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Timestamp: 2019-03-23 02:59:25+00:00

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Unsere Vereinsteiche
Text: Dr. Rainer Hoyer und Klaus Kristokat
Es war einmal ein Märchen, das von einem Artikelschreiber über aquaristischen Themen an den nächsten weitergeben (oder abgeschrieben?) worden ist. Und jeder Leser sollte es auch unbedingt als bare Münze nehmen, weil es ja zum Wohle seiner Fische sei. Die Botschaft lautete: „Es gibt nichts Schlechteres als lebendes Futter aus Teichen, denn es ist randvoll mit Schadstoffen belastet und man schleppt sich nur Krankheitserreger ein. Viel besser ist Kunstfutter, das garantiert alle erforderlichen Nährstoffe enthält und viel bekömmlicher ist.“ Vielleicht stammt diese Weisheit aber auch von der Futtermittelindustrie und die Artikelschreiber haben sich nur verführen lassen.
Leider hatten die Aquarianer im Osten diese Zeitschriften und ihre richtungweisenden Hinweise bis zur Wende nicht zur Verfügung und haben munter drauf los und ohne Hemmungen ihre Fische mit Daphnien, Cyclops und Mückenlarven aus den Teichen gefüttert und das seltsamerweise auch noch mit bestem Erfolg. Ist das nur ein Zufall? Oder sollte man doch besser den weisen Ratschlägen folgen?
Wie dem auch sei, wir haben uns auch später nicht an die Horrormeldungen gehalten und weiter Zooplankton aus den Teichen der Umgebung Leipzigs gefüttert. Zugegeben, es war und ist manchmal nicht das reine Vergnügen, in einem Dorfteich neben dem Auslass für Hausabwässer seine Flöhe zusammenzurühren oder im Schneesturm auf dem Eis wie der Ochse im Mahlwerk um das Eisloch zu laufen, um Cyclops zu fangen, aber die Verfasser, selbst passionierte Züchter und Anhänger der Fütterung mit Lebendfutter, haben in ihrer vieljährigen Beschäftigung mit dem Hobby kaum schlechte Erfahrungen bei der Fütterung lebenden Teichfutters gemacht und nachteilige Auswirkungen auf die Fische bemerkt.
Die Tiere leben und gedeihen und schreiten unablässig zur Fortpflanzung. So schlecht kann dann wohl das Lebendfutter nicht sein. Oder?
Selbstverständlich muss man hin und wieder damit rechnen, Hydra mit dem Teichfutter einzuschleppen. Früher haben wir dann oft mit Kupferblech gearbeitet und gelegentlich dabei eine Batterie angeschlossen. Das ist den Fischen tatsächlich nicht immer gut bekommen. Vorsichtige haben lieber gleich die biologische Bekämpfung mit (möglichst kleinen, aber nicht zu kleinen) blauen Fadenfischen gewählt. Das ist zwar langsamer, aber garantiert unschädlich. Heute haben wir mit Flubenol ein fischverträgliches und 100%ig wirkendes Mittel gegen Hydra.
Gelegentlich, aber äußerst selten, gelangen mit dem Futter Karpfenläuse in die Becken. Da sie jedoch (wenn überhaupt, dann nur wenige) zu sehen sind und der Aquarianer seine Pfleglinge immer aufmerksam beobachten sollte, können sie leicht abgelesen werden und bilden kaum eine Gefahr für die Fische.
Bis zur Wende hatte man sich lediglich gelegentlich mit den Futterfängern der „Produktionsgenossenschaft werktätiger Züchter“ PWZ an den Dorfteichen auseinanderzusetzen. Vom Anglerverband erhielten wir nach lang andauernden Verhandlungen in den siebziger Jahren sowie auch von der Binnenfischerei Wermsdorf über den Bezirksfachausschuss Aquarien- und Terrarienkunde im Kulturbund gegen eine geringe Gebühr für die Wintermonate eine Fangberechtigung für Zooplankton. Nach der Wende änderten sich mit dem „Fischereigesetz für den Freistaat Sachsen“ vom 01. Februar 1993 (Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt S. 109) die gesetzlichen Bedingungen grundlegend. Das Gesetz regelt
zwar in erster Linie die Fischerei und Fischzucht, tangiert aber auch die Interessen der Aquarianer.
Der Geltungsbereich des Gesetzes umfasst nach § 2 Absatz 1 alle fließenden und stehenden Gewässer bis auf wenige Ausnahmen.
Nach § 4 Absatz 1 wird das Fischereirecht nicht nur auf die Hege und den Fang von Fischen beschränkt, sondern es erstreckt sich auch auf Fischnährtiere, die ausdrücklich genannt sind. Es ist dabei völlig ohne Belang, ob im gleichen Gewässer auch Fische vorkommen.
Die Ausübung des Fischereirechtes kann an Dritte durch Pacht übertragen werden. Das gilt natürlich auch für die Genehmigung der Entnahme von Zooplankton. Der dafür entscheidende Passus im § 22 soll im Wortlaut wiedergegeben werden:
„(3) Fischnährtiere darf nur entnehmen, wer im Besitz eines Erlaubnisscheins (Berechtigungsschein) ist. Der Inhaber des Fischereirechtes oder der Pächter haben in dem Erlaubnisschein aufzuführen, wann und mit welchen Mitteln die Entnahme der Fischnährtiere erfolgen kann. Der Berechtigte hat den Erlaubnisschein bei sich zu führen: ...“
Nach Absatz 4 sind über die vergebenen Erlaubnisscheine Listen zu führen.
§ 50 behandelt die Bußgeldvorschriften. Der Verstoß gegen das Fischereigesetz wird als Ordnungswidrigkeit behandelt. Dazu zählt auch die Entnahme von Fischnährtieren ohne Erlaubnis, die auch wieder ausdrücklich genannt ist. Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer erheblichen Geldbuße geahndet und die Fanggeräte können eingezogen werden.
Es ist damit ein umfangreiches Instrumentarium gegeben, um die freie Entnahme von Zooplankton zu verhindern. Unser Partnerverein in Burglengenfeld (Oberpfalz) hatte uns bereits sehr früh auf die Möglichkeit einer solchen Entwicklung hingewiesen. Dort war die Entnahme von Zooplankton nahezu ausgeschlossen, da die Teiche alle verpachtet waren. Wir hatten das damals so für den Freistaat Sachsen nicht glauben wollen, aber die Wirklichkeit hat uns eingeholt.
Einer der ersten, der die fatale Entwicklung deutlich erkannte und mit der Vorbereitung einer Teichpacht für den Dorfteich Göbschelwitz dem entgegentreten wollte, war einer der Autoren (K. K.). Dieser Teich war dann auch der erste, der durch Pacht vom Verein erworben wurde. Dem sind inzwischen eine ganze Reihe weiterer Teiche gefolgt, in denen für unsere Mitglieder die Möglichkeit der Entnahme von Zooplankton gegeben ist.
Derzeit sind folgende Teiche auf der Grundlage des Fischereirechtes für uns zugänglich:
Dorfteich Biesen
Teiche Hohenheida
Dorfteich Zschortau
Kölsa, Teich am Friedhof
Kölsa, Teich am Ortsausgang
Dorfteich Mutschlena
alle Teiche Radefeld
Teich Wiedemar, An der Bratpfanne
Dorfteich Wolteritz, Gemeindeamt
Dorfteich Lindenauendorf
Dorfteich Göbschelwitz
Dorfteich Bageritz
Dorfteich Rabutz
Insgesamt handelt es sich um 17 Teiche, in denen selbst bei schlechter Futterlage irgendwo Lebendfutter gefangen werden kann. Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten sind wir immer bestrebt, weitere Teiche hinzuzupachten. Auf diese Weise können wir ab 2002 den Dorfteich Rabutz nutzen.
Dabei hat der Verein aber auch eine Reihe von Verpflichtungen außer der Zahlung der nicht unerheblichen Pachtgebühren. Insbesondere müssen die formalen Forderungen des Fischereigesetzes erfüllt werden.
Durch unsere Teichordnung legen wir entsprechend § 22 Absatz 3 die Vorraussetzungen für die Entnahme von Zooplankton fest. So ist beispielsweise die Entnahme von Zooplankton nur mittels Handkescher erlaubt. Der Fang ist lediglich im Rahmen des Hobbys zulässig. Ausnahmen werden durch den Vorstand zugelassen.
Mit der Übernahme des Fischereirechtes durch den Verein ist natürlich auch die Pflege der Fische, die in den Teichen durch unvernünftige Bürger trotz Verbotes eingesetzt werden, enthalten. In Wintern mit längerer Eisbedeckung kommt es in den stark eutrophierten Dorfteichen regelmäßig zu einem Sauerstoffdefizit und nachfolgend im Extremfall zum Fischsterben. Für das Abfischen und die Entsorgung der toten Tiere ist der Verein verantwortlich.
Der Verein führt Listen über die Vergabe von Erlaubnisscheinen nach § 22 Absatz 4.
Ein Problem ist auch das geringe Unrechtsbewusstsein von Bürgern, die ohne Berechtigung Zooplankton entnehmen wollen. Eine mögliche Anzeige durch den Verein hätte für die Betroffenen deutliche finanzielle Folgen. Aber auch und gerade bei einer Kontrolle durch Fischereiaufseher oder die Polizei muss mit einer Strafverfolgung gerechnet werden. Wir haben deshalb eine auf den Fang von Zooplankton eingeschränkte Mitgliedschaft im Verein eingeführt. Mitglied kann jeder interessierte Bürger werden. Gegen ein geringes Entgelt wird jeweils befristet auf ein Jahr die Erlaubnis zum Fang von Zooplankton erteilt. Dieses Angebot haben inzwischen eine ganze Reihe Aquarianer und Gartenteichbesitzer angenommen.

References: § 2
 § 4
 § 22

§ 50
 § 22
 § 22