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Timestamp: 2020-01-19 03:11:46+00:00

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Vorsteuervergütung — nicht mit Rechnungskopie | Außenwirtschaftslupe
Vorsteuervergütung - nicht mit Rechnungskopie
Vorsteuervergütung — nicht mit Rechnungskopie
Es liegt daher kein zur Vor­steu­er­ver­gü­tung berech­ti­gen­der Antrag nach § 18 Abs. 9 UStG vor, wenn mit dem Antrag nicht das Ori­gi­nal der Rech­nung, aus der der Vor­steu­er­ab­zug gel­tend gemacht wird, son­dern nur eine Kopie vor­ge­legt wird. Die spä­te­re — nach Ablauf der Aus­schluss­frist erfolg­te — Vor­la­ge der Ori­gi­nal­rech­nung im Kla­ge­ver­fah­ren heilt die­ses Ver­säum­nis nicht.
Bei der Antrags­frist des § 18 Abs. 9 UStG han­delt es sich um eine Aus­schluss­frist1. Sie wird nur durch einen voll­stän­di­gen, dem amt­li­chen Mus­ter in allen Ein­zel­hei­ten ent­spre­chen­den Antrag gewahrt2. Aus der geset­zes­sys­te­ma­ti­schen Stel­lung des § 18 Abs. 9 Satz 4 UStG zwi­schen § 18 Abs. 9 Sät­ze 3 und 5 UStG, in denen aus­drück­lich der Ver­gü­tungs­an­trag genannt ist, ergibt sich, dass bereits mit dem Ver­gü­tungs­an­trag die Rech­nun­gen und Ein­fuhr­be­le­ge im Ori­gi­nal bei­zu­fü­gen sind3. Hier­an hält der Bun­des­fi­nanz­hof fest. Im vor­lie­gen­den Fall konn­te weder der frist­ge­rech­te Antrag unter Bei­fü­gung nur einer Kopie der Ori­gi­nal­rech­nung noch die Vor­la­ge der Ori­gi­nal­rech­nung mit Kla­ge­er­he­bung nach Ablauf der Frist des § 18 Abs. 9 UStG einen Ver­gü­tungs­an­spruch der Klä­ge­rin begrün­den.
Die hier­ge­gen erho­be­nen Ein­wen­dun­gen grei­fen nicht durch. Ob und ggf. in wel­chem Umfang sich die im Dritt­lands­ge­biet ansäs­si­ge Klä­ge­rin auf für im Gemein­schafts­ge­biet ansäs­si­ge Steu­er­pflich­ti­ge gel­ten­de uni­ons­recht­li­che Grund­sät­ze beru­fen kann, ist frag­lich. Denn die dem Anwen­dungs­be­reich der Drei­zehn­ten Richt­li­nie 86/​560/​EWG des Rates vom 17.11.1986 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern – Ver­fah­ren der Erstat­tung der Mehr­wert­steu­er an nicht im Gebiet der Gemein­schaft ansäs­si­ge Steu­er­pflich­ti­ge unter­lie­gen­den Unter­neh­mer in Dritt­län­dern kön­nen anders behan­delt wer­den als die dem Anwen­dungs­be­reich der Ach­ten Richt­li­nie 79/​1072/​EWG des Rates vom 06.12 1979 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern – Ver­fah­ren zur Erstat­tung der Mehr­wert­steu­er an nicht im Inland ansäs­si­ge Steu­er­pflich­ti­ge unter­lie­gen­den Unter­neh­mer im Uni­ons­ge­biet. Eine Ungleich­be­hand­lung ver­stößt inso­weit nicht gegen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung nach Art. 12 des Ver­trags zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft ‑EGV- (Art. 18 AEUV), weil das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot kei­ne Anwen­dung im Fal­le einer Ungleich­be­hand­lung zwi­schen Ange­hö­ri­gen der Mit­glied­staa­ten und Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen fin­det4.
Aus dem Urteil „Socié­té géné­ra­le des gran­des sources d‚eaux miné­ra­les françai­ses” des EuGH5 folgt, dass ein nicht im Inland ansäs­si­ger Steu­er­pflich­ti­ger einem Erstat­tungs­an­trag grund­sätz­lich die Ori­gi­nal­rech­nun­gen und Ori­gi­nal­ein­fuhr­do­ku­men­te bei­zu­fü­gen hat, aus denen sich die Umsatz­steu­er­be­trä­ge erge­ben, deren Erstat­tung bean­tragt wird6. Dabei muss aber das abge­lei­te­te Recht die all­ge­mei­nen Rechts­grund­sät­ze und vor allem den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit beach­ten7. Nach dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit dür­fen Maß­nah­men nicht über das zur Errei­chung ihres Zie­les Erfor­der­li­che hin­aus­ge­hen8. Das Erfor­der­nis der Vor­la­ge der Ori­gi­nal­rech­nung ist unter dem Gesichts­punkt der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit grund­sätz­lich berech­tigt, weil es das ein­zi­ge Mit­tel dar­stellt, um eine Mehr­fach­ver­gü­tung der Umsatz­steu­er mit Sicher­heit aus­zu­schlie­ßen und die Aner­ken­nung von Zweit­schrif­ten oder Kopi­en das Risi­ko von Mehr­fach­ver­gü­tun­gen birgt.
Aller­dings folgt aus dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, dass der für im Gemein­schafts­ge­biet ansäs­si­ge Steu­er­pflich­ti­ge gel­ten­de Art. 3 Buchst. a der Richt­li­nie 79/​1072/​EWG dahin aus­zu­le­gen ist, dass es einem Mit­glied­staat nicht ver­wehrt ist, in sei­nem inner­staat­li­chen Recht die Mög­lich­keit vor­zu­se­hen, dass ein nicht im Inland ansäs­si­ger Steu­er­pflich­ti­ger bei von ihm nicht zu ver­tre­ten­dem Abhan­den­kom­men einer Rech­nung oder eines Ein­fuhr­do­ku­ments den Nach­weis sei­nes Erstat­tungs­an­spruchs durch Vor­la­ge einer Zweit­schrift der Rech­nung oder des frag­li­chen Ein­fuhr­do­ku­ments führt, wenn der dem Erstat­tungs­an­trag zugrun­de lie­gen­de Vor­gang statt­ge­fun­den hat und kei­ne Gefahr besteht, dass wei­te­re Erstat­tungs­an­trä­ge gestellt wer­den9.
Des Wei­te­ren folgt aus dem Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des Art. 6 EGV, dass ein Mit­glied­staat der EU, der ‑wie die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land- den in sei­nem Staats­ge­biet ansäs­si­gen Steu­er­pflich­ti­gen die Mög­lich­keit ein­räumt, bei von ihnen nicht zu ver­tre­ten­dem Abhan­den­kom­men der Ori­gi­nal­rech­nung den Nach­weis ihres Anspruchs auf Erstat­tung der Umsatz­steu­er durch Vor­la­ge einer Zweit­schrift oder einer Ablich­tung der Rech­nung zu füh­ren, die­se Mög­lich­keit auch nicht in die­sem Mit­glied­staat ansäs­si­gen Steu­er­pflich­ti­gen ein­räu­men muss, wenn der dem Erstat­tungs­an­trag zugrun­de lie­gen­de Vor­gang zwei­fels­frei statt­ge­fun­den hat, das Abhan­den­kom­men der Rech­nung oder des Ein­fuhr­do­ku­ments vom Steu­er­pflich­ti­gen nicht zu ver­tre­ten ist und in Anbe­tracht der Umstän­de fest­steht, dass die Gefahr wei­te­rer Erstat­tungs­an­trä­ge nicht gege­ben ist10.
Ein Ver­zicht auf die Vor­la­ge der Ori­gi­nal­rech­nung kommt sowohl unter dem Gesichts­punkt des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes als auch unter dem des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­tes nur in Betracht, wenn das Abhan­den­kom­men der Rech­nung oder des Ein­fuhr­do­ku­ments vom Steu­er­pflich­ti­gen nicht zu ver­tre­ten ist11. Das Unver­mö­gen der Klä­ge­rin, die Ori­gi­nal­rech­nung inner­halb der Frist des § 18 Abs. 9 UStG vor­zu­le­gen, beruht aber auf einem von ihr zu ver­tre­ten­den Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den. Die Klä­ge­rin hat es ver­säumt, ihre Beleg­ver­wal­tung so zu orga­ni­sie­ren, dass ihr ein jeder­zei­ti­ger Zugriff auf Ein­gangs­rech­nun­gen mög­lich war. Dass der Ver­bleib der Rech­nung des B vom 13.09.2006 im Zuge eines Umzu­ges zwi­schen­zeit­lich über einen län­ge­ren Zeit­raum unklar war, liegt im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Klä­ge­rin.
Es liegt auch kein Ver­stoß gegen sons­ti­ge uni­ons­recht­li­che Grund­sät­ze, den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nach Art. 3 Abs. 1 GG, gegen Art. 2 Abs. 2 des Gene­ral Agree­ment on Tra­de in Ser­vices (GATS)12, gegen Art. 25 des Abkom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung auf dem Gebie­te der Steu­ern von Ein­kom­men und Ver­mö­gen vom 19.01.197313 oder gegen Art. 11 Abs. 1 des Abkom­mens zwi­schen der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft und der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung auf dem Gebie­te der Nach­lass- und Erb­schaft­steu­ern14 vor. Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­weist inso­weit auf sei­ne Urtei­le in BFHE 242, 535, BSt­Bl II 2014, 46, sowie in BFHE 217, 32, BSt­Bl II 2007, 430.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2014 — V R 39⁄13
Die Aus­schluss­frist des Vor­steu­er­ver­gü­tungs­ver­fah­ren — und die nicht… Durch die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist bereits geklärt, dass der Ver­gü­tungs­an­trag dem amt­li­chen Mus­ter ent­spre­chen muss und die Antrags­frist nur durch einen voll­stän­di­gen, dem amt­li­chen Mus­ter in allen Ein­zel­hei­ten ent­spre­chen­den Antrag gewahrt wird ((vgl. BFH,…
Vor­steu­er­ver­gü­tung und die Steu­er­schuld­ner­schaft im rever­se-char­ge-Ver­fah­ren Mit der Fra­ge, ob die Steu­er­schuld­ner­schaft gemäß § 13b Umsatz­steu­er­ge­setz zum Aus­schluss der Antrags­be­rech­ti­gung im beson­de­ren Vor­steu­er­ver­gü­tungs­ver­fah­ren gemäß § 18 Absatz 9 Umsatz­steu­er­ge­setz führt, hat­te sich aktu­ell das Finanz­ge­richt Köln zu befas­sen: Gemäß § 18…
EuGH, Urteil vom 21.06.2012 — C‑294/​11, Elsa­com, BSt­Bl II 2012, 942; BFH, Urteil vom 08.08.2013 — V R 3⁄11, BFHE 242, 535, BSt­Bl II 2014, 46 [↩]
BFH, Beschluss vom 09.01.2014 — XI B 11⁄13, BFH/​NV 2014, 915 [↩]
BFH, Urteil vom 18.01.2007 — V R 23⁄05, BFHE 217, 32, BSt­Bl II 2007, 430, m.w.N. [↩]
EuGH, Urteil vom 04.06.2009 — C‑22/​08 und — C‑23/​08, Vat­sou­ras Kou­pa­t­ant­ze, Slg. 2009, I‑4585, Rz 52; BFH, Urteil in BFHE 242, 535, BSt­Bl II 2014, 46 [↩]
EuGH, Urteil in Slg. 1998, I‑3495 [↩]
EuGH, Urteil Socié­té géné­ra­le des gran­des sources d‚eaux miné­ra­les françai­ses in Slg. 1998, I‑3495 Rz 26 [↩]
EuGH, Urtei­le Socié­té géné­ra­le des gran­des sources d‚eaux miné­ra­les françai­ses in Slg. 1998, I‑3495, Rz 30; vom 05.07.1977 Rs. — C-114⁄76, Bela-Müh­le, Slg. 1977, 1211, Rz 5 bis 7 [↩]
vgl. z.B. EuGH, Urteil vom 18.12 1997 — C‑286/​94, Molen­hei­de u.a., Slg. 1997, I‑7281, Rz 48; BFH, Urteil vom 22.07.2010 — V R 36⁄08, BFH/​NV 2011, 316 [↩]
EuGH, Urteil Socié­té géné­ra­le des gran­des sources d‚eaux miné­ra­les françai­ses in Slg. 1998, I‑3495, Rz 29 und 31 [↩]
EuGH, Urteil Socié­te géné­ra­le des gran­des sourced d’eaux miné­ra­les fran­cai­ses in Slg. 1998, I‑3495, Rz 36 [↩]
EuGH, Urteil Socié­te géné­ra­le des gran­des sources d’eaux miné­ra­les fran­cai­ses in Slg. 1998, I‑3495, Rz 29 und 36 [↩]
BGBl II 1973, 74 [↩]

References: § 18
 § 18
 § 18
 § 18
 § 18
 Art. 12
 Art. 3
 Art. 6
 § 18
 Art. 3
 Art. 2
 Art. 25
 Art. 11
 § 13
 § 18
 § 18