Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=16.02.2006&Aktenzeichen=IX%20ZR%2026/05
Timestamp: 2019-10-13 21:53:14+00:00

Document:
BGH, 16.02.2006 - IX ZR 26/05 - dejure.org
https://dejure.org/2006,964
BGH, 16.02.2006 - IX ZR 26/05 (https://dejure.org/2006,964)
BGH, Entscheidung vom 16.02.2006 - IX ZR 26/05 (https://dejure.org/2006,964)
BGH, Entscheidung vom 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05 (https://dejure.org/2006,964)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2006,964) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
InsO § 169, 166 Abs. 1; ZPO § 287
Umfang der Verpflichtung des Insolvenzverwalters zur Zinszahlung ab dem Berichtstermin bei Verzögerung der Verwertung aus Gründen, die nicht insolvenzspezifischer Natur sind; Verteilung der Darlegungslast und der Beweislast im Insolvenzverfahren für Umstände, die einen ...
Zur Verzinsungspflicht des Insolvenzverwalters bei noch nicht erfolgter Verwertung von Sicherungsgut
Zum Zinsanspruch des Gläubigers wegen unterbliebener oder verzögerter Verwertung bzw. Freigabe sicherungsübereigneter Gegenstände durch den Insolvenzverwalter
IX. Zivilsenat des BGH urteilt erneut mit Revisionsurteil vom 16.2.2006 - IX ZR 26/05 - zur Beweiserleichterung im Rahmen des § 287 ZPO.
InsO § 169 § 166 Abs. 1; ZPO § 287
Verpflichtung des Insolvenzverwalters zur Zinszahlung
Zinszahlung ab dem Berichtstermin
Keine Verzinsungspflicht des Insolvenzverwalters für nach Berichtstermin noch nicht erfolgte Verwertung von Sicherungsgut bei Verzögerung aus nicht insolvenzspezifischen Gründen
Verzinsungspflicht des Insolvenzverwalters bei verzögerter Verwertung von Sicherungseigentum
BGHZ 166, 215
NJW 2006, 1873
ZIP 2006, 814
MDR 2006, 1130
NZI 2006, 342
WM 2006, 818
DB 2006, 1003
Zwar hat der Senat für die Verzinsungspflicht des Insolvenzverwalters aus § 169 InsO, falls kein vertraglicher Zinssatz vorliegt, auf den gesetzlichen Zinssatz des § 246 BGB von 4 % Bezug genommen (BGH, Urt. v. 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, ZIP 2006, 814, 817 z.V.b. in BGHZ).
Wie der Senat an anderer Stelle bereits ausgeführt hat, dient diese Vorschrift dem Zweck, den absonderungsberechtigten Gläubiger, der sein Verwertungsrecht nach § 166 InsO verloren hat, vor einer Verzögerung der Verwertung durch den Insolvenzverwalter und den darauf folgenden Nachteilen zu schützen (BGH, Urteil vom 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, BGHZ 166, 215 Rn. 13;… vom 17. Juli 2008, aaO Rn. 19 m.w.N.).
Die Bestimmung verfolgt den Zweck, absonderungsberechtigte Gläubiger vor einer Verzögerung der Verwertung durch den Insolvenzverwalter und die daraus folgenden Nachteile zu schützen (BGHZ 166, 215, 218 Rn. 13;… MünchKomm-InsO/Lwowski/Tetzlaff, aaO § 169 Rn. 1).
Daher kommt ein Verwertungsrecht des Insolvenzverwalters in Betracht, wenn der Schuldner eine sicherungsübereignete Sache gewerblich vermietet oder verleast (BGH, Urteil vom 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, BGHZ 166, 215 Rn. 24 - Flowtex;… vom 16. November 2006 - IX ZR 135/05, ZIP 2006, 2390 Rn. 7 - Kettenbagger).
Einen Teil dieser Fahrzeuge stattete der Schuldner mit einem Horizontalbohrsystem aus und überließ diese zusammengesetzten Sachen anschließend in- und ausländischen Betriebsgesellschaften auf der Grundlage von Miet- und Leasingverträgen gegen Entgelt (BGH, Urteil vom 16. Februar 2006, aaO Rn. 2, 23 f).
Zwar kann auch in diesen Fällen die Fortführung des Unternehmens behindert werden, sofern die Gläubiger des Schuldners ungeachtet dessen auf das Sicherungsgut zugreifen könnten und der Vertragspartner deshalb gemäß § 536 Abs. 3, § 581 Abs. 2 BGB von der Entrichtung des Überlassungsentgeltes befreit wäre (BGH, Urteil vom 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, BGHZ 166, 215 Rn. 24;… vom 16. November 2006 - IX ZR 135/05, ZIP 2006, 2390 Rn. 7).
Soweit der Entscheidung BGH, Urteil vom 16. Februar 2006, aaO Rn. 24 etwas anderes entnommen werden könnte, wird daran nicht festgehalten.
Dies ist insbesondere der Fall, wenn es sich beim Leasingnehmer um Tochtergesellschaften des Leasinggebers oder Betriebsgesellschaften im Rahmen einer Betriebsaufspaltung handelt und der Schuldner über einen beherrschenden Einfluss verfügt (vgl. BGH, Urteil vom 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, BGHZ 166, 215).
aa) Nach der bisherigen Rechtsprechung des Senats ist ein Verwertungsrecht des Verwalters bei nur mittelbarem Besitz jedenfalls dann anzunehmen, wenn der Schuldner eine sicherungsübereignete Sache gewerblich vermietet oder verleast hat (BGH, Urteil vom 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, BGHZ 166, 215 Rn. 24).
Zusätzlich erforderlich ist, dass die Aktienbeteiligung im Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung (vgl. BGH, Urteil vom 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, BGHZ 166, 215 Rn. 27;… vom 16. November 2006 - IX ZR 135/05, WM 2007, 172 Rn. 9; jeweils zu den Auswirkungen einer späteren Veränderung der Verhältnisse) der wirtschaftlichen Einheit des Schuldnervermögens zuzurechnen ist.
Für die danach auftretenden Verzögerungen der Verwertung sollen sie dagegen wegen des Verlustes ihres Einziehungsrechtes einen Ausgleich erhalten (vgl. dazu BGHZ 166, 215, 218 f Rn. 13 ff).
Durch diese Bezugnahme auf die "längere" Vorenthaltung sollte die Parallelität zu § 169 InsO hergestellt und nur für die Zeit nach Ablauf von drei Monaten eine Zinszahlungspflicht begründet werden, die den Charakter einer Entschädigung hat und sich gegen die Masse richtet (vgl. BGHZ 166, 215, 219, 221).
Zwar ist der Verwalter nach Insolvenzeröffnung zur Verwertung auch solcher Gegenstände befugt, die im mittelbaren Besitz des Schuldners stehen (BGH, Urteil vom 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, BGHZ 166, 215 Rn. 24;… vom 16. November 2006 - IX ZR 135/05, WM 2007, 172 Rn. 9).
Für eine Verrechnung mit Zinsen gemäß § 169 InsO, wie er sie im Vorprozess vorgenommen hat, bleibt dabei kein Raum, weil diese Regelung lediglich die Verwertung von Gegenständen betrifft, an denen ein Absonderungsrecht besteht (vgl. BGHZ 154, 72, 77 f; Urt. v. 16. Februar 2006 - IX ZR 26/05, WM 2006, 818, 819 z.V.b. in BGHZ).
Dieses geht vielmehr umfassend auf den Insolvenzverwalter über (BGHZ 166, 215, 218 Rn. 13;… BGH, Urt. v. 11. Juli 2002 - IX ZR 262/01, ZIP 2002, 1630 f; v. 20. November 2003 - IX ZR 259/02, ZIP 2004, 42; v. 23. April 2009 - IX ZR 65/08, z.V.b.).
Der Senat hat nach Erlass der Berufungsentscheidung mit Urteil vom 16. Februar 2006 (IX ZR 26/05, ZIP 2006, 814, 816, z.V.b. in BGHZ 166, 215) dem Insolvenzverwalter ein Verwertungsrecht nach § 166 Abs. 1 InsO auch für Gegenstände zuerkannt, an denen er nur mittelbaren Besitz hatte.
Hat ein Schuldner eine sicherungsübereignete Sache gewerblich vermietet oder verleast, besteht hieran ein Verwertungsrecht des Insolvenzverwalters (zustimmend Cartano WuB VI A § 169 InsO 1.06; Gundlach/Frenzel, BGH Report 2006, 818, 819; N. Schmidt/Schirmeister EWiR 2006, 471, 472).
Gibt der unmittelbare Besitzer den Besitzmittlungswillen auf, so erlischt in der Regel das Verwertungsrecht des Insolvenzverwalters nach § 166 InsO (BGH, Urt. v. 16. Februar 2006 aaO, S. 817).
Verwertung von Gegenständen mit Absonderungsrechten im Insolvenzverfahren: …

References: § 169
 § 287
 BGH 
 § 287
 § 169
 § 166
 § 287
 § 169
 § 246
 § 166
 § 169
 § 536
 § 581
 § 169
 § 169
 § 166
 § 169
 BGH 
 § 166