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Timestamp: 2016-12-03 02:29:58+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 5 AZR 592/03
Ein Ar­beits­ver­trag ist nich­tig, wenn er die Ausübung des ärzt­li­chen Be­rufs zum Ge­gen­stand hat und die er­for­der­li­che Ap­pro­ba­ti­on oder Er­laub­nis nicht vor­liegt und auch nicht er­teilt wer­den kann.
5 AZR 592/03 2 Sa 283/03Lan­des­ar­beits­ge­richt München Im Na­men des Vol­kes!
Verkündet am3. No­vem­ber 2004
1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 16. Ok­to­ber 2003 - 2 Sa 283/03 - auf­ge­ho­ben. - 2 - 2. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 19. De­zem­ber 2002 - 12 Ca 3170/01 - ab­geändert und der Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger 22.506,25 Eu­ro zzgl. 5,69 % Zin­sen seit dem 18. Fe­bru­ar 2000 so­wie wei­te­re 48.587,63 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 25. Ja­nu­ar 2002 zu zah­len. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 22.506,25 Eu­ro zuzüglich 5,69 % Zin­sen seit dem 18. Fe­bru­ar 2000 und wei­te­re - 3 -
b) Nach § 2 Abs. 1 BÄO be­darf der Ap­pro­ba­ti­on als Arzt, wer im Gel­tungs­be­reich die­ses Ge­set­zes den ärzt­li­chen Be­ruf ausüben will. Ei­ne vorüber­ge­hen­de oder ei­ne auf be­stimm­te Tätig­kei­ten be­schränk­te Ausübung des ärzt­li­chen Be­rufs ist auch auf Grund ei­ner Er­laub­nis zulässig (§ 2 Abs. 2 BÄO). Die Er­laub­nis zur vorüber­ge­hen­den Ausübung des ärzt­li­chen Be­rufs kann nach § 10 Abs. 1 BÄO auf An­trag Per­so­nen er­teilt wer­den, die ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Aus­bil­dung für den ärzt­li­chen Be­ruf nach­wei­sen. - 4 - Ausübung des ärzt­li­chen Be­rufs ist die Ausübung der Heil­kun­de un­ter der Be­rufs­be­zeich­nung „Arzt“ oder „Ärz­tin“ (§ 2 Abs. 5 BÄO). Da­nach ist der Zu­gang zum Arzt­be­ruf im In­ter­es­se der Ge­sund­heit des Ein­zel­nen und der Bevölke­rung ins­ge­samt an die Ap­pro­ba­ti­on bzw. be­stimm­te Er­laub­nis ge­bun­den (vgl. Schi­wy Deut­sches Arzt­recht § 1 BÄO Erl. 2, § 2 BÄO Rn. 2, 22; Laufs/Uh­len­bruck Hand­buch des Arzt­rechts 2. Aufl. § 8 Rn. 1 ff.). Die Ausübung der Heil­kun­de oh­ne Ap­pro­ba­ti­on, Er­laub­nis oder sons­ti­ge Be­rech­ti­gung durch Per­so­nen, die auch kei­ne Er­laub­nis nach den §§ 1, 2 Heil­prak­ti­ker­ge­setz be­sit­zen, ist ver­bo­ten und durch § 5 Heil­prak­ti­ker­ge­setz mit Frei­heits­stra­fe bis zu ei­nem Jahr oder mit Geld­stra­fe be­droht (vgl. Kur­ten­bach Das Deut­sche Bun­des­recht I K 11 Erl. zu § 5 Heil­prak­ti­ker­ge­setz; Schi­wy aaO § 13 BÄO Rn. 3 mwN).c) Der Be­klag­te be­saß bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­trags kei­ne Ap­pro­ba­ti­on oder Er­laub­nis und woll­te ei­ne sol­che auch nicht mehr er­wer­ben. Des­halb war der mit dem Ar­beits­ver­trag be­zweck­te Leis­tungs­er­folg, nämlich die Ausübung des ärzt­li­chen Be­rufs, von der Rechts­ord­nung miss­bil­ligt und un­ter Straf­an­dro­hung ver­bo­ten. Der Be­klag­te durf­te die Erfüllungs­hand­lun­gen von vorn­her­ein und endgültig nicht vor­neh­men. Die BÄO will im In­ter­es­se von Le­ben und Ge­sund­heit der Bevölke­rung ei­ne un­sach­gemäße Be­hand­lung von Pa­ti­en­ten ver­hin­dern und ver­bie­tet des­halb die Be­rufs­ausübung oh­ne Ap­pro­ba­ti­on/Er­laub­nis. Die­ses Ver­bot rich­tet sich an bei­de Ver­trags­par­tei­en: Der Ar­beit­neh­mer darf kei­ne ärzt­li­chen Leis­tun­gen er­brin­gen, der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer nicht ent­spre­chend beschäfti­gen. Das Ver­bot kann zu­verlässig nur durch Ver­nich­tung der bei­der­sei­ti­gen Erfüllungs­ansprüche durch­ge­setzt wer­den. Es genügt nicht, ein (anfäng­li­ches) Un­vermögen des Ar­beit­neh­mers zur Leis­tungs­er­brin­gung nach § 297 BGB bei wirk­sam zu­stan­de ge­kom­me­nem und fort­be­ste­hen­dem Ver­trag an­zu­neh­men; denn dann würde die un­er­laub­te und in­halt­lich zu miss­bil­li­gen­de Tätig­keit doch ver­trag­lich geschützt (vgl. zur Pro­ble­ma­tik Küchen­hoff Anm. zu BAG 6. März 1974 - 5 AZR 313/73 - AP BGB § 615 Nr. 29; Schaub ArbR-Hdb. § 32 Rn. 64; Hein­richs in Pa­landt BGB § 134 Rn. 11, 15 ff.; Stau­din­ger/Sack [2003] § 134 BGB Rn. 202, 206; Er­man/Palm BGB § 134 Rn. 66 mwN).
- 5 - gers, nicht an. Es kann auch nicht in der Hand des Klägers lie­gen, durch Un­ter­las­sen ei­ner An­fech­tung dem Ver­trags­verhält­nis Gültig­keit zu ver­lei­hen.
b) Nach die­sen Grundsätzen kommt im Fal­le der von An­fang an feh­len­den Ap­pro­ba­ti­on kein „fak­ti­sches Ar­beits­verhält­nis“, son­dern nur die rück­wir­ken­de Nich­tig­keit in Be­tracht. Durch die straf­ba­re Prak­ti­zie­rung des Ar­beits­ver­trags kann kei­ne „Hei­lung“ für die Ver­gan­gen­heit ein­tre­ten; denn die Ar­beits­leis­tung ist schon nach ih­rer Art rechts- und ge­set­zes­wid­rig und ei­ne Schutzwürdig­keit un­ter Ver­trau­ens­ge­sichts­punk­ten be­steht nicht. Der Be­klag­te war sich der Straf­bar­keit sei­nes Tuns be­wusst. Die durch das Ver­bots­ge­setz be­ab­sich­tig­te Spe­zi­al- und Ge­ne­ral­präven­ti­on schließt es aus, wirk­sa­me ver­trag­li­che Ansprüche für die Ver­gan­gen­heit an­zu­er­ken­nen (vgl. BAG 25. April 1963 - 5 AZR 398/62 - BA­GE 14, 180, 186 f., zu II 2 c der Gründe; MünchArbR/Ri­char­di Bd. 1 § 46 Rn. 72 f.). Der Be­klag­te hat nicht nur ei­nen Ver­s­toß ge­gen „for­mel­le“ Vor­schrif­ten be­gan­gen. Viel­mehr hätte ihm ei­ne Er­laub­nis zur Ausübung der Heil­kun­de auch ma­te­ri­ell nicht er­teilt wer­den können. Steht der Zweck des Ver­bots­ge­set­zes, Le­ben und Ge­sund­heit der Pa­ti­en­ten zu schützen, ei­ner Hei­lung des nich­ti­gen - 6 - Rechts­geschäfts ent­ge­gen, ist die an­ge­mes­se­ne Rechts­fol­ge al­lein der Aus­gleich nach Be­rei­che­rungs­recht.
a) § 817 Satz 2 BGB enthält ei­ne all­ge­mei­ne Re­gel für al­le Be­rei­che­rungs­ansprüche, wenn dem Leis­ten­den ein Ver­s­toß ge­gen die gu­ten Sit­ten oder ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot zur Last fällt. Der Ver­s­toß muss un­mit­tel­bar ge­ra­de in der Er­brin­gung der Leis­tung lie­gen. Der Leis­ten­de muss sich des Ver­s­toßes be­wusst ge­we­sen sein und ihn trotz­dem ge­wollt ha­ben (BGH 29. April 1968 - VII ZR 9/66 - BGHZ 50, 90, 91 f.; 8. No­vem­ber 1979 - VII ZR 337/78 - BGHZ 75, 299, 302). Der Rück­for­de­rungs­aus­schluss be­zieht sich nur auf die vom Ge­setz miss­bil­lig­ten Vorgänge. Da­ge­gen blei­ben Be­rei­che­rungs­ansprüche un­berührt, die sich aus nicht zu be­an­stan­den­den Leis­tun­gen er­ge­ben, selbst wenn sie dem­sel­ben tatsächli­chen Verhält­nis ent­stam­men (BGH 29. April 1968 - VII ZR 9/66 - aaO S. 92; 8. No­vem­ber 1979 - VII ZR 337/78 - aaO S. 305). Der Sinn des § 817 Satz 2 BGB wird über­wie­gend in der Rechts­schutz­ver­sa­gung für ei­nen An­spruch ge­se­hen, der aus ei­nem ge­setz- oder sit­ten­wid­ri­gen Rechts­geschäft ab­ge­lei­tet wird. Wer sich außer­halb der Rechts­ord­nung stellt, soll Rechts­schutz auch nicht bezüglich der Rück­ab­wick­lung be­an­spru­chen können (BGH 6. Mai 1965 - II ZR 217/62 - BGHZ 44, 1, 6; Münch­KommBGB/Lieb § 817 Rn. 9; Stau­din­ger/Lo­renz [1999] § 817 Rn. 4 f.; Er­man/Wes­ter­mann BGB § 817 Rn. 4 f., 10; Sprau - 7 - in Pa­landt BGB § 817 Rn. 1, 14). Aus­ge­schlos­sen sind die Her­aus­ga­be des Er­lang­ten (§ 812 Abs. 1 Satz 1 BGB) und der Er­satz des Wer­tes (§ 818 Abs. 2 BGB) eben­so wie die Berück­sich­ti­gung des Wer­tes im Rah­men ei­ner Sal­die­rung; auch hier­bei han­delt es sich um ei­ne Rück­for­de­rung nach § 817 Satz 2 BGB (vgl. aber BGH 7. Mai 1953 - IV ZR 183/52 - BGHZ 9, 333, 336; Er­man/Wes­ter­mann BGB § 817 Rn. 5).
- 8 - nicht le­ga­li­siert. Die ver­bo­te­ne Tätig­keit kann als sol­che nicht rückgängig ge­macht wer­den.
Müller Rolf St­ein­mann	m.hensche.de
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 § 2
 § 8
 § 5
 § 5
 § 13
 § 297
 § 615
 § 32
 § 134
 § 134
 § 134
 § 46
 § 817
 § 817
 § 817
 § 817
 § 817
 § 817
 § 817
 BGH 
 § 817