Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F29-06-2015-5A_34-2015
Timestamp: 2016-10-26 23:16:20+00:00

Document:
5A_34/2015 (29.06.2015)
5A_34/2015 � � Urteil vom 29. Juni 2015
vertreten durch Rechtsanwalt Renzo Guzzi,
vertreten durch Rechtsanw�ltin Sabine Bezel Martin,
vom 19. November 2014.
A.A.________ (geb. 1953) und B.A.________ (1959) haben 1987 geheiratet. 1988 wurde die gemeinsame Tochter C.A.________ geboren. Die Eheleute lebten seit Mai 2006 getrennt.
Mit Urteil vom 4. Juli 2013 schied das Bezirksgericht Baden die Ehe auf gemeinsamen Antrag der Parteien hin. Bez�glich des nachehelichen Unterhalts entschied das Gericht was folgt:
"2. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zur Pensionierung des Gesuchstellers einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 4'440.00 monatlich vorsch�ssig zu bezahlen.
3. Die Unterhaltsbeitr�ge basieren auf folgenden Werten:
- monatliches hypothetisches Nettoeinkommen des Gesuchstellers: Fr. 8'600.00
- monatliches Nettoeinkommen der Gesuchstellerin (t�rkische Rente) : Fr. 475.00
4. Die Unterhaltsbeitr�ge gem�ss Ziff. 2 hievor werden wie folgt indexiert: [...]"
A.A.________ legte gegen dieses Urteil Berufung beim Obergericht des Kantons Aargau ein. Er stellte, soweit vor Bundesgericht noch relevant, die Antr�ge, Dispositiv-Ziff. 2 des bezirksgerichtlichen Urteils sei aufzuheben; er sei neu zu verpflichten, der Berufungsgegnerin ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zu seinem ordentlichen Pensionsalter, l�ngstens jedoch bis 31. M�rz 2018, einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von monatlich Fr. 1'100.-- vorsch�ssig zu bezahlen. Weiter seien die Dispositiv-Ziff. 3 und 4 des angefochtenen Urteils aufzuheben; die in Ziff. 3 angegebenen Daten seien durch in der Berufungsschrift n�her spezifizierte zu ersetzen.
�Das Obergericht wies die Berufung ab, soweit es darauf eintrat und das Verfahren nicht (hinsichtlich eines zufolge teilweisen R�ckzugs der Berufung rechtskr�ftig gewordenen Punktes) als erledigt abschrieb (Urteil vom 19. November 2014).
Dagegen erhob A.A.________ (Beschwerdef�hrer) am 13. Januar 2015 Beschwerde in Zivilsachen sowie subsidi�re Verfassungsbeschwerde mit den Antr�gen, das angefochtene Urteil sei vollumf�nglich aufzuheben; die Akten seien zu neuer Entscheidung an das Obergericht des Kantons Aargau zur�ckzuweisen. Eventuell sei er zu verpflichten, B.A.________ (Beschwerdegegnerin) mit Wirkung ab 4. Juli 2013 bis und mit 14. Juli 2018 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'618.80 (nicht indexiert) zu bezahlen. Zudem ersuchte der Beschwerdef�hrer um unentgeltliche Rechtspflege (Prozessf�hrung und Rechtsverbeist�ndung).
�Das Bundesgericht hat die Akten beigezogen, in der Sache aber keine Vernehmlassungen eingeholt.
Das Bundesgericht �berpr�ft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob eine Beschwerde zul�ssig ist (Art. 29 Abs. 1 BGG; BGE 140 IV 57 E. 2 S. 59; 138 I 435 E. 1 S. 439).
1.1.�Die Beschwerde in Zivilsachen richtet sich gegen den Endentscheid (Art. 90 BGG) einer letzten kantonalen Instanz (Art. 75 Abs. 1 BGG), der die verm�gensrechtlichen Folgen einer Ehescheidung, also eine Zivilsache im Sinne von Art. 72 Abs. 1 BGG, zum Gegenstand hat. Die Streitwertgrenze gem�ss Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG ist erreicht. Die rechtzeitig (Art. 100 Abs. 1 BGG) eingereichte Beschwerde ist grunds�tzlich zul�ssig.
1.2.�Steht somit die Beschwerde in Zivilsachen zur Verf�gung, bleibt f�r die ebenfalls erhobene subsidi�re Verfassungsbeschwerde kein Raum (Art. 113 BGG; Urteil 5A_103/2014 vom 4. Juni 2014 E. 1.3). Auf diese ist nicht einzutreten.
Gegenstand des bundesgerichtlichen Verfahrens ist der nacheheliche Unterhaltsanspruch der Beschwerdegegnerin. Strittig sind im Einzelnen der Beginn der Unterhaltspflicht (unten E. 4), die Indexierung des Unterhaltsbeitrages (E. 5) sowie dessen H�he unter den Aspekten eines durch einen fr�heren kantonalen Entscheid erzeugten Vertrauensschutzes (E. 6) und der anrechenbaren Einkommen von Beschwerdegegnerin (E. 7.2) resp. Beschwerdef�hrer (E. 7.3).
Mit der Scheidung endet die auf Art. 159 Abs. 3 und Art. 163 Abs. 1 ZGB beruhende eheliche Beistands- und Unterhaltspflicht. An deren Stelle kann nachehelicher Unterhalt gem�ss Art. 125 ZGB treten. Dieser ist bei lebenspr�genden Ehen in drei Schritten zu ermitteln: Vorab ist der geb�hrende Unterhalt zu bestimmen, wof�r die massgebenden Lebensverh�ltnisse der Parteien festzustellen sind; bei lebenspr�gender Ehe bemisst sich der geb�hrende Unterhalt an dem in der Ehe zuletzt gemeinsam gelebten Standard (zuz�glich scheidungsbedingter Mehrkosten), auf dessen Fortf�hrung bei gen�genden Mitteln beide Teile Anspruch haben; dieser Standard bildet gleichzeitig die Obergrenze des geb�hrenden Unterhalts. Sodann ist zu pr�fen, inwiefern die Ehegatten den Unterhalt je selber finanzieren k�nnen; der Vorrang der Eigenversorgung ergibt sich direkt aus dem Wortlaut von Art. 125 Abs. 1 ZGB. Ist sie einem Ehegatten vor�bergehend oder dauerhaft nicht m�glich bzw. zumutbar, so dass er auf Unterhaltsleistungen des anderen angewiesen ist, muss schliesslich dessen Leistungsf�higkeit ermittelt und ein angemessener Unterhaltsbeitrag festgesetzt werden. Dieser beruht auf dem Prinzip der nachehelichen Solidarit�t (BGE 137 III 102 E. 4.2 S. 106; 134 III 145 E. 4 S. 146 mit Hinweisen).
Der Beschwerdef�hrer r�gt zun�chst, die Vorinstanz habe den Beginn der - mit der ordentlichen Pensionierung des Verpflichteten im Juli 2018 endenden (E. 5.9 des angefochtenen Urteils) - Unterhaltspflicht unzutreffend festgesetzt (E. 5.3). Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass die nacheheliche Unterhaltspflicht regelm�ssig mit dem Eintritt der formellen Rechtskraft des Entscheids �ber die�
Unterhaltsrente�beginnt (Urteil 5A_310/2010 vom 19. November 2010 E. 10.3), dass das Sachgericht aber den Rentenbeginn in begr�ndeten F�llen auch r�ckwirkend auf die Rechtskraft im Scheidungspunkt festsetzen kann (BGE 128 III 121 E. 3b S. 122). Der Beschwerdef�hrer f�hrt keine Gr�nde an, aufgrund derer hier von der Regel abzuweichen w�re. Er macht nur geltend, Art. 126 Abs. 1 ZGB sei verletzt, weil eine antragsgem�ss tiefere Festsetzung des�
nachehelichen�Unterhaltsbeitrages bereits f�r die Zeit ab dem (im Scheidungspunkt rechtskr�ftigen) bezirksgerichtlichen Urteil vom 4. Juli 2013 greifen sollte. F�r eine Herabsetzung des vor der Scheidung geltenden Geldbeitrages w�re ihm der Weg �ber das Ab�nderungsverfahren (Art. 179 ZGB) offen gestanden.
Sodann erneuert der Beschwerdef�hrer das bereits vor Obergericht gestellte Rechtsbegehren, die Indexklausel hinsichtlich des nachehelichen Unterhaltsbeitrags sei aufzuheben (vgl. E. 5.10 des angefochtenen Entscheids). Hiezu gibt er aber keine Begr�ndung. Auf diesen Antrag ist daher nicht einzutreten (Art. 42 Abs. 2 BGG; BGE 140 III 86 E. 2 S. 88).
6.1.�Der Beschwerdef�hrer macht weiter geltend, das angefochtene Urteil der kantonalen Berufungsinstanz widerspreche einem eigenen vorangegangenen Entscheid. Das Obergericht habe im Urteil vom 24. Januar 2014 festgestellt, nach Deckung seines Existenzminimums (Fr. 2'772.--) verblieben dem Beklagten von seinem Einkommen (Fr. 4'392.80) noch Fr. 1'619.80. Wenn nun die eine Kammer des Obergerichts nach F�llung des Scheidungsurteils auf einen verf�gbaren Betrag von Fr. 1'619.80 komme, k�nne nicht danach eine andere Kammer entscheiden, seine wirtschaftliche Leistungsf�higkeit erlaube einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 4'400.--. Dies sei willk�rlich (Art. 9 BV). Denn er habe sich darauf verlassen d�rfen, dass eine Kammer des Obergerichts den Entscheid der anderen Kammer - welcher als beh�rdliche Erkl�rung eine sch�tzenswerte Vertrauensposition begr�ndet habe - kenne und respektiere und nicht mit einem Endurteil in der Scheidungssache selbst ausser Kraft setze.
6.2.�Diese Argumentation l�sst ausser Acht, dass sich das Urteil vom 24. Januar 2014 mit einer Schuldneranweisung befasst. Die Anweisung an den Arbeitgeber, einen Teil des Lohnes direkt an den Unterhaltsberechtigten auszubezahlen, ist eine besondere familienrechtliche Sanktion, welche der Durchsetzung der Unterhaltspflicht dient (vgl. BGE 130 III 489 E. 2.4 S. 494). Sie muss das Existenzminimum respektieren. Nach der Rechtsprechung darf daher der Richter, der �ber eine Schuldneranweisung zu befinden hat, nicht auf ein hypothetisches Einkommen abstellen. Vielmehr muss er seinem Entscheid das tats�chliche Einkommen zu Grunde legen (Urteil 5A_490/2012 vom 23. November 2012 E. 3 mit Hinweisen). Aus dem Umstand, dass das Obergericht in seinem Urteil vom 24. Januar 2014 diesen Vorgaben gefolgt ist, kann der Beschwerdef�hrer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Anders als dort musste die Vorinstanz im hier angefochtenen Entscheid die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens pr�fen (dazu unten E. 7.1).
Der Beschwerdef�hrer bestreitet schliesslich die vorinstanzliche Beurteilung der auf beiden Seiten anrechenbaren Einkommen.
7.1.�
7.1.1.�Wirtschaftlich leistungsf�hig sind der unterhaltspflichtige und der unterhaltsberechtigte Ehegatte nicht nur dann, wenn sie ein Einkommen haben, sondern auch, wenn sie bei gutem Willen ein solches haben k�nnten (BGE 110 II 116 E. 2a S. 117). Bei der Festsetzung von Unterhaltsbeitr�gen darf daher von einem hypothetischen Einkommen ausgegangen werden, falls und soweit der betreffende Ehegatte bei ihm zuzumutender Anstrengung mehr verdienen k�nnte, als er effektiv verdient. Wo die reale M�glichkeit einer Einkommenssteigerung fehlt, muss eine solche jedoch ausser Betracht bleiben (BGE 128 III 4 E. 4a S. 5; vgl. auch BGE 137 III 118 E. 2.3 S. 121 [betreffend den Kindesunterhalt]). Die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens hat keinen p�nalen Charakter. Selbst bei Beeintr�chtigung der Leistungsf�higkeit in Sch�digungsabsicht darf dem (somit rechtsmissbr�uchlich handelnden) Ehegatten ein hypothetisches Einkommen nur angerechnet werden, wenn er die Verminderung seiner Leistungskraft r�ckg�ngig machen kann. Entscheidend sind die tats�chlichen M�glichkeiten (BGE 128 III 4 E. 4a S. 6; 117 II 16 E. 1b S. 17; Urteil 5A_210/2013 vom 24. Dezember 2013 E. 4.2).
�Wenn die Pflicht zur Aufnahme oder Ausweitung der Erwerbst�tigkeit grunds�tzlich bejaht und somit ein hypothetisches Einkommen angerechnet wird, ist der verpflichteten Partei hinreichend Zeit zu lassen, die rechtlichen Vorgaben in die Tat umzusetzen. Die Festsetzung der Umstellungsfrist steht im Ermessen des Sachgerichts; das Bundesgericht greift daher nur bei einer Verletzung des Gebotes von Recht und Billigkeit (Art. 4 ZGB) ein (BGE 129 III 417 E. 2.2 S. 421; Urteil 5C.34/2004 vom 22. April 2004 E. 2.5; vgl. auch Urteil 5A_241/2008 vom 16. Juli 2008 E. 6).
7.1.2.�Die Zumutbarkeit einer bestimmten T�tigkeit in einem bestimmten Umfang betrifft eine frei �berpr�fbare Rechtsfrage. Ob die als zumutbar erkannte T�tigkeit m�glich und das angenommene Einkommen effektiv erzielbar ist, ist indessen Tatfrage. Als solche sind Annahmen der Vorinstanz �ber das hypothetische Einkommen, die auf der W�rdigung anhand konkreter Anhaltspunkte beruhen, f�r das Bundesgericht verbindlich (Art. 105 Abs. 1 BGG). Vorbehalten bleiben Schlussfolgerungen, die sich ausschliesslich nach der allgemeinen Lebenserfahrung richten, somit nach einem Erfahrungssatz, der gleichsam die Funktion einer Norm hat (BGE 137 III 118 E. 2.3 S. 121; 128 III 4 E. 4c/bb S. 7; 126 III 10 E. 2b S. 12; erw�hntes Urteil 5C.34/2004 E. 2.2 und 2.4).
7.2.�Der Beschwerdef�hrer beklagt sich dar�ber, dass der Beschwerdegegnerin kein hypothetisches Einkommen angerechnet wird. Diese Ungleichbehandlung erweise sich als im Sinne von Art. 9 BV willk�rlich.
7.2.1.�Die Vorinstanz hatte zur Eigenversorgungskapazit�t (Art. 125 Abs. 1 ZGB) der Beschwerdegegnerin festgestellt, dieser sei nur eine t�rkische Rente von monatlich Fr. 475.-- anzurechnen. Damit folgte sie dem Bezirksgericht, welches davon ausgegangen war, der im Zeitpunkt der Trennung (2006) 47-J�hrigen sei es nach fast zwanzig Jahre dauernder Abwesenheit vom Arbeitsmarkt nicht mehr zuzumuten, eine Stelle zu suchen (angefochtener Entscheid E. 5.7.1; vgl. BGE 137 III 102 E. 4.2.2.2 S. 109 mit Hinweisen; Urteil 5A_891/2013 vom 12. M�rz 2014 E. 4.1.2).
7.2.2.�Die Frage, ob ein hypothetisches Einkommen anzurechnen ist, wird f�r den Unterhaltspflichtigen und f�r den Unterhaltsberechtigten je unabh�ngig beantwortet. Das Obergericht hat erkl�rt, weshalb es der Ehefrau kein hypothetisches Einkommen anrechnete. Der Beschwerdef�hrer bestreitet weder die dem angefochtenen Urteil zu Grunde gelegten Tatsachenfeststellungen noch f�hrt er aus, inwiefern die Vorinstanz die Frage der Zumutbarkeit bundesrechtswidrig beurteilt haben sollte. Eine Ungleichbehandlung liegt nicht vor.
7.3.�Zur Hauptsache beanstandet der Beschwerdef�hrer, es werde ihm in bundesrechtswidriger Weise ein Einkommen angerechnet, �ber das er nicht verf�ge.
7.3.1.�Die Vorinstanz bezweifelte die Behauptung des Beschwerdef�hrers, seine wirtschaftliche Leistungsf�higkeit habe sich w�hrend des laufenden Verfahrens infolge eines Stellenwechsels (nach Stellenverlust) dauerhaft vermindert, er werde nur noch ein Nettoeinkommen von rund Fr. 4'300.-- erwirtschaften k�nnen (statt wie vorher ein solches von Fr. 8'600.--). Sie erwog, der Unterhaltspflichtige trage mit seinen vagen Angaben nichts dazu bei, die geltend gemachten Umst�nde (K�ndigung und Neuanstellung zu den behaupteten Konditionen) nachvollziehbar zu machen. Er liefere lediglich Angaben zu seinem Fixeinkommen (Arbeitsvertrag vom 1. August 2013), nicht aber zu Bonuszahlungen und Spesenersatz. F�r das Vorhandensein variabler Lohnbestandteile spreche die Tatsache, dass ihm das ausgewiesene Fixum allein kaum erlaube, den behaupteten Lebensbedarf von Fr. 4'300.-- zu decken. Unklar sei ferner, weshalb er bloss in einem Pensum von 80 Prozent angestellt sei. Sodann erbringe er auch nicht den Beweis daf�r, dass es ihm trotz ernsthafter und ausreichender Bem�hungen nicht gelungen sei, eine andere Anstellung mit �hnlicher Entl�hnung zu finden. Daher sei nicht zu beanstanden, dass das Bezirksgericht weiterhin ein Einkommen von Fr. 8'600.-- angerechnet habe (angefochtener Entscheid E. 5.7.2.4 a.E. und 5.7.2.5). Insgesamt bleibe es beim bezirksgerichtlich festgelegten Unterhaltsbeitrag in H�he von Fr. 4'440.-- (E. 5.8).
7.3.2.�Der Beschwerdef�hrer wendet ein, der vorinstanzlich best�tigte Unterhaltsbeitrag greife bundesrechtswidrig in sein betreibungsrechtliches Existenzminimum ein. Bei einem bald 62-j�hrigen Aussendienstmitarbeiter, der schon seit 2011 einen deutlich tieferen Lohn beziehe, k�nne man nicht davon ausgehen, er sei in der Lage, sein tats�chliches Einkommen f�r die verbleibende Erwerbszeit von noch dreieinhalb Jahren auf Fr. 8'600.-- zu verdoppeln. Dieses d�rfe ihm daher auch nicht hypothetisch angerechnet werden.
7.3.3.�Unklar bleibt, ob das Obergericht dem Beschwerdef�hrer nicht glaubt, dass er weniger verdient als bisher, und deswegen von einem
effektiven�Einkommen in der H�he von Fr. 8'600.-- ausgeht, oder ob es dem Beschwerdef�hrer ein�
hypothetisches�Einkommen aufrechnet.
7.3.3.1.�Auf Letzteres deutet der Vorhalt des Obergerichts hin, der Beschwerdef�hrer habe weder nachgewiesen, aus welchen Gr�nden er die fr�here Stelle aufgegeben und sp�ter eine angeblich schlechter bezahlte angetreten habe, noch, dass er sich seither um besser bezahlte Arbeit bem�ht habe. Wie erw�hnt darf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens indessen nicht p�nalen Charakter annehmen. Ein solches kann zudem nicht allein deswegen angerechnet werden, weil der betroffenen Partei entsprechende Anstrengungen zumutbar sind. Vielmehr muss es dieser auch tats�chlich�
m�glich�sein, ein h�heres Einkommen zu erzielen (oben E. 7.1).
�Dazu finden sich im angefochtenen Urteil keine Feststellungen. Unbeantwortet ist insbesondere die vom Beschwerdef�hrer - bereits vorinstanzlich - aufgeworfene Tatfrage nach der effektiven M�glichkeit, bei einer verbleibenden Aktivit�tsdauer von noch dreieinhalb Jahren und mit Blick auf die arbeitsmarktlichen Verh�ltnisse (Urteil 5A_736/2008 vom 30. M�rz 2009 E. 4.2) eine (Vollzeit-) Arbeit zu finden, die wesentlich besser entl�hnt wird (dazu BGE 137 III 102 E. 4.2.2.2 S. 108). Das Obergericht verweist auf das erstinstanzliche Beweisergebnis (E. 7.5.2.5 des angefochtenen Urteils); das ist grunds�tzlich zul�ssig (Urteil 4A_434/2013 vom 19. Dezember 2013 E. 1). Nun finden sich aber dort (E. 2.3.2 des erstinstanzlichen Urteils) ebenfalls keine sachdienlichen Tatsachenfeststellungen. Das Bezirksgericht erwog lediglich, der Unterhaltspflichtige, der sich wissentlich mit einer nur ungen�gend eintr�glichen Erwerbst�tigkeit begn�ge, habe sich anrechnen zu lassen, was er unter den gegebenen Umst�nden zu erwirtschaften verm�chte. Dazu, ob und inwiefern ihm dies auch tats�chlich m�glich sei, �usserte es sich nicht. In dem vom Bezirksgericht zitierten Bundesgerichtsentscheid 5A_341/2011 vom 20. September 2011 hatten die kantonalen Instanzen willk�rfrei festgestellt, es sei dem Unterhaltspflichtigen, dem gek�ndigt worden war und der daraufhin eine Stelle mit erheblich tieferem Lohn angenommen hatte, tats�chlich m�glich, ein Erwerbseinkommen auf dem bisherigen Niveau zu generieren (a.a.O. E. 2.1 und 2.6).
7.3.3.2.�Soweit die Vorinstanz derweil das angerechnete Einkommen von Fr. 8'600.-- mit Indizien begr�ndete, aufgrund derer zu schliessen sei, der Beschwerdef�hrer verdiene aktuell
effektiv�betr�chtlich mehr als einger�umt, trifft sie ebenfalls keine massgebenden Feststellungen. Das Obergericht f�hrte aus, der Unterhaltspflichtige offenbare lediglich sein Fixeinkommen, nicht aber Bonuszahlungen und Spesenersatz. Mit Blick auf das Fixum von Fr. 4'300.--, welches seine Lebenshaltung nicht decke, vermutete die Vorinstanz, dass dem Pflichtigen daneben variable Lohnbestandteile zukommen "k�nnten". Dabei handelt es sich um Mutmassungen, nicht um Feststellung der massgebenden Tatsachen. Die Beschwerdegegnerin hatte im kantonalen Berufungsverfahren kein h�heres effektives Einkommen des Beschwerdef�hrers geltend gemacht (Berufungsantwort vom 26. November 2013 Rz. 24; vgl. Art. 277 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 55 ZPO). Falls das Obergericht dennoch von einem solchen ausgehen wollte (vgl. Urteil 5A_117/2010 vom 5. M�rz 2010 E. 3.2), h�tte es das Einkommen anhand einer schriftlichen Auskunft des derzeitigen Arbeitgebers bestimmen (Art. 190 Abs. 2 ZPO) oder den Beschwerdef�hrer - unter Hinweis auf dessen Mitwirkungspflicht (Art. 160 Abs. 1 lit. b ZPO) - auffordern m�ssen, die f�r die Beurteilung der strittigen verm�gensrechtlichen Scheidungsfolgen notwendigen Urkunden nachzureichen (Art. 277 Abs. 2 ZPO). Nachdem dies unterblieben ist, fehlt es auch unter dem Aspekt von allf�lligen verborgenen Einkommensteilen an einem entscheidungserheblichen Sachverhalt.
7.3.4.�Entscheide, die der Beschwerde an das Bundesgericht unterliegen, m�ssen die massgebenden Gr�nde tats�chlicher und rechtlicher Art enthalten (Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG). Aus dem Entscheid muss klar hervorgehen, von welchem festgestellten Sachverhalt die Vorinstanz ausgegangen ist und welche rechtlichen �berlegungen sie angestellt hat. Weist der rechtserhebliche Sachverhalt wesentliche L�cken auf, kann das Recht nicht angewendet werden (vgl. Art. 105 Abs. 1 und Art. 106 Abs. 1 BGG; BGE 135 II 145 E. 8.2 S. 153). Nach Art. 112 Abs. 3 BGG kann das Bundesgericht einen Entscheid, der den Anforderungen nach Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG nicht gen�gt, an die kantonale Beh�rde zur Verbesserung zur�ckweisen oder aufheben. Die verfahrensrechtlichen Folgen nach Art. 112 Abs. 3 BGG sind (im Gegensatz zu einem im Sinne von Art. 105 Abs. 2 BGG mangelhaften Sachverhalt [Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 140 III 264 E. 2.3 S. 266]) von Amtes wegen zu pr�fen. Hief�r ist die Gew�hrung des rechtlichen Geh�rs resp. ein Schriftenwechsel nicht erforderlich; die Rechtsstellung der Parteien �ndert sich selbst im Falle einer Aufhebung nicht, weil diese, anders als eine R�ckweisung nach Art. 107 Abs. 2 BGG, nicht mit bundesgerichtlichen Vorgaben verbunden sein kann.
7.3.5.�Feststellungen �ber das anrechenbare (effektive oder hypothetische) Einkommen sind notwendige Grundlage f�r die Anwendung des Art. 125 ZGB. Nach dem in E. 7.3.3 Gesagten kann dem angefochtenen Urteil nicht entnommen werden, welches die den Entscheid tragenden Gr�nde tats�chlicher und rechtlicher Art sind. Fraglich ist, ob der angefochtene Entscheid deswegen aufgehoben werden muss, oder ob es - im Interesse der Verh�ltnism�ssigkeit und Prozess�konomie - gen�gt, den Entscheid zur Verbesserung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen (Art. 112 Abs. 3 BGG). Im letzteren Fall bleibt die Rechtsh�ngigkeit vor Bundesgericht im Umfang der noch offenen Punkte bestehen (Bernhard Ehrenzeller, Basler Kommentar zum BGG, Niggli/Uebersax/Wipr�chtiger [Hrsg.], 2. Aufl. 2011, N. 21 zu Art. 112 BGG; Yves Donzallaz, Loi sur le Tribunal f�d�ral, Commentaire, 2008, N. 4529 zu Art. 112 BGG). F�r eine Aufhebung ist grunds�tzlich ein schwerwiegender Mangel vorausgesetzt (Urteil 5D_10/2014 vom 25. M�rz 2014 E. 2.1 und 2.2). Die Doktrin fasst die Anwendungsf�lle einer blossen R�ckweisung zur Verbesserung allerdings eng (vgl. Bernard Corboz, Commentaire de la LTF, Corboz et al. [Hrsg.], 2. Aufl. 2014, N. 58 f. zu Art. 112 BGG; Seiler/von Werdt/G�ngerich, Bundesgerichtsgesetz, Handkommentar, 2007, N. 31 und 33 zu Art. 112 BGG; vgl. aber auch Donzallaz, a.a.O., N. 4523 ff. zu Art. 112 BGG). Wenn beispielsweise Tat- und Rechtsfragen derart vermischt sind, dass nicht ersichtlich ist, von welchem Sachverhalt die Vorinstanz ausgegangen ist, muss der angefochtene Entscheid aufgehoben werden (Ehrenzeller, a.a.O., N. 22 zu Art. 112 BGG mit Hinweis auf Donzallaz, a.a.O., N. 4524 ff. zu Art. 112 BGG).
�Hier ist eine Aufhebung des angefochtenen Urteils unter den Aspekten der Parteirollen, des Anfechtungsobjektes (resp. Streitgegenstandes) sowie der Bindung des Bundesgerichts an die Parteibegehren unumg�nglich: Offen bleibt, ob das Obergericht nach seiner Beurteilung schliessen wird, es sei dem Beschwerdef�hrer nach den konkreten Umst�nden (vor allem mit Blick auf sein Alter) nicht mehr m�glich, ein Einkommen zu erzielen, das doppelt so hoch ist wie das heutige. Dies f�hrte zu einem tieferen Unterhaltsbeitrag und damit zu einer (teilweisen) Gutheissung der Berufung gegen das bezirksgerichtliche Urteil. K�nnte dies im Rahmen einer blossen R�ckweisung zur Verbesserung geschehen, so g�be es f�r die (bisherige) Beschwerdegegnerin kein Anfechtungsobjekt. Abgesehen davon, dass im Verfahren vor Bundesgericht keine Anschlussbeschwerde vorgesehen ist (BGE 134 III 332 E. 2.5 S. 335), ist das Bundesgericht an die Rechtsbegehren der�
beschwerdef�hrenden�Partei, nicht an jene der beschwerdegegnerischen, gebunden (Art. 107 Abs. 1 BGG; Meyer/Dormann, Basler Kommentar zum BGG, a.a.O., N. 2 zu Art. 107 BGG). Ungeachtet der besonderen Konstellation - der bundesgerichtlich zu beurteilende Entscheid entspr�che nicht mehr dem w�hrend der Beschwerdefrist angefochtenen - d�rfte daher keine Ausnahme vom Grundsatz gemacht werden, dass die nicht selber beschwerdef�hrende Partei im Rahmen der Vernehmlassung zur Beschwerde nicht Antr�ge stellen kann, bez�glich welcher ihr die Vorinstanz (hier: erst im verbesserten Entscheid) allenfalls Unrecht gegeben hat (vgl. in BGE 141 V 5 nicht publ. E. 2.1 des Urteils 8C_446/2014 vom 12. Januar 2015). Aus diesen Gr�nden kann eine Zur�ckweisung zur Verbesserung ohne Aufhebung des angefochtenen Entscheids nur in F�llen erfolgen, bei denen die Behebung des Mangels im Sinne von Art. 112 Abs. 3 BGG den Ausgang des vorinstanzlichen Verfahrens sicher nicht tangieren wird.
7.3.6.�Das angefochtene Urteil vom 19. November 2014 ist somit aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Das Obergericht hat die erheblichen Tatsachen betreffend das massgebende Einkommen des Beschwerdef�hrers festzustellen und gest�tzt auf diese Feststellungen nach rechtlichen Gesichtspunkten �ber den Unterhaltsbeitrag zu befinden. Je nach Ergebnis wird die Vorinstanz zudem die Kosten und Entsch�digungen des kantonalen Verfahrens anpassen (in BGE 135 II 145 nicht publ. E. 10 des Urteils 2C_504/2008 vom 28. Januar 2009).
Der Ausgang des Verfahrens ist offen (vgl. Urteil 4A_119/2011 vom 28. Juni 2011 E. 2). Daher sind umst�ndehalber keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG). Im Rahmen der R�ckweisung hat der Kanton Aargau den Beschwerdef�hrer f�r das bundesgerichtliche Verfahren zu entsch�digen (Art. 68 Abs. 4 in Verbindung mit Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. BGE 138 III 471 E. 7 S. 483). Insoweit wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Prozessf�hrung und Verbeist�ndung) gegenstandslos. Im �brigen kann dem Gesuch zufolge Aussichtslosigkeit der Beschwerde (vgl. oben E. 4-6 und 7.2) nicht stattgegeben werden (Art. 64 Abs. 1 BGG). Der Beschwerdegegnerin ist im bundesgerichtlichen Verfahren kein entsch�digungspflichtiger Aufwand entstanden.
Der Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau vom 19. November 2014 wird aufgehoben. Die Sache wird zur Beurteilung im Sinne der Erw�gungen an die Vorinstanz zur�ckgewiesen (Art. 112 Abs. 3 BGG). Im �brigen wird die Beschwerde in Zivilsachen abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
3.1.�Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3.2.�Der Kanton Aargau hat den Beschwerdef�hrer f�r das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 1'000.-- zu entsch�digen.
3.3.�Insoweit wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos abgeschrieben. Im �brigen wird es abgewiesen.

References: BGE 
 Art. 72
 Art. 74
 Art. 159
 Art. 163
 Art. 125
 Art. 125
 Art. 126
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 9
 BGE 
 BGE 
 Art. 277
 Art. 55
 Art. 105
 Art. 106
 BGE 
 Art. 112
 Art. 112
 Art. 112
 Art. 105
 BGE 
 Art. 107
 Art. 125
 Art. 112
 Art. 112
 Art. 112
 Art. 112
 Art. 112
 Art. 112
 Art. 112
 Art. 107
 BGE 
 Art. 112
 BGE 
 Art. 66
 BGE