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Timestamp: 2019-01-22 20:19:51+00:00

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Vorträge über das Organon der Heilkunst Zum Verständnis des § 72 | Hpathy.de
Vorträge über das Organon der Heilkunst Zum Verständnis des § 72
In § 72 beginnt Hahnemann, das erste Erfordernis des § 71, die Kenntnis über die Krankheit, näher auszuführen.
Was den ersten Punkt betrifft, so dient Folgendes zuvörderst als allgemeine Uebersicht. Die Krankheiten der Menschen, sind theils schnelle Erkrankungs-Processe des innormal verstimmten Lebensprincips, welche ihren Verlauf in mäßiger, mehr oder weniger kurzen Zeit zu beendigen geeignet sind - man nennt sie acute Krankheiten -; ...
Er erklärt zuerst die AKUTE Krankheit, was in den Chronischen Krankheiten weiter ausgeführt wird. Die Merkmale akuter Krankheit sind:
1. Schnelle Erkrankungsprozesse
2. Die Tendenz, ihren Verlauf in einer mehr oder weniger kurzen Zeit zu beenden
3. Verlauf in mäßiger Zeit
Weiter ausgeführt wird dies in den Chronischen Krankheiten [S. 45]:
"Für alle diese akuten, miasmatischen Krankheiten besitzt aber die Menschennatur jenen, in der Regel, so wohlthätigen Prozeß, dieselben (nämlich das specifische Fieber sammt dem specifischen Ausschlage) im Verlaufe von zwei bis drei Wochen wieder zu vertilgen und durch eine uns unbekannte Entscheidungs-Art (crisis) von selbst aus dem Organism wieder auszulöschen, so daß der Mensch dann gänzlich von ihnen (wenn er nicht von denselben getödtet wird), und zwar in kurzer Zeit, zu genesen pflegt. "
Fußnote: Oder haben diese verschiednen, akuten halbgeistigen Miasmen die besondre Natur, daß sie, nachdem sie die Lebenskraft im ersten Augenblicke der Ansteckung durchdrungen und dieselbe, jede auf ihre eigne Weise, krank gemacht, dann in ihr auf Parasiten-Art schnell gewachsen und sich, meist durch ein eignes Fieber ausgebildet haben, nach Erzeugung ihrer Frucht (des reifen, ihr Miasm wieder mitzutheilen fähigen Haut-Ausschlages) von selbst ersterben und so den lebenden Organism davon wieder frei und der Wieder-Genesung überlassen?
Das Erlernen der Unterscheidung zwischen akuter Erkrankung und der akuten Verschlimmerung einer chronischen Krankheit [Ausbrüche der latenten Psora; § 73] basiert ursprünglich auf der Wahrnehmung des akuten MIASMAS, welches das typische Symptomenbild aufweist. Erkennen Sie die Diagnose der medizinischen Krankheit aus Sicht der modernen Medizin, z. B.: Typhus, Virusinfektion, Masern, usw. Warum ist dies wichtig? Es kann die Basis für die Arzneimittelwahl sein. Wir können die weitere Entwicklung der Krankheit vorhersagen und wären bei einer Verschlechterung des klinischen Zustandes vorgewarnt, was eine unmittelbare nochmalige Überprüfung des Krankheitsbildes und den Wechsel des Mittels nötig machen würde [§ 167]. Die nächste wichtige Entscheidung ist hier - verordnen wir ein Akutmittel gegen ein scheinbar akutes Krankheitsbild oder verordnen wir das chronische/konstitutionelle Mittel basierend auf der vollständigen Krankengeschichte des Patienten?
Für akute Erkrankungen wird eher ein akutes (spezifisches) Mittel gegen die akute Gesamtheit der Symptome erforderlich sein. Klinisch sind dies epidemische Krankheiten [§§100 – 102] oder Krankheiten wie Masern, Keuchhusten usw., die einmal im Leben auftreten [festländiges (fixiertes) Miasma; § 73] und wo die akute Gesamtheit der Symptome offensichtlich ist. Aber selbst in einem Fall, in dem die konstitutionellen Merkmale des Patienten das akute Krankheitsbild überdecken, d.h. die Reaktion des Wirtsorganismus ist stärker als das infizierende Miasma, wird ein konstitutionelles oder chronisches Mittel besser als das akute Mittel wirken.
Bei einer akuten Verschlimmerung der chronischen Krankheit kann man dazu verleitet werden zu denken, dass es sich um eine akute Krankheit handelt. Oft gibt es keine deutlichen Symptome, die auf ein akutes Mittel hindeuten. Ein akutes (oberflächliches) Mittel, das in solch einer Situation verordnet wird, lindert entweder die Symptome oder unterdrückt sie, während man beobachten kann, dass die zugrunde liegenden chronischen Prozesse sich weiterhin verschlechtern. Dies klinisch zu verstehen ist schwierig und erfordert ein erfahrenes Auge. So ist es häufiger er Fall als nicht, dass ein junger Homöopath ein akutes Mittel verordnen wird, und das Problem mit einer scheinbaren 'Heilung' unterdrückt. Aber nach einer kurzen Zeit erhebt die Krankheit wieder ihren hässlichen Kopf - genauso wie zuvor, schlimmer oder in Form einer tiefer liegenden Störung.
Was macht man jetzt am besten? Sie sollten das chronische Mittel immer gut ausgewählt haben, bevor sich eine solche Krankheitsphase ergibt. Nehmen Sie eine vollständige chronische Krankengeschichte auf und erarbeiten Sie sich das mögliche chronische Mittel. Verabreichen Sie das beste Mittel, das durch das vorherrschende Krankheitsbild angezeigt ist.
In sehr frühen Phasen einer akuten Krankheit hilft es, das chronische Mittel zu verordnen. Die Wirtsfaktoren und daher die konstitutionellen Merkmale sind in dieser Phase vorherrschender. Hier kann sogar eine gute konstitutionelle Mittelwahl bestätigt werden. Das chronische Mittel wirkt vorbeugend. Wenn die Reaktion auf das chronische Mittel nicht adäquat ist, wird ein akutes Mittel erforderlich. Die Lebenskraft, unter dem Einfluss des verschriebenen konstitutionellen Mittels, bringt dann akute Merkmale hervor, und „bittet“ so förmlich um dieses äußerst indizierte Mittel [§ 182].
Im Gegensatz dazu kann 'dieses oder jenes Mittel zu probieren', wenn man sich des Krankheitsbildes oder des konstitutionellen Mittels unsicher ist, das charakteristische Krankheitsbild verzerren. Es wird schwieriger, ein gutes akutes Mittel zu finden. Wir haben jetzt einen Fall einer verstörten Lebenskraft und eines verstörten Homöopathen! Den meisten von uns ist das passiert, wenn wir mit uns ehrlich sind. Während der Akutphase muss man sich möglicherweise durch 2-3 Mittel der Reihe nach durcharbeiten, um zunächst die Verschiebung der Gesamtheit der zusätzlichen Symptome zu überwinden, bevor die Krankheit mit dem indizierten akuten Simillimum geheilt wird.
Hat irgendjemand gesagt, dass das homöopathische Fallmanagement nicht der Rede wert sei? Die erfahrungsgemäße homöopathische Praxis ist nicht einfach, man wir dies respektvoll eingestehen. Glücklicherweise haben uns an dieser Stelle die meisten unserer frühen Meister der Homöopathie, angefangen mit Hahnemann selbst, die Wogen mit einigen klaren, verlässlichen Richtlinien geglättet. Unsere Aufgabe ist, sie sorgfältig zu erlernen und sie mit der Zeit zu beherrschen.
§ 72 (Fortsetzung)
... theils sind es solche Krankheiten, welche bei kleinen, oft unbemerkten Anfängen den lebenden Organism, jede auf ihre eigne Weise, dynamisch verstimmen und ihn allmälig so vom gesunden Zustande entfernen, daß die zur Erhaltung der Gesundheit bestimmte, automatische Lebens-Energie, Lebenskraft (Lebensprincip) genannt, ihnen beim Anfange, wie bei ihrem Fortgange, nur unvollkommenen, unzweckmäßigen, unnützen Widerstand entgegensetzen, ...
Die nächste Kategorie, durch die sich Krankheiten ausdrücken, ist die chronische Krankheit, die schleichend beginnt. Sie erscheinen als sehr geringfügige Beschwerden - ein Juckreiz hier, eine venerische Infektion zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit dort, eine Virusinfektion wie HIV, EBV, usw.
In den Chronischen Krankheiten steht auf Seite 45:
Bei den chronischen miasmatischen Krankheiten beobachtet die Natur in Hinsicht der Ansteckungs-Art und der vorgängigen Bildung der innern Krankheit, ehe das äußere Anzeige-Symptom ihrer innern Vollendung sich an der Oberfläche des Körpers hervorthut, denselben Gang; dann aber zeigt sich jene große, merkwürdige Verschiedenheit von den akuten, daß bei den chronischen Miasmen die innere ganze Krankheit, wie schon gesagt, lebenslang im Organisme verharret, ja mit den Jahren immer mehr zunimmt, wenn sie nicht durch die Kunst ausgelöscht und gründlich geheilt wird.
Diese Krankheiten haben beinahe "nicht wahrnehmbare Anfänge". Die Lebenskraft weiß von ihnen und beginnt sie ohne klinische Zeichen zu bekämpfen. Uns ist nicht bewusst, dass sie existieren. Aber sie irritieren während dieses Kampfes die Lebenskraft. Der äußerliche Ausdruck kann ein harmloser Hautausschlag sein, der leicht durch örtliche Anwendung durch den Patienten oder durch den Arzt unterdrückt werden kann, beide sind sie von der scheinbaren Milde der Beschwerde getäuscht und sind begeistert, dass sie verschwunden ist. Sie merken es kaum, dass sie sich mit diesem MIASMA zusammengeschlossen haben, um die Lebenskraft weiter und tiefer in die Krankheit abzudrängen [§ 202].
... sie aber, durch eigne Kraft, nicht in sich selbst auslöschen kann, sondern unmächtig dieselbe fortwuchern und sich selbst immer innormaler umstimmen lassen muß, bis zur endlichen Zerstörung des Organism; man nennt sie chronische Krankheiten.
Hier fängt Hahnemanns Paragraf an, wie ein Abenteuerroman "Die letzte Zerstörung" zu klingen! Aber das ganze Drama ist nicht übertrieben. Wir müssen ernsthaft bedenken, wie die miasmatische Zerstörung stattfindet. Sie beginnt schleichend, wird ignoriert oder unterdrückt, bis es zu spät ist. Sie ist jetzt fest in das System des Patienten eingepflanzt. Das Einzige, was übrig bleibt, ist, von der Lebenserwartung zu retten, was zu retten ist, also Tabletten einzuwerfen!
J.H. Allen war der Erste, der diese Entwicklung der Krankheit aus der miasmatischen Sicht in seinem Buch ‚Die Chronischen Krankheiten’ im Detail darlegt. Er wurde von H.C. Allen, J.T. Kent, Muzumdar, C.M. Boger und einer Menge von Meistern unterstützt, welche die homöopathische Verschreibung und die Heilung in neue Höhen erhoben, die wir immer noch, 100 Jahre später, versuchen, zu erreichen.
Zeitgenössische Homöopathen, die diese Methoden anwenden, sind selten und weit verstreut. Einige gut bekannte in Indien sind Dhawles Institute of Clinical Research (ICR) in Mumbai; Dr. Praful Barvalia, Mumbai; David Little, http://www.simillimum.com/; Dr. Subrata Banerjea, Kalkutta; um nur einige zu nennen. Es ist ermutigend zu sehen, wie viele Weitere ein Interesse entwickeln, um diesem Pfad des klinischen Fallmanagements zu folgen.
Um chronische Krankheit anzugehen, ist es erforderlich, die chronischen Miasmen anzugehen. Die chronischen Miasmen bestehen aus zwei Teilen:
1. Das Grundmiasma: Ererbte miasmatische Tendenzen, Diathese, genetische Schwächen der Eltern.
Klinisch kann dies als Tendenz zu jugendlichem Diabetes oder frühem Beginn von Krebs, als genetische Mängel und Abnormitäten, als leichte Tendenz zu Asthma usw. erkannt werden.
2. Erworbene Miasmen: Diese, erwirbt man während seines Lebens, beginnend während der intrauterinen Phase, durch die Kindheit hindurch bis ins Erwachsenenalter. Die erworbenen chronischen Miasmen entwickeln sich auf dem Mutterboden des Grundmiasmas, welches einen Patienten für die erworbenen leicht anfällig sein lässt.
Klinisch sieht man dies, wenn jemand eine klinische Tuberkulose entwickelt, die einen großen Bereich der Lungen in einem frühen Alter betrifft, während andere nur den Primärkomplex entwickeln werden. Warum? Weil der Eine Grundmiasma von Psora und Syphilis (tuberkulös) ererbte, das ihn leicht anfällig und genetisch geschwächt macht für die Invasion des Mycobacteriums tuberculosis. Oder jemand entwickelt eine fortgeschrittene symptomatische HIV-Infektion und in ein paar Jahren liegt er auf seinem Sterbebett, während andere 10-15 Jahre lang nur Überträger bleiben. Warum? Weil die ererbte miasmatische Diathese (Schwäche) seiner Lebenskraft keine Chance ließ, um für das Überleben zu kämpfen, weil er bereits in einem fortgeschrittenen Zustand der miasmatischen Entwicklung (Syphilitiker) der vorangegangenen Krankheit war; wahrlich ein fruchtbarer Boden, um unheilbare Krankheiten zu pflanzen.
Sie entstehen von dynamischer Ansteckung durch ein chronisches Miasm.
Hier ist es offensichtlich, dass Hahnemann das Wort Miasma im Sinne von Krankheitserreger von AUSSEN verstand. Der Unterschied seines Ansatzes in Bezug auf die moderne Medizin ist, dass dieser Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze, Umweltgifte usw.) sowohl eine physiologische als auch dynamische Wirkung hat. Eine Therapie, die nur auf die physiologische Wirkung ausgerichtet ist, ist unzulänglich, partiell und daher langfristig unterdrückend.
Der andere Unterschied zur modernen Medizin ist, dass wir zusätzlich die ererbte miasmatische Diathese anerkennen, die aus der Familiengeschichte des Patienten hervorgeht. Dieses Grundmiasma [§ 5], zusammen mit dem erworbenen Miasma, das der Patient im Verlauf seines Lebens erwirbt und welches in der Krankengeschichte des Patienten ersichtlich wird, ist ein wichtiger Aspekt, der für das Fallmanagement berücksichtigt werden muss und ohne dessen Kenntnis bleibt eine Behandlung unvollkommen [§ 206].
Der miasmatische Ausdruck (Psora, Sykose, Syphilis, tuberkulinisch) in einer chronischen Krankheit erfolgt sowohl geistig als auch physisch. Er wird als Zeichen und Symptome beobachtet und ist ein Ausdruck der gestörten Lebenskraft, so wie es oben erklärt wurde. Er wird durch geeignete chronische Mittel korrigiert, die den miasmatischen Ausdruck und/oder die konstitutionellen Merkmale abdecken [Fußnote in § 282].
4. Allen T.F; Boenninghausan's Therpeutic Pocket Book

References: § 72
 § 72
 § 72
 § 71
 § 73
 § 73

§ 72
 § 282