Source: http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_19011995_RSII5.htm
Timestamp: 2018-01-22 10:37:31+00:00

Document:
Richtlinie zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz, Teil II. Meßprogramm für den Intensivbetrieb (Intensivmeßprogramm)
RICHTLINIE zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt nach dem
Strahlenschutzvorsorgegesetz Teil II. Meßprogramm für den Intensivbetrieb
(Intensivmeßprogramm)
Auslösende Ereignisse für einen Intensivbetrieb
Auslösung und Ablauf des Intensivbetriebes
Auslösung des Intensivbetriebes
Ablauf des Intensivbetriebes
Messungen nach dem Intensivmeßprogramm
Messungen des Deutschen Wetterdienstes
Messungen des Deutschen Wetterdienstes auf der Zugspitze
Messungen des Bundesamtes für Zivilschutz
Messungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde
Messungen des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie
Messungen bei der Bundesforschungsanstalt für Fischerei
Grundsätze für Messungen nach § 3 StrVG
Phase während und kurz nach Durchzug einer radioaktiven Wolke (Phase 1)
Erfassung des Radionuklideintrages im terrestrischen Bereich
Erfassung des Radionuklideintrages im aquatischen Bereich
Phase nach Durchzug einer radioaktiven Wolke (Phase 2)
Messungen im terrestrischen Bereich
Messungen im aquatischen Bereich
Wochen bzw. Monate nach Durchzug einer radioaktiven Wolke (Phase 3)
Radioökologische Modelle
Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt durch Verwaltungsbehörden des Bundes nach § 11 StrVG und Meßstellen der Länder
Übersicht der Programme für die Überwachung der Umweltradioaktivität durch Verwaltungsbehörden des Bundes nach § 11 StrVG
Übersicht der Programme für die Überwachung der Umweltradioaktivität durch die Meßstellen der Länder
Klimagärten des DWD
Das Intensivmeßprogramm legt zusammen mit dem Routinemeßprogramm /1/ die Anforderungen für Messungen nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG) /2/ fest und hat zum Ziel, die radioaktive Kontamination der Umwelt im Fall von Ereignissen mit möglichen, nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen zu erfassen, die Strahlenexposition des Menschen abzuschätzen und unter Beachtung des Standes der Wissenschaft und unter Berücksichtigung aller Umstände durch angemessene Maßnahmen so gering wie möglich zu halten.
Die Ergebnisse der Messungen, die nach dem Intensivmeßprogramm vorgenommen werden, müssen geeignet sein
als Grundlage für Empfehlungen eventuell erforderlicher Vorsorgemaßnahmen zur Minimierung der Strahlenexposition durch die jeweils zuständigen Bundesministerien und bei lokalen Ereignissen nach § 9 Abs. 2 StrVG durch die zuständigen Landesministerien.
Grundsätzlich ist das Intensivmeßprogramm organisatorisch und inhaltlich von der Umgebungsüberwachung kerntechnischer Anlagen und von den Aufgaben des Katastrophenschutzes in der Umgebung kerntechnischer Anlagen zu trennen. Bei Stör- und Unfällen in inländischen oder grenznahen ausländischen kerntechnischen Anlagen können jedoch in den direkt betroffenen Ländern die nach der "Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen" (REI) /3/ bzw. die nach der "Rahmenempfehlung für die Fernüberwachung von Kernkraftwerken" /4/ durchgeführten Messungen als Messungen nach dem Intensivmeßprogramm gewertet werden.
Dem Intensivmeßprogramm liegen die §§ 2 und 3 StrVG zugrunde. Meßaufgaben nach den §§ 7 und 8 StrVG sind nicht Gegenstand dieses Programmes.
Meßdaten, die im Rahmen des Intensivmeßprogrammes erhoben werden, bilden darüber hinaus in einem Ereignisfall die Grundlage für die Berichterstattung nach dem Schnellinformationsabkommen der Europäischen Union (EU) und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und zur Erfüllung bilateraler Vereinbarungen sowie für die Berichterstattung gegenüber der EU im Rahmen des Euratom-Vertrages.
Der Intensivbetrieb kann z.B. durch folgende Ereignisse mit Freisetzungen radioaktiver Stoffe in nicht unerheblichem Umfang ausgelöst werden:
Freisetzung radioaktiver Stoffe bei einem Unfall in einer weiter entfernten kerntechnischen Anlage außerhalb des Gebietes der Bundesrepublik Deutschland mit der Möglichkeit eines Eintrages radioaktiver Stoffe im Bundesgebiet
Freisetzung radioaktiver Stoffe bei einem Stör-/Unfall in einer inländischen bzw. grenznahen ausländischen kerntechnischen Anlage
Freisetzung radioaktiver Stoffe bei Unfällen beim Transport von Kernbrennstoffen oder anderen Objekten mit hohem Radionuklidinventar auf dem Land-, Wasser- und Luftweg
Absturz einer Raumsonde mit nuklearer Stromversorgung
Einleitung hochkontaminierter Abwässer in den Vorfluter nach einem Unfall in einer in-/ausländischen kerntechnischen Anlage
Freisetzung radioaktiver Stoffe aus einem nuklear angetriebenen Schiff nach einer Havarie
Bei solchen Ereignissen muß gewährleistet sein, daß die zur Auslösung des Intensivbetriebes erforderlichen Informationen möglichst unverzüglich bei der zuständigen Stelle des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vorliegen.
Nach Vorliegen entsprechender Informationen über ein Ereignis außerhalb des Gebietes der Bundesrepublik Deutschland mit möglichen, nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen auf das Bundesgebiet wird vom BMU eine Alarmmeldung an die zuständigen Bundes- und Länderbehörden herausgegeben. Die Zeit bis zum Einsetzen der Beaufschlagung im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland mit radioaktiven Stoffen ist zur Vorbereitung des Intensivbetriebes zu nutzen.
Erste Informationen über den in dieser Phase zu erwartenden zeitlichen und regionalen Eintrag radioaktiver Stoffe liefern die Prognosemodelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD) über die Verteilung radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre sowie über die zu erwartenden Niederschläge. Hinweise über Einträge radioaktiver Stoffe in Bundeswasserstraßen sowie im Meer und Küstengewässern werden aus den Messungen beziehungsweise aus den Prognoserechnungen der Meßnetzbetreiber der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) gewonnen.
Bei einem Ereignis im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland müssen die betroffenen Länder dafür sorgen, daß eine entsprechende Meldung unverzüglich an den BMU übermittelt wird. Der BMU informiert die zuständigen Bundes- und Landesbehörden unbeschadet der Informationsverpflichtungen der Länder untereinander.
Die Auslösung und die Beendigung des Intensivbetriebes, und damit der Beginn und das Ende der Messungen nach dem Intensivmeßprogramm, erfolgen ausschließlich auf Veranlassung des BMU.
Je nach Ablauf des Ereignisses und der hiermit verbundenen Freisetzung radioaktiver Stoffe kann der Intensivbetrieb in Abhängigkeit von den Ausbreitungsbedingungen und der Jahreszeit erforderlichenfalls regional und/oder für ausgewählte Umweltbereiche beschränkt werden (sektorierter Intensivbetrieb).
Bei Auslösung des allgemeinen Intensivbetriebes tritt das Intensivmeßprogramm an die Stelle des Routinemeßprogrammes. Grundsätzlich sind die im Routinemeßprogramm festgelegten Probenentnahmeorte auch im Intensivbetrieb zu berücksichtigen. Darüber hinaus sind gegebenenfalls von der zuständigen Landesbehörde weitere Probenentnahmeorte situationsangepaßt auszuwählen und in das Intensivmeßprogramm zu integrieren.
Für einzelne Umweltbereiche wie Grundwasser, Kompost oder Tabak, die untergeordnete Bedeutung zur Ermittlung der Strahlenexposition des Menschen haben, sind im Intensivbetrieb keine Messungen erforderlich.
Bei Auslösung eines sektorierten Intensivbetriebes tritt das Intensivmeßprogramm nur für die von der Kontamination wesentlich betroffenen Umweltbereiche und/oder Regionen an die Stelle des Routinemeßprogrammes. In den nicht betroffenen Umweltbereichen und/oder Regionen ist das Routinemeßprogramm im Rahmen der bestehenden personellen und gerätetechnischen Möglichkeiten weiterzuführen.
Durch interne organisatorische Maßnahmen ist sicherzustellen, daß die für Fachaufgaben der Strahlenschutzvorsorge verwendeten Geräte und sonstigen Einrichtungen für den Vollzug der Meßprogramme genutzt werden.
In einem nuklearen Ereignisfall werden nach Auslösen des Intensivbetriebes durch den BMU zusätzlich zu den Ergebnissen der Ausbreitungsprognosen des DWD erste Informationen zur großräumigen Belastung der Umwelt mit radioaktiven Stoffen aus den bundesweit installierten Meßnetzen des DWD, des Bundesamtes für Zivilschutz (BZS) und des Umweltbundesamtes (UBA) durch die fortlaufenden Messungen der Radioaktivität in Luft und Niederschlägen sowie der Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) gemäß § 2 StrVG geliefert. Mit Hilfe dieser kontinuierlich betriebenen Meßeinrichtungen können die Schwerpunkte der Beaufschlagung im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland rasch erkannt und bewertet werden. Die im 2-Stunden-Takt anfallenden Meßwerte der Gamma-Ortsdosisleistung und der Aktivitätskonzentration in der Luft gestatten, den Eintrag radioaktiver Stoffe über den Luftpfad mit hoher zeitlicher Auflösung zu erfassen und zu beschreiben.
Erste Informationen zur großräumigen Belastung der Bundeswasserstraßen mit radioaktiven Stoffen liefert das bundesweit installierte Warnstellennetz der BfG. Mit Hilfe der kontinuierlich betriebenen Meßeinrichtungen können die Schwerpunkte der Beaufschlagung in den einzelnen Stromgebieten rasch erkannt und bewertet werden. Die im 2-Stunden-Takt anfallenden Meßwerte der Gesamtgamma- und Gesamtbeta- Aktivitätskonzentration der fließenden Welle gestatten, den Eintrag radioaktiver Stoffe in ein Gewässer mit hoher zeitlicher Auflösung zu erfassen und zu beschreiben. Entsprechendes gilt für die Erkennung eines Eintrages radioaktiver Stoffe in Nord- und Ostsee einschließlich Küstengewässer durch das Meßnetz des BSH.
Die Meßwerte der Bundesmeßnetze bilden somit eine wichtige Entscheidungshilfe für die Veranlassung von Einzelmessungen nach dem Intensivmeßprogramm durch die zuständigen Meßstellen der Länder.
Die Ergebnisse der Messungen aus den Bundesmeßnetzen liefern zudem wichtige Eingangsdaten für Modellrechnungen, anhand derer eine erste Abschätzung der momentanen und der zu erwartenden Strahlenexposition vorgenommen werden kann. Diese Daten und Prognosen dienen dann als Grundlage für erste Empfehlungen an die Bevölkerung zur Vermeidung und/oder Minimierung einer Strahlenexposition.
Ebenso dienen die ersten Messungen der Gamma-Ortsdosisleistung, der Aktivitätskonzentration in der Luft, der in-situ-Gammaspektrometrie und der von den Ländern durchgeführten Messungen des Weide- und Wiesenbewuchses in den Klimagärten des DWD der Korrektur von Prognosen über die weitere Entwicklung der Kontamination in bestimmten Umweltbereichen mit Hilfe des Programmsystems PARK (Programm zur Abschätzung Radiologischer Konsequenzen).
Eine umfassende Ermittlung der Kontamination in den Umweltbereichen nach § 3 StrVG erfolgt durch die zuständigen Meßstellen der Länder. Die Schwerpunkte der Beprobung von verschiedenen Umweltbereichen bei Ereignissen mit luftgetragenen radioaktiven Freisetzungen variieren dabei in 3 Phasen:
Phase 1: - während und kurz nach Durchzug einer radioaktiven Wolke,
Phase 2: - nach Durchzug einer radioaktiven Wolke und
Phase 3: - Wochen bzw. Monate nach Durchzug einer radioaktiven Wolke.
Bei Unfällen mit hohen Einträgen radioaktiver Stoffe in Fließ- und Küstengewässer sind Art und Umfang der Kontamination auf der Grundlage des Intensivmeßprogrammes zu erfassen.
Die Messungen nach § 3 StrVG sollen eine flächenrepräsentative Lagedarstellung in den einzelnen Umweltbereichen ermöglichen. Sie werden die Kontaminationsprognosen von PARK ersetzen bzw. modifizieren und sind eine wichtige Grundlage für weitergehende Empfehlungen von Maßnahmen zur Verminderung der Strahlenexposition des Menschen, insbesondere über den Ingestionspfad.
Je nach Ereignisablauf muß das Intensivmeßprogramm der jeweiligen Lage flexibel angepaßt werden können. So ist bei hoher inhomogener Kontamination des Bundesgebietes und/oder bei regional intensiver Nutzung oder Bewirtschaftung das Netz der Probenentnahmeorte in den betroffenen Gebieten erforderlichenfalls örtlich zu verdichten. Eine gezielte, kurzfristige Probenentnahme wird durch die Anzahl von 2150 ODL-Meßstellen im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Im Fall einer inhomogenen Beaufschlagung müssen bei der Ermittlung der Bodenkontamination mittels in-situ-Messungen erforderlichenfalls ODL-Meßdaten bei der Interpolation auf lokale Bereiche hinzugezogen werden. Die Beprobung im terrestrischen Bereich hat sich an den jahreszeitlichen Gegebenheiten zu orientieren.
Darüber hinaus können vom BMU gezielt Messungen in solchen Umweltbereichen angeordnet werden, die regional zu einer zusätzlichen Strahlenbelastung einzelner Personengruppen beitragen können (z.B. Waldpilze und Wild).
Die im Intensivmeßprogramm durch Einrichtungen des Bundes durchzuführenden Probenentnahmen und Messungen sind in den Übersichten unter Kapitel 5.1 beschrieben. Die Häufigkeit der diskontinuierlichen Probenentnahmen und Messungen kann gegebenenfalls der jeweiligen Phase angepaßt werden. Zusätzlich kann der Intensivbetrieb für ausgewählte Bundesmeßnetze in einer späteren Phase unter Umständen vorzeitig durch den BMU beendet werden.
Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
Kontinuierliche gammaspektrometrische Messung aerosolgebundener Radionuklide während der Probenentnahme
Meßzyklus von 2 Stunden
Meßende zu geradzahligen Stundenangaben in UTC (Universal Time Coordinated)
Übertragung der Meßwerte zum radiochemischen Labor in Offenbach unmittelbar nach Meßende
Messung künstlicher Gesamtalpha- und künstlicher Gesamtbeta-Aktivität aerosolgebundener Radionuklide
Probenentnahmezyklus von 2 Stunden, synchronisiert mit gammaspektrometrischer Direktmessung
Meßzeit 10 Minuten
Gammaspektrometrische Messung der gasförmigen Iodkomponenten
(elementares und organisch gebundenes Iod)
Probenentnahmezyklus von maximal 24 Stunden
Gammaspektrometrische Messung direkt nach Probenentnahme an 12 Stationen
Versand der Aktivkohlepatronen von den übrigen 26 Stationen an solche Stationen mit Gammaspektrometrie-Meßplatz
Übertragung der Meßwerte zum radiochemischen Labor in Offenbach nach Vorliegen von Ergebnissen
Bestimmung von Einzelnukliden in Luft nach hoher Anreicherung
Probenentnahmezyklus auf einem Großflächenfilter von maximal 24 Stunden
Versand der Staubfilter zum radiochemischen Labor in Offenbach
Bestimmung von Radionukliden des Strontiums und von Alpha-Strahlern an ausgewählten Filtern im radiochemischen Labor in Offenbach
Bestimmung von Einzelnukliden im Niederschlag
Sammlung des Niederschlages über maximal 24 Stunden
Gammaspektrometrische Messung an 12 Stationen
Versand der Niederschlagsproben zum radiochemischen Labor in Offenbach
Bestimmung von Radionukliden des Strontiums, von Tritium und von Alpha-Strahlern nach radiochemischer Aufarbeitung ausgewählter Niederschlagsproben im radiochemischen Labor in Offenbach
Messung der Gesamtbeta-Aktivität im Niederschlag
Messung der Gesamtbeta-Aktivität des täglichen Niederschlages an 38 Stationen jeweils 24 Stunden und 120 Stunden nach Probenentnahme
Übertragung der Meßwerte zum radiochemischen Labor in Offenbach täglich
In Abhängigkeit vom Ereignis ist die Probenentnahme von Niederschlag in kürzeren Zeitintervallen möglich. Zudem wird an den Meßstationen des Deutschen Wetterdienstes alle 2 Stunden die Niederschlagshöhe bestimmt.
Messungen des DWD für das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
Messung der auf dem Boden abgelagerten gammastrahlenden Radionuklide mit Hilfe der in-situ-Gamma-Spektrometrie
tägliche Messungen an den DWD-Meßstationen
Übertragung der Werte der flächenbezogenen Aktivität des Bodens über das radiochemische Labor in Offenbach zum Institut für Atmosphärische Radioaktivität (IAR) des BfS
Kontinuierliche Messung der Gesamtalpha- und Gesamtbeta-Aktivität und der künstlichen Gesamtbeta-Aktivität der in der Luft enthaltenen aerosolgebundenen Radionuklide
Kontinuierliche Messung der Iod-131-Aktivität der in der Luft enthaltenen gasförmigen Iodkomponenten (elementares und organisch gebundenes Iod)
Kontinuierliche gammaspektrometrische Messung aerosolgebundener Radionuklide während der Probenentnahme an der Station Zugspitze
Meßende zu geradzahligen Stundenangaben in UTC
Übertragung der Meßwerte zum IAR unmittelbar nach Meßende
Messungen des Bundesamtes für Zivilschutz (BZS)
Kontinuierliche Bestimmung der Gamma-Ortsdosisleistung (ODL)
Abruf der Meßwerte im 2-Stunden-Takt durch die Warnämter
rechnergestützte Prüfung der Plausibilität der Meßwerte durch die Warnämter
Abruf der Meßwerte von den Warnämtern durch das IAR im 2-Stunden-Takt
synoptische Plausibilitätsprüfung, insbesondere der als nicht plausibel erkannten Meßwerte durch das IAR mit dem Ziel der Freigabe kompletter Datensätze
lageangepaßte Durchführung der Messungen (Berücksichtigung der bekannten räumlichen und zeitlichen Verteilung der Ortsdosisleistung) an den im Routinemeßprogramm vorgesehenen ODL-Standorten
Steuerung der Meßfahrzeuge durch die Warnämter nach den Vorgaben des IAR
Plausibilitätsprüfung der Meßwerte vor Ort
Umrechnung der Meßwerte in Werte der flächenbezogenen Aktivität des Bodens mit Hilfe von standardisierten, rechnergestützten Verfahren vor Ort
Übertragung der Werte der flächenbezogenen Aktivität des Bodens zum IAR
Übertragung der Meßwerte zum IAR
Kontinuierliche Bestimmung der Iod-131-Aktivität der in der Luft enthaltenen gasförmigen Iodkomponenten (elementares und organisch gebundenes Iod)
Messungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)
Kontinuierliche Messung der Gesamtgamma- und Gesamtbeta-Aktivitätskonzentration im Oberflächenwasser der Bundeswasserstraßen
Beibehaltung der Meßzyklen im Warnstellennetz (1 Messung pro Stunde)
Bei Schwellenwertüberschreitung Verdichtung der Meßwertübertragung zur BfG auf 2-Stunden-Zyklen mit der Möglichkeit, die Zyklusdauer an die radiologische Situation anzupassen
Übertragung der Meßdaten zur Zentralstelle des Bundes für die Überwachung der Umweltradioaktivität (ZdB)
Diskontinuierliche Messung der Aktivitätskonzentration radioaktiver Stoffe in den Bundeswasserstraßen
Beibehaltung der Probenentnahmezeiten im Probenehmernetz (1 Probe pro Tag)
täglicher Transport von Tagesmischproben zur BfG und unverzügliche Messung und Auswertung
Übertragung der Meßdaten zur ZdB
Bestimmung der Einzelnuklidgehalte in Schwebstoff und Sediment der Bundeswasserstraßen
bis zu tägliche bzw. wöchentliche Entnahme von Schwebstoff- bzw. Sedimentproben in Bereichen erhöhter Einträge radioaktiver Stoffe
umgehender Transport der Proben zur BfG und unverzügliche gammaspektrometrische Messung und Auswertung
Messungen des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH)
Bestimmung des Gehaltes an radioaktiven Stoffen im Meer
Beibehaltung der Meßzyklen
bei Schwellenwertüberschreitung Verdichtung der Meßwertübertragung zum BSH auf 2-Stunden-Zyklen mit der Möglichkeit, die Zyklusdauer an die radiologische Situation anzupassen
schnellstmöglicher Transport (eventuell mit Hubschrauber) von Proben zum BSH
nuklidspezifische Analyse der Proben mit nachfolgender Übertragung der Meßdaten zur ZdB
Messungen bei der Bundesforschungsanstalt für Fischerei (BFF)
Die Messungen von Wasserpflanzen (Gamma-Spektrometrie, Strontium-89/90 und Plutonium-Isotope) sowie die Bestimmung der Plutonium-Isotope in Muscheln und Garnelen aus dem Küstenbereich erfolgen durch die Bundesforschungsanstalt für Fischerei. Die zusammengefaßten und beurteilten Meßdaten werden zur ZdB übertragen.
Für die Durchführung des Intensivmeßprogrammes ist es erforderlich, daß die zuständigen Meßstellen der Länder in der Lage sind, unverzüglich den Gehalt an radioaktiven Stoffen in den nachfolgend beschriebenen Umweltbereichen zu bestimmen.
Die zuständigen Behörden der Länder müssen deshalb durch Organisation und Planung sicherstellen, daß bei Aufnahme des Intensivbetriebes die personellen und betrieblichen Anforderungen an die Probenentnahme, Probenvorbereitung, Messung und Dokumentation erfüllt werden können und die notwendigen Verbrauchsmaterialien vorhanden sind. Dazu gehört auch die Organisation der Probenentnahme an räumlich von der Meßstelle weit entfernten Probenentnahmestellen.
Im Intensivbetrieb sind die Entnahme von Proben und die Durchführung von Messungen nach dem Intensivmeßprogramm in Abhängigkeit von Ereignisablauf und Jahreszeit durchzuführen. Dabei sind der zeitliche Verlauf des Radionuklideintrages sowie die hiervon betroffenen relevanten Umweltbereiche zu berücksichtigen. Die fortschreitende Kontamination der Umwelt mit radioaktiven Stoffen als Folge eines nuklearen Stör-/Unfalls kann in verschiedene Zeitabschnitte unterteilt werden, in denen unterschiedliche Maßnahmen und Bewertungen vorzunehmen sind. Bei Unfällen mit direkten Einträgen radioaktiver Stoffe in Fließ- und Küstengewässer orientieren sich diese zeitlichen und umweltbereichsspezifischen Prioritäten an den zu erwartenden Kontaminationswegen. Im Fall von Ereignissen mit luftgetragenen radioaktiven Freisetzungen sind die zeitlichen und umweltbereichsspezifischen Prioritäten in 3 Phasen festgelegt, welche sich am Durchzug einer radioaktiven Wolke orientieren.
Zeitlich vorrangig und unverzüglich sind die Messungen der Proben aus den Klimagärten des DWD durchzuführen, da diese Meßwerte zur Korrektur von Eingangsparametern der radiologischen PARK-Modelle herangezogen werden. Daher ist in den ersten Tagen des Intensivbetriebes, bis flächenrepräsentative Messungen in den einzelnen Umweltbereichen vorliegen, Weide- und Wiesenbewuchs in den Klimagärten einmal täglich, sofern jahreszeitlich möglich, zu beproben und gammaspektrometrisch zu messen. Zusätzlich muß die Bewuchsdichte bestimmt werden. Der DWD übernimmt dabei die Entnahme der Bewuchsproben; Abholung und Messung der Proben erfolgen durch die Länder.
Grundsätzlich sind im Intensivbetrieb Proben zunächst an den im Routinemeßprogramm festgelegten Orten zu entnehmen und zu untersuchen.
Zur Erfassung des zeitlichen Ablaufes des Radionuklideintrages ist eine zeitliche Verdichtung der Beprobung in dem jeweiligen Umweltbereich erforderlich. Ein Erfordernis zur räumlichen Verdichtung der Beprobung kann sich aus den Ergebnissen der Messungen der Bundesmeßnetze, insbesondere aus den ODL-Messungen ergeben.
Für die möglicherweise erforderliche örtliche Verdichtung muß ein erweitertes Probenentnahmenetz vorausgeplant und festgelegt werden. In dieses Probenentnahmenetz sind alle wichtigen Produktionsstandorte für Nahrungs- und Futtermittel im jeweiligen Land einzubeziehen. Insbesondere müssen solche Orte berücksichtigt werden, an denen die Nahrungsmittel in größeren Mengen erzeugt werden, die von Menschen als Frischprodukte unmittelbar verzehrt werden und damit zu einer schnellen Erhöhung der Ingestionsdosis führen können. Im Zusammenhang mit der Planung des erweiterten Probenentnahmenetzes müssen alle mit der Probenentnahme verbundenen logistischen Probleme geklärt werden.
Das von den Ländern in Bundesauftragsverwaltung abzuwickelnde Meßprogramm hat Vorrang vor landeseigenen Radioaktivitäts-Überwachungsprogrammen. Diese können zusätzlich durchgeführt werden, um auch kleinräumige Veränderungen der Umweltradioaktivität zu erfassen.
Maßnahmen nach dem Katastrophenschutz sind hiervon nicht betroffen.
Die Entnahme und Messung der Proben hat sich an den "Meßanleitungen für die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt und zur Erfassung radioaktiver Emissionen aus kerntechnischen Anlagen" /5/ zu orientieren. Die Kennzeichnung der Proben erfolgt gemäß der "Bundeseinheitlichen Deskriptorenliste".
In die Atmosphäre eingetragene radioaktive Stoffe können der Erdoberfläche durch nasse und/oder trockene Deposition zugeführt werden. Bezüglich der daraus folgenden radiologischen Situation in den betroffenen Gebieten und der durchzuführenden Messungen in den einzelnen Umweltbereichen muß daher zwischen trockener und nasser Deposition unterschieden werden.
Die ersten Messungen zu Beginn der Phase 1 müssen einen schnellen Überblick über den Umfang und die Art der Kontamination im terrestrischen und aquatischen Bereich ermöglichen. Von prioritärer Bedeutung ist dabei die Beprobung solcher Umweltbereiche, bei denen ein Radionuklideintrag sehr schnell zur Ingestionsdosis des Menschen beitragen kann.
Ferner werden die ersten PARK‑Kontaminationsprognosen durch die ermittelten Meßdaten ersetzt bzw. modifiziert.
Zu überwachende Umweltbereiche
Indikatormedien
Indikatormedien erlauben eine obere Abschätzung der zu erwartenden Aktivität in pflanzlichen und tierischen Produkten und somit eine erste Einschätzung, ob Grenzwerte für die spezifische Aktivität bzw. Aktivitätskonzentration erreicht werden. Sie stehen das ganze Jahr über zur Verfügung.
Indikatorfunktion haben
Boden (in-situ-Gammaspektrometrie)
Weide‑ und Wiesenbewuchs (stellvertretend für Futtermittel) sowie
Blattgemüse (stellvertretend für Obst und Gemüse).
In Abhängigkeit von den Ergebnissen der ODL‑ und Luftmessungen bzw. der PARK‑Kontaminationsprognosen ist in den vom Intensivbetrieb betroffenen Gebieten jedes Indikatormedium täglich flächenrepräsentativ zu beproben und zu messen. Bei intensiver Bewirtschaftung oder lokalen Niederschlagsereignissen kann ein räumlich stark verdichtetes Meßprogramm angezeigt sein.
Die zuständige Landesbehörde benennt die zu beprobenden Blattgemüsearten. Abhängig von der Jahreszeit sind dies:
Kopfsalat, Schnittsalat, Endiviensalat, Grünkohl, Feldsalat, Spinat, Mangold, Wirsingkohl;
Porree, Weißkohl, Rotkohl, Rosenkohl, Chinakohl und Eisbergsalat.
Die Proben sind grundsätzlich beim Erzeuger zu nehmen.
Durch die Überwachung der Milch können schnell Meßwerte erhalten werden, die näherungsweise eine Abschätzung der Gesamtingestionsdosis erlauben. Milch ist deshalb ein Indikator für die Ingestionsdosis. Die Milchproben müssen dazu aus den Stapeltanks solcher Molkereien oder Milchsammelstellen entnommen werden, die ihre Rohmilch überwiegend aus der näheren Umgebung beziehen, um möglichst örtlich repräsentative Meßwerte zu erhalten. Die Proben sind täglich zu entnehmen.
Erntereife Hauptanbauprodukte
Darüber hinaus sollten nach Möglichkeit erntereife Hauptanbauprodukte (Obst, Gemüse, Getreide und Futtermittel) stichprobenartig untersucht werden, um einen Eindruck über die Höhe der Kontamination zu bekommen. Produkte, bei denen deutlich erhöhte Werte der spezifischen Aktivität festgestellt werden, sind in Hauptanbaugebieten möglichst flächenrepräsentativ zu beproben.
Wurzelgemüse, Kartoffeln sowie nicht erntereife Produkte haben in dieser Phase nur geringe Bedeutung.
Fleisch muß in der 1. Phase noch nicht untersucht werden, da sich die Aktivität in diesem Medium nur langsam aufbaut.
Die Entnahme von Reinwasserproben erfolgt täglich bei solchen Wasserversorgungsanlagen, die ungeschützte Rohwasservorkommen nutzen. Die Probenentnahmestellen sollten diejenigen sein, die für das Routinemeßprogramm festgelegt wurden.
Art der Messungen
Alle Proben sind gammaspektrometrisch zu messen. Eine Bestimmung der radiologisch besonders relevanten Strontium-Isotope Strontium‑89 und Strontium-90 ist stichprobenartig an ausgewählten Proben durchzuführen, auch um das Aktivitätsverhältnis von Strontium‑89/90 zu Caesium‑137 an verschiedenen Standorten zu verifizieren. Dabei sind, je nach meteorologischen Verhältnissen, Standorte mit trockener und nasser Deposition zu berücksichtigen.
Ebenfalls stichprobenartig sind künstliche Alpha-Strahler und Tritium in Trinkwasser zu bestimmen.
In Phase 1 sind vorzugsweise Schnellmeßmethoden einzusetzen. Die Meb
In Phase 1 sind Umfang und Art der Kontamination der Gewässer mit radioaktiven Stoffen zu erfassen und darzustellen. Wichtige Hinweise über die Schwerpunkte der Beaufschlagung und Einträge in den einzelnen Einzugsgebieten der Gewässer können aus dem Warnstellennetz der BfG sowie aus Informationen von seiten Dritter erwartet werden. Bei Ereignissen mit luftgetragenen radioaktiven Freisetzungen ist davon auszugehen, daß der Eintrag radioaktiver Stoffe in ein Gewässer überwiegend via Niederschlag ("Nasse Deposition") erfolgt und der Beitrag aus der Ablagerung fester Partikel ("Trockene Deposition") demgegenüber vernachlässigbar ist. Weiterhin ist davon auszugehen, daß die einzelnen Teilbereiche in einem Stromgebiet zu verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlichem Umfang betroffen werden.
Zur Erfassung des zeitlichen Ablaufes des Radionuklideintrages sind Wasserproben aus Flüssen und Seen bis zu 1 Probe pro Tag zu entnehmen und zu untersuchen. Schwerpunkte der Beprobung bilden Gewässerbereiche, die insbesondere zur Trinkwassergewinnung genutzt werden. Ein Radionuklideintrag mit dem Niederschlag führt vor allem bei kleinen Gewässern zu vergleichsweise hohen Aktivitätskonzentrationen.
Fische sind in Phase 1 noch nicht zu untersuchen, da sich die Aktivität in ihnen nur langsam aufbaut.
Die Wasserproben sind gammaspektrometrisch in Form von Direktmessungen zu untersuchen. Eine Bestimmung der radiologisch besonders relevanten Strontium-Isotope Strontium-89 und Strontium-90 ist stichprobenartig an ausgewählten Proben vorzunehmen. Außerdem sind Tritium sowie künstliche Alpha-Strahler stichprobenartig zu bestimmen. In Phase 1 sind vorzugsweise Schnellmeßmethoden einzusetzen.
Die in Phase 1 vorgenommenen Messungen geben einen ersten Überblick über die in den einzelnen Umweltbereichen auftretende radioaktive Kontamination, aufgrund dessen eine Darstellung und Bewertung der radiologischen Situation vorgenommen werden kann. Nach dieser Bewertung sind erforderlichenfalls weitere Maßnahmen zum Zweck der Vermeidung bzw. Verminderung einer Strahlenexposition der Bevölkerung durch den BMU zu veranlassen.
Die Phase 2 ist dadurch charakterisiert, dab
PARK‑Kontaminationsprognosen werden weiterhin durch Meßdaten ersetzt bzw. modifiziert.
Die Aktivitäten in Weide‑ und Wiesenbewuchs sowie in Blattgemüse nehmen durch Abwitterungsprozesse, Pflanzenwachstum sowie durch den physikalischen Zerfall insbesondere kurzlebiger Radionuklide ab. Diese Abnahme ist durch wöchentliche Messungen zu verfolgen. Die in-situ-Messungen sind an allen vorgesehenen Meßpunkten zügig durchzuführen.
Die Aktivität in der Milch sollte weiterhin täglich gemessen werden, da insbesondere die Aktivität langlebiger Radionuklide (Caesium‑134/137 und Strontium-90) noch ansteigen kann.
Hauptanbauprodukte
Die erntereifen Produkte sind flächenrepräsentativ zu beproben. In Phase 2 sollten nun auch nicht erntereife Produkte stichprobenartig untersucht werden, um die zu erwartende Aktivität im Endprodukt abschätzen zu können und eventuell Maßnahmen zur Verringerung der Kontamination zu ergreifen (z.B. Unterpflügen und neue Bestellung der Felder).
Fleisch ist nun ebenfalls wöchentlich zu beproben, um eine mögliche Kontamination zu erkennen und den weiteren Verlauf zu beobachten.
Fleischproben sind bevorzugt in Schlachthäusern zu entnehmen. Es sollten nur Proben genommen werden, bei denen die Herkunft des Tieres bekannt ist.
Die tägliche Probenentnahme von Reinwasser aus ungeschützten Rohwasservorkommen wird in Phase 2 unverändert weitergeführt.
Für diejenigen Wasserversorgungsanlagen, die geschützte Rohwässer zur Trinkwassergewinnung nutzen, ist die Probenentnahme wöchentlich durchzuführen.
Darüber hinaus sind Stichproben des anfallenden Filterrückspülschlammes wöchentlich zu entnehmen.
Die Probenentnahme von Grundwässern, die nicht unmittelbar im Rahmen der Trinkwasserversorgung gefördert werden, entfällt.
In Phase 2 sind neben Weide‑ und Wiesenbewuchs (alternativ Klee, Luzerne oder Grüngetreide) auch Mais (ganze Pflanze), Futtergetreide (vorzugsweise Futtergerste) und Futterkartoffeln (alternativ Futterrüben) in die Untersuchungen mit einzubeziehen, sofern diese erntereif sind.
Wöchentliche Messungen an Wild, Waldpilzen, Beeren und sonstigem Obst und Gemüse etc. sollen eine Übersicht über die Radionuklidaktivität erlauben.
Die Probenentnahme für die Untersuchung von Abwasser und Klärschlamm aus Kläranlagen erfolgt an den gleichen Probenentnahmestellen wie im Routinemeßprogramm. Danach sind in Abhängigkeit von der Größe des Bundeslandes maximal bis zu 10 Kläranlagen zu überwachen, mindestens aber 2.
Die Probenentnahme von Klärschlamm beschränkt sich auf Kläranlagen, deren Schlamm einer landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Nutzung oder der Kompostierung zugeführt oder zur Verbrennung abgegeben wird. Gleichzeitig sind im Fall der Klärschlammverbrennung Proben von anfallenden festen Rückständen (Asche o.ä.) zu entnehmen, wobei diese den Klärschlammproben zeitlich zuordenbar sein sollen.
Die Entnahme von Abwasser- und Klärschlammproben hat wöchentlich zu erfolgen. Nach Einsetzen von Niederschlägen muß die Probenentnahmefrequenz gegebenenfalls erhöht werden.
Die Probenentnahme anfallender flüssiger und fester Rückstände aus der Rauchgaswäsche von Verbrennungsanlagen für Abfall und Klärschlamm hat wöchentlich zu erfolgen. Nach Einsetzen von Niederschlägen muß die Probenentnahmefrequenz gegebenenfalls erhöht werden.
Die Probenentnahme für Kompostierungsanlagen entfällt.
Saisonal oder anlagenspezifisch bedingt sind darüber hinaus spezielle Materialien zu überwachen, wie z.B. Luftfilter großer raumlufttechnischer Anlagen, Folien aus gewerblicher oder landwirtschaftlicher Nutzung u.ä.. Ebenso sind Stichproben anfallender Gartenabfälle (Gras und Laub) sowie Straßenkehrricht u.ä. aus der Tätigkeit kommunaler Betriebe wöchentlich zu untersuchen.
In Phase 2 sind alle Proben gammaspektrometrisch zu messen.
Außerdem sind in allen Umweltbereichen Strontium-89/90, in Wasserproben zusätzlich künstliche Alpha-Strahler und Tritium, stichprobenartig in ausgewählten Proben zu bestimmen.
Die Meßergebnisse sind auf die Einheit Bq/kg FM bzw. Bq/l zu beziehen.
Oberflächenwasser und Schwebstoffe
Bei der Bewertung der für Fließgewässer erhaltenen Meßergebnisse der Aktivitätskonzentration ist zu beachten, daß eingetragene Radionuklide in gelöster und partikularer Form mit der fließenden Welle über große Flußabschnitte transportiert werden können. Hierdurch können somit auch Flußabschnitte radioaktiv belastet werden, in die keine Radionuklide in Phase 1 eingetragen wurden. In stehenden Gewässern (z.B. Talsperren, Seen) kommt es aufgrund der hier ablaufenden Austauschvorgänge mit tiefer liegenden Schichten zu Änderungen der Aktivitätskonzentration, die zu erfassen sind. In diesen Fällen ist die Frequenz der Entnahme und Messung der Wasserproben möglichst wie in Phase 1 beizubehalten. Schwebstoffproben sind vornehmlich aus Oberflächengewässern, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden, bis zu 1 Probe pro Woche zu entnehmen. Je nach Ereignisablauf und Dynamik der in einem Gewässer ablaufenden Verteilungs- und Austauschvorgänge können diese Messungen über einen Zeitraum von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen erforderlich sein.
Fische (sowohl Fried- als auch Raubfische) sind je nach Eintrag aus stehenden Gewässern, Teichhaltungen und Fließgewässern zu beproben, um eine obere Abschätzung der Aktivität zu erlauben. Es sollten nur Fische beprobt werden, deren Herkunft bekannt ist.
In Phase 2 sind alle Proben gammaspektrometrisch zu messen. In ausgewählten Proben sind stichprobenartig Strontium-89/90, bei Oberflächenwasser zusätzlich Tritium und künstliche Alpha-Strahler zu bestimmen.
In Phase 3 ist die Höhe der Deposition und die aktuelle Kontamination in den verschiedenen Umweltbereichen aufgrund der in Phase 1 und 2 durchgeführten Messungen weitgehend bekannt, so daß eine zuverlässige Bewertung der radiologischen Situation vorgenommen werden kann. Vorrangiges Ziel der Umweltüberwachung in Phase 3 ist daher die langfristige Erfassung des Verlaufes der Aktivitätskonzentration in den für die Umwelt relevanten Bereichen. Hierbei richten sich Entnahme und Untersuchung der Proben hinsichtlich der zeitlichen und räumlichen Verteilung an den Meßergebnissen der ersten und zweiten Phase. Je nach Art und Dynamik der in den verschiedenen Umweltbereichen ablaufenden Verteilungs- und Austauschvorgänge sind in Phase 3 Messungen über mehrere Wochen bis zu einigen Monaten durchzuführen. Die Proben sind zunehmend wieder mit höherer Empfindlichkeit bis zu den im Routinemeßprogramm angegebenen Nachweisgrenzen zu messen.
In Phase 3 sind zur Überwachung des langfristigen Verlaufes der Aktivitätskonzentration Messungen in allen Umweltbereichen durchzuführen, die im Routinemeßprogramm festgelegt sind. Deshalb sind insbesondere Nahrungsmittel pflanzlicher und tierischer Herkunft, Gesamt- sowie Säuglings- und Kleinkindernahrung, Milch, Pflanzen, Futtermittel, Boden, Trinkwasser, Grundwasser, Kläranlagen, Deponien für Hausmüll und Klärschlamm, Verbrennungs- und Kompostierungsanlagen, Tabak und importierte Produkte zu beproben.
Darüber hinaus sind erforderlichenfalls Düngemittel, Arzneimittel und deren Ausgangsstoffe sowie Bedarfsgegenstände stichprobenartig zu überwachen.
In Phase 3 des Intensivbetriebes sind alle im Routinemeßprogramm angegebenen Medien des aquatischen Bereiches bei angepaßter zeitlicher und räumlicher Häufigkeit zu untersuchen (Wasser, Schwebstoff, Sediment, Fisch). Hierbei sind insbesondere die Medien einzubeziehen, in denen erst mit zeitlicher Verzögerung mit einer radioaktiven Kontamination zu rechnen ist (z.B. Sediment, Süßwasserfisch, Wasserpflanzen, Meeresfisch und -früchte). Während ein Großteil der in der Anfangsphase eingetragenen kurzlebigen Radionuklide bereits wieder zerfallen ist, muß die Anreicherung längerlebiger Radionuklide (z.B. Caesium-134, Caesium-137) in der Sedimentphase und in solchen Gewässerorganismen, die auch nach dem Routinemeßprogramm zu untersuchen sind, beachtet werden.
In Phase 3 sind alle Proben zunehmend wieder mit höherer Empfindlichkeit bis zu den im Routinemeßprogramm angegebenen Nachweisgrenzen gammaspektrometrisch zu untersuchen. Eine Bestimmung von Strontium-89/90, sowie bei Oberflächenwasser zusätzlich von Tritium und von Alpha-Strahlern ist ebenfalls bis zu den im Routinemeßprogramm angegebenen Nachweisgrenzen vorzunehmen.
Die Meßstellen der Länder übermitteln die Meßergebnisse im "Integrierten Meß- und Informationssystem" (IMIS) an die jeweilige Landesdatenzentrale. Bei gammaspektrometrisch untersuchten Proben ist für alle nachgewiesenen Radionuklide deren Aktivitätskonzentration bzw. spezifische Aktivität bezogen auf den Zeitpunkt der Probenentnahme mitzuteilen. Bei jeder Messung ist zumindest die erzielte Nachweisgrenze für Cobalt-60, Ruthenium-103, Ruthenium-106, Iod-131, Tellur-132, Caesium-134 und Caesium-137 anzugeben. Bei der Bestimmung von Tritium, Strontium-89/90 und Alpha-Strahlern ist entweder die ermittelte Aktivitätskonzentration bzw. spezifische Aktivität bezogen auf den Zeitpunkt der Probenentnahme oder die erzielte Nachweisgrenze anzugeben.
Folgende Radionuklide sollen, sofern zu besorgen ist, daß sie ereignisbedingt in erhöhter Konzentration auftreten, mit den eingesetzten Analyseverfahren identifiziert werden können:
γ-strahlende Nuklide
β-strahlende Nuklide
α-strahlende Nuklide
Cm-243/244
Pu-239/240
Zur Erfüllung des StrVG ist es erforderlich, bei einem Ereignis mit möglichen, nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen eine zu erwartende räumliche und zeitliche Verteilung der radioaktiven Stoffe vorhersagen und die zu erwartende Strahlenexposition für den Menschen abschätzen zu können.
Prognosen zur Ausbreitung von radioaktiven Stoffen in Luft obliegen dem DWD, im aquatischen Bereich der BfG (Transport in Bundeswasserstraßen) und dem BSH (Nord- und Ostsee).
Die in IMIS eingesetzten radioökologischen Modellrechnungen dienen vornehmlich zur Abschätzung der Strahlenexposition der Bevölkerung auf der Basis von Meßergebnissen nach den §§ 2 und 3 StrVG und als Entscheidungshilfe im Hinblick auf gegebenenfalls zu treffende Vorsorgemaßnahmen sowie zur Bewertung deren Wirksamkeit.
Zur Durchführung von ersten Dosisabschätzungen mit Hilfe von radioökologischen Modellrechnungen werden vorrangig Daten der Bundesmeßnetze verwendet. Mit diesen Daten kann man einen ersten, errechneten Überblick über die radiologische Lage auf allen atmosphärischen und ter-restrischen Expositionspfaden erhalten. Für die Standorte der DWD-Stationen lassen sich die Strahlenexposition auf den relevanten Pfaden sowie spezifische Aktivitäten in Nahrungs- und Futtermitteln abschätzen.
Darüber hinaus lassen sich mit Hilfe der in IMIS erhobenen Daten Prognosen über die Strahlenexposition für alle relevanten Pfade bis auf Landkreisebene durchführen.
Zur Verifizierung der Prognosen der Strahlenexposition einschließlich der Kontamination von Nahrungs- und Futtermitteln werden die von den Ländern nach § 3 StrVG an den Klimagärten des DWD nach Anlage 1 , die an den DWD-Stationen sowie die bundesweit erhobenen Daten herangezogen.
Zusätzlich lassen sich die Auswirkungen von Empfehlungen des BMU und der administrativen Maßnahmen mit dem Ziel der Minimierung der Strahlenexposition abschätzen.
Im Kapitel 5.1 sind die Übersichten der Programme für die Verwaltungsbehörden des Bundes nach § 11 StrVG aufgelistet.
Im Kapitel 5.2 sind die Übersichten der Programme für die Meßstellen der Länder nach § 3 StrVG aufgelistet.
Richtlinie zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz - StrVG vom 28. Juli 1994 (GMBl 1994, S. 930)
Gesetz zum vorsorgenden Schutz der Bevölkerung gegen Strahlenbelastung (Strahlenschutzvorsorgegesetz - StrVG) vom 19. Dezember 1986 (BGBl I, S. 2610),
zuletzt geändert durch den Artikel 8 des Gesetzes vom 24. Juni 1994 (BGBl I, S. 1416)
vom 30. Juni 1993 (GMBl 1993, S. 502)
Rahmenempfehlung für die Fernüberwachung von Kernkraftwerken vom 06. Oktober 1980
(GMBl 1980, S. 577)
Meßanleitungen für die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt und zur Erfassung radioaktiver Emissionen aus kerntechnischen Anlagen vom 01. September 1992.
Herausgeber: Der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, erstellt durch die Leitstellen für die Überwachung der Umweltradioaktivität
Anlage: Klimagärten des DWD

References: § 3
 § 11
 § 11
 § 9
 § 2
 § 3
 § 3
 § 3
 § 11
 § 3