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Timestamp: 2020-08-05 08:21:12+00:00

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Anfechtung der Annahme der Erbschaft - und die Anwaltskosten als außergewöhnliche Belastung? | Rechtslupe
Anfechtung der Annahme der Erbschaft - und die Anwaltskosten als außergewöhnliche Belastung?
Rechts­an­walts­kos­ten im Zusam­men­hang mit der Anfech­tung der Annah­me der Erb­schaft stel­len ein­kom­men­steu­er­lich kei­ne außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung dar.
Erwach­sen einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stan­des (außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung), so wird auf Antrag die Ein­kom­men­steu­er in bestimm­tem Umfang ermä­ßigt (§ 33 Abs. 1 EStG). Gemäß § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen zwangs­läu­fig, wenn er sich ihnen aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen oder sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann und soweit die Auf­wen­dun­gen den Umstän­den nach not­wen­dig sind und einen ange­mes­se­nen Betrag nicht über­stei­gen. Ziel des § 33 EStG ist es, zwangs­läu­fi­ge Mehr­auf­wen­dun­gen für den exis­tenz­not­wen­di­gen Grund­be­darf zu berück­sich­ti­gen, die sich wegen ihrer Außer­ge­wöhn­lich­keit einer pau­scha­len Erfas­sung in all­ge­mei­nen Frei­be­trä­gen ent­zie­hen. Aus dem Anwen­dungs­be­reich des § 33 EStG aus­ge­schlos­sen sind dage­gen die übli­chen Auf­wen­dun­gen der Lebens­füh­rung, die in Höhe des Exis­tenz­mi­ni­mums durch den Grund­frei­be­trag abge­gol­ten sind [1].
Bei den Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses sprach nach der lang­jäh­ri­gen Recht­spre­chung des BFH eine Ver­mu­tung gegen die Zwangs­läu­fig­keit [2]. Sol­che Kos­ten wur­den nur als zwangs­läu­fig erach­tet, wenn auch das die Zah­lungs­ver­pflich­tung oder den Zah­lungs­an­spruch adäquat ver­ur­sa­chen­de Ereig­nis zwangs­läu­fig war [3]. Dar­an fehl­te es nach der Recht­spre­chung des BFH im All­ge­mei­nen bei einem Zivil­pro­zess [4]. Als zwangs­läu­fi­ge Auf­wen­dun­gen erkann­te die Recht­spre­chung Zivil­pro­zess­kos­ten nur an, wenn der Pro­zess exis­ten­zi­ell wich­ti­ge Berei­che oder den Kern­be­reich mensch­li­chen Lebens berühr­te. Lie­fe der Steu­er­pflich­ti­ge ohne den Rechts­streit Gefahr, sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge zu ver­lie­ren und sei­ne lebens­not­wen­di­gen Bedürf­nis­se in dem übli­chen Rah­men nicht mehr befrie­di­gen zu kön­nen, kön­ne er trotz unsi­che­rer Erfolgs­aus­sich­ten gezwun­gen sein, einen Zivil­pro­zess zu füh­ren [5].
Dage­gen nahm der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­ner Ent­schei­dung in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 die Unaus­weich­lich­keit von Zivil­pro­zess­kos­ten unter der Vor­aus­set­zung an, dass die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­te und nicht mut­wil­lig erschei­ne. Die­se Auf­fas­sung hat auch das Finanz­ge­richt dem ange­foch­te­nen Urteil zugrun­de gelegt.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung aller­dings nicht mehr fest. Wie er in sei­nem Urteil vom 18.06.2015 [6] ent­schie­den hat, kehrt er unter Auf­ga­be sei­ner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 ver­tre­te­nen Ansicht zu der frü­he­ren Recht­spre­chung des Bjun­des­fi­nanz­hofs zur Abzieh­bar­keit der Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung zurück [7]
Der beru­fe­ne Erbe hat das Recht, die Erb­schaft aus­zu­schla­gen (§ 1942 Abs. 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs ‑BGB-). Wird die Erb­schaft aus­ge­schla­gen, gilt der Anfall an den Aus­schla­gen­den als nicht erfolgt (§ 1953 Abs. 1 BGB). Der beru­fe­ne Erbe kann die Erb­schaft nicht mehr aus­schla­gen, wenn er sie ange­nom­men hat (vgl. § 1943 BGB) oder die Frist für eine Aus­schla­gung ver­stri­chen ist (§ 1944 BGB).
Vor­lie­gend hat­te die Erbin die Erb­schaft zunächst ange­nom­men. Die gel­tend gemach­ten Rechts­an­walts­kos­ten ent­stan­den auf­grund der Anfech­tung der Annah­me der Erb­schaft. Im Streit­fall kann offen­blei­ben, ob die Erbin damit die wesent­li­che Ursa­che für das Ent­ste­hen der als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen selbst gesetzt hat und ihr die­se bereits des­halb nicht zwangs­läu­fig i.S. des § 33 Abs. 2 EStG ent­stan­den sind [8].
Denn die Erbin lief nicht Gefahr, ihre Exis­tenz­grund­la­ge zu ver­lie­ren und ihre lebens­not­wen­di­gen Bedürf­nis­se in dem übli­chen Rah­men nicht mehr befrie­di­gen zu kön­nen.
Zum einen fehlt es an Fest­stel­lun­gen dazu, wel­che zum Nach­lass gehö­ren­den Ver­mö­gens­po­si­tio­nen vor­han­den waren, mit denen die Schul­den ggf. hät­ten getilgt wer­den kön­nen. Zum ande­ren liegt eine Exis­tenz­be­dro­hung auch aus Rechts­grün­den nicht vor. Es gilt der Grund­satz der unbe­schränk­ten, aber beschränk­ba­ren Erben­haf­tung [9]. Der Erbe kann die Haf­tung auf den Nach­lass beschrän­ken, indem er z.B. die Dürf­tig­keits­ein­re­de nach § 1990 BGB erhebt oder die Eröff­nung des Nach­lassin­sol­venz­ver­fah­rens bean­tragt (§§ 315 ff. der Insol­venz­ord­nung). Bis zur Tei­lung des Nach­las­ses haf­ten Mit­er­ben zudem nur beschränkt (§ 2059 BGB). Einen Antrag auf Eröff­nung des Nach­lassin­sol­venz­ver­fah­rens haben die Erben vor­lie­gend auch tat­säch­lich gestellt.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. April 2016 – VI R 14/​14
stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 09.1989 – III R 129/​86, BFHE 158, 380, BStBl II 1990, 418; und vom 26.06.2014 – VI R 51/​13, BFHE 246, 326, BStBl II 2015, 9[↩]
BFH, Urteil vom 18.06.2015 – VI R 17/​14, BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800[↩]
BFH, Urteil in BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596; und vom 23.05.2001 – III R 33/​99, BFH/​NV 2001, 1391; BFH, Urteil vom 19.11.2015 – VI R 38/​14, BFH/​NV 2016, 902[↩]
Staudinger/​Dutta, BGB, Vor­bem. zu §§ 1967 bis 2017, Rz 8, 9[↩]
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außergerichtliche Kostenaußergewöhnliche BelastungErbschaftsausschlagungProzesskostenRechtsanwaltsvergütung

References: § 33
 § 33
 § 33
 § 1943
 § 33
 § 1990