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Timestamp: 2020-08-06 14:11:39+00:00

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Der Freistellungsanspruch des Treuhandgesellschafters in der Publikumspersonengesellschaft | Rechtslupe
Ein Anspruch auf Frei­stel­lung der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin von den Ansprü­chen, die gegen sie von den Gläu­bi­gern der Fonds­ge­sell­schaft erho­ben wer­den, ergab sich aus dem Treu­hand­ver­trag in Ver­bin­dung mit § 675 Abs. 1, § 670 BGB [1].
Die Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin ist im Außen­ver­hält­nis Gesell­schaf­te­rin der Fonds­ge­sell­schaft und daher den Ansprü­chen der Gläu­bi­ger aus § 128 HGB aus­ge­setzt. Die Anle­ger dage­gen haf­ten im Außen­ver­hält­nis man­gels for­mel­ler Gesell­schaf­ter­stel­lung nicht [2].
Das gilt unab­hän­gig von der Aus­ge­stal­tung des Treu­hand­ver­hält­nis­ses und ins­be­son­de­re von der Klau­sel in der Bei­tritts­er­klä­rung, den Anle­gern sei bekannt, dass sie mit ihrem gan­zen Ver­mö­gen gegen­über den Gläu­bi­gern der Fonds­ge­sell­schaft haf­te­ten. Die­se Klau­sel betrifft erkenn­bar nur den Umstand, dass die Treu­ge­ber über die Frei­stel­lung der Treu­hän­de­rin im wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis doch für die Schul­den der Fonds­ge­sell­schaft ein­zu­ste­hen haben. Aus ihr ergibt sich aber nicht, dass die Anle­ger abwei­chend vom Inhalt des Han­dels­re­gis­ters (unmit­tel­ba­re) Gesell­schaf­ter gewor­den sind [3].
Wie der Bun­des­ge­richts­hof für einen an den Insol­venz­ver­wal­ter abge­tre­te­nen Frei­stel­lungs­an­spruch eines Treu­hand­kom­man­di­tis­ten, der nach §§ 128, 161 Abs. 2, §§ 171, 172 Abs. 4 HGB vom Insol­venz­ver­wal­ter an Stel­le der Gesell­schafts­gläu­bi­ger in Anspruch genom­men wird, ent­schie­den hat, kann in einer Publi­kums­Kom­man­dit­ge­sell­schaft mit einer dem vor­lie­gen­den Fall ver­gleich­ba­ren Ver­zah­nung von Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag der Treu­ge­ber gegen den abge­tre­te­nen Anspruch nicht mit Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gegen den Treu­hand­kom­man­di­tis­ten auf­rech­nen [4]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dabei an eine Recht­spre­chung ange­knüpft, nach der über die gesetz­lich oder ver­trag­lich aus­drück­lich gere­gel­ten Fäl­le hin­aus eine Auf­rech­nung ver­bo­ten ist, wenn nach dem beson­de­ren Inhalt des zwi­schen den Par­tei­en begrün­de­ten Schuld­ver­hält­nis­ses der Aus­schluss als still­schwei­gend ver­ein­bart ange­se­hen wer­den muss (§ 157 BGB) oder wenn die Natur der Rechts­be­zie­hung oder der Zweck der geschul­de­ten Leis­tung eine Erfül­lung im Wege der Auf­rech­nung als mit Treu und Glau­ben unver­ein­bar (§ 242 BGB) erschei­nen las­sen [5].
Die­se Vor­aus­set­zun­gen hat er in jenem Fall mit der Erwä­gung ange­nom­men, dass der Anle­ger bei einer der­ar­ti­gen Ver­trags­ge­stal­tung zwar grund­sätz­lich, soweit sich das nicht aus der Zwi­schen­schal­tung des Treu­hän­ders unver­meid­bar erge­be, nicht schlech­ter ste­hen dür­fe, als wenn er selbst Kom­man­di­tist wäre, dass er aber auch nicht bes­ser gestellt wer­den dür­fe, als wenn er sich unmit­tel­bar betei­ligt hät­te; die Ein­bin­dung des Anle­gers durch das Treu­hand­ver­hält­nis erfas­se auch die Haf­tung des Treu­hand­kom­man­di­tis­ten gegen­über den Gesell­schafts­gläu­bi­gern, soweit die Ein­la­ge nicht erbracht oder wie­der zurück­ge­zahlt wor­den sei. Dar­aus hat der Bun­des­ge­richts­hof gefol­gert, dass sich der Anle­ger der ihn mit­tel­bar über die Inan­spruch­nah­me durch den Treu­hand­kom­man­di­tis­ten tref­fen­den Haf­tung gegen­über den Gesell­schafts­gläu­bi­gern nicht durch Auf­rech­nung mit Ansprü­chen gegen den Treu­hand­kom­man­di­tis­ten ent­zie­hen dür­fe [6].
In einer Fonds­ge­sell­schaft der vor­lie­gen­den Art in der Rechts­form einer offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft haben die Anle­ger auf­grund der Ver­zah­nung von Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag im Innen­ver­hält­nis zur Gesell­schaft die Stel­lung unmit­tel­ba­rer Gesell­schaf­ter [7]. Nach dem Inhalt des Gesell­schafts­ver­trags und unter Berück­sich­ti­gung des Treu­hand­ver­trags und der Bei­tritts­er­klä­rung han­delt es sich bei dem Ver­hält­nis zwi­schen der Gesell­schaft einer­seits und den Treu­ge­bern ande­rer­seits um eine von gesell­schafts­recht­li­chen Bin­dun­gen über­la­ger­te Treu­hand­be­zie­hung. Dem­entspre­chend haben die Anle­ger in ihrer Bei­tritts­er­klä­rung erklärt, ihnen sei bekannt, dass sie über die Ver­pflich­tung zur Leis­tung ihrer Ein­la­ge hin­aus mit ihrem sons­ti­gen Ver­mö­gen gegen­über den Gläu­bi­gern der Gesell­schaft haf­te­ten.
Die­se Pflicht, die auf die per­sön­li­che Haf­tung der Gesell­schaf­ter einer offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft nach § 128 HGB Bezug nimmt, ist mit der den Kom­man­di­tis­ten tref­fen­den, gege­be­nen­falls nach § 172 Abs. 4 HGB wie­der­auf­ge­leb­ten Haf­tung nach §§ 128, 161 Abs. 2, § 171 Abs. 1 HGB ohne wei­te­res zu ver­glei­chen. Die Gesell­schaf­ter einer offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft haf­ten eben­so wie die Kom­man­di­tis­ten den Gesell­schafts­gläu­bi­gern per­sön­lich mit ihrem gesam­ten Ver­mö­gen. Die Haf­tung der Kom­man­di­tis­ten ist – abge­se­hen von dem Son­der­fall des § 176 HGB – ledig­lich durch die Höhe der im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Haft­sum­me begrenzt und kann durch Zah­lung der Ein­la­ge in Höhe der Haft­sum­me ganz aus­ge­schlos­sen wer­den [8]. Die­ser Unter­schied recht­fer­tigt es jedoch nicht, nur beim (Treugeber-)Kommanditisten ein Auf­rech­nungs­ver­bot anzu­neh­men, nicht dage­gen auch bei dem unbe­grenzt haf­ten­den (Treugeber-)Gesellschafter einer offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft. Der tra­gen­de Grund für das Auf­rech­nungs­ver­bot, dass näm­lich der Treu­ge­ber in Gesell­schaf­ten der vor­lie­gen­den Art grund­sätz­lich nicht schlech­ter, aber auch nicht bes­ser gestellt wer­den soll als der unmit­tel­ba­re Gesell­schaf­ter und er des­halb das Anla­ge­ri­si­ko eben­so wie der unmit­tel­ba­re Gesell­schaf­ter tra­gen soll, trifft auf bei­de Gesell­schafts­for­men glei­cher­ma­ßen zu.
Ohne Bedeu­tung ist in die­sem Zusam­men­hang der Umstand, dass nach herr­schen­der Mei­nung ein Kom­man­di­tist gegen­über dem Insol­venz­ver­wal­ter nicht mit Ansprü­chen auf­rech­nen kann, die ihm nur gegen ein­zel­ne Gesell­schafts­gläu­bi­ger zuste­hen [9], wäh­rend das für den Gesell­schaf­ter einer offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft nicht ange­nom­men wird [10]. Die Ein­schrän­kung der Auf­rech­nungs­mög­lich­keit des Kom­man­di­tis­ten beruht auf dem insol­venz­recht­li­chen Grund­satz der Gleich­be­hand­lung der Gläu­bi­ger. Das hier ein­grei­fen­de Auf­rech­nungs­ver­bot des Treu­ge­bers beruht dage­gen auf dem Grund­satz der Gleich­stel­lung von mit­tel­ba­ren und unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern einer Publi­kums­ge­sell­schaft mit ent­spre­chen­der Ver­trags­ge­stal­tung [11].
Dabei kön­nen die Fra­gen offen blei­ben, ob die Anle­ger die­ses Zurück­be­hal­tungs­recht schon des­halb nicht gel­tend machen kön­nen, weil sie sich erst in der Revi­si­ons­in­stanz dar­auf beru­fen haben [12], und ob der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin, wenn sie die For­de­run­gen der B. Hyp und der Al. mit den Mit­teln der Anle­ger erfüllt, dar­aus ein Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch gegen die Fonds­ge­sell­schaft erwächst. Denn jeden­falls geht das Zurück­be­hal­tungs­recht hier des­halb ins Lee­re, weil den Anle­ger nach einer Befrie­di­gung der Gesell­schafts­gläu­bi­ger ein eige­ner Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch gegen die Fonds­ge­sell­schaft zusteht.
Wie bereits erwähnt, haben die Anle­ger auf­grund der Ver­zah­nung von Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag im Gesell­schafts­In­nen­ver­hält­nis die Stel­lung unmit­tel­ba­rer Gesell­schaf­ter [13]. Damit sind sie auch berech­tigt, den aus der Erfül­lung von For­de­run­gen der Gesell­schafts­gläu­bi­ger erwach­sen­den Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch aus § 110 HGB unmit­tel­bar gegen die Gesell­schaft gel­tend zu machen.
vgl. dage­gen zum „Grund­buch-Treu­hän­der“ bei einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts BGH, Urteil vom 19.07.2010 – II ZR 300/​08, ZIP 2011, 1657 Rn. 37[↩]
s. dazu Bay­O­bLG, RPfle­ger 1982, 337, 338; Münch­Komm-BGB/­Krü­ger, 5. Aufl., § 274 Rn. 6[↩]

References: § 675
 § 670
 § 128
 § 128
 § 172
 § 171
 § 176
 § 110
 § 274