Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=14.01.2014&Aktenzeichen=II%20ZB%205/12
Timestamp: 2020-07-15 09:12:10+00:00

Document:
BGH, 14.01.2014 - II ZB 5/12 - dejure.org
https://dejure.org/2014,4697
BGH, 14.01.2014 - II ZB 5/12 (https://dejure.org/2014,4697)
BGH, Entscheidung vom 14.01.2014 - II ZB 5/12 (https://dejure.org/2014,4697)
BGH, Entscheidung vom 14. Januar 2014 - II ZB 5/12 (https://dejure.org/2014,4697)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2014,4697) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§ 131 Abs 3 S 1 Nr 1 AktG, § 131 Abs 5 AktG, § 132 AktG, § 74 Abs 3 S 4 FamFG, § 559 Abs 2 ZPO
Auskunftsrecht des Aktionärs in der Hauptversammlung: Bindung des Rechtsbeschwerdegerichts an die Sachverhaltsfeststellung des Beschwerdegerichts; Auskunftsverweigerungsrecht des Vorstands bei nicht unerheblichem Nachteil für die Gesellschaft; Auskunftserzwingung bei ...
Erforderlichkeit der Auskunft; Nachteil i. S. v. § 131 Abs. 3 S. 1 Nr. 1 AktG; Substantiierung eines Auskunftsverweigerungsrechts
Zulässigkeit der Beschränkung des Auskunftsrecht des Aktionärs auf das Merkmal der Erforderlichkeit
Zum Auskunftsverweigerungsrecht des Vorstands wegen drohender Nachteile und des Vertraulichkeitsschutzes ("Porsche")
Zum Umfang des Auskunftsrechts des Aktionärs und zu den Voraussetzungen des Auskunftsverweigerungsrechts des Vorstands
Verfahren auf Auskunftserteilung
Anspruch auf Auskunftserteilung, Antrag des Gesellschafters auf gerichtliche Entscheidung über Informationsrechte, Auskunfts-/Einsichts-/Informations-/Kontrollrechte, Auskunftsanspruch, Auskunftspflichten, Auskunftsrecht, Auskunftsrecht SE, Auskunftsverlangen, ...
Aktiengesellschaft muss drohende Nachteile plausibel machen, die Auskunftsverweigerungsrecht begründen
Auskunftsanspruch eines Aktionärs gegen die Porsche-Automobilholding
audit-committee-institute.de , S. 40 (Entscheidungsbesprechung)
Vertraulichkeitsschutz für den Aufsichtsrat umfasst auch Zusammenarbeit mit dem Vorstand
ZIP 2014, 671
FGPrax 2014, 132 (Ls.)
WM 2014, 618
BB 2014, 1163
DB 2014, 704
NZG 2014, 423
Ihre Beantwortung hätte nicht zu einem ausufernden Verlauf der Hauptversammlung und zu deren Belastung mit überflüssigen Informationen geführt, die für eine sachgemäße Beurteilung der Beschluss- und Tagesordnungsgegenstände unerheblich gewesen wären (vgl. BGH, Beschluss vom 14.01.2014 - II ZB 5/12, Rn. 26).
Maßgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung der potentiellen Nachteilszufügung bei (fiktiver) Offenlegung der gewünschten Information ist der Zeitpunkt der Hauptversammlung (BGH, Beschluss v. 14.01.2014 - II ZB 5/12 - Rn. 41).
Für die Frage der Gefährdung ist die objektive Sachlage entscheidend (BGH, Beschluss v. 14.01.2014 - II ZB 5/12 - Rn. 43, 44), d.h. allein die bei objektiver Betrachtung unbegründete oder nicht nachvollziehbare Behauptung der Gesellschaft, deren Verwaltung befürchte, dass es bei Offenlegung der gewünschten Information möglicherweise zu Nachteilen kommen könne, genügt nicht.
Als Beispiel für einen nicht unerheblichen Nachteil wird die Gefahr der Beeinträchtigung der Kontrahierungsfähigkeit genannt (BGH, Beschluss v. 14.01.2014 - II ZB 5/12 - Rn. 45;… BGH, Urteil v. 16.02.2009 - II ZR 185/07 - Rn. 42).
Diese Abwägung kann bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen der Verwaltungsorgane der Gesellschaft für die Bejahung der Informationspflicht trotz Vorhandenseins von Nachteilen sprechen (BGH, Beschluss v. 14.01.2014 - II ZB 5/12 - Rn. 28 und 52;… BGH, Urteil v. 16.02.2009 - II ZR 185/07 - Rn. 43 m.w.N.).
Es sei dann Sache des Aktionärs, diejenigen Umstände darzulegen, aus denen ein vorrangiges Aufklärungsinteresse der Gesamtheit der Aktionäre und der Gesellschaft folgt (BGH, Beschluss vom 14. Januar 2014 - II ZB 5/12 -, Rn. 42, juris).
Selbst wenn man entgegen der hier vertretenen Auffassung (oben dd [3]) einmal unterstellte, dass sich in den USA straferhöhend ausgewirkt hätte, wenn nicht nur die im "Statement of Facts" genannten Führungskräfte, sondern auch Vorstandsmitglieder der V. AG von den Rechtsverletzungen vor dem 18.09.2015 gewusst haben, dann erfordert die Frage, ob sich daraus ein plausibel begründetes Auskunftsverweigerungsrecht nach § 131 Abs. 3 Nr. 1 AktG ergäbe, weiterhin eine Abwägung der Interessen, wie bereits oben (5. a) dargestellt (BGH, Beschluss v. 14.01.2014 - II ZB 5/12 - Rn. 28 und 52;… BGH, Urteil v. 16.02.2009 - II ZR 185/07 - Rn. 43 m.w.N.; OLG Stuttgart…, Urteil vom 17. November 2010 - 20 U 2/10 -, juris Rn. 669, 672).
Dieses kann lediglich prüfen, ob der maßgebliche Rechtsbegriff verkannt, Auslegungsregeln, Denkgesetze oder Erfahrungssätze verletzt oder wesentliche Umstände nicht beachtet worden sind (st. Rspr., vgl. Senat…, Urteil vom 14. Februar 2014 - V ZR 102/13, NVwZ 2014, 967 Rn. 9;… Urteil vom 1. März 2013 - V ZR 92/12, NJW 2013, 1946 Rn. 15; BGH, Beschluss vom 14. Januar 2014 - II ZB 5/12, WM 2014, 618 Rn. 30 mwN).
Allein der Vorstand ist "Herr der Gesellschaftsgeheimnisse" und kann im Einzelfall nach sorgfältiger Abwägung der widerstreitenden Interessen für eine Offenbarung optieren und die betreffende vertrauliche Angabe oder das Geheimnis öffentlich machen (BGH, Urteil vom 5. Juni 1975 - II ZR 156/73, BGHZ 64, 325, 329 und Beschluss vom 14. Januar 2014 - II ZB 5/12, WM 2014, 618 Rn. 77;… MünchKommAktG/Habersack, 4. Aufl., § 116 AktG Rn. 62;… Spindler in Spindler/Stilz, AktG, 3. Aufl., § 116 AktG Rn. 102;… Hopt/Roth in GroßkommAktG, 4. Aufl., § 116 Rn. 239;… Mertens/Cahn in KK AktG, 3. Aufl., § 116 Rn. 51;… Hambloch-Gesinn/Gesinn in Hölters, AktG, 2. Aufl., § 116 Rn. 50;… Lutter, Information und Vertraulichkeit im Aufsichtsrat, 3. Aufl., § 14 Rn. 401; Wilsing/von der Linden, ZHR 178 (2014), 419, 432).
Maßstab für die Erforderlichkeit bzw. Wesentlichkeit einer Auskunft ist die Sicht eines objektiv urteilenden Durchschnittsaktionärs, der die Gesellschaftsverhältnisse nur auf Grund allgemein bekannter Tatsachen kennt und daher die begehrte Auskunft als wesentliches Beurteilungselement benötigt (vgl. BGH WM 2014, 618, juris Rn. 26;… BGHZ 160, 385, juris Rn. 9;… BGHZ 180, 9 juris Rn. 39;… OLG Stuttgart, AG 2015, 163, juris Rn. 118;… OLG Stuttgart AG 2011, 73, juris Rn. 510).
Hierdurch wird der Auskunftsanspruch des Aktionärs sowohl in quantitativer und qualitativer Hinsicht als auch in Bezug auf seinen Detaillierungsgrad begrenzt (BGH WM 2014, 618, juris Rn. 26;… BGHZ 180, 9, juris Rn. 39).
Allein der Vorstand ist "Herr der Gesellschaftsgeheimnisse" und kann im Einzelfall nach sorgfältiger Abwägung der widerstreitenden Interessen für eine Offenbarung optieren und die betreffende vertrauliche Angabe oder das Geheimnis öffentlich machen (BGH, Urteil vom 5. Juni 1975 - II ZR 156/73, BGHZ 64, 325, 329 und Beschluss vom 14. Januar 2014 - II ZB 5/12, WM 2014, 618 Rn. 77; MünchKommAktG/Habersack, 4. Aufl., § 116 AktG Rn. 62; Spindler in Spindler/Stilz, AktG, 3. Aufl., § 116 AktG Rn. 102; Hopt/Roth in GroßkommAktG, 4. Aufl., § 116 Rn. 239; Mertens/Cahn in KK AktG, 3. Aufl., § 116 Rn. 51; Hambloch-Gesinn/Gesinn in Hölters, Aktiengesetz, 2. Aufl., § 116 Rn. 50; Lutter, Information und Vertraulichkeit im Aufsichtsrat, 3. Aufl., § 14 Rn. 401; Wilsing/von der Linden, ZHR 178 (2014), 419, 432).
Das Merkmal der Erforderlichkeit der Auskunft in § 131 Abs. 1 S. 1 AktG soll missbräuchlich ausufernde Auskunftsbegehren verhindern, um die Hauptversammlung nicht mit überflüssigen, für eine sachgemäße Beurteilung des Beschluss- oder sonstigen Gegenstands der Tagesordnung unerheblichen Fragen zu belasten (BGH, Beschluss vom 14.01.2014, II ZB 5/12, NZG 2014, 423 ff. - Porsche SE; Urteil vom 18.10.2004, II ZR 250/02, BGHZ 160, 385, 388 f.;… Senat aaO.).
Einhergehend damit darf die Auskunft nach Art. 53 VO (EG) 2157/2001, § 131 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 AktG grundsätzlich dann verweigert werden, wenn sich das Auskunftsverlangen auf vertrauliche Vorgänge aus den Sitzungen des Aufsichtsrats bzw. der von ihm nach § 107 Abs. 3 Satz 1 AktG bestellten Ausschüsse richtet (BGH, Beschluss vom 14.01.2014, II ZB 5/12, aaO Rn. 42;… Beschluss vom 05.11.2013, II ZB 28/12, aaO Rn. 47).
Allein der Vorstand ist "Herr der Gesellschaftsgeheimnisse" und kann im Einzelfall nach sorgfältiger Abwägung der widerstreitenden Interessen für eine Offenbarung optieren und die betreffende vertrauliche Angabe oder das Geheimnis öffentlich machen (BGH, Urteil vom 5. Juni 1975 - II ZR 156/73, BGHZ 64, 325, 329 und Beschluss vom 14. Januar 2014 - II ZB 5/12, WM 2014, 618 Rn. 77; MünchKommAktG/Habersack, 4. Aufl., § 116 AktG Rn. 62; Spindler in Spindler/Stilz, AktG, 3. Aufl., § 116 AktG Rn. 102; Hopt/Roth in GroßkommAktG, 4. Aufl., § 116 Rn. 239; Mertens/Cahn in KK AktG, 3. Aufl., § 116 Rn. 51; Hambloch-Gesinn/Gesinn in Hölters, AktG, 2. Aufl., § 116 Rn. 50; Lutter, Information und Vertraulichkeit im Aufsichtsrat, 3. Aufl., § 14 Rn. 401; Wilsing/von der Linden, ZHR 178 (2014), 419, 432).
Maßstab für die Erforderlichkeit bzw. Wesentlichkeit einer Auskunft ist die Sicht eines objektiv urteilenden Durchschnittsaktionärs, der die Gesellschaftsverhältnisse nur auf Grund allgemein bekannter Tatsachen kennt und daher die begehrte Auskunft als wesentliches Beurteilungselement benötigt (vgl. BGH WM 2014, 618, juris Rn. 26;… BGHZ 160, 385, juris Rn. 9;… BGHZ 180, 9 juris Rn. 39;… OLG Stuttgart AG 2011, 73, juris Rn. 510).
Mit dem Merkmal der "Erforderlichkeit" der Auskunft sollen missbräuchlich ausufernde Auskunftsbegehren verhindert werden, um die Hauptversammlung nicht mit überflüssigen, für eine sachgemäße Beurteilung des Gegenstands der Tagesordnung unerheblichen Fragen zu belasten (BGH, Beschluss vom 14. Januar 2014, Az. II ZB 5/12, juris Rn. 26; BGH…, Urteil vom 18. Oktober 2004, Az. II ZR 250/02, juris Rn. 9; OLG Düsseldorf…, Beschluss vom 23. Februar 2015, 26 W 14/14, juris Rn. 28; OLG Düsseldorf…, Beschluss vom 13. Juli 2015, 26 W 16/14, juris Rn. 61.) Die Auskunftspflicht in der Hauptversammlung gemäß § 131 Abs. 1 AktG besteht zudem nur insoweit, als der Auskunftsanspruch des Aktionärs nicht bereits anderweitig erfüllt worden ist.
Dabei soll das Merkmal der Erforderlichkeit der Auskunft in § 131 Abs. 1 S. 1 AktG missbräuchlich ausufernde Auskunftsbegehren verhindern, um die Hauptversammlung nicht mit überflüssigen, für eine sachgemäße Beurteilung des Beschluss- oder sonstigen Gegenstands der Tagesordnung unerheblichen Fragen zu belasten (vgl. nur: BGH, Beschluss vom 14.01.2014, II ZB 5/12 Rn. 26 - Porsche SE;… Urteil vom 18.10.2004, II ZR 250/02 Rn. 9, jeweils zitiert aus JURIS).
Ausreichend - aber auch erforderlich - ist nach heute einhelliger Meinung in Rechtsprechung und Schrifttum, dass die begehrte Auskunft für einen objektiv denkenden Durchschnittsaktionär - entsprechend der Funktion des Auskunftsrechts, das auch zur Meinungs- und Urteilsbildung anderer Aktionäre, insbesondere der Minderheitsaktionäre, in der Hauptversammlung beitragen soll - ein für seine Urteilsfindung wesentliches Element bildet (vgl. nur: BGH, Beschluss vom 14.01.2014, II ZB 5/12 Rn. 26;… Urteil vom 18.10.2004, II ZR 250/02 Rn. 9 f.; OLG Düsseldorf…, Urteil vom 22.11.2012, I-6 U 18/12 Rn. 40; OLG Frankfurt…, Beschluss vom 08.11.2012, 21 W 55/11 Rn. 26 f.; OLG Stuttgart…, Beschluss vom 29.02.2012, 20 W 5/11 Rn. 354; OLG München…, Urteil vom 04.07.2001, 7 U 5285/00 Rn. 39; BayObLG…, Beschluss vom 14.07.1999, 3Z BR 11/99 Rn. 34, jeweils zitiert aus JURIS;… Kubis in: MünchKomm AktG, 3. Aufl., § 131 Rn. 41, 168).
OLG Stuttgart, 07.10.2019 - 20 U 2/18
Anfechtung eines Entlastungsbeschlusses wegen Verletzung der Auskunftspflicht in …

References: § 131
 § 131
 § 132
 § 74
 § 559
 § 131
 § 131
 § 116
 § 116
 § 116
 § 116
 § 116
 § 14
 BGH 
 § 116
 § 116
 § 116
 § 116
 § 116
 § 14
 § 131
 Art. 53
 § 131
 § 107
 § 116
 § 116
 § 116
 § 116
 § 116
 § 14
 BGH 
 § 131
 § 131
 § 131