Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=65722
Timestamp: 2018-01-18 22:03:54+00:00

Document:
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Bw., W., vertreten durch B & G Wirtschaftstreuhand GmbH, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei, 1190 Wien, Sieveringer Straße 129, gegen die Bescheide des Finanzamtes Wien 9/18/19 Klosterneuburg betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) für die Jahre 2008 und 2009 im Beisein der Schriftführerin Ingrid Pavlik nach der am 5. Juni 2013 in 1030 Wien, Vordere Zollamtsstraße 7, durchgeführten Berufungsverhandlung entschieden:
Strittig ist im vorliegenden Berufungsfall die Anerkennung der Aufwendungen für den Universitätslehrgang "Supervision und Coaching" samt Reisekosten und Ausgaben für Fachliteratur, die die Berufungswerberin (Bw.) ihren Einkommensteuererklärungen 2008 und 2009 als Werbungskosten geltend machte.
Die Aufwendungen fanden in den Einkommensteuerbescheiden 2008 und 2009 mit folgender Begründung keine Anerkennung:
"Supervision/Coaching-Lehrgang: Dieser ist nicht nur für Ihre Berufsgruppe konzipiert und auch im Privatleben von Nutzen (daher keine berufsspezifische Fortbildung).
Die Bw. brachte gegen die Einkommensteuerbescheide 2008 und 2009 Berufung ein und begründete diese wie folgt:
"Gemäß Rz 358 LStR sind Aufwendungen für Bildungsmaßnahmen als Werbungskosten abzugsfähig, wenn sie Kosten für Fortbildung, Ausbildung im verwandten Beruf oder Umschulung darstellen.
- die Chance auf eine LeitersteIle
- die Möglichkeit einen Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule zu bekommen (dies ist nur mit einem Universitätsabschluss möglich)
- die Möglichkeit mit der Supervisionsausbildung innerhalb des Schulsystems einen Vertrag an der Pädagogischen Hochschule als Supervisorin zu erhalten.
Sollte daher eine Absetzbarkeit im Bereich der Werbungskosten seitens der Behörde weiterhin nicht anerkannt werden, so müssen diese Ausgaben jedoch als vorweggenommene Betriebsausgaben gemäß Rz 1095 EStG der Tätigkeit als Supervisorin gemäß § 23 (Anm.: richtig wohl: § 22 ) EStG für alle berufungsgegenständlichen Jahre anerkannt werden. Aus-, Fortbildungs- und Umschulungskosten sind in jenem Jahr abzusetzen, in dem sie geleistet werden. Da diese Anlaufkosten zu einem Anlaufverlust führen, welcher wiederum mit den anderen Einkünften, insbesondere den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit, ausgleichbar ist, würde die Anerkennung der Kosten als Betriebsausgaben bei den Einkünften gemäß § 23 EStG zum gleichen steuerlichen Ergebnis führen.
Das Finanzamt wies die Berufungen gegen die Einkommensteuerbescheide 2008 und 2009 mit Berufungsvorentscheidung vom 29. Oktober 2010 mit folgender Begründung ab:
"Kurse für die Verbesserung kommunikativer Fähigkeiten können auch bei Lehrern nicht als Berufsfortbildung betrachtet und Aufwendungen in diesem Zusammenhang somit nicht als Werbungskosten abgesetzt werden. Auch wenn Kurse betreffend "Supervision und Coaching", deren Sinn in der Förderung der Kommunikationsmöglichkeiten besteht, geeignet sind, die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten eines Lehrers zu verbessern, stellen sie keine berufsspezifische Fortbildung dar. Für diese Beurteilung spricht zunächst der Umstand, dass die Kurse von Angehörigen der verschiedensten Berufsgruppen besucht werden, woraus abgeleitet werden kann, dass das in den Kursen vermittelte Wissen von sehr allgemeiner Art ist. Kommunikative Fähigkeiten sind nicht nur im Lehrberuf, sondern in einer Vielzahl von Berufen auch außerhalb von beruflichen Tätigkeiten, nämlich im Zusammenleben der Menschen ganz allgemein, von Bedeutung.
Im dagegen gerichteten Vorlageantrag verwies die Bw. im Wesentlichen auf ihr Berufungsvorbringen und brachte ergänzend vor, dass sie aufgrund ihrer Ausbildung bereits 2010 Einnahmen lukriert habe. Weiters beantragte sie die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Bezüglich des von der Bw. besuchten Universitätslehrganges finden sich auf der Homepage der Donau-Universität Krems folgende Informationen:
"...ZULASSUNGSBEDINGUNGEN für den akademischen Lehrgang
Im Zuge der Vorladung zur Berufungsverhandlung wurde die Berufungswerberin gebeten, Unterlagen vorzulegen, aus denen sich die Höhe der Einnahmen und der Gewinne im Jahr 2010 und den Folgejahren ergibt.
In der am 5. Juni 2013 abgehaltenen Berufungsverhandlung wurde ergänzend ausgeführt:
"Mag. G:
Unstrittig ist, dass die Bw. den Universitätslehrgang "Supervision und Coaching" besucht hat; strittig ist, ob sie die dafür angefallenen Aufwendungen als Werbungskosten, in eventu als Betriebsausgaben absetzen kann.
Fest steht auch, dass sie ab dem Jahr 2010 Einnahmen als Supervisorin bezieht, die eine steigende Tendenz aufweisen, und dass sich die Aufwendungen aufgrund des (weitestgehenden) Abschlusses des Universitätslehrganges bereits nicht unbeträchtlich vermindert haben.
Gemäß § 16 Abs. 1 Z 10 EStG 1988 in der für die Streitjahre geltenden Fassung sind Werbungskosten auch Aufwendungen für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der vom Steuerpflichtigen ausgeübten oder einer damit verwandten beruflichen Tätigkeit und Aufwendungen für umfassende Umschulungsmaßnahmen, die auf eine tatsächliche Ausübung eines anderen Berufes abzielen.
Aufwendungen für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen können nur dann als Werbungskosten abgezogen werden, wenn sie iZm der vom Steuerpflichtigen ausgeübten oder einer damit verwandten beruflichen Tätigkeit stehen. Der Begriff der "verwandten" Tätigkeit ist im Gesetz nicht definiert. Ob eine Tätigkeit mit der ausgeübten Tätigkeitsart verwandt ist, bestimmt sich nach der Verkehrsauffassung. Für eine verwandte Tätigkeit spricht, wenn diese Tätigkeiten (Berufe) üblicherweise gemeinsam am Markt angeboten werden oder die Tätigkeiten im Wesentlichen gleich gelagerte Kenntnisse oder Fähigkeiten erfordern, was an Hand des Berufsbilds bzw. des Inhalts der Ausbildungsmaßnahmen zu diesen Berufen zu beurteilen ist. Ein Indiz für eine artverwandte Tätigkeit liegt in der wechselseitigen Anrechnung von Ausbildungszeiten. Ein Zusammenhang mit der ausgeübten oder artverwandten Tätigkeit ist jedenfalls anzunehmen, wenn die erworbenen Kenntnisse im Rahmen der ausgeübten beruflichen Tätigkeit verwertet werden können. Darüber hinaus reicht aber jeder Veranlassungszusammenhang mit der ausgeübten (verwandten) Tätigkeit aus (VwGH 22.11.2006, 2004/15/0143). Hierzu kann auch ein ordentliches Universitätsstudium zählen (VfGH 15.6.2004, G 8/04; sh. hierzu Jakom/Lenneis EStG, 2013, § 16 Rz 48f).
Nach der Verwaltungspraxis (sh. Rz 10358 LStR) stehen die Tätigkeiten als Pastoralassistent und als Psychotherapeut zueinander in einem verwandten Verhältnis. Die Aufwendungen einer Pastoralassistentin iZm der Ausbildung in systemischer Familientherapie sind daher als Werbungskosten anzuerkennen. Gleiches gilt nach der Judikatur des UFS für die Ausbildung einer Hauptschullehrerin mit abgeschlossenem Psychologiestudium zur Psychotherapeutin (UFS 22.6.09, RV/0627-L/08).
Unter den Begriff "Berufsausbildung" sind jedenfalls alle Arten schulischer oder kursmäßiger Ausbildung zu zählen, in deren Rahmen noch nicht berufstätigen Personen das für das künftige Berufsleben erforderliches Wissen vermittelt wird (sh. zB VwGH 1.3.07, 2006/15/0178 zu § 2 Abs. 1 lit b FLAG). Berufsausbildung liegt weiters dann vor, wenn die Maßnahmen der Erlangung eines anderen Berufes dienen (VwGH 22.11.2006, 2004/15/0143). Um eine berufliche Fortbildung handelt es sich dann, wenn der Steuerpflichte seine bisherigen beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten verbessert, um im bereits ausgeübten Beruf auf dem Laufenden zu bleiben und den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden. Die Eignung der dafür getätigten Aufwendungen an sich zur Erreichung dieses Ziels ist dabei ausreichend (VwGH 19.10.2006, 2005/14/0117). Fortbildungskosten sind wegen ihres Zusammenhanges mit der bereits ausgeübten Tätigkeit und den darauf beruhenden Einnahmen abzugsfähig (VwGH 28.10.2009, 2007/15/0103, mwN). Steht eine Bildungsmaßnahme iZm der bereits ausgeübten Tätigkeit, ist eine Unterscheidung in Fort- oder Ausbildung nicht erforderlich, weil in beiden Fällen Abzugsfähigkeit gegeben ist (Rz 358 LStR; die Berufungsbehörde teilt diese Rechtsansicht).
Die Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für Umschulungsmaßnahmen setzt voraus, dass die Umschulungsmaßnahme derart umfassend ist, dass sie einen Einstieg in eine neue berufliche Tätigkeit ermöglicht, die mit der bisherigen Tätigkeit nicht verwandt ist. Umschulungsmaßnahmen müssen daher auf die tatsächliche Ausübung einer anderen Tätigkeit abzielen. Nach der jüngeren Judikatur des VwGH sind Ausbildungskosten abzugsfähig, die zur Sicherung des künftigen Lebensunterhalt beitragen sollen und daher künftiges Steuersubstrat darstellen (VwGH 15.9.2011, 2008/15/0321; 25.11.2011, 2011/15/0047). Es sei darauf hingewiesen, dass die Bescheidbegründung des Finanzamtes, derzufolge Umschulungskosten nur dann vorliegen, wenn der bisherige Beruf regelmäßig aufgegeben wird, vor dieser Judikaturänderung ergangen ist und daher rechtlich nicht mehr zutrifft.
Wiewohl es aufgrund der von der Bw. im Zuge der mündlichen Berufungsverhandlung vorgelegten Bestätigung der Bezirksschulinspektorin, wonach die Bw. auf Grund ihrer Supervisionsausbildung als Mentorin für BerufseinsteigerInnen ab dem Schuljahr 2012/13 ausgewählt und eingesetzt ist, nicht auszuschließen ist, dass im konkreten Berufungsfall die Aufwendungen (zumindest teilweise) Fortbildungskosten darstellen, spricht das Gesamtbild der Verhältnisse eher dafür, dass Umschulungskosten vorliegen. Die Bw. hat bereits seit mehr als drei Jahren Einnahmen aus selbständiger Arbeit erzielt, die steigende Tendenz aufweisen und die somit im Sinne der oben angeführten Rechtsprechung des VwGH zur Sicherung des künftigen Lebensunterhalt beitragen sollen und daher künftiges Steuersubstrat darstellen.
Im den Streitjahren spielt es aber keine Rolle, ob die Aufwendungen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten anerkannt werden, da in beiden Fällen der Gesamtbetrag der Einkünfte unverändert bleibt. Somit konnte eine in diesem Punkt erklärungsgemäße Abgabenfestsetzung erfolgen.

References: § 23
 § 22
 § 23
 § 16
 § 16
 § 2