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Timestamp: 2020-07-07 11:49:43+00:00

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Insolvenzverwaltervergütung nach Regelsätzen - und kein Inflationsausgleich | Rechtslupe
Insolvenzverwaltervergütung nach Regelsätzen - und kein Inflationsausgleich
Die Fest­set­zung der Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters nach den Regel­sät­zen ver­letzt trotz der Geld­ent­wer­tung seit dem Inkraft­tre­ten der Insol­venz­recht­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ord­nung im Jahr 1999 der­zeit noch nicht den Anspruch des Ver­wal­ters auf eine sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on und sei­ner Tätig­keit ange­mes­se­ne Ver­gü­tung.
Ob der Ver­wal­ter einen Zuschlag auf sei­ne Regel­ver­gü­tung als Infla­ti­ons­aus­gleich ver­lan­gen kann, wird unter­schied­lich beur­teilt. Ein Teil der Lite­ra­tur geht davon aus, dass ein sol­cher Zuschlag erfor­der­lich sei, um eine mit Blick auf Art. 12 GG ange­mes­se­ne Ver­gü­tung zu gewähr­leis­ten [1]. Vom Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der Insol­venz­recht­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ord­nung im Jahr 1999 bis April des Jah­res 2013 betra­ge die Ent­wer­tung der Regel­ver­gü­tung 24 v.H., weil der Ver­brau­cher­preis­in­dex in die­ser Zeit von 90, 3 auf 114, 8 ange­stie­gen sei [2]. Eine wei­te­re Ver­kür­zung der Ver­gü­tungs­sät­ze fol­ge aus der Umstel­lung von DM zu Euro im gerun­de­ten Aus­tausch­ver­hält­nis von ledig­lich zwei zu eins [3]. Aus die­sem Grund sei, wie schon zu der bis 1999 gel­ten­den Ver­gü­tungs­ver­ord­nung ver­tre­ten [4], ein Infla­ti­ons­aus­gleich vor­zu­neh­men, und zwar im Wege eines Zuschlags gemäß § 3 Abs. 1 InsVV in Höhe von zumin­dest 20 v.H. zur Regel­ver­gü­tung des § 2 Abs. 1 InsVV [5].
In der Instanz­recht­spre­chung ist dem­ge­gen­über bis­lang ein infla­ti­ons­be­ding­ter Zuschlag mit der Begrün­dung abge­lehnt wor­den, die Insol­venz­recht­li­che Ver­gü­tungs­ver­ord­nung sehe für ein­ge­tre­te­ne Infla­ti­on oder Mehr­be­las­tung einen Zuschlag nicht vor. Einen sol­chen Zuschlags­tat­be­stand zu schaf­fen, sei Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers [6]. Die­se Auf­fas­sung fin­det auch in der Lite­ra­tur Zustim­mung [7]. Zudem wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Insol­venz­mas­se als Berech­nungs­grund­la­ge eben­falls der Infla­ti­on unter­lie­ge und sich damit in glei­chem Maße ver­än­de­re wie die nach einem Pro­zent­satz der­sel­ben zu bemes­sen­de Ver­gü­tung [8]. Teil­wei­se wer­den die Beden­ken hin­sicht­lich der infla­ti­ons­be­ding­ten Ent­wer­tung der Regel­ver­gü­tung im Grund­satz geteilt, eine Anpas­sung der Regel­sät­ze durch Rechts­fort­bil­dung der Insol­venz­ge­rich­te aber gleich­wohl für den jet­zi­gen Zeit­punkt mit der Begrün­dung abge­lehnt, die seit dem Jahr 1999 erfolg­te Ände­rung des wirt­schaft­li­chen Umfel­des sei noch nicht groß genug [9].
Zutref­fend ist der Aus­gangs­punkt, dass die gesetz­li­chen Bestim­mun­gen für die Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung am Maß­stab des Art. 12 Abs. 1 GG zu mes­sen sind [10]. Nach § 63 Abs. 1 Satz 1 InsO hat der Ver­wal­ter Anspruch auf Ver­gü­tung für sei­ne Geschäfts­füh­rung und auf Erstat­tung ange­mes­se­ner Aus­la­gen. Die­se Norm ist ver­fas­sungs­kon­form dahin aus­zu­le­gen, dass die dem Ver­wal­ter zuste­hen­de Ver­gü­tung ins­ge­samt einen sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on und sei­ner Tätig­keit ange­mes­se­nen Umfang errei­chen muss [11]. Die­se Vor­ga­be hat der Ver­ord­nungs­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung der auf der Grund­la­ge von § 65 InsO erlas­se­nen Insol­venz­recht­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ord­nung zu beach­ten [12].
Gemes­sen hier­an ist ein Anspruch des Insol­venz­ver­wal­ters auf Erhö­hung der Regel­ver­gü­tung nach § 3 Abs. 1 InsVV um einen Zuschlag als Infla­ti­ons­aus­gleich jedoch zu ver­nei­nen.
Es bedarf in die­sem Zusam­men­hang kei­ner Ent­schei­dung, ob § 3 Abs. 1 InsVV eine geeig­ne­te Rechts­grund­la­ge für den von der Rechts­be­schwer­de erstreb­ten Infla­ti­ons­aus­gleich bie­tet. Dage­gen wird gel­tend gemacht, dass § 3 Abs. 1 InsVV einen Zuschlag ledig­lich für tätig­keits­be­zo­ge­ne Erschwer­nis­se im kon­kre­ten Ver­fah­ren gewährt [13]. Wür­de die Erhö­hung der Regel­ver­gü­tung aus­schließ­lich mit der lau­fen­den Geld­ent­wer­tung begrün­det, han­del­te es sich nicht um einen tätig­keits­be­zo­ge­nen Zuschlag. In Betracht käme daher auch eine die Infla­ti­on aus­glei­chen­de Erhö­hung der Degres­si­ons­stu­fen des § 2 Abs. 1 InsVV.
Ein Infla­ti­ons­aus­gleich kann jeden­falls des­halb nicht gewährt wer­den, weil der­zeit nicht fest­ge­stellt wer­den kann, dass die dem Ver­wal­ter nach Maß­ga­be der Regel­sät­ze des § 2 Abs. 1 InsVV zuste­hen­de Ver­gü­tung ins­ge­samt nicht einen sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on und sei­ner Tätig­keit ange­mes­se­nen Umfang erreicht. Die infla­ti­ons­be­ding­te Geld­ent­wer­tung seit dem Jahr 1999 führt nicht dazu, dass die Ver­gü­tung nach den Regel­sät­zen des § 2 Abs. 1 InsVV unan­ge­mes­sen nied­rig wäre.
Zwar hat sich der Ver­brau­cher­preis­in­dex für Deutsch­land unter Zugrun­de­le­gung der Basis­zahl 100 für das Jahr 2010 von Janu­ar 1999 bis Juni 2014 von 83, 9 auf 106, 7 erhöht [14]. Die Ent­wick­lung der Ver­brau­cher­prei­se ist jedoch nur ein­ge­schränkt geeig­net, eine Ent­wer­tung der Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters zu bestim­men. Der Insol­venz­ver­wal­ter übt eine unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit aus. Wel­cher Teil sei­ner Ver­gü­tung ihm letzt­lich als Gewinn ver­bleibt, hängt wesent­lich von den bei sei­ner Tätig­keit anfal­len­den Kos­ten ab. Die Ent­wick­lung die­ser Kos­ten, die nicht zwin­gend mit der Ent­wick­lung der Ver­brau­cher­prei­se ein­her­geht und hin­ter die­ser zurück­blei­ben kann, kann des­halb nicht völ­lig außer Betracht blei­ben, wenn die Ange­mes­sen­heit der Ver­gü­tung in Fra­ge steht [15].
Zudem wirkt sich die aus der Erhö­hung der Ver­brau­cher­prei­se abzu­lei­ten­de Geld­ent­wer­tung nicht nur auf den Wert der Ver­wal­ter­ver­gü­tung aus, son­dern auch auf den Umfang der Mas­se und damit auf die Berech­nungs­grund­la­ge für die Ver­gü­tung des Ver­wal­ters. Da sich die Regel­sät­ze pro­zen­tu­al auf die Insol­venz­mas­se bezie­hen, steigt mit die­ser auch die Regel­ver­gü­tung [16]. Aller­dings wird damit die infla­ti­ons­be­ding­te Ent­wer­tung der Ver­gü­tung wegen des degres­si­ven Auf­baus der Regel­sät­ze in § 2 Abs. 1 InsVV nicht voll­stän­dig auf­ge­fan­gen [17]. Nach den Berech­nun­gen von Haarmeyer/​Mock [18] ergibt sich auch bei Berück­sich­ti­gung eines infla­ti­ons­be­ding­ten Anstiegs der Tei­lungs­mas­se je nach Grö­ße der Mas­se eine Ent­wer­tung der Ver­gü­tung im Bereich zwi­schen 0, 74 v.H. und 17, 83 v.H. Da die Staf­fel­sät­ze des § 2 Abs. 1 InsVV kei­ne nach dem kon­kre­ten Tätig­keits­auf­wand berech­ne­te Ver­gü­tung gewähr­leis­ten, son­dern sys­tem­be­dingt auf eine Pau­scha­lie­rung und auf einen gewis­sen Gesamt­aus­gleich zwi­schen Ver­fah­ren mit eher gerin­gen Tei­lungs­mas­sen einer­seits und Ver­fah­ren mit grö­ße­ren Tei­lungs­mas­sen ande­rer­seits aus­ge­rich­tet sind [19], ist eine Gesamt­be­trach­tung des Ver­gü­tungs­ni­veaus in den ver­schie­de­nen Degres­si­ons­stu­fen des § 2 Abs. 1 InsVV anzu­stel­len. Die­se Gesamt­schau erlaubt, auch im Hin­blick auf die nur ein­ge­schränk­te Eig­nung der Ent­wick­lung der Ver­brau­cher­prei­se für hier vor­zu­neh­men­de Beur­tei­lung, nicht den Schluss, dass der­zeit infla­ti­ons­be­dingt eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters bei Anwen­dung der Regel­sät­ze der Insol­venz­recht­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ord­nung ver­fehlt wird.
Soweit die Insol­venz­ord­nung dem Insol­venz­ver­wal­ter gegen­über dem frü­he­ren Kon­kurs­ver­wal­ter neue Auf­ga­ben über­tra­gen hat (vgl. §§ 156 f, § 166, § 93 InsO), ist dies vom Ver­ord­nungs­ge­ber bei der Bemes­sung der Staf­fel­sät­ze berück­sich­tigt wor­den [20]. Dass sich die Auf­ga­ben des Insol­venz­ver­wal­ters im Regel­ver­fah­ren inhalt­lich oder dem Umfang nach seit dem Inkraft­tre­ten der Insol­venz­recht­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ord­nung im Jahr 1999 der­art ver­än­dert hät­ten, dass die nach § 2 Abs. 1 InsVV ermit­tel­te Regel­ver­gü­tung auch im Zusam­men­tref­fen mit der all­ge­mei­nen Geld­ent­wer­tung nicht mehr ange­mes­sen erschie­ne, ist nicht ersicht­lich. Glei­ches gilt für die Kos­ten des Insol­venz­ver­wal­ters, deren Ver­än­de­rung für die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit der Ver­gü­tung eben­falls in den Blick zu neh­men ist [21].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Dezem­ber 2014 – IX ZB 60/​13
Lorenz in Lorenz/​Klanke, InsVV, 2. Aufl., § 2 Rn. 4a; Stoff­ler in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2013, § 2 InsVV Rn. 29 ff; Hess, InsO, 2. Aufl., § 2 InsVV Rn. 6; Kel­ler in Fest­schrift Görg, 2010, S. 247, 253 ff, 258; vgl. auch BK-InsO/­Blersch, 2004, § 2 InsVV Rn. 3 ff[↩]
vgl. Lorenz in Lorenz/​Klanke, aaO[↩]
Stoff­ler, aaO Rn. 30[↩]
vgl. LG Darm­stadt, ZIP 1981, 1014 f; BVerfG, ZIP 1989, 382, 383; Eick­mann, Ver­gVO, 2. Aufl., § 3 Rn. 12 ff; Haarmeyer/​Wutzke/​Förster, InsVV/​VergVO, 2. Aufl., § 3 Ver­gVO Rn. 9 ff; jeweils mwN[↩]
Stoff­ler, aaO Rn. 40 ff; Lorenz in Lorenz/​Klanke, aaO; vgl. auch Kel­ler in Fest­schrift Görg, aaO S. 258[↩]
LG Heil­bronn, ZIn­sO 2013, 1810, 1811[↩]
Haarmeyer/​Mock, InsVV, 5. Aufl., § 2 Rn. 9 und § 3 Rn. 78; dies. ZIn­sO 2014, 573, 577[↩]
Haarmeyer/​Mock, InsVV, aaO; dies., ZIn­sO 2014, aaO S. 574 ff[↩]
Graeber/​Graeber, InsVV, § 2 Rn. 82 f und § 3 Rn. 225 f[↩]
BGH, Beschluss vom 15.01.2004 – IX ZB 96/​03, BGHZ 157, 282, 286; BVerfGE 88, 145, 159[↩]
BGH, Beschluss vom 15.01.2004, aaO; vom 13.03.2008 – IX ZB 63/​05, ZIP 2008, 976 Rn. 11; vgl. Uhlenbruck/​Mock, InsO, 13. Aufl., § 63 Rn. 3; Eickmann/​Prasser in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2006, Vor § 1 InsVV Rn. 1; jeweils mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 15.01.2004, aaO S. 286 f[↩]
LG Heil­bronn, ZIn­sO 2013, 1810, 1811; Haarmeyer/​Mock, InsVV, 5. Aufl., § 3 Rn. 78; dies., ZIn­sO 2014, 573, 577; Pape, NJW 2004, 1282, 1283; vgl. auch BGH, Beschluss vom 15.01.2004, aaO S. 299 f; Amt­li­che Begrün­dung zu § 2 InsVV in Haarmeyer/​Mock, InsVV, 5. Aufl., S. 494[↩]
Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Ver­brau­cher­preis­in­di­zes für Deutsch­land, Stand: Juni 2014[↩]
vgl. Haarmeyer/​Mock, InsVV, 5. Aufl., § 3 Rn. 78[↩]
vgl. BVerfG, ZIP 1989, 382, 383; Haarmeyer/​Mock, InsVV, aaO § 2 Rn. 9 und § 3 Rn. 78; dies., ZIn­sO 2014, 573, 574 ff[↩]
vgl. BVerfG, aaO zu § 3 Abs. 1 Ver­gVO[↩]
Haarmeyer/​Mock, ZIn­sO 2014, 573, 575 f[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 15.01.2004, aaO S. 288 f; vom 13.03.2008 – IX ZB 63/​05, ZIP 2008, 976 Rn. 12; vom 25.06.2009 – IX ZB 118/​08, ZIn­sO 2009, 1511 Rn. 3; Haarmeyer/​Mock, InsVV, 5. Aufl., § 2 Rn. 7; aA Blersch, EWiR 2004, 985, 986[↩]
vgl. Amt­li­che Begrün­dung zu § 2 InsVV, abge­druckt z.B. in Haarmeyer/​Mock, InsVV, 5. Aufl., S. 494[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 15.01.2004 – IX ZB 96/​03, BGHZ 157, 282, 293 ff; vom 20.01.2005 – IX ZB 134/​04, WM 2005, 522, 524[↩]
Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung bei… Alle nach § 3 Abs. 1 InsVV zu gewäh­ren­den Zuschlä­ge berech­nen sich nach der um den Über­schuss bei einer Unter­neh­mens­fort­füh­rung gemäß § 1 Abs. 2…
graeber insvvinso § 114InsolvenzverwalterInsolvenzverwaltervergütung

References: Art. 12
 § 3
 § 2
 Art. 12
 § 63
 § 65
 § 3
 § 3
 § 3
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 166
 § 93
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 3
 § 3
 § 2
 § 3
 § 2
 § 3
 § 63
 § 1
 § 3
 § 2
 § 3
 § 2
 § 3
 § 3
 § 2
 § 2
 § 3
 § 1
 § 114