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Timestamp: 2016-06-28 11:37:16+00:00

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[Titelseite] [Einleitung] Kapitel: 1 | 2 | 3 | 4 [Literaturverzeichnis] [Danksagung] [Eidestattliche Erklärung] Seite:123456789101112131415161718192021222324252627282930313233343536373839404142434445464748495051525354555657585960616263646566676869707172737475767778798081828384858687888990919293949596979899100101102103104105106107108109110111112113114115116117118119120121122123124125126127128129130 [Inhaltsverzeichnis] 1 Analyse der aktuellen kriminalpolitischen Situation
Sowohl individuelle Haltungen als auch Gruppeninteressen beeinflussen das Bedürfnis nach Pönalisierung bestimmter Verhaltensweisen maßgebend. Politische Stimmungslage und Bedrohungsgefühle der Bevölkerung bestimmen dabei die Entscheidung zugunsten des Strafrechtseinsatzes. Daraus folgt die Bedeutsamkeit der aktuellen kriminal­politischen Lage für den weiteren Gang der Arbeit.
Das aggressive Auftreten rechtsextremistischer bzw. überwiegend sich als solche gebärdender Gewalttäter, hat nunmehr schon seit Jahren seine „Blutspuren in die deutsche Gegenwartsgesellschaft“ gezeichnet.
Dabei handelt es sich um ein Thema, [Seite 2↓]das in der Öffentlichkeit breit diskutiert und als Problem zu Bewusstsein gebracht wurde. Politik, Medien und Wissenschaft haben sich mit diesem Phänomen in starkem Maße beschäftigt, was durch zahlreiche Publikationen der letzten Jahre deutlich erkennbar ist.
So konnte zu Beginn der 90er Jahre bundesweit eine Zunahme rechtsextremistischer Straftaten beobachtet werden, deren Zahl sich in der Mitte des zurückliegenden Jahrzehnts wieder nahezu halbierte. In den Jahren nach 1996 kam es zu einem erneuten Anstieg rechtsextremistischer Straftaten. Auch wenn im gegenwärtigen Zeitraum glücklicherweise keine Brandanschläge gegen Ausländer zu verzeichnen sind, gibt es keinen Grund zur Beruhigung, denn es kommt immer noch viel zu häufig zu Übergriffen auf Minderheiten. Die in diesem Zusammenhang erlangten empirischen Erkenntnisse sollen im Folgenden dargestellt werden, um einen Eindruck über die tatsächlichen Gegebenheiten zu gewinnen. Dies setzt zunächst eine Bestimmung des Untersuchungs­gegenstandes voraus.
Die Variationsbreite der Erscheinungsformen rechtsextremistischer und fremden­feindlicher Straftaten ist vielfältig, lässt sich jedoch grob nach zwei Zielrichtungen unterscheiden: zum einen handelt es sich um Kommunikationsdelikte oder auch politische Straftaten im herkömmlichen Sinne und zum anderen um Gewaltdelikte.
Um dem geplanten Umfang der Arbeit gerecht zu werden, soll auf die erste Deliktsform, zu der nationalsozialistische Propaganda, Verbreitung und Verwendung verbotener Kennzeichen, Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass zählen, nur am Rande Stellung genommen werden. Derartige Taten verletzen Straftatbestände, die Meinungs­äußerungen mit dem Ziel beschränken, den öffentlichen Frieden zu wahren und ein Wiederaufleben nationalsozialistischer Bestrebungen zu verhindern. In diesem Zusammenhang ist die Abgrenzung zu noch von Art. 5 GG umfassten politisch extremen, fremdenfeindlichen Äußerungen, die Menschen fremder Rassen und Kulturen ausgrenzen und zurückweisen, von strafrechtlich relevanten Äußerungen, bei denen die Minderwertigkeit der Betroffenen behauptet wird,
Im Mittelpunkt dieser Arbeit sollen rechtsextremistische / fremdenfeindliche Gewalttaten stehen, die sich gegen Menschen richten.
Eine begriffliche Klärung dieses Untersuchungs­gegenstandes soll insofern herbeigeführt werden, als dies für ein übereinstimmendes Verständnis notwendig ist. Eine umfassende inhaltliche und begriffsanalytische Diskussion über Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Rassismus kann an dieser Stelle jedoch nicht erfolgen.
Die hier in das Blickfeld gerückten Taten erhalten ihre „Besonderheit“ durch ihre Zielsetzung und ihre öffentliche Wirkung, wobei sie letztlich „neutrale“ Straftatbestände wie Tötungs-, Körperverletzungs-, Sprengstoff- und Brandstiftungsdelikte erfüllen. Es bietet sich nachfolgend an, die Definition der Gewalttaten durch die datenerhebenden Stellen zugrunde zu legen, da nach diesen Kriterien die Taten eingeordnet und registriert werden. Dabei handelte es sich bis zum Jahr 2000 um eine sehr enge Definition von „Gewalt“,
die sich auf den physischen Gewaltbegriff stützt. Für 2001 wurde der Bereich [Seite 3↓]der Gewalttaten auf Vermögens- und Widerstandsdelikte sowie gefährliche Eingriffe in öffentliche Verkehrsarten und Freiheitsberaubung erweitert.
Eine bundeseinheitliche Festlegung soll für eine gleichmäßige Datenerhebung sorgen.
Statistisch wurden bis zum Jahr 2000 Straftaten mit erwiesenem oder mutmaßlich rechtsextremistischem Hintergrund erfasst. Eine allgemeine Definition des Begriffs „Rechtsextremismus“, um das Vorliegen einer rechtsextremistischen Motivation zu klären, gestaltete sich schwierig.
So wurde in der Literatur gar von „Begriffskonfusion“
und „völlige[r] Unübersichtlichkeit“
gesprochen. Mit Zunahme der Forschungen lässt sich insoweit ein Konsens annehmen, als dass es sich um Einstellungen und Verhaltensweisen handelt, die das fundamentale Prinzip menschlicher Gleichheit kategorisch verneinen,
keine Achtung vor den Menschenrechten besitzen, ein totalitäres, national kollektivistisches System anstreben und unter Akzeptanz von Gewalt den Wertepluralismus einer liberalen Demokratie überwinden wollen.
Laut Statistik wurden zu den rechtsextremistischen Gewalttaten unter anderem fremdenfeindlich motivierte, antisemitische
sowie Gewalttaten gegen den politischen Gegner gezählt,
worunter auch Delikte mit politisch rechtsextremistischen Motiven gegen soziale Randgruppen deutscher Abstammung (z.B. Obdachlose, Homosexuelle, Behinderte) fielen. Für den Begriff der Fremdenfeindlichkeit
existiert seit März 1992 eine bundes­einheitliche Definition,
die jedoch nicht die Kriterien der sexuellen Orientierung und Behinderung des Opfers umfasst. Diese sollten jedoch im Anschluss an die Literatur [Seite 4↓]einbezogen werden, wonach unter Bezug auf interdisziplinäre Forschungen zur Migration als auch zur Entstehung und Verarbeitung von Vorurteilen der Begriff des Fremden aus der Perspektive des Täters gegenüber seinem Opfer über diese Definition hinaus bestimmt wird.
Die allein auf die rechtsextremistische Motivation abstellende eingeschränkte Definition des polizeilichen Lagebildes führte dazu, dass im Rahmen des Kriminalpolizeilichen Melde­dienstes nur solche Taten gemeldet wurden, die mit dem Ziel der System­überwindung gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet waren.
Daraus resultierende Diskrepanzen zwischen statistischen Erhebungen und außer­behördlichen Zählungen ließen Forderungen nach einer dringenden Änderung der Erfassungs­kriterien aufkommen.
Die tatverstärkende Wirkung rechter Ideologien, selbst wenn es sich nur um Fragmente handelte, wurde bei der Bewertung vieler Gewalttaten nicht angemessen berücksichtigt.
Vor diesem Hintergrund verständigten sich Bund und Länder mit Wirkung vom 01.01.2001 ein neues Definitionssystem der „politisch motivierten Kriminalität“ einzuführen.
Eine Tat gilt danach als politisch motiviert, wenn ihre Umstände oder die Einstellung des Täters darauf schließen lassen, dass sie sich gegen eine Person aufgrund ihrer politischen Einstellung, Nationalität, Volkszugehörigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung oder ihres äußeren Erscheinungsbildes bzw. ihres gesellschaftlichen Status richtet.
Zu den Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich „Politisch motivierte Kriminalität – rechts“ werden fremdenfeindliche, antisemitische sowie gegen (vermeintliche) Linksextremisten und sonstige politische Gegner gerichtete Taten gesondert erfasst.
Dieses System soll die Möglichkeit bieten, unter anderem neben extremistischen Straftaten auch politisch motivierte Gewalttaten und Hasstaten abzubilden.
Die Bewertung der Sachverhalte erfolgt nach der Qualität des Delikts, der objektiven thematischen Zuordnung der Tat, dem subjektiven Tathintergrund sowie möglichen internationalen Dimensionen und extremistischen Ausprägung der Tat.
Im Folgenden sollen der rechtsextremistische und fremdenfeindliche Beweggrund an Stelle der politischen Motivation genannt werden, um die rechte Orientierung heraus­zukehren. Diese gewählte Begrifflichkeit stimmt inhaltlich mit der Definition „politisch motivierter Kriminalität - rechts“ überein.
Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von einer rassistischen Einstellung gesprochen. Beim Begriff des Rassismus schwingt aufgrund der Geschichte Deutschlands ein bitterer Beiton mit, da er für eine wissenschaftlich unhaltbare Konzeption stand, nach der aus biologischer Perspektive Menschen verschiedenen „Rassen“ zugeordnet wurden. Von der herrschenden Meinung wird der Begriff der Rasse im soziologischen Sinne verstanden und gebraucht.
Danach bezieht er sich auf wahrnehmbare physische Unterschiede wie unveränderliche Merkmale, die vor allem sprachliche, historische und kulturelle Komponenten umfassen.
Die hier angestrebte Untersuchung rechtsextremistischer / fremdenfeindlicher (Jugend-) Gewalt lässt sich als eine spezifische Variante der bereits seit langem in der Öffentlichkeit, Wissenschaft sowie Rechtsprechung geführten Gewaltdiskussion darstellen, denn nur bei wenigen Tätern ist bekannt, dass sie einer rechtsextremistischen Partei/Organisation angehören oder Verbindungen zu diesen besitzen.
Der andauernde Diskurs
und die vielfältigen Erscheinungsformen von Gewalt führten zur Einberufung einer „Unabhängigen Regierungskommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt“ (Anti-Gewaltkommission), die sich auch politisch motivierter Gewalt - ihren Erscheinungs­formen und Möglichkeiten strafrechtlicher Intervention und Prävention - gewidmet hat, jedoch nicht auf von Rechtsextremisten ausgehende Gewalt besonders einging.
Dem schlossen sich kaum noch überschaubare Studien über Erscheinungsformen und Hintergründe rechtsextremistischer (Jugend-) Gewalt an, die auch Vorschläge ihrer Kontrolle in Form von Prävention und Repression unterbreiteten.
Dabei zeigt sich eine enorme Komplexität möglicher Ursachen für diese Gewalttaten,
so dass „Patentrezepte“ zur wirksamen „Bekämpfung“ schwerlich präsentiert werden konnten. Die Rolle des Strafrechts in diesem Zusammenhang gilt es hier zu untersuchen.
1.2 Empirische Erkenntnisse
Als zu Beginn der 90er Jahre eine deutliche Zunahme rechtsextremistischer und fremden­feindlicher Straftaten für alle sichtbar wurde, stieg auch das Interesse an der Sammlung von Daten zu diesem Thema. Die in Gang gesetzte gezielte Beobachtungs- [Seite 6↓]und Erfassungstätigkeit führte zu Erhebungen der Polizei (Bundes- und Landes­kriminalämter) und des Verfassungsschutzes. Des Weiteren liegen Dokumentationen
und Ergebnisse einzelner Forschungsprojekte
Forschungsberichte sind nur eingeschränkt nutzbar, da sie zeitlich und örtlich begrenzte Erkenntnisse zur Verfügung stellen. Bei behördlichen Datensammlungen müssen wiederum Verzerrungen beachtet werden.
So sind Probleme bei der Datenerfassung wie die Zuordnung entsprechend den Kriterien „fremdenfeindlich“ und „rechts­extremistisch“
bzw. jetzt dem Kriterium der politischen Motivation, ein unterschiedliches Melde- und Ermittlungsverhalten der Polizeidienststellen
sowie ein verändertes Anzeige­verhalten der Bevölkerung Faktoren, die ihre Aussagekraft begrenzen.
Zudem wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen, da viele der Geschädigten aus Furcht vor weiteren Übergriffen oder wegen einem nur geringen Vertrauen in die Polizei und auch sprachlicher Probleme die Straftaten nicht zur Anzeige bringen.
Mithin lässt sich lediglich ein grober Eindruck zur Beurteilung der Kriminalitätslage und –entwicklung rechtsextremistischer / fremdenfeindlicher Gewalttaten gewinnen.
Ein solches Lagebild können die jährlich vom Bundesministerium des Innern erstellten Gesamtstatistiken unter dem Titel „Rechtsextremistische Straftaten“ vermitteln.
Die Zahl der registrierten rechtsextremistisch orientierten Straftaten ist nach Angaben des Bundesinnenministeriums im Jahr 2000 im Vergleich zu 1999 (10.037) um knapp 59 % auf 15.951 angestiegen.
Im Jahr 2001 wurde im neu definierten Bereich der „politisch motivierten Kriminalität - rechts“ ein Rückgang von etwa 37 % auf 10.054 Taten mit extremistischer Motivation verzeichnet.
Bei 85 Prozent der Straftaten handelt es sich um so genannte Propagandadelikte oder das Verwenden von Kennzeichen verfassungs­widriger Organisationen. Bundesinnenminister Otto Schily wies darauf hin, dass der Anstieg der registrierten Straftaten im Jahr 2000 auf die öffentliche Debatte um den Rechtsextremismus nach dem Düsseldorfer Anschlag im August 2000 zurückzuführen sei, da diese eine erhöhte Anzeige-Bereitschaft der Bevölkerung und der Polizei nach sich gezogen habe.
Der Zuwachs an Gewaltdelikten mit rechtsextremistischem / fremdenfeindlichem Hintergrund von 1999 zu 2000 fiel - auf einem weitaus niedrigerem absoluten Niveau – [Seite 7↓]mit 34 % geringer aus: von 746 im Jahr 1999 auf 998 im Jahr 2000.
Hier haben Nach­ahmungstaten zu einem Anstieg beigetragen.
Für 2001 ist wiederum ein Rückgang von etwa 30 % auf 709 Gewalttaten festzustellen.
Im Bereich aller registrierten rechtsextremistischen / fremdenfeindlichen Vorfälle lässt sich für Gewalttaten seit 1994 ein konstanter Anteil von 6-8 % vermerken.
Eine Dokumentation von Vorfällen mit Todesopfern in Folge rechtsorientierter Gewalt von 1990 bis Juli 2000 lässt sich einer Sonderveröffentlichung von „Der Tagesspiegel“ und „Frankfurter Rundschau“ entnehmen.
Aufgenommen wurden Fälle, bei denen die Tat nachweisbar aus rechten Motiven, wozu auch der Hass auf „Andersartige“, „Fremde“ oder „Minderwertige“ gezählt wurde, begangen worden ist oder dafür plausible Anhaltspunkte bestanden haben. Dazu kamen solche Fälle, in denen der Täter nachweislich einem entsprechend eingestellten Milieu zuzurechnen und ein anderes Tatmotiv nicht erkennbar gewesen ist.
Danach ergibt sich für diesen Zeitraum eine Zahl von 93 Todesopfern.
Es konnte nachvollzogen werden, dass unter den zahlreichen ausländischen Opfern auch Obdachlose und Sozialhilfeempfänger waren, die von den Tätern als minderwertige Asoziale betrachtet wurden, gegenüber denen die Anwendung von Gewalt legitim und üblich sei.
Auch Punks und Linke sowie ein Homosexueller zählen zu den Opfern entsprechender Gewalttaten.
Nach offizieller polizeilichen Registrierung hat sich weiterhin ergeben, dass fremden­feindliche Taten typischerweise Gruppentaten sind, die von männlichen Jugendlichen oder Heranwachsenden
aufgrund spontaner Entschlüsse bei situativen Eskalationen ohne längere Planung und Vorbereitung begangen werden. Bei Brandanschlägen lässt sich dies jedoch nicht annehmen, da die Herstellung von Brandsätzen einer Vorbereitung bedarf und ein Planung voraussetzender gezielter Einsatz erfolgt. Hier ein spontanes Werfen anzunehmen, bei dem das Denken an die Konsequenzen blockiert ist, wäre eine verfehlte Bewertung.
Nach Einschätzungen des Verfassungsschutzes ist in den letzten Jahren der Bereich des „Rechtsextremismus“ durch eine deutliche Zunahme von Aktivitäten gekennzeichnet. Die [Seite 8↓]Entwicklung sei im wesentlichen durch eine zunehmende Vernetzung der einzelnen Organisationen und einem wachsenden Potential rechtsextremer Jugendlicher geprägt. Bundesweit aktiv ist die Skinhead-Gruppierung „Hammerskins“, der rund 100 Personen angehören
sowie etwa 150 neonazistische Kameradschaften, die Anlaufstelle für rund 2200 überwiegend junge Neonazis sind.
Rechtsextremistische Gruppen scheinen für einige junge Menschen besonders attraktiv zu sein.
Ohne die Taten verharmlosen zu wollen, zeigt sich eine deutliche Überschneidung zwischen üblicher Jugenddelinquenz bzw. jugendlicher Bandengewalt und fremdenfeindlicher Gewalt. Gewaltorientierte und kriminelle Banden werden aktiv, die bereits in anderen Bereichen strafrechtlich in Erscheinung getreten sind.
Es ist ein allgemeiner Anstieg gewaltbereiter Rechtsextremisten zu verzeichnen.
1.3 Kriminalpolitische Lage und Forderungen
Wie auf rechtsextremistische / fremdenfeindliche Taten zu reagieren ist, stand und steht im Mittelpunkt der Diskussion. Um die Verbreitung entsprechender Ideologien zu verhindern, kam es zu einem „Erwachen der gesellschaftlichen Gegenkräfte“ - eine Vielzahl staatlicher Repressionsmaßnahmen konnten beobachtet werden: Aufmärsche und Versammlungen wurden verboten, Vereinigungen wie „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“, „Deutsche Alternative“, „Nationale Offensive“, „Nationalistische Front“,
„Blood & Honour - Division Deutschland“ und „White Youth“ wurden aufgelöst.
Von 1992 bis 1995 lösten die Innenminister von Bund und Länder elf Vereine mit rechts­extremistischem Hintergrund auf.
Dass mit diesen Verboten allerdings hinsichtlich der Begehung von rechten Gewalttaten nichts erreicht werden konnte, zeigte deren Zunahme 1996. Die Szene konnte nach den ersten Verboten neue Strukturen bilden, insbesondere in den bereits erwähnten so genannten „Kameradschaften“ finden sich Anhänger entsprechender Vereine wieder.
Zwei weitere Vereinigungen wurden verboten: 1997 die „Kameradschaft Oberhavel“ und im August 2000 der „Hamburger Sturm“. Diese Zusammenschlüsse verfügen über eine interne Hierarchie,
bei der es sich um informelle Strukturen handelt. Bei größeren Formen ist zudem eine politische und paramilitärische Professionalisierung zu beobachten.
Dennoch wurde und wird hier nicht an eine mögliche Strafbarkeit der Mitglieder gemäß § 129a StGB gedacht. Dahinter steht die Befürchtung, diese Vereinigungen durch eine Einordnung als terroristische Vereinigung i.S.v. § 129a StGB für potentielle Mitglieder noch reizvoller werden zu lassen. Mit dem Verbot des deutschen Ablegers der Skinhead Vereinigung „Blood & Honour“ und ihrer Jugendorganisation „White Youth“ wurde versucht, der Verbreitung von rechtsextremer Skinhead-Musik entgegenzuwirken. Von den Anhängern war ein: „Jetzt erst recht“ zu hören, aber zumindest ist die Zahl veranstalteter Skinhead-Konzerte [Seite 9↓]rückläufig.
Ein derartiges Verbot vermag freilich nicht die Nachfrage Jugendlicher in Bezug auf rechtsextreme Musik unterbinden, zumal im Ausland produzierte CDs nach wie vor gehandelt werden.
Bundesweit ließen sich auch Aktivitäten der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)“ und ihrer Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten (JN)“ in verstärktem Maße verzeichnen, die zu heftigen öffentlichen Debatten führten. Unter der Titelzeile „Aufmärsche rechter Parteien an symbolträchtigen Orten“ erschienen zahlreiche Artikel in der Presse. Da die NPD gegenüber den anderen rechten Parteien zudem als besonders militant gilt, wurde durch die Bundesregierung am 30.01.2001
ein nicht unumstrittener Verbotsantrag gegen die NPD vor dem Bundesverfassungsgericht eingereicht.
Am 30.03.2001 stellten Bundestag und Bundesrat entsprechende Anträge. Kritiker befürchteten, dass die NPD durch eine Ablehnung des Antrags noch aufgewertet werden könnte. Zudem bestand die Besorgnis, dass es nach einem möglichen Verbot zu terroristischen Aktionenkommen könnte.
Das Verfahren wurde aus prozessualen Gründen eingestellt. Der Einsatz von V-Leuten auf der Führungsebene hat zu einem nicht behebbaren Verfahrenshindernis geführt, da auf die Willensbildung und Tätigkeit der Antragsgegnerin Einfluß genommen werden konnte und eine freie Selbstdarstellung der Partei nicht möglich war.
Von besonderem Interesse für diese Arbeit sind die kriminalpolitischen Forderungen nach einem Einsatz des Strafrechts. Diese werden zum einen auf der Ebene der Straf­zumessungspraxis gestellt, zum anderen wird die Schaffung neuer Tatbestände in Betracht gezogen. Bereits im Juni 1993 gab der Bundeskanzler eine Regierungs­erklärung ab,
wonach künftig das Straf- und Strafprozeßrecht rechtsextrem motivierte Gewalt härter sanktionieren werde.
Aus allen politischen Lagern stammen Forderungen an die Strafjustiz, hart durch­zugreifen – eine verstärkte Anwendung des Strafrechts wird verlangt, um gegenüber rechten Gewalttätern Härte zu zeigen. So seien „eisenharte“ Reaktionen im Rahmen der bestehenden Gesetze,
ein unnachgiebigeres Vorgehen der Richter,
schnellere Prozesse und eindeutigere Urteile
sowie eine konsequente Umsetzung bestehender Vorschriften
notwendig. Es bedürfe einer schnellen und unmittelbaren [Seite 10↓]strafjustiziellen Reaktion, da die Erfahrung einer solchen Reaktion des Rechtsstaates im Sinne general­präventiver Zeichensetzung von Bedeutung sei. Es wurde sogar die Forderung gestellt, spezielle Schnellgerichte für rechts- und linksextremistische Gewalttäter einzuführen.
Die Gefahr von rechtsstaatswidrigen „kurzen Prozessen“ wird übersehen, obwohl eine Verkürzung der Verfahrensdauer grundsätzlich bereits durch die Wahl des beschleunigten Verfahrens möglich ist. Aber auch dies wäre problematisch, da sich derartige Sachverhalte kaum für ein solch schnelles Verfahren eignen - umfangreiche Ermittlungen sind notwendig, um die Hintergründe der Tat, das Umfeld des Täters und seine Tatmotivation aufzuklären. Besonders bei jungen Menschen, die Straftaten fremdenfeindlich-gewalttätiger Natur begehen, wird ein schnelles Reagieren gefordert.
So sei weniger das Strafmaß von Bedeutung als die Erfahrung der unmittelbaren und schnellen Reaktion des Rechtsstaates zum Schutz betroffener Menschen.
Hier stehe eine „generalpräventive Zeichensetzung“ im Mittelpunkt.
Weiter wird ein verstärkter Einsatz von Strafrecht im Sinne einer neuen strafrechtlichen Regelung gegen fremdenfeindlich motivierte Gewalt und rechtsextremistische Täter gefordert. So wird angeregt, rassistisches Handeln nach dem Vorbild der Gesetze gegen „hate crimes“ in den USA unter Strafe zu stellen.
Die Forderungen nach einem „Strafzuschlag“ werden damit begründet, dass nicht nur ein einzelner Mensch angegriffen werde, sondern ganze „Minderheitengruppen“ eingeschüchtert würden.
Die Politik solle ein Zeichen setzen, denn es gehe darum, das gezielte Vorgehen des deutschen Staates gegen diese Gewaltentwicklung eindeutig zum Ausdruck zu bringen.
Es kämen „nur Sprüche von rechts und links“, deshalb müsse endlich eine „praktische Solidarität“ durch Schaffung eines „hate crime“ Straftatbestandes gezeigt werden.
Auf der Länderebene sind in diesem Zusammenhang zahlreiche Gesetzesinitiativen gestartet worden.
Brandenburgs ehemaliger Justizminister Kurt Schelter (CDU) hat den „Entwurf eines Gesetzes zur verbesserten Bekämpfung extremistischer Gewalttaten und anderer [Seite 11↓]extremistischer strafbarer Handlungen“,
der auf Strafrechtsverschärfungen und Prozess­änderungen abzielt, in den Bundesrat eingebracht. Dieser Entwurf sieht eine Erhöhung des Strafrahmens für rechtsextremistische Straftaten durch die Schaffung einer neuen Regelung im Bereich der Körperverletzungsdelikte (§ 224a StGB - Körper­verletzung aus niedrigen Beweggründen) sowie einen eigenständigen Haftgrund vor. Eine Körperverletzung aus rassistischen Motiven müsste danach stets mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Haft geahndet werden, mit der Folge, dass Spielräume des Richter bei der Urteilsfindung im Bereich der Strafbemessung eingeengt werden. Dieser Vorschlag soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit auf seine juristische Berechtigung hin überprüft und bewertet werden.
Die Ausländerbeauftragte Berlins, Frau Barbara John, möchte darüber hinaus ausschließen, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann.
Auf Initiative des Landes Baden-Württemberg hat der Bundesrat in einem Beschluss zunächst hervorgehoben, dass das bestehende strafrechtliche Instrumentarium grundsätzlich ausreichend sei, um rechtsextremistisch und fremdenfeindlich motivierten Straftaten mit der nötigen Konsequenz zu begegnen.
Um jedoch die Bekämpfung des Rechtsextremismus punktuell zu optimieren, bedürfe es einer verstärkten Anwendung von Erwachsenenstrafrecht auf Heranwachsende
und der Einführung eines isolierten Fahrverbotes als Hauptstrafe bei Delikten, die in Zusammenhang mit der Benutzung eines Kraftfahrzeugs stehen.
Weitere Forderungen beziehen sich auf die Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze von 14 auf 12 Jahre und auf eine Anhebung der Höchststrafe von 10 Jahren Jugend­strafe.
Politische Forderungen ergeben sich auch aus internationalen Verpflichtungen, die in diesem Zusammenhang aufgezeigt werden sollen.
In den 60er Jahren kam es in ganz Europa zu antisemitischen Ausschreitungen,
die nationale und internationale rechtliche Regelungen (mit)veranlassten. Auf internationaler Ebene erfolgte 1963 die Erklärung der Generalversammlung der Vereinten Nationen über „Die Beseitigung aller Formen von Rassendiskriminierung“ und am 21.12.1965 die Annahme des „Internationalen Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung“,
das am 4.1.1969 von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet wurde und damit in Kraft trat.
Diese Konvention richtet sich an den nationalen Gesetzgeber mit der Verpflichtung, die Rechtsordnung „rassen­diskriminierungsfrei“ zu gestalten. Erstmals wird in Art. 2 Abs.1 lit.d und Art. 4 der Konvention vorgesehen, jedes rassendiskriminierende Verhalten von Privatpersonen (mit [Seite 12↓]den Mitteln des Strafrechts) zu verbieten bzw. zu beenden und jedes Aufreizen zur Rassendiskriminierung in einer Reihe von qualifizierten rassendiskriminierenden Akten der Propaganda unter Strafe zu stellen.
Die Strafbemessung überlässt die Konvention den einzelnen Staaten. Art. 8 ff. der Konvention eröffnet ein Verfahren, mit dem ein Ausschuss der Vereinten Nationen und ggf. eine mit den betroffenen Staaten in Verhandlung tretende Vergleichskommission durch Unterrichtung der Organe der UN und aktives Handeln gegenüber Staaten, die das Abkommen verletzen, tätig werden.
In Deutschland wurde über die Einführung einer neuen Strafnorm zur Sanktionierung von Angriffen auf die Menschlichkeit und den Rechtsfrieden diskutiert, was in eine Änderung von § 130 StGB mündete.
Mit der so entstandenen Regelung der Volksverhetzung (§ 130 StGB) und dem Straftatbestand der Aufstachelung zum Rassenhass (§ 131 StGB a.F.) sowie dem im Grundgesetz normierten Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 3 GG) kommt die Bundesrepublik nach Erklärung der Bundesregierung ihrer vertraglichen Verpflichtung nach.
Aus präventiven Gesichtspunkten ist das Verbot rassendiskriminierender Äußerungen nötig, um dem Entstehen eines gesellschaftlichen Klimas entgegenzuwirken, das Gewaltbereitschaft fördert und die Toleranz gegenüber entsprechenden Gewalttaten erhöht.
Der UNO-Ausschuss zur Beseitigung jeder Form von rassistischer Diskriminierung - „Commitee on the Elimination of Racial Discrimination“ - übt die Kontrolle der Einhaltung der völkerrechtlichen Verpflichtungen aus dem UNO-Übereinkommen vom 21.12.1965 aus. Er erteilte im August 1993 vor dem Hintergrund der Gewaltexzesse in Hoyerswerda (18.09.1991), Hünxe (02.10.1991), Rostock (22./23.08.1992), Mölln (23.11.1992) und Solingen (29.05.1993) der Bundesrepublik die Empfehlung, sie solle die Umsetzung des UNO-Übereinkommens durch weitere gesetzliche Regelungen ergänzen.
So könne aus der Sicht des Ausschusses deutlich gemacht werden, dass für deutsche Behörden Rassendiskriminierung absolut inakzeptabel sei.
Die Schaffung besonderer Straf­vorschriften wurde 1995 von der „Kahn-Kommission“ in ihrem Bericht an das Europäische Parlament befürwortet.
Die PDS/Linke Liste setzte mit dem Entwurf eines Gesetzes gegen Rassismus und die Diskriminierung ausländischer Bürgerinnen und Bürger - Antirassismusgesetz - 98
diese Forderung um, jedoch ohne politischen Erfolg.
Heute gibt es von Seiten der SPD und Grünen Bestrebungen, ein Antidiskriminierungs­gesetz zu erlassen, da der gesetzliche Schutz gegen Diskriminierungen als lückenhaft und unzureichend angesehen wird. Nach dem Gesetzesvorschlag der SPD vom 09.03.1998
darf niemand insbesondere wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und seiner Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen, seiner Behinderung oder seiner sexuellen Identität benachteiligt werden. Der Entwurf von Bündnis 90 / Die Grünen vom 20.01.1998
sieht vor, dass niemand insbesondere [Seite 13↓]wegen seiner tatsächlichen oder vermeintlichen (a) ethnischen Abstammung, Herkunft oder Zugehörigkeit, Hautfarbe, Nationalität, religiösen Anschauungen oder (b) sexuellen Identität oder (c) Behinderung diskriminiert werden darf. Dem Entwurf der SPD und Art. 3 Abs.3 GG vergleichbare Kriterien wie z.B. das Geschlecht, wollte die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen nicht berücksichtigen, da insoweit andere Gesetzesinitiativen ergriffen worden seien bzw. noch bestehender Regelungsbedarf nicht unter dem „Vorwand“ der Minderheitenrechte zu regeln sei. Beide Gesetzesvorschläge landeten jedoch unberührt in der Schublade.
Im Jahr 2000 hat der Rat der Europäischen Union zwei Gleichbehandlungsrichtlinien verabschiedet, die bis 2003 von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden müssen. Zum einen geht es um die „Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft“
und zum anderen soll ein allgemeiner Rahmen „zur Bekämpfung der Diskriminierung wegen der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung in Beschäftigung und Beruf“ festgelegt werden.
Die zuerst genannte Richtlinie stellt klar, welche Verhaltens­weisen als Diskriminierung zu werten sind. Dabei sind neben unmittelbaren Diskriminierungen: „[...] wenn eine Person aufgrund ihrer Rasse oder ethnischen Herkunft in einer vergleichbaren Situation eine weniger günstige Behandlung als eine andere Person erfährt [...]“, auch die mittelbaren erfasst, die vorliegen „[...] wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen, die einer Rasse oder ethnischen Gruppe angehören, in besonderer Weise benachteiligen [...]“. Weiterhin werden Belästigungen als Diskriminierung definiert, die die Würde der betreffenden Person verletzen, ebenso wie die Schaffung eines Umfeldes, das von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen oder Entwürdigungen gekennzeichnet ist. Beiden Richtlinien ist ein sehr weiter Diskriminierungsbegriff zugrunde gelegt, wobei der Geltungsbereich sich auch auf das Privatrecht bezieht.
Vor diesem Hintergrund und unter dem Druck der Rechtsextremismusdiskussion plant die Bundesregierung ein Antidiskriminierungsgesetz, in dem die Diskriminierungstatbestände der beiden Richtlinien erfasst werden, zu erlassen. Dies stellt eine große Aufgabe dar, da in Deutschland im Unterschied zu anderen Ländern bislang lediglich zur Diskriminierung aufgrund des Geschlechts Gesetzgebung und Rechtsprechung vorliegen. Die neue Gesetzgebung soll ein zivil- und strafrechtliches Instrumentarium liefern, das insbesondere Schadensersatz, Wiedergutmachung und Schmerzensgeld im Bereich der ethnischen Diskriminierung vorsieht.
Juristisch stellt sich eine Umsetzung als äußerst kompliziert dar, da etliche Gesetze geändert werden müssen. Es wird deshalb ein Vorschaltgesetz vorgeschlagen, das den allgemeinen Diskriminierungsschutz festschreibt und diesen dann in Einzelgesetzen, wie zum Beispiel dem Wohnrecht oder dem Baurecht, verankert.
Freilich kann die alltägliche Diskriminierung nicht per Normbefehl beseitigt werden. So können Vorurteile und Anschauungen nicht über Nacht geändert werden. Erfahrungen mit vergleichbaren Regelungen im Ausland (Großbritannien: Race Relations Act von 1965 und USA: Civil Rights Act von 1964) zeigen, dass sie die Bedingungen der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung mit diesem Phänomen verbessern und Selbstbewusstsein sowie Rechtspositionen der Betroffenen in diesen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen stärken und schützen.
Weiter wird auf die politische Signalwirkung verwiesen, dass gesellschaftliche Diskriminierung nicht hingenommen werde. Hier zeigt sich, dass die Steuerung gesellschaftlicher Konflikte auf der Ebene der Symbolik, der Signal- und Zeichensetzung erfolgen soll.
1999 hat die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI)
alle EU-Länder aufgefordert, sicherzustellen, dass unter anderem im nationalen Strafrecht ausdrücklich und konkret Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz entgegengewirkt wird. Dies könne unter anderem durch Bestimmungen erreicht werden, die rassistische und fremdenfeindliche Handlungen konsequent bestrafen, indem bei entsprechender Motivation der Täter, diese gesondert zu ahnden sind.
In einer Beschlussempfehlung für den Rat wird in Art. 8 vorgesehen, dass eine rassistische oder fremdenfeindliche Motivation als erschwerender Umstand bei einem „gewöhnlichen Delikt“ zu werten sei.
Da die Kommission auch länderspezifisch die Situation in Bezug auf Rassismus und Intoleranz analysiert und Vorschläge zur Lösung aufgezeigter Probleme unterbreitet, wurde für Deutschland in einem Bericht festgehalten, dass nach der Auffassung von ECRI der Kampf gegen diese besondere Form von Gewalt noch verstärkt werden könnte, indem rassistisch begründete Straftaten als besondere Straftaten eingestuft werden oder der rassistische Beweggrund als erschwerender Faktor von den Gerichten berücksichtigt werde. Eine solche Bestimmung bilde nicht nur einen passenden Rahmen, um härtere Strafen für solche Straftaten systematisch und konsequent auszusprechen, sondern habe auch eine symbolische Bedeutung, da sie zeige, dass rassistische Gewalt nicht toleriert werde.
Diese Aspekte werden in der folgenden Arbeit aufgegriffen und auf ihre Umsetzbarkeit hin untersucht.
Im August 2001 trafen sich die Vereinten Nationen, um in Fortsetzung der Jahre 1978 und 1983 über das Thema Rassismus zu diskutieren. Zum Abschluss erfolgte unter anderem eine Verständigung über den Schutz von Opfern rassistischer Gewalt und die Bekämpfung von Straflosigkeit in diesem Bereich.
Für die Schaffung einer gesonderten Regelung bezogen auf rechtsextremistische / fremdenfeindliche Gewalttaten könnten somit die internationalen Verpflichtungen Deutschlands sprechen. Andererseits könnte auch das bestehende Strafrecht angemessen und ausreichend sein.
Die Forderungen nach einem verstärkten Einsatz des Strafrechts beziehen sich sowohl auf eine gesetzliche Verschärfung des materiellen Strafrechts, Jugendstrafrechts und Strafverfahrensrechts als auch auf eine Verschärfung der Strafverfolgungs- und Straf­zumessungspraxis.
Strafverfahrensrechtliche Vorschläge sowie Änderungen im Bereich der Strafverfolgung sollen außer Betracht bleiben, um den Blick auf eine straftheoretische Begründung möglicher materiellrechtlicher Regelungen in Verbindung mit Problemen der Strafzumessung zu schärfen. Kurz sei angemerkt, dass auch im Bereich des Strafverfahrens Änderungsmöglichkeiten bestehen. Es könnte eine Regelung geschaffen werden, die bei Privatklagedelikten, welche einen derartigen Hintergrund aufweisen, stets das Vorliegen eines öffentlichen Interesses vorsieht, um zum Ausdruck zu bringen, dass ein spezifisches Unrecht von rechtsextremistisch / fremdenfeindlich motivierten Taten
in stärkerem Maße rezipiert wird. § 376 StPO könnte dahingehend ergänzt werden. Eine Verweisung auf den Privatklageweg für die Verfolgung von Beleidigung, einfacher Körperverletzung, der Bedrohung oder Sachbeschädigung wäre dann nicht mehr zulässig. In diesem Sinne hat auch die Europäische Kommission gegenüber den Mitgliedstaaten die Forderung erhoben, dass die Verfolgung rassistisch oder [Seite 15↓]fremden­feindlich motivierter Straftaten nicht von einer Anzeigeerstattung des Opfers abhängen sollte, da sich viele Opfer davor scheuen.
Auf die damit verbundenen Probleme im Zusammenhang mit der Aufhellung eines entsprechenden Hintergrunds wird auch bei den Überlegungen zur Schaffung einer Neuregelung im StGB später eingegangen werden müssen.
1 Müller-Dietz (1995), S. 26.
2 Zu zahlreichen Medienberichten und -kommentaren siehe Müller-Dietz (1995), S. 29, Fn. 14; Tageszeitungen starteten Serien zum Thema „Rechtsextremismus“, bspw. „Der Tagesspiegel“-online; Veröffentlichungen, insbesondere zum Zusammenhang mit jugendstrafrechtlichen und jugendpädagogischen Inhalten siehe Müller-Dietz (1995), S. 34, Fn. 33, 34.
3 Vgl. Kalinowsky (1993), S. 504, 505.
4 BGH NStZ 1994, 490, 491.
5 Siehe zu diesem Themenkomplex die Arbeit von: Zimmer (2001).
6 Sachbeschädigungen wie das Zerstören jüdischer Friedhöfe und Gedenkstätten an den Holocaust könnten auch als Gewalttaten eingeordnet werden, sollen hier jedoch gegenüber den direkten Angriffen auf Personen zurückstehen.
7 (Versuchte) Tötungsdelikte, Körperverletzungen, Brandstiftungen, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie Landfriedensbruch werden unter Gewalttaten gezählt; seit 1997 werden Sachbeschädigungen mit Gewaltanwendung nicht mehr unter Gewaltstraftaten eingeordnet, Verfassungsschutzbericht 2000, S. 30; das Bundeskriminalamt erfasst in seiner „Polizeilichen-Kriminalstatistik“ die einfache Körperverletzung i.S.v. § 223 StGB nicht bei der Gewaltkriminalität, PKS 2001, S. 15; 2000, S. 15.
8 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 37.
9 Zu seinen ideologiekritischen, organisationssoziologischen und interaktionstheoretischen Problemebenen siehe Dudek/Jaschke (1984), S. 21 ff.
10 Butterwegge (1996), S. 15; auch bereits Dudek/Jaschke (1984), S. 24, wobei im juristischen und strafrechtlichen Bereich seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen die SRP (Sozialistische Reichspartei) relative Klarheit herrsche, dieselben, S. 23.
11 Stöss (1989), S. 24.
12 Verfassungsschutzbericht 1993, S. 14, wonach sich die Ungleichheit „auf Individuen als auch auf Rassen und Völker“ beziehe, Neubacher (1998), S. 13 ff.; Grumke (2001), S. 21.
13 Grumke (2001), S. 21; Minkenberg (1998) S. 34; Neubacher (1998), S. 11 ff.
14 Daneben werden antisemitische Straftaten seit dem 01.07.1993 in einem eigenen Meldedienst der Polizei erfasst; wegen einer fehlenden Definition gestaltet sich eine Zuordnung äußerst problematisch und erfolgt, wenn überhaupt, nach Tätermotiv oder angegriffenen Personen oder Objekten, 1. Periodischer Sicherheitsbericht v. Juli 2001, S. 270, veröffentlicht unter: http://www.bmi.bund.de/frame/dokumente/Artikel/ix_49371.htm.
15 Verfassungsschutzbericht 1998, S. 19; 1999, S. 18; 2000, S. 29.
16 Ersetzte zu Recht den früher verwendeten Begriff der Ausländerfeindlichkeit, da nicht nur Ausländer, sondern auch Inländer, die als „fremdaussehend“ bewertet werden oder ihre Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe oder Religionsgemeinschaft öffentlich zeigen, Opfer rechtsextremistischer / fremdenfeindlicher Angriffe werden.
17 Tielemann, Bürgerrechte & Polizei, Cilip 44, 1993, S. 48: Danach sind Straftaten als fremdenfeindlich einzuordnen, wenn sie „in Zielrichtung gegen Personen begangen werden, denen der Täter (aus intoleranter Haltung heraus) aufgrund ihrer Nationalität, Volkszugehörigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft oder aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes ein Bleibe- oder Aufenthaltsrecht in seiner Wohngegend oder in der gesamten Bundesrepublik Deutschland bestreitet.“
18 Hier setzt Butterwegge (2000), S. 15 kritisch an, der meint, der Begriff der Fremdenfeindlichkeit bzw. Xenophobie erwecke den Eindruck, die persönliche Abneigung oder Abwehrhaltung sei natürlich oder angeboren, was darüber hinwegtäusche, dass bestimmte Menschen erst zu Fremden „gemacht“ werden; dagegen ist einzuwenden, dass eine solche Interpretation durch den Begriff nicht zwangsläufig vorgegeben ist.
19 Bericht über die aktuellen und geplanten Maßnahmen und Aktivitäten der Bundesregierung gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Gewalt gem. Ziff. 21 des Beschlusses des Deutschen Bundestages vom 30. März 2001 (Drs. 14/5456), S. 64.
20 Diese Forderung vertreten vor allem Pfeiffer, Christian und Eckert, Roland laut Jansen, Der Tagesspiegel, 14.09.2000. Begriff Rechtsextremismus als „Fallstrick“.
21 Pfeiffer und Eckert laut Jansen, a.a.O., 14.09.2000. Begriff Rechtsextremismus als „Fallstrick“.
22 Bericht über die aktuellen und geplanten Maßnahmen und Aktivitäten der Bundesregierung gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Gewalt gem. Ziff. 21 des Beschlusses des Deutschen Bundestages vom 30. März 2001 (Drs. 14/5456), S. 64.
23 Bericht der Bundesregierung vom 30. März 2001, a.a.O., S. 64; Verfassungsschutzbericht 2001, S. 35.
24 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 39.
25 1. Periodischer Sicherheitsbericht v. Juli 2001, S. 276, veröffentlicht unter: http://www.bmi.bund.de/frame/dokumente/Artikel/ix_49371.htm.
26 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 35.
27 Siehe zum Begriff der „Rasse“ Guillaumin (1992), S. 77 ff.
28 Bock (2000), S. 426/427, Rdnr. 1159.
29 Siehe dazu die zahlreichen Nachweise bei Müller-Dietz (1995), S. 30/31, Fn. 21.
30 Schwind/Baumann/Schneider/Winter (1989), S. 16 ff., 44 ff. und 148 ff.; ebenso Schwind/Baumann u.a. [Hrsg.] (1990), (1994); Hinweise auf kritische Stellungnahmen bei Müller-Dietz (1995), S. 32, Fn. 26; auf die Problematik der psychischen Zwangseinwirkung oder Aspekte der Verwerflichkeit (§ 240 Abs.2 StGB) soll hier nicht eingegangen werden.
31 Heitmeyer u.a. (1992); Viehmann, ZRP 1993, 81 ff.; Schumann, StV 1993, 324 ff.; Wächtler, StV 1993, 277 ff.; Eisenberg/Gronemeyer (1993), Hennig (1982); ders. (1993); Aschwanden (1995), S. 182 ff.; zum jugendlichen Rechtsextremismus in der DDR: Aschwanden (1995), S. 196 ff.; Niederländer, NJ 1990, 16; allgemein siehe auch weitere Nachweise bei Müller-Dietz (1995), S. 34/35, Fn. 34; zu Entstehungsmechanismen von Rechtsextremismus und Gewalt: Rüger (2001); allgemein zu den Ursachen von Rechtsextremismus: Hopf, RdJB 2002, 6, 9 ff.; Winkler (2001), S. 49 ff.; Mantino (1999); Stöss (1999), S. 185 ff.; Pfahl-Traughber (1998), S. 56 ff.
32 Nach Schneider, MschKrim 2001, 357, 363 ff. existieren zur Erklärung durch Jugendliche begangener Hassverbrechen die gesellschaftsorientierten Theorien der Marginalisations- und sozialen Desintegrationstheorie, die zu den sozialpsychologischen, gruppendynamischen Theorien zählenden Gewalt-, Subkultur-, Deprivations- und Gruppenidentitästheorie sowie die täterorientierten Theorien der Sozialisationsmängel und Neutralisation, wobei er eine Kombination kognitiv-sozialer Lern- und Interaktionstheorien mit der Subkultur-, Neutralisations- und Lebenslauftheorie befürwortet, S. 364, siehe dazu auch ders., Kriminalistik 2001, 21, 25 ff.; ders. (1995), FS-Geerds, S. 211 ff.; Bock (2000), S. 427, Rdnr. 1160.
33 Siehe Frankfurter Archiv für Sozialpolitik: Archiv für Sozialpolitik/Konkret (Hrsg.), „Jeder ist uns der Nächste“, Dokumentation von Übergriffen gegen Ausländer in der BRD in den Jahren 1991 und 1992, (1993); dies., „Jeder ist uns der Nächste“ Band II, Dokumentation von ausländerfeindlichen und antisemitischen Übergriffen gegen Ausländer in der BRD im Jahr 1993, (1994); für 1990 bis 07/2000 siehe Dokumentation des „Tagesspiegel“ und der „Frankfurter Rundschau“, die „Tagesspiegel“-Redakteur Frank Jansen und der „Frankfurter Rundschau“-Journalist Jürgen Elsässer in Zusammenarbeit mit weiteren Autoren erstellt haben, Der Tagesspiegel, 22.09.2000; für 1998: Mäbert (1999).
34 Willems (1993); zu einer Bestandsaufnahme der Forschungsprojekte und polizeilicher Maßnahmen zum Thema fremdenfeindlicher Gewalt siehe die Ausführungen von Mischkowitz (1994).
35 Kerner (1993), S. 295.
36 Tielemann, Bürgerrechte & Polizei, Cilip 44, 1993, S. 48 ff.
37 Zachert [Hrsg.] (1991), S. 268.
38 Zu Grenzen der Dunkelfeldforschung bei fremdenfeindlichen Gewalttaten wegen nicht lösbarer methodischer Probleme: Dörmann, Kriminalistik 2001, 306, 309 ff.
39 Tielemann, Bürgerrechte & Polizei, Cilip 44, 1993, S. 48.
40 Verfassungsschutzbericht 2000, S. 29.
41 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 36.
42 Verfassungsschutzbericht 2000, S. 30.
43 Siehe dazu Willems (1993), S. 231 ff.
44 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 36.
45 Dokumentation, die Tagesspiegel-Redakteur Frank Jansen und der „Frankfurter Rundschau“-Journalist Jürgen Elsässer in Zusammenarbeit mit weiteren Autoren erstellt hat, Der Tagesspiegel, 22.09.2000.
46 Der Tagesspiegel, 14.09.2000, Hass auf „Andersartige“, „Fremde“ oder „Minderwertige“.
47 Während von offizieller Seite für diesen Zeitraum nur 25 Todesopfer gezählt wurden, 1. Periodischer Sicherheitsbericht v. Juli 2001, S. 272, einsehbar unter http://www.bmi.bund.de/frame/dokumente/Artikel/ix_49371.htm; eine Überprüfung der Vorfälle ergab eine Korrektur hin zu 36 Todesopfern, während bei den anderen Opfern eine rechtsorientierte Motivation des Täters nicht feststellbar gewesen sei, 1. Periodischer Sicherheitsbericht v. Juli 2001, S. 273, http://www.bmi.bund.de/frame/dokumente/Artikel/ix_49371.htm.
48 Jansen, Frank in: Der Tagesspiegel, „Seit der Einheit 93 Tote. Das sind deutlich mehr Opfer als offiziell bekannt gegeben wurden. Das Innenministerium räumt `Defizite` bei der Erfassung von Angriffen ein“, 14.09.2000.
49 1. Periodischer Sicherheitsbericht v. Juli 2001, S. 274 f., einzusehen unter http://www.bmi.bund.de/frame/dokumente/Artikel/ix_49371.htm.
50 Händel, NJW 2001, 1338, unter Hinweis auf eine Untersuchung von Wahl: überwiegend junge Männer im Alter von 15-24 Jahren; Möller (1993a), S. 35 ff.; ders. (1993b), S. 334 ff.; Willems (1993), S. 110: ca. 90 % unter 25 Jahren; heute ca. 50 %, 1. Periodischer Sicherheitsbericht v. Juli 2001,S. 289, einzusehen unter http://www.bmi.bund.de/frame/dokumente/Artikel/ix_49371.htm.
51 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 47.
52 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 56; Jansen, Frank, Der Tagesspiegel, 01.02.2001, S.3; Cziesche, Dominik, Der Spiegel, Nr.2/2001, S. 46.
53 Albrecht, MschKrim 1998, 381, 383; Verfassungsschutzbericht 2001, S. 27: Skinhead-Szene erhielt weiteren Zulauf von Jugendlichen.
54 Willems (1993); Händel, NJW 2001, 1338, unter Hinweis auf eine Untersuchung von Wahl.
55 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 43.
56 Verfassungsschutzbericht 1994, S. 120.
57 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 47.
58 Jansen, Frank, Der Tagesspiegel, 01.02.2001, S. 3.
59 Jansen, Frank, a.a.O.
60 Verfassungsschutzbericht 2001, S. 57; Jaschke (2001), S. 170.
61 Jansen, Frank, a.a.O.
62 Jansen, Frank, Der Tagesspiegel-online, 29.07.2001, Interview mit Fromm, Heinz (seit April 2000 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz); Verfassungsschutzbericht 2001, S. 27.
63 Jansen, Frank, Der Tagesspiegel-online, 29.07.2001, Interview mit Fromm, Heinz (seit April 2000 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz).
64 Die Einreichung erfolgte kurz vor Mitternacht, was zu der Vermutung Anlass gab, dass auf das symbolträchtige Datum des 30.01.1933 - die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler - hingewiesen werden sollte.
65 Stimmen dafür und dagegen bei v. Münch, NJW 2001, 728, 729.
66 Zum Diskussionsstand siehe Henkel/Lembcke, KJ 2001, 14 ff.
67 Urteil des BVerfG v. 18.03.2003, Az: 2 BvB 1/01, Az: 2 BvB 2/01, Az: 2 BvB 3/01, zu finden bei http://www.juris.de.
68 18.06.1993, Jaschke (1994), S. 148 mit Hinweis auf Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Bulletin, Nr. 54, S. 569 ff.
69 Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in: Berliner Morgenpost, 21.09.2000, Richter zu milde gegen Neonazis?, In der Debatte über den Umgang mit rechtsextremen Gewalttätern gerät die Justiz in die Kritik; vgl. auch Der Tagesspiegel, 21.08.2000, Schröder fordert härtere Urteile, Politik will Justiz im Kampf gegen Rechts in die Pflicht nehmen.
70 Beispielhaft für andere: Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), in: Der Tagesspiegel, 21.08.2000, Schröder fordert härtere Urteile, Politik will Justiz im Kampf gegen Rechts in die Pflicht nehmen.
71 Koch und Thierse, in: a.a.O.; Walkenhorst (1999), S. 145.
72 Karin Schubert (SPD), in ihrer Funktion als Sachsen-Anhalts Justizministerin,Ministerium der Justiz - Pressemitteilung Nr.: 71/00, Magdeburg, 10. 11. 2000.
73 So der Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Ramsauer (CSU), nach SZ, 09.08.2000, S.6.
74 Walkenhorst (1999), S. 145.
75 Walkenhorst (1999), S. 145.
76 Walkenhorst (1999), S. 145.
77 Barbara John, auf der Konferenz über Rechtsextremismus und Jugendgewalt in Berlin und Brandenburg, 01./02.11.1999, veranstaltet vom „Zentrum für Antisemitismusforschung“; Diederichsen, Dietrich: Haß- oder Spaßgesellschaft?, Die Tageszeitung, 10.09.1999; Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, in: Berliner Zeitung, 01.03.1999; zur kriminologischen Kategorie des „Hassverbrechens“ siehe unten, Kapitel III 1.1.5.
78 Tolmein, ZRP 2001, 315; siehe dazu Kapitel III 2.1.
79 Tolmein, a.a.O.
80 Bündnis der Afrikanischen Organisationen, Yonas Endrias, bei http://www.taz.de, Britta Steffenhagen, taz Berlin lokal Nr. 6319 v. 11.12.2000, S. 20.
81 Zu den Vorschlägen aus der Politik für einen „wirksamen“ Kampf gegen Rechtsextremisten zählt bspw. auch der von Sachsens ehemaligem Ministerpräsidenten Biedenkopf, ein Gesetz „zum Schutze der Bürgerfreiheit, gegen Gewalt und Gewaltanwendung im politischen Wettstreit“ zu schaffen. Danach sollen dem Bürger und Verbänden Klagemöglichkeiten gegen Rechtsextremisten eingeräumt werden. Die Möglichkeit der Geltendmachung von Unterlassungsansprüchen soll vor Belästigungen schützen, insbesondere geht es darum, etwaige „Schadensersatzansprüche gegenüber rechtsextremen Akteuren zu Lasten von Verbänden und Organisationen wie NPD oder DVU“ gehen zu lassen. Im Kern reduziert sich der Vorschlag darauf, dass Bürger, wenn sie konkrete Straftaten wie „Volksverhetzung“ oder die „Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole“ beobachten, auch zivilrechtliche Wege beschreiten können. Da es sich bei diesen Straftaten um Staatsschutzdelikte oder „Straftaten gegen die öffentliche Ordnung“ handelt, die nicht den Einzelnen schützen, ist dies bisher nicht möglich.
82 BR-Drucks. 577/00.
83 Siehe dazu Kapitel III 2.3.
84 Zitiert nach Christian Rath, in: „taz“ Nr. 6237 vom 5.9.2000, Seite 4. 85 Innenminister Baden-Württembergs, Dr. Thomas Schäuble.
86 Entschließung des Bundesrates, Drs. 564/00, S. 2.
87 a.a.O., S ½; siehe dazu Franke, ZRP 2002, 21 ff.
88 Siehe dazu Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V., ZfJ 2001, S. 97 ff.; Hinz, ZRP 2001, 106 ff.; Ostendorf, ZRP 2000, 103 ff.; Höynck/Sonnen, ZRP 2001, 245 ff., letztere mit einer übersichtlichen Darstellung der verschiedenen Gesetzesentwürfe; ebenso das von Albrecht (2002) im Rahmen des 64. Deutschen Juristentages in Berlin verfasste Gutachten, S. D 79 ff.
89 Partsch, EuGRZ 1994, 429: 1959 Schändung einer Synagoge in Köln, Ausschreitungen in Belgien, Großbritannien, Schweden und anderen Ländern.
90 „Inernational Convention on the Elimination of All Forms of Racial Discrimination“.
91 BGBl. 1969 II, S. 961, 2211.
92 Art. 4 (a) CERD: „Shall declare an offence punishable by law [...] all acts of violence or incitement to such acts against any race or group of persons of another colour or ethnic origin, [...]“; Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 und der Pakt über bürgerliche und politische Rechte hat zwar auch dahingehende Verbote statuiert, sie jedoch nicht sanktioniert.
93 Partsch, EuGRZ 1994, 429.
94 Für eine weitergehende Überprüfung siehe Partsch, a.a.O., 429, 430 ff.
95 Partsch, a.a.O., 429.
96 Partsch, a.a.O., 429.
97 Tolmein, ZRP 2001, 315, 318, Fn. 42 mit Hinweis auf Consultative Commission on Racism and Xenophobia, DOC ENCM 274274586, S. 45.
98 BT-Dr. 12/6245.
99 BT-Dr. 13/100081.
100 BT-Dr. 13/9706.
101 Richtlinie 2000/43/EG vom 29.06.2000, AblEG Nr. L 180 v. 19.07.2000, S. 22.
102 Richtlinie 2000/78/EG vom 27.11.2000, AblEG Nr. L 303 v. 02.12.2000, S. 16.
103 Krit. dazu der Kommentar von Adomeit, NJW 2002, 1622 f.
104 Kabis-Alamba, Veronika in: „taz“ Nr. 6307 vom 27.11.2000, Seite 12.
105 Kabis-Alamba, a.a.O.
106 Liga für Menschenrechte, http://www.dir-info.de/dokumente/antidis_liga.shtml.
107 Organ des Europarates mit dem Ziel der Bekämpfung von Rassismus, Fremdenhass, Antisemitismus und Intoleranz auf gesamteuropäischer Ebene im Hinblick auf den Schutz der Menschenrechte.
108 Aktion Courage - SOS Rassismus [Hrsg.] (1998): Rassismus am Pranger - Internationale Organisationen klagen an.
109 BR-Drucks. 1115/01, S. 10.
110 2. Bericht der ECRI v. Januar 1999, Nr. 47.
111 Veröffentlichung der Abschlussdokumente am 02.01.2002, einzusehen bei http://www.auswaertiges-amt.de.
112 Dazu siehe unten Kapitel III 2.1.
113 BR-Drucks. 1115/01, S. 10/11, Art. 11: Vorschlag der Europäischen Kommission für einen Rahmenbeschluss des Rates.

References: Art. 5
 § 129
 § 129
 Art. 2
 Art. 4
 Art. 8
 § 130
 Art. 3
 Art. 8
 § 376
 BGH 
 § 223
 Art. 4
 Art. 11