Source: http://m.hensche.de/Einigungsstelle_gerichtliche_Entscheidung_LAG_Duesseldorf_9TaBV39-14_u.html
Timestamp: 2018-04-22 18:07:54+00:00

Document:
Schlag­worte: Einigungsstelle: Vorsitzender
Akten­zeichen: 9 TaBV 39/14
Ent­scheid­ungs­datum: 25.08.2014
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Essen, Beschluss vom 02.06.2014, 5 BV 58/14
5 BV 58/14
Verkündet am 25.08.2014
gez.: Dr. Ul­rich
1. der Ent­sor­gungs­be­trie­be F. GmbH, ver­tre­ten durch die Geschäftsführer K. T. und H. K., Q. str. 32, F.,
Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Bögner Hen­sel & Part­ner, Zep­pe­lin­al­lee 47, 60487 Frank­furt am Main,
2. des Be­triebs­rat der Ent­sor­gungs­be­trie­be F. GmbH, ver­tre­ten durch den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den U. B., Q. str. 32, F.,
- Be­tei­lig­ter zu 2) und Be­schwer­de­geg­ner -
Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Wel­ko­borsky & Part­ner, Al­lee­str. 80, 44793 Bo­chum,
hat die 9. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Anhörung vom 25.08.2014 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter m Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ul­rich als Vor­sit­zen­den
Die Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 02.06.2014 Az.: 5 BV 58/14 wird zurück­ge­wie­sen.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nur noch über die Per­son des Vor­sit­zen­den ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le. Die Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le selbst und die An­zahl der Bei­sit­zer sind außer Streit. The­ma­tisch geht es bei der Ei­ni­gungs­stel­le um den Um­fang der Frei­stel­lung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den.
Die An­trag­stel­le­rin be­treibt die Ent­sor­gung in der Stadt F.. Sie beschäftigt ca. 1.000 Ar­beit­neh­mer.
Be­tei­lig­ter zu 2) ist der bei ihr gewähl­te Be­triebs­rat. Die tur­nusmäßigen Be­triebs­rats­wah­len ha­ben statt­ge­fun­den. Nach Kon­sti­tu­ie­rung des Gre­mi­ums wähl­te es Herrn U. B. zum Vor­sit­zen­den. Am 05.05.2014 be­schloss der Be­triebs­rat die Frei­stel­lung von Herrn B. so­wie wei­te­rer zwei Mit­glie­der, Bl. 4 GA. Hierüber un­ter­rich­te­te der Be­triebs­rat die An­trag­stel­le­rin am 06.05.2014. Sie er­wi­der­te mit Schrei­ben vom 16.05.2014, Bl. 5 GA, dass sie die Frei­stel­lung von Herrn B. aus sach­li­chen Gründen nicht für ver­tret­bar hal­te und rief die Ei­ni­gungs­stel­le an.
Mit Schrei­ben vom glei­chen Tag teil­te der Be­triebs­rat mit, dass we­der mit dem vor­ge­schla­ge­nen Vor­sit­zen­den noch mit je zwei Bei­sit­zern Ein­verständ­nis bestünde, Bl. 6 GA. Zu­dem ver­wies sie dar­auf, dass die Ei­ni­gungs­stel­le un­zuständig so­wie rechts­miss­bräuch­lich sei.
Die Be­tei­lig­ten ha­ben im Ter­min vor dem Ar­beits­ge­richt am 02.06.2014 ei­nen Teil­ver­gleich über die Ein­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le als sol­che und die An­zahl der Bei­sit­zer ge­schlos­sen.
Die An­trag­stel­le­rin hat erst­in­stanz­lich die Auf­fas­sung ver­tre­ten, Herr C., Vor­sit­zen­der Rich­ter am LAG I. a.D. sei zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le zu be­stel­len. Er verfüge über die not­wen­di­ge Sach­kennt­nis und sei un­par­tei­isch.
Die An­trag­stel­le­rin hat erst­in­stanz­lich zu­letzt be­an­tragt,
zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le, zum The­ma Frei­stel­lung des neu gewähl­ten Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den Herrn U. B., nach §
38 Be­trVG den Vor­sit­zen­den Rich­ter des Lan­des­ar­beits­ge­richts I. a.D., Herrn Q. C. zu be­stel­len,
Der Be­tei­lig­te zu 2) be­an­trag­te erst­in­stanz­lich,
den An­trag zurück­zu­wei­sen und Herrn B. L. zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le zu be­stel­len.
Der Be­tei­lig­te zu 2) hat sich erst­in­stanz­lich zu­letzt nur noch ge­gen die Per­son des Vor­sit­zen­den ge­wen­det und ge­meint, statt Herrn C. sei Herr L., Di­rek­tor des Ar­beits­ge­rich­tes X. a.D. zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le zu be­stel­len.
Das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf hat dem An­trag teil­wei­se statt­ge­ge­ben, in­dem es die Ei­ni­gungs­stel­le ein­ge­setzt hat, je­doch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt E., Herrn N. L., zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le be­stell­te. Es hat aus­geführt, dass die Ei­ni­gungs­stel­le nicht of­fen­sicht­lich un­zuständig sei. Gemäß § 38 Abs. 2 S. 4 Be­trVG könne der Ar­beit­ge­ber bin­nen zwei Wo­chen nach der Be­kannt­ga­be der Frei­stel­lungs­ent­schei­dung die Ei­ni­gungs­stel­le an­ru­fen, so­weit er die Frei­stel­lung für sach­lich nicht ver­tret­bar hal­te. Dies sei mit Schrei­ben der An­trag­stel­le­rin vom 16.05.2014 er­folgt. Ent­ge­gen der außer­ge­richt­lich geäußer­ten Auf­fas­sung des Be­triebs­rats sei da­bei aber nicht er­for­der­lich, dass die Ar­beit­ge­be­rin ih­re Ein­wen­dun­gen be­reits mit der An­ru­fung der Ei­ni­gungs­stel­le mit­tei­le. Auch der Ge­sichts­punkt des Rechts­miss­brauchs läge nicht vor. Viel­mehr ha­be die Ei­ni­gungs­stel­le bei der Ent­schei­dung über die sach­li­che Ver­tret­bar­keit ei­ne Viel­zahl von Kri­te­ri­en ab­zuwägen. Zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le sei nicht Herr C. zu be­stel­len, weil der Be­triebs­rat des­sen Ein­set­zung wi­der­spro­chen ha­be. Es sei des­halb nicht da­von aus­ge­hen, dass er das un­ein­ge­schränk­te Ver­trau­en der Be­tei­lig­ten ge­nieße. Der Rich­ter am Ar­beits­ge­richt L. wei­se die not­wen­di­ge Er­fah­rung, Sach­kennt­nis und auch die Un­par­tei­lich­keit auf.
Ge­gen den ihm am 05.06.2014 zu­ge­stell­ten Be­schluss hat die An­trag­stel­le­rin mit ei­nem am 18.06.2014 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­schwer­de ein­ge­legt und gleich­zei­tig be­gründet.
Die An­trag­stel­le­rin ver­folgt mit der Be­schwer­de ihr ursprüng­li­ches Be­geh­ren wei­ter. Sie meint, das Ar­beits­ge­richt ha­be rechts­feh­ler­haft den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt N. L. zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le be­stellt. Zum Zeit­punkt der Anhörung vor dem Ar­beits­ge­richt ha­be der Be­triebs­rat kei­ner­lei Ein­wen­dun­gen ge­gen Herrn C. er­ho­ben. Ein­wen­dun­gen im Schrift­satz vom 27.07.2014 sei­en un­be­acht­lich. Denn die­ser ha­be bis zum Ver­hand­lungs­ter­min
am 02.06.2014 nicht vor­ge­le­gen. Auch sei in die­sem Ter­min noch­mals an­ge­spro­chen wor­den, dass kein Schrift­satz des Be­triebs­ra­tes vor­lie­ge. Der re­le­van­te Schrift­satz sei erst­mals zu­sam­men mit dem schrift­li­chen Be­schluss über­mit­telt wor­den. Zu­dem ha­be sie im Rah­men der Anhörung erst­mals Kennt­nis er­hal­ten, dass der Be­triebs­rat Herrn L. als Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le vor­schla­ge. Kon­kre­te Ein­wen­dun­gen ge­gen Herrn C. sei­en da­mit nicht ver­bun­den ge­we­sen. Zum Vor­schlag des Be­triebs­ra­tes selbst ha­be sie hin­ge­gen so kurz­fris­tig kei­ne Stel­lung neh­men können. Auch der Schrift­satz ent­hal­te kei­ne sub­stan­ti­ier­te Ein­wen­dun­gen ge­gen Herrn C., so dass die­ser zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le hätte be­stellt wer­den müssen. Denn es sei all­ge­mein an­er­kannt, dass ei­ne schlag­wort­ar­ti­ge Ab­leh­nung des vor­ge­schla­ge­nen Vor­sit­zen­den nicht aus­rei­che.
den Be­schluss des Ar­beits­ge­rich­tes Es­sen vom 02.06.2014 Az.: 5 BV 58/14 ab­zuändern und den Herrn Vor­sit­zen­den Rich­ter am
Lan­des­ar­beits­ge­richt I. a.D. Q. C. zum Vor­sit­zen­den ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zum The­ma Frei­stel­lung des neu gewähl­ten Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den U. B. zu be­stel­len.
Der Be­tei­lig­te zu 2) ver­tei­digt in ers­ter Li­nie den an­ge­foch­te­nen Be­schluss und macht un­ter Wie­der­ho­lung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ergänzend gel­tend: Die Be­schwer­de sei be­reits un­zulässig. Denn sie set­ze sich mit sei­nem Schrift­satz vom 27.05.2014 aus­ein­an­der, nicht je­doch mit der Be­gründung des Ar­beits­ge­rich­tes. Bezüglich der Aus­wahl des Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le ver­ken­ne die Be­schwer­deführe­rin die Rechts­la­ge. Das Ge­richt sei an den Vor­schlag der Be­tei­lig­ten nicht ge­bun­den. Zu­dem ha­be er der Ein­set­zung von Herrn C. wi­der­spro­chen, so dass er of­fen­sicht­lich nicht das un­ein­ge­schränk­te Ver­trau­en der Be­tei­lig­ten ge­nieße.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird ergänzend Be­zug ge­nom­men auf die in bei­den In­stan­zen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen so­wie die Pro­to­kol­le und Er­geb­nis­se der Anhörung.
Die Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin ist zulässig, aber un­be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt die be­an­trag­te Ei­ni­gungs­stel­le ein­ge­setzt und da­bei Herrn Rich­ter am Ar­beits­ge­richt L. zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le be­stellt. Ei­ne Pflicht zur Be­stel­lung von Herr C. be­stand nicht. Denn bei der Aus­wahl des Vor­sit­zen­den ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le be­steht ein weit­rei­chen­der Er­mes­sens­spiel­raum des Ar­beits­ge­rich­tes. Je­den­falls dann, wenn ei­ne Sei­te mit dem Vor­schlag der an­de­ren Sei­te nicht ein­ver­stan­den ist, kann das Ar­beits­ge­richt ei­nen Drit­ten ein­set­zen.
1. Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) ist zulässig. Ins­be­son­de­re ist sie form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 89 Abs. 1, 2, 87 Abs. 2, 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG i.V.m. §§ 519 Abs. 4, 520 Abs. 4, 130 Nr. 6 ZPO). Ins­be­son­de­re hat sich die An­trag­stel­le­rin ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­tei­lig­ten zu 2) auch im ge­bo­te­nen Um­fang mit dem erst­in­stanz­li­chen Ur­teil aus­ein­an­der ge­setzt. Denn sie hat un­ter Be­zug­nah­me auf die von ihr ver­tre­te­ne Rechts­auf­fas­sung kon­kret auf­ge­zeigt, dass das Ar­beits­ge­richt Herrn L. nicht zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le hätte be­stel­len dürfen, weil der Be­triebs­rat kei­ne tragfähi­gen Ein­wen­dun­gen ge­gen den vor­ge­schla­ge­nen Vor­sit­zen­den er­ho­ben ha­be.
2. Als not­wen­di­ge Be­tei­lig­te des Ver­fah­rens wa­ren kei­ne wei­te­ren Gre­mi­en zu be­tei­li­gen.
Nach § 83 Abs. 3 ArbGG sind in ei­nem Be­schluss­ver­fah­ren ne­ben dem An­trag­stel­ler die­je­ni­gen Stel­len zu hören, die nach dem
Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz im ein­zel­nen Fall be­tei­ligt sind. Be­tei­lig­te in An­ge­le­gen­hei­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes ist da­bei nach herr­schen­der Auf­fas­sung je­de Stel­le, die durch die be­gehr­te Ent­schei­dung in ih­rer be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung un­mit­tel­bar be­trof­fen ist (BAG v. 28.03.2006 – 1 ABR 59/04, AP Nr. 128 zu § 87 Be­trVG 1972 Lohn­ge­stal­tung; BAG v. 16.05.2007 -7 ABR 63/06 Rn. 11, AP Nr. 3 zu § 96a ArbGG 1979 Rn. 11; LAG Düssel­dorf v. 14.09.2010 – 16 TaBV 11/10, ju­ris).
Wei­te­re Be­tei­lig­te sind hier nicht er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re ist an­er­kannt, dass im Ver­fah­ren über die Ein­set­zung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le je­den­falls der
be­trieb­li­che Ge­gen­spie­ler be­tei­ligt ist. Eben­so ist an­er­kannt, dass der je­wei­li­ge Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de nicht zu be­tei­li­gen ist (Schwab/Weth/Wal­ker, § 98 Rz. 29; LAG Ber­lin v. 22.06.1998 – 9 TaBV 3/98, NZA-RR 1999, 34).
3. Die Be­schwer­de hat in der Sa­che kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt E., Herrn N. L., zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le be­stellt.
Ins­be­son­de­re be­steht das er­for­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se. Er­for­der­lich für das Rechts­schutz­in­ter­es­se ist, dass der An­trag­stel­ler gel­tend macht, dass ent­we­der die Ge­gen­sei­te die Ver­hand­lun­gen ver­wei­gert oder aber die mit ernst­li­chem Wil­len zur Ei­ni­gung geführ­ten Ver­hand­lun­gen ge­schei­tert sind (LAG Düssel­dorf v. 10.12.1997 – 12 TaBV 61/97, NZA-RR 1998, 319; LAG Ba­den-Würt­tem­berg v. 16.10.1991 – 12 TaBV 10/91, NZA 1992, 186; ErfK/Koch, § 98 ArbGG Rz.2; Schwab/Weth/Wal­ker, § 98 Rz. 19).
Dies ist hier nicht strei­tig.
b) Die Ei­ni­gungs­stel­le ist auch nicht of­fen­sicht­lich un­zuständig.
Das Ar­beits­ge­richt hat grundsätz­lich nicht die Vor­fra­ge zu prüfen und zu ent­schei­den, ob ei­ne Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le für die an­ste­hen­de
Streit­fra­ge ge­ge­ben ist. Ei­ne Prüfung die­ser nicht sel­ten schwie­ri­gen Fra­ge wäre nicht mit dem Zweck des Be­stel­lungs­ver­fah­rens, die schnel­le Bil­dung der Ei­ni­gungs­stel­le zu ermögli­chen, ver­ein­bar (BAG v. 24.11.1981 – 1 ABR 42/79, AP Nr. 11 zu § 76 Be­trVG 1972). Außer­dem hat die Ei­ni­gungs­stel­le ih­re Zuständig­keit vor ei­ner Sach­ent­schei­dung selbst zu prüfen (BAG v. 03.04.1979 – 6 ABR 64/67, AP Nr. 2 zu § 87 Be­trVG 1972). Gemäß § 98 Abs. 1 S. 1 ArbGG a.F. darf das Ar­beits­ge­richt die Be­stel­lung des­halb nur ab­leh­nen, wenn ei­ne Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le of­fen­sicht­lich nicht ge­ge­ben ist. Of­fen­sicht­li­che Un­zuständig­keit in die­sem Sin­ne liegt vor, wenn die Strei­tig­keit
klar er­kenn­bar un­ter kei­nen mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Tat­be­stand sub­su­miert wer­den kann, das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­ra­tes in der frag­li­chen An­ge­le­gen­heit al­so un­ter kei­nem denk­ba­ren recht­li­chen Ge­sichts­punkt in Fra­ge kommt (BAG v. 06.12.1983 – 1 ABR 43/81, DB 1984, 775; LAG Hes­sen v. 03.11.2009 – 4 TaBV 185/09, NZA-RR 2010, 359; LAG Düssel­dorf v. 29.09.2009 – 17 TaBV 107/09, ju­ris; LAG Ba­den-Würt­tem­berg v. 04.10.1984 – 11 TaBV 4/84 – NZA 1985, S. 163; LAG Düssel­dorf v. 04.11.1988 – 17 (6) TaBV 114/88 – NZA 1989, S. 146; LAG Nie­der­sach­sen v. 30.09.1988 – 3 TaBV 75/88 – NZA 1989, S. 149; ErfK/Koch, § 98 ArbGG Rd­nr.3; Hauck/Helml, § 98 Rz.4; Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting/Müller-Glöge/Schlewing, § 98 Rz. 8; GK- ArbGG/Dörner, § 98 Rz.23).
In­so­weit be­steht zwi­schen den Be­tei­lig­ten kein Streit. Sie ha­ben sich be­reits auf die Ein­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le und die An­zahl der Bei­sit­zer verständigt.
c) Es ist nicht zu be­an­stan­den, dass das Ar­beits­ge­richt zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le Herrn Rich­ter am Ar­beits­ge­richt L. be­stellt hat.
aa) Gem. § 76 Abs. 2 Be­trVG be­steht die Ei­ni­gungs­stel­le aus ei­ner glei­chen An­zahl von Bei­sit­zern, die vom Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat be­stellt wer­den und ei­nem un­par­tei­ischen Vor­sit­zen­den, auf des­sen Per­son sich bei­de Sei­ten ei­ni­gen müssen. Kommt ei­ne Ei­ni­gung nicht zu­stan­de, so be­stellt ihn das Ar­beits­ge­richt.
Da­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass im Rah­men des Be­schwer­de­ver­fah­rens das Lan­des­ar­beits­ge­richt kei­ne ei­ge­ne Er­mes­sens­ent­schei­dung hin­sicht­lich der Per­son des Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le trifft. Dies ist zwar in der Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur um­strit­ten. In­so­weit wird zu­wei­len ver­tre­ten, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­ne ei­ge­ne neue Er­mes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen ha­be (Ger­mel­mann, § 98 Rz. 40; LAG Hes­sen v. 06.04.1976 -5 TaBV 13/76, AuR 1977, 62; LAG Hamm v. 16.08.1976 – 3 TaBV 43/76, EzA § 76 Be­trVG Nr. 7; Düwell/Lip­ke, § 98 Rz. 21; Grun­sky/Waas/Ben­ecke/Grei­ner, § 98 Rz. 15; Nat­te­rer/Gross, § 98 Rz. 23; wohl auch H/W/K/Be­p­ler, § 98 Rz.12). Die­se Auf­fas­sung ist in­des ab­zu­leh­nen. Denn die Be­schwer­de dient le­dig­lich der Über­prüfung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung, nicht de­ren Er­set­zung. Nur dann, wenn das Er­mes­sen der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung un­zu­tref­fend aus­geübt wor­den ist, kommt ei­ne ei­ge­ne Er­mes­sens­ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­rich­tes in Be­tracht (Schwab/Weth/Wal­ker, § 98 Rz 67; Hauck/Helml, § 98 Rz. 8; ErfK/Koch, § 98 ArbGG Rz. 7; GK-
ArbGG/Schleu­se­ner, § 98 Rz.32; of­fen ge­las­sen LAG Nürn­berg v. 02.07.2004 – 7 TaBV 19/04, NZA-RR 2005, 100).
Ent­schei­dend für die Über­prüfung der Er­mes­sens­ent­schei­dung ist zunächst, dass sich die Be­tei­lig­ten tun­lichst hin­sicht­lich der Per­son des Vor­sit­zen­den ei­ni­gen „müssen“. Die ar­beits­ge­richt­li­che Ein­set­zung ist le­dig­lich die Aus­nah­me­si­tua­ti­on und da­mit Er­satz für die feh­len­de Ei­ni­gung. Zen­tra­le An­for­de­rung an die Kom­pe­tenz des Vor­sit­zen­den ist sei­ne Un­par­tei­lich­keit. Dies zeigt deut­lich, dass auch die Be­stel­lung durch das Ge­richt am im Ge­setz nie­der­ge­leg­ten Kon­sens­prin­zip zu ori­en­tie­ren ist (so auch Hes­si­sches LAG v. 23.06.1988 – 12 TaBV 66/88, NZA 1988, 2173). Der Vor­sit­zen­de muss im Hin­blick auf die Un­par­tei­lich­keit zu­dem das Ver­trau­en bei­der Be­triebs­part­ner ge­nießen.
Ent­schei­dend ist al­so, dass der Vor­sit­zen­de die Gewähr für ei­ne neu­tra­le Ver­hand­lungsführung und Ent­schei­dung bie­tet.
Da­bei ist zunächst zu be­ach­ten, dass im Be­stel­lungs­ver­fah­ren nach § 98 ArbGG a.F. nach zu­tref­fen­der und ganz über­wie­gen­der Auf­fas­sung kei­ne Bin­dung des Ge­richts an den Vor­schlag ei­nes der Be­tei­lig­ten be­steht (vgl. et­wa LAG Ber­lin-Bran­den­burg v. 08.04.2010 – 6 TaBV 4780/10, LA­GE § 98 ArbGG 1979 Nr. 59; Rhein­land-Pfalz, v. 15.05.2009 – 9 TaBV 10/09, ju­ris; LAG Hamm v. 26.07.2004 – 10 TaBV 64/04, ju­ris; LAG Ba­den-Würt­tem­berg, v. 26.06.2002 - 9 TaBV 3/02, NZA-RR 2002, 523; LAG Ber­lin, v. 12.09.2001 - 4 TaBV 1436/01, NZA-RR 2002, 25; Schwab/Weth/Wal­ker, § 98 Rz. 51; ErfK/Ei­se­mann, § 98 Rz. 2; Ger­mel­mann, § 98 Rz. 23; Nat­te­rer/Gross, § 98 Rz. 13; Hauck/Helml/Biebl, § 98 Rz. 6; Grun­sky/Waas/Ben­ecke/Grei­ner, § 98 Rz.12; GK- Be­trVG/Kreutz/Ja­cobs, § 76 Rz. 60; Hess/Worz­al­la, Be­trVG, § 76 Rz.57. A.A. Düwell/Lip­ke, § 98 Rz.18; GK/ArbGG/Schleu­se­ner, § 98 Rz. 32 spre­chen je­weils von „Bin­dung“, die dann in be­stimm­ten Fällen wie­der ent­fal­len soll).
Strei­tig ist aber, in wel­chen Fällen da­von aus­zu­ge­hen ist, dass das ge­setz­li­che Ziel für ei­ne neu­tra­le Ver­hand­lungsführung und Ent­schei­dung nicht mehr ver­wirk­licht wer­den kann.
Nach ei­ner ver­tre­te­nen Auf­fas­sung soll dies erst dann der Fall sein, wenn schlüssig nach­voll­zieh­ba­re Gründe ge­gen die Per­son des Vor­sit­zen­den
vor­ge­bracht wer­den. Ei­ne schlag­wort­ar­ti­ge Ab­leh­nung des vor­ge­schla­ge­nen Vor­sit­zen­den rei­che nicht aus (ErfK/Koch, § 98 Rz. 5; Schwab/Weth/Wal­ker, § 98 Rz.47; Däubler, Be­trVG § 76 Rz. 47; Düwell/Lip­ke, § 98 Rz. 18 c; LAG Hamm v. 26.07.2004 – 10 TaBV 64/04, ju­ris; LAG Nürn­berg v. 02.07.2004 – 7 TaBV 19/04, NZA-RR 2005, 100; Hes­si­sches LAG v. 23.06.1988 – 12 TaBV 66/88, NZA 1988, 2173; LAG Ber­lin-Bran­den­burg v. 22.01.2010 – 10 TaBV 2829/09, BB 2010, 500; vgl. auch LAG Düssel­dorf v. 20.09.2009 – 17 TaBV 107/09, ju­ris).
Zum Teil wer­den „ernst­haf­te“ Ein­wen­dun­gen ge­for­dert, die nicht nur vor­ge­scho­ben er­schei­nen (H/W/K-Be­p­ler, § 98 ArbGG Rz. 7).
An­de­re wie­der­um las­sen jed­we­de Ab­leh­nung aus­rei­chen (LAG Ber­lin- Bran­den­burg v. 08.04.2010 – 6 TaBV 4780/10, LA­GE § 98 ArbGG 1979 Nr. 59; Rhein­land-Pfalz, v. 15.05.2009 – 9 TaBV 10/09, ju­ris; Fit­ting, § 76 Rz.25; Nat­te­rer/Gross, § 98 Rz.14; GK-Be­trVG/Kreutz/Ja­cobs, § 76 Rz.60), während der An­trag nach ei­ner wei­te­ren Auf­fas­sung nur ei­ne An­re­gung an das Ge­richt mit ei­nem wei­ten Aus­wahler­mes­sen dar­stel­le (Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den
Würt­tem­berg, v. 26.06.2002 – 9 TaBV 3/02, ju­ris; GK-ArbGG/Schleu­se­ner, § 98 Rz.32).
Rich­tig er­scheint, dass ei­ne Per­son nur dann zum Vor­sit­zen­den der kon­kre­ten Ei­ni­gungs­stel­le be­stellt wer­den kann, wenn sie tatsächlich das Ver­trau­en bei­der Be­triebs­part­ner ge­nießt. In­so­weit be­steht ein weit­rei­chen­der Er­mes­sens­spiel­raum des Ar­beits­ge­rich­tes bei der Be­stim­mung des Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le. Be­steht aber ein weit­rei­chen­der Er­mes­sens­spiel­raum, kann auch ein schlich­tes „nein“ der Ge­gen­sei­te da­zu führen, dass das Ar­beits­ge­richt ei­nen Drit­ten als Vor­sit­zen­den ein­setzt. Denn auch dann, wenn kei­ne kon­kre­ten Ein­wen­dun­gen ge­gen den Kan­di­da­ten der je­wei­li­gen Ge­gen­sei­te vor­ge­bracht wer­den, kann ein Drit­ter ein­ge­setzt wer­den, um die Be­las­tung des Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens zu ver­mei­den. Dafür spricht auch, dass die Ge­gen­sei­te ge­zwun­gen wäre, an­sons­ten die Gründe of­fen zu le­gen, die ge­gen die be­nann­te Per­son spre­chen, was – ins­be­son­de­re dann wenn sie nicht für aus­rei­chend ge­hal­ten wer­den – je nach Art des mit­ge­teil­ten Grun­des die Ver­hand­lun­gen mit dem je­wei­li­gen Vor­sit­zen­den ganz er­heb­lich be­las­ten könn­te. Zu­dem darf nicht über­se­hen wer­den, dass je­de an­de­re Sicht­wei­se ei­nen „Wett­lauf“ um den ers­ten An­trag auslösen würde. Der­je­ni­ge, der zu­erst den An­trag auf Ein­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le stellt, er­hiel­te ei­nen ent­schei­den­den stra­te­gi­schen Vor­teil für die Be­set­zung der wich­ti­gen Po­si­ti­on des Vor­sit­zen­den. In­so­weit be­steht ein weit­rei­chen­des Aus­wahler­mes­sen des Ar­beits­ge­rich­tes, bei dem eben auch ein „nein“ ge­gen den je­wei­li­gen Vor­schlag zu berück­sich­ti­gen ist. Denn der Vor­schlag ist – eben­so wie des­sen Ab­leh­nung – Aus­druck des je­wei­li­gen be­son­de­ren Ver­trau­ens, das es zu re­spek­tie­ren gilt. Nur so lässt sich die er­for­der­li­che Ak­zep­tanz des not­falls stimm­be­rech­tig­ten und stimm­ent­schei­den­den Vor­sit­zen­den er­rei­chen (so auch LAG Ber­lin-Bran­den­burg v. 08.04.2010 – 6 TaBV 4780/10, LA­GE § 98 ArbGG 1979 Nr. 59; LAG Rhein­land-Pfalz v. 15.09.2009 – 9 TaBV 10/09, ju­ris).
bb) In­so­fern ist es nicht zu be­an­stan­den, dass das Ar­beits­ge­richt das schlich­te „nein“ des Be­tei­lig­ten zu 2) hat aus­rei­chen las­sen und Herrn L. zum Vor­sit­zen­den be­stellt hat. Bei­de Sei­ten ha­ben – auch in der Be­schwer­de – kei­ner­lei Ein­wen­dun­gen ge­gen ihn er­ho­ben. Er ist dem Vor­sit­zen­den als er­fah­re­ner, ru­hi­ger und auf Aus­gleich hin­wir­ken­der Rich­ter be­kannt.
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References: §
38
 § 38
 § 83
 § 87
 § 96
 § 98
 § 98
 § 98
 § 76
 § 87
 § 98
 § 98
 § 98
 § 98
 § 98
 § 76
 § 98
 § 76
 § 98
 § 98
 § 98
 § 98
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 § 98
 § 98
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 § 98
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 § 98
 § 98
 § 98
 § 98
 § 98
 § 76
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 § 98
 § 98
 § 98
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 § 76
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 § 98
 § 98
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 § 98
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 § 98
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