Source: https://www.kostenlose-urteile.de/BVerfG_2-BvE-219_Polizeiliches-Betreten-von-Abgeordnetenbueros-stellt-Verstoss-gegen-das-Grundgesetz-dar.news28901.htm
Timestamp: 2020-08-03 17:35:33+00:00

Document:
Beschluss > 2 BvE 2/19 | BVerfG - Polizeiliches Betreten von Abgeordnetenbüros stellt Verstoß gegen das Grundgesetz dar < kostenlose-urteile.de
Im hier zugrunde liegenden Fall hatten die Beamten anlässlich eines Staatsbesuchs des türkischen Staatspräsidenten dort angebrachte Plakatierungen mit Zeichen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG entfernt.
Beamte betraten unerlaubt Abgeordnetenräume und entfernten Plakate der YPG
Der Antragsteller als Mitglied der Fraktion DIE LINKE dem Deutschen Bundestag an. Im September 2018 hielt sich der türkische Staatspräsident in Berlin auf. Anlässlich dieses Staatsbesuchs wurden Straßensperrungen im Regierungsviertel vorgenommen, wobei sich innerhalb des gesperrten Gebiets auch das Gebäude mit den Abgeordnetenräumen des Antragstellers befand. Im Bereich der Fenster dieser Räume, die zum abgesperrten Straßenbereich gerichtet sind, hingen auf Papier gedruckte Abbildungen von Zeichen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG in Syrien, jeweils im Format DIN A4. Beamte der Polizei beim Deutschen Bundestag stellten diese Plakatierungen anlässlich eines Kontrollgangs fest, als die Straßensperrungen im Bereich des Gebäudes bereits wieder aufgehoben waren. Der Antragsteller hielt sich zu diesem Zeitpunkt nicht in seinen Abgeordnetenräumen auf. Versuche, ihn telefonisch oder auf anderem Wege zu erreichen, unternahm die Polizei beim Deutschen Bundestag nicht. Die Beamten betraten die Abgeordnetenräume und nahmen die Plakatierungen ab. Der Antragsteller begehrt die Feststellung, dass er durch das Betreten und das Durchsuchen seiner Abgeordnetenräume in seinen verfassungsmäßigen Rechten als Abgeordneter verletzt worden sei.
Maßnahme der Beamten stellt Eingriff in den Abgeordnetenstatus dar
Den Abgeordneten des Deutschen Bundestages steht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG das Recht zu, die ihnen zugewiesenen Räumlichkeiten ohne Beeinträchtigungen durch Dritte nutzen zu können. Die effektive Wahrnehmung des Mandats setzt in materieller Hinsicht voraus, dass die Abgeordneten eine gewisse Infrastruktur nutzen können, ohne eine unberechtigte Wahrnehmung ihrer Arbeit durch Dritte befürchten zu müssen. Andernfalls bestünde von vornherein die latente Gefahr, dass Arbeitsentwürfe und Kommunikationsmaterial im Zuge entsprechender Maßnahmen wahrgenommen werden und nach außen dringen. Die Freiheit des Mandats erfordert es jedoch, dass der Abgeordnete über Art, Zeitpunkt und Umfang der Veröffentlichung seiner Arbeitsinhalte selbst entscheidet. Ein Eingriff in den durch Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG geschützten Abgeordnetenstatus ist zulässig, wenn und soweit andere Rechtsgüter von Verfassungsrang ihn rechtfertigen. Die Repräsentations- und die Funktionsfähigkeit des Parlaments sind als solche Rechtsgüter von Verfassungsrang anerkannt. Die streitgegenständliche Maßnahme genügt den verfassungsrechtlichen Anforderungen an einen Eingriff in das freie Mandat des Antragstellers nicht.
streitgegenständliche Maßnahme genügt nicht allgemeinen Anforderungen an die Verhältnismäßigkeit
Dabei kann offenbleiben, ob Art. 40 Abs. 2 Satz 1 GG selbst eine taugliche Ermächtigungsgrundlage für ein polizeiliches Handeln des Antragsgegners darstellt oder ob es insoweit eines formellen Gesetzes bedurft hätte. Jedenfalls genügt die streitgegenständliche Maßnahme nicht den Anforderungen von Art. 40 Abs. 2 Satz 1 GG. Selbst dann, wenn Art. 40 Abs. 2 Satz 1 GG als eine taugliche Ermächtigungsgrundlage angesehen würde, müsste das polizeiliche Handeln den Anforderungen der Dienstanweisung für den Polizeivollzugsdienst der Polizei beim Deutschen Bundestag genügen, die eine ermessenslenkende Verwaltungsvorschrift ist. Das ist hier nicht der Fall. Die Zulässigkeit des Betretens von Abgeordnetenräumen bestimmt sich nach § 23 DA-PVD, der der Polizei beim Deutschen Bundestag das Betreten eines Raums zur Abwehr einer Gefahr gestattet. Zwar mögen die tatbestandlichen Voraussetzungen der Vorschrift erfüllt sein. Jedenfalls genügt die streitgegenständliche Maßnahme aber nicht den allgemeinen Anforderungen an die Verhältnismäßigkeit, die auch für ein polizeiliches Handeln des Bundestagspräsidenten gegenüber einem Abgeordneten gelten.
Anhaltspunkte für Gefahrenlage waren nur schwach ausgeprägt
Aktuelle Urteile aus dem Grundgesetz | Verwaltungsrecht
Urteile zu den Schlagwörtern: Abgeordnetenbüros | Abgeordnetengesetz | Abgeordneter | Bundestag | Deutsche Bundestag | Die Linke (Partei) | Eingriff nicht gerechtfertigt | Grundgesetz | Polizei | Präsident | Verstoß gegen Grundgesetz
Dokument-Nr. 28901
Wenn Sie einen Link auf diese Entscheidung setzen möchten, empfehlen wir Ihnen folgende Adresse zu verwenden: https://www.kostenlose-urteile.de/Beschluss28901
Klarspüler schrieb am 01.07.2020
Dieser Präsident ist übrigens ein gewisser Wolfgang Schäuble, Jurist und seines Zeichens Kofferfahrer und Cum/Ex Liebhaber. Dieser ist vorliegend allein voll verantwortlich für den Vorgang, da dieses Vorgehen innerhalb des Gebäudes seiner Zustimmung bedurfte.
Leider hat auch dieser rechtliche Fehltritt absolut keinerlei Konsequenzen.
Badeunfall aufgrund Pflichtverletzung des Bademeisters begründet Schaden­ersatz­pflichtSorgfalts­pflicht­verletzung aufgrund Kaffeepause beider Bademeister im Bademeisterhaus »

References: Art. 38
 Art. 38
 Art. 40
 Art. 40
 Art. 40
 § 23