Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/einrichtung-hilfsstrafkammer-strafverfahren-3119390
Timestamp: 2019-12-14 20:48:14+00:00

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Ein­rich­tung einer Hilfs­straf­kam­mer – für bereits anhän­gi­ge Straf­ver­fah­ren | Rechtslupe
Einrichtung einer Hilfsstrafkammer - für bereits anhängige Strafverfahren
Ein­rich­tung einer Hilfs­straf­kam­mer – für bereits anhän­gi­ge Straf­ver­fah­ren
Mit der Garan­tie des gesetz­li­chen Rich­ters will Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG der Gefahr vor­beu­gen, dass die Jus­tiz durch eine Mani­pu­la­ti­on der recht­spre­chen­den Orga­ne sach­frem­den Ein­flüs­sen aus­ge­setzt wird. Es soll ver­mie­den wer­den, dass durch eine auf den Ein­zel­fall bezo­ge­ne Aus­wahl der zur Ent­schei­dung beru­fe­nen Rich­ter das Ergeb­nis der Ent­schei­dung – gleich­gül­tig von wel­cher Sei­te – beein­flusst wer­den kann 1. Damit sol­len die Unab­hän­gig­keit der Recht­spre­chung gewahrt und das Ver­trau­en der Recht­su­chen­den und der Öffent­lich­keit in die Unpar­tei­lich­keit und Sach­lich­keit der Gerich­te gesi­chert wer­den 2.
Betrifft ein Ver­fah­ren nicht allein die feh­ler­haf­te Aus­le­gung oder Anwen­dung einer im Vor­aus abs­trakt-gene­rel­len Zustän­dig­keits­re­gel (etwa eines Geschäfts­ver­tei­lungs­plans oder der Vor­aus­set­zun­gen des § 21e Abs. 3 GVG) durch einen Spruch­kör­per im Ein­zel­fall, son­dern die Vor­fra­ge, ob eine Zustän­dig­keits­re­gel eines Geschäfts­ver­tei­lungs­pla­nes über­haupt als gene­rell-abs­trak­te Rege­lung im Sin­ne der Garan­tie des gesetz­li­chen Rich­ters anzu­se­hen ist, nimmt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dage­gen kei­ne blo­ße Will­kür­prü­fung vor, son­dern über­prüft voll­um­fäng­lich, ob die ange­wen­de­te Rege­lung gene­rell-abs­trakt ist 7.
Den ange­führ­ten Maß­stä­ben wur­de im hier ent­schie­de­nen Fall der Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des Land­ge­richts Ros­tock nicht gerecht. Er ent­hielt – soweit er den hier in Rede ste­hen­den Fall anbe­langt – kei­ne gene­rell-abs­trak­ten Rege­lun­gen im Sin­ne von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG, aus denen sich eine Zustän­dig­keit der Hilfs­straf­kam­mer als gesetz­li­cher Rich­ter hät­te erge­ben kön­nen. Das ange­grif­fe­ne Urteil des Land­ge­richts ver­letzt somit das grund­rechts­glei­che Recht der Ange­klag­ten aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG.
Der eben­falls ange­grif­fe­ne Beschluss des Bun­des­ge­richts­ho­fes wie­der­holt und ver­tieft die Ver­let­zung des Rechts der Ange­klag­ten aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG.
Da die Ver­fas­sungs­be­schwer­de erfolg­reich ist, bedarf die wei­te­re Rüge der Ange­klag­ten, auch die Vor­aus­set­zun­gen des § 21e Abs. 3 GVG sei­en in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se ange­nom­men wor­den, kei­ner Ent­schei­dung.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Dezem­ber 2016 – 2 BvR 2023 – /​16
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References: Art. 101
 § 21
 Art. 101
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 § 21