Source: https://www.ebnerstolz.de/de/rueckzahlungspflicht-der-stillen-gesellschafter-an-den-geschaeftsinhaber-100999.html
Timestamp: 2019-05-24 18:00:34+00:00

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Rückzahlungspflicht der stillen Gesellschafter an den Geschäftsinhaber - Ebner Stolz
Der Beklagte hatte sich mit Bei­tritt­s­er­klär­ung vom 9.12.2002 an der A-AG, deren Rechts­nach­fol­ge­rin die Beklagte, eine GmbH & Co. KG, ist, betei­ligt. Hierzu wählte er das Betei­li­gung­s­pro­gramm "Clas­sic" mit einer Ein­ma­l­ein­lage i.H.v. 20.000 € zzgl. eines Agios; beide Beträge hatte er in vol­lem Umfang ein­ge­zahlt. Der aty­pisch stille Gesell­schafts­ver­trag ent­hielt u.a. die Rege­lun­gen §§ 9, 16 GV. Danach seien die stil­len Gesell­schaf­ter verpf­lich­tet, die Schul­den des Geschäfts­in­ha­bers, soweit sie auf das Unter­neh­men ent­fie­len, an dem sie betei­ligt sind, mög­lichst aus­zu­g­lei­chen. Alle stil­len Gesell­schaf­ter soll­ten dem­nach dem Geschäfts­herrn die Schul­den­til­gung durch die Rück­zah­lung der Gel­der ermög­li­chen, die sie nicht als Gewinn erhiel­ten.
In den Jah­ren 2003 bis 2005 erhielt der Beklagte ver­trags­ge­mäß gewin­n­un­ab­hän­gige Aus­schüt­tun­gen i.H.v. 4.166 €. Am 11.12.2009 besch­los­sen die stil­len Gesell­schaf­ter im Umlauf­ver­fah­ren mit der nach Gesell­schafts­ver­trag erfor­der­li­chen Mehr­heit, die stille Gesell­schaft zum 15.12.2009 zu "liqui­die­ren". Per 31.12.2009 wies das Kapi­tal­konto des Beklag­ten nach Ver­rech­nung von Gewinn­gut­schrift, Ver­lust­be­tei­li­gung, Ein­lage und Aus­schüt­tun­gen einen Nega­tiv­saldo i.H.v. 7.812 € auf, von dem die Klä­ge­rin den darin ent­hal­ten­den Aus­schüt­tungs­be­trag von 4.166 € gem. § 16 Nr. 1 d) Gesell­schafts­ver­trag gel­tend machte.
Das AG gab der Klage statt; das LG wies sie ab. Auf die Revi­sion der Klä­ge­rin hob der BGH das Beru­fung­s­ur­teil auf und wies die Beru­fung des Beklag­ten zurück.
Der Beklagte ist gem. § 9 Nr. 1 u. 2 i.V.m. § 16 Nr. 1 d) GV zur Rück­zah­lung der gem. § 11 Nr. 1 GV erhal­te­nen Aus­schüt­tun­gen i.H.v. 4.166 € verpf­lich­tet.
Wird eine stille Gesell­schaft auf­ge­löst, sind die stil­len Gesell­schaf­ter zur Rück­zah­lung der ihnen zuge­f­los­se­nen gewin­n­un­ab­hän­gi­gen Aus­schüt­tun­gen an den Geschäfts­in­ha­ber verpf­lich­tet, wenn die­ser Rück­zah­lungs­an­spruch im Gesell­schafts­ver­trag gere­gelt ist. Inso­fern trug die Rege­lung in § 16 Nr. 1 d) GV betref­fend die Pflicht zur Rück­zah­lung der gewin­n­un­ab­hän­gi­gen Aus­zah­lun­gen durch­aus dem Umstand Rech­nung, dass den stil­len Gesell­schaf­tern bei der hier vor­lie­gen­den ver­trag­li­chen Kon­struk­tion das wirt­schaft­li­che Risiko des Unter­neh­mens des Geschäfts­in­ha­bers obliegt.
Für den Fall der Been­di­gung der stil­len Gesell­schaft regelt § 16 Nr. 1 d) GV näm­lich die umfas­send beste­hende Pflicht der stil­len Gesell­schaf­ter, die Schul­den des Geschäfts­in­ha­bers, soweit sie auf das Unter­neh­men ent­fal­len, an dem sie betei­ligt sind, mög­lichst aus­zu­g­lei­chen. Die stil­len Gesell­schaf­ter sol­len dem Geschäfts­herrn die Schul­den­til­gung durch die Rück­zah­lung der Gel­der ermög­li­chen, die sie nicht als Gewinn, son­dern zu Las­ten des Ver­mö­gens des Unter­neh­mens erhal­ten haben.
§ 16 Nr. 1 d) GV stellt zudem klar, dass diese Pflicht schon aus Grün­den der Gleich­be­hand­lung jeden stil­len Gesell­schaf­ter trifft, der der­ar­tige Zah­lun­gen aus dem Ver­mö­gen des Unter­neh­mens des Geschäfts­in­ha­bers erhal­ten hat unab­hän­gig davon, ob die Been­di­gung der Gesell­schaf­ter­stel­lung auf einer Kün­di­gung des Gesell­schaf­ters, sei­ner Aus­sch­lie­ßung oder auf der Auflö­sung der stil­len Gesell­schaft beruht. Ebenso ver­weist § 9 GV für jede Form des Aus­schei­dens eines stil­len Gesell­schaf­ters auf die Ein­zel­hei­ten der Berech­nung nach § 16 GV, der aus­weis­lich sei­ner Bezeich­nung das "Abfin­dungs­gut­ha­ben bei Been­di­gung der aty­pisch stil­len Gesell­schaft" regelt. Der Senat sieht keine Ver­an­las­sung, von sei­ner bis­he­ri­gen Aus­le­gung der Rege­lun­gen in §§ 9, 16 GV abzu­wei­chen (Urt. v. 8.12.2015, Az.: II ZR 333; Beschl. v. 3.2.2015, Az.: II ZR 52/14, II ZR 54/14, II ZR 77/14, II ZR 93/14, II ZR 103/14).

References: § 16
 BGH 
 § 9
 § 16
 § 11
 § 16
 § 16

§ 16
 § 9
 § 16