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Timestamp: 2016-12-08 18:27:01+00:00

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⭐Bericht des Bundeskartellamtes über seine Tätigkeit im Jahre 1959 sowie über Lage und Entwicklung auf seinem Aufgabengebiet.
Bericht des Bundeskartellamtes über seine Tätigkeit im Jahre 1959 sowie über Lage und Entwicklung auf seinem Aufgabengebiet.
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1 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 Bundesrepublik Deutschland Der Bundeskanzler Bonn, den 13. April /60 An den Herrn Präsidenten des Deutschen Bundestages Unter Bezugnahme auf 50 Abs. 2 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen vom 27. Juli 1957 (Bundesgesetzbl. I S. 1081) übersende ich anbei den Bericht des Bundeskartellamtes über seine Tätigkeit im Jahre 1959 sowie über Lage und Entwicklung auf seinem Aufgabengebiet. Die Stellungnahme der Bundesregierung zu dem Bericht ist beigefügt. Der Stellvertreter des Bundeskanzlers Ludwig Erhard2 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Stellungnahme der Bundesregierung zu dem Bericht des Bundeskartellamtes gemäß 50 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen Der anliegende Bericht des Bundeskartellamtes über seine Tätigkeit im Jahre 1959 sowie über die Lage und Entwicklung auf seinem Aufgabengebiet unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von dem Bericht für das Vorjahr. Während das Bundeskartellamt in dem Bericht für das Jahr 1958 über die Durchführung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen in der Anlaufzeit berichtet hatte und nur bei einem verhältnismäßig geringen Teil der anhängig gewordenen _Verfahren abschließende Entscheidungen erwähnen konnte, enthält der Bericht für das Jahr 1959 erheblich umfangreichere Angaben über die Spruch- und Verwaltungspraxis der Kartellbehörden. Die Angaben werden durch eine Übersicht über die Wettbewerbsbeschränkungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen ergänzt. II. Die Ausführungen über die Spruch- und Verwaltungspraxis lassen erkennen, daß das Bundeskartellamt bei der Anwendung der mit besonders schwierigen Auslegungsfragen verbundenen Vorschriften mit Zurückhaltung vorgegangen ist und sich um sorgfältig abgewogene, dem Sachverhalt des Einzelfalles gerechtwerdende Entscheidungen bemüht hat. Darüber hinaus war das Bundeskartellamt bestrebt, auch außerhalb des in dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen vorgeschriebenen förmlichen Verfahrens die Sach- und Rechtslage mit den beteiligten Wirtschaftskreisen eingehend zu erörtern, Auskünfte zu erteilen und durch Beratung der Beteiligten auf ein sachdienliches Verhalten hinzuwirken oder sie zu veranlassen, von unzulässigen Maßnahmen Abstand zu nehmen. Soweit bei dieser Verwaltungstätigkeit grundsätzliche Fragen berührt worden sind, werden die vertretenen Auffassungen ebenfalls in dem Bericht mitgeteilt. Der Bericht läßt erkennen, daß das Bundeskartellamt sich bemüht hat, auch hierbei sehr sorgfältig vorzugehen. Die Beschlußabteilungen des Bundeskartellamtes beschränkten ihre Sach- und Rechtsausführungen auf das zur Beurteilung des jeweiligen Sachverhalts erforderliche Maß. Dieses Verfahren dürfte zumindest so lange gegenüber einer sich an den Einzelfall anschließenden Entwicklung allgemeiner Grundsätze vorzuziehen sein, bis eine ausreichende Erfahrungsgrundlage vorhanden ist, welche die Abschätzung der vollen Tragweite eines allgemeinen Grundsatzes ermöglicht. Da ein gleichartiges wirtschaftliches Erscheinungsbild jeweils auf einer unterschiedlichen Kombination einer Vielfalt von verursachenden Kräften und Bedingungen beruhen kann, so würde nicht zuletzt auch angesichts der Interdependenz aller wirtschaftlichen Erscheinungen die zutreffende Anwendung des Gesetzes durch eine übereilte generalisierende Betrachtungsweise beeinträchtigt werden können. Die Bundesregierung ist der Auffassung, daß die Spruch- und Verwaltungspraxis des Bundeskartellamtes grundsätzlich Zustimmung verdient. Allerdings glaubt die Bundesregierung darauf hinweisen zu müssen, daß es insbesondere auch im Hinblick auf schwebende Verfahren nicht ihre Aufgabe sein dürfte, in dieser Stellungnahme zum Tätigkeitsbericht auf einzelne Entscheidungen oder Meinungsäußerungen des Bundeskartellamtes einzugehen. Dies gilt auch dann, wenn es zweifelhaft ist, ob den Ausführungen uneingeschränkt gefolgt werden kann. Ein Beispiel ist der in Abschnitt XII Nr. 2 des Zweiten Kapitels behandelte Fall der sogenannten Preisspaltung bei Markenwaren. Dem Bundeskartellamt ist darin beizupflichten, daß der gleichzeitige Vertrieb einer Markenware zu einem gebundenen und zu einem erheblich niedrigeren freien Preis regelmäßig Ansatzpunkt für ein Verfahren nach 17 Abs. 1 Nr. 3 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen sein wird. Der weiteren allgemein gehaltenen Feststellung des Bundeskartellamtes, daß in jeder Preisspaltung bei Markenwaren auch die Ausnutzung einer falschen Vorstellung der Verbraucher und damit eine mißbräuchliche Handhabung der Preisbindung nach 17 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen liege, kann jedoch nicht uneingeschränkt gefolgt werden. Es sind Fälle denkbar, in denen unterschiedliche Absatzwege und -formen für die gleiche Ware auch eine unterschiedliche Preisgestaltung rechtfertigen können. Da indessen weder in diesem noch in anderen Fällen Grundsätze der von der Bundesregierung verfolgten Wirtschaftspolitik, insbesondere die Ziele des Gesetzes, gefährdet werden, braucht sich diese Stellungnahme mit Einzelentscheidungen des Bundeskartellamtes nicht auseinanderzusetzen. Halten die Betroffenen die Entscheidung der Kartellbehörden für unzutreffend, so können sie die im Gesetz vorgesehenen Rechtsmittel einlegen. Anders als im ersten Jahr der Tätigkeit des Bundeskartellamtes hatte das Kammergericht im Berichtsjahr wiederholt Gelegenheit, über Beschwerden gegen Beschlüsse des Bundeskartellamtes zu entscheiden. Das Kammergericht, das nach 62 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen die Beschlüsse der Einspruchsabteilungen des Bundeskartellamtes sowohl in tatsächlicher wie in rechtlicher Beziehung überprüft, hat im Berichtsjahr in keinem Falle die Verfügung des Bundeskartellamtes oder den Einspruchs-3 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 bescheid gemäß 70 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen aufgehoben. Der Bundeswirtschaftsminister, zu dessen Geschäftsbereich das Bundeskartellamt gehört, hat die Spruchpraxis des Amtes aufmerksam verfolgt; er hat auch im Berichtsjahr keinen Anlaß gesehen, dem Amte allgemeine Weisungen ( 49 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen) oder Einzelweisungen zu erteilen. III. Während das Zweite Kapitel des Tätigkeitsberichts über Einzelfragen der Anwendung des Gesetzes, gegliedert nach dessen Bestimmungen, berichtet, vermittelt das Vierte Kapitel einen Überblick über die bekanntgewordenen Wettbewerbsbeschränkungen, gegliedert nach den einzelnen Wirtschaftsbereichen. Wenn das Bundeskartellamt bisher erst in wenigen Wirtschaftsbereichen die Wettbewerbssituation unter den Zielsetzungen des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen hat darstellen können, so ist dies darauf zurückzuführen, daß sich das Amt noch im Aufbau und am Beginn seiner Tätigkeit befindet. Auch ließ sich bei der Planung der Behörde die Bedeutung der volkswirtschaftlich-analytischen Arbeit für die Entscheidungs- und Beobachtungstätigkeit des Amtes noch nicht in vollem Umfange überblicken. Erschöpfende Marktanalysen erfordern nicht nur größere Personalaufwendungen und Kosten, sondern auch eine längere Marktbeobachtung unter besonderer Berücksichtigung der mit dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen verfolgten Ziele. Diese Marktanalysen werden es insbesondere erst ermöglichen, die unterschiedlichen Interessen der Kartellmitglieder und die sich daraus ergebende, zur Auflösung des Kartells drängende Dynamik zu ermessen. Dadurch dürfte auch die Beurteilung der die Selbstauflösung der Kartelle begünstigenden Vorschriften des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (vgl. 13 und 14) gefördert werden. Daß eine solche Betrachtungsweise zur Beurteilung des Erfolges des mit dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen verfolgten ordnungspolitischen Zieles von Bedeutung sein kann, zeigt die Auflösung des Preiskartells für schweres Heizöl (vgl. Bundestagsdrucksache 1000 der 3. Wahlperiode, S. 3). Bei diesem Preiskartell, für das der Bundesminister für Wirtschaft am 17. Februar 1959 eine Erlaubnis gemäß 8 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen erteilt hatte, führte die Dynamik der unterschiedlichen Interessenlage der Kartellmitglieder praktisch zur Selbstauflösung des Kartells. IV. Der Bericht läßt ferner erkennen, daß sich bei der Anwendung einiger Vorschriften des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen Schwierigkeiten ergeben haben, die eine Änderung des Gesetzes erfordern können, damit auch insoweit die mit dem Gesetz verfolgten Ziele erreicht und Entscheidungen getroffen werden können, die in jedem Falle den anzuerkennenden Bedürfnissen Rechnung tragen. Im Hinblick auf eine Änderung wird danach außer den bereits im Vorjahr erwähnten 23 und 24 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen, die die Konzentration betreffen (vgl. Bundestagsdrucksache 1000 der 3. Wahlperiode, S. 3 und 59), insbesondere die das Empfehlungsverbot enthaltende Vorschrift des 38 Abs. 2 Satz 3 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen zu untersuchen sein. Der Bundesgerichtshof hat in seinem Urteil vom 8. Oktober 1958 dieser Vorschrift eine Auslegung gegeben, die das Bundeskartellamt veranlaßt hat, nunmehr auch Anmeldungen von Preisempfehlungen für Markenwaren entgegenzunehmen (vgl. Zweites Kapitel Abschnitt XIII des Berichts). Wie der Bericht ausführt, bleibt auch bei dieser Verwaltungspraxis zunächst noch eine Reihe von Fragen offen. Das Bundeskartellamt wird aufmerksam zu verfolgen haben, ob der Umstand, daß nunmehr neben Preisbindungen auch Preisempfehlungen angemeldet werden können, dazu führt, daß der Gesamtbereich aller Wettbewerbsbeschränkungen, die Preise für Markenwaren beeinflussen, sich erheblich ausweitet. Träte dies ein und führten Preisbindungen und Preisempfehlungen in vermehrtem Maße dazu, daß die Preise für Markenwaren erstarrten und sich Anpassungsvorgängen entzögen, würde zu prüfen sein, ob nicht die im 16 a. a. O. für Markenwaren gewährte Ausnahme von dem grundsätzlichen Verbot der Preisbindung der zweiten Hand ( 15 a. a. O.) fraglich geworden ist. In diese Prüfung würde auch die Frage einzubeziehen sein, ob die durch Preisbindungen und Preisempfehlungen ausgelöste Verwaltungstätigkeit des Bundeskartellamtes noch in einem angemessenen Verhältnis zu den Wirkungen der ihm nach 17 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen möglichen punktuellen Eingriffe steht. Ferner haben insbesondere Vorgänge auf dem Mineralölmarkt Überlegungen über die wettbewerbspolitisch richtige Gestaltung des 18 a. a. O. ausgelöst. Den in 18 aufgeführten monopolistischen Verhaltensweisen ist nur schwer zu begegnen. Die Eingriffsvoraussetzungen des 18 sind sehr eng gefaßt. Die Kartellbehörde kann die in 18 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 genannten Bindungen nämlich nur dann für unwirksam erklären, wenn sie nachweist, daß die jeweilige Bindung die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit eines Vertragsbeteiligten oder anderer Unternehmen unbillig einschränkt und daß außerdem durch das Ausmaß solcher Beschränkungen der Wettbewerb auf dem Markte für die betroffenen Waren wesentlich beeinträchtigt wird. Es wird zu prüfen sein, ob in Zukunft auf diese erst während des Gesetzgebungsverfahrens eingefügte Häufung der Eingriffsvoraussetzungen nicht verzichtet werden kann. Es wird zu erwägen sein, ob außer den bereits erwähnten auch noch andere Vorschriften des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen geändert werden sollten. Dies gilt insbesondere hinsichtlich des Umfanges der in 58 Nr. 3 begründeten Bekanntmachungspflicht (vgl. die Ausführungen im Zweiten Kapitel Abschnitt XVI Nr. 2 Buchstabe h des Berichts), der Vorschrift des 91 Abs. 1 Satz 2 über die Erlaubnis für Schiedsverträge im Zusammenhang mit Exportkartellverträgen oder -beschlüssen (vgl.4 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode die Ausführungen im Zweiten Kapitel Abschnitt VI), der die Versorgungsunternehmen betreffenden Vorschrift des 103 (vgl. das Ersuchen des Deutschen Bundestages in dem abgeänderten Entschließungsantrag, Umdruck 1290 stenographischer Bericht über die 223. Sitzung der 2. Wahlperiode, S und sowie die Ausführungen im Zweiten Kapitel Abschnitt XI). Die Bundesregierung hält es für unerläßlich, zunächst weitere sorgfältige Untersuchungen durchzuführen, denn nur auf Grund ausreichender Erfahrungen werden dauerhafte gesetzliche Regelungen geschaffen werden können. Schließlich erwartet die Bundesregierung, daß die Erhebungen, die auf Grund des gemäß dem am 15. Oktober 1959 vom Deutschen Bundestag gefaßten Beschlusses zu erlassenden Gesetzes über eine Untersuchung der Konzentration in der Wirtschaft (vgl. stenographischer Bericht über die 82. Sitzung der 3. Wahlperiode, S und 4475) durchgeführt werden sollen, weiteren Aufschluß darüber liefern werden, in welchem Umfang das Gesetz geändert werden sollte. V. Abschließend kann festgestellt werden, daß die Anwendung der Vorschriften des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen durch die Kartellbehörden nach Auffassung der Bundesregierung geeignet ist, die Verwirklichung der wirtschaftspolitischen Konzeption der sozialen Marktwirtschaft im Rahmen der durch dieses Gesetz geschaffenen Möglichkeiten zu fördern.5 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 Bericht des Bundeskartellamtes über seine Tätigkeit im Jahre 1959 sowie über Lage und Entwicklung auf seinem Aufgabengebiet ( 50 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen) Berlin, Anfang 1960 Inhaltsverzeichnis Vorwort 7 Erstes Kapitel Aufbau und Gliederung des Bundeskartellamtes; Aufgaben der Abteilungen und Referate I. Aufbau 12 II. Gliederung 12 Zweites Kapitel Einzelfragen zur Anwendung des Gesetzes I. Zu 1 (Unwirksamkeit von Kartellverträgen).. 14 II. Konditionenkartelle 19 III. Rabattkartelle 20 IV. Strukturkrisenkartelle V. Rationalisierungskartelle VI. Exportkartelle 28 VII. Importkartelle 29 VIII. Verkehrswirtschaft 29 IX. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei X. Banken und Versicherungen XI. Versorgungswirtschaft XII. Vertikale Preisbindungen XIII. Vertikale Preisempfehlungen XIV. Horizontale Empfehlungen XV. Bezugs- und Absatzbindungen, Ausschlialichkeitsund Kopplungsverträge XVI. Lizenzverträge 43 XVII. Marktbeherrschende Unternehmen Seite6 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag - 3. Wahlperiode XVIII. Kartellzwang, Boykott, Diskriminierung XIX. Seite Verfahren wegen Aufnahme in eine Wirtschaftsund Berufsvereinigung 48 XX. Wettbewerbsregeln 49 XXI. Verfahrensfragen Drittes Kapitel Anwendung des EWG-Vertrages; internationale Zusammenarbeit I. Zu Artikel 85 bis 90 EWG-Vertrag II. Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen 57 Viertes Kapitel Die Wettbewerbsbeschränkungen nach Wirtschaftsbereichen I. Bergbauliche Erzeugnisse (21), Mineralölerzeugnisse und Kohlewertstoffe (22) 58 II. Steine und Erden 61 III. Eisen und Stahl (27), NE-Metalle und -Metallhalbzeug (28), Gießereierzeugnisse (29), Erzeugnisse der Ziehereien und Kaltwalzwerke und der Stahlverformung (30) 66 IV. Stahlerzeugnisse (31), Maschinenbauerzeugnisse (32) 69 V. Landfahrzeuge (33), Wasserfahrzeuge (34), Luftfahrzeuge (35) 71 VI. Elektrotechnische Erzeugnisse (36) 72 VIL Feinmechanische und optische Erzeugnisse, Uhren (37) 73 VIII. Eisen-, Blech- und Metallwaren (38) 74 IX. Musikinstrumente, Spielwaren, Turn- und Sportgeräte, Schmuckwaren, bearbeitete Edelsteine (39) 77 X. Chemische Erzeugnisse (40 bis 49) 78 XI. XII. XIII. Feinkeramische Erzeugnisse (51), Glas und Glaswaren (52) 81 Schnittholz, Sperrholz und sonstiges bearbeitetes Holz (53), Holzwaren (54), Holzschliff, Zellstoff, Papier und Pappe (55), Papier- und Pappewaren (56), Druckereierzeugnisse, Lichtpaus- und verwandte Waren (57) 82 Kunststofferzeugnisse (58), Gummi- und Asbestwaren (59) 84 XIV. Leder, Lederwaren und Schuhe (62) 86 XV. Textilien (63) und Bekleidung (64) 86 XVI. Erzeugnisse der Ernährungsindustrie (68), Tabakwaren (69) 90 Fünftes Kapitel Das Konzentrationsproblem Anhang zum Tätigkeitsbericht 1959 des Bundeskartellamtes Geschäftsübersicht für das Jahr7 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 Vorwort Während der erste Tätigkeitsbericht des Bundeskartellamtes im wesentlichen die Probleme darstellte, die sich als besonders bedeutsam erwiesen hatten, gibt der zweite Bericht unter Berücksichtigung der Tätigkeit der Landeskartellbehörden einen Überblick über die Ergebnisse der Entscheidungspraxis des Bundeskartellamtes (Zweites Kapitel) sowie die Tätigkeit des Bundeskartellamtes in Verbindung mit internationalen Gemeinschaften (EWG, OEEC, GATT Drittes Kapitel). Außerdem wird der Versuch unternommen, die bisher festgestellten Wettbewerbsbeschränkungen, nach Wirtschaftsbereichen gegliedert, kurz zu charakterisieren. Da der für systematische Marktbeobachtungen zur Verfügung stehende Zeitraum noch zu kurz ist, um eine Auswertung der Beobachtungen vornehmen zu können, erfolgt die Darstellung im Grundsatz wertungsfrei. Nur in den Fällen, in denen eine spezielle Marktuntersuchung abgeschlossen werden konnte, werden erste Folgerungen aus den festgestellten Tatsachen angedeutet (Viertes Kapitel). Das Fünfte Kapitel enthält einige Überlegungen zum Problem der Konzentration. Die anhaltende Diskussion über den ersten Tätigkeitsbericht hat für die laufende Arbeit des Bundeskartellamtes manche wertvolle Anregung gegeben. Es hat sich gezeigt, daß sich ein großer Teil der Wirtschaft den Vorstellungen annäherte, die im grundsätzlichen Teil des ersten Tätigkeitsberichtes entwickelt worden waren. Am Ende des Jahres 1959 kann festgestellt werden, daß über folgende Ausgangspositionen kaum noch Meinungsverschiedenheiten bestehen: Das marktwirtschaftliche System ist, soweit es die politische und wirtschaftspolitische Lage erlauben, zu schützen und durchzusetzen. Dieses System ist das ökonomisch ergiebigste; es gewährt in hervorragendem Maße der Unternehmerpersönlichkeit die Möglichkeit der freien Entfaltung und der schöpferischen Gestaltung. 17. Zum Schutz der marktwirtschaftlichen Ordnung gegen Formen des Kollektivismus gehört die Aufgabe, den Leistungswettbewerb zu fördern, um. die Funktionsfähigkeit des Marktmechanismus zu erhalten. Die durch das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) angestrebte Wettbewerbsordnung beruht auf dem Prinzip der Selbststeuerung. Jeder Eingriff in einen funktionsfähigen Steuerungsmechanismus muß grundsätzlich verhindert werden, und zwar auch dann, wenn der Verbraucher im Verkäufermarkt zunächst höhere Preise zahlen muß, damit die Erzeugung angereizt wird, oder wenn der Produzent im Käufermarkt Verluste hinnehmen muß, damit die Erzeugung eingeschränkt wird. Nur dann kann dieser Mechanismus zu einem neuen Marktgleichgewicht führen. Jedoch ist der den Steue-8 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode rungsmechanismus bewirkende Leistungswettbewerb nur in Teilbereichen unserer Wirtschaft verwirklicht. Bestimmte Bereiche sind infolge gesetzlicher Regelungen oder punktueller staatlicher Interventionen ganz oder teilweise dem Leistungswettbewerb entzogen (z. B. Landwirtschaft, Verkehrswirtschaft, Wohnungswirtschaft, Versorgungswirtschaft, Banken und Versicherungen, Staatsmonopole). Es gibt ferner Bereiche, in denen Formen des oligopolistischen oder des monopolistischen Wettbewerbs wirksam sind, die den Marktmechanismus schon beträchtlich stören, aber noch mit keinem gesetzlichen Mittel verhindert werden können. Trotz der weitgehenden Übereinstimmung im Grundsätzlichen lehnen Teile der deutschen Wirtschaft nach wie vor das Verbotsprinzip ab und streben die Mißbrauchsgesetzgebung an. Aus dieser Einstellung erklären sich Versuche, das Gesetz durch Auslegung so weit abzuschwächen, daß es wie ein Mißbrauchsgesetz gehandhabt werden müßte Die Angriffe richten sich überwiegend gegen die Auslegung des 1 (Kartellverbot) und des 38 (Empfehlungsverbot) durch das Bundeskartellamt. Es wird ferner die Auffassung vertreten, daß das Bundeskartellamt Wettbewerbsbeschränkungen bei Vorliegen der formellen Voraussetzungen in allen Fällen selbst dann zuzulassen habe, wenn jeder wirksame Wettbewerb durch die Vereinbarung ausgeschlossen wird. Das Bundeskartellamt hat bei der Auslegung des 1 daran festgehalten, daß grundsätzlich alle Beschränkungen des Leistungswettbewerbs geeignet sind, die Marktverhältnisse zu beeinflussen. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, daß sich 1 offenbar nicht gegen alle Vereinbarungen richtet, die seinen weitgefaßten Tatbestand zu erfüllen scheinen. Allerdings darf das Verbotsprinzip nicht durch allgemeine Erwägungen über wirtschaftliche Zweckmäßigkeit eingeschränkt werden. Auch darf die Anwendung des 1 nicht von einer wesentlichen Beeinflussung der Marktverhältnisse abhängig gemacht werden, denn die Einfügung des Begriffes wesentlich" an dieser Stelle ist in den parlamentarischen Beratungen ausdrücklich abgelehnt worden (Protokoll des Ausschusses für Wirtschaftspolitik Nr. 147 vom 9. Januar 1957). Es wird vielmehr die Aufgabe der Kartellbehörde sein, den durch i geschützten Wettbewerb von solchen Arten des Wettbewerbs abzugrenzen, die nach der Zielsetzung des GWB nicht schützenswert erscheinen. Übereinstimmung besteht darüber, daß Wettbewerbshandlungen, die nach dem UWG oder seinen Nebengesetzen verboten sind, nicht in den Schutzbereich des 1 fallen. Daneben gibt es Wettbewerbshandlungen, die nicht mehr als schützenswert angesehen werden können, aber noch nicht gegen das UWG und seine Nebengesetze verstoßen. Dieser Bereich kann von der Wirtschaft selbst durch Wettbewerbsregeln ( 28 ff.) abgegrenzt werden. Es gibt ferner Vereinbarungen, die ihrer Art nach den zu schützenden Leistungswettbewerb noch nicht berühren mögen - z. B. einheitliche Leistungsbeschreibungen, Kalkulationsschemata, Betriebsvergleiche, einheitliche Maße und Gewichte, Messe- und Werberegeln, Selbstbeschränkungen im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.9 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 Aber auch dann, wenn selbst unter Berücksichtigung dieser Überlegungen der Tatbestand des 1 erfüllt ist, kann die Kartellbehörde das öffentliche Interesse an der Verfolgung ( 81 Abs. 2) verneinen, insbesondere, wenn die Wettbewerbsbeschränkung so unbedeutend ist, daß sie den an sich recht widerstandsfähigen Marktmechanismus nicht feststellbar behindert und daher der Ausgleich dem Selbstheilungsprozeß des im übrigen funktionierenden Leistungswettbewerbs überlassen werden kann. Die Abgrenzung des von 1 geschützten Leistungswettbewerbs sowie der Maßstab für das öffentliche Interesse im Sinne des 81 Abs. 2 können nicht allgemein, sondern nur fallweise bestimmt werden. Zur Handhabung des Empfehlungsverbots nach 38 werden immer wieder Forderungen und Wünsche, die eine Änderung der Bestimmungen bedingen würden, statt an den Gesetzgeber an das Bundeskartellamt gerichtet. 38 stellt eine weitgehende Verbotsregelung dar, die in der Praxis zu Schwierigkeiten geführt hat. Aus der Entstehungsgeschichte des Gesetzes ist nicht eindeutig zu erkennen, ob der Gesetzgeber die vielfältigen Sachverhalte bei der Formulierung des 38 Abs. 2 vollkommen berücksichtigt hat. Mit Sicherheit kann festgestellt werden, daß der Gesetzgeber die horizontale Empfehlung, abgesehen von der Mittelstandsempfehlung, ausschließen wollte. Fraglich dagegen ist, ob er die vertikale Empfehlung in gleicher Weise treffen wollte. Die durch die Formulierung des 38 Abs. 2 Satz 3 (Mittelstandsempfehlungen) aufgeworfenen Fragen haben noch nicht vollkommen gelöst werden können. Es ist die Frage entstanden, ob solche Empfehlungen an große, mittlere und kleine Unternehmen gemeinsam gerichtet werden können. Aus dem Gesetzeswortlaut kann geschlossen werden, daß sich die Empfehlungen ausschließlich an kleinere und mittlere Betriebe richten dürfen. Fraglich ist auch, ob der Gesetzgeber Empfehlungen an kleine und mittlere Unternehmen nur dann zulassen wollte, wenn sie gegenüber großen Unternehmen auf der gleichen Wirtschaftsstufe wirksam werden sollen, oder ob auch Verhaltensweisen gegenüber Großbetrieben oder großbetrieblichen Unternehmensformen auf der vor- oder nachgelagerten Stufe empfohlen werden dürfen. Geht man davon aus, daß der Gesetzgeber mit der Ausnahmeregelung des 38 Abs. 2 Satz 3 die Wettbewerbsfähigkeit der mittleren und kleinen Unternehmen ganz allgemein gegenüber großen verbessern wollte, dann läßt sich daraus folgern, daß Empfehlungen an mittlere und kleine Unternehmen unter Umständen auch dann gegeben werden dürfen, wenn sich diese Unternehmen auf der Angebotsoder Nachfrageseite monopolistischen oder monopolistisch organisierten Unternehmen gegenübersehen. Diese bei der Anwendung des 38 Abs. 2 aufgetretenen Schwierigkeiten werden sich wohl nur durch eine Umgestaltung dieser Vorschrift beseitigen lassen. Auch das Urteil des BGH vom 8. Oktober 1958 ( 4711") dürfte nur eine Notlösung darstellen, die überdies nur den Bereich der vertikalen Empfeh-10 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag - 3. Wahlperiode lungen für Markenwaren erfaßt und die bedeutsamen Fragen der Bruttopreislisten und sonstigen vertikalen Empfehlungen ungeklärt läßt. Trotz der Zulassung zahlreicher Wettbewerbsbeschränkungen will das Gesetz Wettbewerb soweit wie möglich erhalten. Das Gesetz und seine Ma terialien lassen erkennen, daß der zu schützende Marktmechanismus grundsätzlich funktionsfähig bleiben muß. Nur in Ausnahmefällen ist es möglich, den Wettbewerb völlig auszuschalten, so z. B., wenn anders die Folgen einer Strukturkrise nicht gemildert ( 4) oder eine im Interesse der Allgemeinheit erwünschte Rationalisierung ( 5 Abs. 3) auf andere Weise nicht erreicht werden könnten oder wenn eine völlige Ausschaltung des Wettbewerbs aus überwiegenden Gründen der Gesamtwirtschaft und des Gemeinwohls notwendig ist ( 8). Von diesen Fällen abgesehen, werden die Kartellbehörden die nach dem Gesetz möglichen Wettbewerbsbeschränkungen aber nicht schon dann zulassen dürfen, wenn die für den einzelnen Ausnahmetatbestand aufgestellten Erfordernisse erfüllt sind, sondern auch prüfen müssen, ob durch die Zulassung der Wettbewerbsbeschränkung der Marktmechanismus in solcher Weise beeinträchtigt wird, daß mit der Gefahr seiner Funktionsunfähigkeit gerechnet werden muß. Das wird immer dann der Fall sein, wenn die Wettbewerbsbeschränkung, die durch Anmeldung oder Erlaubnis wirksam werden soll, den auf diesem Markt noch möglichen Wettbewerb ausschaltet oder in seiner Wirksamkeit so herabmindert, daß er die Funktion der Selbststeuerung nicht mehr übernehmen kann. Die gleichen Erwägungen sind auch bei der Frage nach der Zulässigkeit einer Kombination mehrerer Wettbewerbsbeschränkungen anzustellen, sei es einer Kombination mehrerer horizontaler oder einer Kombination horizontaler mit vertikalen Wettbewerbsbeschränkungen, die grundsätzlich als zulässig angesehen werden müssen. Das Bundeskartellamt wurde auch im Berichtsjahr in seiner Auffassung bestärkt, daß Preisbindungen für Markenwaren infolge der mit ihnen verbundenen größeren Starrheit der Preise die notwendige Anpassung an Marktveränderungen nicht rechtzeitig und ausreichend ermöglichen. Das zeigt sich auch darin, daß weite Bereiche der Markenartikelindustrie zu horizontalen Rabatt- und Konditionenvereinbarungen greifen müssen, weil mangelnde Preisreagibilität zu übersteigerten Rabatt- und Konditionenkämpfen geführt hat. Die harten Rabattkämpfe mit der Folge eines kartellarischen,,rabattfriedens" werfen die Frage auf, ob solche Entwicklungen nicht durch schnellere Preisanpassung vermieden werden können. Der vielfach erhobene Vorwurf, daß die Anwendung der Wettbewerbsvorschriften des EWG-Vertrages durch das Bundeskartellamt zu einer Diskriminierung der deutschen Wirtschaft führe, ist wie im Dritten Kapitel näher dargelegt nicht gerechtfertigt. Die deutschen Unternehmen haben dem Artikel 85 ff. des EWG-Vertrages zum Teil schon von sich aus Rechnung getragen oder haben auf Anregung des Bundeskartellamtes ihre wettbewerbsbeschränkenden Vereinbarungen11 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 freiwillig so geändert, daß zu Eingriffen keine Veranlassung bestand. Die EWG-Kommission hat bisher keine Maßnahmen getroffen, die deutsche Unternehmen benachteiligen. Leitgedanke für die Anregungen des Bundeskartellamtes war, daß die Anwendung der kartellrechtlichen Vorschriften des EWG- Vertrages als Teil der Wettbewerbspolitik der Gemeinschaft in engem Zusammenhang mit den allgemeinen Zielen des Vertrages (Artikel 2) und mit dem schrittweisen Aufbau des Gemeinsamen Marktes (Artikel 8) erfolgen muß. Davon ausgehend hat das Bundeskartellamt jeweils die besonderen Wettbewerbsverhältnisse sowie die besonderen strukturellen und konjunkturellen Gegebenheiten in den von wettbewerbsbeschränkenden Vereinbarungen betroffenen Märkten in ihrem Verhältnis zur allgemeinen Entwicklung des Gemeinsamen Marktes in Betracht gezogen. Das Bundeskartellamt, das sich hierbei - wie im Dritten Kapitel näher dargelegt - in Übereinstimmung mit dem Bundesminister für Wirtschaft, der EWG-Kommission und den Kartellsachverständigen der anderen Mitgliedstaaten befindet, hat,sich zur Gewährleistung der gebotenen einheitlichen Wettbewerbspolitik der Gemeinschaft dafür eingesetzt, daß die kartellrechtlichen Vorschriften des Vertrages in allen Mitgliedstaaten in gleichem Maße angewendet werden und daß gegen alle Formen von Wettbewerbsbeschränkungen und -verfälschungen, die kartellähnliche Wirkungen haben, mit gleichem Nachdruck vorgegangen wird. Auch für die Zukunft wird das Bundeskartellamt darum bemüht bleiben, daß Wettbewerbsverzerrungen durch ungleiche Anwendung des EWG-Vertrages vermieden werden.12 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode ERSTES KAPITEL Aufbau und Gliederung des Bundeskartellamtes; Aufgaben der Abteilungen und Referate I. Aufbau Im zweiten Jahr der Tätigkeit des Bundeskartellamtes wurde der personelle Aufbau durch Errichtung einer 4. Beschlußabteilung am 1. Mai 1959 fortgesetzt. Die am 2. Juli 1958 zunächst nur in kommissarischer Besetzung gebildete 1. Einspruchsabteilung wurde am 1. Dezember 1959 endgültig besetzt. Ferner wurden seit dem 1. Januar 1959 die übrigen Abteilungen und die Referate weiter vervollständigt. Am 31. Dezember 1959 verfügt das Bundeskartellamt über 163 Bedienstete (53 Beamte davon 37 höherer Dienst, 97 Angestellte davon 30 höherer Dienst, 13 Lohnempfänger). Nachdem mit dem Haushaltsgesetz 1959 die im Haushaltsjahr 1958 angeordnete Sperrung von 8 Planstellen der 2. Einspruchsabteilung aufgehoben worden ist, ist beabsichtigt, bis zum Ende des Haushaltsjahres 1959 eine weitere Abteilung zu bilden. Der Bestand der Bibliothek an Büchern und Zeitschriften hat sich im Berichtszeitraum auf 7217 Exemplare erhöht. Einer für das Haushaltsjahr 1959 veranschlagten Gebühreneinnahme von , DM = , DM vierteljährlich steht in den ersten drei Vierteljahren des Rechnungsjahres (1. April bis 31. Dezember 1959) ein tatsächliches Gebührenaufkommen von insgesamt ,30 DM gegenüber. II. Gliederung Das Bundeskartellamt wird von einem Präsidenten geleitet, der von einem Vizepräsidenten vertreten wird. Dem Vizepräsidenten sind das Verwaltungsund das Rechtsreferat unmittelbar unterstellt. Bis zum 30. November 1959 hatte der Vizepräsident außerdem den Vorsitz in der Einspruchsabteilung Das Bundeskartellamt gliedert sich in 4 Beschlußabteilungen, 2 Einspruchsabteilungen (davon eine noch nicht errichtet), 1 Abteilung Wirtschaftsbeobachtung und Betriebsprüfungen, 1 Rechtsreferat, 1 Verwaltungsreferat. Den Beschlußabteilungen obliegen die vom Bundeskartellamt zu treffenden Entscheidungen sowie die Vorbereitung von Anträgen auf Festsetzung eines Bußgeldes und Vertretung des Bundeskartellamtes in Bußgeldverfahren vor dem Gericht ( 38, 81 ff.), den Einspruchsabteilungen die Entscheidungen über Einsprüche gegen Verfügungen der Beschlußabteilungen. Die Abteilung Wirtschaftsbeobachtung und Betriebsprüfungen gliedert sich in drei volkswirtschaftliche und ein betriebswirtschaftliches Referat. Den volkswirtschaftlichen Referaten obliegt die allgemeine Beobachtung der Markt- und Wettbewerbsverhältnisse in den verschiedenen Wirtschaftszweigen; auch haben sie in anhängigen Verfahren spezielle Marktuntersuchungen auf Anforderungen der Beschluß- und Einspruchsabteilungen durchzuführen. Das betriebswirtschaftliche Referat liefert den Beschluß- und Einspruchsabteilungen zur Vorbereitung von Entscheidungen Berichte über Betriebs- und Unternehmensverhältnisse, über die Kostenstruktur einzelner Unternehmen und über das Marktverhalten von Unternehmen aus betriebswirtschaftlicher Sicht, die sich soweit erforderlich auf Einsicht und Prüfung der Geschäftsunterlagen der Unternehmen durch einen Betriebsprüferstab stützen ( 46). Dem Rechtsreferat obliegen neben der Abgabe von Stellungnahmen des Bundeskartellamtes vor den Gerichten in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten ( 90) insbesondere die Beobachtung der deutschen, ausländischen und supranationalen (EWG, Montanunion) Gesetzgebung und Rechtsprechung sowie die Erstattung von Gutachten, ferner die Bearbeitung der allgemeinen Anfragen zur Anwendung und Auslegung des GWB. Außerdem sind dem Rechtsreferat die Führung des Kartellregisters ( 9, 99 Abs. 3 und 103 Abs. 3) und des Registers für Wettbewerbsregeln ( 28) sowie die Bestätigung der Anmeldungen von Preisbindungen für Markenwaren ( 16 Abs. 4) übertragen. Im Verwaltungsreferat sind die Bewirtschaftung der dem Bundeskartellamt im Einzelplan zugewiesenen Haushaltsmittel, die Personalverwaltung und die Organisationsaufgaben zusammengefaßt. Ferner sind ihm zugeordnet die Geschäftsstelle, die Zentralregistratur, der Sprachendienst, die Bibliothek, die Kanzlei, die Poststelle, der Fernsprech- und Fernschreibdienst, die Vervielfältigungsstelle sowie der Pförtner-, Amtsgehilfen- und Kraftfahrzeugdienst. Zur Erleichterung der Einsichtnahme in die Register liegen bei dem Bundesminister für Wirtschaft und bei den Kartellbehörden der Länder Abschriften des Kartellregisters und des Registers für Wettbewerbsregeln zur Einsicht aus.13 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 Präsident 1)r, Gunther Vizepräsident Dr. Rauschenbach Referat Verwaltung Regierungs rat Weber Referat Recht Oberregie rungsrat Dr, Koenigs Register 1. Abteilung Bergbauliche Er zeugnisse, Mineralöl rzeugnisse und Kohlenwertstoffe, Steine und Erden, Eisen und Stahl (Erzeugnisse der Hochofen Stahl- und Warmwalz werke sowie der Schmiede, Preß und Hammerwerke), NE-Metalle und Metallhalbzeug (einschließlich Edelmetalle und deren Halb zeug), Gießereierzeug nisse, Erzeugnisse der Ziehereien und Kaltwalzwerke und der Stahl verformung, Stahlbauerzeug nisse, Maschinenbau erzeugnisse (einschließlich Lokomotiven und Acker schlepper), Landfahrzeuge (ohne Schienen fahrzeuge, Ackerschlepper und Elektrofahr zeuge), Wasserfahr zeuge, Luftfahrzeuge (einschließlich Flugbetriebs Rettungs-, Sicherheits- und Bodengeräte), Wasser- und Energiever sorgung Beschlußabteilungen 2. Abteilung Feinmechanische und optische Erzeugnisse: Uhren, Eisen-, Blechund Metall waren, Musikinstru mente, Spiel waren, Turnund Sportge räte, Schmuck waren, bearbei tete Edelsteine, Leder, Lederwaren und Schuhe, Textilien, Bekleidung, Erzeugnisse der, Ernährungs industrie, Tabakwaren, Bauwirtschaft (ohne Bauhand werk und ohne Baugenossen schaften), Land- und Forstwirtschaft, Garten- und Weinbau, Fischerei und Jagd 3. Abteilung Chemische Erzeugnisse einschließlich Düngemittel, Kunststofferzeug nisse, Gummiund Asbest waren, Geld-, Bank- und Bör senwesen, Versicherungen, Schnittholz, Sperrholz und sonstiges bearbeitetes Holz, Holzwaren (einschließlich Erzeugnisse aus natürlichen Schnitz- und Formstoffen), Holzschliff, Zell stoff, Papier und Pappe, Papier- und Pappewaren, Druckereiereugnisse, Lichtpaus- und verwandte Waren, Handwerk, sonstige Dienst leistungen, Freie Berufe 4. Abteilung Elektrotech nische Erzeug nisse, Feinkeramische Erzeugnisse, las und Glas waren, Kulturelle Lei stungen, Film wirtschaft, Verkehrs- und Fernmelde wesen, Lizenzverträge nach 20 und 21 GWB Gegenüber dem Handel und Handelshilfsgewerbe, den Genossen schaften und hinsichtlich der Wettbewerbsregeln richtet sich die Zuständigkeit je nach Branche Einspruchs abteilungen 1. Abteilung 2. Ab teilung Noch nicht errichtet Alle Entscheidun en über Einsprüche gegen Entscheidun gen der Beschluß abteilungen -e -g Abtei uno Wirtschafts beobachtung und Betriebs prüfungen NN Referat 1 Wirtschafts struktur und Wirtschafts entwicklung Ober regierungs rat Griesbach Referat 2 Marktstruk turen und Marktent wicklung: Industrie Regierungs rat Dr. Christi Referat 3 Marktstruk turen und Marktent wicklung: Landwirt schaft, Hand werk, Dienst leistungen, Ausnahmen Dr. Bonner (Komm.) Referat 4 Betriebe und Unter nehmen Dr. Dürr hammer Alle Sachentscheidungen, Stellung der Anträge und Vertretung vor den OLG und vor dem Bundesgerichtshof in Bußgeldsachen Leitender Regierungsdirektor Lanzenberger Direktor beim Bundes kartellamt Wirz Direktor beim Bundes kartellamt Starck Leitender Regierungsdirektor Bandasch Direktor beim Bundes kartell amt Dr. Ewald14 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Personelle Entwicklung des Bundeskartellamtes Ins gesamt Beamte Angestellte davon davon Ins Ins Arbeiter gesamt höherer gesamt höherer sonstige Dienst sonstige Dienst Stellensoll Januar Dezember ZWEITES KAPITEL Einzelfragen der Anwendung des Gesetzes I. Zu 1 (Unwirksamkeit von Kartellverträgen) In zahlreichen Verfahren mußte sich das Bundeskartellamt mit der Frage befassen, ob Verträge oder Beschlüsse, die dem Amt durch Beschwerden Betroffener bekanntwurden, vielfach aber auch von den Beteiligten selbst unterbreitet wurden, unter 1 fallen. Eine Anzahl Verfahren, in deren Verlauf sich herausstellte, daß die vermuteten wettbewerbsbeschränkenden Verträge oder Beschlüsse vor Inkrafttreten des GWB zustande gekommen und nach dem 1. Januar 1958 nicht mehr angewandt worden sind, wurden eingestellt, weil für die Verfolgung dieser Fälle wegen ihrer geringen Bedeutung kein öffentliches Interesse bestand oder wegen des Zeitablaufs mit einer vollständigen Aufklärung nicht mehr zu rechnen war. 14 Verfahren fanden im Berichtszeitraum dadurch ihr Ende, daß die beteiligten Unternehmen auf Grund der Abmahnung des Bundeskartellamtes die beanstandeten Verträge oder Beschlüsse aufhoben oder abänderten. Bußgeldanträge sind im Jahre 1959 vom Bundeskartellamt nicht gestellt worden. Aus den im Tätigkeitsbericht 1958 Bundestagsdrucksache 1000 S. 40 dargelegten Gründen hat das Bundeskartellamt auch in diesem Jahr davon abgesehen, allgemeine Grundsätze zur Auslegung der Tatbestandselemente des 1 aufzustellen. Es hat sich vielmehr auf die Entscheidung des jeweiligen Einzelfalles beschränkt, um daraus sich allmählich allgemeine Grundsätze entwickeln zu lassen. Die Erfahrungen im Berichtszeitraum haben die Richtigkeit dieses Vorgehens bestätigt. Die Praxis des Bundeskartellamtes zu 1 darf nicht isoliert betrachtet werden. 1 bildet mit den folgenden 2 bis 8 eine Einheit; die rechtliche und wirtschaft liche Bedeutung des 1 hängt weitgehend von der Anwendung und Auslegung der 2 bis 8 durch die Kartellbehörden ab. Da Verträge und Beschlüsse im Sinne des 1 häufig der zivilrechtlichen Durchsetzbarkeit nicht bedürfen, kommt auch der Handhabung des 81 Abs. 2 durch die Kartellbehörden erhebliche Bedeutung zu. Wiederholt war zur Auslegung des Begriffs Unternehmen", insbesondere hinsichtlich der öffentlichen Hand sowie der sogenannten freien Berufe, Stellung zu nehmen. In mehreren Verfahren hat das Bundeskartellamt die Ansicht vertreten, daß die öffentliche Hand nach 98 Abs. 1 jedenfalls dann als Unternehmen im Sinne des GWB anzusehen ist, wenn sie, sei es auch zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben, im geschäftlichen Verkehr privatrechtliche Rechtsgeschäfte vornimmt und dabei nicht nur wie ein sonstiger Verbraucher den Bedarf ihrer Organisation befriedigt, sondern in Erfüllung ihrer Aufgaben auch den Bedarf Dritter deckt. Aus der Eigenschaft als Unternehmen im Sinne des GWB folgt jedoch noch nicht zwangsläufig die Anwendbarkeit aller Bestimmungen des GWB. Ob - und inwieweit das GWB Anwendung findet, hängt vielmehr davon ab, ob eine dem GWB vorgehende gesetzliche Sonderregelung für diesen Aufgabenbereich der öffentlichen Hand besteht. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Unternehmenseigenschaft der Sozialversicherungsträger im Verhältnis zu ihren Lieferanten bejaht und, soweit die RVO keine Sonderregelnug vorsieht, das GWB als anwendbar angesehen worden, insbesondere 26. Das Landgericht Berlin im Urteil vom 3. April Kart 34/58 und das Kammergericht im Berufungsurteil vom 8. Dezember U Kart 1153/59 sind hinsichtlich der Stellung der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin gegenüber den Apotheken zum gleichen Ergebnis gelangt. Aus den gleichen Gründen ist das Bundeskartellamt in15 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 einem Verfahren davon ausgegangen, daß die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wenigstens in dem Umfang als Unternehmen im Sinne des GWB angesehen und behandelt werden müssen, in dem sie auf dem Gebiet des Werbefernsehens tätig sind. Bei den freien Berufen ist außer ihrer Eigenschaft als Unternehmen auch die Frage streitig, ob die freien Berufe gewerbliche Leistungen" im Sinne des 1 Abs. i Satz 1 erbringen. Im Rahmen eines an den Bundesverband der Vereidigten Buchprüfer und Bücherrevisoren e. V. gerichteten Auskunftsbeschlusses nach 46 hat das Bundeskartellamt beide Fragen bejaht. Gegen die Entscheidung ist Beschwerde eingelegt worden, über die noch nicht entschieden ist'). Das Amt sieht sowohl den Unternehmensbegriff als auch den Begriff der gewerblichen Leistungen" im GWB als eigenständige Begriffe an, die nicht aus dem Handels-, Gewerbeoder Steuerrecht zu entnehmen sind, sondern für deren Auslegung Sinn und Zweck des GWB maßgebend sein müssen. Im gleichen Sinn hat der Kartellsenat des Bundesgerichtshofs im Urteil vom 26. Oktober KZR 2/59-entschieden. Das GWB will vertragliche Beschränkungen des Wettbewerbs bei der Erzeugung und beim geschäftlichen Verkehr mit Waren oder gewerblichen Leistungen unterbinden. Durch den Zusatz gewerblich" sollten Abreden über den Inhalt von Arbeitsverhältnissen aus dem Anwendungsbereich des GWB ausgeschlossen und die Koalitionsfreiheit der Sozialpartner gewahrt bleiben, wie die amtliche Begründung zeigt. Mit dem Begriff gewerbliche Leistungen" war jedoch nicht eine weitere Einschränkung des Anwendungsbereichs des GWB, insbesondere eine allgemeine Freistellung der Leistungen der freien Berufe beabsichtigt. Einige freie Berufe mögen allerdings in mehr oder minder großem Umfange von der Geltung des GWB ausgenommen sein. Solche Ausnahmen können sich aus den Bestimmungen besonderer Gesetze, namentlich aus dem für einen bestimmten Beruf geschaffenen Berufsrecht, ergeben, die das Verhalten der Berufsangehörigen regeln und erkennen lassen, daß der Gesetzgeber in diesem Beruf entweder den Wettbewerb allgemein oder jedenfalls bestimmte Formen des Wettbewerbs nicht für zweckmäßig hält. In demselben Sinn hat das Landgericht Berlin in dem oben zitierten Urteil hinsichtlich der Apotheker entschieden. Ebenso wie die vereidigten Buchprüfer haben sich auch andere Verbände freiberuflich Tätiger, z. B. Landschafts- und Gartenarchitekten, Formgestalter und Werbeberater auf den Standpunkt gestellt, daß ihre Mitglieder keine Unternehmen seien und keine gewerblichen Leistungen im Sinne des 1 erbrächten. Ob das GWB für die freien Berufe gilt, ist deshalb von großer praktischer Bedeutung, weil zahlreiche Verbände der freien Berufe Gebührenordnungen" durch Verbandsbeschluß aufstellen und die Beachtung der darin aufgestellten Gebührensätze" zur Standespflicht machen oder empfehlen wollen. 1) Beschwerde am 12. Januar 1960 zurückgewiesen, Aktenzeichen 5 Kart V 4/59 Das Bundeskartellamt hat diese Verbände stets darauf hingewiesen, daß verbindliche Verbandsbeschlüsse über einheitliche Gebühren" verbotene Preiskartelle darstellten und daß auch entsprechende Empfehlungen durch die Verbände nach 38 Abs. 2 Satz 2 unzulässig seien. Eine Anzahl freier Berufe, insbesondere die Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Buchprüfer, erstreben eine Regelung ihrer Gebühren" durch Gesetz oder Verordnung. Die Erörterung dieser Wünsche in den gesetzgebenden Körperschaften und die auf die Beschwerde der vereidigten Buchprüfer zu erwartende gerichtliche Entscheidung 1) über die Anwendbarkeit des 1 auf freie Berufe haben das Bundeskartellamt veranlaßt, sich zunächst auf Ermittlungen und Abmahnungen zu beschränken. In ähnlicher Weise wie die freien Berufe versuchen auch die Verbände einer Anzahl von Dienstleistungsberufen, z. B. Buchmacher und Detektive, zu verfahren und durch Aufstellung privater Gebührenordnungen" die Entgelte für ihre Leistungen zu regeln. Daneben geben einige Verbände als Wettbewerbsgrundsätze oder Wettbewerbsregeln bezeichnete Richtlinien für das geschäftliche Verhalten ihrer Mitglieder heraus, die nicht nur Grundsätze des lauteren Wettbewerbs festlegen, sondern auch Preis-, Rabatt- und Konditionenregelungen enthalten. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Schwierige juristische und volkswirtschaftliche Fragen ergeben sich bei der Prüfung, ob ein Vertrag oder Beschluß geeignet ist, die Erzeugung oder die Marktverhältnisse durch Beschränkung des Wettbewerbs zu beeinflussen. Das Bundeskartellamt hat bereits wiederholt die Auffassung vertreten, daß die Marktbeeinflussung durch Beschränkung des Wettbewerbs vom gemeinsamen Zweck des Kartellvertrages nicht umfaßt zu sein braucht, sondern daß es ausreicht, wenn der Vertrag oder Beschluß objektiv geeignet ist, die Marktverhältnisse durch Beschränkung des Wettbewerbs zu beeinflussen. Das Amt hat dies aus den Worten in 1 soweit sie geeignet sind" geschlossen; denn mit dieser Fassung hat der Gesetzgeber ausdrücklich die unter der Geltung der Kartellverordnung von 1923 aufgetretene Frage verneint, ob zum Kartellbegriff die Absicht der Marktbeeinflussung gehört. Der Bundesgerichtshof hat diese Ansicht in dem oben erwähnten Urteil vom 26. Oktober 1959 bestätigt. In diesem Zusammenhang ist die weitere Frage aufgetreten, ob die Eignung eines Vertrages zur Beeinflussung der Marktverhältnisse durch Beschränkung des Wettbewerbs eine rechtliche Beschränkung der Handlungsfreiheit der Beteiligten voraussetzt. Dem Bundeskartellamt liegen 3 Fälle vor, in denen Gesellschafter sich ursprünglich zur Benutzung einer gemeinsamen Verkaufsstelle für ihre Erzeugnisse verpflichtet hatten, diese Verpflichtung aber nach Inkrafttreten des GWB oder bereits auf Grund der Dekartellierungsgesetze der ehemaligen Besatzungsmächte aufgehoben haben. Dennoch benutzen sie die gemeinsame Verkaufsstelle weiter, verhalten sich also faktisch wie ein Syndikat. Das Bundeskartellamt prüft zur Zeit, ob das Bestehen der Verkaufs-16 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode stelle in Verbindung mit der Tatsache, daß die Unternehmen sich ihrer ganz überwiegend zum Absatz ihrer Erzeugnisse bedienen, eine Marktbeeinflussung durch Wettbewerbsbeschränkung darstellt. In größerer Zahl sind dem Bundeskartellamt Gütezeichensatzungen zur Prüfung vorgelegt worden. Das Amt sieht Gütezeichengemeinschaften unter den im Tätigkeitsbericht 1958 Bundestagsdrucksache 1000 S. 39 dargelegten Voraussetzungen nicht als Kartelle nach 1 an. Ihre Satzung muß aber so gefaßt sein, daß Einwirkungen auf die Preisgestaltung der Mitglieder, Diskriminierung und Marktspaltung vermieden werden und jedes durchschnittliche Unternehmen der betreffenden Branche Mitglied der Gemeinschaft werden kann. Zugrunde zu legen ist daher eine nach objektiven Maßstäben meßbare Güte. Es ist unzulässig, die Verleihung des Gütezeichens außer von der objektiv nachprüfbaren Güte des Erzeugnisses von besonderen Anforderungen an die Person des Herstellers oder die technische Einrichtung seines Betriebes abhängig zu machen. Auf Grund der Bedenken des Bundeskartellamtes haben einige Verbände davon abgesehen, die Befugnis zur Führung eines Gütezeichens mit der Verpflichtung oder Empfehlung zu verbinden, bestimmte Höchstoder Mindestpreise für die gütegesicherte Ware einzuhalten. Noch nicht entschieden wurde die Frage, ob Träger eines Gütezeichens nur ein Zusammenschluß der Hersteller sein kann, die sich lediglich zur Einhaltung der Gütebestimmungen verpflichtet haben, oder auch eine Vereinigung, die sich allgemein mit der Förderung der Interessen eines Wirtschaftszweiges befaßt. Jedenfalls wird zu fordern sein, daß jedes an der Führung des Gütezeichens interessierte Unternehmen die Möglichkeit hat, Mitglied der Vereinigung zu werden, die Trägerin des Gütezeichens ist, um bei der Aufstellung der Gütezeichensatzung und der Durchführungsbestimmungen mitwirken zu können. Es reicht also nicht aus, daß die Berechtigung zur Führung des Gütezeichens ohne Mitgliedschaft erworben werden kann. Die den Gütezeichengemeinschaften verwandten RAL (Reichsausschuß für Lieferbedingungen und Gütesicherung) Vereinbarungen, nach denen bestimmte Begriffe (z. B. Chronometer") nur zur Kennzeichnung solcher Waren benutzt werden dürfen, die besonderen, genau festgelegten Qualitätsanforderungen genügen, hielt das Bundeskartellamt in den ihm vorgelegten Fällen für unbedenklich. Zahlreiche Verfahren betrafen die Überprüfung von Auftrags-, Preis- und Umsatzmeldeverfahren. In verschiedenen Wirtschaftszweigen werden Auftragsmeldeverfahren unterschiedlicher Art praktiziert. Zum Teil melden die beteiligten Unternehmen nur Ausschreibungen oder Anfragen von Auftraggebern an die Meldestelle, ohne anzugeben, ob und in welcher Höhe sie ein Angebot abgeben wollen; zum Teil melden sie aber zugleich die Absicht eines Angebotes oder sogar dessen Höhe. Die Meldestelle gibt diese Angaben an die angeschlossenen Unternehmen weiter. Das Bundeskartellamt beobachtet diese Verfahren mit besonderer Aufmerksamkeit. Es hat die Meldestellen auf die Gefahr hingewiesen, daß derartige Verfahren zu unzulässigen Preisabsprachen führen können; in diesem Falle müßten die Meldestellen mit einem Bußgeldverfahren wegen Beihilfe zu der von den Mitgliedern begangenen Ordnungswidrigkeit rechnen. Gegen diese Verfahren hat der Erlaß des Ministers für wirtschaftlichen Besitz des Bundes vom 25. Mai 1959 III A/ /59 für den Bereich der öffentlichen Bauvergabe Vorkehrungen zu treffen versucht. Der Auftragnehmer soll mit dem Angebot die Versicherung abgeben, daß er sich an einem derartigen Meldeverfahren nicht beteiligt hat. Die Versendung von Musterkalkulationen für ausgeschriebene Bauvorhaben vor dem Submissionstermin durch ein Unternehmen, das sich mit der Ausarbeitung derartiger Kalkulationen für die Bezieher seines Kalkulationsdienstes befaßt, erscheint aus den gleichen Gründen wie das oben behandelte Meldesystem bedenklich. Im Rahmen der noch laufenden Ermittlungen wird geprüft, ob durch die Veröffentlichung solcher Musterkalkulationen Empfehlungen ausgesprochen werden, die eine Umgehung von Verboten des GWB bewirken. Das gleiche geschieht in einem Falle, in dem der als Meldestelle tätige Verband den beteiligten Unternehmen einen von ihm ermittelten sogenannten Verbandspreis mitgeteilt hat, den die Empfänger ihren Angeboten zugrunde legen sollten. Mehrere Preismeldeverfahren, bei denen die beteiligten Unternehmen von den gemeldeten Preisen erst abweichen dürfen, nachdem sie der Treuhandstelle neue Preislisten eingereicht haben, und zum Teil noch zusätzlich eine Wartefrist einhalten müssen, wurden aus den bereits im Tätigkeitsbericht 1958 Bundestagsdrucksache 1000 S. 39, 40 dargelegten Gründen als nach 1 unzulässige Verträge beanstandet, ebenso das in einem Falle zusätzlich vereinbarte Verbot, im Einzelfall von der Preisliste abzuweichen und bestimmten Abnehmern günstigere Preise oder Konditionen einzuräumen (sogenannter Nichtdiskriminierungsvertrag). Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Dagegen wurden gegen die Meldung von Preisen nach Zuschlag oder Geschäftsabschluß und deren Weitergabe durch die Meldestelle keine Bedenken erhoben, solange die Meldestelle ihre Tätigkeit auf die Zusammenstellung einer Marktstatistik beschränkt und nicht versucht, durch Auswahl oder Zusammenfassung der Angaben oder in sonstiger Weise auf die Preisbildung der Unternehmen Einfluß zu nehmen. Die Aufstellung und Handhabung von Exportpreisspiegeln sieht das Bundeskartellamt dann als kartellrechtlich unbedenklich an, wenn sie im Einklang mit dem Runderlaß Außenwirtschaft 89/54 und ohne Bindung der Hersteller oder Exporthändler an die Exportspiegelpreise erfolgt. Eine solche Bindung liegt bereits in der Verpflichtung, ein beabsichtigtes Abweichen vom Exportpreisspiegel vorher zu melden. Gegen eine nachträgliche Meldung von Abweichungen bestehen hingegen keine Bedenken, auch wenn der Hersteller vertikal seine Abnehmer (= Exporthändler) zur Abgabe derartiger Meldungen verpflichtet. Die dritte Gruppe von Meldesystemen, mit denen das Bundeskartellamt sich zu befassen hat, sind die17 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Drucksache 1795 Gesamtumsatzmeldeverfahren, die in einer größeren Zahl von Wirtschaftszweigen praktiziert werden. U. a. bestehen solche Gesamtumsatzmeldeverfahren bei Glühlampen, Elektroinstallationsmaterial und Kabeln. In diesen Fällen wurden schon vor Jahren Meldestellen eingerichtet, die den Gesamtumsatz eines jeden Abnehmers durch Zählung seiner Bezüge bei den angeschlossenen Herstellern feststellen, und wurden von den Herstellern Beschlüsse über die Gewährung von Rabatten nach dem Gesamtumsatz, z. T. auch über einheitliche Rabattstaffeln, gefaßt. Das Bundeskartellamt hat die beteiligten Unternehmen darauf hingewiesen, daß bereits die Vereinbarung, Rabatte auf Grund des Gesamtumsatzes eines Abnehmers zu gewähren, eine wettbewerbsbeschränkende Vereinbarung im Sinne des 1 ist, weil das Unternehmen über die Art seines Rabattes nicht mehr frei entscheiden kann. Die Unternehmen wurden aufgefordert, entweder das Verfahren einzustellen oder eine Anmeldung nach 3 vorzunehmen. Die Hersteller von Elektroinstallationsmaterial haben inzwischen ihr Verfahren nach 3 angemeldet, die Hersteller von Kabeln haben es eingestellt. In einer Anzahl weiterer Fälle haben die Hersteller ebenfalls eine Meldestelle mit der Zählung und Meldung der Umsätze betraut und rabattieren auch nach dem Gesamtumsatz ihrer Abnehmer. Sie behaupten jedoch, daß zwischen ihnen über die Errichtung der Meldestelle und die Rabattierung nach dem Gesamtumsatz keine Vereinbarung bestehe. Das Bundeskartellamt prüft zur Zeit, ob ein derartiges gleichförmiges Verhalten nicht doch auf eine ausdrückliche oder durch schlüssiges Verhalten begründete Vereinbarung im Sinne des 1 zurückgeführt werden muß. Dagegen hat die Leitungsdrahtindustrie das seit Jahren angewandte Gesamtumsatzrabatt-System aufgegeben, weil es wegen des starken Wettbewerbs laufend zu Rabattüberbietungen kam, und ist zu Individualrabatten übergegangen. Es besteht nur noch die Umsatzmeldestelle, die alle ihr von den angeschlossenen Herstellern gemeldeten Umsätze erfaßt und zu Statistiken zusammenstellt, die den Herstellern zugeleitet werden. Da diese Meldestelle nur der Marktstatistik dient, ist ihre Tätigkeit kartellrechtlich unerheblich. Schließen sich Unternehmen verschiedener Wirtschaftszweige zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, um ein Bauvorhaben oder einen industriellen Großauftrag gemeinsam auszuführen, ist 1 GWB nicht verletzt, da die beteiligten Unternehmen nicht im Wettbewerb miteinander stehen. Eine Arbeitsgemeinschaft mehrerer gleichartiger Unternehmen ist dann zulässig, wenn die beteiligten Unternehmen allein zur Ausführung des Auftrages nicht in der Lage sind. Ob die Arbeitsgemeinschaft dazu dient, eine Beteiligung am Wettbewerb erst zu ermöglichen, oder ob ihre Wirkung darin besteht, durch Beschränkung des Wettbewerbs die Marktverhältnisse zu beeinflussen, kann nur unter Berücksichtigung aller Umstände im Einzelfall entschieden werden. Aus der Praxis des Bundeskartellamtes in der Berichtszeit sind weiterhin folgende Fälle hervorzuheben: Dem Bundeskartellamt liegt ein Gesellschaftsvertrag vor, der wegen der darin enthaltenen Wettbewerbsbeschränkungen einer Erlaubnis nach 5 Abs. 2 und 3 bedürfte. Die Gesellschafter sind jedoch der Auffassung, ihr Marktanteil sei so gering, daß der Vertrag nicht geeignet sei, die Erzeugung oder die Marktverhältnisse durch Beschränkung des Wettbewerbs zu beeinflussen; sie haben es daher abgelehnt, einen Erlaubnisantrag zu stellen. Die Ermittlungen über die tatsächliche Höhe des Marktanteils sind noch nicht abgeschlossen. Sollten die Angaben der Gesellschafter zutreffen, so wird das Amt darüber zu entscheiden haben, ob dem Tatbestandselement des 1 Eignung zur Beeinflussung der Erzeugung oder der Marktverhältnisse durch Beschränkung des Wettbewerbs ein quantitatives Element innewohnt oder ob ein etwaiger ungewöhnlich geringer Einfluß der Wettbewerbsbeschränkung auf die Marktverhältnisse nur im Rahmen des 81 Abs. 2 zu berücksichtigen ist. In einem anderen Fall haben 11 Industrieunternehmen die Herstellung der wenig gängigen Sorten ihres Herstellungsprogramms, die nach ihren Angaben nur etwa 2 v. H. des Gesamtumsatzes ausmachen, untereinander derart aufgeteilt, daß jedes Unternehmen bestimmte Sorten ausschließlich herstellt. Jedes Unternehmen ist aber verpflichtet, die von ihm ausschließlich produzierten Sorten allen anderen Beteiligten zu liefern und zu diesem Zweck stets einen größeren Vorrat zu unterhalten, damit jedes Unternehmen seine Abnehmer mit dem ganzen umfangreichen Sortiment versorgen kann. Die Arbeitsgemeinschaft ist der Auffassung, daß durch diese Regelung der Wettbewerb nicht beschränkt werde und der Vertrag deswegen nicht unter 1 falle. Dagegen hält das Bundeskartellamt den Verzicht der einzelnen Unternehmen auf die Entscheidungsfreiheit über ihr Produktionsprogramm für eine Wettbewerbsbeschränkung nach 1 und hat die Arbeitsgemeinschaft aufgefordert, einen Erlaubnisantrag nach 5 Abs. 2 zu stellen. In zwei Fällen wurde dem Bundeskartellamt bekannt, daß Herstellerunternehmen die Benutzung gemeinsamer Vertriebsgesellschaften vereinbart haben. In einem Fall haben die Ermittlungen bereits ergeben, daß ein erlaubnisbedürftiges Syndikat vorliegt. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Mehrfach hatte das Bundeskartellamt sich ferner mit Vorgängen zu befassen, in denen Wettbewerbsbeschränkungen als Nebenabreden in Gesellschaftsoder Austauschverträgen oder in Verträgen vereinbart worden waren, mit denen die Beteiligten die Erhöhung der technischen Sicherheit oder die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Unternehmer selbst und ihre Arbeitnehmer erstrebten. Zur erstgenannten Gruppe gehören Wettbewerbsverbote, wie sie etwa beim Ausscheiden von Gesellschaftern, bei der Veräußerung von Unternehmen oder in Mietverträgen über Geschäftsräume vorkommen. Sofern es sich dabei überhaupt um18 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Verträge zwischen Unternehmen zu einem gemeinsamen Zweck und nicht um Vereinbarungen im Sinne des 18 handelt, erwägt das Bundeskartellamt, derartige Wettbewerbsverbote, soweit sie nicht über das nach den Umständen des Falles notwendige Maß hinausgehen, als Bestandteile anderer von der Rechtsordnung anerkannter Rechtsgeschäfte anzuerkennen, die durch das Verbot des 1 nicht erfaßt werden sollten. Das gleiche gilt für das Wettbewerbsverbot der Gesellschafter einer bestehenden, kartellrechtlich zulässigen Gesellschaft, soweit es über den zur Sicherung und Förderung des Gesellschaftszweckes erforderlichen Umfang nicht hinausgeht. Ein Beispiel für die zweite Fallgruppe ist die Vorschrift des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE), durch die mit Wirkung vom 1. November 1959 Abzweigstecker auch mit Berührungsschutz und Schutzkontakt" für unzulässig erklärt worden sind. Da die VDE-Regeln auf dem Gebiet der Elektrotechnik allgemein beachtet werden, obwohl sie nicht verbindlich sind, kommt diese Vorschrift faktisch einem Verbot der Abzweigstecker gleich. Sie ist daher in mehreren an das Bundeskartellamt gerichteten Eingaben sowie in der Tagespresse als Verbot" der Doppelstecker beanstandet worden. Das Bundeskartellamt hat jedoch keinen Anlaß zum Einschreiten gesehen. Der VDE ist ein gemeinnütziger Verband zur Förderung der Elektrotechnik. Zu seinen satzungsgemäßen Aufgaben gehört die Ausarbeitung, Veröffentlichung und Auslegung des VDE-Vorschriftenwerkes sowie das Prüfwesen. Die nach feststehenden Richtlinien ausgearbeiteten Vorschriften sind Bestimmungen, die die Gefährdung von Personen und Nutztieren sowie Brand, Sachschäden und Betriebsstörungen verhindern sollen; sie gelten nach 1 der 2. Durchführungsverordnung zum Energiewirtschaftsgesetz als anerkannte Regeln der Elektrotechnik. Das vom VDE den Herstellern VDE-gemäßer Erzeugnisse verliehene Prüfzeichen ist kein Gütezeichen, sondern ein Sicherheitszeichen. Die vom VDE ausgesprochene und allgemein befolgte Empfehlung, nur mit dem VDE-Zeichen versehene Waren herzustellen, zu vertreiben und zu installieren, hat daher nicht eine Umgehung des in 1 ausgesprochenen Verbotes bewirkt, denn 1 will nicht Abreden verbieten, die nur der technischen Sicherheit und dem Schutz von Menschen oder Gütern vor Gefahren dienen. Aus diesem Grunde hat das Bundeskartellamt auch gegen eine Vereinbarung der Hersteller von Kraftfahrzeugen über den Fortfall der andere Verkehrsteilnehmer gefährdenden Kühlerfiguren keine Bedenken erhoben. In einer größeren Anzahl von Fällen haben Einzelhandelsgeschäfte oder Handwerker eines Ortes Vereinbarungen über einen abwechselnden Bereitschaftsdienst an Sonntagen nach Art der Apotheken oder über einheitliche Betriebsferien getroffen, um so die Arbeitsbedingungen für die Betriebsinhaber und Angestellten zu verbessern. Soweit die Versorgung der Bevölkerung durch einen ausreichenden Bereitschaftsdienst sichergestellt wurde, sind das Bundeskartellamt bzw. die Landeskartellbehörden gegen derartige Regelungen nicht eingeschritten. Zur Entscheidung der Frage, ob derartige Verträge unter 1 fallen, bestand kein Anlaß, weil jedenfalls das öffentliche Interesse an einer Verfolgung ( 81 Abs. 2) zu verneinen war. Wiederholt hatte sich das Bundeskartellamt mit der Zulässigkeit von Gemeinschaftswerbung zu befassen. So haben sich z. B. in einer Stadt im Rhein- Main-Gebiet Möbelhändler im Kampf gegen einen Wettbewerber, der billiger anbietet, zu einer gemeinsamen Werbung und zu Sammeleinkäufen zusammengefunden. Das Bundeskartellamt hält eine gemeinsame Werbung ohne Angabe einheitlicher Preise für unbedenklich, solange die beteiligten Unternehmen keine Beschränkung ihrer eigenen Werbung vereinbaren. Ob eine gemeinsame Werbung mit Angabe einheitlicher Preise zulässig ist, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, insbesondere davon, wie es zu dem einheitlichen Preis gekommen ist. Führen kleine und mittlere Betriebe eine gemeinsame Werbung dieser Art durch, so ist es nicht ausgeschlossen, daß das der gemeinsamen Werbung vorangegangene Verhalten als ein Fall der zulässigen Empfehlung nach 38 Abs. 2 Satz 3 beurteilt werden kann. Auf dem Gebiet der Filmwirtschaft ist in Verbindung mit den Landeskartellbehörden die Frage zu entscheiden, unter welchen Vorausetzungen die in vielen Formen auftretenden Zusammenschlüsse von Filmtheaterunternehmen, die den Abschluß von Filmbestellverträgen zum Gegenstand haben, sich als Kartell im Sinne des 1 darstellen. Die Entscheidung hängt davon ab, in welchem Umfang Bindungen zwischen den Theaterunternehmen bestehen. In Fällen, in denen die Abschlußgemeinschaft der Rationalisierung wirtschaftlicher Vorgänge dient und die Voraussetzungen des 5 Abs. 2 und 3 vorliegen, wird auf Antrag eine Erlaubnis erteilt und eine nach 1 unwirksame Abschlußgemeinschaft legalisiert werden können. Die gleichen Fragen ergeben sich bei den Zusammenschlüssen von Filmtheatern, die sich auf die gemeinsame Produktion und den Verleih von Filmen beziehen, sowie bei den verschiedenen Formen der Gesellschaften zur Verwertung von Filmen und sonstigen Urheberrechten. Auch eine Reihe von Patentgemeinschaften werden unter diesen Gesichtspunkten einer kartellrechtlichen Prüfung unterzogen. Noch nicht abgeschlossen ist auch die Prüfung der Verkehrs- und Verkaufsordnung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (VVO). Die VVO ist eine seit 1888 bestehende Wettbewerbsordnung, in die im Laufe der Zeit immer weitergehende Regelungen des Wettbewerbs aufgenommen worden sind. Der Börsenverein hat auf Grund der Beanstandungen des Bundeskartellamtes davon abgesehen, die Einhaltung der VVO seinen Mitgliedern zur Pflicht zu machen. Bei der Bekanntgabe der VVO im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels ist im Vorspruch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die VVO kein bindendes Vereinsrecht darstellt. Der Börsenverein ist indessen der Ansicht, das GWB könne auf den Buchhandel keine Anwendung finden, weil auf diesem Gebiet gar kein Wettbewerb19 Deutscher Bundestag - 3. Wahlperiode Drucksache 1795 bestehe. Dies ergebe sich aus dem Monopolcharakter eines jeden Buches sowie daraus, daß durch das Preisbindungssystem das wichtigste Element des Wettbewerbs beseitigt sei. Im übrigen stelle die VVO keinen Vertrag oder Beschluß im Sinne des 1, sondern nur eine Zusammenfassung bestehender Handelsbräuche dar. Eie weiteres Verfahren aus dem gleichen. Bereich wurde dagegen inzwischen abgeschlossen. Zwischen den Arbeitsgemeinschaften schöngeistiger Verleger und Sortimenter einerseits und den Buchgemeinschaften andererseits bestand seit 1952 das sogenannte Hamburger Abkommen. In diesem Abkommen war für die Erteilung von Lizenzen an Buchgemeinschaften eine Schutzfrist von zwei Jahren seit dem Erscheinungstage vereinbart und darüber hinaus festgelegt worden, daß allzu krasse Preisunterschiede zwischen den Originalausgaben und denen der Buchgemeinschaften vermieden werden sollten. Auf den Hinweis des Bundeskartellamtes, daß dieses Abkommen und die mit ihm zusammen veröffentlichten Grundsätze gegen 1 verstoßen, haben alle beteiligten Unternehmen die Erklärung abgegeben, daß sie sich an das Abkommen nicht mehr gebunden hielten. II. Konditionenkartelle Im Berichtszeitraum war neben den im Jahre 1959 angemeldeten Konditionenkartellen noch über die am 31. Dezember 1958 anhängig gewesenen zu beschließen. Es handelt sich hierbei um: 1. Rabatt- und Konditionenverband Baukeramik" (BAnz. Nr. 229 vom 28. November 1958), 2. Rabatt- und Konditionenkartell der Hersteller von Durchlauf-Gas-Wasserheizern und Gas- Wandheizungsöfen" (BAnz. Nr. 4 vom 8. Januar 1959), 3. Konditionen- und Rabattkartell der Gemeinschaft der Hersteller von Ersatzfedern für Straßenfahrzeuge" (BAnz. Nr. 22 vom 3. Februar 1959). Im Berichtszeitraum wurden 9 reine Konditionenkartelle neu angemeldet, und zwar: 4. Konditionenkartell für Fabrikationskammgarn der Übereinkunft der Kammgarnspinner" (BAnz. Nr. 31 vom 14. Februar 1959), 5. Konditionenkartell für Futterstoffe des Verbandes Deutscher Futterstoffwebereien" (BAnz. Nr. 118 vom 25. Juni 1959), 6. Konditionenkartell für Oberbekleidungsstoffe, Wäschestoffe, Kleider- und Mantelsamte sowie Samtbänder der Konvention der Deutschen Seidenstoff- und Samtfabrikanten" (BAnz. Nr. 118 vom 25. Juni 1959), 7. Konditionenkartell der Gemeinschaft Deutscher Färbereien und Chemischreinigungsbetriebe" (BAnz. Nr. 119 vom 26. Juni 1959), 8. Konditionenkartell der Deutschen Tuch- und Kleiderstoffkonvention" (BAnz. Nr. 129 vom 10. Juli 1959), 9. Konditionenkartell der Konvention der Baumwollwebereien und verwandter Industriezweige" (BAnz. Nr. 157 vom 19. August 1959), 10. Konditionenvereinbarung von Moräne-Kieswerken" (BAnz. Nr. 54 vom 19. März 1959), 11. Deutsche Wirker- und Strickerkonvention" (BAnz. Nr. 11 vom 19. Januar 1960), 12. Ein nicht bekanntgemachtes Konditionenkartell der Filmwirtschaft wurde zurückgenommen. 6 weitere Kartellverträge enthielten neben anderen Wettbewerbsbeschränkungen auch Vereinbarungen über Konditionen: 13. Rabatt- und Konditionenkartell für Lieferung von Konservendosen" (BAnz. Nr. 29 vom 12. Februar 1959), 14. Rabatt- und Konditionenkartell der Marktgemeinschaft Ofen e. V." (BAnz. Nr. 34 vom 1. Februar 1959), 15. Rabatt- und Konditionenkartell für Polyester lichtplatten und -bahnen" (BAnz. Nr. 160 vom 22. August 1959), 16. Rabatt- und Konditionenkartell des Industrieverbandes Friseurbedarf e. V. für die Belieferung von Friseuren" (BAnz. Nr. 190 vom 3. Oktober 1959), 17. Rabatt- und Konditionenkartell der Marktgemeinschaft Sanitär-Keramische Industrie" (BAnz. Nr. 197 vom 14. Oktober 1959), 18. Rabatt- und Konditionenkartell der Röhren - A - Handelsvereinigung e. V." (BAnz. Nr. 210 vom 31. Oktober 1959). Die Verträge zu 1., 2., 4. bis 9., 15. bis 17. sind nach Ablauf der Widerspruchsfrist wirksam geworden. Die Eintragung in das Kartellregister ist erfolgt. Die Anmeldung zu 3. wurde vollständig zurückgenommen, die zu 13. hinsichtlich der Konditionen. Dem Vertrag zu 14. wurde widersprochen; der Widerspruch ist noch nicht unanfechtbar - geworden. Die Anmeldung zu 10. wurde zuständigkeitshalber nach 44 Abs. 1 Nr. 3 an das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg als Landeskartellbehörde abgegeben. Die Landeskartellbehörde hat dem Vertrag widersprochen ; der hiergegen gerichtete Einspruch wurde zurückgewiesen. Die Verträge zu 11. und 18. werden noch geprüft. Auch im Berichtsjahr 1959 standen einmal die Abgrenzung der allgemeinen Geschäfts-, Lieferungs- und Zahlungsbedingungen gegenüber den Preisen und Preisbestandteilen im Vordergrund, des weiteren die Frage, inwieweit Konditionen nach 2 zulässig sind, die eine erhebliche Veränderung dispositiven Rechts zum Nachteil der von der Regelung Betroffenen oder die völlige Außerkraftsetzung allgemeiner bedeutsamer Rechtsvorschriften zum Inhalt haben.20 Drucksache 1795 Deutscher Bundestag 3. Wahlperiode Zum Begriff der Konditionen im allgemeinen hat das Bundeskartellamt in einer Stellungnahme zur Anmeldung der Konditionenvereinbarung von Moräne-Kieswerken" gegenüber der zuständigen Landeskartellbehörde von Baden-Württemberg die Ansicht vertreten, daß der in 2 enthaltene Begriff der Kondition sich nicht von" dem allgemeinen im Rechts- und Wirtschaftsleben gebräuchlichen unterscheidet. Damit hat das Bundeskartellamt an seiner bereits im Rabatt- und Konditionenkartell Baukeramik" vertretenen Auffassung festgehalten. Danach müssen die im Kartellvertrag vereinbarten Konditionen in den einzelnen, von den Kartellmitgliedern mit ihren Abnehmern zu schließenden Lieferverträgen, Bestandteile dieser Verträge sein. Nicht um eine Kondition im Sinne des 2 handelt es sich, wenn wie im Falle der Moräne-Kieswerke die Kartellmitglieder sich verpflichten, die Ware, die nicht von,den Abnehmern selbst, sondern von beauftragten Fuhrunternehmern abgeholt wird, an die Fuhrunternehmer nur dann herauszugeben, wenn diese die Haftung für die Zahlung des Kaufpreises übernehmen. Hier wird die Haftungsübernahme durch die Fuhrunternehmer nicht zum Bestandteil des Lieferungsvertrages. Ferner wurde die Frage, ob die durch Kartellabsprache vorgenommene Überwälzung des Unternehmerrisikos auf die Fuhrunternehmer, nämlich dadurch, daß diese die Haftung für die Bezahlung der Warenrechnung übernehmen müssen, als ein Mißbrauch der durch Freistellung von 1 erlangten Stellung im Markt anzusehen ist, grundsätzlich bejaht. Das Konditionenkartell der Kammgarnspinner" stieß auf Bedenken des Bundeskartellamtes. Dabei ging es insbesondere um die Bestimmung, wonach das Eigentum bis zur vollständigen Bezahlung sämtlicher Forderungen aus der Geschäftsverbindung einschließlich aller Nebenforderungen und bis zur Einlösung der dafür hergegebenen Wechsel und Schecks" vorbehalten bleiben sollte (sog. Kontokorrentklausel). Die Anmelder haben auf diese Bestimmung auf die Bedenken des Bundeskartellamtes hin verzichtet. Auch der im Laufe des Anmeldeverfahrens zurückgenommene Konditionenteil des Rabatt- und Konditionenkartells für Lieferung von Konservendosen" hielt sich nach Ansicht des Bundeskartellamtes nicht im Rahmen des 2. Einmal waren die betroffenen Abnehmer zu den Konditionen nicht ordnungsgemäß gehört worden; außerdem hatten auch einzelne Konditionen, z. B. der erweiterte und verlängerte Eigentumsvorbehalt und der Ausschluß jeglicher Schadenersatzansprüche der Abnehmer nicht die Zustimmung des Bundeskartellamtes gefunden. Auch im Falle des Konditionenkartells der Gemeinschaft Deutscher Färbereien und Chemischreinigungsbetriebe" wurden auf Anraten des Bundeskartellamtes verschiedene Änderungen vorgenommen. So wurde die Frist, in der Mängel der gereinigten oder gefärbten Sachen gemeldet werden müssen, von 3 auf 5 Tage erweitert; eine Haftung aus einer Falschbehandlung der Vertragsware besteht für den Unternehmer künftig auch dann, wenn für den Fachmann aus der Beschaffenheit des Stoffes die richtige Behandlungsmethode ohne weiteres erkennbar war. Die abgeänderten Konditionen lassen im Einzelfall auch die Zusage fester Liefertermine zu, was für den Auftraggeber bei bestimmten Anlässen von Bedeutung ist. Außerdem wurde der Höchstbetrag für Ersatz in Schadenfällen von dem zehnfachen Betrag der Chemischreinigungskosten auf den fünfzehnfachen Betrag heraufgesetzt. Zur Vorbereitung der Anmeldung von Konditionenkartellen wurden zahlreiche Besprechungen geführt, so namentlich mit Vertretern der Bekleidungsindustrie, des Zwirner-Verbandes, der Veredler halbund vollsynthetischer Garne, der Kunststoff-verarbeitenden Industrie und den Organisationen des Hotelgewerbes und der Reisebüros. Die Organisationen des Hotelgewerbes und der Reisebüros beabsichtigten in Anlehnung an ein bestehendes internationales Abkommen die Zusammenarbeit zwischen Hotel und Reisebüro schriftlich zu regeln und die Bedingungen ihren Mitgliedern zur Anwendung zu empfehlen. Dieses Vorhaben wurde angesichts der Bedenken gegen die Empfehlung von vertikal vereinbarten Geschäftsbedingungen fallengelassen und stattdessen ein Konditionenkartell in Aussicht genommen. In diesem Fall und auch bei der Prüfung der sogenannten Tegernseer Gebräuche für den Holzhandel" stellt sich die praktisch schwer zu lösende Frage nach der Abgrenzung zwischen der Aufzeichnung von Handelsbräuchen und der Empfehlung von Konditionen. Das Problem einer Empfehlung von Konditionen durch Verbände bestand auch bei der Wirtschaftsgruppe der Makler. Diese sind darauf hingewiesen worden, daß gegen_ eine Unterrichtung ihrer Mitglieder über die in der Vergangenheit tatsächlich vereinbarten Honorare und Bedingungen keine Bedenken bestehen. Jedoch müsse eine solche Zusammenstellung auch die von den Außenseitern erhobenen Gebühren berücksichtigen. Die gegen die im Jahre 1958 wirksam gewordenen Konditionenkartelle der Baumwollspinner und der Krawattenstoffwebereien gerichteten Eingaben von Abnehmern gaben dem Bundeskartellamt Veranlassung zur Prüfung, ob ein Mißbrauch der durch Freistellung von 1 erlangten Stellung im Markt vorliege. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. III. Rabattkartelle Im Berichtsjahr wurden folgende Rabattkartelle sowie Rabatt- und Konditionenkartelle geprüft: A. Reine Rabattkartelle 1. Rabattkartell der Kalikofabrikanten" (BAnz. Nr. 227 vom 26. November 1958, Nr. 247 vom 24. Dezember 1958 und Nr. 56 vom 21. März 1959) 2. Interessengemeinschaft der deutschen Tapetenfabrikanten" (BAnz. Nr. 93 vom 17. 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 Art. 12
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 Art. 13
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