Source: https://rechtsanwalt-und-sozialrecht.de/hartz-iv-berechnen/
Timestamp: 2018-12-14 00:58:42+00:00

Document:
Hartz IV berechnen - mit Erläuterungen und Beispielen
Die Berechnung der Leistungen zum Hartz IV ist kein „Hexenwerk“. Zunächst ist der Gesamtbedarf zu ermitteln. Dann wirkt sich Einkommen – soweit es angerechnet werden muss – leistungsmindernd aus. Hat der Antragsteller ein zu hohes Vermögen, so muss er dies ggf. eingesetzen, bevor Hartz IV-Leistungen gewährt werden.
1. Ermittlung des Gesamtbedarfes
Der Gesamtbedarf zur Berechnung der Hartz IV Leistungen ergibt sich im Wesentlichen aus der Summe des Regelbedarfs, der Kosten der Unterkunft und ggf. vorhandener Mehrbedarfe:
416 € 748 € = (2 x 374 €) 240 €, 296 €, 316 € (bis 5-, 14- und 18-Jahre)
zunächst in voller Höhe, später nur noch „angemessene Kosten“:
angemessene Größe: höchstens 50 qm
angemessene Kosten: je nach Region
angemessene Größe: höchstens 65 qm
angemessene Größe, zusätzlich 15 qm pro Kind
Mehrbedarf für werdende Mütter gemäß § 21 Abs. 2 SGB II i. H. v. 17 %
Mehrbedarf für Alleinerziehende gemäß § 21 Abs. 3 SGB II i. H. v. 36 % bzw. 12 %
Mehrbedarf für Behinderte gemäß § 21 Abs. 4 SGB II i. H. v. 35 %
Mehrbedarf bei kostenaufwändiger Ernährung gemäß § 21 Abs. 5 SGB II in angemesser Höhe
unabweisbarer Mehrbedarf gemäß § 21 Abs. 6 SGB II in angemessener Höhe
Mehrbedarf für Warmwasser­erzeu­gung gemäß § 21 Abs. 7 SGB II i. H. v. 2,3 bis 0,8 %
wie zuvor, pro Person wie zuvor, pro Person
Beispiel 1 zur Berechnung von Hartz IV Leistungen:
Eine 27-jährige alleinerziehende Mutter mit einem zweijährigen Kind hat eine 65-qm große Wohnung und muss dafür monatlich 400,00 € zahlen.
Warmwasser wird nicht zentral geliefert. Warmwasser muss sie selber mit einem Durchlauferhitzer erzeugen.
Regelbedarf Mutter: 416,00 €
Regelbedarf Kind: 240,00 €
Kosten der Unterkunft: 400,00 €
Alleinerziehendenzuschlag 416 € x 36 % = 149,76 €
Mehrbedarf für Warmwassererzeugung für die Mutter: 416 € x 2,3 % = 9,57 €
Mehrbedarf für Warmwassererzeugung für das Kind: 240 € x 0,8 % = 1,92 €
Summe 1.217,25 €
2. Abzug des anrechenbaren Einkommens
Von dem oben ermittelten Gesamtbedarf ist zur Ermittlung der auszureichenden Hartz IV-Leistungen das anrechenbare Einkommen abzusetzen. Zum anrechenbaren Einkommen gehören insbesondere Einkommen aus selbstständiger und nichtselbstständiger Erwerbstätigkeit abzüglich der Aufwendungen bzw. der Freibeträge. Aber auch das Kindergeld sowie das Elterngeld und Unterhaltsleistungen werden bei der Berechnung der Hartz IV-Leistungen angerechnet.
Absetzbeträge gem. § 11 b Abs. 1 SGB II für Erwerbstätige:
öffentliche und private Versicherungen,
in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen
Pauschbetrag gem. § 11 b Abs. 2 S. 1 SGB II 100,00 €
Freibeträge auf das Einkommen aus Erwerbstätigkeit
über 100 € bis 1000 € gemäß § 11 b Abs. 3 Nr. 1 SGB II
über 1000 € bis 1200 € gemäß § 11 b Abs. 3 Nr. 2 SGB II
Pauschbetrag in Höhe von 20 % des über 100 € bis 1000 € liegenden Einkommens (Abzugsbetrag also höchstens 180,00 €)
Pauschbetrag in Höhe von 10 % des über 1000 € bis 1200 € liegenden Einkommens (Abzugsbetrag also höchstens 20,00 €)
Von der Anrechnung ausgenommen werden ausnahmsweise z. B.:
– Pflegegeld,
– Eigenheimzulage,
– Kindergeld nur, wenn es nachweislich weitergeleitet wird
– Einnahmen aus Ferienjob für Schüler
– Fahrkosten bei der Ausbildungsförderung
– Verpflegung, die nicht als Teil des Einkommens bereitgestellt wird
– Geldgeschenke an Minderjährige
Beispiel 2 zur Berechnung von Hartz IV-Leistungen:
Die oben in Beispiel 1 genannte 27-jährige alleinerziehende Mutter erhält Kindergeld in Höhe von monatlich 194,00 €. Sie hat einen 450,00 €-Job (und führt führt freiwillig keine Rentenversicherungsbeiträge ab). Zusätzlich erhält sie für das Kind auch Unterhaltsvorschuss in Höhe von 154,00 € monatlich:
Gesamtbedarf (s. o.) 1.217,25 €
– Einnahmen aus Kindergeld – 194,00 €
– Einnahmen aus Erwerbstätigkeit
Pauschbetrag aus § 11 b Abs. 2 S. 1 SGB II
Betrag aus § 11 b Abs. 3 SGB II
– 450,00 €
Unterhaltsvorschuss – 154,00 €
Summe 589,25 €
III. Einzusetzendes Vermögen
Grundsätzlich sind für die Anrechnung von Vermögen alle verwertbaren Vermögensgegenstände zu berücksichtigen. Freibeträge werden in § 12 SGB II benannt.
Ausnahmsweise sind bestimmtes Altersvorsorgebeträge geschützt, § 12 Abs. 2 Nrn 2 und 3 SGB II. Hausrat, ein angemessenes Fahrzeug und andere in § 12 Abs. 3 SGB II genannte Vermögenswerte sind ebenfalls geschützt.
Nicht zu berücksichtigendes Vermögen:
Vermögensfreibetrag nach Alter gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 1 SGB II pro Lebensjahr 150,00 € für Volljährige
Vermögensfreibetrag für Kinder gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 1 a SGB II 3.100,00 €
Beispiel 3 zur Berechnung von Hartz IV Leistungen:
Die oben genannte 27-jährige alleinerziehende Mutter hat ein Sparbuch über 4.500,00 €. Sie fährt ein Auto mit einem Verkehrswert in Höhe von 5.000,00 €.
Ihr Kind hat ein Sparbuch über 3.200,00 €.
Grundfreibetrag für die Mutter 27 x 150,00 € = 4.050,00 €
Grundfreibetrag für das Kind 3.100,00 €
Auto Schutz nach § 12 Abs. 3 Nr. 2 SGB II
verbleibender Betrag 550,00 €
Schutz nach § 12 Abs. 2 Nr. 4 SGB II, Freibetrag für notwendige Anschaffungen pro Person 2 x 750,00 € = 1.500,00 €
Im Ergebnis muss die Mutter also nicht fürchten, auf den Einsatz ihres Vermögens verwiesen zu werden.
Bitte beachten Sie, dass der vorstehende Beitrag nur eine erste Skizze über die mannigfaltigen Problemstellungen bei der Berechnung der Leistungen zum Hartz IV liefern kann. Vertiefende Artikel finden Sie in dem hiesigen Internetauftritt. Beiträge zu den Sie interessierenden Fragen können Sie z. B. über die Übersichtsseite zum Hartz IV sowie auch über das Stichwortverzeichnis finden.
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References: § 21
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 § 11
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 § 12
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