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Timestamp: 2020-01-17 14:18:23+00:00

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BAG, Urteil vom 22.02.2012, 4 AZR 8/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 22.02.2012, 4 AZR 8/10
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 08.05.2009, 27 Ca 510/08
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 18.11.2009, 4 Sa 26/09
4 Sa 26/09
22. Fe­bru­ar 2012
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Fe­bru­ar 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie den eh­ren­amt­li­chen
Rich­ter Klotz und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Schuldt für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 18. No­vem­ber 2009 - 4 Sa 26/09 - wird zurück­ge­wie­sen.
2. Die Kläge­rin hat auch die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten vor dem Hin­ter­grund ei­ner dy­na­misch for­mu­lier­ten ta­rif­ver­trag­li­chen Ver­wei­sung auf an­de­re Ta­rif­verträge nach Aus­tritt der Be­klag­ten aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band über die Höhe der ta­rif­li­chen Jah­res­son­der­zah­lung für das Jahr 2007.
Die ta­rif­ge­bun­de­ne Kläge­rin ist seit dem 1. März 1995 bei der Be­klag­ten und ih­ren Rechts­vorgänge­rin­nen - zu­erst die Freie und Han­se­stadt Ham­burg und da­nach der Lan­des­be­trieb Kran­kenhäuser Ham­burg (LBK Ham­burg) - als Rei­ni­gungs­kraft beschäftigt. Ab dem 1. Ja­nu­ar 2000 be­auf­trag­te der LBK Ham­burg sei­ne hier be­klag­te hun­dert­pro­zen­ti­ge Toch­ter C GmbH, auf die das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über­ge­gan­gen war, als Ser­vice­be­trieb mit der Durchführung der Rei­ni­gungs­ar­bei­ten in sei­nen Kran­kenhäusern. Ab Be­ginn des Jah­res 2005 wur­de der LBK Ham­burg schritt­wei­se pri­va­ti­siert und schließlich vollständig von den A Kli­ni­ken als A Kli­ni­ken H GmbH, de­ren Toch­ter­ge­sell­schaft die Be­klag­te ist, wei­ter­geführt.
Die Be­klag­te war Mit­glied im Ar­beit­ge­ber­ver­band „Ar­beits­recht­li­che Ver­ei­ni­gung Ham­burg e.V.“ (AVH). Die AVH hat­te am 1. Ja­nu­ar 2000 mit der Ge­werk­schaft Öffent­li­che Diens­te, Trans­port und Ver­kehr (ÖTV) - Be­zirks­ver­wal­tung Ham­burg - den Ta­rif­ver­trag für Ar­beit­neh­mer der Ser­vice­be­trie­be des Lan­des­be­trie­bes Kran­kenhäuser Ham­burg (TV Ser­vice­be­trie­be LBK)
ge­schlos­sen. Nach § 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK gilt die­ser Ta­rif­ver­trag für Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die in der LBK Ham­burg Grup­pe ua. bei der Be­klag­ten beschäftigt sind. § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK lau­tet:
„Für Ar­beit­neh­me­rin­nen, die vor dem 1. Ja­nu­ar 2000 ein­ge­stellt wor­den sind, auf de­ren Ar­beits­verhält­nis der MTV An­ge­stell­te oder der MTV Ar­bei­ter II An­wen­dung ge­fun­den hat und die von die­sem Zeit­punkt an un­ter den Gel­tungs­be­reich die­ses Ta­rif­ver­tra­ges fal­len (über­ge­lei­te­te Ar­beit­neh­me­rin­nen), wer­den der MTV An­ge­stell­te bzw. der MTV Ar­bei­ter II so­wie die die­se ändern­den, ergänzen­den und er­set­zen­den Ta­rif­verträge in der je­weils gel­ten­den Fas­sung wei­ter­hin an­ge­wen­det.“
Die Be­klag­te kündig­te ih­re Mit­glied­schaft in der AVH zum 30. Ju­ni 2005.
Für Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem Ar­beit­ge­ber ste­hen, der Mit­glied in der AVH ist, er­setzt ab In­kraft­tre­ten am 1. Ok­to­ber 2005 der Ta­rif­ver­trag für die Ar­beits­recht­li­che Ver­ei­ni­gung Ham­burg e.V. (TV-AVH) vom 19. Sep­tem­ber 2005 ua. den zwi­schen der AVH und der ÖTV - Be­zirks­ver­wal­tun­gen Ham­burg und Nord­west - ge­schlos­se­nen Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter (MTV Ar­bei­ter II).
Mit ih­rer Kla­ge be­an­sprucht die Kläge­rin, der die Be­klag­te für das Jahr 2007 ei­ne Son­der­zu­wen­dung in Höhe von 1.200,31 Eu­ro brut­to ge­zahlt hat, nach er­folg­lo­ser Gel­tend­ma­chung die Zah­lung wei­te­rer 88,96 Eu­ro brut­to als Jah­res­son­der­zah­lung für das Jahr 2007. Sie ha­be nach § 20 TV-AVH An­spruch auf ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung in Höhe von 90 vH des in den Ka­len­der­mo­na­ten Ju­li, Au­gust und Sep­tem­ber durch­schnitt­lich ge­zahl­ten mo­nat­li­chen Ent­gelts. Die von der Be­klag­ten ge­zahl­te Son­der­zu­wen­dung ma­che nur 83,79 vH ih­res mo­nat­li­chen Ent­gelts im Re­fe­renz­zeit­raum aus. Der ein­ge­klag­te Be­trag ent­spre­che den feh­len­den 6,21 vH. Der An­spruch auf ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung nach § 20 TV-AVH fol­ge je­den­falls aus der dy­na­mi­schen Ver­wei­sung in § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK auf den MTV Ar­bei­ter II so­wie die die­sen ändern­den, ergänzen­den und er­set­zen­den Ta­rif­verträge in der je­weils gel­ten­den Fas­sung. An die­ser dy­na­mi­schen Ver­wei­sung, die nach Er­set­zung des MTV
Ar­bei­ter II durch den TV-AVH auf letz­te­ren Be­zug neh­me, ände­re der Aus­tritt der Be­klag­ten aus der AVH nichts.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 88,96 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 16. Ju­li 2008 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie schul­de der Kläge­rin über die Son­der­zu­wen­dung, die nach dem bis­he­ri­gen, nun­mehr sta­tisch wir­ken­den Zu­wen­dungs­ta­rif­ver­trag ge­zahlt wor­den sei, hin­aus kei­ne wei­te­re Son­der­zah­lung für das Jahr 2007. Der erst nach ih­rem Aus­tritt aus der AVH ab­ge­schlos­se­ne TV-AVH fin­de auf das Ar­beits­verhält­nis kei­ne An­wen­dung, auch nicht über § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK. Das Ziel die­ser Ver­wei­sung sei die Be­sitz­stands­wah­rung für „Alt-Ar­beit­neh­mer“ ge­we­sen, die vor dem Stich­tag 1. Ja­nu­ar 2000 ein­ge­stellt wor­den sei­en, ge­genüber den ver­schlech­tern­den Be­din­gun­gen des TV Ser­vice­be­trie­be LBK. Ei­ne Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on durch ei­ne von der Ver­bands­mit­glied­schaft un­abhängi­ge Ta­rif­dy­na­mik sei nicht ge­wollt und nicht ver­ein­bart wor­den.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­ren Kla­ge­an­trag wei­ter. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung ge­gen das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen.
I. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten noch zulässig.
1. Nach § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO gehört 12 zum not­wen­di­gen In­halt der Re­vi­si­ons­be­gründung die An­ga­be der Re­vi­si­ons­gründe. Bei ei­ner Sachrüge muss die Re­vi­si­ons­be­gründung den Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts so auf­zei­gen, dass Ge­gen­stand und Rich­tung des Re­vi­si­ons­an­griffs er­kenn­bar sind. Da­her muss die Re­vi­si­ons­be­gründung ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ur­teils­gründen des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ent­hal­ten. Dies er­for­dert die kon­kre­te Dar­le­gung der Gründe, aus de­nen das an­ge­foch­te­ne Ur­teil rechts­feh­ler­haft sein soll (st. Rspr., zB BAG 21. April 2010 - 4 AZR 768/08 - Rn. 12, BA­GE 134, 130; 28. Ja­nu­ar 2009 - 4 AZR 912/07 - Rn. 11 mwN, AP ZPO § 551 Nr. 66 = EzA ZPO 2002 § 551 Nr. 10).
2. Die­sen pro­zes­sua­len An­for­de­run­gen genügt die Re­vi­si­ons­be­gründung 13 der Kläge­rin noch. So führt sie ein­gangs aus, dass das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf feh­ler­haf­ter Ta­rif­ver­trags­an­wen­dung be­ru­he. Auch wenn im wei­te­ren Ver­lauf der Re­vi­si­ons­be­gründung das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts weit­ge­hend un­erwähnt bleibt und teil­wei­se nur aus dem des Ar­beits­ge­richts wört­lich und aus­drück­lich zi­tiert wird, heißt es zu­min­dest auf S. 4 der Re­vi­si­ons­be­gründung: „Das LAG nennt als Al­ter­na­ti­ve die Ver­ein­ba­rung ei­ner Zu­la­ge für Alt­beschäftig­te“. Wei­ter heißt es, dass dies zwar ei­ne Möglich­keit, je­doch nicht ge­wollt ge­we­sen sei. Da­mit ist er­kenn­bar, dass die zu­vor ge­mach­ten Ausführun­gen sich - wenn auch nicht im­mer aus­drück­lich - zu­min­dest ein­ge­schlos­sen auch mit der Be­gründung des Be­ru­fungs­ur­teils be­fas­sen und aus­ein­an­der­set­zen.
II. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist je­doch un­be­gründet, weil die Vor­in­stan­zen ih­re Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen ha­ben. Aus der ta­rif­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel des § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK, auf die die Kläge­rin ih­ren An­spruch zu­letzt al­lein noch stützt, folgt kein An­spruch auf ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung nach § 20 TV-AVH für das Jahr 2007.
1. Die Be­klag­te war nach Aus­tritt aus der AVH kraft Nach­bin­dung gemäß § 3 Abs. 3 TVG an den TV Ser­vice­be­trie­be LBK ge­bun­den.
a) § 3 Abs. 3 TVG be­stimmt die Rechts­fol­gen beim Weg­fall der Ta­rif­ge-
bun­den­heit nach § 3 Abs. 1 TVG. Die un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Rechts­wir­kung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges, die gemäß § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG aus der Mit­glied­schaft in ei­ner ta­rif­sch­ließen­den Ko­ali­ti­on folgt und als sol­che ein­mal be­gründet wor­den ist, soll nicht durch ei­ne ein­sei­ti­ge Maßnah­me wie den Ver­bands­aus­tritt be­sei­tigt wer­den können (st. Rspr., vgl. nur BAG 15. Ok­to­ber 1986 - 4 AZR 289/85 - BA­GE 53, 179).
b) Für die Be­klag­te galt der TV Ser­vice­be­trie­be LBK, in des­sen Gel­tungs 17 be­reich der Be­trieb der Be­klag­ten an­ge­sie­delt war (§ 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK), als un­mit­tel­ba­res und zwin­gen­des Recht gemäß § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG, weil die­ser Ta­rif­ver­trag während ih­rer Mit­glied­schaft in der AVH ab­ge­schlos­sen wor­den war.
c) Nach Be­en­di­gung die­ser Mit­glied­schaft zum 30. Ju­ni 2005 gilt der TV 18 Ser­vice­be­trie­be LBK für die Be­klag­te nach § 3 Abs. 3 TVG so lan­ge wei­ter, bis er en­det.
2. Die­se Nach­gel­tung des TV Ser­vice­be­trie­be LBK führt im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en in­des nicht zur nor­ma­ti­ven Gel­tung des TV-AVH, auf den sich die Kläge­rin stützt. Die dy­na­mi­sche ta­rif­ver­trag­li­che Ver­wei­sung auf an­de­re Ta­rif­verträge (sog. dy­na­mi­sche Blan­kett­ver­wei­sung) in § 20 TV Ser­vice­be­trie­be LBK ist zwar grundsätz­lich wirk­sam. Aus ihr folgt je­doch nicht die An­wend­bar­keit des nach dem Ver­bands­aus­tritt der Be­klag­ten ver­ein­bar­ten TV-AVH. Der TV Ser­vice­be­trie­be LBK en­de­te in Be­zug auf die Be­klag­te mit dem ihn ändern­den Ab­schluss des TV-AVH im Rechts­sin­ne. Mit die­sem Zeit­punkt wirkt er nur noch gemäß § 4 Abs. 5 TVG sta­tisch nach und um­fasst nicht den neu ab­ge­schlos­se­nen TV-AVH.
a) Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats (vgl. nur 9. Ju­li 1980 20 - 4 AZR 564/78 - BA­GE 34, 42; 29. Au­gust 2001 - 4 AZR 332/00 - BA­GE 99, 10) um­fasst die Rechts­set­zungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en grundsätz­lich auch das Recht, auf je­weils gel­ten­de an­de­re ta­rif­li­che Vor­schrif­ten zu ver­wei­sen, so­fern de­ren Gel­tungs­be­reich mit dem Gel­tungs­be­reich der ver­wei­sen­den Ta­rif­norm in ei­nem en­gen sach­li­chen Zu­sam­men­hang steht. Je nach­dem, ob
die Ta­rif­norm, auf die ver­wie­sen wird, in ers­ter Li­nie raum­be­zo­gen, be­triebs­be­zo­gen, fach­be­zo­gen oder per­so­nen­be­zo­gen ist, muss hin­sicht­lich des maßge­ben­den Gel­tungs­be­reichs ein en­ger Sach­zu­sam­men­hang mit dem ent­spre­chen­den Gel­tungs­be­reich der ver­wei­sen­den Ta­rif­norm be­ste­hen. Das Er­for­der­nis des en­gen sach­li­chen Zu­sam­men­hangs des Gel­tungs­be­reichs der Ta­rif­verträge dient da­zu, dass auch bei der In­kor­po­rie­rung frem­den Norm­set­zungs­wil­lens dem Pos­tu­lat der Sach­ge­rech­tig­keit der ta­rif­li­chen Re­ge­lung im Sin­ne ei­nes an­ge­mes­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleichs Rech­nung ge­tra­gen wird (vgl. BAG 10. No­vem­ber 1982 - 4 AZR 1203/79 - BA­GE 40, 327, 336 f.; 29. Au­gust 2001 - 4 AZR 332/00 - zu I 2 b der Gründe, aaO). Nach der Recht­spre­chung des Se­nats sind Blan­kett­ver­wei­sun­gen auf je­weils gel­ten­de an­de­re Ta­rif­verträge zwi­schen den­sel­ben Ta­rif­ver­trags­par­tei­en un­be­denk­lich zulässig (10. No­vem­ber 1982 - 4 AZR 1203/79 - BA­GE 40, 327, 337).
Da­nach ist ein en­ger sach­li­cher Zu­sam­men­hang zwi­schen dem TV Ser­vice­be­trie­be LBK als Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­trag und ua. dem MTV Ar­bei­ter II als Be­zugs­ta­rif­ver­trag ge­ge­ben. Bei­de sind von den­sel­ben Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ab­ge­schlos­sen wor­den, nämlich der AVH und der Be­zirks­ver­wal­tung Ham­burg der Ge­werk­schaft ÖTV. Der en­ge sach­li­che Zu­sam­men­hang wird auch aus dem In­halt der Ver­wei­sung deut­lich, denn es wird be­sitz­stands­wah­rend der Ta­rif­ver­trag dy­na­misch in Be­zug ge­nom­men, der be­reits vor dem Stich­tag 1. Ja­nu­ar 2000 auf die be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se An­wen­dung ge­fun­den hat, hier der MTV Ar­bei­ter II.
b) Aus der Ver­wei­sung in § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK folgt aber nicht die An­wend­bar­keit des nach dem Ver­bands­aus­tritt der Be­klag­ten ver­ein­bar­ten TV-AVH auf das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin.
§ 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK ist nach den für die Aus­le­gung von Ta­rif­verträgen maßge­ben­den Kri­te­ri­en (zu die­sen näher ua. BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 382/08 - Rn. 14, BA­GE 132, 162; 26. Ja­nu­ar 2005 - 4 AZR 6/04 - zu I 2 a bb (2) (c) (bb) der Gründe mwN, BA­GE 113, 291), ins­be­son­de­re nach sei­nem Wort­laut, als dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­be­stim­mung aus­zu­le­gen. Oh­ne Ver­bands­aus­tritt der Be­klag­ten wäre kraft die­ser Ver­wei­sung
der den MTV Ar­bei­ter II er­set­zen­de TV-AVH auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en an­zu­wen­den ge­we­sen, da die Kläge­rin die in § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt.
Die Dy­na­mik des § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK hat je­doch zum 30. Ju­ni 2005, dem Zeit­punkt des En­des der Mit­glied­schaft der Be­klag­ten im AVH, ihr En­de ge­fun­den. Da­mit trat die Nach­bin­dung an den TV Ser­vice­be­trie­be LBK nach § 3 Abs. 3 TVG ein, wor­aus mit dem In­kraft­tre­ten des TV-AVH ei­ne Nach­wir­kung gemäß § 4 Abs. 5 TVG wur­de.
aa) Ein ta­rif­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ner an­de­rer Ta­rif­ver­trag gilt nicht als sol­cher für die an den Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­trag ge­bun­de­nen Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern als in­kor­po­rier­ter Teil des Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­tra­ges. Mit ei­ner - dy­na­mi­schen - ta­rif­ver­trag­li­chen Ver­wei­sung auf ei­nen an­de­ren Ta­rif­ver­trag ist kei­ne ei­genständi­ge und nor­ma­ti­ve Gel­tung des in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­tra­ges ver­bun­den. Der ver­wei­sen­de Ta­rif­ver­trag und der in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag bil­den ei­ne Ein­heit. Die Nor­men des Be­zugs­ta­rif­ver­tra­ges sind Teil der Nor­men des Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­tra­ges (BAG 9. Ju­li 1980 - 4 AZR 564/78 - BA­GE 34, 42, 55; 10. März 2004 - 4 AZR 140/03 - zu I 1 b der Gründe, EzA TVG § 4 Nach­wir­kung Nr. 36).
Die­se von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit ih­rer Ver­wei­sung vor­ge­nom­me­ne Ver­knüpfung meh­re­rer Ta­rif­verträge zu ei­nem Re­gel­werk hat weit­rei­chen­de Fol­gen für den zeit­li­chen Um­fang der Nach­gel­tung. Nach ständi­ger Recht­spre­chung zu § 3 Abs. 3 TVG steht dem En­de je­de Ände­rung des Ta­rif­ver­tra­ges gleich. Als ei­ne sol­che Ände­rung ist je­de Ände­rung der durch den nach­bin­den­den Ta­rif­ver­trag ge­schaf­fe­nen ma­te­ri­el­len Rechts­la­ge an­zu­se­hen (BAG 1. Ju­li 2009 - 4 AZR 261/08 - Rn. 51 f., BA­GE 131, 176; 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 424/09 - Rn. 35, EzA TVG § 3 Ver­bands­aus­tritt Nr. 5). So­weit der Ar­beit­ge­ber an den in­kor­po­rie­ren­den Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­trag wie hier nach Ver­bands­aus­tritt nur noch nach § 3 Abs. 3 TVG nach­ge­bun­den ist, führt des­halb je­de Ände­rung, Ergänzung oder Er­set­zung des in­kor­po­rier­ten Ta­rif­ver­tra­ges zum En­de der - nor­ma­ti­ven - Gel­tung des Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­tra­ges. Je­de Ände­rung, Ergänzung oder Er­set­zung des Ver­wei­sungs­ob­jek­tes ist gleich­zei­tig
ei­ne sol­che des nur noch nach­gel­ten­den Ver­wei­sungs­sub­jek­tes. Ist auf­grund ei­ner sol­chen Ände­rung das En­de des Ta­rif­ver­tra­ges ein­ge­tre­ten, bleibt die Ta­rif­ge­bun­den­heit an den Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­trag nicht länger nor­ma­tiv nach § 3 Abs. 3 TVG be­ste­hen (näher und mit wei­te­ren Nach­wei­sen BAG 17. Mai 2000 - 4 AZR 363/99 - zu I 3 der Gründe, BA­GE 94, 367).
Nach Ab­lauf des Ta­rif­ver­tra­ges gel­ten sei­ne Rechts­nor­men wei­ter, bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wer­den. Die­se Nach­wir­kung nach § 4 Abs. 5 TVG schließt sich auch bei ei­nem Ver­bands­aus­tritt an das En­de der Ta­rif­ge­bun­den­heit nach § 3 Abs. 3 TVG an. Sie schreibt den Ta­rif­stand auch dann sta­tisch fest, wenn die nach­wir­ken­de Ta­rif­norm nach ih­rem Wort­laut dy­na­misch auf ei­ne in ei­nem an­de­ren Ta­rif­ver­trag ver­ein­bar­te Re­ge­lung, die nach dem Be­ginn der Nach­wir­kung geändert wor­den ist, ver­weist. Ei­ne le­dig­lich nach­wir­ken­de Ver­wei­sung er­streckt sich nicht auf im Nach­wir­kungs­zeit­raum ver­ein­bar­te Ände­run­gen der in Be­zug ge­nom­me­nen Re­ge­lun­gen (BAG 17. Mai 2000 - 4 AZR 363/99 - zu I 4 der Gründe, BA­GE 94, 367; 29. Au­gust 2001 - 4 AZR 332/00 - BA­GE 99, 10; 10. März 2004 - 4 AZR 140/03 - zu I 1 b der Gründe, EzA TVG § 4 Nach­wir­kung Nr. 36).
bb) Der TV Ser­vice­be­trie­be LBK en­de­te mit dem In­kraft­tre­ten des TV-AVH am 1. Ok­to­ber 2005, denn da­mit trat der zum Zeit­punkt des Ver­bands­aus­tritts der Be­klag­ten gel­ten­de MTV Ar­bei­ter II außer Kraft. Zu die­sem Zeit­punkt en­de­te die Nach­bin­dung der Be­klag­ten an den TV Ser­vice­be­trie­be LBK nach § 3 Abs. 3 TVG. Seit­dem wirkt gemäß § 4 Abs. 5 TVG der TV Ser­vice­be­trie­be LBK mit sta­ti­scher Be­zug­nah­me in sei­nem § 20 Abs. 1 auf den MTV Ar­bei­ter II in der Fas­sung zum Ver­bands­aus­tritt der Be­klag­ten am 30. Ju­ni 2005 nach. Der TV-AVH ist nicht In­halt des TV Ser­vice­be­trie­be LBK in ei­ner für die Be­klag­te gel­ten­den Fas­sung ge­wor­den.
cc) An­de­res er­gibt sich auch nicht aus dem Vor­trag der Kläge­rin im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren.
(1) So­weit die Kläge­rin meint, ei­ne die Be­ur­tei­lung ändern­de Be­son­der­heit lie­ge dar­in, dass es sich bei dem TV Ser­vice­be­trie­be LBK nicht um ei­nen
Flächen­ta­rif­ver­trag, son­dern „fak­tisch um ei­nen Haus­ta­rif­ver­trag“ han­de­le, trifft dies be­reits im An­satz nicht zu. Der TV Ser­vice­be­trie­be LBK ist ein Ver­bands­ta­rif­ver­trag, ab­ge­schlos­sen nicht von der Be­klag­ten, son­dern auf Ar­beit­ge­ber­sei­te von der AVH. Ob die Be­klag­te da­bei mehr oder min­der maßge­bend in den Ver­hand­lun­gen mit­ge­wirkt hat, ändert dar­an nichts.
Im Übri­gen wäre selbst dann, wenn es sich um ei­nen Haus­ta­rif­ver­trag ge­han­delt hätte, mit des­sen Ände­rung - und sei es auch ei­ne Ände­rung ei­nes in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­tra­ges - Nach­wir­kung ein­ge­tre­ten. Dies hat der Se­nat be­reits in der Ver­gan­gen­heit oh­ne wei­te­res an­ge­nom­men (10. No­vem­ber 1982 - 4 AZR 1203/79 - BA­GE 40, 327, 343).
(2) Zu kei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lung führt auch der Hin­weis der Kläge­rin, die Ge­werk­schaft ha­be bei dem Ta­rif­ab­schluss des TV Ser­vice­be­trie­be LBK ih­ren Bei­trag zur Sa­nie­rung des Be­trie­bes be­reits er­bracht, ins­be­son­de­re durch die Hin­nah­me schlech­te­rer Ar­beits­be­din­gun­gen für Neu­ein­ge­stell­te. Die Ge­gen­leis­tung hierfür, die Si­che­rung des Be­sitz­stan­des der da­mals be­ste­hen­den Be­leg­schaft, könne ihr nicht im Nach­hin­ein ent­zo­gen wer­den; den Be­las­tun­gen für die Be­klag­te sei­en auch de­ren Ent­las­tun­gen ge­genüber­zu­stel­len, denn für die Be­klag­te wach­se das Ein­spar­po­ten­ti­al von Jahr zu Jahr an­ge­sichts ei­nes ste­tig ab­neh­men­den An­teils der „teu­ren“ Alt­beschäftig­ten.
Ab­ge­se­hen da­von, dass hier in die Be­trach­tung von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung be­reits nicht ein­be­zo­gen wor­den ist, dass die „Alt-Ar­beit­neh­mer“ von Ja­nu­ar 2000 bis zum Ver­bands­aus­tritt der Be­klag­ten zu En­de Ju­ni 2005 von den ver­schlech­tern­den Be­din­gun­gen des TV Ser­vice­be­trie­be LBK aus­ge­nom­men wa­ren, kann bei der Ta­rif­ver­trags­aus­le­gung auch nur das berück­sich­tigt wer­den, was in der Re­ge­lung in hin­rei­chend er­kenn­ba­rer Form zum Aus­druck ge­kom­men ist. Der Wil­le zu ei­ner „un­be­ding­ten dy­na­mi­schen Be­sitz­stands­wah­rung“ über die von der Rechts­ord­nung ge­zo­ge­nen Gren­zen des § 3 Abs. 3 TVG hin­aus - die recht­li­che Möglich­keit, ei­ne sol­che Ta­rif­re­ge­lung zu tref­fen, ein­mal un­ter­stellt - kommt in § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK je­den­falls nicht zum Aus­druck.
3) Sch­ließlich trägt das Ar­gu­ment nicht, ei­ne in § 20 Abs. 1 TV Ser­vice­be­trie­be LBK ab­ge­ge­be­ne Ga­ran­tie ha­be durch Be­triebsüber­gang Ein­gang in die Ar­beits­verträge ge­fun­den. Ein das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin be­tref­fen­der Be­triebsüber­gang nach Ab­schluss des TV Ser­vice­be­trie­be LBK am 1. Ja­nu­ar 2000 ist be­reits nicht er­sicht­lich. Wie da­mals be­steht das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin mit der Be­klag­ten.
III. Die Kläge­rin hat die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Re­vi­si­on nach § 97 ZPO zu tra­gen.
zur Übersicht 4 AZR 8/10

References: § 613
 § 1
 § 20
 § 20
 § 20
 § 20
 § 20
 § 72
 § 551
 § 551
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 § 20
 § 20
 § 3
 § 3
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 § 4
 § 3
 § 4
 § 3
 § 20
 § 4
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§ 20
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 § 3
 § 4
 § 4
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 § 4
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 § 4
 § 3
 § 4
 § 20
 § 3
 § 20
 § 20
 § 97