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Timestamp: 2020-01-17 22:09:36+00:00

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Betrieb­li­che Direkt­zu­sa­ge – und der Dis­kon­tie­rungs­zins­satz im Ver­sor­gungs­aus­gleich | Rechtslupe
Betriebliche Direktzusage - und der Diskontierungszinssatz im Versorgungsausgleich
Zur Wahl des Dis­kon­tie­rungs­zins­sat­zes, mit dem der Gesamt­wert aller künf­tig zu erwar­ten­den Ver­sor­gungs­leis­tun­gen bei einer betrieb­li­chen Direkt­zu­sa­ge im Rah­men der Ermitt­lung eines Kapi­tal­werts nach § 45 Abs. 1 VersAus­glG i.V.m. § 4 Abs. 5 BetrAVG auf das Ende der Ehe­zeit als Bewer­tungs­stich­tag abge­zinst wird 1.
Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, sind nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Halb­satz 2 BetrAVG für die Berech­nung des Bar­werts einer aus­zu­glei­chen­den Ver­sor­gung die "Rech­nungs­grund­la­gen" sowie "die aner­kann­ten Regeln der Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tik" maß­ge­bend 2.
Han­delt es sich nicht um eine bei­trags­ori­en­tier­te Leis­tungs­zu­sa­ge oder um eine kon­gru­ent rück­ge­deck­te Ver­sor­gungs­zu­sa­ge 3, wäh­len die Ver­sor­gungs­trä­ger – wie auch hier – für die Ermitt­lung des Bar­werts eines Ver­sor­gungs­an­rechts übli­cher­wei­se die­je­ni­gen Bewer­tungs­pa­ra­me­ter, die von dem ver­pflich­te­ten Unter­neh­men auch bei der han­dels­bi­lan­zi­el­len Bewer­tung ihrer Pen­si­ons­ver­pflich­tung her­an­ge­zo­gen wer­den. Daher fin­det als Rech­nungs­zins zumeist der han­dels­bi­lan­zi­el­le Zins­satz des § 253 Abs. 2 Satz 2 HGB Anwen­dung, was den Ver­sor­gungs­trä­gern in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en auch aus­drück­lich nahe­ge­legt wor­den ist 4.
Zwar wäre hier­nach mit dem aus Art. 6 Abs. 1 iVm Art. 3 Abs. 2 GG her­ge­lei­te­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Halb­tei­lungs­grund­satz nicht zu ver­ein­ba­ren, wenn der Ver­sor­gungs­trä­ger – auch unter Berück­sich­ti­gung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tung sei­ner unter­neh­me­ri­schen Hand­lungs­frei­heit – zur Ermitt­lung des stich­tags­be­zo­ge­nen Bar­werts der gesam­ten, aus dem Anrecht der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son künf­tig zu erbrin­gen­den Ver­sor­gungs­leis­tun­gen einen Dis­kon­tie­rungs­zins­satz her­an­zieht, der zu einer struk­tu­rel­len Unter­be­wer­tung des Anrechts und damit zu einer sys­te­ma­ti­schen Benach­tei­li­gung der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son führt. Dies ist bei einer Bar­wert­ermitt­lung unter Anwen­dung des Bil­MoG-Zins­sat­zes nach § 253 Abs. 2 HGB indes­sen nicht der Fall 5.
Auch ist es nicht gebo­ten, den Abzin­sungs­zins­satz gemäß § 253 Abs. 2 Satz 2 HGB nur in einer modi­fi­zier­ten Form ohne den Risi­ko­zu­schlag nach § 6 Rück­Ab­zinsV für die Ermitt­lung des Bar­werts der Ver­sor­gung der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son her­an­zu­zie­hen. Mit einer sol­chen Modi­fi­ka­ti­on wäre der Bil-MoG-Zins­satz auf den Zins­satz aus der Null-Kupon-Euro-Zins­swap­kur­ve und damit auf sei­ne qua­si­ri­si­ko­lo­se Kom­po­nen­te beschränkt. Dies kann nicht über­zeu­gend damit begrün­det wer­den, dass das betrieb­li­che Ver­sor­gungs­an­recht des aus­gleichs­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten der Siche­rung durch den Pen­si­ons-Siche­rungs-Ver­ein unter­fällt und das Unter­neh­men wegen der mit der exter­nen Tei­lung ver­bun­de­nen Kür­zung der ver­blei­ben­den Ver­sor­gungs­ver­pflich­tun­gen gegen­über dem aus­gleichs­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten Bei­trä­ge für die Insol­venz­si­che­rung erspart. Ein inne­rer Zusam­men­hang zwi­schen der durch die Mit­glied­schaft im Pen­si­ons-Siche­rungs-Ver­ein ver­mit­tel­ten Insol­venz­si­che­rung für die Pen­si­ons­zu­sa­ge und den Kapi­tal­erträ­gen, die das Unter­neh­men bei einer (hypo­the­ti­schen) Anla­ge sei­ner in den Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen gebun­de­nen Mit­tel auf dem Kapi­tal­markt erwirt­schaf­ten könn­te, lässt sich nicht erken­nen, zumal auf den qua­si­ri­si­ko­lo­sen Zins aus der Null-Kupon-Euro-Zins­swap­kur­ve ohne­hin nur zur rech­ne­ri­schen Her­lei­tung des Bil­MoG-Zin­ses zurück­ge­grif­fen wird. Zudem ste­hen die Erspar­nis­se bei den Bei­trä­gen zur Insol­venz­si­che­rung ange­sichts ihrer mode­ra­ten Höhe in kei­nem Ver­hält­nis zur Erhö­hung des Bar­werts, der sich aus der vor­ge­schla­ge­nen Modi­fi­ka­ti­on des Rech­nungs­zin­ses ergibt 6.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall kam noch ein Wei­te­res hin­zu: Zwar lie­gen Ver­sor­gungs­aus­künf­te der Deut­sche Tele­kom RSS GmbH und der VAP vor, wobei das bei der Deut­sche Tele­kom RSS GmbH iso­liert aus­zu­glei­chen­de Anrecht als Dif­fe­renz­wert zwi­schen dem im Kapi­tal­kon­ten­plan geführ­ten Gesamt­an­recht und dem im Wege der Par­al­lel­ver­pflich­tung wei­ter­ge­führ­ten Anrecht aus­ge­wie­sen ist. Aller­dings ist die Berech­nung in sich wider­sprüch­lich, weil sie mit unein­heit­li­chen Bil­MoG-Rech­nungs­zin­sen ope­riert. Wäh­rend der Wert des par­al­lel­ver­pflich­ten­den Anrechts mit einem Rech­nungs­zins von 5, 04 % ermit­telt ist, was dem durch­schnitt­li­chen Markt­zins­satz bei einer ange­nom­me­nen Rest­lauf­zeit von 15 Jah­ren zum Stich­tag 31.12 2012 – offen­sicht­lich dem Bilanz­stich­tag des Ver­sor­gungs­trä­gers – ent­spricht, ist der Wert des im Kapi­tal­kon­ten­plan geführ­ten Gesamt­an­rechts mit einem Rech­nungs­zins von 4, 94 % ermit­telt, was dem durch­schnitt­li­chen Markt­zins­satz zum Stich­tag 30.06.2013, also monats­ge­nau dem Ehe­zei­ten­de, ent­spricht. Da bei­de Bau­stei­ne des Anrechts jedoch in der auf­ge­zeig­ten Wei­se durch Teil­ab­zug mit­ein­an­der ver­wo­ben sind, darf eine Wert­ermitt­lung nur unter Ver­wen­dung iden­ti­scher Rech­nungs­zin­sen erfol­gen.
In der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs zum Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ge­setz wird in die­sem Zusam­men­hang auf den Refe­ren­ten­ent­wurf des Bilanz­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes Bezug genom­men. Die­ser hat in § 253 Abs. 2 Satz 1 und 2 HGB‑E eine bilan­zi­el­le Bewer­tung von Rück­stel­lun­gen für Ren­ten­ver­pflich­tun­gen mit dem durch­schnitt­li­chen Markt­zins­satz vor­ge­se­hen, wobei nach § 253 Abs. 2 Satz 3 HGB‑E die anzu­wen­den­den Abzin­sungs­zins­sät­ze von der Deut­schen Bun­des­bank ermit­telt und monat­lich bekannt gege­ben wer­den soll­ten 7. Der Rechts­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­tags hat ergän­zend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Regie­rungs­ent­wurf für ein Bilanz­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz die Bestim­mun­gen für den maß­geb­li­chen Rech­nungs­zins bei der Bewer­tung von Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen wei­ter kon­kre­ti­siert habe und die­ser nach § 253 Abs. 2 HGB-RegE nach Maß­ga­be einer Rechts­ver­ord­nung ermit­telt und monat­lich von der Deut­schen Bun­des­bank bekannt gege­ben wer­den sol­le. Das han­dels­recht­li­che Bewer­tungs­recht füh­re so zu "rea­lis­ti­schen Stich­tags­wer­ten", die ohne erheb­li­chen Mehr­auf­wand für die Ver­sor­gungs­trä­ger auch für Zwe­cke des Ver­sor­gungs­aus­gleichs nutz­bar gemacht wer­den könn­ten. Damit ste­he künf­tig auch im Ver­sor­gungs­aus­gleich zum maß­geb­li­chen Stich­tag am Ende der Ehe­zeit ein "klar defi­nier­ter Rech­nungs­zins" zur Ver­fü­gung 8. Im Hin­blick dar­auf erscheint es recht­lich unbe­denk­lich, bei der Bewer­tung von aus­zu­glei­chen­den Anrech­ten ein­heit­lich auf den monats­ge­nau zum Ende der Ehe­zeit bekannt gege­be­nen Rech­nungs­zins abzu­stel­len, wel­chen der Gesetz­ge­ber als zum maß­geb­li­chen Stich­tag am Ende der Ehe­zeit klar defi­nier­ten und zugleich als rea­lis­ti­schen Rech­nungs­zins her­vor­ge­ho­ben hat.
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 09.03.2016 – XII ZB 540/​14 [↩]
BGH, Beschluss vom 09.03.2016 – XII ZB 540/​14[↩]
BGH, Beschluss vom 09.03.2016 – XII ZB 540/​14 18 f.[↩]
BGH, Beschluss vom 09.03.2016 – XII ZB 540/​14 20[↩]
BGH, Beschluss vom 09.03.2016 – XII ZB 540/​14 43[↩]
BGH, Beschluss vom 09.03.2016 – XII ZB 540/​14 52 f.[↩]

References: § 45
 § 4
 § 4
 § 253
 Art. 6
 Art. 3
 § 253
 § 253
 § 6
 § 253
 § 253
 § 253