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Timestamp: 2016-10-28 02:46:37+00:00

Document:
1A.275/2000 (08.12.2000)
1A.275/2000/bie
D.________, z.Zt. in Auslieferungshaft, Bezirksgef�ngnis Z�rich, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Sylvain Maurice Dreifuss, Bahnhofstrasse 24, Postfach 5223, Z�rich,
Auslieferung an Argentinien - B 113597-ANS, hat sich ergeben:
A.- D.________, brasilianischer Staatsangeh�riger, wurde aufgrund eines vom 22. Dezember 1998 datierten Fahndungs- und Verhaftungsersuchens von Interpol Buenos Aires am 30. M�rz 2000 am Flughafen Z�rich-Kloten festgenommen und in provisorische Auslieferungshaft versetzt. Anl�sslich der am 30. M�rz 2000 erfolgten Einvernahme erkl�rte er sich mit einer vereinfachten Auslieferung an Argentinien nicht einverstanden.
Das Ersuchen vom 22. Dezember 1998 wurde durch Interpol Buenos Aires und die Botschaft der Republik Argentinien in Bern nachtr�glich mehrmals erg�nzt, letztmals mit diplomatischer Note vom 25. April 2000. Das Bundesamt f�r Polizei (BAP) stellte am 3. April 2000 gest�tzt auf den argentinischen Haftbefehl des 11. nationalen Strafgerichts erster Instanz von Buenos Aires vom 5. Juni 1995 den Auslieferungshaftbefehl aus und er�ffnete ihn am 4. April 2000 dem Verfolgten.
Mit diplomatischer Note vom 27. April 2000 �bermittelte die Botschaft der Argentinischen Republik in Bern das formelle Auslieferungsersuchen. Dem Verfolgten wird darin vorgeworfen, im Rahmen der Untersuchung des Sprengstoffanschlages, der am 18. Juli 1994 auf das j�dische Kulturzentrum der Asociacion Mutual Israelita Argentina (AMIA) in Buenos Aires ver�bt worden war und 86 Todesopfer sowie Hunderte von Verletzten gefordert hatte, falsche Zeugenaussagen gemacht zu haben. Nach der Darstellung im Ersuchen begab sich der Verfolgte am 19. Juli 1994 zum argentinischen Konsulat in Mailand, um Angaben zum Attentat zu machen. Am 24. August 1994 und am 13. Oktober 1994 erg�nzte er diese beim argentinischen Generalkonsulat in Sao Paulo, Brasilien.
In der Folge reiste er nach Argentinien, wo er am 12. November 1994 gegen�ber der Bundespolizei aussagte. Einen Teil dieser Aussagen soll der Verfolgte nach vorg�ngiger Zeugenbelehrung gemacht haben, wobei er - unter Hinweis auf die Strafdrohung bei falschen Zeugenaussagen - zur Wahrheit ermahnt worden sei. Anl�sslich der am 21. November 1994 durchgef�hrten Befragung durch das mit dem Attentat befasste Bundesstrafgericht in Buenos Aires widerrief der Verfolgte die fr�heren Aussagen mit der Begr�ndung, er habe damit nur finanzielle Vorteile erzielen wollen. Laut dem Ersuchen bestehen Hinweise, wonach der Verfolgte in Brasilien mit verschiedenen Pressevertretern in Kontakt getreten war und von einem Journalisten f�r einige Angaben zum Attentat Geld erhalten hatte.
Am 17. Mai 2000 erkl�rte der Verfolgte, sich der Auslieferung an Argentinien zu widersetzen, insbesondere weil er dort w�hrend der Untersuchungshaft um den Jahreswechsel 1994/95 misshandelt worden sei. Die von ihm mit Schreiben vom 25. und 30. Mai 2000 beantragte �rztliche Untersuchung zwecks Nachweis von Folterspuren wurde vom BAP abgelehnt. Am 12. Juni 2000 nahm der Verfolgte zum Auslieferungsersuchen Stellung und brachte vor, einer Auslieferung st�nden die fehlende doppelte Strafbarkeit des ihm zur Last gelegten Sachverhalts sowie der Umstand entgegen, dass er aus geheimdienstlichen Gr�nden gesucht werde und in Argentinien mit grosser Wahrscheinlichkeit gefoltert w�rde. Er reichte zwei �rztliche Zeugnisse ein, in denen das Vorhandensein von Folterspuren an Kopf, Schulterblatt und Geschlechtsteil und seine �rztliche Behandlung im M�rz 1995 in Sao Paulo best�tigt werden.
Auf entsprechendes Ersuchen des - seit dem 1. Juli 2000 f�r Auslieferungsfragen zust�ndigen - Bundesamts f�r Justiz (nachfolgend: Bundesamt) �bermittelte die Schweizer Botschaft in Buenos Aires am 21. Juli 2000 eine Stellungnahme zur Entwicklung der Menschenrechtslage in Argentinien seit 1995 sowie zur konkreten Foltergefahr f�r den Verfolgten.
Sie kommt darin zum Schluss, die Auslieferung k�nne unter den Voraussetzungen bewilligt werden, dass Argentinien konkrete Zusicherungen hinsichtlich der Sicherheit und der Wahrung der pers�nlichen Integrit�t des Verfolgten abgebe und der Botschaft zudem die M�glichkeit einr�ume, diesen w�hrend der Haft zu besuchen.
Die argentinische Botschaft in Bern �bermittelte am 8. August 2000 aufgrund einer entsprechenden Aufforderung seitens des Bundesamts verschiedene Garantien. Diese enthalten die Zusicherung, dass die Bestimmungen des Internationalen Pakts �ber b�rgerliche und politische Rechte vom 16. Dezember 1966 (UNO-Pakt II; SR 0.103. 2) auf das Strafverfahren gegen den Verfolgten angewendet w�rden. Nachdem das Bundesamt von der schweizerischen Botschaft in Buenos Aires eine Stellungnahme eingeholt hatte, forderte es die argentinischen Beh�rden mit diplomatischer Note vom 17. August 2000 zur Erg�nzung der Garantien auf. Gleichzeitig bot es dem Verfolgten Gelegenheit, sich zum Verfahren zu �ussern. Dieser machte geltend, die schlechte Bezahlung der Polizei habe in Argentinien zu Korruption und H�rte beim Gef�ngnispersonal gef�hrt. Ein erh�htes Folterrisiko bestehe zudem, weil ihm in mehreren Zeitungsberichten Homosexualit�t und Prostitution nachgesagt worden seien. Im Grunde diene der Vorwurf der Falschaussage den argentinischen Beh�rden nur als Vorwand, um Licht in das AMIA-Attentat zu bringen. Schliesslich sei die Auslieferung abzulehnen, weil die bisher erhaltenen Garantien nicht gen�gten.
Mit Note vom 31. August 2000 �bermittelte die argentinische Botschaft die vom Bundesamt zus�tzlich erbetenen Garantien. Darin sichert die Regierung der Republik Argentinien im Wesentlichen zu, den Verfolgten nicht in seiner physischen oder psychischen Integrit�t zu beeintr�chtigen und - unter den Bedingungen des entsprechenden Gef�ngnisreglements - jeder Person, welche die Schweiz in der Republik Argentinien vertritt, un�berwacht das Besuchsrecht zu gew�hren. Weiter garantiert das zust�ndige argentinische Gericht dem Verfolgten, bis zu zwei zugelassene Rechtsanw�lte seines Vertrauens zu bezeichnen, diesen uneingeschr�nkten Aktenzugang zu gew�hren und die Verhandlung m�ndlich und �ffentlich zu gestalten, so dass zu dieser sowie zum Schlusserkenntnis jede Person freien Zugang habe.
Der Verfolgte bezweifelte in seiner Stellungnahme die Einhaltung dieser Garantien und machte geltend, fr�here Folterungen st�nden einer Auslieferung entgegen.
B.- Das Bundesamt bewilligte die Auslieferung mit Entscheid vom 21. September 2000 f�r die dem Ersuchen vom 27. April 2000 zugrunde liegende Straftat und gest�tzt auf die folgenden von den argentinischen Beh�rden abgegebenen Garantien:
a) Die Republik Argentinien wird gegen�ber dem Verfolgten
die Verfahrensgarantien des UNO-Paktes
II respektieren.
b) Die Regierung der Republik Argentinien garantiert,
dass der Verfolgte keiner Behandlung unterzogen
wird, die seine physische oder psychische Integrit�t
beeintr�chtigen k�nnte. Die Haftbedingungen
des Verfolgten d�rfen w�hrend der Untersuchungshaft
oder Strafvollstreckung nicht wegen seiner
politischen Anschauungen und Aktivit�ten, wegen
seiner Zugeh�rigkeit zu einer bestimmten sozialen
Gruppe oder aus Gr�nden der Rasse, Religion oder
Volkszugeh�rigkeit erschwert werden.
c) Die Regierung der Republik Argentinien garantiert,
dass jede Person, welche die Schweiz in der Republik
Argentininen vertritt, berechtigt ist, den
Verfolgten - sofern dieser dazu sein Einverst�ndnis
abgibt - zu besuchen, ohne jegliche �berwachungsmassnahmen
und unter Einhaltung der Form
und der Bedingungen des f�r das entsprechende Gef�ngnis
anwendbaren Gef�ngnisreglements.
d) Das zust�ndige Gericht erkl�rt, dass der Verfolgte
das Recht hat, bis zu zwei zugelassene Rechtsanw�lte
seines Vertrauens zu bezeichnen, welchen uneingeschr�nkten
Zugang zu Feststellungen und Unterlagen
des Falles gew�hrt wird und davon mit dem
Original �bereinstimmende Kopien erhalten k�nnen.
W�hrend der Untersuchung und bis zur m�ndlichen
und �ffentlichen Verhandlung ist die Gew�hrung des
Zugangs zum Dossier auf den Verfolgten und dessen
Rechtsanw�lte beschr�nkt (Art. 204 der nationalen
Strafprozessordnung). Dies dient dem Schutz der
betroffenen Person, bedeutet aber nicht, dass diese
nicht Informationen betreffend Verfahren an Dritte,
z.B. einem konsularischen Vertreter der Schweiz,
weitergeben d�rfen. Hingegen ist die Verhandlung
m�ndlich und �ffentlich. Jede Person, also auch ein
konsularischer Vertreter der Schweiz, hat dazu sowie
zum Schlusserkenntnis freien Zugang.
In seiner Begr�ndung legt das Bundesamt dar, der im Ersuchen umschriebene Sachverhalt sei sowohl nach argentinischem als auch nach schweizerischem Recht strafbar.
Aufgrund der abgegebenen Garantien m�sse angenommen werden, der Verfolgte werde in Argentinien nicht misshandelt, und es werde ihn dort ein faires Verfahren erwarten. Weiter biete das Auslieferungsersuchen keine Anhaltspunkte f�r eine politische Verfolgung, und das staatsvertraglich vorgesehene Spezialit�tsprinzip gew�hrleiste, dass die Verfolgung nicht auf andere Deliktsvorw�rfe ausgeweitet werde, welche den Zeitraum vor der Auslieferung betr�fen.
C.- D.________ f�hrt gegen den Auslieferungsentscheid Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht. Er beantragt, er sei bei Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sofort aus der Haft zu entlassen, wobei ihm f�r das bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gew�hren sei.
Das Bundesamt beantragt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. In der Replik h�lt der Beschwerdef�hrer an seinen Antr�gen fest.
1.- a) Das Auslieferungsersuchen richtet sich nach dem zwischen der Schweiz und der Argentinischen Republik am 21. November 1906 abgeschlossenen Auslieferungsvertrag (AV; SR 0.353. 915.4). Das schweizerische Recht - namentlich das Bundesgesetz vom 20. M�rz 1981 �ber internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351. 1) und die dazugeh�rende Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351. 11) - kommt subsidi�r zur Anwendung, wenn eine staatsvertragliche Regelung fehlt oder die Voraussetzungen und Bedingungen der Auslieferung nicht abschliessend regelt (BGE 123 II 134 E. 5c; 122 II 140 E. 2 und 485 E. 1; 120 Ib 189 E. 2b mit Hinweisen).
Beim Entscheid �ber die beantragte Auslieferung ist auch den allgemeinen Prinzipien des V�lkerrechts und damit den Grundrechten Rechnung zu tragen, und zwar unabh�ngig davon, ob zwischen dem ersuchenden und dem ersuchten Staat ein Abkommen �ber die Zusammenarbeit in Strafsachen besteht oder nicht (s. Art. 35 Abs. 2 BV; BGE 123 II 595 E. 7c S. 617).
b) Gegen den angefochtenen Auslieferungsentscheid ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht zul�ssig (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG). Der Beschwerdef�hrer ist durch den fraglichen Entscheid ber�hrt und hat ein schutzw�rdiges Interesse an dessen Aufhebung oder �nderung, so dass er zur Beschwerde legitimiert ist (Art. 21 Abs. 3 IRSG, Art. 103 lit. a OG).
c) Das Bundesgericht ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Es pr�ft frei, ob die Voraussetzungen f�r die Gew�hrung der Rechtshilfe erf�llt sind, und in welcher Weise diese zu gew�hren ist (BGE 123 II 134 E. 1d). Als Rechtsmittelinstanz im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde pr�ft es die bei ihm erhobenen R�gen grunds�tzlich mit voller Kognition (BGE 124 II 132 E. 2d S. 138; 123 II 134 E. 1d; 122 II 373 E. 1c). Es ist dabei nicht gehalten, nach weiteren, der Auslieferung allenfalls entgegenstehenden Gr�nden zu forschen, die aus der Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 122 II 367 E. 2d, 134 E. 2a; 117 Ib 64 E. 2c, 53 E. 1c).
d) Zul�ssige Beschwerdegr�nde sind sowohl die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich �berschreitung oder Missbrauch des Ermessens als auch die R�ge der unrichtigen oder unvollst�ndigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 104 lit. a und b OG). In den Ermessensspielraum der Vollzugsbeh�rde greift das Bundesgericht nicht ein (Art. 104 lit. c Ziff. 3 OG; vgl. BGE 117 Ib 210 E. 3b/aa mit Hinweisen). Soweit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegeben ist, kann die Verletzung verfassungsm�ssiger Individualrechte mitger�gt werden (BGE 125 II 508 E. 3a; 124 II 132 E. 2a). Auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist in diesem Sinne einzutreten.
2.- Die Argentinische Republik und die Schweiz sind verpflichtet, einander diejenigen Personen auszuliefern, die wegen eines der in Art. II AV aufgef�hrten Verbrechens oder Vergehens verfolgt oder verurteilt sind (Art. I AV). Der im Auslieferungsersuchen erhobene Vorwurf der falschen Zeugenaussagen, f�r den das Bundesamt die Auslieferung bewilligt hat, ist in Art. II Abs. 1 Ziff. 15 AV als Auslieferungsgrund vorgesehen. Erf�llt ist auch das Erfordernis der beidseitigen Strafbarkeit nach Art. II Abs. 3 AV: Nach den Gesetzgebungen beider Vertragsstaaten kann eine falsche f�rmliche Zeugenaussage eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr nach sich ziehen (Art. 275 des argentinischen Strafgesetzbuches; Art. 307 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB; SR 311. 0]). Die Auslieferung des Beschwerdef�hrers wird ausschliesslich wegen dieses Deliktsvorwurfs verlangt. Aufgrund des Spezialit�tsprinzips (Art. VIII AV) darf der Beschwerdef�hrer nicht f�r andere, vor der Auslieferung begangene Delikte verfolgt werden.
3.- a) Art. 3 des �bereinkommens gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (UNO-�bereinkommen gegen Folter; SR 0.105), das seit dem 26. Juni 1987 sowohl f�r die Schweiz als auch f�r Argentinien in Kraft steht, verbietet den Vertragsstaaten die Auslieferung, wenn stichhaltige Gr�nde f�r die Annahme bestehen, dass die auszuliefernde Person im ersuchenden Staat Gefahr liefe, gefoltert zu werden (Ziff. 1). Bei der Feststellung, ob solche Gr�nde vorliegen, ber�cksichtigen die zust�ndigen Beh�rden alle massgeblichen Erw�gungen einschliesslich des Umstands, dass im betreffenden Staat eine st�ndige Praxis grober, offenkundiger oder massenhafter Verletzungen der Menschenrechte herrscht (Art. 3 Ziff. 2). Das Verbot der Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe ist auch in Art. 7 UNO-Pakt II vorgesehen. Das Bundesgericht ber�cksichtigt das Folterverbot als zwingende Regel des V�lkerrechts aber auch dann, wenn zwischen der Schweiz und dem ersuchenden Staat kein entsprechendes Abkommen besteht (vgl. BGE 122 II 373 E. 2d S. 379 f.; 117 Ib 64 E. 5f S. 91; 109 Ib 64 E. 6b/aa S. 72 f. mit Hinweisen).
b) Der Beschwerdef�hrer wirft dem Bundesamt vor, die Gefahr, dass er in Argentinien erneut gefoltert werden k�nnte, zu verharmlosen. Die von den argentinischen Beh�rden abgegebenen Garantien k�nnten ihn nicht vor Misshandlungen sch�tzen. Bei seiner Folterung im Winter 1994/95 h�tten ihm die - formell geltenden - Menschenrechte auch nicht geholfen.
Zudem ergebe sich aus dem Bericht vom 21. Juli 2000 der Schweizer Botschaft in Buenos Aires, dass homosexuelle Beschuldigte einer erh�hten Foltergefahr ausgesetzt seien.
Nachdem er in der argentinischen und brasilianischen Presse mit Homosexualit�t und Prostitution in Verbindung gebracht worden sei, m�sse auch er mit �bergriffen rechnen, und zwar unabh�ngig vom Wahrheitsgehalt dieser Darstellungen. Zum Beweis, dass ihn in Argentinien kein faires Verfahren erwarte, verweist der Beschwerdef�hrer auf einen Bericht aus der Neuen Z�rcher Zeitung vom 30. September/1. Oktober 2000, wonach die Polizei in den 90er-Jahren in Buenos Aires mittels F�lschung von Zeugenaussagen und Beweisen zahlreiche Unschuldige inhaftiert haben soll, um ihre Erfolgsstatistiken zu verbessern.
c) F�r die Beurteilung der allgemeinen Foltergefahr in den argentinischen Gef�ngnissen kann auf den Bericht der schweizerischen Botschaft vom 21. Juli 2000 abgestellt werden, der sich insbesondere auf Angaben der argentinischen Nichtregierungsorganisation Centro de Estudios Legales y Sociales (ONG CELS, Derechos Humanos en Argentina, Informe anual 2000, Buenos Aires, 2000, S. 234, 238), des Ausschusses gegen Folter der UNO (Report of the United Nations Committee against Torture of 16/09/98, S. 52 ff., Summary record of the 303rd meeting: Argentina, 14/11/97) und der Regierung der Vereinigten Staaten (US Country Report on Human Rights 1999, Washington, February 2000) st�tzt. Demnach m�ssen die Haftbedingungen in Argentinien wegen �berbelegung der Gef�ngnisse sowie mangelnder Hygiene und Betreuung allgemein als schlecht bezeichnet werden. Zu Gewalt soll es in den Gef�ngnissen oft zwischen den H�ftlingen selbst kommen. Das Gef�ngnispersonal behandle die Gefangenen tendenziell zwar hart; eigentliche Folter und Misshandlungen seien jedoch weit weniger verbreitet als bei den Polizeibeamten auf der Stufe der eigentlichen Verbrechensbek�mpfung, insbesondere auf dem Land. Die Ursachen f�r diesen Missstand l�gen einerseits in der mangelhaften Ausbildung sowie der schlechten Bezahlung des Personals, andererseits in gewissen Strukturen und Denkweisen, die noch in die Zeit der Milit�rdiktatur zur�ckreichten. 1993 sei das Amt des "Procurador Penitenciario" geschaffen worden, das dem Ministerium f�r Justiz und Menschenrechte unterstehe und haupts�chlich f�r die Untersuchung von Klagen wegen menschenrechtsverletzender Handlungen in der Haft zust�ndig sei.
Zwischen 1992 und 1995 seien 73 Anklagen gegen Polizisten und 8 Anklagen gegen Gef�ngnisaufseher erhoben worden. In 46 der F�lle sei es zu Verurteilungen gekommen, wobei allesamt Polizisten betroffen h�tten. Gem�ss dem erw�hnten Menschenrechtsbericht 2000 der ONG CELS, die auf das Thema der �bergriffe von Sicherheitskr�ften spezialisiert ist, sollen im November 1999 von den damals 6318 inhaftierten Personen 45 gestorben und 90 verletzt worden sein. Allerdings sei unklar, inwieweit sich hier die Gewalt unter den H�ftlingen ausgewirkt habe. Nach den Informationen, welche die schweizerische Botschaft diesbez�glich von der ONG CELS erhalten hat, soll sich der Beschwerdef�hrer anl�sslich der beiden Zeugenbefragungen vor den argentinischen Beh�rden nicht in Haft befunden haben. Denkbar sei allenfalls, dass er bei der Einvernahme durch die Policia del Orden Constitucional (POC), einer f�r die Staatssicherheit zust�ndigen Spezialeinheit der Polizei, gefoltert worden sei. Von einer allgemeinen und systematischen Anwendung von Folter oder anderer unmenschlicher Behandlung in den Gef�ngnissen oder im Polizeigewahrsam k�nne aber nicht gesprochen werden.
Diese Darstellung stimmt mit dem vom Beschwerdef�hrer eingeholten Bericht von Amnesty International, Schweizer Sektion, vom 25. Mai 2000 �berein, wonach die Misshandlungen im Polizeiverhaft auf dem Land vorherrschten und es der argentinischen Regierung trotz gewisser Bem�hungen weitgehend noch nicht gelungen sei, die f�rmlich garantierten Menschenrechte in der Wirklichkeit umzusetzen.
d) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gen�gt der Umstand, dass im ersuchenden Staat Folterungen gegen�ber Gefangenen vorkommen, f�r sich allein nicht, um die Auslieferung zu verweigern. Vorausgesetzt wird weiter, dass im konkreten Fall ernsthaft zu bef�rchten ist, der Verfolgte w�re unmittelbar und pers�nlich der Foltergefahr ausgesetzt (vgl. BGE 123 II 511 E. 5b; 122 II 373 E. 2a; 112 Ib 215 E. 7 S. 224; 109 Ib 317 E. 16c S. 337 f.). Dies entspricht auch der Praxis des Ausschusses nach Art. 17 UNO- �bereinkommen gegen Folter (vgl. die Ausf�hrungen des Ausschusses vom 19. Mai 1998, Ziff. 10.5., publ. in VPB 63/1999 Nr. 17 S. 1005).
Die schweizerische Botschaft erkl�rt in ihrer Stellungnahme vom 21. Juli 2000, die brasilianische Nationalit�t des Beschwerdef�hrers sei nicht als erh�hter Risikofaktor in Betracht zu ziehen; anders eine allf�llige Homosexualit�t, da sexuelle Minderheiten nach Angaben der ONG CELS eher misshandelt w�rden. Allerdings sei davon auszugehen, dass das grosse �ffentliche Interesse am AMIA-Fall dem Beschwerdef�hrer einen gewissen Schutz biete.
Das Bundesamt hat die Darlegungen des Beschwerdef�hrers �ber die ihm angeblich um die Jahreswende 1994/95 zugef�gten Misshandlungen ernst genommen. Gest�tzt auf seine glaubhaften Bef�rchtungen, im Falle der Auslieferung erneut gefoltert zu werden, hat es am 17. August 2000 erg�nzende Erkl�rungen zu den bereits erhaltenen Garantien eingeholt. Diese enthalten u.a. die Zusicherung, dass der Beschwerdef�hrer weder in seiner physischen noch psychischen Integrit�t beeintr�chtigt werde und von jeder Person, welche die Schweiz in Argentinien vertrete, un�berwacht besucht werden k�nne. Der Beschwerdef�hrer bringt vor, er sei in der Presse mit Homosexualit�t und Prostitution in Verbindung gebracht worden, was an sich schon die Foltergefahr erh�he. Dass sexuelle Minderheiten in Argentinien eher misshandelt w�rden als andere Gefangene wird auch in einem Bericht von Amnesty International vom April 2000 ("Argentina-Transvestite dies in detention", AI Index: AMR 13/04/2000) aufgezeigt. F�r die Misshandlungsgefahr d�rfte insofern tats�chlich das von den Medien geschaffene Bild ausschlaggebend sein. Allerdings ist nur in einem der vom Beschwerdef�hrer beigebrachten Zeitungsartikeln von Prostitution die Rede ("Pagina 12", 29. Juli 1999, S. 13); die �brigen Berichte enthalten keine entsprechenden Hinweise.
Wie es sich damit genau verh�lt, braucht jedoch nicht n�her abgekl�rt zu werden. Auch wenn dieser Einwand einer Auslieferung des Beschwerdef�hrers tendenziell entgegensteht, reicht er in Anbetracht der argentinischen Garantien nicht aus, um eine ernsthafte, pers�nliche Foltergefahr zu bejahen.
Aufgrund des v�lkerrechtlichen Vertrauensprinzips darf und muss davon ausgegangen werden, dass die zust�ndigen argentinischen Beh�rden alle notwendigen Vorkehrungen treffen werden, um die Zusicherungen einzuhalten und dem Beschwerdef�hrer ein menschenw�rdiges und faires Verfahren zu gew�hrleisten. Gegenteilige konkrete Anhaltspunkte liegen nicht vor. Zu Recht hat das Bundesamt auch darauf hingewiesen, dass die Publizit�tswirkung der Angelegenheit die Foltergefahr vermindere. Die schweizerische Botschaft in Argentinien hat sich zudem in mehreren Schreiben an das Bundesamt bereit erkl�rt, den Fall vor Ort weiterzuverfolgen.
Insgesamt l�sst sich daher nicht beanstanden, dass das Bundesamt auf n�here Abkl�rungen bez�glich fr�herer Folterungen des Beschwerdef�hrers verzichtet und die Auslieferung unter Auflagen bewilligt hat.
4.- Der Beschwerdef�hrer macht geltend, die argentinische Zusicherung, wonach er zwei zugelassene Rechtsanw�lte seines Vertrauens bezeichnen k�nne, denen uneingeschr�nkter Zugang zu den Unterlagen des Falles gew�hrt werde, umfasse nicht die unentgeltliche Rechtsverbeist�ndung und sei deshalb im Ergebnis wertlos.
Nach Art. 14 Abs. 3 lit. d UNO-Pakt II ist einem Angeklagten ein Verteidiger unentgeltlich zu bestellen, wenn dies im Interesse der Rechtspflege erforderlich ist. Aufgrund der Zusicherungen Argentiniens, den UNO-Pakt II anzuwenden und den Beschwerdef�hrer durch zwei zugelassene Verteidiger seines Vertrauens vertreten zu lassen, ergibt sich ohne weiteres, dass diesem zumindest einer der beiden Vertrauensanw�lte unentgeltlich beigegeben wird.
5.- Der Beschwerdef�hrer beantragt eine psychiatrische Begutachtung auch f�r den Fall seiner Auslieferung. Er verweist auf ein �rztliches Zeugnis von Matthias Hirrle, Psychiatrisch-psychologischer Dienst des z�rcherischen Justizvollzugs, vom 18. Oktober 2000, wonach allf�llige posttraumatische Belastungsst�rungen n�her untersucht werden m�ssten.
Allf�llige gesundheitliche Probleme des Beschwerdef�hrers m�ssen nach seiner Auslieferung in Argentinien behandelt werden. Der Beschwerdef�hrer hat auch als Strafgefangener ein Recht auf die notwendige medizinische Betreuung.
Argentinien hat sich in Art. 12 des Internationalen Pakts �ber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte vom 16. Dezember 1966 (UNO-Pakt I; SR 0.103. 1) verpflichtet, f�r die k�rperliche und geistige Gesundheit eines jeden mit den geeigneten Massnahmen Sorge zu tragen. Es erscheint nicht erforderlich, den Auslieferungsentscheid um entsprechende Auflagen zu erweitern, zumal der Beschwerdef�hrer auch in dieser Hinsicht die M�glichkeit haben wird, an die schweizerische Botschaft in Argentinien zu gelangen.
6.- Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Auslieferung zu bewilligen ist. Das Bundesamt hat der Auslieferung des Beschwerdef�hrers an den ersuchenden Staat unter verschiedenen von diesem zu beachtenden Bedingungen (lit. a - d des Dispositivs des angefochtenen Entscheids) zugestimmt. Das Bundesgericht hat in analoger Anwendung von Art. 80p Abs. 4 IRSG die G�ltigkeit dieser Garantien gepr�ft (BGE 123 II 511 E. 4b S. 516). Es liegen keine Anzeichen vor, wonach sich die argentinischen Beh�rden nicht an die massgebenden staatsvertraglichen Bestimmungen sowie die abgegebenen Garantien halten werden. Sollte sich nachtr�glich erweisen, dass die Auflagen nicht zureichend ber�cksichtigt werden k�nnen, h�tten die zust�ndigen schweizerischen Beh�rden die geeigneten Massnahmen zu treffen.
Demnach ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde abzuweisen und der Auslieferungsentscheid des Bundesamts vollumf�nglich zu best�tigen. Dem Gesuch um Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege ist zu entsprechen, da die Mittellosigkeit ausgewiesen ist und die Beschwerde nicht aussichtslos erscheint (Art. 152 OG).
b) Rechtsanwalt Dr. Sylvain Maurice Dreifuss, Z�rich, wird als amtlicher Anwalt des Beschwerdef�hrers bezeichnet und f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Bundesgerichtskasse mit Fr. 2'000.-- entsch�digt.

References: Art. 35
 BGE 
 Art. 25
 Art. 103
 BGE 
 Art. 307
 Art. 3
 Art. 7
 BGE 
 BGE 
 Art. 17
 Art. 14
 Art. 12
 Art. 80