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Timestamp: 2019-07-17 08:07:45+00:00

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VGH Baden-Württemberg, 29.06.2009 - 4 S 1028/07 - dejure.org
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VGH Baden-Württemberg, 29.06.2009 - 4 S 1028/07 (https://dejure.org/2009,1368)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 29.06.2009 - 4 S 1028/07 (https://dejure.org/2009,1368)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 29. Juni 2009 - 4 S 1028/07 (https://dejure.org/2009,1368)
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Beihilfe für Aufwendungen im Rahmen der bei der Lebenspartnerin eines Beamten durchgeführten künstlichen Befruchtung
Art 3 Abs 1 GG, § 101 BG BW, § 27a SGB 5, § 3 Abs 1 BhV BW, § 5 Abs 1 BhV BW, § 6 Abs 1 Nr 1 BhV BW, § 6 Abs 2 BhV BW
Beihilfe; nichteheliche Lebensgemeinschaft; Fertilitätsstörung; Krankheit; künstliche Befruchtung; In-vitro-Fertilisation (IVF); intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI); Leistungsausschluss; Gleichheitssatz; Vorbehalt des Gesetzes; Verwaltungsvorschrift
Beihilfefähigkeit einer künstlichen Befruchtung bei unverheirateten Paaren; Entscheidungsbefugnis für ein gemeinsames Kind bei nichtehelichen Lebenspartnern; Vereinbarkeit des Ausschlusses der Beihilfefähigkeit mit dem Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG; Festsetzung des Leistungsausschlusses für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung bei unverheirateten Beamten durch eine Verwaltungsvorschrift
Künstliche Befruchtung für unverheiratete Beamte
Nicht verheiratete Beamte und Beihilfemaßnahmen der künstlichen Befruchtung
Kosten der künstlichen Befruchtung für Beamte müssen übernommen werden
Nicht verheiratete Beamte: Beihilfe für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung
Beihilfe für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung auch für unverheiratete Beamte - Ausschluss mit dem Gleichheitssatz nicht zu vereinbaren
Beihilfe; Unterstützung; Heilfürsorge; Wohnungsfürsorge: Beihilfe; nichteheliche Lebensgemeinschaft; Fertilitätsstörung; Krankheit; künstliche Befruchtung; In-vitro-Fertilisation (IVF); intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI); Leistungsausschluss; Gleichheitssatz; Vorbehalt des Gesetzes; Verwaltungsvorschrift
VG Stuttgart, 17.08.2005 - 17 K 4959/04
FamRZ 2010, 406
Denn wegen der biologischen Zusammenhänge kann --anders als bei anderen Erkrankungen-- durch eine medizinische Behandlung allein des Klägers keine Linderung der Krankheit eintreten (BGH-Urteil in NJW 2004, 1658; VGH Baden-Württemberg, Beschluss in NVwZ-RR 2006, 202; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 29. Juni 2009 4 S 1028/07, juris; Oberverwaltungsgericht --OVG-- Lüneburg, Beschluss vom 4. September 2008 5 LA 198/07, NVwZ-RR 2009, 296; vgl. auch OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 12. November 2007 1 A 2537/06, juris).
Umstritten ist in diesem Zusammenhang lediglich, ob Aufwendungen hierfür vom Leistungsumfang einer privaten Krankenversicherung gedeckt (so Landgericht Dortmund, Urteil vom 10. April 2008 2 O 11/07, Neue Juristische Wochenschrift-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht 2008, 1414) und beihilfefähig sind (so VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 29. Juni 2009 4 S 1028/07, juris).
Dementsprechend kann bereits dann von der Linderung einer Krankheit gesprochen werden, wenn die ärztliche Tätigkeit auf die Abschwächung oder eine wenigstens partielle Unterbindung oder Beseitigung von Krankheitsfolgen gerichtet ist oder eine Ersatzfunktion für ein ausgefallenes Organ bezweckt wird (VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 29.06.2009 - 4 S 1028/07 - juris; BGH, Urteil vom 3.3.2004 - IV ZR 25/03 - BGHZ 158, 166).
Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 29.06.2009 (aaO), wonach der Dienstherr Beihilfe für die Aufwendungen für eine homologe IVF zu gewähren hat, steht zu der hier vertretenen Auffassung nicht in Widerspruch.
Für die Beurteilung beihilferechtlicher Streitigkeiten ist grundsätzlich die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des Entstehens der Aufwendungen, für die Beihilfe begehrt wird, maßgeblich (BVerwG, Urteile vom 15.12.2005 - 2 C 35.04 - BVerwGE 125, 21, 23 und vom 24.03.1982 - 6 C 95.79 - BVerwGE 65, 184, 187; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 29.06.2009 - 4 S 1028/07 - juris Rn. 17).
Diese konkretisierende Entscheidung des Finanzministeriums bewegt sich entsprechend ihrem tatsächlichen Charakter als untergesetzliche Vorschrift (…VGH Bad.-Württ., Urteil vom 24.03.1994 - 4 S 2953/93 - juris Rn. 29 ff. zu der insoweit gleichen Regelung im Rahmen des § 6 Abs. 2 BVO i.d.F 1986) innerhalb des normativen "Programms" der Beihilfevorschriften (siehe zu diesem Erfordernis näher BVerwG, Urteile vom 28.5.2009 - 2 C 28.08 - NVwZ-RR 2009, 730 f. und vom 28.5.2008 - 2 C 9.07 - Buchholz 270 § 6 BhV Nr. 15; VGH Bad.-Württ., Urteile vom 28.1.2010 - 10 S 2582/08 - und vom 29.6.2009 - 4 S 1028/07 - juris Rn. 19, 27).
Dies hat zur Folge, dass die gesamten im Rahmen der künstlichen Befruchtung ergriffenen Maßnahmen, auch soweit sie die Behandlungsschritte bei der gesunden Ehefrau umfassen, dem Ehemann zuzurechnen und somit grundsätzlich beihilfefähig sind (Verursacherprinzip, wie VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 29.06.2009 - 4 S 1028/07 - juris. m.w.N.).
Dies habe zur Folge, dass die gesamten im Rahmen der künstlichen Befruchtung ergriffenen Maßnahmen, auch soweit sie die Behandlungsschritte bei der - unstreitig gesunden - Ehefrau des Klägers umfassten, dem Kläger zuzurechnen seien (Verursacherprinzip, vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 29.06.2009 - 4 S 1028/07 - juris m.w.N.).
17 1. Dabei kann zunächst in vollem Umfang auf die Ausführungen des Verwaltungsgerichts Bezug genommen werden (§ 130 b Satz 2 VwGO), soweit von einer Krankheit des Klägers und der grundsätzlichen Ersatzfähigkeit der im Rahmen der künstlichen Befruchtung ergriffenen Maßnahmen, auch soweit sie die Behandlungsschritte bei der - unstreitig gesunden - Ehefrau des Klägers umfassen, ausgegangen wurde, welche dem Kläger zuzurechnen seien (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 BVO i. V. m. § 5 Abs. 1 Satz 1 BVO in Verbindung mit dem Verursacherprinzip, vgl. Urteil des Senats vom 29.06.2009 - 4 S 1028/07 - juris-Rn. 21).
Stattdessen stellt es unter Bezugnahme auf Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg, Urteil vom 29. Juni 2009 - 4 S 1028/07 -, juris, und des Bundesfinanzhofs, Urteile vom 10. Mai 2007 - III R 47/05 -, BFHE 218, 141 = juris, und vom 16. Dezember 2010 - VI R 43/10 -, BFHE 232, 179 = juris, darauf ab, dass der Kinderwunsch auch für unverheiratete Paare eine zentrale Sinngebung ihres Lebens sei, dass die Zeugungsunfähigkeit auch bei einem unverheiratetem Mann eine Krankheit sei und dass die ungewollte Kinderlosigkeit auch bei Unverheirateten eine Zwangslage schaffe, die es rechtfertige, Aufwendungen zu deren Beseitigung steuerrechtlich als außergewöhnliche Belastung anzusehen.
vgl. VGH BW, Urteil vom 29. Juni 2009 - 4 S 1028/07 -, juris, Rn. 26.
Urteile des VGH BW vom 29. Juni 2009 - 4 S 1028/07 -, FamRZ 2010, 406 = juris, Rn. 21, und des BGH vom 3. März 2004 - IV ZR 25/03 -, BGHZ 158, 166 = juris, Rn. 13 ff., aus, dass sämtliche medizinischen Maßnahmen dazu dienten, die bei dem Beamten durch Krankheit behinderte Zeugungsfähigkeit durch eine künstliche Befruchtung zu ersetzen.
Für die Beurteilung beihilferechtlicher Streitigkeiten ist grundsätzlich die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des Entstehens der Aufwendungen, für die Beihilfe begehrt wird, maßgeblich (BVerwG, Urteile vom 15.12.2005 - 2 C 35.04 - BVerwGE 125, 21, 23 und vom 24.3.1982 - 6 C 95.79 - BVerwGE 65, 184, 187; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 29.6.2009 - 4 S 1028/07 - juris Rn 17).
Sie dürfen dagegen nicht Leistungsausschlüsse oder Leistungsbegrenzungen festsetzen, die sich nicht bereits zumindest dem Grunde nach aus dem "Programm" der Beihilfevorschriften selbst ergeben (BVerwG, Urteile vom 28.5.2009 - 2 C 28.08 - NVwZ-RR 2009, 730 f. und vom 28.5.2008 - 2 C 9.07 - Buchholz 270 § 6 BhV Nr. 15; VGH Bad.-Württ., Urteile vom 28.1.2010 - 10 S 2582/08 - und vom 29.6.2009 - 4 S 1028/07 - juris Rn 19, 27).
Sie stütze sich auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (Urteil vom 29.6.2009 Az. 4 S 1028/07).
Der Hinweis des Prozessbevollmächtigten der Klägerin auf die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (Urteil vom 29.6.2009 Az. 4 S 1028/07 Juris) führt zu keiner anderen Beurteilung.
Entscheidet sich der Dienstherr wie in Baden-Württemberg, seiner Fürsorgepflicht durch die Zahlung von Beihilfen nachzukommen, die zu der aus der gewährten Alimentation zu bestreitenden Eigenvorsorge ergänzend hinzutreten, so muss er gewährleisten, dass der Beamte nicht mit erheblichen Aufwendungen belastet bleibt, die er auch über eine ihm zumutbare Eigenvorsorge nicht absichern kann (…vgl. wiederum BVerfG, Urt. v. 7.11.2002, a.a.O.; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 29.6.2009 - 4 S 1028/07 - ).
Denn die in seinem Falle in Rede stehende In-vitro-Fertilisation in Kombination mit der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (IVF-/ICSI-Behandlung) sei nach der gefestigten Rechtsprechung der obersten Gerichte der Bundesrepublik Deutschland eine zur Behandlung einer Erkrankung spezifisch erforderliche medizinische Leistung/Heilbehandlung (BVerwG…, Urteil vom 27. November 2003 - 2 C 38.02 -, BVerwGE 119, 265 = NVwZ 2004, 1003 = juris, Rn. 14 f.; BGH…, Urteil vom 21. September 2005 - IV ZR 113/04 -, BGHZ 164, 122 = NJW 2005, 3783 = juris, Rn. 12 f., und VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 29. Juni 2009 - 4 S 1028/07 -, juris, Rn. 21 ff.).

References: § 101
 § 27
 § 3
 § 5
 § 6
 § 6
 Art. 3
 § 6
 § 6
 § 5
 BGH 
 § 6