Source: https://www.brennecke-rechtsanwaelte.de/Einfuehrung-in-das-Genossenschaftsrecht-Teil-I-Einleitung_110160
Timestamp: 2020-07-02 05:20:01+00:00

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Die Genossenschaft ist in § 1 Abs. 1 GenG legaldefiniert. Genossenschaften sind folglich Gesellschaften von nicht geschlossener Mitgliederzahl, deren Zweck darauf gerichtet ist, den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern.
2. Was sind Merkmale der Genossenschaft?
a) offene Mitgliederzahl
§ 1 Abs. 1 Gen G ermöglicht den freien Wechsel der Mitgliederzahl. Im Gegensatz zu Personengesellschaften ist bei Änderung im Mitgliedsbestand keine Zustimmung der anderen Mitglieder (Gesellschafter) erforderlich. Im Vergleich zu Kapitalgesellschaften ist der Mitgliederstamm auch nicht auf die Zahl der Geschäftsanteile (oder Aktien) fixiert.
b) gemeinschaftlicher Geschäftsbetrieb
Eine Genossenschaft ist darauf gerichtet den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturellen Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern. Es gibt dabei folgende Unterscheidung:
aa) Aktivgeschäfte
Aktivgeschäfte zielen immer auf die Förderung der Mitglieder ab und werden häufig auch als Förderungsgeschäfte bezeichnet. Bsp.: Die A eG fördert die Abnahme der von den Mitgliedern angefertigten beziehungsweise angebotenen Erzeugnisse.
bb) Passivgeschäfte
Passivgeschäfte sind Geschäfte, die der Genossenschaft zum Erhalt dienen. Sie sind sogenannte Hilfsgeschäfte, die der Gesellschaft zum Erhalt ihres Zweckes dienen.
Bsp.: Eine Genossenschaft erwirbt Dünger, die sie den Mitgliedern zu fairen Bedingungen weiterveräußert.
Fazit: Es geht bei der Genossenschaft nicht nur um Gewinnerzielung, sondern vielmehr um die Unterstützung der einzelnen Mitglieder in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit
c) Rechtsfähigkeit und Formkaufmann
Die Genossenschaft ist juristische Person gemäß § 17 Abs. 1 GenG und Formkaufmann gemäß § 17 Abs. 2 GenG
3. Welche Arten von Genossenschaften gibt es?
Vor der Genossenschaftsreform im Jahre 2006 wurden die einzelnen Arten der Genossenschaften in § 1 GenG aufgezählt. Im Rahmen der Reform wurde § 1 GenG gekürzt. Die Einteilung von Genossenschaften erfolgt nach dem wirtschaftlichen Zweck. Man unterscheidet dabei zwischen Produktiv- und Distributivgenossenschaften. Produktivgenossenschaften unterstützen die Mitglieder bei der Produktion und beim Absatz ihrer Erzeugnisse. Distributivgenossenschaften unterstützen die Mitglieder beispielsweise bei der Bedarfsdeckung. Die Distributivgenossenschaft bietet den Mitgliedern vergünstigte Konditionen oder fördert die Niedrighaltung des Verbrauchsaufwandes.
1. Kreditgenossenschaften
Haupttätigkeit der Kreditgenossenschaften sind Darlehensgeschäfte.
2. Einkaufsgenossenschaften
Einkaufsgenossenschaften sind Genossenschaften, bei denen sich die Mitglieder zum günstigen Einkauf zusammenschließen. Häufig sind solche Genossenschaften bei Bäckern, Metzgern, kleineren Geschäften oder auch Handwerkern anzutreffen.
3. Absatzgenossenschaften
Bei diesen Genossenschaften wird der gemeinschaftliche Verkauf von gewerblichen, aber auch landwirtschaftlichen Erzeugnissen gefördert.
4. Produktivgenossenschaften
Produktivgenossenschaften stellen Produkte her und verkaufen diese auf gemeinschaftliche Rechnung. Der Unterschied zur Absatzgenossenschaft liegt darin, dass zusätzlich zum Verkauf auch die Herstellung der Produkte auf gemeinsame Rechnung Teil des Gesellschaftszweckes ist.
5. Verbrauchergenossenschaften
Bei den Verbrauchergenossenschaften kann es Überschneidungen zu den Einkaufsgenossenschaften geben. Hauptsächlich fördert die Genossenschaft ihre Mitglieder durch wirtschaftliche Unterstützung in „alltäglichen Geschäften“. Gemeint sind Einkäufe, wie z.B. Lebensmittel, Tageszeitungen, etc. Diese Genossenschaften möchten durch Großeinkauf „hauswirtschaftliche“ Gegenstände den Mitgliedern preisgünstig anbieten.
6. Werkgenossenschaften
Werkgenossenschaften beschaffen ihren Mitgliedern Gegenstände des landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betriebes, welche sie für eine bestimmte Zeit benutzen dürfen. Diese Art von Genossenschaft ist vor allem in der Landwirtschaft anzutreffen, da hier teure Maschinen oft nur saisonbedingt genutzt werden können und die Anschaffung für ein einzelnes Mitglied finanziell zu aufwendig wäre.
7. Wohnungsgenossenschaften
Die Wohnungsgenossenschaften haben als Ziel ihren Mitgliedern eine ideale Wohnungsversorgung zur Verfügung zu stellen. Dieses Ziel erreicht die Genossenschaft durch den Erwerb, die Veräußerung sowie die Vermittlung von Wohnraum. Der Gesellschaftszweck kann sich auch auf die Betreuung von Gebäuden aller Art beziehen, unabhängig ihrer Nutzungsform.
Normen: § 1 GenG; § 17 GenG

References: § 1

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 § 17
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