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Timestamp: 2019-10-22 21:16:40+00:00

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Fremd­wäh­rungs­ge­schäf­te als pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te | Rechtslupe
Fremdwährungsgeschäfte als private Veräußerungsgeschäfte
Mit der Ent­ge­gen­nah­me eines Fremd­wäh­rungs­gut­ha­bens als Gegen­leis­tung für die Ver­äu­ße­rung von Wert­pa­pie­ren wer­den bei­de Wirt­schafts­gü­ter getauscht, d.h. die Wert­pa­pie­re ver­äu­ßert und das Fremd­wäh­rungs­gut­ha­ben ange­schafft.
Nach § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 i.V.m. § 22 Nr. 2, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG unter­lie­gen pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te bei ande­ren Wirt­schafts­gü­tern als den in Nr. 1 der Vor­schrift genann­ten Grund­stü­cken und grund­stücks­glei­chen Rech­ten, ins­be­son­de­re bei Wert­pa­pie­ren, als sons­ti­ge Ein­künf­te der Ein­kom­men­steu­er, wenn der Zeit­raum zwi­schen Anschaf­fung und Ver­äu­ße­rung ‑unter Beach­tung des auch inso­weit gel­ten­den Grund­sat­zes der Näm­lich­keit 1- nicht mehr als ein Jahr beträgt (sog. gestreck­ter oder zwei­ak­ti­ger Tat­be­stand; vgl. BFH, Beschluss vom 16.12 2003 – IX R 46/​02, BFHE 204, 228, BSt­Bl II 2004, 284, unter B.III. 1.b; ins­ge­samt BFH, Urteil vom 25.08.2009 – IX R 55/​07, BFH/​NV 2010, 387). Das gilt auch dann, wenn die Ver­äu­ße­rung zu einem Ver­lust führt (§ 23 Abs. 3 Satz 1 EStG; vgl. auch Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des BFH vom 04.07.1990 – GrS 1/​89, BFHE 160, 466, BSt­Bl II 1990, 830, unter B.III. 2.d bb).
Gegen­stand eines pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäfts kön­nen auch Fremd­wäh­rungs­be­trä­ge sein. Anschaf­fung ist der ent­gelt­li­che Erwerb eines bereits vor­han­de­nen Wirt­schafts­guts von einem Drit­ten, Ver­äu­ße­rung die ent­gelt­li­che Über­tra­gung auf einen Drit­ten 2. Eine Anschaf­fung bzw. Ver­äu­ße­rung kann auch im Wege des Tau­sches erfol­gen 3. Fremd­wäh­rungs­be­trä­ge wer­den ins­be­son­de­re ange­schafft, indem sie gegen Umtausch von natio­na­ler Wäh­rung erwor­ben wer­den, und ver­äu­ßert, indem sie in die natio­na­le Wäh­rung zurück­ge­tauscht oder in eine ande­re Fremd­wäh­rung umge­tauscht wer­den 4. Dabei wird die Wert­stei­ge­rung im Pri­vat­ver­mö­gen in Form eines erziel­ten Kurs­ge­winns nach § 23 EStG durch einen markt­of­fen­ba­ren Ver­äu­ße­rungs­vor­gang rea­li­siert und steu­er­bar, wenn die aus­län­di­sche Wäh­rung in natio­na­le Wäh­rung zurück­ge­tauscht wird. In dem durch den günstigen/​ungünstigen Rück­tausch erhöhten/​geminderten Betrag in natio­na­ler Wäh­rung liegt der Zufluss des Ver­äu­ße­rungs­prei­ses i.S. von § 23 letz­ter Absatz i.V.m. § 11 Abs. 1 EStG 5.
Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat die Klä­ge­rin die am 11.01.1999 in DM zurück­ge­tausch­te und damit ver­äu­ßer­te Fremd­wäh­rung von 70.000.000 US-$ nicht schon am 12.01.1998, son­dern erst am 28.12 1998 ange­schafft, indem sie die­se Fremd­wäh­rung gegen X-Fonds­an­tei­le ein­ge­tauscht hat.
Fonds­an­tei­le wie Fremd­wäh­rungs­gut­ha­ben stel­len jeweils eigen­stän­di­ge Wirt­schafts­gü­ter dar.
Mit der Hin­ga­be des Fremd­wäh­rungs­gut­ha­bens von 600.000.000 US-$ zum Kauf von 4 850 000 X‑Anteilen am 12.01.1998 hat die Klä­ge­rin bei­de Wirt­schafts­gü­ter getauscht, d.h. die X‑Anteile erwor­ben und die US-$ ver­äu­ßert. Der Preis für die Ver­äu­ße­rung der X‑Anteile am 28.12 1998 waren 380.000.000 US-$, d.h. die­ses Fremd­wäh­rungs­gut­ha­ben wur­de am 28.12 1998 ange­schafft und z.T. ‑in Höhe von 70.000.000 US-$- am 11.01.1999 in DM umge­tauscht, d.h. ver­äu­ßert.
Das zum Kurs von 1, 81463 DM/US-$ am 12.01.1998 ange­schaff­te Fremd­wäh­rungs­gut­ha­ben ist danach nicht mehr das näm­li­che, wel­ches am 11.01.1999 in Höhe von 70.000.000 US-$ umge­tauscht wur­de. Viel­mehr wur­den die ursprüng­li­chen 600.000.000 US-$ voll­stän­dig für den Anteils­er­werb am 12.01.1998 ver­braucht. Erst durch die Ver­äu­ße­rung der X‑Anteile am 28.12 1998 erlang­te die Klä­ge­rin wie­der neue US-$, die dann am 11.01.1999 als näm­li­che Wirt­schafts­gü­ter ver­äu­ßert wer­den konn­ten.
Die­se Lösung des Streit­falls ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zu § 17 EStG, wonach zur Berech­nung des Auf­lö­sungs­ge­winns aus einer in aus­län­di­scher Wäh­rung ange­schaff­ten und ver­äu­ßer­ten Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft sowohl die Anschaf­fungs­kos­ten als auch der Ver­äu­ße­rungs­preis zum Zeit­punkt ihres jewei­li­gen Ent­ste­hens in EUR umzu­rech­nen sind und nicht ledig­lich der Sal­do des in aus­län­di­scher Wäh­rung errech­ne­ten Veräußerungsgewinns/​Veräußerungsverlustes zum Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung 6. Dies ist vor der par­al­le­len Tat­be­stands­struk­tur von § 23 EStG und § 17 EStG auch gebo­ten. Nach bei­den Vor­schrif­ten ist die Wert­dif­fe­renz eines Wirt­schafts­guts zwi­schen zwei Stich­ta­gen zu besteu­ern. Alle wert­bil­den­den Fak­to­ren des jewei­li­gen Wirt­schafts­guts sind des­halb zum Zeit­punkt der Anschaf­fung bzw. Ver­äu­ße­rung zu berück­sich­ti­gen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Janu­ar 2014 – IX R 11/​13
vgl. BFH, Urtei­le vom 24.11.1993 – X R 49/​90, BFHE 173, 107, BSt­Bl II 1994, 591; vom 22.05.2003 – IX R 9/​00, BFHE 202, 309, BSt­Bl II 2003, 712[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 30.11.2010 – VIII R 58/​07, BFHE 232, 337, BSt­Bl II 2011, 491, m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 19.08.2008 – IX R 71/​07, BFHE 222, 484, BSt­Bl II 2009, 13; vom 06.04.2011 – IX R 41/​10, BFH/​NV 2011, 1850[↩]
BFH, Urteil in BFHE 236, 362, BSt­Bl II 2012, 564[↩]
Fremdwährungsgeschäfteprivate VeräußerungsgeschäfteTauschWertpapiergeschäfte

References: § 2
 § 22
 § 23
 § 23
 § 23
 § 11
 § 17
 § 23
 § 17