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Timestamp: 2019-04-18 10:57:26+00:00

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aventinus: Il Risorgimento. Die Entstehung des italienischen Nationalstaates
aventinus nova Nr. 33 [30.06.2011] / PerspektivRäume Jg. 1 (2010) H. 2, S. 94-130
„Das Risorgimento als nationale Heldenzeit ist tot. Sein Ergebnis, der Nationalstaat mit seinen zentralistischen Strukturen, wird heute von unterschiedlichen politischen Gruppierungen in Frage gestellt.“ [1]
Es verwundert nicht, wenn auch heute noch die Konflikte aus der Zeit des Risorgimento [2] in der italienischen Gesellschaft eine erhebliche Rolle spielen. Hierfür steht der große Gegensatz zwischen dem Norden und dem Süden Pate, der ein Synonym für das Gegensatzpaar von Arm und Reich darstellt – oder um es etwas italienischer zu sagen: der Gegensatz zwischen den polentoni und terroni. [3] Politiker wie Umberto Bossi und seine Partei Lega Nord würden diesen wirtschaftlichen, sozialen und auch kulturellen Gegensatz am liebsten durch eine Abspaltung des Mezzogiorno [4], wozu in ihren Augen übrigens auch schon Rom zählt, vom prosperierenden italienischen Norden zu überwinden versuchen. Dieses zentrale Problem der italienischen Politik ist ein direktes Erbe des Nationalstaats­werdungsprozesses, der an dieser Stelle dargestellt werden soll.
[Abbildung 1: Italien 1815. Von: Andreas Kunz (Hrsg.): IEG-Maps, Server für digitale historische Karten am Institut für europäische Geschichte – Mainz. http://www.ieg-maps.unimainz.de/mapsp/mappEu815_Italien.htm, letztes Abrufdatum: 30.06.2010.]
Italienische Historiker datieren den Beginn des Risorgimento auf das 18. Jahrhundert, da 1718 im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges dem Hause Savoyen nicht nur Sardinien zugeschlagen wurde, sondern der dortige Herzog sich auch zum König von Sardinien ausrief, womit die einzige genuin italienische Königsdynastie begründet wurde. [5] Damit kam Sardinien-Piemont eine entscheidende Rolle im italienischen Einigungsprozess zu – ähnlich wie im damaligen »Deutschland«, als sich siebzehn Jahre zuvor in Königsberg ein deutscher Kurfürst die Königskrone aufsetzte und Anspruch auf mehr Einfluss im Alten Reich erhob.
Auf den ersten Blick mögen sich in der Geschichte Italiens als auch Deutschlands durchaus einige Parallelen auftun, die sich bei näherer Betrachtung allerdings eher als Marginalien herauskristallisieren. „Signori, l’Italia è giunta troppo tardi nella famiglia dei grandi Stati.“ [6] Wie von Francesco Crispi, dem späteren Ministerpräsidenten, 1885 vor dem italienischen Parlament in einer Debatte zur Kolonialpolitik festgestellt wurde, trifft das Plessner’sche Diktum der »verspäteten Nation« somit auch auf Italien zu, das ebenso wie Deutschland einen langen Weg zur Nationalstaatlichkeit zurücklegen musste, der in der Rückschau zwar als folgerichtig gelten mag, aber bei nüchterner, unteleologischer Betrachtung keineswegs folgerichtig sein musste. So hat Italien seine Einheit in den italienischen Einigungskriegen weder selbständig, also ohne auswärtige Hilfe, errungen, noch hat es später als Nationalstaat jene Großmachtstellung eingenommen, die Deutschland mit der Vor- und Großmacht Preußen als kleindeutschem Hegemon wie selbstverständlich als geeinter Nationalstaat ausfüllte.
Aber auch was den teils recht ähnlichen historischen Verlauf beider Länder ab 1870/71 anbelangt, insbesondere das Aufkommen der extrem nationalistischen Bewegungen nach dem Ersten Weltkrieg, zeigt sich Italien aufgrund seiner längeren als auch erfolgreicheren liberalen und parlamentarischen Tradition widerständiger und vitaler als das an autoritäre Staatsstrukturen gewöhnte Deutschland. Doch auch der ständige Gegensatz zwischen habsburgischer Fremdherrschaft bzw. Vasallenschaft und der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung prägen die italienische Geschichte des 19. Jahrhunderts.
Die Einigung Italiens wird von einer nationalen Mythenbildung im Zuge etlicher Aufstandsversuche getragen, die als Katalysatoren des nationalen Selbst­bewusstseins fungieren und den klassischen Weg der staatlichen Einheit als „an affair of war and diplomacy“ [7] ideologisch erst ermöglichen. Insbesondere italienische Historiker sehen hierbei den Staatsbildungsprozess als Resultat nationaler Wiederauferstehung, der erst im 20. Jahrhundert mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sein Ende findet. Jene nationale Mythenbildung eines historisch begründeten Schicksals, das zur Vereinigung Italiens führte, hatte zur Folge, dass alle Unterschiede zwischen den einstigen italienischen Staaten sowie ihrer Akteure fortan heruntergespielt wurden und insbesondere die Bedeutung der äußerst heterogenen Nationalbewegung zugunsten eines glorifizierten Militärs – im sich nun auch kolonialen Interessen widmenden Italien der imperialistischen Epoche – in den Hintergrund gedrängt wurde.
Die spannende Frage besteht darin, ob die Einigung Italiens ein historischer Unfall war, oder ob sie als das Ergebnis einer zielgerichteten Politik angesehen werden muss, eingebettet in ein ideologisches Korsett, das sich nicht nur auf bestimmte soziale Gruppen beschränkte. Im Folgenden geht es um das Wiederaufblühen Italiens vom Wiener Kongress bis zur nationalstaatlichen Einigung. Es kann leider nicht um alle Facetten dieser überaus spannenden Zeit gehen, da dies in diesem Rahmen unmöglich wäre. Jedoch richtet sich das Augenmerk auf die wichtigsten politischen Entwicklungen, die ihre Kraft eben nicht nur aus militärischer Stärke und diplomatischem Geschick schöpften, sondern zunächst einmal aus dem Wunsch hervorgingen, Souveränität, staatliche Einheit und Freiheit zu erlangen – diese wiederum war so vieldeutig wie es politische Gruppierungen gab. Was das Personal jener Zeit anbelangt, können nur repräsentative Stellvertreter ihrer jeweiligen Gruppierungen näher beleuchtet werden: Cavour für die Nationalliberalen als piemontesischer Ministerpräsident und Reichsgründer sowie Mazzini als Wortführer der Nationaldemokraten, die jeweils die bekanntesten Vertreter darstellen. [8]
Italien nach dem Wiener Kongress und seine geopolitische Vielfalt
Der Wiener Kongress stellte das italienische Staatensystem analog zur geographischen Situation Mitte des 18. Jahrhunderts mehr oder weniger wieder her, [9] das stark genug sein sollte, um anderen Großmächten gegen eventuelle Hegemoniebestrebungen beizustehen, das trotz allem aber schwach genug verbleiben sollte, um selbst nicht gegen eine Großmacht bzw. einen potentiellen oder tatsächlichen Hegemon vorgehen zu können. [10] Die europäischen Großmächte hatten in Erinnerung an die französischen Feldzüge der napoleonischen Ära keinerlei Interesse, durch die deutsche und italienische Vielstaatlichkeit Machtvakuen entstehen zu lassen, in die ein hegemonialer Aspirant hätte vorstoßen können. Zu diesem Zweck wurde Österreich zur Garantiemacht des in Wien vereinbarten Status quo der Apennin-Halbinsel und Südosteuropas. Etwaigen französischen Interessen in Italien sollte damit ein Riegel vorgeschoben werden. Gleichzeitig wurde einem Ausgreifen habsburgischer Macht auf das übrige Italien begegnet, indem im Mezzogiorno das bourbonische Königreich beider Sizilien eingerichtet wurde. Im Westen hingegen wurde das französisch beeinflusste Königreich Sardinien-Piemont zum regionalen Gegen­gewicht des von Metternich errichteten lombardo-venetischen Königreiches, das Teil des habsburgischen Staatsverbandes war und somit als Stachel der Fremdherrschaft im italienischen Stiefel steckte. Aber auch die Ducati, also die kleineren Herzogtümer Modena und Parma, waren ebenso dynastisch mit dem österreichischen Herrscherhaus verbunden wie das Großherzogtum der Toskana. Österreich besaß damit auch inmitten Italiens und angrenzend an den französisch beeinflussten Kirchenstaat wichtige politische Stützpunkte.
Das postnapoleonische, in Italien ebenfalls als Gegengewicht zu Österreich fungierende Frankreich war zu schwach, um dem Treiben Metternichs Einhalt zu gebieten. Frankreich war zwar in den Grenzen von 1789 als rehabilitiertes Mitglied in den Kreis der Großmächte zurückgekehrt, zeigte aber am italienischen Liberalismus und Nationalismus wenig Interesse. [11] Folgerichtig lehnten die italienischen Staaten den österreichischen Vorschlag ab, wonach sie einen nach deutschem Vorbild funktionierenden »Italienischen Bund« hätten gründen können. Sie fürchteten die Vormachtstellung Österreichs, das im Gegensatz zu Italien in Deutschland einen ebenbürtigen Gegenspieler, nämlich Preußen, hatte.
Auch Großbritannien, die Schutzmacht des europäischen Gleichgewichts, das noch während des Krieges gegen Napoléon die Nationalbewegung unterstützt hatte, konnte im Interesse des europäischen Friedens ein neu kreiertes, großes politisches Gebilde nicht gebrauchen. Eine Haltung, die für ein halbes Jahrhundert das Leitmotiv britischer Italienpolitik darstellte. [12] Aufgrund dessen war von 1818/19 bis 1848 Österreich der verfassungspolitisch bestimmende Faktor in Italien, so dass es vor allem aufgrund der reaktionären Politik Österreichs zur politischen Stagnation in Italien kam. [13] Die Ergebnisse des Wiener Kongresses sahen somit auch vor, dass der Herrscher a priori monarchischen Charakters war und mit gutem Willen seinen Untertanen eine wie auch immer geartete Verfassung zugestehen konnte, wenn er das denn wollte. Die Bestrebungen vieler Italiener gegen das monarchische Prinzip und vieler italienischer Staaten gegen die politische Neuordnung insgesamt verhalfen Österreich dazu, immer offener und brutaler als Interventionsmacht zur Sicherung der monarchischen Ordnung aufzutreten. [14] Österreich überzog seine Einflussgebiete mit einem harten, polizeistaatlichen Repressionsapparat, der nicht nur in Italien die Ablehnung der österreichischen Fremdherrschaft forcierte, sondern in ganz Europa mit Argwohn betrachtet wurde. [15] Somit wuchs unter andauernder Repression und mit wachsendem italienischem Nationalbewusstsein die Empfindung, unter habsburgischer Fremdherrschaft zu stehen, die nicht nur zugunsten der Wiener Ordnung, sondern auch mit dem Ziel des eigenen Machterhalts in Italien intervenierte.
Die grassierende Reaktion nahm dann folgerichtig die politischen Errungenschaften zum Vorteil der in Wien beschlossenen Ordnung zurück, konnte aber nicht das von den Menschen neu erfahrene, fortschrittliche und politisch mündige Denken aus den Köpfen (vor allem der Eliten) vertreiben. Das Virus der freiheitlich orientierten Revolution konnte von der Restauration nicht ausgemerzt werden. Das Gegenteil war der Fall. Es mutierte und implizierte fortan nicht mehr nur den Wunsch nach Bürgerrechten und politischer Mitbestimmung, sondern verzahnte diese Forderungen mit dem Wunsch nach nationaler, nicht mehr fremdgesteuerter Eigenständigkeit.
Das Königreich Sardinien-Piemont, das später nicht nur zur Führungsmacht der Nationalbewegung, sondern auch des italienischen Liberalismus werden sollte, war unmittelbar nach der Wiederherstellung der alten Ordnung zum Hort der Reaktion geworden. Nicht nur, dass die französischen Rechtscodes wieder abgeschafft wurden und der wiedererstarkte Adel seinen gesamten ehemaligen Besitz zurückerhielt, nein, das neue Regime ging sogar so weit, von einer Nutzung der von den Franzosen erbauten Straßen abzuraten. [16] Neben der Insel Sardinien umfasste es, im Nordwesten gelegen, das Aosta-Tal, das Piemont, Savoyen, Ligurien sowie die Region um Nizza.
Der Kirchenstaat, der Anfang der 1820er Jahre noch zaghafte Reformen vorantrieb, verfiel schon bald in politische Stagnation, indem die Verwaltung ausschließlich in die Hände des Klerus gelegt, die Wiedereinrichtung von jüdischen Ghettos vorangetrieben sowie der Jesuitenorden zum wichtigsten Instrument der Zentralisierung wurde. [17] Die katholische Kirche – auch heute noch in doppelter Hinsicht Staat im italienischen Staate – war aber auch nach wie vor eine gewaltige Stütze der italienischen Monarchien, die sich der Macht des Papstes als heimlichem Oberhaupt der Italiener wohl bewusst waren. Der Kirchenstaat erstreckte sich von Latium und Umbrien über die Marken bis in die Romagna und Teile der Emilia und bildete somit einen bedeutenden Machtblock zwischen den kleinen und mittleren Herzogtümern (Toskana, Parma und Modena), dem habsburgischen Lombardo-Venetien sowie dem im Süden liegenden Königreich.
Dieses wurde wieder zum Regno delle due Sicilie, zum Königreich beider Sizilien mit Neapel als Hauptstadt, das nicht nur extrem reaktionär und zentralistisch war, sondern das auch außenpolitisch von Österreich abhing. Die auf den Thron von Neapel zurückgekehrten spanischen Bourbonen versuchten, aggressiver als noch im 18. Jahrhundert, Sizilien kulturell gleichzuschalten und jeglichen Widerstand zu unterwerfen. Gerade aufgrund seines dem österreichischen Regiment in nichts nachstehenden repressiven Habitus’ war das Königreich beider Sizilien nicht nur häufiger Ausgangspunkt von Aufständen, sondern auch Nährboden für die vielen verschiedenen Formen der oppositionellen Bewegungen (Freimaurer, Carbonari etc.), die ihre Wurzeln häufig noch bei den Jakobinern hatten und sich für eine egalitäre, verfassungsmäßige Ordnung einsetzten. Es erstreckte sich von Sizilien über den gesamten süditalienischen Raum bis in die Abruzzen und war somit bereits durch seine Größe eine bedeutende italienische Macht.
Das zu Österreich gehörende Königreich Lombardo-Venetien im Nordosten umfasste die Lombardei, das Veneto und Teile Friauls.
Die italienische Nationalbewegung bis 1848
Bis in die Mitte der 1840er Jahre war Italien fortan von einem Unterdrückungs- und Strafsystem „barbarischen“ [18] Ausmaßes gekennzeichnet, was den Widerstand gegen diese Verhältnisse klimaxartig bis zum Schicksalsdoppeljahr von 1848/49 unaufhörlich steigerte. Einzig die Toskana bot aufgrund ihrer aufklärerischen Tradition aus dem 18. Jahrhundert für begrenzte Zeit noch einen gewissen Freiraum, während das Königreich beider Sizilien die drakonischen Strafmaßnahmen des lombardo-venetischen Königreiches bei weitem überbot.
Zunächst waren die in der französischen Besatzungszeit entstandenen Geheimgesellschaften überall in Italien die einzigen oppositionellen Kräfte, die bürgerliche Prinzipien vertraten, aber keineswegs national ambitioniert sein mussten. Diese hatten ein Interesse an der Verbesserung der bestehenden Verhältnisse in ihrem jeweiligen Territorium und wurden zunächst zu einem Sammel­becken der politisch Unzufriedenen der unterschiedlichsten gesell­schaftlichen Gruppen (Schriftsteller, Ärzte, liberale Aristokraten ebenso wie napoleonische Generäle). [19] Viele von ihnen saßen auch nach 1815 trotz Restauration noch an den Schalthebeln der Macht, wodurch die Revolutionen in Piemont und Süditalien 1820/21 nur profitieren konnten. Mit der Niederschlagung der Aufstände und der daran anschließenden Säuberungen der Verwaltungs­apparate war jedoch dieses kurze und eher anachronistisch anmutende Intermezzo der alten Eliten beendet, der Weg für einen oppositionellen Neuanfang mit neuen politischen Ideen war geebnet.
Mazzini und La Giovine Italia
Dem Ableben der alten Opposition folgte mit einem von Österreich 1830 niedergeschlagenen Aufstand die beginnende Blüte einer neu denkenden Bewegung, der Giovine Italia, die vor allem mit einem Namen verbunden ist: Giuseppe Mazzini. Sein von ihm gegründetes Junges Italien stellte nicht nur einen organisatorischen Neuanfang der Opposition dar, sondern richtete sich mit Flug­blättern, Zeitschriften und Broschüren an die Massen des Volkes – im Gegensatz zu den elitären Geheimbünden –, um einen Aufstand von unten herbeizuführen. [20]
[Abbildung 2: Giuseppe Mazzini (1805-1872), der Begründer der Giovine Italia (Foto von 1860, Fotograph unbekannt); Quelle: Life. http://www.life.com/image/50691446]
Diese neue nationale Bewegung war im Grunde genommen eine demokratische, da sie sich gegen die reaktionär-feudale Ordnung des Metter­nich’schen Systems, sich in den Dienst des Volkes stellte und nur dadurch Legitimation erlangte, womit die Giovine Italia auch zum Sammelbecken für Demokraten wurde. Mazzini war der bedeutendste Kopf der Bewegung, die aufgrund der lokalen und regionalen Vielfalt Italiens sehr heterogen und in der Sache nicht immer zu vereinen war, außer im Streben, „Italien als eine Nation von Freien und Gleichen wiederherzustellen, vereint, unabhängig und souverän“ [21].
Für Mazzini standen Nationalismus und Demokratie in einem diametralen Verhältnis zur Ordnung des Wiener Kongresses, der für Italien weder Nationalstaatlichkeit noch eine durch das Volk als Souverän legitimierte Herrschaft vorsah. Doch für Mazzini war ein einzelner italienischer Territorialstaat in der Wiener Ordnung unreformierbar bzw. unrevolutionierbar, weshalb die gesell­schaftlichen Veränderungen nur auf der nationalen Ebene unter Einschluss der Unterstützung des ganzen Volkes möglich war. Damit wurde die Demokratie hier letztlich zur Zwillingsschwester des Nationalismus mit dem Ziel, die Monarchie durch eine Republik zu ersetzen:
„Young Italy is Republican, because theoretically every nation is destined by the law of God and humanity, to form a free and equal community of brothers; and the republican is the only form of government that insures this future. Because all true sovereignty resides essentially in the nation, the sole progressive and continuous interpreter of the supreme moral law.“ [22]
Die Ablehnung der Monarchie und der strikte Republikanismus sind nicht nur politisch, sondern auch sozial begründet, da erstens eine Monarchie notwendigerweise zur Stütze ihrer Herrschaft einer Aristokratie bedürfe. Zweitens unterminiere die Existenz dieses Standes die von den Nationaldemokraten geforderte gesellschaftliche Gleichstellung, und dadurch werde folglich (drittens) die Freiheit der Bürger untergraben. [23] Interessant ist hierbei, dass eine auf Wahlen basierende Monarchie in Mazzinis Augen auch deshalb abzulehnen sei, da sie zur Anarchie tendiere, während die Erbmonarchie zum Despotismus führe. [24]
Mazzini leitet die Legitimation seiner Punkte aus der Geschichte ab und stellt sein Programm und die italienische Nation konstruiert in die Tradition der Antike und des städtischen Republikanismus im Mittelalter. [25] Der italienische Zentralismus, der seit der Nationalstaatsbildung bis heute von Dauer ist, kann bereits bei Mazzini gefunden werden, geprägt von dem italienischen Staatenmosaik, das seine Abneigung gegenüber dem Föderalismus nur bestärkte [26] und für ihn eine Gefahr der nationalen Einheit Italiens darstellte. Zwar erkennt er das lokale und regionale Leben an, jedoch mit einer Einschränkung, die auch durch sein Demokratieverständnis beeinflusst ist:
„National unity [...] does not imply the despotism of any, but the association and concord of all. The life inherent in each locality is sacred. Young Italy would have the administrative organization designed upon a broad basis of religious respect for the liberty of each commune, but the political organization, destined to represent the nation in Europe, should be one and central.“ [27]
Die Giovine Italia kann, was das Programm Mazzinis anbelangt und auch im Hinblick auf ihren revolutionären Impetus, als präsozialistische Bewegung angesehen werden. Dafür spricht, dass sie sich bedingungslos in den Dienst des Volkes stellt und zum einen programmatisch die Werte der Französischen Revolution aufnimmt, insbesondere was den Wert der Nation anbelangt, [28] in der allein die Souveränität ihren Ursprung hat. Zum anderen werden zwar bereits früh die bestehenden, aber auch die sich abzeichnenden gesellschaftlichen Veränderungen thematisiert und diese in die Vision eines besseren Italien integriert. Doch wird weder der Eigentumsbegriff hinterfragt, noch ein neues, die sozioökonomischen Verhältnisse auf dem Land veränderndes Agrargesetz befürwortet. [29]
Die Liberalen als Gegenentwurf
Die zunächst unbedeutenden, häufig exilierten Liberalen, die sich mitunter dem National­demokratismus anschlossen, traten erst spät auf die Bühne der Oppositionsgeschichte. Ihr Aufstieg wurde vor allem begünstigt durch zaghafte Versuche, eine Kultur der Redefreiheit im Kirchenstaat unter Pius IX. sowie in Piemont und in der Toskana zu etablieren. [30] Auch die Liberalen wurden letztlich durch die österreichische Fremdherrschaft in den Nationalismus getrieben, so dass sie in den 1840er Jahren dann auch ihr Vorhaben, Sardinien-Piemont zur italienischen Vormacht aufzubauen, vorantrieben. Die nicht immer in allem übereinstimmenden politischen und intellektuellen Persönlichkeiten Piemonts waren sich einig, dass nur mit ihrem Königreich an der Spitze der Nationalbewegung ein politischer Fortschritt Italiens erzielt werden könnte. Indessen fand die nationale Einheit als Lösung der Probleme erst spät Verbreitung unter den Liberalen. Im Vordergrund standen lange Zeit Reformen der Verwaltung, des Bildungswesens und der Verfassung, die eine Modernisierung und somit langfristige Annäherung an das moderne Westeuropa garantieren sollten. So ist auch zu erklären, dass für die Liberalen insbesondere Großbritannien und Frankreich als Vorbilder fungierten, da diese das moderne und zivilisierte Europa verkörperten. [31]
Die nationalliberale Bewegung um den Grafen Camillo Benso di Cavour konnte sich im Gegensatz zu den Nationaldemokraten Mazzinis durchaus eine monar­chische Dynastie an der Spitze eines italienischen Nationalstaates vorstellen. [32] Zudem waren den besitzenden Schichten die Nationaldemokraten Mazzinis höchst suspekt, da diese letztendlich doch einen langfristigen Umsturz der bürgerlichen Ordnung anvisierten, [33] auch wenn Mazzini (wie oben gesehen) auf eine Rhetorik des Klassen­kampfes weitestgehend verzichtete, da zunächst die nationale Einheit im Vordergrund stand.
[Abbildung 3: Camillo Benso di Cavour (1810-1861) im Jahre 1858 in Plombières, wo er zu Verhandlungen mit Frankreichs Kaiser Napoléon III. weilte (Gemälde von Tranquillo Cremona, 1837-1878); Quelle: Museo Nazionale del Risorgimento Italiano, Turin. http://www.regione.piemonte.it/cultura/risorgimento/immagine/01704b.htm]
Wenn die oppositionellen Gruppen auch nicht alle organisatorisch, geschweige denn ideologisch miteinander verwoben waren, so einte doch alle ihre kongruente nationale Gesinnung sowie die nationale Mythenbildung, [34] die sich im Zuge gescheiterter Revolutionen und Aufstände gegen die Fremdherrschaft und gegen die von dieser zu verantwortenden politischen Ordnung richteten. [35]
Wirtschaftliche Probleme: zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Der Anspruch, insbesondere der Nationaldemokraten, demokratisch und somit im Sinne des Volkes zum Handeln legitimiert zu sein, erwies sich bis in die beiden ersten Dekaden des Nationalstaates als nicht erfüllbar, da die meisten Italiener – ihres Zeichens Teil der ländlichen Bevölkerung – gar nicht teil hatten an der Nationalbewegung, die mehr oder minder von den besitzenden und gebildeten Gruppen getragen wurde. [36]
Als Gründe können zum einen die wirtschaftliche Rückständigkeit Italiens im Allgemeinen und die spätere, größtenteils im Norden stattfindende Industrialisierung im Besonderen angeführt werden. [37] Die finanziellen Ressourcen brachten daher nicht etwa eine industrielle Modernisierung mit sich, sondern wurden häufig eher in den Kauf von Land investiert oder in die Landwirtschaft, die aber diesbezüglich lediglich in Oberitalien modernisiert wurde.
Das Bevölkerungswachstum aber sowie die fallenden Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse führten aufgrund des damit einhergehenden Einkommensverfalls zur Landflucht. Doch konnten den neu entstandenen städtischen Arbeiterschichten kaum Arbeitsplätze in Städten wie Turin oder Mailand angeboten werden, da diese aufgrund der schwachen Industrialisierung nicht bzw. kaum vorhanden waren. Das wiederum führte zu einem Überschuss an Tagelöhnern und somit zum Preisdumping bei den Löhnen eben jener, so dass folglich eine Vielzahl an Menschen am Existenzminimum [38] oder gar weit darunter lebte. Das löste wiederum in der Gesellschaft erhebliche soziale Spannungen aus als auch ein nur schwer zu weckendes Interesse für die großen politischen Fragen.
Das Ideal eines bürgerlich gedachten Einheitsstaates der Demokraten wie der Liberalen sah freilich anders aus, zumal die Nation nur bestehen konnte, wenn ihre Menschen auch national dachten. Jedoch war nur ein gutes Viertel der Italiener empfänglich für die nationalen Botschaften und entsprechenden Symbole nationaler Kommunikation. Die Menschen hatten schlichtweg andere, drängendere Probleme, waren aber auch zu mehr als zwei Dritteln des Lesens und Schreibens nicht mächtig, wodurch die nationale Sache zunächst durch eine solche Banalität lediglich eine Angelegenheit der gebildeten Schichten blieb.
Die Revolution von 1848/49 – ein gescheiterter Sieg
Bei der Revolution von 1848 kann man für eine kurze Zeit in der Tat von einer Revolution sprechen, die nicht nur als Summe der vielen lokalen und regionalen Aufstandsversuche und Rebellionen begriffen werden darf. Zum ersten Mal – anders als bei den Revolutionen der 1820er und 1830er Jahre, die in ihren Intentionen auf das jeweilige Herrschaftsgebiet beschränkt blieben – kam es zur Bildung einer gesamtitalienischen Bewegung mit einer langfristig gedachten nationalen Perspektive. Auch wenn es hierbei nach wie vor stärkere und weniger starke nationale Motivationen der Revolutionäre gab. Institutionell kann nur mit Ausrufung der »Römischen Republik« samt dem römischen Parlament, dem von Demokraten aus ganz Italien eine nationale Bedeutung zugeschrieben wurde, ein kurzzeitiger gesamtnationaler Ansatz gesehen werden. Und so lassen sich die Ereignisse der Jahre 1848/49 auch grob in drei Phasen [39] einteilen.
Das Revolutionsdoppeljahr
In diese erste Phase fällt verstärkt das nationale Moment, das von Nord nach Süd für die Italiener und ihre Regierungen identitätsstiftend wirkte. Was mit dem Aufstand von Palermo im Januar 1848 begann, am Ende zur Verabschiedung einer neuen Verfassung und der Einsetzung einer liberalen Regierung in Neapel führte, wirkte sich als Initialzündung auch auf die anderen italienischen Staaten aus, in denen es im März ebenfalls zur Bildung neuer Regierungen und zur Verabschiedung repräsentativer Verfassungen kam. Das nationale Moment in den Revolutionen kam nur durch die Anwesenheit, den Einfluss und die Bedrohung durch Österreich als Hegemonialmacht zustande, [40] was ein kollektives Gefühl des Zusammenhalts gegen einen äußeren, nicht italienischen Feind herbeiführte. Somit kam es zur Entsendung von piemontesischen Truppen ins benachbarte Lombardo-Veneto, um dessen Boykott der Tabak- und Lotteriesteuern nach dem amerikanischen Prinzip »no taxation without representation« zu unterstützen. Dieser Schritt bewog folglich den Kirchenstaat und Neapel dazu, Truppen in Bewegung zu setzen. Politisch aber tat sich schon bald ein Graben zwischen den Gruppierungen auf, da sich die liberalen Verfassungen im Spannungsfeld zwischen den radikalen Demokraten und den konservativen Reaktionären bewegten.
Die zweite Phase der Revolution(en) in Italien hängt mit der Märzrevolution in Deutschland zusammen, die auch auf Österreich übergriff und den Sturz Metternichs sowie den Beginn einer liberalen Regierung in Wien nach sich zog. Das führte zu einer Beschleunigung der Vorgänge im österreichischen Teil Italiens, wo sich mit den cinque giornate di Milano die Mailänder Bevölkerung einen erbitterten, fünfmonatigen Straßenkampf mit der österreichischen Garnison lieferte, der diese schließlich zum Abzug zwang. Daraufhin kam es zu einem politisch wegweisenden Ereignis, indem die siegreichen Demokraten in Lombardo-Veneto in der neuen Regierung nach Kompromisslösungen mit den gemäßigten Liberalen suchten und diese auch fanden – was sie von Mazzini als Begründer und Hauptprotagonist der Nationaldemokraten unterschied, wenn nicht gar trennte. Zum Wohle ihrer nationalen Ambitionen waren sie bereit, Zugeständnisse an die Liberalen zu machen, die zwar nicht ihre Gegner waren, aber dennoch in demokratischen Augen mehr rechts als links standen. Der wichtigste Punkt – und Stein des Anstoßes für viele Mazzinianer –, in der federführend von Daniele Manin und Carlo Cattaneo ausgehandelten Kompromiss­formel für Lombardo-Veneto, war das Votum für den Anschluss an Sardinien-Piemont. Das Königreich im Nordwesten Italiens wurde am ehesten als fähig betrachtet, die nahende österreichische Italienarmee unter Feldmarschall Radetzky zu schlagen [41] und die Einheit Italiens voranzutreiben. Die Problematik, den Liberalen nachgegeben zu haben, war hierbei eher weniger von Belang für die Kritik der ideologisch loyalen Anhänger Mazzinis. Dass aber radikale Republikaner sich freiwillig und ohne Not einer Monarchie anschlossen – die nach Mazzinis Dafürhalten [42] niemals in der Lage sein konnte, Freiheit und Gleichheit zu garantieren, geschweige denn den Nationalisierungsprozess voranzutreiben – war ein politischer Fauxpas.
Wenig später erklärte Turin Österreich den Krieg, wobei es Piemonts König Carlo Alberto weniger um nationalistische als vielmehr um piemontesische Interessen ging und er sich somit noch ganz als Vertreter der alten italienischen Ordnung präsentierte, in der die partikularen Ambitionen der einzelnen Staaten auf Machtzuwachs, aber nicht auf nationale Einigung orientiert waren.
Ziel war es in diesem Krieg, die Österreicher aus Italien zu vertreiben, die Macht Sardinien-Piemonts in Oberitalien auszudehnen und sich somit als italienische Führungsmacht zu empfehlen. [43] Pikanterweise stand auf der Agenda aber auch, die Entstehung von Republiken zu verhindern sowie republikanische Bestrebungen zu unterbinden, was wiederum Wasser auf die Mühlen all jener Nationaldemokraten war, die wie Mazzini dachten und sich für die nationale Sache nicht mit zu weitreichenden Konzessionen prostituieren wollten. Zunächst hatte Sardinien-Piemont zusammen mit Verbänden anderer italienischer Staaten auch Erfolg, doch dauerte es nicht lange, bis sich die Reaktion erholte, zumal auch der Papst gegen einen anti-österreichischen Krieg war. Ferdinando II. von Neapel-Sizilien gelang es mithilfe Schweizer Söldner eine Gegenrevolution zu initiieren und setzte in der Folge die liberale Verfassung nach gerade einmal vier Monaten peu à peu wieder außer Kraft. Das Habsburgerreich konnte sich durch die Niederschlagung der Aufstände der nichtdeutschen Völker und eines inneren patriotisch gesonnenen Konsenses zwischen der liberalen Regierung und den konservativen Kräften konsolidieren und nun sein Augenmerk gänzlich auf Italien richten. [44] Mit dem Sieg Österreichs bei Custoza im Sommer 1848 war Sardinien-Piemont zum Waffenstillstand gezwungen, die Lombardei und das Veneto (bis auf Venedig) konnten zurückgewonnen werden.
Die für Italiens Nationalbewegung ebenfalls bedeutsame dritte Phase spielte sich zwischen Januar und Juli 1849 ab, und hier vor allem im Kirchenstaat. Nachdem Sardinien-Piemont nochmals den Versuch unternahm, Österreich zu schlagen, um die Ergebnisse nach Custoza zu revidieren, dankte Carlo Alberto zugunsten seines Sohnes Vittorio Emanuele II. ab. Österreich hatte Piemont hohe Reparationszahlungen auferlegt, um das nordwestlich gelegene Königreich zu schwächen, [45] dessen Potential und seine Rolle im Prozess um die Nationalstaatsbestrebungen die Regierung in Wien offenbar erkannt hatte.
[Abbildung 4: Vittorio Emanuele II. von Savoyen (1820-1878): Italiens Einheitskönig in den 1860er Jahren (Gemälde von Tranquillo Cremona, 1837-1878); Quelle: Museo Nazionale del Risorgimento Italiano, Turin. www.regione.piemonte.it/cultura/risorgimento/immagine/01708.htm]
Nachdem alle mittelitalienischen Herrscher nach einer Radikalisierung der demokratischen Kräfte ins Exil geflohen waren und im Januar 1849 zur Wahl einer verfassungsgebenden Nationalversammlung aufgerufen wurde, in die dann auch Mazzini und Garibaldi gewählt wurden, wurde der Versuch zur Errichtung eines – wenn auch unvollkommenen – Nationalstaates unternommen. Die im Februar 1849 proklamierte »Römische Republik« wurde jedoch von einer Koalition aus Österreich, Frankreich, Spanien und Neapel beseitigt. [46] Garibaldi als charismatischer Anführer konnte bis Anfang Juli mit vielen Tausend Milizionären Rom verteidigen, musste sich dann aber nach verlustreichen Kämpfen geschlagen geben und floh nach folgender Ansprache mit Vier- bis Fünftausend Mann nach Rimini, wo die Truppe sich dann auflöste:
„Ich verlasse Rom. Wer den Krieg gegen die Fremdherrschaft fortführen will, der kann mit mir kommen. Ich biete weder Bezahlung noch Quartier, noch Verpflegung: ich biete Hunger, Durst, Gewaltmärsche, Schlachten und Tod. Wer den Namen Italiens nicht nur auf den Lippen, sondern auch im Herzen trägt, der folge mir.“ [47]
Diese Rede, die Entbehrungen zum Wohle Italiens pries, machte auch den Gegensatz zweier Ansätze zur Erringung der Nationalstaatlichkeit sowie den Unter­schied im politischen Habitus der beiden veränderungs­tragenden Gruppierungen deutlich und war somit auch ein Fingerzeig in Richtung der Liberalen. Zum einen gab es die National­demo­kraten à la Mazzini und Garibaldi, die zu diesem Zeitpunkt noch als radikalrepublikanische Guerilla eher heroisch wirkten und das einfache Volk mitsamt seiner Bedürfnisse verkörperten. Zum anderen gab es die gemäßigten Nationalliberalen, die Piemont an der Spitze der Nationalbewegung sahen, monarchisch orientiert waren und die die Revolution und National­staatsbildung von oben verkörperten, da sie zu intellektuell, volksfern und herrschaftsnah waren.
[Abbildung 5: Giuseppe Garibaldi (1807-1882), einer der berühmtesten Vorkämpfer des Risorgimento in Neapel (Foto von 1861, Fotograph unbekannt); Quelle: Library of Congress, Washington, D.C. http://loc.gov/pictures/resource/ppmsca.08351]
Nach der Revolution kehrten die vertriebenen Fürsten sowie der Papst unter französischem bzw. österreichischem Schutz in ihre Staaten zurück und der Status quo ante wurde wiederhergestellt. Regiert wurde im Ausnahmezustand, der vor allem im Lombardo-Veneto als auch im Königreich beider Sizilien zu polizeilichem/militärischem Terror führte; gut 30.000 Flüchtlinge erhielten in den 1850er Jahren Asyl in Piemont (allerdings nicht die Nationaldemokraten mit Mazzini, die von England aufgenommen wurden). [48]
Es war aber keineswegs alles verloren. Auch wenn Österreich und seine konservativen Verbündeten mit äußerster Brutalität einen militärischen Sieg davontragen konnten, moralisch hatten sie verloren und sich lediglich Zeit verschafft, um sich in der Italienfrage für die nächste Runde zu wappnen.
Durch das jahrelange Propagieren der Idee einer nationalen Einheit Italiens war diese nach den Enttäuschungen der Jahre 1848/49 sowie der unmittelbaren postrevolutionären Zeit weit verbreitet worden und kein Wunsch mehr, der lediglich von einer kleinen Elite getragen wurde. [49] Die Nation wurde zum Massenphänomen, das das Denken in lokalen bzw. regionalen Kategorien sukzessiv ablöste – was jedoch nicht zur Negierung kultureller Vielfalt führte. Die Erfahrungen, die jene Italiener außerhalb Piemonts machten, waren von Repressionen, Dekadenz, Misswirtschaft und wirtschaftlicher Entbehrungen gekennzeichnet, die allesamt ein Einheitsgefühl weckten, das sich nicht zuletzt gegen die österreichische Fremdherrschaft richtete, da diese dem kurzen Aufkeimen von Freiheit ein Ende setzte. [50] Österreich galt wieder als Kulminationspunkt der Schuldzuweisungen, der jegliche Parteiungen beiseite ließ und an dem sich der Nationalismus einend abarbeiten konnte. Doch dieser Nationalismus galt weiterhin mehrheitlich für Ober- und Mittelitalien, während der Süden davon weitestgehend ausgeschlossen blieb – auch hier wird wieder der große Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden der Apennin-Halbinsel deutlich.
Sardinien-Piemont hatte sich nach 1849 endgültig als italienische Vormacht etabliert und konnte für sich die politische Unabhängigkeit von der Donaumonarchie sowie eine relative Freiheit verbuchen.
Der Grund, warum in Piemont der König nicht vertrieben wurde, hatte einerseits mit der vorausschauenden, da propagandistisch äußerst lukrativen Entscheidung zu tun, den italienischen Brüdern und Schwestern im Lombardo-Veneto zuhilfe zu kommen; andererseits aber mit dem Erlassen einer teils liberalen Verfassung, die in Turin durch Carlo Alberto am 4. März 1848 als Statuto Albertino inkraft gesetzt wurde. Diese neue Verfassung war auch insofern von Bedeutung, als dass sie den Grundstein für eine zukünftige vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Liberalen und dem Monarchen legte. Indem der König den ohnehin royalistisch gesonnenen Liberalen Zugeständnisse machte, kaufte er quasi deren Loyalität und schob jeglichen republikanischen Ambitionen einen Riegel vor.
Diese Verfassung kam noch ganz im Gewand der restaurativen Ordnung daher, beinhaltete aber im Kern durchaus bedeutende politische Veränderungen. Zum einen zeigen die ersten Artikel, dass der König nicht nur „heilig“ und „unantastbar“ [51] ist in einem Staat, der sich gleich zuallervorderst als Glied der römisch-katholischen Gemeinschaft begreift, [52] sondern auch seine verfassungs­mäßig verbrieften Rechte, die ihm u.a. bei der exekutiven Gewalt, [53] bei der Bestimmung von Ämtern [54] als auch bei der Nominierung der Senatoren [55] große Befugnisse einräumen – womit er de jure auch Einfluss auf die Legislative hat. Aber: „Lo Stato è retto da un Governo Monarchico Rappresentativo. Il Trono è ereditario secondo la legge salica.“ [56], womit sich im ersten Satz des Artikels die liberalen Forderungen nach Rechtsstaatlichkeit und Verfassungsstaat mit repräsentativer Ausrichtung durchgesetzt hatten (trotzdem der Prozentsatz der Wahlberechtigten verschwindend gering war). Auch das Zweikammersystem nach britischem Vorbild hielt Einzug in Piemont: „Il potere legislativo sarà collettivamente esercitato dal Re e da due Camere: il Senato, e quella dei Deputati.“ [57] Was aber noch viel wichtiger war, war u.a. die in Artikel 1 formulierte, den Herrschaftsanspruch der katholischen Kirche beschneidende Religionstoleranz [58] sowie die Einführung von individuellen Freiheitsrechten, die die Handschrift der Liberalen trug: „La libertà individuale è guarentita. Niuno può essere arrestato, o tradotto in giudizio, se non nei casi previsti dalla legge, e nelle forme ch'essa prescrive.“ [59]
Auch wenn die Verfassung sehr auf den Monarchen zugeschnitten war und das Parlament nur eingeschränkte Befugnisse besaß, war der König aufgrund seines angeschlagenen Prestiges und des hohen Ansehens von Liberalen und Demokraten in der Öffentlichkeit zu Konzessionen gezwungen, die dann die Verfassungswirklichkeit prägten. Zu diesem Zeitpunkt trat Camillo Benso di Cavour – „il nostro Bismarck“, wie viele Italiener gerne sagen, „unser Bismarck“ – mit dem Schmieden eines breiten, von Liberalen und Demokraten getragenen Bündnisses hervor, [60] das den König letztlich dazu zwang, Sardinien-Piemont de facto als konstitutionelle Monarchie anzuerkennen und Cavour schließlich zum Ministerpräsidenten zu ernennen. Der König mochte zwar einen gewissen Gestaltungsspielraum dadurch eingebüßt haben, hatte aber trotz allem noch genug Macht, um wesentlich auf die Politik Einfluss nehmen zu können. Im Laufe der nächsten Jahre stellte sich heraus, dass die Frage des institutionellen Miteinanders dieser Mischverfassung vor allem – ähnlich wie sich das später mit Kaiser und Reichskanzler im Deutschen Reich zeigte – an die Persönlichkeiten von König und Ministerpräsident geknüpft waren.
Interessanterweise war Piemont nicht nur der einzige liberale Staat in Italien, sondern es wurde von Österreich sogar in seinem Konstitutionalisierungsprozess, der ja mit dem Erlass des Statuts nur seinen Anfang nahm, unterstützt, aufgrund dessen moderaten Charakters. Wien musste jedoch auch eine französische, von Großbritannien akzeptierte Intervention auf Seiten Piemonts fürchten, hätte Österreich versucht, die neue Verfassung durch das alte politische Reglement zu ersetzen. Damit war das Beste, was Österreich in dieser Situation zu tun vermochte, Vittorio Emanuele II. darin zu unterstützen, die moderate Verfassung gegenüber den weiterhin bestehenden radikalen, republikanisch gesinnten Kräften – trotz des Bündnisses mit Cavours Liberalen – zu konsolidieren. [61]
“However moderate, this was the only constitution in Italy after 1849. Its mere existence gave Piedmont a special role. She had a reasonably free press, and exiles from other Italian states could safely live in Piedmont and campaign there for reforms elsewhere.” [62]
Diese aus den verschiedensten Regionen Italiens stammenden Exilanten waren es, die Piemont, das stark an Frankreich angelehnt war, einen (gesamt-)italienischeren Charakter verliehen.
Italien in den 1850er Jahren und der Weg zum Regno d’Italia
Auch die 1850er Jahre waren von immer wiederkehrenden Aufstandsversuchen durchzogen, doch gerieten die politischen Entwicklungen zunehmend in das Fahrwasser der piemontesischen Regierung, die zunehmend das Heft des Handelns in die eigene Hand nahm.
Das Turiner Ministerium unter Cavour
Eine entscheidende Rolle in dem sich nach der Revolution in großen Schritten vollziehenden Einigungsprozess spielte der bereits erwähnte Camillo Benso di Cavour, der als Ministerpräsident Sardinien-Piemonts die Geschicke und die internationale Positionierung seines Landes maßgeblich mitgestaltete. Obwohl er als ein durch und durch Liberaler sowie Bewunderer des politischen als auch wirtschaftlichen Systems Großbritanniens galt, besaß er die machtpolitische Berechnung, nicht selten das Parlament im Nachhinein um Zustimmung für sein Handeln zu bitten und mit Notstandsbefugnissen oft genug so unabhängig wie möglich regieren zu können. [63] Cavour konnte nicht nur intrigant zu seinem Vorteil handeln, er beherrschte es auch, die öffentliche Meinung für sich zu nutzen. Die Verbindung zu Urbano Rattazzi vom Mitte-Links-Flügel, der selbst immer wieder Ministerämter bekleidete und sich nach der Revolution von der extremen Linken trennte, stützte bis 1857 Cavours Ministerium. In Piemont, das zum einen eine starke klerikale Rechte und zum anderen eine nicht minder starke extreme Linke besaß, war vor allem die Aufrechterhaltung der parlamentarischen Regierungsform durch Koalitionen der politischen Mitte entscheidend, um mehrheitsfähig vernünftig regieren zu können. Cavour, der selbst die Zeitschrift Il Risorgimento herausgebracht hatte und König Carlo Alberto u.a. zum Krieg gegen Österreich im Revolutionsjahr 1848 beschwor, besaß für die Frage der politischen Einigung Italiens keinen durchdachten Plan. Er verfügte über keine besonderen Erfahrungen in der Außenpolitik, hatte aber das Talent, bestimmte historische Zeitfenster zu erkennen und diese dann auch für seine Zwecke zu nutzen.
Der Krimkrieg als diplomatische Chance für Sardinien-Piemont
Das Vordringen Russlands auf dem Balkan führte 1853 zum siebten russisch-osmanischen Krieg, dem Krimkrieg. Nach der Niederlage Napoléons bei Waterloo 1815 ging mit dem Krimkrieg eine 38-jährige Zeit des relativ stabilen europäischen Friedens vorbei. Es war ein Versuch Russlands, endgültig „auf Kosten des Osmanischen Reiches aus der Isolation einer osteuropäischen Landmacht herauszutreten und eine gleichberechtigte Position an der Seite der westeuropäischen Staaten zu erreichen“, [64] nachdem es durch den Dardanellenvertrag weitgehend außen vor stand.
Die Beteiligung Sardinien-Piemonts am Krieg war dessen Eintrittskarte in den Club der bedeutenden Mächte Europas. Denn der Eintritt in den Krieg auf Seiten Frankreichs und Großbritanniens eröffnete dem vergleichsweise kleinen Piemont auf weite Sicht einen gewinnbringenden politischen Handlungsspielraum in seinen Beziehungen zu den anderen Großmächten – auch wenn der materielle Preis für ein so kleines Land dafür sehr hoch war.
Cavour erhoffte sich zudem eine Schwächung Österreichs, hätte dieses (wie von den Westmächten gefordert) in den Konflikt eingegriffen. Doch eine Kriegsbeteiligung vermied die Wiener Hofburg, da sie für Österreich in jeder Hinsicht riskant gewesen wäre, so dass es die – trotz allem gegen Russland gerichtete – bewaffnete Neutralität wählte. Das kam dem piemontesischen Ministerpräsidenten ungelegen, da er bei eigener Kriegsbeteiligung um einen österreichischen Angriff auf Sardinien-Piemont fürchtete. Hinzu kam die durch Frankreich für Piemont ausgesprochene Neutralitätsgarantie gegenüber den österreichischen Besitzungen in Italien, [65] so dass ein Waffengang gegen die Habsburger nicht infrage kam. Dieser Umstand änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass das Second Empire unter Napoléon III. für Cavour der Wunscherfüllungsgehilfe einer etwaigen italienischen Nationalstaatsbildung blieb. Turin war sich durchaus bewusst, dass es zu diesem Zeitpunkt von der europäischen Gleichgewichtspolitik Großbritanniens keine große Unterstützung zu erwarten hatte. Das selbstbewusste Frankreich hingegen, das selbst das Gleichgewicht durch seine hegemonial ambitionierte Politik infrage stellte, galt Sardinien als Schlüssel zur Lösung der Italienfrage.
Der König und sein Meister
Vittorio Emanuele II., der unbedingt eine Beteiligung am Krimkrieg wollte, wäre auch dazu bereit gewesen, Cavour zu entlassen, hätte sich dieser gegenüber einer Teilnahme weiter reserviert gezeigt. Für den König ging es bei einer eventuellen Entlassung aber um zweierlei Dinge. Zum einen hatte er ein großes Verlangen nach militärischem Ruhm, der seiner Regierungszeit im Besonderen und der seit 1848/49 angeschlagenen Monarchie im Allgemeinen neuen Glanz und Legitimation verliehen hätte, welchem Vorhaben Cavour aber noch im Wege stand. Zum anderen war das persönliche Verhältnis zwischen dem König und seinem Ministerpräsidenten ein schwieriges, und zwar nicht zuletzt aufgrund der liberalen Verfassungsauslegungen Cavours, der sich hierbei auf ein breites gesellschaftliches wie auch parlamentarisches Mitte-Links-Bündnis stützen konnte, wodurch die Macht des Monarchen faktisch eingeschränkt wurde. Da Österreich sich nicht am Krieg beteiligte, war Cavours Zustimmung nun möglich geworden, aber nicht ohne Vittorio Emanuele ein Zugeständnis abzuringen. Ein langer Streitpunkt in der Innenpolitik war die Statusfrage der Klöster, die bis dato autonom waren, was sie nach dem Willen des Königs, des Klerus und der Konservativen auch bleiben sollten. Doch Cavour scheute nicht zuletzt auch die gewaltigen Kosten einer Kriegsbeteiligung mit anvisierten 15.000 Mann. Eine Klöstersäkularisation hätte für das Mitte-Links-Bündnis deshalb zwei Probleme auf einmal gelöst, nämlich die Finanzierung des Krieges als auch die Auflösung einer Institution, die im Ruf stand, reaktionär und ein Versammlungsort für die Spione des Papstes zu sein. Infolgedessen war der Weg für einen Krieg frei, zumal Frankreich und Großbritannien auch für Sardinien-Piemont eine Erklärung abgaben, in der sie dessen territoriale Integrität garantierten.
Der Pariser Friedenskongress
Als Siegermacht des Krimkrieges war Sardinien-Piemont Teilnehmer der Friedensverhandlungen in Paris. Doch trotz der sicherlich bestehenden Abneigungen der beiden westlichen Großmächte gegenüber Österreich hatte die habsburgische Monarchie diplomatisch nach wie vor erhebliches Gewicht als Großmacht in Europa. Den österreichischen Einfluss bekam Cavour bereits im Vorfeld des Pariser Kongresses zu spüren, da noch niemand bereit war, auch Frankreich nicht, sich konkret zugunsten eines kleinen italienischen Staates mit allen daraus resultierenden Konsequenzen auf dessen Seite zu schlagen. Aufgrund dessen, aber auch wegen des piemontesischen Status’ eines assoziierten Alliierten, blickte Cavour eher skeptisch gen Paris, da er seine Wirkungs­möglichkeiten eingeschränkt sah. [66]
Bereits im Sommer 1855 reisten Cavour und sein König deshalb in die französische Hauptstadt zur Weltausstellung, um vor dem im Februar 1856 beginnenden Kongress eine mögliche Unterstützung zu sondieren. Beim Zusammentreffen mit dem Kaiser der Franzosen als auch mit dem britischen Außenminister Lord Clarendon versicherten beide, Piemont im Falle eines – wie jeder stillschweigend und unausgesprochen wusste: österreichischen – Angriffs militärisch zu unterstützen. [67] Das Problem während der ganzen Pariser Zeit bestand darin, dass Großbritannien und Frankreich nach dem kräftezehrenden Krieg gegen das reaktionäre Russland zwar der sardinischen Sache viel Sympathien entgegenbrachten, zumal die beiden westlichen Länder das brutale Agieren des nicht weniger reaktionären, feudalistisch verfassten Österreichs mit Ablehnung beobachteten. Und selbst Frankreichs Außenminister Walewski, der in der gesamten Italienfrage sonst weit zurückhaltender war als Napoléon, gestand Cavour gegenüber die seinerseits als abnorm bezeichnete Situation Italiens ein. [68] Doch allen Beteiligten war klar, dass Sardinien-Piemont seine Interessen nur auf Kosten Österreichs würde durchsetzen können, was ohne einen allgemeinen Krieg nicht möglich gewesen wäre, den London und Paris in diesem Moment weder willens noch in der Lage waren zu führen. Beide Staaten waren bezüglich ihrer Italienpolitik gefangen zwischen ihrer postbellizistischen Erholungsphase, einer nicht mehr ganz tragenden Gleichgewichtspolitik und ihren eigenen Interessen, welche sich mit den Sympathien für Piemont auf unterschiedliche Weise verbanden. Zudem prägte beide Großmächte die Angst vor einem wohl noch neuartigerem Krieg, für den die ungewöhnlich ressourcenbindende, beinahe schon industriell geführte Auseinandersetzung auf der Krim Akzente gesetzt hatte.
Doch Cavour vermochte es in vielerlei Unterredungen, die Sympathien für Piemont zu verstärken und die Großmächte in Position gegen die anderen italienischen Staaten zu bringen. Das wird auch sehr schön in einem Brief an seinen Vertrauten, Urbano Rattazzi, deutlich:
„Clarendon war energischer denn je, sowohl was den Papst, als was den König von Neapel betrifft; die Regierung des ersteren schildert er als die miserabelste, die existiert habe [...]. Beim Hinausgehen sagte ich zu ihm: ,Mylord, sie sehen, daß für uns von der Diplomatie nichts zu hoffen ist, es dürfte Zeit sein, sich nach andern Mitteln umzusehen, wenigstens was den König von Neapel betrifft.‘ Er antwortete mir, ,il faut s’occuper de Naples et bientôt.‘ [69] Ich verließ ihn mit den Worten: [...] Etwas muß geschehen, Italien kann nicht im gegenwärtigen Zustand bleiben. Auch Napoleon ist davon überzeugt, und wenn sich die Diplomatie als ohnmächtig erweist, so müssen wir zu andern, zu unlegalen Mitteln greifen. Obgleich gemäßigter Ansicht, bin ich hier doch für extreme und kühne Mittel. In unserem Jahrhundert ist oftmals Kühnheit die beste Politik. Sie half Napoleon, auch uns wird sie helfen[...].“ [70]
Der erste Erfolg Cavours nach den Unterredungen mit Napoléon und Clarendon lag dann auch im Abbruch der diplomatischen Beziehungen beider Großmächte zum Königreich beider Sizilien. [71] Das hatte u.a. auch den Hintergrund, dass Neapel den Westmächten während des Krieges die Nutzung seiner Häfen nicht gestattete, was dann Genua für beide Staaten als Notlösung attraktiv erscheinen ließ. Somit hatten auf dem Kongress bereits zwei Großmächte, und zwar die, auf die es ankam, nur noch Sardinien-Piemont als legitime italienische Vormacht angesehen. Großbritannien fiel dieser Schritt umso leichter, da diese Entscheidung seinen Interessen in der Mittelmeer- und folglich auch Handelspolitik zweckdienlich war, da der Seeweg nach Indien über Suez führte, das westliche Mittelmeer jedoch von den spanischen Bourbonen in Spanien selbst als auch in Neapel-Sizilien dominiert wurde.
Cavour versuchte vor allem immer wieder an das politische Gewissen Großbritanniens zu appellieren, das seit der Declaration of Rights von 1689 als wohl liberalste Macht gelten durfte, indem er Clarendon begreiflich zu machen versuchte, wie unzeitgemäß das österreichische Verhalten, dessen Präsenz in Italien sowie die Existenz des Kirchenstaates war. In einem weiteren Brief an Rattazzi aus Paris, in dem er eine abermalige Unterredung mit Lord Clarendon rezitiert, wird das deutlich. Nicht nur, dass Cavour in diesem Gespräch die Donaumonarchie als repressives und gewalttätiges politisches System darstellt, das sich einer Veränderung zu unterziehen habe. [72] Er droht auch unverhohlen mit Krieg. [73]
Großbritannien mochte Österreich zwar als Gegengewicht zu Frankreich in Italien halten, wurde aber durch die sich in den Gesprächen wiederholenden eindringlichen Appelle Cavours mental bereits auf das vorbereitet, was Piemont letztlich vorhatte, sollte es keine diplomatische Lösung geben.
„Gestern auf dem Diner beim Prinzen Napoleon hatte ich mit diesem und Lord Clarendon eine lange Unterredung. Beide sagten mir, sie hätten tags zuvor lange Gespräche über die italienischen Angelegenheiten mit dem Kaiser gehabt, worin sie ihm erklärt hätten, die Haltung Oestreichs versetze Piemont in eine so schwierige Lage, daß man ihm notwendig helfen müsse herauszukommen. Lord Clarendon sagte unumwunden, daß Piemont sich in die Nothwendigkeit gesetzt sehen könnte, Oestreich den Krieg zu erklären, und daß man in diesem Falle nicht würde umhin können, seine Partei zu ergreifen.“ [74]
Trotz anfänglichen Zögerns Napoléons III. kurz nach dem Krieg, der Piemont zwar zugetan war, aber nicht um jeden Preis eine militärische Auseinandersetzung vom Zaun brechen wollte, wendete sich auf dem Kongress das Blatt im Sinne Cavours, auch wenn es bisher nur Absichtserklärungen waren, die die Großmächte abgaben.
„Als Clarendon gewissermaßen mit Bedauern äußerte, daß alle zu Gunsten Italiens gemachten Anstrengungen bisher ohne Erfolg geblieben seien, sagte der Kaiser: Ich ermächtige Sie, dem Parlament zu erklären, daß es meine Absicht ist, meine Truppen aus Rom zurückzuziehen, und Oestreich zu zwingen, das Gleiche zu thun [...] Er sagte, [...] in Gemeinschaft mit England vom König von Neapel eine Amnestie zu verlangen, und zwar in solcher Art, daß sie nicht verweigert werden könne, nämlich unter Androhung der Entsendung eines Geschwaders. – Clarendon sagte mir ............. [sic!] daß sicherlich, wenn Oestreich nicht sein System wechsele, oder wenigstens modificiere, binnen Jahresfrist England und Frankreich es dazu würden zwingen müssen, sollte es auch bis zum Kriege kommen. Und so viel steht fest, daß die Oestreichischen Bevollmächtigten niedergeschlagen und miß­vergnügt sind.“ [75]
Auch wenn es nicht zum Krieg kommen sollte – der britische Premierminister Palmerston zeigte sich da im Gegensatz zur Opposition und zu seinem Außenminister etwas reservierter –, war die österreichische Delegation in Paris in der Tat isoliert worden. Cavour bewirkte nämlich zudem, dass die unsicheren und repressiven Zustände in den übrigen Teilen Italiens in einer Resolution als europäisches Problem deklariert wurden. [76]
Auch wenn Cavour keine härteren Maßnahmen gegen Österreich erwirken konnte und die gegen die Donaumonarchie gerichtete Kriegsrhetorik ihm gegenüber letztlich nichts zu bedeuten hatte, da sie in größerer Runde keine Rolle spielte. Moralisch hatte Cavour nicht nur über Österreich gesiegt, sondern er hatte triumphiert, da er Großbritannien dazu gebracht hatte, einen möglichen Krieg gegen Österreich zwar im Sinne des europäischen Gleichgewichts nicht mittragen zu wollen, die Briten aber einen Krieg zumindest dulden würden. Insofern bestand einer der wichtigsten Erfolge darin, die Gunst Englands gewonnen zu haben. Außerdem hatte Cavour durch seine geschickte Diplomatie erreicht, dass Sardinien-Piemont fortan auf der internationalen Bühne nicht nur geachtet wurde und bei den Großmächten durchaus Gehör fand für seine Anliegen. Er hatte das kleine Königreich zu dem gemacht, was es national schon lange war, nämlich zum Zünglein an der Waage der nationalen Frage und damit zu einem internationalen Ansprechpartner in der Italienproblematik.
Die Reise nach »Italien« – führt über Plombières, Villafranca und Zürich
Nach dem Pariser Kongress ließ sich „Turins moralischer und politischer Führungsanspruch in Italien [...] kaum noch bezweifeln, ebenso war Österreichs Vormachtstellung einem unaufhaltsamen Zerfallsprozeß unterworfen“ [77]. Doch je bedeutender die Beziehungen Turins samt seiner diplomatischen Erfolge im Ausland wurden, desto schlechter wurden in der Zwischenkriegszeit die Beziehungen zu den italienischen Nachbarn, die die piemontesische Vormachtstellung fürchteten. Außerdem konnten sich die italienischen Vasallen Österreichs nach der diplomatischen Blamage ihrer Schutzmacht einer langfristigen Protektion selbiger nicht mehr restlos sicher sein. Erschwerend trat hinzu, dass Großbritannien und Frankreich zu Neapel die Beziehungen im Herbst 1856 abbrachen – freilich nicht ohne das Zutun Cavours, aber bestärkt durch das neapolitanische Verhalten während des Krimkrieges. Bestärkt wurden die Befürchtungen auf nationaler Ebene auch durch die 1857 gegründete Società Nazionale durch Freunde Cavours, die quasi einer modernen Propaganda-Abteilung glich, da sie eine Werbekampagne in ganz Italien für Sardinien-Piemont startete, wobei die Liberalen als Nebeneffekt mit dieser Kampagne auch bei den republikanisch ausgerichteten Demokraten großen Erfolg hatten (Garibaldi z.B.) und Mazzini viele Anhänger abtrünnig wurden. [78]
Daneben forcierte Cavour insgeheim die Umwerbungen Napoléons III., der seinerseits ja schon in Paris militärischen Beistand zugesagt hatte und sich für eine Vertreibung Österreichs und der habsburgischen Fürsten aussprach. Nun war es aber Zeit, diese mündlichen Zusagen noch einmal zu bekräftigen und schriftlich in Vertragsform zu fixieren.
Ein Treffen in Plombières
Nach der Revolution von 1848/49 war Cavour klar geworden, dass die nationale Einheit nur noch durch kriegerische Mittel realisiert werden könnte, was sich auch anhand seiner Briefe während des Kongresses in Paris ablesen lässt. Der Zeitpunkt für diesen Krieg stand nun unmittelbar bevor, als sich der französische Kaiser und Cavour im Juli 1858 in Plombières trafen, um die Militärallianz und ihre Modalitäten zu verhandeln. Die gleich zu Beginn vereinbarte Heirat der Tochter des Königs mit dem Sohn des Kaisers sollte die ins Auge gefasste Allianz schon einmal auf ein festes Fundament bei den Verhandlungen stellen. [79]
Napoléon III. beabsichtigte, Italien nicht nur zu befreien, [80] sondern es auch gänzlich neu zu strukturieren und den Thron eines neu geschaffenen »Königreiches von Mittelitalien« mit einem Franzosen zu besetzen, was die hegemonialen Absichten Frankreichs zu dieser Zeit und den politischen Gegensatz zu Großbritannien offenbarte, aber auch deutlich machte, dass die Einheit Italiens für Napoléon nur ein Mittel zum Zweck war. Doch zugunsten des Vorschlags von Cavour, die dann im Krieg vertriebene Herzogin von Parma provisorisch auf den florentinischen Thron zu setzen, verzichtete der Kaiser auf eine weitere Verfolgung seiner Ziele. Der Kirchenstaat sollte zwischen »Ober«- und »Mittelitalien« aufgeteilt werden, Rom und seine unmittelbare Peripherie sollten noch im Besitz des Heiligen Stuhls bleiben. Hiermit hatte Cavour auch einen ersten Erfolg in den Verhandlungen mit den das Papsttum lange Zeit protegierenden Franzosen errungen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie feindlich er schon lange dem Kirchenstaat gesonnen war. Ältere Aussagen von Anfang der 1850er Jahre lesen sich hier in Bezug auf Plombières als höchst aktuelle Kampfansage an die Kirche; und Cavour macht auch antithetisch deutlich, wer hier mit wem gegen wen steht, nämlich Österreich und der Papst in einer Interessengemeinschaft gegen die liberalen und progressiven Kräfte:
„Wenn wir uns mit dem Papst in direkte Verbindung setzen, so richten wir durchweg das politische Gebäude zugrunde, welches aufzurichten uns so große Mühe gegeben haben. Es ist nicht möglich, unseren Einfluß in Italien zu erhalten, wenn wir uns mit dem Papst verbünden. Laßt uns den Kampf nicht weiter hinausschieben, aber keinen halben Schritt thun. [...]
[...] wenn unsere gegenwärtige, liberale, italienische Politik sich als gefahrvoll und unergiebig erweist, so wird der König durch einen Ministerwechsel sich dem Papst und Oestreich zu nähern vermögen [...].“ [81]
Bei Neutralität sollte das Königreich beider Sizilien bestehen bleiben, um vor allem Russland nicht zu provozieren, das zu Neapel während des Krimkrieges außerordentlich gute Beziehungen unterhielt. [82]
Der Kaiser versicherte Cavour, Turin bestmöglich zu unterstützen, sofern es sich nicht um einen Revolutionskrieg handeln würde, [83] womit Frankreich als Signatarmacht des Wiener Kongresses den Anschein der Aufrechterhaltung der alten Ordnung wahrte. Neben der Übernahme der gesamten Kriegskosten war auch die Abtretung Nizzas [84] an Frankreich (inklusive Plebiszit) sowie Savoyens, dem Stammland der regierenden Dynastie Piemonts, eine entscheidende Konzession, die Cavour machte.
Der Krieg von 1859
Doch bevor Sardinien und Frankreich durch allerlei Provokationen Österreich dazu bringen konnten, im Piemont einzumarschieren und es somit vor aller Welt als Aggressor dastehen zu lassen, musste vorher noch diplomatisch sondiert werden, wie die übrigen deutschen Staaten zu einem Krieg stehen würden. Nach Gesprächen mit dem württembergischen König, dem Prinzen von Preußen (und späteren Deutschen Kaiser Wilhelm I.) sowie dem preußischen Minister­präsidenten Manteuffel war sich Cavour sicher, dass Preußen als Mitglied des Deutschen Bundes (wie Österreich auch) nicht nur anti-österreichisch eingestellt war, sondern auch das pro-österreichische Bayern von einer Kriegsbeteiligung an der Seite Habsburgs abhalten könnte. [85] Solange deutsches Bundesgebiet nicht in den Konflikt involviert würde, versicherte Wilhelm, würde Preußen nicht eingreifen. [86]
Doch nachdem der Krieg im Sommer 1859 begonnen hatte, wandelte sich die Haltung Preußens deutlich, das nun im Juni nach der Schlacht bei Solferino [87] nicht nur sechs Armeecorps mobilisierte, sondern auch die Teilmobilmachung der deutschen Bundestruppen beantragte. Hinzu kam, dass Preußen, obwohl es stets seine Selbständigkeit gegenüber Österreich betonte, drei der mobilisierten Kontingente in Richtung südliche Bundesgrenze entsandte. [88] Die Regierung in London wechselte, die mit Lord Palmerston – der nach kurzer Abstinenz vom Amt nun wieder Premierminister war – nun nicht mehr dermaßen Sardinien-freundlich eingestellt war wie zu Zeiten des Pariser Kongresses, auch wenn Palmerston selbst dort bereits verhalten auf das Umwerben Cavours reagierte. Großbritannien ließ Preußen jedoch übermitteln, dass es die deutschen Küsten bei einem vom Deutschen Bund provozierten Krieg mit Frankreich nicht schützen würde. [89] Diese diplomatische Wende veranlasste Napoléon einseitig und ohne Absprache mit seinem Verbündeten, einen Waffenstillstand zu erwirken, zumal auch die öffentliche Meinung in Frankreich im Begriff war zu kippen, während man im Kabinett ohnehin mit gemischten Gefühlen in den Krieg gezogen war. [90]
Der kurze, aber umso heftigere Krieg, der ebenso wie der Krieg auf der Krim ein Zeitalter von militärischen Auseinandersetzungen ungekannten Ausmaßes präfigurierte, verlief am Ende auch nicht gänzlich zu Cavours Zufriedenheit. Zwar konnte Piemont territoriale Zugewinne verbuchen, und in den mittelitalienischen Staaten, in denen es zu nationalen Erhebungen kam, konnten nicht nur die Habsburger vertrieben werden, sondern auch nationalliberale Kräfte und Vertraute Cavours in das Machtvakuum vorstoßen. [91] Doch die Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den beiden Kaisern Napoléon und Franz Joseph in Villafranca gestanden die Österreich nicht verlustig gewordenen Gebiete in Italien zu (vor allem das Veneto), was einen Bruch der Vereinbarungen von Plombières bedeutete, in denen die Vertreibung Österreichs aus Italien das Ziel war. Der Waffenstillstand von Villafranca veranlasste Cavour, dem König folgenschwer zu empfehlen, auf eigene Verantwortung weiterzukämpfen oder schlichtweg abzudanken, woraufhin Cavour dann für sich selbst entschied – nachdem sich auch ein Gespräch mit Napoléon als ebenso erfolglos erwies wie mit seinem König – zurückzutreten. [92]
Bei den Friedensverhandlungen von Zürich erkannte Wien die piemontesische Delegation immer noch nicht als gleichwertigen Verhandlungspartner an, so dass am Ende Verträge zwischen Frankreich und Österreich, Frankreich und Sardinien-Piemont sowie zwischen allen drei Staaten geschlossen wurden. Der Vertrag zwischen den beiden Verbündeten beinhaltete dann auch zusätzlich politischen Sprengstoff, da dieser die Vereinbarungen von Plombières lediglich zugunsten Frankreichs wieder aufnahm.
Während der kurzen Phase seiner Arbeitslosigkeit blieb Cavour jedoch nicht untätig und nahm Kontakte zu den ebenfalls unter ihm gedienten Amtsträgern der piemontesischen als auch zur britischen Regierung auf, mit deren Hilfe er auch rasch wieder an die Spitze des Turiner Ministeriums gelangte. Dass Cavour die durch ihn und Napoléon III. in Plombières vereinbarten Abtretungen Nizzas und Savoyens trotz des französischen Bruchs der Vereinbarungen durchsetzte und Piemont im Gegenzug die in Zürich zugesprochene Lombardei erhielt, brachte ihm nicht nur die Gegnerschaft seiner Landsleute ein, sondern auch Großbritanniens [93], das darin einen Machtzuwachs für Frankreich sah. In Nizza und Savoyen wie auch in den mittelitalienischen Staaten wurden zeitnah die angestrebten Volksentscheide durchgeführt, die den Anschluss an Frankreich bzw. Piemont absegnen sollten. [94]
Die Plebiszite in den an Sardinien-Piemont anzugliedernden Territorien waren demokratisch gesehen eher eine Farce, da die Wahl zwischen einer Annessione alla monarchia costituzionale del Re Vittorio Emanuele II und einem Regno separato [95] für die ohnehin wenigen Wahlberechtigten (70 Prozent aller Italiener waren aufgrund ihrer Illiterarizität ausgeschlossen [96]) nicht besonders groß und der ausgeübte Druck der piemontesischen Anhänger auf der Straße immens war. [97]
Neapel befand sich zu diesem Zeitpunkt im politisch freien Fall, da es diplomatisch isoliert war und die Bevölkerung unter den hohen Abgaben lechzte, so dass sich noch vor den Ereignissen ab 1860 zunehmend Widerstand regte.
Italien zwischen 1860 und 1871 – Triumph und Niederlage der Nationaldemokratie
In Turin trat im April 1860 das erste italienische Parlament zusammen. Und auch wenn Villafranca vielleicht in jenem historischen Moment als Rückschlag begriffen wurde, und zwar auch insbesondere von Cavour, so machte die Entwicklung ab 1860 deutlich, dass die Entwicklung in Richtung Nationalstaat nicht mehr aufzuhalten war. Der Unifikationsprozess des bereits bestehenden »italienischen« Königreiches mit dem restlichen geographischen Italien entfaltete nun nicht zuletzt durch die Mahnung Großbritanniens, aber auch durch die verfehlte und hochmütige Kabinettspolitik Napoléons [98] eine eigene, nur noch durch die Italiener selbst getragene Dynamik.
Garibaldis »Zug der Tausend«
Giuseppe Garibaldi gehörte zu einem der heftigsten Kritiker der Cavour’schen Kompromisspolitik gegenüber Frankreich, was vor dem Hintergrund seiner Herkunft auch nicht verwundert, da er aus Nizza stammte. Noch im selben Jahr, in dem das Regno d'Italia proklamiert wurde, brachen gut Tausend Anhänger der nationaldemokratischen Bewegung unter der Führung des charismatischen Garibaldi auf, um den Rest Italiens zu erobern. Im Zentum der Expedition stand zunächst das Königreich beider Sizilien. Vor allem aber war es immer das erklärte Ziel der Nationaldemokratie gewesen, Rom zur Hauptstadt eines vereinten Italien zu machen, womit auch auf die Zeit der antiken römischen Republik rekurriert wurde, in der Rom ebenfalls das politisch-republikanische Zentrum war. Dies hätte aber einen Affront gegen die offizielle piemontesische Politik bedeutet, da Rom nach wie vor unter französischem Schutz stand und Frankreich keinen Angriff auf den Kirchenstaat geduldet hätte.
In nur drei Monaten schlugen Garibaldis militärisch unterlegene, dafür politisch höchst motivierte Anhänger – die sich mittlerweile ein monarchisch regiertes Italien vorstellen konnten, im Gegensatz zum weiterhin radikal-republikanischen Mazzini – die gut ausgerüsteten neapolitanischen Truppen des eher resignierten Regimes auf Sizilien. Garibaldi erklärte sich im Namen Vittorio Emanuele II. zum Diktator von Sizilien und installierte im Bündnis mit lokalen Liberalen wie auch Demokraten eine nur eingeschränkt wirkungsmächtige Regierung. [99] Neapel lehnte nicht zuletzt aufgrund seiner eigenständigen, historisch basierten Identität (insbesondere Sizilien selbst) den Vereinigungsprozess ab und betrachtete Garibaldi als dessen Mätresse – ganz zu schweigen von den machtpolitischen Motivationen der Bourbonen. [100]
Es mutet schon merkwürdig an, dass es Garibaldi versäumte, grundlegende Wirtschafts- und Sozialreformen im Mezzogiorno durchzusetzen, die vor allem der überwiegend ländlichen Bevölkerung zugutegekommen wären, doch ließ er hierbei den Notwendigkeiten des Vereinigungsprozesses den Vortritt. Er ließ die gegen Zwangsrekrutierungen und -abgaben protestierenden Bauern niederprügeln und verbündete sich – aus seiner Sicht im Interesse der werdenden Nation – mit den großbürgerlichen Eliten, wodurch er prinzipiell sein eigenes demokratisches Wertegerüst, das die Massen der dortigen Bevölkerung hoffnungsvoll im Blick hatten, verriet. Ob ein sozioökonomischer Neuanfang sowie eine Alternative zur nationalliberalen Staatsgründung in Süditalien mit Garibaldis Nationaldemokratismus möglich gewesen wäre, mag strittig und spekulativ sein.
Doch genau das befürchtete Cavour, der nach der Eroberung Palermos sofort Abgesandte schickte, um die Kontrolle über die politische Entwicklung zu erhalten. [101] Die Angst Cavours – nachdem im September auch Neapel gefallen war – vor einem vorzeitigen Vorstoß Garibaldis gen Rom war groß. Denn die anhaltende Drohung Garibaldis, gegen den Kirchenstaat zu ziehen, veranlasste Cavour nun, ironischerweise quasi zum Wohle des Kirchenoberhauptes, Truppen in Richtung Süden in Bewegung zu setzen und Umbrien als auch die Marken als Gebiete des Kirchenstaates zu besetzen. Der alte Nord-Süd-Gegensatz wurde neuerlich zum Gegensatz zwischen Monarchie und Republik, der schnellstmöglich überwunden werden sollte. Zu diesem Zweck brachte Cavour rasch einen Gesetzentwurf im Parlament ein, der die Annexion der besetzten Gebiete vorsah – nicht zuletzt um auch eine Intervention Österreichs bei langanhaltender Krise zu verhindern. Garibaldi gab daraufhin nach, um einen Bürgerkrieg zu verhindern und trat seine Macht an Turin ab. Die darauffolgenden Volksentscheide waren nur noch Makulatur und Italien, bis auf einen Rumpfkirchenstaat und kleinere Gebiete, komplett. [102]
Für Cavour war der Anschluss Süditaliens eher ungewollt, [103] da unterschied er sich nicht allzu sehr von heutigen Politikern.
So erklärt sich auch, dass Cavour und die destra storica (also die liberale Bewegung bzw. »historische Rechte«) einer von demokratischen Abgeordneten vorgeschlagenen Nationalversammlung zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung eine klare Absage erteilte. Das hatte zur Folge, dass das Statuto Albertino von 1848 mit seinem mäßig liberalen Rahmen und seiner parlamentarischen Verfassungswirklichkeit zur gesamtitalienischen Verfassung wurde. Daraus folgte aber auch, dass durch das Zensuswahlrecht nun in ganz Italien nur zwei Prozent der Bevölkerung wählen durften, so dass Nationalisierung und Politisierung der Massen durch Partizipation gar nicht möglich werden konnte. Das die Regionalismen nicht beachtende zentralistische System tat sein Übriges, so dass es infolge dieser versäumten Chancen unterblieb, Italien zu einem Staat zu machen, zu dem sich die Menschen nicht nur hätten bekennen können, sondern der es ihnen auch ermöglicht hätte, sich mit ihrer Nation zu identifizieren.
Das Parlament in Turin debattierte seit dem Februar 1861 nicht nur über diese Frage, sondern auch über die Kontinuität der dynastischen Verhältnisse, bis es anerkannte, dass Vittorio Emanuele II. von Sardinien-Piemont auch im Sinne des piemontesischen Führungsanspruches ebenso Vittorio Emanuele II. von Italien sein würde: „Vittorio Emanuele II assume per sé e per I suoi successori il titolo di re d’Italia.“ [104] Das italienische Parlament bestätigte in der Folge Vittorio Emanuele II. als König von Italien.
Die Zerschlagung des Kirchenstaates und der brigantaggio
Der Rest des Kirchenstaates, der von Pius IX. regiert wurde, war derweil ein Hort anti-demokratischer, anti-liberaler und im Prinzip auch anti-italienischer Agitation geworden, [105] weil diese Kräfte die Überreste des verbliebenen kirchenstaatlichen Territoriums in seiner Existenz bedrohten und ihn bis dato entwaffnet und zurechtgestutzt hatten.
1864 veröffentlichte der Heilige Stuhl ein Skript, das alle nach Ansicht des Papstes »guten« Katholiken vor demokratischen wie liberalen Weltanschauungen warnte. Genau diese Aufzählung trieb die Verlierer der bürgerlichen Fortschrittspolitik der Eliten in die Arme der katholischen Kirche, [106] die daraus bis heute ihren politischen Einfluss in Italien speist. Auch aus dem katholischen Europa erhielt der Kirchenstaat finanzielle und ideelle Unterstützung für die bedrohte Souveränität. Garibaldi versuchte die Kirchenstaatsfrage entgegen den Vorstellungen der Regierung gewaltsam zu lösen, ohne dass er jedoch Erfolg hatte, da auf Druck Frankreichs sich italienische Truppen den Milizionären Garibaldis entgegenstellten. [107] Erst 1870, als die deutschen Staaten gegen Frankreich Krieg führten und dieses seine römische Garnison abzog, konnte auch der restliche Kirchenstaat sowie Rom unter italienische Oberhoheit kommen; dem Papst blieben lediglich die heutigen vatikanischen Besitzungen, während Rom nun zur Hauptstadt wurde und Italien als Nationalstaat gänzlich vereint wurde. [108]
Doch innenpolitisch war Italien noch lange nicht gefestigt. Im Süden tobte ein lange dauernder Brigantenkrieg, der zunächst von Einzelnen gegen den repressiv empfundenen Nationalstaat geführt wurde, der dem der Bourbonen in nichts nachstand. Dieser brigantaggio fiel jedoch durch die Enttäuschungen der Bevölkerung auf zunehmend fruchtbaren Boden, so dass die Anhänger dieser Bewegung irgendwann nicht mehr nur Wegelagerer oder Banditen waren, sondern ganz gewöhnliche Bauern, die für ihre als rechtmäßig empfundenen Rechte kämpften – es sollte die Entstehungszeit der Mafia werden, die mit der eher karitativen Ausrichtung von damals heute freilich nichts mehr zu tun hat.
Im Vergleich zu anderen Ländern hat Italien sich sehr spät zu einer »Nation« samt Nationalstaat zusammengefunden. Im Gegensatz zu Frankreich und England, die schon sehr früh auch als bedeutende Mächte auftraten, verhinderten in Italien u.a. staatliche und regionale Vielfalt sowie die Interessenlage der Großmächte (gepaart mit dynastischen Ambitionen beispielsweise der Habsburger und der Bourbonen) die nationale Einigung.
Das Erbe einer verfehlten, Regionalität ignorierenden Politik kann man bis heute begutachten, wenn der Süden durch die Regierung bevormundet sowie benachteiligt wird. Auch wenn der Turiner Regierung der Zufall mitunter zuhilfe kam, so bekannte sich die Politik explizit zu einer notfalls auch militärischen Gangart. Der Krieg von 1859 und die vorangegangenen Sondierungen etwaiger Unterstützer auf dem Pariser Kongress belegen den Willen Cavours, des Königs und der Liberalen, die Italienfrage – im machtpolitischen Sinne Piemonts – zu lösen. Insgesamt lässt sich daher resümieren, dass der Nationalstaat sicherlich nicht als historischer Unfall entstand, sondern das Resultat offizieller Politik als auch des Agierens der nationaldemokratischen Bewegung war.
Bis 1848 war die Nationalbewegung zwar sehr heterogen und die Aufstände bis zur gesamtitalienischen Revolution nicht koordiniert, aber es hatte sich eine über politische Lager hinweg national orientierte Bewegung gebildet, die durch den Nationalgedanken auch in Abgrenzung zum äußeren Feind Österreich geeint wurde. Im Revolutionsdoppeljahr war zu sehen, dass die politisch wie auch geographisch fragmentierte Bewegung in der Lage war, wenn auch nur kurzzeitig, gemeinsam zu handeln, Reformen in Gang zu bringen und gegen die Fremdherrschaft zu mobilisieren. Obwohl die Anhänger Mazzinis vielen Liberalen als sehr suspekt erschienen, war die ideologische Kluft doch nicht so groß, dass man sie nicht hätte überwinden können. Zwar waren hierbei Republikanismus und Royalismus ein Gegensatzpaar, ein wesentliches Merkmal des Bürgertums stellten die Nationaldemokraten jedoch nicht infrage, das Eigentum, so dass politische Vorbehalte bei den Liberalen nicht manifest sein mussten.
Trotzdem können die Liberalen durchaus teilweise als Getriebene der Nationaldemokraten angesehen werden, vor allem was die garibaldinische Eroberung des Mezzogiorno anbelangt. Die Liberalen hatten kein oder kaum ein Interesse am kulturell so andersartigen Süden, doch mussten sie auf den Fakten schaffenden Garibaldi zwangsläufig reagieren, so dass die Schaffung eines »Großpiemont« nicht verwirklicht werden konnte, da dabei »Italien« entstand. Die expansive Expedition Garibaldis war König und Premier ja bekannt, ohne offiziell eingewilligt zu haben, um sich gegenüber dem Ausland vor diplomatischen Verwicklungen zu schützen. Doch die Unterschätzung des eigenwilligen und durchsetzungsfähigen Garibaldi durch die Liberalen führte dazu, dass sie selbst den Prozess der Vereinigungspolitik gar nicht mehr recht zu steuern vermochten. Sie konnten nur noch im Zugzwang reagieren, um auch das bis dato Erreichte nicht in Gefahr zu bringen – bei eventueller französischer oder österreichischer Intervention.
Ab den 1850er Jahren ist der Einigungsprozess von der Politik folglich übernommen worden, natürlich basierend auf jener ideologischen Grundlage, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschaffen wurde. Somit ist der italienische Nationalstaat trotz ungeahnter Wendungen auf dem Weg dorthin auch kein Zufallsprodukt, sondern hervorgegangen aus einer Vielzahl teils ungesteuerter Erhebungen sowie gesteuerter diplomatischer und militärischer Unternehmungen. Die Außenpolitik Cavours war letztlich direkt auf eine aggressive Gangart gegenüber Österreich ausgerichtet und somit durchaus durchdacht. Doch der mangelnde Wille vieler zu einem wirklich neuartigen Italien hat die Möglichkeiten eines tatsächlichen Zusammenwachsens verhindert, und zwar was die Verfassungsfrage anbelangt, was aber auch die Integration des Südens angeht. Letztere ist bis heute ein schwelender Konflikt, da man der dortigen Bevölkerung von Anfang an die Lust an politischer Partizipation vorenthalten hat, so dass die Politik dort bis heute nicht demokratisch organisiert, sondern durch paternalistische Klientelstrukturen geprägt ist, die von der Mafia häufig nicht zu unterscheiden sind.
Volker Reinhardt: Geschichte Italiens. Von der Spätantike bis zur Gegenwart. München 2003, S. 172.
Risorgimento: ital. für Wiederentstehung, Wiederaufblühen, Wiederaufleben; bezeichnet den Prozess der Entstehung der italienischen Nation und des italienischen Nationalstaates.
Der polentone ist die nicht ganz liebevolle Bezeichnung (»Polentafresser«) der Bewohner Süditaliens für die Norditaliener, die eben gerne Polenta essen. Während der terrone (Primitive/Ungebildete, der die Hände nur voller Erde hat) die Bezeichnung der Bewohner des Nordens für die ländlich geprägten Süditaliener ist.
Mezzogiorno: ital. für Süden, Mittag; auch Bezeichnung für den wirtschaftlich weniger entwickelten Südteil Italiens, zu dem die Regionen Abruzzen, Molise, Kampanien, Apulien, Basilikata, Kalabrien, Sizilien und Sardinien gehören.
Vgl. Peter Stadler: Cavour. Italiens liberaler Reichsgründer. München 2001, S. 20.
Francesco Crispi: Discorsi di Politica Estera. Rom 1888, S. 91. „Meine Herren, Italien ist sehr spät in die Familie der großen Staaten eingetreten.“ (Übersetzung des Autors)
Derek Beales: The Risorgimento and the Unification of Italy. 5 Aufl. London, New York 1985, S. 13.
Neben ihnen gab es natürlich weitaus mehr Persönlichkeiten, die interessante Thesen zur Nationalstaatlichkeit hervorbrachten, mitunter aber kaum beachtet wurden: etwa Carlo Cattaneo als moderater Linker oder sein jakobinischer Gegenspieler im eigenen Lager, Giuseppe Ferrari, aber auch der liberale Vincenzo Gioberti, der noch vor der Reformwelle Mitte bis Ende der 1840er Jahre mit seinem Bestseller von 1843 »Del primato morale e civile degli Italiani« dem Bürgertum eine geistige Grundlage für seinen auch kulturell geprägten Nationalismus gab.
Vgl. Beales, Unification (s. Anmerkung 7), S. 39f.
Vgl. Wolfgang Altgeld: Das Risorgimento (1815-1876). In: Ders. (Hrsg.): Kleine italienische Geschichte, Bonn 2005, S. 257-324, hier: S. 262.
Vgl. Beales, Unification (s. Anmerkung 7), S. 41.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 267f.
Vgl. ebenda, S. 269f.
Vgl. ebenda, S. 270f.
Vgl. Beales, Unification (s. Anmerkung 7), S. 42.
Vgl. Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 23f.
Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 272.
Vgl. ebenda, S. 274.
Zitiert nach ebenda, S. 275. Hervorhebung von Nation von Freien und Gleichen im Original durch Fettdruck.
Giuseppe Mazzini: Selected Writings. Herausgegeben von N. Gangulee, London 2006, S. 129.
Vgl. ebenda, S. 129. Mazzini argumentiert hier in bester französischer Tradition und nimmt Marx bereits vorweg, als dass auch für ihn Freiheit und Gleichheit (nicht nur vor dem Gesetz) zusammengehören. Doch auch er übersieht dabei (wie Marx), dass das Verhältnis von Freiheit und Gleichheit ein dialektisches ist, und zwar insofern, als dass mehr Gleichheit zwangsläufig weniger Freiheit für den Einzelnen bedeutet und umgekehrt.
Vgl. ebenda, S. 130.
Die Parallele lässt sich hierzu sehr schön in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 wiederfinden, in Artikel 3 heißt es: „Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volke. Keine Körperschaft und kein einzelner kann eine Gewalt ausüben, die nicht ausdrücklich von ihm ausgeht.“ (Zitiert nach: Stefan Grüner, Andreas Wirsching: Frankreich. Daten, Fakten, Dokumente. Tübingen, Basel 2003, S. 143.)
Vgl. Giuliano Procacci: Geschichte Italiens und der Italiener. München 1989, S. 250.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 276.
Vgl. Hartmut Ullrich: Bürgertum und nationale Bewegung im Italien des Risorgimento. In: Otto Dann (Hrsg.): Nationalismus und sozialer Wandel. Hamburg 1978, S. 129-157, hier S. 141.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 277.
Vgl. Volker Reinhardt: Geschichte Italiens. Von der Spätantike bis in die Gegenwart. München 2003, S. 203.
Dieser Aspekt ist ganz entscheidend und unterscheidet Italien diesbezüglich wesentlich von Deutschland.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 276ff.
Vgl. ebenda, S. 278f.
Und auch hier waren nur wenige industrielle Zentren vorhanden (Turin, Mailand, Genua). Noch deutlicher wird die sich im Nord-Süd-Gegensatz manifestierende wirtschaftliche Diskrepanz der Regionen, wenn man die Eisenbahn als Indikator industrieller Entwicklung betrachtet, deren Streckennetz zu 75 Prozent im Norden lag.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 288.
Einteilung nach Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10).
Vgl. ebenda, S. 282.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 284.
Vgl. Mazzini, Writings (s. Anmerkung 22), S. 129.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 284f.
Vgl. ebenda, S. 285.
Vgl. ebenda, S. 286.
Vgl. ebenda, S. 287.
Zitiert nach ebenda, S. 289.
Vgl. ebenda, S. 293f.
Vgl. ebenda, S. 294.
Vgl. ebenda, S. 294f.
Art. 4, Presidenza della Repubblica: Lo Statuto Albertino (Regno di Sardegna e Regno d'Italia) del 4 Marzo 1848. URL: http://www.quirinale.it/qrnw/statico/costituzione/statutoalbertino.htm, Stand: 15.07.2010.
Vgl. Art. 1, Statuto Albertino 1848.
Vgl. Art. 5, Statuto Albertino 1848.
Vgl. Art. 6, Statuto Albertino 1848.
Vgl. Art. 33, Statuto Albertino 1848.
Art. 2, Statuto Albertino 1848. „Der Staat wird von einer repräsentativen monarchischen Regierung geführt. Der Thron wird nach der Lex Salica vererbt.“ (Übersetzung des Autors)
Art. 3, Statuto Albertino 1848. „Die gesetzgebende Gewalt wird gemeinschaftlich vom König und den zwei Kammern ausgeübt: dem Senat, und der Deputiertenkammer.“ (Übersetzung des Autors)
„La Religione Cattolica, Apostolica e Romana è la sola Religione dello Stato. Gli altri culti ora esistenti sono tollerati conformemente alle leggi.“, Art. 1, Statuto Albertino 1848. „Die Katholische, Apostolische und Römische Religion ist die einzige Staatsreligion. Alle anderen existierenden, betenden Kulte werden entsprechend dem Recht toleriert.“ (Übersetzung des Autors)
Art. 26, Statuto Albertino 1848. „Die individuelle Freiheit wird garantiert. Niemand kann verhaftet werden, oder verurteilt werden, außer in den von Gesetzes wegen vorgesehenen Fällen und in den Formen, die es vorschreibt.“ (Übersetzung des Autors)
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 290f.
Vgl. Beales, Unification (s. Anmerkung 7), S. 70f.
Vgl. ebenda, S. 73.
Manfred Görtemaker: Geschichte Europas 1850-1918. Stuttgart 2002, S. 45.
Vgl. Beales, Unification (s. Anmerkung 7), S. 78.
Vgl. ebenda, S. 79.
Vgl. Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 112f.
Vgl. ebenda, S. 114.
„Man muss sich um Neapel kümmern, und zwar bald.“ (Übersetzung des Autors)
Camillo Benso di Cavour: Briefe des Grafen Camillo von Cavour. Veröffentlicht von D. Berti – Professor in Turin. Berlin 1862, S. 47f.
Vgl. Beales, Unification (s. Anmerkung 7), S. 79f.
Vgl. Cavour, Briefe (s. Anmerkung 70), S. 49f.
Ebenda, S. 52f.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 299.
Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 121.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 300.
Vgl. Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 121.
Das Attentat auf den Kaiser Anfang 1858 durch den italienischen Conte Felice Orsini und die daraus hervorgehende Veröffentlichung des vom Attentäter vor seiner Hinrichtung geschriebenen Briefes an Napoléon im »Moniteur universel«, in dem Orsini ihn zur Befreiung Italiens aufforderte, war hierbei ein geschicktes Vorgehen, um sich vor der Öffentlichkeit im In- und Ausland als Anwalt des durch Österreich fremdbeherrschten Italien zu empfehlen.
Cavour, Briefe (s. Anmerkung 70), S. 16.
Vgl. Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 124f.
Vgl. Arnold Blumberg: A Carefully Planned Accident. The Italian War of 1859. Selinsgrove 1990, S. 29.
Vgl. ebenda, S. 33.
Vgl. Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 129f.
Diese Schlacht veranlasste den Schweizer Henri Dunant, 1864 das »Rote Kreuz« zu gründen.
Vgl. Blumberg, Accident (s. Anmerkung 83), S. 106.
Vgl. ebenda, S. 109.
Vgl. Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 132f.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 304.
Vgl. Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 134.
Großbritannien machte nach dem Friedensschluss von Zürich deutlich, dass es in der Italienfrage keine ausländischen Interventionen mehr dulden würde.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 304f.
Wahl zwischen einer „Angliederung an die konstitutionelle Monarchie des Königs Vittorio Emanuele II.“ und einer „getrennten/separaten Herrschaft“. (Übersetzung des Autors)
Vgl. SVIMEZ (Associazione per lo sviluppo del Mezzogiorno): Un Secolo di Statistiche Italiane: Nord e Sud 1861-1961. Rom 1961, S. 795.
Vgl. Stadler, Cavour (s. Anmerkung 5), S. 145f.
Vgl. Michael Salewski: Geschichte Europas. Staaten und Nationen von der Antike bis zur Gegenwart. München 2000, S. 918.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 308.
Vgl. Beales, Unification (s. Anmerkung 7), S. 89.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 309.
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 310.
Carlo Ghisalberti: Storia Costituzionale d’Italia. 1849-1948. Rom 1974, S. 101. „Vittorio Emanuele II. nimmt für sich und seine Nachfolger den Titel des Königs von Italien an.“ (Übersetzung des Autors)
Vgl. Altgeld, Risorgimento (s. Anmerkung 10), S. 314.
Vgl. ebenda, S. 315.
Das Veneto wurde 1866 während des preußisch-österreichischen Krieges annektiert.
Klaehr , Alexander : Il Risorgimento. Die Entstehung des italienischen Nationalstaates. aventinus nova Nr. 33 [30.06.2011] / PerspektivRäume Jg. 1 (2010) H. 2, S. 94-130, in: aventinus, URL: http://www.aventinus-online.de/no_cache/persistent/artikel/8976/

References: Art. 4
 Art. 1
 Art. 5
 Art. 6
 Art. 33

Art. 2

Art. 3
 Art. 1

Art. 26