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Timestamp: 2019-10-16 16:34:31+00:00

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Wer seine Immobilie nach seinem Tod in vertrauensvolle Hände übergeben möchte, sollte dies mit einem Erbvertrag oder einem Testament frühzeitig regeln. Foto: Sunny studio/fotolia.com
Ob Haus, Bargeld oder andere Vermögenswerte: Wer seinen Nachlass früh regelt, kann nicht nur einen Erbstreit verhindern, sondern auch dafür sorgen, dass Freunde oder der Lebensgefährte nicht leer ausgeht. Vererbt der Erblasser sein Vermögen bereits zu Lebzeiten, können seine Erben unter Umständen sogar Geld sparen. Erblasser können neben einem Testament auch einen Erbvertrag aufsetzen. Ohne Notar geht in diesem Fall aber nichts.
Erbvertrag: Der letzte Wille – notariell beglaubigt
Einseitiger oder zweiseitiger Erbvertrag
Aufhebungsvertrag: Nur vom Erblasser persönlich
Ausnahmen bei der Erbschaftssteuer
Stiefkinder erben nur in bestimmten Fällen
Schenkung: Steuervorteile nutzen
Schenkung: Ein Vertrag ist kein Muss
Testament: der letzte Wille – jederzeit widerrufbar
Das muss und kann ins Testament
Fazit: Schon zu Lebzeiten den Nachlass klären
Der Erbvertrag ist neben dem Testament eine Möglichkeit, den Nachlass zu regeln. Allerdings muss dieser immer notariell beglaubigt werden. „Wichtig ist, dass die Erben beziehungsweise Vermächtnisnehmer genau bezeichnet werden“, erklärt Markus Sebastian Rainer, Fachanwalt für Erbrecht und Testamentsvollstrecker.
„Wer erbt, erhält einen bestimmten Bruchteil am Vermögen, beispielsweise ein Achtel oder das gesamte Vermögen. Der Vermächtnisnehmende bekommt hingegen nur einen bestimmten Gegenstand“, erklärt Rechtsanwalt Rainer. Da das Vermögen eines Menschen aber mehr als einen Gegenstand umfasst, ist es wichtig, den gesamten Nachlass ordnungsgemäß zu regeln. „Ein Testament oder Erbvertrag, in dem niedergeschrieben ist, dass der Sohn das Haus erbt, ist sehr streitanfällig“, so Rainer weiter. Schließlich sei in diesem Fall nicht geregelt, wer die übrigen Vermögensgegenstände erhält. Daher sollten in der Nachlassregelung Erben genannt werden und dies gegebenenfalls mit Vermächtnissen kombiniert werden.
Darüber hinaus sollten sich die Erblasser Gedanken darüber machen, was geschehen soll, wenn eine der eingesetzten Personen vor dem Tod des Erblassers verstirbt. „Es ist dringend anzuraten, dass für diesen Fall eine entsprechende Vorsorge im Erbvertrag getroffen wird und wer in diesem Fall Ersatzerbe beziehungsweise Ersatzvermächtnisnehmer ist. Falls die Benennung unterblieben ist, muss durch Auslegung des Erbvertrages ermittelt werden, wem der Erblasser für diesen Fall den Erbteil oder das Vermächtnis mutmaßlich hinterlassen wollte“, so der Anwalt weiter. Da diese Auslegung naturgemäß extrem streitanfällig sei, empfehle es sich daher dringend, Ersatzerben zu benennen.
Vor allem nichtverheiratete Paare sollten einen Erbvertrag aufsetzen, damit sie sich gegenseitig als Erben einsetzen können.
Bezüglich der Inhalte eines Erbvertrags gibt es keine Vorgaben: „Es gibt keine zwingende Mindestinhalte“, sagt Markus Sebastian Rainer. Es könne die komplette Erbfolge geregelt werden, aber auch nur Teilaspekte – wie die Anordnung einer Testamentsvollstreckung. Allerdings müssen bei einem Erbvertrag, anders als beim Testament, beide Parteien – der Erblasser und der Erbe – zustimmen. Zusätzlich kann der Erblasser verfügen, dass das Erbe an eine Bedingung geknüpft ist: Zum Beispiel, dass sich der Sohn verpflichtet, in der Firma zu arbeiten, die ihm der Vater vererbt.
Der Testamentsvollstrecker wird durch den Erblasser oder das Nachlassgericht ernannt. Es sollte sich dabei um eine Person handeln, die unter anderem über gute rechtliche, wirtschaftliche und steuerliche Kenntnisse verfügt. Da Erblasser und Erben den Testamentsvollstrecker oftmals nicht kennen und nicht immer vertrauen, ist es sinnvoll, eine Vertrauensperson als Ersatz-Testamentsvollstrecker einzusetzen. Somit ist sichergestellt, dass eine vertrauensvolle Person den letzten Willen des Erblassers erfüllt. Eine Testamentsvollstreckung dient vor allem bei einer umfangreichen Teilungsanordnung, einem hohen Nachlassvermögen und mehreren Erben dazu, Streitigkeiten zu vermeiden und dass der letzte Wille richtig umgesetzt wird.
Ein Erbvertrag kann einseitig oder zweiseitig sein: „In einem einseitigen Erbvertrag trifft nur eine Person Verfügungen von Todes wegen. Bei einem zweiseitigen Erbvertrag treffen mindestens zwei Personen Verfügungen von Todes wegen“, erläutert Rainer. Ein Beispiel für einen einseitigen Erbvertrag liegt dann vor, wenn ein Onkel seinen Neffen als Alleinerben einsetzt. Bei einem zweiseitigen Erbvertrag setzen sich beispielsweise beide Ehegatten gegenseitig bindend als Erben ein Denn gibt es keinen Erbvertrag, gilt die gesetzliche Erbfolge.
Bindende und nicht-bindende Verfügungen im Erbvertrag
Generell ist der Erbvertrag an sich nicht bindend, sondern die darin enthaltenen sogenannten vertragsmäßigen Verfügungen (§2278 BGB). Diese können nur Erbeinsetzungen, Vermächtnisse oder Auflagen sein. Diese bindenden Verfügungen sind im Gegensatz zu den nicht-bindenden nicht widerrufbar. Da im Erbvertrag beide Arten möglich sind, sollten in jedem Vertrag ausdrücklich festgehalten werden, welche Verfügung bindend beziehungsweise nicht-bindend und somit widerrufbar ist.
Rechtsanwalt Rainer beschreibt mit folgendem Vertragstext, wie Erblasser bindende und nicht-bindende Verfügungen formulieren könnten:
„Wir, die Ehegatten Müller, setzen uns gegenseitig zu Alleinerben ein. Schlusserben nach dem Tod des Letztversterbenden von uns werden unsere beiden Kinder je zur Hälfte. Nach dem Tod des Erstversterbenden erhalten unsere Enkelkinder darüber hinaus jeweils ein Vermächtnis in Höhe von 10.000 €. Sämtliche Verfügungen in diesem Erbvertrag sind bindend, mit Ausnahme der Vermächtnisse. Diese sind nur einseitig angeordnet."
Bei diesem Erbvertrag könne der überlebende Ehegatte die Erbeinsetzung der gemeinsamen Kinder nach dem Tod des zuerst verstorbenen Ehegatten zwar nicht mehr aufheben, die Vermächtnisse zu Gunsten der Enkelkinder ganz oder teilweise aber schon, weil diese in nicht bindender Weise angeordnet worden sind, beschreibt der Anwalt.
Will ein Erblasser den Erbvertrag aufheben, ist das nur zulässig, wenn alle vertragsschließenden Parteien zustimmen. Foto: fizkes/fotolia.com
Da ein Erbvertrag zu einer sehr starken Bindung für alle Beteiligten führt, sollten sich Erblasser vorab intensiv damit auseinandersetzen. Ist er Vertrag unterschrieben, kann laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) nur dann die Aufhebung erfolgen, wenn die vertragsschließenden Parteien dies übereinstimmend beschließen (§2290 BGB). Außerdem müssen alle Beteiligten noch am Leben sein. In diesem Fall können die Erblasser einzelne Vertragspunkte aufheben oder den Vertrag durch einen neuen Erbvertrag ersetzen. Sofern die einzigen Parteien des Vertrags zwei Eheleute sind können sie den Erbvertrag auch durch ein gemeinschaftliches Testament der Ehegatten ersetzen.
Wie auch beim Erbvertrag kann nur der Notar einen Aufhebungsvertrag schließen – eine notarielle Beurkundung ist verpflichtend. Der Erblasser muss den Aufhebungsvertrag persönlich schließen und darf sich beim Abschluss nicht vertreten lassen. Zudem muss er geschäfts- und handlungsfähig sein. Nach dem Tod des oder der Erblasser können die gesetzlichen Erben oder ein Pflichtteilsberechtigter den Erbvertrag anfechten oder von diesem zurücktreten.
Ein Aufhebungsvertrag verliert dann seine Wirkung, wenn er erbrechtliche Regelungen enthält, die bereits zu Lebzeiten des Erblassers und Vertragspartners wirkungslos waren.
Generell kann ein Erblasser einen Erbvertrag nur rückgängig machen, wenn dort ein Widerrufs- oder Rücktrittsrecht vereinbart wurde (§ 2293 BGB). Dieses kann sich auf den ganzen Vertrag, aber auch nur auf einzelne vertragsmäßige Verfügungen beziehen.
Auch wenn dies nicht zwingend ist, sollte der Erblasser vor der Rücktrittsverkündigung den Vertragspartner abmahnen. Der Erblasser ist verpflichtet, den Rücktritt persönlich zu erklären – die Vertretung durch eine andere Person ist nicht möglich. Wie beim Erb- und Aufhebungsvertrag muss auch die Erklärung des Rücktritts notariell beglaubigt werden.
Gründe für einen Rücktritt vom Erbvertrag
Um vom Erbvertrag zurücktreten zu können, müssen drastische Gründe vorliegen. Dies ist unter anderem der Fall, wenn der Vertragserbe
das Leben des Erblassers, dessen Ehepartners, eines Abkömmlings oder einer ähnlich nahestehenden Person bedroht.
schuldig an einem Verbrechen gegen den Erblasser oder ihm nahestehenden Personen ist.
seine Unterhaltspflicht böswillig verletzt.
wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung rechtskräftig verurteilt wird und es für den Erblasser unzumutbar ist, diesem das Erbe zu überlassen.
wegen einer ähnlich schwerwiegenden vorsätzlichen Tat in einem psychiatrischen Krankenhaus oder in eine Entziehungsanstalt untergebracht werden muss.
Hat der Erblasser kein Widerrufs- oder Rücktrittsrecht vereinbart, kann er die darin erhaltenen Verfügungen anfechten. Dafür müssen nicht nur Anfechtungsgründe nach den Paragrafen 2078 oder 2079 BGB vorliegen, sondern muss der Erblasser diese auch nachweisen können.
Wann ein Erbvertrag anfechtbar ist
Nur unter bestimmten Umständen kann der Erblasser den Erbvertrag anfechten:
Erklärungsirrtum: macht der Erblasser einen inhaltlichen Fehler kann er den Vertrag anfechten. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn er aus Versehen 100.000 Euro statt 10.000 Euro vererbt.
Inhaltsirrtum: Hierbei ist sich der Erblasser der rechtlichen Bedeutung seiner Erklärung nicht bewusst. Dies ist unter anderem der Fall, wenn er schreibt, dass seine gesetzlichen Erben sein Vermögen zu gleichen Teilen erhalten sollen, aber er irrtümlich davon ausgeht, dass sein Bruder neben seinem Sohn nach der gesetzlichen Erbfolge erbberechtigt ist.
Motivirrtum: Setzt der Erblasser beispielsweise seine Tochter als Alleinerbin ein, weil er von deren Hochzeit ausgeht, diese aber nicht stattfindet, handelt es sich um einen Motivirrtum. Dies ist ebenfalls einen Grund, die Verfügung anzufechten.
Haben der Erbe oder die Erben den Erblasser arglistig getäuscht, damit dieser den Erbvertrag aufsetzt, fällt dies in der Regel unter Erklärung-, Inhalts- oder Motivirrtum.
Ist der Erbvertrag aufgrund von Drohungen entstanden, gelten die Vereinbarungen als ungültig.
Wenn der Erbe beispielsweise die Krankheit des Erblassers ausgenutzt, damit dieser den Erbvertrag aufsetzt, fällt dies unter Sittenwidrigkeit und der Vertrag ist somit anfechtungswürdig.
Die Verfügungen im Erbvertrag können auch angefochten werden, wenn der Erblasser einen Pflichtteilsberechtigten übergangen hat, beispielsweise weil dieser zur Vereinbarung des Erbvertrags noch nicht geboren war oder der Erblasser an diesem Zeitpunkt von diesem noch nichts wusste.
Der Erbvertrag kann für nichtig erklärt werden, wenn die möglichen Erben erbunwürdig sind. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Erbe den Erblasser getötet hat, dies vorhat oder den Erblasser daran hindert, den Erbvertrag aufzusetzen.
Möchte der Erblasser den Erbvertrag anfechten, muss er dies gemäß §2282 BGB persönlich durchführen – sofern er nicht geschäftsunfähig ist. In diesem Fall kann ein Betreuer die Anfechtung übernehmen. Hierfür muss aber eine Genehmigung des Betreuungsgerichts vorliegen. Die Anfechtungserklärung muss form- und fristgerecht beim zuständigen Nachlassgericht eingereicht werden. Der Erblasser muss innerhalb eines Jahres nach Kenntnisnahme des Anfechtungsgrunds den Erbvertrag anfechten. Die Frist beginnt, wenn der Anfechtungsberechtigte von dem Anfechtungsgrund erfährt (§2082 BGB). Erst wenn die Anfechtung erfolgreich und der Vertrag somit unwirksam ist, können neue Verfügungen getroffen werden.
Hat der Erbvertrag seine Gültigkeit und der Erbe kann sich beispielsweise über ein Altbau-Wohnung freuen, sollte er nicht vergessen, dass er ab einer bestimmten Summe Erbschaftssteuer zahlen muss.
Ab einer gewissen Höhe ist Erbschafts- oder Schenkungssteuer fällig. Wie hoch der Betrag ausfällt, hängt von der Steuerklasse des Erben ab. Foto: iStock/mapodile
Generell macht es hinsichtlich der Steuersätze und der Freibeträge keinen Unterschied, ob es sich um eine Schenkung oder um ein Erbe handelt. So müssen beispielsweise Kinder erst dann Erbschaftssteuer zahlen, wenn das Erbe über dem Freibetrag von 400.000 Euro liegt.
Erbe (Steuerklasse) Freibetrag
Ehegatte/Lebenspartner (Steuerklasse I) 500.000 Euro
Kinder (Steuerklasse I) 400.000 Euro
Enkel (Steuerklasse I) 200.000 Euro
Geschwister, Neffen, Nichten, Eltern, Großeltern, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, geschiedene Ehegatten (Steuerklasse II) 20.000 Euro
Alle übrigen Erben, auch nichtverheiratete Partner (Steuerklasse III) 20.000 Euro
Fällt das Erbe höher aus als der jeweilige Freibetrag, wird je nach Steuerklasse ein entsprechender Steuersatz auf den Betrag erhoben, der über diesem liegt:
Wert bis einschließlich Steuersatz in der Steuerklasse
3000.000 Euro 11 % 20 % 30 %
Fällig wird die Steuer mit dem Erbfall. Allerdings ist nicht jeder in der Lage, die Erbschaftssteuer sofort zu bezahlen.
Beispiel: Erbt die Tochter das Haus im Wert von 500.000 Euro, muss sie – da sie einen Freibetrag von 400.000 Euro hat –100.000 Euro versteuern. Kinder haben die Steuerklasse I – entsprechend wird der Betrag mit 11 Prozent Erbschaftssteuer belegt. Dies entspricht 11.000 Euro.
Kann die Tochter die Erbschaftssteuer nicht zahlen, hat sie zwar die Möglichkeit, eine Stundung der Erbschaftssteuer beim Finanzamt zu beantragen, allerdings ist dies an strenge Voraussetzungen geknüpft: „Der Erbe muss eine vollständige Vermögensauskunft abgeben und darlegen, in welcher Weise er die Steuer nach Ablauf des Stundungszeitraums zu zahlen gedenkt. Eine Stundung wird nicht gewährt, wenn sich der Erbe das Geld für die Steuer beschaffen kann“, erklärt Anwalt Markus Sebastian Rainer. Geht es um eine große Summe, könnte der Erbe beispielsweise ein Grundstück verkaufen oder dieses beleihen.
Das Finanzamt hält es für zumutbar, dass Erben für die Erbschaftssteuer Schulden machen. Da die Zahlungsfrist ab Zustellung des Steuerbescheids nur einen Monat beträgt, sollten Erben versuchen, die Abgabe der Erbschaftssteuererklärung hinauszuzögern, indem sie Fristverlängerungsanträge stellen.
In Ausnahmefällen kann eine Stundung von bis zu zehn Jahren möglich sein.
Wer Immobilien im Ausland hat, sollte sich frühzeitig über die Steuergesetze des Landes informieren und sich erkundigen, ob ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland besteht. Besteht kein Abkommen, kann es passieren, dass der Erbe in beiden Ländern Erbschaftssteuer zahlen muss.
Nicht immer fällt eine Erbschaftssteuer an. Beispielsweise dann, wenn die Ehefrau die Immobilie erbt, die vom Erblasser bewohnt wurde und diese mindestens zehn Jahre nutzt. In diesem Fall werden keine Steuern fällig – unabhängig vom Verkehrswert der Immobilie. Diese Ausnahme tritt auch dann ein, wenn der überlebende Ehepartner die Immobilie aus zwingenden Gründen nicht selbst bewohnen kann – weil er zum Beispiel ins Altenheim ziehen muss. Übersteigt die Wohnfläche der Immobilie 200 Quadratmeter nicht, können auch die Kinder des Erblassers von dieser Steuerbefreiung profitieren. Diese Regelung gilt aber ausschließlich im Erbfall, nicht bei einer Schenkung.
Erbschaftssteuer bei Mietimmobilien
Hinterlässt der Erblasser eine vermietete Immobilie, kommen auch die Ehepartner und die Kinder nicht um eine Steuerzahlung herum. Diese errechnet sich aus dem Verkehrswert der Immobilie. Hinzu kommt, dass das Finanzamt einen Bewertungsabschlag von zehn Prozent des Verkehrswertes vornimmt. Die gesetzlichen Freibeträge gelten jedoch auch bei Mietimmobilien.
Wie viel das Haus oder die Wohnung wert ist, erfahren Erben bei der Ermittlung des Verkehrswerts.
Im Allgemeinen haben Stiefkinder keinen Pflichtteils- oder Pflichtteilsergänzungsanspruch, denn juristisch betrachtet sind Stiefeltern und -kinder nicht miteinander verwandt, sondern verschwägert. Entsprechend sind sie die gesetzlichen Erben ihres leiblichen Elternteils. Letztlich können Stiefkinder nur dann erben, wenn sie im Testament oder im Erbvertrag bedacht werden. Bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer gibt es allerdings keine Unterschiede zwischen den leiblichen und Stiefkindern.
Wer zu Lebzeiten seine Immobilie verschenkt, kann den Beschenkten Steuervorteile verschaffen. Foto: Vasyl/fotolia.com
Im Gegensatz zum Erbe handelt es sich bei einer Schenkung um eine Vermögensübertragung bereits zu Lebzeiten, auch vorweggenommene Erbfolge genannt.
Dabei kann der Beschenkte steuerliche Freibeträge ausnutzen. Je nach Verwandtschaftsgrad sind diese unterschiedlich. Wie auch beim Erbe hat das Kind einen Steuerfreibetrag von 400.000 Euro. Der Vorteil: Bei einer Schenkung kann dieser Freibetrag alle zehn Jahre ausgeschöpft werden.
Beispiel: Frau Huber hat ein Vermögen von 600.000 Euro. Sie schenkt ihrem Sohn eine Eigentumswohnung im Wert von 400.000 Euro und nach zehn Jahren Barvermögen in Höhe von 200.000 Euro. Somit muss der Sohn keine Schenkungssteuer zahlen, da in beiden Fällen der Steuerfreibetrag nicht überschritten wurde. Da sich der Freibetrag auf jeweils ein Elternteil bezieht, steht Kindern dieser zweimal zu – einmal von der Mutter und einmal vom Vater.
Herr Maier schenkt seinem Sohn Wertpapiere im Wert von 450.000 Euro. Da für ihn ein Freibetrag von 400.000 Euro und Steuerklasse I gilt, muss er für 50.000 Euro sieben Prozent Steuern zahlen, was 3.500 Euro entspricht.
Ein Schenkungsvertrag muss nicht notariell beglaubigt werden. Wenn Eltern ihren Kindern oftmals zwischendurch Geld schenken, weil sie ihnen beispielsweise einen bestimmten Betrag aufs Konto überweisen oder auf die Rückzahlung eines Darlehens verzichten, geschieht dies zumeist ohne einen Schenkungsvertrag. Gemäß § 518 Abs. 2 BGB sind solche ‚Handschenkungen‘ auch ohne Notar wirksam. Handelt es sich um hohe Summen, ist ein notarieller Vertrag empfehlenswert, da hier wichtige Details geregelt werden können:
Nur in bestimmten Fällen kann eine Rückabwicklung der Schenkung erfolgen: Gemäß §528 BGB ist dies dann möglich, wenn der Schenker zu verarmen droht oder wenn grober Undank (§ 530 BGB) vorliegt. Grober Undank ist beispielsweise bei körperlichen Misshandlungen, Bedrohungen oder schweren Beleidigungen gegeben.
Eine Schenkung kann aber auch dann zurückgefordert werden, wenn sich die Annahmen, auf der die Schenkung beruhen, als falsch herausstellen. Mit einem solchen Fall beschäftigte sich der Bundesgerichtshof (BGH; Az.: X ZR 107/16). In diesem Fall schenkten die Eltern ihrer Tochter und deren Lebensgefährten Geld, von dem sich diese eine Immobilie kauften. Die Schenkung geschah in der Annahme, das Paar werde lange Zeit zusammenbleiben. Die Beziehung scheiterte jedoch schon bald nach dem Kauf der Immobilie, die Eltern wollten von ihrem ehemaligen Beinahe-Schwiegersohn das geschenkte Geld zurück. Vor dem BGH bekamen sie dabei Recht. Die Richter argumentierten: Zwar hätten die Eltern nicht zwingend damit rechnen müssen, dass das Paar bis zum Tod einer der Partner zusammenbleibe, wohl aber für eine längere Zeit. Die Schenkung, so die Richter, wäre nicht erfolgt, wenn die Eltern gewusst hätten, dass sich das Paar schon kurz nach dem Immobilienkauf wieder trenne.
Anrechnung des Pflichtteils
Schenkungen der Eltern an ein Kind werden unter bestimmten Voraussetzungen nicht auf den Pflichtteil eines anderen Kindes angerechnet. Allerdings gibt es einen Pflichtteilergänzungsanspruch, wenn zwischen der Schenkung und dem Erbfall nur wenige Jahre vergangen sind, der in § 2325 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geregelt ist. Das bedeutet, dass der Pflichtteilsberechtigte eine Ergänzung des Betrags auf den Pflichtteil verlangen kann, wäre der verschenkte Gegenstand dem Nachlass zugerechnet worden.
Ausgleich bei mehreren Kindern
Bei mehreren Kindern können Eltern veranlassen, dass beispielsweise ein Kind zu Lebzeiten eine Schenkung erhält und die anderen erst später beim Erbe bedacht werden. Handelt es sich bei der Schenkung um eine Immobilie, sollte sich der Schenkende generell zur eigenen Absicherung und der des Ehepartners vertraglich ein Nießbrauchrecht einräumen, damit er das Haus oder die Wohnung auch nach der Schenkung weiter nutzen oder diese vermieten kann.
Näheres zum Thema Nießbrauchrecht erfahren Sie in im Artikel Nießbrauch: Immobilie verschenken und bleiben.
Im Gegensatz zum Erbvertrag muss das Testament handschriftlich verfasst sein. Foto: perfectlab/fotolia.com
Generell kann jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat und geistig gesund ist, ein Testament beim Notar erstellen lassen. Ab 18 Jahren ist jeder berechtigt, auch ohne Notar eigenhändig, das heißt handschriftlich, ein wirksames Testament zu verfassen. Verpflichtet ist dazu niemand – liegt kein Testament vor, greift die gesetzliche Erbfolge, die im § 1924 ff. BGB festgelegt ist.
Die gesetzliche Erbfolge regelt, wer das Vermögen eines Verstorbenen erhält, wenn dieser kein Testament oder einen Erbvertrag hinterlassen hat. Die Erbfolge regelt sich nach dem Verwandtschaftsgrad. Ein Erbe erster Ordnung ist beispielsweise der Sohn, Enkel oder Urenkel. Zur zweiten Ordnung gehören die Eltern, die Geschwister oder die Nichte des Erblassers.
Wer allerdings Einfluss darauf haben möchte, was mit seinem Nachlass passiert, kommt daher nicht umhin, dies schriftlich zu regeln.
Aber reicht es aus, Zettel und Stift zur Hand zu nehmen und den letzten Willen einfach niederzuschreiben? Tatsächlich muss ein Testament handschriftlich verfasst sein. Ein am Computer geschriebenes Testament mit Unterschrift wird nicht anerkannt, da in diesem Fall die Echtheit nicht gesichert ist. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, das Testament zu schreiben, muss einen Notar aufsuchen.
Ein Testament muss gewisse Elemente enthalten. Dazu zählen:
eindeutige Überschrift: ‚Testament‘ oder ‚Letzter Wille‘
genaue Angaben zum Erblasser und dem/den Erben (Name, Geburtsdatum)
Ein Testament muss nicht seitenlang sein. So kann der Satz „Hiermit setze ich meine Nichte, Frau Erika Mustermann, als Alleinerbin ein“, bereits ausreichen. Der Erblasser kann im Testament auch Auflagen stellen, indem er beispielsweise seinen Alleinerben dazu verpflichtet, das Grab zu pflegen. Diese Auflage hat verpflichtenden Charakter, weshalb das Erbe bei Nichterfüllung an einen anderen Erben vergeben werden kann: Kümmert sich der Alleinerbe nicht um den Hund, soll das Tierheim erben und sich um das Tier kümmern. Generell sind dem Erblasser bezüglich seiner Auflagen keine Grenzen gesetzt - solange diese nicht sittenwidrig, verboten oder unmöglich sind.
Während der Erblasser auch wohltätige Vereine oder Stiftungen im Testament berücksichtigen kann, ist es nicht möglich, ein Haustier als Erben einzusetzen. Allerdings kann ein Erbe eingesetzt werden, der sich um das Tier kümmern soll.
Da sich die Zeiten und Gefühle ändern können, sollte das Testament regelmäßig überprüft werden, ob es noch den Wünschen entspricht oder ob sich etwas an der Gesetzeslage geändert hat, das sich eventuell negativ auf den Erben auswirken könnte. Ist der Erbe verstorben, hat sich die Ehefrau und Alleinerbin scheiden lassen oder hat ein Streit das Verhältnis zum Sohn dauerhaft geschädigt, kann der Erblasser das Testament jederzeit – im Ganzen oder in Teilen – ändern. Wird ein neues Testament verfasst, kann das alte einfach vernichtet werden.
Zumindest eine Person sollte wissen, wo das Testament aufbewahrt wird. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, hinterlegt seinen letzten Willen gegen eine vermögensabhängige Gebühr beim Nachlass- oder Amtsgericht.
Auch wenn die Regelung des Nachlasses auch immer bedeutet, sich mit dem eigenen Tod auseinandersetzen zu müssen, so hat es viele Vorteile, wenn man bereits zu Lebzeiten den Nachlass regelt. Unter anderem kann der Erblasser entscheiden, wer unter welchen Umständen sein Vermögen erbt. Sind alle Vorkehrungen getroffen, lebt es sich um einiges entspannter.
ImmobilienrechtSteuern sparenTipps für VermieterTipps für Immobilieneigentümer
Gerda am 11.09.2017 15:17
Ich stimme voll und ganz zu, dass Immobilienbesitzer nicht nur zu Lebzeiten für alle Eventualitäten gerüstet sein sollten, sondern sich darüber hinaus auch mit der Frage beschäftigen, was mit ihrem Wohneigentum nach dem Tod passieren soll. Ich denke, dass es wichtig ist, sich frühzeitig und sorgfältig mit erbrechtlichen Fragen auseinander zu setzen. Bevor ich diesen Artikel gelesen habe, wusste ich nicht, dass jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat und geistig gesund ist, ein Testament beim Notar erstellen lassen kann. Ich glaube, dass es eine gute Idee ist, mit einem Rechtsanwalt über Testament zu beraten, als selbst online konsultieren. [Kommentar gekürzt, Anm. d. Red.]

References: §2282
 § 518
 §528
 BGH 
 § 2325
 § 1924