Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EGMR&Datum=01.06.2010&Aktenzeichen=22978/05
Timestamp: 2019-05-20 08:00:19+00:00

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EGMR, 01.06.2010 - 22978/05 - dejure.org
https://dejure.org/2010,612
EGMR, 01.06.2010 - 22978/05 (https://dejure.org/2010,612)
EGMR, Entscheidung vom 01.06.2010 - 22978/05 (https://dejure.org/2010,612)
EGMR, Entscheidung vom 01. Juni 2010 - 22978/05 (https://dejure.org/2010,612)
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Recht auf ein faires Strafverfahren (Fortwirkung von Verstößen gegen die Selbstbelastungsfreiheit; Fernwirkung von Beweisverwertungsverboten im Einzelfall bei Verstößen gegen Art. 3 EMRK; Abwägungslösung; qualifizierte Belehrung; effektive Verteidigung); Folterverbot (Androhung von Folter; unmenschliche und erniedrigende Behandlung; Folter; Opferstellung im Sinne der EMRK: ausreichende Abhilfe und Subsidiaritätsprinzip; Beweislast; Schutzpflichten zur Bestrafung); Zulässigkeit der Individualbeschwerde (Darlegungsobliegenheiten; Angriffsrichtung der Revisionsrüge); Recht auf Leben (Grenzen der Schutzpflichten); Sondervoten
G. gegen Deutschland
Art. 3 EMRK; Art. 6 Abs. 1, 3 EMRK; Opfereigenschaft i.S.d. Art. 34 EMRK
Folter bei polizeilicher Vernehmung; Kindesentführung; Geständnis trotz Aufklärung über Beweisverwertungsverbot
Art. 3, Art. 6, Art. 6 Abs. 1, Art. 6 Abs. 3, Art. 34, Art. 35, Art. 35 Abs. 1 MRK
Preliminary objection dismissed (non-exhaustion of domestic remedies) Violation of Art. 3 (substantive aspect) No violation of Art. 6-1 and 6-3 (englisch)
GAFGEN c. ALLEMAGNE
Exception préliminaire rejetée (non-épuisement des voies de recours internes) Violation de l'art. 3 (volet matériel) Non-violation de l'art. 6-1 et 6-3 (französisch)
Grundrechtstheorien in Europa - kulturelle Bestimmtheit und universeller Gehalt
Insgesamt faires Strafverfahren trotz konventionswidriger Folterandrohung im Fall Gäfgen
Straßburger Gericht schützt absolutes Folterverbot vor jeder Relativierung
spiegel.de (Kurzaufsatz mit Bezug zur Entscheidung)
Die Würde der Fürchterlichsten (Ferdinand von Schirach; SPIEGEL 23/2010)
EGMR-Verfahren Gäfgen gegen Deutschland: "Wichtige Rechtsfragen am falschen Sachverhalt aufgehängt" (Prof. Dr. Matthias Jahn)
Zusammenfassung von "Androhung von Folter und faires Strafverfahren - Das (vorläufig) letzte Wort aus Straßburg" von Prof. Dr. Dr. Christoph Grabenwarter, original erschienen in: NJW 2010, 3128 - 3132.
NJW 2010, 3145
Ob ein Verfahren fair war, ist nach Prüfung der Gesamtumstände zu entscheiden (vgl. EGMR…, Urteil vom 25. März 1999 - 25444/94 -, Péllisier und Sassi/Frankreich, NJW 1999, S. 3545 ; EGMR…, Urteil vom 11. Juli 2006 - 54810/00 -, Jalloh/Deutschland, NJW 2006, S. 3117 ; EGMR…, Urteil vom 10. März 2009 - 4378/02 -, Bykov/Russland, NJW 2010, S. 213 ; EGMR, Urteil vom 1. Juni 2010 - 22978/05 -, Gäfgen/Deutschland, NJW 2010, S. 3145 ).
Wegen dieser Amtspflichtverletzung sei dem Kläger nach dem insoweit bindenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom 1. Juni 2010 (22978/05) eine Entschädigung in Geld zu gewähren.
Nach dem bereits erwähnten Urteil des EGMR vom 1. Juni 2010 (22978/05, juris) hat die streitgegenständliche Behandlung des Klägers die Erheblichkeitsschwelle des Art. 3 EMRK überschritten (siehe oben f. bb. (1)) und durch die zwischenzeitlich ergangenen innerstaatlichen Entscheidungen keine genügende Kompensation erfahren (…vgl. S. 36 ff. des Umdrucks, juris Rn. 109 ff.; anders noch das Urteil der Kammer der Fünften Sektion des EGMR vom 30. Juni 2008, Nr. 22978/05, NStZ 2008, S. 699 ff., juris).
Gleiches gilt bei Berücksichtigung der Verpflichtung aus Art. 3 EMRK, wonach niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden darf (vgl. EGMR, Urteil vom 1. Juni 2010 - Nr. 22978/05, NJW 2010, 3145, Rn. 87 ff., 92).
Zweitens ist, was das in Art. 47 Abs. 2 der Charta verankerte Recht auf ein faires Verfahren betrifft, darauf hinzuweisen, dass die Achtung der Verteidigungsrechte einen besonderen Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren darstellt (vgl. in diesem Sinne EGMR, 1. Juni 2010, Gäfgen/Deutschland, CE:ECHR:2010:0601JUD002297805, § 169, …sowie Urteil vom 6. November 2012, 0tis u. a., C-199/11, EU:C:2012:684, Rn. 48).
Darüber hinaus sind Anwalts- und Gerichtskosten nur erstattungsfähig, soweit sie sich auf die festgestellte Verletzung beziehen (siehe beispielsweise G. ./. Deutschland [GK], Individualbeschwerde Nr. 22978/05, Rdnr. 196, ECHR 2010-...).
Ausgehend von dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 01.06.2010 (22978/05, Jurisfassung) und dem Urteil des BGH vom 04.11.2004 (…NJW 2005, S. 58 f.) sowie dem Urteil des OLG Frankfurt v. 10.10.2012( 1 U 201/11, NJW 2013, 75 ff.) ist eine Geldentschädigung eine wirksame und angemessene Form der Wiedergutmachung.
39 - Vgl. in diesem Zusammenhang EGMR-Urteile vom 17. Januar 2012, Stanev/Bulgarien (Beschwerde Nr. 36760/06, Randnr. 202), vom 1. Juni 2010, Gäfgen/Deutschland (Beschwerde Nr. 22978/05, Randnr. 88), vom 30. Januar 2008, Testa/Kroatien (Beschwerde Nr. 20877/04, Randnr. 43), und vom 11. Juli 2006, Jalloh/Deutschland (Beschwerde Nr. 54810/00, Randnr. 67).
Although the Court is not bound by the findings of domestic courts, in normal circumstances it requires cogent elements to lead it to depart from the findings of fact reached by those courts (see Gäfgen v. Germany [GC], no. 22978/05, § 93, ECHR 2010).
Eine erniedrigende Behandlung liegt vor, wenn die Misshandlung Gefühle der Angst, Qual und Unterlegenheit hervorruft, die geeignet sind, das Opfer zu demütigen und zu entwürdigen sowie möglicherweise seinen körperlichen oder moralischen Widerstand zu brechen und dazu zu bringen, gegen seinen Willen oder sein Gewissen zu handeln (EGMR, Urt. v. 01.06.2010 - Nr. 22978/05 - "Gäfgen gegen Deutschland", EuGRZ 2010, 417, TZ 89).

References: Art. 3

Art. 3
 Art. 6
 Art. 34

Art. 3
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 34
 Art. 35
 Art. 35
 Art. 3
 Art. 6
 EGMR 
 Art. 3
 EGMR 
 Art. 3
 Art. 47
 § 169
 BGH 
 § 93