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Timestamp: 2017-05-23 16:39:24+00:00

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Die Beteiligung an einer Schlägerei nach § 231 StGB
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Aktualisiert am 1. Dezember 2016 (Bewertungen: 1, durchschnittlich: 5,00)
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Ob auf Volksfesten, im Stadion oder in der Kneipe: Schlägereien kommen häufig vor und oft lässt sich ihr genauer Verlauf kaum rekonstruieren. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber den Tatbestand der Beteiligung an einer Schlägerei in § 231 StGB verankert. Unser Beitrag zeigt Ihnen, was Sie bei der Prüfung dieses examensrelevanten Delikts beachten müssen. Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Strafrecht-Kurs.
Bild: “Schlägerei in Zeitlupe” von Klaus Friese. Lizenz: CC BY 2.0
Der Gesetzgeber hat die Beteiligung an einer Schlägerei unter Strafe gestellt, weil er Schlägereien an sich ein hohes Gefährdungspotential für Leib und Leben zumisst. Es handelt sich demnach um ein abstraktes Gefährdungsdelikt [Kindhäuser, StrafR BT I, § 11 Rn. 1].
Die Anforderungen des objektiven Tatbestandes
Der objektive Tatbestand verlangt, dass sich der Täter an einer Schlägerei oder an einem von mehreren verübten Angriff beteiligt.
• Vorliegen einer Schlägerei
Die Schlägerei ist ein Streit, an dem sich mindestens drei Menschen aktiv beteiligen und der mit wechselseitigen Körperverletzungen verbunden ist [Wessels/Hettinger, StrafR BT I, Rn. 345]. Ausreichend ist es, wenn sich zunächst zwei Personen streiten und handgreiflich werden und anschließend ein Dritter hinzukommt. Genauso genügt es, wenn aufeinanderfolgend jeweils nur zwei Personen aufeinander einschlagen, aber ein Gesamtgeschehen gegeben ist. Demgegenüber liegt keine Schlägerei mehr vor, wenn eine Person den Schauplatz verlässt [Wessels/Hettinger, StrafR BT I, Rn. 346].
• Vorliegen eines Angriffs
Ein Angriff liegt vor, wenn das Tun von mindestens zwei Personen auf die Körperverletzung eines anderen gerichtet ist [Joecks, Studienkommentar StGB, § 231 Rn. 5]. Dabei muss es aber nicht erst zu einer Körperverletzung kommen. Es genügt, wenn die Personen dem anderen lediglich hinterherlaufen. Dies unterscheidet den Angriff von der Schlägerei [Joecks, Studienkommentar StGB, § 231 Rn. 5].
Beispiel: A, B und C bekommen D erst gar nicht zu fassen, sondern verfolgen ihn nur.
• Die Beteiligung
Für eine Beteiligung ist erforderlich, dass der Täter sich am Tatort befindet und an dem Verhalten, das sich gegen eine andere Person richtet, partizipiert [Kindhäuser, StrafR BT I, § 11 Rn. 8].
Es genügt auch für die Beteiligung an einer Schlägerei, wenn die betroffene Person gerechtfertigt oder entschuldigt agiert. Eine Beteiligung ist nur nicht gegeben, sofern sie lediglich in Schutzwehr handelt [Kindhäuser, StrafR BT I, § 11 Rn. 5].
Beispiel: A, B und C schlagen aufeinander ein. Auch D wird in das Geschehen hineingezogen. Er versucht aber nur, den dreien auszuweichen und läuft schließlich vor ihnen weg. Hier verübt D lediglich Schutzwehr im Rahmen seines Notwehrrechts aus § 32 StGB. Damit ist er kein Beteiligter an der Schlägerei.
Daneben ist es für die Beteiligung ausreichend, wenn der Betroffene diejenigen anfeuert, die tätlich aufeinander losgehen. Auch das Versorgen mit „Werkzeugen“ oder die Verhinderung des Eingreifens von Helfenden genügt [Wessels/Hettinger, StrafR BT I, Rn. 349].
Beispiel: E feuert A, B und C an, während sie aufeinander einschlagen. Zur Unterstützung reicht er ihnen Gummiknüppel. Als F dazwischentreten und schlichten möchte, dreht E ihm die Arme auf den Rücken und hält ihn von einem Eingreifen ab.
Ferner ist umstritten, welchen Einfluss es hat, wenn die als Täter in Frage kommende Person lediglich vor oder nach dem Eintritt der schweren Folge an der Schlägerei beteiligt war:
• Nach einer Ansicht ist der Zeitpunkt der Beteiligung unerheblich. Es ist auch derjenige strafbar, der nur vor dem Eintritt der schweren Folge an der Schlägerei beteiligt war bzw. derjenige, der nach dem Ereignis hinzugekommen ist.
• Nach anderer Ansicht muss der Täter während des Eintritts der schweren Folge an der Schlägerei beteiligt gewesen sein.
• Eine dritte Meinung hält es für ausreichend, wenn der Täter vor dem Eintritt der schweren Folge an der Schlägerei beteiligt war. Kommt er erst nachträglich hinzu, sei eine Beteiligung dagegen abzulehnen [Darstellung der Ansichten bei Joecks, Studienkommentar StGB, § 231 Rn. 9].
Für die dritte Ansicht kann argumentiert werden, dass der Täter nicht an der Schaffung der Gefahr des Eintritts einer schweren Folge beteiligt gewesen sein kann, wenn er sich erst nach deren Realisierung eingemischt hat. Andererseits kann er durch seine Beteiligung vor dem Geschehen die Gefahr mitbegründet haben [Kindhäuser, StrafR BT I, § 11 Rn. 19].
Beachten Sie: Der Begriff der Beteiligung im Rahmen des § 231 meint nicht die Eigenschaft als Täter oder Teilnehmer, wie es sonst im Strafrecht der Fall ist.
Subjektiv muss der Täter vorsätzlich handeln, wobei bedingter Vorsatz ausreichend ist.
Durch die Schlägerei oder den Angriff muss der Tod eines Menschen oder eine schwere Körperverletzung gemäß § 226 verursacht worden sein. Die herrschende Meinung erachtet dies als eine objektive Bedingung der Strafbarkeit. Zwischen dieser und dem Angriff oder der Schlägerei muss ein Zusammenhang bestehen, der demjenigen der objektiven Zurechnung entspricht [Joecks, Studienkommentar StGB, § 231 Rn. 7].
Bsp.: A, B und C sind in eine Schlägerei verwickelt. Hierbei erleidet C eine kleine Platzwunde, die allerdings so stark blutet, dass ein Krankenwagen alarmiert wird. Als der Krankenwagen eintrifft, kann der Fahrer aufgrund eines Infarkts nicht rechtzeitig bremsen und überfährt den C. Dieser verstirbt daraufhin. In diesem Fall wurde die schwere Folge nicht „durch“ die Schlägerei verursacht.
Für eine Strafbarkeit ist es außerdem nicht erforderlich, dass der Täter die schwere Folge selbst verursacht hat [Kindhäuser, StrafR BT I, § 11 Rn. 19].
Bsp.: Sind A und B in eine Schlägerei verwickelt und verletzt A den B dabei derart, dass dieser ein Bein verliert (§ 226 I Nr. 2 Var. 1), so ist auch B wegen der Beteiligung an einer Schlägerei strafbar.
Auch im Rahmen der Rechtswidrigkeit lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Hier gilt es zu beachten, dass die Beteiligung an der Schlägerei selbst grundsätzlich nicht durch Notwehr gerechtfertigt sein kann. Die Rechtfertigung kann sich nur auf einzelne Handlungen beziehen [Kindhäuser, StrafR BT I, § 11 Rn. 11/12].
Bsp.: A und B befinden sich mitten in einer Kneipenschlägerei. A will B gerade mit einem Barhocker auf den Kopf schlagen, als B ihn mit einem Tritt zu Fall bringt. Der Tritt des B erfolgte hier in Notwehr und ist demnach gerechtfertigt. Dennoch vermag dies nicht, seine Beteiligung an der Schlägerei zu rechtfertigen.
In der Klausur können Sie die Beteiligung an einer Schlägerei nach diesem Schema prüfen:
a) Schlägerei oder Angriff
b) Beteiligung an der Schlägerei oder dem Angriff
Tod eines Menschen oder schwere Körperverletzung (§ 226) durch den Angriff oder die Schlägerei
[vgl. Kindhäuser, StrafR BT I, § 11 Rn. 20]
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