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Timestamp: 2020-05-26 22:58:18+00:00

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K - Baltisches Rechtswörterbuch
Kalkulatorenkommission
Auf dem ersten Termin eines kurländischen Landtags (--> Relationstermin) wurden Kommissionen zur Vorbereitung der Debatten gebildet. Eine derselben, die Kalkulatorenkommission, hatte das Rechnungswesen des Ritterschaftskomitees zu revidieren, ferner zu prüfen, ob die von der Ritterschaft verwalteten Stiftungskapitalien ihrem vorgesehenen Zweck gemäß verwendet worden waren, schließlich die Verwaltung der kurländischen ritterschaftlichen Unterstützungskasse für Witwen und Waisen zu überprüfen. Sie erstattete dem Landtag Bericht. Die K. bestand aus fünf Mitgliedern, jeweils aus den Landboten der fünf Oberhauptmannschaften gewählt (--> Landbote, -->Oberhauptmannschaft). Diese Form der Wahl wurde auch nach der Aufhebung der Oberhauptmannschaften 1889 beibehalten.
Kurl. LandtagsO 1897 §§ 114, 126 f., 138; BPR II §§ 308 f.
Durch die --> Statthalterschaftsverfassung von 1775 als Gouvernementsbehörde für Finanz- und Wirtschaftsangelegenheiten geschaffen mit gleichzeitiger Auflösung der entsprechenden Zentralbehörden (Kollegien), 1783 auch in Liv- und Estland eingeführt, 1796 in Kurland neu eingerichtet. Der K. führte seine Geschäfte in russischer Sprache. Unterstand 1796 bis 1801 dem neueröffneten Kammerkollegium, danach verschiedenen Ministerien, ab 1838 mit Beschränkung auf den Finanzbereich allein dem Finanzministerium. Leiter war zunächst der --> Vizegouverneur (bis 1796 mit dem --> Ökonomiedirektor). Bis 1867 kollegial organisiert, danach entschied der Leiter allein. Aufgaben: Domänenverwaltung (bis 1839), Rechnungsprüfung (bis 1870), Akzise (1818-1863). Danach blieb der Kameralhof Aufsichtsbehörde über den Eingang von Steuern und Abgaben, die Rechnungsführung der Renteien.
Amburger 209; Verf. vom 28.Nov. und 24.Dez.1796; PS zak I Bd. 24, Nr. 17584, 17681; BPR I § 7,2; Tobien, Agrargesetzgebung I 20.
In Riga und Reval Bezeichnung für das --> Kämmereigericht, aber auch für die Stadtkasse. --> Stadtkämmerei
Gutzeit II 11 f.; Elias 17.
Kämmereigericht
Bestand als besonderes Untergericht in Reval und Mitau, jeweils mit zwei Ratsherren besetzt. In Riga war es mit dem --> Amtsgericht vereinigt, in Dorpat wurden seine Befugnisse vom --> Vogteigericht wahrgenommen, in den anderen Städten vom Magistrat. Das Kämmereigericht prüfte die Voraussetzungen für die Erteilung des Bürgerrechts (BPR I § 458 Nr. 10) und vereidigte die städtischen Gerichtsdiener (§ 518). In Riga führte es auch die Bauaufsicht und entschied über Bau-, Grenz- und Servitutsstreitigkeiten, nahm also Befugnisse als --> Baugericht wahr. Es hatte ferner die Voraussetzungen für die Erteilung von Schank- und Brauereikonzessionen zu prüfen, führte die Oberaufsicht über die Steuerinspektion und war Prozeßgericht für Sachen der Diener des Rats und der Untergerichte (§ 571). In Reval war das Verfahren summarisch. Das K., dort auch --> Stadtkämmerei genannt, führte – da es keine Kanzleibeamten hatte – kein Protokoll, sondern berichtete dem Magistrat mündlich, worauf "das nötige im Magistratsprotokoll eingetragen" wurde (§ 1091).
Aktenstücke Riga I 307, Campenhausen 82 f., Gutzeit II 12.
Zwei Ratsherren als Mitglieder beim Revaler --> Kämmereigericht. Der jüngere von beiden führte die Aufsicht über --> Undeutsche Ämter, --> Kämmerherr
Elias 17; BPR I 1153.
Kämmerherr, Unterkämmerherr, Unterkämmerer
Ratsherr als Mitglied beim Rigaer --> Kämmereigericht.
Aktenstücke Riga I 307, Campenhausen 82, Gutzeit II 12; BPR I § 568.
Die dem Herzog von Kurland vorbehaltene Jagd in einigen Waldrevieren. Hier durfte trotz der grundsätzlich freien --> Jagd kein Edelmann jagen. Hier befanden sich auch die --> Elenstände. Nach Angliederung des Herzogtums an Rußland wurden die Kammerjagdreviere, soweit sie in Staatseigentum standen, Kronsforsten.
Bunge, Kurl. PR § 118; Ziegenhorn, § 632.
Kanalherrschaft
In Riga Aufsicht des Rates unter Leitung eines Bürgermeisters (Oberkanalherr) über die "Wasserkunst" und die öffentlichen Brunnen und die dabei Beschäftigten. Die "Wasserkunst" bestand ab 1663 bis 1863 als Pferdegöpelwerk zum Heben des Wassers aus einem Dünakanal in das Bassin der Wasserleitung.
Aktenstücke Riga I 299; Campenhausen 60; Carlberg 59.
1. Allgemein: Student im Vorbereitungsstadium auf das Examen.
2. Kandidat für gerichtliche Ämter, Gerichtsamtskandidat, Justizamtskandidat. Durch die Justizreform 1889 eingeführte Bezeichnung für Juristen im Vorbereitungsdienst ("jüngerer Kandidat" = Referendar) oder für den nach Beendigung des Vorbereitungsdienstes noch in keine Planstelle eingewiesenen ("älterer Kandidat" = Assessor). Die Kandidaten wurden vom Justizministerium angestellt (in der Republik Lettland durch den Präsidenten des Appellhofs zur Ausbildung zugelassen). Sie konnten den Präsidenten der jeweiligen --> Friedensrichterversammlung zur Beschäftigung zugewiesen werden, im übrigen war der etwa zwei Jahre dauernde Vorbereitungsdienst lange Zeit ganz uneinheitlich geregelt. Noch in Lettland hatte bis 1938 jedes --> Bezirksgericht seinen eigenen Ausbildungsplan: Der Präsident wies den K. verschiedenen Abteilungen (Kammern), aber auch dem -->Appellhof, --> Friedensgericht, einem Untersuchungsrichter oder der Staatsanwaltschaft zu. Zum Abschluß hatte der jüngere Kandidat eine Prüfung vor einer Kommission, bestehend aus Richtern und Staatsanwälten, abzulegen. Nach Bestehen der Prüfung führte er den Titel "älterer Kandidat". Obwohl ihm nun die Richterlaufbahn grundsätzlich offenstand, mußte die venia judicandi durch den Präsidenten besonders verliehen werden. Da am Gericht nur Gerichtsjuristen ausgebildet wurden, fehlten die Notariats-, Anwalts- und Verwaltungsstationen. Für diese Sparten des Juristenberufs galten besondere Ausbildungsordnungen. Es war jedoch ein Laufbahnwechsel möglich.
Reorg.VO § 32.
3.Kandidat des Predigtamts wurde, wer auf einer russischen Universität den vollen Kursus der theologischen Wissenschaften abgeschlossen hatte. Danach mußte er vor dem zuständigen --> Konsistorium zwei Prüfungen ablegen: a) pro venia concionandi, zur Erlangung des Rechts der Verkündigung, das heißt: zu predigen; b) pro ministerio, zur Erlangung des Rechts, bei einer Gemeinde als Pastor angestellt zu werden. Dieses Recht galt, je nach der Benotung der Prüfung, ein bis drei Jahre. Nach Ablauf dieser Frist mußte der K., falls er keine Anstellung gefunden hatte, in einem Kolloquium erneut geprüft werden. In den baltischen Republiken trat im wesentlichen keine Veränderung ein.
KiG 1832 §§ 136-148, 169, 175, dazu Instruktion 1832 §§ 79-100, Balt. KiGesch. 120; Stählin 330 f.
4. "Cand." war in Lettland zunächst der niederste wissenschaftliche Grad (Absolvent der Universität). 1939 wurde er in Anlehnung an die Dorpater Tradition in den eines "Magisters" geändert.
Nach russischem Vorbild waren bei den Behörden die ausführenden Dienststellen nicht in Geschäftsstelle und Kanzlei getrennt, wie dies zum Beispiel in Deutschland üblich war. Vielmehr gab es nur eine einheitliche Kanzlei. Demgemäß hatte jedes Glied einer Behörde unter Oberaufsicht des Behördenvorstands die Leitung der Kanzlei für den ihm übertragenen Teil der Geschäfte.
BPR I § 94.
Kanzleibedienung
Kanzleiamt.
Livl. LandtagsO 1802 §56.
Kanzleioffiziant
Kanzleibeamter. Die Kurl.KanzlO 1796 gebraucht beide Ausdrücke synonym (§§ 1, 14, 25 Nr. 5, 55). --> Offiziant
Kanzleiökonomie
Geschäftshaushalt einer --> Kanzlei. Sie wurde in Reval vom --> Protonotar verwaltet, der aus der Stadtkasse die nötigen Mittel erhielt, andererseits Gerichtsgebühren und Kanzleisporteln einzog und darüber abrechnete.
BPR I § 1075.
Kanzleiposchlin --> Poschlin
Bezeichnung der fünf "gewöhnlichen" Sekretäre bei einem --> Oberhofgericht in Unterscheidung zum --> Obersekretär. Ohne daß es besonders vom Gesetz verlangt wurde, hatten sie in der Regel Rechtskenntnisse, da ihnen die Anfertigung von Urteilsentwürfen übertragen werden konnte. -->Sekretär
BPR I § 1287, 1309.
Kanzleisporteln --> Kanzleiökonomie
Einer der vier --> Oberräte in Kurland. In herzoglicher Zeit übte er auch die seinem Titel entsprechende Tätigkeit aus; nach der Angliederung des Herzogtums an Rußland 1795 war er lediglich noch Mitglied am --> Oberhofgericht. Er sollte ein vir doctus und mußte besitzlicher kurländischer Edelmann sein.
BPR I § 1282; FR 1617 § l.
Kapelle, Leichengarten
Kirchhof, Friedhof. Die Bezeichnung Kapelle entstand wohl, weil üblicherweise auf dem Friedhof eine Kapelle steht. 1773 wurde in Livland aus seuchenpolizeilichen Gründen die bis dahin übliche Bestattung in der Kirche und um sie herum verboten. Sie war allgemein strafbar (StGB 1845 § 1039). Die K. mußte mindestens 100 Faden von der Kirche entfernt angelegt werden, höchstens aber drei Werst.
Buddenbrock II 597 Anm. 2; Gutzeit II 15, Nachtr. 1889, 28.
Kapitän des Fischeramts
Führte in Riga die in Rotten eingeteilten Fischer bei militärischen und polizeilichen Hilfsdiensten in Notfällen. Seit 1710 wurde dazu der --> Marktvogt eingesetzt.
Aktenstücke Riga I l.
Kasak, Gemeindekasak (lett.: kazaks)
1. Bezeichnung des Gemeindeboten im lettischen Teil Lettlands noch im 20. Jh. Er trug zum Teil auch die Post aus. In größeren Gemeinden brachte er die Postsendungen und Gemeindeanweisungen zu dem jeweiligen --> Zehntmann, welcher reihum die Sendungen in einem kleineren Umkreis an die Gesinde verteilten
2. Bote eines Gutes.
Gutzeit II 19; Kiparsky 89 f.
Kassabeisitzer
Vertreter der Gilden als Mitglieder beim --> Kassakollegium in Walk.
BPR I 80, 806.
Kassadeputierter
In Livland zwei für drei Jahre gewählte ritterschaftliche Wahlbeamte, Gehilfen des Landmarschalls bei der Verwaltung der --> Ritterkasse. Mit ihm hatten die Kassadeputierten dafür zu sorgen, daß die Kasse nicht mit überflüssigen Ausgaben belastet wurde. Insbesondere konnten sie beabsichtigte Ausgaben des residierenden --> Landrat verhindern, falls sie sich darin mit dem --> Landmarschall einig waren. Die K.en hatten vom 15. Januar bis zum l. Februar alle Einkünfte der Ritterschaftskasse zu empfangen; im Laufe des Februars hatte sie die Rechnungen des vergangenen Jahres zu prüfen, ihre Bilanz zu machen und ihre Bemerkungen dazu dem --> Adelskonvent vorzulegen. – Entsprechendes galt für die zwei K. der Oeselschen Ritterschaft.
BPR II §§ 359, 375, 625 ff., 711 ff.
Kassaherr
Ratsherr als Mitglied beim --> Kassakollegium in Walk, Lemsal, Werro, Fellin und Arensburg.
BPR I §§ 806, 812, 820, 830, 842.
Kassakollegium
Organ der Finanzverwaltung in Wenden, Wolmar, Walk, Lemsal, Werro, Fellin und Arensburg. --> Stadtkassakollegium in Riga und Pernau.
BPR I §§ 787, 797, 806, 812, 820, 830, 842.
Kassarevident
In Livland ritterschaftlicher Wahlbeamter. Die Kreisversammlungen der vier livländischen Doppelkreise wählten je zwei Kassarevidenten für den bevorstehenden Landtag. Sie wurden zugleich mit den Mitgliedern des Adelskonvents einberufen, um die Vorlagen an den Landtag vorzubereiten (--> Adelskonvent). Sie hatten die in der Zeit zwischen den Landtagen geführten Rechnungen zu prüfen, insbesondere auch die Recht- und Zweckmäßigkeit der Ausgaben. Ihre Stellungnahme mit Erläuterung des Landmarschalls und der Kassadeputierten wurde dem Landtag vorgelegt. – Entsprechendes gilt für die drei K. der Oeselschen Ritterschaft.
BPR II §§ 375, 401, 638 ff, 716 ff.
Kassationssalog, Appellationsschilling, Sukkumbenzschilling, Revisionsschilling
Die bei Anfechtung eines Urteils im Wege der Kassation oder Revision zu hinterlegende Sicherheit. Der erste Ausdruck ist volkstümlich, angelehnt an die russische Bezeichnung --> Salog (Sicherheit).
Buddenbrook II 269 Nr. 8 "Revisionsschilling"; ZPO 1864 §§ 190, 800.
Kastenbürger
Vertreter der Gilden Rigas als Beisitzer im -->Stadtkassakollegium, gewählt auf drei Jahre.
BPR I § 605.
Diener der Stadtkasse, --> Stadtkassakollegium
Vertreter des Rats im --> Stadtkassakollegium von Riga und Pernau.
BPR I 741; Gutzeit II 20. Kassenverwalter der Gilden. Rig. Wörterbuch 132.
Kastenherrschaft
Die vom --> Stadtkassakollegium geführte Verwaltung der städtischen Finanzwirtschaft.
Campenhausen 66 f.
Katastrierung --> Revisionskommission, --> Meßrevisionskommission
Katechisationsfahrt --> Betfahrt
Katorga (russ.)
Kettenstrafe, (schwere) Zwangsarbeit. Katorga war die schwerste Freiheitsstrafe des StGB 1845, verbunden mit der Entziehung aller Standesrechte und Verlust der Familien- und Eigentumsrechte (§ 29). Sie war entweder lebenslänglich oder zeitig (4 bis 20 Jahre) und wurde in Bergwerken, Festungen oder Fabriken vollzogen. Von der K. als "schwerer" ist die "einfache" Zwangsarbeit zu unterscheiden: Beschäftigung von Häftlingen aller Art mit öffentlichen oder Anstaltsarbeiten (§§ 48, 58). Die Strafgesetzbücher der baltischen Staaten (Estland 1929, Lettland 1933) kennen die Zwangsarbeit als härteste Freiheitsstrafe, ohne sie als schwere oder K. zu bezeichnen. Fesselung war hier jedoch nur in schweren Fällen möglich. Es trat --> Verlust der Rechte ein. --> Kriminalstrafen.
Kiparsky 158.
Katorshnij, Katorschnik (russ.)
Zu (schwerer) Zwangsarbeit Verurteilter. Je nach Art der Zwangsarbeit – in Bergwerken, Festungen oder Fabriken – kannte das StGB 1845 drei Klassen der Katorschniken. Die zu Bergwerks- und Fabrikarbeit Verurteilten wurden nach Sibirien gesandt. Letztere konnten auch in den Branntweinbrennereien in Perm verwendet werden (ErgVO § 2). Die Festungshäftlinge kamen in die --> Arrestantenkompanie des Ingenieurressorts und unterlagen damit einem Strafvollzug durch die Militärbehörde. Sämtlich wurden sie zunächst in die "Kategorie der zu Beprüfenden" eingereiht und im --> Pfahlwerk untergebracht. Je nach der Dauer der Strafe wurde nach Ablauf von einem bis acht Jahren geprüft, ob die Häftlinge in die "Kategorie der sich Bessernden" aufsteigen könnten. Bejahendenfalls wurden ihnen die Fesseln abgenommen. Wenn keine Fluchtgefahr bestand, wurde die militärische Bewachung aufgehoben. Auch konnten die "sich Bessernden" die Erlaubnis erhalten, außerhalb des Pfahlwerks zu wohnen. Damit war eine Geldunterstützung verbunden. Auch war Eheschließung trotz des Verlustes der Familienrechte möglich. Die Strafzeit verkürzte sich nun um je zwei Monate im Jahr. Die Katorschniken II. Klasse (Festung) wurden wie lebenslängliche Militärsträflinge behandelt, konnten aber – je nach der Schwere ihrer Strafe – nach zwei bis drei Jahren in die Klasse --> Zeitweilige Arrestanten übergeführt werden (§ 38). Für diese galten 10 1/2 Monate Zwangsarbeit = 1 Jahr Strafe. Auch hier gab es zunächst den Status der "zu Prüfenden" und dann den Aufstieg in die "Kategorie der sich Bessernden".
Gutzeit II 21; Kiparsky 158.
Kauf in Bausch und Bogen --> Mengekauf
Kaufbesserung
Kaufvertrag mit dem Vorbehalt des Rücktritts für den Verkäufer in bestimmter Frist, falls ihm von dritter Seite bessere Bedingungen geboten würden. Der erste Käufer hatte jedoch das Vorzugsrecht, falls er dann die gleichen besseren Bedingungen bot. Im LZ ist die Kaufbesserung weggefallen.
BPR III Art. 3905 ff.
Kaufgeselle
Bezeichnung für --> Handelsgeselle.
(BPR II § 1001); Böthführ Nr. 716.
Kaufjunge
Kaufmannslehrling.
IKP l I § 4.
Kaufvertrag, eventueller --> Erbpfandbesitz
Kaution --> Realkaution
Kaution, juratorische --> Juratorische Kaution
Kavent --> Expromissorischer Kavent
Verkauf von Branntwein in den Branntweinküchen oder Höfen in Kurland. Gemäß Regierungspatent vom 18. Januar 1845 durften nur Mengen nicht unter einem Stof abgegeben werden. Mit der Einführung des staatlichen Branntweinmonopols um 1900 wurde der Kellerverkauf hinfällig.
Bunge, Kurl.PR § 106 n. p.
Kinder, zusammengebrachte
Kinder zweier Ehegatten aus früheren Ehen.
BPR III Art. 258 Anm.
Nach estländischen Stadtrechten ein Sondergut der Kinder innerhalb der fortgesetzten Gütergemeinschaft nach dem Tode eines Elternteils. Es entstand durch Erbschaft (etwa von den Großeltern) oder Schenkung, floß nicht in die Gesamtmasse und war in deren Konkurs bevorzugt. Das BPR III kennt zwar die Regelung (Art. 1853), verwendet den Ausdruck aber nicht. Die Bevorzugung im Konkurs wurde durch die Justizreform von 1889 überholt.
LübStadtR III l Art. 12.
Kirche, adelige --> Adelige Kirche
Der eingezäunte Raum um die Kirche, ursprünglich als Friedhof, später als Gartenanlage genutzt.
Latv.Enc. 221.
Gesamtheit der zu einer Kirche Gehörigen, --> Eingepfarrte. Zur Organisationsform --> Kirchspiel, --> Kirchenkonvent
Bestand in Riga an der St. Petri-Kirche, am Dom und der St. Johanniskirche jeweils aus einem Ratsherrn als Inspektor der Kirche und Vorsitzendem sowie zwei aus der Ältestenbank der Großen Gilde gewählten Kirchenvormündern. Zuständig für Bausachen der Kirchen und Predigerhäuser, die Inneneinrichtung, die Begräbnisplätze sowie die dabei entstehenden Streitigkeiten. --> Kirchenkollegium
Aktenstücke Riga I 317, 440, Gutzeit II 35, Nachtr. 1892, 28.
In jedem Kirchspiel in Estland und seit der zweiten Hälfte des 18. Jhs. auch in Livland bildeten der Pastor und die --> Kirchenvorsteher ein Kirchengericht, zuständig für Ehesachen und Kirchenzucht der Bauern.
Balt. KiGesch. 113 f.; Wedel 171; Hupel, Topogr. Nachr. I 427 f.
In der Republik Estland nach den Statuten der ev.-luth. Kirche von 1925 (RT 43) zwei Untergerichte und ein Obergericht für die Erörterung von Streitigkeiten auf dem Gebiet des Glaubens und der Administration, Vorbescheidung von Beschwerden der Gemeindeorgane. Besetzt mit drei Mitgliedern, das Obergericht mit fünf. Deren Amtszeit betrug fünf Jahre.
Balt. KiGesch. 259 f.
Mittelalterliche Bezeichnung des Pfarrers; in Lettgallen teilweise noch im 19. Jh. gebräuchlich.
Latv.Enc. 225.
Aufsichtsorgan bei der Verwaltung kirchlich-ökonomischer Angelegenheiten, insbesondere des Kirchenvermögens in städtischen Kirchengemeinden. --> Kirchenkollegium
KiG 1832 §§ 477, 495 ff., Wahl 103 ff.
Kircheninspektor --> Kirchenkollegium
Behältnis zur Aufbewahrung von Dokumenten, Geldern und nicht ständig gebrauchtem Kirchengerät unter mehrfachem Verschluß, so daß er nur gemeinsam durch zwei oder drei Personen (Prediger und Mitglieder des Kirchenvorstandes) geöffnet werden konnte. --> Stadtgotteskasten
KiG 1932 §§469, 472.
An den Rigaer Stadtkirchen bestehendes Gremium zur Verwaltung des kirchlichen Eigentums, bestehend aus einem Ratsglied als Kircheninspektor und zwei Ältesten der Großen Gilde. Entsprach dem --> Kirchengericht.
BPR I § 588 ff.; KiG 1832 § 477.
Kirchenkonvent, Kirchspielskonvent, Konvent
Entsprach in Livland dem Kirchenvorstand oder Kirchenrat anderer ev.-luth. Kirchenverfassungen. Er beriet über Fragen des Gemeindelebens und Schulwesens im Kirchspiel. Der Kirchenkonvent sollte mindestens zweimal jährlich zusammentreten. Er bestand aus dem --> Kirchenvorsteher als Leiter der Eingepfarrten, dem -->Pastor (mit beratender Stimme), dem --> Gemeindevorsteher und den Kirchenvormündern (--> Kirchenvormund). Der K. beteiligte sich an der Predigerwahl bei der jeweiligen Gemeindepfarre. K.e gab es schon zu schwedischer Zeit. Sie blieben auch nach dem KiG. 1832 erhalten, wiewohl sie dort nicht ausdrücklich erwähnt werden (§§ 486 f.). --> Kirchspiel, --> Schulkonvent
Balt. KiGesch. 113, 119, 125, Wahl 81 f., 103 f.. Stählin 364 f.; Tobien, Ritterschaft I 464.
Kirchenkorn --> Priestergerechtigkeit
Kirchenkrug
Krug bei oder in der Nähe der Kirche, zum Teil vom Geistlichen auf -->Kirchenland betrieben. 1837 wurden den Geistlichen die Branntweinbrennerei und der Ausschank verboten.
Gutzeit II 36; Latv.Enc. 225.
Behältnis der Kirchengemeinde zur Aufbewahrung von Dokumenten, Geldern und anderem, später --> Kirchenkasten genannt.
Gutzeit II 236.
Das der Kirche gehörende Land.
BPR III Art. 597; Bunge, Kurl. PR § 101; Bunge, Liv-estl. PR (1838) § 77; Latv. Enc. 225.
Kirchennotar
Bis 1832 beim --> Konsistorium bestehendes Amt. Der Kirchennotar hatte insbesondere bei einer --> Kronskirche die Inventare aufzunehmen, bei Visitationen Protokoll zu führen. Nach 1832 verrichteten diese Amtshandlungen die Notare beim --> Oberkirchenvorsteheramt.
KiG. 1832 §§ 295, 299, 304, 482, 493; Stählin 317, 367.
Kirchenordnungsgeld --> Gottespfennig
Weltlicher Kirchenvorsteher; zur Verwaltung und Wahrung der weltlichen Angelegenheiten einer Ortskirche bestelltes Gemeindeglied, ursprünglich aus den Ältesten der Gemeinde gewählt.
Kirchenpolizei
Aufsicht über die Ordnung im Bereich der Kirche; zuständig hierfür waren die --> Kirchenvorsteher, --> Bauerkirchenvormund.
Kirchenprästanden --> Prästanden
Gemeindevertretung an der St. Jakobi-Kirche in Riga zur Verwaltung des Kircheneigentums.
Gutzeit II 37; KiG 1832 § 444.
In den baltischen Republiken – Estland ab 1925, Lettland ab 1928 – gewählte Kirchengemeindevertretung, --> Rat, --> Kirchenvorstand
Balt.KiGesch.251, 270.
Von der Kirche begründete bzw. unterhaltene Schule.
Gutzeit II 37.
Kirchenspielsschule --> Parochialschule
Nach der kurländischen Kirchenreformation von 1570 (gültig bis 1832) Kirchenvorsteher aus dem grundbesitzenden Adel, mit administrativen und caritativen Aufgaben betraut. In Kurland Gehilfen des Kirchenvorstehers. Häufige Bezeichnung der weltlichen --> Kirchenvorsteher in Liv- und Estland.
KiG 1832 §§ 488-491; Instruktion 1832 108 ff.; Stählin 358-362, Balt. KiGesch. 113; Wahl 81,104; Tobien, Ritterschaft I 462 ff.
Nach dem lettländischen Kirchengesetz von 1928 wählte die Gemeinde einen Kirchenrat von 30 Personen, dieser einen fünfköpfigen Kirchenvorstand als Exekutivorgan. Dessen Mitglied war auch der Pastor, der ein Amt übernehmen konnte, aber üblicherweise nicht das des Vorsitzenden.
Balt. KiGesch. 270 f.
1. Amt im Kirchspiel, seit etwa 1650 bestehend. Der Kirchenvorsteher vertrat die Gemeinde gegenüber Staat und Kirche, leitete die Sitzungen des --> Kirchenkonvent und war für die Verwaltung des Kirchenvermögens verantwortlich. Er wurde auf drei Jahre vom Kirchenkonvent gewählt, in den Städten aus der Zahl der angesehenen Bürger, auf dem Land vorzugsweise aus dem immatrikulierten Adel. In der Regel gab es in jedem Kirchspiel zwei K., die nur gemeinschaftlich handeln konnten; sie standen unter Aufsicht des --> Oberkirchenvorsteher, in den Städten des Magistrats bzw. in Mitau, Bauske, Goldingen und Windau der --> Kircheninspektion. Ihrerseits beaufsichtigten sie das Kirchenvermögen, die Schulen und die --> Kirchenpolizei.
KiG 1832 §§ 477, 486 ff; Instruktion 1832 §§ 101 ff; Wahl 81 f.; Stählin 362 ff; Balt. KiGesch. 113 f., 119.
2. In Estland Bezeichnung für den --> Bauerkirchenvormund.
NM II 61, Balt. KiGesch. 113.
Die zur Kirche führenden Wege. Sie standen unter Aufsicht der Kirchenpolizei. --> Kommunikationswege
NM IX/X 340 ff.; Gutzeit II 38; Gernet 396.
Kirchspiel, Parochie
1. Amtsbezirk einer Kirchengemeinde. Er umfaßte die eingepfarrten Güter, Forsteien und die dazu gehörigen Bauerngesinde und Buschwächtereien. Doch konnten einzelne davon, wie auch Beigüter, die näher zu einer anderen Kirche lagen, dort eingepfarrt sein. Daher deckten sich die Grenzen des Kirchspiels nicht immer mit denen der Güter und Landgemeinden. Außer der Verwaltung der kirchlichen und schulischen Angelegenheiten hatten die K.e die Sorge für das Armen-, Fürsorge- und Hospitalwesen. Das beschließende und ausführende Organe des K. war der --> Kirchenkonvent, bestehend aus den eingepfarrten Rittergutsbesitzern und den von ihnen ernannten Kirchenvormündern, später durch die Kirchengemeinde gewählten Delegierten (-->Kirchenvormund).
2. In Livland wurden durch die Akte von 1870, 1874 und 1878 wesentliche Aufgaben vom --> Kirchenkonvent dem neubegründeten --> Kirchspielskonvent übertragen. Die Kirchenkonvente behielten nur die reinen Kirchen- und Schulangelegenheiten, während die Kirchspielskonvente unter anderem das Straßenbauwesen, die Wohlfahrtseinrichtungen, die Kirchspielsbriefpost zu betreuen und für die Anstellung von Kirchspielsärzten und -Veterinären zu sorgen hatte. Das Kirchspiel war somit hier eine Stufe der ländlichen Selbstverwaltung.
3. In Estland verlief die Entwicklung im allgemeinen gleich, doch gab es dort keine Teilung der Aufgaben zwischen Kirchenkonvent und Kirchspielskonvent. Auch dort lag die Wegebaulast auf dem Kirchspiel. Die Wegereparaturen wurden – ebenso wie in Livland – derart ausgeführt, daß die Bauernschaft die Arbeitskräfte und Fuhrleistungen stellte, die Güter das Material und dazu die Löhne von Meistern trugen.
4. Politisches Kirchspiel in Kurland, Landtagskirchspiel, bestehend aus einer Anzahl von Rittergütern mit Stimmrecht für den Landtag (--> Stimmtafel). Das K. entsandte einen Deputierten in den Landtag, war somit eine Art "Wahlkreis".
Tobien, Ritterschaft 1460 f.; Stählin 341 f., 349; Balt. KiGesch. 119 f.; Wahl 81; NM IX/X 106 ff.; Gernet 83, 396 ff., Kurl. LandtagsO 1897 §§ 38-41; Ziegenhorn § 544.
Kirchspielsbeschluß
Entscheidung einer kurländischen --> Kirchspielsversammlung unter Vorsitz des Kirchspielsbevollmächtigten. Die K.e bildeten die Instruktion des --> Landbote zum zweiten Landtagstermin (--> Instruktionstermin).
Kurl. LandtagsO 1897 §§ 160 f.
Kirchspielsbevollmächtigter, Konvokant
Vermittler der Beziehung zwischen einem politischen Kirchspiel und dem Ritterschaftskomitee, dem Landtag und der "brüderlichen Konferenz". Seine Pflichten bestanden in der --> Konvokation (Zusammenrufung) der Rittergutsbesitzer und --> Rentenirer seines Kirchspiels, also der Inhaber der Landtagsstimmen, zu einer --> Kirchspielsversammlung und deren Leitung. Er führte das Protokoll und den Schriftwechsel, hatte die Kirchspiels-Eingesessenen darüber und vor allem über einen einzuberufenden Landtag zu unterrichten. Der Kirchspielsbevollmächtigte wurde auf der --> Instruktionskonvokation der Kirchspielsversammlung für den zweiten Landtagstermin auf drei Jahre aus den Indigenatsedelleuten, Rittergutsbesitzern im Kirchspiel, gewählt. Ausnahmsweise konnten auch nichtbesitzliche Edelleute gewählt werden.
BPR II §§ 504 ff., 807 ff, Kurl. LandtagsO 1897 §§ 29, 48 f., 53 ff., 62.
Kirchspielsdeliberatorium --> Deliberatorium
Kirchspielsdeputierter --> Landbote
In Livland durch die BVO 1819 geschaffen. Entschied Streitigkeiten der Bauern untereinander, zwischen Gemeinde und Gemeindegericht, Beschwerden der Gutsherren gegen Bauern und --> Gemeindeverwaltung, während bäuerliche Klagen gegen Gutsherren nur zu begutachten und an das --> Kreisgericht weiterzuleiten waren. Das Kirchspielsgericht bestand aus einem Kirchspielsrichter, einem Substituten und drei Beisitzern bäuerlichen Standes, die von den Gemeinderichtern des K.-Bezirks gewählt wurden (--> Gemeindegericht). Der Kirchspielsrichter wurde auf der Versammlung des aus mehreren Pfarr-Kirchspielen bestehenden K.-Bezirks von den Rittergutsbesitzern und Predigern des Bezirks gewählt.
Tobien, Ritterschaft 1472, 485 f.; BPR II § 359 III Nr. 5, §§ 363 (Forts. 1880), 388 f.; Gutzeit II 39 f.
Kirchspielsinstruktion
Die den Landboten für den kurländischen Landtag mitgegebene, aus den Kirchspielsdeliberatorien zusammengestellte Instruktion. Sie mußte auf dem Landtag vorgezeigt werden. Der Landbote hatte sich streng daran zu halten. War ihr Sinn nicht einwandfrei zu erkennen, ruhte die Stimme des Kirchspiels. Bei einem extraordinären Landtag mußte der --> Landbote seine Stimme nach bestem Wissen und Gewissen abgeben. Ein solcher Landtag hatte nur einen Termin, so daß das Kirchspiel über eine Instruktion vorher nicht beraten konnte.
Kurl. LandtagsO 1897 §§ 69, 81, 87 ff., 158, 175.
Kirchspielskirche
In Kurland Kirche, bei der der Landesherr Patron, der Adel nur --> Kompatron war.
Wahl 90, Balt. KiGesch. 112, Hahn 35, Ziegenhorn § 391, 393.
Kirchspielskonvent
Der livländische Landtag beschloß 1870, den bisherigen --> Kirchenkonvent, der gelegentlich auch Kirchspielskonvent hieß, aufzuteilen: a) dem Kirchen- und Schulkonvent verblieben die eigentlichen Kirchen- und Schulangelegenheiten; b) dem Kirchspielskonvent wurden alle übrigen Angelegenheiten des Kirchspiels zugewiesen. Er wurde damit Organ der politischen Gemeinden. Zu ihm gehörten alle Gutsbesitzer und Gemeindeältesten des Kirchspiels. Er konnte zur Deckung der Ausgaben des Kirchspiels --> Prästanden erheben als zusätzliche Grundsteuer. Jedes Rittergut und jede Landgemeinde hatten eine Stimme.
Tobien, Ritterschaft I 466; Balt. KiGesch. 125 f.
Kirchspielspastorat
In Kurland --> Pastorat, bei dem die Krone gemeinsam mit den adeligen Gutsbesitzern das Patronat hatte.
Gutzeit II 329; Bunge, Kurl. PR § 101.
Kirchspielsrichter --> Kirchspielsgericht
Kirchspielsversammlung
Versammlung aller eine Landtagsstimme besitzenden Einsassen eines politischen Kirchspiels in Kurland. Das waren die ein Rittergut besitzenden immatrikulierten Edelleute und --> Rentenirer, nach der Freigabe des Gutsbesitzes auch nicht immatrikulierte Rittergutsbesitzer. Teilnahme an der Kirchspielsversammlung war Pflicht. Die K. wurde vom Landtag, der "brüderlichen --> Konferenz" oder vom Ritterschaftskomitee einberufen. Jede Konvokation dazu war mindestens 14 Tage vorher auszuschreiben. Die K. wählte die Landboten und beriet alle Anträge und Vorschläge, die vor den Relationstermin des Landtags kommen sollten, benannte Kandidaten für ritterschaftliche Wahlämter und führte nachher die Wahlen und Abstimmungen für den Instruktionstermin des Landtags durch.
BPR II §§ 354 ff., Kurl. LandtagsO 1897 §§ 42-47.
Kirchspielsverwandte
Stimmberechtigte Mitglieder eines kurländischen politischen Kirchspiels.
Ziegenhorn § 393.
Kirchspielsvorsteher
Jeder --> Kirchspielskonvent in Livland wählte aus seiner Mitte den Kirchspielsvorsteher als Vorsitzenden und Leiter. Er war gewöhnlich ein eingesessener Gutsbesitzer.
Tobien, Ritterschaft I 412, 467 f., 480.
Kirchspielswegekommission
In estländischen Kirchspielen bestehendes Gremium, das der--> Kirchenvorsteher leitete und die Verteilung der Wegebaulasten vornahm.
Gernet 397.
Klagebitte --> Petitum
Klageposchlin --> Poschlin
Kläger, falscher
Im livländischen Prozeß ein wider besseres Wissen eine unbegründete Klage Anstrengender. Die Sanktion hierfür war das --> Temerarium.
Senatsukas vom 20. Mai 1724; Samson § 182 a.
Klassifikationsurteil
Im livländischen Prozeß Urteil im Konkursverfahren über die Einstufung der Gläubiger in Klassen.
Samson §§1224 ff.
Kle(e)te
Vorratshaus, namentlich Getreidespeicher, fast in jedem lettischen und estnischen Gesinde vorhanden; auf den Gütern gewöhnlich unter der Obhut des --> Wachtkerl.
Hahn 15; Cimermanis 225-231; Gutzeit II 52; Rig. Wörterb. 135.
Kleiderordnung --> Luxusordnung
Kleinbürger --> Meschtschanin
Klikuschi (russ.)
"Besessene", insbesondere Frauen, die offenbar an Verfolgungswahn litten, zumindest in ihren geistigen Fähigkeiten stark beeinträchtigt waren. Sie verfielen gleichwohl einer --> Korrektionsstrafe für "böswilligen Betrug", wenn sie jemand beschuldigten, "dass er ihnen durch Zauberei ein Leid zugefügt habe" (StGB § 1163).
Latv. Enc. 1025.
Klingelherren
In Kurland die mit dem Klingbeutel in der Kirche Geld einsammelnden Gemeindeglieder oder Kirchenräte.
Nicht – wie in Westeuropa – die Schaffung neuer umfangreicher Rechtsnormen (Kodizes) für ganze Rechtsgebiete durch den Gesetzgeber, sondern Gruppierung bereits vorhandener Vorschriften nach Gebieten, ihre textliche Abstimmung aufeinander und Zusammenfassung in amtlichen Gesetzbüchern, derart, daß aus früher edierten Gesetzen alle Einzelheiten getilgt werden, welche durch spätere Gesetze hinfällig geworden sind. Das Ergebnis war ein bereinigter Gesetzestext nach dem neuesten Stand. Zweifelsfragen blieben offen; Fußnoten verwiesen darauf. Diese Art der K. wurde 1826 in Rußland angewandt bei der Schaffung des Reichsgesetzbuchs (--> Svod Sakonow) durch die von Graf Speransky geleitete K.s-Behörde, die auch die laufende Ergänzung und Überarbeitung des Svod zu besorgen hatte. Ihre Tradition wurde in Lettland fortgesetzt durch die bereits 1919 bei der Staatskanzlei begründete, durch Gesetz vom 30. März 1926 dem Parlament angegliederte Kodifikationsabteilung, die sich auch mit der rechtstechnischen Begutachtung der Gesetzesentwürfe zu befassen hatte, und zwar in einem Umfang, der arbeitsmäßig ihre eigentliche Aufgabe, welcher sie ihre Benennung verdankte, zurücktreten ließ. Im Lettland wurde sie 1938 als Kodifikationsdepartement dem Justizministerium eingegliedert. In Estland waren die Aufgaben der K. erst durch Gesetz vom 6.November 1936 (RT 92 Art. 725) festgelegt worden und wurden vom Justizministerium wahrgenommen, die der Vorprüfung von Gesetzentwürfen vom --> Justizkanzler.
Düsterlohe, Einige Worte über das Wesen der K. und deren Geschichte. In: Rigaer Zeitschrift für Rechtswissenschaft 1 (1926/27), 145 ff.; Hermann Blaese: Erinnerungen an die lettländische Kodifikationsbehörde. In: Balt. Recht Heft .2 (1963) 2 ff.; Latv.Enc. 1031.
Der einem Testament nachträglich beigefügte Zusatz, der nicht die Einsetzung eines Erben, sondern nur die Nennung eines Vermächtnisnehmers enthält, --> Übergabe.
Kollegienassessor --> Rangtabelle
Kollegienrat --> Rangtabelle
Kollegienregistrator --> Rangtabelle
Kollegiensekretär --> Rangtabelle
Kollegium der allgemeinen Fürsorge
Im Rahmen der --> Statthalterschaftsverfassung eingeführte und mit eigenem Stammkapital ausgestattete staatliche Institution der sozialen Fürsorge, zuständig für Armenwesen, Krankenversorgung, Schulwesen usw. Das K. erhielt jährlich die bei staatlichen Gerichten eingehenden Strafgelder (bei Versäumnis der Ablieferung zusätzliche --> Strafprozente) und einen Anteil am Zoll, die --> Prozentgelder. Es betrieb ab 1786 das erste Revaler Krankenhaus. In der Praxis wurden die herkömmlichen städtischen Stiftungen und Fürsorgeinstitutionen weitergeführt, --> Armendirektorium; die neuen staatlichen Einrichtungen bestanden daneben. Wurde nach Abschaffung der Statthalterschaftsverfassung beibehalten
Carl August Jordan: Die Anstalten eines kaiserlichen ehstländischen Collegii allgemeiner Fürsorge. In: Das Inland 19 (1854) Nr. 26-30.; Elias 89-91.
1766 ordnete Kaiserin Katharina II. an, auf den Kronsdomänen Hirschenhof und Helfreichshof in Livland zur Hebung der Landeskultur deutsche Ackerbauern anzusiedeln (--> Kronsgut). 1767 trafen daraufhin 86 deutsche Bauernfamilien in Livland ein, denen die Ländereien der beiden Güter in Erbpacht übergeben wurden, je Familie 30 Dessjatinen. Nach einer Reihe von Freijahren hatten sie einen mäßigen Grundzins zu zahlen, waren aber von allen staatlichen Grundlasten befreit, erhielten eine gesonderte Selbstverwaltung und niedere Rechtspflege. Diese Kolonie bestand bis zur Umsiedlung der baltischen Deutschen 1939. Ein weiterer Zuzug von Kolonisten nach Livland fand statt, nachdem die Ritterschaft 1860 die Ausdehnung der für die Krim geltenden Einwanderungsbestimmungen auf Livland erwirkt hatte. Da der Tagelohn für landwirtschaftliche Arbeiter in Livland damals höher war als in Ostdeutschland, bestand ein Anreiz zur Emigration. Nach der Revolution von 1905 machte sich besonders bei den Großgrundbesitzern Kurlands das Bestreben bemerkbar, das Deutschtum durch deutsche landbesitzliche Bauerngemeinden zu stützen. Dazu wurden Güter aufgekauft und an Wolgadeutsche K. vergeben. Für Estland wurden meist nur wolgadeutsche Landarbeiter angeworben.
Tobien, Agrargesetzgebung I 134 f., II 349, 359-362; Wachtsmuth, Deutsche Arbeit I 330 ff.
Komitee für ausländische Zensur --> Zensor, abgeteilter
Kommanditgesellschaft (StGB 1845 § 1633), --> Gesellschaftshandel.
Kommerzbürgermeister
Zweiter Bürgermeister in Dorpat (BPR I § 635 Anm.), dem vorwiegend die Haushaltsangelegenheiten oblagen. In Narva auch Kommerz- und Polizeibürgermeister genannt, da er dort auch die Polizeiabteilung leitete (§§ 1527, 1604, II 1462), dasselbe galt zeitweilig auch für Dorpat.
Lemm 10 f.
Kommerzdepartement
Ersetzte in der --> Statthalterschaftszeit das städtische --> Wettgericht.
Böthführ Nr. 784.
Kommerzgericht, Kommerzien- oder Straßengericht
Revaler Untergericht, besetzt mit einem Bürgermeister als Vorsitzendem, zwei Ratsherren, einem Sekretär und – von der Großen Gilde gewählt – einem Ältermann und zwei Ältesten (BPR I § 1133). Es führte die Aufsicht über den Handel und hatte in Sachen betreffend Mißbrauch der Handelsverordnungen zu entscheiden (§ 1134). Im 18. Jh. in geringerer Besetzung und mündlichem Verfahren tätig.
Elias 15.
Kommerzoffizial
Beim Revaler --> Kommerzgericht tätiger Beamter mit polizeilichen Funktionen. Ihm unterstanden die vier Straßenfiskale. Er konnte Jurist oder Bürger der Großen --> Gilde sein. Seine Aufgabe war die Überwachung des Handels, Konfiskation verbotener Waren, Vollziehung der Urteile des Kommerzgerichts. Er war befugt, Keller, Buden, Magazine, Speicher und Warenlager zu inspizieren und mußte an den jährlichen Revisionen der Handelsberechtigungen teilnehmen, (--> Straßenfiskal).
BPR I §§ 1136ff.
Schmidt, Civilpr. 73, 107.
Kommissarius Fisci
Bestand in Estland schon vor Einführung der Prokuratur als Aufsichtsorgan zur Wahrnehmung staatlicher Interessen, unterstand in gleicher Weise dem Gouverneur und dem Senat. Später Beamter mit den Aufgaben des --> Fiskal beim estländischen --> Oberlandgericht. Er wurde vom --> Gouvernementsprokureur vorgeschlagen ("Vorstellung") und von der -->Gouvernementsregierung eingesetzt und vom --> Senat nach Anhörung des Justizministers im Amt bestätigt. Er entsprach dem --> Oberfiskal in Livland und dem --> Gouvernementsfiskal in Kurland.
Hupel, Topogr. Nachr. 1 436, 2 (zweiter Nachtrag zu 1) 76.; BPR I §§ 1696ff.
Kommission, Dorpater --> Dorpater Kommission
Kommission für den Serviceanschlag
Bestand in Jakobstadt und Friedrichstadt als Sondereinrichtung mit der Aufgabe, "den von dem Quartierkollegium gemachten Anschlag für die Bedürfnisse zur Bestreitung der Einquartierungslast" zu prüfen und der Gouvernementsregierung vorzustellen (BPR I § 1519 Nr. 4). Der Kommission stand jeweils Selburgsche --> Oberhauptmann vor,–ferner bestand sie in Jakobstadt aus dem Wortführenden --> Bürgermeister und vier Hausbesitzern (§ 1523), und zwar einem Adligen, einem Exemten, einem christlichen und einem jüdischen Bürger; in Friedrichstadt aus dem Bürgermeister und drei Hausbesitzern (einem Exemten und zwei Bürgern, § 1526, --> Exemte).
Kommission, perpetuelle
Bestand in Dorpat aus einem Ratsherrn als Vorsitzer, den beiden nichtworthabenden Ältermännern sowie je einem weiteren Vertreter beider Gilden. Sie hatte den Auftrag, Schankkonzessionen zu erteilen und die Eignung der betreffenden Bewerber zu prüfen.
BPR I § 692 f.
Kommissionshandel, Faktoreihandel
Im 18. Jh. Handel mit fremdem Kredit, im Auftrag eines – meist ausländischen – Geschäftspartners im Gegensatz zum --> Proprehandel. Kommissionsgeschäfte in einigen Warengattungen waren in Reval zwar den Bürgern vorbehalten, unterlagen aber trotzdem den rechtlichen Beschränkungen des Gasthandels. --> Gast
Elias 30.
Kommunalverwaltung, vereinfachte --> Vereinfachte Kommunalverwaltung
Schreiben und Mitteilungen an gleichgeordnete Behörden (Kurl. Kanzl.O 1796 § 2 Nr. 5: "K. an die gleichen Gerichte"), während an die Oberbehörden Berichte, Vorstellungen und Unterlegungen gesandt wurden (--> Unterlegung), diese wiederum Befehle und Vorschriften erließen.
BPR I § 207.
Kommunikationswege, -straßen
Außer den Heer- und Poststraßen alle nicht auf das Gebiet eines einzigen Grundeigentümers beschränkten Wege:
1. Landstraßen (Verbindung zwischen Städten oder benachbarten Gouvernements),
2. Kirchenwege (Verbindung der Güter, Dörfer und -Gesinde zur Kirchspielskirche),
3. K. im eigentlichen Sinn (Verbindung einzelner Güter und Kirchen miteinander sowie Anschlußwege zu den Post- und Landstraßen).
Die Einteilung der Wege und Straßen beruht auf der schwedischen LandesPolO von 1671. Der Ausdruck "Kommunikationswege" wurde vermutlich erst zu Anfang des 19. Jhs. gebräuchlich.
Memorial der Livl. Gouvernementsregierung von 1779; Buddenbrock II 609, 653.; Bunge, Liv-estl. PR § 99; Bunge, Kurl.PR § 111; Gernet 396; Gutzeit I 170; NM IX/X 340 ff.
Kompatron
In manchem Kirchspiel gab es neben dem --> Patron noch einen oder mehrere Mit- oder Kompatrone. Alle Patrone hatten die Patronatshandlungen gemeinsam vorzunehmen.
Balt. KiGesch. 112, KiG 1832 §§ 161, NM II 130 ff.
Führungsliste der Predigtamts-Kandidaten, geführt vom --> Generalsuperintendent bzw. --> Propst. Die Konduitenliste enthielt neben den üblichen Personalangaben Zeit und Ort der abgelegten Examen und der bisherigen Tätigkeit sowie eine Beurteilung der wissenschaftlichen Fortschritte und der Führung.
KiG 1832 § 268, 281, 302.
Konferentialschluß
Die zusammengefaßten Beschlüsse einer allgemeinen --> Konferenz.
Ziegenhorn §131.
Konferenz, allgemeine
Bei wichtigen Fragen konnte anstelle eines kurländischen Deputiertenlandtages eine Versammlung aller Stimmberechtigten einberufen werden (--> Deputiertenlandtag, --> Virillandtag). Sie waren zum persönlichen Erscheinen verpflichtet oder zur Vertretung durch einen Bevollmächtigten. Jeder Stimmberechtigte hatte soviel Stimmen wie auf den Kirchspielsversammlungen. Am Eröffnungstage wurde auf dem Ritterhaus die Legitimation der Erschienenen festgestellt. Beschlußfähig war die K., wenn die absolute Mehrheit aller Stimminhaber anwesend war. Am zweiten Tag wurden nach einem Gottesdienst der --> Konferenzdirektor und sein Stellvertreter gewählt. Danach erstattete der --> Landesbevollmächtigte seine Relation über die Gründe zur Einberufung der K. Sodann wurde für jeden einzelnen Verhandlungsgegenstand eine Kommission von fünf Konferenzteilnehmern gewählt, die ein Gutachten zu erstatten hatte. Danach beschloß die a. K.
Kurl. KonferenzO 1897 §§ 13 ff., 22, BPR II § 332 ff.
Konferenz, Baltische --> Konseil, Baltischer, --> Provinzialrat
Konferenz, mündliche
In Liv- und Estland Anhörung der Parteien (Mündliches Verhör) nach Eingang der abschließenden Schriftsätze (Schlußschriften) auf Antrag der Parteien oder von Amts wegen. Diese auf der schwedischen Prozeß-Stadga 1694 beruhende Konferenz wurde in russischer Zeit in Livland obsolet, erhielt sich aber in Estland bis zur Justizreform von 1889.
Samson § 280; Schmidt, Civilpr. 87.
Konferenz, brüderliche
In Kurland eine allgemeine Konferenz, an der nur Adlige beteiligt waren. Das war bis 1865/66 (Recht des Güterbesitzes auch für nicht Indigene) möglich. Die erste brüderliche Konferenz wurde 1712 abgehalten, doch war sie keine Versammlung aller Stimminhaber, sondern dem --> Deputiertenlandtag gleich, jedoch ohne Beteiligung des damals im Ausland befindlichen Herzogs. Derartige brüderliche Konferenzen fanden noch mehrmals statt, erst 1736 tagte die erste wirkliche b. K. mit 123 Stimmberechtigten, die ihrerseits 170 Vollmachten vorlegten. In russischer Zeit kam die Bezeichnung b. K. ab und wurde durch allgemeine Konferenz ersetzt.
Ziegenhorn § 515.
Leiter einer allgemeinen oder brüderlichen --> Konferenz. Sein Amt entsprach dem --> Landbotenmarschall auf dem Landtag. Er und ein Stellvertreter wurden am zweiten Tag einer allgemeinen Konferenz unter Leitung des Landesbevollmächtigten aus der Mitte der Konferenzteilnehmer gewählt (--> Landesbevollmächtigter).
BPR II § 636 ff.; Kurl. KonferenzO 1897 §§ 9-14, 25.
Konferenzordnung, kurländische
Von der kurländischen Ritterschaft aufgestellte Regeln über den Ablauf einer allgemeinen oder brüderlichen --> Konferenz. Festgelegt wurde die Konferenzordnung durch Landtagsbeschluß, erstmals 1806, sodann 1863, 1881 und zuletzt 1897.
Könige und Wedmer --> Freibauern, Kurische Könige
Königsader, Aagang
In Liv- und Kurland der für die Schiffahrt und den Durchzug der Fische in der Mitte eines Flusses offen zu lassende, das heißt nicht durch Fischwehren, Netze, Gitter oder dergleichen zu versperrende Raum (BPR III Art. 1020-24). Für Estland und Lettgallen bestand nur ein allgemein gehaltenes Gebot, Schiffahrt und Fischdurchzug nicht zu behindern. Die Breite de Königsader betrug in Livland – falls beide Ufer einem Eigentümer gehörten – bei größeren Flüssen 12, sonst 6 schwedische Ellen (Buddenbrock II 585).Gehörten die Ufer verschiedenen Eigentümern, so durfte jeder seine Wehre nur bis zur Hälfte seines Anteils, das heißt also in der Regel nur bis zu einem Viertel der Flußbreite, schlagen. Für die Mündungen der in den Peipussee fließenden Flüsse und die Eingänge der Buchten des Sees galt die Sonderregelung, mindestens ein Drittel freizulassen. In Kurland betrug die Breite der K. in schiffbaren Flüssen 14, sonst 8 Ellen rigisch. 1925 wurde in Lettland der Aagang einheitlich in schiffbaren Flüssen auf mindestens 8, im übrigen auf mindestens 5 m festgesetzt. Das LZ hat diese Regelung nicht übernommen und bestimmte in § 1123 Abs. 2 lediglich, daß zur Laichzeit die Schleusen von Wasserkraftwerken geöffnet oder Fischleitern angelegt werden müssen. Art. 765 der LandwirtschaftsO schreibt vor, für den Durchzug der Fische die Hälfte des Stromes freizulassen.
Gutzeit I 2; Hahn 153.
Beteiligt sein, teilnehmen (Samson § 788 Nr. 10: "wenn zu dem Urteilsspruch nicht die gänzliche Anzahl von Gerichtsmitgliedern konkurrierte"; § 789 Nr. 3: "wenn der Beklagte, welcher als Partei zur Streitsache konkurriert ...").
Konkurs --> Bankrott, --> Generalkonkurs, -->Kindergeld, --> Klassifikationsurteil, --> Konkurseid, --> Kontradiktor, --> Separatisten,--> Spezialkonkurs, --> Vindikanten
Konkurseid
Eid des Gläubigers dahin, daß seine Forderungen zu Recht bestehen und er keine Zahlung darauf erhalten hat. Der Konkurseid wurde erst nach dem Urteil des Gerichts über die Anerkennung der Forderung als im Konkurs zu befriedigende geleistet. Nach der Neuregelung des Konkursverfahrens 1889 wurde der K. als überflüssig abgeschafft. --> Klassifikationsurteil.
Livl. BV § 909; Estl. BV § 1015; G-N I 66 f.
Konseil, Baltischer
Nach der russischen Revolution von 1905 traten auch die baltischen Ritterschaften mit Projekten zur Erweiterung der landischen Selbstverwaltung hervor. Die "Baltische Konferenz" aus Vertretern der vier Ritterschaften schlug vor, auch Vertreter der Städte und der Bauernschaft zur Selbstverwaltung des Landes heranzuziehen. Gleichzeitig wurde um die Schaffung eines allgemein-baltischen Generalgouvernements gebeten, dem ein "K." aus 18 Vertretern der Landstände – Großgrundbesitzer, Städte, Bauern – zur Seite stehen sollte, außerdem je ein Provinzialrat jeder Provinz. Diese Gremien sollten Reformvorschläge ausarbeiten und dem Generalgouverneur unterbreiten. Da die bäuerliche Bevölkerung jedoch noch unter der Wirkung radikaler Ideen der Revolution stand, erwies sich die Arbeit dieser Repräsentationsorgane als wenig ergiebig. Der K. bestand aus je zwei Vertretern der vier Landtage, drei Vertretern der Gouvernementsstädte Riga, Reval und Mitau, acht Delegierten der Landgemeinden. Die erste Sitzung fand am 12. Juli 1906 statt. Die Reformbestrebungen kamen aber mit dem Amtsantritt des Ministerpräsidenten Stolypin (1906-1911) zum Stillstand.
Transehe, Agrarwesen 194 ff.; Tobien, Ritterschaft 445 ff.
Konsistorialgericht --> Oberhofgericht
Konsistorium --> Generalkonistorium, --> Oberkonsistorium, --> Provinzialkonsistorium,--> Stadtkonsistorium
Rechtsanwalt. -->Juriskonsult
In Liv- und Estland waren die Poststraßen bezüglich Bau und Unterhaltung auf sämtliche Güter nach ihrer Hakenzahl anteilsmäßig verteilt. Jedes Gut erhielt seinen Anteil (Kontingent) möglichst in den eigenen Grenzen. Das zu unterhaltende Straßenstück wurde durch besondere Wegzeichen mit der Angabe des Gutsnamens – die Kontingentpfosten – markiert. In Kurland mußten die jeweiligen Angrenzer die auf ihrem Gebiet liegenden Wege instandhalten. --> Wegebaulast.
Buddenbrock II S. 655; Bunge, Kurl.PR § 112; Bunge, Liv-estl. PR (1838) § 98; Gutzeit I 171.
Bis 1889 Bezeichnung des Konkursverwalters; so benannt, weil die Prüfung der Forderungen im kontradiktorischen Verfahren erfolgte.
G-N II 195; Samson §§ 1224 ff.
Kontraktenblatt
Formular für landwirtschaftliche Arbeitsverträge – "Dienstverträge für Feldarbeiten".
ZPO 1864 §§621, 1551.
Kontraktenbücher
Von den Gerichten geführte Hypotheken- oder Ingrossationsbücher zur Eintragung aller "Contracten, Käufe und Verkäufe, donationes und Übergaben, item Hypothecationes und Verpfändungen, Vormundschaften, Kundschaften, desgl. Testamente, letzen Willen und Erbverträge, so vor Gericht geschehen". Auf dem Lande wurden auch Pachtverträge eingetragen. Die Neuordnung des Grundbuchwesens 1889 ließ den Ausdruck verschwinden. Man sprach nur noch von Grund- und Hypothekenbüchern (--> Grundbuchregister). K. wurden jedoch noch vom --> Gemeindegericht zur Eintragung von Rechtsgeschäften im Rahmen der Beglaubigungsbefugnis geführt.
Bausker PolO Tit. 5, Friedrichstädter PolO Tit. 4 § 2; GG civ § 283.
Kontrollhof
Seit 1864 eingerichteter Provinzialrechnungshof als Lokalbehörde des bereits seit 1861 bestehenden obersten Rechnungshofs (seit 1836 Reichskontrolle genannt). 1870 wurde ein Hof für Estland und ein gemeinsamer für Liv- und Kurland eröffnet. Der Kontrollhof kontrollierte nur die Abrechnungen der Staatsbehörden, sein Aufgabenbereich wuchs jedoch im Verlauf der Russifizierungsmaßnahmen.
Amburger 221.
Konvent --> Adelskonvent, Kirchenkonvent
Konvention --> Vorklage
Konventsdeputierter
Die sechs Konventsdeputierten auf Oesel entsprachen in ihrer Funktion im --> Adelskonvent den livländischen Kreisdeputierten, (--> Kreisdeputierter).
BPR II § 196, 425, 430, 709 f.; Balt. Bürgerkunde 176; Krusenstjern 192.
Konvokant
--> Kirchspielsbevollmächtigter; so genannt, weil die Zusammenrufung der Stimmberechtigten des Kirchspiels (--> Konvokation) zu seinen Hauptpflichten gehörte.
Kurl. LandtagsO 1897 § 53.
1. Einberufung der kurländischen --> Kirchspielsversammlung.
2. Die Versammlung selbst: a) --> Relationskonvokation, die erste Versammlung anläßlich eines Landtags, b) --> Instruktionskonvokation, die zweite Versammlung.
Konvokationsort war anfangs die Sakristei der Hauptkirche des Kirchspiels, später in der Regel der Wohnort des Kirchspielbevollmächtigten.
Kurl. LandtagsO 1897 §§ 42, 47, 68, 156.
Konzessionalbescheid
Von der Unterinstanz erteiltes Zeugnis über die Zulassung des Rechtsmittels.
Schmidt, Civilpr. 156, 182.
Kopfgeld --> Kopfsteuer
Kopfsteuer, Kopfgeld
Am 3. Mai 1783 in Liv- und Estland eingeführt, nach der Angliederung Kurlands auch auf dieses ausgedehnt. Ursprünglich 70 Kop. von jeder männlichen "Seele" bäuerlichen Standes; im Laufe der Zeit bis Rbl. 4,50 erhöht (1857/58). Die bisher vom Bauernland zu zahlenden Abgaben wurden von der Kopfsteuer in Abzug gebracht. Veranlagt wurde aufgrund der allgemeinen Volkszählung und zwar ohne Rücksicht auf Veränderungen bis zur nächsten Seelenrevision. In Liv- und Estland hatten bis 1861 die Gutsherren den Steuerbetrag an die Staatskasse abzuführen und hafteten für deren Eingang; ihrerseits mußten sie bei den Bauern kassieren. In der Städten zahlten die gewerbstätigen Bürger ursprünglich Rbl. 1,20 (später mehr) und die unselbständigen --> Dienstboten den oben erwähnten bäuerlichen Steuersatz. Die in drei Steuergilden eingeteilten Kaufleute entrichteten stattdessen eine --> Vermögenssteuer auf ein fiktives Steuerkapital, dessen Höhe sie selbst bestimmen durften, --> Gildekaufmann. Diese Steuer wurde 1863 zugunsten der Kronsimmobiliensteuer aufgehoben, die K. allgemein 1885, --> Oklad.
Tobien, Agrargesetzgebung I 77ff.; Gernet 63; Blumenbach 40f.; Latv. Enc. 661.
Korde (estn.: Kord: Reihe, Ordnung)
Viehmagd im --> Wechselgehorch, der Reihe nach von einer Zahl Bauernhöfe zu stellen. Der Ausdruck erscheint zuerst im estnischen Teil Livlands Im Lettischen durch "kartniece" ausgedrückt, --> Cartneck.
Soom 265 f.; Hahn 70; Transehe, Gutsherr 121; Gutzeit II 76.
Kordonzeugnis
Bescheinigung für Einwanderer nach Rußland über die bestandene Quarantäne (StGB 1845 § 1190). Das Kordonzeugnis mußte spätestens nach drei Monaten am Wohnort zur Anmeldung vorgelegt werden, widrigenfalls eine Geldbuße fällig war und bei Zahlungsunfähigkeit Ausweisung.
Kornherrschaft
In Riga im 18. Jh. Aufsicht des Rates unter Leitung eines Ratsherrn über das von den Stadtgütern kommende Korn und dessen Verwahrung in den Stadtmagazinen (--> Magazin).
Aktenstücke Riga I 219, 303, Campenhausen 68.
Kornkasten --> Stadtkornkasten
Kornpacht
Eine besondere Art der Naturalpacht, bei welcher der Pächter den Pachtzins in Korn zu entrichten hatte, namentlich in Estland gehandhabt.
Gernet 170, 187, 196 ff.
Rigaer Ratsangestellter, der bei der --> Kornherrschaft die Rechnung führte.
Aktenstücke Riga I 303, 506, Campenhausen 68.
Korrektionsabteilungen der Ingenieurobrigkeit
A. zur Verbüßung einer --> Korrektionsstrafe für militärische Häftlinge (--> Zeitweilige Arrestanten). Ausnahmsweise konnten auch zivile Häftlinge eingereiht werden (--> Arrestantenkompanien), deren Strafzeit sich dann verkürzte.
StGB 1845 § 82.
Die der Schwere nach an vierter Stelle stehende --> Korrektionsstrafe. Sie konnte drei Monate bis drei Jahre betragen (StGB 1845 § 39) und mit dem Verlust von persönlichen oder Standesrechten verbunden werden (§ 34 IV). Das Korrektionshaus war als Besserungsanstalt gedacht: durch Arbeit unter strenger Aufsicht. Daher wurde es im Unterschied zum Arbeitshaus für solche Straftaten verhängt, die nicht als völlig entehrend galten. Obwohl im Volksmund auch "Zuchthaus" genannt, kann das K. nicht mit der Zuchthausstrafe gleichgesetzt werden, ist vielmehr als eine verschärfte Gefängnisstrafe zu betrachten. Das Arbeitsmaß war geringer als in den Arbeitshäusern (ErgVO II § 5). Das estländische StGB 1929 wie auch das lettländische 1933 benutzen daher auch in der deutschen Übersetzung nur den Ausdruck "Korrektionshaus". Die Strafdauer betrug nun ein bis vier Jahre.
Korrektionsmittel, häusliche
Zuchtmittel, insbesondere Ermahnungen gemäß --> Gesindevertrag, aber auch die körperliche Züchtigung von Kindern,--> Hauszucht.
StGB 1845 § 1824.
Korrektionsstrafen
1. Das StGB 1845 teilte die Strafen in --> Kriminalstrafen und Korrektionsstrafen. Diese galten als bessernde; demgemäß war der Strafvollzug auf Besserung eingestellt, obwohl es auch bei den Kriminalstrafen eine "Kategorie der sich Bessernden" gab (--> Katorshnij). Die K. waren der Schwere nach:
a. --> Verweisung zum Aufenthalt nach Sibirien mit Entziehung des Wahlrechts auf zwölf Jahre und dem Verlust aller Standes- und persönlichen Rechte. Der Verurteilte behielt jedoch, da er die Möglichkeit haben sollte, seine frühere Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft wiederzuerlangen, seine Familien- und Vermögensrechte.
b. Verweisung zum Aufenthalt in entfernte nichtsibirische Gouvernements mit Verlust der Rechte wie unter a.,
c. Festungsstrafe von zwei bis sechs Jahren mit eventuellem Verlust einiger persönlicher oder Standesrechte.
d. --> Korrektionshaus von drei Monaten bis drei Jahren mit möglichen Rechtsverlust wie unter c.
e. Gefängnis von drei Monaten bis zwei Jahren.
f. Arrest von einem Tag bis drei Monaten.
g. Verweise in der Gerichtssitzung; Bemerkungen und Erinnerungen.
h. Geldbußen.
2. Unter K. wurden ferner disziplinäre Maßnahmen verstanden für Beamte, Soldaten, Geistliche (ErgVO § 32) oder Häftlinge.
3. Mit Korrektion konnte schließlich auch ein bloßes Zuchtmittel gemeint sein (Beil. IV Absch. II: Korrektion oder Leibesstrafe). --> Korrektionsmittel
Korrelationskommission
Auf jedem Relationstermin eines kurländischen Landtags wurden Kommissionen zur Vorbereitung der im Plenum zu führenden Debatten gebildet. Die Korrelationskommission hatte die Aufgabe, die Geschäftsführung des --> Ritterschaftskomitee und damit auch des Landesbevollmächtigten zu überprüfen (--> Landesbevollmächtigter), vor allem festzustellen, ob die Instruktionen des vorhergehenden Landtags befolgt, die Beschlüsse ausgeführt und die Geschäfte ordnungsgemäß geführt wurden. Die K. bestand aus fünf Mitgliedern, je einem Landboten der fünf Oberhauptmannschaften, den diese aus ihrer Mitte wählten. Diese Form der Wahl wurde auch nach Aufhebung der Oberhauptmannschaften 1889 beibehalten.
BPR II §§ 308 f., Kurl. LandtagsO 1897 §§ 114 ff., 138, 153.
Korrespondent, beständiger
Als die kurländische Ritterschaft 1712 zum ersten Mal einen gewählten Repräsentanten an ihre Spitze stellte, führte er noch nicht den Titel Landesbevollmächtigter, sondern hieß "beständiger Korrespondent der Ritterschaft". Seine Aufgabe sollte vor allem darin bestehen, in den Angelegenheiten der Ritterschaft mit deren Delegierten in Warschau zu korrespondieren. Mit der Erweiterung seiner Vertretungsaufgaben wurde der zweite K. bereits "Gevollmächtigter des Landes" genannt, schließlich --> Landesbevollmächtigter. Der Ausdruck K. verschwand um 1775.
Korroboration
Gerichtliche Bestätigung eines Rechtsgeschäfts durch Eintragung in die Gerichts- oder sonstigen öffentlichen Bücher sowie die Erteilung eines Zeugnisses hierüber (Korroborationsattest). Letzteres hieß Korroboration im eigentlichen Sinn. Nach älterem Recht wurde in Kurland bloß ein Attest erteilt, ohne daß es einer Eintragung bedurfte (Bunge, Kurl.PR § 67 n.f.). Seit der --> Justizreform von 1889 gab es für die Eintragung von Grundstücksgeschäften nur noch einheitliche Grund- und Hypothekenbücher (--> Grundbuchregister). Demgemäß wurde im Sprachgebrauch K. = Grundbucheintragung gesetzt.
BPR III Art. 3002; Bunge, Kurl.PR § 67.
Korroborationsattest --> Korroboration
Korroborationsbuch
Beim livländischen --> Hofgericht geführt; bestand aus den chronologisch nach ihrem Eingang jahrweise gebundenen Urkunden mit jeweiliger Vorabstellung des Korroborationsprotokolls. Außerdem wurde ein Generalregister mit Jahr und Nr. sämtlicher Korroborationen geführt. Mitte des 19. Jhs. hatte ferner jeder Kreis sein eigenes Buch mit den seit 1784 erfolgten Besitzveränderungen nach Jahr, Nr., Veräußerer, Erwerber, Preis, Besitztitel und Zeitpunkt des Besitzbeginns. Mit der Neuordnung des Gerichts- und Grundbuchwesens 1889 entfiel das K. --> Grundbuch.
Bunge, Livl.-estl.PR § 248 n.f.
Korroborationsposchlin --> Poschlin, --> Harnischgelder
Krämergesellschaft
Innerhalb der Korporation der Kaufleute in Mitau bestanden als besondere Organisationen die K. und eine --> Bierbrauergesellschaft. Diese hatten jeweils einen eigenen --> Ältermann und sechs Beisitzer als Vorsteher. Die Ältermänner wurden auf zwei Jahre in der allgemeinen Versammlung gewählt. Die Beisitzer wurden jeweils vom neuen Ältermann gemeinsam mit seinem Vorgänger ebenfalls auf zwei Jahre gewählt. Ferner wählte die K. einen, die Bierbrauergesellschaft zwei Diener, die vom Rat vereidigt wurden.
BPR II § 1138 ff., 1249 ff.
Krämerkompagnie
In Riga Zusammenschluß der Kaufleute, welche Waren en detail in offenen Buden anboten. An der Spitze stand ein --> Ältermann. Es gehörten unter anderem dazu: Gewandschneider, Gewürz- und Eisenkrämer, Seidenkrämer, Lebensmittelhändler.
Aktenstücke Riga II 360, Blumenbach 14 f.
Kramer-Packhaus
In Riga wurde 1765 fremden Kaufleuten gestattet, Kramwaren auch außerhalb der Jahrmarktzeit zu verkaufen, doch nur in dem dazu besonders eingerichteten K.-P.
Blumenbach 39.
Zusammenkunft der Pastoren einer kurländischen Diözese mit privatem Charakter. Die Kränzchen fanden in der Regel viermal im Jahr statt: drei abwechselnd in den Pastoraten, eines als "amtliches K." des Propstes in der betreffenden Kreisstadt. Die auf den Kränzchen behandelten Themen entsprachen etwa dem Themenkreis einer --> Synode. Nach dem Ersten Weltkrieg hörten die K. mit wenigen Ausnahmen auf.
Kreditkasse --> Kreditverein
Kreditsozietät, Livländische
Die "Livländische Adelige Güter-Kreditsozietät", im gewöhnlichen Sprachgebrauch "Kreditsystem" genannt, wurde 1803 gegründet, um Rittergutsbesitzern durch Pfandbriefdarlehen finanziellen Rückhalt zu geben. Die Mitglieder übernahmen die solidarische Haftung für Verbindlichkeiten der Vereinigung. Dank eines aus dem Reichsschatz erhaltenen Darlehens konnte die K. während der Napoleonischen Kriege in Bedrängnis geratenen Rittergutsbesitzern Hilfe leisten. Eine erhöhte Bedeutung erhielt die K. in den 1860er Jahren. Die 1847 gegründete --> Bauernrentenbank, welche den Übergang des Pachtlandes in bäuerliches Eigentum finanzieren sollte, konnte durch Eingriffe des --> Ostseekomitee die ihr zugedachten Aufgaben nicht durchführen. Diese Aufgaben übernahm 1864 die K. und konnte sie erfolgreich bewältigen, ohne ihre eigentliche Bestimmung vernachlässigen zu müssen. Nach Enteignung der Rittergüter 1920 wurde die K. vom Staat Lettland eingezogen.
Tobien, Agrargesetzgebung 1277 ff., II 153, 323.
Kreditsystem --> Kreditsozietät,--> Kreditverein
Kreditverein, Estländischer, Kreditkasse
"Estländischer Adeliger Güter-Credit-Verein", gegründet am 15. Oktober 1802 als Estländische Adelige Creditkasse mit dem Zweck, durch Gewährung von Krediten während der damaligen Wirtschaftskrise den Konkurs von Gütern zu verhindern. Als aufgrund der Agrarverordnung von 1856 der Verkauf von Bauernland an die bisherigen Pächter begann, wurde der K. eingeschaltet, der zu niedrigem Zinsfuß 3/4 bis 2/3 des Bodenwerts vorstreckte. Die Mitglieder des K. hafteten solidarisch für die Verbindlichkeiten des Vereins. Mit dem estnischen Agrargesetz von 1919, das sämtliche Rittergüter enteignete, wurde der K. in ein staatliches Institut umgewandelt.
Gernet 110, 308 ff., 314, 363.
Kreditverein, Kurländischer
"Kurländischer Adeliger Kreditverein", begründet 1830 mit dem Zweck, den durch eine Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten geratenen Rittergütern einen finanziellen Rückhalt zu gewähren. Es bestand solidarische Haftpflicht der Mitglieder. Nachdem 1863 den Bauern das Recht erteilt worden war, ihre Pachthöfe als Eigentum zu erwerben, dehnte der K. seine Beleihungstätigkeit auch auf diese aus. Infolge der lettischen Agrarreform von 1920, die alle Rittergüter enteignete, wurde der K. vom Staat übernommen.
Foelckersahm., Kurland 49 r.; Transehe, Agrarwesen 297.
Kreis --> Doppelkreis
Kreisanwalt
Im Rahmen der --> Statthalterschaftsverfassung anstelle des --> Kreisfiskal bestellter Beamter zur Verfolgung von Krons- und Strafsachen.
Mit der Einführung des russischen Polizeiwesens in den baltischen Provinzen am 8. Juni 1888 an die Stelle der landeseigenen Polizeibehörden in den Kreisen (--> Ordnungsgericht, --> Hakenrichter, --> Hauptmannsgericht) getretene staatliche Polizeibeamte, ernannt von der --> Gouvernementsregierung. Ihnen unterstanden nunmehr die -->Gemeindepolizei- und die --> Gutspolizei. Diese Polizeiorganisation wurde in den baltischen Republiken beibehalten.
Gutzeit, Nachtr. 1889, 46; Latv. Enc. 69; Balt. Bürgerkunde 97.
1. In Livland wählten die adeligen, immatrikulierten Rittergutsbesitzer für jeden --> Doppelkreis je drei Kreisdeputierte, welche zusammen mit dem --> Landmarschall und dem --> Landratskollegium den --> Adelskonvent bildeten. Die Kreisdeputierten formierten im Adelskonvent eine besondere Kreisdeputiertenkammer unter Vorsitz des Landmarschalls, die gutachtlich gehört werden konnte. Die K.en wurden während des Landtags auf der gleichzeitig stattfindenden --> Kreisversammlung gewählt. Sie hatten auch gewisse staatliche Funktionen: Vorsitz in der Kreiswehrpflichtskommission, im Kreisgefängniskomitee, Kreissanitätskomitee und Mitgliedschaft im Statistischen Gouvernementskomitee.
Seraphim II 101, Krusenstjern 23; Tobien, Ritterschaft I 13 ff..; Tobien, Agrargesetzgebung I 32 f.; BPR II §§ 77 f.; Balt. Bürgerkunde 176.
2. Die estländische Ritterschaft wählte aus ihrer Mitte ebenfalls zwölf Kreisdeputierte (von jedem Kreise drei), die mit dem --> Ritterschaftshauptmann und den zwölf Landräten den --> Ritterschaftsausschuß bildeten. Die K.en wurden in den vier Kreisen während des Landtags oder auf einem besonderen --> Kreistag aus den im Kreis besitzlichen immatrikulierten Edelleuten gewählt.
BPR II 261 ff, 476, 744 f.
Kreisfiskal
Von der --> Gouvernementsregierung auf Vorschlag ("Vorstellung") des --> Gouvernementsprokureur bestellter und vom Justizminister bestätigter Beamter, der in Liv- und Kurland die Aufgaben des --> Fiskals eines Kreises wahrnahm. In Livland befand sich bei jedem --> Landgericht ein Kreisfiskal, in Kurland in jeder --> Oberhauptmannschaft. Bei der Revision der --> Kreisrentei durch das Landgericht hatte er mitzuwirken. Er war bei jedem -->Ordnungsgericht, -->Landgericht - und städtischem Gericht tätig mit Ausnahme von Riga; in Kurland beim --> Hauptmannsgericht und --> Oberhauptmannsgericht und dem -->Stadtmagistrat. Zu seiner Entlastung wurden seit 1847 bei den Kreisgerichten Kreisfiskal-Adjunkte bestellt, die auch Krankheits- und Anwesenheitsvertreter waren.
BPR I §§ 1715ff.
1. Bezeichnung für das --> Landgericht gemäß der Statthalterschaftsverfassung.
2. Nach der Bauernbefreiung 1816/19 bis zur Justizreform Gericht in Bauernsachen, und zwar
a) in Kurland nach 1821 (vorher --> Hauptmannsgericht) Gericht Erster Instanz für Prozesse zwischen Bauern und Nichtbauern, Zweiter Instanz für das --> Gemeindegericht.
b) In Livland Gericht Erster Instanz in Klagesachen von Gliedern der Landgemeinde gegen Personen anderer Stände, Zweiter Instanz in Zivil- und Strafsachen des --> Kirchspielsgericht; Revisionsinstanz in allen Streitsachen der Bauern untereinander wie auch der Gutsherren gegen Bauern. Gleichzeitig war es Obervormundschaftsbehörde und Korroborationsbehörde (beurkundende Behörde) für bäuerliche Grundstücke. Das Kreisgericht hatte die Aufsicht über die Gemeindeverwaltungen. Es bestand aus dem Kreisrichter und zwei Assessoren, die von der Ritterschaft gewählt, sowie zwei bäuerlichen Beisitzern, die von sämtlichen Kirchspielsgerichtsbeisitzern des Landkreises entsandt wurden.
BPR II §§ 359 III Nr. 4, 387; Tobien, Ritterschaft I 486; Gutzeit II 90; Latv. Enc. 70; Creutzburg 10,32.
Kreiskommissär
In Estland von der --> Gouvernementsregierung angestellter Beamter zur Unterstützung der --> Hakenrichter und der Polizei bei Truppendurchmärschen, --> Marschkommissär
BPR I § 965; Gutzeit II 90.
In Livland gab es in jedem --> Doppelkreis eine Kreislandschulbehörde als Schulaufsichtsorgan. Zu ihr gehörten als Glieder der --> Oberkirchenvorsteher, von der Ritterschaft und der Geistlichkeit gewählte weltliche und geistliche Kreisschulrevidenten und Delegierte der bäuerlichen Schulältesten, (--> Kreisschulrevident, --> Schulältester).
Balt. Bürgerkunde 243; Tobien, Ritterschaft I 241 f., 245, 274.
1. In Livland nur in der Geltungszeit der russischen --> Adelsordnung 1786 bis 1796, Repräsentant des gesamten im Kreis ansässigen Adels, zusammen mit dem --> Adelsmarschall.
Tobien, Ritterschaft II 25.
2. In Kurland ritterschaftliche Repräsentanten einer --> Hauptmannschaft, zu denen drei von der Deputiertenkammer gewählte "residierende" Kreismarschälle traten. Zusammen mit dem --> Landesbevollmächtigten, dem --> Obereinnehmer und dem --> Ritterschaftssekretär bildeten sie "den" --> Ritterschaftskomitee. Der K. führte in den Kreisversammlungen den Vorsitz, vollzog die Anordnungen des Ritterschaftskomitees, war später auch Präses der Kreiswehrpflichtskommission und der Kreis-Einschätzungskommission für Güter und Wälder. Das Amt bestand seit 1796 (anfangs --> Oberhauptmannschaftsbevollmächtigter) und endete 1920 mit der Aufhebung der Ritterschaft. In Unterscheidung zu den in Mitau residierenden K.en wurden die in ihrem Kreise tätigen anfangs "örtliche" K.e genannt; diese Bezeichnung kam seit 1866 außer Gebrauch. Auch die "residierenden" K.e wurden vom Landtag auf Vorschlag der Kirchspiele auf drei Jahregewählt. Sie mußten ständig in Mitau erreichbar sein und an den Sitzungen des Ritterschaftskomitees teilnehmen. Einer der drei. K.e war zugleich stellvertretender --> Landesbevollmächtigter. Von 1814, als das Amt der K. geschaffen wurde, bis 1819 gab es, entsprechend den vier Oberhauptmannschaften, vier K.e, sodann für die hinzugekommene --> Oberhauptmannschaft Hasenpoth einen fünften. Von ihnen mußten stets drei in Mitau anwesend sein. 1865 wurde die Zahl der residierenden K.e auf drei verringert.
Wittram 120 f.; Ungern 39; BPR II §§ 498, 503, 768 ff., 786f; Kurl. LandtagsO 1897 §§ 180 ff., 190 ff., 205 f.
Kreismilitärchef --> Gouvernements-Militärchef
Kreispolizei --> Hakengericht, --> Hauptmannsgericht, --> Ordnungsgericht
Kreisrentei --> Rentei
Kreisrichter --> Kreisgericht
Bestand von 1802 bis 1886 in jedem Kreis, führte über den Elementarunterricht hinaus und hatte die Aufgabe, ihre Zöglinge im zwei- oder dreiklassigen Zug für das Gymnasium – als Progymnasium – vorzubereiten. Die Kreisschulen wurden vorwiegend von der Krone unterhalten; Unterrichtssprache war deutsch. 1886 wurden sie in russische städtische Schulen umgewandelt.
Wachtsmuth, Schulpolitik 55; Wittram, Balt. Gesch. 199; Latv. Enc. 69; Speer 54; Gutzeit Nachtr. 1889, 47.
Vorsteher einer --> Kreisschule; zugleich Aufsichtsperson für die Elementarschulen.
Gutzeit Nachtr. 1889, 47; Balt. Bürgerkunde 264.
Kreisschulrevident
Zu jeder --> Kreislandschulbehörde gehörten in Livland zwei Revidenten, ein weltlicher, von der Ritterschaft, und ein geistlicher, vom Konsistorium gewählt.
Balt. Bürgerkunde 243; Tobien, Ritterschaft 241 ff.
Versammlung aller stimmberechtigten Adligen eines Kreises in Estland, einberufen und geleitet durch den --> Ritterschaftshauptmann. – Gelegentlich auch gebraucht für die --> Kreisversammlung in Livland.
BPR II § 271 ff.; Gernet 13.
1. In Livland für den einzelnen --> Doppelkreis auf Ladung durch den zuständigen --> Oberkirchenvorsteher einberufen zur Behandlung besonderer Angelegenheiten des Kreises. Teilnehmer waren alle Rittergutsbesitzer des Kreises, immatrikulierte wie nichtimmatrikulierte, auch nichtadlige.
2. In Kurland Zusammentreten aller Stimmberechtigten der Kirchspiele eines Kreises, einberufen vom --> Ritterschaftskomitee zur Nachwahl eines Kreismarschalls, Erkundung der Willensmeinung des Landes oder Berichterstattung über eine wichtige Landesangelegenheit. Die Kreisversammlung war berechtigt, die Einberufung eines extraordinären Landtags zu verlangen. Der --> Kreismarschall leitete die K., Vertreter war der älteste --> Kirchspielsbevollmächtigter.
BPR II §§ 163 ff., 351 ff., Kurl. LandtagsO 1897 §§ 180 f.
In Lettland bis 1935 Selbstverwaltungsorgan eines Landkreises mit vom Innenminister ernanntem Vorsitzenden und zwei bis vier gewählten Mitgliedern (je nach Einwohnerzahl). Zuständigkeit: Wirtschaft, Bildungs- und Gesundheitswesen, Sozialfürsorge; Aufsichtsinstanz der Gemeinden. Später trat an ihre Stelle ein --> Kreisältester.
Latv. Enc. 70.
Kreiswegekommission
Gremium in jedem estländischen Kreis zur Verwaltung der --> Kommunikationswege, gebildet aus einem Kreisdeputierten als Präsidenten ("Oberbrückenbauherr") und den vom Kreis erwählten "Distriktsbrückenbauherren". Der Präsident hatte die Ausführung der Beschlüsse des Landtags, des Kreises und der Kommission zu überwachen.
Gernet 397 f.
Krepost (russ.)
"Grundbuchakt" = eine zur Eintragung ins Grundbuch bestimmte Urkunde. Der in der Mitte des 19. Jhs. noch gebrauchte Ausdruck "Krepost" verschwand allmählich; im 20. Jh. war nur noch "K.-akt", später mehr "Grundbuchakt" gebräuchlich. Mitte des 19. Jhs. war der Begriff "K." noch ausgedehnter und betraf Urkunden über sämtliche in öffentliche Register oder Bücher (auch Krepostbücher genannt, nicht mit dem sogenannten --> Grundbuch zu verwechseln) einzutragende Rechtsgeschäfte außer Grundstücksveräußerungen, auch die von Schiffen und deren Verpfändung, Erbschaften, Leibeigenen und Rekrutenquittungen. Trotz der Bezeichnung "K." galt in den baltischen Provinzen vom russischen Krepostwesen bis zur Justizreform nur die Gebührenordnung (--> Poschlin).
Bunge, Kurl.PR § 70 n.i.; Bunge, Livl.-estl. PR § 126 n.b, c; Kiparsky 162; BPR I § 1078 Nr. 3.
Krepostabteilung --> Grundbuchabteilung
Krepostakt --> Krepost
Krepostbeamter --> Grundbuchbeamter
Krepostbuch --> Nummerbuch
Krepostdokument --> Krepost
Krepostexpedition
Eine Krepostexpedition bestand bis 1889 bei Behörden, die in größerem Umfang die --> Korroboration vorzunehmen hatten (zum Beispiel am --> Hofgericht, --> Oberlandgericht, Rigaer und Revaler --> Magistrat). Sie war eine besondere Abteilung der --> Kanzlei.
BPR I §§ 503.
Krepostierung
Eintragung ins Grundbuch, --> Korroboration.
Bunge, Livl.-estl. PR § 126.
Krepostposchlin --> Poschlin
Krepoststempelpapier
Für die Abfassung vom Krepostakten vorgeschriebenes Stempelpapier. Der aus dem Wertstempel ersichtliche Preis richtete sich nach dem Gegenstands- oder Geschäftswert des Rechtsgeschäfts (daher auch: Wertbogen, Summenbogen).
Bunge, Livl.-estl. PR § 308; Bunge, Kurl.PR § 70.
Krepost- und Nummerbuch --> Nummerbuch
Kreposturkunde --> Krepost
Kriegerischer Vormund --> Vormund
Kriegsgericht --> Stadtkriegsgericht
Kriegsgouverneur, Militärgouverneur
1796 eingeführte Amtsbezeichnung für die Verwaltungschefs von Städten und Provinzen, meist in Gouvernementsstädten neben den Zivilgouverneuren, die dann nur für das Landgebiet zuständig waren. Auch in Reval und Riga eingesetzt, hier ab 1801 mit dem Amt des Generalgouverneurs der drei Provinzen verbunden, 1864 abgeschafft. In Reval ab 1803 meist mit den örtlichen Marinechefs besetzt, ab 1834 mit dem Posten des Oberkommandeurs des Hafens gekoppelt, während des Krimkriegs dem Oberbefehlshaber der Küstenverteidigung unterstellt, ab 1856 nicht mehr ernannt.
Amburger 375, 387; Gutzeit II 95.
Kriegsreglement
Von Peter I. am 30. März 1716 (PS zak 3006) erlassenes Militärgesetzbuch. Es enthielt neben Organisationsvorschriften Regeln für den Militärprozeß und die sogenannten Kriegsartikel. Diese wurden durch Ukas vom 10. April 1716 (PS zak 3010) subsidiär auch in bürgerlichen Strafsachen angewandt. Sie entfielen dort praktisch erst mit der Kodifikation des --> Svod Sakonow, in den übrigens das K. nicht aufgenommen wurde. Es blieb neben ihm bestehen.
Kriegsvogtei
Prozeßpflegschaft (--> Vormund, kriegerischer).
Schmidt, Civilpr. 35.
Kriminaldeputation
Rigaer Untergericht, besetzt mit je einem Gliede aus dem --> Vogteigericht und dem --> Landvogteigericht; Untersuchungsbehörde für die im engeren Stadtgebiet begangenen Straftaten. Nach Abschluß der Ermittlungen legte sie die Akten nebst einem Gutachten dem Magistrat zur Aburteilung der Sache vor. "In geringen Verbrechen" konnte sie selbst ein Urteil fällen.
BPR I § 573 ff.
Kriminalsache
Strafsache (StGB 1933 § 148; in § 192 aber "Strafsache").
Nach dem StGB 1845 ("Gesetzbuch der Kriminal- und --> Korrektionsstrafen") die Gruppe der schwersten aller von Gerichten zu verhängenden Strafen, gelegentlich auch peinliche Strafen genannt (§ 19):
1. Todesstrafe.
2. --> Katorga.
3. --> Verweisung nach Sibirien zur Ansiedlung.
4. Verweisung zur Ansiedlung nach Transkaukasien.
Sämtliche K. waren von der Entziehung aller Standesrechte begleitet. --> Verlust der Rechte
Kriminalverantwortung
StGB 1933 § 157.
Verbrechen, die mit -->Kriminalstrafen geahndet werden.
Kriminalvergehen
Strafbare Handlung, nach den Strafgesetzen zu ahndende Straftat, im Gegensatz zur Ordnungswidrigkeit.
Krongeld
Jüdische Mitgift.
Gutzeit, Nachtr. 1889 48.
Kronsbauer, publiker Bauer
Bauer, der sein --> Gesinde auf dem Land einer Staatsdomäne hatte (--> Kronsgut), bzw. dort ansässig war; insbesondere in der Zeit bäuerlicher Erbuntertänigkeit.
Hahn 96; Gutzeit II 100.
Kronsbehörde
Staatliche Oberbehörde in den baltischen Provinzen, zum Beispiel --> Gouvernementsregierung, --> Kameralhof, --> Domänenhof, --> Medizinalverwaltung, --> Prokuratur.
Tobien, Ritterschaft I 357.
Kronsfeiertag
Außer den Kirchenfesten wurden in Rußland die Geburts- und Namenstage des Kaiserpaares, des Thronfolgers und der Kaiserin-Mutter gefeiert sowie andere Staatsfeste, die in einem jährlich vom Innenministerium herausgegebenen Verzeichnis aufgeführt waren. An diesen Tagen mußte ein öffentlicher Gottesdienst abgehalten werden.
Gutzeit II 101.
Kronsforsten --> Kammerjagd
Kronsgehalt
Das den ev.-luth. Geistlichen für den Dienst in verschiedenen Zweigen der Zivilverwaltung nach besonderen Bestimmungen gezahlte Gehalt.
Kronsgesinde --> Gesinde
Kronsgut, publikes Gut
Staatsdomäne. In Livland gab es zu Beginn des 20. Jhs. 96 Krongüter, in Estland sieben. In Kurland betrug der ehemalige herzogliche Domänenbesitz 22% der Bodenfläche aller Landgüter.
Gutzeit II 101; Balt. Bürgerkunde 300, 332; Gernet 18, 311; Mager 153; Tobien, Agrargesetzgebung I 18 ff.; BPR III Art. 597.
Kronsimmobiliensteuer --> Reichsgrundsteuer
Kronskirche
In Kurland Kirche auf den ehemaligen herzoglichen Gütern, für die zunächst der Herzog, nach 1795 die russische Krone das alleinige Patronat ausübte. Die Wahl der Geistlichen lag in den Händen des Konsistoriums. --> Amtskirche, --> Kronspfarre.
Kronsland
Land im Eigentum des Staates, der Krone.
Kronspastorat, publikes Pastorat
--> Pastorat, bei dem die Krone das Patronat hatte, in Kurland insbesondere das Pastorat einer --> Kronskirche.
Tobien, Agrargesetzgebung I 21 f., II 315 f.; Bunge, Kurl. PR § 101; NM II 63 ff; Gutzeit II 102.
Kronspfarre, Regalpfarre
In Livland Pfarrstelle, deren Besetzung dem Landesherrn als Patron vorbehalten war. Die Wahl des Predigers erfolgte seit 1780 in der Gemeinde durch den --> Kirchenkonvent und mußte durch den Minister bestätigt werden.
Stählin 350, 354 f.; Wahl 80; KiG 1832 §§ 158 ff., Tobien, Ritterschaft I 212, 465.
Unterhaltung von Krügen zum Ausschank alkoholischer Getränke und zur Beherbergung von Reisenden. Ursprünglich landesherrliches Regal, später gutsherrliches Realrecht (BPR III Art. 552). Dieses endete mit der Agrarreform von 1920. Zeitweilig auch Recht der Pastoren --> Kirchenkrug. In den Städten Recht eigens dazu gegründeter Korporationenen. --> Bierbrauergesellschaft, --> Brauergilde, --> Brauerkompagnie, --> Schenkergesellschaft.
Krugsentschädigung
Mit der Einführung des staatlichen Branntweinmonopols um 1900 entfiel das Privileg des Ausschanks von Branntwein in den Gutskrügen. Zur Abgeltung des entgangenen Gewinns wurde den Rittergutsbesitzern eine Entschädigung gezahlt. --> Monopolbude
Latv.Enc. 41.
Kubjas (estn.)
Estnischer Gutsvogt, der die Aufsicht über die fronenden Gutsknechte ausübte und die Arbeiten beaufsichtigte, --> Hirsnik, --> Källakubjas, --> Schildreiter, --> Starast, --> Wagger.
Transehe,Gutsherr 25, 97, 177, 192, Hahn 55; Gutzeit II 108 f.; Kiparsky 46.
Novizen der Großen Gilde in Riga, die nach Ablauf eines Jahres vollberechtigte Mitglieder wurden. Alle K. zusammen hatten eine Stimme. 1845 wurde dieser Status aufgehoben.
Blumenbach 21, 57; Gutzeit II 109 f.
Kuckel (lett: kukulis)
Im Lettischen wörtlich Brotlaib. Im übertragenen Sinne dort auch "Bestechungsgeschenk", vielleicht weil in Zeiten der Not bereits ein Brot ausreichte, einen Beamten zur Pflichtwidrigkeit zu bewegen (piekukulosana = Bestechung). Im Deutschen (lettisches Sprachgebiet) wurde Kuckel zwar volkstümlich für Brotlaib gebraucht, im Sinne von Bestechungsgeld jedoch nur selten. Immerhin waren Redensarten wie "man hat ihm gute Kuckeln gegeben" geläufig.
Rig. Wörterb. 141; Latv. Enc. 1094.
Kugelung --> Ballotement
Totengräber, auch Kirchhofsaufseher.
Gutzeit II 114.
Kulturautonomie --> Kulturselbstverwaltung
Kulturkuratorium --> Kulturselbstverwaltung
Kulturrat --> Kulturselbstverwaltung
Kulturselbstverwaltung, deutsche in Estland
Die Kulturautonomie der Volksgruppen in Estland beruhte auf einem Gesetz vom 5. Februar 1925 über die K. der völkischen Minderheiten. Jede Volksgruppe von mindestens 3.000 Personen war berechtigt, sich als öffentlich-rechtliche Körperschaft zu konstituieren. Die K. war nach dem Personalprinzip aufgebaut: Aufgrund freien Bekenntnisses erfolgte die Eintragung ins Nationalregister (Nationalkataster). Die K. hatte das Recht, verbindliche Verordnungen für ihre Mitglieder zu erlassen (-->Verordnung, verbindliche) und Steuern zu erheben. Ihre Zuständigkeit betraf die Einrichtung, Verwaltung und Überwachung von Schulen, darüber hinaus alle übrigen Kulturaufgaben der Volksgruppe und die Verwaltung der hierfür eingerichteten Anstalten. Jede Volksgruppe wählte einen Kulturrat (§ 5), dieser eine Kulturverwaltung als ausführendes Organ (die deutsche bestand aus sechs Personen und verteilte ihre Arbeit auf fünf Ämter). In größeren Städten wurden lokale Kulturkuratorien begründet. Die deutsche K. bestand bis zur Umsiedlung der Deutschbalten im Jahre 1939, die der übrigen Volksgruppen bis zur Annexion Estlands durch die Sowjetunion.
Rauch 123.
Kulturverwaltung --> Kulturselbstverwaltung
Kündigung --> Aufsage
Ein ausschließlich in weiblicher Folge vererbliches Fideikommiß.
G. von Seefeld, in BH 7, 1960/61 S. 60 ff.; Foelckersahm, Kurl. 33.
Kunstgärtner --> Gärtner, gelehrter
Künstlicher Beweis --> Beweis, künstlicher
Verantwortlicher für die Wasserkunst und die Brunnen in Riga.
Aktenstücke Riga 264; Carlberg 59.
Kupitze (lett.: Kupica, kupaca).
Ländliches Grenzzeichen, bestehend aus einem Pfahl mit eingebranntem Siegel des Vermessungsamtes, umgeben von einer Erdaufschüttung. Statt des Holzpfahles konnte auch ein entsprechend gekennzeichneter Stein verwendet werden. Das Wort stammt vom russ. kopit’ = anhäufen.
Rig. Wörterb. 142; Latv. Enc. 1106.
1. der Universität und des Lehrbezirks. Das für die Universitätsgründung in den Ostseeprovinzen 1800 eingesetzte dreiköpfige Kuratorium wurde am 24. Januar 1803 mit der Einteilung des Reichs in Lehrbezirke durch einen Kurator ersetzt (--> Lehrbezirk). Er war zunächst Mittelsperson zwischen Minister und Universität bzw. deren Schulkomitee, ohne eigene anordnende Befugnis 1835 (VO vom 25.Juni PS zak II Bd. 10 Nr. 8262). Bildung eines Kuratorialrats, in den der Kurator unter anderem Schuldirektoren und Professoren berufen konnte. Der K. verdrängte die Universität aus der Schulaufsicht. Seine Obliegenheiten: Überwachung der Universität, Auswahl der Schuldirektoren, Bestätigung von Schulinspektoren und Lehrern. Für die Schulaufsicht wurde er unterstützt von Inspektoren der Staats- und Privatschulen. Sitz in Dorpat, ab 27. Februar 1893 Riga (PS zak Bd. 45, Nr. 48119; III Bd. 12, Nr. 9364).
Amburger 194 f.
2. der Kornmagazine. Aufseher, Verwalter. Das StGB 1845 verwendet beide Ausdrücke ("K. oder Aufseher") als gleichwertig (§§ 1116 ff., 1121).
Volkstümliche Bezeichnung in Lettland für den Justizwachtmeister oder Gerichtsdiener, vermutlich, weil er auch Botengänge besorgte.
Lettische --> Freibauern in den Kreisen Goldingen und Hasenpoth in Kurland, die in sogenannten Freidörfern siedelten. Sie hatten im 14. Jh. vom Deutschen Orden Privilegien erhalten, die ihnen Freiheit und Unabhängigkeit zusicherten. Dennoch geriet der größte Teil der "Könige" mit der Zeit in Abhängigkeit der umliegenden Güter. Am längsten behauptete seine Freiheit das Dorf Kurschkönigen.
Mager 80, 142; Hahn 62 ff.; Stavenhagen 318 ff.; Svabe, Kursu konini un novadnieki (Straumes un avoti I, Riga 1938, 115-348).
Kurländische Konferenzordnung --> Konferenzordnung, kurländische
Kurländischer Kreditverein --> Kreditverein
Küllakubjas (estn. etwa "Dorfvogt")
Dieses Amt wurde in Estland durch die BVO von 1804 geschaffen, als man ein bäuerliches Gericht begründete und in jeder Gemeinde einen Küllakubjas als Dorfpolizisten einzusetzen befahl – als Gegenstück zu dem jeweiligen Guts- --> Kubjas, einem Gutsvogt, welcher auch mit gutspolizeilichen Funktionen betraut werden konnten (--> Gutspolizei).
Gernet 119 f.; Tobien, Agrargesetzgebung II 290.
Küstergesinde --> Küsterland
Küstergottesdienst
Bei Abwesenheit des Pastors und mangels Vertretung durch einen andern Geistlichen Verlesen der Predigt durch den Küster.
Latv. Enc. 1191.
Küsterland, Küstergesinde
Kleine Landwirtschaft beim --> Küsterrat zur Ermöglichung der Selbstversorgung des Küsters, zusätzlich zu seinem Deputat oder geringen Gehalt.
Gutzeit II 124.
Amtswohnung des Küsters mit dazugehörenden Ländereien, stets in der Nähe der Kirche und des Pastorats.
Gutzeit II 124; Bunge, Kurl. PR § 101.
1. Das 1839 von der livländischen Ritterschaft begründete Seminar zur Ausbildung von Parochiallehrern in Wolmar, 1849 nach Walk verlegt. Später wurden in allen drei baltischen Provinzen ähnliche Seminare gegründet und von der Ritterschaft unterhalten: in Livland Walk und Dorpat, in Estland Kuda, in Kurland Irmlau.
Tobien, Ritterschaft II 242, 251; Wittram, Generationen 194 f.; Wrangell 87 f.; Wachtsmuth, Schulpolitik 49; Balt. Bürgerkunde 244; Speer 257 ff.
2. Elementarschule auf dem Lande, in der der örtliche Küster unterrichtete,--> Bauergemeindeschule.
Gernet 59; Speer 49; Balt. KiGesch. 103.
Küttis (estn.)
Zunächst im estnischen, dann auch im lettischen Sprachgebiet eine Art von Branddüngung: Der zweimal gepflügte Boden wurde im Frühjahr mit trockenem Strauchwerk bedeckt, das man anzündete, das Strauchwerk wurde manchmal auch noch mit Rasen bedeckt. Die Saat hatte sofort nach dem Abbrennen zu erfolgen, solange der Boden noch warm war. Nach drei- bis vierjähriger Nutzung mußte eine Pause von 15 bis 20 Jahren eingelegt werden, damit sich der zerstörte Humus neu bilden konnte, --> Buschacker
Soom 89 ff., 92; Gutzeit II 126; Kiparsky 49.

References: § 7
 § 458
 § 568
 § 118
 § 632
 § 32
 § 94
 §56
 § 1075
 § 1287
 § 1282
 § 1039
 § 605
 § 2
 Art. 3905
 § 1001
 § 4
 § 106
 Art. 258
 Art. 12
 § 588
 § 477
 Art. 597
 § 101
 § 77
 § 444
 § 544
 § 359
 § 391
 § 101
 § 393
 § 182
 § 1163
 Art. 725
 § 1633
 § 635
 § 1133
 § 1519
 § 1526
 § 692
 § 2
 § 207
 § 99
 § 111
 § 268
 §131
 § 332
 § 280
 § 515
 § 636
 Art. 1020
 § 1123
 Art. 765
 § 788
 § 789
 § 909
 § 1015
 § 112
 § 98
 § 2
 § 283
 § 196
 § 53
 § 1190
 § 82
 § 39
 § 5
 § 1824
 § 32
 § 67
 Art. 3002
 § 67
 § 248
 § 1138
 § 965
 § 271
 § 70
 § 126
 § 1078
 § 126
 § 308
 § 70
 § 573
 § 148
 § 192
 § 157
 Art. 597
 § 101
 Art. 552
 § 101