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Timestamp: 2018-05-21 20:21:42+00:00

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Feuerbach - Malebranche: Anschauungsweise der Dinge in Gott
Ludwig Feuerbach Geschichte der neueren Philosophie VII. Nikolaus Malebranche
§ 76. Die Anschauungsweise der Dinge in Gott
Die Körper dagegen mit ihren Eigenschaften erkennen wir, wie oben gezeigt wurde, nur vermittelst Ideen, weil sie nicht durch sich selbst intelligibel sind und daher nur in dem Wesen geschaut werden können, welches sie auf ideale Weise in sich enthält. Deswegen ist unsre Erkenntnis von ihnen auch sehr vollkommen, d.h., unsre Idee von der Ausdehnung ist inhaltsreich genug, um durch sie alle ihre nur immer möglichen Eigenschaften zu erkennen; was unsrer Erkenntnis von der Ausdehnung, den Figuren und Bewegungen mangelt, ist nicht ein Mangel der Ideen, die sie vorstellen, sondern unsres Geistes, der sie betrachtet. (Ebd., ch. 7, Nr. 3)
Die Körper sehen (das Sehen hier bloß im Sinne des Wahrnehmens vermittelst des Gesichtssinnes genommen) heißt aber nichts andres, als in seinem Geiste die Idee der Ausdehnung, die ihn mit verschiedenen Farben berührt oder bestimmt, wirklich gegenwärtig haben. Die Körper sieht man daher nur in der idealen und allgemeinen Ausdehnung, die durch die Farben erst sinnlich und besondert wird, und die Farben sind nichts als die sinnlichen Vorstellungen, die die Seele von der Ausdehnung hat, wenn diese in ihr wirkt und sie modifiziert. Unter der Ausdehnung ist aber natürlich nur immer die intelligible, die Idee oder der Archetyp der Materie zu verstehen; denn die materielle Ausdehnung kann ja offenbar nicht unmittelbar auf den Geist einwirken. Sie ist absolut unsichtbar durch sich selbst; es sind nur die intelligibeln Ideen, die Intelligenzen affizieren können. (»Reponse Mr. Regis«)
Wie alle besondern Körper aus einer allgemeinen Ausdehnung oder Materie bestehen und einer besondern Form, so sind alle besondern Ideen der Körper nichts weiter als die allgemeine Idee der Ausdehnung in verschiedenen Formen oder wird in allen bestimmten ausgedehnten Dingen nur die Ausdehnung auf eine bestimmte Weise angeschaut. Alles Ausgedehnte sehen wir darum nur in der Ausdehnung oder allgemeinen Idee der Ausdehnung. Diese Idee ist daher auch der hauptsächliche Beweis, daß wir alle Dinge in Gott sehen; denn die Idee der Ausdehnung kann sich nur in Gott finden, sie kann keine Modifikation unserer Seele sein. Alle Modifikationen eines endlichen Wesens sind notwendig endlich; denn da die Modifikation einer Substanz eine bestimmte Weise ihres Seins ist, so kann sie offenbar keinen größern Umfang haben als die Substanz selbst. Nun ist aber unser Geist beschränkt und die Idee der Ausdehnung unbeschränkt; denn wir können sie nicht erschöpfen noch Grenzen in ihr entdecken. Man sieht daher die Körper nur in Gott, da sich die Idee der Ausdehnung, in der wir alle Dinge sehen, wegen ihrer Unbeschränktheit nur in ihm finden kann. (Ebd.)
Daß wir aber sinnliche Körper und reelle Figuren sehen, dazu ist nicht nötig, daß es auch in Gott selbst oder in der idealen Ausdehnung sinnliche Körper und wirkliche Figuren gibt. Der Geist kann einen Teil von der unendlichen idealen Ausdehnung, die Gott enthält, wahrnehmen und daher in Gott alle Figuren erkennen; denn jede begrenzte ideale Ausdehnung ist notwendig eine ideale Figur, da die Figur ja weiter nichts als eine Begrenzung der Ausdehnung ist. Einen bestimmten Körper aber sehen oder fühlen wir, wenn seine Idee, d. i. eine bestimmte Figur der idealen und allgemeinen Ausdehnung, sinnlich und besondert wird durch die Farbe oder irgendeine andere sinnliche Vorstellung, mit der seine Idee die Seele affiziert und welche die Seele mit ihr verbindet; denn die Seele breitet fast immer ihre Gefühle über die Ideen aus, die auf sie einen lebhaften Eindruck machen. Man muß die ideale Welt daher nicht in ein solches Verhältnis zu der sinnlichen oder materiellen setzen, als wenn es z.B. in ihr eine ideale Sonne, einen idealen Baum gäbe, um uns die Sonne oder den Baum vorzustellen. Denn da jede ideale Ausdehnung als ein Kreis oder in der idealen Form einer Sonne, eines Baums oder Pferdes vorstellbar ist, so kann sie uns zur Vorstellung der Sonne, eines Baums, eines Pferdes dienen, folglich eine ideale Sonne, ein idealer Baum usw. werden, wenn die Seele auf Veranlassung der Körper eine Empfindung mit diesen idealen Gegenständen oder Ideen verbinden kann, d.h., wenn diese Ideen die Seele mit sinnlichen Vorstellungen affizieren. (Éclairc. sur le III. Liv., X. Écl.) Die sinnlichen Dinge nehmen wir daher auch nicht mit einem vom Verstande verschiednen Vermögen wahr, es ist der Verstand selbst, der die Dinge, wenn sie abwesend sind, sich vorstellt und der sie fühlt, wenn sie gegenwärtig sind. Die Einbildungskraft und die Sinne sind nichts als der Verstand selbst, inwiefern er die Gegenstände durch die Organe des Körpers wahrnimmt; denn der Verstand ist nichts weiter als die Fähigkeit der Seele, alle Dinge oder, was eins ist, die Ideen aller Dinge in sich aufzunehmen. (Liv. I, p. 4)
§ 75. Die verschiedenen Erkenntnisarten des Geistes - § 77. Die allgemeine Vernunft
§ 70. Einleitung und Übergang von Descartes zu Malebranche
§ 71. Leben und Charakter Malebranches
§ 72. Das Wesen des Geistes und der Idee
§ 73. Die verschiedenen Ansichten über den Ursprung der Ideen
§ 74. Gott, das Prinzip aller Erkenntnis
§ 75. Die verschiedenen Erkenntnisarten des Geistes
§ 77. Die allgemeine Vernunft
§ 78. Gott das Prinzip und das wahre Objekt des Willens
§ 79. Gott das Prinzip aller Tätigkeit und Bewegung der Natur
§ 80. Der wahre Sinn der Malebrancheschen Philosophie
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