Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=03.06.2014&Aktenzeichen=XI%20ZR%20147%2F12
Timestamp: 2019-03-26 23:33:44+00:00

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BGH, 03.06.2014 - XI ZR 147/12 - dejure.org
§ 276 BGB, § 280 BGB, Art 5 Abs 2 HonAnlBerG, Art 5 Abs 4 HonAnlBerG, § 31 Abs 4b WpHG vom 15.07.2014
Bankenhaftung bei Kapitalanlageberatung: Stichtagsregelung hinsichtlich der Aufklärungspflicht über versteckte Innenprovisionen
Fehlerhafte Anlageberatung einer Bank bei fehlender Aufklärung über Rückvergütung aus offen ausgewiesenen Vertriebsprovisionen
Aufklärungspflicht der beratenden Bank über alle Innenprovisionen ab 1.8.2014
Aufklärung über den Empfang versteckter Innenprovisionen von Seiten Dritter durch beratende Bank.
Aufklärungspflicht der Bank über verdeckte Innenprovision; Anlageberatung; Kick-back-Zahlung
Zur Aufklärungspflicht der Bank über den Empfang versteckter Innenprovisionen von Seiten Dritter in Anlageberatungsverträgen ab dem 1. August 2014
BGB § 254; BGB § 276 Abs. 1 S. 1; WpHG § 31d
Versteckte Innenprovisionen - und die Aufklärungspflicht der Bank
Aufklärungspflicht der beratenden Bank über Empfang versteckter Vertriebsprovisionen von Seiten Dritter
Aufklärungspflicht über versteckte Innenprovisionen bei Anlageberatungsverträgen
Anlageberatungsverträge ab 1.8.2014 - Aufklärungspflicht der Bank über versteckte Innenprovisionen von Seiten Dritter
Aufklärungspflicht über versteckte Innenprovisionen bei Anlageberatungsverträgen -
Anlageberatung durch Bank - Zur Aufklärungspflicht über den Empfang versteckter Innenprovisionen
Ab 01.08.2014 müssen Banken über Innenprovisionen aufklären
Banken müssen über Innenprovisionen aufklären
Banken müssen seit 1. August auch über Innenprovisionen aufklären
Banken müssen in Zukunft auch über verdeckte Innenprovisionen aufklären
Beratungskunden gestärkt: Banken müssen auch über versteckte Innenprovisionen aufklären
Banken zur Offenheit verpflichtet - Provisionen
Ab 01.08.2014 muss jede Bank über sämtliche erhaltene Provisionen aufklären
Aufklärung über Innenprovisionen
Aufklärungspflicht der beratenden Bank über alle Innenprovisionen ab 1. 8. 2014
Aufklärungspflicht der Bank über den Empfang versteckter Innenprovisionen von Seiten Dritter in Anlageberatungsverträgen ab dem 1.8.2014
Zur Aufklärungspflicht von Banken über versteckte Innenprovision
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 03.06.2014, Az.: XI ZR 147/12 (Anlageberatungsverträge ab 1.8.2014 - Aufklärungspflicht der Bank über versteckte Innenprovisionen von Seiten Dritter)" von RA/FASteuerR Dr. Michael Zoller, original erschienen in: BB 2014, 1802 - 1805.
Kurznachricht zu "Aufklärung über Innenprovisionen, unvermeidbarer Rechtsirrtum und die Überlagerung durch Aufsichtsrecht - Zugleich Besprechung von BGH vom 3.6.2014 = WM 2014, 1382 -" von Prof. Dr. Petra Buck-Heeb, original erschienen in: WM 2014, 1601 - 1605.
LG Hamburg, 03.07.2009 - 302 O 359/06
LG Hamburg, 25.08.2009 - 302 O 359/06
BGHZ 201, 310
ZIP 2014, 1418
MDR 2014, 1161
NZM 2014, 799
NJ 2014, 386
WM 2014, 1382
BB 2014, 1802
DB 2014, 1610
NZG 2014, 1061
Diese beiden Fallgruppen hat der Senat im Urteil vom 3. Juni 2014 (XI ZR 147/12, BGHZ 201, 310 Rn. 38) mit Wirkung ab dem 1. August 2014 zusammengefasst und auf alle Provisionszuflüsse, die die beratende Bank von einem Dritten erhält, erweitert, gleich ob sie offen ausgewiesen oder im Anlagebetrag versteckt sind.
Zwar trifft es zu, dass bei dem Anleger, wenn ein offen ausgewiesener Ausgabeaufschlag betroffen ist, insoweit keine Fehlvorstellung hinsichtlich der Werthaltigkeit des Anlagebetrags entstehen kann (BGH, Urteil vom 3. Juni 2014 - XI ZR 147/12, WM 2014, 1382 Rn. 17).
Er handelt schuldhaft, wenn er mit der Möglichkeit rechnen muss, dass das zuständige Gericht einen anderen Rechtsstandpunkt einnehmen wird (vgl. BGH, Beschlüsse vom 21. Dezember 1995 - V ZB 4/94, BGHZ 131, 346, 353 f. mwN…, vom 29. Juni 2010 - XI ZR 308/09, WM 2010, 1694 Rn. 3 …und vom 19. Juli 2011 - XI ZR 191/10, WM 2011, 1506 Rn. 12; Senatsurteil vom 3. Juni 2014 - XI ZR 147/12, juris Rn. 24, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Ein unverschuldeter Rechtsirrtum ist vielmehr in Fällen anzunehmen, in denen die Rechtslage besonders zweifelhaft und schwierig ist und sich eine einheitliche Rechtsprechung noch nicht gebildet hat (BGH, Urteile vom 1. Oktober 1970 - VII ZR 171/68, WM 1970, 1513, 1514, vom 27. September 1989 - IVa ZR 156/88, NJW-RR 1990, 160, 161…, vom 6. Dezember 2006 - IV ZR 34/05, NJW-RR 2007, 382 Rn. 15…, vom 18. Januar 2011 - XI ZR 356/09, WM 2011, 451 Rn. 31 f. und vom 3. Juni 2014 - XI ZR 147/12, juris Rn. 25, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Das kann sogar dann gelten, wenn der Schuldner bereits in zwei Tatsacheninstanzen unterlegen war (BGH, Urteile vom 18. Mai 1955 - I ZR 8/54, BGHZ 17, 266, 295, vom 19. September 1984 - IVa ZR 67/83, VersR 1984, 1137, 1139 und vom 3. Juni 2014 - XI ZR 147/12, juris Rn. 25, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Nichts anderes ergibt sich aus dem Senatsurteil vom 3. Juni 2014 (XI ZR 147/12, juris, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt) zum Vorliegen eines unvermeidbaren Rechtsirrtums im Falle einer - dort unterstellten - Aufklärungspflicht über versteckte Innenprovisionen.
a) Der Informationspflichtige kann dem Geschädigten grundsätzlich nicht nach § 254 Abs. 1 BGB entgegenhalten, er sei für die Entstehung des Schadens mitverantwortlich; die gegenteilige Annahme stünde im Gegensatz zum Grundgedanken der Aufklärungs- und Beratungspflicht, nach dem der Anleger regelmäßig auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der ihm erteilten Beratung vertrauen darf (st. Rspr., vgl. z. B. BGH Urteil vom 3. Juni 2014, Az.: XI ZR 147/12, abgedruckt in BGHZ 201, 310).
Eine Ausnahme von diesem Grundsatz macht die Rechtsprechung lediglich dann, wenn ein Zeuge über innere Vorgänge bei einer anderen Person vernommen werden soll, die der direkten Wahrnehmung durch den Zeugen naturgemäß entzogen sind (BGH…, Urteil vom 8. Mai 2012 - XI ZR 262/10, BGHZ 193, 159 Rn. 44 mwN; vom 3. Juni 2014 - XI ZR 147/12, WM 2014, 1382 Rn. 43).
Deshalb kommt im Falle eines Schadensersatzanspruchs wegen der (vorsätzlichen oder fahrlässigen) Verletzung von Aufklärungs- und Beratungspflichten der Einwand des Mitverschuldens nur unter besonderen Umständen zum Tragen, weil sich der Anleger regelmäßig auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der ihm erteilten Aufklärung und Beratung verlassen darf; alles andere widerspräche dem Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB), der in § 254 BGB lediglich eine besondere Ausprägung erhalten hat (vgl. BGH, Urteile vom 14. März 2003 - V ZR 308/02, NJW 2003, 1811, 1814 und vom 13. Januar 2004 - XI ZR 355/02, NJW 2004, 1868, 1870;… Senatsurteil vom 8. Juli 2010 - III ZR 249/09, BGHZ 186, 152 Rn. 21 sowie BGH, Urteil vom 3. Juni 2014 - XI ZR 147/12, NZG 2014, 1061 Rn. 46 jeweils mwN).
(1) Für die Annahme eines Rechtsirrtums über das Bestehen einer Aufklärungspflicht kommt es entscheidend auf den Stand der höchstrichterlichen und obergerichtlichen Rechtsprechung im Zeitpunkt der an sich geschuldeten Aufklärung an (BGH, Urteil vom 3.6.2014, XI ZR 147/12, Rn. 24, zitiert nach juris).
Der Anleger muss über (interne) Vertriebskosten, die der Kapitalanlage nicht zugutekommen, jedenfalls dann generell unterrichtet werden, wenn dieser Abfluss 15 Prozent überschreitet, denn er muss nicht ohne weiteres mit internen Vertriebskosten in dieser Größenordnung rechnen (…BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 - III ZR 359/02, juris-Rn. 22;… Urt. vom 18. April 2013 - III ZR 252/12, Rn. 15; ausdrücklich offen gelassen in BGH v. 3. Juni 2014, XI ZR 147/12, Rz. 22).
Hintergrund dieser Rechtsprechung ist der Umstand, dass der Anleger nicht damit rechnet, dass in dem "Gesamtaufwand" (Preis) der Anlage so außergewöhnliche Gewinnspannen für den Veräußerer oder Vergütungen für den Vertreiber stecken, die die Werthaltigkeit und Rentabilität der Anlage von vornherein in Frage stellen können (BGH…, Urteil vom 12. Februar 2004, aaO, juris-Rn. 36; ausdrücklich offen gelassen in BGH v. 3. Juni 2014, XI ZR 147/12, Rz. 22).
Dass bei dieser Sachlage jedenfalls eine vorsätzliche Pflichtverletzung der Bekl. ausscheidet, ergibt sich auch aus den Erwägungen, mit denen der BGH in seinem Urteil vom 03.06.2014 (BGHZ 201, 310 = NJW 2014, 2947) für die Zeit vor dem 1.8.2014 selbst ein fahrlässiges Verschulden der anlageberatenden Bank im Falle der Nichtaufklärung über Innenprovisionen verneint hat (OLG Hamm…, Urteil vom 21.1.2015, NJW-RR 2015, 1080, Rz. 31; OLG München, Urteil vom 27.08.2014 - 7 U 1701/13, BKR 2015, 84; ebenso Bausch, WM 2016, 247 (253) und Nobbe, WM 2016, 290).
Die Entscheidung des BGH zum unvermeidbaren Rechtsirrtum über die Aufklärungspflichtigkeit von Innenprovisionen (BGH, Urteil vom 03.06.2014 - XI ZR 147/12, Tz. 24 ff.) sei auf die hiesige Konstellation übertragbar.
OLG Hamm, 21.01.2015 - 31 U 73/14

References: § 276
 § 280
 § 31
 § 254
 § 276
 § 31
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