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Timestamp: 2018-10-22 05:13:46+00:00

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mediafon - der Ratgeber Selbstständige - Umsatzsteuerfreiheit bei Kleinunternehmen
Umsatzsteuerbefreit mit mehr als 17.500 € Umsatz – das geht auch!
Von welcher Rechnung an gilt die Umsatzsteuerpflicht oder -befreiung?
Nach § 19 Abs. 1 UStG wird die Umsatzsteuer nicht erhoben von Kleinunternehmern, deren Umsatz
im letzten Jahr nicht höher als 17.500 € war und im laufenden Jahr 50.000 € voraussichtlich nicht überschreiten wird bzw.
im Gründungsjahr voraussichtlich 17.500 € nicht überschreiten wird.
In der strengen Juristenlogik ist dies etwas anderes als eine "Steuerbefreiung" – da das aber in der Praxis keinen Unterschied macht, soll die Kleinunternehmer-Regelung hier im Folgenden dennoch als solche bezeichnet werden. Wer diese Befreiung in Anspruch nehmen will, braucht gar nichts zu tun: Sie gilt automatisch. Wer sie nicht will, weil er damit Geld verlieren würde, kann nach § 19 Abs. 2 auf die Umsatzsteuerbefreiung verzichten. Dazu genügt beim ersten Kontakt mit dem Finanzamt ein Kreuzchen auf dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung; wer es sich erst später überlegt, kann dem Finanzamt eine formlose Mitteilung schicken ("Ich verzichte hiermit auf die Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmer"), die dann jedoch fünf Jahre lang bindend ist. Ebenso gilt als fünfjähriger Verzicht auf die Regelung, wenn auch nur von einem einzigen Kunden Umsatzsteuer erhoben wird. (Ein leider ebenso beliebter wie oft teurer Fehler.)
Möglich ist ein Wechsel der Besteuerung immer nur zum Jahreswechsel: Wer die 17.500-€-Grenze überschreitet, wird erst mit dem Beginn des folgenden Jahres steuerpflichtig. Wessen Umsatz danach wieder unter 17.500 € fällt - dann allerdings inklusive der vereinnahmten Umsatzsteuer (!) -, ist vom nächsten 1.1. an erneut befreit (es sei denn, er hat im Verlauf der letzten fünf Jahre seinen Verzicht auf die Befreiung erklärt). Und Obacht: Diese Umsatzgrenzen muss man selber beobachten. Vom Finanzamt bekommt man keinen Hinweis, ab wann man steuerpflichtig wird!
Ein Verzicht auf die Steuerbefreiung nach § 9, Abs. 1 UstG ist ebenfalls nur zum Jahreswechsel möglich – aber auch rückwirkend: Wer merkt, dass er in den letzten Jahren mit Umsatzsteuerpflicht besser gefahren wäre, kann den Verzicht immer noch für alle Steuerjahre erklären, für die noch kein Steuerbescheid vorliegt und für Bescheide, "solange die Steuerfestsetzung für das Jahr der Leistungserbringung anfechtbar oder auf Grund eines Vorbehalts der Nachprüfung nach § 164 AO noch änderbar ist", wie das Finanzministerium im Schreiben vom 2.8.2017, III C 3 - S 7198/16/10001 erläutert. Normale Kunden sollten in solchen Fällen die Mehrwertsteuer für vergangene Jahre problemlos nachzahlen, wenn sie darum gebeten werden: Diese Zahlung kostet sie keinen Cent, da sie die wieder als Vorsteuer abziehen können.
Von welcher Rechnung an bei einem solchen Wechsel die Umsatzsteuer erhoben werden muss bzw. entfallen kann, steht in einem gesonderten Kapitel.
Die Befreiung von der Umsatzsteuer ist keine Befreiung von der Umsatzsteuererklärung. Die allerdings ist bei Kleinunternehmen sehr schnell erledigt. Im Kern geht es um fünf Zahlen: Zwei im Bereich B (Zeile 33 und 34 im Hauptvordruck für das Jahr 2017) sowie jeweils eine Null in der Berechnung (Zeilen 107-109). Und nochmal: Natürlich darf den Kunden in dem betreffenden Jahr keine Umsatzsteuer in Rechnung gestellt worden sein.
Die Steuerbefreiung – und auch der Verzicht – gilt immer für die Person der Unternehmerin, also für alle Geschäfte, die sie macht. Ein Aufsplitten ihrer Erwerbstätigkeit in einen umsatzsteuerpflichtigen und einen umsatzsteuerfreien Teil ist also nicht erlaubt – das gilt auch, wenn sie zwei verschiedene Gewerbe anmeldet oder sich an einer Firma deshalb beteiligt, um mittels geschickter Verteilung der Umsätze von der Kleinunternehmerregelung zu profitieren. Die Buchung eigener Umsätze bei einem nur formal verschiedenen Steuersubjekt ist "rechtsmissbräuchlich im Sinne des § 42 AO" urteilte etwa das Finanzgericht Rheinland-Pfalz im Herbst 2017 (Aktenzeichen 3 K 1461/16).
Wer nicht das ganze Jahr unternehmerisch tätig ist - etwa weil die Gründung nicht zum 1. Januar erfolgt - muss für die entsprechenden Monate die Jahresumsätze anteilig berechnen. Hier bestimmt § 19 UStG zum Ende des dritten Absatzes: "Hat der Unternehmer seine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit nur in einem Teil des Kalenderjahres ausgeübt, so ist der tatsächliche Gesamtumsatz in einen Jahresgesamtumsatz umzurechnen. Angefangene Kalendermonate sind bei der Umrechnung als volle Kalendermonate zu behandeln, es sei denn, dass die Umrechnung nach Tagen zu einem niedrigeren Jahresgesamtumsatz führt."
In bestimmten Berufen kann von den Vorteilen der Kleinunternehmer-Regelung trotzdem auch legal profitieren, wessen Gesamtumsatz über der Grenze von 17.500 € liegt – siehe dazu das nächste Kapitel.

References: § 19
 § 19
 § 9
 § 164
 § 42
 § 19