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Timestamp: 2020-01-21 02:51:00+00:00

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Rechts­pfle­ger sind kei­ne Rich­ter | Rechtslupe
Rechts­pfle­ger sind kei­ne Rich­ter
Die Vor­schrif­ten über den gesetz­li­chen Rich­ter sind auf Rechts­pfle­ger weder unmit­tel­bar noch ent­spre­chend anzu­wen­den.
Aus den Bestim­mun­gen des Rechts­pfle­ger­ge­set­zes ergibt sich nicht, dass die Ver­tei­lung der von den Rechts­pfle­gern zu erle­di­gen­den Geschäf­te im Vor­aus nach einem abs­trakt-gene­rel­len Maß­stab bestimmt sein muss. Die Über­tra­gung bestimm­ter Geschäf­te an den Rechts­pfle­ger durch Anord­nung im Ein­zel­fall (ad hoc) ist daher nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs zuläs­sig.
Die inso­weit für Rich­ter gel­ten­den Vor­schrif­ten sind, so der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Beschlub­e­grün­dung, auf Rechts­pfle­ger schon des­we­gen nicht unmit­tel­bar anzu­wen­den, weil Rechts­pfle­ger nicht Rich­ter im Sin­ne des Ver­fas­sungs­rechts und des Gerichts­ver­fas­sungs­rechts sind 1.
Die für die Geschäfts­ver­tei­lung unter den Rich­tern gel­ten­den Grund­sät­ze sind auf die Geschäf­te der Rechts­pfle­ger auch nicht ent­spre­chend anzu­wen­den.
Einer ana­lo­gen Anwen­dung des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG auf den Rechts­pfle­ger steht ent­ge­gen, dass die­sem die durch Art. 97 Abs. 1 und 2 GG dem Rich­ter garan­tier­te sach­li­che und per­sön­li­che Unab­hän­gig­keit fehlt 2.
Die Rechts­pfle­ger üben als Rechts­pfle­ge­or­ga­ne eige­ner Art gegen­über den Bür­gern auch kei­ne recht­spre­chen­de Gewalt im Sin­ne des Art. 20 Abs. 2 Satz 2, Art. 92 GG aus 3. Das wäre näm­lich nach dem Vor­ste­hen­den bei Bei­be­hal­tung des beam­ten­recht­li­chen Sta­tus des Rechts­pfle­gers ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­sig 4 und trifft auch in der Sache nicht zu 5. Die Ent­schei­dun­gen des Rechts­pfle­gers sind zwar Teil der Rechts­pfle­ge, gehö­ren jedoch zur öffent­li­chen Gewalt im Sin­ne des Art. 19 Abs. 4 GG, die – soweit sie in Rech­te des Bür­gers ein­grei­fen – nicht von einem Rich­ter getrof­fen wer­den, son­dern allein in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht einer Über­prü­fung durch einen Rich­ter zugäng­lich sein müs­sen 6.
Das gilt auch für den von dem Rechts­pfle­ger erlas­se­nen Zuschlags­be­schluss, der, obwohl er das Eigen­tum bei dem Erste­her ent­ste­hen lässt (§ 90 Abs. 1 ZVG) und der Rechts­kraft fähig ist 7, kei­ne Aus­übung von Recht­spre­chung im mate­ri­el­len Sin­ne, son­dern eine hoheit­li­che Ent­schei­dung des Voll­stre­ckungs­ge­richts als zustän­di­ger Behör­de ist. Die Zwangs­ver­stei­ge­rung könn­te auch von ande­ren Voll­stre­ckungs­be­am­ten, Nota­ren oder Behör­den – wie es vor 1900 vor allem in den süd­deut­schen Län­dern und bis zum 30. Juni 2007 für die Ver­stei­ge­run­gen nach §§ 19, 53 ff. WEG der Fall war – aus­ge­übt wer­den. Die Zwangs­ver­stei­ge­rung wur­de allein aus Grün­den der Zweck­mä­ßig­keit den Voll­stre­ckungs­ge­rich­ten als der für die Durch­füh­rung der Ver­stei­ge­rung am bes­ten geeig­ne­ten Behör­de zuge­wie­sen 8.
Ande­res ergibt sich 9 auch nicht aus dem Satz in frü­he­ren Ent­schei­dun­gen, dass der Zuschlags­be­schluss die Bedeu­tung eines Rich­ter­spruchs habe, der für die Rechts­stel­lung des Erste­hers und die Wir­kun­gen, die durch den Zuschlag an den Rech­ten der Betei­lig­ten ein­tre­ten, bestim­mend sei 10. Das betraf die Rechts­fol­gen der Zuschlags­ent­schei­dung, die damals dem Rich­ter zuge­wie­sen war, die jedoch in Bezug auf die Rech­te der Betei­lig­ten nicht anders zu beur­tei­len ist als ein Ent­eig­nungs­be­schluss einer Behör­de nach §§ 112, 113 Bau­GB. Recht­spre­chung ist – wie bei ande­ren Ent­schei­dun­gen des Rechts­pfle­gers auch – nicht die Zuschlags­ent­schei­dung, son­dern die Ent­schei­dung über deren Recht­mä­ßig­keit nach einem Rechts­be­helf eines Betei­lig­ten 11.
Auch aus den Bestim­mun­gen des Rechts­pfle­ger­ge­set­zes ergibt sich nicht, dass die Ver­tei­lung der Geschäf­te der Rechts­pfle­ger – wie in dem nach § 21e GVG für die rich­ter­li­che Geschäft­ver­tei­lung erlas­se­nen Plan – abs­trakt-gene­rell bestimmt sein muss, womit ad hoc Zuwei­sun­gen von Geschäf­ten unzu­läs­sig wären.
Das ent­spricht der herr­schen­den Auf­fas­sung in Recht­spre­chung 12 und im Schrift­tum 13. Die Ver­tei­lung der Geschäf­te zwi­schen den Rechts­pfle­gern nach § 2 Abs. 1 Satz 1 RPflG erfolgt durch einen kol­lek­ti­ven Jus­tiz­ver­wal­tungs­akt des Gerichts­prä­si­den­ten oder ‑direk­tors als Behör­de der Jus­tiz­ver­wal­tung, die die­ser jeder­zeit ändern kann 14 und die auch ad hoc Zuwei­sun­gen von Geschäf­ten zulässt 15.
Nach ande­rer Ansicht soll § 2 Abs. 1 Satz 1 RPflG zwar für die Ver­tei­lung der Geschäf­te der Rechts­pfle­ger nicht ein­schlä­gig sein und das Rechts­pfle­ger­ge­setz eine Lücke ent­hal­ten, die auf Grund der Bestim­mun­gen über die sach­li­che Unab­hän­gig­keit des Rechts­pfle­gers (§ 9 RPflG), die Anwen­dung der für die Aus­schlie­ßung und Ableh­nung von Rich­tern gel­ten­den Vor­schrif­ten (§ 10 RPflG) und der Rechts­be­hel­fe gegen die Ent­schei­dun­gen des Rechts­pfle­gers (§ 11 RPflG) durch eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der für die Geschäfts­ver­tei­lung unter Rich­tern gel­ten­den Grund­sät­ze geschlos­sen wer­den müs­se 16.
Der Bun­des­ge­richts­hof hält jedoch an der herr­schen­den Ansicht fest. Den ein­zel­nen Ver­wei­sun­gen im Rechts­pfle­ger­ge­setz auf die für Rich­ter gel­ten­den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen lässt sich kein all­ge­mei­ner Rechts­ge­dan­ke ent­neh­men, nach dem auf die dem Rechts­pfle­ger über­tra­ge­nen Geschäf­te die für die Recht­spre­chung der Rich­ter gel­ten­den Grund­sät­ze (ein­schließ­lich der­je­ni­gen für die Ver­tei­lung der rich­ter­li­chen Geschäf­te) ent­spre­chend anzu­wen­den wären. § 10 RPflG nimmt zwar für den Aus­schluss und die Ableh­nung des Rechts­pfle­gers auf die für Rich­ter gel­ten­den Vor­schrif­ten Bezug; ähn­li­che Grund­sät­ze gel­ten nach §§ 20, 21 VwVfG jedoch auch in den Ver­wal­tungs­ver­fah­ren. Die sach­li­che Unab­hän­gig­keit der Rechts­pfle­ger nach § 9 RPflG zwingt eben­falls nicht zu einer ana­lo­gen Anwen­dung der für die Geschäfts­ver­tei­lung der Rich­ter gel­ten­den Vor­schrif­ten, weil auch Beam­te nach beson­de­ren gesetz­li­chen Bestim­mun­gen frei von Wei­sun­gen sach­lich unab­hän­gig zu ent­schei­den haben 17 und es den­noch in sol­chen Fäl­len – wie bspw. im Prü­fungs­recht – kei­nen Anspruch des Betei­lig­ten auf einen gesetz­li­chen, nach abs­trakt all­ge­mei­nen Regeln bestimm­ten und nicht durch Anord­nung des Dienst­vor­ge­setz­ten im Ein­zel­fall bestimm­ten Beam­ten gibt 18.
Eine Rege­lungs­lü­cke im Rechts­pfle­ger­ge­setz in Bezug auf die Geschäfts­ver­tei­lung ergibt sich schließ­lich auch nicht aus der durch das Drit­te Gesetz zur Ände­rung des Rechts­pfle­ger­ge­set­zes vom 6. August 1998 19 geän­der­ten Vor­schrift über die Rechts­mit­tel (§ 11 RPflG). Viel­mehr ist der Umkehr­schluss gebo­ten. Der Gesetz­ge­ber hat zwar die Stel­lung des Rechts­pfle­gers als eines eigen­stän­di­gen Organs der Rechts­pfle­ge durch Abschaf­fung der Durch­griff­ser­in­ne­rung gestärkt, so dass nun­mehr das­sel­be Rechts­mit­tel wie bei einer Ent­schei­dung durch den Rich­ter gege­ben ist 20. Eine Gleich­stel­lung mit den Rich­tern bei der Geschäfts­ver­tei­lung durch Ein­fü­gen einer dem § 21e GVG ver­gleich­ba­ren Bestim­mung in das Rechts­pfle­ger­ge­setz hat er jedoch gera­de nicht vor­ge­nom­men, obwohl die Dis­kus­si­on dar­über seit Jahr­zehn­ten geführt wird und von den Ver­bän­den der Rechts­pfle­ger eine dem § 21e GVG ent­spre­chen­de Rege­lung der Geschäfts­ver­tei­lung durch ein Rechts­pfle­ger­prä­si­di­um gefor­dert wor­den ist und wird 21.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Dezem­ber 2009 – V ZB 111/​09
BVerfGE 56, 110, 127; 101, 397, 405; Bay­VerfGH NJW 1982, 1746; vgl. auch: BGH, Urteil vom 05.10.2006 – III ZR 283/​05, NJW 2007, 224, 226; Urteil vom 22.01.2009 – III ZR 172/​08, Rpfle­ger 2009, 335, 336[↩]
vgl. BVerw­GE 125, 365, 369; Bassenge/​Roth, FamFG/​RPflG, 12. Aufl., vor § 1 RPflG Rdn. 14; Dallmayer/​Eickmann, RPflG, § 1 Rdn. 70; Herbst, RPflG, Einl. Anm. III.1; Schil­ken, Gerichts­ver­fas­sungs­recht, 4. Aufl., Rdn. 295; Wolf, ZZP Bd. 99 [1986], 361, 397; a.A. Schorn, Rpfle­ger 1957, 267, 268; Stö­ber, ZVG, 19. Aufl., Einl. Rdn. 47.1; wohl auch: Heß/​Vollkommer, JZ 2000, 785, 786[↩]
so jedoch Hab­scheid, RpflBl 1974, 39, 43; Lin­dacher, RpflBl 1976, 6, 9; Huhn, RpflBl 1976, 12, 14; Herr­mann, Rpfle­ger 2007, 20, 21[↩]
Wolf, ZZP Bd. 99 [1986], 361, 381[↩]
Brüg­ge­mann, JR 1965, 81, 83; Kis­sel, Rpfle­ger 1984, 445, 449[↩]
BVerfGE 101, 397, 407[↩]
BGH, Urteil vom 19.10.1959 – VII ZR 68/​58, WM 1960, 25, 26; Urteil vom 15.05.1986 – IX ZR 2/​85, NJW-RR 1986, 1115, 1116; Beschluss vom 01.10.2009 – V ZB 37/​09[↩]
Moti­ve zum Ent­wurf des ZVG von 1889, S. 119 f.[↩]
ent­ge­gen Gaul, Rpfle­ger 1971, 41, 47[↩]
RGZ 138, 125, 127; BGHZ 53, 47, 50[↩]
BVerw­GE 19, 112, 116; 125, 365, 368; OLG Frank­furt Rpfle­ger 1974, 274[↩]
Bassenge/​Roth, FamFG/​RPflG, 12. Aufl., § 2 RPflG Rdn. 10; Brüg­ge­mann, JR 1965, 81, 83; Herbst, RPflG, § 2 Anm. 3[↩]
BVerw­GE 19, 112, 116; 125, 365, 368[↩]
OLG Frank­furt Rpfle­ger 1974, 274[↩]
Herrmann/​Hintzen in Mey­er-Stol­te/Herr­man­n/Hint­zen­/­Rel­ler­mey­er, RPflG, 7. Aufl., § 2 Rdn. 61 f.; Dallmayer/​Eickmann, RPflG, § 1 Rdn. 82; Ule, Der Rechts­pfle­ger und sein Rich­ter, Rdn. 113 bis 115[↩]
vgl. dazu: Bat­tis, BBG, 4. Aufl., § 62 Rdn. 6[↩]
vgl. BVerw­GE 30, 172, 178; Kopp/​Ramsauer, VwVfG, 10. Aufl., § 20 Rdn. 64[↩]
BGBl. I 2030[↩]
BT-Drucks. 13/​10244, 5, 7[↩]
dazu Herrmann/​Hintzen in Mey­er-Stol­te/Herr­man­n/Hint­zen­/­Rel­ler­mey­er, RPflG, 7. Aufl., § 2 Rdn. 63[↩]

References: Art. 101
 Art. 97
 Art. 20
 Art. 92
 Art. 19
 § 21
 § 2
 § 2
 § 10
 § 9
 § 21
 § 21
 § 1
 § 1
 § 2
 § 2
 § 2
 § 1
 § 62
 § 20
 § 2