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Timestamp: 2020-07-04 11:00:21+00:00

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Sind Angestellte arbeitsunfähig, können Sie sich beim Vorgesetzten oder bei der Personalabteilung krankmelden. Im Normalfall muss dann spätestens nach drei Tagen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorliegen. Das sichert die Lohnfortzahlung. Ist jedoch ein Kind so schwer krank, dass ein Elternteil zu Hause bleiben muss, greift eine andere gesetzliche Absicherung: das Kinderkrankengeld. Was genau ist das, welche Leistung steckt dahinter und welche Details müssen Eltern unbedingt beachten? Ein kurzer, allgemeiner Überblick zum Thema Kinderkrankengeld.
Die Leistung: Was ist das Kinderkrankengeld?
Diese gesetzliche Leistung zahlt nicht der Arbeitgeber, sondern die Krankenkasse. Grundlage ist § 45 des Sozialgesetzbuchs V (§ 45 SGB V). Das Gesetz nennt die daraus resultierende Leistung umständlich „Krankengeld bei Erkrankung des Kindes“. Allgemein haben sich die Begriffe Kinderkrankengeld sowie vereinzelt auch Kinderpflege-Krankengeld und Kinderpflege-Krankentagegeld eingebürgert.
Der Paragraf greift, wenn es sich um ein Kind vor dem vollendeten zwölften Lebensjahr oder mit einer Behinderung handelt oder es einen besonderen Hilfebedarf hat. Es gelten jedoch weitere Voraussetzungen:
Der Elternteil muss berufstätig sein und selbst einen Anspruch auf Krankengeld haben.
Das Kind muss gesetzlich versichert sein. Ist das Kind privat krankenversichert, kommt es auf den Leistungskatalog und somit die Vertragsdetails an. Meistens schließen private Krankenversicherungen das Kinderkrankengeld aus.
Das Kind muss sich zu Hause bzw. in der Wohnung des betreffenden Elternteils befinden – ein Krankenhausaufenthalt rechtfertigt kein Kinderkrankengeld.
Keine andere im Haushalt lebende Person kann die Betreuung bzw. Pflege des Kindes übernehmen.
Der Elternteil kann aus diesen Gründen nicht seiner Arbeitsverpflichtung nachkommen.
Kinderkrankengeld ist keine Lohnfortzahlung – wie viel Geld gibt es?
Die Leistung entspricht der des Krankengeldes. Das bedeutet: Es handelt sich nicht um eine reguläre Lohnfortzahlung. Der betreuende Elternteil bekommt also nicht weiterhin sein Gehalt, sondern eine Ersatzleistung von seiner Krankenversicherung. Diese zahlen die Krankenkassen in Tagessätzen aus. Die Höhe entspricht der des Krankengeldes und umfasst für die Zeit des Anspruchs
90 Prozent des Nettoentgelts aus beitragspflichtigen Arbeitseinkommen;
100 Prozent des Nettoentgelts aus beitragspflichtigen Arbeitseinkommen, wenn der Versicherte während der zwölf vorangegangenen Monate eine Einmalzahlung wie zum Beispiel Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erhalten hat;
maximal jedoch 70 Prozent der aktuellen gesetzlichen Beitragsbemessungsgrundlage, umgerechnet auf einen Kalendertag.
Wichtig: Während des Bezugs von Kinderkrankengeld ist der Versicherte beitragsfrei versichert. Die Krankenkasse muss jedoch die Beiträge für die Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abziehen.
Gesetz greift nur für wenige Tage im Jahr!
Der § 45 SGB V setzt einen weiteren Eckpfeiler zur Definition der Leistung: die maximale Länge des Leistungsbezugs. Dabei gelten die folgenden Regeln:
Der Versicherte kann den Anspruch pro Kalenderjahr nur für maximal zehn Arbeitstage für jedes Kind geltend machen.
Die Dauer steigert sich für Alleinerziehende auf maximal 20 Arbeitstage pro Kind.
Insgesamt kann ein Versicherter maximal 25 Arbeitstage pro Jahr für alle seine Kinder geltend machen.
Alleinerziehende können die Leistung für alle ihre Kinder maximal 50 Arbeitstage lang beziehen.
Info: Eine wichtige Ausnahme gilt für Eltern mit einem schwerkranken Kind. Zeichnet sich der Tod des Kindes ab, gilt eine unbefristete Bezugsdauer. Diese Regelung greift abweichend vom Normalfall auch dann, wenn das Kind in einer Klinik oder einem Hospiz untergebracht ist. Nachweise sind zu erbringen.
Wie beantragen Eltern das Kinderkrankengeld?
Eltern beantragen die Leistung nach § 45 SGB V unverzüglich bei ihrer Krankenkasse. Dazu ist eine ärztliche Bescheinigung für die Notwendigkeit der Betreuung und die Dauer der Erkrankung erforderlich, die alle relevante Datenfelder enthält. Dieses Formular muss der Versicherte gewissenhaft ausfüllen und der Krankenkasse zusenden.
Die Durchschrift des Antrags muss spätestens am Tag nach dem dritten Fehltag beim Arbeitgeber vorliegen! Hält ein Arbeitnehmer diese Frist nicht ein, handelt es sich um ein Versäumnis, das nicht nur eine verzögerte Auszahlung der Leistung zur Folge haben kann, sondern wegen der „unentschuldigten Fehlzeit“ – grundsätzlich arbeitsrechtlich sanktionierbar ist.
Liegt der Antrag dem Arbeitgeber vor, übermittelt dieser der Krankenkasse eine Verdienstbescheinigung. Anhand dieses Einkommensnachweises errechnet die Krankenkasse die Leistungshöhe in Tagessätzen. Die Auszahlung erfolgt auf das angegebene Konto des Versicherten.
Ausnahme: Anspruch auf Lohnfortzahlung
Bevor Eltern Kindergeld beantragen, sollten sie in ihren Arbeitsvertrag schauen. Denn grundsätzlich gilt vorrangig ein Anspruch auf Lohnfortzahlung nach § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 616 BGB). Dieser besagt, dass ein Arbeitnehmer der Arbeit fernbleiben darf, wenn er aus einem nicht an ihm liegenden Grund seiner Arbeitspflicht nicht nachkommen kann. Dieses schließt eine notwendige Pflege bei Erkranken des Kindes ein.
Allerdings sind zwei wichtige Punkte zu beachten.
In der Rechtsprechung herrscht über die Dauer der daraus resultierenden Lohnfortzahlung Uneinigkeit. In der Regel können Eltern nur sehr wenige Tage (ca. drei) geltend machen.
Die meisten Arbeits- oder Tarifverträge schließen die Lohnfortzahlung nach § 616 BGB generell aus. Klarheit schafft nur ein Blick in den jeweiligen Vertrag.
Wichtig: § 616 BGB und § 45 SGB V konkurrieren nicht miteinander. Es ist möglich, zunächst die Lohnfortzahlung in Anspruch zu nehmen und danach Kinderkrankengeld zu beantragen.
Besteht ein Anspruch auf Lohnfortzahlung, können sich Arbeitnehmer bei ihrem Vorgesetzten melden und entschuldigen. Es ist dann jedoch bei längerer Krankheit des Kindes ihre Pflicht, sich um eine Ersatzbetreuung oder eine andere Alternative zu kümmern bzw. Kinderkrankengeld zu beantragen.
Dauert die Krankheit des Kindes an und der Arbeitnehmer beantragt kein Kinderkrankengeld und fehlt über Gebühr oder entgegen der Anordnung seines Arbeitgebers, macht er sich eines persönlichen Fehlverhaltens schuldig. Dieses kann zu einer Abmahnung oder Kündigung führen kann.
Welche Folgen hat der Bezug von Kinderkrankengeld am Arbeitsplatz?
Das Fernbleiben vom Arbeitsplatz im Falle einer Pflege des erkrankten Kindes ist gesetzlich eindeutig geregelt. Ähnlich wie bei einer eigenen Erkrankung mit Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gibt es im Normalfall keinerlei Konflikte mit dem Arbeitgeber. Dieser muss zwar mit der Krankenkasse kooperieren, spart aber sogar die Lohnfortzahlung für die Dauer der Inanspruchnahme nach § 45 SGB V.
Alternativen zum Kinderkrankengeld
Schwieriger ist es für beide Seiten, wenn das Kind bzw. die Kinder des Arbeitnehmers häufiger oder länger krank sind. Reicht der gesetzliche Anspruch nicht mehr aus, sind andere Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber zwingend erforderlich. Mögliche Optionen sind dann:
bezahlter oder unbezahlter Urlaub,
Arbeit im Home-Office,
Verlegen der Arbeitszeit, falls ein Dritter in dieser Zeit die Pflege übernehmen kann.
In allen Fällen muss jedoch der Arbeitgeber zustimmen. Stehen zum Beispiel wichtige Gründe dagegen, muss der Arbeitnehmer eine andere Lösung finden. Bleibt er einfach der Arbeit fern, droht eine Abmahnung oder gar eine Kündigung. Lässt er sich grundlos selbst krankschreiben, begeht er eine Täuschung mit möglichen Sanktionen.
Ist keine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber möglich, muss der Arbeitnehmer eine Alternative suchen. Er kann zum Beispiel ein Familienmitglied oder Bekannten bitten, sich um sein Kind zu kümmern, oder muss eine andere Betreuung organisieren. Meistens lässt sich dieser Konflikt mit dem Arbeitgeber jedoch durch ein offenes Gespräch lösen.
Fazit: Das Kinderkrankengeld ist eine sehr gute Absicherung für Eltern mit kleinen Kindern, die den häufig ausgeschlossenen § 616 BGB ergänzt oder ersetzt. Zwar kommt es zu geringen Einkommenseinbußen, aber der Rechtsanspruch beugt Konflikten mit dem Arbeitgeber vor. Reichen die Krankheitstage jedoch nicht aus, sollten beide Seiten eine einvernehmliche Lösung finden.
Titelbild: Aleksandra Suzi / shutterstock.com
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Kinderkrankengeld: Absicherung, wenn das Kind krank ist:

References: § 45
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 § 616
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