Source: http://www.vgt.ch/news_bis2001/000926.htm
Timestamp: 2017-11-19 21:31:12+00:00

Document:
Das betäubungslose Schächten, Vortrag von Dr Hartinger
Das betäubungslose Schächten der Tiere in unserer Zeit
Vortrag von Dr. med. WERNER HARTINGER, gehalten am 08.09.2000 anlässlich einer Vortragsreihe der Tierschutzpartei in Berlin / Charlottenburg.
(Text übernommen von http://www.tierschutz-online.de/tierschutz/bgbs/hartinger-vortrag.shtml , wo weitere interessante Beiträge über das Schächten zu finden sind)
Meine Damen und Herren, verehrte Tierfreunde,
mein Referat befaßt sich mit dem kontrovers und heiß diskutierten Thema des betäubungslosen
Schlacht-Schächtens im Jahre 2000 aus juristischer, medizinischer und religiöser Sichtweise. Eigentlich wäre es gar kein Diskussions-Thema, wenn alle Beteiligten ihre Situationsbeurteilungen auf objektiver Basis erarbeiteten sowie die jeweiligen Stellungnahmen bei erforderlicher Kompetenz immer auf dem Boden unserer Gesetzgebung und mit dem Wunsche einer Klärung der Widersprüche
erfolgen würden.
Das ist nicht regelmäßig der Fall. Zu oft machen unzutreffende und zweckgerichtete Darstellungen
und Auslegungen des als "Religionsgesetz" interpretierten Tötungsverfahren der fleischlichen
Nahrungsproduktion zu einem langzeitig schwelenden Zeitproblem, das ein reibungsloses und achtendes Zusammenleben von Bürgern verschiedener kultureller und religiöser Herkunft
Auf diese Weise ist ein Knäuel von Halbwahrheiten, unbelegbaren Behauptungen sowie medizinischen und juristischen Unhaltbarkeiten entstanden, der von vielen Menschen und Medien unentwirrt, völlig unkritisch und mit unausgewogener Tendenz weitergereicht wird. So entstandene Dissonanzen wurden auch von Gerichtsurteilen unterhalten, die
für die breite Öffentlichkeit eine nicht nachvollziehbare Gedankenakrobatik verlangten.
Aber nicht nur dadurch wurden die Tierschützer unberechtigterweise vielfach einer rassistischen
oder gar antisemitischen Einstellung bezichtigt, die das betäubungslose Schächten als unnötige
und tierquälerische Tötungsform bezeichneten und als erfolglos im Hinblick auf die angeführte
religiöse Begründung einer "Ausblutung" der Schlachttiere. Denn nachweislich verbleiben
immer beträchtliche Restmengen von Blut im Körper des Tieres, in den Organen, in den
Gefäßen, der Muskulatur und in den Hohlräumen, die mit dem Fleisch verzehrt werden, auch wenn
sie infolge der Speisenzubereitung als solche nicht mehr zu erkennen sind.
Doch der Tierschützer, der sich gegen die Robben-Tötungen ausspricht, ist deshalb kein
"Anti-Kanadier", der die Stierkämpfe ablehnt kein "Anti-Spanier", der das Wal-Abschlachten
verurteilt kein "Anti-Japaner", der das Gemetzel der Schafe am Kurban-Bayrami-Fest nicht
akzeptiert kein "Anti-Islamit" und derjenige, der aus Tierschutzaspekten eine Partei-Richtung nicht
akzeptabel findet kein "Anti-Politiker" sondern eben ein Tierschützer ... nicht mehr und nicht
Viele Unstimmigkeiten sind auch durch die Wortwahl mit unseriösem Gebrauch des Wortes "schächten" hervorgerufen, mit dem die eindeutige Handlung des "betäubungslosen
Schlacht-Schächten" der Tiere umschrieben und interpretiert wird, als ob diese Form des Tötens
der Mitgeschöpfe von den ursprünglichen Religionsvorschriften gefordert werden würde,
und keine Schmerzen verursachte! Es soll nun versucht werden, mit belegbaren Begründungen
etwas mehr Klarheit in das Verwirrspiel von Inkompetenz bis Zweckmäßigkeit der juristischen,
religiösen, medizinischen, physiologischen, historischen und rechthaberischen Meinungen zu
bringen, was sicher nicht ohne "Schwierigkeiten"
In unserem Land wird der Umgang mit den (Schlacht-)Tieren von zwei auf einander abgestimmten Gesetzen oder gesetzesanalogen Verordnungen geregelt. Das ist das Tierschutzgesetz und das deutsche Schlachtgesetz, das einheitlich auf Landesebene erstellt wurde. Der § 1 des TSchGes hat Grundsatz-Charakter und lautet: "Zweck des Gesetzes ist, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen!" Der § 4a schreibt vor, daß
ein warmblütiges Tier nur geschlachtet werden darf, wenn es vor Beginn des Blutentzuges betäubt wurde! Ausnahmegenehmigung zum betäubungslosen Schächten dürfen nur bei zwingender Religionsvorschrift erteilt werden und nur für Personen mit Wohnsitz im Geltungsbereich des Gesetzes. Das betäubungslose Schlachten zu Exportzwecken ist
ausdrücklich und ausnahmslos verboten.
Gleichlautend wird im Schlachtgesetz die Betäubung des Tieres vor dem Blutentzug gefordert, das Aufhängen an den Hinterläufen vor der Betäubung ist verboten und ein notwendiges Fesseln ist erst unmittelbar vor der Betäubung erlaubt.
Was eine zwingende Religionsvorschrift ist, geht aus dem abschließenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes hervor: BVerwG Urteil v. 15.6.95 3C31,93-150/95):
"Eine Ausnahme vom Verbot, warmblütige Tiere ohne Betäubung zu schächten, kann nach § 4a Abs.2 Nr.2 TSchG zum Zwecke der Nahrungsmittelversorgung nur zugelassen werden, wenn objektiv festgestellt wird, daß zwingende Religionsvorschriften einer anerkannten Religionsgemeinschaft den Genuß von Fleisch nicht geschächteter Tiere verbieten. Eine individuelle Glaubensüberzeugung oder Auslegung über das Bestehen eines solchen Verbotes reicht nicht aus! (Eingehende Besprechung dieses Urteils ist in der Arbeit Religionsfreiheit! Tierschutz/Schächten von RA`Prof.Dr.Dr.Dr.h.c.Klaus Sojka, Hamburg in der Zeitschrift Agrarrecht Nr.2/1996 zu finden.)
Der Begriff "zwingend" besagt in seiner juristischen und allgemeinen Bedeutung, daß bei Nichtbeachtung der Anweisungen mit Strafen bis zum Ausschluß aus der Religionsgemeinschaft
gerechnet werden muß. Weder aus dieser Sicht noch im Hinblick auf den noch ausstehenden
Nachweis über das Bestehen einer solchen Religionsvorschrift im rechtsverbindlichen Sinne
können die geforderten gesetzlichen Bedingungen erfüllt werden. In allen zur Diskussion stehenden
Religionsgemeinschaften ebenso wie im Christentum existiert nämlich die Anweisung, daß
beim Aufenthalt in der Fremde oder dort wohnende Mitglieder sich den jeweiligen
Eßgewohnheiten anpassen dürfen. Nicht zuletzt ist auch kein Religionsangehöriger durch
Vorschriften gezwungen Fleisch zu essen. Als weitere Begründung der Ablehnung von
Ausnahmegenehmigungen nach §4a TSchGes führt das zitierte Bundesverwaltungsgerichts-Urteil
aus, daß es in der freien Entscheidung jedes Einzelnen liege, aus Geschmacksgründen
Fleisch essen zu wollen. Eine Notwendigkeit dies zu tun, bestünde nicht, da die fleischliche
Nahrung als Genußmittel einzustufen sei. Solche fachlichen Beurteilungen und die angeführten
Ernährungsanweisungen "um den fremden Tisch" haben dazu geführt, daß in 12 verschiedenen
europäischen Ländern seit Jahrzehnten das Schächten der Schlachttiere ohne Betäubung
grundsätzlich verboten ist.
Bei Anträgen für die Genehmigung zum betäubungslosen Schächten ist jede Verwaltungsbehörde verpflichtet, auf die gesetzlichen Bestimmungen zu achten und den rechtsgültigen Nachweis über das Bestehen einer zwingenden Religionsvorschrift zu fordern. Das erfolgt nicht immer und die "Großzügigkeit" geht dabei so weit, daß zur Rechtfertigung von Ausnahmegenehmigungen sogar "geschichtliche Verpflichtungen" angeführt werden! Das teilte unter anderem der Berliner Gesundheitssenator Peter Luther (CDU) mit, wie die SZ am 16. Januar 1996 berichtete. Damit wird eindeutig gegen die Amtsermittlungspflicht verstoßen, wie sie in der "Erläuterung zum Verwaltungsverfahrengesetz" von Meyer / Borgas / Maciejewski unmißverständlich folgendermaßen beschrieben wird: "Die Ermittlungspflicht erstreckt sich auf alle den Beteiligten bekannten Tatsachen und Beweismittel. Diese sind der ermittelnden Behörde auch mitzuteilen und von dieser zu berücksichtigen, wenn ihre Entscheidungs-Erheblichkeit evident ist, unaufgefordert. Im Übrigen auf Ersuchen der Behörde. Das gilt ebenso für belastende und sonstige nachteilige Momente!" Doch vielfach werden von den Genehmigungsbehörden die Meinungen von Religionsvertretern ungeprüft
übernommen und ihrer Entscheidung zugrunde gelegt, daß es sich beim betäubungslosen
Schächten um eine religiös-rituelle Handlung im Sinne der Religionsfreiheit nach Art.4 Abs.1 und
2 des Grundgesetzes handele. Jedoch stellte schon der Bundesrat fest, dies sei zwar der Ausdruck einer religiösen Grundhaltung, aber kein Religions-Ritual entsprechend Art.4 GG (BTD 10/5523).
Ebenso entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg: Das unbetäubte Schächten der Tiere ist kein religiöses Ritual und sein Verbot verstößt nicht gegen die Religionsfreiheit. Die jüdische Vereinigung Char ' are Shalom ve Tsedek hatte den französischen Staat dort verklagt, der das Verbot des unbetäubten Schächtens anordnete und diese Tötungsform als tierquälerisch einstufte. (Az. 2741/95) In unserem Lande führte die mitgeschöpfliche Religionsauffassung zu der gesetzlichen Regelung der Mensch-Tier-Verhältnisses. Die Abwehr
anderer philosophischer, weltanschaulicher oder religiöser Denkweisen ist das legale und legitime
Recht jeder demokratischen Gesellschaft und seiner Bürger. Der Aufenthalt von Mitgliedern
anderer Kulturen oder Religionen in unserem Lande kann nicht automatisch zu einer Änderung
der Gesetze oder ihrer Anwendung führen.
Der in der Brüsseler Schächt-Lobby "European Bord of Shechita" federführend tätige Rabbiner,
Veterinär und Autor des Buches "Shechita in the Light of the Year 2000", Zürich erscheinenden "israelischen Wochenblatt" am 24.5.96 formuliert, es sei sein Ziel, in ganz Europa die Schächt-Verbote aufzuheben. Er begründete diese Forderung mit der Aussage in der Halacha: "wo ein Bedürfnis des Menschen besteht, existiert kein Verbot der Tierquälerei!" (Zaar baal Hachlachjim) Auf
Seite 121 und 125 der englischen Ausgabe seines erwähnten Buches schreibt er: "Hartinger und
andere führten ein sehr wichtiges Argument an, daß in der ganzen jüdischen Religionsliteratur, einschließlich Bibel und Talmud, kein Verbot einer Betäubung vor dem Schächten zu finden sei. Das ist richtig!". Dagegen stellt er in einem Brief an den Oberrabbiner von Israel L.M.Lau fest, daß die
jüdische Gesetzgebung das Betäuben der Tiere vor dem Schächten verbiete und jede Forderung nach einer Betäubung das Prinzip der Religionsfreiheit verletze! Abgesehen davon, daß er mit "jüdischer Gesetzgebung" seine Auslegung der Religionsvorschriften meint, ist kaum anzunehmen, daß der Oberrabbiner von Israel einer diesbezüglichen Unterrichtung bedarf. Auch ist nicht nur Levingers Kenntnis von dem zitierten BVerwG-Urteil anzunehmen - daß individuelle Glaubensüberzeugungen der gesetzlichen Auflage einer "zwingenden Religionsvorschrift" nicht genügen - sondern ebenso der Umstand, daß in Deutschland wie in jedem anderen Land die eigenen Gesetze Grundlage solcher Entscheidungen sind. Auch wenn Levingers Auffassung heute von "vielen - aber nicht von allen" Rabbis getragen wird, steht seine Interpretation der Fortentwicklung der Religionsfragen - wie die Halacha als Teil des erstmals 1565 in Venedig verfaßten jüdischen Gesetz-Codex Schulchan-Aruch übersetzt heißt - in auffallendem Gegensatz zu der vorbildlich mitgeschöpflichen Einstellung des Alten Judentums. Davon zeugt nicht nur der "Spruch Salomos", wie er der Originalübersetzung des Alten Testamentes zugeschrieben wird: Errette die man zum Tode schleppt und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank wanken.... Sprichst du aber: ich habe nichts gewußt,fürwahr - ER, der die Herzen prüft, weiß es! sondern auch die damaligen
Religionsanweisungen legten ein beredtes Zeugnis vom Wissen um die schöpfungsgemäße
Mensch-Tier-Beziehung ab. (Siehe Hartinger: das Tier um Thora, Tenach und Talmud) Dort wurde
1. Man darf kein Tier kaufen, wenn man nicht für seine Unterkunft und Nahrung gesorgt hat oder
2. Man darf kein Tier beim Fressen hindern, auch nicht indirekt durch Trennung des Kälbchens von
der Kuh oder durch Geräuschentwicklung mit Erschrecken.
3. Man darf sich nicht zu Tisch setzen ohne vorher dem Vieh des Hauses Futter gegeben zu haben.
Die Störung des Essens zwischen Händewaschen und Segensspruch darf nur unterbrochen werden,
um den Tieren das vergessene Futter zu bringen.
4. Um der Tiere Fürsorge willen darf selbst das höchste jüdische Gebot - die Sabbatruhe - unterbrochen werden, wenn deren Unterlassung den Tieren Schmerzen oder Leid verursachen
5. Es ist verboten, dem Vieh Wild oder Geflügel die Füße zusammenzubinden und es darf auch dem
Vieh nicht ein Fuß hochgebunden oder der Vorderfuß mit dem Hinterfuß zusammengebunden
werden, um es so am Entlaufen zu hindern.
6. Man darf kein Lebewesen verschneiden (kastrieren), weder Mensch noch Tier, Wild oder Geflügel oder ihnen einen unfruchtbar machenden Trank eingeben.
7. Es ist verboten, das Tier an einen Nichtjuden zu verkaufen wenn man weiß, daß dieser es
verschneiden wird oder das Tier von einem Nichtjuden verschneiden zu lassen.
8. Es ist von der Thora verboten, irgend ein Tier zu quälen; ja man muß es aus seiner Qual erretten,
selbst wenn es einem Nichtjuden gehört.
9. Der weise Saadj lehrte, daß im Jenseits selbst den vom Glauben Abgefallenen drei Verdienst
angerechnet werden, wovon eine der Schutz der Tierwelt ist.
10. Zu Moses, der ein verlorengegangenes Böcklein tagelang suchte und es wegen Erschöpfung den ganzen Weg in den Armen zurücktrug, sagte Gott: Wer dem ihm anvertrauten Tieren solche Liebe erweist ist würdig, Hüter meines Volkes zu sein! Der historisch wohl bedeutendste Oberrabbiner
Hacohen-Kook verfaßte eine grundsätzliche Erklärung zum Mensch-Tier-Verhältnis, die gerade im Hinblick auf die angesprochene "Fortentwicklung der Religionsfragen" von Bedeutung ist: "Es ist unvorstellbar, daß der Schöpfer, der die Welt in Harmonie gewollt hat und eine vollkommene Art der menschlichen Lebensführung, nun viele Jahrtausende später finden sollte, daß dieser Plan falsch war! Die Herrschaft des Menschen über die Geschöpfe besteht nicht in der Herrschaft des Tyrannen,
der sein Volk und seine Untergebenen quält, um seine persönlichen Wünsche, Ansprüche und Begierden zu befriedigen ...!"
Bei der anstehenden Novellierung des Tierschutzgesetzes schickte ein deutscher Tierschützer an die Legislative den in der Mai-Ausgabe 1964 (!.) der jüdischen Zeitschrift "Kultur und Gesundheit" erschienenen Bericht über das Schächten:
"Das Rind wurde gefesselt, geworfen und liegt auf dem Rücken. Seine Beine sind mit Ketten gebunden und gegen die Decke gestreckt. Sein Maul ist mit einem Eisenring am Boden festgebunden. Der überspannte Hals wird in seiner ganzen Tiefe bis auf die knöcherne Wirbelsäule durchschnitten. Das Leiden ist schrecklich! Das Blut fließt wie eine immer stärker werdende Quelle. Das Todesringen dauert viele unendliche Minuten!
Ob der angeschriebene MdB Rosenbaum den Bericht überhaupt gelesen hat!? Das Abstimmungsergebnis ist ja allgemein bekannt! Dieser Beschreibung des Schächtvorganges und
seiner Beurteilung als eine unnötige tierquälerische Tötungsart wird von den Schächtbefürwortern die Behauptung entgegengestellt, daß das Tier überhaupt keine Schmerzen empfinden würde. Der Blutverlust mit der Blutleere im Gehirn würde zu einer sofortigen Bewußtlosigkeit und Schmerzunempfindlichkeit führen. Wer einmal einem Schächtablauf beiwohnte und die vergeblichen
Schmerzreaktionen und Abwehrbewegungen des gefesselten Tieres erlebte, dem sind solche
Aussagen absolut unverständlich. Was da vor sich geht, wurde bereits beschrieben, sodaß ergänzend die Blutversorgung des Gehirnes etwas genauer betrachtet werden soll:
Neben unzähligen Gefäßanastomosen über die Kopf- und Gesichtshaut wird das Gehirn von drei
paarig angelegten Gefäßsträngen versorgt, die auch untereinander zahlreiche Verbindungen
haben. Sicher sind die arteriellen Verhältnisse und die Gefäßanastomosen sowie deren
Nomenklatur bei den verschiedenen Schlachttieren nicht identisch, aber physiologisch-funktional weitestgehend gleich.
In den Weichteilen der Vorderseite des Halses finden sich rechts und links je eine Schlagader, ein weiteres Paar im knöchernen Skelett der Halswirbelsäule und ein drittes Paar in der Nackenmuskulatur, die wegen der horizontalen Kopfhaltung der Tiere sehr stark ausgebildet ist.
Beim Schächtschnitt werden jedoch nur die zwei vorderen Halsschlagadern durchtrennt, die
anderen vier Gefäße bleiben unverletzt und funktionsfähig. Gleichzeitig wird das Tier an
seinen Hinterläufen hochgezogen und der Kopf hängt nach unten. Dadurch dringt infolge des
orthostatischen Flüssigkeitsdruckes das Körperblut über die intakten Gefäße in den Kopfraum und eine Bewußtlosigkeit entsteht erst, wenn fast das ganze Blut über diesen Weg ausgelaufen ist und der Herzschlag aufhört. Hier muß ,fast" gesagt werden, denn das Tier blutet nie ganz aus. Immer bleibt eine Restmenge zurück, die unabhängig von einer Betäubung vor dem Schächten oder nicht, jeweils ungefähr 1/5 des Gesamt-Blutvolumens beträgt, wie schon erwähnt wurde. Der Oberveterinärrat und Schlachthofdirektor Dr.med.vet. Klein aus Remscheid hat mit einer Bildreihe bewiesen, daß die Reaktionsfähigkeit und Orientierung des geschächteten Tieres noch lange vorhanden ist und daß es nach seiner Entfesselung aufsteht und mit der entsetzlichen Halswunde vollorientiert dem Ausgang des Schlachtraumes zustrebt. Ähnliches ist auch in dem Buch "Tierschutz und Kultur" von Manfred Kyber nachzulesen. (1982, ISBN 3-922434-25-8)
Der Tierschutzverein der Stadt Basel , der Wohnort von Levinger, beschrieb in seiner Festschrift zum 125-jährigen Bestehen den automatisierten Ablauf im sog. "Weinberg´schen Umlegeapparat" wie folgt:
"Das Tier wird von hinten in den Apparat getrieben, nur Kopf und Hals schauen aus der oberen Öffnung heraus. Nun wird dieser um 180° gedreht und das von Panik erfasste Tier liegt in Rückenlage. Mit einer Hebelzange wird der Hals stark überstreckt und der Schächter durchschneidet die Haisweichteile. Die durchtrennte Speiseröhre, Luftröhre und die Schlagadern liegen frei. Der erste Ochse wehrte sich nach dem Schnitt noch etwa 8 Minuten lang, der zweite noch 10 Minuten. Das Berühren der Hornhaut des Auges führte beim ersten noch nach 6 Minuten zum Lid-Reflex,
beim zweiten noch nach 8 Minuten!"
Der bekannte Oberrabbiner Dr. L. Stein äußerte sich in einem rabbinisch-theologischen Gutachten
über das betäubungslose Schächten der Tiere wie folgt:
"Es ist im ganzen mosaischen Religionsgesetz keine Spur zu finden, die das Töten eines zum
Genuß erlaubten Tieres mittels eines nach zahlreichen strengen Regeln auszuführenden Schnittes in den Hals - schächten oder shechita - zu geschehen habe oder gar, daß ein Tier, bei dem diese Handlung unterlassen wurde, zum Genusse verboten sei!"
Nachdem der "Council of Justice to Animals and Humans Slaughters Association" 1964 die
verbleibende Restblutmenge im Tier bestätigte, stellte der berühmte jüdische Philosoph Leon
Pick fest: "Der Gläubige, der sich streng an das göttliche Verbot eines Blutverzehrs hält, muß auf
den Fleischgenuß verzichten!"
Der Jude als Forderer des betäubungslosen Schlacht-Schächtens der Tiere, ißt allerdings
selbst nur einen Teil des so getöteten Tieres; nur ca. 20% des ursprünglichen Schlachtgewichtes.
Der restliche Teil gelangt ungekennzeichnet in den allgemeinen Handel. Die Käufer können so nicht
erkennen auf welche Weise das Tier geschlachtet wurde. Die schon lange geforderte Kennzeichnung
wurde vom Fleisch-Handel und dem Gesetzgeber immer wieder abgelehnt. Die religiöse
Begründung dieser "Religionsvorschrift", nur den vorderen Teil des Tieres zu essen, geht auf das 1.
Mose, 32 , 23-33 im Alten Testament zurück. Dort wird der Kampf Jakobs - später Jabbok - mit
einem Engel beschrieben, aus dem das Wort "Ich lasse dich nicht, du segnetest mich denn!"
entstammt:
23. ...und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und
seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok 24. nahm sie und führte sie über das Wasser,
sodaß hinüberkam was er hatte, 25. und blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis zur Morgenröte.
26. und als er sah, daß er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Gelenk der Hüfte und das
Gelenk Jakobs wurde beim Ringen mit ihm verrenkt.,
27. Und er sprach: laß mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich
lasse dich nicht, du segnetest mich denn!
28. Dieser sprach: wie heißest du? Er antwortete: Jakob!
29. Dieser sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen sondern "Israel", denn du hast mit Gott und
mit einem Menschen gekämpft und hast gewonnen!
30. Und Jakob fragte ihn: Sag doch, wie heißest du? Dieser aber sprach: Warum fragst du, wie ich
heiße? Und er segnete ihn daselbst.
31. Und Jakob nannte die Stätte "Pnuel" denn er sagte: ich habe Gott von Angesicht gesehen und
doch wurde mein Leben gerettet! ( "Pnuel"bedeutet "Angesicht Gottes")
32. Und als er an Pnuel vorüberkam, ging die Sonne auf und er hinkte an seiner Hüfte!
33. Daher essen die Israeliten nicht mehr das Muskelfleisch am Gelenk der Hüfte bis auf den
heutigen Tag, weil der Engel auf den Muskel am Gelenk der Hüfte Jakobs geschlagen hatte.
Es handelt sich also gar nicht um eine "Religionsvorschrift" sondern um eine nur schwer nachzuvollziehende Folgerung aus einem Bibelbericht. Denn was hat die Hüfte Jakobs mit
der eines Schlachttieres zu tun und welche Überlegungen veranlaßten damals vor mehr als 3
Tausend Jahren, wegen des Kampfes Jakobs mit dem Engel und der erlittenen Hüftschädigung
heute kein tierisches Muskelfleisch zu essen? Welche Gründe sind ausschlaggebend dafür, heute das Fleisch des ganzen tierischen Hinterteiles nicht essen zu dürfen!? Das ist deshalb für uns von Bedeutung, weil das von jüdischen Kreisen und mehreren islamischen Religionsgruppen geforderte qualvolle betäubungslose Schächten aus Angst und Schmerz beim Tier zu einer enormen
Streßhormon-Ausschüttung führt. Normalerweise werden diese Hormone in der Folgezeit abgebaut,
was hier jedoch durch den eintretenden Tod nicht möglich ist. So verbleibt jeweils im Fleisch der
Schlachttiere eine schädlich hohe Konzentration dieser verschiedenen Streßhormone.
Doch bisher ist dieser Aspekt im Zusammenhang mit dem Schächten m. W. noch nie angesprochen
oder gar erörtert worden. Dabei ist es nicht nur in der Medizin eine allgemein bekannte Tatsache,
daß vom menschlichen und tierischen Organismus bei großen körperlichen Anstrengungen, bei
Angstzuständen, bei starken Schmerzen und bei Schädigungen des Körpers sogenannte
Streß-Hormone produziert werden. Besonders bei der Todesangst - die bei Tieren in Unkenntnis der
eintritt - reichem sie sich in großen Mengen im Körper an. Infolge des eintretenden Todes werden
Dabei handelt es sich vorwiegend - aber nicht nur - um Adrenaline, Apomorphine und Histamine
neben anderen pharmakodynamisch wirkenden Substanzen. Von den außerdem der Fütterung
beigegebenen, im Tier in größter Menge verbleibenden Pharmazeutika wie künstliche Wachstums-Hormone, Hydrocortisone, Stilbene, Betablockern, Antibiotika, Östrogene, Chemo-Vitamine und zahlreichen Beruhigungsmittel und sog. "Aufbausubstanzen" soll an dieser Stelle gar nicht gesprochen werden. Das Roche-Medizin-Lexikon gibt über ihre Wirkungen im Körper Auskunft: Adrenaline (Epinephrin) ist ein Nebennieren-Hormon, das in seiner natürlichen linksdrehenden Form die Leitfähigkeit des gesamten Nervensystems bestimmt und damit die Funktionalität des biologischen Organismus. Häufig tritt es im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen auf. In den Körper gelangt, führt es zu starkem Blutdruckanstieg, zur Kontraktur der peripheren Blutgefäße mit allen Begleiterscheinungen, zu pathologischer Steigerung des Herz-Minutenvolumens und zu wesentlichen Veränderungen der normalen Hormon- und Kreislaufverhältnisse, weswegen auch
tierexperimentelle Ergebnisse für den Menschen unverwertbar sind. Die gleichen Wirkungen haben
auch alle anderen adrogenen Hormone. Der erhöhte Adrenalin-Level bewirkt im Erwachsenenalter beim Manne eine Feminisierung mit entsprechender Körper-Symptomatik und bei der Frau eine
Virilisation der Stimme, des Haarwuchses und der Muskulatur. Vor der Pubertät entsteht bei
Mädchen ein Pseudo-Hermaphroditismus mit Amenorrhoe und fehlender Brustentwicklung,
beim Knaben Hypogonadismus mit frühem Wachstums-Stop der Glieder, also Zwergenwuchs. Apomorphin wird als Morphin-Abkömmling identifiziert, der dämpfend auf das Atemzentrum wirkt, das Brechzentrum im Gehirn anregt und die Muskulatur extrem entkräftet bis lähmt. Bei hoher Konzentration führt es zu starken Kopfschmerzen, Erbrechen, Sehbehinderung durch Engstellung der Pupillen, Harn und Stuhlverhaltung sowie Somnambulismus bis zur Bewußtlosigkeit. Außerdem kann sich eine unregelmäßige und unzureichende Atmung einstellen, Kreislaufkollaps, Koma und eventuell
Tod durch Atemlähmung. Vergleichbare, unterschiedlich starke Wirkungen sind von allen Morphin-Substanzen bekannt. Histamin wird in die große Gruppe der Ergotamine eingereiht. Es ist ein weit im Körper verbreitetes Gewebs-Hormon. In seiner inaktiven Form ist es an Heparin gebunden und wird
vorwiegend in den weißen Blutkörperchen gespeichert, in der Lunge, in der Haut, im Magen-Darm-Trakt, im Gehirn, im Liquor, im Speichel und ebenso im Blut-Serum. Es findet sich praktisch überall im Körper. Auch hier ist ein erhöhtes Vorkommen bei Karzinom-Tumoren bekannt, was als "Karzinoid-Syndrom" bezeichnet wird. In großen Mengen entsteht es bei Gewebs-Zerstörungen, bei
Strahlenschädigung, bei Verbrennungen und bei körperlicher Belastung, wobei es alle Formen der
Allergie hervorruft. Nur sehr langsam wird es normalerweise im Körper abgebaut. Alle Histamin und Ergotamine sind, bei fehlendem chemisch-physikalischen Nachweis ihrer Strukturunterschiede, streng art- und individual-spezifisch. Darum führen sie in fremden Lebewesen sehr häufig zu bedrohlich akuter oder chronischer allergischer Krankheits-Symptomatik. Diese reicht von Herz-Rhythmusstörungen über Kopfschmerzen und Blutdruck-Erhöhungen bis zu Hautreaktionen und auch Kreislaufschwäche bis zum Kollaps sowie zum allergischen Schock mit gelegentlichem Exitus. Das soll nicht heißen, daß solche markanten Folgen in jedem Fall klinisch erkennbar auftreten, denn diese
Krankheits-Symptomatik hängt sowohl von der jeweils aufgenommenen Menge, von der
Resorbier-Geschwindigkeit und von der gegebenen Allergie-Disposition des Menschen ab. Jedoch belegen diese vielfältigen Symptome, daß bei ständiger oder übermäßiger Aufnahme solcher hormonalen Fremdsubstanzen toxische Veränderungen im Körper entstehen, die mehr
oder weniger akute Krankheits-Erscheinungen, aber auch chronische Organismus-Schäden zur
Darüber hinaus ist nicht bekannt, wie sich diese Adrenaline, Morphine und auch Histamine zu den
noch vorhandenen anderen chemisch-pharmazeutischen Substanzen verhalten, die mit der Nahrung aufgenommen wurden, welche Interaktionen oder metabolische Abbauprodukte sie bilden - unabhängig von einer immer vorhandenen mikrobakteriellen oder viralen Verseuchung des tierischen Fleisches... Solche weithin bekannten Umstände unserer gesundheitsschädigenden Nahrung belegen die Verpflichtung eines schonendsten Umganges mit den Tieren, nicht nur aus tierschützerischer Verantwortung. Wenn man schon glaubt, Tiere zu Ernährungszwecken töten zu müssen, muß dieses unerläßlicherweise absolut angst-, schmerz- und streßfrei erfolgen. Andernfalls finden sich neben den jederzeit nachweisbaren problematischen chemischen Futterbeimengungen auch noch die Streßhormone in krankheitserregender Konzentration im Fleisch.

References: § 1
 § 4
 § 4
 §4
 Art.4
 Art.4