Source: http://www2.pms.ifi.lmu.de/erlebt/?p=7029
Timestamp: 2017-10-23 11:36:44+00:00

Document:
Urheberrecht und Lehre « erlebt
« BMZ
Vom (Selbst-)Zwang, die Wissenschaftsbühne zu betreten »
„Neulich gab bei uns Ärger, weil Studenten Folien von Vorlesungen ins Netz gestellt haben“, sagte mir heute ein Kollege. „Das können wir wegen der Bilder aus dem Internet nicht zulassen, die viele Dozenten für ihre Folien verwenden. Vorlesungsfolien sind bei uns also passwortgeschützt und so nur für unsere Studenten zugänglich.“
Der Kollege hat sicherlich Recht. Werden Vorlesungsfolien für alle zugreifbar, die Bilder „aus dem Internet“ zeigen, dann wird schnell der Vorwurf einer Urgheberrechtverltzung erhoben werden – und die Verfasser der Folien zur Kasse gebeten.
Mir scheint aber, dass die passwortgeschützte Zurverfügungstellung dem Urheberrecht nicht gerecht ist. Sie erschwert lediglich, dass allzu offensichtlich ist, dass Bilder ohne Erlaubnis verwendet wurden.
„Meinst du wirklich?“ fragte der Kollege, „Es geht doch um die Lehre und niemand verdient Geld mit diesen Bilder. Sie dienen nur dazu, Vorlesungen zugänglicher zu machen.“
Ich kann mich irren aber ich glaube schon, dass ohne Erlaubnis Bilder in einer Lehrveranstaltung auch nicht am Beamer gezeigt werden dürfen. Und dies ist, meine ich, ein schwer anzunehmende Seite des Urheberrechtes. Eine Bildungsausnahme muss meiner Meinung nach ins Urheberrecht aufgenommen werden!
This entry was posted on Montag, Juli 16th, 2012 at 18:03 and is filed under Allgemein, Lehre.	You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
16 Responses to “Urheberrecht und Lehre”
An dieser Stelle kann man dann noch an die Kinderlieder in Kindergärten erinnern…
https://netzpolitik.org/2011/freie-kinderlieder-fur-kindergarten-und-co-mithilfe-und-spender-gesucht/
und dann kann man gleich weiterfragen wieso 70 Jahre nach dem Tod (bevor „Mein Kampf“ auf den Markt kommt wird es die nächste Verlängerung geben) immer noch Urheberrechte an ein Werk gestellt werden dürfen.
Mit dem Urheberrecht ist schon so einiges nicht im Reinen. Weitermachen kann man dann natürlich auch gleich in der Wissenschaft: Wieso werden Artikel nicht frei zugänglich veröffentlicht ? Insbesondere wenn Forschung aus öffentlichen Geldern finanziert wurde ?
Die Briten scheinen schneller zu handeln:
Wieso werden denn nicht ausschließlich eigene oder freie Bilder genutzt ? Zudem: Sollten Folien nicht auch frei zugänglich sein, um auch Fremden ein Lernen zu ermöglichen ?
Ist man denn tatsächlich auf fremde Bilder so dringend angewiesen?
16. Juli 2012 um 22:30 Uhr
Es gibt die Schrankenregelung §52a UrhG (Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung).
Das OLG Stuttgart hat aber letztes Jahr der Fernuni Hagen verboten, ca. 20% eines Psychologie-Lehrbuches in ihrem Intranet anzubieten (Az. 4 U 171/11) und das OLG München hat entschieden, dass Universitäten für die Zugänglichmachung von urheberrechtlich geschützten Texten eine Abgabe an die VG Wort zahlen müssen. (Az. 6 WG 12/09)
Einzelne Bilder in einem Skript sind vermutlich unproblematisch, falls sie nicht ohnehin unter §51 UrhG fallen. Für §52a ist es aber relevant, ob die Dokumente passwortgeschützt (bestimmt abgegrenzter Kreis von Unterrichtsteilnehmern) oder öffentlich zugänglich sind.
Ich teile Ihre Rechtsauffassung nicht ganz. Das Recht zur Nutzung von auch „Sachen aus dem Internet“ leitet sich ziemlich direkt aus §52a des UrhG ab: http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__52a.html
Die Vorführung im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Beamer oder Tageslichtprojektor ist damit genau so abgedeckt, wie die Verwendung im unterrichtsbegleitenden Material, das heute ja praktisch immer aus den gezeigten Folien besteht.
Wie Sie aber sehen, besteht dafür bereits heute die Verpflichtung zur Entlohnung des Rechteinhabers.
Allein bei der Auslegung des Begriffs der Öffentlichkeit bin ich mir nicht absolut sicher, würde aber davon ausgehen, dass eine normale Vorlesung im Sinne des Gesetzes öffentlich ist. (Keine Zugangskontrollen, Gasthörer…)
Und wenn Sie genau lesen, sehen Sie am unteren Rand den Hinweis hierauf:
http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__137k.html
Ein knappes halbes bleibt Ihnen noch, dann sollten Sie besser die Finger von „Sachen aus dem Internet“ lassen.
Und ja, auch meiner Meinung nach sollten zumindest für die Lehre, auch aber für die Forschung, geschützte Werke in Auszügen frei verwendbar sein. Was „Open Source and free“ Unterrichtsmaterialien angeht ist man uns auf der anderen Seite des Teiches ein ganzes Stück vorraus. Hier führen solche Ansätze noch ein Schattendasein.
Ich halte das aber für enorm wichtig, weil bereits heute die Kosten des Lehrmaterials für viele Studenten eine Hürde sind (außerhalb der Informatik ist das tendenziell schlimmer). Zudem schadet es auch nichts, wenn Nichtstudenten auf weite Teile des Wissensfundus eines Fachgebietes zugreifen können.
17. Juli 2012 um 00:55 Uhr
Wenn die Bilder in Belegfunktion gebraucht und die Quellen korrekt angegeben werden, unterliegt das natürlich dem Zitatrecht. Bilder in rein illustrierender (unterhaltender, auflockernder) Funktion werden sich auch für eine Ausnahme für die Bildung nicht gut rechtfertigen lassen.
Es geht also hier wohl um die dritte Sorte von Bildern: Veranschaulichungen, die spezifisch zu didaktischen Zwecken produziert wurden, aber von anderen Personen als den Vortragenden? Ja, dafür benötigen wir bessere Vorrechte für die öffentliche Bildung; ebenso wie übrigens auch für den Rest des einschlägigen §52a UrhG, der einerseits die Schranken für Bildungszwecke ohnehin viel zu eng zieht, andererseits Ende 2012 ganz ausläuft, ohne daß bislang ein Ersatz klar wäre. Ich habe den Eindruck, daß dieses drängende Problem an den Hochschulen gegenwärtig großteils völlig unbekannt ist.
17. Juli 2012 um 07:07 Uhr
In der Schule sind fremde Bilder am Beamer legal – nicht weil es um Bildung geht, sondern weil der Personenkreis abgegrenzt, überschaubar und nicht öffentlich ist. An der Uni ist die Überschaubarkeit geringer, ob das einen Unterschied macht, weiß ich nicht.
Bilder aus Lehrwerken sind zur Zeit so oder so nicht legal, weder in Schule noch Vorlesung noch passwortgeschützt.
Statt Bilder ohne Erlaubnis zu verwenden, könnte man doch auch Bilder mit Erlaubnis verwenden und auf das Passwort verzichten? Wenn man erst mal dafür sensibilisiert ist, dass man nicht alles nehmen darf, erkennt man, dass es eine ganze Menge Bilder gibt, die man unter CC- und anderen Lizenzen doch nehmen darf.
17. Juli 2012 um 07:54 Uhr
@lars: „zu den Folien: Wieso werden denn nicht ausschließlich eigene oder freie Bilder genutzt?“ Mann besitzt selten alle Bilder, die man für eine Vorlesung verwenden möchte.
Kann man sich fehlende Nutzungsrechte nicht einholen ? Oder scheitert dies am Aufwand ?
Ich könnte mir vorstellen, dass es manchmal etwas schwierig ist, die Rechteinhaber ausfindig zu machen – insbesondere wenn es Bilder sind die man irgendwo online gefunden hat.
@lars: „Kann man sich fehlende Nutzungsrechte nicht einholen ? Oder scheitert dies am Aufwand ?“ Offen zugestanden weiss ich nicht. Ich selbst habe das Problem nicht gehabt, weil ich kaum Bilder in Vorlesungen verwende. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass die Vorbereitung einer Vorlesung insbesondere Folien sehr zeitaufwendig ist. Ich nehme an, dass die Kollegen, die gerne Bilder in ihren Vorlesungen verwenden, vor dem Zeitaufwand aus guten Gründen scheuen, die Urheberrechtsfrage gründlich zu klären.
17. Juli 2012 um 11:58 Uhr
Ich denke, es ist eher so, dass sich viele Leute – Professoren und Lehrer eingeschlossen – nicht für Urheberrecht interessieren und nicht wissen, dass es Quellen für verwendbares Material gibt. Es erfordert nur wenig mehr Mühe, sich das zu besorgen, als einfach so ein rein illustrierendes Bild aus dem Web zu nehmen.
@Herr Rau: Durchaus möglich!
17. Juli 2012 um 13:43 Uhr
Viele Bilder sind soweit ich Vorlesungen in erinnerung habe aus der Wikipedia, diese stehen also meistens unter einer CC lizenz, und sind daher unproblematisch. Etwaige Webcomics zur Auflockerung haben auch häufig recht freizügige Lizenzen, xkcd beispielsweise erlaubt explizit die Einbettung, solange man auf sie verlinkt.
Es sind eigentlich nur die absolut altbackenen Medien, die mit sowas noch nicht zurechtkommen. Und da ist die beste Methode, die Illustrationen einfach selber zu machen, und sie dann unter freier Lizenz zur Verfügung zu stellen. Klar, das kostet Zeit, die Professoren und Assistenten nicht unbedingt immer haben. Hier wäre die Frage, ob man nicht zum Beispiel studentische Hilfskräfte einbinden könnte. Weniger trocken als Korrigieren dürfte es allemal sein.
„Kann man sich fehlende Nutzungsrechte nicht einholen ? Oder scheitert dies am Aufwand ?“
§52a, Abs. 4:
Für die öffentliche Zugänglichmachung nach Absatz 1 ist eine angemessene Vergütung zu zahlen. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.
Heinrich Hussmann sagt:
Das Bewusstsein für die Urheberrechtsproblematik fehlt an vielen Stellen. Einerseits sind sich die Lehrenden oft nicht im Klaren darüber, dass es die Verlage sind, die die Situation komplizieren. Die Bilder aus einem Lehrbuch stammen ja fast immer von einem Kollegen, der sie gerne zur Nutzung in der Lehre überlassen würde, wäre da nicht der Verlagsvertrag. Und andererseits sind auch den Studierenden die Wirkmechanismen nicht bewusst – wenn man, wie hier oft vorgeschlagen, tatsächlich viele Bilder aus Wikipedia in seiner Vorlesung verwendet, wird die Vorlesung schnell mal in Kommentaren als „Wikipedia-Vorlesung“ abqualifiziert.
18. Juli 2012 um 07:27 Uhr
@Heinrich Hussmann: Wer eine gute Vorlesung hält und dessen bewusst ist, dürfte sich mit dem Vorwurf „Wikipedia-Vorlesung“ keine Sorgen machen. Oder sind Lehrende schon so verunsichert?
dazu habe ich ganz in Ihrer „Nähe“ einen interessanten Beitrag gefunden: http://www2.pms.ifi.lmu.de/
@Achim: Sie meinen vermutlich: http://www.pms.ifi.lmu.de/aktuelles/nachrichten/workloadstudie/index.html

References: §52
 §51
 §52
 §52
 §52

§52