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ᐅ Dekodieren von Funkthermometern - Aktuelle juristische Diskussionen und Themen - JuraForum.de
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Dekodieren von Funkthermometern
Dieses Thema "ᐅ Dekodieren von Funkthermometern - Aktuelle juristische Diskussionen und Themen" im Forum "Aktuelle juristische Diskussionen und Themen" wurde erstellt von Tom_S, 27. Januar 2017.
Tom_S Forum-Interessierte(r) 27.01.2017, 21:39
Funkthermometer sind kleine Geräte, welche z.B. die Außentemperatur im Garten per Funk auf eine zugehörige Wetterstation weitermeldet, die sich üblicherweise in der Wohnung befindet. Die Funkübertragung erfolgt meist digital. Dabei werden beispielsweise Temperatur und Feuchte sowie möglicherweise eine individuelle Kennung des Funkthermometers übertragen.
Ein Hobbyfunker, ausgerüstet mit einem Funkscanner sowie einer kostenlos im Internet herunterladbaren Dekodiersoftware, empfängt und dekodiert nun etliche Funkthermometer in seiner Umgebung.
Der §89 des TKG besagt: "Mit einer Funkanlage dürfen nur Nachrichten, die für den Betreiber der Funkanlage (...) bestimmt sind, abgehört oder in vergleichbarer Weise zur Kenntnis genommen werden."
§ 202a ("Ausspähen von Daten") und §202b StGB ("Abfangen von Daten") könnte ebenfalls zutreffen. Denn: "(...) § 202a StGB schützt (...) diese Daten unabhängig von ihrem Inhalt. Nicht erforderlich ist, dass sie einen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, ideellen oder sonstigen Wert besitzen." (Zitat aus "Rechtliche Dimensionen der Radiofrequenz-Identifikation", hrsg. vom Informationsforum RFID e.V.. – Berlin, 2006)
Macht sich der besagte Hobbyfunker also strafbar, obwohl er "nur" die Daten der Funkthermometer seiner Nachbarn auswertet?
mumpel V.I.P. 29.01.2017, 09:25
AW: Dekodieren von Funkthermometern
M.E. liegt keine Straftat vor solange nur die Außendaten ausgelesen werden. Sollten aber auch die Daten aus Innenbereich ausgelesen werden könnte das strafbar sein, denn der Innenbereich gehört zum höchstpersönlichen Lebensbereich.
Tom_S Forum-Interessierte(r) 29.01.2017, 19:02
der Standort des sendenden Funkthermometers ist dem Abhörenden unbekannt.
mumpel V.I.P. 29.01.2017, 19:22
Das ändert nichts am BDSG. Auch wenn Daten nicht zugeordnet werden können unterliegen sie dem BDSG. Die Daten eines Internetnutzers können auch nicht immer zugeordnet werden, aber trotzdem darf man nicht einfach alles aufzeichnen.
Mal davon abgesehen liese sich auch der Standort eines Funkthermometers ermitteln, z.B. durch die Laufzeit der Funkdaten.
Tom_S gefällt das.
Kataster V.I.P. 29.01.2017, 19:43
Wie jetzt? Das Gemüsebeet (anderer Thread, Scherz) gehört nicht zu meinem höchstpersönlichen Lebensbereich?
Das tut es m.E. doch, so wie jeder Quadratzentimeter meines Grundstücks innerhalb einer Einfriedung oder sonstigen klar erkennbaren Abgrenzung. Somit halte ich die Unterscheidung von den Daten innen und außen für unzulässig. Selbst wenn man selber davor steht mit Thermometer - es sind Daten, die gesendet werden.
Zitat von Tom_S: ↑
Das meint, dass der Abhörende gar nicht weiß, wessen Daten das sind? Das macht nichts, siehe #4. Formal sind die Daten nicht für den Abhörenden bestimmt - und wenn es der Drehzahlmesser von meinem fiktiven Saugroboter wäre!
In der Praxis könnte der Abhörende die Nachbarn fragen, ob sie etwas dagegen hätten, wenn er die Daten ihrer Funkthermometer auswertet. Ein einhelliges Ja würde ich als Genehmigung auffassen, vielleicht erklärt man ihnen vorher auch den Zweck. Was sie dagegen haben sollten, ist mir nicht klar - man wird dann schlauer.
OT: Hm, wie sieht das denn hier im Geiste aus? 1x "Ist uns egal!", 4x "Ja.", 1x "Ich verstehe die Auswirkungen nicht? Was soll das?" und vermutlich 1x "Nein." aus Prinzip, wobei der Nachbar schwer einschätzbar ist. Meist ist er gut drauf, gelegentlich komisch drauf, ließ sich bislang aber einfangen. Für mich wäre es fast interessanter mit den Nachbarn darüber zu reden als ihre Erlaubnis unbedingt zu bekommen. Wenn meinem Nachbar etwas unwohl wäre, so lassen wir das hier möglichst wechselseitig und nach Absprache. Klappt prima.
mumpel V.I.P. 29.01.2017, 19:58
(...) Somit halte ich die Unterscheidung von den Daten innen und außen für unzulässig (...)
Die Außentemperatur halte ich nicht für schutzwürdig, da man die auch mit einem eigenen Thermometer ermitteln kann. Stellt sich die Frage ob nur Außendaten übermittelt werden oder beides (sowohl Innen- als auch Außendaten "auf einer Funkwelle"). Oder nicht?
Kataster V.I.P. 29.01.2017, 20:01
Der TE hat bereits in #1 das Gesetz (richtig?) zitiert, dass es auf den Inhalt der Daten nicht ankomme. Ich sehe das auch so und das weiß man ja auch nicht, wenn man den Standort des Senders nicht kennt.
mumpel V.I.P. 29.01.2017, 20:03
Ich halte schon allein die Software nach deutschem Recht für illegal, da deren einziger Zweck darin besteht verschlüsselte Daten auszuspähen.
Kataster V.I.P. 29.01.2017, 20:25
Im Prinzip ja. Auch wenn das meiste an Daten auf dem 433er "Band" uninteressanter Datenmüll sein dürfte, was aber juristisch irrelevant wäre.
Tom_S Forum-Interessierte(r) 30.01.2017, 18:08
Zitat von mumpel: "Ich halte schon allein die Software nach deutschem Recht für illegal, da deren einziger Zweck darin besteht verschlüsselte Daten auszuspähen."
Die Daten sind nicht verschlüsselt sondern codiert und moduliert. Die Codierung ist nötig, damit die digitalen Daten über einen (analogen) Funkkanal übertragen werden können. Die Modulation prägt dann dem Sender die codierte Information auf. - Siehe auch Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschlüsselung
https://de.wikipedia.org/wiki/Kanalkodierung
https://de.wikipedia.org/wiki/Modulation_(Technik)
Somit dürfte das Auslesen der Funkthermometer zumindest nicht unter § 202a Abs. 1 StGB ("Zugangssicherung überwinden") fallen.
Meine Frage zielte auch vielmehr darauf ab, ob es so etwas wie eine Bagatell-Grenze gibt. Aus den Gesetzestexten selbst (§89 TKG und §202 StGB) ist dies nicht herauslesbar.
Kataster V.I.P. 30.01.2017, 18:48
Meine Frage zielte auch vielmehr darauf ab, ob es so etwas wie eine Bagatell-Grenze gibt.
Bislang wohl nicht. Auch Straftatbestände wie etwa Diebstahl oder Betrug kennen keine Bagatellgrenze zur Tatbemessung. Ermittlung und Verfolgung sind andere Aspekte.
Ich vermute, dass die Erfassung der Daten nach Gesetz strafbar wäre. Es aber erst mal jemand merken müsste.
mumpel V.I.P. 30.01.2017, 20:09
(...) Generell wird dem Thema Cybersicherheit viel zu wenig Beachtung geschenkt (...)
Ich schenke ihr genug Beachtung. Indem ich sie einfach nicht nutze. Den Leuten die ich kenne ist es meist egal, sie wollen nur Bequemlichkeit. Man kann eben keinem zum Nachdenken zwingen.
Viele wissen auch nicht dass ihre Wetterstation verschlüsselte Daten sendet, oder dass die Daten von anderen abgegriffen werden können. Das kann aber gefährlich werden. Ein Vermieter der versucht seinen unbequemen Mieter loszuwerden kann, zumindest theoretisch, mit einer kontinuierlichen Aufzeichnung einiges in Erfahrungen bringen (Lüftet der Mieter vernünftig. Trocknet er die Wäsche in der Wohnung. Raucht er etwa? Oder wohnen mehr Leute drin als im Mietvertrag vereinbart. Theoretisch abzuleiten aus der Luftfeuchtigkeit im Raum).
Tom_S Forum-Interessierte(r) 22.03.2017, 21:20
"Der Rechtsbegriff Bagatelldelikt ist im Gesetz nicht legal definiert, wird aber allgemein in der Rechtspraxis für so genannte „geringfügige Straftaten“ verwendet.
- es sich um ein Vergehen handelt (kein Verbrechen) und
- die Schuld des Täters als gering anzusehen ist und
- kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht.
Man unterscheidet eigentliche und uneigentliche Bagatelldelikte. (...) Bei den uneigentlichen Bagatelldelikten kann eine Tat entweder so begangen werden, dass sie schweres Unrecht darstellt oder zu den Bagatelldelikten gehört. Bei den uneigentlichen Delikten ist das typisierte Unrechtsmerkmal zwar strafwürdig, erfüllt jedoch die Voraussetzungen der Bagatellfälle."
(https://de.wikipedia.org/wiki/Bagatelldelikt)
Das interpretiere ich so, dass auch ein Verstoß gegen §§ 89, 148 TKG unter Würdigung der Begleitumstände als "uneigentliches Bagatelldelikt" gehandhabt werden kann. Das "Abhören von Funkthermometern" im Rahmen der Beschäftigung mit Funktechnik als Hobby könnte möglicherweise darunter fallen.
Sehe ich dies als juristischer Laie richtig?
Kataster V.I.P. 23.03.2017, 23:02
Das weiß ich als juristischer Laie eben nicht!
Beim Thema Datenschutz halte ich jegliche - sagen wir mal eigennützliche - Verwertung von ausgespähten Daten für bedenklich und unzulässig.
Eine Veröffentlichung der Daten als Statistik oder Ermittlung von Gewohnheiten in Innenräumen halte ich für bedenklich und u.U. kein Bagatelldelikt.
In der Praxis galt aber schon immer, das das, was der Bastler in seinem Bastelkeller aus seinem Empfangsgerät herausholt, nicht Gegenstand der Strafverfolgung ist, wenn es keiner merkt und merken kann.
Tom_S Forum-Interessierte(r) 24.03.2017, 18:20
Aber das führt von meiner Frage weg, in der ich die Motivation "Beschäftigung mit Funktechnik als Hobby" angab als Begründung für Geringfügigkeit. - Weitere Stimmen dazu?
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References: §89

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