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Timestamp: 2019-09-21 11:23:31+00:00

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Bilanzanalyse | dasFiBuWissen - Fachwissen von Experten für Ihren Erfolg.
Bilanzierung [ Stand: 05.03.2013 ]
Unter Bilanzanalyse sollen im Folgenden Auswertungen des Jahresabschlusses (d.h. nicht nur der Bilanz, sondern auch v.a. der Gewinn- und Verlustrechnung sowie des Anhangs) und des Lageberichts verstanden werden, die Einblicke in die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens oder Konzerns gewähren.
Die im Rahmen der Bilanzanalyse ermittelten Kennzahlen sollen insbesondere die finanzielle Stabilität (das Vorhandensein ausreichender Liquidität bzw. die jederzeitige Zahlungsfähigkeit) als auch die Ertragskraft bzw. Rentabilität des Unternehmens beurteilen lassen.
Die Bilanzanalyse unterliegt, da sie auf gesetzlich determinierten Jahresabschlusswerten beruht, einigen Einschränkungen der Aussagekraft:
es werden Vergangenheitswerte betrachtet: Zahlen des letzten Geschäftsjahrs, die in der Regel erst Monate nach dem Abschlussstichtag bzw. Geschäftsjahresende vorliegen;
die Jahresabschlusszahlen werden durch das Gläubigerschutz- bzw. Vorsichtsprinzip*, die Ausübung von Ansatz
die Jahresabschlusszahlen werden durch das Gläubigerschutz- bzw. Vorsichtsprinzip*, die Ausübung von Ansatz*- und Bewertungswahlrechten bzw. die Bilanzpolitik des Unternehmens beeinflusst; insbesondere wenn wesentliche stille Reserven z.B. im Immobilienbesitz des Unternehmens vorliegen, ist die Aussagekraft vieler Kennzahlen wie z.B. der Eigenkapitalrentabilität stark eingeschränkt und diese vermitteln u.U. ein völlig unzureichendes Bild z.B. der Ertragskraft des Unternehmens;
die Vergleichbarkeit der Kennzahlen von Unternehmen, die nach HGB, IFRS oder anderen Rechnungslegungsnormen bilanzieren, ist aufgrund der unterschiedlichen Rechnungslegungskonzepte mit den daraus resultierenden abweichenden Bilanzwerten und GuV-Größen stark eingeschränkt;
jedes Unternehmen ist letztlich anders: für ein Unternehmen bedeutet z.B. eine hohe bzw. gestiegene Anlagenintensität ein Problem, während es bei einem anderen Unternehmen durchaus auf positive Ursachen zurückzuführen ist (z.B. eine Verringerung der Vorräte und Kundenforderungen). Insofern ist immer eine Interpretation der Kennzahlen, ggf. verbunden mit einer Ursachenanalyse der Veränderungen, erforderlich, um ein korrektes Bild der Unternehmenslage und -entwicklung zu vermitteln.
Der Beitrag Bilanzanalyse umfasst mehrere Teile. Im ersten Teil werden die Bilanzkennzahlen der Vermögens- und Kapitalstruktur betrachtet. Dabei wird jeweils darauf eingegangen, wie die Kennzahl üblicherweise berechnet wird, wie sie interpretiert werden kann bzw. welchen Zweck sie verfolgt und welche Probleme bzw. Einschränkungen der Aussagekraft auftreten.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Kennzahlen nicht gesetzlich definiert sind; insofern findet man in der Praxis oftmals unterschiedliche Definitionen und Berechnungen gleichlautender Kennzahlen.
Interessanter als die Kennzahl selbst ist oftmals die Entwicklung im Zeitablauf:
Beispiel: Umschlagsdauer der Forderungen in TagenDie Umschlagsdauer der Forderungen – die Zeit, bis Kundenrechnungen im Durchschnitt bezahlt werden – verschlechtert sich für ein Unternehmen von 30 Tagen im Geschäftsjahr 2010 auf 40 Tage im Geschäftsjahr 2011.
Das Unternehmen wird dieser negativen Entwicklung nachgehen wollen, um zu sehen, ob dies auf Zahlungsschwierigkeiten der Kunden, verspätete Rechnungsstellung, ein nachlässiges Mahnwesen oder einmalige Effekte (z.B. längere Zahlungsziele für Großkunden im Rahmen einer Aktion) zurückzuführen ist und ob gegenläufige Maßnahmen zu ergreifen sind.
Daneben sind der Vergleich mit Soll-Werten und vergleichbaren Unternehmen aus der Branche (Benchmarking) von Bedeutung.
Bezüglich der Art der im Rahmen der Bilanzanalyse verwendeten Kennzahlen unterscheidet man regelmäßig:
absolute Kennzahlen: z.B. die Höhe des Anlagevermögens in Euro;
Gliederungskennzahlen: der Zähler (z.B. Anlagevermögen in Euro) stellt einen Teil des Nenners (z.B. Gesamtvermögen bzw. Bilanzsumme in Euro) dar;
Beziehungskennzahlen: diese setzen z.B. wie die Forderungsumschlagsdauer, die Forderungen (aus der Bilanz) in ein Verhältnis zu den Umsatzerlösen (aus der Gewinn- und Verlustrechnung), da sich aus diesen Zusammenhängen wesentliche Erkenntnisse ableiten lassen.
Die Bilanzanalyse mit ihren wesentlichen Kennzahlen soll anhand einer verkürzten Beispielbilanz (HGB-Bilanz) dargestellt werden.
Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte
Entgeltlich erworbene Konzessionen
Andere Anlagen, BGA
Im Rahmen der sog. vertikalen Bilanzanalyse* werden Posten jeweils einer Seite der Bilanz (d.h. der Aktiva- oder Passivaseite) in ein Verhältnis zueinander gesetzt.
Betrachtet man die Aktivaseite, spricht man von Vermögensstruktur bzw. Vermögensstrukturanalyse, bei der Passivaseite von Kapitalstruktur bzw. Kapitalstrukturanalyse. Diese Analysen, die unter die finanzwirtschaftliche Bilanzanalyse fallen, haben als Zielrichtung die finanzielle Stabilität des untersuchten Unternehmens.
Die Vermögensstrukturanalyse untersucht zum einen die Art und Zusammensetzung des Vermögens sowie zum anderen die durch die Aktiva repräsentierte Kapitalbindung.
Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Aktivaseite der Bilanz von oben (Anlagevermögen) nach unten (Kassenbestand und Bankguthaben) nach zunehmender Liquiditätsnähe gegliedert ist*.
Bei der Interpretation bzw. Aussagekraft der Kennzahlen soll sowohl auf die absolute Größe der Kennzahl (z.B. Prozentzahl) als auch deren Entwicklung im Zeitablauf (z.B. steigende Anlagenintensität) eingegangen werden.
Die Anlagenintensität bezeichnet das Verhältnis des Anlagevermögens zum Gesamtvermögen.
Formel Anlagenintensität:
Anlagenintensität =
Die Anlagenintensität beträgt berechnet anhand der obigen Beispielbilanz:
6 Mio. Euro / 10 Mio. Euro = 0,6 = 60 Prozent.
Eine hohe Anlagenintensität impliziert folgende Aspekte:
Das Kapital ist im Anlagevermögen langfristig gebunden; ein positiver Liquiditätseffekt ergibt sich daraus in nächster Zeit nicht, d.h., aus diesen Vermögensteilen ist kurzfristig keine Liquidität zu erwarten (Ausnahmen: Verkauf von Beteiligungen, Verkauf von Immobilien bzw. allgemein Sale-and-Lease-Back, ggf. Notverkäufe des „Tafelsilbers“). Aus Liquiditätsgesichtspunkten handelt es sich beim Anlagevermögen um problematisches Vermögen;
Die Abschreibungen auf das Anlagevermögen und auch die damit teilweise verbundenen Wartungs- und Reparaturkosten stellen in der Regel (bei linearer Abschreibung) Fixkosten dar, die das Ergebnis des Unternehmens auch in schlechten Konjunkturzeiten gleichmäßig belasten;
Es ist u.U. mit einem entsprechenden Kapitalbedarf für Ersatz- bzw. Erneuerungsinvestitionen zu rechnen, ohne dessen Erfüllung die Geschäftstätigkeit ggf. nicht fortgeführt werden kann;
Das Unternehmen ist in seiner Flexibilität stark eingeschränkt: im Gegensatz zum Umlaufvermögen kann das Anlagevermögen nicht kurzfristig abgebaut werden, um auf ein schrumpfendes Geschäftsvolumen zu reagieren. Auch andere Anpassungen z.B. an einen Strukturwandel oder eine Änderung der Kundenwünsche (Beispiele: Kunden verlangen Elektroautos, aber die technischen Anlagen sind auf konventionelle Autos ausgerichtet; Kunden wollen eBooks, aber Verlage haben Druckereien) können schwer umgesetzt werden.
Wenn man die Formel wie oben definiert auf jede Bilanz anwendet, ergeben sich mehrere Probleme bzw. Einschränkungen der Aussagekraft:
im Anlagevermögen sind Beteiligungen in Höhe von einer Mio. Euro enthalten; diese stellen jedoch keine Fixkostenbelastung dar, da sie weder einer planmäßigen Abschreibung unterliegen noch einen Wartungs- oder Reparaturaufwand nach sich ziehen; sie sind auch nicht mit einem Kapitalbedarf für Ersatzinvestitionen versehen. Aus diesem Grund werden die Finanzanlagen oftmals ausgeklammert, so dass die Anlagenintensität dann 50 Prozent betragen würde (5 Mio. Euro / 10. Mio. Euro);
letzteres (keine Ersatzinvestitionen, kein Wartungsaufwand) gilt auch für den Geschäfts- oder Firmenwert oder auch Grundstücke (letztere haben auch keine planmäßigen Abschreibungen und damit Fixkosten zur Folge);
die Bilanzwerte des Vermögens beruhen auf dem Anschaffungskosten- bzw. Höchstwertprinzip des § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB. Das bedeutet, dass der Buchwert des Anlagevermögens nicht zwingend den echten Wert des gebundenen Vermögens repräsentiert.
Beispiel:Angenommen, der Buchwert der Grundstücke und Gebäude in Höhe von 800.000 Euro resultiert daraus, dass das Grundstück mit Gebäude vor 50 Jahren zu dem Wert erworben wurde und das Gebäude bereits vollständig abgeschrieben ist. Aufgrund der immobilienpreisentwicklung sei die Betriebsimmobilie nunmehr 4,8 Mio. Euro wert (aktueller Marktwert).
D.h., die tatsächliche Kapitalbindung ist viel höher: durch einen Verkauf der Immobilien könnten 4,8 Mio. Euro Liquidität* generiert werden (der Buchgewinn betrüge vier Mio. Euro).
Viele Unternehmen verwenden aufgrund der oben genannten Aspekte nicht die (alles umfassende) Anlagenintensität, sondern berechnen die sog. Sachanlagenintensität:
Formel Sachanlagenintensität:
Sachanlagenintensität =
Die Sachanlagenintensität beträgt berechnet anhand der obigen Beispielbilanz:
2 Mio. Euro / 10 Mio. Euro = 20 Prozent.
Sinkt die Sachanlagenintensität im Laufe der Jahre, ist dies vor dem Hintergrund der oben genannten Probleme (geringe Flexibilität, hohe Fixkosten, Liquiditätsrisiko etc.) zunächst eine positive Entwicklung. Rührt der Rückgang jedoch daraus, dass das „Tafelsilber“ verkauft wurde, um mit den daraus resultierenden sonstigen oder außerordentlichen Erträgen das schwächelnde Kerngeschäft zu kompensieren, ist dies eher kritisch zu betrachten. Insofern ist eine Analyse und Aussage allein auf Basis der errechneten Kennzahl (z.B. „eine Anlagenintensität von oder bis zu 40 Prozent ist gut“) nicht möglich, vielmehr sollte man auch die Ursachen und Zusammenhänge erforschen.
Beispiel:Auch neue Investitionen, die bei günstigen Zukunftsaussichten im Sinne einer Automatisierung, Rationalisierung und Produktivitätssteigerung getätigt werden (z.B. eine neue Fabrik), lassen die Anlagenintensität steigen.
Wird das Anlagevermögen nicht regelmäßig durch neuere, bessere Maschinen erneuert, sinkt der Buchwert der Sachanlagen über die Jahre, die Anlagenintensität nimmt ab. Dies ist wiederum eher ein schlechtes Signal, da das Unternehmen mit veraltetem Maschinenpark agiert.
Darüber hinaus ist aus der Formel unmittelbar ersichtlich, dass der Wert der Anlagenintensität bzw. Sachanlagenintensität sich durch eine Änderung des Anlagevermögens (Zähler) oder des Gesamtvermögens (Nenner) ändern kann.
Beispiel:Gelänge es dem Unternehmen z.B. die Vorratsbestände in der Beispielbilanz von zwei Mio. Euro auf Null Euro (durch Just-in-Time) zu reduzieren, würde die Anlagenintensität des Unternehmens steigen, da der Nenner kleiner wird.
Dies wäre trotz allem eine aufgrund der niedrigeren Kapitalbindung positive Entwicklung für das Unternehmen.
Wie bei allen Kennzahlen ist es notwendig, die Werte vor dem Branchenhintergrund und den spezifischen Unternehmensgegebenheiten (z.B. Fertigungstiefe, Automatisierungsgrad) zu betrachten.
Beispiele:Dienstleistungsunternehmen (z.B. Unternehmensberater, Gebäudereiniger etc.) und Handelsunternehmern haben eine vergleichsweise geringe Anlagenintensität aufzuweisen – deren Einsatzfaktoren bestehen überwiegend aus Personal bzw. Vorratshaltung.
Während Handel und Dienstleistungsfirmen oftmals in angemieteten Geschäftsräumen ansässig sind, gehört vielen Industrieunternehmen ihr Grundbesitz (der somit im Anlagevermögen enthalten ist).
Hat von zwei ansonsten vergleichbaren Automobilherstellern einer (Hersteller 1) eine höhere Fertigungstiefe, wird seine Anlagenintensität höher sein als die des anderen (Hersteller 2), der dafür u.U. höhere Vorratsbestände* für die höhere Zahl an Zukaufteilen aufweist.
Weist von zwei ansonsten vergleichbaren Industrieunternehmen Unternehmen 1 eine höhere Anlagenintensität auf als Unternehmen 2, deutet dies u.U. auf einen – für das Unternehmen positiven – höheren Automatisierungsgrad hin. Das könnte man z.B. in Verbindung mit der Personalaufwandsquote betrachten.
Darüber hinaus wird der Buchwert des Anlagevermögens (der Zähler der Formel) durch die Abschreibungspolitik (Abschreibungsmethoden, Nutzungsdauern, Vereinfachungsregelungen wie GWG) sowie durch die Finanzierungspolitik hinsichtlich des Anlagevermögens beeinflusst (Kauf vs. Leasing).
Im Zusammenhang mit der Vermögensstrukturanalyse werden oftmals auch der Anlagenabnutzungsgrad und die Investitionsquote berechnet: diese geben Aufschluss darüber, wie veraltet das Sachanlagevermögen ist.
Ein hoher Anlagenabnutzungsgrad eines Unternehmens bedeutet u.U., dass das Anlagevermögen ggf. erneuert werden muss und damit ein Finanzierungsbedarf für Ersatzinvestitionen zu erwarten ist.
Formel Anlagenabnutzungsgrad:
Anlagenabnutzungsgrad =
Anlagevermögen zu historischen Anschaffungskosten
Die benötigten Daten können durch externe Bilanzanalysten in dem Fall nicht direkt der Bilanz, sondern lediglich dem für Kapitalgesellschaften verpflichtenden Anlagengitter (§ 268 Abs. 2 HGB) entnommen werden.
Die Investitionsquote misst das Verhältnis der Investitionen zum gesamten Anlagevermögen (zu historischen Anschaffungskosten).
Formel Investitionsquote:
Die benötigten Daten können wiederum nur dem Anlagengitter entnommen werden.
Eine hohe Investitionsquote deutet auf ein wachsendes Unternehmen hin, das Erweiterungsinvestitionen tätigt, die Produktivität durch neue Anlagen steigert und positive Geschäftsaussichten hat. Sinkt die Investitionsquote, kann dies ein Indiz dafür sein, dass es keine Investitionsvorhaben hat oder ihm aber die finanziellen Mittel dazu fehlen*.
Die Umlaufintensität bezeichnet das Verhältnis des Umlaufvermögens zum Gesamtvermögen. Die Anlagenintensität bzw. Umlaufintensität sind letztlich zwei Seiten derselben Medaille: im Umlaufvermögen ist die Kapitalbindung nur kurzfristig, das Umlaufvermögen wird in nächster Zeit zu Liquidität für das Unternehmen und die Flexibilität des Unternehmens hinsichtlich einer Änderung des Marktes ist gegeben (z.B. kann ein Handelsunternehmen schnell auf andere Produkte umschwenken, wenn es bemerkt, dass das bisherige Sortiment nicht mehr gut läuft).
Formel Umlaufintensität:
Umlaufintensität =
Die Umlaufintensität beträgt berechnet anhand der obigen Beispielsbilanz:
3,8 Mio. Euro / 10 Mio. Euro = 38 Prozent*.
Die Vorräte des Unternehmens können mit der Vorratsintensität und der Umschlagshäufigkeit bzw. Umschlagsdauer analysiert werden.
Die Vorratsintensität ist eine Teilintensität der Umlaufintensität.
Formel Vorratsintensität:
Vorratsintensität =
Die Vorratsintensität beträgt berechnet anhand der obigen Beispielsbilanz:
Eine hohe bzw. steigende Vorratsintensität wird in der Regel als negative Entwicklung betrachtet, da
zum einen mit hohen Vorratsbeständen das Abverkaufs- und Überalterungsrisiko steigt und
zum anderen die Kapitalbindung dadurch erhöht wird.
Da die Vermögensseite der Bilanz finanziert werden muss (sichtbar in Form einer ebenso großen Passivseite) wirkt sich eine Erhöhung des Vermögens auch auf die Kapitalseite aus. Das Kapital ist im Vermögen bzw. einzelnen Vermögensteilen oder Vermögensgegenständen gebunden.
Kann das Vermögen gesenkt werden (Beispiele: Verringerung der Vorräte durch Bestandsoptimierung, Just-in-Time etc.; Verringerung der Forderungen durch kürzere Zahlungsziele, strikteres Mahnwesen bis hin zum Factoring (Forderungsverkauf); Verringerung der Banksalden durch eine gewährte Kreditlinie oder Cash-Pooling), kann auch das Kapital korrespondierend gesenkt werden.
Damit sinken auch entsprechend die Kapitalkosten, die in den Fremdkapitalzinsen für Bankdarlehen oder aber auch in der von den Eigentümern geforderten Eigenkapitalrendite bestehen.
Gelänge es dem Unternehmen z.B., seine Vorräte durch operative Maßnahmen wie bessere Bestandsführung und Umstellung auf Just-in-Time-Lieferung von zwei Mio. Euro auf eine Mio. Euro zu reduzieren, könnte z.B. auch ein Bankdarlehen auf der Passivseite um diesen Betrag zurückgeführt werden. Das Ziel ist für viele Unternehmen eine möglichst geringe Kapitalbindung*.
Wodurch kann eine hohe / steigende Vorratsintensität verursacht sein?
z.B. durch einen Absatzrückgang (Vorräte als Ladenhüter);
durch eine anderweitige Abnahme des Gesamtvermögens bzw. der Bilanzsumme (z.B. Umstellung auf Leasing für das Anlagevermögen, eine Reduzierung der Liquidität flankiert mit einer entsprechenden Kreditlinie);
durch eine Änderung der Vorratspolitik: z.B. kann sich das Unternehmen für höhere Bestände entscheiden, um Kunden jederzeit kurzfristig beliefern zu können (d.h. mit anderen Worten: die positiven Effekte der Kundenzufriedenheit werden höher gewichtet als die negativen Folgen einer höheren Kapitalbindung).
Eine wesentliche Kennzahl zur Analyse der Vorratsbestände als Teil des Umlaufvermögens ist die Umschlagshäufigkeit der Vorräte oder die Umschlagsdauer der Vorräte. Die Umschlagshäufigkeit wird in der Praxis auf verschiedene Art und Weise ermittelt:
Formel Umschlagshäufigkeit der Vorräte auf Basis der Umsätze:
Umschlagshäufigkeit der Vorräte =
Dabei kann bei dem Vorratsbestand auf den Jahresendwert (Bilanzwert) oder den durchschnittlichen Bestand* während des Geschäftsjahrs abgestellt werden.
Beispiel:Angenommen, die Umsatzerlöse betragen 12 Mio. Euro. Dann ist die Umschlagshäufigkeit der Vorräte:
12 Mio. Euro / 2 Mio. Euro = 6.
Die Vorräte schlagen sich also sechs Mal im Jahr um.
Alternativ kann die Darstellung desselben Sachverhalts auch in Form der Umschlagsdauer in Tagen erfolgen, indem 365 Tage (ein Jahr) durch die Umschlagshäufigkeit geteilt wird:
Formel Umschlagsdauer der Vorräte in Tagen:
Umschlagsdauer in Tagen =
Im vorliegenden Beispielfall:
Umschlagsdauer in Tagen = 365 Tage / 6 = 60 Tage (gerundet).
Es dauert im Beispiel also 60 Tage bis die Vorräte zu Geld gemacht werden.
Eine hohe Umschlagshäufigkeit impliziert eine niedrige Umschlagsdauer in Tagen; letztere Kennzahl ist aber intuitiver verständlich.
Die Berechnung mit den Umsatzerlösen im Zähler hat allerdings den Nachteil, dass der Aspekt der Lagerreichweite nur ungenügend erfasst bzw. dargestellt wird.
Beispiel:Angenommen, die Bruttomarge beträgt 50 Prozent, d.h. die Umsatzerlöse betragen mit 12 Mio. Euro das Doppelte des Wareneinsatzes (der somit sechs Mio. Euro beträgt). Dann bedeutet ein Vorratsvermögen von zwei Mio. Euro, dass damit vier Monate an Umsatz „bestückt“ werden können.
Dies lässt sich berechnen, indem statt der Umsatzerlöse der Wareneinsatz verwendet wird.
Formel Umschlagshäufigkeit der Vorräte auf Basis des Wareneinsatzes bzw. Materialaufwands:
Umschlagshäufigkeit der Vorräte = 6 Mio. Euro / 2 Mio. Euro = 3.
Alternativ wiederum als Umschlagsdauer berechnet:
Umschlagsdauer = 365 / 3 = 122 Tage (gerundet) = 4 Monate.
Die Lagerreichweite ist relativ lang, was neben der damit verbundenen Kapitalbindung die bereits genannten weiteren Probleme bereiten kann (z.B. Abverkaufsrisiko, Überalterung der Bestände etc.).
Die Umschlagshäufigkeit bzw. Umschlagsdauer ist wiederum stark von der Branche und weiter von den einzelnen Segmenten innerhalb der Branche abhängig.
Beispiele:Während Lebensmitteldiscounter eine hohe Umschlagshäufigkeit bzw. kurze Umschlagsdauer ihrer Vorräte haben (man kann dies beobachten: die Regale werden schnell leerverkauft), sieht dies bei Kaufhäusern mit z.B. Bekleidung schon anders aus, bei Galerien dürfte die Umschlagshäufigkeit extrem niedrig sein.
Insofern sind Vergleiche wiederum mit geeigneten Unternehmen innerhalb der Branche durchzuführen, um aussagekräftig zu sein.
Extrem niedrige Umschlagshäufigkeiten haben Unternehmen, die oftmals kundenspezifisch Gebäude oder ganze Industrieanlagen errichten, da es lange dauert, bis die „Produkte“ abnahmebereit sind und somit in Rechnung gestellt werden können. Abhilfe schaffen hier ggf. Teilabnahmen und -abrechnungen.
Analog der Vorgehensweise bei den Vorräten wird zur Analyse der Forderungen die Umschlagshäufigkeit der Forderungen oder die Umschlagsdauer bzw. Debitorenlaufzeit berechnet. Bei den Forderungen bezieht man sich dabei in der Regel auf die Kundenforderungen (Bilanzposten: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen).
Formel Umschlagshäufigkeit der Forderungen:
Umschlagshäufigkeit der Forderungen =
Alternativ kann die Darstellung des Sachverhalts auch wiederum in Form der Umschlagsdauer in Tagen (teilweise auch als Kundenziel bezeichnet) erfolgen.
Formel Umschlagsdauer der Forderungen in Tagen:
Beispiel:Angenommen, die Umsatzerlöse betragen 12 Mio. Euro. Dann ist die Umschlagshäufigkeit der Forderungen:
12 Mio. Euro / 1,190 Mio. Euro = 10,09.
Es sollte jedoch besser vorher eine Korrektur der Forderungen um die Umsatzsteuer vorgenommen werden, da auch die Umsatzerlöse im Zähler der Formel keine Umsatzsteuer enthalten.
In dem Beispiel wird angenommen, dass alle Forderungen aus dem Inland stammen und mit dem Regelsteuersatz (19 Prozent Umsatzsteuer) belegt sind. Die Bruttoforderungen in Höhe von 1,190 Mio. Euro können durch 1,19 geteilt werden, um die Nettoforderungen zu erhalten: 1 Mio. Euro.
Die Umschlagshäufigkeit der Forderungen ist dann:
12 Mio. Euro / 1 Mio. Euro = 12.
Oder wiederum als Umschlagsdauer (Debitorenlaufzeit) dargestellt:
365 Tage / 12 = 30 Tage (gerundet).
D.h., die Kundenforderungen sind bis zur Bezahlung im Schnitt 30 Tage (einen Monat) offen. Insbesondere, wenn das eingeräumte Zahlungsziel nur zehn oder 14 Tage beträgt, sollte sich das Unternehmen Gedanken machen, wie es die Debitorenlaufzeit verringern kann, um die übermäßige Kapitalbindung zu verhindern
Die Kapitalstrukturanalyse befasst sich zum einen mit der Zusammensetzung der Mittelherkunft, zum anderen mit der Fristigkeit der Kapitalbereitstellung.
Eine der wesentlichsten Kennzahlen für die finanzielle Stabilität bzw. Kreditwürdigkeit eines Unternehmens ist die Eigenkapitalquote.
Formel Eigenkapitalquote:
Für die Beispielbilanz beträgt die Eigenkapitalquote:
30 Prozent (3 Mio. Euro / 10 Mio. Euro).
In der Praxis ist zu beobachten, dass im Nenner das gesamte Kapital bzw. die Bilanzsumme verwendet wird, d.h. auch z.B. passive Rechnungsabgrenzungsposten werden einbezogen und nicht bereinigt.
Bei einem Konzern wären auch die Minderheitenanteile (§ 307 HGB) in die Betrachtung des Eigenkapitals einzubeziehen.
Eine hohe Eigenkapitalquote hat mehrere Konsequenzen für die finanzielle Stabilität bzw. das Risiko des Unternehmens:
Verringertes Risiko der Überschuldung (Insolvenztatbestand nach § 19 InsO)
Eine hohe Eigenkapitalquote bedeutet, dass das Unternehmen einen Verlustpuffer hat, mit dem es Verluste in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auffangen kann.
Angenommen, das Beispielsunternehmen erzielt in einem Geschäftsjahr einen Verlust von 1,5 Mio. Euro. Dieser Verlust kann bei der vorhandenen Eigenkapitalquote von 30 Prozent (entspricht drei Mio. Euro Eigenkapital) verkraftet werden, ohne dass eine Überschuldung bzw. ein negatives Eigenkapital drohen.
Betrüge die Eigenkapitalquote hingegen nur zehn Prozent (entsprechend eine Mio. Euro Eigenkapital), wäre das Unternehmen zumindest buchmäßig überschuldet*.
Verringertes Risiko der Zahlungsunfähigkeit (Insolvenztatbestand nach § 17 InsO)
Eine hohe Eigenkapitalquote bedeutet im Umkehrschluss eine niedrige Fremdkapitalquote bzw. Verschuldung.
Durch die damit einhergehenden geringeren Zahlungsverpflichtungen aus Zins und Tilgung verringert sich auch das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit, insbesondere wenn das operative Ergebnis (Betriebsergebnis) nicht ausreicht, um die Zinslast zu tragen.
Größere Unabhängigkeit des Unternehmens
Eine hohe Eigenkapitalquote bedeutet auch eine hohe Unabhängigkeit von externen Kreditgebern. Z.B. könnte in der obigen Beispielbilanz der Fall eintreten, dass der Bankkredit seitens der Bank nicht verlängert wird*. Diese Finanzierungslücke lässt sich von Seiten des Unternehmens nicht kurzfristig schließen.
Das Eigenkapital hingegen steht unbefristet zur Verfügung und unterliegt keiner Rückzahlungsverpflichtung.
Eine hohe Eigenkapitalquote (anders ausgedrückt: viel Eigenkapital) hat allerdings auch Nachteile:
sie verringert die Eigenkapitalrentabilität;
Eigenkapital ist steuerlich gegenüber dem Fremdkapital benachteiligt: während die Zinsen auf Fremdkapital als Zinsaufwand den Gewinn und damit die Steuerlast mindern, muss die Vergütung der Eigenkapitalgeber (die Dividende) aus dem versteuerten Gewinn geleistet werden. Die Finanzierung ist also nicht steuerneutral.
Bei der Betrachtung der Eigenkapitalquote bzw. dem Vergleich zwischen Unternehmen sind einige Aspekte zu beachten. Der deutsche Mittelstand ist stark durch die Unternehmensformen Einzelunternehmen, Offene Handelsgesellschaft (OHG) und Kommanditgesellschaft (KG) geprägt.
Bei diesen Unternehmensformen wird aber die Haftungsfunktion des in der Unternehmensbilanz ausgewiesenen Eigenkapitals – anders als bei Kapitalgesellschaften wie GmbHs oder Aktiengesellschaften – durch die persönliche und unbeschränkte* Haftung des bzw. der Unternehmer ergänzt.
Die Eigenkapitalquote in Deutschland liegt historisch eher in einem niedrigen Bereich (im Durchschnitt in einer Bandbreite von 20 bis 25 Prozent). Dies ist zum einen auf die genannten Rechtsformen (die auch kein Mindestkapital und keine Gewinnthesaurierung erfordern) zurückzuführen, zum anderen aber auch auf die klassische Kreditfinanzierung des Mittelstands durch Sparkassen, Raiffeisenbanken und private Geschäftsbanken, während der Kapitalmarkt zur Beschaffung von Eigenkapital im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern eher schwach ausgeprägt ist.
Aus dem Eigenkapital der Bilanz kann man weitere Aspekte ableiten: während Gezeichnetes Kapital und Kapitalrücklage die Außenfinanzierung durch externe Kapitalgeber (z.B. Aktionäre) widerspiegeln, geben die Gewinnrücklagen Aufschluss über die Innen- bzw. Selbstfinanzierungskraft des Unternehmens. Ein hoher Anteil der Gewinnrücklagen am gesamten Eigenkapital deutet auf eine hohe Selbstfinanzierungskraft hin*.
Die Fremdkapitalquote ist das Pendant zur Eigenkapitalquote, die den Sachverhalt aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
Formel Fremdkapitalquote:
Fremdkapitalquote =
Für die Beispielbilanz beträgt die Fremdkapitalquote:
70 Prozent (7 Mio. Euro / 10 Mio. Euro).
Die Aussagekraft einer hohen Fremdkapitalquote entspricht der einer niedrigen Eigenkapitalquote. Allerdings lohnt es sich, das Fremdkapital einer eingehenderen Betrachtung zu unterziehen.
Im Sinne einer hohen Kapitalverzinsung ist das Unternehmen i.d.R. bestrebt, das Working Capital niedrig zu halten. Dies gelingt z.B. dadurch, dass mit den Lieferanten lange Zahlungsziele vereinbart werden. Durch die Inanspruchnahme dieser kostenlosen* Lieferantenkredite (Bilanzposten: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) können teure Bankdarlehen oder gar Kontokorrentkredite zurückgefahren werden.
Auch die in den sonstigen Rückstellungen ggf. enthaltenen Rückstellungen für Instandhaltung bzw. Abraumbeseitigung i.S.d. § 249 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 HGB oder die in Ausübung des Beibehaltungswahlrechts des Art. 67 Abs. 3 EGHGB auch nach Umstellung auf das BilMoG beibehaltenen Aufwandsrückstellungen stellen keine echte Verschuldung dar, sondern bilden vielmehr bilanziell bestehende Innenverpflichtungen ab*.
Bezüglich des Unternehmensrisikos sind v.a. die kurzfristigen, im folgenden Geschäftsjahr fälligen Schulden (Verbindlichkeiten und Rückstellungen) von Bedeutung. Je höher diese ausfallen, desto größer ist das Risiko, diese ggf. nicht rechtzeitig bedienen zu können und damit in die Zahlungsunfähigkeit zu geraten.
Der Verschuldungsgrad* setzt das Fremdkapital ins Verhältnis zum Eigenkapital. Die Aussage dahinter entspricht aber der Interpretation der Fremdkapitalquote.
Formel Verschuldungsgrad:
Verschuldungsgrad =
Für die Beispielbilanz beträgt der Verschuldungsgrad
233 Prozent (7 Mio. Euro / 3 Mio. Euro).
Letztlich messen die drei genannten Kennzahlen (Eigenkapitalquote, Fremdkapitalquote und statischer Verschuldungsgrad) in der einen oder anderen Form den Verschuldungsgrad, so dass sich Unternehmen und Analysten i.d.R. auf einen Maßstab reduzieren können. Von Bedeutung ist immer eine Darstellung der Kennzahl bzw. der Entwicklung mit Kommentierung (z.B.: „Anstieg der Verschuldung ist auf eine Verlängerung / Verbesserung des Lieferantenziels zurückzuführen“).
In vielen Geschäftsberichten börsennotierter Unternehmen werden die sog. Nettofinanzschulden angegeben.
Formel Nettofinanzschulden:
Nettofinanzschulden = verzinsliches Fremdkapital – liquide Mittel – Wertpapiere des Umlaufvermögens.
Beispiel:Die Nettofinanzschulden betragen für die Beispielbilanz:
5.000.000 Euro (Bankkredite) + 1.000.000 Euro (Pensionsrückstellungen*) – 210.000 Euro – 400.000 Euro = 5.390.000 Euro.
Eine der „moderneren“ Kennzahlen, die ebenfalls von vielen Unternehmen in ihren Geschäftsberichten angegeben werden, ist das Working Capital.
Formel Working Capital:
Working Capital = kurzfristiges Vermögen (Umlaufvermögen inkl. liquider Mittel) – kurzfristige Verbindlichkeiten*
Für die Beispielbilanz:
Working Capital = 2.000.000 Euro (Vorräte) + 1.190.000 Euro (Kundenforderungen) + 400.000 Euro (Wertpapiere des Umlaufvermögens) + 210.000 Euro (Kasse, Bank) – 400.000 Euro (Lieferverbindlichkeiten) = 3.400.000 Euro.
Das Working Capital muss zum einen finanziert werden (z.B. durch Eigenkapital oder Kredite) und spiegelt somit einen Finanzierungsbedarf wider, zum anderen gibt es (insbesondere bei einem negativen Working Capital) auch an, inwiefern kurzfristige Verbindlichkeiten auf dem Unternehmen lasten.
Nachdem zunächst die Bilanzkennzahlen der vertikalen Vermögens- und Kapitalstruktur betrachtet wurden, sollen nun die horizontalen Bilanzkennzahlen vorgestellt werden, welche die Vermögens- und Kapitalseite der Bilanz in eine Beziehung setzen.
Auch die horizontale Bilanzanalyse mit ihren wesentlichen Kennzahlen soll wiederum anhand der verkürzten HGB-Beispielsbilanz von Seite 4 dargestellt werden.
Zu den Kennzahlen der horizontalen Bilanzanalyse, die die Bilanzposten der Aktivaseite mit denen der Passivaseite in Beziehung setzen, zählen insbesondere die Finanzierungsregeln sowie die Liquiditätsgrade.
Die horizontalen Finanzierungsregeln behandeln den Zusammenhang zwischen Mittelverwendung und Mittelherkunft und postulieren Relationen, die an eine „gute“ Finanzierung zu stellen sind.
Die horizontalen Finanzierungsregeln fordern, dass langfristiges Vermögen (v.a. das Anlagevermögen) auch langfristig finanziert werden soll (Fristenkongruenz).
Beispiele:Angenommen, das Geschäftsmodell eines Immobilienunternehmens besteht darin, Wohnungen zu bauen und diese zu vermieten.
Der Bau der Wohnungen kostet zehn Mio. Euro, die jährlichen Netto-Mieteinnahmen (nach Abzug der Betriebskosten) betragen 800.000 Euro, das Vorhaben sei vollkommen fremdfinanziert und der Fremdkapitalzins betrage fünf Prozent p.a.
Das in die Wohnungen investierte Kapital führt erst mittel- bis langfristig zu entsprechenden Erträgen bzw. Einnahmen. Das Unternehmen muss aus den Mieteinnahmen zum Einen die Zinsen leisten (im 1. Jahr: 500.000 Euro), zum Anderen kann es aus den verbleibenden Überschüssen Tilgungen leisten. Es dauert entsprechend lange, bis der Kredit zurückgeführt werden kann.
Würden die Wohnungen (langfristiges Vermögen) kurzfristig finanziert, z.B. durch einen Kontokorrentkredit, Lieferantenkredite oder kurzfristige Bankkredite, kommt es u.U. zu einer Finanzierungslücke bzw. zu Liquiditätsengpässen bis hin zur Zahlungsunfähigkeit.
Eine analoge Argumentation gilt für Industrieunternehmen: Auch hier spielen die Fabrikgebäude, Maschinen und technischen Anlagen erst über lange Zeiträume ihr Geld wieder ein. Entsprechend langfristig muss auch die Finanzierung sein (Fristenkongruenz):
Werden Vorräte (Umlaufvermögen) kurzfristig finanziert (z.B. durch ein übliches Zahlungsziel von z.B. 14 Tagen bei Lieferanten), stellt dies üblicherweise kein Problem dar. Die Vorräte werden in der Regel ebenfalls kurzfristig verkauft, aus den (i.d.R. im Vergleich zu den Einkaufspreisen wesentlich höheren) Verkaufserlösen können die kurzfristigen Verbindlichkeiten (die offenen Lieferantenrechnungen) bezahlt werden.
Wird hingegen z.B. eine Maschine (Anlagevermögen) nur kurzfristig finanziert (z.B. ebenfalls durch ein Zahlungsziel des Lieferanten), stellt sich die Frage, aus welchen Mitteln die offene Rechnung bezahlt werden soll. Im Gegensatz zu den Vorräten soll die Maschine ja nicht verkauft, sondern langfristig genutzt werden.
Die Maschine wirft erst über einen langen Zeitraum entsprechende Erlöse ab, indem ihre Abschreibungen in die Produktkalkulation eingepreist werden.
Die grundlegende Forderung der Goldenen Bilanzregel als eine der horizontalen Finanzierungsregeln lautet: Langfristig gebundenes Vermögen ist langfristig zu finanzieren. D.h., die Finanzierungsdauer soll mit der Kapitalbindungsdauer abgestimmt werden. Im Umkehrschluss gilt dann, dass kurzfristiges Vermögen auch kurzfristig finanziert werden kann.
In Abhängigkeit davon, wie „streng“ diese grundlegende Forderung interpretiert wird, unterscheidet man unterschiedliche Bilanzregeln. Diese werden auch als Deckungsgrade oder Anlagendeckung bezeichnet.
Die Deckungsgrade I, II und III dienen der Beurteilung, ob das langfristig benötigte Vermögen (v.a. Anlagevermögen) auch langfristig finanziert ist, oder ob das Risiko besteht, dass der Wegfall von Fremdkapital (z.B. Kredite werden nicht verlängert) den Verkauf von für die Geschäftstätigkeit benötigtem Anlagevermögen notwendig macht.
Der Idealfall – aus Sicht der horizontalen Bilanzanalyse* hinsichtlich der Finanzierungskongruenz – wäre die Deckung des langfristig gebundenen Vermögens ausschließlich mittels Eigenkapital.
Die Formel für die Goldene Bilanzregel in ihrer strengen Ausprägung als Deckungsgrad I lautet:
Formel Goldene Bilanzregel I:
Deckungsgrad I =
Hier wird also nur das (i.d.R. unbefristet zur Verfügung stehende) Eigenkapital als langfristiges Kapital betrachtet. Die Forderung der Goldenen Bilanzregel I wird erfüllt, wenn das Ergebnis bei mindestens 1 liegt.
Die Formel bzw. die zugrunde liegende Forderung bedeutet in Worte gefasst: Das Anlagevermögen ist komplett mit Eigenkapital zu finanzieren.
Für die Beispielsbilanz beträgt der Deckungsgrad I:
D.h., die Goldene Bilanzregel in der strengen Ausprägung ist nicht erfüllt: Das Ergebnis in Höhe von 0,5 liegt weit unterhalb der mindestens geforderten 1.
In der Praxis wird die Goldene Bilanzregel I nur selten erfüllt, da in der Realität die Unternehmen überwiegend fremdfinanziert sind und somit auch das Anlagevermögen nicht mit Eigenkapital finanziert ist.
Bei der Eigenkapitalquote gilt für Unternehmen in Deutschland, dass diese im Durchschnitt bei 20 bis 25 Prozent liegt. Die Anlagenintensität (der Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen) liegt oftmals höher, v.a. bei Industrieunternehmen, die große Fabriken und technische Anlagen unterhalten. Für diese Unternehmen müsste die Eigenkapitalquote wohl über 50 Prozent liegen, damit die Goldene Bilanzregel in ihrer strengen Form erfüllt wird.
Bei der Goldenen Bilanzregel II wird neben dem Eigenkapital auch das langfristige Fremdkapital einbezogen. Dabei zählen zum langfristigen Fremdkapital neben langfristigen Verbindlichkeiten wie Bankdarlehen oder Anleihen auch langfristige Rückstellungen, v.a. die Pensionsrückstellungen. Die Formel für die Goldene Bilanzregel II (Deckungsgrad II) lautet:
Formel Goldene Bilanzregel II
Deckungsgrad II =
Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital
Die Forderung der Goldenen Bilanzregel II wird wiederum erfüllt (Zielvorgabe), wenn das Ergebnis bei mindestens 1 liegt.
Für die Beispielsbilanz beträgt der Deckungsgrad II:
3.000.000 Euro + 1.000.000 Euro + 5.000.000 Euro
Bezieht man die Pensionsrückstellungen in Höhe von einer Mio. Euro als langfristige Finanzierung ein und unter der Annahme, dass die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Höhe von fünf Mio. Euro ebenfalls langfristigen Charakter haben*, ist die Goldene Bilanzregel in der milderen Ausprägung mit einem Wert von 1,5 erfüllt.
In manchen Fällen wird auch noch der Deckungsgrad III gebildet, der im Nenner neben dem Anlagevermögen zusätzlich den Kapitalbedarf für langfristig gebundenes Umlaufvermögen berücksichtigt. Dazu zählen z.B. die Mindestbestände der Vorräte („eiserne Reserve“) sowie ggf. eine Liquiditätsreserve. In der Regel ist das langfristig gebundene Umlaufvermögen aus der Bilanz jedoch nicht direkt ersichtlich, so dass sich dies durch externe Bilanzanalytiker ohne Rücksprache mit dem Unternehmen nicht bewerkstelligen lässt.
Formel Goldene Bilanzregel III:
Deckungsgrad III =
Anlagevermögen + langfristig gebundenes Umlaufvermögen
Um den Deckungsgrad III für die Beispielsbilanz berechnen zu können, benötigt man die Information, welcher Anteil des Vorratsvermögens in Höhe von insgesamt zwei Mio. Euro ggf. eine eiserne Reserve (z.B. zur Sicherstellung der jederzeitigen Lieferfähigkeit) darstellt.
Treffen wir die Annahme, dass dies hier für 25 Prozent des Vorratsvermögens (25 Prozent von 2.000.000 Euro = 500.000 Euro) gilt, berechnet sich der Deckungsgrad III wie folgt:
6.000.000 + 500.000 Euro
Die Goldene Bilanzregel in der Ausprägung als Deckungsgrad III ist mit einem Wert von 1,38 wiederum erfüllt.
Es stellt sich die Frage, ob die Einhaltung der Goldenen Bilanzregeln eine „sichere“ Finanzierung bedeutet. Folgende Aspekte gilt es zu bedenken:
Das bilanzierte Anlagevermögen wird als Vergleichsmaßstab im Nenner der Formeln für die Deckungsgrade verwendet. Die Höhe des Anlagevermögens ist von Bewertungsmethoden (Abschreibungsmethoden, Nutzungsdauern, Vereinfachungsregelungen wie z.B. für geringwertige Wirtschaftsgüter etc.) sowie von den angewandten Rechnungslegungsnormen (HGB, IFRS) abhängig. Kann eine gute Finanzierung von den genannten bilanziellen Parametern abhängen? Oder anders gefragt: Sollte jemand, der anders bilanziert, auch anders finanzieren? Das kann sicherlich nicht der Maßstab für Finanzierungsentscheidungen sein.
Das bilanzierte Anlagevermögen zeigt nicht an, wie lange es dauert, bis es zu entsprechenden, den Wert widerspiegelnden Einzahlungen kommt: dies können 5, 20 oder gar 50 Jahre sein*, insofern ist hier eine große Unschärfe enthalten.
Dies gilt analog für den Zähler: Was fällt unter langfristiges Fremdkapital? Darlehen mit fünf Jahren Laufzeit oder erst solche mit 20 Jahren Laufzeit? Es müssten eigentlich einzelne Kategorien des Anlagevermögens (z.B. mit langer Kapitalbindung versehene Immobilien) mit entsprechend langfristigen Finanzierungen (Eigenkapital, Pensionsrückstellungen, langlaufende Darlehen) in Bezug gesetzt werden*.
Auch die in den obigen Formeln nicht berücksichtigten kurzfristigen Verbindlichkeiten (z.B. Bankdarlehen mit einjähriger Laufzeit) können eine langfristige Finanzierung darstellen, wenn diese regelmäßig verlängert werden (können) oder durch andere Fremdkapitalien ersetzt werden können. Das Abstellen auf die bilanzielle Unterteilung in kurzfristige und langfristige Verbindlichkeiten in Abhängigkeit der jeweiligen Restlaufzeiten ignoriert diese Tatsache.
Beispiel zu den Kritikpunkten:Die goldene Bilanzregel in der Ausprägung als Deckungsgrad II wäre der Form nach erfüllt, wenn ein Anlagevermögen in Höhe von einer Mio. Euro durch z.B. 200.000 Euro Eigenkapital und einen Bankkredit in Höhe von 800.000 Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren bilanziell „horizontal“ abgedeckt wäre.
Handelt es sich aber bei dem Anlagevermögen z.B. um vermietete Immobilien oder langlebige technische Anlagen, die erst über lange Zeiträume entsprechende, die Investition amortisierende Einzahlungen erwirtschaften (z.B. über 20 Jahre), wären in fünf Jahren ggf. Probleme zur erwarten, wenn die Finanzierung durch das Bankdarlehen ausläuft.
Von Interesse wäre hier auch der Tilgungsverlauf, der aus der Bilanz bzw. aus dem Verbindlichkeitenspiegel im Anhang nicht ausreichend detailliert ersichtlich ist.
Auch die Goldene Finanzierungsregel* fordert die Fristenkongruenz, nutzt jedoch eine andere Darstellung. Sie stellt nicht ausschließlich auf die Bilanz ab, sondern fordert generell eine Fristenkongruenz zwischen Investitionen und ihren Finanzierungen, und ist damit das umfassendere Konzept. Sie kann entsprechend auf die Bilanz mit den Vermögensgegenständen als Investitionen und mit der Kapitalseite als Mittelherkunft (Finanzierung) angewendet werden.
Die Formel für die Goldene Finanzierungsregel lautet:
Formel Goldene Finanzierungsregel:
Langfristiges Kapital
Die Goldene Finanzierungsregel wird wiederum erfüllt, wenn der Quotient aus langfristigem Vermögen und langfristigem Kapital bei höchstens 1 liegt.
Das langfristige Vermögen (Zähler der Formel) ist das Anlagevermögen, das langfristige Kapital (Nenner der Formel) setzt sich aus dem Eigenkapital und dem langfristigen Fremdkapital (z.B. Anleihen, Bankdarlehen, Pensionsrückstellungen) zusammen.
Für die Beispielsbilanz ergibt die Prüfung der Einhaltung der Goldenen Finanzierungsregel:
= 0,67 ≤ 1
Die Forderung der Goldenen Finanzierungsregel wird somit erfüllt.
Alternative Formel Goldene Finanzierungsregel:
Kurzfristiges Kapital
Die beiden Formeln stehen sich spiegelbildlich gegenüber: Wenn die erste Formel erfüllt, d.h., das Ergebnis ≤ 1 ist, ist auch die zweite Formel automatisch erfüllt.
Die Goldene Finanzierungsregel wird wiederum erfüllt, wenn der Quotient aus kurzfristigem Vermögen und kurzfristigem Kapital bei mindestens 1 liegt.
Das kurzfristige Vermögen (Zähler der Formel) umfasst das Umlaufvermögen sowie aktive Rechnungsabgrenzungsposten, das kurzfristige Kapital (Nenner der Formel) umfasst v.a. Lieferverbindlichkeiten (offene Lieferantenrechnungen), sonstige Verbindlichkeiten (z.B. aus Umsatzsteuer) und kurzfristig fällige Bankdarlehen, sonstige kurzfristige Rückstellungen und passive Rechnungsabgrenzungsposten.
Für die Beispielsbilanz ergibt die Prüfung:
3.800.000 Euro + 200.000 Euro
= 4 ≥ 1
400.000 Euro + 400.000 Euro + 200.000 Euro
Die Forderung der Goldenen Finanzierungsregel in ihrer alternativen Form wird somit ebenfalls erfüllt.
Liquiditätsgrade messen die statische, auf einen Zeitpunkt (z.B. den Bilanzstichtag) bezogene Liquidität. Sie sollen als Kennzahlen darüber Aufschluss geben, ob das Unternehmen liquide ist oder ob Zahlungsschwierigkeiten zu erwarten sind.
Ein Unternehmen ist liquide bzw. solvent, wenn es seinen fälligen Zahlungsverpflichtungen – z.B. aus Mietverträgen, Anstellungsverträgen (Gehälter) oder offenen Rechnungen – jederzeit zum Fälligkeitstermin und in voller Höhe nachkommen kann.
Die Zahlungsverpflichtungen ergeben sich somit
zum Teil aus der Bilanz (z.B. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, sonstige Verbindlichkeiten),
zum Teil aber auch aus anderen Quellen, v.a. aus Dauerschuldverhältnissen wie Anstellungs-, Miet-, Leasing- oder Versicherungsverträgen.
Ausgangspunkt der Liquiditätsgrade sind die in der Bilanz ausgewiesenen kurzfristigen Verbindlichkeiten, die v.a. die offenen Lieferantenrechnungen (Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) beinhalten. Diesen kurzfristigen Verbindlichkeiten werden „liquiditätsnahe“ Bilanzposten gegenübergestellt, um zu untersuchen, inwiefern letztere die kurzfristigen Verbindlichkeiten abdecken.
Liquiditätsgrade stellen also dar, in welchem Umfang kurzfristig fällige Verbindlichkeiten durch vorhandene oder innerhalb kurzer Zeiträume erwartete Mittel gedeckt sind.
In Abhängigkeit der in die Betrachtung einbezogenen liquiditätsnahen Bilanzposten unterscheidet man die
Liquidität 1. Grades (Barliquidität),
Liquidität 2. Grades sowie die
Die Formel für die Berechnung der Liquidität 1. Grades (teilweise auch als cash ratio bezeichnet) lautet*:
Formel Liquidität 1. Grades:
Liquidität 1. Grades =
Dabei umfassen die flüssigen Mittel die Bilanzposten Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks (§ 266 Abs. 2 B. IV. HGB) und ggf. sonstige Wertpapiere (§ 266 Abs. 2 B. III. 2. HGB), sofern diese unmittelbar und kurzfristig veräußerbar sind (Beispiel: Aktien, die an einer Börse gehandelt werden).
Zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gehören v.a. die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, aber auch kurzfristige sonstige Verbindlichkeiten, kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (z.B. Kontokorrentkredite) oder kurzfristige sonstige Rückstellungen bzw. Steuerrückstellungen.
Für die Beispielsbilanz beträgt die Liquidität 1. Grades:
[210.000 Euro (Kasse, Bank) + 400.000 Euro (Kurzfristige Wertpapiere)] / [400.000 Euro (Verbindlichkeiten aus L+L) + 400.000 Euro (Sonstige Rückstellungen)] = 610.000 Euro / 800.000 Euro = 0,7625 = 76,25 Prozent.
Hierbei wird angenommen, dass die kurzfristigen Wertpapiere Aktien darstellen, die kurzfristig über die Börse verkauft werden können.
Die durch den Bilanzposten Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen repräsentierten offenen Lieferantenrechnungen sind in der Regel kurzfristig und je nach Zahlungsziel kurz nach dem Bilanzstichtag fällig.
Zu den sonstigen Rückstellungen sind zwei Punkte anzumerken: zum Einen ist es bei Rückstellungen nicht immer eindeutig möglich, festzustellen, ob diese kurzfristigen oder langfristigen Charakter haben. Es ist eines der Merkmale von Rückstellungen als ungewisse Verbindlichkeiten i.S.d. § 249 HGB, dass (neben Grund und Höhe) auch die Fälligkeit eben ungewiss sein kann. Eine Prozesskostenrückstellung kann schnell fällig werden, aber u.U. auch erst in Jahren.
Zudem sind Rückstellungen - im Gegensatz zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten, bei denen dies regelmäßig der Fall ist - nicht immer mit Auszahlungen verbunden. Z.B. wird eine Urlaubsrückstellung eher im folgenden Geschäftsjahr abgebaut als ausbezahlt. In dem Fall macht die Einbeziehung in eine Liquiditätsbetrachtung, wie sie die Liquiditätsgrade vornehmen, keinen Sinn. Insofern wären für eine korrekte Berechnung der Liquiditätsgrade weitere Informationen über die Fristigkeit und Art der Rückstellungen erforderlich, die externen Bilanzanalysten aber i.d.R. nicht zur Verfügung stehen*.
Für die Beispielsbilanz sei angenommen, dass es sich bei den sonstigen Rückstellungen um Tantiemen handelt, die kurzfristig nach dem Bilanzstichtag ausbezahlt werden.
Von der Formel abstrahiert beantwortet die Untersuchung der Liquidität 1. Grades die Frage: Welchen Anteil der kurzfristigen Verbindlichkeiten kann das Unternehmen mit dem Geld (oder sehr geldnahen Vermögenswerten wie Schecks oder schnell veräußerbaren Wertpapieren, die als gleichwertig betrachtet werden), das ihm zur Verfügung steht, zum Bilanzstichtag begleichen?
Als Zielvorgabe bzw. Richtwert werden in der einschlägigen Literatur zu dem Thema unterschiedliche Werte angegeben. Häufig wird für die Liquidität 1. Grades 20 Prozent als Minimum-Wert gefordert. Dies ist schwer zu begründen. Als Anhaltspunkt bzw. Hintergrund kann vielleicht gesehen werden, dass von den offenen Lieferverbindlichkeiten eben nicht alle sofort fällig sind, sondern innerhalb der nächsten z.B. 14 Tage (übliche Zahlungsfrist unterstellt) erst nach und nach fällig werden.
Insofern decken die 20 Prozent sozusagen die kommenden zwei bis drei Tage ab. In der Zwischenzeit gehen liquide Mittel von anderer Seite ein, mit denen die restlichen, noch ungedeckten 80 Prozent bedient werden können. Die Darstellung dieser Überlegungen führt zu den Liquiditätsgraden 2 und 3.
Die Formel für die Berechnung der Liquidität 2. Grades (teilweise auch als quick ratio bezeichnet) lautet:
Formel Liquidität 2. Grades
Liquidität 2. Grades =
Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen
Es werden also zusätzlich die kurzfristigen Forderungen als „Liquiditätsreservoir“ einbezogen.
Unter die kurzfristigen Forderungen fallen in der Regel insbesondere Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (§ 266 Abs. 2 B. II. 2. HGB) sowie ggf. weitere unter den sonstigen Vermögensgegenständen (§ 266 Abs. 2 B. II. 4. HGB) ausgewiesene kurzfristige Forderungspositionen (z.B. eine Umsatzsteuerforderung).
Für die Beispielsbilanz beträgt die Liquidität 2. Grades:
[210.000 Euro (Kasse, Bank) + 400.000 Euro (Kurzfristige Wertpapiere) + 1.190.000 Euro (Forderungen aus L+L)] / [400.000 Euro (Verbindlichkeiten aus L+L) + 400.000 Euro (Sonstige Rückstellungen)] = 1.800.000 Euro / 800.000 Euro = 2,25 = 225 Prozent.
Als Richtwert für ein finanziell solides Unternehmen werden für die Liquidität 2. Grades 100 Prozent verlangt. In dem Fall ist das Unternehmen in der Lage, die kurzfristig fälligen Verbindlichkeiten durch kurzfristig verfügbare Mittel zu tilgen. Diese Zielvorgabe wäre hier also erfüllt.
Mit anderen Worten: Das Unternehmen prüft, welche Liquiditätsabflüsse in nächster, unmittelbarer Frist auf das Unternehmen zukommen und stellt aus der Bilanz fest, dass 400.000 Euro für offene Rechnungen und 400.000 Euro für Tantiemen (sonstige Rückstellungen) zu erwarten sind. Das Unternehmen überlegt weiter, wie es diesen Geldbedarf decken kann: es hat bereits 210.000 Euro an Geld verfügbar, weitere 400.000 Euro* kann es flüssig machen, indem es die sonstigen Wertpapiere verkauft*. Darüber hinaus erwartet das Unternehmen von seinen Kunden Zahlungseingänge in Höhe von 1.190.000 Euro, mit denen es ebenfalls den bilanziellen kurzfristigen Verpflichtungen nachkommen kann.
Dabei wird implizit angenommen, dass sich die Fristigkeiten der kurzfristigen Forderungen und Verbindlichkeiten entsprechen. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn z.B. die den Kunden eingeräumten Zahlungsziele von 30 Tagen die Lieferzahlungsziele von 14 Tagen übersteigen.
Die Formel für die Berechnung der Liquidität 3. Grades (teilweise auch als current ratio bezeichnet) lautet:
Formel Liquidität 3. Grades:
Liquidität 3. Grades =
Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen + Vorräte
Es werden also zusätzlich die Vorräte, die bei Verkauf zu Geldeingängen führen, einbezogen. Die Vorräte können der Bilanz (§ 266 Abs. 2 B. I. HGB) entnommen werden.
Für die Beispielsbilanz beträgt die Liquidität 3. Grades:
[210.000 Euro (Kasse, Bank) + 400.000 Euro (Kurzfristige Wertpapiere) + 1.190.000 Euro (Forderungen aus L+L) + 2.000.000 Euro (Vorräte: Fertige Erzeugnisse und Waren)] / [400.000 Euro (Verbindlichkeiten aus L+L) + 400.000 Euro (Sonstige Rückstellungen)] = 3.800.000 Euro / 800.000 Euro = 4,75 = 475 Prozent.
Als Zielvorgabe werden hier i.d.R. mindestens 200 Prozent gefordert; dies wird für die Beispielsbilanz erfüllt.
Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass die Vorräte eben erst noch verkauft werden müssen (während die „Geldwerdung“ für die Forderungen bereits viel weiter gediehen und somit sicherer ist) und es noch geraume Zeit dauern kann, bis die resultierenden Rechnungen auch bezahlt werden. Das dürfte für die zu bedienenden offenen Lieferantenrechnungen oftmals zu spät sein.
Zudem werden hier „Äpfel mit Birnen“ aufaddiert. Während die Bilanzposten liquide Mittel und kurzfristige Forderungen zu entsprechenden Geldeingängen in Höhe des Nominalwerts führen*, sind die Vorräte in der Bilanz höchstens zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet. D.h., die Geldeingänge liegen höher, in der Regel sogar um einiges, z.B. doppelt so hoch.
Werden die Liquiditätsgrade mit dem Anspruch berechnet, das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit abzubilden, sind einige Punkte zu nennen, die diesen Anspruch unterlaufen:
Liquiditätsgrade sind oftmals im Zeitpunkt der Berechnung bereits veraltet. Wird die Bilanz zum 31. Dezember z.B. erst im März des Folgejahrs erstellt, sind die Kennzahlen fast wertlos. Bis dahin ist das Unternehmen eventuell schon in Zahlungsschwierigkeiten – oder eben nicht.
Liquiditätsgrade sind auf einen Zeitpunkt bezogen und basieren auf der Bilanz. Sie bilden somit nur einen Teil der kommenden Liquiditätsbelastungen ab, während die oftmals erheblichen laufenden Zahlungsverpflichtungen v.a. aus Gehältern, aber auch aus Mietverträgen, Leasingverhältnissen, Versicherungen etc., die bei Fälligkeit die Liquidität belasten, nicht in die Betrachtung einbezogen werden.
Die genauen Fälligkeiten sind nicht ersichtlich, jedoch von Bedeutung: Im Extremfall sind die offenen Lieferantenrechnungen z.B. bereits sämtlich am 1. Januar fällig, die kurzfristigen Forderungen gehen aber erst nach und nach ein.
Bestehende Kreditlinien, die genutzt werden können und somit ein etwaiges Liquiditätsproblem mindern, gehen nicht in die Betrachtung ein. Ebenso ist ein Unternehmen, das z.B. am Cash Pooling seines Konzernverbunds teilnimmt, liquide, obwohl der Banksaldo regelmäßig Null ist. Damit betrüge die Liquidität 1. Grades zwar alarmierende Null Prozent, ein Liquiditätsproblem besteht aber nicht.
Als Fazit kann festgehalten werden: Die Liquiditätsgrade können zwar als erste Anhaltspunkte für die Liquiditätslage (und damit die Finanzlage im Sinne der Generalnorm des § 264 Abs. 2 HGB) verwendet werden; als (alleiniges) Instrument für die Liquiditätssteuerung eines Unternehmens wäre ihr Einsatz fahrlässig.
Für die Unternehmenssteuerung und Liquiditätssicherung ist eine dynamische, zeitraumbezogene Betrachtung der Liquidität durch eine Finanzplanung bzw. Liquiditätsplanung notwendig, die für zukünftige Zeiträume (v.a. für das kommende Geschäftsjahr auf Monatsbasis) die Liquiditätszuflüsse und -abflüsse prognostiziert. Dadurch lassen sich Kapitalbedarfe bzw. etwaige Liquiditätsengpässe frühzeitig erkennen und es können rechtzeitig entsprechende Maßnahmen getroffen werden.
Im ersten Teil des Beitrags Bilanzanalyse wurden die Bilanzkennzahlen der vertikalen Vermögens- und Kapitalstruktur betrachtet, im zweiten Teil die horizontalen Bilanzkennzahlen, welche die Vermögens- und Kapitalseite der Bilanz in eine Beziehung setzen. In diesem dritten Teil sollen nunmehr Werte aus der Gewinn- und Verlustrechnung einbezogen werden, um die Rentabilität eines Unternehmens abzubilden.
Rentabilitäten werden oftmals als übergeordnete ökonomische Zielsetzungen zur Unternehmenssteuerung verwendet.
Beispiel:Ein Unternehmen strebt als Zielsetzung eine Eigenkapitalrentabilität von 25 Prozent an. Daran werden der Erfolg des gesamten Unternehmens bzw. Konzerns und ggf. auch die Ergebnisbeiträge einzelner Geschäftsbereiche gemessen.
Die Rentabilitätsanalyse mit ihren wesentlichen Kennzahlen soll wiederum anhand der bereits bekannten – leicht modifizierten* – HGB-Beispielsbilanz dargestellt werden:
Die vereinfachte Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens soll wie folgt aussehen. Dabei bilden Alternative 1 und Alternative 2 unterschiedliche Finanzierungsstrukturen des ansonsten identischen Unternehmens ab.
Alternative 1 stellt die Ausgangssituation dar: ein mit drei Mio. Euro Eigenkapital (vgl. obige Beispielsbilanz) finanziertes Unternehmen. Zinsaufwendungen fallen in Höhe von fünf Prozent auf die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Höhe von fünf Mio. Euro an, die jährlichen Zinszahlungen belaufen sich entsprechend auf 250.000 Euro.
Alternative 2 spiegelt den Unterschied in der Finanzierung wider: das Eigenkapital beträgt lediglich zwei Mio. Euro; dafür sind die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten entsprechend um eine Mio. Euro höher und betragen sechs Mio. Euro. Daraus resultieren höhere Zinsaufwendungen in Höhe von 300.000 Euro (fünf Prozent von sechs Mio. Euro).
Der Ertragssteuersatz (Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag) beträgt 30 Prozent.
Durch die unterschiedlichen Finanzierungen ändern sich in der Gewinn- und Verlustrechnung die Zinsaufwendungen und als Folge die Ertragsteuern.
EBIT* (Betriebsergebnis)
EBT* (Ergebnis vor Steuern)
Ertragsteuern (30 Prozent)
– 90.000
– 75.000
Zu den wesentlichen Kennzahlen der Rentabilitätsanalyse zählen insbesondere die
Kapitalrentabilität in ihren Ausprägungen als
Eigenkapitalrentabilität (ROE*),
Gesamtkapitalrentabilität (ROI*) sowie
Return on Capital Employed (ROCE);
Umsatzrentabilität mit ihren Abwandlungen
EBIT-Marge und
EBITDA-Marge.
Die Berechnung einer Kapitalrentabilität ist vom Grundsatz her einfach: der unter Einsatz eines Kapitals erzielte Ertrag wird in ein Verhältnis zu dem eingesetzten Kapital gesetzt. Dies ist im Vergleich zu z.B. der Betrachtung absoluter Kennzahlen (z.B. der Gewinn in Euro) wesentlich aussagekräftiger, da sich so die Ertragskraft von Unternehmen verschiedenster Größe messen und vergleichen lässt.
Grundformel für Kapitalrentabilität:
Kapitalrentabilität =
Je nachdem, was als Ertrag und was als eingesetztes Kapital angesehen wird, wie diese im Einzelnen berechnet werden sowie aus welcher Perspektive der Sachverhalt betrachtet wird, unterscheiden sich die verwendeten Kapitalrentabilitäten.
Beispiel:In einem einfachen Beispiel zur Veranschaulichung der Kapitalrentabilität legt ein Anleger am 1. Januar 2012 eine Mio. Euro für ein Jahr als Festgeld an. Er erzielt einen jährlichen Zins in Höhe von vier Prozent (40.000 Euro), der am Ende des Anlagejahres, d.h. am 31. Dezember 2012, gutgeschrieben wird.
Die Kapitalrentabilität könnte in dem Fall berechnet werden* als:
Zinsertrag / Anlagebetrag (Kapital) =
40.000 Euro / 1.000.000 Euro = 4 Prozent.
Allerdings unterliegt der Zinsertrag noch einer Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 Prozent*. Der Netto-Zinsertrag nach Steuern beträgt somit lediglich 30.000 Euro.
Die Kapitalrentabilität nach Steuern beträgt somit:
30.000 Euro / 1.000.000 Euro = 3 Prozent.
Ansonsten ist in diesem einfachen Beispiel weder strittig, was als Ertrag gilt (der Zinsertrag i.S.d. handelsrechtlichen Ertragsdefinition entspricht hier auch dem Cashflow, d.h. dem Geldzufluss), noch ist strittig, was als eingesetztes Kapital anzusetzen ist: eine Mio. Euro.
An diesem einfachen Beispiel sieht man bereits, dass man sich zum Einen bei der Verwendung und Analyse von Rentabilitäten bewusst sein sollte, ob es sich um eine Rendite vor Steuern* oder nach Steuern handelt.
Zum Anderen stellen sich bei einem Unternehmen in dem Zusammenhang weitere Fragen:
Ist der Ertrag der Gewinn, d.h. der in der Rechnungslegung ermittelte Jahresüberschuss nach Steuern? In dem Fall unterliegt der Ertrag und damit die Rentabilität der angewandten Rechnungslegung (HGB, IFRS) sowie der Bilanzierungspolitik. Andere Maßstäbe wären der neutralere Cashflow oder auch die Dividende (der Betrag, der den Eigentümern wirklich zufließt – anlog dem Geldzufluss aus der Festgeldanlage);
Ist das eingesetzte Kapital lediglich das von den Eigentümern aufgebrachte Kapital oder das von allen Kapitalgebern (d.h. v.a. auch von Banken und Anleihegläubigern) bereitgestellte Kapital? Nur das verzinsliche Kapital oder auch das unverzinsliche Kapital (z.B. Lieferverbindlichkeiten)?
Wird das Anfangskapital (in dem obigen Beispiel vom 1. Januar 2012), das Endkapital (zum 31. Dezember) oder ein durchschnittliches Kapital im Nenner der Formel verwendet?
In dem obigen Beispiel ist das Anfangskapital in Höhe von 1.000.000 Euro der richtige Maßstab: der Anleger leiht der Bank das ganze Jahr hindurch eine Mio. Euro und erhält nach einem Jahr als Vergütung 40.000 Euro.
Bei einem Unternehmen werden aber die Erträge bzw. Gewinne nicht am Ende des Geschäftsjahrs – wie im Falle der Zinsgutschrift in einem Betrag durch die Bank – erzielt, sondern während des gesamten Geschäftsjahrs kontinuierlich erwirtschaftet. Man könnte also annehmen (einen gleichbleibenden Verlauf der Geschäftstätigkeit unterstellt), dass 40.000 Euro Jahresgewinn (vor Steuern) z.B. durch monatliche Gewinne von jeweils 3.333 Euro erzielt werden. In dem Fall würde sich aber (da die Gewinne in der Regel nicht unterjährig abgezogen bzw. ausgeschüttet werden*) das Kapital bereits nach einem Monat (Ende Januar 2012) auf 1.003.333 Euro und nach zwei Monaten (Ende Februar 2012) auf 1.006.666 Euro erhöht haben, usw. Das eingesetzte Kapital verändert sich also und ggf. wäre der Ansatz eines durchschnittlichen Kapitals in dem Fall sachgerecht.
Die im Folgenden vorgestellten Rentabilitäten und auch die Berechnungen seitens einzelner Unternehmen geben auf die genannten Fragestellungen unterschiedliche Antworten.
Die Eigenkapitalrentabilität als eine Kennzahl der Ertragsanalyse gibt die Rendite eines Unternehmens aus Eigentümersicht – oder anders ausgedrückt die Verzinsung des Eigenkapitals – an.
Die Eigenkapitalrendite setzt in ihrer Grundform den erzielten Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital.
Formel für die Eigenkapitalrentabilität:
Eigenkapitalrentabilität =
Beispiel:Das Unternehmen mit der oben dargestellten Beispielsbilanz und -GuV erzielt in der Alternative 1 einen Gewinn (Jahresüberschuss nach Steuern) in Höhe von 210.000 Euro. Das eingesetzte Eigenkapital laut Beispielsbilanz beträgt drei Mio. Euro.
Die Eigenkapitalrentabilität beträgt somit
210.000 Euro / 3 Mio. Euro = 0,07 = 7 Prozent.
Bzgl. des Nenners der Formel (Eigenkapital) stellt sich die Frage, ob das Eigenkapital zum 1. Januar, zum 31. Dezember oder ob das durchschnittliche Eigenkapital des Geschäftsjahrs verwendet wird. In der Praxis kann man unterschiedliche Vorgehensweisen beobachten, oftmals wird das durchschnittliche Eigenkapital* oder (wie im Beispiel) das Eigenkapital zum 31. Dezember verwendet.
Die Eigenkapitalrentabilität spiegelt die Verzinsung des Eigenkapitals wider. Ob diese Verzinsung als angemessen betrachtet wird, hängt davon ab
wie hoch das mit dem Eigenkapital verbundene Risiko ist sowie
wie hoch die Rendite alternativer Kapitalverwendungen ist.
Beispiel:Die errechnete Eigenkapitalrentabilität von sieben Prozent würde sicherlich nicht als ausreichend betrachtet, wenn die Anlage in (sicheren) Bundesanleihen eine ebenso hohe Verzinsung aufweisen würde.
Die Eigenkapitalrentabilität muss über dem Zinssatz für sichere Anlagen liegen. Sie muss eine Risikoprämie beinhalten, da der Eigentümer nicht nur wie bei sicheren Anlagen Kapital zur Verfügung stellt, sondern auch unternehmerisches Risiko übernimmt.
Das Risiko besteht
im minder schweren Fall darin, dass kein Gewinn (oder gar ein Verlust) erzielt wird und somit die Verzinsung geringer oder gar ganz ausfällt;
im schlimmeren Fall darin, dass das Unternehmen Insolvenz anmelden muss und somit das eingesetzte Eigenkapital in den meisten Fällen komplett verloren ist.
Die Höhe des Risikozuschlags hängt von verschiedenen Faktoren ab, u.a. von der (Stabilität der) Branche, dem Geschäftsmodell, dem Alter (Wie etabliert ist das Unternehmen?) und der Finanzierungsstruktur (eine höhere Verschuldung bedeutet ein höheres Risiko und eine größere Abhängigkeit von Kapitalgebern).
Die Eigenkapitalrentabilität wird durch die Finanzierungsstruktur beeinflusst. Je weniger Eigenkapital (und damit: je mehr Fremdkapital) eingesetzt wird, umso geringer ist der Nenner der Formel zur Berechnung der Eigenkapitalrentabilität: die Eigenkapitalrentabilität steigt dadurch.
Diese Hebelwirkung des Fremdkapitals auf die Eigenkapitalrentabilität bezeichnet man als Leverage-Effekt.
Beispiel:In der obigen Beispiel-GuV beträgt der Gewinn in Alternative 1 210.000 Euro. Die Eigenkapitalrentabilität für Alternative 1 wurde mit sieben Prozent berechnet.
Ersetzt das Unternehmen einen Teil des ursprünglichen Eigenkapitals in Höhe von drei Mio. Euro – z.B. indem eine Mio. Euro unter Inanspruchnahme der Gewinnrücklagen an die Anteilseigner ausgeschüttet werden – durch eine korrespondierende Erhöhung des Bankdarlehens von fünf Mio. Euro auf sechs Mio. Euro*, hat dies folgende Auswirkungen auf die Ertragslage:
die Zinsaufwendungen erhöhen sich um 50.000 Euro (fünfProzent von einer Mio. Euro);
aufgrund der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Fremdkapitalzinsen mindern sich die Ertragsteuern um 15.000 Euro (30 Prozent von 50.000 Euro);
der Nettoeffekt auf das Ergebnis beläuft sich somit auf 35.000 Euro: der Jahresüberschuss nach Steuern sinkt von 210.000 Euro auf 175.000 Euro. Dieser verringerte Gewinn wurde jedoch mit einem verringerten Eigenkapital erzielt.
Die Eigenkapitalrentabilität bei der geänderten Finanzierungsstruktur (Alternative 2) ist:
175.000 Euro / 2 Mio. Euro = 8,75 Prozent.
Die Eigenkapitalrentabilität für die Alternative 2 liegt mit 8,75 Prozent um 1,75 Prozent höher als bei Alternative 1 mit sieben Prozent. Diese höhere Eigenkapitalrentabilität resultiert ausschließlich aus der abweichenden Finanzierungsstruktur. Operativ – bei Vergleich des EBIT bzw. Betriebsergebnisses – sind beide Unternehmen identisch bzw. gleichermaßen erfolgreich.
Den Leverage-Effekt kann ein Unternehmen bzw. können die Eigentümer aktiv nutzen, indem Eigenkapital aus dem Unternehmen abgezogen (z.B. durch Ausschüttungen, Kapitalrückzahlungen) und dafür Fremdkapital (z.B. Bankdarlehen, Anleihen) eingesetzt wird. Voraussetzung für eine (positive) Wirkung des Leverage-Effekts ist allerdings, dass die Investitionsrendite (sog. Gesamtkapitalrentabilität) des Unternehmens über dem für das Fremdkapital zu zahlenden Zinssatz liegt. Im Gegenzug sind jedoch die aus der Verringerung der Eigenkapitalquote resultierenden negativen Effekte (höheres Risiko, größere Abhängigkeit, geringere Bonität) zu beachten.
Rechnerisch lässt sich der Leverage-Effekt beliebig ausdehnen (z.B. bis auf ein Eigenkapital von einem Euro mit entsprechend hohen Renditewerten), allerdings werden Kreditgeber bei sehr niedrigen Eigenkapitalquoten zum Einen höhere Zinsen verlangen, zum Anderen werden ab einer bestimmten Höhe keine weiteren Kredite mehr gewährt werden.
Die Eigenkapitalrentabilität setzt zwei Größen der Rechnungslegung – den Jahresüberschuss und das Eigenkapital – in Beziehung. D.h., die Eigenkapitalrentabilität wird
zum Einen durch die angewandte Rechnungslegung (HGB, IFRS, US-GAAP) sowie
zum Anderen durch die Ausübung von Bilanzierungswahlrechten beeinflusst.
Würde das Unternehmen langsamer abschreiben (z.B. durch Verwendung längerer Nutzungsdauern), wäre der Gewinn höher (und das Eigenkapital erhöht sich durch die höheren Gewinne bzw. niedrigeren Abschreibungen ebenfalls).
Dadurch verändert sich die Eigenkapitalrendite.
Zahlreiche andere Bilanzierungswahlrechte wie z.B. bezüglich der Aktivierung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (§ 248 Abs. 2 Satz 1 HGB) oder bezüglich des Ansatzes aktiver latenter Steuern (§ 274 Abs. 1 Satz 2 HGB) können sich aufgrund des etwaigen Umfangs dieser Posten wesentlich auf die Eigenkapitalrendite auswirken.
Bei einer Ertragsanalyse mittels der Eigenkapitalrentabilität sind entsprechend zwei Faktoren zu beachten: zum Einen stellt sie den Erfolg ausschließlich aus Eigentümersicht betrachtet dar; zum Anderen ist bei einem Vergleich von Unternehmen die Eignung der Eigenkapitalrentabilität für die Beurteilung der Unternehmen im Hinblick auf einen effizienten Kapitaleinsatz aufgrund der genannten Einflüsse aus der Finanzierungsstruktur und Rechnungslegung eingeschränkt.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Eigenkapitalrendite nicht zwingend der Rendite des Eigentümers (z.B. eines Aktionärs einer börsennotierten Aktiengesellschaft) entspricht. Bezahlt der Aktionär mit dem Kaufpreis der Aktie einen Preis, der über dem (anteiligen) Buchwert des Eigenkapitals liegt, weist die Rendite auf sein eingesetztes Kapital (der Kaufpreis der Aktie) einen geringeren Prozentsatz als die Eigenkapitalrendite des Unternehmens auf.
Ein weiterer sehr verbreiteter Maßstab zur Messung der Kapitalrendite bzw. des effizienten Kapitaleinsatzes ist die Gesamtkapitalrentabilität bzw. Gesamtkapitalrendite.
Die Gesamtkapitalrentabilität gibt die Rendite eines Unternehmens aus Sicht aller Kapitalgeber – der Eigentümer und der Gläubiger – oder anders ausgedrückt die Verzinsung des Gesamtkapitals an.
Die Gesamtkapitalrendite setzt dazu das, was die Kapitalgeber als Vergütung bekommen – der Gewinn für die Eigentümer und die Zinsen für die Fremdkapitalgeber – ins Verhältnis zu dem, was die Kapitalgeber einsetzen: Eigenkapital und Fremdkapital. Jeweils in Zähler und Nenner der Formel werden somit alle Kapitalgeber betrachtet*. Das Gesamtkapital entspricht der Bilanzsumme.
Der Grundgedanke der Gesamtkapitalrentabilität ist somit zusammengefasst: man betrachtet die Erträge, die alle Kapitalgeber erhalten, im Verhältnis zu dem Kapital, dass alle Kapitalgeber in das Unternehmen investieren, um einen Maßstab für Kapitaleffizienz (Wie viel Prozent erwirtschaftet jeder als Kapital investierte Euro?) zu erhalten.
Formel* für die Gesamtkapitalrentabilität:
Gesamtkapitalrentabilität =
Gewinn + Zinsen
Beispiel:Das Unternehmen aus dem obigen Beispiel erzielt in Alternative 1 folgende Gesamtkapitalrendite:
(210.000 Euro + 250.000 Euro) / 10.000.000 Euro =
460.000 Euro / 10.000.000 Euro = 4,6 Prozent.
In der Alternative 2 (bei veränderter Kapitalstruktur) beträgt die Gesamtkapitalrendite:
(175.000 Euro + 300.000 Euro) / 10.000.000 Euro =
475.000 Euro / 10.000.000 Euro = 4,75 Prozent.
Diese geringfügig (um 0,15 Prozentpunkte) höhere Gesamtkapitalrendite im Falle der Alternative 2 ergibt sich alleine daraus, dass die Fremdkapitalzinsen einen Tax Shield aufweisen, d.h. durch ihre steuerliche Abzugsfähigkeit als Betriebsausgaben die Ertragsteuern mindern.
Ließe man die Steuerwirkung unberücksichtigt, wäre die Gesamtkapitalrentabilität in beiden Fällen gleich hoch. Die Gesamtkapitalrentabilität wird zwar hier aufgrund des Tax Shield indirekt durch den Leverage-Effekt beeinflusst, aber in weitaus geringerem Maße als dies bei der Eigenkapitalrentabilität der Fall ist. Insofern gilt die Gesamtkapitalrendite als „neutralerer“ Maßstab.
Die hier errechnete Investitionsrendite in Höhe von 4,6 Prozent für Alternative 1 liegt unter dem Fremdkapitalzins von fünf Prozent. In dem Fall wirkt eigentlich der Leverage-Effekt nicht: das Unternehmen leiht sich Geld von der Bank für fünf Prozent Zinsen und das Unternehmen erzielt daraus lediglich eine Rendite von 4,6 Prozent. Hier wirkt sich allerdings die steuerliche Abzugsfähigkeit der Fremdkapitalzinsen wiederum positiv aus, da dadurch die tatsächlichen Zinskosten geringer ausfallen (sie fallen von fünf Prozent auf 3,5 Prozent bei 30 Prozent Ertragsteuern).
Durch die steuerlich bevorzugte Behandlung von Fremdkapitalkosten (als Betriebsausgaben) gegenüber den steuerlich nicht berücksichtigungsfähigen Eigenkapitalkosten wird das Ergebnis etwas verzerrt: Das Unternehmen in Alternative 2 ist operativ nicht besser als das Unternehmen in Alternative 1; es erzielt im operativen Geschäft dieselben Erträge (ein Betriebsergebnis in Höhe von 450.000 Euro) und setzt dasselbe Kapital ein (allerdings aus anderen Quellen).
Darüber hinaus wird im Regelfall nicht nur verzinsliches Fremdkapital eingesetzt, sondern die Rückstellungen und Verbindlichkeiten umfassen neben den verzinslichen Verbindlichkeiten (v.a. Anleihen und Bankkredite, aber auch die Pensionsrückstellungen, die über die Jahre aufgezinst werden) auch viele unverzinsliche Posten (z.B. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Sonstige Verbindlichkeiten oder kurzfristige Rückstellungen).
Durch die Verwendung der Bilanzsumme im Nenner der Formel werden diese unterschiedlichen Fremdkapitalquellen bzw. die Tatsache, dass für manche Fremdkapitalien keine Vergütungen zu zahlen sind, nicht berücksichtigt.
Die Praxis verwendet aus den genannten Gründen oftmals „abgewandelte“ Gesamtkapitalrenditen wie z.B. den im Folgenden behandelten ROCE (Return on Capital Employed), der das EBIT (als einen Ertragsmaßstab) ins Verhältnis zum Gesamtkapital abzüglich des kurzfristigen, unverzinslichen Kapitals setzt.
Der ROCE ist neben der traditionellen Gesamtkapitalrentabilität eine der modernen Kennzahlen, um die Kapitalrentabilität, d.h. den Erfolg im Verhältnis zum eingesetzten Kapital zu messen. Die Kennzahl spiegelt wider, wie effizient mit dem eingesetzten verzinslichen Kapital gearbeitet wird. Sie wird bei vielen börsennotierten Aktiengesellschaften als oberste Kennzahl zur Unternehmenssteuerung genannt.
Der ROCE auf EBIT-Basis berechnet sich mit folgender Formel:
Der ROCE verwendet im Gegensatz zur Gesamtkapitalrentabilität nicht das gesamte Kapital als Bezugsbasis (im Nenner der Formel), sondern lediglich das verzinsliche eingesetzte Kapital (Capital Employed). Dazu zählt neben den verzinslichen Verbindlichkeiten auch das Eigenkapital, das mit der Renditeerwartung der Eigentümer „verzinst“ werden muss.
Wird das Capital Employed auf Durchschnittsbasis berechnet, sprechen manche Unternehmen auch vom ROACE (Return on Average Capital Employed).
Im Hinblick auf den Zähler der Formel kann man den ROCE in der Praxis in unterschiedlichen Varianten beobachten. Zum Einen wird als Erfolgsgröße das EBIT, zum Anderen auch das sog. NOPAT (Net Operating Profit After Taxes) verwendet. Beim NOPAT wird auf das EBIT noch der Ertragssteuersatz angewendet, d.h., es werden Ertragsteuern (berechnet auf das EBIT als Bemessungsgrundlage) vom EBIT abgezogen.
Beispiel ROCE auf EBIT-Basis:Das EBIT im Geschäftsjahr betrug im obigen Beispiel sowohl für Alternative 1 als auch Alternative 2 (d.h. unabhängig von der Finanzierungsstruktur) 450.000 Euro.
Das Capital Employed berechnet sich passivisch (vom Kapital aus betrachtet) als Saldo aus (hier für Alternative 1):
Wertpapiere des Umlaufvermögens*
D.h., es werden die verzinslichen Kapitalien aufaddiert und um die liquiden Mittel bereinigt. Das somit ermittelte, für die operative Geschäftstätigkeit benötigte Kapital beträgt 8.390.000 Euro*.
Das Capital Employed kann auch aktivisch (von den Vermögenswerten ausgehend) ermittelt werden:
Verbindlichkeiten aus L+L
Sonstige RSt
Das eingesetzte Kapital umfasst das Anlagevermögen sowie das Working Capital. Es ist somit der Saldo aus dem gebundenen Betriebsvermögen (bestehend aus Anlage- und Umlaufvermögen) und dem unverzinslichen Fremdkapital.
Hinweis: Teilweise setzen Unternehmen das abnutzbare Anlagevermögen nicht jeweils zu Buchwerten, sondern mit 50 Prozent der historischen Anschaffungskosten an, um die Kapitalrendite von der Abschreibungsmethodik bzw. Abschreibungsquote zu entkoppeln.
Der ROCE auf EBIT-Basis beträgt:
450.000 Euro / 8.390.000 Euro = 5,36 Prozent.
Da es sich beim EBIT um ein Ergebnis vor Abzug von Ertragsteuern handelt, erhält man eine Vorsteuerrendite (während die Gesamtkapitalrentabilität eine Nachsteuerrendite darstellt).
Alternativ wird auch das NOPAT im Zähler verwendet, so dass man eine operative Nachsteuerrendite erhält.
Es handelt sich um angepasste Steuern (Adjusted Taxes), d.h. es werden nicht die tatsächlichen Steuern (die durch den Tax Shield auf die Zinsen gemindert wurden), sondern die Steuern berechnet, die bei reiner Eigenkapitalfinanzierung bzw. ausschließlich auf das operative Ergebnis anfielen.
Beispiel ROCE auf NOPAT-Basis:Das EBIT im Geschäftsjahr betrug 450.000 Euro. Um das NOPAT zu ermitteln, wird auf dieses operative Ergebnis der Ertragsteuersatz angewandt*:
NOPAT = 450.000 Euro – 30 Prozent von 450.000 Euro = 315.000 Euro
ROCE auf NOPAT-Basis = 315.000 Euro / 8.390.000 Euro = 3,75 Prozent
Nunmehr handelt es sich um eine Nachsteuerrendite. Dabei wird als Erfolgsgröße das „versteuerte EBIT“ verwendet (wobei die tatsächliche Steuerbelastung des Unternehmens aufgrund der bei der obigen Berechnung ausgeklammerten Zinsaufwendungen und ggf. außerordentlichen Ergebnisse regelmäßig von dieser „fiktiven“ Steuerbelastung abweichen wird).
An dem Beispiel sieht man, wie sich die Renditen unterscheiden. Insofern ist bei Unternehmensvergleichen immer von Bedeutung, welche Kennzahl verwendet und wie sie im Detail berechnet wird.
Der ROCE steht in engem Zusammenhang mit einer wertorientierten, d.h. auf die Steigerung des Unternehmenswerts ausgerichteten Unternehmenspolitik.
Für eine Unternehmenswertsteigerung muss eine Rendite auf das eingesetzte bzw. gebundene Kapital erzielt werden, die über den damit in Zusammenhang stehenden Finanzierungskosten (für Eigenkapital und Fremdkapital) liegt.
Eine Verbesserung kann dann durch eine Steigerung der Kapitalrendite (ROCE) oder durch eine Verringerung der Kapitalkosten erzielt werden. Zusätzlicher (Unternehmens-)Wert (Value Added) wird erzielt, wenn die Kapitalrendite (hier gemessen als ROCE) die Kapitalkosten übersteigt.
Beispiel:Ein Unternehmen erzielt einen ROCE in Höhe von zehn Prozent. Die durchschnittlichen Kapitalkosten betragen acht Prozent. Das Kapital wird effizient eingesetzt, für die Anteilseigner wird eine Wertsteigerung erzielt.
Ein Problem des ROCE wird darin gesehen, dass das Capital Employed aus Buchwerten abgeleitet wird. Bei ansonsten gleichbleibenden Umständen erhöht sich das ROCE alleine dadurch oft schon von Jahr zu Jahr (wenn die Buchwerte des Anlagevermögens aufgrund von Abschreibungen sinken*).
Die Umsatzrentabilität ist eine der am weitest verbreiteten Kennzahlen, die die Effizienz und Ertragskraft eines Unternehmens bzw. deren Entwicklung im Zeitverlauf messen soll. Sie setzt zwei Größen der Gewinn- und Verlustrechnung in ein Verhältnis zueinander: der Gewinn (Jahresüberschuss nach Steuern) wird in Relation zu den Umsatzerlösen gesetzt.
Formel für Umsatzrentabilität:
Umsatzrentabilität =
Beispiel:Die Umsatzrentabilität für die obige Beispiels-GuV (Alternative 1) beträgt:
210.000 Euro / 2.000.000 Euro = 0,105 = 10,5 Prozent.
Eine Umsatzrentabilität von 10,5 Prozent bedeutet: wenn der Unternehmer 100 Euro einnimmt, dann verbleiben ihm 10,50 Euro Gewinn. Da der Gewinn im Wesentlichen* dem Umsatz abzüglich aller Aufwendungen entspricht, ist die Umsatzrentabilität ein Indiz für die Effizienz eines Unternehmens bzw. die Umsetzung des ökonomischen Prinzips: ein Ergebnis (hier: der Umsatz) soll mit möglichst wenig Aufwand (hier: Kosten) erzielt werden.
Beispiel:Die Umsatzrentabilität für die obige Beispiel-GuV (Alternative 2) beträgt:
175.000 Euro / 2.000.000 Euro = 0,0875 = 8,75 Prozent
Die Umsatzrentabilität ist wesentlich niedriger als bei Alternative 1 mit 10,5 Prozent; dies liegt aber ausschließlich in der Finanzierungsstruktur begründet; operativ sind beide Unternehmen gleich gut.
Eine positive oder gar hohe Umsatzrendite bedeutet noch nicht, dass das Unternehmen rentabel ist, da hierzu wiederum das eingesetzte Kapital (Eigenkapital oder Gesamtkapital) betrachtet werden muss. Umgekehrt kann auch mit niedrigen Umsatzrenditen eine hohe Kapitalrentabilität erzielt werden, wenn der Kapitalumschlag entsprechend hoch ist.
Eine hohe Umsatzrentabilität ist jedoch ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen hohe („Premium-“) Preise verlangen kann (z.B. ein Sportwagenhersteller) oder zu günstigen Konditionen produziert (z.B. ein Massenhersteller der Automobilbranche, der die Economies of Scale bzw. Größenvorteile eines globalen Konzerns ausnutzt).
Unternehmen sind insbesondere an der Entwicklung bzw. der Verbesserung der Umsatzrendite interessiert, während die absolute Größe von Branche zu Branche sehr unterschiedlich ist: Während Einzelhändler in der Regel eine niedrige Umsatzrendite in der Bandbreite ein bis fünf Prozent aufweisen, liegt diese bei Pharma-, Software- oder Internetfirmen teilweise bei 20 Prozent und mehr.
Da die Umsatzrendite in ihrer Ursprungsform den Gewinn im Zähler verwendet, vereinigt sie Effekte aus allen Ergebnisbereichen.
In dem obigen Beispiel (Alternative 1) sieht man, dass von dem Betriebsergebnis in Höhe von 450.000 Euro ein Großteil (250.000 Euro) durch Zinsaufwendungen absorbiert wird.
Gegenläufig wirken die erzielten außerordentliche Erträge (die per Definition einmaligen Charakter haben) und keinen operativen Bezug aufweisen.
Auch die von Land zu Land und von Rechtsform zu Rechtsform unterschiedlichen Ertragsteuern wirken sich auf den Gewinn, d.h. auf den Zähler der Formel, aus.
Beispiel:Angenommen, in dem obigen Beispiel (Alternative 1) würde der Staat den Steuersatz von 30 Prozent auf 15 Prozent senken. Der Gewinn betrüge dann 255.000 Euro und die Umsatzrendite entsprechend 12,75 Prozent, eine relative Steigerung um über 20 Prozent.
Die Grundaussage der Umsatzrentabilität bleibt zwar intakt: es verbleibt von 100 Euro mehr Gewinn für das Unternehmen. Dies ist jedoch nicht auf eine Effizienzverbesserung, sondern lediglich auf einen externen positiven Effekt für das Unternehmen zurückzuführen.
Aus diesen Gründen verwenden Unternehmen oftmals statt des Gewinns nach Steuern einen anderen Zähler für die Formel, z.B. das EBT (Ergebnis vor Steuern), das EBIT (Betriebsergebnis) oder das EBITDA (das aus dem Betriebsergebnis auch die Abschreibungen ausklammert).
Dadurch werden die beschriebenen Ergebniseinflüsse eliminiert, so dass operative Verbesserungen der Umsatzrendite (Senkung der betrieblichen Kosten, Produktivitätsfortschritte, Durchsetzen höherer Verkaufspreise etc.) herausgefiltert werden und die Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen mit anderer Finanzierungsstruktur oder anderen Steuersystemen gegeben ist.
Möchte man lediglich die (länder- und rechtsformspezifischen) Ertragssteuern außer Betracht lassen, verwendet man im Zähler der Formel den Jahresüberschuss vor Steuern.
Beispiel:Die Umsatzrentabilität auf Basis des Vorsteuerergebnisses für das obige Beispiel (Alternative 1) beträgt:
300.000 Euro / 2.000.000 Euro = 15 Prozent.
Setzt man hingegen der obigen Argumentation folgend das EBIT oder das EBITDA ins Verhältnis zum Umsatz, erhält man die EBIT-Marge bzw. die EBITDA-Marge als Alternativen zur Umsatzrendite, die „Verzerrungen“ durch Steuern, Finanzierungsstruktur und (bei der EBITDA-Marge) Abschreibungsmöglichkeiten ausblenden.
Beispiel:Die EBIT-Marge für das obige Beispiel (Alternative 1) beträgt:
450.000 Euro / 2.000.000 Euro = 22,5 Prozent.
Die Berechnung für Alternative 2 kommt zu demselben Ergebnis: Das operative Ergebnis ist in beiden Fällen gleich, in Alternative 2 sind jedoch höhere Finanzierungskosten zu tragen, die durch die EBIT-Marge ausgeklammert werden.
Eine EBIT-Marge von im Beispiel 22,5 Prozent lässt z.B. eine Einschätzung zu, wie sich eine Erhöhung des Umsatzes um einer Mio. Euro auf die operative Gewinnsituation des Unternehmens auswirkt.
Hinweis: Oftmals liegt die Erhöhung sogar darüber, da die Fixkostendegression bei wachsender Geschäftstätigkeit zum Tragen kommt.
Eine dauerhaft negative EBIT-Marge stellt die Sinnhaftigkeit bzw. Möglichkeit einer Unternehmensfortführung in Frage, da das operative Geschäft (das „Kerngeschäft“) nicht gesund ist.
Bei der EBITDA-Marge werden zudem noch die Abschreibungen herausgerechnet, da auch sie oftmals länderspezifisch unterschiedlich sind und ggf. steuerlich beeinflusst bzw. motiviert sind.
Auch die Rechnungslegung spielt eine große Rolle: Während ein (in manchen Fällen milliardenschwerer) Geschäfts- oder Firmenwert in der handelsrechtlichen Rechnungslegung planmäßig über in der Regel maximal fünf Jahre abgeschrieben wird (§ 246 Abs. 1 Satz 4 i.V.m. § 285 Nr. 13 HGB), gilt nach IFRS der Impairment-Only-Ansatz, wonach lediglich bei Bedarf außerplanmäßige Abschreibungen (sog. Wertminderungsaufwand) anfallen und den Gewinn mindern.
Beispiel:Die EBITDA-Marge für das obige Beispiel (Alternative 1 und Alternative 2) beträgt:
(450.000 Euro + 200.000 Euro) / 2.000.000 Euro =
650.000 Euro / 2.000.000 Euro = 32,5 Prozent.
In den Geschäftsberichten vieler börsennotierter Gesellschaften kann man beobachten, dass die EBIT-Marge oder EBITDA-Marge als eine der wesentlichsten Zielgrößen zur Steuerung der Unternehmen bzw. Konzerne festgelegt wird, an die dann z.B. auch die Vergütung des Managements gekoppelt ist.
Durch diese Margen lassen sich operative Verbesserungen wie z.B. das Durchsetzen höherer Preise, eine Absatzausweitung oder eine Einsparung von Material- oder Personalkosten im Zeitablauf erkennen.
Die Umsatzrendite hat hier das Problem, dass zahlreiche „nicht-operative“ Einflüsse hineinspielen.
An den Ergebnissen des Beispiels sieht man klar, welch unterschiedliche Höhe die Umsatzrenditen in ihrer jeweiligen Ausprägung aufweisen: für Alternative 1 kommt man von einer Umsatzrendite in Höhe von 10,5 Prozent über einer Vorsteuerumsatzrendite von 15 Prozent über eine EBIT-Marge von 22,5 Prozent zu einer EBITDA-Marge von 32,5 Prozent.
Insofern ist bei Vergleichen von Unternehmen wiederum darauf zu achten, wie die Umsatzrendite im weitesten Sinne seitens des jeweiligen Unternehmens definiert wird.

References: § 253
 § 19
 § 17
 § 249
 Art. 67
 § 249
 § 264
 § 285