Source: https://www.diplom.de/document/221852
Timestamp: 2020-07-02 08:10:23+00:00

Document:
Yvonne Röhl (Autor)
Hochschule Neubrandenburg (Sozialwesen)
2. Qualitätsmanagement in der Theorie
2.1. Qualität
2.2. Qualitätsarten
2.2.1. Prozessqualität
2.2.2. Strukturqualität
2.2.3. Ergebnisqualität
2.3. Qualitätsdimensionen
2.3.1. Nach Herbert Vogt
2.3.2. Nach Bobzien/ Stark/Straus
2.3.3. Nach KGSt
2.3.4. Nach Erath/Amberger
2.4. Qualitätsebenen
2.5. Interessengruppen
2.6. Qualitätsstandards
2.7. Phasen und Ablauf der Entwicklung von Qualitätsmanagement
3.2. Gesellschaftliche Veränderung
3.2.1. Wandel der Familien
3.2.2. Finanzlage der Kommunen
3.3. Die politischen Rahmenbedingungen im Vergleich zu den Zielen der Europäischen Kommission
3.3.1. Ziele in Bezug auf den politischen Rahmen
3.3.2. Finanzielle Ziele in Verbindung mit dem politischen Rahmen
3.3.3. Ziele hinsichtlich Umfang und Arten von Einrichtungen
3.3.4. Bildungsziele
3.3.5. Ziele bezüglich des Personalschlüssels
3.3.6. Ziele für Beschäftigung, Aus- u. Weiterbildung des Personals
3.3.7. Ziele hinsichtlich Umgebung und Gesundheit
3.3.8. Ziele in Bezug auf Eltern und Gemeinwesen
3.3.9. Ziele hinsichtlich der Ausführung
4. Qualitätsmanagementkonzepte
4.1. Kronberger Kreis
4.2. Kindergarten-Einschätzskala
4.3. DIN EN ISO 9000 ff
4.4. Total Quality Management (TQM)
4.5. IQUE Integrierte Qualitäts- und Personalentwicklung
Abbildung 1 – Qualitätsdimensionen sozialer Arbeit nach Bobzin/Stark/Straus, welche in Eigenarbeit ergänzt wurden
Abbildung 2 – Interessenpartner von Kindertagesbetreuung
Abbildung 3 – Aufbau einer Dokumentation nach ISO
Abbildung 4 – Modell eines prozessorientierten QMS
Abbildung 5 – TQM, Gewichtung von Befähiger und Ergebnisse
Abbildung 6 – TQM, Gewichtung der einzelnen Schlüsselfaktoren
Abbildung 7 – Qualitätsdimensionen nach dem KitaManagementKonzept
Tabelle 1: Qualitätsdimensionen von Bildung, Erziehung und Betreuung in Tageseinrichtungen von Kindern
„Qualitätsmanagement von Tageseinrichtungen für Kinder ist die systematische und kontinuierliche Planung, Lenkung, Sicherung und Verbesserung des Leistungsangebotes, sowie die erforderlichen Prozesse und Strukturen konsequent am Nutzen für Kinder und Eltern sowie einer bestmöglichen Kosten-Nutzen-Relation auszurichten“[1]
Ein Qualitätsmanagementsystem ist ein im Unternehmen (auch Kindertageseinrichtungen) eingeführtes Verfahren, über das sichergestellt wird, dass die Qualität des Endproduktes (Betreuung, Erziehung, Bildung) den von den Kunden (Eltern, Kindern, Träger u. s. w.) geforderten Qualitätsansprüchen entspricht. Qualitätsmanagementsysteme dienen auch der kontinuierlichen Verbesserung der Verfahren und Abläufe in Unternehmen und können so zu Kostensenkungen, was gerade in sozialen Einrichtungen auf Grund der leeren öffentlichen Kassen zwingend erforderlich ist, beitragen.[2]
Die nachfolgende Arbeit setzt sich mit dem aktuellen Stand der Qualität deutscher Kindertagesbetreuung auseinander. Es sollen Grundlagen vermittelt werden, die das Verständnis für Qualität in Kindertageseinrichtungen fördern. Die gegenwärtige Situation wird betrachtet aus europäischer Sicht und auch die bildungspolitischen Probleme werden geschildert. Ein Überblick über derzeit diskutierte Qualitätskonzepte ergänzt die gesamte Arbeit.
Seit dem Jahr 1996 hat in unserem Land jedes Kind ab dem 3. Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, was zwar zu einem erheblichen Ausbau des Platzangebotes führte, aber auch zu einer Verschlechterung der Qualität in den Einrichtungen. Die Novellierung des Gesetzes für Tageseinrichtungen für Kinder veränderte die Anforderungen an die Fachkräfte und die Rahmenbedingungen entscheidend. Neue Herausforderungen stehen den Mitarbeiterinnen auf dem Weg zum Dienstleistungsunternehmen, wo es um Kundenbedürfnisse, Profilierung der Einrichtung und um Verbesserung der Qualität geht. Trotz des hohen Kostendruckes sind die Erzieherinnen aufgerufen für die Rechte der Kinder einzutreten und sie zu wahren.
Mit dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz wird für eine ganze „Kindergeneration“ Betreuung, Bildung und Erziehung in einer öffentlichen Institution gewährt. In Deutschland kann man davon ausgehen, dass jedes Kind im Laufe seiner Kindheit eine Tageseinrichtung für Kinder besucht. In den letzten Jahren hat sich der zeitliche Umfang der täglichen Betreuung erhöht, ebenso wie die Dauer einer institutionalisierten Kindheit.[3] Das ist ein deutlicher Hinweis für den Bedeutungszuwachs und Funktionswandel der öffentlichen Erziehung. Kindertagesbetreuung heutzutage ist keine Notlösung für benachteiligte Kinder mehr, sondern ein Teil der durchschnittlichen Biographie.[4] Dem 10. Kinder- und Jugendbericht kann man entnehmen, dass in keinem anderen Dienstleistungsbereich derart große Qualitätsunterschiede wahrgenommen werden, wie im Bereich der Kindertageseinrichtungen. Solche Qualitätsunterschiede liegen zum Beispiel in der pädagogischen Arbeit aufgrund der Vielfalt der praktizierten Konzepte, in der Qualifizierung der Fachkräfte und der Unterstützung durch Fachberatung und Fortbildung. Genauso kann man von Kommune zu Kommune Unterschiede hinsichtlich des quantitativen Platzangebotes feststellen, z. B. Ganztagsplätze mit Mittagessen oder Krippenplätze sowie Hortplätze.[5]
Auf Grund der veränderten Rahmenbedingungen, wie gesellschaftliche und gesetzliche Veränderungen, wie auch der Kosten- und Konkurrenzdruck etablieren sich in den Kindertageseinrichtungen immer öfter Qualitätsmanagementsysteme. Die Bildungsdiskussion in Verbindung mit der Qualitätsdiskussion macht darauf aufmerksam, dass der Kindergarten bedeutungsvoll für die zukünftige Gestaltung unserer Gesellschaft geworden ist. Eine Überprüfung der Institution Kindergarten ist also von großer Wichtigkeit, denn Fehlentwicklungen könnten fatale Folgen für die Kinder, Eltern, die Gesellschaft und die Profession der Erzieherinnen haben.
Durch den Kostendruck, sowie der seit 1996 stets angestiegen hohen Anzahl von Kindertageseinrichtungen und durch rückläufige Kinderzahlen bekommen die Einrichtungen einen immer größeren Konkurrenzdruck. Der Wettbewerb um die Nutzer von Kindertageseinrichtungen hat bereits begonnen, und keine Einrichtung sollte warten, bis die Auseinandersetzung mit Qualität angeordnet wird. Gottfried Koppold vermerkt, dass die Qualitätsdiskussion bisher nur ein von außen auferlegtes Anliegen zu sein scheint. In der Praxis kann man davon ausgehen, dass die Qualitätsdiskussion die breite Ebene der Kitalandschaft noch nicht erfasst hat.[6]
Die Diskussion um Qualität findet derzeit auf verschiedenen Ebenen statt, worauf ich in der folgenden Arbeit noch näher eingehen werde. Eine wichtige und noch unzureichend geklärte Ebene ist die politische Ebene, welche in meiner Arbeit verstärkt Beachtung findet. Wie Gottfried Koppold bemerkt, genügt es nicht, wenn nur von der Leitung und vom Personal einer Einrichtung Kompetenz verlangt wird und Qualitätsstandards erfüllt werden. Es sind rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich, um Mindeststandards einzuhalten und der Beliebigkeit entgegenzuwirken. Ebenso sind bestimmte Rahmenbedingungen notwendig, um überhaupt eine bestimmte Qualität zu erreichen. Es kann nicht ausreichen, den gesamten Qualitätsentwicklungsprozess auf dem Rücken der Einrichtungsträger und dem Personal der Einrichtung auszutragen.[7]
Auch Beate Irskens spricht von der Notwendigkeit, die „Beliebigkeit abzubauen“. Hier richtet sich die Forderung aber an die fachliche Ebene, welche sich mit pädagogischen Handlungstheorien und der Sozialisation sowie Entwicklung des Kindes beschäftigt.[8]
Noch einmal weise ich darauf hin, dass sich Qualität auf mindestens fünf verschiedenen Ebenen entwickeln muss und das gerade im Bereich der Kinderbetreuung sehr unterschiedliche Interessengruppen aufeinander treffen. Somit herrschen differenzierte Sichtweisen über die Qualität von Kindertagesbetreuung und auch deren Umsetzung.
Eine qualitativ gute Kindergartenarbeit zeigt sich daran, inwieweit es gelingt, einen tragfähigen Konsens zwischen diesen teilweise konträren Zielsetzungen herzustellen und inwieweit es gelingt diesen Konsens in die praktische Arbeit umzusetzen und zu integrieren.
Im ersten Teil meiner Diplomarbeit werde ich alle wichtigen Begriffe klären, die mit der Qualitätsentwicklung einhergehen und beziehe mich bei allen auf die Kindertagesbetreuung in Deutschland. Auch werde ich allgemein den Prozess darstellen, der in einer Einrichtung abläuft, wenn man sich dem Thema Qualität stellen will.
Des Weiteren erläutere ich im Hauptteil meiner Arbeit die Rahmenbedingungen und Unentbehrlichkeit der Qualitätsoffensive im Kindergartenbereich. Unter Beachtung der Landesausführungsgesetze zur Kindertagesbetreuung in Anlehnung an den § 26 KJHG werde ich einen Vergleich herstellen zu den Forderungen des Netzwerks Kinderbetreuung der Europäischen Kommission.
Im dritten Teil der Arbeit beschreibe ich die derzeit im Kitabereich diskutierten Qualitätsmanagementverfahren bzw. Verfahren zur Qualitätsentwicklung. Dazu werde ich jeweils eine Pro und Contra Gegenüberstellung führen.
Zu guter Letzt fasse ich alles zusammen und weise noch einmal auf Probleme und Perspektiven hinsichtlich der Praxis und Finanzierung hin.
Das Qualitätsmanagement in Kinderbetreuungseinrichtungen dient der Bedürfniserfüllung aller Interessenten, was nicht immer leicht umzusetzen ist, wegen der oft gegensätzlichen oder nicht zu vereinbarenden Ansprüche und Sichtweisen der so genannten Kunden. Darüber hinaus sollten auch fachliche Anforderungen und gesetzliche Vorgaben beachtet werden, um eine gute Qualität zu erlangen.
Um einen Einblick in das Qualitätsmanagement zu bekommen, sollten folgende Begriffe für jeden Beteiligten verständlich sein. Im Hinblick auf das Thema ist es auch von Nöten diese Begriffe in Zusammenhang mit dem Kinderbetreuungsbereich zu sehen und zu erläutern.
Im sozialen Bereich hat sich bisher noch keine eindeutige Definition von Qualität herausgebildet, weil es dort eine Konfrontation mit Werten und Traditionen gibt, die es erschweren auf das Qualitätsmanagement der Profitorganisationen zurückzugreifen.[9] Daher scheint es angebracht, eine allgemeine Definition einzubringen, um den Begriff zu verstehen.
„Qualität ist eine Gesamtheit von Merkmalen eines Produktes, einer (Dienstleistung), die sich auf vereinbarte und festgelegte Kriterien bezieht; sie ist keine absolute, unveränderliche Größe.“[10] So ähnlich klingen alle anderen Definitionen, wobei bestimmte Merkmale des Begriffes immer wieder benannt werden. So ist der Begriff Qualität neutral und ergibt sich immer aus den Erwartungen an eine Leistung und der tatsächlich erbrachten Leistung. Die Erwartungen an die Leistung werden mit allen Beteiligten ausgehandelt und sind somit abhängig von deren Wertvorstellungen, Sichtweisen, Erkenntnissen und Bedürfnissen. Demnach ist es nur allzu logisch, dass Qualität veränderbar und zeitbezogen ist, allein durch den Wertewandel in der Gesellschaft oder durch politisch veränderte Rahmenbedingungen. Jedoch muss dazu gesagt werden, Qualität ist immer vorhanden, ob nun gute oder schlechte. Das liegt im Auge des Betrachters, also der Perspektive aus der man die vorhandene Qualität beurteilt.
Nach Dr. Friedhelm Knorr kann man auch sagen, Qualität ist kein feststehender Begriff, der eine absolute Größe bezeichnet, welche immer Gültigkeit besitzt. Der Begriff muss stets neu definiert werden und bezieht sich auf identifizierbare Dienstleistungen. Qualität bezieht sich auf mehrere Aspekte einer Dienstleistung. Darüber lassen sich auch Angeben machen, wie es um die Struktur der Dienstleistung beschaffen ist. Ebenso ist Qualität keine gegebene Größe, die einmal erreicht immer wieder automatisch hergestellt werden kann. Hierzu wird ein entsprechendes Qualitätsmanagement benötigt, das für die Einhaltung und Weiterentwicklung der vereinbarten Qualitätsstandards sorgt, Qualität kontrolliert und sichert.[11]
Geht man vom sozialpädagogischen Auftrag des Kindergarten mit den folgenden Zielen aus „Bilden, Erziehen und Betreuen“, kann von einer qualitativ guten Tagesbetreuung im Sinne pädagogischer Qualität gesprochen werden, wenn diese das körperliche, emotionale, soziale und intellektuelle Wohlbefinden und die Entwicklung der Kinder in diesen Bereichen fördert und die Familien in ihrer Betreuungs- und Entwicklungsaufgabe unterstützt.[12]
Wir unterscheiden grundsätzlich drei Arten von Qualität. Zum einen die Prozessqualität, welche die Qualität der Durchführung der Leistung widerspiegelt. Dann die Strukturqualität, die durch Rahmenbedingungen bestimmt wird und im Prinzip auch den Rahmen darstellt, in welchem eine Leistung vollzogen wird. Entsprechend der Beschaffenheit von Strukturqualität entwickelt sich dann Qualität. Die Strukturqualität einer Einrichtung ist somit ein wichtiger Aspekt für die Entwicklung von Qualität und auch unverzichtbar für den Vergleich mit anderen Einrichtungsqualitäten. Leider scheint bei den Verantwortlichen, den Gesetzgebern und Kostenträgern jegliches Bewusstsein dafür zu fehlen.[13]
Die dritte Qualitätsart ist die Ergebnisqualität, welche die Resultate beschreibt, wobei man im sozialen Bereich Veränderungen durch Interventionen darunter versteht. . Die KGSt weist darauf hin, dass verstärkt auf die Ergebnisqualität geachtet werden soll und nicht nur auf Prozess- und Strukturqualität, wie es in der Fachliteratur häufig der Fall ist.[14] Begründet scheint dies darin zu sein, dass es von entscheidender Bedeutung ist, welche beabsichtigten und tatsächlichen Ergebnisse und Wirkungen durch kommunales Handeln erreicht werden sollen.
Alle drei Qualitätsarten finden bei jeder Dimension von Qualität Anwendung. Sei es bei der pädagogischen Qualität, bei der Leitungsqualität oder den anderen im nachfolgenden benannten.
Die Prozessqualität in Kindertageseinrichtungen bezieht sich hauptsächlich auf die Interventionshandlungen als Gesamtheit aller Aktivitäten zwischen der Einrichtung und allen Interessenpartnern. Hierzu zählt der Umgang mit den Kindern, den Eltern, die Organisation im Team, die Verteilung der Verantwortung und wie die Zusammenarbeit mit Trägern, Sachverständigen und den Gemeinden gehandhabt wird.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAGLJÄ) hat diese Aspekte wie folgt zusammengetragen.
- Betreuer – Kind – Interaktion
- Betreuer – Eltern – Interaktion
- Betreuer – Betreuer – Interaktion
- Betreuer – Träger – Interaktion
- Interaktion mit anderen Diensten
- Interaktion mit der sozialen und kulturellen Umgebung[15]
Tietze, Schuster und Rossbach verdeutlichen in der Kindergarten-Einschätz-Skala (KES) wesentliche Gesichtspunkte, die zu einer angemessenen pädagogischen Prozessqualität im Kindergarten gehören. Kurz zu benennen währen die Interaktionen, die für entwicklungsmäßig geeignete Aktivitäten des Kindes sorgen und seine emotionale Sicherheit und sein Lernen unterstützen. Ebenso wichtig ist die Vorrangstellung der Sicherheit und Gesundheit des Kindes bei der Betreuung und dem Umgang mit ihm, wie auch die Einbeziehung der Familie des Kindes im Rahmen klarer Kommunikationsformen. Tietze, Schuster und Rossbach weisen auch darauf hin, dass sich strukturelle Rahmenbedingungen nicht gänzlich von der Prozessqualität abgrenzen lassen. Das wird deutlich, in dem sie das räumlich – materielle Arrangement zu den Notwendigkeiten einer pädagogischen Prozessqualität zählen.[16]
Die Strukturqualität wird durch Faktoren bestimmt, wie z.B. Situation, Umfeld, Finanzen und politischen Entscheidungen. Durch diese Faktoren verändern sich die Rahmenbedingungen, welche wiederum die Struktur einer Einrichtung beeinflussen. Zu diesen Rahmenbedingungen gehören Aspekte, wie Gruppengröße, Personalschlüssel, Professionalität der Betreuer und Leiter, Angebotsstruktur, Struktur des Betreuungsablaufes, Raumgestaltung und Größe der Einrichtung sowie kulturelle Aufgeschlossenheit. Ganz präzise kann man auch einschränken auf vier Gruppen der Rahmenbedingungen: Personal, Ausbildung, materiell-fachliche Ausstattung, Aufbau- und Ablauforganisation.
Strukturqualität ist der Qualitätsbegriff, dem die meiste Aufmerksamkeit in Gesetzen und Richtlinien beigemessen wird. Die Vorschriften variieren von Bundesland zu Bundesland und somit auch der Inhalt der o. g. Aspekte.
Im Zusammenhang mit Bildungs- und Erziehungsprozessen wird die Ergebnisqualität eher vorsichtig erörtert. Allgemein wird darunter der erzielte Zustand durch eine erbrachte Leistung verstanden, welcher dann durch Soll-Ist-Vergleich oder Evaluation gemessen wird.[17] Die Messung dieser Qualität im Kinderbetreuungsbereich ist aber unzureichend umsetzbar. Verweist man noch einmal darauf, dass Ergebnisqualität sich dadurch definiert, in wieweit Veränderungen durch Interventionen hervortreten, müssen diese Veränderungen notwendigerweise erkannt werden. Im Kinderbetreuungsbereich wären das Veränderungen, wie kognitive und motorische Entwicklung des Kindes, emotionale Ausgeglichenheit, soziale Kompetenz u. a. Letzteres lässt sich nur durch Beobachtung überprüfen, was in Deutschland zu selten, wenn überhaupt durchgeführt wird. Hier sind noch große Lücken in der Forschung offen. Notwendig wären Beobachtungen der Kinder beim Eintritt in die Betreuungseinrichtung und dann in regelmäßigen Abständen, um rechtzeitig Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, denn wenn das Kind die Einrichtung verlässt und dann erst eine Fehlentwicklung festgestellt wird, können die Pädagogen der Einrichtung nicht mehr handeln. Zudem müssen klare Ziele festgelegt sein, denn ohne ein Soll ist der Vergleich mit dem Ist nicht möglich. Hinzu kommt, dass sich Ziele wie soziale Kompetenz und die relevanten Merkmale dieses Ziels nur schwer exakt definieren und in messbaren Größen ausdrücken lassen.
Im erzieherischen Dienstleistungsbereich sind Schlussfolgerungen von guten oder schlechten Ergebnissen auf die Struktur oder Prozessqualität nur zum Teil angebracht, denn hier ist der Mensch, das Kind, die Eltern und deren Lebensumfeld von entscheidender Bedeutung. Besonders die persönlichen Faktoren wie Bildung, Biographie, religiöse Einstellung und sozialer Stand spielen hier eine wichtige Rolle. Kurz gesagt, Qualität ist immer abhängig von der Befindlichkeit und Erwartung des Betrachters oder potentiellen Empfängers.
Damit kann sich in der Praxis eine Qualitätsbeurteilung nur begrenzt am Ergebnis bzw. an der Wirkung orientieren.
Hinzuzufügen ist, dass das Potential längst nicht ausgeschöpft ist, welches zur Wirkungsbeobachtung geeignet erscheint. Benennen möchte ich hier die von Klara Schlömer erwähnten Aspekte, wie „Engagiertheit“ und „Wohlbefinden“ der Kinder.[18] Auch die Leuvener Engagiertheitsskala für Kinder (LES-K) ist ein geeignetes Instrument zur Beobachtung und Messung von Entwicklungen der Kinder.
Um Qualität in Einrichtungen zu entwickeln, muss einem jedem Beteiligten bewusst sein, welche Dimensionen von dieser Entwicklung betroffen sind.
Herbert Vogt hat sieben Dimensionen an Hand der folgenden Orientierungspunkte herausgearbeitet. Der erste wichtige Orientierungspunkt ist Freundlichkeit als persönliche Grundhaltung gegenüber den Kindern, Eltern, Kollegen und anderen Kunden. Er verlangt ein offenes, einladendes, zugewandtes und solidarisches Verhalten von den Fachkräften. Ein nächster Orientierungspunkt ist das strategische Ziel der Partizipation und Partnerschaftlichkeit. Eine Mitwirkung aller Beteiligten und Interessierten, auch aus der Gemeinde und Öffentlichkeit, in der Kindertageseinrichtung ist erwünscht und soll gefördert werden. Des Weiteren gehört die Integration aller Kinder und Familien einer bestimmten Region, unabhängig von ihren kulturellen Verschiedenheiten, ihren alters- und bedürfnismäßigen Unterschiede und Problemlagen mit zu den Orientierungspunkten, welche von Vogt aufgezählt werden. Ein vierter Orientierungspunkt ist die Kontextorientierung, welche hauptsächlich an den Lebens- und Beziehungswelten und den Lebensgeschichten interessiert ist. Der letzte Orientierungspunkt ist die Bedarfsorientierung. Wünsche und Interessen des Gemeinwesen, der Eltern, der Kinder und der Gemeinde stehen im Vordergrund des Leistungsangebotes, sowie die empirische Bedarfermittlung.
An Hand dieser Orientierungspunkte hat Herbert Vogt also sieben Qualitätsdimensionen herausgearbeitet, welche während des Qualitätsentwicklungsprozesses wiederum in drei Untersuchungsebenen gegliedert werden. Zuerst formuliert man zu jeder Dimension die zentralen Standards, nicht nur Mindeststandards, sondern auch die nur von dieser Einrichtung erstrebenswerten Zustände. Dann erfolgt die Erarbeitung von Erkenntnisleitenden Fragen, welche zur differenzierten Untersuchung der eigenen Kindergartenarbeit dienen sollen. An Hand der Antworten auf diese Fragen gewinnt die Einrichtung einen Überblick über die Zustände, die bereits erreicht worden sind und einen Vorschlagskatalog, der zur weiteren Entwicklung dienen kann.
Die sieben Dimensionen der Qualität nach Herbert Vogt sind:
- Leitungsqualität
- Personalqualität
- Einrichtungs- und Raumqualität
- Trägerqualität
- Kosten-Nutzen-Qualität
- Förderung von Qualität
- Programm- und Prozessqualität[19]
Weitere Dimensionen nennt M. Bobzien, W. Stark und F. Straus in Qualitätsmanagement aus der Fachreihe „Schwerpunkt Management“.[20] Die Eckpunkte, mit denen sich die Qualitätsdimensionen festlegen lassen, sind bei ihnen Kundenfreundlichkeit, Mitarbeiterorientierung, Lebensweltorientierung, das Bild vom Menschen, Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Hieraus haben sich acht Qualitätsdimensionen ergeben, die für den gesamten Bereich der sozialen Arbeit anwendbar sind und somit auch für Einrichtungen der Kindertagesbetreuung.
In Abbildung 1 sind die Qualitätsdimensionen schematisch dargestellt und ergänzt durch eine Übertragung für den Kitabereich.
Abbildung 1 - Quelle[21]
Auch die Kommunale Geschäftsstelle benennt die Qualitätsdimensionen einer Kindertageseinrichtung. Ähnlich wie H. Vogt orientiert sie sich an vier wichtigen Zielen, die der Untergliederung von Qualitätsdimensionen dienen und einen Blick auf den gesamten Leistungserstellungsprozess erlauben. Vor allem findet hier die Qualität von Ergebnissen und Wirkungen einen beachtlichen Wert. Den Zielen schreibt die KGSt, ebenso wie H. Vogt eindeutige Leitfragen zu, die die Steuerung eines Qualitätsmanagements von Kindertageseinrichtungen erleichtern und zur Ordnung eines Systems von Qualitätsdimensionen beitragen sollen.[22] Die Zielfelder sind hier sehr stark an den Qualitätsarten Prozess-, Struktur- und Ergebnisqualität angelehnt.
In der nachfolgenden Tabelle zeige ich dem einfachen Verständnis wegen die Ziele, deren Leitfragen und die entsprechenden Qualitätsdimensionen auf.
Tabelle 1: Qualitätsdimensionen von Bildung, Erziehung und Betreuung in Tageseinrichtungen von Kindern[23]
Auch Peter Erath und Claudia Amberger haben drei Qualitätsdimensionen herausgestellt, welche zueinander in Beziehung stehen und die Qualität einer Einrichtung wesentlich beeinflussen. Zum einen währe da die interaktive Dimension, die wie schon der Name sagt Hinweise über die Aushandlungsprozesse und Auseinandersetzungen der Interessenpartner untereinander gibt. Dann erwähnen sie die fachliche Dimension, welche sich mit der Erfüllung pädagogisch-fachlicher Standards während aller Prozesse beschäftigt. Und als dritte benennen sie die organisationale Dimension, die sich mit der Qualität der organisationalen Umsetzung im Rahmen klarer Organisations- und Arbeitsstrukturen befasst.[24]
Wenn wir alle Ausführungen von Qualitätsdimensionen miteinander vergleichen, können wir feststellen, dass bis heute keine Einigkeit darüber besteht, welche Qualitätsdimensionen wichtig erscheinen. Jedoch lässt sich aussagen, dass der Zweck von Qualitätsdimensionen erklärt scheint. Denn sie sollen dazu dienen, dass der gesamte Komplex, in welchem Qualitätsentwicklung vorangetrieben wird, aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen wird und somit in kleinere Komplexe geteilt wird. Dies dient der Übersichtlichkeit des Systems und der erforderlichen Ordnung. Mit Hilfe der entsprechenden Leitfragen finden die Beteiligten leichter Antworten und können sich effektiver mit dem Qualitätsentwicklungsprozess auseinandersetzen.
In der Fachliteratur findet man häufig unter Qualitätsebenen die Darstellung der Prozess-, Struktur- und Ergebnisqualität. Beate Irskens versteht aber unter diesen Begriff die Ebenen, auf denen sich Qualität abspielt. Sie nennt unter anderem die die gesellschaftliche Ebene, die politische Ebene, die fachliche Ebene, die organisatorische Ebene und die Kommunikations- und Handlungsebene.[25] Auch im Fachpolitischen Diskurs des Sozialpädagogischen Institutes des Landes Nordrhein-Westfahlen finden wir die von Beate Irskens genannten Ebenen wieder. Kurze Erläuterungen sollen helfen, sich eine Vorstellung von den Ebenen zu machen. Die gesellschaftliche Ebene beinhaltet die derzeitigen Vorstellungen über Erziehung, das allgemeine Bild vom Kind und die gesellschaftlichen Bedingungen für die kindliche Entwicklung. Die politische Ebene schließt die Schaffung von Rahmenbedingungen wie Gesetze oder die Infrastruktur für Kinder und ihre Familien mit ein. Auf der fachlichen Ebene betreibt man Grundlagenforschung zu entwicklungspsychologischen Fragestellungen oder Fragen zur Bildungsforschung. Die Erkenntnisse dieser Ebene wurden bisher in Deutschland nur unzureichend beachtet, was im Abschnitt „Qualitätsstandards“ näher umschrieben wird. Die organisatorische Ebene umfasst die Organisation der Tageseinrichtungen und des Trägersystems. Und auf der Kommunikations- und Handlungsebene werden die Gestaltungen der Beziehungen von Kindern und Eltern zu Erzieherinnen sowie Methodenkenntnisse näher beleuchtet.[26]
Im Vergleich zu den Qualitätsdimensionen, die ich oben schon beschrieben habe, ist festzustellen, dass einige Punkte dort ihre Beachtung finden. Jedoch die politische und gesellschaftliche Ebene werden zu wenig beleuchtet, obwohl die Politik doch entscheidende Rahmenbedingungen stellt. Ebenso ist es mit der Gesellschaft, es verändern sich regelmäßig Ansprüche der Gesellschaft und Öffentlichkeit an die Kindertagesbetreuung. Der Wandel der Gesellschaft, die sozialen Bedingungen, die das Umfeld der Kinder, deren Familien und der Einrichtung bestimmen, werden unzureichend analysiert. Obwohl auch hieraus wichtige Entscheidungen resultieren, die die Richtung einer Kindertagesbetreuung von Heute bestimmen.
Interessengruppen sind alle, die an der Kindertageseinrichtung beteiligt und interessiert sind. Soziale Dienstleistungen, wozu auch die Kindertagesbetreuung zählt, können ihre Kunden nicht immer eindeutig identifizieren. Es ist immer wichtig zu sehen, wer hat und wer bringt einen Nutzen. Natürlich sind die wichtigsten Nutzer bzw. Kunden die Kinder und deren Eltern. Aber auch die Träger und die Öffentlichkeit, also die Gesellschaft sind nicht außer Acht zu lassen, denn sie sind die Geldgeber und fordern eine gute Qualität als Sicherung der Zukunft unserer Gesellschaft. Des Weiteren sind die Fachöffentlichkeit und die Mitarbeiterinnen, sowie die Kommunen zu benennen.
Ein Austausch zwischen den Interessenpartnern, auch Stakeholder genannt, ist unerlässlich. Zum Beispiel kann es nicht nur nach den Wünschen der Eltern gehen, es muss alles finanzierbar sein und auch mit fachlichen Entwicklungen zu vereinbaren. Ebenso muss die Umsetzbarkeit durch die Mitarbeiter garantiert sein.[27]
Abbildung 2 - Quelle[28]
Die Qualitätsstandards im Kitabereich, wobei es sich meist um Mindeststandards handelt, werden definiert durch die Ausführungsgesetze der Länder zum §22 ff. des KJHG und durch entsprechende Rechtsverordnungen. Zurzeit schlagen jedoch immer mehr Bundesländer den Weg der Kommunalisierung der Zuständigkeit für Kindertagesstätten ein, man denke an die zukünftige Abschaffung der Landesjugendämter in einigen Bundesländern. Dort werden die bisher geltenden Vorschriften über Mindeststandards aufgehoben und es wird den Kommunen überlassen, die Einrichtungen nach Gutdünken auszustatten. Da regiert dann meist der kommunale Geldbeutel. Der Beliebigkeit muss entschieden entgegengetreten werden, wenn das Recht der Kinder auf Chancengleichheit nicht noch weiter verloren gehen soll.
Die Kindertageseinrichtung sollte sich auch eigenständig mit der Ausformulierung von Qualitätsstandards in ihrer Organisation beschäftigen. Dies dient zur besseren Identifizierung und Motivation bei der Entwicklung von Qualität. Des Weiteren findet die eigenständige Erarbeitung von Qualitätsstandards ihre Bedeutung darin, dass sie der Profilierung der Einrichtung nützt.
Qualitätsstandards sind konkretisierte Ziele, die sich eine Einrichtung setzt und welche auch dokumentiert werden, um Verbindlichkeit und Allgemeingültigkeit zu verdeutlichen. Zustände, die erwünscht sind, können mit ihnen genauer beschrieben und bewertet werden. Mit Hilfe von Qualitätsstandards können die Ziele einer Einrichtung in Handlungsschritte umgesetzt werden. Ausgehandelt werden diese mit allen Interessenpartnern. Ein Qualitätsstandard ist folgendermaßen zu gestalten. Da sich Qualität, wie schon erwähnt mit der gesellschaftlichen Entwicklung, sich wandelnden Bedürfnissen und neuen Erwartungen immer wieder verändert, sollten die Qualitätsstandards immer wieder auf ihre Gültigkeit und Angemessenheit hin überprüft und gegebenenfalls variiert bzw. verbessert werden.[29] Um noch einmal zurückzukommen auf die Beliebigkeit. Dies zu verhindern währe möglich durch die Schaffung eines gewerkschaftlichen Gütesiegels, wie es die GEW vorschlägt. Diese Siegel, also erforderliche Standards müssten geschaffen werden durch pädagogische Teams in Zusammenarbeit von Wissenschaft und Beratung.[30]
Im Hand- und Werkbuch „Soziales Qualitätsmanagement“ findet man von Peter Gerull eine ausgearbeitete Definition zum Begriff Qualitätsstandards.
- „Qualitätsstandards leiten sich aus anerkannten Qualitätskriterien ab und sind definierte Ausprägungsgrade dieser Kriterien (z. B. Minimal-, Ideal- oder Durchschnittsstandards).“[31]
Die Europäische Kommission fordert bereits seit 1991 eine konstruktive Auseinandersetzung der Politik mit der Qualität der Kindertagesbetreuung. Bis zum Jahr 2006 sollen die 40 Qualitätskriterien als Mindeststandards, welche gemeinsam mit internationalen, europäischen, regionalen und lokalen Institutionen erarbeitet wurden, in allen Ländern der Europäischen Union erreicht sein.[32]
Da in dieser Arbeit besonders die Güte deutscher Kindertageseinrichtungen beleuchtet werden soll, erachte ich es als notwendig, die von der Europäischen Kommission erarbeiteten Kriterien verkürzt zu benennen und in Kapitel 3.3.1. mit den bestehenden Länderregelungen zu vergleichen. Das Netzwerk Kinderbetreuung der Europäischen Kommission hat die einzelnen Qualitätskriterien primären Zielen zugeordnet, welche ich hier einmal aufzähle:
I. Ziele im Bezug auf den politischen Rahmen (1-6)
II. Finanzielle Ziele in Verbindung mit dem politischen Rahmen (7-10)
III. Ziele hinsichtlich Umfang und Arten von Einrichtungen (11-15)
IV. Bildungsziele (16-20)
V. Ziele bezüglich des Personalschlüssels (21-24)
VI. Ziele für Beschäftigung, Aus- und Weiterbildung des Personals (25-29)
VII. Ziele hinsichtlich Umgebung und Gesundheit (30-33)
VIII. Ziele im Bezug auf Eltern und Gemeinwesen (34-36)
IX. Ziele hinsichtlich der Ausführung (37-40)[33]
Mit Blick auf diese eben genannten Ziele und die in Kapitel 1.1.2. „Qualitätsarten“ beschriebenen Aspekte lassen sich Qualitätsstandards für jede Einrichtung herleiten. Diese während des Qualitätsentwicklungsprozesses in einer beliebigen Kinderbetreuungseinrichtung zu erarbeitenden Standards, sollten präzise auf die Einrichtung, deren Ressourcen und Leitbild zugeschnitten sein.
Ein entscheidendes Problem ist jedoch, dass die Ziele der Europäischen Kommission nicht nur Ziele der Einrichtungen sind, sondern insbesondere die Politik der Länder und der Bundesrepublik ansprechen. Denn allen voran sind hier die Ziele, welche Rahmenbedingungen vorschreiben, unter welchen sich dann in den Kindertagesstätten weiterhin Qualität entwickeln soll und wird.
Zusammenfassend möchte ich noch einmal sagen, dass sich die Qualitätsstandards vornehmlich auf die Strukturqualität und auf die pädagogische Qualität konzentrieren. Pädagogische Qualitätsstandards sind unter anderen der pädagogische Umgang mit Kindern, die Gestaltung des Gruppenlebens, das selbstbildende Freispiel, die Kleingruppenarbeit, die Projektarbeit, gruppenübergreifendes Arbeiten, Feste und Feiern, Raumgestaltung, Integration, spezielle Förderung, Umgang mit Eltern, Umgang mit Beschwerden, Elternabend, Entwicklungsgespräch und vieles andere. Zu den strukturellen Qualitätsstandards zählen zum Beispiel Gesamtteam, Team, Leitung, Dokumentationssystem, Fortbildung und Schulung, Hygiene und Sicherheit, Budgetführung, Fallbesprechungen, Aufnahmeverfahren, Bewerbungsgespräche.
Man kann davon ausgehen, dass die Entwicklung von Qualität in allen sozialen Einrichtungen ähnliche Phasen durchläuft. Deshalb möchte ich den allgemeinen Ablauf von Qualitätsmanagement im Sozialen Bereich beschreiben.
In Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern einer Einrichtung werden individuelle und kollektive Visionen für die Zukunft zusammengetragen. Mit einem Rückblick auf bisherige Konzepte, Strategien und Erfolge, aber auch Misserfolge und einen Blick in die Zukunft wird ein Leitbild geschaffen. Im Leitbild enthalten sind von allen Mitarbeitern geteilte Grundsätze darüber, wie mit Klienten/innen, Geldgebern, dem Träger und anderen Einrichtungen umgegangen werden soll. Auch finden sich in der Ausformulierung des Leitbildes Aussagen zur Führung, Organisation und Kommunikation in der Einrichtung selbst. Dieses von den Mitarbeitern, z.B. in Workshops entwickelte Leitbild wird dem jeweiligen Träger vorgestellt, darüber abgestimmt um dann als Einleitung für die Qualitätspolitik, welche als nächster Schritt entworfen und umgesetzt wird, zu dienen.
Die Qualitätspolitik dient der Identifikation mit den Leitbildelementen und der Festlegung von übergreifenden Qualitätszielen. Sie sollte ausformuliert werden im Hinblick auf nachfolgende Aspekte: die Güte der zu erbringenden Dienstleistung, dem Image und dem Ruf der Einrichtung unter Beachtung der Qualität, die Ziele in Bezug auf die Qualität der einzelnen Dienstleistungen und Angebote, die zur Erreichung und Überprüfung von Qualitätszielen einzuschlagenden Vorgehensweise, die Formen von Anerkennung von Erfolgen und Leistungen sowie die notwendige Schulung und Fortbildung der für die Umsetzung der einzelnen Ziele verantwortlichen Mitarbeiter/innen. Beim Entwurf und der Umsetzung von Qualitätspolitik ist es erforderlich, einen Abgleich zwischen dem Leitbild, den Ressourcen und den noch zu entwickelnden Zielen und Maßnahmen durchzuführen. Alle genannten Elemente müssen miteinander kompatibel sein. Weil die Ressourcen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der Ziele spielen sind Verhandlungen mit dem Träger und anderen Geldgebern verstärkt notwendig, was hauptsächlich in den Aufgabenbereich der Leitung fällt. Ebenso ist die Leitung dafür verantwortlich, dass alle Mitarbeiter gemeinsam das Leitbild und die Ziele erarbeiten. In der Qualitätspolitik einer Einrichtung findet sich der tatsächliche Willen zur Umsetzung der Visionen.
Als nächster Schritt im Ablaufplan müssen die Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Die herausgearbeiteten Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Verbesserung werden systematisiert und in unterschiedliche Bereiche geteilt. Den verschiedenen strukturellen Ebenen fallen besondere Verantwortungen zu. So übernimmt die Führungsaufgabe meistens die Leitung. Sie ist für die Festlegung der Qualitätspolitik und deren Weiterentwicklung verantwortlich. Die Aufgabe der Führung schließt den Gesamtrahmen des Qualitätsentwicklungsprozesses ein. Dazu gehören auch möglichst alle Mitarbeiter zu beteiligen und die Bestimmung eines Qualitätsbeauftragten. Dieser übernimmt die Verantwortung für alle Tätigkeiten, die in Verbindung mit der Qualitätsverbesserung stehen. Er koordiniert die Maßnahmen zum Qualitätsmanagement einer Einrichtung und dient als Berater für die Durchführung einzelner Maßnahmen im Team. Zu seinen Aufgabenbereich gehören auch die Entwicklung und Durchführung von speziellen Methoden, Anleitung und Durchführung von Audits und Qualitätszirkeln. Der Qualitätsbeauftragte ist Ansprechpartner für die externe Prozessbegleitung und gemeinsam mit der Leitung repräsentiert er vor verantwortlichen Gremien die Einrichtung zum Thema Qualitätsentwicklung. Für einzelne Maßnahmen übernehmen jeweils die Bereichszuständigen/ Prozesseigner/innen die Verantwortung. Diese liegt darin, die Prozesse zu gestalten, abzustimmen, zu verbessern und Ergebnisse zu erzielen und zu dokumentieren, sowie falls notwendig weiterzureichen.
Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit der Qualitätsentwicklung. Im Einklang mit dem Leitbild und der Qualitätspolitik müssen jetzt von den einzelnen Teams der jeweiligen Tätigkeitsbereiche bedarfs- und kundenorientierte Qualitätsziele erarbeitet und entsprechende Voraussetzungen für ihre Umsetzung geschaffen werden. Erforderlich sind hierfür eine klare und transparente Beschreibung der angebotenen Dienstleistungen und Angebote, die möglichst klare Festlegung der von allen Beteiligten und gesetzlich erwarteten Merkmale der jeweiligen Dienstleistungsangebote und die vorbeugende Prozesssteuerung bezüglich der Ausführung, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Dienstleistungen. Nicht zu unterschätzen ist die Notwendigkeit der Schaffung einer kollektiven Verpflichtung zur Qualität bei allen mit der jeweiligen Tätigkeit befassten Mitarbeiter/innen und entsprechende interne Schulungsmaßnahmen, sowie die fortlaufende Überprüfung der Dienstleistungsanforderungen und Ergebnisse, um die Dienstleistungsqualität stetig verbessern zu können. Während der Erarbeitung von Qualitätszielen, an der die Mitarbeiter und in manchen Fällen auch die Nutzer beteiligt sind, gilt es Prozesse aus den einzelnen Arbeitsbereichen herauszufiltern, welche die Qualität der Dienstleistung besonders beeinflussen. Diese Prozesse werden als Schlüsselprozesse verstanden und sollten oberste Priorität besitzen. Zudem sollten für jeden Arbeitbereich überprüfbare Standards oder Messkriterien festgelegt werden.
Die Identifikation der Schlüsselprozesse ist bereits ein nächster Schritt im Ablaufplan. Auch die Klärung und transparente Darstellung von Prozessabläufen fällt in diese Phase als zentraler Bestandteil mit ein. Schlüsselprozesse sind besonders wichtig und bestimmend für das Erreichen der angestrebten Qualitätsziele. Sie beeinflussen erheblich die Qualität der Dienstleistung. Zu identifizieren sind sie durch einen Vergleich der angestrebten Ziele mit dem tatsächlichen Handeln, also einem Ist-Soll-Vergleich. Es gilt noch einmal Prioritäten zu setzen unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen.
Eine weitere wichtige Phase ist die Schnittstellenanalyse. Wichtig vor allem deshalb, weil hier mögliche Problemstellen liegen, die viele Arbeiten unwirksam machen kann. Um dies näher zu klären unterteilen wir die Schnittstellen in interne und externe Schnittstellen.
Die internen Schnittstellen finden sich bei den Übergängen in andere Arbeitsbereiche und damit einhergehende Verantwortungsübertragungen, aber auch bei den Übergängen zu anderen Hierarchieebenen. Dort treten durch mangelnde Kommunikation und Kooperation Übertragungsfehler, Verzögerungen oder einfach Kommunikationsprobleme auf. Es kommt zu Fehlinformationen oder zu gar keinen Informationsaustausch und somit sind manche Arbeitsbereiche in ihrer Arbeit blockiert. Eine Vereinfachung der internen Schnittstellen kann erreicht werden, indem die Mitarbeiter einen Blick für den gesamten Prozess entwickeln und nicht nur ihre einzelne Funktion als Mitarbeiter wahrnehmen. Eine weitere Vereinfachung ist das Schnittstellenmanagement. Hier geht man davon aus, dass Informationen Waren sind, die ein Lieferant an einen Kunden sendet. Um möglichst wenige Probleme bei der Erfüllung der Dienste zu haben, ist eine partnerschaftliche Analyse dessen notwendig, was jeder der beiden erwartet.
Externe Schnittstellen sind die zwischen Einrichtung und Nutzern, Einrichtung und Zuschussgebern oder zwischen verschiedenen Einrichtungen. Eine Vereinfachung über die Prozessorientierung ist hier nicht möglich, deshalb ist das Schnittstellenmanagement unerlässlich. Mit Hilfe von Feedback, Selbstreflexion und vor allem durch Kunden-Anbieter-Teams, welche gemeinsame Anforderungen und Erwartungen an eine Dienstleistung oder ein Produkt festlegen wird die partnerschaftliche Analyse erst möglich.
Als siebenter Schritt steht ein wichtiger Punkt, welcher ein gutes Qualitätsmanagement auszeichnet, nämlich die kontinuierliche Verbesserung. Man, das können interne und externe Beteiligte und Nutzer sein, erarbeitet in Workshops oder in regelmäßig stattfindenden Qualitätszirkeln Problemlösungen. Es werden Probleme aufgenommen, die schon in früheren Phasen des Qualitätsentwicklungsverlaufes aufgetreten sind und man sucht gemeinsam nach möglichen Fehlern um diese präventiv zu bearbeiten. Unter Heranziehung von anerkannten Problemlösungsverfahren, wie z. B. das Ishikawa-Diagramm oder der Fehler- Möglichkeits- und Einflussanalyse können die Ursachen für Probleme ermittelt und entsprechend korrigiert werden. Ein Nebeneffekt dieser Arbeit für die Mitarbeiter ist die Motivation und ihre Statusaufwertung, da sie an der Problemlösung und Verbesserung der Organisation beteiligt sind, was einer Erweiterung ihres normalen Arbeitsfeldes entspricht.
Alles bisher Erarbeitete und Festgelegte wird in einem Qualitätshandbuch dokumentiert. Dieses Verfahren ist angelehnt an die DIN ISO 9000. Das Handbuch soll aber nicht zur Bürokratisierung verwendet werden, sondern es soll für Mitarbeiter, vor allem für die Neuen zur Orientierung dienen, bei Vertrags- und Zuwendungsverhandlungen zur Entscheidungsfindung und Überzeugung aber auch für externe Qualitätsprüfungen. Dem Qualitätsaspekt der Transparenz wird mit dem Handbuch Rechnung getragen. Es verdeutlicht die Qualität der Einrichtung nach innen und nach außen. Im Handbuch enthalten sollten hauptsächlich die Schlüsselprozesse und die Schnittstellen sein. Dies ermöglicht dessen Überschaubarkeit und Bewertung. Weitere wichtige Inhalte des Handbuches sind die Beschreibung des Leitbildes der Einrichtung und der festgelegten Qualitätsziele, die Beschreibung der Aufgaben und Verantwortungsbereiche sowie die Beschreibung der Vorgabe- und Nachweisdokumente, die zugrunde gelegt werden. Der Qualitätsaspekt der Dynamik spiegelt sich in der Forderung wider, dass mindestens einmal im Jahr der Inhalt des Qualitätshandbuches überprüft werden muss und wenn notwendig verändert wird. Ein Qualitätshandbuch ist immer einrichtungsspezifisch gestaltet, aber auch einheitlich, denn das erleichtert das Lesen der Einträge. Die Pflege des Handbuches übernimmt der Qualitätsbeauftragte und Zuarbeit, besonders bei den Schlüsselprozessen, leisten ihm die jeweiligen Bereichszuständigen.
Zum Ende, aber eigentlich auch als Ausgangsbasis für den „Neustart“ des Qualitätsentwicklungsprozesses stehen dann die Verbesserungsgespräche, dessen Grundlage interne und externe Audits sind. Durch die Überprüfung und Begutachtung, die bei internen Audits durch interne Mitarbeiter aus anderen Arbeitsbereichen und bei externen Audits durch andere Einrichtungen, Organisationen oder den Zuschussgebern durchgeführt werden, sind kritische Beurteilungen der bestehenden Strukturen und Arbeitabläufe möglich. Somit können durch veränderte Rahmenbedingungen notwendig gewordene Anpassungen vollzogen werden. Die Überprüfungen erfolgen durch einen Vergleich mit dem Leitbild und den Visionen einer Einrichtung, was deutlich macht, dass es sich hierbei um einen immer fortdauernden Kreislauf handelt. Die Koordination für die Audits übernimmt der Qualitätsbeauftragte.[34]
Zu Beginn des folgenden Kapitels werden die gesetzlichen Grundlagen für die Kindertagesbetreuung, welche im SGB VIII verankert sind, beschrieben und erläutert.
Dann stelle ich die gesellschaftlichen Veränderungen im Hinblick auf den Familienwandel, die Position der Frau, das Bild des Kindes und die rückläufigen Geburtenzahlen dar, weil diese in Zukunft erheblichen Einfluss auf die Entwicklung und Bedeutung von Kindertageseinrichtungen haben.
Zum Schluss des Abschnittes erläutere ich die Probleme, die hinsichtlich des Kostendruckes vorhanden sind.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Tagesbetreuung sind im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG)[35], welches am 01. Januar 1991 (03. Oktober 1990 in den neuen Ländern) in Kraft getreten ist, festgelegt. Damit ist die Tagesbetreuung ein Teil der Kinder- und Jugendbetreuung. Im Vergleich zum Reichsjugendwohlfahrtsgesetz, bei dem die Funktion der Jugendhilfe vor allem als polizeiliche- und ordnungsrechtliche Aufgabe verstanden wurde, wird im KJHG der Funktionswandel der Jugendhilfe hin zur sozialen Dienstleistung deutlich. Vorrangiges Ziel der heutigen Jugendhilfe nach dem Gesetz ist die Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch eine breite Vielfalt von Angeboten und Hilfen sowie die Unterstützung der Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung. Auch die Bedeutung der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen hat sich verändert, denn mit dem neuen KJHG wurde der gesamte Bereich der Tagesbetreuung von Kindern einer systematischen bundesrechtlichen Regelung zugeführt.[36]
Der Gesetzgeber hat mittels des KJHG von seinem Recht der konkurrierenden Gesetzgebung Gebrauch gemacht und kann somit den gesamten Bereich der Jugendhilfe also auch den Teilbereich der Tageseinrichtungen und Tagespflege für Kinder regeln. Allerdings beschränkt er sich in diesem Bereich weitgehend auf die Grundsatzregelungen und schreibt die Konkretisierung über Inhalt und Umfang der Aufgaben durch Landesausführungsgesetze zum KJHG in § 26 vor.
Der Abschnitt über die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen umfasst die §§ 22-26 KJHG (siehe Anhang 5).
Wie im § 1 KJHG wird auch in der Einleitung des § 22 KJHG das Recht junger Menschen/ Kinder auf Förderung ihrer Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit benannt. Die Jugendhilfe soll junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen. Das bedeutet, Chancengleichheit herzustellen.
Seit dem 01.08.1996 haben Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt gemäß § 24 KJHG einen Anspruch auf den Besuch des Kindergartens, die Pflicht der Nutzung des Angebotes besteht jedoch nicht. Mit dem Rechtsanspruch nimmt der Kindergarten einen hervorgehobenen Platz bei der Tagesbetreuung ein. Alle anderen Betreuungsangebote sind Kann-Leistungen und können rechtlich nicht eingefordert werden. Gemeint sind die nach Bedarf vorzuhaltenden Plätze für Kinder unter drei Jahren und für Kinder im schulpflichtigen Alter, die im § 24 KJHG benannt sind. Als Aufgabe der Kindertageseinrichtungen sieht der § 22 Abs.2 KJHG die „Betreuung, Bildung und Erziehung“ des Kindes vor. Somit ist Bildung für die institutionalisierte Früherziehung seit der Verankerung im KJHG 1990/91, eine Rechtsnorm. Ebenso schreibt der § 22 Abs. 2 KJHG vor, dass sich das Leistungsangebot pädagogisch und organisatorisch an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien orientieren soll. Das stellt die Grundlage für die Kunden- und Bedürfnisorientierung innerhalb eines guten Qualitätsmanagementsystems dar. Als weiterer Standard von Qualität gilt der in § 22 Abs. 3 KJHG festgelegte Aspekt der Zusammenarbeit der Mitarbeiter einer Einrichtung mit den Erziehungsberechtigten. Fachliche Forderungen, wie die Ausrichtung der pädagogischen Konzeption oder organisatorische Bestimmungen werden hierdurch rechtsverbindlich. Die veränderbaren Bedürfnisse, die mit dem gesellschaftlichen Wandel einhergehen und welche sich wiederum auf die Lebensbedingungen der Kinder auswirken, sollen beachtet werden. Dem zu Folge ist eine immer wieder durchzuführende Neubestimmung der Aufgaben von Tagesbetreuung notwendig.[37]
Andere Qualitätskriterien finden sich in den §§ 6 und 8 des KJHG, denn diese schreiben eine Berücksichtigung des Wunsch- und Wahlrechtes der Eltern, sowie die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Entscheidungen vor.
Durch Schaffung des § 78 a-c KJHG wurde der Qualitätsdiskussion ein Schub verliehen. Die Länder können gemäß § 78 (2) KJHG auf vertragliche Vereinbarungen zwischen Träger der öffentlichen Jugendhilfe und freien Träger bestehen. Diese Vereinbarungen beziehen sich vor allem auf die Leistungen, dem Entgelt und der Qualitätsentwicklung.
Der § 26 KJHG verweist darauf, dass Näheres zu Inhalt und Umfang der Aufgaben und Leistungen der Kindertagesbetreuung vom Landesrecht geregelt wird. Damit hat der Gesetzgeber bewusst auf eine bundesweit geltende Definition verzichtet, die geregelt hätte, welchen Umfang und welche Qualität das Angebot des Kindergartenplatzes haben sollte.[38]
Wenn die Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen familienergänzend und –unterstützend arbeiten wollen, benötigen sie allgemeine Informationen über die Familien von heute, deren Struktur, Formen und Probleme, weil nur so ein Verständnis für die Familienverhältnisse der Kinder, die sie betreuen, entstehen kann. Zudem ist die Kenntnis über Situationen der Familien von heute wichtig, um die Familien der Kindergartenkinder nicht am persönlichen Familienbild zu messen. Zu schnell werden ansonsten Familienverhältnisse, die nicht den persönlichen Vorstellungen entsprechen als negativ beurteilt, obwohl diese den Kindern durchaus auch positive Entwicklungsbedingungen bieten können.[39]
Aufgrund der Bevölkerungs- und Geburtenrückgänge wachsen immer mehr Kinder als Einzelkinder auf. 24,3 % der Minderjährigen in Deutschland haben keine Geschwister.[40] Das allein wäre ja nicht so problematisch, wenn es in den Nachbarschaften Spielkameraden gleichen Alters geben würde, aber selbst das ist mit der Möglichkeit der Geburtenkontrolle zu einer Seltenheit geworden. Auch wenn Gleichaltrigengruppen in Betreuungseinrichtungen keinen Ersatz für Geschwisterbeziehungen bieten, ergänzen sie die Sozialerfahrungen für alle Kinder. So brauchen Kinder mit Geschwistern die Gleichaltrigengruppe und Kinder ohne Geschwister Kontakte zu älteren und jüngeren Kindern, um ähnliche Erfahrungen wie in Geschwisterbeziehungen zu machen.[41]
Hinzu kommt, dass mit dem einhergehenden Geburtenrückgang die Nachfrage nach Kindergartenplätzen weiterhin sinken wird. Aufgrund der finanziellen Sparkurse in der Sozialpolitik, von denen vermehrt die Kindertageseinrichtungen betroffen sein werden, wird es eher unwahrscheinlich sein, dass das Angebot von Krippen- und Hortplätzen dem Bedarf angeglichen wird. Der Wettbewerb um die Kinder im Kindergartenalter wird weiterhin zunehmen und erfordert von den Einrichtungen ein engagiertes Qualitätsmanagement.
Die Rolle der Frau hat sich verändert. Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Emanzipation sind Begriffe, die das Bild der Frau von heute beschreiben. Die Zahl der erwerbstätigen Frauen und Mütter hat sich in den letzten Jahren bedeutend erhöht. Die Zahl der erwerbstätigen Frauen liegt in der Bundesrepublik bei 40 %, was im Gegensatz zu 1970 eine Steigerung von 10 % bedeutet, wobei man anmerken muss, dass sich die Zahl von 1970 auf die alten Bundesländer bezieht. Auch die Erwerbstätigkeit von Müttern hat sich erhöht. In den westlichen Bundesländern waren es 1972 knapp 39 % der Mütter von minderjährigen Kindern, die einer Arbeit nachgingen. Im Jahr 1997 waren es bereits 54 %. Nimmt man aber Ost- und Westdeutschland zusammen, ist die Prozentzahl der berufstätigen Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sogar noch höher, nämlich 57,3 %.[42] Weil immer mehr Eltern den Wunsch haben, die Erwerbs- und Familienarbeit in Einklang zu bringen, sind zuverlässige Tagesbetreuungsangebote von Nöten.
Heute werden Kinder schon frühzeitig mit Veränderungen ihrer Lebenssituation konfrontiert, was für sie in jedem Fall eine zusätzliche Herausforderung, oft aber auch eine Belastung darstellt. Zum einen tragen die von der Wirtschaft geforderten Eigenschaften Mobilität und Flexibilität im Erwerbsleben zu häufigen Wohnortwechsel der Eltern bei. Das bedeutet für die Kinder einen kompletten Umgebungswechsel, welcher einhergeht mit der Neugewöhnung an andere Kinder. Noch einschneidender in die Entwicklung von Kindern wirkt sich eine Scheidung der Eltern aus. Fast 30 % der geschlossenen Ehen werden wieder geschieden.[43] Gründe für die hohe Scheidungsrate liegen vor allem darin, dass Familien einen Teil ihrer Funktionen, wie zum Beispiel die Versorgung der Familie nur durch den Ehemann, verloren haben. Die Vermittlung von kulturellen Inhalten und Werten findet immer weniger in der Familie statt. Durch die Trennung von Arbeitsplatz und Familie wissen einige Familienmitglieder meist nicht was die anderen beruflich tun. Die Familie ist heute für Geborgenheit, Ruhe, Zuwendung und Entspannung zuständig. Bedenkt man die Kürzung der Wochenstunden, in denen man erwerbstätig ist, weiß man, dass die freie Zeit, die die Familie miteinander verbringen kann an Umfang zugenommen hat. Ebenso der Fall ist es, wenn ein oder beide Elternteile arbeitslos sind. Die in der Zahl stets ansteigenden Freizeitangebote in unserer Gesellschaft sind mit nur wenigen Ausnahmen meist kommerziell ausgerichtet. Hier können Familien ihre Freizeit verbringen, wenn sie das nötige Geld dafür besitzen. Fehlen Familien mit geringem Einkommen, welche sich die kommerziellen Freizeitangebote nicht leisten können, die Alternativen, um gemeinsam mit der Familie etwas zu unternehmen, kommt es häufig zu ersten Problemen. Die Kinder sind unzufrieden, die Eltern ebenso mit sich selbst, es kommt zu Spannungen. Ein allgemeiner Verlust an Wertvorstellungen und die durch Medien produzierte Konsumorientierung führt zu weiteren Spannungen.
Heute sind die Eltern so sehr mit sich beschäftigt, immer auf dem Weg ihrer Selbstverwirklichung, dass kaum Rücksicht auf andere Familienangehörige genommen wird. Die Familien sind heute zerbrechlicher als früher. Partnerschaftskonflikte und Trennung der Eltern bringen für die Kinder immer gravierende Belastungen mit sich. Die Situation, dass Kinder nur bei einem Elternteil aufwachsen ist durchaus kein neues Phänomen. Neu sind nur die Ursachen für die Alleinerziehung. Früher waren es Gründe, wie der frühzeitige Tod eines Elternteils und heute sind es die Scheidungen. Das Auseinanderbrechen einer Familie durch Scheidung ist für Kinder schwerer zu verarbeiten als der Verlust eines Elternteils durch Tod.[44] Begründet liegt das darin, dass einer Scheidung eine lange Phase der Konflikte und Entfremdung voraus geht, was mit vielen Auseinandersetzungen verbunden ist. Weiterhin wird durch die zusätzliche Belastung der Eltern und Kinder die Erziehungsleistung der Familie beeinträchtigt. Zudem besteht die Gefahr des Fortbestehens von Konflikten und pathogenen Beziehungen, da der nicht mit den Kindern zusammenlebende Elternteil weiterhin existiert, was mit unter auch zu Problemen in nachfolgenden Stieffamilien führt. Eine Scheidung kann den Kindern aber auch einen Gewinn bringen, weil dadurch befriedete Familienverhältnisse entstehen oder neue soziale Beziehungsnetze eröffnet werden können. Als Voraussetzung gilt dabei, dass sich die Eltern den Bedürfnissen ihrer Kinder verpflichtet fühlen.
Kindliche Grundbedürfnisse, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach sozialen Beziehungen oder Zuwendung werden aufgrund der „modernen“ Lebensformen von Familien zum Teil nur noch unzureichend erfüllt. Die Familien sind immer seltener in der Lage, aus sich heraus die Rahmenbedingungen für eine altersgemäße Entwicklung zur Verfügung zu stellen, sei es durch Mittelarmut oder Zeitmangel oder andere Probleme. Dazu kommt, dass Spiel- und Erfahrungsräume, welche Kinder für die Entwicklung brauchen, im Zuge der Verstädterung der Wohnumfelder immer weiter verloren gingen. Deshalb müssen zunehmend Orte bewusst gestaltet und organisiert werden, um den Kindern Möglichkeiten zu geben, in denen sie ihren natürlichen Bewegungsdrang ausüben, Umwelt und Natur erleben können, auf andere Kinder zu treffen, um soziale Verhaltensweisen unter Gleichaltrigen zu erlernen und zu praktizieren.[45]
Weitere Veränderungen, die im Laufe der Zeit stattgefunden haben, sind die Autonomie der Familie, das Bild vom Kind und die damit einhergehenden Erziehungsziele. Familien sind in der heutigen Zeit nicht mehr so stark eingebunden in das Gefüge ihrer Herkunftsfamilien. Das bedeutet nicht, dass es keine Unterstützungen und Bindungen gibt, aber die jungen Familien lassen sich nicht mehr so sehr reinreden und kontrollieren. Hinzu kommt der Bruch mit der Erziehungstradition ihrer Eltern bei fast der Hälfte der Erwachsenen, wodurch es natürlich an Orientierungsmaßstäbe fehlt.[46] Das bedeutet jedoch nicht eine völlige Orientierungslosigkeit der Eltern in Erziehungsfragen, denn diese stehen ihren eigenen Erziehungsbemühungen kritischer gegenüber als das in älteren Generationen der Fall war. Es gibt eine Vielzahl von miteinander konkurrierenden Erziehungszielen und Erziehungsstilen, die den Wertepluralismus der Gesellschaft widerspiegeln. Lediglich führt diese Vielzahl zu einer Verunsicherung der Eltern. Die Familienmitglieder können ihren Lebenslauf selbst gestalten und individuell gestalten. Nur noch sehr selten findet man patriarchalische Familienstrukturen. In der Gegenwart bestimmen Partnerschaft und Mitbestimmung das Zusammenleben in einer Familie.
[1] zit.: Kommunaler Geschäftsstellen (KGST)- Bericht 02/2001,AZ:103232/510110, Zusammenfassung,
[2] vgl.: Bobzien, M. (Hg.)/ W. Stark/ F. Straus, 1996, S. 24
[3] Rauschenbach, Th. (2000), S. 18 f.
[4] Colberg-Schrader, H., Honig, S. (1988), S. 142
[5] Deutscher Bundestag, Drucksache 13/11868 (1998), S. 191
[6] Vgl. Koppold, G., 1999, S. 1
[7] Vgl. Koppold, G., 1999, S. 4 f.
[8] vergl. Irskens, B./ Vogt, H., 2000
[9] vgl. Bobzien/ Stark/ Straus, 1996, S. 40
[10] zit.: Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAGLJÄ), Qualität in Kindertageseinrichtungen, 88. Arbeitstagung, Halle/Saale, Mai 2000
[11] vgl. F. Knorr/ B. Halfar, Qualitätsmanagement in der Sozialarbeit, Regensburg 2000, S. 17
[12] vgl. Tietze, W. (1998), S. 20
[13] vgl. Koppold 1999, S. 3
[14] vgl. KGSt-Bericht 2/2001, S.17
[15] vgl. BAGLJÄ, Mai 2000, S. 7
[16] vgl. W. Tietze/ K-M. Schuster/ H-G. Rossbach, August 1997, S. 7
[17] vgl. BAGLJÄ, Mai 2000, S. 8
[18] vgl. Klara Schlömer, VBE,
[19] vgl. B. Irskens/ H. Vogt: Qualität und Evaluation, Frankfurt am Main 2000, S. 83 - 87
[20] vgl. Bobzien M./ Stark W./ Straus F. : Qualitätsmanagement, In: Schwerpunkt Management. Alling 1996, S. 40
[21] vgl. Bobzien, M. 1996, S. 41/ Ergänzung eigene Arbeit
[22] Vgl. KGSt-Bericht 2/2001, S. 21
[23] Vgl. KGSt-Bericht 2/2001, S. 24
[24] vgl. Erath P./ Amberger C.: Das KitaManagementKonzept. 2000. S. 39
[25] vgl. B. Irskens/ H. Vogt: Qualität und Evaluation, Frankfurt am Main 2000, S.43f
[26] vgl. Hermens, C. Siegen 2000, S. 24
[27] vgl. Erath/ Amberger: Das KitaManagementKonzept. 2000. S 42
[28] vgl. Erath/ Amberger: Das KitaManagementKonzept. 2000. S 43
[29] vgl. KGSt-Bericht 2/2001: S. 35
[30] vgl. Eibeck B.,21.02.2001
[31] Gerull, P., 2000, Kapitel 4, S. 21
[32] vgl. Textor, M. 1999, S. 17
[33] eine wortgenaue Ausführung der Qualitätskriterien der Europäischen Kommission findet sich im Anhang
[34] vgl. Bobzien, M./ Stark, W./ Straus, F., 1996, S. 79-94
[35] KJHG entspricht dem 8. Sozialgesetzbuch (SGB VIII)
[36] vgl. Wiesner, 1993, S.7
[37] vgl. DJI, 1998, S.22 ff.
[38] vgl. BMFSFJ, 10. Kinder- und Jugendbericht, Bonn 1998, S. 195
[39] vgl. Textor, M. Familialer Wandel: Entwicklungstendenzen und Auswirkungen
[40] BMFSJ, Kinder- und Jugendhilfe, 2000, S. 12
[41] vgl. BMFSFJ, 1999, S. 130
[42] vgl. Rauschenbach, Th. 2000, S. 178
[43] vgl. BMFSFJ, 1999, S. 130
[44] vgl. Textor, M. R.: Familialer Wandel: Entwicklungstendenzen und Auswirkungen
[45] vgl. Netzwerk für örtliche und regionale Familienpolitik, Hannover 2000, S. 1
[46] vgl. Textor, M. R. Familialer Wandel: Entwicklungstendenzen und Auswirkungen
V221852
9783832464288
9783838664286
qualitätsmanagement netzwerk kinderbetreuung europäische kommission bildungspolitik familiensoziologie
, 2002, Qualitätsmanagement in Kindertagesstätten, Hamburg, Bedey Media GmbH, https://www.diplom.de/document/221852
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