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Timestamp: 2019-07-23 02:04:57+00:00

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BAG, 01.06.1995 - 6 AZR 912/94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,474
BAG, 01.06.1995 - 6 AZR 912/94 (https://dejure.org/1995,474)
BAG, Entscheidung vom 01.06.1995 - 6 AZR 912/94 (https://dejure.org/1995,474)
BAG, Entscheidung vom 01. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 (https://dejure.org/1995,474)
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Lohnüberzahlung - Ausschlussfrist - Treu und Glauben
Rückzahlung überzahlter Vergütung - Fälligkeit - Tarifliche Ausschlußfrist - Verfall des Rückzahlungsanspruchs
ArbG Mannheim, 13.09.1993 - 8 Ca 137/93
LAG Baden-Württemberg, 12.08.1994 - 14 Sa 32/94
BAGE 80, 144
NJW 1996, 742 (Ls.)
MDR 1996, 503
NZA 1996, 135
DB 1995, 2317
Sind dem Arbeitgeber die Grundlagen der Berechnung bekannt, fallen Fehler bei der Berechnung der Vergütung regelmäßig in seine Sphäre, weil sie von ihm eher durch Kontrollmaßnahmen entdeckt werden können als vom Empfänger der Leistung (…st. Rspr., BAG 19. Februar 2004 - 6 AZR 664/02 - aaO, zu I 4 b aa der Gründe; 1. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 - BAGE 80, 144, 149; 16. November 1989 - 6 AZR 114/88 - BAGE 63, 246, 253).
Eine solche pflichtwidrige Unterlassung ist in der Regel anzunehmen, wenn der Arbeitnehmer erkennt, dass seinem Arbeitgeber bei der Berechnung der Vergütung ein Irrtum unterlaufen ist, der zu einer erheblichen Überzahlung geführt hat, und er diese nicht anzeigt (…BAG 23. Mai 2001 - 5 AZR 374/99 - aaO; 1. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 - aaO; 11. Juni 1980 - 4 AZR 443/78 - AP BAT § 70 Nr. 7).
Das folgt aus seiner Pflicht, dem Arbeitgeber drohende Schäden anzuzeigen (BAG 1. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 - aaO).
Auf die Kenntnis des Arbeitgebers von seinem Rückzahlungsanspruch kommt es regelmäßig nicht an (BAG 1. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 - BAGE 80, 144, 149).
Der Anspruch auf Rückzahlung von Vergütungsbestandteilen ist ein Anspruch aus dem Arbeitsverhältnis, der von § 70 BAT erfaßt wird (st. Rspr. vgl. BAG 1. Juni 1995 aaO mwN).
Der Arbeitgeber kann dem Ablauf der tariflichen Ausschlußfrist unter dieser Voraussetzung mit dem Einwand der unzulässigen Rechtsausübung begegnen (BAG 1. Juni 1995 aaO, 150 mwN).
Eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflicht zur Rücksichtnahme auf schutzwürdige Interessen des Arbeitgebers kann somit vorliegen, wenn der Arbeitnehmer eine von ihm bemerkte, laufende offenkundige Lohnüberzahlung gegenüber dem Arbeitgeber nicht anzeigt (…vgl. BAG 10. März 2005 - 6 AZR 217/04 - aaO.; 1. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 - aaO.;… 11. Juni 1980 - 4 AZR 443/78 - aaO.;… HWK/Thüsing 3. Aufl. § 611 BGB Rn. 386;… MünchArbR/Blomeyer 2. Aufl. § 54 Rn. 6;… Boemke AR-Blattei SD 1228 Stand Febrar 2002 Rn. 156).
Vielmehr waren ihm die maßgeblichen Umstände für eine zutreffende Berechnung der Vergütung bekannt (vgl. nur BAG 1. Juni 1995 aaO S 148 f., zu II 2 der Gründe;… 27. März 1996 aaO S 330 f., zu II der Gründe; 19. Januar 1999 - 9 AZR 405/97 - AP BAT-O § 70 Nr. 1 = EzA TVG § 4 Anschlußfristen Nr. 131, zu VII 1 der Gründe jeweils mwN).
Unterfällt der Anspruch des Arbeitgebers auf Rückzahlung zuviel gezahlter Bezüge einer tarifli chen Ausschlußfrist, steht dem Anspruchsverfall nicht deshalb der Einwand unzulässiger Rechtsausübung (§ 242 BGB) entgegen, weil der Arbeitnehmer die Überzahlung bemerkt und hierauf den Arbeitgeber nicht aufmerksam gemacht hatte (gegen BAG, Urteil vom 01.06.1995, 6 AZR 912/94, AP Nr. 16 zu § 812 BGB).
a) Tarifliche Ausschlußfristen erfassen grundsätzlich auch Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung, insbesondere auch Rückforderungsansprüche des Arbeitgebers aus Überzahlungen (BAG, Urteil vom 14.09.1994, 5 AZR 407/93, AP Nr. 127 zu § 4 TVG Ausschlußfristen, Urteil vom 01.06.1995, 6 AZR 912/94, AP Nr. 16 zu § 812 BGB, LAG Berlin, Urteil vom 03.04.1995, BB 1996, 222; vgl. BAG, Urteil vom 04.09.1991, 5 AZR 647/90, AP Nr. 113 zu § 4 TVG Ausschlußfristen).
Daher beginnt der Lauf einer Verfallfrist, auch wenn diese auf Fälligkeit abstellt, nicht, bevor der Gläubiger in der Lage ist, die tatsächlichen Voraussetzungen seines Anspruchs zu erkennen und diesen wenigstens annähernd zu beziffern (BAG, Urteil vom 01.06.1995, a. a. O., Plüm, MDR 1993, 16).
Andererseits setzt der Lauf der Ausschlußfrist ein, wenn der Arbeitgeber es durch (objektiv) schuldhaftes Zögern versäumt, sich die Kenntnis der Voraussetzungen zu verschaffen, die er für die Geltendmachung benötigt (BAG, Urteil vom 16.11.1989, 6 AZR 114/89, AP Nr. 8 zu § 29 BAT, Urteil vom 01.06.1995, a. a. O.).
Es kann also eine Pflichtwidrigkeit darstellen, wenn der Arbeitnehmer es unterläßt, den Arbeitgeber auf eine erfolgte Lohnüberzahlung aufmerksam zu machen (BAG, Urteil vom 01.06.1995, a. a. O.).
Richtig ist freilich, daß das Bundesarbeitsgericht für tarifliche Ausschlußfristen im Bereich des öffentlichen Dienstes wiederholt eine unzulässige Rechtsausübung durch den Arbeitnehmer angenommen hat, der in Kenntnis oder Erkennbarkeit der Lohnüberzahlung untätig geblieben war (BAG, Urteil vom 11.06.1980, 4 AZR 443/78, AP Nr. 7 zu § 70 BAT, Urteil vom 01.06.1995, a. a. O.).
So ist anerkannt, daß der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber drohende Schäden anzuzeigen hat (BAG 1. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 - BAGE 80, 144).
Nach § 818 Abs. 3 BGB ist die Verpflichtung zur Herausgabe oder zum Ersatz des Wertes ausgeschlossen, soweit der Empfänger nicht mehr bereichert ist (vgl. hierzu Senat 25. April 2001 - 5 AZR 497/99 - BAGE 97, 326, 330 ff.; BAG 1. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 - BAGE 80, 144, 147 f.).
Dem Kläger sei es nicht praktisch unmöglich gewesen, seine Ansprüche geltend zu machen (vgl. BAG, Urteil vom 01.06.1995 - 6 AZR 912/94).
Der Ablauf der tariflichen Ausschlussfrist ist auch nicht deshalb gehemmt, weil es die Beklagte pflichtwidrig unterlassen hätte, dem Kläger Umstände mitzuteilen, die die Geltendmachung des Zahlungsanspruchs innerhalb der Ausschlussfrist ermöglicht hätten (vgl. dazu BAG, Urteil vom 01.06.1995 a.a.O.).
Auf die tatsächliche Kenntnis des Arbeitgebers von seinem Rückforderungsanspruch kommt es grundsätzlich nicht an ( BAG Urteil vom 26. April 1978 - 5 AZR 62/77 - AP Nr. 64 zu § 4 TVG Ausschlußfristen, zu II der Gründe;… BAGE 51, 308, 311 = AP, a.a.O., zu II 2 der Gründe;… BAGE 63, 246, 253 = AP, a.a.O., zu II 3 b der Gründe; BAG Urteil vom 1. Juni 1995 - 6 AZR 912/94 - BAGE 80, 144, 149 = AP Nr. 16 zu § 812 BGB, zu II 2 der Gründe; BAG Urteil vom 14. September 1994 - 5 AZR 407/93 - AP Nr. 127 zu § 4 TVG Ausschlußfristen).
Bei Rückzahlungsansprüchen ist dies der Fall, wenn der Gläubiger nicht in der Lage ist, die tatsächlichen Voraussetzungen seines Anspruchs zu erkennen und diesen wenigstens annähernd zu beziffern (… BAGE 51, 308, 311 = AP, a.a.O., zu II 3 a der Gründe;… BAGE 63, 246, 253 = AP, a.a.O., zu II 3 b der Gründe; BAGE 80, 144, 149 = AP, a.a.O., zu II 2 der Gründe;… BAG Urteil vom 14. September 1994, a.a.O.).
a) Der Gläubiger kann dem Ablauf der tariflichen Ausschlußfrist mit dem Einwand der unzulässigen Rechtsausübung begegnen, wenn ihn der Schuldner durch aktives Handeln von der Einhaltung der Ausschlußfrist abgehalten oder wenn er es pflichtwidrig unterlassen hat, dem Gläubiger die Umstände mitzuteilen, die ihn zur Einhaltung der Ausschlußfrist veranlaßt hätten ( BAG Urteil vom 11. Juni 1980 - 4 AZR 443/78 - AP Nr. 7 zu § 70 BAT; BAGE 80, 144, 150 = AP, a.a.O., zu II 3 der Gründe, m.w.N.) oder wenn der Schuldner beim Gläubiger den Eindruck erweckt hat, er werde sich nicht auf die Ausschlußfrist berufen, was aufgrund einer besonderen Zusage der Fall sein kann ( BAG Urteile vom 27. März 1963 - 4 AZR 72/62 - AP Nr. 9 zu § 59 BetrVG; vom 17. April 1986 - 2 AZR 308/85 - AP Nr. 40 zu § 615 BGB, zu B II 1 a der Gründe).
Zwar liegt eine pflichtwidrige Unterlassung eines Arbeitnehmers regelmäßig vor, wenn er erkennt, daß seinem Arbeitgeber bei der Überweisung der Vergütung ein Irrtum unterlaufen ist, der zu einer erheblichen Überzahlung geführt hat und er die Überzahlung nicht anzeigt ( BAGE 80, 144, 150 = AP, a.a.O., zu II 3 a der Gründe).
LAG Brandenburg, 08.11.1996 - 5 Sa 454/96
Aufwandsentschädigung: Voraussetzungen - Rückzahlungspflicht - Ausschlussfrist
LAG Niedersachsen, 18.11.1997 - 13 Sa 1244/97
Anspruch auf Rückzahlungüberzahlter Ortszuschläge nach den Grundsätzen der …
ArbG Ludwigshafen, 04.01.2000 - 8 Ca 1936/99

References: § 70
 § 70
 § 611
 § 54
 § 70
 § 4
 § 812
 § 4
 § 812
 § 4
 § 29
 § 70
 § 818
 § 4
 § 812
 § 4
 § 70
 § 59
 § 615