Source: https://libertaer.wordpress.com/2010/12/09/das-bedingungslose-grundeinkommen/
Timestamp: 2019-01-19 17:12:42+00:00

Document:
Das bedingungslose Grundeinkommen – wie man Egoismus institutionalisiert | Libertäre Plattform
9. Dezember 2010 in Politik, Sozialstaat | Tags: Bürgergeld, Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, Götz Werner, Hartz IV
Ideen besitzen ihre eigene Strahlkraft. Die derzeit wieder aufflammende Debatte um das “bedingungslose Grundeinkommen” (BGE) beweist es. Ursprünglich war es das persönliche Steckenpferd des Unternehmers Götz Werner. Inzwischen aber ist das Eintreten für das BGE zu einer Graswurzelbewegung geworden, getragen von zahlreichen lokalen Bürgerinitiativen, Arbeitskreisen, NGOs und Netzwerken.
Wie schon bei früheren Diskussionen um Ideen mit großem Begeisterungspotential, etwa verschiedenen Variationen der „Tobin-Steuer“, reden Gegner und Befürworter auch diesmal wieder regelmäßig aneinander vorbei. Das liegt daran, dass Kritiker und Befürworter im BGE unterschiedliche Dinge sehen. Kritiker betrachten es als nur eines unter vielen denkbaren sozialpolitischen Verteilungsinstrumenten. Sie attestieren dem BGE ein paar Vorzüge, etwa die mögliche Reduktion der Sozialbürokratie, aber auch immense Nachteile und Unsicherheiten, vor allem stark negative Arbeitsanreize, ein Wegfallen gering qualifizierter Beschäftigung, enorme fiskalische Kosten und langfristig einen ständigen politischen Druck in Richtung weiterer und weiterer Erhöhungen.
Für die Befürworter dagegen ist das BGE nicht einfach ein Instrument, also etwas Funktionales, sondern in erster Linie eine Idee. Ganz ähnlich der Tobin-Steuer, die stellvertretend für eine ganze Weltanschauung, im Sinne einer bestimmten Sichtweise auf Finanzmärkte, Globalisierung und Demokratie, steht. Die Auswirkungen des BGE in einem empirischen Arbeitsmarktmodell zu simulieren ist für seine Befürworter so, als würde jemand den Nutzen des Weihnachtsfestes an seinem Beitrag zum Bruttosozialprodukt festmachen.
Spätestens seit der Duplo-Werbung ist bekannt, dass des einen Schokoladenriegel des anderen längste Praline der Welt sein kann. Für die einen ist das BGE nichts weiter als eine Erhöhung der Sozialhilfe, gekoppelt mit einer Erleichterung der Zugangsbedingungen. Für die anderen bedeutet es nicht nur das Ende von Armut und sozialer Ausgrenzung, sondern die Emanzipation des Menschen von ökonomischen Zwängen überhaupt. Es ist der Grundstein einer neuen Wirtschafts- und Arbeitswelt, in der die Motivation zur Arbeitsaufnahme nicht mehr in der Notwendigkeit besteht, Rechnungen zu bezahlen, sondern in der Freude am eigenen kreativen Schaffen. Ist das BGE erst einmal etabliert, werden wir auf die alte Arbeitswelt der Plackerei und Lustlosigkeit mit der gleichen Verächtlichkeit zurückblicken, mit der wir heute die Zeit des Ochsenkarrens und des Pferdepflugs betrachten.
Wer den vom BGE-Rausch Befallenen also etwas entgegensetzen möchte, der darf sich nicht darauf beschränken, auf kritischen empirischen Simulationen herumzureiten, auch wenn es solche natürlich zu betonen gilt. Nicht nur das „Instrument BGE“, sondern vielmehr auch die „Idee BGE“ muss Angriffsziel sein. Nebenbei: Die Tatsache, dass ein Begriff wie „linker Intellektueller“ für uns heute fast wie ein Pleonasmus (doppelt gemoppelt, „weißer Schimmel“) klingt, liegt auch daran, dass liberale Vorschläge in Deutschland stets nur als Instrumente, nie aber als Ideen diskutiert werden.
Wie steht es also um den angeblich „emanzipatorischen“ und „solidarischen“ Charakter des BGEs? Vernachlässigen wir einmal diejenigen, die das BGE dazu nutzen würden, es sich zuhause vor der Spielekonsole bequem zu machen. Betrachten wir ausschließlich diejenigen, die ihr BGE dazu nutzen würden, sich ganztags in Bürgerinitiativen, NGOs, Arbeitskreisen, Wohltätigkeitsverbänden, Parteien, Kunstwerkstätten, Kultur- und Bildungseinrichtungen usw. zu engagieren. Und diejenigen, die ihr BGE dazu nutzen würden, einfach ohne jeden finanziellen Druck ihrer Wunschtätigkeit nachzugehen. So, wie die Befürworter des BGE es sich vorstellen.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass es ja auch heute nicht unter Strafe steht, die Berufswahl an den persönlichen Neigungen auszurichten. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, eine Nachfrage für das Produkt der eigenen Lieblingsbeschäftigung zu finden. Gerne zu singen, zu malen oder zu schreiben ist eine Sache. Freiwillige Abnehmer für das Resultat zu finden, ist eine andere. Hier gilt es, die Bedürfnisse anderer, etwa eines potentiellen Publikums, Arbeitgebers oder Förderers, auszukundschaften und für sich zu nutzen. In der linken Gedankenwelt ist dieser Vorgang bekannt als „Kommerzialisierung“, „totale Ökonomisierung“, „Unterwerfung unter das Diktat des Marktes“ oder „Niederknien am Altar der ungezügelten Marktkräfte“. In der liberalen Gedankenwelt nennt sich das ganze „freiwilliger Tauschhandel“.
Wer als Sänger, Maler, Autor, Vortragsredner oder was auch immer einen freiwilligen Abnehmer findet, würde vom BGE nicht im mindesten profitieren, da ihn bereits heute nichts daran hindert, seine Neigung zum Beruf zu machen. Profitieren würde derjenige, dessen Hobby-Leistungen niemand freiwillig nachfragen würde. Für ihn entfällt die Notwendigkeit, freiwillige Abnehmer ausfindig zu machen, da das BGE faktisch alle Steuerzahler zu Zwangsabnehmern machen würde. Das ist bequem: Kunden, Arbeitgeber und Förderer haben eine Wahl; sie wollen überzeugt werden und können auch „Nein“ sagen. Steuerzahler haben keine Wahl. Aber ist es auch „emanzipatorisch“? Ist es „solidarisch“?
Nehmen wir an, der Autor dieser Zeilen würde es sich in den Kopf setzen, sein Glück als Sänger zu suchen. Für das Resultat würde er vielleicht im Kreise seiner engsten Angehörigen ein paar freiwillige Abnehmer finden. Der Leser dieser Zeilen wäre aber garantiert nicht zum Kauf zu bewegen. Nun kommt es zur Einführung des BGE. Der Leser dieser Zeilen, der in seiner Rolle als Kunde soeben unmissverständlich klar gemacht hat, dass er die Gesangsleistung des Autors nicht unterstützen möchte, würde nun in seiner Rolle als Steuerzahler dazu gezwungen, genau dies doch zu tun. Emanzipatorisch?
Der Autor dieser Zeilen dagegen könnte argumentieren, allein aus der Tatsache, dass er selbst gerne singt, ergäbe sich für andere die Verpflichtung, ihm diesen Spaß zu finanzieren. Selbst, wenn der Autor keine Not leidet und seinen Lebensunterhalt auch problemlos selbst bestreiten könnte. Solidarisch?
Das BGE ist nichts anderes als eine Lizenz, die Bedürfnisse anderer völlig zu ignorieren und somit eine Institutionalisierung des Egoismus. Deswegen wäre das BGE letzten Endes ein Garant für verstärkte soziale Konflikte und Intoleranz. Derzeit mögen uns so einige Freizeitbeschäftigungen Anderer zwar seltsam anmuten, aber da wir finanziell dafür nicht geradestehen müssen, können sie uns egal sein. Unsere Missbilligung geht daher meist nicht über ein Kopfschütteln oder ein Stirnrunzeln hinaus. Das würde sich schlagartig ändern, wenn die Rechnung letztendlich an uns ginge. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis Forderungen laut würden, bestimmte gesellschaftlich unerwünschte Aktivitäten mit BGE-Entzug zu bestrafen. Man stelle sich vor, eine BGE-finanzierte Initiative von Vollzeitaktivisten aus dem Spektrum der Rechtsextremen oder der „Klimaleugner“ würde bundesweit von sich reden machen. Spätestens dann würde aus dem BGE zunächst ein NGBGE (nicht ganz bedingungsloses Grundeinkommen), und dann ein BE (bedingtes Grundeinkommen).
9. Dezember 2010 um 12.48
So ist es. „Ich will so bleiben wie ich bin“ – Und die anderen sollen dafür bezahlen.
9. Dezember 2010 um 15.34
Sehr richtig, und wunderbar ausgeführt. Wirklich eine Freude mal eine etwas filigranere Auseinandersetzung mit dem Thema BDE zu lesen.
9. Dezember 2010 um 18.14
Ich sehe im BGE eher ein instrument die produktivität zu steigern und den arbeitsmarks einzuführen.
9. Dezember 2010 um 18.32
Sie meinen wohl Arbeitsmarx?
10. Dezember 2010 um 21.46
Echter Liberaler
Was passiert eigentlich wenn eine Gesellschaft (wie die unsere) zu wenig Arbeit hat? Am Beispiel von Hartz4 sieht man: der Staat muss dann Arbeit erschaffen (die Beschäftigungsgesellschaften der ARGE) – den Einkommen soll es ja nur gegen Arbeit geben – gelle ihr „Liberalen“ ?
Stellt sich für mich die Frage wo eigentlich der Unterschied zur staatlich geschaffenen Wirtschaft der DDR ist?
9. Dezember 2010 um 18.59
„Der Leser dieser Zeilen, der in seiner Rolle als Kunde soeben unmissverständlich klar gemacht hat, dass er die Gesangsleistung des Autors nicht unterstützen möchte, würde nun in seiner Rolle als Steuerzahler dazu gezwungen, genau dies doch zu tun.“
zahlen tut er nur dafür, im selben land wie er zu leben, weil er lebt. quasi so wie mit arbeitsunwilligen hartz 4 empfängern. (die haben nämlich im sozialstaat auch ein recht auf teilhabe, den sozialstaat abzuschaffen fände ich als junger arbeitswilliger mensch allerdings auch attrakitv.)
jegliche monetäre anerkennung für die tätigkeit welche der inkompetente künstler erfährt würde mit dazu beitragen die last die er für die gesellschaft darstellt, zu reduzieren.
Nun wird er endweder so erfolgreich, dass er mehr abführt als durch sein BGE einnimmt, oder aber feststellen, dass seine vorhandenen fähigkeiten nichtmal dazu genügen, der gesellschaft anerkennung in höhe seiner existenz abzuringen.
Mehr anerkenning allein dafür, dass er existiert, als wofür er sein leben hingibt.
Wenn er nich völlig narzistisch ist, und desswegen eh für die gesellschaft wertlos, dann wird er entweder
a) an sich arbeiten oder
b) die sache aufgeben
9. Dezember 2010 um 19.13
Abschliesend würde ich sagen, dass das BGE den Geltungsdrang jedes einzelnen instrumentalisiert.
Ist natürlich nur meine These. Wenn sie ihren Geltungsdrang damit befriedingen können, Geld fürs nichtstun zu bekommen dann gebe ich mich geschlagen.
Sorry für die vielen Posts.~
10. Dezember 2010 um 14.56
ich möchte doch ein paar Anmerkungen zum Text loswerden:
Ich frage mich, ob es nicht problematisch ist, von einer einheitlichen Auffassung des BGE zu reden. Eine Analyse der möglichen Effekte, wie hier bei den Befürwortern und Kritikern aufgeführt wurde, kann sich ja nur nach einem spezifischen Umsetzungsvorschlag richten, nicht nach einer unspezifischen Idee. Anhand dieses Vorschlags wäre eine konkrete Analyse möglich, d.h., wenn bspw. der Kündigungsschutz abgeschafft und auf Mindestlöhne bei Einführung eines BGE verzichtet würde, würden die Ergebnisse in eine ganz andere Richtung laufen. Z.B. hier:
„Wir schlagen vor, den Kündigungsschutz abzuschaffen und auf Mindestlöhne zu verzichten. Diese Schutzmaßnahmen brauchten wir nicht mehr, wenn alle das Grundeinkommen erhielten. Die Erwerbsarbeit würde von einer großen Bürde befreit.“
(Zitat:Interveiw mit Ingrid Hohenleitner vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut in der TAZ vom 27.03.2007 http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2007/03/27/a0167)
Die weitere Argumentation im Text macht des Weiteren ja nur unter Annahme des zugrunde gelegten Menschenbildes Sinn. Ob sich die Mehrzahl der Menschen mit einem Grundeinkommen (vielleicht 600 €) zufrieden geben und nur noch ihren Wünschen nachgehen, wage ich zu bezweifeln. Ob die kolportierten negativen Anreize und die „Verwahrlosung“ des Menschen also das Phänomen Mensch erfassen, dessen bin ich mir nicht sicher.
Das BGE als Nettoeinkommen zur freien Verfügung zu sehen, hängt zum großen Teil von der konkreten Finanzierung und der implizierten Kosten ab, die man durch BGE decken muss (bspw Krankenversicherung). Auch hier glaube ich nicht, dass sich die Mehrzahl der Menschen damit zufrieden geben würde. Die Frage nach dem hier zugrunde liegenden Menschenbild, stellt sich mir hier schon.
Die (in meinen Augen) berechtigte Annahme einer „Ökonomisierung der Gesellschaft“ als linke Spinnerei abzutun mag ja noch alten Dualismen geschuldet sein, aber es mit „freiwilligem Tauschhandel“ gleichzusetzen, halte ich zumindest für fragwürdig. In gewisser Hinsicht mag man das so sehen können. Meiner Meinung nach ist es aber zu einfach gestrickt, mit einem Euphemismus die Diskussion hinwegzufegen. „Freiwillig“ schließt dabei jede Analyse der Machtbeziehungen einer Gesellschaft aus und „Tauschhandel“ ist in Märkten zwar sinnvoll, das bedeutet aber nicht, dass man alle sozialen Phänomene als Tauschhandel bzw. Angebot-Nachfrage-Konstruktionen verstehen kann.
Wie ein BGE dann zur Institutionalisierung des Egoismus führt ist mir im Anschluss daran nicht ganz klar. Wie schon gesagt, ob der Autor als untalentierter Sänger (natürlich eine Annahme unter völliger Ungewissheit ;)) mit dem Grundeinkommen als eingeforderten, steuerlich bezahlten Lebensunterhalts zufrieden wäre (oder sein Lebensstandard halten könnte), glaube ich kaum.
Ob die logische Schlussfolgerung der „Idee BGE“ das völlige Ignorieren der Bedürfnisse anderer ist und zu einer Institutionalisierung des Egoismus führt, sehe ich im Anschluss an meine Anmerkung nicht. Woher die verstärkten sozialen Konflikte herrühren sollen, kann ich auch nicht nachvollziehen. Es ist ja nun nicht so, dass ein BGE den Egoismus neu in die Gesellschaft bringen würde….
10. Dezember 2010 um 15.54
Tag Rudolphius,
ich haette natuerlich dazusagen sollen: Ich meine hier die BGE-Linie, die von der Linkspartei und den meisten Studenten- und Aktivistengruppen angepeilt wird. Also BGE als Add-On zum bestehenden Wohlfahrtsstaat, und so hoch wie irgend moeglich. Es stimmt, dass es daneben auch ganz andere Vorschlaege gibt, bei denen das BGE bestehende Leistungen nicht ergaenzen, sondern ersetzen soll, und niedrig angesetzt wird. Bei diesen Varianten steht eher der Buerokratieabbau im Vordergrund, sowie die Erleichterung von Hinzuverdienstmoeglichkeiten. Das ist gar keine schlechte Idee. Aber diese Variante meinte ich nicht, und sie ist im linkshysterischen Deutschland auch chancenlos.
>>das bedeutet aber nicht, dass man alle sozialen Phänomene
>>als Tauschhandel bzw. Angebot-Nachfrage-Konstruktionen
>>verstehen kann.
Drittens: So schlecht ist mein Gesang uebrigens gar nicht.
11. Dezember 2010 um 18.07
Die Linke als Partei ist dagegen. Es gibt lediglich eine Arbeitsgruppe um Katja Kipping, die ein Modell vorgelegt haben, welches mit Mindestlöhnen und Reichensteuern in eine stark sozialistisch Planwirtschaftliche Ecke tendiert.
Die von dem Großteil der Befürwortern angestrebten Modelle basieren auf Götz Werner bzw. dessen Steuerberater Dr. Benediktus Hardorp.
Dort sollen sämtliche Sozialleistungen durch ein Grundeinkommen und sämtliche Steuern durch eine Konsumsteuer ersetzt werden. Lediglich ein paar wenige Zusatzleistungen für Behinderte bleiben erhalten. Mindestlöhne, Kündigungsschutz und ähnliche Schutzmechhanismen werden dort meist als Behinderung der individuellen Lebensgestaltung gesehen.
Dass dieses Modell in Deutschland keine Chance hat glaube ich nicht. Es geht nur noch eine Weile bis die Vollbeschäftigung so dermaßen Utopisch und damit das Bismarksche Sozialsystem so dermaßen Veraltet wirkt, dass jeder Bürger schneller als heute erkennt, dass das Grundeinkommen das einzig Sinnvolle System der Zukunft ist.
11. Dezember 2010 um 19.59
OK, dann habe ich das verwechselt. Ich dachte, Kipping sei hier auf Parteilinie.
12. Dezember 2010 um 08.44
In einer Welt offener Grenzen gibt es keine sinnvollen nationalen Systeme. Wer Grundabgaben mit Grundeinkommen fordert, muß sich abschotten vor jenen, die diese Last nicht tragen wollen.
12. Dezember 2010 um 15.19
es ist halt wichtig, zwischen den verschiedenen Konzepten, die unter BGE subsumiert werden, zu unterscheiden. Aber mit ihrer Antwort kann man das jetzt wesentlich besser einordnen.
Die Frage nach dem „Wer das tut“? Dazu muss ich mein Textverständnis zu Rate ziehen. Diese Anmerkung bezog sich vor allem auf den Satz:
„In der linken Gedankenwelt ist dieser Vorgang bekannt als „Kommerzialisierung“, „totale Ökonomisierung“, „Unterwerfung unter das Diktat des Marktes“ oder „Niederknien am Altar der ungezügelten Marktkräfte“. In der liberalen Gedankenwelt nennt sich das ganze „freiwilliger Tauschhandel“.“
Ich habe das in dieser Weise verstanden, da es bei den Diskussionen über die beschriebenen Vorgänge (einfachhalber subsumiert unter „Ökonomisierung der Gesellschaft“) im besonderem Maße um die Annahme geht, dass ökonomische Handlungsmaxime und Denkmuster zunehmend alle gesellschaftlichen Bereiche prägen. Aufgrund dieses Verständnisses habe ich diese Zeilen so formuliert. Mag sein, dass Sie etwas anderes hervorheben wollten.
„Und aus diesem Verständnis heraus, ist auch die Frage nach der „Institutionalisierung des Egoismus“ zu sehen. Ist das eigentliche Problem die Institutionalisierung oder der Egoismus. Denn egoistische Verhaltensweisen sollten innerhalb eines wirtschaftlichen Systems durchaus zu besseren Ergebnissen führen.“
Jetzt habe ich zumindest etwas Gewissheit, um Ihren Gesang beim nächsten Mal besser einzuordnen. Ich würde einen Wechsel vom „untalentierten Sänger“ zum „passablen Sänger“ vorschlagen. Ich hoffe, damit treffe ich Ihre Gesangskünste besser.;)
10. Dezember 2010 um 17.53
Bereits jetzt werden mehr Arbeitsstunden in Familie, Vereinen, Projekten, Freiwilligendiensten und anderen sozialen Zusammenhängen unentgeltlich geleistet als bezahlt in Form von Erwerbsarbeit. Auch von dieser unentgeltlichen Arbeit hängt das Funktionieren unseres Gemeinwesens ab. Es gibt für diese Arbeit einen Bedarf ebenso wie für ihre Unentgeltlichkeit, die unser Zusammenleben lebenswert macht, da so nicht jede Minute des Lebens durch Bezahlung durchökonomisiert werden muss. Freeware, Fürsorge und Fantasie, davon leben wir schon jetzt und nicht primär vom Geld.
Die Überproduktion und Rationalisierung in der produzierenden und standardisierten Erwerbsarbeit zeigt hingegen, dass in der bezahlten Arbeit ein hohes Potenzial der Überflüssigkeit besteht.
Nur eine leicht erträgliche Minderheit ist quasi als Einsiedler mit seiner Arbeit nur für sich selbst zufrieden. Die große Mehrheit wünscht sich positives soziales Feedback, das Gefühl, etwas für andere zu bewirken und die Tätigkeit mit anderen an gemeinsamen Zielen, auch wenn sie das vielleicht nicht in solche Worte fassen.
Daher können wir die Lizenz für unnachgefragte Arbeit bedenkenlos vergeben, sie würde kaum in dieser Form in Anspruch genommen.
Zudem, wer vermag beurteilen, ob eine jetzt noch abwegige Tätigkeit oder Idee nicht später oder auch viel später Früchte trägt, die dann nachfolgenden Generationen zugute kommt.
Grundlagenforschung wird auch ermöglicht, obwohl viele Ergebnisse zunächst kaum auf dem Markt verwertbar, eben weil es Sinn macht, unsere Erkenntnis zu erweitern und Forscher_innen einfach mal machen zu lassen.
Einfach machen lassen … das Vertrauen auf das konstruktive Wirken des Einzelnen auch ohne Überlebens- oder Wohlstandserhaltungsdrang wird durch die Idee des BGE gestärkt. Eine Haltung, die liberale und libertäre Menschen nicht verstehen können, so lange sie geldwerten Profit als primären Maßstab des Wirtschaftens betrachten.
10. Dezember 2010 um 18.19
„Wer als Sänger, Maler, Autor, Vortragsredner oder was auch immer einen freiwilligen Abnehmer findet, würde vom BGE nicht im mindesten profitieren, da ihn bereits heute nichts daran hindert, seine Neigung zum Beruf zu machen. Profitieren würde derjenige, dessen Hobby-Leistungen niemand freiwillig nachfragen würde.“
So, wie Van-Gogh etwa? Wie Hölderlin oder Schuhmann?
Der Autor könnte „Abnehmer“ durch das Wort „Käufer“ ersetzen, „freiwillig“ durch „finanziell“ und ihm würde klar,
daß er den Gedanken des BGE und die Problematik unserer einseitigen Warenwelt, die nur dem offensteht – einschließlich der zur Ware gewordenen „Kultur“ oder „Kunst“ -, der über die finanziellen Voraussetzungen verfügt, offensichtlich nicht erfaßte. Wenn ein Künstler dazu gezwungen ist, seine Kunst vermarkten zu müssen (beispielsweise auf einer Bühne), und der Zuschauerraum bleibt leer, so ist eben nicht dadurch allein schon etwas über „mangelnde Nachfrage“ ausgesagt, weil nur möglicherweise ein anderes Publikum angesprochen wird als dasjenige, welches hierfür gewöhnlich Geld bezahlt. Und selbst eine mangelnde Nachfrage sagt noch nichts über einen mangelnden Wert, sondern kann dem Zeitgeist geschuldet sein, wie die Biographien vieler in Armut lebender Künstler im Nachhinein zeigen, an denen später andere Leute „verdienten“. Will der Autor all diesen Menschen ihre Lebensleistung absprechen, nur weil sie sich zu ihrer Zeit nicht in Zahlen messen ließ? Ein BGE würde die Voraussetzung für eine Nachfrage schaffen, die nicht mehr nur den materiellen Gütern oder den Gütern des täglichen Überlebens entsprechen müßte. Es würde auch diesbezüglich erst eine wirkliche Freiheit der Wahl für alle Menschen bestehen, die heute für sich nur die vermögendere Gesellschaftsschicht beanspruchen kann. Und es würde den Menschen die Freiheit geben, den Schwerpunkt von der Selbstvermarktung hin zum Tun und eigentlichen schöpferischen Tätigsein zu verlagern, während die heutigen Strukturen umgekehrt dem Tun immer geringeren Raum einräumen und manches Tun sogar völlig hinter der Vermarktung verschwindet, die eine künstliche Nachfrage mittels Manipulation durch Werbung stimuliert. Und selbst dies ist letztlich eine Frage der finanziellen Voraussetzungen.- Vielleicht würde der Autor einmal in Erwägung ziehen, daß wir mit der Gewohnheit, den Wert aller Dinge in Geld zu messen, möglicherweise einem Irrtum unterliegen, weil beipielsweise der Gesang eines Menschen, sofern er mir etwas gibt, in Wirklichkeit unbezahlbar ist.
10. Dezember 2010 um 19.35
Jede Argumentation über das BGE wird irgendwann in Schieflage kommen, wenn man alles tun am Geld misst. Was ist mit Unternehmensbereichen, bei denen Zeit der maßgebliche Qualitätsfaktor ist: Bildung, Betreuung, Pflege etc.? Wie auch viele Kulturbetriebe sind diese oft Unterschussbetriebe, die per Natur eigentlich keinen Profit (im betriebswirtschaftlichen Sinne) machen, da sie nichts produzieren, was sich am Markt als Produkt oder Dienstleistung in Geld umtauschen ließe (der Intendant eines Schauspielhauses sagte einmal: „wenn unser Haus Überschüsse erwirtschaften würde, dann würden wir irgendetwas falsch machen …“).
Ein weiterer Aspekt beim BGE ist der der Gründung (im Sinne von Entrepreneurship). Das Grundeinkommen kann hier bedeuten: ich schaffe mit meiner Unternehmensgründung für mich und andere einen neue Arbeitsplätze, die wiederum weitere Wertschöpfung (welche über den Wert des BGE hinausgeht) erzeugen, auch weil hier Menschen zusammen arbeiten, die wollen, und nicht müssen …
11. Dezember 2010 um 00.18
„Wer als Sänger, Maler, Autor, Vortragsredner oder was auch immer einen freiwilligen Abnehmer findet, würde vom BGE nicht im mindesten profitieren, da ihn bereits heute nichts daran hindert, seine Neigung zum Beruf zu machen.“
Das stimmt so nicht. Wenn ich bereits in der Schule den Menschen einrede, dass sie ihren Beruf danach ausrichten müssen genug Abnehmer zu finden, um damit den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können, blockiere ich die freie Entwicklung eines Menschen zur eigenen Berufung bevor überhaupt klar ist ob er ausreichend Abnehmer finden würde.
Des weiteren ist mir aufgefallen, dass der Autor sich hier auf künstlerische Berufe beschränkt, so als ob die Entfaltung eines Menschen nicht in einem wirtschaftlich Wertschöpfenden Beruf, sondern lediglich in der Kunst möglich wäre. Das wage ich jedoch zu bezweifeln. Ein Mensch kann sich in der Aufgabe frei entfalten, die er als Sinnvoll betrachtet. So z.B. auch in sozialen Berufen in denen es nicht darum gehen kann genügend Abnehmer zu finden, aber auch in der Wirtschaft in denen es auch mit Grundeinkommen weiterhin möglich ist nach einem mehr an Wohlstand zu streben.
Und damit nicht genug. Wir befinden uns in einem Sozial und Steuersystem, das die Eigeninitiative lähmt. Im heutigen Transfersystem zahlt derjenige der ein Einkommen hat für denjenigen der kein Einkommen hat, was am Ende zwangsläufig zu gesenkter Arbeitsmotivation führen muss.
Wenn der Autor nun behauptet der Steuerzahler sei mit einem Grundeinkommen gezwungen die freie Entfaltung des anderen zu finanzieren, so muss ich als Befürworter eines Bedingungslosen Grundeinkommens dieser Behauptung folgendes entgegenhalten.
Genau aus diesem Grund wird im Götz Werner Modell die Umstellung auf die Konsumsteuer gefordert, bei der eben nicht mehr auf das Erwerbseinkommen, sondern auf die Einkäufe Steuern entfallen. Rechnerisch wäre dies das selbe, aber Psychologisch etwas gravierend anderes. Man zahlt nicht dann, wenn man mehr leistet, sondern dann wenn man mehr Leistungen und Rohstoffe in Anspruch nimmt.
Und wenn der Autor meint, dass liberale Ideen nicht mehr als Ideen Diskutiert werden, so weiß ich nicht für was er das Grundeinkommen hält. Sämtliche Vordenker des Grundeinkommens werden liberale Philosophen. Milton Friedmann ist nur einer davon. Das Grundeinkommen ist eine Liberale Idee und sie wird Diskutiert.
11. Dezember 2010 um 00.33
Je öfter und genauer ich den Text des Autors lese, um so mehr habe ich das Gefühl, dass der Autor über sein eigenes Feindbild gestolpert ist. Einige Argumente ließen sich gegen einige kommunistische Ideen verwenden, aber am Grundeinkommen prallen sie ab.
Der Große Unterschied zwischen Kommunismus und Grundeinkommen besteht darin, dass es bei einem Grundeinkommen niemals verboten sein wird, mehr hinzu zu verdienen. Denn das war der offensichtlich einer der Gründe wieso der Kommunismus nicht funktionieren konnte.
„Ein Mensch, der kein Eigentum erwerben darf, kann auch kein anderes Interesse haben, als so viel wie möglich zu essen und so wenig wie möglich zu arbeiten.“ Adam Smith – Natur und Ursachen von Nationalreichtümern
Beim Grundeinkommen geht es jedoch eigentlich weniger darum gesellschaftliche Schichten abzuschaffen oder Gleichheit zu erreichen, sondern es geht darum eine Gesellschaft aus Individuellen Freelancern zu ermöglichen, in der jenseits des Grundeinkommen ein freierer Markt herrscht, als es heute möglich wäre.
11. Dezember 2010 um 16.31
Heute bezahlen normale Arbeiter das Universitätsstudium der Reichen. Solidarisch?
So wie Bildung schon seit Urzeiten für alle nahezu vollständig von der Gemeinschaft bezahlt wird, ohne dass dies jemand als „Ignorieren der Bedürfnisse anderer“ betrachtet, so könnte auch das Existenzminimum für alle von der Gemeinschaft bezahlt werden.
Und dass ein großer Zeil der Menschen ihre Erfüllung im Singen ohne Zuhörer oder ähnlichen Sinnlosigkeiten finden, würde ich mal schwer in Zweifel ziehen.
11. Dezember 2010 um 17.58
Nun, tatsächlich wird Bildung nicht von „der Gemeinschaft“ bezahlt. Es ist ja auch nicht so, daß jeder, der eine Universität mit einem Titel verläßt, nun gebildet wäre. Was bezahlt wird, ist die Gelegenheit zur Bildung. Und ja, es ist nicht einzusehen, warum Leute, die selbst für ihre Bildung sorgen oder gesorgt haben, anderen den Lebensunterhalt finanzieren sollten, nur weil einige von diesen in dieser Zeit des Unterhalts Bildung erwerben.
Es ist besser, auf solchen Firlefanz wie das BGE zu verzichten. Wenn in diesem Zuge auch das Patenteunwesen, die Urhebergesetze und die staatliche Gewerbeordnung fielen, wäre jedem geholfen, der heute seine Brötchen nur schwerlich verdienen kann.
12. Dezember 2010 um 10.37
Nehmen wir mal an, wir hätte das BGE und die, die es bezahlen, würde es nicht zum Auswandern usf. veranlassen:
Wer würde dann z. B. als Putzkraft arbeiten oder beim Straßenbau?
Bzw. wie hoch müssten die Löhne für diese Arbeiten erst steigen, bevor sich wieder Leute dafür finden?
12. Dezember 2010 um 12.18
Mit dem BGE dreht sich das Werteschema, mit dem ich einen Arbeitsplatz bewerte eben um:
1. welchen Sinn sehe ich in meiner Arbeit (Identifikation mit dem Unternehmen und den Produkt/Dienstleistung) …
2. bin ich mit den Arbeitsbedingungen einverstanden …
3. ist die Vergütung angemessen …
Dass sich bei vielen Berufen dann die Arbeitsbedingungen verbessern und die Löhne steigern müssen, wird ganz normal sein (der Arbeitgeber muss die Arbeit ansonsten selber machen oder sie automatisieren).
12. Dezember 2010 um 16.12
Das musst du diejenigen fragen, die diese Arbeiten heute verrichten. Wir reden immer so gerne über andere. Oder Du fragst Dich selbst wie hoch Dein Lohn sein müsste, damit Du trotz Absicherung Deiner Grundbedürfnisse eine Straße baust.
Außerdem sind es ja gerade die unangenehmen Arbeitsplätze die zunehmend von Maschinen erledigt werden. Gerade die Müllabfuhr macht hier riesige Fortschritte, was vollautomatische Müllhebearme und ähnliches betrifft. Toiletten an Autobahnen reinigen sich mittlerweile ebenfalls selbst und der neuste Schrei, der leider für den Privaten gebrauch noch zu teuer ist, sind diese vollautomatischen Rasenmäher- und Staubsauger, die einfach durch die Wohnung fahren und bei Hindernissen umdrehen oder an die Ladestation fahren, wenn sie leer sind. Wir leben im nächsten Jahrtausend.
12. Dezember 2010 um 16.57
Das BGE verleitet nicht zum Auswandern.
Auswandern der Gebildeten und Motivierten aus einem Land findet nur dann statt, wenn es an einem anderen Ort einfacher und bequemer ist einen Beruf auszuüben, Geld zu verdienen, zu Behalten und davon zu leben.
Da es dort wo ein Grundeinkommen mit Konsumsteuer existiert am einfachsten ist einen Beruf auszuüben, Geld zu verdienen, zu behalten und davon zu leben, besteht kein Grund auszuwandern.
Man verdient zwar vielleicht etwas weniger, muss jedoch darauf keine Steuern mehr bezahlen, sodass man am Ende im Durchschnitt zusammen mit dem Grundeinkommen auf das selbe Nettoeinkommen kommt wie jetzt.
Es ist jedoch so, dass Familien mit Kindern vielleicht ein höheres Einkommen haben als jetzt, während Familien ohne Kinder ein niedrigeres Einkommen haben als jetzt. Das macht aber durchaus Sinn. Der Rest der Einkommensveränderungen regeln sich stärker als heute durch Angebot und Nachfrage.
Während dessen, ist auf den Produkten zwar eine Höhere Mehrwersteuer, aber die Gehälter der Angestellten sind um die Höhe der Steuern und Abgaben tiefer und die Gewerbesteuern und ähnliches fallen weg. Das Produkt ist also auch nicht teurer.
Nettoeinkommen bleiben ungefähr gleich – Preise bleiben gleich.
=>Kein Grund auszuwandern
13. Dezember 2010 um 10.10
Freiheitliebender Mensch
Nun, dass BGE bzw. die Idee wo dahinter steckt mag sicherlich nicht unbegründet sein und nicht nur sozialromatische Spinnerei. Nur würde es das gewohnte Wertesystem und das bisherige Verständnis von Arbeit wie wir es kennen total auf den Kopf stellen. Ich denke alleine vor dieser Möglichkeit der Umstellung scheinen viele Angst zu haben. Weniger die Tatsache selbst das man ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ beziehen würde.
Vielleicht sollte man es einfach einmal wagen etwas grundsätzlich Neues auszuprobieren. Wenn man ansonsten mehr oder weniger alle sozialstaatlichen Leistungen streichen würde, nun, denkbar? Machbar? Wer weiß, wieso nicht?
16. Dezember 2010 um 13.32
War ja zu erwarten, das der uebliche linke Quatsch von wegen „der Autor glaubt, man koennen alles in Geld aufwiegen“ wieder auftaucht. Ich antworte mal darauf, indem ich den heute erschienenen Text eines Kollegen hineinkopiere:
December 16th, 2010 by Steve Davies
A common observation, usually made with a sneer, is that economists know the price of everything and the value of nothing. Thus is anyone who brings economic thinking to bear damned as a heartless philistine and devoid of appreciation of the higher things in life. In fact the statement is literally nonsense: it is only by knowing the price of things that we can establish their value – or rather what value other people put on them (as opposed to ourselves).
The value that each of us places on objects or actions or services is profoundly subjective and so varies dramatically from one individual to another. For one person a pickled shark might be enormously valuable while for another it might have no value at all. Moreover there is no single unit or standard by which we can measure the degree to which any one of us values something, no valuon as we might say. This means that the only way we can work out by how much one person values something and in particular by how much they value it relative to other things is to see what else they will give up in order to get it. If someone gives up two tickets to a Madonna concert in exchange for a musical instrument that tells us they value the second item twice as highly as the first.
Money and exchanges made using money make this kind of signal of value much easier to read and also enable us to arrive at a rough aggregate or average of the relative values people place on particular things. If someone pays a thousand pounds for something, that means that at the time they spend it they value it more than the other things they could have got using the same amount of money. This means that market prices tell us how much people in the aggregate value some things as compared with others. So the price of something in a market is in a very real sense a signal of the value that it has, for people at large.
Why though do people have such a visceral reaction against this? There are many possible reasons but two in particular spring to mind. One is that it is frequently discomfiting to discover that the value we place on something is not apparently that widely shared. When people say things such as “X is valuable beyond price” what they often really mean is “I personally value X very highly but I fear that my valuation is not widely shared”. Even more significant is the constant desire to believe that you can have your cake and eat it. In the real world we are constantly having to make trade offs between things that we value and prices are the way that we discover where for most people the appropriate trade off is. Thus if we have to trade off preserving agricultural land versus building houses, the price of land in a free market would tell us how much people valued the two uses relative to each other in a specific place. Even more important, it would tell someone who wanted for example to buy land to stop it being developed what they would have to pay to do so, i.e. what else they would have to give up in order to do so.
This means that it is free exchange and choice that discovers the value of something at a given time. Many however are not prepared to accept this. They would rather use force to impose their relative valuation on others. That is the reality of pious claims to care about values rather than prices.
15. Mai 2012 um 20.53
homiefm
Auch wenn inzwischen schon einige Zeit vergangen ist – diese Antwort entkräftet den Vorwurf “der Autor glaubt, man koennen alles in Geld aufwiegen” in keinster Weise, da es in ihr nur um Preise und Werte von Produkten und Dienstleistungen geht.
Darüber hinaus werden in der Antwort Schlüsse gezogen, die dem (ursprünglichen) Verfasser scheinbar spontan eingefallen sind und durch fehlende Logik und Fantasie glänzen, z.B.:
„If someone gives up two tickets to a Madonna concert in exchange for a musical instrument that tells us they value the second item twice as highly as the first.“
Vielleicht bedeutet dem Tauschenden das Musikinstrument gar nichts, sondern er _weiß_, dass er auf dem Markt für einen Bechstein-Flügel den 100-fachen (wieso doppelten, weil es zwei Tickets sind? omg) Wert der Madonna-Tickets bekommt. Anschließend kauft er sich wieder (die im Preis inzwischen gestiegenen, aber immer noch relativ günstigen) Madonna-Tickets, da sie ihm eben doch mehr bedeutet. Und dieses „Mehr-Bedeuten“ lässt sich nicht in Zahlen fassen.
29. August 2011 um 13.05
Grundeinkommen Köln (@BGEKoeln)
„Deswegen wäre das BGE letzten Endes ein Garant für verstärkte soziale Konflikte und Intoleranz.“
Mit solchen herbei phantasierten Post-BGE-Horrorszenarien kann man mittlerweile Straßen pflastern – wie wäre es denn mal zur Abwechslung mit ein wenig Empirie (bitte durch seriöse Quellen belegen!). Solche Behauptungen verraten allerdings oft mehr über den Absender und dessen Menschenbild …
„Derzeit mögen uns so einige Freizeitbeschäftigungen Anderer zwar seltsam anmuten, aber da wir finanziell dafür nicht geradestehen müssen, können sie uns egal sein.“
Ach, Mitgliedern von rechtsextremen Gruppierungen wird also seit neuestem das Existenzminimum(Hartz IV oder der Steuerfreibetrag) wegen ihres politischen Engagements entzogen? Und Eltern, die offen ihre völkischem Ideologie ausleben, verlieren deswegen ihren Anspruch auf Kindergeld …?
„Das würde sich schlagartig ändern, wenn die Rechnung letztendlich an uns ginge. „
Nein, denn wie bereits angedeutet, finanzieren wir auch heute unsere Mitbürger mit einem (bedingten) Grundeinkommen aus verschieden Quellen, auch wenn wir deren politischen Einstellung und Aktivitäten für missbilligen.
„Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis Forderungen laut würden, bestimmte gesellschaftlich unerwünschte Aktivitäten mit BGE-Entzug zu bestrafen.“
Welche wären das? Die gleichen „unerwünschten“ Aktivitäten wie heute? Oder neue (z.B. das Pflegen einer „Libertären Plattform“). Und welche Instanz entscheidet dann, wer ein Grundeinkommen erhält und wer nicht? Und WER bezahlt die neue Bürokratie-Orgie, die dazu benötigt wird, diese Bedingungen auszuarbeiten, zu überprüfen und einzuhalten (ich jedenfalls nicht, daher ziehe ich in jedem Fall die Bedingungslosigkeit vor – aber der Autor dieses Artikels scheint dazu bereit zu sein) …?
„Man stelle sich vor, eine BGE-finanzierte Initiative von Vollzeitaktivisten aus dem Spektrum der Rechtsextremen oder der „Klimaleugner“ würde bundesweit von sich reden machen.“
Ja, auch Nazis bekommen ein Grundeinkommen! Die zivilgesellschaftlichen Kräfte, die sich gegen den Rechtsextremismus wehren allerdings auch (dann aber bedingungslos und nicht, wie heute, auf Antrag). Das BGE unterstützt per Definition den einzelnen Menschen – es macht also Ernst mit dem Individuum – und ist nicht an gesellschaftliches Wohlverhalten oder an ein bestimmtes Gesellschaftsideal geknüpft. Was der Einzelne daraus macht, bleibt ihm FREI gestellt und wird nicht von der Gesellschaft vorgegeben (sie wird vielmehr zu einem Produkt der einzelnen, durch ein BGE freigestellten, Bürger).
Die Art, wie insbesondere im letzten Absatz des Artikel über ein mögliches BGE und unsere Gesellschaft spekuliert wird, zeigt, dass sich der Autor mit der Idee des Grundeinkommen nicht intensiv genug beschäftigt hat (hoffen wir auf einen Folgeartikel).
„Spätestens dann würde aus dem BGE zunächst ein NGBGE (nicht ganz bedingungsloses Grundeinkommen), und dann ein BE (bedingtes Grundeinkommen).“
Dass der Absatz wieder mit einem Post-BGE-Horrorszenario schließt, passt zumindest zur Dialektik des Autors … ;-)
8. Juni 2012 um 16.31
Man sollte das Bürgegeld nicht zwangsläufig in linken Sozialstaats-Phantasien ansiedeln. So wie Götz Werner es formuliert, hätte es nicht nur Nachteile.
Und auch jetzt schon, kann man auf Hartz 4 über Genarationen sein auskommen finden. Außerdem, sollte man auch als libertärer berücksichtigen, dass Deutschland ein Hochpreisland darstellt. Wenn ein Arbeitnehmer für einen Hungelohn arbeitet muß er, trotz Arbeit, mit diversen staatlichen Leistungen in die Lage versetzt, sein Leben zu finanzieren. Auch das sind Subventionen an den Unternehmer, welcher den geringsten Lohn zahlt. Hiereaus gewinnt er einen staatlich finanzierten Wettbewerbsvorteil. Dieses führt dann dazu, dass Wettbewerber ähnliche Modelle einführen müssen um nicht im Nachteil zu sein.
Außerdem wird das Bürgergeld a la Götz Werner der Tatsache geschuldet, dass zunehmende Automatisierung durch immer leistungsfähigere Rechner zu immer weniger Arbeistkräftebedarf führt. Und diese These ist nicht von der Hand zu weisen.
Von daher sollte man diese These nicht komplett verteufeln. Sie ist auch nicht zwangsläufig in der linken Ecke bzw. Sozialstaatsecke anzusiedeln.
4. Januar 2014 um 03.13
Das Ganze hat einen doch recht großen Denkfehler:
Menschen haben ein Gewissen.
Wir sind kein Haufen von Psychopathen, die sobald sie die Gelegenheit bekommen ignorant, ausschließlich das tun, wozu sie grade Lust haben.
Im Gegenteil es ist ein uralter Allgemeinplatz von Psychologie und Soziologie, dass Menschen sich zu unangenehmen Tätigkeiten motivieren lassen wenn sie eben wenig Druck empfinden…
Beides wird hier einfach mal komplett ignoriert. Die wenigsten werden mit dem Minimum das ein BGE garantiert zufrieden sein – sowohl finanziell als auch moralisch, als auch sozial. Wer bitte will Ausgegrenzt sein und den ganzen Tag in seiner Butze gammeln? Wer partout nichts anderes machen möchte als seinem Hobby nachgehen, der kann das heute übrigens ganz genauso… Man kann ja nicht nur beim Sozialstaat schmarotzen sondern auch bei Freunden und Verwandten. In jedes Sozialsystem hat Nischen, die die Intelligenteren finden werden…
Das einzige was dieser Artikel wirklich zeigt ist, wie negativ das Menschenbild der Leute heute ist – entsprechende Verwerfungen werden kommen wenn das so bleibt. Allerdings frage ich mich wie man mit einem derart negativen Weltbild auf die Idee kommen kann den Liberalismus zu befürworten… Was richtig ist, ist das der Druck jeden noch so schlechten Job anzunehmen runtergehen würde. Gleichzeitig hätten die Leute viel mehr Möglichkeit sich weiterzubilden… in einem Land das stark von seinen Hochgebildeten lebt ist das mehr als Wünschenswert.
Es ist auch interessant wie hier rhetorisch getrickst wird. Erst steht da „die paar mit ihrer Konsole daheim sind zu vernachlässigen“ (was stimmt, das sind nicht viele-) und anschließend wird so getan als ob alle anderen trotzdem nur ihren Hobbies nachgehen würden.
21. Februar 2014 um 15.18
Meine Auffassung von Liberalismus ist wohl eine etwas andere, aber auch nicht ganz abwegig, wenn ich mal auf den Seiten vom bpb schaue: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/17794/liberalismus . Die Freiheiten des Einzelnen in Bezug zum Staat zu schützen bzw in ein angemesseneres Verhältnis zu setzen wäre eine demokratische Auseinandersetzung wert – auch bei einem bedingungslosen Grundeinkommen, welches einen Riesenschritt auf der Leiter zivilisatorischer und kultureller Weiterentwicklung bedeuten würde – Vertrauen statt Kontrolle/Bürokratenterror und teure, „gerechte“ Umverteilung (vor allem nach oben). Das negative Menschenbild und die unsinnige Politik und die entsprechenden Vorbilder (Selbstbedienungsmentalität, Opportunismus) machen wohl viele pessimistisch und hoffnungslos. Also weiter wie bisher, Geschacher auf Kosten anderer Lebewesen, Ersatzbefriedigungen und globaler Materialismus.. ? die einzige Hoffnung sind großherzige Idealisten und spirituell Inspirierte, die den Mut haben, auszusteigen und dem etwas entgegenzusetzen
10. Juni 2014 um 22.34
Angemessen scheint mir ein Kommentar in Form einer Reihe von Fragen:
Stimmt es, dass während des BGE-Experiments von Otjivero / Namibia dort viele der armen, vorher völlig dekapitalisierten Menschen nicht weniger, sondern – in selbständiger Tätigkeit – mehr gearbeietet haben?
Wenn ja, wäre dies nicht auch der Fall für die Menschen in den so genannten „reichen“ Ländern, die infolge von jahrelangem Sozialhilfebezug völlig dekapitalisert sind und deshalb auf keinen Fall eine Chance haben, zur Selbständigkeit überzugehen?
Anders formuliert: Warum ist Otjivero nicht auf die so genannten „reichen“ Länder übertragbar?
… und warum ist alles so perfekt durchorganisiert mit Ketten und Reihen von Firmen, Sub-Firmen, Sub-Sub-Firmen, und Leiharbeits-Firmen, dass ein einfacher Mensch der einfach – in Selbständigkeit – arbeiten möchte, keinen Marktzugang bekommt?
Warum werden formale Studien- und Ausbildungsabschlüsse so überbewertet im Vergleich zu dem was jemand tatsächlich kann?
Warum reichen in Indien oft zwei indische Arbeiter-Monatseinkommen für eine Existenzgründung aus, während in Deutschland selbst zwei deutsche Arbeiter-Jahreseinkommen nicht reichen, um eine Firma zu gründen?
Warum ist alles wie mit Brettern vernagelt?
Ist das Korporatismus?
Sagen die Personalchefs: ja ich sehe keinen Lebenslauf so wie ich möchte, geradlinig aber dennoch schon zwei Auslandssemester vor dem 25. Geburtstag, und wo sind die Referenzen, die ich sehen möchte, damit Sie in die engere Wahl kommen können?
Entfernt erinnert mich das an die Zeit der Faschisten, wo es nicht ganz so kompliziert war: sagt ein Chef einer sehr christlichen Firma, die – also – vermutlich die Nazis nicht so besonders mochte, zum Bewerber: ich würde sie ja gern einstellen, aber ich sehe, sie sind „nirgends“ drin!
Unter uns: gehn se doch in die SA. SA ist nicht ganz so schlimm wie SS.
Anmerkung: ich heiße den Faschismus auf keinen Fall gut, nur kommt mir dieser Konformismus – in anderem Gewand – so seltsam vertraut vor, obwohl die Nazizeit fast zwanzig Jahre vor meiner Geburt schon zu Ende ging …
11. Juni 2014 um 08.52
http://www.sueddeutsche.de/kultur/sozialstaat-in-der-krise-das-geld-reicht-fuer-alle-1.145074
Der Sozialstaat beruht auf der fundamentalen Tatsache, die gleichzeitig gründlich vertuscht wird, dass die Arbeit nicht für alle langt, das durch sie erzeugte Geld aber schon.
Warum ist die bezahlte Arbeit so knapp, und warum ist sie so dysfunktional verteilt?
Warum lassen sich die einen – aus Angst vor Jobverlust – jede Menge Überstunden, auch unbezahlte, reindrücken, während die anderen langzeitarbeitslos sind und von Schulung zu Schulung geschickt werden?
Dies in einem korrupten Markt, der vollständig von den Auftragnehmern – nämlich der so genannten Sozialindustrie, hier: Schulungs-Anbieter kontrolliert wird?
Doch wie auch sonst so oft, ist es der Menschheit auch hier geglückt, aus einer Lösung ein Problem zu machen. Eigentlich könnten alle 20 Wochenstunden arbeiten, ohne dass die Gesellschaft Einbußen erlitte. Tatsächlich arbeiten einige 60 Stunden und andere null.
Wie kann die knappe bezahlte Arbeit sinnvoller verteilt werden, als es heute der Fall ist?
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