Source: https://www.grin.com/document/423566
Timestamp: 2020-08-11 20:18:08+00:00

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Pkw-Überlassung an Arbeitnehmer aus steuerlicher Sicht - GRIN
Rika Schob (Autor)
2.1 Pauschale Ermittlung durch die Ein-Prozent-Methode
2.1.1 Laufende Zuzahlungen des Arbeitnehmers
2.1.2 Zuzahlungen des Arbeitnehmers zu den Anschaffungskosten
2.1.3 Gebraucht- und Leasingfahrzeuge
2.1.4 Hybrid- und Elektrofahrzeuge
2.1.5 Mehrere Fahrzeuge pro Arbeitnehmer
2.1.6 Nutzung eines Fahrzeugs durch mehrere Arbeitnehmer
2.1.7 Fahrergestellung
2.2 Individuelle Ermittlung durch ein Fahrtenbuch
2.2.1 Ansprüche an ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch
2.2.2 Elektronisches Fahrtenbuch
2.2.3 Gesamtkosten
2.2.4 Steuerliche Planung
2.2.5 Vereinfachte Dokumentation dienstlicher Fahrten
2.2.6 Wechsel der Methode
2.3.1 Erste Tätigkeitsstätte
2.3.2 Entfernungspauschale
2.3.3 Pkw-Überlassung im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung
2.3.4 Pauschalbewertung des geldwerten Vorteils mit 0,03%
2.3.5 Einzelbewertung des geldwerten Vorteils mit 0,002%
Immer öfter werden Arbeitnehmern von ihren Arbeitgebern Personenkraftwagen sowohl zur dienstlichen als auch zur privaten Nutzung außerhalb der Arbeitszeiten überlassen. Steht einem Arbeitnehmer auch zur außerbetrieblichen Nutzung ein Kraftfahrzeug offiziell zur Verfügung, so stellt diese Pkw-Überlassung einen Sachbezug dar, der wie Arbeitslohn anzusehen ist. Laut § 8 Abs. 2 Sätze 2-5 EStG sind die Einnahmen des Arbeitnehmers um diesen geldwerten Vorteil zu erhöhen.[1] Sie unterliegen sowohl der Lohnsteuer als auch der Sozialversicherung. In der vorliegenden Arbeit wird jedoch nur der geldwerte Vorteil erläutert. Die Feststellung über die Höhe des geldwerten Vorteils kann mittels zwei Methoden erfolgen: Arbeitnehmer und Arbeitgeber können zwischen der Ein-Prozent-Regelung und der Fahrtenbuchmethode wählen. Durch diese Option ist es möglich, die für den steuerpflichtigen Arbeitnehmer günstigste Methode mit geringster steuerlicher Belastung auszuwählen.
Zur privaten Nutzung zählen neben eigentlichen Privatfahrten auch Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Diese Fahrten werden gesondert von den zwei Berechnungsarten (Ein-Prozent-Regelung und der Fahrtenbuchmethode) betrachtet.
Nun stellt sich sowohl für Arbeitgeber als auch für steuerpflichtige Arbeitnehmer die Frage, welche der Methoden in welchem Sachverhalt die steuerlich günstigere ist, wie sie steuerlich zu behandeln ist und wo ihre Vor- bzw. Nachteile liegen.
Im Folgenden sollen diese Fragen geklärt werden, indem die verschiedenen Methoden vorgestellt, erläutert und vergleichsweise beurteilt werden.
Zuerst wird die Pauschale Ermittlung erläutert, daran anschließend die Fahrtenbuchmethode und den Sonderfall der Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Darauf folgt eine rechnerische Analyse und schlussendlich eine Zusammenfassung.
Laut § 8 Abs. 2 Satz 2 i. V. m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ist der geldwerte Vorteil einer Pkw-Nutzungsüberlassung an einen Arbeitnehmer mit 1 % des inländischen Bruttolistenpreises zum Zeitpunkt der Erstzulassung des Fahrzeuges pauschal pro Monat zu berechnen. Diese Pauschale schließt Aufwendungen für eine werksseitig eingebaute Sonderausstattung (z. B. Navigations- oder Diebstahlsicherungssystem) und die gesetzliche Umsatzsteuer ein. Als Listenpreis wird hierbei die auf volle hundert Euro abgerundete unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers bezeichnet. Außer Acht gelassen werden sowohl der Wert eines Autotelefons einschließlich einer Freisprecheinrichtung als auch ein zusätzlicher Satz Reifen mit Felgen. Ist ein Dienstwagen für Werbezwecke mit Beschriftungen und Aufdrucken versehen, wird auch hier keine Kürzung der monatlichen Pauschale zugunsten des steuerpflichtigen Arbeitnehmers anerkannt. Ob der Arbeitnehmer einen privaten Zweit- oder auch Drittwagen besitzt, spielt gemäß R. 8.1 Abs. 9 Nr. 1 Satz 5 LStR ebenso keine Rolle.
Steht dem Arbeitnehmer das Dienstfahrzeug nur einen Teil des Monats, z. B. auch nur einen Tag zur Verfügung, wird der geldwerte Vorteil unverändert mit dem vollen Betrag pro Monat versteuert. Der Monatsbetrag darf nur dann nicht angesetzt werden, wenn dem Arbeitnehmer einen vollen Monat kein betriebliches Fahrzeug zur Verfügung steht. Nebensächlich ist dabei, ob der Arbeitnehmer den Pkw tatsächlich nutzt oder, z.B. durch eine längerfristige Krankheit, über mehrere Monate hinweg nicht nutzen kann. Lediglich die Nutzungsmöglichkeit, nicht die tatsächliche Nutzung ist ausschlaggebend.[2]
Ab 16.04.16 stellt Arbeitgeber A dem Arbeitnehmer B einen Pkw im Wert von 34.000,00€ auch zur privaten Nutzung zur Verfügung. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer mit 6.650,00€. Der Listenpreis liegt somit auf volle hundert Euro abgerundet bei 40.600,00€. Von 29.06.16 bis 02.08.16 befindet sich der Dienstwagen aufgrund einer größeren Reparatur in der Werkstatt.
Der gesamte geldwerte Vorteil im Jahr 2016 berechnet sich wie folgt:
Bruttolistenpreis 40.600,00€
40.600,00€ x 1 % 406,00€
406,00€ x 8 Monate 3.248,00€
Zahlt ein Arbeitnehmer dem Arbeitgeber für den außerbetrieblichen Gebrauch eines Dienstwagens ein Entgelt, mindert dieses nach R. 8.1 Abs. 9 Nr. 4 Satz 1 LStR den geldwerten Vorteil und somit den Nutzungswert. Alle laufenden Zuzahlungen - ohne Relevanz, ob pauschal oder der tatsächlichen Nutzung entsprechend - sind dem Arbeitnehmer anzuerkennen.
Bei einer Zuzahlung des Arbeitnehmers vor allem zu Treibstoffkosten oder beispielsweise zur Garagenmiete, ist eine Kürzung des pauschalen Nutzungswerts nicht gestattet.[3]
Neben laufenden Zuzahlungen kann ein Arbeitnehmer auch Zuzahlungen zu den Anschaffungskosten eines Firmenwagens leisten. Vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer solch eine Zuzahlung z. B. aufgrund einer Sonderausstattung oder eines höherwertigen Fahrzeugmodells, so wird der Nutzungswert für private Fahrten, Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und Familienheimfahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung in diesem Jahr gekürzt, in dem die Zahlung geleistet wird. Ein verbleibender Restwert nach Anrechnung kann im Folgejahr steuermindernd berücksichtigt werden.[4] Durch die private Nutzung kann in keinem Fall ein geldwerter Nachteil bzw. ein negativer geldwerter Vorteil entstehen.
Im Jahr 2015 überlässt ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer einen Pkw mit Bruttolistenpreis 37.000,00€ zum Zeitpunkt der Erstzulassung. Die vom Arbeitnehmer gewünschte Sonderausstattung mit Sportsitzen und Lederlenkrad sind in dem Betrag bereits enthalten. Der Arbeitnehmer leistet im Jahr 2015 eine Zuzahlung i. H. v. 7.000,00€.
Berechnung geldwerter Vorteil im Jahr 2015:
1 % von 37.000,00€ = 370,00€ x 12 Monate 4.440,00€
./. Zuzahlung des Arbeitnehmers 4.440,00€
= geldwerter Vorteil 2015 0,00€
Berechnung geldwerter Vorteil im Folgejahr 2016:
./. nicht verbrauchte Restzuzahlung 2015 2.560,00€
= geldwerter Vorteil 2016
1.880,00€ Findet jedoch ein Fahrzeugwechsel statt, können die Anschaffungskosten nicht mit dem geldwerten Vorteil verrechnet werden. Die Restzuzahlung kann bei Überlassung eines anderen Firmenwagens nicht mehr berücksichtigt werden.
Zur Berechnung der Bemessungsgrundlage bei Gebraucht- und Leasingfahrzeugen wird wie bei Neuwagen der Bruttolistenpreis bei Erstzulassung des Pkws herangezogen. Dies gilt sogar dann, wenn ein Fahrzeug bereits den Oldtimer-Status bekommen hat. Bei der Ein-Prozent-Regelung ist das Alter des Dienstwagens nicht von Bedeutung.[5] Bei geleasten Fahrzeugen liegt in der Besteuerung des Vorteils kein Unterschied zu der Besteuerung eines bereits dem Arbeitgeber gehörenden Pkws.[6]
Laut BFH ist die Bemessungsgrundlage des Bruttolistenneupreises kein den tatsächlichen Neuanschaffungskosten entsprechender Wert, sondern sollte als generalisierende Wertermittlung gesehen werden. Der vom Gesetzgeber vorausgesetzte Zweck ist somit nicht, den momentanen Wert des Pkws im Zeitpunkt der Überlassung darzustellen oder die tatsächlichen Kosten seiner Neuanschaffung exakt widerzuspiegeln. Demzufolge umfasst der dem Arbeitnehmer entstehende geldwerte Vorteil vielmehr als nur die Nutzungsüberlassung des Fahrzeugs selbst. Jegliche Kosten z. B. in Form von Reparaturen, Steuern, Versicherungsprämien oder vor allem auch Treibstoffkosten werden von dem Arbeitgeber übernommen. Der geldwerte Vorteil entspricht diesem Betrag, den der Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber spart, wenn er für eine vergleichbare Nutzung aufkommen müsste.[7]
Der BFH ist momentan in der Entscheidungsfindung, ob in Fällen, in denen ein steuerpflichtiger Arbeitnehmer einen Gebrauchtwagen nutzt, bei dem die Anschaffungskosten typischerweise weit unter dem Listenneupreis lagen, die Ein-Prozent-Methode anzuwenden ist, da diese zwingend zu falschen Resultaten führt.[8]
Bei der zunehmenden Verbreitung von Elektro- und Hybridfahrzeugen stellt sich die Frage, welche Besonderheiten bei der Bewertung des geldwerten Vorteils nach der Ein-Prozent-Methode auftreten und zu beachten sind.
Durch die von fünf auf zehn Jahren verlängerte Kfz-Steuerbefreiung für reine Elektrofahrzeuge, die ab dem Tag der Erstzulassung gilt - vorausgesetzt diese liegt zwischen dem 18. Mai 2016 und dem 31. Dezember 2020 - zeigt sich der erste steuerliche Vorteil eines Elektrofahrzeugs. Des Weiteren zahlt der Staat für Plug-In-Hybrid-Autos eine Kauf-Prämie i. H. v. 3.000 Euro; für reine Elektrofahrzeuge i. H. v. 4.000 Euro an den Käufer. Das Elektrofahrzeug darf hierbei einzig mit einem Elektroantrieb anstelle eines Verbrennungsmotors ausgestattet sein. Unter einem Plug-In-Hybrid-Fahrzeug versteht man einen Wagen mit Hybridantrieb, dessen Ladung des Akkumulators am Stromnetz oder über den Verbrennungsmotor erfolgen kann. Allerdings werden beide Kauf-Prämien nur für Fahrzeuge mit einem Listenpreis des Basismodells von bis zu 60.000 Euro gestattet und müssen online beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einzeln beantragt werden.[9]
Für die Überlassung von Elektro- und Hybridfahrzeugen an steuerpflichtige Arbeitnehmer gelten dieselben Regelungen nach § 8 Abs. 2 Satz 2 i. V. m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG wie für Fahrzeuge mit normalem Verbrennungsmotor. Jedoch wird seit 2013 bei der Ein-Prozent-Regelung die Bemessungsgrundlage des geldwerten Vorteils um die Kosten des Batterieladungssystems pauschal gekürzt. Die Kürzung beruht auf den hohen Erwerbskosten der Akkumulatoren und auf der Absicht, den Absatz und somit den Umweltschutz zu fördern. Je nach Batteriekapazität und Anschaffungsjahr ergeben sich unterschiedliche Kürzungsbeträge.[10]
Ein Arbeitgeber bekommt im Jahr 2013 ein Elektrofahrzeug mit einer Batteriekapazität von 21 Kilowattstunden und einem Bruttolistenpreis von 53.000,00€ überlassen.
Der Bruttolistenpreis ist um folgenden Wert zu kürzen:
21 kWh x 500,00€ (Minderungsbetrag je kWh in Euro im Jahr 2013) 10.500,00€
Höchstbetrag für 2013: 10.000,00€
53.000,00€ - 10.000,00€ 43.000,00€
Nutzungsentnahme nach der 1 %-Regelung pro Monat 430,00€
Der Arbeitgeber bekommt das gleiche Fahrzeug wie in Beispiel 1 überlassen, allerdings findet die Nutzungsüberlassung im Jahr 2017 statt.
21 kWh x 300,00€ (Minderungsbetrag je kWh im Jahr 2017) 6.300,00€
Höchstbetrag für 2017: 8.000,00€
53.000,00€ - 6.300,00€ 46.700,00€
Nutzungsentnahme nach der 1 %-Regelung pro Monat
Seit 01.01.2017 sind dem Arbeitnehmer gewährte Vorteile für das elektrische Aufladen seines Elektro- oder Hybridelektrofahrzeuges im Betrieb des Arbeitgebers gemäß § 3 Nr. 46 EStG steuerfrei. Dazu gehört auch eine an den Arbeitnehmer zur privaten Nutzung überlassene Ladevorrichtung zum Aufladen des Fahrzeuges. Voraussetzung für eine steuerfreie Aufladung ist, dass das Aufladegerät sich im Betrieb des Arbeitgebers befindet und nicht etwa bei einem Geschäftsfreund oder beim Arbeitnehmer zuhause. Diese Förderung gilt sowohl für Dienstwagen als auch für Privatfahrzeuge. Bei der Ein-Prozent-Methode ist die kostenfreie Aufladung des Pkws in der Monatspauschale inbegriffen.[11]
Wenn einem Arbeitnehmer mehrere Fahrzeuge zur gleichen Zeit zur Verfügung stehen, so muss für jedes Kfz die Nutzung mit 1 % des Bruttolistenneupreises pro Monat nach R 8.1 (9, 10) LStR angesetzt werden. Dagegen abweichend kann nach H 8.1 (9, 10) LStH der Listenpreis des überwiegend genutzten Fahrzeugs zugrunde gelegt werden, wenn die Nutzung aller Fahrzeuge durch zum privaten Umfeld des Arbeitnehmers gehörende Personen so gut wie ausgeschlossen ist. Für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ist der Nutzungswert insgesamt nur einmal zu erfassen.
Wird ein Kraftfahrzeug von mehreren Arbeitnehmern genutzt, ist bei der pauschalen Nutzungswertermittlung für Fahrten der privaten Lebensführung der geldwerte Vorteil entsprechend der Zahl der zur Nutzung des Fahrzeugs berechtigter Personen aufzuteilen.[12]
Wird dem Arbeitnehmer für die Privatnutzung seines Firmen-Pkws ein Fahrer vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, muss dieser geldwerte Vorteil zusätzlich als Arbeitslohn erfasst werden. Für den zu privaten Fahrten in Anspruch genommenen Fahrer ist der insgesamt ermittelte Nutzungswert nach R 8.1 Abs. 10 LStR folgendermaßen zu erhöhen:
- um 50 %, wenn der Fahrer überwiegend in Anspruch genommen wird,
- um 40 %, wenn der Arbeitnehmer das Kraftfahrzeug häufig selbst steuert,
- um 25 %, wenn der Arbeitnehmer das Kraftfahrzeug weit überwiegend selbst steuert.
Neben der Ein-Prozent-Regelung besteht auch die Möglichkeit, den geldwerten Vorteil eines Jahres durch die Fahrtenbuchmethode zu ermitteln. Das Führen eines Fahrtenbuches dient der individuellen Ermittlung des privaten Nutzwertes an einem betrieblichen Kraftfahrzeug. Hierbei werden die Gesamtkosten auf die Kilometerzahl aufgeteilt, um den Kilometersatz zu erhalten. Dieser ist Grundlage für die Berechnung des geldwerten Vorteils. Wird das Fahrtenbuch ordnungsgemäß nach § 8 Abs. 2 Satz 4 i. V. m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG geführt, stellt es eine Alternative zur Ein-Prozent-Regelung dar. Allein die Behauptung, das Fahrzeug würde ausschließlich betrieblich genutzt und nicht für Privatfahrten gefahren werden, genügt nicht, um einen privaten Ansatz auszuschließen. Durch die Fahrtenbuchmethode wird dem Steuerpflichtigen eine objektive Beweislast zugesprochen.[13] Die betrieblichen und privaten Fahrtstrecken müssen eindeutig erkennbar und fortlaufend im Fahrtenbuch aufgezeichnet und nachgewiesen werden.[14]
Um als ordnungsgemäß bezeichnet werden zu können, muss ein Fahrtenbuch gesetzlichen Vorschriften folgen. Die Richtigkeit und Vollständigkeit soll mit vertretbarem Aufwand überprüfbar sein, ein Dritter sollte sich ohne übermäßigen Aufwand einen Überblick verschaffen können. Ein Fahrtenbuch muss „zeitnah und in geschlossener Form“[15] geführt werden. Es ist demzufolge nicht erlaubt, anhand von Notizzetteln oder ähnlich ungebundener Aufzeichnungsarten die Fahrten zu dokumentieren. Bereits die Bezeichnung als „Buch“ verlangt diese äußere Gestalt. Dieser gängige Sprachgebrauch erfordert eine Aufzeichnung in geschlossener Form, welche keine nachträglichen Veränderungen oder Ergänzungen zulässt oder solche eindeutig historisch nachvollziehen und erkennen lässt. Durch die Vorschrift der Buchform lässt sich darüber hinaus feststellen, dass die Fahrten ihrem zeitlich geordnet aufeinander folgendem Geschehen nach erfasst werden müssen. Außerdem ist ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nicht nur fortlaufend in geschlossener Form, sondern auf jeden Fall zeitnah zu führen.[16]
Je nach betrieblichem oder privatem Anlass der Fahrtstrecke sind diverse Angaben erforderlich. Bei beruflichen Fahrten muss neben dem Datum auch der Kilometerstand zu Beginn der Fahrt festgehalten werden. Darüber hinaus müssen Angaben zum Reiseziel, Geschäftspartner oder Kunden und zum Reisezweck gemacht werden. Bei Umwegen ist die entsprechend entstandene Reiseroute zu notieren. Am Ende der dienstlichen Fahrt muss der erreichte Gesamtkilometerstand des Fahrzeuges angegeben werden. Bei Privatfahrten des Steuerpflichtigen wiederum genügt es, die Kilometerstände zu Beginn und bei Abschluss der Fahrt festzuhalten. Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte müssen gemäß R 8.1 Abs. 9 Nr. 2 Satz 3 LStR als solche deutlich und erkennbar gemacht werden. Alle erforderlichen Angaben im Fahrtenbuch müssen aus dem Fahrtenbuch selbst hervorgehen, da der Reisezweck einer Außentätigkeit nicht anhand mehrerer zum Teil nachträglich angefertigter Dokumente, wie beispielsweise Reisekostenabrechnungen und Kundenlisten, nachvollzogen und zweifelsfrei ermittelt werden kann.[17]
Weist das Fahrtenbuch geringe Mängel auf, kann das Finanzamt es trotzdem anerkennen, sofern die getätigten Aufzeichnungen insgesamt schlüssig scheinen. Dies ist eine reine Ermessenssache des Sachbearbeiters. Liegen allerdings systematische Mängel, wie nicht vollständig getätigte Angaben oder ähnliche unzureichende Aufzeichnungen vor, aufgrund derer die Aussagekraft und Richtigkeit des Fahrtenbuchs in Zweifel gezogen werden müssen, führt dies zur Verwerfung des Fahrtenbuchs. Die Verwerfung des Fahrtenbuchs bedingt die rückwirkende Anwendung der Ein-Prozent-Methode auf der Basis des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG.[18]
Der Vorsatz der Unveränderbarkeit bzw. Dokumentation nachträglicher Abänderungen erlaubt eine elektronische Fahrtenbuchführung mittels eines Computerprogramms wie z. B. MS-Excel nur bedingt. Hier ist die Möglichkeit, Fahrten zugunsten des Steuerpflichtigen zu manipulieren, verstärkt gegeben. Die Veränderung von Daten, die zu einem früheren Zeitpunkt erfasst wurden, muss durch die Funktionsweise des Programms technisch unmöglich sein oder wenigstens in der Datei aufgezeichnet und offenbart werden.[19] In der Praxis kann die Verwendung eines Fahrtenbuches neben hohen Bürokratiekosten auch mögliche Diskussionen mit dem Finanzamt nicht ausschließen.
Ein elektronisches Fahrtenbuch wird von der Finanzverwaltung nur anerkannt, wenn es einem manuellen Fahrtenbuch in jeglicher Hinsicht gleichsteht und sich daraus dieselben Aussagen entnehmen lassen. Allerdings erlaubt das Finanzamt dem Fahrer ausnahmsweise, innerhalb von sieben Kalendertagen nach der jeweiligen Fahrt den Fahrtanlass in einem Webportal zu erfassen. Hierbei werden aber auch der Zeitpunkt und die Person der nachträglichen Änderung aufgezeichnet. Beim Druck der elektronischen Aufzeichnungen müssen nachträgliche Abänderungen der protokollierten Daten ausgeschlossen werden. Weitere Voraussetzung für die Nutzung eines elektronischen Fahrtenbuches ist, dass die Daten bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist zur Aufbewahrung für ein Fahrtenbuch unveränderlich archiviert und, falls nötig, ebenso unverändert lesbar gemacht werden können.[20]
Um den geldwerten Vorteil des Arbeitnehmers zu ermitteln, werden zunächst die Gesamtkosten für das Kraftfahrzeug ermittelt. Diese entsprechen den Kosten, die „unmittelbar dem Halten und dem Betrieb des Kraftfahrzeugs […] dienen“.[21] Den Gesamtkosten zuzurechnen sind die Afa oder Leasingrate (anstelle der Afa),Betriebsstoffkosten, Versicherungen, Kraftfahrzeugsteuer, sowie Reparatur- und Wartungskosten. Nicht als Gesamtkosten ansetzbar sind hingegen Maut- und Parkgebühren, Insassenversicherungen, Unfallversicherungen, Schutzbriefe, die auf den Arbeitnehmer ausgestellt sind, sowie Verwarnungs- und Bußgelder. Da die Gesamtkosten erst am Jahresende aufgestellt werden können, die Privatnutzung des Arbeitnehmers jedoch in jedem Monat der Lohnsteuer unterworfen werden muss, kann zunächst monatlich ein Zwölftel des Vorjahreswertes herangezogen werden. Um einen Überblick über die angefallenen Kosten des Kraftfahrzeugs zu erlangen, hat der Angestellte das Recht, die Höhe der Gesamtkosten vom Arbeitgeber zu erfahren.[22]
Die steuerliche Planung mittels Fahrtenbuchmethode kann anhand des folgenden Beispiels veranschaulicht werden.
Ein Arbeitgeber erwirbt im Kalenderjahr 2016 einen Jahreswagen. Der Bruttolistenpreis des Fahrzeuges liegt bei 31.000,00€ und beinhaltet die Umsatzsteuer. Aufgrund eines Vertrags zum Kauf mehrerer Firmenwagen erhält der Unternehmer 1.250,00€ Rabatt brutto auf den Kauf des Wagens. Um die Abschreibung zu berechnen, wird die gewöhnliche Nutzungsdauer der Afa-Tabelle entnommen. Laut dieser Tabelle beträgt sie sechs Jahre und wird um die bereits vergangene Nutzungsdauer, d.h. um ein Jahr, verkürzt. Die Abschreibung kann folglich über fünf Jahre als Betriebsausgabe verbucht werden.
Für den Arbeitgeber ergibt sich aus steuerlicher Sicht:
Listenpreis brutto 36.950,00€
./. Rabatt brutto 1.250,00€
= Anschaffungskosten brutto 35.700,00€
./. Umsatzsteuer 5.700,00€
= Anschaffungskosten netto 30.000,00€
Jährliche Abschreibung bei 5 Jahren Nutzungsdauer 6.000,00€
Zudem fallen folgende weitere Kosten (netto) an:
Benzinkosten 2.450,00€
Reparatur- und Wartungskosten 780,00€
Kraftfahrzeugsteuer 550,00€
Diverse Versicherungen 940,00€
Kosten gesamt 4.720,00€
Somit ergeben sich in der Buchhaltung als Gesamtkosten zum Ende des Jahres von 10.720,00€.
[1] Vgl. BFH-Urteil vom 06.10.2011, VI R 56/10, BStBl. II 2012, S. 362.
[2] Vgl. Schrader/Straube (2013), Rz. 435-436.
[3] Vgl. Kirschbaum/Beckers (2011), S. 343.
[4] Vgl. BMF-Schreiben vom 19.04.2013, IV C 5 - S. 2334/11/10004, BStBl. I 2013, S. 513.
[5] Vgl. Jakob (2008), Rz. 321.
[6] Vgl. Nägele (2010), S. 101.
[7] Vgl. BFH-Urteil vom 13.12.2012, VI R 51/11, BStBl. II 2013, S. 385.
[8] Vgl. FG-Urteil vom 09.12.2014, 6 K 2338/11.
[9] Vgl. Heuser, Michael (2016), S 130.
[10] Vgl. BMF-Schreiben vom 05.06.2014, IV C 6-S 2177/13/10002, BStBl. I 2014, S. 835.
[11] Vgl. Heuser, Michael (2017), S. 25-26.
[12] Vgl. BFH-Urteil vom 15.05.2002, VI R 132/00, BStBl. II 2003, S. 311.
[13] Vgl. BMF-Schreiben vom 18.11.2009, IV C 6-S 2177/07/10004, BStBl. I 2009, S. 1326, Rz. 2.
[14] Vgl. Schrader/Straube (2013), Rz. 467.
[15] BFH-Urteil vom 09.11.2005, VI R 27 / 05, BStBl. II 2006, S. 408.
[16] Vgl. BFH-Urteil vom 09.11.2005, VI R 27/05, BStBl. II 2006, S. 408.
[17] Vgl. BFH-Urteil vom 16.03.2006, VI R 87/04, BStBl. II 2006, S. 625.
[18] Vgl. Besgen/Mader/Perach/Voss (2016), Rz. 1926.
[19] Vgl. BFH-Urteil vom 16.11.2005, VI R 64/04, BStBl. II 2006, S. 410.
[20] Vgl. Haufe Datenbank (2017a).
[21] BMF-Schreiben vom 18.11.2009, IV C 6-S 2177/07/10004, BStBl. I 2009, S. 1326, Rz. 32.
[22] Vgl. Besgen/Mader/Perach/Voss (2016), Rz. 1928.
V423566
9783668691452
9783668691469
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Rika Schob (Autor), 2017, Pkw-Überlassung an Arbeitnehmer aus steuerlicher Sicht. Fahrtenbuchmethode und pauschale Ermittlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423566
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