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Timestamp: 2018-11-15 02:50:54+00:00

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Der Wohnungseinbruchdiebstahl | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
2 Der Wohnungseinbruchdiebstahl aus rechtlicher Sicht
2.1 Der Wohnungsbegriff
2.2 Juristische Einordnung des Wohnungseinbruchdiebstahls
3 Entwicklungen des Wohnungseinbruchdiebstahls
3.1 Entwicklung des Delikts Wohnungseinbruchdiebstahl
3.2 Die Täter
3.2.1 Nationalität
3.2.2 Geschlechts- und Altersstruktur
3.3 Aufklärungsquote
4 Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls
4.1 Bekämpfungsmöglichkeiten auf nationaler Ebene
4.1.1 Das Netzwerk „Zuhause sicher“
4.1.2 Die Kampagne „Riegel vor! Sicher ist sicherer“
4.1.3 Die Erweiterung der Kampagne „Mobile Täter im Visier“
4.2 Bekämpfungsmöglichkeiten auf internationaler Ebene
4.2.1 Präventionsprojekte in Großbritannien
4.2.2 Präventionsprojekte in den Niederlanden
5 Wirksamkeit vom Präventionsmaßnahmen
5.1 Wirksamkeit bestimmter nationaler und internationaler Projekte
5.1.1 Wirksamkeit der NRW-Kampagne „Riegel vor! Sicher ist sicherer“
5.1.2 Wirksamkeit der Projekte „Kirkholt Project“ und „Veilig Wonen“
5.2 Abschreckung als Wirksamkeitsindiz
In der vorliegenden Bachelorarbeit möchte die Verfasserin untersuchen, wie sich der Tatbestand des Wohnungseinbruchdiebstahls (WED) in den letzten Jahren entwickelt hat, dabei wird auch auf mögliche Bekämpfungsstrategien eingegangen.
Denn wenn auch der Wohnungseinbruchdiebstahl „nur“ ein Eigentumsdelikt ist, versetzt er das Einbruchsopfer durch das Eindringen in den „Intimbereich Wohnung“ nicht nur in Angst und Schrecken, sondern stellt für viele Betroffene regelmäßig schwere psychische Belastungen dar. Sie fühlen sich in ihrem Zuhause nicht mehr sicher.1
Darüberhinaus wird auch die Wirksamkeit dieser Projekte untersucht. Fraglich ist, in wie weit sich die Wirksamkeit von Präventionsprojekten überhaupt überprüfen lässt. In diesem Zusammenhang stellt die Verfasserin diesbezüglich auch die Hypothese auf, ob präventive Maßnahmen schon durch ihre abschreckende Wirkung auf den potenziellen Täter als wirksam bezeichnet werden können.
Jedoch lautet die konkrete Fragestellung dieser Arbeit insgesamt wie folgt:
Wie ist die Entwicklung des Wohnungseinbruchdiebstahls zu bewerten, welche Maßnahmen zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls gibt es und welche sind erfolgsversprechend?
Im Rahmen dieser Arbeit wird die Verfasserin versuchen diese Fragen zu beantworten.
Zum Schluss dieser Arbeit werden die Ergebnisse und Feststellungen im Fazit zusammengefasst und einen Ausblick in die mögliche weitere Entwicklung der Fallzahlen zum Wohnungseinbruchdiebstahl gewagt.
Die Begrifflichkeit der Wohnung wird je nach Bestimmung in den Gesetzen unterschiedlich ausgelegt. Der Begriff der Wohnung findet sich nicht nur im StGB wie beispielsweise im § 123 StGB und § 244 StGB, sondern auch im § 41 PolG oder 102 StPO wieder. Darüberhinaus genießt die Wohnung einen besonderen Schutz, denn die Unverletzlichkeit der Wohnung gem. Art. 13 GG ist im Grundgesetz der BRD verankert.
Während der Art. 13 GG nicht nur den berechtigten Bewohner einer Wohnung im engeren Sinne schützt, sondern überhaupt die räumliche Privatsphäre des Berechtigten, also auch Mietwohnungen, Hotelzimmer, Zelte sowie Arbeits-, Betriebs- und Geschäftsräume2, ist die Auslegung des Wohnungsbegriffs nach § 244 StGB eingegrenzt.
Im StGB - Kommentar - in Schönke/ Schröder wird die Wohnung als ein umschlossener und überdachter Raum beschrieben, der einem Menschen zumindest vorübergehend als Unterkunft dient, ohne dass jedoch angesichts des Gesetzeszwecks zwingend Schlafräume vorhanden sein müssten.3 Grundsätzlich gehören auch Nebenräume wie Treppen, Flure und der Keller zur Wohnung, jedoch ist es strittig, ob diese nun unter dem Begriff der Wohnung nach § 244 StGB erfasst werden oder ob hierzu wirklich nur der Kernbereich der privaten Lebensführung fällt.4 Feststeht, dass stehende Gartenhäuser, Garagen und offene Zubehörflächen nicht zur Begrifflichkeit der Wohnung im Sinne des § 244 StGB zählen.5
Hier ist also zu erkennen, dass es dem Gesetzgeber in erster Linie darum geht, dass die Privat- und Intimsphäre des Wohnungsinhabers gewahrt wird, in welche bei einem Wohnungseinbruch stark eingegriffen wird. Ob und wie viel evtl. aus dem Haus oder der Wohnung entwendet wird, ist dabei völlig unerheblich.
Der Wohnungseinbruchdiebstahl war bis zum Entwurf eines sechsten Gesetzes zur Reform des Strafrechts im § 243 (1) Nr. 1 StGB integriert. Der Wohnungseinbruchdiebstahl wurde bis zu diesem Zeitpunkt als ein Regelbeispiel eines besonders schweren Fall des Diebstahls erfasst.
Mit dem 6. StrRG vom 27.09.1997 wurde der WED in den § 244 (1) Nr. 3 StGB eingebettet.6 Hintergrund dieser Änderung ist, dass es sich um eine Straftat handelt, „die tief in die Intimsphäre der Opfer eindringt und zu ernsten psychischen Störungen – z. B. langwierigen Angstzuständen - führen kann. Nicht selten sind Wohnungseinbrüche mit Gewalttätigkeiten gegen Menschen und Verwüstungen der Einrichtungsgegenstände verbunden.“7
Durch das Herausnehmen des Wohnungseinbruchs aus den Regelbeispielen des § 243 StGB, wurde der Wohnungseinbruch nunmehr zu einem Qualifikationstatbestand, was bedeutet, dass der Grundtatbestand um strafschärfende Merkmale ergänzt wurde.
Im Falle des Wohnungseinbruchdiebstahls wurde nun die Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten auf mindestens sechs Monate heraufgesetzt.8
Der neue Gesetzestext lautet gem. § 244 (1) Nr. 3 StGB wie folgt:
Ein weiterer Unterschied zum § 243 StGB liegt darin, dass es keine Ausnahmeregelung für den Diebstahl geringfügiger Sachen gibt.9 Das bedeutet, dass der Wert der Beute völlig unerheblich ist. Es geht allein um die Privat- und Intimsphäre, in die bei einem Wohnungseinbruch, zunächst durch das Betreten der Wohnung des Einbrechers sowie durch das Verwüsten, Beschädigen und Zerstören von Einrichtungsgegenständen oder sogar einen Angriff auf die Hausbewohner, sofern dieser zu Hause ist, eingegriffen wird.
In diesem Kapitel möchte die Verfasserin untersuchen, wie sich der Wohnungseinbruchdiebstahl in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 2002 bis 2012 entwickelt hat. Hierbei wird nicht nur auf die Straftaten an sich und deren Versuche eingegangen, sondern auch auf die besonderen Merkmale der Täter, wie beispielsweise Auffälligkeiten bei der Staatsangehörigkeit oder der Alters- und Geschlechtsstruktur. Auch wird die Aufklärungsquote näher beleuchtet, um mögliche Erklärungen für die entsprechenden Zahlen zu finden. Hierzu werden die Fallzahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik der BRD, der PKS NRW, aber auch um einen Vergleich zu haben, das Zahlenmaterial der PKS Bayern ausgewertet.
Zunächst sei noch erwähnt, dass die Aussagekraft der PKS von vielen verschiedenen Faktoren abhängt und das Dunkelfeld stets zu beachten ist. Denn in der PKS spiegeln sich folglich nur die im Hellfeld, also nur die angezeigten, registrierten Straftaten, wider.
Folgende mögliche Einflussfaktoren können die Entwicklung der Zahlen in der PKS beeinflussen. Hierzu gehören vor allem das Anzeigeverhalten von Geschädigten und Zeugen, die polizeiliche Kontrolle (bei sogenannten „Kontrolldelikten“), die statistische Erfassung sowie die Änderung des Strafrechts.10
Ein absolutes Widerspiegeln der Kriminalität wird kaum möglich sein. Jedoch könnte auf einzelne oben genannte Faktoren, Einfluss genommen werden, um die statistischen Daten noch transparenter zu machen. Hierzu gehört die Aufklärung der Bürger in Bezug auf das Anzeigeverhalten, insbesondere bei Bagatelldelikten wie Fahrraddiebstahl; verstärkte Kontrollen durch die Polizei, insbesondere bei Btm-Delikten, aber auch verstärkte Kontrollen durch Fachpersonal wie beispielsweise beim Ladendiebstahl.
Nichtsdestotrotz sind die statistischen Erhebungen der PKS unerlässlich, um Erkenntnisse zu erlangen, die für die Bekämpfung der Kriminalität von großer Bedeutung sind.
In den letzten zehn Jahren haben sich die Zahlen des Wohnungseinbruchdiebstahls stark verändert. Im Jahre 2002 lag die Zahl der Wohnungseinbrüche in der BRD noch bei 130.055 und nahm bis zum Jahr 2008 auf 108.284 stark ab.11 Dies ist ein Rückgang von 16,74%. Jedoch erfolgte hiernach eine Kehrtwende, denn ab dem Jahr 2009 stiegen die Zahlen kontinuierlich an. Während die Straftaten 2009 noch bei 113.800 lagen, verzeichnete das Jahr 2012 einen absoluten Höchststand von 144.117.12 Dies stellt einen Anstieg von 26,64% dar.
Zum besseren Überblick ist hier die Entwicklung des WED nach Fallzahlen in den letzten zehn Jahren grafisch dargestellt:
Abb. 1 Entwicklung des Wohnungseinbruchdiebstahls in der BRD
In der oben aufgeführten Abbildung ist gut zu erkennen, wie die Fallzahlen zunächst abgenommen, also 2006 ihren Tiefstand hatten, anschließend kontinuierlich zugenommen haben, so dass 2012 ein Höchststand zu erkennen ist.
Hier stellt sich folglich die Frage, wie dieser Anstieg zu erklären ist.
Ein möglicher Zusammenhang könnte an der EU-Osterweiterung 2007 liegen, bei denen die Länder Rumänien und Bulgarien als Mitgliedsstaaten in die Europäische Union aufgenommen wurden. Hierdurch wurden die Einreise-, Aufenthalts- und Arbeitsbestimmungen wesentlich erleichtert.
Tatsache ist, dass Rumänien und Bulgarien, mit einem Durchschnittseinkommen von ca. 200 Euro, als die ärmsten Länder der EU gelten. Die größten Probleme stellen die Bekämpfung der Korruption, der Aufbau unabhängiger Justiz sowie die Schaffung funktionierender Behörden dar.13 Könnte also aufgrund des geringen Verdienstes im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten sowie die Armut dazu geführt haben, dass die dort lebenden Menschen ihren Lebensmittelpunkt u. a. nach Deutschland verlagert haben, um hier evtl. durch kriminelle Handlungen einen besseren Lebensstandard zu erhalten?
Im nächsten Kapitel wird diese Hypothese näher untersucht werden.
Auffällig ist des Weiteren die Entwicklung der Versuchsanteile. Prozentual gesehen lag der Versuchsanteil beim WED 2002 noch bei 34,9% und stieg kontinuierlich an bis auf 39,1% im Jahre 2012.14 Dies wird damit erklärt, dass die Wohnungen/ Häuser mittlerweile wesentlich besser gesichert sind, so dass der Zugang für den Einbrecher erschwert wird. Nichtsdestotrotz ist das hohe Dunkelfeld nicht angezeigter Einbruchsversuche zu beachten.15 Jedoch könnte auch die Aufmerksamkeit von Nachbarn und Anwohnern dazu beigetragen haben, dass der Einbrecher von seinem Vorhaben abließ. Diese Vermutung ließe sich beispielsweise durch Befragen von (Serien-)Tätern feststellen, die bei einem Einbruch festgenommen wurden und auch Angaben zu ehemaligen gescheiterten Einbrüchen machen könnten.
Fraglich ist, wer die Täter und Tatverdächtigen beim Wohnungseinbruchdiebstahl sind. Wie haben sich die Fallzahlen zu den Tatverdächtigen in den letzten zehn Jahren entwickelt, um welche Staatsangehörige geht es und wie sieht Geschlechts- und Altersstruktur aus? Gibt es eventuell Auffälligkeiten? In diesem Kapitel soll dies näher erörtert werden. Zudem soll auf die Hypothese eingegangen werden, ob der Anstieg der Fallzahlen des WED sowie der Täterstruktur durch den EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien hervorgerufen sein könnte.
Ausgehend von den Fallzahlen der PKS hat die Mehrheit der Tatverdächtigen, wie auch bei allen anderen Straftaten in der BRD, die deutsche Staatsangehörigkeit. Diese lag im Durchschnitt der letzten zehn Jahre bei 78,2%.16
Jedoch ist auch hier ein Anstieg der nichtdeutschen Tatverdächtigen zu verzeichnen. Während der Jahre 2002 bis 2006 lag der prozentuale Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen zwischen 18,4% und 20,5%. 17 Im Jahr 2007 mit 20,4% der nichtdeutschen Tatverdächtigen erhöhte sich der prozentuale Anteil auf 28,8% auf den bisherigen Höchststand im Jahre 2012.18
Im Folgendem die grafische Darstellung der Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen:
Abb. 2 Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen
Um die vorausgegangene Hypothese zu untermauern, ist nun zu untersuchen, welche Nationalität die nichtdeutschen Tatverdächtigen haben.
Die PKS des Bundes von 2012 ist die einzige Statistik, die beim Delikt des Wohnungseinbruchdiebstahls nach Staatsangehörigkeit unterscheidet. Alle vorangegangenen PKS-Daten liefern keine Staatsangehörigkeiten bzgl. des WED, so dass hier kein Vergleich möglich ist.
Folgende Zahlen sind zumindest für das Jahr 2012 belegt. Demnach waren die nichtdeutschen Tatverdächtigen zu 15,9% Serben, 12,9% Türken, 8,5% Polen, 7,8% Rumänen und 2,1 % Bulgaren.19
Jedoch gibt die PKS NRW nähere Informationen zu Verteilung der Staatsangehörigkeiten. Fraglich ist jedoch, inwieweit sich die Zahlen auch auf die ganze Bundesrepublik übertragen lassen.
Demnach ist die Anzahl der Tatverdächtigen mit deutscher Staatangehörigkeit im Zeitraum vom 2008 bis 2012, von 3784 auf 3418 gefallen. Ein hoher Anstieg der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist insbesondere bei den Serben, Polen und Rumänen zu verzeichnen.20
Abb. 3 Entwicklung der Anzahl der Tatverdächtigen nach Nationalität
In Abb. 3 wurden vier Nationalitäten aufgeführt, die 2012 mehr als 100mal beim WED registriert wurden. Auffällig ist der Anstieg bei den Serben von 186 auf 362 Straftaten innerhalb von vier Jahren. Auch der Anteil der Rumänen und Polen ist gestiegen, jedoch liegen die Fallzahlen deutlich unter den der Serben, und zwar von ca. 50 Fällen 2008 auf ca. 150 Fälle 2012. Der Anteil der Türken ist zunächst konstant geblieben und hat 2012 um ca. 45 Fälle abgenommen. Die Fallzahlen, der in der Abbildung nicht aufgeführten Bulgaren, sind ebenfalls gestiegen, jedoch von 2 auf 40.21
Insgesamt ist festzustellen, dass die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen in den letzten Jahren beim Wohnungseinbruch gestiegen sind. Seit 2008 ist in NRW diesbezüglich ein Anstieg von 25% auf 35,4% zu verzeichnen.22
Nicht nur die Zahlen der Rumänen und Bulgaren sind gestiegen, auch die Anzahl der Tatverdächtigen vieler anderer vorwiegend europäischen Länder hat zugenommen, jedoch liegen die Fallzahlen in NRW bei ca. 50 pro Nationalität im Vergleich zu Serbien (362), Türkei (236), Rumänien (167) und Polen (128).23 Es ist folglich durchaus möglich, dass der EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien und die dadurch vereinfachten Einreisebestimmungen auch dazu beigetragen haben, dass die dortigen Menschen aufgrund der angespannten und schlechten wirtschaftliche Lage, ihren Lebensmittelpunkt verlagert haben und sich so eine bessere Zukunft in einem stabilen Land wie Deutschland erhofft haben. Problematisch war die Ausgangslage, dass es den Beitrittsländern der EU von 2007 nicht erlaubt war, einer Arbeit nachzugehen. Um jedoch die Grundbedürfnisse wie Nahrung und Obdach zu gewährleisten, ohne einer Beschäftigung nachgehen zu können, liegt der Verdacht nahe, dass diese nur anhand von Begehung von Straftaten „finanziert“ werden konnten.
Im Januar 2014 endete die Übergangsfrist nun auch für die Staatsangehörige Rumäniens und Bulgariens, so dass diese nun ebenfalls ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland beschäftigt werden können.24 Fraglich ist nun, wie viele dieser Bürger einer legalen Beschäftigung in Deutschland nachgehen, wie viele möglichweise auf weitere kriminelle Handlungen verzichten werden und wie sich dies auf die Fallzahlen der Gesamtkriminalität, aber auch insbesondere des Wohnungseinbruchdiebstahls auswirkt. Vermutlich wird es diesbezüglich keine Veränderungen geben, da es für Kriminelle schwierig sein wird, einer geregelten Arbeit nachzukommen. Jedoch muss hier die Entwicklung abgewartet werden.
Betrachtet man die Gesamtkriminalität in Deutschland, sind männliche Tatverdächtige im Durchschnitt zu 75% vertreten.25 Dies bestätigen auch die Zahlen der letzten Jahre. Beim Wohnungseinbruchdiebstahl gab es in den letzten zehn Jahren kaum Veränderungen, so dass die männlichen Tatverdächtigen in etwa zu 85% vertreten waren26 und somit über dem Durchschnitt der Gesamtkriminalität liegen.
Hier sind also generell männliche Tatverdächtige im Vergleich zu den weiblichen überrepräsentiert.
Bei der Altersstruktur ist festzustellen, dass die Anzahl der Erwachsenen über 21 Jahren in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und somit die Anzahl der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden dementsprechend abgenommen hat.
Waren 2002 noch 55,9%27 der Erwachsenen bei der Begehung eines WED vertreten, waren es 2012 bereits schon 66,7%28. Wie ist dieser Anstieg zu erklären? Ein möglicher Ansatz wäre, einen Zusammenhang mit dem demographischen Wandel zu sehen.
Fakt ist, dass in den letzten Jahrzehnten, aber auch in der Zukunft eine steigende Lebenserwartung bei niedriger Geburtenrate zu erwarten ist.29
Dies wirkt sich nicht nur auf politischer Ebene, sondern eben auch auf die Zahlen in der PKS aus. Denn es werden alle Menschen, wie auch die Straftäter älter. Hierzu gehören auch die Mehrfachtäter, die Wohnungseinbrüche begehen und die Schwelle vom Heranwachsenden zum Erwachsenen überschreiten.
Auch wenn leichte Veränderungen in der Geschlechts- und Altersstruktur zu erkennen sind, stellen diese keine signifikanten Probleme bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls dar.
Die Aufklärungsquote stellt ein wichtiges Instrument zur Ermittlung und Feststellung von Tatverdächtigen dar, unabhängig davon, ob die Tatverdächtigen im Nachgang angeklagt oder verurteilt werden. Des Weiteren wird durch die Aufklärungsquote die polizeiliche Arbeit reflektiert. Es ist auch zu Bedenken, dass hohe Aufklärungsquoten insbesondere durch Kontrolldelikte erreicht werden und das Dunkelfeld je nach Straftat sehr hoch sein kann.
Um einige Beispiele zu nennen, erreichte der Ladendiebstahl 2012 eine AQ von 92,7%30 oder Rauschgiftdelikte eine AQ von 94,4%31. Diese Zahlen wiesen in den letzten Jahren kaum Veränderungen auf, denn bei Kontrolldelikten ist der Tatverdächtige stets zugegen und muss so nicht mehr ermittelt werden. Aber auch die AQ beim Mord und Totschlag ist sehr hoch und lag 2012 (wie auch in den Jahren zuvor) bei ca. 96%.32 Diese hohe Aufklärungsquote ist jedoch mit der Schwere der Tat, dem extrem großen Bemühen der Aufklärung und Sorgfalt bei der Spurensuche und -sicherung sowie mit der Tatsache, dass es sich bei Mord oder Totschlag nach allgemeiner Erfahrung oft um Beziehungstaten handelt, bei dem sich der Täter im sozialem Nahraum des Opfers befindet, zu erklären.
Im Vergleich mit den verschiedenen Straftaten hat der Wohnungseinbruchdiebstahl eine der kleinsten Aufklärungsquoten.
Im Rückblick auf die letzten zehn Jahre lag die AQ bundesweit 2002 bei 19,6%, hatte 2007 ihren Höhepunkt mit einer AQ von 20%, danach ist die AQ stetig gesunken bis auf den Tiefststand von 2012 mit einer AQ von 15,7%.33
Auch in NRW ist die Aufklärungsquote gesunken. Lag sie in den Jahren 2002 bis 2006 noch bei 16%34, ist im Jahre 2012 noch eine AQ von 13,8%35 zu verzeichnen.
Vergleicht man andere Bundesländer, fällt auf, dass das Land Bayern eine signifikant hohe Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruch (Anm. der Verf.: Bayern nutzt den Begriff „Diebstahl in/ aus Wohnungen“) hat, auch wenn diese über die letzten Jahren ebenfalls abgenommen hat.
Lag die AQ in Bayern 2003 noch bei 41,1%, konnte im Jahre 2007 nur noch eine AQ von 34,3% nachgewiesen werden.36 Jedoch ist ebenfalls nicht zu leugnen, dass es sehr große Unterschiede zwischen Nordrhein-Westfalen und Bayern bei den Fallzahlen beim Wohnungseinbruch gibt. Rückblickend auf die letzten fünf Jahre lagen die Fallzahlen in NRW 2008 noch bei 38.002, 2012 schon bei 54.17637, ein signifikanter Anstieg ist deutlich zu erkennen. Während in Bayern die Fallzahlen der letzten fünf Jahre durchschnittlich bei 10.000 liegen.38 Die Fallzahlen sind somit in NRW fünfmal höher als im Freistaat Bayern.
Fragwürdig ist demnach, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen den niedrigen Fallzahlen und der hohen Aufklärungsquote bzw. den hohen Fallzahlen und der niedrigen Aufklärungsquote gibt.
Zunächst ist jedoch anzunehmen, dass wenn weniger Wohnungseinbrüche vorliegen, diese auch sorgfältiger bearbeitet werden.
Ob aus der Tatsache, dass sich mit in den letzten Jahren steigenden Aufklärungsquoten die Fallzahlen der Wohnungseinbruchsdiebstähle kontinuierlich rückläufig entwickelt haben, ein kausaler Zusammenhang abgeleitet werden kann, ist laut Jaeger allerdings aus verschiedenen Gründen fraglich. Auch die von ihm vorgebrachten Erklärungen für die regionalen Unterschiede in den Aufklärungsquoten sind möglicherweise plausibel, aber nicht belegt. Jaeger ist der Meinung, dass die „Einheitsideologie“ der Polizei, die mangelnde Motivation und mangelnde Fähigkeit der Beamten sowie die unzureichenden Führungsleistungen der Vorgesetzten für die niedrige Aufklärungsquote verantwortlich sei.39 Hier sollten die einzelnen Länder oder Kommunen weitere Untersuchungen bezüglich der unterschiedlichen Aufklärungsquoten einleiten, um die Thesen von Jaeger zu untermauern.
Hauptproblem ist generell der Personalmangel, der in vielen Institutionen herrscht. Es sollten für die zu bearbeitenden Sachverhalte ausreichend Polizeibeamte zu Verfügung stehen. Je mehr Personal bereitsteht, desto mehr Sachverhalte können bearbeitet werden, insbesondere bei den derzeitigen hohen Fallzahlen. Jedoch muss auch jede Tat und jeder Wohnungseinbruch mit nötiger Sorgfalt bearbeitet werden.
Fakt ist, dass es in Zukunft an Stellen fehlen wird. Der GdP-Vorstandsvorsitzende Arnold Plickert formuliert es so: „„Werden die Neueinstellungen bei der Polizei nicht erhöht, gehen NRW in den nächsten Jahren 1800 Polizistinnen und Polizisten verloren. Ab 2016 übersteigt die Zahl der Pensionierungen die der Neueinstellungen, mit zunehmender Tendenz in den Folgejahren.“40
Viel zu spät wurde diese Lücke entdeckt. Neueinstellungen werden diese nur bedingt füllen können. Fehlt es an Personal und steigt zugleich die Kriminalität bzw. die Fallzahlen des Wohnungseinbruchs, bleibt die Bearbeitung und Ermittlung auf der Strecke.
Jedoch könnte noch mehr Zeit und Sorgfalt bei der Spurensicherung dazu beitragen, wesentlich mehr Fälle aufzuklären.
Professionelle Serientäter sind dahingehend weniger leicht abzuschrecken und lassen weniger Spuren am Tatort.41 Prinzipiell gilt jedoch, dass jeder Einbrecher Spuren hinterlässt. Es gibt folglich keinen spurenlosen Einbruchstatort.42
In Hamburg wurde 2005 die Erhöhung der Aufklärungsquote in ihre Zielvereinbarung aufgenommen. Hierzu wurde eine Arbeitsgruppe geschaffen, welche die polizeilichen Untersuchungen und Ergebnisse umfassend evaluiert hat.
Festgestellt wurde, welche wesentlichen Einflussfaktoren die AQ positiv oder negativ bestimmen können. Hier wird zwischen inneren Faktoren, die potenziell steuerbar sind und äußeren Faktoren, die nur bedingt polizeilich beeinflussbar sind, unterschieden. Zu den inneren Faktoren gehören die Organisationsveränderungen, die statistische Erfassung, Prävention, Deliktsorganisation, Ressourcen und das Selbstverständnis des Kriminalisten. Zu den äußeren Faktoren gehören Fallaufkommen, Serientaten, Stehlgut, Spuren und Zeugen.43
Der Fokus sollte also auf den inneren Faktoren liegen, weil diese eben durch die Polizei beeinflusst werden können und somit eine höhere AQ erreicht werden kann.
Qualifizierte Tatortaufnahme und Vernehmungen durch gut ausgebildete Beamte führen demnach zum Erfolg. Auch sollte die Zeitspanne zwischen der Spurensicherung und den kriminaltechnischen Untersuchungsergebnissen im angemessenen Verhältnis zur Dauer der übrigen Ermittlungen im selben Fall stehen. Unabhängig vom Stand der AQ in Hamburg, stellte sich die Zielvereinbarung für die Polizei als gewinnbringend heraus.44
Hier könnte die Erhöhung der Aufklärungsquote in Bezug auf den Wohnungseinbruchdiebstahl auch in der gesamten Bundesrepublik oder in einzelnen Bundesländern als Ziel vereinbart werden. Auch hier könnte der Schwerpunkt auf die polizeilich beeinflussbaren Faktoren gelegt werden, insbesondere durch bessere Schulungen und Fortbildungen der Kriminalbeamten sowie einer intensiveren Spurensicherung und einer konsequenten Zeugenermittlung. Durch eine Arbeitsgruppe könnten die Daten jährlich evaluiert werden. So könnten evtl. Erfolge oder Misserfolge bei der Aufklärung vom WED erkannt werden oder es könnten Schwerpunkte, beispielsweise auf Prävention, Ressourcen oder auf äußere Faktoren gelegt werden.
1 Vgl. Feltes, Thomas.: Einbruchsprävention aus Tätersicht. In: Forum Kriminalprävention, Heft 3/2004, S. 3-7.
2 Vgl. BVerfGE 32, 54 (72).
3 Vgl. Eser/ Bosch in Schönke/ Schröder, Strafgesetzbuch - Kommentar -, § 244 StGB, Rdn. 30.
4 Vgl. OLG Schleswig, NStZ 2000, 479.
5 Vgl. AG Saalfeld, NStZ-RR 04, 141.
6 Vgl. BGBI Teil I vom 30.01.1998, S. 177.
7 BT-Ds 13/8587 S. 43.
9 Vgl. BGH Urteil vom 21.06.2001, Az. 4 StR 94/01.
10 Vgl. BKA: PKS der BRD 2012, S. 6.
11 Vgl. Eigene Erhebung: BKA: PKS der BRD 2002 u. 2008.
12 Vgl. Eigene Erhebung: BKA: PKS der BRD 2009 u. 2012.
13 Vgl. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): EU-Osterweiterung: EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien zum 01. Januar 2007.
14 Vgl. Eigene Erhebung: BKA: PKS der BRD 2002-2012.
15 Vgl. BKA: PKS der BRD 2012, S. 20.
16 Vgl. Eigene Erhebung: BKA: PKS der BRD 2002-2012.
17 Vgl. Eigene Erhebung: BKA: PKS der BRD 2002-2006.
18 Vgl. Eigene Erhebung: BKA: PKS der BRD 2007-2012.
19 Vgl. BKA: PKS der BRD 2012, S. 176.
20 Vgl. LKA: PKS NRW 2012, S.59.
21 Vgl. LKA: PKS NRW 2012, S.59.
23 Vgl. BKA: PKS der BRD, 2012, S. 176.
24 Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.): Fragen und Antworten zur Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 01. Januar 2014.
25 Vgl. BKA: PKS der BRD 2012, S.56.
26 Vgl. Eigene Erhebung: BKA: PKS der BRD 2002-2012.
27 Vgl. BKA: PKS der BRD 2002, S. 169.
28 ebd., S. 174.
29 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hrsg.): Demografischer Wandel in Deutschland, Heft 1, S. 10-16.
30 Vgl. BKA: PKS der BRD 2012, S. 163.
31 ebd., S. 31.
32 Vgl. BKA: PKS der BRD 2012, S. 31.
33 Vgl. Eigene Erhebung: BKA: PKS der BRD 2002-2012.
34 Vgl. LKA: PKS NRW 2006, S. 46.
36 Vgl. LKA: PKS Bayern 2012, S. 53.
37 Vgl. LKA: PKS NRW 2012, S. 49.
38 Vgl. LKA: PKS Bayern 2012, S 53.
39 Vgl. Jaeger, Rolf R.: Wege aus dem Aufklärungsdilemma. In: Kriminalistik, S. 152ff.
40 GdP (Hrsg.): Initiative Polizei 2020 gestartet. GdP NRW wehrt sich gegen den Personalabbau in der Polizei.
41 Vgl. Egg, R.: Einbruchdiebstahl: Kriminalstatistik und Tätertypologie. In: DFK (Hrsg.), S. 30-35.
42 Vgl. Jaeger, Rolf R.: Deliktssachbearbeitung 5 Einbruchskriminalität. In: BDK (Hrsg.), S. 15.
43 Vgl. Jarchow, Esther; Meier, Karl-Heinz: Aufklärungsquote als Zielinhalt. In: Kriminalistik, 61. Jg., 06/2007, S. 387.
44 Vgl. Jarchow, Esther; Meier, Karl-Heinz: Aufklärungsquote als Zielinhalt. In: Kriminalistik, 61. Jg., 06/2007, S. 390.
V282302
9783656847120
9783656847137
wohnungseinbruchdiebstahl aktuelle entwicklungen möglichkeiten bekämpfung
Renate Biczek (Autor), 2014, Der Wohnungseinbruchdiebstahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282302

References: § 123
 § 244
 § 41
 Art. 13
 Art. 13
 § 244
 § 244
 § 244
 § 243
 § 244
 § 243
 § 244
 § 243
 § 244
 BGH