Source: http://www.between-kompas.de/A-Z
Timestamp: 2017-03-24 10:06:00+00:00

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Expertenrat / Kontakt
Sozialrechtliches von A wie Allgemeinmediziner bis Z wie Zuzahlung
Stichworte zum schnellen Nachlesen für Themen des Übergangs und sozialrechtliche Fragestellungen
Der Hausarzt, der die meisten Erwachsenen bei den Gesundheitsfragen, körper­lichen Beschwerden und auch bei vielen chronischen Krankheiten betreut und behandelt, ist in der Regel ein ausgebildeter Allgemeinmediziner. Der Facharzt für Allgemeinmedizin hat nach dem Medizinstudium eine 5jährige Weiterbildung absolviert. Er ist meist der erste Ansprechpartner bei Verletzungen, Krankheiten und jeder Art von Gesundheitsproblemen. Beispiele dafür sind Erkältungen, Allergien, Fieber oder andere Symptome, die auf eine Gesundheitsstörung hinweisen. Auch ist der Hausarzt derjenige, der Medikamente verschreibt und die Medikamente, die andere Ärzte verschrieben haben, in ihrer Wechselwirkung überwacht. Wenn der Allgemeinarzt hinsichtlich einer Diagnose oder Behandlung unsicher ist oder nicht über die nötigen Apparate und Tests zur Diagnostik verfügt, schickt er seinen Patienten zu einem Spezialisten (►Überweisung).
Wenn ein Patient wegen einer chronischen Krankheit in einer Schwerpunktpraxis oder bei einem Facharzt (►Facharzt) in Betreuung ist, kann er zu Routineunter­suchungen oder bei neu aufgetretenen Problemen seinem Facharzt direkt ohne Überweisung durch einen Hausarzt aufsuchen. Amtsarzt
Ein Amtsarzt ist ein unabhängiger Facharzt, der eine 5jährige Weiterbildung im öffentlichen Gesundheitswesen absolviert hat. Er gehört dem medizinischen Fach­dienst eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt an. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem das Erstellen von Gutachten, Zeugnissen und Bescheinigungen; beispielsweise des vorgeschriebenen amtsärztlichen Gesundheitszeugnis für eine Anstellung im öffentlichen Dienst.
Auch Privatpersonen können einen Amtsarzt in Anspruch nehmen, z.B. kann er eine „Prüfungsunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen" bei Studierenden feststellen und bescheinigen. Arztwahl, freie
In Deutschland gilt die so genannte „freie Arztwahl". Diese schließt ein, dass jeder Patient den Arzt oder die Ärztin, von der er behandelt werden möchte, selbst auswählen darf. Dies gilt auch für Fachärzte, wie zum Beispiel Nephrologen (Nierenspezialisten), Neurologen oder Diabetologen. Sollte die „Chemie“ zwischen dem Arzt und seinem Patienten nicht stimmen, kann dieser problemlos einen anderen Arzt aufsuchen. Wichtig ist dann, sich eine Dokumentation des bisherigen Verlaufs der Krankheit und zu zentralen Befunden aushändigen zu lassen, sodass sich der neue Arzt einen Überblick verschaffen kann.
Arztwechsel Ein Arztwechsel ist meist mit Erreichen der Volljährigkeit notwendig, denn Kinder- und Jugendärzte dürfen in der Regel Patienten nur bis zu diesem Zeitpunkt behandeln. Dann findet der Wechsel statt, die sogenannte Transition (►Transition), zu einem Allgemeinmediziner oder einem Facharzt, der Erwachsene behandelt. Bei vielen chronischen Krankheiten sollten sich junge Erwachsene zusätzlich zu ihrem Hausarzt einen qualifizierten Facharzt für Erwachsene suchen. Dies kann bei seltenen Krankheiten bedeuten, dass längere Wege zu einem Spezialisten nicht zu vermeiden sind. In diesen Fällen wird empfohlen, sich einen Hausarzt in der Nähe zu suchen, der gut mit dem weiter entfernten Spezialisten zusammenarbeitet. In Ausnahmefällen kann ein spezialisierter Kinder- und Jugendarzt Patienten bis zum 21. Lebensjahr betreuen. Bei seltenen Krankheiten gibt es sogar die Möglichkeit, dass junge Erwachsene weiter bei ihren spezialisierten Kinder- und Jugendärzten in Behandlung bleiben, wenn es keine ausreichend auf die Krankheit spezialisierten Ärzte für Erwachsene gibt. Auslandskrankenversicherung
► Krankenversicherung im Ausland
Prinzipiell ist die Berufswahl für jeden Menschen frei. Eindeutige Verbote, die sich aus bestimmten gesundheitlichen Beeinträchtigungen ergeben, sind heute verglichen mit der Vergangenheit selten. Die Berufswahl erfordert jedoch immer, egal ob mit oder ohne eine chronische Erkrankung, ausführliche Überlegungen: Was sind die persönlichen Stärken einer Person? Welches sind die Schwächen? Wofür interes­siert sie/er sich? Welche Fähigkeiten hat sie/er bereits erworben (z. B. erfordert eine chronische Krankheit häufig viel Disziplin in der Therapie, die von den jungen Erwachsenen auch in anderen Lebensbereichen gezeigt wird)? Wie sieht der Alltag im Wunschberuf aus? Welche besonderen Anforderungen, z. B. an Schichtdienst oder körperliche Belastbarkeit werden gestellt? Passen die Inhalte der Tätigkeit zu den persönlichen Voraussetzungen und Interessen? Gibt es gesundheitliche Risiken? Gibt es Freiräume und Pausen, in denen die Therapie einer chronischen Krankheit stattfinden kann? Diese Überlegungen sind wichtig, da mit der Berufswahl die Weichen für die nächsten Jahre, wenn nicht sogar für das gesamte Berufsleben gestellt werden. Zusätzlich zu den eigenen Ideen ist es hilfreich, mit den Eltern, Freunden oder anderen Vertrauten über eigene Stärken, Schwächen und Interessen zu sprechen und ggf. einen Berufsberater, potentiellen Arbeitgeber und/oder den Arzt einzubeziehen. Gemeinsam kann überlegt werden, ob und wie ein Wunschberuf ermöglicht werden kann. Wenn Probleme abzusehen sind, ist das kein zwingendes Ausschlusskriterium, sondern erfordert Nachdenken und kreative Lösungen.
Andererseits muss auch akzeptiert werden, dass bestimmte Berufe, von denen die Sicherheit anderer Menschen abhängig ist, besonders hohe Anforderungen an die körperliche Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit stellen. Bei der Berufsfeuerwehr, der Polizei, der Bundeswehr, der Flugsicherung, dem Zoll, bei der Ausbildung zum Pilot, Lokführer oder Kapitän werden beispielsweise besonders hohe Anforderungen gestellt und die Gesundheit und Eignung vor Ausbildungsbeginn überprüft (►Offenbarungspflicht). Betreutes Wohnen
Es gibt drei Formen des betreuten Wohnens für behinderte Menschen. Sie gliedern sich in vollstationär, teilstationär oder ambulant. Vollstationär bedeutet, dass rund um die Uhr Helfer vor Ort sind, z. B. Pflegepersonal oder Erzieher. Auch Psychologen, Physiotherapeuten und Ärzte gehören teilweise zum Betreuerteam. Das vollstatio­näre Wohnen ist für Menschen gedacht, die in allen Lebensbereichen, auch nachts, Hilfe z. B. bei der Körperpflege und der Alltagsgestaltung benötigen. Die Wohnheim­kosten werden über die Sozialhilfe (► Sozialhilfe) finanziert. Gehen die Bewohner einer beruflichen Tätigkeit nach, hierzu zählt auch die Tätigkeit in einer Werkstatt für Behinderte, müssen sie sich mit ihrem Einkommen an den Wohnkosten beteiligen. Ihnen steht jedoch in jedem Fall ein Taschengeld in Höhe von etwa 100 € pro Monat zu, das nicht angetastet werden darf.
Das Vermögen der Heimbewohner bleibt bis zu einem Grenzbetrag ebenfalls unangetastet. Übersteigt es die Grenze, wird es für die Finanzierung der Wohnheimkosten eingesetzt. Die Eltern von Volljährigen, also über 18-jährigen Heimbewohnern, müssen, wenn ihr Einkommen 1.900 € im Monat übersteigt, maximal 54,96 € pro Monat für das Wohnheim zahlen.
Beim „ambulanten" betreuten Wohnen ist die Betreuung dem Bedarf des Bewohners angepasst. Hier handelt es sich oft um Wohngemeinschaften, um Einzelwohnungen oder auch um über 18-Jährige, die bei ihren Eltern wohnen. Personen die im ambulant betreuten Wohnen leben, benötigen nur Hilfe in bestimmten Lebensbereichen, z. B. bei der Begleitung zu Behörden oder Freizeitaktivitäten.
Der Wohnraum des Betreuten, seine Mahlzeiten und ähnliches werden in der Regel von ihm selbst finanziert. Die in Anspruch genommenen Leistungen setzen sich fast ausschließlich aus Leistungen im Rahmen der Eingliederungshilfe zusammen (nach SGB IX §55-58). Die Eltern müssen sich bei über 18-Jährigen mit maximal 31,60 € pro Monat an der Eingliederungshilfe beteiligen, die weiteren Kosten werden über die Sozialhilfe (► Sozialhilfe) finanziert.
Ein Betriebsarzt ist ein Arzt, der in einem oder für ein Unternehmen tätig ist. Seine Aufgabe ist die Prävention und Gesundheitsförderung im Unternehmen. Zu seinen Tätigkeitsbereichen zählt neben der Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen, die manchmal auch als Gesundheitschecks bezeichnet werden, die Vermeidung und Überwachung von Gefahren am Arbeitsplatz (z. B. chemische Schadstoffe, helles Licht beim Schweißen, Lärm, Bildschirmstrahlung). Er prüft die Arbeitsplatzsicherheit sowie die ausreichende Einweisung und Qualifikation der Mitarbeiter für gefährliche Aufgaben. Der Betriebsarzt ist auch Ansprechpartner für Mitarbeiter mit einer chronischen Erkrankung. Seine Aufgabe ist die Integration und die Schaffung eines gesunden Arbeitsumfeldes für diese Mitarbeiter. Gegenüber dem Betriebsarzt bzw. dem untersuchenden Arzt bei der Einstellung besteht eine Offenbarungspflicht (► Offenbarungspflicht), d. h. der Arzt muss über alle relevanten Erkrankungen in der jüngeren Vergangenheit mit Rückfallrisiko informiert werden. Arbeitnehmer müssen dabei nicht über jede Erkrankung informieren, sondern nur über diejenigen, die für den Arbeitsalltag relevant sind.
Bei der schriftlichen Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz muss eine Erkrankung nicht angegeben werden (► Offenbarungspflicht), auch nicht das Vorliegen eines Schwerbehindertenstatus oder der Grad der Behinderung (► GdB, Schwerbehindertenausweis). Wird ein Schwerbehindertenausweis in einer Bewerbung angegeben, sollten schwerbehinderte Bewerber bei gleicher Qualifikation bevorzugt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und ggf. eingestellt werden (► Vorstellungsgespräch). Chronische Krankheit
Eine chronische Krankheit ist eine Krankheit, die länger als 3, manchmal länger als 6 Monate vorliegt. Je nach Krankheitsbild sind die Zeiträume unterschiedlich definiert. Oft begleitet eine chronische Krankheit Patienten ein Leben lang. Disease Management Programm - DMP
Übersetzt bedeutet DMP „Erkrankungsbehandlungsplanungsprogramm“. Hinter diesem Begriff verbergen sich Programme für verschiedene chronische Erkran­kungen. In den Programmen sind Therapieplanung, Therapieorganisation und vor allem auch Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung und Prävention z. B. durch Schulungsprogramme (►Pateientenschulung) enthalten. Es werden ausschließlich Maßnahmen angewendet, deren Erfolg wissenschaftlich belegt ist. Für junge Menschen sind derzeit im Wesentlichen die Programme für Asthma bronchiale und Diabetes mellitus Typ 1 wichtig.
Um an einem DMP teilzunehmen, sollten sich Patienten einen entsprechend qualifizierten Arzt auswählen, der mit der Krankenkasse kooperiert. Er bekommt alle Untersuchungs- und Therapieberichte von den anderen Ärzten, führt selbst regelmäßige Überprüfungen der Behandlung und Medikation durch und erinnert Patienten an Kontrolluntersuchungen, wie beispielsweise die jährliche Kontrolle der Augen bei Diabetes. Das Ziel des DMP ist, dass jeder eingeschriebene Patient mit einem zentralen Experten zusammenarbeitet, der sich genau mit ihm und seiner Erkrankung beschäftigt. So behält eine Person den Überblick und koordiniert alle erforderlichen Gesundheitsüberprüfungen und Behandlungsschritte nach aktuellem Stand der Wissenschaft. Erwerbsminderung
Die Erwerbsfähigkeit bzw. die Erwerbsminderung beschreibt, in welchem Umfang eine Person auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein kann. Erwerbsminderung wird untergliedert in „voll erwerbsgemindert", das bedeutet, eine Person kann weniger als 3 Stunden pro Tag einer 5-Tage-Woche auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten und in „teil erwerbsgemindert", das bedeutet, eine Person ist in der Lage, 3 - 6 Stunden pro Tag auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten.
Die Erwerbsminderung dient der sozialen Absicherung der Arbeitnehmer. Wenn eine Erwerbsminderung vorliegt, wird unter bestimmten Voraussetzungen eine Rente (► Rente) durch die Rentenversicherung gezahlt.
In der Regel gilt jedoch „Reha vor Rente". Der Rentenversicherungsträger untersucht daher zunächst, ob und wie die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt werden kann. Menschen, die eine Rente wegen einer Erwerbsminderung beziehen wollen, müssen dafür zunächst einen Antrag bei der Rentenversicherung stellen. Diese fordert dann in der Regel verschiedene Unterlagen zur bisherigen Kranken­geschichte und oft auch ein sozialmedizinisches Gutachten an. Die Gutachter werden vom sozialmedizinischen Dienst (►sozialmedizinischer Dienst) benannt. Alle Unterlagen werden beim sozialmedizinischen Dienst bearbeitet und bewertet. In einer Empfehlung an die Rentenversicherung stuft dieser die Erwerbsminderung ein und empfiehlt aus sozialmedizinischer Sicht sinnvolle Maßnahmen. Um für eine Rente antragsberechtigt zu sein, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. So muss ein Antragsteller beispielsweise mindestens 5 Jahre erwerbstätig gewesen sein bzw. von den letzten 60 Monaten mindestens 36 Monate in die Rentenversicherung eingezahlt haben.
Beispiel: Jonathan arbeitet seit 8 Jahren als Bauzeichner. Kurz nach der Geburt wurde bei ihm Mukoviszidose diagnostiziert. Seit 2 Jahren verschlechtert sich sein Gesundheitszustand zunehmend. Durch den erhöhten Therapieaufwand kann er nur noch 4 Stunden am Tag arbeiten. Nach einem Antrag bei der Rentenversicherung und der sozialmedizinischen Begutachtung wird er als „teil erwerbsgemindert“ eingestuft und bekommt ergänzend zu seinem Lohn eine kleine Rente.
Ein Facharzt ist ein Mediziner, der entweder nach seinem Medizinstudium eine meist 5-jährige Ausbildung in einem bestimmten Fachgebiet absolviert oder nach seiner Facharztzeit noch eine weitere Spezialausbildung durchlaufen hat. Der Facharzt ist darin besonders ausgebildet, bestimmte Organ- oder Systemerkrankungen zu diagnostizieren und zu behandeln. Zu den Fachärzten zählen z.B. Lungenfachärzte/Pneumologen, Fachärzte für Nervenheilkunde/Neurologen oder für Augenheilkunde. Personen mit einer chronischen Krankheit werden meist von einem Allgemeinarzt bzw. Kinder-/Jugendarzt und zusätzlich einem Facharzt für ihre Erkrankung behandelt. Führerschein
Prinzipiell darf jeder Erwachsene, egal ob mit oder ohne Krankheit, einen Führerschein machen, wenn er oder sie gewährleisten kann, dass niemand durch mögliche gesundheitliche oder andere Beeinträchtigungen im Straßenverkehr gefährdet wird. Der Begriff „Eignung” spielt dabei eine zentrale Rolle. Gemeint ist die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen. In §2 Abs. 4 Straßenverkehrsordnung (StVG) heißt es dazu: „Geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist, wer die notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllt und nicht erheblich oder nicht wiederholt gegen verkehrsrechtliche Vorschriften oder gegen Strafgesetze verstoßen hat.“ Dies gilt z. B. bei erheblichen Einschränkungen der Sehfähigkeit. Die verschiedenen Führerscheine, z. B. für einen PKW oder LKW, werden dabei nochmals bezogen auf besondere Risiken unterschieden. Für einige chronische Erkrankungen gelten deshalb Einschränkungen für Teilbereiche oder der Führerscheinerwerb ist wegen eines zu hohen Risikos nicht möglich, z. B. bei einer nicht kontrollierbaren Epilepsie. Hierbei werden in der Straßenverkehrsordnung zwei Gruppen von Fahrzeugklassen unterschieden: Einerseits die Klassen A, B, B+ E, A1 und B1 als Gruppe 1. Diese betrifft den üblichen PKW-Führerschein und auch Führerscheine für Motorräder. Alle anderen Klassen fallen unter die Gruppe 2, die Personen- oder Lastbeförderungsfahrzeuge einschließt.
Bei Führerscheinen der Gruppe 2 gibt es bei einer Reihe von Krankheiten deutliche Einschränkungen. Sie werden mit erhöhten Risiken durch plötzliche Bewusstlosig­keit, z. B. bei einem epileptischen Anfall oder einer schweren Unterzuckerung begründet. Nur in Ausnahmefällen unter der Bedingung einer nachweislich sehr guten Behandlung der jeweiligen Krankheit ohne akute Komplikationen ist es möglich, die Prüfung für einen Führerschein aus der Gruppe 2 abzulegen. Bei einer Epilepsie ist der Führerscheinerwerb davon abhängig, was für eine Art von Anfall vorlag, wie die Epilepsie bisher behandelt wird und wie oft es bereits zu Anfällen gekommen ist. Entscheidend für die Erteilung der Fahrerlaubnis ist der letzte Anfall, der in der Regel mindestens ein Jahr zurückliegen muss (s. auch FeV z.B. unter www.gesetze-im-internet.de).
Bei allen chronischen Krankheiten gilt, dass eine gute Therapieeinstellung und Kontrolle der Erkrankung gewährleistet sein muss, zum Beispiel eine sichere Erkennung von Hypoglykämien (Unterzuckerungen) mit sofortiger Reaktion darauf. Beim Beantragen des Führerscheins muss meist ein Fragebogen zur eigenen Gesundheit ausgefüllt werden. Hier können, müssen aber keine Angaben gemacht werden. Falschangaben können mit dem nachträglichen Entzug des Führerscheins einhergehen. Also: entweder wahrheitsgemäß beantworten oder bewusst die Frage auslassen! Das Straßenverkehrsamt kann bei Vorliegen einer Krankheit, die im Straßenverkehr zu Risiken führen kann, ein Gutachten von einem vom Straßenver­kehrsamt anerkannten Arzt anfordern. Ein solches Gutachten muss der Führer­scheinaspirant selbst bezahlen. Ob ein Gutachten verlangt wird oder nicht, variiert von Bundesland zu Bundesland. Einige bundesweite Selbsthilfeorganisationen bieten juristischen Rat an, wenn es wegen einer chronischen Krankheit zu Problemen beim Führerscheinerwerb kommt (z. B. www.diabetesde.org).
Genaue Informationen zur Bewertung verschiedener Krankheiten im deutschen Straßenverkehr sind auf der folgenden Website zusammengestellt: aekooe.or.at/cms/index.php?id=337&no_cache=1&sword_list[]=Leitlinien
Detaillierte Regelungen finden sich in den „Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung” der Bundesanstalt für Straßenwesen, sowie den Beurteilungskriterien in der Fahreignungsbegutachtung. http://www.fahrerlaubnisrecht.de/Begutachtungsleitlinien/BGLL%20Inhaltsverzeichnis.htm
Gesetzliche Krankenversicherung - GKV
Die gesetzliche Krankenversicherung ist die Versicherung von etwa 90% aller Deutschen. In Deutschland besteht eine Versicherungspflicht in der GKV für alle, die nicht in einer privaten Krankenversicherung versichert sind. Die gesetzliche Krankenkasse ist ein Teil des Sozialsystems in Deutschland. Sie bezahlt die Arztbesuche, die Medikamente und Behandlungen im Krankenhaus oder beim niedergelassenen Therapeuten. Jeder Versicherte zahlt einen bestimmten Beitrag pro Monat in die Versicherung ein. Der Beitrag richtet sich nach dem Verdienst bzw. der sozialen Situation. Etwa die Hälfte des Beitrages bezahlt der Versicherte, die andere Hälfte bezahlt der Arbeitgeber. Kinder können maximal bis zum 25. Lebensjahr bei ihren Eltern kostenlos mitversichert sein, solange sie über kein eigenes Einkommen verfügen und sich in Ausbildung befinden. Danach müssen sie sich bei einer gesetzlichen oder privaten Kranken­versicherung selbst versichern.
Selbstständige und Beamte müssen sich in der Regel privat versichern.
Grad der Behinderung - GdB
Der GdB gibt im Schwerbehindertenrecht den Grad der Behinderung an, auf den sich der Schwerbehindertenstatus bezieht. Er wird durch einen Amtsarzt (►Amtsarzt) festgestellt. Der GdB umfasst alle Lebensbereiche von Arbeit/Schule/Ausbildung über Freizeit und den häuslichen Alltag. Man spricht von körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen einer Behinderung. Anhand von definierten Kriterien wird festgestellt, wie ausgeprägt die Einschränkungen in den einzelnen Lebensbereichen sind. Die Skala reicht in 10er Schritten von 20 bis 100, wobei 20 die geringste Einschränkung darstellt. Ein Schwerbehindertenstatus und damit ein entsprechender Ausweis wird ab einem GdB von 50 anerkannt (► Schwerbehindertenausweis). Ein GdB unter 50 kann auch ohne den Schwerbehindertenstatus im Arbeitsleben genutzt werden. Bei einem GdB von 30 oder mehr ist es möglich, bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Gleichstellung zu stellen. Mit der Gleichstellung sind einige besondere Hilfen im Berufsleben und ein besonderer Kündigungsschutz verbunden. Der GdB gilt nicht unbegrenzt, er kann bei Nachuntersuchungen angepasst werden. Wenn mehrere Behinderungen vorliegen, werden die Einschätzungen der GdB nicht einfach addiert, sondern das schwerwiegenste Leiden ausgewählt und geprüft, in wie weit die anderen Erkrankungen zusätzlich beeinträchtigend sind. Beispiel: Paul hat einen angeborenen Herzfehler. Er ist deshalb oft kurzatmig und kann nicht so schnell, weite Strecken zurücklegen (GdB 40). Mit 15 Jahren entwickelt er zusätzlich eine Sehschwäche (GdB 20). Zusammen ergibt sich daraus kein GdB von 60, sondern „nur“ ein GdB von 50. Weitere Informationen zum GdB sind in der Versorgungsmedizin-Verordnung zu finden (s. www.gesetze-im-internet.de/versmedv).
Heilmittel sind in der Regel nicht-stoffgebundene Therapien, dazu zählen beispiels­weise Krankengymnastik, Physiotherapie, Ergotherapie oder eine Sprachtherapie (Logopädie). Hilfsmittel sind oft technische Geräte, die bestimmte Einschränkungen überbrücken, die Therapie vereinfachen oder kontrollieren oder den Alltag mit einer chronischen Krankheit erleichtern (z.B. ein Rollstuhl, eine Prothese, Schienen, ein Atemtherapie­gerät, Insulinpens, Insulinpumpen oder Blutzuckermessgeräte).
Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für Hilfs- und Heilmittel, die den Therapieerfolg sichern helfen, eine Pflegebedürftigkeit verhindern oder eine Einschränkung ausgleichen. Alle Heil- und Hilfsmittel müssen ärztlich verordnet werden. Dabei sind die Ärzte an Vorgaben und Obergrenzen gebunden. Es können nur die Maßnahmen und technischen Hilfen verordnet werden, die in den so genannten Heil- und Hilfs­mittelkatalog aufgenommen wurden. Deshalb kann es besonders bei Neuentwicklungen, die noch nicht in diesen Katalog aufgenommen worden sind, schwierig sein, sie von der Krankenkasse finanziert zu bekommen. In diesem Fall sind ausführliche individuelle Gutachten erforderlich, die die Notwendigkeit eines neuen Hilfsmittels begründen. IGeL / individuelle Gesundheitsleistungen
Individuelle Gesundheitsleistungen, sog. IGeL(-Leistungen) sind Untersuchungen oder Behandlungen, die Ärzte ihren Patienten außerhalb der Kassenleistung anbieten. Diese Leistungen, die von den Krankenkassen nicht finanziert werden, müssen Patienten selbst bezahlen. Ob eine Leistung von den Krankenkassen bezahlt wird oder nicht, hängt erstens davon ab, ob für Patienten ein Nutzen wissenschaftlich belegt ist. Zweitens wird bedacht, ob die mit der Leistung verbundenen Kosten wirtschaftlich für die Gesellschaft sind. Über die Annahme oder Ablehnung einer Gesundheitsleistung entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss, dessen Vorgaben für die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtend sind. Alle Leistungen, die beide Kriterien erfüllen und im gesetzlichen Katalog stehen, müssen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Darüber hinaus erstatten manche Krankenkassen, insbesondere private Versicherungen, freiwillig einige Zusatzleistungen. Der Arzt muss vor Behandlungsbeginn ausdrücklich darauf hinweisen, wenn die Kosten für eine Leistung nicht von der Krankenkasse getragen werden und das Einverständnis des Patienten einholen. Bei Unsicherheit über den Nutzen einer IGeL können sich Versicherte an ihre Krankenkasse wenden. Fundierte Informationen zur Bewertung von Nutzen und Schaden sind auf der Internetseite "IGeL- Monitor" (www.igel-monitor.de) zusammengestellt.
Inklusion bedeutet, dass alle Menschen in der Gesellschaft, ob mit Handicap oder ohne, von Anfang an die gleichen Chancen erhalten sollen, am gesellschaftlichen Leben (z.B. Kindergarten, Schule, Arbeitsleben, Sportverein oder einfach den Einkaufsbummel) teilzunehmen, ohne Hindernisse vorzufinden. Der Begriff Inklusion wird in letzter Zeit vor allem im Zusammenhang mit Bildungs­chancen von Behinderten und chronisch Kranken genannt. Statt Kinder mit Beeinträchtigungen in besonderen Schulen zu unterrichten, sollen sie heute zusammen mit anderen nicht beeinträchtigten Kindern lernen und aufwachsen. Es soll damit für alle Kinder deutlich werden, dass „es normal ist, verschieden zu sein“. Das Konzept der Inklusion geht dabei einen Schritt weiter als das der Integration. Bei der Integration müssen sich die beeinträchtigten Schüler der jeweiligen Schulform anpassen, bei der Inklusion muss die Schule Bedingungen schaffen, die den Bedürfnissen aller Schüler – mit und ohne Handicap - gerecht werden. Integration, berufliche
Bei der Integration geht es darum, Menschen mit einer Behinderung oder Benachteiligung einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Im Sozialgesetzbuch SGB IX §33-43 sind die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und damit der beruflichen Integration behinderter Menschen rechtlich gesichert. Genau wie andere Auszubildende oder Studierende haben Menschen mit einer Behinderung Anspruch auf Lebensunterhalts- und Ausbildungskostenunterstützung laut Bundesbildungsförderungsgesetz (BAföG). Ist das Studium, die Ausbildung oder der Schulabschluss erlangt, helfen die Integrationsämter (►Integrationsamt) und der ausführende Integra­tions­fachdienst (IFD) bei der Suche und Gestaltung eines geeigneten Ausbildungsplatzes bzw. Arbeitsplatzes auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Der IFD unterstützt die Eingliederung des Arbeitnehmers, z.B. in dem er ihn die ersten Tage zum Arbeitsplatz begleitet und ihm anfänglich Hilfestellungen für die Tätigkeit gibt bzw. gemeinsam mit dem Arbeitnehmer nach Lösungen für die unbehinderte Ausübung seiner Berufstätigkeit sucht. Als zusätzliche Hilfe gibt es seit einigen Jahren die Unterstützte Beschäftigung (UB). Auch hier wird der Arbeitnehmer zunächst begleitet und in der auszuführenden Tätigkeit angelernt bzw. ausgebildet. Diese Phase darf bis zu zwei Jahre andauern. Ist danach eine weitere Begleitung zur Sicherung des Arbeitsverhältnisses erfor­derlich, kann sich eine Berufsbegleitung anschließen. Diese wird i.d.R. vom Integrationsamt (►Integrationsamt) gefördert.
Zur Unterstützung der Integration werden zudem (technische) Hilfsmittel und unter bestimmten Umständen Zuschüsse für ein behinderungsgerechtes Kraftfahrzeug erstattet.
Voraussetzungen für viele Leistungen ist ein GdB (►Grad der Behinderung).
Die Integrationsämter haben wesentliche Aufgaben bei der Eingliederung schwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben. Sie sind dabei gleichermaßen für Arbeitnehmer wie auch für Arbeitgeber tätig. Sie übernehmen Maßnahmen und Leistungen, die erforderlich sind, um schwerbehinderten Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Hierfür steht den Integrationsämtern ein breit gefächertes Angebot an personellen, technischen wie auch finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung. So können sie einem Arbeitgeber u.a. finanzielle Zuschüsse für die Einrichtung eines Arbeitsplatzes oder für die Lohn- und Ausbildungskosten von jungen Menschen mit Schwerbehinderung gewähren. Details s. www.integrationsaemter.de
Kassenärztliche Vereinigungen / KV
Alle Ärzte, die in Deutschland zur ambulanten Behandlung von Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen zugelassen oder ermächtigt sind (so genannte Vertragsärzte), gehören einer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) an. Die KVn sind regional nach Bundesländern gegliedert. Die wichtigste Aufgabe der KVn besteht in der Vertretung der Mitglieder gegenüber den Krankenkassen. Sie sind damit auch für das Organisieren der Finanzierung ärztlicher Leistungen mit verantwortlich. Eine andere Aufgabe der KVn ist, den Bedarf an Ärzten insgesamt sowie an Fachärzten in einzelnen Bezirken festzulegen. So wird für eine Großstadt beispielsweise festgelegt, dass dort 50 Fachärzte für Orthopädie und 49 Fachärzte für Augenheilkunde notwendig seien. Entsprechend werden Planstellen für solche Vertragsärzte geschaffen. Sind in dieser Region alle Planstellen besetzt, kann sich kein weiterer Arzt dieser Fachrichtung in dieser Region als Vertragsarzt niederlassen und die Behandlung von gesetzlich versicherten Patienten abrechnen. Er könnte nur die Leistungen abrechnen, die er bei privat versicherten oder privat zahlenden Patienten erbracht hat.
Innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) und auch der Schweiz ist die Krankenversicherung für alle Bürger der Mitgliedsstaaten über die so genannte Europäische Gesundheitskarte verlässlich geregelt. Sie garantiert in jedem Land eine nach dem üblichen Kassenstandard des Landes qualifizierte Behandlung. Auch mit einigen nicht-europäischen Ländern, z. B. der Türkei, bestehen Verträge zur Gewährleistung der Minimalversorgung. Allerdings werden nur die Sätze erstattet, die im Land des Versicherten, Deutschland, für eine Leistung gezahlt werden. Wenn beispielsweise in Deutschland für eine ärztliche Leistung der Gegenwert von 30 € erstattet wird, zahlt die Krankenkasse auch bei einer Behandlung im Ausland nur 30 €, obwohl sie dort vielleicht 60 € kostet. Zusätzlich darf die Krankenkasse die Zuzahlungspauschale und einen erhöhten Verwaltungsaufwand von 7,5-10% von den zu erstattenden Kosten abziehen. Bei Behandlungen, für die bewusst ins Ausland gewechselt wird (z. B. Zahnersatz), sollte bei der Krankenkasse vorher angefragt werden, ob und in welchem Umfang die Behandlungskosten übernommen werden. Der Rücktransport im Krankheitsfall ist ein wichtiger, oft unterschätzter Punkt bei Auslandsaufenthalten. Er wird, auch mit einer Auslandskrankenversicherung, in der Regel nur erstattet, wenn er medizinisch indiziert ist, das heißt eine ausreichende Versorgung in dem jeweiligen Land nicht gewährleistet ist. Das entscheidet nicht der Verunfallte oder Erkrankte selbst, sondern die Ärzte bzw. die Krankenkasse. Bei einem Skiunfall in den französischen Alpen ist der Rücktransport aus medizinischen Gründen vermutlich nicht nötig, da die Ärzte auch in Frankreich qualifiziert sind. Bei Urlaubsreisen außerhalb des EWR sollte sich jeder frühzeitig um einen ausreichenden Versicherungsschutz für den Fall einer Erkrankung oder eines Unfalls kümmern. Auch ein möglicherweise erforderlicher Rücktransport sollte besprochen werden. Für Menschen mit einer chronischen Krankheit ist es dabei besonders wichtig, die Versicherungskonditionen sorgfältig zu lesen und sicher zu gehen, dass es keinen Ausschluss „vorhandener Risiken“ gibt. Längere Auslandsaufenthalte: Hier muss bedacht werden, dass die gesetzliche Krankenkasse nur bei einem Urlaub bis 6 Wochen bzw. 42 Tagen am Stück die Kosten erstattet. Ausnahmen davon sind längere berufliche und ausbildungsbedingte Aufenthalte im Ausland. Wenn Personen mit einer chronischen Krankheit also längere Auslandsaufenthalte planen, sollten sie sich frühzeitig an ihre Krankenkasse wenden, die Möglichkeiten bzw. Zuständigkeiten besprechen und ggf. eine Zusatzversicherung für das Reiseland abschließen. Medizinisches Versorgungszentrum - MVZ
Ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) ist eine 2003 eingeführte Einrichtung zur ambulanten medizinischen Versorgung. Gegenüber einer Gemeinschaftspraxis, in der Ärzte einer Fachrichtung zusammenarbeiten, sind hier Ärzte verschiedener Fachrichtungen, z. B. Allgemeinmediziner, Internisten, Unfallchirurgen oder auch Psychotherapeuten tätig, die sich gegenseitig bei der Behandlung ihrer Patienten unterstützen. Die Idee hinter dieser Form der Einrichtung besteht darin, dass Patienten kurze Wege zwischen verschiedenen Fachärzten haben und ein rascher Austausch zwischen den Ärzten zu besseren Ergebnissen führen soll. Viele MVZ arbeiten zudem eng mit einer Klinik zusammen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass Behandlungen, die in der Klinik begonnen wurden, auch ambulant zuverlässig fortgesetzt werden.
Der Nachteilsausgleich soll bei schulischer Ausbildung, Berufsschule und Studium chronisch Kranken die Möglichkeit geben, die krankheitsbedingten Leistungshandikaps auszugleichen. Er umfasst je nach Bedarf z.B. die Verlängerung von Zeiträumen für Prüfungen, Klausuren oder Hausarbeiten und das Erbringen von alternativen Leistungsnachweisen. Eine anerkannte Schwerbehinderung erleichtert das Vorgehen (s. auch ► Studieren mit chronischer Krankheit und Schwerbehinderung)
Bei der Einstellung an einem neuen Arbeitsplatz bzw. der Einstellungsuntersuchung sind Arbeitnehmer verpflichtet, bestimmte Fragen des Arbeitgebers zu ihrer Gesundheit wahrheitsgemäß zu beantworten. Einige Angaben müssen sogar ungefragt gemacht werden, selbst wenn der Arbeitgeber nicht danach fragt. Bei der Einstellungsuntersuchung geht es vor allem darum, sicherzustellen, dass gesundheitliche Probleme eines Mitarbeiters nicht zu Risiken für andere Menschen führen. Dies gilt z. B. bei der Personenbeförderung (u. a. bei Busfahrern, Lokführern oder Piloten), beim Umgang mit Gefahrstoffen und mit Strahlung. Gesundheitsbezogene Fragen, die direkt mit der Tätigkeit und dem Mitarbeiter selbst zu tun haben, müssen in der Regel wahrheitsgemäß beantwortet werden. Sie betreffen z. B. ·
Fragen zur gesundheitlichen Eignung für die angestrebte Tätigkeit (z. B. Liegt eine Krankheit vor, durch die die Ausübung der Tätigkeit dauerhaft oder wiederholt eingeschränkt ist?), ·
Fragen zu Risiken für andere Mitarbeiter oder Kunden,
Fragen zu gesundheitlichen Beschwerden, die innerhalb der nächsten sechs Monate zur Arbeitsunfähigkeit führen könnten (z. B. eine schwierige Operation). Eine Schwerbehinderung oder eine chronische Erkrankung gehören damit nicht zu den gesundheitlichen Themen, die grundsätzlich offenbart werden müssen. Hier steht das Persönlichkeitsrecht über dem Arbeitsrecht! Erst wenn die Erkrankung die vorgesehene Arbeit unmöglich macht oder stark behindert, ist ein Arbeitnehmer verpflichtet, dies dem Arbeitgeber mitzuteilen. Wird eine solche wichtige Information verschwiegen, kann ihm der Arbeitgeber auf Grund dieser „Täuschung" fristlos kündigen.
In vielen Unternehmen wird vor der endgültigen Einstellung eine Untersuchung durch einen Werks- oder Betriebsarzt verlangt. Er fragt nach Infektionen und Erkrankungen. Diese Fragen müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Der Betriebsarzt unterliegt dabei der Schweigepflicht. Er darf nur dann über den Gesundheitszustand eines Mitarbeiters Auskunft geben, wenn der Arbeitnehmer/sein Patient damit einverstanden ist. Auch dann darf nicht die genaue Diagnose mitgeteilt werden, sondern nur eine Einschätzung, ob gesundheitliche Bedenken hinsichtlich der geplanten Einstellung bestehen oder nicht. Bei jugendlichen Arbeitnehmern regelt das Jugendarbeitsschutzgesetz, dass immer eine Erstuntersuchung stattgefunden haben muss (§ 32 JArbSchG). Die Bescheinigung muss dem Arbeitgeber vorgelegt werden. Pädiater
Pädiater sind Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde. Sie haben sich in einer 5-jährigen Ausbildung nach dem Medizinstudium speziell auf die Untersuchung, Beratung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Von Geburt an bis zum 18. Lebensjahr sind Pädiater die ersten Ansprechpartner bei Fragen zu Gesundheit. Eine besonders wichtige Aufgabe stellen die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen aller Kinder und Jugendlichen, die U1 – U9 für Kinder und die J1 und J2 für Jugendliche dar. Sie dienen dazu, so früh wie möglich Krankheitsanzeichen sowie körperliche und seelische Gesundheitsrisiken zu erkennen und frühzeitig zu behandeln. Damit sollen alle Kinder und Jugendlichen die größtmögliche Chance zu einem gesunden Aufwachsen erhalten. Viele Pädiater sind durch zusätzliche Qualifikation gleichzeitig auch Spezialisten für spezifische Krankheitsbilder oder Organsysteme, z.B. Kinderlungenfachärzte, Kinderendokrinologen oder Kinderkardiologen. Auf den Webseiten der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte und der Kinder- und Jugendkliniken sind diese Spezialisierungen meist genau aufgeführt. Bei der Suche nach einem Spezialisten in einer bestimmten Region bieten die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Fachgesellschaften Adressenlisten an.
Patientenschulungen sind bei vielen chronischen Krankheiten unverzichtbarer Bestandteil der Therapie genau wie die Arztbesuche oder die Medikamenten­einnahme. Zusammen mit anderen Betroffenen werden Patienten in Seminaren fit für den Umgang mit ihrer Erkrankung im Alltag gemacht. Sie lernen Tipps und Tricks kennen, wie sie in allen Lebenslagen sicher mit ihrer Krankheit umgehen und können in kleinem Kreis Unklarheiten und Probleme besprechen. Es geht dabei nicht nur um das rein medizinische Wissen, sondern auch um praktische Fertigkeiten (z. B. richtiges Inhalieren, richtiges Spritzen oder richtiges Dosieren von Medikamenten) sowie um psychische und soziale Fragen (z. B. Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit der Erkrankung, Behandlung in der Öffentlichkeit). Die erste Schulung sollte relativ schnell nach der Diagnosestellung erfolgen, damit Patienten oder bei Kindern und Jugendlichen auch die Eltern alles Wichtige über die Krankheit erfahren und den richtigen Einsatz von Medikamenten und Hilfsmitteln erlernen und üben. Zu späteren Zeitpunkten, beispielsweise in der Pubertät oder bei maßgeblichen Veränderungen der Therapie, sind eventuell Folgeschulungen sinnvoll.
Die Schulungen werden von medizinischen Fachleuten, d. h. Ärzten, speziell ausgebildeten Pflegekräften, Psychologen, Physiotherapeuten und/oder Diätassistenten, durchgeführt. Sie können ambulant oder stationär im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationsklinik stattfinden und abhängig von der Erkrankung unterschiedlich lang sein. Nicht alle Schulungen werden von den Krankenkassen so finanziert wie bei Typ 1 Diabetes oder Asthma. Deshalb ist es bei anderen Krank­heiten sinnvoll, bei der eigenen Krankenkasse vorab die Kostenübernahme zu klären. Bei der Suche nach geeigneten Schulungsangeboten ist das Kompetenznetz Patientenschulung im Kindes- und Jugendalter e.V. gerne behilflich (www.patientenschulung-kompas.de). Persönliches Budget
Das persönliche Budget ermöglicht Menschen mit einem Anspruch auf Teilhabeleistungen (für Menschen mit einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit) anstelle einer traditionellen Sach- oder Dienstleistung eine Geldzuwendung oder - in Ausnahmefällen - Gutscheine zu erhalten. Der Empfangsberechtigte kann im Rahmen der vereinbarten Kriterien und Auflagen selbst entscheiden, wann und in welchem Umfang er welche Leistung durch welche Person, Einrichtung oder Firma in Anspruch nehmen möchte. Diese Leistung bezahlt der Empfänger des persönlichen Budgets als „Kunde“ oder „Arbeitgeber“ dann unmittelbar selbst aus dem Persönlichen Budget.
Die rechtliche Grundlage für das persönliche Budget ist §17 SGB IX. Das persönliche Budget ist an bestimmte Voraussetzung geknüpft, z. B. an eine Einkommensgrenze. Der Antrag wird direkt an den Leistungserbringer, in der Regel die Krankenkasse, gestellt. Es sind aber auch andere Träger möglich, z. B. die Pflegekasse oder eine Unfallversicherung. Pflegegeld/Pflegeversicherung
Jeder deutsche Pflegebedürftige hat Anspruch auf Pflege. Dazu gibt es eine gesetz­liche Pflicht zur Pflegeversicherung (SGB XI, §20). Bei gesetzlich Krankenversicherten wird der Beitrag automatisch vom Gehalt abgezogen, Privatversicherte müssen einen zusätzlichen Vertrag über eine Pflegeversicherung bei derselben Kasse abschließen (SGB XI, §23).
Pflegeleistungen können entweder von Angehörigen erbracht werden oder von einer Pflegehilfe bzw. einem Pflegedienst. Zur (Teil-)Finanzierung der Pflege kann Pflege­geld gezahlt werden, das abhängig von der Pflegebedürftigkeit gestaffelt ist (SGB XI §37, SGB XII §64). Bei Stufe I werden derzeit 205 €, bei Stufe II 410 € und bei Stufe III 665 € pro Monat bei häuslicher Pflege gezahlt. Zusätzlich können Hilfsmittel, die bei der Pflege benötigt werden (z. B. ein Krankenbett), bei der Pflegeversicherung beantragt werden. Das Pflegegeld reicht i.d.R. nicht aus, um sämtliche Pflegekosten zu decken. Die Pflegeversicherung ist also anders als die Krankenversicherung keine Vollversicherung. Können die zusätzlichen Kosten nicht durch den Haushalt selbst gedeckt werden, können Betroffene Sozialhilfe (►Sozialhilfe) für den nicht gedeckten Anteil beantragen (SGB XII § 9 und 65).
Privat Pflegende müssen regelmäßig von professioneller Seite unterstützt werden. Dies dient der Problemerkennung und -behebung, dem Erlernen neuer Techniken und der Begutachtung des Gesundheitszustandes der zu pflegenden Person. Bei den Pflegestufen I und II muss dies einmal pro Halbjahr, in Stufe III einmal pro Quartal erfolgen. Findet die häusliche Beratung nicht oder zu selten statt, kann das Pflegegeld gestrichen werden.
Private Krankenversicherung - PKV Die private Krankenversicherung (PKV) unterscheidet sich von der gesetzlichen durch die Art des Unternehmens (gewinnorientiert), die Art des Beitragsmodells (risikoadaptiert), die Abrechnung mit den Patienten und die übernommenen Leistungen. Vor Abschluss eines Vertrages mit einer privaten Krankenversicherung sind alle Versicherungsnehmer auf Nachfrage verpflichtet, vorliegende Krankheiten offenzulegen. Falsche Angaben im Gesundheitsbogen können dazu führen, dass die Versicherung die Zahlung verweigert. Personen mit chronischen Krankheiten werden meist nicht von der PKV aufgenommen oder es werden mit der Krankheit assoziierte Risiken aus den Versicherungsleistungen ausgeschlossen, so dass fast alle Leistungen selbst bezahlt werden müssen. Rehabilitation
Die Rehabilitation, umgangssprachlich Reha, verfolgt verschiedene Ziele. Bei Menschen mit einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit dient sie der Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Rehabilitation kann auch die soziale Eingliederung, z. B. im Beruf oder in der Schule, sowie Haushaltshilfen, Trainingsmaßnahmen oder Weiterbildungen umfassen. Sie kann ambulant (der Patient wohnt zu Hause und besucht regelmäßig eine Einrichtung, in der die Maßnahme stattfindet) oder stationär, z. B. in einer Rehabilitationsklinik, stattfinden. Die Rehabilitation wird ab dem 18. Lebensjahr von der Rentenversicherung finan­ziert, wenn der Versicherte zuvor 2 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt hat oder seit min­destens 15 Jahren versichert ist. Der Antrag an die Rentenversicherung wird über den betreuenden Arzt gestellt. Dieser kann auch Tipps geben, welche Einrichtung geeignet ist, und dies im Reha-Antrag vermerken. Wenn Versicherte noch nicht 18 Jahre alt sind oder noch keine 2 Jahre Beiträge gezahlt haben, kommen die Krankenkassen oder das Jugendamt als Träger in Frage. Zur Rehabilitation bei Kindern und Jugendlichen zählen u. a. Kinderheil­behandlungen, familienorientierte Rehabilitation sowie die Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder. Für die allgemeine Finanzierung der Reha gilt: Die GKV (► gesetzliche Kranken­versicherung) zahlt, wenn die Behandlung notwendig ist und kein anderer Träger sie übernimmt. Die Berufsgenossenschaften übernehmen die Kosten bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Die Agentur für Arbeit übernimmt Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, wenn kein anderer Sozialversicherungsträger zuständig ist. Auch Sozial- und Jugendämter übernehmen für bestimmte Leistungen die Kosten. Rente ►Erwerbsminderung
Ein Rezept ist ein Dokument, auf dem der behandelnde Arzt die notwendigen Maßnahmen, Medikamente, Heil- und Hilfsmittel verschreibt. Ein Rezept kann in einer Apotheke (Medikamente und Hilfsmittel), beim Physiotherapeuten oder beim Ergotherapeuten eingelöst werden.
Ohne ein Rezept sind viele Medikamente nicht erhältlich. Für sie besteht in Deutsch­land die Rezeptpflicht. Behandlungen bei Physio- oder Ergotherapeuten sind auch ohne Rezept möglich, sie müssen dann aber selbst bezahlt werden. Mit Rezept bezahlen Versicherte nur einen Teil der Kosten oder die Krankenkasse erstattet die Kosten ganz. Rezeptgebühr
► Zuzahlung
Alle Ärzte und das gesamte Personal, das mit dem Arzt zusammen arbeitet, unterliegen der Schweigepflicht. Das bedeutet, sie dürfen nichts von dem, was sie gesehen oder gehört haben, an andere weitergeben - weder an ihre eigenen Familienmitglieder, noch an die Familie des Patienten, es sei denn, der Patient stimmt dem ausdrücklich zu (►Schweigepflichtsentbindung). Die Schweigepflicht gilt auch für Ärzte untereinander, d.h. Ärzte dürfen sich nur in einem sehr begrenzten Rahmen über einen gemeinsamen Patienten austauschen.
Prinzipiell gilt auch bei unter 18-Jährigen die Schweigepflicht. Das heißt, Gesprächs­inhalte oder Absprachen zwischen einem Jugendlichen und seinem Arzt dürfen nicht ohne weiteres, z. B. an seine Eltern, weitergegeben werden. Hier gibt es allerdings Einschränkungen. Bei unter 15-Jährigen geht man davon aus, dass sie noch nicht „einsichtsfähig" sind, sodass ein Arzt die Eltern informieren darf, wenn er es für nötig erachtet. Bei über 15-Jährigen beachtet der Arzt das Patientengeheimnis. Allerdings kann es auch hier Einzelentscheidungen geben, bei denen der Arzt die Eltern informiert.
Ausnahmen, in denen ein Arzt und sein Personal von der Schweigepflicht entbunden sind, stellen die vier Offenbarungsbefugnisse dar: 1. Einwilligung des Patienten: Der Patient ist damit einverstanden, dass z. B. seine Angehörigen über seine Situation informiert werden. 2. Mutmaßliche Einwilligung: Der Patient ist z. B. komatös und kann sein Einverständnis nicht geben. Man geht dann in der Regel davon aus, dass beispielsweise der Lebenspartner oder die Eltern erfahren dürfen, wie es um den Patienten steht.
3. Gesetzliche Offenbarungspflichten oder -rechte: Es gibt Krankheiten, wie z. B. Tuberkulose, die an ein zentrales Register gemeldet werden müssen (Meldepflicht). Die Meldung ist in der Regel anonym.
4. Güterabwägungsprinzip: Hierbei wird das individuelle Patientengeheimnis gegen einen möglichen gesellschaftlichen Schaden abgewogen. Beispielsweise darf sich ein Arzt an die Polizei wenden, wenn ein Patient ihm berichtet, dass er einen ernstzunehmenden Anschlag auf einen anderen Menschen plant.
Ab einem Grad der Behinderung (► GdB) von 50 besteht ein Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis und den Status einer Schwerbehinderung. Mit ihm können bestimmte Vergünstigungen geltend gemacht werden, die durch die Behinderung entstandene Nachteile ausgleichen sollen (z. B. kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, zusätzliche Urlaubstage im Beruf zur Erholung, Steuerfreibeträge, Zugeständnisse bei der Berufsausbildung).
Anträge müssen beim zuständigen Versorgungsamt (► Versorgungsamt) gestellt werden. Der ärztliche Dienst prüft zunächst anhand von Befundberichten den Gesundheitszustand und schließt bei Bedarf eine ärztliche Untersuchung an. Das Versorgungsamt stellt dann den Schwerbehindertenausweis aus. Auf dem Ausweis wird neben dem GdB auch die Art der Behinderung über ein Merkzeichen eingetragen: H steht für Hilflosigkeit, G für Gehbehinderung, bei B kann im öffentlichen Nahverkehr eine Begleitperson kostenlos mitgenommen werden. Vorsicht! Der Schwerbehindertenausweis allein berechtigt noch nicht zum Parken auf Behindertenparkplätzen. Dafür ist eine Zusatzkennzeichnung erforderlich, wie z. B. „aG“ für außergewöhnlich gehbehindert.
Ein einmal festgelegter GdB kann geändert werden. In der Regel findet nach Vollendung des 18. Lebensjahres eine Nachuntersuchung statt. Danach gilt ein Schwerbehindertenausweis höchstens 5 Jahre, er kann aber in der Regel problemlos zweimal verlängert werden. Daran anschließend kann er je nach Gesundheitszustand auch unbegrenzt verlängert werden.
Schwerbehindertengesetz: Merkzeichen H, G, aG, B, GI, BI
Zur Leistungsberechnung und –gewährung nach dem Schwerbehindertenrecht wird nicht nur der Grad der Behinderung (► GdB) herangezogen, es gibt zusätzlich auch sogenannte Merkzeichen. Die Merkzeichen werden mit Großbuchstaben abgekürzt und sind auf dem Schwerbehindertenausweis abgedruckt:
H - Hilflosigkeit: Es besteht ein deutlicher Mehraufwand in Pflege und Beaufsichtigung der betroffenen Person. Damit verbunden sind folgende Leistungen: Kfz-Steuerbefreiung, wenn das Fahrzeug auf den Betroffenen zugelassen ist; Zuschüsse zu privaten Kfz-Fahrten jeweils 30 Cent pro km bis zu 15.000 km pro Jahr (z. B. Fahrten zum Arzt oder in den Urlaub); Freifahrten im öffentlichen Nahverkehr mit Schwerbehindertenausweis und Wertmarke; Übernahme von Fahrtkosten zur ambulanten Versorgung; häufig: ermäßigte Beiträge bei Haftpflicht-Versicherungen; ein pauschaler Steuerfreibetrag für die Person mit Behinderung von 3.700 € pro Jahr bzw. bei unter 18-Jährigen für deren Pflegepersonen.
B - eine Begleitperson darf mitgenommen werden: Der Besitzer des Schwerbehinder­tenausweises stellt allein für sich oder andere eine Gefahr im Straßenverkehr dar und bedarf deshalb einer Begleitung. Damit verbunden sind folgende Leistungen: Eine Begleitperson darf ihn in öffent­lichen Verkehrsmitteln (inkl. Deutsche Bahn) und im innerdeutschen Luftverkehr mit der Lufthansa begleiten.
G - die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheblich eingeschränkt: Dieses Merkzeichen erhalten beispielsweise Personen mit einem GdB über 50 und zusätz­lich schweren internistischen Beschwerden (z. B. eine beeinträchtigte Lungenfunktion bei Mukoviszidose) oder einer Funktionseinschränkung der unteren Gliedmaßen oder des unteren Wirbelsäulenabschnitts.
Damit verbunden sind folgende Leistungen: kostenfreie Fahrten im öffentlichen Nahverkehr (50 km um den eigenen Wohnort); Kfz-Steuerermäßigung, wenn das Fahrzeug auf den Betroffenen zugelassen ist; einen Zuschuss zu privaten Kfz-Fahrten jeweils 30 Cent pro km bis zu 3.000 km pro Jahr (z. B. Fahrten zum Arzt oder in den Urlaub); Preisnachlass beim Neuwagenkauf bei einigen Herstellern.
aG - außergewöhnlich gehbehindert: Dieses Merkzeichen steht auf dem Ausweis, wenn sich Schwerbehinderte außerhalb ihres Kfz nur mit immenser Anstrengung bewegen können, z. B. bei einer Querschnittslähmung oder einer extrem schlechten Lungenfunktion.
Damit verbunden sind folgende Leistungen: Parken auf gekennzeichneten Behindertenparkplätzen; kostenloses Parken im Gebiet von Parkscheinautomaten; kostenfreie Fahrten im öffentlichen Nahverkehr (50 km um den eigenen Wohnort); Kfz-Steuerbefreiung, wenn das Auto auf den Betroffenen zugelassen ist; Steuervergünstigung für 15.000 km pro Jahr für private Fahrten.
RF - Befreiung von Rundfunkgebühren: RF bekommen Schwerhörige ab einem GdB von 50, Sehbehinderte und Blinde ab einem GdB von 60 und Schwerbehinderte ab einem GdB von 80, die nachweisen, dass sie auch mit Hilfe keine Möglichkeit haben, an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen.
Damit verbunden sind folgende Leistungen: Befreiung von der Rundfunkgebühr.
BI – Blindheit: Ab einer Sehschärfe von 1/50= 0,02 oder darunter gelten Betroffene als blind und erhalten das Merkzeichen BI.
Damit verbunden sind folgende Leistungen: Pauschalsteuerfreibetrag von 3.700 € pro Jahr; Anspruch auf Geld aus dem Landespflegegeldgesetz, das von Bundesland zu Bundesland variiert.
GI – Gehörlose: Personen, die auf beiden Ohren taub oder so stark hörgeschädigt sind, dass eine Sprachstörung vorliegt, erhalten das Merkzeichen GI zuerkannt.
Damit verbunden sind folgende Leistungen: Kfz-Steuererleichterung; kostenfreie Fahrten im öffentlichen Nahverkehr; Anspruch auf Geld aus dem Landespflegegeldgesetz, das von Bundesland zu Bundesland variiert. Weitere Merkzeichen und Vergünstigungen, wie Haushaltshilfen und Steuerfreibe­träge, können der Schwerbehindertenausweisverordnung entnommen werden (s. www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/schwbawv). Selbsthilfegruppe/-vereinigung
Eine Selbsthilfegruppe ist ein Zusammenschluss von Betroffenen und teilweise deren Angehörigen, mit dem Ziel der gegenseitigen Unterstützung und des Erfahrungs­austauschs. Vor allem für chronische oder schwerwiegende Krankheiten bestehen Selbsthilfegruppen. Sie sind ehrenamtlich geleitete Zusammenschlüsse, die ihre Mitglieder motivieren, (rechtlich) beraten und eine Plattform für die Vertretung von gemeinsamen Interessen nach außen bieten. Selbsthilfegruppen sind kein Ersatz für eine ärztliche Betreuung und Behandlung.
Sie werden finanziell von den Krankenkassen unterstützt, wenn sie bestimmte Aufgaben wahrnehmen. Eine Übersicht über die bundesweit aktiven Selbsthilfen bietet www.schon-mal-an-selbsthilfe-gedacht.de. Große bundesweit organisierte Selbsthilfevereinigungen bieten im Internet Kontaktadressen lokaler Gruppen, Fachinformationen und Beratungen zur Bewältigung täglicher Belastungen und Hürden an.
Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht durch eine zumutbare Arbeit, das eigene Vermögen oder sonstiges Einkommen selbst bestreiten können, haben Anspruch auf Arbeitslosengeld II (umgangssprachlich Hartz IV). Das AG II umfasst einen Regelbedarf von derzeit 382 € und zusätzlich Geld für Unterkunft, Heizung und Warmwasser. Für Menschen mit einer Behinderung, die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben erhalten, gibt es einen Mehrbedarfszuschlag von 35% des Regelbedarfs, aktuell 133,70 €. Zusätzlich haben sie Anspruch auf verschiedene Zuschüsse, u. a. für die Anschaffung, Miete und Reparatur von therapeutischen Geräten und orthopädischen Schuhen.
Menschen mit einer Behinderung, die im gleichen Haushalt wie ihre Eltern leben, bekommen oft nur die Regelbedarfsstufe 3. Nach Vollendung des 25. Lebensjahres ist diese Regelung umstritten, da sie junge Erwachsene schlechter stellt als allein lebende Gleichaltrige.
Der Antrag für AG II wird in der Regel bei der zuständigen Agentur für Arbeit gestellt. Bei fehlender Erwerbsfähigkeit ►Erwerbsminderung
Der Sozialmedizinische Dienst ist innerhalb der Knappschaft-Bahn-See zuständig für sämtliche medizinisch-gutachterliche Fragestellungen. Seine Aufgabenstellung umfasst Begutachtungen im Rentenverfahren sowie bei Anträgen auf medizinische und berufliche Rehabilitation. Im Bereich der Krankenversicherung nimmt er die Aufgaben eines Medizinischen Dienstes wahr und erstellt außerdem Pflegegutachten für die Pflegeversicherung.
Studieren mit chronischer Krankheit und Schwerbehinderung
In einigen Studiengängen werden Studienplätze speziell für Schwerbehinderte reserviert und gesondert vergeben. Mögliche Nachteile, die Studierende mit einer Behinderung haben, sollen so ausgeglichen werden. Anträge auf Nachteilsausgleich bezüglich des Numerus clausus oder der Wartezeiten können zu einer Bevorzugung führen, ebenso ein Härtefallantrag auf sofortige Zulassung zum Studium. Das geforderte ärztliche Gutachten stellt die behandelnde Ambulanz oder der Spezialist aus. Hier kann auch attestiert werden, dass es wichtig ist, an einem bestimmten Ort zu studieren (z. B. Vorhandensein einer Spezialambulanz oder Nähe zu den betreuenden Eltern). Allerdings entscheiden die einzelnen Hochschulen individuell, welche Bedingungen genau erfüllt sein müssen. Deshalb ist es wichtig, sich bei den Wunschuniversitäten zu erkundigen, wie der Nachteilsausgleich dort geregelt wird. Nach Beginn des Studiums sollten Studierende Kontakt zur Schwerbehindertenberatung der Hochschule aufnehmen. Sie gibt Informationen darüber, welche Nachteilsausgleiche während des Studiums möglich sind. Der Nachteilsausgleich umfasst je nach Bedarf z. B. die Verlängerung von Prüfungszeiträumen, Klausuren oder Hausarbeiten, das Erbringen von alternativen Leistungsnachweisen oder die Gewährung von Integrationshilfen wie Büchergeld und persönliche Assistenz. Das BAföG kann aufgrund der chronischen Krankheit über die Förderhöchstdauer hinaus gewährt werden.
Tipps und Informationen zum Thema Studium und Schwerbehinderung sind unter www.studentenwerke.de und www.hochschulstart.de zu finden, außerdem auf den Websites der Universitäten und Fachhochschulen.
Teilhabe bedeutet, Menschen mit einem Handicap die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben mit all seinen Facetten zu ermöglichen, z. B. den Schul- und Universitätsbesuch oder die Freizeitgestaltung mit Kino- oder Theaterbesuch. Behinderten Menschen soll ein möglichst selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben ermöglicht werden.
Dies soll mit Hilfe von Sozialleistungen und anderen unterstützenden Maßnahmen erreicht werden. Im SGB IX sind Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, unterhaltssichernde Leistungen, Leistungen für die Teilnahme am Arbeitsleben und Leistungen zur Teilnahme am Leben der Gemeinschaft festgeschrieben (z. B. betreute Wohnmöglichkeiten).
Unter Transition versteht man in der Medizin den geplanten Übergang von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen von einer kindzentrierten hin zu einer erwachsenenorientierten Gesundheitsversorgung (s. auch ► Arztwechsel). Überforderungsklausel
Die Überforderungsklausel dient der Begrenzung der Zuzahlungen für medizinische Maßnahmen. Chronisch kranke Personen brauchen oft eine Vielzahl von Medika­menten und anderen therapeutischen Maßnahmen, für die sie einen Eigenanteil bezahlen müssen. Dies kann einen Haushalt finanziell stark belasten. Die Überforderungsklausel besagt, dass die medizinische Versorgung bzw. die Zuzahlung maximal 2% des Bruttojahreseinkommens betragen darf, bei schwer­wiegend chronisch Erkrankten 1%. Zum Bruttohaushaltseinkommen zählen alle Einkünfte, die ein Haushalt, in dem ein Patient lebt, hat. Dazu gehören z. B. auch die Einkünfte der Eltern und Geschwister, wenn diese im gleichen Haushalt leben. Gleichzeitig werden auch die Zuzahlungen aller Bewohner des Haushaltes berücksichtigt, nicht nur die des Patienten.
Übersteigt der Eigenanteil die 1%- bzw. 2%-Grenze kann ein Antrag auf Befreiung bei der Krankenkasse gestellt werden. Diese stellt dann eine Bescheinigung auf Befreiung von Zuzahlungen für den Rest des Kalenderjahres aus. Eine Befreiung von Zuzahlungen kann erfolgen für Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmittel, für Zahnersatz und für Fahrtkosten. Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine vollständige Befreiung von Zuzahlungen möglich. Die Bedingungen dafür können bei der jeweiligen Krankenkasse erfragt werden.
Überweisung Wenn eine Erkrankung oder Behandlungsform nicht in das Fachgebiet eines Arztes, z. B. des Hausarztes fällt, schickt er den Patienten zu einem Spezialisten für dieses Gebiet. Dieses „Weiterschicken" bezeichnet man als Überweisung. Patienten erhalten dafür einen Überweisungsschein, den sie dem Facharzt vorlegen. Der Spezialist kümmert sich dann um die Diagnostik und/oder fachgerechte Behandlung. In der Regel schickt er den Patienten danach mit den Ergebnissen und ggf. einem Therapievorschlag zurück zum überweisenden Arzt. Er „überweist" ihn zurück zum Hausarzt. Seit dem 01.01.2013 können Fachärzte auch direkt aufgesucht werden, ohne zuvor vom Hausarzt eine Überweisung zu bekommen. Die Überweisung ist heute eher eine Orientierungshilfe für den Patienten. Für den Besuch von Spezial­ambulan­zen und Ambulanzen in Krankenhäusern sind in der Regel weiterhin Überweisungen durch den Hausarzt bzw. Kinder-/Jugendarzt notwendig. Versicherung
Versicherungen wie Krankenhaustagegeld, (Risiko-)Lebens- oder Berufs­unfähigkeits­versicherung werden hauptsächlich von Privatunternehmen angeboten. Diese lehnen Menschen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten häufig wegen des hohen Kostenrisikos ab oder bieten nur Versicherungen mit Risikozuschlägen oder Ausschlüssen an, so dass der tatsächliche Nutzen abgewogen werden muss. Der Gesundheitsbogen der Versicherung muss vor Vertragsabschluss wahrheits­getreu ausgefüllt werden. Das darauf folgende Versicherungsangebot sollte sehr sorgfältig mit Blick auf Ausschlüsse gelesen werden, bevor es zu einem Vertragsabschluss kommt.
Versorgungsamt Die Versorgungsämter übernehmen in Deutschland Aufgaben im Rahmen der sozialen Sicherung, der individuellen Entschädigung und für Schwerbehindertenangelegenheiten. Sie sind für die Feststellung eines Schwerbehindertenstatus und die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises zuständig (►Schwerbehindertenausweis).
In der Bewerbung muss eine Behinderung oder chronische Krankheit nicht erwähnt werden, da Menschen mit Behinderung mit Vorurteilen und Benachteiligungen rechnen müssen (► Offenbarungspflicht). Auch im Vorstellungsgespräch muss die Erkrankung nicht genannt werden, solange sie die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt und keine Relevanz für die Berufsausübung hat. Der Arbeitgeber darf nur in Ausnahmefällen nach Erkrankungen fragen. Sollte er dennoch fragen, darf man lügen, wenn die Erkrankung nicht beim Arbeiten einschränkt. Wenn allerdings Einschränkungen bestehen und die Lüge herauskommt, ist das ein Grund für eine fristlose Kündigung. Eine offensichtliche Behinderung sollte dennoch angesprochen werden. Bewerber kommen so unangenehmen Fragen des Arbeitgebers zuvor und können zeigen, dass sie sich mit ihrer Behinderung auskennen und sich Gedanken über die Vereinbarkeit mit dem Arbeitsplatz gemacht haben. Wenn die Behinderung nicht offensichtlich ist und keine Relevanz für die Berufsausübung hat, muss jeder Bewerber für sich überlegen, ob er sie erwähnt oder nicht. Manchmal kann die Information über einen Schwerbehindertenstatus auch hilfreich sein, wenn Arbeitgeber aufgrund des Schwerbehindertengesetzes Personen aus dieser Gruppe bevorzugt einstellen. Zuzahlung
Die Rezeptgebühr oder auch Zuzahlung ist der Anteil eines Medikamentes, den Patienten selbst bezahlen müssen. Die Rezeptgebühr wird von der Apotheke voll­ständig an die Krankenkasse weitergeleitet. In der Regel beträgt der Anteil 10% des Verkaufspreises oder mindestens 5 bzw. 10 €. Hierbei gibt es Ausnahmen, wenn das Medikament entweder weniger als 5 € kostet oder wenn der Preis den fest­ge­legten Betrag der Krankenkasse überschreitet. Wenn das Medikament weniger als 5 € kostet, darf die Zuzahlung nicht höher sein als die Gesamtkosten des Medikamentes. Ist das verschriebene Medikament teurer als der von der Krankenkasse festgelegte Betrag, muss der Patient die Rezeptgebühr und den Differenzbetrag zahlen. Der betreuende Arzt kann allerdings einen Antrag an die Krankenkasse stellen und die Notwendigkeit des teureren Medikamentes begründen. Wenn der Antrag bewilligt wird, muss der Patient nur die übliche Zuzahlung übernehmen.
Bei stationären Aufenthalten muss jeder Patient 10 € pro Tag selbst zahlen. Bei Heilmitteln (z.B. Einlagen für Schuhe) und bei häuslicher Krankenpflege müssen 10% selbst und zusätzlich 10 € pro Rezept gezahlt werden.
Personen bis zum 18.Lebensjahr müssen keine Zuzahlungen leisten. Ab dem 18. Lebensjahr kann bei einer chronischen Krankheit ein Härtefallantrag gestellt werden. Ein erfolgreicher Antrag senkt die Zuzahlungen von 2% auf 1% des Bruttojahreseinkommens des Haushalts (► Überforderungsklausel). Eltern
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Fit für den Wechsel
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