Source: https://www.juracademy.de/strafrecht-at2/anstiftung-beihilfe-ueberblick.html
Timestamp: 2018-02-17 21:07:47+00:00

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Anstiftung und Beihilfe - Überblick - Schema
Strafrecht Allgemeiner Teil 2 - Anstiftung und Beihilfe - Überblick und Prüfungsschema
Kursangebot | Grundkurs Strafrecht AT II | Anstiftung und Beihilfe - Überblick und Prüfungsschema
Anstiftung und Beihilfe - Überblick und Prüfungsschema
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Im Gegensatz zur Mittäterschaft und mittelbaren Täterschaft begehen die Teilnehmer keine eigene Tat, sondern nehmen an der Tat eines anderen teil. Im Verhältnis zur Täterschaft ist die Teilnahme subsidiär, so dass Sie in der Klausur die Prüfung – sofern es dafür Anhaltspunkte gibt – mit den verschiedenen Möglichkeiten der täterschaftlichen Begehung beginnen sollten. Haben Sie die Täterschaft abgelehnt oder kommt sie ersichtlich nicht in Betracht, so müssen sie eine Anstiftung oder Beihilfe prüfen.
Anstiftung und Beihilfe sind in den §§ 26 und 27 geregelt. Gemäß § 26 ist Anstifter derjenige, der „vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat bestimmt hat“. Für den Anstifter ist dieselbe Strafe zu verhängen wie für den Haupttäter. Gemäß § 27 ist Gehilfe derjenige, „wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat“. Im Gegensatz zum Anstifter ist die Strafe des Gehilfen nach § 49 Abs. 1 i.V.m. § 27 Abs. 2 zu mildern.
Der Strafgrund der Teilnahme wird nach der heute herrschenden, akzessorietätsorientierten Verursachungstheorie darin gesehen, dass der Teilnehmende durch eine eigene Unterstützungshandlung vorsätzlich einen eigenen Rechtsgutsangriff begeht, der aber in seiner Wirksamkeit von dem Vorliegen einer vorsätzlichen und rechtswidrigen Haupttat abhängig ist.
Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT Rn. 552.
Aus diesem Grund fangen Sie in der Klausur auch stets mit der Strafbarkeit des Haupttäters an, da Sie erst danach feststellen können, ob der Teilnehmer eine Unterstützungshandlung zu dieser Tat geleistet hat. Sollte ausnahmsweise nicht nach der Strafbarkeit des Haupttäters gefragt sein, müssen Sie dessen Tat im objektiven Tatbestand unter dem Prüfungspunkt „vorsätzliche rechtswidrige Haupttat“ inzident prüfen.
Der Strafgrund der Teilnahme kann relevant werden in den Fällen, in denen eine täterschaftliche Begehung aufgrund der Struktur der Norm nicht möglich ist.
A ist angeklagt, einen Raubüberfall begangen zu haben, was tatsächlich auch stimmt. Er stiftet seine Freundin F an, ihm für die Tatzeit ein Alibi zu geben. F sagt dementsprechend sehr überzeugend vor Gericht aus, so dass A freigesprochen wird.
F hat sich gem. § 258 Abs. 1 strafbar gemacht. Fraglich ist, ob für A eine Strafbarkeit gem. §§ 258 Abs. 1, 26 in Betracht kommt. Zu bedenken ist nämlich, dass A sich nicht als Täter gem. § 258 Abs. 1 strafbar machen kann, da schon Abs. 1 voraussetzt, dass die Verfolgung eines „anderen“ vereitelt werden muss. Handelt der Täter also zu eigenen Gunsten, so ist er straflos. Sieht man den Strafgrund der Anstiftung nicht in der Korrumpierung eines anderen, sondern in dem Rechtsgutsangriff, scheidet eine Anstiftung aus, da das Rechtsgut nicht vor Angriffen des A geschützt werden soll.
Der Prüfungsaufbau für Anstiftung und Beihilfe sieht dementsprechend wie folgt aus:
Wie prüft man: Anstiftung und Beihilfe
Strafbarkeit des Haupttäters
Strafbarkeit des Beteiligten als Anstifter oder Gehilfe
Vorliegen einer vorsätzlichen und rechtswidrigen Haupttat eines anderen
Teilnehmerbeitrag, d. h. entweder
„bestimmen“ im Sinne des § 26 oder aber
Schaffen tatanreizender Situationen
Aufstiftung, Umstiftung, Abstiftung
„fördern“ im Sinne des § 27
sozial- oder berufstypische Handlungen
Vorsatz in Bezug auf die Vollendung der vorsätzlichen rechtswidrigen Haupttat
error in objecto vel persona beim Haupttäter
Vorsatz in Bezug auf den eigenen Teilnehmerbeitrag
Tatbestandsverschiebung gem. § 28 Abs. 2
§§ 211/212
Strafmilderung gem. §§ 28 Abs. 1, 27 Abs. 2 S. 2
a)Vorsatz in Bezug auf die Haupttat des anderen
b)Vorsatz in Bezug auf die eigene Tathandlung
b)strafschärfend oder strafbegündend?
Strafbarkeit des Teilnehmers als Anstifter oder Beihelfender
vorsätzliche rechtswidrige Haupttat eines anderen
bestimmen § 26 StGB oder Hilfe leisten § 27 StGB
Tatbestandsverschiebung gem. § 28 II StGB
persönliche Merkmale beim Teilnehmer prüfen
Strafmilderung gem. § 28 I StGB oder § 27 II 2 StGB

References: § 26
 § 27
 § 49
 § 27
 § 258
 § 258
 § 26
 § 27
 § 28
 § 26
 § 27
 § 28
 § 28
 § 27