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Timestamp: 2019-12-09 00:49:52+00:00

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Guidelines for publishing bibliographic metadata in Germany as open data. By Dr. Till Kreutzer, published by hbz. CC BY
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Leitfaden von Dr. Till Kreutzer i.e. Bro fr informationsrechtliche Expertise Berlin, iRights.info
Open Data-Leitfaden
Leitfaden von Dr. Till Kreutzer, i.e. Bro fr informationsrechtliche Expertise Berlin, www.ie-online.de, t.kreutzer@ie-online.de, Redakteur iRights.info (www.iRights.info) Herausgegeben durch (2011): Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), Jlicher Strae 6, 50674 Kln, http://www.hbz-nrw.de/
Dieser Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung (by), d. h. er kann bei Namensnennung des Autors Till Kreutzer und Nennung der Herausgeberschaft des hbz zu beliebigen Zwecken vervielfltigt, verbreitet und ffentlich wiedergegeben (z. B. online gestellt) werden. Zudem knnen Abwandlungen und Bearbeitungen des Textes angefertigt werden. Der Lizenztext kann abgerufen werden unter: http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/. Zitiervorschlag: Kreutzer, Till (2011): Open Data Freigabe von Daten aus Bibliothekskatalogen. Ein Leitfaden. Hg. v. Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen.
Einleitung 1 ......................................................................................................... 5
Daten und Open Data eine Begriffsbestimmung ........................................ 6 Der Datenbankaufbau und die Zulssigkeit der Fremddatenbernahme sowie der Kataloganreicherung ............ 8
Die Schutzfhigkeit einzelner Daten................................................................. 9
2.1 2.2 2.2.1 2.2.2 2.3 2.3.1 2.3.1.1 2.3.1.2 2.3.1.3 2.3.1.4 2.3.2 2.3.2.1 2.3.2.2 2.3.2.3 2.3.2.4 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.8.1 2.8.2 2.8.2.1 2.8.2.2 2.8.2.3 2.8.3 2.9 Allgemein: Das Datum als urheberrechtlich geschtztes Werk ..................... 9 Kurze Einfhrung ins Urheberrecht ................................................................ 9 Konkrete Gestaltung .................................................................................... 10 Schpfungshhe und Bagatellschwelle ....................................................... 10 Der urheberrechtliche Schutz einzelner Daten ............................................ 11 Urheberrechtlicher Schutz der Kerndaten ................................................... 12 Titel sowie Titeldaten ................................................................................... 12 Titelblatt ........................................................................................................ 13 Weiterfhrende Beschreibungselemente ..................................................... 13 Ontologien, Klassifikationen und Dokumentationssprachen ....................... 13 Urheberrechtlicher Schutz von Kataloganreicherungsdaten ....................... 14 Texte (Vorwort/Klappentext/Umschlagtext/Volltexte) .................................. 14 Inhaltsverzeichnis/Literaturverzeichnis/Register .......................................... 15 Cover ............................................................................................................ 15 Kataloganreicherungsdaten aus sonstigen vom Verlag oder Dritten bereitgestellten Quellen ............................................................................... 16 Tabellarische bersicht ............................................................................... 16 Zwischenergebnis/Gang der weiteren Untersuchung .................................. 18 Schutzdauer des Urheberrechts .................................................................. 18 Eingreifen gesetzlicher Schranken? ............................................................ 19 Ausdrckliche oder konkludente Gestattung durch den Rechteinhaber ...... 20 Allgemeines zur Nutzungsrechtseinrumung, zu copyfraud und vertraglichen Einschrnkungen gemeinfreier Inhalte .................................. 20 Lizenzbestimmungen ausgewhlter Bezugsquellen fr Katalogdaten ........ 22 Nutzungsrechtseinrumung Nationallizenzen ............................................. 22 Nutzungsrechtseinrumung ekz .................................................................. 23 Nutzungsrechtseinrumung DNB ................................................................ 24 Konkludente Lizenzierung durch den Rechteinhaber .................................. 26 Zusammenfassung....................................................................................... 27
Die Datenbank (bzw. Sammlung von Daten) als geschtztes Werk ................27
3.1 3.2 3.2.1 3.2.2 3.2.3 3.2.4 3.2.5 Urheberrechtlicher Schutz als Datenbankwerk ............................................ 28 Sui-generis-Schutz als Datenbank............................................................... 28 Sammlung von Katalogdaten als Datenbank i.S.v. 87a UrhG? ................ 28 Wann liegt ein Eingriff in das Datenbankherstellerrecht vor? ...................... 31 Wesentlicher Teil.......................................................................................... 32 Sukzessive Entnahme ................................................................................. 33 Kann das Datenbankherstellerrecht durch Vertrge erweitert bzw. Schranken des Rechts vertraglich umgangen werden? .............................. 34
Teil 2 4
Mglichkeiten der ffnung eines Bibliothekskatalogs als Open Data.................................................................................36
Urheberrechtliche und vertragliche Nutzungsmglichkeiten von Daten als Open Data .................................................................................................37
4.1 4.2 4.2.1 4.2.2 Urheberrechtlich geschtzte Daten .............................................................. 37 Urheberrechtlich nicht geschtzte Daten ..................................................... 40 Durch das Datenbankherstellerrecht geschtzte Datenbanken ( 87a UrhG) ................................................................................................ 40 Vertragliche Nutzungsverbote ...................................................................... 40
Die Freigabe als Open Data ............................................................................41 Zusammenfassung .........................................................................................43
Whrend Bibliotheken und Wissenschaftsorganisationen sich in der Vergangenheit insbesondere um die Schaffung eines Zweitverffentlichungsrechts fr wissenschaftliche Werke (sog. Open Access) bemhten, rckte von der ffentlichkeit nahezu unbemerkt auf Seiten der Bibliotheken auch der Wunsch in den Vordergrund, die in den Bibliothekskatalogen schlummernden Metadaten einer breiten ffentlichkeit nicht nur zur individuellen Nutzung, sondern auch zur weiteren Verwertung und zur gegenseitigen Ergnzung zur Verfgung zu stellen (sog. Open Data). Dieser Wunsch folgte aus der Erkenntnis, dass von Bibliotheken, Verlagen, Universitten, Wissenschaftlern oder sozialen, webbasierten Literaturverwaltungsplattformen erzeugte und systematisierte bibliographische Daten eine wichtige Rolle bei der Erschlieung, Ordnung und Verfgbarmachung von Wissen spielen. Damit die Arbeit der genannten Einrichtungen der Gesellschaft in vollem Umfang zugute kommt, sei es insofern zwingend erforderlich, bibliographische Daten zu ffnen, das heit, fr alle zur beliebigen Nutzung frei verfgbar zu machen.1 Hiermit gehen jedoch auch vielfltige, z. T. komplexe rechtliche Fragen einher, die fr die Akteure erhebliche Herausforderungen bedeuten. Insbesondere in den Fllen, in denen die jeweilige Institution ihre Daten nicht selbst generiert oder systematisiert, sondern von Fremdanbietern (wie insbesondere den Verlagen oder kommerziellen Katalogdatenanbietern) bezieht, stellt sich die Frage, ob eine Institution diese auf dem Wege des Open Data zur Verfgung stellen kann. Mit anderen Worten stellt sich die Frage, ob solche Daten oder Datensammlungen Rechtsschutz (z. B. nach dem Urheberrechtsgesetz) genieen und was das fr die Realisierbarkeit von Open Data im Einzelnen bedeutet. Darber hinaus rcken verstrkt auch Fragen nach der konkreten rechtlichen Ausgestaltung der Open-DataLizenz in den Vordergrund. Der vorliegende Leitfaden soll eine Orientierung in diesem rechtlichen Dickicht geben. Er richtet sich dabei in erster Linie an Mitarbeiter von Bibliotheken der ffentlichen Hand und dabei insbesondere an Nicht-Juristen. Bei der Erarbeitung habe ich besonders auf eine allgemeinverstndliche Darstellung und Sprache geachtet. Dennoch empfiehlt es sich, bei der Lektre eine aktuelle Ausgabe des Urheberrechtsgesetzes zur Seite zu legen, um einzelne Normen nachschlagen zu knnen. Alternativ findet man smtliche Regelungen des Urheberrechtsgesetzes auch online, z.B. unter http://bundesrecht.juris.de/urhg/. Inhaltlich lsst sich der Leitfaden - nach einer vorweggenommenen Begriffsbestimmung - in drei Bereiche unterteilen: Teil 1 beschftigt sich mageblich mit rechtlichen Fragen bei der Erstellung von KatalogDatenbanken: Zunchst wird aus rechtlicher Sicht erlutert, ob und, wenn ja, unter welchen Voraussetzungen, einzelne Daten und Angaben urheberrechtlichen Schutz genieen knnen. Im Anschluss wird untersucht, unter welchen Umstnden Anbietern von Katalogdaten neben einem urheberrechtlichen Schutz an den einzelnen Daten ein Schutzrecht an der Gesamtheit der Daten (sog. Datenbankrecht) zustehen kann. Teil 2 des Leitfadens nimmt sich dann der Frage an, unter welchen Bedingungen eine von der Bibliothek rechtmig erstellte Datenbank i. S. v. Open Data genutzt werden kann. Abgeschlossen wird der Leitfaden durch Empfehlungen zur Auswahl von Open-Data-Lizenzen. Berlin, Mai 2011, Dr. Till Kreutzer, i.e. - Bro fr informationsrechtliche Expertise
1 http://openbiblio.net/principles/de/.
Daten und Open Data eine Begriffsbestimmung
Zunchst gilt es zu klren, was unter dem Begriff Daten konkret zu verstehen ist. Dieser hat verschiedentlich eine gesetzliche Definition erfahren (so beispielsweise im Bundesdatenschutzgesetz sowie im Strafgesetzbuch). Gemeinsam ist den dort vorgenommenen Definitionsversuchen, dass die Definition stets zur Lsung einzelner spezialgesetzlicher Probleme geschaffen wurde. Demgegenber soll im Nachfolgenden eine weitergehende Definition des Begriffs verwendet werden, welcher sich weniger an rechtlichen Gesichtspunkten orientiert, als vielmehr an der Art der Informationssammlung im informationstechnischen Zusammenhang.
Daten (Singular: Datum) sind zum Zweck der Verarbeitung zusammengefasste Zeichen, die aufgrund bekannter oder unterstellter Abmachungen Informationen (d. h. Angaben ber Sachver2 halte und Vorgnge) darstellen.
Unter diesen Datenbegriff fllt jedoch eine ganze Menge, wie beispielsweise auch Luftbildaufnahmen und Katasteraufzeichnungen der ffentlichen Verwaltung, so dass es um der Intention des Leitfadens als praxisnahe Hilfe gerecht zu werden zugleich wieder einer Begrenzung des Begriffes auf bibliographische Daten und in diesem konkreten Kontext: auf Katalogdaten aus einem Bibliotheks- oder Verbundkatalog bedarf. Bei bibliographischen Daten im Allgemeinen und Katalogdaten im speziellen lsst sich den Prinzipien zu offenen bibliographischen Daten folgend zwischen Kerndaten und sekundren Daten unterscheiden:
Kerndaten: Bibliographische Daten bestehen aus bibliographischen Beschreibungen. Eine bibliographische Beschreibung beschreibt eine bibliographische Ressource (Artikel, Monographie etc. ob gedruckt oder elektronisch) zum Zwecke der Identifikation der beschriebenen Ressource, d. h. des Zeigens auf eine bestimmte Ressource in der Gesamtheit aller bibliographischen Ressourcen und der Lokalisierung der beschriebenen Ressource, d.h. eines Hinweises, wo die beschriebene Ressource aufzufinden ist. Traditionellerweise erfllte eine Beschreibung beide Zwecke gleichzeitig, indem sie Information lieferte ber: Autor(en) und Herausgeber, Titel, Verlag, Verffentlichungsdatum und -ort, Identifizierung des bergeordneten Werks (z. B. einer Zeitschrift), Seiten3 angaben. Sekundre Daten: Eine bibliographische Beschreibung kann andere Informationen enthalten, die unter den Begriff bibliographischer Daten fallen. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Formatangaben, Nicht-Web-Identifikatoren (ISBN, LCCN, OCLC-Nummer etc.), Angaben zu Urheberund Lizenzstatus, Angaben finanzieller Frderer, Angaben zum Trgermedium, Umfang- und Grenangaben, administrative Daten (letzte nderung des Datensatzes etc.), relevante Links (zu Wikipedia, Goog eines Textes (Inhaltsverzeichnis, Register, Literaturverzeichnis etc.), Adresse und andere Kontaktdetails zum Autor/den Autoren, Coverabbildungen, Abstracts, Rezensionen, Zusammenfassungen, Schlagwrter, Stichwrter, Notationen, nutzergenerierte Tags, Exemplardaten (Signatur etc.). Diese Daten knnen von Bibliotheken, Verlagen, Wissenschaftlern, Online-Communities fr Buchliebhaber, sozialen Literaturverwaltungssystemen und Anderen produziert sein. Darber hinaus produzieren Bibliotheken und verwandte Institutionen kontrollierte Vokabulare zum Zwecke der bibliographischen Beschreibung wie z. B. Personen- und Schlagwortnormdateien, Klassifika4 tionen etc., die ebenfalls unter den Begriff bibliographischer Daten fallen.
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Daten. 3 http://openbiblio.net/principles/de/. 4 http://openbiblio.net/principles/de/.
Neben dem Begriff des Datums bedarf auch der Begriff Open Data bzw. Offene Daten einer Konkretisierung:
Offene Daten: sind smtliche Datenbestnde, die im Interesse der Allgemeinheit der Gesellschaft ohne jedwede Einschrnkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung und zur freien Weiter5 verwendung frei zugnglich gemacht werden.
5 Von Lucke, Open Government Data Frei verfgbare Daten des ffentlichen Sektors, 2010, S. 2 (abrufbar unter: http://www.zeppelin-university.de/deutsch/lehrstuehle/ticc/TICC-101203-OpenGovernmentDataV1.pdf).
Teil 1 Der Datenbankaufbau und die Zulssigkeit der Fremddatenbernahme sowie der Kataloganreicherung
Die Schutzfhigkeit einzelner Daten
2.1 Allgemein: Das Datum als urheberrechtlich geschtztes Werk
Ein Bibliothekskatalog setzt sich aus einer Vielzahl einzelner Daten zusammen, welche in aller Regel von der Bibliothek oder Institution selbst gesammelt oder von Fremdanbietern (z. B. Verlagen etc.) unmittelbar oder nach vorheriger Datenkonversion bernommen wurden. Das urheberrechtliche Problem liegt darin, dass die Daten bei ihrer bernahme in eine andere Datenbank oder auf eine Webseite vervielfltigt werden. Dabei kommt es unter urheberrechtlichen Gesichtspunkten nicht auf die technische Art der Datenbernahme an, so dass es keinen Unterschied macht, ob die Daten abgetippt oder elektronisch bernommen (und in ein entsprechendes Dateiformat konvertiert werden), solange der Informationsgehalt unangetastet bleibt. Wren die Daten (fr sich genommen) urheberrechtlich geschtzt, bedrften solche Vervielfltigungen einer Zustimmung des Rechteinhabers (also desjenigen, der sie generiert hat). Gleiches gilt fr die Verfgbarmachung ber das Netz. Eine solche wird urheberrechtlich als ffentliche Zugnglichmachung bezeichnet. Auch die (Wieder-)Verffentlichung und Zugnglichmachung der Daten in einer eigenen Datenbank unterfllt der Zustimmungspflicht des Rechteinhabers, jedenfalls soweit die einzelnen Daten und/oder die Datensammlung geschtzt sind und keine Ausnahmeregelungen (sog. Schrankenbestimmungen) einschlgig sind.
2.2 Kurze Einfhrung ins Urheberrecht
Das Urheberrecht schtzt gem 2 Urheberrechtsgesetz (UrhG) Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst. Hierunter fallen unter anderem Sprachwerke, also Texte aller Art. Die Werkarten sind in 2 Absatz 1 UrhG aufgefhrt, aber nicht abschlieend geregelt (in der Regelung heit es: Zu den geschtzten Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst gehren insbesondere: ...). Das bedeutet, dass auch solche schpferischen Leistungen, die nicht ausdrcklich als Werkart im Urheberrechtsgesetz (UrhG) genannt sind, grundstzlich urheberrechtlichen Schutz genieen knnen. Hierzu zhlen im Prinzip auch einzelne Daten, die jedoch nur dann geschtzt sind, wenn sie auch die brigen Schutzvoraussetzungen erfllen. Eine Einschrnkung des Urheberrechtschutzes ergibt sich aus dem Werkbegriff. Geschtzte Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes sind nur persnliche geistige Schpfungen ( 2 Abs. 2 UrhG). Diese Definition sagt fr sich genommen wenig aus. Sie ist sehr vage gehalten und daher schwer handhabbar. Dies gilt auch fr die so genannte Schpfungshhe, die gewissermaen das Ma kreativer Leistung definiert, das eine geistige Schpfung wie ein Text, ein Musikstck oder ein Computerprogramm aufweisen muss, um urheberrechtlichen Schutz genieen zu knnen. Nicht nur, dass die Schpfungshhe nur beurteilen kann, wer Kenntnisse von der hierzu ergangenen, vielfltigen Rechtsprechung hat. Ob die Schpfungshhe erreicht wurde, muss zudem im Einzelfall beurteilt werden. Dies schliet es aus, generelle Grundstze aufzustellen, an denen man sich in der Praxis leicht orientieren knnte. Insbesondere verbieten sich feste Abzhlregeln, wonach beispielsweise Texte mit weniger als 2.000 Zeichen generell ungeschtzt sind oder dergleichen. Mglich ist lediglich, einige Grundstze zu verinnerlichen und sich darber hinaus an Erfahrungswerten zu orientieren. Im Anschluss werden einige Hinweise zu den einzelnen Aspekten der Schutzfhigkeit gegeben.
2.2.1 Konkrete Gestaltung
Ein Werk ist stets nur eine konkrete Gestaltung. Die Gestaltungsmittel sind dagegen nicht vom Urheberrecht geschtzt. Das bedeutet, dass nicht eine Idee fr einen Text, fr dessen Aufbau oder Gliederung oder dergleichen geschtzt sein kann, sondern nur der Text also die konkrete Anwendung dieser Ideen und Strukturen, die sich in konkreten Formulierungen manifestieren selbst. Auch die in einer Nachricht oder einem sonstigen Text enthaltene Information (z. B., dass ein Buch von einem Autor mit dem Namen XY geschrieben wurde) ist nicht geschtzt und zwar unabhngig davon, ob die Erlangung der Information aufwndig war oder nicht6. Zudem kommt es fr die Frage nach dem Schutz nicht darauf an, ob und, wenn ja, in welcher Form oder an welcher Stelle ein Text oder ein Datum verffentlicht wurde. Ob diese etwa im Internet oder einer Printpublikation bereitgestellt wurden, ist fr die Frage, ob hieran ein Urheberrecht besteht, ohne Bedeutung.
2.2.2 Schpfungshhe und Bagatellschwelle
Wichtig fr die Beurteilung der Schutzfhigkeit eines Datums ist zudem die sog. Schpfungs- oder Gestaltungshhe. Mit diesen Schutzvoraussetzungen wird eine gewisse Bagatellschwelle fr den Urheberrechtsschutz gesetzt. Das Urheberrecht dient dazu, einen gerechten Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen herbeizufhren. Unter anderem muss es die hufig diametral gegenstzlichen Interessen der Urheber, Verwerter und Nutzer in Einklang bringen. Whrend ein Verlag beispielsweise ein Interesse an mglichst weitgehendem Schutz an all seinen Erzeugnissen haben mag, bedarf es zum Schutz der Interessen der Allgemeinheit an Freiheiten. Wrde etwa eine Information fr sich genommen geschtzt, htte dies zur Folge, dass sie nicht mehr ohne Zustimmung des Rechteinhabers kommuniziert, kommentiert, weitergeleitet und bewertet werden drfte. Gleiches wrde gelten, wenn kurze, alltgliche Formulierungen oder gar einzelne Wrter vom Urheberrecht erfasst wrden. Die Folge wre eine mehr oder weniger weitgehende Monopolisierung von Wissen, die zu unzumutbaren freiheitsbeschrnkenden Wirkungen fr die Allgemeinheit fhren wrde, weil die kreative Gestaltungsfreiheit sowie die kommunikativen Freiheiten (wie Publikationsfreiheiten oder die Meinungsuerungsfreiheit) zu sehr beschrnkt wren. Das Urheberrecht verhindert dies, indem reine Informationen generell und kurze alltgliche Formulierungen in aller Regel aus dem Schutzbereich ausgeschlossen sind. Dies gewhrleistet u. a. die Schpfungshhe. Allerdings und dies ist der kontinentaleuropischen Urheberrechtstradition geschuldet, die das Urheberrecht als ein personenbezogenes geistiges Eigentumsrecht versteht ist die Grenze der Schpfungshhe in der Regel recht niedrig angesiedelt. Allein einzuschtzen, ab wann sie berschritten und ein Werk geschtzt ist, stellt sich wie gesagt als schwieriges Unterfangen dar, schon allein, weil es hierbei stets auf den Einzelfall ankommt. Die Beurteilung wird zustzlich dadurch erschwert, dass die Rechtsprechung bei unterschiedlichen Werkarten unterschiedlich hohe Anforderungen an die Schutzfhigkeit stellt. So gelten fr wissenschaftliche Werke, Werke der angewandten Kunst oder rein der Information dienende Sachtexte strengere Mastbe als fr Belletristik, Lyrik, Musik oder Werke der bildenden Kunst. Zum anderen fllt die Einschtzung meist schwer, da das wesentliche Element bei der Beurteilung der Schutzfhigkeit, der Begriff der individuellen Schpfung, ein hohes Ma an subjektivem Beurteilungsspielraum erffnet, der je nach Sichtweise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen fhren kann.
6 Auch durch Auslandskorrespondenten oder investigative Journalisten mit groem Kosten- und Zeitaufwand ermittelte Informationen sind nicht geschtzt. Die reine Information ber ein Ereignis beispielsweise aus einem Artikel oder einer Agenturmeldung zu entnehmen und eine eigene Nachricht hierber zu schreiben, ist daher
Als allgemeiner Grundsatz gilt, dass die Schpfungshhe fr Texte generell niedrig angesiedelt wird. Bei den meisten Werkarten ist auch der Schutz der kleinen Mnze anerkannt, gemeint sind Schpfungen von geringer Individualitt bzw. Originalitt. Etwas anderes (eher strengere Anforderungen an die Schpfungshhe) gilt v. a. fr Werke, bei denen die Gestaltung aufgrund fester Parameter (wie dem Nutzungszweck oder einer bestimmten, nicht variablen [Formen-]Sprache) mehr oder weniger vorgegeben ist. Nach der Rechtsprechung ist in der Regel nicht geschtzt, was jeder so gemacht htte. Je grer der Gestaltungsspielraum bei der Erschaffung, desto grer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis als Werk i. S. d. Urheberrechts geschtzt ist. Einzelne Wrter sind daher niemals, kurze Stze, Satzteile oder auch berschriften in aller Regel nicht geschtzt. Dies gilt auch fr Einzeldaten, deren Urheberrechtsschutz wegen ihres naturgem geringen Umfangs (man denke beispielsweise nur an die bloe Angabe der Gesamtseitenzahl eines Buches als Einzeldatum) zumeist daran scheitert, dass sie die fr den Schutz konkreter Formulierungen erforderliche Schpfungshhe nicht erreichen (wie gesagt kann nicht die reine Information, sondern allenfalls deren sprachliche Ausgestaltung geschtzt sein).
2.3 Der urheberrechtliche Schutz einzelner Daten
Nachstehend werden fr einzelne (im vorliegenden Kontext besonders wichtige) Beispiele generalisierbare Hinweise zur Frage der urheberrechtlichen Schutzfhigkeit gegeben. Zur besseren Orientierung und Gliederung soll dabei nachfolgend zwischen Kerndaten (z. B. Namen und Identifikatoren von Autor[en] und Herausgeber[n], Titel, Verlagsinformation, Verffentlichungsdatum und -ort, Identifizierung des bergeordneten Werks [z. B. einer Zeitschrift], Seitenangaben etc.) einerseits und weitergehenden Sekundren Daten andererseits unterschieden werden (vgl. Kap. 1, Begriffsbestimmung). Praxishinweis: Risikobewertung Viele urheberrechtliche Einschtzungen knnen konkret nur am Einzelfall getroffen werden. Das gilt auch und besonders fr die Frage nach Schutzfhigkeit und Schpfungshhe. Soweit hier und auch in den nachfolgenden Ausfhrungen versucht wird zu pauschalieren und Generalisierungen vorzunehmen, dient dies v. a. der Orientierung und der soweit mglich Abgrenzung von Standard- und Sonderfllen. Allerdings kann bei Fragen mit rechtlichem Interpretationsspielraum nie vllig ausgeschlossen werden, dass ein Gericht den jeweiligen Fall anders beurteilt. Es ist also generell bei Grenzfllen auch individuell eine Entscheidung zu treffen, wie man den jeweiligen Aspekt behandeln und sich verhalten will. Will man die rechtlichen Mglichkeiten ausnutzen, wird zumeist ein Restrisiko verbleiben. Wenn das der Fall ist, muss man eine Abwgung zwischen rechtlichem Risiko und der Bedeutung der Sache vornehmen. Viele Projekte knnten nicht realisiert werden, wenn sie unter den Vorbehalt hundertprozentiger Rechtssicherheit gestellt wrden!
2.3.1 Urheberrechtlicher Schutz der Kerndaten 2.3.1.1 Titel sowie Titeldaten
Der Titel eines Werkes und Serientitel knnen urheberrechtlich nur dann geschtzt sein, wenn sie separat betrachtet eine persnliche geistige Schpfung im Sinne von 2 Abs. 2 UrhG darstellen. Auch wenn die Rechtsprechung die theoretische Mglichkeit eines urheberrechtlichen Schutzes grundstzlich anerkennt, wird ein solcher Schutz in der Praxis aufgrund der Krze des Titels und der damit einhergehenden fehlenden Schpfungshhe fast nie bestehen. Dies gilt erst recht, wenn der Titel lediglich aus einem einzelnen Wort besteht: Das einzelne Wort ist nur ein Element der Sprache und vermag als solches nicht aus sich selbst heraus eine individuelle Gedankenentwicklung auszudrcken. Somit kann ein urheberrechtlicher Schutz fr Werk- und Serientitel lediglich in wenigen Ausnahmefllen bestehen. Exkurs: Der markenrechtliche Schutz des Werktitels Neben einem urheberrechtlichen Titelschutz gilt es zudem auch den markenrechtlichen Titelschutz zu beachten: Nach 5 Abs. 1 MarkenG werden (u. a.) Werktitel als Unternehmenskennzeichen geschtzt. Mit Werktiteln sind die Namen oder besonderen Bezeichnungen von Druckschriften, Filmwerken... gemeint. Anders gesagt, fallen auch die Titel von Texten und Bchern jeglicher Art hierunter. Der markenrechtliche Titelschutz kann neben einem etwaigen urheberrechtlichen Schutz des Werktitels (sollte ein solcher ausnahmsweise gegeben sein) bestehen. Er entsteht durch Benutzungsaufnahme im Verkehr, bedarf also wie das Urheberrecht keiner Registrierung oder Anmeldung7. Anders als das Urheberrecht ist die Dauer des Titelschutzes nicht gesetzlich beschrnkt, sondern an die tatschliche Benutzung des Titels fr das jeweilige Werk gebunden. Wird der Vertrieb eingestellt (wie bei einem vergriffenen Buch), erlischt der Titelschutz nach Ablauf einer fr die Neuauflage zu bercksichtigenden Zeit8. Auch wenn ein markenrechtlicher Werktitelschutz besteht, bedeutet dies jedoch nicht, dass der Titel in einem Bibliothekskatalog nicht verwendet werden darf: 23 Nr. 2 MarkenG sieht vor, dass der Inhaber einer geschftlichen Bezeichnung (hierzu zhlt auch der Werktitelschutz i.S.v. 5 MarkenG) es einem Dritten nicht untersagen kann, ein mit der Marke oder der geschftlichen Bezeichnung identisches Zeichen oder ein hnliches Zeichen als Angabe ber Merkmale oder Eigenschaften von Waren oder Dienstleistungen, wie insbesondere ihre Art, ihre Beschaffenheit, ihre Bestimmung, ihren Wert, ihre geographische Herkunft oder die Zeit ihrer Herstellung oder ihrer Erbringung, zu benutzen. Der markenrechtliche Titelschutz schtzt davor, dass ein Dritter den gleichen oder einen hnlichen Titel fr sein eigenes Werk benutzt, wodurch Verwechselungen im Verkehr entstehen knnen. Er schtzt aber nicht davor, darber zu informieren, dass ein Werk unter einem bestimmten Titel vertrieben wird oder wurde.
7 Siehe Strbele/Hacker-Hacker, MarkenG, 8. Auflage 2006, 5, Rn. 88 ff. 8 Strbele/Hacker-Hacker, 5, Rn. 100 ff.
2.3.1.2 Titelblatt
Das Titelblatt (gemeint ist der Innentitel, nicht das Cover) unterliegt im Normalfall keinem Urheberrechtsschutz. blicher Weise enthlt das Titelblatt nur den Titel des Werkes sowie bibliographische Angaben zu Autor oder Verlag. Bei diesen Elementen handelt es sich um reine Informationen ber das Werk, die ihrerseits nicht geschtzt sind. Auch besteht bei der sprachlichen Formulierung der Information (z. B., dass der Autor eines Werkes XY heit oder dass ein Buch 200 Seiten hat) keinerlei Gestaltungsspielraum.
2.3.1.3 Weiterfhrende Beschreibungselemente
Auch weiterfhrende Beschreibungselemente (z. B. Angaben zum urheberrechtlichen Status des Werkes, Hyperlinks auf Werke Dritter, Bestandsangaben, Signaturen) sind grundstzlich urheberrechtlich nicht schutzfhig. Hierbei handelt es sich in aller Regel um bloe Informationen und Tatsachen, bei deren sprachlicher Darstellung kein Gestaltungsspielraum besteht. Ein urheberrechtlicher Schutz kommt folglich generell nicht in Betracht.
2.3.1.4 Ontologien, Klassifikationen und Dokumentationssprachen
Bei einer Ontologie handelt es sich meist um sprachlich gefasste und formal geordnete Darstellungen einer Menge von Begrifflichkeiten und der zwischen ihnen bestehenden Beziehungen in einem bestimmten Gegenstandsbereich. Sie werden dazu genutzt, Wissen in digitalisierter und formaler Form zwischen Anwendungsprogrammen und Diensten auszutauschen.9 Eine Dokumentationssprache ist eine konstruierte Sprache zur Nutzung innerhalb von Informations- und Dokumentationssystemen, welche sich dadurch auszeichnet, dass es sich bei ihnen um ein kontrolliertes Vokabular handelt oder Begriffe durch Notationen eindeutig identifizierbar sind.10 Ontologien und Dokumentationssprachen werden in aller Regel nicht als Werk i.S.v. 2 UrhG geschtzt sein11: Auch wenn der Begriff der Literatur, Wissenschaft und Kunst i.S.v. 2 UrhG schwer definierbar und grundstzlich weit auszulegen ist, muss das Werk doch eine im weit verstandenen Sinne geistig-sthetische Wirkung besitzen. Lediglich praktische, organisatorische, technisch-bedingte, aufwndige oder gewerbliche Leistungen (wie dies bei Ontologien und Dokumentationssprachen regelmig der Fall sein drfte) fallen hingegen nicht darunter.12 Allerdings kann der Ontologie als Gesamtwerk ebenso wie einer Dokumentationssprache ein Schutz als Datenbankwerk i.S.v. 4 UrhG zukommen, sofern deren Erstellung auf einer ausreichend individuellen Anordnungs- oder Auswahlleistung basiert13. Das kann z. B. fr komplexe und umfangreiche Bibliographien gelten. Entscheidend fr den urheberrechtlichen Schutz ist dabei, ob die Auswahl und/oder Anordnung der in einer solchen Zusammenstellung aufgenommenen Inhalte (z. B. ein Werkverzeichnis einschlielich Klassifizierung) hinreichend individuell im Sinne des Werkbegriffes ist14. Zwar
9 http://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie_(Informatik). 10 http://de.wikipedia.org/wiki/Dokumentationssprache. 11 OLG Hamm, Urt. v. 21.05.1968, GRUR 1970, 97 ff. 12 Vgl. Schulze, GRUR 1987, 769. 13 BGH, ZUM-RD 2011, 14/17 ff. Markenheftchen; Spindler/Schuster, Recht der elektronischen Medien, 2. Auflage 2011, 4 Rn. 13. 14 Der BGH hat in seiner Entscheidung Tele-Info-CD (in der es um die Schutzfhigkeit von Telefonbchern als Datenbank-, Sammel- oder Sprachwerke ging) hierzu ausgefhrt (siehe BGH GRUR 1999, 923/924): Die fr die Annahme eines geschtzten Sprachwerks erforderliche persnliche geistige Schpfung kann in der Gedankenformung und -fhrung des dargestellten Inhalts oder in der besonders geistvollen Form und Art der Sammlung, Einteilung und Anordnung des dargebotenen Stoffes liegen. Bei einem Fernsprechverzeichnis handelt es sich um ein Nachschlagewerk, bei dem die darin enthaltenen Angaben urheberrechtlich betrachtet freies Gemeingut sind, so da ein geistig-schpferischer Gehalt in der Gedankenformung und -fhrung des
sind auch hier die Anforderungen an die Individualitt nicht bermig hoch (Schutz der kleinen Mnze). Je nahe liegender Auswahl und Anordnung jedoch sind, desto weniger kommt ein Schutz in Betracht. Der Aufwand, der mit der Erstellung einhergeht, spielt fr den Urheberrechtsschutz keine Rolle. Beispiel: Ein Verzeichnis oder eine Bibliographie zu erstellen, in der smtliche Werke der spanischen Literatur der Romantik nach naheliegenden Ordnungskriterien (z. B. nach Jahrgngen oder alphabetisch nach den Autorennamen) erfasst sind, mag zwar hchst aufwndig sein. Hierin liegt jedoch keine individuelle (man knnte auch sagen: originelle/auergewhnliche) Anordnungs- oder Auswahlleistung. In Betracht kommt daher nur ein suigeneris-Schutz als einfache Datenbank, da dieser keine individuelle Leistung voraussetzt, sondern vielmehr eine erhebliche Investition (und insofern anders als das Urheberrecht von dem bei der Erstellung geleisteten finanziellen und tatschlichen Aufwand abhngt). Ein Schutz als (einfache) Datenbank gem. den Regelungen in den 87a ff. UrhG kommt in Betracht, soweit bei der Erstellung der Ontologie/Dokumentationssprache wesentliche Investitionen erbracht wurden (vgl. zum Schutz der Datenbank im Nachfolgenden ausfhrlich Kapitel 3). Von der Frage der Schutzfhigkeit der (Gesamt-) Ontologie und der (Gesamt-) Dokumentationssprache losgelst ist jedoch die berlegung, ob einzelne konkret vorgenommene Klassifizierungen urheberrechtlich schutzfhig sind. Hierbei gilt es zu bercksichtigen, dass sich die Einzelklassifizierung an einem vorgegebenen starren Schema (der Dokumentationssprache) orientiert, dessen Anwendung manchmal auch durch ein Regelwerk (wie etwa den Regeln fr den Schlagwortkatalog (RSWK)) geleitet ist. Dies fhrt nicht zwangslufig zu stets gleichen Klassifizierungsergebnissen, vielmehr variieren die Ergebnisse bei Erstellung durch unterschiedliche Personen wie auch durch dieselbe Person zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Nichtsdestotrotz wird man den Gestaltungsspielraum in Anbetracht des vorgegebenen Schemas als insgesamt gering ansehen mssen, so dass meiner Meinung nach der urheberrechtliche Schutz der Einzelklassifizierung regelmig mangels hinreichender Schpfungshhe zu verneinen ist.
2.3.2 Urheberrechtlicher Schutz von Kataloganreicherungsdaten 2.3.2.1 Texte (Vorwort/Klappentext/Umschlagtext/Volltexte)
Angesichts des Grundsatzes, dass bei Sprachwerken grundstzlich auch die kleine Mnze dem Urheberrecht unterfllt, werden Vorworte, Klappentexte usw. ebenso wie der eigentliche Text hufig urheberrechtlichem Schutz unterfallen. Dies kann wie gesagt nicht generell eingeschtzt werden. Will man jedoch aus praktischen Grnden einen generalisierenden Grundsatz aufstellen, sollte man davon ausgehen, dass solche Daten (aus urheberrechtlicher Sicht passt der Begriff hier eher nicht, da es sich um geschtzte Werke oder Werkteile handelt) urheberrechtlich geschtzt sind. Ihre Verwendung fr eine ffentlich zugngliche Katalogdatenbank (die nicht nur dem rein internen Gebrauch innerhalb einer Einrichtung dienen soll) bedarf daher einer Genehmigung des Rechteinhabers (i. d. R. des Verlags).
wiedergegebenen Inhalts im Hinblick auf den geringen Spielraum fr eine individuelle Gestaltung von vornherein ausscheidet. Bei Nachschlagewerken dieser Art kann sich indessen die Schutzfhigkeit aus der Art und Weise ergeben, in der das vorhandene (gemeinfreie) Material ausgewhlt, eingeteilt und angeordnet worden ist. Auch wenn die insoweit zugrundeliegenden Ordnungsprinzipien fr sich genommen, also losgelst von der konkreten Werkgestaltung, als abstrakte Gedanken und Ideen einem Urheberrechtsschutz nicht zugnglich sind, knnen sie doch in dem Nachschlagewerk eine konkrete Ausformung erfahren und ihren schpferischen Niederschlag f b
2.3.2.2 Inhaltsverzeichnis/Literaturverzeichnis/Register
Demgegenber unterfallen die in Schriftwerken blichen Verzeichnisse und Register im Regelfall keinem Werksschutz und werden zumeist gemeinfrei sein. Dies betrifft insbesondere Inhaltsverzeichnis, Tabellenverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Literaturverzeichnis, Sachregister, Personenregister und Ortsregister. Auch dies ist auf die mangelnde Schpfungshhe zurckzufhren. Geschtzt ist nur ein durch den menschlichen Geist geprgtes Produkt [...]. Es ist vom rein handwerksmigen Erzeugnis abzugrenzen. Verzeichnisse und Register bestehen nur aus den fr sich genommen in aller Regel ebenfalls nicht geschtzten berschriften innerhalb des Werkes sowie Fundstellen oder Seitenangaben. Sie werden lediglich noch einmal an anderer Stelle des Werkes zusammenkopiert (eben im Verzeichnis). Diese Handlung (das Zusammenstellen) ist eine handwerkliche Ttigkeit ohne kreative Eigenleistung. Meist wird sie sogar durch die automatisierten Funktionen der jeweiligen Textverarbeitungssoftware erzeugt15. Anders betrachtet: Ein Verzeichnis oder Register besteht lediglich aus Elementen wie berschriften, Schlagwrtern oder Seitenangaben o. ., die jeweils fr sich genommen nicht schutzfhig sind. Die bernahme dieser Elemente bzw. der nicht-schpferischen Zusammenstellung derselben ist daher in aller Regel keine Urheberrechtsverletzung. Vielmehr drfen Inhalts- und sonstige Verzeichnisse, gleich, ob das zugrunde liegende Werk urheberrechtlich geschtzt ist oder nicht, grundstzlich ohne Zustimmung des Rechteinhabers zur Kataloganreicherung verwendet werden. Diese Auffassung vertritt im brigen auch der Brsenverein des Deutschen Buchhandels.16
2.3.2.3 Cover
Ist das Cover mit Illustrationen, Abbildungen, Fotos oder aufwndigen graphischen Elementen gestaltet, wird es in aller Regel urheberrechtlich geschtzt sein. Eine Nutzung in den Bibliothekskatalogen bedarf insofern in aller Regel einer (kostenpflichtigen) Lizenzierung durch die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst.17 Praxishinweis Kataloganreicherungen werden in der Regel technisch so umgesetzt, dass die eigentlichen Anreicherungsdateien (gescannte Inhaltsverzeichnisse oder andere Register, Klappentexte etc.) als PDF auf einen anderen Server kopiert werden als die Katalogdaten und sich in den Katalogdaten lediglich ein Link auf die Kataloganreicherungsdateien befindet. Das heit, im Falle einer Freigabe von Kataloganreicherungsdaten werden zunchst nur Links auf die eigentlichen Dateien freigegeben. Dieser Umstand ndert jedoch zunchst nichts an der rechtlichen Bewertung, da es urheberrechtlich keinen Unterschied macht, auf welchem technischen Wege die Vervielfltigungshandlung vorgenommen wird. Ein rechtlicher Unterschied ergibt sich nur dann, wenn die Daten nicht auf einen eigenen Server kopiert werden, sondern lediglich auf die Originalquelle (z. B.
15 In solchen Fllen fehlt es schon grundstzlich an einer persnlichen Schpfung. Geschtzt sind stets nur Werke, die von Menschen gestaltet wurden. Rein maschinell oder sonst wie automatisiert erzeugte Gestaltungen sind hiernach niemals urheberrechtlich geschtzt. 16 Siehe http://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/DBV/vereinbarungen/Boersenverein_110707_Kataloganreicherung.pdf. 17 Vereinbarungen ber die Nutzung von Covers in Bibliothekskatalogen finden sich z. B. im Vertrag zwischen dem dbv und der VG Bild-Kunst vom Dezember 2007 (verlngert bis 2013), abrufbar unter http://www.bibliotheksverband.de/dbv/vereinbarungen-und-vertraege/kataloganreicherung-vereinbarungenund-vertraege.html.
eine Verlagswebseite oder einen Online-Shop) verlinkt wird. Dann liegt keine (eigene) Vervielfltigung vor. Das Verlinken auf fremde Quellen und Inhalte ist urheberrechtlich grundstzlich unbedenklich.
2.3.2.4 Kataloganreicherungsdaten aus sonstigen vom Verlag oder Dritten bereitgestellten Quellen
Darber hinaus bieten die Verlage oftmals eine Reihe weiterer Materialien zur Bewerbung und zum Verkauf ihrer Produkte an. Gemeint sind beispielsweise Abstracts, Kurzbeschreibungen und Pressetexte oder auch Beschreibungen fr Bibliotheken oder Buchhndler. Hinzu kommen zudem von Dritten erstellte Materialien wie Rezensionen und Kurzbeschreibungen. Allen diesen Materialien ist gemein, dass es sich nicht nur um bloe Informationen handelt und bei ihrer Formulierung in aller Regel ein hinreichender Gestaltungsspielraum bestehen wird18. Man sollte daher davon ausgehen, dass sie in der Regel urheberrechtlich geschtzt sind. Ausnahmen stellen insofern lediglich sehr kurze Beschreibungen (die nur aus ein oder zwei Stzen bestehen) ohne jegliche schpferische Gestaltungshhe dar.19
2.4 Tabellarische bersicht
Der bersicht halber sollen die vorstehenden generalisierenden Grundstze noch einmal in Tabellenform dargestellt werden20. Die Tabelle zeigt, dass manche Katalogdaten fr sich genommen urheberrechtlich schutzfhig sein knnen. Allerdings wird dies nur auf Inhalte zutreffen, die nicht nur aus bloen Informationen bestehen, sondern bei denen es sich um sprachliche Formulierungen von gewissem Umfang handelt.
18 Deutlich wird dies beispielsweise an Rezensionen: Auch wenn etwa drei Rezensenten der gleichen Meinung ber ein Werk wren, wrden sie doch im Zweifel drei vllig unterschiedlich formulierte Texte schreiben. 19 Z .B. Detektiv jagt Verbrecher als (einzige) Inhaltsangabe fr eine Sherlock Holmes-Geschichte. 20 Die bersicht basiert auf der Tabelle mit Begriffen (Klartext) fr die Kataloganreicherungsobjekte angelehnt an die Onix-Liste 33 der ONIX-Version 2.1 der AG Kooperative Verbundanwendungen. Siehe http://www.dnb.de/wir/pdf/agkva_prax_kat_anr_2011_web.pdf, S. 5.
Abstract Ausfhrliche Beschreibung Auszug Autorenbiographie Autorenkommentar Autorenname Begleitmaterial Beschreibung fr Bibliotheken Beschreibung fr Buchhndler Beschreibung fr die Lizenzabteilung Beschreibung fr Lehrer/Erzieher Beschreibung fr Lesegruppen Beschreibung fr Leser Beschreibung fr Marketing Bestandsangaben Cover Dokumentationssprache (Gesamt-) Dokumentationssprache (Klassifikation mittels) Einfhrung/Vorwort Errata Erstes Kapitel Fragen fr Lesegruppen Herausgeber Illustration Inhaltstext Inhaltsverzeichnis Kapitel (vollstndiger Text) Klappentext Kurzbeschreibung Links Literaturverzeichnis Ontologie (Gesamt-) Ontologie (Anwendung von Teilen) Pressetext Register Rezension Rezension (Auszug) Seitenanzahl Signatur Titelblatt Umschlagtext Unverffentlichter Kommentar Urheberrechtlicher Status eines Werks Verlagsname Volltext Werbliche berschrift
2.5 Zwischenergebnis/Gang der weiteren Untersuchung
Die Untersuchung hat gezeigt, dass eine Reihe von Daten nicht urheberrechtlich geschtzt ist und diese insofern (zumindest unter urheberrechtlichen Gesichtspunkten) als Einzeldaten in den Bibliothekskatalog aufgenommen werden knnen. Da derartige Daten nach der vorstehenden Tabelle jedoch nur einen Teil der Katalogdaten umfassen, stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen solche Daten in den Katalog aufgenommen werden drfen, die urheberrechtlich geschtzt sind. Das Urheberrecht erlaubt Nutzungen von Werken ohne Zustimmung des Rechteinhabers unter verschiedenen Umstnden. Solche sind v. a. zulssig, wenn der urheberrechtliche Schutz bereits erloschen ist (dazu 2.6) oder wenn gesetzliche Regelungen (sog. Schrankenbestimmungen) die jeweilige Werknutzung ausnahmsweise gestatten (dazu 2.7). Sind derartige Umstnde nicht gegeben, muss der Inhaber der ausschlielichen Nutzungsrechte der Verwendung der Daten im Bibliothekskatalog zustimmen (dazu 2.8).
2.6 Schutzdauer des Urheberrechts
Das Urheberrecht whrt 70 Jahre post mortem auctoris (p. m. a. nach dem Tod des Autors, siehe 64 UrhG). Ist diese Zeit abgelaufen, erlischt es endgltig und unwiderruflich. Das Werk wird dann gemeinfrei, was bedeutet, dass damit jeder machen kann, was er will. Da smtliche Rechte erlschen, ist es dann z. B. zulssig, das Werk beliebig zu verndern, kommerziell oder nicht-kommerziell zu nutzen, als Volltext in einen Katalog aufzunehmen oder sonst wie wiederzuverffentlichen oder gar den Autorennamen zu verndern oder wegzulassen.21 Bezogen auf ein einzelnes Datum (etwa eine Buchrezension) bedeutet das, dass ein eventuell bestehender urheberrechtlicher Schutz 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt und das Datum dann zur Verwendung gemeinfrei ist. Die Schutzdauer ist nach 69 UrhG zu berechnen. Sie beginnt mit dem Ablauf des Kalenderjahres, in dem das fr den Beginn der Frist magebende Ereignis eingetreten ist. Ist ein Urheber also 1924 gestorben, beginnt die Laufzeit der postmortalen Schutzfrist am 01.01.1925. Das Werk wird dann am 01.01.1995 frei. Die Beurteilung der Schutzdauer kann trotz dieser klaren Regelung in Einzelfllen schwierig sein. Das gilt v. a., wenn Urheberrechte und sog. verwandte Schutzrechte, auch Leistungsschutzrechte genannt, zusammentreffen. So besteht die Mglichkeit, dass in Einzelfllen auch an einem gemeinfreien Text ein sog. Leistungsschutzrecht beispielsweise als wissenschaftliche Ausgabe entsteht, wenn die Darstellung des Textes das Ergebnis einer wissenschaftlich sichtenden Ttigkeit ist und sich wesentlich von den bisher bekannten Ausgaben der Werke oder Texte unterscheidet ( 70 UrhG). Die Leistungsschutzrechte haben andere Laufzeiten, ihre Schutzfrist ist nicht an die Lebenszeit von Personen geknpft, sondern an die Verffentlichung der Ausgabe (siehe etwa 70 Abs. 3 UrhG). Geht es also nicht um die Nutzung eines (gemeinfreien) Textes, sondern einer konkreten Ausgabe, sind die verschiedenen Fristen fr alle involvierten Rechte zu beachten. Auch die Frist fr geschtzte Bearbeitungen luft unabhngig vom Schutz des Originals. Eine bersetzung des Faust kann daher Schutz genieen, obwohl das Original nicht geschtzt ist (und da es zu Goethes Zeiten noch kein Urheberrecht gab nie geschtzt war).
21 Zur Mglichkeit der retrospektiven Digitalisierung gemeinfreier Printpublikationen vgl. auch Kreutzer, Till (2011): Digitalisierung von gemeinfreien Werken durch Bibliotheken. Ein Leitfaden hg. vom Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen. Einsehbar unter http://www.hbznrw.de/dokumentencenter/veroeffentlichungen/Digitalisierungsleitfaden.pdf.
Allerdings werden gerade im literarischen Bereich (anders als z. B. bei Musik oder Filmen) nur sehr eingeschrnkt Leistungsschutzrechte gewhrt. Verlage genieen etwa (auer in seltenen Ausnahmen, s. u.) regelmig keine Leistungsschutzrechte an ihren Ausgaben. So ist es im Allgemeinen nicht untersagt, aus einer neueren Kafka-Ausgabe die hierin abgedruckte Original-Fassung von der Prozess zu entnehmen, weil die Herausgabe einer solchen Ausgabe keine neuen Schutzrechte entstehen lsst. Dennoch ist auch bei Sprachwerken zu beachten, dass Bestandteile einer Publikation in Einzelfllen durchaus noch geschtzt sein knnen, obwohl der Text selbst gemeinfrei ist. Praxishinweis Auch einzelne Werkteile innerhalb eines an sich gemeinfreien Werkes knnen geschtzt sein. Dies knnen beispielsweise Vorwort, Erluterungen oder Abbildungen sein. Der Text und die in einer Publikation enthaltenen sonstigen Werke sind sofern sie von unterschiedlichen Urhebern stammen im Hinblick auf die Schutzdauer isoliert zu betrachten. Die Tatsache, dass ein Text gemeinfrei ist, begrndet insofern nicht automatisch auch die Gemeinfreiheit der brigen Werkteile wie Cover etc.
2.7 Eingreifen gesetzlicher Schranken?
Das Urheberrecht unterfllt der grundrechtlichen Eigentumsfreiheit in Art. 14 GG. Insofern unterliegt es auch der Sozialbindung des Eigentums, die es erfordert, das Urheberrecht sofern es angesichts einer umfassenden Interessenabwgung geboten erscheint einzuschrnken. Diese Einschrnkungen sind im 6. Abschnitt ( 44a ff. UrhG) des Urheberrechtsgesetzes geregelt. Sie werden Schrankenbestimmungen oder kurz Schranken genannt. Schranken enthalten punktuelle Nutzungsfreiheiten, die jeweils auf bestimmte Nutzungsszenarien, -zwecke und/oder Nutzergruppen Anwendung finden. Aus der Vielzahl gesetzlicher Schrankenregelungen knnen im vorliegenden Kontext insbesondere die Paragrafen 51 UrhG (Zitatrecht), 52b UrhG (elektronische Lesepltze) sowie 53 UrhG (Vervielfltigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch) relevant sein. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass keine dieser Schranken die bei der Verwendung von urheberrechtlich geschtzten Daten in Katalogen erforderlichen Nutzungshandlungen in vollem Umfang ohne Zustimmung des Rechteinhabers gestattet. Die Anwendung des 53 Abs. 1 UrhG (Recht auf Privatkopie) scheitert bereits an dem Umstand, dass die nutzungswillige Institution in aller Regel nicht zu privaten Zwecken, sondern im Rahmen der ffentlich-rechtlichen Widmung handelt; darber hinaus ermglicht diese Regelung auch nicht die ffentliche Bereitstellung der Daten in elektronischen Netzwerken. Auch ein Rckgriff auf 53 Abs. 2 Nr. 1 UrhG (Wissenschaftsschranke) sowie 53 Abs. 2 Nr. 2 UrhG (Archivschranke) kommt in der Regel nicht in Betracht: Zwar gestatten es beide Regelungen Vervielfltigungsstcke von geschtzten Werken zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch bzw. als sog. Archivkopie zu erstellen. Sie drfen dann jedoch allenfalls zu wissenschaftlichen oder Archivierungszwecken innerhalb der Einrichtung genutzt werden. Soll das Material dagegen ffentlich zugnglich gemacht (z. B. zum Abruf ber das Internet bereitgestellt) werden, ist die Befugnis ausgeschlossen ( 53 Abs. 6 UrhG). Ebensowenig ist die Verwendung von etwaig geschtzten Daten in Bibliothekskatalogen nach 52b UrhG (elektronische Lesepltze) gestattet: Diese Regelung sieht vor, dass die Zugnglichmachung von verffentlichten Werken aus dem Bestand ffentlich zugnglicher Bibliotheken, Museen oder Archive, sofern der Zugang lediglich in den Rumen der jeweili19
gen Einrichtung an eigens dafr eingerichteten Lesepltzen erfolgt, fr Forschung und private Studien beschrnkt bleibt. Frei zugngliche Verffentlichungen von geschtzten Werken im Internet gestattet diese Regelung also nicht. Verbleibt als letzte denkbare Ausnahme 51 UrhG (Zitatrecht). Das Zitatrecht erlaubt es, aus fremden Werken zu den im Gesetz genannten Zwecken und in dem dort genannten Umfang zu zitieren. Enthlt ein eigenstndiges Werk urheberrechtlich geschtzte Werke oder Werkteile, die ordnungsgeme Zitate darstellen, darf es beliebig vervielfltigt und auch online gestellt werden. Allerdings sind Zitate nur in selbststndigen Werken gestattet und auch nur dann, wenn man sich in dem eigenen Werk mit dem zitierten Inhalt auseinandersetzt, es jedenfalls einen inneren Zusammenhang mit den eigenen Ausfhrungen gibt. An beidem wird es bei Bibliothekskatalogen in aller Regel fehlen. Sie dienen schon grundstzlich nicht dazu, sich mit den hierin z. B. aufgenommenen Covern, Vorworten oder Rezensionen im Rahmen einer eigenen Abhandlung auseinanderzusetzen.
2.8 Ausdrckliche oder konkludente Gestattung durch den Rechteinhaber
Somit kommt eine Nutzung von urheberrechtlich geschtzten Daten in einer Datenbank letztlich nur dann in Betracht, wenn der Rechteinhaber einer derartigen Verwertung zugestimmt hat. Dies kann er sowohl ausdrcklich als auch konkludent (also durch schlssiges Verhalten) tun. Hinweis Gegenstand der nachfolgenden Ausfhrungen ist zunchst lediglich die Frage, ob (und in welchem Umfang) Katalogdaten in den eigenen Katalog bernommen werden drfen. Die weitergehende Frage, ob (zulssig) bernommene Daten auch unter einer Open-Data-Lizenz Dritten zur Verfgung gestellt werden drfen, ist hiervon zu unterscheiden (dazu ausfhrlich Kapitel 4).
2.8.1 Allgemeines zur Nutzungsrechtseinrumung, zu copyfraud und vertraglichen Einschrnkungen gemeinfreier Inhalte
Eine Nutzung der von einem Dritten bereitgestellten Daten kommt insbesondere dann in Betracht, wenn dieser der Nutzung des Datums in der Datenbank vertraglich zustimmt. In der urheberrechtlichen Terminologie spricht man insoweit von einer Lizenzierung oder der Einrumung von Nutzungsrechten. Hierbei handelt es sich um eine (urheber-)vertragliche Vereinbarung, in der bestimmt wird, in welchem Umfang das Werk durch die jeweilige Institution genutzt werden darf. Eine solche kann auch in allgemeinen Geschftsbedingungen (Nutzungs- oder Lizenzbestimmungen) liegen, denen der jeweilige Nutzer zustimmt. Nicht immer ist es fr den juristischen Laien ohne weiteres mglich, die jeweiligen Nutzungsbedingungen im Hinblick auf alle fr ihn relevanten Fragen zu verstehen. Die konkrete Auslegung solcher Lizenzbestimmungen wird jedoch hufig von groer praktischer Bedeutung sein. Eine goldene Regel des deutschen Rechts lautet: Vertrge sind einzuhalten (lat. pacta sunt servanda). Dies ist zwar nicht absolut zu verstehen (auch Vertrge, vor allem, wenn sie unter Einsatz von allgemeinen Geschftsbedingungen geschlossen werden, knnen teilweise unwirksam sein und mssen dann nicht eingehalten werden). Es verdeutlicht jedoch, dass gesetzliche Regelungen durch Vertrge gendert werden knnen. Beispielsweise stellt sich im Zusammenhang mit Einzeldaten und Datensammlungen hufig 20
die Frage, wie Flle des sog. copyfraud (Schutzrechtsberhmung22) rechtlich zu beurteilen sind. Unter copyfraud versteht man Flle, in denen sich jemand zu Unrecht eines Urheberrechts an gemeinfreien Inhalten anmat (Beispiel: Ein Katalogdatenanbieter behauptet, dass er an jedem einzelnen Titeldatum oder jeder Autorenangabe Rechte besitzt). Generell sind solche Flle rechtlich einfach zu beurteilen. Natrlich entsteht durch die reine Behauptung, dass jemand ein Recht besitzt, an einem Inhalt, der den urheberrechtlichen Schutzvoraussetzungen nicht entspricht, nicht einfach ein Urheberrecht. Ob ein solches besteht, ergibt sich ausschlielich aus den gesetzlichen Regeln, wie sie oben beschrieben wurden. Dennoch kann eine Schutzrechtsberhmung Bindungswirkung fr den Nutzer theoretisch entfalten, und zwar in solchen Fllen, in denen er mit dem Anbieter einen verbindlichen Vertrag schliet, der die (Weiter-) Verwendung der gemeinfreien Inhalte untersagt oder einschrnkt (zum Ausdruck gebracht etwa durch Formulierungen wie Nachdruck verboten, Weitergabe nur mit Zustimmung des Rechteinhabers, Verwendung nur zu nichtkommerziellen Zwecken usw.). In solchen Konstellationen stellt sich die Frage, ob Vertrge, die einen verbindlichen Quasi-Rechtsschutz in Form von Nutzungsbeschrnkungen fr an sich ungeschtzte Inhalte implementieren sollen, insofern wirksam sind. Von der Antwort auf diese Frage hngt z. B. ab, ob Anbieter von (urheberrechtlich ungeschtzten) bibliographischen Daten ihren Nutzern durch AGB untersagen knnen, einzelne Datenstze beliebig weiterzuverwenden, sie z. B. in einen eigenen Katalog zu integrieren, der nach dem Open-Data-Prinzip zur freien Nutzung online gestellt werden soll, oder sie ansonsten zur allgemeinen Nutzung freizugeben. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es zu wissen, dass vertragliche Vereinbarungen stets nur zwischen den Vertragspartnern gelten (inter partes). Hierdurch unterscheiden sie sich grundlegend von Urheberrechten, die gegenber jedermann wirken (inter omnes). Dieser Unterschied wirkt sich praktisch in verschiedener Hinsicht aus. Da Schutzrechtsberhmungen wie gesagt keine Urheberrechte entstehen lassen knnen, entfalten sie keinen gesetzlichen (Urheberrechts-)Schutz. Das jeweilige Datum ist also nach wie vor gemeinfrei und kann von jedermann ohne weiteres und auf jede Art und Weise verwendet werden. Wer allerdings einen Vertrag mit dem Anbieter akzeptiert, in dem Nutzungsbeschrnkungen vorgesehen sind, die einem urheberrechtlichen Schutz gleich- oder nahekommen, kann u. U. wegen der Eingehung des Vertrages in der Verwendung beschrnkt sein. Dieser Vertrag gilt jedoch wiederum nicht gegenber Dritten, die einen solchen Vertrag ber die Nutzung der Inhalte nicht geschlossen haben (Wirkung inter partes). Man nehme etwa den Fall, dass ein zwischen einem Anbieter von bibliographischen Daten und einer Institution geschlossener Vertrag Nutzungsbeschrnkungen hinsichtlich einzelner Daten vorsieht. Geht man davon aus (was nachfolgend noch nher zu beleuchten ist), dass diese Beschrnkungen wirksam sind, ist die Institution nicht befugt, die Daten entgegen der vertraglichen Regelungen zu verwenden. Tut sie es aber doch und gibt sie beispielsweise an eine andere Institution weiter, die mit dem Anbieter keinen Vertrag hat, ist diese andere Institution (oder jeder andere, der die Daten erhlt) nicht gehindert, die Daten frei zu nutzen. Denn sie ist durch den Vertrag zwischen der ersten Institution und dem Anbieter in keiner Weise gebunden. Wren die Daten dagegen urheberrechtlich geschtzt, wrden die sich aus dem Urheberrecht ergebenden Nutzungsbeschrnkungen gegenber jedermann gelten. Besteht zwischen Anbieter und Nutzer ein rechtswirksamer Vertrag, kann er sich bei Verletzungen der Rechte und Pflichten durch den Nutzer mit rechtlichen Mitteln dagegen weh22 Siehe zur Definition: http://de.wikipedia.org/wiki/Copyfraud.
ren. Er kann ihn also z. B. auf Unterlassung oder auf Schadensersatz wegen Verletzung der Vertragsbedingungen in Anspruch nehmen.
2.8.2 Lizenzbestimmungen ausgewhlter Bezugsquellen fr Katalogdaten
Um die vorstehenden einleitenden berlegungen an praktischen Beispielsfllen zu erlutern, werden nachfolgend die Nutzungsbedingungen einiger besonders relevanter Bezugsquellen fr Katalogdaten exemplarisch untersucht und kommentiert.
2.8.2.1 Nutzungsrechtseinrumung Nationallizenzen
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) frdert seit 2004 den Erwerb von Nationallizenzen fr Zeitschriften, Datenbanken und eBooks, um die Versorgung mit elektronischen Fachinformationen an deutschen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Bibliotheken zu verbessern. In den Informationen der DFG23 heit es hierzu:
Ziel ist es, Wissenschaftlern, Studierenden und wissenschaftlich interessierten Privatpersonen den kostenlosen Zugang zu Datenbanken, digitalen Textsammlungen und elektronischen Zeitschriften zu ermglichen. Derzeit haben acht Einrichtungen bundesweit geltende Lizenzvereinbarungen mit Fachgesellschaften, Verlagen und anderen Informationsanbietern abgeschlossen. Diese acht Institutionen sind auch Ansprechpartner fr die Bereitstellung der Daten. ...
Im Netz ist eine Vielzahl von Angeboten verfgbar, die nach den Vorgaben der DFG zu Nationallizenzen genutzt werden knnen. Hierzu zhlen neben digitalen Zeitschriften (mit gemeinfreien Inhalten) und eBooks auch bibliographische Datenbanken24. Jedes einzelne Angebot bzw. die hierin befindlichen Inhalte unterliegt eigenen Nutzungsbedingungen, die sich durchaus unterscheiden und hier nicht im Einzelnen untersucht werden knnen. Allerdings hat die DFG verbindliche Statuten (Grundstze fr den Erwerb DFG-gefrderter berregionaler Lizenzen) aufgestellt, denen smtliche Nationallizenz-Angebote entsprechen mssen. In Bezug auf die Nutzungsbefugnisse an Metadaten, die aufgrund solcher Nationallizenzen Institutionen wie Bibliotheken oder Forschungseinrichtungen berlassen werden, enthalten die Frderungsbedingungen folgende Formulierung25:
Der Lizenznehmer oder ein von ihm beauftragter Dritter ist berechtigt, die Metadaten in jeder Weise zu nutzen, die geeignet ist, die Nutzung des lizenzierten Produkts bzw. der darin enthaltenen einzelnen Informationsobjekte durch autorisierte Nutzer zu ermglichen, zu befrdern, zu erleichtern und zu untersttzen. Insbesondere knnen zu diesem Zweck die Metadaten indexiert werden und ggf. mit Verknpfungen, die einen direkten Zugang autorisierter Nutzer zum lizenzierten Produkt bzw. den darin enthaltenen einzelnen Informationsobjekten ermglichen, in lokale Katalogsysteme, regionale oder berregionale Verbundkatalogsysteme, sowie andere Bibliotheksdienste und Informationssysteme Dritter (einschlielich, aber nicht beschrnkt auf Suchmaschinen) eingebunden werden. Das Recht, die Metadaten in dieser Weise zu nutzen, steht allen autorisierten Einrichtungen zu. Ausgeschlossen ist die kommerzielle Nutzung der berlassenen Metadaten.
23 Siehe http://www.nationallizenzen.de/. 24 Siehe die Liste der Angebote unter http://www.nationallizenzen.de/angebote. 25 Siehe S. 7 f. (Randziffer 22) in http://www.dfg.de/download/programme/wissenschaftliche_literaturversorgung_informationssysteme/antrag stellung/12_18/12_18.pdf.
Aus dieser Formulierung folgt zunchst, dass solche Nationallizenzen nach den Statuten der DFG Lizenznehmern gestatten sollen, ihre Kataloge mit den Metadaten aus der Nationallizenz anzureichern. Eine Frderung von Open-Data im Sinne der o. g. Definition liegt hierin allerdings nicht. Zum einen soll nach den Statuten nur der Zugriff und die Nutzung durch autorisierte Nutzer26 gefrdert werden. Auch wenn die Nutzung durch nicht-autorisierte Dritte (durch jedermann) hiermit nicht ausgeschlossen wird, liegt sie jedenfalls nicht im Fokus der Richtlinien. Zum anderen drfen die Daten nicht kommerziell genutzt werden. Eine umfassende Verwendung unabhngig vom hiermit verfolgten (gleich ob kommerziellen oder nicht-kommerziellen) Zweck frdern die Vorgaben der DFG somit nicht, sondern verhindern vielmehr die Publikation der Metadaten als Open Data. bernimmt ein Datenanbieter vollstndig die o. g. Formulierungen aus den DFG-Frderbedingungen, fhrt dies im brigen dazu, dass die Nutzungsregelung unwirksam ist. Das Verbot kommerzieller Nutzung bezieht sich auf die *berlassenen+ Metadaten und damit auch auf einzelne (urheberrechtlich nicht geschtzte) Datenstze und (umso mehr) unwesentliche Teile der Datenbank. Eine solche Klausel hebelt die Grenzen des Datenbankherstellerrechts aus und ist nach 87e UrhG in der Regel unwirksam (s. u., Punkt 3.2.4). Dies hat zur Folge, dass die Klausel keine rechtliche Wirkung entfaltet, so dass die gesetzlichen Regelungen gelten27. Die praktische Konsequenz ist dementsprechend, dass entgegen etwaiger auf der Klausel der DFG-Bedingungen basierenden Nutzungsregelungen in den Vertragsbedingungen eines Datenanbieters nicht nur einzelne Datenstze, sondern sogar unwesentliche Teile der Datenbank, zu beliebigen Zwecken verwendet (z. B. nach den Open-Data-Prinzipien freigegeben) werden knnen, wie es in 87b UrhG geregelt ist.
2.8.2.2 Nutzungsrechtseinrumung ekz
Noch deutlich restriktiver sind die Nutzungsbedingungen der ekz28. So enthlt 4 Nr. 1 der Nutzungsbedingungen ber den Bezug der elektronischen Lektoratsdienste der ekz zunchst folgende Regelung:
26 Was hierunter zu verstehen ist ergibt sich aus Randziffer 14. Danach sind autorisierte Nutzer einzelne Nutzer, die durch eine autorisierte Einrichtung berechtigt sind, die Informationsangebote der autorisierten Einrichtung on-site oder off-site (via Remote Access) durch gesicherte Authentifizierungsmethoden zu benutzen, und derzeitig Studierende (in grundstndigen und postgradualen Studiengngen bzw. als Doktoranden oder Gaststudenten), Angehrige des Lehrkrpers (inklusive Gastwissenschaftler), weitere Beschftigte (im unbefristeten sowie befristeten Arbeitsverhltnis), Auftragnehmer oder registrierte Benutzer der autorisierten Einrichtung. 27 Grund hierfr ist das sog. Verbot der geltungserhaltenden Reduktion, das aus den 306 Abs. 2, 307 BGB abgeleitet wird. Hiernach ist eine Klausel in allgemeinen Geschftsbedingungen, die gegen rechtliche Bestimmungen verstt, vollstndig unwirksam, so dass die gesetzlichen Regelungen zur Anwendung kommen. Eine geltungserhaltende Reduktion wrde dagegen bedeuten, dass die AGB-Klausel so ausgelegt wrde, dass ihr der maximal mgliche Gehalt entnommen wird. Beispiel: Wenn in einer vertraglichen Haftungsklausel geregelt ist, dass die Haftung vollstndig ausgeschlossen wird, erfasst die Klausel auch vorstzlich verursachte Schden. Eine solche Regelung verstt gegen deutsches Recht, da die Haftung fr vorstzlich verursachte Schden nicht ausgeschlossen werden kann (siehe 276 Abs. 3 BGB). Die Folge ist, dass die gesetzlichen Regelungen greifen, nach denen der Schuldner eines Haftungsanspruchs bereits fr leichte Fahrlssigkeit haftet. Wre dagegen eine geltungserhaltende Reduktion zulssig, wrde die Haftungsbeschrnkung im Grundsatz erhalten und auf die maximal mgliche Beschrnkung reduziert. Die Folge wre dann, dass der Schuldner nur fr Vorsatz, nicht aber fr grobe Fahrlssigkeit haftet (soweit eine solche Haftungsbeschrnkung im jeweiligen Fall gesetzlich zulssig ist). 28 Die ekz gibt in elektronischer Form eine Sammlung bibliotheksspezifischer Informationen ber Neuerscheinungen des Buch- und Medienmarktes, den so genannten elektronischen Lektoratsdienst in verschiedenen Ausgaben heraus. Der elektronische Lektoratsdienst ist ein Hilfsmittel fr den Bestandsaufbau, die Recherche und das Datenmanagement in Bibliotheken. Die ekz vertreibt diesen elektronischen Lektoratsdienst an Bibliotheken und stellt ihn den Bibliotheken online oder auf Datentrger zur Verfgung. Darber hinaus unterhlt, betreibt
Der elektronische Lektoratsdienst und die darin enthaltenen Inhalte sind urheberrechtlich geschtzt.
Eine derartige Aussage ist schon rechtlich nicht haltbar (vgl. auch copyfraud): Die Frage, ob ein Datum urheberrechtlich geschtzt ist, ist nicht nach Behauptungen in vertraglichen Vereinbarungen bestimmt, sondern ausschlielich nach dem Gesetz. Entscheidend kommt es deshalb auf die Schpfungshhe an. Damit knnen die Regelungen in den Nutzungsbedingungen im Zweifel auch nur auf diejenigen Daten angewendet werden, die urheberrechtlich geschtzt sind. Zum Umfang der Nutzungsmglichkeiten heit es weiter:
Die ekz rumt dem Kunden in Form eines einfachen und zeitlich unbeschrnkten Nutzungsrechts das Recht ein, die Datenbank und den elektronischen Lektoratsdienst sowie die darin enthaltenen Daten wie folgt zu nutzen: Der Kunde ist berechtigt, einzelne Daten und Datenstze, aber auch wesentliche Bestandteile des elektronischen Lektoratsdienstes auf allen Bildschirmarbeitspltzen in der Hauptniederlassung sowie etwaigen Zweigniederlassungen seines Hauses abzurufen, anzuzeigen und ablaufen zu lassen, herunterzuladen sowie zu speichern. Unzulssig ist die Nutzung der Datenbank und des elektronischen Lektoratsdienstes durch juristische oder natrliche Personen, die nicht dem Unternehmen des Kunden angehren.
Und weiter in 4 Nr. 2 lit d:
Der Kunde ist darber hinaus berechtigt, einzelne in der Datenbank enthaltene Datenstze sowie das ihm in Form des elektronischen Lektoratsdienstes berlassene Datenmaterial in der Form zu bearbeiten, dass mit Hilfe des Datenmaterials ein allein von dem Kunden genutztes Bibliotheksrecherchesystem und/oder ausschlielich vom Kunden genutzte Bibliothekskataloge erstellt werden oder um diese Daten ergnzt werden knnen. Die in dieser Weise bearbeiteten Daten drfen gespeichert und Nutzern zum Abruf und Ausdrucken einzelner Informationen, sowie online an verschiedenen Bildschirmarbeitspltzen in der Hauptniederlassung oder in den Zweigniederlassungen des Kunden oder in Form eines Internetkataloges ffentlich zugnglich gemacht werden. Eine sonstige Bearbeitung, insbesondere Krzung, Ergnzung von Daten und jegliche Verwertung dieser Bearbeitungen sowie Kombination mit anderen Daten auerhalb des beschriebenen Nutzungszwecks ist dem Kunden ohne vorherige schriftliche Zustimmung von der ekz untersagt.
Der letztgenannte Absatz macht deutlich, dass eine Nutzung einzelner urheberrechtlich geschtzter Daten (nicht aber aller Daten) zur Fremddatenbernahme zwar im Prinzip gestattet sein soll. Allerdings wird die Verwendung sogar von einzelnen Datenstzen an bestimmte Bedingungen geknpft und manche Nutzungen (wie die Bearbeitung und Kombination mit anderen Daten oder die frei zugngliche Verffentlichung einzelner bearbeiteter Datenstze) unter Erlaubnisvorbehalt gestellt. Auch soll es verboten sein, einzelne Datenstze juristischen oder natrlichen Personen, die nicht dem Unternehmen des Kunden angehren, verfgbar zu machen. Es ist damit weder gestattet, einzelne Datenstze oder (umso mehr) unwesentliche Teile der Datenbank zu kommerziellen Zwecken bereitzustellen, noch, sie frei zugnglich zu machen. Wie die Formulierung der DFG-Nationallizenzen (s. o.) hebelt auch diese Klausel die Grenzen des Datenbankherstellerrechts aus und ist daher m. E. nach 87e UrhG unwirksam.
2.8.2.3 Nutzungsrechtseinrumung DNB
Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) hat eine ganze Reihe von Vertrgen mit Bibliotheken ber die Nutzung von (Meta-)Daten geschlossen. So heit es schon in dem "Vertrag fr den Magnetbanddienst 'Deutsche Nationalbibliographie'" von 1991 sowie in spteren Vertrgen der DNB zur Fremddatenbernahme:
und pflegt sie eine Datenbank zu seit dem Jahr 1986 erschienenen und im Rahmen der Lektoratskooperation gesichteten und besprochenen Buchtiteln und Nonbook-Medien.
4 Nutzungsbedingungen 1. Der Bezieher verpflichtet sich, die gelieferten Daten nur fr eigene Zwecke zu verwenden. Hierzu zhlt insbesondere die Nutzung in jeglicher Form zum Zwecke der Erwerbung, Katalogisierung und des eigenen Bestandsnachweises. 2. Eine Eigennutzung liegt auch dann vor, wenn der Bezieher die Daten innerhalb seines eigenen institutionellen Verbundes nutzt. (...) 3. Der Bezieher verpflichtet sich, bei bernahme der gelieferten Datenstze in sein eigenes System die Urheberschaft Der Deutschen Bibliothek kenntlich zu machen, solange die Datenstze unverndert bleiben. Der Bezieher teilt Der Deutschen Bibliothek bei Abschlu des Vertrages mit, in welcher Form er die Datenstze kennzeichnet. 4. Wird ein Datensatz verndert, um einen bestandsabhngigen Datensatz im System des Beziehers zu erstellen, erlischt das Urheberschaftsrecht Der Deutschen Bibliothek an diesem Datensatz. 5. Die Auswertung der Daten zu kommerziellen Zwecken, insbesondere zur Erstellung bibliographischer Verzeichnisse, ist nur zulssig nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch Die Deutsche Bibliothek. Unzulssig ist in jedem Fall die Herstellung der Deutschen Nationalbibliographie - oder wesentlicher Teile daraus - in gedruckter Form, in Mikroform oder auf anderen Datentrgern. 6. Ausgeschlossen ist auch die bernahme in bestandsunabhngige Literaturdatenbanken sowie die Verwertung in sonstigen Nutzungsformen, die in Wettbewerb zu Dienstleistungen Der Deutschen Bibliothek treten knnen. Ausnahmen hiervon bedrfen der vorherigen schriftlichen Zustimmung durch Die Deutsche Bibliothek.
Absatz 1 der Nutzungsbedingungen bestimmt zunchst den Anwendungsbereich des Vertrages. Die Daten werden hiernach lediglich zur Eigennutzung bergeben, die sodann beispielhaft definiert wird und auch die Katalogisierung mit umfasst. Damit ist eine Nutzung der Daten aufgrund der getroffenen Vereinbarungen zur Kataloganreicherung zulssig. Allerdings gilt die Nutzungserlaubnis nur unter der in Absatz 5 vorgesehenen Einschrnkung, dass keine kommerziellen Zwecke verfolgt werden. Auch die DNB-Nutzungseinrumung entspricht damit nicht den Open-Data-Prinzipien. In Abs. 3 reklamiert die DNB zudem eine Urheberschaft fr ihre Daten. Was hiermit gemeint ist, ist unklar. Eine Einrichtung wie die DNB kann unabhngig von der Schutzfhigkeit der jeweiligen Inhalte niemals Urheber sein, da sie keine natrliche Person ist. Insofern kann sie auch keine Urheberschaft fr sich reklamieren oder beanspruchen, als Urheber genannt zu werden. Weitere Unklarheiten ergeben sich aus der Klausel in Absatz 4. Hiernach soll das Urheberschaftsrecht der DNB erlschen, wenn ein Datensatz verndert wird. Was mit einem Urheberschaftsrecht (diesen Begriff gibt es im Urheberrecht nicht) gemeint ist, ist ebenso unklar wie der Regelungszweck dieser Formulierung. So knnte man hieraus entnehmen, dass die Nutzungsbeschrnkungen, die die DNB hinsichtlich der berlassenen Daten aufstellt (v. a. die Beschrnkung auf eigene, nicht-kommerzielle Nutzungen in Absatz 1 und 4), erlschen, soweit die Datenstze verndert wrden. Die Einschrnkungen wren damit eher theoretischer Natur, da eine nderung der Datenstze technisch und praktisch im Zweifelsfall ohne weiteres mglich ist. Bei systematischer Betrachtung erscheint eine solche Auslegung jedoch fern liegend. Vielmehr ergibt sich aus dem Zusammenhang von Absatz 3 und 4, dass mit Urheberschaftsrecht allein das Recht der DNB gemeint sein soll, als Ersteller der Datenstze genannt zu werden. Nahe liegender ist daher m. E., dass die Nutzungseinschrnkungen fr die Datenstze auch nach einer Vernderung nicht entfallen sollen, sondern nur die Pflicht zur Nennung der DNB als Zulieferer/Ersteller der Datenstze. 25
Auch diesbezglich ist hingegen festzuhalten, dass Absatz 5 der Nutzungsbedingungen gem. 87e UrhG unwirksam sein drfte. Auch diese Regelung verbietet undifferenziert die Auswertung der Daten zu kommerziellen Zwecken. Sie schrnkt damit die freie Nutzung auch einzelner, urheberrechtlich nicht geschtzter, Datenstze ein und ist damit m. E. vollstndig unwirksam (ebenso wie die entsprechenden Formulierungen der ekz und der DFG, s. o.). Insofern gelten auch hier die gesetzlichen Regeln, die es gestatten, unwesentliche Teile der Datenbestnde (sofern die Einzeldaten nicht urheberrechtlich geschtzt sind) frei zu verwenden, z. B. nach den Prinzipien des Open Data freizugeben. Die vorgenannten Regelungen scheinen in der Praxis bis heute verwendet zu werden. Neuerdings ist allerdings zu beobachten, dass die DNB die Idee der Open-Data-Bewegung aufgreift und Reformbewegungen in diese Richtung verfolgt. Allerdings wurde eine Freigabe der Daten nach den Prinzipien des Open Data bislang nicht realisiert. Zwar sind zumindest Teilbestnde zur kostenfreien Nutzung freigestellt worden. Nach den derzeitigen Statuten der DNB ist jedoch eine kommerzielle Nutzung zurzeit ausgeschlossen, was gegen die OpenData-Prinzipien verstt.29
2.8.3 Konkludente Lizenzierung durch den Rechteinhaber
Neben einer ausdrcklichen Lizenzierung kann die Nutzung des Werkes zudem auch durch schlssiges (konkludentes) Verhalten des Rechteinhabers gestattet werden. Vertrge ber die Nutzung von urheberrechtlich geschtztem Material (Lizenzvertrge, Nutzungsrechtsvertrge) mssen grundstzlich nicht schriftlich vereinbart werden. Auch mndliche Zusagen oder eben Verhaltensweisen, die auf eine Zustimmung schlieen lassen, sind daher generell ausreichend, um Nutzungsbefugnisse einzurumen. Allerdings sind gerade an konkludente Zustimmungen hohe Anforderungen zu stellen, um durch diese Mglichkeit die urheberrechtlichen Ausschlielichkeitsrechte nicht zu entwerten. Besondere Relevanz kommt einem schlssigen Verhalten z. B. in den Fllen zu, in denen Verlage zu Werbezwecken geschtztes Material (wie Abbildungen von Einbnden, Klappentexte oder Rezensionen) ffentlich bereitstellen. In solchen Fllen ist selbst wenn dies nicht ausdrcklich erklrt wird (z. B. in Form von Nutzungsbedingungen) davon auszugehen, dass der Rechteinhaber mit einer mglichst weit reichenden Verwendung des Materials einverstanden ist. Wird Werbematerial Dritten zur Verfgung gestellt, damit sie das jeweilige Werk bewerben knnen, wre es widersprchlich, ihnen die im Rahmen einer Werbemanahme blichen werblichen Handlungen zu untersagen. Allerdings ist bei konkludentem Verhalten stets schwer zu beurteilen, wie weit eine hiermit erklrte Zustimmung geht (was z. B. sind bliche Werbemanahmen, kann Werbematerial auch in Bibliothekskataloge aufgenommen werden, die an sich nicht der Bewerbung dienen usw.). Daher wird es in solchen Fllen hufig ratsam sein, sich der Berechtigung zu der jeweils intendierten Benutzung des Materials zu vergewissern, indem beim Rechteinhaber nachgefragt wird. Meines Erachtens wird man allein dem Umstand, dass geschtzte Daten zu Werbezwecken online gestellt oder sonst wie verbreitet werden, nicht entnehmen knnen, dass der Rechteinhaber damit einverstanden ist, dass sie zur Anreicherung von Bibliothekskatalogen verwendet werden. Wie gesagt dient ein solcher Katalog nicht (jedenfalls nicht vorwiegend) der Bewerbung der hierin aufgenommenen Werke. Fr diese Auffassung spricht auch der grundstzliche Auslegungsgrundsatz des Urheberrechts, nach dem urheberrechtliche Nutzungsrechte im Zweifel nur in dem Umfang auf einen Lizenznehmer bertragen werden, als dies fr die Erfllung des Vertragszwecks erforderlich ist (so genannter Zweckbertra29 Vgl. zu dem angestrebten Geschftsmodell und den unterschiedlichen Zugriffsstufen ausfhrlich http://www.d-nb.de/service/zd/geschaeftsmodell.htm.
gungsgrundsatz, 31 Abs. 5 UrhG). Nutzungsrechte an geschtztem Material tendieren hiernach dazu, so weit wie mglich beim Urheber (oder sonstigen Rechteinhaber) zu verbleiben.
Die bisherige Untersuchung hat gezeigt, dass auf einfache Daten wie Werktitel, Autorenname, Gesamtseitenzahl und Signatur mangels Schpfungshhe kein Urheberrechtsschutz besteht. Demgegenber sind gerade die fr eine Kataloganreicherung interessanteren Daten wie Cover und Klappentexte in aller Regel urheberrechtlich geschtzt. Daher und aufgrund des Umstandes, dass Schrankenbestimmungen in der Regel nicht einschlgig sein werden bedarf die Nutzung derartiger Daten zumeist einer urheberrechtlichen Genehmigung (Lizenz) durch den Rechteinhaber. Hinweis In der Praxis wird eine individuelle Vereinbarung mit jedem Rechteinhaber an einem urheberrechtlich geschtzten Datum bereits aufgrund des groen Zeitaufwands kaum mglich sein. Insofern stellen die Vereinbarungen mit Anbietern bereits vorhandener Datenbankbestnde praktikable Alternativen dar. Besondere urheberrechtliche Probleme knnen jedoch entstehen, wenn der Lizenzgeber auch ber Datenstze verfgt, an denen er keine eigenen Rechte hat (er also bildlich gesprochen etwas verkauft, was ihm nicht gehrt). In derartigen Fllen ist die Nutzung trotz der ausdrcklichen Gestattung durch den (nichtberechtigten) Lizenzgeber rechtswidrig. Nutzungsrechte knnen nicht gutglubig erworben werden. Veruert jemand ein Recht, das ihm nicht zusteht, kann auch der Erwerber das Recht nicht erlangen und wegen einer Urheberrechtsverletzung in Anspruch genommen werden, wenn er dennoch nutzt. In solchen Fllen ist es allenfalls mglich, beim Vertragspartner (der seiner Verpflichtung, Rechte zu bertragen, schlielich nicht nachgekommen ist) Regress zu nehmen. Solche Regressmglichkeiten sollte man sich sofern ber den Inhalt des Vertrags berhaupt verhandelt wird stets vertraglich sichern.
Die Datenbank (bzw. Sammlung von Daten) als geschtztes Werk
Dass einzelne Daten urheberrechtlich nicht geschtzt sind, heit noch nicht, dass es in jedem Fall zulssig ist, ganze Datenbestnde einfach von Dritten (wie z. B. kommerziellen Katalogdatenanbietern) zu bernehmen. Auch wenn die einzelnen Daten urheberrechtlich nicht geschtzt sein mgen, kann die Datenbank oder Datensammlung rechtlich gegen eine bernahme durch Dritte geschtzt sein. Denn das Urheberrechtsgesetz schtzt nicht nur einzelne Werke, sondern auch Datenbanken und Sammlungen von Werken und zwar unabhngig von der Schutzfhigkeit der hierin enthaltenen Elemente (Einzeldaten). Datenbanken knnen dabei in zweierlei Hinsicht geschtzt sein: Einerseits urheberrechtlich ( 4 Abs. 2 UrhG) und andererseits nach dem so genannten sui-generis-Schutzrecht (sui generis = eigene Art) des Datenbankherstellers ( 87a ff. UrhG). Da beide Schutzrechte sehr unterschiedliche Anforderungen haben und unterschiedlichen Zwecken dienen, wird in den folgenden Ausfhrungen zwischen ihnen differenziert. Allerdings kann eine Datenbank sowohl urheberrechtlich (dann spricht man von einem Datenbankwerk) als auch durch das Daten27
bankherstellerrecht geschtzt sein, was angesichts der unterschiedlichen Schutzvoraussetzungen und -wirkungen (z. B. hinsichtlich der Schutzdauer) zu uerst schwierigen Einschtzungen der zulssigen Nutzungen fhren kann.
3.1 Urheberrechtlicher Schutz als Datenbankwerk
Datenbanken knnen nach 4 Abs. 2 UrhG urheberrechtlich geschtzt sein, wenn sie ein Sammelwerk darstellen, bei dem die Elemente systematisch oder methodisch angeordnet und einzeln mit Hilfe elektronischer Mittel oder auf andere Weise zugnglich sind. Der wesentliche Unterschied zu den einfachen Datenbanken (die nur nach 87a ff. UrhG Schutz genieen) besteht darin, dass als Datenbankwerke nur diejenigen Datenbanken geschtzt sind, die persnlich-geistige Schpfungen sind, die also eine gewisse Schpfungshhe erreichen. Einfache, naheliegende Datensammlungen, bei deren Erstellung keine individuelle Auswahlentscheidung erbracht wird (z. B., weil sie wie Telefonbcher lediglich auf Vollstndigkeit angelegt sind), erfllen diese Kriterien nicht. Vor diesem Hintergrund wurde etwa der urheberrechtliche Schutz als Datenbankwerk von der Rechtsprechung fr Telefonbcher, Gesetzessammlungen, Brsencharts, Musikcharts und sonstige auf Vollstndigkeit angelegte Datenbanken abgelehnt. Auch wenn auch hier gilt, dass die Anforderungen an die kreative Leistung bei Erstellung der Datenbank gering sind (Schutz der kleinen Mnze), ist der urheberrechtliche Schutz fr Datenbanken und dies gilt auch fr Bibliothekskataloge eher die Ausnahme. Hufiger wird der sui-generisSchutz nach den 87a ff. UrhG zu beachten sein.
3.2 Sui-generis-Schutz als Datenbank
Unabhngig von einer kreativen Leistung bei Erstellung der Datenbank oder einer Schpfungshhe knnen Datenbanken nach 87a UrhG dagegen geschtzt werden, dass Dritte ungefragt die ganze Datenbank oder einen Groteil der hierin befindlichen Daten bernehmen. Ob ein solcher Schutz besteht, hngt da das Datenbankherstellerrecht nicht dem Schutz der geistigen Leistung, sondern dem Schutz von Investitionen dient von gnzlich anderen Faktoren ab als die Schutzfhigkeit nach dem Urheberrecht.
3.2.1 Sammlung von Katalogdaten als Datenbank i.S.v. 87a UrhG?
Das sui-generis-Recht des Datenbankherstellers gem. 87a UrhG setzt zunchst voraus, dass es sich um eine Sammlung von Werken, Daten oder anderen unabhngigen Elementen handelt, die systematisch oder methodisch angeordnet und einzeln mit Hilfe elektronischer Mittel oder auf andere Weise zugnglich sind. Einer geistigen Schpfung bedarf es fr den Schutz nicht. Das Erfordernis der Unabhngigkeit der einzelnen Elemente einer Datenbank dient dabei der Abgrenzung einer Sammlung von einem einheitlichen Werk. Ein Element ist unabhngig von anderen Elementen, wenn es einen bestimmten Aussagegehalt hat, der bei isolierter Betrachtung dieses Elements vollstndig erfasst werden kann. Diese Voraussetzung werden Katalogdaten unproblematisch erfllen. Wichtigstes Kriterium fr den Schutz ist, dass fr die Erstellung der Datenbank wesentliche Investitionen erbracht wurden. Was wesentlich ist, also wie gro die Investition sein muss, damit ein Datenbankherstellerrecht entstehen kann, ist wiederum Frage des Einzelfalls. Weder der Datenbank-Richtlinie (auf deren Umsetzung die deutschen Bestimmungen basieren) noch dem Text des deutschen Gesetzes oder den Gesetzesmaterialien lassen sich diesbezglich Informationen entnehmen, die abstrakte Einschtzungen ermglichen wrden. Dies erschwert die Beurteilung, ob eine bestimmte Datensammlung diesem Recht unterfllt oder nicht, erheblich. 28
Nach Erwgungsgrund 40 der Datenbank-Richtlinie (96/9/EG) sind unter Investitionen jedenfalls nicht nur finanzielle, sondern auch zeitliche, organisatorische usw. Aufwendungen zu verstehen. Zu bercksichtigen sind also etwa die Aufbereitung des Datenbestandes, die Konzeption der Struktur und der Abfrageoptionen usw. Nicht bercksichtigt werden dagegen Kosten, die nicht fr die Erstellung der Datenbank, sondern nur fr die bernahme von Datenbestnden von Dritten aufgewendet wurden (v. a. Lizenzkosten, wenn Katalogdaten eingekauft und dann in einer eigenen Datenbank weiterverwendet werden). Rechtsinhaberschaft an der Datenbank bei mehreren beteiligten Institutionen (z. B. bei Verbundkatalogen) Wird eine Datenbank nur von einer einzigen Institution erstellt, ist diese auch Inhaber des Datenbankherstellerrechts. Anders als im Urheberrecht knnen Inhaber des Datenbankherstellerrechts auch Unternehmen oder ffentliche Einrichtungen sein. Die Beurteilung, wem das Datenbankherstellerrecht zusteht, kann schwierig werden, wenn Datenbanken durch das Zusammenwirken von mehreren Einrichtungen erstellt werden. Wie verhlt es sich etwa bei der Erstellung von Verbundkatalogen, wenn manche der teilnehmenden Institutionen die Erschlieung bernehmen, andere die technische Infrastruktur beisteuern oder gar nur finanziell an den Entstehungskosten beteiligt werden? Datenbankhersteller und damit Inhaber des Datenbankherstellerrechts ist gem. 87a UrhG, die Person/Institution, die die Initiative zum Aufbau der Datenbank ergreift und das Investitionsrisiko trgt. In der Regel wird dies derjenige sein, der die wesentlichen Investitionen erbringt. Nach dieser Definition knnen auch mehrere Institutionen Rechteinhaber an einer Datenbank sein. Wirken etwa mehrere Bibliotheken und andere Einrichtungen bei der Datenbankherstellung in der Weise zusammen, dass sie gemeinsam die Initiative zur Schaffung der Datenbank ergreifen und dabei jede Institution erhebliche Teile der Investitionen zur Erstellung des Katalogs erbringt (womit jede Institution einen Teil des Investitionsrisikos trgt), sind alle beteiligten Institutionen Datenbankhersteller im Sinne des Gesetzes. Die Folge ist, dass ihnen auch das Datenbankherstellerrecht gemeinsam zusteht und Entscheidungen ber die Verwertung (oder Freigabe) der Datenbank gemeinsam getroffen werden mssen. Anders ist die Situation, wenn die Initiative nur von einer Institution ausgeht und nur diese das wirtschaftliche Risiko trgt. bernehmen Dritte (z. B die Verbundbibliotheken) bloe Ausfhrungsarbeiten, indem sie etwa lediglich Erschlieungsdaten in den Katalog einspielen, begrndet das keine Rechtsstellung als Datenbankhersteller und keine teilweise Rechtsinhaberschaft an der Datenbank30. Gleiches gilt, wenn der Initiator Auftragnehmer beschftigt, die an der Erstellung der Datenbank beteiligt sind. Die Frage nach der Rechteinhaberschaft hngt damit entscheidend von dem Verhltnis der beteiligten Personen und Einrichtungen ab. Die Rechte an einem Verbundkatalog etwa, der in alleiniger Initiative von einer Institution aufgebaut und finanziert wird, liegen allein bei dieser Institution und sie kann ber die Lizenzierung der Datenbank allein entscheiden (z. B. ob die Daten im Sinne von Open-Data freigegeben werden sollen). Auch wenn weitere Institutionen Hilfs30 BGH, GRUR 1999, 923/925 Tele-Info-CD.
leistungen erbringen, indem sie z. B. Daten beisteuern, ist dies fr die Frage nach der Rechtsinhaberschaft an der Datenbank belanglos. Einigt sich dagegen eine Mehrzahl von Institutionen darauf, gemeinsam einen Verbundkatalog zu erstellen und steuert jeder der Partner auch Finanzmittel zum Aufbau des Katalogs bei, sind sie nach der gesetzlichen Regelung auch gemeinsam Rechtsinhaber an dem Katalog. Die gesetzliche Regelung der Rechteinhaberschaft bei Datenbanken, die durch mehrere Beteiligte aufgebaut und finanziert werden, lsst hufig viele Fragen offen. Daher wird es in solchen Fllen in aller Regel ratsam sein, die Befugnisse (z. B. hinsichtlich der Nutzung, der Berechtigungen, der Lizenzierung an Dritte) an der Datenbank vertraglich zwischen den teilnehmenden Institutionen zu regeln. Zum einen ist trotz jahrelanger Auseinandersetzung mit dem Datenbankschutz durch Rechtsprechung und Rechtsliteratur noch immer nicht in jeder Hinsicht eindeutig geklrt, welche Investitionen bei der Zuordnung des Datenbankherstellerrechts zu bercksichtigen sind (umstritten ist beispielsweise noch immer, ob die in eine Steuerungssoftware gettigten Investitionen als Investitionen in die Datenbank zu werten sind usw.). Eine vertragliche Vereinbarung kann diese Rechtsunsicherheiten beilegen. Zum anderen ist die Verwaltung der Rechte an einer Datenbank, an der eine Mehr- oder gar Vielzahl von Institutionen Rechte hat, sehr aufwndig. Sollen die Datenbestnde etwa zur Nutzung i. S. v. Open Data freigegeben und einer Open-Data-Lizenz unterstellt werden, wre hierfr die Zustimmung aller berechtigten Institutionen ntig. Das praktische Problem des Lizenzmanagements potenziert sich naturgem, wenn Rechte an der Datenbank individuell vergeben werden sollen (auch hier mssen nach der gesetzlichen Regelung alle Rechteinhaber zustimmen). Generell ist davon auszugehen, dass jedenfalls bei umfangreicheren Datenbanken das Merkmal der wesentlichen Investitionen erfllt sein wird. Die Rechtsprechung ist in Bezug auf die Schutzfhigkeit von Datenbanken bislang generell eher grozgig gewesen. Beispielsweise hat der BGH in der Entscheidung Gedichttitelliste eine Investition von 34.900 Euro, die die Universitt Freiburg im Zuge der zweieinhalb Jahre dauernden Entwicklung der Gedichttitelliste aufgewendet hatte, ohne weiteres gengen lassen. Der EuGH hat dies nicht beanstandet31. Hufig wurde von den Gerichten offensichtlich der faktische (v. a. zeitliche) Beschaffungsaufwand als Indiz herangezogen, auch wenn die hierfr aufgewendeten Kosten nicht besonders hoch waren oder nicht einmal klar dargelegt wurden32. Ob auch Datenbanken mit Produktinformationen von Verlagen (z. B. Verlagskataloge) diese Voraussetzungen erfllen, ist zumindest zweifelhaft. So gilt es zu bercksichtigen, dass lediglich Investitionen in die Aufbereitung des Datenbestandes, die Konzeption von Verknpfungen und die Erarbeitung von Abfrageoptionen bei der Bestimmung der wesentlichen Investition heranzuziehen sind. Eine wesentliche Investition liegt demzufolge insbesondere dann vor, wenn das suchen, auffinden und anordnen der Inhalte der Datenbank erheblichen (Kosten- und Arbeits-)Aufwand bereitet. Da Verlage die Kataloganreicherungsdaten bereits bei der Produktion der Werke erzeugen und in aller Regel ein schneller und unkomplizierter Zugriff auf die Einzeldaten garantiert
31 EuGH, Urteil v. 09.10.2008, Az. C-304/07 Gedichttitelliste, siehe http://www.telemedicus.info/urteile/639C30407.html = GRUR 2008, 1077. 32 Eine gute bersicht findet sich bei Dreier/Schulze-Dreier, 87a, Rn. 15, siehe auch Fromm/NordemannCzychowski, 87a, Rn. 22.
ist, spricht abstrakt betrachtet einiges dafr, dass zur Erschlieung und Anordnung in einer diesbezglichen Datenbank keine wesentlichen Investitionen erbracht werden mssen. Auch diese Frage hngt jedoch vom Einzelfall ab, konkret, wie hoch die jeweiligen Aufwendungen zur Erstellung der Datenbanken sind. Eine abstrakte Beurteilung solcher Flle ist daher an dieser Stelle nicht mglich.
3.2.2 Wann liegt ein Eingriff in das Datenbankherstellerrecht vor?
Handelt es sich um eine nach 87a UrhG geschtzte Datenbank, steht dem Datenbankhersteller das ausschlieliche Recht zu, die Datenbank insgesamt oder einen nach Art oder Umfang wesentlichen Teil der Datenbank zu vervielfltigen, zu verbreiten und ffentlich wiederzugeben. Darber hinaus steht dem Datenbankhersteller auch das Recht zur ffentlichen Zugnglichmachung (v. a. im Internet, siehe 19a UrhG) zu. 87b Satz 2 UrhG stellt zudem die wiederholte und systematische Nutzung auch unwesentlicher Teile der Datenbank der Vervielfltigung eines wesentlichen Teils der Datenbank gleich, sofern diese Handlungen einer normalen Auswertung der Datenbank zuwiderlaufen oder die berechtigten Interessen des Datenbankherstellers unzumutbar beeintrchtigt werden. An diesen Aspekten zeigt sich der Unterschied zwischen dem Schutz der Datenbank und einem Schutz der in der Datenbank enthaltenen Elemente. In das Datenbankrecht wird nicht dadurch eingegriffen, dass einzelne Elemente hieraus bernommen werden. Erst bei bernahme eines wesentlichen Teils, sei es auf einmal, sei es durch sukzessive Entnahme liegt eine Verletzungshandlung vor. Der Schutz bezieht sich also nicht auf die Einzelelemente, sondern lediglich auf die Datenbank als Zusammenstellung von Einzeldaten. Anders ausgedrckt: Sofern einzelne Inhalte der Datenbank urheberrechtlich (z. B. als Sprachwerk) geschtzt sind, wrde es nicht gegen das Datenbankherstellerrecht verstoen, wenn sie verwendet (z. B. vervielfltigt oder an anderer Stelle online gestellt) werden, sondern allenfalls gegen das Urheberrecht an dem jeweiligen Inhalt. Besteht die Datenbank ausschlielich aus rechtlich nicht geschtzten Daten (z. B. aus rein bibliographischen Daten), ist die bernahme einzelner Daten nicht untersagt, soweit sie nicht einen wesentlichen Teil der Datenbank betrifft. Unter einer Entnahme (der Begriff wird in der Datenbank-Richtlinie verwendet, vgl. Art. 7 Abs. 2 a und b) ist die stndige oder vorbergehende bertragung eines (wesentlichen) Teils der Datenbank auf einen anderen Datentrger zu verstehen. Darber hinaus ist jede Art der Weiterverwendung (nach der Terminologie des deutschen Urheberrechts: Verbreitung und jede Art der ffentlichen Wiedergabe, also auch die Online-Zugnglichmachung) dem Rechteinhaber vorbehalten. Fraglich ist, ob eine Entnahme einen physischen Kopiervorgang aus der Datenbank selbst voraussetzt, also nur dann vorliegt, wenn tatschlich Datenstze aus der Datenbank herauskopiert werden. Denkbar wre darber hinaus, einen Eingriff in das Datenbankherstellerrecht auch dann anzunehmen, wenn sich der Nutzer nur an der Auswahl der Daten und deren Struktur orientiert und abwgt, welche Elemente in die eigene Datenbank integriert werden sollen, ohne die einzelnen Datenstze aus dem Vorbild herauszukopieren. Die Elemente der Datenbank bzw. wesentliche Teile derselben werden in solchen Fllen nicht aus der geschtzten Datenbank kopiert und nicht hieraus bertragen (wie es in Art. 7 Abs. 2a der Datenbank-Richtlinie heit), sondern die vorbestehende Datenbank wird nur zur Orientierung und als Vorbild fr die nachgeschaffene Datenbank verwendet. Ein hnlicher Fall lge etwa vor, wenn jemand auf die Datenbank eines Dritten zugreift, sich aufschreibt, welche Daten hierin enthalten sind, und die Inhalte sodann aus einer anderen Quelle bezieht, um eine eigene Datenbank nach denselben Ordnungsprinzipien mit im wesentlichen gleichen Inhalten aufzusetzen. 31
Die wohl herrschende Meinung in der deutschen Rechtsliteratur sprach sich bislang dafr aus, dass in solchen Fllen eine rechtsverletzende Nutzung der Datenbank ausscheidet33. Auch eine ltere Entscheidung des EuGH ging in die Richtung, dass nur direkte Entnahmen per Kopiervorgang in das Datenbankherstellerrecht eingreifen knnen34. Der BGH, der hierber in der Entscheidung Gedichttitelliste II entscheiden musste, hatte diese bis dahin in Deutschland hchstrichterlich noch ungeklrte Frage dem EuGH zur Entscheidung vorgelegt, da sie von der Auslegung der EU-Datenbank-Richtlinie abhngt35. Von Interesse ist dieser Aspekt, da er unmittelbar die Frage betrifft, was das Datenbankherstellerrecht eigentlich schtzen soll. Der EuGH hat auf die Vorlage des BGH im Jahr 2008 entschieden, dass die bernahme von Elementen aus einer geschtzten Datenbank in eine andere Datenbank aufgrund einer Bildschirmabfrage der ersten Datenbank und einer im Einzelnen vorgenommenen Abwgung der darin enthaltenen Elemente eine Entnahme sein kann36. Mit diesem sehr extensiven Verstndnis des Begriffs der Entnahme wird dem Datenbankherstellerrecht ein sehr weiter Schutzbereich zuerkannt. Einfach ausgedrckt liegt eine Verletzung dieses Rechts immer schon dann vor, wenn eine bestehende (und aufgrund der Hhe der erbrachten Investitionen durch das Datenbankherstellerrecht geschtzte) Datenbank mit im Wesentlichen gleichen Inhalt an anderer Stelle noch einmal verffentlich wird. Ob die Inhalte aus der zuerst verffentlichten Datenbank direkt entnommen oder kopiert wurden, ist unerheblich. Auch wenn sie aus anderen Quellen stammen, handelt es sich um eine Rechtsverletzung.
3.2.3 Wesentlicher Teil
Eine Verletzungshandlung liegt zudem nur dann vor, wenn ein wesentlicher Teil bernommen wurde. Wie viel wesentlich ist, ist wiederum Einzelfallfrage. Die Rechtsprechung neigt auch hier zu einer extensiven Interpretation des Schutzbereichs, was wiederum zulasten der Freiheit von in Datenbanken gespeicherten Informationen geht37. Die Nutzung eines wesentlichen Teils kann schon bei bernahmen geringeren Umfangs vorliegen. Bei der Beurteilung sind Art und Umfang der Datenbank und dessen Verhltnis zu dem bernommenen Teil bzw. dessen wirtschaftlichen Wert (da die Investition geschtzt werden soll) zu bercksichtigen. Entscheidend ist, ob die bernahme (potenziell) einen qualitativ und quantitativ erheblichen Schaden fr die Investition verursacht38. In qualitativer Hinsicht ist der bernommene Teil wesentlich, wenn er fr sich genommen eine wesentliche Investition verkrpert. In quantitativer Hinsicht ist der Umfang der bernommenen Elemente im Verhltnis zum Gesamtvolumen der Datenbank zu bercksichtigen39. Die Rechtsprechung ist hier sehr uneinheitlich. Sie hat teilweise sehr grozgig den Schutz auch gegen relativ geringe bernahmen gewhrt, war dagegen in anderen Fllen zurckhaltender. Jedenfalls ist die bernahme einzelner Datenstze keine wesentliche Entnahme40. Das hinter der Datenbank stehende Ordnungssystem ist ebenfalls kein wesentlicher Teil
33 Nachweise siehe in BGH MMR 2007, 688/689 Gedichttitelliste II. 34 EuGH GRUR 2005, 244, Rn. 51 - BHB-Pferdewetten. Siehe zur Interpretation BGH MMR 2007, 688/689, Rn. 23 Gedichttitelliste II. 35 BGH MMR 2007, 688 Gedichttitelliste II. 36 Siehe online: http://www.telemedicus.info/urteile/Urheberrecht/Datenbankschutz/639-EuGH-Az-C30407Gedichttitelliste.html. 37 Kritisch daher auch Dreier/Schulze-Dreier, 87b, Rn. 5, der meint, dass, zum Schutz der Informationsfreiheit, keine zu geringen Anforderungen an die Definition des kleinen Teils gestellt werden sollten. 38 Erwgungsgrund 42 der Datenbank-Richtlinie. 39 EuGH GRUR 2005, 244, Rn. 51 - BHB-Pferdewetten; Fromm/Nordemann-Czychowski, 87b, Rn. 8; Dreier/Schulze-Dreier, 87b, Rn. 8. 40 EuGH Rs. C-203/02, Slg. 2004, I-10415 British Horseracing Board ./. William Hill.
der Datenbank, was bedeutet, dass dessen Verwendung bei der Beurteilung, ob ein wesentlicher Teil der Datenbank bernommen wurde, auer Betracht bleiben muss41. Dies beurteilt sich ausschlielich nach Art und Umfang der bernahme des Datenbestandes. Weitergehend generalisierbare Richtwerte, ab welchem Ma bernommener Inhalte man von einem wesentlichen Teil der Datenbank ausgehen muss, sind der Rechtsprechung nicht zu entnehmen. Auch die Literatur ist solchen Einschtzungen gegenber sehr zurckhaltend, hier heit es mitunter lediglich, dass jedenfalls bei einer bernahme von mehr als 50% eine Verletzungshandlung vorliegt (was wiederum nicht heit, dass dies bei weniger als 50% generell zu verneinen wre)42.
3.2.4 Sukzessive Entnahme
Nach 87b Abs. 1 Satz 2 steht der Vervielfltigung, Verbreitung oder ffentlichen Wiedergabe eines nach Art oder Umfang wesentlichen Teils der Datenbank die wiederholte und systematische Vervielfltigung, Verbreitung oder ffentliche Wiedergabe von nach Art und Umfang unwesentlichen Teilen der Datenbank gleich, sofern diese Handlungen einer normalen Auswertung der Datenbank zuwiderlaufen oder die berechtigten Interessen des Datenbankherstellers unzumutbar beeintrchtigen. Hierdurch soll eine Ausbeutung der Datenbank verhindert werden, da auch eine gezielte sukzessive Entnahme von unwesentlichen Teilen in die Investitionsschutzinteressen des Rechteinhabers eingreifen kann. Gemeint sind Flle, in denen jemand nach und nach einzelne Inhalte oder kleine Teile aus der Datenbank entnimmt, wodurch schlielich wiederum eine im Wesentlichen identische Datenbank entsteht. Die sukzessive Entnahme muss wiederholt und systematisch erfolgen, setzt also ein gezieltes Vorgehen des bernehmenden voraus43. Die wiederholten bernahmen mssen nach der Rechtsprechung des EuGH in ihrer Summe wiederum einem wesentlichen Teil entsprechen44. Selbst wenn solche sukzessiven Entnahmen objektiv vorliegen, sind sie nur untersagt, wenn sie einer normalen Auswertung der Datenbank zuwiderlaufen oder die berechtigten Interessen des Datenbankherstellers unzumutbar beeintrchtigen. Zustzlich zur Frage, ob eine wiederholte und systematische Entnahme vorliegt, ist also noch eine Interessenabwgung vorzunehmen. Diese muss sich wiederum an den Besonderheiten des Einzelfalls orientieren. Nach dem EuGH kann eine Verletzung durch sukzessive Entnahme nur bei schwerwiegenden Beeintrchtigungen der Investitionsschutzinteressen des Datenbankherstellers angenommen werden45. Hier sind die Spielrume fr die Entnahme und Weiternutzung also grer als bei einer direkten Entnahme wesentlicher Teile. Auch fr eine Beeintrchtigung der normalen Auswertung (bzw. dem Zuwiderlaufen derselben) oder der berechtigten Interessen des Datenbankherstellers gengt nicht jede Einschrnkung der Verwertungsmglichkeiten des Datenbankherstellers (sonst htte diese Restriktion keinen Sinn). Es wird hierbei v. a. darauf ankommen, ob die Entnahme in ein Produkt erfolgt, das unmittelbar in Konkurrenz zu der Datenbank steht, aus der die Bestandteile bernommen wurden46. Auch hier sind abstrakte Grenzziehungen nicht mglich. Generalisierend kann man lediglich den Leitsatz aufstellen, dass eine sukzessive Entnahme
41 OLG Frankfurt/Main, MMR 2003, 45/48 IMS Health. 42 So Wandtke/Bullinger-Thum, 87b, Rn. 10; Fromm/Nordemann-Czychowski, 87b, Rn. 10. 43 Fromm/Nordemann-Czychowski, 87b, Rn. 23. 44 EuGH GRUR 2005, 244, 249 - BHB-Pferdewetten. 45 EuGH GRUR 2005, 244, 249 - BHB-Pferdewetten. 46 Fromm/Nordemann-Czychowski, 87b, Rn. 27 m. w. Nachw.
rechtswidrig ist, wenn sie die Amortisierung der Investitionen oder die Gewinnaussichten des Datenbankherstellers nicht unwesentlich gefhrden. Praxishinweis Rechtswidrige Eingriffe in das Datenbankherstellerrecht knnen auch vorliegen, wenn zwar jeweils nur einzelne Datenstze entnommen werden, dies jedoch systematisch und wiederholt erfolgt, sodass letztlich doch ein wesentlicher Teil der Datenbank bernommen wird. Ein Eingriff in das Datenbankherstellerrecht liegt in solchen Fllen jedoch nur vor, wenn die wirtschaftlichen Interessen (v. a. an der Amortisierung der Investitionen) des Datenbankherstellers nicht unwesentlich beeintrchtigt werden. Dies wird generell erst bei erheblichen bernahmen der Fall sein. Entnimmt jemand also Inhalte aus verschiedenen Quellen, ohne eine bestimmte, vorher existierende Datenbank nachzubauen, ist dies im Zweifel kein Eingriff in die Datenbankherstellerrechte.
3.2.5 Kann das Datenbankherstellerrecht durch Vertrge erweitert bzw. Schranken des Rechts vertraglich umgangen werden?
Eine Besonderheit des Datenbankherstellerrechts ist im vorliegenden Kontext von groer Bedeutung: Nach 87e UrhG sind vertragliche Regelungen, nach denen rechtmigen Nutzern einer geschtzten Datenbank untersagt werden soll, unwesentliche Teile der Datenbank zu vervielfltigen, zu verbreiten oder ffentlich wiederzugeben, unwirksam47. Diese Regelung stammt aus der Datenbank-Richtlinie (Art. 8, 15) und ist damit europaweit verbindliches Recht. Sie soll verhindern, dass Nutzungshandlungen, die nach den gesetzlichen Regelungen nicht vom Datenbankherstellerrecht umfasst sind, durch vertragliche Vereinbarungen eingeschrnkt werden. Dies gilt v. a. fr die Nutzung unwesentlicher Teile und die systematische, wiederholte Nutzung einzelner Teile, die insgesamt betrachtet zwar einen wesentlichen Teil ergeben, aber nicht der normalen Auswertung der Datenbank zuwiderlaufen oder die berechtigten Interessen des Datenbankherstellers unzumutbar beeintrchtigen (siehe 87b UrhG). Enthalten die Nutzungsbedingungen eines Anbieters also eine Klausel, nach der Nutzungsrechte eingeholt werden mssen, wenn nur einzelne (selbst urheberrechtlich nicht geschtzte) Datenstze oder ansonsten unwesentliche Bestandteile der Datenbank verwendet werden sollen, ist diese unwirksam und entfaltet keine rechtliche Wirkung. Gleiches gilt, wenn Vertragsklauseln die Verwendung unwesentlicher Teile der Datenbank fr bestimmte (z. B. kommerzielle) Zwecke untersagen oder in sonstiger Weise einschrnken
47 Dieses Verbot vertraglicher Einschrnkungen der Nutzungsfreiheiten gilt unter dem Vorbehalt, dass Entnahmen unwesentlicher Teile weder einer normalen Auswertung der Datenbank zuwiderlaufen noch die berechtigten Interessen des Datenbankherstellers unzumutbar beeintrchtigen. Auch bei der Beurteilung, ob eine Vertragsklausel, die die Freiheit zur Weiterverwendung unwesentlicher Teile beschrnkt, wirksam ist, muss also eine Interessenabwgung vorgenommen werden. Die Regel ist allerdings, dass die Entnahme unwesentlicher Teile gerade nicht unzumutbar in die Investitionsinteressen des Erstellers eingreift. Insofern sind Vertragsklauseln, die derartiges untersagen, generell unwirksam und nur in Ausnahmefllen wirksam. An solche Ausnahmeflle sind strenge Anforderungen zu stellen, da ansonsten der Grundgedanke der gesetzlichen Regelung unterlaufen wrde. Im brigen msste der Datenbankhersteller in einem etwaigen Prozess beweisen, dass ein solcher Sonderfall vorliegt.
(z. B. indem vorgegeben wird, welchen Nutzergruppen die Daten zugnglich gemacht werden drfen)48. Bedeutend ist diese Regelung fr diejenigen Flle, in denen von Seiten der Anbieter von Datenbanken versucht wird, gesetzlich vorgesehene Nutzungsfreiheiten bei der Verwendung von Datenbankinhalten durch vertragliche Regelungen auszuhebeln (wie es z. B. bei den o. g. Nutzungsbedingungen von ekz, DNB und im Rahmen der Nationallizenzen der Fall ist). Es ist hiernach nicht mglich, die freie Nutzbarkeit oder Nutzbarmachung von (urheberrechtlich nicht geschtzten) Einzeldaten oder unwesentlichen Teilen einer Datenbank einzuschrnken oder auszuschlieen.
48 Dreier/Schulze-Dreier, 87e, Rn. 1.
Teil 2 Mglichkeiten der ffnung eines Bibliothekskatalogs als Open Data
Urheberrechtliche und vertragliche Nutzungsmglichkeiten von Daten als Open Data
War Gegenstand der bisherigen Untersuchung die Frage, (1.) welche Daten einem rechtlichen Schutz zugnglich sind und (2.) unter welchen Voraussetzungen einzelne Daten aus fremden Datenbankbestnden bernommen werden knnen, soll im Nachfolgenden die Frage untersucht werden, unter welchen Voraussetzungen eine ffnung von Katalogdaten auf dem Wege des Open Data mglich ist. Um diese Frage zu klren, ist es wichtig, sich noch einmal die Definition von Open Data vor Augen zu fhren: Offene Daten: sind smtliche Datenbestnde, die im Interesse der Allgemeinheit der Gesellschaft ohne jedwede Einschrnkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung und zur freien Weiterverwendung frei zugnglich gemacht werden.49 Die Mglichkeiten, Katalogdaten nach diesen Kriterien frei zugnglich zu machen, hngen von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist zunchst, ob die Daten fr sich genommen urheberrechtlich geschtzt sind. Ist dies der Fall, ist zu klren, wer welche Rechte an den Daten besitzt. Sind die Daten dagegen fr sich genommen nicht geschtzt (und damit gemeinfrei), knnen sie grundstzlich von jedermann frei zugnglich gemacht werden. Beschrnkungen knnen sich jedoch auch in diesem Fall aus Datenbankschutzrechten, gegebenenfalls auch aus vertraglichen Vereinbarungen, ergeben.
4.1 Urheberrechtlich geschtzte Daten
Die vorstehenden Ausfhrungen haben gezeigt, dass auch einzelne Daten (besser: Werke, also v. a. Kataloganreicherungsdaten wie Cover oder Sekundrtexte) urheberrechtlichen Schutz genieen knnen. Ist dies der Fall, drfen sie nur mit Zustimmung des Rechteinhabers (Urheber, Verlag) nach den Prinzipien des Open Data freigestellt werden. Da die Bibliothek selbst weder der Urheber ist (sein kann) noch in der Regel mit dem Autor unmittelbar Vertrge ber die Nutzung seines Werkes geschlossen haben wird, kann eine Befugnis zur ffnung von urheberrechtlich geschtzten Daten in der Regel nur durch Vertrge mit dem Verlag erworben werden. Der jeweilige Verlag ist jedenfalls dann Ansprechpartner fr eine solche Vereinbarung, wenn der Urheber ihm die ausschlielichen Nutzungsrechte an seinem Werk weitgehend oder vollstndig bertragen hat. Wesentlicher Aspekt fr derartige Vereinbarungen ist, dass eine Institution, die geschtzte Inhalte unter eine Open-Data-Lizenz stellen will, umfassende, inhaltlich, rumlich und zeitlich unbeschrnkte ausschlieliche Nutzungsrechte bentigt. Dieses Erfordernis ergibt sich aus der Reichweite der o. g. Definition von Open Data und dem Umstand, dass nur der Inhaber ausschlielicher Nutzungsrechte Dritten (hier: jedermann) Nutzungsrechte einrumen kann.
49 Von Lucke, Open Government Data - Frei verfgbare Daten des ffentlichen Sektors, 2010, S. 2 (abrufbar unter: http://www.zeppelin-university.de/deutsch/lehrstuehle/ticc/TICC-101203-OpenGovernmentDataV1.pdf).
Exkurs: Ausschlieliche und einfache Nutzungsrechte und freie Lizenzen Der Inhaber eines einfachen Nutzungsrechts (z. B. eine Bibliothek) darf das geschtzte Werk zwar auf die vertraglich vereinbarte Weise nutzen und verwerten aber keine Sublizenzen oder Unterlizenzen erteilen. Werden urheberrechtlich geschtzte Werke jedoch unter einer offenen Lizenz freigegeben, bedeutet das rechtlich, dass der Lizenzgeber jedem Nutzer einfache Nutzungsrechte einrumt. Nur so kommen die Nutzer in den Genuss der Befugnisse aus der freien Lizenz. Mglich ist eine solch weitreichende Lizenzvergabe jedoch nur dem Inhaber von ausschlielichen Nutzungsrechten. Diese ermglichen es, Dritten Rechte an dem jeweiligen Inhalt einzurumen. Dass die Definition von Open Data sich schon grundstzlich auf rechtlich nicht geschtzte Daten und Informationen bezieht, wird daran deutlich, dass es kaum mglich ist, urheberrechtlich geschtzte Inhalte derart weitgehend frei zu stellen. Vor allem das deutsche und auch generell das kontinentaleuropische Urheberrecht (Droit DAuteur) sehen keine Mglichkeit vor, jegliche Nutzung ohne jede Einschrnkung freizugeben. Dies wrde es erfordern, dass das Werk als public domain freigestellt wird, was wiederum bedingt, dass der Autor auf sein Urheberrecht verzichtet. Ein solcher Verzicht ist nach kontinentaleuropischem Urheberrecht jedoch nicht mglich, so dass dem Urheber stets ganz gleich, wie weitgehend er die Nutzung seines Werkes gestattet gewisse Rechtspositionen verbleiben, derer er sich nicht entledigen kann. Im eigentlichen Sinn unbeschrnkte Nutzungsfreiheiten an geschtzten Werken kann anderen also nicht einmal der Urheber selbst einrumen. Von dieser Randnotiz abgesehen drfte es praktisch ausgeschlossen sein, dass Verlage einer Bibliothek ausschlieliche und in jeder Hinsicht uneingeschrnkte Nutzungsrechte an Teilen von Verlagspublikationen einrumen. Damit wrden sie sich ihrer eigenen Nutzungsbefugnisse berauben, was ihren Eigeninteressen natrlich diametral zuwiderlaufen wrde. Insofern drfte es Bibliotheken in der Praxis kaum einmal mglich sein, Kataloge nach den Kriterien der Open-Data-Definition freizustellen, wenn diese urheberrechtlich geschtzte Inhalte umfassen. Mglich ist es dagegen, die Freistellung auf diejenigen Inhalte des Kataloges zu beschrnken, die urheberrechtlich nicht geschtzt sind (was auf die meisten Daten, also v. a. die bibliographischen Angaben zutrifft). Auch mglich und im Zweifel praktisch realisierbar ist es, die geschtzten Inhalte eines Kataloges (oder den ganzen Katalog) weniger weit reichend freizustellen, etwa indem den Nutzern nur eingeschrnkte die wiederum in bereinstimmung mit den vertraglichen Vereinbarungen mit dem jeweiligen Rechteinhaber stehen mssen Befugnisse eingerumt werden (z. B. Beschrnkung auf den freien Zugang zu den Katalogen ohne dass den Nutzern auch erlaubt wird, die urheberrechtlich geschtzten Bestandteile frei weiterzuverwenden). Die eingeschrnkten Mglichkeiten zur Freigabe von geschtzten Inhalten nach den Regeln des Open Data zeigen sich auch an den oben beispielhaft genannten Bedingungen etwa der DFG fr die Einrumung von Nationallizenzen. Diese sehen vor:
Der Lizenznehmer oder ein von ihm beauftragter Dritter ist berechtigt, die Metadaten in jeder Weise zu nutzen, die geeignet ist, die Nutzung des lizenzierten Produkts bzw. der darin enthaltenen einzelnen Informationsobjekte durch autorisierte Nutzer zu ermglichen, zu befrdern, zu erleichtern und zu untersttzen. Insbesondere knnen zu diesem Zweck die Metadaten indexiert werden und ggf. mit Verknpfungen, die einen direkten Zugang autorisierter Nutzer zum lizenzierten Produkt bzw. den darin enthaltenen einzelnen Informationsobjekten ermglichen, in lokale Katalogsysteme, regionale oder berregionale Verbundkatalogsysteme, sowie andere Bibliotheksdienste und Informationssysteme Dritter (einschlielich, aber nicht beschrnkt auf Suchmaschinen) eingebunden werden. Das Recht, die Metadaten in dieser Weise zu nutzen, steht allen
autorisierten Einrichtungen zu. Ausgeschlossen ist die kommerzielle Nutzung der berlassenen Metadaten.
Die hiernach zu gewhrenden Nutzungsmglichkeiten entsprechen nicht der Definition von Open Data (siehe hierzu oben, Daten und Open Data eine Begriffsbestimmung), insbesondere da diese die kommerzielle Nutzung der Daten ausschliet. Die Open-DataDefinition sieht dagegen eine freie Verwendung durch jedermann ohne Diskriminierung von Verwendungszwecken (kommerzielle Nutzung) vor. Noch weitergehende Einschrnkungen enthalten die oben erwhnten Nutzungsbedingungen der ekz. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass diese Bedingungen sogar Regelungen enthalten, die zu einer Rechteberhmung (copyfraud) fr an sich gemeinfreie Daten fhren. Eine Freistellung (im Sinne von freier Zugnglichmachung) einzelner Datenstze oder unwesentlicher Teile der Datenbank wird ausdrcklich untersagt. Zudem heit es in 4 Nr. 2 lit. e:
Der Kunde ist nicht berechtigt, Dritten die ihm von der ekz eingerumten Nutzungsrechte zu bertragen, sei es entgeltlich, sei es unentgeltlich, sei es im Wege von Sublizenzen oder im Wege der Vermietung, sei es im Wege des Verkaufs oder der Schenkung. Dies gilt ausdrcklich auch fr die bertragung von Rechten im Rahmen der Gesamtveruerung des Unternehmens oder der Veruerung von Teilen des Unternehmens des Kunden. 34 Absatz 3 Satz 1 UrhG ist nicht anwendbar. Dies gilt auch fr die Weiterbertragung von Nutzungsrechten an den von dem Kunden zulssigerweise erstellten Bearbeitungen zur Nutzung in bibliothekseigenen Recherchesystemen und Katalogen.
Wie oben bereits beschrieben, sind die Regeln, soweit sie sich auf rechtlich nicht geschtzte Einzeldaten oder unwesentliche Teile der Datenbank beziehen, unwirksam ( 87e UrhG). Sofern hierunter urheberrechtlich geschtzte Inhalte fallen, knnen diese angesichts der Nutzungsbedingungen von den Vertragspartnern der ekz indes nicht im Sinne von Open Data freigegeben werden. Praxishinweis Ob Einzeldaten oder Datenbestnde, die von Fremdanbietern auf der Grundlage von Vertrgen bezogen wurden, nach den Kriterien von Open Data oder auch nur eingeschrnkt zur Nutzung durch Dritte freigegeben werden drfen, hngt immer von den jeweils geltenden Nutzungsbedingungen und der sonstigen rechtlichen Bewertung ab. Diese Aspekte gilt es im Einzelfall zu untersuchen, im Zweifel durch fachlich geschultes Personal oder Rechtsanwlte. Dagegen ist die freie Nutzung und Weiterverwendung von (urheberrechtlich geschtzten) Inhalten ohne weitere Zustimmung mglich, wenn diese vom Rechteinhaber unter einer Open-Content- oder Open-Data-Lizenz angeboten werden (wie z. B Creative Commons)50. Solche Lizenzen gestatten jedermann die Nutzung des Werkes unter den in den jeweiligen Lizenzbestimmungen genannten Bedingungen. Sie erffnen dabei sehr weit gehende Nutzungsmglichkeiten, sind z. T. jedoch auf die unvernderte Verwendung der Inhalte oder die nicht-kommerzielle Nutzung beschrnkt. Hier gilt es, bevor man solche Inhalte verwendet, die Lizenzbestimmungen daraufhin zu berprfen, ob sie die intendierte Verwendung
50 Nicht jede dieser Lizenzen entspricht im brigen der Definition von Open Data. Creative Commons bietet z. B. einige Lizenzen an, die nur eine begrenzte Nutzung erlauben. Beispielsweise gibt es Lizenzen, die eine kommerzielle Nutzung verbieten, andere gestatten keine Bearbeitungen des hierunter verffentlichten Inhalts.
jeweils gestatten (z. B. wenn eine kommerzielle Nutzung angestrebt wird). Auch wenn die Verffentlichung von Kataloganreicherungsdaten unter einer freien Lizenz bislang eher der Ausnahme- als der Regelfall war, zeigen sich aufgrund der Bemhungen der Open-DataBewegung doch erste Erfolge: So bietet beispielsweise die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) zumindest einen Teil ihrer Kataloganreicherungsdaten unter einer derartigen Lizenz an51. Leider verwendet die DNB nicht eine der bekannten (z. B. Creative Commons) Lizenzen, sondern hat eigene Lizenzbestimmungen aufgestellt, die allerhand Fragen offenlassen, da sie nicht sonderlich przise formuliert sind.
4.2 Urheberrechtlich nicht geschtzte Daten
Einzelne gemeinfreie Daten (also solche, die mangels Schpfungshhe keinem urheberrechtlichen Schutz zugnglich sind), knnen von jedermann frei verwendet und daher auch nach den Prinzipien des Open Data verffentlicht werden. Bei der bernahme bzw. ffnung von ganzen oder teilweisen Datenbestnden, die von Dritten bezogen wurden, sind jedoch wiederum die oben bereits beschriebenen Einschrnkungen durch die Datenbankschutzrechte zu beachten.
4.2.1 Durch das Datenbankherstellerrecht geschtzte Datenbanken ( 87a UrhG)
Unter den in Kapitel 3.2 erluterten Voraussetzungen kann an Sammlungen von ungeschtzten Daten ein Datenbankherstellerrecht bestehen. Sollen sie insgesamt oder in wesentlichen Teilen auf dem Wege des Open Data freigestellt (v. a. online gestellt) werden, sind die Einschrnkungen zu beachten, die sich aus dem Datenbankherstellerrecht ergeben. Mit anderen Worten: Die bloe Tatsache, dass eine Datenbank ausschlielich gemeinfreie Daten enthlt, begrndet also noch nicht die Befugnis, mit dieser zu machen, was man will. Vielmehr mssen wie bei urheberrechtlich geschtzten Inhalten weitgehende ausschlieliche Nutzungsrechte vom Datenbankhersteller eingeholt werden, wenn die Datenbank vollstndig oder in wesentlichen Teilen nach den Open-Data-Regeln weiterverwendet werden soll. Hierbei sind die oben unter Punkt 4.1 genannten Aspekte zu beachten.
4.2.2 Vertragliche Nutzungsverbote
Abgesehen von den Restriktionen aus Urheberrecht und/oder Datenbankherstellerrecht knnen sich auch aus den Vertrgen mit Drittanbietern, von denen die Daten bezogen wurden, Einschrnkungen gegenber der ffnung von Datenbestnden ergeben. Soweit sich diese auf die Weiterverwendung von urheberrechtlich geschtzten Einzeldaten, ganzen Datenbanken oder von wesentlichen Teilen der Datenbestnde beziehen, bilden sie nur die gesetzlichen Regelungen ab und sind rechtlich verbindlich. Beziehen sich die Beschrnkungen jedoch auf Einzeldaten oder unwesentliche Teile der Datenbestnde, sind sie dagegen nach 87e UrhG in der Regel unwirksam (siehe hierzu oben, Punkt 3.2.5).
51 Siehe http://www.d-nb.de/service/pdf/nutzungsbedingungen_datendienste.pdf. Allerdings entsprechen die Lizenzbedingungen nicht den Bedingungen von Open Data wie sie etwa in den Prinzipien zu offenen bibliographischen Daten formuliert sind, weil die kommerzielle Nutzung nicht erlaubt ist.
Die Freigabe als Open Data
Soweit es rechtlich mglich ist, sollten Bibliothekskataloge m. E. nach den Grundstzen des Open Data zur allgemeinen Nutzung freigestellt werden. Dies gilt insbesondere fr die Freigabe einzelner, urheberrechtlich nicht geschtzter Datenstze. Auch ganze Datenbanken und -bestnde sollten gerade in solchen Fllen frei zugnglich gemacht werden, in denen sie durch Steuergelder finanziert wurden52. Zu rechtfertigen ist es in solchen Fllen allenfalls, von gewerblichen Nutzern fr den Zugriff Gebhren zu verlangen, schon um die Refinanzierung von staatlich finanzierten oder gefrderten Manahmen zu ermglichen. Auf diesem Weg knnen rechtlich unproblematisch auch gewisse Differenzierungen zwischen den Nutzern (sofern es wnschenswert ist) oder Preisstaffelungen realisiert werden. Aus rechtlicher Sicht unproblematisch sind solche Manahmen, weil sie keine Nutzungsbeschrnkungen in Bezug auf die gemeinfreien Inhalte innerhalb der Datenbank mit sich bringen (v. a. keine Proprietarisierung gemeinfreier Inhalte nach sich ziehen). Welche Manahmen zu ergreifen sind, um eine Freigabe als Open Data zu erzielen, hngt wiederum davon ab, ob sich die Freistellung auf geschtzte oder ungeschtzte Einzeldaten bzw. auf ganze (regelmig durch das Urheber- oder Datenbankherstellerrecht geschtzte) Datenbestnde und Datenbanken beziehen soll. Die jeweiligen Nutzungsbedingungen sollten (mssen) in der Regel zwischen diesen Regelungsgegenstnden differenzieren. In Bezug auf die Nutzung einzelner, gemeinfreier Datenstze sollte durch die Nutzungsbedingungen klargestellt werden, dass sie nicht rechtlich geschtzt sind und daher von jedermann ohne Einschrnkungen genutzt und weiterverwendet werden knnen. Hier bietet sich der Einsatz der Public Domain Mark53 von Creative Commons oder der CC0-PublicDomain-Dedication54 an, mit denen Inhalte gekennzeichnet werden knnen, die nicht (mehr) durch Urheber- oder Leistungsschutzrechte geschtzt sind55. Welche Nutzungsbefugnisse den Anwendern in Bezug auf geschtzte Inhalte eingerumt werden knnen, ob sie etwa nur zu privaten oder sonstigen eigenen Nutzung verwendet werden drfen oder ob sie unter eine Creative Commons oder andere Open-Content-Lizenz gestellt werden knnen, hngt wiederum von der Rechtsstellung der Bibliothek (m. a. W.: von den Vertrgen mit den ursprnglichen Rechteinhabern) ab. Hier wird wie gesagt in der Regel keine Mglichkeit bestehen, die Inhalte nach den Prinzipien von Open Data freizugeben. In Bezug auf eigene Datenbanken sollte klargestellt werden, dass die Entnahme einzelner (nicht geschtzter) Datenstze sowie unwesentlicher Teile ohne jede Einschrnkung fr jedermann zulssig ist. Die freie Weiterverwendung der Gesamtdatenbestnde kann dadurch erzielt werden, dass sie mit einer speziell fr Daten und Datenbanken entwickelten Lizenz, wie etwa den Open-Data-Commons-Lizenzen56, versehen werden. Auch der Einsatz von Creative-Commons-Lizenzen, die den Vorteil haben, dass sie auch in deutscher Sprache vorliegen, ist denkbar. Allerdings sind sie nicht speziell auf Daten oder Datenbanken zuge52 Es ist m. E. allgemein geboten, staatlich finanzierte Aufbereitungen gemeinfreier Inhalte (hier: Bibliothekskataloge) ohne weitere Einschrnkungen der freien Nutzung durch jedermann zugnglich zu machen. Beschrnkungen hinsichtlich einzelner Nutzergruppen bedrfen einer besonderen Rechtfertigung, die generell nicht ersichtlich ist. 53 Siehe http://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/ und http://de.creativecommons.org/cc-publicdomain-mark-freigegeben/. 54 Siehe http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/. 55 Insofern handelt es sich hierbei nicht um Lizenzen im eigentlichen Sinne, da man an Inhalten, die rechtlich nicht geschtzt sind, auch keine Nutzungsrechte (Lizenzen) erteilen kann. Es handelt sich eher um Hinweise auf die Gemeinfreiheit des jeweiligen Inhalts oder Datums. 56 Siehe http://www.opendatacommons.org/licenses/.
schnitten, sondern eher fr die Lizenzierung von urheberrechtlich geschtzten (Einzel-) Werken konzipiert. Fr praxisnahe Verwertungsmglichkeiten durch Dritte ist es m. E. ratsam, dass die Lizenzbestimmungen auch eine Bearbeitung der Datenbank erlauben (z. B. durch Verwendung der CC0 oder der Open Database Attribution and Share-Alike for Data/DatabasesLizenz57). Nur so wird Dritten die Mglichkeit erffnet, die gewnschten Daten aus der Datenbank zu extrahieren und eigene, an die individuellen Erfordernisse angepasste Versionen der Datenbank zu erstellen und wiederum zu verffentlichen. Wird demgegenber die Bearbeitung ausdrcklich ausgeschlossen, so knnten Dritte die Datenbank nur in ihrer ursprnglichen Fassung insgesamt bernehmen, nicht aber umstellen oder durch eigene Datenbestnde ergnzen. Eine offene Lizenzierung von Datenbanken kann einerseits allerhand Unsicherheiten, die sich aus den Bestimmungen des Datenbankherstellerrechts fr die Nutzer ergeben (was ist ein wesentlicher Teil, wie viel darf man zu welchen Zwecken entnehmen usw.) beseitigen. Andererseits ist es bei strategischer Herangehensweise mglich, die Nutzung der Datenbank durch Dritte nach den eigenen Bedrfnissen und Vorstellungen zu steuern, indem man eine Lizenz auswhlt, die unerwnschte Nutzungshandlungen verhindert. Will man etwa verhindern, dass Abwandlungen der Datenbank proprietarisiert, d.h. unfrei gemacht werden, kann die Datenbank einer Share-Alike-Lizenz unterstellt werden wie der genannten Open Database Attribution and Share-Alike for Data/Databases-Lizenz. Andere Akteure knnen dann auch wesentliche Teile des Datenbestandes, ohne weitere vertragliche Vereinbarungen zu schlieen, bernehmen. Allerdings mssen alle Abwandlungen, die auf wesentlichen Teilen der ursprnglichen Datenbank aufbauen, wiederum nach den gleichen Bestimmungen freigegeben werden.
57 Siehe http://www.opendatacommons.org/licenses/odbl/.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Mglichkeiten, Bibliothekskataloge nach den Regeln des Open Data freizustellen, wesentlich davon abhngen, ob die erfassten Daten oder die Sammlung der Daten urheberrechtlich oder durch das Datenbankherstellerrecht geschtzt sind. Von grundstzlicher Bedeutung ist zudem, wer die jeweilige Datenbank erstellt hat. Handelt es sich um eigene Datenbanken, die selbst konzipiert und deren Inhalte selbst aggregiert wurden, wird es zumeist mglich und ratsam sein, die Datenbestnde insgesamt und einzelne Datenstze zur freien Verfgung zu stellen. Wurden die Daten jedoch Datenbanken von Dritten entnommen oder aufgrund vertraglicher Vereinbarungen mit Dritten bezogen, ergeben sich mehr oder weniger erhebliche Beschrnkungen bei der Weiterverwendung.
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References: BGH 
 BGH 
 Art. 14
sui generis
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 Art. 7
 Art. 7
 EuGH 
 EuGH 
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 BGH 
 BGH 
 EuGH 
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