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Timestamp: 2019-06-16 13:58:27+00:00

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BGH, 09.12.2010 - VII ZR 7/10 - dejure.org
https://dejure.org/2010,1419
BGH, 09.12.2010 - VII ZR 7/10 (https://dejure.org/2010,1419)
BGH, Entscheidung vom 09.12.2010 - VII ZR 7/10 (https://dejure.org/2010,1419)
BGH, Entscheidung vom 09. Dezember 2010 - VII ZR 7/10 (https://dejure.org/2010,1419)
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§ 9 Abs 1 AGBG, § 768 Abs 1 S 1 BGB
AGB eines Bauvertrages: Übersicherung des Auftraggebers durch Verwendung von zwei Sicherungsklauseln
AGBG § 9; AEntG § 1a
Unzulässige Verknüpfung von Vertragserfüllungsbürgschaft und Abschlagszahlungseinbehalt bei Bauvertrag
Unwirksamkeit von Bauvertrags-AGB mit Sicherung der Erfüllung sowohl durch Einbehalt bei Abschlagszahlungen als auch Vertragserfüllungsbürgschaft
Vertragserfüllungsbürgschaft in Höhe von 10 % der Auftragssumme in Kombination mit Einbehalt von 10 % der Abschlagsrechnungen; Bauvertrag; Erfüllungsbürgschaft; Werklohnforderung
Zur Unwirksamkeit einer in AGB des Auftraggebers eines Bauvertrages enthaltenen Klausel, dass der Auftragnehmer zur Sicherung der vertragsgemäßen Ausführung der Werkleistungen eine Vertragserfüllungsbürgschaft in Höhe von 10 % der Auftragssumme zu stellen hat, bei gleichzeitiger Vereinbarung von Einbehalten bei Abschlagszahlungen
10% Erfüllungsbürgschaft bei 90% Abschlagszahlung unzulässig!
Vertragserfüllungsbürgschaft und Einbehalt: Doppelte Absicherung zulässig?
Übersicherung durch kombinierte Vertragserfüllungsbürgschaft und Abschlagszahlungsvereinbarung
BGB §§ 307, 632a
Unwirksamkeit von Bauvertrags-AGB mit Sicherung der Erfüllung sowohl durch Einbehalt bei Abschlagszahlungen als auch durch Vertragserfüllungsbürgschaft
mek-law.de , S. 1 (Entscheidungsbesprechung)
Unwirksame AGB eines Bauvertrages: Vertragserfüllungsbürgschaft mit 10% der Auftragssumme bei gleichzeitiger 90%-iger Abschlagszahlungsregelung
10%-Vertragserfüllungsbürgschaft und 90% Abschlagszahlung in AGB des AG: Unwirksam! (IBR 2011, 138)
Vertragserfüllungsbürgschaft von 10% der Auftragssumme in AGB gefordert: Wirksam? (IBR 2011, 139)
LG München I, 30.12.2008 - 24 O 2016/07
LG München I, 27.07.2011 - 24 O 2016/07
OLG München, 07.08.2012 - 11 W 1351/12
NJW 2011, 2125
MDR 2011, 219
NZBau 2011, 229
WM 2011, 598
BauR 2011, 677
ZfBR 2011, 241
Die auf diesen Prozentsatz beschränkte Absicherung des Auftraggebers ist daher nicht zu beanstanden (BGH…, Urteil vom 20. März 2014 - VII ZR 248/13, BGHZ 200, 326 Rn. 15; Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 Rn. 19 = NZBau 2011, 229).
Als unangemessen im Sinne dieser Vorschrift wird nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs eine Klausel angesehen, in der der Verwender missbräuchlich eigene Interessen auf Kosten des Vertragspartners durchzusetzen versucht, ohne die Interessen des Vertragspartners hinreichend zu berücksichtigen und ihm einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen (siehe nur BGH, Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 Rn. 18 = NZBau 2011, 229).
Der sich daraus ergebende finanzielle Mehraufwand wird vielfach 10 % der Auftragssumme erreichen oder sogar überschreiten (BGH, Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, aaO, Rn. 19).
Abschlagszahlungsregelungen, die vorsehen, dass der Auftraggeber trotz vollständig erbrachter Werkleistung einen Teil des Werklohns einbehalten darf, können zur Unwirksamkeit einer Sicherungsabrede betreffend eine Vertragserfüllungsbürgschaft führen, wenn sie in Verbindung mit dieser bewirken, dass die Gesamtbelastung durch die vom Auftragnehmer zu stellenden Sicherheiten das Maß des Angemessenen überschreitet (Anschluss an BGH, Urteil vom 9. Dezember 2010, VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 = NZBau 2011, 229).
Zutreffend führt das Berufungsgericht zunächst aus, dass eine zwischen dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer getroffene Sicherungsabrede, nach der letzterer eine Vertragserfüllungsbürgschaft zu stellen hat, den Auftragnehmer gemäß § 307 Abs. 1 BGB unangemessen benachteiligt und unwirksam ist, wenn der Verwender missbräuchlich eigene Interessen auf Kosten des Vertragspartners durchzusetzen versucht, ohne die Interessen des Vertragspartners hinreichend zu berücksichtigen und ihm einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen (vgl. BGH, Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 Rn. 18 = NZBau 2011, 229;… Urteil vom 20. April 2000 - VII ZR 458/97, BauR 2000, 1498, 1499, juris Rn. 30 = NZBau 2000, 424; jeweils m.w.N.).
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann sich die unangemessene Benachteiligung - wie das Berufungsgericht zu Recht erkennt - dabei auch aus einer Gesamtwirkung mehrerer, jeweils für sich genommen nicht zu beanstandender Vertragsbestimmungen ergeben (vgl. BGH…, Urteil vom 1. Oktober 2014 - VII ZR 164/12, BauR 2015, 114 Rn. 26 = NZBau 2014, 759; Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 Rn. 16 m.w.N. = NZBau 2011, 229).
Solche Abschlagszahlungsregelungen können daher zur Unwirksamkeit der Sicherungsabrede führen, wenn sie in Verbindung mit der Vertragserfüllungsbürgschaft bewirken, dass die Gesamtbelastung durch die vom Auftragnehmer zu stellenden Sicherheiten das Maß des Angemessenen überschreitet (vgl. BGH, Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 Rn. 23 f. = NZBau 2011, 229;… OLG Celle, BauR 2015, 676, 678, juris Rn. 34 ff. = NZBau 2014, 696).
Als unangemessen i.S.d. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB wird nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs eine Klausel angesehen, in der der Verwender missbräuchlich eigene Interessen auf Kosten des Vertragspartners durchzusetzen versucht, ohne die Interessen des Vertragspartners hinreichend zu berücksichtigen und ihm einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen (BGH, Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 Rn. 18 = NZBau 2011, 229 = ZfBR 2011, 241; Urteil vom 20. April 2000 - VII ZR 458/97, BauR 2000, 1498 = NZBau 2000, 424 = ZfBR 2000, 477; Urteil vom 5. Juni 1997 - VII ZR 324/95, BGHZ 136, 27).
Denn der Verwender von zwei Sicherungsklauseln, von denen eine nur Bestand haben kann, wenn die andere unwirksam ist, kann sich zur Begründung der Wirksamkeit der erstgenannten Klausel nicht darauf berufen, dass letztgenannte, ebenfalls von ihm selbst gestellte Klausel unangemessen und damit unwirksam ist (vgl. BGH, Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 = ZfBR 2011, 241).
Vielmehr ist für eine Übergangszeit, wobei der maßgebende Zeitpunkt der 1. Januar 2003 ist, der Vertrag dahin auszulegen, dass der Auftragnehmer eine unbefristete, selbstschuldnerische Bürgschaft schuldet (vgl. BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - VII ZR 502/99, BGHZ 151, 229, 234 ff.; Urteil vom 25. März 2004 - VII ZR 453/02, BauR 2004, 1143, 1145 = NZBau 2004, 322; Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 Rn. 20 = NZBau 2011, 229).
Der BGH habe deshalb im Urteil vom 09.12.2010 (VII ZR 7/10) auch ausdrücklich entschieden, dass eine Regelung nur dann unwirksam sei, wenn neben der Besicherung durch den Einbehalt von Abschlagszahlungen noch zusätzlich eine Sicherung durch eine Vertragserfüllungsbürgschaft hinzutrete.
(2) Auch im Urteil vom 09.12.2010 (VII ZR 7/10, BauR 2011, 677) hat der BGH an seiner o.a. Rechtsprechung zu Vertragserfüllungsbürgschaften ausdrücklich festgehalten (vgl. dort Rn 15) und dort lediglich klargestellt, dass die belastende Wirkung einer für sich allein gesehen noch hinnehmbaren Klausel durch eine oder mehrere weitere Vertragsbestimmungen derart verstärkt werden kann, dass Vertragspartner des Verwenders im Ergebnis unangemessen benachteiligt wird (so für den dortigen Fall, dass neben einer Vertragserfüllungsbürgschaft in Höhe von 10 % der Auftragssumme im Vertrag noch zusätzlich bestimmt ist, dass die sich aus den geprüften Abschlagsrechnungen ergebenden Werklohnforderungen des Auftragnehmers nur zu 90 % zu bezahlen seien (vgl. dort Rn 16 ff. mwN).
Die Berufung der Beklagten stützt sich aus gleichen Gründen auch ohne Erfolg darauf, der BGH habe im Urteil vom 09.12.2010 (VII ZR 7/10, BauR 2011, 677) ausdrücklich entschieden, dass eine Regelung unwirksam sei, wenn neben der Besicherung durch den Einbehalt von Abschlagszahlungen noch zusätzlich eine Sicherung durch eine Vertragserfüllungsbürgschaft hinzutrete.
Der BGH hat vielmehr auch im Urteil vom 09.12.2010 (a.a.O., Rn 15) ausdrücklich an den Feststellungen in seinem Urteil vom 12.02.2009 unter Bezugnahme auf sein früheres Urteil vom 25.03.1998 (VIII ZR 244/97, NJW 1998, 2284) festgehalten.
Er hat im Urteil vom 09.12.2010 (a.a.O., Rn 16) indes ausdrücklich differenziert und klargestellt, dass es im dort entschiedenen Fall (anders als im Urteil vom 12.02.2009, a.a.O., Rn 15) allein darum ging, ob zwei getrennte, an sich voneinander unabhängig zu beurteilende Klauseln (nämlich: Vertragserfüllungsbürgschaft in Höhe von 10 % der Auftragssumme u n d zusätzlich auch noch Einbehalte bei den Abschlagszahlungen von 10 %) in ihrem Zusammenwirken zu einer unangemessenen Benachteiligung führen.
Als unangemessen im Sinne dieser Vorschrift wird nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs eine Klausel angesehen, in der der Verwender missbräuchlich eigene Interessen auf Kosten des Vertragspartners durchzusetzen versucht, ohne die Interessen des Vertragspartners hinreichend zu berücksichtigen und ihm einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen (siehe nur BGH…, Urteil vom 20. März 2014 - VII ZR 248/13, BGHZ 200, 326 Rn. 15; Urteil vom 9. Dezember 2010 - VII ZR 7/10, BauR 2011, 677 Rn. 18 = NZBau 2011, 229).
Dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 09.12.2010 (NJW 2011, 2125) lässt sich in der Gesamtschau entnehmen, dass eine Vertragserfüllungsbürgschaft in Höhe von 10 % des Auftragswertes die Grenze des Vertretbaren darstellt, dass diese Grenze jedoch überschritten wird, wenn eine zusätzliche Absicherung in der Form hinzutritt, dass Abschlagszahlungen nicht in voller Höhe, sondern nur mit Abzügen von bis zu 10 % zu leisten sind.
Bei der Beurteilung der Wirksamkeit der AGB-Bestimmungen über Sicherheiten ist die belastende Gesamtwirkung beider Klauseln zu berücksichtigen (BGH NJW 2011, 2125).
Die Klausel stellt zusammen mit der Regelung über die Ablösung des Sicherheitseinbehaltes eine einheitliche Regelung dar, die nicht trennbar ist, so dass die Regelungen über den Sicherheitseinbehalt und die Gewährleistungsbürgschaft insgesamt unwirksam sind (vergleiche BGH NJW 2009, 3422; NJW 2002, 894, NJW-RR 2007, 1319; BGH NJW 2011, 2125).
Die Klägerin kann sich nicht darauf berufen, dass die von der Zedentin selbst gestellte Klausel zum Sicherheitseinbehalt insgesamt unwirksam sei, um die benachteiligende Gesamtwirkung zweier Klauseln zu vermeiden (BGH NJW 2011, 2125, Rdz. 22).
Als unangemessen ist eine Klausel anzusehen, in der der Verwender missbräuc lich eigene Interessen auf Kosten des Vertragspartners durchzusetzen versucht, ohne die Interessen des Vertragspartners hinreichend zu berücksichtigen und ihm einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen (BGH, Urteil vom 09.12.2010 - VII ZR 7/10).
Vertragserfüllungsbürgschaften in einer Größenordnung von 10 % benachteiligen den Auftragnehmer nicht entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen (BGH, Urteil vom 09.12.2010, a. a. O.).
Denn es ist nicht Sache des Gerichts auszusuchen, welche der beiden Klauseln bestehen bleiben soll (BGH, Urteile vom 05.05.2011 - VII ZR 179/10; vom 09.12.2010, a. a. O.).
Der Verwender von zwei Sicherungsklauseln, von denen eine nur Bestand haben kann, wenn die andere unwirksam ist, kann sich nicht darauf berufen, dass die von ihm selbst gestellte Klausel unangemessen und damit unwirksam ist (BGH, Urteil vom 09.12.2010, a. a. O.).
Dem Auftragnehmer wird neben der Belastung der Kosten für die Bürgschaft auch Liquidität durch die nur teilweise erfolgenden Auszahlungen der Abschlagszahlungen und des weiteren Einbehalts entzogen (vgl. nur BGH, Urteil vom 09.12.2010, a. a. O.; OLG Brandenburg, Urteil vom 16.03.1999 - 11 U 107/98;… Schmitz, ibr-online, Sicherheiten für die Bauvertragsparteien, Stand: 30. Dezember 2012, Rn. 121).
Zudem trägt der Auftragnehmer mangels einer Vereinbarung zur Sicherung der vorgenannten Einbehalte das Risiko, dass der Auftraggeber insolvent wird und er mit bis zu 8, 43 % der für seine erbrachte Leistung zu beanspruchenden Werklohnforderung ausfällt (BGH, Urteil vom 09.12.2010, a. a. O.).
OLG Bamberg, 26.06.2018 - 5 U 99/15
Bauvertrag, Schadensersatz, Annahmeverzug, Gesamtschuldner, Abnahmeprotokoll, …
OLG Karlsruhe, 06.08.2013 - 19 U 99/12
Formularmäßige Vereinbarung einer Sicherung von Gewährleistungsansprüchen
OLG Frankfurt, 19.05.2014 - 18 U 56/13
Wirksamkeit einer Sicherungsabrede aus einem Bauvertrag
OLG Celle, 11.06.2014 - 13 U 9/14
LG Berlin, 07.03.2013 - 20 O 272/12
Sicherungsabrede aus dem VHB Bund (Ausgabe 2002) unwirksam!

References: § 9
 § 768
 § 9
 § 1
 § 307
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 BGH 
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