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Timestamp: 2019-07-18 19:56:47+00:00

Document:
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 - 1926)
Rabbiner Dr. Raphael BREUER
Jubelsinget, Gerechte, in Gottesanschauung, den Geraden geziemt Thatenoffenbarungslied (Psalm 33)
Welkom op de blog van de studievereniging JESJOEROEN, Jodendom tegen Zionisme
Thoratrouwe antizionistische inzet en anti-imperialistische solidariteit. U vindt hier Rabbijnse teksten (vooral Samson Raphael HIRSCH strekking), nieuws en achtergrondinfo.
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Nous proposons des textes rabbiniques, (surtout de l’école de Samson Raphael HIRSCH) ainsi que des infos et documentations, le tout avec engagement antisioniste et solidarité anti-impérialiste, inspirés par la fidélité à la Torah. Visitez notre blog similaire en langue française: www.bloggen.be/yechouroun .
Willkommen im Blog des Studienverbandes JESCHURUN, Judentum gegen Zionismus.
Wir bieten Rabbinische Texten (hauptsächlich von der Samson Raphael HIRSCH Tendenz – meistens in deutsche Originalfassung), sowie Nachrichten und Hintergrundinformationen, im ganzen mit Thoratreues antizionistisches Engagement und anti-imperialistische Solidarität.
Welcome to the blog of the Study Association YESHURUN, Judaism against Zionism.
We propose Rabbinical texts (mostly from the S R HIRSCH tendency), news and information, the whole inspired by Thora-true anti-Zionist Commitment and anti-imperialist Solidarity.
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Bolok
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Bolok
Jacob Israel DE HAAN „Bei König Feisul und Emir Abdullah“
Aus dem „politischen” Testament Rabbiner Hirsch’s (5)
Psalm 109,28 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Bolok
Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Komm. Wochenabschnitt CHUKASS
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Chukass
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Chukass
Rabbiner Dr. Salomon BREUER Programmrede auf der Konferenz von Kattowitz
Aus dem „politischen” Testament Rabbiner Hirsch’s (4)
Psalm 106,32 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Chukass
Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: „Hawdolo”
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Kaurach
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Kaurach
Rabbiner Samson Raphael HIRSCH: Kommentar Segenspruch „…der dem Hahne Verstand gegeben zu unterscheiden....“
Aus dem 'politischen' Testament Rabbiner Hirsch's (3. Auszug)
Sprüche 24,21 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Kaurach
Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Komm. Wochenabschnitt SCHELACH LECHO
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar Schelach lecho
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Schelach Lecho
ANTIQUARIAAT BOEKHANDEL SPINOZA
'DER ISRAELIT'
Mehrsprachige Seite „Yakov RABKIN, Historian and Author“
EUROPEAN JEWS FOR A JUST PEACE EJJP
The Palestine Information Center (PIC)
PEACE PALESTINE (UK)
CENTRE D'INFORMATION PALESTINIEN
TIKUN_OLAM
PALESTINIAN CAMPAIGN FOR ACADEMIC & CULTURAL BOYCOT
ALAN HART DIARY
NOCH MEHR INTERESSANTE LINKS
Crossing the Crescent.
AL-ADALA GERECHTIGKEIT
CAMPO ANTIIMPERIALISTA Ribellarsi è necessario
Yeshiva University On Line
62 JAAR NAKBA, 62 JAAR THORAVIJANDELIJKE ZIONISTISCHE STAAT, WEG ERMEE!
Rabbiner Josef Chaim SONNENFELD
(1881-1924)
Rabbiner Pinchos KOHN
Rabbiner Ernest WEILL
IVJ exposes the vicious Zionist oppression of religious Jews who object to serve in the IDF, or protest its regime.
Judentum gegen Zionismus
Rabbiner Dr. Pinchos KOHN: Schowuoss Editorial
Rabbiner Dr. Pinchos KOHN
שבועות Schowuauss
„Jissroél ist nicht mehr und nicht weniger, als der Treuhändler der Thora für die ganze Welt“
Editorial in das Wiener Wochenblatt „Jüdische Presse“ 20, 1928. Hier zu lesen als Beilage:
JPW 1928 20 Schawuauss P.K..JPG (165.4 KB)
10-06-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Rabbiner Dr. Rafael BREUER: Vorwort zur Erläuterung Megillas Ruth
Vorwort zur Erläuterung der
Megillas Ruth: Zurück zur Bibel!
So müsste der aufrüttelnde Weckruf lauten, die Schläfer aus ihrem Schlafe, die Gleichgültigen aus ihrer Gedankenlosigkeit zu reißen. Denn was nützt am Ende alles Reden und Schreiben, was nützen Versammlungen und Vereine, was nützt aller Glanz einer geräuschvollen Repräsentation, was nützen alle Beschwichtigungsmittel apologetischer Vielgeschäftigkeit, solange noch fort und fort vom Gipfel des Horeb es grollt und zürnt: אוי להם לבריות מעלבונה wehe den Menschen ob der kränkenden Verschmähung der Thora! Es ist alles umsonst. Und wenn es uns mit vereinten Kräften meisterhaft gelänge, bis in die letzten Details den unwiderleglichen Nachweis zu führen, daß die verderblichen Einflüsse, die von ringsher auf den jüdischen Menschen der Gegenwart einstürmen, denkwidrig und darum nichtig seien, so wäre damit fürwahr noch nicht ein Tausendstel des apologetischen Segens erreicht, der in jener unvergleichlichen Andacht enthalten ist, mit der unsere Alten in der Bibel lasen. Mehr als je tut darum in unseren Tage dem jüdischen Volke ein Untertauchen in das verjüngende Element wahrer jüdischer Wissenschaft not. Wo dieses Element zu finden ist, kann heute angesichts der niederschlagenden Feststellungen zionistischer Aufklärungsarbeit, umso weniger zweifelhaft sein, je kläglicher von Tag zu Tag sich diejenige Wissenschaft, die sich mit Vorliebe als Wissenschaft des Judentums begreift, für die Aufgaben einer jüdischen Massenerziehung als impotent erweist. Aber auch nationale Selbstbesinnung, dieses populärste Heilmittel für den uns aus tausend Wunden blutenden jüdischen Volkskörper, wird immer ein trügerisches Phantom bleiben, solange sie die Assimilation anders zu besiegen hofft, als durch die Wiederherstellung des Zusammenhanges mit dem Geiste unserer großen Vergangenheit. Diesen Zusammenhang vermögen uns nur Bibel und Talmud zu vermitteln. Nur wenn es gelingt, zum Quell der Reinheit und Verjüngung, aus welchem die Ahnen Kraft und Mut geschöpft, jedem fremdartigen Stoff den Eintritt zu verwehren und im Herzen der Jugend, wenn sie die Bibel liest, jene ursprüngliche Andacht zu erwecken, wie sie die Alten zierte, können wir hoffen, daß sich das alte Judentum in den breiten Volksmassen erhalten und nicht in die einsamen Gelehrtenstuben flüchten werde, wo die letzten Zeugen einer längst versunkenen Zeit in wehmütigem Anachronismus das Vätererbe hüten.
Mit der Bearbeitung der fünf Megilloth, denen sich, wenn Gott Kraft und Muße spendet, die übrigen Teile der Bibel, soweit sie noch nicht eine entsprechende Behandlung erfahren haben, anreihen sollen, möchte ich mithelfen, diese Andacht aufs neue zu beleben [1].
Inhalt, Charakter und Zweck des Buches Ruth ergeben sich aus dem Verfolg der Erzählung selbst[2]. Auch die Fülle der ethischen Gedanken und psychologischen Beobachtungen, die das Buch in seltener Feinheit bietet, vermag nur in Zusammenhang der Erzählung nach Gebühr gewürdigt zu werden und, wie es die Alten taten, nur an der Hand der talmudischen Überlieferung. Nur demjenigen, der sich der kundigen Führung der jüdischen Weisen anvertraut, werden sich die stillen Schönheiten dieses Buches in ihrem ganzen unvergleichlichen Reiz erschließen. Von ihnen geleitet, wird er sich sagen: Wenn Herder vom Buche Ruth mit Worten voll Bewunderung spricht und Goethe es in westöstlichen Divan „das lieblichste kleine Ganze, das episch und idyllisch überliefert worden“ nennt, bis zu welcher Überschwänglichkeit hätten sie erst ihren Lobspruch gesteigert, wäre es ihnen vergönnt gewesen, gleich dem jüdischen Volke dies liebliche Idyll im Lichte der rabbinischen Überlieferung zu schauen.
Wo ohne nähere Angabe des Ortes rabbinische Aussprüche citirt sind, ist Midrasch Rabba zu Ruth, wo vom „Commentar“ die Rede ist, sind die bezüglichen Schriften Rabbiner Samson Raphael HIRSCH’s זצ"ל gemeint.
Im Geiste der Alten war ich bestrebt, dieses Buch zu schreiben. Im Geiste der Alten möchte es gelesen werden.
Frankfurt am Main, im Ijar 5668
Raphael BREUER
Die fünf Megilloth übersetzt und erläutert von Rabbiner Dr. Raphael BREUER Zweiter Teil: Ruth Vorwort
Zweite Auflage Frankfurt am Main Verlag von A.J. HOFFMAN 1908
[1] Nicht minder wichtig, nur mit größeren Schwierigkeiten verknüpft, ist das Werk dieser Neubelebung auf speziell talmudischem Gebiet. Hier gälte es, den Geist der talmudischen Dialektik in seiner großartigen Urwüchsigkeit und Naturfrische, zunächst auf dem propädeutischen Wege einer populären Darstellung talmudischer Probleme, weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Ich beabsichtige, eine Arbeit herauszugeben, die sich an der Lösung dieser Aufgabe versucht.
[2] Einzelheiten bietet Baba bathra 14 f. Über die liturgische Verwendung des Buches am Thorafeste vgl. ש"ע א"ח 490,9
Samson Raphael HIRSCH: SCHOWUAUSS (aus Chauréw)
WOCHENFEST שבועות SCHOWUAUß
(aus Chauréw)
§ 161. Mauadim (מועדים), Zeitstifte sind Zeiten, die durch ihre Bedeutung uns zu sich rufen, d.h. uns aufrufen, so lange sie währen uns der Erwägung und Beherzigung derjenigen Ideen ganz hinzugeben, die ihnen zu Grunde liegen; so wie מועד räumlich, den Ort bezeichnet, den Menschen zu ihrem bestimmten Versammlungsort, zu bestimmten Zwecken haben, also מועד in der Zeit: ein Zeitpunkt, der uns gemeinschaftlich zur bestimmten Tätigkeit ruft, und dies zwar hier zu innerer. Mauadim sind daher Tage, die, über die andern Tage des Jahres hervorragend, uns hinausrufen aus unserm täglichen Leben, Halt zu machen, und alle unsere Geistes- und Lebens-Richtungen ihnen zu weihen. In sofern ist auch Schabboss und Jaum Kippur Mauéd.
Bedeutung von Schowuauß (שבועות): Gründung des Jissroél-Geistes, Denkmal für die Offenbarung der Lehre, mit welcher Gott, der Jissroél durch körperliche Freiheit zum Volksdasein berufen, nun den befreiten Volkskörper zum Träger seiner Lehre berief, und so geistig vollendete, was körperlich in Mizrajim begonnen: Denkmal für Gesetzesoffenbarung am Ssinai. Lebensbegründung. – (aus §165)
Jahreszeitbeziehung: Schowuauß, das Denkmal der geistigen Vollendung des mit Péßach Neugeschaffenen, ist an die Zeit der ersten Sommerreife des im Frühjahr Neuerweckten geknüpft. – (aus § 166)
Was Schowuauß gründet: Göttlichkeit und Ewigkeit der Lebenslehre, die Jissroél als Offenbarung eben dieses Berufs zur Bewahrung und Erfüllung in Händen trägt. – (aus § 168)
Schowuauß: Lehren: Allgemein: Gott, in Natur und Menschheit alles seiner Bestimmung fördernd, die Menschheit zu ihrer Bestimmung erziehend, Menschentat als seines Willens Dienerin erziehend, und dafür diesen seinen Willen offenbarend. Besonders: Jissroéls Gesetzgeber der alleinige Gott. Jissroéls einziger Beruf: Träger und Erfüller dieser göttlichen Lehre zu sein, und darin Priesterreich, heilig Volk. Thauroh: von Gott, Jissroéls Boden. Entschluß: Mehr als an deinem Leben, zu hangen an dieser Thauroh, zu deren Erfüllung dich Gott im Hause Jissroéls geboren werden ließ. יראה (aus § 169)
WERKVERBOT: Siehe §171 bis §177
Aus Kap. 23 S. 76 bis 86
חורב Versuche über Jissroéls Pflichten in der Zerstreuung, zunächst für Jissroéls denkende Jünglinge und Jungfrauen 4.Auflage Ff/M Verlag von J. Kaufmann 1909
09-06-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Samson Raphael HIRSCH ; במדבר
Auszüge aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Bemidbar
Kap. 1, V.2 Nehmet die Gesamtsumme der ganzen Gemeinde der Söhne Jisraels auf nach ihren Familien, nach dem Hause ihrer Väter, mit Zählung der Namen, alle Männlichen nach ihren Köpfen.
Kap.1, V.2: … Diese Tatsache, daß die Gesamtnation immer als ein Haus, als בית ישראל, als Söhne Eines Mannes, als בני ישראל, angeschaut und genannt wurde, und andererseits innerhalb dieser einen Einheit gesonderte und doch derselben sich unterordnende und von ihr umfasste, besondere Einheiten, בתי אבות, משפחות erhalten und in Beachtung bleiben, bietet die Eigenart der jüdischen Nationalität. Durch die Auffassung der Nation als „Haus Jisraels“ und aller Nationalen als „Söhne Jisraels“ ist der Begriff der jüdischen „Nation“ davor geschützt, als gegenstandslose Einheitsidee sich zu verflüchtigen oder in die Scheineinheit einer Elitenrepräsentanz als Fiktion sich zu retten, wird er vielmehr wesentlich immer und immer in der vereinten wirklichen Allheit seiner Glieder gedacht, die durch ein gemeinsames Innere eins sind, und deren jedes ein konkretes Teil dieser Einheit darstellt. Auch als die Nachkommen des einen jüdischen Mannes Jisrael zu sechsmalhunderdtausend Männern angewachsen waren, waren sie alle noch Glieder „Eines Hauses“, Söhne „Eines Mannes“, Ein Gepräge in Geist und Herz, eine Aufgabe, ein Geschick als Erbschaft durch die Jahrtausende tragend. Und mitten in dieser Grundeinheit und unter deren Einfluss die größte Mannigfaltigkeit in Stammes- und Familieneigentümlichkeit geflissentlich gepflegt, auf daß – wie wir dies bereits wiederholt im 1 B.M. angedeutet – die Eine große Menschenbestimmung, wie für das Gottesgesetz gezeichnet, unbeirrt durch jede Besonderheit, in der ganzen Mannigfaltigkeit der Charaktere, Anlagen, Berufsarten und Lebensstellungen, für die Gesamtmenschheit mustergültig zur Verwirklichung komme. Jeder Stamm in seiner Besonderheit und jede Familie in ihrer Eigenart haben, die gemeinsame Aufgabe des Hauses Jisraels in ihrer Besonderheit und Eigenart zu verarbeiten und erziehend und bildend auf ihre Glieder und in ihren Gliedern zu vererben. …
V.48 Gott sprach nämlich zu Mosche:
V. 48: Wir haben bereits zu V.2 angemerkt, wie dem Begriff עדה wesentlich das Merkmal der Gemeinsamkeit einer Bestimmung innewohne, die Grund und Zweck der Gemeindeeinheit bildet, ein Einigungselement, das für die jüdische Volksgemeinde nichts anderes als das Gottesgesetz ist. … daß das Gesetz nicht aus dem Volke, sondern an das Volk, nicht menschlich irdischen, sondern göttlichen Ursprungs und das unantastbar hoch aufgestellte Ideal war und ist, das jeden in Israel und Israel insgesamt mit ewig göttlicher Kraft zu sich hinan in seine Kreise ziehen soll, zu dem wir aber nimmer in solcher Gemeinsamkeit treten können, daß wir es antastend zu meistern vermöchten. …Durch diesen Fernkreis blieb das Gesetz das Ewiggegebene, Ewiganziehende und doch nimmer in uns Aufgehende, vielmehr beherrschend uns in die von ihm gezeichneten Bahnen weisend und haltend.
V.51 Bricht die Wohnung auf, so haben die Leviten sie abzuschlagen, und soll die Wohnung Stätte nehmen, so haben die Leviten sie aufzurichten: der Fremde, der naht, ist todesschuldig.
V.51: …Jeder Nichtverpflichtete war ein Nichtbefugter, war ein זר, so sehr, daß selbst der Levite nur zu der in Folge der Arbeitsteilung im überwiesenen Leistung befugt und der Übergang von einer Funktion zur andern verpönt war, נקיטינן משורר ששיער בשל חברו במיתה (Arachin 11b). …
07-06-2019 om 20:49 geschreven door Naphtali HIRSCH
DIE DREI VORBEREITUNGSTAGE DES SCHOWUAUSSFESTES
שָבוּעוֹת
Am sechsten Tage des Monats סִיוָןfeiern wir das Wochenfest, שָבוּעוֹת, das so genannt wird nach der Zahl von sieben Wochen, die von der zweiten Nacht des Peßachfestes an bis zu diesem Feste gezählt werden. Dasselbe dauert zwei Tage.
Nach seiner geschichtlichen Bedeutung hat dieses Fest auch den Namen יוֹם מַתּן תּוֹרָה, Tag der Gesetzgebung, denn es erinnert uns an den großen, ewig bedeutungsvollen Tag, an welchem Gott unter Donner und Blitz auf dem bebenden Sinai Sich offenbarte und dem am Fuße versammelten Volke Jissroél die heiligen zehn Gebote verkündete? – Zu diesem bedeutungsvollen Tage sollten sie sich nach dem Befehle des Herrn durch eine dreitägige Vorbereitung würdig machen, die heute unter dem Namen ְשׁלשָה יְמֵי הַגְבּלָה „die drei Vorbereitungstage“ bekannt sind.
Das Wochenfest soll in unserem Herzen stets von neuem das Pflichtgefühl erwecken und das Gefühl der innigsten Dankbarkeit gegen unsern himmlischen Wohltäter für das kostbare Geschenk der Thora, welche Moses an diesem Tage von Gott empfangen und für alle Zeiten Jissroél übergegeben hat.
Quelle: J.H. KOHN Bibel- und Talmudschatz Ein Buch für die jüdische Familie. Hamburg 13 Aufl. 1931 S. 290
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06-06-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Bemidbar
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Bemidbar
Hosea, Kap. 2, Vers 1 und folgende
Kap. 2, V.1 Nicht: בני ישראל, sondern מספר בני ישראל. מספר bezeichnet stets ein verhältnismäßig kleine, beschränkte Anzahl. Vergl.והיו מתיו מספר 5 B.M. 33, 6 Jissroél ist ja an sich das kleinste unter den Völkern, und von ihm gingen ja zehn Stämme, also fünf Sechstel für unseren Blick gänzlich verloren, und das eine Sechstel sollte in den völkergeschichtlichen Stürmen wiederholt decimiert werden. Also nicht die materielle Zahl verleiht ihm Bedeutung. Gleichwohl werden diese materiell so winzigen Nachkommen Jissroéls unter die Völker so bedeutsam werden wie der Sand des Meeres, der, unscheinbar in seinen einzelnen Bestandteilen, nicht gemessen und nicht gezählt wird, und dennoch den mächtigen Schutzwall bildet gegen die anstürmenden Meeresfluten. So werden Jissroéls unter die Völker zerstreuten Söhne einst inmitten der Menschheit als Träger der ewigen welterlösenden Wahrheit von dem einen freien Gotte und dem reinen freien Menschen die mächtige Schutzwehr bilden, hinter welche die zwischen der Scylla des blinden Dogmenglaubens und der Charybdis des öden Materialismus hin- und hergeschleuderte müde Menschheit einst Zuflucht und Erlösung finden wird. – Wenn erst die zerstreuten Söhne Jissroéls durch die trübe Erfahrungen des Exils zu bewussten Trägern dieser Wahrheit erzogen sein werden, so wird ihre Erhaltung, vor allem aber ihr sittenreines, der Übung der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit geweihtes Leben so von den Menschen erkennen lassen als „ Söhne des lebendigen Gottes.“ – Das והיה במקום וגו' steht im Zusammenhang und abschließenden Gegensatz zu V.9 des ersten Kapitels. Dort war dem Propheten geboten, den Namen seines jüngsten Kindes zur steten Mahnung des Volkes „לא עמי“ zu nennen: „denn ihr seid mein Volk nicht mehr und Ich werde euch nicht sein“, d.h. werde mich lange nicht von euch finden lassen. Diese zeitweilige Trennung hat, wie hier gezeigt wird, nur den Zweck der einstigen und dann ewigen Wiedervereinigung.
V.2 ונקבצו וגו' Diese von Juda und den wiedergewonnenen Jissroél einmütig vollzogne Wahl eines Oberhauptes gehört der fernen Zukunft an. Das ergibt sich auch aus den Worten: כי גדול יום יזרעאל, denn hier ist offenbar nicht an das V.5 des vorigen Kapitels genannte Jisreel gedacht; die Stätte blutiger Siegesherrlichkeit Jehus, unheilvollen Andenkens. Sondern „Jisreel“ zusammengesetzt aus יזרע אל; bezeichnet das Jissroél des Exils in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung als die unter die Völker „hinausgestreute Gottessaat“, die in der Zeiten Fülle einst aufgehn wird zum eigenen und zu der Menschheit Heile.
V.3 אמרו לאחיכם וגו' Bereits im ersten Kapitel war bei der Namensbestimmung der Tochter des Propheten לא רחמה, „Sie findet kein Vatererbarmen“ (V.6) scharf unterschieden worden zwischen der israelitischen Gesamtheit, als dem grundsätzlich Gott entfremdeten Staate, und dessen einzelnen Gliedern. Diesem Staate als solchem war das Vatererbarmen abgesprochen, weil und solange er von dem Vater nichts wissen wollte. In Beziehung auf die Einzelnen aber hieß es: „Wohl aber werde ich ihnen, den Einzelnen, verzeihen.“ Diese Unterscheidung wird nun hier weiter ausgeführt. Unser Vers enthält die Warnung an die auch in Jissroél treu gebliebenen Einzelnen, ihre verirrten Brüder und Schwestern nicht zu verdammen oder sie ihrer Bestimmung für verlustig zu halten.
V.4. ריבו וגו' Wohl aber werden diesen Einzelnen aufgefordert zum Kampfe gegen den grundsätzlich abgefallenen Staat, der als die „Mutter“ und später, V.7, als die „Lehrerin“ des Abfalls bezeichnet wird, die gänzlich jenes Band zerrissen, mit dem Gott einst am Sinai Jissroél mit sich vereinigt. Dieses Verhältnis Jissroéls zu Gott wird im Gottesworte in seiner ganzen Innigkeit stets unter dem Bilde von der Ehe gefaßt, also des Verhältnisses der Gattin zum Gatten, deshalb sind auch die Bezeichnungen des Treubruchs gegen Gott mit denen des Treubruchs in der Ehe deutlich. Hier: .נאפופיה ,זנוניה – ותסר וגו': Kämpfet, auf daß sie ihren Abfall nicht mehr als Höheziel im Auge haben und ihren Treubruch nicht mehr als Emanzipation vom Gesetze, als kostbare Errungenschaft „am Busen hege“. Denn die Rückkehr zu Gott und seinem Gesetze ist der einzige Weg zur Erhaltung des Staates und zur Rettung vor dem Exil.
V.5 פן אפשיטנה ערומה Wenn die israelitische Gesamtheit fortfährt, Selbständigkeit und Besitz, also die Güter, die ihr nur zur freien Erfüllung des Gottesgesetzes verlieh sind, vergöttert und zu einem Gott entfremdeten Leben zu missbrauchen, so bleibt Gott nur übrig, ihr denselben zu entziehen und sie in dieselbe Armut zurückzuwerfen, in der Jissroél sich am Tage seiner volksgeschichtlichen Geburt befand.
V.6 ואת בניה: ihrer Kinder, derer, sich als Kinder dieses grundsätzlich abgefallenen Gesamtheit begreifen, werde ich mich als meiner Kinder nicht erbarmen, כי בני זנונים הם, denn sie stehen ja auf dem Boden des grundsätzlichen Abkehr von Gott.
V.7 כי זנתה אמם וגו'. אמם ist zugleich הורתם. Indem ihre Mutter die Treue brach, hat sie, indem sie ihre Kinder in den Principien des Treubruchs erzog, dieselben ihren Hoffnungen getäuscht. – מאהבי, nicht: אוהבי. Der Piel bedeutet: die Liebe äußerlich bezeichnen. Der Boden und die in ihm lebendigen und auf ihn wirkenden Naturkräfte sind diese „Liebe und Freundschaft betätigenden מאהבים“. Die herrschende Mehrzahl in Jissroél hatte diese Kräfte, die in Wahrheit nur den Willen Gottes vollstreckende Diener sind, in gottvergessenem Sinne für die Herren gehalten. Ihre Kinder waren unter dem Einfluße der Lehren herangewachsen, zum irdischen Glücke genüge es, in rationeller Weise den herrschenden Naturkräfte Rechnung zu tragen, und sie mit Fleiß und Ausdauer den eigenen Zwecke dienstbar zu machen, – dies ist das אחרי, Folge leisten, – auf ethische Momente, auf die Befolgung des göttlichen Willens komme es nicht an. Damit aber: הובישה, „hatten sie ihren Kindern schwerste Enttäuschung bereitet.“ In diesem ganzen Vorstellungskreise war die jüdische Fundamentalwahrheit vergessen worden, die das jüdische Volk und sein Geschick von den Daseinsbedingungen aller anderen Völker spezifisch scheidet. Das Dasein aller anderen Völker ist an den gemeinsamen Boden geknüpft, und erst aus dem nationalen Zusammenleben erwächst ihr Recht und ihr Gesetz. Deshalb hat ihr geschichtliches Dasein ein Ende, sobald sie den gemeinsamen Boden verlieren. Jissroéls Boden jedoch ist das Gottesgesetz. Durch dieses Gesetz ward des zum Volke in der Wüste, bevor es den nationalen Boden erhielt, ja dieses Land selbst erhielt es nur zu dem ausgesprochenen Zwecke der Erfüllung dieses Gesetzes. Deshalb war auch sein Volksdasein nicht an die Dauer seines Landesbesitzes geknüpft, und des bildet bis auf den heutigen Tag das einzig dastehende weltgeschichtliche Wunder der Forterhaltung eines unter alle Völker zerstreuten Volkes, nachdem es bereits Jahrtausenden den gemeinsamen Boden verloren. Dieser Verlust aber mußte eintreten, nachdem der Bodenbesitz und seine Güter als höchste Ziele vergöttert, das Gottesgesetz jedoch als lästig zu ihrer Erreichung und störend in ihrem Genusse verachtet worden war. Dieser Verlust selbst war zur Wiedergewinnung Jissroéls notwendig. Das hatten die damaligen „Aufgeklärten“ in Jissroél nicht erkannt, das war die verhängnisvolle Täuschung, die sie ihren Kindern bereiteten, und das ist der Gedanke, der im Folgenden ausgesprochen wird.
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 241 -249 Kommentar zu Hosea Kap 2 V.1…)
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt BEMIDBAR
(1850 – 1926)
Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt
Die Thora wurde in Feuer gegeben. מגיד שהתורה כולה אש מאש נתנה ובאש נמשלה מה דרכה של אש שאם קרב אדם אצלה נכוה, רחק ממנה צנן, כך אין לו לאדם אלא להתחמם כנגד אורן של חכמים „Das will lehren, aß die Thora ihrem Wesen nach Feuer ist, aus Feuer gegeben, dem Feuer verglichen: wie wenn jemand dem Feuer zu nahe kommt, er sich verbrennt, wenn er sich ihm nicht fernhält, er erkaltet, so bleibt uns Menschen nichts anders übrig als uns am Feuer der Weisen zu erwärmen.“
מימינו אשדת למו „ Aus Seiner Rechten ward ihnen ein Feuergesetz (Deut. 33, 2) תורה שנתן הקב"ה למשה אש לבנה חרותה באש שחורה (ילקוט) „Die Thora, so erklären die Weisen, die Gott Mosche gegeben, ist weißes Feuer, das in schwarzes Feuer eingegraben ist.“ Der Gedanke dürfte klar sein. Vom Feuer geht eine Doppelwirkung aus, eine heilsame, aber auch eine verheerende. Das Feuer spendet Licht und Wärme und erweist sich im Haushalt der Natur als die unentbehrlichste Lebensquelle des Menschen. Das Feuer kann freilich auch zerstören, vernichten. In seiner zerstörenden Wirkung ist es das „schwarze“ Feuer, das seine Opfer zur Schwärze verkohlt, „weiߓ in seiner wärmenden und leuchtenden Kraft. Soll es dem Menschen als Segensquelle dienen, dann darf man sich ihm sich ihm nicht unvorsichtig nähern, es nicht unmittelbar erfassen wollen, sondern nur mit entsprechenden Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen auf sich wirken lassen. Das gleiche gilt von unserer göttlichen Thora. התורה נתנה באש Sie will uns Feuer sein, als unsere Licht und Wärme spendende Lebensquelle sich erweisen: כי נר מצוה ותורה אור Doch nimmer darf sich ihr der Mensch unmittelbar nahen, soll von ihr nicht, statt uns zu erleuchten und zu erwärmen, Unheil ausgehen, wie das göttliche „schwarze“ Feuer noch immer jeden kecken Versuch, es ohne die gebotene Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, ahndete – כי ה' אלקיך אש אכלה הוא א' קנא Denn Gott, dein Gott, ist ein zehrendes Feuer, Gott, der sein Recht fordert. – (Deut. 4,24).
ושמרתם! ושמרתם את משמרתי – עשו משמרת למשמרתי! Mit der immer wiederkehrende Mahnung, auf der „Hut“ zu sein, reichte Gott sein „Feuergesetz“ seinem Volke und verpflichtete die Führer unseres Volkes, durch גדרים וסיגות Vorkehrungen zu treffen, daß das göttliche Gesetz sich uns als אש לבנה Leben und Licht spendend erweise. Weil die Thora ihrem Wesen nach Feuer ist und daher, wer ihr zu nahe kommt, sich verbrennt und wer und sich entfremdet, erkaltet, deshalb bleibt uns gar nichts über als uns „an dem Feuer der Weisen zu erwärmen“. –
מימינו אש דת למו Von vorneherein ward die Thora als אש דת gegeben. דת als Bezeichnung für Thora kommt in תנ"ך nicht vor; nur im Buche Esther, dort aber als Bezeichnung einer „von menschlicher Kraft erlassenen Weisung“; rabbinisch bezeichnet דות eine zur Aufnahme von Wasser bestimmte, von Menschenhand erbaute Cisterne (s. Komm. Das) – Wir wagen daher die Erklärung: מימינו אש דת למו Die Thora ward ihnen als ein in Behälter zu fassendes Feuer gegeben; mit der Verpflichtung zur שמירה ward ihnen die Thora gegeben. Wohl ist dieses דת, sind die schützende und bergenden „Gefäße“, durch die allein die Thora von uns hingenommen und verwirklicht werden kann, uns von unseren Weisen gereicht worden, allein durch die immer wiederkehrende Mahnung zur שמירה haben uns von vornherein alle die Bestimmungen, die sich als „Gefäße“ des Thorafeuers uns erweisen, göttliche Sanktion erhalten: denn als אש דת als ein Feuer, das nur durch schützende und bergende Gefäße von uns gehandhabt werden kann, reichte und Gott seine Thora. – אשדת ist als ein Wort geschrieben, wird aber in zwei Wörtern gelesen (כתיב חד וקרי תרין): wohl ist das דת vom אש zu scheiden, da dieses דת uns von unseren Weisen gereicht wird; dennoch aber bildet אשדת eine untrennbare Einheit, da das אש ohne דת nicht denkbar ist, soll sich das Gottesfeuer uns nicht als verzehrendes אש שחורה erweisen. In diesem Sinne sprechen daher die Weisen: Diese Thora ist „weißes Feuer, eingegraben in schwarzes Feuer“; heißt es doch: מימינו אשדת למו – Und deshalb wurde uns die Thora in Feuer gegeben תורה ניתנה באש.
Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER Belehrung und Mahnung vierter Teil Numeri J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1935 S. 1-8
05-06-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Samson Raphael HIRSCH: Grenzschutz des Heiligen Landes
Grenzschutz des Heiligen Landes
„Dreimal im Jahre soll al dein Mannhaftes sich sehen unmittelbar vor dem Angesicht des Herrn, Gottes, des Gottes Jissroéls.
Wenn ich Völker vor dir austreibe und dein Gebiet ein weites sein lasse, so wird doch niemand dein Land lüstern antasten, wenn du hinaufziehst, unmittelbar vor dem Angesicht Gottes, deines Gottes dich zu sehen dreimal im Jahre.“
(Ex;.24: 23-24)
V. 23 את פני האדון drückt die Nähe und Unmittelbarkeit stärker aus als das obige אל פני האדון (Kap. 23, 17) und bezeichnet ebenso der Beisatz: את פני האדון die ganz besondere Beziehung, in welcher Gott zu Jissroél steht.
V. 24 'כי אוריש וג wird die jährlich dreimal sich wiederholende Tatsache sein, die unmittelbare Beziehung Gottes zu Jissroél, und den mächtigen, einzig durch Jissroéls Hingebung an Gottes Gesetzt erzielten Erfolg in der offenkundigste Weise vor Augen legen soll.
כל זכורך Wie es im vorigen Verse heißt , alles Mann- und Wehrhafte in Jissroél wird im Mittelpunkte, in Jerusalem, um das Heiligtum des göttlichen Gesetzes versammelt sein und kein lüsterner Feind wird es wagen, das reiche offenliegende Land zu betreten. Jissroéls Land wird nicht durch eine Armee an den Grenzen, sondern durch die Gotteshuldigung vom Mittelpunkte aus geschützt.
04-06-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
RÜCKBLICK AUF DAS DRITTE BUCH MOSES
Dieses Buch, junger Leser, enthält die meisten Vorschriften für das Amt der Priester im Heiligtume und die Lehren für die verschiedene Opfer, es wird daher תורת כהנים, die Lehre für den Priesterdienst genannt.
Wir heben in diesem Überblick bloß einige der Satzungen dieses Buches für das heutige Leben hervor:
Unterstütze den Armen, - nimm keine Zinsen von den Genossen deines Volkes, wie du ihnen keine geben darfst, – verabscheue jeden Raub, jeden Diebstahl, jede Lüge und jeden Meineid, – bezahle den Lohn des Arbeiters an demselben Tage noch, – hüte dich vor Verleumdung, – bleibe bei Gefahr deines Nächsten nicht unmüßig stehen, – trage deinen Beleidiger keinen Haß nach, sondern weise ihn offenherzig zurecht, wenn er gegen dich gefehlt hat, –,verbanne niedriges Rachegefühl aus deinem Herzen, – liebe deinen Nächsten wie dich selbst, – halte dich fern von Zauberei und Aberglauben, sie führen dich ab vom wahren Gotte, vollkommen sollst du deinen Gott angehören, – trauere nicht, mehr als das Gesetz erlaubt, um die Toten, das widerspricht deiner Überzeugung von der Unsterblichkeit, – ehre das graue Haupt und achte hoch den, der sich Thorakenntnis erworben, – unterdrücke den Fremden nicht, der Heimatlose ist ohnehin schon zu bedauern, – halte streng auf richtige Wage und richtiges Gewicht, – betrüge niemand, wes Glaubens er auch sei, – liebe die Keuschheit und die Sittsamkeit.
Mein Sohn und meine Tochter, das sind nur einige Tropfen aus dem großen unermeßlichen Meere der göttlichen Satzungen in diesem Buche; bewahre die kostbaren Lehren tief in deinem Herzen, handle nach denselben, und du hast für dein diesseitiges und dein jenseitiges Leben verwirkt.
Schon die einzige Satzung, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, umfaßt, wie der große Hillel lehrt, eine ganze Thora – und beseligt ihre Bekenner hier wie dort!
Darum, teure Jugend, wollen wir uns die wichtigen Lehren des dritten Buches, vom Beistand des Allmächtigen begleitet, mit erneuter Kraft vorwärtsschreiten. Gott mit uns!
Quelle: „Bibel- und Talmudschatz – Ein Buch für die jüdische Familie“ von J.H. Kohn, 13 Auflage Hamburg 5691-1931 Verlag von George Kramer S. 290-291
03-06-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Jeremias 2,2 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Bemidbar
כה אמר יי זכרתי לך חסד נעוריך אהבת כלולתיך לכתך אחרי במדבר בארץ לא זרועה:
„Gehe hin und verkünde in den Ohren Jeruschalaims: so spricht Gott, ich gedenke dir die Liebe deiner Jugend, die liebende Hingebung deiner Bräutlichkeit, da du mir in die Wüste folgtest, in ein nicht besätes Land.“
Jeremias 2,2 Übersetzung Dr. Josef BREUER
In ödem, unfruchtbarem Lande,
In Wüsten, wo die Otter zischt,
Wo alles lechzt im Sonnebrande
Nach einer Quelle, die erfrischt.
Dort fand an jedem neuen Morgen.
Das Gottesvolk sein Brot und Trank
Und lebt‘, in Gottes Schutz geborgen,
Im Lager vierzig Jahre lang.
Quelle: „Bibel- und Talmudschatz – Ein Buch für die jüdische Familie“ von J.H. Kohn, 13 Auflage Hamburg 5691-1931 Verlag von George Kramer S. 291
02-06-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Samson Raphael HIRSCH: Aus dem kommentar zur Wochenabschnitt BECHUKAUSSAI
Aus dem Kommentar von Rabbiner Samson Raphael HIRSCH zur Wochenabschnitt BECHUKAUSSAI
Kap.26 V.42 Dann gedenke ich meines Bundes „Jakob“; und auch meines Bundes „Jizchak“ und auch meines Bundes „Abraham“ gedenke ich, und des Landes gedenke ich.
Kap. 26,V.42 וזכרתי את בריתי וגו' Es heißt nicht: בריתי עם oder את יעקב u.s.w. sondern: בריתי אברהם, בריתי יצחק, בריתי יעקב. Offenbar ist es also nicht der Bund mit Jakob u.s.w. sondern, Jakob, Jizchak, Abraham sind Apposition zu בריתי, es gibt einen Gottesbund der „Jakob“, einen Gottesbund der „Jizchak“, einen Gottesbund der „Abraham“ heißt. Ähnlich wie 4 B.M. 25,1: הנני נותן לא את בריתי שלום, wo שלום der Gottesbund ist, den Gott dem Pinchas übergibt. Der ברית, das ist ja die absolute Gottesbestimmung (siehe 1 B.M. 6,18), die שלום heißt, das ist der Friede der trotz aller entgegenstehenden Wirrnissen auf Erden, doch nach Gottes Bestimmung die endliche Gestaltung der Dinge auf Erden bilden soll, den hat Gott nicht der feigen und feilen Konnivenz sondern, dem redlich für das Rechte mit selbstvergessenem Mute einstehenden Pinchaseifer anvertraut. So hat die Entwicklung der jüdischgeschichtlichen Bestimmung Gott einen ברית gestiftet, der Jakob, einen ,ברית der Jizchak, und einen ,ברית der Abraham heißt. Alle dreie, Abraham, Jizchak und Jakob, war Gott nahe, aller dreier Geschick war von Gott geleitet und bedeutsam für die Begründung ihres Volkes, und doch hatte jeder von ihnen eine andere Weltstellung. Wie nach der Überlieferung Abraham das Morgengebet, Jizchak das Minchah- und Jakob das Nachtgebet gestiftet, so entspricht auch die Weltstellung des Geschickes eines jeden derselben diesen Tageszeiten. Abrahams Geschick erscheint in steigendem Lichte; beglückt und reichgesegnet in allem und durch alles stand er, obgleich allein, einer ganzen Welt gegenüber, und sie zu dem Altare des Einen Einzigen berufend, doch unbeneidet und unangefeindet, ja hochverehrt als נשיא אלקים in ihrer Mitte. Jizchaks Weltstellung ist schon getrübt. Mit seinem Wandel vor Gott isoliert, findet er ob seines Gottessegens nur Neid inmitten seiner zeitgenössischen Bevölkerung und wird auf sich selbst und auf sein Haus zurückgewiesen. Mit Jakob zieht endlich nächtlicher Geschickesschatten ein, sein ganzes Leben ist eine Kette prüfungsvoller Verhängnisse, und nur kurz und selten lächelt ihm die äußere Lebensfreude. Und doch sind alle drei die Väter unseres Volkes, alle drei die ersten Träger des Gottesbundes, und Jaakobs harte Weltstellung nicht minder Offenbarung der Gottesnähe im Lebensgeschicke der Menschen als Abrahams leuchtendes Lebensbild. Darum werden sie alle drei hier besonders ברית genannt, und damit dem Volke, dessen Stammeswurzeln sie bilden, die Gottesverheißung mit hinausgegeben, daß auch sein Geschick ein wechselndes, wie der Väter Geschick sein werde, ohne damit aufzuhören, gottnahes Augenmerk der besonderen Gottesführung und Leitung zu sein, und daß wie Abraham, Jizchak und Jakob sie inmitten der Völker im Abrahamsgeschick, in Isaaksgeschick und in Jakobsgeschick sich doch gleichwohl immer als die treuen Söhne des Gottesbundes zu bewähren haben werden.
Im Zusammenhange mit dem vorigen stehen aber bezeichnend die drei Bundesverheißungen in umgekehrter Reihenfolge, es steht der Bund „Jaakob“ zuerst und zwar durch volle Schreibung, מלא, bedeutsam hervorgehoben, und durch den Accent und die Satzbildung als die ganz besonders zu beachtende Hauptverheißung dargestellt, welcher der Bund „Jizchak“ und der Bund „Abraham“ nur mit אף als Erweiterung und Fortsatz sich anschließen.
Mit Beginn des Galuth waren die Söhne des Abrahambundes in das „Jaakob“-geschick eingetreten. Wenn sie aber, wie des die mit der zweiten Hälfte des V.41 eingeleite andere Seite der Zukunftsalternative vorausgeht, dieses Galuth mit allem seinem Herben, in seiner wahren, reinen, gottnahen Bedeutung als רצוי עונם, als sühnende Tilgung ihrer Vergangenheitsschuld mit Befriedigung begreifen und in bewusstvoller Pflichttreue also lösen, daß sie sich zu dem reinen Gegensatz ihrer früheren Verirrung emporarbeiten: dann וזכרתי את בריתי יעקב, dann werde ich meine Bundesverheißung „Jaakob“ erfüllen, werde mit ihnen sein in allen den langen, langen Galuthnächten, Führung gestalten, wie sie in der Völkernacht als die Sterne opferfreudiger Hingebung an die geistige und sittliche Menschenbestimmung im Leben und Sterben leuchten. Und wenn sie dann genug geduldet und im weltgeschichtlichen Märtyrertum ihre Gesetztreue im Unglück mit ihrem Herzblute in die Blätter der Völkergeschichte eingetragen: dann ואף את בריתי יצחק, dann werden sie nicht umsonst in der Mitte der Völker gelebt und geblutet haben, an ihrem Beispiel lichtet sich der Geist und mildern sich die Sitten der Völker, mit dem andämmernden Völkermorgen ist auch die Mitternacht ihres Galuth vorüber, sie fangen an aufzuatmen und aufzublühen auf bis dahin fremdländischen Boden und wie in der Jakobsperiode den Haß, so haben sie jetzt Jizchak den zurückweisenden Neid der Völker (siehe 1 B.M. 26, 14. u. 16) zu dulden, und nun die zweite und für ihr Naturell wahrlich nicht leichte Schule des Galuth durchzumachen: im wachsenden Glücke und einer zwischen Humanität und Neid schwankenden Behandlung der Völker gegenüber sich Jizchak gleich in ihrer Eigenart zu erhalten, und unter dem helleren Völkerhimmel die nun reicheren und freieren Kräfte nur in noch gesteigerter Gesetzestreue zu einem noch vollendeteren, vielseitigeren Ausbau ihrer eigenartigen Aufgabe im Galuth, unbekümmert um den sie noch immer isolierenden Völkerneid, zu verwenden. Dann, wenn sie die zweite Galuthprobe, die Treue im Glück, glücklich bestanden: dann ואף את בריתי אברהם אזכור, dann wird ihnen die Abrahamssonne im Galuth leuchten; sie werden Abraham gleich Gott und seinem Gesetze ihre Altäre inmitten der Völker bauen, werden Menschheit, werden Abraham gleich also die ganze Fülle alles Wahren und Guten der zur Erlösung der Menschheit ihnen anvertrauten Gotteslehre an die Völker und für die Völker zur Verwirklichung bringen, weil sie das Volk des Abrahambundes sind, weil sie in Geist und Tat das Gottesgesetz der Menscheiterlösung kennen und üben, und wie Jakobs Nachtkampf mit Esaus Genius nicht endet, bis sich Jakob die segnende Anerkennung von ihm errungen, so werden endlich die lang gehaßte, dann geduteten und beneideten Söhne Jakobs und Jizchaks endlich als Abrahamsvolk inmitten der Völker den huldigenden Anerkennungsgruß empfangen נשיא אלקים אתה בתוכנו! Dann endlich, wenn sie im Galuth alle die Klippen der Völkerfeindschaft, der Völkergunst, des Völkerbeispiels und des Übermuts im Glücke zu überwinden gelernt, an welchen sie einst auf eigenen Boden ihrer Gesetztreue gescheitert, dann erst: והארץ אזכר, dann wenn sie „Abraham“ geworden, werde auch ich die dem Abraham verheißenem Bestimmung des Landes zur dauernde Verwirklichung bringen und sie dem Lande zur endlichen, ganzen Lösung ihrer Urbestimmung als Gottes Gesetzesvolk auf Gottes Gesetzboden wieder schreitenden Stadien wieder zurückgeben. ברית יצחק ,ברית יעקב und ברית אברהם bilden somit die drei fortschreitenden Stadien der Aufgaben, deren Lösung im Galuth die Sühne ihrer Schuld gestaltet und zugleich ihnen die einstige dauernde Rückkehr zum Lande ihrer Selbständigkeit bringt.
31-05-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Bechukaussai
הפטרת פרשת בחקתי
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Bechukaussai
Jeremias, Kap. 16, Vers 19 und folgende
Die Sidra enthält die große Geschickesoffenbarung, die sich an uns vollziehen werde, je nach der Gott und seinem Gesetze zugewandten Treue oder Untreue. Das Prophetenwort entströmt einem Manne, der Zeuge der großen Katastrophe, des Untergangs von Tempel und Staat war.
Jedoch ist es nicht ein Wort der Klage, das uns entgegentönt, nicht der auf den Trümmern Jerusalems klagende Prophet ist der Jeremias, dessen Wort wir hier vernehmen. Es ist vielmehr der über die trübe Gegenwart hinausschauende, von schwellendem Hochgefühl erfüllte nationale geistige Heros.
Wohl schaut er alle Kämpfe, alle Verfolgungen, denen sein Volk ausgesetzt sein wird in der Flucht der Zeiten, aber er schaut auch, wie das äußerlich Unterdrückte in Wahrheit der Sieger, und wie die Erhaltung des aller sonstigen Stützen beraubten, nur von Gott getragene Jissroél eine so laute Verkündigung der Wahrheit des von ihm getragenen Gotteswortes sein werde, daß den Völkern endlich die Binde von den Augen sinken und sie erkennen werden, daß von allen Überlieferungen ihrer Väter nur das aus dem Judentum stammende Wahrheit, alles andere Lüge sei.
Kap.16, V.19 אך שקר נחלו וגו' Rückwärts schauend werden die Völker zur Erkenntnis kommen, daß das, was ihre Väter von deren Väter ererbt und auf sie weiter überliefert hatten, Lüge war. Es gibt Traditionen des Wahns. Der bekannte Lessing’sche Satz, daß ein Jeder berechtigt sei, den Überlieferungen seiner Väter zu folgen, ist nur in dem Sinne zulässig, daß jeder den anderen zu dulden habe, keiner sich das Recht anmaßen dürfte, zu bestimmen, was der andere für wahr halten solle. Objektiv jedoch birgt der Satz die Verneinung der inneren Wahrheit aller Überlieferungen. Denn wenn es eine Wahrheit ist, daß a = a ist, so kann es nicht gleichzeitig eine Wahrheit sein, daß a = nicht a sei. Hier aber wird die feste Zuversicht aus Jissroéls Seele ausgesprochen, die Wahrheit, auch wenn Jahrtausende mit Feuer und Schwert verfolgt, werde endlich als Wahrheit, und der Wahn, auch wenn Jahrtausende mit Schwert und Feuer behauptet, werde endlich als Wahn erkannt werden.
ואין בם מועיל Sie werden es erkennen, daß ihre Traditionen außer Stande sind, ihren Bekennern das Heil zu begründen.
V.20 היעשה לו אדם אלהים. Denn wie könnten Menschen sich Götter machen, da sie doch selbst nicht Götter sind! „Das ist der Riss in die Binde, die seit Jahrtausenden die Augen der Menschen gefangen hält. Ist ja die Binde nichts anderes, als der Wahn, es habe der Mensch sich seinen Gott zu produzieren! Es könnte der Mensch, es könnten die Menschen, es könnte die Menschheit in Allvereinigung, wenn sie nur ihre besten geistigen und materiellen Kräfte einig zusammentäten, sich eine ewige Stütze ihres Daseins, sich einen ewigen Träger ihrer Wohlfahrt, sich den Gott ihres Seins und ihres Heiles schaffen! Diesen ihren Gott sucht die Menschheit, seitdem die Pforten des Paradieses hinter ihnen zugefallen, und sie die Stimme Gottes nicht mehr wandeln hört in dem von Ihm für sie gepflanzten Eden. Diesen Gott sucht der Wilde in seinem Fetisch, sucht der Heide in seinem Bilde, sucht der moderne europäische Denker in dem Prinzipe, auf welches er das schwanke Weltenheil dauernd gründen möchte. Alle vergessen sie, daß nur ein Gott Götter zu schaffen vermöchte, vergessen, daß sie selber nicht Götter, selber nur beschränkte Geschöpfe deß seien, der sie und die Welten schuf, daß die Welt längst vor ihnen und ohne ihnen geschaffen dastehe und alles Weltenheil nur dauernd auf den zu gründen sei, der die Welt und sie geschaffen.“ – Jeschurun III. S.550 f. Wir verweisen auf die dort gegebene Erläuterung dieses Kapitels.
V.21 בפעם הזאת Dieser welthistorische „Schritt“ ist die Zerstörung von Staat und Tempel und die Erhaltung des jüdischen Volkes. In dem einen offenbart sich die Gerechtigkeit, in dem anderen die Liebe und Gnade übende Gotteswaltung; Je wird hier ידי, diese גבורתי genannt. In charakteristischem Gegensatz zum Heidentume, das in der Schrecken einflössenden Göttermacht das Hauptattribut ihrer Größe findet, begreift die jüdische Wahrheit gerade das Sein und Kraft spendende, gnadenreich erhaltende Liebeswalten Gottes als eigentliche Offenbarung der göttliche Allmacht. Was jene Rechtswaltung der יד ה' lehrt, wird unten V. 5-8 ארור הגבר וגו', was die Liebeswaltung der göttlichen Allmacht, גבורת ה', lehrt, wird V. 7-9, ,ברוך הגבר וגו'ausgesprochen.
Kap.17, V.1 חטאת יהודה וגו' ולקרות מזבחותיכם Eigentümlicher Weise haben die Erklärer durch Übersehen oder missverständliche Auffassung des כם- , während bis dahin in der dritten Person gesprochen wird; sich das Verständnis des tiefen Sinnes dieses Verses verschlossen. Der Gedanke ist: Nichts ist so bekannt und wird mit solcher Beflissenheit stets aufgefrischt, wie das Sündenregister der „verdammten Juden“. Und dennoch verdanken die Menschen alles, was sie von Gott und von dem Verhältnisse des Menschen zu Gott, also von dem eigentlichen Menschenwesen und der ewigen Menschenbestimmung wissen, nur „euch“, sind sie für alles dieses hingewiesen auf die Wahrheit, die von der Höhe eurer Altäre strahlt.
V.2 כזכר בניהם מזבחתם וגו'. Dieses „ihre Altäre“ steht im Gegensatz zu den eben genannten „euren Altären“. Wenn ihre Enkel einst zurückschauen und die Väter ihrer Vorzeit an den Götteraltären des Wahnes und eines entsittlichenden Kultus knien sehen, dann ragst du, Juda, ihnen in deiner Einzigkeit einsam empor, steht ihnen da wie ein aus unbekannten Höhen herabgestiegener Bewohner der Berge, der freilich fremdartig absticht gegen all das Leben, das in der Ebene sich entfaltet, der kein Teil nimmt an all dem Üppigen, das in der Ebene blüht, in dem aber ein Höheres, Frischeres, Gesünderes, Ursprünglicheres weht. Bist freilich arm an Allem, was dort in der Ebene gilt! Deine Heere sind gefallen deine Schätze sind geplündert, du bist tief hinabgesunken – nichts ist dir von deiner früheren Größe in die Niedrigkeit gefolgt als – dein eigentliches, dein geistiges Erbe, das dir Gott gegeben. Es hast du mit hinausgerettet aus dem Zusammensturz deines übrigen Glückes und mit diesem deinem geistigen Schatz in Busen tratest du in Knechtesdienst bei deinen Feinden, auf daß du überall das Gotteswort der Erlösung bringest und die Menschen durch dich die Wahrheit lernen:
V.5. ארור הגבר וגו', Fluch blüht so lange auf Erden, als die Menschen auf Menschen bauen, nur in dem Schaffen des Menschen ihren Träge erblicken und sich nicht fest und einzig an Gott anklammern.
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 230 -234 Kommentar zu Jeremias Kap 16 V.19…)
30-05-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Bechukaussai
BECHUKAUSSAI
ואם באלה לא תוסרו לי והלכתם עמי קרי, והלכתי אף אני עמכם בקרי,
„Und wenn ihr durch dieses euch von mir nicht erziehen lasset und mit mir in Zufall wandeln werdet, so werde auch ich mit euch in Zufall gehen.“ –
Diese Worte göttlicher תוכחה, die wir vorhin gelesen, werden von den Weisen (ת"כ) also erklärt: אמר הקב"ה אתם עשיתם את דיני עראי בעולם אף אני אעשה אתעם עראי בעולם „Gott spricht: ihr habt mein Gesetz zum Zufälligen in der Welt gemacht, so werde ich auch euch zum Zufälligen machen“.
Tage und Wochen heißt uns das Gottesgesetzt zähen die vom Peßach, das uns Erlösung und Freiheit gebracht, uns zum Feste der Thora führen. Diese Sefira-Tage haben sich in unsere Galuth-Geschichte mit traurigen und doch stolzen Erinnerungen verewigt. Sie erzählen von unsäglichem jüdischen Leid, aber auch von jüdischer Größe und Stärke, die nicht zögerte, für Gott und sein Gesetz selbst den Opfertod auf sich zu nehmen. Inmitten seiner erschütternden Ohnmacht und Wehrlosigkeit, in der dieses Volk der Rohheit und der Gewalt einer verblendeten Welt erlag, offenbarte sich seine heroische, durch nichts zu bewältigenden Kraft. Denn nichts gleicht seiner Ohnmacht und Schwäche. Nur zu wahr hatte sich des Propheten Klage erfüllt: גלתה יהודה –
Den Weisen (מ"ר) gibt die auffallende weibliche Form (statt גלה) zu folgender Bemerkung Veranlassung: (ירמי' נ"ב) ולהלן הוא אומר ויגל יהודה מעל אדמתי, אלא מכיון שגלו תשש כחן כנקבה Wenn auch an anderer Stelle die männliche Form steht, so soll hier gesagt werden: sobald das jüdische Volk ins Galuth ging, war seine Kraft geschwunden. וכי אמות העולם אינם גולין, אלא אוה"ע שאוכלים מפתם ושותים מיינם אין גלותם גלות, אבל ישראל שאין אוכלים מפתם ואין שותים מיינם גלותם גלות Kam denn nicht auch über andere Völker Galuthleid? Aber die anderen Völker essen von ihrem Brot und trinken von ihrem Wein, deshalb ist ihr Galuth kein Galuth; Jissroél aber ißt nicht von seinem Brot und trinkt nicht von seinem Wein, sein Galuth ißt Galuth. Daher גלתה יהודה: Juda ging ins Galuth. – Mit diesen Worten haben die Weisen das Wesen des jüdischen Geschickes in seiner Eigenart gekennzeichnet.
In dem Augenblick, da unser Lebenswandel sich nicht im Zeichen des אם בחקתי תלכו vollendet, trifft unser Leben jener verhängnisvollen Vorwurf, den Gottes תוכחה mit den Worten bezeichnet: והלכתם עמי קרי „Ihr wandelt in Zufall mit mir“.
Denn damit ist, nach der tiefen Erklärung unseres großen Rabbiners זצ"ל nicht gesagt, daß wir dem Gottesgesetz den Gehorsam verweigern; הלכתם עמי „Ihr wandelt mit mir“, aber dieser Wandel mit Gott ist nicht eure erste und einzige Sorge, ihr überlasset ihn vielmehr den „Zufall“. Ihr seid nicht prinzipielle Gegner des Gottesgesetzes, aber dieser Gotteswille ist euch nicht erstes und letztes und höchstes Ziel, dem allen euren Unternehmungen sich zu unterordnen haben, bei jedem Schritt, den ihr ins Leben setzet, bei jedem Gedanken, den ihr erwäget, bei jeder Tat, zu der ihr euch entschließet. Der Gotteswille ist euch, wie die Weisen erklären, עשיתם את דיני עראי das „Zufällige“. –
Ach, wie viele solche „Zufalls“-Juden gibt es doch, die nichts dagegen haben, ja es sogar freudig begrüßen, wenn sie bei ihren geschäftlichen Unternehmungen auch dem Schabbos „zufällig“ Genüge leisten können, den aber der Schabbos nicht der Führer ist, den sie in jedem Augenblick befragen, der zu jedem Unternehmen vor allem seine Billigung erteilen muss, wenn es überhaupt erwogen werden soll! Wie viele, die nichts dagegen haben, es sogar freudig begrüßen, wenn sie auf Reisen oder in der Sommerfrische einwandfrei koscher leben können, wie viele Eltern, die, wenn es gilt, ihre Kinder zu verheiraten und sie der Frage nach Gesundheit und den Vermögensverhältnissen gewissenhafte Prüfung zugewandt haben, ganz erfreut sind, wenn „zufällig“ der oder die Betreffende auch ein guter Jude, auch eine gute Jüdin ist – die aber durch ein solches Verhalten beweisen, daß ihnen Gottes heiliger Wille nicht אם בחקתי תלכו der einzig mögliche Weg ist, der ihnen gegeben ist, daß ihnen vielmehr Besitz und Genuß die Wege weisen, denen sie mit der ganzen Sehnsucht ihres Herzens nachstreben, der Gottesweg der Thora aber והלכתם עמי קרי, das „Zufällige“ ist, das bescheiden zu warten hat, ob ihre selbstgewählten Wege zufällig auch zu ihm führen. –
Wandelt aber Jissroél mit Gott im Zufall, והלכתי אף אני עמכם בקרי dann wandelt auch Gott mit ihm in Zufall – und damit sein Geschick besiegelt. Denn Gott muß Jissroél „Sein Angesicht zu wenden“, muss Jissroél „auf Adlersflügeln tragen“, soll es nicht rettungslos verloren sein. Denn, wie unser Rabbiner זצ"ל so herrlich ausführt, während andere Völker der Erde die Bedingungen ihres Daseins in sich tragen, natürlichen, physischen Voraussetzungen die Erhaltung ihres Daseins verdanken, ist das jüdische Volk nicht das Produkt natürlicher Voraussetzungen, ihm fehlt jede materielle Unterlage, aus der sonst Volksleben erblüht; Jissroél ist in seiner weltgeschichtlichen Erscheinung ausschließlich Gottes Werk. Versagt sich Jissroél der Gottesführung, dann braucht Gott Jissroél nur seinen Schutz zu entziehen, braucht es nur dem „Zufall“ zu überlassen, und es geht inmitten einer ihm feindlich entgegenstehenden Welt rettungslos zu Grunde. –
Wir sind verloren, wenn Gott uns sein besonders Augenmerk, wenn Gott seine schützende Rechte uns entzieht; solange aber Gott uns führt, solange Er unser Hirte ist, ה' רועי לא אחסר solange mangelt uns nichts, und mag auch unser Lebensweg und durch Todesschatten führen, solange wir das Bewusstsein haben dürfen, daß Er uns führt, daß Sein Stab und Seine Stütze uns erhalten bleibt, ist uns inmitten alles Leidvollen, das das Leben anderer in tiefe Nacht hüllen werde, nur Gutes, nur Liebes beschieden – Dieses ergreifende Lebensleid (Ps. 23), ward das stolzen Lebenslied unseres Volkes, als es im tiefsten Gollusleid, inmitten aller Marter, die Völkerhaß und Rohheit ihm bereitete, die Schwäche und Ohnmacht von sich abschüttelte und sich zu heroischer Stärke erhob.
Dieses Wunder aber hatte der Sefira-Geist vollbracht, den unser Volk im tiefsten Leid wieder gefunden, jener Geist, der uns vom Peßach, das uns Freiheit und Selbständigkeit gebracht, Wochen und Tage zählen lässt bis zum Feste unserer Thora. Der Thora hat unser Sehnsucht zu gelten, sie hat uns das höchste Gut zu sein, von dem alle anderen Güter erst ihren Wert erhalten; sie figuriert nicht als zufällige Zahl unter anderen Zahlen scheinbarer Lebenswerte, denn alle anderen Werte erhalten erst durch sie ihren Wert. Diesen Sefira-Geist hatte unser Volk verloren, als auf heimatlichen Boden Flur und Acker ihm Segen und Reichtum zutrugen. Da war aber auch sein Schicksal besiegelt. – Aber erliegend unter der furchtbaren Gechickeslast, die Gottes „zufälliges Wandeln mit ihnen“ für es heraufbeschworen fand unser Volk die Kraft wieder, den Fluch zu überwinden, der ihm sein Lebensglück zerstört hatte: es erkannte, was es heißt והלכתם עמי קרי „in Zufall mit Gott zu wandeln“, und ergriff die Gottesrechte, die inmitten alles Golusleides sich ihm entgegenstreckte. ושמטתם ובך מנחלתך Hatte es doch, wie der Prophet unserer heutigen Haftara kündigt, aus traurigem Zusammenbruch jenes Gut sich hinausgerettet, das ihm stets köstliches Erbgut hätte sein sollen, und das ihm nunmehr zum Inbegriff alles Lebensreichtums wurde – Und da war ihm auch Gott wieder zum Lebenshirten geworden, und es durfte inmitten alles Jammers und aller Not sein stolzes Lebenslied anstimmen, das von dem unendlichen Glück singt, das unverlierbar seinem Leben beschieden ist, und es fand die heroische Kraft, מנשרים קלו ומאריות גברו leichter als Adler, stärker als Löwen“ allen Drohungen der Gewalt, allen Reizen der Verlockung zu trotzen und seine Treue gegen Gott und seine Thora auch mit martervollem Tod zu besiegeln.
Diesem Sefira-Geist zur Herrschaft im Leben des jüdischen Volkes zu verhelfen, ist die Aufgabe unseres Golus. Nicht eher schlägt uns die Stunde der Heimkehr, bis wir nicht gezeigt haben, daß wir die Ursachen überwunden haben, denen wir den Verlust unseres einstigen Glücks zuzuschreiben haben. Soll die heimatliche Erde und ihre Segensfülle nicht vergebens auf uns warten, dann müssen wir in Golus zeigen, ob wir gelernt haben, den Geist der Sefira zu verwirklichen.
Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER Belehrung und Mahnung dritter Teil Leviticus J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1935 S. 71-78
29-05-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Samson Raphael HIRSCH Commentar Gebete
Geuloh Erlösung
„Stoße in den großen Schofar zu unserer Freiheit, erhebe das Panier, unsere Vertriebenen zu sammeln, und sammle uns zusammen von den vier Seiten der Erde; gesegnet seist Du, Gott, der die Verstreuten seines Volkes Jissroél sammelt.“
תקע ist die גאולה-Bitte für die jüdische Gesamtheit, für welche im גלות kein חרות blüht, deren Erlösung nur mit der wiedervereinigender Sammlung aus der Zerstreuung beginnen wird, die keine äußere menschliche Veranstaltung auch nur vermittelnd herbeizuführen vermag, für welche wir vielmehr nur auf den sammelnden Posaunenruf Gottes zu warten haben. Wie die גאולה des Einzelnen (ראה בענינו) nur nach vorgängiger תשובה, דעת und סליחה zu erhoffen ist, so können wir auch die גאולה unserer Gesamtheit nur durch Wiedergewinnung der rechten Erkenntnis und Verzeihung und Vergebung verdiendenden Rückkehr zu Gottes Gesetz dienender Pflichttreue herbeiführen. Jede Meinung anderer, äußerer angeblich zu diesem Ziele führender Schritte ist verderblicher Wahn.
„Jissroéls Gebete übersetzt und erläutert“ S.138
Frankfurt a. M. Verlag von J. Kauffmann 1916
Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:
Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam
28-05-2019 om 09:33 geschreven door Naphtali HIRSCH
Rabbiner Dr. Mendel Hirsch Übersetzung u. Komm. Zephanjo 3,20
Kommentar zu Zephanjo 3,20
V.20…In jener Zeit bringe ich euch heim, und in der Zeit [wird es liegen] daß ich euch sammle! Denn ich gebe euch dahin zum Namen und zum Tatenlob unter alle Völker der Erde. Wenn ich eure Gefangenen zurückführe, wird euch das klar vor Augen sein, spricht Gott.
V.20 Dieser letzte Vers gibt dem Prophetenworte Zephanjas den ergänzenden und, wie wir meinen, in höchst bedeutsame Weise vollendenden Abschluß. Er spricht zunächst es aus daß בָעֵת „in der Zeit“ liegen werde die Heimbringung und in der Zeit liegen werde die Sammlung. Die letztere geht offenbar der ersteren voraus, oder sie vollziehen sich gleichzeitig. Doch das bleibt dahin gestellt. Der Hauptton liegt auf dem בָעֵת, auf dem deshalb auch in der Wiederholung ein trennender, und damit hervorhebender Accent steht. Es wird damit ausgesprochen, die Erlösung werde nicht rasch kommen, die ganze Zeitentwicklung arbeite an ihr und führe zur Erreichung dieses Zieles, an das ja auch die Erlösung der Menschheit geknüpft ist. Damit ist zugleich auf die Möglichkeit gewiesen, daß wenn die Zeiten sich erfüllt haben, d.h. Jissroél sich der Erlösung würdig gemacht haben werde, dieselbe scheinbar ganz natürlich, von den Zeitläufen selbst herbeigeführt, sich vollziehen werde. Wir haben nur an uns zu arbeiten. Und sollte auch die Zerstreuung selbst immer mehr zunehmen, so sollen wir stets eingedenk bleiben, daß eben diese Zerstreuung im Dienste dieses letzten, höchsten Heileszieles steht: denn ich gebe euch לְשֵם וְלִתְהִלָה unter alle Völker der Erde! – מַמְלֶכֶת כהֲנִים ein Reich von Priestern zu sein, so lautet die Bestimmung, die uns am Sinai wurde; was wir im Lande unserer Bestimmung und in der Selbständigkeit der Volkesstellung nicht erreichten, das haben wir in der Zerstreuung zu vollbringen, nämlich uns zu einem גוֹי קָדוֹש zu einem heiligen, d.i. kampflos Seinem Dienste bereiten Volke zu gestalten, so daß unser Gott sich, wie es wörtlich heißt, unserer Gefangenschaft, unseren Verbannten „wieder zuwenden“, „zu ihnen zurückkehren“ kann, wie wir zu Ihm zurückkehren. Alles andere sollen wir Gott anheimstellen. Und auch nicht in eschatologische Grübeleien verlieren, die doch nichts als unfruchtbare Spekulationen wären. Wir halten fest an der Verheißung. Das „Wie“ ihrer einstigen Verwirklichung überlassen wir Gott. Das ist, wie wir meinen der Sinn der Worte des Propheten: „Wenn ich euch Gefangenen zurückführe dann wird euch das klar vor Augen stehen“ – dann wird auch das ganze unmittelbar zuvor ausgesprochene menschheitspriesterliche Ziel der Hinaussendung des selbst noch der Erziehung bedürftigen Priestervolkes, also der ganzen Gottesplan und das Gotteswerk, die bis dahin in ihren Mitteln und Wegen euch und der übrigen Menschheit so unendlich viel des Rätselhaften boten, vor eure Augen in unverhüllter Klarheit offen liegen.
(Die zwölf Propheten übersetzt und erläutet von Dr. Mendel Hirsch, Direktor der Realschule der Synagogengemeinde Jisrael., Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main – Frankfurt a.M. Verlag von A.J. Hoffmann 1900: S. 366)
----Diese Vers wird täglich im Morgengebet gesprochen im Abschnitt „Du Gott, unser Gott“,
Siehe Übersetzung und Kommentar von Samson Raphael Hirsch „Komm. Gebete“ S.17 – demnächst auch in „Jeschurun – Judentum gegen Zionismus“.
27-05-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Psalm 37,22 und Sprüchlein für Wochenabschnitt Bechukaussai
כי מברכיו יירשו ארץ ומקלליו יכרתו:
„Denn die von Ihm Gesegneten erben die Erde, und die von Ihm mit Fluch Getroffenen werden entwurzelt“
Psalm 37,22 Übersetzung Samson Raphael HIRSCH.
Heil dem Frommen, der stets wandelt,
Guter Gott, in Deinen Wegen,
Der nach Deinen Lehren handelt,
Den begleiten Heil und Segen.
Weh‘ dem Sünder, der betört
Von dem Pfad der Tugend weichet,
Er wird schonungslos zerstört,
Wenn die Strafe ihn erreichet.
26-05-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Samson Raphael HIRSCH: Aus dem kommentar zur Wochenabschnitt BEHAR
Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt BEHAR
Kap.25, 1 Gott sprach zu Mausche auf dem Berge Sinai:
Kap.25 V 1 Es haben die letzten Sätze des vorigen Kapitels „Gott“ als Urborn alles „Rechts“ und die „Persönlichkeit“ Gottes als Fundament alles Rechts von Personen und von durch Menschenpersönlichkeit zu „Gütern“ erhobenen Sachen an die Spitze der Rechtsgesetzgebung gestellt. Daran schließt sich nun dieses Kapitel, indem er für den engeren Kreis des jüdischen Landrechts Gott als eigentlich einzigen, wirklichen Herrn und Eigentümer des jüdischen Landes, der jüdischen Menschen und Güter statuiert und von diesem einen Rechtsbegriff aus Boden-, Menschen- und Güterrecht entwickelt. שביעית , יובל , die גאולה-Institution bei Boden-, Häuser- und Personendienstlauf, sowie das רבית-Gesetz sind nichts als Konsequenzen aus dem einen Rechtsprinzipium der Hörigkeit an Gott, und Gottes, als des einzigen Urberechtigten. …
V.4 aber im siebten Jahre sei eine durch Werkeinstellung zu begehender Sabbat dem Lande, Gott ein Sabbat: dein Feld sollst du nicht besäen und deinen Weinberg nicht beschneiden,
V.4 שבת לד' Wiederholt wird es ausgesprochen, daß der Landessabbat ein Sabbat לד', zum Ausdruck der Gotteshuldigung bestimmt, und nicht etwa ein im Interesse des Landes angeordnetes Brachjahr ist. …שביעית, die Gotteshuldigung als Bodeneigentümers des jüdischen Landes, bedarf zu ihren Ausdruck nur der Unterstellung des Bodens unter Gottes Herrschaft. Vor dem Gedanken des eigentlichen Bodeneigentümers tritt sein Lebensträger, der Jude, mit Bestellung des Bodens und Einheimsung seiner Früchte für die Zwecke der Existenzsicherung zurück. Es genügt die allgemeine Einstellung der Aussaat und der Baumbeschneidung, sowie der einspeichernden Ernte aller etwa von selbst gewachsene Früchte, um für dieses Jahr keine Nahrungssicherung aus den Boden zu erzielen (siehe V.20), und damit dem Boden eines ganzen Landes das Gepräge der Herrenlosigkeit aufzudrücken und ein ganzes Jahr zu einer nationalen Bekenntnisthat zu gestalten, daß das jüdische Volk nicht Herr und Eigentümer des jüdischen Landes sei. …
V.5 an dem Nachwuchs deines Schnittes sollst du keinen Schnitt, und an den Trauben deines sich selbst überlassenen Weinstockes keine Lese halten; ein Jahr der Werkeinstellung soll dem Lande sein.
V.5…שביעית ist ebenso positiver Ausdruck der Gotteshuldigung, der Gottesherrschaft über den Boden des jüdischen Landes, wie ע"ז eine Leugnung der ausschließlichen Gottesherrschaft ist. Alles was der jüdische Boden im שביעית hervorbringt, ist ein Objekt, das die Idee der Gottesherrschaft trägt und dem Ausdruck und der Vergegenwärtigung dieses Gedankens heilig ist, sowie ע"ז ein Objekt ist, das den Gegensatz dieses Gedankens vergegenwärtigt. Beide, פירות שביעית und ע"ז, sind Bekenntnisobjekte in Beziehung zu der höchsten fundamentalen Wahrheit des jüdischen Bewusstseins, jenes der Huldigung, dieses der Leugnung der Gottesherrschaft, und scheiden sich damit scharf von allen übrigen Gesetzobjekten. …
V. 7 und deinem Vieh, sowie deinem Tiere, welches in deinem Lande sich befindet, sei all sein Ertrag zum Essen.
V.7 …Vergegenwärtigen wir uns die שביעית- Gesetze in ihrer Verwirklichung, so sind sie die großartigste, ein ganzes Jahr durchdauernde, auf Äckern und Feldern, in Gärten und Wiesen sich offen kund tuende, in jeder Frucht, jedem Grashalm sich aussprechende Bekenntnistat einer ganzen Nation, mit welcher sie ihren Nationalboden Gott als dessen eigentlichem Eigentümer und Herrn huldigend zu Füssen legt, sich selbst nur als גרים ותושבים, als geduldete Einwohner und Beisassen auf Gottes Boden begreift, und aller Hoheit und allen Besitzstolzes entkleidet zu den Ärmsten der Menschen und zu dem Tier auf dem Felde in Gleichheit und Gleichberechtigung vor Gott zurücktritt.
V.8 Und du zählst dir sieben Jahressabbate, sieben Jahre siebenmal; und die Tage der sieben Jahressabbate seinen dir neunundvierzig Jahre.
V.8 … Die Omerzählung ist die Zählung der Individuen, die Schemitah- und Jobelzählung ist die Zählung der Nation. Jene sucht, auf Grund siebenmaliger Sabbathuldigung Gottes als Schöpfers und Herrn, ein der Gesetzempfängnis würdig machendes siebenfältiges Emporarbeiten zur sittlichen Freiheit ( שבע שבתותund תשעה וארבעים יום). Diese sucht, auf Grund siebenmaliger Jahressabathuldigung Gottes als Herrn und Eigners des Nationalbodens, ein der staatlichen Jobelwiedergeburt würdig machendes siebenfältiges Emporarbeiten zur politischen innerer Freiheit ( שבע שבתות שניםund תשע וארבעים שנה – siehe V. 9 u. 10). Der Sinn unseres Verses wäre also: du zählst dir sieben Jahressabbate, und diese sieben Perioden sollen dir gleichzeitig nur eine Periode von neunundvierzig Jahren bilden.
V.10 Und ihr heiligt das fünfzigste Jahr, und ihr verkündet Freiheit im Lande allen seinen Bewohnern. Ein Heimbringer ist es und ein solcher soll es euch sein und ihr kehret zurück jeder zu seinem Grundbesitze und jeder kehrt ihr zu seine Familie zurück.
V.10 … Wie die כפרה des יום הכפורים eines jeden Jahres die sittliche Wiedergeburt des Individuums mit allen deren heilenden und wiederherstellenden Wirkungen für das innere und äußere Leben des einzelnen als Allmachtsgeschenk der göttlichen Wundergnade bringen soll, und diese Gnadenspende des Regenerierungstages die dem entsprechenden Tagespflichten von ענוי und איסור מלאכה erzeugt und durch deren Erfüllung bedingt ist: so soll der יום הכפורים des Jobeljahres zugleich eine soziale und politische Wiedergeburt der Nation mit all deren heilenden und wiederherstellenden Wirkungen für die inneren und äußeren Bedingungen der Nation als Allmachtgeschenk der göttlichen Wundergnade bringen. …
V.14 Und wenn ihr nun einen Verkauf an den Nächsten vollzieht, oder sonst etwas erwerbet aus der Hand des Nächsten, sollt ihr einem dem andern nicht zu nahe tun.
V. 14 … Wenn jedoch nach jüdischem Rechte ein Geschäft mit Worte allein nicht perfekt wird, und so lange nicht einer der bezeichneten קנין- Akten geschehen, juridisch der Rücktritt möglich ist, so wird doch, selbst wenn ein Geschäft bloß mit Worten abgeschlossen worden ein Rücktritt als tadelnswerter Vertrauensbruch erklärt, דברים יש בהם משום מחוסרי אמונה ואין רוח חכמים נוחה הימנו, und wenn zu dem Worte bereits eine Geldzahlung hinzugekommen, oder die Ware vom Käufer gezeichnet worden, wenngleich damit der Eigentumswechsel noch nicht vollzogen und juridisch ein Rücktritt möglich wäre, so würde auf eine Klage beim jüdischen Gericht dieses vor dem Wortbruch mit dem ernsten Ausspruch zu warnen haben: מי שפרע מאנשי דור המבול ומאנשי דור הפלגה ומאנשי סדום ועמורה וממצרים שטבעו בים הוא יפרע ממי שאינו עומד בדבורו d.i. „ der das Geschlecht der Sündflut, das Geschlecht des Turmbaus, die Männer von Sodom und Amora und die Ägypter, die im Meere ihren Untergang fanden, mit seiner Strafe traf, der wird mit seinen Strafen treffen, der sein Wort nicht hält“ (Baba Mezia 48a u. 49a). Dieses sich der göttlichen Strafe Unterziehen wird mit dem Ausdruck: מקבל מי שפרע bezeichnet.
Wir bemerken, daß das jüdische Gesetz an vielen Stellen für den Verkehr des Menschen mit Menschen scharf scheidet zwischen der juridischen Befugnis und dem sittlich Gebilligten. Es gibt gar manches, das nach dem objektiven Recht der gerichtlichen Ausspruch zulassen muss, was gleichwohl vom Standpunkt höherer sittlicher Anforderung missbilligt wird, אין רוח חכמים נוחה הימנו.
V.18 Erfüllet meine Gesetze und meine Rechtsordnung hütet und erfüllet sie, so werdet ihr vom Lande sorgenfrei getragen wohnen.
V.19 Das Land wird seine Frucht geben, ihr werdet zur Sättigung essen, und werdet sorgenfrei von ihm getragen wohnen.
VV. 18 u. 19 Der vorangehende Vers hatte die unmittelbare Konsequenz aus dem durch Schemita- und Jobelinstiution als Basis des Verkehrslebens gepflegten Gedanken der Gotthörigkeit des Landes für das Leben des Menschen mit Menschen ausgesprochen. In diesen Versen wird der Gedanke für das Ganze Einzel – und Volksleben fruchtbar gemacht, Gottes Wort kennt nur eine Gotteshuldigung, und das ist die treue Erfüllung seines Willens. Und so ist denn auch sein Land nur um einen einzigen Preis unser, und das ist die treue Erfüllung seines Gesetzes. Zollen wir diesen Tribut, so haben wir alles getan, um uns und das Land und uns im Lande zu erhalten. Erkenntnis und Erfüllung dieses Gesetzes ist unser Wall und unsere Mauer, unsere Wissenschaft und Kunst, unsere Staatsweisheit und unsere Volkswirtschaftslehre. Alles, was andere Nationen auf tausend andere Wegen vergebens anstreben, politische Sicherheit nach außen, Blüte und Wohlfahrt im Innern, schaffen wir uns einfach und sicher durch Erfüllung dieses Gesetzes. Sein Gesetzgeber, der Herr unseres Landes, ist zugleich Gebieter über die Geschicke der Völker und über die Entwicklung der Natur; wie unser Land, sind die Gänge der Geschicke und der Natur „sein“, und die Verteidigung und die Blüte unseres Landes hat „Er“ übernommen, so wir seine „Gesetze“ und seine „Rechtsordnungen“ „wahren und erfüllen“, wahren: durch stets Lernen und Schützen vor Verirrungen, erfüllen: durch Verwirklichung im ganzen Einzel-, Familien-, und Volksleben (Siehe zu Kap. 18,5 חקים sind die sittliche Umschränkungen unseres Einzel- und Familienlebens, משפטים die Rechtsordnungen unseres sozialen Verhaltens; jene sind die Vorbedingungen von diesen, beide sind das Ziel, für welches uns Gott „sein“ Land gegeben.)
24-05-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt BEHAR
הפטרת פרשת בהר
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Behar
Jeremias, Kap. 32, Vers 6 und folgende
Der erste Satz der Sidra enthält (Kap. 25, 2) die Erinnerung, daß Gott, der Jissroél das Land verliehen, dessen ewiger Eigner und Herr bleibe, eine Wahrheit, der durch die Bekenntnistat der Sabbathrast eines ganzes Jahres auf Feld und Flur im jüdischen Lande in jedem siebenten Jahre und durch die Rückkehr der Güter im fünfzigsten; dem Jobeljahre, die lauteste, in alle Verhältnisse des bürgerlichen Lebens tief eingreifende Huldigung gezollt werden sollte. Nachdem dieselbe Huldigung Gottes, als des eigentlichen Herrn auch in allen beweglichen Güter des Juden, durch das ebenso tief eingreifende Zinsverbot im inneren Verkehr gefordert worden und die gewissenhafteste gottesfürchtige Gerechtigkeit im Menschenverkehr, ausdrücklich auch den götzendienenden Heiden gegenüber (das. 25,47) als heiligster unantastbarer Grundpfeiler des jüdischen Staatslebens verkündet worden war, war sodann im letzten Sidraverse auf die große moralische Verantwortlichkeit hingewiesen worden, die Jissroél trage als Hüter es in seiner Mitte sich erhebenden Gottesheiligtums. Ein den Sabbathgedanken und die Heiligtumslehre in Gesinnung und Tat verleugnendes Leben wäre Tötung des belehrenden und erziehenden Einflusses des einen wie des anderen in Jissroél und in der Menschheit.
Einen erschütternden Gegensatz zu dieser Bestimmung zeigt das Bild, das von der Haftora uns dargereicht wird. Es ist ein Einblick in Jerusalems letzte Tage. Die Chaldäer vor den Thoren, zum letzten Sturm alles bereitet. Denn erfolglos geblieben waren alle Mahnungen zur Rückkehr, an den Tag legte, zur Verwirklichung des Gesetzes. Deshalb und nur deshalb nahte das längst für diesen Fall als Gottesverhängnis verkündete Geschick seiner Verwirklichung. Gottes Werkzeuge, Vollstrecker seines Willens waren die draußen lagernden Feinde. Nur Friede mit Gott, nicht aber der Kampf mit dem Feinde konnte noch Rettung bringen. Den einzigen Kühnen, den Gottespropheten, der es wagte, diese Wahrheit dem verblendeten jüdischen Könige Zidkijahu und dem Volke auszusprechen, hatte der jüdische König – ins Gefängnis werfen lassen. Im Gefängnisse erging das Wort Gottes an ihn, das seinen Blick und den Blick des Volkes über die unmittelbar bevorstehenden trüben Zeiten auf eine bessere Zukunft lenken sollte, in der Jissroél zu seinem Gotte zurückgekehrt und damit sich und seinem Lande wiedergegeben sein werde. Zu diesem Behufe sollte er einen Kauf abschließen, einen Acker erwerben, der in der Gegenwart absolut wertlos war, dessen Erwerb deshalb die feste Überzeugung an den Tag legte, die bevorstehende Verödung des Landes werde nur eine vorübergehende sein.
Die Erzählung zeigt ferner, daß die Gesetzgebung über den Immobiliarbesitz, so wenig sie je ihre volle Verwirklichung gefunden hat, doch mehr in das Leben eingedrungen war, als nach den spärlichen Nachrichten der politischen Geschichte sich vermuten ließe. Die V.10 f. angegebenen Förmlichkeiten bei der Abfassung des Kaufbriefes und die Modalitäten der Besitzübertragung dienen im Talmud Baba Bathra zum Anhaltspunkte und Belege für die betreffenden juridischen Bestimmungen. (Siehe das. 160 f.)
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 230 -234 Kommentar zu Jeremias Kap 32 V.6…)
23-05-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Behar
… Wer Gott das Erste und Beste von allem, was die Erde ihm zureift, weiht, ist bereit מברך בתורה תחלה zu sein, bekennt daß es Gott ist, dem er alles, was ihm wird, verdankt, daß er von Gott nur empfängt, um damit Gott und seinem heiligen Willen zu dienen. Wer aber von diesem Bewusstsein erfüllt ist, wird nimmer die große, ernste Mahnung vergessen, mit der Mosche sein Volk ins heilige Land geleitet (Deut.8): daß Gott sein Volk alle Wunder der Wüstenwanderung nur erleben ließ, damit es für immer beherzige, daß, wie das Manna als unmittelbare Spende göttlicher Fürsorge ihnen zuteil wurde, auch das fortan mühsam erkämpfte Brot nicht weniger von Gottes Hand ihnen gereicht wird, Gott mit dem Brot ihrer leiblichen Lebensfristung ihnen aber auch das Brot ihrer Seele reicht, reichen muss, weil לא על הלחם לבדו יחיה האדם כי על כל מוצא פי ה' יחיה האדם „nicht auf dem Brot allein der Mensch lebt, sondern auf allem, was Gottes Mund entfährt, sein Leben sich gründe“ und ihr Leben elend verkümmern müsste, wenn nicht die Nahrung ihrer Seele Gegenstand ihrer vornehmlichsten Sorge wäre.
Aus Gottes Hand empfängt der Jude das tägliche Brot seiner leiblichen Nahrung, diesem Bewußtsein gilt sein tägliches Hallel. Dies dürfte auch der Sinn jener Weisheitsworte sein: כל האומר הלל בכל יום ה"ז מחרף ומגדף (שבת קי"ח) „Wer täglich Hallel spricht, der lästert Gott“; andererseits כל האומר תהלה לדוד בכל יום ג' פעמים מובטח לו שהוא בן העוה"ב וכו' משום דאית ביה פותח את ידך (ברכות ד') „Wer die Tehilla Davids dreimal täglich spricht, darf künftiger Seeligkeit sicher sein; enthält sie ja den Vers: Du öffnest deine Hand und sättigst allem Lebendigen das Verlangen“. – Das Hallel, das von Gottes Wundertaten spricht, die unsere Volksgeschichte begründet und begleitet haben – täglich gesprochen, erweckt es den Verdacht, als ob Gott nur in der außerordentlichen Offenbarung seiner Wundergröße von uns erkannt werde. Wer aber König Davids Tehilla dreimal täglich spricht, die uns aufruft, auch in unserer täglichen Nahrung das unmittelbare Gnadengeschenk göttlicher Fürsorge zu erblicken und, von diesem Bewusstsein erfüllt, unser Leben vor Gottes Augen zu vollenden, dessen Leben vor Gottes Augen zu vollenden, dessen Leben gestaltet sich zu dem Hallel, nach dem Gott sich sehnt, der hat den Forderungen des Lebens entsprochen.
Mit dem Gelöbnis מברך בתורה תחלה zu sein, sollte das jüdische Volk sein heiliges Land betreten; der ewigen Erneuerung dieses Gelöbnisses galt die jährliche Bikurimkundgebung. Sie erfolgte erst, nachdem das Land mit dem Schwert erobert und in Besitz genommen war. Von dem Augenblick an hatten die Söhne des jüdischen Volkes jährlich mit de, erstgereiften Früchten, die ihr Land ihnen zureifte, vor Gott hinzutreten und damit zu bekennen:הגדתי היום כ' באתי אל הארץ „Heute sind wir in das Land gekommen!“ Und mochten sie schon seit Jahrhunderten eingessene Bewohner ihres Landes sein – heute sind sie ins Land gekommen, stets aufs neue empfangen sie Land und Besitz aus Gottes Hand, und nur das Gelöbnis מברך בתורה תחלה zu sein; das sie mit der Weihe des Ersten und Besten vor Gott erneuern, macht sie würdig, den Fuß in Gottes Land zu setzen – : עשה מצוה האמורה בענין שבשכרה תכנס לארץ mahnen die Weisen, diese Mitswa gilt es zu erfüllen, denn stets aufs neue kommst du in das Land! Sprich dieses Bekenntnis כי באתי אל הארץ, mit dem du bekundest שאינך כפוי טובה daß du nicht undankbar, daß du dauernd dir bewusst bist, alles was du besitzest von Gottes Hand zu empfangen.
Und in dem Augenblick, da die Bikurimträger die Heiligtumshalle betraten, stimmte der Levitenchor den Psalm an: ארוממך ה' כי דליתני. – Das Wort דליתני von דלה schöpfen, wovon דלי der Eimer (verwandt mit schweben), nach der sinnigen Erklärung unseres Rabbiners זצ"ל: etwas aus der Tiefe emporheben und über der Tiefe schwebend erhalten; das Geschöpfte hat seinen Halt in der Höhe, ohne den es wieder in die Tiefe stürzen würde – dieses eine Wort drückt die ganze Eigenart der Geschickesstellung des jüdischen Volkes aus, das im Gegensatz zu anderen Völkern, die ihren Halt auf Erden finden, seinen einzigen Halt in der Höhe, in Gott zu suchen hat, ohne dessen dauernde Fürsorge es rettungslos wieder in die Tiefe stürzen würde. – Gibt es einen Psalm, der geeigneter wäre, dem Bewusstsein jubelnden Ausdruck zu verleihen, mit dem die Bikkurimträger sich zu erfüllen hatten in dem Augenblick, da sie vor Gott bekannten: heute sind wir ins Land gekommen, von Gottes Hand empfangen wir dauernd unser Besitz – Das aber heißt mit anderen Worten: „Erheben will ich dich Gott, denn Du allein hebst über die Tiefe mich empor!“
Der Pflege der Gesinnung, mit der die Bikkurimveranstaltung jeden Sohn des jüdischen Volkes erfüllen wollte, galten auch vor allem jene großen Sabbate, jedes siebte und fünfzigste Jahr, mit deren Schilderung unsere Sidra beginnt. Mit Schemitta und Jobel forderte Gott die Proklamation seiner Herrschaft über sein Land: כי לי הארץ כי גרים ותושבים אתם עמדי „Mein Land ist das Land, Fremde und Beisassen seid ihr bei mir!“
Unmittelbar nach diesen großen Gesetzen folgen die gewaltigen Forderungen, mit denen Gott das soziale Leben seines Volkes im Zeichen der Gerechtigkeit und Ehrlichkeit, der Liebe und gegenseitiger Hilfsbereitschaft aufbaut. Beide Kapitel gehören innig und unlöslich zusammen: denn nur solange in Gottes Volk das Bewusstsein lebt, Gottes ist alles, was ihm eignet, wird auch sein Herz empfänglich bleiben für Gerechtigkeit und Liebe.
Wehe über den Missgünstigen, rufen daher die Weisen mit dem Mischlesatz aus, der diese Erde und ihre Güter in verbrecherischem Egoismus an sich reißt, er häuft Reichtum, der nicht ihm gehört, und er ahnt nicht, daß im selben Augenblick „Mangel über ihn kommt“, Gott ihm das Recht nimmt, Seine Erde zu bewohnen; Seine Erde zu bezwingen. – Das hatte Kajin nicht bedacht, als er in frevelnder Selbstsucht die Ernte der Erde für sich einheimsen und Gott nur mit dem Abhub abfertigen zu können wähnte – denn da ihn solche Gesinnung erfüllte, war sein Besitzhunger maßlos, er zum Mörder seines Bruders und verlor den Anspruch auf Gottes Erde. –
Vor solchem Fluch will Gott sein Volk für immer bewahren: Gottes Gesetz vom Sinai allein vermag es וידבר ה' אל משה בהר סיני לאמר.
Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER Belehrung und Mahnung dritter Teil Leviticus J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1935 S. 65-70
22-05-2019 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH
Samson Raphael HIRSCH: Kommentar zur Gebet „Leaulom“
לְעוֹלָם יְהֵא אָדָם יְרֵא שָׁמַיִם בַּסֵּתֶר
וּמוֹדֶה עַל הָאֱמֶת וְדוֹבֵר אֱמֶת בִּלְבָבוֹ וְיַשְׁכֵּם וְיֹאמַר:
לעולם Das folgende mit רבון beginnende jüdische Nationalbekenntnis stammt aus Zeiten der Verfolgung, in welchen ein öffentliches Bekenntnis der jüdischen Wahrheit Gefahr bringend war. Daher diese Einleitung, daß, was auch nicht öffentlich bekannt werden dürfte, doch jederzeit geheim und im Herzen bewahrt und vor Gott zum Ausspruch gebracht werden solle, daher auch am Schlusse der Ausblick auf die Zeit, in welcher Gott מקדש שמו ברבים die öffentliche Heiligung seines Namens gestattet sein werde. Die Zeit, aus welche dieses Bekenntnis stammt, läßt es um so bedeutsamer erscheinen. Während die Völker in dem ganzen Glanze ihrer Macht, ihrer Weisheit, Wissenschaft, politische Klugheit und welthistorischen Thatengröße triumphierten und es die ganze Macht ihrer Verachtung, Unterdrückung und Verfolgung fühlen ließen, hat die Erfahrung und der Einblick, den Jissroeil auf seiner Wanderschaft durch die Jahrhunderte und Geschicke der Völker geschöpft, ihm das Auge für die Erkenntnis der Hohlheit und Nichtigkeit all dieser Scheingröße geöffnet und es trotz des äußern Jammers seiner Geschicke die ganze Seligkeit seines Berufes würdigen gelehrt, wie vieles Herbe auch die treue Erfüllung dieses seines Berufes in seinem Gefolge haben mußte.
Zu dem Gebieter aller Zeiten tritt es daher hin und spricht es aus:: Wir haben die Nichtigkeit alles dessen kennengelernt, was der Mensch nur aus sich schöpft. Leben, Liebe, Hülfe, Kraft und Stärke, die wir etwa aus uns schöpfen und durch uns gewinnen möchten, sind bedeutungslos, und selbst das etwa aus unsere Pflichttreue zu schöpfende Verdienst ist völlig unzulänglich um daraus Stütze und Hoffnung für unsere Zukunft zu gründen, und nur das gränzenlose, unverlierbare göttliche Erbarmen ist es, zu dem wir jetzt und immerdar mit unseren Anliegen uns zu stützen vermögen. Und nicht nur wir in unsere weltgeschichtliche Schwäche und der Macht- du Hülflosigkeit unserer zurückgewiesenen Stellung in Mitte der Völker. Wir sind an der Wiege und am Grabe aller völkergeschichtlichen Staaten und Größen gestanden, haben in ihr Werden, Sein und Vergehen hineingeschaut und wissen, wie eitel alles Heldentum ist, allesGerühmte spurlos vergeht, alle Weisheit sich al Unwissenheit, alle Politik sich als verstandlos erweist, weil die Menge ihrer Tahten den vorgeblichen menschenheitbauenden Zweck nimmer erreichendes Unding bleibt, ihre Lebenstage vor Gott wie inhaltsleerer Traum erscheinen und die Menschen tiergleicher Vergänglichkeit verfallen, so lange all ihr Wollen und Vollbringen in Selbstsucht und Sinnlosigkeit nur vergänglichen Zielen geweiht ist; Wir aber, so wenig Anteil wir an dem Heldentum und dem Glanze der gerühmten Scheingrößen haben, und uns keiner in irdischer Hoheit geadelter und gefürsteter Abstammung zu rühmen vermögen, und so sehr uns die Kleinen und Großen der Erde von ihrer Bundesfreundlichkeit ausschließen, wir finden vollen Ersatz in dem Bewußtsein, Gottes Volk und Söhne Seines Bündes zu sein, Söhne eines Abrahams, den Gott gewürdigt hat seinen Freund zu nennen und ihm eine sein und seiner Nachkommen und der Gesammtmenschheit Heil umfassende Verheißung zuzuschwören, Nachkommen eines Jitschaks, der uns mit dem höchsten Ideal opferfreudiger Hingebung an Gott voranleuchtet, Gemeinde Jakobs, den Gott seinen Sohn, seinen Erstgeborenen in der Reihe der zu Gott zurückkehrenden Menschheit (2. B.M. 4,22) genannt, und ihn in Liebe und Freude die Namen Jissroeil und Jeschurun verliehen hat, „Jissroeil“ nach seinem die Gottesherrschaft verkündenden Gange durch die Geschichte, „Jeschurun“ nach seinem Berufe der Vollbringung des ihm geoffenbarten göttlichen Willens, der Vollbringung dessen zu Leben, das הישר בעיני ד' „was das Recht ist in den Augen Gottes“ des einzig Einen (5 B.M. 12,25 13, 19). Dieses unser ewiges, von den Vätern überkommenes Erbteil, dessen wir täglich früh und spät, mit dem שמע -Bekenntnisse in ewig erneuter Hingebung bewußt werden, erfüllt uns bei allem weltgeschichtlichen Jammer mit höchster Glückseligkeit, für die wir Gott nicht genug zu danken vermögen. Und wie immer fügen wir dem lautgesprochenen שמע-Bekenntnisse in ב'ש'כ'מ'ל'ו'. leise den Hinblick auf die, wenngleich uns verhüllte, doch mit Zuversicht zu erwartende Zukunft hinzu, in welches der Namen des Gottesreiches seiner volle Verherrlichung auf Erden gefunden haben wird, und leben ebenso der Überzeugung, daß auch auf unseren vorbereitenden Gängen zu seinem herrlichen Ziel uns Gott noch Zeiten erleben lassen werde, in welchen wir mit unsrem Bekenntnis nicht in das Geheimnis der Zurückgezogenheit und das Verborgene unseres Innern uns zu flüchten brauchen, sondern es gestattet sein werde לקדש שמו ברבים unserm Bekenntnis in voller Öffentlichkeit zu huldigen, eine Überzeugung, deren Verwirklichung ja gottlob bereits der Lauf der Jahrhunderte uns gebracht. –
„Jisraels Gebete übersetzt und erläutert“ von S.R. HIRSCH zweite Auflage Frankfurt Main 1906 S; 12-16
21-05-2019 om 19:34 geschreven door Naphtali HIRSCH
Wir beten für die Auflösung der zionistischen Entität
Uw nederige dienaar
© Sine Van Menxel
Solidarität mit antizionistische Widerstandskämpferin Ahed TAMIMI
Zionistische Streitkräfte und Siedler: Teile eines selben Ganzes!
Be hopeful but be prepared for the worst. Welcome to the post-Gaza world.
Palestine Liberation is Inseparable from the Fight against the Arab Regimes
http://www.truetorahjews.org/guardian

References: § 161
 §165
 § 166
 § 168
 § 169
 §171
 §177