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Der Kauf sämtlicher Eintrittskarten einer Theaterveranstaltung spart die Umsatzsteuer - Rechtslupe
Der Kauf sämtlicher Eintrittskarten einer Theaterveranstaltung spart die Umsatzsteuer
20. März 2014 Rechtslupe
Der Kauf sämt­li­cher Ein­tritts­kar­ten einer Thea­ter­ver­an­stal­tung spart die Umsatz­steu­er
Der Kauf sämt­li­cher Ein­tritts­kar­ten einer Thea­ter­ver­an­stal­tung durch ein Rei­se­bü­ro kann steu­er­frei sein: Kauft ein Tou­ris­tik­un­ter­neh­men sämt­li­che Ein­tritts­kar­ten einer Thea­ter­vor­füh­rung, über­nimmt es das vol­le wirt­schaft­li­che Risi­ko der Auf­füh­rung und tritt im eige­nen Namen als Ver­an­stal­ter auf, kann dar­in eine steu­er­freie "Ver­an­stal­tung von Thea­ter­vor­füh­run­gen" i.S. des § 4 Nr.20 Buchst. b UStG lie­gen.
Gemäß § 4 Nr.20 Buchst. a UStG sind steu­er­frei u.a. die Thea­ter­um­sät­ze des Bun­des, der Län­der, der Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­de ein­schließ­lich der Umsät­ze gleich­ar­ti­ger Ein­rich­tun­gen sowie nach § 4 Nr.20 Buchst. b UStG die "Ver­an­stal­tung von Thea­ter­vor­füh­run­gen" durch ande­re Unter­neh­mer, wenn eine Vor­füh­rung durch ein Thea­ter nach Buchst. a erfolgt. Zweck der Steu­er­be­frei­ung ist die För­de­rung der Kunst. So sol­len u.a. Thea­ter, Orches­ter und Muse­en von der Mehr­wert­steu­er frei­ge­stellt wer­den, weil es sich um Ein­rich­tun­gen han­delt, die staat­lich sub­ven­tio­niert wer­den und im Fal­le einer Besteue­rung der Thea­ter­leis­tun­gen die Sub­ven­tio­nen auf­ge­stockt wer­den müss­ten 1.
Uni­ons­recht­li­che Grund­la­ge des § 4 Nr.20 Buchst. a und b UStG ist Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. n der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG, wonach die Mit­glied­staa­ten von der Steu­er bestimm­te kul­tu­rel­le Dienst­leis­tun­gen und eng damit ver­bun­de­ne Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den befrei­en, die von Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­ren von dem betref­fen­den Mit­glied­staat aner­kann­ten Ein­rich­tun­gen erbracht wer­den.
Der inlän­di­sche Gesetz­ge­ber hat­te zunächst nach § 4 Nr. 23 UStG 1951 2 ledig­lich die "Füh­rung eines Thea­ters" steu­er­be­freit. Nach­dem zwei­fel­haft gewor­den war, ob die Steu­er­be­frei­ung auch bei Gast­spie­len eines Thea­ter­en­sem­bles gegen fes­te Ver­gü­tung gege­ben war, wenn die Gast­büh­ne den Ticket­ver­kauf im eige­nen Namen und auf eige­ne Rech­nung vor­nahm 3, wur­de durch das Umsatz­steu­er­ge­setz (Mehr­wert­steu­er) 1967 4 § 4 Nr.20 UStG neu gefasst und um § 4 Nr.20 Buchst. b UStG ergänzt, wonach die Steu­er­frei­heit auch auf die "Ver­an­stal­ter von Thea­ter­vor­füh­run­gen und Kon­zer­ten durch ande­re Unter­neh­mer" erwei­tert wur­de, wenn die Dar­bie­tun­gen durch ein Thea­ter nach § 4 Nr.20 Buchst. a UStG erbracht wur­den. In der Geset­zes­be­grün­dung 5 heißt es hier­zu: "Aus Grün­den der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät hat der Aus­schuss auch ande­re Unter­neh­mer, die Ver­an­stal­tun­gen mit den befrei­ten Thea­tern und Orches­tern durch­füh­ren, in die Befrei­ung ein­be­zo­gen (z.B. Gemein­den ohne eige­nes Thea­ter, Kon­zert- und Gast­spiel­di­rek­tio­nen)."
In der Vor­in­stanz hat das Finanz­ge­richt im Streit­fall den unbe­stimm­ten Rechts­be­griff einer "Ver­an­stal­tung" von Thea­ter dahin­ge­hend gewür­digt, dass die Klä­ge­rin auf­grund des Auf­tre­tens im eige­nen Namen durch den Auf­druck auf den Thea­ter­kar­ten "… Tou­ris­tik prä­sen­tiert …" und die vol­le Über­nah­me des wirt­schaft­li­chen Risi­kos sowie der Bereit­stel­lung eines per Han­dy erreich­ba­ren Mit­ar­bei­ters der Klä­ge­rin Ver­an­stal­ter einer Thea­ter­vor­stel­lung gewor­den ist und nicht nur die Stel­lung eines Kar­ten­käu­fers inne gehabt hat. Die­se Wür­di­gung ist jeden­falls mög­lich. Revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den und mit­hin gemäß § 118 Abs. 2 FGO für den Bun­des­fi­nanz­hof bin­dend.
Soweit sich das Finanz­amt dar­auf beruft, dass der BFH zur Steu­er­ermä­ßi­gungs­vor­schrift des § 12 Abs. 2 Nr. 7 UStG a.F. den Begriff der Ver­an­stal­tung ein­schrän­kend dahin­ge­hend aus­ge­legt hat, es sei zusätz­lich erfor­der­lich, dass der Ver­an­stal­ter "die orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men dafür trifft, dass Thea­ter­vor­füh­run­gen abge­hal­ten wer­den kön­nen, wobei er die Umstän­de, den Ort und die Zeit sei­ner Dar­bie­tun­gen selbst bestimmt" 6, ist dies nicht auf § 4 Nr.20 Buchst. a UStG zu über­tra­gen. Denn es ent­spricht dem Sinn und Zweck der Vor­schrift, die Ein­tritts­prei­se von Thea­tern als Teil der Kul­tur nicht mit Umsatz­steu­er zu belas­ten. Dem ent­spricht die richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 4 Nr.20 Buchst. b UStG am Maß­stab des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. n der Richt­li­nie 77/​388/​EWG. Danach ist davon aus­zu­ge­hen, dass der natio­na­le Gesetz­ge­ber auch die Ver­an­stal­ter der Thea­ter­vor­füh­run­gen und Kon­zer­te ‑bei denen die Dar­bie­tun­gen von den in § 4 Nr.20 Buchst. a UStG genann­ten Unter­neh­mern erbracht wer­den- i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. n der Richt­li­nie 77/​388/​EWG als Ein­rich­tung aner­kennt. Dem­ge­gen­über beruht § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG uni­ons­recht­lich auf Art. 12 Abs. 3 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG i.V.m. Anhang H Nr. 7. Mit Blick auf die nach dem Uni­ons­recht bestehen­den Unter­schie­de ist eine ein­heit­li­che Aus­le­gung von § 4 Nr.20 Buchst. b UStG und § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG nicht mög­lich, so dass es auch auf die zu § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG ergan­ge­ne BFH-Recht­spre­chung nicht ankommt.
Der Bun­des­fi­nanz­hof weicht damit nicht von den Grund­sät­zen des Urteils vom 03.06.2009 7 ab, in dem er zu § 3a Abs. 2 Nr. 3 Buchst. a UStG ("kul­tu­rel­le, künst­le­ri­sche … oder ähn­li­che Leis­tung ein­schließ­lich der jewei­li­gen Ver­an­stal­ter") beim Zwi­schen­han­del mit Ein­tritts­kar­ten für Rei­se­ver­an­stal­ter ent­schie­den hat, Ver­an­stal­ter sei der­je­ni­ge, der die bezeich­ne­ten künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten im eige­nen Namen und für eige­ne Rech­nung einem grö­ße­ren Publi­kum zugäng­lich macht und die orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men dafür trifft, dass die Ver­an­stal­tung statt­fin­den kann, dabei die Umstän­de, den Ort und die Zeit sei­ner Dar­bie­tun­gen selbst bestimmt, da die­se Ent­schei­dung nicht zu § 4 Nr.20 Buchst. b UStG ergan­gen ist. Eine ein­heit­li­che Aus­le­gung ist im Hin­blick auf die jeweils eigen­stän­di­gen Rechts­grund­la­gen die­ser Vor­schrif­ten im Uni­ons­recht (Art. 5 und Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. n der Richt­li­nie 77/​388/​EWG) nicht mög­lich.
Bei einer Pau­schal­rei­se ist außer­halb des Anwen­dungs­be­reichs der Mar­gen­be­steue­rung (§ 25 UStG) die Ver­an­stal­tungs­leis­tung vom Thea­ter nicht untrenn­ba­rer Teil der Rei­se­leis­tung 8. Zwar gilt nach der Son­der­re­ge­lung des § 25 Abs. 1 Satz 4 UStG etwas ande­res, wenn die Vor­schrift über die Mar­gen­be­steue­rung anwend­bar wäre, da nach die­ser Vor­schrift der Leis­tungs­ort auch bei einer Rei­se­leis­tung über die Gren­ze ein­heit­lich (auch hin­sicht­lich des Aus­lands­an­teils) nach dem Sitz des Rei­se­un­ter­neh­mers bestimmt wird (§ 25 Abs. 1 Satz 4 i.V.m. § 3a Abs. 1 UStG). Die Anwen­dung die­ser Vor­schrift schei­tert jedoch im Streit­fall dar­an, dass die Leis­tung der Klä­ge­rin nicht ‑wie in § 25 UStG vor­aus­ge­setzt- an "Rei­sen­de", son­dern an ande­re Unter­neh­mer aus­ge­führt wur­de. Zwar hat inzwi­schen der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on mit Urteil vom 26.09.2013 9 ent­schie­den, dass Art. 26 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG über die Mar­gen­be­steue­rung bei der Erbrin­gung von Rei­se­leis­tun­gen unab­hän­gig von der Unter­neh­mer­ei­gen­schaft des Leis­tungs­emp­fän­gers anzu­wen­den ist. Die Klä­ge­rin hat sich jedoch auf die­se Vor­schrift nicht beru­fen, sodass es ohne die Anwen­dung des § 25 UStG bei der Ein­zel­be­trach­tung der Leis­tun­gen ver­bleibt. Somit ist die Umsatz­steu­er auf die nach § 4 Nr.20 Buchst. b UStG steu­er­freie Ver­an­stal­tung der Thea­ter­leis­tun­gen her­aus­zu­rech­nen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Novem­ber 2013 – V R 33/​10
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Bericht des Finanz­aus­schus­ses vom 30.03.1967, BT-Drs. V/​1581 S. 5[↩]
Elf­tes Gesetz zur Ände­rung des Umsatz­steu­er­ge­set­zes vom 16.08.1961, BGBl I 1961, 1330[↩]
vgl. hier­zu schon BFH, Urteil vom 24.03.1960 – V 158/​58 U, BFHE 71, 79, BSt­Bl III 1960, 277[↩]
BGBl I 1967, 545, 548[↩]
BT-Drs. V/​1581 S. 13[↩]
BFH, Urteil vom 26.04.1995 – XI R 20/​94, BFHE 177, 548, BSt­Bl II 1995, 519[↩]
BFH, Urteil vom 03.06.2009 – XI R 34/​08, BFHE 226, 369, BSt­Bl II 2010, 857[↩]
BFH, Urteil vom 20.11.1975 – V R 138/​73, BFHE 118, 99, BSt­Bl II 1976, 307[↩]
EuGH, Urteil vom 26.09.2013 – C‑189/​11, Kom­mis­si­on/​Spa­ni­en, UR 2013, 835[↩]
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References: § 4
 § 4
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 § 4
 Art. 13
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 118
 § 12
 § 4
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 Art. 13
 § 4
 Art. 13
 § 12
 Art. 12
 § 4
 § 12
 § 12
 § 3
 § 4
 Art. 13
 § 25
 § 3
 § 25
 Art. 26
 § 25
 § 4