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Timestamp: 2020-08-06 19:55:15+00:00

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Geschäftsveräußerung - und das Gaststätteninventar | Rechtslupe
Geschäftsveräußerung - und das Gaststätteninventar
Geschäfts­ver­äu­ße­rung – und das Gast­stät­ten­in­ven­tar
Die Vor­aus­set­zun­gen einer nicht umsatz­steu­er­ba­ren Geschäfts­ver­äu­ße­rung im Gan­zen lie­gen nicht vor, wenn der (bis­he­ri­ge) Päch­ter einer Gast­stät­te ledig­lich ihm gehö­ren­de Tei­le des Inven­tars einer Gast­stät­te ‑hier Küchen­ein­rich­tung nebst Geschirr und Küchen­ar­ti­keln- ver­äu­ßert und der Erwer­ber den Gast­stät­ten­be­trieb sowie das übri­ge Inven­tar durch einen wei­te­ren Ver­trag von einem Drit­ten pach­tet.
Nach § 1 Abs. 1a UStG unter­lie­gen die Umsät­ze im Rah­men einer Geschäfts­ver­äu­ße­rung an einen ande­ren Unter­neh­mer für des­sen Unter­neh­men nicht der Umsatz­steu­er. Eine Geschäfts­ver­äu­ße­rung liegt vor, wenn ein Unter­neh­men oder ein in der Glie­de­rung eines Unter­neh­mens geson­dert geführ­ter Betrieb im Gan­zen ent­gelt­lich oder unent­gelt­lich über­eig­net oder in eine Gesell­schaft ein­ge­bracht wird (§ 1 Abs. 1a Satz 2 UStG). Der erwer­ben­de Unter­neh­mer tritt an die Stel­le des Ver­äu­ße­rers (§ 1 Abs. 1a Satz 3 UStG).
Die­se Vor­schrif­ten beru­hen uni­ons­recht­lich auf Art. 5 Abs. 8 der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern ‑Richt­li­nie 77/388/EWG- [1]. Danach kön­nen die Mit­glied­staa­ten die Über­tra­gung des Gesamt­ver­mö­gens oder eines Teil­ver­mö­gens, die ent­gelt­lich oder unent­gelt­lich oder durch Ein­brin­gung in eine Gesell­schaft erfolgt, so behan­deln, als ob kei­ne Lie­fe­rung von Gegen­stän­den vor­liegt, und den Begüns­tig­ten der Über­tra­gung als Rechts­nach­fol­ger des Über­tra­gen­den anse­hen.
Art. 5 Abs. 8 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bezweckt nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on, die Über­tra­gung von Unter­neh­men oder Unter­neh­mens­tei­len zu erleich­tern und zu ver­ein­fa­chen [2], und erfasst dem­entspre­chend die Über­tra­gung von Geschäfts­be­trie­ben und von selb­stän­di­gen Unter­neh­mens­tei­len, die als Zusam­men­fas­sung mate­ri­el­ler und imma­te­ri­el­ler Bestand­tei­le ein Unter­neh­men oder einen Unter­neh­mens­teil bil­den, mit dem eine selb­stän­di­ge wirt­schaft­li­che Tätig­keit fort­ge­führt wer­den kann [3].
Der Erwer­ber muss dabei beab­sich­ti­gen, den über­tra­ge­nen Geschäfts­be­trieb oder Unter­neh­mens­teil zu betrei­ben. Nicht begüns­tigt ist die sofor­ti­ge Abwick­lung der über­nom­me­nen Geschäfts­tä­tig­keit [4].
Der Begriff des Teil­ver­mö­gens bezieht sich nicht auf einen oder meh­re­re lose Bestand­tei­le eines Unter­neh­mens, son­dern auf eine Kom­bi­na­ti­on von ihnen, die zur Aus­übung einer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit aus­reicht, auch wenn die­se Tätig­keit nur Teil eines grö­ße­ren Unter­neh­mens ist, von dem sie abge­spal­ten wur­de [5].
Im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung ist es für die Annah­me einer Geschäfts­ver­äu­ße­rung ent­schei­dend, ob das über­tra­ge­ne Unter­neh­mens­ver­mö­gen als hin­rei­chen­des Gan­zes die Aus­übung einer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit ermög­licht [6] und ob die vor und nach der Über­tra­gung aus­ge­üb­ten Tätig­kei­ten über­ein­stim­men oder sich hin­rei­chend ähneln [7]. Es kommt inso­weit nicht dar­auf an, ob beim Ver­äu­ße­rer eine eigen­stän­di­ge betrieb­li­che Orga­ni­sa­ti­on vor­lag, son­dern viel­mehr dar­auf, ob ein Teil­ver­mö­gen über­tra­gen wird, das vom Erwer­ber als selb­stän­di­ges Unter­neh­men fort­ge­führt wer­den kann [8]; die orga­ni­sa­to­ri­schen Ver­hält­nis­se beim Ver­äu­ße­rer sind damit unmaß­geb­lich [9].
Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen lag im hier ent­schie­de­nen Fall kei­ne Geschäfts­ver­äu­ße­rung im Gan­zen vor:
Die Klä­ge­rin hat mit der Anschaf­fung der Küchen­ein­rich­tung nebst Geschirr und sons­ti­gen Küchen­ar­ti­keln von A kei­nen selb­stän­di­gen Unter­neh­mens­teil erwor­ben, der sie in die Lage ver­setzt hät­te, die Gast­stät­te zu betrei­ben [10]. Eine Küchen­ein­rich­tung, Geschirr und diver­se Küchen­ar­ti­kel sind kein abge­spal­te­ner, selb­stän­di­ger Teil des Unter­neh­mens des A. Es wur­den nur ein­zel­ne zum Betrieb einer Gast­stät­te not­wen­di­ge Gegen­stän­de von A an die Klä­ge­rin ver­äu­ßert. Davon sind auch die Ver­trags­par­tei­en aus­ge­gan­gen.
Zum Betrieb der Gast­stät­te durch die Klä­ge­rin war viel­mehr noch der Abschluss des Pacht­ver­tra­ges mit der Schüt­zen­bru­der­schaft erfor­der­lich, der neben der Über­las­sung der Räu­me für die Gast­stät­te auch die pacht­wei­se Über­las­sung wesent­li­chen Inven­tars an die Klä­ge­rin vor­sah. Das hat das Finanz­ge­richt fest­ge­stellt, indem es aus­ge­führt hat, bei der über­tra­ge­nen Geschäfts­aus­stat­tung habe es sich zwar um eine für die Fort­füh­rung des Betriebs wesent­li­che Sach­ge­samt­heit gehan­delt, der Erwer­ber habe jedoch die wei­te­ren, zum Betrieb erfor­der­li­chen Gegen­stän­de ein­schließ­lich der Räu­me von einem Drit­ten ange­pach­tet [11].
Die Ver­ein­ba­run­gen die­ses Pacht­ver­tra­ges durf­te das Finanz­ge­richt aber nicht mit der Ver­äu­ße­rung des Inven­tars durch A in einen Vor­gang zusam­men­fas­sen.
Der EuGH hat u.a. mit Hin­weis dar­auf, dass Art. 5 Abs. 8 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG die For­mu­lie­rung „Über­tra­gen­der“ nur im Sin­gu­lar ver­wen­det, inzwi­schen geklärt, dass bei Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen die­ser Bestim­mung und Vor­lie­gen meh­re­rer Leis­tungs­be­zie­hun­gen „jeder Vor­gang ein­zeln und selb­stän­dig zu beur­tei­len“ ist [12]. Dies gilt glei­cher­ma­ßen für die seit dem 1.01.2007 gel­ten­de Rege­lung in Art.19 MwSt­Sys­tRL, in der die Per­son „des Über­tra­gen­den“ eben­falls nur in der Ein­zahl erwähnt ist. Dem­entspre­chend heißt es in § 1 Abs. 1a Satz 3 UStG, dass „der erwer­ben­de Unter­neh­mer an die Stel­le des Ver­äu­ße­rers“ tritt.
Dies bedeu­tet, dass für die Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen einer Geschäfts­ver­äu­ße­rung im Gan­zen im Rah­men der streit­be­fan­ge­nen umsatz­steu­er­recht­li­chen Leis­tungs­be­zie­hung zwi­schen A und der Klä­ge­rin Leis­tun­gen außer Betracht blei­ben müs­sen, die ‑wie hier- Gegen­stand einer wei­te­ren ‑davon zu unter­schei­den­den- umsatz­steu­er­recht­li­chen Leis­tungs­be­zie­hung zwi­schen der Schüt­zen­bru­der­schaft und der Klä­ge­rin sind [13].
Dass es im Streit­fall offen­bar allen Betei­lig­ten um die Fort­füh­rung des Gast­stät­ten­be­triebs des Schüt­zen­hau­ses ging [14], ist uner­heb­lich. Denn Gegen­stand der streit­be­fan­ge­nen Leis­tungs­be­zie­hung zwi­schen A und der Klä­ge­rin war ledig­lich die von A in Rech­nung gestell­te Über­tra­gung des Inven­tars, das sich nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt auf die Küchen­ein­rich­tung nebst Geschirr und diver­sen Küchen­ar­ti­keln beschränk­te. Der Bun­des­fi­nanz­hof kann daher offen­las­sen, wie die Rechts­la­ge zu beur­tei­len wäre, wenn die Klä­ge­rin im Rah­men eines umfas­sen­den Ver­tra­ges mit A (voll­um­fäng­lich) in des­sen mit der Schüt­zen­bru­der­schaft bestehen­den Pacht­ver­trag ein­ge­tre­ten wäre. Ein der­ar­ti­ger Über­gang der „Päch­ter­stel­lung“ von A auf die Klä­ge­rin hat nicht statt­ge­fun­den.
Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus dem BFH-Urteil vom 06.05.2010 [15], wonach eine nicht steu­er­ba­re Geschäfts­ver­äu­ße­rung durch Grund­stücks­über­tra­gung im Rah­men der erfor­der­li­chen Gesamt­wür­di­gung auf­grund beson­de­rer Umstän­de auch dann vor­lie­gen kann, wenn auf den Erwer­ber kein bestehen­der Miet­ver­trag über­geht.
Denn die­se Recht­spre­chung betrifft allein die Fra­ge der Fort­füh­rung einer unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit durch den Erwer­ber im Fal­le der Über­tra­gung von Grund­stü­cken ohne Über­gang eines ent­spre­chen­den Pacht- oder Miet­ver­tra­ges [16]. Dar­um ‑oder um Ver­gleich­ba­res- geht es im vor­lie­gen­den Fall nicht. Hier ist aus­schließ­lich ent­schei­dend, ob die vom Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und Ver­päch­ter (Schüt­zen­bru­der­schaft) an die Klä­ge­rin erbrach­ten Leis­tun­gen in die Wür­di­gung der Leis­tungs­be­zie­hung zwi­schen [17] A und der Klä­ge­rin ein­be­zo­gen wer­den dür­fen. Auf die­se ‑zu ver­nei­nen­de- Fra­ge ist die Recht­spre­chung im BFH-Urteil in BFH/​NV 2010, 1873 nicht über­trag­bar.
Dem steht nicht die Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hof und des Bun­des­fi­nanz­hofs ent­ge­gen, wonach bei dem Erwerb eines Waren­be­stan­des und der Geschäfts­aus­stat­tung eines Ein­zel­han­dels­ge­schäfts unter gleich­zei­ti­ger Ver­mie­tung des Laden­lo­kals an den Erwer­ber eine Geschäfts­ver­äu­ße­rung im Gan­zen gege­ben sein kann [18]. Denn im Streit­fall liegt ein sol­cher Sach­ver­halt nicht vor.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. Febru­ar 2015 – XI R 42/​13
nun­mehr Art.19 der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem ‑MwSt­Sys­tRL-[↩]
EuGH, Urtei­le vom 27.11.2003 – C‑497/​01, Zita Modes, Slg. 2003, I‑14393, BFH/​NV Bei­la­ge 2004, 128, Rz 39; vom 10.11.2011 – C‑444/​10, Schrie­ver, Slg. 2011, I‑11071, BStBl II 2012, 848, UR 2011, 937, Rz 23; vom 30.05.2013 – C‑651/​11, X BV,MwStR 2013, 337, UR 2013, 582, Rz 41[↩]
EuGH, Urtei­le Zita Modes in Slg. 2003, I‑14393, BFH/​NV Bei­la­ge 2004, 128, Rz 40; Schrie­ver in Slg. 2011, I‑11071, BStBl II 2012, 848, UR 2011, 937, Rz 25; Urtei­le des Bun­des­fi­nanz­hofs ‑BFH- vom 18.01.2012 – XI R 27/​08, BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842; und vom 19.12 2012 – XI R 38/​10, BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 33[↩]
EuGH, Urteil Zita Modes in Slg. 2003, I‑14393, BFH/​NV Bei­la­ge 2004, 128, Rz 44; BFH, Urtei­le vom 30.04.2009 – V R 4/​07, BFHE 226, 138, BStBl II 2009, 863, unter II. 2.a; in BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842, Rz 19; in BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 34[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 35, m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842; in BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 36[↩]
vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 36, m.w.N.[↩]
vgl. z.B. EuGH, Urteil – X BV in MwStR 2013, 337, UR 2013, 582, Rz 53[↩]
vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 45, m.w.N.[↩]
vgl. dazu z.B. EuGH, Urteil Zita Modes in Slg. 2003, I‑14393, BFH/​NV Bei­la­ge 2004, 128, Rz 40[↩]
Rz 46 des Urteils[↩]
EuGH, Urteil – X BV in MwStR 2013, 337, UR 2013, 582, Rz 45 bis 47[↩]
vgl. auch Wüst, MwStR 2014, 409[↩]
vgl. Anm. Büch­ter-Hole in EFG 2014, 1041, 1042[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 1873, Rz 17 ff.[↩]
dem frü­he­ren Päch­ter[↩]
vgl. EuGH, Urteil Schrie­ver in Slg. 2011, I‑11071, BStBl II 2012, 848, UR 2011, 937, und BFH, Urteil in BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842[↩]
GaststätteGeschäftsveräußerungInventar

References: § 1
 Art. 5

Art. 5
 EuGH 
 Art. 5
 Art.19
 § 1
 Art.19