Source: http://www.hensche.de/TV-Aerzte-VKA_Anrechnung_von_Vordienstzeiten_als_Oberarzt_BAG_6AZR357-09-u.html
Timestamp: 2017-11-19 10:21:58+00:00

Document:
BAG, Urteil vom 16.12.2010, 6 AZR 357/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 16.12.2010, 6 AZR 357/09
Schlagworte: Oberarzt, TV-Ärzte
Aktenzeichen: 6 AZR 357/09
Vorinstanzen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 5.08.2008, 34 Ca 16919/07
10 Sa 874/08
hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. De­zem­ber 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge so­wie den eh­ren­amt-
li­chen Rich­ter Klap­proth und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Jer­chel für Recht er­kannt:
Die Be­klag­te ist ein städti­sches Kli­ni­kum. Der 1947 ge­bo­re­ne Kläger ist seit dem 1. Fe­bru­ar 1986 auf­grund ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­trags vom 17. De­zem­ber 1985 bei der Be­klag­ten bzw. ih­rer Rechts­vorgänge­rin im Teil­be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie der Ab­tei­lung Rönt­gen­dia­gnos­tik und Nu­kle­ar­me­di­zin im Kli­ni­kum B als Ober­arzt beschäftigt. Er verfügt über die Wei­ter­bil­dungs­be­rech­ti­gung im Be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie und ist Mit­glied im Prüfungs­aus­schuss der Baye­ri­schen Lan­desärz­te­kam­mer. Kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit fin­den seit dem 1. Au­gust 2006 die Be­stim­mun­gen des TV-Ärz­te/VKA und des Ta­rif­ver­trags zur Über­lei­tung der Ärz­tin­nen und Ärz­te an kom­mu­na­len Kran­kenhäusern in den TV-Ärz­te/VKA und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts vom 17. Au­gust 2006 (TVÜ-Ärz­te/VKA) auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung.
Im TV-Ärz­te/VKA heißt es ua.:
„Ab­schnitt III. Ein­grup­pie­rung und Ent­gelt
§ 15 All­ge­mei­ne Ein­grup­pie­rungs­re­ge­lun­gen.
(1) 1Die Ein­grup­pie­rung der Ärz­tin­nen und Ärz­te rich­tet sich nach den Tätig­keits­merk­ma­len des § 16. ...
Fachärz­tin/Fach­arzt mit ent­spre­chen­der Tätig­keit
Oberärz­tin/Ober­arzt ist die­je­ni­ge Ärz­tin/der­je­ni­ge Arzt, der/dem die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für selbstständi­ge Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung vom Ar­beit­ge­ber aus­drück­lich über­tra­gen wor­den ist.
(1) 1Die Ärz­tin/Der Arzt erhält mo­nat­lich ein Ta­bel­len­ent­gelt. 2Die Höhe be­stimmt sich nach der Ent­gelt­grup­pe, in die sie/er ein­grup­piert ist, und nach der für sie/ihn gel­ten­den Stu­fe.
Stu­fe 2: nach einjähri­ger ärzt­li­cher Tätig­keit
Stu­fe 3: nach zweijähri­ger ärzt­li­cher Tätig­keit
Stu­fe 2: nach dreijähri­ger fachärzt­li­cher Tätig­keit
Stu­fe 3: nach sechsjähri­ger fachärzt­li­cher Tätig­keit
Stu­fe 4: nach zehnjähri­ger fachärzt­li­cher Tätig­keit
(2) 1Bei der An­rech­nung von Vor­beschäfti­gun­gen wer­den in der Ent­gelt­grup­pe I Zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit an­ge­rech­net. 2Eine Tätig­keit als Ärz­tin/Arzt im Prak­ti­kum gilt als ärzt­li­che Tätig­keit. 3In der Ent­gelt­grup­pe II wer­den Zei­ten fachärzt­li­cher Tätig­keit in der Re­gel an­ge­rech­net. 4Zeiten ei­ner vor­her­ge­hen­den be­ruf­li­chen Tätig­keit können an­ge­rech­net wer­den, wenn sie für die vor­ge­se­he­ne Tätig­keit förder­lich sind.
„Ab­schnitt II. Über­lei­tungs­re­ge­lun­gen
bun­den.
Der Kläger hat ge­meint, ihm ste­he seit dem 1. Au­gust 2006 Vergütung der Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe III der An­la­ge A zum TV-Ärz­te/VKA zu. Er ha­be die Tätig­keit ei­nes Ober­arz­tes bei der Be­klag­ten be­reits seit Fe­bru­ar 1986 aus­geübt. Gemäß der Bestäti­gung des Chef­arz­tes Prof. Dr. med. H vom 21. Au­gust 2007 und der Bestäti­gung des Chef­arz­tes Prof. Dr. I vom 30. Au­gust 2006 ha­be er den Teil­be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie in der Ab­tei­lung für Rönt­gen­dia­gnos­tik und Nu­kle­ar­me­di­zin ver­ant­wort­lich be­treut. Die Be­klag­te müsse sich das Han­deln ih­rer Chefärz­te un­ter dem Ge­sichts­punkt der Dul­dungs­voll­macht zu­rech­nen las­sen. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten auf ei­ne feh­len­de aus­drück­li­che Über­tra­gung der Tätig­keit wäre rechts­miss­bräuch­lich. Die Be­klag­te ver­s­toße zu­dem ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, weil am Kli­ni­kum Ha ver­gleich­ba­re Oberärz­te nach der Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe III vergütet würden.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger die Wie­der­her­stel­lung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts, so­weit die­ses der Kla­ge für die Zeit vom 1. Au­gust 2006 bis zum 31. Ju­li 2009 statt­ge­ge­ben hat. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­si­on des Klägers zurück­zu­wei­sen.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass nach dem Wort­laut des § 19 Abs. 1 TV-Ärz­te/VKA die er­for­der­li­che Zeit für das
Er­rei­chen der nächs­ten Stu­fe in­ner­halb der­sel­ben Ent­gelt­grup­pe grundsätz­lich nicht vor der Ein­grup­pie­rung in die­se Ent­gelt­grup­pe zu lau­fen be­ginnt. Dies wird aus der For­mu­lie­rung in die­ser Vor­schrift „Ärz­tin­nen und Ärz­te er­rei­chen die je­weils nächs­te Stu­fe ... nach den Zei­ten ei­ner Tätig­keit in­ner­halb der­sel­ben Ent­gelt­grup­pe bei ih­rem Ar­beit­ge­ber (Stu­fen­lauf­zeit) ...“ deut­lich.
Ent­schei­dung die Gren­zen ih­rer au­to­no­men Re­ge­lungs­macht nicht über­schrit­ten ha­ben.
füllen, kei­nen aus­rei­chen­den Nie­der­schlag ge­fun­den. Bei nicht ein­deu­ti­gem Ta­rif­wort­laut ist nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. 22. April 2010 - 6 AZR 962/08 - Rn. 17 mwN, EzTöD 300 TVÜ-Bund § 12 Nr. 1) der wirk­li­che Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei der Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils ei­nes Ta­rif­ver­trags zwar mit zu berück­sich­ti­gen, aber nur, so­weit er in den ta­rif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat.
b) Be­reits aus die­sem Grund trägt das Ar­gu­ment des Klägers nicht, die je­wei­li­ge Ent­gelt­grup­pe sei in § 16 TV-Ärz­te/VKA nicht abs­trakt, son­dern kon­kret aus­ge­stal­tet, es kom­me des­halb nicht dar­auf an, ob es die Ent­gelt-
grup­pe schon ge­ge­ben ha­be, son­dern nur dar­auf, ob er be­reits vor dem In­kraft­tre­ten des TV-Ärz­te/VKA ei­ne min­des­tens dreijähri­ge oberärzt­li­che Tätig­keit aus­geübt ha­be. Ge­gen die Rechts­auf­fas­sung des Klägers spricht im Übri­gen die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in § 19 Abs. 2 ge­trof­fe­ne Re­ge­lung zur An­rech­nung von Vor­beschäfti­gun­gen auf die Stu­fen­lauf­zeit. Müss­ten vor dem 1. Au­gust 2006 bei dem­sel­ben oder ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber zurück­ge­leg­te Zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit schon nach § 19 Abs. 1 TV-Ärz­te/VKA auf die Stu­fen­lauf­zei­ten der Ent­gelt­grup­pe I (§ 19 Abs. 1 Buchst. a TV-Ärz­te/VKA) an­ge­rech­net wer­den, wäre die Re­ge­lung in § 19 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te/VKA überflüssig. In der Ent­gelt­grup­pe II müss­ten Zei­ten fachärzt­li­cher Tätig­keit bei der Stu­fen­lauf­zeit berück­sich­tigt und nicht nur in der Re­gel an­ge­rech­net wer­den, wie dies § 19 Abs. 2 Satz 3 TV-Ärz­te/VKA an­ord­net.
zur Übersicht 6 AZR 357/09

References: § 15
 § 16
 § 19
 § 12
 § 16
 § 19
 § 19
 § 19
 § 19