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Timestamp: 2020-07-11 12:14:01+00:00

Document:
ECLI: ECLI:DE:BFH:2019:U.020719.IXR13.18.0
Normen: § 17 Abs 2 S 1 EStG 2009, § 96 Abs 1 S 1 FGO, MoMiG, EStG VZ 2012, Art 20 Abs 2 GG, Art 20 Abs 3 GG
Zitiervorschlag: BFH, Urteil vom 02. Juli 2019 – IX R 13/18 –, BFHE 265, 333, BStBl II 2020, 89
1. Die bis zum Senatsurteil vom 11. Juli 2017 - IX R 36/15 (BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208) anerkannten Grundsätze zur Berücksichtigung von nachträglichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen sind weiter anzuwenden, wenn der Gesellschafter eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe bis zum 27. September 2017 geleistet hatte oder wenn eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters bis zu diesem Tag eigenkapitalersetzend geworden war (Bestätigung der Rechtsprechung)(Rn.16) (Rn.17).
2. Haben die Gesellschafter einer GmbH durch Feststellung des Jahresabschlusses untereinander und im Verhältnis zur Gesellschaft rechtsverbindlich bestätigt, dass eine im Jahresabschluss ausgewiesene Verbindlichkeit der Gesellschaft gegenüber einem Gesellschafter in der ausgewiesenen Höhe besteht, ist dies auch für die Besteuerung des Gesellschafters von Bedeutung; die Feststellung des Jahresabschlusses spricht dann zumindest indiziell für das Bestehen der Forderung des Gesellschafters gegen die Gesellschaft dem Grunde und der Höhe nach(Rn.20).
Der Gesetzgeber des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen vom 23.10.2008 (BGBl I 2008, 2026, MoMiG) hat die steuerlichen Folgen der Aufhebung des Eigenkapitalersatzrechts weder bedacht noch geregelt. Vor diesem Hintergrund kann die Rechtsprechung ausnahmsweise typisierend Vertrauensschutz gewähren, ohne dass deshalb ein Verstoß gegen den Grundsatz der Gewaltenteilung anzunehmen ist(Rn.17).
BFHE 265, 333
BStBl II 2020, 89
DStR 2019, 2408-2411 (Leitsatz und Gründe)
BB 2019, 2928-2929 (Leitsatz und Gründe)
DB 2019, 2720-2723 (Leitsatz und Gründe)
DStRK 2019, 336 (Leitsatz und Gründe)
BFH/NV 2020, 43-45 (Leitsatz und Gründe)
ZIP 2019, 2460-2462 (Leitsatz und Gründe)
NZG 2020, 77-79 (Leitsatz und Gründe)
HFR 2020, 22-24 (Leitsatz und Gründe)
ZInsO 2020, 158-161 (Leitsatz und Gründe)
GmbHR 2020, 109-111 (Leitsatz und Gründe)
Der Konzern 2019, 527-529 (Leitsatz und Gründe)
BB 2019, 2857 (Kurzwiedergabe)
StE 2019, 730 (Leitsatz)
DStRE 2019, 1482 (Leitsatz)
WPg 2019, 1290-1291 (red. Leitsatz, Kurzwiedergabe)
DStZ 2019, 899-900 (Kurzwiedergabe)
StuB 2019, 931-932 (Leitsatz)
EStB 2019, 477 (Leitsatz)
BFH/PR 2020, 41 (Leitsatz)
vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg, 18. April 2018, Az: 3 K 3138/15, Urteil
Vergleiche FG Düsseldorf, 28. Januar 2020, Az: 10 K 2166/16 E
Festhaltung BFH, 14. Januar 2020, Az: IX R 9/18
Vergleiche BFH, 10. Dezember 2019, Az: IX R 1/19
Vergleiche BFH, 9. Dezember 2019, Az: IX B 12/19
Burkhard Binnewies, AG 2020, 46 (Aufsatz)
Michael Seppelt, BB 2019, 2930 (Anmerkung)
Eckart Ratschow, BFH/PR 2020, 41-42 (Anmerkung)
Eva Dörr, DStRK 2019, 336 (Anmerkung)
TK, DStZ 2019, 900 (Anmerkung)
Hans Ott, DStZ 2020, 189-201 (Aufsatz)
Wilfried Apitz, EStB 2019, 477-478 (Anmerkung)
Christian Graw, jM 2020, 163-168 (Aufsatz)
Monika Jachmann-Michel, jurisPR-SteuerR 13/2020 Anm 3 (Anmerkung)
Alexander Witfeld, NZI 2019, 982-984 (Anmerkung)
jh, StuB 2019, 932 (Anmerkung)
Hans Ott, StuB 2020, 85-93 (Aufsatz)
Daniel Dreßler, WPg 2020, 302-308 (Aufsatz)
Festhaltung BFH, 11. Juli 2017, Az: IX R 36/15
Vergleiche BFH, 10. Mai 2016, Az: IX R 13/15
Vergleiche BGH, 18. Juli 2013, Az: IX ZR 198/10
Vergleiche BGH, 2. März 2009, Az: II ZR 264/07
Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 18.04.2018 - 3 K 3138/15 aufgehoben, die Einkommensteuer 2012 wird unter Änderung des geänderten Einkommensteuerbescheids für 2012 vom 3. Dezember 2015 auf den Betrag festgesetzt, der sich ergibt, wenn bei den Einkünften aus Gewerbebetrieb Veräußerungsverluste nach § 17 des Einkommensteuergesetzes in Höhe von 133.149 € zugrunde gelegt werden.
In seiner Einkommensteuererklärung für 2012 machte der Kläger einen Verlust aus der Auflösung der GmbH in Höhe von 221.914 € geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt --FA--) berücksichtigte keinen Verlust (Einkommensteuerbescheid für 2012 vom 29. September 2014). Zwar sei dieser im Jahr 2012 grundsätzlich zu erfassen, jedoch sei die Höhe nicht dargetan.
5. Die Sache ist spruchreif. Der Senat entscheidet auf der Grundlage der vom FG festgestellten Tatsachen in der Sache selbst (§ 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FGO). Die Klage ist begründet. Der angefochtene Steuerbescheid ist rechtswidrig und verletzt den Kläger in seinen Rechten (§ 100 Abs. 1 FGO). Der Senat ändert den Steuerbescheid und setzt die Einkommensteuer 2012 niedriger fest (§ 100 Abs. 2 Satz 1 FGO). Die Berechnung der Steuer wird dem FA übertragen (§ 100 Abs. 2 Satz 2 FGO). Die "Veräußerungsverluste nach § 17 EStG" sind --wie beantragt-- um 117.810 € höher mit insgesamt 133.149 € (117.810 € + 15.339 €) anzusetzen. Der Kläger ist bei Auflösung der GmbH mit einem eigenkapitalersetzenden (weil von Anfang an krisenbestimmten) Darlehen von zuletzt 196.350 € ausgefallen, welches bei der Ermittlung des Auflösungsverlusts gemäß § 3c Abs. 2 Satz 1 EStG i.V.m. § 3 Nr. 40 Buchst. c EStG zu 60 % anzusetzen ist.

References: § 17
 § 96
 § 17
 § 17
 § 3
 § 3