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Timestamp: 2020-07-10 06:00:27+00:00

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Abtretung von Darlehensforderungen einer Bank an eine Nichtbank | Rechtslupe
Die Abtre­tung von Dar­le­hens­for­de­run­gen an eine Nicht­bank ist nicht wegen Ver­sto­ßes gegen § 32 Abs. 1 Satz 1 KWG gemäß § 134 BGB nich­tig [1].
Der­ar­ti­ge Abtre­tungs­ver­trä­ge zwi­schen Bank und einer Nicht­bank sind nicht nach § 134 BGB nich­tig, weil es sich bei dem Abschluss sol­cher Ver­trä­ge um ein Kre­dit­ge­schäft i.S.d. § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 KWG han­de­le und die Neugläu­bi­ger daher der Erlaub­nis der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht nach § 32 KWG bedurft hät­ten.
Die Fra­ge, ob die Aus­glie­de­rung eines Kre­dit­port­fo­li­os nach dem Umwand­lungs­ge­setz auf eine eigens dafür errich­te­te Gesell­schaft, wie hier im Ver­hält­nis zwi­schen der T. AG und der G. GmbH, oder der Ver­kauf und die Abtre­tung von Dar­le­hens­for­de­run­gen, wie hier im Ver­hält­nis zwi­schen der G. GmbH und der Y. Ltd. bzw. zwi­schen der Y. Ltd. und der Beklag­ten, ein Kre­dit­ge­schäft i.S.d. § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 KWG dar­stellt [2] oder dies erst bei Aus­rei­chung neu­er Kre­dit­mit­tel oder der Pro­lon­ga­ti­on der bestehen­den Dar­le­hens­ver­ein­ba­rung oder einer Umschul­dung der Fall ist [3], bedarf kei­ner Ent­schei­dung. Denn ein Ver­stoß gegen § 32 Abs. 1 Satz 1 KWG wür­de die Wirk­sam­keit der Abtre­tungs­ver­trä­ge nicht berüh­ren.
Nach § 134 BGB ist ein Rechts­ge­schäft, das gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot ver­stößt, nich­tig, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein ande­res ergibt. Die­ser Aus­nah­me­fall wäre hier gege­ben, weil nicht die For­de­rungs­über­tra­gungs­ge­schäf­te ihrem Inhalt nach, son­dern nur der ohne die Erlaub­nis zum Betrieb von der­ar­ti­gen Geschäf­ten sei­tens der Zes­sio­na­re erfolg­te Abschluss der Über­tra­gungs­ver­trä­ge gegen das Gesetz ver­sto­ßen wür­den.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs führt das Erfor­der­nis der Erlaub­nis für das Betrei­ben von Kre­dit­ge­schäf­ten nicht zur Nich­tig­keit der ohne Erlaub­nis abge­schlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trä­ge [4]. Dies folgt bereits dar­aus, dass sich das Ver­bot – anders als nach § 134 BGB grund­sätz­lich erfor­der­lich – nicht gegen bei­de Ver­trags­par­tei­en, son­dern nur gegen eine Par­tei, näm­lich gegen die Nicht­bank, rich­tet und dem­entspre­chend die Straf­bar­keit, die sich aus § 54 Abs. 1 Nr. 2 KWG ergibt, nur auf Sei­ten einer Par­tei bestimmt ist. Zudem han­delt es sich bei der Erlaub­nis­pflicht um eine gewer­be­po­li­zei­li­che Vor­schrift, bei der sich das in der Erlaub­nis­pflicht lie­gen­de Ver­bot von Bank­ge­schäf­ten ohne Erlaub­nis nicht gegen die recht­li­che Wir­kung die­ser Geschäf­te rich­tet, son­dern die öffent­li­che Ord­nung stüt­zen soll [5]. Die Wirk­sam­keit des Dar­le­hens­ver­tra­ges wider­strei­tet auch nicht den Inter­es­sen des Ver­trags­part­ners, weil die­ser nur dann die Dar­le­hensva­lu­ta behal­ten darf.
Für die Aus­glie­de­rung von Dar­le­hens­ver­trä­gen oder die Abtre­tung von Dar­le­hens­for­de­run­gen kann nichts ande­res gel­ten. Wenn das Feh­len der nach § 32 Abs. 1 Satz 1 KWG erfor­der­li­chen Erlaub­nis die zivil­recht­li­che Wirk­sam­keit von Dar­le­hens­ver­trä­gen unbe­rührt lässt, kann dies in Bezug auf Aus­glie­de­run­gen oder Abtre­tungs­ver­trä­ge nicht anders sein. Denn hier­durch wer­den die Ver­trags­be­din­gun­gen nicht geän­dert und blei­ben dem Schuld­ner gemäß §§ 404 ff. BGB alle Ein­wen­dun­gen erhal­ten. Das Inter­es­se des Schuld­ners an dem Erhalt sei­nes ursprüng­li­chen Ver­trags­part­ners bzw. For­de­rungs­in­ha­bers wird in die­sen Fäl­len vom Gesetz nicht geschützt, weil weder die Aus­glie­de­rung nach den Vor­schrif­ten des Umwand­lungs­ge­set­zes noch die Abtre­tung nach §§ 398 ff. BGB zu ihrer Wirk­sam­keit – anders als etwa die Ver­trags­über­nah­me nach §§ 414 ff. BGB – der Zustim­mung des Schuld­ners bedür­fen.
Für den Bun­des­ge­richts­hof besteht kein Anlass, von die­sen Grund­sät­zen im vor­lie­gen­den Fall abzu­ge­hen. Die Abtre­tungs­emp­fän­ge­rin unter­liegt als in Lon­don ansäs­si­ges Unter­neh­men nicht den Auf­sichts­be­fug­nis­sen der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht nach § 37 KWG. Dies ist indes kein Grund, dem Abtre­tungs­ver­trag die zivil­recht­li­che Wirk­sam­keit zu ver­sa­gen. Denn nach dem For­de­rungs­kauf­ver­trag sind die Dar­le­hens­for­de­run­gen sogleich, d.h. inner­halb einer logi­schen Sekun­de, an die Beklag­te wei­ter­über­tra­gen wor­den, die ihren Sitz in Deutsch­land hat und damit den Auf­sichts­be­fug­nis­sen der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht unter­fällt. Die Abtre­tungs­emp­fän­ge­rin hat daher zu kei­nem Zeit­punkt die gegen die Klä­ge­rin bestehen­den Dar­le­hens­for­de­run­gen tat­säch­lich beses­sen oder aktiv ver­wal­tet. Jeden­falls in einer sol­chen Fall­ge­stal­tung spricht nichts dafür, den Abtre­tungs­ver­trag wegen eines ver­meint­li­chen Ver­sto­ßes gegen § 32 Abs. 1 Satz 1 KWG gemäß § 134 BGB für nich­tig zu hal­ten. Auf­grund des­sen kann offen­blei­ben, ob nicht auch die Abtre­tungs­emp­fän­ge­rin den Auf­sichts­be­fug­nis­sen der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht unter­liegt [6] und ob es dar­auf im Rah­men der Nich­tig­keits­prü­fung nach § 134 BGB über­haupt ankom­men kann.
Eine Unwirk­sam­keit der Abtre­tung der Dar­le­hens­for­de­run­gen und der Grund­schuld ergibt sich auch nicht aus ande­ren Grün­den.
Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits [7] ent­schie­den und im Ein­zel­nen begrün­det hat, steht der Wirk­sam­keit der Abtre­tung weder das Bank­ge­heim­nis noch das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz ent­ge­gen. Eben­so ist eine Nich­tig­keit der Abtre­tung gemäß § 134 BGB i.V. mit § 203 StGB zu ver­nei­nen, weil das Straf­ge­setz­buch für die Ver­let­zung des Bank­ge­heim­nis­ses durch Vor­stands­mit­glie­der, Geschäfts­füh­rer oder Ange­stell­te einer Akti­en­ge­sell­schaft, einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung oder einer eng­li­schen Limi­ted kei­ne Sank­ti­on vor­sieht [8].
Schließ­lich ist die Abtre­tung der Dar­le­hens­for­de­run­gen auch nicht wegen einer Ver­än­de­rung ihres Inhalts nach § 399 Fall 1 BGB unwirk­sam. Nach den Fest­stel­lun­gen war mit den Abtre­tun­gen kei­ne Inhalts­än­de­rung der Dar­le­hens­for­de­run­gen ver­bun­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. April 2011 – XI ZR 256/​10
Fort­füh­rung von BGHZ 171, 180[↩]
so etwa Hofmann/​Wal­ter, WM 2004, 1566, 1569; Nob­be, ZIP 2008, 97, 99; Thee­wen, WM 2004, 105, 112[↩]
so etwa Schä­fer in Boos/­Fi­scher/­Schul­te-Matt­ler, KWG, 3. Aufl., § 1 Rn. 46; Brogl in Reischauer/​Kleinhans, KWG, Stand: März 2011, § 1 Rn. 61; Schwen­ni­cke in Schwennicke/​Auerbach, KWG, § 1 Rn. 36; Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht, Merk­blatt vom 08.01.2009 – Hin­wei­se zum Tat­be­stand des Kre­dit­ge­schäfts, unter 1 a bb (4) [↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 14.07.1966 – III ZR 240/​64, WM 1966, 1101, 1102, vom 21.04.1972 – V ZR 52/​70, WM 1972, 853; und vom 23.01.1980 – VIII ZR 91/​79, BGHZ 76, 119, 126 f.; fer­ner BGH, Urtei­le vom 13.07.1978 – III ZR 178/​76, WM 1978, 1268, 1269 und vom 23.01.1997 – IX ZR 297/​95, WM 1997, 656, 658 für Garan­tie­ge­schäf­te i.S.d. § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 KWG; BGH, Urteil vom 05.10.1989 – III ZR 34/​88, WM 1990, 54, 55 für eine Dar­le­hens­ver­ein­ba­rung, die gegen ein nach § 46 Abs. 1 KWG ange­ord­ne­tes Kre­dit­ge­wäh­rungs­ver­bot ver­stößt[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 21.04.1972 – V ZR 52/​70, WM 1972, 853 mwN[↩]
vgl. Fischer in Boos/­Fi­scher/­Schul­te-Matt­ler, KWG, 03. Aufl., § 32 Rn. 6 ff.; Schwen­ni­cke in Schwennicke/​Auerbach, KWG, § 32 Rn. 7 ff.[↩]
BGH, Urteil vom 27.02.2007 – XI ZR 195/​05, BGHZ 171, 180 Rn. 12 ff.[↩]
vgl. BGH, aaO, Rn. 22[↩]
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References: § 32
 § 134
 § 134
 § 1
 § 32
 § 1
 § 32
 § 134
 § 134
 § 54
 § 32
 § 37
 § 32
 § 134
 § 134
 § 134
 § 203
 § 399
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 46
 § 32
 § 32
 § 32
 § 134
 § 32
 § 1