Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4287.htm
Timestamp: 2018-11-19 22:44:18+00:00

Document:
4.287 Heuberg
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Heuberg« vom 16. Februar 1998 (GBl. v. 17.04.1998, S. 238).
Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) und von § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Balingen, Gemarkungen Balingen und Endingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Heuberg«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 7,5 ha.
1. Balingen
die Flurstücke Nr. 1696, 2202, FW 2203, 2206, 2207, 2208, 2211, 2212 und 2213
2. Endingen
die Flurstücke Nr. FW 1310/1 teilweise, 1494‑1498, 1502, 1506‑1508, 1525, FW 1525/1 teilweise, 1525/3, 1526‑1537 und 1541/1.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 4. September 1995 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen und beim Bürgermeisteramt Balingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Verbesserung und Pflege eines vielfältig strukturierten Gebiets als Lebensraum für vorn Aussterben bedrohte, gefährdete und geschützte Tier‑ und Pflanzenarten, sowie als kulturhistorisch bedeutendes Landschaftselement.
· die Wasserflächen mit der daran gebundenen Vegetation
· die Ufergehölze
· die Schieferwände
· die extensiv genutzten Mähwiesen
· die Wiesenbrachen
· die naturnahen Waldpartien
Auf Grund der außergewöhnlichen Vielfalt an kleinflächig verzahnten und miteinander vernetzten Biotopstrukturen stellt das Gebiet in seiner Gesamtheit einen bedeutenden Lebensraum für an Stillgewässer, extensiv genutztes Offenland, Brachestadien und naturnahe Waldbestände gebundene Tier‑ und Pflanzenarten dar. Es weist insbesondere seltene Amphibien-, Vogel-, Wildbienen- und Libellenarten auf.
1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen; dies gilt auch für Einfriedigungen jeder Art sowie für Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen;
2. Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;
6. abweichend von § 5 Abs. 1 Nr. 4 die Fischerei auszuüben.
1. das Gebiet außerhalb der Wege, der Dammkrone zwischen den Weihern und der Wiese südlich FW 2308/1 zu betreten;
3. außerhalb von befestigten Wegen Fahrrad zu fahren und zu reiten;
2. Feuer zu machen;
1. Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, insbesondere die oberirdischen Gewässer nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt, wobei
1.1 die Veränderung der Bodengestalt nicht zulässig ist;
1.2 der Umbruch von Dauergrünland oder Dauerbrache nicht zulässig ist. Dies gilt nicht für das einjährige Brachfallen im Rahmen der traditionellen Fruchtfolge;
1.3 Ufergehölze, Feldraine, Hecken, Feldgehölze, Einzelbäume, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen;
1.4 die Verwendung von Düngemitteln nur auf privaten landwirtschaftlichen Flächen zulässig ist. Bei der Anwendung ist von besonders geschützten Biotopen (§ 24 a NatSchG), auch wenn sie die in der Anlage dazu genannten Maße nicht erreichen, ein Abstand von 10 m einzuhalten;
1.5 die Anwendung von Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie von Wirkstoffen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen und Tieren beeinflussen, nur auf Ackerflächen zulässig ist. Nummer 1.4 Satz 2 gilt entsprechend;
1.6 landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht im Schutzgebiet gelagert und landwirtschaftliche Maschinen nicht abgestellt werden dürfen.
Unter Abweichung von Ziffer 1.2 kann die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufgenommen werden, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben worden war, soweit nicht diese Verordnung Beschränkungen auferlegt.
2. Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, wobei
2.1 die standortwidrigen Bestände in solche der natürlichen Waldgesellschaften umgewandelt werden. Zu diesem Zweck ist die Einbringung von standortheimischen Laubbäumen und Tannen zulässig;
2.2 die Bewirtschaftung der bereits vorhandenen und künftigen natürlichen Waldgesellschaften dauerwaldartig und allein auf Naturverjüngung basierend erfolgt;
2.3 eine Bewirtschaftung der vorhandenen und künftigen Auwaldbestände nicht erfolgt;
2.4 Dürrständer, Höhlenbäume und Horstbäume im öffentlichen Wald bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden. Dies gilt nicht, soweit eine Gefahr für die Benutzung öffentlicher Wege und für die Ausbreitung von Forstschädlingen besteht;
3. Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, wobei
3.1 die Bejagung so auszuüben ist, daß die Aufrechterhaltung und gegebenenfalls Wiederherstellung des Schutzzweckes dauerhaft gewährleistet ist;
3.2 höchstens eine Ansitzleiter in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde aufgestellt werden darf;
3.3 keine Wildäcker und Futterstellen eingerichtet werden. Das Ankirren von Federwild ist nicht zulässig;
3.4 keine Tiere eingebracht werden dürfen;
4. Für die Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, wobei
4.1 die Weiher als Aufzuchtweiher betrieben werden und eine Angelfischerei zur Nahrungsgewinnung nicht stattfindet;
4.2 die Seen nur in Abständen von jeweils mindestens vier Jahren abgelassen werden, das Ablassen jeweils im September oder Oktober erfolgt und mit der Wiederbefüllung unmittelbar danach begonnen wird, der gegebenenfalls zu beseitigende Schlamm außerhalb des Schutzgebiets ordnungsgemäß entsorgt wird, auf dem Seegrund kein Einbau von Fremdmaterial und keine Nivellierungsmaßnahmen erfolgen, die Ablaßtermine dergestalt gestaffelt werden, daß jeweils nur der erste See abgelassen wird und frühestens nach weiteren zwei Jahren der zweite See abgelassen wird. Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Auf die Vogelbrutzeit vom 1. März bis 31. Juli soll Rücksicht genommen werden.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach den §§ 4 und 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Ziff. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 oder § 5 die Jagd ausübt.
TÜBINGEN, den 16. Februar 1998

References: § 28
 § 2
 § 5
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 64
 § 40
 § 4
 § 5