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Timestamp: 2017-08-18 02:54:35+00:00

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Neuhof – a.d.Weser -Rittergut | Genealogie Becker
Die Voigt´sche Familienstiftung Gut Neuhof
Die Geschichte von Gut Neuhof an der Weser und der Familie Voigt wird ausführlich von
B.-W.Linnemeier dargestellt. Die hier folgenden Aufzeichnungen sind vor allem Auszüge aus den
“Berichten über den Familientag zu Neuhof” aus den Jahren 1925 bis 1932, die hauptsächlich auch die Probleme der Nachkriegs- und Inflationsjahre behandeln, sowie die Auflösung der Stiftung 1932.
Diese Zusammenstellung wurde von mir 1999/2001 verfasst, ohne Kenntnis der Arbeit von Dr.Linnemeier aus 1992. Die Originalurkunden, die Linnemeier nicht einsehen konnte, waren 1943 im Hause von Prof.Dr.med. Adolph Becker in Hannover durch Bombeneinwirkung vernichtet. Bei der Auflösung der Familienstiftung 1932 wurden jedoch Teile der Urkunden von Fritz Becker fotografiert. Diese Amateurfotos zeigen noch wichtige Unterschriften und Teile der Originalurkunden. Die Fotos sind hier entsprechend eingefügt.
Neuhof und seine Geschichte
– Die Vorfahren des Stiftungsgründers.
Die Voigts stammen aus Sachsen, wo sie in Quedlinburg seit 1477 mehrfach Bürgermeister und Ratsherrn, auch Offiziere waren. Jacob Voigt (1600-1681) wurde herzogl.-braunschweigisch-lüneburg. Oberamtmann in Schloß Ricklingen und Neustadt a. Rbge. Dessen ältester Sohn Johann Georg folgte dem Vater in den Ämtern, vermählte sich mit Dorothea Ilse Cumme, Tochter des Amtmanns Hermann Cumme zu Barsinghausen und stellte damit die erste Verbindung der Voigts mit dem späteren Stamm Cumme her. Von seinen sieben Kindern war das älteste, Katharina, mit dem braunschw.-lüneburg. Ober-Amtmann Wedemeyer in Lauenstein vermählt (vgl. Stamm Wedemeyer); Joh. Heinrich war braunschw.-lüneburg. Oberamtmann zu Harzburg, später Catlenberg; Jobst Friedrich wurde der Begründer unserer Stiftung; 2 Töchter starben unverheiratet; Hermann Ludwig war braunschw.-lüneburg. Ober-Amtmann zu Coldingen und Arnold Christian war Kgl.-preuß. Ober-Amtmann zu Egeln.
Joh. Georg erwarb das alte Herrengut Schloß Ricklingen, wo er die Kirche erbaute und Stifter des Patronats über die Kirche und Schule wurde, so wie das Rittergut Neuhof und legte somit den Grund für die spätere Stiftung. Er war geboren 6.2.1646 zu Schloß Ricklingen, starb daselbst 18.12.1707, wurde dort in seiner Kirche beigesetzt und machte Kirche und Friedhof zur Erbbegräbnisstätte für die Familie Voigt.
17 Särge stehen in der Gruft unter dem Turm.
Geschichte von Neuhof.
Neuhof hat seinen Ursprung in der Vorburg, die zu der 1346 vom Bischof von Minden zum Schutz gegen die Grafen von Hoya am linken Weserufer erbauten Schlüsselburg gehörte. Sie war Mindener Lehen, zunächst im Besitz der Familie von Mandelsloh, dann, über 200 Jahre, der Familie von Klencke. 1594 verlegte die Witwe des Johann Ludolf von Klencke, Sophie, geb. von Saldern, den Burghof gegenüber auf das rechte Weserufer, wo auf dem s.g. Hühnerberg schon ein Vorwerk bestand, und nannte die Neuanlage Neu-Hoff. Eine Mindener Urkunde aus dem 16. Jahrhundert besagt über dieses Gut: “Das Gut Neuhof ist ein adelig, freies, landtagfähiges Rittergut, so von Ämtern und Untergerichten gar nicht dependieret und nur von denen Obergerichten und Landesregierung Befehle und Verordnungen annimmt. Auch kann das Amt Schlüsselburg auf dem Hofe Niemanden ohne höheren Befehl arretieren und bestrafen lassen”. Wirtschaftlicher Rück-gang und Verwüstung im 30jährigen Krieg veranlaßten eine nochmalige Verlegung und zwar an den jetzigen Platz. In dem später ausbrechenden Konkurs erwarb 1666 Landrat Idel von Schorlemer das Restgut, von dem es am 20.8.1697 Joh. Georg Voigt (s. oben) käuflich erstand.
Kaufvertrag 20.08.1697
Neuhof im Besitz der Familie Voigt
und wurde durch Erneuerung und Ausbau der Gebäude, Abschluß der gesamten Anlage und Ankauf von Grundstücken erweitert und gefestigt. Nach des Vaters Tod haben seine 4 Söhne das Gut wechselseitig verwaltet, bis es durch Teilungsvertrag vom 20.5.1747, nachdem 1717 durch König Friedrich Wilhelm III. die Lehnbarkeit aufgehoben war, in den
Teilungsvertrag vom 20.05.1747
Alleinbesitz des Jobst Friedrich Voigt (1681-1755)
zum Preis von 28000 Thlr. überging und damit seine Glanzzeit erreichte. Jobst Friedrich, braunschweigisch-lüneburger Ober-Amtmann zu Westen, war eine hochgebildete, umsichtige, tatkräftige, fromme, in juristischen wie landwirtschaftlichen Dingen erfahrene, arbeits- und schreibfreudige Persönlichkeit, die zielbewußt und beherrschend im großen Besitz und reichen Familienkreis wirkte. Er war dreimal verheiratet (Anna Sofie Freyenhagen, Tochter des Glashüttenbesitzers und Bürgermeisters Freyenhagen zu Uslar 1710-1721; Luise von Meyersfeld, Tochter des Majors von Meyersfeld zu Oldenburg 1722-1724; Eleonore Marie Chappuzeau, Tochter des hannoverschen Geheimsekretärs Chappuzeau 1726-1775) und hatte aus diesen Ehen 14 Kinder. 7 überlebende Töchter verheirateten sich und bildeten die 7 Stämme Behre, Wedemeyer, Horst , Cumme (1.Ehe), von Strauß (2. Ehe), Stille und Wermuth (3.Ehe). Die Stämme Horst *** und von Strauß starben aus.
Planmäßige weitere Grundstücksankäufe und Verbesserungen, Ablösung von Verpflichtungen (Zehnten), sparsame und doch weitherzige Verwaltung machten Neuhof zu einem wertvollen Besitz, den der Familie zu erhalten des Gutsherrn begreiflicher Wunsch war. Mangels eines männlichen Erben machte er daher Neuhof zu einer Familienstiftung und zwar durch eine Stiftungsurkunde vom 27.11.1748 und ein Additamentum (Ergänzung) dazu vom 10.6.1754. Diese regeln die allgemeine Verwaltung, so die Wahl von Stammes-Senioren durch die volljährigen Stammesmitglieder, die Wahl von 2 Vorstehern als eigentlich verantwortliche Verwalter der Stiftung durch alle volljährigen Stiftungsmitglieder, die Verteilung etwaiger Überschüsse unter die Stämme; verbieten Schulden zu machen, Hypotheken aufzunehmen, das Gut in einzelnen Stücken oder im ganzen zu verkaufen und treffen viele Einzelbestimmungen. Ein besonderes Testament vom 12.2.1752 bestimmt die Verteilung des Barvermögens an die Töchter im Verhältnis zu dem von den 3 Frauen eingebrachten Brautschatz von je 6000, 2000 und 3000 Thlr. und ernennt die beiden ersten Schwiegersöhne, Ober-Amtmann Wedemeyer und Amtmann Cumme für den Fall des Ablebens des Stifters zu Assistenten der Mutter und diese selbst zur unbeschränkten Besitzerin von Neuhof. Als Jobst Friedrich am 22.9.1755 die Augen, 74 jährig, schloß und in Schloß Ricklingen beigesetzt war, bot Neuhof das Bild eines wohlgeordneten Besitzes und vornehmen Reichtums. Das blieb auch, als
Neuhof unter der Verwaltung der Witwe Eleonore Voigt
Vergleich vom 05.10.1755
stand, die sie 20 Jahre lang, unterstützt durch die beiden Schwiegersöhne, Ober-Amtmann Wedemeyer und Reg.-Assessor von Strauß, die sie gleich nach dem Tode ihres Gatten durch einen am 5.10.1755 zu Westen geschlossenen Vergleich für den Fall ihres Ablebens zu Vorstehern ernannte, und ihren bewährten Verwalter Dammeyer, gewissenhaft und tatkräftig führte. In einem Rezeß vom 14.5.1756 regelte sie mit den 7 Töchtern die Verwendung der vorhandenen Kapitalien. Ein großer Brand i. J. 1768 brachte schwere Sorgen und machte die Aufnahme von 3000 Thlr. zur Wiederherstellung der Gebäude nötig. Die große Teilnahme während langer, schmerzvoller Erkrankung, bei Eintreten des Todes am 27.6.1775, die Aufbahrung und Trauerfeier in Neuhof, bei der feierlichen Überführung nach Schloß Ricklingen und der ergreifenden Beisetzung daselbst war ein Beweis für die Verehrung, die sie genoß. Die Gruft an der Friedhofsmauer in Schloß Ricklingen birgt unter schweren Decksteinen die Särge von Jobst Friedrich inmitten seiner 3 Frauen.
Von nun an ist
Neuhof als Familienstiftung,
nicht als Fideikommiß, anzusehen und wird seitdem verwaltet nach den Bestimmungen der Stiftungsurkunde nebst Additamentum in der Weise, daß die beiden Vorsteher als die eigentlich Verantwortlichen die Stammes-Senioren zu denVerwaltungskonferenzen zuziehen, mit ihnen beraten, aber die Beschlußfassung selbst ausüben. Jeder Vorstehen wird auf 6 Jahre gewählt. Er ist 3 Jahre zweiter Vorsteher und dann 3 Jahre erster, sodaß alle 3 Jahre die Stelle des zweiten Vorstehers frei wird und durch Neuwahl wieder besetzt werden muß. Bei einer Zusammenkunft der Erben zu Neuhof September 1775 wurde in diesem Sinne verfahren und eine Inventuraufnahme gemacht. Mehrmals ist seitdem der Gedanke des Verkaufs des Gutes und der Auflösung der Stiftung in den Vordergrund getreten – zuerst schon 1783, zuletzt 1920 -, weil mit jeder neuen Generation die Mitgliederzahl und die Schwierigkeiten wuchsen, aber die gesetzlich erforderliche Voraussetzung dazu, nämlich Einstimmigkeit aller Erbberechtigten war nie zu erzielen. Neuhof hat schwere Zeiten durchgemacht. Die politischen Erschütterungen der Befreiungskriege, Mitte des vorigen Jahrhunderts, des furchtbaren Weltkrieges, haben ihre fühlbaren Spuren jedesmal hinterlassen.
Fast alle Familienstämme haben sich an die Vorgabe von Jobst Friedrich Voigt gehalten und alle Nachkommen der Töchter-Stämme, entsprechend an den Einkünften beteiligt. Das führte dazu, daß die Erträge für die einzelnen Nachkommen vor der Auflösung der Stiftung – so überhaupt noch Erträge vorhanden waren – zum Teil nur noch im einstelligen RMark-Bereich lagen und keiner der Nachkommen auch nur das geringste Interesse an Investitionen im Gut hatte. Diese Probleme hatte aber offensichtlich die Ahnfrau Dorothea Charlotte Wedemeyer, geb. Voigt, und ihr Mann, Hermann Christian Wedemeyer vorausgesehen. In einem Testament von 1757, von beiden unterschrieben, verfügten sie, daß nur jeweils der älteste männliche Nachkomme Wedemeyer die Einkünfte erhalten sollte, dafür aber auch nach Möglichkeit sich um das Gut kümmern sollen. Sollten die männlichen Wedemeyer-Nachkommen aussterben, sollten die weiblichen Linien folgen. Die letzten Wedemeyer-Beteiligten waren Adolph Wedemeyer, Minister in Hannover, dann Sohn Rudolph, Kaufmann in Manchester, danach dessen ältester Sohn Charly. In einem Brandbrief 1914 an Charly Wedemeyer machte ihn sein Vetter Rolf Becker, der für ihn die Seniorats-Vertretung übernommen hatte, darauf aufmerksam, daß durch irgendwelche neuen Gesetze die Inhaber derartiger Besitzstände die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen mußten. Die Wedemeyers reagierten nicht mehr, im Krieg, bzw. danach legten sie auch den Namen Wedemeyer ab und nahmen die Namen der Frauen bzw. der Mutter Barraclough an. Im Testament der Ahnfrau Dorothea Charlotte bestimmte sie für Ihren Zweig auch, dass an im Ausland lebende Nachkommen keine Erträge ausgeschüttet werden sollten.
So blieben als Beteiligte des Stammes Wedemeyer nur die Nachkommen der Schwester von Rudolph Wedemeyer, Therese Wedemeyer, verh. mit Hermann Becker.
Die finanziellen Verhältnisse.
Seit Bestehen der Stiftung ist zweimal der Versuch gemacht, das Gut in eigene Bewirtschaftung zu nehmen. Es hat sich aber nicht bewährt und ist daher zugunsten des Verpachtungsverfahrens aufgegeben. Der Pachtzins ist die so gut wie einzige Einnahme. Jedesmal in der Julikonferenz der Vorsteher und Senioren wird ein Voranschlag für das mit dem 1. Juli beginnende Rechnungsjahr aufgestellt, der die Richtschnur bildet für die Ausgaben. Alle Voranschläge und Abrechnungen seit 1775 sind vorhanden und im Archiv aufbewahrt. Während früher die Pächter oder Vorsteher die Rechnung führten, wurden später besondere Rechnungsführer damit betraut: 1844 Gerichts-Assessor Rehling (Petershagen); 1849 Rechnungsrat Sander (Minden); 1872 Stadtkämmerer Cumme (Osterode); 1912 Hauptlehrer Schroeder (Mennighüffen i.W.). Bis vor 3 Jahren wurde jährlich ein Ueberschuß (s.g. Kompetenz) in gleichen Teilen an die einzelnen Stämme verteilt, die sie ihrerseits an die Einzelzweige abführten. Es war dies möglich, weil die Stiftung früher ein Barvermögen ((Wertpapiere) im Nennwert von 92.000 Mk. mit 3600 Mk Zinsen besaß, das aber ein Opfer der unglückseligen Inflation wurde. Dieser Verlust und die ungeheure steuerliche Belastung des Grundbesitzes in der Jetztzeit machen eine Gewinnverteilung leider für absehbare Zeit unmöglich. Weitgehendes Entgegenkommen des Pächters und kleine Erleichterungen, die hier und da durch Eingaben an die Steuerbehörden erreicht werden, berechtigen zu der Hoffnung, daß die Stiftung über die schwersten Zeiten hinkommen wird.
Die Entstehung der Neuhofer Gegend hat geologische Verhältnisse mit sich gebracht, die eine große Mannigfaltigkeit in der Güte des Bodens zeigen, vom schweren Marsch- bis zum leichtesten Sandboden. Der fettere Boden ist leider in dem noch zerstückelten Gelände der Gemarkung Schlüsselburg. Die Zerstückelung rührt her aus den Resten des einst dort gelegen Gutes (s. oben) und aus späteren Einzelankäufen. Sie ist von jeher eine große und zeitraubende Erschwerung der Bewirtschaftung gewesen und hat stets auch auf die Höhe des Pachtzinses herabdrückend gewirkt. Es sind daher wiederholt Versuche gemacht, eine Verkoppelung durchzuführen, sie sind aber, zuletzt 1923, an einstweilen unüberwindlichen Schwierigkeiten, besonders den hohen Kosten, gescheitert. Dagegen hat neuerdings ein widerruflicher Austausch an einigen Stellen stattgefunden, um einigermaßen Abrundungen zu ermöglichen, und ein vor 2 Jahren auf der 4 – 5 km entfernt liegenden Schlottmarsch erbauter Futterschuppen bietet für die Arbeitspausen Unterkunft und spart Zeit und Kräfte. Wenn durch den Bau der Bahn Minden-Nienburg ein das Neuhofer Wiesengelände durchziehender tiefer Einschnitt auf das Grundwasser schädigend eingewirkt und bei nur einer über den Einschnitt führenden Brücke gewisse Verkehrserschwernisse mit sich gebracht hat, so findet das seinen Ausgleich in den Vorteilen, die die Bahn im allgemeinen auch für Neuhof bietet. So hängt bei der Eigenart der Neuhofer Verhältnisse immer viel von der Persönlichkeit des Pächters ab. Der jetzige Pächter, Herr Meyer, der die Pacht seit 1904 inne hat und dessen Vertrag bis 1930 läuft, hat in rechter Erkenntnis der Verhältnisse die Ackerwirtschaft mit gutem Erfolg in Viehwirtschaft umgestellt und bewirtschaftet überhaupt das Gut in einer Weise, daß ihm volle Anerkennung dafür gebührt, und das die Stiftung allen Grund hat, ihm mitzuhelfen, über die augenblickliche Notzeit hinwegzukommen.
Die rechtlichen Verhältnisse
Die Stiftung verwaltet sich selbst nach den Bestimmungen der Stiftungsurkunde, hat aber als Aufsichtsbehörde, wie jede öffentliche Stiftung, ein Amtsgericht, und zwar das zu Petershagen (Weser). Die Stiftungsurkunde bestimmt, daß sowohl die Stammessenioren wie die beiden Vorsteher von den volljährigen Stammes- bzw. Stiftungsmitgliedern gewählt werden. Der Einfachheit halber, weil mit der zunehmenden Zahl der Stiftungsmitglieder die Durchführung der Vorsteherwahl immer schwieriger geworden wäre, wurden sehr bald nach Inkrafttreten der Stiftung die Senioren von ihren Stämme bevollmächtigt, die Wahl der Vorsteher zu tätigen, ein Verfahren, welches sich durchaus bewährt hat und als allein möglich erscheint, allerdings in der Stiftungsurkunde keine Begründung findet. Nun hat der preußische Landtag am 10. Juli 1924 (G.S.S.575) ein Gesetz verabschiedet, welches dem Vorstand solcher Stiftung wie die Voigt´sche, also in unserem Falle den beiden Vorstehern sehr weitgehende Befugnisse in Zusammenwirken mit der Aufsichtsbehörde verleiht, so u.a. die, die Stiftungsurkunde unter Wegfall der bisherigen unüberwindlichen gesetzlichen Schwierigkeiten aufzuheben und zeitgemäß umzugestalten. Bei diesen veränderten Verhältnissen hatte die Aufsichtsbehörde Bedenken dahingehend, daß auch die augenblicklich amtierenden beiden Vorsteher durch ein in der Stiftungsurkunde nicht vorgesehenes Wahlverfahren in ihr Amt berufen seien und u.U. in ihrer Tätigkeit angefochten werden könnten. Es blieb daher kein anderer Ausweg, als auf einem Familientag, zu dem alle Stiftungsmitglieder ordnungsgemäß eingeladen wurden und auf dem die Volljährigen ihr Wahlrecht auszuüben Gelegenheit fanden, die noch nach dem bisherigen Verfahren gewählten Vorsteher zu bestätigen oder eine Neuwahl durch die erschienen wahlberechtigten Mitglieder vornehmen zu lassen.
– (Die bisherigen Vorsteher, Pastor Cumme, Schloß Ricklingen und Studiendirektor a.D. Siebert, Kassel, wurden als Vorsteher einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Sie waren nunmehr im Sinne der Stiftungsurkunde als gewählt anzusehen).
Daraufhin übernahm P. Cumme wieder den Vorsitz und führte einen Familienschluß über das in Zukunft einzuschlagende Verfahren bei der Vorsteherwahl herbei. Auch hier wurde mit Einstimmigkeit beschlossen: “Der §10 der Stiftungsurkunde erhält folgenden Wortlaut: Die jeweiligen Stammes-Senioren wählen die Vorsteher.”
1925 waren die Stammes-Senioren:
Stamm Cumme : Pastor Hermann Cumme, Schloß Ricklingen. 1. Vorsitzender
Stamm Behre : Studiendirektor a.D. Otto Siebert, Kassel, 2. Vorsitzender
Stamm Stille : Hauptlehrer Schroeder , Mennighüffen, Krs. Herford i.W., Rechnungsführer
Stamm Wedemeyer: Landesökonomierat Rolf Becker, Hannover
Stamm Wermuth : Polizei-Major Wermuth, Marienwerder
Wirtschaftliche Probleme / Satzungsänderungen
Die Größe des Familiengutes Neuhof betrug 1922 rund 700 Morgen.
” ..daß 2 von den 5 Stammessenioren als Vorsteher der Stiftung die eigentliche Verwaltung führen und zu dem Zweck jährlich im Juli eine Seniorenkonferenz auf Neuhof abhalten, um die Rechnungslegung, Ausbesserung an Gebäuden, Felderbesichtigung und überhaupt die laufenden Geschäfte des rund 700 Morgen umfassenden Familiengutes zu erledigen. Lange Jahrzehnte beschränkte sich die Arbeit im wesentlichen auf diese Punkte, bis zwei Ereignisse – der seit 1917 in 14 Meter tiefem Einschnitt die Gutswiesen durchschneidende Bau der an sich zu begrüßenden Staatsbahn Minden-Nienburg und der Weltkrieg mit seinen verheerenden Folgen, besonders der trostlosen Geldentwertung – tiefgreifende Veränderungen und schwere Sorgen brachten. Der genannte Bahneinschnitt hat den betroffenen Weidewiesen und Brunnen das Grundwasser entzogen. Wenn auch die Bahnverwaltung zum Ausgleich auf ihre Kosten ein Pumpwerk mit Rohrleitungen angelegt hat, so schweben doch seit Jahren noch die arbeitsreichen Verhandlungen über Entschädigung für die Grundwasserentziehung und die Betriebsführung, Erhaltung und Kapitalisierung des Pumpwerks. Die Geldentwertung hat eine ungeheure Verteuerung der Gutserhaltung und Verwaltung zur Folge, die auch durch die namhaften, jährlich neu sich regelnde Pachterhöhung – der Pachtvertrag des jetzigen Pächters läuft von 1912 – 1930 – kaum ausgeglichen werden.
“In den Tagen vom 23. bis 26. Juli d.J. (1927) hat der nach der neuen Satzung nunmehr bestehende Familienrat der Stiftung (die Senioren der 5 Stämme) zum erstenmal, und zwar in Neuhof, getagt.” (2) Hierbei wurden Erläuterungen und Ergänzungen der Satzung per 1. Januar 1927 beschlossen.
” Die in den §§ 3 und 4 geforderte “amtliche” Beglaubigung der Urkunden (Abschriften von Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden, sowie Beglaubigung der Wahlzettel) braucht nicht notariell zu sein. Es genügt vielmehr die Beglaubigung durch irgend eine zur Führung eines Dienstsiegels berechtigte Persönlichkeit (Standesamt, Pfarramt, Polizei u.a.)
Nach § 4 werden die Stammes-Senioren durch geheime Wahl auf Lebenszeit gewählt. Dabei ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die Stämme nötigenfalls einen Senior zur Niederlegung seines Amtes veranlassen können. – Die Wahl der Stellvertreter geschieht auf dieselbe Weise wie die der Senioren, schließt jedoch nicht ohne weiteres das Recht der Nachfolge als Senior in sich. Die Stellvertreter sind auch nicht ohne weiteres zur Teilnahme an den Sitzungen des F.-R. berechtigt, sondern nur im Falle der Verhinderung des Seniors und auf Berufung durch den ersten Vorsteher.Die nötige Fühlungnahme bleibt zunächst der Vereinbarung zwischen dem Senior und seinem Stellvertreter überlassen. Sie wird aber auch dadurch zu erreichen gesucht, daß die Stellvertreter abwechselnd zu den Sitzungen des F.-R. herangezogen werden. – Die Wahl der Vorsteher erfolgt gleichfalls durch geheimes Verfahren. – Die Sitzungen des F.-R. sind nicht öffentlich, d.h. die Stiftungsmitglieder sind nicht mehr, wie es die Stiftungsurkunde bei noch wesentlich geringerer Mitgliederzahl für die Verwaltungssitzungen in Neuhof zuließ, ohne weiteres zur Teilnahme berechtigt.
Für 1927 bis 1930 wurde der bisherige zweite Vorsteher, Studiendirektor a.D. Siebert (Kassel) zum ersten, der bisherige erste Vorsteher, Pastor Cumme (Schloß Ricklingen) zum zweiten Vorsteher gewählt.
In Zukunft wird ein Stellvertreter gemäß § 4 der Satzung jedesmal gleichzeitig mit dem Senior gewählt. Da die Einrichtung der Stellvertreter bisher noch nicht bestand, müssen sie nunmehr gewählt werden. ..
Vorgeschlagen werden als Stellvertreter:
1. Für den Stamm Behre : Georg Behre, Amtsanwalt a.D. zu Herford i.W.
2. “ “ “ Cumme: Dr.med. Heinz Cumme, Arzt zu Delligsen bei Alfeld (Leine)
3.” “ “ Wedemeyer: Fritz Becker, stud.arch., Hannover-Kleefeld, Schopenhauerstr.
4.” “ “ Stille : Kurt Jardon, Hauptmann a.D., Haßlinghausen, Bezirk Dortmund,
5.” “ “ Wermuth : noch unbestimmt.
Ein Mitgliederverzeichnis soll aufgestellt werden. Personalzettel werden zum Versand gebracht.
Ein Mitgliederverzeichnis -Neuhof 1930 nach dem Stande vom 15. Januar 1929, mit Änderungen bis zum 15. Februar 1930, wird an alle 232 volljährigen Mitglieder verschickt.
Die Auflösung der Familienstiftung.
“Der §5 unserer Stiftungssatzung vom 1. Januar 1927 lautet im letzten Absatz:
Sollte der FR beschließen , das Gut im Ganzen zu verkaufen, so hat er diesen Beschluß, bevor in ernstliche Verhandlungen eingetreten wird, allen Stiftungsmitgliedern, die im Mitgliederverzeichnis eingetragen sind und in Deutschland ihren Wohnsitz haben, mitzuteilen mit der Anheimgabe, als Mitbewerber aufzutreten und gegebenfalls das zum Ankauf erforderliche Vermögen nachzuweisen.
Um mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Not der Zeit nichts zu versäumen, sieht sich der zur satzungsmäßigen Jahressitzung in Neuhof anwesende Familienrat veranlaßt, schon jetzt gemäß § 5 zu handeln und bittet zutreffendenfalls um Nachricht an den unterzeichneten ersten Vorsteher bis zum 15. September d.J. …”
“Am 18. September 1931 hat der Familienrat (F.R.) unserer Stiftung an die Stiftungsmitglieder ein Rund-schreiben gerichtet, in dem auf Grund des § 5 der Satzung angefragt wurde, ob im Falle des Verkaufs des Familiengutes Neuhof irgend ein Mitglied als Mitbewerber aufzutreten beabsichtige. Wie aus Äußerungen, die aus diesem Anlaß an uns gekommen sind, geschlossen werden muß, ist vielfach unter den Mitgliedern die Auffassung dahin gegangen, daß der Verkauf in den Bereich der Möglichkeit oder gar in greifbare Nähe gerückt sei. Diese Möglichkeit, die bei Versendung des Schreibens noch in weiter Ferne zu liegen schien, ist unerwartet zur Tatsage geworden.
Der Besitzer der großen Bleiche “Windelsbleiche”, bei Bielefeld, Herr Windel, hat Anfang November vorigen Jahres das Neuhof unmittelbar benachbarte Rittergut Schlüsselburg käuflich erworben. Da dessen Ländereien weitgehend mit denen Neuhofs ineinandergreifen, richtete der Käufer sein Augenmerk auch auf Neuhof, um durch den Erwerb beider Güter eine bessere Ausgleichung (“Arrondierung”) der Grundstücke und dadurch eine vorteilhaftere Bewirtschaftung zu erzielen.
Aus diesen Erwägungen heraus nahm ein Beauftragter des Herrn Windel am 8. November vorigen Jahres mit dem landwirtschaftlich-sachverständigen Mitglied des F.R., Regierungs- und Kulturrat a.D., Landesökonomierat Becker, Hannover, Fühlung, die zur Aufforderung zu einem schriftlichen Kaufangebot und des weiteren zu einer Sitzung des F.R. am 27. November 1931 in Hannover führte.
Diese Sitzung brachte erneut einen zusammenfassenden Überblick über die Lage der Stiftung, die den F.R. schon so oft beschäftigt hatte, und den entscheidenden Beschluß zur Weiterverfolgung der Verkaufsverhandlungen.
Die Stiftungsmitglieder haben Anspruch darauf, die Erwägungen und Gründe kennen zu lernen, aus denen der F.R. seine Entschließung gefaßt und schließlich den Verkauf des Familiengutes getätigt hat. Es sei daher folgendes gesagt:
Nach dem Gesetz vom 24 Juni 1924 ist der Vorstand einer Stiftung, in unserem Falle also der Familienrat, berechtigt, im Zusammenwirken mit der Aufsichtsbehörde (Amtsgericht) die ursprünglichen Zwecke einer Familienstiftung umzuändern und gegebenenfalls die Stiftung aufzulösen. Von diesem Recht hat der F.R. Gebrauch gemacht.
Bis zum Jahr 1922 waren die Neuhofer Verhältnisse, wenn man von dem unaufhaltsamen fort-schreitenden Verfall der Gebäude absieht, im allgemeinen normal, sodaß noch im Sommer dieses Jahres 1922 der jährliche Gewinnanteil aus Pacht- und einigen Zinseinnahmen, in Höhe von je 1000 Mark an die einzelnen fünf Stämme (Behre, Cumme, Wedemeyer, Stille, Wermuth) verteilt werden konnte. Das war von da an nicht mehr möglich, sodaß der eigentliche Zweck unserer Stiftung, zumal bei der mit jeder Generation zuneh-menden Mitgliederzahl und Zersplitterung, nicht mehr erreicht wurde. Es kamen dann die traurigen Zeiten der Inflation und allgemeinen Verwüstung, von denen auch Neuhof nicht verschont blieb. Bis dahin nicht gekannte Steuern wie Rentenbank-zinsen, Körperschaftsteuer, wesentliche Erhöhung der Vermögens-, Grundvermögens-
und Gemeindesteuern wurden insbesondere der
Landwirtschaft aufgebürdet, belasteten unsere Stiftung in außerordentlichem Maße und zwangen auch unseren Pächter, Kredite aufzunehmen. 1928 erklärte er, keine Pacht mehr zahlen zu können. Um ihn aus wirtschaftlichen und allgemein menschlichen Gründen nach 24jähriger Pächterbewährung zu stützen, hat ihm von da an der F.R. die Pacht in Höhe von 6000 RM., ferner den vertragsmäßigen Aufbesserungsanteil von 10 Prozent der Pacht = 600 RM. und die ebenfalls vertragsmäßig übernommene Verzinsung und Abtragung einer durch Kuhstallumbau hervorgerufenen Bausumme in Höhe von jährlich rund 2000 RM. gestundet, wofür der Pächter in einem notariellen Sicherungsübereignungsvertrag seines gesamten Inventars die Stiftung sicherstellte. Die Stiftung konnte dies tun, weil ihr ein Kapital von 13.000 RM. mit damals sehr hohem Ausleihzins zur Verfügung stand, das sie als Enteignungsabfindung von der Eisenbahnverwaltung aus Anlaß des Baues der Bahn Minden-Nienburg 1925 erhalten hatte, und weil sie begründete Hoffnung hegen konnte, durch Verkauf einiger entbehrlicher Einzelgrundstücke weitere Mittel in die Hand zu bekommen. Leider nahm infolge der stets wachsenden politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Entwicklung der Dinge einen anderen Lauf.
Die allgemeinen Schulden des Pächters stiegen in erdrückendem Maße, seine gestundete Schuld an die Stiftung einschließlich Verzinsung war am 1. Juli 1931 auf fast 17.000 RM. angewachsen, während das genannte Stiftungskapital von 13.000 RM. durch Steuerzahlung, Ausbesserungen u.a. zu diesem Zeitpunkt aufgebraucht war, sodaß die jährlichen Zahlungsverpflichtungen der Stiftung, die Steuern usw. auf 5.000 einschließlich der Bauverzinsung auf etwas über 7.000 RM. sich beliefen, nur mit den größten Schwierigkeiten erfüllt werden konnten. Es erschien nach Lage der Dinge völlig ausgeschlossen, daß der Pächter jemals wieder regelmäßige Pachtzahlungen, die allein eine ordentliche Geschäftsführung und Verwaltung ermöglichen, würde auf-bringen können. Andrerseits konnte die Stiftung weitere Hilfe nicht mehr leisten. Es ist vielmehr mit fast unbedingter Sicherheit damit zu rechnen, daß der Pächter die nächste Zeit, so hart es ist, unter dem wirtschaftlichen Druck zusammenbricht und daß dann die Stiftung in seinen Fall mit hinangezogen wird, da ihr zur Selbstbewirtschaftung jegliches Kapital fehlt.
So mußte in der satzungsmäßigen Sommersitzung des F.R. im August 1931 dem Pächter in ernstester Form erklärt werden, daß eine weitere Stundung der Pacht usw. nicht mehr möglich sei, daß vielmehr von jetzt an eine Wiederaufnahme regelmäßiger Pacht- und Zinszahlung gefordert werden und mit dem Versuch des F.R. gerechnet werden müsse, bei sich bietender Gelegenheit das Familiengut zu verkaufen.
Daß die Frage der Gewinnung eines neuen Pächters den F.R. immer wieder beschäftigt hat, ist selbstverständlich. Aber diese Frage stellen hieß jedesmal sie verneinen. Denn einmal gab es – außer im Verkaufsfalle – keinen Weg der Loslösung von dem bisherigen Pächter, dessen Vertrag noch bis 1942 lief, zum anderen wäre die Schuldenregelung mit ihm äußersten Schwierigkeiten begegnet, und schließlich war, zumal bei dem stillschweigenden Übereinkommen in landwirtschaftlichen Kreisen, bei Neuverpachtung keine Angebote abzugeben, die Gewinnung eines zahlungs- und leistungsfähigen neuen Pächters deshalb so gut wie ausgeschlossen, weil die Erfahrung lehrte, ein solcher von vornherein die durchgreifende Aufbesserung und Umgestaltung der über 200 Jahre alten verbrauchten Gebäude, besonders des gänzlich ungenügenden und zeitweise ungesunden Pächterhauses verlangt haben würde, eine Forderung, die jedoch wegen Mangel an Mitteln unerfüllbar war. Neuhof ist eben überaltert und würde Unsummen verschlin-gen, wenn es in brauchbaren Zustand gebracht werden und darin erhalten bleiben soll. So sind von dem F.R. alle Möglichkeiten, den Übelständen abzuhelfen und der Schwierigkeiten Herr zu werden immer wieder erwogen, ohne einen befriedigenden Ausweg zu finden. Er glaubte aber ein weiteres Sinken des Wertes von Neuhof den Mitgliedern gegenüber nicht mehr verantworten zu können und sah sich durch die Verhältnisse gezwungen, nunmehr an Verkauf zu denken.
Da bot sich unerwartet die oben genannte Möglichkeit des Verkaufs, und der F.R. griff zu. Am 31. Dezember 1931 ist nach Erledigung aller gesetzlichen Vorschriften in Hannover der Kaufvertrag abgeschlossen und von beiden Seiten unterzeichnet worden in der Hoffnung, daß der Pächter sich mit der Regelung abfinden und zufrieden geben werde. Diese Hoffnung ging jedoch nicht in Erfüllung, und es wurden noch längere Verhandlungen erforderlich, die erst durch einen von allen Beteiligten anerkannten Vergleich am 25. Februar 1932 zum Abschluß kamen. Hiernach über- nimmt der Käufer das gesamte Inventar des Pächters einschließlich Feldbestellung zu einem durch Schätzung ermittelten Preis und begleicht dessen Schulden in der Weise, daß der Stiftung die Summe von 150.000 RM. verbleibt, die in drei Dritteilen und zwar 1/3 sofort, 1/3 am 1. Januar 1933, 1/3 am 1. Januar 1934 gegen Verzinsung von sechs Prozent zur Ueberweisung gelangen.
Die Auflassung von Neuhof an den Käufer hat gestern, am 13. April 1932, zu Hannover stattgefunden. Am gleichen Tag wurde in einer Sitzung des F.R. einstimmig beschlossen, die Stiftung auf Grund des Gesetzes vom 24. Juni 1924 aufzulösen, die Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörde zur Auflösung unverzüglich zu erwirken und das erste Drittel der Kaufsumme, für das nach Abgeltung der laufenden Ausgaben und Steuern (Anwaltsgebühren, Räumung von Neuhof, Wertzuwachssteuer, einstweilige Weiterzahlung der Vermögen- und Körperschaftssteuer u.a.) 40 – 45.000 RM. verbleiben werden, baldigst, jedoch erst nach Genehmigung der Auflösung, an die fünf Stämme in der Weise zu verteilen, daß jedem Stamm 1/5 der verfügbaren Summe zufällt. Die weitere Verteilung an die Mitglieder innerhalb der einzelnen Stämme erfolgt nach Maßgabe der gesetzlichen Erbfolgeordnung, d.h. je nach dem Grade der Verwandtschaft zum Stiftungsgründer durch die Senioren, die persönlich verantwortlich sind. Der F.R. bleibt bis zur völligen Abwickelung der Geschäfte und Feststellung einer Abschlußverhandlung im Amt.
Somit ist das Ende der fast zweihundertjährigen Stiftung gekommen. Der F.R., dem die nicht beneidenswerte Aufgabe der Geschäftsführung in den letzten sorgenvollen Jahren zugefallen war, ist sich seiner Verantwortung den Mitgliedern gegenüber bewußt gewesen. Er hofft, im Interesse der allmählich auf 376 angewachsenen Zahl der Mitglieder (Stamm Behre 77, St. Cumme 235, St. Wedemeyer 16, St. Stille 27, St. Wermuth 21) gehandelt zu haben.”
Voigt´sche Familienstiftung, Neuhof, Rundschreiben vom 10.09.1934
“Unsere 1748 ins Leben gerufene Stiftung hat aufgehört zu bestehen. Daß die wirtschaftlichen Verhältnisse leider zum Verkauf des Familiengutes Neuhof und in der Folge zur Auflösung der Stiftung gezwungen haben, ist in dem an alle Mitglieder unter dem 14. April 1932 ergangenen Rundschreiben ausführlich dargelegt. Dem Familienrat blieb – außer Auflösung des Neuhofer Haushalts – noch die endgültige Regelung der steuerlichen (Wertzuwachs-, Umsatz-, Vermögen- und Körperschaftssteuer), verwaltungsrechtlichen (Ueberführung einiger Restgrundstücke, Abwickelung mit dem Amtsgericht, Verteilung der Verkaufssumme) und sonstigen Verhältnisse. Wir möchten nunmehr den Mitgliedern den Inhalt der in obigem Rundschreiben in Aussicht gestellten Abschlußverhandlung, die am 5. August 1934 in Kassel stattfand, zur Kenntnis geben.
Der laut Kaufvertrag vom 31. Dezember 1931 ursprünglich erzielte Kaufpreis belief sich auf 162.000 RM. Nach längeren Verhandlungen mit dem Käufer wurde durch Vergleich vom 25. Februar 1932 die Erhöhung dieser Summe auf 173.000 RM. erreicht mit der Maßgabe, daß hiervon die bei der Kreissparkasse Minden bestehende Hypothekenschuld von 23.000 RM. getilgt und der Stiftung alsdann die Summe von 150.000 RM. ungeschmälert verbleiben würde.
Diese 150.000 RM. sind zuzüglich 5000 RM. aus den Zinseinnahmen (siehe unten) an die Mitglieder in drei Teilzahlungen verteilt worden und zwar
1. Teilzahlung in Höhe von 45.000 RM. im Juni 1932
2. “ “ ” 55.000 “ “ Januar 1933
3. “ “ “ “ 55.000 “ “ “ 1934
zusammen 155.000 RM.
Die seit dem Verkauf des Familiengutes, also in den Jahren 1932 und 1933, erfolgte Rechnungslegung, die von den beiden Vorstehern und dem bewährten Rechnungsprüfer, Herrn Adolf Behre (Vegesack), geprüft, für richtig befunden und von dem Familienrat anerkannt wurde, ermöglicht folgende Zusammenstellung:
Einnahme : Abwicklung mit Pächter Meyer 9565,28 RM.
Versteigerung am 20. Mai 1932 nach
Abzug der unmittelbaren Unkosten 1592,69 ”
Zinsen vom Käufer 8092,00 ”
zusammen 19249,97 RM.
Ausgabe : Steuern 7365,30 RM.
Hypothekenzinsen an Kreissparkasse Minden 895,08 ”
Amtsgericht Petershagen, allgemein laufende Kosten 432,12 ”
besondere Gerichts- und Anwaltsgebühren
aus Anlaß des Verkaufs nebst Verwaltung 3583,99 ”
Vergütung an den vereidigten Makler und
Versteigerer während 5 Jahre ..549,26 ”
Zuschuß zur Verteilungssumme (siehe oben) 5000,00 ”
zusammen 17825,75 RM.
Demnach verblieb am 1. Januar 1934 ein buchmäßiger Bestand von 1424,22 RM., der am 1. August 1934 auf 242 RM. gesunken war. Der Januarbestand hatte gedient der Zahlung von Steuern, von Verwaltungskosten sowie einer der Gemeinde Schloß Ricklingen überwiesenen Stiftung von 500 RM. zur dauerhaften Instandhaltung der Begräbnisstätte des Stiftungsgründers und seiner drei Frauen. Der Augustbestand wurde auf folgende Weise aufgebraucht: Die Finanzbehörde hatte eine Abschlußsumme der Körperschaftssteuer von 1293 RM. errechnet. Nach langen Verhandlungen, in denen die Tatsache der bereits erfolgten Stiftungsauflösung schließlich ausschlaggebend war, wurde die genannte Summe von 1293 RM. auf den noch vorhandenen `Bestand von 242 RM. herabgesetzt. Mit Zahlung dieser 242 RM., die am 4. September 1934 erfolgte, ist alles Vermögen der einstigen Stiftung restlos aufgebraucht, sodaß die Stiftung als endgültig erloschen gelten muß.
Die noch vorhandenen Akten, Urschriften und sonstigen wertvollen Schriftstücke sollen 30 Jahre lang, also während der gesetzlichen Verjährungsfrist etwaiger Ansprüche Dritter, geschlossen aufbewahrt und später gemäß den geltenden Bestimmungen dem Staatsarchiv oder einem Archiv für Familienforschung übergeben werden.
Das Stiftungsmitglied Professor Dr. med. Adolf Becker, Hannover, Königstr. 30, eine in Sachen Familienforschung erfahrene und bewährte Persönlichkeit, hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, die Akten während dieser Übergangszeit zu treuen Händen aufzubewahren und jedem berechtigten Stiftungsmitglied etwa gewünschte Auskunft gegen Erstattung der Unkosten zu erteilen. Nach seinem Ableben wird ein anderer Nachkomme des Stiftungsgründers diese Verpflichtung übernehmen. Ueber die genannten Akten ist ein Verzeichnis aufgenommen und neben den Akten selbst dem Professor Becker gegen Empfangsbescheinigung und Verpflichtungserklärung übergeben. Eins dieser Stücke bleibt bei den Akten.
Hiermit hat eine Stiftung ihr Ende gefunden, die von dem Gründer vor 186 Jahren ins Leben gerufen, aber für einen engeren Familienkreis gedacht, die an sie geknüpften Erwartungen – leider muß es gesagt werden – weder in ideeller noch in materieller Hinsicht erfüllt hat und erfüllen konnte. …….
…… der bisherige Familienrat:
Studiendirektor i.R. Siebert, Kassel, Ulmenstr. 25, 1. Vorsteher. Senior des Stammes Behre,
Pastor i.R. Cumme, Hannover, Wilh.-Busch-Str.4 , 2. Vorsteher. Senior des Stammes Cumme,
Hauptlehrer i.R. Schroeder, Gütersloh, Reckenberger Str.38, Rechnungsführer. Senior des
Stammes Stille
Landesökonomierat Becker, Hannover-Kleefeld, Schopenhauerstr. 10. Senior des Stammes
Amtsgerichtsrat Rottländer, Uelzen i.H., Dietrichstr. 13. Senior des Stammes Wermuth.
1925 noch erhaltene Urkunden und sonstige Gegenstände:
Während des Familientages 1925 waren im Konferenzzimmer folgende Urkunden und sonstigen Gegenstände ausgelegt:
Kaufbrief über Neuhof vom 10.4.1698 (Pergament);
Teilungsvertrag zwischen den Brüdern Voigt über die Voigt´schen Güter vom 20.5.1747;
Stiftungsurkunde vom 27.11.1748 (Pergament);
desgl. mit Genehmigungsurkunde und eigenhändiger Unterschrift (Namenszug) von König
Friedrich d. Gr. vom 23.7.1749;
Testament betr. Verteilung des Barvermögens vom 12.2.1752 (Pergament);
Additamentum zur Stiftungsurkunde vom 10.6.1754;
Vergleich zu Westen mit Ernennung der beiden Schwiegersöhne, Wedemeyer und von Strauß,
zu etwaigen Vorstehern vom 5.10.1755;
Teilungsrezeß zwischen Wwe. Eleonore M. Voigt, geb. Chappuzeau und 7 Töchtern vom
14.5.1756;
verschiedene Kaufverträge mit Kapselsiegeln über Grundstücke;
das große Inventarbuch von 1779 – 1830;
die alte Voigt´sche Hausbibel;
Stammbäume;
Schutzbrief des französischen Generals Grafen d´Estrées für Neuhof aus dem siebenjährigen
Krieg (1757) u.a.;
Restbestand des Silbers (Eß- und Teelöffel, Vorlegelöffel u.a.).
Bilder und Gegenstände, die am 20. Mai 1932 in Neuhof zur Versteigerung kamen, soweit bekannt, bzw. im Familienbesitz erhalten:
1. Oel – Gemälde von Johann Georg Voigt , Erwerber von Gut Neuhof.(*1646 – † 1707)
2. ” Dorothea Ilse Voigt , geb. Cumme, dessen Ehefrau. (*1659 – † 1687)
3. ” Jobst Friedrich Voigt, Stiftungsgründer. (*1681 – †1755)
4. “ Anna Sophia Voigt, geb. Freyenhagen, (1. Frau).(*1694 – †1721)
5. “ Anna Lucie Voigt, geb. von Meyersfeld, (2. Frau).(*1697 – †1724)
6. “ Eleonore Maria Voigt, geb. Chappuzeau, (3. Frau). (*1698 – †1775)
7. “ Arnold Christian Voigt, Oberamtmann zu Etjersleben, Bruder von Jobst Fr.
(* ca.1685 – † nach 1747)
8. “ Hermann Ludwig Voigt, Oberamtmann zu Coldingen, Bruder von Jobst. Fr.
(* 1682 – †1747)
Die Gemälde Nr. 1. – 8. wurden ersteigert von Prof. Dr. med. Adolph Becker. Am 8./9.10.1943 in
Hannover, Königstr. 30 nach Bombenangriff verbrannt. Fotos sind erhalten.
9. Kreidezeichnung von Anna Lucie Voigt, geb. von Meyersfeld,
2. Frau von Jobst Fr. Voigt
10. Kreidezeichnung von Eleonore Maria Voigt, geb. Chappuzeau,
3. Frau von Jobst Fr. Voigt
Es handelt sich hier sicherlich um die Entwürfe für die Oel-Gemälde Nr. 4. + 5.
Ersteigert von Dr. med. Ernst Becker, Hildesheim
11. Oel – Gemälde, Friedrich der Große (Friedrich d.Gr. war der Landesherr und bestätigte durch Genehmigungsurkunde vom 23.7.1749 und eigenhändige Unterschrift (Namenszug) die Stiftungsurkunde vom 27.11.1748 von Jobst Friedrich Voigt.)
(Friedrich II., der Große, * 24.1.1712, † 17.8.1786: König von Preußen 1740) und
12. Oel – Gemälde, – seine Gemahlin Kronprinzessin bzw. Königin Elisabeth Christine von Braunschweig (+ 1733).
Die Bilder haben noch ihren ersten Rahmen (?) und eine Keilrahmengröße von 64 x 81cm. Maler der beiden Bilder lt. Beschriftung auf der Rückseite des männl. Portraits:
C. H. Friemel pinx: 1751
Ersteigert 1932 von Dr. med. Ernst Becker, Hildesheim.
13. Oel – Gemälde des Herzogs Georg Wilhelm von Celle († 1705) und seiner Gemahlin
14. Herzogin Eleonore D´Ólbreuse. Ersteigert 1932 von dem Direktor des Landesmuseums
Celle. Die Gemälde hängen im Museum in Celle.
1. Barockschrank, Nußbaum Front teilweise Wurzelholz-Furnier.
2. Holz-Armlehnstühle mit geflochtener Sitzfläche, 2 Stück
Die Stühle stammen aus der Zeit um 1800 vom Familiengut Neuhof, 1932 von Fritz
Becker, Hannover, ersteigert.
1. Vorlegelöffel – 36 cm lang. Silber, 12lötig
Stammt vom Familiengut Neuhof an der Weser. Der Löffel kam in den Besitz von Fritz Becker,
Hannover, (von ihm dort ersteigert ?).
Beschau: steigender Löwe, mit 12 darunter, Meisterzeichen: DILL; Jahres-Buchstabe: G ;
Meister Johan Daniel Dill in Hannover Neustadt lieferte 1743 (Jahresbuchstabe F) einen Kelch für
Gestorf Krs. Springe und 1746 (Jahresbuchst. E) einen Kelch und eine Patene für Kolenfeld.
(Q: 1: Die Kunstdenkmale des Kreises Neustadt am Rübenberge, Textband, 1958, Seite 234,
Deutscher Kunstverlag. Q:2.: Die Kunstdenkmale der Provinz Hannover, Kreis Springe,
Theodor Schulzes Buchhandlung Hannover, 1941, S.239)
2. Tischglocke, Messing mit geschmiedetem Klöppel
von Jobst Friedr. Voigt, Gut Neuhof; 1932 von Fritz Becker ersteigert.
3. Tischdecken, Damast, 2 Stück
mit eingewebter Szene der Schlacht um Namur.
mit eingesticktem Monogramm ” L.M.” (Lucie Meyersfeld) in rotem Kreuzstich
Ersteigert 1932 von Margarethe König, geb. Becker, aus Erbschaft Nora König.
Herzogin Eleonore D´Olbreuse
Die “Akten, Urschriften und sonstigen wertvollen Schriftstücke” die nach der Auflösung der Stiftung an Prof. Adolph Becker übergeben wurden, sind unwiederbringlich verloren. In der Nacht vom 8. zum 9. Oktober 1943 wurde sein Haus in Hannover, Königstraße 30, von Fliegerbomben getroffen und brannte total aus. Teile seiner Familien – Forschungsunterlagen hatte er zu Anfang des Krieges in den Osten Deutschlands ausgelagert. Durch die Kriegs- und Nachkriegswirren sind auch diese Unterlagen nicht wieder aufzufinden gewesen.
Von einigen Urkunden bestehen Abschriften, sowie einige Fotos mit den Unterschriften auf Urkunden. Was sich in Archiven oder bei den Nachkommen der anderen Familienstämme noch an Unterlagen befinden, ist nicht bekannt. Inventarverzeichnisse von Neuhof sind leider nicht bekannt. Die hier gemachten Angaben und Unterlagen stammen aus dem Nachlaß meines Großvaters Rolf Becker.
Die ersten beiden Absätze könnten auch hier stehen.
In seinen Büchern 1992 und 1993 hat Linnemeyer Zugriff auf die Akten der verschiedenen Archive. (Q9+Q10)
*** Familienstamm Horst. Dieser Familienstamm ist nicht ausgestorben.
Der Sohn und einziges Kind von Veronica Beate Lucie Voigt, verh. 2. Ehe mit dem Landbaumeister Anton Wilhelm Horst, in Mecklenburg, Christoph Heinrich Horst, ging als Korporal und Sergeant beim 14. Kurhannöverschen Infanterieregiment nach Südindien und blieb dort, wurde Missionar, heiratete und hatte sieben Kinder. Obwohl ein Schriftwechsel wegen der Erbschaft Neuhof erfolgte (im Archiv der Franckeschen Stiftungen in Halle), galt dieser Stamm als abgefunden bzw. verschollen oder ausgestorben. Im Frühjahr 2013 meldete sich bei mir Elizabeth Kohlhoff aus Australien, die eine Nachkomme der Voigts über eine Tochter von Christoph Heinrich Horst ist. Nach ihren Unterlagen wurde die Familie um 1850 ausgezahlt und es bestanden keine Kontakte mehr.
1. Voigt´sche Familienstiftung, Neuhof, Rundschreiben vom 14.4.1932
2. Bericht über den Familientag am 3.7.1922 der Voigt´schen Familienstiftung vom 1.8.1922
3. Voigt´sche Familienstiftung, Neuhof, Rundschreiben vom 1.11.1927
4. Voigt´sche Familienstiftung, Neuhof, Rundschreiben vom 18.8.1931
5. Mitgliederverzeichnis -Neuhof 1930
6. Stiftungsurkunde der Familienstiftung vom 27.11.1748 von Jobst Friedrich Voigt (Abschrift)
7. Additamentum (Ergänzung) zu Stiftungsurkunde vom 10.6.1754 von Jobst Friedrich Voigt (Abschrift)
8. Testament 1757von Dorothea Charlotte Wedemeyer, geb. Voigt
9. Linnemeier, Bernd-Wilhelm: Ein Gut und sein Alltag. Neuhof an der Weser, Coppenrath,1992
10. Linnemeier, Bernd-Wilhelm: Das Amt Ricklingen und die Familie Voigt;
Gut Neuhof 1862; nach einer Zeichnung von Hermine Heidsiek,
aus Lübbecke, Neuhof den 20. Juni 1862.
Stammbuch der Sophia Dorothea Krasna
Durch einen glücklichen Zufall erhielt ich im März 2014 das Stammbuch der Sophia Dorothea Krasna aus Bremen, die in den Jahren 1862 und 1863 in Neuhof tätig war. Eintragungen von Mutter, Schwester und Bruder aus Bremen sind neben Widmungen von Freundinnen aus Neuhof und Heimsen vorhanden.
Die vorliegende Zeichnung aus dem Jahre 1862 ist die älteste mir bekannte Abbildung der Gutsanlage.
(Durch Anklicken wird das Bild erheblich vergrößert.)

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