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Timestamp: 2020-05-28 13:29:34+00:00

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Amtshaftung - Ausübung einer hoheitlichen Tätigkeit
II. Ausübung einer hoheitlichen Tätigkeit
Staatshaftungsrecht - Amtshaftung - Ausübung einer hoheitlichen Tätigkeit
Weitere Voraussetzung ist, dass der Amtswalter in Ausübung eines öffentlichen Amtes gehandelt hat. Der Punkt „öffentliches Amt“ ist bereits in Zusammenhang mit dem Amtswalter behandelt worden, so dass er nicht mehr aufzugreifen ist.
Definition: „In Ausübung“
„In Ausübung“ heißt, dass zwischen der hoheitlichen Tätigkeit und dem Fehlverhalten des Amtswalters ein so enger äußerer und innerer Zusammenhang besteht, dass die Verletzungshandlung noch als dem hoheitlichen Bereich zugehörig anzusehen ist. Daran fehlt es, wenn das Fehlverhalten nur bei Gelegenheit einer öffentlich-rechtlichen Tätigkeit erfolgt.
Detterbeck/Windthorst/Sproll § 9 Rn. 48; Windthorst JuS 1995, 795; Maurer § 26 Rn. 15.
Ein äußerer Zusammenhang besteht, wenn das Fehlverhalten räumlich-zeitlich in die Wahrnehmung der hoheitlichen Aufgabe fällt. Es ist mithin auf den objektiven Geschehenszusammenhang abzustellen.
Detterbeck/Windthorst/Sproll § 9 Rn. 52; Windthorst JuS 1995, 795.
Ein innerer Zusammenhang liegt vor, wenn das Fehlverhalten und die hoheitliche Tätigkeit als einheitlicher, von der hoheitlichen Aufgabenerfüllung geprägter Lebenssachverhalt erscheint.
BGH NJW 1992, 1227 f. Dabei ist zu beachten, dass die Rechtswidrigkeit des Fehlverhaltens den inneren Zusammenhang nicht schon entfallen lässt. Wäre es so, käme es zu gar keiner Amtshaftung, obwohl der Staat gerade für rechtswidriges Verhalten des Amtswalters einstehen soll. Vielmehr müssen völlig sachfremde Gründe vorliegen, um den inneren Zusammenhang zu verneinen und damit Missbrauchsfälle der Amtshaftung auszuschließen.
Ein Polizist nimmt außerhalb seiner Dienstzeit aus persönlichen Gründen polizeiliche Maßnahmen an einer anderen Person vor, die dabei verletzt wird. Hier fehlt es schon an einem äußeren Zusammenhang, da der Polizist außerhalb der Dienstzeit handelt. Der innere Zusammenhang fehlt, da das Verhalten nicht als von der hoheitlichen Aufgabenerfüllung geprägter Sachverhalt anzusehen ist. Eine Amtshaftung scheidet aus.
Eine Polizistin wird im Dienst durch ihren Vorgesetzten in frauenfeindlicher, auch obszöner Weise schikaniert, diskriminiert und beleidigt. Dieser Psychoterror (Mobbing) treibt sie in den Selbstmord. Ihr Vater begehrt Schadensersatz.
Der äußere Zusammenhang ist wegen der während des Dienstes geschehenen Handlungen des Vorgesetzten gegeben. Aufgrund der Verbindung zur hoheitlichen Aufgabenerfüllung ist ein innerer Zusammenhang zu bejahen. Er entfällt nicht aus sachfremden, persönlichen Motiven, da hier eine Trennung zwischen dienstlichen und privaten Aspekten nicht möglich ist. Mobbing im Rahmen eines Beamtenverhältnisses geschieht demnach nicht nur bei Gelegenheit, sondern in Ausübung des öffentlichen Amtes.
Vgl. BGH NJW 2002, 3172; dazu: Schoch JK 3/03, GG Art. 34/24.
Das Merkmal „In Ausübung“ ist auch in Gestalt eines Unterlassens denkbar. Das setzt aber voraus, dass eine öffentlich-rechtliche Pflicht zum Handeln gegenüber dem Geschädigten bestand.
BGHZ 102, 350, 367 f.; Detterbeck/Windhorst/Sproll § 9 Rn. 161; Wittreck/Wagner Jura 2013, 1211, 1215 f.
Eine Ausübung einer hoheitlichen Tätigkeit liegt bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr zwar begrifflich vor. Gleichwohl kann in diesem Zusammenhang kein Amtshaftungsanspruch entstehen, da das Amtshaftungsrecht auf bewaffnete Auslandseinsätze der Bundeswehr nicht anwendbar ist. Militärische Kampfhandlungen fallen aus dem Anwendungsbereich dieser Normen heraus.
Dies ergibt sich zum einen aus dem historischen Kontext. Weder 1896 bei § 839 BGB noch 1949 bei der Formulierung des Art. 34 GG hatte der jeweilige Gesetzgeber an einen Auslandseinsatz deutscher Streitkräfte im Ausland gedacht. Zum anderen passt die an einer alltäglichen Verwaltung orientierte Amtshaftung inhaltlich nicht auf militärische Einsätze oder gar Kampfhandlungen im Ausland. Aus dem GG lässt sich zudem keine Verpflichtung entnehmen, im Falle militärischer Auslandseinsätze entsprechende individuelle Schadensersatzansprüche zu schaffen. Schließlich ist eine Ausweitung der Amtshaftung auf diesen Bereich aus Gründen des Vorbehalts des Gesetzes und der Wesentlichkeitstheorie nur durch den Gesetzgeber selbst möglich.
BGH NJW 2016, 3656 – Kundus, Afghanistaneinsatz –; Waldhoff JuS 2017, 572 ff.; Eifert Jura (JK) 2017, 497; a.A. OLG Köln NJW 2005, 2860, 2862; Dutta AöR 133 (2008), 191, 201 f.
"In Ausübung" heisst, dadss zwischen der hoheitlichen Tätigkeit und dem Fehlverhalten des Amtswalters ein so enger äußerer und innerer Zusammenhangein so enger äußerer Zusammenhangein so enger innerer Zusammenhang besteht, dass die Verletzungshandlung eindeutig als dem hoheitlichen Bereich zugehörignoch als dem hoheitlichen Bereich zugehörig dem Kompetenzbereich des konkreten Amtswalters zugehörig anzusehen ist.
Welche Funktion hat das Merkmal "in Ausübung" in Art. 34 S. 1 GG?
Dieses Merkmal hat keine eigenständige, den Tatbestand einschränkende Funktion.
Damit wird verlangt, dass die schadensverursachende Handlung in einem äußeren und inneren Zusammenhang mit der hoheitlichen Tätigkeit stehen muss.
Daran fehlt es, wenn der Schaden lediglich bei Gelegenheit der Amtstätigkeit eingetreten ist.
Das Merkmal liegt z. B. nicht vor, wenn ein Polizist während einer Streifenfahrt seinen Nebenbuhler mit der Dienstwaffe erschießt.
Wer muss bei der Amtshaftung gehandelt haben?
Es sind nur Beamte im statusrechtlichen Sinne erfasst.
Nur der Staat ist erfasst, es sei denn er handelt privatrechtlich.
Jedermann ist erfasst, auch Privatpersonen, soweit sie hoheitlich handeln.
Jedermann ist erfasst, auch Privatpersonen ohne Einschränkungen.

References: § 9
 § 26
 § 9

BGH 
 BGH 
 Art. 34
 § 9
 § 839
 Art. 34

BGH 
 Art. 34