Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=10.05.2007&Aktenzeichen=III%20R%20103/06
Timestamp: 2019-12-07 22:41:35+00:00

Document:
BFH, 10.05.2007 - III R 103/06 - dejure.org
https://dejure.org/2007,1583
BFH, 10.05.2007 - III R 103/06 (https://dejure.org/2007,1583)
BFH, Entscheidung vom 10.05.2007 - III R 103/06 (https://dejure.org/2007,1583)
BFH, Entscheidung vom 10. Mai 2007 - III R 103/06 (https://dejure.org/2007,1583)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2007,1583) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
EStG § 32 Abs. 4 Satz 2, § 70 Abs. 4
Kindergeldfestsetzung - Einkünfte des Kindes - Prognoseentscheidung
Möglichkeit der Aufhebung einer bestandskräftigen Aufhebung einer Kindergeldfestsetzung; Änderung der Rechtsauffassung hinsichtlich der Auslegung des § 32 Abs. 4 S. 2 Einkommensteuergesetz (EStG); Übersteigen des Jahresgrenzbetrages durch die Einkünfte und Bezüge des ...
Kindergeldbescheid ist bei nachträglichem Bekanntwerden des Unterschreitens des Grenzbetrags zu ändern
FG Nürnberg, 12.01.2006 - VI 311/05
BFHE 218, 147
NJW 2007, 3023
FamRZ 2007, 2069 (Ls.)
BStBl II 2008, 549
BFH, 30.09.2008 - III B 206/07
NZB: Keine Aufhebung der Kindergeldfestsetzung nach § 70 Abs. 4 EStG aufgrund …
Da sich die tatsächlichen Einkünfte der T im Zeitraum August bis Dezember 2004 gegenüber den von der Familienkasse prognostizierten Einkünften geändert hätten (statt 3 853, 18 EUR nur 3 821, 83 EUR), sei nach dem Senatsurteil vom 10. Mai 2007 III R 103/06 (BFHE 218, 147, BStBl II 2008, 549) der Anwendungsbereich des § 70 Abs. 4 EStG eröffnet.
Da das Urteil des FG mit den Grundsätzen des BFH-Urteils in BFHE 218, 147, BStBl II 2008, 549 übereinstimmt, ist auch keine Entscheidung des BFH zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO).
b) Hätten dagegen bei der Prognoseentscheidung die prognostizierten Einkünfte und Bezüge des Kindes den Jahresgrenzbetrag auch nach Abzug der gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge überschritten, ist nach dem Senatsurteil in BFHE 218, 147, BStBl II 2008, 549 der Anwendungsbereich des § 70 Abs. 4 EStG wieder eröffnet, wenn sich die tatsächlichen Einkünfte und Bezüge gegenüber den prognostizierten Beträgen geändert haben.
Dies widerspräche jedoch dem Zweck des § 70 Abs. 4 EStG und der gesetzgeberischen Wertung in § 70 Abs. 3 Satz 2 EStG (vgl. Senatsurteil in BFHE 218, 147, BStBl II 2008, 549, unter II. 2. d).
Denn auch bei Berücksichtigung der tatsächlichen Änderungen wäre das FG-Urteil nach den Grundsätzen des BFH-Urteils in BFHE 218, 147, BStBl II 2008, 549 nicht anders ausgefallen.
Insbesondere Änderungen der Rechtsauffassung durch Rechtsprechung oder Verwaltungsanweisungen hinsichtlich der Einkünfte und Bezüge fallen nicht unter § 70 Abs. 4 EStG a.F. (vgl. BFH-Entscheidungen in BFHE 216, 138, BStBl II 2007, 717, unter II.3.c; vom 10. Mai 2007 III R 103/06, BFHE 218, 147, BStBl II 2008, 549;… vom 30. September 2008 III B 206/07, BFH/NV 2009, 20;… vom 24. Februar 2010 III R 100/07, BFH/NV 2010, 1260;… vom 21. Oktober 2010 III R 74/09, BFH/NV 2011, 250;… vom 5. Januar 2012 III B 59/10, BFH/NV 2012, 737).
Unter dem Begriff Kindergeldfestsetzung ist dabei auch ein Bescheid zu verstehen, mit dem ein Antrag auf Kindergeld abgelehnt wird (Senatsurteil vom 10. Mai 2007 III R 103/06, BFHE 218, 147, BStBl II 2008, 549, m.w.N.).
FG Nürnberg, 19.03.2008 - III 11/06
Änderung eines auf einer Einkünfteprognose beruhenden …
Lagen bei der Prognoseentscheidung die Einkünfte und Bezüge des Kindes nur deshalb über dem Jahresgrenzbetrag, weil die Familienkasse entgegen der später ergangenen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. Beschluss des BVerfG vom 11.01.2005 2 BvR 167/02, DStR 2005, 911) die Arbeitnehmerbeiträge des Kindes zur gesetzlichen Sozialversicherung als Einkünfte angesetzt hat, kommt daher eine Aufhebung nach Ablauf des Kalenderjahres nicht in Betracht (vgl. BFH-Urteile vom 15.03.2007 III R 51/06, BFH/NV 2007, 1484 undvom 10.05.2007 III R 103/06, [...]).
Nach zutreffender Rechtsprechung des BFH (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 10.05.2007 III R 103/06,.a.a.O.) und Kommentarmeinungen (…vgl. Seewald/Felix, Kindergeldrecht, Kommentar, EStG § 70 Rz. 71;… Felix, Kindergeldrecht § 70 EStG Rz. 55;… Pust in Littmann/Bitz/Pust, Das Einkommensteuerrecht, § 70 Rz. 250, Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 70 Rn E 4ff; Herrmann/Heuer/Raupach, § 70 EStG, Anm. 19) wird für das Tatbestandsmerkmal "nachträgliches Bekanntwerden" auf die Kenntnis der Familienkasse zum Zeitpunkt des Erlasses der Prognoseentscheidung abgestellt.
§ 70 Abs. 4 EStG hat den Zweck, die Korrektur von Kindergeldbescheiden nach Ablauf des Kalenderjahres sicherzustellen, wenn die Einkünfte und Bezüge des Kindes den Jahresgrenzbetrag entgegen einer früheren Prognoseentscheidung der Familienkasse überschreiten oder nicht überschreiten (vgl. BFH-Urteil vom 10.05.2007 III R 103/06, a.a.O.;… BFH-Beschluss vom 09.07.2007 III S 1/07, BFH/NV 2007, 2113).
BFH-Urteil vom 10.05.2007, III R 103/06, BFH/NV 2007, 1581-1583.
Es führte aus, nach den Urteilen des BFH in BFHE 214, 287, BStBl II 2007, 714, in BFHE 216, 138, BStBl II 2007, 717, und vom 10. Mai 2007 III R 103/06 (BFHE 218, 147, BFH/NV 2007, 1581) könne der Bescheid vom 22. April 2005 nicht nach § 70 Abs. 4 EStG geändert werden.
Die tatsächlichen Verhältnisse sind insofern von den rechtlichen Verhältnissen zu unterscheiden (vgl. BFH-Urteil vom 10.05.2007 III R 103/06, BFH/NV 2007, 1581).
Für Fälle wie dem vorliegenden schließt sich das Gericht im Übrigen der Auffassung des BFH in seiner Entscheidung vom 10. Mai 2007 (III R 103/06, BFHE 218, 147, BFH/NV 2007, 1581) an.

References: § 32
 § 70
 § 32
 § 70
 § 70
 § 70
 § 70
 § 70
 § 70
 § 70
 § 70
 § 70
 § 70
 § 70

§ 70
 § 70