Source: http://jataka.nibbanam.com/Band_IV/j450.htm
Timestamp: 2019-05-20 07:41:20+00:00

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450 Bilarikosiya-Jataka
450. Die Erzählung von Bilarikosiya (Bilarikosiya-Jataka) [1]
„Auch ungekocht geben die Braven“
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen dem Almosen Spenden ergebenen Mönch. Seitdem nämlich dieser die Predigt des Erhabenen vernommen hatte und in seiner Lehre Mönch geworden war, war er dem Almosen Spenden ergeben und hatte seine Lust am Almosen Spenden. Die Speise, mit der seine Almosenschale gefüllt wurde, verzehrte er nie, ohne auch einem anderen davon zu geben; auch wenn er nur Wasser erhielt, trank er es nicht, ohne einem andern davon mitzuteilen: solche Freude hatte er am Almosen Geben.
In der Lehrhalle aber begannen die Mönche ein Gespräch über diesen seinen Vorzug. Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, ließ er jenen Mönch zu sich rufen und fragte ihn: „Ist es wahr, o Mönch, dass du dem Almosen Spenden ergeben bist und deine Lust am Almosen Spenden hast?“ Als dieser antwortete: „Es ist wahr, Herr“, sagte der Meister: „Ihr Mönche, früher war dieser ungläubig und unbekehrt; nicht einmal einen Tropfen Öl, den er mit einer Grasspitze nehmen konnte, gab er irgend jemand. Ich über bändigte ihn, brachte ihn zur Selbstverleugnung und ließ ihn die Frucht des Almosen Spendens erkennen. Diesen seinen Sinn, der am Almosen Geben seine Freude hat, verlor er auch nicht in einer anderen Existenz.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva in einer Großkaufmannsfamilie seine Wiedergeburt. Als er herangewachsen war, verwaltete er sein Vermögen und erhielt nach seines Vaters Tode die Großkaufmannsstelle. Als er eines Tages sein Geld betrachtete, kam ihm folgender Gedanke: „Das Geld ist da; die es aber erworben haben, die sind nicht mehr da. Es kommt mir zu, das Geld auszugeben und Almosen davon zu spenden.“ Er ließ eine Almosenhalle errichten und spendete zeitlebens reiche Almosen. Bei seinem Lebensende ermahnte er noch seinen Sohn: „Höre mit dieser Gewohnheit des Almosen Spendens nicht auf“, und wurde in der Welt der dreiunddreißig Götter als der Gott Sakka wiedergeboren. Auch sein Sohn spendete ebenso Almosen, ermahnte auch seinen Sohn dazu und wurde am Ende seines Lebens als der Göttersohn Canda (= „Mond“) wiedergeboren. Dessen Sohn wurde der Gott Suriya (= „Sonne“), dessen Sohn der Wagenlenker Matali [2] und dessen Sohn wurde als der junge Musiker Pancasikha wiedergeboren.
Der sechste [3] aber war ungläubig, starrköpfig, lieblos und geizig. Dieser ließ die Almosenhalle niederreißen und verbrennen, die Bettler schlug er und trieb sie fort und er gab nicht einmal einen Tropfen Öl, den er mit der Spitze eines Grashalmes aufheben konnte. —
Damals überlegte einmal der Götterkönig Sakka seine früheren Taten. Als er darüber nachdachte, ob die von ihm begonnene Almosen-Tradition noch fortbestehe oder nicht, merkte er folgendes: „Mein Sohn hat Almosen gespendet und ist darum als Canda wiedergeboren worden, dessen Sohn als Suriya, dessen Sohn als Matali und dessen Sohn ist als Pancasikha wiedergeboren worden; der sechste aber hat diese Tradition zerstört.“ Da kam ihm folgender Gedanke: „Ich will diesen Bösewicht bändigen, ihn die Frucht des Almosen Gebens erkennen lassen und dann zurückkehren.“ Er rief Canda, Suriya, Matali und Pancasikha zu sich und sprach zu ihnen: „Ihr Lieben, in unsrer Familie hat der sechste die Familientradition gebrochen, die Almosenhalle verbrannt und die Bittenden fortweisen lassen; er gibt niemand etwas. Kommt, wir wollen ihn bändigen.“
In diesem Augenblick war jener Großkaufmann gerade von der Aufwartung, die er dem Könige gemacht hatte, zurückgekehrt und wandelte bei dem siebenten Torerker umher, indem er auf die Straße schaute. Da sagte Sakka zu den anderen: „Wenn ich in das Haus hineingegangen bin, so kommt der Reihe nach hinterdrein!“ Darauf ging er zu dem Großkaufmann hin, stellte sich neben ihn und sprach: „He, Großkaufmann, gib mir Speise!“ Dieser antwortete: „Brahmane, für dich ist keine Speise hier; gehe anderswohin.“ Doch Sakka fuhr fort: „He, du großer Großkaufmann, wenn man von Brahmanen um Speise gebeten wird, so ist es unziemlich, keine zu geben.“ Jener sagte weiter: „O Brahmane, in meinem Hause ist keine gekochte Speise und auch keine, die noch gekocht werden kann; gehe fort!“ Da versetzte Sakka: „Du großer Großkaufmann, ich will dir einen Vers mitteilen, höre zu.“ Der Großkaufmann erwiderte: „Mich verlangt nicht, deinen Vers zu hören; gehe und bleibe nicht hier!“ Aber Gott Sakka sprach , als hätte er dessen Worte nicht gehört, folgende zwei Strophen:
§1. „Auch ungekocht geben die Braven
die Speise gerne, die sie haben;
doch dass du Speise kochst und trotzdem
nichts gibst, das ist für dich nicht passend.
§2. Aus Geiz oder Nachlässigkeit
wird eine Gabe nicht gespendet;
doch wer ein gutes Werk will tun,
der möge geben, wenn er weise.“
Als jener diese Worte vernahm, sagte er: „Gehe darum in das Haus hinein und setze dich nieder, du wirst ein wenig erhalten.“ Sakka ging hinein und setzte sich nieder, indem er die Verse wiederholte. Darauf kam Canda und bat um Speise. Als jener ihm sagte: „Es ist für dich keine Speise da; gehe!“, antwortete Canda: „Du großer Großkaufmann, drinnen sitzt ein Brahmane; ich glaube, es wird Brahmanenkuchen geben. Auch ich werde hineingehen.“ Zwar versetzte der Kaufmann: „Es gibt keine Kuchen, o Brahmane, gehe nur wieder fort!“; aber Canda erwiderte: „Du großer Großkaufmann, bitte, höre dir diesen Vers an!“, und er sprach die folgenden zwei Strophen:
§3. „(Wovor aus Furcht ein Geiziger nichts gibt,
das eben ist sein Los, wenn er nichts spendet [4].)
Das Hungerleiden und der Durst,
wovor ein Geiziger sich fürchtet,
das eben steht bevor dem Toren
in dieser und der andern Welt.
§4. Darum bezwinge man den Geiz,
man schenke und besieg' den Fehler;
die guten Werke sind die Rettung
der Wesen in der andern Welt.“
Als der Kaufmann auch dessen Worte vernommen, sagte er: „Gehe also hinein; du wirst ein wenig erhalten.“ Canda ging hinein und setzte sich neben Sakka. — Nachdem sodann Suriya eine kleine Weile hatte verstreichen lassen, kam er herbei, bat auch um Speise und sprach die folgenden zwei Strophen:
§5. „Schwer ist zu schenken für die Spender;
es ist für sie ein schweres Werk.
Nicht bringt 's zu Stande, wer nicht weise:
schwer ist der Weisen Art zu lernen.
§6. Darum für Weise und Unweise
das nächste Dasein ist verschieden;
zur Hölle wandern die Unweisen,
die Weisen aber in den Himmel [5].“
Da der Großkaufmann keinen Ausweg fand, sagte er: „Gehe darum hinein und setze dich zu den Brahmanen; du wirst ein wenig erhalten.“ — Nachdem sodann Matali eine kleine Weile hatte verstreichen lassen, kam er herbei und bat um Speise. Gleichzeitig mit der abweisenden Antwort des Kaufmanns sprach er folgende siebente Strophe:
§7. „Bei kleiner Habe geben manche,
bei Reichtum andere nicht spenden;
doch gilt die Gabe, die vom Kleinen
gespendet wird, so viel wie tausend.“
Auch diesem sagte jener: „Gehe darum hinein und setze dich nieder.“ — Nachdem kurze Zeit vergangen war, kam auch Pancasikha herbei und bat um Speise. Als er hörte: „Es ist nichts da, gehe!“, antwortete er: „Wohin bin ich nicht schon vorher gegangen! In diesem Hause wird Brahmanenbackwerk sein, glaube ich.“ Und indem er jenem die Wahrheit zu verkündigen begann, sprach er folgende achte Strophe:
§8. „In Tugend wandelt, wer auch nur von Abfall lebt
und Weib und Kind ernährt, wenn er vom Wen'gen gibt;
wer aber hunderttausend opfert, ist doch
nicht wert ein Sechzehntel von einem solchen.“
Als der Großkaufmann diese Worte des Pancasikha hörte, dachte er darüber nach. Indem er nach dem Grunde dieses Unwerts fragte, sprach er folgende neunte Strophe:
§9. „Warum kommt solch ein großes, so kostbares Opfer
an Wert nicht dem gleich, was die Tugend spendet?
Warum ist der, der hunderttausend opfert,
ein Sechzehntel nicht wert von einem solchen?“
Um ihm dies zu verkündigen, sprach Pancasikha folgende Schlussstrophe:
§10. „Es spenden manche, die im Unrecht leben,
die andre quälen, töten und betrüben;
doch diese Gabe, die voll Qual und Tränen [6],
hat nicht den Wert des tugendhaft Gegeb'nen.
Darum ist der, der hunderttausend opfert,
ein Sechzehntel nicht wert von einem solchen.“
Als jener aber so von Pancasikha die Wahrheit vernommen, sagte er auch: „Gehe also in das Haus hinein und setze dich nieder; du wirst ein wenig erhalten.“ Dieser ging hinein und setzte sich neben die anderen.
Darauf wandte sich der Großkaufmann Bilarikosiya an eine Dienerin und sprach zu ihr: „Gib diesen Brahmanen je ein Nali [7] Reisspreu!“ Sie nahm die Reisspreu, ging zu den Brahmanen hin und sagte zu ihnen: „Nehmet dies mit, lasst es euch irgendwo kochen und verzehret es!“ Doch sie erwiderten: „Wir rühren keine Reisspreu an.“ Darauf ging die Magd zu ihrem Herrn und sagte: „Edler, sie rühren keine Reisspreu an.“ „Gib ihnen also Reiskörner“, versetzte jener. Sie nahm nun Reiskörner, ging zu den Brahmanen hin und sagte: „Nehmet die Reiskörner!“ Doch sie erwiderten: „Wir nehmen nichts Ungekochtes an.“ Darauf ging die Magd wieder zu ihrem Herrn und sagte ihm: „Edler, sie nehmen nichts Ungekochtes an.“ „Bereite ihnen darum Kuhfutter in einer Schüssel zu und gib es ihnen“, antwortete der Kaufmann. Sie bereitete es in einer Schüssel zu, brachte die für große Kühe passende gekochte Speise und gab sie ihnen. Die fünf Leute nahmen eine Handvoll, steckten es in den Mund und ließen es in ihrem Schlunde stecken; sie verdrehten die Augen und fielen bewegungslos zu Boden, als wären sie tot.
Als die Magd sie sah, dachte sie: „Sie werden gestorben sein.“ Voll Furcht ging sie zu dem Großkaufmann hin und meldete ihm: „Edler, deine Brahmanen konnten das Kuhfutter nicht schlucken und sind gestorben.“ Da dachte er: „Jetzt wird man mich tadeln und sagen: ‘Dieser Bösewicht hat den zarten Brahmanen Kuhfutter geben lassen; weil sie es nicht hinunterschlucken konnten, sind sie gestorben.’“ Darauf sprach er zu der Magd: „Gehe rasch hin, nimm aus ihren Schüsseln die Speise heraus und tue ein Reisgericht von höchstem Wohlgeschmack hinein.“ Sie tat so.
Jetzt rief der Großkaufmann die Leute, die auf der Straße daherkamen, herbei und sagte zu ihnen: „Ich ließ diesen Brahmanen Speise geben in der Art, wie ich sie selbst verzehre. Erkennt, dass ich keine Schuld daran habe.“ So bewirkte er, dass eine Volksmenge sich versammelte.
Als aber diese Menge versammelt war, erhoben sich die Brahmanen, schauten das Volk an und sprachen: „Sehet, wie unwahr dieser Großkaufmann gesprochen hat! Er sagt, er habe uns das Essen, wie er es selbst verzehrt, geben lassen. Zuerst aber hat er uns Kuhfutter gegeben und dann, als wir wie tot zu Boden gefallen waren, ließ er uns diese Speise einfüllen.“ Nach diesen Worten ließen sie die Speise, die sie in den Mund genommen hatten, zu Boden fallen und zeigten sie den Leuten.
Da tadelte die Volksmenge den Großkaufmann und sprach: „Du blinder Tor, du hast die Tradition deiner Familie zugrunde gehen lassen; du hast die Almosenhalle verbrannt, die Bittenden am Halse gefasst und hinausgeworfen. Jetzt hast du, da du diesen zarten Brahmanen Speise gäbest, ihnen Kuhfutter geben lassen. Wenn du in die andere Welt gehst, wirst du das Vermögen dieses Hauses dir um den Hals hängen und dich so auf den Weg machen, glaube ich.“
In diesem Augenblicke fragte Gott Sakka die Volksmenge: „Wisst ihr, wem das Geld in diesem Hause gehört?“ „Wir wissen es nicht“, war die Antwort. Sakka fuhr fort: „Habt ihr früher einmal gehört, dass in dieser Stadt zu der und der Zeit der Großkaufmann von Benares Almosenhallen erbauen ließ und reiche Almosen spendete?“ Sie erwiderten: „Ja, das haben wir gehört.“ Jetzt sprach der Gott: „Ich war dieser Großkaufmann. Weil ich diese Almosen gespendet hatte, wurde ich als der Gott Sakka wiedergeboren. Auch mein Sohn ließ diesen Ruhm nicht untergehen und wurde als der Göttersohn Canda wiedergeboren. Dessen Sohn wurde der Gott Suriya, dessen Sohn Matali und der Sohn dieses letzteren als Pancasikha wiedergeboren. Von diesen hier ist dieser Canda, dieser Suriya, dieser der Wagenlenker Matali und dies der Vater dieses Bösewichts, der junge Musiker Pancasikha. Die Freigebigkeit, die so viele Vorzüge bringt, muss man betätigen; dies ist heilsam für die Weisen.“
Während sie so sprachen, flogen sie, um der Volksmenge den Zweifel zu nehmen, in die Luft empor und blieben dort infolge ihrer großen Wundermacht mit großem Gefolge in ihren strahlenden Körpern stehen; die ganze Stadt glänzte wie vom Blitz erhellt. Darauf sprach Sakka zu der Volksmenge: „Wir haben unsre göttliche Pracht verlassen und sind hierher gekommen wegen dieses Bösewichtes Bilarikosiya, des letzten der Familie, der eine Schande für die Familie ist. Wir dachten: ‘Dieser Bösewicht hat den Ruhm seiner Familie vernichtet, die Almosenhallen verbrannt, die Bittenden am Halse packen und hinauswerfen lassen und damit unsere Tradition zerstört; weil er ein solcher Feind des Almosen Spendens ist, könnte er in der Hölle wiedergeboren werden’, und sind darum aus Mitleid mit ihm hierher gekommen.“ Nach diesen Worten verkündigte er den Vorzug des Almosen Spendens und lehrte viel Volks die Wahrheit.
Da faltete Bilarikosiya die Hände gegen ihn und sagte: „O Gott, von jetzt an werde ich die alte Tradition der Familie nicht mehr zerstören, sondern Almosen spenden. Von heute an werde ich selbst beim Wasser Trinken oder beim Gebrauch des Zahnstochers die Nahrung, die ich selbst erhalte, nicht zu mir nehmen, ohne einem andern davon zu geben.“ Dieses Versprechen gab er. Nachdem ihn so Sakka gebändigt und zur Selbstverleugnung gebracht hatte, befestigte er ihn in den fünf Geboten; dann kehrte er mit den vier Göttersöhnen nach seinem Wohnort zurück. Der Großkaufmann aber gab Almosen, so lange er lebte, und gelangte dann in den Himmel der dreiunddreißig Götter.
§A2. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, war dieser Mönch früher ungläubig und unbekehrt und gab niemand irgend etwas; ich aber bändigte ihn und ließ ihn die Frucht des Almosen Spendens erkennen. Diese Gesinnung aber gab er nicht auf, auch nachdem er in eine andere Existenz gekommen.“
§C. Sodann verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war der Großkaufmann dieser sich am Almosen Spenden erfreuende Mönch, Canda war Sāriputta, Suriya war Mogallana, Matali war Kassapa, Pancasikha war Ananda; der Gott Sakka aber war ich.“
Ende der Erzählung von Bilarikosiya
[1] Der Name des Geizigen in der Erzählung. Das Wort bedeutet „Katzeneule“.
[2] Matali und der folgende Pancasikha sind die bekanntesten Personen aus Indras (Sakkas) Hofstaat.
[3] Der Vertreter der sechsten Generation, von dem damaligen Gotte Sakka angefangen.
[4] Diese Verse scheinen nicht zu den ursprünglichen Strophen zu gehören, sondern später eingeschoben zu sein.
[5] Diese 2 Strophen stehen auch im Jataka 180 Strophen 1-2.
[6] Gemeint ist ein großes Opfer, das aus geschlachteten Tieren besteht.
[7] Ein kleines Maß; vgl. Jataka 321 Anm. 1. [und Jataka 107 Anm. 3.]

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10