Source: http://m.hensche.de/Urteile_Arbeitsrecht_Massenentlassung_Konzern_Konsultation_EuGH_C-44/08.html
Timestamp: 2017-01-18 07:55:46+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: C-44/08
C-44/08
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 2 der Richt­li­nie 98/59/EG des Ra­tes vom 20. Ju­li 1998 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen (ABl. L 225, S. 16).
Am 17. Fe­bru­ar 1975 er­ließ der Rat der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten die Richt­li­nie 75/129/EWG zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen (ABl. L 48, S. 29), geändert durch die Richt­li­nie 92/56/EWG des Ra­tes vom 24. Ju­ni 1992 (ABl. L 245, S. 3).
Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 be­stimmt: „Be­ab­sich­tigt ein Ar­beit­ge­ber, Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­zu­neh­men, so hat er die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter recht­zei­tig zu kon­sul­tie­ren, um zu ei­ner Ei­ni­gung zu ge­lan­gen.“
Art. 2 Abs. 3 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 98/59 sieht vor, dass der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern im Ver­lauf der Kon­sul­ta­tio­nen recht­zei­tig die zweck­dien­li­chen Auskünf­te er­teilt und ih­nen die in die­sem Ab­satz ge­nann­ten An­ga­ben über­mit­telt, da­mit sie kon­struk­ti­ve Vor­schläge un­ter­brei­ten können.
Gemäß § 6 Abs. 3 und 3b des Ge­set­zes über die Zu­sam­men­ar­beit gilt das Ver­fah­ren der in­ner­be­trieb­li­chen Zu­sam­men­ar­beit für die Sch­ließung oder die Ver­le­gung des Un­ter­neh­mens oder ei­nes Teils des­sel­ben an ei­nen an­de­ren Stand­ort und für ei­ne Er­wei­te­rung oder ei­ne er­heb­li­che Ver­rin­ge­rung sei­ner Tätig­keit, ins­be­son­de­re Teil­zeit­beschäfti­gun­gen, Be­ur­lau­bun­gen und Ent­las­sun­gen aus Pro­duk­ti­ons- und wirt­schaft­li­chen Gründen.
Gemäß § 7 Abs. 1 die­ses Ge­set­zes muss der Ar­beit­ge­ber vor ei­ner Ent­schei­dung über ei­ne An­ge­le­gen­heit im Sin­ne von § 6 die Ar­bei­ter und An­ge­stell­ten bzw. die Be­leg­schafts­ver­tre­ter hin­sicht­lich der Gründe, Aus­wir­kun­gen und Al­ter­na­ti­ven der Maßnah­me kon­sul­tie­ren. Gemäß § 7 Abs. 2 des Ge­set­zes hat der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mern und Be­leg­schafts­ver­tre­tern vor Ein­lei­tung des Ver­fah­rens zur in­ner­be­trieb­li­chen Zu­sam­men­ar­beit die er­for­der­li­chen Auskünf­te zu er­tei­len. Die­se Auskünf­te, wie et­wa über die Gründe der ge­plan­ten Ent­las­sung, die geschätz­te Zahl der von der Ent­las­sung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer un­ter­schied­li­cher Ka­te­go­ri­en, der geschätz­te Zeit­raum, in dem die ge­plan­ten Ent­las­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den sol­len, so­wie Auskünf­te über die Grundsätze, nach de­nen die von den Ent­las­sun­gen be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer aus­gewählt wer­den, sind schrift­lich mit­zu­tei­len, wenn der Ar­beit­ge­ber be­ab­sich­tigt, min­des­tens zehn Ar­bei­ter oder An­ge­stell­te zu ent­las­sen, für mehr als 90 Ta­ge zu be­ur­lau­ben oder in Teil­zeit zu beschäfti­gen. 14.
Gemäß § 7a Abs. 1 des Ge­set­zes über die Zu­sam­men­ar­beit ist der Vor­schlag zur Durchführung von Kon­sul­ta­tio­nen in ei­ner An­ge­le­gen­heit im Sin­ne von § 6 Abs. 1 bis 5 min­des­tens fünf Ta­ge vor Be­ginn der Kon­sul­ta­tio­nen schrift­lich vor­zu­le­gen, wenn die zu be­han­deln­de Maßnah­me of­fen­sicht­lich zur Ent­las­sung, Beschäfti­gung in Teil­zeit oder Be­ur­lau­bung ei­nes oder meh­re­rer Ar­beit­neh­mer führt. 15.
Be­trifft der Vor­schlag zur Durchführung von Kon­sul­ta­tio­nen nach § 7a des Ge­set­zes über die Zu­sam­men­ar­beit Maßnah­men zur Ent­las­sung von Ar­beits­kräften, so sind gemäß § 7b die­ses Ge­set­zes die­ser Vor­schlag oder die sich dar­aus er­ge­ben­den Umstände bei Be­ginn der Kon­sul­ta­tio­nen den Ar­beits­ver­mitt­lungs­stel­len schrift­lich an­zu­zei­gen, so­fern nicht be­reits früher ent­spre­chen­de Auskünf­te in ei­nem an­de­ren Zu­sam­men­hang er­teilt wur­den. Falls im Zu­ge der Kon­sul­ta­tio­nen er­hal­te­ne In­for­ma­tio­nen we­sent­lich von früher über­mit­tel­ten In­for­ma­tio­nen ab­wei­chen, hat der Ar­beit­ge­ber je­ne den Ar­beits­markt­behörden mit­zu­tei­len. 16.
Gemäß § 15a des Ge­set­zes über die Zu­sam­men­ar­beit hat ein Ar­beit­neh­mer, wenn ei­ne Ent­schei­dung vorsätz­lich oder of­fen­sicht­lich fahrlässig un­ter Ver­s­toß ge­gen § 7 Abs. 1 bis 3, § 7a oder § 8 die­ses Ge­set­zes er­las­sen wur­de und er aus mit die­ser Ent­schei­dung zu­sam­menhängen­den Gründen in Teil­zeit beschäftigt, be­ur­laubt oder ent­las­sen wird, ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch in Höhe von bis zu 20 Mo­natslöhnen. Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­la­ge­fra­gen
Nach der Zu­sam­men­le­gung des Com­pu­ter­geschäfts der Fu­jit­su Ltd und der Sie­mens AG zu ei­nem Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men nahm der Kon­zern Fu­jit­su Sie­mens Com­pu­ters am 1. Ok­to­ber 1999 sei­ne Tätig­keit auf.
FSC ist ei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft der Fu­jit­su Sie­mens Com­pu­ters (Hol­ding) BV (im Fol­gen­den: Mut­ter­ge­sell­schaft) mit Sitz in den Nie­der­lan­den. Zum ge­nann­ten Zeit­punkt hat­te die­ser Kon­zern Pro­duk­ti­onsstätten in Es­poo (Ki­lo) (Finn­land) so­wie in Augs­burg, Pa­der­born und Sömmer­da (Deutsch­land).
Am 7. De­zem­ber 1999 be­schloss der aus den geschäftsführen­den Mit­glie­dern des Auf­sichts­rats be­ste­hen­de Vor­stand der Mut­ter­ge­sell­schaft, die­sem Auf­sichts­rat vor­zu­schla­gen, sich vom Werk Ki­lo zu tren­nen.
In der Auf­sichts­rats­sit­zung vom 14. De­zem­ber 1999 wur­de ent­schie­den, dem Vor­schlag des Vor­stands zu fol­gen; über das Werk Ki­lo wur­de je­doch kei­ne kon­kre­te Ent­schei­dung ge­trof­fen.
Am sel­ben Tag schlug FSC Kon­sul­ta­tio­nen vor, die zwi­schen dem 20. De­zem­ber 1999 und 31. Ja­nu­ar 2000 statt­fan­den.
Der Auf­sichts­rat von FSC, zu dem hauptsächlich die Geschäftsführer des Kon­zerns und der als Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der am­tie­ren­de stell­ver­tre­ten­de Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de der Mut­ter­ge­sell­schaft des Kon­zerns gehörten, be­schloss am 1. Fe­bru­ar 2000, die Tätig­kei­ten der Ge­sell­schaft mit Aus­nah­me des Ver­triebs von Com­pu­tern in Finn­land ein­zu­stel­len. FSC be­gann am 8. Fe­bru­ar 2000 mit der Ent­las­sung ih­rer Ar­beit­neh­mer. Ins­ge­samt wur­den et­wa 450 der 490 von die­ser Ge­sell­schaft beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ent­las­sen.
Ei­ni­ge die­ser Ar­beit­neh­mer mach­ten gel­tend, dass FSC mit den En­de 1999 und An­fang 2000 ge­trof­fe­nen Ent­schei­dun­gen über die Sch­ließung des Werks in Ki­lo ge­gen das Ge­setz über die Zu­sam­men­ar­beit ver­s­toßen ha­be. Sie über­tru­gen ih­re For­de­run­gen hin­sicht­lich der nach die­sem Ge­setz vor­ge­se­he­nen Ab­fin­dung zur ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung auf die Kläger, bei de­nen es sich um Ge­werk­schaf­ten han­delt. Die­se wand­ten sich hier­zu an das Es­poon käräjäoi­keus (Ge­richt ers­ter In­stanz Es­poo).
In dem Ver­fah­ren vor dem Es­poon käräjäoi­keus tru­gen die Kläger vor, dass im Auf­sichts­rat der Mut­ter­ge­sell­schaft in Wirk­lich­keit spätes­tens am 14. De­zem­ber 1999 endgültig ent­schie­den wor­den sei, den Be­trieb des Werks in Ki­lo ein­zu­schränken und es von der Tätig­keit für den Kon­zern vor de­ren Ver­la­ge­rung nach Deutsch­land zu ent­bin­den, so dass die­se Pro­duk­ti­ons­an­la­ge nicht mehr zum Kon­zern ha­be gehören sol­len. Die ei­gent­li­che Ent­schei­dung sei am 14. De­zem­ber 1999 ge­trof­fen wor­den, be­vor die nach dem Ge­setz über die Zu­sam­men­ar­beit vor­ge­schrie­be­nen Kon­sul­ta­tio­nen statt­ge­fun­den hätten. Die Be­klag­te ha­be so­mit vorsätz­lich oder of­fen­sicht­lich fahrlässig ge­gen die­ses Ge­setz ver­s­toßen.
FSC be­haup­tet dem­ge­genüber, dass in der Sit­zung des Auf­sichts­rats der Mut­ter­ge­sell­schaft vom 14. De­zem­ber 1999 kei­ne Ent­schei­dung über den Pro­duk­ti­ons­stand­ort ge­trof­fen wor­den sei und dass es noch an­de­re Al­ter­na­ti­ven ge­ge­ben ha­be, z. B., die Tätig­keit un­verändert oder in ein­ge­schränk­ter Wei­se fort­zu­set­zen, den Be­trieb zu ver­kau­fen oder ihn zu­sam­men mit ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men fort­zuführen. Außer­dem set­ze der Be­griff „Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers“ ei­nen Ein­griff des zuständi­gen Or­gans der be­trof­fe­nen Ge­sell­schaft, hier al­so des Auf­sichts­rats, vor­aus, und die Ent­schei­dung über die Be­en­di­gung der Tätig­keit sei am 1. Fe­bru­ar 2000, d. h., nach Ab­schluss der Kon­sul­ta­tio­nen, ge­trof­fen wor­den.
Das Es­poon käräjäoi­keus stell­te fest, dass die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens nicht dar­ge­legt hätten, dass der Auf­sichts­rat der Mut­ter­ge­sell­schaft über die Sch­ließung der Pro­duk­ti­onsstätte in Ki­lo in ei­ner Wei­se ent­schie­den hätte, dass die Wech­sel­be­zie­hung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mern im be­klag­ten Un­ter­neh­men nicht im Sin­ne des Ge­set­zes über die Zu­sam­men­ar­beit hätte ver­wirk­licht wer­den können. Es ha­be ech­te Al­ter­na­ti­ven zur Sch­ließung die­ser Pro­duk­ti­onsstätte ge­ge­ben, und die­se Al­ter­na­ti­ven sei­en in den Kon­sul­ta­tio­nen ge­prüft wor­den. Das Ge­richt kam zu dem Er­geb­nis, dass die Ent­schei­dung über die­se Sch­ließung in der Auf­sichts­rats­sit­zung von FSC am 1. Fe­bru­ar 2000 ge­trof­fen wor­den sei, nach­dem es sich als unmöglich her­aus­ge­stellt ha­be, an­de­re Al­ter­na­ti­ven zu fin­den, und dass ech­te und sach­ge­rech­te Kon­sul­ta­tio­nen statt­ge­fun­den hätten, und wies die Kla­ge ab.
Im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren bestätig­te das Hel­sin­gin ho­vioi­keus (Be­ru­fungs­ge­richt Hel­sin­ki) das Ur­teil des Es­poon käräjäoi­keus un­ter Hin­weis dar­auf, dass al­lein der Ar­beit­ge­ber, d. h. die Be­klag­te des Aus­gangs­ver­fah­rens, die endgülti­ge Ent­schei­dung im Sin­ne von § 7 Abs. 1 des Ge­set­zes über die Zu­sam­men­ar­beit ha­be tref­fen können und dass die von der Mut­ter­ge­sell­schaft vor­ge­leg­ten Pläne nicht der nach die­sem Ge­setz vor­ge­se­he­nen Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht un­ter­le­gen hätten.
FSC trägt vor, die ers­ten vier Vor­la­ge­fra­gen sei­en un­zulässig, weil sie in kei­nem Zu­sam­men­hang mit dem Aus­gangs­rechts­streit stünden. Da der Zeit­punkt, zu dem die Kon­sul­ta­tio­nen mit den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern be­gin­nen müss­ten, die Anträge, die die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens beim vor­le­gen­den Ge­richt ge­stellt hätten, nicht berühre, sei ei­ne Ant­wort auf die­se Fra­gen für die Ent­schei­dung des Aus­gangs­ver­fah­rens nicht er­for­der­lich. Außer­dem würde sich die Prüfung des Er­su­chens in­so­fern auf ei­ne hy­po­the­ti­sche Si­tua­ti­on be­zie­hen.
In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass in ei­nem Ver­fah­ren nach Art. 234 EG nur das na­tio­na­le Ge­richt, das mit dem Rechts­streit be­fasst ist und in des­sen Ver­ant­wor­tungs­be­reich die zu er­las­sen­de Ent­schei­dung fällt, im Hin­blick auf die Be­son­der­hei­ten der Rechts­sa­che so­wohl die Er­for­der­lich­keit ei­ner Vor­ab­ent­schei­dung für den Er­lass sei­nes Ur­teils als auch die Er­heb­lich­keit der dem Ge­richts­hof vor­zu­le­gen­den Fra­gen zu be­ur­tei­len hat. Da­her ist der Ge­richts­hof grundsätz­lich ge­hal­ten, über ihm vor­ge­leg­te Fra­gen zu be­fin­den, wenn die­se die Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts be­tref­fen (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 18. Ju­li 2007, Luc­chi­ni, C‑119/05, Slg. 2007, I‑6199, Rand­nr. 43, und vom 16. Ju­li 2009, Mo­no Car Sty­ling, C‑12/08, Slg. 2009, I‑0000, Rand­nr. 27).
Der Ge­richts­hof kann dem­nach ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen ei­nes na­tio­na­len Ge­richts nur zurück­wei­sen, wenn die er­be­te­ne Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts of­fen­sicht­lich in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Rea­lität oder dem Ge­gen­stand des Aus­gangs­rechts­streits steht, wenn das Pro­blem hy­po­the­ti­scher Na­tur ist oder wenn der Ge­richts­hof nicht über die tatsächli­chen und recht­li­chen An­ga­ben verfügt, die für ei­ne zweck­dien­li­che Be­ant­wor­tung der ihm vor­ge­leg­ten Fra­gen er­for­der­lich sind (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 4. De­zem­ber 2008, Zablo­cka-Weyhermüller, C‑221/07, Slg. 2008, I‑0000, Rand­nr. 20, und Mo­no Car Sty­ling, Rand­nr. 28).
Im vor­lie­gen­den Fall ist je­doch fest­zu­stel­len, dass das na­tio­na­le Ge­richt dem Ge­richts­hof ein­ge­hend den Sach­ver­halt und den recht­li­chen Rah­men des Aus­gangs­rechts­streits so­wie die Gründe dar­ge­legt hat, aus de­nen es der An­sicht ist, dass ei­ne Ant­wort auf die ers­ten vier Vor­la­ge­fra­gen für den Er­lass sei­ner Ent­schei­dung er­for­der­lich ist.
Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, wie der Aus­druck „[b]eab­sich­tigt …, Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­zu­neh­men“ in Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 auf­zu­fas­sen ist, um be­stim­men zu können, wann die nach die­sem Ar­ti­kel vor­ge­se­he­ne Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht be­ginnt. Es wirft da­zu die Fra­ge auf, ob die­se Ver­pflich­tung zu dem Zeit­punkt ent­steht, zu dem fest­ge­stellt wird, dass sich aus stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen oder Ände­run­gen der Geschäftstätig­keit des Un­ter­neh­mens die Not­wen­dig­keit von Mas­sen­ent­las­sun­gen er­gibt, oder zu dem Zeit­punkt, zu dem der Er­lass der­ar­ti­ger Ent­schei­dun­gen oder Ände­run­gen be­ab­sich­tigt wird, als de­ren Fol­ge die Not­wen­dig­keit sol­cher Ent­las­sun­gen zu er­war­ten ist.
Zunächst ist fest­zu­stel­len, dass es in der vor­lie­gen­den Rechts­sa­che um wirt­schaft­li­che und geschäft­li­che Ent­schei­dun­gen geht, die sich auf die Ar­beitsplätze ei­ner be­stimm­ten An­zahl von Ar­beit­neh­mern in­ner­halb ei­nes Un­ter­neh­mens aus­wir­ken können, und nicht um Ent­schei­dun­gen, die un­mit­tel­bar dar­auf ge­rich­tet sind, be­stimm­te Beschäfti­gungs­verhält­nis­se zu be­en­den.
Da­zu ist zu be­mer­ken, dass – wie sich aus dem Wort­laut des Art. 2 Abs. 1 und des Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 er­gibt – die Kon­sul­ta­ti­ons- und An­zei­ge­pflich­ten vor ei­ner Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers zur Kündi­gung von Ar­beits­verträgen ent­ste­hen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 27. Ja­nu­ar 2005, Junk, C‑188/03, Slg. 2005, I‑885, Rand­nrn. 36 und 37). In ei­nem sol­chen Fall be­steht nämlich noch die Möglich­keit, Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder zu­min­dest ih­re Zahl zu be­schränken oder ih­re Fol­gen zu mil­dern.
Nach Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 ist der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter recht­zei­tig zu kon­sul­tie­ren, wenn er „be­ab­sich­tigt, … Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­zu­neh­men“. Wie der Ge­ne­ral­an­walt in den Nrn. 48 und 49 sei­ner Schluss­anträge fest­ge­stellt hat, er­gibt ein Ver­gleich der ver­schie­de­nen Sprach­fas­sun­gen die­ser Vor­schrift, dass der Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber das Ent­ste­hen der frag­li­chen Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht von der Ab­sicht des Ar­beit­ge­bers, Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­zu­neh­men, abhängig ma­chen woll­te.
Al­ler­dings löst die Richt­li­nie 98/59, wie sich aus ih­rem Wort­laut er­gibt, Pflich­ten, ins­be­son­de­re die in ih­rem Art. 2 vor­ge­se­he­ne Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht, auch in Fällen aus, in de­nen sich der Ar­beit­ge­ber nicht un­mit­tel­bar für Mas­sen­ent­las­sun­gen ent­schei­det.
Art. 2 Abs. 4 die­ser Richt­li­nie ver­pflich­tet den Ar­beit­ge­ber nämlich selbst dann zur Ein­hal­tung der sich aus die­ser Richt­li­nie er­ge­ben­den In­for­ma­ti­ons- und Kon­sul­ta­ti­ons­pflich­ten, wenn die Ent­schei­dung über die Mas­sen­ent­las­sun­gen nicht vom Ar­beit­ge­ber, son­dern von ei­nem die­sen be­herr­schen­den Un­ter­neh­men ge­trof­fen wur­de, und zwar auch dann, wenn er von die­ser Ent­schei­dung nicht un­verzüglich und ord­nungs­gemäß in Kennt­nis ge­setzt wur­de.
Außer­dem könn­te, wie die Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs zu­tref­fend be­merkt, ein vor­zei­ti­ges Ent­ste­hen der Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht Fol­gen ha­ben, die dem Zweck der Richt­li­nie 98/59 zu­wi­der­lau­fen, z. B. ei­ne Be­schränkung der Fle­xi­bi­lität der Un­ter­neh­men in Be­zug auf ih­re Um­struk­tu­rie­rung, ei­ne Verschärfung der ad­mi­nis­tra­ti­ven Zwänge und bei den Ar­beit­neh­mern ei­nen unnöti­gen An­lass zur Sor­ge um die Si­cher­heit ih­res Ar­beits­plat­zes.
Der Sinn und Zweck so­wie die Ef­fi­zi­enz der Kon­sul­ta­tio­nen mit den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern schließlich set­zen vor­aus, dass die Kri­te­ri­en fest­ge­legt wer­den, die im Zu­ge die­ser Kon­sul­ta­tio­nen zu berück­sich­ti­gen sind, denn es ist nicht möglich, Kon­sul­ta­tio­nen in an­ge­mes­se­ner Wei­se und im Ein­klang mit ih­ren Zie­len durch­zuführen, wenn es an ein­schlägi­gen Kri­te­ri­en für be­ab­sich­tig­te Mas­sen­ent­las­sun­gen fehlt. Die­se Zie­le be­ste­hen gemäß dem Wort­laut von Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 98/59 dar­in, Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder zu­min­dest zu be­schränken oder de­ren Fol­gen zu mil­dern (vgl. Ur­teil Junk, Rand­nr. 38). Ist ei­ne Ent­schei­dung, von der an­ge­nom­men wird, dass sie zu Mas­sen­ent­las­sun­gen führen wird, nur be­ab­sich­tigt und sind die­se da­her nur wahr­schein­lich und die ein­schlägi­gen Fak­to­ren für Kon­sul­ta­tio­nen nicht be­kannt, so können die­se Zie­le nicht er­reicht wer­den.
Würde da­ge­gen das Ent­ste­hen der in Art. 2 der Richt­li­nie 98/59 vor­ge­se­he­nen Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht vom Er­lass ei­ner stra­te­gi­schen oder be­triebs­wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dung abhängig ge­macht, die Mas­sen­ent­las­sun­gen er­for­der­lich macht, so würde die­ser Pflicht da­durch teil­wei­se ih­re prak­ti­sche Wirk­sam­keit ge­nom­men. Aus Art. 2 Abs. 2 Un­terabs. 1 die­ser Be­stim­mung er­gibt sich nämlich, dass sich die Kon­sul­ta­tio­nen ins­be­son­de­re auf die Möglich­keit er­stre­cken sol­len, ge­plan­te Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder zu be­schränken. Ei­ne Kon­sul­ta­ti­on, die be­ginnt, ob­wohl be­reits ei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen wur­de, die der­ar­ti­ge Mas­sen­ent­las­sun­gen not­wen­dig macht, könn­te sich nicht mehr auf die Prüfung et­wai­ger Al­ter­na­ti­ven er­stre­cken, um die­se Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­mei­den.
Dem­nach ist auf die ers­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass in­ner­halb ei­nes Kon­zerns der Er­lass von stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen oder Ände­run­gen der Geschäftstätig­keit, die den Ar­beit­ge­ber zwin­gen, Mas­sen­ent­las­sun­gen ins Au­ge zu fas­sen oder zu pla­nen, bei die­sem Ar­beit­ge­ber die Pflicht zur Kon­sul­ta­ti­on der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ent­ste­hen lässt. Zur zwei­ten Fra­ge
Der Wort­laut die­ser Vor­schrift bringt klar zum Aus­druck, dass der Ar­beit­ge­ber die be­tref­fen­den Auskünf­te den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern „recht­zei­tig im Ver­lauf der Kon­sul­ta­tio­nen“ er­tei­len muss, „[d]amit die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter kon­struk­ti­ve Vor­schläge un­ter­brei­ten können“.
Aus die­ser Vor­schrift folgt, dass die­se Auskünf­te im Ver­lauf und nicht un­be­dingt zum Zeit­punkt der Eröff­nung der Kon­sul­ta­tio­nen zu er­tei­len sind.
Wie der Ge­ne­ral­an­walt in den Nrn. 64 und 65 sei­ner Schluss­anträge fest­ge­stellt hat, hat der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mern nämlich nach dem Grund­ge­dan­ken die­ser Vor­schrift während der ge­sam­ten Kon­sul­ta­tio­nen die re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen mit­zu­tei­len. Ei­ne fle­xi­ble Hand­ha­bung ist er­for­der­lich, weil die Auskünf­te zu un­ter­schied­li­chen Zeit­punk­ten des Kon­sul­ta­ti­ons­pro­zes­ses zur Verfügung ste­hen können, was be­deu­tet, dass der Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit und die Pflicht hat, die Auskünf­te im Lau­fe die­ses Ver­fah­rens zu ver­vollständi­gen. Die­se Pflicht des Ar­beit­ge­bers hat außer­dem den Zweck, den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern die Möglich­keit ei­ner möglichst weit­ge­hen­den und ef­fek­ti­ven Be­tei­li­gung am Ent­schei­dungs­pro­zess zu ge­ben, und hierfür ist es er­for­der­lich, dass al­le ein­schlägi­gen In­for­ma­tio­nen bis zum Ab­schluss des ge­nann­ten Ver­fah­rens er­teilt wer­den.
Dar­aus folgt, dass der Be­ginn der Kon­sul­ta­tio­nen nicht da­von abhängen kann, ob der Ar­beit­ge­ber be­reits in der La­ge ist, den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern al­le in Art. 2 Abs. 3 Un­terabs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 98/59 ge­nann­ten In­for­ma­tio­nen zu lie­fern.
Des­halb ist auf die zwei­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass das Ent­ste­hen der Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, Kon­sul­ta­tio­nen über die be­ab­sich­tig­ten Mas­sen­ent­las­sun­gen auf­zu­neh­men, nicht vor­aus­setzt, dass die­ser be­reits in der La­ge ist, den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern al­le Auskünf­te gemäß Art. 2 Abs. 3 Un­terabs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 98/59 zu gewähren. Zur drit­ten und zur vier­ten Fra­ge
Mit der drit­ten und der vier­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu be­ant­wor­ten sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 4 der Richt­li­nie 98/59 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Fall ei­nes Kon­zerns, be­ste­hend aus ei­ner Mut­ter­ge­sell­schaft und ei­ner oder meh­re­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, die Pflicht zur Kon­sul­ta­ti­on der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ent­steht, wenn ent­we­der der Ar­beit­ge­ber oder die ihn be­herr­schen­de Mut­ter­ge­sell­schaft Mas­sen­ent­las­sun­gen be­ab­sich­tigt, und ob die Ver­pflich­tung zur Auf­nah­me der Kon­sul­ta­tio­nen vor­aus­setzt, dass die Toch­ter­ge­sell­schaft, bei der es zu Mas­sen­ent­las­sun­gen kom­men könn­te, be­nannt wor­den ist.
Da­zu ist zu be­ach­ten, dass nach Art. 2 Abs. 1 und 3 so­wie Art. 3 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 98/59 die In­for­ma­ti­ons-, Kon­sul­ta­ti­ons- und Mel­de­pflich­ten al­lein den Ar­beit­ge­ber tref­fen, d. h. ei­ne natürli­che oder ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son, mit der die Ar­beit­neh­mer, die ent­las­sen wer­den könn­ten, in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen.
Ein den Ar­beit­ge­ber be­herr­schen­des Un­ter­neh­men hat, selbst wenn es Ent­schei­dun­gen tref­fen kann, die für die­sen ver­bind­lich sind, nicht die Ar­beit­ge­ber­ei­gen­schaft.
Wie die Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten ausführt, ist zum ei­nen die Or­ga­ni­sa­ti­on der Lei­tung ei­nes Kon­zerns ei­ne in­ter­ne An­ge­le­gen­heit und hat zum an­de­ren die Richt­li­nie 98/59 eben­so wie die Richt­li­nie 75/129 nicht zum Ziel, die Frei­heit ei­nes sol­chen Kon­zerns, sei­ne Tätig­kei­ten so zu or­ga­ni­sie­ren, wie es ihm am be­darfs­ge­rech­tes­ten er­scheint, ein­zu­schränken (vgl. in die­sem Sin­ne zur Richt­li­nie 75/129, Ur­teil vom 7. De­zem­ber 1995, Rock­fon, C‑449/93, Slg. 1995, I‑4291, Rand­nr. 21).
Der Ge­richts­hof hat fest­ge­stellt, dass die Richt­li­nie 98/59 eben­so wie die Richt­li­nie 75/129 nur ei­ne Teil­har­mo­ni­sie­rung der Vor­schrif­ten über den Schutz der Ar­beit­neh­mer bei Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­nimmt. Sie soll al­so die na­tio­na­len Sys­te­me der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung in ei­nem Be­trieb nicht vollständig har­mo­ni­sie­ren (vgl. zur Richt­li­nie 75/129 Ur­teil vom 8. Ju­ni 1994, Kom­mis­si­on/Ver­ei­nig­tes König­reich, C‑383/92, Slg. 1994, I‑2479, Rand­nr. 25 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Im Rah­men die­ser Teil­har­mo­ni­sie­rung woll­te der Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber, wor­auf die Kläger hin­wei­sen, durch den Er­lass der Richt­li­nie 92/56 und so­dann der Richt­li­nie 98/59 ei­ne in sei­ner vor­he­ri­gen Re­ge­lung be­ste­hen­de Lücke schließen und die Pflich­ten der Ar­beit­ge­ber erläutern, die zu ei­nem Kon­zern gehören. So be­stimmt Art. 2 Abs. 4 der Richt­li­nie 98/59, dass die Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht des Ar­beit­ge­bers un­abhängig da­von gilt, ob die Ent­schei­dung über die Mas­sen­ent­las­sun­gen von die­sem oder von ei­nem ihn be­herr­schen­den Un­ter­neh­men ge­trof­fen wur­de.
Des­halb ist Art. 2 Abs. 1 und 4 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 98/59 da­hin aus­zu­le­gen, dass un­abhängig da­von, ob die Mas­sen­ent­las­sun­gen auf­grund ei­ner Ent­schei­dung des Un­ter­neh­mens, das die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer beschäftigt, oder auf­grund ei­ner Ent­schei­dung sei­ner Mut­ter­ge­sell­schaft be­ab­sich­tigt oder ge­plant sind, stets das erst­ge­nann­te Un­ter­neh­men als Ar­beit­ge­ber zur Auf­nah­me der Kon­sul­ta­tio­nen mit den Ver­tre­tern sei­ner Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet ist.
Was den Zweck die­ser Kon­sul­ta­tio­nen an­geht, so um­fasst die­ser zu­dem zu­min­dest die Möglich­keit, Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder zu be­schränken, so­wie die Möglich­keit, ih­re Fol­gen durch so­zia­le Be­gleit­maßnah­men, die ins­be­son­de­re Hil­fen für ei­ne an­der­wei­ti­ge Ver­wen­dung oder Um­schu­lung der ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mer zum Ziel ha­ben, zu mil­dern. Ei­ne sinn­vol­le Kon­sul­ta­ti­on zu die­sen Fra­gen setzt aber vor­aus, dass die Toch­ter­ge­sell­schaft, de­ren Beschäftig­te von den ge­plan­ten Mas­sen­ent­las­sun­gen be­trof­fen wären, be­kannt ist.
Un­ter die­sen Umständen ist auf die drit­te und die vier­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 in Ver­bin­dung mit de­ren Art. 2 Abs. 4 Un­terabs. 1 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Fall ei­nes Kon­zerns, be­ste­hend aus ei­ner Mut­ter­ge­sell­schaft und ei­ner oder meh­re­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, die Pflicht zur Kon­sul­ta­ti­on der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter für die Toch­ter­ge­sell­schaft, die die Ar­beit­ge­ber­ei­gen­schaft hat, nur ent­steht, wenn die­se Toch­ter­ge­sell­schaft, bei der es zu Mas­sen­ent­las­sun­gen kom­men könn­te, be­nannt wor­den ist. Zur fünf­ten und zur sechs­ten Fra­ge
Mit der fünf­ten und der sechs­ten Fra­ge be­gehrt das vor­le­gen­de Ge­richt Auf­schluss darüber, wann das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 ab­ge­schlos­sen ist, wenn im Fall ei­nes Kon­zerns, be­ste­hend aus ei­ner Mut­ter­ge­sell­schaft und ei­ner oder meh­re­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, die Ent­schei­dung, die mögli­cher­wei­se oder zwangsläufig zu Mas­sen­ent­las­sun­gen führt, von der Mut­ter­ge­sell­schaft ge­trof­fen wird.
Wie im Rah­men der Ant­wort auf die drit­te und die vier­te Fra­ge dar­ge­legt wur­de, trifft die Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht nach Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 aus­sch­ließlich den Ar­beit­ge­ber.
Die­se Richt­li­nie enthält nämlich kei­ne Vor­schrift, die da­hin aus­ge­legt wer­den könn­te, dass sie ei­ne sol­che Pflicht auf Sei­ten der Mut­ter­ge­sell­schaft be­gründet.
Dar­aus folgt, dass es stets der Toch­ter­ge­sell­schaft als Ar­beit­ge­ber ob­liegt, die Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer zu kon­sul­tie­ren, die von den be­ab­sich­tig­ten Mas­sen­ent­las­sun­gen be­trof­fen sein könn­ten, und ge­ge­be­nen­falls selbst die Fol­gen der Nicht­ein­hal­tung der Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht zu tra­gen, wenn sie von ei­ner der­ar­ti­ge Ent­las­sun­gen er­for­der­lich ma­chen­den Ent­schei­dung ih­rer Mut­ter­ge­sell­schaft nicht un­verzüglich und ord­nungs­gemäß in­for­miert wur­de.
Was den Ab­schluss des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens be­trifft, hat der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den, dass der Ar­beit­ge­ber, wenn die Richt­li­nie 98/59 an­wend­bar ist, ei­nen Ar­beit­ver­trag erst nach Ab­schluss des ge­nann­ten Ver­fah­rens kündi­gen darf, d. h., nach­dem er die Ver­pflich­tun­gen nach Art. 2 die­ser Richt­li­nie erfüllt hat (vgl. Ur­teil Junk, Rand­nr. 45). Folg­lich muss das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen sein, be­vor ei­ne Ent­schei­dung über die Kündi­gung der Ar­beits­verträge ge­trof­fen wird.
Bei ei­nem Kon­zern wie dem im Aus­gangs­ver­fah­ren be­trof­fe­nen folgt aus die­ser Recht­spre­chung, dass ei­ne Ent­schei­dung der Mut­ter­ge­sell­schaft, die ei­ne ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaf­ten un­mit­tel­bar zwingt, die Verträge der von Mas­sen­ent­las­sun­gen be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zu kündi­gen, erst ge­trof­fen wer­den kann, wenn das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren in­ner­halb die­ser Toch­ter­ge­sell­schaft ab­ge­schlos­sen ist; an­dern­falls müss­te die­se als Ar­beit­ge­ber die Fol­gen der Nicht­ein­hal­tung die­ses Ver­fah­rens tra­gen.
Nach al­le­dem ist auf die fünf­te und die sechs­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/59 in Ver­bin­dung mit de­ren Art. 2 Abs. 4 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Fall ei­nes Kon­zerns das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren von der durch Mas­sen­ent­las­sun­gen be­trof­fe­nen Toch­ter­ge­sell­schaft ab­ge­schlos­sen wor­den sein muss, be­vor die­se, ge­ge­be­nen­falls auf un­mit­tel­ba­re An­wei­sung ih­rer Mut­ter­ge­sell­schaft, die Verträge der von die­sen Mas­sen­ent­las­sun­gen be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer kündigt. Kos­ten 73.
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 § 7
 § 6
 § 7
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 § 7
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 § 15
 § 7
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 § 8
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 Art. 234
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 Art. 3
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