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Timestamp: 2017-10-21 19:30:23+00:00

Document:
PhiN 65/2013: 1
Paul Gévaudan (Zürich/Tübingen)
Steckbrief des spanischen Komplementsatzes.
Deskriptive und korpusbasierte syntaktische Bestandsaufnahme
Characteristics of the Spanish complement clause. Descriptive and corpus based syntactic survey
Based on material from the two main Spanish corpora (CREA, CDE), this article gives an account to the main types and forms of completive subordination of Spanish. Descriptively, the approach relies on the principles of extrinsic and intrinsic analysis of linguistic expressions. Both concern the form and the meaning of a segment. Thus, we can re-cast syntactic and semantic functions as extrinsic and syntactic constituency and constituent meaning as intrinsic features. The formal aspects of this conceptual framework may be considered as the core categories of syntax. Since complement clauses have the syntactic function of a complement and the constituency of a clause, they rely precisely on these categories. Accordingly, the article presents and discusses the typological characteristics of Spanish complement clauses relating to their function as syntactic subject, direct and prepositional object on the one hand and with regard to their constituency as finite clause introduced by the conjunction que, indirect question or infinitive clause on the other hand. These exhaustive studies permit to draw a detailed picture of the particular typological profile of Spanish completive subordination.
1 Die typologische Sonderstellung des spanischen Komplementsatzes
Ein Komplementsatz ist ein der Prädikation des Hauptsatzes untergeordneter Satz, der als Subjekt oder Objekt dieser Prädikation fungiert. Die Subordination von Komplementsätzen gehört zu den zentralen Strategien der syntaktischen Integration des Diskurses. In den romanischen Sprachen gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Techniken der Unterordnung von Komplementsätzen, wobei die Möglichkeiten der syntaktischen Integration im Spanischen (neben dem Portugiesischen) besonders ausgeprägt sind. Dieses einzigartige typologische Profil der kastilischen Sprache gilt es im Folgenden auf der Grundlage einer syntaktisch kohärenten und exhaustiven Beschreibung des spanischen Komplementsatzes herauszuarbeiten. Anhand von realen Äußerungen, die den großen spanischen Korpora CREA und CDE entnommen sind, und Beispielen aus der Fachliteratur, soll ein Überblick über die prototypischen Formen dieses syntaktischen Phänomens für das Spanische gegeben werden.
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Prototypisch heißt, dass weitere syntaktische Ausprägungen des Komplementsatzes hier nicht betrachtet werden, die aus der Sicht einer empirisch orientierten Grammatiktheorie, wie beispielsweise der Konstruktionsgrammatiken, zum Beobachtungsgegenstand der Syntax gehören. Dazu zählen beispielsweise Sätze, die aus unterschiedlichen Gründen keine vollständigen syntaktischen Prädikationen enthalten, oder Komplementsätze in der direkten Redewiedergabe. Diese für das Gesamtverständnis von Komplementsatzfügungen ebenfalls wichtigen Phänomene müssen an anderer Stelle untersucht werden. Für ihre Analyse soll jedoch die vorliegende Arbeit eine solide, empirisch und theoretisch belastbare Grundlage bilden.
Dass die akkurate Beschreibung eines syntaktischen oder grammatischen Phänomens nicht nur einen didaktischen Wert hat, sondern auch die Grundlage angemessener Erklärungen bildet, da sie selbst schon eine adäquate Theorie voraussetzt, sollte genügen, um das Konzept der Beschreibung zu rehabilitieren, dessen Wertschätzung im vergangenen Jahrhundert durchaus eingeschränkt war (vgl. dazu Chomsky 1965: 24ff.). Die hier zugrunde gelegte Beschreibungsmethode geht davon aus, dass jedes Sprachsegment extrinsisch (nach außen) und intrinsisch (nach innen) beschrieben werden kann. Gleichzeitig hat jedes sprachliche Segment eine Form und einen Inhalt. Wir können also ein mikrostrukturelles sprachliches Segment in vier Dimensionen beschreiben.1 Extrinsisch hat es eine syntaktische und eine semantische Funktion. Intrinsisch hat es eine syntaktische Konstituenz und eine Bedeutung (Bedeutung ist hier in einem relativ weiten Sinn zu verstehen). Diese vier Dimensionen werden in der folgenden Fig. 1 veranschaulicht:
Fig. 1 Dimensionen der Analyse eines mikrostrukturellen sprachlichen Segments
Die zwei formalen Dimensionen der syntaktischen Funktionen und der syntaktischen Konstituenz gehören zum Kernbereich der Syntax.2 Ihnen lassen sich auch die zwei Bestandteile des Terminus Komplementsatz zuordnen, denn ein solcher Satz hat die syntaktische Funktion eines Komplements und die syntaktische Konstituenz eines Satzes. Dementsprechend sind auch die folgenden Ausführungen in zwei großen Kapiteln aufgeteilt, das der syntaktischen Funktion (Kapitel 2) und das der syntaktischen Konstituenz (Kapitel 3).
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Syntaktische Funktionen bilden in bestimmter Hinsicht die Schnittstelle zu semantischen Funktionen, denn schließlich gilt es bei der Konstruktion von Sätzen grundsätzlich, Interpretationsanweisungen zu generieren, die darin bestehen, dass eine syntagmatische Form eine syntagmatische Bedeutung repräsentiert (vgl. Gévaudan 2013a). Dennoch sind syntaktische Funktionen tunlichst von semantischen Funktionen zu unterscheiden, denn sie sind im Sinne von Fig. 1 rein formal zu definieren.3
In diesem Kapitel sollen die syntaktischen Funktionen, die Komplementsätze erfüllen können, nach einer groben Typologie diskutiert werden, deren Grundsätze in Abschnitt 2.1 erörtert werden. Danach werden in Abschnitt 2.2 Subjektsätze, in Abschnitt 2.3 direkte Objektsätze und in Abschnitt 2.4 präpositionale Objektsätze vorgestellt und im Hinblick auf typische funktionale Eigenschaften diskutiert. Schließlich werden in Abschnitt 2.5 die Möglichkeiten der Voranstellung von Komplementsätzen erörtert, die letztlich funktional zu erklären sind.
2.1 Syntaktische Komplementfunktionen des Spanischen
Der Komplementsatz hat die syntaktische Funktion eines Komplements, und ein Komplement ist eine syntaktische Konstituente, die vom syntaktischen Prädikat abhängt. Gemäß einer groben Einteilung der syntaktischen Komplementfunktionen, kann man im Spanischen zwischen Subjekt, direktem Objekt, indirektem Objekt und präpositionalem Objekt unterscheiden. Diese Komplemente lassen sich aufgrund formaler Eigenschaften identifizieren. Das Subjekt zeichnet sich durch Übereinstimmung mit der Personalflexion des Prädikats aus, die es bestimmt. Dies lässt sich in Beispiel (1)(a) erkennen, wo der nominale Ausdruck Los griegos als Subjekt fungiert und mit der dritten Person Plural der Verbflexion übereinstimmt:
(1) (Syntaktisches) Subjekt
(a) [L]os griegosi edificabani sus ciudades alrededor del teatro […].
'Die Griechen errichteten ihre Städte rund um das Theater'
[Manuel I. Adrogué, El derecho de propiedad en la actualidad, in: CREA]
(b) Øi edificabani sus ciudades alrededor del teatro.
'Sie errichteten ihre Städte rund um das Theater'
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Da auch das direkte Objekt sus ciudades im Plural steht, kann man das Subjekt bestimmen, indem man einen der beiden Ausdrücke in den Singular setzt. Nur im Fall von Los griegos ändert sich der Numerus auch beim Verb. Eine andere Möglichkeit ist die des Weglassens des bereits bekannten Subjekts wie in (1)(b). Dies ist nur beim Subjekt möglich. Will man dagegen die Konstituente sus ciudades weglassen, so muss man sie durch ein Personalpronomen im Akkusativ ersetzen, wie in Beispiel (2)(b) durch la. Damit erweist sich diese Konstituente als direktes Objekt der syntaktischen Prädikation. Die typischste Eigenschaft eines direkten Objekts ist, dass es zum Subjekt des äquivalenten Passivsatzes wird wie in Beispiel (2)(c):
(2) Direktes Objekt
(a)	[L]os griegos edificaban sus ciudades alrededor del teatro […].
(b)	Los griegos las edificaban alrededor del teatro.
'Die Griechen errichteten sie rund um das Theater'
(c)	Sus ciudadesi fueroni edificadas alrededor del teatro.
'Ihre Städte wurden rund um das Theater errichtet'
Als Nominalausdruck (NP oder DP) wird das indirekte Objekt von der Präposition a eingeleitet und vom Personalpronomen im Dativ anaphorisch – wie in Beispiel (3)(a) – oder kataphorisch – wie in Beispiel (3)(b) – wiederaufgenommen:
(3) Indirektes Objekt
(a)	A una amiga míak lek dieron doscientos mil bolívares y montó su taller.
'Einer Freundin von mir gaben sie zweihundert Bolívar, und sie baute sich ihre Werkstatt auf'
[CSMV, texto MDC5FB, in: CREA]
(b) Sek loj dieron el dineroj a mi amigak y ella montó un taller.
'Sie gaben meiner Freundin das Geld, und sie baute sich eine Werkstatt auf'
Wie das direkte Objekt kann das indirekte Objekt also durch ein unbetontes Personalpronomen ausgedrückt werden und ist damit im unmittelbaren oder klitischen Pronominalsystem des Spanischen integriert. Die phonotaktische Anlehnung der klitischen Pronomina an das konjugierte Verb demonstriert das Segment se lo in Beispiel (3)(b).
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Nicht im klitischen Pronominalsystem integriert sind präpositionale Objekte, die als Pronomen nicht klitisch (also betont) und mit derselben Präposition an das Prädikat angebunden werden müssen wie die Nominalausdrücke. Beispiel (4)(a) exemplifiziert die propositionale Anbindung eines Nominalausdrucks, (4)(b) die eines entsprechenden betonten Personalpronomens. Die Anbindung erfolgt in diesem Fall jeweils mit der Präposition en:
(4) Präpositionales Objekt I
(a) Contamos en el presidente del gobierno.
'Wir zählen auf den Ministerpräsidenten'
(b) Contamos en él
'Wir zählen auf ihn'
Gemäß dem in der Dependenzgrammatik von Tesnière (1959) entwickelten Konzept der Valenz legt die Ausdrucksform des Prädikats (typischerweise ein Verb) Art und Anzahl der Komplemente und auch die Form der Anbindung der präpositionalen Komplemente fest. Ferner ist die Art der pronominalen Wiederaufnahme – auch aufgrund der Semantik des Prädikats – festgelegt. In Beispiel (5)(b) ist dies das lokale Deiktikum allí.4 Die Anbindung des präpositionalen Komplements erfolgt in beiden Varianten von Beispiel (5) jeweils durch die Präposition de:
(5) Präpositionales Objekt II
(a) Cunningham vino de Inglaterra […].
'Cunningham kam von/aus England'
[El País, 17/12/1980, in: CREA]
(b)	Cunningham vino de allí.
'Cunningham kam von dort'
Da die präpositionalen Objekte weder zum diathetischen System gehören (das heißt weder im Aktiv- noch im Passivsatz Subjekt sein können), noch zum pronominalen System, handelt es sich um oblique Objekte. Die Präpositionen, die die obliquen Objekte einleiten, sind in der Regel invariant und in der Valenz des Prädikats lexikalisch festgelegt.
Nun werden die Komplementfunktionen nicht nur durch referierende, also nominale und pronominale Ausdrücke erfüllt, sondern, sofern es durch die Valenz des Prädikats vorgesehen ist, auch durch satzartige Konstituenten. Diese Konstituenten sind Komplementsätze. Im Folgenden wird ein Überblick über Komplementsätze als Subjektsätze (2.3) sowie als direkte (2.3) und oblique bzw. präpositionale Objektsätze (2.4) gegeben. Abschließend bleibt anzumerken, dass es indirekte Objektsätze im Spanischen ebenso wenig gibt wie in den anderen romanischen Sprachen.
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2.2 Subjektsätze
Die Besonderheit der Syntax von Subjektsätzen erklärt sich unter anderem aus dem Sprachsystem des Spanischen, das als so genannte Akkusativsprache den Ausdruck eines syntaktischen Subjekts in finiten Sätzen zwingend erforderlich macht. Im Spanischen erfolgt der Ausdruck des Subjekts mindestens durch Kennzeichnung der Person in der Konjugation des Prädikats. Eine unbetonte pronominale Bezeichnung des Subjekts ist daher weder nötig noch möglich.5 Beispiel (6)(a) belegt die Kongruenz der Personalflexion des Verbs mit dem als Subjekt fungierenden Komplementsatz:
(6) Subjektsatz (bivalente Matrix, mit indirektem Objekt)
(a) A mí no me molestai que me hagan favoresi.
'Ich habe nichts dagegen (wörtl.: Mich stört es nicht), dass sie mir Gefallen tun'
[Maruxa Vilalta, Nada como el piso 16, in: CREA]
(b) Me hacen favoresi. A mí no me molestai
'Sie tun mir Gefallen. Ich habe nichts dagegen'
Die Variante (6)(b) zeigt, dass es im Fall der Vorerwähnung des Sachverhalts me hacen favores genügt, das Subjekt am Verb zu indizieren. Dabei zeigt sich im Übrigen auch, dass man nur in der dritten Person Singular auf einen Sachverhalt Bezug nehmen kann, da es sich erstens um keine "Person" handelt (was die erste und zweite Person ausschließt) und zweitens um nichts, was man zählen könnte (was den Plural ausschließt). Genau genommen handelt es sich beim Komplementsatz, im Gegensatz zu nominalen und den meisten pronominalen Komplementen nicht um einen Referenzausdruck. Daher wird es in der deutschen Übersetzung auch mit dem neutralen Pronomen es wieder aufgenommen. Auf diese Beobachtung werden wir später noch zurückkommen.
Die syntaktische Prädikation der Matrix in Beispiel (6) ist bivalent, da das Prädikat zwei Komplemente bindet, das Subjekt und das indirekte Objekt. Man findet diese Konstellation häufig bei Verben der Evaluation und der Erfahrung wie gustar, pasar etc. Die Prädikation des Matrixsatzes erlaubt jedoch noch andere Konstellationen, insbesondere monovalente Prädikationen und bivalente Prädikationen mit direktem Objekt. Betrachten wir zunächst die monovalenten Matrixsätze in Beispiel (7):
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(7) Subjektsatz (monovalente Matrix)
(a) [Y] resulta que todavía no le han dado las llaves.
'Und es stellt sich heraus, dass sie ihr/ihm die Schlüssel nicht gegeben haben'
[Radio, Madrid, 08/01/92, in: CREA]
(b)	Sería peligroso que Felipe se les escapara vivo.
'Es wäre gefährlich, wenn (wörtl.: dass) Felipe ihnen lebend entkommen würde'
[El Mundo, 15/01/1995, in: CREA]
(c)	El resultado es que la pobreza no disminuye.
'Das Ergebnis ist, dass die Armut nicht abnimmt'
[Sesión pública ordinaria de la Honorable Cámara de Senadores, Mexico, in: CREA]
Die Konstruktion von monovalenten Prädikationen kann sich, wie in (7)(a), nach dem Satzbauplan des zugrunde gelegten Matrixverbs richten. Sie kann aber auch, wie die Beispiele (7)(b) und (7)(c) zeigen, auf der prädikativen Verwendung von Adjektiven ((7)(b)) und Substantiven ((7)(c)) beruhen. In diesen Fällen fungieren Adjektive oder Substantive als Prädikat, während ein Verb oder Hilfsverb in Kopulafunktion die Konjugation übernimmt – in (7)(b) ist das die Verbform sería, in (7)(c) es.
Subjektsätze, die in einem bivalenten Kontext neben direkten Objekten vorkommen, scheinen insbesondere von Prädikaten abzuhängen, bei denen auch im direkten Objekt ein Komplementsatz stehen kann (vgl. Delbecque & Lamiroy 1999). Dies ist etwa in Beispiel (8) der Fall:
(8) Subjektsatz (bivalente Matrix, mit direktem Objekt)
Que puedas hacer algo, no significa que debas hacerlo.
'Dass du etwas machen kannst, heißt nicht, dass du es machen musst'
[Rodríguez Calafat, Informática avanzada al alcance de todos, in: CREA]
Die auf diese Weise vorgenommene Kombination von zwei Komplementsätzen hängt in der Regel von Prädikaten ab, deren Bedeutung im Bereich der Interpretation anzusiedeln ist (neben significar unter anderem suponier, deducirse, resultar, implicar etc.).
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2.3 Direkte Objektsätze
Man kann den direkten Objektsatz aus zwei Gründen als den typischsten Komplementsatz betrachten.6 Einerseits ist der direkte Objektsatz der häufigste Typus des Komplementsatzes, und das nicht nur in seinem empirischen Vorkommen, sondern auch im Hinblick auf die Prädikate, die Komplementsätze erlauben.7 Andererseits ist der direkte Objektsatz derjenige Komplementsatz, der sich syntaktisch gesehen am flexibelsten in die übergeordnete Prädikation der Matrix einfügt. Im Aktivsatz kongruiert die Matrixflexion (die Konjugation im Hauptsatz) nicht mit ihm, wie in (9)(a) ersichtlich, im Passivsatz dagegen schon, wie in (9)(b). Schließlich kann er, wie in (9)(c), durch ein unbetontes Pronomen ersetzt werden:
(a)	Direkter Objektsatz (bivalente Matrix)
Muchos afirmani que usted no tiene unidad en su obraj.[i ≠ j]
'Viele behaupten, dass Sie in Ihrem Werk keine Einheit haben'
[Proceso, 29/09/1996, in: CREA]
(b)	Passivierung der Matrix
Fuei afirmado que usted no tiene unidad en su obrai
'Es wurde behauptet, dass Sie in Ihrem Werk keine Einheit haben'
(c)	Pronominalisierung
Muchos lo afirman.
'Viele behaupten es'
Dass die Pronominalisierung in (9)(c) durch das neutrale Pronomen lo erfolgt, hängt damit zusammen, dass damit ein Satz substituiert wird, der im eigentlichen Sinne kein Referenzausdruck ist. Wir haben diesen Umstand bereits im Zusammenhang mit der Personalflexion von Subjektsätzen gesehen, die keine 'Personen' und nicht zählbar sind und daher nur mit der dritten Person Singular kongruieren können. Der Satz drückt einen Sachverhalt (Proposition) und eine Stellungnahme des Sprechers oder Subjekts (Illokution) aus. Nur das neutrale Pronomen, das es aus den oben genannten Gründen nur im Singular gibt, ist in der Lage, auf Sachverhalte und Stellungnahmen zu referieren.8
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Da ein syntaktisches Subjekt in Akkusativsprachen wie dem Spanischen obligatorisch ist, kann der direkte Objektsatz logischerweise nicht in einer monovalenten Matrixstruktur eingebunden werden, sondern kommt zwangsläufig nur in mindestens bivalenten Strukturen wie in Beispiel (9) vor. Darüber hinaus sind auch trivalente Matrixstrukturen sehr häufig, bei denen neben Subjekt und direktem Objektsatz noch ein indirektes Objekt vorkommt. Dieses ist wie beim prototypischen Verb decir in der Regel fakultativ und kann auch weggelassen werden. Die vollständige trivalente Struktur des Matrixverbs decir exemplifiziert das folgende Beispiel (10)(a):
(10) Direkter Objektsatz (trivalente Matrix mit indirektem Objekt)
(a) [El viejo le] dijo al Padre que vendría a verme hoy mismo.
'Der Alte sagte dem Pater, dass er noch heute kommen würde, um mich zu sehen'
[Carlos Fuentes, La muerte de Artemio Cruz, in: CDE]
(b)	El viejo sek loj dijo al padrek.
'Der Alte sagte es dem Pater'
In (10)(b) wird mit dem Index k der im Spanischen typische redundante Ausdruck des indirekten Objekts gekennzeichnet, das als klitisches Pronomen (se bzw. le) den Nominalausdruck kataphorisch vorwegnimmt.
2.4 Oblique oder präpositionale Objektsätze
Der durch eine Präposition eingeleitete Komplementsatz, der die Funktion eines obliquen Objekts erfüllt, ist im Vergleich zu den anderen romanischen Sprachen eine Besonderheit des Spanischen, Portugiesischen und Galicischen. Einen solchen obliquen oder präpositionalen Objektsatz exemplifiziert Beispiel (11)(a). Die Pronominalisierung dieses Beispiels in (11)(b) verdeutlicht erneut, dass die Komplementfunktion deswegen oblique ist, weil sie weder im klitischen (unbetonten) Pronominalsystem, noch im diathetischen System (Kongruenz mit Personalflexion) ausgedrückt werden kann:
(11) Obliquer oder präpositionaler Objektsatz (bivalente Matrix, intransitiv)
(a)	La otra novedad consistió en que se rehusaron a distinguir entre la teoría y la práctica literaria[.]
'Die andere Neuerung bestand darin, dass sie [= los románticos de Jena] sich
weigerten, zwischen der literarischen Theorie und Praxis zu unterscheiden.'
[Octavio Paz, Sombras de obras. Arte y literatura, in: CREA]
(b)	La otra novedad consistió en esto
'Die andere Neuerung bestand darin'
Die unmittelbare Anbindung eines Komplementsatzes durch Präpositionen ist im Französischen, das man in diesem Zusammenhang stellvertretend für andere romanische Sprachen zum Vergleich mit dem Spanischen heranziehen kann, in der Regel nicht möglich.9 An das Verb fr. consister, das semantisch mit seinem spanischen Pendant vergleichbar ist, lässt sich ein Komplementsatz nur mit Hilfe eines indirekten Verfahrens binden, das Moreno Cabrera (1985–86) als "catáfora paratáctica" bezeichnet. In Beispiel (12)(a) wird dieses Verfahren der parataktischen Katapher für das Französische und in der Übersetzung in (12)(b) für das Deutsche exemplifiziert:
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(12) Parataktische Katapher im Französischen und Deutschen
(a) fr. La fraude consistait en ce que la plupart des candidats […] avaient eu
connaissance deux ou trois jours avant l'épreuve des sujets de philosophie
et de sciences naturelles.
[J. Capelle, Ecole de demain reste à faire, in: FRANTEXT]
(b) dt. Der Betrug bestand darin, dass die meisten Kandidaten zwei bis drei Tage vor der Prüfung von den Themen in Philosophie und Naturwissenschaften Kenntnis erlangt hatten.
Im Vergleich zum unmittelbaren Anschluss an die Präposition im Spanischen nehmen die Verfahren der Anbindung von obliquen Komplementsätzen im Französischen und Deutschen den Umweg über ein pronominales Element (fr. ce, dt. dar-), das aufgrund seiner referentiellen Funktion umstandslos in die syntaktische Prädikation integriert werden kann. An dieses Element wird der Komplementsatz dann angehängt. Daraus lässt sich ersehen, dass der unmittelbar eingeleitete Komplementsatz des Spanischen, Portugiesischen und Galicischen eine stärkere syntaktische Integration obliquer Sätze in die Prädikation erlaubt und damit ein besonderes typologisches Merkmal dieser Sprachen ist.
Diese Besonderheit wird in der traditionellen spanischen Grammatikschreibung und in der Linguistik des Spanischen kaum thematisiert. Dabei stellt diese typologische Charakteristik die Grundlage für die Phänomene des dequeísmo und des queísmo dar, die sowohl in der traditionellen als auch in der modernen Hispanistik eine breite Aufmerksamkeit genießen. Der dequeísmo leitet einen nicht obliquen Komplementsatz mit der Präposition de ein, während im Falle von queísmo ein obliquer Komplementsatz ohne Präposition angeschlossen wird. Als typische Fälle von dequeísmo präsentiert Gómez Torrego (1999) das in (13)(a) aufgeführte Beispiel für den Subjektsatz und das in (13)(b) aufgeführte Beispiel für den direkten Objektsatz:10
(13) Dequeísmo
(a)	[*]Resulta de que ya está tarde.
'Es ist so, dass es schon spät ist'
[Gómez Torrego (1999: 2107)]
(b)	[*]Sospecho de que me van a venir a buscar.
'Ich vermute, dass sie kommen werden, um mich zu suchen'
Es ist keine Frage, dass die Pronominalisierung hier ohne Präposition erfolgt (Resulta esto mit betontem Pronomen für das Subjekt und Lo sospecho mit klitischem Pronomen für das direkte Objekt). Genau andersherum verläuft die Pronominalisierung beim queísmo:
(14) Queísmo
(a)	[*]El presidente insistió que las elecciones no fueron una derrota.
'Der Präsident bestand darauf, dass die Wahlen keine Niederlage waren'
[El País, 09/07/1997, in: CREA]
(b) El presidente insistió en esto.
'Der Präsident bestand darauf dies/es'
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Auch wenn nur der queísmo oblique Objektsätze betrifft, lässt sich der dequeísmo aus sprachvergleichender und typologischer Perspektive nur in Kenntnis des syntaktischen Verfahrens der unmittelbaren präpositionalen Integration eines obliquen Komplementsatzes verstehen. Deshalb werden der Subjekt- und der Objektsatz in Beispiel (13) in diesem Abschnitt besprochen. Dies allein macht bereits deutlich, dass dequeísmo und queísmo, obwohl sie häufig in einem Atemzug genannt werden, sehr unterschiedlich, ja geradezu gegensätzlich sind.11
Das folgende Beispiel (15) belegt, dass oblique Komplementsätze auch in trivalenten Matrixstrukturen vorkommen können, die neben dem Subjekt auch ein direktes ausdrücken:
(15) Obliquer oder präpositionaler Objektsatz (trivalente Matrix, transitiv)
Rojas Marcos alertó a Luis Roldán de que tenga cuidado, […]
'Rojas Marcos warnte Luis Roldán, er solle wachsam sein'
[La Vanguardia, 04/05/1994, in: CREA]
Ebenfalls zu den obliquen Objektsätzen gehören Komplementsätze, die von nominalen und adjektivischen Prädikaten regiert werden. Das folgende Beispiel (16) exemplifiziert einen nominal regierten Komplementsatz:
(16) Obliquer oder präpositionaler Objektsatz als Nominalkomplement
Cuba comparte la opinión de Fox de que debería establecerse el libre tránsit de personas entre esos tres países.
'Kuba teilt die Ansicht von Fox, dass man den freien Personenverkehr zwischen diesen drei Ländern einrichten sollte'
[Granma Internacional, 03/09/2000, in: CREA]
Nominal regierte Komplementsätze werden stets präpositional eingeleitet, wobei de die Standardpräposition ist. Allerdings erfordern bestimmte Nominalprädikate eine spezifische Präposition, und alle Präpositionen, die wir aus den verbal regierten obliquen Komplementsätzen kennen, können auch nominale Komplementsätze einleiten. Drei von ihnen sind in den folgenden Beispielen (17) exemplifiziert:
(17) Nominal regierte Komplementsätze mit eigener Präposition
(a)	Por eso la insistencia de los obispos en que esos programas tienen que llegar en toda su extensión y a todas las personas a las que van orientados.
'Daher das Beharren der Bischöfe darauf, dass diese Programme zur vollen Anwendung gelangen und allen Personen, an die sie sich richten, zugute kommen'
[El Universal, 16/07/1996, in: CREA]
(b)	[E]s cada vez más fuerte la tendencia de la población a hacerse justicia por su propia mano.
'die Bereitschaft der Bevölkerung, sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen, wird jedes Mal stärker'
[Proceso, 21/07/1996, in: CREA]
(c)	Y eso es lo que a nadie les va a dar su conformidad con que usen los elementos que ustedes obtengan a este respecto.
'Und das ist es, was niemandem die Legitimation dazu verleihen wird, Informationen zu verwenden (wörtl: dass sie die Elemente verwenden), die Sie
auf diese Weise erhalten sollten'
[Sesión pública ordinaria de la Honorable Cámara de Senadores, in: CREA]
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Adjektivisch regierte Komplementsätze werden ebenfalls stets durch eine Präposition eingeleitet. Auch hier ist de die Standardpräposition, kann aber von anderen, für das Komplement spezifische Präpositionen ersetzt werden. Das demonstrieren die folgenden Beispiele (18):
(18) Adjektivisch regierte Komplementsätze
(a)	[Jacinto González] manifestó no sentirse responsable de que vayan camiones a la fábrica y no haya leche evaporada […]
'Jacinto González gab an, sich nicht verantwortlich dafür zu fühlen, dass LKW zur Fabrik fahren und dass es keine Kondensmilch gibt'
[Cuba:CubaNet:98Jun4, in: CDE]
(b)	Pero estoy dispuesto a que se cumpla la Ley.
'Aber ich bin bereit, dass das Gesetz angewendet wird'
[El Nacional, 17/01/1997, in: CREA]
Insgesamt zeigt der hier vorgenommene Überblick über oblique und präpositionale Komplementsätze, dass die spanische Grammatik ein besonderes Potential zur syntaktischen Integration von Komplementsätzen besitzt.
2.5 Voranstellung von Komplementsätzen
Die Stellung des Komplementsatzes ist zwar eine Frage der Konstituenz des gesamten Satzgefüges, muss aber insofern an dieser Stelle behandelt werden, als mögliche Stellungsvariationen mit der Funktion dieser Nebensätze korrelieren. Grundsätzlich steht der Komplementsatz am Ende der Satzfügung, nach den nominalen Komplementen, aber vor den nachgestellten Adverbialsätzen. Das kann man am folgenden Beispiel (19) ersehen:
(19) Stellung des Komplementsatzes im Satzgefüge
[H]oy por hoy cualquier hijo le dice [pp a su padre]io [cp que quiere dejar de estudiar]do [cp porque se quiere dedicar a la música]adv […]
'Heutzutage sagt irgendein Sohn seinem Vater, dass er aufhören will zu studieren, weil er sich der Musik widmen will'
[El martes que viene, 01/05/90, TVE 1, in: CREA]
Das nominale indirekte Objekt (IO), das konstituentiell als Präpositionalphrase (PP) realisiert ist, kommt vor dem Komplementsatz, der hier als direktes Objekt (DO) fungiert und die Konstituentenstruktur einer Konjunktionsphrase (CP) aufweist. Die Adverbialphrase (ADV mit CP-Konstituenz), die semantisch und funktional nicht mehr zur Prädikation gehört, belegt schließlich den letzten Platz im kanonischen Stellungsmuster spanischer Satzgefüge.
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Nun kann man einige Komplemente, entsprechend ihrer Funktion an den Anfang des Satzgefüges stellen. Bei den Subjektsätzen ist das ohne weiteres möglich, wie das folgende Beispiel (20)(a) belegt. Die Voranstellung von direkten Objektsätzen erfordert dagegen ihre Wiederaufnahme durch das klitische Pronomen lo, wie Beispiel (20)(b) zeigt. Schließlich ist auch die Voranstellung von obliquen Objektsätzen möglich, die nicht klitisch pronominalisiert werden können, möglich. Einen solchen Fall dokumentiert Beispiel (20)(c):
(20) Voranstellung von Subjekt- und Objektsätzen im Spanischen (Topikalisierung)
(a)	Que la contestación será afirmativa es conocido.
'Dass die Antwort zustimmend sein wird, ist bekannt'
[ABC, 06/03/1985, in: CREA]
(b)	Que esa cantidad era importante lo dice él mismo.
'Dass diese Menge erheblich war, sagt er selbst'
[Javier Alfaya, El traidor melancólico, in: CREA]
(c)	De que no salga a la superficie se encarga Mariano Rubio con sus constantes amenazas.
'Dafür, dass es nicht an die Oberfläche kommt, sorgt Mariano Rubio mit seinen
ständigen Drohungen'
[Jesús Cacho Cortés, Asalto al poder. La revolución de Mario Conde, in: CREA]
Diese Form der Voranstellung nennt man auch Topikalisierung, denn sie hat die Aufgabe, zu kennzeichnen, dass der vorangestellte Inhalt das ist, worüber gesprochen ist. Demzufolge wird der Inhalt vom Sprecher präsupponiert.12 Beim Terminus Topikalisierung muss darauf geachtet werden, dass er auf dem textsemantischen Begriff Topik beruht und nicht in erster Linie das syntaktische Verfahren der Voranstellung bezeichnet. Dieses kann man als Linksdislokation bezeichnen. Bei der Dislokation wird ein Element außerhalb des Rahmens der syntaktischen Prädikation plaziert. Innerhalb der Prädikation wird das Subjekt wie in (20)(a) durch die Konjugation und das direkte Objekt wie in (20)(b) durch das klitische Pronomen lo ausgedrückt.
Beim präpositionalen Objekt stellt sich die Frage, ob die Voranstellung, die beispielsweise in (20)(c) zu beobachten ist, tatsächlich eine Dislokation ist, da es keine Möglichkeit gibt, ein ausgelagertes obliques Komplement innerhalb der Prädikation wieder aufzunehmen. Wenn es so ist, haben wir es einfach mit einer Umkehrung der Wortfolge innerhalb der Prädikation zu tun, die beim direkten Objekt nicht möglich ist, wie Zubizarreta (1999: 4240) betont. Da die Topikalisierung präpositionaler Komplementsätze im Vergleich zu Subjekt- und direkten Objektsätzen sehr selten ist, erfolgt die Voranstellung vermutlich analog zur Voranstellung im Rahmen der Fokussierung. Die Voranstellung der Fokussierung ist, wie man im folgenden Beispiel (21)(b) sehen kann, keine Dislokation:
(21) Voranstellung von Subjekt- und Objektsätzen im Spanischen (Fokussierung)
(b)	QUE ESA CANTIDAD ERA IMPORTANTE dice él.
'Dass diese Menge erheblich war, sagt er'
(c)	DE QUE NO SALGA A LA SUPERFICIE se encarga Mariano Rubio.
'Dafür, dass es nicht an die Oberfläche kommt, sorgt Mariano Rubio'
Die Segmente in Großbuchstaben markieren die prosodische Hervorhebung, die für jede Art der Fokussierung typisch ist. In diesem Fall kommt die Voranstellung hinzu. Die Fokussierung durch Voranstellung ist typischerweise kontrastiv. Das heißt, dass sie eine Bevorzugung des hervorgehobenen Inhalts gegenüber einer Alternative ausdrückt. Hinter den Beispielen in (21) könnte man beispielsweise jeweils mit y no otra cosa 'und nichts anderes' anschließen.
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Vergleicht man die Beispiele (20)(b) und (21)(b) wird deutlich, dass die Topikalisierung durch Dislokation nach links erreicht wird. Das topikalisierte Element steht außerhalb der syntaktischen Prädikation und wird innerhalb derselben durch das Personalpronomen wieder aufgenommen. Bei der Fokussierung dagegen zeigt sich, dass die Voranstellung innerhalb der Prädikation erfolgt. Das fokussierte Element steht vor der klitischen Zone auf der Position des nominalen Subjekts und kann nicht mehr pronominal wieder aufgenommen werden. Wie Zubizarreta (1999: 4241) feststellt, muss das Subjekt dann postverbal stehen, falls es nicht selbst das fokussierte Element ist, wie in (20)(a). Das syntaktische Verfahren der Fokussierung durch Voranstellung könnte man daher als Subjektpermutation bezeichnen. Nun scheint es so, als würde genau dieses Verfahren – ohne prosodische Hervorhebung – zur Topikalisierung des präpositionalen Komplementsatzes in (20)(c) herangezogen.
In Bezug auf Subjektsätze sind noch zwei Besonderheiten anzumerken. Erstens erlauben Geschehensprädikate (suceder, ocurrir etc.) keine topikalisierende Voranstellung, zweitens erfordern Interpretationsprädikate (significar, suponer etc.) in jedem Fall eine Voranstellung. Letzteres zeigt Beispiel (8) in Abschnitt 2.2: Bei diesen Prädikationen sind zwei Komplementsätze in Subjekt- und Objektfunktion möglich, die aber nicht beide auf der für Komplementsätze typischen Endposition stehen können (vgl. Beispiel (19)). In diesem Fall muss der Subjektsatz die präverbale Subjektposition einnehmen.
3 Syntaktische Konstituenz
Die folgende Analyse der Konstituenz spanischer Komplementsätze beschränkt sich auf prototypische Sätze, das heißt auf Sätze, die eine Prädikation enthalten und vollständig (das heißt nicht elliptisch) sind. In Abschnitt 3.1 werden zunächst einmal die Kriterien ermittelt, anhand derer diese in den folgenden Abschnitten syntaktischen Konstituenz von spanischen Komplementsätzen analysiert werden. Dabei rücken die mit que eingeleiteten Komplementsätze im Indikativ und im Konjunktiv (Abschnitt 3.2), die Einleitung von indirekten Fragesätzen (Abschnitt 3.3), die Struktur von Infinitivsätzen (Abschnitt 3.4) und die Einleitung von Komplementsätzen durch Artikel (Abschnitt 3.5) in das Zentrum der Aufmerksamkeit.
3.1 Kriterien für die Analyse der Konstituenz spanischer Komplementsätze
Gemäß der traditionellen Konstituentenanalyse kann man Sätze als IP (inflectional phrase) oder als CP (complementizer phrase) beschreiben. Das folgende Beispiel (22) analysiert die Struktur eines Satzes mit IP-Konstituenz:
(22) IP-Konstituenz
(a)	Miguel come una manzana
'Miguel isst einen Apfel'
(b)	[ip Miguelt1/SpecIP [I' comt2-ei [vp t1SpecVP [v' t2v [dp una manzana] ] ] ] ]
In der generativen Grammatik, deren Analyse syntaktischer Strukturen im Wesentlichen auf der traditionellen Konstituentenanalyse beruht, wird der Ausdruck der Konjugation als I-Konstituente bezeichnet.13 Die Konstituente IP wird als die "maximale Projektion" der Konstituente I betrachtet, die ihrerseits als "Kopf" von IP bezeichnet wird. Dies bedeutet nichts anderes, als dass IP von I determiniert wird. Die in Beispiel (22)(b) vorgenommene Analyse der Konstituentenstruktur des Satzes in (22)(a) entspricht in etwa den Prinzipien der generativen Grammatik.14 Die Spuren ("traces") t1 und t2 sind das Ergebnis der sogenannten "Bewegung" ("Movement") die gemäß der generativen Theorie eine Tiefenstruktur in eine Oberflächenstruktur überführt. In der Tiefenstruktur wird eine VP mit der folgenden Struktur angenommen: [vp MiguelSpecVP [v' com-v [dp una manzana] ] ].
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Die Überführung in eine Oberflächenstruktur wird notwendig, weil die generative Theorie annimmt, dass syntaktische "Köpfe", je nach Sprache, entweder links oder rechts vom Rest der Konstituente (dem generativen "Komplement") stehen müssen, die sie regieren. Da die Konjugation in "linksköpfigen" Sprachen wie dem Spanischen aber nicht ganz links steht, wird angenommen, dass die tatsächliche Konstituentenabfolge einer Oberflächenstruktur entspricht, die sich aus der Bewegung aller Elemente ergibt, die im Endeffekt links von der Konjugation stehen. Ob man den Bewegungen dieser Argumentation folgen soll, ist Ansichtssache. Man muss ihr jedoch in dem Punkt zustimmen, dass I – die Konjugation – die Satzschnittstelle bildet. In der Tat gibt es keinen prädikativen Satz ohne Konjugation. Auch prototypische Sätze mit einer CP-Struktur, wie der in Beispiel (23), haben einen durch die Konjugation geprägten Kern:
(23) CP-Konstituenz
(a)	que Miguel come una manzana
'dass Miguel einen Apfel isst'
(b)	[cp que [ip Miguelt1/SpecIP [i' comt2-ei [vp t1SpecVP [v' t2v [dp una manzana] ] ] ] ] ]
Wie man anhand dieses Beispiels deutlich sehen kann, definiert sich eine CP, durch eine Konjunktion (C) – in diesem Fall que –, deren Projektion eine IP umfasst. Während also der Kopf einer IP die Konjugation ist, wird eine CP von einer Konjunktion definiert. Wie wir noch sehen werden, kann die Konstituente C auch durch andere Elemente als eine Konjunktion gebildet werden. Man kann sie generell als die Einleitung eines Satzes betrachten. Im Folgenden wird die Einleitung als Kriterium für die konstituentielle Klassifizierung von Sätzen ebenso untersucht, wie die Konjugation, die in ihrer Funktion als Modus ebenfalls ein wichtiges Kriterium für die konstituentielle Typisierung von Sätzen ist.
Als drittes Kriterium wird dabei auch die Wortstellung zu berücksichtigen sein, wobei es im Spanischen im Wesentlichen zwei Modelle der Wortstellung gibt, die durch die Position der klitischen Pronomen im Verhältnis zur Konjugation gegeben sind: proklitische und enklitische Wortstellungen. Das proklitische Stellungsmuster korreliert mit finiten Sätzen, das heißt mit den Modi Indikativ und Konjunktiv, wie man anhand der konstruierten Beispiele in (24) feststellen kann:
(24) Proklitische Stellungsmuster
(a) (que) se la da [Modus Indikativ]
'(dass) er sie ihr gibt'
(b) (que) se la de [Modus Konjunktiv]
'dass er sie ihr gebe / geben Sie sie ihr'
Wie das ebenfalls konstruierte Beispiel (25) zeigt, korreliert das enklitische Stellungsmuster seinerseits mit den Modi Infinitiv und Imperativ:
(25) Enklitische Stellungsmuster
(a)	dársela [Modus Infinitiv]
'sie ihr geben'
(b)	dásela [Modus Imperativ]
'gib sie ihr'
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Anhand der Korrelation der Wortstellungsmuster mit den Modi der Konjugation können wir feststellen, dass Letztere nicht nur eine morphologische, sondern auch eine syntaktische Dimension haben und im Spanischen mit den wichtigsten Satztypen identifizierbar sind. Zudem zeigen die Beispiele (24) und (25), dass nur die proklitischen Satzarten mit que eingeleitet werden können. Damit hängt zusammen, dass diese indikativischen und konjunktivischen Satztypen Haupt- oder Nebensätze sein können, wobei der Indikativsatz tendenziell häufiger als Hauptsatz, der Konjunktivsatz dagegen tendenziell häufiger als Nebensatz fungiert. Die enklitischen Satztypen sind in dieser Hinsicht gegensätzlich: Während der Infinitivsatz fast ausschließlich als Nebensatz fungiert, erscheint der Imperativsatz grundsätzlich als Hauptsatz.15 Entlang eines Kontinuums zwischen Hauptsatz und Nebensatz kann man unsere vier Satztypen also wie in Fig. 2 anordnen.
Fig. 2 Haupt- und Nebensatzaffinität der vier Modi
In den folgenden Abschnitten wird die Konstituenz von Komplementsätzen gemäß der hier erörterten Kriterien der Einleitung, des Modus und der Wortstellung untersucht.16 Die drei Hauptkategorien, nach denen diese Untersuchung verläuft, ist die der mit que eingeleiteten Komplementsätze (Abschnitt 3.2), der indirekten Fragesätze (Abschnitt 3.3) und der Infinitivsätze (Abschnitt 3.4).
3.2 Mit que eingeleitete Komplementsätze
Die Einleitung von Komplementsätzen mit que korreliert mit dem proklitischen Stellungsmuster und mit den Modi Indikativ und Subjunktiv. Wann bei diesen Komplementsätzen der Indikativ und wann der Konjunktiv steht, ist eine der am meisten untersuchten und diskutierten Fragen der Romanistik und der Grammatiktraditionen der einzelnen romanischen Sprachen. Dabei wurde auf drei Ebenen argumentiert: auf der syntaktischen, der semantischen und der morphologischen Ebene. Ohne detailliert auf die zahlreichen Erklärungsansätze eingehen zu können, lassen sich im Wesentlichen drei Hypothesen herausarbeiten, deren Erwähnung an dieser Stelle hilfreich ist: die Subordinationshypothese, die Korrelationshypothese und ein Deutungsansatz, den man als morpho-semantische Hypothese bezeichnen könnte. Von diesen Hypothesen wird nur die erste einheitlich formuliert, während die beiden anderen in unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Varianten formuliert werden.
Die Subordinationshypothese vertritt die Auffassung, dass der Konjunktiv die Subordination von Nebensätzen kennzeichnet.17 Er gehört gemäß dieser Vorstellung zu den "drei Sicherheitsnetzen", die dem Interpretanten erlauben sollen, den Nebensatz zu erkennen. Die weiteren Kennzeichen des Nebensatzes sind demnach die Konjunktion que (oder Konjunktionen, die que enthalten wie, porque, para que etc.) und die Nachstellung des Nebensatzes. Diese Hypothese wird zunächst plausibel, hat aber den Nachteil, dass sie die Verwendungen des Indikativs in Nebensätzen nicht erklärt. Raible (1983) schlägt daher vor, die syntaktische Subordinationshypothese durch ein semantisches Prinzip zu ergänzen, gemäß dem Nebensätze, die Assertionen (Behauptungen) ausdrücken, im Indikativ stehen (siehe unten, Beispiele (26) und (27)).
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Damit nähert sich die Subordinationshypothese der Korrelationshypothese, die in ihrer semantischen Ausprägung besagt, dass die Bedeutung des Matrixprädikats den Modus des Komplementsatzes bestimmt.18 Demnach ist der Indikativ der Modus der Assertionen und Kommissiva (Versprechen, Angebote, etc.). Für das Spanische kann man diesen Zusammenhang anhand der Äußerungen in Beispiel (26) zeigen:
(26) Mit que eingeleitete Komplementsätze im Indikativ
(a)	[assertiv]
Ciudadanos en Kabul afirmaron que los talibanes estaban preparando ya la defensa de la ciudad […]
'Einwohner von Kabul gaben an, dass die Taliban bereits die Verteidigung der
Stadt vorbereiteten'
[El Universal, 15/10/1996, in: CREA]
(b)	[kommissiv]
El PP anuncia que el texto durará muy poco en vigor.
'Die PP kündigt an, dass der Text nur für sehr kurze Zeit gültig sein wird'
[El Mundo, 15/12/1995, in: CREA]
Der Komplementsatz in (26)(a) drückt eine Assertion aus, die im Matrixsatz als Äußerung des durch das Subjekt ausgedrückten Referenten beschrieben wird. Analog dazu lässt sich der Nebensatz in (26)(b) als kommissive Äußerung (Versprechen, Angebot) des im Matrixsatz erwähnten Subjekts interpretieren. In solchen Fällen kann man den Komplementsatz semantisch als eingebettete Illokution beschreiben. Dies macht ihn auch zu einem eingebetteten Standpunkt im Sinne der Theorie der linguistischen Polyphonie19 (vgl. Gévaudan 2010, 2013b). In Gévaudan (2013a) werden solche Fälle zur illokutionären Modalität gezählt. Unabhängig vom theoretischen Hintergrund kann man die Semantik des Komplementsatzgefüges in den meisten Konstellationen mit Kategorien der Illokution korrekt erfassen. Mehr oder weniger explizit machen dies diejenigen Arbeiten, die man ganz oder teilweise der semantischen Korrelationshypothese zuordnen kann. Unter anderem zeigen Gsell & Wandruska (1986), dass direktive, desiderative und evaluative Komplementsätze in der Regel im Konjunktiv stehen. Man betrachte dazu die Beispiele in (27):
(27) Mit que eingeleitete Komplementsätze im Konjunktiv
(a)	[direktiv]
Leaño recomendó a Saba que elaborara una ponencia, "bien hecha" […]
'Leaño empfahl Saba, dass er einen "gut gemachten" Vortrag vorbereiten sollte'
(b)	[desiderativ]
Leo únicamente quiere que tú se lo reconozcas, […]
'Leo will lediglich, dass Du es ihm zugestehst'
[¿Pero esto qué es?, 20/10/89, TVE 1, in: CREA]
(c)	[evaluativ]
De hecho, se alegró de que el destino les hubiese reunido.
'Tatsächlich freute sie/er sich, dass das Schicksal sie zusammengebracht hatte'
[Carlos Ruiz Zafón, La sombra del viento, in: CREA]
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Bekanntlich steht die illokutionäre Kategorie der Direktiva, die in (27)(a) exemplifiziert wird, für eine Anweisung oder einen Rat an den Adressaten, etwas Bestimmtes zu tun. Desiderative Äußerungen wie in (27)(b) drücken den Willen des Sprechers aus, ohne jedoch den Adressaten zu verpflichten. Der Sprecher und der Adressat, um die es hier geht, sind nicht Sprecher und Adressat des gesamten Gefüges, sondern werden im Hauptsatz mehr oder weniger explizit als solche eingeführt. Schließlich repräsentieren Evaluativa, wie in (27)(c) gezeigt, die Bewertung eines Sachverhalts durch eine im Matrixsatz erwähnte Person. Bei dieser Kategorie sprechen Gsell & Wandruska (1986) von "thematischem Konjunktiv" und beziehen sich damit nicht auf die illokutionäre Kategorie der Evaluation, sondern auf den Umstand, dass die evaluierten Sachverhalte in der Regel als bekannt vorausgesetzt (präsupponiert) werden. Damit vertreten sie bezüglich dieser Kategorie eine kontextuell-semantische oder pragmatische Auffassung.
Die Bedeutung der Präsuppositionen unterstreichen auch Terrell & Hooper (1974), die darüber hinaus jedoch einen weiteren Erklärungsansatz vertreten, den man der morpho-semantischen Hypothese zurechnen kann. Nach ihrer Auffassung ist der Konjunktiv der unmarkierte Modus, der immer dann erscheint, wenn der Indikativ als markierter Modus nicht in Frage kommt. Daher steht die morpho-semantische Bedeutung des Indikativs in ihrem Ansatz im Zentrum des Interesses. Sie identifizieren ihn als den Modus der Assertion und nehmen an, dass der Konjunktiv immer dann steht, wenn keine Assertion vorliegt.20 Das ist dann auch bei Präsuppositionen der Fall, mit denen ein Sachverhalt ja nicht assertiert wird, weil er bereits als akzeptiert vorausgesetzt wird. Eine ganz andere Variante der morpho-semantischen Hypothese stellen diejenigen Ansätze dar, die dem Konjunktiv eine Grundbedeutung zuschreiben (Wunderli 1970, 1976, Hummel 2001), die bei diesem Modus die Bedeutung einer "Teilaktualisierung" annehmen, die im Gegensatz zu einer "Aktualisierung" durch den Indikativ steht. Auch diese Ansätze scheinen mit der Auffassung kompatibel zu sein, dass der Indikativ der Modus der Assertion ist.
Die Relevanz der morpho-semantischen Hypothese wird dann ersichtlich, wenn es im Zusammenhang mit demselben Matrixprädikat zu Alternanzen zwischen dem Indikativ und dem Konjunktiv kommt.21 Man betrachte etwa die folgenden Beispiele (28):
(28) Alternanzen zwischen Konjunktiv und Indikativ unter demselben Prädikat
(a)	Dice que pones mucha sal [Indikativ]
'Sie sagt, dass du viel Salz nimmst'
(b)	Dice que pongas mucha sal [Konjunktiv]
'Sie sagt, dass du viel Salz nehmen sollst'
[Porto Dapena (1991: 130)]
Ahern & Leonetti (2004: 44ff.) schlagen vor, diese Alternanzen auf der Grundlage der Relevanztheorie zu erklären und sie auf Inferenzen kontextueller Faktoren zurückzuführen. Demnach bestimmt der Modus unabhängig von der Bedeutung des Matrixprädikats, ob mit dem Nebensatz ein assertiver oder ein direktiver Sprechakt des Hauptsatzsubjekts ausgedrückt wird: Steht der Komplementsatz im Indikativ, wie in Beispiel (28)(a), stellt er eine Assertion; im Konjunktiv stellt er dagegen, wie in Beispiel (28)(b), einen direktiven Sprechakt dar. Diese Erklärung beruht auf der monosemischen Annahme, dass die Matrixprädikate nicht in ihrer Bedeutung variieren, sondern je nach Kontext durch die Wahl des Modus ergänzt werden. Diese Auffassung setzt eine dezidiert morpho-semantische Hypothese bezüglich der Modi voraus.
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Hierzu ist zu bemerken, dass Ahern & Leonetti (2004: 45) eine denkbare polysemische Erklärung der Modusalternanz, nach decir mehrere Bedeutungen (assertiv, direktiv, kommissiv, etc.) hat, ausdrücklich verwerfen. Sie argumentieren dabei mit dem folgenden Beispiel (29), bei dem das Matrixprädikat zwei koordinierte Komplementsätze regiert, die in unterschiedlichen Modi erscheinen:
(29) Avisa que viene el tren a su hora y que vaya el taxi a recogerle.
'Er sagt Bescheid, dass der Zug pünktlich kommt und dass das Taxi ihn abholen soll'
[Ahern & Leonetti (2004: 45)]
Dieses Beispiel beweist im Grunde nichts, denn die Koordination der illokutionär unterschiedlichen Komplementsätze beschreibt man schon seit der Antike als Zeugma (vgl. Lausberg 1990: §§ 692–708). Die im Beispiel von Ahern & Leonetti zu beobachtende Variante dieser rhetorischen Figur dient demnach der "Ausdrucksvereinfachung" (Lausberg 1990: § 706). Gegenüber dem 'polysemischen' Arguments des Zeugmas steht das 'monosemische' Argument, gemäß dem die Bedeutungen von decir und avisar nur Sprechakte darstellen und im Hinblick auf den Illokutionstyp unspezifisch sind. Doch unabhängig davon, wie man sich in dieser Frage entscheidet, kann man sagen, dass der Modus des Komplementsatzes einen semantischen Beitrag liefert. Dieser Beitrag bewegt sich in der Regel jedoch in einem semantischen Rahmen, der mit dem Matrixprädikat kompatibel ist. Der Rückgriff auf pragmatische Inferenzen zur Erklärung der semantischen Funktion der Modusselektion in finiten Komplementsätzen (Ahern & Leonetti 2004: 45ff., 51ff.) ist allerdings nicht angemessen, denn Beispiele wie (28) und (29) lassen sich problemlos kontextfrei interpretieren. Darin besteht ja gerade der semantische Beitrag des Modus.22
In manchen Fällen repräsentiert der Komplementsatz keine Illokution, sondern hat lediglich eine propositionale Bedeutung. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um alethische und kausale Komplementsatzgefüge, wie sie in Beispiel (30) aufgeführt werden:
(30) Der Konjunktiv in Komplementsätzen mit propositionaler Bedeutung
(a)	Es posible / necesario que se oxide el hierro.	[alethische Modalität]
'Es ist möglich / notwendig, dass das Eisen oxidiert'
(b)	El aire hace que se oxide el hierro. [kausativ]
'Die Luft bewirkt, dass das Eisen oxidiert'
In Beispiel (30)(a) haben wir es mit einem Fall von alethischer Modalität zu tun, die semantisch auf der propositionalen Ebene anzusiedeln ist (vgl. Gévaudan 2010, 2013a, 2013b). Interessanterweise lässt sich alethische Modalität hauptsächlich durch diese unpersönliche Konstruktion mit adjektivischem Prädikat eindeutig ausdrücken. Im Übrigen stimmt die Tatsache, dass diese Konstruktion immer im Konjunktiv steht, mit der Annahme überein, dass der Konjunktiv der Modus der Assertion ist, denn die alethische Lesart der Modaladjektive posible und necesario hat keinerlei illokutionäre Implikationen (nur das Gesamtgefüge wird assertiert). In Beispiel (30)(b) haben wir es mit einer Kausativkonstruktion zu tun, mit der im Matrixsatz die Verursachung des im Komplement dargestellten Sachverhalts beschrieben wird. Da das Matrixprädikat in diesem Fall keine illokutionäre Position beschreibt, könnte man annehmen, dass der Konjunktiv wiederum aufgrund der nicht assertiven Bedeutung gesetzt werden muss. Plausibler scheint aber zu sein, dass dieser Modus in solchen Konstruktionen in Analogie zu Finalkonstruktionen gesetzt wird (vgl. el herrero expone el hierro al aire para que se oxide 'Der Schmied setzt das Eisen der Luft aus, damit es oxidiert').
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Zum Schluss dieses Abschnitts ist darauf hinzuweisen, dass einige direktive und desiderative Prädikate des Spanischen finite Komplemente regieren können, die nicht durch die Konjunktion que eingeleitet werden. Dies belegen die Beispiele in (31):
(31) Komplementsatz im Konjunktiv ohne que-Einleitung
(a)	Te ruego seas discreto.
'Ich bitte Dich, diskret zu sein'
[Leonetti (1999: 2086)]
(b)	Temíase no llegase a tiempo el socorro.
'Es wurde befürchtet, dass die Hilfe nicht rechtzeitig eintreffen würde'
[Bello (1847: § 982)]
Da diese Konstruktionen auch mit Einleitung durch die Konjunktion que möglich sind, gehören sie in diesen Abschnitt. Bei den indirekten Fragesätzen im folgenden Abschnitt werden wir sehen, dass finite Komplementsätze ansonsten niemals uneingeleitet sind.
3.3 Indirekte Fragesätze
Da der mit der Konjunktion que eingeleitete finite Satz im Konjunktiv oder Indikativ die prototypische Komplementsatzkonstituente im Spanischen (und in den anderen romanischen Sprachen) ist, wird oft übersehen, dass der sogenannte 'indirekte Fragesatz' auch zu den Komplementsätzen gehört. Dies lässt sich anhand des indirekten Entscheidungsfragesatz in Beispiel (32)(a) überprüfen:
(32) Indirekter Fragesatz (Entscheidungsfrage)
(a)	No vamos a preguntar a las famosas si tienen o no tienen novio […]
'Wir werden die Berühmten nicht fragen, ob sie einen Partner haben oder nicht'
["Esta noche cruzamos el Mississippi", 21/10/96, Tele 5, in: CREA]
(b)	No lo vamos a preguntar a las famosas
'Wir werden dies/das/es die Berühmten nicht fragen'
Die korrekte und bedeutungsäquivalente Substitution des Segments si tienen o no tienen novio in (32)(a) durch Akkusativpronomen lo in (32)(b) zeigt, dass es sich bei diesem Segment um ein direktes Objekt handelt, und damit auch um einen Komplementsatz (vgl. Abschnitte 2.1 und 2.3). Analog dazu exemplifiziert Beispiel (33)(a) die Subordination eines Ergänzungsfragesatzes:
(33) Indirekter Fragesatz (Ergänzungsfrage)
(a)	Un corresponsal americano preguntó a las autoridades cuándo podrían los
periodistas visitar la zona […]
'Ein amerikanischer Korrespondent fragte die Behörden, wann Journalisten dieses Gebiet werden besuchen können'
[ABC, 07/05/1986, in: CREA]
(b)	Un corresponsal americano lo preguntó a las autoridades
'Ein amerikanischer Korrespondent fragte dies/das/es die Behörden'
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Entscheidungsfragen und Ergänzungsfragen sind offene Ausdrücke, die durch die eingeforderte Antwort 'abgeschlossen' werden sollen.23 Im Hauptsatz fordert die Entscheidungsfrage eine Bejahung oder Verneinung der in der Frage formulierten Sachverhaltsdarstellung (Proposition):
(34) Entscheidungsfrage
(a)	¿Lo compraste ayer?
'Hast du es gestern gekauft?'
[Escandell Vidal (1999: 3932)]
(b)	Sí / No
'Ja / Nein'
Die Konstituenz des Entscheidungsfragesatzes unterscheidet sich im Spanischen nicht von der des Deklarativsatzes. Entscheidungsfragen werden im Wesentlichen durch Intonation kenntlich gemacht.24 Anders als die Entscheidungsfrage fordert die Ergänzungsfrage die Nennung eines Teils der Proposition, die durch ein Fragewort (interrogatives Pronomen, Adjektiv oder Adverb) vertreten wird:
(35) Ergänzungsfrage
(a)	¿Quién llegó antes?
'Wer ist vorhin gekommen?'
(b)	(Antes llegó) Juan
'(Vorhin ist) Juan (gekommen)'
Bezüglich der Konstituenz der Fragesätze fördert der Vergleich zwischen Haupt- und Komplementsätzen einen interessanten Befund zutage: Während indirekte Entscheidungsfragesätze sich von direkten dadurch unterscheiden, dass sie von der Konjunktion si eingeleitet werden, sind direkte und indirekte Ergänzungsfragesätze identisch. Diesen Sachverhalt veranschaulicht die folgende Darstellung:
Fig. 3 Einleitung von direkten und indirekten Fragesätzen
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Nun könnte man meinen, dass die Einleitung des indirekten Entscheidungsfragesatzes mit der Konjunktion si in Analogie zur Einleitung anderer finiter Komplementsätze mit der Konjunktion que erfolgt und dass das Fragewort im Ergänzungsfragesatz nebenbei auch die Verknüpfungsfunktion einer Konjunktion übernimmt. Solche Überlegungen werden jedoch durch sprachliche Fakten widerlegt. Die folgenden Beispiele (36)(a–d) zeigen, dass praktisch alle Kombinationen zwischen que, si und den Fragewörtern der Ergänzungsfragen möglich sind:
(36) Zusammengesetzte Einleitungen des indirekten Fragesatzes
(a)	El Juez Boza preguntó a Caldera Solórzano que si Orlando Argüello tenía pleno conocimiento de la situación […] de los ingenios azucareros […]
'Richter Boza fragte Cadera Solórzano, ob sich Orlando Argüello der Situation der Zuckerfabriken voll bewusst sei'
[La Prensa, 18/03/1997, in: CREA]
(b)	Elane se asustó de pronto y […] le preguntó que quién era y qué quería.
'Elane erschrak sogleich und fragte ihn, wer er sei und was er wolle'
[Ricardo Elizondo Elizondo, Setenta veces siete, in: CREA]
(c)	El documento […] pide que […] se consulte […] a quienes voten si qué modalidad de integración prefieren.
'Das Dokument fordert, dass man diejenigen, die wählen, fragen solle, welche Art der Integration sie bevorzugen'
[El País, 01/10/1984, in: CREA]
(d)	Es que son un lío porque tienes que pensar que si qué compras y eso, ¿verdad?
'Das ist halt ein Wirrwarr, weil du überlegen musst, was du kaufst, und so, oder?'
[Centro de enseñanza, clase de conversación, Segovia, 26/03/91, in: CREA]
Trotz der Einschränkung, dass die Variante (36)(d) doch recht selten ist und auffallend oft in der Kindersprache vorkommt,25 ist auch die Kombination der drei Einleitungstypen möglich. Am besten nachvollziehbar sind die Kombinationen (36)(b) und (36)(c), da durch die Voranstellung einer "echten" Konjunktion die Subordination des indirekten Ergänzungsfragesatzes markiert wird, der ansonsten, wie Fig. 3 zeigt, dieselbe Konstituenz hat wie ein Hauptsatz. Man kann dann sagen, dass die Konjunktion die Subordination anzeigt und das Fragewort den Interrogativsatz. Nach dieser Logik haben wir es mit zwei Funktionen zu tun, die im Normalfall beide von der Konjunktion si erfüllt werden, die im Fall (36)(a) jedoch nur noch die Interrogation anzeigt. Beim Sonderfall (36)(d) müsste man dann davon ausgehen, dass das Fragewort qué keine dieser beiden Funktionen innehat und nur noch als Stellvertreter eine Komplementfunktion im Rahmen der (semantisch) zu ergänzenden Prädikation erfüllt.26
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Zur Einleitung von indirekten Fragesätzen sei abschließend noch zu bemerken, dass deren Matrixprädikate nicht zwangsläufig eine Frage ausdrücken müssen, wie preguntar, consultar etc. Eine ganze Reihe von Prädikaten im Bereich der Mitteilung und des Wissens können von Komplementsätzen ergänzt werden, die sowohl mit que als auch mit si eingeleitet werden. Dies ist etwa für das Verb saber der Fall:
(37) Alternanzen zwischen interrogativer und que-Einleitung
(a)	¿Y usted sabe si el banco tiene recursos ahora mismo por esa cantidad?
'Und wissen Sie, ob die Bank jetzt gleich über Mittel in dieser Höhe verfügt?'
(b)	¿Y usted sabe que el banco tiene recursos ahora mismo por esa cantidad?
'Und wissen Sie, dass die Bank jetzt gleich über Mittel in dieser Höhe verfügt?'
Im Fall von (37)(a) weiß der Sprecher nicht, ob der im Komplementsatz beschriebene Sachverhalt (Bank verfügt über Mittel) zutrifft. Da nicht nur der Komplementsatz, sondern zudem auch die gesamte Fügung eine Frage ist, weiß der Sprecher auch nicht, ob das Subjekt des Matrixsatzes (usted, also zugleich der Adressat der Frage) weiß, ob der Sachverhalt zutrifft. Wäre die Gesamtäußerung eine Assertion, hieße das, dass das Subjekt es weiß. Im Fall von (37)(b) weiß der Sprecher selbst, dass der in Rede stehende Sachverhalt zutrifft. Da die gesamte Satzfügung interrogativ ist, bleibt jedoch offen, ob das Subjekt es weiß. Der Sprecher fragt seinen Adressaten nicht nach dem vom Komplementsatz dargestellten Sachverhalt, sondern nach seinem Wissen darüber. Insofern wird der Sachverhalt vom Sprecher präsupponiert. Aus diesem Grund können Äußerungen wie (37)(b) als rhetorisches Mittel genutzt werden, jemandem implizit etwas mitzuteilen, das er nicht mehr ohne weiteres hinterfragen kann. Solche semantischen Konstellationen können als linguistische Polyphonie und als Formen der sprachlichen Modalität untersucht werden (vgl. Gévaudan 2010, 2013a, 2013b). Dieser kurze semantische Exkurs verdeutlicht im Übrigen, dass der Bedeutungsaspekt der Subordination von Komplementsätzen, der hier nicht behandelt werden kann, eine wesentliche Rolle für die Gesamtanalyse dieses syntaktischen Phänomens spielt.
Neben der Einleitung gibt es bei den weiteren konstituentiellen Eigenschaften der indirekten Fragesätze, dem Modus und der Wortstellung, weniger Varianz. Zumeist stehen die subordinierten Interrogativsätze im Indikativ und haben dementsprechend ein proklitisches Stellungsmuster. Dennoch gibt es in wenigen Fällen aufgrund besonderer semantischer und pragmatischer Faktoren auch indirekte Fragesätze im Konjunktiv (proklitisch) und im Infinitiv (enklitisch).27 Die alternative Verwendung des Indikativs und des Konjunktivs im folgenden Beispiel (38)(a) betrachtet Bello (1847: §1155) als synonym, während Suñer (1999: 2184) zurecht bemerkt, dass der Sprecher im Indikativ davon ausgeht, dass die in Rede stehende Nachricht tatsächlich verbreitet wurde, während er dies im Konjunktiv bezweifelt oder zumindest zum Ausdruck bringt, sich nicht sicher zu sein, ob sie verbreitet wurde:
(38) Indirekte Fragen im Konjunktiv
(a) No se sabe quién ha/haya dado la noticia.
'Man weiß nicht, wer die Nachricht verbreitet (wörtl.: gegeben) hat/haben sollte'
[Bello (1847: § 1155)]
(b)	Le preguntó que si ella pudiera facilitarle una copia de su libro.
'Er fragte sie, ob sie ihm eine Kopie ihres Buches besorgen könnte'
[Suñer (1999: 2185)]
Für Beispiel (38)(b) nimmt Suñer (1999: 2185) an, dass der Konjunktiv Höflichkeit ausdrückt und mit dem Konditional alterniert. Es ist aber darauf hinzuweisen, dass preguntar hier nicht eine Assertion einfordert, sondern eine Handlung, womit der indirekte Fragessatz de facto eine direktive Bedeutung hat und wie andere Direktiva im Konjunktiv stehen muss (vgl. vorigen Abschnitt 3.2).
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Auch wenn indirekte Fragesätze im Infinitiv stehen, scheint die Semantik der Gesamtkonstruktion eine Rolle zu spielen. Im folgenden Beispiel (39)(a) steht ein indirekter Entscheidungsfragesatz im Infinitiv, in Beispiel (39)(b) ein indirekter Ergänzungsfragesatz. Beide sind, semantisch gesehen, deliberativ:
(39) Indirekte Fragen im Infinitiv
(a)	Además..., no sé si decirlo..., hay una curiosa coincidencia.
'Zudem … ich weiß nicht, ob ich es sagen soll, gibt es eine merkwürdige
Übereinstimmung'
[Antonio Buero Vallejo, Lázaro en el laberinto, in: CREA]
(b)	A la gente no sé qué decirle.
'Ich weiß nicht, was ich den Leuten sagen soll'
[Caras, 24/11/1997, in: CREA]
Bei diesen Beispielen fällt auf, dass der indirekte Fragesatz im Infinitiv einer negierten Matrix subordiniert ist. Dies scheint in den meisten Fällen so zu sein.28 Hinzu kommt, dass die Frage eine zu vollziehende Handlung beschreibt, sodass der Indikativ semantisch unpassend erscheint. Des Weiteren wird der Gebrauch des Infinitivs durch die Subjektgleichheit von Haupt- und Nebensatz begünstigt.
Zum Abschluss sei darauf verwiesen, dass man im Bereich der Komplementsätze mit der Nueva gramática (2009: § 43.2c) auch zwischen Exklamativ- und Interrogativsätzen unterscheiden kann. Alonso-Cortés (1999) führt dafür unter anderem die Beispiele in (40) auf:
(40) Exklamative Komplementsätze
(a)	Me fascina cómo escribe bien.
'Mich fasziniert, wie gut er schreibt'
[Alonso-Cortés (1999: 4012)]
(b)	Pedro descubrió qué eficiente era el empleado.
'Pedro bemerkte, wie effizient der Angestellte war'
Die Unterscheidung zwischen indirekten Fragesätzen und subordinierten Exklamativsätzen erfolgt auf den ersten Blick aufgrund semantischer Kriterien. In (40) kann man solche Kriterien in der Präsenz von Evaluationsadjektiven (bien, eficiente) erkennen, auf deren Grad oder positive Polarität durch das jeweilige Fragewort fokussiert wird. Im Detail lassen sich jedoch einige formale und distributionelle Eigenschaften herausarbeiten (vgl. dazu Alonso-Cortés 1999: § 62.5, Nueva gramática § 43.2c–d).
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3.4 Infinitive Komplementsätze
Die Betrachtung der indirekten Fragesätze, die im vorigen Abschnitt vorgenommen wurde, zeigt deutlich, dass die Konstituentenklassen CP und IP als solche wenig aussagefähig sind und deutlich verfeinert werden müssen, um die Konstituenz von Komplementsätzen im Detail zu erfassen. Die distributiven Eigenschaften der Einleitungselemente que, si und Fragewort lassen beim indirekten Fragesatz jedenfalls Zweifel an der Einheitlichkeit der Kategorie C aufkommen. Dagegen hat sich die Untersuchung der Faktoren Einleitung, Modus und Wortstellung als der richtige Weg zu einer adäquaten Beschreibung des Komplementsatzes erwiesen. Nun werden wir feststellen, dass diese Faktoren beim Infinitivsatz invariant sind, da Infinitivsätze vom Modus her definiert sind, im Spanischen stets ein enklitisches Stellungsmuster haben und uneingeleitet sind (mit Ausnahme der im vorigen Abschnitt behandelten indirekten Fragesätze im Infinitiv). Deswegen kann man sie nur im Vergleich zu den finiten Komplementsätzen heranziehen.
Interessanterweise ist es in diesem subjektlosen Modus nun ausgerechnet das Subjekt, das den wichtigsten Faktor für die interne Differenzierung der Infinitivsätze bildet. Denn wenn es auch kein syntaktisches Subjekt gibt, so haben Infinitivsätze meistens ein implizites semantisches Subjekt, also ein semantisches Argument, auf das sich die vom Infinitivsatz ausgedrückte semantische Prädikation bezieht. Dieses implizite Argument lässt sich in vielen Fällen mit einem Argument aus der übergeordneten Matrixprädikation identifizieren. In den folgenden Beispielen in (41) wird es jeweils vom Subjekt des Hauptsatzes repräsentiert:
(41) Implizites Argument korreliert mit syntaktischem Subjekt des Matrixsatzes
(a)	Yo he intentado llevar a todos mis lectores hacia arriba.
'Ich habe versucht, meine Leser nach oben mitzunehmen'
[Begoña Ameztoy, Escuela de mujeres, in: CREA]
(b)	Ricardo Azolar no consentía en ensayar otras probabilidades.
'Ricardo Azolar weigerte sich, andere Wahrscheinlichkeiten zu prüfen'
[Eduardo Liendo, Los platos del diablo, in: CREA]
In (41)(a) kann man nicht umhin, das implizite semantische Argument dessen, der den Sachverhalt llevar a todos mis lectores hacia arriba verursacht und kontrolliert, des Agens, mit dem Subjekt des Matrixsatzes (Yo) zu identifizieren. Dasselbe geschieht auch im Fall von (41)(b), wobei hier aufgrund der Bedeutung des Matrixprädikats der Eindruck entsteht, dass das Subjekt (Ricardo Azolar) den Ratschlag anderer Personen ausschlägt, die womöglich auch selbst 'andere Wahrscheinlichkeiten prüfen' möchten. Dies hängt mit der Nähe von Weigerung und Verbot zusammen, zwischen denen eine Grenze verläuft, die mit der unterschiedlichen Argumentstruktur dieser Prädikate zusammenhängt. In Beispiel (42)(a) ist die Prädikation mit dem Matrixverb prohibir 'verbieten' trivalent und weist neben dem Subjekt und dem direkten Objekt, als das der Infinitivsatz fungiert, ein indirektes Objekt auf, dessen Referent mit dem impliziten Agens des Infinitivsatzes identifiziert wird:
(42) Implizites Argument korreliert mit indirektem Objekt des Matrixsatzes
(a)	[…] Zapatero había prohibido a sus colaboradores negociar pactos previos con contrapartidas […]
'Zapatero hatte seinen Mitarbeitern verboten, vorab Abkommen mit anderen Parteien auszuhandeln'
[Gonzalo López Alba, El relevo, in: CREA]
(b)	El pintor Theo ha invitado a la escultora Ester Pizarro a compartir la experien y la responsabilidad de poner en pie la exposición "Encuentro" […]
'Der Maler Theo hat die Bildhauerin Ester Pizarro eingeladen, die Erfahrung und Verantwortung, die Ausstellung "Begegnung" auf die Beine zu stellen, mit ihm zu teilen'
[ABC Cultural, 19/07/1996, in: CREA]
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Auch in Beispiel (42)(b) korreliert das implizite Subjekt mit dem indirekten Objekt im Hauptsatz. Im Gegensatz zu Beispiel (42)(a) jedoch, bei dem der Infinitivsatz das direkte Objekt der Matrix bildet, fungiert der Infinitivsatz hier als obliques Präpositionalobjekt. Derselbe Unterschied besteht im Übrigen auch zwischen den Beispielen (41)(a), wo der Infinitivsatz ein direktes Objekt ist, und (41)(b), wo er präpositional an die Matrix eingebunden wird. Wie bei den finiten Komplementsätzen gibt es keine Infinitivkomplemente in der Funktion eines indirekten Objekts. Infinitivsätze, die als Subjekt des Matrixsatzes fungieren, gibt es dagegen in derselben Vielfalt wie entsprechende finite Subjektsätze. Hernanz (1999: 2222f.) diskutiert beispielsweise anhand der infinitiven Subjektsätze in folgenden Beispielen (43) den Unterschied zwischen determinierten und undeterminierten impliziten Subjekten von Infinitivkonstruktionen:
(43) Generische und spezifische Interpretation des impliziten Arguments
(a)	Le conviene hacer ejercicio todos los días.
'Es nützt ihm/ihr, jeden Tag Sport zu treiben'
[Hernanz (1999: 2223)]
(b)	Conviene hacer ejercicio todos los días.
'Es ist nützlich, jeden Tag Sport zu treiben'
[Hernanz (1999: 2222)]
In (43)(a) verweist der Infinitivsatz implizit auf einen Referenten, der als Sporttreibender interpretiert wird. Dieser wird, wie in den Beispielen (42), automatisch mit dem indirekten Objekt des Matrixsatzes identifiziert. Dagegen ist die Matrixkonstruktion in (43)(b) unpersönlich, weil der Nutznießer nicht darin ausgedrückt wird. Aus diesem Grund wird das implizite Subjekt des Infinitivsatzes generisch interpretiert (Im Sinne von: 'Jeder, der täglich Sport treibt, hat etwas davon').29
Neben der Möglichkeit, das implizite Subjekt des Infinitivkomplements als koreferent mit einem Matrixkomplement oder als generisch zu interpretieren, kann es, wenn der Hauptsatz eine Kopulakonstruktion ist (vgl. Abschnitt 2.2), auf ein Element der übergeordneten Prädikatskonstruktion bezogen werden, wie es in den folgenden Beispielen (44) offensichtlich der Fall ist:
(44) Implizites Argument korreliert mit Element des kopulativen Matrixprädikats
(a)	Mi objetivo es estar esta temporada entre los "top ten".
'Mein Ziel ist es, in dieser Spielzeit in den "top ten" zu sein' (Kontext: Tennis)
[El Mundo, 29/04/1996, in: CREA]
(b)	Nuestro objetivo es recuperar el suelo para el cultivo.
'Unser Ziel ist es, den Boden für den Ackerbau zurückzubekommen'
[El País, 03/05/1997, in: CREA]
Den Rückbezug des Infinitivsatzes auf ein Element eines prädikativen Referenzausdrucks (DP) ist mit einer ganzen Reihe von Prädikatsnomen möglich und geschieht relativ häufig. Hier zeigt der Vergleich von zwei Konstruktionen mit demselben Prädikatsnomen objetivo, wie flexibel der Infinitiv im Rahmen der Gesamtbedeutung interpretiert werden kann. Während das implizite Subjekt in Beispiel (44)(a) ganz eindeutig über das syntaktische Subjekt des Hauptsatzes als die Person des Sprechers identifiziert werden muss, ist dies in Beispiel (44)(b) nicht so eindeutig. Wenn man weiß, dass die Aussage in diesem Beispiel vom brasilianischen Umweltaktivisten Ivo Poletto stammt, wird deutlich, dass mit Nuestro im Hauptsatz auf den Sprecher und seine Mitstreiter referiert wird, während es nach seiner Auffassung die Bauern, für die sie kämpfen, sind, die den Boden für den Ackerbau zurückbekommen sollen. Hier ermöglicht der Infinitiv eine sehr subtile Metonymie, mit der das implizite Subjekt zwar spezifisch interpretiert wird, aber nicht koreferent zu einem Element der Matrixprädikation ist.
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Eine besondere konstituentielle Form der Subordination weisen Infinitivsätze auf, die von prädikativen Substantiven und Adjektiven regiert werden. Die Beispiele in (45) zeigen, dass infinite Nominalkomplemente im Spanischen stets präpositional eingeleitet werden:
(45) Nominal regierte Infinitivsätze
(a)	Don Juan anuncia su decisión de abandonar Estoril.
'Don Juan kündigt seine Entscheidung an, Estoril zu verlassen'
[Luis María Anson, Don Juan, in: CREA]
(b)	[S]e hizo conocido por su obstinación en seguir vistiendo un traje negro.
'Er wurde durch seine Eigenheit bekannt, stets einen schwarzen Anzug zu tragen'
[Emilio Gavilanes, El bosque perdido, in: CREA]
Bei den von einem Nominalprädikat regierten Infinitivsätzen kommen, wie bei den entsprechenden finiten Komplementsätzen (vgl. Abschnitt 2.4), neben der Standardpräposition de, die den nominal regierten Infinitivsatz in (45)(a) einleitet, auch spezifische Präpositionen vor, wie in (45)(b). Dasselbe gilt für adjektivisch regierte Infinitivsätze, wie sie im folgenden Beispiel (46) aufgeführt sind. Auch hier lassen sich unmittelbare Parallelen zu den finiten Komplementsätzen in Beispiel (18) aus Abschnitt 2.4 erkennen:
(46) Adjektivisch regierte Infinitivsätze
(a)	Debemos felicitar al jerarca responsable de haber dispuesto que la policía de Tránsito dé mayor agilidad a la circulación […]
'Wir müssen den Magistrat beglückwünschen, der dafür verantwortlich ist, angeordnet zu haben, dass die Transitpolizei den Verkehrsfluss erhöht'
[El País, 06/09/2001, in: CREA]
(b)	¿Está usted dispuesto a someterse a un examen de inglés?
'Sind sie bereit, sich einer Englischprüfung zu unterziehen?'
[Habla Culta: Lima: M15, in: CDE]
Sowohl bei den nominal als auch bei den adjektivisch regierten Infinitivsätzen, wird das implizite Subjekt des Infinitivs mit einem Referenten aus dem Matrixsatz identifiziert. Sind diese nominal regiert, ist dies in der Regel ein als Possessor des Prädikatsnomens ausgedrückte Person. In Beispiel (45) werden diese Personen durch das Possessivpronomen su gekennzeichnet. Bei den adjektivisch regierten Infinitivsätzen wird das implizite Subjekt normalerweise auf den durch das regierende Adjektiv qualifizierten Referenten bezogen, also auf [e]l jerarca in Beispiel (46)(a) und usted in Beispiel (46)(b).
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Eine Besonderheit der spanischen Grammatik ist die Möglichkeit, das implizite semantische Subjekt beziehungsweise das Agens der Prädikation im Infinitiv explizit zu benennen. Zu diesem Phänomen präsentiert Hernanz (1999: 2265f.) unter anderem die unter (47) aufgeführten Beispiele:
(47) Infinitivsätze mit explizitem Agens [Hernanz (1999: 2265f.)]
(a)	Telefonear tú primero seria un error.
'Wenn du zuerst anrufst, wäre das ein Fehler'
(b)	Julia quería telefonear ella.
'Julia wollte selbst telefonieren'
(c)	Amarse los unos a los otros es un mandamiento bíblico.
'(Sich gegenseitig zu/Dass die einen die anderen) lieben, ist ein biblisches Gebot'
(d)	*Le gusta viajar tú en verano.
'*Es gefällt ihr/ihm, dass du im Sommer zu reisen'
Das Subjekt kann unter anderem ausgedrückt werden, wenn der Hauptsatz unpersönlich ist, wie in Beispiel (47)(a), aber auch wenn der Bezugsreferent zwar im Hauptsatz gegeben ist, aber eine zusätzliche Fokussierung erreicht werden soll, wie in Beispiel (47)(b), wo ella einen Kontrast bildet, der im Deutschen mit selbst übersetzt werden muss. Auch in (47)(a) bewirkt die Nennung des Agens eine Fokussierung, denn man hätte das Subjekt auch aus dem Kontext inferieren können. Im Fall von Beispiel (47)(c) erregt die angemessene Übersetzung mit gegenseitig zudem den Verdacht, dass wir es syntaktisch nicht mit einem Subjekt, sondern vielmehr mit einem Modifikator des Prädikats oder der Prädikation des Infinitivsatzes zu tun haben. Tatsächlich kann hier kein syntaktisches Subjekt vorliegen, denn im Spanischen muss dieses mit der Personalendung des Verbs korrelieren. Da jedoch die Flexion des Infinitivs unpersönlich ist, sind tú in Beispiel (47)(a), ella in Beispiel (47)(b) und los unos a los otros in Beispiel (47)(c) keine syntaktischen Subjekte. Ihre Fokussierungsfunktion in (47)(a) und (47)(b) sowie ihre Bedeutung in (47)(c) lässt sie vielmehr als Adverbiale erscheinen. Die Unmöglichkeit von Beispiel (47)(d) zeigt schließlich, dass die Bezeichnung des Agens im Infinitivsatz der Zuordnung zu einem Argument der Matrix nicht widersprechen darf.
Eine andere Möglichkeit, das Subjekt zu explizieren bieten sogenannte ACI-Konstruktionen (accusativus cum infinitivo). Diese bilden im Lateinischen eine der wichtigsten Formen des Komplementsatzes, da sie in dieser Sprache insbesondere von assertiven und direktiven Prädikaten des Sagens (verba dicendi) regiert werden. Im Spanischen und in den romanischen Sprachen beschränken sie sich jedoch auf Matrixprädikate, die Wahrnehmung, wie in Beispiel (48)(a), oder Kausation, wie in Beispiel (48)(b), ausdrücken:
(48) ACI-Konstruktionen
(a)	Oímos a los novicios canturrear monótonamente las Escrituras.
'Wir hören die Novizen leise die Schriften singen'
[Ramiro A. Calle, Viaje al interior de la India, in: CREA]
(b)	Así lo hicieron recorrer la avenida de Mayo, entre la hilaridad general.
'So ließen sie ihn die Avenida de Mayo auf- und ablaufen, unter allgemeiner
Erheiterung'
[Fermin V. Arenas Luque, Cómo era Buenos Aires, in: CREA]
Bei der ACI-Konstruktion fungiert der Infinitivsatz gewissermaßen nur indirekt als Komplement des Matrixsatzes. Es handelt sich dabei nämlich um eine attributive Apposition im Referenzausdruck, der als direktes Objekt des Matrixsatzes fungiert. Semantisch gesehen drückt die Apposition eine sekundäre Prädikation aus, mit der die Tätigkeit des Referenten im direkten Objekt beschrieben wird.
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3.5 Finite und infinite DP-Komplementsätze im Spanischen
Die Verwendung des Infinitivs mit vorangestelltem bestimmten Artikel (D) ist im Spanischen sehr verbreitet, was, wie der Vergleich mit dem Französischen in den Beispielen (49) zeigt, nicht selbstverständlich ist:
(49) Einleitung des Infinitivs durch den bestimmten Artikel im Spanischen u. Französischen
(a)	El decir lo que todo el mundo sabe, no es reputado por crimen en parte alguna.
'Das sagen, was alle Welt weiß, wird nirgends als Verbrechen angesehen'
[Manuel Torrios, La infanta Doña Teresa, in: CDE]
(b)	Decir lo que todo el mundo sabe, no es reputado por crimen en parte alguna.
(c)	*Le dire ce que tout le monde sait n'est nulle part considéré comme un crime.
(d)	Dire ce que tout le monde sait n'est nulle part considéré comme un crime.
Während der spanische Infinitivsatz, wie anhand der Beispiele (49)(a) und (49)(b) ersichtlich, von einem Artikel eingeleitet sein kann oder nicht, ist diese Alternative, wie die Beispiele (49)(c) und (49)(d) zeigen, im Französischen nicht gegeben. Auffällig ist dabei die Tatsache, dass das Subjekt in Beispiel (49)(a) eine DP ist. In (50) wird die Konstituentenstruktur dieses Beispiels analysiert:
(50) [dp El [ip decir lo que todo el mundo sabe] ]s no es reputado por crimen en parte alguna.
Da die DP die typische Konstituente nominaler oder pronominaler Ausdrücke, könnte man annehmen, dass wir es hier nicht mit einem Satz zu tun haben. Dem widerspricht Hernanz (1999: 2205ff.). Nach ihrer Auffassung kann man in solchen Fällen nicht von nominalen Infinitiven sprechen, weil sich die nominalen Infinitive, die es im Spanischen auch gibt, dadurch auszeichnen, dass sie aus lexikalischen oder syntaktischen Gründen den Kopf einer Nominalphrase (NP) bilden. Syntaktisch lässt sich dies an entsprechenden Attributen erkennen, wie das folgende Beispiel (51)(a) zeigt:
(51) Nominalisierung des Verbs im Spanischen und Französischen
(a)	Se oía a lo lejos el monótono zumbar de las abejas.
'Man hörte in der Ferne das monotone Summen der Bienen'
[Hernanz (1999: 2205)]
(b)	On entendait au loin le bourdonnement monotone des abeilles.
Der erneute Vergleich mit dem Französischen in Beispiel (51)(b) zeigt, dass auch die tatsächlich nominale Verwendungsweise des Infinitivs in dieser Sprache nicht möglich ist und dass hier stattdessen ein deverbal gebildetes Substantiv verwendet wird. Wenn wir nun die Konstituenz des DP-Infinitivs in (51)(a) analysieren, ergibt sich der folgende Befund:
(52) Se oía a lo lejos [dp el [np monótono [N' zumbar de las abejas] ] ]s
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Wenn wir diese Konstituentenstruktur mit der in (50) vergleichen, wird deutlich, dass der bestimmte Artikel dort einen Satz (IP) einleitet, während er hier einem Nominalausdruck (NP) vorangeht. Wir haben es also in Beispiel (49)(a) nicht mit einem nominalen, sondern mit einem verbalen Infinitivsatz zu tun, der eine syntaktische Prädikation bildet. Dennoch verliert der Satz durch die Voranstellung des bestimmten Artikels in einer Hinsicht seinen prädikativen Charakter: Durch die Einbettung in eine DP wird der durch den Infinitivsatz repräsentierte Sachverhalt präsupponiert und ist nicht mehr verhandelbar. In Beispiel (49)(a) ergibt sich aus dem Kontext, dass der Sprecher bereits zuvor gesagt hat, 'was alle wissen', sodass dieser Sachverhalt für die Gesprächsbeteiligten präsupponiert wird. Aus der Formulierung in Beispiel (49)(b) ergibt sich dagegen keine Präsupposition.
Eine Besonderheit des Spanischen ist, dass der bestimmte Artikel nicht nur Infinitivsätze, sondern auch finite Komplementsätze einleiten kann. Delbecque & Lamiroy (1999: 1980) demonstrieren dies anhand der folgenden Beispiele (53):
(53) Einleitung finiter Komplementsätze durch den bestimmten Artikel
(a)	Le fastidia el que reaccionemos así.
'Es ärgert ihn, dass wir so reagieren'
[Delbecque & Lamiroy (1999: 1980)]
(b)	El que haya mentido me ofende.
'Dass sie/er gelogen hat, kränkt mich'
Auch beim finiten Komplementsatz dient die Einbettung in eine DP der Markierung der Präsupposition. Damit stellt diese Konstruktion eine Alternative zur Topikalisierung durch Voranstellung dar, die in Abschnitt 2.5 diskutiert wurde. Wie Beispiel (53)(b) zeigt, können beide Verfahren sogar kombiniert werden.
4 Ergebnisse und Desiderate
In den vorangegangenen Abschnitten hat die Diskussion der syntaktischen Funktionen und der syntaktischen Konstituenz der Komplementsätze des Spanischen nicht nur gezeigt, wie ungemein vielfältig dieser Typ des Nebensatzes ist, sondern auch, dass seine Untersuchung uns mit einer Reihe zentraler syntaktischer Merkmale der spanischen Grammatik konfrontiert hat, wie den Funktionen des syntaktischen Prädikats (Abschnitte 2.1–2.3), der Konstituenz, Einleitung und der Modi von Sätzen (Abschnitt 3.1). In typologischer Hinsicht besonders interessant sind im Bereich der syntaktischen Funktionen unter anderem die präpositionalen Komplementsätze (Abschnitt 2.4) sowie ihre Topikalisierung und die Fokussierung durch Voranstellung mittels der Subjekt-Permutation (Abschnitt 2.5). Im Bereich der syntaktischen Konstituenz von Komplementsätzen zeichnet sich das Spanische unter anderem durch finite Sätze ohne Konjunktion (Abschnitt 3.2), indirekte Fragesätze mit mehreren Einleitungselementen (Abschnitt 3.3), Infinitivsätze mit explizitem Subjekt (Abschnitt 3.4) und die finiten DP-Komplementsätze (Abschnitt 3.5) aus.
Als Ergebnis der Beschreibung haben wir auch gesehen, dass die konsequente Unterscheidung zwischen den extrinsischen syntaktischen Funktionen und der intrinsischen syntaktischen Konstituenz im Rahmen des in Fig. 1 (Abschnitt 1) skizzierten Modells für die Untersuchung sprachlicher Segmente es erlaubt, die vorgefundenen Phänomene durchgehend kohärent zu klassifizieren und zu erklären. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass viele Dinge, wie etwa die Komplementfunktionen oder bestimmte konstituentielle Restriktionen nur relativ grob erfasst werden konnten, und im Einzelnen detailliertere Analysen vonnöten sind. Zudem konnten viele wichtige Phänomene nicht behandelt werden, die Abweichungen von den prototypischen Strukturen aufweisen, auf die sich die vorliegende Beschreibung konzentrieren musste. Dazu gehören Formen der direkten Rede, unvollständige Matrixprädikationen, spezielle Satztypen, die durch dialogische Funktionen, wie dem Einverständnis (dijo sí 'sie/er sagte ja'), der Diskursmarkierung (dijo mira, … 'sie/er sagte schau, …'), Gruß- oder Abschiedsformeln (contestó adiós 'sie/er antwortete Tschüss') etc. bedingt sind. Aus dieser Perspektive ergibt sich das Desiderat für eine ganze Reihe von Studien, an deren Anfangspunkt der vorliegende Beitrag hilfreich sein könnte.
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1 Unter einem mikrostrukturellen sprachlichen Segment wird hier ein Segment verstanden, das innerhalb des makrostrukturellen Rahmens eines Textes als eine illokutionär zusammenhängende Einheit interpretiert werden kann (vgl. Gévaudan 2013a, zu den in diesem Zusammenhang anfallenden Abgrenzungsproblemen auch Atayan 2009). Das entspricht grob gesagt dem, was man gemeinhin als Satz oder Satzgefüge betrachtet.
2 Es sei darauf verwiesen, dass hier kein nennenswerter Unterschied zwischen Syntax und Grammatik gemacht wird. Im Allgemeinen wird unter Syntax eine tendenziell stärker formal orientierte Disziplin verstanden.
3 Dies zu übersehen, scheint eines der fundamentalen Probleme der generativen Grammatik zu sein. Grundlegend und exemplarisch erscheint in dieser Hinsicht die folgende Argumentation in Chomsky (1965: 70): "In [John was persuated by Bill to leave] John is simultaneously Object-of persuade (to leave) and Subject-of leave; […]. In such cases as these, the impossibility of a categorical interpretation of functional notions becomes apparent; […]." Natürlich ist John in Chomskys Beispiel das syntaktische Subjekt des Passivsatzes – als Patiens einer Agens-Patiens-Relation würde er im Aktivsatz dagegen als direktes Objekt kodiert. Außerdem gibt es im Infinitivsatz to leave kein syntaktisches, sondern allenfalls ein implizites semantisches Subjekt (vgl. die Erörterungen zum Infinitiv in Abschnitt 3.4). Das Missverständnis beruht also darin, dass hier syntaktische mit semantischen Funktionen verwechselt werden.
4 An dieser Stelle lässt sich die Unterscheidung zwischen complemento de régimen verbal und complemento circumstancial nicht diskutieren. Ein wesentliches Argument für Letzteres ist die Variabilität der Präposition. Dagegen spricht jedoch, dass man die entsprechenden präpositional eingeleiteten Konstituenten kaum anders interpretieren kann denn als Komplemente.
5 Für diese Konstellation wird häufig von "pro-drop-Sprachen" gesprochen. Gemäß Chomsky (1981) sind dies Sprachen, in denen der "pro-drop-Parameter" der universalen Grammatik gesetzt ist. Diese Bezeichnung ist irreführend, da es hier lediglich um unterschiedliche Formen der Einbindung eines Referenten in eine syntaktische Prädikation geht. Dieser kann, wenn er bekannt ist, durch Konjugation – wie im Spanischen –, durch ein Pronomen – wie im Französischen –, durch Konjugation und Pronomen – wie im Deutschen – oder gar nicht ausgedrückt werden – wie im Japanischen. In bestimmten Sprachen wie dem Baskischen verweist die Verbflexion gleichzeitig auf mehrere Komplemente. Die Fixiertheit der so genannten "universalen Grammatik" auf das Pronomen rührt wohl vom Englischen her, wo die Konjugation lediglich die dritte Person Singular im Indikativ Präsens markiert, die Personalflexion also relativ unterentwickelt ist. Hier sind Pronomen unabdingbar. Es gibt jedoch keinen triftigen Grund, diesen einzelsprachlichen Befund als universell zu verallgemeinern. Hinzu kommt, dass eine genauere sprachvergleichende Betrachtung der syntaktischen Eigenschaften des Pronomen, wie sie etwa Bossong (1998) vornimmt, erkennen lässt, dass die Kategorie Pronomen in syntaktischer Hinsicht sehr heterogen ist und man sogar von einem Kontinuum zwischen betonten Pronomen auf der einen Seite und der Personalflexion auf der anderen Seite ausgehen muss.
6 Naheliegende semantische Argumente sollen hier außer Acht gelassen werden.
7 Leider können diese quantitativen Verhältnisse hier nicht statistisch belegt werden, weil die zwei größten spanischen Korpora, CREA und CDE, keine oder keine zuverlässige syntaktische Auszeichnung (Tagging) der grammatischen Funktionen zur Verfügung stellen. Hier können lediglich die Erfahrung mit der Untersuchung dieses Phänomens und andere Studien (u.a. Delbecques & Lamiroy 1999) angeführt werden.
8 Interessant ist dabei das deutsche Pronomen es, das in der Übersetzung in Beispiel (9)(c) diese neutrale Funktion hat, während es etwa in den Übersetzungen in (7)(a) und (7)(b) unpersönlich ist.
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9 Fälle, in denen eine direkte präpositionale Anbindung eines Komplementes möglich scheint, erweisen sich zumeist als fragwürdig hinsichtlich ihres Status als Komplementsätze. So muss man etwa den subordinierten Satz La directrice insiste pour que je reste 'die Direktorin besteht darauf, dass ich bleibe' [Berthe Auroy, Jours de guerre, in: FRANTEXT] als Finalsatz einstufen, zumindest wenn man bedenkt, dass das Syntagma pour que die typische Finalkonjunktion im Französischen ist und seine finale Bedeutung in Rechnung stellt. Andererseits spricht die Möglichkeit der obliquen Pronominalisierung mit y (la directrice y insiste) dafür, im Nebensatz einen Komplementsatz zu sehen. Doch selbst dann haben wir es im Französischen allenfalls mit einem Randphänomen zu tun.
10 Das von Gómez Torrego (1999) übernommene Zeichen [*] signalisiert, dass der Satz nach der präskriptiven Norm ungrammatisch ist, aber nach der deskriptiven Norm, die den tatsächlich Sprachgebrauch erfasst, nicht.
11 Beispielsweise könnte man den queísmo als eine Art Endpunkt einer Entwicklung der syntaktischen Integration betrachten, die von der parataktischen Katapher über den präpositionalen Komplementsatz zu einem unmittelbar integrierten obliquen Objekt ohne Präposition führt. Dies ist eine rein theoretische Überlegung, denn der präpositionale Komplementsatz lässt sich schon in frühesten spanischsprachigen Texten nachweisen. Dennoch wäre eine solches Szenario für den dequeísmo undenkbar.
12 Die Präsupposition wird oft durch den Konjunktiv markiert, aber nicht immer, wie die hier besprochenen Beispiele zeigen. In diesen Fällen haben wir es mit Präsuppositionen zu tun, die nicht notwendigerweise auch den Hörer einschließen.
13 Für die Konstituentenanalyse vgl. u.a. Bloomfield (1933); zur generativen Grammatik Chomsky (1957, 1965, 1981, 1992).
14 Für die Auflösung der I-Konstituente in weitere "funktionale Köpfe" in der generativen Grammatik vgl. unter anderem Rizzi (1997).
15 In der direkten Rede kann der Imperativ als Komplementsatz fungieren (Ella dijó: "¡Dámelo!" 'Sie sagte: "Gib es mir!"'). In diesem Fall ist der Satz in der wiedergegebenen Rede ein Hauptsatz. Wir haben es dabei also mit einer nicht prototypischen Verwendung zu tun (die aber, nota bene, dennoch häufig ist!), die hier ausgeklammert bleiben soll. Zu den seltenen infinitivischen Hauptsätzen gehören interessanterweise vor allem Sätze, die als Aufforderung zu interpretieren sind, ¡a comer! 'essen kommen!'.
16 Andere konstituentielle Faktoren wie die Prosodie und bestimmte syntaktisch-satzsemantische Schnittstellenphänomene, können hier nicht besprochen werden.
17 Vertreter dieser Auffassung sind unter anderem Schmitt-Jensen (1970) für das Italienische, Boysen (1971) für das Französische und Raible (1983) in gesamtromanischer Perspektive.
18 Vgl. unter anderem Schwarze (1983) für das Italienische, Gsell & Wandruszka (1986) gesamtromanisch und für das Spanische Porto Dapena (1991), der gleichzeitig auch Vertreter der morpho-semantischen Hypothese ist; in bestimmter Hinsicht sind hier auch Heger (1977, 1979) und Ludwig (1988) zu nennen. Als syntaktische Ausprägung der Korrelationshypothese kann man das traditionelle Konzept der "servitude grammaticale" (Gougenheim 1962) betrachten. Nach diesem Konzept werden Indikativ und Konjunktiv durch bestimmte (im weiteren Sinne lexikalisierte) Formen, unabhängig von der Bedeutung oder Funktion dieser Formen, automatisch ausgelöst.
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19 Dazu unter anderem Ducrot (1984), Anscombre (1990), Nølke et al. (2004).
20 Das erinnert in gewisser Hinsicht an die oben erwähnte Argumentation von Raible (1983).
21 Vgl. dazu die von Porto Dapena (1991) vorgelegte Untersuchung zu Indikativ und Konjunktiv im Spanischen. Darin lassen sich die Verwendungen dieser Modi im Zusammenhang mit einer großen Zahl spanischer Prädikate auch unter semantischen Gesichtspunkten aufgezeigt, sodass sich dieser Band auch als Nachschlagewerk eignet.
22 Für eine ausführliche semantische Analyse von Komplementsatzfügungen vgl. auch Gévaudan (2010, 2013a).
23 "[T]odas las interrogativas son expresiones abiertas, 'incompletas'. En el caso de las interrogativas parciales la incógnita corresponde al pronombre, adjetivo o adverbio interrogativo utilizado […]. En las interrogativas totales, la variable corresponde al carácter afirmativo o negativo de la predicación" (Escandell Vidal 1999: 3932).
24 Neben der Kategorie und der Distribution der formalen Elemente des Satzes bildet die Intonation zweifellos eine weitere Dimension der Konstituenz. Es würde jedoch zu weit führen, an dieser Stelle systematisch darauf einzugehen (vgl. hierzu zum Spanischen auch Quilis 1993, 2000).
25 So handelt es sich etwa im vorliegenden Beispiel um einen siebenjährigen Sprecher, der das Spiel Monopoly erklärt, das er nach eigenem Bekunden selbst noch nicht ganz beherrscht.
26 Eine ausführliche Behandlung dieses Themas aus Sicht der generativen Grammatik liefern Rizzi (1999, 2001) für das Italienische, in dem die entsprechenden Einleitungskombinationen in geringerem Maße ebenfalls zu beobachten sind, und Demonte & Fernández Soriano (2009) für das Spanische, die viele weitere interessante Belege liefern.
27 Vgl. unter anderem Bello (1847: §1155), Suñer (1999: § 35.5) und Nueva Gramática (2009: § 43.7a).
28 Manchmal liegt die Negation auch in der prohibitiven (z.B. impedir) oder dubitativen (z.B. dudar) Bedeutung des Prädikats.
29 Mit generischen Infinitivkomplementsätzen werden im Spanischen wie in anderen romanischen Sprachen viele Sprichwörter gebildet, wie beispielsweise Más vale prevenir que curar 'Es ist besser, vorzusorgen als zu heilen' (Hernanz 1999: 2222).

References: § 706
 § 982
 §1155
 § 1155
 § 43
 § 62
 § 43
 §1155
 § 35
 § 43