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Timestamp: 2020-02-18 09:43:00+00:00

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Homöopathische “Erstverschlimmerung” – wie sie entsteht und was sie bewirkt
Mi Okt 8
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Sonja Birkelbach Homöopathische “Erstverschlimmerung” – wie sie entsteht und was sie bewirkt
Jeder, der nur ein bisschen mit Homöopathie zu tun hat, oder davon gehört hat, kennt den Begriff der Erstverschlimmerung. Aber wenige wissen genau, was damit gemeint ist, wie so eine Verschlimmerung entsteht und wie sie zu bewerten ist. Meist wird einfach gesagt, dass eine Verschlimmerung erwünscht ist, weil sie eine gute Mittelwirkung anzeigt. Ist das wirklich immer so? Und wie lange darf diese „Verschlimmerung“ denn anhalten? Ist eine Verschlimmerung wirklich „schlimmer“? Das möchte man ja dann eher nicht.
Zur Einführung in das Thema Erstverschlimmerung möchte ich Ihnen zwei Begriffe, die Hahnemann geprägt hat, näher bringen:
1. Den Begriff der Erstwirkung und
2. den Begriff der Nachwirkung.
In seiner ausführlichen Anleitung zu homöopathischen Heilbehandlungen, dem „Organon der Heilkunst“ beschreibt Hahnemann sehr leicht zu verstehende Beispiele für Erst- und Nachwirkungen:
(§65) „Eine in heißem Wasser gebadete Hand ist zwar anfänglich viel wärmer als die andere ungebadete Hand (Erstwirkung), aber von dem heißen Wasser entfernt und gänzlich wieder abgetrocknet, wird sie nach einiger Zeit kalt und bald viel kälter, als die andere (Nachwirkung). […] Ein in das kälteste Wasser lange getauchter Arm ist zwar anfänglich weit blässer und kälter (Erstwirkung) als der andere, aber vom kalten Wasser entfernt und abgetrocknet, wird er nachgehends nicht nur wärmer, als der andere, sondern sogar heiß, roth und entzündet (Nachwirkung = Gegenwirkung der Lebenskraft).“
Erklären will Hahnemann mit diesen Beispielen, dass zuerst der Einfluss von außen stärker ist, als das normale Befinden des Organismus, dieser Organismus aber immer bestrebt ist, sein Gleichgewicht wieder herzustellen und deshalb gegensätzlich zum äußeren Reiz reagiert. Ganz nebenbei wird dabei auch noch das Prinzip „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ verdeutlicht: Wenn meine Hand kalt ist, helfe ich mir am besten durch eine kalte Anwendung, denn dadurch wird sie warm und bleibt warm.
Hahnemann folgert aus diesen natürlichen Vorgängen, dass zur Heilung ein äußerer Reiz benötigt wird, der so gering ist, dass er keine heftige Nachwirkung der Lebenskraft nötig werden lässt. Wir möchten also, um bei dem Beispiel mit den kalten Händen zu bleiben, nur so wenig Kälteeinwirkung geben, dass die Hände normal warm werden, aber nicht heiß. Der Organismus soll also nur so viel (oder so wenig!) zur Gegenwirkung angeregt werden, wie zur Wiederherstellung des normalen Zustandes nötig ist.
Das ist sehr wichtig wenn es nicht einfach nur um kalte Hände sondern um Krankheitssymptome geht. Eine heftige Nachwirkung der Lebenskraft könnte nämlich das Pendel so stark in die andere Richtung ausschlagen lassen, dass es für den Patienten sehr unangenehm wird und den Organismus eher belastet als heilt. Das wollen wir nicht, denn wir streben in der Homöopathie immer eine sanfte und schonende Wiederherstellung der Gesundheit an. Also noch einmal:
Erstwirkung = Die Auswirkung eines äußeren Reizes auf den Organismus.
Nachwirkung = Die Reaktion, die der Organismus mit seiner Lebenskraft diesem Reiz entgegensetzt, um wieder einen ausgewogenen Zustand herzustellen.
Das Ziel der homöopathischen Behandlung ist, die Erstwirkung so fein und sanft zu setzen, dass die Nachwirkung nicht in das andere Extrem umschlägt, sondern zur sanften Heilung führt. Ich muss also den Kältereiz für meine kalten Hände so klein machen, dass die Hände hinterher als Nachwirkung weder heiß, noch rot sind? Bei Arzneimitteln erreichen wir diese kleinsten Gaben durch Verdünnen und Verschütteln (also Potenzieren) der Ausgangssubstanz.
Eine Erstwirkung kann praktisch jeder Einfluss von außen sein. Eine Temperatur, ein Medikament, ein Schreck oder auch eine Freude. All das bewirkt irgendetwas im lebenden Organismus, das ihn vom ausgewogenen Normalzustand abweichen lässt. Der Organismus setzt etwas entgegen, um den Normalzustand wieder herzustellen. Das Pendel schlägt gleichsam in die entgegengesetzte Richtung. Dieser Pendelschlag ist die Nachwirkung.
Hier ist es nun angebracht, den Begriff der Lebensenergie einzuführen. Die spielt nämlich bei der Erst- und Nachwirkung eine wichtige Rolle. Wir stellen uns zwei junge Hunde vor, die beide an Zwingerhusten erkrankt sind. Der eine reagiert mit hohem Fieber, starkem Würgen und Appetitverlust. Zwei Tage ist er krank, dann erholt er sich wieder und ist nach einer Woche genau so fit wie vor der Erkrankung. Der andere bekommt kein Fieber, würgt nur gelegentlich, frisst auch weiter, aber irgendwie erholt er sich nicht. Seine Krankheit zieht sich hin, er ist über Wochen matt und lustlos, bekommt immer wieder Schübe von Halsentzündung.
Der erste Hund mit dem hohen Fieber hat eine hohe Lebenskraft. Er reagiert auf das Virus, mit dem er sich infiziert hat mit aller Energie, die er zur Verfügung hat und erholt sich innerhalb kurzer Zeit vollständig. Der andere Hund hat eine schwache Lebenskraft, er kann dem Virus nicht so richtig etwas entgegen setzen. Seine Reaktion ist schwach, die Krankheit zieht sich lange hin oder wird gar chronisch.
Heilung hängt also immer davon ab, wie viel Lebensenergie ein Patient zur Verfügung hat. Für die Erst- und Nachwirkung hieße dieses Beispiel: Die eingedrungenen Viren, die sich schnell vermehren und dabei immer mehr Zellen zerstören, sind die Erstwirkung. Die Entzündung an der infizierten Lokalität (z.B. Tonsillitis) und das damit verbundene Fieber sind die Nachwirkungen des Organismus.
Merke! Eine starke Nachwirkung zeigt eine gute Lebenskraft.
Ein Hund tritt in einen Splitter. Bakterien dringen ins Körpergewebe ein und beginnen, sich zu vermehren und Toxine abzusondern (Erstwirkung). Der Hund entwickelt an der verletzten Stelle eine Entzündung (Nachwirkung, aktive Gegenreaktion des Organismus).
Der Jojo-Effekt. Menschen, die durch Hungern einige Kilo abnehmen, stellen sehr häufig fest, dass sie nach dieser Diät noch schneller zunehmen als vorher. Dies ist eine Nachwirkung des Organismus auf Hungerzeiten. Er versucht, das zu geringe Nahrungsangebot dadurch auszugleichen, dass er den Energieverbrauch herunter schraubt, jeden geringsten Überschuss sofort als Fett abspeichert und mehr Hungersignale sendet.
Was genau ist nun die homöopathische Erst“verschlimmerung“?
Hahnemann schreibt im Organon unter §157:
Das homöopathisch gewählte Arzneimittel pflegt „doch (…) gleich nach der Einnahme – in der ersten, oder den ersten Stunden – eine Art kleiner Verschlimmerung zu bewirken (…), welche so viel Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Krankheit hat, dass sie dem Kranken eine Verschlimmerung seines eigenen Uebels zu seyn scheint. Sie ist aber in der That nichts anderes, als eine (…) höchst ähnliche Arzneikrankheit.“
Was meint er damit? Ein Beispiel:
Der Hund ist akut krank (Achtung: hier geht es erstmal nur um akute Erkrankungen, nicht um chronische!) Nehmen wir wieder an, er hat sich mit einem Zwingerhusten infiziert. Der Hund hat nun ein homöopathisch gewähltes Arzneimittel bekommen. Also ein Mittel, dessen Prüfungssymptome der Gesamtheit der Symptome des Hundes sehr ähnlich sind. Kaum ist der Halter mit dem Hund aus der homöopathischen Praxis nach Hause gekommen, ist alles was der Hund vorher schon an Symptomen gezeigt hat schlimmer. Er hustet viel häufiger, dabei spuckt er noch mehr Schleim aus.
Was ist hier Erstwirkung?
Welcher äußere Reiz hat die Erstwirkung ausgelöst?
Wie könnte für dieses Beispiel die Nachwirkung aussehen?
Das homöopathische Medikament übt eine Erstwirkung auf den Organismus aus. Es verursacht praktisch Symptome, die den ursprünglichen Symptomen des Patienten sehr ähnlich sind. Die natürliche Reaktion des Organismus auf eine Erstwirkung ist die Nachwirkung, also das Ausschlagen des Pendels in die andere Richtung.
Das hieße nach Hahnemann, dass sich in diesem Fall, der Husten des Hundes gar nicht verschlimmert hat, sondern sich kurzfristig einen neuer, sehr ähnlicher Husten dazu gesellt hat, der etwas stärker als der ursprüngliche ist und eine Nachwirkung auslöst. Diese Nachwirkung wirkt dann heilend sowohl auf den künstlich durch das Arzneimittel erzeugten Husten, als auch auf den ursprünglichen Husten des Hundes.
Noch einmal in einem Satz: Die Erstwirkung, ausgelöst durch das Arzneimittel, ist der vermehrte Husten. Die Nachwirkung das Abklingen des Hustens = Heilung. Die Erstwirkung ist immer der Reiz von außen, die Nachwirkung ist immer das, was der Organismus unternimmt, um sich wieder in den Ausgangszustand zurück zu bringen (Selbstheilung). Das homöopathische Mittel regt also zur Selbstheilung an.
Die homöopathische Verschlimmerung ist die Erstwirkung des verabreichten Mittels auf den Organismus des Patienten. Und wer dies verstanden (und immer wieder beobachtet) hat, dem leuchtet auch ein, dass homöopathische Gaben nicht per sé harmlos sind, nach dem Motto: Können nur helfen, aber nie schaden. Denn was in geringster Dosis eine kleine Arzneikrankheit auslösen kann, kann und wird in der Überdosierung eine „große“ Arzneikrankheit verursachen!
Einschätzung von Verschlimmerungssymptomen
Der Konflikt, den die Verschlimmerung manchmal verursacht, hat viel mit unser aller schulmedizinischem Denken zu tun. Die Schulmedizin ist hauptsächlich daran interessiert, Symptome fortzuschaffen. Ein Heilerfolg ist dort, wenn das Symptom nach einer Medikation verschwindet. Eine Verschlimmerung des Symptoms direkt nach einer Mittelgabe gilt als Verschlimmerung der Krankheit, ist unerwünscht und wird als negative Wirkung eingestuft.
In der Homöopathie sieht das ganz anders aus: Eine Verschlimmerung des akuten Symptoms nach der Mittelgabe gilt als gutes Zeichen für die Besserung oder Heilung der Krankheit. Gemein für den Laien oder homöopathischen Anfänger ist jetzt aber, dass er sich unsicher bleibt, ob die Verschlimmerung bei seinem Patienten jetzt die gute homöopathische Verschlimmerung ist, oder doch eine Verschlimmerung der Krankheit, – was ja durchaus auch sein kann, denn Krankheiten neigen ja dazu, fortzuschreiten. Dazu will ich wieder die Meister sprechen lassen:
Kent sagt: „Wir können eine Verschlimmerung der Krankheit haben, bei der es dem Patienten schlechter geht oder eine Verschlimmerung der Symptome, bei der es dem Kranken besser geht.“
Aha! Es gibt also ein Unterscheidungskriterium zwischen der „guten“ Verschlimmerung und der „unerwünschten“ Verschlimmerung: Die echte homöopathische Verschlimmerung bedeutet eine Verstärkung der charakteristischen Symptome, aber das Allgemeinbefinden ist schon besser, weshalb viele Homöopathen lieber von einer Erstreaktion als von einer Verschlimmerung sprechen, denn wirklich schlimmer wird dabei nichts.
Bei Tieren gehört schon einiges an Erfahrung und offenen, unbeeinflussten Sinnen dazu, einzuschätzen, ob der Hund sich besser fühlt, obwohl er sich die Seele aus dem Leib zu husten scheint. Bei Menschen ist es leichter. Da können Schmerzen stärker werden, aber der Patient kann auf einmal wieder schlafen. Tiere können uns nicht sagen, ob es mehr oder weniger weh tut, oder ob sie gut geschlafen haben. Wir müssen sehr gut beobachten und sehr sorgfältig nachfragen.
Die Verschlimmerung bei akuten und bei chronischen Erkrankungen
Wenn es um die Erstverschlimmerung geht, muss unbedingt unterschieden werden, ob wir eine akute oder eine chronische Erkrankung behandeln. Akut ist eine Erkrankung im Sinne der Homöopathie eigentlich nur, wenn sie durch einen Unfall verursacht wurde, oder es sich um eine Infektion handelt, die bei diesem Patienten zum ersten Mal auftritt.
Hahnemann schreibt im § 154: „Eine Krankheit von nicht zu langer Dauer wird (…) gewöhnlich durch die erste Gabe (…) ohne bedeutende Beschwerden aufgehoben und ausgelöscht.“
Es muss also bei akuten Krankheiten nicht zwingend eine Verschlimmerung kommen, damit Heilung möglich ist. Beispiel: Ein Tier hat etwas Verdorbenes gefressen und kommt mit einer leichten Lebensmittelvergiftung in die Praxis. Übelkeit und Erbrechen können innerhalb von Minuten nach der passenden Mittelgabe, ganz ohne erkennbare Verschlimmerung verschwinden und als Nachwirkung setzt Appetit ein. Und jetzt kommt etwas sehr Wichtiges von Hahnemann aus § 161:
„… wo aber Arzneien von langer Wirkungsdauer ein altes oder sehr altes Siechthum zu bekämpfen haben, da dürfen keine dergleichen, anscheinende Erhöhungen der ursprünglichen Krankheit, während des Laufes der Cur sich zeigen …“
Das ist wichtig! Die berühmte homöopathische Erstverschlimmerung wollen wir bei chronischen Krankheiten nämlich gar nicht haben! Wenn sich die Symptome einer chronischen Krankheit nach einer homöopathischen Verordnung verschlimmern, dann ist etwas ganz anderes passiert: Die Gabe war zu groß! Und zu groß heißt hier: zu wenig potenziert und/oder zu häufig gegeben und/oder in einer zu großen Menge gegeben. Kent sagt dazu:
„Diese Verschlimmerung wird unnötig verlängert durch zu niedrige Potenzen. Sie wird auch verlängert durch Wiederholung der Gaben.“ (Diese Aussage darf nicht dazu verleiten, nur mit ganz hohen Potenzen zu arbeiten. Die Potenz muss immer auf den Einzelfall abgestimmt sein.)
An dieser Stelle ist auch zu beachten, dass die gängige 6. Auflage des Organon, sich ausschließlich auf die Behandlung mit Q-Potenzen bezieht. Die Behandlung mit C-Potenzen ist in der 5. Auflage beschrieben. Der oben zitierte §161 stammt aus der 6. Auflage und lautet in der 5. Auflage anders. Wer also mit C-Potenzen arbeitet, sollte die 5. Auflage studieren. Es ist also Vorsicht geboten mit den Verschlimmerungen. Ein behandelnder Homöopath kann zwar mit viel Erfahrung ungefähr abschätzen, wie groß eine Gabe für einen bestimmten Patienten sein darf, aber er kann es nicht im Voraus sicher wissen.
Hahnemann schreibt: „Es gibt Kranke, deren ungemeine Erregbarkeit sich zu der der Unempfänglichsten, wie 1000 zu 1 verhält.“
Deshalb kann auch bei einer sehr kenntnisreichen Verordnung lege artis eine Verschlimmerung der chronischen Krankheit auftreten. Besonders kunstvoll ist die Behandlung aber, wenn eine Besserung ohne Verschlimmerung eintritt. Größtes Misstrauen ist geboten, wenn bei der Behandlung einer chronischen Erkrankung eine länger andauernde Verschlimmerung immer wieder vom Therapeuten als Erstverschlimmerung oder homöopathische Verschlimmerung bezeichnet wird und damit der Tierhalter beruhigt (oder hingehalten?) werden soll. Eine andauernde Verschlimmerung einer chronischen Erkrankung nach einer homöopathischen Gabe hat nichts mit Heilung zu tun!
Welche Symptome verschlimmern sich?
Hahnemann schreibt in §155: “Denn beim Gebrauche dieser passendsten, homöopathischen Arznei sind bloß die, den Krankheits-Symptomen entsprechenden Arznei-Symptome des Heilmittels in Wirksamkeit…“
Was bedeutet das? Es bedeutet, dass sich nur die Symptome verschlimmern sollen, die auch vor der Arzneimittelgabe schon da waren. Es sollen keine neuen Symptome auftreten, bzw. wenn neue, bei diesem Patienten noch nie da gewesene Symptome auftreten, hat das nichts mit Erstverschlimmerung zu tun, sondern zeigt an, dass das Mittel nicht passend gewählt wurde. Dazu äußert sich Hahnemann im nächsten Paragraphen (§156) noch einmal:
„Indessen giebt es selten ein, auch anscheinend passend gewähltes, homöpathisches Arzneimittel, welches, vorzüglich in zu wenig verkleinerter Gabe, nicht eine, wenigstens kleine, ungewohnte Beschwerde, ein kleines, neues Symptom während seiner Wirkungsdauer bei sehr reizbaren und feinfühlenden Kranken, zuwege bringen sollte, weil es fast unmöglich ist, dass Arznei und Krankheit in ihren Symptomen einander so genau decken sollten, wie zwei Triangel von gleichen Winkeln und gleichen Seiten.“
Will sagen: Sehr oft treten im Wirkungsverlauf kleine, unbedeutende Beschwerden auf und verschwinden dann wieder. Diese sind nicht als „neue Symptome“ zu werten. Erst wenn neue Symptome auffällig und beschwerlich sind, dann sollte die Mittelwahl überprüft werden. Kent formuliert es so: „Wir müssen unterscheiden zwischen dem, was Reaktion ist und dem, was ein neues Mittel verlangt.“ Und Hahnemann wird in §249 ganz deutlich: „Jede für den Krankheits-Fall verordnete Arznei, welche im Verlaufe ihrer Wirkung neue, der zu heilenden Krankheit nicht eigenthümliche und zwar beschwerliche Symptome hervorbringt, ist nicht vermögend wahre Besserung zu erzeugen und nicht für homöopathisch gewählt zu halten.“
Wenn also unter einer homöopathischen Behandlung ein ganz neues Symptom auftaucht, dann weist in der Regel dieses Symptom auf das passendere Mittel hin. Neue Symptome sind nicht als Erstverschlimmerung zu werten! Neue Symptome sind wiederum nicht zu verwechseln mit alten, jetzt wieder auftretenden Symptomen des Patienten. Im Heilungsverlauf gehen viele Patienten noch einmal durch ihre alten Symptome, oder sie nehmen sich ihre vorrangigen Symptome noch einmal vor. Das sind dann alles keine Erstverschlimmerungen mehr. Bei Tieren, deren Vergangenheit wir nicht kennen, kann es eine sehr kunstvolle Aufgabe sein, einen Heilungsverlauf mit alten Symptomen von einem unpassenden Mittel, das neue Symptome hervorbringt zu unterscheiden.
Fassen wir noch einmal die wichtigsten Anhaltspunkte zusammen:
In der Behandlung chronischer Krankheiten ist eine Verschlimmerung nach der Gabe nicht erwünscht. Die homöopathische Erstverschlimmerung ist die Erstwirkung des verabreichten Mittels auf den Organismus.
Die Nachwirkung ist das, was der Organismus unternimmt, um das Gleichgewicht wieder herzustellen = Selbstheilung.
Eine starke Nachwirkung kann auf eine gute Lebenskraft hindeuten.
Eine Erstverschlimmerung deutet bei akuten Krankheiten darauf hin, dass das Mittel passend gewählt wurde.
Bei einer Verschlimmerung der Krankheit geht es dem Patienten allgemein schlechter. Bei einer Verschlimmerung der Symptome im Zuge einer Heilung geht es dem Patienten allgemein schon besser.
Es sollen sich bei der Erstverschlimmerung nur die Symptome verstärken, die vor der Arzneimittelgabe schon da waren.
Entstehung homöopathische Erstverschlimmerung

References: §157
 § 154
 § 161
 §161
 §155
 §249