Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Bayern&Datum=27.03.2012&Aktenzeichen=8%20B%2012.112
Timestamp: 2020-04-05 00:26:46+00:00

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VGH Bayern, 27.03.2012 - 8 B 12.112 - dejure.org
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VGH Bayern, 27.03.2012 - 8 B 12.112 (https://dejure.org/2012,9106)
VGH Bayern, Entscheidung vom 27.03.2012 - 8 B 12.112 (https://dejure.org/2012,9106)
VGH Bayern, Entscheidung vom 27. März 2012 - 8 B 12.112 (https://dejure.org/2012,9106)
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Anfechtung eines Enteignungsbeschlusses; Zwangsbelastung eines Grundstücks zum Zweck des Hochwasserschutzes; Bestimmtheitsmangel
§§ 1018, 1090 BGB, Art. 37 Abs. 1, Art. 44 Abs. 1, Art. 63 ff. BayVwVfG, Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1, Art. 26 Abs. 3 BayEG
Enteignungsrecht: Heilung eines fehlerhaften Enteignungsbeschlusses | Enteignung für eine planfestgestellte Hochwasserschutzmaßnahme; Zwangsbelastung mit einer Grunddienstbarkeit; Voraussetzungen der Enteignung; Bestimmtheitsgebot; Abgrenzung Anfechtbarkeit/Nichtigkeit ...
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat dazu in seinem Urteil vom 27. März 2012 (Az.: 8 B 12.112 - BayVBl 2013, 342 = juris Rn. 25) ausgeführt:.
Dies steht im Widerspruch zu den hier heranzuziehenden allgemeinen Regelungen des Verwaltungsverfahrensrechts (Art. 45 Abs. 1 Nr. 1 BayVwVfG i.V.m. Art. 63 Abs. 2 BayVwVfG, Art. 23 Satz 1 BayEG; vgl. dazu BayVGH, U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - BayVBl 2013, 342 = juris Rn. 18).
Eine Verletzung des Bestimmtheitsgebots hat nur bei völliger Unbestimmtheit oder Unverständlichkeit des Verwaltungsaktes dessen Nichtigkeit zur Folge, also dann, wenn der Betroffene dem Bescheid schlechthin nicht mehr entnehmen kann, was von ihm gefordert wird (vgl. BVerwG, B.v. 11.5.2000 - NVwZ 2000, 1039; BayVGH, U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - juris;… Sachs in Stelkens/Bonk/Sachs, VwVfG, 7. Aufl. 2008, Rnr. 116 zu § 44).
Hat die Unbestimmtheit eines Verwaltungsaktes lediglich dessen Rechtswidrigkeit (Anfechtbarkeit) zur Folge, ist die Behörde grundsätzlich befugt, den Verstoß gegen das Bestimmtheitsgebot im gerichtlichen Verfahren durch eine nachträgliche klarstellende Änderung zu heilen (vgl. BVerwG, U.v. 14.12.1990 - BVerwGE 87, 241; B.v. 21.6.2006 - NVwZ-RR 2006, 589; BayVGH, U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - juris;… Stelkens in Stelkens/Bonk/Sachs, VwVfG, 7. Aufl. 2008, Rnr. 40 f. zu § 37).
Die Ergänzung des Beschlusses war für den Beklagten nicht ausgeschlossen, und zwar weder dadurch, dass inzwischen das gerichtliche Verfahren anhängig war, noch dadurch, dass es sich um einen im förmlichen Verwaltungsverfahren erlassenen Verwaltungsakt handelte (vgl. BVerwG, B.v. 14.12.1990 - BVerwGE 87, 241; BayVGH, U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - juris).
Den geeigneten Maßstab für das wirtschaftliche Interesse des Grundeigentümers bildet daher regelmäßig der Verkehrswert des Grundstücks (…BVerwG, B.v. 20.12.1988 - 4 B 211.88 a.a.O. Rn. 24 m.w.N.; BGH, B.v. 16.9.1963 - III ZR 109/62 - NJW 1963, 2173; B.v. 28.9.1967 - III ZR 164/66 - NJW 1968, 153 f.; B.v. 21.9.2006 - V ZR 28/06 - NJW 2006, 3428 = juris; BayVGH, B.v. 12.10.1990 - 8 C 90.2668 - n.v.;… B.v 30.1.2012 - 22 C 11.2830 - NVwZ-RR 2012, 911 = juris Rn. 10; B.v. 13.3.2012 - 8 B 12.112 - BayVBl 2013, 342 = juris Rn. 47 m.w.N.;… Schenke/Hug in Kopp/Schenke, VwGO, 23. Aufl. 2017, Anh. § 164 Rn. 12; vgl. auch BayVGH B.v. 21.7.2009 - 8 ZB 07.2105 - juris;… B.v. 5.1.2016 - 8 ZB 15.951 - juris Rn. 37).
Dieser lässt sich im Allgemeinen nach den Angaben des betroffenen Grundeigentümers oder der beteiligten Behörden ohne weiteres abschätzen (vgl. BayVGH, B.v. 13.3.2012 - 8 B 12.112 - a.a.O. Rn. 47).
Eine Verletzung des Bestimmtheitsgebots hat nur bei völliger Unbestimmtheit oder Unverständlichkeit eines Verwaltungsakts dessen Nichtigkeit zur Folge, also dann, wenn der Betroffene dem Bescheid schlechthin nicht mehr entnehmen kann, was von ihm gefordert wird (…vgl. BayVGH, U.v. 28.2.2012 - 8 B 11.2934 - BayVBl 2013, 84 Rn. 42 ff.; U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - BayVBl 2013, 342 Rn. 36 ff. m.w.N.).
Denn die Verpflichtung des Enteignungsbegünstigten zu einem ernsthaften Bemühen um einen freihändigen Erwerb endet dort, wo ein Angebot zur leeren Förmelei würde, weil der Eigentümer bzw. Nutzungsberechtigte zu erkennen gibt, dass er dieses ablehnen werde, mag der Betrag auch angemessen sein (vgl. BayVGH, U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - KommunalPraxis BY 2012, 230 [nur Leitsatz] m.w.N.).
Selbst wenn aber anzunehmen wäre, dass mit dem Vertrag vom 27. März 2007 die Straßenbaulast des Bundes nicht auf die Antragsgegnerin übertragen worden wäre (§ 5 Abs. 1 FStrG), und wenn sich die Befugnis der Antragsgegnerin zur Antragstellung und Einleitung des Planfeststellungsverfahrens (Art. 22, Art. 73 Abs. 1 BayVwVfG) auch nicht aus § 2 Abs. 2 des Vertrags (Übertragung der Zuständigkeit für die gesamte Planung) ableiten ließe, läge darin kein so schwerwiegender Mangel, dass er die Nichtigkeit der Planfeststellung zur Folge hätte (zu den Anforderungen an die Nichtigkeit eines Verwaltungsakts vgl. BayVGH, U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - juris m.w.N.).
Abgesehen von der Heilungsmöglichkeit durch eine später erlassene Satzung ist ein Verwaltungsakt nicht allein deswegen nichtig, weil er der gesetzlichen Grundlage entbehrt (vgl. BFH, Urt. v. 16. September 2010 - V R 57/09 - VGH Bayern, Urt. v. 27. März 2012 - 8 B 12.112 - OVG Sachsen-Anhalt, Urt. v. 15. März 2011 - 8 K 8/09 - jeweils zit. nach JURIS).
Das Gutachten eines unabhängigen Gutachterausschusses wie hier (vgl. §§ 192 ff. BauGB) erfüllt regelmäßig diese Voraussetzungen (vgl. zum Ganzen BayVGH, U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - BayVBl 2013, 342/343;… B.v. 21.7.2009 - 8 ZB 07.2105 - juris Rn. 12 ff., jeweils m. w. N.).
Hierfür spricht auch die Terminnotiz der Antragstellerbevollmächtigten über die mündliche Verhandlung im Besitzeinweisungsverfahren (vorgelegt als Anlage AS 12, dort Seite 5), wo es heißt: "Eine Veräußerungsbereitschaft liegt seitens der Antragsgegner nicht vor." Die Verpflichtung des Enteignungs- und Besitzeinweisungsbegünstigten zu einem ernsthaften Bemühen um einen freihändigen Erwerb zu angemessenen Bedingungen endet aber dort, wo ein Angebot zur leeren Förmelei würde, weil der Eigentümer zu erkennen gibt, dass er dieses ablehnen werde, mag der Betrag auch angemessen sein (BayVGH, U. v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - juris Rn. 25 m. w. N.).
VGH Bayern, 17.07.2013 - 8 ZB 11.2551
Eine Bauerlaubnis für ein an sich planfeststellungspflichtiges Straßenbauvorhaben …
Ob die oben neben der Entschädigung für Grund und Boden genannten Entschädigungspositionen hier anzusetzen gewesen wären, ist daher nicht schlüssig dargelegt, zumal das Angebot ohnedies nur in etwa der späteren Enteignungsentschädigung zu entsprechen hat (stRspr;… vgl. etwa BayVGH, B.v. 21.7.2009 - 8 ZB 07.2105 - juris Rn. 13; U.v. 27.3.2012 - 8 B 12.112 - juris Rn. 25).
VG Augsburg, 05.04.2017 - Au 6 K 16.1358
Teilenteignung für Autobahnausbau
VG München, 07.02.2017 - M 2 K 15.962
Streitwertfestsetzung bei Klage eines Enteignungsbetroffenen

References: Art. 37
 Art. 44
 Art. 63
 Art. 3
 Art. 26
 Art. 63
 Art. 23
 § 44
 § 37
 § 164
 Art. 73
 § 2