Source: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=659&CP=0&F=1
Timestamp: 2020-01-29 16:56:15+00:00

Document:
Philaseiten.de: Händer verkauft Hitler Marken - zu 1.600 Euro Strafe verurteilt
Thema: Händer verkauft Hitler Marken - zu 1.600 Euro Strafe verurteilt
Am: 05.06.2008 14:13:25
Gelesen: 24054
das verstehe ich als Laie nicht.
Die Marken sind doch in ettlichen Katalogen, Homepages und Web-Angeboten auch ohne Balken abgebildet. Warum darf ein Händler die Marken eben in dieser Form nicht verkaufen ?
Oder geht es um das "öffentliche zur Schau stellen" z.B. in Schaufenstern ?
Am: 05.06.2008 22:55:52
Gelesen: 24032
Hier eine etwas abweichende und die Frage von Holger teilweise beantwortende Meldung
Briefmarken mit Hakenkreuz ausgestellt - Händler muss Buße zahlen
Merkur-online.de, München (04.06.08) – Ein Münchner Briefmarkenhändler muss für die Anpreisung von Briefmarken aus der Nazizeit mit dem Hakenkreuz 1600 Euro Buße zahlen. Unter dieser Auflage hat das Landgericht München I das Verfahren gegen den bislang unbescholtenen 64-jährigen Kaufmann wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen am Mittwoch eingestellt.
(Quelle: http://www.merkur-online.de/regionen/mstadt/;art8828,928518)
Am: 05.06.2008 23:28:43
danke für die Ergänzung. Das lässt die ganze Sache in einem etwas anderem Licht erscheinen.
Trotzdem stellt sich mir die Frage wie weit auch mein Projekt von dieser Regelung betroffen ist. Es liegt in der Sache der Natur dass in meinem Katalog Abbildungen dieser unrühmlichen Epoche enthalten sind. Alleine die AFS der Reichfachgruppe Imker gibt es noch zu hauf. OK - ich stelle diese nicht zu kommerziellen Zwecken im Schaufenster aus und von Verherrlichung ist auch keine Spur. Aber das Web ist im Prinzip ja auch nichts anderes wie ein unendlich großes Schaufenster.
Bedenken bleiben.
Mir ist aufgefallen, dass einige Print- als auch Onlinekataloge zu Abbildungen des 3. Reiches Zusätze wie " Hinweis nach §86 und §86a Strafgesetzbuch: diese Seite enthält Abbildungen aus der Zeit des 3.Reiches lediglich zu Zwecken der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte" enthalten.
"Philasearch.com" schreibt zu diesem Thema beispielsweise " Bitte beachten Sie §86 und §86a Strafgesetzbuch
Durch Bestätigen dieser Meldung versichern Sie, die Philasearch Datenbank und die in Ihr enthaltenen Angebote und Abbildungen aus der Zeit des III. Reiches nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken zu erwerben (§86 und §86a Strafgesetzbuch). Sämtliche Angebote aus dieser Zeit, werden nur unter diesen Voraussetzungen abgegeben."
Haben solche Angaben schützende Funktion ? Oder eher so sinnlos wie der bei E. so beliebte Spruch " vom neuen EU Recht bla blabla ...".
Fragt immer noch verunsichert
(wohlwissend das dies kein juristisches Forum ist)
Am: 06.06.2008 02:17:44
Gelesen: 24009
Wenn ich etwas mit dem Hakenkreuz oder sonst Nazimaterial verkaufen will sollte bei jedem Angebot melden daß der Artikel
>> Nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken zu erwerben<<
>>'Haben solche Angaben schützende Funktion ?'<<
Ja natürlich, genau so wie auf jede Zigarettenschachtel steht - Rauchen ist Lebensgefährlich - Rauchen kann Krebs zur folge haben usw.usw, - so in der Linie.
Wir sollen doch uns immer noch freuen daß auf unserer Geburtsurkunde die Eltern nicht bestätigen mußten daß sie 'Nicht-Raucher' waren und bleiben, bis das Kind 18 Jahre geworden ist.
Sonst könnte ich mein Eltern noch abzocken - Nanu, da gebe ich nur gute Ideen an einem jungen Anwalt. :)
Am: 06.06.2008 19:21:59
Wie mein Name schon sagt, sammele ich Postwertzeichen des Sudetenlandes. Diese Marken wurden seinerzeit überwiegend mit nationalsozialistischen Symbolen überdruckt. Deshalb bin ich - wie jeder Sammler des Sudetenlandes bzw. des Dritten Reiches - von dieser Problematik tangiert. Für mich sind diese Briefmarken keine Verherrlichung, sondern historische Zeitdokument einer schrecklichen Zeit, über die auch heute noch viel zu wenig gesprochen wird. Hoffentlich müssen wir diese Zeit nie wieder erleben.
In 2006 wurde meine Sammlung im Landratsamt Ulm öffentlich ausgestellt. Zuvor hatte ich mir im örtlichen Verein für Briefmarkenkunde rechtlichen Rat eingeholt, ob diese Briefmarken den öffentlich ausgestellt werden dürften. Dies wurde bejaht, wenn es sich um historische Zeitdokumente handelt, um sich mit dieser Zeit kritisch auseinander zu setzen oder dies zu historischen Forschungszwecken dient. Dies gilt natürlich auch für Marken des Dritten Reiches oder ähnliches.
Ein entsprechender Hinweis sollte deshalb bei jeder Ausstellung bzw. bei jedem Internetauftritt angegeben werden.
Hier als Beispiel meine Homepage
Am: 06.06.2008 19:58:45
Gelesen: 23974
@ sudetenphilatelie [#6]
auch Dir meinen Dank. Dann bin ich ja beruhigt. :-)
Im Zuge meiner historischen Arbeiten habe ich etwa 80 Interviews mit "Wegseher", Täter und Opfer jener dunklen Zeit geführt und so manche unglaublichen Dinge erfahren. Aus meinen kleinen Heimatort. Von allen drei Personenkreisen. Viel Böses aber zu meiner Überraschung auch viel Gutes (was eher ganz heimlich geschah).
Ein Beispiel: Wir hatten im Ort einen "ganz scharfen" SS-Schergen. Zumindest tat er in der Öffentlichkeit so. Gegen 1954 kamen 10 franz. Zwangssarbeiter, die hier in der Industrie eingesetzt waren, auf Besuch (waren von der Gemeinde eingeladen waren, da gemeinsame hugenotischen Wurzeln vorhanden waren) und suchten eben diesen Herrn. Sie berichteten übereinstimmend, dass er sie in der Gefangenschaft heimlich mit Lebensmitteln u.ä. versorgt und auch auf andere Weise geholfen hätte. Dies wurde später auch von weiteren Personen bestätigt. Und, da er stets gut informiert war, hat er auch vor Razzien gewarnt.
Leider fiel er in den letzten Kriegstagen - hätte ihn gerne auch zum Gespräch gehabt.
Daher habe ich einen ganz tiefen Wunsch:
Das diese Zeit (oder ähnliches) nie wieder kommen und die Menschheit endlich aus diesen Erfahrungen lernen möge. Besonders die "modernen" Braunen - von den "alten" gibt es auch noch genug.
Siehe auch mein Beitrag http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=383&page=1 [#6]
Am: 07.06.2008 01:26:33
Gelesen: 23960
>>Dies ist keine gewerbliche sondern eine private Homepage für alle Freunde der Philatelie<<
So lautet der Anfang auf Deiner Privaten Seite - so sollte es jeden verständlich sein.
Hier ging es über ein Verkaufsangebot:
>>Der Händler hatte Briefmarken und Postsendungen mit dem Hakenkreuz sowohl im Schaufenster als auch auf seiner Homepage gezeigt. Die weißen Balken über dem Symbol des Nationalsozialismus waren so schmal, dass die Hakenkreuze noch deutlich erkennbar waren. Das Gesetz erlaubt das Zeigen von Nazi-Emblemen nur zur Förderung des historischen Wissens und der zeitkritischen Auseinandersetzung. Der Kaufmann habe aus rein kommerziellem Interesse gehandelt, "die Rechtslage ist eindeutig", so der Richter.
Das sagt mir, daß jeder Sammler solche 'Verbotenen' Sachen erstens unter dem Tisch erwerben muß wie Drogen (was sicher noch leichter ist !) und wenn er es verkaufen will, im gleichen Stil - oder kaum erkennbar machen !?
Meine Frage an Richard:
Dürfen Mitglieder ihren Hitlerkram auf dieser Privat Auktion im Bild anbieten ?
Wenn wohl, unter welchen Bedingungen ob überhaupt ?
Deutliche Richtlinien würde mir und wahrscheinlich anderen Mitglieder behilflich sein.
Aus meiner Hinsicht sehe ich nicht ein, solche 'unerwünschte' Sachen zu Erwerben und nicht Interessenten auf dieser Seiten anzubieten zu können. So wie #3 & #4 Sudetenland: Verborgene Schätze.
Am: 07.06.2008 11:44:39
Gelesen: 23932
also so einfach mit dem Hinweis "Bitte beachten Sie §86 und §86a Strafgesetzbuch..." kann man sich sicherlich nicht schützen. Um dieses Urteil wirklich verstehen zu können müsste man schon den gesamten Text der Anklage und die Urteilsbegründung vorliegen haben. Also auch einmal die Art und Weise wie angeboten wurde, groß und plakativ und ausschließlich Material aus dieser Zeit etc.
Ich möchte nur auf den tollen Disclaimer für Homepagebetreiber hinweisen "Ich distanziere mich von rechtswidrigen Inhalten von mit verlinkter Seiten..."
Wenn man die Begründung gelesen hat kommt man zu anderen Schlüssen als es durch lesen eines Zeitungsartikels möglich ist.
http://www.rechtpraktisch.de/artikel.html?id=805
Am: 07.06.2008 12:58:17
Gelesen: 23922
@ Noeppes [#9]
Vielen Dank für die tollen langen erklärende Links. Die muß ich noch einige male lesen aber schon verstehe ich daß ein Disclaimer nur Trostzeilen sein können.
Vielleicht ist manchmal mehr dahinter als man liest via der Media.
Praktisch gesehen, finde ich es störend wenn sich eine Tante erschreckt wegen einem Hitler Bild auf Briefmarken und der Anwalt nimmt die Gelegenheit um den Händler zu bestrafen egal in welchem Land.
Es werden solche doch niemals als Propagandastücke angeboten bei Briefmarkenhändler.
Am: 08.06.2008 11:32:06
Gelesen: 23901
leider ist so das Richter in verschiedenen Ländern diese Dinge unterschiedlich auslegen. Ich bin einmal gespannt wann dieser Münchener Richter einmal über Ebay-Angebote urteilt.
Z.B. in der Rechtssprechung bezüglich Internetangeboten (Wettbewerbsrecht) übertreffen sich Hamburger und Berliner Gerichte regelmäßig gegenseitig mit praxisfremden Urteilsbegründungen.
Recht ist nun einmal offensichtlich nicht gleich Recht haben.
Am: 09.06.2008 23:32:24
Gelesen: 23863
@ Noeppes [#11]
mit dem Richter Buske vom Hamburger Landgericht hatte ich leider einen sehr teuren Kontakt. Einfach bei Google das Suchwort 'Buskeismus' eingeben.
"Dürfen Mitglieder ihren Hitlerkram auf dieser Privat Auktion im Bild anbieten ? Wenn wohl, unter welchen Bedingungen ob überhaupt ? Deutliche Richtlinien würde mir und wahrscheinlich anderen Mitglieder behilflich sein."
Erich, in Deutschland gibt es ein Rechtsberatungsgesetz, welches mir trotz einer gewissen Lockerung die von Dir gewünschte rechtliche Beratung untersagt. Berate ich Dich doch, hafte ich für alle Fehlberatungen und Folgeschäden daraus. Du wirst verstehen, dass ich darauf keinen Wert lege.
Die Auktionen sind Privatauktionen von Mitglied an Mitglied. Ich stelle lediglich die Seite kostenfrei zur Verfügung. Ob dort Hehlerware verkauft wird, gefälschte Marken oder solche mit NS-Symbolen, ist Sache jedes Mitglieds, anders gesagt, jeder haftet selbst für alles was er macht oder lässt.
Es ist so ähnlich wie beim Vermieter eines grossen Platzes, auf dem er es gegen wenig Geld zulässt, dass an einem Wochenende Autos von Privat an Privat angeboten werden. Nur der Platz wird zur Verfügung gestellt. Der Platzvermieter haftet weder für Angaben des Autoanbieters noch für fehlerhafte Bremsen, wenn die Probefahrt am nächsten Baum landet.
Am: 10.06.2008 00:52:28
>>Nur der Platz wird zur Verfügung gestellt. Der Platzvermieter haftet weder für Angaben des Autoanbieters noch für fehlerhafte Bremsen, wenn die Probefahrt am nächsten Baum landet.<<
Das stimmt auch nicht ganz und ist auch nicht so einfach.
Deswegen sind auch Regeln in dem 'Kleindruck' wie kein Dies oder Das wird zugelassen usw., usw. obwohl anzubieten ist was erwünscht wird (das mangelt auch gerechtlicht).
Es genügt was Obelix sagen würde 'These Germans are crazy !'
Am: 10.06.2008 19:20:33
Was ich geschrieben habe stimmt so. Wenn Du anderer Meinung bist, zeige mir bitte die Gesetzestexte oder Gerichtsurteile aus neuerer Zeit.
Oder glaubst Du, die Veranstalter der großen Philatelie-Messen in Deutschland, die 100 Stände an in- und ausländische Händler vermietet haben, müssten dafür verhaften, wenn Hitler-Marken angeboten und verkauft würden ?
Bitte beachten: Hier geht es nur um das Thema Hitler Marken aus Beitrag [#1] und [#3].
Ein Auszug aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Live123.de, Absatz 18:
"Mit der Abgabe von Geboten auf Objekte aus der NS-Zeit, die mit NS-Emblemen oder -Symbolen versehen sind, verpflichtet sich der Käufer, diese ausschliesslich für historisch-wissenschaftliche Sammlerzwecke zu erwerben und in keine Weise propagandistisch im Sinne des Par. 86 StGB zu benutzen."
Am: 11.06.2008 00:45:49
Gelesen: 23813
>>Das stimmt auch nicht ganz und ist auch nicht so einfach<<
Nicht persönlich nehmen, was Du geschrieben hast soll so Stimmen.
Es ist deutlich in Noeppes's Beitrag [#9] mit den Links daß die Aussage von einem Jurist der nach auch Richtlinien sein Beschluß gibt nach vorgelegten Fakten vom Anwalt. Wegen keine genaueren Besonderheiten kann ich selber nichts bestreiten.
Die Aussage hätte vielleicht auch zu Gunsten des Händlers gehen können man konnte nur mit gegebenen Fakten spekulieren.
>>Oder glaubst Du, die Veranstalter der großen Philatelie-Messen in Deutschland, die 100 Stände an in- und ausländische Händler vermietet haben, müssten dafür verhaften, wenn Hitler-Marken angeboten und verkauft würden ?<<
Deine Frage kann ich so beantworten:
Es wäre ja doch ein Menschen-Rechten Rückstand wenn Anbieten solches, strenger limitiert würde als es schon ist und danach wird sich schon jeder Händler richten so nach Dein Abzung - Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Live123.de, Absatz 18.
Was hier mit Vorsicht zu achten ist, ist das Wort Allgemeinen.
Am: 09.02.2011 05:18:28
Gelesen: 22403
Obwohl ich erst 9 Jahre alt war in 1945, und habe den Krieg gesund überstanden, mache ich mir überhaupt nichts aus dem Thema mit Hakenkreuz. Good Lord, dass gehört doch zur Geschichte. Ob da was geschrieben wird oder gezeigt ist, ist nach meiner Auffassung total egal. Es gibt in der Welt genug Diktatoren, die sogar von der Westlichen Welt mit Geld unterstützt werden, wo kein Hahn nach kräht. Die meisten Dienstmarken von dieser Zeit zeigen doch das Hakenkreuz und werden von Händlern angeboten. Selbst das Hakenkreuz ist ja so alt wie Geschichte, das ist ein ganz altes Zeichen. Warum also diese Aufregung ?
Am: 20.02.2011 15:05:56
Deine Frage nach der Aufregung ist durchaus berechtigt und muß von jemandem aus dem Ausland unabdingbar gestellt werden, da dies zu Recht im Ausland oft nicht zu verstehen ist.
"Weil wir Deutschen, und insbesondere unsere führenden Politiker, ein verklemmtes Verhältnis zu unserer eigenen Geschichte haben!"
Am: 21.02.2011 01:24:32
Gelesen: 22147
@ filunski [#17]
Hi Filuski,
vielen Dank für die Aufklärung. Wie ich schon gesagt hatte, ich bin auch während dem Krieg aufgewachsen, und ich nehme doch an, dass verschiedene deutsche Politiker auch in der Wehrmacht waren, jedenfalls nach den grauen Haaren zu urteilen, dann sollten die sich doch gut an die Geschichte erinnern. Dann müssten ja alle alten Fahnen aus der Geschichte verdammt werden. Ich glaube das in den USA so was nicht gezeigt werden darf, obwohl die US Soldaten ja so ziemlich alles was damit zusammen war, Pistolen, Messer, usw., mit nach Hause geschleppt haben, kann ich mich gut dran erinnern. Aus unserer Fahne hat meine Mutter ein Kleid für meine Schwester gemacht. Nichts wurde weggeworfen.
Am: 21.02.2011 06:50:46
Was hat das Verbreiten von Nationalsozialistischen Symbolen mit "verklemmten Politikern" zu tun? Es tut mir leid, aber wer in Deutschland Nazikram verkauft, der muss mit den dafür angedrohten strafrechtlichen Konsequenzen leben. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Und ich wäre froh, wenn der deutsche Staat den Produzenten von Nazi-Briefmarkenfälschungen endlich das Handwerk legen würde. Aber da kann man wohl jeden Mist herstellen (und verkaufen), ohne das jemand einschreitet.
Einem Briefmarkensammler fällt es schwer, dieses Urteil zu verstehen. Die eigenen Alben sind ja damit gefüllt (zu Sammlerzwecken). Aber es ist m.E. ein Irrtum zu glauben, dass das Ausland "total entspannt" mit der deutschen Vergangenheit umgeht.
Am: 21.02.2011 13:34:34
Gelesen: 22095
Ich stimme durchaus mit Dir überein, dass wer "Nazikram" verbreitet und verkauft die strafrechtlichen Konsequenzen zu tragen hat und auch diesbezüglich Briefmarkenfälschern das Handwerk gelegt gehört.
Dies gehört aber in einen anderen Topf als unser Umgang mit diesen Dingen im historischen Kontext, z.B. in Museen, Ausstellungen oder auch in der Philatelie. Und damit meine ich auch wieder unsere Politiker die sich, weil es gerade opportun erscheint so verhalten als dürften wir die Existenz dieser Symbole überhaupt nicht erwähnen, andererseits aber bei den immer wieder genehmigten Aufmärschen von Neonazis wegsehen. Nicht alle, aber gerade die aus der ersten Reihe, positive Ausnahmen wie Herr Thierse sind da leider selten.
Ich spreche da aus eigener Erfahrung durch meine Tätigkeit für ein staatliches Museum, ebenso auch wie im Umgang damit im Ausland. Als Beispiele mögen hier nur die USA, Kanada, Italien und Frankreich gelten von wo ich eine aufgeschlossene Haltung ebenfalls aus eigener langjähriger Erfahrung kenne.
Um es deutlich zu sagen, dies hat nichts mit der Verherrlichung oder Bejahung dieser Epoche und ihrer verderblichen Inhalte zu tun, sondern lediglich mit der geschichtlichen Betrachtung und wertfreien Aufarbeitung wozu m.E. auch das Zeigen, im entsprechenden Rahmen, gehört.
SonjaD17
Am: 15.01.2016 23:12:07
Gelesen: 14072
Wenn ich im Internet eine Menge an Marken kaufe, u.a. Marken mit Hakenkreuz oder Feldpoststempel mit Hakenkreuz -> ZUM SAMMELN, dann ist das eigentlich nicht erlaubt?
Beziehungsweise, selbst ein privater Verkäufer macht sich dann strafbar, wenn er seine alten Briefmarken verscherbelt, um Platz auf dem Speicher zu machen? Er muss ja ein Bild auf ebay und Konsorten zeigen. Macht der Käufer sich durch den Erwerb auch strafbar?
Ist selbst das Abbild von Hitler auf einer Marke, auch ohne Hakenkreuz auf etwaigen Stempeln, schon verbotenes Material?
Muss ich jetzt, wenn ich Bilder von Marken aus dieser Zeit zeigen will, ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich dies nur z.B. zu Zwecken der Wissenschaft und Kunst tue?
Leben wir im 21.ten Jahrhundert?
Ich finde, man sollte diesen zeitgeschichtlichen Symbolen nicht mit Furcht begegnen (die Römer habe das Hakenkreuz auch benutzt u.a.). Was bleibt dann übrig? Nur ein Symbol ohne Macht! Dieses Kopf in den Sand stecken ist heutzutage doch unangemessen.
Für mich ist es Zeitgeschichte, ich bin Jahrgang 1971, und will mir das auch nicht verbieten lassen Briefmarken aus allen Zeitepochen sammeln zu dürfen, egal mit welchen Symbolen.
Ich bin deswegen doch kein Nazi! Das ist Vorverurteilung und Diskriminierung in gewissem Maße!
Aber ich will auch niemandem hier auf die Füße treten. Wenn es nicht erwünscht ist, dann unterlasse ich die Thematik zukünftig einfach.
Am: 15.01.2016 23:40:19
Gelesen: 14047
ich denke die Meisten, wie ich auch, sehen es genau wie Du. Leider ist es aber das Kreuz, das wir als Deutsche wohl noch wenigstens weitere 50-100 Jahre zu tragen haben, was unsere eigenen Groß- und ggf. Urgroßväter verbockt haben. So wie "der Deutsche" immer noch immer im Ausland oft als erstes mit Hitler und dem Nazi-Reich gleichgesetzt wird, so wie bei dem geringsten Umstand pauschaliert der mahnende Zeigefinger mit Blick auf jene unschöne Zeit gegen Deutschland erhoben wird, so lange werden die in mancherlei Dingen überzogenen Rechtsprechungen und Gesetze von uns selber und gegen uns selber angewendet werden müssen, nur um nach Außen zu signalisieren "wir sind doch gar nicht so, wir gehen mit aller Härte des Gesetzes dagegen vor!".
Die wie in diesem Beispiel vollkommen überzogenen Blüten der Juristerei sind ärgerlich, aber wie viele Gesetze vermutlich nur in langen Zeiträumen auf ein vernünftiges Maß zu bringen. Es gibt bis heute völlig unsinnige (bzw. unsinnig gewordene) Gesetze und Erlasse, die vor 150 Jahren festgelegt wurden, und nur dann für ungültig erklärt werden, wenn der Protest dagegen entweder laut genug ist oder das Gesetz / Regelung usw. schon so offensichtlich unzeitgemäß ist, dass auch bei dem stumpfsinnigsten Jurist sich der gesunde Menschenverstand einschaltet, wenn es Anwendung finden soll. Noch schlimmer ist es bei Steuern, nichts ist so langlebig wie diese. Die Schaumweinsteuer beispielsweise ...
Aber wenn ich es richtig verstehe: Niemand verbietet Dir das Sammeln von Marken oder Dingen mit diesen Symbolen, nur das öffentliche Zeigen dieser Sammlung ist rechtlich ein Problem.
Am: 15.01.2016 23:47:50
Gelesen: 14040
Ich vermeide es in der Regel, in diesem Forum "politisch" zu werden, aber wenn ich von solchen Sörgelchen der Deutschen Justiz lesen muss, bin ich doch echt froh in der Schweiz zu leben! Hier können die Marken sowie Sammlergegenstände wie Orden oder Abzeichen des III. Reiches ohne jegliche Abdeckbalken angeboten werden. Diese Abbildungen dienen ja nicht der Propaganda oder Glorifizierung der NS-Zeit, sondern der Angebotspräsentierung dieses Sammlermaterials. Eine Justiz die das anders sieht, ist meiner Meinung nach verklemmt.
Wenn die Deutsche Justiz konsequent wäre, müsste sie alle Angebotsplattformen wie ebay oder delcampe verklagen!
Hier ein paar Beispiele, was dort angeboten wird:
http://www.ebay.com/itm/GERMAN-EMPIRE-WWII-THIRD-REICH-1934-MUNICH-PUTSCH-ANNIVERSARY-ORIGINAL-POSTCARD-/131701144694?hash=item1ea9fffc76:g:-zsAAOSwJkJWiY0d
http://www.ebay.com/itm/GERMANY-BOHEMIA-MORAVIA-1943-Maxi-Card-WWII-PHOTO-HITLER-OLMUTZ-Cancel-r11e2074-/201500639247?hash=item2eea5fc00f:g:UOYAAOSwoydWkpj1
http://www.delcampe.net/page/item/id,277689775,var,Germany-3rd-Reich-postcard-13-3-1938-Ein-Volk-Ein-Reich-Ein-Fuhrer-Postmark-Kiel-22-8-1938,language,G.html
Am: 16.01.2016 00:27:23
Gelesen: 14023
Ich lebe mittlerweile u.a. in England und hier habe ich das Gefühl wird viel liberaler mit dem Thema umgegangen. Ich hatte erst Bedenken, wie man mich im Ausland als Deutsche empfängt. Warum? Na eben, weil ich auch zu denen gehöre, die in der Schule im Geschichtsunterricht mit dem Thema - jedes Jahr wiederholt - quasi gequält wurden. Über die Fahrten zur politischen Bildung (80 er/ 90er Jahre) will ich gar nicht erst reden (Traumata).
Schuldgefühle wurden meiner Generation in die Wiege gelegt. Meine Eltern waren Kleinkinder zu Kriegszeiten oder in der Nachkriegszeit groß geworden. Was war es, was mich nach meinem Umzug vor 5 Jahren ins Ausland überraschte? Die meisten haben mich hier mit offenen Armen empfangen. Über Geschichte wird ganz offen gesprochen. Na klar schaue ich mir auch in Museen die Beiträge zum 2. WK aus englischer Sicht an. Das ist auch Bildung.
Heute erkenne ich, sozusagen von außen betrachtet, daß diese Schuldgefühl-Erziehungspolitik in Deutschland, zumindest bei meiner Generation, total unnötig war, wenn nicht vielmehr sogar Schaden angerichtet hat.
Und wegen dieser Symbol-Hochstilisierung bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung im speziellen Fall von Briefmarken und einem armen Händler, der mit Sicherheit nichts Böses im Sinn hatte, da werde ich jetzt eben wütend. Tja, ...
Am: 16.01.2016 08:38:44
@ SonjaD17 [#24]
Vae victis - Wehe den Besiegten!
Als Brite/Ire habe ich keine Schuldgefühle. Ich bin in Deutschland geboren und meine deutsche Mutter hat mich nicht so erzogen, aber ich habe es in der Schule gespürt - Schuldgefühle wurden übermittelt.
Aber die Abneigung gegen Deutsche spüre ich aber leider heute noch - selbst in Großbritannien und Amerika. Ich bin ein Kind mehrerer Nationen und spüre, sehe die Abneigung. Selbst in der britischen Garnison bekomme ich die abfälligen Gespräche mit - besonders unter Kindern. Es sind ja zum Glück nicht alle so! Du wurdest mit offen Armen empfangen - meine Frau kann auch gut andere Geschichten erzählen. Besonders in den USA.
Egal, wir sind alles Menschen und sind im Grunde gleich. Aber leider hat die Aussage von Brennus "vae victis" heute noch Gültigkeit!
Am: 16.01.2016 11:11:48
in diesem Forum sind politische und religiöse Diskussionen nicht gerne gesehen, besser ist, wir bleiben bei der Philatelie, und zwar auch der des Deutschen Reichs bis 1945, dies aber zu jedem philatelistischen Aspekt.
Hier der Auszug aus den Forumregeln:
Im Forum von PhilaSeiten.de treffen sich viele verschiedene Menschen. Unser Ziel ist es, allen Mitgliedern und Lesern einen interessanten, anregenden und kommunikativen Platz zur Verfügung zu stellen. Der Gebrauch obszöner, missbräuchlicher oder hasserfüllter Sprache ist nicht erwünscht. Ebenso entfernen wir ohne Vorankündigung Beiträge mit gewalt- und drogenverherrlichenden Inhalten, pornographische Darstellungen, rassistische Äußerungen und sonstige Inhalte, die verletzend für andere sind und/oder gegen straf- und presserechtliche Bestimmungen verstoßen. Die Veröffentlichung von Namen, Adressen und Telefonnummern zur Bloßstellung Dritter ist ebenfalls untersagt.
Seit der Gründung von Philaseiten vor rund 9 Jahren sind Symbole und nationalsozialistische Parolen auf Marken, insbesondere aber auch auf Belegen und Stempeln stets ohne jede Einschränkung gezeigt worden. Zur Aufgabe der Philaseiten gehört die Information und Diskussion über jeden Zeitabschnitt der Geschichte aller deutschen Staaten.
Auch in der Philaseiten Auktion wurden und werden zum Beispiel Dienstmarken des Deutschen Reichs mit dem Hakenkreuzsymbol gezeigt und verkauft, ebenfalls ohne Einschränkung.
All das wird sich auch künftig nicht ändern.
Welche unverständlichen Regeln auf anderen Handelsplattformen, in anderen Foren oder in Fern- und Saalauktionen angewendet werden, muss uns hier nicht interessieren - wir sind frei und offen im Rahmen unserer seit dem ersten Tag des Forum bekannter Regeln.
127422 145 01.01.20 08:52 Michael Mallien
65045 122 14.12.19 17:13 Pete
14158 10 16.07.17 16:08 Germanstamps
31206 28 26.09.11 14:29 chuck193
17314 17 06.10.08 18:12 reichswolf

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