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Timestamp: 2019-08-18 21:43:56+00:00

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Das Über­ein­kom­men des Euro­pa­rats über Com­pu­ter­kri­mi­na­li­tät vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt | Rechtslupe
Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land unter­zeich­ne­te das Über­ein­kom­men über Com­pu­ter­kri­mi­na­li­tät („CCC”) am 23.11.2001. Nach­dem der Bun­des­tag dem Über­ein­kom­men gemäß Art. 59 Abs. 2 Satz 1 GG zuge­stimmt hat­te, trat es am 1.07.2009 in Kraft.
Bereits nach dem Wort­laut der genann­ten Vor­schrif­ten wer­den nur die Ver­trags­par­tei­en und nicht die nach inner­staat­li­chem Recht zustän­di­gen Behör­den adres­siert. Zudem bestimmt Art. 23 CCC, dass die Ver­trags­par­tei­en unter­ein­an­der im Ein­klang mit dem Über­ein­kom­men im größt­mög­li­chen Umfang zusam­men­ar­bei­ten, „indem sie ein­schlä­gi­ge völ­ker­recht­li­che Über­ein­künf­te über die inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit in Straf­sa­chen sowie Über­ein­künf­te, die auf der Grund­la­ge ein­heit­li­cher oder auf Gegen­sei­tig­keit beru­hen­der Rechts­vor­schrif­ten getrof­fen wur­den, und inner­staat­li­che Rechts­vor­schrif­ten […]” anwen­den, wohin­ge­gen eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung der Vor­schrif­ten des Über­ein­kom­mens nicht genannt wird. Viel­mehr bestimmt Art. 25 Abs. 2 CCC, der die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze der Rechts­hil­fe regelt, dass jede Ver­trags­par­tei die „erfor­der­li­chen gesetz­ge­be­ri­schen und ande­ren Maß­nah­men [trifft], um den in den Arti­keln 27 bis 35 bezeich­ne­ten Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men”. Die Ver­trags­par­tei­en gehen mit­hin nach dem Wort­laut die­ser Bestim­mung davon aus, dass es einer gesetz­ge­be­ri­schen Umset­zung der ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen bedarf und die­se nicht selbst­voll­zie­hend sind.
Das Über­ein­kom­men gewährt den Ver­trags­par­tei­en für die inner­staat­li­che Umset­zung einen gewis­sen Spiel­raum (vgl. nur Art. 25 Abs. 4 Satz 1 CCC: „Soweit in den Arti­keln die­ses Kapi­tels nicht aus­drück­lich etwas ande­res vor­ge­se­hen ist, unter­liegt die Rechts­hil­fe den im Recht der ersuch­ten Ver­trags­par­tei oder in den anwend­ba­ren Rechts­hil­fe­ver­trä­gen vor­ge­se­he­nen Bedin­gun­gen […].”). Soweit die Art. 25 ff. CCC kon­kre­te Ver­pflich­tun­gen ent­hal­ten, lässt sich hier­aus kei­ne unmit­tel­ba­re Anwend­bar­keit ablei­ten, son­dern ledig­lich die Pflicht der Ver­trags­par­tei­en, ihre inner­staat­li­chen Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen zu ändern, soweit die­se den zwin­gen­den Vor­ga­ben des Über­ein­kom­mens nicht ent­spre­chen.
Die Beschwer­de­füh­rer tra­gen dem Umstand nicht hin­rei­chend Rech­nung, dass die Anwen­dung von Art. 32 Buch­sta­be b CCC eine „recht­mä­ßi­ge und frei­wil­li­ge Zustim­mung der Per­son” vor­aus­setzt, die zur Daten­wei­ter­ga­be „recht­mä­ßig befugt” ist. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de lässt eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Fra­ge ver­mis­sen, ob die Zustim­mung im Sin­ne des Art. 32 Buch­sta­be b CCC stets vom Betrof­fe­nen erklärt wer­den muss oder unter Umstän­den auch von einer ande­ren Stel­le erklärt wer­den kann, die per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten des Betrof­fe­nen erho­ben oder ver­ar­bei­tet hat. Zwar erscheint es denk­bar, dass nach dem Recht ande­rer Ver­trags­par­tei­en eine Zustim­mungs­be­fug­nis bei Per­so­nen ange­nom­men wird, die nach deut­schem Recht nicht dis­po­si­ti­ons­be­fugt wären, zumal das Über­ein­kom­men offen­lässt, nach wel­chem Recht die Zustim­mungs­be­fug­nis zu beur­tei­len ist 30. Inso­fern ist jedoch zu berück­sich­ti­gen, dass – solan­ge und soweit die Aus­le­gung von völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen durch die Ver­trags­staa­ten offen ist – bei der Prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit unter den ver­schie­de­nen in Betracht kom­men­den Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten der­je­ni­gen der Vor­zug gege­ben wer­den muss, bei der der Ver­trag vor dem Grund­ge­setz bestehen kann 31. Auch hier­zu ver­hal­ten sich die Beschwer­de­füh­rer nicht.
Siche­rungs­haft – und der Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag An einem Inter­es­se des Betrof­fe­nen auf Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Haft fehlt es, wenn und soweit er in dem von der Anord­nung der Siche­rungs­haft erfass­ten Zeit­raum auf­grund ärzt­li­cher Über­wei­sung in…
BGBl. Teil II, 2008, Num­mer 30 vom 10.11.2008, S. 1242↩
vgl. Butzer/​Haas, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/Hen­ne­ke, GG, 13. Aufl.2014, Art. 59 Rn. 104; Kem­pen, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2010, Art. 59 Rn. 95; Streinz, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 59 Rn. 67↩
vgl. BVerfGE 64, 1, 20; 74, 358, 370; 111, 307, 324; 128, 326, 365; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015 – 2 BvL 1/​12 71↩
BVerfGE 29, 348, 360; vgl. fer­ner BVerfGE 40, 141, 164 f.; BVerfGK 9, 174, 189; BVerfG, Beschluss vom 31.05.1994 – 2 BvR 1193/​93, NJW 1994, S. 2883; BVerfG, Beschluss vom 08.12 2014 – 2 BvR 450/​11 35; aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts sie­he BVerw­GE 80, 233, 235; 87, 11, 13↩
vgl. BT-Drs. 16/​7218, S. 52↩
vgl. BT-Drs. 16/​7218, S. 90↩
vgl. hier­zu BVerfGE 64, 1, 20; 74, 358, 370; 111, 307, 324; 128, 326, 365; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015 – 2 BvL 1/​12 71↩
BVerfGE 128, 326, 371; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015 – 2 BvL 1/​12 72; vgl. auch BVerfGE 111, 307, 318; BVerfGK 10, 116, 124↩
vgl. BVerfGE 125, 260, 333; 133, 277, 373 f. Rn. 225 f.; BVerfG, Urteil vom 20.04.2016 – 1 BvR 966/​09, 1 BvR 1140/​09 287↩
vgl. dazu BVerfG, Urteil vom 20.04.2016 – 1 BvR 966/​09, 1 BvR 1140/​09 324↩
vgl. BVerfG, Urteil vom 20.04.2016 – 1 BvR 966/​09, 1 BvR 1140/​09 325↩
vgl. BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015 – 2 BvR 2735/​14, Rn. 62 m.w.N.↩
BVerfG, Urteil vom 20.04.2016 – 1 BvR 966/​09, 1 BvR 1140/​09 327 ff.↩
vgl. Seitz, Straf­ver­fol­gungs­maß­nah­men im Inter­net, 2004, S. 364 ff.; Sie­ber, in: Ver­hand­lun­gen des 69. Deut­schen Juris­ten­ta­ges, 2012, Bd. I, Gut­ach­ten C, S. 144 f.; Ger­mann, Gefah­ren­ab­wehr und Straf­ver­fol­gung im Inter­net, 2000, S. 652; Gercke, Straf­ver­tei­di­ger Forum 2009, S. 271, 272 f.; Schmitt, in: Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 59. Aufl.2016, § 110 Rn. 7a↩
vgl. Traut­mann, in: Schomburg/​Lagodny/​Gleß/​Hackner, Inter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen, 5. Aufl.2012, EuCy­bercri­me­Übk Art. 32 Rn. 8↩

References: Art. 59
 Art. 23
 Art. 25
 Art. 25
 Art. 25
 Art. 32
 Art. 32
 Art. 59
 Art. 59
 Art. 59
 § 110
 Art. 32