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Timestamp: 2017-11-25 03:48:47+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 4 AZR 691/08
Schlag­worte: Bezugnahmeklausel:Dynamisch, Tarifvertrag, Betriebsübergang
Akten­zeichen: 4 AZR 691/08
Ent­scheid­ungs­datum: 24.02.2010
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Lübeck, Urteil vom 2.4.2008 - 5 Ca 3139/07
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 17.7.2008 - 3 Sa 159/08
4 AZR 691/08
3 Sa 159/08
24. Fe­bru­ar 2010
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richt auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. Fe­bru­ar 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Vor­derwülbe­cke und Bre­den­diek für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein vom 17. Ju­li 2008 - 3 Sa 159/08 - wird zurück­ge­wie­sen.
2. Die Kos­ten der Re­vi­si­on hat die Be­klag­te zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten über ta­rif­li­che Ansprüche auf der Grund­la­ge ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel nach ei­nem Be­triebsüber­gang.
Die Kläge­rin, Mit­glied der IG-Me­tall, ist seit dem 18. Ju­ni 1998 bei der Be­klag­ten und de­ren Rechts­vorgänge­rin­nen als Ma­schi­nen­be­die­ne­rin mit ei­ner Wo­chen­ar­beits­zeit von zu­letzt 30 St­un­den tätig. Das mo­nat­li­che Brut­to­ent­gelt be­trug zu­letzt 1.437,43 Eu­ro Grun­dent­gelt zuzüglich ei­ner Prämie von 503,10 Eu­ro brut­to.
Zunächst war die Kläge­rin bei der in der Me­tall­in­dus­trie ta­rif­ge­bun­de­nen D GmbH beschäftigt. Im Ar­beits­ver­trag aus dem Mo­nat Ju­ni 1998 heißt es un­ter Zif­fer 7.2 wie folgt:
„Sons­ti­ge Re­ge­lun­gen
Im übri­gen gel­ten für das An­stel­lungs­verhält­nis die Be­stim­mun­gen der gülti­gen Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie Schles­wig-Hol­stein in der je­weils gülti­gen Fas­sung und al­le be­trieb­li­chen Re­ge­lun­gen, Richt­li­ni­en, Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen der D GmbH in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung, so­fern Sie un­ter de­ren Gel­tungs­be­reich fal­len.
Im Jah­re 2003 ging das Ar­beits­verhält­nis auf die N GmbH über, die eben­falls ta­rif­ge­bun­den war. Mit Wir­kung vom 1. No­vem­ber 2005 schloss die Kläge­rin mit die­ser aus An­lass ei­ner Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung ei­ne „Ver­ein­ba­rung zum be­ste­hen­den und fort­gel­ten­den Ar­beits­ver­trag“ (im Fol­gen­den „Ar­beits-
ver­tragsände­rung vom 1. No­vem­ber 2005“). Dar­in heißt es un­ter an­de­rem: „Die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in
Schles­wig-Hol­stein in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung sind Be­stand­teil die­ser Ver­ein­ba­rung.“
Die Be­klag­te, die mit Wir­kung zum 1. Ju­li 2006 den Be­trieb über­nom­men hat, ist nicht ta­rif­ge­bun­den.
Für die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer in der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein ver­ein­bar­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en un­ter dem 7. Mai 2007 den „Lohn­ta­rif­ver­trag für die Me­tall­in­dus­trie Ham­burg und Um­ge­bung, Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Schles­wig-Hol­stein“ so­wie - für Be­trie­be nach Einführung des Ent­gelt­rah­men­ab­kom­mens (ERA) - den „Ta­rif­ver­trag über Ent­gel­te und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für die Me­tall­in­dus­trie Be­zirk Küste“. Bei­de Ta­rif­verträge se­hen in § 2 ei­ne Erhöhung der Ta­riflöhne bzw. Mo­nats­grun­dent­gel­te mit Wir­kung ab 1. Ju­ni 2007 um 4,1 % vor. Vor­ge­se­hen ist zu­dem die Zah­lung ei­nes Erhöhungs­be­trags für die Mo­na­te April und Mai 2007 mit der Ab­rech­nung für den Mo­nat Mai 2007 in Höhe von 400,00 Eu­ro bei Voll­zeit­beschäfti­gung, ba­sie­rend auf ei­ner 35-St­un­den-Wo­che, der bei Teil­zeit­beschäfti­gung ent­spre­chend der an­tei­li­gen Ar­beits­zeit zu be­rech­nen ist.
Die Kläge­rin hat mit Schrei­ben vom 6. Sep­tem­ber 2007 für den Zeit­raum vom 1. Ju­ni bis zum 16. Sep­tem­ber 2007 Zah­lung des rech­ne­risch un­strei­ti­gen Be­tra­ges von 623,96 Eu­ro brut­to ver­langt. Er setzt sich zu­sam­men aus der pro­zen­tua­len Ent­gel­terhöhung von 281,11 Eu­ro brut­to und der ta­rif­li­chen Ein­mal­zah­lung von an­tei­lig 342,85 Eu­ro brut­to be­zo­gen auf ei­ne 30-St­un­den-Wo­che. Die Be­klag­te hat die Zah­lung un­ter Hin­weis auf ih­re feh­len­de Ta­rif­bin­dung ver­wei­gert, wor­auf­hin die Kläge­rin am 6. De­zem­ber 2007 Kla­ge er­ho­ben hat.
Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, dass die in ih­rem Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­ne Ver­wei­sungs­klau­sel die Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein dy­na­misch in Be­zug neh­me. Je­den­falls nach Ab­schluss der Ar­beits­ver­tragsände­rung vom 1. No­vem­ber 2005 könne nicht von ei­ner Gleich-stel­lungs­ab­re­de im Sin­ne der frühe­ren Se­nats­recht­spre­chung die Re­de sein.
Mit dem Be­triebsüber­gang sei­en die Rech­te aus der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sung un­verändert dy­na­misch auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen.
Die Kläge­rin hat, so­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung, be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, 623,96 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz auf 551,53 Eu­ro ab dem 30. Sep­tem­ber 2007 so­wie auf 42,43 Eu­ro ab 11. De­zem­ber 2007 an die Kläge­rin zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Man­gels Ta­rif­bin­dung schul­de sie ei­ne nach dem Be­triebsüber­gang ver­ein­bar­te Ta­rif­loh­nerhöhung nicht. Da das Ar­beits­verhält­nis vor dem letz­ten Be­triebsüber­gang durch bei­der­sei­ti­ge Ta­rif­ge­bun­den­heit be­stimmt ge­we­sen sei, gel­te der Ta­rif­ver­trag nach dem Be­triebsüber­gang gemäß § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB nur noch sta­tisch wei­ter. Auch auf­grund der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen In­be­zug­nah­me des Ta­rif­ver­trags sei sie nicht zur Zah­lung ver­pflich­tet. We­gen der da­ma­li­gen bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit sei­en die im Ver­trag ge­nann­ten Ta­rif­verträge nicht rechts­be­gründend in Be­zug ge­nom­men wor­den. Auf die Be­zug­nah­me­klau­sel im Ar­beits­ver­trag aus dem Jah­re 1998 sei im Übri­gen aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes die Se­nats­recht­spre­chung zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de an­zu­wen­den. Die Ar­beits­ver­tragsände­rung vom 1. No­vem­ber 2005 ent­hal­te nur ei­ne Wie­der­ho­lung der al­ten ver­trag­li­chen Klau­sel und sei kein „Neu­ver­trag“. Zu­dem müsse der Ver­trau­ens­schutz je­den­falls bis zum Be­kannt­wer­den der be­ab­sich­tig­ten Recht­spre­chungsände­rung be­ste­hen. Außer­dem ver­s­toße es ge­gen ihr Recht auf ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit, wenn sie mit Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses trotz feh­len­der Ta­rif­ge­bun­den­heit die Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie Schles­wig-Hol­stein wei­ter­hin dy­na­misch an­wen­den müsse.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge ent­spro­chen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die da­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren wei­ter. Die Kläge­rin be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.
I. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend er­kannt, dass die Kläge­rin auf­grund dy­na­mi­scher Ver­wei­sung in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 1. No­vem­ber 2005 auch Rech­te aus den in Be­zug ge­nom­me­nen ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen gel­tend ma­chen kann, die erst nach dem Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf die nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Be­klag­te ver­ein­bart wur­den.
1. Ein An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich nicht kraft nor­ma­ti­ver Gel­tung der Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein, da zwar die Kläge­rin, je­doch nicht die Be­klag­te ta­rif­ge­bun­den ist.
2. Ein An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich auch nicht aus der Fort­gel­tung der Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB.
Die bei­der­sei­ti­ge Ta­rif­ge­bun­den­heit vor dem Über­gang des Beschäfti­gungs­be­trie­bes auf die Be­klag­te führt zwar da­zu, dass trotz der Ta­ri­fun­ge­bun­den­heit der Be­klag­ten die Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein seit die­sem Be­triebsüber­gang nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fort­gel­ten. Aus die­ser Fort­gel­tung kann die Kläge­rin je­doch ih­re For­de­rung nicht her­lei­ten. Zu­tref­fend ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt mit der Recht­spre­chung des Se­nats da­von aus­ge­gan­gen, dass der Re­ge­lungs­ge­halt der Ta­rif­ver­trags­nor­men nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB nur sta­tisch in das Ar­beits­verhält­nis über­geht, al­so mit dem ta­rif­li­chen Re­ge­lungs­be­stand, den er zur Zeit des Be­triebsüber­gangs hat (BAG 14. No­vem­ber 2007 - 4 AZR 828/06 - Rn. 16 mwN, AP BGB § 613a Nr. 334 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 81). Vor­lie­gend fand der Be­triebsüber­gang im Ju­li 2006 statt. Die For­de­rung der Kläge­rin be­zieht sich je­doch auf die Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein vom 7. Mai 2007, die al­so erst nach dem Be­triebsüber­gang ab­ge­schlos­sen und des­halb nicht in das Ar­beits­verhält­nis nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB trans­for­miert wor­den sind.
3. Der An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich je­doch aus in­di­vi­du­al­ver­trag­li­cher In­be­zug­nah­me. Die Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein vom 7. Mai 2007 fin­den auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zwar nicht auf­grund der Be­zug­nah­me­klau­sel im Ar­beits­ver­trag aus dem Mo­nat Ju­ni 1998, je­doch auf­grund der­je­ni­gen in der Ar­beits­ver­tragsände­rung vom 1. No­vem­ber 2005 An­wen­dung.
a) Die Aus­le­gung von ty­pi­schen (For­mu­lar-)Ver­trags­klau­seln - wie de­nen des Ar­beits­ver­tra­ges aus dem Jah­re 1998 und der Ar­beits­ver­tragsände­rung vom 1. No­vem­ber 2005 - ist der un­ein­ge­schränk­ten Über­prüfung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt zugäng­lich (st. Rspr., zB BAG 19. März 2003 - 4 AZR 331/02 - mwN, BA­GE 105, 284, 286).
b) Die An­wend­bar­keit der streit­ge­genständ­li­chen Vergütungs­re­ge­lun­gen folgt al­ler­dings nicht aus der Be­zug­nah­me­klau­sel in Ziff. 7.2 des Ar­beits­ver­tra­ges aus dem Jah­re 1998. Die­se Klau­sel ist als Gleich­stel­lungs­ab­re­de im Sin­ne der frühe­ren Recht­spre­chung des Se­nats aus­zu­le­gen, wes­halb ta­rif­li­che Neu­re­ge­lun­gen nach Weg­fall der Ta­rif­ge­bun­den­heit auf Ar­beit­ge­ber­sei­te wie die vom 7. Mai 2007 von ihr nicht mit um­fasst sind.
aa) Nach der frühe­ren Recht­spre­chung des Se­nats wa­ren bei ent­spre­chen­der Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers Be­zug­nah­me­klau­seln wie die im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en in al­ler Re­gel als so­ge­nann­te Gleich­stel­lungs­ab­re­den aus­zu­le­gen (vgl. nur BAG 10. De­zem­ber 2008 - 4 AZR 881/07 - Rn. 18 mwN, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 68). Dies führt bei ei­nem Weg­fall der Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers da­zu, dass die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge nur noch sta­tisch in der Fas­sung zum Zeit­punkt die­ses Weg­falls an­zu­wen­den sind. Die­se Aus­le­gungs­re­gel wen­det der Se­nat aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes wei­ter­hin auf Be­zug­nah­me­klau­seln an, die vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ver­ein­bart wor­den sind (st. Rspr., vgl. nur BAG 18. No­vem­ber 2009 - 4 AZR 514/08 - Rn. 18 mwN, NZA 2010, 170).
bb) Da­nach ist der im Jah­re 1998 ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag nach der frühe­ren Se­nats­recht­spre­chung zu be­ur­tei­len. Die Be­zug­nah­me­klau­sel in
Ziff. 7.2 die­ses Ar­beits­ver­tra­ges ist als Gleich­stel­lungs­ab­re­de zu be­han­deln, weil sie auf die fach­lich ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge ver­weist und der da­ma­li­ge Ar­beit­ge­ber, ein Rechts­vorgänger der Be­klag­ten, zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses ta­rif­ge­bun­den war.
Da­bei kann es da­hin­ste­hen, wel­che Be­deu­tung dem Wort „Sie“ im Satz­teil „so­fern Sie un­ter de­ren Gel­tungs­be­reich fal­len“ zu­kommt, ob al­so, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men hat, da­mit über den Ver­trags­wort­laut hin­aus nicht nur auf den ta­rif­li­chen Gel­tungs­be­reich, son­dern auch auf die Ta­rif­ge­bun­den­heit der Kläge­rin Be­zug ge­nom­men wor­den ist. Dar­auf kommt es nach der frühe­ren, für Ar­beits­verträge aus dem Jah­re 1998 wei­ter­hin maßgeb­li­chen Recht­spre­chung zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de nicht an.
c) Die An­wend­bar­keit der streit­ge­genständ­li­chen ta­rif­ver­trag­li­chen Vergütungs­re­ge­lun­gen folgt je­doch aus der Be­zug­nah­me­klau­sel in der Ar­beits­ver­tragsände­rung vom 1. No­vem­ber 2005, die als „Neu­ver­trag“ nicht mehr un­ter die aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes wei­ter­zuführen­de Recht­spre­chung zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de fällt. Die­se Klau­sel enthält ei­ne kon­sti­tu­ti­ve Be­zug­nah­me auf die Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung, die nicht von der Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers abhängig und für die die Ta­rif­ge­bun­den­heit der Kläge­rin oh­ne Be­deu­tung ist.
aa) Die Ver­wei­sung auf die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung im Ände­rungs­ver­trag vom 1. No­vem­ber 2005 un­ter­liegt nicht der wi­der­ge­ge­be­nen, vom Se­nat nur noch aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes an­ge­wen­de­ten Aus­le­gungs­re­gel zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de.
(1) Es han­delt sich bei der Ver­ein­ba­rung vom 1. No­vem­ber 2005 um ei­nen „Neu­ver­trag“ aus der Zeit ab dem 1. Ja­nu­ar 2002, zu des­sen In­halts­be­stim­mung die all­ge­mei­nen Aus­le­gungs­re­geln un­ein­ge­schränkt An­wen­dung fin­den. Es kommt da­nach in ers­ter Li­nie auf den Wort­laut der übe­rein­stim­men­den Erklärung an. Vom Wort­laut ab­wei­chen­de Re­ge­lungs­zie­le oder Mo­ti­ve können nur dann bei der Aus­le­gung berück­sich­tigt wer­den, wenn sie im
Ver­trag selbst oder in den Be­gleit­umständen bei Ver­trags­schluss mit hin-rei­chen­der Deut­lich­keit zum Aus­druck ge­kom­men sind (BAG 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 793/07 - Rn. 30 mwN, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 67 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 40). Ei­ne ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf ei­nen be­stimm­ten Ta­rif­ver­trag wird je­den­falls dann, wenn ei­ne Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers an den in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag nicht in ei­ner für den Ar­beit­neh­mer er­kenn­ba­ren Wei­se zur auflösen­den Be­din­gung der Ver­ein­ba­rung ge­macht wor­den ist, durch ei­nen Weg­fall der ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit nicht berührt (- „un­be­ding­te zeit­dy­na­mi­sche Ver­wei­sung“ -, vgl. BAG 18. No­vem­ber 2009 - 4 AZR 514/08 - Rn. 22 mwN, NZA 2010, 170; 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - mwN, BA­GE 122, 74). Auch wenn die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en der Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­neh­mers be­son­de­re Be­deu­tung bei­mes­sen wol­len, muss dies re­gelmäßig im Ver­trags­text Nie­der­schlag fin­den oder auf sons­ti­ge Wei­se Ge­gen­stand der ar­beits­ver­trag­li­chen Ei­ni­gung ge­wor­den sein.
(2) Der An­wen­dung der wi­der­ge­ge­be­nen all­ge­mei­nen Aus­le­gungs­re­geln auf die ver­trag­li­che Ab­re­de vom 1. No­vem­ber 2005 steht nicht ent­ge­gen, dass es sich hier um die Ände­rung ei­nes „Alt­ver­tra­ges“ aus der Zeit vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 han­del­te, in dem sich eben­falls ei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge fand. Bei ei­ner Ände­rung ei­nes Alt­ver­trags nach dem 1. Ja­nu­ar 2002 kommt es für die Be­ur­tei­lung, ob die Aus­le­gungs­maßstäbe für „Neu-“ oder für „Alt­verträge“ maßgeb­lich sind, dar­auf an, ob die Klau­sel im Ände­rungs­ver­trag zum Ge­gen­stand der rechts­geschäft­li­chen Wil­lens­bil­dung der hier­an be­tei­lig­ten Ver­trags­par­tei­en ge­macht wor­den ist (BAG 18. No­vem­ber 2009 - 4 AZR 514/08 - Rn. 23 bis 25, NZA 2010, 170).
Da­nach ist die von der Kläge­rin und der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, der N GmbH, ver­ein­bar­te Ar­beits­ver­tragsände­rung, was die Be­zug­nah­me­klau­sel an­geht, als Neu­ver­trags­ab­schluss ein­zu­stu­fen. Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht er­kannt. Mit der Be­zug­nah­me auf die „je­wei­li­ge Fas­sung“ der „ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein“ wird in rechts­geschäft­li­cher, ver­tragsändern­der Wil­lens­bil­dung durch
ei­nen Wort­laut, der sich von der Vorgänger­re­ge­lung im Alt­ver­trag un­ter­schei­det und aus­drück­lich ei­ne Ver­trags­um­stel­lung weg von der Rechts­la­ge bei der ursprüng­li­chen Ar­beit­ge­be­rin, der D GmbH, vor­nimmt, ei­ne ei­genständi­ge Neu­re­ge­lung ge­trof­fen und nicht le­dig­lich die ursprüng­lich ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung oh­ne ei­ge­nen Rechts­ge­stal­tungs­wil­len wie­der­holt.
(3) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on gibt es kei­ne tatsächli­chen An­halts­punk­te dafür, dass es sich bei der da­nach in ei­nem „Neu­ver­trag“ im Sin­ne der Se­nats­recht­spre­chung ver­ein­bar­ten Be­zug­nah­me­klau­sel im Fal­le der - tatsächlich ge­ge­be­nen - Mit­glied­schaft der Kläge­rin in der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft um ei­ne le­dig­lich de­kla­ra­to­ri­sche, die Rechts­la­ge be­schrei­ben­de Wis­sens­erklärung han­deln soll­te. Es fehlt schon an Tat­sa­chen­vor­trag da­zu, dass der an der Ver­tragsände­rung be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin die Ta­rif­ge­bun­den­heit der Kläge­rin be­kannt war und dass die­se zum The­ma des Ver­trags­schlus­ses ge­macht wor­den ist.
(4) Eben­so we­nig kann aus dem Wort­laut der Be­zug­nah­me­klau­sel im Ände­rungs­ver­trag oder aus vor­ge­tra­ge­nen Be­gleit­umständen beim da­ma­li­gen Ver­trags­schluss ir­gend­ein An­halts­punkt dafür ent­nom­men wer­den, dass die ver­ein­bar­te dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me des Ta­rif­rechts der Me­tall­in­dus­trie Schles­wig-Hol­steins bei ei­nem Weg­fall der Ta­rif­ge­bun­den­heit auf Ar­beit­ge­ber­sei­te nur noch als sta­ti­sche Ver­wei­sung wei­ter gel­ten soll­te.
Auch für die An­nah­me der Re­vi­si­on, bei­de Par­tei­en sei­en noch im No­vem­ber 2005 vor dem Hin­ter­grund, dass auch nach In­kraft­tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts er­gin­gen, die die bis­he­ri­ge Aus­le­gung ent­spre­chen­der Be­zug­nah­me­klau­seln als Gleich­stel­lungs­ab­re­de bestätig­ten und die Ankündi­gung der Recht­spre­chungsände­rung erst am 14. De­zem­ber 2005 (- 4 AZR 536/04 -) er­folg­te, da­von aus­ge­gan­gen, dass die Be­zug­nah­me im Ar­beits­ver­trag nur der Gleich­stel­lung der or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer mit den nicht­or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern die­ne, gibt es we­der im Ver­trags­wort­laut noch in kon­kret vor­ge­tra­ge­nen Umständen bei Ver­trags­schluss ir­gend­ei­nen An­halts­punkt.
bb) Der Se­nat hält an sei­ner neue­ren Recht­spre­chung zur Aus­le­gung von ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­men auf ein­schlägi­ge Ta­rif­verträge oder Ta­rif­wer­ke, die zu dem vor­ge­nann­ten Er­geb­nis führt, auch in An­be­tracht der von der Re­vi­si­on vor­ge­brach­ten Ge­sichts­punk­te fest. Dies hat der Se­nat be­reits in ver­schie­de­nen Ent­schei­dun­gen - in Aus­ein­an­der­set­zung mit der zwi­schen­zeit­lich geäußer­ten Kri­tik an die­ser Recht­spre­chung - ausführ­lich be­gründet (vgl. ua. 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 42 ff., Rn. 46 bis 58 mwN, BA­GE 122, 74, 87 ff.; 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 793/07 - Rn. 31 ff., AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 67 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 40).
(1) Es verstößt nicht ge­gen das Rechts­staats­prin­zip und da­mit ge­gen Art. 20 Abs. 3 GG, dass der Se­nat die Aus­le­gungs­re­gel der Gleich­stel­lungs-ab­re­de nicht aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes auf al­le Be­zug­nah­me­klau­seln an­wen­det, die in der Zeit bis zur Ankündi­gung der Recht­spre­chungsände­rung in der Ent­schei­dung vom 14. De­zem­ber 2005 (- 4 AZR 536/04 - BA­GE 116, 326) ver­ein­bart wor­den sind.
(a) Ent­ge­gen der Re­vi­si­on liegt hier­in kei­ne nach dem Ver­trau­ens­schutz­prin­zip ver­bo­te­ne ech­te Rück­wir­kung (vgl. hier­zu et­wa BVerfG 23. No­vem­ber 1999 - 1 BvF 1/94 - BVerfGE 101, 239, 263 f.). Es wird nicht nachträglich ändernd in ab­ge­wi­ckel­te, der Ver­gan­gen­heit an­gehören­de Tat­bestände ein­ge­grif­fen. Die streit­ge­genständ­li­che Klau­sel wur­de zwar in der Ver­gan­gen­heit ver­ein­bart, das Ar­beits­verhält­nis, auf das sich ih­re Wir­kung be­zieht, ist je­doch we­der ab­ge­schlos­sen noch ab­ge­wi­ckelt. In die in der Ver­gan­gen­heit be­reits ab­ge­wi­ckel­ten Tei­le des Ar­beits­verhält­nis­ses greift die auf die all­ge­mei­nen Grundsätze zurück­geführ­te Aus­le­gungs­re­gel nicht ein.
(b) Die Fest­le­gung ei­nes Stich­ta­ges, mit dem die An­wend­bar­keit ei­ner geänder­ten Recht­spre­chung in zeit­li­cher Hin­sicht ein­ge­schränkt wird, ist ein ge­eig­ne­tes Mit­tel, um even­tu­ell be­ste­hen­dem Ver­trau­en in ei­ne ge­fes­tig­te Recht­spre­chung auch un­ter Berück­sich­ti­gung der be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der geg­ne­ri­schen Par­tei Rech­nung zu tra­gen (BVerfG 15. Ja­nu­ar 2009 - 2 BvR 2044/07 - zu B III 2 a der Gründe, NJW 2009, 1469). Die Fest­le­gung des
Da­tums des Stich­tags ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on auch nicht willkürlich. Vor­ran­gig von Be­deu­tung für die Fest­le­gung des Stich­tags ist der vom Ge­setz­ge­ber mit der Schuld­rechts­no­vel­le deut­lich ge­mach­te Wer­te­wan­del, wo­von auch ei­ne deut­lich verstärk­te Auf­for­de­rung an die Ver­wen­der von For­mu­lar­verträgen aus­ging, das von ih­nen Ge­woll­te auch in der ent­spre­chen­den verständ­li­chen (§ 307 Abs. 1 Satz 2 BGB) Form ein­deu­tig zum Aus­druck zu brin­gen (BAG 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 793/07 - Rn. 34, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 67 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 40).
Durch die von der Be­klag­ten an­geführ­ten Ent­schei­dun­gen des Se­nats vom 19. März 2003 (- 4 AZR 331/02 - BA­GE 105, 284) und vom 1. De­zem­ber 2004 (- 4 AZR 50/04 - BA­GE 113, 40) wird der Stich­tag nicht in Fra­ge ge­stellt. Ge­gen­stand der Ent­schei­dung vom 19. März 2003 war ein sog. Alt­ver­trag aus dem Jahr 1997. Für sol­che Verträge wen­det der Se­nat die Grundsätze der frühe­ren Recht­spre­chung nach wie vor an. In der Ent­schei­dung vom 1. De­zem­ber 2004 kam die Recht­spre­chung zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de gar nicht zur An­wen­dung, da die Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers im Zeit­punkt der Ver­ein­ba­rung der Be­zug­nah­me auf den Ta­rif­ver­trag nicht vor­lag. Bei­den Ent­schei­dun­gen kommt aber auch un­abhängig da­von bei der ty­pi­sier­ten In­ter­es­sen­abwägung und bei der Be­ur­tei­lung der maßge­ben­de Fak­to­ren für die Fest­le­gung des Stich­tags (da­zu ua. BAG 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 42 ff., Rn. 46 bis 58 mwN, BA­GE 122, 74, 87 ff.; 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 793/07 - Rn. 31 ff., AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 67 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 40) kei­ne Be­deu­tung zu. Das trifft auch für die von der Be­klag­ten an­geführ­te Ent­schei­dung des Ers­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22. März 2005 (- 1 ABR 64/03 - BA­GE 114, 162) zu.
Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt meh­re­re von Ar­beit­ge­ber­sei­te ge­gen die neue­re Se­nats­recht­spre­chung zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de er­ho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­den mit dem Ziel ei­ner Aus­wei­tung des Ver­trau­ens­schut­zes nicht zur Ent­schei­dung an­ge­nom­men, weil die Vor­aus­set­zun­gen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vor­la­gen (BVerfG 8. Ok­to­ber 2008 - 1 BvR 946/08 und 1 BvR 947/08 -; 21. April 2009 - 1 BvR 769/09 -). Es hat
aus­geführt, dass ein Ge­richt grundsätz­lich von ei­ner frühe­ren Recht­spre­chung ab­wei­chen kann und dass dar­in kein Ver­s­toß ge­gen den rechts­staat­li­chen Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes zu se­hen ist, wenn sich die Recht­spre­chungsände­rung im Rah­men ei­ner vor­her­sag­ba­ren Ent­wick­lung hält (BVerfG 8. Ok­to­ber 2008 - 1 BvR 946/08 und 1 BvR 947/08 -).
(2) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on führt auch die Re­ge­lung des § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Der an­geführ­te Wert des Ver­trau­ens in ei­ne ge­fes­tig­te Recht­spre­chung ist kei­ne „im Ar­beits­recht gel­ten­de Be­son­der­heit“, son­dern ein all­ge­mei­ner Um­stand, den der Se­nat in sei­ner Recht­spre­chung bei sei­ner Abwägung der be­tei­lig­ten In­ter­es­sen - un­ter Ein­be­zie­hung der Si­tua­ti­on im Ar­beits­recht - be­reits berück­sich­tigt hat (da­zu BAG 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 46 ff., BA­GE 122, 74).
cc) Nach al­le­dem ist die von der Kläge­rin und der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, der N GmbH, ver­ein­bar­te Ar­beits­ver­tragsände­rung vom 1. No­vem­ber 2005, was die Aus­le­gung der dort ver­ein­bar­ten Be­zug­nah­me an­geht, mit dem Lan­des­ar­beits­ge­richt als „Neu­ver­trag“ ein­zu­stu­fen, der ei­ne von der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Ver­trags­par­tei­en un­abhängi­ge un­be­ding­te zeit­dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf die dar­in ge­nann­ten Ta­rif­verträge in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung zum In­halt hat und des­halb auch ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen zum Ge­gen­stand des Ar­beits­ver­tra­ges macht, die nach ei­nem En­de der Ta­rif­ge­bun­den­heit auf Ar­beit­ge­ber­sei­te ge­trof­fen wor­den sind.
d) Der Be­triebsüber­gang von der N GmbH auf die Be­klag­te am 1. Ju­li 2006 hat an die­ser ver­trags­recht­li­chen La­ge nichts geändert. Die Klau­sel gilt auch im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en dy­na­misch. Die sich aus die­ser Ver­trags­klau­sel er­ge­ben­de Pflicht, die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung an­zu­wen­den, gehört zu den Rech­ten und Pflich­ten, in die die Be­klag­te als Er­wer­be­rin des Be­triebs nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ein­ge­tre­ten ist. Dem­ent­spre­chend ist sie an die Ver­wei­sungs­klau­sel aus dem Ar­beits­ver­trag der Kläge­rin mit ih­rem Rechts­vorgänger un­ter Ein­be­zie­hung von de­ren Dy­na­mik ge­bun­den.
Der sich von Rechts we­gen und un­abhängig vom „Gutdünken“ des Veräußerers und Er­wer­bers (vgl. ua. EuGH 26. Mai 2005 - C-478/03 [Cel­tec] - ua. Rn. 38 mwN, Slg. 2005, I-4389 und 9. März 2006 - C-499/04 [Wer­hof] - Rn. 26, Slg. 2006, I-2397) nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB voll­zie­hen­de Ein­tritt des Er­wer­bers ei­nes Be­trie­bes oder Be­triebs­teils in die Rech­te und Pflich­ten der zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se be­zieht sich auf al­le ar­beits­ver­trag­lich be­gründe­ten Rech­te und Pflich­ten und um­fasst mit­hin auch sol­che aus Ver­wei­sungs­klau­seln auf ei­nen Ta­rif­ver­trag.
§ 613a Abs. 1 BGB re­gelt die Rechts­fol­gen ei­nes rechts­geschäft­li­chen Be­triebsüber­gangs für die da­von be­trof­fe­nen Ar­beits­verhält­nis­se. Da­bei ist in Satz 1 der Vor­schrift all­ge­mein ge­re­gelt, dass das Ar­beits­verhält­nis mit dem­je­ni­gen In­halt auf den Er­wer­ber über­geht, den es zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs hat. Da­zu gehören nicht nur die ak­tu­ell rea­li­sier­ten Rech­te und Pflich­ten, son­dern al­le, auf die sich ei­ne der Ver­trags­par­tei­en bei un­veränder­ter Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­ru­fen könn­te. Da­bei tritt der Er­wer­ber an die Stel­le des Veräußerers und nimmt des­sen Rechts­stel­lung oh­ne in­halt­li­che Verände­rung ein (BAG 19. Sep­tem­ber 2007 - 4 AZR 711/06 - BA­GE 124, 123, 127). Hier­von sind auch Rechts­po­si­tio­nen um­fasst, die erst in der Zu­kunft Wir­kung ent­fal­ten, et­wa be­reits fest ver­ein­bar­te Ände­run­gen der Rechts­la­ge, die zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt ein­tre­ten sol­len. So­weit ar­beits­ver­trag­lich ei­ne Dy­na­mik bei der An­wen­dung in Be­zug ge­nom­me­nen Rechts ver­ein­bart ist, geht auch sie als sol­che über. Der Er­wer­ber ist an sie ge­bun­den wie der Veräußerer, der sich darüber mit dem Ar­beit­neh­mer ge­ei­nigt hat. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB stellt ihn bezüglich der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen so, als ha­be er sie selbst ab­ge­schlos­sen (BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 - ZIP 2010, 748).
Die­ses Er­geb­nis er­gibt sich eben­falls aus der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie, der­zeit in der Fas­sung der Richt­li­nie 2001/23/EG vom 12. März 2001 (ABl. 2001, L 82/16), zu de­ren Um­set­zung in das na­tio­na­le Recht § 613a BGB dient, der richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen ist. Die Richt­li­nie soll die Wah­rung der Ansprüche der Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Wech­sel des In­ha­bers des Un­ter­neh­mens da­durch gewähr­leis­ten, dass sie ih­nen die Möglich­keit gibt, ihr Beschäfti­gungs-
verhält­nis mit dem neu­en Ar­beit­ge­ber zu eben den Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen, die mit dem Veräußerer ver­ein­bart wa­ren (vgl. ua. EuGH 10. Fe­bru­ar 1988 - C-324/86 [Tel­le­rup oder „Dad­dy’s Dance Hall“] - Rn. 9, Slg. 1988, I-739; 9. März 2006 - C-499/04 [Wer­hof] - Rn. 25, Slg. 2006, I-2397). Ziel die­ser Richt­li­nie ist es, die am Tag des Über­gangs be­ste­hen­den Rech­te und Pflich­ten der Ar­beit­neh­mer zu wah­ren (EuGH 9. März 2006 - C-499/04 [Wer­hof] - Rn. 29, Slg. 2006, I-2397) und da­mit si­cher­zu­stel­len, dass der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer in sei­nen Rechts­be­zie­hun­gen zum Er­wer­ber in glei­cher Wei­se geschützt ist, wie er es nach den Rechts­vor­schrif­ten des be­tref­fen­den Mit­glied­staats in sei­nen Be­zie­hun­gen zum Veräußerer war (EuGH 6. No­vem­ber 2003 - C-4/01 [Mar­tin ua.] - Rn. 41, Slg. 2003, I-12859). Dar­aus folgt, dass ei­ne am Tag des Über­gangs be­ste­hen­de in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che dy­na­mi­sche In­be­zug­nah­me ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges, die un­abhängig von bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit ist, als Sol­che auf den Be­triebs­er­wer­ber über­geht. An­zu­neh­men, sie wand­le ih­ren Cha­rak­ter in­fol­ge des Über­gangs von „dy­na­misch“ zu „sta­tisch“, wäre ei­ne Min­de­rung der be­ste­hen­den Rech­te.
e) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on wur­de die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel vom 1. No­vem­ber 2005 we­der durch die frühe­re bei­der-sei­ti­ge Ta­rif­ge­bun­den­heit ver­drängt, noch wird sie durch ei­ne nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­mier­te Ta­rif­norm ver­drängt. Ei­ne ggf. ent­ste­hen­de Re­gel­kol­li­si­on ist in bei­den Fällen nach dem ge­setz­li­chen Kol­li­si­onslösungs­prin­zip des Güns­tig­keits­ver­gleichs gemäß § 4 Abs. 3 TVG auf­zulösen.
aa) Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin war vor dem Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te nicht al­lein durch kol­lek­tiv­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen be­stimmt, son­dern durch kol­lek­ti­ve und in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen. Zu letz­te­ren gehört die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel auf die „gülti­gen Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie Schles­wig-Hol­stein in der je­weils gülti­gen Fas­sung“. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht un­ter Be­zug auf die Se­nats­recht­spre­chung (BAG 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 767/06 - BA­GE 124, 34, 37) aus-geführt, dass die Wir­kung ei­ner Be­zug­nah­me­klau­sel nicht da­durch berührt wird,
dass der in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag noch aus ei­nem wei­te­ren recht­li­chen Grund für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en maßge­bend ist. So­weit die Be­klag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­geführt hat, nach § 4 Abs. 1 TVG tre­te ei­ne ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me hin­ter ei­ner nor­ma­ti­ven Gel­tung zurück, ver­kennt sie, dass ei­ne nor­ma­ti­ve Gel­tung und ei­ne ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me als zwei un­ter­schied­li­che Rechts­grund­la­gen ne­ben­ein­an­der be­ste­hen blei­ben. Ei­ne ggf. ent­stan­de­ne Re­gel­kol­li­si­on war vor dem Be­triebsüber­gang nach dem ge­setz­li­chen Kol­li­si­onslösungs­prin­zip des Güns­tig­keits­ver­gleichs gemäß § 4 Abs. 3 TVG auf­zulösen.
Auch wenn auf die­se Wei­se ei­ne der bei­den Re­ge­lun­gen im Ar­beits­verhält­nis - zeit­wei­se - kei­ne prak­ti­sche Wir­kung ent­fal­tet, so bleibt sie ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on, die meint, es könne nur über­ge­hen, was zu­vor Wir­kung ent­fal­tet ha­be, je­doch be­ste­hen und ist dem­gemäß Teil des bei ei­nem Be­triebsüber­gang mit über­ge­hen­den Re­ge­lungs­be­stands (vgl. hier­zu auch BAG 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - AP BGB § 613a Nr. 371 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 110).
bb) Dar­an, dass die An­wen­dung ei­nes Ta­rif­ver­trags auf zwei Rechts­gründen be­ruht, ändert sich nichts durch die Fest­stel­lung, dass ei­ner von ih­nen, nämlich die bis­he­ri­ge kol­lek­ti­ve Wir­kungs­wei­se, nach dem Be­triebsüber­gang man­gels Ta­rif­ge­bun­den­heit der Be­klag­ten in nun „sta­ti­scher“ Form in den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses ein­ge­gan­gen ist. Prin­zi­pi­ell un­ter­liegt auch ei­ne nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­mier­te Ta­rif­norm dem Güns­tig­keits­prin­zip nach § 4 Abs. 3 TVG. Ins­be­son­de­re kann den nun­mehr als In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses fort­wir­ken­den frühe­ren Ta­rif­nor­men kei­ne größere Wir­kungs­tie­fe zu­kom­men als un­mit­tel­bar wir­ken­den Ta­rif­nor­men (näher BAG 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 27 bis 32, AP BGB § 613a Nr. 371 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 110). Des­halb sind auch die nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­mier­ten Ta­rif¬nor­men nicht in der La­ge, güns­ti­ge­re Ab­ma­chun­gen zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en zu ver­drängen. § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB ist ei­ne im Hin­blick auf § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ergänzen­de, kei­ne kon­kur­rie­ren­de Re­ge­lung.
Auch nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­mier­te Ta­rif­nor­men tre­ten nach § 4 Abs. 3 TVG ge­genüber ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen, so­weit die­se für die je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Be­din­gun­gen ent­hal­ten, zurück (näher BAG 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 27 ff., aaO).
f) Durch die An­ord­nung des Über­gangs ei­ner mit dem Veräußerer des Be­trie­bes ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten dy­na­mi­schen Ver­wei­sung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag auf die Be­klag­te als Er­wer­be­rin die­ses Be­trie­bes wird die­se ent­ge­gen der Re­vi­si­on nicht in ih­rem Grund­recht auf - ne­ga­ti­ve - Ko­ali­ti­ons­frei­heit ver­letzt.
aa) Wie der Se­nat be­reits mehr­fach be­gründet hat, berührt die Aus­le­gung und die Wirk­sam­keit der in­di­vi­du­al­recht­li­chen In­be­zug­nah­me von Ta­rif­verträgen in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung als Aus­druck pri­vat­au­to­no­mer Ge­stal­tungs­macht we­der die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit des­sen, der das Ar­beits­verhält­nis ver­trag­lich der ein­schlägi­gen ta­rif­ver­trag­li­chen Ord­nung un­ter­stel­len woll­te und dies auch durch die Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers er­reicht hat, noch die­je­ni­ge der Per­so­nen, die auf­grund pri­vat­au­to­no­mer Ent­schließung in die­se Rechts­po­si­ti­on ein­ge­tre­ten sind (BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 - Rn. 21 mwN, ZIP 2010, 748). Die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit kann schon be­griff­lich nicht durch ei­nen Ar­beits­ver­trag berührt sein (eben­so zum Verhält­nis der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit zu ei­nem So­zi­al­plan BVerfG 23. April 1986 - 2 BvR 487/80 - AP GG Art. 2 Nr. 2).
bb) Dar­an hält der Se­nat auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Einwände der Re­vi­si­on fest.
Ein Ver­s­toß ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit kommt nur dann in Be­tracht, wenn es um die von ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen un­abhängi­ge kol­lek­tiv-recht­li­che Wir­kungs­wei­se von ta­rif­li­chen Nor­men geht. Denn nur in die­sem Be­reich lässt sich die Ver­bind­lich­keit von Rech­ten und Pflich­ten mit der Wahr­neh­mung von ne­ga­ti­ver oder po­si­ti­ver Ko­ali­ti­ons­frei­heit be­gründen. So­weit bei der Be­gründung der Rech­te und Pflich­ten, die bei ei­nem Be­triebsüber­gang auf den Er­wer­ber über­ge­hen, we­der die Mit­glied­schaft in
ei­ner ta­rif­sch­ließen­den Ko­ali­ti­on noch die Po­si­ti­on als Ta­rif­ver­trags­par­tei, et­wa bei ei­nem Fir­men­ta­rif­ver­trag, ei­ne Rol­le spie­len, son­dern die­se un­mit­tel­bar auf der Ab­ga­be ei­ner pri­vat­au­to­no­men Wil­lens­erklärung ge­genüber dem Ar­beits­ver­trags­part­ner be­ru­hen, kann we­der die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit des Veräußerers noch die­je­ni­ge des Er­wer­bers be­trof­fen sein. Der ar­beits­ver­trag­li­che Cha­rak­ter ei­ner dy­na­mi­schen Ver­wei­sung auf ein frem­des Re­gel­werk wird durch die Her­kunft des Be­zugs­ob­jekts nicht geändert; das gilt für ei­ne et­wai­ge Ein­be­zie­hung des je­wei­li­gen sta­tis­ti­schen Le­bens­hal­tungs­in­de­xes eben­so wie für die Ein­be­zie­hung der je­wei­li­gen Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der So­zi­al­ver­si­che­rung wie die der je­wei­li­gen Fas­sung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges (vgl. im Ein­zel­nen BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 - Rn. 23 bis 27 mwN, ZIP 2010, 748).
Auch in ih­ren Fol­ge­wir­kun­gen bleibt die­ser in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Cha­rak­ter er­hal­ten. An­ders als nach der Re­ge­lung des § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB, die zu ei­nem kol­lek­tiv­recht­li­chen In­halts­schutz mit zwin­gen­der Wir­kung für ein Jahr führt, können nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über­ge­gan­ge­ne Ver­ein­ba­run­gen je­der­zeit ein­ver­nehm­lich und pri­vat­au­to­nom ab­geändert wer­den. Es herrscht grundsätz­lich die glei­che Ver­trags­frei­heit, wie sie im Veräußer­er­be­trieb be­stan­den hat (vgl. BAG 7. No­vem­ber 2007 - 5 AZR 1007/06 - BA­GE 124, 345, 347). Im Übri­gen ist - ent­ge­gen den An­nah­men der Re­vi­si­on - we­der in die Aus­le­gung des Ar­beits­ver­trags der Par­tei­en noch in die Fest­stel­lung der Fol­gen des Be­triebsüber­gangs nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ein­zu­be­zie­hen, ob aus der Sicht ei­ner Ver­trags­par­tei im Ein­zel­fall ei­ne kon­kre­te Möglich­keit der ein­ver­nehm­li­chen Ver­tragsände­rung ge­se­hen wird oder wie die Exis­tenz von dy­na­misch wir­ken­den in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­men auf Ta­rif­verträge sich bei Kauf­ver­trags­ver­hand­lun­gen im Rah­men von Be­triebsübergängen aus­wirkt. Die Über­le­gung der Re­vi­si­on, ei­ne nur noch sta­ti­sche Fort­gel­tung von Ta­rif­verträgen sei im Hin­blick auf Art. 9 Abs. 3 GG sach­lich ge­recht­fer­tigt, da dies in der Re­gel Ge­gen­stand der Kauf­ver­hand­lun­gen sei und ei­ne dy­na­mi­sche Fort­gel­tung von Ta­rif­verträgen nicht über­schau­bar wäre, ist in ih­rem recht­li­chen Ge­halt schwer zu er­sch­ließen. Ge­gen­stand von Kauf­ver­hand­lun­gen kann nur die tatsächlich im zu er­wer­ben­den Be­trieb be­ste­hen­de Rechts­la­ge sein, nicht
ei­ne vom Käufer oder Verkäufer gewünsch­te. Die hin­ter die­ser Über­le­gung ste­hen­de Auf­fas­sung wi­der­spricht § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB. Sie be­deu­tet nichts an­de­res, als dass sich der Ar­beits­ver­trags­in­halt ent­ge­gen der aus­drück­li­chen ge­setz­li­chen An­ord­nung al­lein durch den Be­triebsüber­gang ändern soll.
cc) Et­was an­de­res er­gibt sich ent­ge­gen der Re­vi­si­on auch nicht im Zu­sam­men­hang mit dem Be­triebsüber­gang aus dem Ur­teil „Wer­hof“ des EuGH vom 9. März 2006 (- C-499/04 - Slg. 2006, I-2397).
Die Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie 2001/23/EG soll die Wah­rung der Ansprüche der Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Wech­sel des In­ha­bers des Un­ter­neh­mens da­durch gewähr­leis­ten, dass sie ih­nen die Möglich­keit gibt, ihr Beschäfti­gungs­verhält­nis mit dem neu­en Ar­beit­ge­ber zu eben den Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen, die mit dem Veräußerer ver­ein­bart wa­ren (vgl. ua. EuGH 27. No­vem­ber 2008 - C-396/07 [Ju­uri] - Rn. 28 mwN, AP Richt­li­nie 2001/23/EG Nr. 3 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 97). Aus der Richt­li­nie er­gibt sich nicht, dass der Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber den Er­wer­ber durch an­de­re Kol­lek­tiv­verträge als die zum Zeit­punkt des Über­gangs gel­ten­den bin­den und dem­nach ver­pflich­ten woll­te, die Ar­beits­be­din­gun­gen später durch die An­wen­dung ei­nes neu­en, nach dem Über­gang ge­schlos­se­nen Kol­lek­tiv­ver­trags zu ändern (EuGH 9. März 2006 - C-499/04 [Wer­hof] - Rn. 29, Slg. 2006, I-2397), was im Übri­gen ge­gen das im An­wen­dungs­be­reich des Ge­mein­schafts­rechts zu be­ach­ten­de Recht auf ne­ga­ti­ve Ver­ei­ni­gungs­frei­heit ver­s­toßen würde (eben­da, Rn. 32 bis 35). Mit der Wer­hof-Ent­schei­dung schließt es der EuGH aus, ei­ne ver­trag­li­che Ver­wei­sung auf Ta­rif­verträge im Fal­le ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges nach Art. 3 Abs. 1 der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie 2001/23/EG zwin­gend, al­so un­abhängig vom übe­rein­stim­mend ge­bil­de­ten Wil­len der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en, stets so zu ver­ste­hen, dass der Er­wer­ber an die be­tref­fen­den Ta­rif­verträge auch in den Fas­sun­gen ge­bun­den ist, die erst nach dem Be­triebsüber­gang ver­ein­bart wur­den. Die­se Auf­fas­sung teilt der Se­nat (vgl. näher BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 - Rn. 35 bis 38 mwN, in Aus­ein­an­der­set­zung mit EuGH 9. März 2006 - C-499/04 [Wer­hof] - aaO). Die ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung der Re­vi­si­on, die im Er­geb­nis da­hin geht, dass zwin­gend und un­abhängig vom pri­vat­au­to­nom
zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en Ver­ein­bar­ten jeg­li­che Be­zug­nah­me auf Ta­rif­verträge in Ein­zel­ar­beits­verträgen im Fall des Be­triebsüber­g­an­ges „sta­tisch“ wird, lässt sich nicht mit der Wer­hof-Ent­schei­dung des EuGH be­gründen.
4. Ins­ge­samt führt die in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me in der Ar­beits­ver­tragsände­rung vom 1. No­vem­ber 2005 zu ei­ner dy­na­mi­schen An­wen­dung der Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein und da­mit zu den streit­ge­genständ­li­chen Ta­rif­verträgen vom 7. Mai 2007. Die­se ent­hal­ten im Verhält­nis zu der sta­ti­schen An­wen­dung der Ta­rif­verträge der Me­tall­in­dus­trie in Schles­wig-Hol­stein, vor­lie­gend in der Fas­sung zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs zum ta­ri­fun­ge­bun­de­nen Be­triebs­er­wer­ber, ei­ne fi­nan­zi­ell güns­ti­ge­re Re­ge­lung im Sin­ne des Güns­tig­keits­prin­zips nach § 4 Abs. 3 TVG. Der auf die­ser Grund­la­ge von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te Be­trag ist der Höhe nach un­strei­tig.
5. Der Zins­an­spruch der Kläge­rin er­gibt sich aus § 286 Abs. 1, § 288 Abs. 1 BGB.
II. Die Be­klag­te hat die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Re­vi­si­on nach § 97 ZPO zu tra­gen.
Vor­derwülbe­cke
Bre­den­diek
zur Übersicht 4 AZR 691/08

References: § 2
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 1
 § 1
 § 3
 § 1
 § 3
 Art. 20
 § 1
 § 3
 § 1
 § 3
 § 93
 § 310
 § 613
 EuGH 
 § 613

§ 613
 § 613
 § 613
 EuGH 
 § 613
 § 4
 § 4
 § 4
 § 613
 § 613
 § 613
 § 4
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 4
 Art. 2
 § 613
 § 613
 § 613
 Art. 9
 § 613
 EuGH 
 EuGH 
 § 613
 EuGH 
 Art. 3
 EuGH 
 EuGH 
 § 4
 § 286
 § 288
 § 97