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Timestamp: 2020-04-09 16:16:06+00:00

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25.10.2016, 08:37 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.10.2016, 08:43 von Mrs. Mortisaga.)
Ich finde den Begriff 'Harem' ehrlichgesagt ziemlich lustig, aber auch lächerlich in Bezug auf Polyamorie oder Polygamie. Es ist nicht einfach nur ein sehr unpassender Begriff, sondern die Vorstellung, die dahinter steckt (z.B. ein Mann und zehn Frauen) ist sowas von unrealistisch...
Man braucht sich nur die Frage stellen, wieviele wirklich enge Freundschaften man pflegen kann (vielleicht 2-4?)... Dann muss man sich vorstellen, in welchen Aspekten eine Partnerschaft noch 'pflegeaufwendiger' ist oder sein könnte. Damit ist die Harems-Vorstellung schonmal komplett ausgeschlossen - es sei denn man möchte gar keine tiefgehenden Beziehungen führen, denn Sex-Beziehungen o.Ä. sind natürlich weniger zeitaufwendig. Aber das hat ja auch wieder nichts mit Polyamorie zu tun.
Mal etwas zur Anregung der Sichtweisen:
Unterhalten sich zwei Bekannte (Geschlecht egal):
A: Wollen wir Freunde sein?
B: Gerne. Aber du hast doch dann keine anderen Freundschaften neben mir, oder?
A: *Mindfuck*
A U R A B Y T E S
(25.10.2016, 08:37)Mrs. Mortisaga schrieb: Gerne. Aber du hast doch dann keine anderen Freundschaften neben mir, oder?
Naja, gerade bei kleineren Kindern ist diese Einstellung gar nicht mal so selten. Und auch in Freundeskreisen unter Erwachsenen ergeben sich durchaus immer wieder mal Eifersüchteleien.
Ich glaube, dass sie Eifersucht ein Problem ist, das man in jeder Beziehungsform – sexuell oder platonisch – und bei jeder Anzahl von Freunden oder Partnern – eine® oder mehrere – bewältigen muss.
Da stimme ich dir zu was die Eifersucht angeht. Und genau das zeigt für mich persönlich eben, dass gerade dieser Punkt der Schlüssel ist in Beziehungen jeglicher Art. Und da Eifersucht zu einem sehr großen Teil kulturell bedingt ist und somit auch reduziert werden kann, können sich auch Beziehungen dahingehend (positiv) verändern.
Ich hab mich jetzt einfach mal durch die Vergangenheit dieses Threads gewühlt, vllt auch um zu sehen, ob ich früher anderer Meinung war als heute, aber wie's aussieht hat sich nix Wesentliches geändert in meinen Ansichten - nur dass ich heute deutlich mehr polyamor lebende Menschen kenne als damals.
Im Moment sehe ich sowohl Polyamorie als auch Monoamorie als mögliche Lebensentwürfe an, die vllt nicht für die selben Menschen ideal sind. Am wenigsten hab ich persönlich nen Bezug zu Serieller Monoamorie. Aber auch da habe ich gerade festgestellt, dass das an Vorurteilen liegt, die gar nicht unbedingt immer damit verknüpft sein müssen.
Was also viel wichtiger ist als die konkrete Beziehungsform ist das Verständnis und Einverständnis der Partner auf das, worauf sie sich gerade einlassen. Ethische Polyamorie ist etwas anderes als "jeder halt mit jeden", Ethische Serielle Monoamorie heißt nicht "ich lieb dich so lange bis mir jemand tolleres über den Weg läuft, dann tschüs!" und Ethische Monoamorie muss auch nicht heißen, "ich lieb nur dich und du nur mich und wenn das nicht so ist dann geht die Welt unter!".
(ethical monogamy) <- übrigens sehr cooler Webcomic zum Thema generell.
Ich zähl mich jetzt auch zur Pro-Poly-Fraktion, und aus dieser Perspektive scheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Alleinanspruch, dass also nur die Polyamorie das einzig ethische Beziehungskonzept sei, auch gefährlich ist. Die vielen Probleme, die man gerne der Monoamorie zuschreibt sind nur zum Teil wirklich daran gebunden. Naja, hab jetzt kein konkretes Beispiel.^^
Schwierig ist halt immer der Moment, wenn ein Partner die Beziehungsform ändern will und der andere nicht... dann bricht das System entweder auseinander, oder es ändern beide - und bevor man's probiert hat, weiß man nicht, wie der Outcome sein wird.
Innerhalb von Polyamorie gibt's ja auch noch weitere Unterteilungen. Z.B. die Frage, wie autonom die einzelnen Leute entscheiden - gibt das Modell, dass einer neuen Beziehung alle anderen Partner zustimmen müssen; mag man dann wieder etwas inkonsequent finden, aber andererseits: wenn das ist, was ausgemacht war, dann gilt das auch - alles andere wäre erst Recht wieder, die Gefühle von einzelnen Leuten mit Füßen zu treten.
Zitat: Ich glaube, dass sie Eifersucht ein Problem ist, das man in jeder Beziehungsform – sexuell oder platonisch – und bei jeder Anzahl von Freunden oder Partnern – eine® oder mehrere – bewältigen muss.
Seh ich auch so, wobei unsere Kultur uns die Eifersucht im Bereich der romantischen Beziehung hochspielt und die im Bereich von Freundschaften runter. Ich erinnere mich noch deutlich dran, wie "eifersüchtig" ich jeweils erst mal war, als meine Freunde ihre ersten Beziehungen anfingen. Das hat sich mittlerweile geändert, aber für mich als Teenager war die Angst, Freundschaften zu verlieren, recht groß - und manche Personen verändern sich ziemlich stark, wenn sie eine Beziehung eingehen (wobei ich das mittlerweile als ein charakteristisches Merkmal einer toxischen Beziehung erkannt zu haben glaube...)
Die Frage ist dann auch noch, ob es sowas wie "Eifersucht" überhaupt gibt, oder ob es sich nicht eher um eine Vielzahl von unterschiedlichen Emotionen handelt, über die man nur dann dieses Label drüberschmeißt, wenn es kulturell so vorgegeben wird. Das heißt natürlich nicht, dass die Emotionen selbst kulturell sein müssen, aber halt deren Interpretation. Sind halt oft einfach Ängste, die, wenn konkretisiert, schon wieder ganz anders aussehen können, als wenn man sie einfach pur belässt.
der übersichtlichkeit halber erzeuge ich hier mal eine struktur aus deinem post, uefken.
(25.10.2016, 07:13)frei nach Uefken schrieb: §1 Monogamie ist besitzdenken!? Und wer sich einen Harem hält, ist davon natürlich völlig befreit, aha...
§2 Serielle Monogamie ist die natürliche Lebensform des Menschen.
§3 Männer befürchten evolutionsbiologisch begründet die körperliche Untreue und Frauen die emotionale.
§4 Es gibt etwas in uns, was ich den natürlichen kategorischen Imperativ nenne: wir wollen so behandelt werden, wie wir andere behandeln bzw. wollen nicht so behandelt werden, wie wir andere nicht behandeln.
§5 Polygamie oder der neue Trend der Polyamorie (um diesen Euphemismus zu bemühen) wiederspricht dieser natürlichen Anlage.
die zergliederung dieser schrift könnte folgendermaßen aussehen:
§1 bietet eine einführung in das thema und das erste argument des gegners:
1. „Monogamie ist besitzdenken!?“
der gegner behauptet, monogamie sei besitzdenken. Diese sichtweise wird offenbar kritisiert durch das nachfolgende argument.
2. „Und wer sich einen Harem hält, ist davon natürlich völlig befreit, aha...“
hier zeigt der autor, dass nicht die prämisse, monogamie sei besitzdenken, angegriffen wird, sondern nur eine ihrer konklusionen. Welche konklusion ist das? Da sie unansgesprochen ist, kann sie sich nur innerhalb des arguments gegen diese konklusion herauslesen lassen. Folgende möglichkeiten, die sein gegner bereithält:
Aa) „und monogamie ist deshalb verwerflich“. Dies wird insofern hier nicht angegriffen, da bisher keine aussagen über verwerflichkeit getroffen werden. Eine mögliche andere konklusion bietet sich an:
Ab) „und (monogamie ist vielleicht verwerflich und) deshalb sollte eine alternative gelebt werden“. Diese konklusion wird aber auch nur unter gewissen voraussetzungen angegriffen. Der autor impliziert somit weitere ungenannte prämissen:
A.1 die alternative zu monogamie ist ein harem.
A.2 dies ist die einzige alternative.
Da A.2. in dieser form nicht logisch ist, scheint es so, dass diese these vielleicht auch so ergänzt werden kann:
A.3 alle anderen alternativen implizieren letztendlich einen harem.
Wir müssen hier bereits §5 aufgreifen, um zu sehen, dass diese interpretation des werkes in sich stimmig wirkt:
§5 „Polygamie oder der neue Trend der Polyamorie (um diesen Euphemismus zu bemühen) wiederspricht dieser natürlichen Anlage.“
da polygamie und polyamorie als etwas gleichartiges zusammengefasst werden und offenbar gegen ende des textes die stelle der kritik am harem einnehmen, scheinen sie selbst grundsätzlich den harem zu implizieren.
Es ist an dieser stelle noch recht unklar, was unter harem eigentlich verstanden sein soll, außer der üblichen assoziationen die damit geweckt werden.
Werden nun A.1 und A.2 nicht vorausgesetzt, dann kritisiert der autor bloß die moralische überlegenheit eines harems gegenüber der monogamie, indem er durch ironie aufzeigt, dass dieser genauso wie die monogamie auf besitzdenken beruhe. Gewonnen ist aus diesem argument aber so noch nicht viel, denn dann wären harem und monogamie gleichwertig verwerflich und es müssten und könnten weitere alternativen gesucht werden. Diese weiteren alternativen werden aber nun durch 1.3 verneint, sodass die wahl zwischen monogamie und harem die einzig übrige bleibt. Es wäre interessant, eine genauere begründung für diese zusammenlegung zu erhalten, doch die lässt sich nicht explizit verorten. Es muss sich wohl um eine metaphysische festlegung handeln:
M. alle alternativen zu monogamie implizieren direkt oder indirekt den harem. (z.B. weil ein Gott es so eingerichtet hat, was in einer heiligen Schrift etwa nachzulesen wäre)
Das argument schafft es an dieser stelle aber trotz aller genannten voraussetzungen auch noch nicht, die entscheidung zwischen monogamie und harem zu fällen. Was es geschafft hat, sofern die prämissen stimmen, ist, die überlegenheit des harem gegenüber der monogamie zu bekämpfen. Nun sind beide auf der gleichen moralischen ebene: beide sind besitzdenken und eventuell daher verwerflich. deshalb folgen nun zur stärkung der monogamie die übrigen passagen in der schrift.
§2 „Serielle Monogamie ist die natürliche Lebensform des Menschen.“
hier findet sich kein argument, somit muss davon ausgegangen werden, dass es sich um die erste prämisse in einer reihe von prämissen handelt, die insgesamt ein argument erzeugen werden. Oder aber es ist eine konklusion, die aus den nachfolgenden prämissen gezogen werden kann und hier bereits vorgeschaltet wurde. Es ist auch unverkennbar, dass sie zusammen mit §3-5 gelesen werden muss.
Trotzdem ist an dieser stelle sicherlich schon erwähnenswert, dass zum ersten mal die natürlichkeit als besonderes prädikat auftritt, das im zusammenhang der moralischen güte oder verwerflichkeit eine wichtige rolle spielen wird. Sicherlich werden wir in den späteren textpassagen noch ausführlichere argumente lesen Leider werden wir vergebens nach einer argumentation suchen, die die moralische überlegenheit dessen, was hier natürlich genannt wird, begründen. Auch eine empirische bestandsaufnahme zur festigung der bisher dargelegten empirischen thesen wird sicherlich noch folgen. wird vermutlich ausgeschaltet durch metaphysische überlegungen. Die anknüpfung an den common sense ist hier nämlich unmöglich, da sich jene empirischen behauptungen ja nicht als common sense erweisen werden. Somit wird ein weitere metaphysisches prinzip eingeschaltet werden müssen.
§3 nun wird offenbar die genannte natürlichkeit aus §2 expliziert. Es handelt sich um eine evolutionsbiologische natürlichkeit:
1. „Männer befürchten evolutionsbiologisch begründet die körperliche Untreue“
2. „und Frauen die emotionale.“
eine trennung der geschlechter findet gleichzeitig auch statt, obwohl es für das argument unwesentlich erscheint. Interssant ist hier sicherlich die einreihung in den diskurs von weiblicher emotionalität und männlicher körperbezogenheit. Sicherlich werden diese zuschreibungen als metaphysische grundprämissen gesetzt, weshalb eine empirische bestätigung dieser behauptungen abermals ausfallen kann. Dennoch fehlt neben der begründung dieser metaphysik nach wie vor der zusammenhang zur übergeordneten argumentation: die stärkung der monogamie trotz besitzdenkens gegenüber aller anderen alternativen (die alle letztlich den harem implizieren). daher folgen noch zwei weitere paragraphen.
§4 „Es gibt etwas in uns, was ich den natürlichen kategorischen Imperativ nenne: wir wollen so behandelt werden, wie wir andere behandeln bzw. wollen nicht so behandelt werden, wie wir andere nicht behandeln.“
diese These, für sich allein genommen wertlos, muss offensichtlich unbedingt zusammen mit §5 gelesen werden, um ihren sinn zu enthüllen:
nun endlich finden wir die verbindung der vorher konfus verstreut wirkenden bemerkungen von §1 mit §2-4. Es ist schwierig, und sicherlich der komplexität des themas verschuldet, dass dies nicht eindeutig zu sein scheint. Daher versuche ich es zu verdeutlichen:
Nachdem in §1 die überlegenheit alternativer beziehungsmodelle (zusammengefasst im bild des harem) gegenüber der seriellen monogamie abgelehnt wurde, durch den hinweis, dass diese ebenso besitzdenken enthalten wie jene, wird nun in einem komplizierten 4er-schritt dazu übergegangen, die überlegenheit der seriellen monogamie gegenüber dieser beziehungsmodelle zu beweisen. Wir können die implizierten und offenbaren prämissen in der schlussargumentation vielleicht so verdeutlichen:
B1. es gibt einen natürlichen kategorischen imperativ (nKI) der gleichbehandlung (§4)
B2. beide geschlechter befürchten, natürlich begründet, die untreue des partners (§3)
B3. das gebot der gleichbehandlung übt den moralischen zwang aus, diese befürchtung des partners ebenso wie die eigene befürchtung zu behandeln: es zwingt zur treue.
Ba) serielle monogamie entspricht somit diesem natürlichen imperativ (§2)
Bb) alle anderen beziehungsmodelle (die ja wesentlich harem sind) widersprechen diesem imperativ. (§5)
Bc) das besitzdenken in der monogamie ist daher weniger verwerflich als in den alternativen fällen.
Vielleicht wird das besitzdenken auch gar nicht als verwerflich angesehen, und das problem nur in der unnatürlichkeit, der zuwiderhandlung gegen den nKI, verortet. Interessant ist hier sicherlich nach wie vor die begrifflichkeit des natürlichen. Denn sie gibt einige rätsel auf:
ist es möglich, einem natürlichen imperativ zuwider zu handeln? Wenn dies bejaht wird, ergibt sich ein folgenschweres problem für die prämisse der natürlichkeit der eifersucht. Denn wenn etwas natürliches ausgeschaltet werden kann, dann grundsätzlich auch die natürliche eifersucht. Wenn aber nicht gegen die natur gehandelt werden kann, dann ist es schwer einzusehen, wie der nKI verletzt werden kann. Folglich finden sich weitere prämissen im werk:
C1. die natürlichkeit des nKI ist einer anderen art als die der eifersucht. Ersterer kann zuwider gehandelt werden, zweitere ist grundsätzlich vorhanden.
Es ist wesentlich für das argument, die eifersucht als etwas natürliches zu begreifen. Weshalb es so besonders wichtig ist, dass eine begründung vorliegt, die dies belegt. wie gut, dass sie ausführlich gegeben wurde. wir müssen daher zwischen den zeilen lesen und stellen fest: da es in der gesamten schrift keinerlei quellen zur belegung empirischer aussagen kam, muss es sich abermals um logische bzw. metaphysische gesetzmäßigkeiten handeln, die eine empirische untersuchung irrelevant machen. Wir hätten hier also weitere prinzipien zu verorten:
M. eifersucht ist deshalb natürlich, und noch dazu unveränderlich, d.h. unbedingt allgegenwärtig, weil es so ist. (z.B. weil ein Gott es so eingerichtet hat, was in einer heiligen Schrift etwa nachzulesen wäre)
M. der nKI ist deshalb natürlich, aber kann verletzt werden, weil es so ist. (z.B. weil ein Gott es so eingerichtet hat, was in einer heiligen Schrift etwa nachzulesen wäre)
eine weitere schwierigkeit besteht nun außerdem in der annahme, dass der nKI verletzt werden kann. Denn wenn dies der fall ist, wird der maßstab für moralische verwerflichkeit verloren gegangen. Es ist ja bisher nur der nKI als moralischer maßstab genannt worden. Wer ihm gelegentlich zuwider handelt, leidet vielleicht unter gewissensbissen. Wer es immer tut, wird ihn gänzlich ausgeschaltet haben und somit kein moralisches problem mehr haben. Es bedarf also vielleicht noch metaphysisch-metaethischer überlegungen derart:
M. der nKI ist unveränderlich in Gott, aber kann im Menschen verletzt werden. Wer dies tut, hat dennoch ein ethisches problem in Gottes Antlitz.
in vorfreude verkündige ich nun schon, gnutls post als nächstes zu analysieren.
(25.10.2016, 11:43)gnutl schrieb: Ethische Monoamorie
was ist mit ethisch gemeint? hinweise, was du meinst, finde ich hier:
Zitat: Was also viel wichtiger ist als die konkrete Beziehungsform ist das Verständnis und Einverständnis der Partner auf das, worauf sie sich gerade einlassen.
wenn das ist, was ausgemacht war, dann gilt das auch - alles andere wäre erst Recht wieder, die Gefühle von einzelnen Leuten mit Füßen zu treten.
es ist ethisch, sich an das zu halten was man vereinbart. und wenn man sagt, das sind die regeln, müssen sie aus ethischer sicht berücksichtigt werden. soweit, so gut. aber:
Zitat: Ich zähl mich jetzt auch zur Pro-Poly-Fraktion, und aus dieser Perspektive scheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Alleinanspruch, dass also nur die Polyamorie das einzig ethische Beziehungskonzept sei, auch gefährlich ist. Die vielen Probleme, die man gerne der Monoamorie zuschreibt sind nur zum Teil wirklich daran gebunden. Naja, hab jetzt kein konkretes Beispiel.^^
was ist hier mit ethisch gemeint? polyamory ist nicht die einzige möglichkeit, sich an abmachungen zu halten. aber ist es das, was polys meinen, wenn sie sagen, polyamory sei die einzig ethische beziehungseinstellung?
sagen wir, was sinnvollerweise damit gemeint sein kann. da wäre z.b. der effekt auf menschen außerhalb der jeweiligen beziehung (freunde, neue kontakte, usw.) sowie auf die gesellschaft als ganze. ok gesellschaft als ganze ist geheilt, wenn mono kein ideal mehr ist, dazu muss mono nicht ganz abgeschafft werden. und dass man kontakt zu guten freunden verlieren kann, weil diese auf einmal eine neue beziehung eingehen, ist sicher auch etwas unabhängig vom beziehungskonzept, und eher abhängig von dem charakter und so weiter.
was aber monogamie, ob nun mit treuebruch oder ohne, eher zerstört als polyamorie, sind intensive bindungen (auch sexuelle) bzw. die offenheit zu solchen bindungen außerhalb der jeweiligen partnerschaft. freundschaften und bekanntschaften, die vorher z.b. das gewisse etwas hatten, oder das potenzial dazu, verflachen aufgrund der regelungen die zwei leute untereinander treffen, und zu denen die betroffenen im weiteren kreis nie befragt wurden, was sie davon halten.
aber gefühle sind auch ein wichtiger punkt bei der ethik. wenn man vereinbarungen trifft und sich dran hält, mag das ethisch sein. aber sind die vereinbarungen selbst dadurch auch ethisch? das problem ist ja gerade, was so oft bemängelt wird: in der monogamie wird zu sehr festgeschrieben, wie man zu fühlen und nicht zu fühlen hat. und v.a. wie man mit diesen gefühlen andern menschen gegenüber umzugehen hat.
psychische leiden wie z.b. eifersucht und paranoia werden als etwas natürliches und gutes hingestellt, eine aufarbeitung wird für individuen und für die gesamtgesellschaft somit extrem erschwert. diese leiden werden sogar kultiviert. das ist alles nicht ethisch.
hab jetzt den faden verloren, aber bestimmt das wichtigste gesagt.
Hm...meine Freundin und ich leben seit etwa 17 Jahren monogam, fühlt sich gut an.
Nach zwei und drei Jahren Beziehung hatte ich mal was mit anderen Mädels, beide Male
weil ich in unserer Bezieung was vermisst hatte. Schön geredet hatte ich mir das selbst
mit "hey, es ist doch toll mehrere Menschen zu lieben, das geht, wir sind alle so frei".
Meine Freundin selbst hatte in der ganzen Zeit nix mit nem anderen Typen, sie war mal kurz davor.
Ja, da war ich eifersüchtig, hatte ordentliche Verlustangst, Angst nicht zu genügen. Da war von der Freiheit
nicht mehr viel zu spüren, die ich zwei Jahre vorher noch bei meinem Abenteuer empfand
Naja, das ist jetzt auch schon mehr als zehn Jahre her.
Ich muss sagen, ich vermisse absolut nichts durch die Monogamie. Wenn meine Freundin meint sie müsse
heutzutage was mit jemand anders haben, dürfte sie das ruhig tun. Hat sie aber kein Interesse dran,
ich meinerseits auch nicht. Klar guck ich mir andere Frauen an, und hab Phantasien, aber absolut keinen
Drang sie auszuleben (ok, ab und zu mal im Klartraum^^ o_O).
Dafür ist das was wir haben viel zu schön. Da ist eine ganze Menge gewachsen, und auch nach 17 Jahren entdeckt man immer noch viel neues an der/dem anderen und an sich selbst. Unsere Monogamie at auch nach meinem Gefühl nichts mit Besitzanspruch etc.
zu tun, nö, es ist einfach alles gut so wie es ist. Klar kommen hier und da mal Gedanken in dieser Richtung (Eifersucht, etc.) auf, aber ich versuche diese immer so gut es geht zu entdecken, mich für sie zu öffnen, für mich klar zu bekommen und mich nicht davon beeinflussen zu lassen.
Ich kenne aber auch andere Fälle im Freundeskreis mit Leuten die ähnlich lange zusammen sind und denen
vor allem sexuell eher lagweilig wurde nach den ganzen Jahren, die halt auch schon mal hier und da ein
Abenteuer haben. Ist ja auch ok, soll doch jeder tun was er meint.
Lieben kann ich grundsätzlich so viele Menschen wie ich will, ich empfinde auch tiefe Liebe für meine Schwester und Nichte,
Eltern, Freunde, Freunde meiner Freunde, die Familien meiner Freunde und deren Freunde, Tiere, Pflanzen, und alles was dazu gehört.
Aber zu körperlicher Liebe habe ich halt nur mit meiner Freundin Lust.
26.10.2016, 22:16 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.10.2016, 22:23 von spell bound.)
(26.10.2016, 18:44)neuer träumer schrieb: (Text)
ich bin/war/wirke ja immer so anti und böse was das thema monogamie angeht. aber so wie du deine erfahrungen beschreibst, kann man da eigentlich nicht böse sein. nur ein paar gedanken: deine einstellung wirkt offener als das typische monogame denken. d.h. du sprichst nicht von regeln, sondern davon ob man lust auf mehr personen hat. wenn die lust gegeben ist, ist alles ok, da gibts also anscheinend keine einschränkungen. aber wenn sie nicht gegeben ist, ist auch alles ok. ich würd diese einstellung nicht zwingend monogam nennen. aber praktizierte monogamie vielleicht, sofern man eben grad nur lust auf einen partner hat.
natürlich könnte man sich fragen, woher lust und unlust hier eigentlich kommen. z.b. haben die eifersuchterlebnisse anscheinend probleme bereitet und können ein grund sein, warum man keine lust auf sowas mehr hat.
grundsätzlich ist es sicher nicht so eine gute idee, eine zusätzliche beziehung zu starten, um einen defekt einer aktuellen zu stopfen. weil das ja nicht funktioniert. aber es gibt ja auch noch ganz andere gründe, wie sich neue beziehungen bilden.
grundsätzlich gibt es natürlich auch noch den fall von leuten, die nicht einfach nur zusätzlich abenteuer suchen, sondern sich z.b. in mehrere personen verlieben, bzw. ein inniges band bilden, auch ganz unabsichtlich. - die einzigen absichten, die ich hier eher vermute sind die offenheit oder abgeblocktheit demgegenüber. aber das gilt ja auch alles schon für beziehungen generell:
es gibt auch leute, die grundsätzlich keine lust überhaupt auf beziehungen oder auf sex haben. wenn sie so glücklich mit sich und ihrer lebensweise sind, wenn ihr leben ihnen auf andere art genug gibt, kann man sicher auch nicht sagen, ihnen fehlt etwas. genauso wie jemandem mit einer einzigen beziehung etwas fehlen müsse, oder mit mehreren beziehungen. aber fehlen kann natürlich auch in allen diesen fällen jemandem etwas.
die offenheit gegenüber den eigenen gefühlen und unverfälschtheit und empathie auch im kontakt mit anderen - das ist es denke ich worum es geht. egal was für eine lebensweise dann konkret bzw. abschnittsweise daraus entsteht. weil das kann ja sehr vielfältig sein. nur mit strengen regeln hat es denke ich wenig zu tun, egal was dabei rumkommt.
Zitat: aber gefühle sind auch ein wichtiger punkt bei der ethik. wenn man vereinbarungen trifft und sich dran hält, mag das ethisch sein. aber sind die vereinbarungen selbst dadurch auch ethisch? das problem ist ja gerade, was so oft bemängelt wird: in der monogamie wird zu sehr festgeschrieben, wie man zu fühlen und nicht zu fühlen hat. und v.a. wie man mit diesen gefühlen andern menschen gegenüber umzugehen hat.
Joa, die Vereinbarungen sollten schon dem Zweck dienen, dass alle sich damit am wohlstmöglichen fühlen, sonst sind sie (so wie ich das wort jetzt verwenden würde) nicht ethisch.
und wie sich jemand fühlt, das kann man eh nicht vereinbaren. den umgang damit schon, aber sollte man auch nicht in einem sinne, dass man jetzt irgendwelche bedürfnisse komplett übergeht. eh klar, oder?^^
(@kleinschreibung... meine shift-taste ist kaputt. echt jetzt. zwar nur die eine aber trotzdem...^^)
(26.10.2016, 22:16)spell bound schrieb: ich bin/war/wirke ja immer so anti und böse was das thema monogamie angeht.
Warum genau ist das denn eigentlich so? Kommt das durch eigene negative Erfahrungen mit monogamen Beziehungen? Sorry wenn die Frage zu intim sein sollte...dann ignorier sie einfach
(26.10.2016, 22:16)spell bound schrieb: natürlich könnte man sich fragen, woher lust und unlust hier eigentlich kommen. z.b. haben die eifersuchterlebnisse anscheinend probleme bereitet und können ein grund sein, warum man keine lust auf sowas mehr hat.
Ja das stimmt. Da könnte ich mich und uns auf jeden Fall noch mal hinterfragen...
(26.10.2016, 22:16)spell bound schrieb: es gibt auch leute, die grundsätzlich keine lust überhaupt auf beziehungen oder auf sex haben. wenn sie so glücklich mit sich und ihrer lebensweise sind, wenn ihr leben ihnen auf andere art genug gibt, kann man sicher auch nicht sagen, ihnen fehlt etwas. genauso wie jemandem mit einer einzigen beziehung etwas fehlen müsse, oder mit mehreren beziehungen. aber fehlen kann natürlich auch in allen diesen fällen jemandem etwas.
27.10.2016, 16:31 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.06.2018, 22:01 von spell bound.)
(27.10.2016, 15:29)neuer träumer schrieb:
klar, schlechte erfahrungen sind dabei wesentlich. wie man manche freunde verliert, wenn sie nen partner haben, wie romanzen zerstört werden, weil sich jemand zwischen verschiedenen personen "entscheiden" muss. wie unrealistische erwartungen gestellt werden, wie eifersucht n riesen problem ist, wie familien gegründet werden und kinder darunter leiden.
dann kommen aber auch erwägungen dazu, die ich durch pure vernunft gezogen habe wie beispielsweise es einfach widersinnig ist, liebe mit bedingungen und regelungen zu verknüpfen.
edit: thema archiviert. man kann gerne einen neuen thread zu dem thema starten.
Warum Psychologen und Materialisten irren Magus 111 15.299 27.07.2018, 16:44

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