Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/2/2225.htm
Timestamp: 2018-12-10 09:18:18+00:00

Document:
2.225 Erlich
Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet »Erlich« (Gemeinde Dettenheim, Gemarkung Rußheim, Gemeinde Graben-Neudorf, Gemarkungen Graben und Neudorf und Stadt Philippsburg, Gemarkung Huttenheim, Landkreis Karlsruhe) vom 27. März 2003 (GBl. v. 19.05.2003, S 263).
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Dettenheim, Gemarkung Rußheim, der Gemeinde Graben-Neudorf, Gemarkungen Graben und Neudorf sowie der Stadt Philippsburg, Gemarkung Huttenheim, Landkreis Karlsruhe, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Erlich«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 280 ha.
(2) Das Gebiet liegt westlich der Bahnlinie Karlsruhe-Mannheim und der Kreisstraße K 3574 Neudorf-Huttenheim. Es umfasst die Gewanne Oberes und Unteres Bruch und zieht sich vom Rand des Hochgestades bei Neudorf rund drei Kilometer nach Westen über das gesamte Waldgebiet Erlich bis hin zur Westgrenze der Plänwiesen (östlich des Verlängerten Pfinzkanals).Im Norden reicht das Naturschutzgebiet bis an das Gelände der Kiesgrube Philipp; eine Teilfläche liegt nördlich der Kiesgrube zwischen dieser und der B 35 (Bruchsal-Germersheim). Im Süden wird das Schutzgebiet durch den Saalbachkanal begrenzt. Der größte Teil des Schutzgebiets (ca. 199 ha) liegt auf Rußheimer Gemarkung (Gemeinde Dettenheim). Etwa 71 ha des Naturschutzgebiets befinden sich auf dem Gemeindegebiet Graben-Neudorfs, wobei der Überwiegende Teil (ca. 69 ha) zur Neudorfer Gemarkung gehört. Die nördlich des Landgrabens an der B 35 gelegene Teilfläche mit etwa 10 ha gehört zur Gemarkung Huttenheim (Stadt Philippsburg).
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:10000 mit durchgezogener roter Linie sowie in 7 Detailkarten im Maßstab1:2500 mit durchgezogener roter Linie eingetragen, wobei die Fläche des Naturschutzgebiets rot gerastert ist. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
(1) Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung, Pflege und Förderung floristisch und faunistisch reichhaltiger grundwassernaher Flächen innerhalb der ehemaligen Mäanderzone des Rheins. Die besondere Vielfalt nebeneinander liegender und verzahnter, von Wassereinfluss geprägter Biotopstrukturen und Pflanzengesellschaften machen das Gebiet für Überregional bedeutsame Vorkommen selten gewordener Tier- und Pflanzenarten unentbehrlich.
- die Sicherung und Erhaltung der durch hohe Grundwasserstände geprägten Lebensräume, insbesondere der Flachmoorstandorte;
- die Erhaltung und Pflege der auetypischen, reich strukturierten Landschaft mit ihren artenreichen Flachmooren, mageren Feucht- und Wirtschaftswiesen, Schilfflächen, feuchten Brachflächen, Feldhecken, Weidengebüschen, Erlen-Bruchwälder, Erlen-Eschenwälder und Eichen-Hainbuchenwälder;
- die Erhaltung und Förderung der an feuchte Standorte angepassten, seltenen und zum Teil auch gefährdeten Vegetation, insbesondere der Pflanzenarten der Flachmoore, beispielsweise: Davall-Segge, Gelbe Segge, Schneide, Knoten-Binse und Sumpf-Knabenkraut;
- die Erhaltung und Förderung der Vielfalt an typischen, seltenen und meist auf bestimmte Wasserflächen, Moorstandorte, Röhrichte und magere Wiesen spezialisierten Tierarten wie z. B. das Blaukehlchen, der Moorfrosch, der Kammmolch, die Grüne Strandschrecke, die Sumpfschrecke, die Fledermaus-Azurjungfer und die Kleine Königslibelle;
- die Sicherung und Entwicklung des Lebensraumkomplexes als Teil des Natura 2000-Gebietes »Rheinniederung von Neureut bis Philippsburg« mit prioritären natürlichen Lebensräumen.
(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung, nachhaltigen Störung oder dem Schutzzweck widersprechenden Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.
3. Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder die Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zer-stören;
5. Hunde unangeleint frei laufen zu lassen.
5. Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, anzuwenden;
6. Düngemittel zu verwenden.
3. außerhalb befestigter Feldwege zu reiten;
5. Wasserflächen zu nutzen; zulässig ist das Befahren des Saalbachkanals mit nicht motorangetriebenen Booten;
6. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Betreiben von Flugmodellen.
(1) Abweichend von § 4 ist es zulässig, die landwirtschaftliche Bodennutzung auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ordnungsgemäß im Sinne der gesetzlichen Vorgaben erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass
1. die Bodengestalt nicht verändert wird, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen oder Bohrungen;
4. Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerflächen und zur einzelpflanzenweisen Bekämpfung von Ampfer unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
5. Feldraine, Hecken, Gebüsche, Bäume nicht beeinträchtigt oder zerstört werden;
6. Wiesen höchstens zweimal jährlich gemäht werden. Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stilllegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unter den oben genannten Voraussetzungen unberührt.
(2) Abweichend von § 4 ist es zulässig, die forstwirtschaftliche Bodennutzung auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt und Ziele des Naturschutzgesetzes sowie den Schutzzweck berücksichtigt. Voraussetzung ist weiter, dass
1. keine Entwässerungs- oder andere den Wasserhaushalt verändernde Maßnahmen durchgeführt werden;
2. Düngung, Kalkung oder andere Meliorationsmaßnahmen innerhalb des Waldes nicht erfolgen;
3. die Zusammensetzung der Baumarten aus standortheimischen Arten der potentiell natürlichen Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird;
4. Altholzbestände, stehendes Totholz und Baumstubben möglichst langfristig erhalten und angereichert werden, soweit es die Verkehrssicherungspflicht zulässt;
5. Forstwegebau durch Niedermoore und andere § 24a-Biotope unterlassen und Bodenverdichtungen vermieden werden.
(3) Abweichend von § 4 ist es zulässig, die Jagd auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne der gesetzlichen Vorgaben erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass
1. Hochsitze nur außerhalb von § 24a-Biotopen und FFH-Lebensräumen (insbesondere nicht im Bereich von Quellen, Klein- und Großseggenrieden, Pfeifengras-Streuwiesen, Nasswiesen, Röhricht, Hochstaudenfluren quelliger oder sumpfiger Standorte) sowie nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Hölzern errichtet werden;
2. keine Wildäcker oder Futterstellen angelegt werden; Kirrungen sind nur außerhalb von § 24a-Biotopen und FFH-Lebensräumen zulässig;
3. für die natürliche Wiederverjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften angepasste Wildbestände angestrebt werden;
4. keine Tiere ausgesetzt werden;
5. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf den in den Karten verzeichneten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird;
6. Jagdgebrauchshunde außer bei der Jagdausübung an der Leine geführt werden.
(4) Abweichend von § 4 ist es zulässig, die Fischerei auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne der gesetzlichen Vorgaben erfolgt.
1. Besatzmaßnahmen nur mit standortheimischen Fischarten mit Zustimmung der Fischereibehörde erfolgen;
2. keine Pfade, Angelplätze und Angelstege eingerichtet werden und insbesondere die Mahd im Schilf unterbleibt;
3. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, soweit dies für Bewirtschaftungs- und Hegemaßnahmen erforderlich ist;
4. in den Stillgewässern die Uferbefischung auf die in den Karten blau schraffierte Fläche begrenzt bleibt und bei der Befischung vom Boot aus von den sonstigen Uferbereichen in der Zeit vom 15. Februar bis 30. Juni ein Mindestabstand von 20 m eingehalten wird.
(5) Unberührt bleiben auch sonstige bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzungen der Grundstücke und Gewässer und die Nutzung der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Zulässig sind außerdem rechtmäßig ausgeführte Maßnahmen und Nutzungsänderungen, die zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung des Schutzgebietes im Sinne des Schutzzweckes führen, wenn sie im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle veranlasst werden.
Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen oder nach § 5 einbezogene Handlungen vornimmt.
(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet »Plän Erlich« vom 15. Oktober 1962 außer Kraft.
KARLSRUHE. den 27. März 2003

References: § 2
 § 4
 § 4
 § 24
 § 4
 § 24
 § 24
 § 4
 § 64
 § 4
 § 5