Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202006%202320
Timestamp: 2019-03-21 15:02:41+00:00

Document:
BGH, 30.05.2006 - VI ZR 174/05 - dejure.org
Kosten einer konkreten Ersatzbeschaffung und eines konkret erzielten Restwerts bei fiktiver Schadensabrechnung
Anspruch auf Schadensersatz wegen eines aus einem Verkehrsunfall resultierenden KFZ-Totalschadens gegen die Haftpflichtversicherung; Berechnung der Höhe eines anzurechnenden Restwertes eines unfallbeschädigten Fahrzeugs; Anspruch auf Ersatz der angefallenen Kosten (Telefonkosten, Internetkosten und Überführungskosten) für die Beschaffung eines Ersatzfahrzeuges; Bedeutung der Kosten einer konkreten Ersatzbeschaffung und eines konkret erzielten Restwerts bei fiktiver Schadensabrechnung auf der Grundlage eines Sachverständigengutachtens; Ausschluss des Ersatzanspruchs von durch eine Ersatzbeschaffung entstandenen Nebenkosten auf Grund einer gewählten fiktiven Schadensabrechnung; Bedeutung des Grundsatzes der "subjektbezogenen Schadensbetrachtung"
Restwertanrechung bei Schadensabrechnung nach PKW-Unfall - Wiederbeschaffungskosten
Ersatzfähigkeit der Kosten konkreter Ersatzbeschaffung und des konkret erzielten Restwerts bei fiktiver Schadensabrechnung auf Gutachtenbasis
Schadensrecht - Kosten konkreter Ersatzbeschaffung, fiktive Schadensabrechnung
Zur Abrechnung von Unfallschäden - Abgerechnet wird entweder nach konkreten Kosten oder "fiktiv" nach Gutachten
BGH erteilt Internet Restwerbörsen eine weitere Absage:
Unfallschadensregulierung - Kombination von fiktiver und konkreter Abrechnung
Versicherung verliert Rechtsstreit - BGH-Urteil über 40 Euro Restwertdifferenz
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 30.05.2006, Az.: VI ZR 174/05 (Keine Kombination von fiktiver und konkreter Abrechnung)" von RA Hermann Lemcke, VorsRiOLG a. D., original erschienen in: r+s 2006, 474.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 30.05.2006, Az.: VI ZR 174/05 (Fiktive Schadensberechnung nach Sachverständigengutachten bei konkreter Ersatzbeschaffung und Restwerterzielung)" von Dr. Ulrich Staab, original erschienen in: VersR 2007, 925 - 927.
AG Nordhausen, 16.12.2004 - 27 C 538/04
LG Mühlhausen, 23.06.2005 - 1 S 45/05
NJW 2006, 2320
MDR 2007, 86
NZV 2006, 461
VersR 2006, 1088
VersR 2007, 925
Eine Kombination von fiktiver und konkreter Schadensabrechnung ist insoweit unzulässig (Anschluss Senat, Urteil vom 30. Mai 2006, VI ZR 174/05, VersR 2006, 1088 Rn. 11).
An dieser Art der Schadensabrechnung muss er sich jedenfalls dann festhalten lassen, wenn - wie hier - die konkreten Kosten der Ersatzbeschaffung unter Einbeziehung der geltend gemachten Nebenkosten den ihm aufgrund der fiktiven Schadensabrechnung zustehenden Betrag nicht übersteigen; eine Kombination von fiktiver und konkreter Schadensabrechnung ist insoweit unzulässig (Senatsurteil vom 30. Mai 2006 - VI ZR 174/05, NJW 2006, 2320, 2321 Rn. 11;… vgl. auch Senatsurteile vom 17. Oktober 2006 - VI ZR 249/05, BGHZ 169, 263 Rn. 15; vom 15. Februar 2005 - VI ZR 172/04, BGHZ 162, 170, 175).
Der Geschädigte muss sich vielmehr an der gewählten Art der Schadensabrechnung festhalten lassen; eine Kombination von fiktiver und konkreter Schadensabrechnung ist insoweit unzulässig (vgl. Senatsurteile vom 15. Juli 2003 - VI ZR 361/02, VersR 2004, 1575; vom 15. Februar 2005 - VI ZR 172/04, BGHZ 162, 170, 175; vom 30. Mai 2006 - VI ZR 174/05, NJW 2006, 2320, 2321 Rn. 11;… vom 17. Oktober 2006 - VI ZR 249/05, BGHZ 169, 263 Rn. 15;… vom 13. September 2016 - VI ZR 654/15, MDR 2017, 27 Rn. 17).
Denn der Geschädigte muss sich an der gewählten fiktiven Schadensabrechnung jedenfalls dann festhalten lassen, wenn die konkreten Kosten einer tatsächlich erfolgten Ersatzbeschaffung unter Einbeziehung der Nebenkosten den ihm aufgrund der fiktiven Schadensberechnung zustehenden Betrag nicht übersteigen; eine Kombination von fiktiver und konkreter Schadensabrechnung ist insoweit unzulässig (…Senatsurteile vom 13. September 2016 - VI ZR 654/15, VersR 2017, 115 Rn. 17; vom 30. Mai 2006 - VI ZR 174/05, NJW 2006, 2320 Rn. 11;… vgl. auch Senatsurteile vom 17. Oktober 2006 - VI ZR 249/05, BGHZ 169, 263 Rn. 15 mwN; vom 15. Februar 2005 - VI ZR 172/04, BGHZ 162, 170, 175).
Sie eröffnet jedoch - neben konkreter und fiktiver Abrechnung - keine dritte Abrechnungsweise, bei der der Geschädigte durch Kombination von konkreter und fiktiver Abrechnung ("Rosinentheorie") in noch weitergehendem Umfang Ersatz erlangen könnte als nach der gewählten fiktiven Abrechnung (Verbot der Kombination von fiktiver und konkreter Abrechnung; vgl. dazu BGH, Urteil vom 30. Mai 2006 - VI ZR 174/05, VersR 2006, 1088 f.; Urteil vom 15. Februar 2005 - VI ZR 172/04, VersR 200, 665 ff.; Urteil vom 15. Juli 2003 - VI ZR 361/02, VersR 2004, 1575).
Das Kombinationsverbot ist anerkannt, wenn die konkreten Kosten der Ersatzbeschaffung unter Einbeziehung der geltend gemachten Nebenkosten den im Wege der fiktiven Schadensabrechnung erhaltenen Betrag nicht übersteigen (vgl. BGH, Urteil vom 30. Mai 2005 - VI ZR 174/05, VersR 2006, 1088, m. Anm. Staab VersR 2007, 925).
Der Kläger kann auch nicht etwa hinsichtlich des Betrages von 4.800,00 EUR teilweise Mehrwertsteuer verlangen, da eine Mischung nach ständiger Rechtsprechung des BGH zwischen konkreter und fiktiver Schadensabrechnung nicht möglich ist (BGH NJW 05, 1110; NJW 06, 2320; LG Frankfurt am Main 14.11.08 - 16 S 160/08 -).
Würde der Geschädigte nach rechtskräftigem Urteil über die fiktiven Kosten später die überschießenden Kosten einer tatsächlichen Mangelbeseitigung abrechnen, läge eine unzulässige Kombination von (rechtskräftig entschiedener) fiktiver Abrechnung und Abrechnung (ggf. überschießender) tatsächlicher Kosten vor (zur Unzulässigkeit der Kombination z. B. BGH, Urteil vom 30.5.2006 - VI ZR 174/05).
a) Richtig ist allerdings, dass bei fiktiver Abrechnung eines Kraftfahrzeugsachschadens der nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB zur Herstellung erforderliche Betrag ohne Bezug zu tatsächlich getätigten Aufwendungen zu ermitteln ist (vgl. BGH, Urteil vom 30.05.2006 - VI ZR 174/05, VersR 2006, 1088; Kammer, Urteil vom 15.05.2015 - 13 S 12/15, Zfs 2016, 85;… Freymann in: Freymann/Wellner, jurisPK-StrVerkR, 1. Aufl., § 249 BGB Rn. 264, 81).
In ähnlicher Weise hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass der Geschädigte, der die fiktiven Kosten einer Ersatzbeschaffung abrechnet, die Nebenkosten einer tatsächlich durchgeführten, für sich genommenen günstigeren Ersatzbeschaffung dann nicht gesondert neben den fiktiv berechneten Wiederbeschaffungskosten ersetzt verlangen kann, wenn die Summe der tatsächlichen Wiederbeschaffungsaufwendungen und der hierbei angefallenen Nebenkosten die fiktiven Wiederbeschaffungskosten nicht übersteigen; zumindest in dieser Situation sei der Schädiger an seine fiktive Abrechnungsweise gebunden und dürfe fiktive und konkrete Schadensberechnung nicht miteinander kombinieren (BGH, NJW 2006, S. 2320 [Tz. 11]).
Das bedeutet, dass der Geschädigte bei der Schadensbehebung gemäß § 249 Abs. 2 S. 1 BGB im Rahmen des ihm Zumutbaren und unter Berücksichtigung seiner individuellen Lage grundsätzlich den wirtschaftlichsten Weg zu wählen hat ( vgl. st. Rspr. der Kammer, z. Bsp. Beschluss vom 12.9.2000 - 9 T 27/00 - und vom 10.11.2004 - Az. 9 S 174/04 - BGHZ 115, 364(368 ff. ) = NJW 1992, 302 ff = VersR 1992, 61; BGHZ 115, 375(378) = NJW 1992, 305 = VersR 1992, 64; BGHZ 132, 373(376); BGHZ 143, 189 ff = BGH NJW 2000, 800(801) = VersR 2000, 467(468) = r+s 2000, 107 ff; BGH NJW 2006, 2320 = VersR 2006, 1088 ).
Beschluss vom 12.9.2000 - 9 T 27/00 - und vom 10.11.2004 - Az. 9 S 174/04 - BGH NJW 2005, 3134 = NZV 2005, 571; BGH NJW 2006, 2320 = VersR 2006, 1088 ; BGH NJW 1992, 903 = VersR 1992, 457; BGH NJW 1993, 1849 = VersR 1993, 769; BGHZ 143, 189 ff = BGH NJW 2000, 800(801) = VersR 2000, 467(468) = r+s 2000, 107 ff).
Insoweit darf sich der Geschädigte auf der Grundlage dieser Rechtsprechung grundsätzlich auf das Gutachten eines Sachverständigen verlassen und das Fahrzeug zu demjenigen Preis verkaufen, den ein von ihm eingeschalteter Sachverständiger als Wert des beschädigten Fahrzeuges auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat (vgl. st. Rspr. der Kammer, z. Bsp. Beschluss vom 12.9.2000 - 9 T 27/00 - und vom 10.11.2004 - Az. 9 S 174/04 - BGH NJW 2005, 3134 = NZV 2005, 571; BGHZ 143, 189(193) = BGH NJW 2000, 800= VersR 2000, 467(468) = r+s 2000, 107; BGH NJW 2006, 2320 = VersR 2006, 1088; BGH NJW 1992, 903 = VersR 1992, 457; BGH NJW 1993, 1849 = VersR 1993, 769(770); BGH NJW 2005, 357 = VersR 2005, 381(382)).

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 § 249
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