Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=16.03.2004&Aktenzeichen=VI%20ZR%20105%2F03
Timestamp: 2019-05-19 15:39:27+00:00

Document:
BGH, 16.03.2004 - VI ZR 105/03 - dejure.org
https://dejure.org/2004,1708
BGH, 16.03.2004 - VI ZR 105/03 (https://dejure.org/2004,1708)
BGH, Entscheidung vom 16.03.2004 - VI ZR 105/03 (https://dejure.org/2004,1708)
BGH, Entscheidung vom 16. März 2004 - VI ZR 105/03 (https://dejure.org/2004,1708)
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Begriff des Schutzgesetzes nach § 823 II BGB: Ermittlung des Schutzzwecks der Norm
Schutzrichtung des § 3 S. 1 der Verordnung über die Herstellung und den Vertrieb von Medaillen und Marken - Sicherheit des Münzverkehrs in Warenautomaten - Schutz der Münzautomatenaufsteller vor münzähnlichen Zeichen
Widerrechtliche Nutzung von Chips als Geld
NJW 2004, 1949
MDR 2004, 996 (Ls.)
VersR 2004, 1012
aa) Schutzgesetz im Sinne des § 823 Abs. 2 Satz 1 BGB ist jede Rechtsnorm, die zumindest auch dazu dienen soll, den Einzelnen oder einzelne Personenkreise gegen die Verletzung eines bestimmten Rechtsguts zu schützen; dass die Rechtsnorm daneben oder sogar in erster Linie das Interesse der Allgemeinheit im Blick hat, steht dem nicht entgegen (vgl. BGH, Urt. v. 16.3.2004 - VI ZR 105/03, NJW 2004, 1949 m.w.N.;… Palandt/Sprau aaO § 823 Rdn. 57).
Er könne den Vertreiber von Einkaufswagen-Chips im Falle eines Verstoßes gegen die Norm auf Ersatz des Schadens in Anspruch nehmen, der dadurch entstehe, dass sich Automatenbenutzer die angebotene Leistung unrechtmäßig verschafften, indem sie in ihrer Größe den einzuwerfenden Geldmünzen entsprechende und deshalb nach der Verordnung nicht erlaubte Chips verwendeten (BGH, Urt. v. 16. März 2004 - VI ZR 105/03, NJW 2004, 1949 ff).
Deshalb reicht es nicht aus, daß der Individualschutz durch Befolgung der Norm als ihr Reflex objektiv erreicht werden kann; er muß vielmehr im Aufgabenbereich der Norm liegen (vgl. Senatsurteile BGHZ 100, 13, 14 f.;… vom 18. November 2003 - VI ZR 385/02 - aaO; vom 16. März 2004 - VI ZR 105/03 - aaO …und vom 9. November 2004 - VI ZR 311/03 - aaO).
Es genügt, dass die Norm auch das Interesse des einzelnen schützen soll, mag sie auch in erster Linie das Interesse der Allgemeinheit im Auge haben (vgl. BGH, Urteil vom 21. Oktober 1991 zu II ZR 204/90, NJW 1992, 241, 242; Urteil vom 16. März 2004 zu VI ZR 105/03, NJW 2004, 1949).
Der Individualschutz durch Befolgung der Norm kann nur als ihr Reflex objektiv erreicht werden, liegt jedoch nicht im Aufgabenbereich der Norm, was nicht ausreicht (vgl. BGH, Urteil vom 16. März 2004 zu VI ZR 105/03, NJW 2004, 1949).
Der Schutzumfang und der Kreis der Geschützten müssen deutlich erkennbar sein (vgl. Senatsurteile vom 18. November 2003 - VI ZR 385/02 - VersR 2004, 255 und vom 16. März 2004 - VI ZR 105/03 - VersR 2004, 1012; jeweils m.w.N.).
a) Offen bleiben kann dabei, ob es sich bei § 267 StGB überhaupt um ein Schutzgesetz im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB handelt (dagegen etwa BGH, NJW 1987, 1818, 1819 (zum alten Recht), in Bezug genommen in BGH, NJW 2004, 1949, 1951;… Cramer/Heine in Schönke/Schröder, StGB, 28. Aufl., § 267 Rn. 1 a;… dafür etwa Fischer, StGB, 60. Aufl., § 267 Rn. 1 unter Hinweis auf eine geänderte Ausgangslage nach Einführung von Abs. 3 Nr. 1 und Nr. 2 in § 267 StGB).

References: § 823
 § 3
 § 823
 § 823
 § 267
 § 823
 § 267
 § 267
 § 267