Source: https://www.apothekerkammer.de/service/lak+aktuell/lak+aktuell+ausgabe-86/
Timestamp: 2020-08-08 00:42:26+00:00

Document:
LAK aktuell Ausgabe Juli/August 2019
§ 78 Abs.1 Satz 4 nicht streichen
das berühmte Sommerloch gibt es für unseren Arzneimittel- und Apothekenbereich in diesem Jahr ganz sicher nicht.
Ein „vorläufiger“ Kabinettsentwurf zum Apothekenstärkungsgesetz kursiert, den Medien kann man entnehmen, dass ein „echter“ Kabinettsentwurf noch in diesem Monat im Kabinett diskutiert werden soll. Bisher nichts Erbauliches für uns: Das vorliegende Papier enthält, wie schon im Referentenentwurf, die Streichung des § 78 Abs. 1 Satz 4 AMG, ferner gibt es weitere Punkte, die dringend in unserem Sinne geändert werden müssen.
Gleichpreisigkeit für das BMG bedeutet Gleichpreisigkeit im Bereich der GKV im Sozialrecht. Das geht auch sehr deutlich aus der nun zum „vorläufigen“ Kabinettsentwurf enthaltenen Begründung hervor.
Für uns bedeutet jedoch Gleichpreisigkeit, dass jedes verschreibungspflichtige Arzneimittel, das ein Patient in Deutschland erhält, den gleichen Preis hat – völlig unabhängig von seinem Versichertenstatus. Lassen Sie uns weiter für unsere Überzeugung gemeinsam kämpfen!
Wir alle wissen, dass das RxVV die zielführendste und beste Lösung wäre – aber wir müssen mit viel Verdruss, Unverständnis und Magendruck zur Kenntnis nehmen, dass die Politik und die Bundesregierung entgegen ihrer Pläne im Koalitionsvertrag dies partout nicht will. Wir haben das RxVV nicht aufgegeben: Wir erklären jedem und immer, dass dies für die flächendeckende Arzneimittelversorgung durch die Apotheke vor Ort die sicherste, zuverlässigste, umweltfreundlichste und preisgünstigste Lösung ist. Allerdings müssen wir auch zur Kenntnis nehmen, dass eine parlamentarische Mehrheit außerhalb unserer Milchstraße oder Galaxie ist. Wir machen keine Gesetze und können nicht mit dem Kopf durch die Wand – das würde nur Beulen bei uns erzeugen.
Nach langer und emotionaler Diskussion, in der alle Für und Wider abgewogen wurden, haben wir in der ABDA-Mitgliederversammlung (also dem Entscheidungsgremium, in dem alle Kammern und Verbände vertreten sind) den in dieser Situation besten Weg gesucht und uns darauf verständigt, dass die ABDA die Forderung aufrechterhält, § 78 Abs.1 Satz 4 nicht zu streichen. Hiervon unabhängig verfolgt die ABDA das Ziel, weitere Verbesserungen an dem Gesetzesentwurf für die Apotheken vor Ort herbeizuführen. Allerdings hat die Mitgliederversammlung auch festgestellt, dass das RxVV eine Handlungsoption für den Fall bleibt, dass sich die gesetzgeberischen Maßnahmen als nicht ausreichend für die Stärkung der Präsenzapotheken erweisen sollten.
Ich bin der Meinung, dass dies in der jetzigen Situation richtig ist. Man darf Gespräche mit der Politik nie abbrechen – dann ist man draußen!
Die jüngsten Entwicklungen und das EuGH-Urteil zur deutschen Honorarordnung für Architekten machen unsere Situation für die Sicherung der Gleichpreisigkeit nicht einfacher und es ist zu befürchten, dass das auf alle freien Berufe mit festen Honorar- und Gebührenordnungen ausstrahlen wird. Wir werden jedoch im weiteren Gesetzgebungsverfahren fortlaufend unsere Forderungen adressieren und verdeutlichen, dass diese auch den Patientinnen und Patienten dienen. Nutzen Sie auch weiterhin Ihre Kontakte vor Ort! Ein Gesetzgebungsverfahren ist erst dann beendet, wenn das Gesetz durch den Bundespräsidenten ausgefertigt wurde! Das parlamentarische Verfahren läuft nach der Sommerpause – dann werden die Abgeordneten Farbe bekennen müssen, wie sie zur Apotheke vor Ort – vor Ort in ihrem Wahlkreis – stehen.
Letzte Woche konnte ich in einem persönlichen Gespräch mit unserem hessischen Sozialminister Kai Klose die ganze Thematik diskutieren und ich bin ihm dankbar, dass er uns auf diesem Weg unterstützt.
Ihnen, Ihren Mitarbeitern und Familien wünsche ich trotz der unbefriedigenden Situation eine schöne Sommer- und Ferienzeit.
9:00 bis ca. 15:30 Uhr
10:00 bis 17:00 Uhr (inkl. Pausen)
Weiterbildungsseminare – Es sind noch Plätze frei!
Am 16. August und 6. bis 7. September 2019 finden die Weiterbildungsseminare „Personalführung“, „Kommunikation“ und „Motivierende Gesprächsführung“ in Eschborn statt.
Da für alle Seminare noch Plätze frei sind, können gerne auch interessierte Apothekerinnen und Apotheker, die nicht in der Weiterbildung sind, teilnehmen.
Nähere Informationen zu den Seminaren:
Mercure Hotel Eschborn Ost, Helfmann-Park 6,
(09:00 – 18:00 Uhr)
Wir freuen uns, wenn Sie diese Möglichkeit zur Fortbildung nutzen und sich >> Online im Bereich Seminare und Veranstaltungen anmelden.
Am 29.11.2019 findet die zweite Auflage des Seminars „Interprofessionelle Zusammenarbeit" im Institut für Allgemeinpharmazie (Haus 10c, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt am Main) statt. Von 09:15 bis 17:15 Uhr werden interaktiv Patientenfälle besprochen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Kommunikation vorgestellt.
Die schriftliche Abschlussprüfung für Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) findet am 6. November 2019 in Frankfurt und in Kassel statt.
Die praktische Abschlussprüfung wird am 15. Januar 2020 in Frankfurt und in Kassel durchgeführt.
Zwischenprüfung für Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) im Winter 2019
Die Zwischenprüfung für Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) findet am 29. Januar 2020 an den Prüfungsorten Darmstadt, Frankfurt, Fulda, Gießen, Kassel und Wiesbaden statt.
Tetanus-Impfstoff - Bevorratungspflicht nach § 15 Apothekenbetriebsordnung
Medizinische Kohle, 50 g Pulver zur Herstellung einer Suspension
0,9%-ige Kochsalzlösung zur Injektion
Die STIKO empfiehlt generell die Verwendung von >> Tetanus-Kombinations­impfstoffen.“
Eine Auflistung der Lieferengpässe bei Impfstoffen ist beim >> Paul-Ehrlich-Institut zu finden, dort werden auch mögliche Alternativen aufgeführt bzw. auf die Handlungsanweisungen der STIKO verwiesen.
Information zu den neuen Leitlinien (LL) der BAK [1]
» Prüfung und Lagerung der Ausgangsstoffe
» Prüfung und Lagerung der Primärpackmittel
» Prüfung und Lagerung der Fertigarzneimittel und apothekenpflichtigen Medizinprodukte
Die Leitlinien wurden im Juni 2019 durch die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer verabschiedet. Viele Inhalte der vorhergehenden Leitlinien wurden aktualisiert, neue Inhalte sind dazugekommen.
In der LL Prüfung und Lagerung der Ausgangsstoffe wurde aufgenommen, dass Prüfzertifikate bzw. Sicherheitsdatenblätter online beschafft werden können. Auch wurde die Prüfung auf eingehaltene Transportbedingungen mit aufgenommen bei der Wareneingangskontrolle. Im Flussdiagramm und im Kommentar werden beide Schritte der Eingangsprüfung noch einmal einzeln thematisiert. So ist die formale Kontrolle des Prüfzertifikats durchzuführen (Vollständigkeit und Richtigkeit) und im Nachgang die praktische Identifizierung des Ausgangsstoffes. Es wird auf die 1. und 2. Identifikationsreihe der Prüfungen eingegangen. Die apothekengerechten Prüfvorschriften wurden in die Literatur mit aufgenommen [2]. Hinweise auf GMP-konforme Herstellung wurden aufgenommen sowie eine Liste von Ausgangsstoffen, die fallweise als Wirk- bzw. Hilfsstoff eingesetzt werden können (wenn GMP-konforme Qualität nicht in ausreichendem Maß verfügbar ist).
In der LL Prüfung und Lagerung der Primärpackmittel wurde die Liste der vorrätig zu haltenden Primärpackmittel aktualisiert. Die Prüfung muss Verwechselungen sicher ausschließen, es ist auf Fertigungsqualität und sichtbare Verunreinigungen zu prüfen. Unmittelbar vor Einsatz ist erneut zu prüfen. Ein Hinweis zum Ausschluss der Wiederverwendbarkeit (Ausnahme Primärpackmittel gemäß § 34 ApBetrO/patientenindividuelles Stellen) ist gegeben.
In der Prüfung und Lagerung (neu!) der Fertigarzneimittel und apothekenpflichtigen Medizinprodukte wurde der Hinweis auf die Aufbewahrungsfrist von Prüfprotokollen konkretisiert, diese sind bis ein Jahr nach Ablauf des Verfalldatums aufzubewahren, jedoch nicht weniger als fünf Jahre. Die Prüfung auf Fälschung durch Verifizierung (securPharm, auch Unversehrtheit des Originalitätsverschlusses) und Verfalldaten wurde mit aufgenommen. Ein Hinweis zur Abgabe nach Bruch des Originalitätsverschlusses bei verifizierungspflichtigen Fertigarzneimitteln ist gegeben, ebenso eine Argumentationshilfe für das Kundengespräch. Die Prüfung auf Vorhandensein des Analgetika-Warnhinweises ist in die LL eingegangen, auch die Prüfung auf Vorhandensein einer deutschen Packungsbeilage bei Importarzneimitteln. Ein Hinweis auf die Prüfung von Fertigarzneimitteln, denen ein Medizinprodukt beiliegt, ist als Hilfestellung gegeben. Zu prüfen ist arbeitstäglich, Checklisten stehen zur Verfügung.
Alle Leitlinien sowie Arbeitshilfen der BAK finden sich online [1]! Diese werden regelmäßig überarbeitet – Nachschauen lohnt sich!
[1] https://www.abda.de/themen/apotheke/qualitaetssicherung0/leitlinien/leitlinien0/; letzter Aufruf am 15.05.2019
[2] J. Breitkreuz, M. Hubert, P. Rohdewald, G. Rücker und K.-W. Glombitza, Apothekengerechte Prüfvorschriften, Stuttgart: Deutscher Apotheker Verlag, aktuelle Fassung
© Foto: Malcolm Lightbody/unsplash
Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK (Koronare Herzkrankheit)
Die Leitlinie wurde aktuell im April 2019 im Rahmen des NVL-Programms von BÄK, KBV und AWMF erstellt. Immer noch sind die chronische KHK sowie der Myokardinfarkt (MI) die häufigsten Todesursachen in Deutschland, trotz gesunkener Absolutzahlen an Todesfällen.
Ziel der Leitlinie ist die Optimierung der Versorgung von Patienten mit KHK. Eine angemessene Therapie mit allem Notwendigen in der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation soll erfolgen. Auch eine Effizienzsteigerung und damit Kostendämpfung im Gesundheitswesen wird als Ziel gesetzt.
Zusätzlich zur Leitlinie stehen zahlreiche Patientenflyer zur Verfügung, so z. B. zum Thema „Koronare Herzkrankheit – was Sie oder Ihre Angehörigen im Notfall tun können“ sowie Informationen zu Statinen, zur Raucherentwöhnung und zu Ernährung und Bewegung [1-4].
Was findet sich allgemein in der Leitlinie?
Leitsymptom ist der „Brustschmerz“. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad bzw. nach diagnostischen Parametern. Generell wird patientenindividuell Bewegung empfohlen, sowie ein Gewichtsmanagement. Hinweise zur Ernährung werden gegeben. Allen Patienten wird empfohlen, das Rauchen aufzugeben.
Bei stabiler KHK wird ASS 100mg/Tag empfohlen, zum Teil Off-label (ohne MI, ohne Revaskularisierung). Die zusätzliche Gabe eines PPI sollte bei gastrointestinaler Blutung empfohlen werden. Auch der Einsatz der dualen Thrombozytenaggregationshemmung nach PCI bei stabiler KHK ist aktuell noch Off-Label-Use, soll laut Leitlinie jedoch eingesetzt werden. Zur Dauer einer dualen Therapie wird auf Leitlinien verwiesen, die kürzere Überarbeitungszeiträume haben [z. B. 5]. Allen Patienten, unabhängig von den Laborparametern, wird ein Statin empfohlen, vorbehaltlich Kontraindikationen. Bei Nebenwirkungen soll die Dosis angepasst bzw. der Wirkstoff gewechselt werden. Bei Patienten mit hohem Lebensalter sollte jedoch auch die Gesamtprognose beim Einsatz eines Statins berücksichtigt werden. Zur Möglichkeit der Lipidsenkung existieren weitere Leitlinien der DEGAM (Strategie der festen Dosis) wie auch der DGK (Zielwertstrategie) [s. 6, 7]. Betablocker sollten nach MI für mindestens ein Jahr verordnet werden, dann sollte Re-evaluiert werden. Die Anfallskupierung soll mit einem schnell wirkenden Nitrat erfolgen. Die antianginöse Therapie erfolgt patientenindividuell z. B. mit Betablockern und/oder Calciumantagonisten, langwirksamen Nitraten und ggf. ergänzend Ranolazin oder Ivabradin.
Für ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorantagonisten und Aldosteronantagonisten gibt es keine Empfehlung für den Einsatz bei ausschließlicher KHK. Komplementäre Therapien (z. B. auch Omega-3-Fettsäuren) sollen nicht zum Einsatz kommen zur Therapie der KHK.
Die Adhärenz bezüglich der medikamentösen Therapie soll regelmäßig überprüft werden. Generell kann Adhärenz auch durch den Apotheker verbessert werden [8]. Die Beratung zur Medikation ist hierfür Grundlage. Regelmäßige Schulungen durch den Apotheker zur richtigen Anwendung von Anfallsmedikation sind für Therapiesicherheit und –effizienz wichtig. Auch können Apotheker beim Rauchstopp unterstützen sowie beim Gewichtsmanagement.
Sie können die Leitlinie Online abrufen (letzter Aufruf am 01. Juli 2019).
[1] https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Nationale_Versorgungs-Leitlinie/nvl-004ki2_S3_KHK_2019-01.pdf; letzter Aufruf am 01. Juli 2019
[2] https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Nationale_Versorgungs-Leitlinie/nvl-004ki5_S3_KHK_2019-05.pdf; letzter Aufruf am 01. Juli 2019
[3] https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Nationale_Versorgungs-Leitlinie/nvl-004ki6_S3_KHK_2019-04.pdf; letzter Aufruf am 01. Juli 2019
[4] https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Nationale_Versorgungs-Leitlinie/nvl-004ki7_S3_KHK_2019-05.pdf; letzter Aufruf am 01. Juli 2019
[5] https://leitlinien.dgk.org/2018/pocket-leitlinie-duale-antithrombozytaere-therapie-dapt-bei-koronarer-herzkrankheit-version-2017/; letzter Aufruf am 01. Juli 2019
[6] https://leitlinien.dgk.org/files/2017_PLL_Dyslipidaemie_Internet_neu.pdf; letzter Aufruf am 01. Juli 2019
[7] https://www.online-zfa.de/archiv/ausgabe/artikel/zfa-7-2017/49087-103238-zfa20170312-0318-neue-degam-s3-leitlinie-hausaerztliche-beratung-zur-kardiovaskulaere/; letzter Aufruf am 01. Juli 2019
[8] M. Schulz et al. Pharmacy-based interdisciplinary intervention for patients with chronic heart failure: results of the PHARM-CHF randomized controlled trial. Eur J Heart Fail Mai 2019
Jeder Fehler Zählt - Fehlerbericht Nr. 938
Dosis bei Anpassung des Medikationsplans "verloren" gegangen
Patient hatte nur eine Tagesdosis Brilique® täglich über einen Monat im ersten halben Jahr nach Stent genommen, da Abenddosis bei Anpassung des Medikationsplanes verloren gegangen ist.
Zu geringe Einnahmedosis, jedoch keine offensichtlichen Folgen für den Patienten.
Der Medikationsplan soll die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöhen [1]. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die Daten im Medikationsplan vollständig und richtig sind.
Der aktuelle Fehler spiegelt einen typischen Schnittstellenfehler wieder wie er vermutlich regelmäßig passiert [2-4]. Ein Informationstransfer, wie er bei Neuausstellung bzw. Aktualisierung eines Medikationsplanes auftritt, führt häufig zu Informationsverlust [5]. Wichtig ist hier, dass regelmäßige Kontrollen des „aktuellen“ Medikationsplanes stattfinden, in der (Haus-)Arztpraxis aber auch in der Apotheke. So können Ungereimtheiten auffallen und es kann nachgefragt werden. So kann - im Vier-Augen-Verfahren - die Sicherheit für den Patienten erhöht werden. Auch ist ein regelmäßiges „Medication Reconciliation“ hilfreich um jederzeit einen Überblick über die tatsächliche Medikation des Patienten zu haben, ggf. sogar ergänzt um das Wissen über seine Adhärenz [5-7].
Merke: Der Einsatz eines Medikationsplans kann das Risiko für Medikationsfehler reduzieren. Hierzu ist es jedoch erforderlich, dass die Angaben im Medikationsplan richtig sind. Durch das Vier-Augen-Prinzip können Arzt und Apotheker in Kooperation Medikationspläne der Patienten verifizieren und bei Bedarf Änderungen veranlassen.
Der Ereignisbericht beschreibt einen potenziell lebensbedrohlichen Fehler. Hier ist es wichtig, alle Beteiligten ins Boot zu holen. Ermutigen Sie daher auch Ihre Patienten regelmäßig, sich bei Unstimmigkeiten oder Unklarheiten zu Wort zu melden – in der Apotheke, in der Arztpraxis oder im Krankenhaus. Fehler passieren überall und auch der Patient kann im Idealfall ein wachsames Glied in der Kette sein.
[1] https://www.kbv.de/html/medikationsplan.php; letzter Aufruf am 02.07.2019
[2] Johnson A et al. Preventing medication errors in transitions of care: A patient case approach; J Am Pharm Assoc (2003). 2015 Mar-Apr;55(2):e264-74
[3] Caleres G et al. Elderly at risk in care transitions When discharge summaries are poorly transferred and used -a descriptive study; BMC Health Serv Res. 2018 Oct 11;18(1):770
[4] Tully A et al. Evaluation of medication errors at the transition of care from an ICU to an Non-ICU location; Crit Care Med. 2019 Apr;47(4):543-549
[5] Reißner P, Müller B. Wenn der Medikationsplan zu Dosierungsfehlern führt; Der Hausarzt 2019;(4)48-49
[6] Leitliniengruppe Hessen. Hausärztliche Leitlinie Multimedikation unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-043l_S2e_Multimedikation_2014-05.pdf; letzter Aufruf am 01.07.2019
[7] ÄZQ. Leitfaden Bestmögliche Arzneimittelanamnese unter: https://www.kh-cirs.de/faelle/pdf/bestmoegliche-arzneimittelanamnese-leitfaden.pdf; letzter Aufruf am 01.07.2019
Thema: Thiazid, Schleifendiuretikum, Nephronblockade
Frage: Ist die Kombinationsbehandlung mit einem Thiazid und einem Schleifendiuretikum sinnvoll und liegt eine Indikation dafür vor?
Medikationsmanagement: Sequentielle Nephronblockade
Ein ARMIN-Patient (69 Jahre) nimmt laut eigenen Angaben zur Behandlung von Bluthochdruck in der Dauermedikation die Medikamente Hydrochlorothiazid (25 mg, 1-0-0), Torasemid (5 mg, 1-0-0), Bisoprolol (5 mg, 1-0-0) und Ramipril (5 mg, 1-0-0) ein.
Ist die Kombinationsbehandlung mit einem Thiazid und einem Schleifendiuretikum sinnvoll und liegt eine Indikation dafür vor?
Thiazid-Diuretika wie Hydrochlorothiazid (HCT) zählen zu den Arzneimitteln der 1. Wahl in der Behandlung der arteriellen Hypertonie. Die Erhaltungsdosis ist in der Regel 1-mal täglich 12,5 mg HCT. Thiazide haben im Vergleich zu Schleifendiuretika eine schwächere natriuretische Wirkung. Bei Patienten mit unkompliziertem Bluthochdruck werden sie auf Grund ihrer längeren Wirkdauer bevorzugt. Thiazide senken nachweislich die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Eine absolute Kontraindikation ist Gicht. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion GFR < 45 ml/min sind sie nur eingeschränkt wirksam. Bei einer GFR < 30 ml/min sollten statt Thiaziden Schleifendiuretika wie Torasemid eingesetzt werden, da HCT bei diesen Patienten unwirksam ist. Die kombinierte Einnahme von Thiaziden und Schleifendiuretika wird in der europäischen Leitlinie zur Therapie der arteriellen Hypertonie ohne weitere Begleiterkrankungen nicht empfohlen.
In der Therapie der chronischen Herzinsuffizienz gelten Diuretika als symptomverbessernd und sind ab NYHA II bei Flüssigkeitsretentionen indiziert. Diuretika haben unterschiedliche Angriffsorte innerhalb des Nephrons, der funktionellen Grundeinheit der Niere. Carboanhydrase-Hemmer blockieren die Rückresorption des filtrierten Natriums im proximalen Tubulus, während Schleifendiuretika im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife und Thiazide im frühdistalen Tubulus wirksam sind. Kaliumsparende Diuretika greifen am spätdistalen Tubulus und am Sammelrohr an. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz ist die natriuretische Wirkung der Thiazide meist nicht ausreichend. Schleifendiuretika haben eine höhere Wirkstärke. Sie zeigen über einen weiten Konzentrationsbereich eine annähernd lineare Dosis-Wirkungsbeziehung. Bei Dosissteigerung wird somit eine immer stärkere Saliurese und Diurese erzeugt. Die Erhaltungsdosis von Torasemid zur Behandlung von Hypertonie beträgt in der Regel 2,5 mg - 5 mg täglich, zur Behandlung von Ödemen kann die Dosis auf 20 mg, in Einzelfällen sogar auf 40 mg pro Tag gesteigert werden.
Mit zunehmender Behandlungsdauer kann sich eine Resistenz gegenüber Schleifendiuretika entwickeln. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz, Leberzirrhose und nephrotischem Syndrom ist das effektiv zirkulierende Blutvolumen vermindert. Das inadäquate Ansprechen auf eine Therapie mit Schleifendiuretika (Diuretikaresistenz) ist meist dadurch bedingt, dass in weiter distal gelegenen Abschnitten des Nephrons eine verstärkte (kompensatorische) Natriumrückresorption auftritt. In diesen Fällen kann durch eine Dosissteigerung von Schleifendiuretika kein Diuresezuwachs erzielt werden. Durch die gleichzeitige Gabe des distal-tubulär wirkenden Thiazids wird die Rückresorption unterbunden und die Natriumausscheidung im Endharn steigt deutlich an. Bei Patienten mit therapieresistenten Ödemen wird daher zu einer Kombinationstherapie aus einem Schleifendiuretikum mit einem Thiazid geraten. Die Kombination beider Diuretika-Gruppen wird als sequentielle Nephronblockade bezeichnet.
Eine Langzeittherapie mit Diuretika, insbesondere eine sequentielle Nephronblockade, kann zu starken Kalium- und Magnesiumverlusten führen. Daher wird eine regelmäßige Kontrolle der Elektrolyte (insbesondere Kalium und Magnesium) vor Therapiebeginn, ein bis zwei Wochen nach jeder Dosissteigerung, nach drei Monaten, dann in sechsmonatlichen Intervallen und bei Therapieänderungen empfohlen.
Bei dem ARMIN-Patienten fällt insgesamt auf, dass die Kombination von HCT und Torasemid mit dem Ziel der Blutdrucksenkung nicht indiziert ist. Aus dem Gespräch mit dem Patienten geht nicht hervor, wie die aktuelle Nierenfunktion ist und ob Begleiterkrankungen vorliegen. Es sollte daher mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden, ob die Kombination therapeutisch erforderlich ist, um das Auftreten von Ödemen zu verhindern. Besteht keine Indikation, sollte bei normaler Nierenfunktion ggf. das Schleifendiuretikum abgesetzt und die HCT-Dosis auf 12,5 mg reduziert werden.
Die Kombination eines Thiazid- und eines Schleifendiuretikums ist bei Hypertonie nicht indiziert. Sie wird bei Patienten mit therapieresistenten Ödemen eingesetzt, die nicht adäquat auf die Behandlung mit einem Schleifendiuretikum ansprechen. Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, Niereninsuffizienz oder das nephrotische Syndrom können solch eine Diuretika-Resistenz hervorrufen. Bei Kombinationsbehandlung mit Thiazid und Schleifendiuretikum ist eine regelmäßige Kontrolle der Elektrolyte besonders wichtig, da das Risiko für starke Kalium- und Magnesiumverluste erhöht ist.
CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel
Immer wieder findet man in Drogerie-Regalen CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel wie z. B. Öle. Doch was tun, wenn ein Kunde ein entsprechendes Präparat in der Apotheke bestellen möchte und es beim Großhandel gelistet ist?
Fakt ist, dass es bisher keine deutschlandweit einheitliche Rechtseinstufung hinsichtlich der Verkehrsfähigkeit entsprechender Präparate gibt. Die Einstufung solcher Produkte obliegt der zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörde, für Hessen das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit den drei Regierungspräsidien als zuständige Fachaufsichtsbehörden. Allerdings auch nur für in Hessen in den Verkehr gebrachte Produkte! Wurde das Nahrungsergänzungsmittel in einem anderen Bundesland in den Verkehr gebracht, ist die dortige Lebensmittelüberwachungsbehörde zuständig.
Was gilt es in der Apotheke zu beachten?
Als erstes sollte man überprüfen wie hoch der THC-Gehalt des CBD-haltigen Nahrungsergänzungsmittels ist. Der Grenzwert liegt bei 0,2%, alles darüber fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.
Ist hier alles im grünen Bereich, muss man sich darüber klar sein, dass die jeweiligen Präparate entweder verschreibungspflichtig sein könnten (Cannabidiol ist in der Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung gelistet), dann bedürfte es einer Verschreibung. Ebenfalls könnten entsprechende Nahrungsergänzungsmittel als neuartige Lebensmittel (Novel Food) gelten, müssen dann aber auch eine entsprechende Zulassung besitzen (www.bvl.bund.de/novelfood).
Die Landesapothekerkammer Thüringen hat sich daraufhin mit der Frage der Verkehrsfähigkeit CBD-haltiger Nahrungsergänzungsmittel an das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (BVL) gewandt. Die Einschätzung des BVL fällt recht eindeutig aus: Es besteht derzeit keine legale Möglichkeit, CBD-haltige Produkte zu vermarkten, da es sich um zulassungspflichtige Arzneimittel oder zulassungspflichtige Lebensmittel handelt. Allerdings weist das BVL auch darauf hin, dass bei Fragen bezüglich der Verkehrsfähigkeit die zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde des Bundeslandes, in dem das Produkt in den Verkehr gebracht wurde, zuständig ist.
Kammerwahl 2019 der Landesapothekerkammer Hessen
(16. Wahlperiode 2019 - 2024)
Gemäß § 14 des Hessischen Heilberufsgesetzes (zuletzt geändert durch Artikel 23 des Gesetzes vom 9. Mai 2018 (GVBl. S 160)) wird die Delegiertenversammlung der Landesapothekerkammer Hessen von den Kammerangehörigen auf die Dauer von fünf Jahren in allgemeiner, geheimer und direkter Wahl nach den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit gewählt.
Die nächste Wahl zur Delegiertenversammlung der Landesapothekerkammer Hessen findet vom 26.11.2019 bis 05.12.2019 statt. Sie erfolgt wie bisher per Briefwahl. Die Auszählung der Kammerwahl findet am 06.12.2019 im Haus der Landesapothekerkammer Hessen öffentlich statt. Der letzte Termin für die Abgabe der Wahlvorschläge ist der 16.09.2019.
Ein Wahlberechtigter kann von seinem Wahlrecht nur Gebrauch machen, wenn er in das Wählerverzeichnis eingetragen ist. Das Wählerverzeichnis liegt gemäß § 7 Abs. 2 Wahlordnung in den Landkreisen bei den Landräten, in kreisfreien Städten bei den Magistraten, öffentlich vom 23.09.2019 bis zum 21.10.2019 aus. Nicht selbständige Kammerangehörige werden in dem Wählerverzeichnis nach ihrem Wohnort geführt; sofern sie ihren Wohnort außerhalb Hessens haben, werden sie ebenso wie selbständige Kammerangehörige nach ihrem Beschäftigungsort geführt.
Apotheker/innen, die ihren Beruf zuletzt in Hessen ausgeübt haben und jetzt außerhalb der Bundesrepublik tätig sind, können der Kammer als freiwilliges Mitglied angehören und sind somit wahlberechtigt. Diese Mitglieder können keinem Wahlkreis zugeordnet werden. Es wird daher für diesen Personenkreis ein gesondertes Verzeichnis erstellt und in der Geschäftsstelle der Landesapothekerkammer Hessen, Kuhwaldstraße 46, 60486 Frankfurt am Main, ausgelegt.
Die Auslegungsorte der Wählerverzeichnisse können Sie der nächsten LAK aktuell entnehmen oder in der Zwischenzeit über die Veröffentlichung in DAZ, PZ und dem Hessischen Staatsanzeiger.
Ansprüche auf Aufnahme und Einwendungen gegen die Aufnahme in das Wählerverzeichnis können bis zum 22.10.2019, 18:00 Uhr, schriftlich bei der Wahlleiterin der Landesapothekerkammer Hessen, Kuhwaldstraße 46, 60486 Frankfurt am Main erhoben werden.
gez. Daniela Pach
Ursula Funke berichtete der Delegiertenversammlung, © Foto: Landesapothekerkammer Hessen
Nachbericht: Delegiertenversammlung Juni 2019
„Wahrhaftigkeit und Politik wohnen selten unter einem Dach“. Mit diesem Zitat von Stefan Zweig begann Funke ihren Bericht. Unruhig und stürmisch, so sei die Lage der Apothekerschaft zu beschreiben. Denn auch wenn die Meinung der Apotheker gewünscht sei, werden Gesetze letztendlich durch andere erstellt und verabschiedet.
Funke resümierte die Geschehnisse seit dem verheerenden EuGH-Urteil vom 19. Oktober 2016: eine Bundesratsinitiative zur Rückführung des Versandhandels auf das europarechtlich gebotene Maß, die unter Minister Gröhe in einem entsprechenden Gesetzesentwurf gemündet sei. Dieser sei in Folge der Neuwahlen der darauf folgenden Diskontinuität zum Opfer gefallen. Auch wenn das Rx-Versandverbot (RxVV) im neuen Koalitionsvertrag verankert sei, sei es durch den Ministerwechsel aus dem Fokus geraten, da Spahn kein RxVV wolle.
Auf dem Apothekertag sei Spahn sein angekündigtes Konzept schuldig geblieben, habe dafür jedoch mit dem Thema „Impfen in der Apotheke“ ein vergiftetes Geschenk hinterlassen und Zwiespalt zwischen Ärzten und Apothekern gesät. Im November 2018 habe daraufhin die Delegiertenversammlung der LAK Hessen eine Resolution verabschiedet, die der Bundesregierung übersandt worden sei. Leider habe man hierauf keinerlei Reaktion erhalten.
Auf der ABDA-Mitgliederversammlung im Dezember 2018 habe Spahn nach dem Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ agiert. Er habe honorierte Dienstleistungen und höhere Zuschläge für Rezeptur, Nacht- und Notdienst in Aussicht gestellt, was einen kaum wahrnehmbaren Effekt habe und gleichzeitig Boni von 2,50 Euro bis zu einem maximalen Anteil des Versandhandels mit Rx von 5% über eine SGB V-Regelung ins Spiel gebracht, die allerdings vernichtende Auswirkungen auf die Apothekenlandschaft haben werden. Er habe die Aussage getroffen, dass, wenn er ein RxVV „machen solle“, er dann keine Energie mehr für anderes wie z. B. das 2hm-Gutachten habe. Daraufhin habe es im Januar einen Delegierten-Workshop der LAK Hessen gegeben, dessen Ergebnis das einstimmige Festhalten an der uneingeschränkten Gleichpreisigkeit gewesen sei, am besten mit dem RxVV.
Seitens der ABDA sei ein eigenes Eckpunktepapier erarbeitet worden, welches formulierte, wenn die Gleichpreisigkeit durch vergleichbare Lösungen erreicht werden könne, werde sich die Apothekerschaft dafür offen zeigen. Sei es allerdings nicht möglich, die Gleichpreisigkeit zu gewährleisten, müsse am RxVV festgehalten werden. Dies sei von der ABDA-Mitgliederversammlung im Januar einstimmig verabschiedet worden.
Vorstand gegen Streichung § 78 Absatz 1 Satz 4 AMG
Der Vorstand der Landesapothekerkammer Hessen, © alle Fotos: Landesapothekerkammer Hessen
Der Vorstand der LAK Hessen habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, § 78 Absatz 1 Satz 4 AMG dringend beizubehalten und sich mit aller Kraft dafür einzusetzen. Auch im ABDA-Gesamtvorstand habe man sich nach langer Diskussion gegen eine Streichung ausgesprochen. Das Thema Dienstleistungen sei auf Bundesebene ausführlich diskutiert worden, wobei man sich auf Medikationsanalyse/Medikationsmanagement, Screeningmaßnahmen und ein Pflegemodul fokussiert habe. Für diese zeitintensiven Maßnahmen stünden jedoch durchschnittlich pro Offizin nur ca. 2 Apotheker (inkl. Leiter) zur Verfügung. Funke hebt hervor, dass die Dienstleistungen wichtig und richtig seien, aber nur in einem funktionierendem System Sinn machten und dafür sei die Gleichpreisigkeit unabdingbar. Die wesentlichen Punkte des am 9. April 2019 bekannt gewordenen Referentenentwurfs des Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetzes seien die Streichung des § 78 Absatz 1 Satz 4 AMG und damit der Verlust der Gleichpreisigkeit, der Botendienst als dritte Versorgungssäule und nicht mehr wie bisher als „Einzelfall“-Lösung, Aufschläge für Nacht- und Notdienst sowie Dokumentation und die honorierten Dienstleistungen, allerdings in geringeren Volumina als noch im Dezember von Spahn angekündigt.
Die Pläne Spahns sähen auch eine Arzneimittelabgabe im Botendienst ohne direkten persönlichen Kontakt vor, die Beratung könne hier auch mittels Telepharmazie erfolgen. Wenn dies so komme, sei es nicht mehr entscheidend, ob die telepharmazeutische Beratung aus dieser Apotheke oder aus dem Ausland erfolge. In diesem Modell degeneriere die Apotheke zum gesicherten Arzneimittellager. Telepharmazeutische Dienstleistungen müssten auch nicht zwingend aus der öffentlichen Apotheke in Deutschland kommen. Man dürfe nicht die Interessen Dritter außer Acht lassen, die hier neue Geschäftsmodelle entwickeln könnten. Daher sei es dringend notwendig, den Botendienst als funktionierendes System im begründeten Einzelfall so zu belassen wie bisher.
Eine außerordentliche Mitgliederversammlung der ABDA im Mai 2019 sei emotional und kontrovers verlaufen, man habe aber letztendlich einen einstimmigen Konsens zu einer Stellungnahme mit Präambel gefunden. Man signalisiere der Politik, dann man das Vorgehen, die Apotheke vor Ort zu stärken, begrüße, jedoch erheblichen Änderungsbedarf sehe, um dieses Ziel zu erreichen. Insbesondere bestehe die Apothekerschaft auf den Verbleib des § 78 Abs. 1 Satz 4 im AMG, da die bisher angedachten Maßnahmen nicht ausreichend zum Erhalt der flächendeckenden Versorgung seien.
Nach einem Treffen der ABDA-Spitze mit dem BMG liege die Vermutung nah, dass die Direktive zur Streichung aus dem Kanzleramt käme, da das Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland vor der EU-Ratspräsidentschaft bereinigt werden solle. Funke erklärte, diese Vermutung habe sich in einem Gespräch zwischen ihr und dem Kanzleramtsminister Helge Braun bestätigt. Es sei erklärt worden, dass es sich nicht um eine politische, sondern um eine juristische Frage handele. Die vorhandenen Gutachten, u. a. des ehemaligen Verfassungsrichters di Fabio, würden alle als Gefälligkeitsgutachten abgetan. Es sei klar, dass Spahn die Gleichpreisigkeit lediglich auf den GKV-Bereich beziehe und sich auf das Sozialrecht fokussiere, da er sich hiervon erhoffe, keine weiteren Verfahren vor dem EuGH führen zu müssen.
Leider durchmische die Politik Vorlageverfahren, das zur Entscheidung des EuGH vom 19.10.2016 geführt habe, mit dem Vertragsverletzungsverfahren. Die CDU sei wie viele andere vom Urteil des EuGH überrascht worden und hätte am liebsten den Zustand vor dem Urteil wieder hergestellt. Gleichzeitig werde die Politik aber diesbezüglich nicht tätig, auch nicht hinsichtlich des offenen Verfahrens vor dem OLG München, wo die Bundesregierung schlichtweg keine Stellungnahme abgebe. Funke erklärte, eine Stellungnahme in diesem Verfahren könne und müsse aufzeigen, warum die Preisbindung für den Erhalt der flächendeckenden Versorgung notwendig sei. Diese Stellungnahme könne dann auch in einem eventuellen EuGH-Verfahren verwendet werden, allerdings wolle die Bundesregierung alles tun, um ein weiteres EuGH-Verfahren, mit dem das Urteil vom 19.10.16 korrigiert werden könne, abzuwenden. Allerdings könne die Apothekerschaft die Bundesregierung nicht zum Handeln zwingen, sondern nur die Abgabe einer Stellungnahme anmahnen.
Es bestünde nur noch die Möglichkeit, die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen zu sensibilisieren, um ggf. eine Streichung im parlamentarischen Verfahren doch noch zu verhindern. Sie fordert daher alle auf, entsprechend Kontakt zu den Abgeordneten vor Ort in den jeweiligen Wahlkreisen aufzunehmen.
Dank für Berichterstattung in der PZ
Funke dankte Prof. Dingermann ausdrücklich für den sehr deutlichen Kommentar in der Pharmazeutischen Zeitung. Es gäbe keinerlei Einigung der Apothekerschaft mit dem BMG, wie dies wohl innerhalb der CDU-Fraktion kolportiert worden sei. Sie habe dies insbesondere den Abgeordneten, die sich für uns einsetzten auch kommuniziert. Ihr Vertrauen in Spahn sei sehr überschaubar. Es müsse auch jedem klar sein, dass die Überführung des § 78 Abs. 1 Satz 4 AMG ins SGB V das Vorlageverfahren des OLG München hinfällig mache und wegen der Änderung im Sozialgesetzbuch ein neues Verfahren vor dem EuGH wahrscheinlich anstünde. Daher müsse unbedingt die Forderung nach Nichtstreichung aufrechterhalten werden, gleichzeitig müsse man aber auch das weitere Gesetzgebungsverfahren kritisch begleiten. Gerade mit dem BGH-Urteil zu Zugaben bei verschrei­bungspflichtigen Arzneimitteln läge der Ball vor dem Tor, man müsse ihn nur noch über die Linie bringen. Gerade durch die Berichterstattung in den Medien seien die Kunden sensibilisiert und verstünden die Wich­tigkeit der Gleichpreisigkeit, wenn man es ihnen erkläre. Die Apotheker müssten über den Tellerrand schauen und sollten nun dringend an einem Strang ziehen. Die Gefahr für den eigenen Betrieb sei nicht der heilberufliche Kollege der Apotheke nebenan, sondern Dritte. Man müsse sich endlich untereinander solidarisch zeigen. Funke rief dazu auf, auf die Abgeordneten zuzugehen und schließt mit dem Zitat von Brecht „Wer kämpft kann auch verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.“
Funke schlug der Delegiertenversammlung vor, eine weitere Resolution zu verabschieden und einen entsprechenden Antrag zum Erhalt der Gleichpreisigkeit für den Deutschen Apothekertag 2019 zu formulieren.
Haushalt der ABDA
Der Haushaltsentwurf der ABDA sehe eine Steigerung von 1,8% vor, gemäß des Votums der Delegiertenversammlung habe Funke dagegen gestimmt. Hinsichtlich der angedachten Erhöhung der Aufwandsentschädigung für Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands, die viele Termine in Berlin wahrnehmen aber bisher keine Auf­wandsentschädigung erhalten, müsse dies mit dem Haushaltsausschuss der ABDA und einer entsprechenden Änderung der Entschädigungssatzung durch die Mitgliederversammlung vorbereitet werden.
Vorzeigbare Fortbildungskonzepte
Im Übrigen stießen die Fortbildungskonzepte des Bereichs Pharmazie, insbesondere die „Refresher“ und die interdisziplinären Veranstaltungen mit den Ärzten (Arzt-Apotheker-Dialog und PhiP/PJler-Workshop) auf gute Resonanz. Auch auf Bundesebene und in anderen Kammerbereichen würden diese als sehr innovativ zur Kenntnis genommen.
Die Kammerabteilungen Recht und Pharmazie: Ina Förderer, Daniela Pach, Julia Faour, Johanna Hauser (Bereichsleiterin Pharmazie), Dr. Pamela Reißner und Charlotte Imhäuser (v.l.n.r.)
Feststellung der Jahresabschlüsse von Kammer und Versorgungswerk
Die Jahresabschlüsse von Kammer und Versorgungswerk wurden einstimmig festgelegt. Vorstand und Leitender Ausschuss wurden unter Enthaltung der Betroffenen einstimmig entlastet.
Bericht des Vorsitzenden des Leitenden Ausschusses
Dr. Nils Keiner, Vizepräsidentin Dr. Viola Schneider und Dr. Reinhard Hoferichter, Vorsitzender des Leitenden Ausschusses (v.l.n.r.)
Dr. Hoferichter bedankte sich bei allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle für die gelungene Arbeit im vergangenen Geschäftsjahr und sei zuversichtlich, dass die gute Arbeit auch in den nächsten Jahren – trotz der Umstellung der Versicherungsmathematik – so weitergehen werde.
Ulrich Laut im Gespräch mit Daniela Pach, Geschäftsführerin der Landesapothekerkammer Hessen
Laut berichtete, der Vorstand habe der Anschaffung eines Geschäftsfahrzeuges zugestimmt, da insbesondere der Bereich Pharmazie sehr viel unterwegs sei und oft auch verschiedenste Materialien mitführen müsse. Angedacht sei ein Hybrid für vier Personen mit ausreichend Stauraum. Wegen der eventuell drohenden Diesel-Fahrverbote habe man entsprechend Geld für Dienstfahrzeuge im Haushalt eingestellt und würde diese Anschaffung mit Zustimmung der Delegiertenver­sammlung tätigen.
Zukünftig werde sich der Bericht des Geschäftsführers anders gestalten, er selbst werde nur noch Allgemeines berichten, die Kammer und das Versorgungswerk betreffend werden Frau Pach und Herr Aland den Bericht übernehmen.
Deutscher Apothekertag 2019 in Düsseldorf
Funke berichtete, dass der Apothekertag in diesem Jahr während einer Sitzungswoche des Bundestages stattfände. Der Bundesgesundheitsminister habe sein Kommen für die Eröffnung zugesagt, allerdings werde die berufspolitische Diskussion erst am Freitagnachmittag stattfinden und die Antragsberatung werde vorgezogen. Funke bat die Delegierten daher ausdrücklich, auch bis Freitagabend anwesend zu sein, da man sonst zu einer Zeit, in der auch das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz im Bundestag Thema sein werde, ein verheerendes Signal an die Politik sende, wenn kaum Delegierte bei einer politischen Diskussion anwesend wären.
Beate Weber, hier im Bild mit Prof. Theo Dingermann
Aufgrund des Ausscheidens von Dr. Leuner aus der Delegiertenversammlung wurde Beate Werner nachgewählt.
Mira Sellheim im Gespräch mit Dr. Birgit Jung (HMSI)
Die Delegierten Arnd Bätz, Dr. Cora Menkens und Klaus LangHeinrich (v.l.n.r.)
Den Bericht können Sie als PDF über den untenstehenden Link herunterladen.
Dr. Pamela Reißner nahm der APS-Jahrestagung in Berlin teil © Foto: privat
Bericht zur 14. APS-Jahrestagung 09./10.05.2019 – Berlin
Die Tagung war mit mehr als 300 Teilnehmenden und 115 aktiv Beteiligten gut besucht. Allerdings waren hiervon ein großer Teil Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenkassen bzw. KVen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto, eine gemeinsame Kultur der Patientensicherheit in Deutschland auf allen Ebenen des Versorgungsprozesses zu etablieren. Auch Konzepte für eine bessere Kommunikation in der Praxis zwischen allen am Behandlungs- und Versorgungsprozess Beteiligten standen im Fokus. Daher hatte die LAK Hessen einen Posterbeitrag vorgestellt – gemeinsam mit dem Institut für Allgemeinmedizin – mit der Überschrift „Interdisziplinär Lernen aus Fehlern – Gemeinsam Fehlerkultur stärken bei Apothekern und Ärzten“.
Thematisch nahmen wir aus einigen Workshops Impulse mit zur Weiterentwicklung der Fortbildung (Online-Seminar-Konzept), zur interprofessionellen Kommunikation und zu Ausbildungskonzepten für PhiP (PJler-Seminar).
Teilnehmer des Workshops mit Ergebnissen © Foto: Landesapothekerkammer Hessen
Seminartag für Interprofessionelle Zusammenarbeit – Gemeinsam am Patienten für mehr Patientensicherheit
Zum wiederholten Mal fand der Seminartag zur interprofessionellen Zusammenarbeit des Instituts für Allgemeinmedizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt im Mai 2019 statt. Ziel des Seminars ist eine bessere Vernetzung zwischen den einzelnen Professionen zu erreichen und dadurch die interprofessionelle Kommunikation zu stärken. Teilnehmer kamen aus den Reihen der Ärzte (in Fachweiterbildung), der VeraH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis), der Physiotherapeuten und der Apotheker (in Fachweiterbildung).
Gleich zu Beginn erfolgte eine intensive Durchmischung der einzelnen Professionen, die den kompletten Seminartag bestimmte. Interprofessionell wurden live Gespräche mit einer (Schauspiel-)Patientin geführt und an diesem Patientenbeispiel eine bestmögliche Therapie gemeinsam erarbeitet.
In Fachgruppen wurden Herausforderungen in der interprofessionellen Zusammenarbeit herausgearbeitet und mit den Erfahrungen des Tages zum Ende des Seminars Lösungen gefunden. Als mögliche, die Schnittstellen verbessernde, Kommunikation wurde das Konzept SBAR (Situation – Background – Assessment – Recommendation) vorgestellt (siehe zum Beispiel und hier)
Die Teilnehmer bewerteten das Konzept als durchgehend positiv. Insbesondere die gute Zusammenarbeit und die gute Atmosphäre wurden gelobt.
Helmut Steeg, Vorsitzender des Fördervereins Apothekergarten, Dr. Hans-Dieter Hermann, IG Hessen-Nassau, Ursula Funke, Michael David, Andreas Kowol (v.l.n.r.) © Foto: privat
Rückblick: Apothekergartenfest in Wiesbaden
Seit 33 Jahren besteht nun der Apothekergarten in Wiesbaden. Der Garten, geplant als Schau-, Lern-und Lehrgarten, ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Wiesbaden und der Apothekerinnen und Apotheker aus Wiesbaden und Hessen.
Am Sonntag, den 16. Juni 2019, fand hier das diesjährige Sommerfest bei strahlendem Sonnenschein statt. Die 28 Pflanzenbeete beherbergen knapp 300 Arznei- und Heilpflanzen und waren durch die fleißigen Hände der Stadtgärtnerinnen und Stadtgärtner in einem hervorragenden Zustand.
Unter den zahlreichen Gästen begrüßte Apotheker Dr. Hans-Dieter Herrmann den Dezernenten für Umwelt, Grünflächen und Verkehr der Landeshauptstadt Wiesbaden, Andreas Kowol, den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Michael David sowie Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. In ihrem Grußwort wies Ursula Funke die Bevölkerung darauf hin, dass auch zahlreiche Arzneipflanzen, beispielsweise das Johanniskraut, ernst zu nehmende Nebenwirkungen haben können und nicht einfach mit anderen Arzneimitteln kombiniert werden sollten. Wer zur Apotheke vor Ort gehe, erhalte in jedem Fall auch bei pflanzlichen Arzneimitteln fachkundige Beratung. Tees aus der Apotheke würden die hohen Qualitätsanforderungen des Arzneibuchs erfüllen und unterschieden sich schon dadurch von Angeboten beim Discounter. Den Apothekergarten in Wiesbaden bezeichnete sie als Kleinod und Magnet für die Bevölkerung, er sei ein wichtiges Aushängeschild für die Apothekerinnen und Apotheker – die Kammer, führte Ursula Funke aus, unterstütze das Projekt Apothekergarten.
Andreas Kowol sowie Michael David bekundeten ihre besondere Wertschätzung für den Apothekergarten als ein großartiges Juwel der Stadt, der nicht nur von den Bürgerinnen und Bürger der Landeshauptstadt, sondern auch durch die unmittelbare Nachbarschaft zu zwei Kliniken von zahlreichen Patienten und ihren Besuchern bestaunt würde.
Felix Frank und Anja Mock, Studenten des Fachbereichs Pharmazie der Uni Mainz © alle Fotos: privat
Wie in jedem Jahr war auch diesmal der Fachbereich Pharmazie der Uni Mainz durch zwei Studenten im 6. Semester vertreten. Anja Mock und Felix Frank hatten Poster zum Thema Weißdorn, der Arzneipflanze des Jahres 2019, und Herz-Kreislaufmittel (hier auch den Kampferbaum) mitgebracht.
Dr. Ernst Binde führte sachkundig durch den Apothekergarten
Im Laufe des Festes wurden für zahlreich Interessierte drei Fachführungen unter der Leitung der Apotheker Sabina Richter, Dr. Hans-Dieter Herrmann und Dr. Ernst Binde angeboten. In diesen Führungen gaben auch die beiden Studenten den Besuchern sehr viel Wissenswertes über Weißdorn, Kampfer, Herz und Kreislauf mit auf dem Weg.
Auch das weitere Programm bot viel Abwechslung. Der Imkerverein Wiesbaden war mit einer Präsentation seiner Bienenvölker vertreten. Die ‚Beat Box Rheingau‘ sorgte für die musikalische Untermalung des schönen Tages. Für die Kinder war im Zelt mit der Kreativwerkstatt Sternenwiese gesorgt - und auch an das leibliche Wohl der vielen Festbesucher war gedacht worden.
Ein besonderer Schwerpunkt war in diesem Jahr die Einweihung eines Bienenlehrpfads neben dem schon seit längerer Zeit vorhandenen Bienen-Hotel. Siegfried Schneider, Vorsitzender des Wiesbadener Imkervereins, betonte, dass sich kein besserer Ort in Wiesbaden dafür finden lasse als der Apothekergarten: Hier werden keine Pestizide verwendet und die Bienen finden ein reiches Angebot vieler blühender Pflanzen vor.
Wer beim Arzneipflanzenquiz die gesuchte Pflanze, die Rosskastanie, gefunden hatte, erhielt einen Preis: Für den ersten Platz wurde ein Bild einer Weißdornblüte überreicht, das die Malerin Bettina Laufer im Apothekergarten malte.
Dr. rer. nat. Ernst Binde

References: § 78
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