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Timestamp: 2018-03-21 03:28:45+00:00

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Kinder | himmel und erde
Eine Provokation soll es sein… 18. März, 2018
Posted by Rika in aktuell, frauen, gesellschaft, Kinder - Famile, mütter, mord, politik, väter.
Tags: § 218, § 219, demokratie, familie, gesellschaft & migration, gynäkologen, Kinder, Menschenrechte, politik, recht auf leben, schwangerschaft, schwangerschaftsabbgruch, tötung ungeborener
sich für menschliches Leben einzusetzen.
„Spahn provoziert neuen GroKo-Krach über Abtreibungen“
Ich gebe ja zu, dass Herr Spahn drastische Worte gewählt hat, als er einen Vergleich zog zwischen der Fürsorge für tierische Lebewesen und der für menschliche (ungeborene) Lebewesen.
Aber vielleicht ist es dringender denn je geboten, mit eben solchen drastischen Worten und Vergleichen den Wahnsinn zu verdeutlichen, der derzeit in Deutschland grassiert.
Wegen der schützenswerten Juchtenkäfer wurde jahrelang um den Bau von Stuttgart 21 gestritten. In Hannover musste, bevor der Klagesmarkt umgebaut werden konnte, ein seltenes Kraut aus den Ritzen zwischen den Pflastersteinen sorgsam entfernt und an anderer Stelle wieder eingepflanzt werden. Die Elbvertiefung wird mit dem Ringen um eine äußerst seltene Spezies im Uferbereich immer wieder juristisch bekämpft und damit verzögert. Wölfen sichert man einen überaus hohen Schutzstatus zu. Gegen Massentierhaltung gibt es heftige Proteste (wohl zu Recht).
Ungeborenes Leben hat weniger Fürsprecher in der öffentlichen Debatte.
Mehr als Einhunderttausend Ungeborene werden Jahr für Jahr abgetrieben. Das entspricht in der schieren Anzahl der Getöteten in etwa der Bevölkerung einer Stadt wie Göttingen oder Hildesheim.
In der jetzt geführten Debatte geht es aber mitnichten um ein generelles Verbot von Abtreibungen, diese juristische Angelegenheit wurde schon vor Jahren mit der Änderung des § 218 geregelt. Was die Abtreibungsbefürworter auf die Palme bringt, ist die neu entflammte Debatte darüber, ob ein Gynäkologe im Internet auf seine Praxis aufmerksam machen und dabei auch den Hinweis auf die Durchführung von Abtreibungen geben kann oder nicht. Dieses Verfahren wird durch den § 219 geregelt. Die Werbung für Abtreibung ist demnach per Gesetz verboten.
Bei einer Anzahl von mehr als 100 000 Abtreibungen pro Jahr kann man doch davon ausgehen, dass die abtreibungswilligen Frauen bisher keine Probleme hatten, eine entsprechende Einrichtung für ihr Vorhaben zu finden. Von daher verstehe ich die angeblich dringende Notwendigkeit nicht, den Paragraphen 219 nun gänzlich zu streichen, wie es die (nur vermutete Mehrheit der) SPD fordert.
Frau Barley wird mit diesen Worten in dem oben verlinkten Artikel zitiert:
Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) betonte. «Ich verlasse mich auf das Wort der Kanzlerin, die zugesagt hat, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden.» Es gehe nicht um Werbung, sondern um Information. «Daran muss jetzt die gesamte Bundesregierung arbeiten», sagte Barley der Deutschen Presse-Agentur. Ärzte bräuchten Rechtssicherheit und Frauen Unterstützung in einer Krisensituation.
Mir erschließt sich die Forderung nach mehr Rechtssicherheit für Abtreibungsärzte nicht. Es geht bei § 219 doch nicht um die Abtreibung an sich, sondern schlicht und ergreifend darum, ob ein Arzt im Internetauftritt seiner Praxis auf die Spezialbehandlung „Abtreibung“ hinweisen darf oder nicht. An seiner rechtlichen Situation hinsichtlich der Tötung von menschlichem Leben – dieses Tun nämlich straffrei zu stellen – ändert sich doch gar nichts. Und auch für die betroffenen Frauen ändert sich nichts.
Wenn Frauen und die mit ihnen sympathisierenden Männer so massiv gegen den § 219 auftreten, bedeutet das doch in erster Linie, dass auf diesem Weg die Abtreibung menschlichen Lebens endgültig zu einer ganz „normalen“ ärztlichen Tätigkeit erklärt werden soll, wie etwa die Entfernung des Blinddarms oder der Rachenmandeln. Bisher hat es doch offenbar funktioniert, dass Frauen die Ärzte fanden, die den Eingriff vornehmen. Wozu also die Änderung?
Und hat Herr Spahn nicht Recht?
Machen nicht insbesondere die Grünen ein ziemliches Gewese um alles was lebt, mit Ausnahme um noch nicht geborene Menschen?
Und ist das nicht ein ganz schrecklicher Skandal?
Ein Skandal insbesondere in einem Land, das so viel auf seine sozialen Errungenschaften hält. Ungewollt Schwangere, die sich in einer Notlage befinden, müssen und können mehr Unterstützung finden, als es bisher schon möglich ist. Dass das mit der Information über die Ärzte, die Abtreibungen vornehmen geschehen soll, kann doch nicht zu dieser notwendigen Unterstützung zählen!
DAS LEBEN ZU SCHÜTZEN muss die eigentliche und wichtige Aufgabe zum Thema Abtreibung sein. Dazu gehört auch der Schutz der Frauen, die mit einer Abtreibung ein hohes gesundheitliches und psychisches Risiko eingehen, dessen Langzeitfolgen aber in einer Krisensituation kaum zu übersehen sind. Verantwortung für Frauen kann darum eben auch bedeuten, sie darin zu stärken, ein nicht geplantes und / oder nicht gewolltes Kind dennoch zu bekommen.
„Kein Mensch ist illegal!“ lautet ein Schlagwort im Umgang mit Migration. Ungeborene Kinder haben diesen Zuspruch in gleicher Weise verdient und das Recht, in Deutschland zu leben und aufzuwachsen
By the way, der demographische Wandel macht auch den Grünen und Linken Sorgen, sie plädieren für nahezu ungebremste Einwanderung, um der immer mehr schrumpfende Bevölkerung ein bisschen entgegen zu wirken. Aber 100000 Kinder nicht leben zu lassen, ist für sie gar kein Problem.
Da kann man doch ins Grübeln kommen über die ethischen und moralischen Werte….
Himmel und Tod… 7. März, 2018
Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie.
Tags: denken, entwickelung, familie, Gott, himmel, Kinder
Gestern schrieb ich den Beitrag „Ein Himmel für den Schneemann“ und erzählte darin von meiner kleinen Enkelin.
Für uns als Großeltern ist es spannend und schön zu erleben, wie sich die Enkel entwickeln, sich ihr Denken immer mehr entfaltet, ihr Fragen sich auch den „nicht sichtbaren Gegenständen“ zuwendet, das magische Denken dabei Phantasie und Weite ermöglicht und sich doch langsam wandelt hin zum konkreten.
Im vorigen Jahr wird es gewesen sein – so genau erinnere ich es nicht – dass das kleine Mädchen wieder einmal die Familienbilder an der Wand im großväterlichen Arbeitszimmer betrachtete und dabei die Personen klar erkannte, die ihr im Familienkreis vertraut geworden sind… Mama und Papa natürlich, die Brüder, Oma und Opa, Tanten und Onkeln. Bei dem Bild meines Schwiegervaters stutzt es, diesen Mann kennt es persönlich nicht. Wer das sei, möchte es vom Großvater wissen. „Das ist mein Vater“, erklärt der Opa und ergänzt, dass der „Vater“ aber schon gestorben sei. Die Kleine denkt eine Weile nach, dann stampft sie heftig mit dem Fuß auf und sagt gleichzeitig und sehr energisch: „Tot! Peng!“
Der Großvater ist verblüfft. Stampfen – tot – Peng, das ergibt im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen doch gar keinen Sinn. Behutsam fragt er nach.
Was so makaber anmutet, hat aber einen sehr realen Hintergrund. Dazu muss man wissen, dass vor allem die Mutter des Mädchens nahezu alle Lebewesen unterschiedslos achtet und wertschätzt und niemals auf die Idee käme, eine Fliege zu töten, geschweige denn größeres Getier.
„Sag mal E.“ fragt der Großvater, dem es inzwischen dämmert, was die Kleine meint, „hast Du schon einmal einen Käfer oder eine Ameise ganz doll getreten und waren die dann tot?“ Die Enkelin schaut ihren Opa vertrauensvoll an, bestätigt das und stampft wieder heftig auf „Tot – Peng!“ Und nun wird die Sache klarer, die Mutter, die das alles beobachtete, so ist zu vermuten, hatte wohl dem Kind gesagt, dass man nicht auf Tiere tritt, weil die dann nämlich tot sind. Der Begriff „tot“ war dem Mädchen bisher nur in dieser Form verständlich begegnet, verknüpft an die Handlung des Zutretens, eben „Peng“.
Der Opa ist ein ebenso liebevoller und einfühlsamer wie professioneller Psychologe und erklärt seiner kleinen Enkelin, dass Menschen sterben weil sie alt oder krank sind. E. hört aufmerksam zu.
Vor noch gar nicht so langer Zeit blätterte ich mit E. in einem alten Fotoalbum. Ein großes Bild meiner Mutter hatte es ihr angetan. „Wer ist das?“ war die prompte Frage. „Meine Mutter, deine Uroma!“ antwortete ich. Auf die Frage, wo diese Uroma sei (ihre Uroma mütterlicherseits lebt noch, daher die berechtigte Frage), antwortete ich ihr, dass meine Mutter alt und krank gewesen und deshalb schon gestorben sei. Aber diese Auskunft befriedigte die Kleine nicht. Wo sie denn nun sei, wollte sie wissen. Und ich erzählte ihr von meinem Glauben daran, dass meine Mutter, ihre Uroma, nun bei Gott sei … im Himmel. Wir redeten noch ein bisschen über „den Gott“ wie sie sagt und den Himmel. Gott ‚kennt‘ sie schon aus biblischen Geschichten und (Tisch)-Gebeten.
Die Verknüpfung von Tod und Himmel schien ihr gut verständlich zu sein.
Und so geht es weiter in der Bildung der Assoziationskette bis zum ‚Himmel für den Schneemann‘:
Die Großeltern mütterlicherseits hatten jahrelang zwei Katzen, die im Laufe der letzten Wochen beide verstarben. Vermutlich haben die Großeltern die Enkel damit getröstet, dass die Katzen jetzt im ‚Katzenhimmel‘ seien, eine Erklärung, die manche Erwachsene oftmals Kindern geben, um ihnen den Verlust erträglich zu machen.
Und so – denke ich mir – war es für E. ganz selbstverständlich anzunehmen, dass auch der Schneemann nun im Himmel sei. Denn noch macht sie keinen Unterschied zwischen der belebten und unbelebten Welt, wird Puppen, Stofftieren und eben auch Schneemännern ebenso „Leben“ zugesprochen wie Menschen und Tieren (und Pflanzen).
Das „Abstrakte“ wird im konkreten Denken verständlich. Denken und Verstehen wird Tag für Tag mehr und ist so der wesentliche Prozess bei der kindlichen „Eroberung der Welt“.
Ihre – durch keinerlei Bedenken gefilterten – Äußerungen machen ihr Denken für uns transparent.
Es ist schön, dass wir Großeltern diesen Prozess in der Entwickelung der Kinder miterleben können und dürfen.
„Barbie trägt jetzt auch Kopftuch“… 15. November, 2017
Posted by Rika in aktuell, familie, frauen, islam, meine persönliche presseschau, migration, politik.
Tags: barbie, emanzipation, familie, frauenrechte, gesellschaft & migration, islam, journalismus, Kinder, Kopftuch, mattel, Menschenrechte
titelt mein Käseblättchen auf SEITE EINS!
Das ist doch mal ne Meldung die es wirklich verdient hat, nicht irgendwo im Kultur- oder Wirtschaftsteil einer Zeitung aufzutauchen, sondern ganz prominent und hübsch bebildert gleich auf Seite 1 ins Auge des Betrachters / Lesers zu fallen.
Bevor ich weiter schreibe, ist hier eine Erklärung nötig:
Ich kämpfe gerade mit meiner generellen abgrundtiefen Abneigung sowohl gegen Barbie wie auch gegen das Kopftuch, man möge mir bitte verzeihen, wenn ich mit diesen ungünstigen Voraussetzungen nur zu einer relativ bissigen Stellungnahme imstande bin.
Meine Haltung zum „Erkennungsmerkmal für muslimische Frauen“ (muslimische Männer sind in Deutschland ja eher unauffällig gewandet) habe ich ja in verschiedenen Beiträgen hinreichend beschrieben, das muss ich nicht wiederholen, wenngleich sich die Argumentationsgrundlage auch zu diesem Fall natürlich in keinster Weise geändert hat, nachlesen kann man es beispielsweise hier und hier.
Soweit meine Vorrede.
Isabell Rollenhagen, die Autorin des HAZ-Barbie-Titels schreibt einleitend:
„Wespentaille, blonde Wallemähne, weiße Haut: Barbie ist seit mehr als einem halben Jahrhundert der Inbegriff eines uralten westlichen Frauenbildes.“
Nein, Barbie ist nicht der Inbegriff eines „uralten“ Frauenbildes, es ist der Inbegriff einer sensationellen Marketingentscheidung eines amerikanischen Spielwarenherstellers:
(1945 wurde Mattel von Harold Matson, Elliot Handler und dessen Frau Ruth Handler in einer Garage gegründet. Der Firmenname setzt sich zusammen aus Matsons Spitzname „Matt“ und „Elliot“. Die ersten Produkte waren Bilderrahmen und Puppenmöbel aus Holz. Die Erweiterung des Angebots um Puppenkleider war sehr erfolgreich, und so entschied sich das Ehepaar Handler, nach Trennung von dem Partner Matson, sich vermehrt auf Spielzeug zu konzentrieren.
Im Jahre 1959 erschien die erste Barbie-Puppe und 1961 die Ken-Puppe Quelle )
Das mit dem „uralten Frauenbild“ relativiert die Autorin dann im nächsten Satz bereits sehr schnell:
Dem Spielzeughersteller Mattel hat dies in den vergangenen Jahren nicht nur von Frauenrechtlerinnen viel Kritik eingebracht.
Warum wohl protestierten Frauen gegen eine Puppe, die in keinster Weise dem gängigen „Frauenbild“ unserer Gesellschaft entsprach, sondern auf geradezu obszöne Weise Frauen auf blond, dünn, langbeinig – und, wie ich immer vermutete, blöd reduzierte? Barbie ist eine Anziehpuppe mit ungeheuer schlechtem Geschmack, mehr nicht. Ich jedenfalls finde mich in diesem von Mattel in Kunststoff geprägtem und von der Autorin als „uralt“ propagierten „Frauenbild“ nicht wieder.
Frau Rollenhagen schreibt unbekümmert und bar jeder Logik weiter:
Doch das US-Unternehmen lernt dazu – und präsentiert immer wieder auch Puppen, die sich von den Stereotypen abwenden sollen. Die neueste Idee: Barbie bekommt einen Hidschab, also ein Kopftuch, das Haare, Hals und Brust bedeckt.
Dem Stereotyp „uraltes westliches Frauenbild“ wird jetzt das des „ururalten, archaisch-muslimischen Frauenbildes“ an die Seite gestellt.
Da freuen sich aber die linientreuen Islamverehrer und noch mehr die supertoleranten deutschen, nicht-muslimischen Islamversteherinnen, die ja schon längst jede Solidarität mit den unters Kopftuch gezwungenen Frauen aufgekündigt und damit die emanzipatorische Entwicklung der Frauen in Deutschland feige verraten haben.
So unterlässt es natürlich auch Frau Rollenhagen, in irgendeiner Weise kritisch auf das „Kopftuch“ an sich einzugehen, vielmehr schließt sie sich dem Werbejubel an, indem sie fortfährt:
Für die Barbie in der „Sheroes-Kollektion“ dient die Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad (31) als Vorbild, wie der Mattel-Konzern auf seiner Website bekannt gab. …. Mit den Sherors-Puppen … will Mattel eigenen Angaben zufolge weibliche Vorbilder feiern, die zeigen können, dass Mädchen alles werden können, was sie wollen.“
In der Tat, muslimische Mädchen im Hidschab können etwas werden ….. ABER eben nicht ALLES und schon gar nicht was SIE wollen. Sie können nicht mit flatternden Haaren am Strand von Malibu oder Sankt Peter Ording im Sand spielen…. nicht mit leichtem Sommerkleidchen im Zoo spazieren gehen …. nicht ungestüm mit gleichaltrigen Mädchen wie Jungen im Freien toben… und sage mir niemand, dass kleine Mädchen genau das auf gar keinen Fall wollen!
Diesen winzig kleinen kritischen Einschub vermissen ich in dem Bericht von Seite 1 der HAZ, vom 15. November 2017.
Dafür erfahre ich dies:
Die Sportlerin ist begeistert: „Ich bin stolz, zu wissen, dass kleine Mädchen überall jetzt mit einer Barbie spielen können, die einen Hidschab trägt.“ Damit sei für sie ein Kindheitstraum wahr geworden.
Ich vermute einfach mal so ins Blaue hinein, dass es der Kindheitstraum der Sportlerin war, wie viele kleine Mädchen mit einer Barbie spielen zu wollen. Das wurde ihr verwehrt, weil ja die Barbie dem „uralten westlichen Frauenbild“ entsprach und die vermutlich streng muslimischen Eltern genau das verhindern wollten: Ihre Tochter sollte auf gar keinen Fall einer „westlichen Frau“ ähnlich werden. Jetzt also können auch muslimische kleine Mädchen mit einer Barbie spielen, die das genaue Abbild ihres muslimischen Frauenbildes ist.
Es sei ihnen gegönnt….
Nur von einer deutschen, westlich sozialisierten Frau hätte ich in einem Bericht zu dieser PR-Strategie erwartet, dass zumindest in einem Halbsatz das Problem des Kopftuchs für das Selbstbestimmungsrecht kleiner Mädchen angesprochen wird.
Ergänzender Einschub aus einem älteren Kommentar von mir zum damaligen Kopftuchurteil, den ich auch für die „Hidschab-Barbie“ für relevant halte: „Nun müssen sich halt diejenigen Muslima rechtfertigen, die kein Kopftuch tragen…. Was ist also so großartig an dem Urteil? ….. WAS ist so großartig an einer Hidschab tragenden Barbie?
Es ist pädagogisch vollkommen falsch, weil es den jungen Mädchen und Frauen, die aus dem vermeintlich “religiösen” Zwang ausbrechen wollen, nun eine zusätzliche Last in Form Kopftuch tragender Lehrerinnen- und Puppen-vorbilder aufbürdet.
Ich kann darin keinen Fortschritt für die integrationswilligen Muslime erkennen, eher dient es den Extremen zur Rechtfertigung ihrer pseudo-religiösen Ideologie und dem Frauen verachtenden Verhaltenskodex eines archaischen Kultes.
Ich habe übrigens lange Zeit versucht, eine Barbie mit ihrem „uralten westlichen Frauenbild“ von meiner Tochter fern zu halten, zumal das liebste Töchterlein ein gutes Dutzend bezaubernder Puppen besaß…. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich schließlich einen ganz schändliche Deal mit der liebsten Tochter gemacht habe: Die weigerte sich nämlich, zum Abschluss des Schwimmkurses auch die abschließende Prüfung zu machen… alle guten Worte waren vergeblich. Da habe ich sie schlicht erpresst: Wenn Du das Seepferdchen schaffst, bekommst du eine Barbie…. Ich weiß, ich weiß, das war keine pädagogische Glanzleistung. Aber sie schaffte das Seepferdchen und bekam eine Puppe… es war nicht die Original-Barbie…. sie landete auch alsbald in irgendeiner Spielzeugkiste ….
Ich konnte Barbie nicht nur wegen des angeblich „westlichen Frauenbildes“ nicht leiden. Ich fand sie einfach grottenhässlich, völlig unproportioniert und zudem steif und ungelenk… Nun ja, über Geschmack kann man nicht streiten oder eben doch….
„Emma“ – eine Leseempfehlung…. 1. August, 2017
Posted by Rika in emanzipation, familie, frauen, gesellschaft.
Tags: familie, gender studies, gesellschaft, Kinder, Meinungsfreiheit, Menschenrechte, politik
Als junge Fachlehrerin legte ich in den frühen 70er Jahren demonstrativ die „Emma“ auf meinen Platz am Lehrertisch… ich war ja so fortschrittlich, emanzipiert und großartig-modern, dem Feminismus nicht abhold….
Wir waren ein überwiegend junges Kollegium mit einem jungen Schulleiter, aber es gehörten auch einige „alte Knaben“ und nicht mehr ganz jugendliche, um nicht zu sagen ältere Damen zu unserer pädagogisch wertvollen ( ja, was denn auch sonst 🙂 ) Lehrerriege. Schülerinnen und Schüler gab es noch nicht, Lehrerinnen und Lehrer auch nicht. Man war Lehrer oder Schüler. Allenfalls gebrauchte man in der weiteren persönlichen Beschreibung den Ausdruck „die Schülerin xyz“ oder „die Lehrerin xxx“. In der Vielzahl jedoch waren es Lehrer und Schüler. Basta.
Möglicherweise, das erinnere ich aber nicht genau, kann es sogar das Bestreben der damaligen „Emma“ gewesen sein, die Geschlechterzuordnung in der Begrifflichkeit deutlich zu machen, dem gesellschaftlichen Rang der Frauen und Mädchen einfach mehr Aufmerksamkeit und Gewicht zu geben.
Es waren die Jahre der ersten kleinen – und dennoch so großen – Veränderungen in der Bewusstwerdung von männlich/weiblich. „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ mischten die wenigen Talkshows auf, und wir Frauen sollten lernen, dass wir nicht als Mädchen geboren, sondern dazu gemacht würden…. (erschienen als Buch von Ursula Scheu) eine Behauptung, der ich eine zeitlang widerspruchslos folgte, bis mir nach der Geburt meiner wunderbaren Tochter so sehr deutlich wurde, dass sie sich doch schon rein äußerlich von ihren ebenso wunderbaren Brüdern unterschied und ich eigentlich nicht wollte, sie zu einem „Nicht-Mädchen“, aber eben auch „Nicht-Jungen“ zu machen, denn sie war ja KEIN Junge! Sie, so wurde mir beinahe schlagartig klar, als ich dieses kleine Wesen eines späten Abends in den Armen hielt und stillte, sollte sich in ihrer Entwicklung ihrer Weiblichkeit bewusst werden und sie genießen können, was aber nicht bedeutete, dass sie nicht auch das alles machen und ausprobieren dürfte, was ihren Brüdern in den Sinn kam… Ich wollte, so nahm ich mir sehr bewusst vor, unsere Tochter ihren ureigensten Weg gehen lassen…. Und ich glaube, dass sie das bis heute tut.
mehrere Jahre war die „Emma“ der Quell meiner weiblichen Weiterentwickelung, bis ich mich schließlich für „genug emanzipiert“ hielt und auf weitere Emmalektüre verzichtete. Alice Schwarzer war nicht mehr das große Vorbild, sondern eine Frau wie viele andere auch, die im öffentlichen Leben mehr oder weniger deutlich Position bezogen zu den verschiedensten Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Wesentlich für mich war es in den Jahren der Familienzeit und Kindererziehung eine Balance gefunden zu haben zwischen meiner „Rolle“ / Arbeit in der Familie (und dem ehrenamtlichen Engagement in Kindergarten, Schule und Gemeinde) und meiner nach der Kinderpause neu aufgenommenen Berufstätigkeit und darin „meinen“ ureigensten Erkenntnissen und Empfindungen folgen zu können, nicht nach einem Schema leben zu müssen, das mir von außen aufgedrückt wurde. Ich war immer sehr gerne „nur Hausfrau“ in der Zeit, als die Kinder noch klein waren und habe das nicht als einen Makel oder eine Minderwertigkeit hinsichtlich einer wie auch immer formulierten gesellschaftlichen Relevanz erlebt. Im Gegenteil. Ich war – und bin es heute noch – stolz darauf, gemeinsam mit meinem Mann unsere vier Kinder auf ihrem Weg ins Leben und darüber hinaus begleitet und beraten zu haben, und so daran beteiligt zu sein, dass sie einen guten Platz in Gesellschaft und Beruf gefunden haben. Ich halte das – diese „Familienarbeit“ – generell für eine große gesellschaftliche Leistung aller Frauen, die in meinen Augen viel zu wenig Wertschätzung durch die Politik und in den Medien erfährt.
Und nach diesem kleinen Einschub zurück zu „Emma“.
Ein Artikel nämlich, auf den ich bei facebook aufmerksam wurde, könnte mich verleiten, wieder einmal eine „Emma“ zu erstehen…
Zumindest aber bringt er mich dazu, ihn hier als Link weiterzureichen, denn er beschäftigt sich mit einem wundersamen Phänomen unserer Zeit, dem ich so abhold bin, wie man nur sein kann. Ich könnte allerdings mein ablehnendes Unbehagen nicht so präzise begründet in Worte fassen:
Emma: „Sargnägel des Feminismus“
Daraus dieser kurze Auszug, in dem es um die vermeintliche Wissenschaftlichkeit der sogenannten „Gender Studies“ geht:
Der angestrengte Jargon schaukelt gewichtige Denkleistungen vor, der junge Erwachsene weder zum kritischen Befragen der Gegenwart animiert, noch zu unabhängigen Denkerinnen und Denkern ausgebildet – sie werden vielmehr eingeschüchtert. Weil sie unweigerlich annehmen, dass das, was sie in einem universitären Rahmen zu hören bekommen, intellektuell gewichtig sein muss, wird ihr Verstand nicht geschärft, sondern vernebelt.
Konkreter: Das Studium der Gender Studies macht Studierende oftmals nicht schlauer, sondern in vielen Fragen dümmer. Sie lernen nicht, globale Probleme objektiv zu erfassen, sondern sie durch eine hochgradig antiimperialistische Agenda zu filtern. Ein Workshop, den Dietze zu „Ethnosexismus und Migration“ anbot, befasste sich etwa mit „abendländischen Überlegenheitsnarrativen, zum Beispiel der Demokratie als der besten aller Regierungsformen, der Säkularität als der besten aller Rationalitäten“. Womit „der Überzeugung“ widersprochen werden sollte, dass die westliche Welt über „ein maximal fortgeschrittenes sexuelles Regime“ verfügen. Die Verächtlichkeit gegenüber Rechtsstaatlichkeit und Religionsfreiheit, die sich durch diese Botschaft aus dem akademischen Paralleluniversum zieht, ist ebenso offenkundig wie die subkutane Faszination für religiös legitimierte Diktaturen, in denen es weder das eine noch das andere gibt.
Mein mütterlicher Rat – etwas salopp formuliert und alles andere als wissenschaftlich begründet, lautet daher:
Liebe Frauen, Mädchen, Männer und Knaben, nehmt Euch diesen Emma-Text zu Herzen, genießt Eure jeweilige biologische Einzigartigkeit ganz ohne jeden politisch-ambitionierten Weltverbesserungswahn….
Und bleibt – oder werdet wieder – ‚ganz normal‘ … ohne jeden Genderquatsch und sprachverhunzende Binnensterne oder Genderneuwortschöpfungen….
Wenn Schüler in der Schule beten wollen… 2. März, 2017
Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, islam, medien, migration, presse, schule - kinder.
Tags: gesellschaft & migration, islam, islamismus, Kinder, politik, Religionsfreiheit, schule - kinder
… ist das zunächst positiv zu sehen.
Ich erinnere mich gut an die Zeit, als unsere Kinder noch schulpflichtig waren und weiter führende Schulen in Hannover besuchten, öffentliche Schulen, nicht konfessionsgebundene. Auf Initiative einiger Schüler wurde ein Schülergebetskreis gegründet, die Schulleitung stellte für dieses Anliegen den Raum der Schülerselbstverwaltung zur Verfügung. Die jungen Leute trafen sich einmal oder zweimal wöchentlich vor dem Unterricht – was bedeutete, schon zur „nullten“ Stunde anwesend zu sein. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob der Gebetskreis während der gesamten Schullaufbahn aller unserer Kinder bestand und wie viele Mädchen und Jungen tatsächlich daran beteiligt waren. Sicher bin ich mir aber, dass außer einer einladenden Notiz am „Schwarzen Brett“ und Mund-zu-Mund-Propaganda der Initiatoren keine weitere Öffentlichkeit hergestellt wurde. Sicher bin ich mir darüberhinaus auch, dass es nicht um „demonstrare ad oculi“ ging, mit der die eigene Frömmigkeit zur Schau gestellt werden sollte. Es ging den Jugendlichen tatsächlich um Kontemplation und Gebet, Sammlung, Bitte, Fürbitte, Dank, für sich und alle, die zum Schulleben gehörten.
Zu der Zeit, denke ich, war es eher verpönt beim Beten erwischt zu werden, das war nämlich extrem uncool und wer wollte das schon sein?! Eines unserer Kinder wurde eine zeitlang von guten Freunden gehänselt, weil wir als Familie regelmäßig zum Gottesdienst gingen; auch ein netter Nachbar meinte eines Sonntagsmorgen spöttisch lächelnd: „Na, geht es wieder zum Beten?“ Gebet war eben nichts für moderne und aufgeschlossene Menschen.
Auch heute scheint dieser Trend ungebrochen.
Umso mehr müsste es mich doch freuen, wenn ich in einer Zeitung, respektive ihrer Onlineausgabe lese, dass Schüler in der Schule beten wollen, und es könnte mich gewaltig ärgern, dass die Schulleitung das untersagte.
Nun handelt es sich bei den Gebetswilligen nicht um Jugendliche, die sich ins stille Kämmerchen zurückgezogen haben, um dort ihr Gebet an Gott zu richten. Sie haben ein Gebets-Event veranstaltet in ihrer Schule, „demonstrare an oculi“ gewissermaßen, und die Betonung liegt tatsächlich auf demonstrare, demonstrativ, die Schulleitung nannte es gar „provokativ“ und untersagte diese Form des öffentlich zur Schau gestellten Gebets.
Verschiedene Online-Medien haben sich dieser Sache angenommen, nachdem zunächst bei Facebook der Brief eingestellt worden war, den die Schulleiterin an das Kollegium geschrieben hatte und in dem sie anordnet, Verstöße gegen das Gebetsverbot zu melden. Offenbar hatte dieses Schreiben so hohe Wellen in der Facebook-Community geschlagen, dass auch die örtlichen Zeitungen über die Maßnahme berichteten.
Schule verbietet muslimischen Schülern „provozierendes Beten“
Es gehört nicht viel dazu sich vorzustellen, welch eine „Ungeheuerlichkeit“ dieses Verbot für viele Muslime darstellt. Welt-Online verzichtet leider in dem Bericht auf die Stellungnahme der Schulbehörde, die sagt nämlich auf die Frage der Rechtmäßigkeit eines solchen Verbots:
„Die Schulleiterin hat dazu die Möglichkeit im Rahmen des Hausrechts. Das verfassungsmäßige Gebot des Funktionierens des Schulbetriebes und des Bildungsauftrags Art 5 GG, geht der Religionsausübungsfreiheit vor.“
Wenn tatsächlich, wie „Der Westen“ berichtet, sowohl Lehrer wie auch Schüler sich durch die demonstrative Art des Betens bedrängt fühlen, hat die Schulleitung die Pflicht, sich der Sache anzunehmen. Das wird zwar von der Bezirksregierung ausdrücklich bestätigt, allerdings nicht in der Weise, dass sie selbst energisch für den Erhalt des Schulfriedens eintritt und ihrerseits das öffentlich zur Schau gestellte Beten in einer staatlich-säkularen Bildungseinrichtung verbietet. Denn das ist doch der eigentliche Grund für das Verbot. In den offenen Räumen der Schule, die von allen Schulangehörigen genutzt werden, werden diese Gebete verrichtet – vermutlich während der Pause, wenn allgemeines Kommen und Gehen auf den Gängen und in den Toilettenräumen (siehe Bericht) herrscht.
Auch relativ phantasielose Menschen könnten sich doch leicht das Szenario ausmalen, wenn sie sich an ihre eigene Schulzeit erinnern, wie viel mehr ist es aber Leuten geläufig, die in deutschen Bildungsanstalten ihren Dienst verrichten:
Man (Junge / Mädchen – auf die gendergerechte Sprache verzichte ich ) will zur Toilette, im Gang davor stolpert man bereits an einem auf dem Gebetsteppich liegenden Beter vorbei, der noch dazu akribisch darauf bedacht ist, dass kein „Unreiner“ seinen Teppich betritt und möglicherweise sogar heftig wird, wenn das versehentlich doch passiert. Im Waschraum sind zwei von drei intakten Waschbecken belegt von jugendlichen Muslimen, die gerade ihre Füße der rituellen Waschung unterziehen… Es kommt zu einer leichten Auseinandersetzungen, denn Jugendliche in dem Alter sind selten auf höfliche Umgangsformen bedacht…. „Musst du deine dreckigen Füße ausgerechnet hier waschen?“ Die Frage könnte doch gestellt werden, selbst wenn die Füße nicht dreckig wären, wovon man bei fünfmaligem Gebet am Tag mit jeweils fünf Fußwaschungen durchaus ausgehen kann. Der Aufsicht führende Lehrer ist genervt, wie soll er damit umgehen, dass sich einige Mitschüler über das Gebets-Event beklagen, andere darüber, dass sie beleidigt werden, WEIL sie beten.
Hat jemand, der hier regelmäßig liest, jemals in seinem Leben Aufsicht in einer großen Schule geführt??? Solche und ähnliche Szenen sind eine wahre Freude für alle Beteiligten. Ich frage mich, warum niemand der berichtenden Reporter, die unbesehen davon schreiben, Leute seien darüber empört, dass die Schulleitung rassistisch reagiert habe, sich einmal vor Ort das Spektakel während einer ganz normalen Pause (ganz ohne demonstrative Gebete) ansehen. Ich bin ziemlich sicher, dass sich allein aus der völlig normalen Situation, die sie an Ort und Stelle erleben, eine andere Sicht und damit auch eine andere Haltung zu dem Geschehen einstellen wird.
Ich vermisse auch den Hinweis darauf, dass es so jungen Leuten durchaus erlaubt ist, die Gebete, die sie nicht nach der gebührenden Ordnung und zu den vorgesehen Zeiten verrichten können, durchaus zu Hause in ihrer gewohnten und dafür auch eingerichteten Umgebung nachholen zu können.
Mir drängt sich doch eher der Verdacht auf, dass hier sehr gezielt ein Skandälchen zu Lasten der Schulleitung herbei geschrieben wird, dass Reporter nicht in der Lage zu sein scheinen, die sehr gebräuchliche Schulordnung auch nur einigermaßen wahrnehmen und nachvollziehen zu können (vielleicht eine sehr späte Reaktion auf den Frust, den sie selbst einst mit Schulleitung in ihrem Schülerdasein erlebt haben?).
Von der falschen Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle derjenigen, die für sich in Anspruch nehmen, der Religion des Friedens anzugehören und sich dabei (immer) so schnell ereifern, wenn es um die vermeintliche Begrenzung ihrer vermeintlichen Rechte geht, will ich hier gar nicht erst schreiben. Und auch nicht davon, dass ich das zur Schau getragene muslimische Gebet für ein Machtspiel halte, in dem die Jungen vielleicht sogar instrumentalisiert wurden von den Imamen ihrer Moschee. Und ich will auch nicht darüber spekulieren, inwieweit diese Aktion eine Reaktion auf die derzeitige Diskussion um DITIB ist…
Das lässt heute meine Befindlichkeit einfach nicht zu.
Mich erinnert dieser Vorfall jedoch sehr an das Stück Stoff , das viele der Trägerinnen ebenfalls aus scheinbar religiösen Gründen tragen, mit dem man aber prima demonstrieren kann, anders zu sein als die anderen, besser zudem und vielleicht sogar nicht dazu gehören zu wollen zu der Gemeinschaft der ganz normalen Bewohner dieses Staates: Atheisten, Christen, Juden Agnostiker, Heiden, Buddhisten, Naturreligionsanhänger und wer weiß noch was… und eben auch anders sein zu wollen, als die völlig unauffällig hier lebenden Muslime, ohne Gebetsteppich im (Schul)Gepäck und Kopftuch oder Niqab .
Opa liest vor…. 18. November, 2016
Posted by Rika in aus meinem kramladen, eltern, familie, lesen, schule - kinder.
Tags: emotionen, familie, gesellschaft, Kinder, lesen, schule - kinder, vorlesen
in der Schule des Enkelkindes nämlich.
Heute ist der „Bundesweite Vorlesetag“ – und die Schule des Enkelkindes hatte schon vor einiger Zeit nachgefragt, ob Großväter oder Väter an diesem Freitag in der Schule vorlesen könnten.
Und Opa konnte.
Ausgerüstet mit Brille und ‚Vorlesehut‘ (meinem Strohsonnenhut) machte er sich auf den Weg. In der Schule trafen sich weitere Großväter, Väter und sogar ein „Promi“, um einer jeweils kleinen Gruppe aus einem schon vor gut 10 Tagen ausgewählten Buch vorzulesen.
Sehr vergnügt kam der Liebste nach Hause, erzählte von seiner Erfahrung als Vorleseopa und der Freude, die er dabei empfunden hatte.
Opa ist ein sehr erfahrener Vorleser.
Jeden Abend – na, fast jeden Abend – hat er für unsere Kinder vor dem Schlafengehen Geschichten gelesen, Astrid Lindgren war die bevorzugte Autorin. So kamen Michel, Ronja, die Löwenherz-Brüder und viele andere Gestalten der Astrid-Lindgren-Welt in unser Haus. Ich bin sehr froh, dass der Liebste all die Jahre lang diese wichtige Tätigkeit übernommen hatte. Nicht, dass ich nicht gern gelesen hätte, aber eine seit meiner frühen Kindheit bestehende Besonderheit machte und macht mir das Vorlesen schwer – und nicht nur das Vorlesen, auch das stille Lesen so ganz für mich allein:
Ich weine, heule wie ein Schlosshund, schniefe und schnaufe und die Tränen laufen mir in wahren Sturzbächen über das Gesicht.
Schon meine Eltern erkannten sofort an meinen völlig verheulten Augen, dass ich etwas gelesen hatte, was mich bewegt – und es waren nicht unbedingt traurige Schnulzen…
Jetzt ist es der Liebste, der mich manchmal beim Lesen beobachtet und natürlich genau merkt, wenn ich wieder ergriffen bin von dem was da schwarz auf weiß gedruckt in mein Leben einbricht. Manchmal neckt er mich dann und bricht damit den Bann, der mich im Weinen gefangen hält.
Als ich das erste Mal in Vertretung des Vaters für die Kinder das abendliche Ritual vollziehen wollte – die überaus traurige Geschichte von den Brüdern Löwenherz stand auf der Agenda – und ich schon nach drei Sätzen kaum noch sprechen, geschweige denn lesen konnte, waren meine Kinder zutiefst verstört, „Was ist denn los, Mutti?“ war ihre bange Frage.
Nichts! Gar nichts! Aber die Geschichte ist so herzzerreißend, so traurig oder freudig, so spannend oder zart, dass mir prompt das Wasser in die Augen steigt, die Stimme brüchig wird, der Hals eng, so eng, dass es einfach nicht weiter gehen will mit der Leserei.
Dabei ist es doch beinahe egal, ob ich eine Geschichte der berühmten Schwedin vorlese oder ein Sachbuch über was auch immer. Denn ich bin auch ergriffen von den Wundern der Natur, den phantstischen Beschreibungen historischer Ereignisse, biblischen Geschichten oder ganz sachlich einfach nur von genialem Erfindergeist. Ich schlucke und atme schwer, selbst wenn ich ganz profane Dinge erzähle, aber eben solche, die mich berühren – und mich berührt fast alles. (Es kann gut sein, dass ich, gleich wenn ich dem Liebsten diesen kleine Blogeintrag vorlesen will, über meine eigenen wenigen Sätze so gerührt bin, dass ich heulen muss… ist schon mal vorgekommen)
Die Heulerei über das was mich bewegt, ist ein Familienerbe.
Mein Vater – auch er erzählte und las vor – konnte prima heulen, manchmal fand ich das nicht so passend. Sein Vater las mir zwar nicht vor, aber in manchen Familiengesprächen, deren stille Zeugin ich als Kind noch war, rührten meinen Großvater bestimmte Themen zu Tränen, die Stimme zitterte und das verdächtiges Glitzern lag in den Augen. Mein lieber Cousin väterlichseits leidet ebenfalls am „weinenden Erbe“ und auch mein Bruder ist nicht davon verschont. Natürlich haben wir diverse Techniken entwickelt, um die größten Peinlichkeiten zu vermeiden, aber so richtig will zumindest mir das nicht gelingen.
Und darum liest Opa vor.
Opa liest mit Begeisterung. Voller Lust und Freude.
Und nicht nur den Enkeln oder den Kindern in der Schule …. manchmal auch mir…. in der blauen Stunde …. wenn draußen das Licht ganz zart den frühen Abend ankündigt und es drinnen ganz heimelig wird….
…. und jetzt muss ich schon wieder heulen….
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… 7. September, 2016
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… der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“
Daran musste ich bei der Einschulung des ersten Enkelkindes denken.
„Auf dem Dorfe“, so sagte schon der für unsere Schule zuständige Schulrat vor gut 25 Jahren, „ist die Welt noch in Ordnung!“
Und dem ersten Eindruck und äußeren Schein nach zu urteilen, ist das heute wohl auch noch so.
Die Einschulung wird gefeiert, 29 Kinder beginnen den „Ernst des Lebens“ mit ihren Eltern und vielen Verwandten in der gemeinsamen Dorfkirche zweier Dörfer am Rande der großen Stadt. Jeder Platz in der Kirche ist besetzt, Väter, Mütter, Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten der i-Männchen sind gekommen, um die kleinen Schulanfänger bei diesem wichtigen Schritt zu begleiten. Fröhliche und kindgerechte Lieder werden gesungen und der Pastor hält eine wunderbare und bemerkenswerte Predigt für die Kinder – und ein bißchen auch für die Erwachsenen. Um einen Hut geht es in der Predigt, darum, wozu so ein Hut gut ist: Er schützt vor zuviel Sonne, vor Wind, Regen oder Kälte und selbst vor neugierigen Blicken. Das verstehen wirklich alle. Das Wort „Hut“, erklärt der Pastor weiter, steckt in dem Wort „behütet“. Und das wünscht er den Kindern, behütet zu sein auf ihrem weiteren Weg – nicht einfach nur mit einem Hut, versteht sich, sondern von GOTT selbst, der Hilfe und Schutz sein will in den herausfordernden Situationen des neuen Lebensweges. Ja, das verstehen auch alle… wenn vielleicht auch nicht jeder Anwesende um diesen Schutz weiß oder gar darum bittet.
Doch der Pastor bittet darum für alle Kinder und die Eltern, Geschwister und Großeltern und legt jedem neuen Schulkind segnend die Hände auf und stellt jedes Kind unter Gottes Segen. Am Verhalten einiger Erwachsener ist abzulesen, dass ihnen Kirche und Gottesdienst gänzlich fremd sind. Aber auch sie gehören hier in der Kirche ganz selbstverständlich dazu.
„Auf dem Dorf“, denke ich, „geht das noch, ohne dass zuvor darüber debatiert werden muss“ und bin dankbar für diesen wunderbaren segensreichen Einschulungsgottesdienst.
Im Anschluß ziehen wir alle in langer Prozession hinter einem bunt geschmückten Bollerwagen*** her ins Nachbardorf zur „großen“ Schule, in deren Turnhalle die „Neuen“ von der Schulleiterin und allen Lehrerinnen begrüßt werden und die Viertklässler ein Theaterstück für die neuen Mitschüler aufführen. Die 29 Kinder werden auf zwei Klassen verteilt, 17 Kinder bleiben in der „großen“ Schule, für die anderen 12 geht es zurück ins Nachbardorf und in die „kleine“ Schule…. Dort wird das Enkelkind also seine ersten Schuljahre verbringen. Wie schön!
„Auf dem Dorf herrscht doch noch das Paradies“ meinte der ehemalige Schulrat …. und Recht hat er. Zumindest was dieses Dorf angeht und seine kleine Schule mit einer winzig kleinen Schar neuer Grundschüler. Dankbar bin ich für die Eltern, Lehrer und die politisch Verantwortlichen, die sich für den Erhalt der kleinen Grundschule eingesetzt haben und immer noch einsetzen. Das ist nicht selbstverständlich, wie ich aus eigener Anschuung und vielen Kämpfen in früheren Jahren weiß.
Im Haus des i-Männchens wurde mit der ganzen Familie kräftig gefeiert… wir Erwachsenen erinnerten uns an die Einschulung der Eltern, Onkel und Tanten des neuen Schulkindes… auch damals gab es den Gottesdienst in der Dorfkirche, die Einschulungsfeier in der Aula der Schule… die Aufregung der Kinder… Tränchen der Rührung und des bewußten Abschiednehmens von einem wichtigen Teil der Kindheit ihres Kindes bei den Eltern… Lieder und Theaterspiele….. und Schultüten! Waren die damals auch schon so reich gefüllt…?
Und die Gedanken gingen zurück in meine eigene Kindheit. Wie war das damals vor 60 Jahren bei meiner Einschulung, waren die Eltern, waren Oma und Opa mit dabei, ich meine, in der Schule? Gab es eine Feier in der Klasse für die neuen i-Männchen – eine Aula oder Turnhalle hatte meine Schule nicht.
Ich weiß es nicht mehr, aber ich meine mich daran zu erinnern, dass wir in der ersten Schulstunde ein Lied lernten: „Schön ist die Welt, drum Brüder laßt uns reisen, wohl in die weite Welt, wohl in die weite Welt…“
Der Meinige erzählte, dass er der einzige „Knabe“ gewesen sei, der in der einklassigen Dorfschule eingeschult wurde. So vermerkt es jedenfalls die Dorfchronik des kleinen Dorfes, in dem seine Familie damals als Flüchtlinge Rettung und Unterkunft gefunden hatte.
***Der geschmückte Bollerwagen mit den Schultüten, die von den Müttern der Schulkinder gebastelt worden waren.
„Das ist ein Mensch…..“ 19. August, 2015
Sein Hut, der hat vier Ecken…. 20. Juli, 2015
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Da steht er nun, der Hut, und es ist eine helle Freude ihn zu betrachten.
Es ist, so wurde uns erzählt, bei den Chemikern an der Uni in Hamburg ein beliebter Brauch, dem „Delinquenten“ nach der Verteidigung, der Disputation im Promotionsverfahren, einen eigens für ihn gestalteten Doktorhut zu überreichen. Und so ist auf dem Geviert des Hutes alles das versammelt, was den damit frisch dekorierten jungen Mann auszeichnet, bzw. und besser gesagt, was typisch ist für ihn abseits des akademischen Betriebes, dem er lang genug angehörte, um den Kolleginnen und Kollegen Gelegenheit zu bieten, die diversen Eigenheiten und Eigenschaften kennenlernen und studieren zu können.
Wieviel Arbeit in diesem Hut steckt, denke ich … und meine beides, die Arbeit „am“ Hut und die Arbeit „für“ den Hut: die lange Zeit des offiziellen Lernens an Schule und Universität – Büffeln für Prüfungen und Klausuren, wieder und wieder, Laborarbeit während der gesamten Studienzeit, Schreiben der Bachelorarbeit, der Masterarbeit und schließlich ganz gezielt das Arbeiten für die Doktorarbeit im Labor und das Schreiben der Arbeit selbst.
Dankbar sind wir, die Eltern, dass wir unseren Sohn all die Jahre begleiten konnten, seinen „offiziellen Lernweg“ ebenso wie das Lernen, das das Leben selbst mitbringt, erfordert, ausmacht … das Miteinander in der Familie und den sozialen Strukturen – Freundschaften, Kolleginnen und Kollegen, Gruppen in Freizeit und Gemeinde.
Wir freuen uns mit ihm über „den Hut“ und darüber, dass er immer noch der liebenswerte „Kleine“*** ist, eingebettet in den Kreis seiner Geschwister und der Familie. Und so waren wir als Familie auch (fast) alle dabei, als er im Hörsaal seine Dissertation „verteidigte“ – dabei will ich gerne gestehen, dass es mir ebenso ging wie meinem kleinen Enkel, der seinen Vater flüsternd fragte: „Papa, was redet der Bias da?“, denn außer den Wörtern in den einleitenden und verbindenen Sätzen verstand ich eigentlich so gut wie nichts von dieser doch sehr eigenen Sprache mit der Chemiker die Wirksamkeit bestimmter Stoffe, Verbindungen und Verfahren beschreiben. Es war dennoch sehr beeindruckend für mich diesem Vortrag zu folgen, den „der Kleine“ souverän, flüssig und eloquent vor dem Publikum aus Prüfungsausschuß, Kolleginnen und Kollegen seiner Arbeitsgruppe, Studierenden, Freunden hielt – so als hätte er in den letzten Jahren nichts anderes getan, als wissenschaftliche Referate und Vorträge zu halten. Die anschließende Befragung bewältigte er sicher und mit konzentrierter Aufmerksamkeit….. Mutterherz, bleib ruhig! Er macht es so gut!
Der erste Gratulant war sein Doktorvater – ihm schlossen sich die beiden prüfenden Professoren an und dann in langer Reihe alle im Hörsaal Anwesenden, der Liebste schätzte sie auf etwa 60 Personen. … „der Hut“ wurde überreicht und anschließend lange und ausführlich gefeiert …. An dieser Stelle sei es erlaubt, nicht nur die HutbastlerInnen lobend zu würdigen, sondern auch die netten Menschen, die mit vielen Köstlichkeiten das Buffet bereicherten und die „Feierlocation“ gestalteten und dekorierten! Chapeau!
Welch ein wunderschöner Tag!
Herzlichen Glückwunsch, lieber Tobias!
Alles Gute und Gottes Segen für Deinen weiteren „Lern- und Lebensweg“!
“Sagt allezeit für alles dem GOTT und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus.” Epheser 5,20… Das fällt an solch einem Tag ganz leicht….
*** Unsere beiden jüngsten Kinder wurden von ihren Geschwistern (und auch von uns Eltern) immer zusammenfassend „die Kleinen“ genannt … und manchmal nenne ich sie immer noch so…. und scheine dabei zu vergessen, dass die „Kleinen“ doch inzwischen „groß“ sind und wunderbare, erwachsene Menschen und „der Kleine“ ein Mann ! Ich bin so dankbar für diese tiefe Verbundenheit zu ihm – wie wir sie zu allen unserer Kinder haben und die Kinder untereinander… Ja, Dank sei GOTT, wem sonst.
Was darf es denn kosten? 28. Mai, 2015
Posted by Rika in berufstätigkeit, bezahlung, eltern, erzieher, erzieherinnen, familie, familienpolitik, frauen, gewerkschaft, horterziehung, jugendamt, Kinder - Famile, kita, mütter, soziale arbeit, streik, tarife, väter.
Tags: arbeit, berufstätigkeit, Erzieherinnen / Erzieher, erziehung, familie, frauen, gesellschaft, Hort, Jugendamt, Kinder, Kita, mütter, Menschenrechte, politik, schule - kinder, soziale Arbeit, streik, väter
Was ist sie uns wert, die Betreuung unserer Kinder?
Wieviel wollen wir investieren in das Krisenmanagement für den sozialen Zusammenhalt von Familien und Gesellschaft?
Männer und Frauen die Eltern werden, sollen nach Wunsch „der Wirtschaft“ (wer und was ist das eigentlich?) möglichst schnell nach der Geburt eines Kinders wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen zur Wertschöpfung für Betrieb und Gesellschaft.
Die sollen nach dem Willen der meisten Politiker außer Haus – sprich, außerhalb ihrer Familie – von dazu eigens ausgebildeten Menschen nicht nur betreut (im Frühstadium der kindlichen Entwicklung gewickelt, gefüttert, bespaßt), sondern mit zunehmendem Alter auch pädagogisch wertvoll (und selbstredend der Gesellschaft dienlich) allumfassend erzogen werden. Konkret heißt das, ein gerade dem Säuglingsalter entwachsenes Kleinstkind kommt mit 1 Jahr in die Krippe, durchläuft anschließend den auf die Schule vorbereitenden Kindergarten und wird als Schulkind „im Ganztag“ beteut, also bereits vor dem eigentlichen Unterrichtsbeginn bis in den späten Nachmittag hinein, solange eben, bis die Eltern von ihrer wertschöpfenden Arbeit nach Hause kommen.
Wenn man sich den Zeitplan eines Kindes im Kindergarten- und Grundschulalter vorstellt, das morgens zwischen 6.30 und 7.00 Uhr erwacht und abends gegen 20.00h zu Bett geht, in den ca 12 – 13 Stunden dazwischen aber an 5 Tagen der Woche mindestens ein Drittel der Zeit im Kindergarten und als Schulkind mehr als die Hälfte der Zeit in Schule und Hort zubringt, so wird man doch rasch feststellen, dass wesentliche „Betreuungs- und Erziehungsarbeit“ aus der Familie in die Institution Kindergarten-Schule-Hort verlagert wird und „fremde“ Personen anstelle der Eltern prägenden Einfluss auf die Kinder nehmen, sie fördern und fordern, trösten, ermahnen, mit ihnen spielen, lachen singen, ihre kognitiven, musischen und sportlichen Fähigkeiten individuell fördern (das ist zumindest der Plan!) und ihnen als Ansprechpartner in schwierigen Situationen Beistand bieten.
Das, was in Wahlkampfreden gerne mit „Kinder sind unsere Zukunft“ plakativ verkündet und gepriesen wird, dieses hohe Gut einer Gesellschaft, wird aber in geradezu sträflicher Weise mit einem Minimum an finanzieller Ausstattung versorgt. Damit meine ich, dass sowohl die Zahl der Betreuungs- und Erziehungspersonen in Kitas und Horteinrichtungen in keinster Weise dem geforderten und erwarteten Bildungsauftrag (s.o.) entspricht, wie auch die Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher nicht im geringsten ihrer verantwortungsvollen Arbeit gerecht wird.
Man kann nicht qualitativ hochwertige Erziehungsarbeit erwarten, aber nur wenig dafür bezahlen wollen.
Man kann auch nicht erwarten, dass eine Erzieherin / ein Erzieher im Hort eine Gruppe von 25 Kindern betreut und jedem dieser Kinder so gerecht wird, als würde dieses wie zu Hause – als eines von zwei oder maximal drei Kindern – durch eine einzelne Person (Mutter oder Vater) betreut. Das kann nicht funktionieren. Die Hortbetreuung unterscheidet sich elementar von der schulischen Versorgung – und selbst in der Schule ist der Schlüssel von 1 : 25 doch mehr als problematisch, bleiben Kinder auf der Strecke, weil sie nicht individuell gefördert werden können… wie auch?!
(Ich könnte von einer Horteinrichtung berichten, in der es innerhalb von drei Monaten nicht eine einzige Woche gab, in der alle (5!) tätigen Erzieher-Innen für die 5 Gruppen tatsächlich an jedem Tag auch anwesend waren. Fällt eine Person aus, werden die Kinder der betroffenen Gruppen eben auch noch auf die anderen Gruppen verteilt. Das macht Stress für Kinder und Betreuer, schränkt die ohnehin so geringe Individualzeit für jedes Kind noch weiter ein, führt zu einer dauerhaften Überlastung der unter solchen Bedingungen Arbeitenden. Und das ist keineswegs die Ausnahme, sondern eher die Regel!)
Was ist sie uns wert, die Arbeit an und mit unseren Kindern?
Und wem schieben wir die Schuld in die Schuhe, wenn es im familiären System mal nicht rund läuft? Wer holt die Kuh vom Eis, oder besser noch, wer verhindert, dass es zu Katastrophen kommt in Familien, die nur dem Namen nach Familie sind, aber eigentlich ein Ort des Schreckens für alle an ihr beteiligten, ob Kinder oder Eltern – Vater, Mutter einzeln oder als Paar?
Und wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist…. und dies nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich zu Schaden gekommen ist, wer rückt dann in den Fokus und muss sich Kritik, die eher heftigster medialer Beschimpfung gleich kommt, gefallen lassen, ohne dass der zuständige politische Verantwortliche sich reumütig gegen die Brust schlägt und sein eigenes Versagen eingesteht?
Machen sich die Leute, die die Forderungen der Sozialarbeiter und Sozialpädagogen nach einer besseren Eingruppierung ihrer finanziellen Vergütung angesichts des gerade währenden Streiks kritisieren, eigentlich klar, was es für die jeweils betreffenden Sozialarbeiter im Jugendamt bedeutet, wenn ein Kind aus einer völlig desolaten Familiensituation genommen werden muss, wie schwierig es ist abzuwägen was mehr zählt, die elterliche Freiheit oder das Wohl des Kindes, das Recht der Frau auf 5 Kinder von 5 verschiedenen Männern, die dann jeweils ein ziemlich erbärmliches Gastspiel als „Vater“ geben, oder das Recht des Kindes auf geordnete Verhältnisse, in denen die Bedürfnisse des Kinders nicht ständig dem vermeintlichen oder tatsächlichen Recht der Mutter auf selbstbestimmtes Leben untergeordnet werden? Und gibt es eine Statistik, die festhält, wieviele Beratungsgespräche geführt werden, weil Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder restlos überfordert sind, weil die Kommunikation in den Familien praktisch nur noch einer kriegerischen Auseinandersetzung gleicht, weil Eltern ihre Kinder nicht verstehen und Kinder und Jugendliche an ihren Eltern verzweifeln? Wird darüber Buch geführt, wie sehr die geleistete Beratung der Familien dazu beiträgt, dass nicht das gesamte Leben der Betroffenen aus den Fugen gerät und man einen Modus findet, zumindest vernünftig miteinander umzugehen? Und hat diese Arbeit mit den Familien nicht auch einen hohen gesellschaftlichen Wert, weil die Zukunft der Kindern nicht länger hochgradig belastet oder gar ganz zerstört ist, weil Eltern wieder den Kopf frei bekommen und eine Perspektive für sich und ihre Kinder entdecken?
Können sich die zuständigen Politiker überhaupt vorstellen, WIE schrecklich es in manchen Haushalten und Familien aussieht und das Kinder zugrunde gehen, weil ihre Mütter und Väter unfähig sind, das eigenen Leben zu bewältigen, geschweige denn auch noch für Kinder zu sorgen?
Wenn ein Kind zu Tode kommt – und leider passiert das selbst dann immer wieder, wenn das Jugendamt bereits ein Auge auf die Familie geworfen hat -, ist das Geschrei groß. Aber ist irgendeiner derjenigen, die auch über die finanziellen Mittel für die personelle Versorgung der Jugendämter zu entscheiden haben auch nur ansatzweise bereit, mehr Geld zu inverstieren? Und „ein Auge“ ist entschieden zu wenig, aber mehr geht doch gar nicht, weil die Zuständigkeit des einzelnen Mitarbeites im Jugendamt für Jugendliche und Familien so bemessen ist, dass die Zeit einfach nicht ausreicht, um alle „Fälle“ gleichermaßen ständig „im Auge“ haben zu können.
Was darf sie also kosten, die leider so nötige „Jugend- und Sozialpflege“?
Wenn in den Medien immer mehr Kritik an den Streikenden geübt wird, so macht das doch deutlich, wie wenig Wertschätzung der sozialen und pädagogischen Arbeit zuteil wird, wie wenig im öffentlichen Bewusstsein der Wert „unserer Kinder“ wirklich verankert ist und dass es leider auch den Eltern, die jetzt mit zunehmender Kritik reagieren, doch vor Allem doch um den eigenen Arbeitsplatz geht und erst in zweiter Linie um das Wohl der Kinder. (Die Einschränkung dieser etwas provokanten Formulierung findet sich hier: „Kind und Karriere gut vereinbar“ Nicht allen Müttern ist es vergönnt, zu Hause bleiben zu können, selbst wenn sie es wollten. Etliche MÜSSEN zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und viele tragen ihn ganz allein! )
Was würde denn passieren, wenn sich tausende Eltern von ihrer Arbeitsstelle abmeldeten, weil sie ihre Kinder betreuen müssen und eben nicht mit letzter Kraft irgendwelche Betreungsmöglichkeiten organisieren und bereitstellen, damit sie der Arbeitswelt erhalten bleiben? Wären nicht auch die Arbeitgeber berufstätiger Mütter und Väter aufgerufen, sich aktiv für eine bessere Betreuungsversorgung einzusetzen?
Tragt die Diskussion um die gerechte Betreuung unserer Kinder in die Betriebe, Firmen, Anwaltskanzleien, Fabriken, Geschäfte, Verwaltungen, nicht nur der Städte und Gemeinden, auch die der Krankenhäuser und Großkonzerne. Macht „der Wirtschaft“ klar, dass es ohne gute und auch gut bezahlte Betreuungsarbeit nichts ist mit Wertschöpfung und Bruttosozialprodukt, dass für das Funktionieren der Gesellschaft eben nicht nur die „produktive“ Arbeit wichtig ist, sondern der Arbeit in dem sozialen Bereich eine mindestens ebeno große Bedeutung zukommt und darum auch entsprechend gut ausgestattet und bezahlt werden muss.
Wenn Familien eine gute finanzielle Basis haben sollen an der beide Eltern durch Berufsarbeit mitwirken und dennoch Kindern eine gute Betreuung zukommen soll, müssen wir es uns als Gesellschaft etwas kosten lassen….
Und sage niemand, dass das nicht machbar sei in diesem Staat.
Vor drei Jahren habe ich bereits Ähnliches geschrieben:
Kinder? Nein, danke, woll’n wir uns nicht leisten!
Passend zu dem Thema, wenn auch mit einem anderen Schwerpunkt, habe ich diesen Beitrag entdeckt:
„Aus der Schule geflogen, im Heim gelandet“

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 § 219
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