Source: https://www.flugrechte.eu/14430/flug%C3%A4nderung-germania-insolvenz-umbuchung-zusatzkosten
Timestamp: 2020-01-29 12:04:41+00:00

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Flugänderung wegen Germania Insolvenz Müssen wir durch Umbuchung Zusatzkosten tragen? - FLUGGASTRECHTE
Hallo, wir haben online über einen Reiseveranstalter eine Reise nach Kos gebucht. Ursprünglich von Rostock Laage, da wir auch in Rostock wohnen. Nun wurde die Reise durch die Germania Insolvenz einen Tag nach hinten verschoben (Geht das einfach so?) und wir fliegen von Hamburg. Nun entstehen für uns Zusatzkosten für Sprit, Parkplatz und sonstiges. Da wir mit einem Baby fliegen, möchten wir nicht mit dem Zug fahren. Zumal wir erst um 22.30 Uhr wieder in Hamburg landen und ich nachts nicht noch 2h Zug fahren möchte mit einem Baby. Müssen wir vollständig für diese Mehrkosten aufkommen? Zumal es mich ärgert, dass die Reise ursprünglich von Hamburg günstiger war, aber wir dies in Kauf genommen haben, um die An- u. Abreise zum/vom Flughafen möglichst einfach zu gestalten.
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Gefragt 9, Mär 2019 in Umbuchung von princi (120 Punkte)
Bearbeitet 9, Mär 2019 von princi
Guten Tag liebe Reisende,
leider sind auch Sie von der Germania-Insolvenz, glücklicherweise nur im Rahmen einer Pauschalreise, betroffen. Daher ist der Reiseveranstalter dafür in der Verantwortung, dass Sie trotzdem ihre Reise antreten können.
Im Konkreten kann dieser Ihnen nun allerdings lediglich eine Reise ab Hamburg anbieten und nicht mehr, wie ursprünglich gebucht, ab Rostock. Daher würden auf Sie nun zusätzliche Kosten zukommen, was Ihnen natürlich missfällt.
Zunächst zu der Rechtsgrundlage:
Ich schätze, dass solche im Reisrecht des BGB zu finden ist, also in den §§ 651 a ff. BGB. Meiner Meinung nach kann es gut sein, dass es sich bei der Verlegung des Flughafens und der Zeiten um einen Reisemangel nach § 651 i BGB handeln könnte. Liegt ein solcher Reisemangel vor, dann kommen verschiedene Gewährleistungsrechte in Betracht.
Fraglich ist also, wann man von einem Reisemangel spricht. Pauschalreisen sind immer dann frei von Reisemängeln, wenn sie die vereinbarte Beschaffenheit aufweisen. Soweit die Beschaffenheit nicht vereinbart ist, ist die Pauschalreise frei von Reisemängeln, wenn sie sich für den nach dem Vertrag vorausgesetzten Nutzen eignet, ansonsten wenn sie sich für den gewöhnlichen Nutzen eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Pauschalreisen der gleichen Art üblich ist und die der Reisende nach der Art der Pauschalreise erwarten kann.
Um zu klären, wann eine Flughafenänderung und eine Flugzeitenänderung einen solchen Mangel begründet, ist es immer hilfreich, wenn man einen Blick auf die Rechtsprechung wirft.
Vor allem aufgrund der Tatsache, dass Sie mit einem Kleinkind reisen, müsste besondere Rücksicht genommen werden. Insofern schätze ich, dass Sie hier zumindest einen Anspruch auf eine Reisepreisminderung haben könnten. Ein solcher Anspruch ist in § 651 m BGB geregelt. Eine Minderung kommt für diejenige Zeitspanne in Frage, für die der Mangel bestanden hat. Die Höhe der Minderung bemisst sich dann auch anhand der Höhe des Reisepreises.
Auch ein Schadensersatzanspruch n. § 651 n BGB könnte in Frage kommen. Nach Absatz 1 ist dies auch unbeschadet des obrigen Minderungsanspruch möglich, es sei denn der Reisemangel ist vom Reisenden verschuldet, ist von einem Dritten verschuldet, der weder Leistungserbringer ist noch in anderer Weise an der Erbringung der von dem Pauschalreisevertrag umfassten Reiseleistungen beteiligt ist, und war für den Reiseveranstalter nicht vorhersehbar oder nicht vermeidbar oder wurde durch unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände verursacht.
Da Germania ein Leistungserbringer des Reiseveranstalter war, zählt diese Ausnahme hier also nicht. Daher denke, ich dass Sie für die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen einen Schadensersatz verlangen könnten.
Diese Ausführungen stellen allerdings nur meine persönliche Auffassung dar. Für eine konkrete Rechtsberatung ist sich vielmehr an FachanwältInnen zu wenden. Ich kann Ihnen noch empfehlen, sich hier im Forum mal umschauen, da gerade viele Reisende von der Insolvenz betroffen sind und ähnliche Probleme schildern.
Beantwortet 15, Mär 2019 von KatjaG (11,820 Punkte)
Sie haben eine Pauschalreise im Sinne des § 651 a BGB gebucht, sodass sich sämtliche Ansprüche aus dem Reisevertragsrecht des BGB ergeben. Diese sind in den §§ 651 a-m BGB geregelt und werden gegen den Reiseveranstalter geltend gemacht. Nun wurden sowohl Ihre Flugzeiten, als auch der Flughafen geändert. Sie fragen nun nach Ihren Rechten.
Durch die Flugzeiten- und Flughafenverschiebung könnten Sie einen Anspruch auf eine Reisepreisminderung gemäß § 651 d haben. Damit der Reisepreis gemindert werden kann, müssten die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt worden sein. Dies verlangt zunächst, dass die Reise mit einem Reisemangel behaftet ist.
Da Ihr Flug mehr als 8 Stunden verlegt wurde, liegt meines Erachtens ein Reisemangel vor, welcher Sie zu einer Reisepreisminderung berechtigt. Zum Vergleich noch das Urteil des AG Hamburg:
Auch falls Ihr Flughafen verschoben wird, könnte das einen Mangel darstellen. Ein solcher Reisemangel kann dann angenommen werden, wenn die Reise nicht die zugesicherte Eigenschaft besitzt, oder sie mit gravierenden Fehlern behaftet ist, was dazu führt, dass der Wert oder die Tauglichkeit der Reise nicht nur unerheblich beeinträchtigt ist.
Die Reise hat also die zugesicherten Eigenschaftne zu besitzen. Insofern kann die Änderung eines Flughafen einen Mangel darstellen, widerspricht dies doch den zugesicherten Eigenschaften.
Sie haben meines Erachtens daher einen Anspruch auf eine Reisepreisminderung gem. § 651 d.
Außerdem könnten Sie noch einen Schadensersatzanspruch bezüglich der Mehrkosten haben. Ein Anspruch auf Schadensersatz ergibt sich aus § 651 n BGB:
Beantwortet 24, Mär 2019 von Fluggastrechte (12,090 Punkte)

References: § 651
 § 651
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