Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=LVerfG%20Sachsen-Anhalt&Datum=16.02.2010&Aktenzeichen=LVG%209/08
Timestamp: 2019-07-18 12:53:19+00:00

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LVerfG Sachsen-Anhalt, 16.02.2010 - LVG 9/08 - dejure.org
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LVerfG Sachsen-Anhalt, 16.02.2010 - LVG 9/08 (https://dejure.org/2010,4471)
LVerfG Sachsen-Anhalt, Entscheidung vom 16.02.2010 - LVG 9/08 (https://dejure.org/2010,4471)
LVerfG Sachsen-Anhalt, Entscheidung vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08 (https://dejure.org/2010,4471)
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Vereinbarkeit des § 19a des Finanzausgleichsgesetzes (FAG) in der Fassung des Zweiten Gesetzes zur Änderung des Finanzausgleichsgesetzes vom 20. März 2007 mit der verfassungsrechtlich durch Art. 2 Abs. 3, 87 Abs. 1 der Landesverfassung garantierten kommunalen Selbstverwaltung; Landesverfassungsrechtliche Berücksichtigung des Verbots der "echten" Rückwirkung oder der unzulässigen Rückbewirkung bei der Berechnung der Finanzausgleichsabgabe; Finanzhoheit der Kommunen als Selbstverwaltungsrecht; Angemessener Ausgleich unterschiedlicher Finanzkraft der Kommunen auf Grund eines Gesetzes durch Berücksichtigung der Finanzausgleichslage bei der Berechnung der Kreisumlage
Neufassung des § 19a des Finanzausgleichsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt ist verfassungswidrig.
Dementsprechend gehen auch die Verfassungsgerichte anderer Bundesländer davon aus, dass Art. 106 Abs. 5 bis 6 GG einer landesgesetzlichen Erhebung interkommunaler Finanzausgleichsumlagen nicht entgegensteht (…vgl. VerfG Bbg., Urteil vom 6. August 2013 - VfGBbg 53/11 -, DVBl. 2013, 1180 = juris, Rn. 65 ff.; VerfG M-V…, Urteil vom 26. Januar 2012 - LVerfG 18/10 -, NordÖR 2012, 229 = juris, Rn. 72, 76; VerfGH Sachsen…, Urteil vom 29. Januar 2010 - Vf. 25-VIII-09 -, LKV 2010, 126 = juris, Rn. 116; VerfG S-A…, Urteil vom 13. Juni 2006 - LVG 7/05 -, NVwZ 2007, 78 = juris, Rn. 126; Urteil vom 16. Oktober 2010 - LVG 9/08 -, LKV 2010, 477 = juris, Rn. 51; vgl. auch zum früheren Solidarbeitrag NRW BVerwG…, Urteil vom 25. März 1998 - 8 C 11.97 -, BVerwGE 106, 280 = juris, Rn. 15 ff.; OVG NRW…, Urteil vom 18. März 1997 - 15 A 166/94 -, NWVBl. 1997, 373 = juris, Rn. 7 ff.).
Vielmehr stimmt sie der Rechtsprechung der Verfassungsgerichte der Länder ausdrücklich zu, nach der die Abschöpfung überdurchschnittlicher Finanzkraft mit dem Recht auf kommunale Selbstverwaltung vereinbar ist (vgl. hierzu: BbgVerfG…, Urteil vom 6. August 2013 - 53/11 -, juris Rn. 39 ff.; VerfG M-V…, Urteil vom 26. Januar 2012 - 18/10 -, juris Rn. 71 ff.; SächsVerfGH…, Urteil vom 26. August 2010 - Vf. 129-VIII-09 -, juris Rn. 91 ff.; VerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08 -, juris Rn. 52).
Der Umstand, dass zur Berechnung der aktuellen Finanzkraft der Gemeinde auf die Höhe der Steuereinnahmen aus vorhergehenden Zeiträumen zurückgegriffen wird, vermag keine echte Rückwirkung zu begründen (vgl. VerfG M-V…, Urteil vom 26. Januar 2012 - 18/10 -, juris Rn. 113 f.; SächsVerfGH…, Urteil vom 26. August 2010 - Vf. 129-VIII-09 -, juris Rn. 101: im Ergebnis ebenso VerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08 -, juris Rn. 55 ff.).
Die Voraussetzungen für die Erhebung einer Umlage waren bereits mit § 31 a ThürFAG 2011 geschaffen worden (vgl. zum fehlenden Vertrauen: VerfG LSA, Urteil vom 26. Februar 2010 - LVG 9/08, juris Rn. 60).
cc) Es kann offen bleiben, ob die erstmalige Erhebung einer Umlage, die auf der Grundlage der Einnahmen aus vorhergehenden Jahren berechnet wird, eine unechte Rückwirkung begründet (so: VerfG M-V…, Urteil vom 26. Januar 2012 - 18/10 -, juris Rn. 113 f.; SächsVerfGH…, Urteil vom 26. August 2010 - Vf. 129-VIII-09 -, juris Rn. 101; im Ergebnis ebenso: VerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08 -, juris Rn. 55 ff.).
26. Januar 2012 - 18/10, juris Rn. 89; VerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08, juris Rn. 123).
Zwar bedarf gerade die Erhebung von Umlagen einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage, weil mit ihnen direkt in die gemeindliche Finanzautonomie eingegriffen wird (LVerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08 -, juris Rn. 70).
Aufgeworfen und dahinstehen lassen hat diese Frage das Verfassungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt (…Urteil vom 13. Juni 2006, a. a. O., S. 429) und später nicht wieder aufgegriffen (Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08 -, LVerfGE 21, 361 ff).
Sie bezweckt, die Landkreise mit abundanten Gemeinden annähernd so zu stellen, wie sie ohne Erhebung der Finanzausgleichsumlage stünden, und trägt damit der Auffassung des Verfassungsgerichts des Landes Sachsen-Anhalt in dessen Urteil vom 16. Februar 2010 (a. a. O., S. 380) Rechnung, der zufolge der Abzug der Finanzausgleichsumlage von den Umlagegrundlagen für die Ermittlung der Kreisumlage ein unzulässiger Eingriff in die Finanzhoheit der Landkreise mit abundanten Gemeinden ist.
Vor diesem Hintergrund, insbesondere der genannten umfassenden Vorkehrungen des Gesetzes gegen eine unangemessen starke Belastung abundanter Gemeinden wie der Beschwerdeführerin bedarf es unter dem Aspekt des Übermaßverbots keiner besonderen Regelung zu Ausnahmen von der Umlagepflichtigkeit nach § 17a BbgFAG (vgl. VerfG MV…, Urteil vom 26. Januar 2012, a. a. O., Rn. 103, SächsVerfGH…, Urteil vom 29. Januar 2010, a. a. O., S. 351; anders LVG LSA…, Urteil vom 13. Juni 2006, a. a. O., S. 432 ff, Urteil vom 16. Februar 2010, a. a. O., S. 381 ff).
Ansonsten würde den Kommunen jeder Anreiz genommen, ihre Finanzkraft durch eigene Anstrengungen zu verbessern (BbgVerfG…, Urteil vom 8. August 2013 - 71/11 -, juris Rn. 87; VerfG M-V…, Urteil vom 26. Januar 2012 - 18/10, juris Rn. 89; VerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08, juris Rn. 123).
direkt in die gemeindliche Finanzautonomie eingegriffen wird (LVerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08 -, juris Rn. 70).
Der Umstand, dass zur Berechnung der aktuellen Finanzkraft der Gemeinde auf die Höhe der Steuereinnahmen aus vorhergehenden Zeiträumen zurückgegriffen wird, vermag keine echte Rückwirkung zu begründen (ThürVerfGH, Beschlüsse vom 16. April 2014 - VerfGH 5/12 u. 6/12 -, jeweils S. 16 f.; VerfG M-V…, Urteil vom 26. Januar 2012 - 18/10 -, juris Rn. 113 f.; SächsVerfGH…, Urteil vom 26. August 2010 - Vf. 129-VIII-09 -, juris Rn. 101: im Ergebnis ebenso VerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08 -, juris Rn. 55 ff.).
bb) Die Behauptung, die Erhebung der Umlage verschiebe die "interkommunale Finanzkraftreihenfolge", wird nicht im Ansatz begründet (zum Verbot der Übernivellierung: ThürVerfGH, Beschlüsse vom 16. April 2014 - VerfGH 5 u. 6/12 -, S. 18 f. bzw. 17 f.; BbgVerfG…, Urteil vom 8. August 2013 - 71/11 -, juris Rn. 87; VerfG M-V…, Urteil vom 26. Januar 2012 - 18/10, juris Rn. 89; VerfG LSA, Urteil vom 16. Februar 2010 - LVG 9/08, juris Rn. 123).
Diese umfasst die eigenverantwortliche Einnahmen- und Ausgabenwirtschaft (vgl. BVerfGE 71, 25, 36 m.w.N.; LVerfG LSA, Urt. v. 16.02.2010 - LVG 9/08 -, Ziff. 6 d. Entscheidungsgründe).
Soweit die Regelung einer Finanzausgleichsumlage in Sachsen-Anhalt vom dortigen Landesverfassungsgericht für mit der Verfassung unvereinbar erklärt worden ist, betraf dieses Verdikt die konkrete Ausgestaltung der Umlage; die Zulässigkeit der Umlage an sich wurde ausdrücklich bejaht (LVerfG LSA, Urt. v. 16.02.2010 - LVG 9/08 -, Ziff. 7 der Entscheidungsgründe;… Urt. v. 13.06.2006 - LVG 7/05 -, LVerfG 17, 410, 427 ff.).
Insoweit unterscheidet sich die Rechtslage in Mecklenburg-Vorpommern von derjenigen, die der Entscheidung des Landesverfassungsgerichts Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2010 zu Grunde lag (LVerfG LSA, Urt. v. 16.02.2010 - LVG 9/08 - ).
Soweit die Regelung einer Finanzausgleichsumlage in Sachsen-Anhalt vom dortigen Landesverfassungsgericht für mit der Verfassung unvereinbar erklärt worden ist, betraf dieses Verdikt die konkrete Ausgestaltung der Umlage; die Zulässigkeit der Umlage an sich wurde ausdrücklich bejaht (LVerfG LSA, Urt. v. 16.02.2010 - LVG 9/08 -, Ziff. 7 der Entscheidungsgründe;… Urt. v. 13.06.2006 - LVG 7/05 -, LVerfGE 17, 410, 427 ff.).
Insoweit unterscheidet sich die Rechtslage in Mecklenburg-Vorpommern von derjenigen, die der Entscheidung des Landesverfassungsgerichts Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2010 zu Grunde lag (LVerfG LSA, Urt. v. 16.02.2010 - LVG 9/08 -).
Es hängt vielmehr von der Besonderheit des Einzelfalls ab, ob die Normadressaten darauf vertrauen können, von einer entsprechenden Regelung für den Zeitraum dieses Rechtsscheins verschont zu bleiben (vgl. BVerfGE 13, 261, 272; BVerfG, NVwZ 2010, 313, 314; siehe auch VerfG LSA, LKV 2010, 477, 478;… sowie Maurer, in: Handbuch des Staatsrechts, Bd. IV, 3. Aufl. 2006, § 79 Rn. 47 und 56 f.).

References: § 19
 Art. 2
 § 19
 Art. 106
 § 31
 § 17
 § 79