Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Rechtsanwalt_muss_keine_Aufstockerleistungen_erstatten_ArbG_Cottbus_13Ca10477-13.html
Timestamp: 2017-02-23 04:47:12+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 13 Ca 10477/13
Lohnwucher, Hartz IV
13 Ca 10477/13 Verkündet
als Ur­kunds­be­am­ter/in der Geschäfts­stel­le
Job­cen­ter Ober­spree­wald-Lau­sitz, ge­mein­sa­me Ein­rich­tung der Agen­tur für Ar­beit Cott­bus und des Land­krei­ses OSL,... - Kläge­rin -
Rechts­an­walt Tho­mas Lan­ge,...
3. Der Streit­wert wird in der Höhe ei­nes Be­tra­ges von 2.400,00 Eu­ro fest­ge­setzt. - 2 -
Im Mai 2012 ermöglich­te der Be­klag­te es zwei lang­zeit­ar­beits­lo­sen Hil­fe­empfängern, die zu­dem auch körper­lich be­hin­dert sind, nämlich Herrn M.xxx und Frau L.xxx, je­weils ein be­rufsfördern­des Prak­ti­kum ab­zu­leis­ten, was zum In­halt ih­rer be­rufsfördern­den Wei­ter­bil­dungs­maßnah­me bei dem „Wirt­schafts­in­sti­tut M.xxx“ gehörte.Nach Be­en­di­gung des Prak­ti­kums bat Frau L.xxx den Be­klag­ten dar­um, sich bei ihm mit Bürotätig­kei­ten 100 Eu­ro hin­zu­ver­die­nen zu können, was ihr vom Be­klag­ten gewährt wur­de. Da­mit erfüll­te der Be­klag­te ei­ne Bit­te der Frau L.xxx, die ihm erklärt hat­te, dass ihr, wenn sie nichts zu tun hätte, zu Hau­se die De­cke über dem Kopf zu­sam­men­bre­che.Ob und wel­che Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Frau L.xxx und dem Be­klag­ten zur Beschäfti­gung ge­trof­fen wur­den, ist zwi­schen den Par­tei­en im Übri­gen strei­tig. Je­den­falls zeig­te Frau L.xxx, die wei­ter­hin Leis­tun­gen der Kläge­rin be­zog, un­ter dem Da­tum des 30. Au­gust 2012 die Auf­nah­me ei­ner Ne­ben­beschäfti­gung an und erklärte hier­zu auf amt­li­chem Vor­druck, mon­tags bis frei­tags von 08.00 Uhr bis 11.00 Uhr, je nach Be­darf auch nach­mit­tags, „dafür vor­mit­tags nicht“, im Be­trieb des Be­klag­ten all­ge­mei­ne Bürotätig­kei­ten aus­zuüben.Hier­bei hat­te der Be­klag­te der Frau L.xxx als Beschäfti­gungs­in­halt zu­ge­wie­sen, die für den nächs­ten Tag je­weils benötig­ten Hand­ak­ten her­aus zu su­chen und be­reit zu le­gen und ein­ge­hen­de Schrei­ben in die Ak­ten ein­zu­sor­tie­ren. Frau L.xxx nahm auch Post ent­ge­gen und quit­tier­te den Emp­fang der Sen­dun­gen.Für die Beschäfti­gung der Frau L.xxx be­stand beim Be­klag­ten kein ge­son­der­ter Be­darf, so dass er Frau L.xxx zusätz­lich auf ei­ner für sie ex­tra ge­schaf­fe­nen Stel­le in sei­nem Be­trieb auf­nahm, um ih­rem Wunsch, sich et­was hin­zu zu ver­die­nen ge­recht zu wer­den. Die der Frau L.xxx zu­ge­wie­se­nen Ar­beits­auf­ga­ben konn­ten je­der­zeit und pro­blem­los von den übri­gen - 3 -
Mit Schrei­ben der Kläge­rin vom 25. Ju­ni 2013 er­hob die­se dem Be­klag­ten ge­genüber aus über­ge­gan­ge­nem Recht je­weils Ar­beits­vergütungs­ansprüche un­ter Hin­weis dar­auf, dass die zwi­schen dem Be­klag­ten und den Ar­beit­neh­mern L.xxx und M.xxx je­weils ver­ein­bar­te Vergütungs­ab­re­de sit­ten­wid­rig, da­her nich­tig sei, der Be­klag­te in­fol­ge­des­sen die übli­che Vergütung schul­de, die in der Höhe bis zu dem­je­ni­gen Be­trag auf sie, die Kläge­rin, über­ge­gan­gen sei, zu wel­chem sie an die Ar­beit­neh­mer L.xxx und M.xxx Leis­tun­gen zur Hil­fe zum Le­bens­un­ter­halt er­bracht hat.Der Be­klag­te ver­wei­ger­te in­des­sen jeg­li­che Zah­lung.
Die Kläge­rin be­gründet ih­re An­trag­stel­lung da­mit, dass die im Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Frau L.xxx bzw. Herrn M.xxx und dem Be­klag­ten je­weils ver­ein­bar­te Vergütungs­ab­re­de nich­tig sei, weil die­se als Lohn­wu­cher sit­ten­wid­rig sei und so­mit an de­ren Stel­le ein An­spruch des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers auf die übli­che Vergütung tre­te.Hier­bei be­zieht sich die Kläge­rin auf die von den Ar­beit­neh­mern L.xxx und M.xxx ge­mach­ten An­ga­ben zur Ne­ben­beschäfti­gung, aus­weis­lich de­rer Frau L.xxx ge­gen ei­nen St­un­den­brut­to­lohn von 1,16 Eu­ro, Herr M.xxx zu ei­nem sol­chen von 1,78 Eu­ro beschäftigt wor­den sei­en.Da aber als übli­che Ar­beits­vergütung für die von den Ar­beit­neh­mern L.xxx und M.xxx aus­geübten Bürotätig­kei­ten min­des­tens 5,00 Eu­ro je St­un­de an­zu­set­zen sei­en, lie­ge die in­so­weit ver­ein­bar­te Vergütung um mehr als 1/3 un­ter der übli­chen Vergütung und erfülle dem­gemäß den Tat­be­stand des Lohn­wu­chers ent­spre­chend § 138 II BGB. Mit der Un­ter­schrei­tung der Vergütung um mehr als 50 % wer­de auch die wu­che­ri­sche Ge­sin­nung des Be­klag­ten in­di­ziert, so erklärt die Kläge­rin. Denn der Be­klag­te ha­be sich die Zwangs­la­ge - 4 -
der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zu Nut­ze ge­macht, ih­nen für ein viel zu nied­ri­ges Ar­beits­ent­gelt Ar­beits­leis­tun­gen ab­zu­ver­lan­gen.Hier­bei be­strei­tet die Kläge­rin ins­be­son­de­re die Be­haup­tung des Be­klag­ten, dass zwi­schen Frau L.xxx und ihm, dem Be­klag­ten, kei­ne kon­kre­te Ver­ein­ba­rung zu ei­ner Ar­beits­zeit ge­trof­fen wor­den, in­des­sen aber ei­ne Aus­schluss­klau­sel im Ar­beits­verhält­nis be­reits münd­lich ver­ein­bart ge­we­sen sei.Da ge­mes­sen an ei­ner übli­chen Vergütung von 5,00 Eu­ro je St­un­de statt der ge­zahl­ten 100,00 Eu­ro in­des­sen mo­nat­lich 300,00 Eu­ro ge­schul­det ge­we­sen wären, lei­tet die Kläge­rin ih­ren Zah­lungs­an­spruch auf Zah­lung der mo­nat­li­chen Dif­fe­renz zu je 200,00 Eu­ro für die Dau­er vom 01. Ju­li 2012 bis zum 30.06.2013 aus § 115 SGB X und da­mit aus über­ge­gan­ge­nem Recht ab.
Der Be­klag­te tritt den ihm ge­genüber er­ho­be­nen Zah­lungs­ansprüchen un­ter Hin­weis des­sen ent­ge­gen, le­dig­lich dem Wun­sche der Beschäftig­ten ent­spro­chen zu ha­ben, wo­bei es die­sen eben ge­ra­de auch dar­um ge­gan­gen sei, nicht mehr als 100 Eu­ro zu ver­die­nen, weil der Mehr­ver­dienst oh­ne­hin auf de­ren ALG II - Ansprüche an­ge­rech­net wor­den wäre.Dass der Mit­ar­bei­ter M.xxx bzw. die Mit­ar­bei­te­rin L.xxx je Ka­len­der­wo­che mit je 14 bzw. 15 St­un­den tatsächlich in sei­nem Kanz­lei­be­trieb tätig ge­we­sen sei­en, be­strei­tet der Be­klag­te und weist in­so­fern dar­auf hin, dass die von den Mit­ar­bei­tern er­brach­ten Leis­tun­gen für ihn kei­nen bzw. nur ei­nen ge­rin­gen wirt­schaft­li­chen Wert ge­habt ha­ben.Je­den­falls, so erklärt der Be­klag­te, könne ihm nicht un­ter­stellt wer­den, in „ver­werf­li­cher Ge­sin­nung“ ge­han­delt zu ha­ben, was ins­be­son­de­re be­reits dar­aus er­sicht­lich sei, dass er sei­ne übri­gen Beschäftig­ten zu ortsübli­chen Be­din­gun­gen ent­loh­ne. Sch­ließlich aber min­de­re sich die von der Kläge­rin auf­ge­mach­te For­de­rung be­reits des­halb, weil die Kläge­rin es ver­absäumt ha­be, den Frei­be­trag von mo­nat­lich 136 Eu­ro an- und ge­gen­zu­rech­nen, so dass al­len­falls je Ka­len­der­mo­nat je 44 Eu­ro ei­nem An­spruchsüber­gang un­terlägen. - 5 -
Die Par­tei­en ha­ben im Rah­men der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 09. April 2014 ih­re ge­gen­sei­ti­gen Rechts­stand­punk­te ergänzt und ver­tieft.Hin­sicht­lich der dies­bezüglich ab­ge­ge­be­nen Erklärun­gen so­wie hin­sicht­lich des wei­te­ren Sach- und Streit­stan­des wird auf das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 09. April 2014 als auch auf die zur Ge­richts­ak­te ge­reich­ten, ge­wech­sel­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst den je­weils bei­gefügten An­la­gen ergänzend und voll in­halt­lich Be­zug ge­nom­men.
2. Auf die Kläge­rin ist aber kein bis­lang nicht erfüll­ter Vergütungs­an­spruch der Frau - 6 -
a) Gemäß § 612 II BGB ist die taxmäßige und bei Feh­len ei­ner Ta­xe die übli­che Vergütung als ver­ein­bart an­zu­se­hen, wenn in ei­nem Ar­beits­verhält­nis die Höhe der Vergütung nicht be­stimmt ist.§ 612 II BGB gilt hier­bei auch in­so­weit, wie die Vergütungs­ver­ein­ba­rung im Ar­beits­verhält­nis rechts­un­wirk­sam und da­mit nich­tig ist und in­fol­ge des­sen er­satz­los entfällt.
b) Die Vergütungs­ver­ein­ba­rung im Ar­beits­verhält­nis der Frau L.xxx zum Be­klag­ten ist in­des­sen je­doch nicht nich­tig, sie ist nämlich nicht sit­ten­wid­rig im Sin­ne des § 138 I, II BGB. Gemäß § 138 I BGB ist ein Rechts­geschäft, wel­ches ge­gen die gu­ten Sit­ten verstößt, nich­tig. Nich­tig ist ins­be­son­de­re ein Rechts­geschäft, durch dass je­mand un­ter Aus­beu­tung der Zwangs­la­ge, der Un­er­fah­ren­heit, des Man­gels an Ur­teils­vermögen oder der er­heb­li­chen Wil­lens­schwäche ei­nes an­de­ren sich oder ei­nem Drit­ten für ei­ne Leis­tung Vermögens­vor­tei­le ver­spre­chen oder gewähren lässt, die in ei­nem auffälli­gen Miss­verhält­nis zu der Leis­tung ste­hen, § 138 II BGB.Die Rechts­fol­ge der Nich­tig­keit ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Vergütungs­ab­re­de steht da­mit un­ter der ob­jek­ti­ven Vor­aus­set­zung ei­nes auffälli­gen Miss­verhält­nis­ses zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung und setzt als sub­jek­ti­ven Tat­be­stand hierüber hin­aus die Ver­werf­lich­keit der Ge­sin­nung im Sin­ne ei­ner aus­beu­te­ri­schen Ab­sicht vor­aus (BGH vom 19.07.2002 - V ZR 240/01- NJW 2002, 3165).
c) In­so­weit ist mit der Kläge­rin im vor­lie­gen­den Fall zwei­fels­frei von ei­nem auffälli­gen Miss­verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung aus­zu­ge­hen, weil die Kläge­rin ent­spre­chend der An­zei­ge der Frau L.xxx über die Auf­nah­me ei­ner Ne­bentätig­keit da­von aus­ge­hen darf, dass die­se dem Be­klag­ten Diens­te in ei­nem Um­fang von bis zu 15 Wo­chen­stun­den leis­tet, für wel­che sie ei­ne mo­nat­li­che Vergütung von 100,00 Eu­ro erhält. Da­mit wird der ob­jek­ti­ve Tat­be­stand der Sit­ten­wid­rig­keit der Lohn­ab­re­de im Sin­ne des § 138 II BGB durch die Höhe der ge­zahl­ten Vergütung ein­deu­tig und un­zwei­fel­haft erfüllt. Denn die je St­un­de ge­zahl­te Ar­beits­vergütung un­ter­schrei­tet die von der Kläge­rin be­reits äußerst nied­rig mit 5,00 Eu­ro je Ar­beits­stun­de in An­satz ge­brach­te übli­che Vergütung um mehr als 50 %. - 7 -
aa) Zwi­schen den von Frau L.xxx zu­guns­ten des Be­klag­ten er­brach­ten Ar­beits­leis­tun­gen und der ih­rer­seits hierfür er­hal­te­nen Ar­beits­vergütung be­steht ein auffälli­ges Miss­verhält­nis, denn die in­so­weit je Ar­beits­stun­de er­brach­te Ar­beits­leis­tung ist nur mit 1,53 Eu­ro ent­gol­ten. Die­se Höhe des ge­zahl­ten Ent­gel­tes er­reicht kei­nes­falls den Wert von 2/3 des für die Tätig­keit ei­ner Büro­hil­fe übli­cher­wei­se ge­zahl­ten St­un­den­brut­to­loh­nes, wel­chen die Kläge­rin mit 5,00 Eu­ro brut­to je Ar­beits­stun­de und da­mit oh­ne­hin äußerst ge­ring an­ge­setzt hat.Denn der Wert der Leis­tung des Ar­beit­neh­mers be­stimmt sich ob­jek­ti­viert nach Maßga­be et­wai­ger für den be­tref­fen­den Wirt­schafts­zweig ver­ein­bar­ter Ta­ri­fe bzw. nach dem im je­wei­li­gen Wirt­schafts­raum für ei­ne sol­che Tätig­keit übli­cher­wei­se ge­zahl­ten Ent­gelts. So­weit die Kläge­rin in­so­fern von ei­nem mo­nat­li­chen Ge­halts­an­spruch ei­ner Büro­hilfs­kraft in Voll­zeit in der Höhe ei­nes Be­tra­ges von 866,65 Eu­ro brut­to aus­geht, ist die­se An­nah­me selbst dann nicht zu be­an­stan­den, wenn man berück­sich­tigt, dass die im länd­li­chen Bran­den­burg ge­zahl­ten Gehälter übli­cher­wei­se ge­rin­ger aus­fal­len und die von der Ar­beit­neh­me­rin Frau L.xxx er­brach­ten Leis­tun­gen nur von ge­rin­gem wirt­schaft­li­chen Nut­zen ge­we­sen sein soll­ten (vgl. BAG vom 22.04.2009 - 5 AZR 436/08 DB 2009 1599 - 1601; BAG vom 16.05.2012 - 5 AZR 268/11 - DB 2012 2048 - 2049; BAG vom 27.06.2012 - 5 AZR 496/11 Quel­le: ju­ris; LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 09.02.211 - 20 Sa 1430/10 -, Quel­le: ju­ris).Ei­ne St­un­den­brut­to­ar­beits­vergütung von nicht ein­mal 2 Eu­ro be­wegt sich hier­bei auf ei­nem Ni­veau, das außer­halb ei­nes je­den Verhält­nis­ses von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung steht. Denn die für ge­leis­te­te Ar­beit nur ge­zahl­te Vergütung von we­ni­ger als 2 Eu­ro je Ar­beits­stun­de ent­wer­tet die men­sch­li­che Ar­beits­leis­tung und birgt ob­jek­tiv de­ren Ge­ringschätzung der Ge­stalt in sich, die ein men­schwürdi­ges Da­sein des ar­bei­ten­den Men­schen und des­sen Recht auf freie Ent­fal­tung sei­ner Persönlich­keit ne­giert, Art 1 I, 2 I GG.
d) Un­ge­ach­tet vor­ste­hen­der Be­wer­tung des of­fen­sicht­li­chen Miss­verhält­nis­ses zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung war den­noch nicht auf die Sit­ten­wid­rig­keit der Vergütungs­ab­re­de im Ar­beits­verhält­nis der Frau L.xxx zum Be­klag­ten zu er­ken­nen, denn der sub­jek­ti­ve Tat­be­stand der Sit­ten­wid­rig­keit der Ver­ein­ba­rung ist vor­lie­gend nicht ge­ge­ben. Die - 8 -
aa) Mit der For­mu­lie­rung in § 138 II BGB: „...un­ter Aus­beu­tung der Zwangs­la­ge, der Un­er­fah­ren­heit, des Man­gels an Ur­teils­vermögen oder der er­heb­li­chen Wil­lens­schwäche ei­nes an­de­ren, sich oder ei­nem Drit­ten für ei­ne Leis­tung Vermögens­vor­tei­le ver­spre­chen oder gewähren lässt“ hat der Ge­setz­ge­ber als wei­te­re Vor­aus­set­zung der Sit­ten­wid­rig­keit des Rechts­geschäfts nor­miert, dass das rechts­geschäft­li­che Han­deln der struk­tu­rell über­le­ge­nen Ver­trags­par­tei durch ei­ne Ver­werf­lich­keit der Ge­sin­nung ge­tra­gen und be­glei­tet sein muss. Für die Erfüllung die­ser Vor­aus­set­zung ist die kläge­ri­sche Par­tei dar­le­gungs- und be­weis­be­las­tet, wo­bei ihr als Be­wei­ser­leich­te­rung die Ver­mu­tung des­sen dann zu Gu­te kommt, wenn die ver­ein­bar­te Ge­gen­leis­tung nicht ein­mal die Hälf­te des übli­cher­wei­se Ge­schul­de­ten er­reicht (BAG vom 16.05.2012 - 5 AZR 268/11 - a.a.O.; BAG vom 27.06.2012 - 5 AZR 496/11 - a.a.O. Rz. 13).Das Bun­des­ar­beits­ge­richt führt in vor­ge­nann­ter Ent­schei­dung vom 27.06.2012 aus, dass bei ei­nem be­son­ders gro­ben Miss­verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung, wel­ches dann an­zu­neh­men ist, wenn der Wert der Leis­tung min­des­tens dop­pelt so hoch ist, wie der Wert der Ge­gen­leis­tung, ein tatsäch­li­cher Schluss auf ei­ne ver­werf­li­che Ge­sin­nung des Begüns­tig­ten ge­zo­gen wer­den kann. Zur Be­haup­tung der ver­werf­li­chen Ge­sin­nung genügt in die­sem Fal­le zunächst al­lein die Be­ru­fung des Ar­beit­neh­mers auf die tatsächli­che Ver­mu­tung ei­ner ver­werf­li­chen Ge­sin­nung des Ar­beit­ge­bers, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt un­ter Be­zug­nah­me auf sei­ne Ent­schei­dung vom 16. Mai 2012 - 5 AZR 268/11 - Rz. 36.
bb) Die­se Ver­mu­tung ist je­doch im vor­lie­gen­den Sach­ver­halt in­fol­ge des von der Kläge­rin un­be­strit­te­nen und da­mit als un­strei­tig zu wer­ten­den Sach­vor­tra­ges des Be­klag­ten zu Grund und Mo­ti­va­ti­on des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses als erschüttert und in­so­fern als wi­der­legt an­zu­se­hen (vgl. BGH vom 19.07.2002 - V ZR 240/01 - NJW 2002, 3165).Denn der Be­klag­te hat der um ei­ne Zu­ver­dienstmöglich­keit nach­su­chen­den Frau L.xxx ei­nen Ge­fal­len ge­tan und nicht ih­re Zwangs­la­ge aus­ge­beu­tet, in dem er ihr die Möglich­keit eröff­ne­te, in sei­nem Be­trieb ei­ner Beschäfti­gung nach­zu­ge­hen und sich be­rei­terklärte, ihr hierfür je Ka­len­der­mo­nat ei­nen Be­trag in der Höhe von 100,00 Eu­ro brut­to = net­to zu zah­len. Zwar ist die Höhe die­ser Vergütungs­ver­ein­ba­rung in ers­te Li­nie durch die An­re­chen­bar­keit auf die durch die Mit­ar­bei­te­rin be­zo­ge­nen Trans­fer­leis­tun­gen be­stimmt und ge­schul­det, mit­hin die­se Ver­ein­ba­rung Züge ei­nes Ver­tra­ges zu Las­ten Drit­ter of­fen­bart. - 9 -
Nicht zu ver­ken­nen bleibt in­des­sen, dass sich der Be­klag­te mit der Beschäfti­gung der Frau L.xxx je­doch kei­nen zusätz­li­chen Vermögens­vor­teil ver­schafft, viel­mehr be­trieb­li­che Kos­ten ver­an­lasst, die sei­nen wirt­schaft­li­chen Ge­winn je Rechts­streit schmälern.Denn der Be­klag­te ist In­ha­ber ei­nes ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trie­bes ei­ner Rechts­an­walts­kanz­lei, in wel­chem er für die Be­ar­bei­tung der von ihm über­nom­me­nen Man­da­te ins­ge­samt sechs Voll­zeit­mit­ar­bei­ter und ei­ne Aus­zu­bil­den­de und in­so­fern of­fen­sicht­lich aus­rei­chend Per­so­nal vorhält. An­de­res ist we­der er­sicht­lich, noch von der Kläge­rin im Rechts­streit be­haup­tet wor­den.Mit der Beschäfti­gung der Frau L.xxx, für wel­che der Be­klag­te aus dem kanz­lei­in­ter­nen Ar­beits­vo­lu­men ex­tra ei­ne Stel­le ge­schaf­fen hat, auch sol­ches ist sei­tens der Kläge­rin un­be­strit­ten, bin­det der Be­klag­te da­mit nicht et­wa ab­zu­rech­nen­de Leis­tun­gen, die ihm ei­nen wirt­schaft­li­chen Vor­teil bräch­ten, son­dern erhöht le­dig­lich die Sum­me der Kos­ten je ab­zu­rech­nen­den Ho­no­rars und schmälert in­so­fern sei­nen Ge­winn aus der Ab­wick­lung der über­nom­me­nen Geschäfte.Hier­bei ist ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, dass der Be­klag­te die Mit­ar­bei­te­rin Frau L.xxx nicht an Stel­le ei­ner an­sons­ten ta­rif­gemäß beschäftig­ten Ar­beit­neh­me­rin oder ei­nes sol­chen Ar­beit­neh­mers ein­ge­stellt hat und da­mit nicht et­wa ei­nen re­gulären Ar­beits­platz durch ei­nen Hil­fe­bedürf­ti­gen er­setz­te, für wel­chen er le­dig­lich ei­nen mo­nat­li­chen Pau­schal­be­trag von 100,00 Eu­ro zu zah­len be­reit war.Un­strei­tig ist viel­mehr im vor­lie­gen­den Rechts­streit, dass der Be­klag­te für die Mit­ar­bei­te­rin Frau L.xxx ei­ne Stel­le in sei­nem Be­trieb zusätz­lich ge­schaf­fen hat, und ihr, der Frau L.xxx, Ar­beits­auf­ga­ben zu­wies, die durch die übri­gen Beschäftig­ten pro­blem­los hätten mit­er­le­digt wer­den können. Da in­so­fern der Be­trieb des Be­klag­ten mit sechs Voll­zeit­ar­beits­kräften und ei­ner Aus­zu­bil­den­den auf das Man­dats­vo­lu­men, wel­ches der Be­klag­te in sei­ner Kanz­lei ge­bun­den hat, ein­ge­rich­tet und aus­ge­rich­tet ist, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Be­klag­te die für den ord­nungs­gemäßen Geschäfts­be­trieb er­for­der­li­chen Stel­len auskömmlich be­setzt hat, und mit den Dar­le­gun­gen des Be­klag­ten kein wei­te­rer Ar­beits­be­darf in sei­ner Kanz­lei be­stand. Sol­ches ist sei­tens der Kläge­rin we­der be­strit­ten, noch mit ent­ge­gen­ste­hen­dem Sach­vor­trag un­ter­setzt wor­den.
Der Streit­wert war gemäß den §§ 61 I ArbGG in Ver­bin­dung mit den §§ 39, 40 GKG in Ver­bin­dung mit § 3 ZPO ent­spre­chend des wirt­schaft­li­chen In­ter­es­ses der Par­tei­en am Aus­gang des Rechts­streits fest­zu­set­zen. - 11 -
Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung. Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments im Sinn des § 46 c ArbGG über das Elek­tro­ni­sche Ge­richts- und Ver­wal­tungs­post­fach (EGVP) genügt. Vor­aus­set­zung hierfür ist das Vor­lie­gen ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur nach dem Si­gna­tur­ge­setz für die ver­ant­wor­ten­de Per­son. Recht­li­che Grund­la­ge ist die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr im Land Bran­den­burg vom 14.12.2006, zu­letzt geändert durch Ver­ord­nung vom 08.09.2010. Die Be­kannt­ga­be der Be­ar­bei­tungs­vor­aus­set­zun­gen er­folgt gemäß § 3 der ak­tu­el­len Ver­ord­nung auf der In­ter­net­sei­te - 12 -
Da­bei ist zu be­ach­ten, dass das Ur­teil mit der Ein­le­gung in den Brief­kas­ten oder ei­ner ähn­li­chen Vor­rich­tung für den Pos­t­emp­fang als zu­ge­stellt gilt.Wird bei der Par­tei ei­ne schrift­li­che Mit­tei­lung ab­ge­ge­ben, dass das Ur­teil auf der Geschäfts­stel­le ei­nes Amts­ge­richts oder ei­ner von der Post be­stimm­ten Stel­le nie­der­ge­legt ist, gilt das Schriftstück mit der Ab­ga­be der schrift­li­chen Mit­tei­lung als zu­ge­stellt, al­so nicht erst mit der Ab­ho­lung der Sen­dung.Das Zu­stel­lungs­da­tum ist auf dem Um­schlag der Sen­dung ver­merkt.
Wei­te­re Statt­haf­tig­keits­vor­aus­set­zun­gen er­ge­ben sich aus § 64 Abs.2 ArbGG : "Die Be­ru­fung kann nur ein­ge­legt wer­den,a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 Eu­ro über­steigt,c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oderd) wenn es sich um ein Versäum­nis­ur­teil han­delt, ge­gen das der Ein­spruch an sich nicht statt­haft ist, wenn die Be­ru­fung oder An­schluss­be­ru­fung dar­auf gestützt wird, dass der Fall schuld­haf­ter Versäum­ung nicht vor­ge­le­gen ha­be."
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References: § 138
 § 115
 § 612
 § 138
 § 138
 § 138
 § 138
 § 138
 BGH 
 § 3
 § 46
 § 3
 § 64