Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHSt%2054,%20148
Timestamp: 2019-04-21 09:18:35+00:00

Document:
BGH, 17.09.2009 - 5 StR 521/08 - dejure.org
Untreue (Treubruchstatbestand; Missbrauchstatbestand; Vermögensbetreuungspflicht des Aufsichtsrates); Betriebsrat (Ehrenamt; Unentgeltlichkeit; Vergütungsverbot); Vorsatz (Kenntnis der Pflichtwidrigkeit; Beweiswürdigung; Verschleierungshandlungen); Betriebsrat (VW; Volkswagen; Vergütung); vermeidbarer Verbotsirrtum; Strafantrag (Prokurist); Täterschaft und Teilnahme bei der Untreue; Betriebsratsbegünstigung und Begünstigung eines europäischen Betriebsrats
Untreue durch Zuwendungen an Betriebsräte ("VW")
Untreue bei Zuwendung an Betriebsrat durch Vorstandsmitglied
Zur Untreuestrafbarkeit von Zuwendungen an Betriebsräte; wirksame Strafantragsstellung wegen Betriebsratsbegünstigung nur durch den Vorstand, nicht durch Prokuristen einer Aktiengesellschaft
Betriebsratsmitglied, Strafverfahren
Aufsichtsrat: Untreuerisiko
Zuwendung an Betriebsrat ist strafbare Untreue!
manager-magazin.de (Pressebericht zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 15.09.2009)
VW-Affäre: Das Schweigen der Lämmer
StGB § 266; BetrVG § 78 Satz 2
Strafverfahren gegen den VW-Betriebsratvorsitzenden Klaus Volkert
Peter Hartz // Veruntreuung von Firmengeldern
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 17.09.2009, Az.: 5 StR 521/08 ("Großzügige Behandlung" von Betriebsräten als Untreue - Fall Gebauer/Volkert)" von LOStA Folkmar Bittmann, original erschienen in: NJW 2010, 98 - 99.
Kurznachricht zu "Pflichtverletzung und Vermögensnachteil bei der Untreue" von Wiss. Mit. Johannes Corsten, original erschienen in: wistra 2010, 206 - 210.
BGHSt 54, 148
NJW 2010, 92
ZIP 2009, 2110
WM 2009, 2141
(2) Bei einer Aktiengesellschaft bestimmen sich Umfang und Grenzen der Vermögensbetreuungspflichten der Organe grundsätzlich nach Maßgabe der §§ 76, 93, 116 AktG (vgl. BGH, Urteil vom 21. Dezember 2005 - 3 StR 470/04, BGHSt 50, 331, 335 f. für den Aufsichtsrat; BGH, Urteil vom 17. September 2009 - 5 StR 521/08, BGHSt 54, 148 Rn. 36 für den Vorstand).
Selbst wenn N. eine Vermögensbetreuungspflicht oblegen haben sollte, führt dies weder allein (vgl. BGH, Beschluss vom 1. April 2008 - 3 StR 493/07, wistra 2008, 427, 428; Urteil vom 17. September 2009 - 5 StR 521/08, NJW 2010, 92, 97;… Maurach/Schroeder/Maiwald, BT 1, 10. Aufl., § 45 Rn. 21;… MüKo-StGB/Joecks, 2. Aufl., § 25 Rn. 186;… SK-StGB/Hoyer, 32. EL, § 25 Rn. 21 ff.; aA Roxin, Täterschaft und Tatherrschaft, S. 355 ff.;… LK/Schünemann, StGB, 12. Aufl., § 25 Rn. 39 ff., 43 f.;… S/S/Heine/Weißer, StGB, 29. Aufl., Vor § 25 Rn. 82;… SSW-StGB/Saliger, 2. Aufl., § 266 Rn. 107) noch in der Zusammenschau mit den weiteren seine Beteiligung kennzeichnenden Umstände zu einem anderen Ergebnis.
Die Angeklagten traf in ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglieder der HSH Nordbank AG eine Vermögenspflicht, deren Umfang und Grenzen sich grundsätzlich nach Maßgabe der §§ 76, 93 AktG bestimmt (vgl. BGHSt 54, 148 Rn. 36;… BGHSt 55, 288 Rn. 37).
Die tatgerichtliche Bewertung der Beteiligungsform ist nur einer eingeschränkten revisionsgerichtlichen Kontrolle zugänglich (BGH, Urteil vom 17. September 2009 - 5 StR 521/08, NJW 2010, 92, 97).
Die Erwägung des Angeklagten, dem Betriebsratsvorsitzenden mit den Zahlungen einen Anreiz zu bieten, die übrigen Betriebsräte "unter der Decke' zu halten, stellt keinen beachtlichen Belang des Unternehmenswohls dar (vgl. BGH, Urteil vom 17. September 2009 - 5 StR 521/08, BGHSt 54, 148, 159).
Der 5. Senat des Bundesgerichtshofs hat unter Hinweis auf das zitierte Urteil des 3. Senats auch bei einem Aufsichtsratsmitglied, das zugleich Arbeitnehmer war, angenommen, dass diesen ausnahmsweise keine Vermögensbetreuungspflicht treffe, wenn dessen eigene Vergütungsangelegenheiten betroffen seien (BGH, Urteil vom 17.09.2009, 5 StR 521/08, juris, Rn. 84 - Volkswagen).
Das Berufungsgericht ist zutreffend davon ausgegangen, dass die Annahme einer Vermögensbetreuungspflicht eine qualifizierte Pflichtenstellung des Betroffenen erfordert, die über allgemeine vertragliche Sorgfalts- und Rücksichtsnahmepflichten hinausgeht (vgl. BGHSt 1, 186, 188; 33, 244, 251; 54, 148 Rn. 54).
Die Verpflichtung muss den wesentlichen Inhalt des Vertragsverhältnisses ausmachen (vgl. BGHSt 1, 186, 188; 33, 244, 251; 54, 148 Rn. 54).
Die Nichtzulassungsbeschwerde beanstandet zu Recht, dass das Berufungsgericht die Anforderungen an die Darlegung sog. innerer Tatsachen überspannt und den Kern des Vorbringens der Klägerin verkannt hat (vgl. zum Untreuevorsatz BGHSt 54, 148 Rn. 41 ff.).
Dies gilt auch in Ansehung des Umstands, dass die Vermögensbetreuungspflicht grundsätzlich eine Grenze in eigenen Vergütungsangelegenheiten findet, weil die Interessen von Vermögensinhaber und Treupflichtigem insoweit nicht gleichgerichtet sind (BGH, Urteil vom 21. Dezember 2005 - 3 StR 470/04, NJW 2006, 522, 530; Urteil vom 17. September 2009 - 5 StR 521/08, wistra 2009, 468, 475;… Schünemann, Organuntreue, 2004, S. 19;… Seier in Achenbach/Ransiek, Handbuch Wirtschaftsstrafrecht, 3. Aufl., 5. Teil, Kapitel 2 Rn. 226; kritisch: Peltzer, ZIP 2006, 205, 208 f. mwN).

References: § 266
 § 78
 BGH 
 § 45
 § 25
 § 25
 § 25
 § 25
 § 266