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Timestamp: 2018-01-20 09:03:04+00:00

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Glossar und rechtliche Grundlagen - un_sichtbar
In dieser Expertise werden die Lebensrealitäten, Ausgrenzungserfahrungen und Widerständigkeiten von Lesben, Schwulen und Trans* in MV untersucht und sichtbar gemacht. Um die Lesbarkeit und das Verständnis der Forschungsergebnisse zu erleichtern werden im Folgenden zentrale Begriffe und ihre Verwendung erläutert. Den Verfasser_innen dieser Expertise ist bewusst, dass komplexe Diskurse vereinfacht dargestellt werden. Von zentraler Bedeutung ist hierbei, dass verschiedene Selbstdefinitionen berücksichtigt und durch eine konsequente Verwendung gestärkt werden.1
Menschen fühlen sich zu Menschen des eigenen und des »anderen« Geschlechts hingezogen. Zu kritisieren bleib die Binarität.
beschreibt die Übereinstimmung der Geschlechtsidentität – dem individuellen Gefühl oder Bewusstsein, weiblich, männlich, zwischen oder jenseits bestimmter Geschlechter zu sein – mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht.
Coming-out/Going public
bezeichnet die eigene Bewusstwerdung der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Dabei kann zwischen inneren (eigene Bewusstwerdung) und äußeren (öffentlich machen) Coming-out Prozessen unterschieden werden. Der Begriff stammt aus dem Englischen und ist dem Ausdruck »Coming-out of the closet« entnommen. Er wurde geprägt, u.a. durch die Stonewall Ereignisse in New York im Jahr 1969, wo sich Schwule, Lesben und Trans* gegen die Angriffe durch die Polizei wehrten. Nach den Auseinandersetzungen gab es innerhalb der Community die Aufforderung, die eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität öffentlich zu machen und sie nicht länger dem eigenen Umfeld, in den Ausbildungsstätten oder auf der Arbeit zu verschweigen und geheim zu halten.
ist ein Begriff aus dem Englischen, der übersetzt Gemeinschaft bedeutet. Community steht stellvertretend für eine Gruppe von Menschen, die sich in vergleichbaren Lebenswelten befinden. Hier bezieht sich der Begriff auf Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*, die zumindest partiell ähnliche Lebensrealitäten und Ausgrenzungserfahrungen teilen. Viele Mitglieder dieser Community organisieren sich in Gruppen oder arbeiten in Selbstorganisationen und Netzwerken, um sich gegenseitig zu stärken und ihre Interessen gegenüber der Öffentlichkeit zu vertreten.
bezeichnet jegliche Form von sozialer, kultureller, ökonomischer oder politischer Benachteiligung und Ungleichbehandlung von einzelnen Menschen oder Gruppen aufgrund tatsächlicher oder zu geschriebener Merkmale. Sie kann auf einer persönlichen Ebene, bspw. durch diskriminierende Aussagen oder Gewalterfahrungen im Schulumfeld oder auf struktureller Ebene, durch Benachteiligung ausgehend von Institutionen oder gesellschaftlichen Normen, stattfinden.
ist ein Begriff aus dem Englischen und bedeutet übersetzt Ermutigung, Bestärkung oder Selbstermächtigung. Empowerment beschreibt Prozesse der Selbstermächtigung bei Menschen, die sichin Krisensituationen oder bei Ausgrenzungserfahrungen ihrer eigenen Fähigkeiten und Ressourcen bewusst werden und eigene Lösungsstrategien erarbeiten, um ihre Situation selbstbestimmt zu verändern. In der Sozialen Arbeit und anderen wissenschaftlichen Disziplinen steht der Begriff stellvertretend für ein umfangreiches Handlungskonzept, welches den Fokus auf die eigenen Ressourcen und die Selbstständigkeit der Klient_innen legt und den Einfluss von Fachpersonen kontinuierlich kritisch reflektiert.
ist eine Selbstbezeichnung und wird häufig als Sammelbegriff für sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten verwendet, die sich außerhalb heteronormativer Vorstellungen von Liebe, Begehren und Identität bewegen. Als genderqueer bezeichnen sich z. B. Menschen, die sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen wollen. Geschlechtliche Identität oder Geschlechtsidentität Beschreibt das individuelle Gefühl oder Bewusstsein, weiblich, männlich, trans*, inter*, zwischen oder jenseits bestimmter Geschlechter zu sein. Die Geschlechtsidentität entwickelt sich im Aufwachsen von Personen und ist nicht mit dem zugewiesenen Geschlecht bei Geburt in eins zu setzen. Im Englischen wird deshalb auch zwischen sozialem Geschlecht (gender) und biologischem Geschlecht (sex) unterschieden.
beschreibt ein von Wilhelm Heitmeyer und seinen Kolleg_innen entwickeltes Konzept, welches vorurteilsbehaftete Einstellungen im Bereich Rassismus, Antisemitismus, Neonazismus, Antiziganismus, Sexismus, Homo- und Trans*feindlichkeit sowie Sozialdarwinismus im Rahmen einer Langzeitstudie über zehn Jahre mit dem Titel »Deutsche Zustände« untersuchte. Das Neue der Untersuchung besteht darin, dass Zusammenhänge zwischen den verschiedenen diskriminierenden Vorstellungen aufgezeigt werden: So zeigen die Ergebnisse bspw., dass Befragte, die sich rassistisch äußern auch mit hoher Wahrscheinlichkeit sexistischen Positionen zustimmen, etc. Zudem ermöglichen die Ergebnisse der Untersuchung eine Vergleichbarkeit der Daten über einen längeren Zeitraum und bilden damit Entwicklungen und Trends ab.
Das machttheoretische Konzept der hegemonialen Männlichkeit wurde von Raewyn Connell in den 1980er Jahren entwickelt. Es trug maßgeblich zur Weiterentwicklung der kritischen Männerforschung bei und gilt bis heute als einer der wichtigsten Bausteine in der internationalen wissenschaftlichen Auseinandersetzung um Männlichkeiten und männliche Identitäten. Männlichkeit ist hierbei nicht als biologisches Geschlecht, sondern als soziales Konstrukt aufzufassen, welches durch soziale Diskurse und Praktiken geformt wird und daher unterschiedliche Formen und Ausprägungen annehmen kann. Connell geht davon aus, dass die Konstruktion hegemonialer Männlichkeit durch eine doppelte Relation erfolgt, nämlich in Bezug auf Weiblichkeit und andere Männlichkeiten. Es existiert somit ein hegemoniales Männlichkeitsmuster, dem sowohl andere Männlichkeiten als auch Weiblichkeiten untergeordne sind. Die Position in der Geschlechterordnung ist klar abgegrenzt und festgelegt. Wesentliche Merkmale der hegemonialen Männlichkeit sind Heterosexualität, Deutungshoheit und Entscheidungsgewalt in Institutionen und ein vermeintliches rationales Kosten-Nutzen-Kalkül. Ziel hegemonialer Männlichkeit ist es, Macht, Überlegenheit, Autorität und Souveränität zu erlangen und langfristig aufrecht zu erhalten.
bezeichnet eine gesellschaftliche Haltung und Norm, die von der Zweigeschlechtlichkeit und dem heterosexuellen Begehren als natürlichen Zustand ausgeht und diese nicht kritisch hinterfragt. Von zentraler Bedeutung ist hierbei, dass Heterosexualität als Lebensweise institutionelle und strukturelle Privilegien wie z.B. die Ehe und damit verbundene rechtliche Vorteile genießt und als »normal« angesehen wird. Andere sexuelle Orientierungen, geschlechtliche Identitäten und Lebensformen werden dadurch als abweichend oder krank stigmatisiert.
Personen begehren überwiegend oder ausschließlich Menschen eines gegensätzlichen Geschlechts.
Homo-/Bi-/Trans*feindlichkeit
meint eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans*, die sich sowohl in negativen Haltungen und Einstellungen als auch bspw. in abfälligen Äußerungen und Gewalt in Bezug auf diese Gruppen äußert. Neben alltäglicher Diskriminierung und Gewalterfahrungen sind Homosexuelle, Bisexuelle und Trans* sowohl in Deutschland als auch international einer erhöhten Gefahr der Tötung ausgesetzt, wie bspw. die Zahlen von Todesopfern rechtsextremer Gewalt zeigen.2 In ca. 70 Ländern ist Homo- und Bisexualität sowie Trans*Sein gesetzlich verboten, in einigen Ländern droht darauf sogar die Todesstrafe.
Homosexuelle bzw. Gleichgeschlechtliche
Menschen fühlen sich emotional und sexuell zu Personen des gleichen Geschlechts hingezogen. Der bekanntere Begriff Homosexualität wird mittlerweile weniger verwendet, da er das sexuelle Begehren zu sehr in den Vordergrund stellt und in der Vergangenheit mit kriminellem oder krankhaftem Verhalten in Verbindung gebracht wurde. Zusätzlich wird Homosexualität in der Regel mit schwulen Lebensrealitäten assoziiert. Lesbische Frauen werden dadurch unsichtbar gemacht und weniger berücksichtigt.
beschreibt die Überschneidungen und Wechselwirkungen von verschiedenen Kategorien sozialer Ungleichheiten wie Herkunft, Alter, Bildung, sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Religion und weiterer Kategorien bezüglich gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Die intersektionale Forschung hat zum Ziel, multiple Unterdrückungsmechanismen sichtbar zu machen, die Gesellschaft, Wissenschaft und Politik für Mehrfachdiskriminierungen zu sensibilisieren und Konzepte anzustoßen, die diese bestehenden Ungleichheitsverhältnisse analysieren und aufbrechen.
oder auch intergeschlechtlich, zwischengeschlechtlich, inter, inter*, Hermaphrodit oder Zwitter als Selbstbezeichnungen beschreiben Menschen, deren Geschlechtsmerkmale von der medizinisch erwarteten Norm »männlich« oder »weiblich« abweichen. Ihre Geschlechtsmerkmale werden als uneindeutig bezeichnet. Häufig führt diese Bezeichnung dazu, dass bei Säuglingen und Kleinkindern »vereindeutigende« oder »geschlechtszuweisende« Operationen durchgeführt werden, um die Geschlechtsmerkmale an die medizinisch erwartete Norm »männlich« oder »weiblich« anzupassen. Zusätzlich werden langfristig Hormone verabreicht, um die Entwicklung in die vorbestimmte Richtung zu unterstützen. Diese Vorgehensweise wird von Inter* Menschen als Fremdbestimmung kritisiert und als medizinisch nicht notwendig erachtet.
Menschen begehren andere Menschen unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht oder ihrer geschlechtlichen Identität.
ist eine (politische) Selbstbezeichnung, bei der die eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität als Gegenentwurf zu heteronormativen Vorstellungen gelebt wird. Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Begriff »sonderbar«, »seltsam« oder »anders« und wurde ursprünglich als Schimpfwort verwendet, erlebte aber durch die Community eine positive Umdeutung.
von schwulen, lesbischen, bisexuellen und trans* Personen sorgen dafür, dass die Betroffenen sich wahrgenommen und ernst genommen fühlen und ihre Stimme in der Öffentlichkeit Gehör findet. Sie tragen maßgeblich dazu bei, ihre Situation sichtbar zu machen und die Öffentlichkeit für ihre Belange zu sensibilisieren. Darüber hinaus machen sie gemeinsam mit Betroffenen darauf aufmerksam, in welchen Lebensbereichen konkrete Handlungsbedarfe bestehen, um ihren Forderungen nach gesellschaftlicher Akzeptanz und Anerkennung Nachdruck zu verleihen. Zusätzlich können die Selbstorganisationen und Anlaufstellen durch die Sichtbarmachung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit die Bewältigungsstrategien von schwulen, lesbischen, bisexuellen und trans* Personen im Umgang mit ihren Lebensrealitäten und Alltagserfahrungen stärken.
wird im deutschen Recht als Sammelbegriff für die geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung eingesetzt. Verschiedene Gesetze wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verwenden diesen Begriff um festzulegen, dass niemand aufgrund der Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung begünstigt oder benachteiligt werden darf.
umfasst die emotionalen und sexuellen Bedürfnisse, Wünsche und Begehren eines Menschen in Hinblick auf das Geschlecht möglicher Partner_innen.
Bei Trans* widerspricht die geschlechtliche Identität dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Der Begriff Trans* beschreibt verschiedene transgeschlechtliche Identitäten, hierzu zählen beispielsweise transsexuell, transident, transgender, Trans*Mann, Trans*Frau. Das Sternchen bietet Raum für Selbstdefinitionen und verschiedene Vorsilben, die den unterschiedlichen geschlechtlichen Identitäten entsprechen.
ist als Oberbegriff für diejenigen Menschen zu verstehen, die sich als trans*geschlechtlich, transsexuell oder transident beschreiben, sich keinem Geschlecht oder einem weiteren Geschlechtzuordnen möchten oder sich »zwischen« den Geschlechtern positionieren.
Als trans*sexuell bezeichnen sich diejenigen Menschen, die sich nicht dem bei der Geburt zugewiesen Geschlecht zugehörig fühlen. Hierbei geht es um die Zugehörigkeit zu einem anderen Geschlecht. Der Begriff transgender wird häufig präferiert, weil transsexuell suggeriert, dass es sich um eine sexuelle Orientierung handele. Somit können Trans* sowohl hetero-, homo-, bi- oder pansexuell sein.
Schreibweise und Sprachgebrauch
Die Schreibweise des sog. gender_gap hat sich mittlerweile innerhalb der LSBT* Community, in Teilen sozialwissenschaftlicher Forschung, bei verschiedenen Organisationen und einigen Behörden etabliert. Der gender_gap soll die durch Sprache aufrecht erhaltene Heteronormativität bzw. Zweigeschlechtlichkeit hinterfragen und aufbrechen. Der Unterstrich bietet dabei Raum für Selbstdefinitionen jenseits heteronormativer Vorstellungen.
ist eine Abkürzung für lesbisch, schwul und trans* und hat zum Ziel, geschlechtliche Identitäten jenseits der heterosexuellen Norm abzubilden. Die international bekannte Abkürzung LGBT (lesbian, gay, bisexual, trans*) wurde im Laufe der Jahre noch um Buchstaben wie Q für Queer und I* für Inter* erweitert, um weitere Perspektiven zu berücksichtigen und abzubilden. In der Expertise wird die Abkürzung LST* verwendet, da die Lebensrealitäten, Ausgrenzungserfahrungen und Widerständigkeiten von Lesben, Schwulen und Trans* im Fokus stehen.
Rechtliches / Rechtliche Grundlagen
Die Lebenssituationen von gleichgeschlechtlich Liebenden und Trans* in Deutschland werden durch bestimmte Gesetzesgrundlagen beeinflusst/mitbestimmt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG, auch Antidiskriminierungsgesetz genannt) wurde 2006 verabschiedet und sorgt dafür, dass alle Menschen Gleichbehandlung erfahren sollen und nicht aufgrund bestimmter Merkmale wie ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, körperlicher Beeinträchtigung, Alter oder sexueller Identität benachteiligt werden dürfen. Seitdem haben queere Menschen die Möglichkeit, sich rechtlich gegen die Diskriminierung ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität zur Wehr zu setzen. Auch der Artikel 3 des Grundgesetzes besagt, dass niemand wegen der genannten Merkmale –ausgenommen bleibt die sexuelle Identität als Diskriminierungsgrund – diskriminiert werden darf. Verschiedene Initiativen kämpfen seit Jahren für eine Änderung des Artikel 3 im Grundgesetz und für eine Berücksichtigung der sexuellen Identität als möglichen Diskriminierungsgrund. Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahrzehnten für Schwule und Lesben drei wesentliche rechtliche Änderungen ergeben. Erstens wird seit 1992 Homosexualität in der internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht mehr als Krankheit aufgeführt. Zweitens wurde wenig später, 1994, der §175 im Strafgesetzbuch endgültig gestrichen (s. hierzu den Eintrag zu §175). Drittens wurde 2001 das Gesetz zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft (LPartG) im Bürgerlichen Gesetzbuch verabschiedet, welches den Paaren eine rechtliche Registrierung der Partnerschaft ermöglicht. Seit der Einführung des Gesetzes wurde die Gleichstellung der Lebenspartner_innenschaften mit der Ehe auf vielen Ebenen eingeklagt und durchgesetzt. Benachteiligungen bestehen jedoch immer noch bei der Adoptionsregelung. Eine gemeinsame Adoption ist bisher nicht erlaubt. Bisher sind eine Stiefkindadoption sowie eine Sukzessivadoption rechtlich möglich, bei der beide Personen das Kind nacheinander adoptieren.
Der §175 wurde erstmalig 1871 im Deutschen Kaiserreich eingeführt, um sexuelle Praktiken zwischen Männern unter Strafe zu stellen. Die Verfolgung von gleichgeschlechtlich liebenden Männern wurde zur Zeit des Nationalsozialismus deutlich verschärft: Männer, die nach diesem Paragraph verurteilt wurden und in Konzentrationslager interniert waren, mussten den so genannten rosa Winkel tragen. 50 000 Männer wurden nach dem verschärften Paragraph verurteilt, der bereits »begehrliche Blicke« unter Strafe stellte und dadurch eine willkürliche Verfolgung und Internierung ermöglichte. Weibliche Homosexualität fiel, anders als in Österreich, nicht unter den Straftatbestand des §175. Die Ausdehnung des Paragraphen auf gleichgeschlechtlich liebende Frauen wurde diskutiert, aber rechtlich nicht durchgesetzt. Die Dokumentation von Einzelschicksalen zeigt jedoch, dass lesbische Frauen kriminalisiert und verfolgt wurden. Bspw. wurden sie wegen vermeintlich anderer Vergehen angeklagt und in Gefängnissen inhaftiert oder als so genannte »Asoziale« in Konzentrationslager interniert und zwangssterilisiert. Bis heute sind viele Schicksale von Frauen wenig erforscht, aufgearbeitet und die Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus gesellschaftlich und politisch nur unzureichend durchgesetzt. Sowohl die BRD als auch die DDR übernahmen den Paragraphen 175 in unterschiedlichen Fassungen in ihre Strafgesetzbücher und wandten ihn weiterhin an. Die Abschaffung des §175 erfolgte in der DDR bereits 1969, in der BRD nach zwei Reformen erst endgültig im Jahr 1994. Acht Jahre später, 2002, beschloss der Deutsche Bundestag die Aufhebung der Urteile nach §175 zur Zeit des Nationalsozialismus und ermöglichte so die Rehabilitierung der Verurteilten. Um die nach 1945 verurteilten Männer zu rehabilitieren und zu entschädigen wurde 2016 die Erarbeitung eines entsprechenden Gesetzesentwurfes beschlossen. Für Trans*Menschen bedeutete das Transsexuellen-Gesetz (TSG) von 1981 einen maßgeblichen rechtlichen Fortschritt. Das Gesetz ermöglicht die rechtliche Änderung des Personenstandes, sodass Name und Geschlecht in Dokumenten wie dem Personalausweis, der Geburtsurkunde, etc. angepasst werden können. Seit der Einführung wurde das Gesetz mehrmals angepasst. Eine operative Geschlechtsangleichung war bis 2010 eine verpflichtende Bedingung für die Personen standsänderung. Aktivist_innen konnten 2011 erreichen, dass das Bundesverfassungsgericht diese Praxis für verfassungswidrig erklärte, da die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit dadurch verletzt werden. Weitere Änderungen betreffen beispielsweise die Altersgrenze, nach der auch Personen unter 25 Jahren eine Personenstandsänderung vornehmen können und Ehen vorher nicht mehr geschieden werden müssen. Weitere Reformansätze, die beispielsweise die zwingende psychologische Begutachtung als Feststellung der Transsexualität in Frage stellen, werden derzeit diskutiert.

References: §175
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