Source: https://issuu.com/callwey/docs/bm_01_17_gesamt
Timestamp: 2019-12-07 10:48:07+00:00

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Baumeister 01/17 by Callwey GmbH - Issuu
11 4 . J A H R G A N G
Chinas Museen zwischen Repression und künstlerischer Freiheit + M A AT 4
+ BREMER
D 16 € A,L	18 € I	19,90 € C H	2 4 S F R
BAU 2 017 ! DIE
BESTEN LÖSUNGEN
Beton? Natürlich.
Natürlich temperierend. Sein großes thermisches Speichervermögen macht Beton zu einem idealen Baustoff. Im Sommer bleibt Außenwärme weitestgehend draußen und im Winter wird Innenwärme im Raum gehalten. So entsteht ein angenehmes Raumklima. Diese klimaregulierende Wirkung kann man mit Hilfe der so genannten Betonkernaktivierung noch effizienter gestalten. Hier erfahren Sie mehr: www.beton.org / temperierend oder QR-Code einscannen
COVE RFOTO: COURTE SY: THE ARTIST, KR AUPA-TUSK ANY ZE IDLE R, BE RLIN. PHOTO: HANS-GE ROG GAUL
hina ist so etwas wie das Red Bull Leipzig der deutschen Architektur. Für Nicht-Fußballfans: Dieser aufstrebende Fußballclub wird von deutschen Traditionalisten mit Inbrunst verabscheut. Zugleich aber sind viele Beobachter vom rasanten (sponsorgetriebenen) Aufstieg des Clubs beeindruckt. Und so mancher Akteur im FußballGeschäft profitiert vom Erfolg der Leipziger. In ähnlicher Weise arbeiten sich Betrachter seit Jahren an der beeindruckenden Bautätigkeit in China ab. Mit einiger Hochnäsigkeit wird die Masse an Bauvolumen im Riesenland für irrelevant gehalten. Dann aber gibt es eben auch viele deutsche Architekten, die selber in China aktiv sind. Entweder mit eigenem Büro. Oder als junger, angestellter Architekt, der seine Karriere gleich mit einer Auslandsstation beginnt. Dem Snobismus der China-Ignorierer haftet übrigens immer auch etwas Oberflächliches an. Man suhlt sich allzu schnell im Gefühl der eigenen Überlegenheit. Was die da machen, kann ja nichts sein. Eine ähnliche Haltung haben übrigens auch viele Architekturkritiker. Am echten Durchdringen der Bauphänomene in China würden sie scheitern – und deshalb versuchen sich gar nicht erst daran. Das Pflegen der verinnerlichten Stereotypen ist doch viel einfacher. Wir wollen mit dieser Ausgabe mal einen anderen Weg beschreiten. Denn es tut sich was dort drüben. In Kunst wie in Architektur. Einerseits ist der ganz wilde Bauboom vorbei. Andererseits scheint genau das zu einem Innehalten zu führen. Und dazu, dass bei neuen Kulturbauten mehr auf den Kontext geachtet wird. Beispiele dafür liefern wir mit diesem Heft. Damit sagen wir nicht, dass alles Spitzenqualität hat, was in China entsteht. Aber wir sagen, dass es lohnt, genauer hinzuschauen und die bequemen eigenen Denkschablonen mal im Schreibtisch liegen zu lassen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen in der politischen Landschaft laue Stereotypen immer öfter reale inhaltliche Diskussionen ersetzen.
Alexander Gutzmer Chefredakteur a.gutzmer@baumeister.de
Unser Cover zeigt die Skulptur „Slightly Dizzy“ der chine­ sischen Künstlerin Guan Xiao aus Peking. Ihre Arbeiten setzen sich mit der Kritik am aktuellen Kulturbetrieb aus­ einander.
B1 Ein Fünf­ jahresplan der Regierung mündete in 3.400 Museen für China. In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit den Hintergründen – und der Architektur.
Die Gründer von Rural Urban Framework
Erdbeben-Denkmal und Museum in Benchuan
10 Rural Urban Framework
18 Museen in China
In Chinas ländlichem Raum wird häufig ohne architektonische Federführung gebaut. Ein junges Büro hat sich dem ruralen Raum nun verschrieben.
Ein Streifzug durch drei Ausstellungshallen, die aus Chinas Museumsboom resultieren
38 MAAT in Lissabon
14 Dieter Cöllen
Der Erweiterungbau von Amanda Levete bietet Ausstellungsräume – und versucht, ein städtebauliches Problem zu lösen.
Der Phelloplastiker bildet reale Bauten in kleinerem Maßstab nach – mit Kork.
50 Bremer Landesbank Caruso St John bewegen sich mit ihrem Entwurf zwischen den Zweitläuften.
BAU MEISTER. DE
Für unsere Rubrik „Sonderführung“ sprachen wir mit dem HolzbauProfessor Hermann Kaufmann über die Ausstellung „Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft“. Weitere Infos dazu finden Sie im Netz.
Lösungen Gast-Arbeiter
Vor dem Sturm: Schwimmende Schule Lagos
Neue Produkte zur BAU 2017
60 Welchen Nutzen hat der Museumsboom in China?
82 BAU 2017 Die Weltleitmesse für Architektur wirft einen Blick in die Zukunft des Bauens – und wir auf dort vorgestellte Neuheiten.
Der Autor, Kurator und Forscher Eduard Kögel befasst sich seit 20 Jahren mit dem Austausch und der Adaption von Architekturkonzepten zwischen Europa und Asien. Er erläutert in dieser Ausgabe die Hintergründe von Chinas Museumsboom – und wirft einen Blick auf die daraus entstandene Architektur.
64 Was droht mit Trump? 66 Was bedeutet das Scheitern sozialer Architektur? 70 Gibt es genügend Sanierungsprojekte? 72 Wie funktioniert der Wiederaufbau in Italien? 76 Andermatt zwei: Ist ein Riesenumbau sinnvoll?
RUBRIKEN 6 EIN BILD 36 SONDERFÜHRUNG 46 KLEINE WERKE 48 UNTERWEGS 70 ARCHITE K TUR + M ANAGE ME NT 94 REFERENZ 101
80 Wo liegen die Grenzen des 3D-Drucks?
IMPRE SSUM + VORSCHAU 102 P O R T F O L I O : B AU 2 0 17 11 4 KOLUMNE
Mark Kammerbauer promovierte nach dem Architekturund Urbanistikstudium an der Bauhaus-Universität Weimar zum Thema Wiederaufbau in New Orleans nach Orkan Katrina. Für Baumeister befasste er sich mit Renzo Pianos Wiederaufbauplänen für Italien.
Arena da AmazĂ´nia
6 Ein Bild
Bunddop an
7 Fußballstadien gelten als einsame Ge­ sellen. Oft werden sie mitten ins Nichts gebaut. Die meiste Zeit der Woche nutzt sie niemand. Dass sie dennoch so isoliert nicht sind, zeigt das neue Buch „Re(v)ferences. Volkwin Marg – Stadium Architecture of von Gerkan, Marg and Partners“ aus der Reihe „Baumeister Edition“: Eine Werkschau, ein Buch über die wichtigsten Stadien des Büros Gmp. Aber zugleich auch eines über Architekturfotografie. Diese dient hier als Mittel, um zu zeigen, wie bezugsreich der Stadionbau sein kann. Stadion und Stadt, Stadion und Kultur, Stadion und Mensch – die Macher zeigen, dass jedes Stadion eine Sammlung kontextueller Verwurzelungen darstellt. Das mit den Wurzeln darf man durchaus wörtlich nehmen. Beim abgebildeten Bau aus dem brasilianischen Manaus bildeten nämlich Blattstrukturen im nahen Regenwald eine Referenz. Womit auch der Begriff der Referenz erklärt wäre, der neben dem der Reverenz titelgebend für das Buch war. Das Werk ist kein Fachbuch im klassischen Sinne. Auf umfangreiche DokuTexte haben die Herausgeber verzichtet. Die Bilder des Fotografen Marcus Bredt sollen für sich wirken. Sie erzählen Geschichten. So wie die Architekturfotografie ja immer Geschichten erzählt. Wenn sie gut ist. Und wenn man sie lässt.
pplung bereits
FOTO: M ARCUS BRE DT
ngelegt
Chinas ruralen Raum verschrieben haben sich die Architekten von RUF.
FOTO: CA MILL A HOL MGRE N
3 Kรถpfe: R	Rural U	Urban F	Framework Dieter Cรถllen JOSHUA BOLCHOVER UND JOHN LIN
Hands – on – Architektur Das Bauen in China rückt von der traditionell symbolträchtigen Architektursprache ab. Das zeigt sich nicht nur am aktuellen Museumsboom in den Städten. Auch im ländlichen Raum wird das zeitgemäße Bauen eingefordert – weil man es als Zeichen des Fortschritts versteht. Das Büro Rural Urban Framework = RUF befasst sich mit der Neuinterpretation baulicher Hinterlassenschaften, die den dramatischen Wirtschaftsboom und seine Folgen für die ländliche Region sichtbar machen. TITELTHEMA
Text: Eduard Kögel Porträtfotos: Camilla Holmgren 1
MUSEUMSBOOM IN CHINA
wurde mit gefärbten
Ziegeln erreicht.
Der Erschließungs-
korridor unter der
Klassenzimmer der
Tribüne und vor den
Grundschule im Dorf
Qinmo, die in einer
der ärmsten Regio-
Der Schulhof mit
nen der Provinz
Basketballfeld liegt
Guangdong liegt
vor der Tribüne,
die Erschließung der
die Tribüne als
für das Dorf
Die Bibliothek als
blicken in die Landschaft. Die Farbigkeit des Baues
FOTOS: RUR AL URBAN FR A MEWORK (RUF)
Köpfe Der ländliche Raum in China ist heute wieder einmal eine Herausforderung für die Politik. Während des Zweiten JapanischChinesischen Krieges und des folgenden Bürgerkrieges zwischen 1937 und 1949 fanden die Mitglieder der Kommunistischen Partei vor allem auf dem Land Unterstützung. Die Partei um Mao Zedong bestimmte nach der Machübernahme 1949, wohin die Reise geht. Mit gewalttätigen Kampagnen und Propagandafeldzügen wurden Experimente durchgeführt, die bis heute nachwirken. 1958 führte der Staat eine Registrierung ein, das Hukou-System, das die Freizügigkeit aufhob und damit eine Immobilität der Bevölkerung erz wang, um unkont rollier tes Stadtwachstum zu verhindern und unter ideologischen Vorzeichen eine Angleichung der Lebensbedingungen zwischen Stadt und Land anzustreben. Nach den Wi r tscha f ts refo rmen keh r te sich das Experiment in sein Gegenteil. Zeichen des Fortschritts Trotz der fehlenden Freizügigkeit stieg die Urbanisierungsrate seit 1980 dramatisch von 20 auf über 50 Prozent. Die andere Hälfte der 1,38 Milliarden Chinesen lebt immer noch auf dem Land, das sie jedoch nicht mehr ernährt. Schon lange ziehen die Jungen und Cleveren als Wanderarbeiter mit befristeten Aufenthaltstiteln in die Stadt. Zurück blieben die Alten und die Kinder, die aufgrund der Registrierung keine Zuzugsberechtigung bekommen. 270 Millionen Wanderarbeiter leben heute mit unsicherem Status in der Stadt und helfen mit ihren Rücküber weisungen an Eltern und Kinder, deren Überleben zu sichern. Obwohl die Zentralregierung in den letzten Jahren immer wieder Reformen im System ankündigte, gibt es bislang keine Freizügigkeit. Denn die Städte sollen alleine für die Meh rkosten im Bildungsbereich, in der Gesundheitsve rso rgung und im subvent ionie r ten Wohnungsbau aufkommen, obwohl sie ihre Steuereinnahmen mit der Zentra-lregierung teilen müssen. Da die einfache Arbeit in den Städten abnimmt und eine höhere Ausbildung notwendig wird, versucht die Regierung, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern. Dazu gehören neue Infrastrukturen, die das Leben auf dem Land verbessern sollen. Initiativen gibt es verschiedene. Künstler, die in entleerte Dörfer ziehen und dort Freiräume testen, oder Architekten, die mit ihrer Arbeit versuchen, grundlegende Fragen mit einfachen und angepassten Lösungen zu beantworten. Finanziert von staatlichen Stellen, von NGOs oder von privaten Mäzenen, entstehen Schulen, Krankenstationen, Infrastruktur oder öffentliche Orte, die für die jeweiligen Gemeinschaften
das ländliche Leben erleichtern und an heutige Bedingungen anpassen. Ein Architekturbüro mit explizitem Schwerpunkt in diesem Bereich ist das 2005 von Joshua Bolchover und John Lin gegründete Rural Urban Framework (RUF). Das Forschungs- und Designbüro ist an der University of Hong Kong in die akademische Struktur eingebettet und erlaubt daher Non-profit-Aufgaben, die mit studentischen Kräften, lokalen Handwerkern und Arbeitern sowie der Unterstützung durch Stiftungen ermöglicht werden. Die Einbindung in die Lehre sensibilisiert die Studenten für die anstehenden Probleme, und da viele der realisierten Schulen, Hospitäler, Brücken und Gemeinschaftszentren von RUF mit in- und ausländischen Preisen ausgezeichnet wurden, dienen sie einer jungen Generation als Vorbild für die ländliche Entwicklung, wo eine Architektur ohne Architekten die Regel ist. Das Bauen im ländlichen Raum erfordert Fingerspitzengefühl, denn dort erhofft man sich von neuer Architektur keinesfalls eine Rückkehr zur Tradition, sondern ein sichtbares Zeichen des Fortschritts. Dabei orientierten sich lokale Entscheidungst räger an ikonischen Bildern aus den Metropolen. Die Projekte von Rural Urban Framework versuchen, einen geschickten Weg zu finden, in dem die Frage nach Tradition oder Avantgarde überfällig wird. Sie nehmen die realen Probleme zum Ausgangspunk t ih rer Inter ventionen und lösen die Herausforderungen pragmatisch – und manchmal sogar poetisch – mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Dabei kommen industriell gefertigte Halbp ro d u k t e e b e n s o z u m E i n s a t z w i e Abbruchmaterial. Die Lösung wird nicht im Bereich einer vermeintlich traditionellen Identität gesucht, sondern mit der cleveren Neuinterpretation baulicher Hinterlassenschaften, die auch den dramatischen Wirtschaftsboom und seine Folgen für die ländlichen Regionen sichtbar machen. Schule in Qinmo Als Beispiel dient hier eine neue Schule im Dorf Qinmo, im Nordwesten der Provinz Guangdong, das cirka 1.800 Einwohner hat und von kleinteiliger Landwirtschaft lebt. Das neue Schulgebäude ist wie eine terrassierte Landschaft entworfen, die im Bogen einen öffentlichen Platz einfasst. Tagsüber kann dieser als Schulhof genutzt werden, aber für spezielle Anlässe trifft sich die Gemeinde hier und feiert ihre Feste. Die Anlage wurde in Selbsthilfe erstellt, mit den billigsten verfügbaren Materialien wie Backsteinen und Betonstrukturen für das Tragwerk. Auf dem Dach entstand ein Gemeinschaftsgarten, den die Schüler betreuen und in dem sie gärtnerische
Kenntnisse erlernen. Das al te Schulgebäude im Dorf fiel durch den Neubau brach. Zusammen mit Hilfsorganisationen entwickelten die Architekten daraus ein Weiterbildungszentrum zum Thema Landwirtschaftstechnik. In einem Glashaus und einem Küchengarten werden neue, ökonomisch profitable Produkte getestet, die sich auf einem sensiblen Lebensmittelmarkt unter ökologischen Vorzeichen vermarkten lassen. Somit sollen die Bauern eine Möglichkeit finden, sinnvoll und produktiv von ihrer landwirtschaftlichen Produktion zu leben. Die beiden Gebäude wurden zu Zentren der Gemeinschaft, die hier mit minimalem Aufwand eine bauliche Lösung fanden, in der das Gemeindeleben und die Weiterentwicklung für ländliche Lebensformen möglich werden. Das Land attraktiv machen Andere Projekte im Bereich medizinische Versorgung oder Infrast ruktur wurden nach denselben Prinzipien umgesetzt. Ihnen ist eigen, dass neben der Lösung von relevanten Problemen auch die Einbindung der Bevölkerung gelingt, die sich mit diesen Projekten nicht nur qualifiziert, sondern auch neue Perspektiven für das Leben auf dem Lande entwickeln kann. Eine Hands-on-Architektur, die auf lokale Ressourcen zurückgreift und hilft, ein neues Selbstbild der Bewohner zu formen, ist dringend erforderlich. Wenn es nicht gelingen sollte, angepasste Lösungen für das Hinterland zu finden, wird der Drang in die Stadt nicht zu bremsen sein.
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N SIE ERLEBE RGER! E B R E WIEN 17 BAU 20 1.
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Feuer und Flamme fürs Bauen mit Ton. Seit Jahrtausenden zählt Ton zu den beliebtesten Baustoﬀen. Natürlich, zuverlässig und vielfältig meistert er auch heute die Herausforderungen modernen Bauens. Klar, dass das nicht nur uns begeistert. Mit Herzblut arbeiten wir daran, dass Sie mit Ton in Zukunft noch sicherer, noch nachhaltiger und noch individueller bauen können. Egal, ob Neubau oder Sanierung – mit uns können Sie immer rechnen. Und mit unseren praktischen Services, mit denen wir gemeinsam Ihre perfekten Wohn- und Arbeitsräume planen. Denn eines teilen Sie und wir von Anfang an: Leidenschaft fürs Bauen. Erfahren Sie mehr auf www.wienerberger.de
Text: Tanja Slasten Porträtfoto: Rainer Mader
Physische Präsenz eines verlorenen Symbols Der Baaltempel von Palmyra in Syrien wurde vom Islamischen Staat zerstört. Das Ereignis hat Dieter Cöllen dazu be­ wogen, aktiv zu werden: Er setzt das Knowhow seines Berufs als Phelloplastiker (Korkbildner) ein, um die antike Stätte detailgetreu nachzubauen. Im Interview spricht er über seine Arbeit und die damit verbundenen Ziele.
15 B A U M E I S T E R : Was ist der Reiz am Beruf des Phelloplastikers? D I E T E R C Ö L L E N : Ich bin Materialfetischist und Liebhaber des Verfalls. Im Verfall verbergen sich Geschichten. Wenn ich das wiedergeben kann, kann ich die Essenz der Geschichte in ein Modell übertragen. Mit anderen Materialien ist mir das nicht gelungen. Eine Ruine unterliegt vielen Einflüssen der Zerstörung. Vom Menschen, von Naturgewalten, die einen ganz besonderen Charakter auf die Ruine legen. Das herauszukitzeln ist mein Bestreben.
Welche Arbeitsschritte durchläuft ein Projekt? D C : Es gibt zwei Ausgangspunkte: Ich baue ein Modell, weil es mir gefällt – oder ich bekomme einen Auftrag. Für beides benötige ich Pläne, und ich fahre hin, schau mir das Projekt an und „atme es ein“, wie ich es nenne. Ich möchte das Gebäude verstehen und mitbekommen, was man nicht greifen kann. Also dieses Sinnliche, was ein Gebäude oder Monument in sich trägt. B:
Was leiten Sie aus den Plänen ab? Da sieht man, wie es gebaut ist. Aber nicht die Kraft, die darin steckt. Wenn man dagegen zur richtigen Tageszeit vor Ort ist und man sensibel genug an die Sache ran geht, kann man sie erfühlen. Das tue ich, wenn ich mit Archäologen unterwegs bin. Wir gehen immer hin, wenn die Touristen weg sind. Manchmal schlafen wir da und lassen das Gebäude auf uns wirken. Die Cheops-P y ram ide fä l l t m i r e i n . Das Colloseum. Unglaublich! Wenn man im Untergeschoss ist und Ruhe und Zeit hat, riecht man wieder das Blut. Das sind Dinge, die muss ich einfach erfahren. Denn wenn ich das Modell später baue, möchte ich aus diesen Erfahrungen schöpfen und sie transportieren. B:
D C:
Aktuell bauen Sie den zerstörten Baaltempel von Palmyra nach. Was ist Ihre Intention? D C : Das entstand aus einer inneren Wut heraus. Ich habe im Fernsehen schon die Buddah-Statuen in Bamiyan fallen sehen. Ich habe dort eine wichtige Zeit meines Lebens verbracht, und als ich sah, wie sie mit der Panzerfaust auf dieses Objekt hielten und es sprengten, habe ich geheult wie ein Schlosshund. Mir ist das wirklich physisch nahe gegangen. Früher hat man Korkmodelle gebaut, um Menschen Architektur aus Gegenden zu zeigen, die keiner bereisen konnte. Heute kann man gewisse Orte, ohne persönliche Risiken auf sich zu nehmen, gar nicht mehr besuchen, und wir sehen uns mehr und mehr unserer Geschichte beraubt. Ich baue also solch ein Modell, um den Menschen zu zeigen, was in Krisengebieten
FOTOS: STE FAN HE R ME S
existiert oder was für immer verloren ist. Wir alle kennen die Bilder der Sprengung des Baaltempels durch den IS. Er ist pulverisiert. Man kann ihn schwerlich mit den Originalbestandteilen wieder aufbauen. Meine Arbeit verstehe ich auch als Widerstand. Ich habe es satt, dass unsere kulturellen Wurzeln beschnitten werden. Das sind ja gezielte Aktionen anders denkender Minderheiten, die uns der Symbole unserer Existenz berauben, und dabei kann ich nicht tatenlos zusehen. Ich habe die Möglichkeit, etwas so darzustellen, dass man glaubt, es wäre das Original. Und man kann es sogar anfassen, denn es ist keine Computeranimation. Im Falle des Baaltempels fällt ihr Prozess des „Einatmens“ vor Ort weg. Wie sehen die Vorbereitungen aus? D C : Es gibt wahnsinnig viele Unterlagen, denn es sind Generationen von Wissenschaftlern über diese Ruinenlandschaft gezogen und haben alles akribisch vermessen. Außerdem habe ich sehr viele Kontakte zu namhaften Archäologen, die auch begeistert sind von dem Projekt. Sie haben mir Tür und Tor geöffnet, um an die entsprechenden Pläne zu kommen, was schon fantastisch ist. Dass ich nicht vor Ort sein kann, ist eine andere Sache. Aber es gibt auch einen großen Fundus an Fotos und Austausch mit syrischen Archäologen in Deutschland, die hautnah dran waren. Die können Geschichten erzählen, da kommen mir die Tränen. Das ist anrührend. Und das versuche ich natürlich mitzutransportieren.
Symbole der Existenz
Die Korkmodelle sollen wiedergeben, was man physisch am Original wahrnehmen kann – Modelle zum Anfassen.
Sie sagten einmal, dass die mutwillige Zerstörung von Weltkulturerbe im Nahen Osten in Ihnen das Verlangen geweckt hat, Ihre Fähigkeiten als Künstler für ein Umdenken einzusetzen. Was bedeutet das konkret? D C : Umdenken bedeutet hier für mich, unsere kulturelle Vergangenheit in Kontext zu den rasanten, aktuellen Ereignissen der Gegenwart zu stellen. Zerstörung von Kulturgut hat es immer gegeben. Nur das hier ist jetzt Gegenwart. Ich erlebe das. Und ich spüre die unausweichlichen Konsequenzen, die aus Resignation entstehen werden. Die Symbolkraft Palmyras als blühende Oase und Kreuzungspunkt der Seidenstraße ist sehr groß. Dort haben viele Kulturen nebeneinander in Frieden gelebt. Das hat unsere Geschichte geprägt. Zerstört man solche kulturellen Symbole, will man dem natürlich den Boden nehmen. Mit der erneuten physischen Präsenz eines verlorenen Symbols kann ich mit meinen Mitteln wieder an die Vergangenheit anknüpfen und in die Zukunft blicken. Da gehören natürlich noch viele andere Dinge zu, und ein Modell des Baaltempels B:
ist sicher nur der physische Angelpunkt: Er ist wieder präsent und gibt Anlass zum Nachdenken. Wenn Vergangenheit ein sichtbarer Teil unserer Geschichte wird, dann könnte das den schwindenden Besucherzahlen unserer Museen sicher nur gut tun. Man sollte einfach an das Thema ran gehen und sich auch selbst unangenehme Fragen stellen dürfen. Sie stoßen ein Thema an, das heikel ist. Ich bin kein Politiker, sondern weise lediglich auf etwas hin – in einem hoffentlich freien Land. Wenn wir das nicht mehr tun, haben wir uns verpasst. Letztendlich ist es das ja, was Leben bedeutet. Dass man seine Meinung sagt und sich auch persönlich definiert. Wäre ich Schriftsteller, würde ich schreiben. Wäre ich Filmemacher, würde ich einen Film machen. Ich realisiere dieses Projekt mit meinen Mitteln und mache es öffentlich. Dann schaue ich auf die Resonanz. Wie weit sind wir überhaupt noch diskussionsfreudig? Das könnte der politische Aspekt sein, der sich daraus ergibt. B:
Die Fortschritte des Projekts kann man auf modellpalmyra.wordpress.com verfolgen.
Die Power Station of Art in Schanghai zeigt ausschlieĂ&#x;lich temporĂ¤re Ausstellungen. Den Auftakt zur Museumsnutzung bildete die Expo 2010.
5 Ideen: Museumsboom in China MAAT in Lissabon Bremer Landesbank POWE R STATION OF ART, FOLK ART MUSEUM UND
BE ICHUAN EARTHQUAKE MEMORIAL
FOTO: ZHANG SIYE, ZHANG M ING, WANG YUAN
Museen als Gradmesser der (Bau)Kultur
TITELTHEMA MUSEUMSBOOM IN CHINA
Der Museumsboom in China umfasst alle Bauaufgaben. Von der Transformation alter Kraftwerke 1, dem Neubau auf einem Campus 2 oder als Teil der Landschaft 3 sind unter den 3.400 neu entstandenen Ausstellungshallen alle Facetten zu finden. Ein Streifzug durch drei Museen mit Einblick in die kontextuellen Hintergründe Kritik: Eduard Kögel
Das ehemalige Kohlekraftwerk „Nanshi“ im neuen Museumskostüm am Ufer des Huangpu-Flusses
FOTOS: ZHANG SIYE, ZHANG M ING, WANG YUAN
Oben: Eingangsbereich der Power Station of Art; unten: ihre großzügigen Ausstellungsräume
Ideen Das Alte nutzen und daraus etwas Neues formen ist in China in den letzten Jahren zu einem wichtigen Thema geworden. Seinen Anfang fand es mit der Umnutzung des mit Unterstützung der DDR in den späten 50er Jahren erbauten Industriequartiers „798“ in Peking. (1) Power Station of Art Die Transformation findet sich heute in vielen Städten als urbane Strategie. So auch bei dem 1985 in Schanghai entstandenen Kohlekraftwerk „Nanshi“ am Huangpu-Fluss, südlich der Kernstadt: Der Kohlebrand trug wesentlich zur Luftbelastung der Millionenstadt bei, und deshalb entschied die Stadtregierung 2007, das Kraftwerk zu schließen. Die Macher der Expo 2010, die unter dem Titel „Better City – Better Life“ stattfand, nutzten den Bau in diesem Zuge als Pavillon der Zukunft. Zwei Jahre später wurde das Gebäude erneut umgebaut, um als erstes vom Staat unterhaltenes Museum für zeitgenössische Kunst unter dem Titel „Power Station of Art“ eine führende Rolle zu übernehmen: Das Museum ist Gastgeber für die SchanghaiBiennale und viele Wechselausstellungen, da es keine eigene Sammlung hat. Bildungsangebote und experimentelle Programme begleiten die Ausstellungen. Das Museum gehört zur ambitionierten neuen Kulturachse entlang des Flusses, dem sogenannten West-Bund (siehe auch Long Museum Baumeister 9/2015). Den Umbau plante das Büro Original Design Studio aus Schanghai. Sie versuchten, möglichst viel der alten Struktur zu erhalten und nur hinzuzufügen, was die neue Funktion nötig machte. Teile der technischen Einbauten des Kraftwerks blieben nach dem Umbau sichtbar. Der robuste Ausdruck verweist darauf, dass Räume für zeitgenössische Kunst Potenzial für Weiterentwicklung brauchen. Zwei Aspekte sind bei diesem Projekt von besonderer Bedeutung:
1 bis 3 die Umnutzung einer vormals industriell genutzten Infrastruktur in ein wichtiges Museum sowie die neue Funktion als Container für den Diskurs über zeitgenössische Kulturproduktion. Um den Bedeutungswandel herbei zuführen und um die Bevölkerung mit der Nachnutzung industrieller Infrastrukturen wie einem Kohlekraftwerk vertraut zu machen, war sicherlich die Zwischennutzung für die Expo 2010 als Pavillon der Zukunft hilfreich. Die Schwierigkeiten für diese Plattform resultieren jedoch nicht in der Investition für die Transformation des Gebäudes, sondern in der Bereitstellung von finanziellen Mitteln für den Betrieb – und die Suche nach ausgebildeten Fachkräften, die Ausstellungen kuratieren und betreuen können. Das experimentelle Programm erfordert ständige räumliche und funktionale Anpassungen, um den wechselnden Ausstellungen gerecht zu werden. Die Konversion des 165 Meter hohen Kamins in einen spektakulären Ausstellungsraum bringt eine zusätzliche Herausforderung für Künstler und Kuratoren. Von außen verwandelte man den Kamin in einen riesigen NeonThermometer, der die Temperatur in digitalen Ziffern im Stadtraum sichtbar macht. Wer die benachbarte Yangpu-Brücke über den Huangpu-Fluss benutzt, kommt nicht umhin, das Zeichen am Ufer zu sehen – vor allem in der Dunkelheit. Von der transparenten Kopfseite des Gebäudes blickt man über das Flussufer zu den gegenüberliegenden Stadtquartieren. Der über sieben Geschosse reichende Innenraum kann mit unterschiedlichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Weiterbildungsmöglichkeiten bespielt werden. Die verschiedenen Ebenen sind mit schräg in die Hallen eingestellten (Roll-)Treppen erschlossen, zum Teil sind diese hinter der neuen Außenhaut sichtbar. Auch in den Räumen wird immer wieder deutlich, dass das Gebäude früher einmal anderen Zwecken diente. Für das erste staatlich finanzierte Museum für zeitgenössische Kunst in China sind die Erwartungen hoch geschraubt – und die WEITER AUF S. 27
(1) Querschnitt
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LÃ¤ngsschnitt
1 bis 3 ARCHITEKTEN: Original Design Studio (Zhang Ming, Zhang Zi) MITARBE ITE R: Zhang Ming, Zhang Zi, Ding Kuo, Ding Chun, Sun Jialong, Wang Zhigang, Zhang Hao STANDORT: Huayuangang Road Huangpu District Schanghai China FERTIGSTELLUNG: September 2012
FOTO: E I ICHI K ANO
Dachlandschaft des Volksmuseums von Kengo Kuma in Hangzhou
FOTOS: E I ICHI K ANO
Oben: Die trapezförmigen Volumen fügen sich in die Umgebung. Unten: Ausblick vom Innenraum
Ideen Verantwortlichen spüren den Druck, korrekte Formate zu finden, die einerseits die politischen Ambitionen zensurfrei überstehen, aber gleichzeitig doch einen ernsthaften Beitrag zum globalen Diskurs leisten. Bislang ist das mit einem ambitionierten Programm der Power Station of Art gelungen. (2) Folk Art Museum Die Stadt Hangzhou in der Provinz Zhejiang ist leicht aus Schanghai zu erreichen. Viele Touristen kommen wegen des berühmten Westsees und den wenigen Hinterlassenschaften der alten chinesischen Kultur. Der in Deutschland ausgebildete Philosoph und Lehrer Cai Yuanpei gründete hier 1928 die China Academy of Arts (CAA), eine der führenden Kunstschulen des Landes. Vor ein paar Jahren verlegte man die CAA nach Xiangshan, eine hügelige Gegend 15 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums. Den neuen Campus planten Wang Shu und Lu Wenyu, die beiden Gründer von Amateur Architecture Studio. Der Komplex umfasst die School of Design, die School of Architecture, das Art Institute, das Media Institute und viele andere Einrichtungen. Bei diesen Gebäuden testeten die Architekten, mit Abbruchmaterialien die Fassaden zu gestalten. Die dafür entwickelte Collage-Technik integriert Geschichte und erhält Erinnerungen auf plakative Weise in einem Umfeld, das von Abbruch und Verlust geprägt ist. Als die ersten Bauten für den neuen Campus entstanden, wurde der Hügel als Teeplantage und das umliegende flache Gelände landwirtschaftlich genutzt. Die Architekten bauten in der ersten Phase nördlich des zentralen 50 Meter hohen Hügels, die zweite Phase erstreckt sich südlich des Hügels, wo nach der Jahrtausendwende noch ein Dorf gestanden hatte. Mit der Transformation der landwirtschaftlich genutzten Fläche in eine Wissenslandschaft ging die Aufforstung des Hügels einher. Dieser wird an seiner Nord- und Süd-
1 bis 3 seite durch einen Wasserlauf eingegrenzt. Die Bebauung von Amateur Architecture Studio fasst die Topografie U-förmig ein. Neben diesen Bauten gab man in den letzten Jahren zwei Museen in Auftrag: Eines entwarf Alvaro Siza, das sich derzeit im Bau befindet und das die sogenannte Bauhaus-Sammlung aufnehmen soll, die der Berliner Sammler Torsten Bröhan an die Hochschule verkaufte. Das zweite ist das Museum Volksmuseum, entworfen von Kengo Kuma am südlichen Hang des Hügels, der ursprünglichen Teeplantage. Zusammen unterstützen die Sammlungen und Ausstellungen der Lehre, da damit je eine Studienkollektion für die Fächer der Kreativindustrie aufgebaut werden kann. Die Kollektion für das Volksmuseum umfasst aktuell über 50.000 Stücke, zum Teil aus den Bereichen des Schattentheaters, des Papierschnitts, der Gravur, der Keramik und Textilgestaltung. Es werden Kurse angeboten, um traditionelle Künste wie Töpferei, Färben und Weben, aber auch Glasgestaltung zu unterrichten. Eingebunden in die Lehre soll die Sammlung für Ausstellungen und Forschung genutzt werden. 5.000 Quadratmeter Fläche sind in sieben Ausstellungshallen aufgeteilt. Die geometrische Grundstruktur für das Museum baut auf gleichförmigen Parallelogrammen auf, mit denen die 15 Höhenmeter am Südhang überwunden werden. Dies geschieht durch im Zickzack geführte Rampen und Treppenanlagen, die teils auch für Ausstellungszwecke genutzt werden können. Das am Hügel abgetreppte Gebäude erlaubt entlang des Rundgangs immer wieder Ausblicke in die Umgebung. Jedes Parallelogramm ist individuell definiert und hat ein zweiseitig geneigtes Dachelement, das mit traditionellen Mönch- und Nonnenziegeln eingedeckt ist. Das Museum passt sich auf maximale Weise der gegebenen Topografie an und versucht, sowohl tradierte Gestaltelemente aufzugreifen als auch die Umwelt architektonisch zu interpretieren. Die äußere Schicht der Fassade besteht aus diagonal gespannten Stahldrähten, in die als WEITER AUF S. 32
Museum fĂźr Folk Art
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BAUHERR: China Academy of Arts ARCHITEKTEN: Kengo Kuma & Associates TR AGWERKSPL ANER: Konishi Structural Engineers ÖRTLICHE BAUAUFSICHT: P.T. Morimura & Associates FERTIGSTELLUNG: September 2015 STANDORT: China Academy of Arts’ Folk Art Museum Hangzhou, China
Die Architekten von Kengo Kuma verwendeten als Sonnenschutz ein System aus einem Fischernetz-ähnlichen Drahtgestell, in das Dachziegel eingeschraubt sind. Letztere stammen von abgerissenen Dörfern in der Umgebung – neben einem Bezug zur Vergangenheit schaffen sie schöne Licht- und
FOTO: SHAO FE NG
Der „Memorial Trail“ des Beichuan National Earthquake Memorial führt zu den Ausstellungen.
Verschattungselemente traditionelle Dachziegel vor die Glasfassade eingeschraubt sind. Die verwendeten Ziegel stammen von abgerissenen Dörfern in der Umgebung und greifen damit ein Motiv auf, das Amateur Architecture Studio für die bereits erwähnten Gebäude der Universität verwendete. Nicht nur deshalb fügt sich das Museum elegant in seine Umgebung, sondern auch weil sich die Form über die Trapeze mit jeweils geneigtem Dach auflöst und sie sich wie ein Dorf am Berghang lesen lässt. Weiter assoziiert man mit den gebrauchten Ziegeln die lokale Folklore, die fast wie ein Artefakt der Sammlung wirken. Die im Grundriss arrangierten Parallelogramme erlauben die Integration von Höfen, die zur Überwindung der Topografie beitragen. Aus- und Einblicke bauen eine Schichtung auf, in der Innen und Außen ineinanderfließen. Der modulare Aufbau beinhaltet neben den Ausstellungsräumen ein Auditorium und Nebenräume. Die visuelle Durchlässigkeit der Fassade steht in Opposition zur Idee der weißen Box, die Ausstellungsmacher gerne im Museum vorfinden. Das wird den Betreibern sicher noch Kopfzerbrechen bereiten, wie in solchen Räumen die Artefakte gezeigt werden können. Das Gebäude als Ganzes, seine Einbettung in die Landschaft und die Materialität illustrieren eine Strategie, in der sich der Inhalt über das Gebäude vermittelt, ohne sich mit Mimikry anzubiedern. (3) Beichuan National Earthquake Memorial Das Nationale Denkmal und Museum für die Opfer des Erdbebens vom 12. Mai 2008 in der Provinz Sichuan wurde über einen Wettbewerb unter den Lehrenden der Tongji-Universität in Schanghai gefunden. Cai Yongjie, der in Deutschland promoviert und gearbeitet hat, gewann den Wettbewerb, da er als einziger kein „sichtbares“ Gebäude entwarf. Das Erdbeben am Fuß des Himalayas hinterließ
1 bis 3 eine gewaltige Zerstörung mit 85.000 Toten oder Vermissten. 350.000 Menschen wurden verletzt, und fast fünf Millionen verloren ihr Obdach. Der Landkreis Beichuan war eines der am stärksten betroffenen Gebiete, in dem 80 Prozent der Gebäude zusammenfielen und 15.000 Menschen ihr Leben verloren. Unter diesen Gebäuden befand sich die BeichuanMittelschule, in der mehr als 1.000 Schüler und Lehrer starben. Die Zentralregierung in Peking entschied, an dieser Stelle die nationale Erinnerungsstätte und ein Museum zu bauen. Mit seinem landschaftlichen Ansatz gewann Cai Yongjie den Wettbewerb und musste sich dann den Wünschen der lokalen Behörden stellen, die an einigen Punkten klare Vorstellungen hatten. So sollten alle noch vorhandenen Ruinen der Schule verschwinden, da die Trümmer den Überlebenden immer wieder vor Augen führen würde, dass vor allem wegen Korruption unter den staatlichen Beamten so eine schlechte Bauqualität realisiert wurde, die dem Erdbeben nichts entgegenzusetzen hatte. Diese Schule war nur eine von fast 7.000 Schulen, die beim Erdbeben zerstört wurden und die 10.000 Kindern das Leben kostete, weil korrupte Beamte Zement und Stahl abzweigten. Damit entstanden die wackeligen sogenannten „TofuGebäude“. Vor diesem Hintergrund war es der lokalen Gemeindeverwaltung wichtig, dass in der Gedenkstätte alle Hinweise auf die Ursachen der Katastrophe gelöscht werden. Cai Yongjie konnte nicht verhindern, dass die Ruinen auf dem Baugrundstück, die in seinem Ursprungskonzept erhalten blieben, verschwanden. Aber er konnte den Fußabdruck eines Schulgebäudes erhalten; bei einem weiteren Gebäude ließ er die Ruinen mit Erde bedecken und integrierte das Schuleingangstor sowie die ehemalige Sportanlage in das Konzept seiner Erinnerungslandschaft. Die ehemalige Sportanlage wird heute für private Trauer genutzt – der aufgeschüttete Hügel und weitere Elemente lesen die Besucher sehr wohl als Referenz der Ereignisse.
FOTO UNTE N: SHAO FE NG; FOTO OBE N: CAI YONGJIE
Oben: Denkmal und Museum sind als Komplex in den Boden gegraben. Unten: Innenraum des Museums
Diese Spuren waren dem Architekten wichtig, denn nur so lässt sich nach seiner Auffassung das Trauma verarbeiten. Die bildhafte Darstellung des Erdbebens mit Bruchlinien in der Landschaft, die mit Cortenstahl verkleideten Fassaden für das Besucherzentrum und das Museum – die beide in der Landschaft versunken sind – unterstreichen die beklemmende Katastrophe, die viele Betroffene ohne Antworten der Verantwortlichen ließ.
1 bis 3 Besuch im Museum
Anforderungen an Chinas Museen Museen in China haben ganz unterschiedlichen Anforderungen zu dienen. Zum einen, wie bei der Power Station of Art, ist die Profilierung der zeitgenössischen Kunst zwischen staatlicher Repression und freier Entfaltung zu moderieren. Beim Folk Art Museum in Hangzhou geht es darum, in einer Sammlung Studenten und Forschern Artefakte zugänglich zu machen, während die Nationale Gedenkstätte für das Erdbeben in Sichuan als Erinnerungsstütze und Ausdruck der Urgewalt den Betroffenen einen Rahmen für ihre Trauer bieten soll. Die architektonischen Antworten auf diese inhaltlichen Fragen fallen selbstverständlich unterschiedlich aus, zeigen aber, dass heute in China mit Architektur sowohl in der Transformation überkommener Relikte als auch im Umgang mit staatlichen Vorgaben, klug neue Ausdrucksformen entwickelt werden können, die für die Besucher lesbar bleiben.
Die von Cortenstahl gerahmten Einschnitte in die Landschaft symbolisieren von Erdbeben verursachte Risse. So dient die Eingangssituation bereits als emotionale Einleitung für den Museumsbesuch. Der Rundgang verläuft über den sogenannten „Memory Trail“, der durch die verschiedenen Innenhöfe und Ausstellungsräume führt. Das Gebäude ist dabei in zwei Bereiche geteilt: einen öffentlichen Aufenthaltsraum und die
Ausstellungsräume.
Beichuan National Earthquake Memorial
35 BAUHERR: Verwaltung Mianyang City Quake Lake,
Beichuan Protection Headquarters ARCHITEKTEN: Cai Yongjie, Cao Ye TR AGWERKSPL ANER: Tongji Architectural Design(Group) Corporation Ltd. Yu Zhongjun, Li Xueping , Gong Haining, Mao Huaxiong,
Sun Feng ÖRTLICHE BAUAUFSICHT: Sichuan Huaxi Group Corporation Ltd. STANDORT: Beichuan, China FERTIGSTELLUNG:
M 1: 2 0 0 0
Sonderführung mit ... Was ist der Leitgedanke der Ausstellung? H E R M A N N K A U F M A N N : Die Idee der Ausstellung ‚Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft‘ ist es, einem Baustoff, der zu Beginn der architektonischen Moderne im Anfang des vergangenen Jahrhunderts vergessen wurde, zu einer neuen Bedeutung zu verhelfen. Ein halbes Jahrhundert wurde mit Holz wenig gebaut, die Weiterentwicklung sowohl der Technik als auch der Firmenstrukturen erfolgte nur langsam. Die Vorurteile gegenüber dem Material wie Unzulänglichkeit, Vergänglichkeit und die Angst vor der Brennbarkeit konnten nicht ausgeräumt werden. Auf Grund forcierter materialtechnischer und bautechnischer Weiterentwicklung hält der Holzbau heute ein Versprechen für die Gesellschaft bereit: ‚Die ökologische Wende des Bauens mit nachwachsenden Rohstoffen ist möglich‘. Diese Geschichte zu erzählen, die neuen Möglichkeiten aufzuzeigen, die neuen Chancen zu präsentieren, das ist die Idee der Ausstellung. BAUMEISTER:
Was wollen Sie den Menschen nahe bringen? H K : Die Kernbotschaft ist bereits im Titel formuliert: Bauen mit Holz ist keine Sackgasse, weder bautechnisch noch architektonisch. Wir sind heute in der Lage, auch den großen Maßstab umzusetzen und das in hoher architektonischer und bautechnischer Qualität. Das heißt, Holz ist nicht nur das Material für das liebliche kleine Einfamilienhaus, sondern durchaus ein Baustoff für die Zukunft – und die wird sich bekanntermaßen ja in unseren Städten abspielen.
Anhand von herausragenden Projekten zeigt die Ausstellung
... Hermann Kaufmann Kurator der Ausstellung Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft
ökologisch-nachhaltige und aktuelle Positionen der Holz-Baukunst und zeitgenössischer Holzarchitektur.
Sie geben das Stichwort: Was ist Ihre Vorstellung wie sich die Stadt im 21. Jahrhundert weiterentwickeln wird? H K : Zwei Dinge: erstens ist die derzeitige Hauptherausforderung der dringend notwendige Umbau sowie die Sanierung unserer Städte, also deren Nachverdichtung B:
Martin-Gropius-Bau, Berlin bis 15. Jan 2017
E LE FANTE NHAUS ZOO ZÜRICH, FOTO: ANDREAS BUSCHM ANN
sowie funktionale Ertüchtigung. Hier hat der Holzbau technisch ausgereifte, schnell und störungsarm umsetzbare Baukonzepte zur Verfügung. Zweitens müssen auch unsere Städte ökologisch angepasst werden, das heißt, neben der drastischen Senkung des Energieverbrauchs zwingt uns die Verknappung der Rohstoffe, über neue Materialien nachzudenken. Meine Vorstellung der zukünftigen Stadt ist die eines lebenswerten, durchaus dichten energieautarken und mit nachwachsende Materialien sanierten und verdichteten urbanen Raumes. Was ist der Beitrag des Werkstoffes Holz für die Architektur der Stadt? H K : Die Architektur der Stadt wird sich durch den Werkstoff Holz nicht grundlegend verändern. Die Konstruktionen, die derzeit mit energieintensiven Materialien wie Beton und Stahl gebaut werden, werden mehr und mehr durch den von der Natur erzeugten nachwachsenden Baustoff Holz ersetzt werden. Bauten sind in der Regel hybrid, das heißt, die Fassaden zeigen selten das Material der Konstruktion. Somit ist städtische Architektur nicht eine Frage des Konstruktionsmaterials. Die Konstruktionen ändern aber nicht zwangsläufig damit das Bild oder den Ausdruck des Gebäudes. Die Architektur muss sich immer in den städtischen Kontext einfügen, was auch durch die gezeigten, ausgeführten Bauten belegt wird. B:
Wie wollen Sie die Ausstellung verstanden wissen: als Architektur- oder als KunstAusstellung? H K : Beides, mit Zusätzen. Die Ausstellung erzählt eine allumfassende Geschichte des Baustoffes Holz und seiner sinnvollen Verwendung für die Architektur. Und natürlich zeigen wir die Schönheit der Holzarchitektur. Hier präsentieren wir eine Vielzahl an schönen Bauten anhand hochwertiger und interessanter großmaßstäblicher B:
Modelle, Fotos, Pläne und Beschreibungen, wie in einer Architekturausstellung üblich. Zusätzlich zeigen wir auch wichtige Details, damit man die Konstruktionen der Bauten versteht. Wir zeigen, wo der Rohstoff Holz herkommt, erklären die Be­ deutung des Waldes und der Forstwirtschaft, und geben Antwort darauf, ob es aus Sicht der Umwelt vertretbar ist, diesen nachwachsenden Rohstoff zu verwenden. Wir verdeutlichen die Bedeutung des Holzbaus für die Öko­ logisierung des Bauwesens, welche CO2-Einsparungen sowie Energieeinsparungen lassen sich mit Holzbau gegenüber konventionellem Bauen erzielen, also welches Klimaschutzpotenzial steckt im Baustoff Holz – und schlussendlich – wie schaut der heutige Bauprozess aus. Hier geben wir Einblick in das zukunftsträchtige Thema der Vorfertigung. Die Ausstellung bietet schnell erfassbare Kernbotschaften, man kann sich aber auch vertiefen und vor allem, man erlebt die Schönheit des Materials Holz. Was ist das Highlight der Berliner Ausstellung? H K : Wir wollen ein AhaErlebnis auslösen. Wir wollen, dass die Besucher die Ausstellung mit dem Ausspruch verlassen: ‚Das haben wir ja gar nicht gewusst!‘ Das soll sie dazu anregen, mehr über die Verwendung von Holz nachzudenken. Wir wollen sie für dieses einzigartige Naturmaterial begeistern, das aus der modernen Lebenswelt verschwunden war. Wenn das eintritt, ist das für mich das Highlight. B:
Baumeister Academy 2017
Academy 2 0 17 Die Baumeister Academy startet unter dem Leitspruch „Entdecke Europa!“ in die fünfte Runde. Für das Winterund Sommersemester 2017 ermöglicht Baumeister in Kooperarion mit GRAPHISOFT, der BAU 2017 und der Schöck Bauteile GmbH insgesamt vier Studenten ein Praktikum und Stipendium im Rahmen der Baumeister Academy. Teilnehmende Büros in diesem Jahr sind MVRDV in Rotterdam, Delugan Meissl in Wien und léonwohlhage in Berlin. Unsere Praktikanten arbeiten für sechs Monate in einem dieser Architekturbüros – und berichten unter Baumeister Campus über ihren Alltag im Büro, spannende Projekte sowie aktuelle Themen und Erlebnisse aus der jeweiligen Stadt. Im Netz stellen wir außerdem unsere Teilnehmer und deren Stehgreifentwürfe vor, welche Teil des Bewerbungsverfahrens sind. Alle Infos finden Sie unter www.baumeister.de/campus. sponsored by:
Musealer Brückenschlag Architekten: AL_A
Kritik: Maike Burk
Das neue MAAT in Lissabon verknüpft die Bauaufgabe Museum mit einer städtebaulichen Intervention – ein Versuch, Stadt und Ufer wieder zu vereinen. Das neue Museum MAAT lockt Besucher auf die Dachfläche – die Aus­ kragung spendet dem Eingangs­ bereich gleichzeitig Schatten.
FOTO: HUF TON + CROW
Links: Seit einigen Uferpromenade am
Rechte Seite: Der
Fluss Tejo erschlos-
Neubau ist eine
sen. In der Fassade
des MAAT spiegelt
ElektrizitĂ¤tsmuse-
sich die Wasser-
ums. Dort befindet
oberflĂ¤che und
sich unter anderem
das Licht wird unter-
schiedlich gebro-
Kunst seit Ende der
FOTO: FR ANCISCO NOGUE IR A
Jahren wird die
Die Dachlandschaft dient auch als öffentlicher Platz. Nicht zuletzt, um eine Verbindung zum gegenüberliegenden Museumsviertel zu schaffen.
it dem Erweiterungsbau MAAT (Museu de Arte, Arquitectura e Tecnologia) wird das Industriedenkmal „Central Tejo“ an Lissabons Ufer um neue Ausstellungsflächen erweitert. Der Neubau ist vor allem auch der Versuch, eine Wunde in Lissabons Städtebau zu schließen. Genauer gesagt: ein Erschließungsproblem zu lösen. Der Neubau befindet sich im Museumsquartier Belém, westlich des Zentrums. Besucher können hier zwischen tausenden Quadratmetern Ausstellungsfläche und verschiedensten Inhalten wählen – aber um zwischen den Museen wechseln zu können, müssen sie erst eine Hürde überwinden: Denn wer sich durch Kunst und Kultur auf Höhe des Zentrums tummelt und ans Ufer will, stößt auf die vierspurige Verbindungsstraße N6 und eine dazwischen liegende Bahntrasse. Der ehrgeizige Marsch zum nächsten Übergang endet schon mal vor einer abgeriegelten Fußgängerbrücke. Wegen Überlastung geschlossen. Das Dach und die Stadt Genau an dieses Problem knüpft das städtebauliche Konzept des neuen MAAT an. Zunächst fungiert das begehbare Dach des Museums als öffentlicher Platz, der oberhalb der Promenadenebene liegt. Gegenüber, also auf der anderen Seite der Schneise, befindet sich auf Augenhöhe ein Parkplatz. „Die Stadt hat eingewilligt, dort einen Platz zu schaffen. Spaziergänger in Belém können dann schwellenlos über eine Brücke ans Ufer kommen“, erklärt Maximiliano Arrocet vom Architekturbüro AL_A den künftigen Übergang, der aus der Dachlandschaft des MAAT herauswachsen soll. Noch ist das städtebauliche Pflaster für Belém Zukunftsmusik. Außer einer visuellen Verbindung zur Stadt und zum Fluss wurde noch keine „Brücke geschlagen“. Trotzdem kommen die Besucher, allein schon weil der Ausblick lohnt – zur anderen Stadtseite und über den Tejo. Innen und außen Beim Flanieren über den parametrischen Bau überrascht es nicht, dass man irgendwann geräuschlos auf der Promenade landet, wo Dach und Boden fusionieren. Von hier aus kann man den Eingang des Museums nicht übersehen, die ganze Südfassade zur Wasserfront ist eine einzige einladende Geste: die geschwungenen
43 Linien des Baus weiten sich und saugen den Besucher ins Innere – nicht zuletzt durch das auskragende Dach. Wäh rend man sich eingeladen, umschmeichelt und durch schwungvolle Bewegungen ins Museum geführt fühlt, steht man im Innern plötzlich auf der oberen Ebene eines zweigeschossigen Ausstellungsraums. Dem Zentrum des Museums. Windfangende ist gleich Ausstellungsbeginn. Hier war die Intention der Architekten wohl, dem ankommenden Besucher direkt eine Perspektive auf die Ausstellung zu bieten. Leider etwas unvermittelt. Auch Künstler und Kuratoren stehen vor der Herausforderung, auf den in Breite und Länge 40 mal 60 Meter messenden Raum zu reagieren, der seitlich von einer Rampe und einer langgezogenen Treppe eingefasst wird. Eine schöne Antwort findet die französische Künstlerin Dominique GonzalezFoerster mit ihrer aktuellen Ausstellung „Pynchon Park“ (bis 20. März); sie definiert eine eigene räumliche Grenze: Ein grobmaschiges Netz auf höchstens zwei Metern Höhe verleiht dem ovalen Raum eine intime Wirkung – sobald man die untere Ebene erreicht hat und die Ausstellungsfläche betritt. Und auch der Blick vom Eingangsbereich ist durch das Netz möglich, dem Entwurfsgedanken der Architekten entsprechend.
ut funktioniert im Gebäude die Bewegungsführung, welche die Besucher ganz selbstverständlich durch die Räume leitet: vom Dach über den zweigeschossigen Ausstellungsraum im Erdgeschoss bis ins Untergeschoss. Falls man die zurückgelegte Abwär tsbewegung nicht mitbekommen ha t, e ri nne r t ei n Obe r l icht zwischen den Ausstellungsräumen daran, dass man sich unterhalb der Wasseroberfläche des Flusses befindet. Durch die Öffnung erhascht man einen Blick auf das Schuhwerk der vorbeikommenden Promenade-Spaziergänger. „Wir hoffen natürlich, Spaziergänger durch den Blickbezug auch ins Museum locken zu können“, erklärt Arrocet. Im Kontext der White Cubes Der Neubau des MAAT ist eine Ergänzung zum benachbarten Elektrizitätsmuseum im ehemaligen „Central Tejo“ – ein Industriedenkmal der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das damals für die Stromversorgung der Stadt gesorgt hat. Die Aus-
stellung zeigt den historischen Verlauf der Energiebereitstellung – ein zweiter Teil widmet sich Architektur und Kunst seit 1968: Die Rede ist also von vielen Bildern (und Bildschirmen), die sich gut an geraden Wänden machen. Wie also reagieren auf ein solches Industriedenkmal, das bereits 1.200 Quadratmeter Fläche White Cube anbietet? Da sich auch in der Nachbarschaft White Cube an White Cube reiht, entschieden sich die Architekten für eine Ausstellungshalle, die zur Interaktion mit den Räumen auffordert. Amanda Levete, der Gründerin des Büros AL_A (ehemals Future Systems), wäre als frühere Kommilitonin von Zaha Hadid an der AA aber auch in jedem anderen Kontext eine Begründung für ihre expressive Formensprache eingefallen. Lissabons Fliesenfassade Für eine städtebauliche Einordnung dieses Baus muss man jedenfalls weiter blicken als nur zur benachbarten Centro Tejo. Im direkten Vergleich lässt sich der stromlinienförmige weiße Neubau in Horizontallage nicht gerade als Komplementierung des nach oben wachsenden Ziegelbaus lesen.
eben den Aspekten um die interaktive Ausstellungsfläche und den städtebaulichen Heilungsversuch nennt Maximiliano Arrocet auch immer wieder den Tejo als Referenz für die Architektur. Das macht sich beispielsweise an der Fassade bemerkbar, die aus weißen, reflektierenden Fliesen besteht. Um Sonne und Wasser auf der Fassade reflektieren zu lassen, wurden drei Module verwendet: eine flache Fliese, eine dreidimensionale und eine, die zwischen den Abwicklungen dieser beiden vermittelt. „Im Sommer, wenn der Wasserspiegel hoch ist, kann man an den Reflexionen in der Fassade den Fluss ablesen“, schwärmt Arrocet. Und auch mit diesem Bild knüpft der Neubau an seinen Kontext an – Fliesen sind ein prägendes Gestaltungselement der Stadt. Historisch stehen sie für den Wohlstand ihrer Hausbesitzer. Sie haben aber auch den ganz pragmatischen Nutzen, dem Salzgahalt in der Luft zu trotzen. Pläne auf den folgenden Seiten
Architekturtriennale
Das neue MAAT wurde
Die Installation be­
mit der 4. Architektur-
ansprucht die 1.000
triennale von Lissabon
Quadratmeter des
eröffnet. Das Thema
ovalen Raums – und
des Architektur-
lädt den Besucher ein,
festivals und der
Teil der Installation zu
im MAAT lautete „The Form of Form“ – kuratiert von Diogo Seixas Lopes, und André Tavares. Noch bis 20. März kann die Ausstellung „Pynchon Park“ (Bild links) von Dominique Gonzalez-Foerster besucht werden.
FOTO UNTE N: FE RNANDO GUE RR A; FOTO OBE N: BRUNO LOPE S
45 BAUHERR: Das Museum und die Stadt
Fundação EDP ARCHITEKTEN: AL _ A, Amanda Levete PROJE K TKOORDINATION: Maximiliano Arrocet MITARBE ITE R: Fernando Ruiz Barberan, Mirta Bilos, Alex Bulygin, Grace Chan, Sara Ortiz Cortijo, Alice Dietsch, Ciriaco Castro Diez, Yoo Jin Kim, Ilina Kroushovski, Michael Levy, Cristina Revilla Madrigal, Stanislaw Mlynski, Ho-Yin Ng, Giulio Pellizzon, Raffael Petrovic, Chloe Piper, Filippo Previtali, Arya Safavi, Maria Alvarez-Santullano, Joe Shepherd,
M 1:5 0 0 0
Paula Vega, Konstantinos Zaverdinos
Die vierspurige Straße
LOK ALE BAUAUFSICHT: Aires Mateus e Associados Lageplan
TR AGWERKSPL ANUNG:
und Bahntrasse bilden
eine Hürde zwischen Belém und dem Ufer.
Kurz vor dem östlich
liegenden Altstadtzentrum löst sich das
Problem: Die Bahntras-
Av. Brasília, 1300-598 Lissabon
sen enden in einem
Kopfbahnhof.
M 1: 2 5 0 0
kleine Werke ( 79 )
Origami-Softie Die „Softwall“ ist gar nicht so soft, wie ihr Name vermuten lässt. Das faltbare Wandsystem besteht nämlich aus Kraftpapier – also der Sorte Papier, die die höchste Festigkeit aufweist (und auch als Schmirgelpapier zur Anwendung kommt). Der Vorteil dieses Systems liegt in seiner Flexibilität. Die Wabenstruktur erlaubt es, verschieden dimensionierte Räume zu schaffen: Man kann Ecken ausbilden, den Ziehharmonika-Effekt in unterschiedlich lange Wände stretchen – und die Konstrukte aufeinander stapeln.
Für den Halt der Gebilde sorgen Magnete an den Stirnseiten. Gesehen haben wir die Molo-Wabenwand auf der Orgatec 2016. Hier entstand ein Messestand, der den Trubel für einen stimmungsvollen Moment vor der Falttür ließ. Dass die Softwall bei uns Erinnerungen an Origami weckt, ist kein Zufall. Die (kanadischen) Designer Stephanie Forsythe und Todd MacAllen haben ein Faible für Tokio – nach der Messe falteten sie ihre Wände zusammen und setzten sich ins Flugzeug.
FOTO : MOLO WHITE TEX TILE SOF T WALL WITH FE LT HANDLE S, DE SIGNE D BY STE PHANIE FORSY THE + TODD M ACALLE N
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B M M A B O 2 0 17
Oben: Direkt am Ionischen Meer. Das weitläufige Hotel­ gelände fällt leicht zum Strand hin ab. Links: Helle, unaufgeregte Eleganz in den Gästezimmern – im Erdgeschoss sogar mit eigenem kleinen Pool Unten: Es gibt mehrere Bars – diese heißt „1827“ nach dem Datum der berühmten Seeschlacht von Navarino vor der Küste.
Der griechische Reeder „Captain Vassilis“ hat sich mit diesem Hotelprojekt einen Traum erfüllt. Um die Kulturlandschaft seiner Heimat nicht allzu stark zu beeinträchtigen, achten die Betreiber auf einen möglichst schonenden Umgang mit den Ressourcen.
ADRESSE The Romanos Costa Navarino, Messenien, Griechenland
+30 272 309 60 00
Diese liebliche Gegend soll die Hauptrolle in einem Kriegsfilm spielen? Die Costa Navarino ist bei uns, vor allem aber in Großbritannien und den USA durch „Die Kanonen von Navarone“ berühmt geworden. Der Taxifahrer, der mich zum neuen Hotel „The Romanos“ dort an dieser Küste bringt, kann gar nicht mehr aufhören, davon zu erzählen: „Anthony Quinn, wissen Sie? Als griechischer Offizier Andrea Stavros – er rettet die Sache natürlich...“. Gedreht wurde allerdings hauptsächlich auf Rhodos, gibt er zu. Der Film handelt von einer erfundenen Geschichte, deren Spuren man also vor Ort nicht findet; wahr ist dagegen die Seeschlacht von Navarino im Jahr 1827 zwischen Engländern, Franzosen, Russen auf der einen Seite gegen die Osmanen auf der anderen. Dies alles ist bedeutsam für den Gast, wie sich herausstellen wird: Er nächtigt nicht nur in einem Hotel, sondern auch in einer Art Museum, in dem viele historische Schätze präsentiert sind – von antiken Ausgrabungsstücken bis zu gewaltigen Schlachtengemälden, aber auch moderne Kunst. Über die Geschichte – gern die letzten 2.400 Jahre – sollte man also gut Bescheid wissen, sie ist allgegenwärtig. Die Navarino-Küste liegt auf der südwestlichen Peloponnes in einer Region namens Messenien. Das weitläufige Hotelprojekt an dieser Stelle ist der Traum des Reeders Vassilis C. Constantakopoulos gewesen, kurz auch „Captain Vassilis“, eine charismatische Figur, die einerseits dem armen Landstrich Arbeitsplätze verschaffen, andererseits Besucher anlocken wollte, ohne seine Schönheit zu zerstören. Auf dem riesigen Hotelgelände gibt es heute natürlich alles, was ein Fünf-Sterne-Luxushotel bieten kann – einzelne Villen, die man mieten kann, Konferenzräume, zwei Golfplätze, einer davon entworfen von keinem Geringeren als Bernhard Langer, und daneben einen kilometerlangen, erstaunlich wenig besuchten Sandstrand. Nur zehn Prozent des 130 Hektar großen, sanft hügeligen Grunds sind bebaut, der Rest besteht aus Olivenhainen, Gärten und Parks. Die Hotelanlage selbst versucht, lokale Bautraditionen aufzunehmen und sich einzufügen: Sie bildet mehrere kleinere Gebäudegruppen, die ein Dorfgefüge darstellen und auch über Läden, Cafés und Restaurants verfügen. Die Häuser sind mit Naturstein verkleidet oder gelb veputzt und mit Holzbalkonen versehen. Auf diese Weise kann man, ohne dass es auffällt, 320 Gästezimmer unterbringen. Manche Räume im Erdgeschoss haben sogar eine kleinen privaten Pool. Der Charme der Anlage besteht aber tatsächlich im üppigen Grün, in der Vielfalt an heimischen Pflanzen, der schönen Landschaft rundum und nicht zuletzt der Nähe zu großartigen Ausflugszielen wie Nestors Palast oder dem antiken Olympia.
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ERÖFFNUNG ZUR SOMMERSAISON:
Die neue Landesbank von Caruso St John im Kontext der Bremer Altstadt
Zwischen den Zeitläuften „Wie muss eine Bank heute gestaltet sein?“, fragten sich Caruso St. John aus London – wo man doch glauben sollte, sie haben den Typus an der Themse erfunden. Für Bremen war die Antwort einfach. Wenn man anderswo das Geldgeschäft mit Plastik(karte) abwickelt, dann braucht es hier den Backstein. Nicht zuletzt aus dem Kontext heraus: ein Unesco-geschützter Ort
Architekten: Caruso St. John
Kritik: Dirk Meyhöfer
Sakrales Eingangsportal: Lisenen und Applikationen verleihen dem Eingang zusĂ¤tzliche Tiefe.
Der im Grundriss ovale Innenhof erinnert mit weiĂ&#x; verputzter Fassade wieder an den zeitgenĂśssischen Kontext.
Treppenhaus der Bremer Landesbank
Auch für Besucher zugänglich: Die „öffentlichen“ Büroräume
„Die Fassade bezieht sich auf die nordeuro­päische Tradition von expres­ siven Ziegelbauten.“ Pablo Donet
„Im Tempelbezirk treffen Kunst­strömungen des aufkommenden Reichsstils auf demon­strativ republikanische Stadt­architektur italienischer Prägung.“ Georg Skalecki
ie neue Bremer Bank liegt nur einen Steinwurf von Dom und Rathaus entfernt. Vom „Tempelbezirk“ hatte Bremens früherer Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing gesprochen und 2011 im Wettbewerb dazu beigetragen, dass die Londoner Caruso St. John ihn gewannen – weil mit ihrem Entwurf ein Stück regionale Identität zum Ausdruck käme. Auch der Architekt Peter Wilson aus Münster war im Preisgericht. Er kennt das Wettbewerbsergebnis genau und ist bei der Besichtigung des Neubaus dabei. Ein wichtiger Begleiter, der selbst schreibt – aber „nur über Sachen, deren Urheber ich großen Respekt zolle“. Das neue Bankhaus steht im Wettstreit mit dem benachbarten „Roland“ nebst Rathaus und Dom. Es will den Eindruck erwecken, als stünde es schon immer hier. Das wird besonders deutlich durch eine pointierte Eckgestaltung und dem Eingang im Kathedralformat mit Lisenen und Applikationen. Peter Wilson weiß allerdings, dass wichtige Fassadendetails auf der Strecke geblieben sind. So war im Wettbewerb noch vorgesehen, die gekurvten Brüstungen von gewölbten Scheiben aufzunehmen. Aus Kostengründen gestrichen. Das metallverkleidete Staffelgeschoss sollte grünlich wirken. Es ist grau. An der Fassade arbeiten die Architekten mit dem Thema Collage und hinterfragen Bremens hanseatische Historie in Auseinandersetzung mit der Moderne: „Die Fassade bezieht sich auf die nordeuropäische Tradition von expressiven Ziegelbauten“, argumentiert der Zürcher Projektleiter Pablo Donet. Der Bau ist „zeitgleich monolithisch und zart“. Man spürt, wie Caruso St. John die Vorbilder Fritz Höger und Fritz Schumacher (der in Bremen geboren wurde) adaptieren.
s ist in der Tat höchst anstrengend, hier (städtebaulich) richtig zu agieren, wenn Bremens Landeskonservator Georg Skalecki festhält, dass „im Tempelbezi rk Kunstst römungen des aufkommenden Reichsstils auf demonstrativ republikanis ch e S t a d t a rch i t e k t u r i t a l i e n i s ch e r Prägung treffen“. Für den Nachkriegswiederaufbau gilt die Auseinandersetzung „bremisch oder modern“ als eine Art Leit-
thema, wie Eberhard Syring in seinem Standardwerk „Bremen und seine Bauten 1950 – 1979“ ausführlich erläutert. Das Gebäude, das diese Maßgabe operativ am besten begriffen und erledigt hat, ist das Haus der Bremer Bürgerschaft in Sichtweite der Bank. Wassili Luckhardt hatte es 1966 gebaut – allerdings nach einem schmerzhaft fruchtbaren Entwurfsprozess, der von der schwebenden gläsernen Schachtel zu einem aufregend gegliederten, mit s ch m a l e n S a t t e l d ä ch e r n geschmückten Ensemble wurde, das an die feine Körnung einer Bremer Hauszeile erinnert. Mixtum compositum Die neue Bank ist auch ein Mixtum compositum, aber eher additiv als integrativ. Sie hat in Teilen eine moderne Box aus den 1970ern (Architekten: Müller-Menkens) ersetzt, trifft aber auf den entkernten Altbauteil aus der Gründerzeit. Beachtenswert sind die Übergänge an der Straße, zwischen Gründerzeit und Neubau, zwischen Sandstein und Ziegel. Das sorgt für Reibung und Spannung. Die hochgereckten und gerundeten Gauben im „alten“ Dachgeschoss erzählen, dass dort kein Speicherboden mehr zu erwarten ist.
nten geht die Collage radikal verändert weiter, wenn man den z weiten neugotischen Bogengang passiert hat, wird ein offener ovaler Innenhof erreicht, dessen Fassaden weiß und horizontal gegliedert sind; eine gut gemeinte Replik des von Sigurd Lewerentz in Stockholm entwo r fenen Na t iona l Socia l Insu rance Building, einem Schlüsselbau der skandinavischen Moderne. Halböffentlich dient der Hof als Ruhezone für Bürger und Banker und präsentiert den Diensteingang zu einem an dieser Stelle sachlich modernen Bürohaus. Ganz anders am Haupteingang Domshof. Dort beginnt eine Reise zum Thema Metamorphose und Geschichte des Typus Bankhaus, und die neugotische Backsteinpforte scheint ein mittelalterliches Schatzhaus zu versprechen. Stattdessen aber wird mit mächtigem Holztresen, wohinter keine gittergeschützten Geldauszahler mehr sitzen, das frühe 20. Jahrhundert kopiert. Es ist eine Halle, die außer der Reze p t i o n ke i n e n r i ch t i g e n Au f t ra g besitzt, die geschickt eingebauten Geldautomaten könnten ja überall stehen. Auch jene Bürogeschosse, die von Kunden
besucht werden, könnten vor über 100 Jahren entworfen sein. Sie erinnern mit geschwungenen Eichenfurnierwänden und rot-violetten Fußböden an ältere anglo-amerikanische Kontore von Versicherungen.
Landesbank der Zeitschichten Doch dann erhält das Haus einen Kick. Die Architekten legen den Schalter um. Ein gepflegtes Miteinander der Raumimpressionen, -brüche und -zaubereien beginnt, es entfaltet sich die „moderne Bank“. Gerade noch ein gründerzeitliches Treppenhaus, das zum Verlieben ist; jetzt karge, aber perfekte Betonstufen, im Hausteil, der auch vom Hofoval erreichbar ist. Dort liegen keine Großraumbüros, sondern Einzelzellen an allerdings überbreiten komfortablen Fluren und Meetingzonen. Schlichte, aber gute Büroarbeitsplätze. Alle Büros besitzen entweder Ausblick zum Tempelbezirk oder Fenster zum Leverentzschen Hof. Man ist angenehm überrascht, dass hinter den schweren Fassaden ein modernes Raumkontinuum zum Arbeiten entstanden ist. Gekrönt durch einen Großraum, der aber, obwohl man ihn ein wenig mit Frank Lloyds Arbeitssälen im Johnson Wax Building in Chicago verwechseln könnte, das Casino der Bank aufnimmt.
LIEBLINGSPLÄTZE ZWISCHEN EMOTION UND FUNKTION Was Menschen von moderner Stadtplanung erwarten.
ie Verwandtschaft zum großen Frank Lloyd Wright erwächst nicht wegen der Raumhöhe, jedoch durch sich konisch ver­ jüngende Stützen und kreisförmige Deckenzonierung und -belichtungen (die entsprechenden Eint räge im Wet tbewerbsentwurf konnte sich Peter Wilson damals nicht erklären, aber jetzt). Hier oben führt die Poesie aus Licht, Raum und Struktur Regie und wird mit dem Ausblick auf gotische, barocke und andere Dachlandschaften aus Kupfer, rotem Ziegel und gedunkeltem Sandstein gekrönt – passend zum Thema „Tradition und Moderne in Bremen“ und zum Wesen des Hauses, dem neuen Eklektizismus des 21. Jahr­ hunderts.
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Rainer Tscherrig,
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Astrid Smitham, &DVKUHF\FOHU
&DVKUHF\FOHU
Peter St John,
ZIEGE L-FASSADE:
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Jürgen Janßen GmbH
Steffi Wedde FERTIGSTELLUNG:
Pablo Donet 11
Domshof,
Klemen Breitfuss,
Marco Caviezel, Tenzin Dawa, Marco Kistler, Philipp Knorr, Belinda Langasdalen,
7 Fragen: Museumsboom in China? Was droht mit Trump? Was bedeutet das Scheitern sozialer Architektur? Gibt es genĂźgend Sanierungsprojekte? Wie funktioniert der Wiederaufbau in Italien? Andermatt zwei: Ist ein Riesenumbau sinnvoll? Wo liegen die Grenzen des 3D-Drucks?
TITELTHEMA MUSEUMSBOOM CHINA
Welchen Nutzen hat der Museumsboom in China ? Eine Wirtschaftsnation muss kulturell wett­bewerbsfähig sein – und ihre wachsende Mittelschicht auf der Suche nach der eigenen Identität unterstützen. Aus diesen Motiven entstanden in China seit 2011 mehr als 3.400 neue Museen – nicht ohne kuratorische Kontrolle durch den Staat. Wir sprachen mit Eduard Kögel, Kritiker und Forscher im Bereich Transfergeschichte zwischen Europa und Asien.
Interview: Maike Burk
Inwiefern haben Olympische Spiele 2008 und Expo 2010 Chinas Aufmerksamkeit auf das Thema Kultur gelenkt? E D U A R D K Ö G E L : Man kann sagen, dass es im Allgemeinen seit den letzten 15 Jahren ein Bedürfnis gibt, mehr zu tun als nur Ökonomie. Das ist von der neuen Mittelklasse eingefordert, die mehr will als arbeiten und Geld verdienen. Man fragt nach der eigenen Identität – die sich gravierend verändert hat. Zum einen im urbanen Kontext, wo sich alte Strukturen aufgelöst und neue ausgebildet haben, die aber nicht so präsent sind und sich deshalb die Leute oft die Frage stellen: Wo gehöre ich eigentlich dazu? Und dieser Prozess, diese Individualisierung, ist etwas, das sich letztlich auch in der Kulturproduktion niederschlägt. Wenn man sich die zeitgenössische Kunst dort ansieht, wurde sie die ersten Jahre nur fürs Ausland produziert – niemand in China hat sich dafür interessiert. Aber weil sie im Ausland so hofiert wurde, gab es plötzlich auch ein Interesse zu Hause. Jetzt hat sich das ein bisschen umgekehrt, und es steht die Frage im Raum, was die zeitgenössische Kunstproduktion für die eigene Gesellschaft bietet und welche Diskurse darüber ausgetragen werden. BAUMEISTER:
Die wachsende Mittelschicht fragt nach der eigenen Identität – und die Regierung antwortet mit 3.400 Museen, die in einem Fünfjahresplan aus dem Boden gestampft werden? E K : Das ist ein dynamischer Prozess. Die Regierung versucht, bestimmte Bevölkerungsgruppen zu bedienen, Lösungen zu finden für deren B:
Probleme. Dazu gehört auch, dass man Museen baut, obwohl man noch keine Vorstellung hat, was darin passieren soll. Und man hat im Moment noch nicht genug kuratorisches Knowhow. Das entwickelt sich aber sehr schnell und wird im Ausprobieren gefunden. In Form von experimentellen Installationen versucht man Wege zu finden, wie man das Museum neu erfinden kann – nicht um etwas Neues zu schaffen, sondern weil man es einfach nicht anders weiß. Und dadurch überschreitet man auch Grenzen traditioneller Präsentation von Kunst. Und das ist ein interessanter Prozess, der neue Sichtweisen eröffnet. Muss man als aufstrebende Wirtschaftsnation kulturell wettbewerbsfähig sein? E K : Bestimmt. Vor allen Dingen die Städte. Eine ‚Global City‘ muss hundert Museumsbauten haben. Das bedeutete etwa für Schanghai, an einem bestimmten Punkt einfach zu definieren, dass sie jetzt hundert haben. So braucht man auch ein Tabakund ein Seidenmuseum, damit man auf diese Anzahl kommt – ein quantitativer Standard, der international eingefordert wird. Das heißt, es gibt Druck von einer internationalen, nicht definierten ,Community‘, die sagt: Wenn du bei uns mitspielen willst, brauchst du bestimmte Kulturinstitutionen. China versteht sich als Kulturnation, die im 19. Jahrhundert von europäischen Mächten geknechtet wurde. Das hat man bis heute nicht ganz überwunden und versucht jetzt mit der Darstellung der eigenen Kultur zumindest nach innen, aber auch in der Außendarstellung zu zeigen, dass man wirklich eine Kulturnation ist. Und eben nicht nur ein billiger Produktionsplatz für den Rest der Welt. B:
Derzeit ziehen elf Prozent von Chinas Bevölkerung einen Museumsbesuch als Freizeitaktivität in Erwägung. Kann man diese Zahl über Bildungsprogramme steigern? B:
Keiner kann automatisch Kunst verstehen, wenn er nie an das Thema heran geführt wurde. Uns in Europa ist das oft gar nicht bewusst, wir er­ leben Kunst von klein auf. Das versucht man in China nachzuholen: Alle wichtigen Museen haben pädagogische Programme. Zum Beispiel die „Power Sta­t ion of Art“ (ab Seite 20) ist ein sehr wichtiger Ort für den Diskurs über zeitgenössische Kunst. Hier gibt es viele Programme mit Künstlern und Kuratoren – so werden Kinder und Erwachsene an die Kunst herangeführt. Die Museen haben Druck, weil sie Vorgaben zu Besucherzahlen bekommen, auch wenn der Besuch keinen Eintritt kostet. Es handelt sich zwar zum großen Teil um staatliche Museen, aber auch die können nicht machen, was sie wollen. Also sind auch die Kuratoren unter Druck, das Programm entsprechend attraktiv zu gestalten. E K:
Stichwort Staat: Ist es nicht paradox, dass man einerseits die eigene zeitgenössische Kunst nun massiv fördert, während ein international anerkannter Künstler wie Ai Weiwei im eigenen Land Ausstellungsverbot hat? E K : Ein ganz so strenges Ausstellungverbot hat er nicht. Es gibt schon Orte, wo er in China noch gezeigt wird. Man muss sich das so vorstellen, dass es in der politischen Klasse unterschiedliche Strömungen und Parteien gibt – das ist kein Block. Das heißt, auch Ai Weiwei hat im Hintergrund Verbindungen und Netzwerke, die ihn unter­ stützen. Sonst hätte er das niemals so lange durchgehalten. Andere Leute sind viel früher abgeräumt worden. Natürlich – der Staat versucht heute wieder, die zeitgenössische Kunst einzufangen, weil in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten das Ausland den Diskurs der zeitgenössischen Kunst bestimmte – der wurde von ausländischen Sammlern definiert. Jetzt will man sich das nicht mehr gefallen lassen und den Diskurs B:
zurück haben – nach China. Dabei versucht die Regierung auch, den Diskurs zu lenken. Aber das ist nicht so einfach: Es gibt viele Schlupflöcher und zweideutige Dinge, gerade in der Kunst, die vom Publikum gelesen werden und von der Zensur nicht eindeutig zu­g eordnet werden können. Insofern ergibt sich hier auch eine Reibungsfläche zu einem Kulturdiskurs. Versucht man mit diesen Mitteln auch, Chinas Ruf zu verbessern? Von der Kopiernation zur kunstschaffenden? E K : Man hat in China den Begriff des Co-Designs geprägt – also dass man bestehende Dinge weiter entwickelt. Nach dem Motto: Ein Meister hat schon mal was geschaffen – aber wir können das verbessern und für unsere Anwendung optimieren. Große ausländische Konzerne haben plötzlich ein Interesse an der chinesischen StartupSzene, die neue Technologien entwickelt aufgrund von existierenden Techniken. Ich glaube, dass da ein großes kreatives Potenzial liegt, was sich in den nächsten Jahren auch zeigen wird. B:
Also tragen sich Wirtschaft und Kultur gegenseitig. E K : Man spricht nicht umsonst von Kulturindustrie, in China ist das auch ein Geschäftsmodell. In Deutschland hat das einen negativen Beigeschmack. Anders im angelsächsischen Raum – und in China ist es noch ein bisschen verschärft: Die Kreativszene findet so etwa Zugang zu neuen Technolo­g ien. So lange man die Partei nicht komplett in Frage stellt wie Ai Weiwei, ist vieles möglich. B:
Mit dem Museumsboom beobachtet man auch eine Loslösung von der symbolträchtigen, traditionellen Architektur. E K : Das hat damit zu tun, dass die jungen Architekten zum Großteil im Ausland studiert haben – dass sie genau rezipiert haben, was die Lehrmeister ihnen bei­ brachten und dies auf ihre B:
Fragen „China versteht sich selber als Kulturnation und versucht jetzt, mit der Darstellung der eigenen Kultur zu zeigen, dass man wirklich eine ist. Und eben nicht nur ein billiger Produktionsplatz für den Rest der Welt.“ E DUARD KÖGE L
Boden eingegraben ist. No more weird architecture? E K : Es gibt eine Rückbe­ sinnung auf das sogenannte Shan-Shui-Prinzip: Berg und Wasser, verwandt mit dem Feng-Shui. Heute werden die Prinzipien wieder neu diskutiert. Nicht unter esoterischen, sondern ästhetischen Gesichtspunkten. Im Herbst wird in Schanghai eine Ausstellung eröffnet, die das Thema als Schwerpunkt behandelt. Man versucht, eine eigenständige Theorie aus dem Shan Shui zu entwickeln – der erste Versuch in hundert Jahren, an Probleme theoretisch ranzugehen. Zuvor hat man immer versucht, vom Ausland zu lernen. Es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Aber es ist genug intellektuelle Power da, um diesen Diskurs zu führen. In den Medien werden Entwürfe bekannter europäischer Architekten gezeigt – die Ausstellung ‚Sechzehn Chinesische Museen, fünfzehn Chinesische Architekten‘ im Berliner Architekturforum Aedes vergangenes Jahr hat sich dagegen auf die Bauten junger, chinesischer Architekten konzentriert. Wie ist die Gewichtung? E K : Der Großteil wird schon von Chinesen gebaut, aber es gibt natürlich auch Projekte von ausländischen Architekten. Eigentlich hat jeder Ausländer, der in China unterwegs ist, ein Museum in seinem Portfolio. Meistens auch gebaut. Es gibt so viele Möglichkeiten, ein Museum zu bauen, dass die nebenbei abfallen. Da viele Museen über Wettbewerbe vergeben werden, ist der Druck ziemlich groß – man muss schon was liefern. Ausländer haben immer einen Exotenbonus, weil sie mit etwas Überraschendem aufwarten, was die lokale Elite gut findet. B:
lokale Situation adaptieren. Sie haben sich von dem innerchinesischen Diskurs gelöst, der eine eigene Logik hat. Dieser hat nach der Kulturrevolution begonnen: Man versuchte einerseits die Moderne neu aufzugreifen, hat aber die Postmoderne und ihre Ironie nicht verstanden. Als man gemerkt hat, die Moderne ist auch ein bisschen dröge – hat man versucht, über symbolische Formen eine Referenz zur traditionellen Kultur herzustellen. Diese junge Generation sagt sich: Die alten Meister machen eigentlich nur Mist, und wir müssen einen ganz eigenen Zugang finden. Ein ganz großes Vorbild ist in China natürlich immer Japan. Warum schaffen es die Japaner, einen zeitgenössischen Diskurs zu führen, der global anerkannt wird – und warum schaffen wir das nicht? Das ist eine große Attraktion. Ein Beispiel für die symbolgelöste Architektur ist das Earthquake Memorial (ab S. 20) – ein Projekt, das in den B:
Wie viel ist dran an den Behauptungen über leerstehende Museen und über Ausstellungen, in denen man sich in dunklen Korridoren verirrt? B:
Das sind natürlich gefundene Fressen für die westliche Presse. Weil das ein Bild bedient, das man sowieso hat. In der Tat – es gibt natürlich leerstehende Museen. Wenn ein Gebäude fertig gestellt ist und leer steht, muss sich irgendjemand drum kümmern und überlegen, was man damit macht. Das eröffnet manchmal neue Perspektiven. Ich habe mit vielen Museumsdirektoren gesprochen, die uns gesagt haben: 50 Prozent der Museen werden mittelfristig überleben. Die anderen werden Hochzeitshallen oder sonst was. Einfach auch wegen der kuratorischen Schwäche. E K:
Ein gerechtfertigter Kritikpunkt ist die Herangehensweise: Ich will für 250.000 Einwohner ein Museum haben, also baue ich mal ein paar Tausend. Was da dann ausgestellt wird, ist zweitrangig. E K : Das ist natürlich eine komische Statistik. Dazu kommt die sehr ungleiche Verteilung: Die Museumsdichte an den Küstenstädten ist sehr hoch, während es im Hinterland keine gibt. Wenn der Staat die Versorgung von Kultur sicherstellen will, funktioniert das nicht, weil im Hinterland der Bedarf nicht da ist und auch nicht das Knowhow, das Musuem zu betreiben. Insofern läuft bei Dingen, die so geplant werden, das eine oder andere einfach schief. B:
Wie hat sich der Museumsboom auf die chinesische Architekturszene ausgewirkt? E K : Das Positive ist, dass man sehr jungen Architekten zutraut, solche Gebäude zu errichten und ihnen damit Chancen eröffnet. Oft fehlt aber der Diskurs mit der Bevölkerung, den Nutzern und den Kuratoren. Und die Architekten sind häufig alleine gelassen, wie zum Beispiel bei dem Geschichtsmuseum von Wang Shu in Ningbo mit der aus Abrissmaterial vorgeblendeten Ziegelfassade. Bei diesem Projekt hat man den Architekten nicht gesagt, was später ausgestellt wer-
den soll – sondern nur auf wie viel Quadratmetern Ausstellungsfläche. Keiner wusste, was darin geschehen soll. Es wäre hilfreich gewesen, klare Aussagen zu bekommen. Aber auch hier steht man einfach am Anfang. Und dennoch ist das Projekt ja gelungen. E K : Es ist insofern gelungen, als dass die Außenhaut selber das Museum geworden ist. Die Leute kommen oft nicht wegen der Ausstellung, sondern weil ihre eigene Geschichte der Dörfer in der Fassade verarbeitet ist und sie damit ein Identifikationselement aus ihrer eigenen Geschichte vorfinden. Daher ist das ein Beispiel dafür, dass das Museum selbst eine Attraktion werden kann – ohne Inhalt. B:
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Was droht mit Präsident Trump ? Am 20. Januar wird Donald Trump ver­ eidigt. Aber welche Politik kommt dann	? Wahlkampf und die ersten Wochen danach lassen wenig Gutes erwarten. Doch an vielen Stellen blieb der Mann bisher vage. Wie schlimm also wird es wirklich	? Wir haben eine spekulative Spurensuche an einem konkreten TrumpGebäude unter­ nommen.
2 Nein, sie waren noch nicht da. Die Protestierer, die jeden Tag gegen den neuen Prä­s identen Trump agitieren. „Aber heute Nachmittag kommen sie wieder“, erklärt die junge Concierge-Dame „Manuela“, sichtbar Hispanic. Seit Tagen kommen sie schon vor den Trump-Tower Las Vegas. Nicht aggressiv wie in anderen US-Städten. Aber zahlreich. Anti-Trump-Aktivismus, verörtlicht über ein Bauwerk – den „Trump International Hotel and Tower“, eines der jüngeren Hochhäuser des Immobilieninvestors Trump. Fertig gestellt wurde er 2008, realisiert von dem Architekturbüro Bergman Walls & Associates. Die gehören quasi zu den Hausherren in Las Vegas, haben dort reihenweise Casinos hingestellt. Und eben diesen goldenen Turm. Der trägt die (sinnig wie irrsinnig) simple Betitelung „Trump“, in gold, sichtbar auf weißem Betonband an der Spitze des Gebäudes. Trump. Alles gesagt. Oder? In einer Lage, in der die ganze Welt überlegt, was dieser Trump will, wie viel Radi­ kalismus ernst gemeint ist und wie viel dicke Hose, was ist in dieser Lage tatsächlich gesagt – und zwar durch diese Architektur? Oder, anders formuliert: Was lässt sich aus ihr ableiten über diese von kaum jemandem für möglich gehaltene, nun von uns allen gefürchtete Präsidentschaft? Hier ein spekulativer Feld­ versuch, basierend auf einer Turmumkreisung.
1. Gold oder nicht Gold?
Text: Alexander Gutzmer
Die Farbgebung des 189 Meter hohen Turmes entspricht dem öffentlichen Bild, das Donald Trump vor seiner Kandidatur innehatte. Reichtum-Geprotze, Kapitalismus pur. Ein Haus, das vor allem rauskrakeelt „ich bin teuer“. Das sich aber, bei genauerem Hinschauen, als eher schmuddelig entpuppt.
Jedenfalls verliert, wenn man näher kommt, das Gold seinen Glanz. Es transformiert zu einem öligen Schmierton. Die Fenster deuten jetzt die dahinter liegenden Apartments und Hotelzimmer an, lassen diese durch die Dunkelfärbung aber wenig anziehend erscheinen. Was wäre dies in Politik ausgedrückt? Trump hat ja in seinem Wahlkampf vielen, die etwas von ihm wollten, nahezu alles versprochen. Es ist klar – er wird nicht alles halten können. Erste Wahl­ versprechen wurden bereits zurückgenommen. Viel „Gold“ wird abblättern. Ein Versprechen aber dürfte er umsetzen; eines, das man despektierlich als volkswirtschaftliches Äquivalent zur Goldfassade bezeichnen könnte – ein staatliches Investitionsprogramm. Amerika dürfte sich unter Trump „herausputzen“. Hier wird es insofern interessant, als Trump damit eine klassisch linke Forderung umsetzen würde. Hier liegen er und Bernie Sanders nah beieinander. Und wer kürzlich mal auf einem US-Flughafen gelandet ist, weiß: Amerikas Infrastruktur hat Investitionen nötig. Insofern wäre das auch mehr als „nur“ Goldschmuck.
2. Public Spaces? Das Verhältnis des Kandidaten Trump zum öffentlichen Raum war ambivalent. Einerseits vermochte er öffentlich so aufzutreten, dass die Massen ihm folgten. Ein Volkstribun. Doch seine ei­g enen Türme schottete er vor wie nach der Wahl eher ab. Immer wieder betonte er, er wolle die Innenstädte von Chicago etc. wieder „safe“ machen. Gegen was aber genau, mit welchen Maß­ nahmen, das blieb offen. Ein echtes Interesse an der Regeneration der Innen­ städte kann man Trump kaum unterstellen. Trump misstraut den Städten. Der Blick in den Trump Tower
65 lässt diesbezüglich wenig Hoffnung zu. Hinter dem Turm beginnt urbanes Brachland. Das Foyer eine einzige Enttäuschung. Nichts ist zu spüren von bewusster Ge­s taltung oder origineller räumlicher Rhythmisierung. Man will die Leute möglichst schnell auf die Zimmer lotsen, also weg aus dem öffent­ lichen Raum. Vorbei nur noch am „Trump Store“. In dem lassen sich Trump-gebrandete Weine erstehen, Golfcaps und High Heels (entworfen von Ivanka). Noch deprimierender die Zufahrt. Eine Nebenstraße, mit keiner erkennbaren Beziehung zur Stadt, führt hinauf zu einer konventionellen, engen Auffahrt. Die obliga­ torischen Kofferboys versehen routiniert ihren Job. Wohl fühlt sich hier niemand. Nein, Trump wird den öffentlichen Raum nicht verbessern.
leidigter großer Junge, der mit den richtig coolen Frechdachsen nicht mitspielen darf. Gelegentlich aber verabreicht er ihnen eine Tracht Prügel – denn das kann er. Das kann künftig auch der Präsident Trump. Vielleicht war es diese Einsicht, die die amerikanische Interessensvertretung der Architekten zu irritierend willfähriger Gratulationsrhetorik trieb. Robert Ivy, Chef des American In­s titute of Architects (AIA), schrieb: „The AIA and its 89,000 members are committed to working with Presidentelect Trump to address the issues our country faces, particularly strengthening the nation’s aging infrastructure
Architektur-Betrachter in den sozialen Medien auch in Deutschland waren mit Sorkin natürlich einer Meinung – Trump ist böse, die Architektur muss gut bleiben und darf daher keine gemeinsame Sache machen mit dem. Natürlich war Ivys RanschmeißBotschaft ungeschickt und unnötig. Klar ist aber auch: Wenn Präsident Trump tatsächlich ein InfrastrukturProgramm auflegt, werden sich die Architekten neuen Sozialbauten wohl kaum verweigern – auch wenn das Trump-Regime sie finanziert. Politik und Architektur – es ist, mal wieder, kompliziert. Vor allem für die Architekten, die echt bauen wollen.
3. Kommunikation? Architektur nimmt, wenn sie gut ist, Signale aus ihrer Umgebung auf und lässt sie in sinnvolle bauliche Formen einfließen. Sie kommuniziert in diesem Sinne. Das kann sie in Las Vegas auch. Wenn wir den eurozentristischen Snobismus, der sich routiniert über die Poparchitektur der Stadt lustig macht, mal außen vor lassen – natürlich bietet auch Las Vegas architekto­ nische Anknüpfungspunkte. Überraschend daher, dass der Trump Tower diese nicht nutzt. Er dockt nirgendwo an. Der Turm ist kein typisches Stück hysterisch-humoriger Las-Vegas-Leichtigkeit. Er ist überhaut nicht leicht. Ernsthaft kommt er daher, ver­ bissen. Andere Gebäude in Las Vegas heißen „Mirage“, „Flamingo“ oder „Caesar’s Palace“. Und nicht gewichtig „Trump International Hotel and Tower“. Entsprechend steht dieser auch ein wenig abseits vom Epizentrum der baulichen guten Laune, am Nordende des Las Vegas Strip. Ein be­
Trump International Hotel and Tower in Las Vegas
... We stand ready to work with him ... to ensure that investments in schools, hos­ pitals and other public infrastructure continue to be a major priority.“ Heißt: Wenn Trump bauen will, stehen wir bereit. Auch wenn es um Mauern gehen sollte. Die Reaktionen im Netz waren verheerend. Prominente Architekten wie Michael Sorkin gingen auf die Barrikaden. Sorkin über Ivy: „His words ... are an embarrassment to those of us who feel that the Trump presidency represents a clear and present danger to many values that are fundamental to both our nation and our profession.“ Inzwischen entschuldigte Ivy sich per Videobotschaft.
4. Was ist das Richtige? Solche Probleme haben Kasino-Großmeister wie Bergman Walls natürlich nicht. Sie zimmerten in Vegas reihenweise Großbauten hin. Sie können das. Ihre Gebäude sind dabei – in sich – schlüssig. Mit Ausnahme des Trump-Towers. Das Gebäude wirkt architektonisch verunsichert. Eigentlich ist es ja ein goldener Turm. Aber uneigentlich? Ein siebengeschossiger, massiver weißer Sockelbau mit halbherzigem goldenem Hütchen. Dieses wird wiederum weiß getoppt. Als traute man dem eigenen Gold
nicht. Oder als wisse man nicht, ob man wirklich ein modernistisch angehauchter, recht klarer Hochhausbau sein sollte – oder doch etwas ganz anderes. Darauf deutet auch die kecke Rückstaffelung des Sockelkörpers Richtung Las Vegas Strip hin. Ein eigentlich muskulöses Gebäude, das nicht weiß, was es mit seiner Kraft anstellen soll, und sich in verschiedenen gegeneinander zappelnden Muskelgesten zugleich ergeht. Diese Unsicherheit umweht bis heute auch den Präsidenten Trump. Man hat gelegentlich den Eindruck, er wisse noch nicht so genau, was nun wirklich anfangen mit so viel Macht. Aber hier sollte man sich nichts vormachen. Das wird sich ändern – mit jedem neuen Posten, den er besetzt. Dessen Inhaber bringen dann jeweils ihre eigenen Sets an politischen Ideen, Wahlversprechen, Kumpaneien mit. Das heißt: Konkret wird Trumps Politik bald werden. Die Frage wird aber sein: Entsteht ein irgendwie kohärentes Ganzes? Und welchen Idealen folgt dies? Diese Frage ist so trivial nicht. „America first“ ist nicht nur plump; es ist auch kein inhaltliches Ideal. Daraus lassen sich sehr unterschiedliche Handlungen ableiten. Was, wenn die Mauer (oder der Zaun, wie Trump bereits downsizete) kommt, aber die Migration nicht aufhört? Was, wenn ein Konjunkturprogramm wieder eher gut ausgebildeten Städtern als ein­fachen Arbeitern nutzt? Was, wenn das Leben in den Innenstädten nicht besser wird – und sich die Stammwähler enttäuscht abwenden? Dann ist eine Klarheit der eigenen Visionen gefragt. Bisher war die bei Trump nicht zu sehen. Weder bei Trump dem Haus, noch bei Trump dem Politiker.
Was bedeutet das Scheitern sozialer Architektur ?
Über die Notwendigkeit von sozialer Architektur besteht Einigkeit. Der Einsturz der Schwimmenden Schule von Kunlé Adeyemi in Lagos – ein Projekt, das als vorbildlich galt und medial gefeiert wurde – bringt die Architekturwelt in Verlegenheit. Wir befragten Andres Lepik, Direktor des Architekturmuseums der TU München und Kurator der Ausstellung „Afritecture“, was das für die Zukunft des sozialen Bauens bedeutet.
Bekanntes Bild von Iwan Baan: Die Schwimmende Schule erhielt medial
FOTO: IWAN BA AN
Vor dem Einsturz: Kinder sollten in der Schwimmenden Schule kostenlos unterrichtet werden – tatsächlich war der Regen aber schon vor dem Einsturz ein Problem.
Sieben Monate nach der Eröffnung stürzte die Schule unter heftigen Regenfällen ein. Die Schüler waren zu diesem Zeitpunkt nicht im Gebäude.
Interview: Leonardo Lella
Sie haben die Schwimmende Schule im Slum von Makoko in Ihrer Ausstellung „Afritecture“ als gelungenes Beispiel für sozial engagiertes Bauen gezeigt. Warum? A N D R E S L E P I K : Die Ausstellung hatte das Ziel, Projekte zu zeigen, die in möglichst komplexen sozialen Situationen angesiedelt sind und die versuchen, durch Architektur einen sozialen Wandel anzustoßen oder zu begleiten. Dazu gehörten Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten oder Community Center – Projekte also, die einer größeren Gemeinschaft dienen. Nachdem wir eine Liste von Kriterien aufgestellt hatten, schien uns das Projekt von Makoko besonders signifikant, weil es zu einem innerstädtischen Slum von Lagos gehört. Wie in vielen anderen dieser sogenannten „Informal Settlements“ gab es dort keine offizielle Schule, weil der Staat keine formelle Anerkennung durch legale Schulen geben will. Außerdem war das Projekt mit lokalen und einfachen Materialien sehr schön gestaltet. Holz ist dort leicht verfügbar, weil in Makoko die Baumstämme auf dem Fluss nach Lagos geschwemmt werden. Es schien also in jeder Hinsicht sehr gut in die Ausstellung zu passen. FOTO OBE N: IWAN BA AN, FOTO UNTE N: AKINTUNDE AKINLEYE
Wie sah die Recherche für das Projekt aus? A L : Das war eines der Projekte, die ich vor der Ausstellung nicht selbst gesehen habe. Wir haben während der Vorbereitung zur Ausstellung versucht, vor Ort mit Architekten und Kollegen zu sprechen. Für Lagos haben wir eine Art Netzwerk aufgebaut, teilweise mit Hilfe des Goethe-Instituts von Lagos. Von dort kamen nützliche Hinweise. B:
Sie waren kurz vor dem Zusammensturz des Gebäudes vor Ort und haben festgestellt, dass das Projekt nicht so funktioniert, wie in der Ausstellung beschrieben. A L : Ich bin tatsächlich letztes Jahr im Kontext einer anderen Reise in Lagos gewesen und habe mir den Slum von Makoko und die schwimmende Schule angesehen. Dort habe ich mit einer ehemaligen Assistentin von Kunlé Adeyemi gesprochen, die immer noch in Lagos an anderen Projekten arbeitet. Sie hat zusammen mit drei Architekten vor Ort die Durchführung der Schule betreut. Ich habe sie interviewt und danach gefragt, warum die Schule jetzt leer steht. Sie hat mir daraufhin die Hintergründe des Entwurfprozesses erläutert. B:
Was waren die Probleme? Die Assistenten waren alle sehr kritisch gegenüber dem Projekt. Ihrer Meinung nach wurden viele wichtige Details, wie etwa das Einbinden der Schule in die Nachbarschaft, nicht im Detail mit der Community des Slums besprochen. Wie es scheint, wurde alles sehr stark von Amsterdam aus vorgegeben, wo Kunlé Adeyemi sein Büro hat. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass Makoko ein hochkomplexes soziales Netzwerk hat. B:
Der Grund für den Einsturz liegt in der Konstruktion. Im Gegensatz zu den anderen Häusern der Siedlung wurde sie nicht als Pfahlbau errichtet, sondern schwamm frei im Wasser. Technische Probleme gab es von Anfang an. A L : Dass die Schule als frei schwimmend konstruiert wurde, stellte tatsächlich ein Problem dar. Die starken Winde drückten die Schule gegen andere Häuser, weshalb sich die Nachbarn beschwerten und forderten, dass die Schule am Grund fixiert wird. Wenn man um eine Holzkonstruktion aber einfach so eine Kette zieht und einen Stein dran hängt, reicht das als Lösung nicht aus. Im Gegenteil. Die Fixierung des Gebäudes führte B:
zu zusätzlichen technischen Problemen, da die PlastikTanks, die das Gebäude über Wasser hielten, von den Fixierungsketten beschädigt wurden. Es war also ziemlich schnell klar, dass die Konstruktion des Gebäudes nicht durchdacht ist. In Makoko gibt es ein weiteres Beispiel für soziale Architektur, das sich inmitten des Slums befindet. Ist dieses Projekt erfolgreicher? A L : Die Schweizer Architektin Fabienne Hoelzel hat dort vor zwei Jahren ein Community Center gebaut. Sie hat zusammen mit Führern mehrerer Community-Gruppen ein Grundstück freiräumen lassen und gebaut. Es handelt sich dabei um eine zweistöckige offene Holzkonstruktion, die von außen nicht zu erkennen ist, weil sie mit der Textur und Logik des Slums gebaut wurde. Es kamen die gleichen Materialien wie bei der schwimmenden Schule zum Einsatz. Im Gegensatz zur Schule funktioniert das Gebäude aber. B:
Wurde die Gemeinschaft bei der Schwimmenden Schule also nicht genug in das Projekt miteinbezogen? A L : Der Slum von Makoko ist komplett mit Häusern besetzt. Die einfachste Möglichkeit, weiter zu bauen, besteht darin, aufs Wasser auszuweichen. Insofern hat die Floating School die Logik des Slums fortgesetzt. Eine der Herausforderungen in diesem Zusammenhang ist die soziale Struktur der Slums: Es ist sehr schwer zu durchschauen, welche soziale Gruppe für welchen Bereich zuständig ist. Es dauert in der Regel sehr lange, bis man das Vertrauen der Gemeinschaft hat. Deshalb war es für den Architekten natürlich viel einfacher, aufs freie Wasser zu gehen, wo es keine Probleme mit den jeweiligen Besitzverhältnissen gibt. Außerdem läuft die längste Autobahnbrücke Afrikas neben dem Slum entlang, und es war natürlich auch aus medialer Sicht wesentlich attraktiver, aufs Wasser zu geB:
hen, als innerhalb des Slums zu bauen. Da hätte man das Projekt nicht so gut mit Bildern vermarkten können. Die Aufmerksamkeit für solche Projekte kann zu neuen Finanzierungsmöglichkeiten führen. Ist die mediale Vermarktung in diesem Zusammenhang sinnvoll? A L : Ich bin dafür, dass man das Wissen um solche Projekte über die entsprechenden Kanäle verbreitet, damit man Förderer und Unterstützer findet. Das Ganze ist aber mit einer Abwägung verbunden: Was ist wirklich wichtig – die sinnvolle Durchgestaltung des Projekts vor Ort nach seinen Notwendigkeiten – oder medientaugliche Bilder zu generieren? Das Zweite darf nicht überwiegen. Bei der Floating School war es wichtig, mit den Bildern Aufmerksamkeit zu generieren. Andererseits muss das Projekt dann auch so intelligent sein, dass eine Katastrophe wie der Zusammenbruch nicht passiert. B:
Was bedeutet das Ganze für die Architekturmedien? A L : Ich finde es bedauerlich und dramatisch, dass dieses Projekt gescheitert ist, weil es zunächst ein gutes Signal war. Aber dieser Vorfall ist ein Turning Point in der Diskussion über Medien und Architektur. Die Medien sollten sich darauf konzentrieren, gut zu recherchieren und solche Projekte auch vor Ort genau anzuschauen, anstatt wiederzugeben, was der Architekt in der Pressemitteilung schreibt. Es ist wichtig, den Wahrheitsgehalt medialer Berichterstattung neu zu kalibrieren und zu überlegen, was wir mit gutem Gewissen veröffentlichen können. Die Frage ist: Wovon sind wir wirklich überzeugt? Funktioniert der ethische und soziale Anspruch tatsächlich? Ich glaube, erst wenn man über unabhängige Quellen verfügt, sollte man Architekturen an die Öffentlichkeit bringen. B:
Die Kolumne wird unterstützt vom Ifo-Institut.
Architektur und Management Modernisierungen boomen. Immer öfter werden Bestandsgebäude generalüberholt und runderneuert – bekanntlich hat dies inzwischen einen erheblichen Anteil am Baugeschehen in den größten deutschen Städten. Das klingt nach einem vielversprechenden Betätigungsfeld für Architekten und Planer, und es lässt sich auch an nüchternen Zahlen ablesen: Eine Recherche der Hochtief-Projektentwicklung hat ergeben, dass allein private Projektentwickler in diesem Jahr 690.000 Quadratmeter Bestandsfläche in den sogenannten Top-7-Standorten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt	am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart) einer Generalüberholung unterziehen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein erheblicher Zuwachs: 2015 und 2014 wurden noch zirka 550.000 beziehungsweise 340.000 Quadratmeter Bestandsflächen umfassend saniert. Und die Projekte von gemeinnützigen oder kommunalen Trägern sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. Die Sanierungsexperten unter den hiesigen Architekten und Planern sind jedoch weniger euphorisch. Die Modernisierungsraten im Gebäudebestand seien nach wie vor niedrig und gefährdeten somit auch die ambitionierten deutschen Klimaschutz-Ziele, meint etwa Ulrich Zink, Vorstandsvorsitzender des BAKA Bundesverband Altbauerneuerung mit Sitz in Berlin. Er sieht die Ursachen für diesen Sanierungsstau „zum einen im zunehmenden Fachkräftemangel, zum anderen in der oft nicht ausreichenden gewerkeübergreifenden Qualifizierung bei Planern und Ausführenden“. Das führe dazu, dass Eigentümer und Investoren nach wie vor zurückhaltend damit seien, ihre Gebäude aufwendig und für viel Geld umfassend sanieren zu lassen – und statt dessen lieber doch auf Abriss und Neubau setzen. Zinks Ansicht nach gibt es unter den Architekten derzeit noch viel
Gibt es genügend Experten für Sanierungsprojekte ?
zu wenig Experten für Altbausanierungen. Daran hätten nicht zuletzt die Hochschulen ihren Anteil: Themen wie Planen und Bauen im Bestand oder Energieeffizienz bei Bestandsimmobilien kämen zwar schon an einigen Hochschulen im Studienplan vor, „doch ist dieser meistens nicht so ausgebaut, wie es die Praxis derzeit und zukünftig erfordert. Zudem fehlt ausreichend Lehrpersonal in ganz Deutschland“, meint Zink. Der BAKA-Vorstandsvor-
sitzende fordert daher, einen speziellen Studiengang einzurichten, der sich intensiv mit Bestandsimmobilien auseinandersetzt. „Die Aus- und Weiterbildung im Bereich Bauen muss bis 2050 so ausgerichtet sein, dass in Deutschland viel mehr Experten für den Altbau zur Verfügung stehen.“ Immer mehr Umnutzungen Sich in der Architektenausbildung vertieft mit Energie-
effizienz und dem Werterhalt von Gebäudebestand auseinanderzusetzen, dürfte sich langfristig lohnen. Denn spricht man mit Vertretern der Immobilienwirtschaft, wird schnell klar: „Refurbishments“, wie das die Branche neudeutsch nennt, bleiben ein wichtiges Zukunftsthema. Mangels Alternativen gehen immer mehr professionelle Investoren dazu über, Immobilien zu erwerben, die auf den ersten Blick nicht sonderlich attraktiv erscheinen: Wohnsiedlungen mit Sanierungsstau und hohen Leerständen beispielsweise. Diese werden saniert und anschließend neu vermietet, was ein durchaus einträgliches Geschäft sein kann. Im Zuge von großen Sanierungsmaßnahmen werden die Gebäude oftmals auch ganz anders genutzt – meist werden leerstehende Büros zu Wohnraum. „Die Umnutzung ist angesichts der Wohnungsknappheit in den Top 7 mittlerweile ein wichtiges Standbein beim Refurbishment“, beobachtet auch Gordon Gorski, Geschäftsführer der Hochtief-Projektentwicklung. Zwar hält nach wie vor eine erhebliche Zahl an Investoren derartige Projekte für unrentablen Unsinn. Einer verglich eine Umnutzung gar mit einer Achterbahnfahrt im Dunkeln: Man weiß am Anfang nicht, welche böse Überraschungen einen erwarten, und dass es Freude macht, steht auch nicht unbedingt fest. Beispielhaft: Frankfurt, Köln und Düsseldorf Dennoch gibt es bundesweit inzwischen einige Projekte, die eine Trendwende erahnen lassen: In Frankfurt am Main unternehmen private Investoren und die öffentliche Hand schon seit einigen Jahren Anstrengungen, um aus der Bürostadt Niederrad ein attraktives Wohngebiet zu machen. Bürogebäude werden zu Wohnhäusern, zusätzlich entstehen Neubauten. In der Frankfurter Stadtverwal-
71 tung sieht man in dem neuen Viertel ein Potenzial von 4.000 Wohnungen. In Kölns nördlichem Stadtteil Nippes werden derzeit die ehemaligen Produktionsstätten der Gummifabrik Clouth zu einem Quartier mit 1.000 Wohnungen umgebaut. Ein Highlight der Siedlung dürfte die „Halle 17“ werden: Der Projektentwickler Formart will die 125 Meter lange und 35 Meter breite Industriehalle zu einem Wohnkomplex mit rund 50 Einheiten umbauen. Deutschlands größtes Umnutzungsprojekt befindet sich indes in Kölns Nachbarstadt Düsseldorf. An der Grafenberger Allee verwandelten Catella und Bauwert das ehemalige Thyssen Trade Center in eine Siedlung namens „Living Circle“. Das markante, halbrunde Bürogebäude stammt aus dem Jahr 1991 und stand seit dem Umzug des Thyssen-Konzerns nach Essen im Jahre 2009 leer. Die fast 40.000 Quadratmeter große Immobilie wurde entkernt und nach Plänen von Konrath und Wennemar zu einem Komplex mit 340 Mietwohnungen, einer Kita und Geschäften umgebaut. Einzelfälle sind die Projekte nicht: In den Immobilienhochburgen werden derzeit in großem Ausmaß Büros zu Wohnungen umgenutzt, haben die Hochtief-Projektentwickler um Gorski ermittelt. Spitzenreiter ist die Bundeshauptstadt Berlin mit 176.000 Quadratmeter Wohnfläche allein in diesem Jahr. Die Marktbeobachter gehen davon aus, dass die in vielen Städten geplante oder bereits zunehmende Verdichtung in Kombination mit geschlossenen Baulücken das Thema Refurbishment weiter befeuern wird. Abgesehen vom ökonomischen Nutzen für die Investoren gibt es noch andere gute Gründe, sich vermehrt mit Umnutzungsprojekten zu befassen: Büroleerstände werden abgebaut und die freiwerdenden Flächen dem wachsenden Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt. Die
Erneuerung von Haustechnik, Fassaden und Dächern unter Einhaltung der EnEV-Anforderungen spart Energie, bestehende Bausubstanz bleibt erhalten, und alte Baumaterialien werden recycelt – was wiederum Ressourcen schont. Der BAKA fordert wohl nicht zuletzt deshalb, dass die Aufgaben der Gebäudebestandspflege weitaus breiter angegangen werden müssen: Ökonomie, Ökologie und der durchgängige Erhalt der Wertschöpfungskette im Gebäudebestand müssen stärker berücksichtigt werden. Und für diesen „Spagat zwischen Investition, Wertsteigerung, Werterhaltung sowie der Optimierung der Nutzung“, wie Verbandschef Ulrich Zink es ausdrückt, braucht es nun einmal gut ausgebildete Experten.
BAU 2017 und Baumeister Student Day
2 0. JAN 2 0 17 Am 16. Januar öffnet die Messe „BAU 2017“ ihre Tore in München. Werkstoffüber­ greifend ist die BAU die weltweit größte Fachmesse für Architektur, Materialien und Systeme. Das Angebot ist nach Baustoffen, Produkt- und Themenbereichen gegliedert und umfasst den Industrieund Objektbau ebenso wie den Wohnungsbau und den Innenausbau. Zielpublikum sind international tätige Planer, Architekten und Projektentwickler sowie Bauhandwerker, Bauunternehmer, Baustoffhändler und Vertreter der Immobilienwirtschaft. Am 20. Januar findet im Rahmen der BAU die lange Nacht der Architektur in München statt. Baumeister veranstaltet wie schon vor zwei Jahren einen „Baumeister Student Day“. Partner ist wieder der Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung. Einen Bericht darüber finden Sie nach dem Event auf www.baumeister.de.
Siehe zur BAU auch die Lösungen ab Seite 82
Was passiert nach der Katastrophe ?
Renzo Piano wurde für den Wiederaufbau nach der Erdbebenserie in Mittelitalien beauftragt. Neben einem schnellen Handeln für tempo­ räre Unterkünfte fordert der Architekt erdbebensicheres Bauen – präventives Katastrophenmanagement also.
Überraschender Besuch: FOTO: M AT TEO GUIDE LLI, DPA
Die Nachrichten über Erdbeben in Italien schienen im vergangenen Jahr nicht abreißen zu wollen. Es kam zu katastrophalen Schäden in der Kulturlandschaft Mittelitaliens und ihren malerischen Bergdörfern. Das Beben in Amatrice im August forderte sogar 300 Menschenleben. Als im Oktober die Erde erneut und mehrfach bebte, blieben dank entsprechender Vorwarnung weitere Opfer aus. Die Schäden an Ortschaften und Bauwerken sind dennoch immens. So wurde die his­torische Basilika St Benedict in Norcia komplett zerstört. Während in
Perugia die Erschütterungen gespürt wurden, gab es dort keine Schäden. Die Lage der Menschen in Umbrien und den Marken ist jedoch verzweifelt, Tausende sind nun obdachlos. Insbesondere das Beben vom 31.10.2016 gilt als stärkstes seiner Art in Italien seit 36 Jahren. Wiederholt musste der Ministerpräsident seinen betroffenen Landsleuten die Hilfe des Staates bei der Bewältigung der Katastrophe zusichern. Nach dem ersten in dieser Stafette verheerender Erd­ beben in Italien im vergangenen Jahr in der Region um Amatrice wurde Renzo Piano
zum Chefplaner des Wiederaufbaus ernannt. Er ist für den hohen ingenieurstech­ nischen Anspruch seiner Projekte weltbekannt. Jedoch werden ingenieurstechnische Lösungen im Bereich des Katastrophenwiederaufbaus von der Forschungsgemeinschaft durchaus kritisch beäugt. Meine Frage ist: Wie werden Sie den Wiederaufbau planen, Renzo Piano? Unmittelbar nach der Erdbebenkatastrophe in den Ortschaften Amatrice, Accumoli und Pescara del Tronto mit fast 300 Toten begannen die Schuldzuweisungen. Berichten zufolge sind Korruption im
Papst Franziskus kam ohne Ankündigung in die zerstörte Ortschaft Amatrice.
Autor: Mark Kammerbauer
Bau und mangelnde bauliche Vorsorge die Gründe dafür, dass so viele Häuser eingestürzt sind und Menschen nicht nur unter historischen Mauerwerksbauten, sondern auch vorgeblich erdbebensicheren Gebäuden begraben wurden. Definition Katastrophe In einer Trauerfeier für die Toten weist Bischof Domenico Pompili darauf hin, dass nicht das Erdbeben töte, sondern das „Werk des Menschen“. Damit war eigentlich das Problem der Korruption, Misswirtschaft und Veruntreuung WEITER
74 öffentlicher Gelder gemeint, das zur Errichtung unsicherer Gebäude beiträgt. Tatsächlich verweist die Wortwahl treffend auf die Art und Weise, wie die Forschungsgemeinschaft sogenannte „Naturkatastrophen“ versteht. Mit Blick auf gesellschaftliche und historische Umstände gilt vereinfacht: Ohne (betroffene) Menschen gibt es auch keine Katastrophe. Erst wenn eine Umweltgefährdung auf eine Form der Besiedlung – oder auch Kultivierung der Landschaft – trifft, kann eine Katastrophe eintreten. Dies ist eine wesentliche Feststellung, die auch und insbesondere für den Wiederaufbau wichtig ist. Zurück nach Italien. Kaum ist eine Woche vergangen, wird bereits von offizieller Stelle erklärt, dass die zerstörten Gemeinden wieder aufgebaut werden sollen. Laut Premierminister Matteo Renzi wird Stararchitekt Renzo Piano federführend bei der Wiederaufbauplanung sein. Piano war bereits zuvor in Erdbebengebieten tätig gewesen, auch in Italien. Zunächst sollen fast 3.000 Anwohner, die derzeit kein Dach über dem Kopf haben und in Zeltlagern untergebracht sind, „semi-permanente“, als leichte Holzkonstruktionen ausgeführte Notunterkünfte beziehen. Der hierfür vorgesehene Zeitraum wird auf sechs Monate angelegt. Spätestens zwei Monate danach soll in einem zweiten Schritt der eigentliche Wiederaufbau der geschädigten und zerstörten Städte beginnen. Ein Wiederaufbaukommissar wurde ebenfalls ermittelt: Vasco Errani konnte nach dem Erdbeben 2012 in der Emilia Romagna Erfahrungen zum Thema sammeln. Der dritte Schritt schliesslich soll dazu führen, dass Erd­ bebenschutz verstärkt in den Baugesetzen des Landes verankert wird. Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und kulturelle Bauten sollen effektiv gegen katastrophale seis­ mische Ereignisse gesichert werden. Zu Recht hebt Piano hervor, dass die Zeit drängt –
bei wiederkehrenden Ereignissen ist die Nachsorge zugleich die Vorsorge. Dabei ist er sich durchaus im Klaren darüber, dass insbesondere die damit verbundenen gesetzlichen Prozesse sehr langwierig sein können; von bis zu 50 Jahren bis zum Erreichen der gesteckten Ziele ist die Rede.
druck bringen können. In seinem Statement verweist Piano auf die Relevanz der Inklusion im Planungsprozess. Er wird einer von vielen Akteuren sein, deren Kooperation unabdingbar ist, um einen nachhaltigen und fairen Wiederaufbau zu erzielen.
Die beste Planung hilft wenig, wenn die sozialen Charakteristiken der Betroffenen nicht ausreichenden berücksichtigt werden. Beispiele weltweit zeigen, dass ein Wiederaufbau durchaus widersprüchlich sein kann – so etwa, wenn Stadt und Region unterschiedliche Arten der Betroffenheit aufgrund demografischer Diversität oder bestehender Ungleichheit aufweisen. Woher kommt das Geld für den Wiederaufbau von privatem Wohnraum? Was ist mit Mietern, die von der Entscheidung ihrer Vermieter abhängig sind, ob wieder aufgebaut wird? Wie ist es um Senioren bestellt, für die ein langwieriges Wiederaufbauverfahren zu zeitaufwendig oder zu anstrengend ist? Was geschieht mit Migranten, die womöglich erschwerten Zugang zu staatlichen Institutionen und deren Mechanismen besitzen? Diese und andere Verwundbarkeiten zu mindern ist grundlegend wichtig, um eine gesellschaftlich-bauliche Resilienz zu erzielen, die zur Vorsorge auf das nächste Ereignis beitragen kann. Zwei Projekte dienen im Folgenden dazu, Pianos Haltung zum Thema auszuloten. Beide stellen Maßnahmen für besondere Situationen dar. Das erste bezieht sich auf Umweltrisiken und deren Folgen (Auditorium in L’Aquila: Erdbeben). Das zweite Projekt (Laboratorio di Quartiere in Otranto: Stadterneuerung) bietet die Gelegenheit, die Diskussion auszuweiten, um die Relevanz des Besonderen für das Alltägliche herauszustellen. Die Beispiele orientieren sich auch an den bereits beschriebenen Dimensionen des Wiederaufbaus.
Somit deuten sich bereits verschiedene Zwänge und Herausforderungen an, die den Wiederaufbau nach Umweltkatastrophen zu mehr machen als „nur“ einem alltäg­ lichen Bauvorhaben oder gar einer Rückkehr zum status quo ante. Diese Zwänge umfassen a) zeitliche, b) organisatorische und c) gesellschaftliche Dimensionen und betreffen auch die Arbeit von Architekten, Städtebauern und Stadtplanern. Zeitlich: Alles soll schnell gehen, eine Rückkehr zur Normalität nach einer Katastrophe zügig ablaufen. Die gewünschten, notwendigen oder geforderten Verbesserungen brauchen aber Zeit. Dies ist auch ein Grund, warum es zu Widersprüchen bei temporären Bauten und deren anvisierter Nutzungsdauer kommt. Immer wieder gibt es nach Umweltkatastrophen die Situation, dass Betroffene länger in Notunterkünften sind, als ursprünglich gedacht, da es im Wiederaufbau hakt oder beim Neubau von Wohngebäuden zu Verzögerungen kommt. Organisation Der Wiederaufbau nach Umweltkatastrophen ist durch ein komplexes Geflecht von Beteiligten mit unterschiedlichen Interessen gekennzeichnet. Im Idealfall kommt ein Konsens zustande und der Wiederaufbau wird als gemeinsames Ziel formuliert. Es überrascht daher kaum, dass der Partizipation der Bevölkerung hier eine wesentliche Rolle zukommt, damit Betroffene ihre Bedürfnisse am „Zeichentisch“ zum Aus-
Auditorium in L’Aquila Der Musiksaal des Auditoriums in L’Aquila wurde als Ersatz für das Konzertgebäude Castello Spagnolo nach dem Erdbeben in L‘Aquila gebaut. Die symbolische Bedeutung eines solchen Baus in der zerstörten Stadt darf keinesfalls unterschätzt werden. Sie kann der Heilung wie auch der Inspi­ration dienen. Sieben Jahre später sind viele der beschädigten denkmalgeschützten Bauten noch nicht wieder instand gesetzt. Ebenso lässt sich an diesem Beispiel diskutieren, wann symbolische Maßnahmen im Katastrophenzyklus allgemein in Erscheinung treten. Dabei unterscheidet man zwischen der unmittelbaren Nothilfe, der Wiederherstellung provisorischer Lebensverhältnisse sowie zwei unterschiedlichen Wiederaufbauphasen. Im „Wiederaufbau I“ besteht die Möglichkeit, Anpassungen vorzunehmen, während „Wiederaufbau II“ langfristige und symbolische Maßnahmen umfasst. Die Dauer der Phasen hängt von der Schwere des Ereignisses ab, die Übergänge können fließend sein. Es handelt sich also bei symbolischen Bauten in diesem Zusammenhang nicht unbedingt um eine Sofortmaßnahme – unabhängig von deren Relevanz oder Bedeutung. Laboratorio di Quartiere Bereits 1979 entstanden, handelt es sich bei der Werkstatt zur Stadterneuerung in Otranto um eine Zusammenarbeit mit der Unesco. Sie ist als „permanente Baustelle“ gedacht. Von dieser Werkstatt aus arbeiteten Handwerker am historischen Zentrum des Orts, während die Bewohner am Ort verbleiben und sogar an den Restaurationsarbeiten teilnehmen konnten. Die Werkstatt war als mobiles Studio ausgelegt und konnte an anderen Orten eingesetzt werden. Wichtig erscheint mir hier Pianos Aussage: „Die Idee, am Vorhandenen weiterzubauen, zuhören zu wol-
len, mit Geduld das urbane Gewebe zu reparieren, besitzt heute Gültigkeit sowohl für die Peripherie wie auch das Zentrum.“ Damit könnte ebenso gut der aktuelle Wiederaufbau gemeint sein. Der Charakter der Werkstatt als „offenes Projekt“ zum Austausch vor Ort zwischen Experten und Anwohnern trifft den Nerv eines partizipativen Ansatzes, der ebenso für den Katastrophenwiederaufbau bedeutsam sein kann. Schutz oder Sicherheit Schutz und Sicherheit gibt es nicht in einer absoluten Form; die aktuelle Diskussion in Deutschland um den Zivilschutz in seiner gesamten Breite spiegelt diese Erkenntnis wider. Eine Schutzmaßnahme baulicher Art nützt nur bis zu einem gewissen Grad, sei es bis zu einer bestimmten Fluthöhe bei Hochwasser oder einer gewissen Erdbebenstärke. Nicht umsonst wird zunehmend von „Katastrophenmanagement“ gesprochen; die individuelle Verantwortung ist hier ein wesentlicher Teil des Umgangs mit unterschiedlichen Risiken. Die bereits erwähnten zeitlichen, organisatorischen und sozialen Dimensionen spielen dabei wichtige Rollen. Eine entsprechend bereicherte Gestaltungsperspektive ist für Architektur, Städtebau und Stadtplanung wichtig, wenn ein nachhaltiger und gerechter Wiederaufbau gelingen soll. Man kann hoffen, dass der Wiederaufbau in Amatrice erfolgreich ist und dadurch den anderen betroffenen Ortschaften Mittelitaliens ebenfalls eine wirksame Anpassung an zukünftige Erdbeben ermöglicht wird. Es wäre nicht nur für die Region wichtig, sondern ganz allgemein dafür, wie wir in Zukunft mit diesen Risiken und Gefährdungen umgehen sollen.
Weltleitmesse Erlebniswelt Bad Gebäude-, Energie-, Klimatechnik Erneuerbare Energien
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Andermatt zwei
Der Schweizer Bergort Andermatt war nach Abzug der Armee am Ende. Dann kam ein Investor und begann, das Dörfchen schlicht zu verdoppeln – mit neuen Hotels, Wohnbauten, Skiliften. Fertig ist längst noch nicht alles. Und Skeptiker fragen:
Ist ein solcher Riesenumbau sinnvoll – und ist er überhaupt möglich
Reportage: Alexander Gutzmer
Ein bisschen verstört stehen sie schon noch herum, die vier einsam auf einem Plateau residierenden großen Wohnbauten. Hinter ihnen recken sich unbeeindruckt die Schweizer Hochalpen empor. Die Berge blicken auf ein soziologisch wie raum­ planerisch faszinierendes Experiment: die Verdoppelung eines Dorfes. Andermatt, das ist ein eigentlich verschlafenes Schweizer Berg­ idyll. Bis vor ein paar Jahren dominierte die Schweizer
Armee das Dörfchen. Dann aber kam ein Ägypter, und alles war anders. Samih Sawiris, einer von drei Söhnen des legendären Unternehmers Onsi Sawiris und selber Immobilieninvestor, nahm der Armee eine Fläche von 1,5 Millionen Quadratmetern ab. Diese bildet jetzt den Kern dessen, was einmal eine völlig neue räumliche Situation schaffen soll. Insgesamt sechs Hotels und 42 Apartmenthäuser sollen hier errichtet werden. Bisher sind nur vier Häuser fertig (fünf weitere im Bau). Und zwischen neuem Andermatt und altem Dorf steht das Chedi. Das Luxushotel „The Chedi Andermatt“ ist bisher der sichtbarste Verände-
rungsimpuls, den die Andermatt Swiss Alps AG (ASA) vorgenommen hat. Asiatisch angehauchte Luxuskultur in den Schweizer Alpen. Konzipiert haben den Hotelkomplex aus verschiedenen für sich schon nicht kleinen Baukörpern die Architekten von Denniston International. Ein Büro aus Kuala Lumpur (dessen Chef Jean-Michel Gathy aber Belgier ist), unterstützt vom lokalen Büro Germann & Achermann. Ein Entwurf aus Malaysia, ein Riesenvolumen in einem Kuscheldorf – klar, dass man da schnell mit Kritik an mangelnder lokaler Eingebundenheit der Architektursprache bei der Hand ist. Und in der Tat – das Chedi ist keine Weiterführung lokaler Bauprinzipien. Es fällt auf, schon durch seine Größe zwangsläufig. Aber: Größenwahn kann man ihm nicht vor­werfen. Im Grunde mäßigt es seine Massivität ganz gut. Der Komplex legt sich eher sukzessive in das Dorf, an dessen Ortsrand es steht. Und innen muss man sagen: Das Vielerlei unter-
neu interpretieren. „Das Chedi ist momentan der Fixstern an unserem Himmel“, glaubt denn auch FranzXaver Simmen, Geschäfts­ führer der Swiss Alps AG. Simmen ist Sawiris’ Mann vor
Schweizer Franken Verlust, bei 145 Millionen Franken Umsatz. Nach anfänglicher Euphorie werden auch die 1.500 Dorfbewohner langsam ungeduldig. „Speziell die vielen Schweizer Vorschriften
Ort. Er bringt Lokalkolorit mit, ging in Andermatt schon zur Schule. Wenn er Sachen sagt wie: „Sawiris ist Andermatts letzte Chance“, dann hat das eine gewisse Glaubwürdigkeit. Weil er den Niedergang
schiedlicher Materialien und Gestaltungseinfälle wirkt zwar alles andere als zurückhaltend, aber durchaus durchdacht. Die 30 Meter lange Bar, die vom Check-in in den Lounge-Bereich überleitet, formuliert eine einladende Geste. Man hofft, dass Gäste sie auch annehmen – und damit die alte Idee des öffentlichen Charakters von Hotellobbys
des Ortes erlebt hat, nachdem mit der Armee der große Konjunkturtreiber abgezogen war. Sawiris hat Simmen vom Schweizer Aufzughersteller Schindler geholt. Gemeinsam mit seinem 60-Mann-Team muss Simmen jetzt das Andermatt-Projekt nach oben bringen. Einfach ist das nicht. Im vergangenen Jahr verzeichnete die ASA knapp 36 Millionen
machen es uns nicht gerade leicht“, sagt Simmen. Was man allerdings natürlich vorher hätte wissen können. So oder so: Allmählich muss der Umschwung kommen. Dafür muss erst die Erweiterung der Skianlagen fertig gestellt sein. Die braucht aber noch rund zwei Jahre. Das heißt: In diesem Jahr wird der ganz große Durchbruch noch nicht kommen. Zumal der Schweizer Immobilienmarkt auch nicht mehr die Wachstumsraten der vergangenen Jahre aufweist. Nach dem anhaltenden Investitionsboom ist auch in der reichen Schweiz ein wenig Beruhigung, man könnte auch sagen Ernüchterung eingekehrt. Hierzu hat, aufs ganze Land bezogen, auch eine neue Regelung beigetragen, die den Kauf von Zweitwohnungen beschränkt. Andermatt selbst hat diesbezüglich Glück: Das Projekt startete vor der Gesetzesnovelle und ist daher von wesentlichen Beschränkungen ausgenommen. Heißt: Es dürfen Zweitwohnungen gekauft werden. Ob das aber wirklich en masse passiert, ist offen. Zwar waren bis Ende 2015 über 60 Prozent der fertig gestellWEITER
78 ten Wohnungen verkauft. Nur war eben noch nicht allzu viel fertig. Und ist es bis heute nicht. Es ist daher für eine um-
breiteres Publikum ansprechen.“ Denn als reine TopDestination wird Andermatt nicht überleben. Dafür ist die
fassende – wirtschaftliche oder architektonische – Be­ urteilung des Gesamtprojektes noch zu früh. Auch das schöne, eine dörfliche Dichte versprechende Modell im Showroom am Ortseingang des alten Andermatt dürfte eher eine Näherung sein als die detailgetreue Vorwegnahme des fertigen Andermatt zwei. Was es allerdings zeigt: die hohe Dichte, welche die gesamte Planung anstrebt. Christoph Langenberg, Leiter Planung und Entwicklung bei der ASA, erläutert: „Die Gebäude stehen bewusst eng zusammengerückt. Das betont ihren schützenden Charakter und bildet einen Anklang an natürliche Dorfstrukturen.“ Es geht eben darum, eine Destination zu schaffen, die dem realen Dorfleben Platz bietet, aber ebenso dem Aufbau einer hochka­rätigen Urlaubs-Destination. Die nächsten Etappen auf dem Weg zu letzterer: Die neue Verbindung der SkiAbfahrten von Andermatt und Sedrun über zeitgemäße Lifte – und das neue VierSterne-Hotel, dessen Grundstein bereits gelegt ist. Simmen: „Das Chedi positioniert uns im Luxussegment. Das ist wichtig fürs Image und sorgt für das passende Grundrauschen. Aber wir müssen auch
Konkurrenz in St. Moritz und Co. zu stark – auch ohne architektonische Leucht­ türme. Im Fall von Andermatt gilt indes: Die Architektur ist
Gathy, Belgier und Chef des Chedi-Andermatt-Büros Denniston, ist eine Art gestalterischer Chefeinflüsterer von Sawiris. Auch im Vermarktungskonzept von Andermatt spielt die Architektur eine wichtige Rolle. Dafür hatten die Manager in der ersten Phase einen großen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem sich die bekannten Entwerfer die Klinken von Simmens Büro in die Hand gaben. Meili Peter waren am Start, Holzer Kobler, Miller & Maranta, Cino Zucchi. Die Frage ist: Wie viel bleibt von den vielen ambitionierten Entwürfen? Nicht immer viel. Denn ASA kaufte die Entwürfe an. In Etappe zwei wurden meist lokale Architekten mit der Ausführung der Einzelentwürfe beauftragt. Und das Resultat kann dann schon mal deutlich anders aussehen als die erste Präsentation. Bei einem Entwurf von Marazzi Paul Architekten
Das künst­l iche Plateau, auf dem sämt­l iche Gebäude stehen. Das neue Dorf wird ein Ort auf Stelzen. Grund ist der Hochwasserschutz, wegen dem die nahe Autobahn auf sieben Metern Höhe am ursprünglichen Baugrund an Andermatt zwei vorbei führt. Um die aus dem Blick zu bekommen, hebt das zen­ trale Hochplateau das gesamte neue Dorf an. Die Unterkellerung schafft nebenbei Raum für massenhaft Parkplätze. Das ist wichtig, denn: „Herr Sawiris wollte eine autofreie Dorfstruktur schaffen“, so Simmen. Wobei „autofrei“ relativ ist. Die Gefährte der Bewohner werden nur versteckt. Viel vom Erfolg des Megaprojektes hängt davon ab, wie die diesjährige Skisaison läuft. Drei neue Sesselbahnen laufen inzwischen. Simmen ist naturgemäß optimistisch. „In zehn Jahren wird niemand mehr unser Konzept hinter­f ragen.“
wichtig für das Projekt – wie für seinen Financier. Samih Sawiris hat durchaus ein Faible für Architekten mit Namen. Bei einem seiner ägyptischen Projekte arbeitete er mit dem großen Postmodernen Michael Graves zusammen. Jean-Michel
haben die Ausführer kurzerhand die Balkone versetzt, weil die Käufer individuelle Wünsche verwirklichen wollten. Die Entwurfsarchitekten fanden so viel Planänderung gar nicht lustig. Eines aber ändert sich nicht mehr in der Planung von Andermatt zwei:
Vielleicht. Bis dahin müssen die Andermatter aber noch Geduld aufbringen. Immerhin haben sie zur Ablenkung einen neuen Golfplatz.
Streifzug durch Andermatt (zwei) â&#x20AC;&#x201C; eine Bestandsaufnahme
Wo liegen die Grenzen des 3D-Drucks ? Das digitale Planen und Bauen ist in aller Munde. Die Messe „BAU“, die dieser Tage in München beginnt, widmet diesem Thema einen Schwerpunkt. Besonders elektrisieren viele Bobachter die Möglichkeiten des 3D-Drucks. In Amsterdam beginnt gerade der Druck einer ganzen Brücke. Wir sprachen mit Projektchef Gijs van der Velden, Partner bei dem niederländischen Think Tank „MX3D“.
Interview: Alexander Gutzmer
7 B A U M E I S T E R : Herr van der Velden, Sie drucken gerade eine Brücke. Eine verwegene Idee? G I J S V A N D E R V E L D E N : Vielleicht. Das Thema 3D-Druck beschäftigt uns schon länger. „MX3D“ ist ein Spin-Off der Designfirma Joris Laarman Lab. Uns interessiert die Zukunft der digitalen Produktion. Seit 2004 befassen wir uns mit „generativem“, also algorithmusbasiertem Design. Zunächst haben wir Möbel hergestellt. Jetzt versuchen wir uns an architek ­tonischen Projekten.
G V : Warum nicht? Einerseits haben die Kanäle hier mit etwa acht Metern eine gute Breite. Aber die Stadt zieht hier auch mit. Momentan erneuert sie die Uferwände an der Brücke.
Warum reizt Sie das? Sicher nicht nur als technische Spielerei. Hier liegt echtes ökonomisches Potenzial.
Ein reines Showprojekt? Nicht nur. An der Stelle war bisher eine Standard­ brücke; momentan befindet sich dort eine temporäre Struktur. Es braucht hier wirklich eine Brücke.
G V:
Warum eine Brücke aus Stahl? G V : Zunächst einmal, weil das ein sehr architektonisches Material ist. Die Idee hat uns gereizt, eine Form zu schaffen, die mehrere Meter hoch und weit ist. Wir haben uns erst an abstrakten Formen probiert. Nun eben die Brücke. B:
Eine einsame Tüftlerleistung? G V : Absolut nicht. Wir mussten die richtigen Partner mit an Bord holen, Unternehmen wie Lenovo, Autodesk, ABB Robotics, Air Liquide. B:
Wie reagiert die Bevölkerung Amsterdams? G V : Das Projekt ist ja so bekannt noch nicht. Es ist eher ein Stück Öffentlichkeits­ arbeit für das 3D-Drucken. Wir wollen den Menschen zeigen, was man mit dieser Technologie schaffen kann. B:
Wie drucken Sie denn? Von beiden Seiten, in Richtung Brückenmitte. Parallel werten wir die Daten aus – dies ist ja nicht zuletzt ein Lernprojekt für uns selbst. 4,5 Tonnen Material werden wir verbrauchen. Im kommenden Januar wollen wir die Brücke offiziell eröffnen. B:
Warum will Amsterdam das Projekt genau hier haben? G V : Es soll die Aufwertung des Viertels demon­s trieren. Man will zeigen,dass die Gegend lebt und sich verändert. Neue Formen von Technologie und Design haben dort ihren Platz. B:
Worauf sind Sie besonders gespannt? G V : Es wird schon spannend, was passiert, wenn es sehr kalt ist oder die Brücke großen Belastungen ausgesetzt ist. Diese Daten helfen uns bei weiteren Projekten. B:
Was ist das größte Problem? Die Materialqualitäten sind bekannt. Tückisch ist aber: Es gibt wenige festgelegte technische Grundregeln für Formen wie unsere, die permanent ihre Dicken ändern. Und: Organische Formen sind generell schwer zu vollenden. B:
Wo liegen die Grenzen von dieser Art Projekt? G V : Man wird wahrscheinlich niemals Riesenbrücken so herstellen. Vergessen wir nicht: Jedes Kilo Material muss eben echt gedruckt werden. Da wird irgendwann die Massenherstellung günstiger. Es wird eher darum gehen, Teile von Großstruk­ turen zu drucken. Auch für den Schiffbau sehe ich große Chancen. Schiffsschrauben etwa lassen sich hervor­ ragend drucken. B:
Und der Herstellungs­ prozess ist, einmal gestartet, genau planbar.
Und das alles im Rotlichtviertel Amsterdams... B:
81 Darin liegt der Reiz. Sie kennen die Materialanforderungen genau. Der Drucker läuft 24 Stunden am Tag. G V:
Werden wir irgendwann gedruckte Häuser sehen? G V : Sicher nicht sehr häufig. Bei ganz ausgefallenen ZahaHadid-Formen kann der 3DDruck vielleicht irgendwann helfen. Aber für gerade Türme sind klassische Herstellverfahren sicher auch künftig günstiger. B:
Die chinesische Firma WinSun hat kürzlich ein 3DHaus vorgestellt... G V : ...aber eines, das im Ernst niemand in seiner Stadt haben möchte. B:
Wer arbeitet für MX3D? Wir sind vier Gründer, bei uns arbeiten acht weitere Ingenieure.
Die Brücke wird von zwei Seiten zusammengebaut.
Auch Architekten? Wir beschäftigen drei Architekten. Die bringen bei uns allerdings primär ihre Software-Kenntnisse ein.
hier steht Blindtext und so lorem ipsum
Müssen Architekten Angst haben, dass der 3D-Druck ihnen die Jobs wegnimmt? G V : Nein, Architekten braucht man immer. Es gibt ja weiterhin ästhetische Entscheidungen und Fragen nach der sinnvollen Raumnutzung. Aber einfache Standardlösungen werden im Zuge der Digitalisierung vielleicht ohne Architekten auskommen. B:
Ein philosophischer Gedanke zum Schluss: Gerade hat man ja in London die 3D-gedruckte Nachbildung des bekannten PalmyraTorbogens präsentiert, den der IS in Syrien zerstört hatte. Heißt: Der 3D-Druck macht Formen unbegrenzt reproduzierbar. G V : Das stimmt. Einmal gemacht, jederzeit erneut herstellbar. Aber das hat doch auch etwas.
FOTOS : ADRIAN DE GROOT
3D-gedruckte Brücke in Amsterdam
Lรถsungen Dach- und Dichtungsbahn von Alwitra
15 Lรถsungen: BAU 2017 + Referenz: Supermarkt im Ziegelkleid von Wienerberger
Das Informations-Zentrum Beton zeigt auf der BAU gemeinsam mit 14 Partnerunternehmen die Vielfalt des Baustoffs Beton. Dazu gehören Verfahren des 3D-Drucks mit Beton: Beim Extrusionsverfahren werden Zement, Gesteinskörnung und Wasser vorab gemischt und anschließend einzelne Schichten durch Ablegen von Frischbetonsträngen gedruckt. Beim Verfahren des selektiven Bindens werden die Komponenten erst beim Druckvorgang gemischt. Hierbei unterscheidet man zwischen zwei Varianten: In der ersten wird fließfähige Zementsuspension in einzelne Schichten aus Gesteinskörnung eingebracht, bei der zweiten ist es lediglich Wasser, das auf Schichten aus Gesteinskörnung und Zement aufgebracht wird. Vorgestellt wird auf dem Stand auch die Zukunftstechnologie „TouchCrete“, die neue Perspektiven für die Entwicklung berührungssensitiver Betonoberflächen eröffnet: Sie ermöglicht eine Implementierung von Schaltungen in Beton und die Ausbildung ganzer Wandflächen nach dem Touchscreen-Prinzip.
FOTO: K . HE NKE, TUM
Einen Blick in die Zukunft des Bauens verspricht die BAU 2017. Die Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme geht mit vier Hauptthemen an den Start: Intelligente Fassade, Digitales Planen, Bauen und Betreiben, Vernetzte Gebäude sowie Bauen und Wohnen 2020. Die Themen werden in den Messeforen diskutiert und auf Sonderschauen anhand von Projektbeispielen veranschaulicht. Lösungen und Produkte zeigen die über 2.000 Aussteller an ihren Messeständen. Eine kleine Auswahl gibt es hier vorab.
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Der Kunststof fdübel „Duopower“ von Fischer entscheidet selbstständig, wie er sich im Baugrund verhält: In Beton und Vollbaustein verspreizt er sich, im Lochbaustein klappt er auf, in Plattenbaustoffen klappt oder knotet er. Aufgrund der großen Nachfrage erweitert der Hersteller das System nun um drei Langund zwei Kurzversionen mit größerem Durchmesser. Die Langversionen eignen sich aufgrund der größeren Verankerungstiefen besonders für Befestigungen in Lochbaustoffen und Po renbeton sowie zu r Putzübe rbrückung. Drei Funktionszonen sorgen dafür, dass sich diese Dübel in vier Achsen im Bohrloch verspreizen. Bei den Kurzversionen sorgt die geringe Länge des Dübels für eine schnelle und wirtschaftliche Montage, da wegen der geringen Lochtiefe nicht so lange gebohrt werden muss. Die Verbindung der roten Weich- und der grauen Hartkomponente sorgt für ein optimal abgestimmtes leichtes Eindreh- und Festziehmoment sowie eine hohe Schraubenvarianz bei gleichzeitig hohen Lasten.
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Plus an Komfort. Die Besonderheit des Raffstores im Vergleich zu einem Standard-Raffstore ist die Neigung der Lamellen: Diese ändert sich über die komplette Behanghöhe fließend. Sie orientiert sich dabei am menschlichen Blickwinkel, so dass die Sicht von innen nach außen zu etwa 80 % unverstellt ist. Dadurch genießen die Nutzer alle Vorteile wie Hitze-, Blend- und Sichtschutz und werden gleichzeitig in ihrer
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Der Flachdachspezialist Alwitra hat eine Dach- und Dichtungsbahn speziell für die einlagige, mechanische Befestigung entwickelt: „Evalon dual“. Ober- und Unterseite funktionieren mit ihrer Hochpolymerlegierung aus Ethylen-Vinyl-Acetat-Terpolymer (EVA) und Polyvinylchlorid (PVC) als vollwertige Dichtschicht. Dank der mittigen Verstärkung durch ein Polyestergelege erfüllt Evalon dual zugleich alle Anforderungen für die mechanische Befestigung. Beide Schichten sind inklusive mittiger Verstärkung 1,5 mm dick. Der hohe Anteil an hochpolymeren Feststoffen sorgt für eine sehr lange Lebensdauer. Darüber hinaus überzeugt die witterungsstabile und wurzelfeste Dichtungsbahn mit einem niedrigen Wasserdampfdiffusionswiderstand und kann aufgrund ihrer Bitumenverträglichkeit auch bei Dachsanierungen eingesetzt werden.
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LAMILUX - TAGESLICHT IN VIELFALT UND PERFEKTION LAMILUX auf der BAU 2017: Halle C1, Stand 320
„CoolStream Star“ von Colt ist ein ventilatorgestütztes Klimasystem, das auf dem natürlichen Prinzip der Verdunstung basiert, der sogenannten adiabatischen Kühlung. Durch das Vorbeiströmen warmer Außenluft an einem befeuchteten Desorptionsmedium wird Energie ausgetauscht und eine deutliche Reduzierung der Lufttemperatur erzielt. Bei einer Außentemperatur von über 30°C kann die Luft effektiv um mehr als 10°C gekühlt werden. Die adiabatische Kühlung ist vier- bis siebenmal günstiger als eine herkömmliche Klimatisierung, bei geringeren Investitionskosten. Sie eignet sich deshalb besonders für industrielle und semiindustrielle Gebäude, die ansonsten allein durch ihre Größe nicht kostenbewusst klimatisiert werden können. Zusätzlich liefert die Verdunstungskühlung 100% frische Außenluft und damit auch eine hohe Luftqualität.
LAMILUX TAGESLICHTSYSTEME SPAREN SIE ENERGIE mit hohem Tageslichteinfall und natürlicher Be- und Entlüftung durch integrierte Klappensysteme BEWAHREN SIE ENERGIE mit thermisch getrennten Konstruktionen und innovativen Verglasungssystemen STEUERN SIE ENERGIE mit intelligenten Steuerungen und Automationen für Lüftung, Sonnenschutz und RWA
bim PLANEN SIE 3D mit virtuellen BIM-Objekten LICHTKUPPELN | FLACHDACHFENSTER | LICHTBÄNDER GLASDACHKONSTRUKTIONEN | RWA | GEBÄUDEAUTOMATION
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Lösungen Kompromisslos Glas „GM Railing Plan“ von Glas Marte ist ein Geländerbe­f estigungsprinzip für Ganzglasgeländer, das sich durch seine Flächenbündigkeit in der Ansicht und durch Raffinesse im Detail auszeichnet. Was als absturzsichernde Verglasung beim Handlauf beginnt, verschmilzt im Berührungspunkt des Fußbodens flächenbündig mit der Konstruktion. Die äußere Glas­ fläche überragt den Fußbodenaufbau
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sowie die Deckenkonstruktion und endet erst am Schnittpunkt mit der darunter liegenden Decke. Die Befestigung selbst ist nicht
WWW.GLASMARTE . AT
sichtbar. Die vor­ gefertigten Glasbaumodule werden in die am Bau zu montierenden Unterkonstruktionsprofile eingehängt und mit Zylinderschrauben oder Abstandsstücken verschraubt. Das System ist auch als raumhohe Absturzsicherung oder als Glaswandver-
kleidung einsetzbar.
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7 Simultane Zusammenarbeit im Gebäudemodell Teamwork spielt beim Building Information Modeling (BIM) eine herausragende Rolle, egal ob bei großen oder kleinen Projekten. Oft wird gemeinschaftlich an einem Modell gearbeitet. „BIMcloud“ von Graphisoft schafft die Voraussetzungen für die reibungslose und effiziente Zusammenarbeit im Projektteam, indem Planung s tea m s s i mu l ta n und s ta ndo r tübergreifend in einem Gebäudemodell zusammenzuarbeiten. Dabei garantiert BIMcloud größte Flexibilität: Egal wie groß die Datenmengen, egal wie groß die Teams, die skalierbare Lösung kann für Büros unterschiedlicher Größenordnung und für Bauprojekte unterschiedlichster Komplexität individuell angepasst werden. Darüber hinaus haben die Projektbeteiligten Zugriff auf das Gebäudemodell von nahezu jedem Standort.
Möglichkeiten für Ihren Boden.
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Lösungen Lebensgefühl erweitern Zur BAU präsentiert die Sunflex Aluminiumsysteme GmbH das neue Basis-FaltSchiebe-System „SF55e“. Es handelt sich dabei um eine vereinfachte und günstigere wärmegedämmte Version des seit Jahren bewährten Systems „SF55“. Durch die stehende Konstruktion lassen sich die Glas-Falttüren einfach und flexibel über die gesamte Front öffnen und schließen. Außerdem können die Messebesucher das stehende Schiebein Augenschein
nehmen. Bei ihm liegt die komplette Systemlast auf der Bodenschiene, wodurch die Dachkonstruktion entlastet wird. Aus diesem Grund eignet es sich besonders als Wandsystem zur Montage an freistehenden Dächern, deren Statik keine zusätzlichen Lasten ohne Verstärkung aushalten würde.
FOTO: SUNFLEX ALUM INIUMSYSTE ME GMBH
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Dreh-System „SF30“
Wird eine Feuerschutztür als Außentür eingesetzt, muss sie auch in Bezug auf Wärmedämmung und Einbruchschutz hohen Anforderungen gerecht werden. Die Türenserie „Teckentrup 62 AE“ erfüllt diese mit einem UD-Wert bis 1,3 W/(m²K) und einer Einbruchhemmung der Klasse RC 2. Außerdem lassen sich mit der erstmals für eine zweiflügelige Tür erteilten Zulassung für eine Feuerschutzaußentür jetzt auch große Öffnungen brandschutztechnisch schließen. Die Stahltüren werden als ein- und zweiflügelige Türelemente mit einer feuerhemmenden (T30) oder feuerbeständigen (T90) Ausstattung nach DIN EN 1634-1 angeboten. Alle Türen der 62er-Serie von Teckentrup kommen ohne Bandprägung aus, haben also ein flächenbündiges Türblatt. Die Elemente können auf Wunsch mit einer Schleifdichtung für höheren Schallschutz oder mit Panikfunktion ausgerüstet werden.
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Feuerschutztür für den Außeneinsatz
W W W . T E C K E N T R U P. B I Z
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Die „LS Zero“-Schalter von Jung können flächenbündig in Möbel, Mauerwerk und Trockenbau integriert werden. Spezialwerkzeug oder Sondereinbaudosen sind nicht nötig, die Installation erfolgt mit handelsüblichen Komponenten. Der Möbeleinbau wird durch ein definiertes Fräsen der Oberfläche durch den Schreiner realisiert. Die bündige Installation im Mauerwerk und im Trockenbau wird durch den Einsatz eines Montageadapters aus einem GipsKunststoffgemisch ermöglicht. Dieser Adapter verbindet sich stoffschlüssig mit dem Putz oder dem Spachtel und verhindert so die Rissbildung. Über 200 Funktionen, von Licht, Temperatur, Jalousien, Musik über Multimedia und Türkommunikation bis hin zu Steuerungen im Bereich des Smart Home lassen sich realisieren. LS Zero ist lieferbar in Alpinweiß und in den matten Tönen von Le Corbusier.
WWW.FEEDERLE .DE
Arbeits-Kokon
Unsere Arbeitswelt unterliegt einem ständigen und immer schnelleren Wandel – kein Wunder ändern sich damit auch unsere Arbeitsräume. Die Firma Feco-Feederle stellt ihre neuen Produkte auf der BAU 2017 mit Hilfe von fünf Raumzonen vor: Kommunikation, Inspiration, Team, Konzentration und Meeting. Eines der Produkte ist das Trennwandsystem „Fecoplan“. Gestalterisch handelt es sich um eine gerundete Glaswand – konstruktiv um Text
eine ständerlose „Nurglaskonstruktion“, wie es die Hersteller selbst schön beschreiben. Hierhin soll man sich sowohl zum konzentrierten Arbeiten zurückziehen, als auch spontan eine Besprechung abhalten können. Beiden Schallanforderungen wird der kleine Raum gerecht: sowohl mit einer beidseitig zargenbündigen „Fecostruct Glas-Tür S60“ als auch mit einer bodengeführten, schalldämmenden Glas-Schiebetür mit dem Namen „ST10B“.
SUPERM ARK T IM ZIEGE LKLE ID VON WIE NERBERGER
FOTOS: WIE NE RBE RGE R/JE NS KRÜGE R
Organische Handelsarchitektur Im Inneren überspannen Holzbinder den Verkaufsraum.
Bei der Fassadengestaltung waren den Architekten Vormauerziegel mit lebendiger Struktur und Farbgebung wichtig.
95 BAUHERR: M&L Grundstücks­ gesellschaft mbH,
Oldenburg ARCHITEKTEN: Neun Grad Architektur, Oldenburg www.9grad.net 15
MITARBE ITE R:
Lars Frerichs, 11 5
Jochen Rehling,
Heiko Matthias
TR AGWERKSPL ANER: Ingenieurberatung
Bröggelhoff GmbH, Oldenburg HAUSTECHNIK: Ingenieurbüro Behnen,
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Lorup LANDSCHAFTS- UND E NT WÄSSE RUNGSPLANUNG: AWA Klatt, Osnabrück FERTIGSTELLUNG: Juni 2016
„In der Materialität setzt unsere Fassade die Tradition der Umgebung fort“, erläutert Lars Frerichs. Er ist Geschäftsführer der Architekten Neun Grad Architektur – sie hatten die Aufgabe übernommen, im Oldenburger Stadtteil Kreyenbrück einen Supermarkt zu bauen. „Das Umfeld ist zum großen Teil durch Bauten der 1930er- und 1950er-Jahre mit den für Norddeutschland t ypischen Kl inke r fassaden gep rägt “, meint er. Die Form allerdings, die die Architekten sich ausgedacht haben, ist alles andere als traditionell: Sie fanden eine weiche, geschmeidige Form im Grundriss, die aus drei Kreisen besteht, welche ineinander geschoben und so ineinander übergehen. Damit bildet sich am Standort ein neuer, sowohl nützlicher wie attraktiver Mittelpunkt, der von vielen Seiten zugänglich ist. Und – was man selten über einen Supermarkt im positiven Sinne sagen kann –, der Bau wirkt identitätsstiftend zwischen all den ansonsten streng aus „rechteckigen Baukörpern und formalen Fensterreihen“ bestehenden Nachbarbauten, wie Frerichs erklärt. Die Außenwände bestehen aus Bockhorner Klinker – eine nuancenreiche Farbgebung des Strangpressklinkers „Roßlau Wechselsortierung“, den Wienerberger nach dem Vorbild des Ringofenbrands geschaffen hat. Bei dieser alten Ziegeltechnik wandert das Feuer permanent im
ringförmigen Ofen weiter und erzeugt je nach Hitze und Einwirkungsdauer unterschiedliche, meist rustikale Oberflächen. Wienerberger adaptiert diese traditionelle Handwerkskunst für den Brand im modernen Tunnelofen. Für das Projekt in Oldenburg wählten die Architekten einen rot-braun-blauen Farbkanon; außerdem entsteht die lebendige Oberfläche durch das Verhältnis von etwa 70 : 30 von Läufer- und Fußseite und eine Vermauerung im wilden Verband. Selbst die Dehnungsfuge, die alle acht bis zehn Meter erforderlich ist, wurde optisch sehr diskret als Mäanderfuge mit besandeter Silikonfüllung ausgeführt. Diese sorgfältige Detaillierung wird ergänzt durch helle Putzbänder am oberen Mauerabschluss, im Sockelbereich und vor allem in der markanten Umrandung der parabelförmigen Bögen, die als Eingänge und Fenster in die Außenhaut eingeschnitten sind. Gute Handelsarchitektur, gut ausgeführt, war an dieser Stelle geboten, denn der Baugrund liegt nicht irgendwo in einem Gewerbegebiet, sondern in einem parkartigen Gelände: Die Grundrissform konnte so eingepasst werden, dass mehrere Bäume erhalten wurden, was bei einer üblichen Supermarkt-Rechteckform nicht gewährleistet war. Und nicht zuletzt hat „Kaufen auch etwas mit Emotion zu tun“, meint Lars Frerichs abschließend.
STANDORT: „Aktiv & Irma-Verbrauchermarkt“, Klingenbergstraße 1, Oldenburg ZIEGEL: Bockhorner Klinker aus dem Terca-Programm. Die Produktionschargen „Roßlau Wechselsortierung“ werden im Werk per Hand sortiert, bevor sie von den Klinkerern verarbeitet werden. Das Farbspiel kommt durch das Mischen mehrerer Paletten zustande.
W W W.WICONA .DE
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1 1 Schalldämmung und Sonnenschutz Aufgrund des Dauerthemas Lärm in der Stadt steigen die Schallschutzvorgaben des Gesetzgebers und der Behörden an Fassaden. Wicona hat deshalb mit dem „Wicline 115“ ein neues Verbundfenster entwickelt, das mit einer Bautiefe von nur
115 mm eine hohe Schalldämmung von 50 dB erzielt. Dieser Wert entspricht dem einer 200 mm dicken Betonwand. Der Sonnenschutz kann so integriert werden, dass der obere Jalousettenkasten und die seitliche Führung in der Profilkontur optisch verschwinden. Auch energetisch ist dieses Fenster ein Highlight: Der U-Wert liegt
bei unter 0,80 W/(m²K). Wicona präsentiert auf der BAU außerdem eine eigene Farbpalette für Aluminiumprofile. Dazu zählen auch Beschichtungen mit antibakteriellen sowie antiviralen Eigenschaften – etwa für die Verwendung in Alten- und Pflegeheimen – zudem mit solarreflektierenden Eigenschaften.
Eine besondere Herausforderung für Architekten und Planer sind Durchgänge, die den Anforderungen an Barrierefreiheit, Fluchtwege und Brandschutz gerecht werden und zudem eine helle und gläserne Gestaltung unterstützen müssen. Der Hersteller Hörmann bietet dafür die „AS30-X/FR“ an, eine Kombination aus der Automatik-Schiebetür „AD 100-X“ und der Feuerschutztür „HE 321“ mit T30-Aluminium-Rohrrahmenelementen. Im Normal- beziehungsweise Tagesbetrieb sind die Rohrrahmenelemente geöffnet und die Automatik-Schiebetür fungiert als Fluchtweg. Im Gefahren- und Nachtbetrieb öffnet die Schiebetür automatisch und bleibt im geöffneten Zustand. Die Rohrrahmenelemente schließen automatisch und verhindern das Übergreifen eines Feuers, können aber über den Drücker geöffnet werden, so dass der Durchgang im Notfall als Fluchtweg genutzt werden kann. Das System verfügt zudem über eine einbruchhemmende RC-2-Ausstattung und dämmt den Schall im Gebäude.
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. Sta lle A5
Das Warten hat ein Ende. Designbodenbeläge für jeden (T)raum.
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Das Schiebetürensystem „Cero III“ von Solarlux ermöglicht große Scheibenelemente bei schmalsten Profilansichten. Es eignet sich als großflächige und flexible Fassadenverglasung, da es leicht zu öffnen und schließen ist. Ein Scheibenelement kann bis zu 15 m² groß und 1.000 kg schwer sein. Trotzdem sind die tragenden Profile mit 34 mm gerade so breit wie zwei Finger. Die hohe Transparenz ist kein Widerspruch zu den Sicherheitsansprüchen der Bauherren: Das System ist RC-3-zertifiziert und aufgrund der Dreifachverglasung im Sinne der aktuellen EnEV hochwärmegedämmt. Die Bodenschienen werden ganz eingelassen und entsprechen der Norm für barrierefreien Wohnraum. Cero wurde unter anderem mit dem German Design Award 2016 ausgezeichnet.
FOTO: SOL ARLUX GMBH
Sichere Transparenz
BAU Bauprojekte mit der Cloud erfolgreich durchführen
ILLUSTR ATION: ALLPL AN
WWW. ALLPLAN.COM
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Allplan präsentier t auf der Bau die offene Cloud-Lösung „Bim+“ für BIM-Manager und BIM-Koordinatoren. Dies sorgt dafür, dass sich Modelldaten und Dateien aus verschiedenen Systemen zentral verwalten lassen. Die Zusammena rbe i t und Koo rd i na t i on übe r Bü ro -, Disziplin- und Softwaregrenzen hinweg wird dadurch viel einfacher als bisher. Alle an einem Bauwerksprojekt Beteiligten können jederzeit und überall auf den aktuellen Planungsstand zugreifen. Das neue Touch-Interface stellt die volle Leistungsfähigkeit von Bim+ nun auch auf allen Smartphones und Tablets zur Verfügung. So kann ab sofort auf der Baustelle einfach und zuverlässig auf die Planungsdaten zugegriffen werden. Das schafft Transparenz und stellt sicher, dass Planungsqualität und Zeitplan eingehalten werden.
1 5 Gesundes
Raumklima Gebäude haben heute eine dichtere Hülle als früher. Der Austausch mit der
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Außenluft ist deshalb oft bis zu 10fach geringer als beispielsweise bei Altbauten. Die Wärme bleibt im Haus, gesundheitliche
Schadstoffe aber auch. Mögliche Konsequenzen: Unwohlsein, Reizung der Atemwege und Schleimhäute, eine Zunahme von Allergien. Deshalb sollten Schadstoffe vermieden werden. Das gilt auch für den Putz, der einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Raumklima beisteuert. Als natürlicher Baustoff eignet sich ein Kalkputz, wie der besonders diffusionsoffene Kalkputz „KlimaLeicht“ von Baumit. Dieser ergiebige, vollmineralische Maschinenputz für die Anwendung im Innenbereich lässt sich einfach und schnell verarbeiten. Mit einer Korngröße von 1 mm sorgt das Produkt für eine feine, gefilzte Oberfläche.
Baumeister. Das Architektur-Magazin 113. Jahrgang Eine Marke von
REDAKTION Anschrift wie Verlag Tel +49 (0) 89 / 43 60 05 – 0, Fax +49 (0) 89 / 43 60 05 – 14 7 info@baumeister.de, www.baumeister.de
CHEFREDAKTION Prof. Dr. Alexander Gutzmer Tel – 11 8 (verantwortlich für den redaktionellen Inhalt)
REDAKTION Sabine Schneider Tel – 146 Maike Burk Tel – 144 Alexander Russ Tel – 172 GE STALTUNG Stephanie Ising und Tom Ising (Artdirection) Daniel Ober für Herburg Weiland, München ALLE ILLUSTRATIONEN Clemens Habicht, Paris ABONNEMENTSERVICE Leserservice Baumeister, D-65341 Eltville Tel +49 (0) 6123 / 92 38-225, Fax +49 (0) 6123 / 92 38-244 leserservice@baumeister.de KONTO FÜR ABONNE ME NT ZAHLUNGE N Deutsche Bank Offenburg, IBAN DE04 6647 0035 0044 8670 00, BIC DEUTDE6F664 V E R T R I E B E I N Z E LV E R K AU F DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH www.dpv.de ERSCHEINUNGSWEISE monatlich Unverbindlich empfohlene Bezugspreise (alle Preise in Euro): Die Inlandspreise enthalten 7% MwSt. Inland:	174,00	Studenten:	95,00	Ausland:	184,00	Studenten:	105,00	Einzelpreis:	16,00	Bestellung: Abonnements können direkt beim Verlag oder bei jeder Buchhandlung bestellt werden. Abonnementgebühren sind im Voraus zu begleichen. Das Abonnemen t g i l t zunächs t fü r e i n Jah r und ka n n da nach jede r ze i t gekünd ig t we rden . Die Belieferung erfolgt auf Gefahr des Bestellers. Ersatz­l ieferungen sind nur möglich, wenn sofort nach Erscheinen reklamiert wird. Widerrufsrecht: Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie die erste bestellte Ausgabe erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anforderungen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu widerrufen. Sie können hierzu das Widerrufs-Muster aus Anlage 2 zu Art. 246 a EGBGB nutzen. Der Widerruf ist zu richten an: Leserser vice Baumeister, D-65341 E lt ville, Tel +49 (0) 6123 / 92 38-225, Fax +49 (0) 6123 / 92 38-244, leserservice@baumeister.de VERL AG Verlag Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG Streitfeldstraße 35, D 81673 München, Postfach 80 04 09, D 81604 München Tel +49 (0) 89 / 43 60 05 – 0, Fax +49 (0) 89 / 43 60 05 – 113 www.callwey.de PERSÖNLICH HAFTENDE GESELLSCHAFTERIN Georg D.W. Callwey Verwaltungs-GmbH ALLEINIGER GESELLSCHAFTER Helmuth Baur-Callwey, Verleger in München KOM M ANDITISTE N Helmuth Baur-Callwey und Dr. Veronika Baur-Callwey, Verleger in München; Dr. Marcella Prior-Callwey und Dominik Baur-Callwey, Geschäftsführer in München GESCHÄFTSFÜHRER Tel – 159 Dominik Baur-Callwey Dr. Marcella Prior-Callwey Tel – 165 ADVERTISING DIRECTOR Andreas Schneider Tel – 197 (verantwortlich für den Anzeigenteil) DISPOSITION Kirstin Freund-Lippert Tel – 123, Fax 4 36 11 61 DIRECTOR BUSINESS DEVELOPMENT Christian Keck Tel –178 VERTRIEB Marion Bucher Tel – 125, Fax – 113 HERSTELLUNGSLEITER Mark Oliver Stehr Tel – 167 (alle Adressen wie Verlag)
Nicht erst seit Patrick Blanc begann, Wände zu bepflanzen, gehören Architektur und Grün zusammen. Ab 1988 hatte der französische Botaniker bekanntlich senkrechte Beete als Fassade entwickelt, auf denen er dem jeweiligen Lokalklima angepasste Pflanzen wachsen lässt. Wir stellen in der kommenden Ausgabe Bauten vor, bei denen Pflanzen zwar keine tragende, aber die gestalterische Hauptrolle übernehmen – nicht vor oder im, sondern am Gebäude.
DRUCK, BINDUNG OPTIMAL : MEDIA, Glienholzweg 7, D – 17207 Röbel / Müritz Sonderdrucke einzelner Beiträge dieser Ausgabe können beim Verlag angefragt werden. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Ab­b ildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlages. Mit der Einsendung von Manus­k ripten und Bildmaterial erklärt sich der/die Autor/in einverstanden, dass diese vollständig oder teilweise in der Zeitschrift Baumeister publiziert werden. Ebenso stimmt er/sie der Verwertung im Wege der digitalen Vervielfältigung und Verbreitung über Offline- oder Online-Produktionen zu (z.B. CD-ROM oder Datenfernübertragung). Falls eine Vergütung vereinbart wird, deckt diese die genannten Verwertungsformen ab. Erfüllungsort und Gerichtsstand München Ab 1.1.2016 ist die Anzeigenpreisliste Nr. 55 gültig. Anzeigenschluss ist jeweils am 24. des Vormonats. Mitglied der agla a + b, Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse Architekten und Bauingenieure. ISSN 0005-674X B1547
Portfolio BAU 2 017
Materialien be(-)greifen Baustoffe zeichnen sich durch ihre technischen Eigenschaften aus, durch ihre Farbe, Größe und ihr Gewicht. All diese Faktoren können schriftlich und optisch vermittelt werden: auf einer Homepage, in einer Produktbroschüre, in Datenblättern oder auch hier im Portfolio. Noch einfacher ist es aber, Sie besuchen eine Messe wie die BAU. Dort können Sie die Materialien nicht nur anschauen, sondern auch be(-)greifen – im wörtlichen wie im über­ tragenen Sinne.
Das an dieser Fas­ sade eingesetzte stückeloxierte Aluminium ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch extrem witte-
FOTO: ® LDE SMOULINS
rungsbeständig.
Eloxiertes Aluminium sorgt für goldenen Glanz
Der Firmensitz des belgischen Maschinen- und Anlagenkonzerns Cockerill Maintenance & Ingénierie in Seraing erstrahlt in einer goldfarbenen Gebäudehülle. Im Zuge des Umbaus einer ehemaligen Industriehalle zu einer repräsentativen, multifunktionalen Firmenzentrale für mehr als 600 Beschäftigte wurde die Fassade mit einer hochwertigen Aluminiumoberfläche bekleidet.
Für die rund 6.500 m² große Fassaden­ fläche wählte die Architektin Nina Ghorbal von Reichen et Robert Associaés (Paris) das J57S ® Aluminium in Eloxalqualität von Novelis. Auffällig ist aber nicht nur das Material, sondern auch die Dreidimensionalität dieser Fassadenverkleidung. Die Unterbrechung der glatten Fassade durch die Kombination aus Glaselementen und 2 mm starken, stück-
eloxierten Aluminiumtafeln in einem warmen Champagnergoldton bewirkt ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten. Die in zweiter Ebene vorgehängte, per­ forierte Aluminiumfassade im identischen Farbton, die von der Rückseite beleuchtet wird, ist ein weiteres optisches Highlight und verleiht dem Gebäude ein besonderes Ambiente. Das von Metal Yapi (Istanbul) verarbeitete, extrem witterungs­ beständige J57S ® Aluminium hat sich bereits weltweit bei innen- und außen­ architektonischen Projekten bewährt. NEU: J57SUP – die neue Generation Eloxalqualität für eine verbesserte Verarbeitung. Besuchen Sie uns auf der BAU: Halle B1, Stand 131
Flexible Nutzungskonzepte und Objektlösungen mit nachhaltigen Systembauweisen und -techniken stehen auf dem Messestand von KS* auf der BAU im Mittelpunkt.
Flexible Lösungen mit Kalksandstein ks-original.de
Unter dem Leitthema „Wohnungsneubau mit Zukunft: solide gebaut mit Kalksandstein“ präsentiert KS* auf der BAU 2017 nachhaltige Produkte und Systeme zur wirtschaftlichen Realisierung von Wohnungsbauprojekten. Basierend auf seinen Produktlinien KS-Original, KS-Plus und KSQuadro stellt der Markenverbund mittelständischer Kalksandsteinhersteller dabei flexible Lösungen für wertbeständige Architekturen in den Fokus. Zur Anpassung von Gebäuden an unterschiedliche Nutzungskonzepte wird erstmalig ein Planungsnovum für veränderbare und wandlungsfähige Grundrisse mit massiven Kalksandsteinwänden präsentiert. Dadurch erhalten Architekten, Planer, Investoren und Bauherren neue, zentrale Planungsperspektiven für ganzheitlich errichtete Wohnbauten hinsichtlich Gestaltung, Nutzerorientierung und
Wohnkomfort in Innenräumen. Die Entwurfspraxis wird den Messebesuchern anhand von Modellen praxisnah veranschaulicht. Peter Theissing, Geschäftsführer der KSOriginal GMBH: „KS*, der Markenverbund mittelständischer Kalksandsteinhersteller, schlägt mit diesem innovativen Konzept eine Brücke zwischen massiv tragenden sowie nicht tragenden Innenwänden und flexibler Umnutzung von Wohnräumen bzw. Bestandsgebäuden.“ Weitere Schwerpunkte sind tragwerksoptimierte schlanke Wände, multifunktionale Detaillösungen für den Schallschutz und die Energieeffizienz.
Mehr Informationen erhalten Sie während der BAU 2017 auf dem KS* Messestand in Halle A2, Stand 321.
Die geneigten Fassadenflächen der Erweiterung des Tate Modern Museums in London stellten eine be­ sondere Heraus­ forderung für die Tragwerksplanung dar.
FOTO LINKS: IWAN BA AN, FOTO RECHTS: PE IKKO
Klare Linien mit versteckten Konsolen peikko.de
Bei architektonisch anspruchsvollen Projekten mit filigranen Bauteilen und klaren Linien sollten die Anschlüsse von Trägern und Stützen sauber ausgeführt werden. Versteckte Konsolen sind hier die richtige Wahl. Ein Paradebeispiel dafür ist die Erweiterung des Tate Modern Museum von Herzog & de Meuron in London. Das neue Gebäude ist 65 m hoch und bietet auf 11 Stockwerken 23.000 m² zusätzliche Ausstellungsfläche. Besonders ansprechend wirkt die äußere Formgebung. Vier der Gebäudefassaden sind vertikal und vier horizontal geneigt, wodurch für den Betrachter auf den pyramiden­ förmigen Flächen ein Licht-SchattenSpiel entsteht. Die Herausforderung, die Unterzüge an die geneigten Stützen anzuschließen, wurde mit „PCs Konsolen“ von Peikko gelöst. Die versteckte PCs Konsole ist eine ausgezeichnete Wahl für
die Konstruktion gelenkiger Auflager horizontaler Bauteile in Stahlbeton-Tragwerken mit Stahl-, Stahlbeton- oder Stahlverbundträgern. Das modulare Stahleinbauteil ermöglicht eine durchgehende Schalung, während die verschraubte Halterung großzügige Toleranzen und hohe Tragfähigkeiten aufweist. Außerdem lassen sich die Konstruktionshöhen und -volumina minimieren und die Raumhöhen maximieren. Die PCs Konsole wird im Fertigteilwerk in die Schalung des aufgehenden Bauteils eingebracht. Für die Konsole werden keine Unterbrechungen im Schalungsverlauf oder Sonderkonstruktionen benötigt. Darüber hinaus ist die Konsole platzsparend in die Bewehrung zu integrieren. Das Resultat: schlanke, filigrane Betonfertigteilstützen, die dennoch höchsten Anforderungen an die Tragfähigkeit genügen.
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Anzeige Linke Seite: Keramikvielfalt in Form, Farbe und Oberflächenstruktur – made by NBK. Rechts: Der Wohnturm 11 West 57th Street in New York erhält eine Fassade aus geschwungenen Keramik­ elementen.
Keramische Vielfalt nbk.de
Der Keramikspezialist NBK aus dem niederrheinischen Emmerich verwirklicht Fassadengestaltungen, die höchste Ansprüche an Kreativität und Ideenreichtum stellen. Für die detailgetreue Umsetzung architektonischer Entwürfe werden alle Ressourcen in der Verfahrenstechnik, in der Farb- und Glasurentwicklung, in der Oberflächenbeschaffenheit sowie im Produktionsprozess bis hin zum Brand der Keramik aktiviert. Mit „Terrart“, dem System für Terrakottafassaden von NBK, lassen sich in Form, Farbe, Oberflächenstruktur und Glasur die unterschiedlichsten Designdetails für einzigartige, maßgeschneiderte Lösungen realisieren. Auch ausgefallene Formen, ob konvex, konkav, trapezartig, geschwungen, gebogen – mit unterschiedlichen Radien und Winkeln – werden von NBK angeboten. Weitere Variationsmög-
lichkeiten ergeben sich durch unterschiedliche Profilierungen und die dazu passenden Ecklösungen. Mit der Option, verschiedenste Terrakottaelemente miteinander zu kombinieren, lässt sich die Vielfalt an Ideen und ihrer Realisierung noch steigern. Was immer zum Ausdruck gebracht werden soll – von kraftvoll bis elegant, von zurückhaltend bis aufsehenerregend, von klassisch bis avantgardistisch – NBK verwirklicht individuelle architektonische Fassadenkonzepte. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist der Wohnturm 111 West 57th Street in New York, der gerade neben der historischen Steinway Hall errichtet wird und deshalb auch Steinway Tower genannt wird. Der Turm wird mit einem Höhen-Breiten-Verhältnis von 1:24 das schlankeste Gebäude der Welt sein. Für die Außenfassade setzt das New Yorker Architekturbüro
SHoP Architects auf geschwungene, extrudierte und mit einer Spezialglasur veredelte Keramik von NBK. Aufwärts strebende Keramikbahnen wechseln sich ab mit geschwungenen Bronzeprofilen, und beide vermitteln den Fensterbahnen eine unvergleichliche Optik. Lebendigkeit entsteht durch die Vielfalt der keramischen Profilierungen und durch das semitransparente Farbenspiel der exklusiven creme-weißen Glasur, die von hell nach dunkel changiert.
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Anzeige Links: Mit den Waschtischen, Duschflächen und Badewannen aus Stahl-Email von Kaldewei lässt sich eine einheitliche Materialität im Bad verwirklichen. Rechts: Emaillierte Duschflächen von Kaldewei, wie zum Beispiel die Scona, lassen sich bodeneben und schwellenfrei einbauen.
Duschflächen aus Stahl-Email kaldewei.com
Worauf kommt es Architekten bei der Gestaltung eines Duschplatzes an? Wie wichtig ist das Design und welche Eigenschaften dürfen bei einer Dusche nicht fehlen? Eine repräsentative Studie, die im Auftrag des Premium-Badhersteller Kaldewei durchgeführt wurde, belegt nun auch statistisch den allgemeinen Trend zur bodenebenen Dusche: Demnach wurden rund vier von fünf Duschen in Eigenheimen bodeneben ausgeführt. Bei der Planung solcher barrierefreien Duschlösungen steht für die über 200 befragten Architekturbüros die Sicherheit an oberster Stelle. Darüber hinaus spielt die Reinigungsfreundlichkeit von Produkt und Material eine entscheidende Rolle bei der Auswahl geeigneter Badlösungen. Die Studie zeigt auch: Nach Einschätzung der Architekten erfüllt eine Duschfläche aus Stahl-Email diese Ansprüche am besten,
der geflieste Duschbereich kann hingegen nicht überzeugen. Gestalterische Argumente wie das Design oder die Maßund Farbvielfalt der Dusche sind als Auswahlkriterien für die Dusche weniger relevant. Ein gefliester Duschbereich erfüllt das Top-Kriterium „Dichtigkeit“ nur für 2 % der befragten Büros. Auch mit Blick auf die Hygiene und die Reinigungsfreundlichkeit schneidet die geflieste Dusche im Vergleich zu Stahl-Email (15 %) mit lediglich 5 % wesentlich schlechter ab. Gründe hierfür könnten unangenehme Erfahrungen mit Durchfeuchtungsschäden oder hartnäckig verschmutzte Fugen sein. Hier sind emaillierte Duschflächen einem gefliesten Duschbereich klar überlegen. Denn Komplettlösungen aus Stahl-Email, wie der Premiumhersteller Kaldewei sie anbietet, ermöglichen einen absolut
wasserdichten Einbau und kommen aufgrund neuer Montage- und Entwässerungssysteme ohne Fugen im Nassbereich aus. Die neue Generation von patentierten Kaldewei-Ablaufgarnituren „KA 90“ zeichnet sich zum Beispiel durch ihre besonders niedrige Bauhöhe von nur 61 mm aus. Damit können emaillierte Duschflächen heute sogar flacher installiert werden als die meisten Rinnen- oder Punktablaufsysteme für geflieste Duschbereiche – ein Vorteil, der besonders bei der Badmodernisierung überzeugt. Außerdem wird das Angebot von Kaldewei mit zehn Produktserien, 57 verschiedenen Abmessungen und über 50.000 Varianten jeder räumlichen Anforderung – sowohl in der Modernisierung als auch beim Neubau – gerecht.
FOTO: SCHÃ&#x2013;CK BAUTE ILE GMBH
Anzeige Bei dem Kölner Gebäudekomplex „Pandion Balance“ wurden die Balkone zur Straßenseite wärmegedämmt an das bestehende Gebäude montiert.
Freikragende Balkone realisieren schoeck.de
Der Kölner Gebäudekomplex „Pandion Balance“ zeigt, wie gelungene Konver­ sion und der Umgang mit Bestand im Ergebnis aussehen können. Das ehema­ lige Versicherungsgebäude aus den 1980er Jahren wurde von HPP Architekten in ein modernes Wohngebäude mit insgesamt 90 Eigentumswohnungen umgebaut. Zwei benachbarte Gebäudeteile aus dem 19. Jahrhundert wurden dabei behutsam in die Gesamtkonzeption integriert. Sowohl das äußere Erscheinungsbild als auch die Qualität der Wohnungen wurden durch den nachträglichen Anbau von insgesamt 68 Balkonen aufgewertet. Das Gebäude musste bis auf die Rohbausubstanz zurückgebaut werden, um den Ansprüchen des modernen Wohnungsbaus gerecht zu werden. Die Heraus­ forderung bestand darin, den strikt rhythmisierten Skelettbau aus Stahlbeton so zu
transformieren, dass der Gebäudekomplex Ausgewogenheit und Wohnlichkeit ausstrahlt. Den hohen Anspruch an Wohnkomfort hatten die Architekten auch über den Innenbereich hinaus, und so verfügen jetzt 95 % der Wohnungen über einen eigenen Außenbereich. Zum Innenhof hin konnten Balkone mit vertikalen Stützen aufgeständert werden; zur Straßenseite hin war dies nicht möglich, denn die Balkone sollten hier frei auskragen. Der erste Gedanke war, die Lasten aus den Balkonen mit einer vertikalen Stütze direkt am Gebäude abzufangen. Diese Stützen wären dann in dem Wärmedämmverbundsystem unsichtbar eingebettet und hätten mit einem kurzen Kragarm die Balkonkonstruktion getragen. Bei dieser Variante wäre es aber schnell zu Problemen mit dem Tauwasser an der
Wärmebrücke gekommen. Edelstahl­ träger wären nötig gewesen, die aber sehr kostspielig sind. Die Lösung war das Wärmedämmelement „Isokorb Typ RKS“ von Schöck: Es überträgt die Momente, die sich aus den Zugkräften, Querkräften und den Druckkräften zusammensetzen und vermeidet durch die thermische Trennung Wärmebrücken zum Bestandsgebäude. So konnten die freikragenden Balkone wärmegedämmt an das bestehende Gebäude montiert werden.
FOTO: ANDREAS SECCI, WIT TE N
Anzeige Mit seiner sorgfältig komponierten und detailreich gestalteten Klinkerfassade setzt der 22geschossige Wohnturm „900 Mahler“ in Amsterdam starke vertikale Ak zente.
Klinker – lebendig und massiv hagemeister.de
Mit dem 77 m hohen Wohnturm „900 Mahler“ in der Gustav Mahlerlaan realisierte das Architekturbüro Inbo Amsterdam ein imposantes Bauwerk, das sich optimal in die Skyline der Finanzmeile Amsterdams eingliedert. Die Architektur des 22-geschossigen Gebäudes ist eine Hommage an die eindrucksvollen New Yorker Wolkenkratzer der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Auf einem kräftigen mehrgeschossigen Sockel basierend, steigt der verklinkerte Turm hoch empor und zeigt eine klassische, sich nach oben verjüngende Krone. Für die detailreich gestaltete Klinker­ fassade von „900 Mahler“ fertigte das Klinkerwerk Hagemeister die Sortierung „Ruhrerde“. Der dunkle Kohlebrand­ klinker zeigt zahlreiche Nuancen, von verschiedenen Brauntönen bis hin zu beinahe Anthrazit; Farbigkeit und Ober-
flächenstruktur wirken dynamisch und taktil. „Der Klinker ist entscheidend für die Erscheinung, Ausstrahlung und Atmosphäre des Gebäudes“, sagt InboProjektarchitekt Rik Bakker. „Wir wollten eine besonders massive und gleichzeitig lebendige Wirkung erzielen.“ Das Mauerwerk des Wohnturms besteht fast vollständig aus vorgefertigten Fassadenelementen. „Fertigbauteile sind hier wegen der Höhe und der innerstädtischen Baustelle eine gute Alternative zu traditionellen Mauerarbeiten“, erklärt Bakker. Aufwendige, sich wiederholende Details der Fassade konnten jeweils aus einer identischen Form heraus realisiert werden. Als Sandwichelemente ausgeführt, setzen sich die Fertigelemente aus einer Betonscheibe, einer Dämmebene und der äußeren Klinkerschicht zusammen. Die Ziegel sind in unterschiedlichen
Längen, Stärken und Formen verarbeitet. Pro Etage wurden 27 Fertigteile mit einer Höhe von etwa 3,30 m und Breiten zwischen 3 m und 5,70 m eingesetzt. Mit dem Wohnturm „900 Mahler“ hat das Architekturbüro Inbo die charakteristischen Elemente der traditionellen New Yorker Wolkenkratzer in ein zeitgemäßes Design für hochwertiges Wohnen übersetzt.
Die ganze Wahrheit über … Reinkarnation
Neulich ging ich über die Brooklyn Bridge. Ich fragte mich, wie wohl das Neue in die Welt kommt. Und warum uns manches Neue so seltsam vertraut vorkommt. Es war sonnig und nur wenige Wolken zogen über den Himmel. Architekten gehen ja häufig davon aus, dass am Anfang eines jeden Entwurfes das Konzept steht. Wo dieses Konzept herkommt, ist häufig unklar. Manchmal leitet es sich aus dem Umfeld des Bauplatzes ab; Textur der Stadt, lokale Tradition, Materialität der Umgebung. Manchmal kommt es aus einer Neuinterpretation der Bauaufgabe. Wenn in einem Konzerthaus auch Rockkonzerte stattfinden sollen oder in einem Fußballstadion auch Ballettvorführungen, klar, dann braucht es ein besonderes Konzept. Oft hat das Konzept auch mit dem bisherigen Werk des Architekten zu tun, weil der, nur so zum Beispiel, immer mit Quadraten arbeitet. So oder so, ohne Konzept geht gar nichts. Wie gesagt, ich lief über die Brooklyn Bridge Richtung Manhattan, und der Himmel war blau mit nur ein paar Wolken, als mir diese Gedanken durch den Kopf gingen. Und dann hatte ich eine Erkenntnis, und die schlug bei mir ein wie ein Blitz: Es muss so etwas wie Konzept-Reinkarnation geben. Sie werden sich vielleicht wundern, warum mich diese Erkenntnis gerade auf der Brooklyn Bridge ergriff, aber gehen Sie nur selbst einmal diesen Weg. Sie werden zu Ihrer Rechten ein wunderschönes Hochhaus sehen: das 432 Park Avenue. Es ist nicht nur schmal und hoch, sondern auch unglaublich präzise: Auf einem quadratischen Grundriss erhebt sich ein präziser, scharfumrissener Quader. Die Fassade ein weißes Raster, in der in jedem
Stockwerk sechs schwarze Quadrate nebeneinander sitzen. Eine minimalistische Skulptur, die vom Himmel gefallen ist. Aber wer ist der Architekt? Es kann eigentlich nur Oswald Mathias Ungers sein, nicht nur wegen der Quadrate, sondern auch wegen der konzeptionellen Brutalität, mit der das Gebäude in das urbane Gefüge gesetzt wurde, wie ein Nadelstich, der Klarheit in die neoliberale Unordnung von Manhattan bringen will. Ungers hat in New York gelebt, das macht Sinn, aber er ist ja schon seit fast zehn Jahren tot, und wenn man ehrlich ist, sieht das Hochhaus auch etwas moderner aus als ein echter Ungers. Denn nicht Ungers ist der Architekt, sondern Rafael Viñoly. Und als ich mir also überlegte, wo Viñoly wohl das Konzept für dieses wunderschöne Hochhaus her hat, wurde mir klar: Konzept-Reinkarnation. Auf irgendeiner Wolke da oben im Himmel sitzt Oswald Mathias Ungers und schießt als Amor der Architektur ab und an Konzeptpfeile in die Architekturbüros der Welt. Neben ihm sitzen seine Kumpels und tun das Gleiche. Und deshalb begegnen uns zuweilen Architekturen, die wir gut und schön finden, aber uns gleichzeitig so seltsam vertraut vorkommen.
An dieser Stelle schreibt Baumeister-Chefredakteur Alexander Gutzmer im Wechsel mit der Architektin Regine Leibinger und dem Architekturtheoretiker Friedrich von Borries.
ER HÄUS DES ES JAHR
I S HÄU ER
E I N FA MI L
Alte neue Ungleichheit Wohnen nach Status in New York, San Francisco, Stockholm Es überzeugt durch höchste architektonische Qualität, ist einzigartig und stimmig in Form, und München Raumgestaltung und Materialität, wurde individuell für seine Bewohner entworfen und setzt
HÄUSER DES JAHRES gesucht! sich mit seinem städtischen oder ländlichen Umfeld angemessen auseinander: Gesucht wird das Haus des Jahres 2017 aus den 50 besten Einsendungen des Wettbewerbs. DIE BEDINGUNGEN Teilnahmeberechtigt sind Architekten aus dem deutschsprachigen Raum, die Urheber der eingereichten Projekte sein müssen. Die Häuser sollen nach dem 1. Januar 2014 fertig gestellt und noch nicht in einer Buchpublikation veröffentlicht worden sein. Die Teilnahmegebühr beträgt 190,- Euro pro Projekt. Die eingereichten Arbeiten werden von einer unabhängigen Jury beurteilt.
EINSENDESCHLUSS 31.01.2017
ANSCHRIFT Callwey Verlag „Häuser des Jahres 2017“ Streitfeldstraße 35 D-81673 München
DIE PREISE Der Preisträger erhält 10.000 Euro; weitere Büros bekommen eine Auszeichnung. Die ausgewählten Häuser werden im Buch HÄUSER DES JAHRES 2017 veröffentlicht und in einer mehrwöchigen Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt präsentiert. Die Architekturzeitschrift BAUMEISTER berichtet über die Sieger. DAS BUCH Die 50 besten Einfamilienhäuser aus dem Wettbewerb HÄUSER DES JAHRES werden im gleichnamigen Buch veröffentlicht. In der qualitativ hochwertigen Publikation werden die ausgewählten Projekte mit atmosphärischen Fotos, detaillierten Plänen und ausführlichen Projektbeschreibungen umfangreich dokumentiert. DIE TEILNAHME Detaillierte Informationen zum Wettbewerb sowie die Teilnahmeformulare finden Sie ab sofort unter: www.haeuser-des-jahres.com
© KREN Architektur AG, Basel
Baumeister 01/17

References: Art. 246
 § 1
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