Source: https://www.art5drei.de/artikel.cfm?kat=3&aid=2829
Timestamp: 2019-11-12 22:20:43+00:00

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Großer Saal der Kulturfabrik, Foto © ART. 5|III
Atelier in der Kulturfabrik, Foto © ART. 5|III
Backstagebereich in der Kulturfabrik, Foto © ART. 5|III
Logo der Kulturfabrik, Foto © Lebenshilfe Bamberg e.V.
Harald Rink, Foto © Harald Rink
„Wir wollen den Raum mit Kultur füllen“
Bambergs neuer Platz für inklusive kulturelle Bildung und Kulturarbeit
Das Logo macht es schon deutlich. KUFA steht nicht allein für „Kulturfabrik“, sondern zeitgleich auch für den Slogan „Kultur für Alle“! Im November eröffnet die Offene Behindertenarbeit der Lebenshilfe e.V. ihre „Kulturfabrik“ in einem ehemaligen Betriebsgelände in der Bamberger Ohmstraße. In das Großprojekt, das unter anderen von der „Aktion Mensch“ großzügig unterstützt wurde und wird, flossen insgesamt 1,6 Millionen Euro, um die Baulichkeiten nicht einfach nur umzugestalten, sondern sie auch mit der notwendigen Technik auszustatten, damit letztlich auch Kultur in ihren vielen Facetten stattfinden kann. „Von Blasmusik bis Punkkonzert“ bezeichnete der Projektleiter Harald Rink anlässlich der Projektvorstellung vor Bamberger Kulturschaffenden den angestrebten Rahmen, spannte den Bogen anschließend aber natürlich viel weiter. Theatervorstellungen, Tagungen, Proben, Tanzkurse und vieles mehr, dies alles kann in den neuen Räumlichkeiten seinen Platz finden. Die Räumlichkeiten, das sind ein ungefähr 170 qm großer Saal, der mit Bestuhlung circa 100 Personen und ohne Bestuhlung etwa 200 Personen aufnehmen kann. Selbstverständlich gehören diverse, miteinander kombinierbare Podeste zur Saalausstattung, mit denen, je nach Veranstaltung, eine bis zu maximal 40 qm große Bühne gebaut werden kann. Eine Ton- und Beleuchtungsanlage, die von einem Nebenraum aus durch Personal der Kulturfabrik gesteuert wird, ist ebenfalls vorhanden, genauso wie Stühle und Tische. Weitere Räume sind ein sehr helles und ansprechendes „Atelier“, das derzeit bereits vom „Atelier Lebenskunst“ genutzt wird, ein Projekt, welches mit Hilfe professioneller Assistenz, künstlerisch talentierte Menschen mit Behinderung fördert. Darüber hinaus gibt es, neben Toiletten, einem Garderobenraum und einer kleinen Küche (die als KUFA-Bar zum Getränkeausschank bei Veranstaltungen genutzt wird) auch noch einen Nebenraum, der bei Veranstaltungen als Backstagebereich dienen soll. Die neue Kulturfabrik ist sicherlich ein geeignetes Unterfangen, um den bereits bestehenden, inklusiven Aktivitäten der Lebenshilfe Bamberg ein geeignetes Zuhause zu schaffen, wie dem bereits erwähnten „Atelier Lebenskunst“, der Sambagruppe „Ramba Zamba“ oder auch dem 40-köpfigen Chor, um nur einige zu nennen. Aber die Verantwortlichen gehen noch ein Stück weiter. Mit dem Projekt, das unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, steht, möchte man natürlich auch neue, inklusive Projekte entstehen lassen und erhofft sich dabei die Unterstützung aus den Reihen der vielen Bamberger Kulturschaffenden, insbesondere der unabhängigen Kulturszene, von denen auch einige Vertreter bei der Projektvorstellung anwesend waren.
Auch wenn derzeit die Betriebsgenehmigung und die feuerpolizeiliche Abnahme noch nicht erteilt sind, der Eröffnung am 7. November sollte nichts im Wege stehen. Und es geht auch gleich mit vollem inklusivem Programm los. Kabarett am 7. November, Tag der offenen Tür am 8. November, Eröffnungs-Party am 9. November, ein Theaterstück am 14. November und der Bamberger Teilhabe-Dialog am 18. November, in der neuen Kulturfabrik geht es Schlag auf Schlag. Ab Januar 2020 werden die Räume auch für externe Kulturschaffende zu mieten sein, was den Veranstaltungskalender sicherlich zusätzlich beleben wird. Hoffentlich mit noch mehr inklusivem Programm.
ART. 5|III nutzte den Pressetermin für ein kurzes Interview mit dem Projektverantwortlichen Harald Rink:
ART. 5|III: Wie lange war die Planungs- und Umsetzungszeit des Projekts?
Harald Rink: Die ersten Überlegungen aus dem ehemaligen Gnatz-Gebäude ein Kulturhaus umzubauen haben eigentlich schon mit der Idee der Durchführung bzw. Antragstellung bei Aktion Mensch für das Projekt der „Inklusiven Kulturwerkstatt“, also im Jahr 2013 begonnen. Die konkreten Planungen starteten dann im Jahr 2015 und der Umbaubeginn fand im April 2018 statt. Wir haben Mitte Juni 2019 unsere Büroräumlichkeiten bezogen und den Proben- und Atelierbetrieb aufgenommen.
ART. 5|III: Die Kosten haben Sie mit 1,6 Mio. Euro beziffert. Wer hat in welcher Höhe gefördert?
Harald Rink: Nach letztem Stand werden die Gesamtkosten bei 1,66 Mio. Euro liegen. Ohne die großzügige Unterstützung durch die Doktor Robert Pfleger Stiftung, der Aktion Mensch und der Oberfrankenstiftung mit bereits bestätigten Zuschüssen in Höhe von jeweils 300.000 Euro, wäre die Umsetzung dieses deutschlandweit einmaligen Projekts nicht möglich gewesen. Die Gesamtbewilligung über einen Zuschuss in Höhe von 130.000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung steht noch aus. Die restliche Summe in Höhe von rund 630.000 Euro wird von der Lebenshilfe Bamberg über Darlehen und Eigenmittel gestemmt.
ART. 5|III: Sie haben erwähnt, dass die Förderung von Aktion Mensch bis 2020 läuft und dass auch ihre Stelle darüber finanziert ist. Was passiert danach? Wie geht es mit Ihnen weiter und mit dem Projekt?
Harald Rink: Meine bisherige Stelle umfasst den Bereich der inklusiven kulturellen Bildung. Für diesen Bereich werden wir versuchen eine Weiterförderung bei der Aktion Mensch zu bekommen. Darüber hinaus wollen wir für den Betrieb, Verwaltung, Veranstaltungsplanung und -durchführung insbesondere inklusiver Veranstaltungsreihen mit inklusiven Bands, Theatergruppen, Filmprogramm etc. , Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Initiierung inklusiver Kulturprojekte sowie Kooperationen der bestehenden inklusiven Kulturgruppen und der freien Kulturszene und dem Auf- und Ausbau der ehrenamtlichen inklusiven Strukturen einen weiteren Antrag bei Aktion Mensch für hauptamtliches KUFA Personal stellen.
Zudem gibt es den Förderverein „Inklusion durch Kultur" e.V. (zur Zeit wird die Eintragung ins Vereinsregister beantragt), der Spenden und Sponsoren für die kulturelle Bildung und Kulturarbeit in der KUFA akquirieren soll. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind Stiftungen wie. z.B. die Raps-Stiftung, welche aktuell auch das Projekt „KUFA - Inklusive kulturelle Bildung“ auf drei Jahre mit insgesamt rund 65.000 unterstützt.
Außerdem streben wir mittelfristig die Schaffung neuer „Töpfe“ zur Finanzierung inklusiver Kulturprojekte auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene an. Unter anderem für diesen Zweck werben wir um Botschafter, welche sich für die Idee „Inklusion durch Kultur“ durch ihre Person und ihren guten Namen einsetzen. Bisherige Botschafter sind: Barbara Stamm (Vorsitzende Lebenshilfe Bayern), MdB Andreas Schwarz, MdB Lisa Badum, MdL Ursula Sowa, Jakobus Kötzner (1.Bgm. Frensdorf), Sabine Weyermann (Mälzerei), Andreas Triffo (Stadtrat), Judith Siedersberger (Künstlerin), Joachim Schön (VHS-Bamberg Land), Martin Erzfeld (Städt. Musikschule), Sibylle Broll-Pape (E.T.A. Hofmann Theater), Wolfgang Mayer (bfz gGmbH).
ART. 5|III: Ich hatte den Eindruck, dass die Kulturschaffenden, die gestern da waren, schon Interesse hatten, allerdings offensichtlich rein an den Räumen und Kosten. Werden Sie versuchen diese Zielgruppe auch noch stärker in das Thema Inklusion einzubinden und, wenn ja, wie? Oder sehen Sie sich da auch in einer reinen Vermieterposition?
Harald Rink: Viele der Anwesenden kennen unsere inklusive Arbeit schon, wir arbeiten mit einigen von ihnen schon zusammen z.B. Musikschule, VHS, Kulturamt. Jetzt war es für sie natürlich interessant zu hören, wie die Lebenshilfe es schafft, ein Kulturzentrum auf die Beine zu stellen. Zum anderen haben wir die Erfahrung gemacht, dass Taten mehr bewirken als viele Worte, so dass wir davon ausgehen, dass durch den Besuch inklusiver Kulturveranstaltungen etc. in der KUFA, also durch das eigene Erleben, die Bereitschaft, sich für Inklusion durch Kultur zu öffnen und sich an inklusiven Kulturprojekten zu beteiligen oder gar selbst die Initiative zu übernehmen, am ehesten gelingen wird. Darüber hinaus sind wir schon erfolgreich dabei, in bestehende Veranstaltungsreihen, wie z.B. Bamlit, Kurzfilmtage oder Jazz- und Bluesfestival das Thema Inklusion einzubringen, indem wir die KUFA als Veranstaltungsort etablieren und/oder durch die Vermittlung inklusiver Kunstschaffender. Unser Ziel/Konzept ist es, durch (inklusive und nicht inklusive) Veranstaltungen in der KUFA, zum einen den Zugang zu Kultur für Menschen mit Behinderung zu erleichtern, zum anderen inklusive Kultur im Bamberger Kulturleben zu etablieren und Menschen ohne Behinderung auf das Thema Inklusion durch Kultur aufmerksam zu machen.
Daten für den Infokasten zur Person Rink
Harald Rink, geboren 1962 in Schweinfurt, verheiratet, 2 Kinder
Diplom Soziologe (Studium Uni Bamberg),
Vorstand des Kultursprung e.V. (1988 bis 2001) und Leiter/Geschäftsführer des Kulturzentrums im Fischerhof (unter Trägerschaft des Kultursprung e.V.)
Von 2001 bis 2017 – freischaffender Künstler (Schauspieler) aber auch davor schon als Schauspieler/Kabarettist tätig u.a. Chapeau Claque, Anonyme Improniker, Bambolero (Comedy-Dinner)
Seit 2011 einer der Leiter der inklusiven Theatergruppe TOBAK bei der Offenen Behindertenarbeit der Lebenshilfe Bamberg e.V.
Seit 2018 Projektleiter „Kulturelle Bildung inklusiv“
Kontakt: www.lebenshilfe-bamberg.de
KUFA Kulturfabrik Lebenshilfe Bamberg Inklusion Kultur Kunst

References: ART. 5
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