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Timestamp: 2019-07-21 10:18:17+00:00

Document:
BFH, 01.02.2012 - I R 57/10 - dejure.org
https://dejure.org/2012,9393
BFH, 01.02.2012 - I R 57/10 (https://dejure.org/2012,9393)
BFH, Entscheidung vom 01.02.2012 - I R 57/10 (https://dejure.org/2012,9393)
BFH, Entscheidung vom 01. Februar 2012 - I R 57/10 (https://dejure.org/2012,9393)
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Abschreibungsbeginn bei Windkraftanlagen; Übergang des wirtschaftlichen Eigentums; Bindung des Revisionsgerichts an die Tatsachen- und Beweiswürdigung durch das FG
§ 39 AO, § 5 Abs 1 S 1 EStG 1997, § 5 Abs 1 S 1 EStG 2002, § 6 Abs 1 Nr 1 EStG 1997, § 6 Abs 1 Nr 1 EStG 2002
Abschreibungsbeginn und Übergang des wirtschaftlichen Eigentums
Wann kann die Abschreibung einer Anlage beginnen?
Kurznachricht zu "Beginn und Ende des Abschreibungszeitraums bei der Anschaffung von Windkraftanlagen - Anmerkung zum BFH-Urteil vom 1. 2. 2012 - I R 57/10" von RiFG Stefan Kolbe, original erschienen in: StuB 2012, 499 - 502.
FG Rheinland-Pfalz, 17.06.2015 - 1 K 1526/12
Wirtschaftliches Eigentum liegt im Falle der Anschaffung beweglicher Wirtschaftsgüter daher vor, wenn (Eigen-)Besitz, Gefahr, Nutzungen und Lasten auf den Erwerber übergegangen sind (BFH-Urteil in BFHE 236, 374, BStBl II 2012, 407).
Dabei ist unter Besitz nicht der Eigenbesitz i.S. von § 854 BGB, sondern der Besitz in Erwartung des Eigentumserwerbs zu verstehen (BFH-Urteil in BFHE 236, 374, BStBl II 2012, 407).
Hat der Verkäufer (Werklieferant) eine technische Anlage zu übereignen, die vom Erwerber erst nach dem erfolgreichen Abschluss eines Probebetriebs abgenommen werden soll, geht das wirtschaftliche Eigentum an der technischen Anlage erst mit der nach dem durchgeführten Probebetrieb erfolgten Abnahme über (BFH-Urteile in BFHE 236, 374, BStBl II 2012, 407, und vom 6. Februar 2014 IV R 41/10).
Die --ansonsten gemäß § 118 Abs. 2 FGO bestehende-- Bindung des Senats an eine Vertragsauslegung des FG entfällt insbesondere dann, wenn dessen Auslegung lückenhaft ist, weil die für die Interessenlage der Beteiligten bedeutsamen Begleitumstände nicht erforscht und/oder nicht zutreffend gewürdigt worden sind (s. z.B. BFH-Urteil vom 1. Februar 2012 I R 57/10, BFHE 236, 374, BStBl II 2012, 407).
Der Senat ist daher nicht gemäß § 118 Abs. 2 FGO daran gebunden (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 1. Februar 2012 I R 57/10, BFHE 236, 374, BStBl II 2012, 407, m.w.N.).
Dabei kann der Senat im Streitfall dahinstehen lassen, ob die Eltern das Sechsfamilienhaus angeschafft oder hergestellt haben (s. dazu BFH-Urteil vom 1. Februar 2012 I R 57/10, BFHE 236, 374, BStBl II 2012, 407, Rz 17, m.w.N.).
Dies sei der Fall, sobald der Erwerber die Gefahr des zufälligen Untergangs und die Lasten zu tragen habe und ihm die Nutzungen zustünden (Hinweis auf BFH-Urteil vom 1. Februar 2012 I R 57/10, BStBl. II 2012, 407).
Nach dem BFH-Urteil in BStBl. II 2012, 407 komme es für die Frage des wirtschaftlichen Eigentums auf eine wertende Beurteilung der im Einzelfall mit dem Wirtschaftsgut verbundenen Chancen und Risiken an.
Sind am Bilanzstichtag nicht alle vorbezeichneten Merkmale erfüllt, bedarf es einer wertenden Beurteilung an Hand der Verteilung der mit dem zu bilanzierenden Vermögensgegenstand verbundenen Chancen und Risiken (BFH-Urteil in BFHE 236, 374, BStBl. II 2012, 407).
Die Bindungswirkung entfällt deshalb insbesondere dann, wenn die Auslegung in sich widersprüchlich, unklar oder lückenhaft ist, weil beispielsweise die für die Interessenlage der Beteiligten bedeutsamen Begleitumstände nicht erforscht und/oder nicht zutreffend gewürdigt worden sind (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteile vom 5. September 2000 IX R 33/97, BFHE 192, 559, BStBl II 2000, 676, unter II.2.a [3]; vom 11. Januar 2005 IX R 15/03, BFHE 209, 77, BStBl II 2005, 477, unter II.2.b aa; vom 10. Februar 2010 XI R 49/07, BFHE 228, 456, BStBl II 2010, 1109, Rz 33; vom 1. Februar 2012 I R 57/10, BFHE 236, 374, BStBl 2012, 407, Rz 22, jeweils m.w.N.).

References: § 39
 § 5
 § 5
 § 6
 § 6
 § 854
 § 118
 § 118