Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/pferd-stall-haftung-3118690?pk_campaign=feed&pk_kwd=pferd-stall-haftung
Timestamp: 2019-09-19 23:24:18+00:00

Document:
Der Pfer­de­hal­ter, eben­so wie der Kraft­fahr­zeug­hal­ter, kann Betei­lig­ter im Sin­ne des § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB sein1. Aus­drück­lich gilt dies auch für die Gefähr­dungs­haf­tung des Tier­hal­ters gemäß § 833 Satz 1 BGB2.
Auch wenn es sich der Sache nach um eine uner­laub­te Hand­lung han­deln muss, ist Anknüp­fungs­punkt nicht unbe­dingt mensch­li­ches Ver­hal­ten als sol­ches; viel­mehr kann auch das Hal­ten eines Tie­res die den Scha­den ver­ur­sa­chen­de Hand­lung sein3. Dem­nach scheint eine Haf­tung nicht grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen.
Zu beach­ten ist aber, dass das "Betei­ligt­sein" im Sin­ne von § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB Mit­wir­kung bei der Tätig­keit bedeu­tet, wel­che zunächst nur eine Gefähr­dung her­vor ruft, aber in ihrer wei­te­ren Ent­wick­lung zu der den Scha­den unmit­tel­bar bewir­ken­den Hand­lung geführt hat. Es muss eine objek­tiv gemein­sa­me Gefähr­dung vor­lie­gen4. In wel­cher Wei­se ein kon­kre­tes ande­res Pferd vor­lie­gend – und wenn auch nur im Sin­ne einer natür­li­chen, art­ge­mä­ßen Hand­lung – mit­ge­wirkt haben soll, bleibt unklar. Auch bleibt offen, in wel­cher über die blo­ße Anwe­sen­heit hin­aus­ge­hen­den Wei­se alle ande­ren Tie­re das ver­letz­te Pferd gefähr­det haben könn­ten.
Betei­ligt im Sin­ne des § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB sind, bezo­gen auf mensch­li­ches Ver­hal­ten, nur Per­so­nen, deren Gefähr­dungs­hand­lun­gen, sei es auch zeit­lich auf­ein­an­der fol­gend, sach­lich, räum­lich und zeit­lich mit der Schä­di­gung einen tat­säch­lich zusam­men­hän­gen­den ein­heit­li­chen Vor­gang bil­den, d. h. nach der Anschau­ung des täg­li­chen Lebens auf­grund der Umstän­de des kon­kre­ten Fal­les als des­sen Teil erschei­nen; auch bei groß­zü­gi­ger Betrach­tung über­brückt die Norm damit nicht Zwei­fel, ob der in Anspruch Genom­me­ne über­haupt uner­laubt und mit Ver­let­zungs­nei­gung in die Schutz­sphä­re des Betrof­fe­nen ein­ge­grif­fen hat. Viel­mehr muss die Betei­li­gung des in Anspruch Genom­me­nen fest­ste­hen5.
Soweit ersicht­lich, liegt dem­entspre­chend auch allen Ent­schei­dun­gen, in denen die Haf­tung des Tier­hal­ters eines von meh­re­ren denk­bar schä­di­gen­den Tie­ren bejaht wur­de, zugrun­de, dass der Scha­den einem unbe­tei­lig­ten Drit­ten zuge­fügt wur­de6 – Juris; OLG Mün­chen, Urteil vom 19.04.2012 – 14 U 268/​11, Juris)). Zwar führt letzt­ge­nann­tes Urteil aus7, § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB sei auch dann anwend­bar, wenn sich nur bei einem Tier die Tier­ge­fahr kon­kret scha­dens­ver­ur­sa­chend ver­wirk­licht hat, es sich aber nicht mehr fest­stel­len lässt, bei wel­chem von meh­re­ren ver­schie­de­nen Hal­tern zuzu­ord­nen­den Tie­ren. Dies gel­te jeden­falls dann, wenn die­ses Tier zu einer gemein­sa­men Her­de von Tie­ren ver­schie­de­ner Hal­ter gehö­re, die sich in einem gemein­sa­men Pferch befin­det oder ander­wei­tig einer ein­heit­li­chen und gemein­sa­men Über­wa­chung unter­liegt8. Die­se Über­le­gun­gen füh­ren hier aber nicht wei­ter, denn auch die­se Ent­schei­dung geht aus­drück­lich davon aus, das anspruchs­be­grün­den­de Ver­hal­ten der Hal­ter bestehe in der Hal­tung der Scha­fe in der kon­kre­ten Situa­ti­on, mit der sie Drit­te der von einem Tier aus­ge­hen­den, nur unzu­läng­lich beherrsch­ba­ren Gefahr aus­setz­ten9.
Das OLG Köln10 hat bei einem ver­gleich­ba­ren Sach­ver­halt – das ver­letz­te Pferd war in einer Grup­pe mit drei ande­ren Pfer­den in einem Pad­dock unter­ge­bracht und hat­te Ver­let­zun­gen offen­bar durch einen Huf­tritt erlit­ten, des­sen Ver­ur­sa­cher sich nicht fest­stel­len ließ – eine Haf­tung der Hal­te­rin aus­ge­schlos­sen und aus­ge­führt:
Zwar liegt ein die Haf­tung aus­schlie­ßen­des Han­deln auf eige­ne Gefahr nicht schon immer dann vor, wenn der Geschä­dig­te sei­ne Rechts­gü­ter bewusst und frei­wil­lig der gewöhn­li­chen Tier­ge­fahr aus­ge­setzt hat. Jedoch schei­det eine Haf­tung aus, wenn das Ver­hal­ten des Geschä­dig­ten selbst­wi­der­sprüch­lich erscheint, weil er das­je­ni­ge Risi­ko über­nom­men hat, das sich im Scha­den ver­wirk­licht hat11.
BGH, Urteil vom 15.12 1970 – VI ZR 121/​69 [↩]
BGH a.a.O., Rn. 8 [↩]
BGH a.a.O., Rn. 9 [↩]
BGH a.a.O. Rn. 10 [↩]
vgl. Palandt-Sprau, BGB, 72. Aufl., § 830, Rn. 7 mit Recht­spre­chungs­nach­wei­sen [↩]
vgl. BGH a.a.O., BGH Urteil vom 27.01.2015 – VI ZR 467/​13, Juris; OLG Koblenz, Urteil vom 10.05.2012 ((2 U 573/​09 [↩]
BGH, a.a.O. Rn.20 [↩]
OLG Mün­chen a.a.O., Rn. 24 [↩]
OLG Köln, Beschluss vom 10.12 2013 – 18 U 98/​13, Juris [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.01.1982 – VI ZR 188/​80 [↩]

References: § 830
 § 833
 § 830
 § 830
 § 830

BGH 

BGH 

BGH 
 § 830
 BGH 
 BGH