Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/erbst/steuerermaessigung-belastung-erbschaftsteuer-3133808
Timestamp: 2020-07-13 04:41:54+00:00

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Steuerermäßigung bei der Belastung mit Erbschaftsteuer - Zusammentreffen von Erbschaften und Vorerwerben | Rechtslupe
Die durch das Erb­schaft­steu­er­re­form­ge­setz vom 24.12 2008 [1] ein­ge­führ­te Vor­schrift ent­spricht nahe­zu wört­lich der zwi­schen 1975 und 1998 gel­ten­den und durch das Steu­er­ent­las­tungs­ge­setz 1999/​2000/​2002 vom 24.03.1999 [2] mit Wir­kung ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1999 auf­ge­ho­be­nen Bestim­mung des § 35 EStG i.d.F. des Ein­kom­men­steu­er­re­form­ge­set­zes vom 05.08.1974 [3] ‑EStG a.F. Da nach der Geset­zes­be­grün­dung § 35b EStG inhalt­lich dem § 35 EStG a.F. ent­spricht [4], ist die zu § 35 EStG a.F. ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) im Grund­satz auch bei der Aus­le­gung des § 35b EStG zu berück­sich­ti­gen.
Begüns­tigt sind nach § 35b Satz 1 EStG "Ein­künf­te, die als Erwerb von Todes wegen der Erb­schaft­steu­er unter­le­gen haben". Der Wort­laut des Rela­tiv­sat­zes ist unge­nau, da der Erb­schaft­steu­er nicht Ein­künf­te, son­dern Berei­che­run­gen unter­lie­gen (vgl. § 10 Abs. 1 Satz 1 ErbStG) [5]. Bei sinn­ge­mä­ßem Ver­ständ­nis erfasst § 35b EStG danach Fäl­le, in denen der von Todes wegen hin­zu erwor­be­ne Ver­mö­gens­ge­gen­stand ‑z.B. nach einer steu­er­pflich­ti­gen Ver­äu­ße­rung- mit sei­nem Wert zusätz­lich der Ein­kom­men­steu­er unter­wor­fen ist.
Wer­den sowohl Antei­le ver­äu­ßert, die im Wege der Erb­fol­ge erwor­ben wor­den sind, als auch Antei­le, die nicht im Wege der Erb­fol­ge oder nicht in dem in § 35b EStG vor­ge­se­he­nen zeit­li­chen Zusam­men­hang mit der Erb­fol­ge erwor­ben wor­den sind, muss der steu­er­pflich­ti­ge Ver­äu­ße­rungs­ge­winn auf­ge­teilt wer­den. Begüns­tigt ist der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn nur inso­weit, als er sich aus der Ver­äu­ße­rung der mit Erb­schaft­steu­er belas­te­ten Antei­le ergibt [6].
Die nach § 35b Satz 1 EStG begüns­tig­ten Ein­künf­te müs­sen bei ihrem Hin­zu­er­werb tat­säch­lich mit Erb­schaft­steu­er belas­tet wor­den sein [7]. Sie müs­sen eine Belas­tung mit Erb­schaft­steu­er aus­ge­löst haben. Nach ihrem Sinn und Zweck soll die Vor­schrift der "Dop­pel­be­las­tung" bestimm­ter Ver­mö­gens­wer­te mit Erb­schaft­steu­er und Ein­kom­men­steu­er Rech­nung tra­gen [8]. An einer Dop­pel­be­las­tung fehlt es aber, soweit der hin­zu­er­wor­be­ne Ver­mö­gens­ge­gen­stand z.B. im Anwen­dungs­be­reich des per­sön­li­chen Frei­be­trags nach § 16 ErbStG eine Belas­tung mit Erb­schaft­steu­er nicht aus­ge­löst hat. Inso­weit besteht kein Grund für eine tarif­li­che Ent­las­tung.
Die auf die begüns­tig­ten Ein­künf­te antei­lig ent­fal­len­de Ein­kom­men­steu­er ist nach dem Ver­hält­nis der begüns­tig­ten Ein­künf­te zur Sum­me der Ein­künf­te (§ 2 Abs. 3 EStG) zu ermit­teln [9]. Der Auf­tei­lungs­maß­stab lässt sich zwar der Bestim­mung nicht aus­drück­lich ent­neh­men, aller­dings ent­spricht die For­mu­lie­rung inso­weit dem Wort­laut des § 34c Abs. 1 Satz 1 EStG. Der in § 34c Abs. 1 Satz 2 EStG vor­ge­se­he­ne Auf­tei­lungs­maß­stab, wonach der maß­geb­li­che Teil der Ein­kom­men­steu­er in der Wei­se zu ermit­teln ist, dass die Ein­kom­men­steu­er im Ver­hält­nis der betref­fen­den Ein­künf­te zur Sum­me der Ein­künf­te auf­ge­teilt wird, lässt sich inso­weit auf § 35b EStG über­tra­gen. Um die Ein­kom­men­steu­er auf die begüns­tig­ten Ein­künf­te zu berech­nen, ist daher der Betrag der um sons­ti­ge Steu­er­ermä­ßi­gun­gen gekürz­ten tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er mit dem Quo­ti­en­ten aus dem Betrag der begüns­ti­gen Ein­künf­te und dem Betrag der Sum­me der Ein­künf­te zu mul­ti­pli­zie­ren.
so bereits BFH, Urtei­le vom 07.12 1990 – X R 72/​89, BFHE 163, 137, BStBl II 1991, 350; vom 21.12 1994 – I R 79/​94, BFHE 176, 417, BStBl II 1995, 321, jeweils zu § 35 EStG a.F.[↩]
so schon BFH, Urteil vom 10.03.1988 – IV R 226/​85, BFHE 153, 318, BStBl II 1988, 832, unter II., zu § 35 EStG a.F.[↩]
so schon BFH, Urteil in BFHE 163, 137, BStBl II 1991, 350, zu § 35 EStG a.F.[↩]

References: § 35
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 § 10
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 § 16
 § 34
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