Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht-Urteile-Zustimmungsersetzungsverfahren-Betriebsrat-Einstellung-LAG-Hamm-14Sa904/14-12-05-2015-u.html
Timestamp: 2020-07-14 22:26:01+00:00

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Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, 14 Sa 904/14
Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 8. Mai 2014 (3 Ca 5433/14) teil­wei­se ab­geändert.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, bezüglich des Zu­stim­mungs­er­su­chens vom 20. No­vem­ber 2013 das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG durch­zuführen.
Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen der Kläger zu 2/3, die Be­klag­te zu 1/3.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen An­spruch des Klägers auf Beschäfti­gung, hilfs­wei­se auf Durchführung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens so­wie dar­an an­knüpfend auf In­for­ma­ti­on und in­ter­ne Be­tei­li­gung des Klägers durch die Be­klag­te.
Der 1959 ge­bo­re­ne Kläger, der ver­hei­ra­tet ist und ein Kind hat, ist seit Ja­nu­ar 1999 bei der Be­klag­ten beschäftigt. Laut „An­stel­lungs­ver­trag“ vom 12. Ja­nu­ar 1999 wur­de er „als außer­ta­rif­li­cher Ver­trags­an­ge­stell­ter im Spiel­ca­si­no C als Be­reichs­lei­ter ‚Klas­si­sches Spiel’ zum 16.01.1999“ ein­ge­stellt. Als sol­cher wur­de er tatsächlich ein­ge­setzt. Nach dem nun­mehr gülti­gen „An­stel­lungs­ver­trag“ vom 15. Ja­nu­ar 2000 ist er „als außer­ta­rif­li­cher Ver­trags­an­ge­stell­ter“ an­ge­stellt. Die Tätig­keit des Klägers und der kon­kre­te Ar­beits­ort sind nicht mehr im Ver­trag auf­geführt. Zu­dem sieht der Ver­trag in Nr. 1 Abs. 2 ein zu­vor nicht be­ste­hen­des Ver­set­zungs­recht bezüglich des Ar­beits­or­tes vor. Die Beschäfti­gung des Klägers blieb nach Ab­schluss des neu­en Ar­beits­ver­trags zunächst un­verändert.
Bei der Ein­stel­lung des Klägers galt das Or­ga-Hand­buch vom 1. Ja­nu­ar 1998. Die Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur für das Ca­si­no C sah da­nach un­ter dem Spiel­bank­di­rek­tor drei Be­reichs­lei­ter für die Be­rei­che „Klas­si­sches Spiel“, „Au­to­ma­ten­spiel“ und „Gäste­ser­vice/Mar­ke­ting“ vor. Im Auf­ga­ben­kreis „Per­so­nal­ein­satz und Per­so­nal­ent­wick­lung“ war dem Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ die Ver­ant­wor­tung für den Per­so­nal­ein­satz (Mit­ar­bei­ter­dis­po­si­ti­on, Ver­tre­tung, Ur­laubs­pla­nung, Ge­neh­mi­gung von Ur­laub und Dienst­rei­sen) zu­ge­wie­sen. Er war an der Per­so­nal­pla­nung und -be­schaf­fung, der in­ner­be­trieb­li­chen Aus­bil­dung und den Per­so­nal­be­ur­tei­lun­gen ak­tiv be­tei­ligt. Im Rah­men des Stel­len­plans konn­te er für sei­nen Be­reich Mit­ar­bei­ter ein­stel­len und ent­las­sen. Er hat­te vol­le Ent­schei­dungs­frei­heit im Rah­men der Bud­get­gren­zen und der Un­ter­schrif­ten­re­ge­lun­gen und über­nahm sämt­li­che Führungs­auf­ga­ben in sei­nem Be­reich.
Zum 1. Sep­tem­ber 2008 wur­de der Kläger im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men in das Ca­si­no E ver­setzt und übte dort die Po­si­ti­on des Be­reichs­lei­ters „Klas­si­sches Spiel“ ge­gen ei­ne Jah­res­grund­vergütung von zu­letzt 100.000,00 Eu­ro brut­to aus. Die dor­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur sah aus­weis­lich des Or­ga-Hand­bu­ches 1998 (Nr. 1.3., Sei­te 6) vier Be­reichs­lei­ter vor: „Klas­si­sches Spiel“, „Au­to­ma­ten­spiel“, „Gäste­ser­vice/Mar­ke­ting“ so­wie „Per­so­nal/Ad­mi­nis­tra­ti­on“. Der zu­letzt ge­nann­te Be­reichs­lei­ter war fe­derführend für die Per­so­nalführung zuständig. Un­ter Nr. 2.4 des Or­ga-Hand­buchs 1998 (Sei­te 10) war ge­re­gelt, das für die Ver­hand­lung mit den Be­triebsräten der Spiel­ban­ken über Pro­ble­me, die kei­nen fachüberg­rei­fen­den Cha­rak­ter ha­ben, die Spiel­bank­di­rek­to­ren zuständig wa­ren. Des Wei­te­ren war da­nach außer­halb der Zen­tra­le in E1 und un­ter­halb der Ebe­ne der Führungs­kräfte in den Spiel­ban­ken der Be­reich „Per­so­nal/Ad­mi­nis­tra­ti­on“ zuständig für Per­so­nal­pla­nung, -be­schaf­fung und -ent­wick­lung so­wie die we­sent­li­chen Auf­ga­ben wie Zeit­er­fas­sung, Führung der Per­so­nal­ak­ten und Per­so­nal­sta­tis­tik. Für den Per­so­nal­ein­satz blieb der Fach- bzw. Funk­ti­ons­be­reichs­lei­ter zuständig. Der Kläger hat­te seit sei­ner Ver­set­zung kei­ne Kündi­gun­gen mehr aus­zu­spre­chen. Al­ler­dings wur­de ihm un­ter dem 28. April 2009 „vor­sorg­lich die Voll­macht, Ar­beits­verträge zu schließen und Kündi­gun­gen/Ände­rungs-Kündi­gun­gen aus­zu­spre­chen“ er­teilt.
Mit ei­ner u. a. an den Kläger ge­rich­te­ten E-Mail vom 21. Ju­li 2008 verhäng­te die Be­klag­te ei­nen so­for­ti­gen Ein­stel­lungs­stopp für al­le Funk­tio­nen und Be­rei­che ein­sch­ließlich Aus­hilfs­ein­stel­lun­gen. Zu­dem ord­ne­te sie an, dass Funk­ti­ons- und Ge­halts­for­de­run­gen, Um­grup­pie­run­gen und Um­wand­lun­gen be­fris­te­ter An­stel­lungs­verträge der vor­he­ri­gen Zu­stim­mung der Geschäftsführung bedürfen, ein­zu­ho­len über den in E1 ansässi­gen Fach­be­reich „Per­so­nal“. Mit ei­ner wei­te­ren E-Mail vom 16. Ju­li 2009 teil­te die Geschäfts­lei­tung u. a. dem Kläger mit, dass er ab so­fort al­le dis­zi­pli­na­ren Maßnah­men wie Auf­for­de­run­gen zu Stel­lung­nah­men, Su­s­pen­die­run­gen, Mah­nun­gen, Ab­mah­nun­gen etc. vor­ab mit ihr ab­zu­stim­men ha­be; es sei vor­ab ei­ne Frei­ga­be ein­zeln er­for­der­lich und nach Vor­ga­be zu ver­fah­ren. Das Or­ga-Hand­buch vom 18. Mai 2010 sah un­ter Nr. 4.2.1.4. für den Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ kei­ne Per­so­nal­kom­pe­tenz in­ner­halb des vor­ge­ge­be­nen Stel­len­plans mehr vor. Un­ter Nr. 3.2.8.2. ist ge­re­gelt, dass der Fach­be­reich „Per­so­nal“ al­le wei­te­ren Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten der Auf­ga­ben­be­rei­che über­nimmt. Mit zwei wei­te­ren E‑Mails vom 1. De­zem­ber 2010 und 29. De­zem­ber 2010 wur­den sei­tens der Be­klag­ten die Not­wen­dig­keit der Zu­stim­mung des Fach­be­reichs­di­rek­tors, St­abs­stel­len­lei­ters oder Ca­sin­o­di­rek­tors für „Ar­beits­tref­fen jeg­li­cher Art“, die ge­mein­sa­me Ent­wick­lung von Dienst­plan­verände­run­gen mit dem Fach­be­reich „Per­so­nal“ so­wie die vor­he­ri­ge endgülti­ge Ab­stim­mung mit die­sem Fach­be­reich vor Auf­nah­me von Gesprächen mit Be­triebsräten an­ge­ord­net.
Die Be­klag­te be­tei­lig­te we­der den in C noch den in E ge­bil­de­ten Be­triebs­rat bei der Ein­stel­lung des Klägers im Jahr 1999 und sei­ner Ver­set­zung im Jahr 2008, weil sie der Auf­fas­sung war, die­ser sei lei­ten­der An­ge­stell­ter. Die vom Be­triebs­rat C be­an­trag­te Auf­he­bung der Beschäfti­gung des Klägers wur­de durch den rechts­kräfti­gen Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 23. Sep­tem­ber 2003 (13 TaBV 117/02) zurück­ge­wie­sen. Zur Be­gründung ver­wies es nach Durchführung ei­ner Be­weis­auf­nah­me dar­auf, dass der Kläger in sei­ner Funk­ti­on als per­so­nalführungs­be­fug­ter Be­reichs­lei­ter we­gen der un­ter­neh­me­ri­schen Be­deu­tung des Be­reichs „Klas­si­sches Spiel“ und der Zahl der dort täti­gen Mit­ar­bei­ter (67 von 120) lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG sei.
Der Be­triebs­rat E teil­te der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 3. Sep­tem­ber 2008 (vgl. An­la­ge 1 zur Kla­ge­er­wi­de­rung vom 21. Fe­bru­ar 2014, Bl. 89 f. d. A.) mit, dass der Kläger aus sei­ner Sicht kein lei­ten­der An­ge­stell­ter und er mit des­sen Ein­stel­lung nicht ein­ver­stan­den sei. En­de Mai 2009 lei­te­te der Be­triebs­rat ein Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG auf Auf­he­bung der Ein­stel­lung des Klägers mit die­ser Be­gründung und un­ter Hin­weis auf sei­ne feh­len­de Zu­stim­mung beim Ar­beits­ge­richt Dort­mund (7 BV 124/09) ein. Am 25. Mai 2010 stell­ten die Be­triebs­par­tei­en das Be­schluss­ver­fah­ren übe­rein­stim­mend ru­hend. Im Ju­li 2013 be­an­trag­te der Be­triebs­rat die Fort­set­zung des Ver­fah­rens, wel­ches un­ter dem Ak­ten­zei­chen 7 BV 94/13 fort­geführt wur­de. Am 28. Ja­nu­ar 2014 wur­de ein dem An­trag des Be­triebs­ra­tes statt­ge­ben­der und in­zwi­schen rechts­kräfti­ger Be­schluss verkündet, wo­nach die Be­klag­te die Ein­stel­lung des Klägers als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ auf­zu­he­ben hat.
Ab 28. März 2011 stell­te die Be­klag­te den Kläger von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei und beschäftigt ihn seit­dem nicht mehr. Sie sprach in der Fol­ge­zeit zwei außer­or­dent­li­che und zwei or­dent­li­che Kündi­gun­gen aus, de­ren Un­wirk­sam­keit nach Zurück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 6. Ju­ni 2013 (15 Sa 823/12) seit Mit­te No­vem­ber 2013 fest­steht. Kern der Vorwürfe war, dass der Kläger ein Po­ker­tur­nier ei­nes nicht zu­ge­las­se­nen Glücks­spiel­an­bie­ters in den Räum­lich­kei­ten des Ca­si­nos zu­ge­las­sen, er sich be­lei­di­gend und schi­kanös ge­genüber Mit­ar­bei­tern und Kun­den ver­hal­ten ha­ben und - hin­sicht­lich der or­dent­li­chen Kündi­gung - sei­ne Stel­le als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ in Weg­fall ge­ra­ten sein soll­te. In die­sen Ver­fah­ren ver­trat der Kläger, wel­cher sämt­li­che Vorwürfe so­wie das Vor­lie­gen be­triebs­be­ding­ter Kündi­gungs­gründe be­stritt, im Hin­blick auf den eben­falls rechts­kräftig zurück­ge­wie­se­nen Auflösungs­an­trag der Be­klag­ten die Auf­fas­sung, er sei kein lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 14 Abs. 2 KSchG.
Mit Schrei­ben vom 18. No­vem­ber 2013 mach­te der Kläger ge­genüber der Be­klag­ten sei­nen Beschäfti­gungs­an­spruch im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis gel­tend. Die Be­klag­te teil­te mit Schrei­ben vom 19. No­vem­ber 2013 mit, dass der Ein­satz des Klägers der von ihr in Kürze zu be­an­tra­gen­den Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes bedürfe, so dass sie den Kläger zur­zeit nicht beschäfti­gen könne. Mit Schrei­ben vom 20. No­vem­ber 2013 (vgl. An­la­ge 7 zur Kla­ge­er­wi­de­rung vom 21. Fe­bru­ar 2014, Bl. 150 d. A.) be­an­trag­te sie beim Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung des Klägers als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“. Mit dem bei der Be­klag­ten am 26. No­vem­ber 2013 ein­ge­gan­ge­nen Schrei­ben vom „25.10.2013“ ver­wei­ger­te der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung (vgl. An­la­ge 8 zur Kla­ge­er­wi­de­rung vom 21. Fe­bru­ar 2014, Bl. 151 ff. d. A.). Zum ei­nen rügte er ei­ne nicht ord­nungs­gemäße Ein­lei­tung des Zu­stim­mungs­ver­fah­rens und un­vollständi­ge Un­ter­rich­tung über die be­ab­sich­tig­te Ein­stel­lung des Klägers. Zum an­de­ren be­rief er sich auf im Ein­zel­nen erläuter­te Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe nach § 99 Abs. 2 Nr. 1, 3, 5 und 6 Be­trVG. Ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren hat die Be­klag­te nicht ein­ge­lei­tet. Ein vom Kläger be­trie­be­nes einst­wei­li­ges Verfügungs­ver­fah­ren zur Durch­set­zung sei­nes Beschäfti­gungs­an­spru­ches schei­ter­te nach erst­in­stanz­li­cher Zurück­wei­sung endgültig durch ein rechts­kräfti­ges Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 30. April 2014 (4 Sa­Ga 6/14).
Mit sei­ner beim Ar­beits­ge­richt am 13. De­zem­ber 2013 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger die An­sicht ver­tre­ten, ei­nen durch­setz­ba­ren An­spruch auf tatsächli­che Beschäfti­gung zu be­sit­zen. Die­ser be­ru­he letzt­lich auf den Wer­tent­schei­dun­gen des Grund­ge­set­zes in Art. 1 und 2 GG. Der Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses und da­mit sein Recht auf Beschäfti­gung ha­be der Kläger durch meh­re­re In­stan­zen fest­stel­len las­sen. Durch das Ver­hal­ten der Be­klag­ten sei er er­heb­lich in sei­nem be­ruf­li­chen Re­nom­mee beschädigt wor­den. Ein et­wai­ges be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­ches Beschäfti­gungs­ver­bot könne sei­nen An­spruch nicht berühren. Dar­auf könne sich nur der Be­triebs­rat, nicht aber die Be­klag­te be­ru­fen. Die Be­klag­te ha­be we­der das Zu­stim­mungs­ver­fah­ren nach § 99 Be­trVG noch das Ver­fah­ren gemäß § 101 Be­trVG be­trie­ben und könne sich ana­log § 162 BGB, § 242 BGB nicht auf ei­ne feh­len­de Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes be­ru­fen. Auch der Be­triebs­rat könne ei­ne et­wai­ge Ver­let­zung sei­nes Mit­be­stim­mungs­rech­tes nicht mehr gel­tend ma­chen. Es sei zu­dem evi­dent, dass die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe des Be­triebs­rats letzt­lich vor Ge­richt kei­nen Be­stand hätten. Die Be­klag­te sei ver­pflich­tet, nach § 100 Be­trVG vor­zu­ge­hen. Im Übri­gen könne man von ei­nem kol­lu­si­ven Zu­sam­men­wir­ken zwi­schen Be­klag­ter und Be­triebs­rat aus­ge­hen. Fer­ner ste­he dem Be­triebs­rat oh­ne­hin kein Mit­be­stim­mungs­recht zu, da er - der Kläger - mit der Ver­set­zung ein­ver­stan­den ge­we­sen und die­se im We­sent­li­chen auf sein Be­trei­ben er­folgt sei, weil er sich in der größeren Spiel­bank ei­ne reiz­vol­le­re Ar­beit mit mehr Ver­ant­wor­tung ver­spro­chen ha­be. Zu­dem lie­ge ein ein­heit­li­cher Be­trieb al­ler Spiel­ban­ken vor, da al­le Spiel­ban­ken der Be­klag­ten ein­heit­lich von der Zen­tra­le in E1 ge­lei­tet und al­le maßgeb­li­chen Ent­schei­dun­gen dort ge­trof­fen würden, so dass es im Fall des Klägers nicht um ei­ne Ver­set­zung von ei­nem Be­trieb in ei­nen an­de­ren ge­he. Zu­min­dest sei die Be­klag­te ver­pflich­tet, ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten, weil der Kläger be­reits 2 ½ Jah­re in E auf der strei­ti­gen Po­si­ti­on ge­ar­bei­tet ha­be.
die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, ihn zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ (Rou­let­te, Black Jack, Bac­ca­ra, Po­ker) in der Spiel­bank E zu beschäfti­gen,
hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, bezüglich des Zu­stim­mungs­er­su­chens vom 20. No­vem­ber 2013 das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG durch­zuführen.
Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie sei recht­lich ge­hin­dert, den Kläger tatsächlich zu beschäfti­gen, weil die hierfür er­for­der­li­che Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes feh­le. Über des­sen Rech­te könne sie nicht verfügen. Der Kläger sei je­den­falls seit Ju­li 2009 kein lei­ten­der An­ge­stell­ter mehr, da sie ihm zu die­sem Zeit­punkt in er­heb­li­cher Wei­se Ver­ant­wort­lich­kei­ten ent­zo­gen ha­be. Sie sei nicht ver­pflich­tet und be­rech­tigt, nach § 100 Be­trVG vor­zu­ge­hen, da des­sen Vor­aus­set­zun­gen nicht vorlägen. Ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren müsse sie eben­falls nicht ein­lei­ten. Es lie­ge we­der ein kol­lu­si­ves Zu­sam­men­wir­ken mit dem Be­triebs­rat vor noch sei die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­ra­tes of­fen­sicht­lich un­be­gründet. Die Pflicht, ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten, be­ste­he bei ei­nem bloß ar­beits­ver­trag­lich be­gründe­ten Beschäfti­gungs­an­spruch nicht. Oh­ne be­son­de­re Umstände könne der Ar­beit­neh­mer nicht dar­auf ver­trau­en, dass der Ar­beit­ge­ber ei­nen recht­li­chen Kon­flikt mit dem Be­triebs­rat durch­ste­hen wol­le. Sie wol­le das seit Jah­ren nicht im­mer span­nungs­freie Verhält­nis mit dem Be­triebs­rat nicht be­las­ten.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Dem ar­beits­ver­trag­li­chen Beschäfti­gungs­an­spruch ste­he das be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Beschäfti­gungs­ver­bot ent­ge­gen. Die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­ra­tes sei zu­min­dest im Hin­blick auf den Ver­wei­ge­rungs­grund des § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG (Nach­tei­le für den Mit­ar­bei­ter M) wirk­sam. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen nur aus­nahms­wei­se be­ste­hen­den An­spruch auf Durchführung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens lägen nicht vor. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung (Sei­te 5 bis 13 des Ur­teils, Bl. 237 ff. d. A.) ver­wie­sen.
Das Ur­teil wur­de dem Kläger am 2. Ju­ni 2014 zu­ge­stellt. Hier­ge­gen rich­tet sich sei­ne am 1. Ju­li 2014 ein­ge­leg­te und mit dem nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 2. Sep­tem­ber 2014 am sel­ben Tag bei Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründe­te Be­ru­fung.
Un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­trags zur Sach- und Rechts­la­ge wen­det sich der Kläger ge­gen die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung und trägt ergänzend vor, dass ein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­recht nach § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG im Hin­blick auf den nun­mehr auf der Stel­le des Klägers zu sei­ner Ver­tre­tung beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter M als le­dig­lich tem­porär beschäftig­ter Stel­len­in­ha­ber man­gels ge­si­cher­ter Rechts­po­si­ti­on nicht vor­lie­gen könne. Ei­ne wirk­sa­me Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ha­be zu kei­nem Zeit­punkt vor­ge­le­gen, die Be­klag­te könne den Kläger in recht­lich zulässi­ger Wei­se wei­ter­beschäfti­gen. Da­bei sei zu be­den­ken, dass die Be­klag­te ihn da­zu ver­an­lasst ha­be, nach E zu wech­seln. Hätte der Kläger ge­wusst, dass da­durch ggfs. ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren oder be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Pro­ble­me auf­tau­chen würden, hätte er sich dar­auf nie ein­ge­las­sen. Zu­min­dest sei die Be­klag­te ver­pflich­tet, ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten. Die Gründe für die jet­zi­ge Ka­la­mität sei­en bei der Fra­ge der Zu­mut­bar­keit für den Ar­beit­ge­ber zu berück­sich­ti­gen. Oh­ne die un­be­rech­tig­ten Kündi­gun­gen würde in die­ser Form nicht über die Wei­ter­beschäfti­gung ge­strit­ten wer­den. Berück­sich­ti­ge man den ver­fas­sungs­recht­lich aus Art. 2 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 1 GG her­ge­lei­te­ten An­spruch des Ar­beit­neh­mers, beschäftigt zu wer­den, könne kein ech­ter Zwei­fel dar­an be­ste­hen, dass ei­ne in­ten­si­ve­re Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Durchführung des Ver­fah­rens auf Er­lan­gung ei­ner Zu­stim­mung zur Ver­set­zung ge­ge­ben sei. Es kom­me nicht dar­auf an, in­wie­weit der Ar­beit­ge­ber sich all­ge­mein bin­den wol­le, ein sol­ches Ver­fah­ren durch­zuführen. Der Ver­trau­ens­schutz des Klägers in die Wei­ter­beschäfti­gung über­wie­ge das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers, das Verhält­nis zum Be­triebs­rat nicht mehr als not­wen­dig zu er­schwe­ren. Der Ar­beit­ge­ber sei, wenn ein Ar­beits­ver­trag be­reits ge­schlos­sen sei und kei­nen Vor­be­halt ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer ent­hal­te, ver­pflich­tet, das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren zur Ermögli­chung ei­ner Beschäfti­gung durch­zuführen. Das müsse ins­be­son­de­re dann gel­ten, wenn der Ar­beit­neh­mer an­dern­falls sei­ne Beschäfti­gung ver­lie­re. Die Be­klag­te dürfe im Er­geb­nis nicht dafür be­lohnt wer­den, dass sie un­wirk­sa­me Kündi­gun­gen aus­ge­spro­chen ha­be. Zu­dem be­ste­he ein In­for­ma­ti­ons­recht des Klägers. Es ge­he nicht um sei­ne Be­tei­li­gung im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren, son­dern um ein aus § 241 Abs. 2, § 242 BGB ab­ge­lei­te­tes In­for­ma­ti­ons­recht. Oh­ne Kennt­nis der (Schein-)Ar­gu­men­ta­ti­on des Be­triebs­ra­tes ha­be der Kläger kei­ne Ge­le­gen­heit, die Sach­wid­rig­keit der je­wei­li­gen Be­gründun­gen dar­zu­le­gen. Der Ar­beit­ge­ber würde da­vor geschützt, ei­ne Rich­tig­stel­lung von zu Un­recht er­ho­be­nen Vorwürfen vor­neh­men zu müssen. Die Tat­sa­che, dass ei­ne aus­drück­li­che Re­ge­lung wie in § 100 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG feh­le, lie­ge in ei­ner vom Ge­setz­ge­ber nicht berück­sich­tig­ten Schutzlücke be­gründet, wel­che nur durch ein In­for­ma­ti­ons­recht aus­ge­gli­chen wer­den könne.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 28. Mai 2014 (3 Ca 5453/14), zu­ge­stellt am 2. Ju­ni 2014, ab­zuändern und
1. die Be­klag­te zu ver­pflich­ten den Kläger zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ (Rou­let­te, Black Jack, Bac­ca­ra, Po­ker) in der Spiel­bank E zu beschäfti­gen,
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, bezüglich des Zu­stim­mungs­er­su­chens vom 20. No­vem­ber 2013 das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG durch­zuführen und den Kläger durch ei­ne zu­sam­men­fas­sen­de Schil­de­rung über den je­wei­li­gen Ver­fah­rens­stand ein­mal im Mo­nat zu un­ter­rich­ten und ihm die Möglich­keit ei­ner Stel­lung­nah­me zum Ver­fah­ren je­weils zu ge­ben.
Die Be­klag­te hält die Be­ru­fung für teil­wei­se un­zulässig, so­weit der Kläger mit sei­nem zweit­in­stanz­lich er­wei­ter­ten Hilfs­an­trag erst­mals ein In­for­ma­ti­ons­recht gel­tend ma­che. Dies be­inhal­te ein voll­kom­men neu­es Kla­ge­ziel, für das es erst­in­stanz­lich kei­ner­lei Ent­spre­chun­gen ge­be. Der dar­in lie­gen­den Kla­geände­rung wer­de be­klag­ten­seits wi­der­spro­chen. Sie sei zu­dem nicht sach­dien­lich.
Im Übri­gen sei die Be­ru­fung ins­ge­samt un­be­gründet. Ein Beschäfti­gungs­an­spruch des Klägers als lei­ten­der An­ge­stell­ter er­ge­be sich nicht aus dem An­stel­lungs­ver­trag als „außer­ta­rif­li­cher Ver­trags­an­ge­stell­ter“. Die Stel­le in der Spiel­bank E ha­be zu­dem an­ge­sichts der Or­ga­ni­sa­ti­onstruk­tur so­wie der Ver­tei­lung der Per­so­nal­kom­pe­ten­zen kei­ne Tätig­keit als lei­ten­der An­ge­stell­ter be­inhal­tet. Das be­deu­te zu­gleich, dass für die Beschäfti­gung, wel­che die Be­klag­te schul­de, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG er­for­der­lich sei. Die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats sei for­mal ord­nungs­gemäß er­folgt. Es genüge, wenn die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung das Be­ste­hen ei­nes der in § 99 Abs. 2 Be­trVG ge­nann­ten Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe möglich er­schei­nen las­se. Das sei im Fall des Mit­ar­bei­ters M ge­ge­ben. Über­dies grei­fe der Kläger nur ei­nen aus ei­ner gan­zen Rei­he von Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründen des Be­triebs­ra­tes auf, wel­che die Be­klag­te nicht ein­fach über­ge­hen dürfe. Der Kläger ma­che le­dig­lich sei­nen ar­beits­ver­trag­li­chen, kei­nen ge­setz­li­chen Beschäfti­gungs­an­spruch gel­tend. Aus dem Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se des Klägers er­ge­be sich kein Beschäfti­gungs­an­spruch. Die­ses In­ter­es­se sei im Rah­men des § 99 Be­trVG nicht geschützt. Es sei für die Ent­schei­dung ir­re­le­vant, von wem die Initia­ti­ve für den Wech­sel nach E aus­ge­gan­gen sei. Zum ei­nen ha­be sich der Kläger be­ruf­li­che Vor­tei­le ver­spro­chen. Zum an­de­ren stünden Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­triebs­rats nicht zur Dis­po­si­ti­on der Be­klag­ten. Ei­ne Pflicht zur Ein­lei­tung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens er­ge­be sich nicht aus der tatsächli­chen Beschäfti­gung des Klägers in der Po­si­ti­on des Be­reichs­lei­ters „Klas­si­sches Spiel“ in der Spiel­bank E. Die Be­klag­te sei da­von aus­ge­gan­gen, dass der Kläger lei­ten­der An­ge­stell­ter sei. Ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durch­zuführen, kom­me nur aus­nahms­wei­se bei ei­ner - hier nicht be­ste­hen­den - Selbst­bin­dung der Be­klag­ten in Be­tracht. Aus dem grund­recht­lich ab­ge­si­cher­ten Beschäfti­gungs­an­spruch er­ge­be sich kei­ne wei­ter­ge­hen­de Ver­pflich­tung. Die in den §§ 241 Abs. 2, 242 BGB pos­tu­lier­te Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen des an­de­ren Ver­trags­teils gel­te nicht schran­ken­los. Die Be­klag­te sei zu­gleich ver­pflich­tet, die kol­lek­ti­ven In­ter­es­sen der durch den Be­triebs­rat re­präsen­tier­ten Be­leg­schaft zu re­spek­tie­ren. Das gel­te ge­ra­de im vor­lie­gen­den Fall, in dem der Be­triebs­rat das Ver­fah­ren des § 101 Be­trVG ein­ge­lei­tet und er­folg­reich für sich ab­ge­schlos­sen ha­be. Ein In­for­ma­ti­ons­recht des Klägers be­ste­he nicht. Im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren sei der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer im Ge­gen­satz zu § 103 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG nicht Be­tei­lig­ter. Das Ge­setz se­he kei­ne an­der­wei­ti­gen In­for­ma­ti­ons­rech­te vor. Die­se sei­en an­sons­ten dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz nicht un­be­kannt, wie § 100 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG zei­ge. Dar­aus könne nur ge­fol­gert wer­den, dass nach § 99 Be­trVG In­for­ma­ti­ons­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers nicht in Be­tracht kämen, selbst wenn die Be­klag­te zur Ein­lei­tung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens ver­pflich­tet sei.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en zur Sach- und Rechts­la­ge wird auf den von ih­nen in Be­zug ge­nom­me­nen In­halt der in bei­den In­stan­zen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie die Pro­to­kol­le der Sit­zun­gen des Ar­beits­ge­richts vom 4. Fe­bru­ar 2014, 27. März 2014 und 8. Mai 2014 so­wie des Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 3. Fe­bru­ar 2015 und 12. Mai 2015 ver­wie­sen.
Die ins­ge­samt zulässi­ge Be­ru­fung des Klägers ist teil­wei­se be­gründet. Der Kläger be­sitzt der­zeit kei­nen An­spruch auf die von ihm mit sei­ner Kla­ge be­gehr­te tatsächli­che Beschäfti­gung (I.). Die Be­klag­te ist je­doch ver­pflich­tet, das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren nach § 99 Abs. 4 Be­trVG we­gen der Ein­stel­lung des Klägers als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ in die­ser Spiel­bank ein­zu­lei­ten (II.). So­weit der Kläger erst­mals in der Be­ru­fungs­in­stanz ein In­for­ma­ti­ons- und Be­tei­li­gungs­recht hin­sicht­lich der Durchführung des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens gel­tend macht, ist die Be­ru­fung zulässig, aber un­be­gründet (III.).
Die Be­klag­te ist nicht ver­pflich­tet, den Kläger als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ in der Spiel­bank E zu beschäfti­gen. Ei­nem ent­spre­chen­dem Beschäfti­gungs­an­spruch des Klägers steht die vom Be­triebs­rat in dem Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG er­wirk­te rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 28. Ja­nu­ar 2014 (7 BV 94/13) ent­ge­gen.
1. Der Beschäfti­gungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis folgt aus den §§ 611, 613 BGB i. V. m. § 242 BGB. Er be­ruht auf der ar­beits­ver­trag­li­chen Förde­rungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers im Hin­blick auf das Beschäfti­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers (vgl. § 241 Abs. 2 BGB) un­ter Berück­sich­ti­gung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Wer­tent­schei­dun­gen der Art. 1 und 2 GG zum Persönlich­keits­schutz. Ei­ne ein­sei­ti­ge Su­s­pen­die­rung des Ar­beit­neh­mers oh­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung ist grundsätz­lich nicht zulässig. Der An­spruch muss nur dann zurück­tre­ten, wenn über­wie­gen­de schutz­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ent­ge­gen ste­hen (vgl. BAG, 10. No­vem­ber 1955, 2 AZR 591/54, AP BGB § 611 Beschäfti­gungs­pflicht Nr. 2, II. der Gründe, BAG (GS), 27. Fe­bru­ar 1985, GS 1/84, AP BGB § 611 Beschäfti­gungs­pflicht Nr. 14, C. I. 2. und 3. der Gründe; 9. April 2014, 10 AZR 637/13, NZA 2014, 719, Rn. 14).
2. Der An­spruch auf tatsächli­che Beschäfti­gung be­steht nach Maßga­be der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen. Der Ar­beit­neh­mer hat ei­nen Rechts­an­spruch auf Beschäfti­gung auf ei­nem be­stimm­ten Ar­beits­platz oder in ei­nem be­stimm­ten Ar­beits­be­reich, wenn ei­ne ent­spre­chen­de ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­steht. Fehlt die­se oder ist die Ar­beits­auf­ga­be im Ar­beits­ver­trag nur rah­menmäßig um­schrie­ben, kann der Ar­beit­ge­ber auf­grund sei­nes Di­rek­ti­ons­rechts be­stim­men, wo er den Ar­beit­neh­mer ein­setzt (vgl. Schaub/Koch, Ar­beits­rechts-Hand­buch, 15. Auf­la­ge, 2013, § 109 Rn. 5a). Nach § 106 Satz 1 Ge­wO ist der Ar­beit­ge­ber be­rech­tigt, In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung nach bil­li­gem Er­mes­sen näher zu be­stim­men, so­weit die­se Ar­beits­be­din­gun­gen nicht durch den Ar­beits­ver­trag, Be­stim­mun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­tra­ges oder ge­setz­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt sind. Im Fal­le ei­ner un­wirk­sa­men Ver­set­zung hat der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf Beschäfti­gung in sei­ner bis­he­ri­gen Tätig­keit am bis­he­ri­gen Ort (vgl. BAG, 25. Au­gust 2010, 10 AZR 275/09, NZA 2010, 1355, Rn. 15; LAG Hamm, 15. Ju­li 2008, 14 Sa 1957/07, ju­ris, Rn. 60 f.).
Aus­weis­lich des Ar­beits­ver­trags der Par­tei­en vom 15. Ja­nu­ar 2000 ist der Kläger bei der Be­klag­ten als „außer­ta­rif­li­cher Ver­trags­an­ge­stell­ter“ beschäftigt. Die in dem vor­he­ri­gen Ar­beits­ver­trag vom 12. Ja­nu­ar 1999 vor­han­de­ne kon­kre­te Um­schrei­bung der Tätig­keit, wo­nach er als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ im Spiel­ca­si­no C ein­ge­stellt wird, ist nicht mehr ent­hal­ten. Dass ei­ne sol­che Be­gren­zung der Tätig­keit von den Par­tei­en nicht mehr ge­wollt war, zeigt nicht nur das im der­zeit gülti­gen An­stel­lungs­ver­trag un­ter Nr. 1 Abs. 2 ge­re­gel­te Ver­set­zungs­recht der Be­klag­ten, wo­nach sie den Kläger an al­len Or­ten ih­rer Geschäftstätig­keit ein­set­zen kann und le­dig­lich ei­ne Aus­landstätig­keit sei­ner Zu­stim­mung be­darf. Viel­mehr bestätigt sich dies durch den ein­ver­nehm­lich zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­ten und tatsächlich durch­geführ­ten Ein­satz des Klägers in der Spiel­bank E ab 1. Sep­tem­ber 2008 bis März 2011. Der Ein­satz als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ in die­sem Ca­si­no ent­sprach den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen und be­gründet grundsätz­lich ei­nen ent­spre­chen­den Beschäfti­gungs­an­spruch des Klägers. We­der Be­stim­mun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­tra­ges oder ge­setz­li­che Vor­schrif­ten ste­hen dem - je­den­falls auf in­di­vi­du­al­recht­li­cher Ebe­ne - ent­ge­gen.
3. Auf­grund des be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Beschäfti­gungs­ver­bo­tes, wel­ches aus der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 28. Ja­nu­ar 2014 in dem vom Be­triebs­rat an­ge­streng­ten Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG folgt, steht ein über­wie­gen­des In­ter­es­se der Be­klag­ten ei­ner tatsächli­chen Beschäfti­gung des Klägers in der Spiel­bank E ent­ge­gen.
a) Das in den §§ 99 bis 101 Be­trVG ge­re­gel­te Be­tei­li­gungs­ver­fah­ren ent­fal­tet nicht nur im Verhält­nis zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat, son­dern auch in dem­je­ni­gen zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem im Ein­zel­fall be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer recht­li­che Wir­kun­gen. Nach § 101 Satz 1 Be­trVG kann der Be­triebs­rat ver­lan­gen, dass der Ar­beit­ge­ber die oh­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats durch­geführ­te per­so­nel­le Maßnah­me wie­der auf­hebt. Für den Fall der Ein­stel­lung kann der Be­triebs­rat des­halb ver­lan­gen, dass der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer im Be­trieb nicht beschäftigt wird. Ei­ne et­wa auf­ge­nom­me­ne tatsächli­che Beschäfti­gung muss der Ar­beit­ge­ber rückgängig ma­chen (vgl. BAG, 2. Ju­li 1980, 5 AZR 1241/79, NJW 1981, 703, III. 3. e) der Gründe; 3. Mai 1994, 1 ABR 58/93, NZA 1995, 484, B II. 2. c) aa) der Gründe; 5. April 2001, 2 AZR 580/99, NZA 2001, 893, II. 2. c) cc) (3) der Gründe). Ei­ne ge­richt­li­che An­ord­nung gemäß § 101 Be­trVG kann sich ih­rer Na­tur nach nicht auf die Be­zie­hun­gen zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat be­schränken. Die Ge­stal­tungs­ak­te, de­ren Auf­he­bung dem Ar­beit­ge­ber vom Ge­richt auf­ge­ge­ben wird, ha­ben im­mer das Verhält­nis zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem Ar­beit­neh­mer zum Ge­gen­stand (vgl. BAG, 3. Mai 1994, a. a. O.).
b) Es kann of­fen blei­ben, ob die bloße Mit­be­stim­mungs­wid­rig­keit ei­ner Ein­stel­lung be­reits zu ei­nem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Beschäfti­gungs­ver­bot führt, wel­ches der Durch­set­zung des Beschäfti­gungs­an­spruchs ent­ge­gen steht (vgl. BAG, 2. Ju­li 1980, 5 AZR 56/79, AP Be­trVG 1972 § 101 Nr. 5, II. 4. e) der Gründe; 3. Mai 1994, 1 ABR 58/93, NZA 1995, 484, B II. 2. c) aa) der Gründe; 5. April 2001, 2 AZR 580/99, NZA 2001, 893, II. 2. c) cc) (3) der Gründe), oder ob ei­ne tatsächli­che Beschäfti­gung des ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers erst dann aus­schei­det, wenn der Be­triebs­rat ei­ne Auf­he­bung der Ein­stel­lung nach § 101 Be­trVG er­reicht hat oder die Zu­stim­mungs­er­set­zung rechts­kräftig durch ge­richt­li­che Ent­schei­dung ver­wei­gert wur­de (so Czer­ny, Rechts­kraft und an­de­re Bin­dungs­wir­kun­gen im Rah­men per­so­nel­ler Ein­zel­maßnah­men, 2014, S. 66 ff., 81 ff. m. w. N.). Letz­te­res steht nach bei­den Auf­fas­sun­gen je­den­falls ei­nem An­spruch auf tatsächli­che Beschäfti­gung ent­ge­gen.
Auf­grund der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 28. Ja­nu­ar 2014 hat der Be­triebs­rat der Spiel­bank E er­folg­reich die Ein­hal­tung ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 99 Be­trVG ge­gen die Be­klag­te gel­tend ge­macht, in dem die­ser auf­er­legt wur­de, die Ein­stel­lung des Klägers in die Po­si­ti­on ei­nes Be­reichs­lei­ters „Klas­si­sches Spiel“ in die­sem Ca­si­no auf­zu­he­ben. Auf­grund der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung zu Guns­ten des Be­triebs­rats im Ver­fah­ren des § 101 Be­trVG steht fest, dass die Be­klag­te oh­ne Zu­stim­mung oder er­setz­te Zu­stim­mung des Be­triebs­rats den Kläger der­zeit tatsächlich nicht mehr beschäfti­gen darf.
aa) Es be­darf wei­ter kei­ner Ent­schei­dung, ob in ei­nem sol­chen Fall dem Ar­beit­ge­ber die Erfüllung der Beschäfti­gungs­pflicht gemäß § 275 Abs. 3 BGB als ei­ne persönlich zu er­brin­gen­de Leis­tung un­zu­mut­bar ist (so Czer­ny, S. 79 ff. m. w. N.). Je­den­falls muss der Beschäfti­gungs­an­spruch dann zurück­tre­ten, wenn über­wie­gen­de schutz­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ent­ge­gen­ste­hen (vgl. BAG, 16. März 2010, 10 AZR 637/13, NZA 2014, 719, Rn. 14). Wie beim Aus­spruch ei­ner Kündi­gung (vgl. da­zu BAG (GS), 27. Fe­bru­ar 1985, GS 1/84, AP BGB § 611 Beschäfti­gungs­pflicht Nr. 14, C. II. 3. b) der Gründe) be­steht ein sol­ches über­wie­gen­des In­ter­es­se eben­so dann, wenn der Be­triebs­rat ge­richt­lich ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ei­nen An­spruch nach § 101 Satz 1 Be­trVG durch­ge­setzt hat. Es ist dem Ar­beit­ge­ber nicht zu­zu­mu­ten, durch die tatsächli­che Beschäfti­gung ei­nes ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers per­ma­nent ge­gen ei­nen rechts­kräftig­ten ge­richt­li­chen Be­schluss zu ver­s­toßen, wel­cher ihn man­gels Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes zur Auf­he­bung die­ser Ein­stel­lung ver­pflich­tet. Dies gilt ins­be­son­de­re im Hin­blick auf das dem Be­triebs­rat zu­ste­hen­den Zwangs­mit­tel nach § 101 Satz 2 und 3 Be­trVG, wo­nach ge­gen den Ar­beit­ge­ber ein Zwangs­geld von bis zu 250 Eu­ro für je­den Tag der Zu­wi­der­hand­lung verhängt wer­den kann, wenn er den rechts­kräfti­gen Be­schluss nicht be­folgt. Das recht­fer­tigt ein über­wie­gen­des und schutz­wer­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Nicht­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers, so­lan­ge der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung nicht er­teilt hat oder die­se nicht ge­richt­lich er­setzt wird.
bb) Dem Ent­fall des Beschäfti­gungs­an­spru­ches des Klägers auf­grund der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 28. Ja­nu­ar 2014 steht nicht ent­ge­gen, dass der Be­triebs­rat das Ver­fah­ren nach dem tatsächli­chen Ein­satz des Klägers in der Spiel­bank E ab 1. Sep­tem­ber 2008 erst im Mai 2009 ein­ge­lei­tet, es in Übe­rein­stim­mung mit der Be­klag­ten im Mai 2010 ru­hend ge­stellt und so­dann im Ju­li 2013 nach der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 6. Ju­ni 2013 in dem Kündi­gungs­schutz­pro­zess zwi­schen den Par­tei­en wie­der auf­ge­grif­fen hat. Zwar soll der Be­triebs­rat die Möglich­keit ei­nes Vor­ge­hens gemäß § 101 Be­trVG ver­wir­ken, wenn er in Kennt­nis der Beschäfti­gung nicht in­ner­halb der Frist des § 1 Abs. 1 KSchG das Ver­fah­ren ein­lei­tet (vgl. Fit­ting, Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, 27. Auf­la­ge, 2014, § 99 Be­trVG Rn. 279; Ri­char­di/Thüsing, Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, 14. Auf­la­ge, 2014, § 99 Be­trVG Rn. 296). Dar­an be­ste­hen je­doch Zwei­fel, wenn wie im vor­lie­gen­den Fall es nicht um ei­ne Neu­ein­stel­lung im Un­ter­neh­men des Ar­beit­ge­bers, son­dern um ei­ne Ein­stel­lung in ei­nen an­de­ren Be­trieb des Un­ter­neh­mens bei ei­nem be­reits länger be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis geht. Darüber hin­aus han­delt es sich um ei­nen Ein­wand, der al­len­falls ei­ner ge­richt­li­chen Ent­schei­dung zu Guns­ten des Be­triebs­rats im Ver­fah­ren des § 101 Be­trVG ent­ge­gen­ste­hen könn­te. Er be­traf da­her nur das Ver­fah­ren zwi­schen der Be­klag­ten und ih­rem Be­triebs­rat. Zu ei­ner Ab­wei­sung des An­trags hat dies nicht geführt. Viel­mehr ist die Be­klag­te rechts­kräftig ver­pflich­tet wor­den, die Ein­stel­lung auf­zu­he­ben. Die­se rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung ist zu be­ach­ten und kann nicht mehr im In­di­vi­du­al­rechts­streit zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ma­te­ri­ell in Fra­ge ge­stellt wer­den.
cc) Die Be­klag­te ist nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) un­ter Berück­sich­ti­gung des Rechts­ge­dan­ken des § 162 BGB nicht ge­hin­dert, sich auf das be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Beschäfti­gungs­ver­bot aus der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Dort­mund im Ver­fah­ren auf Auf­he­bung der Ein­stel­lung des Klägers nach § 101 Satz 1 Be­trVG zu be­ru­fen. Ein kol­lu­si­ves Zu­sam­men­wir­ken der Be­klag­ten mit dem Be­triebs­rat der Spiel­bank E ist nicht er­sicht­lich.
(1) Es war nicht völlig un­ver­tret­bar, dass die Be­klag­te es un­ter­ließ, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der Ein­stel­lung des Klägers vor des­sen tatsächli­chen Ein­satz ab 1. Sep­tem­ber 2008 ein­zu­ho­len. Zwar be­stand in der Spiel­bank E durch den wei­te­ren Be­reich „Per­so­nal/Ad­mi­nis­tra­ti­on“ ei­ne ge­genüber der Spiel­bank C veränder­te Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur, wel­che im Er­geb­nis Kon­se­quen­zen für die Per­so­nal­be­fug­nis­se des Klägers und sei­ne Ei­gen­schaft als lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG ha­ben konn­te. Zu­dem wa­ren die per­so­nel­len Kom­pe­ten­zen des Klägers durch die E-Mail vom 21. Ju­li 2008 be­reits zu­vor ein­ge­schränkt wor­den. Im Hin­blick auf die ge­richt­lich für die vor­he­ri­ge Beschäfti­gung geklärte Ei­gen­schaft als lei­ten­der An­ge­stell­ter dräng­te sich die Not­wen­dig­keit der Ein­ho­lung der Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes am neu­en Beschäfti­gungs­ort je­doch nicht zwin­gend auf, weil der Kläger für den Be­reich „Klas­si­sches Spiel“ wei­ter­hin ver­ant­wort­lich blieb. Der Be­reich „Klas­si­sches Spiel“ ist der den Be­trieb ei­ner Spiel­bank prägen­de Be­reich und für ih­ren un­ter­neh­me­ri­schen Er­folg qua­li­ta­tiv we­sent­lich, denn dort wer­den hoch­qua­li­fi­zier­te Tätig­kei­ten auf meh­re­ren Hier­ar­chie­ebe­nen ver­rich­tet (vgl. da­zu die zu der Beschäfti­gung des Klägers im Ca­si­no C er­gan­ge­ne Ent­schei­dung des LAG Hamm, 23. Sep­tem­ber 2003, 13 TaBV 117/02, n. v., II. der Gründe). Es moch­te zwar eher zwei­fel­haft sein, ob ei­ne Tätig­keit als lei­ten­der An­ge­stell­ter gemäß § 5 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG noch in Be­tracht kam, es war aber auf der Grund­la­ge die­ser Be­gründung des Lan­des­ar­beits­ge­richts wei­ter­hin nicht völlig fern­lie­gend.
Un­abhängig da­von setzt ein kol­lu­si­ves Zu­sam­men­wir­ken mit dem Be­triebs­rat mehr vor­aus als ei­ne Fehl­einschätzung der Rechts­la­ge durch die Be­klag­te. Hierfür sind zum Zeit­punkt der Ein­stel­lung des Klägers kei­ne An­halts­punk­te er­sicht­lich.
(2) So­weit die Be­klag­te mit ei­nem Ru­hen des vom Be­triebs­rat ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­rens nach § 101 Be­trVG ein­ver­stan­den ge­we­sen ist, er­gibt sich hier­aus kein Grund für die An­nah­me ei­ner Kol­lu­si­on. We­der die Be­klag­te noch der Be­triebs­rat wa­ren grundsätz­lich dar­an ge­hin­dert, die wei­te­re Beschäfti­gung des Klägers durch ein „Still­hal­te­ab­kom­men“ in die­sem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren fak­tisch zu ermögli­chen. Wenn die Be­klag­te so­dann im Hin­blick auf den im De­zem­ber 2010 mit den ers­ten Ab­mah­nun­gen be­gin­nen­den und seit März 2011 durch die Frei­stel­lung und die nach­fol­gen­den Kündi­gun­gen es­ka­lie­ren­den Streit das Ver­fah­ren des § 101 Be­trVG nicht von sich aus wei­ter be­trieb, son­dern dies dem Be­triebs­rat über­ließ, lässt sich dar­aus kein im Hin­blick auf den Kläger treu­wid­ri­ges Ver­hal­ten ab­lei­ten. Die Be­klag­te muss­te kein Ver­fah­ren mit ih­rem Be­triebs­rat führen, das sich mögli­cher­wei­se auf­grund ei­ner wirk­sa­men Kündi­gung oder ei­ner Ei­ni­gung im Kündi­gungs­schutz­pro­zess über ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von selbst er­le­di­gen konn­te. Glei­ches gilt aus der Sicht des Be­triebs­ra­tes.
(3) Im Übri­gen war im Hin­blick auf die nach Auf­nah­me der Tätig­keit des Klägers in E er­folg­ten wei­te­ren Ein­schränkun­gen sei­ner Per­so­nal­be­fug­nis­se oh­ne­hin zum Zeit­punkt der Wie­der­auf­nah­me des Ver­fah­rens auf Auf­he­bung der Ein­stel­lung des Klägers gemäß § 101 Be­trVG durch den Be­triebs­rat im Ju­li 2013 ab­seh­bar, dass der Kläger nun­mehr kein lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG mehr war. Für ei­ne Fort­set­zung sei­ner Beschäfti­gung in der Spiel­bank war dann oh­ne­hin die Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes er­for­der­lich ge­wor­den.
Die Be­klag­te hat­te im Lau­fe der Beschäfti­gung des Klägers durch ih­re ein­sei­tig un­ter dem 21. Ju­li 2008, 16. Ju­li 2009, 1. De­zem­ber 2010 und 29. De­zem­ber 2010 er­folg­ten An­ord­nun­gen so­wie durch die in Nr. 3.2.8.2. und Nr. 4.2.1.4. des Or­ga-Hand­buchs 2010 ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen zur ein­ge­schränk­ten Per­so­nal­kom­pe­tenz ei­nes Be­reichs­lei­ters „Klas­si­sches Spiel“ der Tätig­keit des Klägers sämt­li­che Merk­ma­le ge­nom­men, die für ei­ne Ein­ord­nung als lei­ten­der An­ge­stell­ter gemäß § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG er­for­der­lich sind. Die Her­ab­stu­fung des lei­ten­den An­ge­stell­ten zum nicht­lei­ten­den Ar­beit­neh­mer ist aus der Sicht der durch das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz geschütz­ten Be­leg­schaft ei­ne Ein­stel­lung, weil der ehe­mals lei­ten­de An­ge­stell­te mit dem Ver­lust sei­nes Sta­tus zu­gleich Wahl­be­rech­ti­ger so­wie in die vom Be­triebs­rat ver­tre­te­ne Be­leg­schaft ein­ge­glie­dert wird und da­mit Schutz­po­si­tio­nen der vor­han­de­nen Be­leg­schaft, wel­che durch § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG ge­si­chert wer­den sol­len, berührt sein können (vgl. Däubler/Kitt­ner/Kle­be/Wed­de/Bach­ner, Be­trVG - Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, 14. Auf­la­ge, 2014, § 99 Be­trVG Rn. 14, 39; im Er­geb­nis eben­so Ri­char­di/Thüsing, § 99 Be­trVG Rn. 18). Im Hin­blick auf die­se geänder­te Sach­la­ge und un­ter Berück­sich­ti­gung des Um­stands, dass sich die bis­he­ri­ge Ein­ord­nung des Klägers als lei­ten­der An­ge­stell­ter aus­sch­ließlich auf sei­ne Be­fug­nis zur selbstständi­gen Ein­stel­lung und Ent­las­sung der Mit­ar­bei­ter sei­nes Be­reichs gründe­te, kommt der Tat­sa­che, dass die Be­klag­te im Ver­fah­ren des § 101 Satz 1 Be­trVG even­tu­el­le Ver­wir­kungs­tat­bestände nicht gel­tend mach­te, kein sol­ches Ge­wicht zu, dass sie sich im Verhält­nis zum Kläger nicht mehr auf das be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Beschäfti­gungs­ver­bot be­ru­fen kann.
c) So­weit der Kläger erst­in­stanz­lich un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­nes ver­meint­lich „ein­heit­li­chen Be­triebs“ sich ge­gen die An­nah­me ei­ner Ein­stel­lung in den Be­trieb der Spiel­bank E ge­wandt hat, hat er die­sen Ein­wand in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht wei­ter ver­tieft. Selbst wenn - wofür we­nig spricht - be­triebs­ver­fas­sungs­recht­lich die von der Be­klag­ten be­trie­be­nen Spiel­ban­ken als ein­heit­li­cher Be­trieb an­zu­se­hen wären, ist dies un­be­acht­lich, weil in der Spiel­bank E ein Be­triebs­rat auf Grund ei­ner dort durch­geführ­ten Wahl ge­bil­det war und ist, so dass die­ser bei der Ein­stel­lung des Verfügungsklägers zu be­tei­li­gen war und ist. Ei­ne et­wai­ge Ver­ken­nung des Be­triebs­be­griffs hat in der Re­gel nur die An­fecht­bar­keit der dar­auf be­ru­hen­den Be­triebs­rats­wahl zur Fol­ge (vgl. BAG, 13. Sep­tem­ber 1984, 6 ABR 43/83, NZA 1985, 293, II. 2. b) der Gründe; 19. No­vem­ber 2003, 7 ABR 25/03, AP Nr. 55 zu § 19 Be­trVG 1972, C. I. 2. der Gründe). Im vor­lie­gen­den Fall sind ge­wich­ti­ge Gründe, die ei­ne Nich­tig­keit der in der Spiel­bank E durch­geführ­ten Be­triebs­rats­wahl be­gründen könn­ten, we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich (so be­reits LAG Hamm, 30. April 2014, 4 Sa­Ga 6/14, n. v., in dem zwi­schen den Par­tei­en anhängig ge­we­se­nen Ver­fah­ren auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung).
4. Ein Beschäfti­gungs­an­spruch als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ in der Spiel­bank E folgt nicht dar­aus, dass der Kläger ggf. gel­tend ma­chen könn­te, auf­grund sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung mit der Be­klag­ten ei­nen An­spruch auf Beschäfti­gung als lei­ten­der An­ge­stell­ter zu ha­ben, zu der es kei­ner Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes be­darf.
a) Zum ei­nen ver­weist die Be­klag­te zu Recht dar­auf, dass sich aus dem Ar­beits­ver­trag vom 15. Ja­nu­ar 2000 und den dort ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen ein sol­cher An­spruch nicht er­gibt. Der Kläger ist le­dig­lich als „außer­ta­rif­li­cher Ver­trags­an­ge­stell­ter“ in die­ser Ver­ein­ba­rung be­zeich­net wor­den. Wei­te­re Kon­kre­ti­sie­run­gen der Tätig­keit fin­den sich dort nicht. Ei­ne recht­lich ver­bind­li­che Zu­sa­ge, ihn nur mit der zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses aus­geübten Funk­ti­on ei­nes Be­reichs­lei­ters „Klas­si­sches Spiel“ mit Per­so­nal­be­fug­nis­sen zu beschäfti­gen, er­gibt sich dar­aus nicht. Die Per­so­nal­kom­pe­ten­zen des Klägers er­ga­ben sich aus dem Or­ga-Hand­buch 1998. Die­ses war nicht Be­stand­teil der ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen im Ar­beits­ver­trag vom 15. Ja­nu­ar 2000. Die Zu­wei­sung von Per­so­nal­be­fug­nis­sen war im We­ge des Di­rek­ti­ons­rechts er­folgt, die nach­fol­gen­den Ände­run­gen hiel­ten sich in Rah­men der ver­trag­lich all­ge­mein um­schrie­be­nen Tätig­keit als „außer­ta­rif­li­cher Ver­trags­an­ge­stell­ter“.
b) Ob die vor­han­de­ne Stel­le ei­nes Be­reichs­lei­ters „Klas­si­sches Spiel“ in der Spiel­bank E ei­ne Tätig­keit als lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG doch be­inhal­tet, kann in die­sem Zu­sam­men­hang of­fen­blei­ben. Denn ei­ner Beschäfti­gung des Klägers auf die­ser Stel­le steht der rechts­kräfti­ge Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 28. Ja­nu­ar 2014, mit wel­chem die Be­klag­te die Auf­he­bung der Ein­stel­lung des Klägers für die­se Tätig­keit auf­ge­ge­ben wur­de, ent­ge­gen. Hier­auf kann sich der Ar­beit­ge­ber im Verhält­nis zum Ar­beit­neh­mer be­ru­fen (zu eng in­so­weit hin­sicht­lich der Bin­dungs­wir­kung ei­ner Ent­schei­dung nach § 101 Be­trVG : Czer­ny, S. 194). Er­for­der­lich ist die Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes, de­ren ge­richt­li­che Er­set­zung oder - in den Gren­zen der Rechts­kraft - die ge­richt­li­che Fest­stel­lung der feh­len­den Er­for­der­lich­keit der Zu­stim­mung, ggf. auch - oh­ne dass es hier ei­ner ab­sch­ließen­den Prüfung be­darf - durch ein Sta­tus­ver­fah­ren nach § 5 Abs. 3 Be­trVG.
c) Sch­ließlich würde ein even­tu­el­ler Beschäfti­gungs­an­spruch als lei­ten­der An­ge­stell­ter nicht zu ei­ner in der Spiel­bank E zu erfüllen­den Beschäfti­gungs­pflicht führen. Denn der Kläger kann ei­ne sei­nem even­tu­el­len Ver­trags­sta­tus als lei­ten­der An­ge­stell­ter ent­spre­chen­de Beschäfti­gung in der Spiel­bank nicht for­dern, wenn dort ei­ne pas­sen­de Stel­le nicht vor­han­den ist. Ei­nen ent­spre­chen­den Ar­beits­platz muss der Ar­beit­ge­ber nicht schaf­fen. Wenn der Ar­beit­neh­mer in ei­ne be­ste­hen­de be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on ein­ver­nehm­lich wech­seln soll, hat er nur die Wahl, den Wech­sel auf ei­nen der vor­han­de­nen Ar­beitsplätze zu voll­zie­hen oder nicht. Es gilt hier nichts an­de­res als in dem Fall, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ne bis­her be­ste­hen­de Dop­pel­spit­ze in der Ab­tei­lungs­lei­tung da­hin ändert, dass je­der der Lei­ter nur noch für Teil­be­rei­che der Ab­tei­lung al­lein zuständig ist. Ei­ne Ver­pflich­tung zur Schaf­fung be­stimm­ter Ar­beitsplätze in­ner­halb ei­ner vom Ar­beit­ge­ber ge­stal­te­ten Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on greift, so­weit kei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge hierfür be­steht, in des­sen un­ter­neh­me­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­ons­frei­heit in un­zulässi­ge Wei­se ein (vgl. LAG Hamm, 15. Ju­li 2008, 14 Sa 1957/07, ju­ris, Rn. 69).
5. Im Er­geb­nis ist da­nach die Be­klag­te auf­grund des be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Beschäfti­gungs­ver­bo­tes, wel­ches aus dem rechts­kräfti­gen Be­schluss über die Auf­he­bung der Ein­stel­lung des Klägers gemäß § 101 Satz 1 Be­trVG folgt, nicht ver­pflich­tet, ei­nen Beschäfti­gungs­an­spruch des Klägers in der Spiel­bank E zu erfüllen.
Die Be­klag­te ist ver­pflich­tet, hin­sicht­lich ih­res Zu­stim­mungs­er­su­chens vom 20. No­vem­ber 2013 zur Ein­stel­lung des Klägers als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ in der Spiel­bank E nach der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren gemäß § 99 Abs.4 Be­trVG durch­zuführen.
1. Für die Beschäfti­gung des Klägers ist die Ein­ho­lung der Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes der Spiel­bank E er­for­der­lich. Das steht auf­grund der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 28. Ja­nu­ar 2014 für die Stel­le der Be­reichs­lei­ters „Klas­si­sches Spiel“ in die­sem Ca­si­no fest. Die­se hin­dert ei­ne Beschäfti­gung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­lich nur dann nicht mehr, wenn ei­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats, de­ren Er­set­zung durch das Ge­richt oder die ge­richt­li­che Fest­stel­lung ei­ner feh­len­den Zu­stim­mungs­bedürf­tig­keit vor­liegt. Bis da­hin ist aber die Ein­hal­tung des in § 99 Be­trVG vor­ge­se­he­nen Ver­fah­rens für ei­ne Beschäfti­gung des Klägers auf der vor­ge­se­he­nen Stel­le in die­sem Be­trieb er­for­der­lich.
2. Die für ei­ne Ver­ur­tei­lung zur Durchführung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens er­for­der­li­che Vor­aus­set­zung, dass das Zu­stim­mungs­ver­fah­ren durch den Ar­beit­ge­ber ein­ge­lei­tet und durch ei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats ab­ge­schlos­sen wur­de (vgl. da­zu BAG, 3. De­zem­ber 2002, 9 AZR 481/01, NZA 2003, 1215, II. 3 und 4. der Gründe), ist erfüllt. Die Be­klag­te hat mit Schrei­ben vom 20. No­vem­ber 2013 die Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung des Klägers be­an­tragt, der Be­triebs­rat hat mit dem bei der Be­klag­ten am 26. No­vem­ber 2013 ein­ge­gan­ge­nen Schrei­ben vom „25.10.2013“ die Zu­stim­mung ver­wei­gert.
a) Zwar be­ste­hen Be­den­ken, ob die Be­klag­te das Zu­stim­mungs­ver­fah­ren for­mal ord­nungs­gemäß ein­ge­lei­tet hat. Die Be­klag­te hat le­dig­lich mit ei­nem ein­sei­ti­gen Schrei­ben den Be­triebs­rat un­ter­rich­tet, dem Un­ter­la­gen nicht bei­gefügt wa­ren. Dies stellt ei­ne lücken­haf­te Ein­lei­tung des Zu­stim­mungs­ver­fah­rens dar. Er­for­der­lich für ei­ne ord­nungs­gemäße Un­ter­rich­tung im Rah­men des § 99 Be­trVG sind u. a. die Beifügung von Be­wer­bungs­un­ter­la­gen (vgl. im Übri­gen zu den An­for­de­run­gen: ErfK/Ka­nia, 15. Auf­la­ge, 2015, § 99 Be­trVG Rn. 19 ff. m. w. N. zur Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts). Fehlt es an der vollständi­gen Un­ter­rich­tung, muss der An­trag des Ar­beit­ge­bers, die Zu­stim­mung zu er­set­zen oder fest­zu­stel­len, dass die Zu­stim­mung als er­setzt gilt, ab­ge­wie­sen wer­den (vgl. BAG, 28. Ja­nu­ar 1986, 1 ABR 10/84, AP Be­trVG 1972 § 99 Nr. 34, II. 1. a) der Gründe; nach Ri­char­di/Thüsing, § 99 Be­trVG Rn. 285: Ab­wei­sung als un­zulässig).
aa) Ver­wei­gert der Be­triebs­rat trotz un­vollständi­ger Un­ter­rich­tung sei­ne Zu­stim­mung, kann der Ar­beit­ge­ber noch im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren die feh­len­de In­for­ma­ti­on nach­ho­len. Da­zu kann er im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ei­nen Schrift­satz ein­rei­chen oder die­sem ent­spre­chen­de An­la­gen beifügen. Für den Be­triebs­rat muss nur er­kenn­bar sein, dass der Ar­beit­ge­ber die In­for­ma­tio­nen während des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens (auch) des­we­gen ver­vollständigt, weil er sei­ner even­tu­ell noch nicht vollständig erfüll­ten Un­ter­rich­tungs­pflicht aus § 99 Abs. 1 Satz 1 und 2 Be­trVG nach­kom­men möch­te. Mit der Nach­ho­lung der Un­ter­rich­tung und der Ver­vollständi­gung der In­for­ma­ti­on wird die Wo­chen­frist des § 99 Abs. 3 Satz 1 in Gang ge­setzt (vgl. BAG, 12. Ja­nu­ar 2011, 7 ABR 25/09, NZA 2011, 1304, Rn. 45; 13. März 2013, 7 ABR 39/11, ju­ris, Rn. 45 f.).
bb) Dar­aus folgt für den vom Kläger gel­tend ge­mach­ten An­spruch auf Ein­lei­tung des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens, dass ei­ne et­wai­ge un­vollständi­ge Un­ter­rich­tung im Zu­stim­mungs­ver­fah­ren ei­ner Ver­ur­tei­lung nicht ent­ge­gen­steht, weil die Be­klag­te sie im Ver­fah­ren des § 99 Abs. 4 Be­trVG nach­ho­len kann. Dies reicht aus, um die Be­klag­te im Verhält­nis zum Kläger zu ver­pflich­ten, das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durch­zuführen, so­weit ein ent­spre­chen­der An­spruch be­steht.
b) Die gemäß § 99 Be­trVG er­for­der­li­che Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ein­stel­lung des Klägers liegt nicht vor.
aa) Die Be­klag­te hat sie zu Be­ginn der tatsächli­chen Beschäfti­gung des Klägers in der Spiel­bank E nicht ein­ge­holt, weil sie zum da­ma­li­gen Zeit­punkt die Auf­fas­sung ver­trat, der Kläger sei lei­ten­der An­ge­stell­ter. In­wie­weit ihr dies zum Vor­wurf ge­macht wer­den kann, be­darf hier kei­ner nähe­ren Prüfung. Dies ändert nichts an der jet­zi­gen Mit­be­stim­mungs­pflich­tig­keit der Ein­stel­lung des Klägers.
bb) Der Be­triebs­rat hat wirk­sam sei­ne von der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 20. No­vem­ber 2013 be­an­trag­te Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung des Klägers ver­wei­gert; sie gilt auf­grund der form- und frist­ge­rech­ten Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­ra­tes nicht gemäß §#167; 99 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG als er­teilt.
(1) Der Be­triebs­rat hat - wie nach § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG er­for­der­lich - nach Er­halt des An­trags der Be­klag­ten vom 20. No­vem­ber 2013 mit Schrei­ben vom „25.10.2013“, wel­ches bei der Be­klag­ten am 26. No­vem­ber 2013 zu­ging, in­ner­halb ei­ner Wo­che schrift­lich die Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung des Klägers ver­wei­gert.
(2) Gemäß § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG hat die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung un­ter An­ga­be von Gründen zu er­fol­gen. Ei­ne for­mel­haf­te, nicht dem Ein­zel­fall an­ge­pass­te Be­gründung, ins­be­son­de­re die bloße Wie­der­ho­lung des Wort­lau­tes ei­ner oder meh­re­rer Num­mern des § 99 Abs. 2 Be­trVG reicht nicht aus. Er­for­der­lich, aber auch hin­rei­chend ist ei­ne Be­gründung, die es als möglich er­schei­nen lässt, dass mit ihr ein ge­setz­li­cher Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund gel­tend ge­macht wird. Nur ei­ne Be­gründung, die of­fen­sicht­lich auf kei­nen die­ser Ver­wei­ge­rungs­gründe Be­zug nimmt, ist un­be­acht­lich mit der Fol­ge, dass die Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes als er­teilt gilt (vgl. statt al­ler BAG, 20. No­vem­ber 1990, 1 ABR 87/89, NZA 1991, 513, B. III. der Gründe). Die Be­gründung des Be­triebs­rats braucht nicht schlüssig zu sein; kon­kre­te Tat­sa­chen und Gründe müssen nur für die auf § 99 Abs. 2 Nr. 3 und 6 Be­trVG gestütz­te Ver­wei­ge­rung ab­ge­ge­ben wer­den (vgl. BAG, 16. März 2010, 3 AZR 31/09, NZA 2010, 1028, Rn. 41). Für die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ist es kei­ne Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung, dass die an­ge­ge­be­nen Gründe be­ste­hen. Der Be­triebs­rat muss die Ver­wei­ge­rung sei­ner Zu­stim­mung be­gründen; die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung braucht aber nicht be­gründet zu sein (vgl. Ri­char­di/Thüsing, § 99 Be­trVG Rn. 270).
(3) An­ge­sichts des Wort­lauts und des In­halts des ausführ­li­chen, vier­sei­ti­gen Schrei­bens des Be­triebs­rats der Spiel­bank E vom „25.10.2013“ ist die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung nicht nur hin­sicht­lich des vom Ar­beits­ge­richt gewürdig­ten Ver­wei­ge­rungs­grun­des nach § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG, son­dern eben­falls bezüglich der übri­gen vom Be­triebs­rat gel­tend ge­mach­ten Gründe of­fen­sicht­lich be­acht­lich, weil der Be­triebs­rat nicht pau­schal den Wort­laut des § 99 Abs. 2 Nr. 1, 3, 5 und 6 Be­trVG wie­der­holt, son­dern je­den ein­zel­nen Ver­wei­ge­rungs­grund ausführ­lich und de­tail­liert be­gründet hat. Die Ausführun­gen des Be­triebs­ra­tes wer­den im Hin­blick auf § 99 Abs. 2 Nr. 3 und 6 Be­trVG auf kon­kre­te Tat­sa­chen und Gründe gestützt. Es kommt ent­ge­gen der Mei­nung des Klägers nicht dar­auf an, ob die­se in­halt­lich zu­tref­fen, ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit sei­ner Be­ru­fungs­be­gründung in die­sem Punkt be­darf es in­so­weit nicht. Aus­rei­chend ist der aus der schrift­li­chen Be­gründung des Be­triebs­rats er­kenn­ba­re Be­zug zu den von ihm kon­kret be­nann­ten Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründen des § 99 Abs. 2 Be­trVG.
c) Eben­so we­nig steht im vor­lie­gen­den Fall fest, dass die vom Be­triebs­rat gel­tend ge­mach­ten Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe ob­jek­tiv vor­lie­gen und die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung recht­lich tra­gen. Dem Ar­beit­ge­ber ist es dann zwar un­zu­mut­bar, ein ge­richt­li­ches Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durch­zuführen, weil die­ses kei­ne Aus­sicht auf Er­folg hat (vgl. BAG, 3. De­zem­ber 2002, 9 AZR 481/01, NZA 2003, 1215, II. 3 b) der Gründe). Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend nicht erfüllt. Für ei­nen fest­ste­hen­den Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund sind an­ge­sichts der un­ter­schied­li­chen Stand­punk­te der Par­tei­en, wie sie im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren und aus­weis­lich der Ur­tei­le in ih­ren Vor­pro­zes­sen zum Aus­druck ge­kom­men sind, kei­ne An­halts­punk­te er­sicht­lich. Die Be­klag­te hat ei­nen sol­chen Grund zu­dem nicht gel­tend ge­macht.
3. Für die Fra­ge, ob ein Ar­beit­ge­ber das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ge­genüber dem Be­triebs­rat durchführen muss, kommt es im Verhält­nis zum Ar­beit­neh­mer al­lein auf die Rechts­be­zie­hung zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en an (vgl. BAG, 16. März 2010, 3 AZR 31/09, NZA 2010, 1028, Rn. 28; Ri­char­di/Thüsing, § 99 Be­trVG Rn. 279), d. h. ob ein Rechts­an­spruch auf Ein­lei­tung ei­nes Ver­fah­rens zur Er­set­zung der Zu­stim­mung be­steht (vgl. Däubler/Kitt­ner/Kle­be/Wed­de/Bach­ner, § 99 Be­trVG Rn. 250). Ein sol­cher An­spruch des Klägers be­steht im vor­lie­gen­den Fall.
a) Grundsätz­lich be­steht kein An­spruch des Ar­beit­neh­mers dar­auf, dass der Ar­beit­ge­ber nach wirk­sa­mer Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats zu der be­ab­sich­tig­ten per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­me das ge­richt­li­che Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren des § 99 Abs. 4 Be­trVG durchführt. Der Ar­beit­neh­mer kann nicht da­von aus­ge­hen, dass der Ar­beit­ge­ber sich ver­pflich­ten will, ge­genüber dem Be­triebs­rat ei­nen recht­li­chen Kon­flikt durch­zu­ste­hen. Ei­ne der­ar­ti­ge Her­an­ge­hens­wei­se wi­der­spricht ei­ner ra­tio­na­len und die Funk­ti­on des Be­triebs­rats als Or­gan der Be­triebs­ver­fas­sung ach­ten­den Vor­ge­hens­wei­se des Ar­beit­ge­bers (vgl. BAG, 16. März 2010, 3 AZR 31/09, NZA 2010, 1028, Rn. 30). Das mit ei­nem ar­beits­ge­richt­li­chen Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ver­bun­de­ne er­heb­li­che Pro­zess­ri­si­ko so­wie das Ri­si­ko wei­te­rer aus ei­ner sol­chen Aus­ein­an­der­set­zung re­sul­tie­ren­der be­trieb­li­cher Kon­flik­te braucht der Ar­beit­ge­ber in der Re­gel nicht auf sich zu neh­men (vgl. BAG, 29. Ja­nu­ar 1997, 2 AZR 9/96, NZA 1997, 709, II. 1. d) der Gründe). Oh­ne be­son­de­re ver­trag­li­che Ab­ma­chun­gen muss es ei­nem Ar­beit­ge­ber frei­ge­stellt blei­ben, Ein­wen­dun­gen des Be­triebs­rats zu ak­zep­tie­ren und auf ei­nen Rechts­streit mit die­sem zu ver­zich­ten (vgl. Däubler/Kitt­ner/Kle­be/Wed­de/Bach­ner, § 99 Be­trVG Rn. 250). Ei­ne Ver­pflich­tung zur Durchführung des ge­richt­li­chen Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens kann nur in Aus­nah­mefällen an­er­kannt wer­den, weil der Ar­beit­ge­ber aus vie­ler­lei Gründen ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se, das ge­genüber dem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers Vor­rang be­an­sprucht, dar­an ha­ben kann, von ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung oder gar ei­nem Rechts­streit mit dem Be­triebs­rat ab­zu­se­hen (vgl. GK-Be­trVG/Raab, 10. Auf­la­ge, 2014, § 99 Be­trVG Rn. 231).
b) In der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist bis­lang in fol­gen­den Fall­kon­stel­la­tio­nen ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Durchführung ei­nes Ver­fah­rens gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG an­er­kannt wor­den.
aa) Ein Aus­nah­me­fall be­steht, wenn für die Erfüllung des schwer­be­hin­der­ten­recht­li­chen Beschäfti­gungs­an­spruchs nach § 81 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 SGB IX ei­ne Ver­set­zung er­for­der­lich ist. Hier hat der schwer­be­hin­der­te Mensch ei­nen An­spruch dar­auf, dass der Ar­beit­ge­ber nicht nur die Zu­stim­mung nach § 99 Be­trVG beim Be­triebs­rat ein­holt, son­dern nach ei­ner Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung auch das ge­richt­li­che Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren des § 99 Abs. 4 Be­trVG durchführt, wenn nicht fest­steht, dass dem Be­triebs­rat ob­jek­tiv Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe zu­ste­hen (vgl. BAG, 3. De­zem­ber 2002, 9 AZR 481/01, NZA 2003, 1215, II. 3. a) und b) der Gründe). In­so­weit geht es um die Durch­set­zung ei­nes ge­setz­lich aus­drück­lich ge­re­gel­ten An­spru­ches auf Beschäfti­gung im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis (vgl. BAG, a. a. O., II. 3. a) der Gründe; 16. März 2010, 3 AZR 31/09, NZA 2010, 1028, Rn. 31).
Da­ge­gen ist der Ar­beit­ge­ber, wel­cher den Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ge­genüber ei­nem schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer be­ab­sich­tigt, nur bei Vor­lie­gen be­son­de­rer Umstände ver­pflich­tet, ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durch­zuführen. Die an­sons­ten er­heb­li­che Verzöge­rung des Kündi­gungs­ver­fah­rens nach er­teil­ter Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes, wel­ches re­gelmäßig Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten prüft, ist nach § 81 Abs. 4 Satz 3 SGB IX für den Ar­beit­ge­ber un­zu­mut­bar (vgl. BAG, 22. Sep­tem­ber 2005, 2 AZR 519/04, NZA 2006, 486, Rn. 34 ff.). Ein be­son­de­rer Um­stand, der in ei­nem sol­chen Fall den Ar­beit­ge­ber zu ei­nem Vor­ge­hen nach § 99 Abs. 4 Be­trVG ver­pflich­tet, wäre ei­ne of­fen­sicht­lich un­be­gründe­te oder auf ei­nem kol­lu­si­ven Zu­sam­men­wir­ken zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat be­ru­hen­de Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung (vgl. BAG, 22. Sep­tem­ber 2005, a. a. O., Rn. 42).
bb) Bei ei­nem al­lein ar­beits­ver­trag­lich be­gründe­ten Beschäfti­gungs­an­spruch be­steht als wei­te­rer Aus­nah­me­fall nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ei­ne Pflicht zur Durchführung des Ver­fah­rens gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG im Fal­le ei­ner Selbst­bin­dung des Ar­beit­ge­bers. Es be­darf je­doch be­son­de­rer Umstände bzw. An­halts­punk­te für die An­nah­me, der Ar­beit­ge­ber wol­le sich hin­sicht­lich sei­nes Ver­hal­tens ge­genüber dem Be­triebs­rat da­hin­ge­hend selbst bin­den, dass er sich zur Durchführung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens im Fal­le der Ver­wei­ge­rung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­me ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet (vgl. BAG, 16. März 2010, 3 AZR 31/09, NZA 2010, 1028, Rn. 30). Ei­ne sol­che Selbst­bin­dung be­gründet ei­nen ent­spre­chen­den An­spruch des Ar­beit­neh­mers. Glei­ches gilt für ei­ne aus­drück­li­che Zu­sa­ge des Ar­beit­ge­bers (vgl. Fit­ting, § 99 Be­trVG Rn. 289; Hu­ke in Hess/Worz­al­la u. a., Be­trVG, 9. Auf­la­ge, 2014, § 99 Be­trVG Rn. 196). Da­ge­gen können we­der der vor­be­halt­lo­se Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges (so aber Ri­char­di/Thüsing, § 99 Be­trVG Rn. 279) noch die tatsächli­che Beschäfti­gung als sol­che (so aber Fit­ting, a. a. O; Hu­ke, a. a. O.) oh­ne wei­te­re be­son­de­re An­halts­punk­te ei­ne ent­spre­chen­de Pflicht des Ar­beit­ge­bers be­gründen. Ei­ne Pflicht zur Durchführung des Ver­fah­rens gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG be­steht schließlich dann, wenn die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats auf ei­nem kol­lu­si­ven Zu­sam­men­wir­ken zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem Be­triebs­rat be­ruht (vgl. BAG, 16. März 2010, 3 AZR 31/09, NZA 2010, 1028, Rn. 33).
c) Im vor­lie­gen­den Fall fehlt es an ei­ner Selbst­bin­dung der Be­klag­ten. Die­se hat den Kläger in der zum da­ma­li­gen Zeit­punkt für den Aus­schluss ei­ner Kol­lu­si­on noch tragfähi­gen An­nah­me, die­ser sei lei­ten­der An­ge­stell­ter (sie­he I. 3. b) cc (1) der Gründe), oh­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes ein­ge­setzt. Da­durch la­gen kei­ne be­son­de­ren Umstände vor, wel­che auf Sei­ten des Klägers bei Auf­nah­me sei­ner Tätig­keit am 1. Sep­tem­ber 2008 die An­nah­me ei­ner Selbst­bin­dung der Be­klag­ten bezüglich ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens be­gründen konn­ten. Wenn sich im Nach­hin­ein ein Zu­stim­mungs­er­for­der­nis für die wei­te­re Beschäfti­gung er­gibt, dann ist nicht schon al­lein durch die Ver­ein­ba­rung ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Ver­set­zung an­zu­neh­men, der Ar­beit­ge­ber wol­le sich ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer ver­pflich­ten, in je­dem Fall selbst durch ei­nen we­gen des Zu­stim­mungs­er­for­der­nis­ses not­wen­dig ge­wor­de­nen ge­richt­li­chen Kon­flikt mit dem Be­triebs­rat die tatsächli­che Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers durch­set­zen.
Eben­so we­nig lie­gen An­halts­punk­te für ein kol­lu­si­ves Zu­sam­men­wir­ken zwi­schen der Be­klag­ten und dem Be­triebs­rat bei des­sen Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung vor. Zwar ist die In­ter­es­senübe­rein­stim­mung an ei­ner Nicht­beschäfti­gung des Klägers nicht zu ver­ken­nen. De­ren Gründe, wie sie ei­ner­seits sei­tens der Be­klag­ten im Kündi­gungs­schutz­pro­zess vor­ge­tra­gen wur­den, sei­tens des Be­triebs­rats in der Be­gründung sei­ner Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung an­de­rer­seits zum Aus­druck kom­men, stim­men teil­wei­se übe­rein. Dies ändert aber nichts an dem Um­stand, dass zu­min­dest nun­mehr für ei­ne wei­te­re Beschäfti­gung des Klägers in der Spiel­bank E die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu sei­ner Ein­stel­lung er­for­der­lich ge­wor­den ist. Zu­dem stützt der Be­triebs­rat sei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung teil­wei­se auf die­sel­ben Vor­be­hal­te, wie er sie be­reits in dem Schrei­ben vom 3. Sep­tem­ber 2008 ge­genüber der Be­klag­ten erklärt hat. Ei­ne kol­lu­si­ve Her­beiführung der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ist un­ter die­sen Umständen nicht zu er­ken­nen.
Sch­ließlich macht der Kläger kei­nen ge­setz­li­chen Beschäfti­gungs­an­spruch gel­tend. Selbst wenn sein Beschäfti­gungs­an­spruch auf den ver­fas­sungs­recht­li­chen Wer­tent­schei­dun­gen der Art. 1 und 2 GG be­ruht, be­steht er al­lein auf­grund des zwi­schen den Par­tei­en ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges.
c) Im vor­lie­gen­den Fall ist die Be­klag­te aber nach dem Grund­satz von Treu und Glau­ben auf­grund ih­rer ver­trag­li­chen Rück­sicht­nah­me­pflicht zur Durchführung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens ver­pflich­tet (§ 241 Abs. 2, § 242 BGB).
aa) Die Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses sind ge­hal­ten, auf die im Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen des je­weils an­de­ren Ver­trags­part­ners Rück­sicht zu neh­men. Dies führt zu ei­ner Viel­zahl von Ne­ben­leis­tungs­pflich­ten wie Un­ter­las­sungs- und Hand­lungs­pflich­ten. All­ge­mei­ne Sorg­falts-, Ob­huts-, Fürsor­ge-, Aufklärungs- und An­zei­ge­pflich­ten die­nen da­zu, die Er­brin­gung der Haupt­leis­tung vor­zu­be­rei­ten und zu fördern, die Leis­tungsmöglich­keit zu er­hal­ten und den Leis­tungs­er­folg zu si­chern (vgl. BAG, 28. Ok­to­ber 2011, 8 AZR 418/09, NZA 2011, 345, Rn. 12; ErfK/Preis, § 611 BGB Rn. 615, 707 f.). Die Pflicht zur In­ter­es­sen­wah­rung wur­de ar­beits­recht­lich vor Einführung des § 241 Abs. 2 BGB durch das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz 2002 ge­mein­hin als „Fürsor­ge­pflicht“ des Ar­beit­ge­bers (vgl. BAG, 24. Sep­tem­ber 2009, 8 AZR 444/08, NZA 2010, 337, Rn. 14; 14. De­zem­ber 2010, 9 AZR 631/09, NZA 2011, 569, Rn. 27) bzw. „Treue­pflicht“ des Ar­beit­neh­mers (vgl. BAG, 24. März 2010, 10 AZR 66/09, NZA 2010, 693, Rn. 15) be­zeich­net. Sie geht als Grund­pflicht auf den in § 242 BGB ent­hal­te­nen Grund­satz von Treu und Glau­ben zurück. Da­nach ha­ben bei­de Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ih­re Ver­pflich­tun­gen aus dem Ar­beits­verhält­nis so zu erfüllen und die in Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den In­ter­es­sen des Ver­trags­part­ners so zu wah­ren, wie dies von ih­nen un­ter Berück­sich­ti­gung ih­rer Stel­lung im Be­trieb, ih­rer ei­ge­nen In­ter­es­sen und der In­ter­es­sen der an­de­ren Ar­beit­neh­mer des Be­triebs nach Treu und Glau­ben bil­li­ger­wei­se ver­langt wer­den kann (vgl. BAG, 15. No­vem­ber 2005, 9 AZR 209/05, NZA 2006, 502, Rn. 27; 26. März 2009, 2 AZR 953/07, NZA-RR 2010, 516, Rn. 24).
bb) Der Beschäfti­gungs­an­spruch be­ruht auf der aus den §§ 611, 613 i. V. m. § 242 BGB ab­ge­lei­te­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Förde­rungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers im Hin­blick auf das Beschäfti­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers un­ter Berück­sich­ti­gung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Wer­tent­schei­dun­gen der Art. 1 und 2 GG zum Persönlich­keits­schutz (vgl. BAG, 9. April 2014, 10 AZR 637/13, NZA 2014, 719, Rn. 14). Er ist Be­stand­teil der Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen im Sin­ne des § 241 Abs. 2 BGB, auf die sich die Rück­sicht­nah­me­pflicht des Ar­beit­ge­bers er­streckt. Die Pflicht zur In­ter­es­sen­wah­rung kann da­her Grund­la­ge für die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers sein, zur Erfüllung des Beschäfti­gungs­an­spruchs die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen. Die­se Fürsor­ge­pflicht schließt im Aus­nah­me­fall die Ein­lei­tung des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens mit ein (vgl. GK-Be­trVG/Raab, § 99 Be­trVG Rn. 231).
Grundsätz­lich folgt aus den §§ 241 Abs. 2 BGB, 242 BGB zwar nicht die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, behörd­li­che oder ge­richt­li­che Ver­fah­ren zu Guns­ten des Ar­beit­neh­mers durch­zuführen (vgl. ErfK/Preis, § 611 BGB, Rn. 638). Die Kon­kre­ti­sie­rung der Pflicht zur Rück­sicht­nah­me kann aber nur über ei­ne In­ter­es­sen­abwägung er­fol­gen (vgl. ErfK/Preis, § 611 BGB Rn. 616). Ei­ne sol­che Abwägung kann im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers be­gründen, die (wei­te­re) Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers mit­tels ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens im Fal­le der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats nach Möglich­keit tatsächlich durch­zu­set­zen. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn sich ei­ne Zu­stim­mungs­pflich­tig­keit zur Ein­stel­lung oder Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers im be­ste­hen­den und tatsächlich voll­zo­ge­nen Ar­beits­verhält­nis im Nach­hin­ein er­gibt, weil der Ar­beit­ge­ber die­se von vorn­her­ein falsch be­ur­teilt oder durch ein­sei­ti­ge Maßnah­men im lau­fen­den Ar­beits­verhält­nis die Zu­stim­mungs­pflich­tig­keit her­bei­geführt hat, ei­ne dau­er­haf­te Beschäfti­gungs­lo­sig­keit droht und der Ar­beit­neh­mer über ei­ge­ne Rechts­schutzmöglich­kei­ten zur Durch­set­zung der Beschäfti­gung nicht verfügt.
Der Beschäfti­gungs­an­spruch be­ruht zwar auf ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Grund­la­ge, ist aber letzt­lich ei­ne aus § 242 BGB fol­gen­de zi­vil­recht­li­che Kon­kre­ti­sie­rung des Persönlich­keits­schut­zes nach Art. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG im Ar­beits­verhält­nis. Die­ser As­pekt schließt es aus, dass der Ar­beit­ge­ber aus­sch­ließlich und oh­ne Rück­sicht­nah­me auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers al­lein un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner ra­tio­na­len und die Funk­ti­on des Be­triebs­rats als Or­gan der Be­triebs­ver­fas­sung ach­ten­den Vor­ge­hens­wei­se ent­schei­det. Viel­mehr hat er im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis zu berück­sich­ti­gen, dass er die Maßnah­men ein­sei­tig ver­an­lasst hat, die nun­mehr ei­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats gemäß § 99 Be­trVG er­for­der­lich ma­chen, da­mit der Ar­beit­neh­mer wei­ter tatsächlich tätig sein kann. Der Ar­beit­ge­ber hat zwar die kol­lek­ti­ven In­ter­es­sen der durch den Be­triebs­rat re­präsen­tier­ten Be­leg­schaft zu re­spek­tie­ren. Dies über­wiegt aber im vor­lie­gen­den Fall nicht das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers, nur dann ein be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­ches Beschäfti­gungs­ver­bot hin­neh­men zu müssen, wenn des­sen Gründe zu­min­dest ge­richt­lich über­prüft wur­den.
Im Er­geb­nis kann da­her ne­ben den Fällen der Selbst­bin­dung so­wie des kol­lu­si­ven Zu­sam­men­wir­kens bei der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung zwi­schen Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­ber im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis die Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen des an­de­ren Ver­trags­teils (§ 241 Abs. 2 BGB) un­ter Berück­sich­ti­gung des all­ge­mei­nen Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) Grund­la­ge ei­ner Ver­pflich­tung zur Ein­lei­tung des Ver­fah­rens gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG sein. Der Hin­weis der Be­klag­ten in ih­rem Schrift­satz vom 23. Fe­bru­ar 2015, das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be in dem am 16. März 2010 (3 AZR 31/09, NZA 2010, 1028) ent­schie­de­nen Fall nicht an­ge­nom­men, der Ar­beit­ge­ber sei schon aus den Gründen der §§ 241 Abs. 2, 242 BGB ge­hal­ten, ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten, ist un­zu­tref­fend. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­fasst sich da­mit nicht. Es prüft ei­ne Pflicht auf die­ser recht­li­chen Grund­la­ge nicht, son­dern setzt sich al­lein mit der Fra­ge der Selbst­bin­dung des Ar­beit­ge­bers zur Durchführung ei­nes Ver­fah­rens nach § 99 Abs. 4 Be­trVG aus­ein­an­der.
cc) Im vor­lie­gen­den Fall ist auf­grund der kon­kre­ten Ent­wick­lung der Beschäfti­gung des Klägers bei der Be­klag­ten als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten ent­stan­den, die nun­mehr seit März 2011 nicht mehr erfüll­te Pflicht zur Beschäfti­gung des Klägers durch Ein­ho­lung und ggf. ge­richt­li­che Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats der Spiel­bank E wie­der tatsächlich zu erfüllen.
(1) Der Kläger war ursprüng­lich in E beschäftigt. Für die­se Tätig­keit hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm durch Be­schluss vom 23. Sep­tem­ber 2003 (13 TaBV 117/02) rechts­kräftig ent­schie­den, dass die Ein­stel­lung des Klägers trotz feh­len­der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG nicht auf­zu­he­ben war, weil der Kläger lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG war.
(2) Die Par­tei­en ha­ben dann ein­ver­nehm­lich ei­ne Ver­set­zung in die Spiel­bank E ver­ein­bart. Die Be­klag­te hat im Hin­blick auf die vor­ge­nann­te Ent­schei­dung und die wei­te­re Zuständig­keit des Klägers für den Be­reich „Klas­si­sches Spiel“ mit ver­tret­ba­ren Gründen an­ge­nom­men, der Kläger sei wei­ter­hin lei­ten­der An­ge­stell­ter, und des­we­gen den ört­li­chen Be­triebs­rat nicht vor Auf­nah­me der Tätig­keit des Klägers am 1. Sep­tem­ber 2008 nach § 99 Be­trVG an der Ein­stel­lung be­tei­ligt. Ob­jek­tiv hat sie es versäumt, an­ge­sichts der geänder­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur in der Spiel­bank und der be­reits teil­wei­se er­folg­ten Ein­schränkung der Per­so­nal­kom­pe­ten­zen des Klägers durch die E-Mail vom 21. Ju­li 2008 die Ein­ord­nung der Tätig­keit des Klägers er­neut zu prüfen und ent­we­der von vorn­her­ein von ei­ner Ver­set­zung ab­zu­se­hen oder im Fal­le ei­ner Ver­set­zung den Kläger über die Ri­si­ken auf­zuklären und das Ver­fah­ren nach § 99 Be­trVG ord­nungs­gemäß durch­zuführen. Dass sie zwar sub­jek­tiv ver­tret­bar, aber ob­jek­tiv falsch die Si­tua­ti­on recht­lich be­ur­teil­te, ändert nichts dar­an, dass sie ei­ne we­sent­li­che Ur­sa­che dafür ge­setzt hat, dass der Kläger nach Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses nicht beschäftigt wer­den kann, weil die Zu­stim­mungs­pflich­tig­keit der Maßnah­me nicht ab­sch­ließend geklärt ist.
(3) Die Be­klag­te hat den Kläger von Sep­tem­ber 2008 bis März 2011, d. h. rund 2 ½ Jah­re tatsächlich beschäftigt, oh­ne die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Zulässig­keit der Maßnah­me trotz Möglich­keit zeit­nah ab­sch­ließend zu klären. Aus­weis­lich der Be­gründung der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 28. Ja­nu­ar 2014 hat die Be­klag­te schon ei­ne mögli­che Ver­wir­kung des An­spruchs des Be­triebs­rats auf Auf­he­bung der Maßnah­me nach § 101 Be­trVG (vgl. Fit­ting, § 99 Be­trVG Rn. 279; Ri­char­di/Thüsing, § 99 Be­trVG Rn. 296) nicht gel­tend ge­macht, nach­dem die­ser erst im Mai 2009 knapp neun Mo­na­ten nach Be­ginn der Tätig­keit des Klägers das Ver­fah­ren erst ein­ge­lei­tet hat­te.
Sie hat zu­dem mit dem Be­triebs­rat das Ver­fah­ren ein Jahr später im Mai 2010 ein­ver­nehm­lich zum Ru­hen ge­bracht und ei­ne Klärung der Fra­ge der Zu­stim­mungs­pflich­tig­keit mit verzögert. So­wohl zum Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Be­schluss­ver­fah­rens durch den Be­triebs­rat als auch der späte­ren Ru­hens­ver­ein­ba­rung be­stan­den noch kei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pro­ble­me mit dem Kläger we­gen ei­ner (sich ab­zeich­nen­den) Kündi­gung, die ein sol­ches Vor­ge­hen hätten recht­fer­ti­gen können. Es gab we­der ei­nen Kündi­gungs­schutz­pro­zess noch ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung über ei­nen auf § 14 Abs. 2 KSchG gestütz­ten Auflösungs­an­trag. Es be­stand im Er­geb­nis kei­ne Not­wen­dig­keit, we­gen ei­nes mögli­cher­wei­se bald en­den­den Ar­beits­verhält­nis­ses die Fra­ge der Zu­stim­mungs­pflich­tig­keit der Ein­stel­lung erst ein­mal nicht wei­ter zu ver­fol­gen. Erst im Ok­to­ber 2010 wur­den lt. Ab­mah­nung vom 27. De­zem­ber 2010 Mängel in der Ar­beits­leis­tung des Klägers erst­mals an­geb­lich fest­ge­stellt. Die Be­klag­te hat­te bis da­hin kei­ne Gründe, nicht von sich aus den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Sta­tus des Klägers im Hin­blick auf ei­ne Beschäfti­gung oh­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zeit­nah zu klären. Zwar konn­te durch die ein­ver­nehm­li­che Ru­hens­ver­ein­ba­rung der Kläger ab En­de Mai 2010 oh­ne wei­tern Wi­der­stand des Be­triebs­rats fak­tisch beschäftigt wer­den, ob­jek­tiv hätte aber die Zu­stim­mungs­pflich­tig­keit sei­nes Ein­sat­zes schon von den ar­beits­ver­trag­li­chen Zerwürf­nis der Par­tei­en ab spätes­tens März 2011 geklärt wer­den können.
(4) Dies gilt erst recht im Hin­blick auf die ein­sei­tig von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen bei den per­so­nel­len Kom­pe­ten­zen des Klägers, die während sei­ner tatsächli­chen Beschäfti­gung seit Ju­li 2009 bis De­zem­ber 2010 suk­zes­siv er­folg­ten und durch wel­che sein Sta­tus als lei­ten­der An­ge­stell­ten im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG endgültig be­sei­tigt wur­de, nach­dem er mit der E-Mail vom 21. Ju­li 2008 viel­leicht we­ni­ger durch den Ein­stel­lungs­stopp als viel­mehr durch die Bin­dung ei­ner Rei­he per­so­nel­ler Maßnah­men an die über den Fach­be­reich „Per­so­nal“ in E1 vor­her ein­zu­ho­len­den Zu­stim­mung der Geschäfts­lei­tung be­reits in Fra­ge ge­stellt war. An­ge­sichts der in­di­vi­du­al­recht­li­chen Stel­lung auf der Ba­sis des Ver­tra­ges vom 15. Ja­nu­ar 2000 als - le­dig­lich - „außer­ta­rif­li­cher Ver­trags­an­ge­stell­ter“ oh­ne An­spruch auf Beschäfti­gung als lei­ten­der An­ge­stell­ter hat­te der Kläger kei­ne recht­li­che Möglich­keit, den Schritt für Schritt er­fol­gen­den Ent­zug per­so­nel­ler Führungs­be­fug­nis­se bei an­sons­ten un­veränder­ter Tätig­keit ge­richt­lich mit Aus­sicht auf Er­folg ent­ge­gen zu tre­ten. Es be­stand nach dem erst zweit­in­stanz­lich vor­ge­tra­ge­nen un­strei­ti­gen Vor­trag der Be­klag­ten mögli­cher­wei­se nicht nur von vorn­her­ein ein Zu­stim­mungs­er­for­der­nis für ei­ne Tätig­keit in E, viel­mehr war die­ses spätes­tens im De­zem­ber 2010 ent­stan­den, selbst wenn der Kläger zu Be­ginn sei­ner Tätig­keit noch lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG ge­we­sen sein soll­te.
(5) In ei­ner sol­chen im We­sent­li­chen vom Ar­beit­ge­ber her­bei­geführ­ten Si­tua­ti­on stellt es ein Ge­bot der Rück­sicht­nah­me im Sin­ne des § 241 Abs. 2 BGB dar, dass die­ser die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers schafft, wenn Grund­la­ge ei­ne ob­jek­tiv feh­ler­haf­te recht­li­che Einschätzung ei­ner­seits, ein­sei­ti­ge An­ord­nun­gen im Ver­lau­fe ei­ner tatsächli­chen Beschäfti­gung an­de­rer­seits je­weils auf Sei­ten des Ar­beit­ge­bers sind, wel­che be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Aus­wir­kun­gen für die Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers ha­ben. In ei­nem be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis kann der Ar­beit­neh­mer es un­ter dem Ge­sichts­punkt der Wah­rung sei­ner be­rech­tig­ten In­ter­es­sen er­war­ten, dass der Ar­beit­ge­ber die ver­trag­lich ge­schul­de­te Tätig­keit nur in der Wei­se ändert, dass der Ar­beit­neh­mer tatsächlich ar­bei­ten kann. Da­zu gehört, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats ein­zu­ho­len bzw. die feh­len­den Zu­stim­mung ge­richt­lich er­set­zen zu las­sen.
Im Un­ter­schied zur Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 16. März 2010 (3 AZR 31/09, NZA 2010, 1028), in wel­cher der Ar­beit­ge­ber ei­nem Wunsch des Ar­beit­neh­mers zur Fort­bil­dung und Beförde­rung nach­kom­men soll­te, hat hier die Be­klag­te von sich aus ein­sei­tig und in ih­rem In­ter­es­se per­so­nel­le Be­fug­nis­se in ih­rer Per­so­nal­ab­tei­lung zen­tra­li­siert. Dem­ent­spre­chend muss es ein trotz­dem wei­ter zu beschäfti­gen­der Mit­ar­bei­ter nicht hin­neh­men, dass sei­ne nun­mehr zu­stim­mungs­pflich­tig ge­wor­de­ne tatsächli­che Beschäfti­gung dar­an schei­tert, dass der Be­triebs­rat oh­ne ge­richt­li­che Über­prüfung sei­ne Zu­stim­mung ver­wei­gert.
(6) Da­bei fällt im Fal­le des Klägers zusätz­lich ins Ge­wicht, dass sich an­ge­sichts der vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen bei den per­so­nel­len Be­fug­nis­sen als Be­reichs­lei­ter „Klas­si­sches Spiel“ ei­ne an­sons­ten in Be­tracht zu zie­hen­de Wie­der­auf­nah­me sei­ner Tätig­keit am bis­he­ri­gen Stand­ort in C nun­mehr eben­falls der Zu­stim­mungs­pflicht des dor­ti­gen ört­li­chen Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG un­ter­lie­gen dürf­te, weil der Kläger kein lei­ten­der An­ge­stell­ter mehr ist. Die Be­klag­te muss al­so vor­aus­sicht­lich oh­ne­hin ei­ne Zu­stim­mungs­er­set­zung be­trei­ben, wenn sie den Kläger an die­sem oder ei­nem an­de­ren Stand­ort beschäfti­gen will. Nach­dem der Be­triebs­rat in E sich auf Gründe stützt, wel­che aus der Zeit der Tätig­keit des Klägers am Ca­si­no C stam­men, dürf­te es dort eben­falls zu Pro­ble­men hin­sicht­lich ei­ner Zu­stim­mung sei­tens des Be­triebs­rats kom­men. Die ehe­mals oh­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats be­ste­hen­de Möglich­keit ei­ner Beschäfti­gung, auf de­ren Zu­wei­sung der Kläger im Fal­le ei­ner un­wirk­sa­men Ver­set­zung An­spruch ge­habt hätte (vgl. BAG, 25. Au­gust 2010, 10 AZR 275/09, NZA 2010, 1355, Rn. 15; LAG Hamm, 15. Ju­li 2008, 14 Sa 1957/07, ju­ris, Rn. 60 f.), steht we­gen der ein­sei­tig von der Be­klag­ten den Be­reichs­lei­tern ent­zo­ge­nen Per­so­nal­kom­pe­ten­zen nicht mehr für ei­nen Ein­satz des Klägers oh­ne Wei­te­res zur Verfügung. Die Rechts­kraft der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm (23. Sep­tem­ber 2003, 13 TaBV 117/02) steht dem trotz der ihr zu­kom­men­den Dau­er­wir­kung an­ge­sichts der durch die Be­klag­te we­sent­lich veränder­ten Sach­la­ge nicht ent­ge­gen (vgl. hier­zu HK-ArbR/Hens­sen, 3. Auf­la­ge, 2013, § 84 Rn. 8 m. w. N.).
dd) Im Er­geb­nis würde das bis­he­ri­ge Ver­hal­ten der Be­klag­ten, den Kläger we­gen ei­ner feh­len­den Zu­stim­mung des Be­triebs­rats nicht zu beschäfti­gen, da­zu führen, dass ein theo­re­tisch noch über zehn Jah­re (bis No­vem­ber 2025) be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis oh­ne tatsächli­che Beschäfti­gung als lee­re Hülle fort­be­steht. Das In­ter­es­se der Be­klag­ten an ei­ner störungs­frei­en Zu­sam­men­ar­beit mit dem Be­triebs­rat hat in die­sem Fall an­ge­sichts der ob­jek­tiv von ihr für den der­zei­ti­gen Zu­stand ge­setz­ten Ur­sa­chen zurück­zu­ste­hen. Es ist dem Kläger je­den­falls nicht zu­zu­mu­ten, das an­ge­sichts ei­ner schwie­ri­gen Ver­gan­gen­heit be­ste­hen­de In­ter­es­se der Be­klag­ten an ei­nem span­nungs­frei­en Verhält­nis zum Be­triebs­rat mit ei­nem dau­er­haf­ten, wenn auch be­zahl­ten „Zwangsmüßig­gang“ hin­zu­neh­men. Der Be­triebs­rat mag zwar, wie sich aus sei­nem von der Be­klag­ten im Ter­min vom 12. Mai 2015 über­reich­ten un­da­tier­ten Schrei­ben er­gibt, sich nicht mit er­neu­ten Zu­stim­mungs­er­su­chen be­fas­sen wol­len und wei­ter­hin der Ein­stel­lung des Klägers ab­leh­nend ge­genüber ste­hen. Das schützt ihn und die von ihm re­präsen­tier­te Be­leg­schaft im vor­lie­gen­den Fall nicht vor ei­ner ge­richt­li­chen Über­prüfung sei­ner Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe.
Et­was an­de­res folgt nicht aus der er­folg­rei­chen Gel­tend­ma­chung des An­spruchs aus § 101 Satz 1 Be­trVG durch den Be­triebs­rat der Spiel­bank E. Da­mit steht nur fest, dass die Be­klag­te der­zeit den Kläger nicht beschäfti­gen darf. Das Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG sperrt aber nicht die Ein­lei­tung des Ver­fah­rens gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG, son­dern soll im Ge­gen­teil nach der ge­setz­ge­be­ri­schen Kon­zep­ti­on den Ar­beit­ge­ber ver­an­las­sen, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rat in ei­nem ord­nungs­gemäßen Ver­fah­ren ein­zu­ho­len und ggf. im Fal­le der Ver­wei­ge­rung ge­richt­lich er­set­zen zu las­sen, wenn er die von ihm be­ab­sich­tig­te per­so­nel­le Maßnah­me durchführen will (vgl. Czer­ny, S. 193) und im Verhält­nis zum Ar­beit­neh­mer auf­grund des die­sem zu­ste­hen­den Beschäfti­gungs­an­spruch im Aus­nah­me­fall auch muss.
Der Kläger hat ins­be­son­de­re kei­ne wei­ter­ge­hen­den Möglich­kei­ten, um ei­ne Beschäfti­gung durch­zu­set­zen. Sein Beschäfti­gungs­an­spruch ist we­gen der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung im Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG nicht durch­setz­bar. Er steht qua­si oh­ne Rechts­schutz dar. Un­ter die­sen Umständen ist es der Be­klag­ten zu­mut­bar, das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durch­zuführen, selbst wenn dies ei­nen Kon­flikt mit dem Be­triebs­rat be­deu­tet.
1. So­weit der Kläger erst­mals in der Be­ru­fungs­in­stanz zusätz­lich von der Be­klag­ten ver­langt, ihn durch ei­ne zu­sam­men­fas­sen­de Schil­de­rung über den je­wei­li­gen Stand des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens ein­mal im Mo­nat zu un­ter­rich­ten und ihm die Möglich­keit ei­ner Stel­lung­nah­me zum Ver­fah­ren zu ge­ben, ist die­ser An­trag ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten zulässig.
a) Nach § 533 ZPO sind Kla­geände­rung, Auf­rech­nungs­erklärung und Wi­der­kla­ge nur zulässig, wenn der Geg­ner ein­wil­ligt oder das Ge­richt die­ses für sach­dien­lich hält und die­se auf Tat­sa­chen gestützt wer­den können, die das Be­ru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über die Be­ru­fung oh­ne­hin nach § 529 ZPO zu­grun­de zu le­gen hat. Das sind die vom Ge­richt des ers­ten Rechts­zu­ges fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen, so­weit nicht kon­kre­te An­halts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit oder Vollständig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen be­gründen und des­halb ei­ne er­neu­te Fest­stel­lung ge­bie­ten (§ 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO), und neue Tat­sa­chen, so­weit de­ren Berück­sich­ti­gung zulässig ist (§ 529 Abs. 1 Nr. 2 ZPO). Letz­te­res rich­tet sich im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht nach §§ 530 f. ZPO, son­dern nach § 67 ArbGG (vgl. BAG, 15. Fe­bru­ar 2005, 9 AZN 892/04, NZA 2005, 484, II. 2. b) bb) (3) der Gründe; Ger­mel­mann in Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting, ArbGG, 8. Auf­la­ge, 2013, § 67 ArbGG Rn. 1).
b) Bei dem An­trag auf In­for­ma­ti­on und in­ter­ne Be­tei­li­gung im Rah­men der Durchführung des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens han­delt es sich um ei­ne Kla­geände­rung im Sin­ne des § 263 ZPO. Mit ihm wird im We­ge der nachträgli­chen Kla­gehäufung, für die § 263 ZPO eben­falls (ent­spre­chend) an­wend­bar ist (vgl. BGH, 10. Sep­tem­ber 1985, III ZR 93/83, NJW 1985, 1841, 4. der Gründe; Zöller/Gre­ger, ZPO, 30. Auf­la­ge, 2014, § 263 ZPO Rn. 1), ein wei­te­rer Streit­ge­gen­stand ein­geführt.
Die Ein­wil­li­gung der Be­klag­ten in die­se Kla­geände­rung liegt zwar nicht vor. Letz­te­re ist je­doch sach­dien­lich. Maßgeb­lich für die nach ob­jek­ti­ven Ge­sichts­punk­ten zu be­ur­tei­len­de Sach­dien­lich­keit ist der Ge­dan­ke der Pro­zess­wirt­schaft­lich­keit, für den es ent­schei­dend dar­auf an­kommt, ob und in­wie­weit die Zu­las­sung der Kla­geände­rung zu ei­ner sach­gemäßen und endgülti­gen Er­le­di­gung des Streits zwi­schen den Par­tei­en führt, der den Ge­gen­stand des anhängi­gen Ver­fah­rens bil­det und ei­nem an­dern­falls zu er­war­ten­den wei­te­ren Rechts­streit vor­beugt (vgl. BGH, 10. Sep­tem­ber 1985, III ZR 93/83, NJW 1985, 1841, 4. der Gründe; 6. April 2004, X ZR 132/02, NJW-RR 2004, 1076, II. 2. a) der Gründe). Im vor­lie­gen­den Fall kann der Streit der Par­tei­en über die im Zu­sam­men­hang mit der Durchführung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens be­ste­hen­den Ver­pflich­tun­gen der Be­klag­ten ge­genüber dem Kläger ab­sch­ließend geklärt wer­den.
Die Ent­schei­dung über den An­trag kann auf der Grund­la­ge der oh­ne­hin gemäß § 529 ZPO, § 67 ArbGG der Ent­schei­dung zu­grun­de zu le­gen­den Tat­sa­chen er­fol­gen. Im vor­lie­gen­den Fall geht es le­dig­lich um die auf dem un­veränder­ten Sach­ver­halt al­lein zu ent­schei­den­de Rechts­fra­ge, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ei­ne mit­tel­ba­re Be­tei­li­gung des Klägers an ei­nem Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durch In­for­ma­ti­on und Ent­ge­gen­nah­me von Stel­lung­nah­men zu ermögli­chen.
2. Der Kläger be­sitzt kei­nen An­spruch, im Rah­men des von der Be­klag­ten durch­zuführen­den Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens nach § 99 Abs. 4 Be­trVG in der Form be­tei­ligt zu wer­den, dass ihm mo­nat­lich über den Stand des Ver­fah­rens be­rich­tet wird und ihm die Möglich­keit ei­ner Stel­lung­nah­me ge­genüber der Be­klag­ten ein­geräumt wird. Ein der­ar­ti­ger In­for­ma­ti­ons- und Be­tei­li­gungs­an­spruch ist we­der zur Durch­set­zung des An­spruchs auf Durchführung des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens er­for­der­lich noch folgt ein sol­ches In­for­ma­ti­ons­recht als Kon­kre­ti­sie­rung der all­ge­mei­nen Pflicht zur In­ter­es­sen­wah­rung aus § 241 Abs. 2, § 242 BGB.
a) Im Fal­le ei­ner rechts­kräfti­gen Ver­ur­tei­lung zur Durchführung des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens ist die Be­klag­te schon zur Ver­mei­dung ei­ner Zwangs­voll­stre­ckung im ei­ge­nen In­ter­es­se ge­hal­ten, den Kläger über die Ein­lei­tung, den Stand und das Er­geb­nis des Ver­fah­rens nach­prüfba­re An­ga­ben zu ma­chen. Al­lein durch die An­dro­hung von Zwangs­voll­stre­ckungs­maßnah­men kann der Kläger mit­tel­bar die Be­klag­te zur Ein­hal­tung die­ser in ih­rem ei­ge­nen In­ter­es­se be­ste­hen­den Ob­lie­gen­heit zwin­gen. Zwangs­maßnah­men zur Durch­set­zung des ti­tu­lier­ten An­spruchs auf Durchführung des Ver­fah­rens gemäß § 99 Abs. 4 Be­trVG wer­den sich nur dann ver­mei­den las­sen, wenn die Be­klag­te durch die Mit­tei­lung von Da­ten wie An­trag­stel­lung und de­ren Zeit­punkt, Ak­ten­zei­chen und Ge­richt, bei dem die Zu­stim­mungs­er­set­zung be­an­tragt wur­de, so­wie et­wai­ge Ent­schei­dun­gen und Rechts­mit­tel für den Kläger nach­prüfba­re und plau­si­ble An­ga­ben zur Durchführung des Ver­fah­rens macht.
b) So­weit darüber hin­aus der Kläger meint, ihm müsse die Möglich­keit ge­ge­ben wer­den, in Kennt­nis der Ar­gu­men­ta­ti­on des Be­triebs­rats Ge­le­gen­heit zu ha­ben, ei­ne et­wai­ge Sach­wid­rig­keit der von die­sem vor­ge­brach­ten Ar­gu­men­te dar­zu­le­gen, über­sieht er, dass er zwar ei­nen An­spruch auf Durchführung des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens hat, er je­doch nach herr­schen­der Mei­nung kein Be­tei­lig­ter die­ses Ver­fah­rens im Sin­ne des § 83 Abs. 3 ArbGG ist (vgl. BAG, 23. Sep­tem­ber 2003, 1 ABR 35/02, NZA 2004, 800, B. I. 1. d) aa) der Gründe; 28. Ja­nu­ar 2009, 4 ABR 92/07, NZA 2009, 1042 Rn. 12; da­ge­gen Ri­char­di/Thüsing, § 99 Be­trVG, Rn. 280 ff.; Czer­ny, S. 249 ff., ins­be­son­de­re 252 f., 260). Die Führung des Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens ob­liegt dem Ar­beit­ge­ber. Er ist grundsätz­lich frei dar­in, hier­zu den Ar­beit­neh­mer, der von dem Ver­fah­ren be­trof­fen ist, in­tern zu be­tei­li­gen oder nicht. Durch ein In­for­ma­ti­ons- und Stel­lung­nah­me­recht kann der Kläger kei­ne Be­tei­li­gung er­rei­chen, die im Be­schluss­ver­fah­ren nach § 99 Abs. 4 Be­trVG nach der­zeit herr­schen­der Auf­fas­sung nicht vor­ge­se­hen ist. Ab­ge­se­hen da­von, dass es an ei­ner ver­gleich­ba­ren Aufklärungs­pflicht wie in § 100 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG oder ei­ner Be­tei­li­gungs­re­ge­lung wie in § 103 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG fehlt, ist der vom Kläger da­mit ver­folg­te Zweck, die Gründe des Be­triebs­ra­tes für die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung durch ei­ne ei­ge­ne und vom Ar­beit­ge­ber im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein­zuführen­de Sach­dar­stel­lung zu wi­der­le­gen, nicht ge­eig­net, ein sol­ches In­for­ma­ti­ons- und Stel­lung­nah­me­recht zu be­gründen. Er kann den Ar­beit­ge­ber darüber nicht zu ei­ner be­stimm­ten Form der Pro­zessführung zwin­gen.
Im Übri­gen gilt für das Be­schluss­ver­fah­ren der - ein­ge­schränk­te - Un­ter­su­chungs­grund­satz, d. h. das Ge­richt trägt un­ter Mit­wir­kung der Be­tei­lig­ten die Ver­ant­wor­tung für die Aufklärung des Streitstoffs im Rah­men des Streit­ge­gen­stan­des (vgl. im Ein­zel­nen: HK-ArbR/Hens­sen, § 83 ArbGG Rn. 2 ff. m. w. N.). Über ent­schei­dungs­er­heb­li­che Tat­sa­chen können Per­so­nen wie z. B. der Kläger als Zeu­gen ver­nom­men wer­den, oh­ne dass es da­zu ei­nes dar­auf ge­rich­te­ten An­tra­ges der Be­tei­lig­ten be­darf (vgl. BAG, 13. Mai 2014, 1 ABR 50/12, NZA 2014, 1149, Rn. 29). Darüber hin­aus hat die Be­klag­te ein ei­ge­nes In­ter­es­se dar­an, die Be­lan­ge des Klägers im Be­schluss­ver­fah­ren zur Ver­mei­dung von Scha­dens­er­satz­ansprüchen zur Gel­tung zu brin­gen (für den ent­spre­chen­den An­spruch ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen in die­sem Zu­sam­men­hang vgl. BAG, 3. De­zem­ber 2002, 9 AZR 481/01, NZA 2003, 1215, II. 3 c) der Gründe). Das macht ein ge­son­der­tes In­for­ma­ti­ons- und Stel­lung­nah­me­recht ent­behr­lich.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 1 ZPO, die vor­ge­nom­me­ne Kos­ten­quo­telung ent­spricht dem Verhält­nis von Ob­sie­gen und Un­ter­lie­gen bei­der Par­tei­en.
Die Re­vi­si­on war we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung für bei­de Par­tei­en zu­zu­las­sen.
zur Übersicht 14 Sa 904/14

References: § 99
 § 5
 § 101
 § 14
 § 99
 Art. 1
 § 99
 § 101
 § 162
 § 242
 § 100
 § 99
 § 100
 § 99
 § 99
 Art. 2
 Art. 1
 § 241
 § 242
 § 100
 § 99
 § 99
 § 99
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 § 101
 § 103
 § 100
 § 99
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 § 242
 § 241
 Art. 1
 § 611
 § 611
 § 109
 § 106
 § 101
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 § 275
 § 611
 § 101
 § 101
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 § 1
 § 99
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 § 5
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 § 19
 § 5
 § 101
 § 5
 § 101
 § 99
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 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
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 § 99
 § 81
 § 99
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 § 99
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 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 Art. 1
 § 242
 § 611
 § 241
 § 242
 § 242
 Art. 1
 § 241
 § 99
 § 611
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 Art. 2
 § 99
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 § 5
 § 99
 § 99
 § 101
 § 99
 § 99
 § 14
 § 5
 § 5
 § 241
 § 99
 § 84
 § 101
 § 101
 § 99
 § 101
 § 533
 § 529
 § 67
 § 67
 § 263
 § 263
 § 263
 § 529
 § 67
 § 99
 § 241
 § 242
 § 99
 § 83
 § 99
 § 99
 § 100
 § 103
 § 83
 § 92