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Timestamp: 2018-06-21 12:08:18+00:00

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5 AZR 52/05
19 Sa 1424/04
28. Sep­tem­ber 2005
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 28. Sep­tem­ber 2005 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch und Dr. Linck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Prof. Dr. Dr. h.c. Hromad­ka und Busch­mann für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 16. No­vem­ber 2004 - 19 Sa 1424/04 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über Ansprüche auf Über­stun­den­vergütung.
Der Kläger war ab Ju­li 2003 bei der Be­klag­ten als Flei­scher­meis­ter beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te durch or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 27. Ok­to­ber 2003 zum 14. No­vem­ber 2003.
Dem Ar­beits­verhält­nis lag ein von der Be­klag­ten ständig ver­wen­de­ter For­mu­lar­ar­beits­ver­trag vom 26. Mai 2003 zu­grun­de, in dem es ua. heißt:
Die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit oh­ne Pau­sen beträgt 40 St­un­den.
Der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet sich, sei­ne gan­ze Ar­beits­kraft sei­nen Auf­ga­ben­ge­biet bei dem Ar­beit­ge­ber zu wid­men und - so­weit dies er­for­der­lich ist - auch über die be­triebsübli­che Ar­beits­zeit hin­aus tätig zu wer­den.
Der Ar­beit­neh­mer erhält ein mo­nat­li­ches Ge­halt von
€ 2.100,00 /brut­to
Über-, Mehr-, Sonn- und Fei­er­tags­stun­den sind durch das ge­zahl­te Brut­to­ge­halt ab­ge­gol­ten.
§ 8 Ver­fall­klau­sel
Al­le Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len mit Ab­lauf von 2 Mo­na­ten ab Fällig­keit, so­fern sie nicht in­ner­halb die­ser Frist schrift­lich gel­tend ge­macht wor­den sind.
Un­ter der Ver­fall­klau­sel fal­len nicht sol­che Ansprüche ei­nes Ar­beit­ge­bers oder ei­nes Ar­beit­neh­mers ge­gen ei­nen Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­ge­ber, die auf ei­ne straf­ba­re Hand­lung oder ei­ne un­er­laub­te Hand­lung gestützt wer­den. Für die­se Ansprüche gel­ten die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten.“
Die Be­klag­te über­wies die sich aus 2.100,00 Eu­ro brut­to er­ge­ben­de Net­to­vergütung je­weils zum Mo­nats­en­de auf das Kon­to des Klägers.
Mit ei­nem Fax sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 3. No­vem­ber 2003 mach­te der Kläger ge­genüber der Be­klag­ten Über­stun­den­vergütun­gen für die Mo­na­te Ju­li und Au­gust 2003 in Höhe von ins­ge­samt 1.075,00 Eu­ro brut­to gel­tend. Mit sei­ner am 21. No­vem­ber 2003 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­reich­ten und der Be­klag­ten am 27. No­vem­ber 2003 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat der Kläger die­se Ansprüche wei­ter­ver­folgt. Er hat un­ter Vor­la­ge ei­ner Auf­stel­lung über Be­ginn und En­de der Ar­beits­zei­ten an den ein­zel­nen Ta­gen be­haup­tet, er ha­be un­ter Berück­sich­ti­gung ei­ner tägli­chen Pau­se von ei­ner bzw. an­dert­halb St­un­den im Ju­li 2003 235 St­un­den und im Au­gust 2003 273 St­un­den ge­ar­bei­tet. Die St­un­den sei­en von dem ihm vor­ge­setz­ten Schicht­lei­ter an­ge­ord­net wor­den. Die Über­stun­den­re­ge­lung in § 3 des Ar­beits­ver­trags be­tref­fe nur die ge­setz­li­che Höchst­ar­beits­zeit von 48 St­un­den wöchent­lich. Des­halb müsse die Be­klag­te für Ju­li 2003 19 Über­stun­den und für Au­gust 2003 67 Über­stun­den vergüten. Aus dem ver­ein­bar­ten Mo­nats­ge­halt er­ge­be sich ei­ne St­un­den­vergütung von 12,50 Eu­ro brut­to. Die Ansprüche sei­en nicht ver­fal­len, da die Ge­halts­ab­rech­nun­gen ver­spätet er­teilt wor­den sei­en.
Der Kläger hat, so­weit in der Re­vi­si­ons­in­stanz noch von In­ter­es­se, be­an­tragt,
die Be­klag­te zur Zah­lung von 1.075,00 Eu­ro brut­to zu ver­ur­tei­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat gel­tend ge­macht, die Ansprüche sei­en auf Grund der ver­ein­bar­ten Aus­schluss­frist ver­fal­len.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Im Lau­fe des Rechts­streits ist un­strei­tig ge­wor­den, dass der Kläger tägli­che Pau­sen von an­dert­halb St­un­den hat­te. Auf die Be­ru­fung des Klägers hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­klag­te zur Zah­lung von 754,31 Eu­ro brut­to ver­ur­teilt. Im Übri­gen hat es die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Mit ih­rer Re­vi­si­on be­gehrt die Be­klag­te die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.
Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­klag­te zu Recht ver­ur­teilt, an den Kläger 754,31 Eu­ro brut­to zu zah­len.
I. Die Ansprüche auf Über­stun­den­vergütung iHv. 754,31 Eu­ro sind gem. § 612 Abs. 1 und 2 BGB ent­stan­den.
1. Gem. § 612 Abs. 1 BGB gilt ei­ne Vergütung als still­schwei­gend ver­ein­bart, wenn die Ar­beits­leis­tung den Umständen nach nur ge­gen ei­ne Vergütung zu er­war­ten ist.
a) Nach den nicht an­ge­grif­fe­nen und da­mit für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts (§ 559 Abs. 2 ZPO) hat der Kläger im Ju­li 2003 224,5 St­un­den und im Au­gust 2003 262 St­un­den ge­ar­bei­tet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den bei­der­sei­ti­gen Par­tei­vor­trag hier­zu gewürdigt und un­ter An­wen­dung von § 138 ZPO an­ge­nom­men, der Um­fang der Ar­beits­leis­tung sei als un­strei­tig an­zu­se­hen. In­so­weit hat die Be­klag­te we­der ei­nen An­trag auf Tat­be­stands­be­rich­ti­gung ge­stellt noch ei­ne Ver­fah­rensrüge er­ho­ben.
Auf der Grund­la­ge die­ser Fest­stel­lun­gen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend an­ge­nom­men, der Kläger ha­be im Ju­li 2003 8,5 St­un­den über die gem. § 3 Arb­ZG zulässi­ge Ar­beits­zeit von 216 St­un­den (acht St­un­den/Werk­tag x 27 Werk­ta­ge) hin­aus und im Au­gust 2003 54 St­un­den über die gem. § 3 Arb­ZG zulässi­ge Ar­beits­zeit von 208 St­un­den (acht St­un­den/Werk­tag x 26 Werk­ta­ge) hin­aus ge­ar­bei­tet.
b) Je­den­falls hin­sicht­lich der al­lein zur Ent­schei­dung ste­hen­den Ar­beits­stun­den jen­seits der ge­setz­li­chen Höchst­ar­beits­zeit fehlt es an ei­ner - auch still­schwei­gen­den - Vergütungs­ab­re­de. Die Par­tei­en ha­ben zwar ver­ein­bart, dass über die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 40 St­un­den hin­aus­ge­hen­de Ar­beits­stun­den („Über­stun­den“) durch das vor­ge­se­he­ne Mo­nats­ge­halt von 2.100,00 Eu­ro ab­ge­gol­ten sein sol­len. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat aber an­ge­nom­men, hier­von würden nur die ge­setz­lich zulässi­gen Über­stun­den er­fasst; die Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung be­tref­fe nicht die über das zulässi­ge Maß des § 3 Arb­ZG hin­aus­ge­hen­de Ar­beit. Ge­gen die­se Ver­trags­aus­le­gung, die na­he liegt und kei­ne Rechts­feh­ler enthält, wen­det sich die Re­vi­si­on nicht. Der Se­nat hat sie der wei­te­ren Rechtsprüfung zu­grun­de zu le­gen. Da­nach be­darf es kei­ner Ent­schei­dung, ob die Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung rechts­wirk­sam ist.
c) Die streit­ge­genständ­li­che Mehr­ar­beit war nach den Umständen nur ge­gen ei­ne Vergütung zu er­war­ten. Die Be­klag­te muss­te da­von aus­ge­hen, dass der Kläger die Ar­beit nur ge­gen ei­ne Vergütung leis­ten wer­de. Zwar hätte sie die auf Grund des Beschäfti­gungs­ver­bots des § 3 Arb­ZG un­zulässi­ge Ar­beits­leis­tung we­der an­ord­nen noch ent­ge­gen­neh­men dürfen. Gleich­wohl hat der Kläger An­spruch auf Be­zah­lung der
ge­leis­te­ten Ar­beit. Der Sinn des Beschäfti­gungs­ver­bots be­steht nur dar­in, die Ar­beits­leis­tung zu ver­hin­dern, um ei­ne Über­for­de­rung des Ar­beit­neh­mers zu ver­mei­den. Ei­ne ver­ein­bar­te Vergütung bleibt maßge­bend; § 612 BGB ist bei Feh­len ei­ner Vergütungs­ab­re­de an­wend­bar (vgl. BAG 14. De­zem­ber 1967 - 5 AZR 74/67 - AP AZO § 1 Nr. 2, zu 4 der Gründe). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat un­ter An­wen­dung von § 138 ZPO fest­ge­stellt, der Kläger ha­be die Über­stun­den auf An­ord­nung sei­nes Vor­ge­setz­ten ge­leis­tet (vgl. BAG 17. April 2002 - 5 AZR 644/00 - AP BGB § 611 Mehr­ar­beits­vergütung Nr. 40 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 148, zu II 3 der Gründe). Auch hier­ge­gen hat die Be­klag­te kei­nen Re­vi­si­ons­an­griff er­ho­ben (§ 559 Abs. 2 ZPO).
2. Die Höhe der Vergütung für Über­stun­den des Klägers war nicht be­stimmt (§ 612 Abs. 2 BGB). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend ei­ne übli­che Vergütung von 12,07 Eu­ro/St­un­de an­ge­setzt. Es hat an­ge­nom­men, die Ver­ein­ba­rung ei­ner Mo­nats­vergütung bei gleich­zei­ti­ger Fest­le­gung der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit recht­fer­ti­ge den Schluss, dass sich die Mo­nats­vergütung grundsätz­lich auf die ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit be­zie­he und Über­stun­den an­tei­lig zu vergüten sei­en (vgl. Kütt­ner/Rei­ne­cke Per­so­nal­buch 2005 Über­stun­den Rn. 11). Da­ge­gen wen­det sich die Re­vi­si­on nicht. Die Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist selbst dann nicht zu be­an­stan­den, falls nach § 3 des Ar­beits­ver­trags Über­stun­den bis zur Gren­ze des § 3 Arb­ZG durch das Mo­nats­ge­halt wirk­sam ab­ge­gol­ten wur­den. Auch dann blie­be die ver­ein­bar­te re­gelmäßige Ar­beits­zeit für den Wert der Ar­beits­leis­tung maßge­bend; denn die­se soll die Re­gel bil­den und nicht ei­ne fik­ti­ve ma­xi­ma­le Ar­beits­zeit oder ei­ne un­be­stimm­te tatsächli­che Ar­beits­men­ge.
II. Die Ansprüche sind nicht ver­fal­len.
1. Für die Ent­schei­dung des Rechts­streits kommt es ent­schei­dend auf die Wirk­sam­keit der ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­fall­klau­sel an. In­so­weit be­stimmt § 8 des Ar­beits­ver­trags ei­ne Frist zur Gel­tend­ma­chung al­ler Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb von zwei Mo­na­ten ab Fällig­keit. Die Ansprüche, die nicht recht­zei­tig schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den, sol­len hier­nach ver­fal­len. Der Kläger hat die Ansprüche auf Vergütung von Über­stun­den nicht in­ner­halb der Frist, son­dern erst­mals am 3. No­vem­ber 2003 schrift­lich gel­tend ge­macht. Da die Fällig­keit im Ver­trag nicht ge­re­gelt ist, fin­det § 614 Satz 1 und 2 BGB An­wen­dung. Die Über­stun­den­vergütung für Ju­li wur­de am 1. Au­gust 2003 und die Über­stun­den­vergütung für Au­gust am 1. Sep­tem­ber 2003 fällig. Für die still­schwei­gen­de Ver­ein­ba­rung ei­ner späte­ren Fällig­keit be­ste­hen kei­ne aus­rei­chen­den An­halts­punk­te. Schon das Ar­beits­ge­richt hat im Übri­gen zu­tref-
fend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Feh­len der Ge­halts­ab­rech­nung die Ob­lie­gen­heit zur Gel­tend­ma­chung nicht berühr­te. Der Kläger konn­te er­ken­nen, dass die Be­klag­te Über­stun­den nicht vergüte­te. Er war in der La­ge, die Höhe sei­ner Ansprüche auch oh­ne Ab­rech­nung zu be­stim­men (vgl. BAG 27. Fe­bru­ar 2002 - 9 AZR 543/00 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 162 = EzA BGB § 138 Nr. 30, zu I 1 a der Gründe).
2. Die Aus­schluss­klau­sel ist nicht gem. §§ 134, 202 Abs. 1 BGB ins­ge­samt nich­tig.
a) Nach § 202 Abs. 1 BGB kann die Verjährung bei Haf­tung we­gen Vor­sat­zes nicht im Vor­aus durch Rechts­geschäft er­leich­tert wer­den. Die Vor­schrift ergänzt den all­ge­mei­nen Grund­satz des § 276 Abs. 3 BGB, wo­nach die Haf­tung we­gen Vor­sat­zes dem Schuld­ner nicht im Vor­aus er­las­sen wer­den kann. § 276 Abs. 3 BGB ent­fal­tet erst durch § 202 Abs. 1 BGB vol­le Wirk­sam­keit. Das Ge­setz be­zweckt ei­nen um­fas­sen­den Schutz ge­gen im Vor­aus ver­ein­bar­te Ein­schränkun­gen von Haf­tungs­ansprüchen aus vorsätz­li­chen Schädi­gun­gen. Des­halb ver­bie­tet § 202 Abs. 1 BGB nicht nur Ver­ein­ba­run­gen über die Verjährung, son­dern auch über Aus­schluss­fris­ten.
b) Ob die Haf­tung we­gen Vor­sat­zes von der Aus­schluss­frist um­fasst sein soll­te, er­scheint zwei­fel­haft. Mögli­cher­wei­se ha­ben die Par­tei­en mit § 8 Abs. 2 des Ar­beits­ver­trags auch al­le Ansprüche aus vorsätz­li­chen Ver­trags­verstößen aus­ge­klam­mert. So­weit die Aus­schluss­klau­sel da­ge­gen die­se Ansprüche er­fasst, ist sie teil­wei­se nich­tig. Das ge­setz­li­che Ver­bot be­zieht sich nur auf die be­son­de­ren Fälle des § 202 Abs. 1 BGB. Die Aus­schluss­klau­sel ist hin­sicht­lich der Art der er­fass­ten Ansprüche oh­ne wei­te­res teil­bar. Gem. § 139 BGB ist an­zu­neh­men, die Par­tei­en hätten die Aus­schluss­frist auch oh­ne den nich­ti­gen Teil ver­ein­bart. Zur An­wen­dung kommt § 202 Abs. 1 BGB, die Re­ge­lung bleibt im Übri­gen wirk­sam. An­ge­sichts der in § 202 Abs. 1 BGB ein­deu­tig ge­zo­ge­nen Gren­ze der Un­wirk­sam­keit stellt das kei­ne un­zulässi­ge gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on dar (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen , zu III 2 der Gründe mwN).
3. Bei dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en han­delt es sich um All­ge­mei-
ne Geschäfts­be­din­gun­gen iSd. § 305 Abs. 1 Satz 1, 2 BGB. Die Be­klag­te hat die für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen dem Kläger in die­ser Form an­ge­bo­ten und da­mit im Rechts­sin­ne ge­stellt. Die Par­tei­en ha­ben die Ver­trags-
be­din­gun­gen nicht aus­ge­han­delt (§ 305 Abs. 1 Satz 3 BGB). Das ist zwi­schen ih­nen un­strei­tig.
a) Aus­schluss­fris­ten können grundsätz­lich auch in For­mu­lar­ar­beits­verträgen ver­ein­bart wer­den (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 1 der Gründe; 2. März 2004 - 1 AZR 271/03 - BA­GE 109, 369, 381 f.). Die §§ 305 ff. BGB ent­hal­ten kei­ne Be­stim­mun­gen, die Aus­schluss­fris­ten für un­wirk­sam erklären.
b) Die ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist stellt ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de oder die­se ergänzen­de Re­ge­lung (§ 307 Abs. 3 Satz 1 BGB) dar; denn ge­setz­lich blei­ben Ansprüche ab­ge­se­hen von ei­ner Ver­wir­kung (§ 242 BGB) er­hal­ten und sind nur im Rah­men des Verjährungs­rechts gel­tend zu ma­chen. Die Klau­sel ent­spricht auch nicht ei­ner ta­rif­li­chen Be­stim­mung oder an­de­ren Norm iSd. § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB, die auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en un­mit­tel­bar An­wen­dung fin­den kann (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - aaO, zu IV 2 der Gründe).
c) Die Ver­fall­klau­sel ist nicht über­ra­schend oder un­gewöhn­lich im Sin­ne des § 305c Abs. 1 BGB. Der Ar­beits­ver­trag hebt sie be­son­ders her­vor. Aus­schluss­fris­ten sind im Ar­beits­le­ben durch­aus üblich (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - aaO, zu IV 3 der Gründe mwN).
d) Das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB ist nicht ver­letzt. Vor­aus­set­zun­gen und Fol­gen der Aus­schluss­frist wer­den hin­rei­chend klar ge­re­gelt (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - aaO, zu IV 4 der Gründe; 31. Au­gust 2005 - 5 AZR 545/04 - zVv., zu I 5 b cc der Gründe).
4. Gem. § 309 Nr. 7 Buchst. b BGB ist ein Aus­schluss oder ei­ne Be­gren­zung der Haf­tung für sons­ti­ge Schäden, die auf ei­ner grob fahrlässi­gen Pflicht­ver­let­zung des Ver­wen­ders oder auf ei­ner vorsätz­li­chen oder grob fahrlässi­gen Pflicht­ver­let­zung ei­nes ge­setz­li­chen Ver­tre­ters oder Erfüllungs­ge­hil­fen des Ver­wen­ders be­ru­hen, in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam. Das be­trifft ua. Vermögensschäden. Die­se wer­den von der Aus­nah­me­re­ge­lung in § 8 Abs. 2 des Ar­beits­ver­trags nicht vollständig er­fasst. Da­nach un­ter­lie­gen ein­zel­ne Ansprüche der Ver­fall­klau­sel, für die ein Haf­tungs­aus­schluss in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht wirk­sam ver­ein­bart wer­den kann. Ein Ver­s­toß ge­gen § 309 Nr. 7 Buchst. b BGB liegt dar­in je­doch nicht, weil die Ob­lie­gen­heit ei­ner schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung kei­nen Haf­tungs­aus­schluss und kei­ne Haf­tungs­be­gren­zung enthält. Auch wäre nur von ei­ner teil­wei­sen Un­wirk­sam­keit
der Aus­schluss­klau­sel aus­zu­ge­hen (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 6 der Gründe).
5. § 8 des Ar­beits­ver­trags ist gem. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam. Nach die­ser Rechts­norm sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Die Re­ge­lung be­nach­tei­ligt den Kläger un­an­ge­mes­sen ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben. Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Ver­fall­frist von zwei Mo­na­ten ist mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken des ge­setz­li­chen Verjährungs­rechts nicht ver­ein­bar (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Er­fasst sie al­le Vergütungs­ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis, schränkt sie we­sent­li­che Rech­te, die sich aus der Na­tur des Ar­beits­ver­trags er­ge­ben, so ein, dass die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det ist (§ 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB). Nach Auf­fas­sung des Se­nats ist ei­ne Frist für die erst­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung von we­ni­ger als drei Mo­na­ten un­an­ge­mes­sen kurz.
a) Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist weicht von dem ge­setz­li­chen Verjährungs­recht auch dann ab, wenn sie kei­ne ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ver­langt (vgl. BAG 2. März 2004 - 1 AZR 271/03 - BA­GE 109, 369, 383, zu VI 2 b der Gründe). Maßge­bend ist nicht die Art und Wei­se der ge­for­der­ten Gel­tend­ma­chung, son­dern die ge­re­gel­te Rechts­fol­ge. In­so­fern be­gren­zen so­wohl Aus­schluss- als auch Verjährungs­fris­ten die Möglich­keit, das Recht durch­zu­set­zen, in­dem sie ein Tätig­wer­den des An­spruchs­in­ha­bers ver­lan­gen. Während der Ab­lauf der Aus­schluss­frist rechts­ver­nich­ten­de Wir­kung hat und von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen ist, gibt die Verjährung dem Schuld­ner ei­ne Ein­re­de und hin­dert da­mit die Durch­set­zung der recht­lich fort­be­ste­hen­den For­de­rung (§ 214 BGB). Da­mit be­sitzt die Aus­schluss­frist so­gar ei­ne stärke­re, für den Be­trof­fe­nen nach­tei­li­ge­re Wir­kung. Das Verjährungs­recht ist Aus­druck des vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten Ziels, Rechts­frie­den her­zu­stel­len. Es be­zweckt ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zwi­schen dem Schutz des Schuld­ners vor ei­ner dro­hen­den Be­weis­not und mögli­chem Ver­lust von Re­gress­ansprüchen ge­gen Drit­te ei­ner­seits und der Not­wen­dig­keit, den Gläubi­ger vor ei­nem un­ge­recht­fer­tig­ten An­spruchs­ver­lust zu be­wah­ren, an­de­rer­seits. Die­se Über­le­gun­gen tref­fen eben­so auf den Re­ge­lungs­ge­gen­stand der Aus­schluss­fris­ten zu. Auch hier soll das im In­ter­es­se des Rechts­frie­dens und der Rechts­si­cher­heit an­zu­er­ken­nen­de Klar­stel­lungs­in­ter­es­se des Schuld­ners in Ein­klang ge­bracht wer­den mit dem be­rech­tig­ten An­lie­gen des Ver­trags­part­ners, vor ei­nem Tätig­wer­den die Sach- und Rechts­la­ge ab­sch­ließend prüfen zu können und nicht zu vor­ei­li­ger (förm­li­cher) Gel­tend­ma­chung ge­zwun­gen zu sein.
b) § 202 BGB lässt ei­ne Abkürzung der re­gelmäßigen Verjährungs­frist von drei Jah­ren (§§ 195, 199 BGB) im Grund­satz zu. Die Abkürzung ist auch in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen zulässig, muss dann frei­lich den §§ 305 ff. BGB stand­hal­ten. Das gilt gleich­falls für die Ver­ein­ba­rung von Aus­schluss­fris­ten, die kürzer als die ge­setz­li­chen Verjährungs­fris­ten sind. Zu kurz be­mes­se­ne Fris­ten ent­hal­ten die Ge­fahr ei­ner nicht zu recht­fer­ti­gen­den Be­schnei­dung wohl er­wor­be­ner Ansprüche und stel­len des­halb ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung dar. Dar­an ändert die Gel­tung der Aus­schluss­frist für bei­de Tei­le nichts. Die ver­ein­bar­te Aus­schluss­frist muss dem Gläubi­ger ei­ne fai­re Chan­ce las­sen, sei­ne Ansprüche durch­zu­set­zen (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 7 b der Gründe). Zu berück­sich­ti­gen ist, dass zunächst ei­ne form­lo­se Gel­tend­ma­chung sinn­voll sein kann und dem Ver­trags­part­ner Zeit für die Erfüllung oder für ei­ne Erklärung ein­zuräum­en ist. Auch kann der Gläubi­ger Ver­an­las­sung ha­ben, sich mit den vom Schuld­ner mit­ge­teil­ten Gründen für das Aus­blei­ben der Leis­tung ein­ge­hend aus­ein­an­der zu set­zen. Zu­min­dest in schwie­ri­gen Fällen wird er in Erwägung zie­hen, fach­kun­di­gen Rat ein­zu­ho­len. Schon für den durch­schnitt­lich vor­ge­bil­de­ten Ar­beit­neh­mer ist das rich­ti­ge Vor­ge­hen viel­fach mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den. Es be­steht der verständ­li­che Wunsch, rechts­kun­di­ge Per­so­nen mit der förm­li­chen Gel­tend­ma­chung zu be­auf­tra­gen. Zu­dem kann ei­ne leicht­fer­ti­ge schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen das Ar­beits­verhält­nis be­las­ten. Aus die­sen Gründen muss aus­rei­chend Zeit blei­ben, die Chan­cen und wei­te­ren Kon­se­quen­zen der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung ab­zuwägen.
c) Der Vergütungs­an­spruch stellt ein we­sent­li­ches Recht des Ar­beit­neh­mers im Ar­beits­verhält­nis dar. Er er­gibt sich aus der Na­tur des Ar­beits­ver­trags (§ 611 Abs. 1 BGB). Zu den von § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB geschütz­ten Rech­ten gehört auch ih­re Ver­wirk­li­chung. Oh­ne die aus­rei­chen­de Möglich­keit ei­ner Durch­set­zung des An­spruchs wäre das Recht selbst ein­ge­schränkt und die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det. § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB be­grenzt des­halb auch Aus­schluss­klau­seln, die zwar nicht die Ent­ste­hung von Rech­ten, aber ih­re Ver­wirk­li­chung ein­schränken. Zu kurz be­mes­se­ne Aus­schluss­fris­ten für den Vergütungs­an­spruch be­inhal­ten die Ge­fahr, dass der für das Ver­trags­verhält­nis we­sent­li­che Leis­tungs­aus­tausch ver­fehlt wird. Sie ber­gen das ab ei­ner be­stimm­ten Gren­ze von dem Zweck der Aus­schluss­frist nicht mehr ge­deck­te und des­halb nicht hin­zu­neh­men­de Ri­si­ko, die frist­ge­rech­te Gel­tend­ma­chung zu ver­pas­sen und den Vergütungs­an­spruch zu ver­lie­ren. Bleibt die Leis­tung des Ar­beit­neh­mers oh­ne Ge­gen­leis­tung, ist der Ver­trags­zweck gefähr­det.
d) Bei der Be­stim­mung der an­ge­mes­se­nen Länge der Frist ist zu berück­sich­ti­gen, dass in ar­beits­recht­li­chen Ge­set­zen be­vor­zugt verhält­nismäßig kur­ze Fris­ten zur Gel­tend­ma­chung von Rechts­po­si­tio­nen vor­ge­se­hen wer­den. So muss der Ar­beit­neh­mer nach § 4 KSchG in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der schrift­li­chen Kündi­gung Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben. Die glei­che Frist ist nach § 17 Tz­B­fG für Be­fris­tungs­kon­troll­kla­gen vor­ge­se­hen. Der An­spruch auf Entschädi­gung we­gen ge­schlechts­be­zo­ge­ner Be­nach­tei­li­gung muss un­ter Umständen in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten nach der Ab­leh­nung der Be­wer­bung schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den (§ 611a Abs. 4 BGB); nach § 61b Abs. 1 ArbGG be­darf es der Kla­ge in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach schrift­li­cher Gel­tend­ma­chung des An­spruchs. Ein An­spruch auf Entschädi­gung we­gen der Be­nach­tei­li­gung von schwer­be­hin­der­ten Be­wer­bern um ein Beschäfti­gungs­verhält­nis muss in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach der Ab­leh­nung der Be­wer­bung schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den (§ 81 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 SGB IX). Ta­rif­verträge ent­hal­ten viel­fach ge­genüber den ge­setz­li­chen Verjährungs­fris­ten deut­lich kürze­re Aus­schluss­fris­ten von we­ni­gen Wo­chen bis hin zu meh­re­ren Mo­na­ten. Sol­che Fris­ten wir­ken sich auf die in der Pra­xis des Ar­beits­le­bens er­war­te­te Dau­er ei­ner Aus­schluss­frist aus. Sie sind in ih­rer Ge­samt­heit als im Ar­beits­recht gel­ten­de Be­son­der­hei­ten gem. § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen. Gel­ten in wei­ten Be­rei­chen re­la­tiv kur­ze Aus­schluss­fris­ten auf nor­ma­ti­ver Grund­la­ge, kommt dem prägen­de Be­deu­tung zu. Nicht ent­ge­gen­steht, dass bal­di­ge Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit auch auf an­de­ren Rechts­ge­bie­ten ge­for­dert wer­den (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 7 c der Gründe). Un­zulässig ist des­halb ein Rück­griff auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, der ei­ne ein­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist für al­le Ansprüche, auch sol­che aus un­er­laub­ter Hand­lung, in ei­nem Rei­se­ver­trag (3. Ju­ni 2004 - X ZR 28/03 - NJW 2004, 2965) so­wie im Übri­gen die Verkürzung von Verjährungs­fris­ten auf drei Mo­na­te als un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung ver­wor­fen (vgl. nur 24. Sep­tem­ber 1979 - II ZR 38/78 - VersR 1980, 40, 41; 19. Mai 1988 - I ZR 147/86 - BGHZ 104, 292, 294 ff.), sechs­mo­na­ti­ge Verjährungs­fris­ten da­ge­gen für zulässig er­ach­tet hat (vgl. nur 17. No­vem­ber 1980 - II ZR 248/79 - VersR 1981, 229, 230 f.; 4. Mai 1995 - I ZR 90/93 - BGHZ 129, 323, 326).
Der Frist­be­ginn zur Gel­tend­ma­chung wird nach § 8 des Ar­beits­ver­trags durch die Fällig­keit des An­spruchs aus­gelöst. Dem­ge­genüber be­ginnt die re­gelmäßige Verjährungs­frist nach § 199 Abs. 1 BGB erst mit dem Schluss des Jah­res, in dem der An­spruch ent­stan­den ist und der Gläubi­ger von den den An­spruch be­gründen­den Umständen und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis er­langt oder oh­ne gro­be Fahrlässig­keit er­lan­gen müss­te. Die­se Un­ter­schie­de be­gründen bei an­ge­mes­se­ner Berück­sich­ti-
gung der im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten (§ 310 Abs. 4 Satz 2 1. Halbs. BGB) kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers. Übli­cher­wei­se ver­lan­gen ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten iSd. § 4 Abs. 4 Satz 3 TVG die Gel­tend­ma­chung nach Fällig­keit. Das ent­spricht ih­rem oben her­aus­ge­stell­ten Zweck, rasch Rechts­klar­heit zu schaf­fen. Der Be­griff der Fällig­keit wird da­bei von den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen un­ter Ein­be­zie­hung des Kennt­nis­stan­des des Gläubi­gers und sub­jek­ti­ver Zu­rech­nungs­ge­sichts­punk­te in­ter­es­sen­ge­recht aus­ge­legt (vgl. zu­letzt BAG 9. Fe­bru­ar 2005 - 5 AZR 175/04 - EzA BGB 2002 § 818 Nr. 1, zu III 5 c der Gründe mwN). Ein An­spruch ist re­gelmäßig erst dann im Sin­ne der Aus­schluss­frist fällig, wenn der Gläubi­ger ihn annähernd be­zif­fern kann (vgl. die Über­sicht bei Däubler/Zwan­zi­ger TVG § 4 Rn. 1139 f., 1141 ff.). Das ent­spricht im Grund­satz der Wer­tung des § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB.
e) Ei­ne Frist für die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von we­ni­ger als drei Mo­na­ten im Rah­men ei­ner ein­zel­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist ist un­an­ge­mes­sen kurz.
Die Dau­er der an­ge­mes­se­nen Aus­schluss­frist darf sich nicht an der un­te­ren Gren­ze der ge­nann­ten Fris­ten ori­en­tie­ren. Die In­halts­kon­trol­le nach den §§ 305 ff. BGB er­for­dert ei­ne ge­ne­rel­le Be­trach­tung. Die strei­ti­ge Aus­schluss­frist be­zieht ganz un­ter­schied­li­che Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ein und muss ih­nen um­fas­send Rech­nung tra­gen. Et­wai­ge Be­son­der­hei­ten ei­ner be­stimm­ten Bran­che oder be­stimm­ter Ar­beits­verhält­nis­se ste­hen nicht in Re­de.
Die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor Gel­tung der §§ 305 ff. BGB zur In­halts­kon­trol­le auf Grund der §§ 138, 242 BGB hat­te ein­mo­na­ti­ge, sechswöchi­ge und zwei­mo­na­ti­ge Fris­ten zur schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung noch ge­bil­ligt (13. De­zem­ber 2000 - 10 AZR 168/00 - BA­GE 96, 371, 377; 15. Ok­to­ber 1981 - 2 AZR 548/79 -, zu I 2 der Gründe; 27. Fe­bru­ar 2002 - 9 AZR 543/00 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 162 = EzA BGB § 138 Nr. 30, zu I 2 b der Gründe). Sie ist nicht mehr maßge­bend. Das Leit­bild des ge­setz­li­chen Verjährungs­rechts und die Berück­sich­ti­gung der übli­chen ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten führen zu ei­ner deut­lich länge­ren Frist. Die kur­ze Frist des § 4 KSchG trägt ge­ra­de dem Son­der­fall der Kündi­gung Rech­nung. § 81 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 SGB IX und § 611a Abs. 4 BGB be­tref­fen be­stimm­te Entschädi­gungs­ansprüche mit beträcht­li­chem Klar­stel­lungs­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers. Gleich­wohl be­stimmt § 611a Abs. 4 Satz 3 BGB man­gels an­der­wei­ti­ger Re­ge­lung ei­ne sechs­mo­na­ti­ge Frist. Nach Auf­fas­sung des Se­nats ist die für die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung als an­ge­mes­sen an­zu­se­hen­de Drei-Mo­nats-Frist (vgl. 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 7 d der Gründe) auch für die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung her­an­zu­zie­hen. Sie liegt im Be­reich des Durch­schnitts von übli­chen
ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten und ist bei ei­ner Ge­samt­be­trach­tung als Maßstab ge­eig­net.
f) Auf Grund der un­an­ge­mes­se­nen Frist ist die Aus­schluss­klau­sel ins­ge­samt un­wirk­sam; denn es gibt kei­ne Aus­schluss­klau­sel oh­ne ei­ne be­stimm­te Frist.
6. Die Un­wirk­sam­keit der Aus­schluss­klau­sel führt zu ih­rem er­satz­lo­sen Weg­fall bei Auf­recht­er­hal­tung des Ar­beits­ver­trags im Übri­gen (§ 306 Abs. 1 und 2 BGB).
a) Ei­ne so­ge­nann­te gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on in dem Sin­ne, dass die we­gen un­an­ge­mes­se­ner Kürze der ver­ein­bar­ten Frist un­an­ge­mes­se­ne Aus­schluss­klau­sel auf ei­ne ge­ra­de noch oder in je­dem Fal­le zulässi­ge Dau­er aus­zu­deh­nen wäre, kommt nicht in Be­tracht. § 306 BGB sieht ei­ne sol­che Rechts­fol­ge nicht vor. Ei­ne teil­wei­se Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung liegt nicht vor. Der Zweck der In­halts­kon­trol­le, den Rechts­ver­kehr von un­wirk­sa­men Klau­seln frei­zu­hal­ten, würde nicht er­reicht, blie­ben un­wirk­sa­me Klau­seln mit veränder­tem In­halt auf­recht­er­hal­ten. Über­zo­ge­ne Klau­seln könn­ten weit­ge­hend oh­ne Ri­si­ko ver­wen­det wer­den. Erst in ei­nem Pro­zess würde der Ver­trags­part­ner die zu­tref­fen­de Dau­er der Aus­schluss­frist zu­verlässig er­fah­ren. Wer die Möglich­keit nut­zen kann, die ihm der Grund­satz der Ver­trags­frei­heit für die Auf­stel­lung von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eröff­net, muss auch das vollständi­ge Ri­si­ko ei­ner Un­wirk­sam­keit der Klau­sel tra­gen (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 8 a der Gründe mwN). An­de­ren­falls lie­fe das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB weit­ge­hend leer.
b) Ar­beits­recht­li­che Be­son­der­hei­ten ste­hen dem nicht ent­ge­gen. Lang­fris­tig an- ge­leg­te For­mu­lar­verträge kom­men re­gelmäßig im ge­sam­ten Ver­trags­recht vor. Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung schei­det aus. Sie setzt vor­aus, dass die An­wen­dung der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten und das Un­ter­blei­ben der Ergänzung des Ver­trags kei­ne an­ge­mes­se­ne, den ty­pi­schen In­ter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en Rech­nung tra­gen­de Lösung bie­tet (BAG 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - AP BGB § 308 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 308 Nr. 1, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B II 1 der Gründe mwN). Das ist vor­lie­gend nicht der Fall. Die Un­wirk­sam­keit der be­an­stan­de­ten Klau­sel lässt den Re­ge­lungs­plan der Par­tei­en nicht als ver­vollständi-gungs­bedürf­tig er­schei­nen. Bei Weg­fall der Aus­schluss­frist grei­fen man­gels ge­setz­li­cher oder richter­recht­li­cher Re­ge­lun­gen zu Aus­schluss­fris­ten al­lein die Verjährungs­re­geln der §§ 195 ff. BGB ein, die ei­nen dem Re­ge­lungs­ge­dan­ken der Aus­schluss­fris­ten ver­gleich­ba­ren hin­rei­chen­den In­ter­es­sen­aus­gleich bie­ten. Be­son­der­hei­ten bei Alt­ver-
trägen kom­men nicht zum Tra­gen; denn es han­delt sich um ei­nen nach dem 31. De­zem­ber 2001 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag.
III. Die Be­klag­te hat gem. § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Re­vi­si­on zu tra­gen.
Hromad­ka Busch­mann
zur Übersicht 5 AZR 52/05

References: § 8
 § 3
 § 612
 § 612
 § 138
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 612
 § 1
 § 138
 § 611
 § 4
 § 3
 § 3
 § 8
 § 614
 § 4
 § 138
 § 202
 § 276
 § 276
 § 202
 § 202
 § 8
 § 202
 § 139
 § 202
 § 202
 § 305
 § 310
 § 305
 § 307
 § 309
 § 8
 § 309
 § 8
 § 307
 § 202
 § 307
 § 307
 § 4
 § 17
 § 61
 § 310
 § 8
 § 199
 § 4
 § 818
 § 4
 § 199
 § 4
 § 138
 § 4
 § 81
 § 611
 § 611
 § 306
 § 307
 § 308
 § 308
 § 97