Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.04.1993&Aktenzeichen=I%20ZR%2092/91
Timestamp: 2020-04-04 19:26:58+00:00

Document:
BGH, 29.04.1993 - I ZR 92/91 - dejure.org
https://dejure.org/1993,590
BGH, 29.04.1993 - I ZR 92/91 (https://dejure.org/1993,590)
BGH, Entscheidung vom 29.04.1993 - I ZR 92/91 (https://dejure.org/1993,590)
BGH, Entscheidung vom 29. April 1993 - I ZR 92/91 (https://dejure.org/1993,590)
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Sittenverstoß - Werbegeschenk - Reservierungsgutschein - Hotelgewerbe - Zugabeverordnung - Gesetzesverstoß
UWG § 1; RabattG § 1; ZugabeVO § 1
übertriebenes Anlocken; Normalpreis; verbotene Nebenleistung
RabattG § 1 Abs. 1; UWG § 1; ZugabeVO § 1 Abs. 1
Zugabeverordnung; Hotelaufenthalt als Werbegeschenk
NJW 1993, 2937 (Ls.)
NJW-RR 1993, 1066
MDR 1993, 962
GRUR 1993, 774
WM 1993, 1694
BB 1993, 1614
DB 1993, 2381
Allerdings ist insofern die Verkehrsauffassung maßgeblich, die wiederum durch das Geschäftsgebaren des Werbenden beeinflußt und bestimmt werden kann (…vgl. BGH, Urt. v. 23.5.1991 - I ZR 172/89, GRUR 1991, 933, 934 = WRP 1991, 648 - One for Two; Urt. v. 29.4.1993 - I ZR 92/91, GRUR 1993, 774, 775 = WRP 1993, 758 - Hotelgutschein).
Der Preisnachlaß, der in der Schenkung einer an sich entgeltlichen Leistung liegt, stellte daher keinen Preisnachlaß i.S. des § 1 RabattG dar (…BGH, Urt. v. 26.2.1965 - Ib ZR 51/63, GRUR 1965, 489 - Kleenex, insoweit nicht in BGHZ 43, 278; Urt. v. 29.4.1993 - I ZR 92/91, GRUR 1993, 774, 775 = WRP 1993, 758 - Hotelgutschein).
Werbegeschenke sind grundsätzlich zulässig (…vgl. BGH, Urt. v. 23.2.1989 - I ZR 138/86, GRUR 1989, 366, 367 = WRP 1990, 28 - Wirtschaftsmagazin;… Urt. v. 12.10.1989 - I ZR 155/87, GRUR 1990, 44, 45 = WRP 1990, 266 - Annoncen-Avis; Urt. v. 29.4.193 - I ZR 92/91, GRUR 1993, 774, 776 = WRP 1993, 758 - Hotelgutschein;… Urt. v. 7.5.1992 - I ZR 176/90, GRUR 1992, 621, 622 = WRP 1992, 644 - Glücksball-Festival;… Urt. v. 17.11.1994 - I ZR 193/92, GRUR 1995, 165, 166 = WRP 1995, 192 - Kosmetikset).
Für die Beurteilung der Wertreklame als unlauter ist demnach maßgeblich darauf abzustellen, ob die in der Werbung in Aussicht gestellte Gratisgabe die Kaufentscheidung in dem beschriebenen Sinne entscheidend zu beeinflussen vermag; dies wird vor allem dann anzunehmen sein, wenn der Kunde durch die Gewährung der Gratisgabe einem psychischen Zwang ausgesetzt ist (vgl. BGH GRUR 1993, 774, 776 - Hotelgutschein).
Es müssen vielmehr im Einzelfall konkrete Umstände hinzutreten, welche die unentgeltliche Vergabe als sittenwidrig erscheinen lassen (…vgl. BGH, Urt. v. 03.11.1978 - I ZR 90/77, GRUR 1979, 157, 158 = WRP 1979, 117 - Kindergarten-Malwettbewerb; Urt. v. 29.04.1993 - I ZR 92/91, GRUR 1993, 774, 776 = WRP 1993, 758 - Hotelgutschein).
Solche, die Wettbewerbswidrigkeit begründenden Umstände können darin zu sehen sein, daß die Art und der Umfang der unentgeltlichen Leistung den Empfänger in unsachlicher Weise zum Abschluß entgeltlicher Verträge veranlassen oder, daß sie ihn derart an die kostenlos abgegebene Leistung gewöhnen, daß er davon absieht, Leistungsangebote anderer Mitbewerber auf Güte und Wirtschaftlichkeit zu überprüfen (vgl. BGHZ 43, 278, 284 - Kleenex; BGH GRUR 1993, 774, 776 [BGH 29.04.1993 - I ZR 92/91] - Hotelgutschein, m.w.N.).
Wie bereits dargelegt, ist insofern allerdings die Verkehrsauffassung maßgeblich, die wiederum durch das Geschäftsgebaren des Werbenden beeinflußt und bestimmt werden kann (…vgl. BGH, Urt. v. 23.5.1991 - I ZR 172/89, GRUR 1991, 933, 934 = WRP 1991, 648 - One for Two; Urt. v. 29.4.1993 - I ZR 92/91, GRUR 1993, 774, 775 = WRP 1993, 758 - Hotelgutschein).
In diesem Zusammenhang entspricht es der allgemeinen Meinung in der Rechtsprechung und dem juristischen Schrifttum, dass allein die Tatsache, dass eine gewöhnlich nur gegen Entgelt erbrachte Leistung unentgeltlich erbracht wird, regelmäßig noch keine wettbewerbswidrige Marktstörung bedeutet (ständige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs; vgl. etwa BGH GRUR 1990, 40, 45 "Annoncen-Avis"; BGH GRUR 1991, 616, 617 "Motorboot-Fachzeitschrift"; BGH GRUR 1993, 774, 776 "Hotelgutschein";… Baumbach/Hefermehl, a.a.O., § 1 UWG Rdnr. 832 am Ende und Köhler/Piper, a.a.O., § 1 UWG Rdnr. 409).
Da das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb nach allgemeiner Meinung (…siehe nur Baumbach/Hefermehl, a.a.O., Rn. 832 m.w.N.) nicht den strukturellen Bestand des Wettbewerbs schützt, lautet der Grundsatz im übrigen, dass allein die Tatsache, dass eine gewöhnlich nur gegen Entgelt erbrachte Leistung unentgeltlich erbracht wird, noch keine wettbewerbswidrige Marktstörung bedeutet (ständige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs; vgl. BGH GRUR 1990, 40, 45 "Annoncen-Avis"; BGH GRUR 1991, 616, 617 "Motorboot-Fachzeitschrift" und BGH GRUR 1993, 774, 776 "Hotelgutschein").
a) Eine Zugabe im Sinne dieser Vorschrift liegt vor, wenn eine Ware oder Leistung neben einer entgeltlich bezogenen Hauptware oder -leistung ohne besondere Berechnung angeboten oder - insoweit über die im zurückverweisenden Urteil des I. Senats enthaltene Definition hinaus - angekündigt oder gewährt wird (ständige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs - BGH - zuletzt Urteil vom 29. April 1993 I ZR 92/91, Betriebs-Berater - BB - 1993, 1614).
Dies gilt auch dann, wenn zwischen den Beteiligten - wie bei Eheleuten (vgl. BGH, Urteil vom 17. Mai 1983 - IX ZR 14/82 - NJW 1983, 1845, 1846 m.w.N.) - nur eine "schlichte Rechtsgemeinschaft" im Sinne einer Gemeinschaft nach Bruchteilen (§§ 741 ff BGB) besteht und kein Sondervermögen, wie z.B. bei einer Stiftung oder einer Personenhandelsgesellschaft, bei dem den Teilhabern das Mitverschulden über § 31 BGB zugerechnet werden kann (BGHZ 68, 142, 151; BGH, Urteil v. 8. Februar 1952 - I ZR 92/91 - LM § 126 HGB Nr. 1).

References: § 1
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 § 1
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 § 31
 § 126