Source: http://www.piratenpartei-nrw.de/2015/01/13/leere-versprechungen-hartz-iv-und-die-folgen-meine-hartz-iv-karriere/
Timestamp: 2016-06-01 03:29:13+00:00

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Startseite / #Leere Versprechungen – Hartz IV und die Folgen – Meine „Hartz-IV-Karriere“!	#Leere Versprechungen – Hartz IV und die Folgen – Meine „Hartz-IV-Karriere“!
Felix Coeln ist seit rund 30 Jahren bürgerschaftlich engagiert z. B. in der Emanzipationsarbeit, Namensgeber des SchuLZ (Sch-wulen u-nd L-esben Z-entrum, Köln, 1985 – 2003), seit 2005 Grundeinkommensaktivist. Seit 2010 Vorstandsmitglied der Kölner Initiative Grundeinkommen e. V., im europäischen Raum mit Vorträgen u. a. zum BGE unterwegs.
Organisator und Moderator von Veranstaltungen wie:
– Kurzfachtagung: Grundeinkommen zur Bundestagswahl 2013 (12. Nov. 2011)
– Landestagung Grundeinkommen NRW (11. + 12. Mai 2012)
– MGS on Tour (9. + 10. Nov. 2012)
– Mitglied des Bürgerausschusses der Europäischen Bürgerinitiative zum BGE
– II. Landestagung Grundeinkommen NRW (24. + 25. Mai 2013)
#Leere Versprechungen – Hartz IV und die Folgen – Teil 12 – Meine „Hartz-IV-Karriere“!
Meine „Hartz-IV-Karriere“ geht sehr lange zurück, bis in meine Kindheit. Meine alleinerziehende Mutter war nach der Scheidung eine Zeit lang im Sozialhilfebezug. Sie kam aber bei einem ansässigen Autokonzern als Küchenhilfe unter. In den 70ern war das noch relativ einfach.
Ich selbst bin hochbegabt und habe keine innere Stabilität aus mir selbst heraus herstellen können, sodass ich nach einer serpentinenartigen Laufbahn in der Schule ohne Berufsabschluss ins Erwachsenenalter einstieg. Denn zusätzlich dazu, dass ich ohne Vater aufgewachsen bin, bin ich de facto auch ohne Mutter aufgewachsen, weil sie zusätzlich zu ihrer regulären Arbeit noch in einem Kiosk tätig war und anschließend noch putzen ging.
Mit 12 Jahren habe ich meine erste eigene bezahlte Arbeit in einem anderen Kiosk und mit Zeitungen ausfahren begonnen. Trotzdem war mein bisheriges Leben fast durchgängig von relativer Armut geprägt – mit allen Nachteilen, insbesondere sozialer Ausgrenzung.
Mit 31 machte ich mich selbstständig. Ich gab Computerkurse für Senioren. Dazu sagte mal jemand: „Ach, das ist ja ehrenamtlich.“
Das habe ich zwar 12 Jahre gemacht, aber meine Einkünfte waren so gering, dass ich 2006 aufstocken musste. Ein erheblicher Unterschied zu der Zeit, als ich in der Vergangenheit auch selbst Sozialhilfe bezog. Ich habe sogar über die Jahre drei mal Räumungen und Zeiten ohne festen Wohnsitz kennenlernen dürfen.
In der Ökonomie spricht man von Depression als schlimmsten Zustand einer Wirtschaft. Ich selbst kann mittlerweile auf rund 30 Jahre Depression zurückschauen. Mich hat aber schon häufig gewundert, wieso niemand einen Zusammenhang herstellt zwischen wirtschaftlicher und psychischer Depression. Für mich ist er eindeutig klar.
Nicht nur verweist Dr. Anna Reid , Präsidentin der Canadian Medical Association darauf, dass Armut mit großen gesundheitlichen Einschränkungen einhergeht, sondern Armut geht auch mit persönlicher Isolation einher. Zum Beispiel auch dadurch, dass nicht einmal genug Geld für die Nutzung des ÖPNV vorgesehen ist (€ 25,14 Regelsatz für Mobilität, während eine Monatskarte bei den Kölner Verkehrsbetrieben € 33,90 kostet (Stand: April 2013)). Wie das machbar sein soll, hat mir noch niemand erklärt – na ja, ich kann ja die „Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen“ einsetzen.
Soziale Kontakte werden ohnehin völlig überbewertet!
Oder man wird kriminalisiert, wenn man dennoch die Infrastruktur nutzt – „Leistungserschleichung“ – obwohl diese doch eine gesellschaftliche Gesamtleistung ist und umgekehrt auch allen zur Verfügung stehen sollte. Etwa über eine Umlagenfinanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), wie es die Piraten fordern und als Teilaspekt des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). In meiner Selbstständigkeit habe ich ebenfalls Kurse für Jugendliche gegeben. Viele dieser Jugendlichen in prekären Verhältnissen haben schlechtere Zugangsvoraussetzungen zu den Neuen Medien als ihre Altersgenossen. Man spricht von „digitaler Spaltung“ der Gesellschaft. Auch in meiner Partei hat diese Frage eine bedeutsame Wirkung.
Nicht nur, dass ich mich immer wieder in den genannten Problemen wieder finde, ich muss mir auch noch von Mitgliedern vorwerfen lassen, dass ich nichts tue, es aber wage, Forderungen zu stellen.
Für mich ist mumble immer wieder ein Abenteuer – nicht weil ich das Know How nicht besitze, sondern die Hardware bei mir schrottig ist. Das Gleiche gilt für Beo oder Twitter ohne Mobildevice.
Auch bei uns Piraten sitzt der Gedanke tief, dass Leistungsberechtigte bescheiden und unterwürfig auftreten sollten – schließlich leisten sie nichts, was ihnen das Recht gäbe unverschämt zu sein (wem fällt auf, welch seltsamer Twist hier wirksam ist? „Leistungsträger“ dürfen unverschämt sein? Das Untertanendenken ist lebendig wie eh und je …). 2008 habe ich meine Selbstständigkeit beendet, bin seither im Dauerbezug und habe über die 8 Jahre unendliche Kämpfe mit der Behörde ausgefochten. Obwohl ich in den letzten 3 Jahren oft schon nach der zweiten Woche im Monat – manchmal gar nach er ersten kein Geld mehr habe (und das bedeutet, auch nichts zum Essen zu haben – ein Umstand, den Sarrazin, Henkel und Alt in ihren Traktaten unberücksichtigt ließen, dass man ohne Weiteres mit dem Alg II Satz leben könne – man kann! Aber mit zunehmender Zeit wird die Grundsituation immer angespannter …). Ich bin als „Mitläufer“ unterwegs, mache seit mehr als 30 Jahren ehrenamtliche Arbeit und engagiere mich für die, die noch schwächer sind als ich. Gebe Menschen mein Sofa als Schlafplatz, die keine Unterkunft haben und vieles mehr.
Besonders setze ich mich mit meiner ganzen Kraft für das BGE ein. Bin im Vorstand einer lokalen Initiative und Fachbeauftragter der Arbeitsgemeinschaft BGE.
Tatsächlich lebe ich so, als gäbe es das BGE schon. Wohl bin ich weit entfernt von soziokultureller Teilhabe, von gesellschaftlicher Anerkennung, davon, einbezogen zu sein.
Mein Überlebensprinzip lautet kämpferisch bleiben. Kämpferisch für das BGE, kämpferisch für gegenseitige Unterstützung, kämpferisch gegen Ausgrenzung und soziale Kälte. Jedoch nicht selten schwinden meine Kräfte, und ich versinke in Isolation und Depression und Apathie (IDA).
Aber wenn meine Kräfte stark sind, dann schaffe ich es sogar, meine Vorträge bis ins außereuropäische Ausland auszuweiten. Ich lebe, als gäbe es das BGE bereits. Ende Februar reise ich sogar nach New York zum NABIG-Kongress und halte einen Vortrag zur Piratenpartei als einziger Partei in den deutschen Parlamenten, die das BGE im Grundsatzprogramm haben: ResET!
Diese Partei steht für mich für Teilhabe, Inklusion und Pluralismus (TIP) und ich finde, wir sollten alle genau diese Prinzipien offensiv propagieren.	Autor: wako Kategorie: Gastbeitrag, Hartz4, Sozialpolitik, Startseite, Topthema. Tags: Hartz IV, politik, Sozialpolitik. Permalink für diesen Beitrag. ◀ #Leere Versprechungen – Hartz IV und die Folgen – Hartz4 – die andere SeiteGute Gespräche beim Vernetzungstreffen in Dortmund ▶	Kommentare
2 Kommentare zu #Leere Versprechungen – Hartz IV und die Folgen – Meine „Hartz-IV-Karriere“! Schollsky schrieb am 13. Januar 2015 um 20:44 Folgendes: Inklusion ist, wenn aus der Idee, dass eine Gesellschaft mit ihren schwächsten Mitgliedern solidarisch sein soll, gelebte Politik wird. Wir brauchen das! Die Starken können eh für sich selber sorgen. Aber auch sie sind als Klientel in der CDU gut organisiert.
Mich hat kürzlich ein Spiegel-Artikel überrascht, dass es Pläne gibt, kurzfristige Geldgeschenke durch die EZB an die Bürger zu lancieren. Wir müssen mit dem BGE als nachhaltiger Alternative dagegen halten – Schecks von der EZB alleine können nur die Inflation befeuern.
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