Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Arbeitnehmerbegriff_im_Sinne_der_Leiharbeits-Richtlinie_DRK-Schwestern_sind_Arbeitnehmer_EuGH_C-216-15_u.html
Timestamp: 2019-05-24 19:41:29+00:00

Document:
17. No­vem­ber 2016(*)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - Richt­li­nie 2008/104/EG - Leih­ar­beit - An­wen­dungs­be­reich - Be­griff ‚Ar­beit­neh­mer' - Be­griff ‚wirt­schaft­li­che Tätig­keit' - Pfle­ge­per­so­nal oh­ne Ar­beits­ver­trag, das
von ei­nem Ver­ein, der kei­nen Er­werbs­zweck ver­folgt, ei­ner Ge­sund­heits­pfle­ge­ein­rich­tung über­las­sen wird"
In der Rechts­sa­che C-216/15
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 17. März 2015, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 12. Mai 2015, in dem Ver­fah­ren
Be­triebs­rat der Ruhr­land­kli­nik gGmbH
Ruhr­land­kli­nik gGmbH
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten J. L. da Cruz Vila9a, des Vi­ze­präsi­den­ten des Ge­richts­hofs A. Tiz­za­no (Be­richt­er­stat­ter), der Rich­te­rin M. Ber­ger so­wie der Rich­ter A. Borg Bart­het und F. Bilt­gen,
Ge­ne­ral­an­walt: H. Saug­man­ds­gaard Oe,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 20. April 2016, un­ter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen
- des Be­triebs­rats der Ruhr­land­kli­nik gGmbH, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt G. Her­get,
- der Ruhr­land­kli­nik gGmbH, ver­tre­ten durch die Rechts­anwälte C.-M. Alt­haus und S. Schröder, der tsche­chi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch M. Smo­lek und J. Vlüil als Be­vollmäch­tig­te,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch M. van Beek, G. Braun und E. Schmidt als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 6. Ju­li 2016 fol­gen­des
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Richt­li­nie 2008/104/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 19. No­vem­ber 2008 über Leih­ar­beit (ABl. 2008, L 327, S. 9).
2 Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen dem Be­triebs­rat der Ruhr­land­kli­nik gGmbH (im Fol­gen­den: Be­triebs­rat) und der Ruhr­land­kli­nik gGmbH we­gen der Über­las­sung von Frau K., Mit­glied der DRK-Schwes­tern­schaft Es­sen e. V. (im Fol­gen­den: Schwes­tern­schaft), an die Ruhr­land­kli­nik.
3 Die Erwägungs­gründe 10 und 12 der Richt­li­nie 2008/104 lau­ten:
„(10) In Be­zug auf die In­an­spruch­nah­me der Leih­ar­beit so­wie die recht­li­che Stel­lung, den Sta­tus und die Ar­beits­be­din­gun­gen der Leih­ar­beit­neh­mer las­sen sich in­ner­halb der Uni­on große Un­ter­schie­de fest­stel­len.
(12) Die vor­lie­gen­de Richt­li­nie legt ei­nen dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en, trans­pa­ren­ten und verhält­nismäßigen Rah­men zum Schutz der Leih­ar­beit­neh­mer fest und wahrt gleich­zei­tig die Viel­falt der Ar­beitsmärk­te und der Ar­beits­be­zie­hun­gen.“
4 Art.1 Abs. 1 und 2 die­ser Richt­li­nie be­stimmt:
„(1) Die­se Richt­li­nie gilt für Ar­beit­neh­mer, die mit ei­nem Leih­ar­beits­un­ter­neh­men ei­nen Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen ha­ben oder ein Beschäfti­gungs­verhält­nis ein­ge­gan­gen sind und die ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men zur Verfügung ge­stellt wer­den, um vorüber­ge­hend un­ter de­ren Auf­sicht und Lei­tung zu ar­bei­ten.
(2) Die­se Richt­li­nie gilt für öffent­li­che und pri­va­te Un­ter­neh­men, bei de­nen es sich um Leih­ar­beits­un­ter­neh­men oder ent­lei­hen­de Un­ter­neh­men han­delt, die ei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit ausüben, un­abhängig da­von, ob sie Er­werbs­zwe­cke ver­fol­gen oder nicht.“
5 Art. 2 der Richt­li­nie sieht vor:
„Ziel die­ser Richt­li­nie ist es, für den Schutz der Leih­ar­beit­neh­mer zu sor­gen und die Qua­lität der Leih­ar­beit zu ver­bes­sern, in­dem die Ein­hal­tung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Leih­ar­beit­neh­mern gemäß Ar­ti­kel 5 ge­si­chert wird und die Leih­ar­beits­un­ter­neh­men als Ar­beit­ge­ber an­er­kannt wer­den, wo­bei zu berück­sich­ti­gen ist, dass ein an­ge­mes­se­ner Rah­men für den Ein­satz von Leih­ar­beit fest­ge­legt wer­den muss, um wirk­sam zur Schaf­fung von Ar­beitsplätzen und zur Ent­wick­lung fle­xi­bler Ar­beits­for­men bei­zu­tra­gen.“
6 In Art. 3 der Richt­li­nie heißt es:
a) ‚Ar­beit­neh­mer‘ ei­ne Per­son, die in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat nach dem na­tio­na­len Ar­beits­recht als Ar­beit­neh­mer geschützt ist;
c) ‚Leih­ar­beit­neh­mer‘ ei­nen Ar­beit­neh­mer, der mit ei­nem Leih­ar­beits­un­ter­neh­men ei­nen Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen hat oder ein Beschäfti­gungs­verhält­nis ein­ge­gan­gen ist, um ei­nem ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men über­las­sen zu wer­den und dort un­ter des­sen Auf­sicht und Lei­tung vorüber­ge­hend zu ar­bei­ten;
(2) Die­se Richt­li­nie lässt das na­tio­na­le Recht in Be­zug auf die Be­griffs­be­stim­mun­gen von ‚Ar­beits­ent­gelt‘, ‚Ar­beits­ver­trag‘, ‚Beschäfti­gungs­verhält­nis‘ oder ‚Ar­beit­neh­mer‘ un­berührt.
7 Art.5 („Grund­satz der Gleich­be­hand­lung“) Abs. 1 Un­terabs.1 der Richt­li­nie 2008/104 lau­tet:
„Die we­sent­li­chen Ar­beits- und Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen der Leih­ar­beit­neh­mer ent­spre­chen während der Dau­er ih­rer Über­las­sung an ein ent­lei­hen­des Un­ter­neh­men min­des­tens den­je­ni­gen, die für sie gel­ten würden, wenn sie von je­nem ge­nann­ten Un­ter­neh­men un­mit­tel­bar für den glei­chen Ar­beits­platz ein­ge­stellt wor­den wären.“
8 § 99 des zu­letzt durch Ge­setz vom 20. April 2013 (BGBl. 2013 I S. 868) geänder­ten Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes (Be­trVG) lau­tet in der für das Aus­gangs­ver­fah­ren maßgeb­li­chen Fas­sung:
„(1) In Un­ter­neh­men mit in der Re­gel mehr als zwan­zig wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern hat der Ar­beit­ge­ber den Be­triebs­rat vor je­der Ein­stel­lung, … zu un­ter­rich­ten, ihm die er­for­der­li­chen Be­wer­bungs­un­ter­la­gen vor­zu­le­gen und Aus­kunft über die Per­son der Be­tei­lig­ten zu ge­ben; er hat dem Be­triebs­rat un­ter Vor­la­ge der er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen Aus­kunft über die Aus­wir­kun­gen der ge­plan­ten Maßnah­me zu ge­ben und die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der ge­plan­ten Maßnah­me ein­zu­ho­len. …“
1. die per­so­nel­le Maßnah­me ge­gen ein Ge­setz, … ver­s­toßen würde,
9 § 1 Abs. 1 des zu­letzt durch Ge­setz vom 28. April 2011 (BGBl. 2011 I S. 642) geänder­ten Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­set­zes (AÜG) lau­tet in der ab dem 1. De­zem­ber 2011 gel­ten­den Fas­sung:
„Ar­beit­ge­ber, die als Ver­lei­her Drit­ten (Ent­lei­hern) Ar­beit­neh­mer (Leih­ar­beit­neh­mer) im Rah­men ih­rer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit zur Ar­beits­leis­tung über­las­sen wol­len, bedürfen der Er­laub­nis. Die Über­las­sung von Ar­beit­neh­mern an Ent­lei­her er­folgt vorüber­ge­hend. …“
Die Ruhr­land­kli­nik be­treibt in Es­sen (Deutsch­land) ei­ne sta­ti­onäre Kli­nik. Im Jahr 2010 schloss sie mit der Schwes­tern­schaft ei­nen Ge­stel­lungs­ver­trag, nach dem es die Schwes­tern­schaft ge­gen ein Ge­stel­lungs­ent­gelt, das die Per­so­nal­kos­ten und ei­ne drei­pro­zen­ti­ge Ver­wal­tungs­kos­ten­pau­scha­le um­fasst, über­nimmt, An­gehöri­ge der pfle­gen­den Be­ru­fe bei die­ser Kli­nik ein­zu­set­zen. Die­ses Pfle­ge­per­so­nal be­steht aus Ver­eins­mit­glie­dern der Schwes­tern­schaft, die be­rech­tigt sind, ei­nen Be­ruf in der Kran­ken- und Ge­sund­heits­pfle­ge aus­zuüben.
11 Die Schwes­tern­schaft ist als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein, der kei­ne ei­gen­wirt­schaft­li­chen Zwe­cke ver­folgt, Mit­glied im Ver­band der Schwes­tern­schaf­ten vom Deut­schen Ro­ten Kreuz e. V. Ih­re Mit­glie­der üben ih­re Be­rufstätig­keit haupt­be­ruf­lich aus, ent­we­der bei der Schwes­tern­schaft oder im Rah­men von Ge­stel­lungs­verträgen in Ein­rich­tun­gen der Krank­heits- und Ge­sund­heits­pfle­ge. In letz­te­rem Fall un­ter­lie­gen sie den fach­li­chen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Wei­sun­gen der be­tref­fen­den Ein­rich­tung.
12 Nach ih­rer Mit­glie­der­ord­nung zahlt die Schwes­tern­schaft an ih­re Mit­glie­der ei­ne mo­nat­li­che Vergütung, de­ren Be­rech­nung sich nach den für die je­wei­li­ge Tätig­keit übli­chen Kri­te­ri­en rich­tet, und er­stat­tet u. a. Rei­se- und Um­zugs­kos­ten. Da­ne­ben er­hal­ten die Mit­glie­der ent­spre­chend den für die­sen Tätig­keits­be­reich gel­ten­den Vor­schrif­ten ei­ne An­wart­schaft auf ein zusätz­li­ches Ru­he­geld so­wie An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub. Die Mit­glie­der er­hal­ten zu­dem ei­ne Fort­zah­lung der Vergütung bei ei­ner durch Krank­heit oder Un­fall ver­ur­sach­ten Ar­beits­unfähig­keit.
13 Das Rechts­verhält­nis zwi­schen der Schwes­tern­schaft und ih­ren Mit­glie­dern ist je­doch nicht ar­beits­ver­trag­lich ge­re­gelt. Rechts­grund­la­ge für die von den Mit­glie­dern ge­schul­de­ten Diens­te ist da­her ihr Ver­eins­bei­tritt zur Schwes­tern­schaft und die da­mit ver­bun­de­ne Pflicht, den Ver­eins­bei­trag in der Leis­tung von Diens­ten in persönli­cher Abhängig­keit zu er­brin­gen.
14 Frau K. ist als Ver­eins­mit­glied der Schwes­tern­schaft ei­ne der Schwes­tern. Sie soll­te ab dem 1. Ja­nu­ar 2012 auf der Grund­la­ge des zwi­schen der Ruhr­land­kli­nik und der Schwes­tern­schaft ge­schlos­se­nen Ge­stel­lungs­ver­trags im Pfle­ge­dienst der Ruhr­land­kli­nik ein­ge­setzt wer­den.
15 Mit Schrei­ben vom 2. De­zem­ber 2011 ver­wei­ger­te je­doch der Be­triebs­rat sei­ne Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung, weil der Ein­satz von Frau K. nicht vorüber­ge­hend sei und da­mit ge­gen § 1 Abs. 1 AÜG ver­s­toße, nach dem die nicht vorüber­ge­hen­de Über­las­sung von Ar­beit­neh­mern an Ent­lei­her ver­bo­ten sei.
16 Die Ruhr­land­kli­nik war der An­sicht, dass für die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung kein Grund be­ste­he, weil § 1 AÜG im vor­lie­gen­den Fall kei­ne An­wen­dung fin­de. Sie setz­te da­her Frau K. vorläufig ein und be­an­trag­te die ge­richt­li­che Er­set­zung der Zu­stim­mung zu de­ren Ein­stel­lung. Die Vor­in­stan­zen ga­ben dem An­trag statt. Hier­ge­gen rief der Be­triebs­rat im We­ge der Rechts­be­schwer­de das vor­le­gen­de Ge­richt, das Bun­des­ar­beits­ge­richt, an.
17 Nach den An­ga­ben des Bun­des­ar­beits­ge­richts gilt das in § 1 Abs. 1 AÜG auf­ge­stell­te Ver­bot der nicht vorüber­ge­hen­den Ar­beit­neh­merüber­las­sung nur für Ar­beit­neh­mer des Ver­lei­hers.
18 Mit­glie­der der Schwes­tern­schaft, wie Frau K., sei­en nach na­tio­na­lem Recht je­doch kei­ne Ar­beit­neh­mer, weil zwi­schen ih­nen und der Schwes­tern­schaft kein Ar­beits­ver­trag be­ste­he, auch wenn sie ge­gen Ent­gelt für ei­nen an­de­ren nach des­sen Wei­sun­gen Ar­beits­leis­tun­gen er­bräch­ten. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sei nach deut­schem Recht Ar­beit­neh­mer, wer auf­grund ei­nes pri­vat­recht­li­chen Ver­trags im Diens­te ei­nes an­de­ren zur Leis­tung wei­sungs­ge­bun­de­ner, fremd­be­stimm­ter Ar­beit in persönli­cher Abhängig­keit ver­pflich­tet sei.
19 Es fra­ge sich je­doch, ob Frau K., wenn­gleich ihr nach deut­schem Recht nicht die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft zu­kom­me, nicht nach dem Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re nach Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2008/104, als Ar­beit­neh­me­rin an­zu­se­hen sein könn­te.
20 Im Hin­blick dar­auf fragt sich das vor­le­gen­de Ge­richt auch, ob die Über­las­sung von Frau K. durch die Schwes­tern­schaft an die Ruhr­land­kli­nik ei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit im Sin­ne von Art. 1 Abs. 2 der Richt­li­nie 2008/104 dar­stellt, der den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie in­so­weit be­grenzt.
21 Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat da­her be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
Fin­det Art. 1 Abs. 1 und Abs. 2 der Richt­li­nie 2008/104 An­wen­dung auf die Über­las­sung ei­nes Ver­eins­mit­glieds an ein an­de­res Un­ter­neh­men zur Ar­beits­leis­tung nach des­sen fach­li­cher und or­ga­ni­sa­to­ri­scher Wei­sung, wenn sich das Ver­eins­mit­glied bei sei­nem Ver­eins­bei­tritt ver­pflich­tet hat, sei­ne vol­le Ar­beits­kraft auch Drit­ten zur Verfügung zu stel­len, wofür es von dem Ver­ein ei­ne mo­nat­li­che Vergütung erhält, de­ren Be­rech­nung sich nach den für die je­wei­li­ge Tätig­keit übli­chen Kri­te­ri­en rich­tet, und der Ver­ein für die Über­las­sung den Er­satz der Per­so­nal­kos­ten des Ver­eins­mit­glieds so­wie ei­ne Ver­wal­tungs­kos­ten­pau­scha­le erhält?
22 Mit sei­ner Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art.1 Abs.1 und 2 der Richt­li­nie 2008/104 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die durch ei­nen Ver­ein, der kei­nen Er­werbs­zweck ver­folgt, ge­gen ein Ge­stel­lungs­ent­gelt er­fol­gen­de Über­las­sung ei­nes Ver­eins­mit­glieds an ein ent­lei­hen­des Un­ter­neh­men, da­mit das Mit­glied bei die­sem haupt­be­ruf­lich und un­ter des­sen Lei­tung ge­gen ei­ne Vergütung Ar­beits­leis­tun­gen er­bringt, in den An­wen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie fällt, ob­wohl das Mit­glied nach na­tio­na­lem Recht kein Ar­beit­neh­mer ist, weil es mit dem Ver­ein kei­nen Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen hat.
23 Nach Art. 1 der Richt­li­nie 2008/104 setzt de­ren An­wen­dung u. a. vor­aus, dass die be­tref­fen­de Per­son „Ar­beit­neh­mer“ im Sin­ne von Abs. 1 die­ses Ar­ti­kels ist, und dass das Leih­ar­beits­un­ter­neh­men, das die Per­son ei­nem ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men zur Verfügung stellt, ei­ne „wirt­schaft­li­che Tätig­keit“ im Sin­ne von Abs. 2 die­ses Ar­ti­kels ausübt.
24 Zur Be­ant­wor­tung der Vor­la­ge­fra­ge ist so­mit zu be­stim­men, ob die­se bei­den Vor­aus­set­zun­gen un­ter Umständen wie den in Rn. 22 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten erfüllt sind.
Zum Ar­beit­neh­mer­be­griff
25 Bei der Aus­le­gung des Be­griffs „Ar­beit­neh­mer“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2008/104 ist zu be­ach­ten, dass die­ser Be­griff nach Art.3 Abs.1 Buchst. a der Richt­li­nie für ei­ne Per­son steht, „die in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat nach dem na­tio­na­len Ar­beits­recht als Ar­beit­neh­mer geschützt ist“.
26 Nach dem Wort­laut die­ser Be­stim­mung fällt un­ter den Ar­beit­neh­mer­be­griff im Sin­ne die­ser Richt­li­nie al­so je­de Per­son, die ei­ne Ar­beits­leis­tung er­bringt und die in die­ser Ei­gen­schaft in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat geschützt ist.
27 Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs be­steht das we­sent­li­che Merk­mal ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses dar­in, dass ei­ne Per­son während ei­ner be­stimm­ten Zeit für ei­ne an­de­re Per­son nach de­ren Wei­sung Leis­tun­gen er­bringt, für die sie als Ge­gen­leis­tung ei­ne Vergütung erhält, wo­bei die recht­li­che Ein­ord­nung die­ses Verhält­nis­ses nach na­tio­na­lem Recht und sei­ne Aus­ge­stal­tung eben­so wie die Art der zwi­schen bei­den Per­so­nen be­ste­hen­den Rechts­be­zie­hung in­so­weit nicht aus­schlag­ge­bend sind (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 11. No­vem­ber 2010, Da­no­sa, C-232/09, EU:C:2010:674, Rn. 39 und 40 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
28 Aus Art.1 Abs.1 der Richt­li­nie 2008/104 so­wie aus ih­rem Art. 3 Abs.1 Buchst. c, der den Be­griff „Leih­ar­beit­neh­mer“ be­stimmt, er­gibt sich außer­dem, dass die Richt­li­nie nicht nur auf die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer An­wen­dung fin­det, die mit ei­nem Leih­ar­beits­un­ter­neh­men ei­nen Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen ha­ben, son­dern auch auf die­je­ni­gen, die mit ei­nem sol­chen Un­ter­neh­men ein „Beschäfti­gungs­verhält­nis“ ein­ge­gan­gen sind.
29 Dar­aus folgt, dass we­der die recht­li­che Ein­ord­nung des zwi­schen der be­tref­fen­den Per­son und dem Leih­ar­beits­un­ter­neh­men be­ste­hen­den Verhält­nis­ses nach na­tio­na­lem Recht noch die Art ih­rer Rechts­be­zie­hun­gen, noch die Aus­ge­stal­tung die­ses Verhält­nis­ses aus­schlag­ge­bend ist für die Be­zeich­nung die­ser Per­son als Ar­beit­neh­mer im Sin­ne der Richt­li­nie 2008/104. Da­her kann, ent­ge­gen der von der Ruhr­land­kli­nik in ih­ren Erklärun­gen ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, ins­be­son­de­re ei­ne Per­son wie Frau K. nicht al­lein des­halb vom Ar­beit­neh­mer­be­griff im Sin­ne die­ser Richt­li­nie und da­mit von de­ren An­wen­dungs­be­reich aus­ge­schlos­sen sein, weil zwi­schen ihr und dem Leih­ar­beits­un­ter­neh­men kein Ar­beits­ver­trag be­steht und ihr da­her nach deut­schem Recht nicht die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft zu­kommt.
30 Die­ses Er­geb­nis kann nicht da­durch in Fra­ge ge­stellt wer­den, dass die Richt­li­nie 2008/104 nach ih­rem Art.3 Abs. 2 das na­tio­na­le Recht in Be­zug auf die Be­stim­mung des Ar­beit­neh­mer­be­griffs un­berührt lässt.
31 Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 29 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, be­sagt Art. 3 Abs. 2 der Richt­li­nie nämlich nur, dass der Uni­ons­ge­setz­ge­ber die Be­fug­nis der Mit­glied­staa­ten be­ste­hen las­sen woll­te, die un­ter den Ar­beit­neh­mer­be­griff im Sin­ne ih­res na­tio­na­len Rechts fal­len­den und im Rah­men ih­rer in­ner­staat­li­chen Re­ge­lung zu schützen­den Per­so­nen zu be­stim­men, ein As­pekt, des­sen Har­mo­ni­sie­rung nicht Ge­gen­stand der Richt­li­nie 2008/104 ist.
Da­ge­gen kann die­se Be­stim­mung nicht so ver­stan­den wer­den, dass der Uni­ons­ge­setz­ge­ber da­von ab­ge­se­hen hätte, die Be­deu­tung die­ses Be­griffs im Sin­ne der Richt­li­nie 2008/104 und so­mit de­ren persönli­chen An­wen­dungs­be­reich selbst fest­zu­le­gen. Denn wie sich aus den Rn. 25 und 26 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, hat es der Uni­ons­ge­setz­ge­ber nicht den Mit­glied­staa­ten über­las­sen, die­sen Be­griff ein­sei­tig zu be­stim­men, son­dern hat des­sen Kon­tu­ren in Art. 3 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie selbst um­ris­sen, wie er dies im Übri­gen auch bezüglich der Be­stim­mung des Leih­ar­beit­neh­mer­be­griffs in Art.3 Abs.1 Buchst.c der Richt­li­nie ge­tan hat.
33 So­mit ist der Ar­beit­neh­mer­be­griff im Sin­ne der Richt­li­nie da­hin aus­zu­le­gen, dass er je­de Per­son er­fasst, die ein Beschäfti­gungs­verhält­nis in dem in Rn.27 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Sin­ne hat und die in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat auf­grund der Ar­beits­leis­tung, die sie er­bringt, geschützt ist.
34 Die­se Aus­le­gung wird durch die Zie­le be­kräftigt, die mit der Richt­li­nie 2008/104 ver­folgt wer­den.
Aus den Erwägungs­gründen 10 und 12 der Richt­li­nie 2008/104 er­gibt sich nämlich, dass sich in Be­zug auf die recht­li­che Stel­lung, den Sta­tus und die Ar­beits­be­din­gun­gen von Leih­ar­beit­neh­mern in­ner­halb der Uni­on große Un­ter­schie­de fest­stel­len las­sen und die Richt­li­nie des­halb ei­nen dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en, trans­pa­ren­ten und verhält­nismäßigen Rah­men zum Schutz die­ser Ar­beit­neh­mer fest­le­gen und gleich­zei­tig die Viel­falt der Ar­beitsmärk­te und der Ar­beits­be­zie­hun­gen wah­ren soll. Da­her ist es nach Art. 2 die­ser Richt­li­nie de­ren Ziel, für den Schutz der Leih­ar­beit­neh­mer zu sor­gen und die Qua­lität der Leih­ar­beit zu ver­bes­sern, in­dem die Ein­hal­tung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Leih­ar­beit­neh­mern ge­si­chert wird und die Leih­ar­beits­un­ter­neh­men als Ar­beit­ge­ber an­er­kannt wer­den, wo­bei zu berück­sich­ti­gen ist, dass ein an­ge­mes­se­ner Rah­men für den Ein­satz von Leih­ar­beit fest­ge­legt wer­den muss, um wirk­sam zur Schaf­fung von Ar­beitsplätzen und zur Ent­wick­lung fle­xi­bler Ar­beits­for­men bei­zu­tra­gen.
36 Ei­ne Be­schränkung des Ar­beit­neh­mer­be­griffs im Sin­ne der Richt­li­nie 2008/104 auf Per­so­nen, die nach na­tio­na­lem Recht un­ter die­sen Be­griff fal­len, ins­be­son­de­re auf die­je­ni­gen Per­so­nen, die mit dem Leih­ar­beits­un­ter­neh­men ei­nen Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen ha­ben, könn­te die Ver­wirk­li­chung die­ser Zie­le gefähr­den und folg­lich die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der Richt­li­nie durch ei­ne übermäßige und un­ge­recht­fer­tig­te Ein­schränkung ih­res An­wen­dungs­be­reichs be­ein­träch­ti­gen.
37 Ei­ne sol­che Be­schränkung würde es den Mit­glied­staa­ten oder den Leih­ar­beits­un­ter­neh­men nämlich ermögli­chen, nach ih­rem Be­lie­ben be­stimm­ten Per­so­nen­grup­pen den mit der Richt­li­nie an­ge­streb­ten Schutz - ins­be­son­de­re die Gel­tung des in Art. 5 der Richt­li­nie ent­hal­te­nen Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Leih­ar­beit­neh­mern und den vom ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men un­mit­tel­bar Beschäftig­ten - zu ver­weh­ren, ob­wohl sich das zwi­schen die­sen Per­so­nen und dem Leih­ar­beits­un­ter­neh­men be­ste­hen­de Beschäfti­gungs­verhält­nis von dem Verhält­nis, das zwi­schen den­je­ni­gen Beschäftig­ten, de­nen nach na­tio­na­lem Recht die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft zu­kommt, und ih­rem Ar­beit­ge­ber be­steht, nicht we­sent­lich un­ter­schei­den würde.
38 Das vor­le­gen­de Ge­richt gibt an, dass die Schwes­tern­schaft Frau K. der Ruhr­land­kli­nik über­las­sen möch­te, da­mit sie haupt­be­ruf­lich und un­ter Lei­tung der Ruhr­land­kli­nik Leis­tun­gen im Pfle­ge­dienst er­bringt, wofür sie ei­ne mo­nat­li­che Vergütung erhält, de­ren Be­rech­nung sich nach den in der Kran­ken- und Ge­sund­heits­pfle­ge übli­chen Kri­te­ri­en rich­tet. Im Licht der in der Vor­la­ge­ent­schei­dung ent­hal­te­nen Ausführun­gen scheint sich das zwi­schen Frau K. und der Schwes­tern­schaft be­ste­hen­de Verhält­nis da­her nicht we­sent­lich von dem Verhält­nis zu un­ter­schei­den, das zwi­schen den Ar­beit­neh­mern ei­nes Leih­ar­beits­un­ter­neh­mens und die­sem be­steht.
39 Darüber hin­aus geht aus den dem Ge­richts­hof vor­ge­leg­ten Ak­ten her­vor, dass die Mit­glie­der der Schwes­tern­schaft ein­sch­ließlich Frau K. über ei­ne Rei­he von Rech­ten verfügen, die mit den Rech­ten, die Per­so­nen zu­ste­hen, die nach deut­schem Recht als Ar­beit­neh­mer ein­ge­stuft wer­den, teil­wei­se übe­rein­stim­men oder ih­nen gleich­wer­tig sind.
40 So hat das vor­le­gen­de Ge­richt selbst her­vor­ge­ho­ben, dass für die Mit­glie­der zwin­gen­de ar­beits­recht­li­che Schutz­be­stim­mun­gen gälten. Zu­dem un­ter­lie­gen die Mit­glie­der, wie die Ruhr­land­kli­nik und die deut­sche Re­gie­rung auf ei­ne vom Ge­richts­hof gemäß Art. 61 Abs. 1 sei­ner Ver­fah­rens­ord­nung ge­stell­te Fra­ge erläutert ha­ben, ge­nau­so dem So­zi­al­ge­setz­buch wie die Per­so­nen, die nach deut­schem Recht als Ar­beit­neh­mer ein­ge­stuft wer­den.
41 Außer­dem sol­len den Mit­glie­dern nach An­ga­ben der Ruhr­land­kli­nik die für Ar­beit­neh­mer gel­ten­den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen über Er­ho­lungs­ur­laub, Krank­heits­ur­laub, Mut­ter­schutz­zei­ten und El­tern­zeit so­wie Ent­gelt­fort­zah­lung bei durch Krank­heit oder Un­fall ver­ur­sach­ter Ar­beits­unfähig­keit zu­gu­te­kom­men. Sie genössen auch den­sel­ben Schutz wie Ar­beit­neh­mer der Ruhr­land­kli­nik in Be­zug auf die Teil­nah­me an der Wil­lens­bil­dung ih­res Un­ter­neh­mens, er­hiel­ten die­sel­be Vergütung und un­terlägen den­sel­ben Ar­beits­be­din­gun­gen wie die­se. Sch­ließlich könn­ten sie nur aus wich­ti­gem Grund aus der Schwes­tern­schaft aus­ge­schlos­sen wer­den.
42 In An­be­tracht des­sen liegt es da­her na­he, dass die Mit­glie­der der Schwes­tern­schaft in Deutsch­land auf­grund der von ih­nen er­brach­ten Ar­beits­leis­tung geschützt sind, was zu prüfen je­doch Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts ist.
43 Nach al­le­dem ist der Be­griff „Ar­beit­neh­mer“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2008/104 da­hin aus­zu­le­gen, dass er je­de Per­son er­fasst, die ei­ne Ar­beits­leis­tung er­bringt, d. h., die während ei­ner be­stimm­ten Zeit für ei­ne an­de­re Per­son nach de­ren Wei­sung Leis­tun­gen er­bringt, für die sie als Ge­gen­leis­tung ei­ne Vergütung erhält, und die auf­grund die­ser Ar­beits­leis­tung in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat geschützt ist, wo­bei die recht­li­che Ein­ord­nung ih­res Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses nach na­tio­na­lem Recht, die Art der zwi­schen den bei­den Per­so­nen be­ste­hen­den Rechts­be­zie­hung und die Aus­ge­stal­tung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses un­er­heb­lich sind. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen im vor­lie­gen­den Fall erfüllt sind und ob Frau K. folg­lich als Ar­beit­neh­me­rin im Sin­ne die­ser Richt­li­nie ein­zu­stu­fen ist.
Zum Be­griff „wirt­schaft­li­che Tätig­keit“
44 Bezüglich der Aus­le­gung des Be­griffs „wirt­schaft­li­che Tätig­keit“ im Sin­ne von Art. 1 Abs. 2 der Richt­li­nie 2008/104 ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs je­de Tätig­keit, die dar­in be­steht, Güter oder Dienst­leis­tun­gen auf ei­nem be­stimm­ten Markt an­zu­bie­ten, wirt­schaft­li­chen Cha­rak­ter hat (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 18. Ju­ni 1998, Kom­mis­si­on/Ita­li­en, C-5/96, EU:C:1998:303, Rn. 36, vom 6. Sep­tem­ber 2011, Scat­to­lon, C-08/10, EU:C:2011:542, Rn. 43, und vom 23. Fe­bru­ar 2016, Kom­mis­si­on/Un­garn, C-79/14, EU:C:2016:108, Rn. 149).
45 Im vor­lie­gen­den Fall bie­tet die Schwes­tern­schaft Dienst­leis­tun­gen auf dem Markt für die Über­las­sung von Pfle­ge­per­so­nal bei Ein­rich­tun­gen der Krank­heits- und Ge­sund­heits­pfle­ge in Deutsch­land an, wofür sie ein Ge­stel­lungs­ent­gelt erhält, das die Per­so­nal- und die Ver­wal­tungs­kos­ten um­fasst.
46 Ent­ge­gen dem Vor­brin­gen der Ruhr­land­kli­nik ist es nach dem Wort­laut von Art. 1 Abs. 2 der Richt­li­nie 2008/104 und nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs (vgl. u. a. Ur­teil vom 3. De­zem­ber 2015, Pfo­ten­hil­fe-Un­garn, C-01/14, EU:C:2015:793, Rn. 30 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung) in­so­weit ir­re­le­vant, dass die Schwes­tern­schaft kei­nen Er­werbs­zweck ver­folgt. Dies gilt eben­so für die Rechts­form der als Ver­ein ge­gründe­ten Schwes­tern­schaft, weil sie nicht im Vor­aus über den wirt­schaft­li­chen Cha­rak­ter ent­schei­det.
47 Folg­lich ist da­von aus­zu­ge­hen, dass ein Ver­ein wie die Schwes­tern­schaft, der an Ein­rich­tun­gen der Krank­heits- und Ge­sund­heits­pfle­ge ge­gen ein Ge­stel­lungs­ent­gelt, das die Per­so­nal- und die Ver­wal­tungs­kos­ten um­fasst, Pfle­ge­per­so­nal überlässt, ei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit im Sin­ne von Art. 1 Abs. 2 der Richt­li­nie 2008/104 ausübt.
48 Nach al­le­dem ist auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 1 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 2008/104 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die durch ei­nen Ver­ein, der kei­nen Er­werbs­zweck ver­folgt, ge­gen ein Ge­stel­lungs­ent­gelt er­fol­gen­de Über­las­sung ei­nes Ver­eins­mit­glieds an ein ent­lei­hen­des Un­ter­neh­men, da­mit das Mit­glied bei die­sem haupt­be­ruf­lich und un­ter des­sen Lei­tung ge­gen ei­ne Vergütung Ar­beits­leis­tun­gen er­bringt, in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie fällt, so­fern das Mit­glied auf­grund die­ser Ar­beits­leis­tung in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat geschützt ist, was zu prüfen Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts ist. Dies gilt auch, wenn das Mit­glied nach na­tio­na­lem Recht kein Ar­beit­neh­mer ist, weil es mit dem Ver­ein kei­nen Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen hat.
Art.1 Abs.1 und 2 der Richt­li­nie 2008/104/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 19. No­vem­ber 2008 über Leih­ar­beit ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die durch ei­nen Ver­ein, der kei­nen Er­werbs­zweck ver­folgt, ge­gen ein Ge­stel­lungs­ent­gelt er­fol­gen­de Über­las­sung ei­nes Ver­eins­mit­glieds an ein ent­lei­hen­des Un­ter­neh­men, da­mit das Mit­glied bei die­sem haupt­be­ruf­lich und un­ter des­sen Lei­tung ge­gen ei­ne Vergütung Ar­beits­leis­tun­gen er­bringt, in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie fällt, so­fern das Mit­glied auf­grund die­ser Ar­beits­leis­tung in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat geschützt ist, was zu prüfen Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts ist. Dies gilt auch, wenn das Mit­glied nach na­tio­na­lem Recht kein Ar­beit­neh­mer ist, weil es mit dem Ver­ein kei­nen Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen hat.
Der Präsi­dent der Fünf­ten Kam­mer
J. L. da Cruz Vi­laça
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References: Art. 267
 Art.1
 Art. 2
 Art. 3
 Art.5
 § 99
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art.1
 Art. 1
 Art.3
 Art.1
 Art. 3
 Art.3
 Art. 3
 Art. 3
 Art.3
 Art. 2
 Art. 5
 Art. 61
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1

Art.1