Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Diskriminierung_kirchliche_Arbeitgeber_LAG_Berlin_Brandenburg_4Sa157_14.html
Timestamp: 2017-03-26 07:23:38+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 4 Sa 157/14
Diskriminierung: Bewerbung, Diskriminierung: Religion
1. Die Be­stim­mung des In­halts des § 9 Abs. 1 AGG kann nicht los­gelöst von den eu-ro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben er­fol­gen. So­weit ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen der Re­li­gi­on be-trof­fen ist, setzt das AGG die RL 2000/78/EG um. Die Aus­le­gung des Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG darf al­ler­dings ih­rer­seits nicht un­abhängig von den Vor­ga­ben des eu­ropäischen Primärrechts er­fol­gen. Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG ist viel­mehr seit dem 01.12.2009 sei-ner­seits im Lich­te von Art. 17 Abs. 1 AEUV aus­zu­le­gen.
2. Art. 17 Abs. 1 AEUV ge­bie­tet ei­ne Aus­le­gung von Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG im Sin­ne ei­ner Wah­rung der sich aus Art. 140 GG iVm. Art. 137 WRV er­ge­ben­den kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts gemäß der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts. Die ent­spre­chen­de seit dem 01.12.2009 ge­bo­te­ne eu­ro­pa­recht­li­che Aus­le­gung des § 9 AGG steht im Ein­klang mit Wort­laut der Norm und dem in der Ge­set­zes­be­gründung zum Aus­druck ge­kom­me­nen Wil­len des deut­schen Ge­setz­ge­bers.
3. Aus dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen folgt je­doch nicht, dass die Ent­schei­dung, ob für ei­ne Tätig­keit ei­ne be­stimm­te Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit er­for­der­lich ist, gar nicht jus­ti­zia­bel wäre. Die Kir­chen müssen sich an ih­re selbst ge­stell­ten An­for­de­run­gen hal­ten. Se­hen die kir­chen­recht­li­chen Vor­schrif­ten das Er­for­der­nis ei­ner Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit nicht vor, kann auch aus dem Selbst­verständ­nis kei­ne Recht­fer­ti­gung fol­gen. In­so­weit ob­liegt den staat­li­chen Ge­rich­ten auch ei­ne Miss­brauchs­kon­trol­le der kirch­li­chen An­for­de­run­gen an de­ren Mit­ar­bei­ter auf der Grund­la­ge der durch die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft selbst vor­ge­ge­be­nen Maßstäbe.
4. Dass der Be­klag­te für die hier in Fra­ge ste­hen­de Stel­le ei­nes Re­fe­ren­ten/ei­ner Re­fe­ren­tin ei­ne Mit­glied­schaft in ei­ner evan­ge­li­schen oder der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen an­gehören­den Kir­che vor­aus­setzt, hält un­ter Be­ach­tung des Selbst­be­stim­mungs­rechts des Be­klag­ten ei­ner Miss­brauchs­kon­trol­le statt.
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 18.12.2013 - 54 Ca 6322/13
Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg Verkündet am
Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 4 Sa 157/144 Sa 238/14
54 Ca 6322/13Ar­beits­ge­richt Ber­lin H., Ge­richts­beschäftig­teals Ur­kunds­be­am­ter/in der Geschäfts­stel­le Im Na­men des Vol­kes Ur­teil
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 4. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28. Mai 2014durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Sch. als Vor­sit­zen­der so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn S. und Frau H.für Recht er­kannt: I.Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird un­ter Zurück­wei­sung der Be­ru­fung der Kläge­rin das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 18. De­zem­ber 2013 – 54 Ca 6322/13 – ab­geändert:
III.Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen. Tat­be­stand
„§ 2 Grund­la­gen des kirch­li­chen Diens­tes 1. Der Dienst der Kir­che ist durch den Auf­trag be­stimmt, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu be­zeu­gen. Al­le Frau­en und Männer, die in An­stel­lungs-verhält­nis­sen in Kir­che und Dia­ko­nie tätig sind, tra­gen in un­ter­schied­li­cher Wei­se da­zu bei, dass die­ser Auf­trag erfüllt wer­den kann. Die­ser Auf­trag ist die Grund­la­ge der Rech­te und Pflich­ten von An­stel­lungs­trägern so­wie Mit-ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern.
„§ 2Kirch­lich-dia­ko­ni­scher Auf­trag
§ 4All­ge­mei­ne Pflich­ten
o Be­glei­tung des Pro­zes­ses zur Staa­ten­be­richt­er­stat­tung 2012 bis 2014o Er­ar­bei­tung des Par­al­lel­be­richts zum deut­schen Staa­ten­be­richt so­wie von Stel­lung­nah­men und Fach­beiträgeno Pro­jekt­be­zo­ge­ne Ver­tre­tung der Dia­ko­nie Deutsch­land ge­genüber der Po­li­tik, der Öffent­lich­keit und Men­sch­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen so­wie Mit­ar­beit in Gre­mi­eno In­for­ma­ti­on und Ko­or­di­na­ti­on des Mei­nungs­bil­dungs­pro­zes­ses im Ver­bands­be­reicho Or­ga­ni­sa­ti­on, Ver­wal­tung und Sach­be­richt­er­stat­tung zum Ar­beits­be­reich
o Ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten oder ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­ono Fun­dier­te Kennt­nis­se im Völker­recht und der An­ti­ras­sis­mus­ar­beito Gu­te Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen in der Be­wirt­schaf­tung von Pro­jekt­mit­telno Sehr gu­te Eng­lisch­kennt­nis­seo Ana­ly­sefähig­keit, Lern­be­reit­schaft, Initia­ti­ve, Be­last­bar­keito Be­reit­schaft zur Über­nah­me von Ver­ant­wor­tungo Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Teamfähig­keito Be­reit­schaft zu häufi­gen Dienst­rei­sen
Die Kläge­rin be­warb sich auf die­se Stel­le mit Schrei­ben 29. No­vem­ber 2012. Hin­sicht­lich des Wort­lauts der Be­wer­bung und dem der Be­wer­bung bei­gefügten Le­bens­lauf wird auf Bl. 22 – 32 d. A. ver­wie­sen. Die Kläge­rin verfügt über ein ab­ge­schlos­se­nes Fach­hoch­schul-stu­di­um der So­zi­alpädago­gik. Ei­nen Hin­weis auf die Zu­gehörig­keit zu ir­gend­ei­ner Kon­fes­si­on oder auf das Feh­len ei­ner Kon­fes­si­on ent­hielt das Be­wer­bungs­schrei­ben nicht. Auf die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le be­war­ben sich ne­ben der Kläge­rin wei­te­re 37 Per­so­nen, von de­nen vier zum Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den wur­den. Die zum Vor­stel­lungs­gespräch ge­la­de­nen Per­so­nen hat­ten ein wis­sen­schaft­li­ches Hoch­schul­stu­di­um ab­sol­viert. Die Kläge­rin wur­de nicht zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den. Aus­gewählt wur­de ein Be­wer­ber deutsch-gha­nai­scher Her­kunft, der ein po­li­tik­wis­sen-schaft­li­ches Hoch­schul­stu­di­um an der Frei­en Uni­ver­sität mit ei­ner eng­lisch­spra­chi­gen Di­plom­ar­beit und sehr gu­ten No­ten ab­ge­schlos­sen hat­te. Seit Fe­bru­ar 2008 ar­bei­tet er an der Uni­ver­sität B. an ei­ner Pro­mo­ti­on mit in­ter­na­tio­na­lem Be­zug. In Be­zug auf sei­ne Kon-fes­si­ons­zu­gehörig­keit be­zeich­ne­te er sich in sei­ner Be­wer­bung „als in der Ber­li­ner Lan­des­kir­che so­zia­li­sier­ten evan­ge­li­schen Chris­ten“. Der Be­wer­ber war durch ei­ne Großzahl von Pu­bli­ka­tio­nen und For­schungs­ar­bei­ten aus­ge­wie­sen. Hin­sicht­lich des ge­nau­en Wort-lauts der Be­wer­bung des aus­gewähl­ten Be­wer­bers wird auf Bl. 184 -190 d. A. ver­wie­sen.
Die Kläge­rin hat vor­ge­tra­gen, es be­ste­he die Ver­mu­tung, dass sie we­gen ih­rer Kon­fes­si-ons­lo­sig­keit die Stel­le nicht er­hal­ten ha­be. Die Berück­sich­ti­gung der Re­li­gi­on im Be­wer-bungs­ver­fah­ren sei nicht ge­recht­fer­tigt und rechts­wid­rig ge­we­sen. Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie erfülle die Vor­aus­set­zun­gen der Aus­schrei­bung. Der be­vor­zug­te Be­wer­ber verfüge wie die Kläge­rin nicht über ein Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten. Die Kläge­rin sei an­ge­sichts ih­rer be­ruf­li­chen Er­fah­run­gen au­gen­schein­lich qua­li­fi­ziert. Zu­dem sei­en die tatsächli­chen be­ruf­li­chen Er­fah­run­gen und Qua­li­fi­ka­tio­nen mit ein­zu­be­zie­hen. Für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le sei ein „pas­sen­des“ Stu­di­um nicht vor­han­den. Dies gel­te glei­cher­maßen für das Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten wie für das Stu­di­um des be-vor­zug­ten Be­wer­bers in Po­li­tik­wis­sen­schaf­ten und das Stu­di­um der Kläge­rin im Be­reich So­zi­alpädago­gik. Die in der Aus­schrei­bung ge­for­der­te ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on könne auch durch Be­rufs­er­fah­run­gen er­wor­ben wer­den. Die Kläge­rin ha­be auf­grund ih­rer prak-ti­schen Ar­beit im Un­ter­schied zum aus­gewähl­ten Be­wer­ber um­fas­sen­de Kennt­nis­se des in­ter­na­tio­na­len Rechts. Ei­ne Eig­nung sei nicht be­reits da­durch aus­ge­schlos­sen, dass der Stel­len­be­wer­ber nicht al­le An­for­de­run­gen an die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le erfülle, son­dern nur, wenn ihm die Min­dest­an­for­de­run­gen dafür fehl­ten. Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Berück­sich­ti­gung der Re­li­gi­on im Be-wer­bungs­ver­fah­ren nur ge­recht­fer­tigt sei, wenn sie ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung an­ge­sichts der Tätig­keit dar­stel­le. Dies tref­fe auf die zu be­set­zen­de Stel­le nicht zu. Der Be­klag­te beschäfti­ge auch Per­so­nen, die nicht der evan­ge­li­schen Kon­fes­si­on an­gehörten. Dies las­se die als Soll­vor­schrift aus­ge­stal­te­te Re­ge­lung von § 3 Zif­fer 2 der Richt­li­nie es Ra­tes der EKD zu und wer­de durch die Mit­ar­bei­ter­sta­tis­tik der Dia­ko­nie be­legt. So­weit der Be­klag­te dies re­strik­ti­ver se­he, ha­be dies nichts mit dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che zu tun. Der Be­klag­te müsse sich an die von der Kir­che auf­ge­stell­ten Grundsätze hal­ten und dürfe die­se nicht über­schrei­ten. Nach dem Leit­bild der evan­ge­li­sche Kir­che (§ 3 EKD-RL) wer­de zwi­schen verkündi­gungs­na­her und verkündi-gungs­fer­ner Tätig­keit un­ter­schie­den und für letz­te­re die Mit­glied­schaft in der Kir­che nur als Soll­vor­schrift an­ge­se­hen.
Er hat auf das für den Be­klag­ten for­mu­lier­te Leit­bild sei­ner Tätig­keit ver­wie­sen. Der Be­klag­te ver­ste­he sich als un­mit­tel­ba­re Le­bens- und We­sensäußerung der christ­li­chen Kir­che, zu de­ren Sen­dungs­auf­trag vor al­lem die Verkündung des christ­li­chen Glau­bens so­wie die täti­ge Nächs­ten­lie­be gehören. Die Richt­li­nie über die An­for­de­run­gen der pri­vat­recht­li­chen be­ruf­li­chen Mit­ar­beit in der EKD und im Dia­ko­ni­schen Werk sei un­mit­tel­ba­rer Aus­fluss des kirch­li­chen Rechts, die An­ge­le­gen­hei­ten in ei­ge­ner Sa­che frei und vom staat­li­chen Zu­griff un­abhängig re­geln zu können. Be­deut­sam für das Selbst­verständ­nis des Be­klag­ten sei das Bild der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft. Da­von sei ne­ben dem Got­tes­dienst der aus dem Glau­ben er­wach­sen­de Dienst am Mit­men­schen er­fasst. Der Be­klag­te sei als Teil kirch­li­chen Han­delns kein „nor­ma­ler“ Ar­beit­ge­ber, son­dern un­ter­lie­ge über das Grund­ge­setz ei­nem be­son­de­ren Schutz. Die Mit­glied­schaft zu ei­ner Kir­che sei ge­eig­ne­tes Kri­te­ri­um, um gewähr­leis­ten zu können, dass sich die Mit­ar­bei­ter mit dem Auf­trag des Ar­beit­ge­bers iden­ti­fi­zie­ren. Von den im Jahr 2013 bei dem Be­klag­ten beschäftig­ten et­wa 650 Ar­beit-neh­mern gehörten 99 % ei­ner christ­li­chen Re­li­gi­on an. Der von dem Be­klag­ten zu ers­tel-len­de Par­al­lel­be­richt zur Um­set­zung der An­ti­ras­sis­mus­kon­ven­ti­on sei un­abhängig von staat­li­cher Be­richt­er­stat­tung die nach außen wir­ken­de Po­si­tio­nie­rung des Be­klag­ten zu der Kon­ven­ti­on. We­gen der star­ken Außen­wir­kung des Be­richts und der ergänzen­den Pu­bli-kat­io­nen und Fach­beiträge sei ein möglichst wis­sen­schaft­li­cher Hin­ter­grund und pu­bli­zis­ti­sche Er­fah­rung er­for­der­lich, ge­paart mit ent­spre­chen­dem Fach­wis­sen. Für den Be­klag­ten sei da­her ein rechts­wis­sen­schaft­li­ches oder ei­ne ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on un­ver­zicht­ba­res Kri­te­ri­um. Nach der Ver­kehrs­an­schau­ung sei­en für der­ar­ti­ge Re­fe­ren­ten­stel­len ty­pi­scher­wei­se Per­so­nen mit uni­ver­sitärem Hoch­schul­stu­di­um ein­ge­stellt. Dies zei­ge sich auch in der Be­wer­tung durch die Vergütungs­grup­pe E13 TVöD, die ein wis­sen­schaft­li­che Hoch­schul­stu­di­um/Mas­ter vor­aus­set­ze und mit dem höhe­ren Be­am­ten­dienst ver­gleich­bar sei. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin lie­ge nicht vor. Be­reits der Um­stand, dass die Kläge­rin nicht über das ge­for­der­te uni­ver­sitäre Hoch­schul­stu­di­um verfüge, sei der Grund dafür ge­we­sen, sie nicht zum Vor­stel­lungs­gespräch ein­zu­la­den. Auch die so­zi­alpädago­gi­sche Aus­rich­tung der Kläge­rin sei weit ent­fernt vom An­for­de­rungs­pro­fil des Be­klag­ten. Die Kläge­rin ha­be sich des­we­gen mit dem aus­gewähl­ten Be­wer­ber be­reits nicht in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on iSd. § 3 Abs. 1 AGG be­fun­den. Bei an­ge­nom­me­ner un­ter­schied­li­cher Be­hand­lung we­gen der Re­li­gi­on sei ei­ne sol­che nach § 9 AGG ge­recht­fer­tigt. Die Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit stel­le un­ter Be­ach­tung des Selbst­ver-ständ­nis­ses nach der Art der Tätig­keit ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar. Mit der Tätig­keit wer­de der Stel­len­in­ha­ber un­mit­tel­bar nach außen für den Be­klag­ten tätig und ver­tre­te des­sen Mei­nung und die sei­ner nach­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen in Li­te­ra­tur, Öffent­lich­keit und Po­li­tik. Da der Stel­len­in­ha­ber ei­nen Par­al­lel­be­richt zum Staa­ten­be­richt der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hin­sicht­lich der UN-An­ti­ras­sis­mus­kon­ven­ti­on ver­fas­se, in der Zen­tra­le des Be­klag­ten an­ge­sie­delt sei und da­mit in­ten­si­ve Ein­bli­cke in die in­ne­re Struk­tur des Be­klag­ten er­hal­te, sei es äußerst be­deut­sam, dass er im in­ne­ren Ein­klang mit den Wer­ten und Über­zeu­gun­gen des Be­klag­ten agie­re. Die Tätig­keit des Stel­len­in­ha­bers ent­fal­te un­mit­tel­ba­re Außen­wir­kung für den Be­klag­ten und die Evan­ge­li­sche Kir­che so­wie ih­re Ein­rich­tun­gen. Nach den für den Be­klag­ten maßgeb­li­chen Re­ge­lun­gen als Aus­fluss von Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art 137 Abs. 3 WRV sei die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che ei­ne not­wen­di­ge An­for­de­rung für die Be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Das Recht des Be­klag­ten, ei­ne sol­che An­for­de­rung zu stel­len, sei vom Bun­des­ver­fas-sungs­ge­richt aus­drück­lich an­er­kannt. Zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis kom­me man auch nicht bei Aus­le­gung der EU-Richt­li­nie 2000/78/EG. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz berück­sich­ti­ge die Vor­ga­ben der EG-Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie die Vor­ga­ben des Bun-des­ver­fas­sungs­ge­richts und ha­be zu­gleich das kirch­li­che Ar­beits­recht we­der ab­geändert noch abändern wol­len. So­weit nach der Recht­spre­chung an­er­kannt sei, dass ein Kir-chen­aus­tritt die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zur Fol­ge ha­ben könne, müsse dies auch für die Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen gel­ten, da­mit kei­ne sys­te­ma­ti­schen Wi­dersprüche entstünden. We­gen der Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Vor­trags des Be­klag­ten wird auf die Schriftsätze vom 16.09.2013 (Bl. 59-138 d. A.) und vom 29.11.2013 (Bl. 342-354 d. A.) nebst An­la­gen ver­wie­sen.
Der Be­klag­te ist un­ter Ver­tie­fung sei­ner erst­in­stanz­li­chen Ausführun­gen der Auf­fas­sung, dass Ar­beits­ge­richt ha­be zu Un­recht an­ge­nom­men, die Kläge­rin ha­be sich mit den an­de­ren Be­wer­bern in ei­ner ver­gleich­ba­ren La­ge be­fun­den. Die Kläge­rin sei für die Stel­le im Hin­blick auf die An­for­de­run­gen in der Stel­len­aus­schrei­bung be­reits nicht ob­jek­tiv ge­eig­net. Die Kläge­rin ha­be we­der ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten noch ei­ne ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on. Ei­ne ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on sei nur ei­ne sol­che, die eben­falls durch ein wis­sen­schaft­li­ches Hoch­schul­stu­di­um, nicht je­doch durch ein Fach­hoch­schul­stu­di­um der So­zi­alpädago­gik er­wor­ben wer­de. Dass der Be­klag­te die An-for­de­rung ent­spre­chend ver­stan­den ha­ben woll­te, las­se sich auch aus der Stel­len­be-schrei­bung selbst er­ken­nen. Das ent­spre­chen­de An­for­de­rungs­pro­fil sei auch nur da­hin-ge­hend zu über­prüfen, ob nach der im Ar­beits­le­ben herr­schen­den Ver­kehrs­an­schau­ung die wahr­zu­neh­men Auf­ga­ben durch die Er­for­der­nis­se un­ter kei­nem nach­voll­zieh­ba­ren Ge­sichts­punkt ge­deckt sind. Dass das An­for­de­rungs­merk­mal „uni­ver­sitäres Hoch­schul-stu­di­um“ ei­ner ent­spre­chen­den Über­prüfung stand­hal­te, hätte auch das Ar­beits­ge­richt se­hen müssen, da es das ein wis­sen­schaft­li­ches Hoch­schul­stu­di­um für die Auf­ga­be als „si­cher­lich nütz­lich“ an­ge­se­hen hat­te. So­weit das Ar­beits­ge­richt ei­ne Recht­fer­ti­gung nach § 9 AGG ver­neint ha­be, sei dies eben­falls nicht zu­tref­fend. Die An­nah­me, ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung auf­grund der Re­li­gi­on sei nur bei Po­si­tio­nen im „verkündungs­na­hen Be­reich“ zulässig, igno­rie­re den erklärten Wil­len des na­tio­na­len Ge­setz­ge­bers, aber auch die primärrecht­li­chen Grund­la­gen, auf de­nen die dem AGG zu­grun­de­lie­gen­de RL 2000/78/EG ba­siert. Be­reits aus dem Wort­laut des § 9 Abs. 1 AGG wer­de deut­lich, dass – an­ders als bei § 8 Abs. 1 AGG – die Fra­ge, ob ei­ne we­sent­li­che be­ruf­li­che An­for­de­rung ge­ge­ben sei, un­ter Be­ach­tung des Selbst­verständ­nis­ses und da­mit des sub­jek­ti­ven Verständ­nis­ses der kirch­li­chen Ein­rich­tung zu be­ant­wor­ten ist. Aus dem Selbst­verständ­nis der kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber fol­ge aber, dass je­der, der in den Dienst ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung tre­te, zu­gleich ei­nen Bei­trag zur Erfüllung des der Kir­che ge­stell­ten Sen­dungs­auf­trags leis­te. Re­spek­tie­re man die­ses Selbst­verständ­nis, so führe das zwangsläufig da­zu, dass es al­lei­ni­ges Recht der Kir­chen sei zu ent­schei­den, wel­che Vor­aus­set­zun­gen von dem Beschäftig­ten erfüllt sein müssen, um als Teil der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft an dem Auf­trag der Kir­che in der Welt teil­zu­neh­men. Auch die RL 2000/78/EG ge­bie­te ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge-richts kei­ne ab­wei­chen­de Aus­le­gung des § 9 AGG. Das ent­spre­chen­de Verständ­nis der RL 2000/78/EG durch das Ar­beits­ge­richt sei auch mit dem eu­ropäischen Primärrecht, na-ment­lich Art. 17 AEUV nicht ver­ein­bar. Aus Art. 17 AEUV fol­ge, dass der na­tio­na­le Sta­tus der Kir­chen ge­ach­tet und nicht be­ein­träch­tigt wer­de. Da­mit ent­spre­che ei­ne Ein­schränkung des aus Art. 140 GG iVm. §§ 136 ff. WRV fol­gen­den kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht, wie es in der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen und ar­beits­recht­li­chen Recht­spre­chung an­er­kannt sei, we­der dem Wil­len des na­tio­na­len noch des eu­ropäischen Ge­setz­ge­bers. Der Be­klag­te be­an­tragt,
Sie ver­tei­digt das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil, so­weit es ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch be­jaht hat. Sie ver­tritt wei­ter­hin die Auf­fas­sung, die ob­jek­ti­ve Eig­nung sei nicht Be­stand­teil ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on. Auch erfülle die Kläge­rin oh­ne wei­te­res das Merk­mal der „ver­gleich­ba­ren Qua­li­fi­ka­ti­on“. Die Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin sei auch nicht durch § 9 AGG ge­recht­fer­tigt. Ei­ne Recht­fer­ti­gung nach § 9 AGG kom­me nur im verkündungs­na­hen Be­reich in Be­tracht. Die ent­spre­chen­de Un­ter­schei­dung in verkündungs­na­hen und ver-kündungs­fer­nen Be­reich fin­de sich in den kirch­li­chen Re­ge­lung selbst. Die Auf­fas­sung des Be­klag­ten führ­te auch da­zu, dass jed­we­de Re­li­gi­ons- oder Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft ih­re Mit­glie­der oh­ne je­de Kon­trol­le bei der Stel­len­be­set­zung be­vor­zu­gen könne. Die­se gel­te dann, wie der Kläge­rin­nen­ver­tre­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 28.05.2014 vor-ge­tra­gen hat, zB. auch für Sci­en­to­lo­gy und Ve­ga­ner. Es pas­se auch nicht zu­sam­men, dass der Be­klag­te die hier frag­li­che Stel­le aus Dritt­mit­teln fi­nan­zie­re, aber sich ge­gen ei­ne Kon­trol­le der Ein­stel­lungs­kri­te­ri­en durch die Ge­rich­te weh­re. So­weit das Ar­beits­ge­richt die Entschädi­gungs­sum­me le­dig­lich auf 1.957,73 EUR fest­ge­legt ha­be, sie dies in­des feh­ler­haft. Das Ar­beits­ge­richt sei un­zu­tref­fend von ei­ner Be­gren­zung auf drei Mo­nats­gehälter aus­ge­gan­gen und ha­be die Präven­ti­ons­wir­kung der Entschädi­gung nicht berück­sich­tigt. Auch ver­fol­ge die Evan­ge­li­sche Kir­che mit der An­knüpfung an die Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit bei der Ein­stel­lung das Ziel, durch die star­ke Po­si­ti­on auf dem Ar­beits­markt die Ein­nah­men aus den Kir­chen­steu­ern der Beschäftig­ten zu si­chern.
Sie ver­tei­digt das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil un­ter Ver­tie­fung ih­res Vor­brin­gens und ver­weist dar­auf, dass der ein­ge­stell­te Be­wer­ber ge­genüber der Kläge­rin un­abhängig von der Re­li-gi­ons­zu­gehörig­keit ob­jek­tiv bes­ser qua­li­fi­ziert sei, so dass die vom Ar­beits­ge­richt an­ge-nom­me­ne Ober­gren­ze von drei Mo­nats­gehältern zu­tref­fend sei. We­gen der Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Vor­trags des Be­klag­ten wird auf die Schriftsätze vom 28.03.2014 (Bl. 454 - 496 d. A.), vom 14.04.2914 (Bl. 579 – 588 d. A.) und vom 20.05.2014 (Bl. 607 – 625 d. A.) nebst An­la­gen ver­wie­sen.
A. Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. b. ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des Be­klag­ten ist von ihm frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG). Sie ist da­mit zulässig. B. Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ist auch be­gründet. Die Kläge­rin hat kei­nen Entschä-di­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG. Der Be­klag­te hat die Kläge­rin nicht iSd. § 7 Abs. 1, § 3 Abs. 1 und § 1 AGG we­gen der Re­li­gi­on be­nach­tei­ligt. Es er­scheint be­reits zwei­fel­haft, ob im Hin­blick auf das Er­for­der­nis ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne Be­nach­tei­li­gung iSd. § 3 Abs. 1 AGG vor­liegt. Zu­min­dest aber ist die we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung der Kläge­rin iSd. § 3 Abs. 1 AGG nach § 9 Abs. 1 AGG ge­recht­fer­tigt. I. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung liegt nach § 3 Abs. 1 AGG vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. 1. Die Kläge­rin er­fuhr durch die Ab­sa­ge ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung so­wohl im Ver­gleich zum tatsächlich ein­ge­stell­ten Be­wer­ber als auch im Ver­gleich zu den zu den Vor­stel­lungs­gesprächen ein­ge­la­de­nen Be­wer­bern. Ein Nach­teil im Rah­men ei­ner Aus-wahl­ent­schei­dung, ins­be­son­de­re bei ei­ner Ein­stel­lung oder Beförde­rung, liegt be­reits dann vor, wenn der Be­wer­ber nicht in die Aus­wahl ein­be­zo­gen, son­dern vor­ab aus dem Be-wer­bungs­ver­fah­ren aus­ge­schie­den wird. Hier liegt die Be­nach­tei­li­gung in der Ver­sa­gung ei­ner Chan­ce (BAG 14.11.2013 – 8 AZR 997/12 – NZA 2014, 489 (491) mwN) 2. Zwei­fel be­ste­hen aber, ob sich die Kläge­rin mit den Be­wer­bern, die zum Vors­tel-lungs­gespräch ein­ge­la­den wor­den sind, in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fand. Während die zum Vor­stel­lungs­gespräch ge­la­de­nen vier Be­wer­ber ein wis­sen­schaft­li­ches Hoch-schul­stu­di­um ab­ge­schlos­sen ha­ben, hat die Kläge­rin ein Fach­hoch­schul­stu­di­um der So-zi­alpädago­gik ab­sol­viert.
a. Das Vor­lie­gen ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on setzt vor­aus, dass der Kläger ob­jek­tiv für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le ge­eig­net war, denn ver­gleich­bar ist die Aus­wahl­si­tua­ti­on nur für Ar­beit­neh­mer, die glei­cher­maßen die ob­jek­ti­ve Eig­nung für die zu be­set­zen­de Stel­le auf­wei­sen (BAG 14.11.2013 – 8 AZR 997/12 – NZA 2014, 489 (491) mwN; BAG 07.04.2011 – 8 AZR 679/09 - EzA § 15 AGG Nr. 17 = AP Nr. 4 zu § 22 AGG; Schleu­se-ner/Suckow/Voigt-Schleu­se­ner AGG 4. Aufl. § 3 Rn. 7a). Für die Be­ur­tei­lung der da­mit stets er­for­der­li­chen ob­jek­ti­ven Eig­nung ist nicht nur auf das for­mel­le und be­kannt ge­ge­be­ne An­for­de­rungs­pro­fil, das der Ar­beit­ge­ber er­stellt hat, zurück­zu­grei­fen und ab­zu­stel­len. Maßgeb­lich sind viel­mehr die An­for­de­run­gen, die der Ar­beit­ge­ber an ei­nen Be­wer­ber in red­li­cher Wei­se stel­len durf­te. Al­ler­dings darf der Ar­beit­ge­ber über den ei­ner Stel­le zu­ge-ord­ne­ten Auf­ga­ben­be­reich und die dafür ge­for­der­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen des Stel­len­in­ha­bers grundsätz­lich frei ent­schei­den. Durch über­zo­ge­ne An­for­de­run­gen, die nach der im Ar-beits­le­ben herr­schen­den Ver­kehrs­an­schau­ung un­ter kei­nem nach­voll­zieh­ba­ren Ge-sichts­punkt durch die Er­for­der­nis­se der wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben ge­deckt sind, darf er al­ler­dings die Ver­gleich­bar­keit der Si­tua­ti­on nicht willkürlich ge­stal­ten und da­durch den Schutz des All­ge­mei­nen Dis­kri­mi­nie­rungs­schut­zes de fac­to be­sei­ti­gen.. (BAG 14.11.2013 – 8 AZR 997/12 – NZA 2014, 489 (491) mwN; BAG 07.04.2011 – 8 AZR 679/09 – AP Nr. 6 zu § 15 AGG = EzA § 15 AGG Nr. 13; BAG 07.04.2011 – 8 AZR 679/09 - EzA § 15 AGG Nr. 17 = AP Nr. 4 zu § 22 AGG). b. Aus­weis­lich der Stel­len­aus­schrei­bung war An­for­de­rungs­merk­mal der Stel­le ein „Ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten oder ver­gleich­ba­re Qua-lifi­ka­ti­on“. aa. Die Kläge­rin hat kein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaft. bb. Das Ar­beits­ge­richt ist mit der Kläge­rin da­von aus­ge­gan­gen, dass ei­ne „ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ nicht die Ab­sol­vie­rung ei­nes wis­sen­schaft­li­chen Hoch­schul­stu­di­ums vor­aus­setzt, son­dern glei­cher­maßen durch die bei der Kläge­rin vor­han­de­ne langjähri­ge ein­schlägi­ge Er­fah­rung in der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit er­wor­ben wer­den kann. In­fol­ge des­sen hat es an­ge­nom­men, die Kläge­rin ha­be ei­ne ei­nem ab­ge­schlos­se­nen Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on.
(1) Dass langjähri­ge ein­schlägi­gen Er­fah­run­gen und Kennt­nis­sen in der An­ti­ras­sis-mus­ar­beit und den da­mit ver­bun­de­nen Tätig­kei­ten ei­ne ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on be-gründen können, wie das Ar­beits­ge­richt mit der Kläge­rin meint, ist mit dem ob­jek­ti­vier­ba­ren Wil­len des Be­klag­ten, wie er sich aus der Sys­te­ma­tik der Stel­len­aus­schrei­bung er­gibt, nicht ver­ein­bar. Die Stel­len­aus­schrei­bung nennt ne­ben der An­for­de­rung „Ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten oder ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ ku­mu­la­tiv das Er­for­der­nis „Fun­dier­te Kennt­nis­se im Völker­recht und der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit“. Die vom Ar­beits­ge­richt zur Be­gründung der ver­gleich­ba­ren Qua­li­fi­ka­ti­on her­an­ge­zo­ge­nen un­be­strit­te­nen Er­fah­run­gen und Kennt­nis­se der Kläge­rin in der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit sind da­mit nach dem ein­deu­ti­gen In­halt der Stel­len­aus­schrei­bung ei­ne wei­te­re Vor­aus­set­zung des An­for­de­rungs­pro­fils ne­ben der Vor­aus­set­zung „Ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten oder ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“. Wer­den ne­ben der ei­nem rechts­wis­sen­schaft­li­chen Hoch­schul­stu­di­um zu­min­dest „ver­gleich­ba­ren Qua­li­fi­ka­ti­on“ „fun­dier­te Kennt­nis­se in der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit“ ver­langt, so wird deut­lich, dass al­lein die durch prak­ti­sche Er­fah­rung ge­won­ne­nen Kennt­nis­se in der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit ei­ne „ver-gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ nicht be­gründen können. Viel­mehr folgt aus der Sys­te­ma­tik der Stel­len­aus­schrei­bung, dass es für das Vor-lie­gen ei­ner „ver­gleich­ba­ren Qua­li­fi­ka­ti­on“ auf die for­ma­le Qua­li­fi­ka­ti­on an­kommt. Das An­for­de­rungs­pro­fil be­nennt un­ter den Spie­gel­stri­chen 2 – 7 tatsächli­che An­for­de­run­gen an den Stel­len­in­ha­ber und im Spie­gel­strich 1 mit dem Er­for­der­nis „ab­ge­schlos­se­nes Hoch-schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten“ ei­ne rein for­ma­le Qua­li­fi­ka­ti­on. In­so­weit sta­tu­iert der ers­te Spie­gel­strich for­ma­le An­for­de­run­gen an die Qua­li­fi­ka­ti­on, die sich auch bei dem Merk­mal „ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ wie­der­fin­den müssen. Würden die Kam­mer ent­ge­gen die­sem klar in der Stel­len­aus­schrei­bung zu Ta­ge ge­tre­ten Wil­len des Be­klag­ten, ei­ne „ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ al­lein auf­grund der un-be­strit­te­nen Er­fah­run­gen und Kennt­nis­se der Kläge­rin in der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit und ih­rer während der Tätig­keit er­wor­be­nen Kennt­nis­se des Völker­rechts an­neh­men, setz­te sie sich über das Recht der Be­klag­ten hin­weg, über den der Stel­le zu­ge­ord­ne­ten Auf­ga­ben­be­reich und die dafür ge­for­der­te Qua­li­fi­ka­ti­on des Stel­len­in­ha­bers im Grund­satz frei zu ent­schei­den. Eben­so we­nig wie das rei­ne Ab­sol­vie­ren ei­nes Hoch­schul­stu­di­ums der Rechts­wis-sen­schaf­ten da­zu führt, dass der Be­wer­ber die Stel­len­an­for­de­rung erfüllt, wird durch „fun-dier­te Kennt­nis­se im Völker­recht und der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit“ al­lein das An­for­de­rungs­pro­fil erfüllt.
(2) In­so­weit wird das Merk­mal der „ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ nur von ei­nem Be-wer­ber erfüllt, der ein Stu­di­um ab­sol­viert hat, das ei­nem Hoch­schul­stu­di­um der Rechts-wis­sen­schaf­ten ver­gleich­bar ist. Hier­bei han­delt es sich in Be­zug auf die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le auch nicht um ei­ne über­zo­ge­ne An­for­de­rung, die nach der im Ar­beits­le­ben herr-schen­den Ver­kehrs­an­schau­ung un­ter kei­nem nach­voll­zieh­ba­ren Ge­sichts­punkt durch die Er­for­der­nis­se der wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben ge­deckt ist. (3) Die Kläge­rin hat ein Fach­hol­schul­stu­di­um der So­zi­alpädago­gik an ei­ner Fach­hoch­schu­le für So­zi­al­ar­beit/So­zi­alpädago­gik ab­sol­viert. Ob dies ei­ne „ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ be­gründet, er­scheint des­we­gen zwei­fel­haft, weil sich die Stu­di­en­in­hal­te er­heb­lich un­ter­schei­den. Das Fach­hol­schul­stu­di­um der So­zi­alpädago­gik ver­mit­telt kei­ne schlech­te­re, aber ei­ne an­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on als das Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten. Es spricht auch vie­les dafür, dass ei­ne ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on iSd. der Stel­len­aus­schrei­bung nur bei Ab­sol­vie­rung ei­nes Hoch­schul- nicht aber Fach­hoch­schul­stu­di­ums vor­liegt. In­so­weit ist zu berück­sich­ti­gen, die die Vergütung auf der aus­ge­schrie­be­ne Stel­le mit der Vergütungs­grup­pe E13 TVöD er­fol­gen soll­te. Ei­ne Ein­grup­pie­rung in der Vergütungs­grup­pe E13 TVöD er­for­dert aber grundsätz­lich die Ab­sol­vie­rung ei­nes wis­sen­schaft­li­chen Hoch­schul­stu­di­ums bzw. die Er­lan­gung ei­nes Mas­ters. II. Die Fra­ge be­darf in­des kei­ner Ent­schei­dung. Auch wenn man annähme, die Kläge­rin ha­be sich mit den zum Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­de­nen Be­wer­bern un­ter Zu­grun­de­le­gung der Stel­len­aus­schrei­bung in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fun­den, läge ei­ne rechts­wid­ri­ge Be­nach­tei­li­gung nicht vor. Zwar hat die Kläge­rin ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren als die zum Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­de­nen Mit­be­wer­ber. Da in der Stel­len­aus­schrei­bung die Mit­glied­schaft in ei­ner evan­ge­li­schen oder der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen in Deutsch­land (ACK) an­gehören­den Kir­che vor­aus­ge­setzt wur­de, lie­gen Tat­sa­chen vor, die in­di­zie­ren, dass für die Nicht­ein­la­dung der Kläge­rin zum Vor­stel­lungs­gespräch die Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit zu­min­dest auch ein Mo­tiv war. Für die Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes Merk­mals iSd. § 1 AGG reicht es aus, wenn das ent­sp­re-chen­de Merk­mal nur Be­stand­teil ei­nes Mo­tivbündels ist, das die Ent­schei­dung be­ein­flusst hat (BAG 28.04.2011 – 8 AZR 515/10 - AP Nr. 7 zu § 15 AGG = EzA § 22 AGG Nr. 4; Schleu­se­ner/Suckow/Voigt-Schleu­se­ner AGG 4. Auf. § 3 Rn. 12 mwN). Die un­ter­schied-li­che Be­hand­lung war in­des nach § 9 Abs. 1 AGG ge­recht­fer­tigt.
1. Nach § 9 Abs. 1 AGG ist un­ge­ach­tet des § 8 AGG ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen der Re­li­gi­on bei der Beschäfti­gung durch Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten oder die ih­nen zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen auch zulässig, wenn ei­ne be­stimm­te Re­li­gi­on un­ter Be­ach­tung des Selbst­verständ­nis­ses der je­wei­li­gen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft im Hin­blick auf ihr Selbst­be­stim­mungs­recht oder nach der Art der Tätig­keit ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt. a. Nach dem Wort­laut der Norm ist ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach der Re­li­gi­on auch dann zulässig, wenn die Re­li­gi­on un­ter Be­ach­tung des Selbst­verständ­nis­ses der je­wei­li­gen Re-li­gi­ons­ge­mein­schaft im Hin­blick auf ihr Selbst­be­stim­mungs­recht ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf-li­che An­for­de­rung dar­stellt. § 9 Abs. 1 AGG stell­te im Hin­blick auf die ge­recht­fer­tig­ten be-ruf­li­chen An­for­de­run­gen das Selbst­verständ­nis al­ter­na­tiv ne­ben die „Art der Tätig­keit“. b. Ob ent­spre­chend dem Wort­laut aus § 9 Abs. 1 AGG das Recht der Re­li­gi­ons­ge-mein­schaf­ten folgt, un­ter Be­ach­tung ih­res Selbst­verständ­nis­ses für die bei ih­nen Beschäf-tig­ten ei­ne be­stimm­te Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit zu for­dern oder ob § 9 Abs. 1 AGG ei­ner ein­schränken­den Aus­le­gung im Hin­blick auf eu­ro­pa­recht­li­che Vor­ga­ben be­darf, ist in der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur um­strit­ten.
Teil­wei­se wird un­ter Be­zug auf den Wort­laut der Norm und die Ge­set­zes­be­gründung (Vgl. BT-Drucks 16/1780 S. 35) da­von aus­ge­gan­gen wird, dass es das Recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft sei, die Re­li­gi­on als be­ruf­li­che An­for­de­rung für die bei ih­nen Be-schäftig­ten zu be­stim­men, auch wenn Tätig­kei­ten aus­geübt wer­den, die kei­ne Nähe zum Verkündungs­auf­trag der Kir­chen ha­ben (MüKo-BGB/Thüsing 6. Aufl. § 9 AGG Rn. 12-13; Adom­eit/Mohr AGG 2. Aufl. § 9 Rn. 6-7; Mohr/v. Fürs­ten­berg BB 2008, 2122 (2126)). Nach an­de­rer Auf­fas­sung lässt sich aus dem Selbst­verständ­nis der Re­li­gio­nen nur bei ei­nem Kern­be­reich von Be­rufs­fel­dern, die in­halt­lich di­rekt mit der Ver­mitt­lung der In­hal­te der Re­li­gio­nen be­fasst sind oder die der un­mit­tel­ba­ren Ausübung des Glau­bens die­nen, ei­ne Un­ter­schei­dung nach der Re­li­gi­on recht­fer­ti­gen (Däubler/Bertz­bach-Däubler AGG 3. Aufl. § 9 Rn. 41). Teil­wei­se wird ver­tre­ten, dass im Hin­blick auf ei­ne uni­ons­kon­for­me Aus­le­gung zwar die Art der Tätig­keit der maßgeb­li­che Be­zugs­punkt sei, dass aber in­so­weit hin­sicht­lich der Fra­ge, ob für die Tätig­keit die Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit we­sent­lich ist, das Selbst­verständ­nis der Re­li­gi­on zu be­ach­ten sei (Meinl/Heyn/Herms AGG 2. Aufl. § 9 Rn. 18-20). Ähn­lich wird teil­wei­se ei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 9 Abs. 1 AGG da­hin­ge­hend für not­wen­dig er­ach­tet, dass nicht das Selbst­verständ­nis der Re­li­gi­ons­ge-mein­schaft al­lein ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung we­gen der Re­li­gi­on recht­fer­tigt, son­dern dass die Re­li­gi­on im Hin­blick auf das Selbst­be­stim­mungs­recht nach der Art der Tätig­keit ei­ne ge-recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stel­len muss (Schleu­se­ner/Suckow/Voigt-Voigt AGG 4. Aufl. § 9 Rn. 24; KR/Tre­ber 10. Aufl. AGG § 9 Rn. 12; ErfK/Schlach­ter 14. Aufl. AGG § 9 Rn. 3). c. Die Be­stim­mung des In­halts des § 9 Abs. 1 AGG kann nicht los­gelöst von den eu­ro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben er­fol­gen. So­weit ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen der Re­li­gi­on be­trof­fen ist, setzt das AGG die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (im Fol­gen­den: RL 2000/78/EG) um. aa. Das in­ner­staat­li­che Ge­richt muss das na­tio­na­le Recht so weit wie möglich an­hand des Wort­lauts und des Zwecks der Richt­li­nie aus­le­gen, um das in der Richt­li­nie fest­ge­leg­te Ziel zu er­rei­chen und da­mit Ar­ti­kel 288 Abs. 3 AEUV (ex-Ar­ti­kel 249 EGV) zu genügen (vgl. EuGH 16.07.2009 - C-12/08 - [Mo­no Car Sty­ling] Rn. 60, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 98/59 Nr. 2; BAG 17.11.2009 - 9 AZR 844/08 - EzA § 13 BUrlG Nr. 59; BAG 23.3.2011 - 5 AZR 7/10 - AP § 10 AÜG Nr. 23 = EzA § 10 AÜG Nr. 15). Da­bei sind Richt­li­ni­en ih­rer­seits wie­der ent­spre­chend den Vor­ga­ben des eu­ropäischen Primärrechts aus­zu­le­gen. bb. Nach dem bei der Aus­le­gung des § 9 AGG zu berück­sich­ti­gen­den Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG können die Mit­glied­staa­ten der EU in Be­zug auf be­ruf­li­che Tätig­kei­ten in­ner­halb von Kir­chen und an­de­ren öffent­li­chen oder pri­va­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen, de­ren Ethos auf re­li­giösen Grundsätzen oder Welt­an­schau­un­gen be­ruht, Be­stim­mun­gen in ih­ren zum Zeit­punkt der An­nah­me die­ser Richt­li­nie gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten bei­be­hal­ten oder in künf­ti­gen Rechts­vor­schrif­ten Be­stim­mun­gen vor­se­hen, die zum Zeit­punkt der An­nah­me die­ser Richt­li­nie be­ste­hen­de ein­zel­staat­li­che Ge­pflo­gen­hei­ten wi­der­spie­geln und wo­nach ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen der Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung ei­ner Per­son kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, wenn die Re­li­gi­on oder die Welt­an­schau­ung die­ser Per­son nach der Art die­ser Tätig­kei­ten oder der Umstände ih­rer Ausübung ei­ne we­sent­li­che, rechtmäßige und ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung an­ge­sichts des Ethos der Or­ga­ni­sa­ti­on dar­stellt.
cc. Die Aus­le­gung des Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG darf al­ler­dings ih­rer­seits nicht un­abhängig von den Vor­ga­ben des eu­ropäischen Primärrechts er­fol­gen. Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG ist viel­mehr seit dem 01.12.2009 sei­ner­seits im Lich­te von Art. 17 Abs. 1 AEUV aus­zu­le­gen (BAG 25.04.2013 – 2 AZR 579/12 - EzA § 611 BGB 2002 Kirch­li­che Ar­beit-neh­mer Nr. 26 = AP Nr. 243 zu § 626 BGB). Seit In­kraft­tre­ten des Ver­tra­ges von Lis­sa­bon am 01.12.2009 ist mit Art. 17 Abs. 1 AEUV der Sta­tus der Kir­chen in der EU primärrecht­lich ver­an­kert. Nach Art. 17 Abs. 1 AEUV ach­tet die Uni­on den Sta­tus, den Kir­chen und re­li­giöse Ver­ei­ni­gun­gen oder Ge-mein­schaf­ten in den Mit­glieds­staa­ten nach de­ren Rechts­vor­schrif­ten ge­nießen und be­ein-träch­tigt ihn nicht. An die­se primärrecht­li­che Ent­schei­dung des eu­ropäischen Ge­setz­ge­bers, den in den Mit­glieds­staa­ten exis­tie­ren­den Sta­tus der Kir­chen an­zu­er­ken­nen und ihn nicht zu be­ein­träch­ti­gen, sind so­wohl die eu­ropäischen, wie auch die na­tio­na­len Ge­rich­te bei der Aus­le­gung und An­wen­dung des Ge­mein­schafts­rechts ge­bun­den. Durch den eu­ropäischen Ge­setz­ge­ber vor­ge­ge­ben er­gibt sich da­mit für die primärrecht­li­che Aus­le­gung der se­kundärrecht­li­chen Vor­schrift des Art. 4 Abs. 2 Satz 1 RL 2000/78/EG, dass das in den Mit­glieds­staa­ten gel­ten­de Recht maßgeb­lich ist (Scho­enau­er KuR 2012, 30 (35 f)). Zu dem in den Mit­glieds­staa­ten gel­ten­den Recht gehört ins­be­son­de­re auch das Ver­fas­sungs­recht, so­weit es den Sta­tus der Kir­chen und re­li­giösen Ver­ei­ni­gun­gen re­gelt. Ver­mit­telt das na-tio­na­le Ver­fas­sungs­recht den Kir­chen und re­li­giösen Ver­ei­ni­gun­gen be­stimm­te Rech­te, sind die­se auch von der Uni­on zu ach­ten. Art. 17 Abs. 1 AEUV enthält da­mit nicht nur ei­ne An­er­ken­nung des Sta­tus der Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts der Kir­chen, son­dern be­zieht das ge­sam­te Rechts­verhält­nis zwi­schen den Mit­glieds­staa­ten und Kir­chen ein; für Deutsch­land wird das ge­sam­te Staats­kir­chen­recht wie es in Art. 140 GG und den in­kor­po-rier­ten Ar­ti­keln der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung sei­ne Ge­stalt ge­fun­den hat, ein­be­zo­gen (Cal­lies/Ru­fert-Wald­hoff EUV/AEUV 4. Aufl. Art. 17 AEUV Rn. 12; Lim­bach KuR 2013, 42 (48); Scho­enau­er KuR 2012, 30 (35)). Art. 17 Abs. 1 AEUV ge­bie­tet des­we­gen sei­ner­seits ei­ne Aus­le­gung von Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG im Sin­ne ei­ner Wah­rung der sich aus Art. 140 GG iVm. Art. 137 WRV er­ge­ben­den kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts gemäß der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (Fi­scher­mei­er ZMV-Son­der­heft Ta­gung 2012, 30 (34); KR/Fi­scher­mei­er 10. Aufl. Kündi­gung Kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer Rn. 8; Scho­enau­er KuR 2012, 30 (35 f.)).
dd. Die seit dem 01.12.2009 primärrecht­lich ge­bo­te­ne Aus­le­gung des Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG über­schrei­tet auch nicht die durch den Wort­laut der RL 2000/78/EG ge­zo­ge­ne Gren­ze. Art. 4 Abs. 2 RL 2000/78/EG nimmt be­reits auf das Ethos der Or­ga­ni­sa­ti­on Be­zug. Zwar war um­strit­ten, ob be­reit vor dem 01.12.2009 durch die Be­zug­nah­me auf das Ethos der Or­ga­ni­sa­ti­on, den Kir­chen ein weit­ge­hen­der Frei­raum bei ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung nach der Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit gewährt wur­de (in die­sem Sin­ne Thüsing/Fink-Ja­mann/v. Hoff ZfA 2009 153, (160 ff). Fi­scher­mei­ner ZMV-Son­der­heft Ta­gung 2009, 7 (10 f.); Scho­enau­er KuR 2012, 30 (34 f)) oder ob die­se Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz der Kir­chen durch das Merk­mal „Art die­ser Tätig­keit oder der Umstände ih­rer Ausübung“ zu re­la­ti­vie­ren ist (vgl. Däubler/Bertz­bach-Däubler AGG 3. Aufl. § 9 Rn. 41; Meinl/Heyn/Herms AGG 2. Aufl. § 9 Rn. 18-20; Schleu­se­ner/Suckow/Voigt-Voigt AGG 4. Aufl. § 9 Rn. 24; ErfK/Schlach­ter 14. Aufl. AGG § 9 Rn. 3; KR/Tre­ber 10. Aufl. AGG § 9 Rn. 11). Zu­min­dest steht der Wort­laut der Norm an­ge­sichts des aus­drück­li­chen Be­zugs auf das Ethos der Or­ga­ni­sa­ti­on der primär-recht­lich ge­bo­te­nen Aus­le­gun­gen nicht ent­ge­gen. Dies wird bestätigt durch den Erwä-gungs­grund Nr. 24 der RL 2000/78/EG. Die­ser nimmt ex­pli­zit Be­zug dar­auf, dass die Eu-ropäische Uni­on in ih­rer der Schluss­ak­te zum Ver­trag von Ams­ter­dam bei­gefügten Erklä-rung Nr. 11 zum Sta­tus der Kir­chen und welt­an­schau­li­chen Ge­mein­schaf­ten aus­drück­lich an­er­kannt hat, dass sie den Sta­tus, den Kir­chen und re­li­giöse Ver­ei­ni­gun­gen oder Ge-mein­schaf­ten in den Mit­glied­staa­ten nach de­ren Rechts­vor­schrif­ten ge­nießen, ach­tet und ihn nicht be­ein­träch­tigt. Die in dem Erwägungs­grund Nr. 24 der RL 2000/78/EG be­nann­te der Schluss­ak­te zum Ver­trag von Ams­ter­dam bei­gefügten Erklärung Nr. 11 zum Sta­tus der Kir­chen ist aber ge­ra­de durch Art. 17 AEUV primärrecht­lich um­ge­setzt und an­er­kannt wor­den. ee. Die ent­spre­chen­de seit dem 01.12.2009 ge­bo­te­ne eu­ro­pa­recht­lich Aus­le­gung des § 9 AGG steht auch im Ein­klang mit Wort­laut der Norm und dem in der Ge­set­zes­be­gründung zum Aus­druck ge­kom­me­nen Wil­len des deut­schen Ge­setz­ge­bers. Nach dem Wort­laut von § 9 Abs. 1 AGG ist ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach der Re­li­gi­on auch dann zulässig, wenn die Re­li­gi­on un­ter Be­ach­tung des Selbst­verständ­nis­ses der je­wei­li­gen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft im Hin­blick auf ihr Selbst­be­stim­mungs­recht ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt. § 9 Abs. 1 AGG stell­te im Hin­blick auf die ge­recht­fer­tig­ten be­ruf­li­chen An­for­de-run­gen das Selbst­verständ­nis al­ter­na­tiv ne­ben die „Art der Tätig­keit. Dass der deut­sche Ge­setz­ge­ber mit § 9 AGG ge­ra­de das grund­ge­setz­lich durch Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV geschütz­te Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen wah­ren woll­te, er­gibt sich auch aus der Ge­set­zes­be­gründung. Die­se führt zu § 9 Abs. 1 AGG aus BT-Drucks. 16/1780 S. 35): „Grundsätz­lich darf we­gen der Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit nach den §§ 1 und 7 Abs. 1 kei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Beschäftig­ten er­fol­gen. Die Richt­li­nie 2000/78/EG ermöglicht es aber den Mit­glied­staa­ten, be­reits gel­ten­de Rechts­vor-schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten bei­zu­be­hal­ten, wo­nach ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen der Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung kei­ne Be­nach­tei­li­gung dar­stellt, wenn die Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung ei­ner Per­son nach der Art der Tätig­keit oder der Umstände ih­rer Ausübung an­ge­sichts des Ethos der Or­ga­ni­sa­ti­on ei­ne we­sent­li­che und ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt. Von die­ser Möglich­keit wird mit die­ser Vor­schrift Ge­brauch ge­macht. Nach deut­schem Ver­fas­sungs­recht (Ar­ti­kel 140 GG in Ver­bin­dung mit Ar­ti­kel 136 ff. der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (WRV)) steht den Kir­chen und sons­ti­gen Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und Welt­an­schau­ungs-ge­mein­schaf­ten nicht nur hin­sicht­lich ih­rer körper­schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Ämter, son­dern auch den der Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein-rich­tun­gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form das Recht zu, über Ord­nung und Ver­wal­tung ih­rer An­ge­le­gen­hei­ten selbstständig zu ent­schei­den. Nach gel­ten­der Recht­spre­chung steht der Kir­che die Re­ge­lungs- und Ver­wal­tungs­be­fug­nis nach Ar­ti­kel 137 Abs. 3 WRV nicht nur hin­sicht­lich ih­rer körper­schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Ämter zu, son­dern auch hin­sicht­lich ih­rer „Ver­ei­ni­gun­gen, die sich nicht die all­sei­ti­ge, son­dern nur die par­ti­el­le Pfle­ge des re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Le­bens ih­rer Mit­glie­der zum Ziel ge­setzt ha­ben.….Die­ses Recht um­fasst grundsätz­lich auch die Be­rech­ti­gung, die Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung als be­ruf­li­che An­for­de­rung für die bei ih­nen Beschäftig­ten zu be-stim­men. Auch der eu­ropäische Ge­setz­ge­ber hat in­so­weit im Erwägungs­grund 24 der Richt­li­nie 2000/78/EG aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass die Eu­ropäische Uni­on „den Sta­tus, den Kir­chen und re­li­giöse Ver­ei­ni­gun­gen oder Ge­mein­schaf­ten in den Mit­glied­staa­ten nach de­ren Rechts­vor­schrif­ten ge­nießen, ach­tet und ihn nicht be-ein­träch­tigt und dass dies in glei­cher Wei­se für den Sta­tus von welt­an­schau­li­chen Ge­mein­schaf­ten gilt“. Der Erwägungs­grund lässt es des­halb zu, dass die Mit­glied-staa­ten in die­ser Hin­sicht spe­zi­fi­sche Be­stim­mun­gen über die we­sent­li­chen, rechtmäßigen und ge­recht­fer­tig­ten be­ruf­li­chen An­for­de­run­gen bei­be­hal­ten oder vor­se­hen, die Vor­aus­set­zung für die Ausübung ei­ner dies­bezügli­chen be­ruf­li­chen Tätig­keit sein können. Ent­spre­chend er­laubt § 9 Abs. 1 es Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und den übri­gen dort ge­nann­ten Ver­ei­ni­gun­gen, bei der Beschäfti­gung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung zu dif­fe­ren­zie­ren, wenn ei­ne be­stimm­te Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung im Hin­blick auf ihr Selbst­be­stim­mungs­recht oder nach der Art der Tätig­keit ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt.
gg. So­weit die Kläge­rin die An­sicht ver­tritt, die Gewährung der aus Art. 17 Abs. 1 AEUV fol­gen­den Rech­te für die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten führe da­zu, dass nun­mehr auch Welt-an­schau­un­gen wie Sci­en­to­lo­gy oder Ve­ga­nern die­sel­ben Rech­te zuständen, trifft dies nicht zu. Zwar ach­tet nach Art. 17 Abs. 2 AEUV die Uni­on in glei­cher Wei­se den Sta­tus, den welt­an­schau­li­che Ge­mein­schaf­ten nach den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten ge­nießen. Un­abhängig von der Fra­ge, ob es sich bei Sci­en­to­lo­gy über­haupt um Welt­an­schau-ungs­ge­mein­schaf­ten han­delt (vgl. hier­zu Schleu­se­ner/Suckow/Voigt-Schleu­se­ner AGG 4. Aufl. § 1 Rn. 52 mwN; KR/Fi­scher­mei­er 10. Aufl. Kündi­gung Kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer Rn. 1) über­sieht die Kläge­rin, dass der Sta­tus sich al­lein nach den ein­zel­staat­li­chen Rechts-vor­schrif­ten, in der Bun­des­re­pu­blik al­so nach bun­des­deut­schem Recht, rich­tet. Ein wie für Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten nach Art. 140 GG iVm. § 137 Abs. 3 WRV ver­fas­sungs­recht­lich ab­ge­si­cher­te Rechts­stel­lung be­steht für die be­nann­ten Grup­pen nach bun­des­deut­schem Recht nicht. 2. Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 WRV gewährt den Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, al­so auch den Kir­chen, die Frei­heit, ih­re An­ge­le­gen­hei­ten selbständig in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes zu ord­nen und zu ver­wal­ten. Be­die­nen sich die Kir­chen wie je­der­mann der Pri­vat­au­to­no­mie zur Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen, so fin­det auf die­se das staat­li­che Ar­beits­recht An­wen­dung. Das ist die schlich­te Fol­ge ei­ner Rechts­wahl. Die Ein­be­zie­hung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt in­des­sen de­ren Zu­gehörig­keit zu den "ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten" der Kir­che nicht auf. Des­we­gen können Kir­chen bei der Ge­stal­tung des kirch­li­chen Diens­tes auch dann, wenn sie ihn auf der Grund­la­ge von Ar­beits­verträgen re­geln, das be­son­de­re Leit­bild ei­ner christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft al­ler ih­rer Mit­ar­bei­ter zu­grun­de le­gen (BVerfG 04.06.1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - EzA § 611 BGB Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 24 = AP Nr. 24 zu Art 140 GG) Die Ar­beits­ge­rich­te ha­ben die vor­ge­ge­be­nen kirch­li­chen Maßstäbe zu­grun­de zu le­gen, so­weit die Ver­fas­sung das Recht der Kir­chen an­er­kennt, hierüber selbst zu be­fin­den. Es bleibt da­nach grundsätz­lich den ver­fass­ten Kir­chen über­las­sen, ver­bind­lich zu be­stim­men, was "die Glaubwürdig­keit der Kir­che und ih­rer Verkündi­gung er­for­dert", was "spe­zi­fisch kirch­li­che Auf­ga­ben" sind, was "Nähe" zu ih­nen be­deu­tet (BVerfG 04.06.1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - EzA § 611 BGB Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 24 = AP Nr. 24 zu Art 140 GG).
3. Aus dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen folgt je­doch nicht, dass die Ent-schei­dung, ob für ei­ne Tätig­keit ei­ne be­stimm­te Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit er­for­der­lich ist, gar nicht jus­ti­zia­bel wäre. a. Die Kir­chen müssen sich an ih­re selbst ge­stell­ten An­for­de­run­gen hal­ten. Se­hen die kir­chen­recht­li­chen Vor­schrif­ten das Er­for­der­nis ei­ner Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit nicht vor, kann auch aus dem Selbst­verständ­nis kei­ne Recht­fer­ti­gung fol­gen. In­so­weit ob­liegt den staat-li­chen Ge­rich­ten auch ei­ne Miss­brauchs­kon­trol­le der kirch­li­chen An­for­de­run­gen an de­ren Mit­ar­bei­ter auf der Grund­la­ge der durch die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft selbst vor­ge­ge­be­nen Maßstäbe (vgl. Reichold NZA 2001, 1054 (1059); Thüsing/Fink-Ja­mann/v. Hoff ZfA 2009 153 (167)).
b. Dass der Be­klag­te für die hier in Fra­ge ste­hen­de Stel­le ei­nes Re­fe­ren­ten/ei­ner Re­fe­ren­tin ei­ne Mit­glied­schaft in ei­ner evan­ge­li­schen oder der ACK an­gehören­den Kir­che vor­aus­setzt, hält un­ter Be­ach­tung des Selbst­be­stim­mungs­rechts der Be­klag­ten ei­ner Miss­brauchs­kon­trol­le statt. aa. Gemäß § 3 Abs. 1 der Richt­li­nie des Ra­tes der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land nach Art. 9 Buchst. b Grund­ord­nung über die An­for­de­run­gen der pri­vat­recht­li­chen be­ruf­li­chen Mit­ar­beit in der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land und des Dia­ko­ni­schen Wer­kes vom 01. Ju­li 2005 setzt die be­ruf­li­che Mit­ar­beit in der Evan­ge­li­schen Kir­che und ih­rer Dia­ko­nie grundsätz­lich die Zu­gehörig­keit zu ei­ner Glied­kir­che der Evan­ge­li­schen Kir­che vor­aus, mit der die evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land in Kir­chen­ge­mein­schaft ver­bun­den ist. Hier­von kann nach § 3 Abs. 2 der Richt­li­nie für Auf­ga­ben, die nicht der Verkündi­gung, Seel­sor­ge, Un­ter­wei­sung oder Leis­tung zu­zu­ord­nen sind, ab­ge­wi­chen wer­den, wenn an­de­re ge­eig­ne­te Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter nicht zu ge­win­nen sind. In die­sem Fall können auch Per­so­nen ein­ge­stellt wer­den, die ei­ner an­de­ren Mit­glieds­kir­che der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen in Deutsch­land oder der Ver­ei­ni­gung Evan-ge­li­scher Frei­kir­chen­an­gehören sol­len. Da­mit ver­langt der Be­klag­te nach sei­nem in­so­weit nach außen ma­ni­fes­tier­ten Selbst­verständ­nis grundsätz­lich die Zu­gehörig­keit zu ei­ner Glied­kir­che der Evan­ge­li­schen Kir­che, mit der die evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land in Kir­chen­ge­mein­schaft ver­bun­den ist. Da­von kann zwar bei Tätig­kei­ten, die nicht al­lein der Verkündi­gung, Seel­sor­ge, Un­ter­wei­sung oder Leis­tung zu­zu­ord­nen sind, ab­ge­wi­chen wer­den. Aber auch außer­halb von Tätig­kei­ten, die al­lein der Verkündi­gung, Seel­sor­ge, Un­ter­wei­sung oder Leis­tung zu­zu­ord­nen sind, ist grundsätz­lich zu­min­dest ei­ne Mit­glied­schaft in ei­ner Mit­glieds­kir­che der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen in Deutsch­land er­for­der­lich. Die in der Stel­len­aus­schrei­bung ge­for­der­te ei­ne Mit­glied­schaft in ei­ner evan-ge­li­schen oder der ACK an­gehören­den Kir­che ent­spricht da­mit den in § 3 der Richt­li­nie vom 01. Ju­li 2005 sta­tu­ier­ten An­for­de­run­gen bb. Dass die For­de­rung nach der Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit bei der hier in Fra­ge ste­hen­den Stel­le aus­ge­hend vom Selbst­verständ­nis des Be­klag­ten rechts­miss­bräuch­lich wäre, ist nicht er­sicht­lich. Dass bei dem Be­klag­ten bei Re­fe­ren­ten­stel­len der aus­ge­schrie­be­nen Art auf ei­ne Mit­glied­schaft zu­min­dest in ei­ner Mit­glieds­kir­che der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir-chen in Deutsch­land in an­de­ren Fällen ver­zich­tet wor­den wäre, ist nicht er­sicht­lich. Dies trägt die Kläge­rin auch nicht vor. So­weit der Be­klag­te auf an­de­ren Po­si­tio­nen, in der der je­wei­li­ge Stel­len­in­ha­ber nicht nach außen für den Be­klag­ten tätig wird, auch Ar­beit­neh­mer beschäftigt, die nicht zu­min­dest Mit­glied in ei­ner Mit­glieds­kir­che der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen sind, hat das für die Fra­ge, ob der Be­klag­te ei­ne ent­spre­chen­de Re­li-gi­ons­zu­gehörig­keit ge­ra­de für die streit­be­fan­ge­ne Stel­le ver­lan­gen kann, kei­ne Be­deu­tung. Viel­mehr hat die Über­prüfung der kirch­li­chen An­for­de­run­gen an den Mit­ar­bei­ter auf der Grund­la­ge der durch die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft selbst vor­ge­ge­be­nen Maßstäbe je­weils be­zo­gen auf die kon­kre­te Tätig­keit zu er­fol­gen.
cc. Im Übri­gen würde auch dann, wenn man nicht - ent­spre­chend der Vor­ga­ben von Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV - nur ei­ne Miss­brauchs­kon­trol­le ge­mes­sen am Selbst-verständ­nis des Be­klag­ten vornähme, son­dern auch ei­ne Plau­si­bi­litätskon­trol­le hin­sicht­lich des Bedürf­nis­ses nach ei­ner Mit­glied­schaft in ei­ner evan­ge­li­schen oder der ACK an­gehö-ren­den Kir­che er­for­der­lich er­ach­te­te, das ent­spre­chen­de Be­geh­ren des Be­klag­ten für kon­kret die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le nicht zu be­an­stan­den. Mit der Tätig­keit der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le tritt der je­wei­li­ge Stel­len­in­ha­ber für den Be­klag­ten un­mit­tel­bar nach außen auf und ver­tritt des­sen Stand­punkt, auch im Rah­men der Er­stel­lung des Par­al­lel­be­richts zu dem Staa­ten­be­richt. Dass es für den Be­klag­ten in­so­weit be­deut­sam ist, dass der Stel­len­in­ha­ber im Ein­klang mit sei­nen Wer­ten und Über­zeu­gun­gen agiert, ist plau­si­bel. So­weit die Kläge­rin vorträgt, der zu fer­ti­gen­de Be­richt wer­de ih­rer Kennt­nis nach auch aus pro­jekt­be­zo­ge­nen Förder­mit­teln der Klas­sen­lot­te­rie fi­nan­ziert, folgt dar­aus nicht, dass der Bei­trag zu dem Be­richt durch den Re­fe­ren­ten/die Re­fe­ren­tin nicht aus Sicht der evan­ge­li­schen Kir­che zu er­fol­gen hätte. Im Übri­gen lässt sich das Maß der re­li­giösen Bin­dung nicht in wirt­schaft­li­cher Be­trach­tungs­wei­se vom An­teil der Fremd­fi­nan­zie­rung abhängig ma­chen (Schleu­se­ner/Suckow/Voigt-Voigt AGG 4. Aufl. § 9 Rn. 26).
Die Mit­glied­schaft zu ei­ner Kir­che ist auch ein ge­eig­ne­tes Kri­te­ri­um, um ei­ne Iden-ti­fi­ka­ti­on mit dem Kirch­lich-dia­ko­ni­scher Auf­trag wie er in § 2 DVO-EKD nie­der­ge­legt ist und dem in der Sat­zung vom 14.06.2012 in der Präam­bel for­mu­lier­ten Leit­bild des Be­klag­ten (Bl. 61-62 d. A.) zu gewähr­leis­ten. Der Be­klag­te nimmt kei­ne Glau­bensprüfung bei sei­nen Mit­ar­bei­tern vor; ei­ne sol­che wäre auch gar nicht möglich. In­so­weit ist es nicht zu be­an-stan­den, wenn der Be­klag­te aus der durch die Mit­glied­schaft in der christ­li­chen Kir­che nach außen de­mons­trier­ten Zu­gehörig­keit fol­gert, dass die Mit­ar­bei­ter die christ­li­chen Wer­te ach­ten und bei ih­rer tägli­chen Ar­beit berück­sich­ti­gen. Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ist nach al­le­dem be­gründet.
C. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist von ihr frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG). Die Be­ru­fung ist auch gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. b. ArbGG statt­haft. Zwar hat das Ar­beits­ge­richt in dem Te­nor des Ur­teils (Bl. Bl. 366 d. A.) die Kla­ge der Kläge­rin nicht auch nur teil­wei­se ab­ge­wie­sen und die ge­sam­ten Kos­ten des Rechts­streits der Be­klag­ten auf­er­legt. Aus den Ur­teils­gründen er­gibt sich je­doch, dass das Ar­beits­ge­richt an­ge­sichts der Min­dest­for­de­rung der Kläge­rin von 9.788,65 EUR die Kla­ge in Höhe ei­nes Teil­be­trags von 7830,92 EUR ab­ge­wie­sen hat. Die nach § 64 Abs. 2 Ziff. b ArbGG er­for­der­li­che Be­schwer liegt da­mit vor.
Rechts­mit­tel­be­leh­rung Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. Kläge­rin bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt(Post­adres­se: 99113 Er­furt),
schrift­lich zu be­gründen. Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de. Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­voll-mäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen:• Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
Für d. Be­klag­ten ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des-ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de. Hin­weis der Geschäfts­stel­leDas Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, sämt­li­che Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.
Dr. Sch. S. H.
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References: § 9
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 17
 Art. 17
 Art. 4
 Art. 140
 Art. 137
 § 9

§ 4
 § 3
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 § 9
 Art. 140
 § 9
 § 9
 § 8
 § 9
 Art. 17
 Art. 17
 Art. 140
 § 9
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 § 66
 § 15
 § 7
 § 3
 § 1
 § 3
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 § 9
 § 3
 § 1
 § 15
 § 22
 § 3
 § 15
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 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 EuGH 
 § 13
 § 10
 § 10
 § 9
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 17
 § 611
 § 626
 Art. 17
 Art. 17
 Art. 4
 Art. 17
 Art. 140
 Art. 17
 Art. 17
 Art. 4
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 4
 Art. 4
 § 9
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 Art. 140
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 § 9
 Art. 17
 Art. 17
 § 1
 Art. 140
 § 137
 Art. 140
 Art. 137
 § 611
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 § 3
 Art. 9
 § 3
 § 3
 Art. 140
 Art. 137
 § 9
 § 2
 § 66
 § 64
 § 46