Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Diskriminierung_Herkunft_BAG_8AZR705-08.html
Timestamp: 2019-03-20 07:33:56+00:00

Document:
BAG, Urteil vom 24.09.2009, 8 AZR 705/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 24.09.2009, 8 AZR 705/08
Schlagworte: Diskriminierung: Ethnische Herkunft, Belästigung, AGG
Vorinstanzen: Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 18. Juni 2008 - 7 Sa 383/08
24. Sep­tem­ber 2009
Kläger zu 3), Be­ru­fungskläger zu 3) und Re­vi­si­onskläger zu 3),
Kläger zu 4), Be­ru­fungskläger zu 4) und Re­vi­si­onskläger zu 4),
hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. Sep­tem­ber 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ei­mer und Dr. Pau­li für Recht er­kannt:
Im Be­trieb be­fand sich ei­ne Her­ren­toi­let­te mit fünf Ein­zel­ka­bi­nen. An min­des­tens zwei der Toi­let­ten­in­nentüren be­fan­den sich ein Ha­ken­kreuz und fol­gen­de hand­schrift­lich an­ge­brach­te Be­schrif­tun­gen: „Scheiß Ausländer, ihr Hu­rensöhne, Ausländer raus, ihr Ka­na­ken, Ausländer sind Inländer ge­wor­den“. Die­se Toi­let­ten wur­den vom Nie­der­las­sungs­lei­ter der Be­klag­ten nicht be­nutzt,
weil sich im Be­trieb der Be­klag­ten ei­ne wei­te­re Toi­let­te für die kaufmänni­schen Mit­ar­bei­ter be­fand. Seit wann die Toi­let­tentüren die­se Be­schrif­tun­gen auf­wie­sen und wann die Be­klag­te da­von er­fah­ren hat, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Auf je­den Fall wa­ren die­se im April 2007 durch die Be­klag­te ent­fernt wor­den, nach­dem die Be­klag­te von den Schmie­re­rei­en durch den Schrift­satz des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des eben­falls im Be­trieb E beschäftig­ten Mit­ar­bei­ters T vom 20. März 2007 in ei­nem Kündi­gungs­rechts­streit er­fah­ren hat­te.
Die Kläger mei­nen, die Be­klag­te hätte nach In­kraft­tre­ten des AGG die Räum­lich­kei­ten in ih­rem Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich auf dis­kri­mi­nie­ren­de Tat­bestände, Be­schrif­tun­gen, Bil­der usw. über­prüfen müssen. Es sei ihr vor­zu­wer­fen, dass sie trotz Be­an­stan­dun­gen ei­nes Mit­ar­bei­ters die Be­schrif­tun­gen nicht ent­fernt ha­be. Im Übri­gen ha­be die Be­klag­te die nach § 12 Abs. 2 AGG er­for­der­li­chen Schu­lun­gen un­ter­las­sen und kei­ne Be­schwer­de­stel­le un­ter Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats ein­ge­rich­tet. Auch hätten die Be­schrif­tun­gen
je­den­falls dann zu ei­nem „von An­fein­dun­gen ge­kenn­zeich­ne­ten Um­feld“ iSv. § 3 Abs. 3 AGG geführt, als der Nie­der­las­sungs­lei­ter trotz der Hin­wei­se zwei­er Mit­ar­bei­ter nicht re­agiert ha­be. Es sei un­er­heb­lich, dass die Be­klag­te ei­nen Ge­bets­raum zur Verfügung stel­le und auf die re­li­giösen Nah­rungs­ge­bo­te ih­rer Mit­ar­bei­ter Rück­sicht neh­me. Dies sei zwar po­si­tiv zu be­ur­tei­len, rich­te sich aber an der Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit aus und ste­he in kei­nem Be­zug zur Na­tio­na­lität und Volks­zu­gehörig­keit.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung gem. § 15 Abs. 2 AGG zu zah­len, min­des­tens je 10.000,00 Eu­ro net­to, nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem EZB-Ba­sis­zins­satz.
Sie be­haup­tet, erst­mals durch den Schrift­satz im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren des Mit­ar­bei­ters T im März 2007 von den Schmie­re­rei­en Kennt­nis er­hal­ten zu ha­ben, wor­auf die­se un­verzüglich ent­fernt wor­den sei­en. Da­vor ha­be es auch beim Be­triebs­rat kei­ne Be­schwer­den ge­ge­ben. Sie ha­be im De­zem­ber 2006 den Ge­set­zes­text des AGG und des § 61b ArbGG so­wie wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum AGG den Mit­ar­bei­tern über das R-In­fo­net und über das „Schwar­ze Brett“ be­kannt ge­macht. Da­bei sei als An­sprech­part­ner für den Be­trieb in E der Nie­der­las­sungs­lei­ter S be­nannt wor­den. Am 11. Ja­nu­ar 2007 ha­be ei­ne AGG-Schu­lung für die Be­triebsräte der Re­gi­on West statt­ge­fun­den so­wie am 16. und 23. Ja­nu­ar 2007 für den Be­triebs­lei­ter. Sie ist der Auf­fas­sung, dass im E Be­trieb kein ausländer­feind­li­ches Kli­ma herr­sche.
Das Ar­beits­ge­richt hat die ursprüng­lich ein­zeln er­ho­be­nen Kla­gen ver­bun­den und dann ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fun­gen der Kläger zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­fol­gen die Kläger ih­re Kla­ge­be­geh­ren wei­ter, während die Be­klag­te die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on be­an­tragt.
Darüber hin­aus hätten die Kläger die Gel­tend­ma­chungs­frist des § 15 Abs. 4 AGG nicht ein­ge­hal­ten. Sie hätten zwei Mo­na­te nach In­kraft­tre­ten des AGG ih­ren Entschädi­gungs­an­spruch gel­tend ma­chen müssen, spätes­tens je­doch bin­nen zwei Mo­na­ten nach dem ers­ten von den Klägern be­haup­te­ten
Hin­weis an den Ar­beit­ge­ber im Sep­tem­ber 2006. Es könne nicht von ei­nem Dau­er­tat­be­stand aus­ge­gan­gen wer­den, bei dem die Aus­schluss­frist nicht mit dem Zeit­punkt des Be­kannt­wer­dens, son­dern mit sei­ner Be­en­di­gung be­gin­ne. Ein Dau­er­tat­be­stand lie­ge des­halb nicht vor, weil we­der fort­lau­fend neue Tat­sa­chen ein­ge­tre­ten sei­en noch ein nicht ab­ge­schlos­se­ner Zu­stand vor­lie­ge. Die tatsächli­chen Vorgänge, die für die Belästi­gung maßgeb­lich sei­en, nämlich das An­brin­gen der Be­schrif­tun­gen, sei­en be­reits ab­ge­schlos­sen ge­we­sen.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Kläger die Höhe der von ih­nen be­gehr­ten Entschädi­gun­gen in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt ha­ben. Ein sol­cher Kla­ge­an­trag ist hier zulässig, weil nach § 15 Abs. 2 AGG ei­ne an-ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld ver­langt wer­den kann und dem Ge­richt da­mit hin­sicht­lich der Höhe der Entschädi­gung ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ein­geräumt wird. Ist die Höhe des Be­tra­ges nach bil­li­gem Er­mes­sen des Ge­richts zu be­stim­men, ist ein un­be­zif­fer­ter Zah­lungs­an­trag zulässig, wenn der Kläger Tat­sa­chen be­nennt, die das Ge­richt bei sei­ner Er­mes­sens­ausübung her­an­zie­hen soll, und die Größen­ord­nung der For­de­rung an­gibt (BAG 16. Sep­tem­ber 2008 - 9 AZR 791/07 - Rn. 18, AP SGB IX § 81 Nr. 15 = EzA SGB IX § 81 Nr. 17; 12. Sep­tem­ber 2006 - 9 AZR 807/05 - BA­GE 119, 262 = AP SGB IX § 81 Nr. 13 = EzA SGB IX § 81 Nr. 14). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt. Die Kläger ha­ben ei­nen Sach­ver­halt dar­ge­legt, wel­chen das Ge­richt bei sei­ner Er­mes­sens­ausübung her­an­zie­hen soll und der es grundsätz­lich ermöglicht, ei­ne Entschädi­gung zu be­stim­men. Fer­ner ha­ben die Kläger An­ga­ben zur Größen­ord­nung der Entschädi­gung, nämlich min­des­tens 10.000,00 Eu­ro, ge­macht.
II. Die Kla­gen sind un­be­gründet, weil die Kläger et­wai­ge Ansprüche auf Zah­lung ei­ner Entschädi­gung ge­gen die Be­klag­te ver­spätet gel­tend ge­macht ha­ben.
a) Die Vor­schrif­ten des AGG sind auf den Streit­fall an­wend­bar.
Mit dem Ge­setz zur Um­set­zung eu­ropäischer Richt­li­ni­en zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung (Um­set­zungs­ge­setz) vom 14. Au­gust 2006 ist am 18. Au­gust 2006 das AGG in Kraft ge­tre­ten. Für Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des, die zeit­lich nach In­kraft­tre­ten des AGG be­gan­gen wur­den, gel­ten die §§ 1 - 18 AGG oh­ne Ein­schränkung, § 33 AGG (vgl. BAG 14. Au­gust 2007 - 9 AZR 943/06 - Rn. 28, BA­GE 123, 358 = AP AGG § 33 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 611a Nr. 5; 16. De­zem­ber 2008 - 9 AZR 985/07 - Rn. 33, AP TVG § 1 Vor­ru­he­stand Nr. 33 = EzA SGB IX § 81 Nr. 18). Da­ge­gen ist nach der Über­g­angs­vor­schrift in § 33 AGG, die sich ent­ge­gen ih­rem Wort­laut nicht nur auf Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen des Ge­schlechts und se­xu­el­le Belästi­gun­gen be­zieht (vgl. BT-Drucks. 16/1780 S. 53; BAG 14. Ja­nu­ar 2009 - 3 AZR 20/07 - Rn. 55, AP GG Art. 3 Nr. 315 = EzA AGG § 2 Nr. 3; 16. De­zem­ber 2008 - 9 AZR 985/07 - aaO), das AGG nicht auf Sach­ver­hal­te an­wend­bar, die vor In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes be­reits ab­ge­schlos­sen wa­ren. Viel­mehr ist nach der Be­gründung des Re­gie­rungs­ent­wur­fes auf am 18. Au­gust 2006 be­reits ab­ge­schlos­se­ne Be­nach­tei­li­gun­gen die al­te Rechts­la­ge an­wend­bar ein­sch­ließlich des § 81 Abs. 2 SGB IX aF (vgl. BT-Drucks. 16/1780 S. 53; BAG 16. De­zem­ber 2008 - 9 AZR 985/07 - aaO). Dem­nach kommt es auf den Zeit­punkt der Vor­nah­me der Be­nach­tei­li­gungs­hand­lung an. In der Re­gel ist die zu­grun­de lie­gen­de Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers maßgeb­lich, et­wa ei­nen Be­wer­ber nicht ein­zu­stel­len (BAG 14. Ja­nu­ar 2009 - 3 AZR 20/07 - aaO; 16. De­zem­ber 2008 - 9 AZR 985/07 - aaO). Der Zeit­punkt der Kennt­nis­er­lan­gung von der Be­nach­tei­li­gung ist zwar ent­schei­dend für den Be­ginn der Gel­tend­ma­chungs­frist nach § 15 Abs. 4 Satz 2 AGG, für den
zeit­li­chen An­wen­dungs­be­reich des AGG ist je­doch nur der Zeit­punkt der Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stan­des des § 7 Abs. 1 AGG von Be­deu­tung (Bau­er/Göpfert/Krie­ger AGG 2. Aufl. § 33 Rn. 8; Adom­eit/Mohr § 33 Rn. 9/10).
ent­spre­chen­den Be­an­stan­dung un­ter­las­sen ha­be, die Be­schrif­tun­gen an den Toi­let­ten­in­nentüren zu be­sei­ti­gen.
AGG vor­aus­zu­set­zen­den Schwe­re­grad der un­erwünsch­ten Belästi­gung dar-stel­le (in die­sem Sin­ne: ErfK/Schlach­ter 9. Aufl. § 3 AGG Rn. 15; Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 3 Rn. 36), ist dem nicht zu fol­gen. Zwar deu­tet die Be­gründung des Ge­setz­ent­wur­fes vom 8. Ju­ni 2006 dar­auf hin, dass mit dem Be­griff „feind­li­ches Um­feld“ kein zusätz­li­ches Tat­be­stands­merk­mal auf­ge­stellt wer­den soll­te. In der BT-Drucks. heißt es: „ins­be­son­de­re durch das Schaf­fen ei­nes von Einschüchte­run­gen ... ge­kenn­zeich­ne­ten Um­fel­des“ (BT-Drucks. 16/1780 S. 33). Dafür, dass „die Schaf­fung ei­nes feind­li­chen Um­fel­des“ ei­ne wei­te­re Tat­be­stands­vor­aus­set­zung des § 3 Abs. 3 AGG ist, wel­che ku­mu­la­tiv vor­lie­gen muss, spricht je­doch, dass der Ge­setz­ge­ber in § 3 Abs. 3 AGG von dem „Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Um­set­zung eu­ropäischer An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­ni­en“ vom 16. De­zem­ber 2004 ab­ge­wi­chen ist. In die­sem, letzt­lich nicht Ge­setz ge­wor­de­nen Ent­wurf wa­ren die Würde­ver­let­zung und das feind­li­che Um­feld noch mit „ins­be­son­de­re“ (vgl. BT-Drucks. 15/4538 S. 5) und nicht mit „und“ wie im späte­ren Ge­set­zes­text, dem gel­ten­den § 3 Abs. 3 AGG, ver­bun­den. Im Hin­blick auf die­sen ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 3 Abs. 3 AGG er­gibt sich die Klar­stel­lung des Ge­setz­ge­bers, dass bei­de Vor­aus­set­zun­gen ku­mu­la­tiv vor­lie­gen müssen (so auch Adom­eit/Mohr § 3 Rn. 134; Münch­KommBGB/Thüsing § 3 AGG Rn. 58; v. Ro­et­te­ken AGG § 3 Rn. 367; Däubler/Bertz­bach-Schra­der/Schu­bert AGG 2. Aufl. § 3 Rn. 66/67; Schiek AGG § 3 Rn. 73; Gai­er/Wendt­land AGG § 2 Rn. 92; Bau­er/Göpfert/Krie­ger § 3 Rn. 45; Schaub/Linck ArbR-Hdb. 13. Aufl. § 33 Rn. 36). Durch die ge­genüber dem Ent­wurf geänder­te Wort­wahl hat der Ge­setz­ge­ber auch der Kri­tik Rech­nung ge­tra­gen, dass der Ent­wurf den Be­griff der Belästi­gung ufer­los aus­deh­ne und unnöti­ger­wei­se über die Richt­li­ni­en­vor­ga­be hin­aus­ge­he. Mit den vom Ge­setz­ge­ber vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen ent­spricht § 3 Abs. 3 AGG auch dem Wort­laut des Art. 2 Abs. 3 der RL 2000/78/EG des Ra­tes zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf vom 27. No­vem­ber 2000.
cc) Um­strit­ten ist, wel­che Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben sein müssen, da­mit ein durch Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld ge­schaf­fen wird. In­so­weit führt
das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus, dass die Belästi­gun­gen ein Um­feld nur dann „kenn­zeich­nen“ können, wenn sie für das Ar­beits­verhält­nis prägen­de Be­deu­tung ent­fal­ten, wo­hin­ge­gen die Re­vi­si­on meint, dass das Merk­mal „kenn-zeich­nen“ ei­nen an­de­ren In­halt ha­be, ins­be­son­de­re, dass es sich nicht um das we­sent­li­che Kenn­zei­chen, son­dern nur um ei­nes von meh­re­ren auffälli­gen han­deln müsse.
In der Li­te­ra­tur fin­den sich ver­schie­de­ne Ansätze da­zu, wann ein feind­li­ches Um­feld iSd. § 3 Abs. 3 letz­ter Teil­satz AGG vor­liegt. So wird ver­tre­ten, dass ei­ne Schwe­re oder In­ten­sität er­for­der­lich sei, auf­grund de­rer das Ar­beits­um­feld der ver­letz­ten Per­son durch die Belästi­gung ge­kenn­zeich­net, al­so mit ge­prägt wer­de (KR/Tre­ber 9. Aufl. § 3 AGG Rn. 82) bzw. dass ei­ne Ver­hal­tens-wei­se deut­lich ober­halb der Lästig­keits­schwel­le (in die­sem Sin­ne auch: v. Ro­et­te­ken § 3 Rn. 367 und Adom­eit/Mohr § 3 Rn. 134; Mei­nel/Heyn/Herms § 3 Rn. 36, die in­so­weit den Be­griff „nicht un­er­heb­li­ches Ge­wicht“ ver­wen­den) vor­lie­gen müsse, wo­bei die Ver­hal­tens­wei­se das Um­feld nur kenn­zeich­nen könne, wenn sie für das frag­li­che Ar­beits­verhält­nis prägen­de Be­deu­tung ent-fal­te (ErfK/Schlach­ter aaO; wohl auch: Münch­KommBGB/Thüsing § 3 AGG Rn. 59, der von „feind­li­cher Um­feld­prägung“ spricht). Darüber hin­aus wird an­ge­nom­men, dass die Schaf­fung ei­nes ne­ga­ti­ven Um­fel­des in der Re­gel nicht durch ein­ma­li­ge Hand­lun­gen ver­wirk­licht wer­den könne, son­dern dass die Schaf­fung ei­nes sol­chen re­gelmäßig nur durch ein Ver­hal­ten von ge­wis­ser Dau­er möglich sei (Bau­er/Göpfert/Krie­ger § 3 Rn. 45; Thüsing Son­der­bei­la­ge zu NZA-Heft 22/2004, 3; Däubler/Bertz­bach-Schra­der/Schu­bert § 3 Rn. 74; v. Ro­et­te­ken § 3 Rn. 368; Schaub/Linck aaO; ähn­lich be­reits zum „Mob­bing“ Se­nat 25. Ok­to­ber 2007 - 8 AZR 593/06 - Rn. 59, BA­GE 124, 295 = AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 611 Persönlich­keits­recht Nr. 7; 24. April 2008 - 8 AZR 347/07 - Rn. 29, AP BGB § 611 Haf­tung des Ar­beit­ge­bers Nr. 42 = EzA BGB 2002 § 611 Persönlich­keits­recht Nr. 8). Teil­wei­se wird an­ge­nom­men, dass dies im Re­gel­fal­le ei­ne Sys­te­ma­tik des Han­dels des Belästi­gers vor­aus­set­ze (Adom­eit/Mohr § 3 Rn. 134; Bau­er/Göpfert/Krie­ger § 3 Rn. 45).
Die dar­ge­stell­ten De­fi­ni­ti­ons­ansätze grei­fen letzt­lich in­ein­an­der, ergänzen sich und schließen sich nicht ge­gen­sei­tig aus. So führt ei­ne Ver­hal­tens­wei­se un­ter­halb der „Lästig­keits­schwel­le“, wel­che sich in ei­nem ein­zel­nen Zwi­schen­fall erschöpft, nach al­len Mei­nun­gen nicht zur Schaf­fung ei­nes feind­li­chen Um­fel­des. „Ge­kenn­zeich­net“ ist ein Um­feld dann von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen, wenn die­se für das Um­feld „cha­rak­te­ris­tisch oder ty­pisch“ sind (Wah­rig Deut­sches Wörter­buch; Du­den Das große Wörter­buch der deut­schen Spra­che). Maßgeb­lich ist, ob ei­ne be­stimm­te Ver­hal­tens­wei­se oder ein be­stimm­ter Vor­fall das Um­feld kenn­zeich­net, al­so für die­ses cha­rak­te­ris­tisch oder ty­pisch ist. Des­halb führt ein­ma­li­ges Ver­hal­ten grundsätz­lich nicht zur Schaf­fung ei­nes feind­li­chen Um­fel­des. Viel­mehr ist dafür re­gelmäßig ein Ver­hal­ten von ge­wis­ser Dau­er er­for­der­lich. Dies schließt um­ge­kehrt nicht aus, dass im Ein­zel­fal­le das Um­feld auch durch ein (be­son­ders schwer­wie­gen­des) ein­ma­li­ges Ver­hal­ten ge­kenn­zeich­net sein kann.
ee) Nach dem Vor­brin­gen der Kläger ist nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass al­lein durch das Nichtent­fer­nen der Schmie­re­rei­en an den Toi­let­ten­in­nentüren ein durch Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld ge­schaf­fen wor­den war.
Grundsätz­lich gehören auch Toi­let­ten zum Um­feld in ei­nem Ar­beits­verhält­nis, weil sie übli­cher­wei­se während der Ar­beits­zeit auf­ge­sucht wer­den. Dass al­lein die Be­schrif­tun­gen cha­rak­te­ris­tisch oder ty­pisch für das Ar­beits­verhält­nis sind, ist vor­lie­gend oh­ne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer An­halts­punk­te nicht an­zu­neh­men. Die Be­schrif­tun­gen be­tref­fen nur ei­nen sehr be­grenz­ten Aus­schnitt des Um­fel­des der Kläger und kenn­zeich­nen die­ses nicht. Sie wa­ren - nach kläge­ri­schem Vor­brin­gen - auf min­des­tens zwei von fünf Her­ren­toi­let­ten seit 2006 an­ge­bracht. Ent­spre­chend liegt - wie das Be­ru­fungs­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat - mit dem An­brin­gen der Be­schrif­tun­gen ei­ne weit zurück­lie­gen­de Tat­hand­lung vor, oh­ne dass wei­te­re Tat­hand­lun­gen in Form neu­er Be­schrif­tun­gen hin­zu­ge­kom­men wären. Es ist we­der er­sicht­lich, ob die Mit­ar­bei­ter, wel­che die Be­schrif­tun­gen an­ge­bracht ha­ben, wei­ter­hin bei der Be­klag­ten beschäftigt sind noch von wie vie­len Mit­ar­bei­tern die Be­schrif­tun­gen stam­men oder ob es sich da­bei um Vor­ge­setz­te oder sons­ti­ge Beschäftig­te (zB Aus­hilfs­kräfte) ge­han­delt hat. Eben­so we­nig ist vor­ge­tra­gen, dass die Kol­le­gen der Kläger oder de­ren Vor­ge­setz­te den In­halt der Schmie­re­rei­en ge­bil­ligt ha­ben.
Be­schrif­tun­gen iden­ti­fi­ziert oder sie ge­bil­ligt hat. Als Vor­ge­setz­ter der Kläger könn­te er de­ren Würde­ver­let­zung je­doch durch die­se er­kenn­bar zur Schau ge­stell­te Untätig­keit, ver­bun­den mit ei­nem deut­lich geäußer­ten Des­in­ter­es­se an die­sem Vor­gang, verstärkt ha­ben. Die Qua­lität und Schwe­re der Würde­ver­let­zung hätte sich durch die­se Äußerung verändert, weil die Kläger nun­mehr da­von aus­ge­hen muss­ten, ih­rem Ar­beit­ge­ber, dh. der Be­klag­ten, als de­ren Ver­tre­ter der Nie­der­las­sungs­lei­ter han­del­te, sei es gleichgültig, dass sie durch ausländer­feind­li­che Pa­ro­len in ih­rem Ar­beits­um­feld in ih­rer Würde ver­letzt wer­den. Die­ser Um­stand hätte ein so ge­nann­tes „feind­li­ches Um­feld“ iSd. § 3 Abs. 3 letz­ter Teil­satz AGG schaf­fen können. In­so­weit wäre vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­ne re­vi­si­ons­recht­lich nur be­schränkt nach­prüfba­re „Ge­samt­schau“ vor­zu­neh­men.
Her­kunft, als sie die Gel­tend­ma­chung ei­nes Entschädi­gungs­an­spru­ches we­gen ei­ner Belästi­gung iSd. § 3 Abs. 3 AGG in ei­nem be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis be­trifft. Dies folgt aus dem ein­schlägi­gen eu­ropäischen Ge­mein­schafts­recht un­ter Be­ach­tung der da­zu er­gan­ge­nen Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs.
Ge­gen ei­ne un­zu­mut­ba­re Be­ein­träch­ti­gung der Rech­te ei­ner Ar­beits­ver­trags­par­tei spricht ins­be­son­de­re, dass der Entschädi­gungs­an­spruch auf­grund ei­ner Be­nach­tei­li­gung im Ar­beits­verhält­nis erst mit dem Zeit­punkt be­ginnt, in wel­chem der oder die Beschäftig­te von der Be­nach­tei­li­gung Kennt­nis er­langt (§ 15 Abs. 4 Satz 2 AGG). Auch die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, dann, wenn der Ar­beit­neh­mer In­di­zi­en be­weist, die sei­ne ge­setz­wid­ri­ge Be­nach­tei­li­gung ver­mu­ten las­sen, zu be­wei­sen, dass kein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot vor­ge­le­gen hat, § 22 AGG, be­gründet ein be­son­de­res In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an als­bal­di­ger Rechts­klar­heit, weil ihm in­so­weit ei­ne ge­stei­ger­te Do­ku­men­ta­ti­ons­pflicht auf­er­legt ist (vgl. Stel­lung­nah­me des Rechts­aus­schus­ses des Bun­des­ta­ges, der ei­ne Ver­mei­dung des büro­kra­ti­schen Auf­wan­des durch ei­ne Verkürzung der Aus­schluss­frist auf zwei Mo­na­te ge­for­dert hat­te, BT-Drucks. 16/2022 S. 12).
Of­fen­sicht­lich hat­te auch der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts bzgl. der An­ge­mes­sen­heit der zwei­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist für Ansprüche we­gen Be­nach­tei­li­gung auf­grund ei­ner Be­hin­de­rung (§ 81 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 SGB IX aF) kei­ne Be­den­ken (vgl. 3. April 2007 - 9 AZR 823/06 - BA­GE 122, 54 = AP SGB IX § 81 Nr. 14 = EzA SGB IX § 81 Nr. 15; 15. Fe­bru­ar 2005 - 9 AZR 635/03 - BA­GE 113, 361 = AP SGB IX § 81 Nr. 7 = EzA SGB IX § 81 Nr. 6). Auch der Eu­ropäische Ge­richts­hof hat ei­ne 60-tägi­ge Aus­schluss­frist „als sol­che“ nicht be­an­stan­det (14. De­zem­ber 1995 - C-312/93 - Rn. 16, Slg. 1995, I-4599; so im Er­geb­nis auch: Wag­ner/Potsch JZ 2006, 1085, 1092 ff.; Ja­cobs RdA 2009, 193, 200; Däubler/Bertz­bach-Dei­nert § 15 Rn. 102; KR/Tre­ber § 15 AGG Rn. 51; Mei­nel/Heyn/Herms § 15 Rn. 66; zwei­felnd: Schleu­se­ner/Su-ckow/Voigt AGG 2. Aufl. § 15 Rn. 72).
Al­ters bei ei­ner Be­wer­bung, nicht je­doch zu ei­nem Entschädi­gungs­an­spruch we­gen ei­ner Be­nach­tei­li­gung in ei­nem be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis).
Legt man die­se Grundsätze der Recht­spre­chung des EuGH zu­grun­de, so erfüllt die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 15 Abs. 4 AGG, wel­che ua. die Gel­tend­ma­chung von Entschädi­gungs­ansprüchen we­gen un­zulässi­ger Be­nach­tei­li­gung in ei­nem be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb von zwei Mo­na­ten ver­langt, das Er­for­der­nis der Gleich­wer­tig­keit.
Zunächst kennt das deut­sche Ar­beits­recht ei­ne Rei­he deut­lich kürze­rer Gel­tend­ma­chungs­fris­ten. So muss der Ar­beit­neh­mer ei­ne Kündi­gung, die er für un­wirk­sam hält, bin­nen drei­er Wo­chen nach ih­rem Zu­gang mit­tels ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge an­grei­fen, § 4 Satz 1 KSchG, oder die Un­wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung sei­nes Ar­beits­ver­tra­ges in­ner­halb von drei Wo­chen nach dem ver­ein­bar­ten En­de des Ar­beits­ver­tra­ges, § 17 Satz 1 Tz­B­fG.
Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG des­halb ver­liert, weil er ihn nicht in­ner­halb der Frist des § 15 Abs. 4 AGG gel­tend ge­macht hat.
ei­ner un­zulässi­gen Be­nach­tei­li­gung we­gen der Ras­se oder der eth­ni­schen Her­kunft kei­ne Ab­sen­kung des Schutz­ni­veaus iSd. Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie er­fol­gen.
cc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on be­ginnt die Aus­schluss­frist nicht erst mit der Be­sei­ti­gung der Be­schrif­tun­gen. Dar­auf wäre dann ab­zu­stel­len,
Mit Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt dar­auf ab­ge­stellt, dass spätes­tens mit dem - von den Klägern be­haup­te­ten - Hin­weis an den Ar­beit­ge­ber im Sep­tem­ber 2006 die Aus­schluss­frist zu lau­fen be­gon­nen hat. Da der Nie­der­las­sungs­lei­ter S nach dem kläge­ri­schen Sach­vor­trag da­mals sein Des­in­ter­es­se an dem Sach­ver­halt mit der Be­mer­kung, dass die Leu­te eben so däch­ten, do­ku­men­tiert hat, war den Klägern ab die­sem Zeit­punkt klar, dass die Be­klag­te die Be­schrif­tun­gen nicht ent­fer­nen oder in ei­ner an­de­ren zu­mut­ba­ren Wei­se auf die Be­schrif­tun­gen re­agie­ren wer­de. Da­nach tra­ten nicht fort­lau­fend wei­te­re neue Tat­sa­chen ein, wel­che für ei­ne Be­nach­tei­li­gung maßgeb­lich sind. Viel­mehr wa­ren die ei­ne Be­nach­tei­li­gung dar­stel­len­den Vorgänge, nämlich das Un­ter­las­sen der Be­sei­ti­gung, ab­ge­schlos­sen und wirk­ten le­dig­lich in­so­fern nach, als die Be­schrif­tun­gen wei­ter­hin zu se­hen wa­ren. Da­durch hat sich je­doch nicht, so­zu­sa­gen Tag für Tag, ei­ne neue Be­nach­tei­li­gung rea­li­siert. Da­mit lag selbst nach dem ei­ge­nen Vor­brin­gen der Kläger kein sog. Dau­er­tat­be­stand vor.
C. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf den §§ 97, 100 ZPO.
zur Übersicht 8 AZR 705/08
09/184 Gel­dent­schä­di­gung we­gen aus­län­der­feind­li­cher Pa­ro­len
08.10.2009. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass ein An­spruch auf Gel­dent­schä­di­gung ge­mäß den Vor­schrif­ten des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) we­gen ...

References: § 12
 § 3
 § 15
 § 61
 § 15
 § 15
 § 81
 § 81
 § 81
 § 81
 § 1
 § 33
 § 33
 § 611
 § 1
 § 81
 § 33
 Art. 3
 § 2
 § 81
 § 15
 § 7
 § 33
 § 33
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 2
 § 3
 § 33
 § 3
 Art. 2
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 22
 § 81
 § 81
 § 81
 § 81
 § 15
 § 15
 § 15
 § 15
 EuGH 
 § 15
 § 4
 § 17
 § 15
 § 15
 Art. 6