Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.03.1992&Aktenzeichen=III%20ZR%20117/90
Timestamp: 2019-11-20 02:04:33+00:00

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BGH, 19.03.1992 - III ZR 117/90 - dejure.org
https://dejure.org/1992,355
BGH, 19.03.1992 - III ZR 117/90 (https://dejure.org/1992,355)
BGH, Entscheidung vom 19.03.1992 - III ZR 117/90 (https://dejure.org/1992,355)
BGH, Entscheidung vom 19. März 1992 - III ZR 117/90 (https://dejure.org/1992,355)
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Verstosses gegen die Bauwichbestimmungen - Befreiung von den Baugrenzen des Bebauungsplans - Verteilung der Darlegungs- und Beweislast - Mitwirkung des Archichtekten bei Herstellung der Planunterlagen
BGB § 276, § 839; GG Art. 34
Baugenehmigung und Architektenhaftung (IBR 1992, 192)
NJW 1992, 3034 (Ls.)
NJW-RR 1992, 1301 (Ls.)
MDR 1992, 648
NVwZ 1992, 911
VersR 1992, 698
BB 1992, 950
DB 1992, 2186
Es gilt insoweit der Grundsatz, dass jeder Beamte die für sein Amt erforderlichen Rechts- und Verwaltungskenntnisse besitzen oder sich verschaffen muss (so ausdrücklich BGH NJW 1994, 2987, 2089 für den Fall einer rechtswidrigen Baugenehmigung, in der das Gebot der Rücksichtnahme verletzt worden ist; ebenso BGH VersR 1992, 698, 699).
Gerade die einschlägigen Bestimmungen des Bauplanungsrechts muss ein Mitarbeiter der Unteren Bauaufsicht als zuständige Fachbehörde kennen und handhaben können (so ausdrücklich BGH VersR 1992, 698, 699).
Bereits insoweit liegt eine Verletzung des im Rahmen von § 839 Satz 1 BGB geltenden objektivierten Sorgfaltsmaßstabes vor (BGH VersR 1992, 698, 699).
Allerdings schuldet ein Architekt, der für einen Bauherrn die Bauplanung durchführt, dass diese zu einer dauerhaften und nicht mehr rücknehmbaren Baugenehmigung führt und die örtlichen Gegebenheiten beachtet (so BGH NJW 1999, 2112; BGH VersR 1992, 698, 699; KG Berlin BauR 1999, 1474, 1475).
Zur Erfüllung dieser Pflicht reichte es nicht aus, dass die Baugenehmigung tatsächlich erteilt wurde, sondern erforderlich war vielmehr, dass diese Baugenehmigung rechtmäßig und nicht mehr rücknehmbar war (so BGH VersR 1992, 698, 699; KG Berlin BauR 1999, 1474, 1475).
Ein Architekt, der diese Aufgabe übernimmt, hat dafür einzustehen, dass er über die hierfür erforderlichen Kenntnisse des Bauplanungsrechts und des Bauordnungsrechts verfügt (BGH NJW 1985, 1692; BGH NVwZ 1992, 911; KG Berlin BauR 1999, 1474; BGH VersR 1992, 698, 699).
Jeder Architekt muss wissen, dass bei einem Bauvorhaben Rücksicht auf die Nachbarbebauung genommen werden muss (so BGH VersR 1992, 698, 699).
Die Einhaltung der erforderlichen Abstände gehört dabei zu den grundlegenden Anforderungen, die ein Architekt bei jeder Planung zu beachten hat (so BGH VersR 1992, 698, 699).
Er kann sich insoweit nicht mit dem Hinweis auf falsche Auskünfte der mit der Prüfung des Bauantrags betrauten Beamten der Bauaufsichtsbehörde entlasten (so ausdrücklich BGH VersR 1992, 698, 699).
Dem konkret handelnden Amtsträger muss der Verstoß gegen das Gebot der Rücksichtnahme und die daraus sich ergebende Pflichtwidrigkeit bewusst gewesen sein und er muss diese Verletzung seiner Amtspflichten zumindest billigend in Kauf genommen haben (so ausdrücklich BGH VersR 1992, 698, 699).
So berücksichtigte der BGH nicht, dass er früher (vgl. BGH, Urteil vom 11.10.2001, III ZR 63/00, ZFBR 2002, 141; BGH, Urteil vom 19.03.1992, III ZR 117/90, VersR 1992, 698) ausgeführt habe, die Erteilung der Baugenehmigung schaffe für den Bauherrn einen ganz besonderen Vertrauenstatbestand.
Soweit die Kläger darauf verweisen, dass der BGH früher (vgl. BGH, Urteil vom 11.10.2001, III ZR 63/00, ZfBR 2002, 141; BGH, Urteil vom 19.03.1992, III ZR 117/90, VersR 1992, 698) ausgeführt habe, die Erteilung der Baugenehmigung schaffe für den Bauherrn einen ganz besonderen Vertrauenstatbestand, der auch für Fragen des Bauwichs bzw. der Nachbarzustimmung gelte, verkennen sie, dass ein Vertrauensschutz durch Erteilung der Baugenehmigung zugunsten des Bauherrn nicht bedingungs- bzw. grenzenlos anzunehmen ist.
Es besteht die Amtspflicht, eine den einschlägigen baurechtlichen Vorschriften widersprechende Baugenehmigung nicht zu erteilen (ständige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, z.B. BGH, Urt. v. 19.03.1992, Az: III ZR 117/90, Rn. 8, zit. nach juris, m.z.w.N.).
Zumindest muss der Beamte mit der Möglichkeit eines solchen Verstoßes rechnen und diesen billigend in Kauf nehmen (BGH, Urt. v. 19.03.1992, a.a.O., Rn. 10, m.w.N.).
a) Die Unmöglichkeit, anderweitig Ersatz zu erlangen, bildet einen Teil des Tatbestandes, aus dem der Amtshaftungsanspruch hergeleitet wird, dementsprechend hat der Verletzte das Vorliegen dieser zur Klagebegründung gehörenden (negativen) Voraussetzung des Amtshaftungsanspruches darzulegen und im Streitfall zu beweisen (BGH, Urt. v. 19.03.1992, Az: III ZR 117/90, Rn. 17, m.w.N., zit. nach juris).
Zur Erfüllung dieser Vertragspflicht reicht es nicht aus, dass die Baugenehmigung tatsächlich erteilt wurde; erforderlich ist vielmehr, dass sie rechtmäßig und nicht rücknehmbar ist (BGH, Urt. v. 19.03.1992, Az: III ZR 117/90, a.a.O., Rn. 18; BGH, Beschl. v. 26.05.1983, Az: III ZR 212/82, VersR 1983, 980, 981).
Die zur Lösung dieser Aufgabe notwendigen Kenntnisse auf dem Gebiet des Bauplanungs- und des Bauordnungsrechts muss der Architekt besitzen (BGH, Urt. v. 19.03.1992, Az: III ZR 117/90, a.a.O., Rn. 18;… BGH, Beschl. v. 09.07.1992, Az: III ZR 119/91, Rn. 4;… BGH, Urt. v. 17.04.1980, Az: III ZR 167/78, jew. zit. nach juris).
Die Voraussetzungen der Außenbereichsbebauung nach § 35 BauGB muss der Architekt grundsätzlich kennen (BGH, Urt. v. 19.03.1992, Az: III ZR 117/90, a.a.O., Rn. 18;… BGH, Beschl. v. 09.07.1992, Az: III ZR 119/91, Rn. 4;… BGH, Urt. v. 17.04.1980, Az: III ZR 167/78, jew. zit. nach juris).
a) Ein Architekt, der sich zur Erstellung einer Genehmigungsplanung verpflichtet, schuldet als Werkerfolg eine dauerhaft genehmigungsfähige Planung (Anschluß an BGH, Urteil vom 19. Februar 1998 - VII ZR 236/96, ZfBR 1998, 186 = BauR 1998, 579 = NJW-RR 1998, 952; Urteil vom 25. Februar 1999 - VII ZR 190/97; vgl. auch Urteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90, BGHR BGB § 631 Architektenpflichten 2).
a) Ein Architekt, der sich zur Erstellung einer Genehmigungsplanung verpflichtet, schuldet als Werkerfolg eine dauerhaft genehmigungsfähige Planung (BGH, Urteil vom 19. Februar 1998 - VII ZR 236/96, ZfBR 1998, 186 = BauR 1998, 579 = NJW-RR 1998, 952; Urteil vom 25. Februar 1999 - VII ZR 190/97; vgl. auch Urteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90, BGHR BGB § 631 Architektenpflichten 2).
Der Kläger müßte sich zwar auch eine schuldhaft versäumte Ersatzmöglichkeit entgegenhalten lassen (Senatsurteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90 - BB 1992, 950, 951 m.w.N.).
War eine derartige Möglichkeit vorhanden und ist sie weggefallen, etwa wegen Ablaufs der Anfechtungsfrist (§§ 121, 124 BGB), steht dem Geschädigten ein Amtshaftungsanspruch nur dann zu, wenn er die früher vorhandene Ersatzmöglichkeit nicht schuldhaft versäumt hat (vgl. oben zu II 1 b und Senatsurteil vom 19. März 1992 aaO.).
Die Baugenehmigung vom 30.1 1.1999 war rechtswidrig, weil sie den einschlägigen baurechtlichen Vorschriften widersprach (BGH, Urt. V. 19.03.1992, Az.: III ZR 117/90, NVwZ 1992, 911), nämlich § 34 BauGB und § 6 SächsBO.
Jeder Beamte muss die für sein Amt erforderlichen Rechts- und Verwaltungskenntnisse besitzen oder sich verschaffen (BGH, NVwZ 1992, 911, 912).
Die Handhabung der bauplanungs- und -rechtlichen Bestimmungen in § 34 BBauG und § 6 SächsBO immaterieller und verfahrensrechtlicher Hinsicht gehört zu den Dingen, die die Bauaufsichtsbehörde als zuständige Fachbehörde beherrschen "muss" (BGH, NVwZ 1992, 911, 912).
Dementsprechend hat der Verletzte das Vorliegen dieser zur Klagebegründung gehörenden (negativen) Voraussetzung des Amtshaftungsanspruchs darzulegen und im Streitfall zu beweisen (BGH, NVwZ 1992, 911, 912; BGH, Urteil vom 10.01.2002, Az.: III ZR 13/01, WM 2002, 1131, 1132).
(BGH, NVwZ 1992, 911, 912; OLG Frankfurt, Urteil vom 17.05.1991, Az.: 24 U 84/90, dokumentiert in Juris).
Ein Architekt muss aber auch die Anforderungen für Abstandsflächen kennen (BGH, NVwZ 1992, 911, 912).
Sie knüpft an den Grundsatz an, daß jeder Beamte die für sein Amt erforderlichen Rechts- und Verwaltungskenntnisse besitzen oder sich verschaffen muß (vgl. etwa Senatsurteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90 - BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Verschulden 20), und stellt zusätzlich auf die begründeten Einwendungen ab, die vor der Erteilung der Baugenehmigung von seiten der Grundstücksnachbarn erhoben worden waren.
Die Amtspflicht, eine rechtswidrige Baugenehmigung nicht zu erteilen, obliegt der Bauaufsichtsbehörde auch gegenüber dem antragstellenden Bauherrn (st.Rspr. , vgl. Senatsurteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90 - VersR 1992, 698, 699).
Sollten sich insoweit Anhaltspunkte für Sorgfaltsverstöße des Architekten N. und des Steuerberaters Z. ergeben, so könnte allerdings unter Umständen Anlaß für die Prüfung bestehen, ob der Kläger nicht Schadensersatzansprüche gegen beide oder einen von ihnen hat (§§ 839 Abs. 1 Satz 2 BGB, 39 Abs. 2 Buchst. a OBG NW; vgl. Senatsurteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90 - VersR 1992, 698).
An der Geltung der Subsidiaritätsklausel des § 839 Abs. 1 Satz 2 BGB ist grundsätzlich festzuhalten (vgl. zuletzt Senatsurteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90III ZR 117/90 = BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 2 Verweisungsprivileg 1 = VersR 1992, 698).
Anders als etwa bei der Einhaltung der Grenzabstände nach Bauordnungsrecht, die zu den grundlegenden Anforderungen gehört, die jeder Architekt bei der Planung zu beachten hat (vgl. dazu Senatsurteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90 = BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 2 Architekt 1 = NVwZ 1992, 911, 912), ging es bei der hier zu beurteilenden Frage, ob das Vorhaben sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche in die Eigenart der näheren Umgebung einfügte (§ 34 Abs. 1 Satz 1 BauGB), um Wertungen, die mitunter nicht einfach sind und gewisse Beurteilungsspielräume eröffnen können.
Erforderlich ist vielmehr, daß die angestrebte Genehmigung rechtmäßig und nicht mehr zurücknehmbar ist (BGH, Urteil vom 19. März 1992 - III ZR 117/90, BB 1992, 950 = NVwZ 1992, 911).
OLG Saarbrücken, 13.01.2004 - 7 U 440/03
GU-Vergabe reduziert nicht Überwachungspflicht
LG Duisburg, 09.01.2006 - 4 O 306/05
Schadensersatz wegen einer Verletzung von Aufklärungspflichten und …

References: § 276
 § 839
 Art. 34
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 839
 BGH 
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 BGH 
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 § 35
 § 631
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 § 34
 § 6
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 § 839
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