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Timestamp: 2020-02-29 01:21:59+00:00

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Der Kampf gegen Papst und Kirche - Marsilius von Padua und Martin ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
1.1 Zur Person Marsilius von Padua
1.2 Ein Kind seiner Zeit – der historische Kontext des „Defensor Pacis“
2 „Der Verteidiger des Friedens“ – Eine Kampfschrift gegen den Papst
2.1 Der Frieden als höchster Staatszweck – welche Ursachen ihn bewirken und welche ihn zerstören
2.2 Der Staat im „Verteidiger des Friedens“
2.3 Über die Gesetze
2.3.1 Der Dualismus von göttlichem und weltlichem Gesetz
2.3.1.1 Die göttlichen Gesetze
2.3.1.2 Die weltlichen Gesetze
3 Der Kampf gegen den Papst
3.1 Der Ursprung aller Macht
3.2 Zum Verhältnis von Kirche und Staat
3.2.1 Der Stand der Priester und seine Rolle im Staat
3.3 Das Primat des weltlichen Herrschers vor der Kirche
3.3.1 Die Kirche unter der weltlichen Rechtssprechung
3.3.2 Über den Papst
4 Martin Luthers Kampf gegen den Papst
4.1 Das Verhältnis von Kirche und Staat bei Martin Luther
4.1.1 Die zwei Kirchen Luthers
4.1.2 Über den Staat
4.2 Luthers Papstkritik
4.2.1 Das Primat des Staates
4.2.2 Über die Auslegung der Heiligen Schrift
4.2.3 Die Einberufung des Konzils
Der Streit zwischen Kirche und Kaiser um die Vorherrschaft und damit die Macht überschattete über Jahrhunderte hinweg die politischen Entwicklungen im abendländischen Europa. Über die rechtmäßigen Ansprüchen der jeweiligen Streitparteien wurde nicht nur in den Kirchen und Palästen der Monarchen debattiert, sondern auch an den Universitäten, an denen die Gelehrten versuchten, die jeweilige Position wissenschaftlich zu fundieren. Im 14. Jahrhundert gewann die Rezeption der Schriften von Aristoteles zunehmend Bedeutung, durch die eine neue, politische Philosophie immer größer werdenden Einfluss gewann. Einer der einflussreichsten Anhänger dieser aristotelischen Wissenschaft (Miethke, 2000, S. 206) war der Paduaner Marsiligio dei Mainardini, besser bekannt als Marsilius von Padua. Obwohl uns über sein Leben nur wenig Quellen zur Verfügung stehen, hinterließ er uns eine der wichtigsten und radikalsten Schriften gegen die Herrschaftsansprüche des Papstes. Quasi in Nebengleis, als Vorarbeit für sein eigentliches Ansinnen, entwirft Marsilius eine detaillierte Erklärung über das Zusammenleben der Menschen in politischen Gemeinschaften und damit eine Staatslehre, deren Kern die Verdrängung jeglichen kirchlichen Einfluss auf die Regierung und Justiz eines Staates bildet. Marsilius begründet diese auf dem Volkswillen, der Entscheidung der Bürger und übernimmt dabei nahtlos die Argumentation des Aristoteles. Sein Hauptziel ist es jedoch, das größte Hindernis für ein friedliches Zusammenleben in seinem Staat zu benennen und zu bekämpfen – die päpstlichen Ansprüche auf das Primat vor dem Kaiser. Wegen seiner Schrift wurde Marsilius sowohl als Prophet gelobt als auch als Häretiker verurteilt, vom Papst der Ketzerei beschuldigt und vom Kaiser zum führenden Berater ernannt. Der „Verteidiger des Friedens“ wurde zu einem der einflussreichsten Werke in der Geschichte der westlichen politischen Philosophie. Die Schriften des Paduaners hatten noch lange nach seinem Tod erheblichen Einfluss. In etwa zeitgleich mit der ersten Drucklegung des „Defensor Pacis“ in den 1520´er Jahren erhebt auch der Reformator Martin Luther seine Stimme gegen den Papst und dessen weltlichen Machtanspruch. Auch Luther wehrt sich gegen den Einfluss des Papstes auf die säkulare Politik und das ausschweifende Leben der Kurie, das sich nur durch die Zahlungen der Gläubigen aufrechterhalten ließ. Im Gegensatz zu Marsilius, der als einer der Vorreiter eines säkularen Staates gilt, errichtet Luther eine andere Staatslehre. Beide eint allerdings die Forderung, nach der Unterordnung der Kirche unter die weltliche Herrschaft, obwohl deren Willen letztendlich auf dem Willen Gottes begründet. Im Verlauf dieser Arbeit werden beide Ansätze analysiert und auf etwaige Übereinstimmungen untersucht. Im Zentrum steht dabei das Werk des Paduaners, das mit den Ideen des Reformators verglichen wird.
Trotz seiner Bedeutung für die nachfolgende politische Theologie ist über die Biographie des Paduaners nur wenig bekannt. Wenige historische Quellen geben Auskunft über sein Leben vor und nach der Veröffentlichung seines Hauptwerkes des „Defensor Pacis“, dessen Fertigstellung, als eines der wenigen von Marsilius selbst bestätigten Daten, auf den 24. Juni 1324 datiert wird.
„Im Jahre eintausenddreihundertvierundzwanzig ist dieser `Verteidiger` abgeschlossen, am Fest Johannes des Täufers“ (DP III, 3)
Bereits über sein Geburtsjahr gibt es eine rege Diskussion, eine ungenaue Datierung liegt zwischen 1275 und 1290. (vgl. hierzu: Haller, 1929, 1929, S. 167 ff) Fest steht jedoch sein Geburtsort, den er im „Defensor Pacis“ selbst nennt: „ich, ein Nachkomme des Antenors“ (DP I, Kap. 1 § 1), welcher als der sagenhafte Begründer der Stadt Padua gilt. 1318 / 1319 ergreift er Partei für die Ghibellinische Liga, in der Funktion eines Gesandten der Ghibellinenführer Matteo Visconti und Can Grande della Scalla. (Marsilius, 1971, S. 219) Ziel seiner Gesandtschaft war es, dem französischen König Karl von Manche die Führung der Ghibellinischen Liga anzutragen. (Löffelberger, 1992, S. 17) Sowohl Datum, den Inhalt als auch das Scheitern dieser Mission werden durch einen Brief von Papst Johannes XXII belegt und gehört zu den wenigen historisch gesicherten Daten aus dem Leben des Paduaners.
Marsilius veröffentlicht 1324 den „Verteidiger des Friedens“. Erst zwei Jahre später wird er auch als Verfasser des Buches bekannt und ist darauf hin gezwungen Paris, wo er seit einiger Zeit an der Universität lehrte zu verlassen. Zuflucht findet er am Hof Ludwigs von Bayern, der sich bereits seit längerem mit dem Papst in Streit befindet und von diesem 1324 gebannt wurde. Ob dieser Streit, der nach der umstrittenen Kaiserwahl Ludwigs 1314 ausbrach, Marsilius von Padua dazu veranlasste „den Verteidiger“ zu verfassen ist fraglich, allerdings scheint dieses Ereignis nicht ohne Einfluss gewesen zu sein, da er die Schrift dem bayerischen König widmet. Am Hofe Ludwigs avanciert Marsilius rasch zu einem der wichtigsten Berater des Kaisers und nahm als solcher erheblichen Einfluss auf dessen Italienfeldzug. Am 23.10.1327 werden Teile des Defensors und zwei Jahre später auch Marsilius als Verfasser als Ketzer verurteilt (Löffelberger, 1992, S. 17) Wann genau Marsilius verstorben ist, kann nicht gesichert belegt werden. Wieder ist es ein päpstlicher Brief, der eine zeitliche Eingrenzung ermöglicht. Papst Clemens VI spricht in einer Rede von 1343 davon, dass Marsilius verstorben ist, so dass sein Todesdatum zwischen 1342 und 1343 liegen dürfte. (ebda.)
Politisches Denken vollzieht sich immer in historischen Kontexten und ist geprägt von den bedeutenden politischen und gesellschaftlichen Ereignissen seiner Zeit. Diese Ereignisse haben immer auch erheblichen Einfluss auf das Denken von Verfassern politischer Schriften, und nur unter Berücksichtigung dieser ist es ansatzweise nachvollziehbar, warum Marsilius mit dem Defensor Pacis ein Werk verfasst, über dessen Konsequenzen er sich sehr wohl bewusst war:
„ Aber weder werde ich mein Vorhaben aus Angst vor der keinen Gewaltakt scheuenden Macht der ohne jedes Recht von Herrschsucht glühenden Priester aufgeben die ich in diesen Schriften anrede – denn der Psalmist sagt: Der Herr ist mein Helfer und ich werde mich nicht fürchten; was könnte mir ein Mensch tun“ (DP II, Kap1 §2)
Bereits in dieser Rechtfertigung gibt er Auskunft über den Kern seiner Schrift, die Frage nach dem Herrschaftsrecht der Kurie. Dieser Streit nahm seinen Anfang bereits im ausgehenden 11. Jahrhundert mit dem Investiturstreit und sollte von da an das politische Wesen des Abendlandes über Jahrhunderte hinweg entscheidend beeinflussen. Das Ringen zwischen weltlicher und geistlicher Macht fand seinen Höhepunkt im Streit über das von der Kirche geforderte Primat des Papstes vor dem Kaiser. (Marsilius, 1971, S. 227). Das Wirken des Paduaners fällt in die Zeit eines letzen Höhepunktes in diesem Streit, der Auseinandersetzung zwischen Papst Johannes XXII und dem deutschen König Ludwig dem Bayern. Nach dem Tod Heinrich des VII kam es um dessen Nachfolge zum Streit zwischen den Häusern Habsburg und Wittelsbach. 1314 wurden sowohl Ludwig der Bayer als auch Friedrich von Habsburg zum Nachfolger Heinrichs gewählt. Nachdem beide auf ihren Anspruch der Thronfolge beharrten, war ein militärischer Konflikt unausweichlich (Pauler, 1997, S. 117), den Ludwig 1322 für sich entscheiden konnte (Leppin 2003, S. 186). Papst Johannes XXII vermied es im Konflikt zwischen den beiden Kontrahenten Stellung zu beziehen, nutzte diesen vielmehr um seine eigenen, politischen Interessen durchsetzen zu können. So erhob er 1317 in der Bulle Si fratum Anspruch auf das Reichsvikariat, da er das Reich ohne einen Kaiser als vakant betrachtete. (Kaufhold, 1994, S. 50ff) Begründet wurde dieser Anspruch sowohl mit dem Anspruch, dass im Falle der Vakanz des Kaiserstuhls alle Rechte des Kaisers auf den Papst übergingen (Leppin 2003, S. 186) als auch mit Bezug auf die Bulle Unam Sanctum von Bonifaz VIII:
„Beide [Schwerter] liegen in der Gewalt der Kirche, das geistliche Schwert nämlich und das weltliche, nur dass dies für die Kirche, jenes von der Kirche zu führen ist, jenes von der Hand des Priesters, dieses von der des Königs und der Krieger, doch nach Wink und nach Erlaubnis des Priester. Es muss aber in Schwert unter dem anderen stehen und die weltliche Autorität der geistlichen Gewalt unterstehen“ (Marsilius, 1971, 217 )
Für Ludwig konnte dies nur bedeuten, entweder auf die Kaiserkrone zu verzichten, oder sich dem Papst entgegenzustellen. Mit seiner Parteinahme für die von Johannes wegen Ketzerei verurteilten Visconti und der Einsetzung eines eigenen Reichsvikars für Italien stellte er sich gegen den Papst. (Kaufhold, 1994, S. 292) 1323 eröffnete Johannes den Prozess gegen Ludwig in dem er sich auf drei Anklagepunkte berief. Zunächst war die Anmaßung des römischen Königstitels ohne von ihm, dem Papst approbiert geworden zu sein der Hauptanklagepunkt. Später kamen noch die Anmaßung der Reichsrechte und die Unterstützung der Visconti in Italien dazu. (Thomas, 1993, S. 173). Dieser Anklage folgt im März 1324 die Verurteilung und die damit unausweichliche Exkommunikation von Ludwig (Runge, 1996, S. 18).
Seinen Höhepunkt fand der Streit im Jahre 1327. Auf Anraten seiner Berater, zu denen mittlerweile auch Marsilius von Padua gehörte, zieht Ludwig nach Rom, um sich dort, notfalls auch ohne die Approbation des Papstes zum Kaiser krönen zu lassen. So geschah es am 17. Januar 1327 durch vier Vertreter des Senates der Stadt. Dieser Akt der Krönung war ein erneuter Affront gegen Johannes XXII, da sie ihm das letztendliche Recht der Approbation gänzlich absprach und die Kurie lediglich zu Vollzugsgehilfen der Kaiserkrönung machte. Nur wenige Monate später setzt Ludwig Johannes ab und ernennt als Gegenpapst Nikolaus V, der die Krönungszeremonie wiederholt. (Rall, H. 1986). Für Ludwig bedeutete dieser Schritt, dass eine Aussöhnung mit Johannes nahezu unmöglich geworden ist und für ihn als Herrscher in einer tiefreligiösen Zeit war die Exkommunikation eine der schwersten Strafen. Die Alternative wäre jedoch ein vom Apostolischen Stuhl vollkommen abhängiges Königs- und Kaisertum, sowie ein entscheidender Machtverlust in Oberitalien gewesen, so dass Ludwig sich zum Kampf gegen die Kurie gezwungen sah. Das Resultat dieses Streites ist eine tiefe Spaltung der Christen in Europa, die bereits durch das Avignoner Exil des heiligen Stuhls stark verunsichert waren. Kurie und weltlicher Herrscher standen sich in tiefer Feindschaft gegenüber, die nur durch Unterwerfung des Einen unter den Anderen zu überwinden war, so dass eine Lösung nahezu unerreichbar schien.
Bereits im Titel seines Werkes „Der Verteidiger des Friedens“ legt Marsilius von Padua die Grundlage seiner weiteren Thesenbildung. Zunächst kann man davon ausgehen, dass es einen friedlichen Zustand gibt, der allerdings Gefahr läuft, aus irgendeinem Grunde gebrochen zu werden. Um den Frieden schützen zu können, muss es einen Verteidiger geben. Marsilius erarbeitet aus dieser eigentlich relativ einfachen Konstellation eine komplexe politische Theorie, die mit ihrer Argumentation und logischen Beweisführung auf Grundlage, und das ist das eigentlich Revolutionäre am Defensor Pacis, der heiligen Schrift zu einer der radikalsten Kritiken der ausufernden Machtansprüche der Kurie im abendländischen Mittelalter gehört. Bereits der Aufbau des Defensor Pacis zeigt, welchen Standpunkt in der Gesellschaft Marsilius der Kurie einräumt. Erst in der zweiten von drei Dictiones geht der Paduaner auf die Kirche und ihre Organisation ein. Dagegen wird das Staatswesen als solches in der ersten Dictio behandelt. Marsilius folgt in der Konzeption seines Staates im Großen den Gedanken des Aristoteles, ändert sie lediglich in einigen Punkten ab. Als Konsequenz dieser für seine Zeit revolutionären Lesart des Aristoteles (Dyson, 2003, S. 263) entsteht eine politische Theorie, die das Primat der Kurie vor den weltlichen Herrschern gänzlich verneint, vielmehr die Unterordnung der Kirche unter die weltlichen Autoritäten verlangt. (ebda) Ihn allerdings als unchristlichen Freidenker zu bezeichnen, der jede christliche Spiritualität ablehnt ist völlig falsch. Sein Denken und seine gesamte politische Theorie ist in der Glaubens- und Ideenwelt des christlichen Mittelalters verortet.
„deshalb müssen wir Frieden wünschen; wenn wir ihn nicht haben, ihn gewinnen, wenn er gewonnen ist, ihn wahren und das Gegenteil, den Streit mit allen Mitteln abweisen“ (DP I, Kap. 1, §1)
Mit diesen Worten im ersten Kapitel legt Marsilius die wichtigsten Grundlinien seines Werkes dar. Seine Gedanken und seine theoretischen Erörterungen entspringen den aktuellen politischen Ereignissen seiner Zeit, allerdings ist die theoretische „Begründung der staatlichen Gewalt ohne die Bindung an religiöse Endziele“ (Prinz, 1976, S. 40) das eigentlich Revolutionäre am Defensor Pacis, denn hier entfernt er sich grundsätzlich von anderen zeitgenössischen Staatstheorien, in dem er versucht, die Grundlagen und Voraussetzungen für den Frieden lediglich durch die Interpretation und Argumentation des Aristoteles zu erörtern. (Miethke, 2000, 212) Den durch den großen Philosophen erörterten Gefahren für den Staat und den Frieden fügt er eine weitere hinzu, die zu Zeiten des Griechen noch niemand gekannt haben kann, denn sie entstand erst durch die Geburt Christus.
„Denn Zahl und Wesen derjenigen Ursachen zu wiederholen, die schon Aristoteles festgestellt hat, wäre überflüssig. Von der Ursache aber, die weder Aristoteles in den Blick bekommen konnte, noch deren Bestimmung nach ihm ein anderer, der es gekonnt hätte, vorgenommen hat, wollen wir den Schleier lüften“ (DP I, Kap. 1, §7)
Bevor er jedoch näher auf diese Ursache eingeht, beschreibt Marsilius zuerst den Frieden, den es zu verteidigen gilt. Dazu entwirft er zunächst das Bild eines idealen Staates und bedient sich dabei der selben Mittel, wie es bereits Aristoteles getan hat, indem er gleichsam den Staat mit einem Lebewesen vergleicht. (DP I, Kap. II § 3). Danach ist die Gesundheit der beste Zustand des Lebewesen und dementsprechend die Ruhe der beste Zustand des Staates. Um diesen Zustand zu erreichen ist es notwendig, dass Staat und Lebewesen aus gut und vernünftig angeordneten Bestandteilen bestehen, von denen jeder die ihm zugewiesene Aufgabe in vollkommener Weise erfüllt. Für Marsilius, der Medizin studiert hat scheint diese Mensch – Staat – Analogie logisch begründet und daher von ihm auch ohne Hinterfragung übernommen zu sein.
„Jedem Reich muss ja Ruhe erwünscht sein, in der die Völker gedeihen und der Nutzen der Menschen gewahrt wird. Denn sie ist der edlen Künste schöne Mutter. Sie vervielfältigt der Sterblichen Geschlecht in immer sich erneuernder Folge, hebt den Wohlstand und bildet die Gesittung. Und als unwissend in solch wichtigen Dingen erkennt man den, bei dem man merkt, dass er nach Ruhe überhaupt nicht gefragt hat.“ (DP I, Kap. 1, §1)
Somit ist das Ziel und vor allem Zweck jeden Staates die Ruhe, nicht nur um einfach das Leben der Menschen zu ermöglichen, sondern vielmehr deren Gutleben zu gewährleisten. (DP I, Kap. 4, § 1) Das kann er nur, in dem er jedem seiner Bestandteile seine Aufgabe und Funktion zuweist und erst wenn diese in einer Einheit mit einander funktionieren kann den Bürgern ein friedliches und gutes Leben ermöglicht werden. Frieden wird damit zum Ordnungsprinzip, der „causa formalis“ des Staates. (Prinz, 1976, S. 59) Damit wird der Frieden einer teleologischen Dimension beraubt und auf einen Gesellschaftszustand begrenzt, der nur aus durch die staatliche Gewalt herbeigeführt werden kann. (Gewirth, 1951, S. 23ff) Aus dieser Annahme heraus leitet Marsilius zu seiner Staatstheorie über, in dem er entlang der aristotelischen Vorgaben ein Staatsgebilde entwirft, das eine vollkommene Unterordnung aller Bestandteile des Staates unter die eigentliche Zweckursache, nämlich dem Gutleben der Menschen, einfordert.
Im Zentrum seiner politischen Theorie stehen bei Marsilius die Legitimation des Regenten und das Recht. (Dyson, 2003, S. 244) Grundlage beider Konzepte ist der Wille der „Gesamtheit der Bürger“ (DP I, Kap. 12, §5). Dieser allein steht es zu, Gesetze zu erlassen oder einen Regenten einzusetzen bzw. diesen auch wieder aus dem Amt zu entfernen. (vgl. hierzu: DP I, Kap. 15 §1). Damit begründet er eine Idee der Volkssouveränität und bricht mit den zeitgenössischen Herrschaftslegitimationen. Marsilius geht von einer arbeitsteiligen staatlichen Gesellschaft aus (vgl. hierzu: Runge, 1996, S. 111ff) in der, zurückgreifend auf eine Analogie von Mensch und Staat, die einzelnen Bestandteile zum Wohle des Ganzen zusammenarbeiten. Diese Bestandteile setzt er, in enger Anlehnung an Aristoteles, den Berufsständen gleich (DP I, Kap. 7, § 1) und ordnet diese ihrer gesellschaftlichen Bedeutung entsprechend an. (Prinz, 1976, S. 61) Krieger, Räte und Richter sowie Priester zählt er zur Ober-, Bauern, Handwerker und Geldleute zur Unterschicht. (Runge, 1996, S. 113) Aus diesen Ständen setzt sich die Gesamtheit der Bürger zusammen, der es obliegt einen Regenten einzusetzen. In einer detaillierten Abhandlung identifiziert Marsilius die Wahl als das beste Verfahren bei der Schaffung oder Einsetzung des regierenden Bestandteils. (DP I, Kap. 9) Obwohl Marsilius diese Begriff selbst nicht verwendet, entspricht dieses Verfahren dem Konzept des Volkswillens, dem auch inneliegt, dass die „primäre menschliche Vollmacht, Gesetz zu geben oder zu schaffen“ (DP I, Kap. 12 § 5), also die Gesamtheit der Bürger oder deren Mehrheit die Gesetzgebungskompetenz ebenfalls auf einen Regenten, den Marsilius wegen der einfacheren Übertragung auf alle Herrschaftssysteme „pars principan“ nennt, überträgt. (vgl. hierzu: DP I, Kap. 12 § 5 und § 6, sowie DP I, Kap. 15, §1 und § 2)
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Kampf, Papst, Kirche, Marsilius, Padua, Martin, Luther
MSc. M.A. Robert Fiedler (Autor), 2008, Der Kampf gegen Papst und Kirche - Marsilius von Padua und Martin Luther, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163710

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