Source: http://klartexthund.blogspot.com/2011/04/
Timestamp: 2017-04-25 12:28:41+00:00

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Klartext Hund: April 2011
Ich möchte nocheinmal darauf hinweisen, dass anonyme Kommentare nicht veröffentlicht werden. Ich denke, dass es möglich sein sollte, seine Identität zu nennen, wenn man seine Meinung sagen möchte. Ferner muss in den Kommentaren die Sachlichkeit gewahrt werden. Vielen Dank!
Der Hundeflüsterer - Hund und Katze mit Elektroschocker vergesellschaften?
Vergesellschaftung von Hund und Katze
Wie man einen Hund und eine Katze NICHT vergesellschaften solle, wird im unten angehängten Video gezeigt. Der „Hundeflüsterer“ Cesar Millan trägt versteckt in seiner Hand das Auslösegerät und verpasst dem Hund sehr häufig Elektroschocks – oft auch komplett ohne Zusammenhang oder eines direkt in Richtung der Katze gerichteten Verhaltens des Hundes. Millan möchte den Hund anscheinend einschüchtern und verunsichern, was ihm auch gelingt. Immer wenn er das Elektroschockgerät betätigt, stößt er einen „Schschsch-Laut“ aus. So möchte er dem Zuschauer vermitteln, dass allein er als Person mit seiner Lautgebung den Hund beeinflusst. Dass gleichzeitig mit dem Zischen ein schmerzhafter Stromschlag beim Hund ankommt, wird dem Zuschauer verheimlicht. Nun gut – oder besser schlecht. Der Hund wird jetzt mit der Katze vergesellschaftet, indem der „Hundeflüsterer“ dem Hund negative Erfahrungen beschert, wenn dieser auch nur in Richtung Katze schaut. Trauriges, ja fast schon perverses Ergebnis dieser Tortour für den Hund ist, dass er am Ende des Videos panische Angst vor der Katze hat – er ein sehr hohes Stresslevel erreicht. Um das zu sehen braucht man nicht einmal ein „Experte“ zu sein – jeder halbwegs normale Mensch kann die Panik des Hundes beim Anblick der Katze förmlich greifen. Der Hund möchte nur irgendwie weg, weg von dem Ort, weg von der Katze, weg von dem Hundeflüsterer – der das ja alles angeblich mit Zischerei erreicht hat…
Qual für Hund und Katze
Vergessen sollte man an dieser Stelle auch die Katze nicht. Dieses „Training“ ist natürlich auch für die Katze beängstigend, weil die Konfrontation mit dem Hund, und keine Möglichkeit zur Flucht, auch bei ihr psychologische Traumata hervorrufen kann.
Aber schlimmer noch ist die seelische Qual für den Hund. Durch die Verknüpfung, die durch diese Behandlung in seinem Gehirn entstanden ist, verbindet er Katzen mit Schmerz. So etwas führt oft soweit, dass der Hund schon Schmerz empfindet, wenn er nur eine Katze sieht…
Und so will dieser Flüstermensch ein friedliches Zusammenleben von dem Hund und der Katze erreichen? Klar, erst einmal geht der Hund der Katze aus purer Angst aus dem Weg. Aber wenn er mit der Katze in einem Raum sein muss, ist er die ganze Zeit unter Stress, er lebt nicht friedlich mit ihr zusammen. Und, so ein Dauerstress kann zu einer bösen Aggressionsexplosion führen. Nicht weil der Hund „böse“ ist, sondern weil er von Menschen vollkommen grausam behandelt wurde.
Eine Frage, die beim Anschauen dieses Videos noch bleibt, ist die, ob man einen Hund unbedingt mit einer Katze sozialisieren muss. Nur weil ein Mensch mit den zwei Tierarten unter einem Dach leben möchte, muss man das den Tieren doch nicht antun, wenn Sie Probleme mit der anderen Art haben. Nur damit der Mensch seinen Willen bekommt, werden die Tiere verängstigt und gequält – für mich eigentlich unfassbar. Natürlich kann und darf man versuchen, Hunde und Katzen zu vergesellschaften – und nach meinen persönlichen Erfahrung klappt das meist besser als man denkt. Wenn man dies mit Ruhe und Besonnenheit versucht. Wenn es aber nicht geht, geht es eben nicht. Punkt. Hund und Katze so zusammenzubringen, wie in diesem Beispiel, halte ich persönlich schon für moralisch bedenklich...
Doch sehen sie selbst: Anmerkung zu Kommentaren:
Kommentare sind ein wichtiger Bestandteil der
Kommunikation und der Diskussion, besonders bei kontroversen Themen. Allerdings
sind wir der Meinung, dass jeder, der einen Kommentar schreibt, auch dazu
stehen sollte, seinen Namen offen nennen und sich nicht hinter einer
vermeintlichen Internetanonymität verstecken sollte. Darum können wir nur
Kommentare zulassen, bei der jeder Verfasser seine Identität offenlegt. Name,
Adresse und eine Emailadresse, die bestätigt werden muss, müssen unter jedem
Kommentar angefügt werden.
Ferner müssen wir darauf hinweisen, dass jegliche
Worte und Formulierungen, die als Beleidigung, egal in welche Richtung,
verstanden werden können, nicht in Kommentaren vorkommen dürfen. (z. B. „Tierquäler“
Es ist immer wieder interessant, welche Weisheiten und Gerüchte unter Hundehaltern seit ewigen Zeiten die Runde machen. Sehr hartnäckig behaupten viele Hundebesitzer bei Begegnungen mit Hunden, die sich nicht kennen, dass die Hunde dass schon untereinander regeln und nur klarstellen wollen, wer von den beiden der „Boss“ ist. Mir persönlich fällt dabei auf, dass Leute die so etwas behaupten häufig Halter von großen, kräftigen Hunden sind. Ein Chihuahua - Besitzer hält sich mit diesen Worten meist etwas bedeckter. Dafür nimmt dieser seinen Hund gerne mal bei einer Hundebegegnung auf den Arm, was aber auch nicht wirklich eine Lösung ist.Nun gut, zurück zu den Haltern von kräftigen Hunden, die „alles unter sich regeln“. Diese Halter haben vollkommen recht! Letztendlich lösen Hunde alle Probleme unter sich. Wenn diese Hunde aber keine „diplomatische“ Lösung finden, kann es auch schon einmal zu einer Problemlösung kommen, die endgültig ist. Dann ist nicht einer der Hunde der Boss, dann ist einer nicht mehr da!Aber bitte, liebe Hundehalter, keine Panik, es ist nur eine Möglichkeit wie eine Hundebegegnung im schlimmsten Fall ablaufen könnte, in den meisten Fällen begegnen sich Hunde durchaus freundlich, aber man kann eben nicht die Behauptung aufstellen, dass Hunde alles friedlich unter sich regeln.Hunde, die ihre Wurzeln in wildlebenden Raubtieren haben, sind eigentlich darauf bedacht ohne großen Streit und Kämpfe durchs Leben zu gehen. Ein Kampf kann zu Verletzungen führen und diese können ein Tier so stark behindern, dass die Jagd, die Futterbeschaffung unmöglich würde und somit die Existenz bedroht wäre. Dass versuchen Hunde so gut es geht zu vermeiden. Allerdings ist auch das Revier sehr wichtig, wenn zu viele Artgenossen im Revier leben gäbe es zuwenig Beutetiere und die Existenz wäre wieder bedroht. Daher ist das Revier etwas sehr wichtiges, was auch verteidigt wird. Meist geschieht dies aber über Körpersprache und optische Demonstration von Stärke. Treffen in der freien Wildbahn z. B. fünf Wildhunde oder Wölfe auf einen fremden Artgenossen, wird der Fremde freiwillig den Rückzug antreten und den anderen über Körpersprache mitteilen, dass er keine Ansprüche auf das Revier erhebt. Vernünftiges, logisches Verhalten, der Fremde wird nicht getötet und kann das Revier verlassen. Die Tiere haben es unter sich geregelt. Aber wenn der einzelne sich jetzt falsch verhalten hätte und vor der stärkeren Gruppe den „starken Max“ gegeben hätte, dann hätte die Gruppe ihn als zusätzlichen Fresser im Revier auch komplett ausschalten können…Jetzt ist der Haushund seit vielen Jahrtausenden vom Menschen zum Haustier geformt worden und sieht diese Revier und Nahrungsgeschichten nicht mehr so eng wie z. B. ein Wolf. Zudem sind viele Hunde durch Zuchtauswahl und Anpassung an den menschlichen Lebensraum in ihrer natürlichen Kommunikation eingeschränkt und weitere, ursprüngliche Eigenschaften weniger stark ausgeprägt. Aber man darf nie vergessen, dass die Logik des Reviersystems immer noch im Hund steckt und Teil seines Erbes als Raubtier ist. Darum ist die Begegnung mit einem fremden Hund immer die Begegnung mit einem, der ins eigene Revier eindringt – oder man dringt in dessen Revier ein. Bei der Begegnung kommt es jetzt darauf an, wie sich die einzelnen Hunde verhalten oder aufgrund ihrer Erziehung und Optik verhalten können. Sagt einer in verständlicher „Hundesprache“, dass ist mein Gebiet, ich werde dich nicht angreifen, wenn du sagst, dass du keine Ansprüche stellst – und sich der andere entsprechend demütig verhält, dann wird es vermutlich keinen Streit geben. Wie gesagt, dass Raubtier Hund ist darauf bedacht, Verletzungen zu vermeiden. Und die meisten Hunde können Kräfteverhältnisse auch gut einschätzen und meist gibt einer nach. Auf den Arm genommene Chihuahuas überschätzen sich allerdings auch gern mal…Gibt allerdings keiner der Hunde nach und jeder beharrt auf seinem Besitzanspruch des Reviers, dann kann es zum Kampf kommen, der auch ernst gemeint ist. Spätestens dann sollte man eingreifen, seine eigene Sicherheit allerdings immer beachtend. Was in der Situation gar nicht hilft, ist eine Floskel wie „aber man sagt doch, dass Hunde alles unter sich regeln…“
Es gibt Hunde, die im Menschen das Gute sehen.Es gibt Menschen die sagen, dass Hund böse werden,wenn man ihnen nicht ständig zeigt, wer der Boss ist.Es gibt Realitäten die zeigen, dass sich beide irren…
Die Erziehung eines Hundes über Schmerz und Gewalt kann gravierende Auswirkungen auf das Verhalten und die Lebensqualität des Hundes haben, sowie rechtliche Konsequenzen für den Hundehalter bzw. Hundeausbilder, nach sich ziehen. Diese Konsequenzen möchte ich hier, in kompakter Form, aufzeigen. Unter Punkt 1 die möglichen Auswirkungen auf das Verhalten und die Psyche des Hundes. Punkt 2 wird Ihnen eine Auswahl an Hilfsmitteln und Methoden darstellen, die Schmerz und Leid für Hunde bedeuten und somit in Deutschland verboten sind. Im 3. Punkt werden die rechtlichen Aspekte erläutert. Punkt 1 – Auswirkungen auf das HundeverhaltenSchmerz wird im Säugetiergehirn in einem Gehirnbereich verarbeitet, der Amygdala genannt wird. Dieser Teil des Gehirns steuert ebenfalls die Aggression. Schmerz und Aggression liegen also nah beieinander und bedingen sich gegenseitig. Das hat den evolutionären Grund, dass sich Säugetiere, die Schmerzen empfinden, die ggf. durch den Angriff eines anderen Lebewesens hervorgerufen werden, verteidigen können. Und dies mit der notwendigen Aggressivität. Fügt man einem Hund also Schmerzen zu, wird dieser Reiz sämtliche Schutzmechanismen des Individuums aktivieren - auch die Bereitschaft zu aggressivem Verhalten, zur Selbsterhaltung. Dem Reiz „Schmerz“ folgt also die Motivation (der Trieb) zur Selbsterhaltung. Unterdrückt ein Mensch jetzt durch noch mehr Schmerz und Unterdrückung diesen Trieb, kann dies zu einer Frustration führen, weil der Trieb auf den Reiz nicht ausgelebt werden kann. Aufgestaute Frustrationen können dann zu Aggressionen führen – die sich auch plötzlich entladen. „Der hat aus heiterem Himmel zugebissen“, sind die Worte, die man immer wieder hört. Forscht man dann etwas weiter, erfährt man häufig, dass solche „plötzlichen Beißer“ mit Stachelhalsbändern und ähnlichem geführt wurden…Diese aufgestaute Frustration hat übrigens nichts mit einem „Triebstau“ zu tun – den gibt es nämlich nicht. Um einen Trieb/eine Motivation zu „aktivieren“ bedarf es immer eines auslösenden Reizes. Erst wenn der Trieb ausgelöst wurde, kann Frustration aufkommen, wenn er dann unterdrückt wird. Wird ein Trieb erst gar nicht durch einen Reiz ausgelöst, kann er sich auch nicht aufstauen. Durch die Anwendung von Schmerzverursachenden Hilfsmitteln in der Hundeerziehung erreicht man daher vielleicht „Erfolge“, dass der Hund unterdrückt wird und aus Angst vor negativen Konsequenzen „funktioniert“. Aufgestaute Frustration, die Verarbeitung von Schmerz und die Bildung von Aggression in direktem Zusammenhang im gleichen Gehirnareal, können einen Hund allerdings zu einer Zeitbombe machen, die unkontrolliert mit starker Aggression explodiert. Jemand, der seinen Hund also mit schmerzverursachenden Hilfsmitteln oder Methoden ausbildet, handelt nicht nur moralisch, dem Lebewesen Hund gegenüber, sehr fragwürdig. Es besteht durch diese Art der Hundeerziehung auch eine reale Gefahr für das Wohl der Mitmenschen.
Punkt 2 – Schmerzverursachende Hilfsmittel...…sind das Stachelhalsband, das Elektroreizgerät („Teletakt“), Würgehalsbänder, aber auch Erfindungen der neueren Zeit wie so genannte „Erziehungsgeschirre“, die mit dünnen Riemen unter den Achseln der Hunde Arterien und Nerven einklemmen, oder „Gentle Leader“, Kopfhalfter, die mit starkem Druck auf den Hinterkopf und die Schnauze geradezu Foltermittel sind. Man kann sich merken, dass jedes Hilfsmittel, welches eine mechanische Funktion hat, nur über Schmerz funktioniert.Keine speziellen Hilfsmittel, aber doch schmerzverursachende Methoden in der Hundeerzeihung sind z. B. der Leinenruck (von einigen „Hundetrainern“ heute auch harmloser Leinenimpuls oder Leinenkorrektur genannt) und natürlich jede Form von Schlägen etc.
Punkt 3 – Rechtliche AuswirkungenNach den Vorgaben des Tierschutzgesetzes (TierSchG) ist der Einsatz von mit Schmerzen verbundenen Erziehungsmethoden oder -mitteln untersagt. So ist es gemäß § 3 Nr. 5 TierSchG verboten, ein Tier auszubilden oder zu trainieren, sofern damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind. Ferner ist es nach § 3 Nr. 11 TierSchG verboten, ein Gerät zu verwenden, das durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine Bewegung, erheblich einschränkt oder es zur Bewegung zwingt und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, soweit dies nicht nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften zulässig ist. Danach ist die Verwendung von Stachel- und Würgehalsbändern als Disziplinierungsmittel ebenso unzulässig (vgl. Kluge-Ort/Reckewell, Tierschutzgesetz, § 3 Rn 51) wie der Einsatz von Elektroreizgeräten, wobei es bei letzteren nichtmals auf die konkrete Verwendung eines solchen Geräts im Einzelfall, sondern nur darauf ankommt, ob es von seiner Bauart und Funktionsweise her (abstrakt) geeignet ist, dem Tier nicht unerhebliche Schmerzen zuzufügen (BVerwG, NJW 2006, 2134). Sogar die Verwendung von Attrappen dieser Elektroreizgeräte ist verboten, falls bei dem Tier zuvor ein echtes Gerät eingesetzt wurde (Lortz/Metzger, Tierschutzgesetz, § 3 Rn 41 mwN). Wirksame bundes- oder landesrechtliche Ausnahmen von diesen zwingenden gesetzlichen Vorgaben gibt es nicht, so dass jedwede Hundeausbildung verboten ist, die zu erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden beim Tier führt. Verstöße gegen die vorgenannten Vorschriften können gem. § 18 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 4 TierSchG mit Geldbußen bis zu 25.000,00 EUR geahndet werden. Darüber hinaus können die für den Vollzug des TierSchG zuständigen Veterinärämter die Anwendung unzulässiger Ausbildungsmethoden gem. § 16a TierSchG untersagen und auch noch weitergehende Anordnungen treffen, sofern gegen eine entsprechende Verfügung verstoßen wird. Wenn Sie jemanden beobachten, der diese verbotenen Hilfsmittel und Erziehungsmethoden einsetzt, sollten Sie sich nicht scheuen, diese Fälle zur Anzeige zu bringen. Anzeigen müssen bei den zuständigen Veterinärämtern erstattet werden. Die Veterinärämter sind verpflichtet, diesen Anzeigen ordnungsgemäß nachzugehen.
Hinweis in eigener Sache:CANISUND – das neue Magazin von Thomas Riepe. Infos hier:http://www.canisund.verlag-im-moor.de/
"Hunde haben eigene Bedürfnisse und Vorstellungen vom Leben. Wenn Menschen Hunde nur halten, um ihre menschlichen Bedürfnisse und Vorstellungen zu befriedigen, sollten diese Menschen sich überlegen, ob sie als Hundehalter geeignet sind..."
Hunde sind hoch entwickelte Lebewesen, die von Natur aus in sozialen Familienverbänden leben und sich kommunikativ Untereinander gut verständigen können. Die Kommunikation untereinander wird im Welpenalter erlernt und hat Auswirkungen auf das ganze Leben des Hundes. Um die Kommunikationsfähigkeit unserer Hunde zu fördern, gibt es heute so genannte Welpengruppen oder Welpenspielstunden, die von Hundeschulen angeboten werden. Eigentlich eine gute Idee, wenn sie gut und professionell umgesetzt wird… „Da müssen sie durch“
Dazu ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine Hundehalterin rief mich an, ihr Yorkie – Welpe, 14 Wochen alt, sei völlig verängstigt und zu nichts zu gebrauchen. Bei einem Besuch fand ich dann tatsächlich einen ängstlichen Hund vor, der sich sogar hinter Schränken verkroch. Die Frau raunzte den Hund an, er solle hinter dem Schrank hervorkommen und sich mir zeigen. Als er das nicht tat, ging sie hin, zerrte ihn hervor, packte das arme Tier im Nacken und schüttelte es! Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen und sagte der Frau, sie möge dies bitte sofort unterlassen! Ich riet ihr, den Hund komplett in Ruhe zu lassen und mir erst einmal die Geschichte des Hundes zu erzählen.Und wie ich es vermutet hatte. Der Hund war der erste Hund dieser Dame. Sie wollte nichts falsch machen und meldete sich bei einer Hundeschule zur Welpengruppe an. Der Hund kam im Alter von 8 Wochen zu seiner neuen Besitzerin, eine Woche später ging es in die Welpenschule. Dort wurde er in eine Spielgruppe gesetzt, die mit 5 Hunden besetzt war. Verschiedene Rassen waren in der Gruppe zu finden, im Alter zwischen 9 Wochen und einem halben Jahr. Die Rassen waren ein Berner Sennenhundwelpe, ein Labrador als „Ältester“, zwei Dackel und ein Bordercollie und eben unser Yorkie. Der Besitzer der Hundeschule setzte den Kleinen einfach zwischen die anderen Hunde. Als dieser von den mehrheitlich wesentlich größeren Tieren teils massiv bedrängt wurde und die Besitzerin einschreiten wollte, sagte der Hundetrainer nur: „Da muss er durch, die regeln das untereinander“. Weiter gab dieser Mensch der Frau mit auf den Weg, wenn der Hund daheim „nicht hören“ würde, ihn als „Bestrafung“ im Nacken zu packen und kräftig zu schütteln…Leider werde ich immer wieder mit solchen oder ähnlichen Geschichten und Hundeschicksalen konfrontiert. Aber es macht mich wütend. Da geht die Frau in bester Absicht mit ihrem Tier zu einem „Fachmann“, und dort wird ihr alles falsch vermittelt, was man nur falsch vermitteln kann!
Gehen wir auf die einzelnen Fehler einmal genauer ein: Dazu sollten wir uns kurz vor Augen führen, wie eigentlich das soziale Leben bei Hunden von Natur aus aufgebaut ist. Gern führen Menschen an solchen Stellen den Wolf als Beispiel an, was hier nicht ganz falsch wäre, aber auf Grund der Domestikation vom Wolf zum Hund hat sich einiges beim Hund gegenüber seinem Stammvater Wolf verändert. Allerdings bei Welpen noch nicht wirklich viel – der einzige echte Unterschied zwischen Wolfswelpen und Hundewelpen ist eigentlich nur, dass junge Hunde wesentlich weniger ängstlich und scheu dem Menschen gegenüber sind. Die soziale Grundkomponente ist bei Wölfen, Hunden und auch verwilderten Hunden und Streunern eigentlich gleich. Das heißt, Welpen werden, wenn ihre Eltern sie aufziehen, sehr lange und sehr isoliert umsorgt. Das heißt z. B., dass wilde Hunde und Wölfe ihren Nachwuchs erst nach 5 – 6 Monaten auf weitere Streifzüge durch das Revier mitnehmen. Vorher kennen sie eigentlich nur ihren Geburtsort und ein bis zwei weitere Plätze. Sie wachsen behütet auf, werden aber erst mit ca. einem halben Jahr langsam in die große, weite Welt eingeführt. Sie leben mit ihren Geschwistern, die alle eine ähnliche Optik und Größe haben. Natürlich entwickeln sich unter den kleinen Geschwistern hier und da Rangordnungen und Raufereien, die aber meist mit dem Aufschrei des anderen enden. Die Jungen müssen ihre Grenzen erfahren und lernen. Wird es doch einmal zu heftig, schreiten die Eltern durchaus ein. Aber auch das ist sehr wenig brutal, meist werden die Kleinen einfach nur mit der Nase weggeschubst oder es wird der kleine Kopf andeutungsweise zwischen die großen Zähne genommen – der so genannte Schnauzgriff. Kleines Köpfchen zwischen Mutters riesigen Zähnen, das reicht zur Einschüchterung. Auf keinen Fall und niemals(!) wird ein Hund, ob Wildhund oder Haushund, seinen Welpen im Nacken schütteln, um ihn zurechtzuweisen oder zu „strafen“. Ein Hund, der dies macht, möchte den Welpen töten! Das kommt bei sehr kranken Welpen vor, oder wenn aus irgendeinem Grund ein fremder Welpe die Nahrungsgrundlagen des eigenen Nachwuchses gefährden würde. Todesangst vor fremden Hunden
Wenn man sich die letzten Zeilen durchgelesen hat, wird man von selbst darauf kommen, was der kleine Yorkie zu Anfang des Artikels mitgemacht haben muss! Er durfte nicht lange bei seiner Familie sein und wird von fremden Menschen abgeholt. Nun, das ist aber noch in Ordnung, Hunde sind in der Lage, diese Umstellung in dem Alter zu verkraften. Was dann aber ganz schwierig wird ist, das arme Tier fremden Hunden auszusetzen und dort mobben zu lassen ohne einzugreifen. Jeder kann sich doch wohl vorstellen, wie sich ein kleiner Hund, gerade 9 Wochen alt und so groß wie eine Ratte, fühlen muss, wenn er von einem fremden, sechs Monate alten Labrador überrannt wird. Ganz einfach, das Tierchen hat Todesangst!Heute wird den kleinen Tieren einfach zu viel zugemutet. Auch der jüngste Hund wird schon durch die Gegend gezerrt, in Aufzüge gesetzt, in Fußgängerzonen von Menschen bedrängt – nach dem Motto. Der muss sich ja an alles gewöhnen, sonst bekommen wir später die Probleme mit ihm. Aber diese Übertreibungen bereiten die Probleme meist erst…
Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ein junger Hund, der ein liebevolles Zuhause hat und der zu seinen Menschen aufschaut und ihnen vertraut, diesen überall hin folgt und auch unbekannte Ereignisse locker trägt, wenn er in seiner Jugend ein gewisses Selbstbewusstsein aufgebaut hat und seinem Herrchen/Frauchen vertraut. Dafür braucht man ihn keine Rolltreppe hinaufzuquälen – im Gegenteil – Ängste können sich tief einprägen. Aber, damit man mich nicht falsch versteht: Ich bin kein grundsätzlicher Gegner von Welpenspielgruppen. Nur wenn man so etwas einrichtet, muss man auch wissen, was man macht, und nicht das Gegenteil von dem erreichen, was man ursprünglich wollte. Welpengruppen können in vielen Punkten sicher hilfreich sein. Im Punkt des „hündischen Rassismus“ ganz besonders. Wird ein Hund nur unter seines Gleichen groß, kann er sicher später Probleme mit Hunden anderer Rassen haben, insbesondere, wenn diese starke optische Abweichungen haben. Allerdings ist unser Yorkie den Rest seines Lebens vermutlich nicht gut auf die Rasse Labrador zu sprechen…Wenn man also eine Welpenschule einrichtet, sollte man auf Folgendes achten: Man braucht mehrere Gruppen, praktisch „Klassen“. Innerhalb dieser Klassen müssen das Alter und die Größe ungefähr gleich sein, aber die Rassen unterschiedlich. Sagen wir, Westies mit Dackeln und Yorkies oder Schäferhunde mit Huskys etc. Man braucht also mindestens vier „Altersklassen“: 8 bis 10 Wochen; 10- 12 Wochen; 12 – 14 Wochen und 14 bis 16 Wochen. Dann muss man die noch in verschiedene Größen aufteilen – mindestens Klein, Mittel und Groß. Und die Gruppen sollten mindestens 4 Welpen beinhalten. Also, man braucht mindestens 12 Klassen mit 4 Welpen, die genau in das Schema passen – dann kann man vernünftige Welpengruppen installieren. Neben der vernünftigen Aufteilung der Gruppe ist ein weiterer Punkt sehr wichtig: Es ist in der Natur keineswegs so, dass die Welpen alles unter sich regeln. Im Gegenteil, wenn ein Gerangel zu heftig wird, greifen Eltern oder ältere Geschwister, die als „Babysitter“ abgestellt sind, durchaus ein und unterbrechen Grobheiten. Ähnlich sollte der Hundetrainer bei der Betreuung von Welpengruppen vorgehen – Grobheiten strikt unterbrechen und so erst gar kein „Mobbing“ aufkommen lassen. Es ist sogar möglich, diese Aufgabe von einem sehr gut sozialisierten, erfahrenen, erwachsenhen Hund ausführen zu lassen. Doch auch da gibt es eine Gefahr. Ein instinktiver Welpenschutz bei fremden Welpen existiert im Hundereich nicht! Heilig sind normalerweise nur die Welpen der eigenen Familie – fremde Welpen werden in der „freien Wildbahn“ gern getötet, weil sie einfach nur Nahrungskonkurrenten sind. Hat aber der Hundetrainer oder die Hundeschule einen Althund, der verlässlich ist und die Rolle des Aufpassers übernehmen kann, ist dies sicher hilfreich bei der Sozialisierung. Aber solche Hunde sind heute leider selten… Also scheitern Welpengruppen meist an der Praxis, und so werden wieder kleine Dackel mit Bernhardinern zusammengesetzt, weil man es organisatorisch nicht anders hinbekommt.

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