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Timestamp: 2020-04-05 19:18:46+00:00

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Armut in Deutschland: Thema BGE
Hier demnächst mehr darüber, warum wir glauben, das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) würde den Armen in Deutschland helfen.
Das BGE ist eine Vision, über die ich vor einigen Jahren erstmalig stolperte, als ich eine Weile Parteimitglied bei den Linken war und mitgeholfen habe, über die virtuelle Programmdebatte ein Parteiprogramm auszuarbeiten. Dort wurde diese Idee unter vielen Mitgliedern der sogenannten Partei-Basis viel diskutiert und als ich halbwegs begriff, worum es geht, war auch ich begeistert davon.
Ich bin auch froh, dass heute bei den Linken bekannte Persönlichkeiten wie Katja Kipping oder Inge Hannemann auch für das BGE plädieren, was eine Weile .. auch um die Zeit der Einführung des Parteiprogramms .. anders gewesen ist.
Ich selbst bin damals aus Frust wieder aus der Partei ausgetreten und bin recht traurig, dass die Piraten, die wirklich hinter dem BGE stehen, sich nach einer Weile, wo sie recht erfolgreich waren, doch keine große Wählergemeinde haben um sich scharen können.
Andererseits lese ich immer wieder einmal, dass die Idee des BGE auch von vielen anderen Seiten aufgegriffen wird und hoffe, es kommt doch noch einmal dazu, dass diese Idee statt Hartz IV in Deutschland Fuß fassen kann.
Ich möchte dazu einfach einmal einige Beispiele aufgreifen.
Beispiel 1: Die Krabben aus Büsum
Ich esse gern Nordsee-Krabbensalat. Ich kaufe den meistens bei Discountern wie Aldi, Lidl oder Netto, weiß aber generell, dass es in Deutschland so gut wie keinen Krabbensalat mehr gibt, der unmittelbar von den Fangküsten wie hier bei uns in Schleswig-Holstein ohne große Umwege in die Läden kommt.
Früher haben an Orten wie Büsum an der Nordseeküste viele Frauen als Krabbenpulerinnen gearbeitet. Heute gibt es diese Arbeit für die Frauen an der Nordseeküste nicht mehr. Unsere Krabben, die in der Nordsee gefangen werden, werden dann mit vielen Konservierungsmitteln bearbeitet, um zum Pulen weit weg irgendwohin nach Asien gekarrt zu werden, kommen dann wieder zurück und werden hier dann zu Krabbensalat verarbeitet. Von frisch kann man da nicht mehr reden.
Obwohl da hohe Transportkosten entstehen, lohnt es sich dennoch, denn in Asien können die Krabben so billig gepult werden, dass sich diese Transportwege rechnen.
Ich weiß nicht genau, ob es sich für die Firmen wieder lohnen würde, den Frauen an der Nordseeküste wieder die Möglichkeit zu geben, selbst beim Krabbenpulen was zu verdienen, wenn wir ein bedingungsloses Grundeinkommen hätten.
Für einen Euro am Tag würde auch dann hier keiner mehr arbeiten, weil es sich bei unseren Lebenshaltungskosten nicht lohnen würde, für 2,50 Euro die Stunde aber möglicherweise schon, wenn Krabbenpulen nur ein Nebenverdienst neben einem sonst bereits ausreichenden BGE darstellen würde.
Beispiel 2 --- Jürgens und mein Job
Jürgen und ich sind Auftrags-Autoren für Texte, die von Bloggern, Onlineshops oder anderen Menschen irgendwo im Internet meistens unter deren eigenen Namen veröffentlicht werden, also oft sozusagen sowas wie Ghostwriter. Es gibt weltweit sicherlich hunderttausende von uns Textern. Viele von uns sind schon älter und froh, so jedenfalls einen Nebenverdienst neben dem ALG 2 zu haben.
Es ist ein Job für Menschen, die meistens mindestens das Abitur, oft sogar ein Studium absolviert haben, also gebildet sind. Dennoch machen es viele Menschen genauso wie Jürgen und ich für ein Zubrot. Wir beide arbeiten viele Stunden am Tag als Texter, ohne langes Wochenende, ohne Urlaub und so weiter und kommen trotzdem selten auf mehr als 400 bis 500 Euro im Monat, und zwar beide zusammen. Manchmal ist es sogar noch weniger, wenn wenig Aufträge da sind und sich die vielen Texter so sehr darum reißen, dass eingestellte Aufträge binnen Sekunden alle wieder weg sind.
Jobs wie unserer gibt es für viele Aufgabenbereiche, nicht nur für Texter. Man nennt diese Art zu arbeiten Crowdworking. Es gibt Staaten auf der Welt, wo ein Crowdworker mit 300 Euro oder weniger gut leben kann. In Deutschland ist das aber nicht so. Aber man muss nicht in Deutschland zu Hause sein, um unseren Job für deutschsprachige Aufträge zu machen, sondern kann genau genommen weltweit zu Hause sein.
Versteht Ihr, worauf ich hinaus will???
So weh diese Erkenntnis auch tut, die Globalisierung ist nicht mehr aufzuhalten. Eine Firma, die erfolgreich sein möchte, muss sich mit anderen im Internet messen. Vergleichsportale berechnen jeden Cent Preisunterschied und zeigen den Menschen erbarmungslos das günstigste Angebot .. und jeder sucht nach günstigen Angeboten und kauft natürlich dort.
Solche Jobs wie unserer werden mehr werden, es ist ein Trend, auf diese Weise Arbeiten erledigen zu lassen, der sich gar nicht mehr aufhalten lassen wird und wo ein Mindestlohn überhaupt nicht greifen kann.
Auch Crowdworkern jeder Art würde das BGE helfen, über die Runden zu kommen, vorausgesetzt die Grundsicherung wäre existenzsichernd.
Beispiel 3: Mein letzter Online-Einkauf:
Da Jürgen und ich letzten Freitag für nur 90 Euro bei der Diakonie eine brauchbare Waschmaschine und ein Doppelbett mit Matratzen gekauft haben, wollte ich nun auch gern unsere doch inzwischen sehr zerfetzte Bettwäsche austauschen .. ein bisschen Luxus ist doch mal schön, und zu dem schönen neuen Bett fand ich Bettwäsche mit Löchern einfach nicht mehr so schön. Mehr als 90 Euro konnte ich aber nicht ausgeben und suchte auch noch dringend für Jürgen einen Kapuzenpulli, für mich eine zusätzliche Sommerhose und, weil auch die nur noch aus Löchern bestanden, einige Waschhandschuhe.
Ich kaufe sonst auch ab und an was bei Bonprix, die ja auch recht billig sind. Aber selbst die waren zu teuer, um das, was ich suchte, für nicht mehr als 90 Euro liefern zu können.
Also landere ich schließlich bei Kik, wo ich Bettbezug und Kissen für 5,99 Euro, auch Spannbettlaken für 5,99 Euro, Sets mit 3 Waschhandschuhen für 1,99 Euro und Schlupfhosen für mich für 12,99 Euro sowie einen Kapuzenpulli für Jürgen für 9,99 Euro fand. Das passte, egal was Kik in Bezug auf die Bezahlung seiner Mitarbeiter für einen Ruf haben mag.
Ich bin nur eine von Millionen Hausfrauen in Deutschland, die so heftig rechnen muss.
Und ich bin nur eine von Milliarden von Hausfrauen weltweit, die auch so heftig rechnen müssen.
Wie also sollte sich die Globalisierung, dort zu produzieren, wo es am günstigen zu machen ist, überhaupt aufhalten lassen?
Ein BGE kostet nicht mehr als das atuelle Hartz-IV-System, selbst dann nicht, wenn man jeder Person aktuell ca. 1.000 Euro auszahlen würde, egal ob sie Millionär oder bettelarm, Kind oder Rentner ist.
Andere Modelle schlagen eine Umstellung unseres Steuersystems auf reine Umsatzsteuer vor .. eine Idee, die ich gar nicht schlecht finde, denn das könnte viele Firmen zu uns zurück holen und würde auch die Menschen, die heute durch Schwarzarbeit viele Vorteile vor denen haben, die keine Schwarzarbeit machen, da auch die einkaufen müssen, sofort mit ins neue Steuersystem mit einbeziehen.
Beispiel 4: Selbständig machen mit einer kreativen Idee
Wer eine neue Idee hat, nichts Wildes, sondern etwas eher Kleines für den Anfang, wäre mit einem BGE im Rücken nicht selten in der Lage, diese Idee einfach auszuprobieren, es sei denn, die Anschaffungskosten für Material oder Maschinen wären zu groß. Aber es gibt sicherlich viele kreative Ideen, die nicht unbedingt ein Vermögen, sondern nur Zeit kosten. Klappt es, ist eine neue kleine Firma geboren, kann sich weiter entwickeln, vielleicht sogar später Personal einstellen, das dann dadurch auch Arbeit hat .. klappt es nicht, ist das nicht so schlimm, denn die Person, die das versucht, überlebt ja durch das BGE, das sie bekommt.
Das BGE ist und bleibt für mich deshalb eine tolle Zukunftsvision, von der ich immer wieder träume und hoffe, sie wird einmal Wirklichkeit werden und eine viel bessere Welt hervorbringen als wir sie jetzt haben.

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