Source: https://xn--rabro-mva.de/zur-fristlosen-kuendigung-des-wohnraumvertrages-wegen-laermbelaestigung/
Timestamp: 2020-07-07 02:52:42+00:00

Document:
Zur fristlosen Kündigung des Wohnraumvertrages wegen Lärmbelästigung | Rechtsanwaltskanzlei Skwar
← Zum nachbarrechtlichen Unterlassungsanspruch wegen Lärmbeeinträchtigung durch Feierlichkeiten in einem benachbarten Vereinshaus
Zur Kündigung eines Wohnraummietvertrages wegen Lärmbelästigung sowie Beleidigung und Bedrohung eines Mitmieters →
AG Brandenburg, Urteil vom 24.05.2017 . 31 C 125/16
Die Beweislast bei einer Räumungsklage aufgrund einer Kündigung des Mietvertrages wegen vermeintlich durch einen bestimmten Mieter verursachter Lärmbelästigungen liegt bei dem Vermieter (§ 543 und § 569 BGB).(Rn.94)
Die Klägerin kann die Vollstreckung des Beklagten im Kostenpunkt durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrags abwenden, wenn nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.
Der Streitwert des Rechtsstreits wird auf 2.371,68 Euro festgesetzt.
Die Klägerin begehrt von dem Beklagten die Räumung der von ihm – aufgrund eines am 20.02.2014 mit Wirkung vom 01.04.2014 geschlossenen Dauernutzungsvertrages – bewohnten Wohnung, gelegen …straße .., …, bestehend aus 2 Zimmern, 1 Bad, 1 Flur, 1 Küche, 1 Balkon und 1 Keller Nr. 1 mit einer Wohnfläche von ca. 49,41 m². Als Nutzungsgebühr (Miete) zahlt der Beklagte derzeitig einen Betrag von monatlich 320,64 Euro brutto.
Mit Schreiben vom 05.02.2015, 13.03.2015 und vom 04. Februar 2016 (Blatt 13 der Akte) ermahnte die Klägerin den Beklagten den – vermeintlich durch den Beklagten – verursachten ruhestörenden Lärms, vor allem nachts, zu unterlassen.
Mit Schriftsatz vom 22. März 2016 (Blatt 16 der Akte) erteilte die Klägerin dem Beklagten dann wegen ruhestörenden Lärms – vor allem nachts – eine Abmahnung. Für den Fall, dass der Beklagte künftig wieder ruhestörenden Lärm verursachen sollte, kündigte die Klägerin gegenüber dem Beklagten in diesem Schreiben zugleich mit an, dass der Beklagte dann auch mit einer fristlosen, hilfsweise fristgemäßen Kündigung des Mietvertrages wegen vertragswidrigen Gebrauchs rechnen müsse.
Mit Schreiben vom 18. April 2016 (Blatt 9 bis 12 der Akte) kündigte die Klägerin dann das mit dem Beklagten bestehende Nutzungsverhältnis außerordentlich fristlos aus wichtigem Grund, da der Beklagte den Hausfrieden sehr nachhaltig stören und die Regeln der Hausordnung nicht einhalten würde, so dass ihr eine Fortsetzung des Nutzungsverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist nicht zugemutet werden könne.
Die nunmehrige Räumungsklage der Klägerin vom 26. Mai 2016 ging dann am 27. Mai 2016 bei dem hiesigen Amtsgericht ein und wurde dem Beklagten hiernach am 22. Juni 2016 zugestellt. In dieser Klageschrift erklärte die Klägerin gegenüber dem Beklagten hilfsweise vorsorglich nochmals die fristgemäße Kündigung zum nächstmöglichen Termin.
Die Klägerin behauptet, dass bereits im Februar und März 2015 es zu massiven Beschwerden der Mitbewohner des Hauses bezüglich des ruhestörenden Verhaltens des Beklagten gekommen sei. Leider sei es nach ihren Schreiben vom 05.02.2015 und 13.03.2015 im darauf folgenden Zeitraum nur kurzzeitig zu einer Besserung gekommen. Hiernach hätten sich dann aber die Mitbewohner zum Jahresende 2015 wieder erneut bei ihr – der Klägerin – beschwert, insbesondere hinsichtlich der Störung der Nachtruhe. Daraufhin habe sie nochmals mit Schreiben vom 04.02.2016 den Beklagten zur Beachtung der Hausordnung aufgefordert.
Die von ihr hier vorgelegten Lärmprotokolle der Mitbewohner des Hauses würden insofern ihrer Ansicht nach auch die aufgeführten konkreten Störungen des Hausfriedens durch das vertragswidrige Verhalten des Beklagten belegen.
Da der Beklagte trotz Abmahnung sein Verhalten im Haus nicht geändert habe, habe sie sodann wegen dieser Vertragsverstöße die fristlose Kündigung des Nutzungsverhältnisses gegenüber dem Beklagten ausgesprochen.
Der Beklagte würde ihrer Ansicht nach nämlich den Hausfrieden durch sein rücksichtsloses Verhalten und wegen andauernder Störung der Nachtruhe durch Musik in unterschiedlichster Lautstärke stören.
Rein vorsorglich habe sie im Übrigen das Nutzungsverhältnis mit dem Beklagten fristgemäß wegen erheblicher schuldhafter Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen zum nächst möglichen Zeitpunkt ebenso aufgekündigt.
Selbst für die Zeit nach dem Zugang des Kündigungsschreibens beim Beklagten seien ihr von den Mitbewohnern des Hauses erneut Lärmprotokolle vorgelegt worden, aus welchen sich weitere Störungen der Nachtruhe ergeben würden.
Die von ihr hier eingereichten Lärmprotokolle würden somit die fortwährende Störung des Hausfriedens durch den Beklagten belegen. Da nicht davon ausgegangen werden könne, dass der Beklagte gewillt sei, sein Wohnverhalten zu ändern, sei nunmehr die klageweise Durchsetzung des Räumungsanspruches notwendig.
Entgegen der Behauptung der Beklagtenseite würde der Beklagte hier auch als Verursacher der Lärmstörungen ihrer Ansicht nach feststehen. Die vernommenen Zeugen hätten nämlich zweifelsfrei diverse Lärmbelästigungen und insofern Störungen des Hausfriedens bestätigt. Die Angaben der Zeugen seien insofern auch glaubwürdig.
Im Übrigen sei aus technischen Gründen hier für sie nachvollziehbar, dass sich die Lärmemissionen im Haus in einer Linie (vertikal) von oben nach unten bewegen würden. In seitlicher Richtung (horizontal) würde aber nicht die gleichen Auswirkung gegeben sein, so dass diese Lärmbelästigungen auch aus der Wohnung des Beklagten stammten und nicht aus der daneben liegenden, von den Zeugen M… und B… bewohnten Wohnung. Insofern seien die Zeugen M… und D…auch erst im November 2015 bzw. im Februar 2014 eingezogen.
Zwar habe die Zeugin M… offensichtlich ebenfalls Lärmstörungen verursacht; aus diesem Grunde sei diese Zeugin aber auch nicht glaubwürdig wegen der bei ihr vorliegenden Interessenlage.
Vor diesem Hintergrund und der nach wie vor andauernden Störungen sei im Übrigen auch die von den Beklagten beantragte Räumungsfrist hier nicht zu gewähren.
Der Gegenbeweis sei dem Beklagten im Übrigen hier nicht gelungen. Die von dem Beklagten benannten Zeugen seien zudem auch erst kürzlich Mieter dieses Mehrfamilienhauses geworden. Vergleichende Betrachtungen zu einem früheren – und zwar ruhigeren – Zeitraum seien diesen Zeugen damit Objektiv nicht möglich.
Die von ihr – der Klägerin – benannten Zeugen könnten darüber hinaus sehr wohl einschätzen, ob jemand „Neues“ Lärm verursacht in dem er die Regelungen aus der Hausordnung nicht einhält, ständig laute angetrunkene Besucher empfängt und insofern durch sein rücksichtsloses Verhalten die Nachtruhe stört.
Die langjährigen Mieter dieses Hauseingangs würden daher vorliegend berechtigte Ansprüche für ein geordnetes, friedliches Miteinander erheben, die sie – die Klägerin – unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften nunmehr auch durchsetzen werde.
den Beklagten zu verurteilen, die Wohnung in … zu räumen und geräumt an sie – die Klägerin – zu übergeben.
Der Beklagte trägt vor, dass seiner Auffassung nach die Kündigung der Klägerin unwirksam sei, da er – der Beklagte – die ihm vorgeworfenen Lärmbelästigungen nicht verursacht habe. Insofern würde er ausdrücklich bestreiten, dass er bereits im Februar und März 2015 die Mitbewohner durch sein Verhalten gestört habe. Auch würde er bestreiten, dass weitere Störungen der Nachtruhe zum Jahresende des Jahres 2015 auf ein Verhalten seiner Person zurückzuführen waren. Des Weiteren würde er auch ausdrücklich bestreiten, dass sich die Belästigungen der Hausbewohner aufgrund seines Verhaltens verschlimmert hätten. Insofern würde er auch die Angaben in den Lärmprotokollen ausdrücklich bestreiten.
Demgemäß würde er auch der hilfsweise ausgesprochenen fristgemäßen Kündigung entgegentreten. Er – der Beklagte – habe sich nämlich keinerlei schuldhafter Verletzungen der vertraglichen Verpflichtungen vorzuwerfen.
Insbesondere würde er auch bestreiten, dass er nach dem Zugang der fristlosen Kündigung am 20.04.2016 von 04:15 Uhr bis 07:30 Uhr, am 25.04.2016 von 00:15 Uhr bis 08:00 Uhr und am 30.04.2016 von 03:50 Uhr bis 08:15 Uhr die Nachtruhe durch laute Musik gestört habe.
Soweit insofern tatsächlich Lärmbelästigungen aufgetreten sind, seien diese nämlich nicht von ihm verursacht worden. Vielmehr würde er davon ausgehen, dass hier eine Kampagne der Mitbewohner den Lärmprotokollen zugrunde liegen würde.
Um die hier streitgegenständlichen fristlose Kündigung zu begründen, sei in Anbetracht der für ihn sehr massiven Rechtsfolge es erforderlich, dass er – der Beklagte – erwiesener Maßen erheblich, also regelmäßig und in einem gewissen Umfang, tatsächlich den Hausfrieden gestört habe und sich die Mitmieter dadurch belästigt fühlten.
Dies sei allerdings auch durch die vorgenommene Beweisaufnahme hier seiner Ansicht nach nicht bestätigt worden.
So habe die Zeugin W… bei Nachfrage erklärt, dass sie lediglich vermuten würde, dass der Beklagte für das Gemurmel und für die Musik verantwortlich sei. Tatsächlich habe sie ihn – den Beklagten – selbst nie gesehen, wie er gesprochen habe bzw. wie Besuch von ihm – dem Beklagten – auf dem Balkon gesprochen hätte und Zigarettenqualm durch ihn – dem Beklagten – verursacht worden sei. Darüber hinaus seien die von der Zeugin W… angegebenen Beeinträchtigungen wohl eher geringerer Natur, da sie letztmalig im Sommer 2016 derartige Geräusche wahrgenommen habe und dies auch nur gelegentlich.
Die Zeugin M… habe hingegen – obwohl sie direkt gegenüber seiner Wohnung wohnen würde – erklärt, dass sie keinerlei Geräuschbelästigungen durch ihn – den Beklagten – wahrgenommen habe. Insbesondere habe die Zeugin M… auch eingeräumt, dass die lautstarke Feierlichkeit am Silvesterabend 2015/2016 (zu der dann auch die Polizei gerufen wurde) durch sie – die Zeugin M… – bzw. ihrem Besuch verursacht wurde. Ebenso habe die Zeugin M… erklärt, dass sie und ihr Lebensgefährte – der Zeuge B… – gelegentlich auch bis in die Nacht hinein Besuch empfangen und dann Fernsehen schauen bzw. Musik hören würden. Auch würde der Lebensgefährte der Zeugin M… – d.h. der Zeuge B… – eine Stereoanlage mit 4 Lautsprecherboxen besitzen.
Die Zeugin K… sei im Übrigen die einzige Zeugin von insgesamt 8 vernommenen Zeugen, welche erheblich Geräuschbelästigungen durch ihn – den Beklagten – wahrgenommen haben will. Darüber hinaus habe sich diese Zeugin aber auch durch das Trampeln eines Kindes belästigt gefühlt.
Des Weiteren würde er auch ausdrücklich bezweifeln, dass die Zeugin K… die möglicherweise von ihr wahrgenommenen Geräusche ausschließlich ihm – dem Beklagten – zuordnen könne. Gerade bei tiefen Tönen sei eine Quelle der Geräusche nämlich kaum auszumachen, da diese Geräusche durch Wände kaum beeinträchtigt werden. Obwohl die Zeugin K… einräumen musste ihn – den Beklagten – selbst nie gesehen zu haben, als sie die Geräusche wahrgenommen habe, sei sie jedoch bei ihrer Auffassung verblieben, dass nur er – der Beklagte – für diese Geräusche verantwortlich sein könne.
Obwohl darüber hinaus die Zeugin M… selbst eingeräumt habe, bei den Feierlichkeiten am Silvesterabend 2015/2016 die Geräusche verursacht zu haben und sie darüber hinaus auch eingeräumt hätte bis in die Nacht hinein Besuch zu empfangen und dann Fernsehen zu schauen bzw. Musik zu hören, habe die Zeugin K… sogar ausgeschlossen, dass die Zeugin M… für die von ihr – der Zeugin K… – wahrgenommenen Geräusche verantwortlich sei. Insofern seien die Ausführungen der Zeugen K… aber widersprüchlich zu der Aussage der Zeugin M… .
Die Zeugin H… habe darüber hinaus selbst einräumen müssen, dass sie die von ihr wahrgenommenen nächtlichen Geräusche – insbesondere die Gespräche auf dem Balkon – einer konkreten Quelle nicht zuordnen habe können; insbesondere auch nicht ihm – dem Beklagten -. Die Zeugin H… habe weder ihn – den Beklagten – selbst gehört noch habe sie Gäste auf seinem – des Beklagten – Balkon sehen können.
Zwar habe die Zeugin H… wahrnehmen können, dass gelegentlich betrunkene Personen den Hausflur hoch laufen würden, ob diese betrunkenen Personen jedoch in seine Wohnung gegangen seien, habe die Zeugin H… nicht bekunden können.
Der Zeuge B… habe jedoch keine Geräusche aus seiner – des Beklagten – Wohnung wahrnehmen können. Der Zeuge B… habe sich nur noch an den Silvesterabend 2015/2016 erinnert, wobei der zu dieser Zeit verursachte Lärm jedoch entsprechend der Einräumung der Zeugen M… aus der Wohnung der Zeugin M… hergerührt habe.
Die Zeugin G… habe im Übrigen zunächst nur erklärt, im September 2014 Lärm gehört zu haben, wobei eine Person aus der Wohnung des Beklagten rausgeworfen worden sein soll. Jedoch habe auch die Zeugin G… erklärt, keinen Lärm aus der Wohnung der Zeugin M… gehört zu haben, obwohl die Zeugin M… selbst eingeräumt hätte, dass sie am Silvesterabend 2015/2016 lautstark gefeiert hätten und auch im Übrigen Besuch empfangen und dann Fernsehen schauen bzw. Musik hören würden.
Die Zeugin D… habe zudem ausgesagt, dass sie aus seiner – des Beklagten – Wohnung noch nie Lärm gehört habe. Zwar würde sie das Kind kennen, welches hin und wieder in seiner – des Beklagten – Wohnung sei, laute Musik oder Gespräche habe sie aber nicht aus seiner Wohnung gehört.
Allerdings habe auch die Zeugin D… erklärt, dass sie ab und zu aus der Wohnung der Zeugin M… und ihres Lebensgefährten – des Zeugen B… – Partygeräusche gehört habe. Soweit die Zeugin D… insofern also überhaupt Geräusche wahrgenommen habe, die sich störend ausgewirkt hätten, hätten diese Geräusche aus der Wohnung bzw. von dem Balkon der Zeugin M… und des Zeugen B… gestammt und nicht aus seiner – des Beklagten – Wohnung.
Im Ergebnis der Beweisaufnahme sei hier also festzustellen, dass wohl zwar hin und wieder störende Geräusche in dem streitgegenständlichen Haus auftreten würden, allerdings diese Geräusche nicht ihm – dem Beklagten – zuzuordnen seien, sondern der Zeugin M… und deren Lebensgefährten, dem Zeugen B… .
Damit würde die Klägerin hinsichtlich der Kündigungsgründe jedoch hier völlig beweisfällig bleiben, so dass die Klage mithin abzuweisen sei.
Entgegen der Auffassung der Klägerseite sei es im Übrigen auch wohl nicht so, dass sich Geräusche stets vertikal ausbreiten, sondern schon aus physikalischen Gründen stets in alle Richtungen gleichermaßen ausbreiten würden. Insofern würden die Ausführungen der Klägerseite hier nicht überzeugen, so dass auch den geltend gemachten Anspruch nicht zu entsprechen sei.
Da somit ein Kündigungsgrund hier nicht bestehe und die fristlose Kündigung ebenso wie die hilfsweise ausgesprochene fristgemäße Kündigung unwirksam seien, sei die Räumungsklage auch abzuweisen.
Lediglich vorsorglich würde er – insbesondere vor dem Hintergrund seiner finanziellen Situation und der damit im Zusammenhang stehenden schwierigen Wohnungssuche – beantragen, ihm eine angemessene Räumungsfrist gemäß § 721 ZPO von mindestens 6 Monaten zu gewähren.
Das Gericht hat nach Maßgabe der Beweisbeschlüsse vom 17.03.2017 Beweis erhoben. Hinsichtlich der Vernehmung der Zeugen W…, M…, K…, H…, B…, G…, D… und B… wird auf den Inhalt des Sitzungsprotokolls vom 17.03.2017 verwiesen.
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des angerufenen Amtsgerichts ergibt sich aus § 23 Nr. 2. Buchstabe a) GVG in Verbindung mit § 29a ZPO.
Die zulässige Klage ist nicht begründet. Der Klägerin steht gegenüber dem Beklagten ein Anspruch auf Räumung und Herausgabe der streitbefangenen Wohnung, gelegen in… nicht zu (§§ 242, 543, 545, 546, 569, 573 BGB) wobei hier zu beachten ist, dass die Vorschriften der §§ 535 ff. BGB nach herrschender Rechtsprechung auch auf Dauernutzungsverträge zwischen Genossenschaften – wie hier der Klägerin – und deren Mitgliedern – wie hier dem Beklagten – über die Überlassung von Wohnräumen anwendbar sind (BGH, Urteil vom 24.03.2010, Az.: VIII ZR 177/09, u.a. in: NJW 2010, Seiten 1590 ff.; BGH, Urteil vom 14.10.2009, Az.: VIII ZR 159/08, u.a. in: NJW-RR 2010, Seiten 226 f.; BGH, Urteil vom 10.09.2003, Az.: VIII ZR 22/03, u.a. in: NJW-RR 2004, Seiten 12 f.; OLG Karlsruhe, ZMR 1985, Seite 122; LG Essen, ZMR 1972, Seite 11; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 17.07.2001, Az.: 32 C 169/00, u.a. in: Grundeigentum 2001, Seite 1134 = BeckRS 2001, Nr.: 30996309).
Ein wichtiger Grund im Sinne des § 543 Abs. 1 BGB liegt gemäß § 569 Abs. 2 BGB insbesondere dann vor, wenn eine Vertragspartei den Hausfrieden nachhaltig stört, so dass dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Mietverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zur sonstigen Beendigung des Mietverhältnisses nicht zugemutet werden kann (AG Siegburg, Urteil vom 16.01.2013, Az.: 123 C 109/12, u.a. in: „juris“; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 17.07.2001, Az.: 32 C 169/00, u.a. in: Grundeigentum 2001, Seite 1134 = BeckRS 2001, Nr.: 30996309).
Das Bestehen derartige Lärmbelästigungen können zwar mit jedem zulässigen Beweismittel, insbesondere – wie auch hier – durch Vernehmung der betroffenen Mitmieter bzw. Nachbarn nachgewiesen werden (OLG Düsseldorf, ZMR 1991, Seite 269 = DWW 1991, Seite 304; OLG Düsseldorf, WuM 1996, Seite 56; AG Siegburg, Urteil vom 16.01.2013, Az.: 123 C 109/12, u.a. in: „juris“; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 17.07.2001, Az.: 32 C 169/00, u.a. in: Grundeigentum 2001, Seite 1134 = BeckRS 2001, Nr.: 30996309).
Da hier aber mehr als nur streitig ist, ob die Lärmbelästigungen tatsächlich vom Beklagten bzw. dessen Gäste/Besucher verursacht wurden, musste die Klägerin als Vermieterin in dieser Sache auch beweisen, dass es sich bei den Lärmverursachern tatsächlich um den Beklagten bzw. dessen Gäste/Besucher – und nicht etwa um andere Mieter bzw. deren Gäste/Besucher oder sogar beliebige Dritte – handelte (OLG München, Urteil vom 09.02.1996, Az.: 21 U 4494/94, u.a. in: OLG-Report 1996, Seite 109 = ZMR 1996, Seiten 487 ff. = NJWE-MietR 1996, Seite 270; Blank, in: Schmidt-Futterer, Mietrecht, 12. Auflage 2015, § 543 BGB, Rn. 235), so dass mithin hier also der Klägerin die Beweislast für die behauptete Lärmverursachung durch den Beklagten bzw. dessen Gäste/Besucher oblag (KG Berlin, Urteil vom 24.05.2007, Az.: 8 U 193/06, u.a. in: Grundeigentum 2007, Seiten 1483 f.; OLG München, Urteil vom 09.02.1996, Az.: 21 U 4494/94, u.a. in: OLG-Report 1996, Seite 109 = ZMR 1996, Seiten 487 ff. = NJWE-MietR 1996, Seite 270; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 21.04.2017, Az.: 31 C 37/17, u.a. in: BeckRS 2017, Nr.: 107690 = „juris“ = IBRRS 2017, 1544; AG Bremen, Urteil vom 30.04.2015, Az.: 5 C 135/15, u.a. in: WuM 2015, Seiten 562 ff.; AG Bonn, Beschluss vom 10.02.2014, Az.: 204 C 66/14, u.a. in: „juris“).
Insofern hat die Zeugin M… jedoch ausgesagt, dass am Silvesterabend 2015/2016 zu ihrer Wohnung (und somit nicht zu der daneben liegenden Wohnung des Beklagten) die Polizisten gekommen seien, weil laute Geräusche aus ihrer Wohnung kamen. Sie – die Zeugin M. – habe nämlich in dieser Nacht zusammen mit ihrem Lebensgefährten – dem Zeugen B… – und dessen Eltern Silvester 2015/2016 in ihrer Wohnung gefeiert. Zwar habe sie – die Zeugin M… – es nicht als laut empfunden, jedoch seien dann die Polizisten auch wieder losgegangen.
Der Klägerin steht daher gegenüber dem Beklagten hier nach Überzeugung des erkennenden Gerichts ein Anspruch auf Räumung und Herausgabe der streitbefangenen Wohnung nicht zu, so dass die Klage nunmehr auch abzuweisen ist.
Zudem ist noch der Streitwert des Rechtsstreits durch das Gericht hier festzusetzen gewesen.
BGH, Urteil vom 12. März 2008 - VIII ZR 188/07 Abrechnung der Wasserkosten nach dem…
AG Hamburg-Harburg, Urteil vom 07.03.2014 - 641 C 377/13 1. Die Bienenhaltung auf dem Balkon…
Amtsgericht München, Urteil vom 12.5.14 – 424 C 28654/13 Ein Hund in der Wohnung reicht…
Schadensersatzansprüche des Vermieters bei Einnässen der Matratzen einer Ferienmietwohnung durch ein 4-jähriges Kind
LG Cottbus, Urteil vom 25.09.2013 - 5 S 42/13 Schadensersatzansprüche des Vermieters bei Einnässen der…
BGH, Urteil vom 03.12.2012 - VIII ZR 181/12 Es liegt auf der Hand, dass die…
Dieser Beitrag wurde unter Mietrecht abgelegt und mit fristlose Kündigung, Lärmbelästigung verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

References: § 569
 § 721
 § 23
 § 29
 § 543
 § 569
 § 543