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Timestamp: 2020-08-05 19:30:37+00:00

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OLG München, 19.11.1974 - 9 U 1643/74 - Urteil - EversOK
OLG München, Urteil, 19.11.1974 - 9 U 1643/74 - EversOK
ECLI:DE:OLGMUEN:1974:1119.9U1643.74.0A
VersR 75, 150; VW 75, 186; Juris sonstiger OS; Wolters Kluwer
§ 87 a HGB; § 92 HGB; § 2 Abs. 3 AVB; § 158 Abs. 2 BGB; § 242 BGB; § 652 BGB; § 812 ff. BGB; § 38 VVG; § 39 VVG
Courtageanspruch des VM bei Stornierung des Vertrages; vorzeitige Beendigung des Versicherungsvertrages; Storno; Anspruch auf Rückerstattung einer Courtage gegen VM; Maklercourtage
rkr.;
zu LS 1 zum Grundsatz der Schicksalsteilung vgl. BGH, 14.04.2005 LS 6 - Atlanticlux 5 -;14.04.2005 LS 6 - Atlanticlux 7 -; 14.04.2005 LS 6 - Atlanticlux 6 -; 14.04.2005 LS 6 -Atlanticlux 8 -; RG, 02.03.1935 LS 4; OLG Hamburg, 07.08.1985 LS 1; 20.01.2005 LS 8 - Atlanticlux 4 -; OLG Köln, 10.12.1973 LS 1, 9 m.w.N.; OLG Nürnberg, 08.07.1974 LS 1; OLG Hamm, 28.11.1996 LS 5; LG Berlin, 03.01.2001 LS 1 - Feuersozietät 4 -; vgl. aber auch OGH, 17.03.1978; Josten-Lohmüller, VW 54, 10; Stötter, Das Recht der Handelsvertreter, 3.A., S. 48; Odendahl, ZfV 93, 413; Bruck/Möller, VVG, Anm. 82 vor §§ 43-48; Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 192; Möller, Recht und Wirklichkeit in der Versicherungsvermittlung, S. 175; Rohrbeck-Durst-Bronisch, S. 64; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 26.A., nach §§ 43-48 VVG Rz. 34; Müller-Stein, Das Recht der Versicherungsvermittlung, 2.A., 7.6.1;
zum Schicksalsteilungsgrundsatz im österreichischem Recht vgl. Erwin, VersR 89, 321 ff, sub VIII.
1.1 Zur Frage der Verjährung des Anspruchs des VM auf Courtage wurden vor der Schuldrechtsreform unterschiedliche Auffassungen vertreten. Bruck/Möller (VVG, Anm. 108 vor §§ 43-48) und Baumann (Versicherungsvermittlung durch VM 1998, S. 316) gehen von einer Verjährung in 2 Jahren gemäß § 196 Abs. 1 Nr. 7 BGB aus. Demgegenüber nimmt Trinkhaus (Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 475) an, dass die kurze Verjährungsfrist von 2 Jahren nur im Privatkundengeschäft Anwendung finde, während im Vermittlungsgeschäft gegenüber Kaufleuten als Auftraggebern Provisionsansprüche nach der Regel der Vorschrift des § 196 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 BGB in 4 Jahren verjähren. Beide Auffassungen konnten nicht überzeugen.
1.2 Unabhängig davon, ob es sich bei dem vermittelten Versicherungsvertrag um ein Privatkundengeschäft handelt oder ein Geschäft für einen Auftraggeber, der Kaufmannseigenschaft besitzt, ist stets das VU Schuldner des Courtageanspruchs des VM. Sowohl der Anspruch auf Courtage einschließlich dessen etwaiger Diskontierung als auch der Anspruch auf Rückforderung eines unverdienten Courtageanspruchs werden im Verhältnis des VU zum VM abgewickelt. Die kurze Verjährungsfrist beruht auf der Erwägung, dass Leistungen aus Geschäften des täglichen Lebens in der Regel bald bezahlt, Belege oft nicht erteilt oder bald vernichtet werden (Palandt/Heinrichs, BGB, 58. A., § 196 Rz. 1). Wenn das Gesetz bei diesen Gegebenheiten eine Verjährung von 4 Jahren für eine Forderung eines Kaufmanns festlegt, die aus der Besorgung fremder Geschäfte für den Gewerbebetrieb des Schuldners resultiert, so erscheint es interessengerecht, auch den Courtageanspruch und den Anspruch auf Rückforderung von Courtage generell der vierjähigen Verjährung entsprechend der Regel des § 196 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 BGB zu unterwerfen, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob der Auftraggeber des VM die Kaufmannseigenschaft besitzt oder nicht. Maßgeblich hierfür ist die Erwägung, dass das Gesetz eine Regelungslücke für den Fall aufweist, dass die Leistung eines Kaufmanns für einen Dritten eine Forderung des Kaufmanns gegen einen Schuldner aus dessen Gewerbebetrieb begründet. Für diesen Fall sind Leistung und Forderung im Hinblick auf den Bezugspunkt Gewerbetrieb des Schuldners gleichzustellen, weil es keinen Sinn ergibt, Forderungen des Versicherers oder des VM der Verjährung von 2 Jahren zu unterwerfen, obwohl sowohl Gläubiger als auch Schuldner im Hinblick auf ihre kaufmännische Buchführung in der Lage sind, Forderungen auch über einen Zeitraum von vier Jahren zu verfolgen.
1.3 Zur Verjährung des Courtageanspruchs des nicht ins Handelsregister eingetragenen Immobilienmaklers gegen seinen Auftraggeber vgl. OLG Frankfurt/Main, 07.07.1981 LS 3 m.w.N.;
zur Verjährung des Courtageanspruchs des HM vgl. BGH, 25.09.1963 LS 2 m.w.N.;
1.4 Teilweise wird die Auffassung vertreten, es folge aus dem Schicksalsteilungsgrundsatz, dass eine Courtage nicht geschuldet sei, wenn der vom VM vermittelte Versicherungsvertrag sich als nichtig erweise (so etwa Baumann, Versicherungsvermittlung durch Versicherungsmakler 1998, S. 304; Bruck/Möller, VVG, Anm. 85 vor §§ 43-48). Diese Auffassung erscheint zweifelhaft. Es ist davon auszugehen, dass ein Entstehungshindernis für den Anspruch auf Courtage nach Maßgabe des § 652 Abs. 1 Satz 1 BGB vorliegt, wenn der Versicherungsvertrag nicht wirksam zu Stande gekommen ist (vgl. OLG Naumburg, 03.03.1997 LS 4 m.w.N.; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 26. A., Anh. zu §§ 43-48 Rz. 33; Maklerrechts, Bruck/Möller, VVG, Anm. 76 vor §§ 43-48; Palandt/Sprau, BGB, 77. A., § 652 Rz. 28; RGRK/Dehner, § 652 Rz. 13; Maklerrechts, Petri/Wieseler, Handbuch des 1998, Rz. 474).
1.5 Der Grundsatz der Schicksalsteilung beruht auf einer entsprechenden Anwendung der Vorschriften der §§ 92 Abs. 4 i. V. m. 87 a Abs. 1 HGB des Agenturvertragsrechts (BGH, 20.01.2005 LS 23 - Atlanticlux 3 -; Evers, VMV 2/00, S. 24, 25ff., 27; vgl. auch BFH, 21.10.1971 LS 5 m.w.N.; OLG Nürnberg, 24.04.2001 LS 8 - FWU 4 -; OLG Frankfurt/Main, 12.09.2001 LS 8 m.w.N. - FWU 5 -; wohl auch Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 26. A., Anh. zu §§ 43-48 Rz. 34). Auch der GDV stellt in seinem Quartalsbericht IV/88, S. 155 fest, dass die Vergütung des VM weitgehend den Grundsätzen für die Vergütung bei VV folgt.
1.6 Der Grundsatz der Schicksalsteilung weicht insofern von der Vorschrift des § 652 Abs. 1 BGB ab, als er eine zusätzliche Bedingung für den Anspruch auf Courtage schafft. Er ersetzt aber nicht die Vorschrift des § 652 Abs. 1 BGB. Diese bildet die Rechtsgrundlage für den Courtageanspruch des VM (vgl. BGH, 19.05.2005 LS 3 - Atlanticlux 10 -; 14.04.2005 LS 2 - Atlanticlux 7 -; 20.01.2005 LS 4 - Atlanticlux 4 -; OLG Köln, 10.10.2006 LS 2; KG, 02.05.1934 LS 3; 15.05.1929 LS 2; LG Berlin, 01.02.1938 LS 2; BFH, 21.10.1971 LS 4; wohl auch KG, 14.01.1999 LS 6; BAV, 31.07.1952 LS 5, VerBAV 52, 67; Bruck/Möller, VVG, Anm. 74 vor §§ 43 48; Baumann, Versicherungsvermittlung durch Versicherungsmakler, S. 282; Griess/Zinnert, Der Versicherungsmakler, 3. A., S. 155; a.A. OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 25). Die Normen der §§ 92 Abs. 3 i. V .m. 87 Abs. 1 HGB finden keine entsprechende Anwendung auf den Courtageanspruch des VM. Entgegen einer teilweise vertretenen Auffassung steht dem VM ein Courtageanspruch daher nicht zu, wenn der Versicherungsvertrag nichtig ist, der Prämienanspruch des VU aber bestehen bleibt (a.A. Gauer, Der Versicherungsmakler und seine Stellung in der Versicherungswirtschaft 1951, S. 75). Es fehlt an dem insoweit erforderlichen wirksamen Hauptvertrag.
zu LS 2 vgl. Bruck/Möller, VVG, 8.A., Anm. 305 vor §§ 43-48 Rz. 305;
zu LS 3 vgl. Prölss/Martin, VVG, 24.A., Anhang zu § 48 Anm. 3 B. a;
zu LS 4 vgl. BGH, 20.01.2005 LS 8 - Atlanticlux 4 -; RG, 02.03.1935 LS 4; OLG Hamm, 28.11.1996 LS 5; 11.03.1996 LS 12; 09.05.1994 LS 2 m.w.N.; OLG Köln, 10.12.1973 LS 8; OLG Saarbrücken 09.07.1997 - 1 U 355/96-61 - OLGR 97, 334, 335; Bruck/Möller, VVG, Bd. I, 8.A., vor §§ 43–48 Rz. 82; Honsell/Gruber, VVG, Anh. zu § 48 Rz. 18; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 VVG Rz. 35; Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung, 1955, S. 192; Möller, Recht und Wirklichkeit der Versicherungsvermittlung, 1944, S. 175; Rohrbeck/ Durst/Brönisch, Das Recht des Versicherungsagenten, 3.A., S. 64; Josten/Lohmüller, Handels- und Versicherungsvertreterrecht, Anm. 12 zu § 87 a HGB; dies., VW 54, 10, 11; Sieg, VersR 93, 1198, 1200;
zu LS 5 vgl. BGH, 14.04.2005 LS 6 m.w.N. – Atlanticlux 5 –;
zu LS 6 vgl. LG Hamburg, 23.06.1961 LS 2; 31.05.1951 LS 3; OLG Frankfurt/Main, 12.11.1993 LS 6; OLG Hamm, 08.03.1996 LS 3; Möller, Recht und Wirklichkeit der Versicherungsvermittlung, 1944, S. 162; Bruck/Möller, VVG, 8.A., Anm. 82 vor §§ 43-48;
zu LS 9 vgl. OLG Hamm, 09.05.1994 LS 2 m.w.N.; OLG Naumburg, 17.04.2013 LS 41; LG Hamburg, 23.06.1961 LS 5; LG Berlin, 03.01.2001 LS 2 - Feuersozietät 4 -; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 28. A., § 59 Rz. 77; Prölss/Martin, VVG, Anh. zu §§ 43-48 Rz. 35; Möller, Recht und Wirklichkeit der Versicherungsvermittlung, 1944, S. 175; Bruck/Möller, VVG, Anm. 82 vor §§ 43-48; Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung, 1955, S. 192. Die Rechtslage ist insoweit identisch mit dem Agenturvertragsrecht (vgl. dazu RG, 23.02.1937 LS 1 m.w.N.).

References: § 87
 § 92
 § 2
 § 158
 § 242
 § 652
 § 812
 § 38
 § 39
 § 196
 § 196
 § 196
 § 196
 § 652
 § 652
 § 652
 § 652
 § 652
 § 48
 § 48
 § 48
 § 87
 § 59