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Timestamp: 2017-08-19 22:15:18+00:00

Document:
Schlag­worte: Herausgabepflicht: Aufzeichnungen
Akten­zeichen: 12 Sa 30/07
Ent­scheid­ungs­datum: 27.05.2008
Her­aus­ga­be­pflicht von Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen an Kraft­fah­rer zur Durch­set­zung ei­ner Kla­ge auf Vergütung von Mehr­ar­beit
§ 16 Abs. 2 Arb­ZG ist für den Zeit­raum vom 24. März 2005 bis zum 31. Au­gust 2006 richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen, weil die Um­set­zungs­frist der Richt­li­nie 2002/15/EG mit dem 23. März 2005 ab­ge­lau­fen war.
§ 16 Abs. 2 Arb­ZG ist bis zur Um­set­zung der Richt­li­nie 2002/15/EG durch In­kraft­tre­ten des § 21 a Arb­ZG am 01. Sep­tem­ber 2006 so aus­zu­le­gen, dass Ar­beit­neh­mer, die Fahrtätig­kei­ten im Be­reich des Straßent­rans­ports ausüben, ge­gen ih­ren Ar­beit­ge­ber ei­nen An­spruch auf Her­aus­ga­be der schrift­li­chen Auf­zeich­nun­gen ha­ben, wel­che der Ar­beit­ge­ber bei Über­schrei­tung der werktägli­chen Ar­beits­zeit von 8 St­un­den er­stel­len und auf­be­wah­ren muss
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Kassel
Urt. v. 27.05.2008, Az.: 12 Sa 30/07
Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kas­sel vom 03. No­vem­ber 2006, Az.: 2 Ca 101/06, wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Der Kläger ver­folgt im We­ge der Stu­fen­kla­ge ei­nen An­spruch auf Vergütung von Mehr­ar­beit. Um sei­nen An­spruch be­zif­fern zu können, be­gehrt er zunächst die Her­aus­ga­be von schrift­li­chen Auf­zeich­nun­gen über die von ihm ge­leis­te­te Ar­beits­zeit, hilfs­wei­se ent­spre­chen­de Auskünf­te.
Die Be­klag­te be­treibt ein Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­men. Der Kläger ar­bei­te­te bei ihr seit dem 1.04.1998 auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom sel­ben Ta­ge als Kraft­fah­rer. Er er­hielt zu­letzt ei­nen mo­nat­li­chen Ge­samt­ver­dienst in Höhe von € 1.917,35 brut­to, zu­sam­men­ge­setzt aus Grund­vergütung und leis­tungs­abhängi­ger Zu­la­ge in gleich­blei­ben­der Höhe. Für die im Ar­beits­ver­trag ge­trof­fe­nen Ab­spra­chen wird auf die Ko­pie des Ar­beits­ver­tra­ges Be­zug ge­nom­men (Bl. 5 d. A.). Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te am 31.3. 2007.
Der Kläger hat be­haup­tet, in der Zeit vom 1.01.2004 bis zum 31.08.2006 wöchent­lich mehr als 48 St­un­den ge­ar­bei­tet zu ha­ben. Da­mit er sei­ne dar­aus er­wach­sen­den Ansprüche auf Be­zah­lung von Mehr­ar­beit be­zif­fern könne, hat er die Be­klag­te er­folg­los auf­ge­for­dert, die von ihm ge­fer­tig­ten Wo­chen­be­rich­te über sei­ne Ar­beits­zeit vor­zu­le­gen. We­gen des wei­te­ren un­strei­ti­gen Sach­ver­halts, des Vor­brin­gens bei­der Par­tei­en und der ge­stell­ten Anträge in ers­ter In­stanz wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf den Tat­be­stand des ar­beits­ge­richt­li­chen Teil-Ur­teils (Bl. 60 - 64 d.A.) Be­zug ge­nom­men. Das Ar­beits­ge­richt Kas­sel (hat mit Teil-Ur­teil vom 3.11. 2006 (2 Ca 101/06) den An­trag auf Her­aus­ga­be der Ar­beits­auf­zeich­nun­gen (1. Stu­fe) ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, dass für den strei­ti­gen Zeit­raum ein Recht auf Her­aus­ga­be der Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen we­der aus Art. 9 b) Satz 3 der Richt­li­nie 2002/15/EG noch un­mit­tel­bar aus § 16 Abs. 2 Arb­ZG , der Teil des öffent­lich-recht­li­chen Ar­beits­schut­zes sei und kei­ne Wir­kung zwi­schen den Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges ent­fal­te, ab­ge­lei­tet wer­den könne. Für den Zeit­raum bis zum 23.03.2005 sei auch ei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 16 Abs.- 2 Arb­ZG nicht ge­bo­ten. Die ent­spre­chen­de Pflicht der na­tio­na­len Ge­rich­te be­ste­he erst nach die­sem Da­tum mit Ab­lauf der Um­set­zungs­frist der Richt­li­nie in na­tio­na­les Recht. Die richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 16 Abs. 2 Arb­ZG führe zwar da­zu, ei­nen An­spruch des Klägers für über den in § 3 Arb­ZG ge­re­gel­ten Ar­beits­zeit­um­fang hin­aus ge­leis­te­te Ar­beits­zeit dem Grun­de nach zu be­ja­hen, er schei­te­re im Er­geb­nis je­doch dar­an, dass der Kläger nicht ha­be dar­le­gen können, für wel­che Zeiträume Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen für über acht St­un­den täglich hin­aus ge­leis­te­te Ar­beits­zeit exis­tie­ren müss­ten. Er hätte da­zu dar­le­gen müssen, an wel­chen Ta­gen er so­viel ge­ar­bei­tet hat, dass sei­ne über § 3 Satz 1 Arb­ZG hin­aus­ge­hen­de Ar­beits­zeit hätte auf­ge­zeich­net wer­den müssen. Dies sei er­for­der­lich ge­we­sen, weil § 16 Abs. 2 Arb­ZG seit dem 24.03.2005 so zu ver­ste­hen sei, dass ei­ne Ver­pflich­tung zur Aushändi­gung von Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen für sol­che Ar­beits­zei­ten be­ste­he, die nach Über­schrei­tung der Ar­beits­zeit nach § 3 Satz 1 Arb­ZG er­bracht wer­den muss­te. Ei­ne ge­ne­rel­le Ver­pflich­tung zur Her­aus­ga­be sämt­li­cher Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen sei auch nach richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung des § 16 Abs. 2 Arb­ZG nicht ge­ge­ben. Ei­ne sol­che Aus­le­gung ver­bie­te schon der Wort­laut der Vor­schrift. Der Her­aus­ga­be­an­spruch fol­ge schließlich auch we­der aus § 19 Abs. 1 BDSG noch aus dem Grund­satz von Treu und Glau­ben ( § 242 BGB ).
Die von dem Kläger ge­gen das ihm am 5.12.2006 zu­ge­stell­te Teil-Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ein­ge­leg­te Be­ru­fung ist am Mon­tag, den 8.01.2007, die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift ist nach recht­zei­tig be­an­trag­ter Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 5.03.2007 am 5.03.2007 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen. Gleich­zei­tig mit der Be­ru­fungs­schrift hat der Kläger die Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand we­gen der Versäum­ung der Be­ru­fungs­frist be­an­tragt.
Der Kläger be­haup­tet zunächst zum Wie­der­ein­set­zungs­an­trag, die Be­ru­fungs­schrift sei am 5.1.2007 ge­fer­tigt und von der Rechts­an­walts- und No­tar­an­ge­stell­ten A an das HLAG ge­faxt wor­den. Der Sen­de­be­richt ha­be mit dem Ver­merk „Er­geb­nis ok“ ge­en­det. Am 8.1.2007 ha­be das An­waltsbüro die Mit­tei­lung vom Ar­beits­ge­richt Frank­furt er­hal­ten, die Sen­dung sei am 5.1.2007 um 14.44 Uhr als Leer­sei­te ein­ge­gan­gen. In der Sa­che selbst ver­tieft und er­wei­tert der Kläger sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Er ist der An­sicht, dass sich ein An­spruch auf Her­aus­ga­be sämt­li­cher
Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen schon aus dem Ar­beits­ver­trag, und zwar aus der Aus­ge­stal­tung der Vergütungs­re­ge­lung in § 3 Ar­beits­ver­trag er­ge­be. Die Auf­tei­lung des Ar­beits­ent­gelts als Ge­gen­leis­tung für die ge­leis­te­te Ar­beit und ei­ne über­ta­rif­li­che Zu­la­ge für sons­ti­ge Zei­ten (Pau­sen u.ä.) set­ze vor­aus, dass die je­wei­li­gen Zei­ten sämt­lich er­fasst und in der Ab­rech­nung ent­spre­chend aus­ge­wie­sen wer­den. Das führe in der Kon­se­quenz auch zu ei­nem Her­aus­ga­be­an­spruch sämt­li­cher Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen. Der An­spruch fol­ge auch aus der Erklärung des Geschäftsführers in der Güte­ver­hand­lung, dass sich die Ar­beits­zei­ten und ein­zu­hal­ten­den Pau­sen aus EU-Recht ergäben. Dar­in sei auch die Zu­sa­ge ent­hal­ten, dass die Be­klag­te sich zur Führung und Her­aus­ga­be von Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen nach der EU-Richt­li­nie 2002/15/EU ver­pflich­tet ha­be. Letzt­end­lich be­ste­he ein ver­trag­li­cher An­spruch auf Her­aus­ga­be der Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen auch als ar­beits­ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht un­ter dem As­pekt der Fürsor­ge­pflicht. Da­ne­ben ist er wei­ter­hin der An­sicht, dass im We­ge der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung des § 16 Abs. 2 Arb­ZG seit dem 24.3.2005 ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Er­fas­sung sämt­li­cher Ar­beits­zei­ten und zur Her­aus­ga­be der Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen für die ge­sam­te Ar­beits­zeit be­ste­he.
un­ter Abände­rung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm für die Zeit ab dem 1.01.2004 bis zum 31.08.2006 schrift­li­che Auf­zeich­nun­gen über sei­ne Ar­beits­zei­ten in Ko­pie aus­zuhändi­gen
hilfs­wei­se, ihm Aus­kunft über sei­ne Ar­beits­zei­ten in der Zeit vom 1.01.2004 bis zum 31.08.2006 zu er­tei­len.
Die Be­klag­te hält die Be­ru­fung be­reits für un­zulässig, weil der Kläger die Ein­hal­tung der Be­ru­fungs­frist schuld­haft versäumt ha­be. An­ge­sichts der im­mer wie­der auf­tre­ten­den Pro­ble­me bei der Ver­sen­dung von Fa­xen hätte er sich nicht auf das Er­geb­nis des Sen­de­pro­to­kolls ver­las­sen dürfen, son­dern sich beim Rechts­mit­tel­ge­richt nach dem Ein­gang der Be­ru­fungs­schrift er­kun­di­gen müssen. Das gel­te um­so mehr, als aus dem Sen­de­be­richt nicht er­kenn­bar sei, ob und mit wel­chem In­halt et­was über­mit­telt wur­de. Auch be­strei­tet er, dass die Mit­ar­bei­te­rin des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten für die Über­sen­dung von Fa­xen hin­rei­chend ge­schult und zu­verlässig sei. Ei­ne hin­rei­chend ge­schul­te Mit­ar­bei­te­rin hätte be­merkt, dass in der kur­zen Über­tra­gungs­zeit von 54 Se­kun­den die zwei Sei­ten nicht über­tra­gen wor­den sein konn­ten. In der Sa­che selbst ver­tei­digt die Be­klag­te das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil. Mit dem Ar­beits­ge­richt sei für Zei­ten vor dem 1.9.2006 ei­ne ge­ne­rel­le Ver­pflich­tung zur Auf­zeich­nung und Her­aus­ga­be von Auf­zeich­nun­gen über die ge­sam­te ge­leis­te­te Ar­beits­zeit zu ver­nei­nen. Ein sol­cher An­spruch sei auch we­der aus dem In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges noch aus den Erklärun­gen des Geschäftsführers in der Güte­ver­hand­lung ab­zu­lei­ten. Dass die Be­klag­te zu kei­ner Zeit ei­ne so weit­ge­hen­de Auf­spal­tung der ver­schie­de­nen Zei­ten vor­ge­nom­men ha­be, be­leg­ten auch die dem Kläger mo­nat­lich er­teil­ten Ab­rech­nun­gen. Dort sei­en als Ent­gelt­be­stand­tei­le im­mer nur die mo­nat­lich in der Höhe gleich blei­ben­den Leis­tun­gen „Mo­nats­lohn“ und „Leis­tungs­zu­la­ge stpfl.“ auf­geführt wor­den. Für den erst­mals in der Be­ru­fung mit dem Hilfs­an­trag gel­tend ge­mach­ten Aus­kunfts­an­spruch fehlt es nach ih­rer An­sicht eben­falls an ei­ner An­spruchs­grund­la­ge.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Be­ru­fungs­vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der Be­ru­fungs­schriftsätze Be­zug ge­nom­men.
Die Be­ru­fung ist gemäß §§ 8 Abs. 2 , 64 Abs. 2 b ArbGG statt­haft und auch im Übri­gen zulässig. Zwar ist sie nicht in­ner­halb der am 5.1.2007 ab­lau­fen­den ein­mo­na­ti­gen Be­ru­fungs­frist ( §§ 66 Abs. 1 ArbGG ), son­dern erst am 8.1.2007 beim HLAG ein­ge­gan­gen. Dem Kläger war je­doch in­so­weit gemäß §§ 233 , 234 ZPO Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand zu gewähren. Des Wei­te­ren ist die Be­ru­fung ord­nungs­gemäß be­gründet wor­den ( §§ 66 Abs. 1 , 64 Abs. 6 ArbGG , 520 ZPO ).
Dem Kläger war gemäß § 233 , 234 ZPO Wie­der­ein­set­zung zu gewähren, weil er die Be­ru­fungs­frist oh­ne sein bzw. sei­nes Rechts­an­walts Ver­schul­den nicht ein­ge­hal­ten hat. Bei der Über­sen­dung der Be­ru­fungs­schrift per Fax darf der Rechts­an­walt auf die Rich­tig­keit des Sen­de­be­richts ver­trau­en. Nur wenn er weiß, dass die Über­mitt­lung auf­grund ei­nes Feh­lers nicht er­folg­reich war, ist er ge­hal­ten, an­de­re Maßnah­men zur Über­mitt­lung zu er­grei­fen (Mu­sielak/Gran­del ZPO 5. Aufl. § 233 Rn. 49, 50 mit Nach­wei­sen aus der Recht­spre­chung). Aus dem Sen­de­be­richt vom 5.1.2007 er­gab sich, dass zwei Sei­ten er­folg­reich an das HLAG über­sen­det wur­den. Dass sie dort als Leer­sei­ten an­ge­kom­men wa­ren, war dem Sen­de­be­richt nicht zu ent­neh­men. Das hat der Rechts­an­walt erst durch ei­ne Mit­tei­lung des Ge­richts nach Ab­lauf der Be­ru­fungs­frist am 8.1.2007 er­fah­ren und dar­auf um­ge­hend er­neut die Be­ru­fungs­schrift über­sandt. Da er sich auf die An­ga­ben des Sen­de­be­rich­tes ver­las­sen durf­te und er von der tatsächlich fehl­ge­schla­ge­nen Über­mitt­lung erst nach Ab­lauf der Frist er­fuhr, war er oh­ne Ver­schul­den an der Nicht­ein­hal­tung der Frist ver­hin­dert. Er war nicht ge­hal­ten, nach der Über­sen­dung sei­ner­seits beim Ge­richt an­zu­ru­fen, um sich die kor­rek­te Über­mitt­lung der Sen­dung bestäti­gen zu las­sen, son­dern durf­te sich auf die An­ga­ben im Sen­de­be­richt ver­las­sen. Ei­ne sol­che Ver­pflich­tung ist in der Recht­spre­chung nicht an­er­kannt. Das folgt schon dar­aus, dass die Über­mitt­lung per Fax am letz­ten Tag der Frist all­ge­mein auch nach dem En­de der re­gelmäßigen Büro­zei­ten, d.h., wenn ein sol­cher An­ruf gar nicht mehr möglich wäre, als aus­rei­chend zur Frist­wah­rung an­ge­se­hen wird. Auch be­steht bis­lang kei­ne recht­li­che Ver­pflich­tung, ein Gerät zu ver­wen­den, das den In­halt des über­sand­ten Schrei­bens in Tei­len wie­der­gibt. Des Wei­te­ren ist von der aus­rei­chen­den Schu­lung und der Zu­verlässig­keit der Rechts­an­walts- und No­tar­an­ge­stell­ten A, die das Fax ge­sen­det hat, aus­zu­ge­hen. Auf­grund ih­rer Aus­bil­dung ist an­zu­neh­men, dass sie auch für das Über­sen­den von Fa­xen, das kei­ne ho­hen An­for­de­run­gen stellt, hin­rei­chend ge­schult ist und es ihr oh­ne Be­den­ken über­tra­gen wer­den konn­te. Sie hat den Über­sen­dungs­vor­gang ein­sch­ließlich Anwählens der rich­ti­gen Num­mer, Auslösens der Über­sen­dungs­tas­te und Ent­nah­me und Ein­hef­tens des Sen­de­be­richts auch kor­rekt ab­ge­wi­ckelt.
In der Sa­che selbst hat die Be­ru­fung je­doch kei­nen Er­folg. Sie ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat mit zu­tref­fen­den Erwägun­gen ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Her­aus­ga­be von Auf­zeich­nun­gen über die ge­sam­te vom Kläger im Zeit­raum vom 1.1.2004 bis zum 31.8.2006 ge­leis­te­te Ar­beits­zeit ver­neint. So­weit in richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung des § 16 Abs. 2 Arb­ZG für die Zeit ab dem 24.3.2005 ein An­spruch auf Her­aus­ga­be von Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen dem Grun­de nach zu be­ja­hen ist, ist die­ser auf die über den Um­fang der Ar­beits­zeit nach § 3 Satz 1 Arb­ZG ge­leis­te­te Ar­beits­zeit be­schränkt. Zur er­folg­rei­chen Durch­set­zung die­ses An­spruchs wäre es al­ler­dings er­for­der­lich ge­we­sen, dass der Kläger dar­ge­legt hätte, zu wel­chen Zei­ten über­haupt Ar­beits­zeit über den Um­fang des § 3 Satz 1 Arb­ZG an­ge­fal­len ist. Dies hat er je­doch nicht dar­zu­le­gen ver­mocht. Der vom Kläger ver­folg­te Her­aus­ga­be­an­spruch er­gibt sich auch nicht aus § 19 Abs. 1 BDSG oder aus ei­ner all­ge­mei­nen, auf § 242 BGB gestütz­ten, ar­beits­ver­trag­li­chen Ne­ben­pflicht. Die Kam­mer folgt hier ins­ge­samt den über­zeu­gen­den und sorgfältig be­gründe­ten Ent­schei­dungs­gründen des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und nimmt zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG auf die­se Be­zug. Im Hin­blick auf das Be­ru­fungs­vor­brin­gen des Klägers ist le­dig­lich Fol­gen­des zu ergänzen:
1. Ein Her­aus­ga­be­an­spruch von Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen er­gibt sich nicht aus § 3 Ar­beits­ver­trag. Die­ser Pas­sus des Ar­beits­ver­tra­ges ist über­schrie­ben mit „Ar­beits­ent­gelt“. Er re­gelt, das der wei­ter oben be­zeich­ne­te Be­trag als „Ar­beits­ent­gelt“ ge­zahlt wird und führt wei­ter aus: es wird nur die ge­leis­te­te Ar­beits­zeit be­zahlt. Wer­den Pau­sen, Ru­he­zeit oder Ähn­li­ches mit­be­zahlt, so stellt dies ei­ne über­ta­rif­li­che Zu­la­ge dar. Re­ge­lun­gen zu wei­te­ren Ansprüchen wie die Er­tei­lung ei­ner Ge­halts­ab­rech­nung, der Her­aus­ga­be von Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen oder Auskünf­ten über die Ar­beits­zeit sind we­der dort noch an an­de­rer Stel­le im Ar­beits­ver­trag ent­hal­ten. So­weit § 3 Ar­beits­ver­trag Aus­sa­gen trifft, re­gelt er ent­ge­gen der An­sicht des Klägers nicht, dass Pau­sen und sons­ti­ge Zei­ten über­haupt mit­be­zahlt wer­den, son­dern for­mu­liert nur, wie ei­ne Mit­be­zah­lung wei­te­rer Zei­ten, wenn sie denn er­fol­ge, recht­lich zu qua­li­fi­zie­ren wäre. Darüber, dass Pau­sen, Ru­he­zei­ten und Ähn­li­ches tatsächlich mit­be­zahlt wer­den, ver­liert die Re­ge­lung kein Wort. Da­her ver­bie­tet er sich, in § 3 Ar­beits­ver­trag ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten hin­ein­zu­in­ter­pre­tie­ren, ent­spre­chen­de Zei­ten in vol­lem Um­fang zu er­fas­sen, ab­zu­rech­nen und Auf­zeich­nun­gen darüber an den Ar­beit­neh­mer her­aus­zu­ge­ben. Die Ab­lei­tung sol­cher Pflich­ten aus § 3 Ar­beits­ver­trag ist oh­ne
ei­ne Ver­ein­ba­rung darüber, Zei­ten wie Pau­sen und Ru­he­zei­ten ge­son­dert zu vergüten, schon im An­satz nicht denk­bar.
2. Der An­spruch folgt auch nicht aus den Erklärun­gen des Geschäftsführers im Güte­ter­min, dass sich die Ar­beits­zeit und die ein­zu­hal­ten­den Pau­sen aus EU-Recht ergäben. Die im Güte­ter­min pro­to­kol­lier­ten Erklärun­gen ha­ben kei­nen so spe­zi­fi­schen In­halt, dass sie so aus­ge­legt wer­den könn­ten, der Geschäftsführer der Be­klag­ten woll­te da­mit die Ver­pflich­tung zur Her­aus­ga­be von Ar­beits­zeit­auf­zeich­nun­gen nach der EU-Richt­li­nie be­gründen bzw. erklären, die Be­klag­te wol­le die Richt­li­nie 2202/15/EU in ih­rer Ge­samt­heit auf das Ar­beits­verhält­nis des Klägers an­wen­den. Der Geschäftsführer hat ei­ne Aus­sa­ge le­dig­lich zur Ar-beits­zeit und zu den ein­zu­hal­ten­den Pau­sen ge­trof­fen. Er hat das An­fer­ti­gen von Auf­zeich­nun­gen zur Ar­beits­zeit und et­wai­ge Ver­pflich­tun­gen zur Her­aus­ga­be die­ser Auf­zeich­nun­gen an den Ar­beit­neh­mer nicht an­ge­spro­chen oder ein­ge­schlos­sen.
3. Der Kläger kann schließlich auch mit dem Hilfs­an­trag auf Er­tei­lung von Auskünf­ten über die ge­sam­te von ihm ge­leis­te­te Ar­beits­zeit im Zeit­raum vom 1.1. 2004 bis zum 31.8.2006 nicht durch­drin­gen.
§ 16 Abs. 2 Arb­ZG be­inhal­tet kei­nen all­ge­mei­nen Aus­kunfts­an­spruch über den Um­fang der vom Ar­beit­neh­mer ge­leis­te­ten Ar­beits­zeit.
Der mögli­che Aus­kunfts­an­spruch nach § 34 BDSG ist nach den rich­ti­gen Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts, auf die ver­wie­sen wird, be­reits erfüllt.
Ein Aus­kunfts­an­spruch aus ar­beits­ver­trag­li­cher Ne­ben­pflicht, gestützt auf den Grund­satz von Treu und Glau­ben ( § 242 BGB ), be­steht, wie das Ar­beits­ge­richt rich­tig aus­geführt hat, nur, wenn der Be­rech­tig­te im Ein­zel­fall in ent­schuld­ba­rer Wei­se über das Be­ste­hen ei­nes Rechts im Un­kla­ren und der Ver­pflich­te­te un­schwer in der La­ge ist, die er­for­der­li­chen Auskünf­te zu er­tei­len. Der Ar­beit­ge­ber kann je­doch nicht da­zu ver­pflich­tet wer­den, wie hier, dem Ar­beit­neh­mer Auskünf­te zu er­tei­len, die ei­ne Durch­set­zung von Ansprüchen über­haupt erst möglich ma­chen. Der An­spruch ist hier zu ver­nei­nen, weil der Kläger selbst in der La­ge war, sei­ne Ar­beits­zeit, ins­be­son­de­re von ihm ge­leis­te­te Über­stun­den, selbst auf­zu­zeich­nen.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 64 Abs. 6 ArbGG , 97 ZPO . Der Kläger hat die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Be­ru­fung zu tra­gen.
zur Übersicht 12 Sa 30/07

References: § 16

§ 16
 § 21
 § 69
 Art. 9
 § 16
 § 16
 § 16
 § 3
 § 3
 § 16
 § 3
 § 16
 § 19
 § 242
 § 3
 § 16
 § 233
 § 233
 § 16
 § 3
 § 3
 § 19
 § 242
 § 69
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3

§ 16
 § 34
 § 242