Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/die-erbengemeinschaft-und-die-grunderwerbsteuer-3103479
Timestamp: 2020-07-08 14:14:00+00:00

Document:
Die Erbengemeinschaft - und die Grunderwerbsteuer | Rechtslupe
Die Erbengemeinschaft - und die Grunderwerbsteuer
Hat eine noch nicht aus­ein­an­der­ge­setz­te Erben­ge­mein­schaft ein zum Nach­lass gehö­ren­des Grund­stück ver­kauft, ist sie selbst gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 13 Nr. 1 GrEStG Steu­er­schuld­ne­rin.
Die Erben­ge­mein­schaft ist selb­stän­di­ger Rechts­trä­ger im Sin­ne des Grund­er­werb­steu­er­rechts [1]. Sie kann ein Grund­stück aus dem Nach­lass ver­äu­ßern oder für den Nach­lass erwer­ben.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Erben­ge­mein­schaft nicht auf Dau­er ange­legt, son­dern auf Aus­ein­an­der­set­zung gerich­tet ist [2]. Unschäd­lich ist auch, dass sie über kei­ne eige­nen Orga­ne ver­fügt, durch die sie im Rechts­ver­kehr han­deln könn­te, und kein eigen­stän­di­ges, hand­lungs­fä­hi­ges Rechts­sub­jekt ist.
Die grund­er­werb­steu­er­recht­li­che Selb­stän­dig­keit der Erben­ge­mein­schaft nach außen folgt aus deren bür­ger­lich-recht­li­cher Selb­stän­dig­keit als Zurech­nungs­sub­jekt des gesamt­hän­de­risch gebun­de­nen Son­der­ver­mö­gens [3]. Auch wenn jeder Mit­er­be jeder­zeit die Aus­ein­an­der­set­zung der Erben­ge­mein­schaft ver­lan­gen kann (§ 2042 Abs. 1 BGB), sind die Mit­er­ben wäh­rend des Bestehens der Erben­ge­mein­schaft zum gemein­sa­men Han­deln ver­pflich­tet (§ 2038 Abs. 1 Satz 1 BGB) [3].
Dem ent­spricht es, dass im Streit­fall die Erben­ge­mein­schaft als sol­che die Auf­he­bung der Steu­er­fest­set­zung gemäß § 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG zu bean­tra­gen hat.
Nach die­ser Vor­schrift wird auf Antrag die Steu­er nicht fest­ge­setzt oder die Steu­er­fest­set­zung auf­ge­ho­ben, wenn die Ver­trags­be­din­gun­gen nicht erfüllt wer­den und der Erwerbs­vor­gang des­halb auf­grund eines Rechts­an­spruchs rück­gän­gig gemacht wird, bevor das Eigen­tum am Grund­stück auf den Erwer­ber über­ge­gan­gen ist. Es han­delt sich dabei um eine am Besteue­rungs­zweck ori­en­tier­te gegen­läu­fi­ge Kor­rek­tur­vor­schrift zu § 1 GrEStG [4]. Tre­ten die Vor­aus­set­zun­gen des § 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG ein, bevor über einen Ein­spruch gegen die ursprüng­li­che Steu­er­fest­set­zung ent­schie­den wur­de, muss dies in der Ein­spruchs­ent­schei­dung berück­sich­tigt wer­den [5].
Die­ser Rechts­na­tur des § 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG ent­spre­chend steht der Anspruch aus die­ser Vor­schrift dem Steu­er­pflich­ti­gen zu, der den der Grund­er­werb­steu­er unter­lie­gen­den Tat­be­stand ver­wirk­licht hat und dem gegen­über als Steu­er­schuld­ner die Grund­er­werb­steu­er nach § 13 GrEStG fest­ge­setzt wur­de oder fest­zu­set­zen wäre. Es spielt dabei kei­ne Rol­le, ob der Steu­er­pflich­ti­ge oder ein Drit­ter für ihn die Steu­er ent­rich­tet hat. Steu­er­recht­lich kommt es nicht dar­auf an, von wem und mit wel­chen Mit­teln gezahlt wor­den ist, son­dern nur dar­auf, wes­sen Steu­er­schuld nach dem Wil­len des Zah­len­den, wie er im Zeit­punkt der Zah­lung dem Finanz­amt gegen­über erkenn­bar gewor­den ist, getilgt wer­den soll­te. Den Finanz­be­hör­den wird nicht zuge­mu­tet, im Ein­zel­fall die zivil­recht­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen dem Steu­er­schuld­ner und einem zah­len­den Drit­ten dar­auf­hin zu über­prü­fen, wer von ihnen im Innen­ver­hält­nis mate­ri­ell-recht­lich einen Anspruch auf die gemäß § 37 Abs. 2 der Abga­ben­ord­nung (AO) zu erstat­ten­den Beträ­ge hat [6].
Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch dann, wenn auf­grund des Ver­kaufs eines Grund­stücks durch eine Erben­ge­mein­schaft die Grund­er­werb­steu­er gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 13 Nr. 1 GrEStG gegen die­se fest­ge­setzt wur­de. In die­sem Fall steht der Anspruch aus § 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG auf­grund der Gegen­läu­fig­keit die­ser Kor­rek­tur­vor­schrift zu § 1 GrEStG eben­falls der nach wie vor unge­teil­ten Erben­ge­mein­schaft und nicht deren ein­zel­nen Mit­glie­dern zu, und zwar unab­hän­gig davon, von wem und mit wel­chen Mit­teln die Steu­er gezahlt wor­den ist.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2015 – II B 33/​15
BFH, Urteil vom 12.02.2014 – II R 46/​12, BFHE 244, 455, BStBl II 2014, 536, Rz 16, m.w.N.[↩]
BFH, Urtei­le vom 09.12 2009 – II R 37/​08, BFHE 228, 172, BStBl II 2010, 489, und in BFHE 244, 455, BStBl II 2014, 536, Rz 16[↩]
BFH, Urteil in BFHE 244, 455, BStBl II 2014, 536, Rz 16[↩][↩]
BFH, Urteil vom 11.06.2013 – II R 52/​12, BFHE 241, 419, BStBl II 2013, 752, Rz 17, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil vom 16.02.2005 – II R 53/​03, BFHE 209, 158, BStBl II 2005, 495[↩]
BFH, Urteil vom 22.03.2011 – VII R 42/​10, BFHE 233, 10, BStBl II 2011, 607, Rz 21, m.w.N.[↩]
Erbrecht Sonstige Steuern
3 nr. 3 grestgErbengemeinschaftGrunderwerbsteuer

References: § 1
 § 13
 § 16
 § 1
 § 16
 § 16
 § 13
 § 37
 § 1
 § 13
 § 16
 § 1