Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/der-dr-im-personenstandsregister-368453
Timestamp: 2020-06-06 18:19:54+00:00

Document:
Kon­kre­te gesetz­li­che Vor­schrif­ten zur Ein­tra­gung von aka­de­mi­schen Gra­den in Gebur­ten­re­gis­tern, Gebur­ten­bü­chern oder Geburts­ur­kun­den ent­hiel­ten auch die his­to­ri­schen Vor­läu­fer des heu­ti­gen Per­so­nen­stands­ge­set­zes nicht. Gemäß § 22 Abs. 1 Nr. 5 des Geset­zes über die Beur­kun­dung des Per­so­nen­stan­des und die Ehe­schlie­ßung vom 06.02.1875 [2] hat­te die Ein­tra­gung des Gebur­ten­fal­les in das Gebur­ten­re­gis­ter "Vor- und Fami­li­en­na­men, Reli­gi­on, Stand oder Gewer­be und Wohn­ort der Eltern" zu ent­hal­ten. Nach dem Per­so­nen­stands­ge­setz vom 03.11.1937 [3], wel­ches mit sei­nen Novel­lie­run­gen die Grund­la­ge für den bis zum 31.12.2008 gel­ten­den Rechts­zu­stand bil­de­te, waren in das Gebur­ten­buch "Vor- und Fami­li­en­na­men der Eltern, ihr Beruf und Wohn­ort sowie ihr reli­giö­ses Bekennt­nis" ein­zu­tra­gen (§ 21 Abs. 1 Nr. 5 PStG idF 1937); glei­ches galt gemäß § 62 PStG idF 1937 auch für die Geburts­ur­kun­de. Mit der Novel­lie­rung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 08.08.1957 [4] waren hin­sicht­lich der Ein­tra­gun­gen in das Gebur­ten­buch kei­ne Ände­run­gen ver­bun­den, wäh­rend § 62 PStG idF 1957 im Gegen­satz zu der frü­he­ren Fas­sung den Beruf der Eltern in die Geburts­ur­kun­de nicht mehr auf­neh­men ließ.
Im Zusam­men­hang mit die­ser Rechts­än­de­rung hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof im Jah­re 1962 mit der Fra­ge zu befas­sen, ob § 62 PStG idF 1957 nun­mehr der Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de der Eltern in die Geburts­ur­kun­de des Kin­des ent­ge­gen­ste­hen könn­te. Dies hat­te der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint und zur Begrün­dung im Wesent­li­chen das Fol­gen­de aus­ge­führt: Aka­de­mi­sche Gra­de könn­ten weder zum Namen noch zur Berufs­an­ga­be gerech­net wer­den. Viel­mehr sei­en sie in stän­di­ger Übung in Per­so­nen­stands­bü­chern und Per­so­nen­stands­ur­kun­den auf­ge­nom­men wor­den. Dies las­se ins­be­son­de­re die Dienst­an­wei­sung für die Stan­des­be­am­ten und Auf­sichts­be­hör­den (DA) in der Fas­sung vom 10.05.1952 erken­nen, die meh­re­re Bestim­mun­gen für die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de ent­hal­ten habe. Dem Gesetz­ge­ber sei bei der Neu­fas­sung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes im Jah­re 1957 die­se tat­säch­lich bestehen­de Übung der Stan­des­äm­ter zur Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de bekannt gewe­sen, ohne dass die­ser in einer beson­de­ren Rege­lung dazu Stel­lung genom­men habe. Dar­aus kön­ne nicht gefol­gert wer­den, dass die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de nicht mehr zuläs­sig sei; viel­mehr habe die amt­li­che Begrün­dung des Geset­zes­ent­wur­fes zu § 70 PStG idF 1957 den "Dok­tor der Medi­zin" als Bei­spiel für eine unzu­läs­si­ge Abkür­zung her­an­ge­zo­gen, was eben­falls ver­deut­li­che, dass der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich von der Ein­tra­gungs­fä­hig­keit aka­de­mi­scher Gra­de aus­ge­gan­gen sei. Dar­an anknüp­fend sei die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de auch in meh­re­ren Bestim­mun­gen in der nach der Geset­zes­än­de­rung neu gefass­ten Dienst­an­wei­sung für die Stan­des­be­am­ten und ihre Auf­sichts­be­hör­den vom 14.01.1958 vor­ge­se­hen [5].
Aller­dings dürf­ten hier­aus – im Hin­blick auf die Bil­li­gung des bis­he­ri­gen Gewohn­heits­rechts durch den Gesetz­ge­ber – nicht die glei­chen Schlüs­se gezo­gen wer­den kön­nen, die der Bun­des­ge­richts­hof bei der Beur­tei­lung der Rechts­än­de­run­gen auf­grund der Neu­fas­sung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes aus dem Jah­re 1957 noch zie­hen konn­te. Die sei­ner­zeit neu gefass­te Vor­schrift des § 62 PStG idF 1957, mit der die Ein­tra­gun­gen auf der Geburts­ur­kun­de beschränkt wor­den waren, beruh­te aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung auf der Erwä­gung, dass die (weg­fal­len­de) Berufs­be­zeich­nung der Eltern ent­behr­lich sei und ihr in der Geburts­ur­kun­de kei­ne Bedeu­tung zukä­me [17]. Dem­ge­gen­über hat die zum 1.01.2009 in Kraft getre­te­ne Reform des Per­so­nen­stands­rechts im Zuge der Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Regis­ter­füh­rung eine gene­rel­le "Redu­zie­rung der Beur­kun­dungs­da­ten auf das für die Doku­men­ta­ti­on des Per­so­nen­stan­des erfor­der­li­che Maß" im Blick [18], womit auch auf die Kri­tik am Umfang des bis­he­ri­gen Beur­kun­dungs­in­halts reagiert wer­den soll­te [19]. Anders als die Vor­gän­ger­fas­sun­gen ent­hält das Gesetz in § 1 Abs. 1 PStG nun­mehr eine Legal­de­fi­ni­ti­on des Per­so­nen­stan­des und der­je­ni­gen Daten, die den Per­so­nen­stand umfas­sen; dies sind Daten über Geburt, Ehe­schlie­ßung, Begrün­dung einer Lebens­part­ner­schaft und Tod sowie damit in Ver­bin­dung ste­hen­de fami­li­en- und namens­recht­li­che Tat­sa­chen (§ 1 Abs. 1 Satz 2 PStG). Weder die Berufs­be­zeich­nung noch die Füh­rung aka­de­mi­scher Gra­de stel­len nach die­ser Defi­ni­ti­on per­so­nen­stands­re­le­van­te Daten dar. Es spricht im Lich­te des § 1 Abs. 1 PStG des­halb vie­les für die Auf­fas­sung, die Auf­zäh­lung in § 21 Abs. 1 PStG (eben­so wie in §§ 15 Abs. 1, 31 Abs. 1 PStG) zumin­dest in dem Sin­ne als abschlie­ßend zu ver­ste­hen, dass nicht per­so­nen­stands­re­le­van­te Daten, die – anders als die Zuge­hö­rig­keit zu einer öffent­lich­recht­lich orga­ni­sier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaft – im Daten­ka­ta­log nicht auf­ge­führt sind, auch nicht mehr ein­tra­gungs­fä­hig sind.
Anders als bei der Novel­lie­rung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes im Jah­re 1957 las­sen sich der amt­li­chen Begrün­dung des Reform­ge­set­zes aus dem Jah­re 2007 auch kei­ne posi­ti­ven Anhalts­punk­te für eine fort­dau­ern­de Ein­tra­gungs­fä­hig­keit aka­de­mi­scher Gra­de mehr ent­neh­men. Viel­mehr ent­hal­ten die Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en für das nach Erlass der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung ver­ab­schie­de­te Per­so­nen­stands­rechts­Än­de­rungs­ge­setz [20] in der Begrün­dung zur Neu­fas­sung von § 69 PStV einen deut­li­chen Hin­weis dar­auf, dass die Anga­be des aka­de­mi­schen Gra­des "nach dem ab 1.01.2009 gel­ten­den Per­so­nen­stands­recht nicht mehr vor­ge­se­hen" sei [21], ohne dass die­ser Aspekt wäh­rend der Bera­tun­gen des Gesetz­ent­wur­fes in Fra­ge gestellt wor­den wäre [22].

References: § 22
 § 62
 § 62
 § 62
 § 70
 § 62
 § 1
 § 1
 § 21
 § 69