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Timestamp: 2018-01-23 05:45:36+00:00

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Neues Konkordat der Kantone Analyse und Diskussion des Entwurfs. Forum Neues Vergaberecht. Beschaffungsvolumen
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Hilke Kurzmann
1 Forum Neues Vergaberecht Neues Konkordat der Kantone Analyse und Diskussion des Entwurfs Referenten PD Dr. Martin Beyeler, Rechtsanwalt Dr. Stefan Scherler, Rechtsanwalt Hans-Georg Bächtold, Geschäftsführer SIA Marc Steiner, Bundesverwaltungsrichter Prof. Dr. Hubert Stöckli, Universität Freiburg (Einführung und Leitung) Offene Diskussion Beschaffungsvolumen Gesamtvolumen 40 Mia. (Erläuternder Bericht, S. 11) zentrale Bundesverwaltung 5,3 Mia. (Faktenbla9 BBl, Beschaffungszahlen 2013) Kantone und Gemeinden 32 Mia. (Erläuternder Bericht, S. 11, wo von «rund 80%» die Rede ist) Anteil an Staatsausgaben 25% (Erläuternder Bericht, S. 11) 1
2 Zwei Wellen der Rechtssetzung WTO- Übereinkommen 1994 in KraJ seit dem 1. Januar 1996 WTO- Übereinkommen 2012 für die Schweiz noch nicht in KraJ drei neue EU- Richtlinien seit dem 17. April 2014 vgl. zum neuen WTO- Übereinkommen und den neuen Richtlinien die Beiträge von STÖCKLI/BEYELER zu den Vergabetagungen 2012 und 2014 Getrennte Umsetzung in der Schweiz WTO- Übereinkommen 2012 neue BöB/VöB neue IVöB Bundesverfassung Getrennte Umsetzung in der Schweiz inhaltliche Angleichung Bund und Kantone «soweit möglich und sinnvoll» (S. 9) Umsetzung auf Stufe Bund und Kantone «möglichst zeitnah» (S. 9) Allerdings: Die Kantone würden «im Sinne eines weiteren Harmonisierungs- beitrages Verhandlungen unter besfmmten Bedingungen zulassen, wäh- rend im Gegenzug der Bund für den Binnenmarktbereich ebenfalls den Rechtsschutz bei einem AuJragswert ab Franken vorsehen müsste.» (S. 9) 2
3 PD Dr. Martin Beyeler, Rechtsanwalt, Präsident SVöB Begriffe (Art. 2) Single serving cookies. Selbstverständliches. Fehlendes. Es bleibt: Persönlicher Geltungsbereich. Persönlicher Geltungsbereich (Art. 3 ff.) Au[raggeber: Alles wie gehabt. Neu: Generalausnahme für gewerbliche Tä^gkeiten (Art. II:2:a:(ii) GPA 2012). Es geht nicht um «gewerbliche Waren oder Dienstleistungen»! 3
4 Sachlicher Geltungsbereich (Art. 8 f.) Neu: Defini^on des öffentlichen Au[rags. Inkonsistent: «Erfüllung staatlicher Aufgaben». Neu: Unterstellung von Konzessionen (insb. Bau- und Dienstleistungskonzessionen). Neuformulierungsbedarf. Interne Geschä[e (Art. 11 Abs. 3 lit. b d) In- house: wie gehabt. Quasi- in- house: gemäss EuGH (2014). In- state / öffentliche Zusammenarbeit: nur öffentliche Au[raggeber, kein Marktau[rih. Folgeau[räge (Art. 21 Abs. 2 lit. e) Freihandtatbestände: grundsätzlich wie gehabt. Konzentra^on der Folgeau[räge auf 21 II e (analog XIII:1:c GPA 2012). Milderung der Anforderungen: Kompa^bilitätsprobleme und ernstha[e Schwierigkeiten oder substan^elle Mehrkosten. 4
5 Rahmenverträge (Art. 27) Erstmalige Regelung (s. Art. 33 RL 2014/24). Voll und teilweise definierte Rahmenverträge. Bilaterale und mul^laterale Rahmenverträge. Anfechtung des Minitender- Zuschlags? Bietergemeinscha[en / Subunternehmer (Art. 33) Grundsatz der Zulassung (BieGe / SubU). Grundsatz der Unzulässigkeit von Mehrfachbeteiligungen. «Die charakteris^sche Leistung ist grundsätzlich vom Anbieter zu erbringen».! sinnvoll? Abbruch und Widerruf (Art. 43 und Art. 44) Nicht erschöpfender Katalog von Abbruchgründen: «zureichende Gründe». Kein Anspruch auf Entschädigung bei Abbruch? Widerruf nur aus Ausschlussgründen? Widerruf wegen eines Formfehlers? 5
6 Sank^onen (Art. 45 und Art. 53 Abs. 3) Gegen Bieter, Subunternehmer und Au[raggeber.! Organe? Bieter: Korrup^on, Verbrechen, Arbeitsrecht.! Vertraulichkeit? Liste: bindend? Au[raggeber: Aufsichtsbehörde und Subven^onen. Vertragsabschluss (Art. 42 und Art. 54 Abs. 2) Der Stands^ll wird gefes^gt und klarer geregelt. Die doppelte Regelung ist unnö^g. Es entscheidet das kantonale Gericht! Das Schicksal des unerlaubt geschlossenen Vertrags bleibt unreguliert. Gesamteindruck 6
7 Dr. Stefan Scherler, Rechtsanwalt, Fachanwalt SAV Bau- und Immobilienrecht, Geschäftsführer SVöB Vergabekriterien (Art. 28 ff.) Neu: Teil V. Kapitel: Vergabeanforderungen - Teilnahmebedingungen (Art. 28) - Eignungskriterien (Art. 29) - Zuschlagskriterien (Art. 31) - Technische Spezifika^onen (Art. 32) - Formerfordernisse (Art. 36) Begriffsdefini^on Technische Spezifika^on redundant (Art. 2 lit. n) Teilnahmebedingungen (Art. 28) Bei Verletzung der Voraussetzungen : Ausschluss vom Verfahren (Art. 44) mit erweitertem Katalog der Gründe (16) Hinweis auf und Einführung Selbstdeklara^on ist begrüssenswert 7
8 Eignungskriterien (Art. 29) Der Au[raggeber legt in der Ausschreibung ( ) die wesentlichen Kriterien zur Eignung des Anbieters fest (Art. 29 Abs. 1 Satz 1). Nur die wesentlichen? Verbot der Voraussetzung, bereits einen Au[rag für die Vergabestelle (erfolgreich) ausgeführt zu haben (Art. 29 Abs. 4; vgl. auch Art. VIII:2 GPA 2012) Zuschlagskriterien (Art. 30) I Neu: Au[eilung in Zuschlagskriterien (Anforderungen; Art. 30) und Zuschlag (Ablauf; Art. 41) Zuschlagskriterium: Ausbildungsplätze für Lernende in der beruflichen Grundausbildung (Art. 31 Abs. 2) vs. Ausbildung von Lernenden in der beruflichen Grundbildung (revart. 21 Abs. 2 BöB, Art. 27 Abs. 3 VöB) (Achtung: Filigranjuristen [SR Zanev, SO]) Zuschlagskriterien (Art. 30) II Gut und jetzt für alle: Bekanntgabe der Gewichtung der Zuschlagskriterien in der Ausschreibung (Art. 30 Abs. 3 Satz 1) Heikel: Sind Lösungen, Lösungswege oder Vorgehensweisen Gegenstand der Beschaffung, so kann auf eine Bekanntgabe der Gewichtung verzichtet werden. (Art. 30 Abs. 3 Satz 2) 8
9 Ausstand (Art. 14) Grundsatz: Prinzip des Vorliegens einer tatsächlichen Befangenheit und nicht nur der Anscheinsvermutung Aber auch Ausstand: aufgrund anderer Umstände, die für die Durchführung ( ) erforderliche Unabhängigkeit vermissen lassen. (Art. 14 Abs. 1 lit. e) Systema^scher Kontext zu Vorbefassung (Art. 15) Vorbefassung (Art. 15) Prak^sche Relevanz: Bezeichnung geeigneter Mihel, um einen allfälligen Wehbewerbsvorteil auszugleichen (Art. 15 Abs. 2 lit. a- c; vgl. auch Art. 21a VöB) Tragweite von Art. 15 Abs. 3: Vorgelagerte Marktabklärungen Vorbefassung? Angebotsöffnung (Art. 39) Neu: Bekanntgabe von Datum, Zeit und Ort in der Ausschreibung (bei öffentlicher Öffnung; Art. 38 lit. p) Minimalregelung: Allen Anbietern wird spätes- tens nach dem Zuschlag auf Verlangen Einsicht in dieses Protokoll gewährt. (Art. 39 Abs. 3) Kongruent zu Instrument Verhandlungen, evtl. inkongruent zu kantonalen Bes^mmungen (SG, TI) 9
10 Varianten (Art. 35) Varianten bleiben Knacknuss Exakt gleicher Wortlaut wie Art. 22a VöB, ausser weggelassenem Satz 2: Nicht als Varianten gelten unterschiedliche Preisarten. Verhandlungen (Art. 24) I Errungenscha[! Errungenscha[? Die Kantone haben die Einführung der Verhandlungsmöglichkeit bisher ( ) entschieden und nahezu ausnahmslos abgelehnt. Im Vordergrund steht dabei einerseits die Befürchtung, dass Anbieter in ihren Offerten Verhandlungsmargen einbauen, welche durch das Führen von im Voraus anzukündigenden Verhandlungen wieder eliminiert werden müssten. Anderseits sind Verhandlungen aufwändig und setzen hohe Ansprüche an die Kompetenzen der beteiligten Personen. Die Kantone sind der Meinung, dass Verhandlungen einem Risiko für unerwünschte Beziehungskorrup^on zwischen AuJraggebern und Anbietern Vorschub leisten können. Verhandlungen (Art. 24) II Errungenscha[! Errungenscha[? Anbieter verweisen ferner auf die Gefahren fehlender Transparenz und des Missbrauchs der Nachfragemacht durch die AuJraggeber. Sie befürchten in diesem Zusammenhang einen zunehmend ruinösen Preiswehbewerb. Schliesslich ist aus Sicht der Kantone zu bedenken, dass durch Preisverhandlungen das Zuschlagsverfahren unterlaufen werden kann, indem alle Kriterien - mit Ausnahme des Preises - prakfsch bedeutungslos werden. (vgl. erläuternder Bericht E- IVöB, S. 29 f.) 10
11 Verhandlungen (Art. 24) III Der Kompromiss und eine Voraussetzung! Im Sinne eines Kompromissvorschlages sieht der Vernehmlassungsentwurf auf Anregung des Bundes nunmehr vor, diesen grundlegenden Unterschied zwischen den Rechtsordnungen des Bundes und der Kantone zu beseifgen und die Verhandlungs- möglichkeit unter besfmmten Voraussetzungen neu auch für die Kantone zu ermöglichen. Dieser Kompromissvorschlag setzt aber voraus, dass gleichzeifg auch eine Angleichung bei der Rechtssysteme in Bezug auf den Rechtsschutz [ab Schwellenwert Einladungsverfahren] als Beitrag des Bundes zur angestrebten Harmonisierung starindet. (vgl. erläuternder Bericht E- IVöB, S. 30) Verhandlungen (Art. 24) IV Der Kompromiss unter einer Bedingung! Dieser Kompromissvorschlag sieht vor, dass die Kantone dem Beispiel des Bundes folgend im Sinne eines weiteren Harmoni- sierungsbeitrags Verhandlungen unter besfmmten Bedingungen zulassen sollten, während im Gegenzug der Bund neu für den Binnenmarktbereich den Rechtsschutz bei einem AuJragswert ab Franken vorsehen müsste. Dieser Vorschlag kommt aber nur zum Tragen, wenn beide Bereiche gleichsam von Bund und Kantonen mit den entsprechenden Anpassungen angenommen werden. (vgl. Begleitschreiben zur Vernehmlassung E- IVöB an die Kantonsregierungen, 22. September 2014) Verhandlungen (Art. 24) 11
12 Verhandlungen (Art. 24) V Die entscheidende Frage (an die Kantone)! Um hier von Seiten Kantone eine klare Aussage im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens zu erhalten, sind die Kantone gebeten, nachfolgende Fragen ( ) explizit zu beantworten: - Können Sie dem Vorschlag zusfmmen, Verhandlungen gemäss Art. 24 E- IVöB einzuführen? - Können Sie dem Vorschlag zusfmmen, Rechtsschutz ab Franken gemäss Art. 52 und 53 E- IVöB zu gewähren? (vgl. Begleitschreiben zur Vernehmlassung E- IVöB an die Kantonsregierungen, 22. September 2014) Verhandlungen (Art. 24) VI Beinahe analoge Bes^mmungen zum Bundesrecht (Art. 24 BöB, Art. 26 VöB): Verhandlungen und Bekanntgabe und Protokollierung (Art. 24 f.) Problema^sch: Shortlist : [D]er Au[raggeber [kann] unter den Anbietern, die für den Zuschlag in Frage kommen, diejenigen auswählen, mit denen er Verhandlungen führen will. Er berücksich^gt wenn möglich mindestens drei Anbieter. Gesamteindruck Verhandlungen Kantone = Rechtsschutz Bund Rechtsschutz Bund = Verhandlungen Kantone 12
13 Hans-Georg Bächtold, Dipl. Forst-Ing. ETH/SIA, Raumplaner ETHP/NDS, Geschäftsführer SIA Lebensader Wettbewerb In der Schweiz leben wir in einer sozialen Marktwirtschaft. Eines der Wesensmerkmale der Marktwirtschaft ist der Wettbewerb. Die ihm inhärente Konkurrenz trägt zur Verbesserung der innovativen Dynamik, des Preis- Leistungsverhältnisses und der Qualität bei. Wird der Wettbewerb behindert, hat das nachteilige Folgen für die ganze Gesellschaft. Wettbewerb spielen lassen aber fair Die drei Beschaffungsformen des SIA 13
14 Wettbewerb spielen lassen aber fair Die drei Beschaffungsformen des SIA SIA 142 SIA 143 SIA 144 Wettbewerb, Studienauftrag, Leistungsofferte Rechtliche Verortung der SIA Ordnungen Gesucht: Beste Lösung Anonym: Der Architektur- oder Ingenieurwettbewerb nach SIA 142 Ziele: Bestmögliches Projekt Finden des Partners (Gewinner) für Realisation Anwendungsbereich: Klar definierte Aufgabenstellungen Verfahrensart: Anonym Offen, selektiv oder auf Einladung Ideen-, Projekt-, oder Gesamtleistungswettbewerb Beurteilungsform: Durch sachverständiges Preisgericht (Jury) Auftraggeber Öffentliche Hand und Private Entschädigung der Planer: Preissumme Planungsauftrag für Gewinner 14
15 Gesucht: Beste Lösung Im Dialog: Der Architektur- oder Ingenieurstudienauftrag nach SIA 143 Ziele: Bestmögliches Projekt Anwendungsbereich: Komplexe und interdisziplinäre Aufgabenstellungen, deren Rahmenbedingungen im Voraus nicht bestimmt werden können Verfahrensart: Im Dialog Selektiv oder auf Einladung Ideen-, Planungs- oder Gesamtleistungsstudien Beurteilungsform: Durch sachverständiges Beurteilungsgremium Auftraggeber: Öffentliche Hand und Private Entschädigung: Pauschalentschädigung Ev. Folgeauftrag für Planerleistungen Gesucht: Ideen und Empfehlungen Im Dialog: Testplanung Eine Ideenstudie ohne anschliessende Vergabe Ziele: Ermitteln der planerischen Rahmenbedingungen und inhaltlichen Grundlagen für nachfolgende Planungsschritte. Anwendungsbereich: Aufgaben, deren Rahmenbedingungen nicht klar sind Verfahrensart: Im Dialog Selektiv oder auf Einladung Ideenstudie Beurteilungsform: Durch sachverständiges Beurteilungsgremium Auftraggeber: Öffentliche Hand und Private Entschädigung: Entschädigung für erbrachte Leistung Gesucht: Ideen und Empfehlungen Im Dialog: Testplanung Eine Ideenstudie ohne anschliessende Vergabe 15
16 Gesucht: Beste Lösung Das anonyme Verfahren (SIA 142) und das Dialogverfahren (SIA 143) im Überblick Gesucht: Beste Leistung Die Architektur- und Ingenieurleistungsofferte nach SIA 144 Ziele: Qualitativ bestmögliche Leistung Preis (spielt aber untergeordnete Rolle, 25%) Finden des Partners für Realisation Anwendungsbereich: Klar umrissene Aufgabe Verfahrensart: Offen-, selektiv oder auf Einladung Beurteilungsform: Durch sachverständiges Bewertungsgremium Zweicouvertmethode (Qualität vor Preis) Auftraggeber: Öffentliche Hand und Private Entschädigung der Planer: Zuschlag für Planerleistungen Gesucht: Beste Beschaffungsform Die Art der Aufgabe bestimmt die am besten geeignete Beschaffungsform - Beste Lösung gesucht - Aufgabe klar umrissen - Beste Lösung gesucht - Rahmenbedingungen unklar - Beste Leistung gesucht - Projekt definiert 16
17 Gesucht: Bestes Kleidungsstück Die Art der Aufgabe (Langlauf) bestimmt das optimale Kleidungsstück - Zum Schwimmen - Zum Tauchen - Für Langlauf Gesucht: Bestes Kleidungsstück oder auch nicht Welches ist die beste Lösung? Beurteilungskriterien beim Architektur- oder Ingenieurwettbewerb nach SIA 142 Die Beurteilungskriterien sind aufgabenspezifisch festzulegen und im Wettbewerbsprogramm zu nennen. Diese können zum Beispiel sein: Städtebauliches Konzept Architektonisches Konzept Konstruktives Konzept Raumprogrammatische Lösung Gestalterische Qualität Qualität der Materialisierung Gesellschaftliche Wertschöpfung Ökologische Verantwortung Ökonomische Wertschöpfung Erfüllung technische Anforderungen 17
18 Welches ist die beste Lösung? Beurteilungskriterien beim Architektur- oder Ingenieurstudienauftrag nach SIA 143. Die Beurteilungskriterien und deren Gewichtung sind aufgabenspezifisch festzulegen und in den Ausschreibungsunterlagen zu nennen. Diese können zum Beispiel sein: Städtebauliches Konzept Architektonisches Konzept Konstruktives Konzept Raumprogrammatisches Konzept Gestalterische Qualität Gesellschaftliches Wertschöpfungspotential Ökologische Verantwortung Ökonomisches Wertschöpfungspotential Erfüllung technische Anforderungen Welche Anbieter eignen sich am besten? Eignungskriterien bei der Ingenieur- und Architekturleistungsofferte nach SIA 144 Eignungskriterien dienen zur Bewertung der grundsätzlichen Eignung und damit Auswahl von Anbietern im Hinblick auf die zu beschaffende Leistung. Diese können zum Beispiel sein: Technische Leistungsfähigkeit Erfahrung mit vergleichbaren Aufgaben (Referenzen) Fachkompetenz Kapazitäten Infrastruktur Qualitätsmanagement (z.b. Zertifizierung) Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Welches ist die beste Leistung? Zuschlagskriterien bei der Ingenieur- und Architekturleistungsofferte nach SIA 144 Die Zuschlagskriterien und deren Gewichtung sind aufgabenspezifisch festzulegen und in den Ausschreibungsunterlagen zu nennen. Diese können zum Beispiel sein: Analyse, Zugang zur Aufgabe, Vorgehensweise Berücksichtigung Aspekte nachhaltige Entwicklung Auswirkungen auf Unterhalts- und Betriebskosten Qualifikation des vorgesehenen Schlüsselpersonals Zweckmässigkeit der Projektorganisation QM-Konzept Preis der angebotenen Leistung 18
19 Aber nicht: Welches ist die günstigste Leistung? Der Preis muss eine untergeordnete Rolle spielen Gründe: Kleiner Anteil Planerhonorar an gesamten Investitionskosten Grosse Hebelwirkung der Planerleistung auf Kosten Gesamtwerk Mit anderen Worten: Beim Planerhonorar zu sparen lohnt sich nicht Deshalb: Zweicouvertmethode Ein wenig Honorar gespart viel mehr Material verbaut und die Landschaft verunstaltet In Ingenieurleistung und Baukultur investiert Material und Kosten erheblich reduziert und baukulturellen Wert geschaffen 19
20 Marc Steiner, Rechtsanwalt, Bundesverwaltungsrichter, St. Gallen/Bern 1. Das Wich^gste vorweg: Der Rechtsschutz auf Bundesebene soll namentlich für Bauvergaben ausgebaut werden. 2. Anfechtungsobjekte und Rügeobliegenheiten 3. Begründungspflicht / Beschwerdefrist 4. Beschwerdelegi^ma^on WEKO- Sekretariat 5. Exkurs: Nachhal^gkeit 6. Fazit Hauptpunkt: Ausbau Rechtsschutz / Geschichte 1. Immer schon und immer noch: Der verfrühte Vertragsschluss hindert nicht an der Gewährung der aufschiebenden Wirkung (BVGE 2009/19). 2. Da die na^onalen Rechtsanwender den Rechtsschutz nicht immer ernst nehmen - > EU- Rechtsschutzrichtlinie 2007/66/EG vom VE BöB 2008: Keine Lust auf Rechtsschutz 4. Moritz Leuenberger: Keine Lust auf Rechts- schutz (Galli/Moser/Lang/Steiner, Rz. 1343) 5. VE IVöB nimmt den Bund in Pflicht 20
21 Hauptpunkt: Ausbau Rechtsschutz / VE IVöB I Dieser Vorschlag ist so angedacht, dass die Kantone im Sinne eines [ ] Harmonisierungsbeitrags Verhandlungen [ ] zulassen sollten, während im Gegenzug der Bund für den Binnenmarktbereich ebenfalls den Rechtsschutz bei einem Au[ragswert ab Franken vorsehen müsste (Erläuternder Bericht, S. 9). Hauptpunkt: Ausbau Rechtsschutz / VE IVöB II Der Rechtsschutz wird im Sinne der Harmonisierung bei Bund und Kantonen gleich ausgestaltet. (Erläuternder Bericht, S. 52 zu Art. 53 Abs. 4 VE IVöB) - > Der Bund muss BöB- Rechtsschutz stark erweitern, namentlich in Bezug auf Bauvergaben, da für alle Kategorien derselbe Schwellenwert von Franken gilt. Hauptpunkt: Ausbau Rechtsschutz / VE IVöB III Damit findet eine erfreuliche Kehrtwende gegenüber dem VE 2008 zum Rechtsschutz auf Bundesebene stah. Denn jeder Verfahrens- und Verfassungsrechtler weiss: Der status quo in Bezug auf den Rechtsschutz nach BöB ist seit dem Inkra[treten von Art. 29a BV verfassungswidrig (Galli/Moser/Lang/Steiner, Rz mit Hinweisen). 21
22 Hauptpunkt: Ausbau Rechtsschutz / VE IVöB IV Hauptpunkt: Ausbau Rechtsschutz / VE IVöB V Der Bund verpflichtet sich offenbar gegenüber den Kantonen, Art. 5 und Art. 9 BGBM abzuschaffen. Damit wird nicht nur die Sigriswil- Dogma^k BGE 131 I 137 kodifiziert in Bezug auf den fehlenden Rechtsschutz für Bagatellvergaben, sondern es werden auch weitergehend spezifische Diskriminierungsrügen unterhalb von Franken ausgeschlossen, zum Schaden des Binnenmarktes. Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit I Klärung der Lage für das BöB durch BVGE 2014/14: Ausschreibungsunterlagen sind nach dem Beschaffungsrecht des Bundes (Art. 29 BöB) in der Regel weder selbständiges Anfechtungsobjekt noch Bestandteil der Ausschreibung. Damit kann die Vergabestelle regelmässig nicht sagen, eine Rüge sei verspätet, weil die Ausschrei- bungsunterlagen nicht angefochten worden sind. 22
23 Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit II 107 Abs. 3 Ziffer 1 GWB: Der Antrag an die Vergabekammer zur Einleitung eines Nachprüfungsverfahren ist unzulässig, soweit der Antragsteller den gerügten Verstoss gegen Vergabevorschri[en im Vergabeverfahren erkannt und gegenüber dem Au[raggeber nicht unverzüglich gerügt hat. Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit III 107 Abs. 3 Ziffern 2 und 3 GWB: Auch die unterlassene Rüge bei lediglich erkennbaren Verstössen gegen Vergabevorschri[en in den Ausschreibungsunterlagen führt nach deutschem Recht zur Präklusion. Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit IV Der Vorteil für die Vergabestelle ist eine gewisse Sicherheit, mit ihren Vorgaben durchzukommen, wenn diese nicht in Frage gestellt werden. Der Nachteil einer strikten Rügeobliegenheit liegt im Transak^onsaufwand für die Anbieter; aus Risikomanagementgründen müssen bei strikter Rügeobliegenheit viel früher Juristen beigezogen werden. Es ist nicht klar, ob das wirklich im öffentlichen Interesse ist. 23
24 Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit V Ein bekannter oberster Einkäufer wehrt sich gegen die durch die vergabestellensei^g geförderte Argumenta^on mit der Präklusion und der damit verbundenen Änderung des Verfahrensklimas durch Verrechtlichung mit den Worten: Ich gehe doch nicht zu meinem ersten Date mit einem Anwalt. Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit VI Der Normtext von Art. 53 Abs. 2 VE IVöB geht klar auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung. Anordnungen in den Ausschreibungsunterlagen, deren Bedeutung und Tragweite erkennbar sind, müssen zusammen mit der Ausschreibung angefochten werden. Das kann jedenfalls nur gelten, wenn sie gleichzei^g zur Verfügung stehen. Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit VII Offen bleibt nach dem Wortlaut von Art. 53 Abs. 2 VE IVöB nach der Lesart des Referenten, was gilt, wenn die Ausschreibungsunterlagen später als die Ausschreibung zur Verfügung stehen. 24
25 Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit VIII BVGE 2014/14: Auch unter dem Aspekt von Treu und Glauben kann eine Rüge, die vor der Vergabestelle noch nicht erhoben worden ist, im Rahmen der Anfechtung des Zuschlags nicht ohne Weiteres und unabhängig von ihrer Art als verspätet erklärt werden (E. 4.4). Anfechtungsobjekt und Rügeobliegenheit VIII BVGE 2014/14: Selbst soweit eine Rügeobliegen- heit des Anbieters in Bezug auf die Ausschrei- bungsunterlagen anzunehmen wäre, würde dies die leichte Erkennbarkeit von Bedeutung und Tragweite der strivgen Anordnung voraussetzen. Begründung der Verfügung und Beschwerdefrist I Art. 56 Abs. 1 und 2 VE BöB: Beschwerden müssen [ ] innert 20 Tagen seit Eröffnung der Verfügung eingereicht werden. Es gelten keine Gerichtsferien. Sehr gut die Harmonisierung der Beschwerdefrist auf 20 Tage; ebenso die Vorgabe für den Ausschluss von Gerichtsferien. 25
26 Begründung der Verfügung und Beschwerdefrist II Das zweistufige Begründungsmodell nach Art. 23 BöB hat sich bewährt, aber auch die summarische Begründung nach Art. 23 Abs. 1 BöB darf keine Leerfloskel sein wie Das wirtscha[lich güns^gste Angebot hat den Zuschlag erhalten. Art. 51 VE IVöB ist nicht ganz klar. Ist es wirklich sinnvoll, ohne Anbieteranfrage in die zweite Stufe zu gehen? Summe von erster und zweiter Stufe muss auf jeden Fall den Vorgaben von Art. 29 Abs. 2 BV genügen. Begründung der Verfügung und Beschwerdefrist III Erläuternder Bericht zu Art. 51 Abs. 2 VE IVöB: Falls die Publika^on einer Verfügung auf simap.ch keine summarische Begründung enthält, wird die Beschwerdefrist nach Art. 56 Abs. 1 nicht ausgelöst. Die Frist beginnt dann ab der individuellen Eröffnung des begründeten Entscheids. Höchst problema^sch; Rechtssicherheit ist prioritär; lieber einmal eine vorsorgliche Beschwerde wegen fehlender Begründung. Beschwerdelegi^ma^on Beschwerdemöglichkeit des WEKO- Sekretariats sollte auf kantonaler Ebene erhalten bleiben und auf Bundesebene eingeführt werden. Vgl. dazu die Varianten gemäss Art. 52 Abs. 3 VE IVöB; vorgeschlagen wird als Alterna^ve das Interkantonale Organ für das öffentliche Beschaffungswesen Vgl. Vertragsverletzungsverfahren EU- Kommission 26
27 Nachhal^gkeit Art. 1 lit. a VE IVöB: Diese Vereinbarung bezweckt den wirtscha[lichen Einsatz der öffentlichen Mihel, unter Berücksich^gung der Nachhal^gkeit. Nachhal^gkeit ist neue Gesetzesziel; was aber fehlt, ist die Nichteinhaltung der Umweltschutz- gesetzgebung als Ausschlussgrund, obwohl ein solcher in Art. 25 VE BöB 2008 vorgesehen war. Fazit 1. Der Rechtsschutz in Vergabesachen auf Bundesebene wird durch die parallele Reform, wenn sie so durchgezogen wird wie mit dem VE IVöB angedacht, glaubwürdiger. 2. Es gibt gute Gründe, Binnenmarktrügen auch unterhalb des Schwellenwerts von Franken zuzulassen. Offene Diskussion Uhr Schluss der Veranstaltung 27
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References: EuGH 
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 Art. 26
 Art. 53
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 Art. 5
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 BGE 
 Art. 53
 Art. 53
 Art. 56
 Art. 23
 Art. 23
 Art. 51
 Art. 29
 Art. 51
 Art. 56
 Art. 52
 Art. 1
 Art. 25
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 3