Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Eu-Buerger_Ausschluss_von_Sozialleistungen_EuGH_C-333-13.html
Timestamp: 2019-01-22 02:09:58+00:00

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EuGH, Urteil vom 11.11.2014, C-333/13 - Dano - HENSCHE Arbeitsrecht
EuGH, Ur­teil vom 11.11.2014, C-333/13 - Da­no
11. No­vem­ber 2014(*)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - Freizügig­keit - Uni­onsbürger­schaft - Gleich­be­hand­lung - Nicht er­werbstäti­ge Staats­an­gehöri­ge ei­nes Mit­glied­staats, die sich im Ho­heits­ge­biet ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats auf­hal­ten - Aus­schluss die­ser Per­so­nen von be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 883/2004 - Richt­li­nie 2004/38/EG - Recht auf Auf­ent­halt für mehr als drei Mo­na­te - Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und Art. 24 - Vor­aus­set­zung aus­rei­chen­der Exis­tenz­mit­tel“
In der Rechts­sa­che C-333/13
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom So­zi­al­ge­richt Leip­zig (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 3. Ju­ni 2013, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 19. Ju­ni 2013, in dem Ver­fah­ren
Eli­sa­be­ta Da­no,
Flo­rin Da­no
un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten V. Skou­ris, des Vi­ze­präsi­den­ten K. Lena­erts, der Kam­mer­präsi­den­ten A. Tiz­za­no, L. Bay Lar­sen, T. von Dan­witz, C. Va­j­da und S. Ro­din, der Rich­ter E. Juhász, A. Borg Bart­het, J. Ma­le­n­ovský und E. Le­vits, der Rich­te­rin M. Ber­ger (Be­richt­er­stat­te­rin) so­wie des Rich­ters J. L. da Cruz Vi­laça,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 18. März 2014,
- von Frau Da­no, ver­tre­ten durch Rechts­anwältin E. Stef­fen,
- der däni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch C. Thorning als Be­vollmäch­tig­ten,
- Ir­lands, ver­tre­ten durch M. Heneghan, T. Joy­ce und E. Cree­don als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von C. To­land, BL,
- der französi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch D. Co­las und C. Can­dat als Be­vollmäch­tig­te, der
- öster­rei­chi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch G. Hes­se als Be­vollmäch­tig­ten,
- der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch S. Beh­za­di-Spen­cer als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von J. Cop­pel QC, Bar­ris­ter,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch F. Schatz, D. Mar­tin, M. Kel­ler­bau­er und C. Tuf­ves­son als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 20. Mai 2014 fol­gen­des
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Art. 18 AEUV und 20 Abs. 2 Un­terabs. 1 Buchst. a und Un­terabs. 2 AEUV, der Art. 1, 20 und 51 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (im Fol­gen­den: Char­ta), der Art. 4 und 70 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 883/2004 des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 29. April 2004 zur Ko­or­di­nie­rung der Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit (ABl. L 166, S. 1, be­rich­tigt im ABl. 2004, L 200, S. 1) in der durch die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1244/2010 der Kom­mis­si­on vom 9. De­zem­ber 2010 (ABl. L 338, S. 35) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: Ver­ord­nung Nr. 883/2004) so­wie von Art. 24 Abs. 2 der Richt­li­nie 2004/38/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 29. April 2004 über das Recht der Uni­onsbürger und ih­rer Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen, sich im Ho­heits­ge­biet der Mit­glied­staa­ten frei zu be­we­gen und auf­zu­hal­ten, zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1612/68 und zur Auf­he­bung der Richt­li­ni­en 64/221/EWG, 68/360/EWG, 72/194/EWG, 73/148/EWG, 75/34/EWG, 75/35/EWG, 90/364/EWG, 90/365/EWG und 93/96/EWG (ABl. L 158, S. 77).
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Da­no und ih­rem Sohn Flo­rin auf der ei­nen Sei­te und dem Job­cen­ter Leip­zig auf der an­de­ren Sei­te we­gen des­sen Wei­ge­rung, ih­nen in den deut­schen Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­ne Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung zu gewähren, nämlich Frau Da­no die exis­tenz­si­chern­de Re­gel­leis­tung und ih­rem Sohn So­zi­al­geld, so­wie an­tei­li­ge Kos­ten für Un­ter­kunft und Hei­zung.
Ver­ord­nung Nr. 1247/92
3 In den Erwägungs­gründen 1 bis 8 der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1247/92 des Ra­tes vom 30. April 1992 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/71 zur An­wen­dung der Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit auf Ar­beit­neh­mer und Selbständi­ge so­wie de­ren Fa­mi­li­en­an­gehöri­ge, die in­ner­halb der Ge­mein­schaft zu- und ab­wan­dern (ABl. L 136, S. 1), heißt es:
„Die Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/71 … in ih­rer durch die Ver­ord­nung (EWG) Nr. 2001/83 … ak­tua­li­sier­ten Fas­sung, zu­letzt geändert durch die Ver­ord­nung (EWG) Nr. 2195/91 …, be­darf be­stimm­ter Ände­run­gen.
Es ist er­for­der­lich, die De­fi­ni­ti­on für ‚Fa­mi­li­en­an­gehöri­ger‘ in der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/71 in Übe­rein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs zu der Aus­le­gung die­ses Be­griffs zu er­wei­tern.
Es ist fer­ner not­wen­dig, der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs Rech­nung zu tra­gen, wo­nach be­stimm­te Leis­tun­gen aus na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten ih­rem persönli­chen Gel­tungs­be­reich, ih­ren Zie­len und den Ein­zel­hei­ten ih­rer An­wen­dung nach gleich­zei­tig so­wohl in die Ka­te­go­rie der so­zia­len Si­cher­heit als auch in die der So­zi­al­hil­fe fal­len können.
Nach Fest­stel­lung des Ge­richts­hofs wei­sen die Rechts­vor­schrif­ten, nach de­nen sol­che Leis­tun­gen gewährt wer­den, ei­ni­ge Merk­ma­le auf, die in­so­fern der So­zi­al­hil­fe ähneln, als Bedürf­tig­keit ein we­sent­li­ches Kri­te­ri­um für ih­re An­wen­dung ist und die Leis­tungs­vor­aus­set­zun­gen nicht auf der Zu­sam­men­rech­nung von Beschäfti­gungs- oder Bei­trags­zei­ten be­ru­hen, wo­hin­ge­gen sie in an­de­ren Merk­ma­len in­so­fern der so­zia­len Si­cher­heit na­he­kom­men, als das freie Er­mes­sen bei der Gewährung der nach ih­nen vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen fehlt und den Begüns­tig­ten ei­ne ge­setz­lich um­schrie­be­ne Stel­lung ein­geräumt wird.
Nach Ar­ti­kel 4 Ab­satz 4 der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/71 sind So­zi­al­hil­fe­sys­te­me aus ih­rem Gel­tungs­be­reich aus­ge­schlos­sen.
Auf­grund der Ei­gen­hei­ten der ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen und ih­rer An­wen­dungs­mo­da­litäten soll­te ei­ne Ko­or­di­nie­rungs­re­ge­lung, die von dem der­zeit in der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/71 fest­ge­leg­ten Sys­tem ab­weicht und den be­son­de­ren Merk­ma­len der be­trof­fe­nen Leis­tun­gen Rech­nung trägt, in die­se Ver­ord­nung auf­ge­nom­men wer­den, um die In­ter­es­sen der zu- und ab­wan­dern­den Ar­beit­neh­mer in Übe­rein­stim­mung mit Ar­ti­kel 51 des Ver­tra­ges zu schützen.
Die­se Leis­tun­gen sind Per­so­nen, für die die Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/71 gilt, aus­sch­ließlich nach den Rechts­vor­schrif­ten des Wohn­lan­des der be­tref­fen­den Per­son oder ih­rer Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen zu gewähren, wo­bei die in je­dem an­de­ren Mit­glied­staat zurück­ge­leg­ten Wohn­zei­ten so­weit er­for­der­lich zu berück­sich­ti­gen sind und jed­we­de Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der Staats­an­gehörig­keit entfällt.
Es ist je­doch er­for­der­lich si­cher­zu­stel­len, dass das be­ste­hen­de Ko­or­di­nie­rungs­sys­tem gemäß der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/71 wei­ter­hin für Leis­tun­gen gilt, die ent­we­der der ge­nann­ten be­son­de­ren Ka­te­go­rie von Leis­tun­gen nicht an­gehören oder in ei­nem An­hang zu die­ser Ver­ord­nung nicht aus­drück­lich auf­geführt sind. Hier­zu ist ein neu­er An­hang er­for­der­lich …“
Ver­ord­nung Nr. 883/2004
4 Die Ver­ord­nung Nr. 883/2004 hat die Ver­ord­nung Nr. 1408/71 ab dem 1. Mai 2010 er­setzt.
5 Die Erwägungs­gründe 1, 16 und 37 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 lau­ten:
„(1) Die Vor­schrif­ten zur Ko­or­di­nie­rung der na­tio­na­len Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit sind Teil des frei­en Per­so­nen­ver­kehrs und soll­ten zur Ver­bes­se­rung des Le­bens­stan­dards und der Ar­beits­be­din­gun­gen bei­tra­gen.
(16) In­ner­halb der Ge­mein­schaft ist es grundsätz­lich nicht ge­recht­fer­tigt, Ansprüche der so­zia­len Si­cher­heit vom Wohn­ort der be­tref­fen­den Per­son abhängig zu ma­chen; in be­son­de­ren Fällen je­doch - vor al­lem bei be­son­de­ren Leis­tun­gen, die an das wirt­schaft­li­che und so­zia­le Um­feld der be­tref­fen­den Per­son ge­bun­den sind - könn­te der Wohn­ort berück­sich­tigt wer­den.
(37) Der Ge­richts­hof hat wie­der­holt fest­ge­stellt, dass Vor­schrif­ten, mit de­nen vom Grund­satz der ‚Ex­por­tier­bar­keit‘ der Leis­tun­gen der so­zia­len Si­cher­heit ab­ge­wi­chen wird, eng aus­ge­legt wer­den müssen. Dies be­deu­tet, dass sie nur auf Leis­tun­gen an­ge­wen­det wer­den können, die den ge­nau fest­ge­leg­ten Be­din­gun­gen ent­spre­chen. Dar­aus folgt, dass Ti­tel III Ka­pi­tel 9 die­ser Ver­ord­nung nur auf Leis­tun­gen an­ge­wen­det wer­den kann, die so­wohl be­son­ders als auch bei­trags­un­abhängig sind und in An­hang X die­ser Ver­ord­nung auf­geführt sind.“
6 Art. 1 („De­fi­ni­tio­nen“) der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 be­stimmt:
„Für die Zwe­cke die­ser Ver­ord­nung be­zeich­net der Aus­druck:
l) ‚Rechts­vor­schrif­ten‘ für je­den Mit­glied­staat die Ge­set­ze, Ver­ord­nun­gen, Sat­zun­gen und al­le an­de­ren Durchführungs­vor­schrif­ten in Be­zug auf die in Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 ge­nann­ten Zwei­ge der so­zia­len Si­cher­heit.
7 Art. 2 („Persönli­cher Gel­tungs­be­reich“) der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 sieht in Abs. 1 vor:
„Die­se Ver­ord­nung gilt für Staats­an­gehöri­ge ei­nes Mit­glied­staats, Staa­ten­lo­se und Flücht­lin­ge mit Wohn­ort in ei­nem Mit­glied­staat, für die die Rechts­vor­schrif­ten ei­nes oder meh­re­rer Mit­glied­staa­ten gel­ten oder gal­ten, so­wie für ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen und Hin­ter­blie­be­nen.“
8 In Art. 3 („Sach­li­cher Gel­tungs­be­reich“) der Ver­ord­nung heißt es:
„(1) Die­se Ver­ord­nung gilt für al­le Rechts­vor­schrif­ten, die fol­gen­de Zwei­ge der so­zia­len Si­cher­heit be­tref­fen:
b) Leis­tun­gen bei Mut­ter­schaft und gleich­ge­stell­te Leis­tun­gen bei Va­ter­schaft;
h) Leis­tun­gen bei Ar­beits­lo­sig­keit;
(2) So­fern in An­hang XI nichts an­de­res be­stimmt ist, gilt die­se Ver­ord­nung für die all­ge­mei­nen und die be­son­de­ren, die auf Beiträgen be­ru­hen­den und die bei­trags­frei­en Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit so­wie für die Sys­te­me be­tref­fend die Ver­pflich­tun­gen von Ar­beit­ge­bern und Ree­dern.
(3) Die­se Ver­ord­nung gilt auch für die be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen gemäß Ar­ti­kel 70.
(5) Die­se Ver­ord­nung gilt nicht für
a) so­zia­le und me­di­zi­ni­sche Fürsor­ge …
9 Art. 4 („Gleich­be­hand­lung“) der Ver­ord­nung lau­tet:
10 Ka­pi­tel 9 („Be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen“) des Ti­tels III der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 enthält Art. 70 („All­ge­mei­ne Vor­schrift“), der lau­tet:
11 In An­hang X („Be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen“) der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 sind für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land fol­gen­de Leis­tun­gen auf­geführt:
b) Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts der Grund­si­che­rung für Ar­beits­su­chen­de, so­weit für die­se Leis­tun­gen nicht dem Grun­de nach die Vor­aus­set­zun­gen für den be­fris­te­ten Zu­schlag nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld (§ 24 Ab­satz 1 des Zwei­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch) erfüllt sind.“
Richt­li­nie 2004/38
12 Die Erwägungs­gründe 10, 16 und 21 der Richt­li­nie 2004/38 lau­ten:
13 Art. 6 („Recht auf Auf­ent­halt bis zu drei Mo­na­ten“) der Richt­li­nie be­stimmt in Abs. 1:
„Ein Uni­onsbürger hat das Recht auf Auf­ent­halt im Ho­heits­ge­biet ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats für ei­nen Zeit­raum von bis zu drei Mo­na­ten, wo­bei er le­dig­lich im Be­sitz ei­nes gülti­gen Per­so­nal­aus­wei­ses oder Rei­se­pas­ses sein muss und an­sons­ten kei­ne wei­te­ren Be­din­gun­gen zu erfüllen oder For­ma­litäten zu er­le­di­gen braucht.“
14 Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38 sieht vor:
„Je­der Uni­onsbürger hat das Recht auf Auf­ent­halt im Ho­heits­ge­biet ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats für ei­nen Zeit­raum von über drei Mo­na­ten, wenn er
b) für sich und sei­ne Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel verfügt, so dass sie während ih­res Auf­ent­halts kei­ne So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats in An­spruch neh­men müssen, und er und sei­ne Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen über ei­nen um­fas­sen­den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz im Auf­nahm­e­mit­glied­staat verfügen …“
15 Art. 8 („Ver­wal­tungs­for­ma­litäten für Uni­onsbürger“) der Richt­li­nie 2004/38 be­stimmt in Abs. 4:
„Die Mit­glied­staa­ten dürfen kei­nen fes­ten Be­trag für die Exis­tenz­mit­tel fest­le­gen, die sie als aus­rei­chend be­trach­ten, son­dern müssen die persönli­che Si­tua­ti­on des Be­trof­fe­nen berück­sich­ti­gen. Die­ser Be­trag darf in kei­nem Fall über dem Schwel­len­be­trag lie­gen, un­ter dem der Auf­nahm­e­mit­glied­staat sei­nen Staats­an­gehöri­gen So­zi­al­hil­fe gewährt, oder, wenn die­ses Kri­te­ri­um nicht an­wend­bar ist, über der Min­dest­ren­te der So­zi­al­ver­si­che­rung des Auf­nahm­e­mit­glied­staats.“
16 Art. 14 („Auf­recht­er­hal­tung des Auf­ent­halts­rechts“) der Richt­li­nie 2004/38 lau­tet:
17 Art. 24 („Gleich­be­hand­lung“) der Richt­li­nie 2004/38 be­stimmt:
18 § 19a Abs.1 des So­zi­al­ge­setz­buchs Ers­tes Buch (im Fol­gen­den: SGB I) sieht zwei Haupt­ar­ten von Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de vor:
19 § 1 („Auf­ga­be und Ziel der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de“) des So­zi­al­ge­setz­buchs Zwei­tes Buch (im Fol­gen­den: SGB II) be­stimmt in den Abs. 1 und 3:
20 § 7 („Leis­tungs­be­rech­tig­te“) SGB II sieht vor:
1. Auslände­rin­nen und Ausländer, die we­der in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Ar­beit­neh­me­rin­nen, Ar­beit­neh­mer oder Selbständi­ge noch auf­grund des § 2 Ab­satz 3 des [Ge­set­zes über die all­ge­mei­ne Freizügig­keit von Uni­onsbürgern (Freizügig­keits­ge­setz/EU – FreizügG/EU)] freizügig­keits­be­rech­tigt sind, und ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen für die ers­ten drei Mo­na­te ih­res Auf­ent­halts,
21 § 8 („Er­werbsfähig­keit“) SGB II be­stimmt in Abs. 1:
22 § 9 SGB II be­stimmt in Abs. 1:
23 § 20 SGB II enthält ergänzen­de Be­stim­mun­gen über den Re­gel­be­darf zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts. § 21 SGB II re­gelt die Mehr­be­dar­fe und § 22 SGB II die Be­dar­fe für Un­ter­kunft und Hei­zung. Sch­ließlich be­han­deln die §§ 28 bis 30 SGB II die Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be.
24 § 1 des So­zi­al­ge­setz­buchs Zwölf­tes Buch (im Fol­gen­den: SGB XII), in dem die So­zi­al­hil­fe ge­re­gelt ist, be­stimmt:
„Auf­ga­be der So­zi­al­hil­fe ist es, den Leis­tungs­be­rech­tig­ten die Führung ei­nes Le­bens zu ermögli­chen, das der Würde des Men­schen ent­spricht …“
26 In § 23 („So­zi­al­hil­fe für Auslände­rin­nen und Ausländer“) SGB XII heißt es:
„(1) Ausländern, die sich im In­land tatsächlich auf­hal­ten, ist Hil­fe zum Le­bens­un­ter­halt, Hil­fe bei Krank­heit, Hil­fe bei Schwan­ger­schaft und Mut­ter­schaft so­wie Hil­fe zur Pfle­ge nach die­sem Buch zu leis­ten. Die Vor­schrif­ten des Vier­ten Ka­pi­tels blei­ben un­berührt. Im Übri­gen kann So­zi­al­hil­fe ge­leis­tet wer­den, so­weit dies im Ein­zel­fall ge­recht­fer­tigt ist. Die Ein­schränkun­gen nach Satz 1 gel­ten nicht für Ausländer, die im Be­sitz ei­ner Nie­der­las­sungs­er­laub­nis oder ei­nes be­fris­te­ten Auf­ent­halts­ti­tels sind und sich vor­aus­sicht­lich dau­er­haft im Bun­des­ge­biet auf­hal­ten. Rechts­vor­schrif­ten, nach de­nen außer den in Satz 1 ge­nann­ten Leis­tun­gen auch sons­ti­ge So­zi­al­hil­fe zu leis­ten ist oder ge­leis­tet wer­den soll, blei­ben un­berührt.
(3) Ausländer, die ein­ge­reist sind, um So­zi­al­hil­fe zu er­lan­gen, oder de­ren Auf­ent­halts­recht sich al­lein aus dem Zweck der Ar­beits­su­che er­gibt, so­wie ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen ha­ben kei­nen An­spruch auf So­zi­al­hil­fe. Sind sie zum Zweck ei­ner Be­hand­lung oder Lin­de­rung ei­ner Krank­heit ein­ge­reist, soll Hil­fe bei Krank­heit in­so­weit nur zur Be­he­bung ei­nes akut le­bens­be­droh­li­chen Zu­stan­des oder für ei­ne un­auf­schieb­ba­re und un­ab­weis­bar ge­bo­te­ne Be­hand­lung ei­ner schwe­ren oder an­ste­cken­den Er­kran­kung ge­leis­tet wer­den.
(4) Ausländer, de­nen So­zi­al­hil­fe ge­leis­tet wird, sind auf für sie zu­tref­fen­de Rückführungs- und Wei­ter­wan­de­rungs­pro­gram­me hin­zu­wei­sen; in ge­eig­ne­ten Fällen ist auf ei­ne In­an­spruch­nah­me sol­cher Pro­gram­me hin­zu­wir­ken.“
Ge­setz über die all­ge­mei­ne Freizügig­keit von Uni­onsbürgern
27 In § 1 FreizügG/EU ist der An­wen­dungs­be­reich die­ses Ge­set­zes fest­ge­legt:
28 § 2 („Recht auf Ein­rei­se und Auf­ent­halt“) FreizügG/EU sieht vor:
(2) Uni­ons­recht­lich freizügig­keits­be­rech­tigt sind:
1. Uni­onsbürger, die sich als Ar­beit­neh­mer, zur Ar­beits­su­che oder zur Be­rufs­aus­bil­dung auf­hal­ten wol­len,
(4) Uni­onsbürger bedürfen für die Ein­rei­se kei­nes Vi­sums und für den Auf­ent­halt kei­nes Auf­ent­halts­ti­tels …
(5) Für ei­nen Auf­ent­halt von Uni­onsbürgern von bis zu drei Mo­na­ten ist der Be­sitz ei­nes gülti­gen Per­so­nal­aus­wei­ses oder Rei­se­pas­ses aus­rei­chend. Fa­mi­li­en­an­gehöri­ge, die nicht Uni­onsbürger sind, ha­ben das glei­che Recht, wenn sie im Be­sitz ei­nes an­er­kann­ten oder sonst zu­ge­las­se­nen Pas­ses oder Pas­ser­sat­zes sind und sie den Uni­onsbürger be­glei­ten oder ihm nach­zie­hen.
(7) Das Nicht­be­ste­hen des Rechts nach Ab­satz 1 kann fest­ge­stellt wer­den, wenn fest­steht, dass die be­tref­fen­de Per­son das Vor­lie­gen ei­ner Vor­aus­set­zung für die­ses Recht durch die Ver­wen­dung von gefälsch­ten oder verfälsch­ten Do­ku­men­ten oder durch Vor­spie­ge­lung fal­scher Tat­sa­chen vor­getäuscht hat. Das Nicht­be­ste­hen des Rechts nach Ab­satz 1 kann bei ei­nem Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen, der nicht Uni­onsbürger ist, außer­dem fest­ge­stellt wer­den, wenn fest­steht, dass er dem Uni­onsbürger nicht zur Her­stel­lung oder Wah­rung der fa­mi­liären Le­bens­ge­mein­schaft nach­zieht oder ihn nicht zu die­sem Zweck be­glei­tet. Ei­nem Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen, der nicht Uni­onsbürger ist, kann in die­sen Fällen die Er­tei­lung der Auf­ent­halts­kar­te oder des Vi­sums ver­sagt wer­den oder sei­ne Auf­ent­halts­kar­te kann ein­ge­zo­gen wer­den. Ent­schei­dun­gen nach den Sätzen 1 bis 3 bedürfen der Schrift­form.“
29 § 3 („Fa­mi­li­en­an­gehöri­ge“) FreizügG/EU be­stimmt:
1. der Ehe­gat­te, der Le­bens­part­ner und die Ver­wand­ten in ab­stei­gen­der Li­nie der in § 2 Abs. 2 Nr. 1 bis 5 und 7 ge­nann­ten Per­so­nen oder ih­rer Ehe­gat­ten oder Le­bens­part­ner, die noch nicht 21 Jah­re alt sind,
2. die Ver­wand­ten in auf­stei­gen­der und in ab­stei­gen­der Li­nie der in § 2 Abs. 2 Nr. 1 bis 5 und 7 ge­nann­ten Per­so­nen oder ih­rer Ehe­gat­ten oder Le­bens­part­ner, de­nen die­se Per­so­nen oder ih­re Ehe­gat­ten oder Le­bens­part­ner Un­ter­halt gewähren.
30 § 4 („Nicht er­werbstäti­ge Freizügig­keits­be­rech­tig­te“) FreizügG/EU be­stimmt:
„Nicht er­werbstäti­ge Uni­onsbürger und ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen, die den Uni­onsbürger be­glei­ten oder ihm nach­zie­hen, ha­ben das Recht nach § 2 Abs. 1, wenn sie über aus­rei­chen­den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz und aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel verfügen. Hält sich der Uni­onsbürger als Stu­dent im Bun­des­ge­biet auf, ha­ben die­ses Recht nur sein Ehe­gat­te, Le­bens­part­ner und sei­ne Kin­der, de­nen Un­ter­halt gewährt wird.“
31 § 5 („Auf­ent­halts­kar­ten, Be­schei­ni­gung über das Dau­er­auf­ent­halts­recht“) FreizügG/EU sieht vor:
(2) Die zuständi­ge Ausländer­behörde kann ver­lan­gen, dass die Vor­aus­set­zun­gen des Rechts nach § 2 Abs. 1 drei Mo­na­te nach der Ein­rei­se glaub­haft ge­macht wer­den. Für die Glaub­haft­ma­chung er­for­der­li­che An­ga­ben und Nach­wei­se können von der zuständi­gen Mel­de­behörde bei der mel­de­behörd­li­chen An­mel­dung ent­ge­gen­ge­nom­men wer­den. Die­se lei­tet die An­ga­ben und Nach­wei­se an die zuständi­ge Ausländer­behörde wei­ter. Ei­ne darüber hin­aus­ge­hen­de Ver­ar­bei­tung oder Nut­zung durch die Mel­de­behörde er­folgt nicht.
(3) Das Vor­lie­gen oder der Fort­be­stand der Vor­aus­set­zun­gen des Rechts nach § 2 Abs. 1 kann aus be­son­de­rem An­lass über­prüft wer­den.
„(1) Die zuständi­ge Behörde darf in den Fällen des § 5 Abs. 2 von ei­nem Uni­onsbürger den gülti­gen Per­so­nal­aus­weis oder Rei­se­pass und im Fall des
3. § 2 Abs. 2 Nr. 5 ei­nen Nach­weis über aus­rei­chen­den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz und aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel
ver­lan­gen …
33 § 6 („Ver­lust des Rechts auf Ein­rei­se und Auf­ent­halt“) FreizügG/EU sieht vor:
„(1) Der Ver­lust des Rechts nach § 2 Abs. 1 kann un­be­scha­det des § 2 Abs. 7 und des § 5 Abs. 4 nur aus Gründen der öffent­li­chen Ord­nung, Si­cher­heit oder Ge­sund­heit (Art. 45 Abs. 3, Art. 52 Abs. 1 des Ver­tra­ges über die Ar­beits­wei­se der Eu­ropäischen Uni­on) fest­ge­stellt und die Be­schei­ni­gung über das Dau­er­auf­ent­halts­recht oder die Auf­ent­halts­kar­te oder Dau­er­auf­ent­halts­kar­te ein­ge­zo­gen wer­den. Aus den in Satz 1 ge­nann­ten Gründen kann auch die Ein­rei­se ver­wei­gert wer­den …
(2) Die Tat­sa­che ei­ner straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung genügt für sich al­lein nicht, um die in Abs. 1 ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen oder Maßnah­men zu be­gründen. Es dürfen nur im Bun­des­zen­tral­re­gis­ter noch nicht ge­tilg­te straf­recht­li­che Ver­ur­tei­lun­gen und die­se nur in­so­weit berück­sich­tigt wer­den, als die ih­nen zu Grun­de lie­gen­den Umstände ein persönli­ches Ver­hal­ten er­ken­nen las­sen, das ei­ne ge­genwärti­ge Gefähr­dung der öffent­li­chen Ord­nung dar­stellt. Es muss ei­ne tatsächli­che und hin­rei­chend schwe­re Gefähr­dung vor­lie­gen, die ein Grund­in­ter­es­se der Ge­sell­schaft berührt.
(3) Bei der Ent­schei­dung nach Abs. 1 sind ins­be­son­de­re die Dau­er des Auf­ent­halts des Be­trof­fe­nen in Deutsch­land, sein Al­ter, sein Ge­sund­heits­zu­stand, sei­ne fa­mi­liäre und wirt­schaft­li­che La­ge, sei­ne so­zia­le und kul­tu­rel­le In­te­gra­ti­on in Deutsch­land und das Aus­maß sei­ner Bin­dun­gen zum Her­kunfts­staat zu berück­sich­ti­gen.
(6) Die Ent­schei­dun­gen oder Maßnah­men, die den Ver­lust des Auf­ent­halts­rechts oder des Dau­er­auf­ent­halts­rechts be­tref­fen, dürfen nicht zu wirt­schaft­li­chen Zwe­cken ge­trof­fen wer­den.
34 In § 7 („Aus­rei­se­pflicht“) FreizügG/EU heißt es:
„(1) Uni­onsbürger oder ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen sind aus­rei­se­pflich­tig, wenn die Ausländer­behörde fest­ge­stellt hat, dass das Recht auf Ein­rei­se und Auf­ent­halt nicht be­steht. In dem Be­scheid soll die Ab­schie­bung an­ge­droht und ei­ne Aus­rei­se­frist ge­setzt wer­den. Außer in drin­gen­den Fällen muss die Frist min­des­tens ei­nen Mo­nat be­tra­gen …
(2) Uni­onsbürger und ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen, die ihr Freizügig­keits­recht nach § 6 Abs. 1 ver­lo­ren ha­ben, dürfen nicht er­neut in das Bun­des­ge­biet ein­rei­sen und sich dar­in auf­hal­ten. Das Ver­bot nach Satz 1 wird auf An­trag be­fris­tet. Die Frist be­ginnt mit der Aus­rei­se. Ein nach an­ge­mes­se­ner Frist oder nach drei Jah­ren ge­stell­ter An­trag auf Auf­he­bung ist in­ner­halb von sechs Mo­na­ten zu be­schei­den.“
35 Frau Da­no, die 1989 ge­bo­ren wur­de, und ihr Sohn Flo­rin, der am 2. Ju­li 2009 in Saarbrücken (Deutsch­land) ge­bo­ren wur­de, sind bei­de rumäni­sche Staats­an­gehöri­ge. Nach den Fest­stel­lun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts reis­te Frau Da­no zu­letzt am 10. No­vem­ber 2010 nach Deutsch­land ein.
36 Die Stadt Leip­zig stell­te Frau Da­no am 19. Ju­li 2011 ei­ne un­be­fris­te­te Freizügig­keits­be­schei­ni­gung für EU-Bürger aus und setz­te da­bei als Da­tum der Ein­rei­se in das Bun­des­ge­biet den 27. Ju­ni 2011 fest. Am 28. Ja­nu­ar 2013 wur­de ihr außer­dem ei­ne Zwei­t­aus­fer­ti­gung die­ser Be­schei­ni­gung aus­ge­stellt.
37 Frau Da­no und ihr Sohn le­ben seit ih­rer An­kunft in Leip­zig in der Woh­nung ei­ner Schwes­ter von Frau Da­no, die sie mit Na­tu­ra­li­en ver­sorgt.
38 Frau Da­no be­zieht für ih­ren Sohn Flo­rin Kin­der­geld in Höhe von mo­nat­lich 184 Eu­ro, das von der Fa­mi­li­en­kas­se Leip­zig im Na­men der Bun­des­agen­tur für Ar­beit aus­ge­zahlt wird. Außer­dem zahlt das Ju­gend­amt Leip­zig für das Kind, des­sen Va­ter un­be­kannt ist, ei­nen Un­ter­halts­vor­schuss in Höhe von mo­nat­lich 133 Eu­ro.
39 Frau Da­no be­such­te in Rumänien drei Jah­re lang die Schu­le, be­sitzt aber kei­nen Schul­ab­schluss. Sie ver­steht ge­spro­che­nes Deutsch und kann sich in die­ser Spra­che ein­fach aus­drücken. Sie kann hin­ge­gen in Deutsch nicht schrei­ben und ist zum Le­se­verständ­nis deut­scher Tex­te nur ein­ge­schränkt in der La­ge. Sie hat kei­nen er­lern­ten oder an­ge­lern­ten Be­ruf und war bis­lang we­der in Deutsch­land noch in Rumänien er­werbstätig. Ob­wohl ih­re Ar­beitsfähig­keit nie in Fra­ge ge­stellt wur­de, deu­tet nichts dar­auf hin, dass sie sich um Ar­beit bemüht hätte.
40 Ein ers­ter von Frau Da­no und ih­rem Sohn ge­stell­ter An­trag auf Gewährung von Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung nach dem SGB II wur­de vom Job­cen­ter Leip­zig mit Be­scheid vom 28. Sep­tem­ber 2011 auf der Grund­la­ge von § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II ab­ge­lehnt. Die­ser Be­scheid wur­de nicht an­ge­foch­ten und er­lang­te da­her Be­stands­kraft.
41 Ein er­neu­ter An­trag für die glei­chen Leis­tun­gen vom 25. Ja­nu­ar 2012 wur­de vom Job­cen­ter Leip­zig mit Be­scheid vom 23. Fe­bru­ar 2012 eben­falls ab­ge­lehnt. Frau Da­no und ihr Sohn leg­ten da­ge­gen Wi­der­spruch ein, den sie auf die Art. 18 AEUV und 45 AEUV und auf das Ur­teil Vat­sou­ras und Kou­pa­tant­ze (C-22/08 und C-23/08, EU:C:2009:344) stütz­ten. Ihr Wi­der­spruch wur­de mit Be­scheid vom 1. Ju­ni 2012 zurück­ge­wie­sen.
42 Ge­gen die­sen Be­scheid er­ho­ben Frau Da­no und ihr Sohn am 1. Ju­li 2012 Kla­ge beim So­zi­al­ge­richt Leip­zig, mit der sie er­neut be­an­tra­gen, ih­nen Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de nach dem SGB II für die Zeit ab dem 25. Ja­nu­ar 2012 zu gewähren.
43 Das So­zi­al­ge­richt Leip­zig ist der Auf­fas­sung, dass Frau Da­no und ihr Sohn nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II und § 23 Abs. 3 SGB XII kei­nen An­spruch auf Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung hätten. Es hat je­doch Zwei­fel, ob die uni­ons­recht­li­chen Be­stim­mun­gen, ins­be­son­de­re Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004, der all­ge­mei­ne Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung aus Art. 18 AEUV und das all­ge­mei­ne Auf­ent­halts­recht aus Art. 20 AEUV die­sen Be­stim­mun­gen des deut­schen Rechts ent­ge­gen­ste­hen.
44 Nach den Fest­stel­lun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts be­trifft der Aus­gangs­rechts­streit Per­so­nen, de­nen kein Recht auf Auf­ent­halt im Auf­nah­me­staat nach der Richt­li­nie 2004/38 zu­steht.
45 Das So­zi­al­ge­richt Leip­zig hat da­her be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Ist der persönli­che An­wen­dungs­be­reich von Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 für Per­so­nen eröff­net, die kei­ne Leis­tung so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher oder fa­mi­li­enfördern­der Art im Sin­ne des Art. 3 Abs. 1 der Ver­ord­nung, son­dern ei­ne be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Leis­tung im Sin­ne der Art. 3 Abs. 3 und 70 der Ver­ord­nung in An­spruch neh­men wol­len?
2. Falls die Fra­ge zu 1 be­jaht wird: Ist es den Mit­glied­staa­ten durch Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 ver­wehrt, zur Ver­mei­dung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen In­an­spruch­nah­me von exis­tenz­si­chern­den bei­trags­un­abhängi­gen So­zi­al­leis­tun­gen im Sin­ne des Art. 70 der Ver­ord­nung bedürf­ti­ge Uni­onsbürger vom Be­zug der­ar­ti­ger Leis­tun­gen, die ei­ge­nen Staatsbürgern in glei­cher La­ge gewährt wer­den, ganz oder teil­wei­se aus­zu­sch­ließen?
3. Falls die Fra­gen zu 1 oder 2 ver­neint wer­den: Ist es den Mit­glied­staa­ten nach a) Art. 18 AEUV und/oder b) Art. 20 Abs. 2 Un­terabs. 1 Buchst. a AEUV in Ver­bin­dung mit Art. 20 Abs. 2 Un­terabs. 2 AEUV und Art. 24 Abs. 2 der Richt­li­nie 2004/38 ver­wehrt, zur Ver­mei­dung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen In­an­spruch­nah­me von exis­tenz­si­chern­den bei­trags­un­abhängi­gen So­zi­al­leis­tun­gen im Sin­ne von Art. 70 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 bedürf­ti­ge Uni­onsbürger vom Be­zug der­ar­ti­ger Leis­tun­gen, die ei­ge­nen Staatsbürgern in glei­cher La­ge gewährt wer­den, ganz oder teil­wei­se aus­zu­sch­ließen?
4. Falls nach Be­ant­wor­tung der vor­ge­nann­ten Fra­gen der teil­wei­se Aus­schluss von exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen eu­ro­pa­rechts­kon­form ist: Darf sich die Gewährung bei­trags­un­abhängi­ger exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen für Uni­onsbürger außer­halb aku­ter Notfälle auf die Be­reit­stel­lung der er­for­der­li­chen Mit­tel zur Rück­kehr in den Hei­mat­staat be­schränken, oder ge­bie­ten die Art. 1, 20 und 51 der Char­ta wei­ter ge­hen­de Leis­tun­gen, die ei­nen dau­er­haf­ten Auf­ent­halt ermögli­chen?
46 Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er für die „be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Leis­tun­gen“ im Sin­ne von Art. 3 Abs. 3 und Art. 70 die­ser Ver­ord­nung gilt.
47 Zunächst ist fest­zu­stel­len, dass das vor­le­gen­de Ge­richt die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Leis­tun­gen als „be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen“ im Sin­ne des Art. 70 Abs. 2 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 ein­ge­stuft hat.
48 Hier­zu ist ers­tens dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Art. 3 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 de­ren sach­li­chen Gel­tungs­be­reich fest­legt und da­bei in Abs. 3 aus­drück­lich be­stimmt, dass sie „auch für die be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen gemäß Ar­ti­kel 70 [der Ver­ord­nung gilt]“.
49 Aus dem Wort­laut des Art. 3 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 geht so­mit klar her­vor, dass sie für be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen gilt.
Zwei­tens sieht Art. 70 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 in Abs. 3 vor, dass Art. 7 („Auf­he­bung der Wohn­ort­klau­seln“) und die an­de­ren Ka­pi­tel ih­res Ti­tels III, der ver­schie­de­nen Ar­ten von Leis­tun­gen ge­wid­met ist, nicht für die be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen gel­ten.
51 So­mit wer­den zwar durch Art. 70 Abs. 3 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 als Aus­nah­me­vor­schrift ei­ni­ge Be­stim­mun­gen der Ver­ord­nung für nicht auf die­se Leis­tun­gen an­wend­bar erklärt, doch gehört Art. 4 der Ver­ord­nung nicht zu die­sen Be­stim­mun­gen.
52 Sch­ließlich ent­spricht ei­ne Aus­le­gung, nach der Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 auf die be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen an­wend­bar ist, dem Wil­len des Uni­ons­ge­setz­ge­bers. Dies er­gibt sich aus dem drit­ten Erwägungs­grund der Ver­ord­nung Nr. 1247/92, mit der die Ver­ord­nung Nr. 1408/71 geändert wur­de, um ihr Be­stim­mun­gen über der­ar­ti­ge Leis­tun­gen hin­zu­zufügen und so der hier­zu er­gan­ge­nen Recht­spre­chung Rech­nung zu tra­gen.
53 Nach dem sieb­ten Erwägungs­grund der Ver­ord­nung Nr. 1247/92 sind die­se Leis­tun­gen aus­sch­ließlich nach den Rechts­vor­schrif­ten des Wohn­sitz­mit­glied­staats der be­tref­fen­den Per­son oder ih­rer Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen zu gewähren, wo­bei die in je­dem an­de­ren Mit­glied­staat zurück­ge­leg­ten Wohn­zei­ten, so­weit er­for­der­lich, zu berück­sich­ti­gen sind und jed­we­de Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der Staats­an­gehörig­keit entfällt.
54 Die be­son­de­re Re­ge­lung, die der Uni­ons­ge­setz­ge­ber da­mit durch die Ver­ord­nung Nr. 1247/92 in die Ver­ord­nung Nr. 1408/71 ein­gefügt hat, ist mit­hin durch die Nicht­ex­por­tier­bar­keit be­son­de­rer bei­trags­un­abhängi­ger Geld­leis­tun­gen als Ge­genstück zu ei­ner Gleich­be­hand­lung im Wohn­sitz­staat ge­kenn­zeich­net.
55 Nach al­le­dem ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Ver­ord­nung Nr. 883/2004 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass ihr Art. 4 für die „be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen“ im Sin­ne von Art. 3 Abs. 3 und Art. 70 die­ser Ver­ord­nung gilt.
56 Mit sei­ner zwei­ten und sei­ner drit­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Art. 18 AEUV und 20 Abs. 2 AEUV so­wie Art. 24 Abs. 2 der Richt­li­nie 2004/38 und Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie der Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats ent­ge­gen­ste­hen, nach der nicht er­werbstäti­ge Staats­an­gehöri­ge an­de­rer Mit­glied­staa­ten ganz oder teil­wei­se vom Be­zug be­stimm­ter „be­son­de­rer bei­trags­un­abhängi­ger Geld­leis­tun­gen“ im Sin­ne der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 aus­ge­schlos­sen wer­den, während Staats­an­gehöri­ge des be­tref­fen­den Mit­glied­staats, die sich in der glei­chen Si­tua­ti­on be­fin­den, die­se Leis­tun­gen er­hal­ten.
57 Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Art. 20 Abs. 1 AEUV je­der Per­son, die die Staats­an­gehörig­keit ei­nes Mit­glied­staats be­sitzt, den Sta­tus ei­nes Uni­onsbürgers ver­leiht (Ur­teil N., C‑46/12, EU:C:2013:9725, Rn. 25).
58 Wie der Ge­richts­hof wie­der­holt ent­schie­den hat, ist der Uni­onsbürger­sta­tus da­zu be­stimmt, der grund­le­gen­de Sta­tus der Staats­an­gehöri­gen der Mit­glied­staa­ten zu sein, der es den­je­ni­gen un­ter ih­nen, die sich in der glei­chen Si­tua­ti­on be­fin­den, er­laubt, im sach­li­chen An­wen­dungs­be­reich des AEU-Ver­trags un­abhängig von ih­rer Staats­an­gehörig­keit und un­be­scha­det der in­so­weit aus­drück­lich vor­ge­se­he­nen Aus­nah­men die glei­che recht­li­che Be­hand­lung zu ge­nießen (Ur­tei­le Grzelc­zyk, C‑184/99, EU:C:2001:458, Rn. 31, D’Ho­op, C‑224/98, EU:C:2002:432, Rn. 28, und N., EU:C:2013:9725, Rn. 27).
59 Je­der Uni­onsbürger kann sich da­her in al­len Si­tua­tio­nen, die in den sach­li­chen An­wen­dungs­be­reich des Uni­ons­rechts fal­len, auf das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen der Staats­an­gehörig­keit in Art. 18 AEUV be­ru­fen. Zu die­sen Si­tua­tio­nen gehören die­je­ni­gen, die die Ausübung der durch Art. 20 Abs. 2 Un­terabs. 1 Buchst. a AEUV und Art. 21 AEUV ver­lie­he­nen Frei­heit be­tref­fen, sich im Ho­heits­ge­biet der Mit­glied­staa­ten zu be­we­gen und auf­zu­hal­ten (vgl. Ur­teil N., EU:C:2013:97, Rn. 28 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
60 In die­sem Zu­sam­men­hang ist fest­zu­stel­len, dass Art. 18 Abs. 1 AEUV je­de Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen der Staats­an­gehörig­keit „[u]nbe­scha­det be­son­de­rer Be­stim­mun­gen der Verträge … in ih­rem An­wen­dungs­be­reich“ ver­bie­tet. Art. 20 Abs. 2 Un­terabs. 2 AEUV sieht aus­drück­lich vor, dass die Rech­te, die die­ser Ar­ti­kel den Uni­onsbürgern ver­leiht, „un­ter den Be­din­gun­gen und in­ner­halb der Gren­zen aus­geübt [wer­den], die in den Verträgen und durch die in An­wen­dung der Verträge er­las­se­nen Maßnah­men fest­ge­legt sind“. Fer­ner be­steht nach Art. 21 Abs. 1 AEUV das Recht der Uni­onsbürger, sich im Ho­heits­ge­biet der Mit­glied­staa­ten frei zu be­we­gen und auf­zu­hal­ten, „vor­be­halt­lich der in den Verträgen und in den Durchführungs­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Be­schränkun­gen und Be­din­gun­gen“ (vgl. Ur­teil Brey, C-140/12, EU:C:2013:565, Rn. 46 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
61 Da­bei wird das in Art. 18 AEUV in all­ge­mei­ner Wei­se nie­der­ge­leg­te Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot in Art. 24 der Richt­li­nie 2004/38 für Uni­onsbürger kon­kre­ti­siert, die wie die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens von ih­rer Frei­heit Ge­brauch ma­chen, sich im Ho­heits­ge­biet der Mit­glied­staa­ten zu be­we­gen und auf­zu­hal­ten. Zu­dem erfährt die­ses Ver­bot in Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung für Uni­onsbürger, die wie die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens im Auf­nahm­e­mit­glied­staat Leis­tun­gen nach Art. 70 Abs. 2 die­ser Ver­ord­nung be­an­spru­chen.
62 Da­her sind Art. 24 der Richt­li­nie 2004/38 und Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 aus­zu­le­gen.
63 Ein­lei­tend ist fest­zu­stel­len, dass die von Art. 70 Abs. 2 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 er­fass­ten „be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen“ un­ter den Be­griff der So­zi­al­hil­fe im Sin­ne des Art. 24 Abs. 2 der Richt­li­nie 2004/38 fal­len. Die­ser Be­griff be­zieht sich nämlich auf sämt­li­che von öffent­li­chen Stel­len ein­ge­rich­te­ten Hilfs­sys­te­me, die auf na­tio­na­ler, re­gio­na­ler oder ört­li­cher Ebe­ne be­ste­hen und die ein Ein­zel­ner in An­spruch nimmt, der nicht über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel zur Be­strei­tung sei­ner Grund­bedürf­nis­se und der­je­ni­gen sei­ner Fa­mi­lie verfügt und des­halb während sei­nes Auf­ent­halts mögli­cher­wei­se die öffent­li­chen Fi­nan­zen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats be­las­ten muss, was ge­eig­net ist, sich auf das ge­sam­te Ni­veau der Bei­hil­fe aus­zu­wir­ken, die die­ser Staat gewähren kann (Ur­teil Brey, EU:C:2013:565, Rn. 61).
64 Dies vor­aus­ge­schickt ist fest­zu­stel­len, dass Art. 24 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38 und Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der Staats­an­gehörig­keit auf­grei­fen, während Art. 24 Abs. 2 der Richt­li­nie ei­ne Aus­nah­me vom Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot enthält.
65 Nach die­ser Be­stim­mung ist der Auf­nahm­e­mit­glied­staat nicht ver­pflich­tet, an­de­ren Per­so­nen als Ar­beit­neh­mern oder Selbständi­gen, Per­so­nen, de­nen die­ser Sta­tus er­hal­ten bleibt, und ih­ren Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen während der ers­ten drei Mo­na­te des Auf­ent­halts oder ge­ge­be­nen­falls während des über die­sen Zeit­raum hin­aus­ge­hen­den länge­ren Zeit­raums der Ar­beit­su­che nach Art. 14 Abs. 4 Buchst. b der Richt­li­nie 2004/38 ei­nen An­spruch auf So­zi­al­hil­fe oder vor Er­werb des Rechts auf Dau­er­auf­ent­halt Stu­di­en­bei­hil­fen zu gewähren.
66 Den Ak­ten ist hier­zu zu ent­neh­men, dass Frau Da­no ih­ren Wohn­sitz seit mehr als drei Mo­na­ten in Deutsch­land hat, nicht auf Ar­beit­su­che ist und nicht in das Ho­heits­ge­biet die­ses Mit­glied­staats ein­ge­reist ist, um dort zu ar­bei­ten, so dass sie nicht in den persönli­chen Gel­tungs­be­reich des Art. 24 Abs. 2 der Richt­li­nie 2004/38 fällt.
67 Un­ter die­sen Umständen ist zu prüfen, ob Art. 24 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38 und Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 der Ver­sa­gung von So­zi­al­leis­tun­gen in ei­ner Si­tua­ti­on wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens ent­ge­gen­ste­hen.
68 Nach Art. 24 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38 ge­nießt je­der Uni­onsbürger, der sich auf­grund die­ser Richt­li­nie im Ho­heits­ge­biet des Auf­nahm­e­mit­glied­staats aufhält, im An­wen­dungs­be­reich des Ver­trags die glei­che Be­hand­lung wie die Staats­an­gehöri­gen die­ses Mit­glied­staats.
69 Dar­aus folgt, dass ein Uni­onsbürger ei­ne Gleich­be­hand­lung mit den Staats­an­gehöri­gen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats hin­sicht­lich des Zu­gangs zu So­zi­al­leis­tun­gen wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den nur ver­lan­gen kann, wenn sein Auf­ent­halt im Ho­heits­ge­biet des Auf­nahm­e­mit­glied­staats die Vor­aus­set­zun­gen der Richt­li­nie 2004/38 erfüllt.
70 Da­bei be­schränkt ers­tens Art. 6 der Richt­li­nie 2004/38 für Auf­ent­hal­te bis zu drei Mo­na­ten die für das Auf­ent­halts­recht gel­ten­den Be­din­gun­gen oder For­ma­litäten auf das Er­for­der­nis des Be­sit­zes ei­nes gülti­gen Per­so­nal­aus­wei­ses oder Rei­se­pas­ses, und nach Art. 14 Abs. 1 der Richt­li­nie be­steht die­ses Recht für Uni­onsbürger und ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen fort, so­lan­ge sie die So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats nicht un­an­ge­mes­sen in An­spruch neh­men (Ur­teil Zio­l­kow­ski und Sze­ja, C-424/10 und C-425/10, EU:C:2011:866, Rn. 39). Nach Art. 24 Abs. 2 der Richt­li­nie 2004/38 ist der Auf­nahm­e­mit­glied­staat so­mit nicht ver­pflich­tet, ei­nem Staats­an­gehöri­gen ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats oder sei­nen Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen während des ge­nann­ten Zeit­raums ei­nen An­spruch auf ei­ne So­zi­al­leis­tung ein­zuräum­en.
71 Zwei­tens ist bei ei­nem Auf­ent­halt von mehr als drei Mo­na­ten die Ausübung des Auf­ent­halts­rechts von den in Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38 ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen abhängig, und nach Art. 14 Abs. 2 der Richt­li­nie steht Uni­onsbürgern und ih­ren Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen die­ses Recht nur zu, so­lan­ge sie die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllen. Wie sich ins­be­son­de­re aus dem zehn­ten Erwägungs­grund der Richt­li­nie er­gibt, soll da­mit u. a. ver­hin­dert wer­den, dass die­se Per­so­nen die So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats un­an­ge­mes­sen in An­spruch neh­men (Ur­teil Zio­l­kow­ski und Sze­ja, EU:C:2011:866, Rn. 40).
72 Drit­tens geht aus Art. 16 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38 her­vor, dass je­der Uni­onsbürger, der sich rechtmäßig fünf Jah­re lang un­un­ter­bro­chen im Auf­nahm­e­mit­glied­staat auf­ge­hal­ten hat, das Recht hat, sich dort auf Dau­er auf­zu­hal­ten, und dass die­ses Recht nicht an die in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpft ist. Wie im 18. Erwägungs­grund der Richt­li­nie aus­geführt wird, soll­te das ein­mal er­lang­te Recht auf Dau­er­auf­ent­halt, um ein wirk­sa­mes In­stru­ment für die In­te­gra­ti­on in die Ge­sell­schaft die­ses Staa­tes dar­zu­stel­len, kei­nen Be­din­gun­gen un­ter­wor­fen wer­den (Ur­teil Zio­l­kow­ski und Sze­ja, EU:C:2011:866, Rn. 41).
73 Bei der Be­ur­tei­lung, ob nicht er­werbstäti­ge Uni­onsbürger in der Si­tua­ti­on der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens, die sich länger als drei Mo­na­te, aber we­ni­ger als fünf Jah­re im Auf­nahm­e­mit­glied­staat auf­ge­hal­ten ha­ben, hin­sicht­lich des An­spruchs auf So­zi­al­leis­tun­gen ei­ne Gleich­be­hand­lung mit den An­gehöri­gen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats ver­lan­gen können, ist dem­nach zu prüfen, ob der Auf­ent­halt die­ser Uni­onsbürger die Vor­aus­set­zun­gen des Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2004/38 erfüllt. Zu die­sen Vor­aus­set­zun­gen gehört, dass der nicht er­werbstäti­ge Uni­onsbürger für sich und sei­ne Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel verfügt.
74 Ließe man zu, dass Per­so­nen, de­nen kein Auf­ent­halts­recht nach der Richt­li­nie 2004/38 zu­steht, un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen wie Inländer So­zi­al­leis­tun­gen be­an­spru­chen könn­ten, lie­fe dies dem in ih­rem zehn­ten Erwägungs­grund ge­nann­ten Ziel zu­wi­der, ei­ne un­an­ge­mes­se­ne In­an­spruch­nah­me der So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats durch Uni­onsbürger, die Staats­an­gehöri­ge an­de­rer Mit­glied­staa­ten sind, zu ver­hin­dern.
75 Über­dies un­ter­schei­det die Richt­li­nie 2004/38 hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zung, über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel zu verfügen, zwi­schen er­werbstäti­gen und nicht er­werbstäti­gen Per­so­nen. Der erst­ge­nann­ten Grup­pe von Uni­onsbürgern, die sich im Auf­nahm­e­mit­glied­staat be­fin­den, steht nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 2004/38 das Auf­ent­halts­recht zu, oh­ne dass sie wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen erfüllen muss. Da­ge­gen wird in Art. 7 Abs. 1 Buchst. b die­ser Richt­li­nie von nicht er­werbstäti­gen Per­so­nen ver­langt, dass sie über aus­rei­chen­de ei­ge­ne Exis­tenz­mit­tel verfügen.
76 So­mit ist fest­zu­stel­len, dass Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2004/38 nicht er­werbstäti­ge Uni­onsbürger dar­an hin­dern soll, das Sys­tem der so­zia­len Si­cher­heit des Auf­nahm­e­mit­glied­staats zur Be­strei­tung ih­res Le­bens­un­ter­halts in An­spruch zu neh­men.
77 Wie der Ge­ne­ral­an­walt in den Nrn. 93 und 96 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, ist das even­tu­el­le Vor­lie­gen ei­ner Un­gleich­be­hand­lung von Uni­onsbürgern, die von ih­rem Recht auf Freizügig­keit und Auf­ent­halt Ge­brauch ge­macht ha­ben, und Staats­an­gehöri­gen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats bei der Gewährung von So­zi­al­leis­tun­gen ei­ne un­ver­meid­li­che Fol­ge der Richt­li­nie 2004/38. Ei­ne sol­che po­ten­zi­el­le Un­gleich­be­hand­lung be­ruht nämlich auf dem Verhält­nis, das der Uni­ons­ge­setz­ge­ber in Art. 7 die­ser Richt­li­nie zwi­schen dem Er­for­der­nis aus­rei­chen­der Exis­tenz­mit­tel als Vor­aus­set­zung für den Auf­ent­halt und dem Be­stre­ben, kei­ne Be­las­tung für die So­zi­al­hil­fe­sys­te­me der Mit­glied­staa­ten her­bei­zuführen, ge­schaf­fen hat.
78 Ein Mit­glied­staat muss da­her gemäß Art. 7 der Richt­li­nie 2004/38 die Möglich­keit ha­ben, nicht er­werbstäti­gen Uni­onsbürgern, die von ih­rer Freizügig­keit al­lein mit dem Ziel Ge­brauch ma­chen, in den Ge­nuss der So­zi­al­hil­fe ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats zu kom­men, ob­wohl sie nicht über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel für die Be­an­spru­chung ei­nes Auf­ent­halts­rechts verfügen, So­zi­al­leis­tun­gen zu ver­sa­gen.
79 Würde ei­nem be­trof­fe­nen Mit­glied­staat die­se Möglich­keit ge­nom­men, hätte dies, wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 106 sei­ner Schluss­anträge fest­ge­stellt hat, zur Fol­ge, dass Per­so­nen, die bei ih­rer An­kunft im Ho­heits­ge­biet ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats nicht über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel verfügen, um für ih­ren Le­bens­un­ter­halt auf­zu­kom­men, au­to­ma­tisch in den Ge­nuss sol­cher Mit­tel kämen, und zwar durch die Gewährung ei­ner be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tung, de­ren Ziel dar­in be­steht, den Le­bens­un­ter­halt des Empfängers zu si­chern.
80 Folg­lich ist bei der Be­ur­tei­lung, ob ein Uni­onsbürger über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel verfügt, um ein Auf­ent­halts­recht nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2004/38 in An­spruch neh­men zu können, ei­ne kon­kre­te Prüfung der wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on je­des Be­trof­fe­nen vor­zu­neh­men, oh­ne die be­an­trag­ten So­zi­al­leis­tun­gen zu berück­sich­ti­gen.
81 Im Aus­gangs­ver­fah­ren verfügen die Kläger nach den Fest­stel­lun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts nicht über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel und können mit­hin kein Recht auf Auf­ent­halt im Auf­nahm­e­mit­glied­staat nach der Richt­li­nie 2004/38 gel­tend ma­chen. Wie oben in Rn. 69 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt, können sie sich da­her nicht auf das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des Art. 24 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie be­ru­fen.
82 Dem­nach steht Art. 24 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38 in Ver­bin­dung mit ih­rem Art. 7 Abs. 1 Buchst. b ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den nicht ent­ge­gen, wenn die­se die Staats­an­gehöri­gen an­de­rer Mit­glied­staa­ten, de­nen im Auf­nahm­e­mit­glied­staat kein Auf­ent­halts­recht nach der Richt­li­nie 2004/38 zu­steht, vom Be­zug be­stimm­ter „be­son­de­rer bei­trags­un­abhängi­ger Geld­leis­tun­gen“ im Sin­ne des Art. 70 Abs. 2 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 aus­sch­ließt.
83 Das Glei­che gilt in Be­zug auf die Aus­le­gung des Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004. Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Leis­tun­gen, bei de­nen es sich um „be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen“ im Sin­ne des Art. 70 Abs. 2 die­ser Ver­ord­nung han­delt, wer­den nämlich nach Art. 70 Abs. 4 aus­sch­ließlich in dem Mit­glied­staat, in dem die be­tref­fen­den Per­so­nen woh­nen, und nach des­sen Rechts­vor­schrif­ten gewährt. Da­her spricht nichts da­ge­gen, die Gewährung sol­cher Leis­tun­gen an nicht er­werbstäti­ge Uni­onsbürger von dem Er­for­der­nis abhängig zu ma­chen, dass sie die Vor­aus­set­zun­gen der Richt­li­nie 2004/38 für ein Recht auf Auf­ent­halt im Auf­nahm­e­mit­glied­staat erfüllen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Brey, EU:C:2013:965, Rn. 44).
84 Nach al­le­dem ist auf die zwei­te und die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 24 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38 in Ver­bin­dung mit ih­rem Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie der Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats nicht ent­ge­gen­ste­hen, nach der Staats­an­gehöri­ge an­de­rer Mit­glied­staa­ten vom Be­zug be­stimm­ter „be­son­de­rer bei­trags­un­abhängi­ger Geld­leis­tun­gen“ im Sin­ne des Art. 70 Abs. 2 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 aus­ge­schlos­sen wer­den, während Staats­an­gehöri­ge des Auf­nahm­e­mit­glied­staats, die sich in der glei­chen Si­tua­ti­on be­fin­den, die­se Leis­tun­gen er­hal­ten, so­fern den be­tref­fen­den Staats­an­gehöri­gen an­de­rer Mit­glied­staa­ten im Auf­nahm­e­mit­glied­staat kein Auf­ent­halts­recht nach der Richt­li­nie 2004/38 zu­steht.
85 Mit sei­ner vier­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Art. 1, 20 und 51 der Char­ta da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­ten, Uni­onsbürgern bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen der Grund­si­che­rung zu gewähren, die ge­eig­net sind, ei­nen dau­er­haf­ten Auf­ent­halt zu ermögli­chen, oder ob sich die Mit­glied­staa­ten dar­auf be­schränken dürfen, die zur Rück­kehr in den Hei­mat­staat er­for­der­li­chen Mit­tel be­reit­zu­stel­len.
86 Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof im Rah­men ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 AEUV das Uni­ons­recht nur in den Gren­zen der der Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten zu prüfen hat (vgl. u. a. Ur­teil Be­triu Mon­tull, C-5/12, EU:C:2013:571, Rn. 68 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
87 Art. 51 Abs. 1 der Char­ta sieht hier­zu vor, dass die Char­ta „für die Mit­glied­staa­ten aus­sch­ließlich bei der Durchführung des Rechts der Uni­on“ gilt.
88 Nach Art. 6 Abs. 1 EUV wer­den durch die Be­stim­mun­gen der Char­ta die in den Verträgen fest­ge­leg­ten Zuständig­kei­ten der Uni­on in kei­ner Wei­se er­wei­tert. Eben­so dehnt die Char­ta nach ih­rem Art. 51 Abs. 2 den Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts nicht über die Zuständig­kei­ten der Uni­on hin­aus aus und be­gründet we­der neue Zuständig­kei­ten noch neue Auf­ga­ben für die Uni­on, noch ändert sie die in den Verträgen fest­ge­leg­ten Zuständig­kei­ten und Auf­ga­ben (vgl. Ur­teil Åker­berg Frans­son, C-617/10, EU:C:2013:105, Rn. 17 und 23, und Be­schluss Na­gy, C-488/12 bis C-491/12 und C-526/12, EU:C:2013:703, Rn. 15).
89 Wie der Ge­richts­hof in Rn. 41 des Ur­teils Brey (EU:C:2013:565) bestätigt hat, soll Art. 70 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004, der den Be­griff „be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen“ de­fi­niert, nicht die in­halt­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für das Vor­lie­gen ei­nes An­spruchs auf die­se Leis­tun­gen fest­le­gen. Da­her ist es Sa­che des Ge­setz­ge­bers je­des Mit­glied­staats, die­se Vor­aus­set­zun­gen fest­zu­le­gen.
90 Da sich die­se Vor­aus­set­zun­gen so­mit we­der aus der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 noch aus der Richt­li­nie 2004/38 oder an­de­ren Se­kundärrechts­ak­ten der Uni­on er­ge­ben und die Mit­glied­staa­ten für die Re­ge­lung der Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen sol­che Leis­tun­gen gewährt wer­den, zuständig sind, sind sie, wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 146 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, auch dafür zuständig, den Um­fang der mit der­ar­ti­gen Leis­tun­gen si­cher­ge­stell­ten so­zia­len Ab­si­che­rung zu de­fi­nie­ren.
91 Die Mit­glied­staa­ten führen folg­lich nicht das Recht der Uni­on durch, wenn sie die Vor­aus­set­zun­gen und den Um­fang der Gewährung be­son­de­rer bei­trags­un­abhängi­ger Geld­leis­tun­gen fest­le­gen.
92 Da­her ist der Ge­richts­hof für die Be­ant­wor­tung der vier­ten Fra­ge nicht zuständig.
93 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
1. Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 883/2004 des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 29. April 2004 zur Ko­or­di­nie­rung der Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit in der durch die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1244/2010 der Kom­mis­si­on vom 9. De­zem­ber 2010 geänder­ten Fas­sung ist da­hin aus­zu­le­gen, dass ihr Art. 4 für die „be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen“ im Sin­ne von Art. 3 Abs. 3 und Art. 70 die­ser Ver­ord­nung gilt.
2. Art. 24 Abs. 1 der Richt­li­nie 2004/38/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 29. April 2004 über das Recht der Uni­onsbürger und ih­rer Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen, sich im Ho­heits­ge­biet der Mit­glied­staa­ten frei zu be­we­gen und auf­zu­hal­ten, zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1612/68 und zur Auf­he­bung der Richt­li­ni­en 64/221/EWG, 68/360/EWG, 72/194/EWG, 73/148/EWG, 75/34/EWG, 75/35/EWG, 90/364/EWG, 90/365/EWG und 93/96/EWG in Ver­bin­dung mit Art. 7 Abs. 1 Buchst. b die­ser Richt­li­nie und Art. 4 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 in der durch die Ver­ord­nung Nr. 1244/2010 geänder­ten Fas­sung sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie der Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats nicht ent­ge­gen­ste­hen, nach der Staats­an­gehöri­ge an­de­rer Mit­glied­staa­ten vom Be­zug be­stimm­ter „be­son­de­rer bei­trags­un­abhängi­ger Geld­leis­tun­gen“ im Sin­ne des Art. 70 Abs. 2 der Ver­ord­nung Nr. 883/2004 aus­ge­schlos­sen wer­den, während Staats­an­gehöri­ge des Auf­nahm­e­mit­glied­staats, die sich in der glei­chen Si­tua­ti­on be­fin­den, die­se Leis­tun­gen er­hal­ten, so­fern den be­tref­fen­den Staats­an­gehöri­gen an­de­rer Mit­glied­staa­ten im Auf­nahm­e­mit­glied­staat kein Auf­ent­halts­recht nach der Richt­li­nie 2004/38 zu­steht.
3. Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on ist für die Be­ant­wor­tung der vier­ten Fra­ge nicht zuständig.
zur Übersicht C-333/13

References: Art. 7
 Art. 24
 Art. 267
 Art. 18
 Art. 1
 Art. 4
 Art. 24
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 4
 Art. 70
 Art. 6
 Art. 7
 Art. 8
 Art. 14
 Art. 24
 § 19
 § 1
 § 7
 § 2
 § 8
 § 9
 § 20
 § 21
 § 22
 § 1
 § 23
 § 1
 § 2
 § 3
 § 2
 § 2
 § 4
 § 2
 § 5
 § 2
 § 2
 § 5
 § 2
 § 6
 § 2
 § 2
 § 5
 Art. 52
 § 7
 § 6
 § 7
 Art. 18
 § 7
 § 23
 Art. 4
 Art. 18
 Art. 20
 Art. 4
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 4
 Art. 70
 Art. 18
 Art. 20
 Art. 20
 Art. 24
 Art. 70
 Art. 1
 Art. 4
 Art. 3
 Art. 70
 Art. 70
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 70
 Art. 7
 Art. 70
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 3
 Art. 70
 Art. 18
 Art. 24
 Art. 4
 Art. 20
 Art. 18
 Art. 20
 Art. 21
 Art. 18
 Art. 20
 Art. 21
 Art. 18
 Art. 24
 Art. 4
 Art. 70
 Art. 24
 Art. 4
 Art. 70
 Art. 24
 Art. 24
 Art. 4
 Art. 24
 Art. 14
 Art. 24
 Art. 24
 Art. 4
 Art. 24
 Art. 6
 Art. 14
 Art. 24
 Art. 7
 Art. 14
 Art. 16
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 24
 Art. 24
 Art. 7
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 Art. 24
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