Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/cybersky-und-pay-tv-311679
Timestamp: 2020-01-21 12:14:48+00:00

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Cybers­ky und Pay-TV | Rechtslupe
Wer für eine Ware, die nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz sowohl recht­mä­ßig als auch rechts­wid­rig genutzt wer­den kann, gezielt damit wirbt, dass die­se für urhe­ber­rechts­wid­ri­ge Zwe­cke ver­wen­det wer­den kann (hier: zur Ver­let­zung des Sen­de­un­ter­neh­men zuste­hen­den Leis­tungs­schutz­rechts nach § 87 Abs. 1 UrhG), darf die­se Ware nicht in Ver­kehr brin­gen, solan­ge die von ihm geschaf­fe­ne Gefahr einer urhe­ber­rechts­wid­ri­gen Ver­wen­dung fort­be­steht.
Der vor­beu­gen­de Unter­las­sungs­an­spruch aus § 97 Abs. 1 UrhG erstreckt sich auf die eine künf­ti­ge Rechts­ver­let­zung vor­be­rei­ten­den Maß­nah­men; er umfasst daher auch die Wer­bung für eine Ware mit der Aus­sa­ge, die­se kön­ne zur Ver­let­zung von nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz geschütz­ten Rech­ten ver­wen­det wer­den 1.
Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem Rechts­streit des Fern­seh­sen­ders Pre­miè­re gegen den Ent­wick­ler der Soft­ware "Cyber­ski TV". Das Land­ge­richt Ham­burg hat­te die­sem unter Andro­hung von Ord­nungs­mit­teln ver­bo­ten,
1. die Soft­ware TVOON Media Cen­ter mit der For­mu­lie­rung „Wenn also das nor­ma­le TV nichts mehr zu bie­ten hat, reicht ein Knopf­druck auf die Fern­be­die­nung und ‚kos­ten­lo­ses Pay-TV’ steht bereit“ anzu­bie­ten oder zu bewer­ben;
2. die Soft­ware „Cybers­ky TV“ anzu­bie­ten, zu ver­brei­ten und/​oder zu betrei­ben, sofern mit­tels die­ser Soft­ware ent­schlüs­sel­te Inhal­te des Pay-TV-Ange­bots der Klä­ge­rin im Rah­men eines Peer-to-Peer-Sys­tems von Nut­zern die­ser Soft­ware im Inter­net ver­sen­det und/​oder emp­fan­gen wer­den kön­nen.
Die Beru­fung des Beklag­ten hier­ge­gen beim Ober­lan­des­ge­richt Hamm­burg ist ohne Erfolg geblie­ben 2. Und auch der Bun­des­ge­richts­hof gab jetzt dem Fern­seh­sen­der Pre­miè­re Recht:
Ein auf Erst­be­ge­hungs­ge­fahr gestütz­ter vor­beu­gen­der Unter­las­sungs­an­spruch setzt vor­aus, dass ernst­haf­te und greif­ba­re tat­säch­li­che Anhalts­punk­te für eine in naher Zukunft kon­kret dro­hen­de Rechts­ver­let­zung bestehen 3. Sol­che Anhalts­punk­te sind nach Über­zeu­gung des BGH im Streit­fall gege­ben.
In der Dar­stel­lung der Pro­duk­te „Cybers­ky TV“ und „TVOON Media Cen­ter“ durch die TCU AG fin­den sich nach den von der Revi­si­on nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts zahl­rei­che – vom Beru­fungs­ge­richt im ein­zel­nen auf­ge­führ­te – Hin­wei­se an inter­es­sier­te Anwen­der, dass die­se Pro­duk­te sich für den kos­ten­lo­sen Emp­fang von „Pay-TV“-Programmen eig­nen, dar­un­ter die auf einer Inter­net-Sei­te ein­ge­stell­te Wer­bung:
Wenn also das nor­ma­le TV nichts mehr zu bie­ten hat, reicht ein Knopf­druck auf die Fern­be­die­nung und „kos­ten­lo­ses Pay-TV“ steht bereit.
Die­se Hin­wei­se begrün­den die Gefahr, dass Abon­nen­ten der Klä­ge­rin die Soft­ware „Cybers­ky TV“, wenn die­se – wie beab­sich­tigt – in den Han­del gebracht wür­de, dazu ver­wen­de­ten, die von ihnen (zuläs­si­ger­wei­se) ent­schlüs­sel­ten Pro­gram­me der Klä­ge­rin (unzu­läs­si­ger­wei­se) an belie­bi­ge Drit­te wei­ter­zu­lei­ten.
Als Stö­rer kann, so der BGH wei­ter, wegen einer Schutz­rechts­ver­let­zung der­je­ni­ge auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men wer­den, der – ohne Täter oder Teil­neh­mer zu sein – in irgend­ei­ner Wei­se wil­lent­lich und adäquat kau­sal zur Ver­let­zung des Schutz­rechts bei­trägt 4. Weil die Stö­rer­haf­tung nicht über Gebühr auf Drit­te erstreckt wer­den darf, die nicht selbst die rechts­wid­ri­ge Beein­träch­ti­gung vor­ge­nom­men haben, setzt die Haf­tung des Stö­rers die Ver­let­zung von Prü­fungs­pflich­ten vor­aus, deren Umfang sich danach bestimmt, ob und inwie­weit dem als Stö­rer in Anspruch Genom­me­nen nach den Umstän­den eine Prü­fung zuzu­mu­ten ist 5.
Die Stö­rer­haf­tung für Pro­duk­te, die – wie hier die Soft­ware „Cybers­ky TV“ – nicht nur recht­mä­ßig, son­dern auch zu Ein­grif­fen in Rech­te Drit­ter benutzt wer­den kön­nen, hängt gleich­falls davon ab, ob der rechts­ver­let­zen­de Gebrauch des Pro­dukts durch selb­stän­dig han­deln­de Drit­te bei objek­ti­ver Betrach­tung nicht außer­halb aller Wahr­schein­lich­keit liegt und ob dem als Stö­rer in Anspruch Genom­me­nen eine Haf­tung bil­li­ger­wei­se zuge­mu­tet wer­den kann 6.
Durch das Ver­triebs­ver­bot wird, so der BGH wei­ter, weder ein von der Rechts­ord­nung gebil­lig­tes Geschäfts­mo­dell in Fra­ge gestellt oder unver­hält­nis­mä­ßig erschwert (vgl. BGHZ 158, 236, 251 f. – Inter­net-Ver­stei­ge­rung I; BGH GRUR 2007, 890, 894 Tz. 39 – Jugend­ge­fähr­den­de Medi­en bei eBay) noch wird dadurch das vom Schutz der Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) umfass­te Recht des Beklag­ten zur wirt­schaft­li­chen Ver­wer­tung sei­ner beruf­li­chen Leis­tun­gen ver­letzt (vgl. BGH, Urt. v. 24.6.2004 – I ZR 26/​02 – GRUR 2004, 877, 880 = WRP 2004, 1272 – Wer­be­blo­cker)).
Das Ver­triebs­ver­bot rich­tet sich, wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat, nicht gegen soge­nann­te Peer-to-Peer-Sys­te­me als sol­che – die für sich genom­men recht­lich unbe­denk­lich sind – son­dern allein dage­gen, dass der Beklag­te und die TCU AG die Soft­ware „Cybers­ky TV“ durch deren Dar­stel­lung in der Wer­bung auf die kos­ten­lo­se Nut­zung von Bezahl­fern­seh­sen­dun­gen und damit auf die Mög­lich­keit von Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen aus­ge­rich­tet haben. Die Rechts­ord­nung bil­ligt kei­ne Geschäfts­mo­del­le, die auf einer Ver­let­zung von Rech­ten Drit­ter grün­den; der Schutz der Berufs­frei­heit kann für sie nicht in Anspruch genom­men wer­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Janu­ar 2009 – I ZR 57/​07
Bestä­ti­gung von BGH, Urt. v. 22.1.1960 – I ZR 41/​58,
GRUR 1960, 340, 343 f. – Wer­bung für Ton­band­ge­rä­te[↩]
OLG Ham­burg, ZUM-RD 2007, 569[↩]
vgl. zum Urhe­ber­recht BGH, Urt. v. 9.6.1983 – I ZR 70/​81, GRUR 1984, 54, 55 – Kopier­lä­den; Urt. v. 15.10.1998 – I ZR 120/​96, GRUR 1999, 418, 420 = WRP 1999, 211 – Möbel­klas­si­ker; zum Mar­ken­recht BGH, Urt. v. 13.3.2008 – I ZR 151/​05, GRUR 2008, 912 Tz. 17 = WRP 2008, 1353 – Metro­sex; zum Wett­be­werbs­recht BGH, Urt. v. 31.5.2001 – I ZR 106/​99, GRUR 2001, 1174, 1175 = WRP 2001, 1076 – Berüh­mungs­auf­ga­be, jeweils m.w.N.[↩]
BGHZ 158, 236, 251 – Inter­net-Ver­stei­ge­rung I; BGHZ 172, 119 Tz. 40 – Inter­net-Ver­stei­ge­rung II, m.w.N.[↩]
für das Urhe­ber­recht BGH GRUR 1999, 418, 419 f. – Möbel­klas­si­ker; für das Mar­ken­recht BGHZ 158, 236, 251 – Inter­net-Ver­stei­ge­rung I; BGHZ 172, 119 Tz. 40 – Inter­net-Ver­stei­ge­rung II, m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Urt. v. 22.1.1960 – I ZR 41/​58, GRUR 1960, 340, 344 – Wer­bung für Ton­band­ge­rä­te; Urt. v. 12.6.1963 – Ib ZR 23/​62, GRUR 1964, 91, 92 – Ton­bän­der-Wer­bung; Urt. v. 26.6.1963 – Ib ZR 127/​62, GRUR 1964, 94, 96 – Ton­band­ge­rä­te-Händ­ler; BGHZ 42, 118, 124 f. – Pri­va­te Ton­band­auf­nah­me; BGH GRUR 1984, 54, 55 – Kopier­lä­den[↩]
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References: § 87
 § 97
 BGH 
 BGH 
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 BGH 
 BGH 
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