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Timestamp: 2020-06-03 18:59:23+00:00

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Fortschrittsbericht "Aufbau Ost" des Landes Brandenburg für das Jahr ... Issue 2006 - Digitale Landesbibliothek Berlin - Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Fortschrittsbericht "Aufbau Ost" des Landes Brandenburg für das Jahr ...
Fortschrittsbericht "Aufbau Ost" des Landes Brandenburg für das Jahr ... Issue 2006
URN: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8002598
Full text: Fortschrittsbericht "Aufbau Ost" des Landes Brandenburg für das Jahr ... Issue 2006
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8002598
Fortschrittsbericht „Aufbau Ost“
Fortschrittsbericht „Aufbau Ost“ des Landes Brandenburg für das Jahr 2006
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS................................................................................................................ 4
I. GEGENSTAND DES FORTSCHRITTSBERICHTES ........................................................................... 5
I.1 Rechtliche Grundlage ....................................................................................................................... 5
I.2 Methodische Vorgehensweise......................................................................................................... 6
II. DEMOGRAPHISCHE, SOZIALE UND ÖKONOMISCHE RAHMENBEDINGUNGEN IM LAND
BRANDENBURG..................................................................................................................................... 7
II.1 Demographische Entwicklung des Landes Brandenburg............................................................ 7
II.2 Wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit ............................................. 10
III. FINANZWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG DER LANDES - UND KOMMUNALHAUSHALTE
EINSCHLIEßLICH BEGRENZUNG DER NETTONEUVERSCHULDUNG............................................ 14
III.1 Die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen auf Landesebene.......................................... 14
III.1.1 Die Ausgaben auf Landesebene.............................................................................................. 14
III.1.2 Die Einnahmen auf Landesebene............................................................................................ 19
III.1.3. Verschuldung, Finanzierungssaldo, Zinsausgabenentwicklung und Begrenzung der
Nettoneuverschuldung auf Landesebene .......................................................................................... 21
III.2 Die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen auf Gemeindeebene ..................................... 22
III.2.1 Die Ausgaben auf Gemeindeebene......................................................................................... 22
III.2.2 Die Einnahmen auf Gemeindeebene....................................................................................... 27
III.2.3 Verschuldung, Finanzierungssaldo und Zinsausgabenentwicklung und Begrenzung der
Nettoneuverschuldung der kommunalen Ebene................................................................................ 30
III.3 Ausgaben und Einnahmen auf der konsolidierten Landes- und Gemeindeebene.................. 31
III.3.1 Die Ausgaben im Land insgesamt ........................................................................................... 31
III.3.2 Die Einnahmen im Land insgesamt ......................................................................................... 33
III.3.3 Verschuldung, Finanzierungssaldo und Zinsausgabenentwicklung im Land Brandenburg...... 34
III.4 Zusammenfassende Bewertung der finanzwirtschaftlichen Entwicklungen in Brandenburg 35
IV. VERWENDUNG DER SONDERBEDARFS-BUNDESERGÄNZUNGSZUWEISUNGEN IM
BERICHTSJAHR 2006 .......................................................................................................................... 37
IV.1 Maßnahmen zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten bei Investitionen........................... 37
IV.2 Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft.................................................. 39
IV.3 Zusammenfassende Verwendungsrechnung der SoBEZ ......................................................... 44
IV.4 Teilungsbedingte Sonderlasten außerhalb des SoBEZ-Nachweises....................................... 45
IV.4.1 Aufwendungen im Rahmen des AAÜG ................................................................................... 45
IV.4.2 Kommunale Altschulden......................................................................................................... 46
IV.5 Maßnahmen zur Verbesserung der Haushaltsstruktur und Haushaltskonsolidierung ......... 46
V. MAßNAHMEN ZUR SCHLIEßUNG DER INFRASTRUKTURLÜCKE .............................................. 48
V.1 Beiträge zur Schließung der Infrastrukturlücke.......................................................................... 48
V.2 Zusammenfassendes Fazit zur Investitionstätigkeit im Berichtszeitraum ............................... 51
VI. LEISTUNGEN DES BUNDES IM RAHMEN DES KORBES II DES SOLIDARPAKTES II .............. 52
VII. ZUSAMMENFASSENDE BEWERTUNG ........................................................................................ 54
Fehl-BEZ
PolBEZ
SanBEZ
Anspruchs – und Anwartschaftsüberführungsgesetz
äußerer Entwicklungsraum
engerer Verflechtungsraum
Fehlbetrags - Bundesergänzungszuweisungen
finanzschwache westdeutsche Flächenländer
Hermann von Helmholtz – Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren
Investitionsförderungsgesetz „Aufbau Ost“
Bundesergänzungszuweisungen für Kosten der politischen Führung
Sanierungs - Bundesergänzungszuweisungen
Solidarpaktfortführungsgesetz
Sonderbedarfs – Bundesergänzungszuweisungen
unterproportionale kommunale Finanzkraft
Zentrale Datenstelle der Landesfinanzminister
I. Gegenstand des Fortschrittsberichtes
I.1 Rechtliche Grundlage
Das Land Brandenburg (BB) und die anderen ostdeutschen Länder einschließlich des Landes Berlin
bezogen im Rahmen des Solidarpakt I für den Zeitraum 1995 bis 2004 vom Bund „SonderbedarfsBundesergänzungszuweisungen“ (SoBEZ) jährlich i. H. v. 7,158 Mrd. € sowie im Rahmen des Investitionsförderungsgesetzes Aufbau Ost (IfG) jährlich 3,375 Mrd. €. Diese Mittel wurden gewährt zum
• Ausgleich unterschiedlicher Wirtschaftskraft und zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums,
• Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft (ukF) sowie zum
• Abbau „teilungsbedingter“ Sonderlasten.
Im Jahr 2001 wurde im Ergebnis der Verhandlungen zwischen Bund und Ländern zum bundesstaatlichen Finanzausgleich eine Fortführung des Solidarpakts über das Jahr 2004 hinaus beschlossen und
im Solidarpaktfortführungsgesetz (SFG) vom 20.12.2001 gesetzlich festgeschrieben. Damit erhalten die
ostdeutschen Länder für die Jahre 2005 bis 2019 eine langfristige Planungsgrundlage. Kernelemente
des Solidarpakt II sind:
Zusammenfassung der IfG-Mittel in Höhe von jährlich 3,375 Mrd. € mit den bisherigen SoBEZ
bereits ab dem Jahr 2002 (Art. 1 Abs. 2 SFG).
Fortführung der SoBEZ einschließlich der ehemaligen IfG-Mittel mit einem gegenwärtigen Gesamtvolumen in Höhe von 10,533 Mrd. € jährlich über das Jahr 2005 hinaus bis einschließlich
zum Jahr 2019, dabei setzt ab 2006 eine allmähliche, ab 2009 eine spürbare Degression der
Mittel ein (vgl. Tabelle I.1). Dieser so genannte „Korb 1“ umfasst über die gesamte Laufzeit des
Solidarpaktes II einen Betrag in Höhe von 105,3 Mrd. €. Der Anteil des Landes Brandenburg
beträgt ab 2005 rd. 14,3 %. Diese Anteilsberechnung für BB bleibt bis zum Auslaufen der SoBEZ in 2019 bestehen (FAG §11 Abs.3). Insgesamt hat das Land Brandenburg bis einschließlich 2004 aus dem Solidarpakt I Mittel in Höhe von 14,935 Mrd. Euro erhalten. Aus dem Korb 1
des Solidarpaktes II stehen für die Jahre 2005 bis 2019 Mittel in Höhe von 15,090 Mrd. € bereit
(vgl. Tabelle I.1).
Jährliche Berichterstattung über die zweckentsprechende Verwendung der SoBEZ im Rahmen
der dem Finanzplanungsrat zu seiner Herbstsitzung vorzulegenden Fortschrittsberichte „Aufbau
Ost“. In diesen ist mit Änderung des Finanzausgleichsgesetzes (FAG § 11 Abs.3) seit dem Jahr
2005 Auskunft zu geben über die Deckung:
von teilungsbedingten Sonderlasten aus dem bestehenden starken infrastrukturellen
Nachholbedarf und
zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft.
Zusage des Bundes zu überproportionalen Leistungen von bis zu 51 Mrd. € für den Aufbau der
ostdeutschen Länder während der Laufzeit des Solidarpaktes II (Korb 2). Die Bundesregierung
wird erstmals in der Sitzung des Finanzplanungsrates im November 2007 über die Korb-2Leistungen im Jahr 2006 berichten.
Tabelle I.1: Zuweisungen aus SoBEZ (einschließlich IfG-Mittel1)) an das Land Brandenburg und die
ostdeutsche Länder insgesamt im Zeitraum von 1995 bis 2019 in Mio. €
1995 bis 2004 ²)
Ostdeutsche Länder insgesamt Land Brandenburg
10.532,61
1.493,48
10.481,48
1.501,67
10.379,23
1.487,02
10.225,84
9.510,03
1.362,49
8.743,09
8.027,28
1.150,06
7.260,35
6.544,54
5.777,60
827,75
5.061,79
4.294,85
2.812,11
2.096,30
210.652,24
30.024,77
105.326,10
105.326,14
14.934,80
15.089,97
1) Dargestellt ist die in den Gesetzen vorgesehene Mittelvergabe. Bei den IfG-Mitteln gab es durch den unterschiedlichen Mittelabruf Abweichungen im tatsächlichen Mittelzufluss an die ostdeutschen Länder in den einzelnen Jahren.
2) per annum
Quellen: IfG, FAG, SFG
I.2 Methodische Vorgehensweise
Die finanzwirtschaftliche Entwicklung des Landes Brandenburg und seiner Kommunen sowie die Fortschritte beim Abbau der nach wie vor erheblichen infrastrukturellen Defizite können nur vor dem Hintergrund der ökonomischen und demographischen Entwicklungen des Landes richtig eingeschätzt werden.
Aus diesem Grund wird in den Berichten ein Analysezeitraum von fünf Jahren (hier seit dem Jahr 2002)
zugrunde gelegt. Für eine Retrospektive auf den Zeitraum seit Beginn des Solidarpakt I im Jahr 1995
wird auf den Fortschrittsbericht des Landes Brandenburg für das Jahr 2002 verwiesen.
Die Datengrundlage basiert auf den vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) zusammengestellten
Eckdaten zur Erstellung der Fortschrittsberichte nach dem endgültigen Haushaltsabschluss des Jahres
2006, auf Daten der Kassenstatistik sowie der VGR der Länder.
Für Ländervergleiche wird der Durchschnitt der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer (FFW)
Niedersachsen (NI), Rheinland-Pfalz (RP), Schleswig-Holstein (SH) und Saarland (SL) herangezogen.
Der Vergleich ist auch geboten, weil die ostdeutschen Länder durch die Degression der SoBEZ langfristig eine mit der der FFW vergleichbare Einnahmenausstattung erreichen sollen. Die dem Nachweis der
Mittelverwendung zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft (ukF) zugrunde liegende Berechnung beruht auf der im Finanzausgleichsgesetz (FAG) definierten kommunalen Finanzkraft und stellt auf den Vergleich mit dem finanzschwächsten westdeutschen Land ab.
II. Demographische, soziale und ökonomische Rahmenbedingungen im Land Brandenburg
II.1 Demographische Entwicklung des Landes Brandenburg
Im Land Brandenburg lebten zum 30.06.2006 rd. 2,553 Mio. Einwohner. Dank der Zuzüge aus Berlin
verzeichnete das Land Brandenburg lange Zeit eine positive Bevölkerungsentwicklung. Seit dem Jahr
2001 sinkt die Bevölkerungszahl jedoch. Im Jahr 2006 wurde zum ersten Mal seit 1997 das Niveau der
Bevölkerung des Jahres 1991 wieder unterschritten. Im Vergleich zu den anderen ostdeutschen Flächenländern setzte der Bevölkerungsrückgang im Land Brandenburg allerdings nicht nur später ein,
sondern verlief bisher auch moderater.
Abbildung II.1.1: Bevölkerungsentwicklung im Land Brandenburg (BB) seit 1991 im Vergleich zu den
finanzschwachen westdeutschen Flächenländern (FFW) und der Gesamtheit der ostdeutschen Flächenländer (FO). Die Einwohnerzahlen des Jahres 1991 sind auf 100 % normiert.
Quelle: Statistisches Bundesamt, VGR der Länder, eigene Berechnungen
Dabei zeigt sich in räumlicher Hinsicht eine markante „Zweiteilung“ des Landes. Während im Berliner
Umland, dem so genannten „engeren Verflechtungsraum“ (eV), die Bevölkerungszahl wanderungsbedingt bis zum Jahr 2006 im Vergleich zu 1990 um rd. 28 % gestiegen ist, zeigt sich im äußeren Entwicklungsraum (äE) ein anhaltender Bevölkerungsrückgang, der von 1990 bis 2006 insgesamt 14,9 % betrug. Hier wurde der natürliche Bevölkerungsrückgang durch Wanderungsverluste noch verstärkt. Allein
in 2006 betrug der Wanderungssaldo in den Berlin-fernen Regionen –13.628 Einwohner, während im
Berlin-nahen Raum ein positiver Saldo von 10.335 Einwohnern zu beobachten war.
Im Vergleich zu allen anderen Ländern weist Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern die zweitdünnste Besiedlung auf. Bisher hat sich der Anteil Brandenburgs an der Gesamtbevölkerung aufgrund
der Wanderungen in den 90er Jahren zwar nur geringfügig von 3,2 % auf 3,1 % verringert. Nach den
prognostizierten Bevölkerungsentwicklungen bis 2050 wird Brandenburgs Anteil an der Gesamtbevölkerung in den kommenden vier Jahrzehnten jedoch deutlich abnehmen (siehe unten).
Bei der Betrachtung der Bevölkerungsdichte, die mit 87 Einwohner/km2 deutlich unter dem Durchschnitt
der neuen Flächenländer von 123 Einwohnern/km2 liegt, muss wiederum auf die Strukturunterschiede,
die im Land selbst bestehen, hingewiesen werden. Im äußeren Entwicklungsraum betrug die Einwohnerdichte auf Basis der Daten von 2006 nur 62 Einwohnern/km2, im engeren Verflechtungsraum dagegen 227 Einwohnern/km2.
Tabelle II. 1.1: Bevölkerung und Einwohnerdichte der Länder per 30.06.2006
Einwohner per
12.478,50
3.399,50
2.552,80
6. 077,3
18.039,80
4.054,10
4.261,90
2.456,70
2.323,20
82.372,00
Einwohner je
Der Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik hat im Jahr 2006 in seiner Bevölkerungsprognose des Landes Brandenburg für den Zeitraum 2005 – 2030 die Bevölkerungsentwicklung bis 2030 dargestellt: Danach wird die Bevölkerungszahl des Landes Brandenburg bis zum Jahr 2030 kontinuierlich
auf 2,235 Mio. Einwohner zurückgehen. Dies entspricht einem jährlichen Rückgang von etwa 12.800
Die Ergebnisse belegen, dass sich die derzeitige Entwicklung anhaltend fortsetzen wird, wobei diese
Entwicklung nicht gleichmäßig verläuft. So ist in den Jahren bis 2011 ein moderaterer Rückgang um
jährlich bis zu 7.000 Einwohnern zu erwarten. Positiv in diesem Zeitraum wirken die prognostizierten
Wanderungszuwächse aufgrund von Zuzügen in das Berliner Umland. Aber bereits ab 2012 lässt sich
die Entwicklung aufgrund der Geburtenausfälle in vorangegangenen Generationen infolge des so genannten „demographischen Echos“ trotz steigender Lebenserwartung nicht mehr aufhalten
Hinzu tritt die Unterscheidung in regionaler Abgrenzung. Die demographische Zweiteilung des Landes
wird sich bis 2030 weiter verschärfen. In 25 Jahren wird fast jeder zweite Brandenburger seinen Wohnsitz im Umland von Berlin haben. Die äußeren Regionen weisen dann noch eine Bevölkerungsdichte
von lediglich 48 Einwohner/km2 auf, das Umland von 231 Einwohner/km2.
Tabelle II.1.2: Bevölkerungsentwicklung im engeren Verflechtungsraum (eV) und im äußeren Entwicklungsraum (äE) zwischen 2005 und 2030
Entwicklung 2030
ggü. 2005
2005 bis 2030
natürlicher Saldo Wanderungssaldo
2.560,7
2.525,8
2.421,6
2.235,4
-325,3
1.043,9
1.496,7
1.377,7
1.212,0
Quelle: Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik
Erhebliche Veränderungen sind zudem hinsichtlich der Zusammensetzung der Bevölkerung zu erwarten. Das Durchschnittsalter der Männer wird bis zum Jahr 2030 um 8,1 auf 49,5 Jahre und das der
Frauen um 7,9 auf 52,7 Jahre ansteigen. Dabei zeigt sich die Alterung der Bevölkerung im Land Brandenburg insbesondere durch erhebliche Veränderungen bei den Personengruppen im Schul- und im
Rentenalter. Im Zeitraum von 2000 bis 2030 wird die Anzahl der Personen im Schulalter in der Altersklasse von 6-12 Jahren um rd. 11 % und im Alter von 12-16 Jahren um rd. ein Drittel sinken. Im gleichen Zeitraum steigt die Anzahl der Personen im Alter von über 65 Jahren um rd. 59 %.
Besonders problematisch ist die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 65
Jahre). Sie verläuft räumlich und demographisch stark unterschiedlich: Insgesamt geht im Land Brandenburg die Bevölkerung dieser Altersgruppe um rd. 30 % zurück. Das trifft insbesondere die Jahrgänge der 18- bis 45-Jährigen, deren Zahl um 43 % (410.000) sinken wird. Gleichzeitig nimmt die Zahl der
älteren Erwerbsfähigen langfristig nur um 12 % ab. Vom Rückgang der Gruppe der 15- bis 65- Jährigen
ist der äußere Entwicklungsraum quantitativ am stärksten betroffen. Dort stehen 2030 etwa 440.000
Personen im erwerbsfähigen Alter weniger zur Verfügung.
Die dargestellten demographischen Entwicklungen führen sowohl auf Landes- als auch auf Gemeindeebene neben dem sich immer stärker abzeichnenden Fachkräftemangel zu erheblichen fiskalischen
Anpassungsnotwendigkeiten auf der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite.
Bereits in den letzten Jahren gingen in Folge der zunehmend stark sinkenden Bevölkerung die Einnahmen aus Steuern und steuerinduzierten Einnahmen deutlich zurück, da die Zahlungen im Länderfinanzausgleich (LFA) in hohem Maße von der Einwohnerzahl abhängen. Während im bis zum Jahr 2004 geltenden LFA jeder Einwohnerverlust zu Mindereinnahmen des Landes von 2.100 € pro verlorenem Einwohner führte, ist dieser Satz mit der Reform des LFA ab dem Jahr 2005 auf rd. 2.300 € angestiegen.
Rechnet man beispielsweise die Mindereinnahmen bis zum Jahr 2020 auf Basis der Finanzkraft- und
Einwohnerverteilung im LFA 2006 hoch, so würden sich diese unter sonst gleich bleibenden Annahmen
auf über 300 Mio. € allein im Jahr 2020 aufsummieren.
Die Ausgabenentwicklung verläuft dagegen zur Einnahmenprognose nicht zwangsläufig parallel. Demographische Strukturveränderungen bedingen unterschiedliche Anpassungen in den verschiedenen
Aufgabenbereichen. Während einzelne Ausgaben auf dem heutigen Niveau stagnieren oder sinken
werden (z. B. schülerzahlbedingte Bildungsausgaben), sind in anderen Bereichen steigende Ausgaben
zu erwarten. Zudem führt die geringe Bevölkerungsdichte in den Berlin-fernen Regionen des Landes zu
zusätzlichem Anpassungsbedarf z. B. im Bereich der Infrastrukturversorgung. Dieses Problem wird sich
aufgrund der aufgezeigten demographischen Entwicklung in den nächsten Jahren noch verschärfen.
II.2 Wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit
Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat sich nach einer leicht positiven Entwicklung im Jahr
2005 im Jahr 2006 weiter deutlich verbessert. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) hebt sich im Vergleich zu den Vorjahren (2003: -0,2 %; 2004: 1,1 %; 2005: 0,8 %) mit einem Wachstum von 2,91 % positiv ab und ist damit nach dem Boomjahr 2000 das zweitstärkste Wirtschaftswachstum seit der Wiedervereinigung.
Getragen wurde dieser Aufschwung anders als in den Vorjahren von mehreren Entwicklungen. Der weiterhin starke Außenhandel stärkte die Industrieproduktion. Gleichzeitig wurde der private Konsum durch
die Erholung auf dem Arbeitsmarkt in Verbindung mit Vorzieheffekten aus der Mehrwertsteuererhöhung
zum 1. Januar 2007 kräftig angekurbelt (+ 0,6 Prozentpunkte). Im Ergebnis trugen der Außenbeitrag mit
1,1 Prozentpunkten und die inländische Verwendung mit 1,8 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum bei.
Zudem wirkten die Entwicklungen im Bausektor (die Bauinvestitionen stiegen nach jahrelanger Schwäche im Vergleich zum Vorjahr preisbereinigt verkettet um 4,3 %) nicht mehr dämpfend auf die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate.
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Brandenburg konnte im Gegensatz zum Vorjahr ebenfalls ein
positives reales Wachstum von 1,9 % vorweisen. Zu den beeinflussenden Wachstumsdeterminanten
gehörten neben dem robusten bundesweiten Aufschwung auch erste Erfolge des Strukturwandels und
der Neuausrichtung der Wirtschaftsförderpolitik. Insgesamt hat sich damit die Wettbewerbsfähigkeit der
Brandenburger Unternehmen weiter verbessert.
Dennoch: Auch wenn der Anstieg des BIP im Jahr 2006 merklich über den Ergebnissen der Vorjahre
(2003: +0,1 %; 2004: + 1,5 %; 2005: - 1,1 %) lag, so blieb er hinter der Entwicklung im Bundesdurchschnitt zurück und kam im Ländervergleich nur auf den zwölften Rang. Gründe dafür liegen nach wie
vor in der Unternehmensstruktur, die durch vorrangig kleine und mittlere Unternehmen geprägt ist, womit die Abhängigkeit von Konjunkturschwankungen erhöht ist. Zudem ist der Exportsektor, der in den
Vorjahren der Wachstumsmotor war, in Brandenburg anteilig schwächer ausgebildet, dagegen der Bausektor gegenüber der Industrie stärker vertreten.
Entsprechend haben sich auch im Prozess der Angleichung der Pro–Kopf–Wirtschaftskraft (vgl. Abbildung II.2.1) keine Änderungen ergeben. Das nominale BIP im Land Brandenburg betrug im Jahr 2006 –
gerechnet je Einwohner mit 19.386 € – rd. 76,8 % des durchschnittlichen Pro–Kopf–BIP in den FFW
und erreicht damit ungefähr den gleichen Wert wie im Vorjahr. Im Vergleich zum bundesweiten ProKopf-Einkommen lag dieser Anteil damit bei knapp 70 %. Damit zeigt sich wie schon in den Jahren seit
1996 eine Stagnation in der Ost-West-Anpassung. Eine ähnliche Entwicklung ist beim Vergleich des
BIP je Erwerbstätigen erkennbar. Hier wird im Land Brandenburg im Jahr 2006 mit 87,4 % des durchschnittlichen BIP je Erwerbstätigen der FFW das gleiche Ergebnis wie im Vorjahr erreicht. .
Stand: 23.08.2007
Abbildung II.2.1: Entwicklung des BIP in jeweiligen Preisen je Einwohner und je Erwerbstätigen im
Land Brandenburg in Prozent des Durchschnittswertes der FFW
BIP je Erwerbstätigem
Quelle: VGR der Länder, eigene Berechnungen
Für das laufende Jahr 2007 zeigen die Indikatoren der ersten Monate, dass sich der Aufschwung fortsetzen wird. Diese positive Sicht findet ihre Begründung in der allgemein erwarteten Konjunkturbelebung in Deutschland, wovon in erster Linie die brandenburgischen Anbieter von industriellen Vorleistungen profitieren sollten. Zudem ist auch im Baugewerbe nach einem 10-jährigen Rückgang erstmals wieder ein Anstieg der Bruttowertschöpfung um + 3 % - nicht zuletzt durch den milden Winter - zu erwarten.
Weitere positive Impulse werden in den kommenden Jahren sicherlich auch durch den Ausbau des
Flughafens BBI in Schönefeld entstehen.
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt insgesamt hat sich im Jahr 2006 ebenfalls positiv entwickelt, wenn auch
angesichts der Höhe der Arbeitslosenzahl von einer Entspannung noch nicht gesprochen werden kann.
Insgesamt betrug in Deutschland die Arbeitslosenquote im Jahr 2006 im Jahresdurchschnitt 10,8 %,
wobei nach wie vor ein ausgeprägter Unterschied zwischen ostdeutschen und westdeutschen Ländern
Abbildung II.2.2: Arbeitslosenquote in Brandenburg sowie die durchschnittliche Arbeitslosenquote in
den FFW
Bezogen auf alle abhängigen zivilen Erwerbspersonen insgesamt.
So lag die Arbeitslosenquote in Brandenburg (bezogen auf abhängige zivile Erwerbspersonen) mit 18,7
% im Jahr 2006 nach wie vor am oberen Ende der Rangskala aller deutschen Bundesländer, gegenüber
dem Vorjahr ist dies aber ein erfreulicher Rückgang von 1,2 Prozentpunkten. Diese günstige Entwicklung setzt sich auch im Jahr 2007 fort.
Die Quote der von Arbeitslosigkeit betroffenen jungen Menschen im Alter bis zu 25 Jahren (vgl. Abbildung II.2.3) ist im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahreswert (18,8 %) deutlich gesunken und betrug im
Jahr 2006 18,0 %. In den FFW lag die Quote für 2006 bei 10,6 %, d. h., in den FFW ist gegenüber 2005
ein Rückgang von 2,3 Prozentpunkten zu verzeichnen. Damit ist der positiven Entwicklung auf dem Gesamt-Arbeitsmarkt in Brandenburg eine Verbesserung der Struktur der Arbeitslosigkeit zu Gunsten der
jüngeren Generation noch nicht in gleichem Maße gefolgt.
Abbildung II.2.3: Arbeitslosenquote jüngerer Personen unter 25 Jahren
Bezogen auf abhängige zivilen Erwerbspersonen unter 25 Jahren.
Bei der Erwerbstätigkeit ist im Jahr 2006 nach einer leichten Abwärtsbewegung im Jahr 2005 ein leichter Anstieg bei der Anzahl der Erwerbstätigen um rd. 6.000 zu verzeichnen. Spiegelbildlich zur abnehmenden Arbeitslosigkeit hat sich die Erwerbstätigenzahl in Brandenburg damit erhöht. Der Abwärtstrend
der letzten Jahre (Ausnahme 2004) wurde damit gestoppt (vgl. Abbildung II.2.4). Vor allem die Zahl der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg binnen Jahresfrist deutlich an.
Die Entwicklung der Beschäftigten blieb im Jahr 2006 in Brandenburg im Vergleich der Länder insgesamt unter dem Durchschnitt. Die positive Entwicklung im Dienstleistungsbereich (Bereiche Finanzierung sowie Vermietung und Unternehmensdienstleister), in dem die meisten neuen Arbeitsplätze entstanden sind, wurde durch Beschäftigungsverluste im produzierenden Bereich beeinträchtigt. Aber auch
die Industriebeschäftigung (Bergbau und verarbeitendes Gewerbe) zeigt erstmals wieder signifikante
Steigerungen.
Abbildung II.2.4: Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Brandenburg (linke Achse) im Vergleich zu den
FFW (rechte Achse); Angaben in 1.000 Personen
Der Vergleich der Sektorstruktur im Land Brandenburg und in den FFW (vgl. Tabelle II.2.1) lässt deutliche Unterschiede erkennen. So ist die industrielle Basis, gemessen am Anteil der Bruttowertschöpfung
des Produzierenden Gewerbes ohne Bauwirtschaft an der gesamten Bruttowertschöpfung, in Brandenburg mit einem Anteil von rd. 20 % weiterhin deutlich schwächer ausgeprägt als in den FFW (26 %).
Feststellbar ist dagegen, dass sich im Bereich der Bauwirtschaft sowohl im Hinblick auf die Erwerbstätigkeit als auch auf den Wertschöpfungsanteil allmählich eine Angleichung an die Vergleichsländer vollzieht.
Tabelle II.2.1: Wirtschaftsstruktur im Land Brandenburg: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen und der
realen Bruttowertschöpfung (BWS; in jeweiligen Preisen) nach Wirtschaftsbereichen im Jahr 2006
Angaben gerundet
2. Produzierendes Gewerbe
2.1 Produzierendes Gewerbe ohne Bau
2.2 Verarbeitendes Gewerbe
2.3. Baugewerbe
3. Dienstleistungsbereiche
3.1 Handel, Gastgewerbe und Verkehr
3.2 Finanzierung, Vermietung und
3.3 Öffentliche und private Dienstleister
alle Wirtschaftsbereiche
Quelle: Berechnet aus Angaben der VGR der Länder.
ErwerbsBWS
III. Finanzwirtschaftliche Entwicklung der Landes - und Kommunalhaushalte einschließlich
Begrenzung der Nettoneuverschuldung
Dem gesetzlichen Auftrag entsprechend enthält dieses Kapitel eine Bestandsaufnahme der zentralen
finanzwirtschaftlichen Kennziffern auf der Landes- und Kommunalebene sowie eine Analyse der Verschuldungsentwicklung und der Rückführung der Nettoneuverschuldung bzw. des Finanzierungssaldos.
Bei der Interpretation der Ergebnisse werden dabei schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen in
III.1 Die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen auf Landesebene
III.1.1 Die Ausgaben auf Landesebene
Bereinigte Gesamtausgaben
Die bereinigten Gesamtausgaben je Einwohner (EW) auf Landesebene liegen im Land Brandenburg
sowohl absolut als auch im Vergleich zu denen der FFW nach wie vor über dem Niveau der Vergleichsländer (vgl. Tabelle III.1.1). Nach einem deutlichen Rückgang in den Jahren 2003 bis 2005 betrug dieser Abstand im Vorjahr noch 37 %.
Tabelle III.1.1: Bereinigte Pro-Kopf-Ausgaben
in Euro je EW
BB in % von FFW
Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen
Damit sind die Ausgaben trotz der konsequenten Fortführung des Konsolidierungskurses des Landes im
Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr geringfügig gestiegen. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich in den
Vergleichsländern, hier stiegen die bereinigten Pro-Kopf-Ausgaben um 0,5 % an. Auf welche Entwicklungen dies zurückzuführen ist, zeigt sich in der Betrachtung einzelner Positionen.
Ausgaben der laufenden Rechnung
Zerlegt man die bereinigten Gesamtausgaben in die Ausgaben der laufenden Rechnung (vgl. Abbildung
III.1.1) und der Kapitalrechnung (vgl. Abbildung III.1.2), wird deutlich, dass die laufenden Ausgaben auf
Landesebene auch im Jahr 2006 um rd. 20 % über dem Niveau der FFW lagen. Zwar konnten die laufenden Ausgaben nach einem Anstieg im Jahr 2002, der in erster Linie auf die unvorhersehbaren Erstattungen an den Bund im Rahmen der Zusatz- und Sonderversorgungssysteme nach dem Anspruchsund Anwartschaftsüberführungsgesetz (AAÜG) zurückzuführen war, in den Jahren 2003 und 2004 deutlich reduziert werden. Ab dem Jahr 2005 sind sie hingegen insbesondere aufgrund erhöhter Zuweisungen an die Landkreise und kreisfreien Städte im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitssuchende nach
dem SGB II wieder leicht gestiegen, was sich in einem minimalen Anstieg der bereinigten Ausgaben
niedergeschlagen hat. An den steigenden Ausgaben im Jahr 2006 haben maßgeblich einmalige Zahlungen an die Kommungen aufgrund des Gutachtens des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
(DIW) zur Symmetrie der Finanzausstattung von Land und Kommunen ihren Anteil.
Abbildung III.1.1: Ausgaben der laufenden Rechnung in Euro je Einwohner
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
Die Ausgaben der Kapitalrechnung sind im Jahr 2006 nach einem leichten Absinken im Vorjahr um rd.
5 % gestiegen und liegen damit bei 287 % der Ausgaben der Vergleichsländer. Die Investitionsquote
(nur Land) betrug 18,5 %.
Abbildung III.1.2: Ausgaben der Kapitalrechnung in Euro je Einwohner
Nachfolgende Tabelle III.1.2 zeigt die Hauptkomponenten der laufenden Ausgaben in Euro je Einwohner sowie die Ausgabenanteile im Jahr 2006. Die höheren Pro-Kopf-Ausgaben im Vergleich zu den
FFW sind insbesondere auf die unverändert deutlich höheren Zuweisungen an die Kommunen und auf
die Erstattungen an den Bund nach dem AAÜG zurückzuführen. Während das Land Brandenburg im
Jahr 2006 für Zuweisungen an die Kommunen je Einwohner rd. 991 € aufgewendet hat, wurden in den
FFW durchschnittlich rd. 566 € je Einwohner verausgabt. Die hohen Zuweisungen an die Kommunen
sind erforderlich, um die unterproportionale kommunale Finanzkraft der Brandenburger Kommunen
auszugleichen (vgl. Kapitel IV.2). Die Erstattungen nach dem AAÜG, die nur in den ostdeutschen Ländern anfallen, beliefen sich im Jahr 2006 auf 167 € je Einwohner. Die Zinsausgaben des Landes Brandenburg liegen weiter deutlich über dem Niveau der FFW, konnten aber im Jahr 2006 im Vergleich zum
Vorjahr aufgrund der günstigen Zinsentwicklung absolut auf ungefähr gleicher Höhe gehalten werden.
Tabelle III.1.2: Die Struktur der laufenden Ausgaben im Jahr 2006
1. Personalausgaben
1a) Versorgungsleistungen
1b) Bezüge für aktives Personal
Euro je EW
2. Zinsausgaben
3. laufender Sachaufwand
4. Nicht investive Zuweisungen und Zuschüsse
In Abbildung III.1.3 wird die Entwicklung der Personalausgaben dargestellt.
Durch den Abschluss eines Tarifvertrags zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen in der Landesverwaltung Brandenburg, eines Tarifvertrags zur Umsetzung des vorgenannten Tarifvertrags für
Lehrkräfte an Schulen des Landes Brandenburg und einer Rahmenvereinbarung zur beamte- und tarifrechtlichen Umsetzung des Schulressourcenkonzepts wurden in den Jahren 2004 bis 2006 spürbare
Einsparungen erzielt. Kernpunkt dieses Tarifvertrages zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen
war die sozialverträglich gestaffelte Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit bei entsprechender Minderung der Vergütung. In Abhängigkeit von der Eingruppierung bedeutet dies individuelle Gehaltseinbußen von bis zu 7,5 %. Dieser Pakt trat am 03.02 2004 in Kraft und war bis zum 31.01.2007 befristet.
Hinzu kommen Einsparungen im Beamtenbereich mit der Änderung des Brandenburgischen Sonderzahlungsgesetzes und weitere zeitlich befristete tarifliche Änderungen.
Daneben gilt der Personalbedarfsplanung im Land Brandenburg hohe Aufmerksamkeit. Begonnen mit
dem Haushaltstrukturgesetz 2000 des Landes Brandenburg, das die Grundlage für den Abbau von
8.000 Plan-/Stellen und Beschäftigungspositionen bis zum Jahr 2005 bildete, wird die Reduzierung der
Anzahl der Stellen mit den Beschlüssen zum Haushalt 2007 bis 2010 und zuletzt mit dem Entwurf zum
Doppelhaushalt 2008/2009 kontinuierlich bis zum Jahr 2012 fortgeführt. Zu diesem Zeitpunkt soll der
Stellenbestand des Landes auf eine Zielzahl von rd. 47.800 Stellen verringert sein. Dies bedeutet seit
Beginn des kontinuierlichen Stellenabbaus im Jahr 2000 eine Reduzierung des Stellenbestandes um
rd. 18.000 Stellen.
Die Personalausgaben haben sich in der HGr. 4 von rd. 2.095 Mio. € im Jahr 2005 auf rd. 2.048 Mio. €
im Jahr 2006 verringert, d. h. sie sind um rd. 47 Mio. €, also rd.18 € je Einwohner gesunken (siehe Abbildung III.1.3). Rd. 33,3 Mio. € dieses Einsparvolumens entfallen auf Verlagerungen aus der HGr. 4 in
die HGr. 6 infolge der Gründung des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaft und Bauen
(BLB). Somit betragen die realen Einsparungen bei den Personalausgaben rd. 13,8 Mio. €. In Anrechnung der genannten Verlagerung reduziert sich die Einsparung bei den Personalausgaben je Einwohner
(2005 zu 2006) von rd. 18 € auf rd. 5 € je Einwohner.
Abbildung III.1.3: Personalausgaben entsprechend HGr. 4 in Euro je Einwohner
Der deutliche höhere Aufwand für Personalkosten der westdeutschen finanzschwachen Flächenländer
ist in erster Linie auf die höheren Versorgungsleistungen zurückzuführen. Bereinigt um diese sind die
reinen Ausgaben für Bezüge des Personals in Brandenburg um 2%, in den FFW um 1% gesunken. Eine
weitere Bereinigung der Personalausgaben um das Volumen von Verlagerungen ist nicht möglich, da
vergleichbare Angaben aus anderen Ländern nicht bzw. nicht durchgängig vorliegen.
Die Ausgaben für den laufenden Sachaufwand sind im Jahr 2006 auf dem Niveau der Vorjahre verblieben und liegen damit 5 % unter dem Niveau der Vergleichsländer. In Abbildung III.1.4 ist die Entwicklung der Pro-Kopf-Ausgaben für den laufenden Sachaufwand zwischen 2002 und 2006 dargestellt.
Abbildung III.1.4: Pro-Kopf-Ausgaben für laufenden Sachaufwand in Euro
Leistungen des Landes an die Kommunen
Eine wesentliche Ausgabenkomponente sind in den ostdeutschen Ländern die Zahlungen an die Kommunen inner- und außerhalb des kommunalen Finanzausgleichs (vgl. Abbildung III.1.5). In diesen Zahlungen sind sowohl Zuweisungen und Zuschüsse für laufende Zwecke als auch Vermögensübertragungen des Landes an die Kommunen (Zuweisungen und Zuschüsse für Investitionen) enthalten.
Insgesamt lagen die Zuweisungen des Landes Brandenburg an seine Kommunen im Jahr 2006 je Einwohner um 94 % über den vergleichbaren Zuweisungen in den FFW. Ursache für diese hohen Zahlungen des Landes Brandenburg ist die weiterhin niedrige kommunale Finanzkraft. Durch die hohen Zuweisungen sollen die Kommunen auch in die Lage versetzt werden, mit überdurchschnittlich hohen In-
vestitionen den Abbau des infrastrukturellen Nachholbedarfes voranzubringen (vgl. Kapitel IV.2). Der
mit dem Jahr 2000 eingesetzte leichte jährliche Rückgang der Zuweisungen änderte sich in 2005 in einen Zuwachs um 218 €/EW. Dieser Anstieg, der auch in den Vergleichsländern in abgeschwächter
Form zu sehen ist, ist in erster Linie durch die Regelungen im Zusammenhang mit dem SGB II (Hartz
IV) bedingt. Zusätzlich kam es im Jahr 2006 zu einmaligen Zahlungen an die Gemeinden aufgrund des
Gutachtens des DIW zur Symmetrie der Finanzausstattung von Land und Kommunen in Höhe von rd.
105 Mio. €
Abbildung III.1.5: Zahlungen an die Gemeinden inner- und außerhalb des kommunalen Finanzausgleichs in Euro je Einwohner
Ausgaben der Kapitalrechnung
Da die Ausgaben der Kapitalrechnung im nächsten Kapitel einer detaillierten Analyse unterzogen werden, erfolgt hier nur eine erste kurze Bestandsaufnahme.
Tabelle III.1.3 zeigt die Struktur der investiven Ausgaben im Jahr 2006. Gegenüber dem Vorjahr sind
die Ausgaben der Kapitalrechnung um 5 % gestiegen, während sie in den FFW um rd. 6 % auf das Niveau von 2004 gesunken sind. Dabei wurde ein Großteil, rd. 42 % der investiven Ausgaben der Landesebene, im Land Brandenburg als Investitionszuweisungen an die kommunale Ebene geleistet. Diese
Entwicklung findet sich in der Betrachtung der Gesamtzuweisungen an die Kommunen wieder.
Tabelle III.1.3: Die Struktur der Ausgaben der Kapitalrechnung im Jahr 2006
Ausgaben der Kapitalrechnung insgesamt
1. Sachinvestitionen
2. Vermögensübertragungen an die Gemeinden (Zuweisungen
für Investitionen)
3. Vermögensübertragungen an andere Bereiche (insbes.
betriebliche Investitionsfördermaßnahmen,
Wohnungsbauförderung, Darlehen, Beteiligungserwerb)
Euro je EW %-Anteil Euro je EW %-Anteil
Die Ausgaben für Sachinvestitionen sind nach einem Absinken im Jahr 2005 aufgrund von Sondereffekten im Jahr 2006 wieder deutlich um 50 € je Einwohner gestiegen und liegen damit dreimal so hoch wie
in den vergleichbaren westdeutschen Flächenländern, in denen die Sachinvestitionen leicht rückläufig
verliefen.
Abbildung III.1.6: Pro-Kopf-Ausgaben für Sachinvestitionen
III.1.2 Die Einnahmen auf Landesebene
Bereinigte Gesamteinnahmen
Tabelle III.1.4 zeigt Höhe und Struktur der Einnahmen im Jahr 2006. Das Land Brandenburg verbuchte
je Einwohner bereinigte Gesamteinnahmen in Höhe von rd. 3.764 €, die FFW dagegen von rd. 2.664 €.
Rd. 50 % der bereinigten Gesamteinnahmen in Brandenburg entfielen auf Steuereinnahmen, während
in den Vergleichsländern die Steuerdeckungsquote bei rd. 75 % lag. Erkennbar ist, dass wesentliche
Teile der bereinigten Einnahmen des Landes Brandenburg aus Zuweisungen von Dritten resultieren.
Die Diskrepanz in der Einnahmenstruktur zwischen den FFW und dem Land Brandenburg ist also ausschließlich transferbedingt, d.h. sie entsteht durch Leistungen des Bundes, der EU sowie Einnahmen
aus dem Länderfinanzausgleich. Dabei entfallen allein rd. 15,6 % der Einnahmen Brandenburgs auf die
SoBEZ.
Tabelle III.1.4: Struktur der Einnahmen im Jahr 2006
bereinigte Einnahmen
1. Steuereinnahmen
2. Bundesergänzungszuweisungen
(ohne SanBEZ SL)
3. LFA
4. Investive Zuweisungen Bund/EU
5. Verwaltungseinnahmen
6. Vermögensveräußerungen
Abbildung III.1.7 zeigt die mittelfristige Entwicklung der bereinigten Einnahmen seit dem Jahr 2002. Im
Jahr 2006 sind die bereinigten Einnahmen Brandenburgs um 6 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Im
gleichen Zeitraum betrug der Zuwachs der bereinigten Einnahmen der Vergleichsländer 9 %.
Abbildung III.1.7: Bereinigte Pro-Kopf-Einnahmen in Euro
Nach einem Einbruch im Jahr 2002 stieg das Steueraufkommen bis zum Jahr 2004 wieder an, um dann
im Jahr 2005 erneut - hauptsächlich verursacht durch Mindereinnahmen bei der Lohnsteuer - etwas abzusinken. Im Jahr 2006 stieg dagegen in Brandenburg und den vergleichbaren Flächenländern das
Steueraufkommen aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung wieder an, so dass in Brandenburg
Zuwächse von 10,3 % und in den Vergleichsländern von 11,1 % bei den Einnahmen aus Steuern zu
verzeichnen waren.
Abbildung III.1.8: Steuereinnahmen in Euro je Einwohner
III.1.3. Verschuldung, Finanzierungssaldo, Zinsausgabenentwicklung und Begrenzung der Nettoneuverschuldung auf Landesebene
Die Pro-Kopf-Verschuldung ist auch im Haushaltsjahr 2006 weiter angestiegen (vgl. Abbildung III.1.9)
allerdings in geringerem Umfang als in den Vorjahren. Sie beläuft sich nunmehr auf rd. 6.742 € je Einwohner. In den westdeutschen Vergleichsländern liegt sie bei rd. 6.562 € je Einwohner.
Trotz des günstigen Zinsniveaus führte diese nach wie vor hohe Schuldenbelastung des Landes Brandenburg im Jahr 2006 zu einer Zinsbelastung von 307 € je Einwohner nach 306 € je Einwohner im Jahr
2005. In den Vergleichsländern sanken die Zinsausgaben ebenfalls nur marginal um 1 € je Einwohner
auf 293 € je Einwohner. Der Anteil der Zinsausgaben an den Einnahmen der laufenden Rechnung belief
sich im Jahr 2006 auf 9 %, in den FFW hingegen auf 12 % (jeweils 1 % weniger als noch im Jahr 2005).
Abbildung III.1.9: Pro-Kopf-Schulden in Euro auf Landesebene in Brandenburg
Tabelle III.1.5: Zinsausgabenbelastung im Jahr 2006
in % der laufenden
Der Finanzierungssaldo verbesserte sich damit gegenüber dem Jahr 2005 und betrug im Jahr 2006 rd.
– 326 Mio. €. Im gleichen Zeitraum sank der negative Finanzierungssaldo in den Vergleichsländern um
200 € je Einwohner, nachdem er im Vorjahr um 38 € je EW gestiegen war. Auf die Einwohnerbasis bezogen beträgt der Finanzierungssaldo in Brandenburg rd. -128 €, in den Vergleichsländern hingegen rd.
-171 € je Einwohner (vgl. Abbildung III.1.10).
Abbildung III.1.10: Finanzierungssalden auf Landesebene in Euro je Einwohner
Der Entwurf zum Doppelhaushalt 2008/2009 des Landes Brandenburg sowie die mittelfristige Finanzplanung bis 2011 sehen vor, dass Finanzierungssaldo und Nettokreditaufnahme in den nächsten Jahren weiter reduziert werden und ab 2010 keine neuen Schulden mehr aufgenommen werden müssen.
Vor dem Hintergrund der Verschuldungssituation des Landes wird der von der Landesregierung eingeschlagene Konsolidierungskurs konsequent fortgesetzt und bei einsetzender wirtschaftlicher Erholung
forciert. Haushaltsverschlechterungen, die nicht durch Steuerausfälle bedingt sind, müssen durch Anpassungen auf der Ausgabenseite des Landeshaushaltes kompensiert werden. Haushaltsverbesserungen, insbesondere infolge von Steuermehreinnahmen, werden vorrangig für die weitere Reduzierung
der Kreditaufnahme genutzt.
III.2 Die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen auf Gemeindeebene
III.2.1 Die Ausgaben auf Gemeindeebene
Bereinigte Gesamtausgaben, investive und laufende Ausgaben
Die bereinigten Gesamtausgaben der Gemeinden im Land Brandenburg sind insgesamt im letzten
Jahrzehnt sowohl absolut als auch in Relation zu den Gemeinden in den finanzschwachen Westflächenländern zurückgegangen (vgl. Abbildung III.2.1). Während sie im Jahr 1997 noch rd. 27 % über den
Werten der Vergleichsländer lagen, ist der Abstand auf rd. 11 % im Jahr 2004 zurückgegangen. Seit
dem Jahr 2005 steigen die Pro-Kopf-Ausgaben allerdings wieder an. Im Jahr 2006 sind die Pro-KopfAusgaben der Brandenburger Kommunen gegenüber dem Vorjahr um 146 € gestiegen, während die
Zunahme in den Kommunen der Vergleichsländer 95 € je Einwohner betrug. Damit ist der prozentuale
Anteil im Jahr 2006 um 5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Abbildung III.2.1: Bereinigte Pro-Kopf-Ausgaben der Gemeinden in Euro
Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.
In einem ersten Analyseschritt werden die bereinigten Gesamtausgaben in die Ausgaben der laufenden
Rechnung (vgl. Abbildung III.2.2) sowie in die investiven Ausgaben (vgl. Abbildung III.2.3) zerlegt. Die
laufenden Ausgaben der Brandenburger Kommunen sind seit 2001 kontinuierlich gestiegen, während
sie in den Vergleichskommunen nach leichtem Rückgang im Jahr 2003 seit 2004 wieder angestiegen
sind. Bei den investiven Ausgaben der Brandenburger Kommunen hingegen ist nach kontinuierlichem
Rückgang in den Vorjahren ein Anstieg von rd. 362 € je Einwohner im Jahr 2005 auf rd. 396 € je Einwohner im Jahr 2006 zu verzeichnen. Insgesamt ist somit die aufgezeigte Steigerung der Pro-KopfAusgaben der Kommunen weitgehend mit einer Zunahme der investiven Ausgaben einhergegangen.
Abbildung III.2.2: Pro-Kopf-Ausgaben der laufenden Rechnung auf Gemeindeebene in Euro
Abbildung III.2.3: Pro-Kopf-Ausgaben der Kapitalrechnung auf Gemeindeebene in Euro
Die laufenden Ausgaben der Brandenburger Kommunen liegen insgesamt um rd. 310 € je Einwohner
höher als in den FFW-Kommunen, wobei allerdings beachtliche Strukturunterschiede zu beobachten
sind (vgl. Tabelle III.2.1). Zum einen übersteigen die Aufwendungen für aktives Personal in den Brandenburger Kommunen um rd. 134 € je Einwohner die in den FFW, das sind im Vergleich zum Vorjahr
0,7 % mehr. Zudem liegen die Sozialausgaben der Kommunen im Land Brandenburg höher als in den
FFW. Hier ist im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um rd. 14 % festzustellen. Bei einer
im Ländervergleich deutlich unterdurchschnittlichen Verschuldung liegen auch die Zinsausgaben der
Brandenburger Kommunen deutlich unter dem Westdurchschnitt. Wesentlich mehr aufgewendet wird
hingegen in den Kommunen des Landes Brandenburg für den laufenden Sachaufwand.
Tabelle III.2.1: Die Struktur der laufenden Ausgaben auf kommunaler Ebene im Jahr 2006
1. laufende Ausgaben
2. Personalausgaben
- darunter:
2a) Versorgungsleistungen
2b) Bezüge für aktives Personal
3. Zinsausgaben
4. laufender Sachaufwand
5. Laufende Zuweisungen an andere Bereiche
5a. Sozialausgaben
5b. Zuweisungen/Zuschüsse an soziale und
Die Kommunen des Landes haben in den vergangenen Jahren ihre Personalausgaben trotz der deutlichen Tariflohnsteigerungen nominal sowie im Vergleich zu den FFW-Kommunen insgesamt leicht reduziert (vgl. Abbildung III.2.4). Möglich war dies allein durch einen Personalabbau, der konsequent fortge-
setzt wird. Allerdings war im Jahr 2006 ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Zwischenzeitlich betragen
die Personalausgaben je Einwohner auf kommunaler Ebene rd. 120 % des Niveaus der Vergleichskommunen. Verzerrt wird das Bild allerdings durch die Unterschiede in den Pensionslasten (vgl. Tabelle
III.2.1), die in den Brandenburger Gemeinden nur wenig, in den Kommunen der Vergleichsländer hingegen in erheblichem Umfang zu Buche schlagen. Werden allein die Aufwendungen für aktives Personal betrachtet, so liegen die Pro-Kopf-Personalausgaben der Gemeinden in Brandenburg rd. 32 % über
dem Durchschnittswert der FFW.
Abbildung III.2.4: Pro-Kopf-Personalausgaben auf kommunaler Ebene in Euro
Eine Ursache für die relativ hohen Personalausgaben sind die höheren Personalbestände in den Kernverwaltungen der Kommunen des Landes Brandenburg im Vergleich zu den FFW-Kommunen, die sich
in der Regel auch in den anderen ostdeutschen Ländern zeigen. Außerdem führen die zwischen den
Brandenburger und den westdeutschen Kommunen in einigen Bereichen bestehenden systematischen
Strukturunterschiede zu einem höheren statistisch ausgewiesenen Personalbesatz (Zum Beispiel weist
Brandenburg bei der Kindertagesbetreuung einerseits mit rd. 45 % (2002) eine signifikant höhere Versorgungsquote für die Kinder im Alter von bis zu 3 Jahren auf als die FFW mit ca. 3 bis 4 % (2002),
während die Versorgungsquoten für Kinder im Alter von 3 bis 6,5 Jahren in Brandenburg (2002: 98,8 %)
und den FFW (94 %) nur geringfügig differieren. Mittelfristig werden sich die Versorgungsquoten für die
bis zu Dreijährigen und dementsprechend auch die einschlägigen Personalkosten durch die Umsetzung
des 2005 in Kraft getretenen Tagesbetreuungsausbaugesetzes und des geplanten Kinderbetreuungsausbaus für die unter Dreijährigen einander annähern, da auch in den FFW der Aufbau eines bedarfsgerechten Betreuungsangebotes mit einem Zielwert von 35 % verfolgt wird. Andererseits befinden sich
die Tagesbetreuungseinrichtungen in Brandenburg in einem deutlich höheren Maße in öffentlicher Trägerschaft als in den FFW, was sich ceteris paribus hier bei den Personalkosten, dort bei den Übertragungsausgaben niederschlägt.).
Die Sozialausgaben auf kommunaler Ebene in Brandenburg sind in den Jahren von 2002 bis 2006 um
rd. 404 € je Einwohner angestiegen (FFW um 160 € je Einwohner). Davon beträgt der Zuwachs 88 € je
Einwohner von 2005 zu 2006. Ursache für diesen sprunghaften Anstieg der Sozialausgaben waren die
erstmalig in 2005 zu erbringenden Leistungen für die Grundsicherung der Arbeitssuchenden (Hartz IV),
die zu erheblichen Belastungen geführt haben. Als Ausgleich für die kommunalen Zusatzbelastungen
durch die Grundsicherung für Arbeitssuchende erhalten die Kommunen Ausgleichszahlungen vom
Land. Die in Brandenburg von den FFW (+ 28 € je Einwohner) von 2005 zu 2006 erheblich abweichende Zuwachsrate bei den Sozialausgaben ist in den unterschiedlichen Anteilen von Sozialhilfe (getragen
bis 2004 von den Kommunen) und Arbeitslosenhilfe (getragen bis 2004 vom Bund) begründet (zusammengeführt in 2005 in der Grundsicherung). Die Pro-Kopf-Sozialausgaben der Brandenburger Kommunen übersteigen in 2006 mit 716 € je Einwohner die vergleichbaren Ausgaben der FFW-Kommunen
(533 € je Einwohner) um rd. 34 %; im Jahr 2004 lagen diese in den Brandenburger Kommunen noch rd.
15 % unter denen in den FFW-Kommunen.
Die Pro-Kopf-Ausgaben für den laufenden Sachaufwand liegen in den Kommunen Brandenburgs je
Einwohner um rd. 48 € über denen der FFW-Kommunen (vgl. Abbildung III.2.5). Dabei hat sich der Abstand im letzten Jahr etwas verringert, da sich diese Ausgaben in Brandenburg nur leicht erhöhten,
während sie in den FFW Kommunen um 15 € je Einwohner stiegen. Ergänzend wird in Tabelle III.2.2
die Struktur des laufenden Sachaufwands im Jahr 2006 dargestellt. Die Unterschiede resultieren aus
den höheren Aufwendungen in Brandenburg bei der Bewirtschaftung von Grundstücken und höheren
Aufwendungen für Erstattungen an andere Bereiche.
Abbildung III.2.5: Pro-Kopf-Ausgaben für laufenden Sachaufwand auf kommunaler Ebene in Euro
BB in % der FFW
Tabelle III.2.2: Laufender Sachaufwand der Kommunen im Jahr 2006
1. Unterhaltung des unbeweglichen Vermögens
2. Bewirtschaftung der Grundstücke
3. sonstige sächlicher Verwaltungsausgaben
4. Erstattungen an andere Bereiche
BB in % von
Tabelle III.2.3 zeigt die Struktur der investiven Ausgaben auf kommunaler Ebene. Diese werden zu 81%
von den Sachinvestitionsausgaben dominiert.
Tabelle III.2.3: Die Struktur der Ausgaben der Kapitalrechnung im Jahr 2006 auf kommunaler Ebene
investive Ausgaben insgesamt
Quelle: Angaben berechnet aus der Kassenstatistik.
Auf kommunaler Ebene lagen die Sachinvestitionsausgaben im Jahr 2006 pro Einwohner rd. 51 % über
denen der Kommunen in den FFW. Allerdings sind diese Ausgaben in Brandenburg in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen (Abbildung III.2.6). Erst 2006 ist wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr sind die Sachinvestitionen in Brandenburg um 6 € je Einwohner und in
den Kommunen der FFW um 11 € je Einwohner gestiegen.
Abbildung III.2.6: Pro-Kopf-Ausgaben für Sachinvestitionen auf kommunaler Ebene in Euro
III.2.2 Die Einnahmen auf Gemeindeebene
Die Gemeinden des Landes verbuchten im Jahr 2006 nach der Kassenstatistik bereinigte Gesamteinnahmen in Höhe von rd. 2.371 € je Einwohner und damit um rd. 26 % höhere Einnahmen als die FFWKommunen (vgl. Tabelle III.2.4). Insgesamt 52 % der Einnahmen entfielen auf Zahlungen des Landes
innerhalb und außerhalb des kommunalen Finanzausgleichs, während in den Kommunen der Vergleichsländer der Anteil der Zuweisungen aus dem Landeshaushalt bei rd. 33 % lag. Aus eigenen Steuereinnahmen erwirtschafteten die Kommunen des Landes Brandenburg im Jahr 2006 lediglich rd. 17 %
der Einnahmen und damit deutlich weniger als die Kommunen in den FFW. Dort belief sich die vergleichbare Quote auf 37 %. Relativ gering sind die Unterschiede bei den Erlösen aus Vermögensveräußerungen. Beim Gebührenaufkommen liegt Brandenburg rd. 34 % über dem der FFW.
Tabelle III.2.4: Die Struktur der Einnahmen im Jahr 2006 auf kommunaler Ebene
2. Zahlungen vom Land in der Abgrenzung der
3. Gebühren und Verwaltungseinnahmen
4. Vermögensveräußerungen
In Abbildung III.2.7 ist die Entwicklung der bereinigten Einnahmen je Einwohner auf der kommunalen
Ebene dargestellt. Während in 2005 gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 394 € je Einwohner zu
verzeichnen war, sind in 2006 die Einnahmen um 151 € je Einwohner gegenüber dem Vorjahr gestiegen. In den Kommunen der FFW sind die Einnahmen weniger deutlich gestiegen (um 104 € je Einwohner). Insgesamt konnten in den Brandenburger Kommunen im Jahr 2006 rd. 126 % der durchschnittlichen Einnahmen der Kommunen in den finanzschwachen Westflächenländern erzielt werden.
Abbildung III.2.7: Bereinigte Pro-Kopf-Einnahmen auf kommunaler Ebene in Euro
Die Steuerkraftrelation zwischen den Brandenburger Kommunen und dem Durchschnittswert der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer liegt im Jahr 2006 bei rd. 58 % und ist damit gegenüber
dem Vorjahr leicht gefallen (vgl. Abbildung III.2.8 und Tabelle III.2.5). Die Einnahmen an der Lohn- und
veranlagten Einkommensteuer sind von 101 auf 103 € je Einwohner (44 % des FFW-Niveaus) gestiegen. Das Nettogewerbesteueraufkommen ist von 166 auf 178 € je Einwohner (58 % des FFW-Niveaus)
gestiegen. Die Grundsteuern A und B haben sich an das Niveau der FFW angenähert. Die Umsatzsteuer ist in den FFW-Kommunen um 1 € je Einwohner gestiegen, in Brandenburg um 4 € je Einwohner. Die
Steuern insgesamt sind sowohl in Brandenburg (um 19 € je Einwohner) als auch in den FFW (um 74 €
je Einwohner) gestiegen. Absolut betrachtet ist das Steueraufkommen in den Kommunen Brandenburgs
wie auch der Vergleichsländer deutlich gestiegen.
Die Steuereinnahmen der Kommunen werden im Rahmen der Darstellung der Verwendung der SoBEZ
zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft in Kapitel IV nochmals thematisiert.
Abbildung III.2.8: Pro-Kopf-Steuereinnahmen auf kommunaler Ebene in Euro.
Tabelle III.2.5: Pro-Kopf-Steuereinnahmen der kommunalen Ebene
Gewerbesteuer netto (d. h. abzüglich Gewerbesteuerumlage)
Anteil an der Lohn- und der veranlagten Einkommensteuer
Anteil an der Umsatzsteuer
Sonstige Gemeindesteuern
Steuereinnahmen der Gemeinden/GV insgesamt
1) ohne Anteil der Landkreise an der Grunderwerbsteuer in den Ländern Rheinland-Pfalz und Saarland
Quelle: Kassenstatistik des Statistischen Bundesamtes
Einnahmen aus Gebühren sowie Einnahmen aus Vermögensveräußerungen
Die Einnahmen aus Gebühren lagen in den Brandenburger Kommunen mit 214 € je Einwohner oberhalb des FFW-Vergleichswertes (160 € je Einwohner). Ursache für das höhere Gebührenaufkommen in
den Brandenburger Gemeinden ist, dass im Vergleich zu den FFW vermehrt Einrichtungen mit Gebührenpflicht, wie z.B. Kindertagesstätten, in den Haushalten geführt werden.
Die Brandenburger Kommunen haben in den letzten Jahren versucht, durch Vermögensveräußerungen
dem sprunghaften Anstieg ihrer Defizite, verursacht insbesondere durch Steuerausfälle, entgegenzuwirken. Diese Vermögensverkäufe lagen zum Teil über denen in den FFW-Kommunen (vgl. Abbildung
III.2.9). Die Kommunen in Brandenburg haben im Zeitraum von 2002 bis 2006 Gesamtvermögensverkäufe in Höhe von rd. 334 € je Einwohner realisiert, während in den FFW-Kommunen im gleichen Zeitraum Erlöse in Höhe von rd. 326 € je Einwohner verbucht werden konnten. Im Berichtsjahr lagen die
Einnahmen aus Vermögensverkäufen in den Brandenburger Kommunen bei 53 € je Einwohner und sind
damit gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen.
Abbildung III.2.9: Vermögensverkäufe auf kommunaler Ebene in Euro je Einwohner
Nettoneuverschuldung der kommunalen Ebene
Die Brandenburger Kommunen haben mit Abstand die geringste Verschuldung in Ostdeutschland und
liegen auch deutlich unter den Vergleichswerten der Kommunen in den FFW (vgl. Abbildung III.2.10).
Während der Schuldenstand der Kommunen in den FFW bis 2004 auf rd. 1.039 € je Einwohner gestiegen ist, stieg er in den Kommunen in Brandenburg im selben Zeitraum leicht auf rd. 716 € je Einwohner.
Seit 2005 ist in Brandenburg eine Verringerung des Schuldenstandes zu verzeichnen. Gegenüber dem
Vorjahr sank der Schuldenstand um 11 € auf 652 € je Einwohner, während in den FFW-Kommunen ein
Anstieg um 9 € je Einwohner auf 1.041 € zu verzeichnen war. Insgesamt belief sich im Jahr 2006 damit
der Schuldenstand der Brandenburger Kommunen auf rd. 63 % des Schuldenstandes der FFWKommunen.
Abbildung III.2.10: Pro-Kopf-Schulden auf kommunaler Ebene
Zu den Kreditmarktschulden und den Schulden in öffentlichen Haushalten kommen außerdem noch die
Kassenverstärkungskredite hinzu. Diese lagen bei den Brandenburger Kommunen in 2006 bei 293 € je
Einwohner und sind damit um 35 € je Einwohner höher als in 2005. In den FFW-Kommunen lagen sie
im Berichtsjahr bei 571 € je Einwohner und sind damit um 55 € je Einwohner höher als in 2005.
Infolge der insgesamt noch niedrigen Verschuldung müssen die Kommunen im Land Brandenburg bislang noch deutlich geringere Beträge für Zinszahlungen aufwenden. Die Zinsausgaben lagen im Jahr
2006 bei rd. 36 € je Einwohner (bzw. rd. 2 % der laufenden Ausgaben), während die FFW-Kommunen
hierfür rd. 64 € je Einwohner (rd. 4 % der laufenden Ausgaben) aufwenden mussten.
Das kommunale Finanzierungsdefizit konnte bis zum Jahr 2000 zunächst auf rd. - 8 € je Einwohner reduziert werden, wuchs im Jahr 2001 infolge der Steuerausfälle aber auf rd. - 59 € je Einwohner an. Eine
ähnliche Entwicklung war in den FFW-Kommunen zu beobachten. Im Jahr 2002 konnte in den Brandenburger Kommunen ein positiver Finanzierungssaldo ausgewiesen werden, der allerdings ausschließlich durch die hohen Einnahmen aus Vermögensveräußerungen bedingt war (vgl. Abbildung
III.2.9, Abbildung III.2.11). Im Jahr 2003 konnte dieser Einmaleffekt weder in Brandenburg (-118 € je
Einwohner) noch in den FFW-Kommunen (-123 € je Einwohner) erreicht werden. Eine leichte Verbesserung zeigte sich in 2004 in Brandenburg (-94 € je Einwohner) ebenso wie in den FFW-Kommunen (-95 €
je Einwohner). Im Jahr 2005 konnte in den Brandenburger Kommunen erstmals seit 2002, bedingt
durch die hohen Steuereinnahmen, wieder ein positiver Finanzierungssaldo ausgewiesen werden (51 €
je Einwohner). Auch in den FFW zeigte sich eine leichte Verbesserung auf -66 € je Einwohner. Diese
positive Entwicklung hat sich fortgesetzt. Im Jahr 2006 betrug der Finanzierungssaldo in Brandenburg
41 € je Einwohner, in den FFW -9 € je Einwohner.
Abbildung III.2.11: Pro-Kopf-Finanzierungssalden auf kommunaler Ebene in Euro
III.3 Ausgaben und Einnahmen auf der konsolidierten Landes- und Gemeindeebene
In Kapitel III.1 bzw. III.2 wurden die Einnahmen und Ausgaben auf der Ebene des Landeshaushaltes
bzw. der Kommunalhaushalte getrennt dargelegt. Ergänzt wird diese Analyse durch eine Betrachtung
der konsolidierten Länder- und Gemeindehaushalte, wobei sich diese auf die Darstellung der zentralen
finanzwirtschaftlichen Kerndaten konzentriert.
III.3.1 Die Ausgaben im Land insgesamt
In Tabelle III.3.1 werden die bereinigten Gesamtausgaben sowie die Ausgaben der laufenden Rechnung und der Kapitalrechnung in Brandenburg auf der konsolidierten Länder- und Gemeindeebene dokumentiert und zusätzlich die Relation der jeweiligen Ausgabenkomponenten im Vergleich zum Durchschnittswert der FFW ausgewiesen.
In Brandenburg lagen die Ausgaben je Einwohner im Jahr 2006 rd. 19 % über denen der FFW. Ersichtlich ist, dass die in den letzten Jahren weitgehend stabilen gesamten Pro-Kopf-Ausgaben mit gestiegenen laufenden Ausgaben und einem Rückgang der Investitionsausgaben einhergingen. Aufgrund ihrer
besseren kurzfristigen Steuerbarkeit trugen die Ausgaben der Kapitalrechnung damit die Hauptlast der
unvermeidlichen Konsolidierungsmaßnahmen. Die im Jahr 2006 gestiegenen Ausgaben wurden dagegen in zusätzlichen Investitionsausgaben sichtbar, während die laufenden Ausgaben im Verhältnis der
FFW-Länder nahezu auf dem Niveau der Vorjahre verblieben.
Tabelle III.3.1: Entwicklung der bereinigten Gesamtausgaben, der Ausgaben der Kapitalrechnung und
der laufenden Rechnung auf der konsolidierten Landes – und Gemeindeebene in Brandenburg
bereinigte Gesamtausgaben Ausgaben der Kapitalrechnung
in % des FFWWertes
In Tabelle III.3.2 (s. u.) werden die einzelnen Ausgabenkomponenten der laufenden Rechnung und der
Kapitalrechnung im Jahr 2006 dargestellt und die Ausgabenstrukturen in Brandenburg mit denen in den
FFW verglichen. Signifikante Niveauunterschiede bei den laufenden Pro-Kopf-Ausgaben zeigen sich
insbesondere bei den Aufwendungen für aktives Personal (Personalausgaben abzüglich der Versorgungsleistungen).
Während die gesamten Personalausgaben im Land Brandenburg unterhalb des FFW-Vergleichswertes
lagen, überstiegen die Ausgaben für aktives Personal in Brandenburg die der FFW wie im Vorjahr um
noch 5 %. Diese langsame aber kontinuierliche Anpassung verdeutlicht die auf Dauer angelegte Wirksamkeit personalpolitischer Strukturveränderungen aber gleichzeitig auch die Schwierigkeiten bei der
Umsetzung des Konsolidierungsprozesses im Brandenburger Haushalt.
Ursachen für die nach wie vor bestehenden Unterschiede sind in den verschiedenen Haushaltsstrukturen zu finden. So werden z. B. auf kommunaler Ebene in Brandenburg relativ mehr Kindertageseinrichtungen in den Haushalten geführt als im Durchschnitt der FFW. Zum Teil resultieren höhere Personalbestände auch aus den besonderen Aufbauaufgaben und der Bewältigung teilungsbedingter Lasten.
Beispielsweise ist nach wie vor in den Verwaltungsbereichen, in denen deutlich höhere investive Ausgaben umgesetzt werden – sei es in Infrastrukturprojekten oder in Projekten der Wirtschaftsförderung –
ein höherer Personalbesatz notwendig.
Der laufende Sachaufwand lag in Brandenburg im Jahr 2006 rd. 6 % höher als in den FFW. Im Vorjahr
betrug dieser Wert noch rd. 8 %. Die laufenden Zuweisungen und Zuschüsse ohne Schuldendiensthilfen weisen aufgrund der in den vorherigen Kapiteln III.1 und III.2 aufgeführten Zusammenhänge insgesamt ein deutlich höheres Niveau als in den westdeutschen Vergleichsländern auf. Dieser Anteil stieg
von 140 % in 2005 auf 144 % im Berichtsjahr nochmals leicht an. Die Zinsausgaben in Brandenburg auf
der Landes- und Gemeindeebene lagen aufgrund der auch noch im Jahr 2006 günstigen Entwicklungen
mit 97 % unter dem Niveau der FFW.
Des Weiteren wird in Tabelle III.3.2 der Strukturunterschied zwischen den Sachinvestitionsausgaben
und den Investitionsfördermaßnahmen deutlich. Während die Sachinvestitionsausgaben die Vergleichswerte um rd. 73 % überstiegen und damit noch höher als im Vorjahr (64 %) liegen, waren die
Ausgaben für Vermögensübertragungen an andere Bereiche, die insbesondere Investitionsfördermaßnahmen umfassen, um mehr als das zweifache höher. Im Vergleich zum Vorjahr 2005 sind die Unterschiede auch nochmals von +112% auf +147 % gestiegen. Dies ist im Wesentlichen auf den hohen investiven Mitteleinsatz von Bundes- und EU - Mitteln zurückzuführen.
Tabelle III.3.2: Höhe und Struktur der Ausgaben auf Landes- und Gemeindeebene im Jahr 2006
A. laufende Ausgaben
4. laufende Zuweisungen und Zuschüsse an
andere Bereiche o. Schuldendiensthilfen
B. investive Ausgaben
2. Vermögensübertragungen
%-Anteil BB in % von Euro je EW
III.3.2 Die Einnahmen im Land insgesamt
Tabelle III.3.3 zeigt die Höhe und Struktur der Einnahmen im Jahr 2006. Die Gesamteinnahmen pro
Kopf lagen um rd. 22 % über denen der FFW. Die gesamten Steuereinnahmen des Landes und seiner
Kommunen betragen dagegen nur rd. 85 % der Pro-Kopf-Steuereinnahmen der FFW. Die Transferabhängigkeit Brandenburgs und seiner Kommunen zeigt sich darin, dass nur 49 % der Einnahmen aus
Steuern (bereits nach der Umsatzsteuerverteilung im Rahmen des bundesstaatlichen Finanzausgleichs)
erzielt werden. In den finanzschwachen westdeutschen Flächenländern liegt diese Quote hingegen bei
immerhin rd. 70 %.
Tabelle III.3.3: Höhe und Struktur der Einnahmen auf Landes- und Gemeindeebene im Jahr 2006
BB in % von Euro je EW
A. laufende Einnahmen
B. Einnahmen der Kapitalrechnung
III.3.3 Verschuldung, Finanzierungssaldo und Zinsausgabenentwicklung im Land Brandenburg
Die Pro-Kopf-Schulden des Landes und seiner Kommunen haben seit dem Jahr 2002 das Niveau der
FFW überschritten (vgl. Abbildung III.3.1). Ursächlich für den hohen Schuldenstand des Landes ist eine
Unterfinanzierung Brandenburgs - wie auch der anderen ostdeutschen Länder - Anfang der 90er Jahre
bis zu seiner Einbeziehung in das Finanzausgleichssystem im Jahr 1995. Allerdings steigt seit dem Jahr
2005 die Pro-Kopf-Verschuldung in Brandenburg aufgrund der mit der Konsolidierung erreichten schnelleren Rückführung der jährlichen Nettokreditaufnahme geringfügig langsamer als in den Vergleichsländern.
Der Schuldenstand hat sich im Ergebnis der beschriebenen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung im
Jahr 2006 weiter erhöht und beträgt nun mit 7.385 € je Einwohner rd. 2% weniger als in den FFW. In
der Abbildung III.3.1 wird die Verlangsamung des Schuldenzuwachses deutlich.2
Abbildung III.3.1: Pro-Kopf-Schulden des Landes und der Kommunen
Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, Jahresabschlussdaten, eigene Berechnungen
Dies wird auch durch die Entwicklung des Finanzierungssaldos der Landes- und Gemeindeebene (vgl.
Abbildung III.3.2) belegt. Dabei sind die langfristigen Auswirkungen der Unterfinanzierung des Landes
am Anfang der 90er Jahre immer noch spürbar. Aufgrund der damit verbundenen hohen Schuldenaufnahme resultieren langfristige Zins- und Tilgungslasten, die das Land und seine Kommunen dauerhaft
belasten. Nachdem es bereits im Jahr 2005 gelungen war, den Finanzierungssaldo auf –169 € je EinEntgegen den Darstellungen in den früheren Fortschrittsberichten wurde auf die Daten der Schuldenstandstatistik zum
31.12. zurückgegriffen und nicht wie in den Vorjahren auf die Angaben der Kassenstatistik. Daher sind die Zahlendarstellungen mit den Angaben der Vorjahre nur bedingt vergleichbar.
wohner zu verringern, konnte in 2006 dieses Ergebnis um weitere 38% auf -105 € je Einwohner verbessert werden. In den Vergleichsländern sank dagegen der Finanzierungssaldo zwar deutlich um 260 € je
Einwohner auf –181 € je Einwohner. Er liegt damit aber immer noch um rd. 72 % über dem Brandenburger Wert.
Abbildung III.3.2: Finanzierungssaldo des Landes und der Kommunen in Euro je Einwohner
III.4 Zusammenfassende Bewertung der finanzwirtschaftlichen Entwicklungen in Brandenburg
Aufgezeigt wurde die finanzwirtschaftliche Entwicklung auf der Ebene des Landeshaushaltes, der
Kommunalhaushalte und der konsolidierten Haushalte des Landes und der Kommunen. Dabei wurden
alle Kennziffern mit Daten der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer verglichen. Es zeigt sich
auch nach 16 Jahren Anpassungsprozess, dass die finanzwirtschaftliche Entwicklung des Landes immer noch von den teilungsbedingten Lasten und den damit verbundenen spezifischen finanzwirtschaftlichen Problemen geprägt ist.
Die Bestandsaufnahme verdeutlicht, dass trotz dieser Strukturunterschiede aufgrund der teilungsbedingten Sonderlasten erhebliche Anstrengungen vom Land und den Kommunen unternommen werden,
die Konsolidierung des Haushaltes voranzubringen. So werden u. a. die derzeit noch hohen Personalbestände konsequent weiter reduziert. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Entwicklung sowohl
auf der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite von Faktoren und Entwicklungen bestimmt wird,
die vom Land selbst weder unmittelbar steuerbar sind, noch in seiner Entscheidungsmitverantwortung
liegen. Eine schwache wirtschaftliche Entwicklung verbunden mit finanziellen Einbußen in den Steuereinnahmen sowie die schlechte Arbeitsmarktsituation schränken die Möglichkeiten zudem erheblich ein.
Die Konsolidierung der Landes- und Gemeindehaushalte muss den höchsten Stellenwert einnehmen,
um im Sinne einer nachhaltigen Finanzpolitik Brandenburgs mittel- und langfristig handlungsfähig zu
bleiben. Nach den Einnahmeeinbrüchen im Jahr 2002 konnten in den Jahren danach und insbesondere
aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2006 deutlich erkennbare Reduzierungen
der Finanzierungssalden erreicht werden. Im Berichtsjahr 2006 setzte sich dieser erfreuliche Trend fort.
Einen wesentlichen Beitrag dazu liefern die noch bis Ende 2007 wirksamen Regelungen des Haushaltssicherungsgesetzes 2003, mit dem die Gesamtausgaben in ihrem Wachstum begrenzt werden. Dies hat
allerdings vorrangig zu geringeren Ausgaben im investiven Bereich geführt, auch wenn diese bei einer
Investitionsquote (Land) von 18,5 % (Vorjahr 18,2 %) noch immer weit über dem Niveau der vergleichbaren westdeutschen Länder liegen.
Die weitere Rückführung des Finanzierungssaldos sowie der Nettokreditaufnahme bleiben die zentralen
Aufgaben. Angesichts der Tatsache, dass das Land insgesamt einen Schuldenstand auf dem Niveau
der hoch verschuldeten strukturschwachen Westflächenländer erreicht hat und damit auch bereits signifikante Teile der Einnahmen der laufenden Rechnung für Zinsausgaben aufwenden muss, gibt es zu einer Politik einer nachhaltigen Konsolidierung der öffentlichen Finanzen durch Einsparungen, insbesondere bei den Personalausgaben und den konsumtiven Ausgaben, keine Alternative. Die Personalbestände werden weiterhin zurückgeführt. Alle anderen Aufgaben werden ebenfalls verstärkt auf den Prüfstand gestellt, wobei auch bei den investiven Ausgaben vor dem Hintergrund der zu erwartenden geringeren EU- und Bundesmittel künftig noch anspruchsvollere Effizienz- und Bedarfskriterien zugrunde gelegt werden müssen.
IV. Verwendung der Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen im Berichtsjahr 2006
Inhaltlicher Schwerpunkt des Fortschrittsberichts ist der Nachweis der SoBEZ-Verwendung. Die Gliederung der Darstellung ergibt sich unmittelbar aus der Gesetzesvorgabe des § 11 Abs. 3 FAG. Dokumentiert wird die Verwendung der SoBEZ
zur Deckung teilungsbedingter Sonderlasten aus dem bestehenden starken infrastrukturellen Nachholbedarf und
zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft (ukF).
IV.1 Maßnahmen zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten bei Investitionen
Für eine nachvollziehbare und quantitativ aussagefähige „Verwendungsrechnung“ ist es erforderlich,
den Umfang der eigenfinanzierten Investitionen des Landes Brandenburg darzustellen. Dazu werden
die investiven Ausgaben des Landes mit der hierfür erforderlichen Kreditaufnahme sowie den Zweckzuweisungen für Investitionsmaßnahmen saldiert. Zusätzlich zu den in den Hauptgruppen 7 und 8 verbuchten Ausgaben werden Ausgaben für Schuldendiensthilfen der Obergruppe 66 (OGr. 66), ohne den
Wohnungsbaubereich, berücksichtigt, die ausschließlich der Förderung der Infrastruktur dienen.
Der Ausweis erfolgt bei der Berechnung der investiven Verwendung der SoBEZ auf der Ebene des
Landeshaushaltes wie auch auf der konsolidierten Ebene. Die so definierten eigenfinanzierten Investitionen beschreiben den Teil der SoBEZ, der zur Deckung teilungsbedingter Sonderlasten an dem bestehenden infrastrukturellen Nachholbedarf eingesetzt worden ist.
Die aus den SoBEZ finanzierten Investitionen des Landes Brandenburg werden - getrennt für die Ebene
des Landes und die konsolidierte Landes- und Gemeindeebene - nach dem folgenden, zwischen BMF
und ostdeutschen Ländern abgestimmten Schema ermittelt:
1. Investitionsausgaben (HGr 7, OGr. 81, 82, 88 und 89 sowie Schuldendiensthilfen an Sonstige ohne
Wohnungsbaubereich, OGr. 66)
2. investive Einnahmen (OGr. 33 und 34, ohne IfG)
3. eigenfinanzierte Investitionen
4. anteilige Nettokreditaufnahme für Investitionen*)
5. aus den SoBEZ finanzierte Investitionen
*) Im Fortschrittsbericht des Landes Brandenburg für das Jahr 2002 wurde hier auf den Finanzierungssaldo zurückgegriffen. Inzwischen
wurde das Berechnungsschema zwischen dem BMF und den ostdeutschen Ländern konkretisiert und die Nettokreditaufnahme als maßgebliche Größe festgelegt. Die Vergleichbarkeit zu den Angaben im Fortschrittsbericht 2002 ist daher eingeschränkt. Im Übrigen ergibt
sich die anteilige Nettokreditaufnahme gemäß der Relation: NKA minus der Differenz aus den investiven Gesamtausgaben und den unter
1. berücksichtigten Investitionsausgaben.
Für die konsolidierte Länder- und Gemeindeebene wird ein analoges Berechnungsschema verwendet.
Dabei werden die Investitionsausgaben um die investiven Einnahmen der Kommunen vom Land (OGr.
88) bereinigt. Auf die Darstellung des Schemas wird hier verzichtet.
Die Investitionsausgaben (in der Abgrenzung des obigen Berechnungsschemas) konnten auf der Landesebene nach einem Absinken von 2004 zum Jahr 2005 im Berichtsjahr auf 694 € je Einwohner gesteigert werden, während die NKA um rd. die Hälfte reduziert werden konnte. Insgesamt zeigen die Be-
rechnungen auf der Ebene des Landes (vgl. Tabelle IV.1.1a) einen Anteil der investiven Verwendung
der SoBEZ von rd. 52 % gegenüber 29 % im Vorjahr.
Tabelle IV.1.1a: Berechnung der aus den SoBEZ finanzierten Investitionen in Brandenburg (nur Landesebene) in Euro je Einwohner
1. Investitionsausgaben
Sachinvestitionen (7+81+82)
Investive Zuweisungen und Zuschüsse an den
öffentlichen Bereich (88)
Investitionszuschüsse an andere Bereiche (89)
anrechenbare Schuldendiensthilfen der Ogr. 66
investive Einnahmen
OGr. 33
OGr. 34
eigenfinanzierte Investitionen
(1. – 2.)
anteilige NKA¹
aus den SoBEZ finanzierte Investitionen (3. + 4)
empfangene SoBEZ
Anteil der inv. Verwendung der SoBEZ
Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen, Abweichungen durch Rundung
1) In den Jahren bis einschließlich 2002 wurde bei dieser Berechnung der Finanzierungssaldo zugrunde gelegt.
Auch auf der konsolidierten Landes- und Gemeindeebene (vgl. Tabelle IV.1.1b) konnte die investive
Verwendung im Vergleich zu den Vorjahren wieder deutlich verbessert werden. Dazu hat auch die weitere Rückführung der NKA beigetragen. Insgesamt sind im Vorjahr rd. 72 % der erhaltenen SoBEZ zur
Verbesserung der investiven Infrastruktur verwendet worden. Damit konnte im Jahr 2006 die Nachweisquote des Vorjahres um mehr als die Hälfte gesteigert werden.
Tabelle IV.1.1b: Berechnung der aus den SoBEZ finanzierten Investitionen in Brandenburg (Landesund Gemeindeebene) in Euro je Einwohner
anteilige NKA ¹
aus den SoBEZ finanzierte Investitionen
(3. + 4.)
25% 39 %²)
In den Jahren bis einschließlich 2002 wurde bei dieser Berechnung der Finanzierungssaldo zugrunde gelegt.
2) Nachberechnungen haben für 2004 durch eine weitere Anerkennung von 93 Mio. € zu einem Nachweis von 43 % geführt.
Erneut wird im Nachweis der investiven Verwendung die Abhängigkeit des Berechnungsschemas von
der Höhe der Nettokreditaufnahme sowie investiven Einnahmen und damit von Entwicklungen deutlich,
die mit der Investitionstätigkeit des Landes nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Die massiven Steuerausfälle ab dem Jahr 2001 haben neben der notwendigen Konsolidierung auch der investiven Ausgaben zu einer Erhöhung der jährlichen NKA geführt, was zu einer deutlichen Verschlechterung
des investiven SoBEZ-Nachweises geführt hat. Voraussetzung für eine nachhaltige Verbesserung des
investiven SoBEZ-Nachweises ist daher eine Rückkehr zu einer verstetigten Entwicklung des Steueraufkommens.
Zusammenfassende Bewertung der Verwendung der SoBEZ zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten bei Investitionen
Bedingt durch den strikten Konsolidierungskurs des Landes seit dem Jahr 2003, mit dessen Hilfe es gelang, die Haushalte ohne Ausweis von Fehlbeträgen abzuschließen, sank der Anteil der investiven SoBEZ-Verwendung auf der konsolidierten Ebene auf 25 % der empfangenen SoBEZ. Durch konsequente
Fortführung des Konsolidierungskurses ist es in den Folgejahren gelungen, die Nettokreditaufnahme
deutlich zurück zu führen. Auch im Berichtsjahr wurde der Konsolidierungskurs konsequent fortgesetzt.
Aufgrund der sich entspannenden konjunkturellen Lage bei gleichzeitigem Anziehen der Steuereinnahmen und stetiger Rückführung der NKA konnte der SoBEZ-Nachweis im Berichtsjahr mit rd. 72 % gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte gesteigert werden.
IV.2 Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft
Die ostdeutschen Kommunen verfügen nach wie vor über eine deutlich geringere Steuerkraft als die
Kommunen in den finanzschwachen westlichen Flächenländern. Im Berichtsjahr konnten die Brandenburger Kommunen mit 408 € je Einwohner über einen Anteil von rd. 58 % (entspricht einem Rückgang
verglichen zum Vorjahr um 4 Prozentpunkte) der eigenen Steuereinnahmen gegenüber den Kommunen
der Vergleichsländer mit 704 € je Einwohner verfügen (vgl. Abbildung IV.2.1).
Abbildung IV.2.1: Pro-Kopf-Steuereinnahmen auf kommunaler Ebene in Euro
Ein Blick auf die „bereinigten Eigeneinnahmen“ zeigt die Einnahmeschwäche der Kommunen deutlich
(vgl. Abbildung IV.2.2). Diese sind definiert als die bereinigten Einnahmen der Kommunen abzüglich der
Zuweisungen des Landes und des Bundes. Während in den FFW die Kommunen im Jahr 2006 eigene
Einnahmen in Höhe von 1.166 € je Einwohner erzielten, lagen diese in den Gemeinden des Landes
Brandenburg bei rd. 917 € je Einwohner und damit bei rd. 79 % des FFW-Wertes. Hier ist ein Anstieg
von 1 Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.
Abbildung IV.2.2: Bereinigte „Eigeneinnahmen“ der Kommunen in Euro je Einwohner
Quelle: Berechnet aus Angaben des Landesbetriebes für Datenverarbeitung und Statistik des Landes Brandenburg (LDS)
Die ostdeutschen Länder müssen daher über überproportionale Zuweisungen aus den anderen öffentlichen Haushalten die Lücke zwischen den Pro-Kopf-Einnahmen ihrer Kommunen und den Pro-KopfEinnahmen der Kommunen im Durchschnitt der Vergleichsländer schließen, um eine dem Niveau der
FFW entsprechende kommunale Leistungserstellung zu ermöglichen. Zusätzlich müssen die ostdeutschen Länder ihren Kommunen, gemessen an den FFW, überproportionale Zuweisungen zur Verfügung
stellen, um sie in die Lage zu versetzen, Investitionen zur Schließung der Infrastrukturlücke zu finanzieren.
Die überproportionalen Zuweisungen des Landes Brandenburg zum Ausgleich der unterproportionalen
kommunalen Finanzkraft sowie zur Stärkung der Investitionsfinanzierungskraft müssen aus Zuweisungen finanziert werden, die das Land infolge der geringen kommunalen Steuerkraft zu einem Teil aus
dem LFA und den Fehlbetrags-Bundesergänzungszuweisungen (Fehl-BEZ), zum anderen Teil aus den
SoBEZ erhält. Darüber hinaus muss das Land Zuweisungen an seine Kommunen leisten, die in etwa
mit denen der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer vergleichbar sind („Basiszuweisungen“).
Das konkrete Volumen dieser Zahlungen hängt von der Aufgabenteilung zwischen dem Land und seinen Kommunen ab.
Analytisch lassen sich somit die Zuweisungen des Landes Brandenburg an seine Kommunen in drei
Komponenten zerlegen:
a) Zuweisungen zum Ausgleich der geringen Steuerkraft der Kommunen,
b) Zuweisungen auf dem Niveau der kommunalen Zuweisungen der FFW („Basiszuweisungen“) und
c) Zuweisungen zur Finanzierung überproportionaler Investitionen.
Nach diesen Schema entfallen 2006 von den Gesamtzuweisungen des Landes an die Gemeinden in
Höhe von rd. 3,3 Mrd. € rechnerisch rd. 0,75 Mrd. € auf den Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft, rd. 1,69 Mrd. € auf die so genannten „Basiszuweisungen“ und 0,86 Mrd. € auf Leistungen zur Finanzierung überproportionaler Investitionen auf kommunaler Ebene (vgl. Tabelle IV.2.1).
Tabelle IV.2.1: Struktur der Zuweisungen des Landes Brandenburg an die kommunale Ebene im Jahr
2006 (Angaben gerundet)
Zuweisungen des Landes Brandenburg an die Kommunen
(Gesamtbetrag 2006: rd. 3,3 Mrd. €)
a) Zuweisungen zum Ausgleich der
unterproportionalen kommunalen
b) Zuweisungen auf dem Niveau der
Zuweisungen der finanzschwachen
Westflächenländer an ihre Kommunen
c) Überproportionale Leistungen zur
Finanzierung des Abbaus des
Infrastrukturdefizits auf kommunaler
rd. 0,75 Mrd. €
rd. 1,69 Mrd. €¹)
rd. 0,86 Mrd. €²)
Diese Komponente wird geschätzt, indem die durchschnittlichen Zuweisungen der FFW je Einwohner mit der Einwohnerzahl des Landes
Brandenburg multipliziert werden.
2) Dieser Betrag ergibt sich aus der Gesamtsumme der Zuweisungen des Landes Brandenburg an seine Kommunen abzüglich der Teilkomponenten a) und b).
Zur Bestimmung des Anteils, den das Land Brandenburg zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft (ukF) einsetzen muss, werden zunächst die Mittel bestimmt, die das Land aufgrund der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft seiner Kommunen aus dem LFA einschließlich
der Fehl-BEZ erhält. Die dann noch verbleibende Differenz ist aus den SoBEZ zu finanzieren.
Mit Änderung des LFA ab dem 01.01.2005 werden die Steuereinnahmen der Gemeinden im bundesstaatlichen Finanzausgleich mit 64 % statt bisher mit 50 % berücksichtigt. Damit wird ein höherer Anteil
der originären ukF als bisher bereits im LFA und durch die Fehl-BEZ ausgeglichen, der damit für den
SoBEZ-Nachweis entfällt. In der Berechnung der ukF ist daher sicherzustellen, dass den finanzschwachen Ländern dafür lediglich ein angemessener, aber kein vollständiger Ausgleich gewährt wird. Das
bedeutet, dass auch der Ausgleich für die unterproportionale Finanzkraft über die SoBEZ nur angemessen vorgenommen werden kann.
Die für das Berichtsjahr 2005 erstmalig angewandte Berechnungsmethode enthält die folgenden Schritte:
(1) Zuerst erfolgt die Bestimmung der kommunalen Finanzkraftmesszahl nach Definition der §§ 8 und 9
Abs. 3 FAG.
(2) Die kommunale Finanzkraft wird bereits teilweise durch den Länderfinanzausgleich (LFA) sowie die
Fehlbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen (Fehl-BEZ) angehoben. Für die Bestimmung dieses
Betrages werden die entsprechenden Ausgleichszuweisungen auf die Landes- und Kommunalebene aufgeteilt.
(3) Dazu wird zunächst die Finanzkraftmesszahl nach LFA und Fehl-BEZ insgesamt für Länder- und
Kommunalebene zur Ausgleichsmesszahl ins Verhältnis gesetzt.
(4) Die so ermittelte relative Finanzkraft aus (3) wird auf den kommunalen Teil übertragen. Dazu wird
die kommunale Ausgleichsmesszahl, und dabei nur der im LFA berücksichtigte Anteil von 64 %, mit
der relativen Finanzkraft multipliziert. Abzüglich der anteiligen kommunalen Finanzkraft ergibt sich
die Höhe der Anhebung im Rahmen des LFA und damit die kommunale Finanzkraft nach LFA und
Fehl-BEZ.
(5) Wird nun die kommunale Finanzkraft zu 100 % nach LFA und Fehl-BEZ ins Verhältnis zur kommunalen Ausgleichsmesszahl zu 100 % gesetzt, ergibt sich die relative kommunale Finanzkraft nach
LFA/Fehl-BEZ.
(6) Die Berechnung wird für alle Länder einzeln vorgenommen. Als Referenzland wird das westdeutsche Land mit der geringsten relativen kommunalen Finanzkraft gewählt. Im Jahr 2006 ist dies
Bremen (HB).
Zur Ermittlung der anrechenbaren SoBEZ wird die nach geltendem Finanzausgleichsgesetz bestehende
Lücke zum Referenzland entsprechend § 10 FAG aufgefüllt. Die Differenz zum Referenzland wird zunächst in Prozentpunkten ermittelt, die durch Multiplikation mit der kommunalen Ausgleichsmesszahl zu
100 % den Betrag ergibt. Dieser Betrag entspricht der durch die SoBEZ ausgeglichenen ukF.
Für den Nachweis der ukF im Berichtsjahr wird Bremen (HB) als das finanzschwächste westdeutsche
Land als einziges Vergleichsland herangezogen. Damit folgt das Land Brandenburg der Systematik des
oben dargestellten Berechnungsschemas. Allerdings entspricht dieser Vergleich nicht der Systematik
des Fortschrittsberichtes, nach der sich Brandenburg als ostdeutsches Flächenland allein mit den finanzschwachen westdeutschen Flächenländern vergleicht.
In der Tabelle IV.2.2 werden die Ergebnisse der Berechnungen für den Zeitraum von 2001 bis 2004
nach damaligem Schema sowie in der separaten Darstellung die Ergebnisse ab dem Jahr 2005 dargestellt. Nachdem der Anteil der im Jahr 2003 zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft eingesetzten SoBEZ auf 21,7 % gesunken war, war im Jahr 2004 ein leichter Anstieg auf 23,2
% zu verzeichnen, wenngleich diese Quote deutlich unter der der Jahre 2001 und 2002 lag.
Im Finanzausgleichsjahr 2006 wurde die Finanzkraft des Landes Brandenburgs einschl. seiner Kommunen durch LFA und Fehl-BEZ auf 98,46 % seiner Ausgleichsmesszahl angehoben. Im zugrunde gelegten Referenzland HB erhöhte sich die relative Finanzkraft auf 97,78 %. Verteilt auf Land und Kommunen ergibt sich eine relative kommunale Finanzkraft in Brandenburg von 84,12 % gegenüber 91,66 %
im Vergleichsland. Ein Ausgleich dieser Finanzkraftunterschiede über den Ausgleichsmechanismus des
§ 10 FAG ergibt einen Betrag von rd. 152 Mio. €, der dem SoBEZ-Nachweis der ukF entspricht und in
Ansatz gebracht wurde. Das entspricht einem Verwendungsanteil der SoBEZ im Jahr 2006 von 10,1 %.
Ein Vergleich mit dem Saarland als finanzschwächstem westdeutschem Flächenland zeigt folgendes
Ergebnis. Dort wurde im Rahmen des Finanzausgleichs die relative Finanzkraft auf 98,91 % erhöht.
Daraus ergibt sich - verteilt auf Land und Kommunen - eine relative kommunale Finanzkraft im Saarland
von rd. 94,61 % (ggü. 84,12 % in Brandenburg). Für den SoBEZ-Nachweis ergibt sich so ein Betrag von
rd. 211 Mio. €. Das entspricht einem Verwendungsanteil der SoBEZ im Jahr 2006 von 14,1 %.
Tabelle IV.2.2: Bestimmung der zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft im
Land Brandenburg erforderlichen SoBEZ
Angaben in Euro je Einwohner
a) Steueraufkommen der Gemeinden
b) ukF¹)
davon finanziert durch:
b.1) LFA + Fehlbetrags-BEZ
b.2) SoBEZ
c) %-Anteil der SoBEZ Ausgleich der
unterproportionalen kommunalen Finanzkraft
Nachweisschema ab 2005
2005 (SL) 2006 (HB)
a) relative kommunale Finanzkraft nach LFA / FehlBEZ in v. H.
b) relative kommunale Finanzkraft nach LFA/FehlBEZ in v. H.
c) Auffüllung der Lücke durch SoBEZ in Mio. €
c.1) auf LFA-Berechnung basierend
c.2) auf Fehl-BEZ-Berechnung basierend
d) %-Anteil der SoBEZ Ausgleich der
e) SoBEZ-Nachweis in € / EW
Quelle: Eigene Berechnungen, Angaben gerundet, siehe Text.
1) Pro-Kopf-Steueraufkommen im Durchschnitt der FFW-Kommunen minus Pro-Kopf-Steueraufkommen der Brandenburger Kommunen.
Zusammenfassende Bewertung der Verwendung der SoBEZ zum Ausgleich der unterproportionalen
kommunalen Finanzkraft
Die Kommunen im Land Brandenburg – wie auch die der anderen ostdeutschen Länder – haben eine
deutlich unterdurchschnittliche Finanzkraft, deren Ursache vornehmlich in der zu geringen eigenen
Steuerkraft liegt. Daran hat sich grundsätzlich auch im Jahr 2006 nichts geändert; zudem die Steigerung
der Pro-Kopf-Einnahmen deutlich geringer ausfiel als in den westdeutschen Vergleichsländern und es
damit prozentual sogar zu einem Rückgang kam (vgl. Abbildung IV.2.1). Werden die Gesamteinnahmen
der Kommunen, netto der Zuweisungen des Landes an die Kommunen, betrachtet (vgl. Abbildung
IV.2.2), lag die Eigenfinanzierungskraft der Brandenburger Kommunen im Jahr 2006 wie in den Vorjahren mit rd. 249 € je Einwohner erneut erheblich unter dem Vergleichswert.
Überproportionale öffentliche Investitionen zur Schließung der Infrastrukturlücke erfordern zusätzliche
Transfers an die Brandenburger Kommunen. Mit Zuweisungen in Höhe von 1.290 € je Einwohner leistete das Land Brandenburg hier auch im Berichtsjahr fast doppelt so hohe Zahlungen an seine Kommunen – innerhalb und außerhalb des kommunalen Finanzausgleichs – wie die FFW (vgl. Abbildung
IV.2.3). Diese hohen überdurchschnittlichen Zuweisungen werden zum Teil aus dem LFA – einschließlich der Fehl-BEZ – sowie aus den SoBEZ finanziert.
Abbildung IV.2.3: Pro-Kopf-Zahlungen des Landes Brandenburg an die kommunale Ebene in Euro
Quelle: Berechnet aus Angaben der Kassenstatistik.
IV.3 Zusammenfassende Verwendungsrechnung der SoBEZ
Bei der zusammengefassten Betrachtung der Berechnungsergebnisse über aus den SoBEZ finanzierte
Infrastrukturinvestitionen (konsolidierte Ebene) und der Beträge für die ukF ergibt sich folgende Darstellung:
Tabelle IV.3.1: Zusammenfassende Verwendungsrechnung der SoBEZ (Landes- und Gemeindeebene) für das Land Brandenburg
Investive Verwendung
Ausgleich der ukF
Zweckgemäße Verwendung (1. + 2. + 3.)
Saldo zweckgemäße Verwendung – SoBEZ (4. – 5.)
Verwendungsanteil
89%¹)
0 ²)
Quelle: Eigene Berechnungen, siehe Text, Abweichungen durch Rundungen.
haben für 2004 durch eine weitere Anerkennung von 93 Mio. € zu einem Nachweis von 96 % geführt.
2) Die Erstattungen des Landes nach dem AAÜG betragen im Jahr 2005 404 Mio. € bzw. rd. 158 €/Einwohner und im Jahr 2006 insgesamt
426 Mio. € bzw. 167 € pro EW. Diese Beträge werden seit 2005 nicht mehr im Rahmen des Berechnungsschemas nachgewiesen.
1) Nachberechnungen
nachrichtlich: in Mio. Euro
Zweckgemäße Verwendung
(1. + 2. + 3.)
1) Nachberechnungen haben für 2004 durch eine weitere Anerkennung von 93 Mio. € zu einem Nachweis von 96 % geführt.
Der Nachweis für eine zweckentsprechende Verwendung der SoBEZ kann im Berichtsjahr 2006 zu
83 % (82,53 %) erbracht werden. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine erhebliche Steigerung.
Aus dem rechnerischen Ergebnis der SoBEZ-Verwendung 2006 wird jedoch nicht ersichtlich, in welchem Umfang im Land überdurchschnittliche Investitionsausgaben getätigt und Fortschritte bei der
Schließung der Infrastrukturlücke erzielt wurden (vgl. Kapitel V). Eine konsequente weitere Senkung der
NKA ist die zwingende Voraussetzung zur Gesundung des Haushaltes des Landes Brandenburg. Bei
gleichzeitig hohen Investitionsausgaben zur Schließung der zu den westdeutschen finanzschwachen
Flächenländern bestehenden Infrastrukturlücke wird hierdurch auch die zweckentsprechende Verwendung der SoBEZ gewährleistet.
IV.4. Teilungsbedingte Sonderlasten außerhalb des SoBEZ-Nachweises
IV.4.1 Aufwendungen im Rahmen des AAÜG
In der DDR gab es für verschiedene Berufsgruppen (z. B. Künstler, Staatsbedienstete, Ärzte) neben
dem allgemeinen Rentenversicherungssystem ein breites Spektrum von Zusatzversorgungssystemen.
Die Ansprüche der Versicherten an diese Zusatzversorgungssysteme wurden mit dem Anspruchs- und
Anwartschaftsüberführungsgesetz zum 1.1.1992 (AAÜG) in die gesetzliche Rentenversicherung überführt. Dabei wurden die Ansprüche bis zur Beitragsbemessungsgrenze von der gesetzlichen Rentenversicherung übernommen. Die darüber hinausgehenden von der Rentenversicherung zu erfüllenden
Ansprüche werden durch Erstattungen des Bundes (rd. 1/3) und der neuen Länder (rd. 2/3) an die Rentenversicherung übernommen. Für die sich aus dem Sonderversorgungssystem der DDR für bestimmte
Bereiche des öffentlichen Dienstes ergebenden Leistungen übernehmen ferner der Bund (Zoll, Staatsicherheit, Armee) und die Länder (Polizei, Feuerwehr, Justiz) jeweils die vollen Kosten. Dabei werden
die Leistungen der Rentenversicherungsträger grundsätzlich vom Bund erstattet. Die Länder (einschl.
einem rechnerischen Anteil für Berlin-Ost) wiederum erstatten ihre Anteile an den Bund. Nach §15 Abs.
4 AAÜG werden diese Erstattungen nach der Einwohnerzahl im „Beitrittsgebiet“ auf die Länder verteilt.
Die AAÜG-Zahlungen sind nicht vergleichbar mit den Pensionslasten der westdeutschen Länder, da vor
allem in der Zusatzversorgung viele Berufsgruppen aus der ehemaligen DDR versorgt werden, die nicht
dem öffentlichen Sektor zugerechnet werden können. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Bereich
der „technischen Intelligenz“, in dem in den letzten Jahren erhebliche Kostensteigerungen zu beobachten sind. Vor diesem Hintergrund handelt es sich bei den AAÜG-Zahlungen zumindest zu einem Teil um
eine teilungsbedingte Sonderlast, die alle neuen Länder gleichermaßen belastet. Die Ausgaben für
AAÜG-Leistungen sind in den letzten Jahren explosionsartig gestiegen und binden einen erheblichen
Teil von Haushaltsmitteln des Landes (vgl. Abbildung IV.4.1). Im Jahr 2006 betrugen die Ausgaben im
Rahmen des AAÜG rd. 426 Mio. € und sind damit im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Dies entspricht rd. 28 % der empfangenen SoBEZ. Es ist davon auszugehen, dass sich die Ausgaben in den
kommenden Jahren auf ähnlich hohem Niveau stabilisieren werden. Im Rahmen der Vereinbarung zwischen dem Bund und den ostdeutschen Ländern zum Korb 2 des Solidarpaktes II vom 29.11.2006 (s.
Kapitel VI) wurde auch eine Einigung zu den zukünftigen AAÜG-Lasten erzielt. Danach wird der derzeitige Finanzierungsanteil des Bundes von 33,3 % auf 36 % im Jahr 2008, 38 % im Jahr 2009 und 40 %
ab dem Jahr 2010 angehoben. Auf Grundlage der aktuellen Finanzplanung belaufen sich die Entlastungen für das Land Brandenburg für das Jahr 2008 auf 11,3 Mio. €, für das Jahr 2009 auf 19,8 Mio. €, für
das Jahr 2010 auf 28,3 Mio. €. Die gleiche Summe ist auch für das Jahr 2011 veranschlagt.
Abbildung IV.4.1: Zahlungen des Landes Brandenburg an den Bund für Leistungen im Rahmen des
AAÜG insgesamt in Mio. Euro und in Euro je Einwohner.
Mio. Euro insgesamt: linke Skala; Pro-Kopf-Angaben: rechte Skala
Zahlungen insgesamt
Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage der Kassenstatistik bis 2001,ab 2002 Jahresabschlüsse des Landeshaushalts
IV.4.2 Kommunale Altschulden
Die verbleibende Nachweislücke bei den empfangenen SoBEZ in Höhe von rd. 263 Mio. Euro würde
durch die Anrechnung der Leistungen nach dem AAÜG in 2006 vollständig verschwinden und sogar zu
einem um 163 Mio. Euro überhöhten Nachweis führen. Hinzu kommen weitere teilungsbedingte Sonderlasten wie z. B. die Zins- und Tilgungsleistungen für kommunale Altschulden, die ausschließlich die ostdeutschen Bundesländer betreffen und durch die aus kommunalen Altkrediten rührende Verbindlichkeiten für gesellschaftliche Einrichtungen abgetragen werden sollen. Dieser zu entrichtende Betrag an den
Bund beträgt in den Jahren 2005 bis 2008 jeweils rd. 27 Mio. Euro und von 2009 bis 2011 jährlich rd.
1,7 Mio. Euro.
IV.5. Maßnahmen zur Verbesserung der Haushaltsstruktur und Haushaltskonsolidierung
Die Lage des Brandenburger Haushalts hat sich, wie die Ausführungen deutlich zeigen, nur unwesentlich verbessert. Diese Feststellung trifft sicherlich auch auf andere finanzschwache Länder in Ost und
West zu. Neben der Herausforderungen zur Schließung der Infrastrukturlücke gibt es eine Reihe weiterer spezifischer Probleme zu beachten, wie die Zinslasten aus den hohen Kreditaufnahmen in den Aufbaujahren 1991 bis 1995 und die Belastungen aus den AAÜG-Sonder- und Zusatzversorgungssystemen, die den öffentlichen Haushalt trotz der gefundenen Vereinbarung weiter langfristig belasten. Trotz
der derzeit steigenden Steuereinnahmen wird die derzeitige überproportionale Finanzkraftausstattung
durch sinkende Zuschüsse und Zuweisungen insgesamt zurückgehen. Daher kann die Kompensation
nur über die Verstärkung der eigenen Einnahmekraft hinaus durch beständige Konsolidierungsmaßnahmen auf der Ausgabenseite begleitet werden.
Dieser Aufgabe stellt sich Brandenburg seit Jahren, in dem das Land Maßnahmen zur Verbesserung
der Haushaltsstruktur auf Landes- und Kommunalebene in Verbindung mit Kürzungen im Bereich der
Ausgaben eingeleitet hat. Begleitet wird dieser Prozess durch eine strenge Haushaltsführung.
Mit dem Beschluss der Landesregierung zum Entwurf des Doppelhaushalts 2008/2009 und zur Finanzplanung bis 2011 wurden weitere Schritte zur Haushaltskonsolidierung umgesetzt. In einem ersten
Schritt wurde die Obergrenze der Nettokreditaufnahme um 225 Mio. € im Jahr 2008 und weitere 165
Mio. € im Jahr 2009 abgesenkt. Für die Folgejahre ab 2010 ist geplant, erstmalig ohne eine Nettokreditaufnahme auszukommen und gleichzeitig die anhaltende Einnahmeverbesserung dazu zu nutzen, ggf.
mit dem Aufbau einer allgemeinen Versorgungsrücklage zu beginnen.
Auf der Grundlage des Entwurfs zum Doppelhaushalt 2008/2009 wird die Personalbedarfsplanung über
die bisherige Planung bis 2010 nun bis 2012 fortgeschrieben. Die Stellen der unmittelbaren Landesverwaltung reduzieren sich dem entsprechend von 56.971 in 2006 auf 47.826 Stellen in 2012. Die Personalausgabenquote, die in 2006 mit 20,6 % schon um mehr als 4 % gegenüber 2003 gesunken ist, wird
mit dem Haushalt 2009 auf 21 % leicht steigen. Dies ergibt sich vorrangig aus der Anpassung der OstWest-Tarife in 2008 für die unteren Einkommensbereiche. Ab 2010 ist bedingt durch die Anpassung der
oberen Einkommensbereiche ein nochmaliger Anstieg der Personalausgaben zu verzeichnen. Die Reduzierung der Anzahl der Stellen in der Brandenburger Landesverwaltung kann dort nur anteilig entgegenwirken. Dabei sind auch die aufgrund von Organisationsentscheidungen und Haushaltsumstrukturierungen ausgelagerten Haushalte in die Maßnahmen einbezogen.
Insgesamt ist es im Entwurf zum Doppelhaushalt 2008/2009 gelungen, den trotz Steuermehreinnahmen
nahezu konstant verlaufenden Einnahmen korrespondierend gleich bleibend niedrige bzw. geringere
Ausgaben entgegenzustellen und den Saldo auszugleichen. Gleichzeitig konnten die Ausgaben in den
prioritären Bereichen Wissenschaft und Bildung sogar mit einer partiellen Steigerung veranschlagt werden. Im Bereich der Priorität Wirtschaft dagegen führen geringere Zuweisungen des Bundes und der EU
zu sinkenden Ansätzen. Diese prioritären Bereiche insgesamt bilden die Grundlage für die Sicherung
und Verbesserung der Wirtschaftskraft des Landes Brandenburg, um letztlich die Eigenfinanzierungskraft des Landes zu erhöhen. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bei den Steuereinnahmen und der
zwischenzeitlich beschlossenen Steuerrechtsänderungen einschließlich der Auswirkungen der Unternehmensteuerreform steigt die Steuerdeckungsquote lt. Haushalts- und Finanzplanung von 49,6 % in
2007 auf 60,0 % in 2011.
V. Maßnahmen zur Schließung der Infrastrukturlücke
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in seinem Gutachten1) die Infrastrukturausstattung der ostdeutschen Flächenländer quantifiziert und mit der in den westdeutschen Ländern verglichen. Zentrales Ergebnis war, dass die ostdeutschen Länder Ende 1999 einen Infrastrukturkapitalbestand (gemessen am Brutto-Anlagevermögen je Einwohner zu Preisen von 1991) in Höhe von 69,9 %
des Vergleichswertes aller westdeutschen Flächenländer und in Höhe von 74,3 % des Wertes der finanzschwachen Westflächenländer hatten. Wären die kommunalen Gemeinschaftsdienste (insbesondere Abwasserentsorgung), Wirtschaftsunternehmen usw. einbezogen worden, hätte sich die Infrastrukturkapitalausstattung sogar auf 57,1 % bzw. 62,4 % reduzuert2)
V.1 Beiträge zur Schließung der Infrastrukturlücke
Basierend auf dem Gutachten des DIW wird im Folgenden dargestellt,
• ob und in welchem Umfang die Investitionstätigkeit im Land Brandenburg einen Beitrag zum
Schließen der Infrastrukturlücke geleistet hat und
• ob die Infrastrukturinvestitionen primär in die Bereiche geflossen sind, die durch eine besonders
markante Infrastrukturlücke gekennzeichnet sind.
Dabei wird die erste Frage auf zwei Ebenen untersucht:
Darstellung der aggregierten Investitionsdaten im Vergleich zu den FFW und
Analyse der Investitionsaktivität nach Aufgabenbereichen.
Das Volumen der investiven Ausgaben auf der Ebene des konsolidierten Haushalts des Landes Brandenburg und seiner Gemeinden lag im Berichtsjahr im Vergleich zu den FFW mit rd. 872 € je Einwohner
um über 104 % über den vergleichbaren Ausgaben der FFW von rd. 427 € je Einwohner (vgl. Abbildung
V.1.1).
Abbildung V.1.1: Pro-Kopf-Investitionsausgaben (Landes- und Gemeindeebene) in Euro
BB in % FFW
Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckwerte, eigene Berechnungen
DIW (2000), Infrastrukturausstattung und Nachholbedarf in Ostdeutschland, Berlin 2000.
Vgl. hierzu Tabelle 5 im DIW-Gutachten.
Die Infrastrukturinvestitionen je Einwohner überstiegen mit rd. 806 Euro je Einwohner die vergleichbaren Ausgaben der FFW und liegen damit mehr als doppelt so hoch (vgl. Abbildung V.1.2). Deutlich wird
anhand der Abbildung allerdings auch, dass sich diese Differenz, die sich in den letzten Jahren verringert hatte, damit wieder vergrößert. So lag der Investitionsüberschuss in Infrastruktur im Jahr 2006 bei
424 € je Einwohner. Bedingt durch die Konsolidierungsmaßnahmen von Land und Kommunen war diese Differenz zuletzt auf rd. 359 € je Einwohner im Jahr 2005 zurückgegangen. Vor dem Hintergrund der
verbesserten Einnahmesituation in 2006 sind die Investitionen in Brandenburg danach wieder deutlich
gestiegen. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre lagen diese Ausgaben insgesamt um rd. 103 % über
denen der Vergleichsländer, so dass – insbesondere auch vor dem Hintergrund des deutlich höheren
Ersatzinvestitionsbedarfs in den FFW – die Schließung der Infrastrukturlücke weiter vorangekommen
Abbildung V.1.2: Pro-Kopf-Infrastrukturinvestitionsausgaben (Landes- und Gemeindeebene) in Euro
Hinsichtlich der Frage nach der Investitionsstruktur wird in Tabelle V.1.1 die Verteilung der Infrastrukturinvestitionsausgaben auf die einzelnen Kerninfrastrukturbereiche für das Jahr 2006 nach der im Rahmen der Kassenstatistik verfügbaren Statistik der „Ausgaben der öffentlichen Haushalte für Baumaßnahmen nach Aufgabenbereichen und Ländern“ 1) dargestellt, um die Struktur der Infrastrukturinvestitionsaktivität nach Aufgabenbereichen am aktuellen Rand zu bewerten. Zwar hat diese Statistik diverse
Nachteile, da sie
1. nur eingeschränkt mit der Aufgabenbereichsabgrenzung des DIW-Infrastrukturgutachtens (und damit auch mit der Jahresrechnungsstatistik) vergleichbar ist,
2. sich auf die Bauinvestitionen beschränkt und
3. nur eine grobe Aufspaltung der öffentlichen Aufgabenbereiche liefert.
Da jedoch in den ostdeutschen Ländern mehr als 86 % der Sachinvestitionsausgaben auf Baumaßnahmen entfallen - in den Vergleichsländern sind es rd. 76 % -, erscheint diese Beschränkung auf die
Bauinvestitionen in der Praxis nicht besonders restriktiv. Tabelle V.1.1 zeigt die Struktur der Bauinvestitionsmaßnahmen in Brandenburg (Landes- und Gemeindeebene) für das Jahr 2006 nach der Kassenstatistik. Auch im letzten Jahr ist immer noch ein erheblicher Anteil der öffentlichen Infrastrukturinvestitionen in den infrastrukturell defizitären (Straßen-) Verkehrsbereich geflossen. Für Schulen und Hochschulen liegt der Anteil der Infrastrukturinvestitionen in etwa im Mittel des dargestellten Fünfjahreszeitraumes.
1) Vgl. Tabelle 4.2 in der Fachserie 14, Reihe 2 des Statistischen
Bundesamtes.
Tabelle V.1.1: prozentualer Anteil der Aufgabenbereiche an den Baumaßnahmen in den Jahren von
2002 bis 2006 im Land Brandenburg (Landes- und Gemeindeebene)
Schulen u. vorschulische Bildung
Städteplanung, Vermessung u. ä.
Wohnungsbau /-fürsorge
Ver- und Entsorgungsbereiche¹)
übrige Aufgabenbereiche
Quelle: Berechnet aus Angaben der Kassenstatistik des Statistischen Bundesamtes, Tabelle 4.2 der Fachserie 14 Reihe 2.
1) Hier sind enthalten Abwasser- und Abfallbeseitigung, Energie- und Wasserwirtschaft, Versorgungs- und Verkehrsunternehmen.
Ergänzend wird in Tabelle V.1.2 untersucht, in welchem absoluten Umfang das Land Brandenburg im
Berichtsjahr Beiträge zur Schließung der Infrastrukturlücke im Vergleich zu den FFW geleistet hat. Dabei beschränkt sich der Vergleich auf die Aufgabenbereiche, die zu den Kerninfrastrukturbereichen zu
rechnen sind, da die Investitionsstrukturen zwischen den Ländern nicht in allen Aufgabenbereichen vergleichbar sind (s. o.). Deutlich wird, dass gerade in den Bereichen mit hohen Infrastrukturdefiziten die
absoluten Investitionsausgaben (nur Baumaßnahmen) deutlich höher liegen als in den Vergleichsländern. So wurden im Jahr 2006 für Schulen und Hochschulen im Land Brandenburg Bauinvestitionen in
einer Größenordnung von nahezu 55 € je Einwohner getätigt, während in den FFW das Volumen bei
lediglich rd. 47 € je Einwohner lag. Im Straßenbau wurden in Brandenburg Investitionen im Umfang von
rd. 87 € je Einwohner getätigt, in den finanzschwachen Westflächenländern waren es rd. 58 € je Einwohner. Diese deutlich höheren Investitionsausgaben führen zu einem Rückgang der Infrastrukturlücken in den einzelnen Aufgabenbereichen.
Tabelle V.1.2: Pro-Kopf-Bauinvestitionen nach Aufgabenbereichen (Landes- und Gemeindeebene)²)
BB minus FFW
Quelle: Berechnet aus Angaben der Kassenstatistik des Statistischen Bundesamtes, Tabelle 4.2.2 der Fachserie 14
²) ohne Abwasser- und Abfallbeseitigung, Energie- und Wasserwirtschaft, Versorgungs- und Verkehrsunternehmen
V.2 Zusammenfassendes Fazit zur Investitionstätigkeit im Berichtszeitraum
Die auf der Basis der amtlichen Statistik durchgeführten Berechnungen zeigen, dass die Struktur und
die Höhe der Infrastrukturinvestitionsaktivität in Brandenburg im Berichtszeitraum so ausgelegt waren,
dass in jene Bereiche investiert wurde, in denen nach den Berechnungen des DIW vorrangig eine erhebliche Infrastrukturlücke besteht. Dies betrifft insbesondere den Verkehrsbereich und den Bildungsbereich. Erkennbar ist zudem, dass die Höhe der Infrastrukturinvestitionsausgaben in Brandenburg nach
Schwankungen in den Vorjahren derzeit immer noch deutlich in einer Größenordnung von über 110 %
über den Infrastrukturausgaben der finanzschwachen Westflächenländer liegt, so dass im Berichtszeitraum die Schließung der Infrastrukturlücke weiter vorangekommen ist.
VI. Leistungen des Bundes im Rahmen des Korbes II des Solidarpaktes 2
Nach der Entschließung von Bundesrat und Bundestag zum bundesstaatlichen Finanzausgleich und
zum Solidarpakt II im Juli 2001 hat der Bund zugesagt, während der Laufzeit des Solidarpakt II den ostdeutschen Ländern überproportionale Leistungen von rd. 51 Mrd. € als Zielgröße zur Verfügung zu stellen. Unter diesen so genannten Korb 2 fallen u. a. die Gemeinschaftsaufgaben und Finanzhilfen, der
Bundesanteil an der Investitionszulage sowie die investiven EU-Mittel an die ostdeutschen Länder im
Rahmen des EFRE. Die zum Korb II gehörenden Leistungen wurden seinerzeit nicht näher konkretisiert.
Am 29. November 2006 haben sich der Bund und die Verhandlungsführer der ostdeutschen Länder darauf verständigt, dass im Jahr 2005 folgende überproportionale Leistungen des Bundes an die ostdeutschen Länder Bestandteile der Korbs II sind:
Tabelle VI.1 Überproportionale Leistungen des Bundes an die ostdeutschen Länder und Berlin im Jahr
in Mio. €, Ist-Zahlen
Überproportionale Leistungen
Politikfeld Wirtschaft
Investitionszulage gewerbliche Wirtschaft (Bundesanteil)
Investorenwerbung neue Länder (IIC)
Absatzförderung ostdeutscher Produkte
Politikfeld Verkehr
Regionalisierungsmittel (nur investive Anteile)
Finanzhilfen im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes
(GVFG)
EFRE-Bundesprogramm, nationale Kofinanzierung
EFRE-Länderprogramme
EFRE-Bundesprogramm
Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für Landwirtschaft
Finanzierungsinstrument für die Ausrichtung der Fischerei
Politikfeld Wohnungs- und Städtebau
Investitionszulage Wohnungsbau (Bundesanteil)
Finanzhilfen zur Städtebauförderung
Altschuldenhilfegesetz (Härtefallregelung für Wohnungsunternehmen mit
hohem Wohnungsleerstand)
Finanzhilfen zur Sozialen Wohnraumförderung
Politikfeld Innovation, FuE, Bildung
Gemeinschaftsaufgabe Bildungsplanung und Forschungsförderung
Förderung technologieorientierter Unter- nehmensgründungen (FUTOUR)
Förderung innovativer Wachstumsträger (INNO-WATT)
Netzwerkmanagement Ost (NEMO)
High Tech-Gründerfonds
Politikfeld Beseitigung ökologischer Altlasten, Standortsanierung (investiver Anteil)
Zuwendungen an die Wismut GmbH
Zuwendungen an die Lausitzer und Mitteldeutsche BergbauVerwaltungsgesellschaft (LMBV)
Zuwendungen an die Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von
stillgelegten Bergwerksbetrieben (GVV)
Zuwendungen an die Energiewerke Nord (EWN)
Goldener Plan Ost
Sportstättenbau Spitzensport
*Die Zahlen wurden wie folgt ermittelt: Einwohner neue Länder 16,740 Mio./ EW alte Länder 65,698 Mio., Stand: Ende 2005; Formel:
(Leistungen Ost/EW Ost – Leistungen West/EW West)*EW Ost. Für die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit und die Regionalisierungsmittel (investiver Anteil) wurde der Flächenschlüssel angewandt (Leistungen Ost/Fläche Ost – Leistungen West/ Fläche West)*Fläche Ost).
Darstellung der Vereinbarung vom 29.11.2006
Die Leistungen belaufen sich danach im Jahr 2005 auf insgesamt rd. 5,8 Mrd. € bzw. im Finanzplanungszeitraum bis 2010 auf rd. 29,1 Mrd. €. Darüber hinaus wurde einvernehmlich eine Finanzprojektion für die Jahre 2011 bis 2019 erstellt, die eine degressive Ausgestaltung des Korbs II in Orientierung an Korb I vorsieht und den fortschreitenden Aufbau-Ost-Prozess reflektieren soll. Für die EUStrukturfonds wurden in der Modellrechnung für die Zeit ab dem Jahr 2014 keine Werte eingesetzt. Ab
dem Jahr 2014 weiterhin aus dem EU-Haushalt fließende Mittel für Strukturförderungsmaßnahmen der
ostdeutschen Länder würden nicht auf den Korb II angerechnet. Gleiches gilt für das EFREBundesprogramm (EU-Strukturfondsmittel) ab 2011. Um im Hinblick auf neue Bedarfssituationen und
Politikausrichtungen anpassungsfähig zu bleiben, wurde auf eine exakte Ausgestaltung der überproportionalen Leistungen bis zum Jahr 2019 verzichtet. Der Bund wird bis zum Jahr 2020 jährlich über die im
Vorjahr für die ostdeutschen Länder (einschl. Berlin) erbrachten Korb-II-Leistungen im Rahmen seiner
Stellungnahme zu den Fortschrittsberichten „Aufbau Ost“ berichten.
Damit enthält der Korb II auch Komponenten, die nicht über die Haushalte der Länder abgewickelt werden (z. B. Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, Altlastensanierung, Technologieförderung). Vor diesem
Hintergrund bedarf es einer weiteren Präzisierung, vor allem zur Berechnung der überproportionalen
Mittel und zur Ausgestaltung des Mittelnachweises, um die Umsetzung der getroffenen Vereinbarung
seitens der Länder nachvollziehen zu können. Hierzu haben sich Bund und Länder bisher nicht auf ein
einvernehmliches Verfahren verständigen können.
VII. Zusammenfassende Bewertung
Unter Verwendung von öffentlich zugänglichem und nachvollziehbarem Datenmaterial wird für das Land
Brandenburg in diesem Fortschrittsbericht für das Jahr 2006 dargestellt,
• wie sich die finanzwirtschaftlichen Kerndaten des Landes und seiner Kommunen im relevanten Berichtszeitraum entwickelt haben,
• welche Anstrengungen und Beiträge das Land und seine Kommunen zur Begrenzung der Nettoneuverschuldung unternommen haben,
• welche Fortschritte bei der Schließung der Infrastrukturlücke im Berichtszeitraum erreicht wurden
• wie die erhaltenen SoBEZ verwendet wurden und
• welche Anstrengungen zur Verbesserung der Haushaltsstruktur und Haushaltskonsolidierung eingeleitet worden sind.
Ergänzend wird die Vereinbarung von Bund und ostdeutschen Ländern zur Konkretisierung der Korb-IILeistungen vom 29. November 2006 dargestellt.
Die vorgenannten Ausführungen verdeutlichen, dass durch den vom Land eingeschlagenen Konsolidierungspfad im Berichtsjahr der Finanzierungssaldo der konsolidierten Landes- und Gemeindeebene um
38 % ggü. 2005 zurückgefahren werden konnte. Im Jahr 2005 wurde bereits eine Reduzierung von 58
% ggü. 2004 realisiert. Der Schuldenzuwachs des Landes auf der konsolidierten Ebene wurde weiter
verlangsamt und liegt inzwischen um 2 % unter dem Niveau der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer (vgl. Abbildung III.3.1). Nichtsdestotrotz ist ein erheblicher Teil der Einnahmen für Zinsausgaben aufzuwenden. Vor diesem Hintergrund ist die weitere konsequente und kontinuierliche Reduzierung des Finanzierungssaldos unumgänglich. Dabei gilt es, die Investitionsausgaben soweit wie möglich
aus den Konsolidierungsbemühungen herauszulösen und auf überdurchschnittlich hohem Niveau zu
belassen, um insbesondere auch die weiterhin bestehende Infrastrukturlücke zu schließen.
Im Berichtsjahr ist es gelungen, den Anteil der investiven Verwendung der SoBEZ in Höhe von rd. 72 %
(2005: 42 %) nachzuweisen. Der Anteil der SoBEZ, der zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft der Brandenburger Kommunen eingesetzt wurde, sinkt im Jahr 2006 jedoch um rd.
3 Prozentpunkte auf 10,1 %, da als Referenzland nunmehr HB und nicht mehr SL Herangezogen wird.
Insgesamt beträgt der SoBEZ-Verwendungsnachweis für 2006 rd. 83 %.
Neben dem eigentlichen SoBEZ-Nachweis wurden außerdem die den Landeshaushalt Brandenburg
nach wie vor in erheblichem Maße belastenden Erstattungen des Landes für die Sonder- und Zusatzversorgungssysteme der DDR (2006 mit 426 Mio. €) aufgeführt. Sie stellen weiterhin eine teilungsbedingte Sonderlast dar. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Anteil für kommende Jahren auf hohem Niveau verfestigt, wenn auch die Vereinbarung zwischen den ostdeutschen Ländern und dem
Bund vom 29. November 2006 zu einer gewissen Entlastung in diesem Bereich führen wird. Auch die
kommunalen Altschulden mit rd. 27 Mio. € im Jahr 2006 sind in diesem Zusammenhang eine haushaltsmäßig nicht zu vernachlässigende Größe.
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass es Brandenburg trotz wesentlicher Verbesserungen auf
der Einnahmenseite und anhaltenden Konsolidierungsbemühungen nicht gelungen ist, den Nachweis
einer vollständig zweckentsprechenden Verwendung der SoBEZ zu erbringen. Zugleich haben beide
öffentlichen Ebenen des Landes trotz weiterhin schwieriger gesamtwirtschaftlicher und finanzpolitischer
Rahmenbedingungen die Schließung der Infrastrukturlücke weiter vorantreiben können. Erst durch die
zusätzlichen Solidarpaktmittel wird das Land Brandenburg überhaupt in die Lage versetzt, im Vergleich
zu den finanzschwachen westdeutschen Flächenländern überproportionale Investitionen vorzunehmen,
um die Infrastrukturdefizite abzubauen.

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