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Timestamp: 2018-01-18 07:47:46+00:00

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Texte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bamberg
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Texte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Bamberg wurden in jüdischen Periodika gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 7.12.2014.
Allgemeine Beiträge aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
- "Neue Beiträge zur Geschichte der Juden in Bamberg" von Rabbiner Dr. Adolf Eckstein (Artikel von 1927)
- "Ein kurzer Gang durch die Vergangenheit der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg" von Rabbiner Dr. Adolf Eckstein (Artikel von 1928)
- Beitrag "Von Bambergs Natur- und Kunstdenkmälern" von Dr. Werner (1928)
- Alte rituelle Gegenstände aus Bamberg (Artikel von 1928)
- Judaica aus Bamberg in der hebräischen Bibliothek Fuggers (Artikel von 1927)
- "Assimilations-Krise" in Bamberg (1808)
- Martin Morgenroth: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Bamberg - Dem Andenken Dr. Adolf Ecksteins gewidmet (Artikel von 1935)
Aus der Geschichte des Rabbinates Bamberg
- Klage über den alt gewordenen Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld (1854)
- Zum Tod von Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld (1862)
- Bericht über Rabbiner Dr. Kobak (1864)
- Während der Vakatur des Rabbinates (1884)
- Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1887)
- Rabbiner Dr. Eckstein wendet sich gegen den Antisemitismus in der Presse (1919)
- Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1925)
- Rabbiner Dr. Rülf wurde nach Bamberg berufen (1926)
- Rabbinerwechsel (1926)
- 70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Adolf Eckstein (1927)
- Antrittspredigt des neuen Rabbiners Dr. Katten (1930)
- Zum Tod von Rabbiner Dr. Adolf Eckstein (1935)
Aus der Geschichte der Lehrer, Vorbeter/Kantoren, Schächter
- Ausschreibung der Stelle des 1. Kantors (1887)
- Lehrer Süßmann Fränkel tritt in den Ruhestand (1903)
- Zum Tod von Lehrer Süßmann Fränkel (1920)
- 25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer und Kantor Karl Kleestadt (1912)
- Ausschreibung der Stelle des Schächters und II. Kantors (1926)
- Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Kantors (1928)
- Zum Tod von Kantor und Hauptlehrer Karl Klestadt (1930)
Zur Geschichte der Schule und anderer Einrichtungen
- Die Einrichtung einer Mikwe im Stadtbad (1905)
- Ausschreibung der Volksschullehrerstelle für die jüdische Schulklasse (1936)
- Die Bamberger Volksschulen sind "judenfrei" (1936)
- An der allgemeinen Volksschule wurde eine jüdische Sonderklasse eröffnet (1936)
- Gemeindekonflikt (1808)
- Dazu Artikel: "Wie im Jahre 1808 in der Kultusgemeinde der Liberalismus siegte" (Artikel von 1935)
- Gemeindebeschreibung (1851): über den neuen Friedhof, das Schulwesen und Rabbiner Rosenfeld
- Diskussionen um die Synagogenordnung 1866/67 - kritische Darstellungen in der orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit"
- Diskussion um die Gottesdienstordnung ( 1887)
- Spannungen zwischen liberalen und orthodox-traditionellen jüdischen Gemeindegliedern (1888)
- Ausschreibungen der L. Gersfelder'schen Stiftung (1890 / 1901)
- Rabbiner und Vorstand der Gemeinde werden zur Hoftafel geladen (1898)
- Wahlen zum Gemeindevorstand (1904)
- Der "Verein zur Fürsorge für israelitische Waisen in Bamberg" unterstützt russische Waisenmädchen (1906)
- Bildung einer orthodoxen Gemeinde ( 1911)
- Treffen der nordbayerischen jüdischen Jugendvereine in Bamberg (1931)
- Abendliche "Weihestunde" zugunsten der städtischen Winterhilfe (November 1931)
- Aus dem jüdischen Gemeindeleben in der NS-Zeit (April 1934: Ausstellung zu "Purim-Pessach")
- Trauungen in der Synagoge (August 1934)
- Aus dem jüdischen Gemeindeleben in der NS-Zeit (März, April, Mai, Juni und Dezember 1935)
- Aus dem jüdischen Gemeindeleben in der NS-Zeit (Januar und Februar 1936)
- Veranstaltungen der Zionistischen Ortsgruppe und der Chewra Kadischa (1936)
- Der jüdische Turn- und Sportverein erwirbt die Konzession für eine Gaststätte (1936)
- Filmabend der Zionistischen Ortsgruppe (1936)
- Die Zahl der Gemeindeglieder geht schnell zurück (1936)
- Über die Arbeit der zionistischen Ortsgruppe (Oktober 1936)
- Aus dem jüdischen Gemeindeleben in der NS-Zeit (November und Dezember 1936)
- Zum Tod des Arztes Dr. Jakob Dessauer - 32 Jahre Vorsteher der Gemeinde (1879)
- Goldene Hochzeit von Weinhändler Leonhard Müller und seiner Frau Babette (1874)
- Der in Bamberg verstorbene Lehrer Heßlein vermacht einen größeren Betrag an den Achawa-Verein (1885)
- 96. Geburtstag von Seligmann Reuß (1894)
- Benno Lessing wird zum Bevollmächtigten, Karl Dessauer zum Stellvertreter im Gemeindekollegium der Stadt gewählt (1903)
- Stiftung der Erben des Kaufmannes Bernhard Ehrlich (1903)
- Ernennung von Julius Ulrich zum Rat am Oberlandesgericht (1905)
- Max Bretzfelder wird zum Leutnant der Reserve befördert (1910)
- Über die Adelserhebung der Familie Wassermann (Artikel von 1910)
- Stiftung durch die Witwe von Kommerzienrat Bernhard Mohrenwitz (1911)
- Hofbankier Angelo von Wassermann unterstützt die Armen der Stadt (1912)
- Beisetzung von Dora von Wassermann in Bamberg (1912)
- Patriotischer Brief eines in den Krieg gezogenen jüdischen Vaters von sechs / sieben Kindern (1914)
- Leutnant Otto Hellmann wird ausgezeichnet (1916)
- Zum Tod des Bamberger Hofbankiers Angelo von Wassermann (1835-1914) sowie über seinen Bruder Emil Wassermann (1842-1911)
- Die antisemitisch eingestellten Bamberger Gymnasiasten Karl Kolb (Burghaslach) und Josef Bauer (Schweinfurt) stehen vor Gericht (1920)
- Diamantene Hochzeit von Neumann Frank und seiner Frau (1928)
- Abschiedsfeier des langjährigen Gemeindevorstehers Geheimer Justizrat Dr. Josef Werner (1930)
- 60. Geburtstag von Julius Wassermann (1933)
- Zum Tod von Bankdirektor Oskar Wassermann (in Berlin, 1934)
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen sowie Berichte über Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Personen
- Israelitisches Restaurant eröffnet (1879)
- Geburtsanzeige für Ernst Julius Katz, Sohn von Berthold Katz und Ida geb. Früh (1928)
- Neue jüdische Restauration (1931)
- Verlobungsanzeige von Hanna Neumann und Josef Singer (1937)
- Dokument zu Emanuel Dessauer (1811-1880)
- Postkarte an den Kaufmann Simon Silbermann (1887)
- Erzbischof Dr. Josef von Schork verurteilt den Antisemitismus als unchristlich (1891)
- Postkarte an Hermann Hellmann in Bamberg (1894)
- Karte von Marie Brandis (Bamberg), verschickt aus Schweinfurt (1902)
- Zum Tod des Erzbischofs Dr. Josef von Schork, eines entschiedenen Gegners des Antisemitismus (1905)
- Hirtenbrief des neuen Erzbischofs Dr. Friedrich Philipp von Abert und sein Engagement für den konfessionellen Frieden (1905)
- Dokument zur Leder-Manufaktur Sigmund Grünebaum (1908)
- Der Erzbischof spricht sich gegen das "Märchen von Ritualmord" aus (1913)
- Firmenkarte der Fa. Louis Kahn (1915)
- Firmenkarte der Fa. M. Ullmann Nachfolger (1916)
- Briefumschlag der Firma Bamberger Möbel-Industrie Gustav Gerst (1921)
- Beitrag über "Die alttestamentlichen Plastiken des Bamberger Domes" (Artikel von 1927)
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Allgemeine Beiträge aus der Geschichte der Gemeinde
"Neue Beiträge zur Geschichte der Juden in Bamberg" von Rabbiner Dr. A. Eckstein (Artikel von 1927)
Hinweis: Distriktsrabbiner Dr. Adolf Eckstein hat mehrere - bis heute grundlegende - Werke zur Geschichte der Juden in Bamberg und im ehemaligen Fürstbistum Bamberg geschrieben. Der nachfolgende Abschnitt bringt einige Ergänzungen zu seinem 1898 erschienen Buch (Titel links):
"Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg,
bearbeitet auf Grund von Archivalien, nebst urkundlichen Beilagen".
Bamberg - Druck und Verlag der Handels-Druckerei 1898.
Reprint by Chris Fiebig. Bamberg 1985.
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar 1927: "Neue Beiträge zur Geschichte der Juden in Bamberg. Von Rabbiner Dr. A. Eckstein.
Unter obiger Überschrift habe ich in der in Breslau erscheinenden 'Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums', Jahrgang 1924, S. 307-316, eine kleine Arbeit veröffentlicht, in welcher ich auf Grund einer Sammlung hebräischer Akten, die ich von meinem inzwischen verewigten Amtsvorgänger Dr. Jos. Kobak (1864-1883 hier Distriktsrabbiner) i.J. 1908 von Lemberg zugesandt erhalten hatte, einige Lücken meiner im Jahr 1898 erschienenen 'Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg' auszufüllen in der Lage war. Die Abhandlung besteht aus 2 Kapiteln folgenden Inhalts: 1. Zur Geschichte des Landesrabbinats, enthaltend hauptsächlich einen inhaltlich mitgeteilten Auszug einer in der hebräischen Urschrift vorzüglich erhaltenen Vertragsurkunde, welche zwischen den beiden Verbänden der stiftischen und der ritterschaftlichen Judenschaft des Fürstbistums am 1. August 1658 über die Errichtung eines gemeinsamen Landesrabbinats vereinbart wurde (Anmerkung 1: vgl. G.J.B. = Geschichte der Juden in Bamberg, S. 156), ferner 2. die ältesten Satzungen des hiesigen israelitischen Vereins für karitative Leichenbestattung, das wichtigste und wertvollste Stück der vom Lemberg zu ihrem ursprünglichen Heimatorte zurückgekehrten Aktensammlung, in späthebräischer Sprache sehr wahrscheinlich im Jahr 1706 abgefasst, jedoch in den letzten aus späterer Zeit stammenden Paragraphen mit deutschen Sätzen in hebräischer Schrift untermischt (Anmerkung 2: bei Gelegenheit sei bemerkt, dass das älteste bisher nachweisbare Datum für den israelitischen Friedhof in Waldsdorf das Jahr 1632 ist, entnommen einer Beschwerdeschrift des dortigen Pfarrers über die 'Begrebnuß der Juden' [Staatsarchiv Bamberg Rep. 35 Fasz. 46]; eine Grabsteininschrift aus älterer Zeit ist bisher nicht aufgefunden worden. Der Friedhof von dessen Rabbinergräbern unlängst in nr. 20 [S. 629] der Zeitschrift 'Das Bayerland' ein stimmungsvolles Bild mitgeteilt wurde, ist allem Anschein nach anfangs des 17. Jahrhundert angelegt worden).
Dem Hinweis auf diese Abhandlung will ich nun eine kleine auf dem von mir seit Jahrzehnten bearbeiteten Felde gehaltene Nachlese folgen lassen.
I. Die israelitische Gemeinde von Bamberg im Jahre 1721.
Im hiesigen Staatsarchiv (Anmerkung 3: Rep. 113/I Band 6 Nr. 51) hat sich ein auf Grund einer behördlichen Untersuchung am 24. März 1721 angelegtes Namensverzeichnis von jüdischen Einwohnern mit statistischen Angaben vorgefunden, das uns einen Einblick in die inneren und sogar familiären Verhältnisse der damals etwa 48 Haushaltungen umfassenden Gemeinde gestattet. Wir entnehmen demselben folgendes:
In der 'Judenschul', wie man im Volksmunde auch das dreistöckige Gemeindehaus nannte, das in der Neugasse (jetzt Generalsgasse 15) der Synagoge, von derselben getrennt durch einen großen Hof mit 2 Nebengebäuden, vorgebaut war (Anmerkung 4: Noch auf der Stadtkarte von Roppelt vom Jahr 1803 heißt die jetzige Habergasse 'bey der Judenschul'), wohnten: 1. der Rabbiner Moses Broda aus Mährisch-Brod (1718 bis 1733) (Anmerkung 5: vergleich G.J.B. S. 169) mit 5 Töchtern und 1 Sohn nebst 2 weiblichen Bedienungspersonen, außerdem sein Schwiegersohn Wolf auf Berlin, der bei ihm 'lernet', d.h. Talmud studierte, mit 3 kleinen Büblein nebst 1 Dienstmagd, zusammen also etwa 16 Personen; 2. der Vorsinger Behr, damals bereits 28 Jahre im Dienste; 3. der 'Schulklopfer' Mayer, dessen Amtstitel seinen Grund hatte in der ihm obliegenden Aufgabe, die Gemeindemitglieder durch Anklopfen mit einem kleinen Hammer an Fenster oder Türe zum Besuche der Gottesdienste aus dem schlafe zu wecken; derselbe hatte sich des Besitzes von nur 4 Töchtern und 1 Sohn (mit 2 Dienstpersonen) zu erfreuen, außerdem hielt sich bei ihm eine alte Frau aus Merzbach auf, 'welche der Judenschaft hin und her diente'.
Rechts von der Judenschule (Richtung Langgasse), im Hause 'zum Walfisch' wohnte Sal. Marx mit 2 Söhnen und 3 Töchtern (nebst 2 Bedienungspersonen), auf der anderen Seite (Richtung Zinkenwörth) 'beim Brücklein an der Judenschul' wohnte die aus 9 Kindern bestehende Familie des verstorbenen Elias, im schräg gegenüberliegenden 'Elefantenhaus' der uns bereits bekannt gewordene Hofjude Marx' (Anmerkung 6: vgl. G.J.B., S. 262 und 294 und Nachträge zur Geschichte der Juden im Fürstbistum S. 45), damals bereits 45 Jahre im bischöflichen Schutze, und sein verheirateter Sohn, ferner 2 arme Jungens, die im Hause des wohlhabenden Hofjuden verköstigt wurden. Auch in anderen Stadtteilen gab es jüdische Hausbesitzer (Anmerkung 7: vgl. G.J.B., S. 109. Die Bedienungspersonen sind als meist jüdische anzunehmen), so in der 'Wolfsgrube', im Hause 'zur steinernen Kemmet' und im Hause 'zum blauen Stern' (Langgasse). Im Hause des Simon Fries am 'Hafen-Plätzlein' (jetzt etwa Eckenbüttner) fanden nicht weniger als 29 Personen Platz, darunter 1 armes Kind und 1 Schulmeister oder Hauslehrer. Einen eigenen Hauslehrer in schulloser Zeit hielten sich auch Sam. Hamburger für seine 6 Kinder und Wohl Nathan für seine 8 Kinder. Am zahlreichsten aber war die Familie des Hoffaktors Mos. Heßlein, der von seinem in Kurland sich aufhaltenden Tochtermann 5 Kinder (mit 3 Bedienungspersonen) bei sich wohnen hatte, ferner seinen verheirateten Sohn Süßmann mit 4 Söhnlein und 3 Mägdlein, dazu Bedienungspersonen und einen Schulmeister, im ganzen als einen Haushalt von etwa 24 Personen, und dieser Mann beherbergte noch ein armes Waisenkind, ohne über Wohnungsnot zu klagen.
II. Zum Kapitel der Hofjuden (Anmerkung 8: Ergänzung zu G.J.B. S. 262-263, vgl. auch Nachträge S. 60-62).
Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, dass diese 48 israelitischen Familien im geschäftlichen Leben der Stadt eine Rolle gespielt und eine Lücke ausgefüllt haben. Der oben genannte, schon aus früheren Mitteilungen bekannte, Hofjude Sal. Marx und Söhne hatten für einen Vorschuss, den sie der Hofkammer auf kaiserliche Subsidiengelder geleistet, im Jahre 1716 eine größere Forderung an Wechselbriefen, die der berühmte kaiserliche Hoffaktor Samson Wertheimer in Wien gelegentlich der Frankfurter Herbstmesse ausgestellt. Dass zum Bau des bischöflichen Klerikalseminars auch bei jüdischen Kapitalisten jener Zeit Anleben aufgenommen wurden, war bereits bekannt (Anmerkung 9: G.J.B. S. 220). Zu diesem Zwecke wurde auch Zacharias Fränkel in Fürth in Anspruch genommen, den der Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn am 29. April 1736 anweisen lässt, zur Fortsetzung des Seminarbaus dem Oberstleutnant Neumann auf Anforderung die Summe von 5000 Rth. 'abermahlen' verabfolgen zu lassen, und sofort Kapitel und Zinsen 'als eine zur gemeinsamen Wohlfahrt erforderliche Sach in aufrechnung zu bringen' (Anmerkung 10: Bamb. Staatsarchiv Reo. 113, 1. Bd. 13 und 15. Über Zach. Fränkel vgl. S. Haenle: Geschichte der Juden im ehem. Fürstentum Ansbach S. 85).
Der Großlieferant jener Zeit war der Hoffaktor Jk.Is. Heßlein, Sohn des obengenannten M.J. Heßlein, der insbesondere Livreen und Chaisen, aber auch sogar Spitzen für Messgewänder und andere Pontifikalien lieferte und dafür im Jahre 1739 eine Forderung von 15.434 fl. 2 1/4 Kr. hatte. Auch für Bekleidung der Husaren hat er dem Hofe gute Dienste geleistet, und es wird ihn in einer Kammersitzung bezeugt, dass er sich jederzeit "wohl und ehrlich aufgeführet'. Mit ihm konkurrierte der Hoffaktor Sußmann, der im Oktober 1733 in einer Eingabe nachsuchte, ihm unter Berücksichtigung der Tatsache, dass er an dem im vorausgegangenen Jahre an Zahlungsstatt angenommenen Getreide einen Verlust von über 1.000 Thaler erlitten, die Lieferung der Hoflivreen allein zu überlassen, deren Gegenwert er zur Hälfte wieder in Getreide zum Marktpreise auf dem Lande anzunehmen sich erbiete. Es wird ihm auch eine Lieferung für 100 Personen übertragen, während Heßlein eine solche für 60 Personen erhielt (Anmerkung 11: Die Genannten sind bereits in G.J.B., S. 263, 319 und 321 erwähnt). Auch Meyer, Sohn des David Eger, bereits anfangs des 18. Jahrhunderts in Schutz aufgenommen, von dem die hiesige Bankierfamilien Wassermann in weiblicher Linie abstammt, hat während des 7-jährigen Krieges zur 'Unterhaltung' der kaiserlichen Hilfsvölker Fourage aufgekauft und zu diesem Zwecke vom fränkischen Kreiskonvent einen Pass ausgefertigt erhalten. Dessen Sohn, der gelehrte Jakob Meyer Eger, wird mit seinem Schutzgesuch für seinen älteren Sohn Wolf trotz guter Vermögensverhältnisse im Jahre 1676 mit der Begründung abgewiesen, weil 'ohnehin die Juden gegen die vorige Zeiten allzustark übersetzet seynd'; nachdem er aber bei Wiederholung seines Gesuches geltend machte, dass er sich als Rabbiner in das Schwarzenbergische begeben wolle, sein Realvermögen aber im Hochstift belassen werden und sein Sohn eine 'ansehnliche bemittelte Heirat' machen würde, wurde dasselbe im Juni 1768 mit Rücksicht auf Vermögensstand und mit dem Bemerken genehmigt, dass bei nächster Erledigung einer Schutzstelle dieselbe nicht wieder besetzt werden solle (Anmerkung 12: vgl. über dieselben daselbst die Liste vom Jahre 1746 auf S. 320 [Archiv Rep. 113 II, Nr. 44]). Auch Gabriel Moses Ullmann wurde 1765 in Schutz aufgenommen, weil er mit einer 'reichen Juden-Tochter' (Mitgift 3.000 Gulden) aus Dresden verlobt war und schon seit einigen Jahren mit hiesigen Kaufleuten einen beträchtlichen Handel durch Einführung von Waren aus Berlin und Leipzig betrieben habe. Endlich sei (nach Akten aus dem Jahre 1785) ein Hoffaktor Sam. Wolf genannt, der zusammen mit Simon Sommerhauser für sich und im Namen der 'Haagischen Compagnie' zur Betreibung ihres Holzfloßwesens aus dem Forst von Lichtenfels Weißtannen erwerben wollte.
Der bekannteste und angesehenste unter den Hoffaktoren am geistlichen Hofe war S.S. Heßlein, der, seit 1777 Bambergischer Schutzjude, am 18. Juni 1797 von der fürstlichen Obereinnahme als 'Admodiateur' (Großpächter) angestellt wurde und an die kaiserliche Armee umfangreiche Getreidelieferungen vermittelte. Er war der Bankier und Geschäftsagent des Hochstifts, der erste großzügige Kaufmann, der aus dem hiesigen Ghetto hervorgegangen. Sein Einfluss am Hofe muss bedeutend gewesen sein, da man sich im Volke erzählte, dass Heßlein mit der Tabakpfeife im Munde freien Zutritt zum Fürstbischof habe, und bei den hohen Beamten genoss er hohes Ansehen und eine gewisse Vertraulichkeit. In einem Brief an Geheimrat Pflaum in Kronach vom 12. September 1800 fügt er bei: 'an dero Frau Gemahlin mein untertänigster Respekt' (Anmerkung 13: Sein Bildnis aus biedermeierlicher Zeit, mitgeteilt in meiner Schrift 'Die israelitische Kultusgemeinde Bamberg von 1803-1853' S. 41, macht den Eindruck einer vornehmen Persönlichkeit. Weitere Mitteilungen über denselben G.J.Bbg. S. 263 und Nachträge, S. 61. Vgl. noch Alt-Bamberg von Schuster, Bd. 5, S.160). Als Vorsteher seiner Gemeinde musste der 'Herr Hoffaktor' wie man ihn in Regierungskreisen titulierte, öfter seinen Einfluss in die Wagschale legen, um eine Stundung rückständiger Neujahrsgelder und anderer Abgaben zu erwirken.
III. Neuer Judenschutz auf dem Lande.
Laut einem fürstlichen Dekret vom 30. August 1747 hatte ein Jude bei Erwerbung des Schutzes in der Hauptstadt den Betrag von 100 Speziesdukaten, auf dem Lande von 100 fl.fr. zur fürstlichen Schatulle zu zahlen (Anmerkung 14: Bamberger Verordnungen I. Vgl. G.J.B. S. 202 Anmerk. 4). Aus einem vom Jahre 1791 stammenden 'Verzeichnis der Gebühren, welche ein Jude auf dem Lande zur Erhaltung des landesherrlichen Schutzes bis daher bezahlt hat', entnehmen wir, dass diese Gebühren später etwas ermäßigt auf folgende Posten verteilt wurden:
57 fl. 36 Kr.fr. in die fürstliche Schatull, an 60 fl. kurrent a 1 fl. 12 Kr.rh. gerechnet.
4 fl. 48 Kr. in das Armenhaus. 9 fl. 36 Kr. in die geheime Kanzlei für das Dekret.
18 fl. 48 Kr. zur hochfürstlichen Hofkammer, als: 4 fl. - Kr. an einer Spezies-Dukaten dem Herrn Hofkammerdirektor. 4 fl. - Kr. an einer dito für das Hofkammerzahlamt 4 fl. - Kr. an einer dito für das Sekretariat. 2 fl. - Kr. für die Herren Räte. 1 fl. 36 Kr. für die Kanzley. - fl. 48 Kr. dem Registrator. 1 fl. 12. Kr. dem Expeditori des Schutzbriefes. 1 fl. 12 Kr. dem Kammerboten für das Pergament. zus. 18 fl. 48 Kr.
90 fl. 48 Kr. in summa (Anmerkung 15: Archiv. Rep. 113 IV, Bd. 2 Nr. 66).
Ein hoher Betrag für die meist unbemittelten Leute, die einen schweren Kampf um des Daseins Notdurft zu kämpfen hatten. Kein Wunder, dass es auch Drückeberger gab, die keinen auf ihre Person ausgestellten Schutzbrief besaßen, sondern nur einen solchen, den sie von Eltern oder Verwandten erblich übernommen, aber von Schwiegereltern als Heiratsgut oder bei einem Hauskauf vom Vorbesitzer erhalten hatten. Am 31. Dezember 1758 wurden die Außerverwaltungsbehörden 'stracklichst' angewiesen, bei Vermeidung der Landesverweisung, binnen vierteljährlicher Zeitfrist zur Erwirkung eines ordnungsmäßig auf die Person ausgestellten Schutzbriefes veranlasst werden. daraufhin erfolgte eine Eingabe der Gesamtjudenschaft, in welcher darauf hingewiesen wurde, dass dieselbe bei solchem Verfahren unmöglich ihre bereits auf 4.000 fl. angewachsene Schuldenlast würde verzinsen oder gar tilgen können, zumal die Anzahl derjenigen ihrer Glaubensverwandten, die zu den gewöhnlichen Anlagen beizutragen vermögen, höchstens 150 betrage, von denen die meisten in Ortschaften wohnen, die mit fremdherrschaftlichen Jurisdiktionen vermischt sind, d.h. unter Gutsherrn, unter welchen die Landjuden auch ohne Erwirkung eines kostspieligen Schutzbriefes zuständig werden könnten, wenn sie es nicht vorzögen, 'Ihr Hochfürstliche Gnaden lebensdauerlich treudevote Untertanen zu bleiben'; nachdem sie bei den 3 kurz hintereinander gefolgten Interregnis ihre bei solche Gelegenheit üblichen Auflagen (Anmerkung 16: Vgl. G.J.B. S. 216-217) getragen und die ordentlichen Schutzgelder alljährlich bezahlt haben, erbitten und erwarten sie die Freisprechung von der befohlenen und angeordneten Maßnahme zur Erwirkung des neuen Schutzbriefes.
Die Angelegenheit wurden nach dem Vorschlag der Hofkammer unter gerechter Rücksichtnahme auf die tatsächlichen Verhältnisse, insbesondere mit Rücksicht auf den Umstand, dass die Juden bei dem zweimaligen feindlichen Einfall der preußischen Soldateska schwer gelitten und 'fast von allen Mitteln entkräftet' waren, durch Verzichtleistung auf die Hälfte der zur fürstlichen Schatulle beanspruchten Gebühren von 60 fl. erledigt (Anmerkung 17: Archiv Rep. 113 I Bd. 36 G.J. S. 323, Beilage 18 und Nachträge S. 49)."
Der nachfolgende Abschnitt über die Geschichte der Juden in Forchheim ist auf der Seite zu Forchheim wiedergegeben.
Anlässlich der Verbandstagung der bayerischen Israelitischen Gemeinden in Bamberg - Beitrag von Rabbiner Dr. Eckstein:
"Ein kurzer Gang durch die Vergangenheit der israelitischen Kultusgemeinde Bamberg" (Artikel von 1928)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1928: "Der diesjährigen Verbandstagung zum Willkommensgruß! Ein kurzer Gang durch die Vergangenheit der israelitischen Kultusgemeinde Bamberg.
Von Dr. A. Eckstein.
Der 17. Juni dieses Jahres wird für die israelitische Kultusgemeinde Bamberg ein Tag von gemeindegeschichtlicher Bedeutung sein, eine Veranlassung gehobener Stimmung, eine Gelegenheit, um wechselvolle Bilder aus längst verklungenen Zeiten in die Erinnerung zurückzurufen. Aus allen Gauen des Bayernlandes werden an diesem Tage die abgesandten Vertreter und Wortführer der israelitischen Gemeinden und ihrer religiösen Richtungen, die berufenen Männer des Rates und der Tat, sich in die fränkische Siebenhügelstadt versammeln, nciht wie durchreisende Fremde, um die mittelalterlichen Baudenkmäler derselben im Aufstieg zur Altstadt zu besichtigen, nicht um von der sie überragenden Altenburg einen Fernblick hinaus in die Ebene des Maintals und hinauf zu den bläulichen Jurahöhen zu genießen, sondern als Teilnehmer der diesjährigen Verbandstagung, um in ernster Zusammenarbeit lebenswichtige Fragen der bayerischen jüdischen Religionsgemeinschaft zu beraten. Die Glaubensgemeinde der Tagungsstadt ruft ihren Gästen zum Gruße entgegen: Gesegnet seien die Kommenden, gegrüßt im Namen des Allgeistes, der Israel als Bannerträger und Vorkämpfer der monotheistischen Weltanschauung und Lebensauffassung in seinen Dienst berufen hat! Mögen sie Boten und Künder einer besseren und schöneren Zeit sein, einer allmählich nahenden Blütezeit des Geistes, der auf uraltem Boden neusprossendes und fruchtverheißendes Leben erwachsen lässt! Mögen ihre Beratungen der bayerischen israelitischen Gesamtheit zum Segen gereichen!
Wir laden an dieser Stelle die Tagungsteilnehmer zu einem kurzen Gange durch die geschichtliche Vergangenheit der Gastgebergemeinde ein.
1. Alter der Gemeinde Bamberg. Unter ihren fränkischen Schwestern ist sie wohl die älteste, nicht viel jünger als ihre ehedem fürstliche Herrin, das Bistum Bamberg, eine Stiftung des Kaisers Heinrich II. vom Jahre 1007. Ihren Geburtstag können wir freilich nicht angeben. Anzunehmen aber ist, dass die geographische Lage der nach der Bistumsgründung aufblühenden Stadt, gelegen an der nahe vorbeiführenden karolingischen Handelsstraße und im Herzen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, auch Söhne des alten Wandervolkes zur Niederlassung unter dem Schutze des Krummstabes angezogen hat. Wenn wir einer aus späteren Zeit stammenden Legende glauben dürfen, so hat es bereits um das Jahr 1033 eine jüdische Siedlung in Bamberg gegeben. Durch Zeugnis der Geschichte verbürgt, erscheint jedenfalls die Tatsache, dass Juden daselbst von den mainaufwärts ziehenden Kreuzzüglern im Jahre 1096 zwangsgetauft wurden. Sie durften aber, nachdem der Sturm vorüber, wahrscheinlich mit Duldung des Bischofs, zu ihrem Glauben zurückkehren. Literarisch wird die Gemeinde als solche, mit Betonung ihrer vielen gelehrten und wohlhabenden Männer, erstmalig - neben Regensburg - aus der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts von Benjamin von Tudela in seinem Reisebericht (Masseoth Benjamin) genannt. Aus alledem ergibt sich, dass um das Jahr 1200 die Judengemeinde von Altbaba eine der bedeutendsten und angesehensten in Süddeutschland gewesen ist.
2. Aus der Leidensgeschichte während der Mittelzeit. Wenn ein nichtjüdischer Gelehrter (Professor Schleiden) bei der Betrachtung jüdischen Bekenner- und Opfermutes in der
Mittelzeit den Ausdruck von der 'Romantik des Martyriums' geprägt hat (sc. 1878 erschien von Matthias Jacob Schleiden: Die Romantik des Martyriums bei den Juden im Mittelalter), so bedeutet das, aus der Entfernung von Jahrhunderten gesehen, eine Verklärung von freiwilligen und darum edlen Leiden im Lichte einer Idee. Die davon Betroffenen aber werden die erlittenen Glaubensverfolgungen weniger romantisch als schmerzlich empfunden haben. Nicht weniger als etwa hundertfünfunddreißig Seelen fielen in Bamberg - ganz unromantisch - dem von religiösem Fanatismus im Jahre 1298 im ganzen Frankenlande bis tief in Bayerische hinaus entfesselten Sturm einer blutigen Judenverfolgung zum Opfer, Greise und Greisinnen, Jünglinge und Jungfrauen, erbarmungslos hingemordet oder verbrannt am 28. Juli 1298. Hugo von Trimberg, der Magister und Schulrektor der Theuerstadt in Bamberg, datiert seine Dichtung 'Der Renner' beim Abschluss derselben von dem Tage, 'da die iuden in franke wurde geslage'. Noch schmerzlicher womöglich waren die Opfer, die in den Jahren des Unheils 1349/50 die Pest, weniger die schwarze als die Seuche blinden Aberglaubens, in der Gemeinde forderte. Schmerzlicher und folgenreicher, weil es sich dabei um den Verlust des altererbten Heiligtums handelte, der Synagoge, die nebst dem Gemeindehause und vielen Privathäusern, deren Inhaber und Bewohner dem Würgeengel des Verderbens anheimgefallen, in den Besitz des Bischofs überging und 'in laudem et honorem Dei omnipotentis et augmentationem officii Divini' in eine Marienkapelle verwandelt wurde. Die Erinnerung an dieses Gotteshaus, an dessen Stelle im Jahre 1470 eine neue größere Marienkirche erbaut wurde, seit 1874 die städtische Turnhalle (Judengasse Nr. 1), hat bibliographisch ein kleines hebräisches Gebetbuch erhalten, das die Brüder des Dominikanerordens in demselben gefunden und im Jahre 1502 einem gelehrten Arzte in Nürnberg schenkten, aus dessen Besitz es in den der Fugger-Bibliothek und schließlich der bayerischen Staatsbibliothek in München (Ch. cod. 410) überging (vgl. Gemeindezeitung 1927 S. 332 Spalte 2 unten).
Mit der im Jahre 1478 erfolgten Verbannung der Juden aus Bamberg und dem ganzen Hochstift schließt zeitlich und inhaltich die erste Periode unserer Ortsgeschichte.
3. Aus der neueren Zeit. Die Heimatlosen suchten und fanden großenteils in Dörfern und auf Gütern des Reichs- und Landadels im Umkreis des Fürstbistums ein beiden Teilen willkommenes Asyl. Die Gesamtheit derselben nannte man zur Unterscheidung von den 'stiftischen' die 'ritterschaftlichen' Juden. In der fürstbischöflichen Hauptstadt erscheinen Juden wieder anfangs des sechzehnten Jahrhunderts, immer von neuem wie Wandervögel aus kaum gebautem Neste aufgescheucht durch Ausweisungsbefehle, die im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts nicht weniger als viermal wiederholt wurden. In den unruhigen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges kamen umgekehrt diese Luftmenschen auf der
Suche nach einem Zufluchtsort eingewandert oder eingeschlichen aus dem flachen Lande in die befestigte Stadt, wo sie, mit dem Vorbehalt jederzeitiger Aufkündigung, einen befristeten Schutz fanden. Erst seit Mitte des siebzehnten Jahrhunderts stabilisieren sich ihre Verhältnisse nach außen und nach innen. Als Ende April 1699 infolge einer Getreidenot in Bamberg eine Plünderung der Judenhäuser ausbrach, die im darauffolgenden Wonnemond, geschürt durch künstliche Hetze, in etwa sechsunddreißig Ortschaften des fürstbischöflichen Ländchens sich fortsetzte, ließ die Regierung die bewaffnete Macht aufmarschieren und scharf schießen, die zusammengerotteten Banden gefangen nehmen oder zerstreuen. Und da sogar Adelsschlösser, wohin Juden ihre Habseligkeiten geborgen, vom Pöbel angegriffen und geplündert wurden, wurde durch Vermittlung und auf Veranlassung des damals in Nürnberg tagenden Konvents der fränkischen Stände auch der militärische Beistand der Nachbarländer aufgeboten. Unter Hinweis auf diese Vorgänge hat dann 1701/02 der damals regierende Fürstbischof vom Bamberg und Mainz wiederholt seinen großen Einfluss am kaiserlichen Hofe in Wien gegen das Erscheinen der Schmähschrift von Eisenmenger in die Wagschale geworfen.
Aus dem achtzehnten Jahrhundert sind Ereignisse von allgemeinem Interesse nicht zu berichten. Der betriebsame Apparat der Gesetzgebung richtete, unter Ausschließung der Juden von Handwerk und Landwirtschaft, auf dem Gebiete des Handels und Wandels immer höhere Schranken auf, an deren Niederlegung die Vorkämpfen der Emanzipation im neunzehnten Jahrhundert sich lange abmühen mussten.
4. Innergemeindliches. Während dieses letzten Zeitabschnittes ihrer Ortsgeschichte konzentriert sich die neue Judensiedlung im Zinkenwörth, insbesondere in der Generalsgasse, die um das Jahr 1600 die neue Judengasse hieß. In dieser mietete die noch nicht aus zehn Familien bestehende Gemeinde um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts das Rückgebäude eines Hauses (jetzt Nr. 15) und richtete darin eine 'Schul' ein. Ein als Folge der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse auftauchender Plan zur Errichtung eines neuen Ghettos in der Gegend des damaligen Trudengartens, wo die bösen Hexen verbrannt wurden, und zur Erbauung einer neuen Synagoge an der Stadtmauer 'ganz einsamb und à part' wurde gelegentlich eines Regierungswechsels 1693 aufgegeben und 1694 konnte die Gemeinde ihre Synagoge als Eigentum vom Stadtmagistrat käuflich erwerben. An Stelle derselben wurde im Jahre 1853 eine neue Synagoge erbaut und am 5. November durch den Distriktsrabbiner W. Cohn von Baiersdorf eingeweiht.
Die Entwicklung der Gemeinde wurde durch gesetzliche Verordnungen von außen eingeschränkt und aufgehalten. Bereits im Jahre 1737 zählte man sechzig jüdische Haushaltungen und auf
Grund des Edikts vom Jahre 1813 wurden auch nur dreiundsechzig Matrikel eingetragen, die aber trotz dieser Normzahl unter dem Zwange der Verhältnisse dank der behördlichen Nachsicht bis auf etwa hundertzehn Mitglieder im Jahre 1852 sich vermehren konnten. Erst nach Zulassung der Freizügigkeit auch für Israeliten durch Gesetz vom 10. November 1861 nahm die Gemeinde, besonders im achten und neunten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, durch Zuzug aus den Landgemeinden, einen größeren Aufschwung und erreichte im Jahre 1910 ihren Höchststand mit etwa dreihundertsechzig Mitgliedern und elfhunderteinundachtzig Seelen. Einen Markstein in ihrer neuzeitlichen Geschichte bedeutet der 11. September 1910, an dem ihr in der Herzog-Max-Straße neuerrichtetes monumentales Gotteshaus seiner hohen Bestimmung übergeben wurde.
5. Männer des Geistes. Wenn - nach einem Worte von Heinrich Graetz - Denken ein ebenso charakteristischer Grundzug der Judenheit ist als Leiden, so ist die Israelitengemeinde von Bamberg in der Lage, auf eine stattliche Reihe von Denkern hinweisen zu können, die als Gelehrte ihrem Namen in der Geschichte zur Ehre gereichten. Nicht weniger als dreiundzwanzig Rabbiner sind aus ihrer Vergangenheit bekannt, von denen nur die hervorragendsten hier genannt seien: R. Samuel aus Babenberg, ein durch Scharfsinn und Fachgelehrsamkeit ausgezeichnetes Mitglied der deutschen Tosafistenschule aus der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, Lehrer des hochberühmten R. Meir von Rothenburg (öfter erwähnt besonders in dem rabbinischen Sammelwerke des Nürnberger Rabbiners und Märtyrers Mordechai ben Hillel); R. Moses Minz (1469-1474), Verfasser einer Gutachtensammlung, ein Mann, in welchem die talmudische Gelehrsamkeit der deutschen Rabbiner des Mittelalters ihren letzten bedeutenden Vertreter fand. Am 1. August 1658 wurde durch Übereinkommen zwischen den stiftischen und ritterschaftlichen Juden des Bistums in einer Urkunde, die sich in hebräischer Urschrift erhalten hat, ein Landesrabbinat, zunächst mit dem Sitze im benachbarten Zeckendorf, errichtet. Als ersten Inhaber desselben kennen wir R. Samuel aus Meseritz (etwa 1661 bis etwa 1665), Verfasser des Nachlath schib'a (einer Sammlung von Urkunden-Formularien); R. Mendel Rotschild aus Frankfurt am Main stammend (1686 bis 1718), soll der Stammvater der berühmten Familie dieses Namens gewesen sein; Löb Berlin (1789-1794), der von heir als Oberlandesrabbiner nach Kassel kam, war der Stammvater der noch in Nürnberg blühenden Familie seines Namens. Aus dem neunzehnten Jahrhundert nennen wir den Distriktsrabbiner Samson Wolf Rosenfeld (1826-1862), ein hervorragender Führer im Kampfe um die Emanzipation der Israeliten in Bayern, und Dr. Joseph Kobak (1864-1883), gelehrter Herausgeber des Jeschurun, einer angesehenen Zeitschrift in hebräischer uind deutscher Sprache.
6. Ein Vorgänger des Verbandes. Das Landesrabbiner war der einigende Mittelpunkt sämtlicher Gemeinden im ganzen Umkreis der Fürstbistums, die sich seit Mitte des siebzehnten Jahrhunderts ohne Unterschied der schutzherrschaftlichen Zugehörigkeit zu einem Zweckverbande für Behandlung gemeinsamer materieller und ideeller Angelegenheiten immer enger zusammenschlossen. Er hatte eine durch Satzung geregelte Organisation und hielt als Landesdeputiertenversammlung seine regelmäßigen Tagungen ab. Diesen zuletzt aus fünfundfünfzig Gemeinden bestehenden Verband nannte man die 'Kooperation'. Sie hat sich auch nach der Säkularisierung des Bistums erhalten und wurde vom neuen bayerischen Staate, der in derselben einen jüdischen bürgerlichen Sonderverband erblickte, durch § 21 des Judenedikts vom Jahre 1813 aufgelöst. -
Seitdem ist mehr als ein Jahrhundert in das Meer der Vergangenheit hinabgesunken bis zu jenem 21. April 1920, an welchem der am 17. Juni zu seiner sechsten Jahrestagung in den Mauern unserer Stadt sich versammelnde Verband bayerischer israelitischer Gemeinden ins Dasein getreten ist. Die Zeiten haben sich geändert, die Formen haben gewechselt, aber die Idee, als das seelische Element und zusammenhaltende Band, ist dieselbe geblieben. Und solange diese Idee der Gemeinschaft und das Gefühl des Verbundenseins miteinander und füreinander (hebräische Arewuth) lebendig in seinen Gliedgemeinden bleiben wird, solange wird auch - gemäß einem bekannten Worte in den Weisheitssprüchen der Väter - der Verband Dauer und Bestand haben. Dass diese Dauer eine unbegrenzte sei und sein Bestand trotzen möge den Wechselfällen der Zukunft, ist der Wunsch, mit dem wir die Tagung in Bamberg willkommen heißen.
Beitrag "Von Bambergs Natur- und Kunstdenkmälern" von Dr. Werner (1928)
Alte rituelle Gegenstände aus Bamberg (Artikel von 1928)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1928:
Judaica aus Bamberg in der hebräischen Bibliothek Fuggers (Artikel von 1927)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 11. November 1927:
"Assimilations-Krise" in Bamberg (1808)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1933
Martin Morgenroth: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Bamberg - Dem Andenken Dr. Adolf Ecksteins gewidmet (Artikel von 1935)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. September 1935:
Klage über den alt gewordenen Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld (1854)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juli 1854:
Zum Tod von Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld (1862)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Juni 1862:
Bericht über Rabbiner Dr. Kobak (1864)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Josef Kobak war von 1864 bis 1883 Distriktsrabbiner in Bamberg, danach in Lemberg.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1864:
Während der Vakatur des Rabbinates (1884)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1884:
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1887)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1887:
Rabbiner Dr. Eckstein wendet sich gegen den Antisemitismus in der Presse (1919)
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1925)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 31. Juli 1925:
Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 18. August 1925:
Rabbiner Dr. Rülf wurde nach Bamberg berufen (1926)
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 1. Januar 1926: "Bamberg. (Berufung von Rabbiner Dr. Rülf). Der bisher in Hamburg amtierende Rabbiner Dr. Rölf, den unsere Leser aus Arbeiten in unserer Zeitung kennen, hat letzten Sabbat in Bamberg eine Probepredigt gehalten und wurde am Sonntag darauf zum Rabbiner der dortigen Gemeinde gewählt. Herr Dr. Rülf ist Zögling des Breslauer Rabbinerseminars."
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 15. Januar 1926: "Bamberg. (Berufung des Rabbiners Dr. Rülf - Hamburg). Wie verlautet, hat Rabbiner Dr. Rülf - Hamburg die auf ihn gefallene Wahl zum Rabbiner von Bamberg angenommen".
Rabbinerwechsel (1926)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. Juni 1926: "Der Rabbinerwechsel in Bamberg.
Das Jahr 1926 hat für die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg einen bedeutsamen Wendepunkt gebracht.
Am 1. April 1926 ist der Mann, der seit 38 Jahren der geistige Führer der Gemeinde gewesen ist, Herr Rabbiner Dr. Adolf Eckstein, in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Nach monatelangem schwerem Krankenlager, während dessen auch die Amputation eines Beines vorgenommen werden musste, hat Herr Eckstein am Vorabend des Pessachfestes zum erstenmal wieder das Gotteshaus betreten, um von der Stelle aus, von welcher er so oft Herz und Gemüt durch die Wahrheiten unserer Religion erobert hatte, sich von seiner Gemeinde zu verabschieden. Und die volle Synagoge bewies, wie jeder, der nur irgendwie konnte, um letzten Male den aus seinem Amte scheidenden Rabbiner hören, sein Wort auf sich wirken lassen wollte. Es war eine Hymne des Dankes an Gott und die Menschen, die die Gemeinde und ihre Verwaltung, die das Gotteshaus erfüllte, es waren heiße Wünsche für die Zukunft dieser Gemeinde, die der Prediger zum Himmel empor sandte, und ein feierlicher unvergesslicher Moment war es, da Herr Dr. Eckstein als Abschiedsgruß des scheidenden Rabbiners den Segen über die Gemeinde sprach. Möge Herrn Dr. Eckstein bei fortschreitender Genesung ein langes otium cum dignitate in Mitte der Gemeinde beschieden sein, die er fast vier Jahrzehnte lang als Seelsorger betreut hat.
Und der Freitagabend des 16. April 1926 sah wiederum ein gefülltes Gotteshaus. Herr Rabbiner Dr. Friedrich Rülf, den die Bamberger Kultusgemeinde in einstimmiger Wahl zum Nachfolger Dr. Ecksteins erkoren hatte, sollte in feierlicher Weise in sein Amt eingeführt werden. Als Ehrengäste waren zu der Feier die Herren Bürgermeister Weegmann und Rückel mit mehreren Stadträten, die Vorstände der Bezirksämter und des Finanzamtes sowie der höheren Schulen, die Herren Domkapitulare Geiger und Madlener als Vertreter des Metropolitankapitels sowie eine Anzahl anderer geladener Gäste erschienen. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden war durch die Herren Justizrat Wertheimer (Fürth) und Sanitätsrat Dr. Masur (Coburg) vertreten.
Unter Harmoniumklängen hielt Herr Dr. Rülf, geleitet von der Gesamtverwaltung, um 6 Uhr seinen Einzug in die festlich geschmückte Synagoge, um in der ersten Sitzreihe in einem besonderen Betstuhl Platz zu nehmen. Nach dem vom Synagogenchor feierlich zu Gehör gebrachten Gesang: 'Mah towu' von Sulzer und dem von Herrn Kantor Klestadt prächtig vorgetragenen 'Psalm 44' von Lewandowski, betrat der erste Vorstand der Kultusgemeinde, Herr Geheimer Justizrat Dr. Werner, den Almemor und begrüßte von dort aus alle Erschienenen, vor allem die Ehrengäste. Alsdann gedachte der Redner in warmfühlenden Worten des in den Ruhestand getretenen Herrn Dr. Eckstein, zeichnete dessen 38-jähriges vorbildliches, von höchstem Pflichtgefühl getragenes Wirken als geistliches Oberhaupt der Gemeinde, als Prediger und Religionslehrer, als Freund und Wohltäter der Armen, als Tröster der Trauernden und hob besonders seine Verdienste um die Erbauung der neuen Synagoge hervor, mit der er sich ein bleibendes Ehrenmal gesetzt habe.
Und nun wandte sich Herr Geheimrat Werner an den neuen Rabbiner, um diesen willkommen zu heißen, seinen Pflichtenkreis zu umschreiben, die Hoffnungen zum Ausdruck zu bringen, die die Gemeinde in Zukunft auf ihn setze, und zum Schluss zur Übernahme seines Amtes einzuladen. Herr Rabbiner Dr. Rülf wurde hierauf zum Rabbinersitz geleitet, während der Chor den 'Psalm 42' mit Orgelbegleitung von Lewandowski anstimmte. Als die letzten Akkorde verklungen waren, betrat Herr Dr. Rülf die Kanzel und entwickelte unter Zugrundelegung des Psalmwortes - Psalm 130 Verse 5-7:
'Ich hoffe, Ewiger, es hofft meine Seele; und seines Wortes bin ich gewärtig. Meine Seele ist auf den Herrn gerichtet, mehr als Wächter auf den Morgen. Harre Israel auf den Ewigen, denn bei dem Ewigen ist die Liebe und viel Erlösung bei ihm.'
in tiefschürfender Weise seine Auffassung von den Pflichten des hohen Amtes, das ihm übertragen. Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen, Liebe zu seiner Gemeinde und vor allem Liebe zur Jugend! Mit diesem Bekenntnis trat Herr Dr. Rülf das Amt des Rabbiners in unserer Kultusgemeinde an.
Das Halleluja, Psalm 150, von Lewandowski schloss die eindrucksvolle Feier. Im Anschluss an dieselbe wurde im Gemeindesitzungszimmer Herr Dr. Rülf den Ehrengästen vorgestellt.
Nach der hierdurch bedingten kurzen Pause begann der Freitag-Abendgottesdienst, in den noch die feierliche Stimmung der vorhergegangenen Stunde herüberklang. Dem neuen Rabbiner von Bamberg, Herrn Dr. Rülf, aber sei auch von dieser Stelle ein herzlicher Willkommensgruß gebracht."
70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Adolf Eckstein (1927)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1927:
Antrittspredigt des neuen Rabbiners Dr. Katten (1930)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1930:
Zum Tod von Rabbiner Dr. Adolf Eckstein (1935)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1935:
Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1935:
Ausschreibung der Stelle des 1. Kantors (1887)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1887:
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. März 1887:
Lehrer Süßmann Fränkel tritt in den Ruhestand (1903)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1903:
Zum Tod von Lehrer Süßmann Fränkel (1920)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Februar 1920: "Bamberg. In München verschied - 88 Jahre alt - Süßmann Fränkel, der drei Jahrzehnte in Bamberg als Lehrer und Kantor fungierte."
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer und Kantor Karl Kleestadt (1912)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. August 1912: "Bamberg. Lehrer und Kantor Karl Kleestadt feierte sein 25-jähriges Jubiläum als Beamter der hiesigen jüdischen Gemeinde."
Ausschreibung der Stelle des Schächters und II. Kantors (1926)
Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. November 1926:
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Kantors (1928)
Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1928:
Zum Tod von Kantor und Hauptlehrer Karl Klestadt (1930)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1930:
Die Einrichtung einer Mikwe im Stadtbad (1905)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Oktober 1905:
Ausschreibung der Volksschullehrerstelle für die jüdische Schulklasse (1936)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitung des Central-Vereins) vom 1. Oktober 1936:
Die Bamberger Volksschulen sind "judenfrei" (1936)
An der allgemeinen Volksschule wurde eine jüdische Sonderklasse eröffnet (1936)
Gemeindekonflikt (1808)
Artikel in der Zeitschrift "Sulamith" Jahrgang 1809 S. 189-190:
Dazu Artikel: "Wie im Jahre 1808 in der Kultusgemeinde Bamberg der Liberalismus siegte" (Artikel von 1935)
Gemeindebeschreibung (1851): über den neuen Friedhof, das Schulwesen und Rabbiner Rosenfeld
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. November 1851:
Diskussionen um die Synagogenordnung 1866/67 - kritische Darstellungen in der orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit"
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1866:
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1867:
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1867:
Diskussion um die Gottesdienstordnung (1887)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1887:
Spannungen zwischen liberalen und orthodox-traditionellen jüdischen Gemeindegliedern (1888)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Mai 1888:
Ausschreibungen der L. Gersfelder'schen Stiftung (1890 / 1901)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1890: "L. Gersfelder'sche Stiftung in Bamberg.
Am 12. Tewet dieses Jahres Verlosung der Familienväter-Präbenden, wozu Anverwandte der Stifterin sich melden können bei
S. D. Weiskopf".
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1901: "L. Gersfelder'sche Brautsteuer-Stiftung.
Bewerberinnen aus der Verwandtschaft der seligen Stifterin willen sich bei dem Unterzeichneten anmelden. Bräute erhalten den Vorzug.
S. J. Weiskopf, Bamberg."
Rabbiner und Vorstand der Gemeinde werden zur Hoftafel geladen (1898)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juli 1898:
Wahlen zum Gemeindevorstand (1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1904:
Der "Verein zur Fürsorge für israelitische Waisen in Bamberg" unterstützt russische Waisenmädchen (1906)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Juli 1906: "Der 'Verein zur Fürsorge für israelitische Waisen in Bamberg' hat angesichts der traurigen Vorgänge in Russland und der großen Anzahl der durch die Pogrome verwaisten Kinder dem 'Hilfsverein der Deutschen Juden' für fünf Jahre eine Summe von jährlich 500 Mark zur Verfügung gestellt, um zwei russischen Waisenmädchen eine sorgfältige Erziehung und Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen."
Bildung einer orthodoxen Gemeinde (1911)
Treffen der nordbayerischen jüdischen Jugendvereine in Bamberg (1931)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. August 1931:
Abendliche "Weihestunde" zugunsten der städtischen Winterhilfe (November 1931)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1931:
Aus dem jüdischen Gemeindeleben in der NS-Zeit (April 1934: Ausstellung zu "Purim-Pessach")
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1934: "Aus der Gemeinde Bamberg. Am 17. und 18. März (1934) war die Ausstellung 'Purim-Pessach' auf ihrer Wanderung durch Bayern in der Kultusgemeinde Bamberg zu Gast. Das Gemeindesitzungszimmer der Synagoge war der geeignete Ausstellungsraum, in welchem eine Fülle wertvoller, den Kultgebräuchen des Purim- und Pessachfestes gewidmeter Kunstgegenstände, die durch interessante Stücke aus Bamberger Privatbesitz bereichert waren, in sachkundiger Anordnung den Augen der Besucher sich darbot. Nach dem sabbatlichen Vormittagsgottesdienst eröffnete in Anwesenheit zahlreicher Gemeindemitglieder der Gemeindevorstand, Rechtsanwalt Dr. Morgenroth, die Ausstellung, die erste Bamberger Veranstaltung des Jüdischen Kulturbundes in Bayern, mit einer kurzen Würdigung der Bedeutung des Kulturbundes und herzlichen Dankesworten an die Veranstalter der Ausstellung. Der Leiter der Ausstellung, Herr Dr. Heinrich Feuchtwanger (München) gab einige Erläuterungen über die kunsthistorische Bedeutung der ausgestellten Gegenstände. Nachmittags veranstaltete Herr Rabbiner Dr. Katten, unterstützt von Herrn Religionslehrer und Kantor Schapiro, nach beendigtem Jugendgottesdienst eine Führung für die gesamte Gemeindejugend. Die Ausstellung erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches, der am Sonntag noch eine Steigerung erfuhr dadurch, dass auch die benachbarten Gemeinden ihr Interesse an dieser Darbietung jüdisch-kulturellen Lebens bekundeten".
Trauungen in der Synagoge (August 1934)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 17. September 1934:
Aus dem jüdischen Gemeindeleben in der NS-Zeit (März, April, Mai, Juni und Dezember 1935)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. März 1935: "Aus der Gemeinde Bamberg.
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1935: "Aus der Gemeinde Bamberg.
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1935: "Aus der Gemeinde Bamberg.
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1935: "Bamberg. Es ist ein Verdienst der Palästina-Filmstelle Berlin, denjenigen, denen es nicht vergönnt ist, Erez-Israel zu bereisen, durch den Film das Land näher zu bringen. Die Z.O.G. zeigte zu dem Zweck in Bamberg zum erstenmal einen beweglichen Schmalfilm: 'Erez Israel.' In der trefflich gelungenen Zusammenstellung der verschiedenen Bilder und Szenen gefielen besonders die gut gelungenen Aufnahmen des Kinderdorfes Ben Schemen. In Bamberg ist man auf den angekündigten, demnächst erscheinenden Tonfilm der Palästina-Filmstelle besonders gespannt.
Nach diesen Film-Darbietungen, die mit Gesängen vom I.P.D. umrahmt waren, folgte ein Vortrag von K. Wiesenfelder, der die enge Verbundenheit von Erez (Israel) und Galuth (Diaspora) klarlegte und wahrhaftes Chuluziuth (Pioniergeist), Bereitstellung des ganzen Menschen, nicht nur für Olim (Einwanderer), sondern auch für Galuthmenschen (Juden in der Diaspora) forderte. Als Delegierter für die Berliner Tagung der Z.V.f.D. erstattete der Redner einen Bericht über seine Palästina-Eindrücke und schloss unter starkem Beifall der zahlreich Erschienenen, mit einem Appell an die Versammlung im gleichen Sinne in der Gemeinde arbeiten zu wollen.
Mit dem Gesang der Hatikwah schloss die gut gelungene 4. Veranstaltung der Z.O.G."
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1935: "Aus der Gemeinde Bamberg.
Aus dem jüdischen Gemeindeleben in der NS-Zeit (Januar und Februar 1936)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1936:
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1936:
Veranstaltungen der Zionistischen Ortsgruppe und der Chewra Kadischa (1936)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1936:
Der jüdische Turn- und Sportverein erwirbt die Konzession für eine Gaststätte (1936)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1936:
Filmabend der Zionistischen Ortsgruppe (1936)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1936:
Die Zahl der Gemeindeglieder geht schnell zurück (1936)
Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurts" vom Mai 1936:
Über die Arbeit der Zionistischen Ortsgruppe (Oktober 1936)
Aus dem jüdischen Gemeindeleben in der NS-Zeit (November und Dezember 1936)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1936:
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1936:
Zum Tod des Arztes Dr. Jakob Dessauer - 32 Jahre Vorsteher der Gemeinde (1879)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1873:
Goldene Hochzeit von Weinhändler Leonhard Müller und seiner Frau Babette (1884)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1884:
Der in Bamberg verstorbene Lehrer Heßlein vermacht einen größeren Betrag an den Achawa-Verein (1885)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. März 1885: "Aus Rheinhessen, 22. Februar (1885). Der Achawa-Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland hat soeben durch letztwillige Verfügung des in Bamberg verstorbenen Lehrers Heßlein ein Legat von 5.000 Mark erhalten. Im Dezember vorigen Jahres empfing dieselbe aus dem Nachlass des Dr. Odrell seligen Andenkens aus Frankfurt am Main ein Legat von 6.000 Mark."
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Oktober 1894: "Zum 96. Mal erlebt der Privatier Herr Seligmann Reuß in Bamberg das israelitische Versöhnungsfest. Welcher Frisch der Greis sich zu erfreuen hat, geht daraus hervor, dass er diesen Tag genau nach den Vorschriften verbracht hat."
Benno Lessing wird zum Bevollmächtigten, Karl Dessauer zum Stellvertreter im Gemeindekollegium der Stadt gewählt (1903)
Stiftung der Erben des Kaufmannes Bernhard Ehrlich (1903)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1903:
Ernennung von Julius Ulrich zum Rat am Oberlandesgericht (1905)
Max Bretzfelder wird zum Leutnant der Reserve befördert (1910)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. März 1910:
Über die Adelserhebung der Familie Wassermann (Artikel von 1910)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Juni 1910:
Stiftung durch die Witwe vom Kommerzienrat Bernhard Mohrenwitz (1911)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1911:
Hofbankier Angelo von Wassermann unterstützt die Armen der Stadt (1912)
Beisetzung von Dora von Wassermann in Bamberg (1912)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. März 1912: "Am 25. Februar fand auf dem israelitischen Friedhofe in Bamberg die Beerdigung der in Meran infolge Schlaganfalls verstorbenen Frau Hofbankier Dora von Wassermann, einer großen Wohltäterin der Armen, statt".
Zum Tod des Bamberger Hofbankiers Angelo von Wassermann (1835 - 1914) sowie über seinen Bruder Emil Wassermann (1842 - 1911)
Vgl. hierzu auch die Seite "Banken jüdischen Ursprung" bei http://www.juden-in-bamberg.de/Handel_Banken/Banken.htm
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. August 1914: "Hofbankier Angelo von Wassermann. Geboren am 20. Mai 1835 in Wallerstein. Gestorben am 6. Mai 1914 in Berlin.
An einem Maientage haben wir in Bamberg nach einer stillen Trauerfeier, die an Einfachheit und Bescheidenheit nicht übertroffen werden kann, die Staubeshülle eines Mannes der Familiengruft übergeben, dessen Leben ein fast wolkenloser Maientag gewesen, der es schon mit Rücksicht auf seine einflussreiche Stellung und seine Gesinnung gegenüber dem Judentum verdient, dass ihm an dieser Stelle mit einigen Worten ein Denkmal der Ehre aufgerichtet werde.
Von Benjamin Disraeli, dem genialen Staatsmann von Großbritannien, wird erzählt, dass er die adelsstolzen Herren im Hause der Peers, als sie es wagten, den auf politischer Stufenleiter durch eigene Geisteskraft zur höchsten Sprosse des Erfolges emporgestiegenen Judenstämmling mit ironisierender Anspielung an seine israelitische Abstammung zu erinnern, in ihre Schranken mit den Worten zurückgewiesen habe: mein Adel ist älter als der eure, denn mein Stammbaum reicht zurück bis auf Abraham, den zum Segen aller Geschlechter der Erde erwählten Gottesfürsten! Nicht alle geadelten Israeliten haben so adelig gedacht und empfunden. Auf der Stufe, die sie erreicht, haben ihrer viele vergessen der Wurzel, der sie entsprossen, und wir haben im allgemeinen keine Veranlassung, ihr Bild in der Galerie berühmter Männer des Judentums aufzustellen, wie es ein zeitgenössischer Schriftsteller getan. Aber Angelo von Wassermann, der am 6. Mai dieses Jahres fern der Heimat, an der sein Herz gehangen, in einem Sanatorium zu Berlin nach einem an Aussaat und Ernte reich gesegneten Leben kurz vor Vollendung seines 70. Jahres wie ein verlöschendes Licht seinen Odem ausgehaucht, kannte keinen höheren Stolz als den der Abstammung aus einer durch Wissen und Frömmigkeit ausgezeichneten und im deutschen Vaterland weit verzeigten Familie (Anmerkung: Die Familie führt ihren Stammbaum, den der als Sammler von auf die Geschichte der bayerischen Israeliten bezüglichen Akten und Urkunden verdiente David Wassermann in München aus archivalischen Forschungen mühsam zusammengestellt, bis Anfang des 17. Jahrhunderts zurück. Als Stammvater historisch nachgewiesen ist Elkan Wassermann, 1770 Salzfaktor des Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Mütterlicherseits stammt die Bamberger Linie der Wassermanns angeblich von Rabbi Akiba Eger).
Von diesem Mann kann aber nicht gesprochen werden, ohne zugleich das Andenken an seinen um einige Jahre jüngeren Bruder zu wecken, der ihm in die Ewigkeit vorangegangen. Der Name Emil Wassermann (geb. am 12. Mai 1842 in Wallerstein, gest. am 12. November 1911 in Berlin) bedeutete in weiten Kreisen ein Programm, und dies Programm war das altüberlieferte Judentum in modernisierter Fassung. Er schützte es, wie man ein teures Familienerbe schätzt, und dennoch war es ihm ein Lebendiges und Gegenwärtiges, der Inhalt seines Bewusstseins. Und er selbst war nach seiner ganzen Erscheinung und Geistesbeschaffenheit ein echtes Produkt des Judentums, und zwar eines von den immer seltener werdenden, in welchem der Geist der Vergangenheit und der Geist der Gegenwart, Thorakenntnis und neuzeitliche Bildung in harmonischem Bunde vereinigt waren. Es war ein Vergnügen, in seinem mit allem Schönen geschmückten Hause ein Bibliothekzimmer zu finden, in welchem die ehrwürdigen Talmudfolianten, denen er gern eine geschäftsfreie Mußestunde widmete, seine besten Freunde waren. Keine Erscheinung gab es im Judentum, im Leben oder in der Literatur des Judentums, welcher er nicht sein lebhaftestes Interesse zugewendet, kein bestreben auf geistigreligiösem oder gemeinnützigem Gebiete, das er nicht mit Hingabe seines jederzeit zum Dienen bereiten Wesens und der ihm zur Verfügung stehenden materiellen Mittel unterstützte. Immer und überall stand er an der Spitze der Wohltäter und Förderer. Die Krone der Persönlichkeit war aber doch seine durchaus konservativ gerichtete Frömmigkeit, die ihre tiefsten Wurzeln in seinem warmfühlenden Herzen hatte. Von solcher Gesinnung erfüllt, hat er in seiner hinterlassenen Niederschrift seiner Wünsche seine sieben Söhne, welche bereits geachtete Stellungen in der Welt einnehmen, gleich den Frommen ehemaliger Zeiten mit ergreifenden Worten zur treuen Anhänglichkeit gemahnt an das Judentum und seine Einrichtungen.
In seiner Liebe zum Judentum stimmte auch sein älterer Bruder Angelo von Wassermann mit ihm überein. Nach Wesen und Art war's allerdings ein anderer. Er war das Weltkind im Goetheschen Sinne dieses Wortes. Seine Begabung und Neigung betätigte er vor allem auf kommerziellem Gebiete. In ihm arbeitete ein intelligenter Geist und ein zielbewusster Wille, der den eroberten Erfolg zu verwandeln wusste in ein Mittel neuer Unternehmungen und neuer Erfolge. Damit ist bereits gesagt, dass er zu denjenigen Erscheinungen kaufmännischer Unternehmer gehörte, die durch schöpferische Arbeitskraft immer neue Betriebe in Bewegung setzen und so durch ihre anregende und befruchtende Tätigkeit werteschaffend wirken. So wird ihm mit Recht nachgerühmt, dass das von ihm in Gemeinschaft mit seinem Bruder geleitete Bankhaus in Bamberg, eines der größten Privatinstitute im Reiche, das in Berlin ein eigenes Haus hat und Schwestergeschäfte in London und Brüssel, an der Begründung und an dem Aufschwung der oberfränkischen Textilindustrie einen hervorragenden Anteil hatte.
Und er war unser. Die schöne Synagoge in Bamberg wird sein und seines Bruders Andenken erhalten in der Erinnerung kommender Geschlechter. Am 27. Mai 1910 hat der verewigte Prinzregent von Bayern ihm den erblichen Adel verliehen. Ich darf, nachdem er für ewig die Augen geschlossen, verraten, dass es ihm Vergnügen machte, seinen großen Einfluss bei Hochgestellten zugunsten von Glaubengenossen, die ein Anliegen hatten, in die Wagschale zu legen. Nichts aber kennzeichnet so sehr seine Gesinnung als sein letzter Wille, in welchem er verfügte: 'Da ich mein ganzes Leben lang ein echter Jehudi war, so will ich auch als solcher begraben werden. Man soll mich durch die Bruderschaft bestatten lassen und es sollen nur die hebräischen Gebete gesagt werden. Ich will keine Grabrede und auch kein deutsches Gebet gehalten haben, das etwa die Stelle einer Leichenrede ersetzen könnte. Ich will, dass der Geistliche kein deutsches Wort bei meiner Beerdigung spricht. Das soll durchaus keine Abneigung gegen den gegenwärtigen Rabbiner bekunden. Grund der vorstehenden Verfügung ist vielmehr der, weil ich von jeher Feind aller öffentlichen Huldigungen und Lobeserhebungen war.'
In genauer Befolgung dieser patriarchalischen Wünsche sind im Beisein einer imposanten Trauerversammlung seine Staubesreste in die Familiegruft, die er sich nach dem im März 1912 erfolgten Tode seiner Gattin (Dora geb. Bauer aus Augsburg) errichtet, versenkt worden. Als die auf seinen Sarg fallenden Erdschollen aus der Tiefe ein dumpfes Echo aufsteigen ließen, musste ich an die Dichterworte denken:
'Auf einem Berge sterben, Wohl muss das köstlich sein,
Wo sich die Wolken färben Im Morgensonnenschein.
Tief unten der Welt Gewimmel, Forst, Flur und Stromeslauf,
Und oben tut der Himmel Die goldenen Pforten auf.' Dr. A. Eckstein."
Literaturhinweis: Ferdinand von Weyhe: A.E. Wassermann. Eine rechtshistorische Fallstudie zur 'Arisierung' zweier Privatbanken (= Rechtshistorische Reihe 343). Verlag Lang. Frankfurt am Main. 2007 187 S.
Dazu - aus der Sammlung von Peter Karl Müller (Kirchheim am Ries) - ein Dokument aus der Familie Wassermann (Bamberg)
Der nachstehende Brief der Brüder Angelo und Emil Wassermann (beide aus Wallerstein, nun in Bamberg) wurde am 26. Februar 1871 von Bamberg nach Nördlingen geschickt.
Adressat auf der
Vorderseite des Briefes Vergrößerung des
Firmenstempels Briefinhalt Absender auf der
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. September 1914: "Bamberg, 28. August (1914). Der Schreiber des nachfolgenden Briefes, Vater von sechs und demnächst sieben Kindern, ist am 5. August ins Feld gerückt. Aus frommem Herzen heraus, aus kriegsstarker Begeisterung schrieb er an seine Verwandten: 'Meine Lieben! Wenn dieses hier meine letzten Zeilen sein sollen, so lebt wohl, fürchtet Gott und haltet seine Tora! Meine Kinder empfehle ich dem Allmächtigen, er möge sie zu unseren Großen in Israel heranziehen, ich will Rache nehmen für die vielen Morde und Martern, die an Juden von unseren Feinden begangen wurden. Es haben sich bei uns achtzehn Juden freiwillig ins Heer einstellen lassen, dabei will auch ich nicht zurückbleiben und unsere jüdische Pflicht erfüllen! Verflucht sei, wer in dieser Zeit nicht seinen letzten Tropfen Blut fürs Vaterland hergibt. Und sollte es dann sein, dass wir nicht mehr lebend zurückkommen, so finden wir doch ein ewiges Leben bei dem, der über unser Wohl und Wehe beschließt. Wir nehmen Abschied mit Tränen, aber mit Liebe ziehen wir von unseren Frauen und Kindern, um unsere Pflicht zu tun; wie könnte ich auch nachher aufrecht unter meinen Mitmenschen herumlaufen oder vor Gott beten, wenn ich zurückstehen wollte. Ich habe mich mit meinen Angehörigen beraten und auf die Stimme meiner Mutter, die auch unserem lieben Emil das gleiche geraten hat, bin ich gegangen. Wenn ich aber lebend meine Lieben wiedersehen darf, so komme ich ohne Sünden, ohne Makel zurück; ich habe die Bücher Moses durchgenommen, ich habe Abraham, Mosche und Jehoschua (Josua), ich habe Debora, die Richter und die Makkabäer zwei Nächte lang rezitiert, und ich kam auf den Schluss, dass wir unter allen Umständen zuerst unser Vaterland, dann unsere Familie, dann unseren Glauben schützen müssen."
Leutnant Otto Hellmann wird ausgezeichnet (1916)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1916: "Dem Leutnant Otto Hellmann, Sohn des Kommerzienrats Hermann Hellmann in Bamberg, welcher bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse ist, wurde der bayerische Militärverdienstorden vierter Klasse mit Schwertern verliehen".
Die antisemitisch eingestellten Bamberger Gymnasiasten Karl Kolb (Burghaslach) und Josef Bauer (Schweinfurt) stehen vor Gericht (1920)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Februar 1920: "Bamberg, 30. Januar (1920). Vor dem Volksgericht Bamberg hatten sich am 23. dieses Monats die Gymnasiasten Karl Kolb aus Burghaslach und Josef Bauer aus Schweinfurt wegen je eines Vergehens gegen die öffentliche Ordnung nach § 130 RStGB. zu verantworten. Die beiden Beschuldigten, welche die siebente Klasse des Neuen Gymnasiums in Bamberg besuchen, sind überführt und auch geständig, mehrere Mal an verschiedenen Häusern mit Kreise die Worte geschrieben zu haben: 'Los von Juda'. - Ihre Überführung konnte durch einen Zettel geschehen, der von Rabbiner Dr. Eckstein am Schillerplatz gefunden und der Polizei übergeben wurde und auf dem der Name des Mitangeklagten Kolb gestanden hat. Die Angeklagten wurden vom Unterricht weggeholt und zu einer Vernehmung auf die Polizei gebracht, wo sie sofort ein offenes Geständnis ablegten. Eine in der Wohnung der jungen Leute vorgenommene polizeiliche Durchsuchung hatte ein negatives Resultat. Auch in der Verhandlung waren die Angeklagten geständig und führten übereinstimmend aus, dass sie lediglich ihrer politischen Überzeugung Ausdruck verleihen wollten. Während der Ferien hätten sie fleißig die Literatur studiert; auf Grund derselben und auf
Grund der politischen Ereignisse in den letzten beiden Jahren der Revolution seien sie zu der Überzeugung gekommen, dass der Einfluss der Juden auf das Deutschtum ein äußerst gefährlicher sei. Auf Grund der Lektüre hätten sie die feste Überzeugung gewonnen, dass der Einfluss der Juden für das Deutschtum verderblich sei. Weiter hätten sie mit dem Anschreiben bezwecken wollen, dass die Leute bei den nächsten Wahlen ihre Stimmen nicht mehr den Juden geben. An irgendwelche blutige Gewaltakte hätten sie nicht gedacht. ebenso wenig an eine strafbare Handlung. Mit der Möglichkeit, dass sie sich eine Rektoratsstrafe zuziehen würden, hätten sie gerechnet. Tatsächlich hätten sie auch einen Rektoratsverweis mit einem Vermerk im Zeugnis erhalten. Von da ab hätten sie derartige Handlungen unterlassen. Der Vertreter der Anklagebehörde, zweiter Staatsanwalt Buff, führte aus, dass sich das Verhalten der Beschuldigten als ein Unfug darstelle, der geeignet sei, bei einem Teil der jüdischen Bevölkerung Besorgnis hervorzurufen. Wenn die Bevölkerung immer derlei Anschläge lese, so werde die Stimmung, die ohnehin gegen die Juden eine gereizte sei, eine immer erregtere. Dazu komme noch, dass wir in einer unruhigen Zeit leben, wo Gefahr für eine Hungersnot bestehe und Lebensmittelkrawalle zu befürchten seien. Dass sich dann die Bevölkerung einen Sündenbock suche und gegen einen Teil der jüdischen Bevölkerung vorgehe, die schon von alters her im Geruche des Wuchers stehe, wenn dies jetzt auch gegenwärtig, wo alles wuchert, unbegründet sei, sei nur zu leicht anzunehmen. Die Hetzereien seien auch dann sehr gefährlich, wenn nicht immer auf den politischen Zweck hingewiesen werde. Wenn auch zugegen werden mag, dass die Angeklagten kein volles Verständnis für die Gefährlichkeit ihres Beginnens hatten, so seien sie doch für ihr Tun voll und ganz verantwortlich zu machen. Er beantrage, die beiden Angeklagten wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung nach § 130 zu verurteilen. Unter allen Umständen aber liege ein grober Unfug vor, falls das Gericht der Auffassung sein sollte, dass die Voraussetzungen des § 130 nicht gegeben seien. Er unterlasse es deshalb einen bestimmten Antrag zu stellen, sondern stelle das Strafausmaß in das Ermessen des Gerichts. - Das Urteil lautete nach nahezu einstündigen Beratung auf Freisprechung der beiden Angeklagten unter Überbürdung der Kosten auf die Staatskasse. In den Urteilsgründen wurde kurz ausgeführt, dass ach dem Ergebnis der Beweisaufnahme das Gericht in der Handlungsweise der Angeklagten eine Anreizung zu Gewalttätigkeiten im Sinne des § 130 nicht erblicken könne. Es liegt aber auch kein Unfug vor, nachdem den Angeklagten nach Überzeugung des Gerichts das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit gefehlt habe. Die Freisprechung erfolgte mit vier Stimmen. Am Schlusse der Verhandlung erteilte der Vorsitzende den beiden Angeklagten ernste Mahnungen. Mit dem freisprechenden Urteil solle nciht gesagt sein, dass das Verhalten der Angeklagten zulässig sei. Das Gericht gebe zu erkennen, dass das Verhalten ein großer Verstoß gegen den öffentlichen Anstand sei und die Beschuldigten mögen sich in Zukunft von derartigen Geschichten fernhalten. Die Freisprechung erfolgte lediglich aus rechtlichen Gründen."
Diamantene Hochzeit von Neumann Frank und seiner Frau (1928)
Abschiedsfeier des langjährigen Gemeindevorstehers Geheimer Justizrat Dr. Josef Werner (1930)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1930:
60. Geburtstag von Julius Wassermann (1933)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1933:
Zum Tod von Bankdirektor Oskar Wassermann (in Berlin, 1934)
Hinweis: Zur Person vgl. den Wikipedia-Artikel "Oscar Wassermann"
Artikel in der Zeittschrift "Der Israelit" vom 14. September 1934: "Oscar Wassermann gestorben. Berlin, 13. September (1934). Der bekannte Bankdirektor Oscar Wassermann ist am Rüsttag zu Rosch Haschanah in Garmisch nach längerem Leiden im Alter von 66 Jahren gestorben. Wassermann entstammte einem gesetzestreuen Hause in Bamberg und bewahrte sich bis zuletzt warme Liebe zu allen jüdischen Dingen, wiewohl er zwischendurch andere Wege gegangen war. Ein Mann von Energie und seltener Begabung, machte er rasch Karriere und war bald als Direktor der Deutschen Bank eine der populärsten Persönlichkeiten in der deutschen Finanz- und Bankwelt. Er gehörte auch dem Generalrat der Reichsbank an. Im Jahre 1933 schied er aus seinen Ämtern aus, behielt aber trotz seiner geschwächten Gesundheit seine meisten Ehrenämter in den jüdischen Organisationen bei. Die Liebe seines Herzens gehörte dem Palästinaaufbau, doch hatte er auch Zeit und Sinn für alle anderen sozialen und kulturellen Aufgaben der jüdischen Gemeinschaft. Bis zu den Jahren seiner Krankheit war er auch Vorsitzender des Keren Hajessod für Deutschland und eifriges Mitglied des Administrative Committee der Jewish Agency. Er pflegte seine geistvollen Reden gern mit Bibel-, zuweilen sogar auch mit talmudischen Zitaten zu würzen. Der Heimgang Wassermanns rief in weiten jüdischen kreisen große Bestürzung hervor.
Die Bestattung fand am Mittwoch, den 12. September, auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee statt. Man sah viele bekannte Führer der Wirtschaft, der Industrie und besonders der Bankwelt bei der Trauerfeier, in deren Mittelpunkt eine eindrucksvolle Gedenkrede von Rabbiner Dr. Leo Baeck stand."
Israelitisches Restaurant eröffnet (1879)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1879:
Neue jüdische Restauration (1931)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1931:
Geburtsanzeige für Ernst Julius Katz, Sohn von Berthold Katz und Ida geb. Früh (1928)
"Ernst Julius. Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hocherfreut an
Berthold Katz und Frau Ida geb. Früh.
Bamberg, den 30. September 1928. Zurzeit: Privatklinik Prof. Dr. Hofbauer."
Verlobungsanzeige von Hanna Neumann und Josef Singer (1937)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1937:
"Hanna Neumann - Josef Singer. Verlobte.
Fürth i. Bay. Café Monopol - Bamberg Zinkenwörth 17 / München.
Empfang findet nur Samstag, 31. Juli / 23 Aw, Moststr. 10 I. statt."
Dokument zu Emanuel Dessauer (1811-1880)
Umschlag eines am 20. Februar 1877 aus Halle an den Hopfenhändler Emanuel Dessauer in Bamberg geschickten Briefes.
Informationen zu Emanuel Dessauer finden sich auf einer Seite des Museums Bamberg.
Postkarte an den Kaufmann Simon Silbermann (1887)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries; ergänzende Angaben auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller)
Die Postkarte aus Görlitz wurde an Simon Silbermann in Bamberg am 3. Juni 1887 versandt (Ankunftsstempel Bamberg 4. Juni 1887). Der Absender bestätigt den Empfang eines Stoffballens und fordert noch zwei weitere Ballen als Eilgut an.
Simon Silbermann (geb. 4. November 1843 in Kolmsdorf, gest. 13. März 1901 in Bamberg) war verheiratet mit Getta geb. Schönthal (geb. 6. Juli 1851 in Diespeck, gest. 1913 in Wiesbaden). Simon Silbermann war Kaufmann und Gründer der Tuchgroßhandlung Simon Silbermann .
Die Söhne Felix Silbermann und Siegfried genannt Fritz Silbermann waren später Mitbesitzer der Tuchgroßhandlung.
Weitere Kinder des Ehepaars waren Paul Silbermann, Dr. jur. Emil Silbermann und Anna Silbermann verh. Hirsch.
Die Firma wurde 1938 zwangsenteignet.
Weitere Informationen finden sich im Gedenkbuch Jüdischer Bürger Bambergs S. 349-350 (online: Gedenkbuch Jüdische Bürger Bambergs).
Postkarte an Hermann Hellmann in Bamberg (1894)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries, ergänzende Angaben auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller) )
Die Karte ist adressiert an Hermann Hellmann, abgeschickt in Ulm am 30. April 1884. Hermann Hellmann (geb. 14. Juni 1869 in Reckendorf, gest. 24. Juni 1919 in Bamberg) war Gründer und Besitzer einer von 1888 bis 1905 in Bamberg bestehenden Privatbank "Hellmann Bank". Er war verheiratet mit Emma geb. Goldschmiedt (geb. am 22. Juli 1867 in Verona), die bekannt war für ihr Engagement im Bereich der Wohltätigkeit. Sie trat 1889 dem Bayerischen Frauenverein Oberfranken und dem Zweigverein Bamberg Stadt bei, war zwischen 1912 - 1914 eine der Förderinnen des Vereins für Ferienkolonien und initiierte 1915 durch ihre Stiftung des "Eisernen Ritters" am Marktplatz in Bamberg eine große Spendenbereitschaft seitens der Bamberger Bürgerschaft und ihrer Vereine für die Kriegsvorsorge. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Sohn Otto Silvio (geb. 1889) und Tochter Elsa (geb. 1892). Die Witwe Emma Hellmann zog 1932 nach Frankfurt am Main. Am 19. August 1942 wurde Sie nach Theresienstadt deportiert. Am 23. September 1942 folgte die Deportation nach Treblinka und ihre Ermordung.
Quellen: Gedenkbuch Jüdische Bürger Bambergs, Seite 157.
http://www.kulturwerkstatt-bamberg.de/oberfranken/juedisches_leben/bamberg/juedische_frauen.htm
http://www.vg-baunach.de/index.php?id=0,94
Artikel in der Zeitschrift "Im Deutschen Reich" vom Juli 1916 S. 182: "Der Bamberger eiserne Ritter. Ein Erinnerungsblatt an den Völkerkrieg 1914-1916, das unserer Schriftleitung zuging, bietet einen illustrierten Bericht über die am 24. Oktober vorigen Jahres erfolgte feierliche Enthüllung und die erste Nagelung des von Frau Kommerzienrat Hermann Hellmann gestifteten patriotischen Denkmals auf dem Marxplatz in Bamberg. Die Feier wurde durch Gesangvereine, die Domorganist Höller leitete, eröffnet; dann folgten Ansprachen des Erzbischofs Dr. von Hauck und des Bamberger Bürgermeisters Wächter. Nachdem beide gemeinsam mit der Stifterin des Stadtritters die ersten goldenen Nägel eingeschlagen hatten, vollzogen zahlreiche Anwesende ihre Nagelungen und Eintragungen in das eiserne Buch. Seit dieser Feier, die mit einer ergreifenden Rede des Bürgermeisters abschloss, versammeln fast jeden Sonntag Vereine in Bamberg ihre Mitglieder auf dem Marxplatz, um durch Nagelungen ihr Scherflein zur Kriegsfürsorge beizutragen."
Erzbischof Dr. Josef von Schork verurteilt den Antisemitismus als unchristlich (1891)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Juni 1891: "Der neue Bamberger Erzbischof Dr. von Schork, zu dessen Empfang auch eine Deputation der jüdischen Gemeinde anwesend war, äußerte sich dieser gegenüber, dass er den Antisemitismus als in hohem Grade unchristlich verurteile, in welcher Form er auch auftrete und welche Gründe auch für denselben vorgeschützt werden mögen. Er werde diesem Treiben mit allen Mitteln entgegentreten."
Zum Tod des Erzbischofs Dr. Josef von Schork, eines entschiedenen Gegners des Antisemitismus (1905)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1905: "Bamberg, 1. Februar (1905). Der am 25. vorigen Monats hier verstorbene Erzbischof Dr. Josef von Schork war ein entschiedener Gegner des Antisemitismus. In welchem Geiste er wirkte, davon gibt eine Ansprache Zeugnis, die er gelegentlich der Vornahme der Firmung in Fürth im Juni 1892 hielt. Er ermahnte darin, sich nicht bei dem Hasse und der Hetzerei gegen die Andersgläubigen zu beteiligen. Diese Hetze sei eine Schmach für unsere Zeit und verstoße gegen den Geist des Christentums in schärfster Weise. Man müsse dem Irrtum widerstreben, aber es gehe nicht an, die Angehörigen eines anderen Glaubensbekenntnisses zu hassen, da Christus mit den Worten 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst' alle Menschen ohne Ausnahme mit inbegriffen habe. Kürzlich erzählte Dekan Seeberger in Bamberg folgende Geschichte, die bezeichnend ist für die Gesinnung des Verstorbenen: 'Bevor ich in Urlaub abreiste, brachte ich dem Erzbischof noch meine Glückwünsche zu seinem 50-jährigen Priesterjubiläum dar. Ich glaube keine Indiskretion zu begehen, wenn ich erzähle, dass dieser hohe Herr mit bewegten Worten mir sagte, dass die Aufrechterhaltung des konfessionellen Friedens ihm ein Herzensanliegen sei. Aus innerster Überzeugung konnte ich ihm erwidern: 'Das wissen wir, Exzellenz!' möge auch den Nachfolger des Verstorbenen dieser Geist der Friedensliebe beseelen! - Ein Mitarbeiter der 'Neuen Freien Presse', der den Erzbischof im Sommer in Brennerbad wiederholt sah und sprach, erzählt noch folgende Einzelheiten: Sehr erbittert zeigte sich Schork im Hinblick auf Wiener Zustände über das Zusammengehen eines Teiles des katholischen Klerus mit der Demagogie und hier anknüpfend, bemerkt er: 'Ihr Herr Dr. Lueger muss aber ein sehr gewandter Mann sein; er kam zu uns nach München behufs antisemitischer Propaganda und hielt eine Versammlung ab. Als er etwa zehn Minuten nach Beginn seiner Rede merkte, dass er keinen Anklang fand, wendete er sich prompt einem anderen Thema zu und sprach noch eine Stunde lang von allem anderen, nur nicht von den Juden. Er war doch nur auf die letzteren vorbereitet - das muss ein sehr schlagfertiger Herr sein! Ja,' fügte der Bischof hinzu, 'der Antisemitismus fällt bei uns in Bayern auf keinen fruchtbaren Boden, ich habe in meiner Diözese keinen einzigen antisemitischen Pfarrer. Vor nicht langer Zeit hatte ich eine Verhandlung mit einem höheren protestantischen Geistlichen, welche diesem Anlass gab, mich zu fragen, ob ich auch Antisemit sei. Ich antwortete: 'Nein, und zwar aus drei Gründen: erstens bin ich Mensch und darf als solcher nicht hassen; zweitens bin ich Christ und muss als solcher meinen Nächsten lieben, und drittens' - hier wurde er heftig - 'bin ich überzeugt, dass dieser Schlamm des Antisemitismus auch noch unsere heilige Kirche bespritzen wird.' Und als dann der Lutheraner meine Argumente bekämpfen wollte und zu nörgeln fortfuhr, replizierte ich scharf: 'Nun, ich habe noch einen vierten Grund: ich bin kein Antisemit, weil Sie einer sind.'"
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Februar 1905: "Bamberg, Der jüngst hier verstorbene Erzbischof Dr. Josef von Schork war ein entschiedener Gegner des Antisemitismus. In welchem Geiste er wirkte, davon gibt eine Ansprache Zeugnis, die er gelegentlich der Vornahme der Firmung in Fürth im Juni 1892 hielt. Er ermahnte darin, sich nicht bei dem Hasse und der Hetzerei gegen die Andersgläubigen zu beteiligen. Diese Hetze sei eine Schmach für unsere Zeit und verstoße gegen den Geist des Christentums in schärfster Weise."
Karte von Marie Brandis (Bamberg), verschickt aus Schweinfurt (1902)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries, ergänzende Angaben auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller)
Absender der am 6. Juli 1902 von Schweinfurt nach Bamberg verschickten Karte waren Marie Brandis und ihre Schwester, Empfängerin war eine Frau Heckel in Bamberg.
Zur Absenderin und deren Schwester: Marie Brandis (geb. am 26. Juli 1865 in Mühlhausen, Mfr. als Tochter des Arztes Dr. Max Brandis, gebürtig aus Dormitz, Obfr. und der Babette Herzfelder, gebürtig aus Marktbreit). Die Familie Brandis zog noch vor 1900 von Mühlhausen nach Bamberg. Marie hatte noch fünf Geschwister. Marie Brandis war die Inhaberin einer Sprachschule in Bamberg, Vorderer Bach 7. Von 1911 bis zu ihrem Berufsverbot 1935 war Sie als Sprachlehrerin in Bamberg tätig. Am 9. September 1942 wurde Sie von Bamberg nach Theresienstadt deportiert und kam dort am 23. Januar 1943 ums Leben. Quellen: Gedenkbuch der Jüdischen Bürger Bambergs - S. 60;
http://www.franken-wiki.de/index.php/Gedenkstätten_für_die_Opfer_des_Nationalsozialismus_in_Franken (unter Bamberg, Vorderer Bach 7)
Die Schwester von Marie Brandis, die auf der Karte ebenfalls herzliche Grüße ausrichten lässt, ist mit ziemlicher Sicherheit Emma Brandis (geb. am 2. April 1860). Emma war die zweite Ehefrau des Witwers Markus Marx (Heirat 1897 Bamberg), der in Schweinfurt eine renommierte Weingroßhandlung betrieb (Weingroßhandlung Marcus Marx), die später sein Sohn mit zwei Neffen weiterführte bis zu deren "Arisierung". Das Ehepaar Marx verzog 1907 nach München. Emma Marx verstarb dort 1937. Quelle: Recherchen von Elisabeth Böhrer, Schweinfurt.
Hirtenbrief des neuen Erzbischofs Dr. Friedrich Philipp von Abert und sein Engagement für den konfessionellen Frieden (1905)
Hinweis: Dr. Friedrich Philipp von Abert (geb. 1852 in Münnerstadt, gest. 1912 in Bamberg) wurde 1905 durch Papst Pius X. zum Erzbischof von Bamberg ernannt. Weitere Informationen siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Philipp_von_Abert
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1905: "Bamberg, 14. Mai (1905). Der heute verkündete erste Hirtenbrief des neuen Erzbischofs Dr. Abert (für falsch: Albert) hebt als eine Hauptpflicht des Hirtenamts den Frieden mit den Nebenmenschen, auch mit den Andersgläubigen, hervor."
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19.Mai 1905: "Bamberg, 12. Mai (1905). Es verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden, in welch schönem Einvernehmen die verschiedenen Konfessionen der hiesigen Stadt leben. Die Persönlichkeit des neuen Erzbischofs des hochwürdigen Herrn Dr. Friedrich Philipp Abert bürgt dafür dass der Friede auch gerner bewahrt bleibe. Bei seinem Einzug in hiesiger Stadt sprach derselbe den Stadtvertretern, unter denen sich auch ein Israelit befindet, innigen Dank für den herzlichen Empfang aus und fügte hinzu: 'Mit einem Herzen voll Frieden und Liebe komme ich hierher, den Frieden zu halten mit Euch, darin erblicke ich das Wesen meiner hohen priesterlichen Aufgabe und ich will ihn fördern in aller Liebe, denn er ist nötig in der jetzigen schweren Zeit!' Bei der Serenade hielt Seine Eminenz eine Ansprache, in deren Verlauf er folgendes betonte: 'Der Gottesfriede möge einkehren in jedes Haus und Herz allüberall, und ich rufe allen ohne Unterschied zu das Wort und den Gruß: Der Friede sei mit Euch! Möge Gottes Segen auf allen Bambergern ohne Unterschied der Konfession ruhen!' Zu dem Festmahl, das nach der Inthronisation dem Herrn Erzbischof gegeben wurde, erhielt auch Herr Rabbiner Dr. Eckstein eine Einladung. Die höchsten geistlichen Würdenträger waren zugegen. Herr Dr. Eckstein wurde während der Tafel des öfteren vom Erzbischof ins Gespräch gezogen. - Neues Leben regt sich auch in der hiesigen Kultusgemeinde. Jahrelang trägt man sich mit dem Gedanken, eine neue Synagoge zu bauen, endlich scheint Ernst daraus zu werden. Die Stadtvertretung hat in entgegenkommender Weise einen schön gelegenen Bauplatz zur Verfügung gestellt und nun tritt die Verwaltung energisch für die Verwirklichung des Projekts ein."
Dokument zur Leder-Manufaktur Sigmund Grünebaum (1908)
Zur Familie: Sigmund Grünebaum (geb. 22.1.1867 in Niederwerrn, gest. 21.11.1941 in Bamberg) war mit seinen Brüder David und Moritz Grünebaum Mitinhaber der seit 1890 bestehenden Ledergroßhandlung "S. Grünebaum" in Bamberg; ab 1924 war auch sein Schwiegersohn Rudolf Fleischmann - bis zu seinem Tod 1936 - Teilhaber. Die Firma musste am 8. August 1938 zwangsweise verkauft werden ("arisiert"). Familie Sigmund Grünebaum wohnte in Bamberg in der Ottostraße 7; Sofie Grünebaum geb. Klein (Witwe von Sigmund Grünebaum) wurde 1942 nach Theresienstadt, 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Rechts eine Rechnung der Firma S. Grünebaum vom 27. März 1908.
Der Erzbischof spricht sich gegen das "Märchen vom Ritualmord" aus (1913)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Oktober 1913: "Aus Bamberg wird dem B.T. geschrieben, dass der Erzbischof von Bamberg einer dortigen bekannten Persönlichkeit erklärt habe, er könne bestätigen, dass die jüdische Religion keinen ritualen Mord fordere, erlaube oder kenne, und dass nur ein Ungebildeter überhaupt noch heute an derartiges glauben könne. Die Gerichtsverhandlungen in Kiew werde vermutlich nur beweisen, was jeder Vernünftige wisse, dass die jüdische Religion niemals Mord verlange oder fordere. Das Märchen vom ritualen Mord werde dann auf Jahrzehnte hinaus wieder verschwinden. Der Erzbischof gestattete, diese seine Worte überall bekannt zu geben."
Firmenkarte der Fa. Louis Kahn (1915)
Die Firmenkarte von Louis Kahn wurde am 26. November 1915 nach Ebermannstadt geschickt und bestätigt die Gutschrift eines per Postscheck eingegangenen Betrages. Louis Kahn ist am 8. Oktober 1853 in Gleicherwiesen / Thüringen geboren und am 7. Juni 1926 in Bad Kissingen gestorben. Er erweiterte in Bamberg eine 1851 gegründete Wäschezuschneiderei "Sichel & Kahn" zu einer Schürzen- und Wäschefabrik, die ab 1886 als "Louis Kahn" firmierte. Er selbst und sein Sohn waren die Teilhaber der Firma, zwei Neffen waren die Prokuristen. Die Firma wurde 1938 zwangsverkauft. Louis Frau Fanny Kahn geb. Grünfelder nahm sich am 5. Mai 1939 in Bamberg das Leben.
Quelle: Gedenkbuch Jüdische Bürger Bambergs.
Firmenkarte der Fa. M. Ullmann Nachfolger (1916)
Bei M. Ullmann handelt es sich um den Fabrikanten Marx Ullmann. Sein "Nachfolger" (M. Ullmann Nachfolger) wird in der Telegramm-Adresse "Saalheimer, Bamberg" genannt. Gemeint ist Kaufmann Martin Saalheimer (geb. 1881 in Bamberg als Sohn des Kaufmanns Max Saalheimer [1856 in Kleinsteinach - 1939 in Bamberg] und seiner Frau Sidonie geb. Österlein [1860 in Fürth - 1938 in Bamberg]). Martin Saalheimer wurde am 25. April 1942 nach Izbica deportiert; er ist umgekommen (Gedenkbuch der Jüdischen Bürger Bambergs, hrsg. vom Verein zur Förderung der Jüdischen Geschichte und Kultur Bambergs e.V.).
Grund der politischen Ereignisse in den letzten beiden Jahren der Revolution seien sie zu der Überzeugung gekommen, dass der Einfluss der Juden auf das Deutschtum ein äußerst gefährlicher sei. Auf Grund der Lektüre hätten sie die feste Überzeugung gewonnen, dass der Einfluss der Juden für das Deutschtum verderblich sei. Weiter hätten sie mit dem Anschreiben bezwecken wollen, dass die Leute bei den nächsten Wahlen ihre Stimmen nicht mehr den Juden geben. An irgendwelche blutige Gewaltakte hätten sie nicht gedacht. ebenso wenig an eine strafbare Handlung. Mit der Möglichkeit, dass sie sich eine Rektoratsstrafe zuziehen würden, hätten sie gerechnet. Tatsächlich hätten sie auch einen Rektoratsverweis mit einem Vermerk im Zeugnis erhalten. Von da ab hätten sie derartige Handlungen unterlassen. Der Vertreter der Anklagebehörde, zweiter Staatsanwalt Buff, führte aus, dass sich das Verhalten der Beschuldigten als ein Unfug darstelle, der geeignet sei, bei einem Teil der jüdischen Bevölkerung Besorgnis hervorzurufen. Wenn die Bevölkerung immer derlei Anschläge lese, so werde die Stimmung, die ohnehin gegen die Juden eine gereizte sei, eine immer erregtere. Dazu komme noch, dass wir in einer unruhigen Zeit leben, wo Gefahr für eine Hungersnot bestehe und Lebensmittelkrawalle zu befürchten seien. Dass sich dann die Bevölkerung einen Sündenbock suche und gegen einen Teil der jüdischen Bevölkerung vorgehe, die schon von alters her im Geruche des Wuchers stehe, wenn dies jetzt auch gegenwärtig, wo alles wuchert, unbegründet sei, sei nur zu leicht anzunehmen. Die Hetzereien seien auch dann sehr gefährlich, wenn nciht immer auf den politischen Zweck hingewiesen werde. Wenn auch zugegen werden mag, dass die Angeklagten kein volles Verständnis für die Gefährlichkeit ihres Beginnens hatten, so seien sie doch für ihr Tun voll und ganz verantwortlich zu machen. Er beantrage, die beiden Angeklagten wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung nach § 130 zu verurteilen. Unter allen Umständen aber liege ein grober Unfug vor, falls das Gericht der Auffassung sein sollte, dass die Voraussetzungen des § 130 nicht gegeben seien. Er unterlasse es deshalb einen bestimmten Antrag zu stellen, sondern stelle das Strafausmaß in das Ermessen des Gerichts. - Das Urteil lautete nach nahezu einstündigen Beratung auf Freisprechung der beiden Angeklagten unter Überbürdung der Kosten auf die Staatskasse. In den Urteilsgründen wurde kurz ausgeführt, dass ach dem Ergebnis der Beweisaufnahme das Gericht in der Handlungsweise der Angeklagten eine Anreizung zu Gewalttätigkeiten im Sinne des § 130 nicht erblicken könne. Es liegt aber auch kein Unfug vor, nachdem den Angeklagten nach Überzeugung des Gerichts das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit gefehlt habe. Die Freisprechung erfolgte mit vier Stimmen. Am Schlusse der Verhandlung erteilte der Vorsitzende den beiden Angeklagten ernste Mahnungen. Mit dem freisprechenden Urteil solle nciht gesagt sein, dass das Verhalten der Angeklagten zulässig sei. Das Gericht gebe zu erkennen, dass das Verhalten ein großer Verstoß gegen den öffentlichen Anstand sei und die Beschuldigten mögen sich in Zukunft von derartigen Geschichten fernhalten. Die Freisprechung erfolgte lediglich aus rechtlichen Gründen."
Briefumschlag der Firma Bamberger Möbel-Industrie Gustav Gerst (1921)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries; ergänzende Angaben auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller)
Es handelt sich um den Umschlag eines Briefes der Bamberger Möbel-Industrie Gustav Gerst. Der Brief wurde am 12. Oktober 1921 an die Mübelfabrik Kurt Löbel in Berlin geschickt.
Gustav Gerst (verheiratet mit Ella geb. Tietz) übernahm vermutlich 1906 die Unternehmensleitung des 1886 von Markus Tietz und seiner Frau Julie, geborene Birnbaum gegründeten Warenhauses H&C Tietz von Julie Tietz, die nach dem Tod ihres Gatten 1901 die Geschäftsführung übernommen hatte und bis 1905 alleine weiterführte. 1938 wurden die Niederlassungen der Bamberger Warenhausgruppe geschlossen. Eine "Arisierung" des Kaufhauses scheiterte am Widerstand des Einzelhandels. Die endgültige Liquidation des Warenhauses erfolgte 1939. Gustav Gerst und seiner Frau Ella geb. Tietz gelang 1937 die Emigration über Schweden in die USA.
Quellen: http://www.juden-in-bamberg.de/Handel_Banken/Hertie.htm
http://www.kulturwerkstatt-bamberg.de/oberfranken/juedisches_leben/bamberg/juedische_frauen.htm.
Beitrag über "Die alttestamentlichen Plastiken des Bamberger Domes" (Artikel von 1927)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 20. Oktober 1927:
Stand: 05. November 2016

References: § 21
 § 130
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