Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=09.07.2014&Aktenzeichen=2%20StR%2013/14
Timestamp: 2017-09-26 09:10:46+00:00

Document:
BGH, 09.07.2014 - 2 StR 13/14 - dejure.org
§§ 176a Abs. 1 Nr. 1, 176 Abs. 1 StGB
§ 176 Abs 1 StGB, § 176a Abs 1 Nr 2 StGB
Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern: Gegenseitiges Urinieren in den Mund als sexuelle Handlung
Urinieren in den Mund - beischlafähnliche Handlung
Urinieren in den Mund des Kindes
LG Aachen, 15.07.2013 - 65 KLs 201 Js 1014/12
StV 2014, 732
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist für den Begriff der sexuellen Handlung im Sinne von § 184g Nr. 1 StGB das äußere Erscheinungsbild entscheidend; das Merkmal ist erfüllt, wenn das Erscheinungsbild nach allgemeinem Verständnis die Sexualbezogenheit erkennen lässt (vgl. BGH, Urteile vom 24. September 1980 - 3 StR 255/80, BGHSt 29, 336, 338; vom 9. November 1982 - 1 StR 672/82, NStZ 1983, 167;… vom 20. Dezember 2007 - 4 StR 459/07, BGHR StGB § 184f Sexuelle Handlung 2; Urteil vom 9. Juli 2014 - 2 StR 13/14 Rn. 19, zum Abdruck in BGHSt bestimmt).
"Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung, der von Teilen der Literatur zugestimmt wird und der die Kammer folgt, ist die zweite Alternative des § 176 Abs. 1 StGB dann erfüllt, wenn der Täter sexuelle Handlungen an sich von dem Kind vornehmen lässt, wobei es sich insoweit aber nicht um ein echtes Unterlassungsdelikt handelt, weshalb das rein passive Dulden zur Tatbestandsverwirklichung nicht ausreicht (vgl. BGH, Urteil vom 09.07.2014, Az.: 2 StR 13/14, abgedruckt in BGHSt 59, S. 263 ff.;… Fischer, StGB, 62. Auflage, § 176 Rd. 6;… Renzikowski in Müko-StGB, 2. Auflage, Band 3, § 176 Rd. 25).
Ein Gewähren-Lassen des Täters sei aber auch in diesem Fall nur dann tatbestandlich erfasst, wenn es über die rein passive Duldung hinausgehe und zum Beispiel eine Bestärkung der vom Kind ausgehenden Initiative enthält (BGH, Urteil vom 09. Juli 2014 - 2 StR 13/14).
BGH, 25.05.2016 - 2 StR 286/15
Die gegen die Annahme des § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB vorgebrachten Bedenken (vgl. Eschelbach/Krehl, FS Kargl, 2015, 81, 86 ff.) geben dem Senat keinen Anlass, seine Rechtsprechung (BGHSt 59, 263) zu ändern.

References: § 176
 § 176
 § 184
 § 184
 § 176
 § 176
 § 176
 § 176