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Timestamp: 2016-10-25 12:13:26+00:00

Document:
U 515/06 (09.08.2007)
G.________, 1972, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Daniel Richter, Beethovenstrasse 11, 8002 Z�rich,
SWICA Versicherungen AG, R�merstrasse 38, 8400 Winterthur, Beschwerdegegnerin.
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 8. September 2006.
Der 1972 geborene G.________ war im Rahmen seiner Anstellung als Gesch�ftf�hrer der Firma X.________ AG bei den SWICA-Versicherungen (SWICA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 10. Oktober 2001 erlitt er einen Unfall als Autolenker, wobei er in den fr�hen Morgenstunden mit mittlerer Geschwindigkeit bei einem Ausweichman�ver durch ein Br�ckengel�nder brach und ca. drei Meter in die Tiefe st�rzte. Er zog sich dabei eine Distorsion der Halswirbels�ule und eine AC-Luxation Tossy II rechts zu. Die SWICA anerkannte ihre Leistungspflicht und kam f�r Heilbehandlung und Taggelder auf. Der Versicherte weilte unter anderem vom 15. Januar bis 12. Februar 2002 in der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Y.________ und vom 28. August bis 2. Oktober 2002 in der Rehaklinik Z.________. Schliesslich liess ihn die SWICA im Zentrum W.________ polydisziplin�r begutachten. Gem�ss Expertise vom 29. Januar 2004 leidet G.________ an einem Status nach Autounfall am 10. Oktober 2001 mit einer milden traumatischen Hirnverletzung und einer AC-Gelenksluxation Tossy II rechts, einem chronifizierten tendomyotischen und cervikocephalen Schmerzsyndrom, einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung (ICD-10 F45.4) und einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1). Die psychiatrischen Diagnosen w�rden die Arbeitsf�higkeit des Exploranden als Gesch�ftsf�hrer zu 80 % beeintr�chtigen. Diese seien nicht direkt auf den Unfall zur�ckzuf�hren, von diesem aber im Sinne einer ausl�senden Funktion mitverursacht. Mit Verf�gung vom 3. Mai 2004 er�ffnete die Unfallversicherung G.________ die Einstellung der Versicherungsleistungen ab dem 1. Juni 2004. Sie begr�ndete dies sinngem�ss mit dem mangelnden ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen den anhaltenden Beschwerden und dem versicherten Unfall. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Entscheid vom 6. Dezember 2004).
Die hiegegen erhobene Beschwerde, mit welcher G.________ hatte beantragen lassen, es seien ihm weiterhin die gesetzlichen Leistungen nach Unfallversicherungsrecht auszurichten, wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 8. September 2006 ab.
G.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und beantragen, in Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheides seien ihm weiterhin Leistungen auf Grund einer 100%igen Arbeitsunf�higkeit zu gew�hren. Eventuell sei die Sache zur Vornahme eines unfalltechnischen/unfallanalytischen Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zur�ckzuweisen und es seien ihm auf die r�ckwirkend geschuldeten Leistungen ein Verzugszins auszurichten.
Die SWICA schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz �ber das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG; SR 173.110) in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Damit wurden das Eidgen�ssische Versicherungsgericht und das Bundesgericht in Lausanne zu einem einheitlichen Bundesgericht (an zwei Standorten) zusammengef�gt (Seiler/von Werdt/G�ngerich, Bundesgerichtsgesetz [BGG], Bern 2007, S. 10 Rz 75) und es wurde die Organisation und das Verfahren des obersten Gerichts umfassend neu geregelt. Dieses Gesetz ist auf die nach seinem Inkrafttreten eingeleiteten Verfahren des Bundesgerichts anwendbar, auf ein Beschwerdeverfahren jedoch nur dann, wenn auch der angefochtene Entscheid nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes ergangen ist (Art. 132 Abs. 1 BGG). Da der kantonale Gerichtsentscheid am 8. September 2006 und somit vor dem 1. Januar 2007 erlassen wurde, richtet sich das Verfahren nach dem bis 31. Dezember 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetz �ber die Organisation der Bundesrechtspflege (OG) vom 16. Dezember 1943 (vgl. BGE 132 V 393 E. 1.2 S. 395).
2.1 Strittig ist der von der Beschwerdegegnerin verf�gte und vorinstanzlich best�tigte Fallabschluss (Einstellung s�mtlicher Leistungen aus dem Ereignis vom 10. Oktober 2001) per 31. Mai 2004 und die Frage, ob der Sachverhalt, namentlich in Bezug auf die Analyse des Unfallhergangs, gen�gend abgekl�rt sei. Die SWICA und das kantonale Gericht verneinen hinsichtlich der �ber den genannten Zeitpunkt hinaus vom Versicherten geklagten Beschwerden die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges mit dem Unfall. Dieser macht unter anderem geltend, bei der Schwere des von ihm erlittenen Unfalls sei die Ad�quanz der persistierenden psychischen Beschwerden von vornherein zu bejahen. Die Beschwerdegegnerin sei daher weiterhin leistungspflichtig.
2.2 Das kantonale Gericht hat die Rechtsgrundlagen der umstrittenen Leistungspflicht des Unfallversicherers (Art. 6 Abs. 1 UVG) und die Rechtsprechung zu dem f�r diese vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang im Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) und bei Schleudertraumen der Halswirbels�ule (HWS) oder �quivalenten Verletzungsmechanismen im Besonderen (BGE 119 V 335 E. 2b/aa S. 340; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. Entsprechendes gilt f�r die von der Judikatur entwickelten allgemeinen Grunds�tze zur freien Beweisw�rdigung und zum Beweiswert eines Arztberichtes (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352).
Beim Unfall vom 10. Oktober 2001 zog sich der Beschwerdef�hrer gem�ss Bericht des leitenden Arztes der Klinik f�r orthop�dische Chirurgie des Spitals I.________, welches der Versicherte am 12. Oktober 2001 aufsuchte, eine Distorsion der HWS und eine AC-Luxation (Verrenkung des Schulter-Schl�sselbeingelenks) Tossy II (Subluxation) rechts zu. Von einer commotio cerebri oder einer anderen milden Hirnverletzung, wie sie in sp�teren Arztberichten auftaucht, ist in den ersten Zeugnissen nichts bekannt. Im relevanten Zeitpunkt der verf�gten Leistungseinstellung leidet der Beschwerdef�hrer gem�ss Gutachten des Zentrums W.________ an einem Status nach Autounfall am 10. Oktober 2001 (mit den eben erw�hnten Verletzungen), an einem chronifizierten tendomyotischen und cervikocephalen Schmerzsyndrom, einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung und einer mittelgradigen depressiven Episode. Keine der erw�hnten Diagnosen ist als somatische Unfallfolge zu qualifizieren, da neben den eindeutig psychiatrischen Diagnosen der somatoformen Schmerzst�rung und der depressiven Episode auch das tendomyotische und cervikocephale Schmerzsyndrom keine physische Grundlage hat. Dies konnte in Vollnarkose belegt werden, wo der Explorand eine v�llig normale physiologische Beweglichkeit zeigte (Bericht der Klinik S.________ vom 29. April 2003). Entsprechend erachten die Experten im Gutachten des Zentrums W.________ die Arbeitsf�higkeit aus rheumatologischer Sicht auch nicht als eingeschr�nkt. Damit leidet der Beschwerdef�hrer ausschliesslich an psychischen Beschwerden, die, zumindest teilweise im Sinne einer Mitursache oder eines ausl�senden Momentes, auf den versicherten Unfall zur�ckzuf�hren sind. Da die nat�rliche Kausalit�t zwischen dem Unfall und den persistierenden Beschwerden - angesichts der Aktenlage sowie im Lichte der zutreffenden vorinstanzlichen Erw�gungen zu Recht - von keiner Seite mehr in Frage gestellt wird, rechtfertigt es sich, die richterliche �berpr�fung auf die umstrittene Ad�quanz des Kausalzusammenhangs zu beschr�nken.
4.1.1 Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zur Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhanges zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schleudertraumas einerseits (BGE 117 V 359) und von psychischen Unfallfolgen andererseits (BGE 115 V 133) sowie zur Abgrenzung der beiden F�lle, wenn initial eine HWS-Distorsion oder vergleichbare Verletzung diagnostiziert wurde und die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung geh�renden Beeintr�chtigungen (vgl. dazu: BGE 119 V 335 E. 1 S. 337) zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103), richtig und vollst�ndig wiedergegeben. Es wird darauf verwiesen.
4.1.2 Zwei Tage nach dem Unfall wurde im Spital I.________ noch eine deutlich schmerzhafte paravertebrale HWS-Muskulatur gefunden, wobei die HWS selbst frei beweglich war. Der Beschwerdef�hrer litt damals weder an Kopfschmerzen, noch an Nausea. Diese setzten erst einen Monat sp�ter ein (Bericht vom 12. November 2001). Bereits im Gesuch um Kostengutsprache f�r eine station�re Rehabilitation in der Rheumaklinik Y.________ vom 5. Dezember 2001 wird vermerkt, der Patient brauche sicher eine zus�tzliche psychologische Betreuung. Nach Austritt begab er sich dann auch in Behandlung des Fachpsychologen FSP f�r Psychotherapie und Psychoanalyse H.________. Diese diente der Unfallverarbeitung und war gegen eine progrediente Depression gerichtet. Damit waren die psychischen Unfallfolgen - neben den Beeintr�chtigungen der Schulter auf Grund der AC-Luxation - schon sehr bald nach dem Ereignis dominant. Der behandelnde Psychologe H.________ diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsst�rung. Diese geh�rt aber nicht zum typischen Beschwerdebild nach einer HWS-Distorsion, sondern ist eine eindeutig psychiatrische Diagnose. Dasselbe gilt f�r die im Gutachten des Zentrums W.________ erhobenen Befunde und Diagnosen. Soweit sie �berhaupt zum typischen Beschwerdebild der genannten Verletzung geh�ren, treten sie im Vergleich zur psychischen Problematik ganz in den Hintergrund. Das kantonale Gericht hat bei der Pr�fung der Ad�quanz bei den einzelnen Kriterien demgem�ss zu Recht nur die somatischen Unfallfolgen ber�cksichtigt (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140).
4.2 Uneinig ist man sich weiter bei der Qualifikation des Ereignisses vom 10. Oktober 2001. W�hrend die Unfallversicherung und das kantonale Gericht von einem mittelschweren Unfall ausgehen, ist der Beschwerdef�hrer der Meinung, dieses m�sse in die Gruppe der schweren Unf�lle eingeteilt werden. Zumindest handle es sich um ein solches in der mittleren Gruppe an der Grenze zu den schweren Unf�llen. Er stellt den Antrag, die Schwere des Unfalls sei durch ein unfallanalytisches Gutachten abzukl�ren.
4.2.1 Die Qualifikation eines Ereignisses als schwerer, mittelschwerer oder leichter Unfall stellt eine reine Rechtsfrage dar. Sie ist nicht durch einen Unfallanalytiker, sondern durch die rechtsanwendende Unfallversicherung oder gegebenenfalls das Sozialversicherungsgericht zu entscheiden. Eine Unfallanalyse kann h�chstens bei der Beantwortung der Frage, ob ein Unfallmechanismus geeignet war, eine bestimmte somatische Verletzung nach sich zu ziehen, sinnvoll sein. Diese stellt sich hier aber gar nicht, nachdem unbestritten ist, dass die innert weniger Tage nach dem Unfall festgestellten Verletzungen auf diesen zur�ckzuf�hren sind. Eine Unfallanalyse im beantragten Sinne kann daher zu keinen weiteren Erkenntnissen f�hren.
4.2.2 Gem�ss Rapport der Kantonspolizei Z�rich vom 14. Oktober 2001 hat der Beschwerdef�hrer zum Unfallgeschehen folgende Angaben gemacht: Er sei nachts mit einer Geschwindigkeit von 60 km/h nach einer markanten Rechtskurve nach einer Lenkbewegung nach links, weil �berraschend ein Fuchs die Strasse �berquerte, ins Schleudern geraten und habe in der Folge ein Br�ckengel�nder durchbrochen. Der Versicherte st�rzte ca. drei Meter in einen Bach. Er konnte den Wagen selbstst�ndig verlassen und die Polizei avisieren. Ein sofort herbeigeeilter Ohrenzeuge traf den Verunfallten wieder auf der Strasse an. Er hatte bereits mit der Polizei telefoniert. Im Unfallaufnahmeprotokoll ist vermerkt, dass sich der Lenker nicht verletzt habe. Erst nach einer entsprechenden telefonischen Meldung zwei Tage nach dem Ereignis wurde eine "angeblich leichte Verletzung" rapportiert.
4.2.3 Auf Grund des Geschilderten f�llt dabei entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers eine Zuordnung zu den schwereren Unf�llen im mittleren Bereich bzw. im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen oder gar zu den schweren Unf�llen klar ausser Betracht. Solche hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht etwa in folgenden F�llen angenommen (siehe die �bersicht in RKUV 2005 Nr. U 548 E. 3.2.2. S. 231 mit Hinweisen auf RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff. E. 4b/bb; vgl. ferner RKUV 1999 Nr. U 335 S. 208 f. E. 3b/aa und bb):
- Reifenplatzer auf der Autobahn bei ca. 95 km/h mit anschliessendem �berschlagen des Fahrzeugs auf das Dach (in der Amtlichen Sammlung nicht ver�ffentlichte, hingegen in RKUV 2003 Nr. U 481 S. 204 publizierte E. 3.3.2 des Urteils BGE 129 V 323);
- �berschlagen eines Fahrzeuges infolge Reifenplatzers mit Kontusionen an Thorax, Schultern und Halswirbels�ule der Versicherten (nicht ver�ffentlichtes Urteil G. vom 10. November 1992 [U 68/91]);
- Herausschleudern eines Versicherten durch das Fenster eines Autos nach Frontalzusammenstoss, wobei er mit dem Bein bis zur H�fte im umgest�rzten Wagen eingeklemmt blieb und sich eine Gehirnersch�tterung, eine Kopfverletzung, einen Mittelhandbruch und Verletzungen in der Leistengegend zuzog (nicht ver�ffentlichtes Urteil B. vom 8. April 1991 [U 47/90]);
- Angriff zweier scharfer Wach- und Schutzhunde mit einer Widerristh�he bis 72 cm und einem Gewicht bis 45 kg, welcher zu einer Rissquetschwunde, mehreren zum Teil klaffenden Fleischwunden, ausgedehnten H�matomen sowie Sch�rfwunden f�hrte (Urteil J. vom 16. Juli 2001 [U 146/01]);
- ausser Kontrolle geratener Einsturz eines Garagengeb�udes, wobei es durch die einst�rzende Seitenwand des Geb�udes zu einer erheblichen Gewalteinwirkung auf den Versicherten kam mit verschiedenen Frakturen und anderen Verletzungen als Folge (Urteil P. vom 10. Juli 2000 [U 89/99]);
- Sturz aus einer H�he von etwa 7-8 Metern auf einen Humusboden (Urteil G. vom 8. Oktober 2004 [U 168/04]).
Bereits diese wenigen Beispiele aus der Praxis lassen deutlich werden, dass sich eine Einordnung des Ereignisses vom 10. Oktober 2001 im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen nicht rechtfertigt, fehlt es doch an einer vergleichbaren (Gewalt-)Einwirkung auf den K�rper. Die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs w�re daher zu bejahen, wenn die Kriterien gem�ss BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 (mit der ihnen inh�renten Differenzierung zwischen physischen und psychischen Beschwerdekomponenten; BGE 117 V 359 E. 6a in fine S. 367) geh�uft gegeben w�ren oder eines der Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise vorliegen w�rde. Daf�r finden sich vorliegend keine Anhaltspunkte, wobei auch diesbez�glich vollumf�nglich auf die einl�sslichen Erw�gungen der Vorinstanz verwiesen werden kann.

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
in fine