Source: https://m.grin.com/document/78044
Timestamp: 2020-07-07 16:36:21+00:00

Document:
Wirtschaftlichkeits- und Umweltproblematik einer KWKK-Anlage mit ...
von Anika Erdmann (Autor)
1.1 Analyse der aktuellen Situation
1.2 Aufgabenformulierung
2 Analyse der Rahmenbedingungen
2.1 Energiepolitische Rahmenbedingungen
2.1.1 KWK-G 2002
2.1.2 EEG 2004 und der Ausbau erneuerbarer Energien
2.1.3 Entwicklung der Energieträgerpreise
2.2 Technische Rahmenbedingungen
3 Technologie der KWK
3.1 Funktionsweise der KWK
3.2 KWK-Anlagen nach dem KWK-G 2002
3.3 Brennstoffe nach dem KWK-G 2002
3.4 Stromkennzahl
4 Technologie der KWKK
4.1 Absorptionskältemaschine
4.1.1 Anlagentypen
4.2 Adsorptionskältemaschine
4.3 DEC Prozess
4.4 Gegenüberstellung der Kälteanlagen
5 Wirtschaftlichkeitsproblematik
5.1 Förderung durch das KWK-G 2002
5.1.1 Anschlusspflicht
5.1.2 Kategorien zuschlagsberechtigter KWK-Anlagen
5.1.3 Vergütung und Zuschläge
5.1.3.1 Vergütung
5.1.3.2 Zuschlag
5.1.3.3 Grenzen für Zuschlagszahlung
5.2 Förderung durch das EEG 2004
5.2.1 Vergütung für Strom aus Deponiegas, Klärgas und Grubengas
5.2.2 Vergütung für Strom aus Biomasse
5.2.3 Vergütung für Strom aus Geothermie
5.3 Überschneidungen von KWK-G und EEG
5.3.1 Deponie-, Klär- und Grubgengas
5.3.2 Biomasse Fall 1
5.3.3 Biomasse Fall 2
5.4 Förderung durch die KfW
5.5 Vergütung der vermiedenen Netznutzungskosten
5.6 Ansatz zur Kostenbeurteilung einer KWKK-Anlage
6.1 Belastung durch konventionelle Kraftwerke und KWK-Anlagen
6.2 Belastung durch Kälteanlagen
6.2.1 Ammoniak
6.2.2 Sonstige Kältemittel
6.3 Bio-Brennstoffe
6.4 Emissionshandel
D Ergänzende Informationen
Durch das Erzeugen von mechanischer Energie mittels Verbrennung von Energieträgern entsteht in der Regel ein großes Wärmepotenzial, welches bei der Stromerzeugung in heutigen konventionellen Kraftwerken häufig ungenutzt bleibt. Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung (KWKK) zeichnen sich dagegen durch eine besonders rationelle Energieumwandlung aus, was sich in bedeutend höheren Wirkungsgraden widerspiegelt. Die gekoppelte Produktion von Nutzwärme und Elektrizität ermöglichen zudem eine zukünftige Reduktion der Kohlendioxidemissionen, die in Deutschland zurzeit zu einem großen Teil aus dem Betrieb von fossil befeuerten Stromerzeugungsanlagen herrühren.[1],[2]
Im Laufe der vergangenen Jahre ist die Bedeutung der KWKK stark gestiegen. Dies ist damit zu begründen, dass Verbrauchsspitzen an elektrischer Energie nicht mehr vorwiegend in der kalten Jahreszeit durch den Heizbedarf auftreten, sondern vermehrt auch im Sommer durch die steigende Zahl an Kälteversorgungsanlagen wie sie beispielsweise in Kühlhäusern, Datenverarbeitungsanlagen, Kaufhäusern und Büroräumen vorhanden sind. Durch das Prinzip der KWKK können also im Sommer sowohl der Bedarf an elektrischer Energie zur Klimatisierung reduziert als auch das Wärmeversorgungsnetz besser ausgelastet werden.[3]
Das Thema dieser Arbeit ist die Analyse der Zusammenhänge beim Betrieb einer KWKK-Anlage mit einem erneuerbaren Brennstoff hinsichtlich der energiepolitischen Rahmenbedingungen, der technologischen Möglichkeiten und der wirtschaftlichen und der ökologischen Aspekte. Die Analyse beschränkt sich hierbei unter Anwendung von KWK-G sowie EEG auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland.
Das Ziel der Arbeit war zunächst eine Empfehlung von bestimmten Anlagen im Vergleich zu Referenzsystemen. Es hat sich im Verlauf der Erarbeitung allerdings gezeigt, dass dies auf Grund der Vielzahl von Informationen und verschiedenen Anlagen in dem begrenzten Umfang dieser Arbeit nicht eindeutig zu lösen ist. Diese Arbeit gibt also eher eine allgemeine Orientierung zur Betrachtung der Wirtschaftlichkeits- und Umweltproblematik und keinen pauschalen Lösungsvorschlag.
Es gibt sowohl technische als auch energiepolitische Rahmenbedingungen, auf die im folgenden Teil eingegangen wird.
Das erklärte Ziel des KWK-G 2002[4],[5] ist es, in der Bundesrepublik Deutschland durch KWK im Zeitraum von 1998 - 2005 eine Minderung der CO2-Emissionen um 10 Millionen Tonnen pro Jahr und im Zeitraum von 1998 - 2010 eine Reduktion um jährlich mindestens 20 Tonnen zu erreichen. Zweck des Gesetzes ist, dem o.g. Ziel einen Beitrag zu leisten durch einen „befristeten Schutz und die Modernisierung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sowie den Ausbau der Stromerzeugung in kleinen KWK-Anlagen und die Markteinführung der Brennstoffzelle im Interesse der Energieeinsparung, des Umweltschutzes und der Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung“[6]. Die Einsparung von jährlich mindestens 20 Millionen Tonnen CO2 bis zum Jahr 2010 soll zum Einen dadurch erreicht werden, dass über das KWK-G 2002 eine durch die Stromverbraucher zu finanzierende Förderung bestehender sowie neuer dezentraler KWK-Anlagen erfolgt. Zum anderen ist es gemäß einer Vereinbarung[7] die Aufgabe der Stromwirtschaft und der industriellen Kraftwirtschaft, „den Kraftwerkspark hinsichtlich der sog. Kondensationsanlagen zu modernisieren und mittelgroße sowie große KWK-Anlagen zuzubauen“[8].
Gemäß einer am 27.09.2001 festgelegten Richtlinie ist es das Ziel der Europäischen Union, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung im Binnenmarkt bis zum Jahr 2010 zu verdoppeln. Das im Jahr 2000 verabschiedete und im Jahr 2004 novellierte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) erhöht dabei mit seinen verbindlichen Einspeisevergütungen die Attraktivität der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Darüber hinaus unterstützt die Biomasseverordnung (BiomasseV) aus dem Jahr 2001 den Ausbau der kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung aus Biomasse.[9]
Die Abbildung 1 zeigt, dass der mittlere Preis für Heizöl von 2000 bis 2050 voraussichtlich um 44% von 40,8 auf 58,5 ct/L steigen wird. Für Erdgas wird 2050 der mittlere Preis ca. 6,65ct/kWh betragen und somit um ca. 102% über dem Preis von 3,3ct/kWh im Jahr 2000 liegen. Beim Strompreis wird ein Anstieg von 13,7 ct/kWh im Jahr 2000 auf 18,8 ct/kWh im Jahr 2050 erfolgen, was einer Steigerung von 37% entspricht.
Abbildung 1: Entwicklung der Preise für Endenergieträger für Haushalte in der BRD bis 2050.[10]
Zur Auslegung einer KWK-Anlage ist eine Vielzahl von Informationen erforderlich, die für den Einzelfall ermittelt werden müssen. So stellt sich die Frage, ob Strom und Wärme gleichzeitig, d.h. im gekoppelten Betrieb, erzeugt werden sollen oder ob eher ein stromorientierter bzw. wärmeorientierter Anlagenbetrieb wünschenswert ist. Es ist dabei auch die Frage zu beantworten, wie viel thermische und elektrische Leistung benötigt wird, was mit Hilfe von Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresganglinien ermittelt werden kann. Auch die jährliche Außentemperatur spielt hierbei eine entscheidende Rolle.
Weiterhin muss geklärt werden, ob eine neue Anlage entweder neu errichtet oder eine existierende Anlage saniert oder ersetzt werden soll. Beim Bau einer neuen dezentralen Anlage ist bei der Standortwahl die Möglichkeit der Netzanbindung zu prüfen.
Weitere Aspekte sind die Brennstoffverfügbarkeit sowie die Kosten zur Beschaffung des jeweiligen Brennstoffes für die Anlage.[11]
Im Folgenden werden die Funktionsweise von KWK-Anlagen sowie die Definition dieser Anlagen und der Brennstoffe nach dem KWK-G dargestellt.
Die Kraft-Wärme-Kopplung ist definiert als „die gleichzeitige Gewinnung von mechanischer und thermischer Nutzenergie aus anderen Energieformen mittels eines thermodynamischen Prozesses in einer technischen Anlage“[12].
Bei der gekoppelten Erzeugung von Kraft und Wärme wird unterschieden zwischen der strombedarfsorientierten KWK mit der prioritären Zielenergie Strom sowie der wärmebedarfs-orientierten KWK mit der prioritären Zielenergie Wärme. Bei einer strombedarfsorientierten KWK-Anlage erfolgt die Auskopplung von Wärme bei der Stromerzeugung. Im Gegensatz dazu ist bei einer wärmebedarfsorientierten KWK-Anlage die Zielenergie Wärme, so dass Kraft in Form von mechanischer Energie oder Strom ausgekoppelt wird. Der optimale Einsatz einer KWK-Anlage ist gegeben, wenn zeitgleich der Bedarf an thermischer und elektrischer Energie vorliegt.[13]
Die erzeugte Wärme und der erzeugte Strom müssen von der Erzeugungsanlage zum Verbraucher transportiert werden. Dies ist bei Strom auch über große Entfernungen relativ kostengünstig möglich. Beim Wärmetransport sind aber häufig erhebliche Investitionen in Heizwassernetze erforderlich. Wirtschaftlich interessant sind daher besonders kleinere dezentrale Anlagen, die in Verbrauchernähe errichtet werden. Die Einspeisung der elektrischen Energie kann dann in die ohnehin vorhandenen Mittel- und Niederspannungsnetze erfolgen, während die Wärme über Nahwärmenetze verteilt wird.[14]
Die Abbildung 2 zeigt beispielhaft die Energieflussdiagramme bei der Stromerzeugung eines Verbrennungsmotors ohne und mit KWK. Es ist zu erkennen, dass sich bei gleichem Brennstoffeinsatz der Gesamt-Wirkungsgrad verdoppelt, wenn die KWK zur Anwendung kommt und somit auch die Abwärme des Motors genutzt wird. In diesem Fall wird ein Gesamt-Wirkungsgrad von 76% erreicht.
Abbildung 2: Typisches Energieflussdiagramm bei Stromerzeugung mit einem 500kWel-Verbrennungsmotor ohne KWK (links) und mit KWK (rechts).[15]
Der Gesamt-Wirkungsgrad einer KWK-Anlage setzt sich zusammen aus dem thermischen und elektrischen Wirkungsgrad. Es zeigt sich in der Abbildung 3, dass besonders im Bereich von wenigen kW bis 1.000kW eine starke Abhängigkeit der jeweiligen Wirkungsgrade von der Anlagenleistung vorliegt. Auch hier handelt es sich um das Beispiel eines BHKW auf Basis eines Verbrennungsmotors. Die obere Grenzkurve entspricht dabei den Gas-Diesel-Aggregaten, die untere dem Otto-Motoraggregat.
Abbildung 3: Wirkungsgrade typischer KWK-Motoraggregate bis 2.000kWel.[16]
Der Leistungsbereich von KWK-Anlagen liegt zwischen einigen kW bis zu mehreren Hundert MW. Nach dem KWK-G 2002 erfolgt neben der Unterteilung in alte, neue und modernisierte Anlagen eine Unterteilung der Leistungsbereiche von KWK-Anlagen wie sie in der folgenden Abbildung 4 ersichtlich ist. Die Zuordnung der jeweiligen Anlagen zu bestimmten Leistungsbereichen ist dabei nicht als verbindlich zu betrachten, es sollen hier nur gängige Größenzuordnung gezeigt werden.
Anlagen bis zu einer Nennleistung von 2MWel werden nach dem KWK-G 2002 als kleine Anlagen bezeichnet. Bei 50kWel liegt noch eine weitere Schwelle, da Anlagen mit einer Leistung kleiner als 50kWel besonders gefördert werden. Ausgenommen von dieser Einteilung sind Brennstoffzellen.[17] Auf die Förderung wird im folgenden Kapitel 5 näher eingegangen, hier zunächst nur auf die technischen Details.
Abbildung 4: Typische Leistungsbereiche von KWK-Anlagen mit Grenzen nach KWK-G 2002.[18],[19]
KWK-Anlagen im Sinne von § 3 Abs. 1 und Abs. 2 des Gesetzes sind Dampfturbinen-Anlagen, Gasturbinen-Anlagen, Verbrennungsmotoren-Anlagen, Stirling-Motoren, Dampfmotoren-Anlagen, ORC (Organic Rankine Cycle) -Anlagen sowie Brennstoffzellen-Anlagen, allerdings nur wenn die Bedingung erfüllt ist, dass Strom und Nutzwärme gleichzeitig erzeugt werden. Nähere Beschreibungen der Anlagen sind dem Anhang zu entnehmen.
Das KWK-G 2002 regelt die Abnahme und Vergütung von KWK-Strom aus Kraftwerken mit KWK-Anlagen auf Basis von Steinkohle, Braunkohle, Abfall, Biomasse sowie gasförmigen und flüssigen Brennstoffen, die in den Anwendungsbereich des Gesetzes fallen.[20]
Steinkohle sowie Braunkohle sind konkrete bezeichnete Brennstoffe, die daher keiner wesentlichen weiteren Erläuterung in diesem Rahmen bedürfen.
Unter Abfall werden im Allgemeinen Rückstände aus Produktions- und Konsumvorgängen verstanden. In solchen Fällen, wo es zweifelhaft werden könnte, ob der verwendete Brennstoff entweder den Begriff „Abfall“ oder aber „Biomasse“ erfüllt, ist im Gegensatz zu früher[21] eine genaue Abgrenzung nicht mehr erforderlich, da der Anwendungsbereich der Biomasse inzwischen mit in das KWK-G 2002 aufgenommen wurde, um die Förderung nach diesem Gesetz sicher zu stellen.[22]
Hinsichtlich der Elektrizitätserzeugung aus Biomasse wird zwischen „Reststoffen aus der Landwirtschaft, sonstigen organischen Abfällen, Biogas, Pflanzen zur Energiegewinnung und Holz unterschieden“[23]. Auch Gülle zählt als landwirtschaftliches Abfallsprodukt zu Biomasse.[24] Fossile Energieträger wie „Stein- oder Braunkohle, Mineralöl sowie Erdgas“[25] werden in diesem Zusammenhang nicht als Biomasse bezeichnet, da sie sich in absehbarer Zeit nicht wieder regenerieren können.[26]
Für die Verwendung in Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung sind besonders die Biomasse-Arten Rest- und Schwachholz, Industrieabfallholz, Getreidestroh, schnellwachsende Baumarten und Spezialpflanzen wie z.B. das Chinaschilf, welches bewusst mit dem Ziel der Energiegewinnung angebaut wird sowie Raps und Rapsöl geeignet.[27] Kann ein Stoff weder als Biomasse noch als Abfall eingestuft werden, ist zu prüfen, ob es sich um einen flüssigen oder gasförmigen Brennstoff handelt, der im Geltungsbereich dieses Gesetzes liegt. Gase wie Klärgas, Deponiegas, besonders aber Erdgas und Kokereigas fallen unter diese Kategorie.[28] Bei dem flüssigen Brennstoff handelt es sich in erster Linie um Mineralöl.[29]
Als erneuerbare Brennstoffe im Sinne der Aufgabenstellung verbleiben unter Bezug auf die möglichen Brennstoffe des KWK-G 2002 der Abfall bzw. die allgemeinen Rückstände aus Produktions- und Konsumvorgängen, Reststoffe aus der Landwirtschaft wie z.B. Gülle, organische Abfälle, Bio-, Klär-, und Deponiegas, Pflanzen zur Energiegewinnung wie schnellwachsende Baumarten und Spezialpflanzen wie das Chinaschilf, Holz, dabei speziell Rest- und Schwachholz sowie Industrieabfallholz, Getreidestroh, Raps und Rapsöl.
Die Stromkennzahl per Definition in §3 Abs.7 S.1 KWK-G 2002 ist das „Verhältnis der KWK-Nettostromerzeugung zur KWK-Nutzwärmeerzeugung in einem bestimmten Zeitraum“. Da sich das Verhältnis der Werte auf einen Zeitraum bezieht, handelt es sich bei der Stromkennzahl nicht um einen leistungs- sondern arbeitsbezogenen Begriff.[30] Die Stromkennzahl lässt sich nicht messtechnisch für einen Zeitraum ermitteln, daher wird sie von Sachverständigen durch einen Rechenprozess als Mittelwert ermittelt.[31] Sie stellt einen Gewichtungsfaktor dar, der über den jeweiligen Zeitraum „denjenigen Anteil an elektrischer Arbeit bestimmt, der bezüglich einer konkreten KWK-Anlage im gekoppelten Betrieb erzeugt wurde“[32]. Der Teil des Stromes, der außerhalb des gekoppelten Betriebs erzeugt wurde, ist nicht förderfähig und wird mithilfe dieses Gewichtungsfaktors ausgegrenzt.
Hat z.B. eine KWK-Anlage mit Vorrichtung zur Wärmeabfuhr gemäß §3 Abs. 8 KWK-G 2002 in einem bestimmten Zeitraum 800.000kWh netto an Strom erzeugt, und ist durch ein Sachverständigengutachten eine Stromkennzahl von 0,8 festgestellt worden, so beträgt der förderfähige Teil der Nettostromerzeugung 0,8*800.000kWh= 640.000kWh. Die verbleibenden 140.000kWh entfallen auf ungekoppelten Betrieb der Anlage.
Übliche Werte für Stromkennzahlen liegen zwischen 0,2 und 1,2 MWh/MWh und es ist wünschenswert, einen möglichst hohen Wert für diese Zahl zu erzielen. Beispiele für Stromkennzahlen sind in der Tabelle 1 dargestellt.
Tabelle 1: Typische Stromkennzahlen von KWK-Anlagen.[33]
Die Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung, auch als Trigeneration oder Totalenergieverbund bezeichnet, beruht im Wesentlichen auf dem Prinzip der KWK. Ergänzend kommt bei der KWKK ein weiteres Anlagenteil dazu, welches die Abwärme in Kälte umwandelt. Derzeit sind auf dem Markt LiBr/H2O-Absorptionsanlagen, H2O/NH3-Absorptionsanlagen, SilicaGel/H2O-Adsorptions-anlagen und DEC-Anlagen erhältlich, die mit Abwärme betrieben werden[34],[35]. Diese Anlagen ersetzen zunehmend die konventionelle Kompressionskältemaschine, die Kälte mit elektrischer Energie erzeugt. Die genannten Anlagen lassen sich ferner zuordnen zur Gruppe der Kaltdampfmaschinen bzw. Kaltgasmaschinen, was detailliert in Tabelle 2 dargestellt ist.[36]
Absorption wird das Lösen von Gasen in Flüssigkeiten genannt. Die Fähigkeit einer Flüssigkeit, ein Gas zu absorbieren, hängt von Druck und Temperatur ab. Die Eckdaten einer Absorptionskältemaschine werden bestimmt durch die Abhängigkeit von Temperatur und Druck, der spezifischen Stoffeigenschaften und der Konzentrationen der Kälte- und Lösungsmittel.
Es sind derzeit Absorptionskälteanlagen auf der Basis von Ammoniak und Lithiumbromid am Markt verfügbar. Ammoniakanlagen sind mehrstufig ausführbar, wodurch sehr tiefe Temperaturen bis -60°C erreicht werden können. Sie werden daher überwiegend im industriellen Sektor eingesetzt. Lithiumbromidanlagen dagegen werden vor allem in der Klima- und Lüftungstechnik eingesetzt, es können hier minimale Temperaturen bis ca. +4,5°C erreicht werden. Die jeweils eingesetzten Kälte- bzw. Lösungsmittel werden zusammen als Arbeitspaar bezeichnet.
Die Effektivität einer Absorptionskältemaschine wird durch das Wärmeverhältnis
beschrieben, wobei QP das Wärmeäquivalent der Pumpenarbeit, QH die dem Kocher zugeführte Heizwärme und Q0 die Kälteleistung des Verdampfers darstellen. Das Prinzip der Absorptionskältemaschine wird nun anhand des Arbeitspaares Lithiumbromid und Wasser in Verbindung mit der unten stehenden Abbildung 5 erläutert.
Abbildung 5: Schema der Absorptionskältemaschine.
Im Austreiber werden die beiden Stoffe voneinander getrennt, indem die Lösung durch Abwärme aus einem BHKW erhitzt wird. Das Wasser, hier das Kältemittel, wird dabei aus einer schwachen Lithiumbromid-Lösung ausgekocht, es verdampft auf Grund seiner niedrigeren Verdampfungstemperatur zuerst. Die Lösung wird dadurch konzentriert.
Im Verflüssiger bzw. Kondensator wird dem aus dem Austreiber zuströmenden Wasserdampf (vgl. Kältemittelkreislauf in Abbildung 5) Wärme entzogen, der Dampf wird dadurch verflüssigt.
Durch ein Regelventil wird das Kältemittel auf den der gewünschten Temperatur entsprechenden Verdampfungsdruck entspannt.
Es wird dann bei sehr niedrigem Druck über die Rohre des eingebauten Wärmetauschers gesprüht, in diesen Rohren fließt dabei das Wasser des Kaltwassernetzes. Dadurch verdampft das Kältemittel, wodurch dem Kaltwasser Wärme entzogen wird. Der Kältemitteldampf wird nun in den Absorber geleitet.
[1] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §1 Rz. 10.
[2] Vgl. Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 5.
[3] Vgl. Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 203.
[4] Vgl. § 1 Abs. 1 KWK-G 2002.
[5] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §1 Rz. 21.
[6] § 1 Abs. 2 KWK-G 2002.
[7] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002. S. 98f., §1 Rz. 9: „Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der deutschen Wirtschaft zur Minderung der CO2-Emissionen und der Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung in Ergänzung zur Klimavereinbarung vom 9.11.2000“.
[8] Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §1 Rz. 9.
[9] Vgl. Kaltschmitt: Bioenergieträger in Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, 2002, S. 1-2.
[10] Vgl. Krewitt: Brennstoffzellen in der Kraft-Wärme-Kopplung, 2004, S. 24.
[11] Vgl. Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 21ff..
[12] Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 6.
[13] Vgl. Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 7.
[14] Vgl. Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 7-9.
[15] Vgl. Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 11.
[16] Vgl. Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 80.
[17] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §3 Rz. 68.
[18] Vgl. §§ 3 & 7 KWK-G 2002.
[19] Vgl. Schmitz: Kraft-Wärme-Kopplung, 2005, S. 70ff.
[20] Vgl. §2 S.1 KWK-G 2002.
[21] Die Bezeichnung „früher“ bezieht sich auf den Zeitpunkt vor Novellierung des KWK-G im Jahr 2002.
[22] Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §2 Rz. 10.
[23] Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §2 Rz. 11.
[24] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §2 Rz. 17.
[25] Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §2 Rz. 11.
[26] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §2 Rz. 11.
[27] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §2 Rz. 12.
[28] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §2 Rz. 17-19.
[29] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §2 Rz. 20.
[30] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §3 Rz. 106.
[31] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §3 Rz. 110.
[32] Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §3 Rz. 108.
[33] Vgl. Salje: Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 2002, §3 Rz. 106f-107.
[34] Anmerkung: LiBr = Lithiumbromid; H2O = Wasser; NH3 = Ammoniak.
[35] Vgl. Simader, G.R., Rakos, C.: Klimatisierung, Kühlung und Klimaschutz, 2005, S. 3.
[36] Vgl. Simader, G.R., Rakos, C.: Klimatisierung, Kühlung und Klimaschutz, 2005, S. 2.
9783638828918
9783638832021
v78044
Hochschule Bremen – Internationaler Studiengang für Wirtschaftsingeneurwesen
Wirtschaftlichkeits- Umweltproblematik KWKK-Anlage Brennstoff

References: § 3
 §3
 §3
 §1
 § 1
 §1
 § 1
 §1
 §1
 §3
 §2
 §2
 §2
 §2
 §2
 §2
 §2
 §2
 §2
 §3
 §3
 §3
 §3