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Timestamp: 2018-11-18 18:24:54+00:00

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BVerwG: Anwohner können gegen Castor-Transporte klagen | dieWohnungseigentümer.de
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am 14.3.2013 entschieden, dass Personen, die in der näheren Umgebung der Umschlagsanlage für Castor-Behälter in Dannenberg-Ost bzw. an der Wegstrecke zwischen der Umschlagsanlage und dem Transportbehälterlager Gorleben wohnen, die für den Transport des Atommülls erteilte Genehmigung vor Gericht angreifen können. Die Vorschriften über die erforderliche Vorsorge gegen Schäden durch die Beförderung von Kernbrennstoffen sowie die Gewährleistung des erforderlichen Schutzes gegen Einwirkungen Dritter (§ 4 Abs. 2 Nr. 3 und 5 AtG) dienen auch dem Schutz individuell Drittbetroffener im Umfeld der Beförderungsstrecke. Diese können deswegen die Prüfung verlangen, ob der gesetzlich gebotene Schutz gegen Transportunfälle und terroristische Anschläge gewährleistet ist.
Das Bundesverwaltungsgericht ist dem nicht gefolgt. § 4 Abs. 2 Nr. 3 und 5 AtG fordert für den Transport von Kernbrennstoffen in gleicher Weise eine dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechende Schadensvorsorge wie die im Wesentlichen gleichlautenden Bestimmungen für den Betrieb von Kernkraftwerken (§ 7 Abs. 2 Nr. 3 und 5 AtG) und für die Aufbewahrung von Kernbrennstoffen (§ 6 Abs. 2 Nr. 2 und 4 AtG). Dass diese Vorschriften drittschützend sind, hat das Bundesverwaltungsgericht bereits entschieden. Für die Beförderung von Kernbrennstoffen kann mit Rücksicht auf den generellen Zweck des Atomgesetzes, die Individualrechtsgüter Leben und Gesundheit zu schützen (§ 1 Nr. 2 AtG), und die grundrechtliche Verankerung der Schutzbestimmungen jedenfalls dann nichts anderes gelten, wenn Personen im Einwirkungsbereich einer in aller Regel genutzten Transportstrecke ihren Lebensmittelpunkt haben. Der gesetzliche Verweis auf das Gefahrgutrecht mit seinem nicht zwischen Anliegern und anderen Personen differenzierenden Schutzkonzept ändert daran nichts. Das Oberverwaltungsgericht hat – aus seiner Sicht konsequent – keine Feststellungen dazu getroffen, ob die Behörde den erforderlichen Schutz für Leben und Gesundheit der Kläger im Zusammenhang mit dem Transportvorgang als gewährleistet ansehen durfte. Deshalb musste das Bundesverwaltungsgericht die Sache zur weiteren Aufklärung und abschließenden Entscheidung an die Vorinstanz zurückverweisen.
BVerwG 7 C 34.11 – Urteil vom 14. März 2013
OVG Lüneburg 7 LB 58/09 – Urteil vom 30. August 2011
VG Braunschweig 1 A 231/03 – Urteil vom 15. Oktober 2004
BVerwG 7 C 35.11 – Urteil vom 14. März 2013
OVG Lüneburg 7 LB 59/09 – Urteil vom 30. August 2011
VG Braunschweig 1 A 232/03 – Urteil vom 15. Oktober 2004
(Quelle: Pressemitteilung Nr. 16/2013 vom 14.03.2013)
Die Vorschriften über die erforderliche Vorsorge gegen Schäden durch die Beförderung von Kernbrennstoffen sowie die Gewährleistung des erforderlichen Schutzes gegen Einwirkungen Dritter dienen auch dem Schutz individuell Drittbetroffener im Umfeld der Beförderungsstrecke. Anwohner können gegen Castor-Transporte klagen.
BVerwG 7 C 34.11/BVerwG 7 C 35.11 – Urteil vom 14. März 2013
Siehe auch die Entscheidung des BVerfG vom 21.01.2009
§ 4 Abs. 2 Nr. 3 und 5 AtG
§ 6 Abs. 2 Nr. 2 und 4 AtG
§ 1 Nr. 2 AtG
§ 7 Abs. 2 Nr. 3 und 5 AtG
Schlagwörter: Atomgesetz, Beförderung von Kernbrennstoffen, Castor-Transport, drittschützende Vorschrift, Schutzkonzept, Transportunfall, § 3 Abs. 2 AtG

References: § 4

§ 4

§ 6

§ 1

§ 7
 § 3