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Timestamp: 2018-03-19 14:47:25+00:00

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Geschäftsführer Archive - Daniel, Hagelskamp & Kollegen
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Standpunkte 31. Juli 2017 /von Thomas Oedekoven
Bei der Ausarbeitung von Arbeitsverträgen oder Dienstverträgen für Geschäftsführer einer GmbH wird häufig der sozialversicherungsrechtliche Status des Geschäftsführers außer Acht gelassen. Das böse Erwachen erfolgt dann, wenn nach einer Betriebsprüfung der Bescheid der Sozialversicherungsträger über die Beitragsforderungen der vergangenen 4 Kalenderjahre ins Haus kommt.
I. Fallgruppen in der Rechtssprechung des BSG
Zu der Sozialversicherungspflicht des Geschäftsführers einer GmbH liegt eine ausdifferenzierte Rechtssprechung des Bundessozialgerichtes vor.
Neben den speziellen Regelungen der einzelnen Zweige der Sozialversicherung regelt die »Generalklausel« des § 7 Abs. 1 SGB IV, wann eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorliegt. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung ist Tätigkeiten nach Weisung, eine Eingliederung in den Arbeitsbetrieb eines Arbeitgebers und das Fehlen eines »Unternehmerrisikos«.
Wer in einem fremden Betrieb beschäftigt ist, ist in diesem Betrieb eingegliedert und dabei hinsichtlich Zeit, Dauer, Ort und Art seiner Arbeitsausführung einem Weisungsrecht des Arbeitgebers unterlägen. Abzugrenzen ist dies ferner selbständigen Tätigkeit, die im Wesentlichen durch ein eigenes Unternehmerrisiko beschrieben wird, eine eigene Betriebsstätte erfordert und die Freiheit von einer Eingliederung in einen fremden Geschäftsbetrieb voraussetzt. Der Selbständige ist also gerade nicht hinsichtlich Zeit, Dauer, Ort und Art der Ausführung sei Tätigkeiten einem Weisungsrecht unterlegen.
Der geschäftsführende Gesellschafter einer GmbH entnimmt seinen sozialversicherungsrechtlichen Status im Wesentlichen dem bestehenden Gesellschaftsvertrag einerseits und dem schuldrechtlichen Geschäftsführer-Arbeitsvertrag (Dienstvertrag) andererseits. Maßgeblich ist nach der Besprechung des BSG, ob der Geschäftsführer einem Weisungsrecht unterliegt oder ob dieser auf der Basis des Gesellschaftsvertrages und seinem Geschäftsführervertrag über die Rechtsmacht verfügt, ihm unangenehme Weisungen jederzeit zu verhindern.
Aus der Rechtsprechung des BSG lassen sich verschiedene Fallgruppen bilden:
1. Der Fremdgeschäftsführer unterliegt in jeder Hinsicht den Weisungen der Gesellschafterversammlung. Da er selbst nicht Gesellschafter ist, besteht auch keine Möglichkeit, Weisungen zu verhindern. Der Fremdgeschäftsführer ist in jeder Hinsicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
2. Der Geschäftsführer mit zugleich einem Gesellschaftsanteil von 50 % wiederum ist aufgrund seiner gesellschaftsrechtlichen Rechtsmacht jederzeit in der Lage, Beschlüsse der Gesellschafterversammlung zu bestimmen. Gegen das Stimmrecht dieses Gesellschafters sind Entscheidungen in der Gesellschafterversammlung nicht möglich. Hieraus folgt letztlich, dass ein Geschäftsführer, der zugleich als Gesellschafter mindestens 50 Prozent der Gesellschaftsanteile hält, stets selbständig tätig ist und nicht der Sozialversicherungspflicht in den gesetzlichen Sozialversicherungszweigen unterliegt.
3. Der Gesellschafter-Geschäftsführer, dessen Gesellschaftsanteil weniger als 50 % beträgt, kann in der Gesellschafterversammlung keinen bestimmenden Einfluss ausüben. Er kann überstimmt werden. Damit besteht auch keine Möglichkeit dieses Minderheit-Gesellschafters, unangenehme Weisungen, die er als Geschäftsführer erhält, zu beeinflussen. Der mindert Gesellschafter, der zugleich Geschäftsführer ist, unterliegt im Rahmen seiner Geschäftsführertätigkeit der Sozialversicherungspflicht.
4. Wenn jedoch der Minderheitsgesellschafter, der zugleich Geschäftsführer ist, aus dem Gesellschaftsvertrag heraus über eine Sperrminorität verfügt, so ist der sozialversicherungsrechtlichen Status neu zu bewerten.
Erst recht gilt dies, wenn der Gesellschaftsvertrag bei unterschiedlicher Verteilung der Gesellschaftsanteile gleichwohl Einstimmigkeit bei der Entscheidungsfindung vorsieht.Das BSG fordert, dass diese Sperrminorität für den Minderheitsgesellschafter gesichert ist und ihm nicht etwa im Einzelfall auch durch Mehrheitsbeschluss der Gesellschafterversammlung wieder entzogen werden kann. Es muss also gesellschaftsvertraglich geregelt werden, dass auch der Entzug der Sperrminorität eben dieser Sperrminorität unterliegt, mithin durch den Minderheitsgesellschafter verhindert werden kann.
Gleiches gilt, wenn der Gesellschaft Vertrag die Einstimmigkeit der Entscheidung vorsieht. Wenn die Einstimmigkeit der Entscheidungsfindung vereinbart ist, wäre auch ein Entzug der Einstimmigkeit der Entscheidungsfindung gleichfalls nur einstimmig möglich. Die Rechte des Minderheitsgesellschafters sind also bei vereinbarter Einstimmigkeit der Entscheidungen gesichert.
Ob eine Einstimmigkeit der Entscheidungsfindung oder eine Sperrminorität vereinbart wird, sollte Sie von der Frage abhängig gemacht werden, ob gegebenenfalls noch weitere Minderheitsgesellschafter aufgenommen werden sollen. Ist im Gesellschaftsvertrag eine Einstimmigkeit vorgesehen, kann auch ein Gesellschafter mit ganz geringer Beteiligung Entscheidungen der Gesellschafterversammlung blockieren. Wird eine Sperrminorität ab einer gewissen Beteiligungsgröße vereinbart, greift diese Sperrminorität nur für den Gesellschafter/die Gesellschafter, die diese Sperrminorität auch tatsächlich erreichen.
Nachteilig ist in einer Konstellation mit Sperrminorität oder dem Erfordernis der Einstimmigkeit, dass dies auch zu einer Lähmung bis hin zu einer vollständigen Handlungsunfähigkeit der Gesellschaft führen kann. Dies gilt dann, wenn der Minderheitsgesellschafter eine ihm nicht genehme Entscheidung der Gesellschafterversammlung zwar verhindern kann, zugleich aber eine alternative Entscheidung aufgrund seiner geringeren Stimmenanteile gleichfalls nicht durchsetzen kann.
II. Selbständig im Sinne der Sozialversicherung
Nach der Rechtsprechung des BSG müssen die Rechte des Minderheitsgesellschafters, die zu einer fehlenden Weisungsabhängigkeit als Geschäftsführer führen, auf der Ebene des Gesellschaftsvertrages geregelt werden. Bloße schuldrechtliche Vereinbarungen beispielsweise allein im Geschäftsführervertrag oder ein schuldrechtlicher Vertrag zur Stimmbindung genüge nicht, um sozialversicherungsrechtlich einen selbständigen Status zu begründen.
Für »Familiengesellschaften« gelten insoweit keine Besonderheiten. Ausdrücklich hat das Bundessozialgericht seine »Kopf-und-Seele«-Rechtsprechung aufgegeben, wonach der »Firmensenior« unabhängig von seiner gesellschaftsvertraglichen Rechtsmacht die Geschicke der Gesellschaft bestimmt und daher selbstständig ist.
III. Verjährung von Sozialversicherungsbeiträgen
Es lohnt sich, bei der Gestaltung von Arbeits- bzw. Dienstverträgen von Geschäftsführern einer GmbH, die zugleich Gesellschafter der GmbH sind, auch die sozialversicherungsrechtlichen Probleme zu berücksichtigen. Sozialversicherungsbeiträge verjähren regelmäßig nach 4 Kalenderjahren. Sozialversicherungsbeiträge, die beispielsweise im Dezember 2017 noch geltend gemacht werden, können vom zuständigen Sozialversicherungsträger noch rückwirkend bis einschließlich Januar 2013 berechnet werden. Die finanzielle Belastung kann also erheblich sein.
https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2017/08/thomas-oedekoven.jpg 305 378 Thomas Oedekoven https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2018/02/dhk-logo-de-300.png Thomas Oedekoven2017-07-31 16:51:542018-01-17 10:08:29Die Sozialversicherungspflicht des GmbH-Geschäftsführers
Standpunkte 28. Oktober 2015 /von Carsten Lange
Damit werden wir mit der derzeitigen Gesetzes- und damit Rechtslage weiter leben (müssen). Was macht die Vorsatzanfechtung „gefährlich“?
Das bedeutet im Ergebnis, dass Sie einem Anfechtungsrisiko ausgesetzt sind, wenn Sie von einem Kunden eine Leistung erhalten und zu diesem Zeitpunkt seine Zahlungsunfähigkeit kennen. Diese Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit muss der Insolvenzverwalter beweisen. Hierfür gibt es gesetzliche Vermutungen. Wenn Sie Aspekte kennen, aufgrund derer auf eine Zahlungsunfähigkeit geschlossen werden kann, kennen Sie nach diesen gesetzlichen Vermutungen auch die Zahlungsunfähigkeit. Derartige Aspekte sind beispielsweise: Ihre erfolglose Androhung mit Zwangsvollstreckungsmaßnahmen, ergebnislose außergerichtliche Mahnungen, Nichteinhaltung von Ratenzahlungsvereinbarung, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen, zurückgegebene Lastschriften.
1. Bargeschäft (§ 142 InsO)
2. Ratenzahlungsvereinbarung ohne »sonstige Auffälligkeiten«
Der Leitsatz eines Urteils des Bundesgerichtshofes vom 16. April 2015 (IX ZR 6/14) lautet wie folgt: „Die Bitte des Schuldners auf Abschluss einer Ratenzahlungsvereinbarung ist, wenn sie sich im Rahmen der Gepflogenheiten des Geschäftsverkehrs hält, als solche kein Indiz für eine Zahlungseinstellung oder Zahlungsunfähigkeit des Schuldners.“
Diese neuere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zeigt, dass einer Ratenzahlungsvereinbarung also nicht „per se“ gefährlich ist. Das Risiko der Vorsatzanfechtung besteht vielmehr, wenn daneben Indizien existieren, aufgrund derer ein Insolvenzverwalter auf die Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit bei beiden Beteiligten schließen kann. Dies sind die bereits erwähnten Indizien, wie z. B. zahlreiche erfolglose Mahnungen, zurückgegebene Lastschriften, Drohungen mit Zwangsvollstreckungsmaßnahmen.
3. Liquiditätsauskunft des Kunden
Wie bei jedem zur Diskussion stehenden Thema gibt es nicht nur eine Schwarz- oder Weiß-Bewertung, sondern die Wahrheit liegt meist in der Mitte. Diese Wahrheit ist im vorliegenden Fall: Wenn Sie eine Ratenzahlungsvereinbarung mit einem Kunden schließen und damit bereits eine Leistung erbracht haben, auf die Sie nunmehr ratierlich Zahlungen erhalten, sind Sie Kreditgeber Ihres Kunden.
Und an dieser Stelle sollte man sich auch wie ein Kreditgeber und damit wie eine Bank verhalten und dies bedeutet wiederum: Wer nicht kreditwürdig ist, bekommt keinen Kredit. Um diese Kreditwürdigkeit zu kennen, muss man in dem erforderlichen Maße einen Einblick in die wirtschaftliche Situation seines Kunden (= Kreditnehmer) bekommen. Dies kann u. a. dadurch geschehen, dass Sie die Kunden im Zuge von Ratenzahlungsvereinbarungen um eine von Ihnen formularmäßig vorbereitete Liquiditätsauskunft bitten. Wenn das Ergebnis dieser Liquiditätsauskunft positiv ist, haben Sie keine Kenntnis von einer Zahlungsunfähigkeit Ihres Kunden und damit ein erhebliches Argument, wenn sich später bei Ihnen ein Insolvenzverwalter dieses Kunden mit einem Anfechtungsschreiben meldet. Wenn ein Kunde, nachdem er eine positive Liquiditätsauskunft erteilt hat, aber mit seinen Ratenzahlungen in Verzug gerät, ist die in der Vergangenheit erteilte Liquiditätsauskunft wiederum nur Makulatur. Entweder stimmten die damaligen Zahlen nicht oder die wirtschaftliche Lage Ihres Kunden hat sich wiederum geändert. In diesem Fall können Sie sich auf die damalig erteilte positive Auskunft aufgrund der neuen dieser Auskunft widersprechenden Kenntnisse nicht mehr berufen.
Diesem Risiko kann man aber durch entsprechende Handlungs- und Gestaltungsoptionen vorbeugen und einige sind vorstehend erwähnt. Wenn Sie hierzu weitere Fragen haben oder derartige Maßnahmen zur Minimierung des Risikos der Vorsatzanfechtung in Ihrem Unternehmen installieren möchten, stehe ich Ihnen hierfür gerne zur Verfügung: Entweder telefonisch über meine Mitarbeiterin Frau Kalem (0241/94621-138) oder per E-Mail unter lange@daniel-hagelskamp.de.
https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2017/08/carsten-lange.jpg 305 378 Carsten Lange https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2018/02/dhk-logo-de-300.png Carsten Lange2015-10-28 13:32:422018-01-16 09:46:53Ratenzahlungsvereinbarungen mit Kunden: Die Gefahr der Vorsatzanfechtung sitzt mit am Tisch
Verbraucherinsolvenz- oder Regelinsolvenz-Verfahren für GmbH-Geschäftsführer?
Standpunkte 14. September 2015 /von Carsten Lange
https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2017/08/carsten-lange.jpg 305 378 Carsten Lange https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2018/02/dhk-logo-de-300.png Carsten Lange2015-09-14 13:52:002018-01-16 09:50:24Verbraucherinsolvenz- oder Regelinsolvenz-Verfahren für GmbH-Geschäftsführer?
Liquidieren oder Insolvenzantrag – Vorteile und Nachteile
Standpunkte 7. Juli 2015 /von Carsten Lange
Die Gretchenfrage des Geschäftsführers einer mittelständischen GmbH: Liquidieren oder Insolvenzantrag – was ist für mich persönlich finanziell günstiger?
Zwischen „inhabergeführten“ GmbHs und Firmen mit Fremdgeschäftsführung gibt es einen wesentlichen Unterschied: Der Geschäftsführer einer GmbH, der zugleich Mitgesellschafter ist, ist einem deutlich höheren Zahlungsrisiko in der Insolvenz ausgesetzt.
Von Vorteil – auch im Rahmen der noch möglichen Gestaltung und Einflussnahme – kann es daher sein, sich bereits weit vor der wirtschaftlichen Krise als GmbH-Geschäftsführer darüber Gedanken zu machen, welche finanziellen Folgen eine Insolvenz der Firma für einen persönlich haben kann.
Mit diesem Text möchte ich Ihnen keine detaillierte Erläuterung von Haftungsgefahren geben, sondern nur einen ersten Anhaltspunkt für die finanziellen Fettnäpfchen, in die man als Geschäftsführer einer GmbH, bei der man Gesellschafter oder Mitgesellschafter ist, im Zuge der Insolvenz geraten kann.
Es wird, wenn man diese finanziellen Verpflichtungen zusammenaddiert, möglicherweise festzustellen sein, dass eine Liquidation die günstigere Alternative ist. Der Knackpunkt einer Liquidation liegt immer darin, dass die Dauerschuldverhältnisse (und hierbei zumeist Miete und Arbeitsverhältnisse) mit längeren Kündigungsfristen verbunden sind und demzufolge länger andauernde finanzielle Zahlungsverpflichtungen mit sich bringen. Wenn man aber bereits zu Beginn einer wirtschaftlichen Krise weiß, dass die Liquidation eine mögliche Alternative ist, kann man sich in diese Richtung hin bewegen und
früh Kündigungen aussprechen
oder sich um eine Reduzierung der Zahlungsverpflichtungen dergestalt bemühen, dass der Vermieter früh angesprochen oder Untermietverhältnisse frühzeitig gesucht werden.
Wie auch in vielen anderen Lebenslagen gilt: Eine frühzeitige Analyse und Planung erweitert die Handlungsmöglichkeiten.
Was sind nun die wesentlichen finanziellen Verpflichtungen, die einen Geschäftsführer einer GmbH, der zugleich Gesellschafter ist, treffen können?
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle drei wesentliche Gründe für eine Zahlungspflicht benennen. Dabei setze ich voraus, dass der Insolvenzantrag rechtzeitig gestellt wird und damit die finanziellen Folgen einer Schadensersatzpflicht wegen Insolvenzverschleppung keine Rolle spielen. Auf der anderen Seite kann diese Auflistung nicht vollständig sein, sondern benennt drei wichtige Einzelaspekte:
1. Bürgschaften und weitere privat gegebene Sicherheiten
An erster Stelle und für niemanden überraschend ist der Aspekt zu benennen, dass im Falle einer Insolvenz die Gläubiger ihre Befriedigung durch Inanspruchnahme der Sicherheiten suchen werden. Hierbei an erster Stelle zu benennen sind die Banken. Die Kreditinstitute sind dabei frei in der Wahl, welche Sicherheiten sie in welcher Reihenfolge und welcher Höhe ziehen. Einzustellen in die Liste der finanziellen Verpflichtungen ist daher – unabhängig von der Frage, ob man als Geschäftsführer und/oder Gesellschafter fungiert – diese Verpflichtung aus privat gegebenen Sicherheiten.
2. Die Anfechtung nach § 135 InsO: ein wesentlicher Aspekt bei der Auflistung der Zahlungspflichten
Es gibt zwei Tatbestände, die durch den § 135 InsO zu einer Zahlungspflicht für den geschäftsführenden Gesellschafter einer GmbH führen. Diese Zahlungspflichten gelten nicht für Beteiligungen von 10 % oder weniger am Haftkapital. Zumeist spielt diese Grenze keine Rolle, da die Beteiligungsquoten höher liegen.
a) Rückführung von Gesellschafterdarlehen
Jede Rückzahlung auf Gesellschafterdarlehen – sei es Tilgung oder Zinszahlung –, die im Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag durch die Firma (nachfolgend Insolvenzschuldnerin) an den Gesellschafter erfolgt, wird der Insolvenzverwalter zurückfordern. Das gefährliche an dieser Norm ist, dass sie auf einen Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag abstellt und damit die Frage, wie es der späteren insolventen Firma zwölf Monate vor dem Insolvenzantrag wirtschaftlich ging, ohne jedwede Relevanz ist. Selbst wenn durch den Umstand, dass das Geschäftsgebäude sechs Monate vor dem Insolvenzantrag abgebrannt ist, die wirtschaftliche Krise ausgelöst wurde, können die Rückzahlungen auf Gesellschafterdarlehen bis zu einem Zeitraum von zwölf Monaten angefochten und damit an die Insolvenzmasse gefordert werden.
Damit gelten zwei Faustformeln:
Gesellschafterdarlehen sind ein risikoreiches Finanzierungsinstrument für die Gesellschafter und sollten daher nach Möglichkeit vermieden werden,
wobei besonders vermieden werden sollte, kurzfristig Gesellschafterdarlehen zu gewähren und sich dann wieder zurückzahlen zu lassen. Aufgrund dessen kann es in dem Zeitraum von zwölf Monaten zu mehreren Tatbeständen der Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen kommen und damit die Zahlungspflicht im Falle der Insolvenz erheblich erhöht werden.
b) Gesellschafter gewähren eine Sicherheit für Bankdarlehen der GmbH
Die Forderung der Banken auf Erhalt von Sicherheiten nicht nur von der Firma, sondern aus dem Gesellschafterkreis, ist bekannt und üblich. „Wenn Sie hinter der Firma und Ihren Planungen stehen, werden Sie sicherlich kein Problem haben, hierfür auch private Sicherheiten zu gewähren. Ansonsten können wir nicht glaubhaft annehmen, dass Sie sich mit Ihrer Firma indentifizieren.“ Aus Sicht der Bank ist dies eine zumindest nachvollziehbare Denkweise.
Für den geschäftsführenden Gesellschafter ist eine dieser Aufforderung nachkommende Sicherheitenstellung im Falle der Insolvenz mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden.
Ein praktischer Fall als Beispiel hierfür: Die Bank stellt einen Kontokorrentkredit an eine GmbH in Höhe von 100.000,00 € zur Verfügung. Abgesichert wird dieser Kontokorrentkredit durch eine Sicherungsabtretung (Globalzession) aller Forderungen der GmbH und zugleich durch eine Bürgschaft des geschäftsführenden Gesellschafters in Höhe von 100.000,00 €. Fällt die GmbH in die Insolvenz, kündigt die Bank den Kontokorrentkredit und wird zugleich beim Insolvenzverwalter ihre Absonderungsrechte am Forderungsbestand (d.h. aus der Globalzession) geltend machen und den Gesellschafter aus der Bürgschaft in Anspruch nehmen. Fließen aus dem Forderungseingang nach der Insolvenzeröffnung und im letzten Jahr vor der Insolvenzeröffnung 60.000,00 € an die Bank (infolge der Globalzession), so hat sich die Bürgschaftsverpflichtung des geschäftsführenden Gesellschafters um 60.000,00 € verringert.
Damit wird die Bank diesen Bürgen nur noch in Höhe von 40.000,00 € in Anspruch nehmen. Wenn der bürgende geschäftsführende Gesellschafter sich nunmehr freut, dass er keine private Zahlungsverpflichtung mehr über 60.000,00 € hat, so irrt er.
Aufgrund der Regelung in § 135 Abs. 2 InsO wird er vom Insolvenzverwalter in Höhe von 60.000,00 € zur Zahlung in Anspruch genommen werden. Denn er hat entsprechend dem Regelungsgehalt von § 135 Abs. 2 InsO
einem Dritten (hier einer Bank) eine Sicherheit gewährt,
wobei die Bank aufgrund dessen der Insolvenzschuldnerin (der GmbH) einen Kredit gewährt hat
und dieser Kredit ist aus Firmenvermögen (hier dem Forderungsbestand) zurückgeführt worden und hat zu einer Verringerung der Zahlungsverpflichtung des Gesellschafters aus der Bürgschaft geführt.
Dies ist der Tatbestand, der zu einer Zahlungspflicht des geschäftsführenden Gesellschafters einer GmbH führt, der zugleich für Firmenkredite private Sicherheiten gegeben hat.
Was kann man daraus für eine Handlungsmaxime ziehen? Die Hoffnung, durch parallel gegebene Firmen Sicherheiten aus der privaten Sicherheit frei zu werden, ist ein Trugschluss. Die einzige diese Zahlungspflicht nach § 135 Abs. 2 InsO vermeidende Handlungsmöglichkeit ist es, in Kreditverhandlungen mit Banken Letzteren anzubieten, anstelle des Konglomerates von privaten- und Firmensicherheiten eher mehr Firmensicherheiten zu geben, um keine Privatsicherheiten zu geben. Dass das schwierig ist, dürfte unbestritten sein. Es ist jedoch die einzige Möglichkeit, die vorgenannte Anfechtungsmöglichkeit und damit Zahlung im Falle einer Insolvenz zu vermeiden.
Liquidation kann günstiger sein
Wenn Sie als geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH diesen „Kassensturz für den Fall eines Insolvenzantrages“ machen, so sind Sie in Ihrer Erkenntnis bereits einen Schritt weiter. Sodann ist diese Berechnung auch für den Fall der Liquidation vorzunehmen. Wie bereits vorstehend erwähnt, sind bei der Liquidation die Zahlungspflichten bis zum Auslauf der Kündigungsfristen der Dauerschuldverhältnisse zu berücksichtigen. Dies löst bei einer Liquidation erhebliche Kosten aus. Auf der anderen Seite gibt es bei einer Liquidation aber nicht die Anfechtung nach § 135 InsO. Eine wesentliche Ursache für Zahlungspflichten aus dem Gesellschafterkreis fällt damit bei einer Liquidation weg.
Dies kann eine Liquidation im Vergleich zu einer Insolvenz für die Gesellschafterseite finanziell günstiger machen.
Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, melden sich gerne unter lange@daniel-hagelskamp.de oder telefonisch über meine Mitarbeiterin, Frau Kalem, unter der Tel.-Nr. 0241/4194621–138.
https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2017/08/carsten-lange.jpg 305 378 Carsten Lange https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2018/02/dhk-logo-de-300.png Carsten Lange2015-07-07 13:34:132018-01-17 11:00:31Liquidieren oder Insolvenzantrag – Vorteile und Nachteile
https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2017/08/Imfeld.jpg 305 378 Guido Imfeld https://www.daniel-hagelskamp.de/wp-content/uploads/2018/02/dhk-logo-de-300.png Guido Imfeld2013-08-05 13:51:492018-01-17 11:40:26Mitarbeiterbeteiligungen nach Mitarbeiter- und Managermodell

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