederholen oder ein passendes Folgemittel zu geben. Viele bei Panaritium indizierte „Akutmittel“ wirken sehr tief und finden auch als Konstitutionsmittel Anwendung (z. B. Hepar sulfuris, Lachesis, Mercurius, Sulfur etc.). Meist genügen Einzelmittel in hoher Potenz in großen Abständen.
Prognose: Im Frühstadium sehr gut. Auch im fortgeschrittenen Stadium lässt sich meist eine Ausheilung erreichen. Unter chirurgischer Versorgung ist durch begleitende homöopathische Therapie ein weniger komplizierter Verlauf zu erreichen. Rezidive und Wundheilungsstörungen werden so vermieden.
Chirurgie, falls erforderlich. Hausmittel wie Zugsalben, Rivanol, Kernseifenbad, Kühlung.
!!! Hep., Led., Sil.
!! Bell., Lach., Merc., Myris.
! Apis, Nit-ac., Pyrog.
In einem frühen Akutstadium ist Hepar sulfuris#Hepar sulfurisPanaritium das das erste und wichtigste Mittel. Es passt sowohl zu beginnender als auch fortgeschrittener Eiterung (nach einer alten Faustregel C30 zum Zurückbilden, D4–D12 zum Eröffnen einer Abszedierung). Typisch sind ausgeprägte Berührungs- und Kälteempfindlichkeit, Reizbarkeit.
Silicea ist für direkte Beteiligung von Nägeln oder Knochen und für langwierige Verläufe geeignet. Oft ist es auch nach chirurgischer Eröffnung noch sehr hilfreich, nimmt den Schmerz und verhindert weiteres Voranschreiten.
Bläuliche Verfärbung spricht für Lachesis#LachesisPanaritium.
Myristica #Myristica, Panaritiumwird das „homöopathische Messer“ genannt, da es Abszesse eröffnet, die sonst inzidiert werden müssten. Also ein Stadium weiter als Hepar sulfuris.
Wenn der Auslöser deutlich ist, kann danach verordnet werden: bei Stichverletzung ist Ledum palustre, aber auch Hepar sulfuris, Silicea u. a. möglich.
Silicea #SiliceaPanaritiumhat einen Bezug zu Knochen, Sehnen, Periost und Handfläche.
Hellrote, heiße Entzündungen mit pulsierenden Schmerzen können Hinweis auf Belladonna sein.
Bei drohender Sepsis ist manchmal Pyrogenium hilfreich.
Steht eine ödematöse, weißliche Schwellung im Vordergrund und sind die Schmerzen heftig, scharf und stechend, kann Apis#ApisPanaritium angezeigt sein. Ledum-Panaritien#LedumPanaritium fühlen sich typischerweise trotz Entzündung kalt an.
Die genaue Differenzierung der Arzneimittel sollte aufgrund der im individuellen Fall vielfältigen Möglichkeiten (über 70 AM allein in der Hauptrubrik) der Arzneimittellehre entnommen werden.
Definition: Impetigo vulgaris, Grindblasen, Grindflechte. Oberflächliche Infektion der Haut durch Streptokokken der Gruppe A oder Staphylokokken (Inkubationszeit: 24 h bis wenige Tage). Kinder wesentlich häufiger betroffen als Erwachsene. Aufgrund der hohen Kontagiosität Epidemien v. a. in Kindergärten und Schulen.
Symptomatik: Beginn mit Bläschen, die platzen und unter Bildung von honiggelben Krusten abheilen. Besonders betroffen sind Gesicht, behaarter Kopf, Hals und Extremitäten.
Tritt eine Impetigo epidemisch auf, kann es durchaus sinnvoll sein die Symptome mehrerer Kinder aufzunehmen (so dies möglich ist) und ein (oder ggf. mehrere) Epidemiemittel zu finden, das die Gesamtheit der Symptome aller betroffenen Kinder deckt. Häufiger ist jedoch eine Impetiginisierung von z. B. Neurodermitis oder Herpes zoster zu sehen. In diesen Fällen – die Komplikation ist Teil der chronischen Krankheit – hat die Fortführung der Gesamtbehandlung Vorrang vor der isolierten Behandlung der Impetiginisierung. Nach einer Impetiginisierung unter fortgesetzter homöopathischer Behandlung nimmt eine Neurodermitis oft einen guten Verlauf bis zur dauerhaften Abheilung.
Die Impetigo contagiosa ist leicht zu behandeln. Sie heilt narbenlos in 1–2 Wochen ab. Die Entwicklung einer nachfolgenden Glomerulonephritis ist möglich, tritt aber selten auf. Einer Freiburger Studie zufolge lassen sich Streptokokkenkomplikationen durch homöopathische Behandlung auf die Hälfte reduzieren, nicht jedoch durch Antibiotika.
Die Impetiginisierung als Komplikation (z. B. bei Neurodermitis) ist homöopathisch schwerer zu behandeln. Die Impetigo contagiosa ist dagegen leicht zu behandeln.
Da die Impetigo durch Hautkontakt übertragen wird, ist auf entsprechende Hygiene im Umgang mit den Kranken zu achten. Häufigeres Händewaschen verhindert eine Ausbreitung der Infektion.
Krisen (z. B. impetiginisierte Ekzeme) sind Chancen, um gute Symptome zu sehen und das Heilmittel zu finden!
Tritt eine Impetigo während der konstitutionellen Behandlung einer gravierenden Grunderkrankung auf, muss genau überlegt werden, ob es sich nicht um eine Verlagerung nach außen handelt. In diesem Fall bewährt sich eine abwartende Strategie oder aber die Akutbehandlung mit einem niedrig potenzierten Komplementärmittel.
SymptomenwahlImpetigoZumindest bei unkomplizierter Impetigo spielen die Lokalsymptome bei der Verordnung eine große Rolle.
Lokalbefund: wie nässend, klebrig, krustig, große oder kleine Blasen, Geruch.
Auslöser: zum Zeitpunkt der Ansteckung, sofern vorhanden.
Lokalisation: die beispielsweise von dem erwarteten Verteilungsmuster abweicht.
Sonstige Auffälligkeiten: möglichst spontan geäußert und nicht zum Symptomenbild der Krankheit gehörend.
Die Impetigo wird dem tuberkulinischen (pseudopsorischen) Miasma zugeordnet (3.4.1). Sie ist daher kein eigenständiges akutes Miasma, sondern nur eine akute Exazerbation einer chronischen Störung.
RepertorisationImpetigoDie Rubrik Haut – Hautausschläge – Impetigo (über 80 AM) gibt einen Überblick über die therapeutischen Möglichkeiten. Weitere „Impetigo“-Rubriken (bzw. zum Krankheitsbild passende Rubriken) finden sich über verschiedene Kapitel verteilt.
Kopf – Hautausschläge – Impetigo
Gesicht – Hautausschläge // Impetigo // krustig, schorfig – Mund – Mundwinkel
Haut – Hautausschläge // Absonderung, feuchte – glutinös // eiternd // krustig – feucht (s. feucht)
Haut – Ulzera – Geschwüre – Ausscheidungen – klebt an der Kleidung
Haut – Hautausschläge – Blasen – Verbrennung
Eine Impetigo contagiosa verkrustet i. d. R. unter dem passenden Lokalmittel ohne weitere Entzündungsaktivität. Bei anhaltender Sekretion oder schlechtem Allgemeinzustand sollte man das Mittel wechseln. Bei Besserung und insbesondere dann, wenn das Hautbild nach einer Besserung unter weiterer Einnahme wieder schlechter wird, die Mittelgabe aussetzen, wenn mit häufig wiederholten tiefen Potenzen gearbeitet wurde.
Die Prognose ist gut. Verkrustung innerhalb einer Woche, Abfallen der Krusten nach einer weiteren. Erytheme können dort noch Monate bestehen bleiben, Narben gibt es nicht (außer nach Verletzung der Subkutis durch in die Tiefe gehende Entzündungen oder Kratzen). Eine Poststreptokokken-Glomerulonephritis nach homöopathisch behandelter Impetigo konnte von keinem der Autoren bisher beobachtet werden.
Der Verlauf einer Impetiginisierung als Komplikation anderer Hauterkrankungen ist hartnäckiger und deren Verlauf nur im Zusammenhang mit der Grundkrankheit zu beurteilen (20.2).
Eichenrindenauflagen (Eichenrinde 10 Min. kochen oder über Nacht in Wasser stehen lassen, damit 2-mal tgl. feuchte Umschläge).
Durch übertriebenes Waschen, v. a. mit Seife und Desinfektionsmitteln, wird die natürliche Hautflora gestört und die Streptokokkeninfektion eher begünstigt. Durch Seife nimmt die Keimbesiedelung der Haut zu.
!!! Graph., Mez.
!! Canth., Hep.
! Psor., Sulph., Tub.
Einige wenige Mittel haben sich bei der Behandlung der Impetigo besonders bewährt und werden im Folgenden kurz besprochen. Wie oben erwähnt, sind aber immer eine Aufnahme der Gesamtheit der Symptome und die Individualisierung des Falls notwendig.
Die impetigotypischen, dicken, gelben, honigartigen Absonderungen und Krusten finden sich besonders im Arzneimittelbild von Graphites#GraphitesImpetigo.
Mezereum#MezereumImpetigo hat die Krusten v. a. in behaarten Körperbereichen oder Krusten, unter denen sich Eiter neu bildet.
Cantharis #CantharisImpetigobildet große Blasen wie bei Verbrennungen oder eben bei der großblasigen Impetigo.
Hepar sulfuris #Hepar sulfurisImpetigoist bei allen Eiterungen möglich, besonders aber bei abgekapselten.
Impetigo nach Impfung spricht z. B. für Mezereum#MezereumImpetigo.
Eine typischste Lokalisation für Graphites #GraphitesImpetigoist hinter den Ohren, die von Mezereum am behaarten Kopf oder an den Händen.
Definition: WundroseWundrose. Flächenhafte Entzündung der Haut und Unterhaut, am häufigsten durch Streptokokken der Gruppe A verursacht (Inkubationszeit 1–3 Tage). Meist dringen die Erreger über kleine Wunden (z. B. zwischen den Zehen) in die Haut ein. Vorwiegend erkranken ältere Menschen.
Symptomatik: Scharf begrenzte Rötung mit flammenden Ausläufern, Schwellung, Juckreiz, Druckschmerzhaftigkeit und Überwärmung. Evtl. druckschmerzhafte Lymphknoten. Allgemeines Krankheitsgefühl, Schüttelfrost und hohes Fieber. Betroffen sind v. a. Gesicht und Unterschenkel.
Das Erysipel ist eine akute und schwere Krankheit, die früher ohne AntibiotikaAntibiotikaErysipel oft zur Sepsis führte. Da das Erysipel keine seltene Erkrankung ist, existieren vielfache Erfahrungen mit der homöopathischen Behandlung. Dabei kristallisiert sich heraus, dass erfahrene Behandler bei nahezu allen Fällen auf die Verschreibung von Antibiotika verzichten können.
In der akuten Situation kommt es darauf an, eine möglichst gründliche Befund- und Anamneseerhebung zu machen. Da ein schlecht behandeltes Erysipel zur Sepsis führen kann, muss sich der homöopathische Arzt bei der Verschreibung des Arzneimittels sehr sicher sein. Sicherheit entsteht durch Wissen und genaueste Analyse. Das gut gewählte Homöopathikum heilt ein Erysipel in 24–48 Stunden.
SymptomenwahlErysipelWie bei allen hochakuten Erkrankungen bezieht man nur die aktuell im Vordergrund stehenden Symptome in die Betrachtung mit ein.
Lokalbefund: z. B. Farbe, Blasenbildung, Temperatur, Ausbreitung, Dynamik des Krankheitsverlaufs.
Causa: z. B. Insektenstich, Verletzung, Unterkühlung.
Begleitsymptome: z. B. besonders Fiebersymptome, Frösteln, Schweiße, Durst.
Allgemeinsymptome: z. B. Ruhelosigkeit, Verdauungsstörungen, Mundtrockenheit.
Stimmungslage: z. B. optimistisch, sagt, ihm fehle nichts; oder sehr besorgt, ängstlich, ruhelos.
Ein Erysipel infolge einer Verletzung ist meist psorischer Natur. Ein spontan entstehendes Erysipel kann psorisch, psorisch-syphilitisch, sykotisch-syphilitisch oder psorisch-sykotisch-syphilitisch sein. Entzündungen, die sich phlegmonös ausbreiten, sind meist sykotisch-syphilitisch.
RepertorisationErysipelDie Hauptrubrik findet sich im Kapitel „Haut“: Haut – Erysipel (über 150 AM) mit einigen wertvollen Unterrubriken. In anderen Kapiteln wie z. B. „Gesicht“ oder „Extremitäten“ finden sich zusätzlich Rubriken zum Thema, die z. T. aber nur wenige Arzneimittel enthalten (z. B. „Gesicht – Erysipel – Nase“ mit 14 AM) und deshalb zu einer Beschränkung bei der Arzneiwahl führen können, wodurch das tatsächlich passende Arzneimittel möglicherweise durch das Raster fällt.
Wichtige Erysipelrubriken im Repertorium sind beispielhaft aufgeführt.
Haut – Erysipel // älteren Menschen, bei // Erysipel – chronisch // Kratzen agg. // Ödem, mit hartnäckigem // phlegmonös // Schwellung, mit // rezidivierend // vesikulär
Gesicht – Erysipel // Augen, um die // Insektenstiche, durch // Nase // ödematös // phlegmonös
Extremitäten – Entzündung – erysipelatös // Beine – Füße – Tanzen, nach // Beine – Unterschenkel
Kopf – Erysipel
Augen – Entzündung – erysipelatös
Rücken – Erysipel
Gemüt // Beschwerden durch – Erysipel, nach // Bewusstlosigkeit, Koma – allgemein – Gesicht – Erysipel, Gesichtsrose, mit // Delirium – Erysipel, während // Delirium – Raserei, Tobsucht – Erysipel, bei phlegmonösem // Tod – überzeugt vom bevorstehenden – Erysipel, Gesichtsrose, bei
Nach Mittelgabe sollte es zu einer raschen Besserung innerhalb von 24–48 Stunden kommen. Bei hochakuten Verläufen kann die Wiederholung des Mittels angezeigt sein. Ein kurzfristiger Fieberanstieg kann eine Heilreaktion sein. Schläft der Patient nach Mittelgabe rasch ein, ist das fast immer ein prognostisch günstiges Zeichen. Falls keine rasche Besserung eintritt, muss eine AntibiotikaErysipelAntibiotikagabe erwogen werden. Auch unter Antibiose sollte weiter homöopathisch behandelt werden. Bei Neigung zu rezidivierendem Erysipel muss eine gründliche Anamneseerhebung unter Einbeziehung aller sonstigen Beschwerden und Symptome erfolgen. Die Verlaufsbeurteilung erfolgt ebenfalls nach den Kriterien der klassisch homöopathischen Therapie (7.3.3).
Unter homöopathischer Behandlung ist die Prognose gut.
!!! Bell.
!! Apis, Ars., Rhus-t.
! Crot-c., Hep., Lach., Merc., Sec.
Die rasch aufgetretene flammende Röte und Hitze spricht für Belladonna#BelladonnaErysipel, das deshalb nahezu unbesehen sofort gegeben werden kann, insbesondere, wenn eine glatte, nicht erhabene Rötung vorhanden ist.
Ein Ödem mit Empfindlichkeit auf Berührung und Strahlungswärme spricht für Apis#ApisErysipel.
Graphites#GraphitesErysipel hat eher klebrige Sekrete, trocken-rissige Effloreszenzen oder Blasen. Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronErysipel hat ebenfalls Bläschen, hier bessert Wärme.
Bei phlegmonösen Verlaufsformen kommen noch einige andere Mittel infrage wie z. B. Crotalus cascavella, Arsenicum album, Hepar sulfuris, Mercurius, Lachesis (Mittel der ersten Wahl bei jeder bläulich roten, lividen Entzündung), Secale.
Für eine genauere Mittedifferenzierung wird auf die Materia medica verwiesen (34).
Definition: VerrucaeVerrucae. Gutartige Hautneubildungen, die durch Viren (meist Papillomaviren) hervorgerufen werden; ansteckend. Selbstheilungstendenz in ca. 25 %, hohe Rezidivrate.
Verrucae vulgares (gewöhnliche Warzen, Stachelwarzen): harte, runde, halbkugelige, evtl. papillomatöse Knötchen, die allmählich wachsen und durch zunehmende Verhornung immer rauer werden. Größe bis ca. 1–2 cm, v. a. an Händen und Fingern, aber auch im Gesicht oder an den Fußsohlen. Treten v. a. im Kindes- bis frühen Erwachsenenalter auf.
Verrucae plantares (Dornwarzen, Plantarwarzen, Sohlenwarzen): meist an druckbelasteten Zonen (v. a. Fußsohle und Zehenballen) lokalisierte endophytisch wachsende rundliche Verhärtung. Bei jedem Schritt werden sie durch das Körpergewicht in die Haut eingedrückt. Dies äußert sich in stechenden Schmerzen (daher Dornwarze).
Aus homöopathischer Sicht ergeben sich bei der Behandlung von Warzen Herausforderungen aufgrund der miasmatischen Zusammenhänge und der Hering-Regel: Demnach sollten Warzen nie isoliert behandelt werden, sondern immer im Zusammenhang des Gesamtzustandes und der Konstitution. Wenn also gleichzeitig andere Beschwerden vorliegen, sind diese immer vorrangig.
Aus miasmatischer Sicht sind Warzen wichtige sykotische Stigmata, zeigen also die dahinter liegende Konstitution an (7.2): Der Verlauf der Warzen wird also beobachtet, im Grunde geht es aber um die Behandlung einer tieferliegenden Grundkrankheit.
Wenn tatsächlich nur Warzen vorliegen, gerade bei Kindern, kann gut homöopathisch behandelt werden, als Alternative zu bloßem Abwarten oder zu invasiver Behandlung. Die Behandlung ist in diesem Fall nicht schwer, der Verlauf bezüglich dem Verschwinden der Warzen ist jedoch unsicher, weil die Behandlung auf die Gesamtheit aller – auch seelischer und mentaler – Symptome ausgerichtet ist.
Warzen sollten möglichst immer im Rahmen einer konstitutionellen Behandlung angegangen werden. Für die Arzneiwahl werden sie als Lokalsymptome gewertet. Unter Umständen können sie aber auch den Wert eines auffallenden Lokalsymptoms haben (z. B. bei auffallenden Lokalisationen). Wann die Warzen im Rahmen einer homöopathischen Therapie verschwinden, hängt von der Dauer des bisherigen Bestehens und von der gesamtgesundheitlichen Lage des Patienten ab. In jedem Fall verschwinden sie erst, wenn der Körper „so weit ist“, d. h., wenn er mit der Bewältigung seiner gesundheitlichen Probleme auf der Ebene der Warzen angekommen ist.
SymptomenwahlWarzenDa eine Lokalbehandlung von Warzen – auch mit homöopathischen Arzneimitteln – aus homöopathischer Sicht kontraindiziert ist, dient die folgende Aufstellung wichtiger Warzenrubriken im Repertorium dazu, bei konstitutioneller Behandlung Hilfestellung zu geben. „Auffallend“ werden Warzen mit ihrer Lokalisation, wenn z. B. eine Warze nur an einer bestimmten Stelle sitzt und nirgendwo sonst (etwa auf der Nase). Findet sich zwar eine Warze auf der Nase, ebenso aber an den Händen, so kann die Lokalisation auf der Nase nicht mehr als auffallend gewertet werden.
Psora: Kurzzeitige Warzen in der Jugend, die rasch verschwinden und einem anderen psorischen Symptom Platz machen.
Sykosis/Syphilis: Die Verrucae vulgares, die um die Zeit der zweiten Zahnung erscheinen, sind Hinweis auf eine hereditäre Sykosis III (3.4.2). Verrucae filiformes (Fibrome) sind ebenfalls ein Hinweis auf eine Sykosis III oder sie sind aus einer Kombination von Sykosis und Syphilis entstanden. Hahnenkammwarzen und Haufenwarzen sind auch einer Kombination aus Sykosis und Syphilis zuzuordnen.
RepertorisationWarzenDie Hauptrubrik ist Haut – Warzen und umfasst etwa 190 Arzneimittel und dokumentiert eindrucksvoll die therapeutischen Möglichkeiten. Auch die folgenden Warzenrubriken können neben vielen anderen praktische Bedeutung haben.
Haut – Warzen // berührungsempfindlich // blutend // Geruch nach altem Käse // gestielt // groß // juckend // klein // verhornt
Kopf – Warzen, Kopfhaut
Augen – Warzen, Kondylome // allgemein // Lider
Nase – Warzen, innen
Gesicht – Warzen // Nase // Lippen // Kinn
Abdomen // Warzen – braun
Extremitäten – Warzen //allgemein // Arme – Ellenbeugen // Arme – Finger // Arme – Finger – Nägel, um die // Arme – Finger – Fingerspitzen // Beine – Füße – Fußsohlen // Arme – Hände // Arme – Hände – Handflächen
Dass Warzen durch eine korrekte homöopathische Therapie geheilt werden, steht außer Frage. Allerdings ist zu Behandlungsbeginn nicht vorauszusagen, wann sie verschwinden. Deshalb sollten die vorhandenen Warzen nicht zum Gegenstand der Verlaufsbeurteilung gemacht werden. Ausnahmen sind schmerzende Dornwarzen, die recht bald aufhören sollten, Schmerzen zu bereiten, und neu hinzutretende Warzen, die meist auf eine fehlende Arzneimittelwirkung hindeuten. Neu aufgetretene Warzen im Rahmen einer konstitutionellen Behandlung bedeuten oft auf eine Aktivierung des sykotischen Miasmas. Daraufhin muss der Fall neu studiert werden.
Zur Verlaufsbeurteilung eignen sich v. a. Allgemeinsymptome wie Schlaf, Essverhalten, Temperaturempfindlichkeit usw.
Die Prognose ist über Wochen bis Jahre hinweg gut. Eine raschere Abheilung gelingt oft, besonders bei Kindern.
Nicht verletzen, z. B. durch Rasieren! Auch nicht chirurgisch entfernen oder vereisen.
Dornwarzen können durch Hühneraugenpflaster an die Oberfläche gebracht werden. Durch abwechselndes Hobeln und phytotherapeutische Lokalbehandlung mit Thuja- oder Chelidonium-Urtinktur können sie abgetragen werden (diese „Unterdrückung“ erlaubt sogar Hahnemann).
Trockenes Milieu ist bei Feigwarzen wichtig.
Stärkung des Immunsystems durch vollwertige Ernährung, Kaltreize, friedliches soziales Umfeld, Meditation usw. Andererseits sollen immunschwächende Maßnahmen vermieden werden, dazu gehören auch topische Kortikoide.
Durchblutung der Akren fördern, am besten durch Kaltwasseranwendungen nach Kneipp.
Obwohl es durchaus bewährte „Warzenmittel“ gibt sollten die Arzneien nie ausschließlich über das Lokalsymptom verordnet werden. Warzen sind ein Lokalsymptom einer Grunderkrankung, nicht die Erkrankung selbst.
Arzneien mit deutlicher Beziehung zur Warzenbildung: Calcarea carbonica, Causticum, Dulcamara, Sepia, Lycopodium, Sulphur, Thuja.
Warzen an den Händen und Fingern: Calcarea carbonica, Sepia, Rhus toxicodendron, Dulcamara, Thuja.
Warzen im Gesicht: Causticum, Calcarea carbonica.
Warzen nahe den Nägeln: Causticum, Rhus toxicodendron, Dulcamara.
Stielwarzen: Lycopodium, Causticum.
Warzen auf dem Rücken: Natrium carbonicum, Dulamara.
Warzen am Kinn oder Hals: Lycopodium.
An Armen oder Schienbein: Calcarea carbonica.
Auf der Nase: Nitricum acidum.
Definition: Mollusca contagiosaMollusca contagiosa. Kontagiöse, durch ein Paravaccinia-Virus bedingte Hautkrankheit, v. a. bei Kindern (oft im Schwimmbad übertragen).
Symptomatik: Einzelne oder mehrere milchweiße bis rötliche, etwa reiskorngroße, weiche Knötchen mit zentraler Eindellung. Gelegentlich gestielt oder sehr groß. Prädilektionsstellen: Handteller, Gesicht, Hals, Extremitäten und Geschlechtsteile.
Dellwarzen sind eine harmlose, selbstlimitierende Erkrankung. Sie heilen unter homöopathische Behandlung immer ab. Eine Lokalbehandlung durch Ausschälung ist für das Kind quälend und unnötig.
Dellwarzen sind lediglich ein Lokalbefund. Unter dem Konstitutionsmittel, das die Gesamtheit der Symptome des Patienten abdeckt, heilen sie immer mit ab.
SymptomenwahlDellwarzenAuch bei Dellwarzen werden alle individuellen Symptome herangezogen, die sich aus der gesamten Anamnese und Untersuchung eruieren lassen. Von den Dellwarzen selbst lässt sich gegebenenfalls verwerten:
Lokalbefund: v. a. Lokalisation, z. B. Rücken, Leiste.
Auslöser: z. B. Trauma, Impfung.
Juckreiz: mit Modalitäten wie Druck, Berührung, Temperatur.
Zu den miasmatischen Aspekten (20.1.2). Dellwarzen sind ein Symptom der Sykosis.
RepertorisationDellwarzenDie Rubriken für Dellwarzen sollten für die Hierarchisierung und für die konstitutionelle Arzneiwahl nicht überbewertet werden.
Haut – Warzen – eingedellt
Haut – Hautausschläge // Molluscum // Molluscum – contagiosum, Dellwarze
Bei der richtigen Mittelwahl bessert sich das Allgemeinbefinden und ggf. vorhandene andere Beschwerden, die Dellwarzen verschwinden unkompliziert und schnell. Sollten sie nach Ablauf der Mindestwirkzeit (6.1.3) und bei Ausbleiben anderer Anzeichen für eine positive Arzneiwirkung weiter bestehen, sollte das Arzneimittel gewechselt werden. Dies gilt auch für eine weitere Zunahme der Dellwarzen.
Die Prognose im Sinne eines Verschwindens der Dellwarzen ist mit und ohne Therapie sehr gut.
Nicht verletzen (z. B. durch Kratzen), um Streuung zu vermeiden.
Dellwarzen sind ggf. ein Hinweis auf Calcarea carbonica, Lycopodium, Nitricum acidum, Phosphoricum acidum, Sepia, Staphisagria oder Thuja. Da Dellwarzen ein Lokalbefund sind, muss die Gesamtheit der Symptome zum Mittel führen. Spezielle Indikationen können daher an dieser Stelle nicht gegeben werden.
Infektion Herpes Herpes simplex
Definition: Infektion mit dem Herpes-simplex Virus 1 und 2 (HSV), oft rezidivierend auftretend. Erstinfektion meist unbemerkt im Kindesalter (Inkubationszeit 2–7 d). Sekundärinfektion: Auslöser sind z. B. Fieber (Herpes febrilis), Sonnenbestrahlung (Herpes solaris), Menstruation, Infektionen, Immunschwäche (z. B. AIDS), Medikamente (Glukokortikoide) oder Stress. Durchseuchung der erwachsenen Bevölkerung liegt bei 90 %. Bei 90 % der Infizierten inapparenter Verlauf unter Hinterlassung einer Immunität.
HSV Typ 1: Manifestation meist orofazial (Herpes labialis). Übertragung durch Tröpfcheninfektion, Kontaktinfektion (Bläscheninhalt) und Schmierinfektion (Stuhl).
HSV Typ 2: meist genital (Herpes genitalis), Übertragung durch Geschlechtsverkehr, bei Neugeborenen intratuterin oder über den Geburtsweg.
Symptomatik: typischer, juckender, evtl. schmerzhafter und flüssigkeitsgefüllter Bläschenausschlag auf gerötetem Grund. Die Bläschen brechen nach kurzer Zeit auf, entleeren sich und bilden dann Krusten, die ohne Narben innerhalb einer Woche abheilen.
Die Erstmanifestation mit Stomatitis ulcerosa/aphthosa (13.1.4) ist hochakut und schwer. Dementsprechend sollte sie rasch und sicher ausgeheilt werden. Die Veranlagung zu rezidivierendem Herpes simplex ist dagegen ein chronisch-konstitutionelles Problem und entsprechend schwierig und langwierig zu behandeln. Normalerweise wird rein homöopathisch behandelt. Bei KomplikationenKomplikationenHerpes-Infektion wie Keratoconjunctivitis herpeticaKeratokonjunktivitis herpetica oder Ekzema herpeticatumEkzema herpeticatum ist fachärztliche Überwachung und ggf. Mitbehandlung erforderlich.
Im Akutzustand reicht i. d. R. ein Mittel, oft sogar eine einmalige Gabe. Bei Neigung zu Rezidiven ist die Behandlung dagegen langwierig: Es können u. U. viele Konstitutionsmittel in Folge oder Wiederholungsgaben über einen längeren Zeitraum angezeigt sein.
Symptomenwahl Herpes
Bei Mundfäule kann allein nach den aktuellen Lokal- und Allgemeinsymptomen verordnet werden.
Bei Herpes simplex muss darüber hinaus das individuelle Gesamtbild erhoben und berücksichtigt werden.
Bei Keratoconjunctivitis herpetica und Herpes genitalis spielt der Lokalbefund zwar eine große Rolle, aber die Auswahl zwischen den möglichen Mitteln erfordert eine genaue Fallaufnahme.
Im Einzelfall können die verschiedensten herpesunabhängigen Symptome wichtig werden.
Lokalbefund und Lokalisation im Mund, am Auge, am Genitale usw. Auch Details erfragen und untersuchen.
Auslöser, z. B. auch vorangegangene Krankheiten.
Gesamtbefinden mit Appetit, Schlaf, Belastbarkeit, Witterungsmodalitäten, Tageszeit usw., je nachdem, was auffallend verändert oder pathologisch ist.
Stimmung und Verhalten, besonders wenn auffallend verändert.
Begleitkrankheiten und -symptome, die scheinbar nicht zum Herpes gehören.
Als chronisch persistierende Viren, die unter bestimmten Belastungssituationen (Sonne, Erkältung, Stress, Ekel) als bläschenbildende Erkrankung zum Vorschein kommen, sind die Herpesmanifestationen ein Musterbeispiel für eine psorische Krankheit.
RepertorisationHerpes simplexIm Folgenden werden die Hauptrubriken für die verschiedenen Herpes-Erkrankungen aufgeführt. Weitere Differenzierungen finden sich evtl. als Unterrubriken. Für die Repertorisation der Lokalsymptome bei allen Herpeserkrankungen müssen auch die Rubriken der blasen- bzw. bläschenbildenden Hautausschläge in den einzelnen Kapiteln berücksichtigt werden (die Hauptrubrik findet sich ebenfalls im Kapitel „Haut“). Mundfäule (13.1.4):
Mund – Stomatitis ulcerosa – Mundfäule
Gesicht – Hautausschläge // Herpes // Herpes – Lippen
Männliche Genitalien – Hautausschläge – herpetisch
Weibliche Genitalien – Hautausschläge – herpetisch
Augen – Entzündung – Herpes, Hornhaut
Augen – Hautausschläge – Herpes – Cornea
Im Akutfall wie z. B. bei Keratoconjunctivitis herpeticaKeratokonjunktivitis herpetica und Ekzema herpeticatumEkzema herpeticatum müssen sich Allgemeinzustand und Lokalbefund rasch und deutlich bessern, andernfalls muss ohne Zögern das Mittel gewechselt werden, möglichst unter Berücksichtigung der letzen Veränderungen im Symptomenbild des Patienten.
Bei chronischem Herpes simplex ist der Gesamtzustand im Therapieverlauf zu beurteilen (). Dann kann sogar ein vorübergehendes Wiedererscheinen eines alten Herpes ein gutes Zeichen sein, wenn es auf tieferen Ebenen eine Verbesserung gibt (Hering-Regel).
Die Prognose von Herpes simplex und Herpes genitalis hängt vom Gesamtzustand des Patienten ab. Meist kann über einen längeren Behandlungszeitraum Beschwerdefreiheit erreicht werden.
Phytotherapie: Propolis und Melissensalbe (Lomaherpan®) sind bei Herpes simplex bewährt.
!!! Bor., Kali-chl., Merc.,
! Nat-m., Nit-ac., Ran-b., Rhus-t., Sep.
Das Gesamtbild der Mundfäule entspricht weitgehend dem Bild von Mercurius solubilis, mit Speichelfluss, Mundgeruch, Schwellung usw.
Bei Borax handelt es sich eher um das Bild von Aphten, bei Kalium chloricum stehen die Wundheit und Empfindlichkeit des Mundes im Vordergrund, deutlich verschlechtert durch Essen.
Für Bläschenausschlag ist Rhus toxicodendron das wichtigste, aber keineswegs einzige Mittel. Lippenherpes im Rahmen des Gesamtzustandes spricht auch für Natrium muriaticum, Sepia u. v. a. m.
Bei Keratoconjunctivitis herpetica ist Ranunculus bulbosus bewährt.
Bei Herpes genitalis kommen auch Mittel wie Nitricum acidum infrage.
Als Auslöser können viele Faktoren infrage kommen. Begünstigende Vorerkrankungen, z. B. Ekzem, Immunsuppression, HIV, Impfung mit den dafür relevanten Symptomen sollen berücksichtigt werden.
Borax-Kinder sind schreckhaft, besonders bei Abwärtsbewegung und Geräuschen, Mercurius solubilis ist empfindlich und reizbar. Für die konstitutionelle Behandlung muss die ganze Persönlichkeit berücksichtigt werden.
Definition: GürtelroseGürtelrose. (Lokale) Zweiterkrankung mit dem Varicella-Zoster-Virus (Windpocken 27.1.7) mit meist nur geringen Allgemeinerscheinungen und einem typischen Hautausschlag, der aus vielen kleinen Bläschen besteht. Bläscheninhalt bis zum Abfallen der Kruste infektiös. Vorkommen v. a. bei älteren Menschen und bei Immungeschwächten (postinfektiös, paraneoplastisch). Altersgipfel 60.–70. Lj.
Symptomatik: Nach kurzem Prodromalstadium mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Schmerzen im betroffenen Hautgebiet und evtl. Fieber, gruppiert stehende, kleine Hautbläschen auf gerötetem Grund (2–3 d). Diese platzen nach ca. einer Woche und hinterlassen Krusten und Erosionen, Abheilung evtl. mit Narbenbildung. Am häufigsten ist der einseitige gürtelförmige Befall der Brust- und Bauchsegmente. Komplizierend kann eine mitunter langwierige Zosterneuralgie hinzutreten.
Herpes zoster verläuft akut, ist aber im Grunde die Äußerung einer chronischen Erkrankung. Demzufolge entspricht die therapeutische Strategie der Strategie der Akutbehandlung. Eine Neuralgie nach Zoster kann chronisch weiter bestehen und heftig sein. Komplikationen des Zoster ophthalmicus und oticus sind bleibende Schäden des Seh- und Hörvermögens. Die Behandlungsstrategie ist in diesen Fällen eine konstitutionelle.
In der Regel wird rein homöopathisch behandelt, die Möglichkeiten der Schulmedizin sind eher bescheiden. Bei Zoster ophthalmicus oder oticus sollte ein Facharzt hinzugezogen werden. Die homöopathische Behandlung des akuten Zosters gelingt meist mit den bewährten Mitteln; eine Neuralgie zu behandeln, ist schwieriger und unter Umständen langwieriger. Sie erfolgt nach den Richtlinien der homöopathischen Konstitutionstherapie unter spezieller Berücksichtigung der jeweils vorhandenen auffallenden Lokalsymptome (4.3).
Lokalbefund: wie Bläschen, Krusten, Größe und Farbe der Bläschen.
Lokalisation: Brust oder Rücken, Seite, Gesicht, Erstreckung.
Lokalbeschwerden: wie Jucken, Schmerzqualität, Reaktion auf Berührung, Temperatur, darauf Liegen, Kratzverhalten.
Auslöser und Art der Immunschwächung: z. B. andere Krankheiten, Unterkühlung, Impfung, psychosoziale Faktoren.
Allgemeinsymptome und Modalitäten: die sich seit Krankheitsbeginn verändert haben wie Schlaf, Appetit, Schweiß, Stuhlgang, Menses usw.
Veränderte Stimmung: während der Krankheit, z. B. Reizbarkeit, Traurigkeit, Angst, Verzweiflung.
Der Herpes zoster entsteht meist auf der Basis einer Kombination aus Sykosis und Tuberkulinie oder aus Sykosis und Syphilis.
RepertorisationHerpes zosterNeben den Lokalsymptomen des Herpes zoster spielen v. a. die Allgemeinsymptome der Erkrankung eine große Rolle. Diese müssen in den entsprechenden Kapiteln nachgesehen werden.
Die recht große Hauptrubrik (über 90 AM) für Herpes zoster lautet Haut – Hautausschläge – herpetisch – zoster, Gürtelrose. Weitere wichtige Rubriken sind die folgenden.
Haut – Hautausschläge – herpetisch – zoster, Gürtelrose
Brust – Hautausschläge – Herpes – Herpes zoster // Schmerzen – allgemein – Herpes zoster, nach
Abdomen – Hautausschläge // Herpes – Herpes zoster
Augen – Hautausschläge – Bläschen // Cornea // Lider
Allgemeines – Schmerzen – allgemein – Herpes zoster, bei
Gesicht – Schmerzen – neuralgische Schmerzen – Herpes zoster, nach
Oft zeigt sich eine gute und rasche positive Reaktion auf das homöopathische Arzneimittel. Bei einer Neuralgie muss sowohl für die Verordnung als auch für die Verlaufsbeobachtung der Gesamtzustand des Patienten berücksichtigt werden.
Prognose: Unter dem richtigen Mittel kommt es innerhalb von vier bis sieben Tagen zur raschen Abheilung und Verkrustung der Bläschen. Juckreiz und Schmerzen sollten bereits innerhalb von ein bis zwei Tagen positiv auf die Mittelgabe reagieren. Bei unbefriedigendem Therapieerfolg nochmals andere Ursachen abklären (Malignome, schwerer seelischer Kummer etc.).
Immunschwächung vermeiden: Prophylaktisch strenge Indikationsstellung bei Immunsuppressiva, Radiatio usw. Vorbeugend Immuntraining anstreben durch vollwertige Ernährung, Kaltreize, friedliches soziales Umfeld, Meditation usw.
Phytotherapie: Propolis und Melissensalbe (Lomaherpan®).
Akupunktur (adjuvant) bei chronischen Schmerzzuständen.
!!! Mez., Ran-b., Rhus-t.
! Kalm., Mez., Ran-s.
Ranunculus bulbosus#Ranunculus bulbosus, Herpes zoster ist das erste Mittel für interkostale Bläschen, Neuralgie und für die Augenbeteiligung.
Bei Ranunculus sceleratus sind die Blasen größer und die Schmerzen tiefer zwischen den Rippen, auch vermeintlich im Herz.
Mezereum#MezereumHerpes zoster hat überall Bläschen sowie Krusten und Superinfektion bis zur Ulzeration und Neuralgie. Der sog. Sternenhimmel, d. h. verschiedenen Entwicklungsstadien der Bläschen nebeneinander, spricht ebenfalls für Mezereum.
Rhus toxicodendron hat Bläschen und eher ziehende rheumatische Schmerzen mit den typischen Modalitäten der Unruhe, weil in Ruhe schlechter, Wärme bessert, entstanden nach Überanstrengung, Schwitzen, Auskühlung.
Kalmia#KalmiaHerpes zoster hat die Neuralgie linksthorakal oder im Gesicht, reagiert empfindlich auf Berührung, beim darauf Liegen, mit Hypästhesie.
Bei ungewöhnlichen Auslösern, Lokalisationen usw. sind auch andere Mittel möglich.
Dermatomykose Mykosen
Definition: Voraussetzung für die Entstehung einer Pilzerkrankung ist nicht nur das Vorhandensein des Pilzes, sondern zusätzlich eine lokale und/oder allgemeine Abwehrschwäche des Organismus. Begünstigende Faktoren sind Grunderkrankungen wie Tumoren, Diabetes mellitus oder HIV-Infektion, Antibiose (Zerstörung der normalen Bakterienbesiedelung), medikamentöse Therapien mit Glukokortikoiden, Immunsuppressiva oder Zytostatika (Herabsetzung der lokalen oder allgemeinen Abwehr). Mangel- und Fehlernährung (insbesondere bei Candida [20.3.11], zu viel Zucker und leicht spaltbare Kohlenhydrate).
Symptomatik: Am häufigsten lokale Mykosen durch fakultativ pathogene Pilze (gelegentlich krankheitserregend) mit umschriebenem Befall der Haut oder Schleimhaut. Schleichender Beginn, i. d. R. harmlos, allerdings starke Rezidivtendenz. Formen: Tinea pedis (meist interdigital im 4. Zehenzwischenraum), Tinea corporis (scharf begrenzter, geröteter, schuppender Herd mit zentraler Abblassung und dunklem Randwall), Tinea capitis (rundliche Areale mit leichter Rötung, Schuppung und abgebrochenen, stumpfen Haaren, oft auch Pusteln), Tinea unguis/Onychomykose (gelbliche, verdickte, z. T. bröckelig erscheinende Nagelplatte).
Fußpilz (Tinea pedis)FußpilzTinea pedis – die häufigste und chronischste Variante – ist nur konstitutionell zu behandeln, d. h. im Kontext des ganzen Menschen mit allen anderen Beschwerden und Eigenheiten. Nach der Hering-Regel soll der Fußpilz zuletzt verschwinden, es dauert meist Monate bis Jahre.
Eine akute Dermatomykose kann auch anhand der momentanen Symptomatik behandelt werden und dann rasch verschwinden. Da die meisten Patienten die unverhältnismäßig eingreifenden oralen Antimykotika ablehnen, wird nur homöopathisch behandelt, nötigenfalls auch mit äußeren Anwendungen. Eine konstitutionelle Behandlung ist immer empfehlenswert.
Pilzerkrankungen sind nicht als lästige Lokalsymptome zu betrachten, die man mit Lokaltherapeutika beseitigt. Sie müssen als ernst zu nehmender Hinweis auf die chronisch-miasmatische Störung aufgefasst werden. Das Problem ist dabei nicht der Pilz an sich, sondern der Organismus, der den Pilz wachsen lässt. Haut-(Tinea corporis)Tinea corporis und Nagelmykosen (Tinea unguis, Onychomykosen)NagelmykoseTinea unguisOnychomykose finden sich als Begleitbeschwerden häufig bei Patienten mit Diabetes und anderen Stoffwechselstörungen, Herzinsuffizienz, Asthma und anderen schweren Erkrankungen. Die homöopathische Behandlung lokaler Mykosen ist deshalb langwierig: Zuerst müssen die schwereren Leiden beseitigt werden, ehe der Pilz verschwinden kann. Immer ist die Aufnahme der Gesamtheit der Symptome, deren Analyse und deren hierarchische Ordnung Grundvoraussetzung für die Therapie (4.3).
Bei Fußpilz bzw. jeder chronischen Mykose werden alle individuellen Symptome herangezogen, die sich aus der gesamten Anamnese und Untersuchung ergeben.
Nur bei einer frisch aufgetretenen Mykose lassen sich Lokalbefund, Akutbeschwerden und Auslöser verwerten:
Lokalbefund: v. a. Lokalisation, z. B. Achselhöhle, einseitig, ringförmig.
Auslöser: z. B. andere Krankheiten, Trauma, Impfung.
Modalitäten (Juckreiz): wie z. B. Temperatur- und Klimaabhängigkeit, Tageszeiten.
Mykosen gehören zum Formenkreis der Sykosis II (3.4.2).
RepertorisationDermatomykoseDie Dermatomykose im wörtlichen Sinn findet sich nicht im Repertorium. Viele Mykosesymptome verstecken sich im Repertorium unter dem Begriff „Herpes“. Wichtige und manchmal mittelweisende Symptome im Zusammenhang mit Mykosen sind in folgenden Rubriken nachzuschlagen.
Haut – Hautausschläge // herpetisch – circinatus, Tinea // herpetisch – feucht
Extremitäten – Nägel – Beschwerden der // brüchig // dick // Verfärbung – gelblich – Fingernägel // verkrüppelt – Fingernägel // verkrüppelt – Zehennägel
Kopf – Hautausschläge – Tinea, Flechte – Favus // Kopftrichophytie, Herpes tonsurans, Kopfflechte
Erst bessern sich die Hauptbeschwerden, die Mykose folgt. Ein langfristiges Therapieregime ist notwendig. Bei der chronisch konstitutionellen Behandlung spielt der Lokalbefund bei der Verlaufsbeurteilung zunächst kaum eine Rolle.
Prognose: Eine langjährige Behandlung kann zum Erfolg führen. Hauptmaßstab hierbei ist die Gesamtgesundheit des Patienten und zugleich das Ausbleiben von Komplikationen anderer Art, welche die langwierige, erfolgreiche Konstitutionstherapie bestätigen.
Trocken halten, belüften! Offenes Schuhwerk bei Fußmykosen, luftdurchlässige schweißaufnehmende Kleidung und Schuhe.
Phytotherapeutisch sind Teebaumöl, Neem usw. bewährt. Sie wirken meist prompter als Homöopathie, allerdings nicht am Nagel.
Stärkung des Immunsystems durch vollwertige Ernährung, Kaltreize, friedliches soziales Umfeld, Meditation usw. Auf der anderen Seite sollen immunschwächende Maßnahmen vermieden werden; dazu gehören auch die topischen Kortikoide.
Durchblutung der Akren fördern (Kaltwasseranwendungen nach Kneipp).
Die häufigsten Mykose-Heilmittel sind zugleich die häufigsten Konstitutionsmittel (Polychreste), weil nur durch Konstitutionsbehandlung ein dauerhafter Erfolg eintritt.
Candidosen/Soor
Candidose Candida-Mykose Soor
Definition, Ätiologie: Infektion mit fakultativ pathogenen Hefepilzen der Gattung Candida (in 80 % C. albicans). Candida-Infektionen sind normalerweise harmlos, können jedoch bei extremer Abwehrschwäche (z. B. immunsupprimierte oder HIV-Patienten) die inneren Organe befallen und zu einer Pilzsepsis führen. Häufigste Formen sind Mundsoor und Windeldermatitis bei Säuglingen, beim Erwachsenen Zwischenzehenmykose, bei Frauen vulvovaginale Candidose.
Symptomatik: Unterschiedliche Morphologie in Abhängigkeit von der Lokalisation. Kutane Candidose (Intertrigo): gerötete, mazerierte, z. T. weißlich-schmierig belegte Areale mit satellitenartig angeordneten Papeln oder Pusteln (axillar-, Inguinalregion, Windelbereich). Interdigitale Candidose: Rötung mit Rhagaden, meist an den Händen. Orale Candidose: weißliche, leicht abwischbare Plaques auf gerötetem Grund. Vulvovaginale Candidose 18.4, Windeldermatitis 27.2.3.
Grundsätzlich werden konstitutionelle Medikamente verordnet. Akutmittel kommen nur bei hochentzündlichen Prozessen (z. B. bei Säuglingen oder bei Vaginitis) in Betracht, bei denen der Leidensdruck zu raschem Handeln zwingt. Schulmedizinisch antimykotische Behandlung bringt zwar die Akutsymptome zum Verschwinden, löst aber nie das Grundproblem der geschwächten Abwehrlage des Patienten, die erst zur manifesten Pilzerkrankung geführt hat.
In der Regel wird die Candidose nicht isoliert betrachtet, sondern als Lokalsymptom in die Hierarchisierung aufgenommen. Steht ein sehr störender, entzündlicher Prozess für den Patienten im Vordergrund, kann palliativ mit tieferen Potenzen akut behandelt werden. Normalerweise heilt das gut gewählte Konstitutionsmittel jedoch auch in der akuten Situation.
Die Symptome der Candidamykosen verteilen sich im Repertorium auf verschiedene Organbereiche. Sind sie auffällig, helfen sie bei der Wahl des Konstitutionsmittels. Eine Candidamykose darf niemals isoliert als Lokalsymptom aufgefasst und unterdrückt werden.
Candidosen sind ein Hinweise auf eine hereditäre Sykosis (3.4.2).
RepertorisationCandidoseWegen der Heterogenität des Erkrankungsbildes „Mykose“ gibt es keine Hauptrubrik. Gute Rubriken im Zusammenhang mit Candidosen sind u. a. folgenden Rubriken.
Rektum – Hautausschläge – Anus, um den // herpetisch – Anus, um den // – Perineum
Mund // belegt – dick, Zunge // Soor
Weibliche Genitalien – Ausfluss, Fluor // allgemein – Schwangerschaft, während der // scharf, ätzend, wund machend // ständig, chronisch
Weibliche Genitalien – Juckreiz// Labien, zwischen den // Schwangerschaft, während der
Extremitäten – Hautausschläge – untere Gliedmaßen // Gesäßbacken // Oberschenkel – zwischen
Männliche Genitalien – Hautausschläge // herpetisch // rot // Skrotum
Bei der akuten Windeldermatitis ist meist allein die Besserung des Lokalbefundes entscheidend. Ansonsten sind Symptome von Candidosen ein Verlaufsparameter im Rahmen der konstitutionellen Behandlung. Bei Besserung der Gesamtverfassung verschwindet i. d. R. auch die Candidose. Dabei spielt die bisherige Erkrankungsdauer eine wesentliche Rolle. Bei lange bestehenden oder seit langem rezidivierenden Mykosen darf nicht mit einer schnellen Besserung oder auch nur Veränderung gerechnet werden. Hier müssen eher Veränderungen des Allgemeinzustands oder anderer Erkrankungen des Patienten zur Verlaufsbeurteilung herangezogen werden.
Prognose: Unter langfristiger Behandlung mit homöopathischen Einzelmitteln verschwindet die Neigung zu Pilzerkrankungen.
Trocken halten, belüften! (bei Intertrigo) luftdurchlässige schweißaufnehmende Kleidung.
Phytotherapeutisch hat sich für intestinale Candidose Spilanthes oleracea (Kresse) bewährt.
Stärkung des Immunsystems und Vermeidung immunschwächender Maßnahmen.
Intertrigo fördernde Faktoren abbauen, z. B. durch Gewichtsreduktion.
Da die Candidose nur ein Lokalsymptom im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung sein kann, lassen sich keine bewährten Indikationen angeben.
Alopezie Haarausfall s. Alopezie
Definition: Die häufigste Alopezie (95 %) ist die „Glatzenbildung“ des Mannes (androgenetische Alopezie), deren Ursache eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen Androgene ist. Auch Frauen können eine androgenetische Alopezie entwickeln, z. T. mit anderer Lokalisation. Andere Ursachen für Haarausfall (z. B. Alopecia areata oder totalis) sind vermutlich autoimmunologische Entzündungen der Haarfollikel.
Symptomatik: Vermehrter Haarausfall (Effluvium), der zur Kahlheit (Alopezie) führen kann (pathologischer Haarausfall bei Verlust von > 100 Haare/d). Der Haarausfall ist irreversibel, wenn es zur Zerstörung und Vernarbung des Haarfollikels kommt (z. B. autoimmunologischen Prozessen, nach Verbrennungen, tiefen Infektionen oder vernarbenden Entzündungen). Es wird unterschieden zwischen komplettem (A. totalis) und fleckweisem (A. areata) Haarausfall.
Die androgenetische Alopezie bei Männern ist eine häufige physiologische Variante des Behaarungsmusters. Mit zunehmendem Alter ist sie bei fast jedem Mann nachweisbar (Faustregel: Lebensalter = Prozentanteil der Betroffenen). Da die Homöopathie die natürliche Regulationsfähigkeit wiederherstellt, ändert sie also nichts an diesem „physiologischen“ Haarverlust, ebenso wenig wie auch an starker Körperbehaarung. Klagen der Patienten über Haarausfall sind meist ungenau, Trichogramme sind in der homöopathischen Praxis kaum durchführbar und müssen dem Spezialisten überlassen werden.
Sekundäre und exogene Alopezien sowie Alopezia areata allerdings müssen als auffallende Symptome bei der Mittelwahl gewertet werden. Besonders zu erwähnen sind der Haarausfall nach Entbindung, der lokale Haarausfall (Wimpern, Genitalbereich etc) und deutlicher Haarausfall bei Frauen im Allgemeinen. In diesen Fällen muss auch immer nach weiteren Grunderkrankungen (Lupus erythematodes, hormonbildende Tumoren, Autoimmunerkrankungen etc.) geforscht werden.
Krankhafter Haarausfall als isolierte einseitige Erkrankung kommt fast nie vor. Immer kann Haarausfall in Zusammenhang mit weiteren Beschwerden festgestellt werden und ist daher ein Symptom im Rahmen der konstitutionellen Behandlung.
SymptomenwahlAlopezieSymptome des Haarausfalls können auffallende §-153-Symptome im Sinne des „Organon“ sein. Der Haarausfall selbst ist aber nur eines von vielen Symptomen, die aus der ausführlichen Anamneseerhebung gewonnen werden (4.1). Neben den „konstitutionellen“ Symptomen können folgende Symptome bezüglich des Haarausfalls von Bedeutung sein:
Auslöser: z. B. Wochenbett, Klimakterium, Kummer.
Noxen: ggf. auch isopathisch die verantwortlichen Noxen in D30 geben.
Lokalisation und Art des Haarausfalls: z. B. Haarausfall am Kopf, der Augenbrauen, der Wimpern, der Schamhaare, Ausfallen der Haare an kleinen Stellen, z. B. kreisförmig, diffus.
Empfindlichkeit der Haare auf Berührung, Kämmen.
Weitere Veränderungen der Haare: z. B. fettig, struppig, verheddern sich.
Der einfache Haarausfall ist ein Symptom der Psora. Fleckweiser Haarausfall weist auf eine hereditäre Syphilis hin. Haarausfall nach der Entbindung ist psorischer oder tuberkulinischer Natur.
RepertorisationAlopezieDie Hauptrubrik im Repertorium ist Kopf – Haare – allgemeine Beschwerden der – Haarausfall, Alopecia. Zudem gibt es einige wichtige und bewährte Rubriken, von denen einige im Folgenden aufgezählt werden.
Kopf – Haare // allgemeine Beschwerden der// Haare – Kahlheit – junge Leute
Kopf – Haare – Haarausfall, Alopecia // Alopecia areata, kreisrunder Haarausfall // Alopecia areata, kreisrunder Haarausfall – kreisrund // Büscheln, in // erstreckt sich über den ganzen Körper, mit // graue Haare, ersetzt durch // Hinterkopf // Hinterkopf – Kleinkindern, bei // Kindern, bei // Klimakterium, im // Krankheiten, nach // Schwangerschaft, in der // Stillen, beim // Syphilis, durch // Verletzung, durch // Wochenbett, im
Augen – Haare – Wimpern – fallen aus
Nase – Haare in den Nasenlöchern – fallen aus
Haut – Haare – Haarausfall
Männliche Genitalien bzw. weibliche Genitalien – Schamhaare – fallen aus
Es ist wichtig zu wissen, dass immer nur die Haare ausfallen, die bereits vor drei bis vier Wochen geschädigt wurden. Eine Arzneiwirkung auf die Haare kann also frühestens nach diesem Zeitraum beurteilt werden. Insbesondere die Beobachtung der Allgemeinsymptome sowie der Veränderungen der anderen Erkrankungen des Patienten sind wesentlich für die Verlaufsbeurteilung (7.4).
Prognose: Sofern nicht ein exogener Faktor oder eine Primärkrankheit zugrunde liegt und sich ausschalten lässt, sind Alopezien (v. a. A. totalis, weniger A. areata) in der homöopathischen Behandlung mitunter hartnäckig.
Schuppenbildung vermindern (besonders bei androgenetischer Alopezie), täglich bürsten, statt aggressive Shampoos zu verwenden. Seltener die Haare waschen.
Mechanische Belastung meiden, z. B. straffen Dutt, manche Haarspangen.
Medikation und Umweltgifte überprüfen und ggf. absetzen.
Da die Behandlung des Haarausfalls eine umfassende Anamneseerhebung erfordert und viele Heilmittel infrage kommen, sollen hier nur einige wichtige Hinweise aufgeführt werden.
Falls eine klare Causa besteht, kann sie direkt zum Mittel führen, z. B. eine belastende Lebenssituation (häufig Phosphoricum acidum#Phosphoricum acidumAlopezie). Ist ein Toxin für den Haarausfall verantwortlich, kann in Ausnahmefällen die jeweilige Noxe einmalig in der C30 verordnet werden, um die Toxinausscheidung zu verbessern (Isopathie).
Auffallende Lokalisationen können direkt zum Mittel führen. Da die entsprechenden Repertoriumsrubriken oft sehr klein sind, muss mit der gebotenen Vorsicht vorgegangen werden.
Thallium #Thallium, Alopeziehat einen raschen (innerhalb weniger Tage) totalen Haarausfall und weitere typische Zytostatika-Nebenwirkungen im Arzneimittelbild. Es kann daher gelegentlich bei Haarausfall durch Chemotherapie hilfreich sein. Aber auch bei anderen Alopezien durch exogene Noxen zeigt Thallium Wirkung, wenn die Dynamik des Haarausfalls passt.
Empfindlichkeit der Haare auf Berührung und Kämmen: Selenium#Selenium, Alopezie, Carbo vegetabilis.
Gefühl, als würde an den Haaren gezogen: China#ChinaAlopezie, Alumina#AluminaAlopezie.
Begleitsymptome wie Jucken bei Haarausfall: Antinomium crudum.
Farbveränderungen: z. B. isolierte weiße Strähnen (Psorinum), Farbwechsel nach Haarausfall (Kalium idadum, Vinca minor)#PsorinumAlopezie.
Gutartige Fehlbildungen der Haut und gutartige Hauttumoren
Definition: Pigmentzellnävus und Nävuszellnävus (Leberfleck, Mal, MuttermalMuttermal).
Symptomatik: Umschriebene, gutartige, erworbene und angeborene Fehlbildungen von Melanozyten. Oberfläche ist meist glatt, kann aber auch warzenähnlich, behaart oder tierfellartig sein. Café-au-lait-FleckCafé-au-lait-Fleck: Größe > 1 cm, ggf. mit Pigmentsprenkler. Großflächige Nävi werden wegen ihres Entartungsrisikos häufig exzidiert.
Echte Nävi bedürfen an sich keiner Behandlung bzw. können sie auch durch die beste homöopathische Therapie nicht zum Verschwinden gebracht werden. Ein sinnvolles Therapieziel ist, die Entartung verdächtiger Nävi zu verhüten.
Bei Entzündungen, Verletzungen oder Veränderungen der Form, Farbe, Größe und Begrenzung sollte eine operative Entfernung und histologische Begutachtung erfolgen. Allerdings sollte die Operationsindikation nicht zu locker gestellt werden. Die Tendenz der heutigen dermatologischen Praxis zu frühzeitiger, prophylaktischer Entfernung vieler Nävi, die klinisch absolut unauffällig sind ist aus homöopathischer Sicht eine Unterdrückung und führt langfristig eher zu Problemen als dass es diese löst.
Trotzdem lässt sich die Exzision von verdächtigen Nävi homöopathisch nicht ersetzen, sie sollte jedoch prä-, peri- und postoperativ, wie jeder andere Wunde, homöopathisch unterstützt werden (29.1).
Ansonsten unterstützen Nävi als Lokalsymptome die Mittelfindung. Bei schwer kranken Patienten (MS, Krebs, Diabetes etc.) entwickeln sich manchmal unter Therapie auffällige Nävi, die dann mittelweisend sein können.
Lokalisation, Art, Form, Farbe, Größe usw. der Nävi geben dem homöopathischen Arzt wichtige Hinweise für die Mittelwahl und die Bestimmung der vorherrschenden miasmatischen Belastung. Es ist daher von großer Bedeutung, die Nävi möglichst exakt in der Anamnese zu dokumentieren.
SymptomenwahlNäviDie Rubrik Nävi im Repertorium umfasst auch die Diagnosen Spider naevi Spider-Näviund Hämangiome. Da Nävi immer einen Bezug zum miasmatischen Geschehen haben, dürfen sie als auffallende Lokalsymptome in der Hierarchisierung verwendet werden. Neben dem Phänomen des Nävus an sich ergeben sich aus der genauen Differenzierung (z. B. Spider-Nävi, Hämangiom etc.) und deren Lokalisation nur bedingt Hinweise für die Arzneiwahl. Sind die Nävi jedoch in irgendeiner Art und Weise speziell zu charakterisieren, können sie zu hochwertigen Symptomen werden (s. u. Repertorium).
Leberflecke können psorisch, sykotisch oder syphilitisch sein. Fleckförmige Muttermale sind Hinweis auf eine Sykosis. Rote Muttermale und Spidernävi sind Hinweise auf eine Sykosis III (3.4.2). Behaarte Nävi oder Muttermale sind syphilitisch. Sommersprossen sind psorisch oder tuberkulinisch. Kupferfarbene Flecke sind meist syphilitisch.
Eine Zunahme von Nävi unter homöopathischer Behandlung zeigt oft an, dass ein neues Miasma aktiv wird (z. B. Wechsel von Psora zu Sykosis). Dies ist ein wichtiger Hinweis, dass evtl. ein Mittelwechsel notwendig ist.
RepertorisationNäviDie Hauptrubrik für Nävi findet sich im Kapitel Haut: Haut – Nävi (auch Spider-Nävi und Hämangiome). Erhabene Nävi finden sich im Repertorium oft in den Rubriken für Warzen, Wucherungen oder Kondylomata. Passende Rubriken für lokale Veränderungen sind in den entsprechenden Rubriken zu finden.
Haut – Verfärbung // braun, Leberflecke // kupferfarben
Haut – Warzen // flach // gestielt // Gruppen, in // verhornt
Haut – Wucherungen // schwammig // Tumoren, Schwamm – Hämangiom (immer die Rubrik „Nävi“ dazu nehmen)
Gesicht //Sommersprossen // Warzen
Äußerer Hals // Warzen (auch Fibrome)
Extremitäten // Verfärbung – braun – Arme – Hände – Rücken (auch Rubrik für Altersflecken)
Augen – Warzen, Kondylome – allgemein // Iris // Lider
Die Entwicklung, Zu- und (seltener) Abnahme von Nävi ist ein wichtiger Verlaufsparameter in der miasmatischen Betrachtung bestehender Grunderkrankungen. Die jeweiligen Hautveränderungen müssen aber immer im Zusammenhang mit anderen Veränderungen am Patienten betrachtet werden.
Prognose: Hämangiome und Spider naevi können sich unter Therapie zurückbilden. Gleiches gilt für Fibrome und andere, durch Papillomaviren verursachte Auswüchse. Angeborene Muttermale, blaue Nävi, Naevus flammeus u. a. sind meist therapeutisch nicht zu beeinflussen, wohl aber deren zugrunde liegende miasmatische Störung.
Lokale Provokationen vermeiden (Verletzungen, Verätzung, Scheuern usw.).
Da es sich bei Nävi eher um Symptome einer zugrunde liegenden Störung als um eine „eigenständige“ Erkrankung handelt und sie, was ihre Ausheilung betrifft, nicht oder wenig beeinflussbar sind, werden an dieser Stelle keine konkreten Verweise auf bestimmte Arzneimittel gemacht.
Hämangiom Blutschwamm s. Hämangiom
Definition: Kavernöses Hämangiom (BlutschwammBlutschwamm). Gutartige Neubildung von Blutgefäßen, die sich in den ersten Lebenswochen entwickelt bzw. angeboren ist.
Kutanes Hämangiom: scharf begrenzter, flacher oder erhabener, rötlich-blauer Knoten, meist spontane Rückbildung innerhalb von 2–5 J.
Subkutanes Hämangiom: unscharf begrenzter, weicher, bläulich durch die Haut schimmernder, wenig prominenter Tumor mit venösen Hohlräumen (mäßige Spontanremission).
Mischform: nur ein Teil des Hämangioms tritt an die Oberfläche.
Die spontane Rückbildung kindlicher Hämangiome kann durch eine homöopathische Behandlung unterstützen werden. Die Behandlung ist relativ einfach, dankbar und komplikationslos, wie die Behandlung anderer Säuglingsbeschwerden auch.
Ein vorübergehendes weiteres Wachstum eines Hämangioms ist möglich. Dann sollte immer der Allgemeinzustand des Kindes im Zusammenhang mit dem Behandlungsverlauf in Betracht gezogen werden.
Neben dem Lokalbefund soll immer auch das Gesamtsymptomenbild erhoben und berücksichtigt werden.
Auslöser eines verstärkten Wachstums, z. B. Wettereinfluss, Impfung, Ernährungsumstellung, Zahnung.
Hämangiome und Spider-Nävi sind ein Hinweis auf eine Sykosis III (3.4.2) oder auch psorischer Natur. Sie müssen als Zeichen des aktiven Miasmas gewertet werden. Besonders typisch für die Sykosis ist der kleine rote Nävus am Jochbein.
RepertorisationHämangiomDie Hauptrubrik für Hämangiome ist Haut – Nävi. Sie beinhaltet alle Arten von Nävi, inklusive Spider-Nävi und Hämangiome. Zusätzlich sollten folgende Rubriken beachtet werden: Allgemeines – Tumoren, gutartige – Blutgefäße, Angiom, Fungus hämatodes, Hämangiom //Arterien, Atherom, Steatom.
Vor dem Rückgang des Hämangioms können andere gesundheitliche Veränderungen eintreten, die zu beachten sind. Die Beurteilung des Verlaufs richtet sich dann nach der Hering-Regel (7.3.3).
Die Prognose ist über Jahre hinweg sehr gut. Mit homöopathischer Behandlung lässt sich die Rückbildung beschleunigen.
Es gibt unterstützenden Maßnahmen. Eine chirurgische Intervention ist erst in höherem Alter und fehlender Heilungstendenz indiziert.
Das weitaus wichtigste Mittel ist Phosphorus. Da immer das ganze Kind mit ggf. noch anderen Beschwerden behandelt wird, sind häufiger auch alle anderen Mittel angezeigt.
Pigmentstörung, Vitiligo Vitiligo
Definition: WeißfleckenkrankheitWeißfleckenkrankheit. Erworbener, fleckartiger Pigmentverlust der Haut. Häufige Erkrankung des Pigmentsystems der Haut unbekannter Ätiologie. Mögliche Ursachen des Melanozytenuntergangs sind Vererbung, Autoimmunphänomene und neurogene Faktoren. Beginn meist zwischen dem 10. und 30. Lj., Verlauf chronisch progredient.
Symptomatik: Meist symptomlose, scharf begrenzte weiße Flecken von ungleichmäßiger Größe und Form. Vorkommen v. a. an den Händen, im Gesicht, an den Streckseiten der Extremitäten, in der Perianal- und Perigenitalregion.
Die Vitiligo verläuft chronisch und mit Schwankungen. Es gibt seltene Spontanheilungen. Die Beeinträchtigung ist i. d. R. nur kosmetisch. Die Behandlung sollte schon deshalb rein homöopathisch erfolgen, weil andere Therapieverfahren in den meisten Fällen unverhältnismäßig belastend und somit nicht indiziert sind.
Die Behandlung ist konstitutionell und langwierig (7.3). Wenn andere Krankheiten gleichzeitig bestehen, sind diese vorrangig zu behandeln und bestimmend bei der Verlaufsbeurteilung.
Für die Behandlung werden alle individuellen Symptome herangezogen, die sich aus der Anamnese und Untersuchung eruieren lassen. Symptome der Vitiligo selbst spielen dabei kaum eine Rolle, zumal sie i. d. R. keine Beschwerden macht und sich bei der sehr einförmigen Symptomatik selten individuelle Charakteristika herausarbeiten lassen. Die Gesamtheit der Symptome des Patienten führt zum Mittel.
Weiße Flecken auf der Haut sind i. d. R. tuberkulinischer Natur, jedoch meist in Verbindung mit einem weiteren Miasma.
Die Repertoriumsrubrik Haut – Verfärbung – weiß – Flecken, Vitiligo schlägt über 50 Arzneimittel vor, soll aber nicht die Verordnung einschränken.
Die Verlaufsbeurteilung muss sich am Allgemeinbefinden des Patienten und am Therapieverlauf anderer Erkrankungen/Probleme orientieren.
Die Prognose ist gut – Geduld vorausgesetzt. Schließlich gleicht sich die Verfärbung aus (häufig erst merklich nach der nächsten Sommersaison), sodass sie bei unvoreingenommenem Blick kaum noch auffällt.
Da die Arzneiwahl kaum Bezug zur Vitiligo selbst hat, lassen sich keine besonders geeigneten Mittel oder diagnosespezifischen Kriterien angeben.

References: § 285
 § 285
 § 285
 § 153
 § 4
 § 28
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 § 285
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