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Timestamp: 2019-02-18 07:44:56+00:00

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Bilanzierung [ Stand: 05.02.2019 ]
Wer zur Erstellung von Konzernabschlüssen verpflichtet ist, braucht vollständige Informationen, auch von Tochtergesellschaften im Ausland, deren Jahresabschlüsse von ganz unterschiedlichen Personen und lokalen Bestimmungen erstellt wurden. Hier empfehlen sich Reporting Packages. Über diese informiert Sie Experte Philipp Jahn.
Die gesetzlichen Vertreter von Mutterunternehmen i. S. v. § 290 HGB sind – sofern die Größenkriterien nach § 293 HGB überschritten sind und keine Erleichterungsvorschriften* anwendbar sind – zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet. Sie tragen ebenso die Verantwortung für die Vollständigkeit der in den Konzernabschluss eingehenden Vermögensgegenstände und Schulden, sowie für die vorgenommenen Konsolidierungsmaßnahmen.
Im Rahmen der Konzernabschlusserstellung sind die Jahresabschlüsse der Tochtergesellschaften auf die Bilanzierungsgrundsätze, die Währung und den Stichtag des Konzernabschlusses überzuleiten. Ausgangspunkt der für den Konzernabschluss zu erfassenden Posten ist die Handelsbilanz II des betreffenden Tochterunternehmens, d. h. nach Anpassung des Jahresabschlusses an die (eigenständigen) Bilanzansätze im Konzernabschluss und an die konzerneinheitliche Bewertung.* Daneben sind die Eigenkapitalkonsolidierung, Schuldenkonsolidierung, Aufwands- und Ertragskonsolidierung sowie Zwischenergebniseliminierung vorzunehmen, um entsprechend der Einheitstheorie für den Konzernabschluss keine Vorgänge oder Abschlusspositionen doppelt zu erfassen.
Die Beschaffung und Vollständigkeit von Informationen kann aus Sicht der Ersteller des Konzernabschlusses mitunter schwierig sein. Insbesondere, wenn mehrere Tochterunternehmen mit Geschäftssitz im Ausland in den Konzernabschluss einbezogen werden, deren Jahresabschlüsse nicht von den gleichen Personen erstellt werden wie der Konzernabschluss und lokale Unterschiede bestehen.
In diesen Fällen bietet es sich an, dass die Vertreter der Muttergesellschaft ein sog. Reporting Package von den entsprechenden Tochtergesellschaften einfordern.
Der Inhalt und die Pflicht zur Erstellung von Reporting Packages sind gesetzlich nicht fixiert und erfolgen von den Unternehmen grundsätzlich auf freiwilliger Basis. Sofern die Jahresabschlüsse von Tochtergesellschaften durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft werden, bietet es sich an, die entsprechenden Reporting Packages ebenfalls prüfen bzw. bestätigen zu lassen. Da es keine Aufstellungspflicht für Reporting Packages gibt, besteht auch keine Prüfungspflicht.
In der Praxis sind verschiedene Methoden und Programme anzutreffen, mittels derer Reporting Packages erstellt werden.
Sofern die Unternehmensgruppe über ein ERP-System verfügt, werden Reporting Packages oftmals automatisiert von diesen erstellt. Daneben gibt es noch diverse weitere Anbieter von Programmen, die durch Schnittstellen an das Buchhaltungsprogramm angeschlossen werden und ebenso entsprechende Reporting Packages erstellen können. Durch Einbindung der Reporting Packages in das ERP-System oder die Verwendung von speziellen Reporting-Programmen können Eingabefehler verhindert und die Verlässlichkeit der Datenbasis erhöht werden.
Eine weitere Variante ist die eigenhändige Erstellung von Reporting Packages mittels Excel oder ähnlichen Kalkulationsprogrammen. Die Vorteile dabei sind die geringen Kosten, die einfache Handhabung bzw. Anwendung sowie die problemlose Möglichkeit zur Änderung und Erweiterung der Reporting Packages. Nachteilig sind jedoch das hohe Risiko von Eingabe- und Formelfehlern sowie die fehlende Verknüpfung mit der Finanzbuchhaltung.
Das Reporting Package soll der Konzernbuchhaltung ermöglichen, den Konzernabschluss auf Grundlage einer möglichst vollständigen und verlässlichen Datenbasis zu erstellen.
Der Aufbau und Inhalt des Reporting Packages sollte immer individuell an die Unternehmensgruppe angepasst werden und etwaige besondere oder spezielle Bilanzierungen berücksichtigen.
Je nachdem, nach welcher Rechtsnorm der Konzernabschluss erstellt wird, kann das Reporting Package einen entsprechend großen Umfang haben. Bei einem Reporting Package zur Erstellung eines Konzernabschlusses nach HGB wird dieser in der Regel geringer sein als bei einem Reporting Package für einen IFRS- oder US-GAAP-Konzernabschluss.
Der handelsrechtliche Konzernabschluss besteht nach § 297 HGB aus der Konzernbilanz, der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung, dem Konzernanhang, der Kapitalflussrechnung und dem Eigenkapitalspiegel. Er kann um eine Segmentberichterstattung erweitert werden. Daneben ist nach §§ 290 Abs. 1 i. V. m 315 HGB ein Konzernlagebericht zu erstellen.
In dem Reporting Package sollten daher alle Informationen abgefragt werden, die notwendig sind, um den Konzernabschluss und Konzernlagebericht zu erstellen.
Beispielhaft kann der Aufbau eines Reporting Packages für die Erstellung eines Konzernabschlusses nach dem HGB wie folgt sein:
Bilanz (inkl. Überleitung von lokalem Recht auf Konzernrecht; hier: HGB)
GuV (inkl. Überleitung von lokalem Recht auf Konzernrecht; hier: HGB)
Weitere Erläuterungen und Einzeldarstellungen zur allen Posten der Bilanz und GuV
Angaben zu latenten Steuern und bestehenden steuerlichen Verlustvorträgen
Abfragen zu Zwischenergebnissen mit anderen Konzerngesellschaften
Informationen, die notwendig sind für die Vollständigkeit der Angaben im Konzernanhang nach § 314 HGB
Informationen, die notwendig sind für die Erstellung des Konzernlageberichts nach § 315 HGB und DRS 20
Die Bilanz und GuV sollten jeweils von lokalem Recht zum Konzernrecht übergeleitet (sog. Conversion) werden, um die Beurteilung der einheitlichen Bilanzierung von bestimmten Sachverhalten im Konzernabschluss zu ermöglichen.
Die Erstellung einer Konzern-Kapitalflussrechnung kann – sofern sie nicht durch ein Konzernbuchhaltungsprogramm erstellt wird – recht komplex sein. Daher sollte eine Kapitalflussrechnung auf Ebene jeder Gesellschaft abgefragt werden, um den gleichen Ausweis bestimmter Vorgänge im Konzern zu gewährleisten.
Der Eigenkapitalspiegel auf Ebene der Tochtergesellschaften liefert unter Umständen wichtige Informationen für die darauf folgende Kapitalkonsolidierung, beispielsweise bei Gewinnausschüttungen, Kapitalmaßnahmen oder Gesellschafterwechseln.
Ein Anlagenspiegel ist besonders hilfreich, wenn die Konzernbuchhaltung keinen direkten Zugriff auf die Anlagenbuchhaltung der Tochtergesellschaften hat. Auf Ebene der Konzernbuchführung werden im Anlagevermögen noch Konsolidierungsbuchungen vorgenommen. Mithilfe der Reporting Packages kann somit der Konzern-Anlagenspiegel nach Durchführung der Konsolidierungsbuchungen der Summe aller Anlagenspiegel der Tochtergesellschaften gegenübergestellt werden.
Der Verbindlichkeitenspiegel dient zum einen der Überprüfung der vollständigen Schuldenkonsolidierung. Daneben kann der gleichlautende Ausweis von Verbindlichkeiten auf Konzernebene sowie die Vollständigkeit der Angaben zur Haftungsverhältnissen und Besicherungen sichergestellt werden.
Die Einzeldarstellungen und Erläuterungen zu allen Posten der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung dienen dazu, die einheitliche Bilanzierung und den Ausweis von Sachverhalten im Konzernabschluss zu überprüfen. Daneben kann die Vollständigkeit der Konsolidierungsbuchungen gewährleistet werden, da keine Positionen mehr gegenüber anderen – in den Konzernabschluss einbezogenen – Unternehmen enthalten sind.
Neben den vorab genannten Abfragen sollten insbesondere Informationen im Reporting Package enthalten sein, die für die Vollständigkeit und Richtigkeit von Konsolidierungsmaßnahmen notwendig sind. Dies können neben der Einzeldarstellung zu Forderungen und Verbindlichkeiten ebenso Rückstellungen gegenüber anderen Konzerngesellschaften sein, da diese ebenfalls im Rahmen der Schuldenkonsolidierung zu eliminieren sind.
Besonders hilfreich kann eine Abfrage in Bezug auf Zwischengewinne im Falle von konzerninternen Liefer- und Leistungsgeschäften sein, da die ursprünglichen Kosten für ein -an eine andere Konzerngesellschaft geliefertes Produkt in der Regel nicht aus dem jeweiligen Jahresabschluss der Tochtergesellschaft ersichtlich sind. Relevanz hat die Zwischenerfolgseliminierung beispielsweise bei der Lieferung von Anlagengütern und Vorräten zwischen Konzerngesellschaften. Um die Zwischenerfolgseliminierung nach § 304 HGB zu ermöglichen, sollte daher abgefragt werden, ob zum Bilanzstichtag noch Anlagengüter, wie Maschinen oder Vorräte vorhanden sind, die von anderen Konzerngesellschaften bezogen wurden. Dies unter Abgabe der Anschaffungskosten und der Konzerngesellschaft, von der das Gut bezogen wurde. Bei der liefernden Gesellschaft sollte eine analoge Angabe von dem erwirtschafteten Umsatz, den für das Gut entstandenen Kosten (z. B. Herstellungskosten oder Beschaffungskosten) und der empfangenden Konzerngesellschaft gemacht werden.

References: § 290
 § 293
 § 297
 § 314
 § 315
 § 304