Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202007,%201460
Timestamp: 2019-05-26 18:43:11+00:00

Document:
BGH, 13.12.2006 - XII ZB 71/04 - dejure.org
https://dejure.org/2006,1459
BGH, 13.12.2006 - XII ZB 71/04 (https://dejure.org/2006,1459)
BGH, Entscheidung vom 13.12.2006 - XII ZB 71/04 (https://dejure.org/2006,1459)
BGH, Entscheidung vom 13. Dezember 2006 - XII ZB 71/04 (https://dejure.org/2006,1459)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2006,1459) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
ZPO §§ 269 Abs. 3 Satz 3 a. F., 290; BGB §§ 133, 140
Auslegung und Umdeutung einer Klagerücknahme in eine einseitige Erledigungserklärung; Möglichkeit des Widerrufs von Prozesshandlungen (hier: einer Klagerücknahme); Beurteilung der Unverzüglichkeit der Klagerücknahme nach dem Zeitpunkt der Kenntniserlangung von dem Wegfall des Klageanlasses; Anwendbarkeit der für Willenserklärungen geltenden Vorschriften über Nichtigkeit oder Anfechtbarkeit wegen Willensmängeln auf Prozesshandlungen
Klagerücknahme - Auslegung und Umdeutung in einseitige Erledigungserklärung
Auslegung von Prozeßhandlungen; keine Umdeutung einer Klagerücknahme in eine einseitige Erledigungserklärung; (keine) Anfechtung von Prozeßhandlungen; Klagerücknahme bei Erledigung vor Rechtshängigkeit (§ 269 III S. 3 ZPO)
Verfahrensrecht - Umdeutung von Erledigungserklärung in Klagerücknahme?
Auslegung einer Klagerücknahme als Erledigungserklärung? (IBR 2007, 1145)
LG Erfurt, 07.07.2003 - 3 O 298/03
OLG Jena, 24.02.2004 - 5 W 465/03
NJW 2007, 1460
MDR 2007, 672
Zwar ist nach zutreffender Auffassung für eine Kostenentscheidung gemäß § 269 Abs. 3 Satz 3 ZPO kein Raum, wenn das erledigende Ereignis erst nach Rechtshängigkeit eingetreten ist (vgl. BGH, Beschl. v. 13.12.2006 - XII ZB 71/04, NJW 2007, 1460 f.;… BGH, Beschl. v. 27.10.2003 - II ZB 38/02, NJW 2004, 223, juris Rn. 9;… Zöller/Greger, ZPO, 30. Aufl. 2014, § 269 Rn. 18c; Tegeder, NJW 2003, 3327 f.; a.A. [analog anwendbar] Bonifacio, MDR 2002, 499 f.; E. Schneider, JurBüro 2002, 509, 510).
Zutreffend ist ferner, dass die Erklärung der Rücknahme der am 27. September 2006 eingelegten Beschwerde in der vorliegenden Familiensache der freiwilligen Gerichtsbarkeit (§ 621 Abs. 1 Nr. 2 ZPO) gemäß § 78 Abs. 3 ZPO nicht dem Anwaltszwang unterlag und die Rücknahme eines Rechtsmittels grundsätzlich weder widerrufen noch angefochten werden kann (Senatsbeschluss vom 13. Dezember 2006 ­ XII ZB 71/04 ­ FamRZ 2007, 375).
Abgesehen davon, dass die Rechtsbeschwerde nicht darlegt, welche Vorstellungen Rechtsanwältin A. bei ihrer Rücknahmeerklärung hatte, kann die Rücknahme einer Klage oder eines Rechtsmittels nicht wegen Irrtums angefochten oder widerrufen werden (vgl. Senatsbeschlüsse vom 13. Dezember 2006 ­ XII ZB 71/04 ­ FamRZ 2006, 375 und vom 2. Dezember 1987 ­ IVb ZB 125/87 ­ FamRZ 1988, 496).
aa) Es bedarf im Ergebnis keiner Entscheidung, ob das Landgericht zu Recht die - zwar gesondert, aber auch diesbezüglich - klägerseits erfolgte Erledigungserklärung (I 15) in eine entsprechende Klagerücknahme gemäß § 140 BGB "umgedeutet" hat (LGU 5; vgl. dazu BGH NJW 2007, 1460).
Prozesshandlungen können nur ausnahmsweise bei Vorliegen eines Restitutionsgrundes im Sinne des § 580 ZPO widerrufen werden oder soweit das Gesetz dies ausdrücklich gestattet, wie z.B. § 290 ZPO für das Geständnis (BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2006 - XII ZB 71/04, NJW 2007, 1460 Rn. 13).
In diesem Zusammenhang kann die grundsätzliche Frage offenbleiben, ob eine vertragliche Regelung nach Wortlaut und Zweck einen derart eindeutigen und zweifelsfreien Inhalt haben kann, dass für eine Auslegung kein Raum bleibt (vgl. hierzu Senat, Urteil vom 5. Juli 2002 - V ZR 143/01, NJW 2002, 3164, 3165; BGH, Urteil vom 10. Oktober 1957 - VII ZR 419/56, BGHZ 25, 318, 319; Beschluss vom 13. Dezember 2006 - XII ZB 71/04, NJW 2007, 1460 Rn. 10), oder sich die Feststellung, ob eine Erklärung eindeutig ist oder nicht, gerade erst durch eine alle Umstände berücksichtigende Auslegung treffen lässt (vgl. BGH, Urteil vom 19. Dezember 2001 - XII ZR 281/99, NJW 2002, 1260, 1261; BGH, Beschluss vom 9. April 1981 - IVa ZB 6/80, BGHZ 80, 246, 249 f.;… MüKoBGB/Busche, BGB, 7. Aufl., § 133 Rn. 53).
Dass eine ausdrückliche Klagerücknahme nicht als Erledigungserklärung ausgelegt oder in eine solche umgedeutet werden kann, ist ebenfalls höchstrichterlich geklärt (BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2006 - XII ZB 71/04, NJW 2007, 1460 Rn. 10 f.).
Für die vom Erstrichter angestellten Erwägungen dazu, aus welchen Gründen die GKV ihre Leistung ablehnt, ist in Anbetracht der nach Wortlaut - Ausgangspunkt jeder Auslegung (vgl. BGHZ 121, 13;… BGHR 2006, 4) - und Zweck eindeutigen Regelung kein Raum (vgl. BGHZ 25, 318, 319; NJW 2007, 1460).
Zwar können grundsätzlich auch Prozesshandlungen in entsprechender Anwendung des § 140 BGB nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs umgedeutet werden, allerdings nur bei Vorliegen einer unwirksamen Parteihandlung (BGH, NJW 2007, 1460 ).
OLG Köln, 18.09.2015 - 19 Sch 7/15
Auslegung einer Erklärung, der Antrag auf Vollstreckbarerklärung eines …
VG Würzburg, 14.10.2015 - W 1 K 15.337
Keine Umdeutung in Erledigterklärung

References: § 269
 § 269
 § 78
 § 140
 BGH 
 § 580
 § 290
 § 133
 § 140