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Timestamp: 2019-05-21 06:51:07+00:00

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Die Vorschriften der § 565 Satz 1, § 514 Abs. 2 Satz 1 ZPO können nicht dahin ausgelegt werden, dass eine schlüssige Darlegung der fehlenden oder unverschuldeten Säumnis auch dann vorliegt, wenn der in der Berufungsinstanz schuldhaft säumige Revisionskläger rügt, das Gericht sei bei Erlass des zweiten Versäumnisurteils nicht vorschriftsmäßig besetzt gewesen, weil es seine Ablehnungsgesuche zu Unrecht als unzulässig verworfen habe (§ 547 Nr. 1, § 579 Abs. 1 Nr. 1 ZPO). Die Revision gegen ein (zweites) Versäumnisurteil ist daher nicht statthaft, wenn sie darauf gestützt wird, dass der absolute Revisionsgrund des § 547 Nr. 1 ZPO vorliege, weil die Ablehnungsgesuche der betroffenen Partei von dem Berufungsgericht zu Unrecht als unzulässig verworfen worden seien.
Das Säumnisverfahren ist Folge des Mündlichkeitsprinzips und der Verhandlungsmaxime5. Eine Partei könnte den Fortgang des Verfahrens blockieren, wenn sie nicht zum Termin erscheint oder nicht zur Sache verhandelt. Die Zivilprozessordnung knüpft daher nachteilige Folgen an die Säumnis. Ist der Kläger säumig, ist die Klage ohne Sachprüfung abzuweisen (§ 330 ZPO). Ein erstes Versäumnisurteil kann noch im Wege des Einspruchs aus der Welt geschafft werden (§ 342 ZPO). Um zu verhindern, dass der Einspruch “ein bequemes Mittel zur Verschleppung der Prozesse” wird, hat der historische Gesetzgeber seine wiederholte Zulassung jedoch beschränkt6. Erscheint die Partei nach rechtzeitigem Einspruch gegen das erste Versäumnisurteil erneut nicht zur mündlichen Verhandlung oder erscheint sie zwar, ist sie aber nicht ordnungsgemäß vertreten oder verhandelt sie nicht, so hat das Gericht nur noch die Voraussetzungen der wiederholten Säumnis, insbesondere die ordnungsgemäße Ladung zum Termin zu prüfen, bevor es den Einspruch durch (zweites) Versäumnisurteil verwirft (§ 345 ZPO)7.
So liegt es aber im hier fraglichen Fall der Revision gegen ein zweites Versäumnisurteil, die darauf gestützt wird, die Ablehnungsgesuche der Klägerin seien zu Unrecht als unzulässig verworfen worden, nicht. Die Vorschriften der § 514 Abs. 2 Satz 1, § 565 Satz 1 ZPO dienen – wie gezeigt – nicht allgemein der Korrektur von Rechtsanwendungsfehlern. Sie stellen eng auszulegende Ausnahmevorschriften dar, die lediglich die Überprüfung ermöglichen sollen, ob eine schuldhafte Säumnis tatsächlich vorgelegen hat, mithin die Sanktion des endgültigen Prozessverlustes gerechtfertigt ist15. Ansonsten sollen sie einer Verschleppung des Rechtsstreits vorbeugen. Eine Anwendung der Vorschriften auch auf den Fall, dass die schuldhaft säumige Partei in der Revision die unrichtige Behandlung ihrer Ablehnungsgesuche durch das Berufungsgericht rügt, steht diesem Ziel entgegen. Im Übrigen hatte schon der historische Gesetzgeber eine Ergänzung des (heutigen) § 514 Abs. 2 ZPO dahin, die Berufung auch dann zuzulassen, wenn der erstinstanzliche Richter ein “Urtheil gegeben habe, welches er ex officio hätte vermeiden müssen”, abgelehnt16.
Der erstinstanzlich übersehene Gesichtspunkt Der Anwendung des § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO steht nicht entgegen, dass die erstmals im Berufungsverfahren erfolgte Geltendmachung eines Angriffs- oder Verteidigungsmittels in der ersten Instanz aus Gründen unterblieben ist, die…
Die plötzliche Erkrankung des Prozessbevollmächtigten Mit der Unterrichtungspflicht eines durch plötzlich auftretende Krankheit an der Wahrnehmung des Einspruchstermins gehinderten Prozessbevollmächtigten gegenüber dem Gericht hatte sich aktuell der Bundesgerichtshof zu befassen: Gegen ein zweites Versäumnisurteil eines Berufungsgerichts findet die Revision ohne…
BGH, Beschluss vom 06.10.2011 – IX ZB 149/11, FamRZ 2012, 27 Rn. 5 – zu § 514 Abs. 2 ZPO [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.11.1992 – II ZR 230/91, BGHZ 120, 141, 144; Prütting in Wieczorek/Schütze, ZPO, 4. Aufl., § 547 Rn. 14; Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 73. Aufl., § 547 Rn. 10 aE [↩]
BGH, Beschlüsse vom 06.05.1999 – V ZB 1/99, BGHZ 141, 351, 354 mwN; vom 20.12 2010 – VII ZB 72/09, NJW 2011, 928 Rn. 11, 14; Adolphsen/Dickler, ZZP 125 (2012), 463, 471 [↩]
BGH, Urteil vom 22.03.2007 – IX ZR 100/06, NJW 2007, 2047 Rn. 6 mwN; Gerken in Wieczorek/Schütze, ZPO, 4. Aufl., § 514 Rn. 16 f.; PG/Lemke, ZPO, 7. Aufl., § 514 Rn. 10; Althammer in Stein/Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 514 Rn. 8 [↩]
BGH, Beschluss vom 06.10.2011 – IX ZB 149/11, FamRZ 2012, 27 Rn. 9 [↩]
BGH, aaO, mwN; Urteil vom 03.03.2008 – II ZR 251/06, VersR 2009, 802 Rn. 13 aE [↩]
BGH, Beschluss vom 06.10.2011, aaO [↩]
BGH, Beschluss vom 06.10.2011 – IX ZB 149/11, FamRZ 2012, 27 Rn. 10 mwN [↩]
BGH, Beschluss vom 16.04.1986 – VIII ZB 26/85, BGHZ 97, 341 [↩]
BGH, Beschluss vom 06.05.1999 – V ZB 1/99, BGHZ 141, 351 [↩]
BGH, Urteil vom 25.10.1990 – IX ZR 62/90, BGHZ 112, 367, 371 ff. [↩]
BGH, Beschluss vom 06.10.2011 – IX ZB 149/11, FamRZ 2012, 27 Rn. 10 mwN; Adolphsen/Dickler, ZZP 125 (2012), 463, 470 [↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 06.10.2011 – IX ZB 149/11, FamRZ 2012, 27 Rn. 12 [↩]
BGH, Beschluss vom 15.05.2007 – X ZR 20/05, BGHZ 172, 250 Rn. 8 ff. [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 19.10.1989 – III ZR 111/88, NJW 1990, 838, 839 unter – II 3 a; Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 73. Aufl., § 514 Rn. 2; Gerken in Wieczorek/Schütze, ZPO, 4. Aufl., § 514 Rn. 7; MünchKomm-ZPO/Rimmelspacher, 4. Aufl., § 514 Rn. 17 aE [↩]
Hahn, Mat. II, S. 708 f. zu § 454 [↩]
BGBl. I S. 3281 [↩]
BGH, Urteil vom 08.10.2015 – III ZR (Ü) 1/15 Rn. 7; Beschluss vom 03.03.2008 – II ZR 251/06, NJW-RR 2008, 876 Rn. 3; Urteil vom 11.10.1978 – IV ZR 101/77, NJW 1979, 166 [↩]
BGH, Urteil vom 19.10.1989 – III ZR 111/88, NJW 1990, 838, 839 unter – II 3 b [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 06.06.1951 – II ZR 16/51, BGHZ 2, 278, 280 f.; Jacobs in Stein/Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 547 Rn. 4 [↩]
BefangenheitBerufungsurteilQuerulantRevisionVersäumnisurteilZivilprozessZweites Versäumnisurteil

References: § 565
 § 514
 § 579
 § 547
 § 514
 § 565
 § 514
 § 531
 § 514
 § 547
 § 547
 § 514
 § 514
 § 514
 § 514
 § 514
 § 514
 § 454
 § 547