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Timestamp: 2017-03-28 06:12:47+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 2 Sa 470/09
Freiwilligkeitsvorbehalt, AGB, Weihnachtsgeld, Widerrufsvorbehalt
2 Sa 470/09
Weist ein Ar­beit­ge­ber in ei­nem vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­ver­trag, der kei­ne Zu­sa­ge über die Leis­tung ei­ner Son­der­zah­lung enthält, dar­auf hin, die Gewährung ei­ner sol­chen be­gründe kei­nen Rechts­an­spruch des Ar­beit­neh­mers, be­nach­tei­ligt ein klar und verständ­lich for­mu­lier­ter Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt den Ar­beit­neh­mer auch dann nicht un­an­ge­mes­sen i.S.v. § 307 Abs. 1 BGB, wenn der Ar­beit­ge­ber die­sen Vor­be­halt mit ei­nem Wi­der­rufs­vor­be­halt kom­bi­niert (in An­schluss an BAG 30.07.2008 - 10 AZR 606/07 - EzA § 307 BGB 2002 Nr. 38). Der Wi­der­rufs­vor­be­halt dient in die­sem Fall nur der Stützung des Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts mit der Fol­ge, dass ei­ne be­trieb­li­che Übung nicht ent­ste­hen kann.
Arbeitsgericht Mönchengladbach, Urteil vom 06.04.2009, 5 Ca 3995/08
5 Ca 3995/08 Ar­beits­ge­richt Mönchen­glad­bach Verkündet am 29. Ju­li 2009
Will­ms, Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
des Herrn W. X., In der I. 14, I.,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte T. u.a.,N. str. 19, H.,
die M. Pla­nung & Tech­no­lo­gie GmbH, ver­tre­ten durch die Her­ren Geschäftsführer Dipl.-Ing. D. M., Dipl.-Ing. W. S., Dr. W.T., E.-L.-S.-Straße 5 - 7, L.,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Q. Rechts­anwälte,C. straße 26 - 28, N.,
hat die 2. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 29.07.2009durch die Vi­ze­präsi­den­tin des Lan­des­ar­beits­ge­richts Gött­ling als Vor­sit­zen­de so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Gra­vi­us und Nor­bis­rath
Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mönchen­glad­bach vom 6.4.2009 – 5 Ca 3995/08 – ab­geändert:
Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.Der Kläger trägt die Kos­ten des Rechts­streits. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.
T A T B E S T A N D Die Par­tei­en strei­ten über ein Weih­nachts­geld für das Jahr 2008.
Der Kläger ist seit dem 01.02.1996 bei der Be­klag­ten ge­gen ein mo­nat­li­ches Brut­to­ent­gelt in Höhe von zu­letzt 3.350,00 € als Di­plom-In­ge­nieur beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis rich­tet sich nach den Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges vom 03.01.1996. In die­sem heißt es un­ter Zif­fer 6:
„Gra­ti­fi­ka­ti­on:
So­weit der Ar­beit­ge­ber ge­setz­lich oder durch Ta­rif­ver­trag nicht vor­ge­schrie­be­ne Leis­tun­gen, wie Prämi­en, Zu­la­gen, Ur­laubs­geld, Gra­ti­fi­ka­tio­nen, Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­tio­nen gewährt, er­fol­gen sie frei­wil­lig und oh­ne je­de recht­li­che Ver­pflich­tung. Sie sind da­her je­der­zeit oh­ne War­nung ei­ner be­son­de­ren Frist wie­der­ruf­bar.“
Die Be­klag­te zahl­te dem Kläger nach sei­nen An­ga­ben seit Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses, je­den­falls für die Jah­re 2005, 2006 und 2007 ein Weih­nachts­geld in Höhe ei­nes Brut­to­mo­nats­ver­diens­tes. Im Jah­re 2008 gewähr­te sie un­ter Hin­weis auf die Wirt­schafts­kri­se kei­ne Son­der­leis­tung.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm ste­he kraft be­trieb­li­cher Übung ein An­spruch auf Weih­nachts­geld in Höhe ei­nes Brut­to­mo­nats­ver­diens­tes für das Jahr 2008 zu. Der Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt im Ar­beits­ver­trag sei wi­dersprüchlich so­wie un­an­ge­mes­sen und des­halb un­wirk­sam.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 3.350,00 € brut­to nebst Zin­senin Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins seit dem 01. 12.2008 zu zah­len.
Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, die Re­ge­lung un­ter Zif­fer 6 des Ar­beits­ver­tra­ges sei wirk­sam und hin­de­re ei­nen An­spruch des Klägers auf Weih­nachts­geld.
Das Ar­beits­ge­richt Mönchen­glad­bach hat mit sei­nem am 06.04.2009 verkünde­ten Ur­teil der Kla­ge statt­ge­ge­ben und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt:
Dem Kläger ste­he nach drei­ma­li­ger vor­be­halt­lo­ser Gewährung kraft be­trieb­li­cher Übung ein An­spruch auf das Weih­nachts­geld zu. Der Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt un­ter Zif­fer 6 des Ar­beits­ver­tra­ges sei gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB we­gen der Kom­bi­na­ti­on mit ei­nem Wi­der­ruf­vor­be­halt un­wirk­sam. Da es sich bei dem Ar­beits­ver­trag um ei­nen sog. Alt­fall han­de­le, der vor dem In­kraft­tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes ab­ge­schlos­sen wor­den sei, kom­me zwar ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung in Be­tracht. Die­se schei­te­re aber im Er­geb­nis, weil nicht er­mit­telt wer­den könne, wel­che Gründe für ei­nen Wi­der­ruf gel­ten soll­ten.
Ge­gen das ihr am 09.04.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te mit ei­nem am 07.05.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 08.06.2009 ein­ge­reich­ten Schrift­satz be­gründet.
Die Be­klag­te macht im We­sent­li­chen gel­tend:
So­weit das Ar­beits­ge­richt sich auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 30.07.2008 – 10 AZR 606/07 – gestützt ha­be, ha­be es über­se­hen, dass die An­ge­stell­te nach der dort über­prüften ar­beits­ver­trag­li­chen Klau­sel ei­nen An­spruch auf die Gra­ti­fi­ka­ti­on ge­habt ha­be, während der Ar­beits­ver­trag im Streit­fall ei­nen sol­chen nicht vor­se­he. Da es sich zu­dem um ei­nen sog. Alt­fall han­de­le, ha­be je­den­falls ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung zu er­fol­gen. Er­kenn­bar sei es aber bei Ver­trags­ab­schluss dar­um ge­gan­gen, dass sie - die Be­klag­te - in der Ent­schei­dung, ob Weih­nachts­geld ge­zahlt wer­de, frei blei­be.
un­ter Abände­rung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Mönchen­glad­bach die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Er ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten, ge­gen de­ren Zulässig­keit kei­ne Be­den­ken be­ste­hen, ist be­gründet. Denn die Kla­ge ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stanz un­be­gründet. Dem Kläger steht ein An­spruch auf Weih­nachts­geld für das Jahr 2008 in Höhe ei­nes Brut­to­mo­nats­ver­diens­tes und so­mit auf die von ihm be­an­spruch­te Zah­lung von 3.350,00 € brut­to nicht zu. Ein sol­cher An­spruch er­gibt sich nicht auf­grund be­trieb­li­cher Übung.
I. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kannzu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ein An­spruch auf Zah­lung ei­ner Jah­res­son­der­vergütung und da­mit auch auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des auf­grund be­trieb­li­cher Übung (hier­zu näher BAG 20.06.2007 – 10 AZR 410/06 – NZA 2007, 1293, 1295; BAG 30.08.2008 – 10 AZR 606/07 – Rdz. 27, EzA
§ 307 BGB 2002 Nr. 38) ent­ste­hen, wenn der Ar­beit­ge­ber drei­mal in Fol­ge (seit BAG 06.03.1956 – 3 AZR 175/55 – AP Nr. 3 zu § 611 BGB Gra­ti­fi­ka­ti­on; eben­so BAG 21.01.2009 – 10 AZR 19/08 – Rdz. 13, ju­ris; BAG 18.03.2009 - 10 AZR 281/08 – Rdz. 8, EzA § 242 BGB 2002 Be­trieb­li­che Übung Nr. 9) vor­be­halt­los die Leis­tung er­bringt.
II. Im Streit­fall hat die Be­klag­te dem Kläger zwar je­den­falls in den Jah­ren2005, 2006 und 2007, mit­hin drei­mal, Weih­nachts­geld ge­zahlt. Ei­ne be­trieb­li­che Übung ist den­noch nicht ent­stan­den. Die Leis­tung er­folg­te nämlich un­ter ei­nem rechts­wirk­sa­men Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt mit der Fol­ge, dass der Kläger auf die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des auch in den nächs­ten Jah­ren nicht ver­trau­en konn­te.
1. Mit ei­nem Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt kann der Ar­beit­ge­ber ver­hin­dern, dass ei­ne be­trieb­li­che Übung ent­steht (st.Rspr., vgl. nur BAG 30.07.2008 – 10 AZR 606/07 – Rdz. 28, EzA § 307 BGB 2002 Nr. 38; BAG 01.04.2009 – 10 AZR 393/08 – Rdz. 15, ju­ris). Dar­an hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch nach dem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­rechts am 01.01.2002 fest­ge­hal­ten, mit dem die Be­reichs­aus­nah­me des § 23 Abs. 1 AGBG auf­ge­ge­ben wur­de. Es hat an­ge­nom­men, der Ar­beit­ge­ber sei auf­grund ei­nes kla­ren und verständ­li­chen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts in ei­nem For­mu­lar­ar­beits­ver­trag, der ei­nen Rechts­an­spruch des Ar­beit­neh­mers auf ei­ne Son­der­zah­lung ein­deu­tig aus­sch­ließe, grundsätz­lich in sei­ner Ent­schei­dung frei, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er zum lau­fen­den Ar­beits­ent­gelt ei­ne zusätz­li­che Leis­tung gewähre (BAG 10.12.2008 – 10 AZR 1/08 – Rdz. 12, AP BGB § 307 Nr. 40).
2. Zif­fer 6 Satz 1 des Ar­beits­ver­tra­ges enthält ei­nen sol­chen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt.
a) Der bloße Hin­weis in ei­nem Ar­beits­ver­trag, dass die dort ge­nann­teSon­der­vergütung „frei­wil­lig“ gewährt wird, bringt nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts al­ler­dings noch nicht
un­miss­verständ­lich zum Aus­druck, dass da­mit noch kei­ne Rechts­pflicht zur Zah­lung be­gründet wer­den soll. Er kann auch so ver­stan­den wer­den, dass sich der Ar­beit­ge­ber „frei­wil­lig“ zu die­ser Leis­tung ver­pflich­tet, oh­ne da­zu durch Ta­rif­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder Ge­setz ge­zwun­gen zu sein (BAG 24.10.2007 – 10 AZR 825/06 – Rdz. 17, NZA 2008, 40, 42; BAG 30.07.2008 - 10 AZR 606/07 – Rdz. 12, EzA § 307 BGB 2002 Nr. 38; BAG 21.01.2009 – 10 AZR 219/08 – Rdz. 14, EzA § 307 BGB 2002 Nr. 41). Will ein Ar­beit­ge­ber je­de ver­trag­li­che Bin­dung ver­hin­dern und sich die vol­le Ent­schei­dungs­frei­heit vor­be­hal­ten, muss er das in sei­ner Erklärung ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer un­miss­verständ­lich deut­lich ma­chen, da nach §§ 133, 157 BGB im Zwei­fel der Empfänger­ho­ri­zont maßgeb­lich ist. Das ist nur dann der Fall, wenn der Ar­beit­ge­ber in ei­ner für den Ar­beit­neh­mer un­miss­verständ­li­chen Wei­se - ge­ge­be­nen­falls zu dem Hin­weis auf die Frei­wil­lig­keit der Son­der­zah­lung - kund­ge­tan hat, dass „ein An­spruch nicht her­ge­lei­tet wer­den kann“ (BAG 05.06.1996 – 10 AZR 883/95 – EzA § 611 BGB Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 141) oder „nach wie­der­hol­ter Zah­lung erwächst hier­auf kein An­spruch“ (LAG Hamm 09.06.2005 – 8 Sa 2403/04 – NZA-RR 2005, 160) oder „auch mit ei­ner wie­der­hol­ten Zah­lung kein Rechts­an­spruch für die Zu­kunft be­gründet wird“ (BAG 21.01.2009 – 10 AZR 219/08 - EzA § 307 BGB 2002 Nr. 41) oder die Leis­tung „oh­ne An­er­ken­nung ei­ner Rechts­pflicht“ (BAG 12.01.2000 – 10 AZR 840/98 – EzA § 611 BGB Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 158; vgl. auch LAG Düssel­dorf 31.01.2006 – 6 Sa 1441/05 – LA­GE § 611 BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 6) in Aus­sicht ge­stellt wird.
b) Den ge­nann­ten An­for­de­run­gen genügt der von den Par­tei­en ver­ein­bar­teVor­be­halt. Die Par­tei­en ha­ben sich nicht da­mit be­gnügt, die in Zif­fer 6 ge­nann­ten Son­der­leis­tun­gen als frei­wil­lig zu be­zeich­nen. Viel­mehr ha­ben sie aus­drück­lich ver­ein­bart, dass et­wai­ge Leis­tun­gen frei­wil­lig und „oh­ne je­de recht­li­che Ver­pflich­tung“ er­fol­gen. Da­mit ha­ben sie un­miss­verständ­lich klar­ge­stellt, dass ein An­spruch auf die­se Leis­tun­gen nicht be­ste­hen soll.
3. Der auch das Weih­nachts­geld be­tref­fen­de Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt imAr­beits­ver­trag vom 03.01.1996 ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers
rechts­wirk­sam. Er ist nicht gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam, weil er ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB verstößt.
a) Nach den von der Be­klag­ten nicht mit Ge­genrügen an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Ar­beits­ge­richts han­delt es sich bei den un­ter der Über­schrift „Gra­ti­fi­ka­ti­on“ ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen i.S.v. § 305 Abs. 1 BGB. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind (BAG 24.10.2007 – 10 AZR 825/06 – Rdz. 13, NZA 2008, 40, 41; BAG 19.03.2008 – 5 AZR 429/07 – Rdz. 23, NZA 2008, 757, 759). An­satz­punkt für die nicht am Wil­len der kon­kre­ten Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Ist der Wort­laut ei­nes For­mu­lar­ver­trags nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus der Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss (BAG 19.03.2008 – 5 AZR 429/07 – Rdz. 24, NZA 2008, 757, 759).
b) Bleibt nach Ausschöpfung der Aus­le­gungs­me­tho­den ein nicht be­heb­ba­rer Zwei­fel, geht dies gemäß § 305 c Abs. 2 BGB zu Las­ten des Ver­wen­ders. Die An­wen­dung der Un­klar­hei­ten­re­gel des § 305 c Abs. 2 BGB setzt al­ler­dings vor­aus, dass die Aus­le­gung ei­ner ein­zel­nen AGB-Be­stim­mung min­des­tens zwei Er­geb­nis­se als ver­tret­bar er­schei­nen lässt und von die­sen kei­ne den kla­ren Vor­zug ver­dient. Es müssen „er­heb­li­che Zwei­fel“ an der rich­ti­gen Aus­le­gung be­ste­hen. Die ent­fern­te Möglich­keit, zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis zu kom­men, genügt für die An­wen­dung der Be­stim­mung nicht. § 305 c Abs. 2 BGB ist un­an­wend­bar, wenn sich zwei Klau­seln in­halt­lich wi­der­spre­chen und des­halb un­wirk­sam sind. Wi­dersprüchli­che Klau­seln sind nicht klar und
verständ­lich im Sin­ne des Trans­pa­renz­ge­bots des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Nach die­ser Vor­schrift kann sich ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung auch dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich ist. Sinn des Trans­pa­renz­ge­bo­tes ist es, der Ge­fahr vor­zu­beu­gen, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders von der Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wird. Ein Ver­s­toß ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot liegt des­halb nicht schon dann vor, wenn der Ar­beit­neh­mer kei­ne oder nur ei­ne er­schwer­te Möglich­keit hat, die be­tref­fen­de Re­ge­lung zu ver­ste­hen. Erst in der Ge­fahr, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders we­gen un­klar ab­ge­fass­ter all­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt, liegt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 307 Abs. 1 BGB (BAG 10.12.2008 – 10 AZR 1/08 – Rdz. 15, AP BGB § 307 Nr. 40).
c) Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze verstößt die Re­ge­lung imAr­beits­ver­trag vom 03.01.1996, wo­nach die Zah­lung von Son­der­leis­tun­gen frei­wil­lig und oh­ne je­de recht­li­che Ver­pflich­tung er­folgt, nicht ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Der Wort­laut die­ser Ab­re­de ist für sich ge­nom­men ein­deu­tig. Er schließt ei­nen Rechts­an­spruch auf Son­der­leis­tun­gen und da­mit auch ei­nen Rechts­an­spruch auf Weih­nachts­geld aus. Die­se Re­ge­lung ist auch nicht des­halb un­klar und un­verständ­lich im Sin­ne von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, weil sie zu der in Zif­fer 6 Satz 2 des Ar­beits­ver­tra­ges ge­trof­fe­nen Re­ge­lung - „da­her je­der­zeit oh­ne War­nung ei­ner be­son­de­ren Frist wi­der­ruf­bar“ - in Wi­der­spruch steht.
aa. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 30.07.2008 – 10 AZR 606/07 – (Rdz. 45, EzA § 307 BGB 2002 Nr. 38) ent­schie­den, dass die Kom­bi­na­ti­on ei­nes Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts mit ei­nem Wi­der­rufs­vor­be­halt wi­dersprüchlich sei, und zur Be­gründung aus­geführt, so­weit der Ar­beits­ver­trag von ei­ner „stets wi­der­ruf­ba­ren Leis­tung des Ar­beit­ge­bers“ spre­che, las­se sich die Klau­sel vom Wort­laut her nur da­hin­ge­hend ver­ste­hen, dass der Ar­beit­neh­me­rin ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on zu­ste­he. Der Wi­der­ruf ei­ner Leis­tung durch den Ar­beit­ge­ber setz­te den An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf die Leis­tung
vor­aus. Ha­be der Ar­beit­neh­mer kei­nen An­spruch auf die Leis­tung, ge­he ein Wi­der­ruf der Leis­tung ins Lee­re.
bb. Die­se Grundsätze las­sen sich nicht oh­ne wei­te­res auf den Streit­fallüber­tra­gen. In dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer die Zah­lung ei­ner Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on in Höhe ei­nes mo­nat­li­chen Brut­to­ent­gelts im Ar­beits­ver­trag aus­drück­lich zu­ge­sagt. Da­zu stand der Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt im Wi­der­spruch und die­ser wie­der­um im Wi­der­spruch zu dem wei­te­ren Wi­der­rufs­vor­be­halt, der den An­spruch der Ar­beit­neh­me­rin auf die Leis­tung be­kräftig­te.
cc. Der Streit­fall liegt an­ders. Die Be­klag­te hat dem Kläger im Ar­beits­ver­tragkei­ne Son­der­zah­lung zu­ge­sagt. Sie hat viel­mehr dar­auf hin­ge­wie­sen, dass et­wai­ge künf­ti­ge Zah­lun­gen kei­ne Rechts­pflicht be­gründen. Da­mit konn­te der Kläger von vorn­her­ein nicht dar­auf ver­trau­en, dass die Be­klag­te sich durch die wie­der­hol­te Zah­lung des Weih­nachts­gel­des bin­den woll­te. Der Hin­weis auf die Wi­der­ruf­bar­keit der Leis­tung oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Frist dien­te – aus­ge­hend von dem Verständ­nis ei­nes verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­ners - nur der Stützung des Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts (vgl. BAG 10.05.1995 – 10 AZR 648/94 – EzA § 611 BGB Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 125; LAG Düssel­dorf 30.11.2005 – 12 Sa 1210/05 – LA­GE § 305c BGB 2002 Nr. 3; LAG Düssel­dorf 31.01.2006 – 6 Sa 1441/05 - LA­GE § 611 BGB Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 6). Dies er­gibt sich deut­lich aus dem Wort­laut der Re­ge­lung un­ter Zif­fer 6 Satz 2 des Ar­beits­ver­tra­ges, wo­nach die Leis­tun­gen „da­her....wi­der­ruf­bar“ sind. Die Be­zug­nah­me auf Satz 1 durch den Zu­satz „da­her“ und die dort ge­re­gel­te Frei­wil­lig­keit der Zah­lung zeigt, dass die Wi­der­ruf­bar­keit der Son­der­zah­lung aus de­ren Frei­wil­lig­keit ab­ge­lei­tet wird. Die Par­tei­en ha­ben da­mit kei­nen Wi­der­rufs­vor­be­halt im rechts­tech­ni­schen Sin­ne ver­ein­bart. Die­ser würde das Be­ste­hen ei­nes An­spruchs vor­aus­set­zen. Sie sind viel­mehr auch im Rah­men der ge­re­gel­ten Wi­der­ruf­bar­keit da­von aus­ge­gan­gen, es be­ste­he kein An­spruch auf die Leis­tung. Mit der Wi­der­ruf­bar­keit ha­ben sie letzt­lich nur die Ein­stel­lung der Zah­lung ge­meint. Für die­ses Verständ­nis spricht auch die ver­trag­lich vor­ge­se­he­ne Nicht­ein­hal­tung ei­ner Frist („oh­ne War­nung ei­ner Frist“ - ge­meint
ist of­fen­sicht­lich „oh­ne Wah­rung ei­ner Frist“ -). Dem Wi­der­rufs­vor­be­halt kommt da­mit kei­ne ei­genständi­ge Be­deu­tung zu, viel­mehr geht er ins Lee­re. Zwar mag sich dies nicht so­fort auf den ers­ten Blick er­sch­ließen. Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung i.S.v. § 307 Abs. 1 BGB durch die ver­meint­li­che Wi­dersprüchlich­keit des Frei­wil­lig­keits- und Wi­der­rufs­vor­be­halts schei­det bei die­sem Be­fund je­den­falls aus. Ent­spre­chend den obi­gen Grundsätzen liegt ei­ne sol­che Be­nach­tei­li­gung nämlich erst in der Ge­fahr, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders we­gen un­klar ab­ge­fass­ter All­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt. Die­se Ge­fahr be­stand im Streit­fall nicht, da dem Kläger im Ar­beits­ver­trag die Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des ge­ra­de nicht zu­ge­sagt war.
4. Der klar und verständ­lich for­mu­lier­te Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt, der je­denRechts­an­spruch für die Zu­kunft aus­sch­ließt, hält auch der Kon­trol­le nach § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB stand (vgl. BAG 30.07.2008 – 10 AZR 606/07 – EzA § 307 BGB 2002 Nr. 38; BAG 18.03.2009 – 10 AZR 289/08 – Rdz. 21, EzA § 307 BGB 2002 Nr. 43).
III. Auf ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung we­gen Un­wirk­sam­keit desFrei­wil­lig­keits­vor­be­halts kam es da­nach nicht an. Es konn­te des­halb da­hin­ge­stellt blei­ben, ob ei­ne sol­che über­haupt möglich wäre. Nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts spricht viel dafür, dass ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung aus­schei­det, wenn der Ar­beit­ge­ber nicht den Ver­such ge­macht hat, die un­wirk­sa­me Ver­trags­klau­sel mit den Mit­teln des Ver­trags­rechts in­ner­halb der vom Ge­setz­ge­ber ein­geräum­ten Über­g­angs­frist bis zum 1. Ja­nu­ar 2003 wirk­sam zu ge­stal­ten (BAG 11.02.2009 – 10 AZR 222/08 – ju­ris).
Die Kos­ten des Rechts­streits trägt gemäß § 91 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 64 Abs. 6 ArbGG der Kläger als un­ter­le­ge­ne Par­tei.
Die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt war nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen, da die Rechts­sa­che grundsätz­li­che Be­deu­tung hat.
Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim
gez.: Gött­ling gez:. Gra­vi­us gez.: Nor­bis­rath	m.hensche.de
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 § 611
 § 242
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 § 23
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 § 72