Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsrat_parteipolitische_Betaetigung_BAG_7ABR95-08.html
Timestamp: 2018-06-24 07:20:37+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 7 ABR 95/08
Schlag­worte: Betriebsrat, Unterlassungsanspruch, Parteipolitische Betätigung
Akten­zeichen: 7 ABR 95/08
Ent­scheid­ungs­datum: 17.03.2010
1. Von dem in § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG nor­mier­ten Ver­bot par­tei­po­li­ti­scher Betäti­gung im Be­trieb wer­den Äußerun­gen all­ge­mein­po­li­ti­scher Art oh­ne Be­zug zu ei­ner Par­tei nicht er­fasst.
2. Verstöße des Be­triebs­rats ge­gen das Ver­bot par­tei­po­li­ti­scher Betäti­gung be­gründen kei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch des Ar­beit­ge­bers ge­genüber dem Be­triebs­rat.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Lübeck, Beschluss vom 15.04.2008, 3 BV 165/07
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Beschluss vom 30.09.2008, 2 TaBV 25/08
2 TaBV 25/08
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 17. März 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl und Schmidt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bea und Will­ms für Recht er­kannt:
Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein vom 30. Sep­tem­ber 2008 - 2 TaBV 25/08 - wird zurück­ge­wie­sen.
Auf die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein vom 30. Sep­tem­ber 2008 - 2 TaBV 25/08 - teil­wei­se auf­ge­ho­ben, so­weit die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Lübeck vom 15. April 2008 - 3 BV 165/07 - zurück­ge­wie­sen wur­de.
Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Lübeck vom 15. April 2008 - 3 BV 165/07 - auch in­so­weit ab­geändert:
Die Anträge der Ar­beit­ge­be­rin wer­den ins­ge­samt ab­ge­wie­sen.
A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Be­rech­ti­gung des Be­triebs­rats zur
Kund­ga­be po­li­ti­scher Äußerun­gen im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin.
Die Ar­beit­ge­be­rin stellt Brems­beläge für Pkw, Lkw und Schie­nen­fahr
zeu­ge her. Sie gehört ei­nem ame­ri­ka­ni­schen Kon­zern an, der ua. Rüstungs­güter pro­du­ziert. Der in dem Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin be­ste­hen­de Be­triebs­rat veröffent­lich­te am 15. April 2003 im Be­trieb ei­nen vom Eu­ropäischen Be­triebs­rat ver­fass­ten, mit „Nein zum Krieg“ über­schrie­be­nen, an al­le Mit­ar­bei­ter der eu­ropäischen Stand­or­te ge­rich­te­ten Auf­ruf, sich dem Irak-Krieg zu wi­der­set­zen und den Präsi­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf­zu­for­dern, den Krieg zu be­en­den.
Mit Schrei­ben vom 23. April 2003 for­der­te die Ar­beit­ge­be­rin den Be
triebs­rat auf, die Be­kannt­ma­chung von al­len In­for­ma­ti­ons­bret­tern im Be­trieb zu ent­fer­nen und Erklärun­gen glei­chen oder ähn­li­chen In­halts künf­tig zu un­ter-
las­sen. Mit Aus­hang vom 24. April 2003 brach­te der Be­triebs­rat den Mit­ar­bei­tern den Auf­ruf er­neut zur Kennt­nis und wies dar­auf hin, dass der Auf­ruf am 10. April 2003 vom Eu­ropäischen Be­triebs­rat und am 16. April 2003 vom Kon­zern­be­triebs­rat be­schlos­sen wor­den sei. Ent­ge­gen ih­rer Ankündi­gung im Schrei­ben vom 23. April 2003 lei­te­te die Ar­beit­ge­be­rin sei­ner­zeit we­gen die­ser Vorgänge kein ge­richt­li­ches Ver­fah­ren ein.
Am 10. Ok­to­ber 2007 ver­sand­te der Be­triebs­rat über das In­tra­net der
Ar­beit­ge­be­rin an al­le E-Mail-Nut­zer im Be­trieb fol­gen­de In­for­ma­ti­on: „Volks­ent­scheid
nach­fol­gend ge­ben wir Euch noch ein­mal In­for­ma­tio­nen un­se­rer Ge­werk­schaft zum The­ma „Volks­ent­scheid“ be­kannt.
Wir bit­ten um Be­ach­tung der fol­gen­den drei Sei­ten.
Wir bit­ten vor al­lem in Ham­burg le­ben­de Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, sich an der kom­men­den Ab­stim­mung spätes­tens am Sonn­tag zu be­tei­li­gen.“
Der In­for­ma­ti­on bei­gefügt war ein an den Ers­ten Bürger­meis­ter Ole von
Beust ge­rich­te­tes Schrei­ben vom 9. Ok­to­ber 2007 der Ham­bur­ger Ge­werk­schafts­vor­sit­zen­den im DGB, das sich ua. kri­tisch mit der Hal­tung des Bürger­meis­ters zum The­ma Volks­ent­scheid aus­ein­an­der­setzt. Der Be­kannt­ma­chung des Be­triebs­rats eben­falls bei­gefügt war ein In­for­ma­ti­ons­blatt des Ver­eins „Mehr De­mo­kra­tie e. V.“ nebst ei­ner Erläute­rung zur Teil­nah­me am Volks­ent­scheid, die emp­fahl, mit „Ja“ zu stim­men. Die­se Schriftstücke wur­den auch am Schwar­zen Brett im Be­trieb aus­gehängt. Dem Volks­ent­scheid lag das Be­stre­ben von Bürgern zu­grun­de, in Ham­burg ver­bind­li­che Volks­ab­stim­mun­gen ein­zuführen, was par­tei­po­li­tisch um­strit­ten war und von der CDU ab­ge­lehnt wur­de.
Mit Schrei­ben vom 22. No­vem­ber 2007 for­der­te die Ar­beit­ge­be­rin den
Be­triebs­rat ver­geb­lich auf, ei­ne Un­ter­las­sungs­erklärung in Be­zug auf künf­ti­ge par­tei­po­li­ti­sche Äußerun­gen zu un­ter­zeich­nen.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat in dem am 6. De­zem­ber 2007 ein­ge­lei­te­ten Be-
schluss­ver­fah­ren die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Be­triebs­rat ha­be durch die Auf­ru­fe zum Irak-Krieg und zum Volks­ent­scheid in Ham­burg ge­gen das Ver­bot par­tei­po­li­ti­scher Betäti­gung im Be­trieb ver­s­toßen. Es be­ste­he Grund zu der An­nah­me, dass er auch in Zu­kunft par­tei­po­li­ti­sche Äußerun­gen im Be­trieb ver­brei­ten wer­de. Der Be­griff der par­tei­po­li­ti­schen Betäti­gung in § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG sei weit aus­zu­le­gen und er­fas­se je­des Ein­tre­ten für oder ge­gen ei­ne po­li­ti­sche Rich­tung. Dar­un­ter fie­len auch Stel­lung­nah­men zu all­ge­mein­po­li­ti­schen The­men.
1. a) dem An­trags­geg­ner auf­zu­ge­ben, be­triebsöffent­lich Äußerun­gen all­ge­mein­po­li­ti­schen In­halts zu un­ter­las­sen, ins­be­son­de­re sol­che Äußerun­gen zu un­ter­las­sen, die Fra­gen des Irak-Kriegs oder sons­ti­ge krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Mi­litäreinsätze so­wie außen­po­li­ti­sche Vorgänge, Fra­gen der Auf- und Abrüstung, der Frie­dens­si­che­rung und -schaf­fung, der Kom­mu­nal- und Lan­des­po­li­tik so­wie der Bun­des­po­li­tik be­tref­fen,
b) es künf­tig zu un­ter­las­sen, an die Mit­ar­bei­ter des Be­trie­bes ge­rich­te­te po­li­ti­sche Wahl­emp­feh­lun­gen oder Auf­ru­fe zu po­li­ti­schen Wah­len oder Ab­stim­mun­gen ab­zu­ge­ben und
c) dem An­trags­geg­ner auf­zu­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, In­for­ma­tio­nen, Äußerun­gen und Auf­ru­fe der un­ter a) und b) die­ses An­tra­ges ge­nann­ten In­hal­te und The­men über das In­tra­net der An­trag­stel­le­rin, das be­trieb­li­che Mit­tei­lungs­brett des An­trags­geg­ners, per Rund­schrei­ben, E-Mail, Flug­blatt oder in sons­ti­ger Form den Ar­beit­neh­mern im Be­trieb zur Verfügung zu stel­len oder sonst zur Kennt­nis zu brin­gen,
2. a) dem An­trags­geg­ner auf­zu­ge­ben, im Be­trieb der An­trag­stel­le­rin Äußerun­gen zum Irak-Krieg zu un­ter­las­sen und es außer­dem zu un­ter­las­sen, an die Mit­ar­bei­ter ge­rich­te­te po­li­ti­sche Wahl­emp­feh­lun­gen oder Auf­ru­fe zu po­li­ti­schen Wah­len oder Ab­stim­mun­gen ab­zu­ge­ben und
b) dem An­trags­geg­ner auf­zu­ge­ben, es zu un­ter-
las­sen, In­for­ma­tio­nen, Äußerun­gen und Auf­ru­fe zu
den un­ter a) des Hilfs­an­tra­ges ge­nann­ten The­men über das In­tra­net der An­trag­stel­le­rin, über das be­trieb­li­che Mit­tei­lungs­brett des An­trags­geg­ners, per Rund­schrei­ben, E-Mail, Flug­blatt oder in sons­ti­ger Form den Ar­beit­neh­mern des Be­trie­bes zur Verfügung zu stel­len oder sonst zur Kennt­nis zu brin­gen,
3. a) fest­zu­stel­len, dass der Be­triebs­rat nicht be­rech­tigt ist, im Be­trieb der An­trag­stel­le­rin Äußerun­gen zum Irak-Krieg aus­zuhängen oder sonst zu veröffent­li­chen und den Mit­ar­bei­tern zugäng­lich zu ma­chen und
b) fest­zu­stel­len, dass der An­trags­geg­ner nicht be-
rech­tigt ist, Mit­ar­bei­ter der An­trag­stel­le­rin auf­zu­for­dern, an be­vor­ste­hen­den po­li­ti­schen Wah­len oder Ab­stim­mun­gen teil­zu­neh­men.
Der Be­triebs­rat hat die Ab­wei­sung der Anträge be­an­tragt. Er hat ge
meint, der Haupt­an­trag zu 1.a) sei zu weit ge­fasst und man­gels hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit un­zulässig. Im Übri­gen sei­en die Anträge un­be­gründet. Er ha­be durch die bei­den Auf­ru­fe nicht ge­gen das Ver­bot par­tei­po­li­ti­scher Betäti­gung im Be­trieb ver­s­toßen. Das Ge­setz un­ter­sa­ge nicht je­de po­li­ti­sche Äußerung, son­dern nur die par­tei­po­li­ti­sche Betäti­gung. Die Mei­nun­gen zum Irak-Krieg sei­en nicht par­tei­po­li­tisch ge­bun­den ge­we­sen. Mit dem Auf­ruf zum Volks­ent­scheid ha­be er le­dig­lich um Teil­nah­me an der Ab­stim­mung ge­be­ten und den Ab­druck ei­nes Briefs führen­der Ge­werk­schafts­vor­sit­zen­der bei­gefügt. Der Auf­ruf zum Volks­ent­scheid sei kei­ne par­tei­po­li­ti­sche Ak­ti­vität ge­we­sen.
Das Ar­beits­ge­richt hat den Haupt­anträgen mit der Mo­di­fi­ka­ti­on statt
ge­ge­ben, dass im Te­nor zum An­trag zu 1.a) das Wort „all­ge­mein­po­li­tisch“ durch das Wort „par­tei­po­li­tisch“ er­setzt wur­de. Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den erst­in­stanz­li­chen Be­schluss un­ter Zurück­wei­sung der Be­schwer­de im Übri­gen teil­wei­se ab­geändert und den Te­nor zur Klar­stel­lung da­hin­ge­hend ge­fasst, dass dem Be­triebs­rat - un­ter Zurück­wei­sung der Anträge im Übri­gen - auf­ge­ge­ben wur­de, es künf­tig zu un­ter­las­sen, an die Mit­ar­bei­ter des Be­triebs ge­rich­te­te Wahl­emp­feh­lun­gen ab­zu­ge­ben und In­for­ma­tio­nen, Äußerun­gen und Auf­ru­fe hier­zu über das In­tra­net der Ar­beit-
ge­be­rin, das be­trieb­li­che Mit­tei­lungs­brett des Be­triebs­rats, per Rund­schrei­ben, E-Mail, Flug­blatt oder in sons­ti­ger Form den Ar­beit­neh­mern im Be­trieb zur Verfügung zu stel­len oder sonst zur Kennt­nis zu ge­ben. Mit ih­ren Rechts­be­schwer­den be­geh­ren der Be­triebs­rat die vollständi­ge Ab­wei­sung der Anträge und die Ar­beit­ge­be­rin die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Be­schlus­ses.
B. Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ist un­be­gründet, die­je­ni­ge des
Be­triebs­rats ist be­gründet. Der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist auf­zu­he­ben, so­weit er die Be­schwer­de des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen und die erst­in­stanz­li­che, den Anträgen der Ar­beit­ge­be­rin statt­ge­ben­de Ent­schei­dung bestätigt hat. Die Anträge sind ins­ge­samt ab­zu­wei­sen. Sie sind teils un­zulässig, im Übri­gen un­be­gründet.
I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den Haupt­an­trag zu 1.a) zu Recht als
un­zulässig ab­ge­wie­sen. Der An­trag ist nicht hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.
1. Ein Un­ter­las­sungs­an­trag muss - be­reits aus rechts­staat­li­chen
Gründen - ein­deu­tig er­ken­nen las­sen, was vom Schuld­ner ver­langt wird (BAG 22. Sep­tem­ber 2009 - 1 AZR 972/08 - Rn. 11, AP GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 174 = EzA GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 143). Soll der Schuld­ner zur künf­ti­gen Un­ter­las­sung ein­zel­ner Hand­lun­gen ver­pflich­tet wer­den, müssen die­se so ge­nau be­zeich­net sein, dass kein Zwei­fel be­steht, wel­che Hand­lun­gen im Ein­zel­nen be­trof­fen sind (BAG 3. Mai 1994 - 1 ABR 24/93 - zu II A der Gründe, BA­GE 76, 364). Für den Schuld­ner muss auf­grund des Un­ter­las­sungs­ti­tels er­kenn­bar sein, wel­che Hand­lun­gen oder Äußerun­gen er künf­tig zu un­ter­las­sen hat, um sich rechtmäßig ver­hal­ten zu können (BAG 3. Ju­ni 2003 - 1 ABR 19/02 - zu B I 1 der Gründe, BA­GE 106, 188).
2. Die­sen An­for­de­run­gen genügt der Haupt­an­trag zu 1.a) nicht. Die
Ar­beit­ge­be­rin ver­folgt den An­trag nicht mehr mit dem erst­in­stanz­li­chen Wort­laut, son­dern mit der vom Ar­beits­ge­richt mo­di­fi­zier­ten Te­n­o­rie­rung. Da­nach soll dem Be­triebs­rat un­ter­sagt wer­den, be­triebsöffent­lich Äußerun­gen par­tei­po­li­ti­schen In­halts ab­zu­ge­ben. Der Be­griff „par­tei­po­li­tisch“ ist für den be­gehr­ten
Un­ter­las­sungs­ti­tel nicht hin­rei­chend be­stimmt. Der In­halt die­ses Be­griffs ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten ge­ra­de strei­tig. Der Be­triebs­rat meint, hier­un­ter fie­len nur Äußerun­gen für oder ge­gen ei­ne Par­tei iSd. Par­tei­en­geset­zes. Da­ge­gen ver­steht die Ar­beit­ge­be­rin hier­un­ter auch Äußerun­gen all­ge­mein­po­li­ti­scher Art. Die im An­trag zu 1.a) im An­schluss an das Wort „ins­be­son­de­re“ vor­ge­nom­me­nen Kon­kre­ti­sie­run­gen zum mögli­chen In­halt der zu un­ter­las­sen­den Erklärun­gen könn­ten zwar die An­nah­me na­he­le­gen, dass hier­mit al­le Äußerun­gen ge­meint sein sol­len, die ir­gend­ei­nen po­li­ti­schen In­halt ha­ben. Denn der Be­triebs­rat soll da­nach nicht nur Äußerun­gen zu Fra­gen des Irak-Kriegs oder sons­ti­gen krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Mi­litäreinsätzen so­wie zu außen­po­li­ti­schen Vorgängen und Fra­gen der Auf- und Abrüstung, der Frie­dens­si­che­rung und -schaf­fung un­ter­las­sen, son­dern - oh­ne je­de Ein­schränkung - auch Äußerun­gen zur Kom­mu­nal-, Lan­des- und Bun­des­po­li­tik. Die­ses Be­geh­ren könn­te im Sin­ne ei­nes dem Be­stimmt­heits­ge­bot genügen­den Glo­balan­trags ver­stan­den wer­den, der dar­auf ge­rich­tet ist, dem Be­triebs­rat po­li­ti­sche Äußerun­gen jeg­li­cher Art im Be­trieb zu un­ter­sa­gen. Da­von wären al­ler­dings auch Äußerun­gen ta­rif­po­li­ti­scher, so­zi­al­po­li­ti­scher und um­welt­po­li­ti­scher Art er­fasst, die nach § 74 Abs. 2 Satz 3 Halbs. 2 Be­trVG zulässig sind, wenn sie den Be­trieb oder sei­ne Ar­beit­neh­mer un­mit­tel­bar be­tref­fen. Auf Äußerun­gen die­sen In­halts soll sich das Un­ter­las­sungs­be­geh­ren nach dem aus­drück­li­chen Vor­brin­gen der Ar­beit­ge­be­rin je­doch nicht be­zie­hen. Es ist des­halb un­klar, wel­che kon­kre­ten Äußerun­gen von dem mit dem Haupt­an­trag zu 1.a) ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­be­geh­ren er­fasst wer­den sol­len. Für den Be­triebs­rat wäre im Fal­le ei­ner Te­n­o­rie­rung ent­spre­chend dem An­trag zu 1.a) nicht er­kenn­bar, wel­cher Äußerun­gen er sich künf­tig zu ent­hal­ten hat und wel­che Äußerun­gen er ab­ge­ben darf, oh­ne sich rechts­wid­rig zu ver­hal­ten.
II. Die Haupt­anträge zu 1.b) und 1.c) so­wie die Hilfs­anträge zu 2.a) und
2.b) sind teils un­zulässig, im Übri­gen un­be­gründet.
1. Der Haupt­an­trag zu 1.b) ist zulässig. Er be­darf al­ler­dings der Aus
le­gung.
a) Der An­trag ist dar­auf ge­rich­tet, dem Be­triebs­rat zu un­ter­sa­gen, an die
Mit­ar­bei­ter des Be­triebs ge­rich­te­te po­li­ti­sche Wahl­emp­feh­lun­gen oder Auf­ru­fe zu po­li­ti­schen Wah­len oder Ab­stim­mun­gen ab­zu­ge­ben. Die­ses Be­geh­ren ist un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­kannt­ma­chung des Be­triebs­rats zum Volksent­scheid aus­zu­le­gen, die den An­trag ver­an­lasst hat. Mit die­ser Be­kannt­ma­chung hat der Be­triebs­rat die in Ham­burg woh­nen­den Mit­ar­bei­ter auf­ge­for­dert, sich an der Ab­stim­mung zu be­tei­li­gen. Außer­dem hat er der Be­kannt­ma­chung ua. Schriftstücke des „Mehr-De­mo­kra­tie e.V.“ bei­gefügt, die emp­feh­len, bei dem Volks­ent­scheid mit „Ja“ zu stim­men. Der An­trag zu 1.b) ist da­her so zu ver­ste­hen, dass mit sei­nem ers­ten Teil dem Be­triebs­rat un­ter­sagt wer­den soll, den Mit­ar­bei­tern bei po­li­ti­schen Wah­len und an­de­ren po­li­ti­schen Ab­stim­mun­gen Emp­feh­lun­gen zum Ge­brauch ih­res Stimm­rechts zu ma­chen. Der zwei­te Teil des An­trags zielt dar­auf ab, es dem Be­triebs­rat zu un­ter­sa­gen, die Mit­ar­bei­ter des Be­triebs auf­zu­for­dern, sich über­haupt an po­li­ti­schen Wah­len oder Ab­stim­mun­gen zu be­tei­li­gen.
b) Mit die­sem In­halt ist der An­trag hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 18
Nr. 2 ZPO. Für den Be­triebs­rat ist er­kenn­bar, was von ihm ver­langt wird. Er soll sich jeg­li­cher Ein­fluss­nah­me auf das Ab­stim­mungs­ver­hal­ten der Mit­ar­bei­ter des Be­triebs bei po­li­ti­schen Wah­len und Ab­stim­mun­gen und jeg­li­cher Auf­for­de­rung zur Be­tei­li­gung an po­li­ti­schen Wah­len und Ab­stim­mun­gen ent­hal­ten.
2. Der Haupt­an­trag zu 1.c), mit wel­chem dem Be­triebs­rat un­ter­sagt
wer­den soll, In­for­ma­tio­nen und Auf­ru­fe der in den Anträgen zu 1.a) und 1.b) ge­nann­ten In­hal­te und The­men über das In­tra­net der Ar­beit­ge­be­rin, das be­trieb­li­che Mit­tei­lungs­brett, per Rund­schrei­ben, E-Mail, Flug­blatt oder in sons­ti­ger Form den Ar­beit­neh­mern im Be­trieb zur Kennt­nis zu brin­gen, ist - so­weit er die im An­trag zu 1.a) ge­nann­ten In­hal­te und The­men be­trifft - eben­so wie der An­trag zu 1.a) man­gels hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO un­zulässig. So­weit er sich auf die im Haupt­an­trag zu 1.b) ge­nann­ten In­hal­te und The­men be­zieht, ist er - eben­so wie der An­trag zu 1.b) - zulässig.
3. Der Hilfs­an­trag zu 2.a) ist zulässig, be­darf aber eben­falls der Aus-
a) Der Hilfs­an­trag zu 2.a) enthält nur in­so­weit ei­nen hilfs­wei­se zur Ent
schei­dung ge­stell­ten Sach­an­trag, als die Ar­beit­ge­be­rin ver­langt, dem Be­triebs­rat Äußerun­gen zum Irak-Krieg im Be­trieb zu un­ter­sa­gen. So­weit dem Be­triebs­rat auf­ge­ge­ben wer­den soll, es zu un­ter­las­sen, an die Mit­ar­bei­ter ge­rich­te­te po­li­ti­sche Wahl­emp­feh­lun­gen oder Auf­ru­fe zu po­li­ti­schen Wah­len oder Ab­stim­mun­gen ab­zu­ge­ben, enthält der An­trag kein ei­genständi­ges Be­geh­ren, da er in­so­weit mit dem Haupt­an­trag zu 1.b) iden­tisch ist.
b) So­weit dem Be­triebs­rat un­ter­sagt wer­den soll, im Be­trieb Äußerun­gen
zum Irak-Krieg ab­zu­ge­ben, ist der An­trag zu 2.a) zulässig. Er ist ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Für ihn be­steht auch das er­for­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se. Der Irak-Krieg ist zwar seit Mai 2003 be­en­det, so dass nicht oh­ne Wei­te­res an­ge­nom­men wer­den kann, dass der Be­triebs­rat künf­tig Äußerun­gen zu die­sem Er­eig­nis ab­ge­ben wird. Der Un­ter­las­sungs­an­trag be­darf aber als Leis­tungs­an­trag nicht der Dar­le­gung ei­nes be­son­de­ren Rechts­schutz­in­ter­es­ses. Das mögli­che Er­for­der­nis ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist kein Ele­ment der Zulässig­keit, son­dern der Be­gründet­heit des An­trags (BAG 15. Mai 2007 - 1 ABR 32/06 - Rn. 26, BA­GE 122, 280).
4. Der Hilfs­an­trag zu 2.b) be­trifft - wie der Hilfs­an­trag zu 2.a) – aus­sch­ließ-
lich die Un­ter­las­sung von Äußerun­gen zum Irak-Krieg. Er ist aus den­sel­ben Gründen zulässig wie der Hilfs­an­trag zu 2.a).
5. Die sämt­lich auf Un­ter­las­sung ge­rich­te­ten Anträge zu 1.b), 1.c), 2.a)
und 2.b) sind, so­weit sie zulässig sind, un­be­gründet. Hin­sicht­lich die­ser Anträge kann da­hin­ste­hen, ob und ggf. durch wel­che Äußerun­gen der Be­triebs­rat ge­gen das in § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG nor­mier­te Ver­bot par­tei­po­li­ti­scher Betäti­gung ver­s­toßen hat. Die Ver­let­zung des par­tei­po­li­ti­schen Neu­tra­litäts­ge­bots durch den Be­triebs­rat be­gründet kei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch des Ar­beit­ge­bers ge­genüber dem Be­triebs­rat.
a) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat bis­lang an­ge­nom­men, aus dem in § 74
Abs. 2 Satz 2 Be­trVG nor­mier­ten Un­ter­las­sungs­ge­bot er­ge­be sich ein ent­spre­chen­der Un­ter­las­sungs­an­spruch. Der Ar­beit­ge­ber sei bei Verstößen des Be­triebs­rats ge­gen die ihm ob­lie­gen­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Frie­dens­pflich­ten nicht al­lein auf die Möglich­kei­ten nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ver­wie­sen. § 74 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG ent­hal­te viel­mehr ei­nen ei­genständi­gen Un­ter­las­sungs­an­spruch, der un­abhängig ne­ben § 23 Abs. 1 Be­trVG be­ste­he (BAG 22. Ju­li 1980 - 6 ABR 5/78 - zu II 2 der Gründe, BA­GE 34, 75). Auch bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen das Ver­bot der par­tei­po­li­ti­schen Betäti­gung nach § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt dem Ar­beit­ge­ber ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch ge­genüber dem Be­triebs­rat zu­er­kannt (12. Ju­ni 1986 - 6 ABR 67/84 - AP Be­trVG 1972 § 74 Nr. 5 = EzA Be­trVG 1972 § 74 Nr. 7). An die­ser Recht­spre­chung hält der Se­nat nicht fest. § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG be­gründet kei­nen ge­richt­lich durch­setz­ba­ren Un­ter­las­sungs­an­spruch des Ar­beit­ge­bers ge­gen den Be­triebs­rat. Das er­gibt die am Wort­laut, dem ge­setz­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang so­wie am Sinn und Zweck ori­en­tier­te Aus­le­gung der Vor­schrift. Die ma­te­ri­ell­recht­li­chen und ver­fah­rens­recht­li­chen Rech­te des Ar­beit­ge­bers wer­den hier­durch nicht verkürzt.
aa) Be­reits nach dem Wort­laut folgt aus § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG al­lein
kein Un­ter­las­sungs­an­spruch. Nach der Be­stim­mung ha­ben der Be­triebs­rat und der Ar­beit­ge­ber je­de par­tei­po­li­ti­sche Betäti­gung im Be­trieb zu un­ter­las­sen. Die Vor­schrift be­gründet da­mit zwar ei­ne Ver­pflich­tung der Be­triebs­par­tei­en zu par­tei­po­li­ti­scher Neu­tra­lität im Be­trieb. Sie be­stimmt aber we­der, dass bei Verstößen ge­gen die­se Ver­pflich­tung Un­ter­las­sung ver­langt wer­den kann, noch lässt sich der Re­ge­lung ent­neh­men, wer In­ha­ber ei­nes Un­ter­las­sungs­an­spruchs sein könn­te. Da­mit un­ter­schei­det sich die Vor­schrift von an­de­ren Be­stim­mun­gen, die Un­ter­las­sungs­ansprüche nor­mie­ren, wie zB § 862 Abs. 1 BGB oder § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB, und hier­zu den An­spruchs­in­ha­ber aus­drück­lich nen­nen. Je­den­falls sei­nem Wort­laut nach folgt al­lein aus § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG nicht die Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on ei­ner Per­son oder Stel­le, die be­rech­tigt wäre, das Ver­bot par­tei­po­li­ti­scher Betäti­gung im Be­trieb ge­richt­lich durch­zu­set­zen.
bb) Ge­gen ei­nen auf § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG gestütz­ten Un­ter­las­sungs
an­spruch des Ar­beit­ge­bers ge­gen den Be­triebs­rat spre­chen vor al­lem der sys­te­ma­ti­sche Ge­samt­zu­sam­men­hang und die Kon­zep­ti­on, die § 23 Be­trVG für die „Ver­let­zung ge­setz­li­cher Pflich­ten“ durch die Be­triebs­par­tei­en vor­sieht. § 23 Abs. 3 Be­trVG nor­miert bei gro­ben Verstößen des Ar­beit­ge­bers ge­gen be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Pflich­ten ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch des Be­triebs­rats und der im Be­trieb ver­tre­te­nen Ge­werk­schaf­ten. Da­ge­gen re­gelt die Vor­schrift ei­nen ent­spre­chen­den Un­ter­las­sungs­an­spruch des Ar­beit­ge­bers bei gro­ben Pflicht­ver­let­zun­gen durch den Be­triebs­rat ge­ra­de nicht. Der­ar­ti­ge Pflicht­ver­let­zun­gen be­gründen viel­mehr nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ua. für den Ar­beit­ge­ber das Recht, die Auflösung des Be­triebs­rats zu be­an­tra­gen. Die bei Pflicht­ver­let­zun­gen der bei­den Be­triebs­par­tei­en ver­schie­de­nen Rechts­fol­gen ent­spre­chen den un­ter­schied­li­chen recht­li­chen Ei­gen­schaf­ten von Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat. Die für den Be­triebs­rat in § 23 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG vor­ge­se­he­ne Auflösung - mit an­sch­ließen­der Neu­wahl - kommt für den Ar­beit­ge­ber nicht in Be­tracht. Ihm ge­genüber ist der in § 23 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG nor­mier­te Un­ter­las­sungs­an­spruch des Be­triebs­rats ver­bun­den mit der in § 23 Abs. 3 Satz 2 bis 5 Be­trVG ge­re­gel­ten Voll­stre­ckung die sach­ge­rech­te Lösung. Da­ge­gen er­gibt ein ge­gen den Be­triebs­rat ge­rich­te­ter Un­ter­las­sungs­an­spruch voll­stre­ckungs­recht­lich kei­nen Sinn. Da der Be­triebs­rat vermögens­los ist, kommt ihm ge­genüber ei­ne An­dro­hung, Fest­set­zung oder Voll­stre­ckung von Ord­nungs­geld nicht in Be­tracht. Das Ge­set­zes­kon­zept des § 23 Be­trVG sieht des­halb ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch des Ar­beit­ge­bers ge­gen den Be­triebs­rat nicht vor. Der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt außer­halb des § 23 Abs. 3 Be­trVG zur Si­che­rung be­stimm­ter Mit­be­stim­mungs­rech­te an­er­kann­te all­ge­mei­ne Un­ter­las­sungs­an­spruch des Be­triebs­rats (vgl. grund­le­gend 3. Mai 1994 - 1 ABR 24/93 - BA­GE 76, 364) ge­bie­tet es nicht, auch dem Ar­beit­ge­ber ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch ge­gen den Be­triebs­rat zu­zu­bil­li­gen. An­ders als ein Un­ter­las­sungs­an­spruch des Ar­beit­ge­bers ent­spricht der - wei­te­re - Un­ter­las­sungs­an­spruch des Be­triebs­rats dem struk­tu­rel­len Kon­zept des § 23 Be­trVG.
cc) Sinn und Zweck des § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG ge­bie­ten kei­nen Un­ter
las­sungs­an­spruch des Ar­beit­ge­bers ge­gen den Be­triebs­rat. Die Ein­hal­tung des
par­tei­po­li­ti­schen Neu­tra­litäts­ge­bots durch den Be­triebs­rat würde durch ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch nicht gewähr­leis­tet, da ein Un­ter­las­sungs­ti­tel ge­gen den Be­triebs­rat we­gen des­sen Vermögens­lo­sig­keit nicht voll­streck­bar wäre.
dd) Die Rech­te des Ar­beit­ge­bers wer­den hier­durch nicht verkürzt. Bei
gro­ben Verstößen des Be­triebs­rats ge­gen sei­ne Pflicht zur par­tei­po­li­ti­schen Neu­tra­lität kann der Ar­beit­ge­ber gemäß § 23 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG des­sen Auflösung be­an­tra­gen. Im Übri­gen hat er bei Strei­tig­kei­ten über die Rechtmäßig­keit ei­ner be­stimm­ten Betäti­gung des Be­triebs­rats die Möglich­keit, de­ren Zulässig­keit un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 256 Abs. 1 ZPO im We­ge ei­nes Fest­stel­lungs­an­trags klären zu las­sen. Ei­ner ent­spre­chen­den ge­richt­li­chen Fest­stel­lung kommt im Er­geb­nis die glei­che Wir­kung zu wie ei­nem Un­ter­las­sungs­ti­tel, da auch die­ser ge­genüber dem Be­triebs­rat nicht voll­streck­bar wäre. Die ge­richt­li­che Fest­stel­lung der feh­len­den Be­rech­ti­gung des Be­triebs­rats zu ei­nem be­stimm­ten Ver­hal­ten ist bei ei­ner späte­ren gleich­ar­ti­gen Pflicht­ver­let­zung von er­heb­li­cher Be­deu­tung für ei­nen Auflösungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers nach § 23 Abs. 1 Be­trVG. Die Miss­ach­tung der ge­richt­li­chen Fest­stel­lung kann da­zu führen, dass ein er­neu­tes gleich­ar­ti­ges Ver­hal­ten als grob pflicht­wid­rig an­zu­se­hen ist.
b) Da­nach sind die Anträge zu 1.b), 1.c), 2.a) und 2.b), so­weit sie zulässig
sind, un­be­gründet. Mit die­sen Anträgen be­gehrt die Ar­beit­ge­be­rin vom Be­triebs­rat die Un­ter­las­sung po­li­ti­scher Äußerun­gen und de­ren Ver­brei­tung im Be­trieb. Hier­auf be­steht nach § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG kein An­spruch.
III. Die auf Fest­stel­lung ge­rich­te­ten Höchst­hilfs­anträge zu 3.a) und 3.b)
sind eben­falls ab­zu­wei­sen.
1. Der An­trag zu 3.a), mit dem die Ar­beit­ge­be­rin die Fest­stel­lung ver­langt
dass der Be­triebs­rat nicht be­rech­tigt ist, in ih­rem Be­trieb Äußerun­gen zum Irak-Krieg ab­zu­ge­ben, ist un­zulässig. Dem An­trag fehlt das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che, von der Ar­beit­ge­be­rin dar­zu­le­gen­de recht­li­che In­ter­es­se an der ent­spre­chen­den als­bal­di­gen ge­richt­li­chen Fest­stel­lung. Die Ar­beit­ge­be­rin hat nicht be­haup­tet, dass künf­tig mit wei­te­ren Äußerun­gen des Be­triebs­rats zu dem
seit Jah­ren be­en­de­ten Irak-Krieg ge­rech­net wer­den muss. Das ver­gan­gen­heits­be­zo­ge­ne In­ter­es­se der Ar­beit­ge­be­rin zu er­fah­ren, ob der Be­triebs­rat im Jahr 2003 be­rech­tigt war, sich im Be­trieb zum Irak-Krieg zu äußern, genügt den An­for­de­run­gen des § 256 Abs. 1 ZPO nicht. Die Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge lie­fe auf die Er­stel­lung ei­nes Rechts­gut­ach­tens hin­aus, zu der die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen nicht be­ru­fen sind (vgl. BAG 28. April 2009 - 1 ABR 7/08 - Rn. 10, 11 mwN, AP Be­trVG 1972 § 77 Nr. 99).
2. Der An­trag zu 3.b), mit dem die Ar­beit­ge­be­rin die Fest­stel­lung be­gehrt,
dass der Be­triebs­rat nicht be­rech­tigt ist, Mit­ar­bei­ter auf­zu­for­dern, an be­vor­ste­hen­den po­li­ti­schen Wah­len oder Ab­stim­mun­gen teil­zu­neh­men, ist zulässig, aber un­be­gründet.
a) Der An­trag zu 3.b) ist zulässig. Er ist hin­rei­chend be­stimmt. An­ders als
der Haupt­an­trag zu 1.b) und der Hilfs­an­trag zu 2.a) er­streckt sich die­ser An­trag nicht auf die feh­len­de Be­rech­ti­gung des Be­triebs­rats zur Ab­ga­be von Wahl­emp­feh­lun­gen an die Mit­ar­bei­ter, son­dern ist auf die Fest­stel­lung der Un­zulässig­keit des an die Mit­ar­bei­ter ge­rich­te­ten Auf­rufs zur Teil­nah­me an po­li­ti­schen Wah­len und Ab­stim­mun­gen be­schränkt. An der be­gehr­ten Fest­stel­lung be­steht ein recht­li­ches In­ter­es­se iSv. § 256 Abs. 1 ZPO, da der Be­triebs­rat Mit­ar­bei­ter des Be­triebs zur Teil­nah­me an der Ab­stim­mung zum Volks­ent­schei­dung in Ham­burg auf­ge­ru­fen hat, er sich hier­zu als be­rech­tigt an­sieht und des­halb nicht aus­zu­sch­ließen ist, dass er sich künf­tig in ver­gleich­ba­rer Wei­se betäti­gen wird.
b) Der An­trag zu 3.b) ist un­be­gründet. Al­lein der an die Mit­ar­bei­ter des
Be­triebs ge­rich­te­te Auf­ruf, sich an be­vor­ste­hen­den po­li­ti­schen Wah­len und Ab­stim­mun­gen zu be­tei­li­gen, ist kei­ne nach § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG un­zulässi­ge par­tei­po­li­ti­sche Betäti­gung.
aa) Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist der
Be­griff der par­tei­po­li­ti­schen Betäti­gung in § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG weit aus­zu­le­gen (vgl. et­wa 12. Ju­ni 1986 - 6 ABR 67/84 - zu II 2 b der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 74 Nr. 5 = EzA Be­trVG 1972 § 74 Nr. 7). Da­nach ist dem Be-
triebs­rat und dem Ar­beit­ge­ber je­de Betäti­gung für oder ge­gen ei­ne po­li­ti­sche Par­tei ver­bo­ten. Hier­bei braucht es sich nicht um ei­ne Par­tei iSv. Art. 21 GG und des Par­tei­en­geset­zes zu han­deln. Es genügt viel­mehr ei­ne po­li­ti­sche Grup­pie­rung, für die ge­wor­ben oder die un­terstützt wird. Nach der bis­he­ri­gen Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wird von dem Ver­bot auch das Ein­tre­ten für oder ge­gen ei­ne be­stimm­te po­li­ti­sche Rich­tung er­fasst (12. Ju­ni 1986 - 6 ABR 67/84 - zu II 2 b der Gründe, aaO). Dem Be­triebs­rat ist da­nach in ers­ter Li­nie die un­mit­tel­ba­re Betäti­gung für ei­ne Ver­ei­ni­gung durch Ver­brei­tung von po­li­ti­schen Zei­tun­gen, Druck­schrif­ten, An­schlägen oder Flugblättern ver­bo­ten. Außer­dem wer­den hier­nach von dem Ver­bot auch das Ab­hal­ten von po­li­ti­schen Ab­stim­mun­gen oder Um­fra­gen im Be­trieb so­wie po­li­ti­sche Stel­lung­nah­men zu außer­be­trieb­li­chen Maßnah­men und Er­eig­nis­sen er­fasst. Nach der bis­he­ri­gen Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist ei­ne Tren­nung in ei­ne zulässi­ge all­ge­mein­po­li­ti­sche Betäti­gung und in ei­ne ver­bo­te­ne par­tei­po­li­ti­sche Betäti­gung nicht möglich (12. Ju­ni 1986 - 6 ABR 67/84 - zu II 2 c der Gründe, aaO).
bb) Für den Streit­fall kann of­fen­blei­ben, ob dar­an fest­zu­hal­ten ist, dass
schon das Ein­tre­ten für oder ge­gen ei­ne be­stimm­te po­li­ti­sche Rich­tung un­abhängig von ei­nem kon­kre­ten Be­zug zu ei­ner po­li­ti­schen Par­tei un­ter das Ver­bot der par­tei­po­li­ti­schen Betäti­gung fällt. Je­den­falls er­fasst das Ver­bot nicht je­de Äußerung all­ge­mein­po­li­ti­schen In­halts. Äußerun­gen all­ge­mein­po­li­ti­scher Art, die ei­ne po­li­ti­sche Par­tei, Grup­pie­rung oder Rich­tung we­der un­terstützen noch sich ge­gen sie wen­den, fal­len nicht un­ter das Ver­bot des § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG. Dies er­gibt sich aus dem Wort­laut der Vor­schrift un­ter Berück­sich­ti­gung des Wer­te­ge­halts von Art. 5 Abs. 1 GG so­wie aus Sinn und Zweck des Neu­tra­litäts­ge­bots.
(1) Nach dem Ge­set­zes­wort­laut ist dem Be­triebs­rat und dem Ar­beit­ge­ber
nicht je­de „po­li­ti­sche“ Betäti­gung, son­dern je­de „par­tei­po­li­ti­sche“ Betäti­gung un­ter­sagt. Die­se Wort­wahl spricht dafür, dass von dem Ver­bot nur die Betäti­gung für oder ge­gen ei­ne po­li­ti­sche Par­tei er­fasst wird. Dies wird da­durch bestätigt, dass das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz in § 75 Abs. 1 Be­trVG den Be­griff der po­li­ti­schen Betäti­gung und in § 118 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG den Be­griff
der po­li­ti­schen Be­stim­mung ver­wen­det. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz dif­fe­ren­ziert da­her er­kenn­bar zwi­schen den Be­grif­fen „po­li­tisch“ und „par­tei­po­li­tisch“. Wenn der Ge­setz­ge­ber dem Ar­beit­ge­ber und dem Be­triebs­rat je­de po­li­ti­sche Betäti­gung, al­so auch ei­ne sol­che all­ge­mein­po­li­ti­scher Art oh­ne Be­zug zu ei­ner Par­tei, hätte un­ter­sa­gen wol­len, hätte es na­he­ge­le­gen, dies im Wort­laut der Vor­schrift zum Aus­druck zu brin­gen. Der Ge­set­zes­wort­laut spricht da­her für ein en­ge­res Verständ­nis des Ver­bots.
(2) Dies ist auch we­gen des grund­recht­s­ein­schränken­den Cha­rak­ters der
Vor­schrift ge­bo­ten. Die Re­ge­lung in § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG be­grenzt das durch Art. 5 Abs. 1 GG ga­ran­tier­te Grund­recht auf freie Mei­nungsäußerung. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob der Be­triebs­rat als Gre­mi­um Träger des Grund­rechts aus Art. 5 Abs. 1 GG sein kann. Denn das in § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG nor­mier­te Ver­bot rich­tet sich auch an die Mit­glie­der des Be­triebs­rats, die Grund­recht­sträger sind (BVerfG 28. April 1976 - 1 BvR 71/73 - zu B II 1 der Gründe, BVerfGE 42, 133). Das Grund­recht auf freie Mei­nungsäußerung fin­det al­ler­dings sei­ne Schran­ken in den Vor­schrif­ten der all­ge­mei­nen Ge­set­ze. Da­zu gehört § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG. Bei der An­wen­dung der Vor­schrift muss der be­son­de­re Wer­te­ge­halt des Art. 5 Abs. 1 GG ge­wahrt blei­ben. Des­halb muss die Norm un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­deu­tung des Grund­rechts aus­ge­legt und dem­ent­spre­chend in ih­rer das Grund­recht be­gren­zen­den Wir­kung selbst wie­der ein­ge­schränkt wer­den (BVerfG 28. April 1976 - 1 BvR 71/73 - zu B II 2 der Gründe, aaO; 16. Ok­to­ber 1998 - 1 BvR 1685/92 - zu II 2 a bb der Gründe mwN, AP BGB § 611 Ab­mah­nung Nr. 24 = EzA BGB § 611 Ab­mah­nung Nr. 40).
(3) Für die Aus­le­gung, nach der von § 74 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG
Äußerun­gen all­ge­mein­po­li­ti­scher Art oh­ne Be­zug zu ei­ner po­li­ti­schen Par­tei nicht er­fasst wer­den, spre­chen auch Sinn und Zweck des par­tei­po­li­ti­schen Neu­tra­litäts­ge­bots. Die­ses dient der Gewähr­leis­tung des Be­triebs­frie­dens und der Zu­sam­men­ar­beit im Be­trieb (BT-Drucks. VI/2729 S. 10). § 74 Abs. 2 Be­trVG un­ter­schei­det aus­drück­lich zwi­schen par­tei­po­li­ti­schen Betäti­gun­gen und an­de­ren Betäti­gun­gen. Par­tei­po­li­ti­sche Betäti­gun­gen sind dem Ar­beit­ge­ber und dem Be­triebs­rat nach § 74 Abs. 2 Satz 3 Halbs. 1 Be­trVG ge­ne­rell un­ter­sagt,
oh­ne dass es dar­auf ankäme, ob auf­grund der Betäti­gung ei­ne kon­kre­te Gefähr­dung des Be­triebs­frie­dens zu befürch­ten ist. An­de­re als par­tei­po­li­ti­sche Betäti­gun­gen un­ter­wirft der Ge­setz­ge­ber aus­drück­lich ge­rin­ge­ren Be­schränkun­gen (vgl. BVerfG 28. April 1976 - 1 BvR 71/73 - zu B II 1 der Gründe, BVerfGE 42, 133). Die­se ha­ben der Ar­beit­ge­ber und der Be­triebs­rat nach § 74 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG nur dann zu un­ter­las­sen, wenn durch sie der Ar­beits­ab­lauf oder der Frie­den des Be­triebs be­ein­träch­tigt wer­den. Bei Betäti­gun­gen par­tei­po­li­ti­scher Art un­ter­stellt das Ge­setz - an­ders als bei sons­ti­gen Betäti­gun­gen - stets ei­ne Gefähr­dung des Be­triebs­frie­dens und der Zu­sam­men­ar­beit im Be­trieb. Dies be­ruht er­sicht­lich auf der Erwägung, dass das Ein­tre­ten für oder ge­gen ei­ne po­li­ti­sche Par­tei in be­son­de­rem Maße ge­eig­net ist, zu Strei­tig­kei­ten in­ner­halb der Be­leg­schaft zu führen und sich nach­tei­lig auf das Be­triebs­kli­ma und die Zu­sam­men­ar­beit aus­zu­wir­ken. Ei­ne Ge­fahr der Po­la­ri­sie­rung der Be­leg­schaft be­steht bei Äußerun­gen all­ge­mein­po­li­ti­scher Art oh­ne Be­zug zu ei­ner be­stimm­ten po­li­ti­schen Par­tei nicht in glei­cher Wei­se.
cc) Hier­nach verstößt al­lein der an die Mit­ar­bei­ter ge­rich­te­te Auf­ruf des
Be­triebs­rats, sich an ei­ner be­vor­ste­hen­den po­li­ti­schen Ab­stim­mung oder Wahl zu be­tei­li­gen, nicht ge­gen das Ver­bot par­tei­po­li­ti­scher Betäti­gung. Mit ei­nem sol­chen Auf­ruf tritt der Be­triebs­rat we­der für noch ge­gen ei­ne po­li­ti­sche Par­tei, Grup­pie­rung oder Rich­tung ein.
Bea Will­ms
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References: § 74
 § 74
 § 253
 Art. 9
 Art. 9
 § 74
 § 253
 § 253
 § 253
 § 74
 § 74
 § 23
 § 74
 § 23
 § 74
 § 74
 § 74
 § 74
 § 74
 § 862
 § 1004
 § 74
 § 74
 § 23
 § 23
 § 23
 § 23
 § 23
 § 23
 § 23
 § 23
 § 23
 § 74
 § 23
 § 256
 § 23
 § 74
 § 256
 § 256
 § 77
 § 256
 § 74
 § 74
 § 74
 § 74
 Art. 21
 § 74
 Art. 5
 § 75
 § 118
 § 74
 Art. 5
 Art. 5
 § 74
 § 74
 Art. 5
 § 611
 § 611
 § 74
 § 74
 § 74
 § 74