Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=11%20CS%2005.1711
Timestamp: 2019-04-26 02:44:25+00:00

Document:
VGH Bayern, 25.01.2006 - 11 CS 05.1711 - dejure.org
Entziehung der Fahrerlaubnis, gelegentlicher Cannabiskonsum, Trennen von Konsum und dem Führen von Kraftfahrzeugen bei THC-Konzentrationen zwischen 1,0 und 2,0 ng/ml im Blut, medizinisch-psychologisches Gutachten
Fahrerlaubnisentziehung wegen Cannabiskonsum - Grenzwert 2 ng/ml
Straßenverkehrsrecht: Entziehung der Fahrerlaubnis nach Drogenkonsum, THC-Konzentration zwischen 1,0 und 2,0 ng/ml im Blut
Entziehung der Fahrerlaubnis; Verlust der Fahreignung wegen Verstoßes gegen das Trennungsgebot; Annahme von Fahruntüchtigkeit unter dem Einfluss von Cannabis im Hinblick auf den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz; Ermittlung eines Grenzwertes zur Feststellung der fehlenden Trennung zwischen dem Führen von Kraftfahrzeugen und dem Konsum von Cannabis; Verfassungsmäßigkeit einer echten Nullwertgrenze im Sinne des § 24a Abs. 2 Straßenverkehrsgesetz (StVG)
Verkehrsrecht - Führerschein bei geringer THC-Blutkonzentration nicht sofort weg!
kanzlei-glathe.de (Leitsatz)
§§ 11 Abs 7, 46 Abs 1, 11 Abs 6 S 1, 14 Abs 1 S 4 FeV; Anlage 4 Nr 9.2.2 FeV; § 3 Abs 1 StVG
Keine Entziehung der Fahrerlaubnis bei Führen von Kraftfahrzeugen mit einer THC-Konzentration von 1 ng/ml im Blut sowie bei Trennen von Konsum und dem Führen von Kraftfahrzeugen bei einer THC-Konzentration im Blut von 1 - 2 ng/ml im Blut
Kurznachricht zu "Praxishinweis zum Beschluss des BayVGH vom 25.01.2006, Az.: 11 CS 05.1711 (keine Entziehung der Fahrerlaubnis bei einer THC-Konzentration im Blut unter 2,0 ng/ml)" von RA Ralph Gübner, FAStrafR, original erschienen in: VRR 2006, 237 - 238.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des VGH München vom 25.01.2006, Az.: 11 CS 05/1711 (Führen von Kfz bei THC-Konzentration zwischen 1,0 und 2,0 ng/ml im Blut)" von RA Sven Kuhnert, original erschienen in: DAR 2006, 411 - 412.
VG München, 31.03.2005 - M 6a S 05.1551
VG München, 31.05.2005 - M 6a S 05.1551
Es heißt zwar in dem Beschluss vom 25. Januar 2006 (a. a. O., Rn. 17) zunächst, entscheidend sei, ob der Betroffene objektiv unter dem Einfluss einer Cannabiskonzentration am Straßenverkehr teilgenommen habe, bei der nach wissenschaftlichen Erkenntnissen davon ausgegangen werden müsse, dass sich das Risiko von Beeinträchtigungen erhöhe, die negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit hätten.
Dagegen setzt der Bayerische Verwaltungsgerichtshof den THC-Wert, der die Fahrerlaubnisbehörde ohne vorherige Einholung eines Fahreignungsgutachtens berechtigt, von fehlendem Trennungsvermögen des Betroffenen auszugehen, erst bei 2 ng/ml an; bei Werten zwischen 1 und 2 ng/ml sei zunächst nur die Anforderung eines Fahreignungsgutachtens gerechtfertigt (grundlegend u.a. VGH München, Beschluss vom 25. Januar 2006 - 11 CS 05.1711 - Blutalk 2006, 416 m.w.N.).
Leitsatz 3.: So auch: OVG Weimar, Beschluss vom 06.09.2012 - 2 EO 37/11 -, DAR 2012, 719; OVG Bremen, Beschluss vom 20.07.2012 - 2 B 341/11 -, NJW 2012, 3526; OVG Münster, Beschluss vom 19.03.2012 - 16 B 237/12 -, juris; alle entgegen VGH München, Beschluss vom 25.01.2006 - 11 CS 05.1711 -, DAR 2006, 407: erst ab 2, 0 ng/ml.(Rn.30).
An den angewandten Methoden habe auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in seinem Beschluss vom 25.01.2006 (11 CS 05.1711) zutreffende Kritik geübt.
30 Nach der ständigen, von zahlreichen Oberverwaltungsgerichten - mit Ausnahme des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs - geteilten Rechtsprechung des Senats wird das Zusatzmerkmal fehlender Trennung zwischen der Einnahme von Cannabis und dem Führen eines Fahrzeugs durch eine Fahrt mit einer THC-Konzentration ab 1, 0 ng/ml im Blutserum ohne die Notwendigkeit einer weiteren Sachaufklärung belegt, da ab dieser Wirkstoffkonzentration davon ausgegangen werden müsse, dass sich das Risiko einer Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit durch negative Auswirkungen des Konsums signifikant erhöhe, eine solche Beeinträchtigung im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (Kammerbeschluss vom 21.04.2004 - 1 BvR 2652/03 -, NJW 2005, 349) jedenfalls möglich sei (vgl. Senatsurteil vom 13.12.2007 - 10 S 1272/07 - ESVGH 58, 156 = VBlBW 2008, 274 m.w.N.; ebenso OVG Thüringen, Beschluss vom 06.09.2012 - 2 EO 37/11 -, juris; OVG Bremen, Beschluss vom 20.07.2012 - 2 B 341/11 - juris; OVG NRW, Beschluss vom 19.03.2012 - 16 B 237/12 -, juris; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 16.06.2009 - 1 S 17/09 -, juris; OVG Schleswig-Holstein, Urteil vom 17.02.2009 - 4 LB 61/08 - juris; OVG Hamburg, Beschluss vom 15.12.2005 - 3 Bs 214/05 - NJW 2006, 1367; a.A. BayVGH, Beschluss vom 25.01.2006 - 11 CS 05.1711 -, juris: erst ab 2, 0 ng/ml; offen gelassen von OVG Mecklenburg-Vorpommern, Beschluss vom 19.12.2006 - 1 M 142/06 -, juris).
OVG, Beschluss vom 6. September 2012 - 2 EO 37/11 -, DAR 2012, 719 = juris, Rn. 16; a. A. (mangelnde Trennung erst oberhalb von 2, 0 ng/ml THC) Bay. VGH, Beschlüsse vom 11. November 2004 - 11 CS 04.2348 -, Blutalkohol 43 (2006), 414 = juris, Rn. 16, und vom 25. Januar 2006 - 11 CS 05.1711 -, DAR 2006, 407 = juris, Rn. 45; vgl. auch OVG M.-V., Beschluss vom 19. Dezember 2006 - 1 M 142/06 -, juris, Rn. 18; Heß/Burmann, NJW 2007, 486, 492.
vgl. Bay. VGH, Beschluss vom 25. Januar 2006 - 11 CS 05.1711 -, a. a. O.; vgl. auch Beschlüsse vom 11. November 2004 - 11 CS 04.2348 -, a. a. O, und vom 13. Dezember 2010 - 11 CS 10.2873 -, juris.
Unter Berufung auf den Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 25.01.2006 (-11 CS 05.1711 -, DAR 2006, 407; vgl. auch BayVGH, Beschl. v. 11.11.2004 - 11 CS 04.2348 -, SVR 2004, 152) trägt der Kläger ferner vor, bei einer THC-Konzentration zwischen 1, 0 und 2, 0 ng/ml sei nicht von einem signifikant erhöhten Risiko einer Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit durch negative Auswirkungen des Cannabiskonsums auf den betroffenen Fahrerlaubnisinhaber auszugehen, so dass die unmittelbare Entziehung der Fahrerlaubnis ausscheide und nur die Verpflichtung zur Beibringung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens nach § 14 Abs. 1 Satz 4 FeV in Betracht komme.
Gerade im Hinblick auf die von einigen Obergerichten (z. B. BayVGH, Beschl. v. 11.11.2004 - 11 CS 04.2348 -, SVR 2004, 152; Beschl. v. 25.01.2006 - 11 CS 05.1711 -, DAR 2006, 407) angenommene Grenze einer THC-Konzentration von 2 ng/ml, ab der erst eine Beeinträchtigung der fahreignungsrelevanten Eigenschaften anzunehmen sei, wird ausgeführt, dass in ca. 31 % der Fälle, in denen die Fahrerlaubnisinhaber wegen eines ausschließlich cannabis-bedingten Unfalls verurteilt worden sind, die THC-Konzentration unter dem Wert von 2 ng/ml gelegen habe.
Die Gegenansicht (z. B. BayVGH, Beschl. v. 25.01.2006 - 11 CS 05.1711 -, DAR 2006, 407) lehnt die unmittelbare Entziehung der Fahrerlaubnis ab und sieht die auf § 14 Abs. 1 Satz 4 FeV gestützte Verpflichtung zur Beibringung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens vor.
Hieran hält der Senat auch im Hinblick auf die Rechtsprechung anderer Oberverwaltungsgerichte (BayVGH, Beschl. v. 11.11.2004 - 11 CS 04.2348 -, SVR 2004, 152 f.; Beschl. v. 25.01.2006 - 11 CS 05.1711 -, juris) fest.
Beschluss vom 25.1.2006 - 11 CS 05.1711 -, VRS 110 (2006), 310 = DAR 2006, 407 = Blutalkohol 43 (2006), 416,.
die im Urteil des OVG Rh.-Pf. vom 13.1.2004 - 7 A 10206/03 - und im Beschluss des Bay. VGH vom 25.1.2006 - 11 CS 05.1711 -, jeweils a.a.O., wiedergegebenen wissenschaftlichen Stellungnahmen,.
b) Wurde im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug mit einem zwischen 1, 0 und 2, 0 ng/ml liegenden THC-Spiegel im Blut geführt, so hat das nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs angesichts der in der Wissenschaft strittigen Auswirkungen derartiger Konzentrationen auf die Fahrtüchtigkeit nicht zur Folge, dass damit ein Verstoß gegen das Trennungsgebot (Nr. 9.2.2 der Anlage 4 zur Fahrerlaubnis-Verordnung) bereits im Sinne von § 11 Abs. 7 FeV feststeht (vgl. grundlegend BayVGH vom 25.1.2006 DAR 2006, 407).
Die Fahrerlaubnisbehörde ist in derartigen Fallgestaltungen - erwiesene "Gelegentlichkeit" der Cannabiseinnahme vorausgesetzt - nach § 14 Abs. 1 Satz 4 FeV jedoch berechtigt, vom Betroffenen die Beibringung eines medizinisch-psychologischen Fahreignungsgutachtens zu verlangen (BayVGH vom 25.1.2006 DAR 2006, 407/411).
OVG Bremen, 20.07.2012 - 2 B 341/11
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References: § 24
 § 3
 § 14
 § 14
 § 11
 § 14