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Timestamp: 2020-05-26 17:41:30+00:00

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2 In Betracht kommende Gesellschaftsformen für die Unternehmensgründung von A, B und C
2.1 Personengesellschaften
2.1.1 Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
2.1.2 Offene Handelsgesellschaft (oHG)
2.1.3 Kommanditgesellschaft (KG)
2.2.1 Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
2.2.2 Aktiengesellschaft (AG)
2.3 Mischformen von Kapital- und Personengesellschaften
3 Wahl der geeigneten Gesellschaftsform für die Unternehmensgründung von A, B und C
3.1 Lebenssituationen der Beteiligten A, B und C
3.2 Vor- und Nachteile der in Betracht kommenden Gesellschaftsformen
3.2.1 Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
3.2.2 Offene Handelsgesellschaft (oHG)
3.2.3 Kommanditgesellschaft (KG)
3.2.4 Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
3.2.5 Aktiengesellschaft (AG)
3.3 Empfehlung der geeigneten Gesellschaftsform
3.4 Festlegung von Randbedingungen für die Erstellung eines Gesellschaftsvertrags zwischen A, B und C
3.5 Entwurf des Gesellschaftsvertrags zwischen A, B und C
Abbildung 1: unterschiedliche Unternehmensformen in Deutschland
Tabelle 1: Vergleich der verschiedenen Merkmale einer oHG und einer GmbH
A, B und C, die sich schon seit geraumer Zeit privat aus dem Bereich des Motorsports kennen, haben die Idee, sich gleichzeitig berechtigt „selbstständig zu machen“. Sie sind der Meinung im Bereich des Fahrzeug- und Karosseriebaus, insbesondere des Sonderkarosseriebaus, und der Fahrzeugtechnik erfolgreich Geschäfte tätigen können. Mittel- und langfristig gesehen soll der Schwerpunkt im Bereich des professionellen Fahrzeugtunings liegen, bis hin zur eigenen Entwicklung von Tuningserien und Tuningteilen für Privatleute, aber auch für den professionellen Renneinsatz in verschiedenen Motorsportserien. Den Beteiligten ist klar, dass sie, um erstmal „ins Geschäft zu kommen“, „klein anfangen“ müssen. Deshalb soll der Schwerpunkt zunächst in der Reparatur von Unfallfahrzeugen liegen, so dass das „Tuninggeschäft“ hierneben aufgebaut werden kann. Unter der Prämisse, dass ein Großteil der benötigten Maschinen und Werkzeuge geleast werden kann, gehen die Beteiligten davon aus, dass ein Startkapital von rund 100.000 Euro benötigt wird.
Um herauszufinden, welche Gesellschaftsform für ihr beabsichtigtes Unternehmen die empfehlenswerteste ist, wird mit den Beteiligten A, B und C ein Beratungsgespräch durchgeführt. Bei dem Gespräch ist es den Beteiligten zunächst wichtig zu wissen, welche Gesellschaftsformen für ihre Unternehmensgründung generell in Betracht kommen. Bevor eine Empfehlung der geeigneten Unternehmensform erfolgt, sollen den Beteiligten die Vor- und Nachteile der einzelnen Unternehmensformen aufgezeigt werden.
Ferner soll ein auf die Situation der Beteiligten zugeschnittener Gesellschaftsvertrag entworfen werden.
Die Inhalte und Ergebnisse des Beratungsgespräches werden in dieser Studienarbeit wiedergegeben.
Die Studienarbeit gliedert sich in vier Kapitel. Nachdem in Kapitel eins die Problemstellung und die Zielsetzung der Arbeit beschrieben wurden, definiert Kapitel zwei die Eigenschaften der in Betracht kommenden Gesellschaftsformen der Beteiligten A, B und C.
Nach Aufzeigung der jeweiligen Vor- und Nachteile der in Betracht kommenden Gesellschaftsformen, wird den Beteiligten A, B und C zu der für sie persönlich empfehlenswertesten Gesellschaftsform geraten. Abschließend wird in Kapital drei ein Gesellschaftsvertrag zwischen den Beteiligten entworfen.
In Kapitel vier werden die wichtigsten Ergebnisse der Studienarbeit nochmals zusammengefasst und ein Ausblick für die Zukunft der Beteiligten A, B und C prognostiziert.
In Deutschland unterteilen sich die wichtigsten Gesellschaftsformen in Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften und Gesellschaften besonderer Art. Diese Gesellschaften lassen sich noch weiter unterteilen. Beispielsweise sind die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die offene Handelsgesellschaft, sowie die Kommanditgesellschaft verschiedene Arten von Personengesellschaften. Des Weiteren gibt es noch Mischformen von verschiedenen Gesellschaften. So kann zum Beispiel eine Kapitalgesellschaft und eine Personengesellschaft eine Unternehmensmischform bilden (z.B. eine GmbH & Co. KG).
Alle Gesellschaftsformen gehen jedoch auf zwei Grundtypen zurück: Der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (§§705 ff. BGB) und dem eingetragenen Verein (§§21 ff. und 55 ff. BGB).
Die unterschiedlichen Rechtsformen weisen unterschiedliche Merkmale auf. Bestimmungsfaktoren für die Wahl der richtigen Rechtsform sind zum Beispiel die Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnis der Gesellschafter, Steuer- und Kostenbelastungen, die Kapitalaufbringung, Publizitätserfordernisse, sowie die Haftung für Schulden der Gesellschaft.1
Die Gesellschaften besonderer Art werden bei dem Beratungsgespräch nicht angesprochen, da diese in dem Zusammenhang der Unternehmensgründung von A, B und C nicht in Frage kommen.
Nachfolgendes Schaubild soll die unterschiedlichen Arten der deutschen Unternehmensformen besser verdeutlichen:
Quelle: http://www.drweb.de/magazin/wp-content/uploads/gesellschaftsformen-2010.png
Wie bereits erwähnt lassen sich Personengesellschaften unterteilen. In Deutschland existieren fünf Arten von Personengesellschaften:
- Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) / §§705 - 740 BGB, sowie die allgemeinen Vorschriften (insb. §§320 ff. – eingeschränkt -, §§420 ff., 427 BGB)
- Offene Handelsgesellschaft (oHG) / §§105 – 160 HGB
- Kommanditgesellschaft (KG) / §§161 – 177 HGB
- Stille Gesellschaft / §§230 – 237 HGB
- Partnerschaftsgesellschaft / PartGG.
Für die Unternehmensgründung von A, B und C kommen allerdings nur die ersten drei Gesellschaftsformen in Betracht, daher werden im Folgenden nur diese näher erläutert.
Die „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ oder „BGB-Gesellschaft“ ist ein vertraglicher Zusammenschluss von natürlichen oder juristischen Personen (Gesellschafter), die sich verpflichten, einen gemeinsamen Zweck zu fördern und die vereinbarten Beiträge zu leisten.2 Es entsteht keine Handelsgesellschaft. Es gelten die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Um eine GbR handelt es sich, wenn mehrere Personen einen Gewerbebetrieb führen, der keinen nach Art und Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert und auch nicht freiwillig in das Handelsregister eingetragen ist.3
Zur Gründung der Gesellschaft wird ein Vertrag geschlossen, der an keine Form gebunden ist (Ausnahme: Einbringung von Grundstücken gem. §311b, Abs.1 BGB). Es entsteht keine Kaufmannseigenschaft gem. §1 HGB, weswegen eine Firma (§§17 ff. HGB) nicht genutzt werden kann. Nach außen entsteht die Gesellschaft mit Aufnahme der Tätigkeiten.
Die Einlagen der Gesellschafter werden gemeinschaftliches Vermögen der Gesellschafter (Gesamthandvermögen). Die einzelnen Gesellschafter haben keinen Verfügungsanspruch auf einen Anteil an diesem Vermögen.4
Die Geschäftsführung betrifft das Verhältnis der Gesellschafter untereinander (Innenverhältnis), also die Frage, wer ein Geschäft für die Gesellschaft abschließen darf. Nach der gesetzlichen Regelung werden die Geschäfte von allen Gesellschaftern gemeinsam abgeschlossen. Für jedes Geschäft ist demnach die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich. Widerspricht ein Gesellschafter einem Geschäft, muss es unterbleiben. Im Gesellschaftsvertrag kann eine andere Vereinbarung getroffen werden, da die gesetzliche Regelung oft sehr umständlich zu erfüllen ist. So können einzelne Gesellschafter mit der Geschäftsführung beauftragt werden, wobei die ausgeschlossenen Gesellschafter dann ein umfangreiches Kontroll- und Widerspruchsrecht haben. Es kann auch vereinbart werden, dass die Stimmenmehrheit der Gesellschafter darüber entscheidet, ob ein Geschäft getätigt wird oder nicht. Dabei hat im Zweifel jeder Gesellschafter eine Stimme.5
Die Vertretung betrifft das Verhältnis der Gesellschafter zu Personen, die außerhalb der Gesellschaft stehen (Außenverhältnis). Nach der gesetzlichen Regelung vertreten alle Gesellschafter gemeinsam die Gesellschaft nach außen. Hat ein Gesellschafter nach dem Gesellschaftsvertrag die Geschäftsführungsbefugnis alleine, so ist im Zweifel davon auszugehen, dass er auch alleine die Gesellschaft nach außen vertreten und Geschäfte für die Gesellschaft abschließen kann.6
Die Haftung der Gesellschafter für Verluste ist in der Gesellschaft bürgerlichen Rechts sehr umfangreich. Die Gesellschafter haften unbeschränkt, unmittelbar und solidarisch.7 Ausgeschiedene Gesellschafter haften für bestehende Verbindlichkeiten. Neu eintretende Gesellschafter haften nicht für bestehende Verbindlichkeiten.8
Gem. § 722 BGB erhält jeder Gesellschafter den gleichen Anteil am Gewinn, unabhängig davon, wie hoch seine Einlage ist, gleiches gilt für den Verlust. Vertraglich kann dies anders geregelt werden.
Nach der gesetzlichen Regelung führen die folgenden Gründe zur Auflösung der Gesellschaft:
- Ausscheiden eines Gesellschafters durch Tod, Kündigung oder Insolvenz
- Auflösung im Rahmen des Insolvenzverfahrens
- Vertragsablauf.
Kündigen kann jeder Gesellschafter jederzeit, wenn die Gesellschaft nicht für eine bestimmte Zeitdauer gegründet wurde oder wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Ein wichtiger Grund liegt insbesondere dann vor, wenn ein anderer Gesellschafter eine wesentliche Verpflichtung aus dem Gesellschaftsvertrag verletzt. Kündigt ein Gesellschafter zur „Unzeit“, ist er den anderen Gesellschaftern zum Schadensersatz verpflichtet.9
Vertraglich kann vereinbart werden, dass beim Ausscheiden eines Gesellschafters die restlichen Gesellschafter die Gesellschaft fortführen.
Steuerlich ist die GbR im Rahmen der Einkommensteuer kein selbstständiges Steuerobjekt, vielmehr sind die einzelnen Gesellschafter, soweit sie natürliche Personen sind, einkommensteuerpflichtig. Übt die GbR eine gewerbliche Tätigkeit aus, wird sie gewerbesteuerpflichtig. Im Rahmen der Umsatzsteuer ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts als Unternehmer umsatzsteuerpflichtig.10
Eine offene Handelsgesellschaft ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei Personen, die unter gemeinschaftlicher Fima tätig werden. Sie bildet eine spezielle Form der BGB-Gesellschaft, bei der auch die Vorschriften des Handelsgesetzbuches zu beachten sind. Die OHG ist entweder „Ist-Kaufmann“, wenn sie ein Handelsgewerbe betreibt, oder „Kann-Kaufmann“, wenn sie sich freiwillig in das Handelsregister eintragen lässt. Auch die Gesellschafter erhalten die Kaufmannseigenschaft.11
Die oHG ist zwar nicht rechtsfähig, kann aber unter ihrer Firma Rechte erwerben, Verbindlichkeiten eingehen, Eigentum erwerben, klagen und verklagt werden. In den Geschäftsbriefen, die an eine bestimmte Person gerichtet werden, müssen die Rechtsform und der Sitz der Gesellschaft, das Registergericht und die Nummer, unter welcher die Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen ist, angegeben werden.12
Im Innenverhältnis entsteht die Gesellschaft durch den Abschluss eines Gesellschaftsvertrags. Von diesem Zeitpunkt an gelten die gesetzlichen oder vertraglichen Vorschriften für die Rechtsverhältnisse der Gesellschafter untereinander, z.B. zur Geschäftsführung.13 Im Außenverhältnis entsteht die Gesellschaft durch die Eintragung in das Handelsregister. Die Eintragung als „Ist-Kaufmann“ hat deklaratorische Wirkung und die Eintragung als „Kann-Kaufmann“ hat konstitutive Wirkung. Wenn die Gesellschaft kein Handelsgewerbe betreibt, ist sie eine GbR und wird erst durch freiwillige Eintragung in das Handelsregister zur oHG. Hat die Gesellschaft ihre Geschäfte schon vor der Eintragung aufgenommen, so ist die Gesellschaft von diesem Zeitpunkt an nach außen entstanden.14
Die Eintragung in das Handelsregister ist von allen Gesellschaftern zu veranlassen und muss gem. §§106 und 108 HGB bestimmte Mindestangaben enthalten.
Beim Abschluss des Gesellschaftsvertrages ist eine Form zwar nicht vorgeschrieben, die Schriftform ist jedoch zu empfehlen, weil i.d.R. wichtige Vereinbarungen getroffen werden. Die Regelungen des Gesellschaftsvertrages gelten im Innenverhältnis vor den Regelungen des Gesetzes. Die gesetzlichen Regelungen für das Außenverhältnis (z.B. Vertretungsmacht, Haftung) sind im Grundsatz nicht zu verändern. Dies dient der Rechtssicherheit.
Die Gesellschafter sind zur Leistung der vereinbarten Einlage in Geld oder Sachwerten verpflichtet. Das Vermögen wird Gesellschaftsvermögen (Gesamthandsvermögen), d.h., der einzelne Gesellschafter kann über das Vermögen nicht mehr verfügen. Wer die vereinbarte Einlage nicht leistet ist schadensersatzpflichtig und muss Zinsen an die Gesellschaft zahlen.15 Ein Mindestkapital ist nicht vorgeschrieben.
Zur Geschäftsführung sind alle Gesellschafter berechtigt und verpflichtet. Für gewöhnliche Geschäfte gilt die Einzelgeschäftsführung, bei außergewöhnlichen Geschäften ist die Zustimmung aller Gesellschafter notwendig. Außergewöhnlich sind z.B. der Kauf und Verkauf von Grundstücken, Eröffnung von Filialbetrieben und die Ernennung von Prokuristen. Außerdem hat jeder Gesellschafter ein Widerspruchsrecht gegen alle Geschäfte.16 Vertraglich wird oft vereinbart, dass bestimmte Aufgaben von einzelnen Gesellschaftern wahrgenommen werden. Vertraglich oder durch Gerichtsentscheidung kann ein Gesellschafter von der Geschäftsführung ausgeschlossen werden. Er hat dann ein umfangreiches Kontrollrecht. Dieses Kontrollrecht besteht in einer laufenden Kontrolle aller Geschäfte und der Einsicht in die Handelsbücher und in den Jahresabschluss.17
Jeder zur Geschäftsführung berechtigte Gesellschafter kann die Gesellschaft alleine nach außen vertreten und damit wirksame Rechtsgeschäfte für die Gesellschaft abschließen. Die Vertretungsmacht erstreckt sich auf alle gewöhnlichen und außergewöhnlichen Geschäfte, einschließlich der Veräußerung und Belastung von Grundstücken sowie der Erteilung und des Widerrufs einer Prokura. Eine Beschränkung des Umfangs der Vertretungsmacht ist Dritten gegenüber unwirksam. Vertraglich kann lediglich eine Gesamtvertretung in der Form vereinbart werden, dass nur alle Gesellschafter gemeinsam die oHG vertreten können, nur ein oder mehrere Gesellschafter die oHG vertreten können oder ein Gesellschafter nur zusammen mit einem Prokuristen die oHG vertreten kann. Ein Entzug der Vertretungsmacht ist bei wichtigem Grund durch Gerichtsentscheidung möglich. Diese von der gesetzlichen Regelung abweichenden Regelungen müssen in das Handelsregister eingetragen werden, damit sie Dritten gegenüber wirksam werden.18
Jeder Gesellschafter haftet für Verbindlichkeiten der Gesellschaft unbeschränkt, unmittelbar und solidarisch.19 Hat ein Gesellschafter Schulden der Gesellschaft bezahlt, so hat er einen Ausgleichsanspruch gegen die anderen Gesellschafter. Beim Eintritt in die Gesellschaft haftet ein neuer Gesellschafter für alle bestehenden Verbindlichkeiten.20 Beim Ausscheiden eines Gesellschafters haftet dieser noch fünf Jahre für die Verbindlichkeiten, die bei seinem Ausscheiden bestanden.21 Vertraglich kann die Haftung der Gesellschafter gem. §128 HGB nicht eingeschränkt werden. Ein Haftungsausschluss im Innenverhältnis hat für Gläubiger der Gesellschaft keine Bedeutung.
Nach §121 HGB erhält jeder Gesellschafter zunächst einen vier prozentigen Gewinnanteil auf seine Kapitaleinlage, wobei die Entnahmen und Einlagen des Jahres zu berücksichtigen sind. Reicht der Gewinnanteil hierzu nicht aus, vermindert sich der Zinssatz entsprechend. Der Restgewinn wird in gleichen Teilen nach Köpfen verteilt. Ein Verlust wird in gleichen Teilen nach Köpfen verteilt. Gewinne müssen nicht entnommen werden, sie erhöhen dann die Einlage des Gesellschafters. Verluste kürzen die Einlagen der Gesellschafter. Aufwendungen, die ein Gesellschafter im Interesse der Gesellschaft getätigt hat, sind zu ersetzen. Vertraglich können die gesetzlichen Vorschriften zur Gewinn- und Verlustverteilung beliebig verändert werden.
Jeder Gesellschafter hat Anrecht auf Privatentnahmen während des Jahres bis zu vier Prozent seiner Einlage. Dies gilt auch dann, wenn Verluste der Gesellschaft zu erwarten sind. Eine höhere Entnahme ist mit Zustimmung der anderen Gesellschafter möglich.22
Ohne Einwilligung der anderen Gesellschafter darf ein Gesellschafter keine Geschäfte auf eigene Rechnung im Handelszweig der Gesellschaft abschließen. Ebenfalls darf er keine Beteiligung als Vollhafter in einer gleichartigen Handelsgesellschaft halten. Verstößt ein Gesellschafter gegen diese Regelung, so hat die oHG ein Recht auf Schadensersatz.23
Eine oHG wird in folgenden Fällen aufgelöst:
- Vertragsablauf
- Gerichtliche Entscheidung.
Durch das Ausscheiden eines Gesellschafters wird die oHG nicht aufgelöst. Gründe für das Ausscheiden können insbesondere der Tod des Gesellschafters, ein Beschluss der Gesellschafter und ein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Gesellschafters sein. Jeder Gesellschafter kann auch mit einer Frist von sechs Monaten zum Schluss eines Geschäftsjahres kündigen.24
Steuerlich betrachtet ist die oHG weder einkommen- noch körperschaftsteuerpflichtig. Der Gewinn wird vom Betriebsfinanzamt zunächst einheitlich und gesondert festgestellt und dann den Wohnsitzfinanzämtern der Gesellschafter übermittelt. Nach §15 EStG gehören zum Gewinn aus Gewerbebetrieb auch die Tätigkeitsvergütungen, die Miete für überlassene Wirtschaftsgüter und die Zinsen für Darlehen der Gesellschafter. Wird ein handelsrechtlicher Gewinn ermittelt, bei dem die oben genannten Beiträge als Betriebsausgaben erfasst wurden, müssen diese Beträge für steuerliche Zwecke wieder hinzugerechnet werden. Wenn die oHG gewerblich tätig ist, wird auch Gewerbesteuer fällig. Im Rahmen der Umsatzsteuer gilt die oHG als Unternehmer und Steuerpflichtiger.
Eine Kommanditgesellschaft ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei Personen, die unter gemeinschaftlicher Firma ein Handelsgewerbe betreiben und bei denen mindestens ein Gesellschafter mit seinem gesamten Vermögen, wie ein oHG-Gesellschafter haftet und mindestens ein Gesellschafter nur mit seiner Vermögenseinlage haftet. Der unbeschränkt haftende Gesellschafter wird als Komplementär bezeichnet, während der beschränkt haftende Gesellschafter der Kommanditist ist.
Wenn §§161 – 177a HGB nichts anderes regeln, gelten für die Kommanditgesellschaft die gleichen Vorschriften wie für die offene Handelsgesellschaft. Dies gilt insbesondere für die Rechtsstellung des Komplementärs, der wie ein oHG-Gesellschafter behandelt wird.25
Im Folgenden werden nur die Punkte aufgeführt, die eine von der oHG abweichende Regelung beinhaltet.
Die Eintragung in das Handelsregister ist von allen Gesellschaftern, also auch von den Kommanditisten zu bewirken. Bei der Bekanntmachung im Bundesanzeiger werden allerdings keine Angaben über die Kommanditisten gemacht.26
Die Gesellschafter sind zur Leistung der vereinbarten Einlagen verpflichtet. Vertraglich kann vereinbart werden, dass die Kommanditisteneinlage zunächst nicht voll einzuzahlen ist.
Die Kommanditisten sind von der Geschäftsführung ausgeschlossen. Lediglich bei außergewöhnlichen Geschäften besitzen sie ein Widerspruchsrecht. Weil der Kommanditist nicht an der Geschäftsführung beteiligt ist, hat er das Recht, den Jahresabschluss unter Einsicht der Bücher und Papiere zu prüfen. Das umfangreiche Kontrollrecht des von der Geschäftsführung ausgeschlossenen oHG-Gesellschafters hat der Kommanditist nicht.27
Zur Vertretung der Gesellschaft ist der Kommanditist gem. §170 HGB nicht befugt.
Der Kommanditist haftet nicht mehr, wenn seine Einlage voll eingezahlt ist. Ist die Kommanditeinlage noch nicht voll eingezahlt, haftet er mit dem ausstehenden Betrag. Beim Eintritt in eine bestehende Gesellschaft haften die Kommanditisten für bestehende Verbindlichkeiten der Gesellschaft mit dem nicht eingezahlten Teil ihrer Einlage.28 Vor der Eintragung in das Handelsregister ist die beschränkte Haftung des Kommanditisten noch nicht wirksam, es sei denn, dass der Gläubiger von der beschränkten Haftung wusste. Der Kommanditist haftet dann wie ein Komplementär bzw. wie ein oHG-Gesellschafter.29
Die Gewinn- und Verlustverteilung der KG ist der oHG ähnlich. Der Gewinnanteil beträgt zunächst vier Prozent der Kapitaleinlage. Der Rest und ein eventuell auftretender Verlust wird „in angemessenem Verhältnis verteilt.30
Gem. §169 HGB hat der Kommanditist kein Recht zur Privatentnahme. Außerdem gibt es für ihn kein Wettbewerbsverbot.31
Wenn vertraglich nichts anderes vereinbart wurde, wird die KG aus den gleichen Gründen aufgelöst wie eine oHG. Steuerlich wird sie ebenfalls wie die oHG behandelt.
1 Vgl. Klunzinger, Grundzüge des Gesellschaftsrechts, S. 6
2 Vgl. §705 BGB; Kallwass, Privatrecht, S. 328
3 Vgl. Klunzinger, Übungen im Privatrecht, S. 451
4 Vgl. §§706, 718-719 BGB
5 Vgl. §§709-710 BGB; Klunzinger, Übungen im Privatrecht, S. 451
6 Vgl. §714 BGB
7 Vgl. §427 BGB
8 Vgl. §§736-739 BGB
9 Vgl. §§723 ff. BGB; Klunzinger, Grundzüge des Gesellschaftsrechts, S. 43-45
10 Vgl. Klunzinger, Grundzüge des Gesellschaftsrechts, S. 46-47
11 Vgl. §105 HGB; Kallwass, Privatrecht, S. 328
12 Vgl. §125a HGB; Klunzinger, Grundzüge des Gesellschaftsrechts, S. 56
13 Vgl. §109 HGB; Klunzinger, Übungen im Privatrecht, S. 465
14 Vgl. §123 HGB; Klunzinger, Übungen im Privatrecht, S. 465
15 Vgl. §111 HGB; Klunzinger, Grundzüge des Gesellschaftsrechts, S. 66-67
16 Vgl. §§114 ff. HGB; Klunzinger, Grundzüge des Gesellschaftsrechts, S. 70-71
17 Vgl. §118 HGB
18 Vgl. §§125-127 HGB
19 Vgl. §§128 ff. HGB
20 Vgl. §130 HGB; Klunzinger, Übungen im Privatrecht, S. 465
21 Vgl. §160 HGB; Klunzinger, Übungen im Privatrecht, S. 465
22 Vgl. §122 HGB
23 Vgl. §112 HGB
24 Vgl. §§131,132 HGB; Klunzinger, Grundzüge des Gesellschaftsrechts, S. 97
25 Vgl. §161 HGB; Kallwass, Privatrecht, S. 328
26 Vgl. §162 HGB
27 Vgl. §§164 ff. HGB; Klunzinger, Grundzüge des Gesellschaftsrechts, S. 111
28 Vgl. §173 HGB; Klunzinger, Übungen im Privatrecht, S. 486
29 Vgl. §176 HGB; Klunzinger, Übungen im Privatrecht, S. 486
30 Vgl. §168 HGB
31 Vgl. §165 HGB
9783656915416
9783656915423
v293700
Wahl der Rechtsform Gesellschaftsrecht Rechtsformwahl
Die richtige Rechtsformwahl für einen zu gründenden Betrieb

References: §311
 §1
 § 722
 §128
 §121
 §15
 §170
 §169
 §705
 §714
 §427
 §105
 §125
 §109
 §123
 §111
 §118
 §130
 §160
 §122
 §112
 §161
 §162
 §173
 §176
 §168
 §165