Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=30.03.1995&Aktenzeichen=IX%20ZR%2098/94
Timestamp: 2020-07-04 03:12:31+00:00

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BGH, 30.03.1995 - IX ZR 98/94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,185
BGH, 30.03.1995 - IX ZR 98/94 (https://dejure.org/1995,185)
BGH, Entscheidung vom 30.03.1995 - IX ZR 98/94 (https://dejure.org/1995,185)
BGH, Entscheidung vom 30. März 1995 - IX ZR 98/94 (https://dejure.org/1995,185)
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Bestimmtheitsgrundsatz und Form der Bürgschaft (Andeutungstheorie)
Sittenwidrigkeit - Leasingvertrag - Bürgschaft
Auslegung des Bürgschaftsinhalts vor Prüfung der Schriftform
BGB § 766, § 138 Abs. 1
Auslegung einer Bürgschaftserklärung; Sittenwidrigkeit einer Bürgschaft für Ansprüche aus einem Leasingvertrag
NJW 1995, 1886
ZIP 1995, 812
MDR 1995, 892
WM 1995, 900
WM 1995, 901
BB 1995, 1104
DB 1995, 1394
Dieser soll damit zu größerer Vorsicht angehalten und vor nicht ausreichend überlegten Erklärungen gesichert werden (BGHZ 121, 224, 229; BGH, Urt. v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, ZIP 1995, 812, 813).
Weil die Vorschrift den Bürgen vor der mit seiner Erklärung verbundenen Haftung warnen soll, ist die Schriftform nur gewahrt, wenn die Urkunde außer dem Willen, für fremde Schuld einzustehen, auch die Bezeichnung des Gläubigers, des Hauptschuldners und der verbürgten Forderung enthält (BGHZ 76, 187, 189;… BGH, Urt. v. 3. Dezember 1992 - IX ZR 29/92, NJW 1993, 724, 725; v. 30. März 1995 aaO).
a) Dem Umstand, daß die Zweckerklärung die gesicherten Forderungen umschreibt - also, wenn man sie als Einheit begreift, nicht eine Nebenabrede, sondern einen wesentlichen Teil der Bürgschaftsvereinbarung darstellt (…BGH, Urt. v. 14. November 1991 - IX ZR 20/91, WM 1992, 177, 178 [BGH 14.11.1991 - IX ZR 20/91] m.w.N.; v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, z.V.b. - S. 5 des Umdrucks) - kommt für den Anwendungsbereich des § 3 AGBG keine Bedeutung zu.
In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob die Erteilung der in einem bestimmten Sinne auszulegenden Bürgschaftserklärung dem Schriftformerfordernis nach § 766 Satz 1, § 126 Abs. 1 BGB entspricht (…BGH, Urt. v. 13. Oktober 1994 - IX ZR 25/94, ZIP 1994, 1860, 1862; v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, ZIP 1995, 812).
Dabei dürfen auch außerhalb der Urkunde liegende Umstände herangezogen werden, sofern für den Willen in dem erforderlichen Umfang ein zureichender Anhaltspunkt in der Urkunde besteht, der Inhalt der Bürgschaftsverpflichtung also dort irgendwie seinen Ausdruck gefunden hat (…BGH, Urt. v. 3. Dezember 1992 - IX ZR 29/92, ZIP 1993, 102, 103; v. 21. Januar 1993 - IX ZR 90/92, ZIP 1993, 501; v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, aaO S. 813).
Die vorliegende Fallgestaltung stimmt mit dem Sachverhalt überein, den der Senat am 30. März 1995 (IX ZR 98/94, aaO) entschieden hat.
Daher kommt es grundsätzlich auf das sich aus der Vertragsgestaltung ergebende rechtliche Risiko an, sofern dieses nicht ausnahmsweise durch tatsächliche, den Beteiligten schon bei Vertragsschluß offenbare Umstände faktisch hinreichend sicher deutlich herabgesetzt war (vgl. BGH, Urt. v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94 -, WM 1995, 900, 903).
Danach ist die Schriftform nur gewahrt, wenn die Urkunde außer dem Willen, für fremde Schuld einzustehen, auch die Bezeichnung des Gläubigers, des Hauptschuldners und der verbürgten Forderung enthält (BGHZ 76, 187, 189;… BGH, Urt. v. 3. Dezember 1992 - IX ZR 29/92, NJW 1993, 724, 725; v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, NJW 1995, 1886 f).
Der Umstand allein, daß eine Ehefrau für ihren Ehemann eine Bürgschaft übernimmt, die sie nicht voll erfüllen kann, macht dieses Rechtsgeschäft jedoch noch nicht sittenwidrig (…BGH, Urt. v. 16. März 1989 - III ZR 37/88, NJW 1989, 1665, 1666; v. 5. Januar 1995 - IX ZR 85/94, WM 1995, 237, 238, z.V.b. in BGHZ 128, 230; v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, WM 1995, 900, 902; vgl. auch BGHZ 125, 206, 209 f).
Ein Jahr nach Herstellung der Währungseinheit und zehn Monate, nachdem der Ehemann den Handwerksbetrieb gegründet hatte, mußte ihr das Risiko der Bürgschaft - auch aufgrund ihrer eigenen, fortgesetzten Berufserfahrung als Lohnbuchhalterin - jedenfalls im wesentlichen klar sein (vgl. auch Senatsurt. v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, WM 1995, 900, 904).
Ein derartiges, auch für den Gläubiger selbst sinnloses Geschäft kommt in Betracht, wenn die Verbindlichkeit, für die insbesondere ein Bürge einstehen soll, so hoch ist, daß bereits bei Vertragsschluß feststeht, er werde ein sich verwirklichendes Risiko auch bei günstigster Prognose mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht einmal zu großen Teilen abdecken können (BGHZ 125, 206, 211; BGH, Urt. v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, WM 1995, 900, 902).
b) Zwar kann der Gläubiger, der es schuldhaft versäumt hat, dem Hauptschuldner gegenüber die Maßnahmen zu ergreifen, die ohne den Bürgschaftsvertrag zur Wahrung der eigenen Interessen geboten gewesen wären, nach Treu und Glauben gehindert sein, den Bürgen in Anspruch zu nehmen (BGH, Urt. v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, WM 1995, 900, 903).
Dazu können auch außerhalb der Urkunde liegende Umstände herangezogen werden, falls sie in ihr einen zureichenden Anhalt haben (…BGH, Urt. v. 14. November 1991 - IX ZR 20/91, NJW 1992, 1448, 1449; v. 21. Januar 1993 - IX ZR 90/92, WM 1993, 544, 545; v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, WM 1995, 900, 901; v. 17. Februar 2000 - IX ZR 32/99, WM 2000, 886, 887).
Eine Bürgschaft kann auch dann nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig sein, wenn sich der Vertrag bei vernünftiger Betrachtungsweise als wirtschaftlich sinnlos erweist, weil auch aus der Sicht des Gläubigers kein berechtigtes Interesse an einer Haftung dieses Umfangs besteht (BGHZ 125, 206, 210 ff; 128, 230, 234; BGH, Urt. v. 30. März 1995 - IX ZR 98/94, WM 1995, 900, 902;… v. 18. Januar 1996 aaO. S. 521 f).
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References: § 766
 § 138
 § 3
 § 766
 § 126
 § 138