Source: https://www.familienrecht-deutschland.de/Unterhaltstabellen_Leitlinien/Unterhaltstabellen_Leitlinien_Archiv/Tabellen_Leitlinien_vor_2003/OLG_Hamm
Timestamp: 2020-01-24 21:35:42+00:00

Document:
Unterhaltsleitlinien des Oberlandesgerichts Hamm [2001]
[Stand: 01.07.2001; 01.01.2002]
Die Leitlinien sind von den Familiensenaten des Oberlandesgerichts Hamm - nach Vorarbeiten der Unterhaltskommission des Deutschen Familiengerichtstages und in Abstimmung mit den Oberlandesgerichten Düsseldorf und Köln unter Berücksichtigung des Ergebnisses einer Umfrage bei allen Oberlandesgerichten - erarbeitet worden, um eine möglichst einheitliche Rechtsprechung im gesamten Oberlandesgerichtsbezirk zu erzielen. Sie stellen keine verbindlichen Regeln dar - das verbietet sich schon mit Rücksicht auf die richterliche Unabhängigkeit - und sollen dazu beitragen, angemessene Lösungen zu finden, ohne den Spielraum einzuengen, der erforderlich ist, um den jeweiligen Besonderheiten des Einzelfalles gerecht zu werden.
Die vorliegende Fassung wurde durchgehend überarbeitet und in Teilbereichen ergänzt und neu strukturiert. Die Zahlenwerte, insbesondere die Werte der Unterhaltstabelle und die Selbstbehaltssätze, gelten ab 01.07.2001, in € ab 01.01.2002.
1. Auszugehen ist von einem durchschnittlichen Jahresnettoeinkommen (Erwerbseinkommen einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie sonstigen Zuwendungen, auch Sachbezügen und Gewinnbeteiligungen), d. h. vom Bruttoeinkommen abzüglich Steuern und notwendiger Vorsorgeaufwendungen. Hierzu zählen Aufwendungen für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Kapitallebensversicherungen sind in der Regel nicht notwendig.
3. (1) Überstundenvergütungen sind Einkommen, wenn die Überstunden entweder in geringem Umfang anfallen oder berufstypisch sind. Vergütungen für Überstunden, die deutlich über dieses übliche Maß hinausgehen, sind nach Billigkeitsgesichtspunkten und unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles sowie des in § 1577 Abs. 2 BGB zum Ausdruck kommenden Rechtsgedankens anzurechnen. Beim Ehegattenunterhalt sind Überstundenvergütungen nach vorstehender Maßgabe bedarfsbestimmend zu berücksichtigen, wenn sie bereits die intakten Lebensverhältnisse mitgeprägt haben.
4. Über die Anrechenbarkeit von Auslösungen und Spesen ist nach Maßgabe des Einzelfalls zu entscheiden. Im Zweifel kann davon ausgegangen werden, daß eine Ersparnis eintritt, die mit einem Drittel der Nettobeträge zu bewerten und insoweit dem anrechenbaren Einkommen zuzurechnen ist.
(2) Für Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz sind - jedenfalls in engen wirtschaftlichen Verhältnissen - in der Regel nur die Kosten öffentlicher Verkehrsmittel absetzbar. Ist die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel unzumutbar, sind die Kosten der Pkw-Nutzung in der Regel mit 0,24 €/0,48 DM je Kilometer
(Formel: Entfernungskilometer x 2 x 0,24 €/0,48 DM x 220 Arbeitstage : 12 Monate) abzugsfähig. Wenn die Entfernung über 30 Kilometer hinausgeht, wird von der Mehrheit der Senate empfohlen, die weiteren Kilometer wegen der eintretenden Kostenersparnis nur mit den Betriebskosten von 0,09 € = 0,18 DM/km anzusetzen. Neben den Fahrtkosten sind regelmäßig keine weiteren Kosten (etwa für Kredite oder Reparaturen) abzugsfähig.
7. (1) Ausbildungsvergütung ist - nach Kürzung um den ausbildungsbedingten Mehrbedarf - als Einkommen zu behandeln. Der ausbildungsbedingte Mehrbedarf kann bei Vorliegen hinreichender Anhaltspunkte mit einem Pauschalbetrag von 85 €/160 DM angenommen werden.
9. (1) Zum Einkommen zählen grundsätzlich auch Rentenbezüge (einschließlich etwaiger Zulagen) und Sozialleistungen (einschließlich Leistungen aus der Pflegeversicherung), deren Anrechenbarkeit sich nach § 1610a BGB richtet.
(2) Pflegegeld nach dem PflegeversicherungG (§§ 33 ff SGB XI), das an den Pflegenden weitergeleitet wird, ist nur unter den Voraussetzungen des § 13 Abs. 6 SGB XI Einkommen. Pflegegeld nach §§ 69a ff BSHG für eigene schwerbehinderte Kinder und nach § 39 KJHG (SGB VIII) für die Aufnahme fremder Kinder ist mit seinem im Einzelfall zu bemessenden Vergütungsanteil Einkommen.
11. (1) Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe gelten als Einkommen; Arbeitslosenhilfe auf Seiten des Unterhaltsberechtigten allerdings nicht, soweit dessen Unterhaltsanspruch auf den Leistungsträger übergegangen ist oder noch übergeleitet werden kann.
(2) Sozialhilfe ist in der Regel kein Einkommen. Allerdings kann die Geltendmachung rückständigen Unterhalts neben bereits gewährter Sozialhilfe ausnahmsweise treuwidrig sein, wenn dies wegen eines gesetzlichen Ausschlusses des Anspruchsübergangs auf den Sozialhilfeträger zu einer doppelten Befriedigung führen würde.
12. Kinderzulagen und Kinderzuschüsse zur Rente sind, wenn die Gewährung des staatlichen Kindergeldes entfällt, in Höhe des fiktiven Kindergeldes wie Kindergeld zu behandeln (§ 65 EStG, § 1612c BGB).
13. Das staatliche Kindergeld zählt nicht zum bedarfsprägenden Einkommen. Es ist nach § 1612b BGB unter den Eltern bei der Bemessung des Kindesunterhalts auszugleichen. Grundsätzlich erfolgt eine hälftige Anrechnung des Kindergeldes auf den Tabellenunterhalt, § 1612b Abs. 1 BGB. Nach Absatz 5 dieser Vorschrift unterbleibt jedoch eine Anrechnung des Kindergeldes, soweit der Unterhaltspflichtige außerstande ist, Unterhalt in Höhe von 135% des Regelbetrages zu leisten (siehe dazu die Kindergeldanrechnungstabelle in der Anlage zu diesen Leitlinien).
14. (1) Für die unentgeltliche Führung des Haushalts eines leistungsfähigen Dritten, insbesondere eines neuen Partners, ist eine angemessene Vergütung zu fingieren und als Einkommen zu berücksichtigen. Dieses kann im Falle einer Vollversorgung mit Beträgen von 250 €/500 DM bis 500 €/1.000 DM angesetzt werden.
(2) Das Zusammenleben in einer häuslichen Gemeinschaft kann unter dem Gesichtspunkt ersparter Wohn- und Haushaltskosten nach den Umständen des Einzelfalles die Bedürftigkeit mindern bzw. die Leistungsfähigkeit steigern.
15. Freiwillige Leistungen Dritter (z.B. Geldleistungen, Wohnungsgewährung) sind regelmäßig nicht als Einkommen zu berücksichtigen, es sei denn die Berücksichtigung entspricht dem Willen des zuwendenden Dritten. Im Mangelfall kann jedoch bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit bzw. Bedürftigkeit eine Anrechnung derartiger Leistungen auch gegen den Willen des Zuwendenden erwogen werden.
16. (1) Der Vorteil des mietfreien Wohnens im eigenen Haus oder in der Eigentumswohnung - Wohnvorteil - ist als wirtschaftliche Nutzung des Vermögens wie Einkommen zu behandeln.
(2) Im Ehegattenunterhalt ist während der Trennungszeit der Wohnvorteil des bleibenden Ehegatten entsprechend der nur noch eingeschränkten Nutzung mit dem sog. angemessenen Wohnwert anzusetzen. Dieser richtet sich nach dem Mietpreis auf dem örtlichen Wohnungsmarkt für eine den ehelichen Lebensverhältnissen angemessene kleinere Wohnung. Die verbrauchsunabhängigen Grundstückslasten und der Finanzierungsaufwand (unter Berücksichtigung der staatlichen Eigenheimförderung) mindern den angemessenen Wohnwert.
Auch bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit bzw. Bedürftigkeit ist nach der Scheidung - gegebenenfalls auch schon nach langer Trennungszeit - grundsätzlich auf den objektiven oder vollen Mietwert abzustellen. In welchem Umfang - neben den verbrauchsunabhängigen Grundstückslasten - auch der Finanzierungsaufwand den Wohnwert mindert, muß im Einzelfall nach den allgemeinen Regeln über die Berücksichtigung von Schulden (Ziffer 17) entschieden werden. Ist dem verbleibenden Ehegatten ausnahmsweise eine Verwertung (durch Teil- oder Vollvermietung oder Veräußerung) nicht möglich oder nicht zumutbar, wird - wie im Trennungsunterhalt - nur der angemessene Wohnwert angesetzt.
(4) Im Kindesunterhalt bemißt sich der Wohnvorteil des pflichtigen Elternteils nach dem vollen Mietwert. Während der Trennungszeit der Eltern kann es jedoch wegen der noch nicht bestehenden Verwertungsobliegenheit geboten sein, nur den angemessenen Wohnwert anzusetzen. Grundstückslasten und Finanzierungsaufwand sind regelmäßig in vollem Umfang zu berücksichtigen. In engen wirtschaftlichen Verhältnissen kann der Tilgungsanteil als Vermögensbildung außer Ansatz bleiben.
17. (1) Schulden können das anrechenbare Einkommen vermindern. Beim Ehegattenunterhalt sind Verbindlichkeiten nur dann bedarfsbestimmend, wenn sie schon die ehelichen Lebensverhältnisse geprägt haben. Andernfalls beeinflussen sie nur die Leistungsfähigkeit bzw. die Bedürftigkeit. Soweit die Verbindlichkeiten noch bei intakter Ehe eingegangen sind oder ihre Begründung als Folge der Trennung oder aus sonstigen Gründen unumgänglich war, können sie in der Regel nach einer den Billigkeitsgrundsätzen entsprechenden Gesamtabwägung der Einzelfallumstände in angemessenen Raten (Zinsen und Tilgung) im Rahmen eines vernünftigen Tilgungsplans abzugsfähig sein.
(2) Beim Unterhalt für minderjährige und privilegierte volljährige Kinder sind Schulden nach obiger Maßgabe regelmäßig nur dann voll berücksichtigungsfähig, wenn der Regelbetrag sichergestellt wird; andernfalls ist lediglich ein Anwachsen der Verbindlichkeiten zu vermeiden (nur Abzug von Kreditzinsen).
18. (1) Der Barunterhalt unverheirateter Kinder ist der nachfolgenden Unterhaltstabelle (Düsseldorfer Tabelle) zu entnehmen:
(2) Die Richtsätze der ersten Einkommensgruppe entsprechen den Regelbeträgen in DM bzw. in € nach § 1 der Regelbetrag-VO für den Westteil der Bundesrepublik in der ab 01.07.2001/01.01.2002 geltenden Fassung. Der Vomhundertsatz drückt die Steigerung des Richtsatzes der jeweiligen Einkommensgruppe gegenüber dem Regelbetrag (= 1. Einkommensgruppe) aus. Die durch Multiplikation des Regelbetrages mit dem Vomhundertsatz errechneten Richtsätze sind entsprechend § 1612a Abs. 2 BGB aufgerundet.
(4) Zur Kindergeldanrechnung siehe Ziffer 13.
19. (1) Die Tabellensätze sind auf den Fall zugeschnitten, daß der Unterhaltspflichtige einem Ehegatten und zwei Kindern Unterhalt zu gewähren hat. Bei einer größeren Anzahl von Unterhaltsberechtigten können Abschläge, bei einer geringeren Anzahl Zuschläge - durch Einstufung in höhere/niedrigere Gruppen - angemessen sein. Besteht eine Unterhaltspflicht lediglich gegenüber einem Kind (also nicht auch gegenüber einem Ehegatten und einem weiteren Kind), kann eine Höhergruppierung um mehr als nur eine Einkommensgruppe in Betracht kommen. Eine Eingruppierung in eine höhere Einkommensgruppe setzt jedoch voraus, daß dem Pflichtigen nach Abzug des Tabellenkindesunterhalts und des Ehegattenunterhalts der für die höhere Einkommensgruppe maßgebende Bedarfskontrollbetrag (Abs. 2 dieser Ziffer) verbleibt.
(2) Der Kindesunterhalt muß in einem angemessenen Verhältnis zu dem Betrag stehen, der dem Pflichtigen nach Abzug des Kindes- und des Ehegattenunterhalts für den eigenen Bedarf verbleibt (Bedarfskontrollbetrag). Wird der Bedarfskontrollbetrag unterschritten, ist der Unterhalt der nächst niedrigeren Einkommensgruppe, deren Bedarfskontrollbetrag gewahrt wird, zu entnehmen. Wird nur Kindesunterhalt geschuldet, ist der Bedarfskontrollbetrag in den ersten sechs Einkommensgruppen der Tabelle wegen der Kindergeldanrechnungsvorschrift des § 1612 Abs. 5 BGB weitgehend ohne Bedeutung.
20. (1) Der Eigenbedarf des Pflichtigen (Selbstbehalt) beträgt im Falle des § 1603 Abs. 2 BGB gegenüber Minderjährigen und privilegierten Volljährigen (§ 1603 Abs. 2 S. 2 BGB) mindestens 730 €/1.425 DM, bei Erwerbstätigkeit des Pflichtigen mindestens 840 €/1.640 DM (notwendiger Selbstbehalt), gegenüber nicht privilegierten Volljährigen (§ 1603 Abs. 1 BGB) im Regelfall mindestens 1.000 €/1.960 DM (angemessener Selbstbehalt).
(2) In dem Selbstbehalt von 730 €/1.425 DM und 840 €/1.640 DM sind bis 360 €/700 DM für Unterkunft einschließlich umlagefähiger Nebenkosten und Heizung (Warmmiete) enthalten; in dem Selbstbehalt von 1.000 €/1.960 DM ist eine Warmmiete von 440 €/860 DM enthalten. Eine angemessene Erhöhung des Selbstbehalts kommt in Betracht, wenn diese Beträge unvermeidbar erheblich überschritten werden.
21. Reicht das Einkommen des Pflichtigen nach Abzug seines Eigenbedarfs (Selbstbehalt) – Ziffer 20 - zur Gewährung des Tabellenunterhalts nach der untersten Einkommensgruppe (Regelbetrag) für alle gleichrangigen Kinder nicht aus (sog. Mangelfall), ist die Verteilungsmasse (= Einkommen abzüglich Selbstbehalt) auf die Kinder im Verhältnis des ihnen zustehenden Tabellenunterhalts der untersten Einkommensgruppe aufzuteilen. Die nicht privilegierten volljährigen Kinder gehen dabei den minderjährigen und privilegierten volljährigen Kindern im Range nach (§§ 1609 Abs. 1, 1603 Abs. 2 S. 2 BGB).
22. (1) Der Betreuungsunterhalt im Sinne des § 1606 Abs. 3 S. 2 BGB entspricht wertmäßig in der Regel dem vollen Barunterhalt. Der Elternteil, der in seinem Haushalt ein minderjähriges unverheiratetes Kind betreut, braucht deshalb neben dem anderen Elternteil regelmäßig keinen Barunterhalt zu leisten.
(2) Etwas anderes kann sich ergeben, wenn sein Einkommen bedeutend höher als das des anderen Elternteils ist oder wenn sein eigener angemessener Unterhaltsbedarf (1.000 €/1.960 DM) bei zusätzlicher Leistung auch des Barunterhalts nicht unterschritten wird, während der an sich allein barunterhaltspflichtige Elternteil hierzu ohne Beeinträchtigung seines eigenen angemessenen Unterhaltsbedarfs nicht in der Lage ist (§ 1603 Abs. 2 S.3 BGB). Dabei sind von dem Erwerbseinkommen des betreuenden Elternteils die konkreten Betreuungskosten oder ein Betreuungsbonus abzuziehen, dessen Höhe sich nach dem Alter des Kindes richtet, jedoch den jeweiligen Bedarfssatz des Barunterhalts nicht erreicht.
23. Volljährige Kinder, die noch im Haushalt eines Elternteils leben, erhalten, wenn keine besonderen Umstände vorliegen, den Tabellenbetrag der vierten Altersstufe. Ihr Bedarf bestimmt sich nach dem zusammengerechneten Einkommen der Eltern aus der Unterhaltstabelle zu Ziffer 18, und zwar ohne Abzug wegen doppelter Haushaltsführung. Diese Grundsätze finden auch auf privilegierte volljährige Kinder (§ 1603 Abs. 2 S. 2 BGB) Anwendung. Zur Bestimmung der Haftungsanteile der Eltern siehe Ziffer 24.
24. (1) Die Haftungsanteile der Eltern (§ 1606 Abs. 3 S. 1 BGB), die für ein volljähriges Kind unterhaltspflichtig sind, bestimmen sich nach dem Verhältnis ihrer anrechenbaren Einkommen abzüglich ihres angemessenen Selbstbehalts (1.000 €/1.960 DM) und abzüglich der Unterhaltsleistungen an vorrangig Berechtigte.
(2) Für die Unterhaltspflicht gegenüber privilegierten volljährigen Kindern im Sinne des § 1603 Abs. 2 S.2 BGB bemessen sich die Haftungsanteile nach dem Verhältnis der anrechenbaren Einkommen der Eltern abzüglich ihres notwendigen Selbstbehalts (730 €/1.425 DM bzw. 840 €/1.640 DM). Die Barunterhaltspflichten gegenüber minderjährigen Kindern sind auch in diesem Fall vorweg abzuziehen. Hiervon kann im Einzelfall abgesehen werden, wenn der Vorwegabzug zu einem unbilligen Ergebnis führt wie z.B. bei der Berücksichtigung nicht gemeinsamer minderjähriger Kinder.
25. Der Bedarf eines Studenten beträgt bei auswärtiger Unterbringung in der Regel 600 €/1.175 DM. Dieser Bedarfssatz kann auch für ein Kind mit eigenem Hausstand angesetzt werden. Ein eigener Kranken- bzw. Pflegeversicherungsbeitrag ist in diesem Betrag nicht enthalten. Dagegen sind in dem Bedarfssatz ausbildungs- bzw. berufsbedingte Aufwendungen bis zu einem Betrag von monatlich 85 €/160 DM enthalten.
26. (1) Besteht Anspruch auf angemessenen Unterhalt (§§ 1361, 1569 ff BGB, § 58 EheG), schuldet der Pflichtige in der Regel 3/7 seines verteilungsfähigen Erwerbseinkommens und 1/2 seiner sonstigen anrechenbaren Einkünfte (z.B. Pensionen, Renten, Kapitalerträge, Wohnvorteil, Krankengeld, Arbeitslosengeld).
(2) Die Kosten einer notwendigen Kranken- und Pflegeversicherung des berechtigten Ehegatten, die weder dessen Arbeitgeber zahlt, noch vom eigenen Einkommen des Berechtigten bestritten werden, sowie die Kosten der Altersvorsorge (Altersvorsorgeunterhalt) können zusätzlich verlangt werden. Diese Kosten sind bei der Berechnung der 3/7- bzw. 1/2 Quote vorab vom anrechenbaren Einkommen des Pflichtigen abzuziehen.
(3) Der Altersvorsorgeunterhalt (§ 1578 Abs. 3 BGB) wird in Anknüpfung an den dem Berechtigten zustehenden Elementarunterhalt regelmäßig nach der Bremer Tabelle zweistufig berechnet. In Fällen besonders günstiger wirtschaftlicher Verhältnisse und bei Anwendung der Anrechnungsmethode kommt eine einstufige Berechnung in Betracht.
Soweit Einkünften des Berechtigten kein Versorgungswert zukommt (z.B. Einkünfte wegen der Versorgung eines neuen Partners), bleiben diese bei der Berechnung des Altersvorsorgeunterhalts unberücksichtigt.
Wegen des Vorrangs des Elementarunterhalts besteht ein Anspruch auf Altersvorsorgeunterhalt nur insoweit, als das Existenzminimum des Berechtigten (vgl. Ziffer 32 Abs. 2) gedeckt ist.
(2) Für den Fall, daß der Berechtigte eine Erwerbstätigkeit erst nach und aufgrund der Trennung aufgenommen hat, wird das Einkommen aus dieser Tätigkeit mit 6/7 auf den Bedarf (3/7-Quote bei Einkommen aus Erwerbstätigkeit, sonst 1/2-Quote) angerechnet (Anrechnungsmethode).
Die Differenzmethode ist jedoch anzuwenden, wenn die Tätigkeit des Berechtigten entsprechend einer Planung während des Zusammenlebens auch ohne die Trennung - etwa nach dem Heranwachsen der Kinder - aufgenommen oder ausgeweitet worden wäre.
(3) Wird die Erwerbstätigkeit erst nach und aufgrund der Trennung ausgeweitet, so ist das dadurch erzielte Mehreinkommen nicht bedarfsprägend und deshalb mit 6/7 auf den Bedarf anzurechnen. Dieser ist unter Berücksichtigung des Einkommens zu errechnen, das vom Berechtigten bei Fortsetzung der nicht aufgestockten eheprägenden Erwerbstätigkeit erzielt würde (Mischmethode).
28. Bei der Berechnung der Quote von 3/7 bzw. 1/2 ist von den Mitteln auszugehen, die den Ehegatten nach Vorwegabzug ihrer zu berücksichtigenden Verbindlichkeiten (z.B. Beiträge zur Alters-, Kranken- und Pflegeversicherung, Kredit- und Sparraten, berufsbedingte Aufwendun- gen) und des Kindesunterhalts (Tabellenbetrag) noch für den Verbrauch zur Verfügung stehen.
29. (1) Der Anspruch des Ehegatten wird nach oben begrenzt durch den Bedarf nach den ehelichen Lebensverhältnissen (§ 1578 BGB), der beim Quotenunterhalt 1/2 bzw. 3/7 der Summe der eheprägenden Einkünfte und der sonstigen vermögenswerten Vorteile beider Ehegatten ausmacht.
(2) Konkret geltend gemachter trennungsbedingter Mehrbedarf kann darüber hinaus berücksichtigt werden, wenn dieser Bedarf aus zusätzlichen nichtprägenden Einkünften befriedigt werden kann.
30. (1) Betreut ein Ehegatte ein gemeinschaftliches Kind, das noch die Grundschule besucht, besteht in der Regel keine Verpflichtung, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Nach der Grundschulzeit ist nach den Umständen des Einzelfalls zu entscheiden, ob und in welchem Umfang bereits eine Erwerbsobliegenheit besteht. Hat das Kind das 16. Lebensjahr vollendet, muß regelmäßig eine Vollzeittätigkeit ausgeübt werden.
Werden mehrere minderjährige Kinder betreut, bestimmt sich die Erwerbsobliegenheit nach den Umständen des Einzelfalles.
(2) Das Einkommen aus einer neben der Kindesbetreuung ausgeübten überobligatorischen Erwerbstätigkeit kann bei der Berechnung des Ehegattenunterhalts um den notwendigen, konkret dargelegten Aufwand für die Betreuung des Kindes vermindert werden. Fallen keine konkreten Betreuungskosten an, kann - sofern besondere Erschwernisse dargelegt werden - ein Betreuungsbonus belassen werden (siehe Ziffer 22. Abs. 2).
(2) Solche Einkünfte sind nach § 1577 Abs. 2 S. 1 BGB auf den Unterhalt nicht anzurechnen, soweit der Verpflichtete nicht den vollen Unterhalt leisten kann. Die Differenz zwischen dem infolge der eingeschränkten Leistungsfähigkeit herabgesetzten Unterhalt - der ohne die überobligatorischen Einkünfte zu ermitteln ist - und dem vollen Unterhalt bleibt daher anrechnungsfrei.
Der den vollen Unterhalt übersteigende Restbetrag der Einkünfte ist nach § 1577 Abs. 2 S. 2 BGB unter Billigkeitsgesichtspunkten auf den Unterhalt anzurechnen, in der Regel zu 1/2. Dies gilt auch für den Gesamtbetrag der überobligatorischen Einkünfte, wenn der Pflichtige den vollen Unterhalt leisten kann.
32. (1) Der Eigenbedarf (Selbstbehalt) des Pflichtigen gegenüber dem Anspruch des Ehegatten entspricht dem notwendigen Selbstbehalt (Ziffer 20.), wenn bei dem berechtigten Ehegatten minderjährige oder privilegierte volljährige Kinder leben, die ebenfalls Unterhaltsansprüche gegen den Pflichtigen haben. In anderen Fällen kann - namentlich bei Beachtung des § 1581 BGB - ein erhöhter Selbstbehalt in Betracht kommen. Unter Billigkeitsgesichtspunkten wird vielfach ein Betrag von 920 €/1.800 DM in Frage kommen (billiger Selbstbehalt), der auch für den nicht erwerbstätigen Pflichtigen gilt.
(2) Als "Existenzminimum" des unterhaltsberechtigten Ehegatten, das z.B. im Rahmen des § 1579 BGB von Bedeutung sein kann, kommt - einschließlich eventuell trennungsbedingten Mehrbedarfs – in der Regel ein Betrag von 730 €/1.425 DM in Betracht, bei eigener Erwerbstätigkeit von 840 €/1.640 DM und für den Fall, daß der Ehegatte mit dem Pflichtigen zusammenlebt, ein solcher von 535 €/1.050 DM, bei eigener Erwerbstätigkeit von 615 €/1.200 DM.
a. Zusammentreffen von Ansprüchen minderjähriger Kinder, privilegierter volljähriger Kinder und getrennt lebender bzw. geschiedener Ehegatten:
33. Minderjährige Kinder, privilegierte volljährige Kinder und getrennt lebender bzw. geschiedener Ehegatte sind gleichrangig (§ 1609 Abs. 2 S. 1 BGB).
34. Die Kinder erhalten den Tabellenunterhalt wie zu II. (Ziffern 18 ff), der Ehegatte die Sätze zu III. (Ziffern 26 ff). Bei der Berechnung des Ehegattenunterhalts ist jedoch vom anrechenbaren Einkommen des Pflichtigen vorab der volle Tabellenunterhalt der Kinder abzusetzen, und zwar ohne Berücksichtigung der Kindergeldanrechnung nach § 1612b BGB. Hat der Pflichtige Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung des Ehegatten zu zahlen (Ziffer 26 Abs. 2), so vermindert sich auch für die Berechnung des Kindesunterhalts das anrechenbare Einkommen des Pflichtigen um diese Kosten.
35. (1) Für den Fall, daß nach Abzug des Unterhaltsbedarfs der gleichrangig Berechtigten das restliche Einkommen des Unterhaltspflichtigen unter den notwendigen Selbstbehalt nach Ziffer 20 sinkt (Mangelfall), ist das nach Abzug des notwendigen Selbstbehalts verbleibende Einkommen des Pflichtigen (Verteilungsmasse) im Verhältnis der jeweiligen Bedarfsbeträge (Einsatzbeträge) auf den Ehegatten und die Kinder zu verteilen.
(3) Einsatzbetrag für den Ehegattenunterhalt ist der entsprechend Ziffer 34 konkret ermittelte Unterhaltsbedarf. Jedoch kann im Einzelfall zur Vermeidung eines unbilligen Ergebnisses erwogen werden, bei der Berechnung des Einsatzbetrages für den Ehegatten von dem Vorwegabzug des Kindesunterhalts abzusehen.
(4) Wegen der Kindergeldanrechnung wird auf Ziffer 13 verwiesen.
b. Zusammentreffen von Ansprüchen mehrerer gleichrangiger Ehegatten
37. Lebt ein Ehegatte mit dem Pflichtigen zusammen, ist mit Rücksicht auf die Ersparnis durch gemeinsame Haushaltsführung in der Regel ein Ausgleich zugunsten des anderen Ehegatten in der Weise vorzunehmen, daß sich ein Verhältnis von 4:3,3:2,7 ergibt, wenn der Pflichtige nicht erwerbstätig ist, von 3,6:3,6:2,8.
(1) Zunächst ist der Unterhalt des zweiten Ehegatten (ohne Einkommen) nach dem anrechenbaren Einkommen des Pflichtigen unter Berücksichtigung beider Ehegatten (Ehefrauen), aber ohne Berücksichtigung des Einkommens des geschiedenen Ehegatten zu berechnen. Sodann ist in einem zweiten Gang der Anspruch des geschiedenen Ehegatten nach den Leitlinien zu III. (Ziffern 26 ff) zu errechnen, wobei jedoch zuvor von dem Einkommen des Pflichtigen der im ersten Gang ermittelte Unterhalt des zweiten Ehegatten vorab als Verbindlichkeit abzuziehen ist.
39. Für den Fall, daß der zweite Ehegatte Einkommen hat, wird von einem Lösungsvorschlag abgesehen.
c. Zusammentreffen von Ansprüchen mehrerer gleichrangiger Ehegatten und minderjähriger sowie privilegierter volljähriger Kinder
40. Die Kinder erhalten den Tabellenunterhalt wie zu II. (Ziffern 18 ff), die Ehegatten die Anteile wie zu Ziffern 36/37 nach Vorwegabzug des Kindesunterhalts entsprechend Ziffer 34.
41. Für den Fall, daß bei dieser Berechnung das Einkommen des Pflichtigen zur Deckung des Unterhaltsbedarfs aller Berechtigten nicht ausreicht, ist das nach Abzug des notwendigen Selbstbehalts (Ziffer 20) verbleibende Einkommen im Verhältnis der Einsatzbeträge auf die Ehegatten und die Kinder zu verteilen. Die Einsatzbeträge für die Kinder ergeben sich aus Ziffer 35 Abs. 2. Die Einsatzbeträge für die Ehegatten sind konkret nach den Grundsätzen wie zu Ziffer 40 zu ermitteln.
d. Zusammentreffen von Ansprüchen mehrerer Ehegatten bei Vorrang des geschiedenen Ehegatten
42. (1) Bei Vorrang des geschiedenen Ehegatten (§ 1582 BGB) ist dessen Unterhaltsbedarf nach den in Ziffer 34 dargestellten Grundsätzen zu ermitteln. Auf die Unterhaltsansprüche des nachrangigen zweiten Ehegatten kommt es nicht an, diese sind auch nicht mit einem "Mindesteinsatzbetrag" zu berücksichtigen.
(2) Bei Vorhandensein minderjähriger und privilegierter volljähriger Kinder neben dem geschiedenen und dem zweiten Ehegatten gilt der in § 1609 Abs. 2 S. 1 BGB angeordnete Gleichrang aller Kinder mit dem "Ehegatten" nur für den nach § 1582 BGB vorrangig geschiedenen, nicht auch für den nachrangigen zweiten Ehegatten. Gleichrang aller Kinder mit dem zweiten Ehegatten ist nur dann anzunehmen, wenn der geschiedene Ehegatte keine Unterhaltsansprüche hat oder stellt.
e. Zusammentreffen von Ansprüchen mit bereits titulierten Ansprüchen
43. Soweit Unterhaltsansprüche anderer Berechtigter bereits tituliert sind, ist die Rechtslage in der Regel wie bei gleichzeitiger Entscheidung über alle Unterhaltsansprüche zu beurteilen. Der Unterhaltsverpflichtete ist auf eine Abänderungsklage gemäß § 323 ZPO zu verweisen.
44. (1) Der vorläufige Rechtsschutz außerhalb einer Ehesache wird grundsätzlich durch die einstweilige Anordnung nach § 644 ZPO gewährleistet. Eine einstweilige Verfügung nach den §§ 935, 940 ZPO ist ausnahmsweise nur noch dann zulässig, wenn es dem Berechtigten unmöglich oder unzumutbar ist, gleichzeitig die Hauptsache (oder ein entsprechendes Prozeßkostenhilfeverfahren) anhängig zu machen.
VI. Verwandtenunterhalt und Unterhalt nach § 1615l BGB
45. Der angemessene Selbstbehalt eines unterhaltspflichtigen Kindes gegenüber den Eltern beträgt mindestens 1.250 €/2.450 DM monatlich (einschließlich 440 €/860 DM Warmmiete). Der angemessene Unterhalt des mit dem Unterhaltspflichtigen zusammenlebenden Ehegatten beläuft sich auf mindestens 950 €/1.860 DM monatlich (einschließlich 330 €/650 DM Warmmiete).
46. (1) Der Bedarf der Mutter und des Vaters eines nichtehelichen Kindes (§ 1615l Abs. 1, 2, 5 BGB) richtet sich nach der Lebensstellung des betreuenden Elternteils; er beträgt aber in der Regel mindestens 730 €/1.425 DM monatlich, bei Erwerbstätigkeit 840 €/1.640 DM.
(2) Der angemessene Selbstbehalt gegenüber der Mutter und dem Vater eines nichtehelichen Kindes (§§ 1615l Abs. 3 S. 1, 5, 1603 Abs. 1 BGB) beträgt mindestens 1.000 €/1.960 DM monatlich.
Anlage zu Ziffer 13 der Hammer Leitlinien (Deutsche Mark) Stand: 01.07.2001

References: § 1577
 § 1610
 § 13
 § 39
 § 1612
 § 1612
 § 1612
 § 1
 § 1612
 § 1612
 § 1603
 § 1606
 § 1603
 § 58
 § 1577
 § 1577
 § 1581
 § 1579
 § 1612
 § 1609
 § 1582
 § 323
 § 644
 § 1615