Source: https://www.rechtslupe.de/brennpunkt/akkreditierung-von-studiengaengen-3107053
Timestamp: 2020-08-05 22:18:07+00:00

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Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen
Das Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG steht zwar Vor­ga­ben zur Qua­li­täts­si­che­rung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten grund­sätz­lich nicht ent­ge­gen. Wesent­li­che Ent­schei­dun­gen zur Akkre­di­tie­rung darf der Gesetz­ge­ber jedoch nicht weit­ge­hend ande­ren Akteu­ren über­las­sen, son­dern muss sie unter Beach­tung der Eigen­ra­tio­na­li­tät der Wis­sen­schaft selbst tref­fen
Die beton­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt auf eine Rich­ter­vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Arns­berg für die nord­rhein-west­fä­li­schen Rege­lun­gen- Die Rege­lun­gen über die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, wonach Stu­di­en­gän­ge durch Agen­tu­ren „nach den gel­ten­den Rege­lun­gen“ akkre­di­tiert wer­den müs­sen, sind nach dem jet­zi­gen Spruch des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mit dem Grund­ge­setz (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG) unver­ein­bar. Das Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit steht zwar Vor­ga­ben zur Qua­li­täts­si­che­rung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten grund­sätz­lich nicht ent­ge­gen. Wesent­li­che Ent­schei­dun­gen zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen darf der Gesetz­ge­ber jedoch nicht ande­ren Akteu­ren über­las­sen. Der nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber muss nun ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 01.01.2018 an tref­fen.
§ 72 Absatz 2 Satz 6 und § 7 Absatz 1 Satz 1 und 2 des Geset­zes über die Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung des Hoch­schul­frei­heits­ge­set­zes vom 31.10.2006 [1] sowie § 73 Absatz 4 und § 7 Absatz 1 Satz 1 und 2 des Geset­zes über die Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len vom 16.09.2014 [2] sind mit Arti­kel 5 Absatz 3 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 20 Absatz 3 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar.
§ 7 Absatz 1 Satz 1 und 2 und § 72 Absatz 2 Satz 6 des Geset­zes über die Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung des Hoch­schul­frei­heits­ge­set­zes vom 31.10.2006 und § 7 Absatz 1 Satz 1 und 2 und § 73 Absatz 4 des Geset­zes über die Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len vom 16.09.2014 gel­ten bis zu einer Neu­re­ge­lung und längs­tens bis zum 31.12 2017 fort.
Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren im Hoch­schul­be­reich
Das Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren
Rich­ter­vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Arns­berg
For­mel­le Recht­mä­ßig­keit des HG NRW
Ein­griff in die Wis­sen­schafts­frei­heit
Gesetz­li­che Grund­la­ge für den Ein­griff
Bewer­tung der nord­rhein-west­fä­li­schen Rege­lung
Wei­te­re Grund­recht der Hoch­schu­le
Fol­ge der Unver­ein­bar­keit
Frist für eine Neu­re­ge­lung
Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren im Hoch­schul­be­reich[↑]
Die Akkre­di­tie­rung im Hoch­schul­be­reich ist ein län­der- und hoch­schul­über­grei­fen­des Ver­fah­ren der Begut­ach­tung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten in Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen staat­li­cher oder staat­lich aner­kann­ter Hoch­schu­len. Sie steht in engem Zusam­men­hang mit dem soge­nann­ten „Bolo­gna-Pro­zess“, in dem sich die Bil­dungs­mi­nis­te­ri­en aller Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on auf einen gemein­sa­men euro­päi­schen Hoch­schul­raum mit euro­pa­weit ver­gleich­ba­ren Stu­di­en­an­ge­bo­ten geei­nigt haben. Die Vor­la­ge betrifft die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen und damit die „Pro­gramm­ak­kre­di­tie­rung“, die für meh­re­re Stu­di­en­gän­ge zugleich als „Clus­ter“- oder „Bün­de­lak­kre­di­tie­rung“ durch­ge­führt wer­den kann. Nicht Gegen­stand die­ses Ver­fah­rens ist die Akkre­di­tie­rung hoch­schul­in­ter­ner Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­te­me als „Sys­te­mak­kre­di­tie­rung“ und die insti­tu­tio­nel­le Akkre­di­tie­rung durch den Wis­sen­schafts­rat für eine Ein­rich­tung als Gan­zes.
a)) Im Jahr 1998 sprach sich die Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz (HRK) für eine län­der­über­grei­fen­de Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen aus (Ent­schlie­ßung des 185. Ple­nums der HRK vom 06.07.1998). Kurz dar­auf beschloss die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (KMK), sol­che Ver­fah­ren zunächst pro­be­wei­se für neu ein­zu­rich­ten­de Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge ein­zu­füh­ren und hier­für einen Akkre­di­tie­rungs­rat zu bil­den [3]. Ein umfas­sen­des Akkre­di­tie­rungs­sys­tem wur­de durch Beschluss der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz über die „Künf­ti­ge Ent­wick­lung der län­der- und hoch­schul­über­grei­fen­den Qua­li­täts­si­che­rung in Deutsch­land“ [4] ein­ge­führt. Zwei Jah­re spä­ter wur­de mit den Eck­punk­ten für die Wei­ter­ent­wick­lung der Akkre­di­tie­rung in Deutsch­land [5] ver­ein­bart, den Akkre­di­tie­rungs­rat in eine rechts­fä­hi­ge öffent­lich-recht­li­che Stif­tung nach dem Recht des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len zu über­füh­ren. Die Län­der sind in der Ver­ein­ba­rung zur „Stif­tung: Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land“ durch Beschluss der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 16.12 2004 und der dazu­ge­hö­ri­gen Erklä­rung durch Beschluss vom 15.12 2005 über­ein­ge­kom­men, die Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben aus § 9 Abs. 2 HRG auf die­se Stif­tung zu über­tra­gen.
Das Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren[↑]
Das Land Nord­rhein-West­fa­len errich­te­te mit Gesetz vom 15.02.2005 die „Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land“ [6] (Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz – AkkStiftG). Sie unter­steht der Rechts­auf­sicht des dor­ti­gen Minis­te­ri­ums für Wis­sen­schaft und For­schung (§ 12 Satz 1 AkkStiftG), finan­ziert sich als Zuwen­dungs­stif­tung nach § 4 AkkStiftG durch Gebüh­ren und durch Zuschüs­se der Län­der und dient nach § 2 Abs. 1 AkkStiftG der Erfül­lung fol­gen­der Auf­ga­ben:
Akkre­di­tie­rung und Reak­kre­di­tie­rung von Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren (Agen­tu­ren) durch eine zeit­lich befris­te­te Ver­lei­hung der Berech­ti­gung, Stu­di­en­gän­ge und hoch­schul­in­ter­ne Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­te­me durch Ver­lei­hung des Sie­gels der Stif­tung zu akkre­di­tie­ren,
Zusam­men­fas­sung der län­der­ge­mein­sa­men und lan­des­spe­zi­fi­schen Struk­tur­vor­ga­ben zu ver­bind­li­chen Vor­ga­ben für die Agen­tu­ren,
Rege­lung von Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren ein­schließ­lich der Vor­aus­set­zun­gen und Gren­zen von gebün­del­ten Akkre­di­tie­run­gen,
Über­wa­chung der Akkre­di­tie­run­gen, wel­che durch die Agen­tu­ren erfol­gen.
Das zen­tra­le Organ der Stif­tung ist gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 AkkStiftG der Akkre­di­tie­rungs­rat. Er hat nach § 7 Abs. 2 Satz 1 AkkStiftG ins­ge­samt 18 ehren­amt­li­che Mit­glie­der, davon vier für die Hoch­schu­len, vier für die Bun­des­län­der, fünf für die Berufs­pra­xis (und davon eines der für das Dienst- und Tarif­recht zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­te­ri­en), zwei Stu­die­ren­de und zwei aus­län­di­sche Mit­glie­der mit Akkre­di­tie­rungs­er­fah­rung; dazu kommt eine bera­ten­de Stim­me der Agen­tu­ren. Die Mit­glie­der wer­den von der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz, bestimm­ten Lan­des­mi­nis­te­ri­en, der Stän­di­gen Kon­fe­renz der Innen­mi­nis­ter und ‑sena­to­ren der Län­der, den Agen­tu­ren und der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz benannt und nach § 7 Abs. 2 Satz 2 AkkStiftG von der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz und der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz ein­ver­nehm­lich für die Dau­er von vier Jah­ren bestellt. Der Akkre­di­tie­rungs­rat beschließt über alle Ange­le­gen­hei­ten der Stif­tung (§ 7 Abs. 1 Satz 1 AkkStiftG) und erlässt, ohne dass dies im Gesetz näher kon­kre­ti­siert ist, die wesent­li­chen Regeln für die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen. Er akkre­di­tiert oder reak­kre­di­tiert nach § 7 Abs. 1 Satz 2 AkkStiftG wie­der­um selbst – der­zeit zehn im Wett­be­werb zuein­an­der ste­hen­de – Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren.
Die Agen­tu­ren sind unter­schied­lich orga­ni­siert, so etwa die hier im Aus­gangs­ver­fah­ren betei­lig­te Akkre­di­tie­rungs­agen­tur als gemein­nüt­zi­ger pri­vat­recht­li­cher Ver­ein. In Deutsch­land sind seit Beginn der 2000er Jah­re fast aus­schließ­lich sechs Agen­tu­ren tätig; die Beklag­te des Aus­gangs­ver­fah­rens hat bis Ende 2010 etwa 21 % der Pro­gramm­ak­kre­di­tie­run­gen durch­ge­führt [7].
Eine Pro­gramm­ak­kre­di­tie­rung beginnt mit der Aus­wahl einer Agen­tur durch die Hoch­schu­le, dem Antrag auf Akkre­di­tie­rung und der Ver­ein­ba­rung über Ablauf und Kos­ten­rah­men. Sodann legt die Hoch­schu­le eine Selbst­do­ku­men­ta­ti­on mit umfang­rei­chen Anga­ben zum betrof­fe­nen Stu­di­en­gang vor, also zu Leh­re und Prü­fun­gen, Per­so­nal und Pro­fil, der Insti­tu­ti­on und ihrer Qua­li­täts­si­che­rung. Die Agen­tur setzt eine Grup­pe von Gut­ach­te­rin­nen und Gut­ach­tern ein, die im Rah­men einer Bege­hung Gesprä­che mit Leh­ren­den, Stu­die­ren­den sowie der Ver­wal­tung führt und ein Gut­ach­ten mit einer Beschluss­emp­feh­lung für das Ent­schei­dungs­gre­mi­um der Agen­tur fer­tigt. Die­ses ent­schei­det, ob – wie in etwa einem Vier­tel der Fäl­le – ein unein­ge­schränk­tes Akkre­di­tat oder – wie weit häu­fi­ger – eine Akkre­di­tie­rung unter Auf­la­gen gewährt oder – wie hier – die Akkre­di­tie­rung abge­lehnt wird [8]. Posi­ti­ve Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen wer­den – nach den Vor­ga­ben der Stif­tung [9] – befris­tet, so dass jeder Stu­di­en­gang nach Ablauf der Frist reak­kre­di­tiert wer­den muss. Gegen eine nega­ti­ve Ent­schei­dung eröff­nen fast alle Agen­tu­ren und auch die im hie­si­gen Aus­gangs­ver­fah­ren täti­ge Akkre­di­tie­rungs­agen­tur ein inter­nes Beschwer­de­ver­fah­ren.
Gesetz­li­che Grund­la­gen[↑]
Das Hoch­schul­rah­men­ge­setz (HRG) nor­miert eine Pflicht zur Qua­li­täts­si­che­rung in der Leh­re. Vor­ga­ben zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen fin­den sich im Lan­des­hoch­schul­recht, in den Beschlüs­sen des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes und der Agen­tu­ren.
Nach § 6 HRG soll die Arbeit der Hoch­schu­len in der Leh­re regel­mä­ßig bewer­tet wer­den. Nach § 8 HRG haben die Hoch­schu­len die stän­di­ge Auf­ga­be, „im Zusam­men­wir­ken mit den zustän­di­gen staat­li­chen Stel­len Inhal­te und For­men des Stu­di­ums im Hin­blick auf die Ent­wick­lun­gen in Wis­sen­schaft und Kunst, die Bedürf­nis­se der beruf­li­chen Pra­xis und die not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen in der Berufs­welt zu über­prü­fen und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln“. Nach § 9 Abs. 1 HRG tra­gen Bund und Län­der „gemein­sam Sor­ge für die Behand­lung grund­sätz­li­cher und struk­tu­rel­ler Fra­gen des Stu­di­en­an­ge­bots unter Berück­sich­ti­gung der Ent­wick­lun­gen in der Wis­sen­schaft, in der beruf­li­chen Pra­xis und im Hoch­schul­sys­tem“; nach § 9 Abs. 2 HRG gewähr­leis­ten sie die Gleich­wer­tig­keit von Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen sowie Stu­di­en­ab­schlüs­sen und die Mög­lich­keit des Hoch­schul­wech­sels. Dabei sind nach § 6 Satz 2 HRG die Stu­die­ren­den und nach § 9 Abs. 3 HRG die Hoch­schu­len und Sach­ver­stän­di­ge aus der Berufs­pra­xis zu betei­li­gen.
Im Aus­gangs­ver­fah­ren galt das Gesetz über die Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung des Hoch­schul­frei­heits­ge­set­zes vom 31.10.2006 [10]. Hoch­schu­len, die wie die hier im Aus­gangs­ver­fah­ren betei­lig­te Fach­hoch­schu­le S… gGmbH nicht in der Trä­ger­schaft des Lan­des ste­hen, bedurf­ten nach § 72 HG NRW a.F. einer staat­li­chen Aner­ken­nung, um nach § 73 Abs. 1 und Abs. 2 HG NRW a.F. mit den staat­li­chen Hoch­schu­len für den Stu­di­en­ab­schluss, das Prü­fungs- und Gra­du­ie­rungs­recht gleich­ge­stellt zu wer­den [11]. Ohne die staat­li­che Aner­ken­nung durf­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen nach § 75 Abs. 1 HG NRW a.F. nicht mit der Bezeich­nung Hoch­schu­le betrie­ben wer­den. Das Ver­bot war gemäß § 75 Abs. 3 HG NRW a.F. buß­geld­be­wehrt.
Eine Vor­aus­set­zung der Aner­ken­nung als staat­li­che Hoch­schu­le war nach § 72 Abs. 1 Nr. 3 HG NRW a.F. „eine Mehr­zahl … erfolg­reich akkre­di­tier­ter Stu­di­en­gän­ge“. Die Akkre­di­tie­run­gen erfolg­ten gemäß dem hier zur Prü­fung vor­ge­leg­ten § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F., inso­weit wort­gleich mit dem damals nur für staat­li­che Hoch­schu­len gel­ten­den § 7 Abs.1 HG NRW a.F., „nach den gel­ten­den Rege­lun­gen“ und „durch Agen­tu­ren, die ihrer­seits akkre­di­tiert wor­den sind“. Wenn die Hoch­schu­le dem Minis­te­ri­um die erfolg­rei­che Akkre­di­tie­rung wei­te­rer Stu­di­en­gän­ge anzeig­te, konn­te die staat­li­che Aner­ken­nung durch erneu­ten Ver­wal­tungs­akt nach § 72 Abs. 2 Satz 4 HG NRW a.F. auf die­se erstreckt wer­den; insti­tu­tio­nell durch den Wis­sen­schafts­rat akkre­di­tier­te Hoch­schu­len erhiel­ten die staat­li­che Aner­ken­nung nach § 72 Abs. 2 Satz 5 HG NRW a.F. kraft Geset­zes auch für wei­te­re Stu­di­en­gän­ge, sofern und soweit die­se erfolg­reich akkre­di­tiert wor­den waren. Soll­te die Hoch­schu­le einen Stu­di­en­gang ohne die­se Aner­ken­nung anbie­ten, droh­te nach § 72 Abs. 3 Satz 2 und 3 HG NRW a.F. der Ver­lust der staat­li­chen Aner­ken­nung ins­ge­samt.
Die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des Hoch­schul­ge­set­zes Nord­rhein-West­fa­len a.F. lau­te­ten:
Am 1.10.2014 ist – als Arti­kel 1 des Hoch­schul­zu­kunfts­ge­set­zes vom 16.09.2014 – ein neu­es Gesetz über die Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len [12] in Kraft getre­ten. Die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen ist nun nach § 7 Abs. 1 HG NRW n.F. für alle Hoch­schu­len ein­heit­lich vor­ge­ge­ben. § 73 Abs. 4 HG NRW n.F. ver­weist für die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen nicht­staat­li­cher Bil­dungs­ein­rich­tun­gen aus­drück­lich auf § 7 Abs. 1 HG NRW n.F. Wie bis­her muss „nach den gel­ten­den Rege­lun­gen“ akkre­di­tiert wer­den; § 7a HG NRW n.F. legt nun die Rechts­stel­lung der von der Akkre­di­tie­rungs­stif­tung akkre­di­tier­ten Agen­tu­ren als Belie­he­ne aus­drück­lich fest. Aus­weis­lich der Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf soll die Neu­re­ge­lung das Akkre­di­tie­rungs­we­sen einer­seits auf eine neue gesetz­li­che Grund­la­ge stel­len; ande­rer­seits stel­le die Norm nur klar, was zuvor schon gere­gelt gewe­sen sei: Die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur neh­me „Ver­wal­tungs­auf­ga­ben zur selb­stän­di­gen Ent­schei­dung wahr“, wozu es einer Belei­hung bedür­fe, die nun gere­gelt wer­de [13].
Nach § 72 Abs. 2 Nr. 4 HG NRW n.F. hängt die staat­li­che Aner­ken­nung einer Bil­dungs­ein­rich­tung nicht mehr von einer „Mehr­zahl“, son­dern von der Akkre­di­tie­rung von „min­des­tens drei“ Stu­di­en­gän­gen ab. Nach § 73 Abs. 5 HG NRW n.F. haben die Hoch­schu­len die Kos­ten für die dort nicht abschlie­ßend genann­ten Maß­nah­men exter­ner Qua­li­täts­si­che­rung zu tra­gen. Die Fol­gen der Aner­ken­nung sind nun in § 73a HG NRW n.F., die Auf­sicht über nicht­staat­li­che Hoch­schu­len in § 74a HG NRW n.F. und die Auf­he­bung und das Erlö­schen der Aner­ken­nung in § 74b HG NRW n.F. gere­gelt. Nach § 75 HG NRW n.F. ist der Betrieb einer Hoch­schu­le wei­ter­hin nur mit staat­li­cher Aner­ken­nung erlaubt und ansons­ten ord­nungs­wid­rig.
Die neu­en Vor­schrif­ten des Lan­des­hoch­schul­ge­set­zes lau­ten:
§ 7 HG NRW – Qua­li­täts­si­che­rung durch Akkre­di­tie­rung und Eva­lua­ti­on
(1) Die Stu­di­en­gän­ge sind nach den gel­ten­den Rege­lun­gen zu akkre­di­tie­ren und zu reak­kre­di­tie­ren. Die Auf­nah­me des Stu­di­en­be­triebs setzt den erfolg­rei­chen Abschluss der Akkre­di­tie­rung vor­aus; die aus dem Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren resul­tie­ren­den Auf­la­gen sind umzu­set­zen. Die Akkre­di­tie­rung erfolgt durch Agen­tu­ren im Sin­ne des § 7a. Aus­nah­men von den Sät­zen 1 bis 3 bedür­fen der Geneh­mi­gung durch das Minis­te­ri­um.
(2) Zur Qua­li­täts­ent­wick­lung und ‑siche­rung über­prü­fen und bewer­ten die Hoch­schu­len regel­mä­ßig die Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben, ins­be­son­de­re im Bereich der Leh­re und im Hin­blick auf den Stu­di­en­erfolg. Die Eva­lua­ti­ons­ver­fah­ren regeln die Hoch­schu­len in Ord­nun­gen, die auch Bestim­mun­gen über Art, Umfang und Behand­lung der zu erhe­ben­den, zu ver­ar­bei­ten­den und zu ver­öf­fent­li­chen­den per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten der Mit­glie­der und Ange­hö­ri­gen ent­hal­ten, die zur Bewer­tung not­wen­dig sind. Die Eva­lua­ti­on soll auf der Basis geschlechts­dif­fe­ren­zier­ter Daten erfol­gen. Die Ergeb­nis­se der Eva­lua­ti­on sind zu ver­öf­fent­li­chen.
(3) Das Minis­te­ri­um kann hoch­schul­über­grei­fen­de, ver­glei­chen­de Begut­ach­tun­gen der Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­te­me der Hoch­schu­len sowie Struk­tur- und For­schungs­eva­lua­tio­nen ver­an­las­sen. Die Eva­lua­ti­ons­be­rich­te wer­den ver­öf­fent­licht.
(4) Alle Mit­glie­der und Ange­hö­ri­gen der Hoch­schu­le haben die Pflicht, an Akkre­di­tie­rung und Eva­lua­ti­on im erfor­der­li­chen Umfang mit­zu­wir­ken.
§ 7a HG NRW – Rechts­stel­lung der Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren
Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren im Sin­ne des § 7 Absatz 1 Satz 3 müs­sen im Sin­ne des § 2 Absatz 1 Nr. 1 des Geset­zes zur Errich­tung einer Stif­tung „Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land“ vom 15.02.2005 [14], das zuletzt durch Arti­kel 4 des Geset­zes vom 13.03.2008 [15] geän­dert wor­den ist, akkre­di­tiert wor­den sein. Wenn eine akkre­di­tier­te Agen­tur eine Akkre­di­tie­rung im Sin­ne des § 7 Absatz 1 durch­führt, gilt sie inso­weit als vom Land mit der Durch­füh­rung die­ser Akkre­di­tie­rung belie­hen.
§ 72 HG NRW – Vor­aus­set­zun­gen der Aner­ken­nung
(1) Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, die nicht in der Trä­ger­schaft des Lan­des ste­hen, kön­nen vom Minis­te­ri­um als Hoch­schu­len staat­lich aner­kannt wer­den.
(2) Die staat­li­che Aner­ken­nung kann vom Minis­te­ri­um erteilt wer­den, wenn gewähr­leis­tet ist, dass
4. min­des­tens drei neben­ein­an­der bestehen­de oder auf­ein­an­der fol­gen­de und erfolg­reich akkre­di­tier­te Stu­di­en­gän­ge im Sin­ne des § 60 Absatz 1 die­ses Geset­zes oder § 52 Absatz 1 des Kunst­hoch­schul­ge­set­zes an der Hoch­schu­le vor­han­den oder im Rah­men einer Aus­bau­pla­nung vor­ge­se­hen sind,
§ 73 HG NRW – Aner­ken­nungs­ver­fah­ren; Gebüh­ren; Kos­ten­tra­gung
(1) Das Minis­te­ri­um spricht auf schrift­li­chen Antrag die staat­li­che Aner­ken­nung aus. Es kann von der Bil­dungs­ein­rich­tung ver­lan­gen, dass sie zuvor eine erfolg­rei­che Kon­zept­prü­fung durch den Wis­sen­schafts­rat oder durch eine ver­gleich­ba­re; vom Minis­te­ri­um benann­te Ein­rich­tung durch­lau­fen hat. Die Aner­ken­nung kann befris­tet aus­ge­spro­chen und mit Auf­la­gen ver­se­hen wer­den, die der Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen des § 72 die­nen.
(2) In dem Aner­ken­nungs­be­scheid wer­den … die Stu­di­en­gän­ge ein­schließ­lich der Hoch­schul­gra­de, auf die sich die Aner­ken­nung erstreckt, fest­ge­legt.
(4) Hin­sicht­lich der Akkre­di­tie­rung der Stu­di­en­gän­ge gilt § 7 Absatz 1.
(5) … Die Kos­ten der inter­nen und exter­nen Qua­li­täts­si­che­rung, ins­be­son­de­re die Kos­ten der Kon­zept­prü­fung, der insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung und der insti­tu­tio­nel­len Reak­kre­di­tie­rung durch den Wis­sen­schafts­rat oder durch eine ver­gleich­ba­re; vom Minis­te­ri­um benann­te Ein­rich­tung, sind vom Trä­ger der Hoch­schu­le oder der Hoch­schu­le selbst zu tra­gen.
§ 73a HG NRW – Fol­gen der Aner­ken­nung
(2) Zeigt die Hoch­schu­le dem Minis­te­ri­um die Ergeb­nis­se der erfolg­rei­chen Akkre­di­tie­rung wei­te­rer Stu­di­en­gän­ge an, kann die Aner­ken­nung bei Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen des § 72 auf wei­te­re Stu­di­en­gän­ge erstreckt wer­den. Ist die Hoch­schu­le als Ein­rich­tung durch den Wis­sen­schafts­rat oder eine ver­gleich­ba­re; vom Minis­te­ri­um benann­te Ein­rich­tung erfolg­reich insti­tu­tio­nell akkre­di­tiert wor­den, erstreckt sich die Aner­ken­nung auf wei­te­re Stu­di­en­gän­ge, sofern und soweit die­se erfolg­reich akkre­di­tiert wor­den sind; die­se Stu­di­en­gän­ge sind dem Minis­te­ri­um unver­züg­lich anzu­zei­gen.
Kon­kre­te Vor­ga­ben für die Pro­gramm­ak­kre­di­tie­rung beschließt der Akkre­di­tie­rungs­rat als Beschluss­gre­mi­um der Akkre­di­tie­rungs­stif­tung. Sei­ne „Regeln für die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen und für die Sys­te­mak­kre­di­tie­rung“ [16] stüt­zen sich auf § 3 Abs. 1 und 2 AkkStiftG, wonach die Stif­tung mit den Agen­tu­ren Ver­ein­ba­run­gen schließt, mit denen die Rech­te und Pflich­ten der Part­ner im Akkre­di­tie­rungs­sys­tem gere­gelt wer­den. Der Akkre­di­tie­rungs­rat ori­en­tiert sich an euro­päi­schen Ver­ein­ba­run­gen zur Qua­li­täts­si­che­rung [17]. Dies sind ins­be­son­de­re die „Euro­pean Stan­dards and Gui­de­li­nes for Qua­li­ty Assuran­ce in Hig­her Edu­ca­ti­on“ [18] der Euro­pean Asso­cia­ti­on for Qua­li­ty Assuran­ce in Hig­her Edu­ca­ti­on (ENQA) aus dem Jahr 2005 [19]. Sie ent­hal­ten Vor­ga­ben für die inter­ne und exter­ne Qua­li­täts­si­che­rung im Hoch­schul­be­reich und Stan­dards für exter­ne Qua­li­täts­si­che­rungs­agen­tu­ren.
Bei der Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen fin­den zudem Bewer­tungs­kri­te­ri­en Anwen­dung, die von den Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren selbst erar­bei­tet wor­den sind [20].
Im Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ten die Betei­lig­ten dar­über, ob die Ver­sa­gung einer Akkre­di­tie­rung zwei­er von der Klä­ge­rin, einer pri­va­ten Fach­hoch­schu­le, ange­bo­te­ner Stu­di­en­gän­ge durch die Beklag­te, eine Akkre­di­tie­rungs­agen­tur, recht­mä­ßig gewe­sen ist.
Klä­ge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens ist eine pri­va­te Fach­hoch­schu­le. Sie wur­de 2005 gegrün­det und staat­lich aner­kannt. Im Sep­tem­ber 2005 nahm die Fach­hoch­schu­le den Lehr­be­trieb im Prä­senz- und im Fern­stu­di­en­gang Logis­tik mit Bache­lor­ab­schluss auf.
Beklag­te des Aus­gangs­ver­fah­rens ist eine Akkre­di­tie­rungs­agen­tur, die von Hoch­schu­len, Wirt­schafts­ver­bän­den, Fach­ge­sell­schaf­ten und Berufs­ver­bän­den sowie Ver­bän­den der Sozi­al­part­ne­rin­nen und ‑part­ner getra­gen wird und selbst im Dezem­ber 2002 erst­mals und im Juni 2006 reak­kre­di­tiert wor­den ist.
Das Minis­te­ri­um für Inno­va­ti­on, Wis­sen­schaft, For­schung und Tech­no­lo­gie des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len unter­sag­te der Fach­hoch­schu­le – nach­dem deren Reak­kre­di­tie­rungs­an­trag erfolg­los geblie­ben war – mit Bescheid vom 02.05.2008 „ab sofort“, Stu­di­en­be­wer­be­rin­nen und ‑bewer­ber in die mit Bescheid vom 14.09.2005 aner­kann­ten Stu­di­en­gän­ge ein­zu­schrei­ben. Es wies dar­auf hin, dass „eine Auf­he­bung der Unter­sa­gung“ erfol­gen wer­de, wenn die Stu­di­en­gän­ge doch noch erfolg­reich akkre­di­tiert wür­den. Rechts­grund­la­ge der Unter­sa­gung sei § 72 Abs. 1 Nr. 4 in Ver­bin­dung mit § 72 Abs. 3 Satz 2 HG NRW a.F. Danach müs­se für die staat­li­che Aner­ken­nung gewähr­leis­tet sein, dass das Stu­di­um und die Abschlüs­se den wis­sen­schaft­li­chen Maß­stä­ben an Hoch­schu­len in staat­li­cher Trä­ger­schaft ent­sprä­chen. Dies wer­de durch eine erfolg­rei­che Akkre­di­tie­rung nach­ge­wie­sen, die für die betrof­fe­nen Stu­di­en­gän­ge der­zeit nicht mehr vor­lie­ge. Gegen den inzwi­schen bestands­kräf­ti­gen Bescheid erhob die Fach­hoch­schu­le kei­ne Kla­ge.
Zuvor hat­te die Fach­hoch­schu­le die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur im März 2007 mit der Reak­kre­di­tie­rung des Prä­senz- und des Fern­stu­di­en­gangs Logis­tik mit Bache­lor­ab­schluss beauf­tragt. Eine Erst­ak­kre­di­tie­rung hat­te die Fach­hoch­schu­le für ihre Stu­di­en­gän­ge von der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur mit Auf­la­gen und Emp­feh­lun­gen zuletzt befris­tet bis Ende Sep­tem­ber 2008 im Jahr 2004 erhal­ten. Die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur über­sand­te der Fach­hoch­schu­le ihre All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen und ihre „Infor­ma­ti­on für Hoch­schu­len: Anfor­de­run­gen und Ver­fah­rens­grund­sät­ze für die Akkre­di­tie­rung und Reak­kre­di­tie­rung von Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen in den Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten, der Archi­tek­tur, der Infor­ma­tik, den Natur­wis­sen­schaf­ten und der Mathe­ma­tik“. Die Begut­ach­tung durch die von der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur zusam­men­ge­stell­te Grup­pe führ­te zu einer Emp­feh­lung an die Akkre­di­tie­rungs­kom­mis­si­on der Agen­tur im Febru­ar 2008, die Stu­di­en­gän­ge nicht zu akkre­di­tie­ren; der Fach­aus­schuss schloss sich die­ser Emp­feh­lung eben­so wie die Akkre­di­tie­rungs­kom­mis­si­on mit Beschluss vom 28.03.2008 an. Der Geschäfts­füh­rer der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur teil­te dies der Fach­hoch­schu­le unter dem 14.04.2008 mit und ver­wies auf einen bei­gefüg­ten Abschluss­be­richt; die Agen­tur ergänz­te die Begrün­dung noch­mals im April 2010.
Eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung zur Mit­tei­lung der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur ver­wies auf die Mög­lich­keit der Beschwer­de. Davon mach­te die Fach­hoch­schu­le beim Beschwer­de­aus­schuss der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur Gebrauch. Die­ser beschloss am 6.08.2008, die Beschwer­de sei unbe­grün­det, und teil­te dies der Fach­hoch­schu­le mit Schrei­ben vom 03.09.2008 mit. Dar­auf­hin stell­te die Fach­hoch­schu­le am 12.08.2008 beim Ver­wal­tungs­ge­richt einen Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung, gerich­tet auf vor­läu­fi­ge Ver­pflich­tung der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur zur Akkre­di­tie­rung, und erhob die der hier zu ent­schei­den­den Vor­la­ge zugrun­de­lie­gen­de Kla­ge gegen die Agen­tur.
Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg lehn­te mit Beschluss vom 19.11.2008 [21] den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung ab. Die Fach­hoch­schu­le habe kei­nen Anord­nungs­grund glaub­haft gemacht. Die Ableh­nung der Reak­kre­di­tie­rung habe zunächst kei­ne unmit­tel­ba­ren recht­li­chen Wir­kun­gen auf die Zulas­sung von Stu­die­ren­den gehabt. Die­se beru­he aus­schließ­lich auf dem Bescheid des Minis­te­ri­ums vom 02.05.2008, gegen den die Fach­hoch­schu­le kei­ne Kla­ge erho­ben habe, obwohl es auf­grund der auf­schie­ben­den Wir­kung einer sol­chen Kla­ge dann kei­nes Eil­ver­fah­rens bedurft hät­te. Die Recht­mä­ßig­keit des Beschei­des vom 02.05.2008 sto­ße aller­dings auf Beden­ken, denn es sei frag­lich, ob § 72 Abs. 3 Satz 2 HG NRW eine Rechts­grund­la­ge für eine nach­träg­li­che Auf­he­bung der staat­li­chen Aner­ken­nung durch das Minis­te­ri­um und das Ver­bot der Zulas­sung von Stu­die­ren­den in einem Stu­di­en­gang mit sofor­ti­ger Wir­kung wegen feh­len­der Akkre­di­tie­rung sei. Im Übri­gen habe die Fach­hoch­schu­le auch kei­nen Anord­nungs­an­spruch glaub­haft gemacht.
In dem ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Haupt­sa­che­ver­fah­ren bean­trag­te die Fach­hoch­schu­le zuletzt fest­zu­stel­len, dass der Bescheid der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur vom 14.04.2008 rechts­wid­rig und die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur ver­pflich­tet gewe­sen sei, den Prä­senz- und den Fern­stu­di­en­gang Logis­tik zu akkre­di­tie­ren und – hilfs­wei­se – ihren Antrag unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts neu zu beschei­den. Das Ver­fah­ren habe sich inzwi­schen erle­digt. Nach der Ent­schei­dung des Minis­te­ri­ums vom 02.05.2008 sei­en in die Stu­di­en­gän­ge kei­ne neu­en Stu­die­ren­den ein­ge­schrie­ben wor­den; sie lie­fen aus. Trotz neu­er, akkre­di­tier­ter Prä­senz- und Fern­stu­di­en­gän­ge mit der Fach­rich­tung Logis­tik habe sie ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Ableh­nung des Akkre­di­tats vom 14.04.2008, denn dies sei prä­ju­di­zi­ell für einen Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen die Agen­tur und gege­be­nen­falls gegen den Akkre­di­tie­rungs­rat. Deren Gel­tend­ma­chung habe ihre Geschäfts­lei­tung bereits beschlos­sen. Auch bestehe Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, weil es nur noch eine wei­te­re, auf die betrof­fe­nen Stu­di­en­gän­ge spe­zia­li­sier­te Agen­tur gebe, die Fach­hoch­schu­le also even­tu­ell die Diens­te der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur wie­der in Anspruch neh­men müs­se. Dazu kom­me ein Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se, denn die ver­sag­te Akkre­di­tie­rung füh­re zu einer Ruf­schä­di­gung unter Stu­die­ren­den und in Hoch­schul­krei­sen. Die Ableh­nung der Akkre­di­tie­rung grei­fe unter ande­rem in das Grund­recht der Fach­hoch­schu­le aus Art. 5 Abs. 3 GG ein. Mit § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. sei kei­ne aus­rei­chen­de gesetz­li­che Ermäch­ti­gungs­norm gege­ben. Die Norm ver­wei­se nur pau­schal auf „die gel­ten­den Rege­lun­gen“. Die Bewer­tung sei zudem unvoll­stän­dig und feh­ler­haft. Die Hoch­schul­leh­ren­den könn­ten nicht hin­rei­chend Ein­fluss neh­men.
Die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur bean­trag­te, die Kla­ge abzu­wei­sen. Der Ver­wal­tungs­rechts­weg sei nicht eröff­net, denn sie wer­de als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein rein pri­vat­recht­lich tätig, wovon auch die Lan­des­re­gie­rung [22] aus­ge­he; sie habe nur das Ange­bot der Fach­hoch­schu­le zum Abschluss eines pri­vat­recht­li­chen Ver­tra­ges ange­nom­men. Die Fach­hoch­schu­le habe kein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se, denn sie kön­ne kei­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ver­fol­gen, weil sie kei­ne Kla­ge gegen den Bescheid des Minis­te­ri­ums vom 02.05.2008 erho­ben habe; eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr sei nicht gege­ben, weil sie künf­tig ande­re Agen­tu­ren beauf­tra­gen kön­ne. Die Ver­sa­gung der Akkre­di­tie­rung sei auch kein grund­rechts­re­le­van­ter Ein­griff. Zudem sei sie ord­nungs­ge­mäß erfolgt. Grund­la­ge sei­en die Beschlüs­se des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes sowie der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz und der Ver­trag mit der Hoch­schu­le. Die Ent­schei­dungs­fin­dung wer­de in den Ver­wal­tungs­vor­gän­gen und im Akkre­di­tie­rungs­be­richt doku­men­tiert. Die Grup­pe zur Begut­ach­tung sei der Fach­hoch­schu­le bekannt gewe­sen, ver­fah­rens­feh­ler­frei beru­fen wor­den und habe sich sehr ein­ge­hend mit den Stu­di­en­gän­gen aus­ein­an­der­ge­setzt. Etwai­ge Begrün­dungs­män­gel sei­en nach­träg­lich geheilt wor­den.
Rich­ter­vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Arns­berg[↑]
Mit Beschluss vom 27.07.2009 stell­te das Ver­wal­tungs­ge­richt fest, dass der Ver­wal­tungs­rechts­weg eröff­net sei. Es hat das Ver­fah­ren mit Beschluss vom 16.04.2010 [23] aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt, ob § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. mit Art. 5 Abs. 3 und Art.20 Abs. 3 GG ver­ein­bar ist. Die Norm sei ver­fas­sungs­wid­rig, denn die Akkre­di­tie­rungs­pflicht sei ein nicht gerecht­fer­tig­ter Ein­griff in die Lehr­frei­heit. Von der Hoch­schu­le wer­de ein erheb­li­cher zeit­li­cher, orga­ni­sa­to­ri­scher und finan­zi­el­ler Auf­wand ver­langt, um die staat­li­che Aner­ken­nung als Hoch­schu­le und ihrer Stu­di­en­gän­ge mit Rechts­wir­kun­gen für Abschlüs­se, Prü­fun­gen und Gra­de zu erlan­gen. § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. lege jedoch weder das Ver­fah­ren noch die mate­ri­el­len Kri­te­ri­en für eine dafür ver­lang­te Akkre­di­tie­rung fest. Wel­che „gel­ten­den Rege­lun­gen“ den Ent­schei­dun­gen der Agen­tu­ren kon­kret zugrun­de­zu­le­gen sei­en, las­se sich dem Gesetz nicht ent­neh­men; die im Zen­trum des Akkre­di­tie­rungs­sys­tems ste­hen­de Stif­tung wer­de im Gesetz nicht erwähnt. Dem Gesetz sei auch nicht zu ent­neh­men, ob die Ent­schei­dun­gen der Agen­tu­ren öffent­lich-recht­li­cher oder pri­vat­recht­li­cher Natur sein soll­ten, wie die Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen den Agen­tu­ren und den Hoch­schu­len aus­ge­stal­tet sein soll­ten, wel­che Befug­nis­se die Agen­tu­ren hät­ten und ob und in wel­chem Umfang sie einer Auf­sicht unter­lä­gen. Das ergä­be sich auch nicht aus § 9 Abs. 2 HRG oder dem Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz.
§ 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. kön­ne nicht ver­fas­sungs­kon­form aus­ge­legt wer­den, da sich allein aus dem Begriff „Akkre­di­tie­rung“ nicht erschlie­ße, in wel­chem Ver­fah­ren, durch wen, auf­grund wel­cher Kri­te­ri­en und wie fest­ge­stellt wer­de, ob ein Stu­di­en­gang den Min­dest­an­for­de­run­gen genü­ge.
Erwei­se sich § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. als ver­fas­sungs­wid­rig, müs­se die zuläs­si­ge Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge abge­wie­sen wer­den, weil nicht fest­ge­stellt wer­den kön­ne, dass die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur zur Vor­nah­me des Ver­wal­tungs­ak­tes oder zur Neu­be­schei­dung ver­pflich­tet gewe­sen sei. Sei die Norm dage­gen ver­fas­sungs­ge­mäß, hät­te die Kla­ge – bei Abwei­sung des Haupt­an­tra­ges – mit dem Hilfs­an­trag inso­weit Erfolg, als fest­ge­stellt wer­den müs­se, dass die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur auf­grund der feh­len­den Spruch­rei­fe zur (Neu-) Beschei­dung ver­pflich­tet gewe­sen sei. Die Fach­hoch­schu­le habe ursprüng­lich eine statt­haf­te Ver­pflich­tungs­kla­ge erho­ben, denn die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur ent­schei­de als Belie­he­ne hier durch Ver­wal­tungs­akt. Die­ser habe sich inzwi­schen erle­digt. Die Fach­hoch­schu­le habe aber ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se, weil die Grund­rechts­be­ein­träch­ti­gung durch die Ruf­schä­di­gung andaue­re und ein Scha­dens­er­satz­pro­zess geführt wer­den sol­le. Erwei­se sich § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. als ver­fas­sungs­kon­form, wäre die Kla­ge im Hilfs­an­trag erfolg­reich. Die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur ver­fü­ge dann über einen Beur­tei­lungs­spiel­raum, habe aber des­sen Gren­zen ver­letzt; sie sei von einem fal­schen Ver­ständ­nis ihrer Auf­ga­be aus­ge­gan­gen, habe ihre Bewer­tung unzu­rei­chend begrün­det und den Sach­ver­halt nicht voll­stän­dig und zutref­fend ermit­telt. Die­se Feh­ler besei­ti­ge auch der Ergän­zungs­be­scheid vom 01.04.2010 nicht. Dann hät­te die Fach­hoch­schu­le im Zeit­punkt der Erle­di­gung einen Anspruch auf Ver­pflich­tung der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur zur Neu­be­schei­dung des Antra­ges unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts.
Nach § 80 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG muss das Gericht im Ver­fah­ren nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG ange­ben, inwie­fern sei­ne Ent­schei­dung von der Gül­tig­keit der Rechts­vor­schrift abhängt und mit wel­cher über­ge­ord­ne­ten Rechts­norm sie unver­ein­bar ist. Das vor­le­gen­de Gericht muss in nach­voll­zieh­ba­rer und für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach­prüf­ba­rer Wei­se dar­le­gen, dass es bei sei­ner anste­hen­den Ent­schei­dung auf die Gül­tig­keit der Norm ankommt und aus wel­chen Grün­den es von der Unver­ein­bar­keit der Norm mit der Ver­fas­sung über­zeugt ist [24]. Die Dar­le­gungs­pflicht betrifft sowohl den Sach­ver­halt, soweit er für die recht­li­che Beur­tei­lung wesent­lich ist, als auch die recht­li­chen Erwä­gun­gen [25]. Das vor­le­gen­de Gericht muss sich ein­ge­hend mit der fach­recht­li­chen Aus­gangs­la­ge aus­ein­an­der­set­zen [26], die mit ihr im Zusam­men­hang ste­hen­den Bestim­mun­gen ein­be­zie­hen [27] und dar­le­gen, wes­halb es eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung nicht für mög­lich hält [28]. Für die Beur­tei­lung der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Vor­la­ge­fra­ge im Rah­men einer kon­kre­ten Nor­men­kon­trol­le ist grund­sätz­lich die Rechts­auf­fas­sung des vor­le­gen­den Gerichts maß­ge­bend, sofern die­se nicht offen­sicht­lich unhalt­bar ist [29].
Die­se Anfor­de­run­gen sind hier erfüllt.
Das Ver­wal­tungs­ge­richt begrün­det nach­voll­zieh­bar, war­um es § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. für ver­fas­sungs­wid­rig hält. Nach sei­ner Rechts­auf­fas­sung ist mit der Not­wen­dig­keit einer Pro­gramm­ak­kre­di­tie­rung als Vor­aus­set­zung der staat­li­chen Aner­ken­nung ein Ein­griff in die auch einer pri­va­ten Hoch­schu­le zukom­men­de Lehr­frei­heit ver­bun­den, für den mit § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge besteht, die ins­be­son­de­re den Anfor­de­run­gen des Wesent­lich­keits­vor­be­halts genüg­te. Es zeigt nach­voll­zieh­bar auf, war­um nach Lan­des­recht jeden­falls fak­tisch eine Akkre­di­tie­rungs­pflicht besteht und damit auch ein Grund­rechts­ein­griff vor­liegt, und dass es von der Unmög­lich­keit einer ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung des § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. aus­geht, weil dafür jeder Anhalt im Gesetz und in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wur­fes zu § 72 HG NRW a.F. und auch zu § 7 HG NRW a.F. feh­le [30].
Das Ver­wal­tungs­ge­richt legt nach­voll­zieh­bar dar, dass und war­um es bei Gül­tig­keit von § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. zu einem ande­ren Ergeb­nis gelang­te als bei des­sen Ungül­tig­keit.
Erwie­se sich § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. als ver­fas­sungs­wid­rig, müs­se die Kla­ge abge­wie­sen wer­den. Man­gels Rechts­grund­la­ge kön­ne nicht fest­ge­stellt wer­den, dass die beklag­te Akkre­di­tie­rungs­agen­tur ver­pflich­tet wäre, den Ver­wal­tungs­akt vor­zu­neh­men oder neu zu beschei­den. Erwie­se sich die Rechts­grund­la­ge dem­ge­gen­über als ver­fas­sungs­ge­mäß, wäre die Kla­ge im Aus­gangs­ver­fah­ren inso­weit erfolg­reich, als – bei Abwei­sung des Haupt­an­tra­ges – fest­ge­stellt wer­den müss­te, dass der Bescheid der Agen­tur vom 14.04.2008 rechts­wid­rig gewe­sen sei. Die Akkre­di­tie­rungs­pflicht beruh­te dann zwar auf einer ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Rechts­grund­la­ge, bei deren Anwen­dung der Akkre­di­tie­rungs­agen­tur nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers [11] und den Beschlüs­sen des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zukä­me. Von die­sem habe die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur jedoch feh­ler­haft Gebrauch gemacht, was die Ergän­zung vom 01.04.2010 nicht nach­träg­lich hei­len kön­ne, denn ein Nach­schie­ben der Begrün­dung sei nach Erle­di­gung nicht mehr mög­lich. Jeden­falls wür­de das Ver­wal­tungs­ge­richt in die­sem Rah­men nicht fest­stel­len kön­nen, dass die Akkre­di­tie­rung schon im Aus­gangs­punkt ver­fas­sungs­wid­rig wäre.
Das vor­le­gen­de Gericht ist auch ver­tret­bar davon aus­ge­gan­gen, dass die zugrun­de­lie­gen­de Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge zuläs­sig ist.
Die Eröff­nung des Ver­wal­tungs­rechts­wegs wur­de bereits mit – gemäß § 17a Abs. 1 GVG bin­den­dem – Vor­ab­be­schluss vom 27.07.2009 fest­ge­stellt.
Die Auf­fas­sung des Gerichts, wonach die ursprüng­lich erho­be­ne Kla­ge als Ver­pflich­tungs­kla­ge statt­haft war, weil es sich bei der Ver­sa­gung des Akkre­di­tats um einen Ver­wal­tungs­akt han­del­te, ist nicht offen­sicht­lich unhalt­bar. Unter Hin­weis auf eine Gegen­mei­nung [31] und im Ein­klang mit dem Ober­ge­richt [32] sowie zahl­rei­chen Stim­men aus der Fach­li­te­ra­tur [33] ist das Gericht in sei­ner Aus­le­gung von § 7 Abs. 1 und § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. ver­tret­bar davon aus­ge­gan­gen, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren täti­ge Akkre­di­tie­rungs­agen­tur wie eine Behör­de han­del­te, der dazu nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 und § 3 Abs. 1 und 2 AkkStiftG durch den Akkre­di­tie­rungs­rat als Organ der öffent­lich-recht­li­chen Stif­tung die­se Befug­nis ver­lie­hen wor­den sei.
Das Gericht konn­te auch nach­voll­zieh­bar davon aus­ge­hen, dass jeden­falls ein Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se an der Fest­stel­lung besteht, dass die Ver­sa­gung der Akkre­di­tie­rung rechts­wid­rig war, da die Ent­schei­dung der Agen­tur den wis­sen­schaft­li­chen Ruf der neu gegrün­de­ten Fach­hoch­schu­le nach­hal­tig und gewich­tig beein­träch­ti­gen kann. Auch wenn die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge nach der Ein­schät­zung des vor­le­gen­den Gerichts gera­de bei Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der vor­ge­leg­ten Norm erfolg­los blie­be, wäre dem Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se der Hoch­schu­le gedient, da die Ver­wei­ge­rung der Akkre­di­tie­rung dann auf einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Rechts­grund­la­ge beruh­te.
Die Zuläs­sig­keit der Vor­la­ge­fra­ge berührt es nicht, dass das ange­grif­fe­ne Gesetz zwi­schen­zeit­lich außer Kraft getre­ten ist. Von der vor­ge­leg­ten Vor­schrift gehen noch Rechts­wir­kun­gen aus, die für das beim Fach­ge­richt anhän­gi­ge Ver­fah­ren ent­schei­dungs­er­heb­lich sind [34]. Auf­grund der Kla­ge­än­de­rung in eine Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge am 20.11.2009 kommt es auf die gesetz­li­che Rege­lung im Zeit­punkt der Erle­di­gung an [35]. Dem neu­en Hoch­schul­ge­setz des Lan­des ist ins­be­son­de­re in §§ 7, 7a und 72 ff. HG NRW n.F. nicht zu ent­neh­men, dass eine rück­wir­ken­de Ände­rung der gesetz­li­chen Grund­la­ge für die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen beab­sich­tigt war.
For­mel­le Recht­mä­ßig­keit des HG NRW[↑]
Die Vor­la­ge ist begrün­det. Die Rege­lung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen an Hoch­schu­len in § 72 Abs. 2 Satz 6 in Ver­bin­dung mit § 72 Abs. 1 Nr. 3 HG NRW a.F. ist mit den Anfor­de­run­gen des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar.
Gegen die for­mel­le Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der vor­ge­leg­ten Norm bestehen kei­ne Beden­ken. Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen des Bun­des im Hoch­schul­be­reich aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 12, Nr. 13 sowie Nr. 33 GG sind nicht ein­schlä­gig, wes­halb die Län­der gemäß Art. 30, 70 GG zur Gesetz­ge­bung für den Vor­la­ge­ge­gen­stand befugt sind.
Ein­griff in die Wis­sen­schafts­frei­heit[↑]
Gesetz­li­che Grund­la­ge für den Ein­griff[↑]
Die mit der Qua­li­täts­si­che­rung ver­bun­de­nen Ein­grif­fe in die Wis­sen­schafts­frei­heit bedür­fen nach Art. 5 Abs. 3 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG einer hin­rei­chen­den gesetz­li­chen Grund­la­ge [36]. Rechts­staats­prin­zip und Demo­kra­tie­ge­bot ver­pflich­ten den Gesetz­ge­ber dazu, die inso­weit für die Grund­rechts­ver­wirk­li­chung maß­geb­li­chen Rege­lun­gen selbst zu tref­fen [37]. Was wesent­lich ist, ergibt sich aus den tra­gen­den Prin­zi­pi­en des Grund­ge­set­zes, ins­be­son­de­re aus den dort ver­bürg­ten Grund­rech­ten. Wie weit der Gesetz­ge­ber die für den jeweils geschütz­ten Lebens­be­reich wesent­li­chen Leit­li­ni­en selbst bestim­men muss, lässt sich dabei nur im Blick auf den Sach­be­reich und die Eigen­art des Rege­lungs­ge­gen­stan­des beur­tei­len [38].
Der Gesetz­ge­ber kann zur Qua­li­täts­si­che­rung der Leh­re nicht selbst detail­lier­te Vor­ga­ben zu Lehr­in­hal­ten machen, denn das wür­de die grund­recht­lich geschütz­te Eigen­ra­tio­na­li­tät der Wis­sen­schaft miss­ach­ten. Kri­te­ri­en der Bewer­tung wis­sen­schaft­li­cher Qua­li­tät, an die der Gesetz­ge­ber Fol­gen knüpft, müs­sen viel­mehr Raum für wis­sen­schafts­ei­ge­ne Ori­en­tie­run­gen las­sen [39]. Daher ist die Wis­sen­schafts­frei­heit durch den Gesetz­ge­ber in Sys­te­men der Qua­li­täts­kon­trol­le jeden­falls pro­ze­du­ral und orga­ni­sa­to­risch zu sichern; neben dem Abwehr­recht gegen punk­tu­el­le und per­so­nen­be­zo­ge­ne Ein­grif­fe steht auch hier eine Garan­tie hin­rei­chen­der Teil­ha­be der Wis­sen­schaft selbst [40], die vor wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Ent­schei­dun­gen sowohl inner­halb der Hoch­schu­len wie auch durch Drit­te, im Wis­sen­schafts­sys­tem mit Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen aus­ge­stat­te­te Akteu­re schützt [41]. Der Gesetz­ge­ber muss daher bei wer­ten­den grund­rechts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen regeln, wer die­se zu tref­fen hat und wie das Ver­fah­ren aus­ge­stal­tet ist [42]. Er muss inso­fern auch für die Qua­li­täts­si­che­rung ein Gesamt­ge­fü­ge schaf­fen, in dem Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se und Mit­wir­kungs­rech­te, Ein­fluss­nah­me, Infor­ma­ti­on und Kon­trol­le so aus­ge­stal­tet sind, dass Gefah­ren für die Frei­heit der Leh­re ver­mie­den wer­den [43]. Zur Ver­mei­dung wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ter Steue­rungs­po­ten­tia­le ist eine ange­mes­se­ne Betei­li­gung der Wis­sen­schaft ins­be­son­de­re an der Fest­le­gung der Bewer­tungs­kri­te­ri­en unab­ding­bar. Das gilt erst recht, wenn Bewer­tungs­kri­te­ri­en hoch­schulex­tern fest­ge­setzt wer­den, da damit ein erhöh­tes Risi­ko der Ver­nach­läs­si­gung wis­sen­schafts­ad­äqua­ter Belan­ge ein­her­geht, und wenn die Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen auf die exter­ne Bewer­tung ange­wie­sen sind. Dabei ist sicher­zu­stel­len, dass berück­sich­tigt wird, dass die Kri­te­ri­en in den ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen unter­schied­lich sein kön­nen und gege­be­nen­falls auch sein müs­sen [44]. Des­glei­chen ist sicher­zu­stel­len, dass die Kri­te­ri­en hin­rei­chend offen sind, um – wie etwa durch Öff­nungs- oder Expe­ri­men­tier­klau­seln – auch viel­fäl­ti­ge Stu­di­en­an­ge­bo­te in einem Fach und unter­schied­li­che didak­ti­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Pro­fi­le zu ermög­li­chen.
Die wesent­li­chen Fra­gen der Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten kann der Gesetz­ge­ber nicht etwa des­halb ohne nähe­re Vor­ga­ben Drit­ten über­las­sen, weil sich das Ver­fah­ren in einem frü­hen Sta­di­um der Erpro­bung befin­det. Dies galt im Jahr 2004 für die Defi­ni­ti­on von Kri­te­ri­en der Eva­lua­ti­on auch der Leh­re, die damals „noch“ dem inner­uni­ver­si­tä­ren Pro­zess über­las­sen wer­den konn­ten, die der Gesetz­ge­ber aber bereits beob­ach­ten und erfor­der­li­chen­falls nach­bes­sern muss­te [45]. Er konn­te im Rah­men sei­nes Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raums damals zunächst ein Modell eta­blie­ren, in dem er Bewer­tungs­kri­te­ri­en nicht selbst fest­leg­te, dies aber auch nicht Exter­nen, son­dern dem inner­uni­ver­si­tä­ren Pro­zess über­ließ, an dem die Wis­sen­schaft selbst aller­dings ange­mes­sen betei­ligt sein muss­te [46]. Die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten ist jedoch seit vie­len Jah­ren natio­nal wie inter­na­tio­nal ein­ge­führt und bleibt den­noch nach § 72 Abs. 2 Satz 6 und § 7 Abs. 1 HG NRW a.F. – wie auch nach § 7 Abs. 1 HG NRW n.F. – einem weit­ge­hend hoch­schulex­ter­nen Sys­tem über­las­sen, ohne dass der Gesetz­ge­ber dem damit ein­her­ge­hen­den erhöh­ten Risi­ko der Beein­träch­ti­gung der Wis­sen­schafts­frei­heit mit einer wis­sen­schafts­ad­äqua­ten Aus­ge­stal­tung begeg­nen wür­de.
Bewer­tung der nord­rhein-west­fä­li­schen Rege­lung[↑]
Die vor­ge­leg­te Rege­lung genügt dem nicht.
Aller­dings stößt eine exter­ne Akkre­di­tie­rungs­pflicht für Stu­di­en­gän­ge an Hoch­schu­len im Aus­gangs­punkt nicht auf ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken.
Grund­sätz­lich steht es dem Gesetz­ge­ber frei, der Hoch­schul­leh­re eine exter­ne, also nicht intern beglei­ten­de, von den Hoch­schu­len oder den Fach­be­rei­chen oder Fakul­tä­ten selbst durch­ge­führ­te Qua­li­täts­si­che­rung vor­zu­ge­ben. Aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG lässt sich nicht ablei­ten, dass einer Hoch­schu­le, einer Fakul­tät oder einem Fach­be­reich ein ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­tes auto­no­mes Recht zukommt, aus­schließ­lich selbst über Umfang und Inhalt des Lehr­an­ge­bo­tes zu bestim­men [47].
Die Qua­li­täts­si­che­rung der wis­sen­schaft­li­chen Leh­re muss nicht auf wis­sen­schaft­lich-fach­li­che Kri­te­ri­en beschränkt sein, son­dern kann die Stu­di­en­or­ga­ni­sa­ti­on, die Stu­di­en­an­for­de­run­gen und den Stu­di­en­erfolg bewer­ten. Ein Hoch­schul­ab­schluss kann den Berufs­zu­gang nur ermög­li­chen, wenn das Stu­di­um bestimm­te Qua­li­fi­ka­tio­nen ver­mit­telt, poten­ti­el­le Arbeit­ge­ber des­sen Qua­li­tät aner­ken­nen und der Abschluss auf einem Arbeits­markt mit ande­ren Abschlüs­sen ver­gli­chen wer­den kann. Es ist daher unbe­denk­lich, die Qua­li­täts­si­che­rung des Hoch­schul­stu­di­ums mit Blick auf Erkennt­nis­se der For­schung und mit Blick auf eine Ver­wert­bar­keit erwor­be­ner Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten am Arbeits­markt zur För­de­rung der in Art. 12 Abs. 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Berufs­frei­heit aus­zu­ge­stal­ten. Das recht­fer­tigt es, die Akkre­di­tie­rung zwar in ers­ter Linie auf eine fach­kol­le­gia­le Beur­tei­lung im Peer Review zu stüt­zen, denn die Betei­li­gung der Wis­sen­schaft fin­det in der Fähig­keit, für Qua­li­tät vor­ran­gig selbst sor­gen zu kön­nen, einen eige­nen Grund. Dane­ben darf an der Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen jedoch auch die Berufs­pra­xis betei­ligt wer­den. Eine all­ge­mei­ne Vor­ga­be der Bewer­tung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten hin­sicht­lich der Maß­nah­men zur Chan­cen­gleich­heit sowohl von Män­nern und Frau­en wie auch hin­sicht­lich ande­rer struk­tu­rel­ler Benach­tei­li­gun­gen und des Nach­teils­aus­gleichs für behin­der­te Stu­die­ren­de dient der Ver­wirk­li­chung von Art. 3 Abs. 2 und 3 GG und der Chan­cen­gleich­heit im Hoch­schul­stu­di­um [48]. Ange­sichts heu­te inter­na­tio­na­li­sier­ter Arbeits­märk­te und Wis­sen­schaft kann der Gesetz­ge­ber zudem vor­ge­ben, in einem Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren auch die inter­na­tio­na­le Ver­gleich­bar­keit von Stu­di­en­gän­gen zu bewer­ten, solan­ge Quer­schnitts­kri­te­ri­en die jewei­li­gen fach­lich-wis­sen­schaft­li­chen Kri­te­ri­en nicht ver­drän­gen.
Es liegt auch im Aus­ge­stal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers, eine Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen neben der Rechts­auf­sicht nach § 76 HG NRW a.F. regel­mä­ßig und anlass­los zu for­dern. Der Gesetz­ge­ber über­schrei­tet den ihm mit Blick auf die Erfor­der­lich­keit zuste­hen­den Beur­tei­lungs- und Pro­gno­se­spiel­raum [49] damit nicht. Zwar sind auf die Ein­hal­tung for­ma­ler Grund­sät­ze beschränk­te Prü­fun­gen eben­so wie die schlich­te Plau­si­bi­li­täts- und Evi­denz­kon­trol­le der Selbst­be­rich­te der Hoch­schu­len mil­de­re Mit­tel, die, wie die Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz dar­ge­legt hat, der Eigen­ge­setz­lich­keit nach Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG Rech­nung tra­gen. Aus der Ver­fas­sung ergibt sich jedoch kein Ver­bot, neben der Rechts­auf­sicht exter­ne Maß­nah­men zur Qua­li­täts­si­che­rung der Leh­re vor­zu­se­hen. Des­glei­chen begeg­nen weder eine Mit­wir­kungs­pflicht der Ange­hö­ri­gen der Hoch­schu­le (vgl. § 7 Abs. 4 HG NRW a.F. und n.F.) noch das regel­mä­ßi­ge Reak­kre­di­tie­rungs­ge­bot durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken (vgl. § 7 Abs. 1 Satz 1 HG NRW a.F. für staat­li­che Hoch­schu­len sowie für pri­va­te Hoch­schu­len die Vor­ga­ben der Akkre­di­tie­rungs­stif­tung).
In § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. feh­len jedoch hin­rei­chen­de gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dun­gen zu den Bewer­tungs­kri­te­ri­en, den Ver­fah­ren und der Orga­ni­sa­ti­on der Akkre­di­tie­rung. Dies wird auch nicht dadurch kom­pen­siert, dass sich an ande­rer Stel­le hin­rei­chen­de gesetz­li­che Vor­ga­ben fän­den, auf die § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. bezo­gen wer­den könn­te. Vor allem fehlt es an einer hin­rei­chen­den Betei­li­gung der Wis­sen­schaft selbst.
Der Gesetz­ge­ber hat sich in der Zuwei­sung der Qua­li­täts­kon­trol­le der Hoch­schul­leh­re an pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­te Agen­tu­ren, die wie­der­um von einer Lan­des­stif­tung akkre­di­tiert wer­den, in § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. auf weni­ge Aus­sa­gen beschränkt. Dies wird dem Wesent­lich­keits­vor­be­halt für die Recht­fer­ti­gung einer Ein­schrän­kung der Wis­sen­schafts­frei­heit nicht gerecht.
Es ist mit den grund­ge­setz­li­chen Anfor­de­run­gen nicht ver­ein­bar, dass § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. (eben­so wie § 7 Abs. 1 Satz 1 HG NRW a.F. und n.F.) ledig­lich auf „gel­ten­de Rege­lun­gen“ ver­weist, nach denen akkre­di­tiert wer­den soll. Die­ser Blan­kett­ver­weis ermög­licht es den Rechts­un­ter­wor­fe­nen nicht, anhand der gesetz­li­chen Rege­lung die Inten­si­tät des Ein­griffs in ihre Grund­rech­te vor­her­zu­se­hen. Auch die knap­pe gesetz­li­che Nen­nung der Akkre­di­tie­rung durch ihrer­seits akkre­di­tier­te Agen­tu­ren genügt nicht, um ein staat­lich über die Aner­ken­nung pri­va­ter Hoch­schu­len erzwun­ge­nes, weit­ge­hend exter­nes Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­tem zu legi­ti­mie­ren.
Selbst eine gro­be Ziel­be­stim­mung durch den Hin­weis auf fach­lich-inhalt­li­che Min­dest­stan­dards und die Berufs­re­le­vanz der Abschlüs­se (vgl. § 18 Abs. 6 Satz 1 HG Bbg) fehlt. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wur­fes heißt es ledig­lich: „In Betracht kom­men dabei die für die Stif­tung für die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land gel­ten­den Rege­lun­gen“ und es wird pau­schal und mit einem „ins­be­son­de­re“ auch nicht abschlie­ßend auf das Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz, die das Akkre­di­tie­rungs­we­sen betref­fen­den Ver­ein­ba­run­gen und Beschlüs­se der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz, die Beschlüs­se des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes und auf sons­ti­ge auf der Grund­la­ge des Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­set­zes ergan­ge­ne Rege­lun­gen sowie lan­des­spe­zi­fi­sche Vor­ga­ben ver­wie­sen, die über die Stif­tung Bin­dungs­wir­kung für die Agen­tu­ren ent­fal­ten [50].
Zum Zeit­punkt des Aus­gangs­ver­fah­rens fehl­te es auch an einer Rege­lung zur Rechts­stel­lung der Agen­tu­ren. Das Gesetz selbst nennt in § 72 Abs. 2 Satz 6 wie auch in § 7 Abs. 1 Satz 1 HG NRW a.F. ledig­lich die Akkre­di­tie­rung „durch Agen­tu­ren, die ihrer­seits akkre­di­tiert wor­den sind“; in Art. 8 Nr. 7 des Geset­zes fin­det sich dazu die Über­gangs­be­stim­mung, dass vor 2007 durch den Akkre­di­tie­rungs­rat akkre­di­tier­te Agen­tu­ren wei­ter­hin als akkre­di­tiert gel­ten. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wur­fes heißt es, die Akkre­di­tie­rung erfol­ge „im Wege der Belei­hung staats­fern durch die Stif­tung für die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land und durch von der Stif­tung akkre­di­tier­te Agen­tu­ren“ [51], wohin­ge­gen die Agen­tu­ren nach der Begrün­dung zu § 3 AkkStiftG als „pri­vat­recht­lich orga­ni­siert und han­delnd“ gekenn­zeich­net wer­den [52]. Der Gesetz­ge­ber hat­te kei­ne förm­li­che Belei­hung vor­ge­nom­men; dies geschah aus­drück­lich erst mit der Neu­fas­sung des Hoch­schul­ge­set­zes 2014 in § 7a Satz 2 HG NRW n.F. Ist die Rechts­stel­lung der Agen­tu­ren aber unklar, wirkt sich dies nicht nur auf deren Ver­fah­ren, son­dern auch auf den Rechts­schutz gegen deren Ent­schei­dun­gen aus.
Es feh­len auch gesetz­li­che Rege­lun­gen zur Ver­fah­rens­ein­lei­tung (vgl. § 5 Abs. 1 und 2 HSG SH), zum Ver­fah­ren der Akkre­di­tie­rung, zur Rechts­form der Ent­schei­dun­gen der Agen­tu­ren und des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes der Akkre­di­tie­rungs­stif­tung, zu den Fol­gen bei feh­len­der Umset­zung von Auf­la­gen der Agen­tu­ren sowie zum zeit­li­chen Abstand der Reak­kre­di­tie­rung.
Der Man­gel an hin­rei­chen­der gesetz­li­cher Steue­rung durch die vor­ge­leg­te Norm wird nicht durch ande­re Rege­lun­gen kom­pen­siert.
Im Lan­des­hoch­schul­recht fin­den sich kei­ne hin­rei­chen­den Vor­ga­ben, die den mit der Akkre­di­tie­rung nach § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. ein­her­ge­hen­den Ein­griff in die Wis­sen­schafts­frei­heit recht­fer­ti­gen wür­den. Zwar fin­den sich nach der im Aus­gangs­ver­fah­ren maß­geb­li­chen Fas­sung für staat­li­che Hoch­schu­len Vor­ga­ben für das Stu­di­en­ziel, die Stu­di­en­st­ruk­tur, die Regel­stu­di­en­zei­ten in §§ 3, 7 Abs. 2 und §§ 58, 60, 61, 63 HG NRW a.F. Doch hat der Gesetz­ge­ber die­se Anfor­de­run­gen nicht zu Vor­ga­ben für die Pro­gramm­ak­kre­di­tie­rung gemacht. Die­se Rege­lun­gen sind Vor­ga­ben für die minis­te­ri­el­le Ent­schei­dung über die staat­li­che Aner­ken­nung als Hoch­schu­le, nicht aber für die Akkre­di­tie­rung durch die Agen­tu­ren, denn die staat­li­che Geneh­mi­gungs­ent­schei­dung ist von der Akkre­di­tie­rung getrennt. Sie sind aber auch inhalt­lich kei­ne hin­rei­chend dif­fe­ren­zier­te Grund­la­ge für Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen. Tat­säch­lich ori­en­tie­ren sich die Agen­tu­ren im der­zei­ti­gen Sys­tem an Vor­ga­ben der Akkre­di­tie­rungs­stif­tung, an selbst erar­bei­te­ten Vor­ga­ben und an Beschlüs­sen der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz. Die­se Beschlüs­se sind Exe­ku­tiv­ver­ein­ba­run­gen; sie bedür­fen der Umset­zung in den ein­zel­nen Län­dern. Dar­an fehlt es hier [53].
Auch eine Ver­wei­sung auf das eben­falls im Bun­des­land Nord­rhein-West­fa­len ver­ab­schie­de­te Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz genügt nicht, um den Anfor­de­run­gen des Wesent­lich­keits­vor­be­halts an Ein­schrän­kun­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit durch die mit der vor­ge­leg­ten Norm erzeug­te Pflicht zur Akkre­di­tie­rung zu genü­gen. Zwar muss der Gesetz­ge­ber die grund­recht­lich wesent­li­chen Rege­lun­gen nicht in einem ein­zi­gen Gesetz bün­deln. Dem Rechts­staats- und Demo­kra­tie­ge­bot kann auch genü­gen, wenn sich eine hin­rei­chend kla­re Rege­lung im Zusam­men­spiel meh­re­rer Geset­ze fin­det. Der Gesetz­ge­ber kann auch auf ande­re Rege­lun­gen – und zwar auch auf ande­re Rege­lun­gen eines ande­ren Norm­ge­bers – ver­wei­sen [54]. Der­ar­ti­ge Ver­wei­sun­gen müs­sen jedoch hin­rei­chend klar erken­nen las­sen, wel­che Vor­schrif­ten nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers im Ein­zel­nen gel­ten sol­len. Dies ist der Fall, wenn es sich um eine sta­ti­sche Ver­wei­sung auf Rechts­vor­schrif­ten in einer defi­nier­ten Fas­sung han­delt, wohin­ge­gen dyna­mi­sche Ver­wei­sun­gen nur in dem Rah­men zuläs­sig sind, den die Prin­zi­pi­en der Rechts­staat­lich­keit, der Demo­kra­tie und der Bun­des­staat­lich­keit set­zen [55]. Das Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz wird im Hoch­schul­ge­setz jedoch schon nicht erwähnt.
Das Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz selbst erfüllt inso­weit auch nicht die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen. Es lässt das Ver­fah­ren, die Rechts­na­tur und die Rechts­wir­kun­gen der Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen weit­ge­hend unge­klärt. Es feh­len pro­ze­du­ra­le Siche­run­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit und die Klar­heit zum Rechts­schutz gegen Ent­schei­dun­gen des Rates oder der Agen­tu­ren. Zum Ver­fah­ren lässt sich aus § 3 Abs. 2 Nr. 5 AkkStiftG mit der Erwäh­nung von „betei­lig­ten Gut­ach­te­rin­nen und Gut­ach­tern“ nur ent­neh­men, dass Grup­pen zur Begut­ach­tung ein­ge­setzt wer­den müs­sen; völ­lig offen bleibt, wel­che fach­li­chen Anfor­de­run­gen gestellt wer­den. Das sichert die wis­sen­schafts­ad­äquat fach­kol­le­gia­le Bewer­tung nicht. Auch sonst heißt es nur all­ge­mein, zur Vor­be­rei­tung einer Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dung sol­le eine Grup­pe von Per­so­nen bestellt wer­den, die eine Begut­ach­tung aller rele­van­ten Berei­che gewähr­leis­te und in der rele­van­te Inter­es­sen­grup­pen, Stu­die­ren­de und Berufs­pra­xis ver­tre­ten sein soll­ten (Zif­fer I Nr. 4 Drs. AR 85/​2007). Unge­re­gelt bleibt, ob oder inwie­weit die Agen­tur­gre­mi­en und der Akkre­di­tie­rungs­rat an die Voten der Gut­ach­ten­den gebun­den sind; es heißt auch nur all­ge­mein, die Agen­tur ent­schei­de unter ande­rem auf der Basis ihres Berichts (Zif­fer I Nr. 8 Drs. AR 85/​2007). Sie habe gemäß § 1 Drs. AR 104/​2008 zu bewer­ten, ob die Qua­li­täts­an­for­de­run­gen aus dem Beschluss Drs. AR 15/​2008 erfüllt sei­en, ob es sich um wesent­li­che oder unwe­sent­li­che Qua­li­täts­an­for­de­run­gen han­de­le und ob etwai­ge Män­gel inner­halb einer Frist von höchs­tens 18 Mona­ten zu behe­ben sei­en. Nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 AkkStiftG sind dies auch nur „Min­dest­vor­aus­set­zun­gen“ und nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 AkkStiftG nur „Min­dest­an­for­de­run­gen“ an die Akkre­di­tie­rung.
Selbst wenn das Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz dem Wesent­lich­keits­vor­be­halt genü­gen­de Vor­ga­ben für eine Akkre­di­tie­rung ent­hiel­te, genüg­te für ande­re Län­der die ledig­lich auf exe­ku­ti­ver Grund­la­ge beru­hen­de Ver­wei­sung hier­auf den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht.
Der Man­gel an lan­des­recht­li­cher Steue­rung wird auch nicht durch das Hoch­schul­rah­men­ge­setz kom­pen­siert. Sogar wenn der pau­scha­le Ver­weis auf die „gel­ten­den Rege­lun­gen“ in § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. als Ver­wei­sung auf das Hoch­schul­rah­men­ge­setz ver­stan­den wer­den soll­te, genügt dies nicht, da auch das Hoch­schul­rah­men­ge­setz kei­ne hin­rei­chen­den Vor­ga­ben für die Akkre­di­tie­rung macht. §§ 6, 8 und 9 HRG befas­sen sich zwar mit der Arbeit der Hoch­schu­len in der Leh­re, regeln jedoch die Akkre­di­tie­rung nicht.
Im Übri­gen hat der Lan­des­ge­setz­ge­ber im Jahr 2014 mit § 7a HG NRW n.F. eine gesetz­li­che Grund­la­ge für die Rechts­stel­lung der Agen­tu­ren geschaf­fen, indem er auf das Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz ver­weist und die Belei­hung der dar­über akkre­di­tier­ten Agen­tu­ren nor­miert. Das allein genügt den Anfor­de­run­gen des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG jedoch eben­falls nicht. Nach § 1 Abs. 2 und § 9 VwVfG NRW gel­ten für die Agen­tu­ren als Belie­he­ne nur die all­ge­mei­nen Vor­ga­ben des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­rechts; hin­rei­chend wis­sen­schafts­ad­äqua­te Rege­lun­gen für die Akkre­di­tie­rung wie zur Zusam­men­set­zung der Grup­pe zur Begut­ach­tung, den Kri­te­ri­en der Bewer­tung oder auch zur Ver­tei­lung von Beur­tei­lungs­spiel­räu­men feh­len jedoch.
Der Gesetz­ge­ber hat die Nor­mie­rung inhalt­li­cher und ver­fah­rens- und orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­ge­ner Anfor­de­run­gen an die Akkre­di­tie­rung durch die vor­ge­leg­te Rege­lung somit fak­tisch aus der Hand gege­ben, ohne die für die gewich­ti­gen Ein­grif­fe in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen selbst zu tref­fen. Viel­mehr sind dem Akkre­di­tie­rungs­rat wesent­li­che Ent­schei­dun­gen über­las­sen; die­ser eröff­net wie­der­um den Agen­tu­ren sehr weit­rei­chen­de Spiel­räu­me. Für bei­de gibt es weder in § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. noch sonst hin­rei­chen­de gesetz­li­che Vor­ga­ben zu den Bewer­tungs­kri­te­ri­en und den Ver­fah­ren zu ihrer Kon­kre­ti­sie­rung und zu Orga­ni­sa­ti­on und Ver­fah­ren der Akkre­di­tie­rung selbst.
Ins­be­son­de­re ist eine hin­rei­chen­de Mit­wir­kung der Wis­sen­schaft selbst an der Akkre­di­tie­rung nicht gesi­chert. Nach § 7 Abs. 2 AkkStiftG gehö­ren dem Akkre­di­tie­rungs­rat vier Mit­glie­der für die Hoch­schu­len und zwei Stu­die­ren­de an, die von der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz benannt wer­den. Soweit Stu­die­ren­den das Grund­recht der Aus­bil­dungs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) sowie dane­ben auch das Grund­recht aus Art. 5 Abs. 3 GG zusteht [56], kön­nen sie betei­ligt wer­den. Doch ist weder gesi­chert, dass hier wie auch in den Agen­tu­ren tat­säch­lich die Wis­sen­schaft – und nicht etwa die Hoch­schul­lei­tun­gen – ver­tre­ten sind. Noch ist gesi­chert, dass die Wis­sen­schaft im Akkre­di­tie­rungs­rat die maß­geb­li­che Stim­me hat, denn des­sen Mit­glie­der wer­den nach § 7 Abs. 2 Satz 2 AkkStiftG ein­ver­nehm­lich von der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz und der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz bestellt; damit ver­fügt die staat­li­che Ver­wal­tung über eine Veto­po­si­ti­on, die an kei­ner­lei Vor­aus­set­zun­gen gebun­den ist. Durch die wei­te­re Beset­zung des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes aus den Län­dern und aus der Berufs­pra­xis, aus den für Dienst- und Tarif­recht zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­te­ri­en und aus den Agen­tu­ren (§ 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, 3, 6 AkkStiftG) sind nur Inter­es­sen außer­halb der Wis­sen­schaft ver­tre­ten. Das Akkre­di­tie­rungs­stif­tungs­ge­setz schafft so kein Gesamt­ge­fü­ge, das der Wis­sen­schafts­frei­heit hin­rei­chend Rech­nung trägt.
Zwar kann der Gesetz­ge­ber Details im Respekt vor der Wis­sen­schafts­frei­heit nicht selbst vor­ge­ben. Doch las­sen sich die Zie­le der Akkre­di­tie­rung und die Anfor­de­run­gen an das Ver­fah­ren abste­cken, die wis­sen­schafts­ad­äqua­te Zusam­men­set­zung der Akteu­re regeln und Ver­fah­ren zur Auf­stel­lung und Revi­si­on der Bewer­tungs­kri­te­ri­en vor­ge­ben. Das schließt hin­rei­chen­den Spiel­raum für die fach­kol­le­gia­le Bewer­tung und Sach­kun­de in den Gre­mi­en nicht etwa aus, son­dern sichert die­sen gera­de.
Wei­te­re Grund­recht der Hoch­schu­le[↑]
Da die vor­ge­leg­te Norm schon den Anfor­de­run­gen des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Demo­kra­tie­prin­zip und dem Rechts­staats­prin­zip nicht genügt, bedarf es kei­ner Ent­schei­dung, ob wei­te­re Grund­rech­te der Fach­hoch­schu­le ver­letzt sind.
Fol­ge der Unver­ein­bar­keit[↑]
Eine im Ver­fah­ren nach Art. 100 GG vor­ge­leg­te Vor­schrift, die sich als mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar erweist, ist grund­sätz­lich nach § 82 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 78 Satz 1 BVerfGG für nich­tig zu erklä­ren. Aller­dings kann die Ent­schei­dung nach § 31 Abs. 2 Satz 2 und 3 BVerfGG auch dar­auf beschränkt wer­den, eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Norm nur für mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar zu erklä­ren [57]. Dies kann zugleich mit der Anord­nung einer befris­te­ten Fort­gel­tung der ver­fas­sungs­wid­ri­gen Rege­lung ver­bun­den wer­den, wenn die sofor­ti­ge Ungül­tig­keit der zu bean­stan­den­den Norm dem Schutz über­ra­gen­der Güter des Gemein­wohls die Grund­la­ge ent­zie­hen wür­de [58] oder ein recht­li­ches Vaku­um zu befürch­ten wäre [59], und eine Abwä­gung mit den betrof­fe­nen Grund­rech­ten ergibt, dass der Ein­griff für eine Über­gangs­zeit hin­zu­neh­men ist [60].
§ 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. erweist sich danach als unver­ein­bar mit den Anfor­de­run­gen des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Demo­kra­tie­prin­zip und dem Rechts­staats­prin­zip. Die Nich­tig­keit der vor­ge­leg­ten Norm hät­te zur Fol­ge, dass die staat­li­che Aner­ken­nung pri­va­ter Hoch­schu­len oder deren Ver­sa­gung man­gels erfolg­rei­cher Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen zumin­dest bis zur Neu­re­ge­lung 2014 ohne hin­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge erfolgt wäre. Die Nich­tig­keit könn­te sich auch auf die Befug­nis des Minis­te­ri­ums aus­wir­ken, die Aner­ken­nung einer Hoch­schu­le gemäß § 72 Abs. 3 Satz 2 und 3 HG NRW a.F. auf­zu­he­ben. Die Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung ver­hin­dert die dar­aus ent­ste­hen­den erheb­li­chen Unsi­cher­hei­ten für die betrof­fe­nen Hoch­schu­len und ins­be­son­de­re aber auch für deren Stu­die­ren­de.
Die für die Unver­ein­bar­keit des § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. maß­geb­li­chen Erwä­gun­gen gel­ten auch für § 7 Abs. 1 Satz 1 HG NRW a.F., weil er für die staat­li­chen Hoch­schu­len eben­falls ledig­lich vor­gibt, dass Stu­di­en­gän­ge „nach den gel­ten­den Rege­lun­gen“ zu akkre­di­tie­ren und zu reak­kre­di­tie­ren sind. Die Unver­ein­bar­keit erfasst auch § 7 Abs. 1 Satz 2 HG NRW a.F., da ohne hin­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge für die Akkre­di­tie­rung auch der dies­be­züg­li­che Vor­be­halt vor Auf­nah­me des Stu­di­en­be­triebs den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht genügt. Die Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung ist des­halb aus Grün­den der Rechts­klar­heit hier­auf zu erstre­cken (§ 78 Satz 2 i.V.m. § 82 Abs. 1 BVerfGG) [61].
Im Inter­es­se der Rechts­klar­heit ist auch § 7 Abs. 1 Satz 1 und 2 HG NRW n.F. für unver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz zu erklä­ren, da auch die­se Rege­lung die Anfor­de­run­gen des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Demo­kra­tie­prin­zip und dem Rechts­staats­prin­zip ver­fehlt. § 7 Abs. 1 Satz 1 HG NRW n.F. bestimmt inso­weit über­ein­stim­mend mit der Vor­gän­ger­vor­schrift des § 7 Abs. 1 Satz 1 HG NRW a.F. ledig­lich, dass die Stu­di­en­gän­ge „nach den gel­ten­den Rege­lun­gen“ zu akkre­di­tie­ren und zu reak­kre­di­tie­ren sind; nach § 73 Abs. 4 HG NRW n.F. ist sie nun auch für die Akkre­di­tie­rung pri­va­ter Hoch­schu­len maß­geb­lich.
Frist für eine Neu­re­ge­lung[↑]
Der Gesetz­ge­ber muss eine Neu­re­ge­lung vor­neh­men, die den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen Rech­nung trägt. Da auch län­der­über­grei­fen­de Abstim­mungs­pro­zes­se anste­hen, ist dafür ein aus­rei­chen­der Zeit­raum erfor­der­lich. Aller­dings ist nicht erkenn­bar, dass mit der Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen zuguns­ten der in Art. 12 Abs. 1 GG ver­an­ker­ten Aus­bil­dungs­frei­heit tat­säch­lich untrag­ba­re Beschrän­kun­gen der in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschütz­ten Frei­heit in der Hoch­schul­leh­re ver­bun­den sind, die eine sofor­ti­ge Unwirk­sam­keit zwin­gend erschei­nen lie­ßen. Daher ist die Fort­gel­tung der mit dem Grund­ge­setz unver­ein­ba­ren Nor­men der § 7 Abs. 1 Satz 1 und 2 und § 72 Abs. 2 Satz 6 HG NRW a.F. sowie dann der § 7 Abs. 1 Satz 1 und 2 und § 73 Abs. 4 HG NRW n.F. bis zu einer Neu­re­ge­lung und längs­tens bis zum 31.12 2017 anzu­ord­nen.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Febru­ar 2016 – 1 BvL 8/​10
GV.NRW 2006, S. 474[↩]
GV.NRW 2014, S. 547[↩]
BVerfG, Beschluss der KMK vom 03.12 1998[↩]
BVerfG, Beschluss der KMK vom 01.03.2002, S. 8 ff.[↩]
BVerfG, Beschluss der KMK vom 15.10.2004[↩]
GV. NRW 2005, S. 45[↩]
vgl. Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Akkre­di­tie­rung als Instru­ment der Qua­li­täts­si­che­rung, Drs. 2259-12 vom 25.05.2012, S. 37, 139[↩]
vgl. Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Akkre­di­tie­rung als Instru­ment der Qua­li­täts­si­che­rung, Drs. 2259-12 vom 25.05.2012, S. 36 f.[↩]
BVerfG, Beschluss des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes vom 08.12 2009, zuletzt geän­dert am 20.02.2013, Drs. AR 20/​2013, Zif­fer 3.01.[↩]
GV. NRW.2006, S. 474, gül­tig bis zum 30.09.2014; Hoch­schul­ge­setz – HG NRW a.F.[↩]
vgl. LTDrucks 14/​2063, S. 170[↩][↩]
GV. NRW.2014, S. 547; HG NRW n.F.[↩]
vgl. Gesetz über die Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, Hoch­schul­ge­setz – HG mit Begrün­dun­gen vom 16.09.2014, S. 151 f.[↩]
GV. NRW. S. 45[↩]
GV. NRW. S.195[↩]
Drs. AR 20/​2013[↩]
vgl. Drs. AR 20/​2013, S. 3; Röb­be­cke, in: Hand­buch Wis­sen­schafts­po­li­tik, 2010, S. 334, 340[↩]
ESG; über­setzt in HRK, Bei­trä­ge zur Hoch­schul­po­li­tik 09/​2006[↩]
vgl. Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Bericht über die Fort­schrit­te, KOM [2009] 487 end­gül­tig, S. 5 ff.[↩]
vgl. Bie­back, Zer­ti­fi­zie­rung und Akkre­di­tie­rung, 2008, S. 154; Röb­be­cke, in: Hand­buch Wis­sen­schafts­po­li­tik, 2010, S. 334, 342[↩]
VG Arns­berg, Beschluss vom 19.11.2008 – 12 L 576/​08[↩]
LTDrucks 13/​6182, S. 12[↩]
VG Arns­berg, Beschluss vom 16.04.2010 – 12 K 2689/​08[↩]
vgl. BVerfGE 105, 61, 67; 127, 335, 355 f.; 132, 360, 366 f.; stRspr[↩]
BVerfGE 68, 311, 316; 132, 360, 367 Rn.20; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 131, 88, 118 f. m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 105, 48, 56; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 90, 145, 170[↩]
vgl. BVerfGE 129, 186, 203[↩]
unter Hin­weis auf LTDrucks 14/​2063, S. 141 f. und S. 170[↩]
Pautsch, WissR 2005, S.200, 209 ff.[↩]
OVG NRW, Beschluss vom 13.11.2009 – 15 E 1153/​09 8; offen gelas­sen von OVG Bre­men, Beschluss vom 24.02.2011 – 2 B 327/​1019[↩]
ins­be­son­de­re Heits­ch, WissR 2009, S. 136, 144 ff.; Lege, JZ 2005 S. 698, 702[↩]
vgl. BVerfGE 39, 148, 152; 47, 46, 64; 55, 32, 36; 68, 155, 169 f.; 106, 275, 296 f.; 130, 1, 42[↩]
vgl. BVerfGE 106, 275, 297[↩]
vgl. BVerfGE 49, 89, 126; 122, 89, 107; 126, 1, 24[↩]
vgl. BVerfGE 134, 141, 184 Rn. 126; BVerfG, Beschluss vom 12.05.2015 – 1 BvR 1501/​13, Rn. 51 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 83, 130, 142, 152; 98, 218, 251; 108, 282, 311 f.[↩]
vgl. BVerfGE 111, 333, 358[↩]
vgl. BVerfGE 35, 79, 115 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 127, 87, 115; 130, 263, 299 f.; 136, 338, 363 Rn. 57[↩]
vgl. BVerfGE 61, 210, 252 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 111, 333, 355; 127, 87, 116; 136, 338, 363 Rn. 57[↩]
vgl. BVerfGE 111, 333, 358 f.[↩]
vgl. BVerfGE 111, 333, 361[↩]
vgl. BVerfGE 111, 333, 359 f., unter Ver­weis auf BVerfGE 95, 267, 314[↩]
vgl. BVerfGE 134, 1, 16 Rn. 43[↩]
vgl. BVerfGE 102, 197, 218; 115, 276, 309; 126, 112, 145[↩]
vgl. LTDrucks 14/​2063, S. 141 f., 170[↩]
LTDrucks 14/​2063, S. 141 f.[↩]
LTDrucks 13/​6182, S. 12 f.; vgl. auch Feh­ling, in: Fehling/​Ruffert, Regu­lie­rungs­recht, 2010, S. 951, 999; Grü­ne­wald, NWVBl 2011, S. 132, 136 ff.; Mey­er, DÖV 2010, S. 475, 477 ff.; Pautsch, WissR 2005, S.200, 210 ff.; Fra­en­kel-Haeber­le, Die Uni­ver­si­tät im Meh­re­be­nen­sys­tem, 2014, S. 280 f.; Mül­ler-Terpitz, WissR 2009, S. 116, 125[↩]
dazu Berl­VerfGH, Urteil vom 04.03.2009 – VerfGH 199/​06, NVwZ-RR 2009, S. 598, 602; ähn­lich auch OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 02.05.2011 – OVG 5 S 27.10 23; vgl. auch BVerfGK 8, 59, 60[↩]
vgl. BVerfGE 78, 32, 35 f.[↩]
vgl. BVerfGE 47, 285, 312 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 55, 37, 67 f.[↩]
vgl. BVerfGE 109, 190, 235[↩]
vgl. BVerfGE 132, 134, 173 f.[↩]
vgl. BVerfGE 128, 326, 404 f.[↩]
vgl. BVerfGE 33, 1, 13; 33, 303, 347 f.; 40, 276, 283; 41, 251, 266 ff.; 51, 268, 290 ff.; 109, 190, 235 f.[↩]
vgl. BVerfGE 94, 241, 265; 104, 126, 150; 132, 179, 192 Rn. 41[↩]
Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen Das Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG steht zwar Vor­ga­ben zur Qua­li­täts­si­che­rung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten grund­sätz­lich nicht ent­ge­gen. Wesent­li­che Ent­schei­dun­gen zur…
AkkreditierungHochschuleStudiengangStudiumUniversität

References: Art. 5
 Art.20

§ 72
 § 7
 § 73
 § 7

§ 7
 § 72
 § 7
 § 73
 § 9
 § 4
 § 2
 § 6
 § 7
 § 7
 § 7
 § 6
 § 8
 § 9
 § 9
 § 6
 § 9
 § 72
 § 73
 § 75
 § 75
 § 72
 § 72
 § 7
 § 72
 § 72
 § 72
 § 7
 § 73
 § 7
 § 7
 § 72
 § 73
 § 73
 § 74
 § 74
 § 75

§ 7
 § 7

§ 7
 § 7
 § 2
 § 7

§ 72
 § 60
 § 52

§ 73
 § 72
 § 7

§ 73
 § 72
 § 3
 § 72
 § 72
 § 72
 Art. 5
 § 72
 § 72
 Art. 5
 Art.20
 § 72
 § 9

§ 72
 § 72
 § 72
 § 80
 Art. 100
 § 72
 § 72
 § 72
 § 72
 § 7
 § 72
 § 72
 § 17
 § 7
 § 72
 § 2
 § 3
 § 72
 § 72
 Art. 74
 Art. 30
 Art. 5
 Art.20
 § 72
 § 7
 § 7
 Art. 5
 Art. 12
 Art. 3
 § 76
 Art. 5
 § 7
 § 7
 § 72
 § 72
 § 72
 § 72
 § 7
 § 18
 § 72
 § 7
 Art. 8
 § 3
 § 7
 § 5
 § 72
 § 3
 § 1
 § 2
 § 3
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 § 7
 Art. 5
 § 1
 § 9
 Art. 5
 § 72
 § 7
 Art. 5
 § 7
 Art. 5
 Art. 100
 § 82
 § 78
 § 31

§ 72
 Art. 5
 § 72
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 § 7
 § 7
 § 82
 § 7
 Art. 5
 § 7
 § 7
 § 73
 Art. 12
 Art. 5
 § 7
 § 72
 § 7
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 Art. 5