Source: http://palikanon.com/khuddaka/jataka/j472.htm
Timestamp: 2017-07-26 20:36:48+00:00

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Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 472. Die große Erzählung von Paduma (Maha-Paduma-Jātaka) [1]
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die junge Brahmanin Ciñcā. — In der ersten Zeit der Erleuchtung des mit den zehn Kräften Ausgestatteten nämlich waren seine Schüler zahlreich geworden; unermesslich viele Götter und Menschen waren zu einem edlen Zustande gekommen [2] und der Ursprung des Guten war begründet worden; daher war er zu großem Ansehen, Ehre und Ruhm gelangt. Die Lehrer der anderen Sekten aber waren glanzlos geworden wie Leuchtkäfer zur Zeit des Sonnenaufgangs [3]. Als so ihr Ansehen und ihre Ehre geschwunden war, stellten sie sich auf die Straßen und sagten zu den Leuten: „Ist nur der Asket Gotama der Buddha? Auch wir sind Buddhas [4]. Bringt nur das ihm Gegebene große Frucht? Nein, auch das uns Gegebene bringt große Frucht. Gebet auch uns, machet!“ Aber obwohl sie so die Leute zu bekehren suchten, erhielten sie ihr Ansehen und ihre Ehrung nicht wieder. Daher versammelten sie sich heimlich und überlegten: „Durch welches Mittel könnten wir den Asketen Gotama bei den Menschen in Unehre fallen lassen und so seinen Ruhm und sein Ansehen vernichten?“
Als nun zur Abendzeit der Vollendete auf der geschmückten Lehrkanzel Platz genommen hatte und die Lehre verkündigte, ging jene in die Lehrhalle, trat vor den Vollendeten hin und sprach: „Du großer Asket, du verkündigst jetzt viel Volks die Lehre. Süß ist deine Stimme und lieblich zu berühren sind deine Lippen. Ich aber habe von dir empfangen und die Leibesfrucht ist zur Reife gelangt; doch du hast für mich noch kein Haus zum Gebären hergerichtet, noch auch zerlassene Butter, Öl und andre Speisen. Indem du selbst nichts dafür tatest, hast du auch keinem von denen, die dir dienen, dem König von Kosala oder dem Anāthapindika oder der großen Laienschwester Visakha gesagt: ‘Tue dieser jungen Brahmanin, was sich zu tun gebührt.’ Du verstehst nur, dich zu erfreuen, für die Leibesfrucht zu sorgen, aber verstehst du nicht!“ So klagte sie den Vollendeten inmitten der Versammlung an, als habe sie einen Mistklumpen genommen und strenge sich an, damit den Glanz des Mondes zu beflecken. — Der Vollendete unterbrach seine Predigt und sprach, indem er wie ein Löwe brüllte: „Schwester, ob das von dir Gesagte wahr ist oder nicht, das wissen nur ich und du.“ „Ja, Asket“, versetzte Ciñcā, „dies ist so, dass nur du und ich es weiß.“
In diesem Augenblicke wurde der Sitz des Gottes Sakka heiß [5]; er dachte über die Ursache nach und merkte, dass die junge Brahmanin Ciñcā dem Vollendeten unwahre Vorwürfe gemacht habe. Er dachte: „Diese Geschichte will ich aufklären“, und kam mit vier Göttersöhnen herbei. Die Göttersöhne verwandelten sich in junge Mäuse und zerrissen mit einem Schlage die Schnüre, mit denen das Holzbündel um den Leib des Mädchens festgebunden war. Das Gewand, das sie darüber gezogen hatte, wurde von einem Windstoß in die Höhe gehoben; so fiel das Holzbündel auf den Rücken ihrer Füße herab und die beiden Fußspitzen wurden ihr zerschmettert. Da riefen die Leute: „Du Unglückskrähe, du hast den völlig Erleuchteten gescholten!“ Sie warfen Speichel auf ihr Haupt und trieben sie mit Erdschollen und Stöcken in den Händen aus dem Jetavana hinaus. Sobald sie aber aus dem Bereiche des Auges des Vollendeten gekommen war, barst die große Erde auseinander und öffnete sich. Aus der Avīci-Hölle kam eine Flamme hervor; diese legte sich ganz um ihren Körper herum wie ein von ihrer Familie geschenktes Gewand, so dass jene mitgerissen wurde und in die Avīci-Hölle stürzte. Dadurch ging für die Häupter der anderen Sekten der Ruhm und die Ehrung zugrunde, für den mit den zehn Kräften Ausgestatteten aber wuchs sie immer mehr.
§1. „Nicht ohne eines andern Schuld, ob klein ob groß, genau zu sehen,
soll Straf ein Herrscher je verhängen, wenn er es nicht hat selbst geprüft [9].
§2. Doch wenn ein Fürst, ohne zu prüfen, verhängt die Strafe, dieser gleicht
§3. Er straft den nicht zu Strafenden, nicht straft er den zu Strafenden,
§5. Nicht kann man durch einseit'ge Milde, nicht durch einseit'ge Strenge auch
§6. Verachtet wird, wer allzu milde, und Hass erwirbt, wer allzu streng:
und viel kann auch der Falsche reden; nicht darfst um eines Weibes willen, o König, deinen Sohn du töten.“
§8. „Die ganze Welt auf einer Seite und diese Frau steht ganz allein
§9. „In eine Hölle, die so tief war wie viele Palmen, schwer entrinnbar, wardst du geworfen in den Abgrund;
§10. „Ein starker Schlangenkönig dort voll Kraft, der in dem Berg geboren, er fing mich auf mit seinem Kamm;
§11. „So komm, ich will zurück dich führen ins eigne Haus, du Königssohn.
§12. „Wie, wer verschluckt hat einen Haken und ihn herauszieht voll von Blut,
§13. „Was sprichst du da von Angelhaken, wwas meinst du mit dem ‘voll von Blut’, was sagst du, dass heraus du zogest? Sage, es mir, der ich dich frage!“
§14. „Die Lust nenn ich den Angelhaken, Pferd, Elefant sind voll von Blut;
dies gab ich auf: ich zog 's heraus, so nannt' ich 's; merke dir 's, o König.“
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, hat mich diese auch früher schon angeklagt und ist dadurch in großes Verderben gestürzt“, und verband hierauf das Jātaka mit folgender Schlussstrophe:
§15. „Die junge Ciñcā war die Mutteruund Devadatta war der Vater;
Ānanda war die weise Schlangeund Sāriputta war die Gottheit,ich aber war der Königssohn.So kennt ihr dieses Jātaka.“
[1] Im Gegensatze zu der „kleinen Erzählung von Paduma“, Jātaka 193. „Paduma“ = „Lotos“.
[3] Dieser Ausdruck steht auch in der viele Ähnlichkeiten bietenden Erzählung von Sundari (in der Vorgeschichte zu Jātaka 285). [4] In der wörtlichen Bedeutung: „Erleuchtete“.
[10] Bei seiner Bestrafung empfand er nur Liebe für seine Peiniger; diese Höhe der Empfindung bringt übernatürliche Kraft hervor. Vgl. Jātaka 282 vor Strophe 1 und Jātaka 303 vor Strophe 1.
[11] Gemeint sind die Nāgas, göttliche Wesen in Schlangengestalt.

References: §1

§2

§3

§5

§6

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15