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Timestamp: 2016-12-06 08:13:33+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 23 Sa 232/15
Ausschlussfrist, Tarifvertrag: Ausschlussfrist
Die schrif­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen (1. Stu­fe ei­ner ta­rif­li­chen Ausch­luss­frist) kann auch durch Kla­ge­er­he­bung er­fol­gen. § 167 ZPO ist an­wend­bar.
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 17.12.2014 - 56 Ca 18628/13
Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg Verkündet am 29. April 2015 Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 23 Sa 232/1556 Ca 18628/13Ar­beits­ge­richt Ber­lin G.,Ge­richts­beschäftig­teals Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le Im Na­men des Vol­kes Ur­teil
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 23. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 29. April 2015 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt S. als Vor­sit­zen­de so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter T. und A.für Recht er­kannt: I. Die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 17. De­zem­ber 2014 – 56 Ca 18628/13 – wird auf Kos­ten des be­klag­ten Lan­des zurück­ge­wie­sen. Der Te­nor des Ur­teils zu I. und zu II. wird zur Klar­stel­lung wie folgt ge­fasst:
I. Es wird fest­ge­stellt, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, den Kläger für Ju­ni 2013 nach der Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ des TV-L in der für das Land Ber­lin je­weils gülti­gen Fas­sung zu vergüten und an den Kläger den sich aus der für Ju­ni 2013 zu be­zah­len­den Vergütung und der für Ju­ni 2013 be­zahl­ten Vergütung er­ge­ben­den Dif­fe­renz­be­trag nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 15.01.2014 zu zah­len.
II.Die Kos­ten des Rechts­streits hat das be­klag­te Land bei ei­nem Ge­samt­streit­wert von 10.800,00 EUR zu tra­gen.
S. T. A. T a t b e s t a n d:
Die Par­tei­en strei­ten noch um Dif­fe­ren­zent­gelt für den Mo­nat Ju­ni 2013 vor dem Hin­ter­grund der Fra­ge, ob § 167 ZPO auf ei­ne ein­stu­fi­ge ta­rif­li­che Aus­schluss­frist zur schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen An­wen­dung fin­det.
Der Kläger war auf­grund Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.07.1991 seit dem 01.01.1991 bei dem be­klag­ten Land beschäftigt, zu­letzt seit Ja­nu­ar 2008 als An­ge­stell­ter im Außen­dienst mit Auf­ga­ben im All­ge­mei­nen Ord­nungs­dienst (AOD). Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fand zu­letzt der TV-L in der für das Land Ber­lin je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung, in dem hin­sicht­lich der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist das Fol­gen­de ge­re­gelt ist:
§ 37 Aus­schluss­frist (1) Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von 6 Mo­na­ten nach Fällig­keit von den Beschäftig­ten oder vom Ar­beit­ge­ber schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. Für den­sel­ben Sach­ver­halt reicht die ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung des An­spruchs auch für später fälli­ge Leis­tun­gen aus.
Nach den für das Ar­beits­verhält­nis des Klägers maßgeb­li­chen Re­ge­lun­gen des TV-L war der Kläger, wie zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig ist, ab No­vem­ber 2010 ent­spre­chend der Ent­gelt­grup­pe 9 ein­zu­grup­pie­ren und zu vergüten. Tatsächlich wur­de der Kläger zum 01.11.2010 vom be­klag­ten Land in die Ent­gelt­grup­pe 6 ein­grup­piert.
Der Kläger mach­te zunächst mit außer­ge­richt­li­chem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben sei­ne Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe 8 des Ta­bel­len­ent­gelts nach TV-L gel­tend. Mit Kla­ge­schrift vom 18.12.2013, beim Ar­beits­ge­richt im hie­si­gen Ver­fah­ren am 18.12.2013 ein­ge­gan­gen und dem be­klag­ten Land am 07.01.2014 zu­ge­stellt, er­hob er ei­ne Ein­grup­pie­rungs­kla­ge, mit der er un­ter an­de­rem sei­ne Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe 9 ab dem 01.11.2010 be­gehr­te. Das be­klag­te Land leis­te­te, nach­dem in meh­re­ren Par­al­lel­ver­fah­ren ent­spre­chen­de ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen er­gan­gen wa­ren, un­ter Berück­sich­ti­gung der ge­setz­li­chen Verjährungs­fris­ten und der Ver­fall­fris­ten des § 37 TV-L Dif­fe­ren­zent­gelt an den Kläger nach Maßga­be sei­nes Schrei­bens vom 25.09.2014 (Bl. 31 d. A.). Da­nach zahl­te das Land an den Kläger für den Zeit­raum vom 01.11.2010 bis zum 30.06.2013 Ent­gelt nach der Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 6+ und ab dem 01.07.2013 Ent­gelt nach der Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+. Für den Mo­nat Ju­ni 2013 ver­wei­ger­te das be­klag­te Land ei­ne Zah­lung nach der Ent­gelt­grup­pe 9 un­ter Hin­weis auf die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist des § 37 Abs. 1 TV-L und auf ih­re Auf­fas­sung, dass die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ei­ner Ein­grup­pie­rung nach Ent­gelt­grup­pe 9 erst mit Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift an das be­klag­te Land am 07.01.2014 wirk­sam er­folgt sei. Der An­spruch auf das am 30.06.2013 fälli­ge Dif­fe­ren­zent­gelt für den Mo­nat Ju­ni 2013 sei je­doch be­reits am 31.12.2013 ver­fal­len.
Der Kläger hat nach über­wie­gen­der Haupt­sa­cheer­le­di­gung durch Zah­lung des mit dem Schrei­ben des be­klag­ten Lan­des vom 25.09.2014 an­gekündig­ten Dif­fe­renz­be­trags zu­letzt noch die Zah­lung von Dif­fe­ren­zent­gelt für den Mo­nat Ju­ni 2013 ver­langt. Er meint, für die Wah­rung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist des § 37 Abs. 1 TV-L genüge der recht­zei­ti­ge Ein­gang der Kla­ge beim Ar­beits­ge­richt noch im De­zem­ber 2013, da bei der er­folg­ten „demnächs­ti­gen“ Zu­stel­lung die Frist für die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung gemäß § 167 ZPO be­reits mit Ein­gang der Kla­ge bei Ge­richt ge­wahrt wer­de. Da­bei hat sich der Kläger auf die Ent­schei­dun­gen des BGH vom 17.07.2008 – I ZR 109/05 – und des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.05.2014 – 8 AZR 662/13 – gestützt. Der Kläger hat zunächst be­an­tragt,
fest­zu­stel­len, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, die Kläge­rin/den Kläger für die Zeit ab dem Ein­gang des erst­ma­li­gen ord­nungs­gemäßen Gel­tend­ma­chungs­schrei­bens bei der Be­klag­ten bis zum 31. Ok­to­ber 2010 nach der Vergütungs­grup­pe Vb BAT/BAT-O und be­gin­nend ab 01. No­vem­ber 2010 nach der Ent­gelt­grup­pe 9 des TV-L in der für das Land Ber­lin je­weils gel­ten­den Fas­sung zu vergüten und die sich zur be­zahl­ten Vergütung er­ge­ben­den Dif­fe­renz­beträge nebst Zin­sen in Höhe von 5 % über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Nach übe­rein­stim­men­der Haupt­sa­che-Er­le­di­gungs­erklärung der Par­tei­en im Übri­gen hat der Kläger zu­letzt be­an­tragt,
fest­zu­stel­len, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, den Kläger für Ju­ni 2013 nach der Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ des TV-L in der für das Land Ber­lin in der je­wei­li­gen Fas­sung zu vergüten und den sich aus der zu be­zah­len­den Vergütung er­ge­be­nen Dif­fe­renz­be­trag nebst Zin­sen in Höhe von 5 % über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Es hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, § 167 ZPO sei auf ein­stu­fi­ge ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten wie die des § 37 Abs. 1 TV-L nicht an­wend­bar mit der Fol­ge, dass der Zeit­punkt der Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift für die Frist­wah­rung maßgeb­lich sei. Da­bei hat es sich auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.01.2001 – 6 AZR 603/99 – gestützt und ge­meint, die in­halt­lich ab­wei­chen­de Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.05.2014 – 8 AZR 662/14 – be­zie­he sich aus­drück­lich und aus­sch­ließlich auf die in § 15 Abs. 4 AGG nor­mier­te Gel­tend­ma­chungs­frist.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 17.12.2014 der Kla­ge mit dem fol­gen­den Te­nor statt­ge­ge­ben:
I.Es wird fest­ge­stellt, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, den Kläger für Ju­ni 2013 nach der Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ des TV – L in der für das Land Ber­lin in der je­wei­li­gen Fas­sung zu vergüten und den sich aus der zu be­zah­len­den Vergütung er­ge­ben­den Dif­fe­renz­be­trag nebst Zin­sen in Höhe von 5 % über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 15.01.2014 zu zah­len.
II.Die Kos­ten des Rechts­streits trägt das be­klag­te Land.
III.Die Be­ru­fung wird zu­ge­las­sen.
IV.Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 300,00 Eu­ro fest­ge­setzt.
Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, § 167 ZPO fin­de auch auf ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten An­wen­dung. Dies er­ge­be sich aus dem ent­spre­chend an­zu­wen­den­den Ur­teil des BAG vom 22.05.2014 – 8 AZR 662/13 – im Ge­fol­ge der neue­ren BGH-Recht­spre­chung so­wie aus den Gründen der Ent­schei­dung des LAG Düssel­dorf vom 12.09.2014 – 10 Sa 1329/13. Ent­ge­gen der bis­he­ri­gen ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung würden in der Re­gel durch die Kla­ge­er­he­bung auch außer­ge­richt­lich maßgeb­li­che Fris­ten ge­wahrt. Der Schutz­zweck der ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten führe nicht zur An­nah­me ei­nes Aus­nah­me­falls.
Ge­gen die­ses dem be­klag­ten Land am 16.01.2015 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich sei­ne Be­ru­fung, die es mit ei­nem am 10.02.2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richts ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 16.03.2015 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.
Das be­klag­te Land tritt dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil un­ter Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens und un­ter Hin­weis auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 25.09.1996 – 10 AZR 678/95 – so­wie vom 19.06.2007 – 1 AZR 54/06 – mit der Be­gründung ent­ge­gen, § 167 ZPO fin­de kei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung auf die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist des § 37 TV-L. § 167 ZPO zie­le auf die Wah­rung ei­ner Frist durch Kla­ge­er­he­bung in den Fällen ab, in de­nen ei­ne Kla­ge­er­he­bung und da­mit ei­ne ge­richt­li­che Mit­wir­kung er­for­der­lich sei­en. Nur für die­sen Fall der not­wen­di­gen ge­richt­li­chen Mit­wir­kung sol­le die Par­tei vor ei­ner Verzöge­rung im Ge­richts­be­trieb geschützt wer­den, die außer­halb ih­rer Ein­flussmöglich­kei­ten lie­ge. Be­die­ne sich ei­ne Par­tei da­ge­gen oh­ne Not­wen­dig­keit des Ge­richts, ge­he ei­ne da­mit ein­her­ge­hen­de Verzöge­rung zu ih­ren Las­ten, da sie die­se Verzöge­rung hätte ver­mei­den können. Bei der ta­rif­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten ein­stu­fi­gen Aus­schluss­frist wie im Fal­le des § 37 Abs. 1 TV-L sol­le Recht­si­cher­heit und Pla­nungs­si­cher­heit bezüglich ar­beits­ver­trag­li­cher Ansprüche ge­schaf­fen wer­den. Der Ar­beit­ge­ber sol­le Nach­for­de­run­gen nur in en­gen Gren­zen aus­ge­setzt sein und sol­le die Möglich­keit er­hal­ten, als­bald gel­tend ge­mach­te Ansprüche auch außer­ge­richt­lich zu erfüllen. Dies ste­he ei­ner An­wen­dung des § 167 ZPO zur Wah­rung der außer­ge­richt­li­chen Aus­schluss­frist ent­ge­gen. Die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.05.2014 zur Gel­tend­ma­chungs­frist des § 15 Abs. 4 AGG be­tref­fe die­sen Ein­zel­fall und könne nicht auf die ein­stu­fi­ge ta­rif­li­che Aus­schluss­frist über­tra­gen wer­den. Ei­ne ge­ne­rel­le An­wend­bar­keit des § 167 ZPO auf außer­ge­richt­lich zu wah­ren­de Fris­ten er­ge­be sich we­der aus die­ser Ent­schei­dung noch aus der mögli­chen Rück­wir­kung von Wil­lens­erklärun­gen bei der Ver­mitt­lung der Zu­stel­lung durch ei­nen Ge­richts­voll­zie­her gemäß § 132 Abs. 1 BGB. So­weit nicht die An­wend­bar­keit des § 167 ZPO auf die außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ge­ne­rell aus­ge­schlos­sen sei, sei zu­min­dest ein Aus­nah­me­fall ge­ge­ben. Es müsse so­wohl bei § 132 Abs. 1 BGB als auch bei § 167 ZPO nach der höchst­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung nach Sinn und Zweck der Re­ge­lun­gen bei ein­zel­nen Fris­ten dif­fe­ren­ziert wer­den mit der Fol­ge, dass in be­stimm­ten Fällen Aus­nah­men zu ma­chen sei­en. Sinn und Zweck der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist gemäß § 37 TV-L ste­he der Rück­wir­kung durch Kla­ge­er­he­bung gemäß § 167 ZPO ent­ge­gen. Zu­min­dest sei un­ter Berück­sich­ti­gung der Ta­rif­au­to­no­mie ein Aus­nah­me­fall ge­ge­ben.
Das be­klag­te Land be­an­tragt als Be­ru­fungskläger,
1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin – 56 Ca 18628/13 – vom 17.12.2014 ab­zuändern;2. die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Er ver­tei­digt die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens. Der aus § 132 Abs. 1 BGB ab­ge­lei­te­te „Erst-Recht-Schluss“ des BGH in sei­ner Ent­schei­dung vom 17.07.2008 fin­de auch im Ar­beits­recht grundsätz­lich An­wen­dung, was durch die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.05.2014 bestätigt wor­den sei. § 37 TV-L stel­le kei­nen Aus­nah­me­fall dar, son­dern ei­nen An­wen­dungs­fall des § 167 ZPO. Da der Wort­laut des § 167 ZPO nicht auf die ge­richt­li­che Frist­wah­rung be­schränkt sei, sei die Re­ge­lung auf al­le Fälle an­zu­wen­den, in de­nen un­ter Mit­wir­kung der Ge­rich­te Ansprüche gel­tend ge­macht würden. Mit der Kla­ge als stärks­ter Form der Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen könne je­de Frist ge­wahrt wer­den und müsse sich je­der auf § 167 ZPO stützen können, der sich die­ser stärks­ten Form der Gel­tend­ma­chung be­die­ne. Mit der Ent­schei­dung vom 22.05.2014 zu § 15 Abs. 4 AGG ha­be das Bun­des­ar­beits­ge­richt klar­ge­stellt, dass § 167 ZPO grundsätz­lich in al­len Fällen An­wen­dung fin­de, in de­nen durch die Zu­stel­lung ei­ne Frist ge­wahrt wer­den sol­le, die auch außer­ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den könne. Ein Aus­nah­me­fall, für den dies nicht gel­te, lie­ge ge­ra­de nicht vor. An­ders als bei der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beis­ge­richts vom 21.10.2014 – 3 AZR 690/12 – zur Nicht­an­wend­bar­keit von § 167 ZPO auf § 16 Be­trVG sei die Kon­stel­la­ti­on des § 37 TV-L ge­ra­de ver­gleich­bar mit der des § 15 Abs. 4 AGG und ver­fol­ge den­sel­ben Sinn und Zweck wie die­se ge­setz­li­che Re­ge­lung.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den Schrift­satz des be­klag­ten Lan­des vom 16.03.2015 (Bl. 63 ff d. A.) und des Klägers vom 13.04.2015 (Bl. 65 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, 2a und 4 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des ist von ihm form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und in­ner­halb der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist be­gründet wor­den (§§ 519, 520 Abs. 1 u. 3 ZPO, § 66 Abs. 1 Sätze 1 u. 2 ArbGG). Die Be­ru­fung ist da­her zulässig.
Der Te­nor des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils war hin­sicht­lich der Fest­stel­lung un­ter I. sprach­lich klar­zu­stel­len, oh­ne dass sich dar­aus un­ter Berück­sich­ti­gung der Ur­teils­gründe der ers­ten In­stanz ei­ne in­halt­li­che Abände­rung ergäbe.
Die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des hat in der Sa­che je­doch kei­nen Er­folg. Der Kläger hat An­spruch auf Ein­grup­pie­rung und Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe 9 auch für den Mo­nat Ju­ni 2013. Sein An­spruch ist nicht gemäß § 37 Abs. 1 TV-L ver­fal­len. Mit der Kla­ge­er­he­bung vom 18.12.2013 hat der Kläger un­ter Berück­sich­ti­gung des in­so­weit an­wend­ba­ren § 167 ZPO die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist ge­wahrt, ob­wohl die Kla­ge­schrift dem be­klag­ten Land erst nach de­ren Ab­lauf am 07.01.2014 zu­ge­stellt wor­den ist.
1.Die Kla­ge ist, so­weit sie noch Ge­gen­stand der Be­ru­fung ist, zulässig. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist im Be­reich des öffent­li­chen Diens­tes zulässig, ob­wohl sie sich auf ei­nen ab­ge­schlos­se­nen Zeit­raum in der Ver­gan­gen­heit be­zieht. Der er­for­der­li­che Ge­gen­warts­be­zug wird da­durch her­ge­stellt, dass der Kläger die Erfüllung kon­kre­ter Vergütungs­ansprüche aus ei­nem in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Zeit­raum und da­mit ei­nen ge­genwärti­gen recht­li­chen Vor­teil an­strebt. Ist das an­ge­streb­te Fest­stel­lungs­ur­teil - wie hier - auch ge­eig­net, den Kon­flikt der Par­tei­en endgültig bei­zu­le­gen und wei­te­re Pro­zes­se zwi­schen ih­nen über die der Fest­stel­lung zu­grun­de­lie­gen­de Fra­ge zu ver­mei­den, liegt das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se vor (vgl. BAG, Urt. v. 13.08.2009 – 6 AZR 330/08 – zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz 13 m.w.N.). Die Par­tei­en strei­ten vor­lie­gend nicht um Ein­zel­hei­ten der Be­rech­nung der Vergütung, son­dern ge­hen übe­rein­stim­mend da­von aus, dass das be­klag­te Land so­wohl für die Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 6+ ei­ne zu­tref­fen­de Ent­gel­tab­rech­nung vor­ge­nom­men hat als auch ent­spre­chend für die Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ vor­ge­hen wird, so­fern sie durch fest­stel­len­des Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts da­zu ver­pflich­tet wird. Es kann nicht er­war­tet wer­den, dass das be­klag­te Land ei­nem ent­spre­chen­den Fest­stel­lungs­ur­teil nicht nach­kom­men würde.
2.Die Kla­ge ist auch im noch rechtshängi­gen Um­fang be­gründet. Der Kläger hat An­spruch auf Dif­fe­ren­zent­gelt für den Mo­nat Ju­ni 2013, oh­ne dass die­ser An­spruch ver­fal­len wäre.
2.1.Der Kläger hat An­spruch auf Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ der An­la­ge A, Teil I, zum TV-L in der für das Land Ber­lin maßgeb­li­chen Fas­sung. Die Vergütung des Klägers rich­tet sich gemäß §§ 2, 3 des Ar­beits­ver­tra­ges nach den für das Land Ber­lin je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträgen über die Ar­beits­be­din­gun­gen der An­ge­stell­ten, zu­letzt nach den Maßga­ben des TV-L in der ab dem 01.01.2013 gel­ten­den Fas­sung. Die Kam­mer geht auf­grund der Ver­tre­tung des Klägers durch die ta­rif­sch­ließen­de Ge­werk­schaft der Po­li­zei im hie­si­gen Ver­fah­ren da­von aus, dass der TV-L ne­ben sei­ner Gel­tung durch ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me auch auf­grund un­mit­tel­ba­rer Ta­rif­bin­dung der Par­tei­en An­wen­dung fin­det. Der Kläger war im Mo­nat Ju­ni 2013 zu­tref­fend in die Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ ein­zu­grup­pie­ren. Tatsächlich hat das be­klag­te Land den Kläger zunächst bis zur Kla­ge­er­he­bung im De­zem­ber 2013 in die Ent­gelt­grup­pe 6 ein­grup­piert und ent­spre­chend vergütet. Nach der Ent­schei­dung in ei­nem Par­al­lel­ver­fah­ren durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat das be­klag­te Land, aus­ge­hend von ei­ner schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung der Ent­gelt­grup­pe 8 vor der kla­ge­wei­sen Gel­tend­ma­chung der Ent­gelt­grup­pe 9 im hie­si­gen Ver­fah­ren, den Kläger im Nach­zah­lungs­ver­fah­ren wie im Schrei­ben vom 25.09.2014 (Bl. 31 d. A.) an­gekündigt bis ein­sch­ließlich Ju­ni 2013 nach Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 6 und ab Ju­li 2013 nach der Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ vergütet. Für den Mo­nat Ju­ni 2013 er­gibt sich des­halb ein An­spruch des Klägers auf Zah­lung des Dif­fe­renz­be­tra­ges zwi­schen der für den Mo­nat Ju­ni 2013 zu­letzt ge­zahl­ten Vergütung (Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 6+) und der zu be­zah­len­den Vergütung (Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+).
2.2.Der An­spruch des Klägers auf Dif­fe­ren­zent­gelt für den Mo­nat Ju­ni 2013 ist nicht gemäß § 37 Abs. 1 TV-L ver­fal­len. Gemäß § 37 Abs. 1 TV-L ver­fal­len Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von 6 Mo­na­ten nach Fällig­keit von den Beschäftig­ten oder vom Ar­beit­ge­ber schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. Die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung setzt den Zu­gang ei­nes vom An­trag­stel­ler oder von ei­ner von die­sem be­vollmäch­tig­ten Per­son un­ter­zeich­ne­ten Schrei­bens beim An­spruchs­geg­ner vor­aus. Bei der Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs han­delt es sich nicht um ein Rechts­geschäft oder ei­ne Wil­lens­erklärung, son­dern um ei­ne rechts­geschäftsähn­li­che Erklärung, für de­ren Zu­gang beim Empfänger die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen über den Zu­gang von Wil­lens­erklärun­gen ent­spre­chend an­zu­wen­den sind (§§ 130, 132 BGB für das Wirk­sam­wer­den ge­genüber Ab­we­sen­den). Die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung kann – und wird in der Re­gel – durch außer­ge­richt­li­che Schrei­ben er­fol­gen. Sie kann, auch oh­ne dass dies er­for­der­lich wäre, durch Kla­ge­er­he­bung er­fol­gen, da ei­ne Kla­ge die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs zwangsläufig be­inhal­tet und ge­gen den An­spruchs­geg­ner ge­rich­tet ist. Durch die ge­richt­lich vor­zu­neh­men­de Zu­stel­lung der Kla­ge an den An­spruchs­geg­ner wird der Zu­gang des kla­ge­wei­sen Gel­tend­ma­chungs­schrei­bens be­wirkt. Für die Frist­wah­rung gilt da­bei § 167 ZPO, der die fol­gen­de Re­ge­lung trifft:
§ 167 Rück­wir­kung der Zu­stel­lungSoll durch die Zu­stel­lung ei­ne Frist ge­wahrt wer­den…, tritt die­se Wir­kung be­reits mit Ein­gang des An­trags oder der Erklärung ein, wenn die Zu­stel­lung demnächst er­folgt.
Vor­lie­gend hat­te der Kläger bis zur Kla­ge­er­he­bung im hie­si­gen Ver­fah­ren sei­ne Ein­grup­pie­rung und Vergütung nach Ent­gelt­grup­pe 8 schrift­lich außer­ge­richt­lich gel­tend ge­macht. Mit der hie­si­gen Kla­ge vom 18.12.2013, bei Ge­richt am sel­ben Tag ein­ge­gan­gen und dem be­klag­ten Land am 07.01.2014 zu­ge­stellt, hat er sei­ne Ein­grup­pie­rung und Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe 9 ab No­vem­ber 2010 und da­mit auch für Ju­ni 2013 gel­tend ge­macht.
Zur An­wend­bar­keit des § 167 ZPO auf die Frist­wah­rung durch Kla­ge­er­he­bung im Fal­le der gemäß § 15 Abs. 4 S. 1 AGG ge­setz­lich ge­re­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen für die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ei­nes Scha­dens­er­satz- oder Entschädi­gungs­an­spruchs nach § 15 Absätze 1 u. 2 AGG hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 22.05.2014 (8 AZR 662/13 – zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz. 12 – 22) das Fol­gen­de ent­schie­den:
1. § 167 ZPO ist grundsätz­lich in den Fällen an­wend­bar, in de­nen durch die Zu­stel­lung ei­ner Kla­ge ei­ne Frist ge­wahrt wer­den soll, die auch durch außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ein­ge­hal­ten wer­den kann. In Son­derfällen kommt die Rück­wir­kungs­re­ge­lung nicht zur An­wen­dung.
a) In der älte­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und in der Li­te­ra­tur wur­de die An­sicht ver­tre­ten, die Re­ge­lung des § 167 ZPO über die Rück­wir­kung der Zu­stel­lung auf den Zeit­punkt der Ein­rei­chung der Kla­ge gel­te nur für Fälle, in de­nen ei­ne Frist le­dig­lich durch In­an­spruch­nah­me der Ge­rich­te ge­wahrt wer­den könne. Dies wur­de ins­be­son­de­re mit dem aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te zu er­sch­ließen­den Sinn und Zweck der Vor­schrift be­gründet. Des­halb wur­de § 167 ZPO in Fällen nicht für an­wend­bar ge­hal­ten, in de­nen durch die Zu­stel­lung die - auch durch außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung zu wah­ren­den - Fris­ten zur Erklärung ei­ner Miet­erhöhung, zur An­fech­tung we­gen Irr­tums und zur In­an­spruch­nah­me aus ei­ner Bürg­schaft ein­ge­hal­ten wer­den soll­ten. Nur in Son­derfällen - wenn die ge­setz­li­che oder ver­trag­li­che Re­ge­lung, aus der sich die zu wah­ren­de Frist er­gibt, ei­ner ein­ge­schränk­ten An­wen­dung der Rück­wir­kungs­re­ge­lung ent­ge­gen­steht - soll­te an­de­res gel­ten (im Ein­zel­nen da­zu: BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 21 f. mwN, BGHZ 177, 319). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat für ta­rif­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten ent­schie­den, dass dann, wenn der Gläubi­ger die Möglich­keit hat, die Aus­schluss­frist auch in an­de­rer Form - zB durch ein­fa­ches Schrei­ben - ein­zu­hal­ten, aber den­noch die Form der Kla­ge wählt, es zu sei­nen Las­ten geht, wenn die Kla­ge­schrift nicht in­ner­halb der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist dem Schuld­ner zu­ge­stellt wird (BAG 25. Sep­tem­ber 1996 - 10 AZR 678/95 - zu II 3 und II 4 der Gründe mwN).
b) Der Se­nat schließt sich für den An­spruch aus § 15 Abs. 1 und Abs. 2 AGG der geänder­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - BGHZ 177, 319) zum Re­gel-/Aus­nah­me­verhält­nis der An­wen­dung des § 167 ZPO bei der außer­ge­richt­li­chen frist­ge­bun­de­nen Gel­tend­ma­chung an.
aa) Un­ter den ver­schie­de­nen Möglich­kei­ten für den Zu­gang ei­ner Wil­lens­erklärung lässt § 132 Abs. 1 Satz 1 BGB - an­stel­le des Zu­gangs - die Zu­stel­lung ei­ner Wil­lens­erklärung durch Ver­mitt­lung ei­nes Ge­richts­voll­zie­hers zu. Sie ent­fal­tet Rück­wir­kung. Es ist nicht ge­recht­fer­tigt, ei­ner Zu­stel­lung durch Ver­mitt­lung des Ge­richts in gleich­ar­ti­gen Fällen die Rück­wir­kung zu ver­sa­gen.
(1) Mit ei­ner Zu­stel­lung nach § 132 Abs. 1 Satz 1 BGB können Fris­ten ein­ge­hal­ten wer­den, die nicht ge­richt­li­cher Gel­tend­ma­chung bedürfen. Soll durch ei­ne sol­che Zu­stel­lung ei­ne Frist ge­wahrt wer­den, tritt die­se Wir­kung nach § 132 Abs. 1 Satz 2 BGB iVm. §§ 191, 192 Abs. 2 Satz 1, § 167 ZPO be­reits mit Überg­a­be des die Wil­lens­erklärung ent­hal­ten­den Schriftstücks an den Ge­richts­voll­zie­her ein, wenn die Zu­stel­lung demnächst er­folgt (BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 24 mwN, BGHZ 177, 319).
Das gilt auch für rechts­geschäftsähn­li­che Erklärun­gen (oh­ne Wei­te­res vor­aus­ge­setzt auch durch BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 24 f., BGHZ 177, 319). Sie ste­hen Wil­lens­erklärun­gen re­gelmäßig so na­he, dass vie­le Be­stim­mun­gen über Wil­lens­erklärun­gen - et­wa be­tref­fend den hier in­ter­es­sie­ren­den Zu­gang - grundsätz­lich ent­spre­chend an­zu­wen­den sind (BAG 9. De­zem­ber 2008 - 1 ABR 79/07 - Rn. 36 mwN, BA­GE 128, 364; BGH 17. Ok­to­ber 2000 - X ZR 97/99 - zu II 1 b der Gründe mwN, BGHZ 145, 343; vgl. im Übri­gen BAG 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 530/09 - Rn. 43 mwN; 26. April 2006 - 5 AZR 403/05 - Rn. 19 mwN, BA­GE 118, 60). § 132 Abs. 1 Satz 1 BGB fin­det auch im Ar­beits­recht An­wen­dung (so set­zen die An­wend­bar­keit des § 132 BGB im Ar­beits­recht vor­aus ua.: BAG 7. No­vem­ber 2002 - 2 AZR 475/01 - zu B II 3 a der Gründe, BA­GE 103, 277; 12. Ju­li 1984 - 2 AZR 290/83 -; 30. Ju­ni 1983 - 2 AZR 10/82 - zu B I 1 b bb der Gründe, BA­GE 43, 148; 25. Fe­bru­ar 1983 - 2 AZR 298/81 - zu I 2 b bb der Gründe; vgl. auch KR-Fried­rich 10. Aufl. § 4 KSchG Rn. 115 f.).
(2) Für ei­ne Zu­stel­lung durch Ver­mitt­lung des Ge­richts gilt in gleich­ar­ti­gen Fällen nichts an­de­res. Bei der Gel­tend­ma­chung ei­ner For­de­rung han­delt es sich um ei­nen gleich­ar­ti­gen Fall.
(a) Der Wort­laut des § 167 ZPO gibt da­zu kei­nen Auf­schluss; Ge­gen­tei­li­ges ist nicht ent­hal­ten.
(b) Die Ge­sichts­punk­te der Rechts­si­cher­heit und des Ver­trau­ens­schut­zes spre­chen für ei­ne An­wen­dung des § 167 ZPO bei ei­ner Zu­stel­lung durch Ver­mitt­lung des Ge­richts im Hin­blick auf die Wah­rung ei­ner Frist, die auch durch außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ein­ge­hal­ten wer­den kann. Wer mit der Kla­ge die stärks­te Form der Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen wählt, muss sich des­halb dar­auf ver­las­sen können, dass die Ein­rei­chung der Kla­ge­schrift die Frist wahrt (BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 25 mwN, BGHZ 177, 319). Dies gilt um­so mehr, wenn - wie im Fall des § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG - die Schrift­form auch durch ei­ne Kla­ge ge­wahrt wer­den kann.
(c) Die Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs iSv. § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG ist zwar kei­ne - in § 132 Abs. 1 Satz 1 BGB aus­drück­lich ge­nann­te - Wil­lens­erklärung, son­dern ei­ne ein­sei­ti­ge rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung (BAG 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 530/09 - Rn. 44). Eben­so wie der Bun­des­ge­richts­hof für die Gel­tend­ma­chung des Aus­kunfts­an­spruchs nach § 26 Abs. 3 UrhG aF, bei dem es sich eben­falls nicht um ei­ne Wil­lens­erklärung han­delt, ei­nen gleich­ar­ti­gen Fall an­ge­nom­men hat, gilt das auch für § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG.
bb) In Son­derfällen, die dies nach dem be­son­de­ren Sinn und Zweck der Frist­be­stim­mung er­for­dern, kommt die Rück­wir­kungs­re­ge­lung aus­nahms­wei­se nicht zur An­wen­dung (vgl. BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 21, 26, BGHZ 177, 319, mit Bei­spielsfällen frühe­rer und ak­tu­el­ler Recht­spre­chung).
Die Kam­mer schließt sich den vor­ste­hen­den recht­li­chen Erwägun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts an und er­ach­tet sie für über­trag­bar auf den hie­si­gen Fall. Es han­delt sich vor­lie­gend um ei­nen Fall der grundsätz­li­chen An­wend­bar­keit des § 167 ZPO und nicht um ei­nen Son­der­fall, in dem die Rück­wir­kungs­re­ge­lung nicht zur An­wen­dung käme. Viel­mehr liegt ein gleich­ar­ti­ger Fall wie bei der Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs im Sin­ne von § 15 Abs. 4 S. 1 AGG vor. Wie im Fall des § 15 Abs. 4 S. 1 AGG die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ge­setz­li­che Vor­aus­set­zung dafür ist, dass Ansprüche nicht ver­fal­len, ist gemäß § 37 Abs. 1 TV-L durch gleich­wer­ti­ge ma­te­ri­ell-recht­li­che Bin­dung für die an die­sen Ta­rif­ver­trag ge­bun­de­nen Par­tei­en ge­re­gelt, dass die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung bin­nen 6 Mo­na­ten ab Fällig­keit zu er­fol­gen ha­be. An die Stel­le der Fällig­keits­re­ge­lung des § 37 Abs. 1 TV-L tritt im Fal­le der Entschädi­gungs- oder Scha­dens­er­satz­ansprüche nach § 15 AGG gemäß § 15 Abs. 4 S. 2 AGG der Zu­gang des Ab­leh­nungs­schrei­bens bzw. der Zeit­punkt, in dem der Beschäftig­te von der Be­nach­tei­li­gung Kennt­nis er­langt.
2.3.Die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Nicht­an­wend­bar­keit des § 167 ZPO bzw. der in­halts­glei­chen Vorgänger­vor­schrif­ten auf die ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­te schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ist un­ter Berück­sich­ti­gung der Erwägun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts im Ur­teil vom 22.05.2014 nicht mehr auf­recht­zu­er­hal­ten. Die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 08.03.1976 – 5 AZR 361/75 – be­zieht sich auf ei­ne zwei­stu­fi­ge Aus­schluss­frist ei­nes für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges, in dem die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen in­ner­halb ei­ner Frist von 6 Wo­chen nach Fällig­keit so­wie nach­fol­gend ei­ne sechswöchi­ge Kla­ge­er­he­bungs­frist in der zwei­ten Stu­fe vor­ge­se­hen wa­ren. In der Ent­schei­dung (zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz 17, 19 ff) wird die Un­an­wend­bar­keit der Rück­wir­kung durch Kla­ge­er­he­bung ins­be­son­de­re da­mit be­gründet, die Aus­schluss­frist ha­be den Sinn, im In­ter­es­se bei­der Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges als­bald Klar­heit darüber zu schaf­fen, mit wel­chen ge­gen­sei­ti­gen Ansprüchen noch zu rech­nen sei. Die Rück­wir­kungs­re­ge­lung für ge­richt­lich vor­ge­nom­me­ne Zu­stel­lun­gen könne nur dem­je­ni­gen zu­gu­te­kom­men, der auf die ge­richt­li­che Mit­wir­kung zur Frist­wah­rung an­ge­wie­sen sei. Bei zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­fris­ten sei zunächst die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ge­bo­ten und ste­he nicht gleich­be­rech­tigt ne­ben der Kla­ge­er­he­bung in zwei­ter Stu­fe. Der Ta­rif­ver­trag ver­wei­se die Par­tei­en zunächst auf den außer­ge­richt­li­chen Weg, was im In­ter­es­se bei­der Ver­trags­part­ner lie­ge, da auf die­se Wei­se der Schuld­ner nicht oh­ne Vor­war­nung mit ei­ner Kla­ge über­zo­gen wer­den sol­le. Dass die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung auch durch ei­ne recht­zei­tig beim Schuld­ner zu­ge­gan­ge­ne Kla­ge ge­wahrt wer­den könne, ste­he dem nicht ent­ge­gen.
In der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 25.09.1996 – 10 AZR 678/95 – ging es um die Wah­rung ei­ner ein­stu­fi­gen ta­rif­li­chen Ver­fall­frist in § 31 Abs. 1 VTV in der ab dem 01.01.1992 gülti­gen Fas­sung, die den Ver­fall von Ansprüchen in­ner­halb von vier Jah­ren seit Fällig­keit vor­sah, so­fern sie nicht gel­tend ge­macht wur­den. Ei­ne be­son­de­re Form der Gel­tend­ma­chung war in der ta­rif­li­chen Re­ge­lung nicht vor­ge­se­hen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hielt die Rück­wir­kung durch die ge­richt­li­che Zu­stel­lung ei­ner recht­zei­tig er­ho­be­nen Kla­ge mit der Be­gründung nicht für ein­schlägig, dass die­se nur ei­ner Par­tei zu­gu­te­kom­men könne, die auf die Kla­ge­er­he­bung an­ge­wie­sen sei (zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz 39). Aus dem Sinn und Zweck der ge­setz­li­chen Re­ge­lung über die Rück­wir­kung (da­mals § 270 Abs. 3 ZPO) sol­le dem Gläubi­ger das Verzöge­rungs­ri­si­ko der außer­halb sei­ner Ein­fluss­sphäre lie­gen­den Amts­zu­stel­lung ab­ge­nom­men wer­den. Die­se Er­leich­te­rung sol­le ihm da­ge­gen nicht zu­gu­te­kom­men, wenn er die Frist auch auf an­de­rem We­ge wah­ren könne, zu­mal § 31 VTV in der da­mals maßgeb­li­chen Fas­sung kei­ne Form der Gel­tend­ma­chung vor­schrieb (zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz 43).
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln (Urt. vom 31.01.2012 – 5 Sa 1560/10 – zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz 59 ff) ist un­ter Be­ru­fung auf die vor­ste­hen­den Ent­schei­dun­gen bei ei­ner zwei­stu­fi­gen ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­fall­frist da­von aus­ge­gan­gen, dass § 167 ZPO grundsätz­lich nur auf die un­mit­tel­bar von Amts we­gen vor­zu­neh­men­den Zu­stel­lun­gen an­wend­bar sei. Im Hin­blick dar­auf könne ei­ne ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung der Par­tei­en nicht da­hin­ge­hend aus­ge­legt wer­den, dass die Par­tei­en hin­sicht­lich der ers­ten Stu­fe der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung die Er­war­tungs­hal­tung ge­habt hätten, die­se könne auch „über den Um­weg“ der ge­richt­li­chen Kla­ge­er­he­bung und des § 167 ZPO er­wirkt wer­den. § 167 ZPO kom­me we­der un­mit­tel­bar noch ana­log zur An­wen­dung, und dies sei auch nicht von den Par­tei­en in ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­fall­klau­sel ver­ein­bart wor­den.
Die­se Erwägun­gen sind nicht mehr auf­recht­zu­er­hal­ten. Ei­ne Zu­ord­nung des § 167 ZPO aus­sch­ließlich zu Zu­stel­lun­gen, die zwin­gend ei­ner ge­richt­li­chen Ver­mitt­lung bedürfen, kann nicht fest­ge­stellt wer­den. Aus dem Wort­laut des § 167 ZPO er­gibt sich dies ge­ra­de nicht. Die Ge­sichts­punk­te der Rechts­si­cher­heit und des Ver­trau­ens­schut­zes spre­chen in­so­weit ge­ra­de für und nicht ge­gen die An­wen­dung des § 167 ZPO auch für Fälle, in de­nen die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung nicht er­for­der­lich ist, da die „Übe­r­erfüllung“ von Vor­sichts­maßnah­men nicht zu Las­ten des auf den Ge­set­zes­wort­laut ver­trau­en­den An­spruchs­stel­lers ge­hen kann.
2.4.Vor­lie­gend ist auch ent­ge­gen der Einschätzung des be­klag­ten Lan­des kein Fall ge­ge­ben, in dem das be­klag­te Land auf die als­bal­di­ge Gel­tend­ma­chung an­ge­wie­sen wäre und des­halb ei­ne Verzöge­rung durch die ge­richt­li­che Mit­wir­kung bei der Zu­stel­lung nicht mehr zu­mut­bar wäre. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben kei­ne kur­ze Ver­fall­frist ver­ein­bart, für die ei­ne als­bal­di­ge Gel­tend­ma­chung not­wen­dig wäre, son­dern ei­ne lang­fris­ti­ge Ver­fall­frist von 6 Mo­na­ten ab Fällig­keit. Be­reits die Dau­er der Ver­fall­frist in­di­ziert, dass es im TV-L nicht maßgeb­lich um Pla­nungs­si­cher­heit, son­dern in ers­ter Li­nie um Recht­si­cher­heit geht. Die­se ist so­wohl bei Zu­gang ei­nes Gel­tend­ma­chungs­schrei­bens nach 6 Mo­na­ten un­mit­tel­bar beim be­klag­ten Land als auch bei demnächs­ti­ger Zu­stel­lung ei­ner in­ner­halb von 6 Mo­na­ten bei Ge­richt er­ho­be­nen Kla­ge in glei­cher Wei­se gewähr­leis­tet. Es ent­steht auch kein un­an­ge­mes­se­ner Vor­teil für den An­spruch­stel­ler, da auch die recht­zei­ti­ge An­brin­gung ei­ner Kla­ge beim Ge­richt glei­che Vor­sichts­maßnah­men er­for­dert, wie die Si­cher­stel­lung des recht­zei­ti­gen Zu­gangs beim An­spruchs­geg­ner. Auch beim Ge­richt muss die vollständi­ge und un­ter­schrie­be­ne Kla­ge recht­zei­tig ein­ge­hen und sind bei der Über­mitt­lung die­sel­ben Hürden zu neh­men wie bei der Über­mitt­lung ei­nes Schriftstücks an den An­spruchs­geg­ner un­mit­tel­bar. Ei­ne Pri­vi­le­gie­rung des An­spruch­stel­lers tritt nur in­so­weit ein, als die­ser sich mit dem ord­nungs­gemäßen Ein­gang der Kla­ge­schrift bei Ge­richt dar­auf ver­las­sen kann, dass sei­ne Kla­ge demnächst und ord­nungs­gemäß beim An­spruchs­geg­ner zu­ge­stellt wird, oh­ne dass der Zu­gang be­strit­ten wer­den kann. Ein Schutz des An­spruchs­geg­ners vor der zu­verlässi­gen Zu­stel­lung ei­nes Schriftstückes ist je­doch im red­li­chen Rechts­ver­kehr nicht ge­bo­ten.
2.5.Et­was an­de­res er­gibt sich auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt der Ta­rif­au­to­no­mie. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben, wie der Ge­setz­ge­ber et­wa bei der Fas­sung des § 15 Abs. 4 AGG, ei­ne ty­pi­sche Re­ge­lung hin­sicht­lich des Ver­falls von Ansprüchen oh­ne recht­zei­ti­ge schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ge­trof­fen. Dass sie mit die­ser Re­ge­lung die Rück­wir­kungsmöglich­keit über § 167 ZPO hätten aus­sch­ließen wol­len, kann we­der ge­ne­rell noch un­ter Berück­sich­ti­gung der Ta­rif­au­to­no­mie an­ge­nom­men wer­den. Ei­ne Re­ge­lung, der zu­fol­ge die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung zu ei­nem be­stimm­ten Stich­tag oder in­ner­halb ei­nes be­stimm­ten Zeit­raums nach Fällig­keit, je­den­falls bei dem An­spruchs­geg­ner ein­ge­gan­gen sein müsse, ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht ge­trof­fen. Aus wel­chen Gründen ei­ne ma­te­ri­ell recht­lich maßgeb­li­che Aus­schluss­frist, die die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit ver­bind­li­cher Wir­kung für die mit dem Ta­rif­ver­trag Ge­bun­de­nen ge­trof­fen ha­ben, an­ders zu be­ur­tei­len sein soll­te, als ei­ne ma­te­ri­ell recht­lich wir­ken­de Aus­schluss­frist im Ge­setz (§ 15 Abs. 4 S. 1 AGG), er­sch­ließt sich nicht.
2.6.Es liegt auch kein Aus­nah­me­fall von dem Grund­satz der An­wend­bar­keit des § 167 ZPO auf Fälle der Frist­wah­rung durch Kla­ge­er­he­bung, die kei­ner Kla­ge­er­he­bung be­durft hätten, vor. Sol­che Son­derfälle sind et­wa ent­schie­den wor­den für den Fall der un­verzügli­chen An­fech­tung gemäß § 121 BGB (BGH, Ur­tei­le vom 11.10.1974 – V ZR 25/73 - zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz. 16; und vom 17.07.2008 – I ZR 109/05 – zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz 26). Da es bei ei­ner un­verzügli­chen Ausübung ei­nes Ge­stal­tungs­rech­tes er­sicht­lich auf die be­son­de­re Kurz­fris­tig­keit an­kommt, der ei­ne nur „demnächst“ er­fol­gen­de Zu­stel­lung durch das Ge­richt nicht mehr ge­recht wer­den kann, liegt in­so­weit kein mit dem hie­si­gen ver­gleich­ba­rer Fall vor. So­weit das Bun­des­ar­beits­ge­richt nach der hier für maßgeb­lich er­ach­te­ten Ent­schei­dung vom 22.05.2014 mit ei­nem Ur­teil vom 21.10.2014 (3 AZR 937/12 – zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz 33) für den Fall des § 16 Be­trAVG die An­wend­bar­keit des § 167 ZPO ver­neint hat, liegt eben­falls kein ver­gleich­ba­rer Fall vor. Gemäß § 16 Abs. 4 S. 2 Be­trAVG tritt ei­ne ge­setz­li­che Fik­ti­on der zu­recht un­ter­blie­be­nen An­pas­sung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ein, wenn der Ver­sor­gungs­empfänger un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht bin­nen drei Mo­na­ten ei­ner Mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers schrift­lich wi­der­spro­chen hat. Für die­sen Fall des schrift­li­chen Wi­der­spru­ches ge­gen ei­ne vom Ar­beit­ge­ber mit die­sem Ziel ge­mach­te Mit­tei­lung ist das Bun­des­ar­beits­ge­richt da­von aus­ge­gan­gen, dass der als Rüge zu be­ur­tei­len­de Wi­der­spruch zwin­gend vor dem An­pas­sungs­stich­tag beim Ar­beit­ge­ber ein­ge­hen müsse. Auch in­so­weit liegt kei­ne ver­gleich­ba­re Kon­stel­la­ti­on mit der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung im Rah­men ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist vor, da der Lauf der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist nicht durch ei­ne kon­kre­te Mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers in Gang ge­setzt wird, son­dern durch bloße Fällig­keit ei­nes – be­kann­ten oder un­be­kann­ten – An­spruchs.
Die Kam­mer ist da­her mit dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf (Urt. vom 12.09.2014 – 10 Sa 1329/13 – zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz 52 ff, 55 – Re­vi­si­on ein­ge­legt zum Az. 9 AZR 729/14) der Auf­fas­sung, dass die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu § 15 Abs. 4 S. 1 AGG im Ur­teil vom 22.05.2014 oh­ne Wei­te­res auf ma­te­ri­ell recht­li­che Aus­schluss­fris­ten zu über­tra­gen ist, die sich aus Ta­rif­ver­trag oder Ar­beits­ver­trag er­ge­ben. In al­len drei Fällen spre­chen die Ge­sichts­punk­te der Recht­si­cher­heit und des Ver­trau­ens­schut­zes für ei­ne An­wen­dung des § 167 ZPO, da mit der Kla­ge die stärks­te Form der Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen gewählt wird.
1.Die das Be­ru­fungs­ver­fah­ren be­tref­fen­de Kos­ten­ent­schei­dung er­gibt sich aus § 97 Abs. 1 ZPO.
2.Die Kos­ten­ent­schei­dung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils war gemäß § 308 Abs. 2 ZPO von Amts we­gen zu prüfen (BAG, Ur­teil vom 22.04.2010 – 6 AZR 948/08 - zi­tiert nach Ju­ris, dort Rz. 24). Im Er­geb­nis war Zif­fer II. des Te­nors da­hin­ge­hend klar­zu­stel­len, dass das be­klag­te Land in ers­ter In­stanz bei ei­nem Ge­samt­streit­wert von 10.800,00 Eu­ro die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen hat­te. Da­bei war zu berück­sich­ti­gen, dass die Par­tei­en den Rechts­streit übe­rein­stim­mend in vol­lem Um­fang mit Aus­nah­me des den Mo­nat Ju­ni 2013 be­tref­fen­den An­spruchs für in der Haupt­sa­che er­le­digt erklärt hat­ten. Die übe­rein­stim­men­de Er­le­di­gungs­erklärung ist im Tat­be­stand des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils dar­ge­stellt wor­den. Aus­weis­lich der Kos­ten­ent­schei­dung ers­ter In­stanz ist die­se auf § 91 ZPO und § 91 a ZPO gestützt, so dass da­von aus­zu­ge­hen ist, dass sie den für er­le­digt erklärten Teil des Ver­fah­rens mit um­fas­sen soll­te. Gemäß § 42 Abs. 1 GKG ist bei wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen aus ei­nem Dienst­verhält­nis der drei­fa­che Jah­res­be­trag der wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen maßge­bend, wo­bei gemäß § 42 Abs. 3 S. 1 Halb­satz 2 GKG die bei Ein­rei­chung der Kla­ge be­reits fälli­gen Beträge dem Streit­wert im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren nicht hin­zu­ge­rech­net wer­den. Dar­aus er­gibt sich ein Ge­samt­streit­wert von 10.800,00 EUR (36 x 300,00 EUR).
Die auf die­sen Streit­wert be­zo­ge­nen Kos­ten wa­ren dem be­klag­ten Land gemäß § 91 a Abs. 1 S. 1 ZPO ins­ge­samt auf­zu­er­le­gen, da das be­klag­te Land oh­ne das er­le­di­gen­de Er­eig­nis nach dem Sach- und Streit­stand ganz über­wie­gend im Ver­fah­ren un­ter­le­gen wäre.
Die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt war gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 ArbGG zu­zu­las­sen.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. be­klag­ten Land als Be­ru­fungskläger bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt(Post­adres­se: 99113 Er­furt),
schrift­lich zu be­gründen. Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de. Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen: • Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
Für d. Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ten ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Auf die Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gem. § 72 a ArbGG wird hin­ge­wie­sen. Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de.
S. T. A.	m.hensche.de
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References: § 167
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§ 37
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 BGH 
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 § 15
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 § 132
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 § 66
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 § 132
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 § 4
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 § 15
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 § 26
 § 15
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 § 15
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 § 37
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 § 15
 § 15
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 § 31
 § 270
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 § 15
 § 167
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 § 121
 § 16
 § 167
 § 16
 § 15
 § 167
 § 97
 § 308
 § 91
 § 91
 § 42
 § 42
 § 91
 § 72
 § 72
 § 46