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Timestamp: 2018-07-20 14:14:56+00:00

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DAS URANTIA BUCH, Schrift 65. Die Überwachung der Evolution
DAS URANTIA BUCH - Schrift 65. Die Überwachung der Evolution
Schrift 65. Die Überwachung der Evolution
§ 1. Funktionen der Lebensbringer
§ 2. Das Panorama der Evolution
§ 3. Die Steuerung der Evolution
§ 4. Das urantianische Abenteuer
§ 5. Wechselfälle der Evolution des Lebens
§ 6. Evolutionäre Lebenstechniken
§ 7. Evolutionäre Verstandesstufen
§ 8. Evolution in Zeit und Raum
65:0.1 (730.1) FORMULIERT wird das grundlegende evolutionäre materielle Leben — das vormentale Leben — durch die Physischen Hauptüberwacher und das lebenspendende Amt der Sieben Hauptgeiste in Verbindung mit dem aktiven Dienst der beauftragten Lebensbringer. Als Ergebnis des Zusammenwirkens dieser dreifachen Kreativität entwickelt sich die physische Verstandeskapazität der Organismen — entwickeln sich materielle Mechanismen, die zu intelligenter Reaktion auf äußere Umweltreize und später auf innere Reize fähig sind, auf Einflüsse, die im Verstand des Organismus selbst entstehen.
65:0.3 (730.3) 1. Der physische Energiebereich — Schaffung mentaler Kapazität.
65:0.4 (730.4) 2. Das mentale Amt der Hilfsgeiste — welches bereits auf die geistige Kapazität übergreift.
65:0.5 (730.5) 3. Die Geistbegabung des sterblichen Verstandes — die in der Verleihung der Gedankenjustierer gipfelt.
65:0.6 (730.6) Die mechanischen, nicht unterweisbaren Ebenen der Ansprechbarkeit der Organismen auf die Umwelt fallen in den Bereich der physischen Überwacher. Die mentalen Hilfsgeiste aktivieren und regulieren die anpassungsfähigen oder nichtmechanischen, unterweisbaren Verstandestypen — jene Antwortmechanismen von Organismen, die fähig sind, aus Erfahrung zu lernen. Und so wie die Hilfsgeiste die mentalen Potentiale handhaben, üben die Lebensbringer nach ihrem Ermessen eine beträchtliche Kontrolle über die Umweltaspekte der Evolutionsprozesse aus, und dies solange, bis der menschliche Wille erscheint — die Fähigkeit, Gott zu kennen, und die Entschlusskraft, ihn anzubeten.
65:0.7 (730.7) Es ist dieses Zusammenwirken von Lebensbringern, physischen Überwachern und Hilfsgeisten, das den Lauf der organischen Evolution auf den bewohnten Welten bedingt. Und das ist der Grund, weshalb die Evolution — auf Urantia oder anderswo — stets planvoll und nie zufällig erfolgt.
65:1.1 (730.5) Die Lebensbringer verfügen über Potentiale der Persönlichkeitsmetamorphose, wie nur wenig Geschöpfesordnungen sie besitzen. Diese Söhne des Lokaluniversums sind fähig, in drei verschiedenen Seinszuständen zu funktionieren. Sie erfüllen ihre Aufgaben gewöhnlich als Söhne der mittleren Existenzebene, welches ihre ursprüngliche Daseinsform ist. Aber in dieser Existenzform könnte ein Lebensbringer unmöglich in den elektrochemischen Bereichen wirken, um physische Energien und materielle Partikel in Einheiten lebendiger Existenz zu überführen.
65:1.2 (730.6) Die Lebensbringer können auf den folgenden drei Ebenen funktionieren:
65:1.3 (730.7) 1. Auf der physischen Ebene der Elektrochemie.
65:1.4 (730.8) 2. Auf der gewöhnlichen mittleren, quasi-morontiellen Existenzebene.
65:1.5 (730.9) 3. Auf der fortgeschrittenen halbgeistigen Ebene.
65:1.6 (731.1) Wenn sich die Lebensbringer anschicken, Leben anzusiedeln, nachdem sie die für ein solches Vorhaben geeigneten Orte ausgesucht haben, lassen sie die Erzengelkommission zur Verwandlung der Lebensbringer kommen. Diese Gruppe besteht aus zehn verschiedenen Persönlichkeitsordnungen, einschließlich der physischen Überwacher und ihrer Mitarbeiter, und wird vom Haupt der Erzengel geleitet, das auf Weisung Gabriels und mit Erlaubnis der Ältesten der Tage in dieser Eigenschaft handelt. Wenn diese Wesen in geeigneter Weise zusammengeschaltet sind, können sie in den Lebensbringern Veränderungen auslösen, die diese befähigen, sogleich auf den physischen Ebenen der Elektrochemie zu funktionieren.
65:1.7 (731.2) Wenn die Lebensmodelle einmal formuliert und die materiellen Organisationen bereitstehen, treten sofort die an der Lebensvergabe beteiligten übermateriellen Kräfte in Aktion, und das Leben existiert. Danach werden die Lebensbringer unverzüglich wieder auf ihre normale mittlere Ebene persönlicher Existenz zurückversetzt, in welchem Zustand sie die lebenden Einheiten manipulieren und die sich entwickelnden Organismen steuern können, obwohl sie nun jeglicher Fähigkeit, neue Modelle lebender Materie zu organisieren — zu erschaffen — beraubt sind.
65:1.8 (731.3) Nachdem die organische Evolution in bestimmten Bahnen verlaufen und der freie Wille des menschlichen Typs in den höchsten sich entwickelnden Organismen erschienen ist, müssen die Lebensbringer entweder den Planeten verlassen oder aber ein Verzichtsgelübde ablegen; das heißt, sie müssen sich verpflichten, künftig jeden Versuch zu unterlassen, den Lauf der organischen Evolution zu beeinflussen. Und wenn jene Lebensbringer, die sich dafür entscheiden, als künftige Berater derer auf dem Planeten zu bleiben, die mit der Förderung der neu entwickelten Willensgeschöpfe betraut sind, freiwillig ein solches Gelübde ablegen, wird eine Zwölferkommission aufgeboten, präsidiert vom Oberhaupt der Abendsterne, der im Namen des Systemsouveräns und mit Erlaubnis Gabriels handelt; und augenblicklich werden diese Lebensbringer in die dritte Phase persönlicher Existenz überführt — auf die halbgeistige Seinsebene gehoben. Und ich habe auf Urantia seit der Zeit von Andon und Fonta stets auf dieser dritten Existenzebene gewirkt.
65:2.2 (731.6) Heute sind nur noch sehr wenige Arten des frühen Typs mariner Vegetation am Leben, die an den epochalen Veränderungen teilhatten, welche zu den Organismen an der Grenze zum Tierreich führten. Die Schwämme sind die Überlebenden eines dieser frühen Zwischentypen, jener Organismen, durch welche der allmähliche Übergang vom Pflanzlichen zum Tierischen geschah. Obwohl diese frühen Übergangsformen mit den heutigen Schwämmen nicht identisch waren, glichen sie ihnen doch sehr stark; es waren richtige Grenzorganismen — weder Pflanze noch Tier — aber sie führten schließlich zur Entwicklung der wahren tierischen Lebensformen.
65:2.4 (732.2) Bald erschien der höhere Tiertypus der Protozoen, und er erschien plötzlich. Und aus diesen fernen Zeiten ist die Amöbe, der typische einzellige Tierorganismus, fast unverändert auf uns gekommen. Sie tollt sich heute noch so ziemlich wie damals herum, als sie die jüngste und größte Errungenschaft der Lebensevolution darstellte. Dieses winzige Geschöpf und seine einzelligen Vettern sind für die Tierschöpfung, was die Bakterien für das Pflanzenreich sind; sie verkörpern das Überdauern der ersten frühen Evolutionsschritte in der Differenzierung des Lebens und zugleich das Scheitern weiterer Entwicklung.
65:2.5 (732.3) Es dauerte nicht lange, und die einzelligen Tiertypen taten sich zu Gemeinschaften zusammen, zunächst nach dem Plan des Volvox und bald darauf nach dem der Hydra und Qualle. Noch später entwickelten sich die Seesterne, Meerlilien, Seeigel, Seegurken, Tausendfüßler, Insekten, Spinnen, Krustentiere und die engverwandten Gruppen der Regenwürmer und Blutegel, auf die bald die Mollusken — die Austern, Tintenfische und Schnecken — folgten. Hunderte und Aberhunderte von Arten traten auf und gingen wieder unter; Erwähnung finden hier nur jene, die den langen, langen Kampf überlebt haben. Solche sich nicht vorwärtsentwickelnden Vertreter des Tierreichs, wie auch die später erscheinende Familie der Fische, stellen heute die stehengebliebenen Typen früher und niedrigerer Tiere dar, sind Zweige am Baum des Lebens, denen der Fortschritt misslang.
65:2.8 (732.6) Aus den Fröschen gingen die Reptilien hervor, eine große, jetzt praktisch ausgestorbene Tierfamilie, der aber vor ihrem Verlöschen die ganze Vogelfamilie und die zahlreichen Säugetierordnungen entsprangen.
65:2.9 (732.7) Wahrscheinlich der größte Sprung in der ganzen vormenschlichen Entwicklung erfolgte, als aus dem Reptil ein Vogel wurde. Die heutigen Vogelarten — Adler, Enten, Tauben und Strauße — gehen alle auf die riesigen Reptilien längst vergangener Zeiten zurück.
65:2.13 (733.3) Der Mensch entwickelte sich also aus den höheren Säugetieren, die hauptsächlich aus der westlichen Lebensansiedlung in den alten geschützten ost-westlichen Meeren hervorgegangen waren. Die östliche und die zentrale Gruppe lebender Organismen entwickelten sich schon früh günstig auf vormenschliche Stufen tierischer Existenz hin. Aber mit dem Vergehen der Zeitalter erwies sich der östliche Lebensherd als unfähig, eine zufriedenstellende Ebene vormenschlicher Intelligenz zu erreichen; denn wiederholt erlitt er so unersetzliche Verluste seiner höchsten Keimplasmatypen, dass er für immer der Macht zur Wiedergewinnung menschlicher Potentiale beraubt wurde.
65:3.4 (734.1) Sogar der Verlust von Andon und Fonta, noch ehe sie Kinder hatten, hätte die menschliche Entwicklung, wenn auch verzögert, aber nicht aufgehalten. Nach dem Erscheinen Andons und Fontas und bevor die mutationsfähigen menschlichen Potentiale des tierischen Lebens erschöpft waren, entwickelten sich nicht weniger als siebentausend günstige Linien, die irgendeinen menschlichen Entwicklungstyp hätten hervorbringen können. Und viele dieser besseren Linien wurden in der Folge durch die verschiedenen Zweige der in Expansion begriffenen menschlichen Gattung assimiliert.
65:3.6 (734.3) Die Menschheit Urantias muss die Probleme ihrer irdischen Entwicklung aufgrund der Menschenbestände lösen, die sie besitzt — in aller Zukunft werden sich aus vormenschlichen Quellen nie neue Rassen entwickeln. Aber diese Tatsache schließt die Möglichkeit nicht aus, durch intelligente Pflege der in den menschlichen Rassen weiterhin vorhandenen evolutionären Potentiale sehr viel höhere Ebenen menschlicher Entwicklung zu erreichen. Das, was wir Lebensbringer vor dem Erscheinen des menschlichen Willens für Pflege und Erhaltung der Lebenslinien tun, muss der Mensch nach diesem Ereignis und nachdem wir uns von der aktiven Beteiligung an der Evolution zurückgezogen haben, für sich selber tun. Ganz allgemein ruht des Menschen evolutionäres Schicksal in seinen eigenen Händen, und wissenschaftliche Intelligenz muss früher oder später an die Stelle des blinden Funktionierens unkontrollierter natürlicher Selektion und zufälligen Überlebens treten.
65:4.1 (734.5) Überseht die Tatsache nicht, dass Urantia uns als eine Lebensexperimentierwelt zugewiesen wurde. Auf diesem Planeten unternahmen wir unseren sechzigsten Versuch, die Adaptation Satanias der nebadonschen Lebensentwürfe zu verändern und, wenn möglich, zu verbessern, und es ist eine verbürgte Tatsache, dass uns zahlreiche vorteilhafte Änderungen der normalen Lebensmodelle gelungen sind. Um deutlich zu sein, haben wir auf Urantia nicht weniger als achtundzwanzig charakteristische Modifikationen des Lebens ausgearbeitet, die befriedigende Resultate gezeitigt haben und ganz Nebadon in aller Zukunft nützlich sein werden.
65:4.3 (735.2) Viele Züge des menschlichen Lebens sind ein reichlicher Beweis dafür, dass das Phänomen der menschlichen Existenz intelligent geplant wurde, dass die organische Evolution nicht nur ein kosmischer Zufall ist. Wenn eine lebende Zelle verletzt wird, hat sie die Fähigkeit, gewisse chemische Substanzen zu bilden, die imstande sind, die benachbarten normalen Zellen so zu stimulieren und zu aktivieren, dass diese unmittelbar mit der Sekretion bestimmter Substanzen beginnen, welche den Heilungsprozess der Wunde erleichtern; und zugleich beginnen die normalen, unverletzten Zellen, sich zu vermehren — sie beginnen neue Zellen zu erschaffen, um Bruderzellen zu ersetzen, die bei dem Unfall etwa zerstört worden sind.
65:4.6 (735.5) Seit das Leben auf Urantia seinen Anfang genommen hat, haben die Lebensbringer diese Technik der Heilung auf einer anderen Welt Satanias eingeführt und sie insofern verbessert, als sie nun in höherem Maße schmerzlindernd wirkt und die Wucherfähigkeit der am Prozess beteiligten Zellen besser kontrolliert.
65:4.7 (735.6) Viele einmalige Besonderheiten zeichneten das urantianische Lebensexperiment aus, aber die beiden hervorstechendsten Episoden waren das Erscheinen der andonischen Rasse vor der Evolution der sechs farbigen Völker und das spätere gleichzeitige Auftreten der Sangik-Mutanten in einer einzigen Familie. Urantia ist die erste Welt Satanias, auf der die sechs farbigen Rassen einer einzigen menschlichen Familie entsprangen. Gewöhnlich gehen sie aus verschiedenen Linien der vormenschlichen Tierrasse durch voneinander unabhängige Mutationen hervor und erscheinen im Allgemeinen auf Erden nur immer eine auf einmal und nacheinander über lange Zeitspannen verteilt, wobei der rote Mensch den Anfang macht und die anderen Farben bis Indigo folgen.
65:4.12 (736.3) Aber bei unserem Bemühen, für jene Kombination und Verbindung von Erbfaktoren zu sorgen, die schließlich die Säugervorfahren der menschlichen Rasse hervorgebracht haben, sahen wir uns vor die Notwendigkeit gestellt zu erlauben, dass sich Hunderte, ja Tausende anderer und relativ nutzloser Kombinationen und Verbindungen von Erbfaktoren einstellten. Mit Sicherheit werdet ihr verwundert auf viele dieser scheinbar absonderlichen Nebenprodukte unserer Anstrengungen stoßen, wenn ihr in der planetarischen Vergangenheit grabt, und ich kann gut verstehen, wie rätselhaft einiges davon der begrenzten menschlichen Sichtweise erscheinen muss.
65:5.2 (736.5) Aber die größte Enttäuschung während dieses ganzen biologischen Abenteuers bereitete uns die in einem umfassenden und unerwarteten Ausmaß eintretende Rückentwicklung eines bestimmten Teils des primitiven Pflanzenlebens auf die dem Chlorophyll vorausgehenden Ebenen parasitärer Bakterien. Dieses Evolutionsergebnis im pflanzlichen Leben verursachte bei den höheren Säugetieren, insbesondere in der verwundbareren menschlichen Gattung, viele qualvolle Krankheiten. Als wir dieser beunruhigenden Situation gegenüberstanden, maßen wir den damit verbundenen Schwierigkeiten keine allzu große Bedeutung bei, da wir wussten, dass die spätere Beimischung adamischen Lebensplasmas die Abwehrkräfte der entstehenden Mischrasse derart stärken würde, dass sie gegen all diese durch Organismen des pflanzlichen Typs hervorgerufenen Krankheiten praktisch immun würde. Aber unsere Hoffnungen sollten durch das Unglück der adamischen Verfehlung enttäuscht werden.
65:5.4 (736.7) Es gibt natürlich auch gewisse Entschädigungen für die Widerwärtigkeiten, wie etwa Michaels Selbsthingabe auf Urantia. Aber unabhängig von solchen Überlegungen bekunden die späteren himmlischen Leiter dieses Planeten volles Vertrauen in den letztendlichen evolutionären Triumph der menschlichen Rasse und in die schließliche Rechtfertigung unserer ursprünglichen Pläne und Lebensmodelle.
65:6.1 (737.1) Es ist unmöglich, gleichzeitig Lage und Geschwindigkeit eines sich bewegenden Objekts exakt zu bestimmen; jeglicher Messversuch der einen bringt zwangsläufig eine Veränderung der anderen mit sich. Derselben Art von Paradox sieht sich der sterbliche Mensch gegenüber, wenn er sich an eine chemische Analyse des Protoplasmas macht. Der Chemiker kann die Chemie des toten Protoplasmas abklären, aber er kann weder die physische Organisation noch die dynamische Leistung des lebenden Protolasmas erkennen. Der Wissenschaftler wird den Geheimnissen des Lebens stets näher und näher kommen, aber er wird sie nie finden, einfach deshalb, weil er das Protoplasma töten muss, um es zu analysieren. Totes Protoplasma wiegt so schwer wie lebendes Protoplasma, ist aber nicht dasselbe.
65:6.2 (737.2) In allen lebendigen Dingen und Wesen liegt eine ursprüngliche Anpassungsgabe. In jeder lebenden pflanzlichen oder tierischen Zelle, in jedem lebenden — ob materiellen oder geistigen — Organismus liegt eine unersättliche Sehnsucht danach, immer vollkommener zu werden in der Harmonisierung mit der Umwelt, in der Anpassung des Organismus und in zunehmender Lebensverwirklichung. Dieses unablässige Streben aller lebendigen Dinge ist der Beweis dafür, dass es in ihnen einen angeborenen Drang nach Vollkommenheit gibt.
65:6.4 (737.4) Eine der nützlichsten und komplexesten Episoden der Evolution der höheren Tiertypen war die vom Eisen entwickelte Fähigkeit, in den zirkulierenden Blutkörperchen die Doppelrolle eines Sauerstoffzubringers und Kohlendioxydentsorgers zu übernehmen. Und diese Leistung der roten Blutkörperchen veranschaulicht die Art, wie in Entwicklung begriffene Organismen ihre Funktionen einer wechselnden oder veränderten Umwelt anzupassen wissen. Die höheren Tiere einschließlich des Menschen versorgen ihr Gewebe mit Sauerstoff dank der Wirkung des Eisens der roten Blutkörperchen, welche den lebenden Zellen den Sauerstoff zuführen und deren Kohlendioxyd ebenso wirksam abtransportieren. Aber auch andere Metalle können demselben Zweck dienen. Der Tintenfisch verwendet für diese Funktion Kupfer und die Seescheide benutzt dazu Vanadium.
65:6.8 (738.1) Physik und Chemie allein können nicht erklären, wie sich aus dem Urplasma der frühen Meere ein menschliches Wesen entwickeln konnte. Die Fähigkeit zu lernen, Gedächtnis und differenzierte Reaktion auf die Umwelt sind Verstandesbegabungen. Die Gesetze der Physik antworten nicht auf Einübung; sie sind ehern und unveränderlich. Die Reaktionen der Chemie werden durch Erziehung nicht verändert; sie sind einheitlich und verlässlich. Wenn man von der Gegenwart des Uneingeschränkten Absoluten absieht, sind elektrische und chemische Reaktio-nen voraussehbar. Aber der Verstand kann sich die Erfahrung zunutze machen, kann aus den Gewohnheiten des Verhaltens lernen, die als Reaktion auf wiederholte Reize erfolgen.
65:7.4 (738.7) Ferner sind die sieben mentalen Hilfsgeiste auf einer durchschnittlichen evolutionären Welt mit den fortschreitenden Stadien der Tierentwicklung weit besser synchronisiert, als dies auf Urantia der Fall war. Von einer einzigen Ausnahme abgesehen, begegneten die Helfer bei der Kontaktaufnahme mit der sich entwickelnden Intelligenz der Organismen Urantias größeren Schwierigkeiten, als sie während all ihres Wirkens im ganzen Universum von Nebadon jemals gehabt hatten. Auf dieser Welt entwickelten sich vielerlei Grenzphänomene — verworrene Kombinationen des mechanisch-nichtunterweisbaren mit dem nichtmechanisch-unterweisbaren Ansprechbarkeits-Typ der Organismen.
65:7.5 (739.1) Die sieben mentalen Hilfsgeiste stellen keinen Kontakt zu Organismen her, die rein mechanisch auf die Umwelt reagieren. Solche vorintelligenten Antworten lebender Organismen fallen ganz und gar in die Energiedomäne der Machtzentren, der physischen Überwacher und ihrer Mitarbeiter.
65:7.7 (739.3) Die Hilfsgeiste wirken in der Evolution des erfahrenden Verstandes bis zur Ebene der sechsten Phase, jener des Geistes der Anbetung, allein. Auf dieser Stufe tritt ein unvermeidliches Überlappen der geistigen Einflüsse ein — das Phänomen des Höheren, das sich hinabbeugt, um sich mit dem Niedrigeren zu koordinieren in Vorausnahme des späteren Erreichens fortgeschrittener Entwicklungsebenen. Und noch zusätzliche Geisteinflüsse begleiten das Wirken des siebenten und letzten Hilfsgeistes, des Geistes der Weisheit. Im Laufe der Betreuung durch die geistige Welt erfährt das Einzelwesen nie abrupte Übergänge geistiger Zusammenarbeit; stets erfolgen diese Wechsel allmählich und wechselseitig.
65:8.3 (739.7) Der Maßstab des Einzelnen für die Zeitmessung ist die Länge seines Lebens. Alle Geschöpfe sind in dieser Weise durch die Zeit bedingt, und deshalb betrachten sie die Evolution als einen sich lange dahinziehenden Prozess. Denjenigen von uns, deren Lebensspanne durch keine zeitliche Existenz begrenzt wird, erscheint die Evolution nicht als ein derart schleppendes Geschehen. Im Paradies, wo Zeit nicht existiert, sind all diese Dinge gegenwärtig im Denken der Unendlichkeit und in den Handlungen der Ewigkeit.
65:8.4 (739.8) So wie die Evolution des Verstandes von der langsamen Entwicklung der physischen Bedingungen abhängt und durch sie verzögert wird, so hängt der geistige Fortschritt vom mentalen Wachstum ab und wird durch intellektuelles Zurückbleiben unfehlbar verzögert. Aber das will nicht heißen, dass die geistige Entwicklung von Erziehung, Kultur und Weisheit abhängig ist. Die Seele kann sich unabhängig von mentaler Kultur entwickeln, nicht aber in Abwesenheit mentalen Vermögens und Wünschens — der Wahl des Fortlebens und der Entscheidung, nach immer größerer Vollkommenheit zu streben — den Willen des Vaters im Himmel zu tun. Zwar hängt das Fortleben nicht unbedingt vom Besitz von Wissen und Weisheit ab, der Fortschritt hingegen höchst gewiss.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8