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Timestamp: 2018-05-26 19:51:55+00:00

Document:
Schlag­worte: Befristung: Schriftform
Akten­zeichen: 4 Sa 28/06
Ent­scheid­ungs­datum: 06.11.2006
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Reutlingen, Urteil vom 23.02.2006, 2 Ca 305/05
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.04.2008, 7 AZR 1048/06
2 Ca 305/05 (ArbG Reut­lin­gen)
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 4. Kam­mer - durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dr. Nat­ter,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ge­cke­ler
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Pem­merl
im schrift­li­chen Ver­fah­ren nach der Sach­la­ge am 18.09.2006
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Reut­lin­gen vom 23.02.2006 - 2 Ca 305/05 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen ih­nen auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­fris­tung mit Ab­lauf des 30.06.2005 ge­en­det hat.
Der am 31.01.1982 ge­bo­re­ne, le­di­ge Kläger ist bei der Be­klag­ten seit 01.09.1999 beschäftigt. Aus­weis­lich des zu­letzt ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trags be­lief sich sei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung auf € 2.069,77 bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 29,75 St­un­den.
Vom 01.09.1999 bis 15.01.2003 ab­sol­vier­te der Kläger bei der Be­klag­ten ei­ne Aus­bil­dung als In­dus­trie­me­cha­ni­ker. Am 14.01.2003 schlos­sen die Par­tei­en ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 16.01.2003 bis 31.01.2004. Die Beschäfti­gung er­folg­te als Fach­ar­bei­ter im Werk W.. Am 08.10.2003 schlos­sen die Par­tei­en ei­nen wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 03.11.2003 bis 31.12.2004. Die Beschäfti­gung er­folg­te als Fach­ar­bei­ter im Werk R. II, Werk­statt 078130.
En­de No­vem­ber 2004 in­for­mier­te der zuständi­ge Meis­ter des Klägers die­sen darüber, dass ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung auf dem bis­he­ri­gen Ar­beits­platz nicht möglich sei. Der Kläger te­le­fo­nier­te dar­auf­hin En­de No­vem­ber 2004 mit dem zuständi­gen Per­so­nal­re­fe­ren­ten, Herrn F. Die­ser erklärte dem Kläger, dass ei­ne be­fris­te­te Wei­ter­beschäfti­gung in der Werk­statt 078410 möglich sei. Herr F. erläuter­te dem Kläger auch das in die­ser Werk­statt an­ge­wand­te Schicht­mo­dell. Der Kläger und Herr F. ver­ein­bar­ten, dass sich der Kläger bei sei­nem zukünf­ti­gen Meis­ter, Herrn St. vor­stel­len sol­le. Der Kläger nahm den Vor­stel­lungs­ter­min ab­spra­che­gemäß wahr.
Un­ter dem Da­tum des 06.12.2004 er­stell­te Herr F. ei­nen schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag in Form ei­nes An­schrei­bens an den Kläger. Der Ar­beits­ver­trag hat aus­zugs­wei­se fol­gen­den Wort­laut:
„Wir stel­len Sie als Pro­duk­ti­ons­fach­ar­bei­ter für un­ser R. Werk II in der Werk­statt 078410 ein. Das Ar­beits­verhält­nis be­ginnt am 01. Ja­nu­ar 2005 und en­det am 30. Ju­ni 2005, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf.
Die Ein­stel­lung er­folgt be­fris­tet nach § 14 Abs. 1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz, auf­grund des Be­su­ches der Tech­ni­ker­schu­le ei­ner un­se­rer Mit­ar­bei­ter (Per­so­nal­num­mer: 6194906).
Die­sen Ver­trag er­hal­ten Sie in dop­pel­ter Aus­fer­ti­gung. Sen­den Sie uns bit­te die Ko­pie möglichst bald un­ter­schrie­ben zurück.“
Im An­schrif­ten­feld trug das Schrei­ben die Straßen­an­ga­be „Wh Str. 29“ in Stutt­gart. Die zu­tref­fen­de An­ga­be lau­te­te „W Str. 29“.
Herr F. un­ter­rich­te­te den im Be­trieb ge­bil­de­ten Be­triebs­rat über die be­ab­sich­tig­te Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers. Er gab die Wei­ter­beschäfti­gung am 17.12.2004 in das Per­so­nal­ad­mi­nis­tra­ti­ons­sys­tem der Be­klag­ten ein. Gemäß Ar­beits­an­wei­sung ist der Sach­be­ar­bei­ter ver­pflich­tet, gleich­zei­tig den schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag an den be­tref­fen­den Mit­ar­bei­ter zu ver­sen­den.
Im Zu­sam­men­hang mit den Ver­trags­gesprächen te­le­fo­nier­te der Va­ter des Klägers am 01.12.2004 mit Herrn F. und im Lau­fe des De­zem­ber 2004 mit der Vor­sit­zen­den des Per­so­nal­aus­schus­ses des Be­triebs­rats. Der In­halt die­ser Gespräche ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Zu ei­nem nicht näher ge­nann­ten Zeit­punkt er­hielt der Kläger von ei­ner Mit­ar­bei­te­rin der Per­so­nal­ab­tei­lung die Mit­tei­lung, dass er sei­ne Ar­beit am 04.01.2005 um 14:00 Uhr an­tre­ten sol­le.
Am Vor­mit­tag des 04.01.2005 zwi­schen 10:00 Uhr und 11:00 Uhr (Die Be­klag­te hat die­sen Ter­min als nicht nach­voll­zieh­bar be­zeich­net.) ent­nahm der Kläger das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 06.12.2004 dem Brief­kas­ten. Er nahm den Ar­beits­ver­trag an sei­ne neue Ar­beits­stel­le mit. Zu wel­chem Zeit­punkt der Kläger den Ar­beits­ver­trag un­ter­zeich­ne­te, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Kurz nach Auf­nah­me der Tätig­keit wur­de der Kläger von dem TOP-Team­lei­ter ge­fragt, ob er den Ar­beits­ver­trag da­bei ha­be. Der Kläger überg­ab dar­auf­hin den Ar­beits­ver­trag dem Meis­ter St.
Mit sei­ner am 21.07.2005 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat sich der Kläger ge­gen die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­wandt. Er hat vor­ge­tra­gen, das im No­vem­ber 2004 ver­ein­bar­te be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis sei man­gels Be­ach­tung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses nach § 14 Abs. 4 Tz­B­fG un­wirk­sam. Nach der Ar­beits­auf­nah­me am 04.01.2005 hätten die Par­tei­en kei­ne neue wirk­sa­me Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen. Darüber hin­aus be­strei­te er das Vor­lie­gen ei­nes Sach­grun­des mit Nicht­wis­sen.
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en auf-grund Be­fris­tung nicht be­en­det ist und über den 30.06.2005 un­be­fris­tet fort­be­steht.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Ver­fah­rens zu un­veränder­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen als Me­cha­ni­ker wei­ter­zu­beschäfti­gen.
Sie hat vor­ge­tra­gen, es sei be­reits im No­vem­ber 2004 ver­ein­bart wor­den, dass das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger be­fris­tet bis 30.06.2005 fort­ge­setzt wer­de. Mit an Si­cher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit sei da­von aus­zu­ge­hen, dass dem Kläger der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag spätes­tens am 19.12.2004 vor­ge­le­gen ha­be. Mit der Un­ter­schrift am 04.01.2005 sei ei­ne ei­genständi­ge Be­fris­tung ver­ein­bart wor­den. We­der Herr F. noch die Meis­ter hätten ei­ne wirk­sa­me Ver­ein­ba­rung mit dem Kläger tref­fen können. Gemäß Un­ter­schrif­ten­re­ge­lung für die Per­so­nal­ab­tei­lung müss­ten die Ar­beits­verträge durch den je­wei­li­gen Ab­tei­lungs­lei­ter mit „i.V.“ un­ter­zeich­net wer­den. Die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses sei zur Ver­tre­tung des Mit­ar­bei­ters D. S. er­folgt. Die­ser ha­be sich bis Mit­te des Jah­res 2005 auf der Tech­ni­ker­schu­le be­fun­den.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 23.02.2006 ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die ver­ein­bar­te Be­fris­tung bis zum 30.06.2005 sei durch den Sach­grund der Ver­tre­tung ge­recht­fer­tigt. Die Be­weis­auf­nah­me durch Ver­neh­mung des Zeu­gen F. ha­be er­ge­ben, dass sich der Mit­ar­bei­ter D. S. bis 31.07.2005 auf der Tech­ni­ker­schu­le be­fun­den ha­be. Ei­ner zeit­li­chen Kon­gru­enz zwi­schen der Dau­er des Ver­tre­tungs­be­darfs und der Dau­er der Be­fris­tung bedürfe es nicht.
Die Be­fris­tungs­ab­re­de zwi­schen den Par­tei­en sei form­wirk­sam. Am 04.01.2005 sei zwi­schen den Par­tei­en ei­ne ei­genständi­ge Be­fris­tung ver­ein­bart wor­den. Anläss­lich der Gespräche des Klägers mit Herrn F. und Herrn St. sei kei­ne münd­li­che Be­fris­tungs­ab­re­de ge­trof­fen wor­den. We­der ha­be Herr F. dem Kläger En­de No­vem­ber ein bin­den­des An­ge­bot un­ter­brei­tet
noch ha­be der Kläger nach dem Vor­stel­lungs­ter­min bei Herrn St. die An­nah­me erklärt oder selbst ein Ver­trags­an­ge­bot ab­ge­ge­ben.
Ge­gen das ihm am 01.03.2006 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 31.03.2006 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am 30.05.2006 be­gründet. Er trägt vor, nach­dem das Ar­beits­verhält­nis be­reits am 01.01.2005 be­gon­nen ha­be, die schrift­li­che Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung aber erst am 04.01.2005 ge­trof­fen wor­den sei, ha­be das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Vor­lie­gen ei­ner schrift­li­chen Be­fris­tungs­ab­re­de be­gon­nen. Das man­gels Form­wirk­sam­keit vor­lie­gen­de un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis sei nicht am 04.01.2005 in ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis um­ge­wan­delt wor­den. Darüber hin­aus sei die Be­fris­tung be­reits En­de No­vem­ber/An­fang De­zem­ber 2004 münd­lich ver­ein­bart wor­den. Herr F. ha­be ihm erklärt, dass er bis zum 30.06.2005 wei­ter­beschäftigt wer­de. Die­sel­be Aus­kunft ha­be sein Va­ter am 01.12.2004 von Herrn F. und im De­zem­ber 2004 von der Vor­sit­zen­den des Per­so­nal­aus­schus­ses er­hal­ten. Er ha­be we­der sei­nen Werks­aus­weis noch sei­ne Schlüssel ab­ge­ben müssen. Die von der Be­klag­ten be­haup­te­te Un­ter­schrif­ten­re­ge­lung be­strei­te er mit Nicht­wis­sen. Spätes­tens am 04.01.2005 sei mit Ar­beits­be­ginn ein - for­mun­wirk­sa­mer - be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag zu­stan­de ge­kom­men.
1. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Reut­lin­gen vom 23.02.2006 (Az. 2 Ca 305/05) wird ab­geändert.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en auf-grund Be­fris­tung nicht be­en­det ist und über den 30.06.2005 un­be­fris­tet fort­be­steht.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Ver­fah­rens zu un­veränder­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen als Me­cha­ni­ker wei­ter­zu­beschäfti­gen.
Sie trägt vor, der Kläger ha­be am 04.01.2005 vor Ar­beits­be­ginn den Ar­beits­ver­trag „in der Ta­sche“ ge­habt. Sie be­strei­te mit Nicht­wis­sen, dass die Un­ter­zeich­nung erst nach Ar­beits-
auf­nah­me er­folgt sei. Es sei rechts­miss­bräuch­lich, wenn sich der Kläger auf das feh­len­de Schrift­for­mer­for­der­nis be­ru­fe. Die Auf­fas­sung des Klägers, be­reits im Spätherbst sei münd-lich ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart wor­den, sei falsch. Herr F. ha­be dem Kläger nicht erklärt, dass er bis zum 30.06.2005 wei­ter­beschäftigt wer­de. Er ha­be dem Kläger viel­mehr ein Vor­stel­lungs­gespräch bei Herrn St. vor­ge­schla­gen, da­mit sich Herr St. ei­nen Ein­druck über den Kläger ver­schaf­fen könne. Auch dem Va­ter des Klägers ha­be Herr F. nicht bestätigt, dass der Kläger ein An­ge­bot zur Wei­ter­beschäfti­gung bis zum 30.06.2005 an­ge­nom­men ha­be. Ei­ne da­hin­ge­hen­de Aus­sa­ge der Vor­sit­zen­den des Per­so­nal­aus­schus­ses wer­de mit Nicht­wis­sen be­strit­ten. Die Auf­for­de­rung, der Kläger möge sich am 04.01.2005 um 14:00 Uhr an sei­nem neu­en Ar­beits­platz ein­fin­den, sei eben­falls kein In­diz für ein münd­lich ver­ein­bar­tes Ar­beits­verhält­nis. Denn sie ha­be dem Kläger ei­nen schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag zu­ge­schickt. Je­den­falls sei am 04.01.2005 ei­ne neue ei­genständi­ge Ver­ein­ba­rung über die Be­fris­tung ge­trof­fen wor­den.
In der Be­ru­fungs­ver­hand­lung hat der Kläger auf Fra­ge des Ge­richts erklärt, er ha­be den Ar­beits­ver­trag vom 06.12.2004 nach Ein­wei­sung durch den Ka­po und Be­ginn der Tätig­keit im An­schluss an die Fra­ge des TOP-Team­lei­ters, ob er den Ar­beits­ver­trag da­bei ha­be, in An­we­sen­heit des Meis­ters St. un­ter­zeich­net. Die Be­klag­te hat die­ses Vor­brin­gen be­strit­ten. Im Übri­gen wird we­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stands gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie über die Pro­to­kol­le über die münd­li­chen Ver­hand­lun­gen ver­wie­sen.
Die Be­ru­fung des Klägers ist gemäß § 64 Abs. 2 Buchst. c ArbGG statt­haft. Sie ist auch gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG, §§ 519, 520 ZPO in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
Die Be­ru­fung des Klägers ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend ent­schie­den, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­fris­tung mit Ab­lauf des 30.06.2005 ge­en­det hat. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag ist da­mit nicht mehr zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len.
1. Die Kla­ge ist zulässig. Bei dem Kla­ge­an­trag Ziff. 1 han­delt es sich um ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge nach § 17 Satz 1 Tz­B­fG, auch wenn der Wort­laut des An­trags nicht in vol­lem Um­fang der ge­nann­ten Vor­schrift ent­spricht. Ei­ne all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge enthält der zwei­te Halb­satz des Kla­ge­an­trags nach Mit­tei­lung des Klägers in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung nicht. Mit dem Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag be­gehrt der Kläger sei­ne Wei­ter­beschäfti­gung während der Dau­er des Rechts­streits er­sicht­lich nur für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag.
2. Die Kla­ge ist un­be­gründet, so­weit der Kläger die Fest­stel­lung be­gehrt, das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ha­be nicht auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­fris­tung mit Ab­lauf des 30.06.2005 ge­en­det.
a) Der Kläger hat im Be­ru­fungs­rechts­zug nicht mehr in Fra­ge ge­stellt, dass die mit Ar­beits­ver­trag vom 06.12.2004/04.01.2005 ver­ein­bar­te Be­fris­tung auf ei­nem Sach­grund nach § 14 Abs. 1 Ziff. 3 Tz­B­fG be­ruht. Das Ar­beits­ge­richt hat nach Be­weis­auf­nah­me fest­ge­stellt, dass die Be­fris­tung dar­auf be­ruh­te, dass die be­fris­te­te Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers zur - zeit­wei­sen - Ver­tre­tung des Ar­beit­neh­mers D. S. er­folg­te. Die­ser be­fand sich be­reits seit dem Jahr 2003 bis 31.07.2005 auf ei­ner Tech­ni­ker­schu­le. Dass die Be­fris­tungs­dau­er zeit­lich hin­ter dem Ver­tre­tungs­be­darf zu-rück­blieb, stellt den Be­fris­tungs­grund der Ver­tre­tung nicht in Fra­ge (vgl. nur BAG, 13.10.2004 - 7 AZR 654/03 - AP Tz­B­fG § 14 Nr. 13). Hier­ge­gen hat sich der Kläger in der Be­ru­fung nicht mehr ge­wandt.
b) Die Be­fris­tungs­ab­re­de ist nicht gemäß § 14 Abs. 4 Tz­B­fG un­wirk­sam.
aa) Nach der ge­nann­ten Vor­schrift be­darf die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags zu ih­rer Wirk­sam­keit der Schrift­form. Ei­ne nur münd­lich ver­ein­bar­te Be­fris­tung ist nach § 125 Satz 1 BGB nich­tig und hat nach § 16 Satz 1 Tz­B­fG die Ent­ste­hung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses zur Fol­ge. Zur Wah­rung der ge­setz­li­chen Schrift­form muss die Ur­kun­de nach § 126 BGB von dem Aus­stel­ler
ei­genhändig durch Na­mens­un­ter­schrift un­ter­zeich­net wer­den. Bei ei­nem Ver­trag muss die Un­ter­zeich­nung der Par­tei­en auf der­sel­ben Ur­kun­de er­fol­gen. Hier­bei genügt es, wenn die ei­ne Ver­trags­par­tei in ei­nem von ihr un­ter­zeich­ne­ten, an die an­de­re Ver­trags­par­tei ge­rich­te­ten Schrei­ben den Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags an­deu­tet und die an­de­re Par­tei die­ses An­ge­bot an­nimmt, in­dem sie das Schriftstück eben­falls un­ter­zeich­net (BAG, 26.07.2006 - 7 AZR 514/05 - Pres­se­mit­tei­lung; BGH, 14.07.2004 - XII 68/02 - NJW 2004, 2982).
Un­ter­zeich­nen die Par­tei­en nach ei­ner münd­lich ver­ein­bar­ten Be­fris­tung nachträglich ei­nen die Be­fris­tung ent­hal­ten­den schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag, so ent­fal­tet die­se Ver­ein­ba­rung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG, 01.12.2004 - 7 AZR 198/04 - und BAG 16.03.2005 - 7 AZR 289/04 - AP Tz­B­fG § 14 Nr. 15 und 16) kei­ne rück­wir­ken­de Kraft. Ei­ne Bestäti­gung nach § 141 Abs. 1 BGB ist als er­neu­te Vor­nah­me des Rechts­geschäfts zu be­ur­tei­len; das Rechts­geschäft gilt erst vom Zeit­punkt der Bestäti­gung an. Ei­ne Rück­wir­kung folgt nach der Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts auch nicht aus ei­ner ana­lo­gen An­wen­dung des § 141 Abs. 2 BGB. Sch­ließlich verstößt die Be­ru­fung auf ei­nen Form­m­an­gel re­gelmäßig nicht ge­gen den Grund­satz von Treu und Glau­ben. Un­ter­zeich­nen die Par­tei­en ei­nen schrift­li­chen die Be­fris­tung ent­hal­ten­den Ar­beits­ver­trag, so kann hier­in al­ler­dings ei­ne neue nachträgli­che Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung lie­gen. Außer­dem ist zu prüfen, ob die Par­tei­en anläss­lich ih­rer Ver­trags­gespräche die Be­ur­kun­dung des be­ab­sich­tig­ten Ver­trags nach § 154 Abs. 2 BGB ver­ein­bart ha­ben.
bb) Die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist im Schrift­tum in dog­ma­ti-scher und rechts­po­li­ti­scher Hin­sicht auf Zu­stim­mung und Ab­leh­nung ges­toßen (Preis, NZA 2005, 714; Bahn­sen, NZA 2005, 676; Rie­sen­hu­ber, NJW 2005, 2268; Nad­ler/von Me­dem, NZA 2005, 1214, Jan­ko, SAE 2005, 340; so­wie die An­mer­kun­gen von Bau­er/Krie­ger und Kort­s­tock je­weils zu AP Nr. 15 und 16). Es wird ein­ge­wandt, die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wer­de dem Mas­sen­geschäft des Ar­beits­le­bens nicht ge­recht. Hens­s­ler/Preis ha­ben da­her auch in ih­rem Dis­kus­si­ons­ent­wurf ei­nes Ar­beits­ver­trags­ge­set­zes (Stand: Au­gust 2008) die Möglich­keit ei­ner Nach­ho­lung der Schrift­form bin­nen Mo­nats­frist vor­ge­schla­gen (vgl. § 128 Abs. 2 des Ent­wurfs). Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin (Ur­teil vom 02.11.2005 - 30 Ca 12599/05) hat aus­geführt, „es miss­ha­ge der Kam­mer, dass sich hier ei­ne Fal­le auf­tue, in die auch der gut-
wil­ligs­te und rechtstreu­es­te Ar­beit­ge­ber hin­ein­tap­pen wer­de, wen­de er nicht größte Auf­merk­sam­keit an“.
c) Im Streit­fall be­darf es kei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit die­ser Kri­tik. Denn ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist im vor­lie­gen­den Fall ei­ne wirk­sa­me Be­fris­tungs­ab­re-de am 04.01.2006 zu­stan­de ge­kom­men. Dies er­gibt sich im Ein­zel­nen aus fol­gen­den Erwägun­gen:
aa) Die Par­tei­en ha­ben nicht En­de No­vem­ber/An­fang De­zem­ber 2004 ei­ne - un-wirk­sa­me - münd­li­che Be­fris­tungs­ab­re­de ge­trof­fen. Den Ab­lauf der Ver­trags-gespräche ha­ben die Par­tei­en im We­sent­li­chen übe­rein­stim­mend dar­ge­stellt. Da­nach er­kun­dig­te sich der Kläger En­de No­vem­ber 2004 bei dem Per­so­nal­re­fe­ren­ten F. nach ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung über den 31.12.2004 hin­aus. Herr F. war zu die­sem Zeit­punkt da­mit be­fasst, die Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten zu­guns­ten der frühe­ren Aus­zu­bil­den­den zu prüfen. Herr F. teil­te dem Kläger mit, dass ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung auf sei­nem bis­he­ri­gen Ar­beits­platz, al­so in der Werk­statt W 078130 nicht möglich sei. In Be­tracht kommt je­doch ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung in der Werk­statt 078410. Herr F. bat den Kläger, sich bei dem Meis­ter St. vor­zu­stel­len. Die­ser Bit­te kam der Kläger (wohl) An­fang De­zem­ber 2004 nach.
Auf­grund die­ser Ge­scheh­nis­se ist zwi­schen den Par­tei­en kein münd­lich ver­ein­bar­ter Ar­beits­ver­trag zu­stan­de ge­kom­men (zu ei­nem ähn­li­chen Fall: LAG Rhein­land-Pfalz, 16.12.2005 - 8 Sa 669/05). Dies gilt für das Gespräch zwi­schen dem Kläger und Herrn F. schon des­we­gen, weil Herr F. den Kläger of­fen­sicht­lich des­we­gen um ein Vor­stel­lungs­gespräch bei Herrn St. bat, weil er ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung nur für den Fall befürwor­ten woll­te, dass ei­ner­seits der Kläger mit dem neu­en Ar­beits­platz ein­ver­stan­den war und an­de­rer­seits der Meis­ter St. die Eig­nung des Klägers be­jah­te. Ei­ne Re­ak­ti­on des Klägers ge­genüber der Per­so­nal­ab­tei­lung ist im An­schluss an das Vor­stel­lungs­gespräch so­weit er­sicht­lich nicht er­folgt. Selbst wenn Herr St. und der Kläger ver­ein­bart ha­ben soll­ten, dass Herr St. Herrn F. un­ter­rich­tet (wo­von das Ar-beits­ge­richt of­fen­sicht­lich aus­geht), so würde ein münd­li­cher Ver­trags­schluss dar­an schei­tern, dass Herr F. zum Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges nicht be­vollmäch­tigt war und der Kläger auch nicht nach den Grundsätzen der Dul­dungs- und An­scheins­voll­macht von ei­ner Be­vollmäch­ti­gung von Herrn F. aus­ge­hen durf­te.
Es trifft in die­sem Zu­sam­men­hang zwar zu, dass Herr F. das ge­sam­te Ver-trags­gespräch mit dem Kläger geführt hat. Aus den ihm be­kann­ten Abläufen bei der Ver­trags­er­stel­lung muss­te der Kläger aber er­ken­nen, dass Herr F. als Per­so­nal­re­fe­rent le­dig­lich mit der Vor­be­rei­tung des Ar­beits­ver­trags be­auf­tragt war, während die Un­ter­zeich­nung sei­nem Vor­ge­setz­ten vor­be­hal­ten war. So geht aus je­dem der drei ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge her­vor, dass je­weils ein Per­so­nal­re­fe­rent (auf­geführt links ne­ben der Da­tums­an­ga­be) die Ver­trags­ur­kun­de vor­be­rei­tet hat, je­doch so­dann ein an­de­rer Mit­ar­bei­ter mit „i.V.“ den Ar­beits­ver­trag un­ter­zeich­net hat. Dies steht im Ein­klang mit der Dar­stel­lung der Be­klag­ten, der Per­so­nal­re­fe­rent zeich­ne le­dig­lich mit „i.A.“. Die Un­ter­zeich­nung von Ar­beits­verträgen sei dem Per­so­nal­lei­ter vor­be­hal­ten, der mit „i.V.“ zeich­ne. An­ge­sichts die­ser aus den Ak­ten er­kenn­ba­ren Un­ter­schrif­ten­re­ge­lung ist das Be­strei­ten des Klägers un­be­acht­lich. Der Kläger konn­te er­ken­nen, dass die Letz­tent­schei­dung dem Per­so­nal­lei­ter vor­be­hal­ten war.
bb) Die wei­te­ren Ge­scheh­nis­se im Ver­lauf des Mo­nats De­zem­ber bie­ten da­her eben­falls kei­nen aus­rei­chen­den An­halts­punkt für ei­nen münd­li­chen Ver­trags­schluss. Dass ggf. der Va­ter des Klägers von Herrn F. und von der Vor­sit­zen­den des Per­so­nal­aus­schus­ses - was die Be­klag­te je­weils be­strei­tet - die Nach­richt er­hal­ten ha­ben will, sein Sohn wer­de bis zum 30.06.2005 wei­ter beschäftigt, ist vor dem Hin­ter­grund zu se­hen, dass Herr F. be­reits un­ter dem 06.12.2004 den wei­te­ren schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag vor­be­rei­tet hat­te. Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG wur­de of­fen­kun­dig zeit­lich im Zu­sam­men­hang hier­mit ein­ge­holt. An­ge­sichts des von Herrn F. pro­gnos­ti­zier­ten Ab­laufs, dass der Kläger den Ar­beits­ver­trag noch im Ver­lau­fe des De­zem­ber 2004 un­ter­schrei­ben wer­de, ist es kon­se­quent, dass auf die Rück­for­de­rung von Schlüssel und Werks­aus­weis ver­zich­tet wur­de und die Be­klag­te kei­nen Hin­weis auf die Mel­de­pflicht bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit nach § 37 b SGB III er­teil­te. Eben­so ist es fol­ge­rich­tig, dass der Kläger von ei­ner Mit­ar­bei­te­rin von Herrn F. zu ei­nem nicht näher vor­ge­tra­ge­nen Zeit­punkt die Mit­tei­lung er­hielt, er sol­le sich am 04.01.2005 um 14.00 Uhr zur Spätschicht ein­fin­den. Denn auch die Mit­ar­bei­te­rin von Herrn F. ging da­von aus, der Kläger ha­be be­reits oder wer­de zu­min­dest bis En­de De­zem­ber 2004 den schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag un­ter­zeich­nen.
cc) Ein münd­li­cher Ar­beits­ver­trag ist auch nicht durch still­schwei­gen­de Wil­len­ser-klärung der Par­tei­en am 01.01.2005 zu­stan­de ge­kom­men. Zwar trifft es zu, dass das neue Ar­beits­verhält­nis am 01.01.2005 be­gin­nen soll­te. Am 01.01.2005 nahm aber kei­ne der Par­tei­en ir­gend­wel­che Hand­lun­gen vor, aus de­nen der still­schwei­gen­de Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ge­fol­gert wer­den könn­te. Ins­be­son­de­re er­folg­te am 01.01.2005 un­strei­tig kei­ne Ar­beits­nah­me.
dd) Et­was an­de­res gilt für den 04.01.2005 bei Dienst­an­tritt. An die­sem Tag nahm der Kläger un­strei­tig um 14:00 Uhr mit der Spätschicht sei­ne Tätig­keit auf. Gleich­wohl ist auch bei die­ser Ge­le­gen­heit kein kon­klu­dent ge­schlos­se­ner - for­mun­wirk­sa­mer - Ar­beits­ver­trag zu­stan­de ge­kom­men. Denn aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang er­gibt sich, dass der Ar­beits­ver­trag nach § 154 Abs. 2 BGB erst mit der Be­ur­kun­dung zu­stan­de kom­men soll­te.
(1) Nach § 154 Abs. 2 BGB ist im Zwei­fel der Ver­trag nicht ge­schlos­sen, bis die Be­ur­kun­dung er­folgt ist, falls die Par­tei­en ei­ne Be­ur­kun­dung des be­ab­sich­tig­ten Ver­trags ver­ab­re­det ha­ben. Un­ter „Be­ur­kun­dung“ ist auch die Ver­ein­ba­rung der Schrift­form zu ver­ste­hen. Die For­ma­bre­de kann durch schlüssi­ges Ver­hal­ten ge­trof­fen wer­den. Sie ist bei wich­ti­gen und lang­fris­ti­gen Verträgen wi­der­leg­lich zu ver­mu­ten. Soll die Be­ur­kun­dung hin­ge­gen nur Be­weis­zwe­cken die­nen, so ist § 154 Abs. 2 BGB nicht an­wend­bar. Führen die Par­tei­en ei­nen münd­lich ge­schlos­se­nen Ver­trag ein­ver­nehm­lich durch, so gilt die Zwei­fels­re­gel des § 154 Abs. 2 BGB eben­falls nicht (Pa­landt-Hein­richs, BGB, 64. Auf­la­ge, § 154 Rz 4 f.; München­er­Kom­men­tar/BGB-Kra­mer, 4. Aufl., § 154 Rz. 13 ff.).
(2) Hier­nach er­gibt sich für den Streit­fall Fol­gen­des: Aus den Ge­sche­hens­abläufen muss­te der Kläger ent­neh­men, dass es der Be­klag­ten maßgeb­lich dar­auf an­kam, dass der Ar­beits­ver­trag vor Ar­beits­an­tritt un­ter­zeich­net wer­de. Der Per­so­nal­re­fe­rent be­rei­te­te den Ar­beits­ver­trag frühzei­tig am 06.12.2004 vor und be­an­trag­te die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG. Er sand­te den vom Per­so­nal­lei­ter un­ter­zeich­ne­ten Ar­beits­ver­trag am 17.12.2004 an den Kläger ab. Nach dem un­wi­der­spro­che­nen Vor­brin­gen der Be­klag­ten er­folg­te die Ver­sen­dung un­mit­tel­bar im zeit­li­chen Zu­sam­men­hang mit der Ein­ga­be des Ver­trags in das Per­so­nal­ad­mi­nis­tra­ti­ons­sys­tem. Das An­schrei­ben lau­tet am En­de: „Sen­den Sie uns bit­te die Ko­pie möglichst bald un­ter-
schrie­ben zurück“. Bei den übli­chen Post­lauf­zei­ten durf­te Herr F. da­von aus­ge­hen, dass der Kläger den Ver­trag spätes­tens am Mon­tag, 20.12.2004 er­hal­ten wer­de. Für ei­ne recht­zei­ti­ge Rück­sen­dung vor dem 01.01.2005 ver­blieb je­den­falls noch aus­rei­chend Zeit. Wes­halb der Ar­beits­ver­trag erst am Diens­tag, 04.01.2005 um 11:00 Uhr beim Kläger ein­ging, ist un­geklärt ge­blie­ben. Un­ter Umständen ist die Verzöge­rung auf die feh­ler­haf­te Straßen­an­ga­be zurück­zuführen. Die Be­klag­te hat zwar vor­ge­tra­gen, es sei mit ei­nem Zu­gang des Schrei­bens „mit an Si­cher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit“ am 19.12.2004 (Sonn­tag ?) aus­zu­ge­hen. Für die­sen Vor­trag hat sie je­doch kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten.
Der Kläger hat­te am 04.01.2005 ge­gen 11:00 Uhr den schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag in Händen. Er konn­te er­ken­nen, dass es der Be­klag­ten maßgeb­lich auf die Schrift­form des Ar­beits­ver­trags an­kam. Dies gilt um so mehr, als die Be­klag­te beim Ab­schluss des vor­he­ri­gen Ar­beits­ver­trags in glei­cher Wei­se ver­fah­ren war. Sie hat­te den Ar­beits­ver­trag un­ter dem 08.10.2003 recht­zei­tig vor dem Ver­trags­be­ginn am 03.11.2003 aus­ge­fer­tigt und dem Kläger den Ar­beits­ver­trag mit der Bit­te um möglichst bal­di­ge Rück­ga­be zu­ge­lei­tet. Le­dig­lich beim Erst­ver­trag vom 14.01.2003 verhält es sich an­ders. Die­se Ab­wei­chung dürf­te aber maßgeb­lich dar­auf zurück­zuführen sein, dass nach der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses durch Be­ste­hen der Ab­schluss­prüfung (vgl. § 21 Abs. 2 BBiG) kaum Zeit für die Vor­be­rei­tung des Ar­beits­ver­trags blieb.
Un­ter die­sen Umständen kann es da­hin­ste­hen, ob der Kläger den Ar­beits­ver­trag erst nach Ar­beits­be­ginn am Nach­mit­tag des 04.01.2005 (so der Kläger) oder be­reits vor Ar­beits­an­tritt (so die An­nah­me der Be­klag­ten) un­ter­zeich­ne­te. Die Par­tei­en ha­ben mit der Ver­trags­durchführung in je­dem Fall nicht be­gon­nen, be­vor der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag dem Kläger vor­lag. Bei bei­den Fall­ge­stal­tun­gen kann nicht an­ge­nom­men wer­den, dass die Par­tei­en ei­nen nur münd­lich ge­schlos­se­nen Ver­trag ein­verständ­lich durchführen woll­ten. Die­ser Um­stand un­ter­schei­det den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt maßgeb­lich von den Fall­ge­stal­tun­gen, die den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 01.12.2004 und 16.03.2005 zu­grun­de la­gen. Im ers­ten Fall hat der Kläger sei­ne Tätig­keit am 01.11.2000 auf­ge­nom­men; der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag wur­de erst am 10.11.2000 un­ter­zeich­net. Im zwei­ten Fall da­tier­te zwar der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag be­reits vom 16.12.2002. Die Kläge­rin nahm am 02.01.2003
ih­re Ar­beit auf; der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag wur­de ihr aber erst am 08.01.2003 vor­ge­legt. In bei­den Fällen konn­ten die Ar­beit­neh­mer nicht er­ken­nen, dass es dem Ar­beit­ge­ber maßgeb­lich auf die Schrift­form des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags an­kam. An­ders verhält es sich im vor­lie­gen­den Fall (ähn­lich LAG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, 30.12.2005 - 3 Sa 351/05).
(3) Folg­lich kam der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en erst zu­stan­de, als der Kläger (nach sei­nem Vor­brin­gen) am Nach­mit­tag des 04.01.2005 die Un­ter­schrift un­ter den Ar­beits­ver­trag leis­te­te. Es han­del­te sich hier­bei um ei­ne ei­genständi­ge Be­fris­tungs­ab­re­de, nicht um ei­ne schrift­li­che Nie­der­le­gung ei­ner be­reits zu­vor münd­lich ge­trof­fe­nen Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung. Der Be­fris­tung lag wie oben aus­geführt auch der er­for­der­li­che Sach­grund zu­grun­de. Da­mit lag ins­ge­samt ei­ne wirk­sa­me Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30.06.2005 vor.
Der Kläger hat gemäß § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten sei­nes oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels zu tra­gen. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG, nach­dem zur vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung kei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor­liegt.
Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach der Zu­stel­lung des Be­ru­fungs­ur­teils, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach die­sem Zeit­punkt beim
Die Re­vi­si­ons- und die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift müssen von ei­nem bei ei­nem deut-schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.
(gleich­zei­tig für den aus­ge­schie­de­nen
eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ge­cke­ler
Pem­merl
zur Übersicht 4 Sa 28/06

References: § 14
 § 14
 § 313
 § 64
 § 64
 § 17
 § 14
 § 14
 § 14
 § 125
 § 16
 § 126
 § 14
 § 141
 § 141
 § 154
 § 128
 § 99
 § 37
 § 154
 § 154
 § 154
 § 154
 § 154
 § 154
 § 99
 § 21
 § 97
 § 72