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Timestamp: 2020-07-02 09:25:23+00:00

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Der unwürdige Zahnarzt - und der Widerruf der Approbation | Rechtslupe
Der unwürdige Zahnarzt - und der Widerruf der Approbation
Die Fest­stel­lung der Berufs­un­wür­dig­keit im Sin­ne von § 4 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZHG ist mit Blick auf den grund­ge­setz­lich gewähr­leis­te­ten Schutz der Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) und das Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­ge­bot an hohe Vor­aus­set­zun­gen geknüpft.
Anlass für den Appro­ba­ti­ons­wi­der­ruf wegen Unwür­dig­keit kön­nen nur gra­vie­ren­de Ver­feh­lun­gen sein, die geeig­net sind, das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit in den Berufs­stand nach­hal­tig zu erschüt­tern, blie­be das Ver­hal­ten für den Fort­be­stand der Appro­ba­ti­on fol­gen­los.
Der Betrof­fe­ne muss ein schwer­wie­gen­des Fehl­ver­hal­ten gezeigt haben, das mit dem Berufs­bild und den all­ge­mei­nen Vor­stel­lun­gen von der Per­sön­lich­keit eines Zahn­arz­tes nicht zu ver­ein­ba­ren ist [1].
Eben­falls geklärt ist, dass der für die Annah­me der Unwür­dig­keit erfor­der­li­che Anse­hens- und Ver­trau­ens­ver­lust auch durch Straf­ta­ten bewirkt wer­den kann, die nicht im Arzt-Pati­en­ten-Ver­hält­nis ange­sie­delt sind [2] oder die ein außer­be­ruf­li­ches Fehl­ver­hal­ten betref­fen [3], wenn es sich dabei um gra­vie­ren­de Ver­feh­lun­gen im genann­ten Sin­ne han­delt.
Die Fra­ge, ob Ver­mö­gens­de­lik­te, die nicht im Zusam­men­hang mit der Tätig­keit in der Zahn­arzt­pra­xis ste­hen, die Fest­stel­lung der Berufs­un­wür­dig­keit begrün­den kön­nen, beant­wor­tet sich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls. Ein Rechts­satz des Inhalts, dass sol­che Straf­ta­ten gene­rell kei­nen Wider­ruf der Appro­ba­ti­on wegen Unwür­dig­keit recht­fer­ti­gen kön­nen, lässt sich jeden­falls nicht auf­stel­len.
In der Recht­spre­chung des beschlie­ßen­das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist geklärt, dass für den Wider­ruf der Appro­ba­ti­on wegen Unwür­dig­keit nach § 5 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BÄO oder § 4 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZHG allein dar­auf abzu­stel­len ist, ob sich der Betref­fen­de eines Ver­hal­tens schul­dig gemacht hat, aus dem sich sei­ne Unwür­dig­keit zur Aus­übung des ärztlichen/​zahnärztlichen Berufs ergibt. Liegt im maß­geb­li­chen Beur­tei­lungs­zeit­punkt des Abschlus­ses des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens Berufs­un­wür­dig­keit vor, ist die Appro­ba­ti­on zwin­gend zu wider­ru­fen. Die Fest­stel­lung der Unwür­dig­keit ver­langt, wie gezeigt, ein schwer­wie­gen­des Fehl­ver­hal­ten, bei des­sen Wür­di­gung alle Umstän­de der Verfehlung(en) zu berück­sich­ti­gen sind [4]. Sind die Vor­aus­set­zun­gen der Berufs­un­wür­dig­keit erfüllt, ist der mit dem Wider­ruf der Appro­ba­ti­on ver­bun­de­ne Ein­griff in die Berufs­frei­heit gerecht­fer­tigt, ohne dass es einer zusätz­li­chen Abwä­gung mit den per­sön­li­chen Lebens­um­stän­den des Betrof­fe­nen bedarf [5]. Davon zu tren­nen ist die Fra­ge der Wie­derer­tei­lung der Appro­ba­ti­on oder der Ertei­lung einer Erlaub­nis zur Aus­übung des Berufs nach § 8 BÄO, § 7a ZHG. In die­sen Ver­fah­ren gilt, dass neben der Art und Schwe­re des Fehl­ver­hal­tens sowie dem zeit­li­chen Abstand zu den die Unwür­dig­keit begrün­den­den Ver­feh­lun­gen auch alle sons­ti­gen indi­vi­du­el­len Umstän­de zu berück­sich­ti­gen sind, die nach Abschluss des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens ein­ge­tre­ten sind [6].
stRspr; vgl. BVerwG, Beschluss vom 27.01.2011 – 3 B 63.10, Buch­holz 418.01 Zahn­heil­kun­de Nr. 29 Rn. 4; zu der Par­al­lel­vor­schrift des § 5 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BÄO: Beschlüs­se vom 14.04.1998 – 3 B 95.97, Buch­holz 418.00 Ärz­te Nr. 100 S. 50 f.; vom 18.08.2011 – 3 B 6.11, Buch­holz 418.00 Ärz­te Nr. 111 Rn. 8; und vom 13.02.2014 – 3 B 68.13 10[↩]
vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 28.08.1995- 3 B 7.95, Buch­holz 418.00 Ärz­te Nr. 91 S. 23 f.; und vom 18.08.2011- 3 B 6.11 – a.a.O. Rn. 4[↩]
BVerwG, Beschluss vom 27.01.2011 – 3 B 63.10 – a.a.O. Rn. 3[↩]
BVerwG, Beschluss vom 20.09.2012 – 3 B 7.12, Buch­holz 418.00 Ärz­te Nr. 112 Rn. 5[↩]
BVerwG, Beschluss vom 14.04.1998 – 3 B 95.97, Buch­holz 418.00 Ärz­te Nr. 100 S. 50 f.[↩]
BVerwG, Beschluss vom 15.11.2012 – 3 B 36.12, Buch­holz 418.00 Ärz­te Nr. 113 Rn. 6 f. m.w.N.[↩]
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References: § 4
 § 2
 § 5
 § 3
 § 4
 § 2
 § 8
 § 7
 § 5
 § 3