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Timestamp: 2018-10-16 12:21:59+00:00

Document:
Mediation D-A-CH: Kindeswohl und Mediation
Fachgruppensprecherin Petra Stolter
Tel: +49 (0)4193-98270
E-Mail: fg-kindeswohl(at)mediation-dach.com
Herzlich Willkommen zur Fachgruppe Kindeswohl und Mediation!
Das Kindeswohl ist ein hohes Gut. Die Grundwerte der Mediation, in diesem Fall die Allparteilichkeit für die Medianten und die Vertraulichkeit sind ebenfalls hohe Güter. Was tun, wenn diese Werte aneinander geraten? Wie sind die gesetzlichen Vorschriften in den Graubereichen auszulegen? Was können Menschen mit Mediationskompetenz, Sozialpädagogen, Berater und öffentliche Stellen tun, damit Kinder möglichst gute Rahmenbedingungen haben, um aufzuwachsen. Wie können die Eltern-Kind-Beziehungen gestärkt werden, wenn die Eltern sich trennen und wie können Kinder vor Gewalt – auch sexualisierter Gewalt – geschützt werden?
Rechtlich gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedliche Vorschriften zum Schutze des Kindeswohls.
I. Gerichtliche Verfahren bei Trennung und Scheidung:
In Österreich dient insbesondere § 95 Außerstreitgesetz (s.u.) dazu, Eltern in Trennungssituationen dabei zu unterstützen, auch nach der Trennung im Sinne des Kindeswohls gute Eltern zu sein. Gemäß § 95 des Österreichischen Außerstreitgesetzes (§ 95 AußStrG) hat bei einvernehmlichen Scheidungen seit Februar 2013 eine Elternberatung stattzufinden. Die Bestätigung über diese Elternberatung ist eine Pflichtvoraussetzung, damit einvernehmliche Scheidungen durchgeführt werden können.
Diese Elternberatung kann von Mediatoren und anderen Menschen mit Mediations- und Kindeswohlkompetenzen durchgeführt werden. Sie hat das Ziel, das Kindeswohl zu fördern.
Gesetzliche Grundlage: Österreichisches Außerstreitgesetz (AußStrG) § 95 AußStrG Regelung der Scheidungsfolgen
II. Kinder- und Jugendanwaltschaften:
Die österreichischen Bundesländer haben „Kinder- und Jugendanwaltschaften“ eingerichtet, darüber hinaus gibt es den Kinder- und Jugendanwalt des Bundes. Aufgabe dieser Kinder- und Jugendanwaltschaften ist die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Unterstützung der Kinder und Jugendlichen, aber auch deren Erziehungsberechtigten, bei Fragen zu Trennung und Scheidung, Gewalt an Kindern und vieles mehr.
I. Gerichtliches Verfahren bei Trennung und Scheidung:
In Deutschland soll das Familiengericht gemäß § 156 FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und den Angelegenheit der freiwilligen Gerichtsbarkeit) (s.u.) in Fällen, die Kinder und Jugendliche betreffen, wie zum Beispiel Fragen der elterlichen Sorge, Besuchskontakte etc. auf ein Einvernehmen der Eltern hinwirken und auf die Möglichkeit der Mediation hinweisen. Auf der Grundlage des § 135 FamFG (s.u.) kann das Familiengericht die Eltern verpflichten, an einem kostenfreien Informationsgespräch über Mediation teilzunehmen.
Auszüge aus § 156 FamFG
(1) Das Gericht soll in Kindschaftssachen, die die elterliche Sorge bei Trennung und Scheidung, den Aufenthalt des Kindes, das Umgangsrecht oder die Herausgabe des Kindes betreffen, in jeder Lage des Verfahrens auf ein Einvernehmen der Beteiligten hinwirken, wenn dies dem Kindeswohl nicht widerspricht. (…) Das Gericht soll in geeigneten Fällen auf die Möglichkeit der Mediation oder der sonstigen außergerichtlichen Streitbeilegung hinweisen.
Auszüge aus § 135 FamFG
(1) Das Gericht kann anordnen, dass die Ehegatten einzeln oder gemeinsam an einem kostenfreien Informationsgespräch über Mediation oder eine sonstige Möglichkeit der außergerichtlichen Streitbeilegung anhängiger Folgesachen bei einer von dem Gericht benannten Person oder Stelle teilnehmen und eine Bestätigung hierüber vorlegen.
II. Verfahrensbeistand:
In Deutschland sieht § 158 FamFG vor, dass dem minderjährigen Kind in Kindschaftssachen, die seine Person betreffen, ein geeigneter Verfahrensbeistand zu bestellen ist. Wobei die zentrale Aufgabe des Verfahrensbeistandes darin besteht, in seiner Tätigkeit den Willen des Kindes (subjektives Interesse) und das Kindeswohl (objektives Interesse) zu berücksichtigen. Der Verfahrensbeistand arbeitet nicht als allparteilicher Mediator. Er hat die parteilichen Interessen des Kindes wahrzunehmen. Dabei hat er zu berücksichtigen, dass das Herbeiführen einer einvernehmlichen Regelung mit Mediationskompetenz im Interesse des Kindes liegen wird, wenn es sich um Konflikte zwischen den Eltern um Kontakte zum Kind oder Sorgerechtsthemen handelt. Dabei muss dem Verfahrensbeistand jedoch bewusst sein, dass der Vermittlungsauftrag sich nicht ausschließlich an die Eltern richtet, damit das Kind nicht zum Gegenstand der Interessen der erwachsenen Beteiligten wird. Der Verfahrensbeistand bewegt sich daher in einem Spannungsfeld zwischen Interessenvertretung des Kindes und Herbeiführung einer einvernehmlichen Regelung durch Wahrnehmung und Anerkennung der Interessen und Lage der Eltern. Gelingen kann diese Aufgabe nur mit Klärung der eigenen Rolle und dem Einsatz mediativer Elemente.
Gesetzliche Grundlage: Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG)
Auszüge aus § 158 FamFG
(4) Der Verfahrensbeistand hat das Interesse des Kindes festzustellen und im gerichtlichen Verfahren zur Geltung zu bringen. Er hat das Kind über Gegenstand, Ablauf und möglichen Ausgang des Verfahrens in geeigneter Weise zu informieren. Soweit nach den Umständen des Einzelfalls ein Erfordernis besteht, kann das Gericht dem Verfahrensbeistand die zusätzliche Aufgabe übertragen, Gespräche mit den Eltern und weiteren Bezugspersonen des Kindes zu führen sowie am Zustandekommen einer einvernehmlichen Regelung über den Verfahrensgegenstand mitzuwirken (…).
In der Fachgruppe Kindeswohl und Mediation finden Sie Experten unterschiedlichster Fachrichtungen, die Ihnen Antworten auf Ihre Fragen geben können. Wenn Sie selbst in der Fachgruppe mitwirken wollen oder wenn Sie Fragen an uns haben, freuen wir uns auf Sie!
Fachgruppe Kindeswohl und Mediation

References: § 95
 § 95
 § 95
 § 156
 § 135
 § 156
 § 135
 § 158
 § 158