Source: http://m.hensche.de/Betriebsrat_Abmeldepflicht_von_Betriebsratsmitgliedern_bei_Ausuebung_von_Betriebsratstaetigkeit_am_Arbeitsplatz_LAG_Baden-Wuerttemberg_18TaBV6-08-u.html
Timestamp: 2018-04-26 21:06:23+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 18 TaBV 6/08
Schlag­worte: Betriebsratsmitglied, Betriebsrat: Benachteiligung
Akten­zeichen: 18 TaBV 6/08
Ent­scheid­ungs­datum: 15.05.2009
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart, Beschluss vom 24.07.2008, 25 BV 249/07
18 TaBV 6/08
25 BV 249/07 (ArbG Stutt­gart)
Haupt Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
- An­trag­stel­ler/Be­schwer­deführer -
- An­trags­geg­ne­rin/Be­schwer­de­geg­ne­rin -
Verf.-Bev.: -
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 18. Kam­mer -
durch die Rich­te­rin am Ar­beits­ge­richt Dr. Hof­herr,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Müller
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Oe­tin­ger
auf die Anhörung der Be­tei­lig­ten am 15.05.2009
1. Die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 24.07.2008 - 25 BV 249/07 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob die bei der An­trags­geg­ne­rin beschäftig­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der ver­pflich­tet sind, sich ab- und später wie­der zurück­zu­mel­den, wenn sie am Ar­beits­platz Be­triebs­ratstätig­keit ausüben.
Die An­trags­geg­ne­rin, ein Un­ter­neh­men für au­to­mo­bi­le Markt­for­schung, beschäftigt an ih­rem Stand­ort rund 220 Mit­ar­bei­ter. Der An­trag­stel­ler ist der bei der An­trags­geg­ne­rin ge­bil­de­te Be­triebs­rat. Er be­steht aus neun Mit­glie­dern, die über­wie­gend in der EDV, zum Teil aber auch im Be­reich der Da­ten­er­fas­sung und in der Te­le­fon­zen­tra­le beschäftigt sind.
Mit Schrei­ben vom 26.10.2007 teil­te die Ar­beit­ge­be­rin dem Be­triebs­rat mit, dass sich des­sen Mit­glie­der bei der Ausübung je­der Be­triebs­ratstätig­keit beim je­wei­li­gen Vor­ge­setz­ten ab- und wie­der an­zu­mel­den hätten (An­la­ge B1, Blatt 5 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te).
Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ei­ne pau­scha­le Ab- und Rück­mel­de­pflicht be­ste­he nicht, wenn das Be­triebs­rats­mit­glied die Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz ausübe. Hier­zu hat der Be­triebs­rat aus­geführt, Sinn und Zweck der Ab- und Rück­mel­de­pflicht sei es, den Ar­beit­ge­ber in die La­ge zu ver­set­zen, er­for­der­li­che Dis­po­si­tio­nen über die lie­gen blei­ben­de ver­trag­lich ge­schul­de­te Ar­beit des Be­triebs­rats­mit­glieds zu tref­fen. Wer­de die ar­beits­ver­trag­li­che Tätig­keit je­doch nur für kur­ze Zeit un­ter­bro­chen, sei ei­ne Dis­po­si­ti­on nicht er­for­der­lich. Auch ge­be es Si­tua­tio­nen, in de­nen es den Be­triebs­rats­mit­glie­dern über­haupt nicht möglich sei, der ge­for­der­ten pau­scha­len Ab- und An­mel­de­pflicht nach­zu­kom­men wie z.B. bei der An­nah­me ei­nes Te­le­fon­an­ru­fes. Denn das Be­triebs­rats­mit­glied könne zu Be­ginn ei­nes Te­le­fo­nats nicht wis-sen, ob die Kon­takt­auf­nah­me im Zu­sam­men­hang mit sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit ste­he oder nicht. Wei­ter führe ei­ne pau­scha­le An- und Ab­mel­de­pflicht oh­ne Berück­sich­ti­gung der Fra­ge, ob das Be­triebs­rats­mit­glied zur Er­le­di­gung der Be­triebs­ratstätig­keit den Ar­beit­platz ver­las­sen müsse und oh­ne Berück­sich­ti­gung der zu er­war­ten­den Dau­er der Be­triebs­ratstätig­keit zu ei­ner Un­gleich­be­hand­lung der Be­triebs­rats­mit­glie­der ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Ar­beit­ge­be­rin, die sich z.B. für ein kur­zes pri­va­tes Te­le­fo­nat am Ar­beits­platz beim Ar­beit­ge­ber nicht ab­mel­den müss­ten. Ins­ge­samt hat der Be­triebs­rat die An­sicht ver­tre­ten, das Be­triebs­rats­mit­glied müsse ei­gen­ver­ant­wort­lich und in Ausübung des ihm zu­ste­hen­den Er­mes­sens­spiel­raums ent­schei­den können, ob die we­gen der Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz aus­fal­len­de Ar­beit es er­for­de­re, dass der Ar­beit­ge­ber so­fort für Er­satz sor­gen oder an­de­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men er­grei­fen müsse oder ob die aus­fal­len­de Ar­beit pro­blem­los nach­ge­holt wer­den könne.
Der An­trag­stel­ler hat be­an­tragt:
Es wird fest­ge­stellt, dass die Mit­glie­der des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 nicht ver­pflich­tet sind, sich bei der Ausführung von Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz an- und ab-zu­mel­den.
Es wird fest­ge­stellt, dass die Mit­glie­der des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 nur nach ei­ge­nem Er­mes­sen ver­pflich­tet sind, sich bei der Ausführung von Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz an- und ab­zu­mel­den.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Ver­pflich­tung der Be­triebs­rats­mit­glie­der, sich für die Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben an- und ab­zu­mel­den, be­ste­he un­abhängig da­von, ob das ein­zel­ne Mit­glied sei­nen Ar­beits­platz zur Ausübung der Be­triebs­ratstätig­keit ver­las­se und un­abhängig von der Kurz­fris­tig­keit der Un­ter­bre­chung. Dies er­ge­be sich be­reits aus dem Sinn und Zweck der Ab- bzw. Rück­mel­de­pflicht. Ent­ge­gen der An­sicht des Be­triebs­rats ste­he die Mel­de­pflicht auch nicht im Er­mes­sen des ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­des. Denn dies lie­fe auf ei­ne Aushöhlung des dem Ar­beit­ge­ber ori­ginär zu­ste­hen­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­rechts der Ar­beits­abläufe hin­aus. Sch­ließlich ver­s­toße ei­ne un­ein­ge­schränk­te Mel­de­pflicht auch nicht ge­gen § 78 Be­trVG. Der Be­triebs­rat ver­ken­ne, dass Ar­beits­un­ter­bre­chun­gen zur Durchführung von Be­triebs­ratstätig­keit grundsätz­lich nicht ver­gleich­bar sei­en mit Ar­beits­un­ter­bre­chun­gen an­de­rer Ar­beit­neh­mer zur Er­le­di­gung pri­va­ter An­ge­le­gen­hei­ten, da im ers­ten Fall das Ar­beits­zeit­vo­lu­men nicht nach­zu­ho­len sei.
Mit Be­schluss vom 24.07.2008 hat das Ar­beits­ge­richt die Anträge zurück­ge­wie­sen. Das Ar-beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, dass es sich so­wohl bei dem Haupt- als auch bei dem Hilfs­an­trag um in­halt­lich zu weit­ge­hen­de Glo­balanträge han­de­le. Die für Be­triebs­rats­mit­glie­der be­ste­hen­den Mel­de­pflich­ten beim Ver­las­sen des Ar­beits­plat­zes zur Durchführung von Be­triebs­ratstätig­keit bestünden in glei­chem Um­fang wie bei der Ausübung von Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz. Zwar könne es Fälle wie z.B. nur kurz­fris­ti­ge Un­ter­bre­chun­gen ge­ben, in de­nen ei­ne An- und Ab­mel­de­pflicht nicht ge­ge­ben sei. An der grundsätz­li­chen Ver­pflich­tung zur An- und Ab­mel­dung ände­re dies aber nichts. Die Anträge sei­en da­her ins­ge­samt als un­be­gründet ab­zu­wei­sen.
Ge­gen den ihm am 28.07.2008 zu­ge­stell­ten Be­schluss hat der Be­triebs­rat am 18.08.2008 Be-schwer­de ein­ge­legt und die­se mit am 25.09.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz be­gründet. Er ver­tei­digt sei­ne An­sicht, wo­nach die Mel­de­pflicht ei­nes Be­triebs­rats­mit­glie­des im Fal­le des Ver­las­sens des Ar­beits­plat­zes zur Ausübung der Be­triebs­ratstätig­keit an­ders zu be­ur­tei­len sei als in dem Fall, dass das Be­triebs­rats­mit­glied die Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz ausübe und da­mit für den Ar­beit­ge­ber/die Mit­ar­bei­ter/die Geschäfts­part­ner voll an­sprech­bar blei­be. In letz­te­rer Sach­ver­halts­ge­stal­tung sei das Or­ga­ni­sa­ti­ons­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers nicht tan­giert, da der Ar­beit­ge­ber wei­ter­hin je­der­zeit auf das Be­triebs­rats­mit­glied zu­grei­fen und das Be­triebs­rats­mit­glied je­der­zeit sei­ne Be­triebs­ratstätig­keit un­ter­bre­chen könne. Ins­be­son­de­re bei nur kurz­fris­ti­gen Un­ter­bre­chun­gen er­wei­se sich das Or­ga­ni­sa­ti­ons­in­ter­es­se der Ar­beit­ge­be­rin er­sicht­lich als vor­ge­scho­ben. Außer­dem sei die von der Ar­beit­ge­be­rin ge­for­der­te Ab­mel­de­pflicht vom Wei­sungs­recht ei­nes Ar­beit­ge­bers nach § 106 Ge­wO nicht mehr ge­deckt, auch ha­be der Be­triebs­rat hier­zu nicht nach § 87 Abs. 1 Be­trVG zu­ge­stimmt.
Der An­trag­stel­ler be­an­tragt zu­letzt:
1. Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 24.07.2008 – 25 BV 249/07 – wird ab­geändert.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass die Mit­glie­der des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 nicht ver­pflich­tet sind, sich bei der Ausführung von Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz an- und ab­zu­mel­den.
Hilfs­wei­se zu Zif­fer 2:
Es wird fest­ge­stellt, dass die Mit­glie­der des Be­tei­lig­ten Zif­fer 1 nicht ver­pflich­tet sind, sich bei der Ausführung von Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz an- und ab­zu­mel­den, wenn im Ein­zel­fall ei­ne Um­or­ga­ni­sa­ti­on der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beit dem Be­triebs­rats­mit­glied bei ge­wis­sen­haf­ter Prüfung nicht er­for­der­lich er­scheint.
Sie ver­tei­digt die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­trags. Ih­rer An­sicht nach ist das die Mel­de­pflicht be­gründen­de Or­ga­ni­sa­ti­ons­in-
ter­es­se der Ar­beit­ge­be­rin un­abhängig da­von berührt, ob das Be­triebs­rats­mit­glied den Ar­beits­platz zur Er­le­di­gung von Be­triebs­ratstätig­keit verlässt oder nicht. Auch ha­be die Ar­beit­ge­be­rin im Schrei­ben vom 26.10.2007 kei­ne Wei­sung im Sin­ne des § 106 Ge­wO er­teilt, son­dern den Be­triebs­rat le­dig­lich auf die be­ste­hen­de Rechts­la­ge hin­ge­wie­sen. Der Hin­weis auf die un­ein­ge­schränk­te Ab- und Rück­mel­de­ver­pflich­tung der Be­triebs­rats­mit­glie­der un­ter­lie­ge auch nicht dem Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­ra­tes nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG. Auch der Hilfs­an­trag sei un­be­gründet, da es ei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum des Be­triebs­rats­mit­glieds im Zu­sam­men­hang mit sei­ner An- und Ab­mel­de­pflicht nicht ge­be.
We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Nie­der­schrif­ten über die Anhörungs­ter­mi­ne ver­wie­sen.
Die zulässi­ge Be­schwer­de des Be­triebs­rats hat kei­nen Er­folg, denn das Ar­beits­ge­richt hat die Anträge des Be­triebs­ra­tes zu Recht als zulässig, aber un­be­gründet er­ach­tet.
Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist zulässig. Sie ist gemäß § 87 Abs. 1 ArbGG statt­haft und auch gemäß §§ 89 Abs. 1 und Abs. 2, 87 Abs. 2, 66 Abs. 1 ArbGG in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die zulässi­gen Anträge des Be­triebs­rats zu Recht ab­ge­wie­sen.
a) So­weit der Be­triebs­rat mit sei­nem Haupt­an­trag fest­ge­stellt ha­ben möch­te, dass die Be-triebs­rats­mit­glie­der kei­ner Ab- und Rück­mel­de­pflicht un­ter­lie­gen, wenn sie Be­triebs­ratstä-tig­kei­ten am Ar­beits­platz ausführen, ist der An­trag zulässig (aa), aber un­be­gründet (bb).
aa) Hin­sicht­lich der Zulässig­keit des Haupt­an­tra­ges be­ste­hen kei­ne Be­den­ken.
(1) Ins­be­son­de­re ist der An­trag hin­rei­chend be­stimmt im Sin­ne von § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.
Ein An­trag muss im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren eben­so be­stimmt sein wie im Ur­teils­ver­fah­ren. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ist nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren ent­spre­chend an­wend­bar (BAG vom 24.01.2001 – 7 ABR 2/00 – AP Nr. 50 zu § 81 ArbGG 1979; BAG vom 03.06.2003 – 1 ABR 19/02 – BA­GE 106, 188; BAG vom 22.06.2005 – 10 ABR 34/04 – NZA-RR 2006, 23 ff.). Der Streit­ge­gen­stand muss da­her so ge­nau be­zeich­net wer­den, dass die ei­gent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Be­tei­lig­ten ent­schie­den wer­den kann (BAG vom 24.01.2001 – 7 ABR 2/00 - AP Nr. 50 zu § 81 ArbGG 1979).
Die­sem Er­for­der­nis genügt der Fest­stel­lungs­an­trag Zif­fer 2. Mit ihm soll fest­ge­stellt wer­den, dass die Mit­glie­der des Be­triebs­rats bei der Ausführung von Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz grundsätz­lich kei­ner An- und Ab­mel­de­pflicht un­ter­lie­gen. Der Um­fang der Rechts­kraft ei­nes die­sem An­trag ent­spre­chen­den Be­schlus­ses wäre hin­rei­chend klar.
(2) Die Vor­aus­set­zun­gen des auch im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren an­wend­ba­ren § 256 Abs. 1 ZPO (BAG vom 22.06.2005 – 10 ABR 34/04 – NZA-RR 2006, 23 ff., mwN) sind eben­falls erfüllt.
Der Streit der Be­tei­lig­ten über die Ab- und Rück­mel­de­pflicht ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds bei der Ausübung von Be­triebs­ratstätig­kei­ten am Ar­beits­platz be­trifft ih­re Rechts­be­zie­hun­gen und da­mit ein be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­ches Rechts­verhält­nis. Nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne der­ar­ti­ge Ab- und Rück­mel­de­pflicht be­haup­tet, der Be­triebs­rat ei­ne sol­che ver­neint und zu be­sor­gen ist, dass sich die Fra­ge zwi­schen den Be­tei­lig­ten in ab­seh­ba­rer Zu­kunft er­neut stel­len wird, hat der Be­triebs­rat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an als­bal­di­ger ge­richt­li­cher Klärung.
bb) In Übe­rein­stim­mung mit dem Ar­beits­ge­richt er­ach­tet die Be­schwer­de­kam­mer An­trag Zif­fer 2 als ei­nen Glo­balan­trag, der als un­be­gründet ab­zu­wei­sen ist, weil er auch mögli­che Fall­ge­stal­tun­gen er­fasst, in de­nen die vom Be­triebs­rat ver­nein­te Ab- und Rück­mel­de­pflicht be­steht.
(1) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann ei­nem Glo­balan­trag, mit wel­chem ein Hand­lungs-, Un­ter­las­sungs- oder Dul­dungs­an­spruch für ei­ne Viel­zahl künf­ti­ger Fall­kon­stel­la­tio­nen ver­folgt wird, nur ent-
spro­chen wer­den, wenn der An­spruch in al­len denk­ba­ren Fall­ge­stal­tun­gen ein­schränkungs­los be­steht; an­dern­falls ist der Glo­balan­trag ins­ge­samt als un­be­gründet ab­zu­wei­sen (BAG vom 18.09.1991 – 7 ABR 63/90 – AP Nr. 40 zu § 40 Be­trVG 1972; BAG vom 03.06.2003 – 1 ABR 19/02 – BA­GE 106, 188 ff.). Et­was an­de­res gilt le­dig­lich dann, wenn sich der An­trag auf von­ein­an­der zu tren­nen­de und ge­gen­ein­an­der klar ab­grenz­ba­re Sach­ver­hal­te be­zieht und der be­gründe­te Teil dem An­trag selbst als Teil­ziel des Ver­fah­rens zu ent­neh­men ist (BAG vom 06.12.1994 – 1 ABR 30/94 – BA­GE 78, 379; BAG vom 19.07.1995 – 7 ABR 60/94 – BA­GE 80, 296).
(2) Nach An­sicht der Be­schwer­de­kam­mer kann nicht fest­ge­stellt wer­den, dass grundsätz­lich kei­ne Ab- und Rück­mel­de­pflicht der Be­triebs­rats­mit­glie­der be­steht, wenn die­se ih­re Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz ausüben. Viel­mehr geht die Be­schwer­de­kam­mer vom grundsätz­li­chen Be­ste­hen ei­ner der­ar­ti­gen Mel­de­pflicht aus. Ob in Aus­nah­mefällen (z.B. wenn von vorn­her­ein si­cher fest­steht, dass die Be­triebs­ratstätig­keit zu ei­ner ex­trem kurz­fris­ti­gen Ar­beits­un­ter­bre­chung führen wird, die an­ge­sichts der kon­kre­ten Tätig­keit des Be­triebs­rats­mit­glieds für das Or­ga­ni­sa­ti­ons­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers kei­nes­falls von Be­lang sein kann) ei­ne Ab- und Rück­mel­de­pflicht des Be­triebs­rats­mit­glieds auf­grund der be­son­de­ren Fall­kon­stel­la­ti­on zu ver­nei­nen ist, kann of­fen ge­las­sen wer­den. Denn je­den­falls han­delt es sich hier­bei um si­tua­ti­ons­be­zo­ge­ne Sach­ver­hal­te, die sich nicht im Vor­aus hin­rei­chend klar be­zeich­nen las­sen.
(a) Gemäß § 37 Abs. 2 Be­trVG sind Mit­glie­der des Be­triebs­rats von ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit oh­ne Min­de­rung des Ar­beits­ent­gelts zu be­frei­en, wenn und so­weit es nach Um­fang und Art des Be­trie­bes zur ord­nungs­gemäßen Durchführung ih­rer Auf­ga­ben er­for­der­lich ist. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG ist ei­ne Er­for­der­lich­keit im Sin­ne die­ser Vor­schrift im­mer dann zu be­ja­hen, wenn das Be­triebs­rats­mit­glied bei ge­wis­sen­haf­ter Über­le­gung und bei ru­hi­ger, vernünf­ti­ger Würdi­gung der Umstände die Ar­beits­versäum­nis für not­wen­dig hal­ten darf, um den ge­stell­ten Auf­ga­ben ge­recht zu wer­den. Bei der Prüfung, ob die Frei­stel­lung von der Ar­beits­pflicht nach Art und Um­fang er­for­der­lich ist, steht dem Be­triebs­rats­mit­glied ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu (vgl. nur BAG vom 21.06.2006 – 7 AZR 418/05 – n.v., ju­ris; BAG vom 31.08.1994 – 7 AZR 893/93 – NZA 1995, 225 ff.). Die Be­frei­ung von der Ar­beits­pflicht be­darf nicht der Be­wil­li­gung des Ar­beit­ge­bers, das Be­triebs­rats­mit­glied
ent­schei­det ei­gen­ver­ant­wort­lich über die Ausübung sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit (BAG vom 19.06.1979 – 6 AZR 638/77 - AP Nr. 36 zu § 37 Be­trVG 1972; BAG vom 06.08.1991 – 6 AZR 505/78 - AP Nr. 39 zu § 37 Be­trVG 1972; BAG vom 31.08.1994 – 7 AZR 839/93 – NZA 1995, 225 ff.).
(b) Ent­schei­det sich ein Be­triebs­rats­mit­glied zur Wahr­neh­mung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben während der Ar­beits­zeit, so hat es sich nach ganz herr­schen­der Mei­nung (BAG vom 23.06.1983 – 6 ABR 65/80 – BA­GE 43, 109 ff; BAG vom 14.02.1990 – 7 ABR 13/88 – n.v, ju­ris; BAG vom 15.02.1992 – 7 AZR 466/91 – BA­GE 71, 14 ff.; BAG vom 15.03.1995 – 7 AZR 643/94 – BA­GE 79, 263; BAG vom 13.05.1997 – 1 ABR 2/97 – AP Nr. 119 zu § 37 Be­trVG 1972; Fit­ting, 24. Auf­la­ge, 2008, § 37 RN 52, 53; Däubler, Be­trVG, 10. Auf­la­ge 2006, § 37 RN 44), von der ab­zu­wei­chen die Be­schwer­de­kam­mer kei­ne Ver­an­las­sung sieht, beim Ver­las­sen des Ar­beits­plat­zes zur Ausübung von Be­triebs­ratstätig­keit ab­zu­mel­den, dem Ar­beit­ge­ber den Ort der be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­ratstätig­keit so­wie de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er an­zu­ge­ben und nach Be­en­di­gung der Be­triebs­ratstätig­keit wie­der zurück­zu­mel­den. Bei die­ser Mel­de­pflicht han­delt es sich um ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht. Ih­re Erfüllung dient im We­sent­li­chen dem Ziel, den Ar­beit­ge­ber in die La­ge zu ver­set­zen, den Aus­fall des Ar­beit­neh­mers an­der­wei­tig zu über­brücken oder die Ar­beit ent­spre­chend an­ders zu or­ga­ni­sie­ren.
(c) Un­ter­bricht ein Be­triebs­rats­mit­glied sei­ne Ar­beits­leis­tung zur Ausübung von Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz, so kann nach An­sicht der Be­schwer­de­kam­mer nichts an­de­res gel­ten. Dies er­gibt sich be­reits aus dem un­ter (b) dar­ge­stell­ten Sinn und Zweck der Mel­de­pflicht. Denn auch im Fall der Wahr­neh­mung von Be­triebs­ratstätig­keit am Ar­beits­platz er­bringt das Be­triebs­rats­mit­glied für ei­ne vorüber­ge­hen­de Zeit kei­ne Ar­beits­leis­tung und hat der Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beits­aus­fall zu ver­zeich­nen. Um den Ar­beit­ge­ber in die La­ge zu ver­set­zen, hier­auf an­ge­mes­sen zu re­agie­ren, muss er durch das Be­triebs­rats­mit­glied über den Um­stand und die vor­aus­sicht­li­che Dau­er der Ar­beits­un­ter­bre­chung vor­ab in­for­miert wer­den. In­so­weit be­steht kein Un­ter­schied zu der Si­tua­ti­on, in der das Be­triebs­rats­mit­glied sich zum Zwe­cke der Be­triebs­ratstätig­keit von sei­nem Ar­beits­platz ent­fernt.
(d) Der Ar­gu­men­ta­ti­on des Be­triebs­rats, wo­nach sich ein we­sent­li­cher Un­ter­schied dar­aus er­ge­be, dass das am Ar­beits­platz ver­blei­ben­de Be­triebs­rats­mit­glied – im Ge­gen­satz zu dem sich ent­fer­nen­den Be­triebs­rats­mit­glied - für den Ar­beit­ge­ber, die Mit­ar­bei­ter und/oder die Geschäfts­part­ner voll an­sprech­bar blei­be, der Ar­beit­ge­ber da­her je­der­zeit auf das Be­triebs­rats­mit­glied mit dem Hin­weis zu­grei­fen könne, dass ei­ne be­stimm­te Ar­beits­auf­ga­be aus sei­ner Sicht vor­ran­gig er­le­digt wer­den sol­le und das Or­ga­ni­sa­ti­ons­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers des­halb in die­ser Kon­stel­la­ti­on nicht tan­giert sei, ver­mag die Be­schwer­de­kam­mer nicht zu fol­gen. Denn so­lan­ge der Ar­beit­ge­ber kei­ne Kennt­nis da­von hat, dass das Be­triebs­rats­mit­glied sich zwar am Ar­beits­platz aufhält, je­doch kei­ne Ar­beits­leis­tung er­bringt, son­dern Be­triebs­rats­auf­ga­ben wahr­nimmt, be­steht für den Ar­beit­ge­ber auch kein An­lass, sich über die Wich­tig­keit/Vor­ran­gig­keit der dem Be­triebs­rats­mit­glied ar­beits­ver­trag­lich zu­ge­wie­se­nen Auf­ga­ben Ge­dan­ken zu ma­chen.
(e) Der Be­triebs­rat kann auch nicht da­mit gehört wer­den, die un­ein­ge­schränk­te Mel­de­pflicht vor je­der Be­triebs­ratstätig­keit sei un­wirk­sam, weil sie rein prak­tisch über­haupt nicht möglich sei. Als Bei­spiels­fall be­nennt der Be­triebs­rat in die­sem Zu­sam­men­hang fol­gen­de Si­tua­ti­on: das Be­triebs­rats­mit­glied wird von ei­nem Ar­beits­kol­le­gen we­gen ei­ner be­triebs-ver­fas­sungs­recht­li­chen An­ge­le­gen­heit te­le­fo­nisch an­ge­ru­fen bzw. persönlich an­ge­spro­chen. In ei­nem sol­chen Fall sei es dem Be­triebs­rats­mit­glied, wel­ches vor der te­le­fo­ni­schen/persönli­chen An­spra­che den Gesprächs­ge­gen­stand nicht ken­nen könne, unmöglich, sich beim Ar­beit­ge­ber vor­her ab­zu­mel­den. Hier­zu ist fol­gen­des zu sa­gen: Ei­ne Ab­mel­dung beim Ar­beit­ge­ber vor Ent­ge­gen­nah­me ei­nes Te­le­fo­nats/ei­ner persönli­chen An­spra­che ist we­der möglich noch er­for­der­lich. Denn die Be­triebs­ratstätig­keit, vor de­ren Be­ginn sich das Be­triebs­rats­mit­glied beim Ar­beit­ge­ber ab­mel­den muss, be­ginnt erst in dem Mo­ment, in dem das Be­triebs­rats­mit­glied die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che An­ge­le­gen­heit mit dem Ar­beits­kol­le­gen in­halt­lich be­spricht. Erst in die­sem Mo­ment, in dem sich das Be­triebs­rats­mit­glied zur Un­ter­bre­chung sei­ner Ar­beit zwecks Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben ent­schei­det, be­darf es der Be­nach­rich­ti­gung des Ar­beit­ge­bers. Dies er­scheint dem Be­triebs­rats­mit­glied auch oh­ne wei­te­res zu­mut­bar, auch wenn er hierfür das Gespräch mit dem Ar­beits­kol­le­gen kurz­fris­tig un­ter­bre­chen muss.
(f) So­weit der Be­triebs­rat meint, die vom Ar­beit­ge­ber ge­for­der­te Mel­de­pflicht der Be­triebs­rats­mit­glie­der sei vom Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers nach § 106 Ge­wO nicht mehr ge­deckt, da sie nicht bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­che, über­sieht der Be­triebs­rat, dass ei­ne Wei­sung im Sin­ne des § 106 Ge­wO über­haupt nicht vor­liegt. Viel­mehr hat der Ar­beit­ge­ber in sei­nem Schrei­ben vom 26.10.2007 le­dig­lich auf die be­ste­hen­de Rechts­la­ge und die als ar­beits­ver­trag­lich Ne­ben­pflicht be­ste­hen­de Mel­de­pflicht der Be­triebs­rats­mit­glie­der hin­ge­wie­sen. Ein bloßer Hin­weis auf ei­ne be­ste­hen­de Rechts­la­ge ist aber kei­ne Ar­beit­ge­ber­wei­sung im Sin­ne des § 106 Ge­wO. Im Übri­gen teilt die Be­schwer­de­kam­mer die An­sicht der Ar­beit­ge­be­rin, wo­nach ei­ne et­wai­ge Wei­sung der Ar­beit­ge­be­rin ge­genüber ih­ren Be­triebs­rats­mit­glie­dern, sich vor der Wahr­neh­mung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben am Ar­beits­platz ab- und später wie­der zurück­zu­mel­den, bil­li­gen Er­mes­sen im Sin­ne des § 106 Ge­wO entspräche. Denn das Or­ga­ni­sa­ti­ons­in­ter­es­se der Ar­beit­ge­be­rin über­wiegt das In­ter­es­se der Be­triebs­rats­mit­glie­der, die Ar­beit­ge­be­rin nicht über die Ar­beits­un­ter­bre­chung zum Zwe­cke der Wahr­neh­mung von Be­triebs­ratstätig­keit zu in­for­mie­ren, bei wei­tem.
(g) Des Wei­te­ren ist die Ab- und Rück­mel­de­ver­pflich­tung der Be­triebs­rats­mit­glie­der auch nicht et­wa des­halb als un­wirk­sam an­zu­se­hen, weil es sich hier­bei um ei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge An­ge­le­gen­heit im Sin­ne des § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG han­delt, zu der der Be­triebs­rat nicht zu­ge­stimmt hat. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG hat der Be­triebs­rat in Fra­gen der Ord­nung des Be­trie­bes und des Ver­hal­tens der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb mit­zu­be­stim­men. Ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats schei­det von vorn­her­ein aus, wenn sich die An­ord­nung des Ar­beit­ge­bers nur auf die Amtsführung des Be­triebs­rats und sei­ner Mit­glie­der be­zieht. Sie un­ter­lie­gen in ih­rer Amtsführung von vorn­her­ein nicht dem Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers. Ih­re Auf­ga­ben wer­den al­lein durch das Be­trVG fest­ge­legt. In­halt und Um­fang der Tätig­keit der Be­triebs­rats­mit­glie­der er­ge­ben sich al­so aus die­sen Nor­men (im vor­lie­gen­den Fall aus § 37 Abs. 2 Be­trVG), oh­ne dass der Ar­beit­ge­ber Ein­fluss neh­men kann. Be­steht je­doch kein Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers hin­sicht­lich der Amts-führung der Be­triebs­rats­mit­glie­der, so entfällt auch ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG (so aus­drück­lich BAG vom 23.06.1983 – 6 ABR 65/80 – BA­GE 43, 109 ff.; BAG vom 13.05.1997 – 1 ABR 2/97 – NZA 1997, 1062 ff).
(h) Sch­ließlich stellt die An- und Rück­mel­de­ver­pflich­tung der Be­triebs­rats­mit­glie­der, wenn sie ih­re Ar­beit un­ter­bre­chen, um an ih­rem Ar­beits­platz Be­triebs­rats­auf­ga­ben wahr­zu­neh­men, auch kei­nen Ver­s­toß ge­gen das in § 78 Satz 2 Be­trVG nor­mier­te Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot dar. Denn die­sel­be Ver­pflich­tung trifft je­den an­de­ren Ar­beit­neh­mer auch in an­de­ren Fällen, in de­nen er ei­nen An­spruch auf be­zahl­te Ar­beits­be­frei­ung hat (eben­so BAG vom 15.07.1992 – 7 AZR 466/91 – BA­GE 71, 14 ff.). So­weit der Be­triebs­rat meint, die Be­triebs­rats­mit­glie­der würden ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern, die während der Ar­beits­zeit kurz­fris­tig ei­ne nicht dienst­li­che An­ge­le­gen­heit er­le­dig­ten (bspw. pri­va­tes Te­le­fo­nat) und sich den­noch beim Ar­beit­ge­ber nicht ab­mel­den müssen, be­nach­tei­ligt, fehlt es schon an der er­for­der­li­chen Ver­gleich­bar­keit der Sach­ver­hal­te: Denn die an­de­ren Ar­beit­neh­mer müssen zur Ver­mei­dung ei­nes Ar­beits­zeit­be­trugs die we­gen der Er­le­di­gung pri­va­ter An­ge­le­gen­hei­ten versäum­te Ar­beits­zeit nach­ho­len, das Be­triebs­rats­mit­glied hin­ge­gen muss die we­gen Be­triebs­ratstätig­keit er­folg­te Ar­beits­un­ter­bre­chung nicht nach­ar­bei­ten. Das Or­ga­ni­sa­ti­ons­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers ist da­her im ers­ten Fal­le kaum, im zwei­ten Fall je­doch sehr be­trof­fen.
b) Der Hilfs­an­trag, wel­cher auf die Fest­stel­lung des Nicht­be­ste­hens ei­ner Ab- und An­mel­de-pflicht der Be­triebs­rats­mit­glie­der ge­rich­tet ist, wenn die­sen im Ein­zel­fall ei­ne Um­or­ga­ni­sa-ti­on der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beit bei ge­wis­sen­haf­ter Prüfung nicht er­for­der­lich er­scheint, ist zulässig, aber eben­falls un­be­gründet.
aa) Hin­sicht­lich der Zulässig­keit des An­tra­ges kann auf die Ausführun­gen un­ter II.2.a)aa) ver­wie­sen wer­den.
bb) Auch der Hilfs­an­trag ist je­doch in der Sa­che nicht be­gründet. Denn ein Weg­fall der un­ter II.2.a) dar­ge­leg­ten An- und Rück­mel­de­ver­pflich­tung in dem Fall, in dem das Be­triebs­rats­mit­glied nach Ausübung pflicht­gemäßen Er­mes­sens ei­ne Um­or­ga­ni­sa­ti­on für nicht er­for­der­lich hält, setzt vor­aus, dass dem Be­triebs­rats­mit­glied über­haupt ei­ne der­ar­ti­ge Er­mes­sens­ent­schei­dung zu­steht. Eben dies ist je­doch nicht der Fall. Das Be­triebs­rats­mit­glied ist – wie oben (II.2.a)bb)(2)(a) be­reits erläutert – zwar be­fugt, oh­ne Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers sei­ne Ar­beit zum Zwe­cke der Wahr­neh­mung von Be­triebs­ratstätig­keit zu un­ter­bre­chen, wenn es nach ge­wis­sen­haf­ter Über­le­gung und bei ru­hi­ger, vernünf­ti­ger Würdi­gung der Umstände die Ar­beits­versäum­nis für not­wen­dig hal­ten darf, um den ge­stell­ten Auf­ga­ben ge­recht zu wer­den.
Die Ent­schei­dung, ob der we­gen Wahr­neh­mung von Be­triebs­ratstätig­kei­ten zu ver-zeich­nen­de Ar­beits­aus­fall dann aber or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men nach sich zieht, d.h. ob die ursprüng­lich dem Be­triebs­rats­mit­glied zu­ge­wie­se­ne Ar­beit von ei­nem Ver­tre­ter er­le­digt, gänz­lich ge­stri­chen oder in­halt­lich ab­geändert wird, ob­liegt je­doch al­lein dem Ar­beit­ge­ber. Die­ser trägt das Un­ter­neh­mer­ri­si­ko, ihm steht des­halb auch die Be­fug­nis zu, sei­nen Be­trieb so zu or­ga­ni­sie­ren, wie er es für rich­tig und not­wen­dig hält. Um der­ar­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun­gen über­haupt tref­fen zu können, muss er über Ar­beits­ausfälle we­gen Be­triebs­ratstätig­keit in­for­miert wer­den.
1. Ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung war nicht ver­an­lasst (§ 2 Abs. 2 GKG).
2. Die Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ar­beits­ge­richt war nicht zu­zu­las­sen, da die Vor­aus-set­zun­gen der §§ 92 Abs. 1 Satz 2, 72 Abs. 2 ArbGG nicht vor­lie­gen.
Ge­gen die­sen Be­schluss ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Auf §§ 92 a, 72 a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.
Dr. Hof­herr
Oe­tin­ger
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References: § 78
 § 106
 § 87
 § 106
 § 87
 § 87
 § 253
 § 253
 § 81
 § 81
 § 256
 § 40
 § 37
 § 37
 § 37
 § 37
 § 37
 § 37
 § 106
 § 106
 § 106
 § 106
 § 87
 § 87
 § 37
 § 87
 § 78