Source: http://m.hensche.de/Kuendigung_Abteilungsleiter_keine_Kuendigung_eines_Abteilungsleiter_bei_Fehlen_einer_abgrenzbaren_Einheit_LAG_Niedersachsen_12Sa139-11-u.html
Timestamp: 2016-12-08 03:55:53+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 12 Sa 139/11
1. Ei­ne Be­triebs­ab­tei­lung im Sin­ne von § 15 Abs. 5 KSchG ist ein räum­lich und or­ga­ni­sa­to­risch ab­ge­grenz­ter Teil des Be­triebs, der ei­ne per­so­nel­le Ein­heit er­for­dert, dem ei­ge­ne tech­ni­sche Be­triebs­mit­tel zur Verfügung ste­hen und der ei­nen ei­ge­nen Be­triebs­zweck ver­folgt, auch wenn die­ser in ei­nem bloßen Hilfs­zweck für den ar­beits­tech­ni­schen Zweck des Ge­samt­be­triebs be­steht (BAG 23.02.2010, 2 AZR 656/08, AP Nr. 66 zu § 15 KSchG 1969, Rn. 29).
2. Da­bei ist es im Ein­zel­fall möglich, dass die­se "per­so­nel­le Ein­heit" durch ei­nen ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer verkörpert wird, der räum­lich und or­ga­ni­sa­to­risch ab­ge­grenzt ei­nen ei­ge­nen Hilfs­zweck ver­folgt.
3. Um in ei­ner sol­chen Kon­stel­la­ti­on der "Ato­mi­sie­rung" der kündi­gungs­schutz­recht­lich re­le­van­ten Be­triebs­struk­tur und da­mit ei­ner Aushöhlung des ge­setz­lich ge­schaf­fe­nen be­son­de­ren Be­stands- und In­halts­schut­zes der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Funk­ti­ons­träger vor­zu­beu­gen (in An­leh­nung an BAG 20.01.1984, 7 AZR 443/82, AP Nr. 16 zu § 15 KSchG 1969, Rn. 29), be­darf es ei­nes be­son­ders dich­ten und kon­tu­rier­ten Tat­sa­chen­vor­trags des Ar­beit­ge­bers um zu ver­deut­li­chen, dass tatsächlich ein ab­grenz­ba­rer Hilfs­zweck durch die­se Be­triebs­ab­tei­lung selbständig ver­folgt wird.
4. An die­ser Vor­aus­set­zung fehlt es, wenn ein ein­zel­ner Jus­ti­ti­ar in der Ver­wal­tung ei­ner Kli­nik ne­ben all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­auf­ga­ben ju­ris­ti­sche Quer­schnitts­auf­ga­ben bei der Be­ra­tung an­de­rer Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter so­wie die Pro­zessführung vor Ge­richt oh­ne nen­nens­wer­ten ei­ge­nen Ent­schei­dungs­spiel­raum wahr­nimmt.
Arbeitsgericht Hannover, Urteil vom 1.12.2010, 2 Ca 93/10
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 01.12.2010 - 2 Ca 93/10 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung, wel­che die Be­klag­te dem Kläger ge­genüber un­ter Be­zug­nah­me auf die be­haup­te­te Still­le­gung ei­ner Be­triebs­ab­tei­lung aus­ge­spro­chen hat.
Der am 00.00.1963 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te und ei­nem Kind zum Un­ter­halt ver­pflich­te­te Kläger ist seit dem 01.10.2002 für die Be­klag­te tätig. Der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag vom 19.08.2003 (Bl. 5 ff. d. A.) re­gelt in § 3 als Auf­ga­ben­ge­biet des Klägers "Jus­ti­ti­ar und Per­so­nal­lei­ter, wo­bei der Schwer­punkt sei­ner Tätig­keit im Be­reich der ju­ris­ti­schen Be­ra­tung liegt." Der Kläger er­zielt ein mo­nat­li­ches Brut­to­ent­gelt von der­zeit 6.750,00 €.
Mit Wir­kung zum 01.10.2004 hat die Be­klag­te Frau C. R. als neue Per­so­nal­lei­te­rin ein­ge­stellt. Ob es in die­sem Zu­ge auch zu ei­ner Verände­rung des recht­li­chen In­halts des zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten ge­schlos­se­nen Ar­beits­verhält­nis­ses ge­kom­men ist, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Mit an die Be­klag­te ge­rich­te­tem Schrei­ben vom 18.11.2005 äußer­te der Kläger: "Nach mei­ner Zu­stim­mung zu der von Ih­nen ein­sei­tig vor­ge­nom­me­nen Ver­tragsände­rung ar­bei­te ich aus­sch­ließlich als Jus­ti­ti­ar für Sie, oh­ne ei­ge­ne Be­fug­nis zu Sach­ent­schei­dun­gen" (Bl. 151 d. A.). Der Kläger nahm wei­ter­hin re­gelmäßig an der bei der Be­klag­ten in­stal­lier­ten "Ver­wal­tungs­run­de" teil. Über die dort erörter­ten In­hal­te ge­ben bei­spiel­haft die Pro­to­kol­le vom 28.10.2004 (Bl. 264 ff. d. A.) und vom 23.12.2004 (Bl. 308 f. d. A.) Aus­kunft. Ab dem 29.11.2005 war der Kläger von sei­ner Pflicht zur Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt.
Seit De­zem­ber 2005 ist der Kläger Mit­glied des bei der Be­klag­ten ge­bil­de­ten Be­triebs­ra­tes. Er wur­de En­de April 2010 er­neut in das Gre­mi­um gewählt. Nach ei­ner recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung zu die­ser Fra­ge ist der Kläger we­gen sei­ner Be­triebs­rats­ar­beit vollständig frei­ge­stellt.
Am 16.12.2009 fass­te der geschäftsführen­de al­lei­ni­ge Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten fol­gen­den Be­schluss:
"Die Lei­tung der Per­so­nal­ab­tei­lung wird mit so­for­ti­ger Wir­kung der Geschäftsführung über­tra­gen. Im Rah­men der Geschäfts­ver­tei­lung ob­liegt dem Geschäftsführer A. J. die Lei­tung der Per­so­nal­ab­tei­lung. Die Rechts­ab­tei­lung wird mit so­for­ti­ger Wir­kung ge­schlos­sen. So­weit Rechts­fra­gen und Rechts­strei­tig­kei­ten außer­ge­richt­lich oder ge­richt­lich nicht durch von der Ge­sell­schaft zu be­auf­tra­gen­de Rechts­anwälte be­ar­bei­tet und be­treut wer­den, ob­liegt die Be­ar­bei­tung die­ser An­ge­le­gen­hei­ten eben­falls der Geschäftsführung. Im Rah­men der Geschäfts­ver­tei­lung ist der Geschäftsführer R. B. für die An­ge­le­gen­hei­ten Bau­recht, Pfle­ge­satz­ver­hand­lun­gen und Herr J. für den Be­reich Per­so­nal­recht zuständig. Mit der Klärung von Rechts­fra­gen und der außer­ge­richt­li­chen und ge­richt­li­chen Ver­tre­tung der Ge­sell­schaft sol­len im We­sent­li­chen ex­ter­ne Rechts­anwälte be­auf­tragt wer­den." (Bl. 55 d. A.).
Mit Schrei­ben vom 07.01.2010 hörte die Be­klag­te den bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat zur be­ab­sich­tig­ten or­dent­li­chen Kündi­gung des Klägers an (Bl. 152 ff. d. A.). Der Be­triebs­rat wi­der­sprach die­sem Kündi­gungs­be­geh­ren mit Schrei­ben vom 14.01.2010 (Bl. 157 ff. d. A.). Mit Schrei­ben vom 18.01.2010 sprach die Be­klag­te dem Kläger ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung mit Wir­kung zum 31.03.2010 aus (Bl. 19 d. A.). Hier­ge­gen hat der Kläger mit am 05.02.2010 beim Ar­beits­ge­richt A-Stadt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben.
Der Kläger hat gerügt, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 15 Abs. 5 Kündi­gungs­schutz­ge­setz nicht vorlägen.
Ins­be­son­de­re stel­le sein zu­letzt wahr­ge­nom­me­ner Auf­ga­ben­be­reich kei­ne ei­genständi­ge "Rechts­ab­tei­lung" dar. Der Kläger hat zu­dem vor­ge­tra­gen, es sei­en so­wohl gleich­wer­ti­ge als auch ge­rin­ger­wer­ti­ge Ar­beitsplätze bei der Be­klag­ten vor­han­den, die für ihn frei­ge­macht wer­den müss­ten. Er sei auch be­reit, zu geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen zu ar­bei­ten.
fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung derBe­klag­ten vom 18.01.2010 zum 31.03. 2010 nicht be­en­det wor­den ist,
für den Fall, dass dem Fest­stel­lungs­an­trag statt­ge­ge­ben wird, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger zuun­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen ent­spre­chend dem ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag zu beschäfti­gen,
so­wie hilfs­wei­se
fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom18.01.2010 auch nicht zum 31.12.2011 be­en­det wird,
so­wie wei­ter­hin hilfs­wei­se
für den Fall der Statt­ga­be die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­genent­spre­chend dem ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag bis zum 31.12.2011 zu beschäfti­gen.
Die Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen, dass der Kläger mit der ab Ok­to­ber 2004 voll­zo­ge­nen fak­ti­schen Tren­nung von Per­so­nal- und Rechts­ab­tei­lung ein­ver­stan­den ge­we­sen sei. Bei der vom Kläger verkörper­ten Rechts­ab­tei­lung han­de­le es sich um ei­ne selbständi­ge Be­triebs­ab­tei­lung im Sin­ne von § 15 Abs. 5 KSchG. Dem Kläger sei ein ei­ge­nes Ar­beits­zim­mer mit der Auf­schrift "Rechts­ab­tei­lung" zu­ge­wie­sen wor­den. Der Kläger ha­be ei­ge­ne Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten selbständig be­ar­bei­tet und als Ju­rist ei­ne Schnitt- und Ko­or­di­nie­rungs­stel­le für die von der Be­klag­ten be­auf­trag­ten ex­ter­nen Rechts­anwälte dar­ge­stellt. Zur Bewälti­gung die­ser Auf­ga­be ha­be dem Kläger spe­zi­el­le ju­ris­ti­sche Li­te­ra­tur so­wie ei­ne Büro­aus­stat­tung zur Verfügung ge­stan­den. Der Kläger ha­be ei­ge­ne Ak­ten geführt. Die Da­ten der Rechts­ab­tei­lung sei­en auf ei­nem se­pa­ra­ten Lauf­werk der be­trieb­li­chen EDV ab­ge­legt wor­den.
Der Kläger ha­be als Lei­ter der Rechts­ab­tei­lung zahl­rei­che so­zi­al­recht­li­che, ver­wal­tungs­recht­li­che und ar­beits­ge­richt­li­che Strei­tig­kei­ten selbständig geführt. Im März 2009 sei hin­sicht­lich der Re­fi­nan­zie­rung der Kos­ten der Pa­ti­en­ten und Be­woh­ner ei­ne um­fas­sen­de ver­gleichs­wei­se Re­ge­lung mit den Kos­tenträgern ge­lun­gen. Da in der Fol­ge der ju­ris­ti­sche Be­ar­bei­tungs­be­darf bei der Be­klag­ten sich dras­tisch re­du­ziert ha­be, ha­be der geschäftsführen­de Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten am 16.12.2009 den Be­schluss ge­fasst, die bis­he­ri­ge Rechts­ab­tei­lung auf­zulösen. Im Be­trieb der Be­klag­ten ge­be es kei­ne Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten für den Kläger. Es ge­be auch kei­ne dem Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil des Klägers ent­spre­chen­den gleich­wer­ti­gen Ar­beitsplätze, wel­che für den Kläger frei gekündigt wer­den könn­ten. Zur Freikündi­gung ge­rin­ger­wer­ti­ger Ar­beitsplätze sei die Be­klag­te aus recht­li­chen Gründen nicht ver­pflich­tet. Ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen sei ihr unmöglich.
Mit Ur­teil vom 02.12.2010 hat das Ar­beits­ge­richt A-Stadt den Haupt­anträgen des Klägers ent­spro­chen. Zur Be­gründung der Un­wirk­sam­keit der or­dent­li­chen Kündi­gung vom 18.01.2010 hat das Ar­beits­ge­richt we­sent­lich dar­auf
ab­ge­stellt, dass die Be­klag­te es versäumt ha­be, dem Kläger ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung auf gleich­wer­ti­gen oder ge­rin­ger­wer­ti­gen Ar­beitsplätzen an­zu­bie­ten. Da­zu hätte die Be­klag­te not­falls auch ge­rin­ger­wer­ti­ge Ar­beitsplätze für den Kläger freikündi­gen müssen.
Die­ses Ur­teil des Ar­beits­ge­richts A-Stadt vom 01.12.2010 ist den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten am 28.12.2010 zu­ge­stellt wor­den. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fungs­schrift ist am 25.01.2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen. Die Be­ru­fungs­be­gründung ist am 28.03.2011 zu­gleich dem letz­ten Tag der verlänger­ten Be­ru­fungs­be­gründungs­frist beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.
Zur Be­gründung der Be­ru­fung macht die Be­klag­te gel­tend, dass es zum Zeit­punkt der aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung bei ihr kei­ne frei­en Stel­len ge­ge­ben ha­be, die dem Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil des Klägers ent­spre­chen. Auch im Be­reich der Per­so­nal­ab­tei­lung oder der Pa­ti­en­ten- und Be­woh­ner­ver­wal­tung ha­be es we­der gleich­wer­ti­ge noch ge­rin­ger­wer­ti­ge freie Stel­len ge­ge­ben. Ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Freikündi­gung ge­rin­ger­wer­ti­ger Stel­len las­se sich aus § 15 Abs. 5 KSchG nicht ab­lei­ten. Zur Über­nah­me der Funk­ti­on der Lei­tung der Pa­ti­en­ten- und Be­woh­ner­ver­wal­tung sei der Kläger auf­grund sei­ner fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on nicht in der La­ge. Ins­be­son­de­re feh­le es ihm an den er­for­der­li­chen Kennt­nis­sen in der Buch­hal­tung. Die Be­klag­te be­ab­sich­ti­ge die zum No­vem­ber 2011 frei wer­den­de Stel­le des Herrn K. mit ei­nem stu­dier­ten Be­triebs­wirt zu be­set­zen und dort zusätz­lich die Lei­tung der Buch­hal­tung an­zu­sie­deln. An­ge­sichts der feh­len­den Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten für den Kläger im Ar­beits­verhält­nis kom­me es auf des­sen tem­poräre Frei­stel­lung als Be­triebs­rats­mit­glied nicht an. Der Wi­der­spruch des Be­triebs­ra­tes vom 14.01.2010 sei nicht "ord­nungs­gemäß" im Sin­ne von § 102 Abs. 5 Be­trVG. Der Be­triebs­rat und das Ar­beits­ge­richt hätten hin­sicht­lich des Wi­der­spruchs­grun­des ei­ner Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit le­dig­lich auf die re­la­tiv brei­te Qua­li­fi­ka­ti­on des Klägers ab­ge­stellt, da­bei je­doch et­wai­ge Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten im Be­trieb der Be­klag­ten nicht kon­kret be­nannt. Der Be­klag­ten sei die ver­trags­gemäße Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers unmöglich.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts A-Stadt vom 01.12.2010 - 2 Ca 93/10 - ab­zuändern und die Kla­geab­zu­wei­sen.
Mit der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung rügt der Kläger, dass die Be­klag­te nicht ha­be dar­le­gen können, dass es sich bei der "Rechts­ab­tei­lung" über­haupt um ei­ne Be­triebs­ab­tei­lung im Sin­ne von § 15 Abs. 5 KSchG han­de­le. Der Kläger ha­be mit sei­ner "Rechts­ab­tei­lung" nicht über ein ei­ge­nes Sach­kos­ten­bud­get verfügen können. Dem Kläger sei­en kei­ne fes­ten Mit­ar­bei­ter zu­ge­ord­net ge­we­sen und ab Mai 2005 ha­be der Kläger nicht mal mehr ei­nen ei­ge­nen Schlüssel be­ses­sen, der ihm den selbständi­gen Zu­weg zu sei­nem Ar­beits­platz ermöglicht hätte. Der Kläger ha­be nicht als "Rechts­ab­tei­lung" ge­ar­bei­tet, son­dern Hand in Hand mit sei­nen Kol­le­gen der Ver­wal­tung als ju­ris­ti­scher Sach­be­ar­bei­ter. Die Be­klag­te ha­be ihm na­he­zu je­de ei­ge­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis ent­zo­gen. Zu­letzt sei der an­geb­lich ei­genmäch­ti­ge Ab­schluss ei­nes ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­glei­ches über ein Weih­nachts­geld von 1.000,00 € als Kündi­gungs­grund her­an­geführt wor­den. Die vor­mals vom Kläger aus­geübten Tätig­kei­ten der Lei­tung der Per­so­nal­ab­tei­lung würden jetzt ganz über­wie­gend von Frau J. E. aus­geübt. Die­ser ob­lie­ge der­zeit auch die in­ter­ne Vor- und Nach­be­rei­tung von Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten. Im Be­reich der Pa­ti­en­ten- und Be­woh­ner­be­treu­ung ob­lie­ge dies Herrn K.. Der Kläger sei oh­ne nen­nens­wer­te Ein­ar­bei­tungs­zeit in der La­ge, so­wohl die Auf­ga­ben von Frau E. als auch die des Herrn K. zu über­neh­men. Der Kläger verfüge so­gar über die not­wen­di­ge Qua­li­fi­ka­ti­on zur Über­nah­me der neu­ge­schaf­fe­nen Funk­tio­nen des "Lei­ters der Buch­hal­tung und Pa­ti­en­ten- und Be­woh­ner­ver­wal­tung". Sei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch stütze er nicht nur auf § 102 Abs. 5 Be­trVG, son­dern auch auf den all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch.
Ergänzend wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze so­wie die Sit­zungs­nie­der­schrift der Ver­hand­lung am 07.10.2011 ver­wie­sen.
Die statt­haf­te und form- so­wie frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Be­klag­ten ist un­be­gründet.
1. Die Be­klag­te ver­moch­te nicht dar­zu­le­gen, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 15 Abs. 5 KSchG erfüllt sind. Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, dass die dem Kläger zu­letzt über­tra­ge­ne ju­ris­ti­sche Tätig­keit ei­ne ei­genständi­ge Be­triebs­ab­tei­lung dar­ge­stellt ha­ben soll. Da der Kläger zum Zeit­punkt der Kündi­gung am 18.01.2010 or­dent­li­ches Mit­glied des bei der Be­klag­ten ge­bil­de­ten Be­triebs­ra­tes ge­we­sen ist, hätte ihm nur mit Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes nach § 103 Be­trVG oder nach ent­spre­chen­der Zu­stim­mungs­er­set­zung durch das Ar­beits­ge­richt gekündigt wer­den können. Bei­de Vor­aus­set­zun­gen lie­gen nicht vor. Der in § 15 Abs. 1 Satz 1 KSchG nor­mier­te Grund­satz, dass die Kündi­gung ei­nes Mit­glie­des des Be­triebs­ra­tes un­zulässig ist, wird vor­lie­gend nicht durch­bro­chen.
a) Ei­ne Be­triebs­ab­tei­lung im Sin­ne von § 15 Abs. 5 KSchG ist ein räum­lich und or­ga­ni­sa­to­risch ab­ge­grenz­ter Teil des Be­trie­bes, der ei­ne per­so­nel­le Ein­heit er­for­dert, dem ei­ge­ne tech­ni­sche Be­triebs­mit­tel zur Verfügung ste­hen und der ei­nen ei­ge­nen Be­triebs­zweck ver­folgt, auch wenn die­ser in ei­nem bloßen Hilfs­zweck für den ar­beits­tech­ni­schen - 4 -
Zweck des Ge­samt­be­trie­bes be­steht (BAG 23.02.2010, 2 AZR 656/08, AP Nr. 66 zu § 15 KSchG 1969, Rn. 29). Da­bei ist es im Ein­zel­fall möglich, dass die­se "per­so­nel­le Ein­heit" durch ei­nen ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer verkörpert wird, der räum­lich und or­ga­ni­sa­to­risch ab­ge­grenzt ei­nen ei­ge­nen Be­triebs­zweck oder Teil­zweck ver­folgt. Um in ei­ner sol­chen Kon­stel­la­ti­on der "Ato­mi­sie­rung" der kündi­gungs­schutz­recht­lich re­le­van­ten Be­triebs­struk­tur und da­mit ei­ner Aushöhlung des ge­setz­lich ge­schaf­fe­nen be­son­de­ren Be­stands- und In­halts­schut­zes der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Funk­ti­ons­träger vor­zu­beu­gen (in An­leh­nung an BAG 20.01.1984, 7 AZR 443/82, AP Nr. 16 zu § 15 KSchG 1969, Rn. 29), be­darf es ei­nes dich­ten und kon­tu­rier­ten Tat­sa­chen­vor­tra­ges des Ar­beit­ge­bers, um zu ver­deut­li­chen, dass tatsächlich ein ab­grenz­ba­rer Be­triebs­zweck durch ei­ne sol­che Ein-Mann-Ab­tei­lung selbständig ver­folgt wird. So zeigt die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 23.02.2010 (a. a. O. Rn. 31) durch­geführ­te Prüfung, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt kon­kre­te tatsächli­che Fest­stel­lun­gen ver­langt, aus de­nen sich so­wohl die an­ge­nom­me­ne räum­li­che und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ab­gren­zung als auch die kla­re Ab­gren­zung der Ar­beits­auf­ga­ben er­ge­ben, da­mit von ei­ner Ver­selbständi­gung die­ser Ein­heit im Sin­ne ei­ner Be­triebs­ab­tei­lung ge­spro­chen wer­den kann.
b) Auch nach umfäng­li­cher ergänzen­der Sach­ver­halts­aufklärung im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung am 07.10.2011 ist vor­lie­gend nicht er­sicht­lich, wie sich die von der Be­klag­ten be­haup­te­te Be­triebs­ab­tei­lung "Rechts­ab­tei­lung" von der all­ge­mei­nen Ver­wal­tung der Be­klag­ten or­ga­ni­sa­to­risch und funk­tio­nell klar ab­gren­zen las­sen soll. Un­strei­tig exis­tiert bei der Be­klag­ten kei­ne for­mel­le Geschäfts­ver­tei­lung. Die vom Kläger mit der Klag­schrift vom 05.02.2010 vor­ge­leg­ten im In­ter­net veröffent­lich­ten Or­ga­ni­gram­me der Be­klag­ten (Bl. 25 f. d. A.) wei­sen zwar ei­ne Per­so­nal­ab­tei­lung zunächst un­ter Führung von Frau C. R. und später un­ter Führung von Herrn A. J., hin­ge­gen kei­ne ei­ge­ne Rechts­ab­tei­lung aus.
Das Er­geb­nis­pro­to­koll der Ver­wal­tungs­run­de vom 28.10.2004 erwähnt den Kläger auf der dor­ti­gen Sei­te 4. Die in der Ver­wal­tungs­run­de erläuter­te Pro­ble­ma­tik der Zu­sam­men­set­zung des Be­sitz­stan­des wird da­bei da­bei nicht als Er­geb­nis ei­ner Be­gut­ach­tung durch die Rechts­ab­tei­lung, son­dern als Er­geb­nis ei­ner Ar­beits­grup­pe be­ste­hend aus Herrn J., der Per­so­nal­ab­tei­lung und dem Kläger dar­ge­stellt (Bl. 267 d. A.). Im Pro­to­koll der Ver­wal­tungs­run­de vom 23.12.2004 (dort Bl. 309 d. A.) kann zwar die vom Kläger vor­ge­nom­me­ne In­for­ma­ti­on über die vor­sorg­li­che Er­he­bung von Untätig­keits­kla­gen zur Un­ter­bre­chung even­tu­el­ler Verjährungs­fris­ten als spe­zi­fi­sches Ar­beits­er­geb­nis ei­nes ju­ris­ti­schen Sach­be­ar­bei­ters ge­se­hen wer­den. Hin­ge­gen be­trifft der fol­gen­de Punkt zur Er­mitt­lung der Un­ter­schieds­beträge zwi­schen Ab­schlags­pfle­gesätzen und den heim­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Pfle­gesätzen le­dig­lich ei­ne ma­the­ma­ti­sche bzw. ver­wal­tungs­tech­ni­sche Fra­ge­stel­lung. Die glie­de­rungsmäßige Stel­lung im Pro­to­koll vom 23.12.2004 lässt aber den Schluss zu, dass auch die­se all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­auf­ga­be vom Kläger be­ar­bei­tet wor­den ist. Der Kläger hat zu­letzt im Ter­min am 07.10.2011 vor­ge­tra­gen, dass er sei­ne Auf­ga­ben über­wie­gend "Hand in Hand" mit an­de­ren Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­tern na­ment­lich mit der Ab­tei­lung zur Pa­ti­en­ten- und Be­woh­ner­ver­wal­tung er­le­digt ha­be. So­weit er für die Be­klag­te Ge­richts­ter­mi­ne wahr­ge­nom­men ha­be, sei­en ihm nen­nens­wer­te ei­ge­ne Ent­schei­dungs­spielräume nicht ein­geräumt ge­we­sen. Die dem Kläger am 27.10.2004 er­teil­te Voll­macht im Um­fan­ge des § 141 Abs. 3 ZPO lässt nicht den Schluss zu, dass der Kläger auch im In­nen­verhält­nis ent­spre­chend um­fas­send be­vollmäch­tigt ge­we­sen ist. Die Be­klag­te hin­ge­gen hat kei­ne kon­kre­ten Bei­spielsfälle vor­ge­tra­gen aus de­nen deut­lich ge­wor­den wäre, über wel­che tatsächli­chen Ent­schei­dungs­spielräume der Kläger bei der Be­ar­bei­tung von Ge­richts­ver­fah­ren verfügt ha­ben soll. Für die streit­be­fan­ge­ne Ab­gren­zungs­fra­ge nicht aus­sa­ge­kräftig ist der Um­stand, dass der Kläger nach außen un­ter dem Brief­kopf "Rechts­ab­tei­lung" auf­ge­tre­ten ist. Die­se Möglich­keit ha­ben auch in die all­ge­mei­ne Ver­wal­tung ein­ge­bun­de­ne ju­ris­ti­sche Sach­be­ar­bei­ter.
Vor die­sen Hin­ter­grund wäre es Auf­ga­be der in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­ten Be­klag­ten ge­we­sen, dem Ge­richt die funk­tio­na­le Ab­gren­zung und den kla­ren Zu­schnitt des Teil­zwe­ckes zu ver­deut­li­chen, den der Kläger ge­trennt von den an­de­ren Ab­tei­lun­gen selbständig ver­wirk­li­chen soll­te. Dies ist der Be­klag­ten un­ter Ge­samtwürdi­gung ih­res Sach­vor­tra­ges ein­sch­ließlich der Ergänzun­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 07.10.2011 nicht ge­lun­gen. Es er­gibt sich das Bild, dass der Kläger im maßgeb­li­chen Zeit­raum von Ok­to­ber 2004 bis No­vem­ber 2011 zwar ver­trags­recht als Ju­rist beschäftigt wor­den ist, die funk­tio­na­le Ab­gren­zung zu den an­de­ren Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­tern in­des nicht so klar ist, dass von ei­ner ver­selbständig­ten "Rechts­ab­tei­lung" aus­ge­gan­gen wer­den kann. Das Vor­lie­gen ei­ner Be­triebs­ab­tei­lung im Sin­ne von § 15 Abs. 5 KSchG ist zu ver­nei­nen, wenn ein ein­zel­ner Jus­ti­ti­ar in der Ver­wal­tung ei­ner Kli­nik ne­ben all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­auf­ga­ben ju­ris­ti­sche Quer­schnitts­auf­ga­ben bei der Be­ra­tung an­de­rer Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter so­wie die Pro­zessführung vor Ge­richt oh­ne ei­ge­ne ab­grenz­ba­re Kom­pe­ten­zen wahr­nimmt.
2. Hin­sicht­lich des be­gründe­ten Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruchs kann der Kläger sich auch auf den all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch stützen. Der Be­klag­ten ist ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers gemäß dem Ar­beits­ver­trag vom 19.08.2003 zu­min­dest hin­sicht­lich ei­ner Beschäfti­gung als Jus­ti­ti­ar mit dem Schwer­punkt sei­ner Tätig­keit im Be­reich der ju­ris­ti­schen Be­ra­tung nicht unmöglich. Auch wenn sich nach dem Ge­samt­ver­gleich zur Kos­tenüber­nah­me im März 2009 die Zu­sam­men­set­zung der bei der Be­klag­ten zur Be­gut­ach­tung an­fal­len­den recht­li­chen Fra­gen geändert ha­ben mag, so ist es der Be­klag­ten zur Erfüllung ih­rer ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen möglich und zu­mut­bar, die im Be­reich der ju­ris­ti­schen Be­ra­tung noch an­fal­len­den Tätig­kei­ten wie­der dem Kläger zu­zu­wei­sen. Darüber hin­aus könn­te dem Kläger all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­auf­ga­ben aus dem Be­reich der Pa­ti­en­ten- und Be­woh­ner­ver­wal­tung zu­ge­wie­sen wer­den. Prak­ti­sche Re­le­vanz ent­fal­tet die­se Fra­ge oh­ne­hin erst dann, wenn die Frei­stel­lung des Klägers für die Be­triebs­rats­ar­beit ge­en­det hat.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO wo­nach die Be­klag­te die Kos­ten der von ihr er­folg­los ein­ge­leg­ten Be­ru­fung zu tra­gen hat.
Gründe für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on la­gen nicht vor, da der Rechts­streit un­ter An­wen­dung der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­prägten De­fi­ni­tio­nen zur Be­triebs­ab­tei­lung im Sin­ne von § 15 Abs. 5 KSchG auf der Ebe­ne der Sach­ver­halts­aufklärung und Sub­sum­ti­on un­ter die­sen Rechts­be­griff ent­schie­den wor­den ist.	m.hensche.de
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References: § 15
 § 15
 § 15
 § 3
 § 15
 § 15
 § 15
 § 102
 § 15
 § 102
 § 15
 § 103
 § 15
 § 15
 § 15
 § 15
 § 141
 § 15
 § 97
 § 15