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Rechnung Steuerberater ohne Vertrag - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.deVertragsrechtFirmaRechnung Steuerberater ohne Vertrag
25.01.2012 16:30 |
8 Gesellschafter haben eine Firma A gegründet.
7 der Gesellschafter haben bereits eine gemeinsame Firma B und ein Steuerbüro.
Bei einem Treffen der Gesellschafter der Firma A kam der Steuerberater der Firma B dazu.
Im Gesprächsverlauf hieß es, dass die Leistungen, die Firma A in Anspruch nimmt, bis 31.12.2011 pauschal über Firma B abgerechnet wird. Aus diesem Grund wurde auch zwischen Firma A und dem Steuerbüro kein Vertrag geschlossen bzw Lohn/Stundensätze o.ä. verhandelt.
Im Januar 2012 kam vom Steuerbüro eine Rechnung an Firma A über die erbrachten Leistungen aus 2011.
Nun ist die Frage, ob Firma A das zahlen muß oder nur einen geringeren Teil? Was kann unternommen werden?
Der Steuerberater möchte natürlich jetzt 300 Arbeitsstunden abrechnen.
Grundsätzlich ist es möglich, dass jemand anders einen Steuerberater beauftragt, der Arbeiten für einen Dritten erledigt. Dass also Firma A den Auftrag erteilt ist, ist kein Problem.
Allerdings bestehen aus meiner Sicht Zweifel, ob das Steuerbüro 300 Arbeitsstunden abrechnen kann, wenn kein schriftlicher Vertrag geschlossen worden ist, in dem die jeweiligen Stundensätze und auch die Abrechnung der Arbeiten nach diesen Sätzen einvernehmlich festgelegt worden sind. Die Vergütung der Tätigkeit eines Steuerberaters richtet sich nämlich in den meisten Fällen nicht nach Stundensätzen, sondern nach dem Wert, um den es bei der jeweiligen Tätigkeit geht, und dem Gebührensatz, der der jeweiligen Tätigkeit zugeordnet worden ist.
Die Erstellung einer Bilanz wird z.B. in § 37 STeuerberatergebührenverordnugn (StGebVO) geregelt. Wenn z.B. die Eröffnungbilanz vom Steuerberater erstellt worden ist, kann dieser eine Gebühr von 5/10 bis 15/10 gemäß der Tabelle 2 geltend machen. In der als Anlage beigefügten Tabelle 2 ist dann angegeben, wie hoch eine 10/10 Gebühr für den jeweiligen Gegenstandswert ist. Je nachdem wie schwierig oder umfangreich die Tätigkeit war, kann der Steuerberater dann in dem Bereich von 5/10 bis 15/10 seine Gebühren festlegen.
Für die Einrichtung der Lohnbuchführung können je Arbeitnehmer z.B. EUR 9,00 verlangt werden, § 34 StGebV.
Für eine Umsatztsteuervoranmeldung z.B. wird gemäß § 24 Abs 1 Nr. 7 eine Gebühr von 1/10 bis 6/10 der Tabelle A angesetzt, wobei Gegenstandswert 10 % des steuerbaren Umsatzes ist, mindestens EUR 500,00.
Diese Beispiele zu Ihrer Orientierung für einige Arbeiten, die der Steuerberater vielleicht für Sie erledigt hat.
Eine Zeitgebühr darf gemäß § 13 nur dann angesetzt werden, wenn die StBGebVO dies vorsieht oder es keine Anhaltspunkte gibt, um den Gegenstandswert zu schätzen. Diese darf auch höchstens EUR 46,00 je angefangene halbe Stunde betragen.
Eine höhere als die gesetzliche Vergütung hätte gemäß § 4 StGebV schriftlich vereinbatr sein müssen, was nach Ihrer Schilderung gerade nicht geschehen ist.
Sie sollten den Steuerberater daher auffordern, die einzelnen Tätigkeit nach dem gesetzlichen Gebühren anhand der Gegenstandswerte abzurechnen. Da dies meist recht kompliziert ist, sollten Sie den Ansatz der einzelnen Gebühren danach nochmals prüfen lassen.
Nachfrage vom Fragesteller	25.01.2012 | 17:46
Die Stunden wurden je 15Minuten sehr genau abgerechnet. Der Stundenlohn beträgt 70€.
Die Frage basiert aber darauf, ob wir diese Leistung zahlen müssen und wenn ja in vollem Umfang wenn wir nie einen Vertrag hatten, uns nie der Stundenlohn mitgeteilt wurde und vorher mündlich abgemacht war, dass die Leistungen für Firma A durch die Firma B pauschal abgerechnet werden.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.01.2012 | 17:56
Wenn vereinbart worden ist, dass Firma B die Rechnung erhalten soll, dann kann an Firma A keine Rechnung gestellt werden. Natürlich müsste dann intern ein Ausgleich zwischen Firma A und Firma B erfolgen.
Im Hinblick auf die Arbeiten nach Stundenlohn teile ich nochmals mit, dass OHNE SCHRIFTLICHE VEREINBARUNG (die ja nach Ihrer Schilderung nicht vorliegt) von den Rahmengebühren nach Gegenstandswert, die ich Ihnen in meiner Antwort beispielhaft dargestellt habe, nicht abgewichen werden kann. Wenn also eine mündliche Vereinbarung dahingehend getroffen wurde, dass z.B. für die Eröffnungsbilanz eine Summe X pauschal zu zahlen ist, so ist diese Vereinbarung unwirksam, und es müsste eine Rahmengebühr gemäß § 37 StGEbVO abgerechnet werden.
Die Rechnung ist daher vom Steuerberater zu korrigieren. Ob die sich dann ergebende Rechnungssumme gleich hoch ist oder geringer oder höher ausfällt, vermag ich nicht zu sagen, da es ja darauf ankommt, welche Aufgaben genau der Steuerberater erledigt hat. Erfahrungsgemäß führen solche Umstellung von Gebühren nach Stundensatz auf Rahmengebühren aber zu einer Reduzierung der Forderung.

References: § 37
 § 34
 § 24
 § 13
 § 4
 § 37