Source: http://www.parlament.ch/ab/data/f/n/4901/370606/f_n_4901_370606_370718.htm
Timestamp: 2013-12-12 10:35:08+00:00

Document:
10.092 - Bulletin officiel - Conseil national - 19.12.11-14h30Nationalrat - Wintersession 2011 - Achte Sitzung - 19.12.11-14h30Conseil national - Session d'hiver 2011 - Huitième séance - 19.12.11-14h30 affaire précédente10.092Via sicura.Mehr Sicherheitim StrassenverkehrVia sicura.Renforcerla sécurité routière
Informationen CuriaVistaInformations CuriaVistaInformazioni CuriaVistaBotschaft des Bundesrates 20.10.10 (BBl 2010 8447)Message du Conseil fédéral 20.10.10 (FF 2010 7703)Ständerat/Conseil des Etats 16.06.11 (Erstrat - Premier Conseil)Ständerat/Conseil des Etats 16.06.11 (Fortsetzung - Suite)Nationalrat/Conseil national 19.12.11 (Zweitrat - Deuxième Conseil)Nationalrat/Conseil national 20.12.11 (Fortsetzung - Suite)Ständerat/Conseil des Etats 28.02.12 (Differenzen - Divergences)Nationalrat/Conseil national 31.05.12 (Differenzen - Divergences)Ständerat/Conseil des Etats 11.06.12 (Differenzen - Divergences)Nationalrat/Conseil national 12.06.12 (Differenzen - Divergences)Ständerat/Conseil des Etats 15.06.12 (Schlussabstimmung - Vote final)Nationalrat/Conseil national 15.06.12 (Schlussabstimmung - Vote final)Text des Erlasses 1 (AS 2012 6291)Texte de l'acte législatif 1 (RO 2012 6291)
(Giezendanner, Binder, Bugnon, Föhn, Quadri, Rickli Natalie, Schenk Simon, von Rotz)
Präsident (Walter Hansjörg, Präsident): Wir führen eine gemeinsame Eintretensdebatte zu den Vorlagen 1 und 2.
Im Jahr 2010 sind in der Schweiz 313 Menschen im Strassenverkehr gestorben; 4082 wurden schwer verletzt, davon 900 mit bleibenden Behinderungen. Dazu kommen noch 15 214 Personen, welche sich leichte Verletzungen zugezogen haben. Damit verbunden sind ein nichtbezifferbares Leid und Schmerzen für die Betroffenen und deren Angehörige. Die Gesellschaft muss aber auch mehr als 5 Milliarden Franken für materielle Schäden aufwenden.
Via sicura verfolgt das Ziel, diese Opferbilanz wesentlich zu reduzieren, ohne die sich korrekt verhaltenden Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer gross einzuschränken. Dass gesetzliche Massnahmen positive Wirkungen auf die Verkehrssicherheit haben, zeigt die Revision des Strassenverkehrsgesetzes mit der Absenkung des Alkohol-Promillegrenzwertes zusammen mit der systematischen, verdachtsfreien Atem-Alkoholkontrolle, dem Kaskadensystem beim Führerausweisentzug, dem Führerausweis auf Probe und der Zweiphasenausbildung für Neulenkerinnen und Neulenker. Damit konnte seit 2005 die Zahl getöteter Menschen um rund 15 Prozent und jene der Schwerverletzten um 7 Prozent gesenkt werden.
Fortschritte in der Verkehrssicherheit sind mit einer langfristigen, ganzheitlichen und kohärenten Politik möglich, die gezielt die Ursachen von Unfällen bekämpft. Der Bundesrat geht davon aus, dass bei der Realisierung aller Massnahmen eine Reduktion der Unfälle um einen Viertel möglich sein wird. Mit Via sicura sollen vor allem bestehende Strassenverkehrsvorschriften besser durchgesetzt und die grössten Unfallschwerpunkte beseitigt werden. Verstärkt werden soll aber auch die Prävention. Via sicura wurde breit abgestützt unter Federführung des Astra mit rund achtzig Personen aus Fachorganisationen, Interessenverbänden, Kantons- und Gemeindebehörden erarbeitet. Gestatten Sie mir in der Eintretensdebatte ein paar kurze Bemerkungen zu einigen wichtigen und/oder umstrittenen Artikeln.
Die Massnahmen gegen die Raser: Die Kommissionen des National- und Ständerates haben die Vorlage mit Bestimmungen gegen die Raserei ergänzt. Zwischen den Räten besteht keine Differenz. Damit soll ein zentrales Anliegen der Bevölkerung aufgenommen werden.
Mit Artikel 90 wird den Forderungen der Volksinitiative "Schutz vor Rasern" Rechnung getragen, indem angemessene Strafen verfügt werden, wenn durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln ein hohes Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingegangen wird, namentlich durch besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nichtbewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen.
Umstritten war die Frage des Helmobligatoriums in Artikel 46 Absatz 3. Soll ein generelles Helmobligatorium für alle gelten? Oder soll auf die Eigenverantwortung gesetzt werden, sollen also gar keine Vorschriften gemacht werden? Oder ist ein Helmobligatorium nur bis zum vierzehnten Lebensjahr sinnvoll? Darüber werden Sie heute und morgen zu befinden haben.
Die Gültigkeitsdauer von Führerausweisen gemäss Artikel 15c ist ebenfalls umstritten. Die Mehrheit der KVF-NR hält kurz und bündig fest: "Führerausweise sind grundsätzlich unbefristet gültig." Die Minderheit I beantragt die Lösung gemäss Bundesrat, wonach die Gültigkeitsdauer der Kategorien mindestens zehn Jahre beträgt. Bei der ersten Erteilung wird sie auf das vollendete 50. Altersjahr befristet. Sie werden auch noch die Frage diskutieren, ob mit Sehtests das Sehvermögen geprüft werden soll. Gemäss Minderheit II sollen vor allem berufsmässige Motorfahrzeugführer alle drei, höchstens aber alle fünf Jahre wieder eine Prüfung machen und eine vertrauensärztliche Untersuchung nachweisen.
Ebenfalls zu grossen Diskussionen Anlass gab das Mindestalter für Radfahrer. Der Bundesrat schlägt in Artikel 19 Absatz 1 vor, dass Rad fahren darf, wer das siebte Altersjahr vollendet hat; er regelt die Ausnahmen. Die Mehrheit unserer Kommission ist für Aufhebung dieser Bestimmung. Die Minderheit beantragt die Lösung gemäss Ständerat: Wer das sechste Altersjahr noch nicht vollendet hat, darf ohne Begleitung einer mindestens sechzehn Jahre alten Person nur in Begegnungszonen, Tempo-30-Zonen, auf Radwegen, auf für Motorfahrzeuge gesperrten Verkehrsflächen sowie auf verkehrsarmen Strassen Rad fahren.
Auch ein Verbot für Gigaliner ist Bestandteil von Via sicura. Artikel 9 Absatz 1 beinhaltet die Bestimmung, wonach die Zulassung von Gigalinern auf Schweizer Strassen untersagt ist. Absatz 1 beinhaltet die Bestimmung, dass das höchstzulässige Gewicht für Fahrzeuge 40 Tonnen, im kombinierten Verkehr 44 Tonnen beträgt. Eine Minderheit der Kommission fordert ergänzend, dass die maximale Höhe vier Meter betragen darf.
Ich komme zum Schluss: Die volkswirtschaftlichen und die sozialen Kosten der Strassenverkehrsunfälle belaufen sich in der Schweiz auf fast 13 Milliarden Franken jährlich, und dazu kommt noch das grosse menschliche Leid, das damit verbunden ist. Angesichts dieses Ausmasses bin ich der Ansicht, dass die vorgeschlagenen Massnahmen von Via sicura gerechtfertigt sind.
Die Kommission empfiehlt Ihnen mit 18 zu 8 Stimmen, auf die Vorlage einzutreten.
Via sicura est un vaste projet qui a mobilisé ces dernières années l'administration, en particulier l'Office fédéral des routes, des organisations spécialisées et des associations d'intérêts qui ont à voir avec le trafic routier et la prévention routière, ainsi que les cantons et les communes. Ce projet ne prend pas en compte des mesures controversées comme celles relatives au financement ou aux formations complémentaires périodiques, mais il contient les mesures qui ont reçu le plus grand AB 2011 N 2119 / BO 2011 N 2119
assentiment de la part des partenaires associés au projet. Par sagesse ou manque de courage, par pragmatisme sans doute, on peut se réjouir que ce projet réponde aux nombreuses interventions parlementaires réclamant moins de clémence pour les chauffards et les récidivistes, ainsi qu'aux demandes formulées dans deux pétitions.
Par ces mesures, les spécialistes estiment que l'on pourra réduire d'environ 25 pour cent le nombre d'accidents graves et tragiques. Ce projet a déjà été traité par le Conseil des Etats et la Commission des transports et des télécommunications de notre conseil, qui s'est réunie pour la première fois en juin 2011 pour assister à une présentation du projet par Madame la conseillère fédérale Doris Leuthard. Deux autres séances ont suivi, en août et en octobre 2011, ce qui vous montre que le sujet est vaste et qu'il a suscité de longs débats.
L'objectif de ce projet est de faire évoluer la législation, afin d'améliorer la sécurité sur les routes. En effet, il y a toujours trop d'accidents même si, au fil du temps, et en particulier depuis les années 1970, le nombre de tués a diminué de façon significative. Mais il y en a toujours trop: ainsi, 327 personnes ont été tuées sur les routes en 2010. Quant aux blessés, ils sont toujours trop nombreux et on constate que le nombre de ceux-ci, et des blessés graves en particulier, n'a pas diminué dans la même proportion que le nombre de tués. Ce ne sont en effet pas moins de 4458 personnes qui ont été grièvement blessées lors d'un accident de la route en 2010. Cela a un coût sur le plan moral et entraîne une charge financière conséquente: on évalue celle-ci à environ 5 milliards de francs par année; elle concerne pour moitié des charges médicales, voire les absences sur le lieu de travail.
Ces dernières années, des mesures urgentes et efficaces ont été prises. Par exemple, en matière de lutte contre l'alcool au volant, il a y eu l'abaissement du taux d'alcoolémie autorisé depuis le 1er janvier 2005; il y a également eu des mesures en matière de formation des nouveaux conducteurs. Ces mesures urgentes ont permis d'abaisser sensiblement le nombre de cas tragiques et de 16 pour cent celui des blessés graves.
Après une large consultation et de longues années de discussion, il vous est proposé des mesures équilibrées que certains trouveront minimalistes, d'autres maximalistes. Passion ou raison? La majorité de la commission vous recommande de privilégier la raison par rapport à l'émotion.
Le projet Via sicura prévoit des mesures préventives en coordination avec les autorités européennes, parfois des mesures répressives pouvant entraîner la confiscation durable du permis de conduire, des peines privatives de liberté pouvant aller jusqu'à quatre ans, ainsi que des mesures d'optimisation des infrastructures par une amélioration quantitative et qualitative des points noirs.
Ce ne sont pas moins de 100 propositions qui ont été déposées et discutées en commission. Dans ce débat, une vingtaine de points seront particulièrement discutés.
Le point principal, c'est avant tout l'entrée en matière, qui est combattue par une seule composante de notre commission. La majorité de la commission reconnaît qu'il y a lieu de réviser la loi sur la circulation routière et que le projet du Conseil fédéral est proportionné. La majorité de la commission vous recommande ainsi de repousser la proposition de non-entrée en matière défendue par la minorité.
La liberté individuelle a des limites et l'on a le devoir de légiférer. Il est à noter que le Conseil des Etats est entré en matière sur ce projet sans opposition. De même, il a adopté ce projet, par 28 voix contre 0, après avoir essentiellement renforcé les sanctions encourues par les conducteurs coupables de violations graves aux règles de la circulation.
Si le Conseil des Etats a fait évoluer le projet de loi, votre commission vous demande de prendre position sur une vingtaine des cent propositions déposées en commission. Quels sont les points qui demandent débat et décision? Ils sont nombreux.
La première question est la suivante: doit-on nommer un responsable de la sécurité routière dans toutes les communes? Une minorité de la commission vous demande de rejeter cette proposition.
Les autres questions sont les suivantes. Doit-on imposer à tous les conducteurs âgés de 70 ans révolus de passer tous les deux ans un examen chez un médecin-cnseil? C'est un vaste débat. Doit-on imposer le port du casque aux cyclistes? A quel âge peut-on circuler à vélo? A l'âge de 7 ans doit-on être accompagné?
En bref, bien des mesures sont à discuter. Le point essentiel reste quand même le fait de diminuer les excès de vitesse et les abus d'alcool et de savoir comment affecter le revenu des amendes. Un vaste débat s'annonce. A vous maintenant de décider.
Je vous rappelle que la commission a adopté, par 18 voix contre 8, le projet amendé et que sa majorité propose d'entrer en matière sur le projet.
Ich vertrete hier die Minderheit, aber auch unsere Fraktion. Unsere Fraktion, Sie wissen es, steht der Verbesserung der Sicherheit im Strassenverkehr grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Wir lehnen aber eine Kriminalisierung der Autofahrer - im Individualverkehr vor allem - und aller Verkehrsteilnehmer ab. Viele unserer Fraktionsmitglieder, Sie haben es gesehen, unterstützen die Raser-Initiative. Wir warnen aber vor einer "Sicherheitshysterie" - das war auch in der Kommission unser Ausdruck zu dieser Vorlage. Diese Vorlage wurde im Laufe der Jahre immer mehr verschlimmbessert. Weiter stellen wir fest, dass nicht immer und sowieso nicht nur die Sicherheit im Vordergrund steht. Bezüglich der Verwendung der Bussengelder wollte ich schon vor Jahren zusammen mit einer grünen Kollegin, Frau Teuscher, dass das Geld für die Infrastrukturverbesserung und für die Prävention verwendet wird - Herr Aebischer, das, was Sie heute im "Blick" fordern, haben wir vor acht Jahren schon gewollt. Wir haben auch einen Vorstoss gemacht; dem wurde leider nicht Rechnung getragen, ich muss Ihnen das sagen. Diese Vorlage ist nichts anderes als Repression. Nicht die Sicherheit ist das Hauptanliegen, sondern das Geld für die Kassen - ich getraue mich, das zu dieser Vorlage zu sagen -; sonst hätte man nämlich die Bussengelder für die Sicherheit, für die Infrastrukturen verwendet. Wäre dem nicht so, würde man z. B. nicht auch Radarwarner unter Busse stellen; man hätte Freude, wenn die Leute langsamer fahren würden.
Es ist auch sehr schwierig - und das wissen Sie alle hier im Saal -, ein Mindestalter für Radfahrerinnen und Radfahrer festzulegen. Ich denke an meine Kinder - ich habe drei Kinder -: Meine Tochter war mit sechs Jahren absolut imstande, mit dem Velo auf der Strasse zu fahren; bei den Söhnen mit ihrem Temperament war es auch mit zehn Jahren noch gefährlich, das sage ich Ihnen.
Genau gleich ist es bei der Alkoholkontrolle - nicht für die Kinder, sondern für die Erwachsenen. Jetzt soll plötzlich der Atemlufttest so sicher sein, dass man auf ihm aufbauen und sagen kann: Ja, der hat geblasen; er hat zu viel getrunken. Man geht nicht mehr hin und lässt das Blut prüfen. Das ist unsicher. Das sagen Ihnen sogar Experten; wir haben es in der Kommission erfahren.
Die ganze Vorlage ist ein typisches Beispiel für die Überreglementierung. Auf die Verantwortung des einzelnen Verkehrsteilnehmers wird gar nicht mehr eingegangen. Alles und jedes soll reglementiert werden. Das Denken wird verboten. Wir sprechen immer von mehr Freiheit und mehr Verantwortung. Hier wollen wir das Gegenteil machen, weil wir während sieben Jahren keinen Erfolg mit der Vorlage hatten. Es wird z. B. auch mit der Halterhaftung argumentiert: Jeder Halter soll Bussen bezahlen, auch wenn er ein Vergehen nicht selber begangen hat. Wenn sein Nachbar sein Auto benützt hat und damit zu schnell gefahren ist, soll der Halter bezahlen. Was hat das mit Sicherheit zu tun? Das frage ich Sie.
Zu den vorgeschriebenen Regressen der Versicherungen: In diesem freien Land werden die Versicherungen gezwungen, Regress auf den Verursacher eines Unfalls zu nehmen. Ein junger Mensch hat also sein ganzes Leben lang keine AB 2011 N 2120 / BO 2011 N 2120
Chance mehr, aus seinem Schlamassel rauszukommen. Das ist nicht verhältnismässig.
Zur Frage der Fahrzeugkonfiszierung: Sie können in Zukunft das Fahrzeug eines Rasers konfiszieren. Das gibt gerichtliche Probleme - das garantiere ich Ihnen! - mit Versicherungen, mit Leasinggesellschaften usw.
Sicherheit ja! Ich bin absolut dafür, und ich lebe das in meinem Betrieb. Ich kann es auch beweisen. Ich habe es mit meiner grünen Mitstreiterin bewiesen; wir waren vor acht Jahren schon so weit und haben gesagt, dass man die Infrastrukturen verbessern soll. Wir leben das, aber wir sagen Nein zur Überreglementierung. Auch bei der Helmtragpflicht geht man viel zu weit; Sie werden das sehen.
Deshalb empfehlen Ihnen die Kommissionsminderheit und meine Fraktion, diese Vorlage abzulehnen bzw. gar nicht darauf einzutreten.
Wir diskutieren seit 2004 über Massnahmen für mehr Sicherheit im Strassenverkehr. Es ist nun höchste Zeit, dieses Massnahmenpaket endlich zum Abschluss zu bringen. Insbesondere die vielen Verkehrsunfälle auf Fussgängerstreifen, die in den letzten Wochen und Monaten passiert sind, haben uns einmal mehr schmerzlich vor Augen geführt, dass es um die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer nicht gut steht. Vorgestern ist in der Gemeinde Täuffelen eine Familie auf einem Fussgängerstreifen überfahren worden; der Vater starb, Mutter und Kinder sind verletzt. Das sind Beispiele genug, die uns aufzeigen, dass wir der Verkehrssicherheit nun endlich mehr Platz einräumen müssen. Wir sollten nicht nur über Verkehrssicherheit reden und Unfälle beklagen, nein, wir sollten auch handeln und diese Vorlage nun endlich verabschieden.
Ich möchte Sie daran erinnern, dass diese Vorlage ursprünglich Vision Zero hiess - also null Tote im Strassenverkehr. Man hat die Vorlage für mehr Sicherheit im Strassenverkehr später umgewandelt und sie als Via sicura bezeichnet, Vision Zero sollte aber weiterhin unser Ziel bleiben. Jeder einzelne schwere Verkehrsunfall verursacht unermessliches menschliches Leid bei den Betroffenen. Wir dürfen die Verkehrstoten nicht als Preis für die uneingeschränkte Mobilität einfach so in Kauf nehmen. Mobilität können wir uns auch organisieren, ohne diesen hohen menschlichen Preis zahlen zu müssen.
Ich weiss, es gibt auch unter Ihnen einige Leute, die die Freiheit - auch im Strassenverkehr - als obersten Wert hinstellen. Für mich ist Freiheit auch wichtig. Aber Freiheit darf auf der Strasse nicht grenzenlos sein, denn kein Autofahrer und keine Autofahrerin ist alleine unterwegs: Es hat auf der Strasse auch schwächere Verkehrsteilnehmende, insbesondere Fussgängerinnen und Fussgänger und Leute, die mit dem Velo unterwegs sind. Auch die haben ein Anrecht darauf, dass wir für ihre Sicherheit sorgen.
Die durch die Strassenverkehrsunfälle verursachten volkswirtschaftlichen Kosten hat man vor Jahren auf rund 13 Milliarden Franken geschätzt, und das ist offenbar noch eine konservative Schätzung.
Einige wenden jeweils ein, wenn wir über Verkehrssicherheit sprechen, dass die Unfallzahlen, dass die Zahlen der tödlich Verunfallten und der Schwerverletzten nach unten zeigen. Das ist richtig. Wir haben mit Massnahmen die Anzahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten seit 1971 stark reduziert. Ich erinnere daran, dass wir z. B. mit dem Gurtenobligatorium viel erreicht haben. Doch auch im Jahr 2010 starben auf unseren Strassen immer noch 313 Menschen; 4028 Personen wurden bei Strassenverkehrsunfällen schwer verletzt.
Wir haben bei der Sicherheit Fortschritte erzielt, aber es gibt immer noch zu viele Tote und Schwerverletzte. Der frühere Vorsteher des UVEK, Bundesrat Moritz Leuenberger, hat einmal das Ziel formuliert, in der Schweiz bis zum Jahr 2010 weniger als 300 Verkehrstote und weniger als 3000 Schwerverletzte zu haben. Dieses Ziel haben wir leider nicht erreicht.
Wir stellen auch mit Schrecken immer wieder fest, dass Personen auf Fussgängerstreifen und Velofahrer häufig in schwere Verkehrsunfälle involviert sind. Das ist nicht erstaunlich. Die Autofahrer oder Autofahrerinnen sind mit einem schweren Auto unterwegs. Dieser grossen Masse steht der Velofahrer oder Fussgänger fast aussichtslos gegenüber. Kommt es zu einem Unfall, so ist es ein physikalisches Gesetz, dass der schwächere Verkehrsteilnehmer, derjenige, der zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs ist, eben schwer verletzt wird.
Das wollen wir mit dieser Vorlage ändern, dafür stehen wir Grünen ein.
Via sicura bringt eine Reihe von Massnahmen; vor allem sollen bestehende Vorschriften besser durchgesetzt und grössere Unfallschwerpunkte beseitigt werden. Darüber hinaus soll mit diesem Massnahmenpaket auch die Prävention verstärkt werden. Das Paket ist der kleinste gemeinsame Nenner, den es nach der Vernehmlassung gab. Alle umstrittenen Massnahmen wurden gestrichen. Es ist eben nicht so, dass das Paket in den letzten Jahren eine Verschlimmbesserung erfahren hat, wie Herr Giezendanner vorhin hier behauptete. Das Paket, das im Jahr 2005 um die fünfzig Massnahmen zählte, wurde richtig abgespeckt. Jetzt sind es noch rund zwanzig Massnahmen, die wir umsetzen wollen.
Der Ständerat hat an diesem Paket bereits einige Abstriche gemacht - leider, muss ich sagen. Hingegen hat er die Forderungen der Raser-Initiative in dieses Paket aufgenommen, was wir Grünen unterstützen. Das ist ein guter Weg, um den Ideen, die in der Raser-Initiative formuliert sind, zum Durchbruch zu verhelfen.
Die vorgeschlagenen Massnahmen werden einen markanten Zuwachs an Sicherheit auf den Strassen bringen, davon bin ich überzeugt. Wir müssen aber auch die nötigen finanziellen Mittel beschliessen, das hat Herr Giezendanner vorhin angesprochen. Sie alle werden die Möglichkeit haben, diesen Mangel, den die Vorlage auch nach der Beratung im Ständerat noch hat, zu beheben und mit der Unterstützung der entsprechenden Minderheit die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit wir alle Massnahmen im Paket Via sicura umsetzen können.
Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Via sicura die Anzahl der Toten und Schwerverletzten im Strassenverkehr reduzieren können. Das ist ein wichtiges Ziel, das wir heute und morgen erreichen wollen.
Deshalb bitte ich Sie, auf die Vorlage einzutreten.
Wie es der Titel der Vorlage Via sicura sagt, geht es um mehr Sicherheit im Strassenverkehr. Dabei werden nicht nur die Autofahrer, sondern alle Verkehrsteilnehmenden anvisiert, also auch Radfahrerinnen und Fussgänger. Die Vorlage sieht ein ganzes Paket von Massnahmen im Bereich der Prävention, der Investitionen und der Haftpflicht vor.
Die letzte Revision des Strassenverkehrsgesetzes, in welcher der Alkoholgrenzwert auf 0,5 Promille gesenkt wurde, hat eine massgebliche Erhöhung der Verkehrssicherheit gebracht: Die Zahl der Verkehrstoten sank um 15 Prozent, jene der Schwerverletzten um 7 Prozent. Die Wirksamkeit der Massnahme kann damit offensichtlich belegt werden. Mit Via sicura können wir auf diesem Weg weitergehen und das Ziel, weniger Verkehrstote und weniger Schwerverletzte pro Jahr zu haben, erreichen. Angesichts des menschlichen Leids, welches jährlich durch Verkehrstote und Schwerverletzte entsteht, ist es ganz klar eine Aufgabe unserer gesamten Gesellschaft, eine höhere Sicherheit anzustreben. Dies macht selbstverständlich auch aus volkswirtschaftlicher Sicht Sinn, betragen die jährlichen Kosten aus Verkehrsunfällen doch 5 Milliarden Franken.
Wenn ich sage, eine erhöhte Sicherheit sei Aufgabe der gesamten Gesellschaft, heisst das für mich, dass sowohl der Staat als Gesetzgeber wie auch die Bürgerinnen und Bürger gefragt sind. Neben wirksamen gesetzlichen Regelungen ist aus Sicht unserer Fraktion die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger besonders wichtig. Sie darf nicht weglegiferiert werden. Sie muss aber, wo nötig und sinnvoll, AB 2011 N 2121 / BO 2011 N 2121
durch gesetzliche Vorschriften ergänzt werden. Dieser Spagat zwischen gesetzlicher Regelung und persönlicher Freiheit im Sinne von Eigenverantwortung ist im vorliegenden Entwurf im Grossen und Ganzen gut gelungen.
Nachdem die in der Vernehmlassung mit zum Teil unverhältnismässigen Forderungen noch etwas überladene Vorlage entschlackt und auf ein vernünftiges Mass reduziert worden ist, stimmt die CVP/EVP-Fraktion mit Überzeugung für Eintreten.
Verkehrsunfälle mit Toten und Verletzten sind eines der dunklen Kapitel der Mobilität auf unseren Strassen. In jüngster Zeit häufen sich die Unfälle an Zebrastreifen; dies führt zu entsprechend viel medialer Aufmerksamkeit. Es ist aber ein Zeichen, dass Verbesserungen an der Infrastruktur durch Sanierung von Unfallschwerpunkten notwendig und möglich sind. Die Sicherheit im Strassenverkehr muss und kann zweifellos erhöht werden, denn jede getötete oder verletzte Person ist eine zu viel. Die Vorlage Via sicura ist eine Gratwanderung zwischen dem Wahrnehmen von Eigenverantwortung und dem Erlassen von Geboten respektive Verboten, um das Ziel - weniger Unfälle - zu erreichen. Wir Grünliberalen sind bereit, hier Kompromisse einzugehen.
Via sicura ist auch als Gegenentwurf zur Raser-Initiative bestimmt. Auch Rasen ist ein hochemotionales Thema. Um einen griffigen Gegenentwurf zu entwickeln, braucht es konkrete Massnahmen. Dazu gehören die Definition, ab welcher Geschwindigkeit wir überhaupt vom Tatbestand des Rasens sprechen, aber auch andere Massnahmen wie das Einziehen von Fahrzeugen oder der Ausweisentzug während eines laufenden Verfahrens. Dazu bieten wir Grünliberalen Hand, nicht zuletzt auch, weil nicht flächendeckende und undifferenzierte, sondern selektive, zielgerichtete Lösungen in den Bereichen Prävention, Infrastrukturverbesserungen und Bussen angestrebt werden. Das wird dazu führen, dass die Sicherheit im Strassenverkehr erhöht und die Anzahl Toter und Verletzter auf der Strasse reduziert wird.
Die Grünliberalen treten auf beide Vorlagen ein.
Ich beginne mit ein paar Schlagzeilen aus den letzten Tagen und Wochen: "Brienz: Fussgängerin bei Unfall auf Zebrastreifen tödlich verletzt"; "Laufen: Autofahrer übersieht 35-jährige Frau beim Überqueren der Strasse"; "Plaffeien: Fussgängerin am Zebrastreifen von Auto erfasst". Das sind Schlagzeilen der letzten Tage und Wochen, und die schreckliche Serie der Unfälle auf Fussgängerstreifen reisst nicht ab. Auch dieses Wochenende starben zwei Menschen auf einem Zebrastreifen, und mehrere wurden teils schwer verletzt. Letzte Woche brachte der "Kassensturz" eine erschreckende Bilanz der Zebrastreifen-Unfallopfer seit November dieses Jahres: 7 Todesopfer und 56 Verletzte, und täglich werden es mehr.
Es ist traurig, dass gerade jetzt, da wir die Via-sicura-Vorlage endlich im Parlament diskutieren, eine derartige Häufung von Unfällen passiert. Sie sind nicht der Auslöser unserer heutigen Diskussion, aber sie sind Mahnmale, dass wir uns nicht mit der bisherigen Verkehrssicherheitspolitik begnügen dürfen, sondern weiter gehen müssen. Dazu gehört auch, dass wir auf beide Vorlagen eintreten.
Im Strassenverkehr sterben jedes Jahr rund 350 Menschen, und etwa 5000 werden schwer verletzt. Hinter diesen anonymen Zahlen stehen Menschen, und es stehen auch Schicksale dahinter. Schon vor Längerem wurde deshalb erkannt, dass die Schweiz eine Verkehrssicherheitspolitik formulieren und diese mit gezielten Massnahmen umsetzen muss. Am Anfang stand eine Vision: die Vision Zero, eine Sicherheitsphilosophie, die auf der Überzeugung beruht, dass Unfälle mit Toten und Schwerverletzten unter keinen Umständen hingenommen werden dürfen. Es handelt sich um ein Idealbild eines Strassenverkehrs ohne Tote und Schwerverletzte, dem in anderen Bereichen, zum Beispiel in der Industrie oder bei anderen Verkehrsträgern, seit Jahrzehnten nachgelebt wird.
Vor dem Hintergrund der Vision-Zero-Philosophie entstand das Massnahmenpaket Via sicura mit dem Ziel, die Anzahl der im Strassenverkehr Getöteten und Schwerverletzten innert zehn Jahren signifikant zu senken. Verschiedene Einzelmassnahmen haben in der Vergangenheit bereits zu beachtlichen Erfolgen bei der Erhöhung der Verkehrssicherheit geführt, doch für weitere markante Fortschritte genügt der bisherige Ansatz nicht. Erforderlich ist vielmehr eine langfristig ausgerichtete, ganzheitliche und kohärente Politik, die auf allen Ebenen ansetzt: beim Verhalten im Verkehr, bei der Fahrausbildung, bei der sicheren Infrastruktur usw.
Das Massnahmenpaket ist geprägt von der Überzeugung, dass der Strassenverkehr so zu gestalten sei, dass menschliche Fehler keine schwerwiegenden Folgen haben. Das heisst auch, dass ein sinnvoller Mix aus Massnahmen nicht nur bei den Menschen, die auf den Strassen sind, anzusetzen hat, sondern dass für das sichere Funktionieren des Strassenverkehrssystems auch der Betreiber, also der Staat und die Behörden, in der Verantwortung ist. Sie sind es, welche über die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen verfügen. Wo sich Menschen bewegen, da passieren Fehler. Das muss im System eingeplant werden. Mit geeigneten Massnahmen muss sichergestellt werden, dass die Fehler nicht zu schwerwiegenden Verletzungen oder im schlimmsten Fall gar zum Tode der Verkehrsteilnehmenden führen. Mit Via sicura sollen vor allem bestehende Strassenverkehrsvorschriften besser durchgesetzt und die grössten Unfallschwerpunkte beseitigt werden. Verstärkt werden soll auch die Prävention. Die SP hat die Vorlage von Anfang an mit grosser Überzeugung unterstützt. Wir hätten uns gar gewünscht, dass Via sicura mit zusätzlichen finanziellen Mitteln umgesetzt werden könnte. Leider wurden alle entsprechenden Vorschläge nach der Vernehmlassung verworfen. Das heute vorliegende Paket muss also ohne zusätzliche Einnahmen umgesetzt werden. Das wird Auswirkungen haben. Es ist also das Mindeste, was wir heute machen müssen. Im Namen der SP-Fraktion bitte ich Sie, auf die beiden Vorlagen einzutreten.
Als ich ein Baby war, legten mich meine Eltern ungesichert auf den Rücksitz des Autos; Rückhaltevorrichtungen oder Kindersitze waren etwas für die Wohlhabenden. Als ich Primarschülerin war, spielten wir am Abend auf der Strasse Völkerball. Es zirkulierten drei- bis viermal weniger Autos als heute. Als ich 13 Jahre alt war, fuhren wir in einem alten, klapprigen Opel Kadett zum ersten Mal ans Meer - wir drei Geschwister ungesichert auf dem viel zu engen Rücksitz.
Und heute? Heute, wenn ich auf der Brücke über der Autobahn stehe, die Winterthur umfährt, denke ich manchmal: Himmel, wenn es hier "chlöpft", gibt es Tote. Nach wie vor stirbt beinahe jeden Tag ein Mensch auf unseren Strassen, und alle zwei Stunden wird ein Mensch schwer verletzt. Das sind viele, sehr viele Menschen, und das ist viel, sehr viel Leid. Doch waren es einst noch viel mehr: Im schwärzesten Jahr, 1971, starben 1773 Menschen, und 18 785 wurden schwer verletzt, und das, wie eingangs erwähnt, bei weit weniger Autos auf den Strassen.
Die bisherige Sicherheitspolitik ist also ein grosser Erfolg. Sie hat Tausende von Menschenleben gerettet und es uns ermöglicht, Millionen von Franken zu sparen. Doch dieser Erfolg fiel nicht einfach vom Himmel: Er ist das Resultat von griffigen Massnahmen wie Gurtenobligatorium, Alkoholgrenzwerten, technischen Massnahmen an den Autos, baulichen Massnahmen an den Infrastrukturen. Schritt für Schritt haben wir eine Sicherheitspolitik umgesetzt, die Wirkung zeigt. Allein die 2005 in Kraft gesetzten Massnahmen - die Senkung der Promillegrenze auf 0,5 Prozent, systematische und verdachtsfreie Alkoholkontrollen, Führerausweis auf Probe sowie Zweiphasenausbildung für Neulenkerinnen und Neulenker - haben die Anzahl der getöteten Menschen im Strassenverkehr um rund 15 Prozent und jene der Schwerverletzten um rund 7 Prozent gesenkt. AB 2011 N 2122 / BO 2011 N 2122
Bei all diesen Massnahmen haben wir beispielsweise auch gelernt, dass sogenannte Verhältnisprävention mehr bringt als sogenannte Verhaltensprävention. Mit anderen Worten: Die gesetzlich festgelegte Alkoholpromillegrenze bringt wesentlich mehr als der pure Appell, vor dem Fahren nicht so viel zu trinken.
Auf diesen Erfahrungen baut die vorliegende Via-sicura-Botschaft auf. Auch sie bringt vor allem Verbesserungen, die durch Verhältnisprävention erzielt werden. Ein Schwerpunkt wird auf die Raserdelikte gelegt, indem dort die Sanktionen verschärft werden. Die SP-Fraktion unterstützt diese Massnahmen, die sich mehr oder weniger an die Forderungen der Raser-Initiative anlehnen oder sich gar mit ihnen decken. Wir hoffen, dass wir zu Beschlüssen kommen, die den Rückzug dieser Initiative möglich machen, denn diese Fragen auf Verfassungsstufe zu regeln scheint uns problematisch zu sein.
Abgelehnt wurden von der Mehrheit der SP-Fraktion das Velohelmobligatorium sowie das Mindestalter für Kinder beim Velofahren; hierzu dann mehr bei den entsprechenden Artikeln.
Wie meine Vorrednerin bitte ich Sie im Namen der SP-Fraktion, auf die Vorlage einzutreten.
Die FDP-Liberale Fraktion wird auf das Geschäft eintreten; wir werden aber diese Vorlage kritisch begleiten und unsere abschliessende Zustimmung vom Verlauf der Beratung und von den Entscheiden abhängig machen.
Zunächst besitzt selten eine Vorlage eine derart unbestrittene Zielsetzung wie Via sicura: weniger Tote und Verletzte auf Schweizer Strassen. So weit, so gut und klar. Auch wir Freisinnigen unterstützen selbstverständlich alle Massnahmen, die eine höhere Sicherheit im Strassenverkehr bringen. Nur, der Teufel liegt im Detail, und wir hegen deshalb auch Skepsis gegenüber diesen ambitiösen Vorhaben. Wir werden uns gegen einen Generalverdacht wehren, der sich gegen alle sich korrekt verhaltenden Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer richtet. Es besteht kein dringender Handlungsbedarf, wie wir sehen, wenn wir - und auch hier ist eine differenzierte Betrachtung wichtig - die Opferzahlen und deren Entwicklung betrachten. Glücklicherweise haben wir die tiefste Zahl von Todesfällen auf unseren Strassen seit dem Zweiten Weltkrieg zu beklagen, obschon sich die Mobilität vervielfacht hat. Allein in den letzten acht Jahren konnten die Opferzahlen um einen Viertel reduziert werden. Übermässige Eingriffe in die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger sind angesichts dieser Ausgangslage inakzeptabel, wenn sie keine Wirkung entfalten.
Ich habe den Zeitraum von acht Jahren erwähnt. Mehr als acht Jahre lang ist diese Vorlage hier in einer bürokratischen Art und Weise vorbereitet worden, ganze elf Jahre lang - über die Kosten spricht niemand. Glücklicherweise ist die Entwicklung auf unseren Strassen auch ohne diese Via sicura gut verlaufen, und wir haben in der Schweiz eine gute Ausgangslage.
Die Befürchtungen der Freisinnigen bei dieser eben seit elf Jahren unter wechselnden Namen und Titeln vorbereiteten Vorlage betreffen grundsätzlich drei Punkte:
1. Eine unverhältnismässige Überregulierung, die mit einer Flut von neuen Gesetzesbestimmungen zu einer Belastung der Bevölkerung führt und keinen Nutzen bringt. 2. Die Aushöhlung der verfassungsmässigen Eigentumsgarantie durch das Strassenverkehrsgesetz. Auch wenn die Problematik der Raser hier einbezogen werden soll, um einer Volksinitiative entgegenzutreten, kann es nicht angehen, dass als Reaktion auf Einzelfälle, an denen einige kriminelle Wahnsinnige beteiligt sind, die überwiegende Mehrzahl der sich korrekt verhaltenden Verkehrsteilnehmer benachteiligt oder gar kriminalisiert wird.
3. Die Auslösung einer wirkungslosen Bürokratie durch eine Überregulierung, welche der Illusion unterliegt, gesetzliche Regulierungen und zusätzliche Paragrafen würden die Sicherheit auf den Strassen per se verbessern.
Neue Normen, die niemand kennt, schaffen nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Rechtsunsicherheit. Für uns Freisinnige steht die Eigenverantwortung deshalb auch im Strassenverkehr noch immer im Zentrum. Es macht keinen Sinn, beispielsweise ein Velohelmobligatorium zu erlassen, das eine unverhältnismässige Bürokratie in Bewegung setzt und keinen Nutzen bringt. Vielmehr sind unsere Bürgerinnen und Bürger darüber aufzuklären, welchen Schutz das Tragen eines Helms bringt. Auch die Eltern müssen ihre Kinder aus eigenem Antrieb und aus selbstverantwortlicher Fürsorge zum Tragen eines Velohelms anhalten. Es kann nicht die Aufgabe der Polizei sein, jemanden zu bestrafen, weil er auf dem Einkaufsweg zum Dorfladen, den er mit dem Velo zurücklegt, keinen Helm trägt. Wir fordern also vielmehr Sensibilisierung und Erziehung statt Bestrafung, Aus- und Weiterbildung statt Bürokratie und Strafverfolgung. Das Motto muss lauten: mehr Eigenverantwortung statt Bevormundung!
Es ist für uns Freisinnige zudem stossend, dass die Vorlage Via sicura lediglich den am Verkehr teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern zusätzliche gesetzliche Massnahmen und Belastungen auferlegt, ohne die Hausaufgaben des Bundes ebenso entschlossen anzugehen: Die infrastrukturelle Beseitigung von Gefahrenquellen wie Bahnübergängen, Strassenquerungen, Hindernissen entlang von Fahrbahnen wie auch die generelle Beseitigung von nachgewiesenen Unfallschwerpunkten durch bauliche Massnahmen bleiben, was für uns völlig unverständlich ist, ausgeklammert, obschon deren Wirkung die Wirkung gesetzlicher Regulierungen und neuer Paragrafen bei Weitem übersteigt. Es ist eben einfacher, den anderen neue Vorschriften aufzuerlegen, als selber etwas zu leisten.
Auf die einzelnen Detailbestimmungen werden wir dann bei deren Behandlung eingehen. Wir sind aber, dies sei vorweggenommen, für die Ablehnung der Velohelmpflicht - wir sind für eine Regelung, die auf Freiwilligkeit beruht, und gegen eine Pflicht für Jugendliche oder für alle, einen Velohelm zu tragen. Wir sind gegenüber einer Regelung zum Einzug und zur Verwertung von Raserfahrzeugen sehr kritisch eingestellt, weil der Fahrer, der so bestraft werden soll, sehr oft nicht der Eigentümer ist. Wir sind ferner gegen das Verbot von Warnungen vor Verkehrskontrollen, weil dieses Verbot weder zweckmässig noch durchsetzbar ist.
Abschliessend noch ein Wort zu den mehrfach erwähnten Regelungen hinsichtlich der Fussgängerstreifen - dies wurde von Frau Kollegin Teuscher und auch von Frau Kollegin Allemann vorgebracht -: Wir haben das im Nationalrat auch schon behandelt. Seit 1994 haben wir in der Schweiz eine neue Regelung, und seit 1994 haben wir ein massives Ansteigen der Unfallzahlen - man unterscheidet zwischen Unfällen auf dem Fussgängerstreifen und solchen vor dem Fussgängerstreifen. Wir haben nachgewiesenermassen eine Vervielfachung der Unfallzahlen. Wenn Sie eine solche neue Regelung einführen, das Resultat aber eine wesentliche Verschlechterung der Sicherheit ist, dann wäre es angebracht, diese Änderung wieder rückgängig zu machen. Wir haben das hier in diesem Rat einmal ganz knapp abgelehnt. Es ist also unstatthaft, das Beispiel der Fussgängerstreifen zu nehmen, um Via sicura zu begründen. Das ist im Gegenteil das Beispiel einer unzweckmässigen Regelung mit grossem Schaden. Da müssen wir nicht neue gesetzliche Normen schaffen, sondern wir sollten allenfalls die bestehenden intelligent und differenziert ändern, wenn die Folgen derart katastrophal sind.
Ich komme zum Schluss. Die Freisinnigen setzen sich für mehr Verkehrssicherheit ein. Wir setzen uns aber genauso gegen nutzlose, zusätzliche Bürokratie ein. Wir wollen eine differenzierte Betrachtung und werden diese auch bei der Behandlung in der Detailberatung einbringen. Wir werden versuchen, aus dieser Vorlage eine wesentlich nützlichere, wertvollere Vorlage zu kreieren.
Niemand ist unberührt von den täglich zu lesenden Geschichten über Verkehrsunfälle mit Todesfolge oder über solche, die zu schweren AB 2011 N 2123 / BO 2011 N 2123
Verletzungen führen. Die Frage ist wie bei Arbeitsunfällen oder wie bei Sportunfällen auch im Bereich des Verkehrs, wo sich die Balance finden lässt zwischen Eigenverantwortung, dem korrekten Verhalten im Verkehr - das eigentlich selbstverständlich sein müsste - und den menschlichen Unzulänglichkeiten, die wir eben nur durch verstärkte Vorschriften, Ausbildung und Prävention und dann eben auch durch Repressions- und Kontrollmassnahmen in den Griff kriegen. Darum geht es bei dieser Vorlage. Wir sind der Meinung, dass bei dieser Vorlage die Balance gehalten wird und der richtige Mix von Vorschriften, Prävention, Ausbildung und Kontrolle gefunden wurde.
Heute ist die Zahl der Opfer auf einem Stand, der so tief ist, wie er es seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie war. Heute verkehren sehr viel mehr Fahrzeuge, und die Mobilität ist viel höher. Obschon also ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zu bewältigen ist, konnten in den vergangenen Jahren die Zahl der Unfälle und die Zahl der betroffenen Personen gesenkt werden. Allerdings zeichnet sich für dieses Jahr - und das ist die bittere Pille im Moment - eine Verschlechterung der Situation ab. Im Moment liegen uns erst die Zahlen bis und mit September vor; diese sind deutlich besser als die Zahlen vor zehn Jahren, wenn man nur die Werte für die ersten neun Monate des Jahres anschaut. Doch bezüglich der Zahl von Todesopfern auf Fussgängerstreifen ist die Situation schlechter als im Vorjahr. Es ist notorisch, dass in den beiden letzten Monaten eines Jahres, November und Dezember, jeweils die schlimmsten Folgen im Verkehrsbereich zu verzeichnen sind. Bestimmt wird im Jahr 2011 die Zahl der Verkehrstoten jene der beiden Vorjahre übertreffen. Nur in 13 Prozent der Fälle lag bisher die Schuld nicht beim Fahrzeuglenker.
Die Massnahmenpakete, die wir in der Vergangenheit eingeführt haben - die letzte grosse Revision ist seit 2005 in Kraft -, haben ganz klare Sicherheitsgewinne ergeben. Bei der letzten grossen Revision gab es auch ein Paket von verschiedenen Massnahmen; damals waren es vor allem die Senkung der Alkoholpromillegrenze auf 0,5 Promille, die systematische, verdachtsfreie Atem-Alkoholkontrolle, die verschärften Administrativmassnahmen, der Führerausweis auf Probe und auch die Zweiphasenausbildung für Neulenkerinnen und Neulenker. In diesen fünf Jahren haben wir bezüglich der Zahl der Toten im Strassenverkehr eine ganz klare Verbesserung um rund 15 Prozent und bei den schwerverletzten Menschen eine solche um 7 Prozent verzeichnen können.
Denselben Ansatz wählen wir mit Via sicura: auch wieder ein Paket, ein Bündel von ganz verschiedenen Massnahmen, die der Ständerat und auch Ihre vorberatende Kommission unterstützen. Wir gehen davon aus, dass mit diesen Massnahmen die Zahl der schwer verunfallten Personen nochmals um bis zu einen Viertel gesenkt werden kann.
Herr Nationalrat Giezendanner, wenn Sie mir bitte zuhören würden: Ich würde gerne keine neuen Gesetze erlassen und auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen. Gesetze und Vorschriften erlassen wir nur aus einem Grund: weil es leider immer wieder Menschen gibt, die nicht umgehen können mit Freiheit, die nicht umgehen können mit Eigenverantwortung. Sonst hätten wir keine Gesetzesverletzungen, sonst hätten wir keine Gefängnisse und keine Polizei nötig. Leider ist es so, dass sich nicht alle an die Vorschriften halten.
Bei der Vorlage Via sicura ist das Ziel nicht primär, neue Verkehrsvorschriften zu schaffen, sondern wir wollen vor allem die bestehenden Vorschriften besser durchsetzen, indem wir beispielsweise Qualitätssicherungsmassnahmen, Fahreignungsabklärungen oder eben die beweissichere Atemalkoholprobe einführen. Nicht die Repression ist das Ziel, sondern die Balance zwischen Ausbildung, Prävention und Kontrolle. Ich sage es einmal mehr: Der Bundesrat gewichtet die Eigenverantwortung hoch! Die Prävention sieht in diesem Bereich zum Beispiel das Fahren mit Licht am Tage als Pflicht vor. In Staaten wie den USA ist das schon lange obligatorisch, und man hat damit gute Erfahrungen gemacht. Für bestimmte Fahrzeugkategorien und für bestimmte Personengruppen wie Berufsfahrer, Neulenkerinnen und Neulenker wollen wir das Fahren ohne Alkohol zur Pflicht machen. Die Strassenverkehrsinfrastruktur soll sicherer werden. Die grössten Unfallschwerpunkte auf Schweizer Strassen müssen saniert werden, und es sollen Strassen geschaffen werden, die Fehler von Motorfahrzeugführerinnen und Motorfahrzeugführern verzeihen, wenn immer dies möglich ist.
Wichtig sind aber auch die Massnahmen gegen die Raser. Alleine im Jahre 2009 sind über 16 parlamentarische und Standesinitiativen zum Thema Raser eingereicht worden. Bereits die bundesrätliche Botschaft hat Massnahmen betreffend Raser enthalten, nämlich was die Fahreignungsabklärung, die Nachschulung und auch die sogenannte Blackbox betrifft, und der Ständerat hat die Vorlage mit Bestimmungen gemäss der Volksinitiative angereichert. Mit diesen Ergänzungen sind die wichtigsten Inhalte der Initiative aufgenommen worden, und auch Ihre Kommission hat sich in diese Reihe eingeordnet.
Nur jene Belange, die den Besonderen Teil des Strafgesetzbuches betreffen, werden hier völlig ausgeklammert, weil sie im Projekt Harmonisierung der Strafrahmen des EJPD beraten werden. Das betrifft die Anhebung der Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung auf fünf Jahre, und es betrifft auch die Einführung einer Mindeststrafe bei Gefährdung des Lebens. Zwar hat auch diese Revision vor allem die Strassenverkehrsdelikte im Fokus, sie muss aber mit den Delikten aus anderen Rechtsbereichen harmonisiert werden.
Die Vermeidung all dieser Unfälle hat nicht nur eine Verminderung des menschlichen Leides zur Folge; es geht auch darum, die Kosten, die mit Strassenverkehrsunfällen verbunden sind, zu minimieren. Sie belaufen sich heute auf über 5 Milliarden Franken pro Jahr, mehr als die Hälfte davon entfällt auf Sachschäden. Dann entstehen auch Kosten für medizinische Versorgung und Produktionsausfall auf dem Arbeitsmarkt. Nicht eingerechnet sind natürlich all die immateriellen Kosten wie Leid, Schmerz und Kummer der Betroffenen und Angehörigen von Verkehrsopfern.
Auch dieses Massnahmenpaket ist zuerst eine Investition und wird Kosten verursachen. Zu 80 Prozent werden diese Kosten aber von den Verursacherinnen und Verursachern getragen, beispielsweise die Kosten für Fahreignungsabklärungen oder Nachschulungen. Dann betreffen die Kosten vor allem auch die Kantone - all das, was die Strasseninfrastruktur betrifft. Wenn man diese Kosten und den Nutzen einander gegenüberstellt, resultiert, so meinen wir, klar ein Nutzenüberschuss.
Ich bitte Sie daher, auf die Vorlage einzutreten. Die Punkte, in denen der Bundesrat von der KVF-NR abweicht, werde ich dann in der Detailberatung noch darlegen.
Ich danke Ihnen für die engagierten Voten zum Eintreten. Einerseits wurde der volkswirtschaftliche Sinn von Via sicura erkannt, andererseits wurde "Eigenverantwortung statt Bevormundung" ins Spiel gebracht. Wir alle wissen: Die persönliche Freiheit hört eben dort auf, wo sie andere Menschen tangiert, sprich - auf Via sicura bezogen - gefährdet.
Neue Gesetze über Strassenverkehrssicherheit stossen oft gefühlsmässig auf Widerstand - das ist auch heute nicht anders -, meist jedoch zu Unrecht. Erinnern Sie sich an den Widerstand gegen die Einführung des Obligatoriums für Sicherheitsgurten? Einst heftig umstritten, heute eine breitakzeptierte Sicherheitsmassnahme, die Tag für Tag Leben rettet. Oder die Senkung des Blutalkoholgrenzwertes von 0,8 auf 0,5 Promille: Vor der Einführung war sie politisch ebenfalls heftigst umstritten; heute befürworten 87 Prozent der Bevölkerung diese gesetzliche Regelung, die der Schweiz Jahr für Jahr rund fünfzig Todesfälle wegen Alkohol am Steuer erspart. Gute neue Gesetze sind oft bedeutsame Schritte für mehr Verkehrssicherheit. Sie verändern Meinungen und Verhalten. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat 2010 alle Via-sicura-Massnahmen, die der Bundesrat vorgeschlagen hat, analysiert und eine umfassende AB 2011 N 2124 / BO 2011 N 2124
Wirkungsanalyse erstellt. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung beziffert das Nutzenpotenzial des Gesamtpakets Via sicura mit folgenden eindrücklichen Zahlen: 100 weniger Tote, 1000 weniger Schwerverletzte, 200 weniger Invalide.
Angesichts der heutigen Unfallzahlen, hinter denen sich unsägliches Leid versteckt, beantragt Ihnen die Kommission, das ausgewogene und massvolle Handlungsprogramm Via sicura zu unterstützen.
On a pu entendre dans ce débat d'entrée en matière de nombreuses opinions, mais il y a convergence sur un point: on ne peut pas rester insensible au thème de la sécurité sur le domaine public, et plus particulièrement en ce qui concerne les gens qui conduisent des voitures, des poids lourds, voire des cycles. On ne peut pas non plus rester indifférent à l'évolution de la mobilité au sein de notre société; elle a très fortement progressé. Mais on constate aussi une diminution de la responsabilité personnelle d'une partie de notre population. Bref, l'évolution des comportements passe aussi par une modification de la loi sur la circulation routière, et en cela, nous ne pouvons que vous recommander de soutenir la position de votre commission qui, très nettement, est entrée en matière sur le projet, par 18 voix contre 8, et qui est convaincue qu'une évolution législative doit avoir lieu dans différents domaines, tant en ce qui concerne les mesures préventives qu'une meilleure conception des équipements et une amélioration de ceux-ci, ou encore une amélioration de la formation. De même, il faut augmenter la répression envers les gens qui sont négligents, les chauffards, lesquels peuvent encourir un retrait définitif du permis de conduire. Nous vous recommandons vivement, pour parvenir à cette diminution forte du nombre de blessés et d'accidents tragiques de 25 pour cent, de soutenir la majorité de la commission - je rappelle que la commission est entrée en matière sur le projet par 18 voix contre 8.
Präsident (Walter Hansjörg, Präsident):
Ich habe noch zwei Geburtstage zu vermelden. Wir gratulieren einer Ratskollegin und einem Ratskollegen, nämlich Frau Chantal Galladé und Herrn Jean-René Germanier! (Beifall)
Wir stimmen über den Nichteintretensantrag der Minderheit Giezendanner ab. Die Abstimmung gilt für das Eintreten auf beide Vorlagen.
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 10.092/6700)
Für Eintreten ... 129 Stimmen
Dagegen ... 45 Stimmen
1. Strassenverkehrsgesetz 1. Loi fédérale sur la circulation routière Detailberatung - Discussion par article
Titel und Ingress; Ziff. I Einleitung; Ersatz eines Ausdrucks; Ingress; Art. 1 Abs. 2, 3; Art. 2 Abs. 3bis; Art. 4 Abs. 2 Antrag der Kommission
Titre et préambule, ch. I introduction; remplacement d'une expression; préambule; art. 1 al. 2, 3; art. 2 al. 3bis; art. 4 al. 2 Proposition de la commission
(Binder, Bugnon, Caviezel, Föhn, Français, Giezendanner, Huber, Hutter Markus, Quadri, Rickli Natalie, Schenk Simon, von Rotz)
... Rechnung und sorgen dafür, dass die Infrastrukturen den sicherheitsspezifischen Baunormen entsprechen, insbesondere bei Fussgängerquerungen.
Gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung entspricht rund die Hälfte der etwa 45 000 existierenden Fussgängerquerungen nicht den VSS-Normen. Sie sind zumindest potenziell, oft aber auch ganz real als gefährliche Stellen im Strassenverkehr zu betrachten. Dieser Zustand ist unhaltbar. Der finanzielle Aufwand von 200 Millionen Franken für die konsequente Sanierung der unsicheren Fussgängerstreifen wäre bereits nach einem einzigen Jahr mehr als kompensiert, denn Fussgängerunfälle belasten unsere Volkswirtschaft Jahr für Jahr mit 250 Millionen Franken - nur die materiellen Kosten eingerechnet. Noch viel wichtiger ist aber das unermessliche menschliche Leid, das vermieden werden kann. Art. 6a
... et de l'exploitation de l'infrastructure routière, et veillent à ce que les infrastructures respectent les normes de sécurité, notamment en ce qui concerne les passages pour piétons.
In Artikel 6a Absatz 3 werden Bund, Kantone und vor allem die Gemeinden in die Pflicht genommen. Sie haben eine Sicherheitsbeauftragte oder einen Sicherheitsbeauftragten zu ernennen. Sie oder er soll für die Verkehrssicherheit in der Gemeinde die Ansprechperson sein.
Das ist für viele und vor allem für kleine Gemeinden eine harte Auflage. Es ist vor allem auch eine verbindliche Auflage. Heute gibt es diese Personen bereits, vor allem in Städten und grösseren Gemeinden. In kleineren Gemeinden wird diese Verpflichtung aber zu einer neuen Situation führen. Diese Personen müssen doch in einem gewissen Masse geschult und immer wieder auf den neuesten Stand der Sicherheitsstandards gebracht werden. Das generiert auch für die Gemeinde zusätzliche Kosten. Zudem sagt dieser Absatz 3 nichts aus über die Aufgaben, die Kenntnisse, die Kompetenzen und die Verantwortung dieser Ansprechpersonen.
Die Minderheit ist zudem der klaren Meinung, dass das Sicherheitsmanagement auf den Strassen zum Projektmanagement der Planung gehört. Hier sind die Fachleute vorhanden, die an verschiedensten Orten und in verschiedensten Situationen Verkehrssicherheit planen und auch realisieren. Sie sollten die Erfahrung mitbringen, um situationsbezogen operieren zu können. Ihnen müssen die Sicherheitsrisiken und die geltenden Sicherheitsstandards sowie die allfälligen Normen auch bekannt sein.
Ich bitte Sie also, vor allem die Gemeinden nicht in neue Zwänge zu bringen und dementsprechend den Antrag der Minderheit, der in der Kommission lediglich mit 13 zu AB 2011 N 2125 / BO 2011 N 2125
11 Stimmen unterlegen ist, zu unterstützen. Die SVP-Fraktion folgt hier der Minderheit.
Die CVP/EVP-Fraktion stimmt dem Antrag der Kommissionsmehrheit zu. Bund, Kantone und Gemeinden sollen eine für den Bereich Verkehrssicherheit verantwortliche Person ernennen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Aufgabe durch verwaltungsinterne Organe wie das Tiefbauamt oder durch externe Sicherheitsbeauftragte wahrgenommen wird. Wichtig ist, dass eine institutionalisierte Ansprechstelle für die Belange der Verkehrssicherheit besteht. So können die Sicherheitsaspekte nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden.
Die meisten Kantone haben bereits heute eine solche Ansprechperson. Es braucht keine neuen Stellen, sondern Personen, die sich mit der Sicherheit bei den Verkehrsinfrastrukturen befassen. So sollen diese Personen beispielsweise prüfen, ob die Fussgängerstreifen am richtigen Ort platziert sind und ob sie den heutigen Normen entsprechen. Da werden die Gemeinden ganz bestimmt den gesunden Menschenverstand walten lassen und diese Aufgabe mit den bestehenden Ressourcen übernehmen.
In letzter Zeit hörten wir von zahlreichen Unfällen auf Fussgängerstreifen - nicht zuletzt deswegen will Nationalrat Aebischer eine Ergänzung in Absatz 1. Sein Anliegen gehört jedoch nicht in Absatz 1, sondern es wird mit Absatz 3 abgedeckt. Genau diese Aufgabe müsste auch im Aufgabenbereich der Ansprechpersonen sein.
Die CVP/EVP-Fraktion wehrt sich gegen eine Aufblähung der Verwaltung; sie stuft die Sicherheit der Strasseninfrastruktur aber auch als wichtig ein. Die Infrastruktursicherheit ist schliesslich ein sehr bedeutender Teil dieser Vorlage.
So bitte ich Sie, der Kommissionsmehrheit und damit dem Bundesrat und dem Ständerat zuzustimmen.
Sie wissen, es geht darum, dass Gemeinden und Kantone eine für den Bereich Verkehrssicherheit verantwortliche Ansprechperson, einen Sicherheitsbeauftragten, ernennen müssen. Mit dieser Bestimmung werden die Akteure nur verpflichtet, eine verantwortliche Person zu bezeichnen. Für diese Funktionszuweisung müssen in der Regel keine neuen Personen angestellt werden. Es wird kein neuer administrativer Apparat aufgebaut. Aus dieser Bestimmung lässt sich auch nicht ableiten, dass bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Massnahmen zu ergreifen sind.
Wo bereits heute solche Sicherheitsbeauftragten ihre Arbeit machen, machen sie diese gut. Die Erfahrungen sind durchaus zufriedenstellend. Ihre Arbeit schafft nämlich Klarheit, Klarheit bezüglich Zuständigkeit. Für Sicherheitsaspekte haben wir mit diesen Sicherheitsbeauftragten aber auch einen Fürsprech, den wir eben in der ganzen Schweiz einführen wollen.
Zum Einzelantrag Aebischer Matthias erlaube ich mir auch kurz ein paar Worte: Die Ereignisse zeigen, dass bei Fussgängerquerungen ein Handlungsbedarf besteht; ich habe bereits beim Eintreten darauf hingewiesen. Ob der Einzelantrag der Weisheit letzter Schluss ist, können wir Grünliberalen noch nicht beurteilen. Wir unterstützen jedoch den Antrag und gehen davon aus, dass der Ständerat, falls Korrekturen notwendig sind, diese in seiner Beratung vornehmen wird.
Zusammengefasst: Wir unterstützen die Mehrheit, wir lehnen den Antrag der Minderheit Binder ab, und wir unterstützen den Ein

References: Art. 1
 Art. 2
 Art. 4
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