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Timestamp: 2016-10-25 15:39:24+00:00

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6S.317/2001 (22.01.2002)
S.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch F�rsprecher Christian Fl�ckiger, Spitalgasse 9, Postfach 6164, Bern,
A.- Das Kreisgericht X Thun verurteilte S.________ am 20. M�rz 1997 wegen Urkundenf�lschung, Erschleichens einer Falschbeurkundung, leichtsinnigen Konkurses, ungetreuer Gesch�ftsf�hrung, unwahrer Angaben �ber eine Handelsgesellschaft und Unterlassung der Buchf�hrung zu 10 Monaten Gef�ngnis, unter Gew�hrung des bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von 3Jahren.
B.- S.________ beging in der Probezeit weitere Delikte. Dabei handelte es sich ausschliesslich um �bertretungen, konkret um Widerhandlungen gegen das SVG (SR 741. 01). Im ersten aufgrund mehrerer SVG-Verurteilungen durchgef�hrten Widerrufsverfahren wurde der ihm gew�hrte bedingte Strafvollzug mit Urteil vom 18. September 1998 nicht widerrufen. S.________ wurde jedoch verwarnt, und die Probezeit wurde um 1 Jahr verl�ngert. Nach zwei weiteren Verurteilungen wegen Strassenverkehrsdelikten wurde ein zweites Widerrufsverfahren gegen S.________ durchgef�hrt. Mit Urteil vom 21. Mai 1999 wurde der am 20. M�rz 1997 gew�hrte bedingte Strafvollzug nicht widerrufen, S.________ wurde jedoch nachdr�cklich verwarnt und die Probezeit nochmals um ein halbes Jahr auf insgesamt 4 1/2 Jahre verl�ngert. Auch im durch zahlreiche weitere Strassenverkehrsdelikte notwendig gewordenen dritten Widerrufsverfahren gegen S.________ wurde der ihm gew�hrte bedingte Strafvollzug mit Urteil vom 31. M�rz 2000 nicht widerrufen. S.________ wurde jedoch wiederum verwarnt.
Aufgrund weiterer Verurteilungen wegen Strassenverkehrsdelikten wurde schliesslich ein viertes Widerrufsverfahren gegen S.________ durchgef�hrt. Mit Urteil des Kreisgerichts X Thun vom 1. Dezember 2000 wurde der ihm mit Urteil vom 20. M�rz 1997 gew�hrte bedingte Strafvollzug widerrufen.
Auf Appellation von S.________ hin best�tigte das Obergericht des Kantons Bern, 1. Strafkammer, am 23. M�rz 2001 in Anwendung von Art. 41 Ziff. 3 StGB den Widerruf des S.________ mit Urteil des Kreisgerichts X Thun vom 20. M�rz 1997 f�r eine Gef�ngnisstrafe von 10 Monaten gew�hrten bedingten Strafvollzugs.
C.- S.________ f�hrt eidgen�ssische Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 1. Strafkammer, vom 23. M�rz 2001 sei aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Er stellt zudem ein Gesuch um aufschiebende Wirkung gem�ss Art. 272 Abs. 7 BStP.
1.- Begeht der Verurteilte w�hrend der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen, handelt er trotz f�rmlicher Mahnung des Richters einer ihm erteilten Weisung zuwider, entzieht er sich beharrlich der Schutzaufsicht oder t�uscht er in anderer Weise das auf ihn gesetzte Vertrauen, so l�sst der Richter die Strafe vollziehen (Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB). Wenn begr�ndete Aussicht auf Bew�hrung besteht, kann der Richter in leichten F�llen stattdessen, je nach den Umst�nden, den Verurteilten verwarnen, zus�tzliche Massnahmen nach Art. 41 Ziff. 2 StGB anordnen und die im Urteil bestimmte Probezeit um h�chstens die H�lfte verl�ngern (Art. 41 Ziff. 3 Abs. 2 StGB).
Nachdem der Beschwerdef�hrer w�hrend seiner (zweimalig verl�ngerten) Probezeit ausschliesslich �bertretungen begangen hat, widerruft die Vorinstanz den bedingten Strafvollzug in Anwendung der in Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB enthaltenen Generalklausel der Vertrauenst�uschung (angefochtenes Urteil S. 6 f. und 15).
2.- a) Der Beschwerdef�hrer f�hrt eingangs allgemein zu der von der Vorinstanz zur Anwendung gebrachten Generalklausel aus, diese sollte nur mit �usserster Zur�ckhaltung angewandt werden, zudem nur wenn die neue Verhaltensweise in einem sachlich engen Bezug zu demjenigen Deliktsbereich stehe, f�r welchen dem Angeschuldigten der bedingte Strafvollzug gew�hrt worden sei, und wenn es sich nicht um Bagatellstrafsachen handle. Heute werde einhellig die fr�her vertretene Auffassung abgelehnt, der Verurteilte m�sse sich in s�mtlichen Lebensbereichen wohl verhalten und bew�hren (Nichtigkeitsbeschwerde S. 4).
b) Der Beschwerdef�hrer macht weiter geltend, die Vorinstanz habe den Widerruf des bedingten Strafvollzugs zu Unrecht auf eine ung�nstige Prognose gest�tzt. Die Prognose spiele keine Rolle bei der Frage, ob die Generalklausel von Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB zur Anwendung komme. Die Vorinstanz gehe in Abweichung von den von ihr eigens aufgestellten Grunds�tzen davon aus, der Verurteilte m�sse sich in s�mtlichen Lebensgebieten als rechtstreuer B�rger erweisen und sich in der Probezeit allgemein bew�hren (Nichtigkeitsbeschwerde S. 5). Zudem f�nden sich entgegen den Ausf�hrungen der Vorinstanz in den Akten keine Hinweise darauf, dass er den ihm einst gew�hrten bedingten Strafvollzug als unwiderruflich betrachte und sich das Recht herausnehme, fortw�hrend SVG-Delikte zu begehen.
Vielmehr habe er sich seit mehr als einem Jahr nichts mehr zu Schulden kommen lassen, insbesondere auch keine SVG-Delikte, und mittlerweile sowohl die Nummernschilder als auch den Fahrzeugausweis (seines Wagens) abgegeben (Nichtigkeitsbeschwerde S. 5 f. und Brief des Beschwerdef�hrers vom 9. Mai 2001, Act. 5, in welchem das in der Nichtigkeitsbeschwerde irrt�mlich verwendete Wort "F�hrerausweis" berichtigt wird).
Nach seiner ersten Verurteilung habe er sich eine neue Existenz aufbauen m�ssen. In dieser Situation habe er �bertretungen wie �berschreiten der zul�ssigen Parkzeit und Missachten von Parkverboten in Kauf genommen. Die verh�ngten Bussen habe er nicht bezahlen k�nnen, weshalb dann Haftstrafen ausgesprochen worden seien, welche er durch gemeinn�tzige Arbeit verb�sst habe. Seine inzwischen eingetretene berufliche und finanzielle Erholung w�rde durch den Vollzug der zehnmonatigen Freiheitsstrafe gef�hrdet (Nichtigkeitsbeschwerde S. 6).
c) Der Beschwerdef�hrer macht im Weiteren geltend, die Vorinstanz habe ohne weitere Begr�ndung einen leichten Fall mit g�nstiger Prognose verneint. Gem�ss Lehre und Rechtsprechung seien Freiheitsstrafen bis zu drei Monaten als leicht im Sinne von Art. 41 Ziff. 3 Abs. 2 StGB anzusehen. F�r die Beurteilung, ob ein leichter Fall vorliege, d�rften nicht alle Haftstrafen zusammengez�hlt werden, sondern es sei zu ber�cksichtigen, dass er im Einzelfall zu h�chstens 13 Tagen Haft verurteilt worden sei. Wende man davon ausgehend analog die Bestimmung �ber die Konkurrenz an (Art. 68 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), komme man lediglich auf 20 Tage Haft (13 Tage plus 6 1/2 Tage). Damit sei die Grenze von drei Monaten bei weitem nicht erreicht. Der seiner Ansicht nach g�nstigen Prognose - und zwar auch bez�glich seines Verhaltens im Strassenverkehr - komme die entscheidende Bedeutung zu.
Von einem Widerruf des bedingten Strafvollzugs w�re deshalb selbst dann abzusehen, wenn die Generalklausel zur Anwendung k�me (Nichtigkeitsbeschwerde S. 6f.).
3.- Der Beschwerdef�hrer �bersieht, dass die Vorinstanz in ihrem Urteil hinsichtlich des Anwendungsbereiches der Generalklausel der T�uschung richterlichen Vertrauens in Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB einleitend nicht ihre eigene Meinung, sondern die Rechtsprechung der 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern wiedergibt (angefochtenes Urteil S. 11 - 14). Gem�ss dieser Praxis ist der bedingte Vollzug nur zu widerrufen, wenn die neue Verhaltensweise in einem sachlich engen Bezug mit der strafbaren Handlung steht, f�r welche dem Verurteilten der bedingte Vollzug gew�hrt worden ist, so dass sie auch einen Hinweis daf�r abgibt, er werde sich in Bezug auf diesen Deliktsbereich nicht bew�hren (vgl. angefochtenes Urteil S. 13 f.).
Die Vorinstanz f�hrt anschliessend aus, bei uneingeschr�nkter Anwendung dieser Rechtsprechung k�me vorliegend mangels sachlich engem Bezug zwischen den Probezeit- bzw. Anlassdelikten und den neuerlichen Delikten ein Widerruf des bedingten Strafvollzugs nie in Frage. Aufgrund der "besonderen Krassheit" des zu beurteilenden Falles und des Umstandes, dass der Beschwerdef�hrer "im Bereich der SVG-�bertretungen ein unbelehrbarer Wiederholungst�ter in 22 F�llen mit entsprechend hochgradig ung�nstiger Prognose" sei, relativiert die Vorinstanz die oben zitierte Rechtsprechung der 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern, d.h. sie verzichtet im vorliegenden Fall "ausnahmsweise" auf den sachlich engen Bezug zwischen den Anlassdelikten und den R�ckfalldelikten und widerruft, nachdem sie das Vorliegen eines leichten Falles und die M�glichkeit von Ersatzmassnahmen ausgeschlossen hat, den dem Beschwerdef�hrer gew�hrten bedingten Strafvollzug (angefochtenes Urteil S. 14 f.).
4.- a) Das Bundesgericht hat in BGE 124 IV 280 E. 3b festgehalten, ein bestimmtes Verhalten, das etwa wegen Fehlens eines Tatbestandsmerkmals, einer objektiven Strafbarkeitsbedingung oder einer Prozessvoraussetzung nicht strafbar sei, d�rfe nicht kurzerhand als T�uschung des Vertrauens in anderer Weise im Sinne von Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB zum Widerruf des bedingten Strafvollzugs f�hren. Ansonsten hatte das Bundesgericht seit mehr als zwei Jahrzehnten keine Gelegenheit mehr, sich zur Generalklausel der Vertrauenst�uschung zu �ussern. Nach der �lteren Rechtsprechung des Bundesgerichts verlangt das Gesetz in Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB allgemein ein das Vertrauen des Richters entt�uschendes Verhalten als Grund zum Vollzug der Strafe und damit, dass der unter Bew�hrung stehende Verurteilte sich �berhaupt keines Verhaltens schuldig mache, in dessen Voraussicht der Strafvollzug nicht aufgeschoben worden w�re, gleichg�ltig, ob es strafbar ist oder nicht, vorausgesetzt, dass sich der Verurteilte der Pflichtwidrigkeit seines Handelns auch ohne besondere Mahnung bewusst sein musste und dass seine Verfehlung von einer Schw�che zeugt, die er mit R�cksicht auf die Bew�hrungsprobe h�tte meistern k�nnen und sollen (BGE 90 IV 177 S. 178; BGE 85 IV 121; 77 IV 1 S. 3 mit Verweisungen).
Eine T�uschung des Vertrauens kann dementsprechend erst recht vorliegen, wenn der Verurteilte eine �bertretung begangen hat (BGE 72 IV 145 S. 147 f.). In BGE 85 IV 121 S. 122 hat es das Bundesgericht ausdr�cklich abgelehnt, eine T�uschung des richterlichen Vertrauens nur anzunehmen, wenn die Schwere des neues Fehltritts in Relation zu derjenigen der fr�heren Straftat steht, weil dieses Erfordernis auf eine ungerechtfertigte Privilegierung derjenigen Verurteilten hinauslaufen w�rde, die sich besonders schwer vergangen haben. Das Bundesgericht hat bislang insbesondere keinen sachlich engen Zusammenhang zwischen Anlasstat und R�ckfalltat verlangt, jedoch in BGE 95 IV 1 S. 3 die T�uschung des Vertrauens beim dort vorliegenden sachlich engen Zusammenhang zwischen Anlasstat und R�ckfalltat (beides waren Strassenverkehrsdelikte) als umso erheblicher bezeichnet.
b) Nachdem sich in den beiden letzten Jahrzehnten die Auffassungen zur Verh�ngung von (bedingten und unbedingten) Freiheitsstrafen stark ver�ndert haben und heute insbesondere an der Generalklausel in Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB Kritik ge�bt wird (vgl. Schultz, Einf�hrung in den Allgemeinen Teil des Strafrechts, 2. Bd., 4. Aufl.
1982, S. 114; Stratenwerth, Strafrecht AT II, 1989, N. 118 ff., insbesondere N. 127 zu � 4 und Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kommentar, 2. Aufl. 1997, N. 52 zu Art. 41), besteht Anlass zu einer �berpr�fung der oben zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung.
Die in der Lehre ge�usserte Kritik hat mittlerweile insbesondere dazu gef�hrt, dass im Entwurf zur �nderung des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches die Generalklausel der Vertrauenst�uschung ersatzlos gestrichen wurde (vgl. die Botschaft zur �nderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. September 1998, BBl 1999 S. 1979 ff., 2055 ff. sowie S. 2309 f. und 2331). Die nun verbleibenden Widerrufsgr�nde sollen nur symptomatische Bedeutung haben. Nicht etwa die Begehung einer neuen Straftat als solche soll aber der Widerrufsgrund sein, sondern allein der R�ckschluss auf wesentlich geringere als die urspr�nglich angenommenen Bew�hrungsaussichten k�nne einen Widerruf rechtfertigen. Der T�ter bew�hrt sich gem�ss diesem Entwurf nicht, wenn er w�hrend der Probezeit ein neues Verbrechen oder Vergehen begeht (Art. 46 Abs. 1 des Entwurfs zum StGB, Nichtbew�hrung) oder sich der Bew�hrungshilfe entzieht bzw. gegen Weisungen verst�sst (Art. 46 Abs. 4 i.V.m. Art. 95 Abs. 3-5 des Entwurfs zum StGB).
Begeht der Verurteilte in der Probezeit �bertretungen, so soll dies nur zum Widerruf f�hren, wenn dieses Verhalten damit zusammenh�ngt, dass der Verurteilte sich der Bew�hrungshilfe entzieht oder Weisungen missachtet und zudem aufgrund dieses Verhaltens eine erhebliche Gefahr entstanden ist, dass er weitere Straftaten begeht (Art. 95 Abs. 5 des Entwurfs zum StGB; vgl. Botschaft S. 2056 f.
und S. 2331). Der Entwurf verzichtet - anders als der Vorentwurf - darauf, grunds�tzlich Gleichartigkeit von R�ckfalltat und Anlasstat zu verlangen. Gem�ss der Botschaft ist alleiniges Kriterium f�r den Widerruf die Prognose. Diese k�nne nie das gesamte zuk�nftige Verhalten des T�ters zum Gegenstand haben, jedoch allenfalls eine Aussage dar�ber machen, wie der T�ter in einer gleichen oder �hnlichen zuk�nftigen Zwangslage reagieren werde.
Erneute Delinquenz deute demnach auf eine Wiederholungsgefahr bez�glich der ersten Straftat hin, wenn die beiden Taten als gleichermassen typische Reaktionen des T�ters auf dasselbe Problem zu qualifizieren seien. Dazu sei nicht erforderlich, dass es sich um dieselbe Deliktsart handle (Botschaft S. 2057). Die Botschaft beruft sich hinsichtlich der Neuregelung der Nichtbew�hrung auch auf die neuere Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Auslegung von Art. 41 Ziff. 3 StGB (BGE 118 IV 330 und 117 IV 97) und stellt fest, diese n�here sich dem Revisionskonzept an (Botschaft S. 2056 oben und Fn. 184).
c) Gem�ss dem Entwurf zur Revision des Widerrufs des bedingten Strafvollzugs bzw. der Nichtbew�hrung (Art. 46 und Art. 95 Abs. 3-5 des Entwurfs zum StGB) w�re wie oben ausgef�hrt die Begehung von �bertretungen nicht mehr Grund genug f�r einen Widerruf, sondern die �bertretungen m�ssten damit im Zusammenhang stehen, dass der Verurteilte sich der Bew�hrungshilfe entzieht oder Weisungen missachtet. Zudem m�sste aufgrund des Verhaltens des T�ters eine erhebliche Gefahr entstanden sein, dass er weitere Verbrechen oder Vergehen begeht, und sich die Bew�hrungsprognose w�hrend der Probezeit so sehr verschlechtert haben, dass nunmehr der Vollzug der Strafe als die voraussichtlich wirksamere Sanktion erschiene (vgl.
Die Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber die Streichung des Widerrufsgrundes der T�uschung richterlichen Vertrauens sowie das Abstellen auf die Prognose waren in beiden R�ten unbestritten (AB 1999 S S. 1104 ff., 1118, 1134; AB 2001 N S. 560 ff., 563, 589; AB 2001 S S. 507 ff., 513). Bei der Auslegung des geltenden Rechts kann auf laufende Revisionen Bezug genommen werden (vgl. BGE 110 II 293 E. 2a, e und f sowie E. 3a; 117 IV 276 E. 3c, d und e; 118 IV 52 E. 2c und d; 127 IV 97 E. 1b sowie BGE 128 IV 25). Es rechtfertigt sich, auf die Revisionsarbeiten insofern Bezug zu nehmen, als der in Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB noch enthaltene Widerrufsgrund der T�uschung richterlichen Vertrauens mit noch gr�sserer Zur�ckhaltung als bis anhin angewendet und dabei - wie in der Botschaft - darauf abgestellt wird, ob sich die Bew�hrungsprognose f�r den Verurteilten w�hrend der Probezeit so sehr verschlechtert hat, dass nunmehr der Vollzug der Strafe als die voraussichtlich wirksamere Sanktion erscheint. Dabei wird auch dem Kriterium der kriminalpolitischen Zweckm�ssigkeit (vgl. Stratenwerth, a.a.O., N. 106 zu � 4) Rechnung getragen (vgl. dazu BGE 118 IV 330 E. 3d betreffend Widerrufsgrund der Nichtbefolgung einer Weisung).
d) Angesichts der insgesamt 22 Verurteilungen wegen SVG-�bertretungen kann man nicht sagen, der Beschwerdef�hrer habe sich in der (2-mal verl�ngerten) Probezeit allgemein bew�hrt. Es l�sst sich auch nach den Erl�uterungen des Beschwerdef�hrers hiezu (vgl. Nichtigkeitsbeschwerde S. 6) nicht nachvollziehen, warum dieser trotz 3-maliger Verwarnung und 2-maliger Verl�ngerung der Probezeit in notorischer Art und Weise weiter SVG-�bertretungen begangen hat. Der Beschwerdef�hrer wurde angesichts seiner wiederholten Verfehlungen im SVG-Bereich jeweilen zu Haftstrafen von bis zu 13 Tagen, insgesamt gar zu 100 Tagen Haft verurteilt.
Die Vorinstanz stellt dem Beschwerdef�hrer gest�tzt darauf eine (hochgradig) ung�nstige Prognose hinsichtlich der Begehung von weiteren SVG-�bertretungen (angefochtenes Urteil S. 14 oben) - dies obwohl sich der Beschwerdef�hrer zum Zeitpunkt der Urteilsf�llung seit mehr als einem Jahr nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen und auch den Fahrzeugausweis und die Kontrollschilder seines Autos abgegeben hat. Die Vorinstanz trifft keine tats�chlichen Feststellungen dazu, ob die Gefahr besteht, dass der Beschwerdef�hrer k�nftig Verbrechen oder Vergehen begehen wird. Sie gelangt zum Schluss, es komme in einem solchen (Ausnahme-)Fall wie dem vorliegenden nicht darauf an, ob es Hinweise daf�r gebe, dass sich der Verurteilte auch in demjenigen Deliktsbereich bew�hren werde oder nicht, f�r welchen ihm der bedingte Strafvollzug gew�hrt worden ist (angefochtenes Urteil S. 15). Die Vorinstanz begr�ndet den Widerruf des bedingten Strafvollzugs damit, Probezeit bedeute, dass sich der Verurteilte auf s�mtlichen Lebensgebieten als rechtstreuer B�rger erweisen solle, weshalb massgebend sei, ob sich der Verurteilte in der Probezeit allgemein bew�hrt habe. Sie r�umt dann ein, f�r die Bejahung eines Widerrufsgrundes gen�ge selbstverst�ndlich nicht die Begehung einzelner oder weniger �bertretungen, die in keinem sachlich engen Bezug zur Anlasstat st�nden und damit auch keinen Hinweis daf�r abg�ben, der Verurteilte werde sich in Bezug auf den Deliktsbereich nicht bew�hren, f�r den ihm der bedingte Strafvollzug gew�hrt wurde (angefochtenes Urteil S. 14).
Damit anerkennt sie prinzipiell die nachtr�gliche Ver�nderung der Prognose als Widerrufsgrund, erkennt hier jedoch aufgrund der besonderen Umst�nde auf einen Ausnahmefall.
e) Das Bundesgericht hat bislang auch allgemein verwerfliches Verhalten, insbesondere die Begehung einzelner �bertretungen f�r einen Widerruf gen�gen lassen, vorausgesetzt, dass sich der Verurteilte der Pflichtwidrigkeit seines Handelns auch ohne besondere Mahnung bewusst sein musste und dass seine Verfehlung von einer Schw�che zeugt, die er mit R�cksicht auf die Bew�hrungsprobe h�tte meistern k�nnen und sollen (BGE 90 IV 177 S. 178). Wer w�hrend seiner (verl�ngerten) Probezeit in derart notorischer Weise wie der Beschwerdef�hrer �bertretungen begeht, dem muss dieses Verhalten als Ausdruck einer Schw�che ausgelegt werden, die er mit R�cksicht auf die Bew�hrungsprobe h�tte meistern k�nnen und sollen. Die Vorinstanz hat den Widerruf des bedingten Strafvollzuges im Sinne der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Vertrauenst�uschung ausgesprochen.
Stellt man hingegen f�r den Widerruf neu auf die Prognose ab, gelangt man zu einem anderen Resultat. Aufgrund des von der Vorinstanz festgestellten Sachverhaltes l�sst sich nicht sagen, dass die vom Beschwerdef�hrer begangenen �bertretungen als gleichermassen typische Reaktionen auf dasselbe Problem zu qualifizieren sind, so dass sie auf eine Wiederholungsgefahr bez�glich der Straftaten hindeuten, zu der der Beschwerdef�hrer am 20. M�rz 1997 zu einer bedingten Gef�ngnisstrafe von 10 Monaten verurteilt worden war. Es l�sst sich auch nicht sagen, dass sich die Bew�hrungsprognose f�r den Beschwerdef�hrer so sehr verschlechtert hat, dass nunmehr der Vollzug der Strafe als die voraussichtlich wirksamere Sanktion erscheint. Dahingegen hat die Vorinstanz, wie der Beschwerdef�hrer zu Recht geltend macht (Nichtigkeitsbeschwerde S. 5 f.), bei der Prognose dem Umstand keine Rechnung getragen, dass die letzte dem Beschwerdef�hrer vorgeworfene �bertretung am 8. Februar 2000 begangen wurde und somit zum Zeitpunkt der Urteilsf�llung durch die Vorinstanz bereits mehr als dreizehn Monate zur�cklag. Ebensowenig hat sie ber�cksichtigt, dass der Entscheid in seinem dritten Widerrufsverfahren erst am 31. M�rz 2000 ergangen ist und der Beschwerdef�hrer nach der dabei ausgesprochenen Verwarnung keine neuen �bertretungen begangen (vgl. die Aufstellung der �bertretungen im angefochtenen Urteil S. 5), diese Verwarnung also offenbar gewirkt hat.
Die Vorinstanz hat auch zu Unrecht das Vorliegen eines leichten Falles gem�ss Art. 41 Ziff. 3 Abs. 2 StGB verneint. Leichte F�lle liegen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung grunds�tzlich vor, wenn die Strafe drei Monate nicht �bersteigt (BGE 117 IV 97 S. 101 f.).
Dem Beschwerdef�hrer werden als R�ckfalltaten ausschliesslich �bertretungen vorgeworfen. Die H�chststrafe f�r �bertretungen betr�gt drei Monate (Art. 101 und 39 StGB), auch bei wiederholter Begehung (Art. 68 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). �bertretungen sind somit grunds�tzlich leichte F�lle.
1. Strafkammer, vom 23. M�rz 2001 aufzuheben und die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Es werden keine Kosten erhoben. Dem Beschwerdef�hrer ist f�r das bundesgerichtliche Verfahren eine Parteientsch�digung auszurichten (Art. 278 Abs. 3 BStP).
1.- Die eidgen�ssische Nichtigkeitsbeschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 1. Strafkammer, vom 23. M�rz 2001 aufgehoben und die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zur�ckgewiesen.
3.- Der Beschwerdef�hrer wird f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Bundesgerichtskasse mit Fr. 2'000.-- entsch�digt.
4.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdef�hrer, dem Generalprokurator sowie dem Obergericht, 1. Strafkammer, des Kantons Bern schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 41
 Art. 272
 Art. 41
 Art. 41
 Art. 41
 Art. 41
 Art. 41
 BGE 
 Art. 41
 Art. 41
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 41
 Art. 41
 Art. 95
 Art. 41
 Art. 95
 BGE 
 BGE 
 Art. 41
 BGE 
 Art. 41