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Timestamp: 2019-01-24 02:21:35+00:00

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http://www.ybrfreun.de | Rückstrahler am Motorrad - Nicht beliebt aber gesetzlich vorgeschrieben
Nicht beliebt aber gesetzlich vorgeschrieben
Rückstrahler an einer Yamaha YBR 125
Ab Werk stets vorhanden und von vielen als hässlich empfunden: Der Rück­strahler ist in der Regel unmittelbar oberhalb oder unterhalb des Kennzeichens am Motorrad befestigt.
Ob nun als »Katzenauge«, »Reflektor« oder wie im Gesetz als »Rückstrahler« bezeichnet, ob schön oder nicht müssen sie in jedem Fall vorhanden sein.
Nachzulesen ist diese Vorschrift in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) im Paragraph 53 »Schlußleuchten, Bremsleuchten, Rückstrahler«[1]:
Bei einspurigen Fahrzeugen (Motorräder ohne Beiwagen) genügt ein Rückstrahler.
Dieser Rückstrahler muss mittig und parallel zur Fahrbahn abgebracht sein, darf also nicht irgendwie schief am Kennzeichenhalter hängen.
Der Rückstrahler darf nicht dreieckig sein, diese sind für Anhänger vorbehalten.
Der Mindestabstand von der Fahrbahn ist nicht näher definiert, der maximale Abstand ist auf 900 mm festgelegt. In der ECE-R 53 wird der Mindestabstand auf 250 mm definiert.
Zusätzlich – auch wenn nicht im Zitat angegeben – der Hinweis, dass natürlich auch ein Rückstrahler als »lichttechnische Einrichtung« bauartgeprüft und zugelassen sein muss. Dies kann anhand einer entsprechenden Kennzeichnung (undeutlich auf dem Bild zu erkennen, daher weiter unten als separate Zeichnung) festgestellt werden.
Kennzeichnung des bauartgeprüften Rückstrahlers
Breite des Rückstrahlers ca. 85 mm
Kennzeichnung am Rückstrahler
Da man auf den Bildern die Kennzeichnung des Rückstrahlers nicht wirklich erkennen kann, habe ich sie in Form einer Zeichnung nachgestellt.
Über der Kennung der Prüfstelle (E2 entspricht Frankreich) befindet sich die Klasse, welche der Rückstrahler bei der Genehmigung gemäß ECE-R 3 zugeteilt bekommen hat. Im Falle des originalen Rück­strahlers an meiner YBR 125 die Klasse »I A«.
Leider geistern im Internet diverse Angaben zu den Rückstrahlern herum, welche den § 53 StVZO falsch zitieren oder nach einer ungesunden Portion freier Interpretation irgendwelche Werte aufweisen, welche so gar nicht im Gesetz zu finden sind.
Mindestbreite des Rückstrahlers 150 mm? Nicht wirklich.
Beispielsweise die angeblich in eben diesem Paragraphen stehende Mindestbreite von 150 mm für einen Reflektor. Wer sich den Satz anschaut in welchem diese Angabe gemacht wird erkennt sehr schnell, dass die 150 mm für die Kantenlänge des gleichseitigen Dreiecks für Anhänger gilt:
Anhänger müssen mit 2 dreieckigen roten Rückstrahlern ausgerüstet sein; die Seitenlänge solcher Rückstrahler muß mindestens 150 mm betragen, die Spitze des Dreiecks muß nach oben zeigen.
Quelle: § 53 IV Satz 2 StVZO
Mit dem roten Rückstrahler am Motorrad hat diese Angabe nichts zu tun. Daher sind auch so viele deutlich kleinere Rückstrahler mit Zulassung im Handel erhältlich.
Mindestabstand von der Fahrbahn 250 mm? Ja, aber nicht in § 53 StVZO.
Im Bezug auf die Rückstrahler wird an keinem Punkt ein Mindestabstand zur Fahrbahn deklariert. Häufig ist von einem Mindestabstand von 250 mm die Rede, welcher sich angeblich auch im § 53 StVZO befindet. Dieser Abstand wird auch einfach aus dem ersten Absatz des § 53 geholt, somit an völlig anderer Stelle:
Der niedrigste Punkt der leuchtenden Fläche der Schlußleuchten darf nicht tiefer als 350 mm, bei Krafträdern nicht tiefer als 250 mm, [...] über der Fahrbahn liegen.
Quelle: § 53 I Satz 3 StVZO
Im ersten Absatz ist allerdings von den Schlussleuchten die Rede, nicht von den Rückstrahlern.
Die Angabe von 250 mm stimmt allerdings trotzdem, allerdings nicht nach § 53 StVZO sondern nach ECE-R 53 »Beleuchtung/Lichtsignaleinrichtung Motorräder«[2]. Dort sind unter 6.8ff die Angaben für »Hinterer nicht dreieckiger Rückstrahler« zu finden:
Anordnung in der Höhe: mindestens 250 mm und höchstens 900 mm über dem Boden;
Horizontalwinkel: 30° nach links und nach rechts bei einem einzigen Rückstrahler
30° nach außen und 10° nach innen bei jedem Rückstrahler eines Paars.
Vertikalwinkel: 15° über und unter der Horizontalen. Der vertikale Winkel unter der Horizontalen darf auf 5° verringert sein, wenn die Anbauhöhe des Rückstrahlers kleiner ist als 750 mm.
Auch gelegentlich zu finden ist eine Angabe von mindestens 300 mm. Diese stammt wohl ebenfalls aus der ECE-R 53 :
in der Höhe: mindestens 300 mm und höchstens 900 mm über dem Boden;
Allerdings sind unter 6.12 die »seitlichen, nicht dreieckigen Rückstrahler« definiert.
Es gibt also eigentlich zwei Stellen, in denen man alle Informationen zu den Rückstrahlern und den in Deutschland dafür gültigen Vorgaben für deren Anbau findet: § 53 StVZO und ECE-R 53.
An diesen beiden Stellen können die auch hier auf der Seite aufgezeigten Informationen gefunden werden und ein roter Rückstrahler (die Farbe ist natürlich auch vorgegeben) entsprechend montiert werden.
Natürlich gibt es im Internet unglaublich viele Postings von wegen »die Freunde und Helfer haben mir die halbe Mühle zerlegt aber den fehlenden Rückstrahler haben sie nicht bemängelt« oder »ich bin ohne Mängel durch den TÜV gekommen und habe auch kein blödes Katzenauge dran«. Das mag so wirklich passieren, vielleicht sogar tagtäglich. Aber ein Garant das man ohne Rückstrahler keine Probleme bekommt ist es eben auch nicht.
Ich persönlich mache mir mehr Gedanken über Ölstand, Zustand der Bremsen und wie teuer das Benzin ist und weniger über die Außenwirkung auf Dorfschönheiten oder sonstige Personen, welchen der originale Reflektor an meiner Maschine gefällt oder eben nicht.
[1] § 53 StVZO »Schlußleuchten, Bremsleuchten, Rückstrahler«
[2] ECE-R 53 »Beleuchtung/Lichtsignaleinrichtung Motorräder« (.pdf) (aufgerufen am 14.06.2011, 00:37 Uhr)
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References: § 53
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