Source: http://dierezensenten.blogspot.de/2017/06/rezension-gesamtes-arbeitsrecht.html
Timestamp: 2017-06-25 15:29:48+00:00

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Die Rezensenten: Rezension: Gesamtes Arbeitsrecht
Boecken / Düwell / Diller / Hanau, Gesamtes
Arbeitsrecht – Nomos Kommentar, 1. Auflage, Nomos 2016
Von Rechtsanwältin M. Luise Köhler,
die Liste der Herausgeber liest sich wie das Who‘s who des Arbeitsrechts. Bei den
vier Herausgebern handelt es sich um ausgewiesene Fachleute, welche sich um die
Erforschung, Entwicklung und Anwendung des Arbeitsrechts bereits höchst verdient
gemacht haben und freilich über beeindruckende Berufserfahrung verfügen. Neben
den vier Herausgebern haben sage und schreibe weitere 115 Autorinnen und
Autoren mitgewirkt, um dieses gigantische Werk zu vollenden. Auch die fachliche
Qualifizierung eines jeden einzelnen von ihnen soll – obgleich nicht einzeln
nachvollzogen – nicht in Frage gestellt werden.
das Werk in den einschlägigen Online-Shops als „Das Großereignis im
Arbeitsrecht“ bezeichnet wird, dann ist diese schneidige Webeanpreisung weder
in tatsächlicher noch in inhaltlicher Hinsicht übertrieben. Das Werk kommt in
drei massiven Bänden daher und füllt so gut 20 cm der Regalstellfläche. Aber
wie sollte ein Werk, welches sich inhaltlich mit 68 arbeitsrechtsrelevanten Gesetzen,
Richtlinien und Verordnungen auseinandersetzt, weniger raumfassend ausgestaltet
sein? Sollten die erforderlichen 20 cm im Bücherregal nicht mehr frei sein,
sollten andere Werke weichen, denn dieses Werk ist jeden Centimeter wert und
macht weitere arbeitsrechtliche Literatur weitestgehend überflüssig. Dieses
Werk ist wirklich eine Wucht!
Aufbau des Gesamtwerkes: Die Reihenfolge der kommentierten Gesetzte ist alpha­bethisch
festgelegt. So finden sich in Band I Gesetze vom ÄArbVtrG (Gesetz über
befristete Arbeitsverträge mit Ärzten in der Weiterbildung) bis zum BetrVG
(Betriebsverfassungsgesetz), in Band II von Auszügen des BGB bis zum JArbSchG
(Jugendarbeitsschutzgesetz) und in Band III das KSchG (Kündigungsschutzgesetz)
bis hin zu Auszügen der ZPO. Das ausführliche und gleichfalls übersichtliche
Stichwortverzeichnis befindet sich am Ende des dritten Bandes. Die
Kommentierung ist klassisch unter Voranstellung des Gesetzestextes aufgebaut.
Bei umfänglicheren Kommentierungen zu einer Norm ist diesen, wenn notwendig,
ebenfalls eine Gliederung vorangestellt. Im Übrigen sind die Texte gut
strukturiert und durch Überschriften und Hervorhebungen von Schlagworten im
Text übersichtlich gestaltet. Da es sich eben nicht um einen Kurzkommentar handelt,
genießt das Werk auch eine verhältnismäßig ausführliche und hierdurch gut
verständliche Sprache, die allergrößtenteils ohne Abkürzungen auskommt. Die
Handhabung des Werkes ist mithin wunderbar leichtgängig. Auch
inhaltlich lässt das Werk wenig Wünsche offen. Kaum ein Schlagwort, welches
nicht zu finden wäre, kaum eine Problemstellung, die nicht ausführlich
behandelt würde. Die Verfasserin hat bis zum Zeitpunkt des Verfassens dieses
Textes in dem Werk auf jede Frage, die sie zu dem Kommentar greifen ließ, eine
Antwort gefunden. Besonders
schön sind die Verknüpfungen und praktisch relevanten Hinweise zu anderen
Rechtgebieten. So verfolgt die Kommentierung grundsätzlich den Aufbau:
Allgemeines - Regelungsgehalt – Verbindung zu anderen Rechtsgebieten und zum
Prozessrecht. In diesem letzten, praktisch so wichtigen Absatz finden sich
häufig Verweise auf die Beteiligungspflichten des Betriebsrates, auf
Sondervorschriften zum Beispiel für Jugendliche oder stillende Mütter, Bußgeld-
und Strafvorschriften, steuerrechtliche Aspekte, sozialrechtliche Aspekte und
zur Beweislastverteilung. Dieser letzte Absatz ist wohl häufig genug geeignet,
den Praktiker in euphorische Stimmung zu versetzen. Das
Werk zeigt systematische Tiefe und holt den Leser bereits bei den
Grundsatzfragen ab. So ist insbesondere die grundlegend systematische
Darstellung des Leistungsstörungsrechts im Arbeitsverhältnis (§ 611 BGB, Rn.
801 ff.) hervorzuheben. Hier zeigt die Autorin Prof. Dr. Christiane Brors auch
unter Zuhilfenahme graphischer Darstellungen lehrbuchartig die Systematik des
Leistungsstörungsrechts, zum Teil sogar unter punktueller Aufzählung der Voraussetzungen
der einzelnen Anspruchsgrundlagen. Sollte dem Leser der Unterschied zwischen
dem Schadenersatz statt der Leistung und dem Schadenersatz neben der Leistung
oder die Differenzierung zwischen dem großen und dem kleinen Schadenersatz
entfallen sein, sind auch diese Grundlagen dem umfassenden Werk zu entnehmen.
Somit lässt sich der Kommentar auch zur Vorbereitung von grundlegenden Lehrveranstaltungen
bestens verwenden.
bietet das Werk an vielen Stellen praktisch sehr hilfreiche punktuelle oder
enumerative Aufzählungen oder Darstellungen von Tatbestandsvoraussetzungen,
welche häufig zu praktischen Handlungs- oder Vorgehensanregungen zusammengefasst
sind. So findet sich zu Beispiel in der Kommentierung des
Gleichbehandlungsgrundsatzes abschließend die Beantwortung der Fragestellung,
wann ein Arbeitnehmer einen Anspruch auf Gleichstellung gegen den Arbeitgeber
geltend machen kann. Die Beantwortung erfolgt praktisch zusammengefasst in
einer enumerativen Aufzählung von fünf Voraussetzungen (vgl. § 611 BGB, Rn.
674). Ebenso schön sind auch die Voraussetzungen der Kürzung von
Sondervergütungen dargestellt (vgl. § 4a EFZG, Rn. 25). Derartige Beispiele
finden sich allenthalben.
weiteres Beispiel ist der Kommentierung der weniger alltagsrelevanten Regelung
des § 37 ArbGG zu entnehmen. Da die Norm in aller Kürze mit einem umfänglichen
Verweis auskommt, ist die stichpunktartige Zusammenfassung der verwiesenen
Regelungsgehalte sehr hilfreich und erspart viel Blätterei. Über weitergehende
Verweise auf die entsprechenden Kommentierungen ist auch die Bearbeitung weiterer
Problemstellungen leichterdings möglich (vgl. § 37 ArbGG, Rn. 37).
überzeugen beispielsweise noch die Darstellungen zur Annahme eines gemeinsamen
Betriebes mehrerer Unternehmen, also eines Gemeinschaftsbetriebes zur
Berechnung der Arbeitnehmerzahl zur Anwendung des Kündigungsschutzgesetzes. Die
Ausführungen sind zutreffend, übersichtlich und gut verständlich, unter
Anführung praxisrelevanter Beispiele (vgl. § 23 KSchG, Rn. 17 ff.). Besonders
hilfreich sind auch die in anderen Werken häufig sehr stiefmütterlich
behandelten Ausführungen zu Karenzentschädigungen (vgl. § 74 b ff. HGB). Diese
sind ebenfalls detailreich und weitaus umfassender als in vielen anderen bekannten
Kommentierungen. Das
Werk erleichtert die Arbeit und das Leben und macht damit immens viel Spaß!
Alles in allem verbleibt es festzustellen, dass es sich wahrlich um ein
„Großereignis im Arbeitsrecht“ handelt, welches durch und durch überzeugt und
jeden Cent-imeter wert ist. Labels:

References: § 611
 § 4
 § 37
 § 37
 § 23
 § 74