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Timestamp: 2019-06-16 07:46:20+00:00

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4A_68/2007 - 2007-06-04 - Vertragsrecht - Zusatzversicherung
Für Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung ist hingegen von Bundesrechts wegen nicht eine einzige kantonale Instanz vorgeschrieben. Art. 85 Abs. 1 VAG verlangt lediglich, dass privatrechtliche Streitigkeiten durch "das Gericht" ("le juge") entschieden werden; gemeint sind ordentliche Gerichte (oder Schiedsgerichte) und nicht eine Verwaltungsbehörde (vgl. zu Art. 47 aVAG vom 5. Mai 1976, der Art. 85 VAG entspricht [BBl 2003 3789, 3839]: BGE 125 III 461 E. 2 S. 464; BBl 1976 II 917). Es wird aber nicht vorgeschrieben, dass das Gericht als einzige kantonale Instanz entscheidet. Art. 85 Abs. 2 VAG statuiert sodann für Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung ein einfaches und rasches Verfahren und die Untersuchungsmaxime analog den Bestimmungen für gewisse Mietrechts- und Arbeitsrechtsstreitigkeiten (Art. 274d und Art. 343 OR; vgl. BGE 127 III 421 E. 2 S. 424 mit Hinweisen). Aus diesen Verfahrensvorschriften ergibt sich aber keine Verpflichtung der Kantone, eine einzige kantonale Instanz vorzusehen. Der Fall von Art. 74 Abs. 2 lit. b BGG, wonach die Beschwerde in Zivilsachen bei nicht erreichtem Streitwerterfordernis dennoch zulässig ist, wenn ein Bundesgesetz eine
einzige kantonale Instanz vorschreibt, liegt demnach nicht vor.
Daran ändert nichts, dass im Kanton Zürich - wie der Beschwerdeführer vorbringt - über Klagen aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach der geltenden kantonalen Prozessordnung lediglich eine Instanz entscheidet. Die Kantone sind frei, ob sie ein Sozialversicherungsgericht oder ein Zivilgericht mit solchen Streitigkeiten betrauen (vgl. BGE 125 III 461 E. 2 S. 464). Im Kanton Zürich ist das Sozialversicherungsgericht zuständig (§ 2 lit. b des Gesetzes des Kantons Zürich vom 7. März 1993 über das Sozialversicherungsgericht [GSVGer]). Dieses nimmt zwar von der Einbettung in die zürcherische Gerichtsorganisation her die Stellung eines oberen Gerichts ein (vgl. Urteil 5C.94/1998 vom 15. Juni 1998 E. 2b). Es fungiert aber in den vorliegend interessierenden Streitigkeiten nicht als Rechtsmittelinstanz. Dies kollidiert mit dem Prinzip der "double instance", wie es das Bundesgerichtsgesetz für Zivilsachen vorschreibt (Art. 75 Abs. 2 Satz 2 BGG), und erfordert zu gegebener Zeit eine Anpassung der kantonalen Ordnung (Art. 130 Abs. 2 BGG). Es ändert aber nichts daran, dass für Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung kein Bundesgesetz eine einzige kantonale Instanz vorschreibt und demnach
die Beschwerdemöglichkeit nach Art. 74 Abs. 2 lit. b BGG entfällt.
Entscheid : 4A_68/2007
Publiziert : 12. Juli 2007
Status : Publiziert als BGE-133-III-439
Regeste : Zusatzversicherung
beschwerde in zivilsachen • zusatzversicherung • bundesgericht • einzelrichter • vorinstanz • rechtsmittel • bundesgesetz über das bundesgericht • sachverhalt • iv-stelle • streitwert • anspruch auf rechtliches gehör • bundesgesetz über kartelle und andere wettbewerbsbeschränkungen • bundesgesetz betreffend die aufsicht über versicherungsunternehmen • bundesgesetz über den versicherungsvertrag • bundesgesetz über die krankenversicherung • vermögensrechtliche angelegenheit • rechtsfrage von grundsätzlicher bedeutung • weiler • dreiviertelsrente • einfaches und rasches verfahren
115-IA-12 • 118-IA-20 • 124-III-44 • 125-III-461 • 126-I-97 • 127-III-421 • 129-I-232 • 130-I-26 • 130-II-530 • 131-III-667 • 132-III-291
BGG: 42, 66, 68, 74, 75, 106, 113, 114, 116, 117, 118, 130, 132

References: Art. 85
 Art. 47
 Art. 85
 BGE 
 Art. 85
 Art. 343
 BGE 
 Art. 74
 BGE 
 Art. 74