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Guter Anwalt - schlechter Anwalt?!?!
Dieses Thema "ᐅ Guter Anwalt - schlechter Anwalt?!?! - Arbeitsrecht" im Forum "Arbeitsrecht" wurde erstellt von Tirami-Sue, 7. Dezember 2006.
Tirami-Sue Boardneuling 07.12.2006, 15:11
Mal angenommen es tritt folgende Situion ein:
Frau A wird vom Teamleiter der Fa. B massiv gemobbt, ein anderer Kollege hat sie sexuell belästigt. Frau A leidet mittlerweile unter starken psychosomatischen Beschwerden und hat deshalb einen Anwalt zum Beratungsgespräch konsultiert:
Aussage des Anwaltes das ist 100% sicher, das geht durch, eine Abfindung zur Deckung der Anwaltskosten von max 500 EUR sei dadurch gesichert. Die Mandantin hätte ohne diese Absicherung von der Beauftragung des RA abgesehen!
Fa B hat 4 Standorte die sich nur durch einen geringen Zusatz in der Firmierung unterscheiden. Der Hauptstandort, von wo aus die Buchhaltung, Personalführung, Sitz der Inhaber der Agentur usw, ist nachstehend als Fa. P deklariert. Die Mitarbeiterin ist in Standort X beschäftigt
Der RA von Frau A macht schriftlich von §273 BGB Gebrauch mit konkretem Mobbing vorwurf. Allerdings ist dieses Schreiben zur Fa P gegangen, und die behauptet Frau A nicht zu kennen, und geht davon aus, die Dame ist MA von Standort X.
Schon klar?!?! Also das gleiche 7 Tage später noch mal zur Fa. X
Daraufhin bekommt Frau A eine Abmahnung wegen unerlaubten Fernbleibens usw.
Zufällig hat sich Frau A aber seit dem 1rsten Besuch beim RA für 1 Woche krank schreiben lassen. Diese KM ist aber bei der Fa. X angeblich nie eingegangen. Da Frau A aber Zeugen dafür hat wird auf Raten des Anwaltes Klage auf Rücknahme dieser Abmahnung eingereicht mit dem Hinweis des RA das läuft super, da wollen wie sie haben
Naja, wenn der Anwalt das sagt muß man ihm ja glauben 
Jetzt nimmt Fa. X die Abmahnung vor dem Gütetermin zurück. Davon weiß die Anwälte von Frau A leider nichts, da das Gericht keine Info gegeben hat und nimmt den Termin nun war.
Die RA einigten sich nun tel. außergerichtlich vor ca. 2 Wochen auf Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 31.12.06, Abfindung 1.500 und Freistellung bis dahin von Dienst.
Frau A bekommt aber am 01.12 kein Gehalt, bei Nachfrage Fa. P durch Anweisung des Standortleiters der Fa. X.
Die Anwältin erreicht nun den gegnerischen RA seit mehrerern Tagen nicht, so dass die Mandantin aus finanziellen Gründen gezwungen ist, den Anwalt der Gegenseite selber zu konsultieren. Nun kommt heraus: Der Vergleich ist doch nicht zustande gekommen, da der Inhaber der beiden Standorte durch seine schlechten Launen den Vergleich im Wahn widerrufen hat.
Die RA der Frau A soll nun erneut die Mobbingsvorwürfe in einen kleinen 3zeiler zusammen fassen. Was aber in dem Schreiben in Verbindung mit §273 BGB schon geschehen ist.
Zwischenzeitlich sollte Mandantin statt 500 EUR ca. 1.300 EUR Gebühren zahlen.. Nach langem hin und her sagte der RA dann er habe sich wohl in der Tabelle verguckt, also zählen die besprochenen 500 EUR
Mandantin ist sehr unzufrieden mit der Arbeit ihres RA.. und überlegt das Mandant zu beenden und selber eine Zahlungsklage wegen ausstehendem Gehalt zu fertigen.
Laut §273 ist sie von der Arbeit befreit. Die Gegenseite ist nur in der Rücknahme der Klage mit dem Inhalt ist alles nicht wahr auf die Mobbingvorwürfe eingegangen. Mehr nicht!
Frau A ist der Überzeugung, dass laut §273 Lohn gezahlt werden muß. Auch ist sie der Meinung, dass ihr durch Einschaltung des Anwaltes bisher nur Nachteile entstanden sind.
Das hätte sie als RENO auch selber gekonnt!!
Remby V.I.P. 07.12.2006, 16:30
AW: Guter Anwalt - schlechter Anwalt?!?!
§ 273 BGB beschreibt das Zurückbehaltungsrecht. Dies ist sicher kein Grund für einen Arbeitnehmer, wegen Mobbing zuhause zu bleiben.
Alles in allem ist der Fall sehr unklar.
Monodome V.I.P. 07.12.2006, 18:30
Ich würde den Fall an einen anderen RA (ggf. Fachanwalt für Arbeitsrecht) abgeben
Tirami-Sue Boardneuling 07.12.2006, 19:52
"Das Fernbleiben eines Arbeitnehmers vom Dienst kann insgesamt dann gerechtfertigt sein, wenn der Arbeitnehmer sich auf ein Zurückbehaltungsrecht bezüglich der Arbeitsleistung gem. § 273 BGB wegen einer Fürsorgepflichtverletzung des Arbeitgebers berufen kann (BAG, AP Nr. 3, 4 und 5 zu § 273 BGB; Arbeitsgericht Wiesbaden, NZA 90, 275) oder es dem Arbeitnehmer aus sonstigen Gründen, etwa wegen einer akuten Gefährdung von Leib und Leben, unzumutbar ist, seine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. dazu LAG Frankfurt, NZA 86, 717; Molkentin, Das Recht auf Arbeitsverweigerung bei Gesundheitsgefährdung des Arbeitnehmers, NZA 1997, 849 ff.).
Liegt eine Fürsorgepflichtverletzung des Arbeitgebers vor, darf der Arbeitnehmer allerdings von seinem Zurückbehaltungsrecht erst dann Gebrauch machen, wenn er den Arbeitgeber konkret auf die Verletzungshandlung hingewiesen und ihm Gelegenheit auch in zeitlicher Hinsicht eingeräumt hat, die beanstandeten Mißstände abzustellen"
Der Bezug Fürsorgepflicht und somit auch der §273 BGB kann in dem Fall auf Mobbing/sexuelle Belästigung angewandt werden. Ist auch in Bezug auf Mobbing "gegoogelt" worden
Bitte keine Klagen wegen Uhrherberrecht etc.
Tirami-Sue Boardneuling 07.12.2006, 19:58
LaLaBerlin: Ja, das gebe ich -wo die erste Aufregung verflogen ist- nun auch kleinlaut zu. Mit dem derzeitigen Kenntnisstand, den ich aber auch nur durch meinen Ra (ist auch FA für AR ) und intensiven googlens erlangt habe, könnte ich es wohl. Aber im Grund hast Du Recht!
Thema Kostenschätzung: Er sagt ja er hätte sich wohl "verguckt" ?!?! -Ist aber auch ein sehr netter Anwalt, der nur das Beratungsgespräch geführt hat, den Rest hat wohl seine Kollegin "verzapft" , viell. hat er es ja mit Absicht gemacht, wir hatte ein sehr nettes Gespräch.. Nein, ihr denkt was falsches

References: §273
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