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Timestamp: 2017-01-22 16:17:22+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 4 Sa 252/10
4 Sa 252/10
Arbeitsgericht Nürnberg, Schlussurteil vom 4.3.2010, 4 Ca 8208/09Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2013, 5 AZR 130/12
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Tei­la­n­er­kennt­nis- und Schlus­s­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 04.03.2010, Az.: 4 Ca 8208/09, wird auf Kos­ten der Be­ru­fungsführe­rin zurück­ge­wie­sen.
2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen. Tat­be­stand:
Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz noch über die Zah­lung der Vergütung für den Mo­nat Ok­to­ber 2009.
Der am 07.09.1959 ge­bo­re­ne Kläger war bei der Be­klag­ten seit dem 01.06.1991 als Kraft­fah­rer beschäftigt und be­zog zu­letzt ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt in Höhe von EUR 2.200,--. Die Be­klag­te kündig­te mit Schrei­ben vom 30.06.2009 das Ar­beits­verhält­nis „frist­gemäß zum 30.09.2009“. Ab Überg­a­be des Kündi­gungs­schrei­bens am 27.06.2009 stell­te die Be­klag­te den Kläger von der Pflicht zur Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung frei. Mit sei­ner am 27.10.2009 beim Ar­beits­ge­richt Nürn­berg er­ho­be­nen Kla­ge macht der Klä-ger den Fort­be­stand sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses über den 30.09.2009 und Zah­lungs­ansprüche für die Zeit von Ok­to­ber bis De­zem­ber 2009 gel­tend, da sein Ar­beits­verhält­nis ent­ge­gen der Zu­si­che­rung des Be­klag­ten­in­ha­bers bei Überg­a­be des Kündi­gungs­schrei­bens auf­grund ei­ner ein­zu­hal­ten­den Kündi­gungs­frist von sechs Mo­na­ten statt von drei Mo­na­ten ge­ra­de nicht frist­ge­recht gekündigt wor­den sei.
We­gen der Anträge der Par­tei­en und ih­res nähe­ren Vor­brin­gens im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren wird auf den Tat­be­stand der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung Be­zug ge­nom­men.
Die Be­klag­te hat in dem Ver­hand­lungs­ter­min vom 04.03.2010 die gel­tend ge­mach­ten Vergütungs­ansprüche für die Mo­na­te No­vem­ber und De­zem­ber 2009 und die Aus­stel­lung ei­ner Ar­beits­be­schei­ni­gung über die Ge­samt­dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses an­er­kannt.
Das Ar­beits­ge­richt Nürn­berg hat mit Tei­la­n­er­kennt­nis- und Schlus­s­ur­teil der Kla­ge über­wie­gend statt­ge­ge­ben und die Be­klag­te auch zur Be­zah­lung der Vergütung für den Mo­nat Ok­to­ber 2009 ver­ur­teilt.
Ge­gen das dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten am 12.03.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die­ser mit dem am Fol­ge­tag beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz vom 18.03.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und sie mit Te­le­fax vom 11.05.2010 be­gründet.
Die Be­klag­te be­haup­tet, es sei zwar bei der Be­rech­nung der Kündi­gungs­frist ein Feh­ler ge­macht wor­den, gleich­wohl sei dem Kläger die Vergütung für den Mo­nat Ok­to­ber 2009 nicht ge­schul­det. Der Kläger ha­be nämlich über den 30.09.2009 hin­aus nicht mehr bei der Be­klag­ten ar­bei­ten wol­len. Ei­nem leis­tungs­un­wil­li­gen Ar­beit­neh­mer sei kein An­nah­me­ver­zugs­lohn mehr ge­schul­det. Da die Par­tei­en bei Überg­a­be des Kündi­gungs­schrei­bens von dem Be­en­di­gungs­ter­min 30.09.2009 aus­ge­gan­gen sei­en, sei auch nur ei­ne Frei­stel­lungs­ver­ein­ba­rung bis zu die­sem Ter­min ge­trof­fen wor­den. Nach die­sem Ter­min hätte der Kläger sei­ne Ar­beits­kraft wie­der an­bie­ten müssen.
Die Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin be­an­tragt:
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg, Az.: 4 Ca 8208/09, wird auf die Be­ru­fung auf­ge­ho­ben, so­weit die Be­klag­te ver­ur­teilt wur­de, an den Kläger über ei­nen Be­trag von € 560,00 hin­aus wei­te­re € 2.200,00 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit 01.11.2009 zu be­zah­len.
In­so­weit wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Der Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt:
1. Die Be­ru­fung wird zurück­ge­wie­sen.
2. Der Be­ru­fungskläger hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.
Zur Be­gründung trägt er vor, die Kündi­gung der Be­klag­ten ha­be das Ar­beits­verhält­nis erst rechts­wirk­sam zum 31.12.2009 be­en­den könne. Dies könne auch noch nach Ab­lauf der Frist für die Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge gel­tend ge­macht wer­den. Da er nur be­reit ge­we­sen sei, ei­ne frist­ge­rech­te Kündi­gung zu ak­zep­tie­ren, sei er auch nach dem 30.09.2009 noch leis­tungs­wil­lig ge­we­sen. Auf­grund der Frei­stel­lungs­ver­ein­ba­rung sei es für die gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­ansprüche nicht mehr er­for­der­lich ge­we­sen, die Ar­beits­kraft aus­drück­lich an­zu­bie­ten. Er ha­be sich bei Überg­a­be des Kündi­gungs­schrei­bens dar­auf ver­las­sen, dass der Be­klag­ten­in­ha­ber die Kündi­gungs­frist rich­tig be­rech­net ha­be. Die Frei­stel­lung sei­tens der Be­klag­ten ha­be er so ver­stan­den, dass die­se bis zur recht­li­chen Be­en­di­gung des Ver­trags­verhält­nis­ses er­fol­gen sol­le.
Hin­sicht­lich wei­te­rer Ein­zel­hei­ten wird auf den In­halt der im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ge­wech­sel­ten Schriftsätze ver­wie­sen.
Von ei­ner wei­ter­ge­hen­den Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se­hen.
Sie ist statt­haft, § 64 Abs. 1, Abs. 2b ArbGG, und auch in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, 519, 520 ZPO.
Die Be­ru­fung ist sach­lich nicht be­gründet.
Das Erst­ge­richt hat mit zu­tref­fen­der Be­gründung der Kla­ge statt­ge­ge­ben, so­weit der Kläger die Aus­zah­lung der Vergütung für den Mo­nat Ok­to­ber 2009 be­gehrt.
Es kann in­so­weit auf die Ausführun­gen im Erst­ur­teil ver­wie­sen und von ei­ner rein wie­der­ho­len­den Dar­stel­lung der Ent­schei­dungs­gründe ab­ge­se­hen wer­den.
Im Hin­blick auf das Be­ru­fungs­vor­brin­gen sind noch fol­gen­de ergänzen­de Ausführun­gen ver­an­lasst:
1. Der Be­klag­ten­in­ha­ber hat un­strei­tig den Kläger bei Überg­a­be des Kündi­gungs­schrei­bens am 27.06.2009 von der Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt. Die­se Frei­stel­lungs­erklärung durf­te der Kläger im Rah­men der §§ 133, 157 BGB so ver­ste­hen, dass die­se bis zur recht­li­chen Be­en­di­gung des Ver­trags­verhält­nis­ses er­fol­gen sol­le. Ei­ne kon­kre­te zeit­li­che Be­schränkung der Ver­pflich­tung, die Ar­beits­leis­tung zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt wie­der auf­zu­neh­men, lässt sich nämlich dem An­ge­bot des Be­klag­ten­in­ha­bers nicht ent­neh­men. Auch wenn bei­de Par­tei­en zunächst von ei­ner wirk­sa­men Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30.09.2009 aus­ge­gan­gen sind, wirkt die Frei­stel­lungs­ver­ein­ba­rung der Par­tei­en auch über die­sen Zeit­punkt hin­aus.
Auf ei­nen hier­von ab­wei­chen­den Wil­len hätte der Be­klag­ten­in­ha­ber den Kläger aus­drück­lich hin­wei­sen müssen, da er es war, der den End­ter­min 30.09.2009 er­rech­net und zum In­halt des Kündi­gungs­schrei­bens ge­macht hat. Zu kei­nem Zeit­punkt vor dem 31.10.2009 hat der Be­klag­ten­in­ha­ber den Kläger auf die Un­rich­tig­keit des er­rech­ne­ten Ent­las­sungs­ter­mins, die zeit­li­che Be­schränkung der er­folg­ten Frei­stel­lung und die Ver­pflich­tung, die Ar­beit wie­der auf­zu­neh­men, hin­ge­wie­sen.
In­so­weit kam zwi­schen den Par­tei­en ei­ne Frei­stel­lungs­ver­ein­ba­rung zu­stan­de, die sich zu­min­dest auch auf den Mo­nat Ok­to­ber 2009 be­zog.
2. Im Fal­le ei­ner Frei­stel­lungs­ver­ein­ba­rung folgt der Vergütungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers un­mit­tel­bar aus § 611 BGB (vgl. BAG vom 19.03.2002 – 9 AZR 16/01 – EzA Nr. 108 zu § 615 BGB).
Der Vergütungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers hängt nicht von den Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen An­nah­me­ver­zug der Ar­beit­ge­be­rin gemäß § 615 Abs. 1 BGB ab. Es be­darf ins­be­son­de­re nicht ei­nes ir­gend­wie ge­ar­te­ten Ar­beits­an­ge­bo­tes des Ar­beit­neh­mers.
Die­ser wur­de nämlich sei­ner Ar­beits­pflicht ein­ver­nehm­lich ent­ho­ben. In­so­weit kommt es auch auf die Ar­beits­wil­lig­keit des Ar­beit­neh­mers nicht an (vgl. EK-Preis, 10. Aufl., § 615 Rz. 47). Viel­mehr wird während der Zeit der rechts­wirk­sa­men Frei­stel­lung von der Ar­beit dem Ar­beit­neh­mer die Ar­beits­leis­tung i.S.v. § 297 BGB vorüber­ge­hend recht­lich unmöglich (so BAG vom 23.01.2001 – 9 AZR 26/00 – AP Nr. 93 zu § 615 BGB).
Der Ar­beit­ge­ber bleibt al­lei­ne auf­grund der ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung trotz der un­ter­blie­be­nen Ar­beits­leis­tung zur Zah­lung der Vergütung gemäß § 611 Abs. 1 BGB ver­pflich­tet.
1. Die Be­klag­te hat die Kos­ten ih­res er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen, § 97 Abs. 1 ZPO.
2. Für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­steht kein ge­setz­lich be­gründe­ter An­lass, § 72 Abs. 1 und 2 ArbGG. m.hensche.de
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References: § 69
 § 64
 § 611
 § 615
 § 615
 § 615
 § 297
 § 615
 § 611
 § 97
 § 72