Source: http://nci-br.netzwerkit.de/docs/nci-aktuell-archiv-10-09.htm
Timestamp: 2018-03-22 21:22:58+00:00

Document:
NCI Aktuell Archiv: September 2010
NCI Aktuell Archiv September 2010
Ein Betriebsrat für die ausgegliederten NSN-Logistiker
Nach aktuellem Kenntnisstand sollen die NSN-Logistiker, die zu CapGemini ausgegliedert werden (unser Artikel), in einem Betrieb landen, der zwar groß genug für einen lokalen Betriebsrat wäre, aber noch keinen hat.
Wir raten daher den betroffenen Kollegen dringend, gleich nach ihrem Betriebsübergang einen Betriebsrat zu wählen!
Ihr werdet ihn noch brauchen, erfahrungsgemäß ziemlich genau 1 Jahr nach dem Übergang dürfte es die ersten Angriffe auf den Geldbeutel geben, und dann ist es gut eine starke Interessenvertretung zu haben.
So eine BR-Wahl hat freilich einen Haken, oder genau genommen gleich zwei: Erstens findet sie nur statt, wenn jemand diese Dinge auch in die Hand nimmt,
und zweitens kann man nur dann Betriebsräte wählen wenn auch jemand bereit ist, als Betriebsrat zu kandidieren!
Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigen vergangene Ausgliederungen; z.B. bei Tieto wurde ein BR gewählt (übrigens mit Personen- statt Listenwahl), bei Trovicor hingegen nicht. Was sich rächt.
Wir empfehlen den Betroffenen (die nicht dem Betriebsübergang widersprechen und ihn also mitmachen), sich nicht erst nach dem erfolgten Betriebsübergang, sondern jetzt schon zusammenzusetzen und zu beraten, wie dazu vorzugehen ist, und wer bereit ist sich dafür auch zu engagieren.
Ein Selbstläufer wird das nicht: Es gibt nichts Gutes außer man tut es, sagte mal ein schlauer deutscher Dichter.
Wenn Ihr dazu Starthilfe und/oder organisatorische Unterstützung (z.B. zum Organisieren, Beschaffen eines Raumes außerhalb der Firma, Bekanntgabe etc.) benötigt, meldet Euch bitte einfach bei uns!
In guter alter NCI-Tradition geben wir gerne "Hilfe zur Selbsthilfe".
Ihr erreicht uns über info@nci-br.de
Die Hälfte der Berufstätigen leidet unter Schlafstörungen
...das ergab eine Studie der Krankenkasse DAK (www.markenpost.de).
Ich kann das nur bestätigen: Als heute morgen um 6:00 Uhr mein Wecker klingelte, hatte ich auch so eine Schlafstörung...
Es gibt wirklich eine Auszeichnung mit dem Titel „Black Planet Award 2010“, ansonsten hätte man ihn für BP und sein Desaster im Golf von Mexiko erfinden müssen. Während Regierungen und die internationale Presse weitgehend zum Alltag übergegangen sind, hat die Stiftung ethecon (Stiftung Ethik & Ökonomie) in diesem Jahre den internationalen Schmähpreis an die Verantwortlichen von BP verliehen. Statt das Öl zu bergen, hatte BP das ausgetretene Öl mit dem hochgiftigen Lösungsmittel Corexit bekämpft, das in Europa verboten ist. Natürlich plant der Ölkonzern weitere Tiefseebohrungen, dieses Mal etwas näher bei uns – im Mittelmeer. Aber, die meisten werden sich erst erinnern (Artikel vom 13.6.2010), wenn etwas Ähnliches passiert. Bis dahin streiten die Forscher und BP darüber, wie viel Öl und Ölklumpen im Golf von Mexiko noch nachweisbar sind.
Fast schon nebensächlich scheint dagegen die Meldung, dass der positive Preis „Blue Planet Award 2010“ an den deutschen Menschenrechtsaktivisten Elias Bierdel ging. Bierdel ist als Leiter und Vorsitzender der Hilfsorganisation "Komitee Cap Anamur/Deutsche Notärzte e.V." bekannt geworden und hat in 2007 die Organisation "borderline-europe - Menschenrechte ohne Grenzen e.V." gegründet.
ethecon verleiht seit 2006 diese beiden internationalen Preise; der „Blue Planet Award“ würdigt den außerordentlichen Einsatz zum Erhalt und zur Rettung des „Blauen Planeten“ und der „Black Planet Award“ prangert hingegen die herausragende Verantwortung für den Ruin und die Zerstörung des "Blauen Planeten" an.
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Kritik an bisheriger Nokia-Führung
Kurz nach Bekanntwerden des Führungswechsels bei Nokia übten laut Tagesanzeiger "Insider" (anscheinend ehemalige Nokia-Führungskräfte aus dem mittleren Management, so klingt zumindest der letzte Absatz in dem Artikel) böse öffentliche Kritik an der bisherigen Nokia-Führung: www.tagesanzeiger.ch
Nokia Siemens Networks: Nächste Restrukturierung nach der Motorola-Eingliederung?
Der IG Metall Dialog zitiert jedenfalls Joe Kaeser, die "Restrukturierung von NSN mitsamt damit verbundener Kosten verzögere sich unterdessen, da man erst einmal die im Juli von Motorola übernommene Netzwerksparte eingliedere".
Dasselbe berichten auch die WIR und dapd .
Diese Formulierung impliziert sowohl die Aussage "die nächste Restrukturierung ist schon im Anrollen" als auch "...aber noch nicht jetzt gleich".
Na, da können wir uns ja freuen...
Junge und ältere Daniel Düsentriebs
Der IG Metall Dialog zitiert unkritisch Siemens-Chef Löscher, er wünsche sich "mehr junge Daniel Düsentriebs" - nichts dagegen, aber dürfen es denn nur junge sein? Mit solchen Formulierungen wird immer wieder der Eindruck erweckt, man fordere zwar die Rente mit 67, traue aber älteren Mitarbeitern nicht mehr die Innovationskraft eines Daniel Düsentrieb zu.
Dabei war der doch auch nicht mehr so jung, wenn ich mich recht an meine Tage als Micky-Maus-Leser entsinne?
Es mag nach Wortklauberei klingen, aber mitunter verraten solche Formulierungen doch auch etwas über die innere Einstellung.
Daher sei's der Vollständigkeit halber nochmal betont: Es gibt auch ältere Daniel Düsentriebs!
Von Waisenkindern und Halbtöchtern
Wenn Siemens für sich und seine deutschen Töchter einen Nicht-Kündigungs-Pakt schließt, möchte natürlich jeder gerne "Tochter" sein - nur ist dieser Tochter-Begriff in diesem Zusammenhang leider nicht sauber definiert.
Dass der Arbeitgeber eine bisher noch wenig gewinnbringende Halbtochter wie Nokia Siemens Networks, die zwar Siemens zur Hälfte gehört aber nicht mehr zum Siemens-Konzern zählt und stattdessen bei Nokia konsolidiert wird, nur ungern in den Genuss dieses Paktes kommen lassen möchte, ist nicht wirklich überraschend - schade aber ist, dass der NSN-Gesamtbetriebsrat die Gunst der Stunde anscheinend nicht nutzt und trotzdem mit Nachdruck dafür kämpft.
Zwar fordert auch der GBR einen Kündigungsausschluss für NSN, aber eben ohne Bezug auf den aktuellen Siemens-Pakt, und das Statement "NSN ist in diesem Sinne keine Siemens-Tochter" kommt denn vielleicht doch etwas zu schnell, zumal ohne ein einschränkendes "...aus Siemens-Sicht".
Der Münchner NSN-Betriebsrat tituliert uns daher als "Waisenkinder" - aber ist das wirklich der richtige Begriff?
Sind wir nicht vielmehr eine ungeliebte verstoßene Halbtochter? Im Familienrecht und Erbrecht hätte diese ja doch noch einige Rechte!
Wieso fordern wir also nicht vor dem Hintergrund der aktuellen Siemens-Vereinbarung und der noch immer bestehenden Eigentumsverhältnisse auch für NSN diesen Kündigungsausschluss?
Letztlich sollte auch Siemens ein Interesse daran haben zu beweisen, dass dieser Pakt nicht jederzeit durch das Konstrukt "ausgliedern und danach kündigen" umgangen werden kann, und genügend freie Stellen bei Siemens, die man ggf. auch mit überzähligen NSN-Mitarbeitern (mit etwas Umschulung) besetzen könnte, gäbe es ja auch; dann brauchte auch niemand mehr über Ingenieurmangel zu jammern...
Derweil sucht Siemens fleißig nach neuen Adoptiveltern für uns, und anscheinend nicht ganz erfolglos:
Laut Joe Kaeser hätten sich mehrere Interessenten gemeldet, die zu einem Einstieg bei NSN bereit wären. (de.reuters.com)
... so könnte man "HartzIV plus 5 Euro" vielleicht nennen...
Über Sinn und Unsinn dieses grandiosen Ergebnisses unseres Berliner Spätsommertheaters ist ja schon viel geschrieben worden - zwei Aspekte sollten aber doch noch betont werden.
Erstens: Die Frage der Glaubwürdigkeit.
Wenn eine FDP sagen würde "wir wollen den Armen nichts geben, was wir den FDP-wählenden Reichen nehmen müssten, deshalb rechnen wir das Ganze jetzt so lange schön, bis der bisherige HartzIV-Satz herauskommt plus symbolische fünf Euro", dann wäre das wenigstens glaubwürdig.
Wenn aber die CDU sich nicht nur von der FDP gängeln lässt, sondern das Ganze auch noch so darstellt, als wäre rein zufällig die Detailrechnung gerade auf den gleichen HartzIV-Satz wie bisher (plus 5.-) gekommen, so dürften sich getrost auch die CDU-Wähler veralbert vorkommen: Egal ob man nun für oder gegen eine HartzIV-Erhöhung ist, aber dass nun auf den Euro genau (oder vielmehr auf 5 Euro genau) der bisherige Betrag herauskommt, das glaubt ja wohl niemand ernsthaft! Das Ziel war offensichtlich nicht, den richtigen Betrag zu ermitteln, sondern den bisherigen Betrag zu bestätigen, zu rechtfertigen.
Dann sollte man/frau dazu aber auch stehen, alles andere trägt den Geruch einer gewissen Verlogenheit.
Zweitens: Getreu dem altbewährten Motto "teile und herrsche" werden hier gezielt zwei Arme gegeneinander ausgespielt (und das so erfolgreich dass sie darüber ganz vergessen, dass es ja auch noch Reiche gibt...).
Und zwar die Langzeitsarbeitslosen gegen die Niedriglöhner.
Es ist ja schon richtig, dass ein Langzeitarbeitsloser nicht mehr bekommen sollte als ein Niedriglöhner - aber man könnte auch umgekehrt schlussfolgern, dass Niedriglöhner mehr als Langzeitarbeitslose bekommen sollten, die Lösung muss also nicht zwangsläufig heißen "dann erhöhen wir nicht HartzIV", sondern: Das eine tun ohne das andere zu unterlassen! Klar muss auch für den Niedriglohnsektor etwas getan werden.
In den letzten Jahren hat bei uns etwas Einzug gehalten, das es zuvor nur in den USA gab, nämlich die Klasse der "working poor". Eine Folge der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Arm und Reich. Denn das sollte über allem nicht vergessen werden: Da die Summe des verfügbaren Geldes ja immer gleich bleibt, geht es hier schlicht um einen Verteilungskampf! In den letzten Jahren haben die Reichen diesen eindeutig für sich entschieden, wie sich statistisch leicht nachweisen lässt: Arme werden ärmer, Reiche werden reicher, der Mittelstand wird immer kleiner und sackt ab.
In unserer ehemaligen Leistungsgesellschaft wird das Einkommen immer mehr von Marktgerechtigkeit als von Leistungsgerechtigkeit geprägt: Weder das Einkommen des Bankdirektors, der das Geld z.B. eines Altenpflegers verwaltet, noch das Einkommen des Altenpflegers, der dem dementen Vater des Bankdirektors die Windeln wechselt, ist noch leistungsgerecht, diese Einkommensunterschiede sind in dieser Höhe einfach nicht mehr leistungsgerecht.
Wer nun aber sowohl den Langzeitarbeitslosen als auch den Niedriglöhnern mehr geben will, der muss es eben von woanders nehmen - von einer Bevölkerungsgruppe, die dummerweise überwiegend FDP und tlw. CDU wählt...
...und das mag ja nun so einiges erklären. Vielleicht merkt sich der eine oder andere das ja doch mal bis zur nächsten Wahl?
Mehr Sicherheit trotz Kostensenkung? – „3i“ abgelehnt!
Nachdem wir bei NSN, wie schon zu Siemens-Zeiten, zu massivem Kostensparen angehalten werden, machten sich einige Mitarbeiter nun auch bezüglich der EDV-Landschaft Gedanken, ob denn da nicht etwas verbessert werden könne.
Aus unserem NSN-Betrieb in Ulm wurde uns hierzu von folgendem Fall berichtet:
Ein SW-Entwickler, selbst häufig im Datensicherheitsbereich tätig, schaute sich hierzu die Büro-Rechner einmal genauer an. Gerade vor dem Hintergrund der bekanntlich ausgeprägten Verwundbarkeit der Redmonder Betriebssysteme – wir berichteten – schien auch hier die Zeit gekommen, sich um eine stabilere Alternative zu bemühen. Andere schaffen das ja schliesslich auch (www.heise.de). Er stellte dabei fest, dass zwar auf etlichen PCs für „Windows xp“ massgeschneiderte Applikationen laufen – solche Abhängigkeiten sind nicht neu und sichern manchen Leuten ihre Existenz – siehe oben – dass sich aber immerhin ein grosser Teil der Rechner problemlos auf das quelloffene und kostenlose UNIX-Derivat „Linux“ um-installieren liessen.
Neben den unbetreitbaren Kostenvorteilen käme eine systembedingte höhere Stabilität und exaktere Konfigurierbarkeit hinzu, und zudem wäre durch die mögliche Einsichtnahme in den Quelltext dieser Systeme mancher Überraschung vorgebeugt, insgesamt jedweder Manipulation – Spionage, Sabotage und auch spasseshalber ausprobierter Hackertricks – von vorneherein ein Riegel vorgeschoben. Auch die Rechner-Hardware zu Hunderten auf den Müll zu werfen, da im Zuge der anstehenden Umstellung auf „Windows 7“ klar zu langsam, bliebe uns in diesem Falle ebenfalls erspart, da Linux sich bereits mit deutlich weniger Rechenleistung zufrieden gibt.
Klarer Fall also – das wird sofort als „3i“ eingekippt!
Gesagt, getan. Zunächst wurde also versucht, erst einmal nachzuschauen, ob es den Vorschlag innerhalb des Hauses bereits gab. Allerdigns wurde hierbei festgestellt, dass die Suchfunktion der „3i“-Applikation schlichtweg unbrauchbar ist – man sucht und sucht und findet nichts!
Doch nicht nur das: Bei Eingabe der Daten wie „was kann verbessert werden?“, „wie kann es verbessert werden?“, „welchen Nutzen hat die Firma?“ usw., sah sich unser Kollege schliesslich vor einem Pflichtfeld, das es auszufüllen galt, und in welchem man als Einreicher eines Vorschlages gleich zwei(!) Personen als Sachgutachter benennen muss, d.h., Kollegen oder externe Personen also, denen der Einreicher genügend Kompetenz zutraut, um die eingereichte Idee fachlich fundiert und objektiv zu bewerten.
Wohlgemerkt: der Einreicher muss das tun – die Sache wurde interessant!
Diese Gutachter, so „3i“, würden sodann benachrichtigt werden mit dem Auftrag, innerhalb von 2 Wochen eine Stellungnahme abzugeben. – Die Frist begann zu laufen.
Schnell waren die beiden Fachleute gefunden und wurden von unserem Kollegen vorsichtshalber zusätzlich noch vorab per Mail in Kenntnis gesetzt. Sicher ist sicher – wie Ingenieure halt so sind...
Doch selbst kurz vor Ablauf dieser Frist stand im „3i“-System noch immer, der Vorgang sei noch nicht bearbeitet, und man bitte um Geduld. – Jetzt platzte unserem Kollegen endgültig der Kragen und er rief den „Vorschlags-Manager“ persönlich an.
„Ja“, wurde ihm erklärt, die Gutachter könne er vergessen (bitte?) und die Sache werde jetzt „zentral“ entschieden – die Sachverständigen wüssten also bis heute nichts von ihrem Glück, sondern wurden kurzerhand aus dem System herausgelöscht. Wir fangen an zu staunen... Und, so weiter, den eingereichten Vorschlag umzusetzen, ob, und wenn ja wie, das entscheide genau der Bereich in Wien, der schon vor Jahren das Redmonder Produkt zum offiziellen Standard machte. Das wiederum heisst mit anderen Worten, dass just der „Entscheider“, dessen Herz doch für die alte Plattform schlägt, nun darüber richten darf, ob letztlich seine eigene Entscheidung in Frage gestellt, und ein neuerlicher Lösungsansatz seinen Weg in die Arena findet, der seinem vorigen zuwider läuft. Drängt sich uns da nicht sofort der aus dem alten Rom bekannte Grundsatz auf, „Nemo testis in propria causa!“ – „Niemand [ist als] Zeuge [zulässig] in eigener Sache!“? Klar, man darf das alles nicht so eng sehen...
So hat es unseren Kollegen auch mitnichten überrascht, als man diesen mittlerweile wissen liess, der „Entscheider“ habe diesen Vorschlag abgelehnt, und man danke für das Engagement.
Nein, vielmehr die „Begründung“ lädt zum Staunen ein:
Der Vorschlag sei nicht neu, er trete wiederkehrend auf und ausserdem sei er längst umgesetzt(!). Der Mitarbeiter habe also jederzeit die Möglichkeit, statt nicht einbruchssicheren Fenstern auf dem Rechner einen Pinguin als Arbeitstier zu halten – auch Linux, OpenOffice, Firefox, sei offiziell als Plattform zugelassen.
Wir fragen uns: Warum sagt man das den Leuten nicht? Weiss auch der Betriebrsat nichts von alledem? Ist bei einem Betrieb wie NSN in Ulm die Sicherheit nicht höchstes Gut? Und, wenn sich damit auch noch Kosten sparen lassen, ja, warum wird die Lösung dann nicht eingesetzt?
Wer ist chinesischer: Hamburg oder Düsseldorf?
Die beiden Städte liefern sich gerade einen edlen Wettstreit um chinesische Investitionen und Ansiedlungen (auch Übernahmen) in Deutschland, wobei Düsseldorf gerade dazu ansetzt Hamburg zu überholen, wie die NSN-Konkurrenten Huawei und ZTE zeigen. (www.handelsblatt.com)
Interessant ist dabei auch, dass die Chinesen als größtes Hemmnis neben der Sprache die "starken Gewerkschaften" sehen.
Hier übrigens noch ein ebenfalls sehr interessanter Link zum Thema "China zieht die Schlinge um Indien enger" - die Chinesen zieht's ja nicht nur nach Deutschland, und auch in Indien ist man davon nicht nur begeistert! (www.faz.net)
Unzulässige Betriebsrats-Methoden
Die SZ vom 24.9. berichtet darüber, dass in Franken "besondere Formen innerbetrieblicher Konfliktlösung ausprobiert" würden:
Eine Betriebsratsvorsitzende hat ihrem Chef, den sie wohl nicht sehr schätzte und schon öfter als "Ossi" titulierte, zweimal eine halbe Flasche Abführmittel in die Cola gerührt - mit durchschlagendem Erfolg, die Geschäfte liefen daraufhin wie geschmiert...
Da die zweite Flasche dann aber auch noch zu einem Kreislaufkollaps führte, fand das Gericht das nicht wirklich lustig und verurteilte die BR-Vorsitzende zu einem Jahr und neun Monaten Haft. Diese zugegebenermaßen den legal zulässigen Handlungsrahmen für Betriebsräte doch etwas überschreitende Maßnahme ist also nicht wirklich zur Nachahmung empfohlen!
PS: Aber nicht immer wenn einem Chef der Magen grummelt ist der BR-Vorsitzende dran schuld!
Siemens schließt unbefristeten Anti-Kündigungs-Pakt - Part II
Einen Tag nach Bekanntgabe der neuen Siemens-Jobgarantie erfährt man neue Details und relativiert sich die Begeisterung der Presse schon wieder etwas. Da liest man sogar, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite womöglich zu sehr kuscheln würden - naja, wie man's macht macht man's verkehrt...
Was jedoch die Formulierung "unbefristet" betrifft, so gilt der Pakt nun doch erst mal nur bis 2013, soll sich dann aber automatisch verlängern - andererseits aber wiederum kann er mit einer Frist von 3 Monaten gekündigt werden und in "schweren Krisen" kann Siemens sowieso wieder zurückrudern.
Dafür gibt's aber auch noch eine Verpflichtung, keine Standorte in Deutschland mehr zu schließen. Außerdem sollen Arbeitnehmer (und deren Interessenvertretung) in Deutschland künftig frühzeitiger in Pläne für Investitionen, Umstrukturierungen und Standortentscheidungen eingebunden werden und mehr Informations- und Beratungsrechte erhalten - was wir für NSN ja schon lange fordern.
Richtig ist natürlich auch, dass auch weiterhin Kündigungen möglich sind (es muss "nur" der Betriebsrat mitspielen), und vor allem rücken nun eben andere ("fantasievollere") Personalabbaumethoden in den Vordergrund.
Nicht Personalabbau insgesamt wird dadurch verhindert, nur die Methode "Kündigung" wird deutlich erschwert.
Aber trotzdem: Das ist doch schon mal etwas! Daher haben wir den NSN-Gesamtbetriebsrat aufgefordert, bitte zu klären, dass all dies auch für die Siemens-(Halb-)Tochter NSN gilt. Für deutsche Siemens-Töchter (außer SIS) soll das ja auch gelten; ob dazu aber auch Halbtöchter (Gemeinschaftsunternehmen) wie NSN zählen, ist bisher noch nicht so klar formuliert. Dazu hat uns folgende Stellungnahme vom NSN-GBR erreicht:
"Wie du schon richtig festgestellt hast, ist NSN für Siemens nur eine Halbtochter, die nicht dem Siemens-Konzern (z. B. auch dem Konzernbetriebsrat) angehört. NSN ist eben schon mehr Nokia als Siemens.
Schon vor dem Ablauf des Kündigungsschutzes am 30.09.2009 hat der GBR die Verlängerung gefordert. Auch in den jährlichen Betriebsräteversammlungen hatte er den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gefordert. Das Themen Standort Sicherung und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sind und bleiben auf der Agenda des GBR."
Im Klartext: Der GBR fordert so einen Kündigungsausschluss auch für NSN, muss es aber erst noch schaffen dies auch durchzusetzen.
Was wird aus NSN?
Ist diese Frage für mich überhaupt relevant? Na ja, ein paar Jährchen bis zu Rente habe ich noch. Einerseits wenn es NSN gut geht, heißt es noch lange nicht, dass es auch mir gut gehen wird. Andererseits, wenn es NSN schlecht geht, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es uns in der St. Martinstrasse gut gehen kann.
Wie auch immer interessiert es mich schon, was aus den großen Plänen von Rajeev Suri inzwischen geworden ist. Sein Ziel war es, bis Ende 2010 den turn around zu schaffen. Es bleibt ihm nur noch ein Quartal, also was hat sich bei NSN geändert? Das Marktumfeld ist nach wie vor mies und der Umsatz auch. Also in harten Zahlen wird es wohl kein turn around geben. Angeblich habe wir bei den Kunden Pluspunkte gemacht („NSN is back and hungry to win“), aber reicht es, um unseren Marktanteil zu steigern? Schon eher wird uns hier die Akquisition von Teilen von Motorola helfen. Die Kehrseite ist, dass NSN jetzt ca. 7.500 Mitarbeiter mehr hat und das Ziel von Rajeev war eine Reduktion des Personals von 7-9% (weltweit). Das steht wohl noch bevor.
Was hat sich nach innen verändert? Es ist ein Trend zu Regionalisierung zu beobachten. Nachdem erst vor knapp 2 Jahren ein globales Supportzentrum für die Vertriebsaktivitäten in Indien aufgebaut wurde (CSSC), wird jetzt ein zweites in Mexiko errichtet (für beide Teile des Kontinents Amerika). Auch die R&D Aktivitäten für Network Systems (NWS) werden je nach Thema in verschiedenen Ländern konzentriert. Das aktuell letzte Zeichen für die Regionalisierung ist die Aufteilung der Vertriebsaktivitäten (CO ORGANIZATIONAL CHANGE nur im Intranet) in einen Ost- (Schwerpunkt Asien) und einen West-Bereich (Schwerpunk Europa und beide Amerikas). Zeichnet sich hier ein Wechsel des mindsets ab? Spielen hier mögliche arbeitstechnische Probleme bei einer weltweiten Steuerung oder gar kulturelle Unvereinbarkeiten eine Rolle? Sind die möglichen Parallelen zu dem Oströmischen und dem Weströmischen Reich nur zufällig? Leider werden wir die strategischen Pläne bezüglich NSN erst dann vollständig erkennen, wenn sie schon umgesetzt sind. Ein Recht auf Mitsprache haben wir Mitarbeiter hier nicht und von einer umfassenden Informationspolitik können wir auch nur träumen.
Immerhin ein paar Details wurden schon im Frühjahr mitgeteilt, aber von den Mitarbeitern nicht so richtig wahrgenommen People Plan 2010 (nur im Intranet). Dort steht z.B., dass NSN in den „low groth countries“ Alt gegen Jung austauschen will (s. vorletzte Folie). Oder, dass es eine Anpassung der Job Grades geben wird.
Nicht nur Rajeev hat bei seinem Antritt von großen Plänen für NSN gesprochen. Auch in Deutschland hat der GBR seine Pläne und Wünsche damals formuliert (GBR CEO Brief 03 11 09 nur im Intranet):
"Der Gesamtbetriebsrat fordert:
Keine neue Restrukturierung
Effiziente, kundengerechte Strukturen
Kurzfristig Gleitzeitabbau und Kurzarbeit, wo nötig
Mittelfristig Altersteilzeitangebote und Investition in Ausbildung und Qualifizierung
eine Innovationsoffensive für Deutschland"
Das einzige, was der GBR nach fast einem Jahr erreicht hat, war die Kurzarbeit. Und der Preis dafür war sehr hoch, denn die Kurzarbeiter wurden durch finger pointing vom Arbeitgeber ausgesucht. Eine Vorstufe für den zukünftigen Abbau?
In seiner neuesten Analyse GBR Situation in D 15 09 10 (nur im Intranet) stellt der GBR anhand von aktuellen Beschäftigungszahlen die deutlich abnehmende Bedeutung von Deutschland innerhalb von NSN fest. Für Deutsche Standorte wiederholt der GBR seine Forderung nach mittelfristigen Altersteilzeitangeboten und Investitionen in Ausbildung und Qualifizierung. Insgesamt ein ziemlich informatives Schreiben des GBR. Umso mehr verwundert es, dass der BR in Mch M seine Mitarbeiter nicht schon längst darauf hingewiesen hat.
Auch sonst hüllt sich unser BR im Schweigen, wenn es um die Zukunft unseres Standorts geht. Das Ergebnis des fortgesetzten offshorings bei uns ist, dass (gerüchteweise) demnächst bis zu 800 Mitarbeiter beschäftigungslos sein werden. Bei einer aktuellen Mitarbeiterzahl von ca. 4.000 wird es ein Riesenproblem, nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter selbst oder für die Betriebsleitung sondern auch für den BR. Ich hoffe nur, dass der BR sein bei der vorgezogenen Wahl gegebenes Versprechen ernst genommen hat und sich auf diese Situation gut vorbereitet hat. Die Zeit dazu hatte er.
Logistik-Ausgliederung bei NSN
Nun kam sie also endlich, die offizielle Verkündung dessen, was Gerüchte schon seit langem munkeln: Die bevorstehende Logistik-Ausgliederung.
Die "offiziellen" Unterrichtungsschreiben folgen ja erst noch; schätzungsweise im Dezember (für eine Ausgliederung im Februar)?
Bis dahin genug Zeit, sich über den Zielbahnhof aufzuschlauen.
Entscheidend ist dabei nicht, welcher Konzern die NSN-Logistik übernimmt, sondern welches Unternehmen. Ob also die Mitarbeiter z.B. zur großen Firma CapGemini wechseln sollen, oder nur zu einer kleinen Tochterfirma (z.B. Cap Gemini Business Services Germany, oder wie auch immer diese dann heißen mag):
Entscheidend für die künftige Arbeitsplatzsicherheit ist, wie groß (oder klein) die aufnehmende Firma selbst sein wird.
Wie viele Mitarbeiter und wie viele ausgeschriebene freie Stellen in Deutschland gibt's in diesem Unternehmen (und nicht nur im Mutterunternehmen),
wie groß ist die Kapitaldecke? Wie hoch das durchschnittliche Einkommen der vergleichbaren bisherigen deutschen Mitarbeiter dieses Unternehmens?
In welchem Betrieb des Unternehmens landet man, wie groß ist der, hat er schon einen Betriebsrat? Und so fort...
Interessant ist aber, wie NSN mal wieder mit den schlechten NSN-internen Umfragewerten zu Fragen wie "vertrauen Sie Ihrem Management" oder "fühlen Sie sich gut informiert?" umgegangen ist, wenn man bedenkt wie lange diese beabsichtigte Ausgliederung höheren Ortes (und wohl auch im Betriebsrat) schon bekannt ist und wie lange dies nun geheimgehalten wurde.
Wissensträger mussten dazu ein "NDA" unterschreiben, eine Ich-halte-dicht-sonst-passiert-mir-Schlimmes-Erklärung, gegen die zu verstoßen in der Tat folgenschwer sein könnte und also nicht anzuraten ist. Was hätte also konkret der Betriebsrat tun können? Was kann ein Betriebsrat tun, wenn ihm wichtige Informationen, die er eigentlich der betroffenen Belegschaft weitergeben müste, nur mitgeteilt werden, wenn vorher so ein wir-erzählen-nichts-weiter-NDA unterzeichnet wird?
Letztlich gar nicht erst so ein NDA unterzeichnen. Der Betriebsrat hat nicht nur Mitbestimmungs-, sondern auch Informationsrechte, und zwar auch ohne NDA (es sei denn es dreht sich um konkurrenzkritische Firmengeheimnisse), die man nötigenfalls auch einklagen kann. "Information des Betriebsrats nur gegen NDA-Unterschrift" darf sich nicht als Standardverfahren bei NSN einbürgern!
Siemens schließt unbefristeten Anti-Kündigungs-Pakt
Na wenn das mal keine schöne Neuigkeit ist: Vorstand, Gesamtbetriebsrat und IG Metall wollen nach Informationen der WELT ein Abkommen unterzeichnen, das die 128 000 Mitarbeiter in Deutschland dadurch vor Entlassungen schützt, dass die Unternehmensführung künftig nur noch mit Zustimmung des Betriebsrats betriebsbedingte Kündigungen aussprechen kann. Anders als eine ähnliche Gesamtbetriebsvereinbarung, die nach zwei Jahren nun Ende September ausläuft, ist dieser neue Pakt unbefristet.
Wirklich etwas wert ist das freilich nur dann, wenn Siemens seinen eigenen Pakt nicht jederzeit durch das Konstrukt "erst ausgliedern und dann kündigen" umgehen kann, daher ist ein Detail von besonderer Bedeutung:
"Die unbefristete Vereinbarung gilt auch für alle Tochtergesellschaften von Siemens in Deutschland. Einzige Ausnahme: Die kriselnde IT-Sparte SIS". Heißt das z.B. auch für Halbtöchter wie Nokia Siemens Networks? Das sollten wir (und unser GBR) natürlich fordern!
Abfindungen 2010 bei NSN München
Wie uns einige Mitarbeiter aus der Martinstrasse berichteten, wurden ihnen Abfindungen angeboten, wenn sie das Unternehmen noch in 2010 verlassen würden.
Die Abfindungen bewegen sich entweder auf dem Niveau der „vorzeitigen Beendigung – VB“ oder aber orientieren sich an der letzten Abfindungsmatrix aus dem Jahr 2007, allerdings ohne Abkauf der Kündigungsfrist.
Da bei NSN München KEIN aktiver Sozialplan existiert, können Mitarbeiter, die von sich aus noch gehen wollen, nicht mit der oben genannten Abfindung fest rechnen. Die Abfindung ist außerhalb von Sozialplänen immer eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Reden Sie im Zweifeln zuerst mit einem Betriebsrat Ihres Vertrauens, bevor Sie sich bei HR outen!
Kurzarbeit bei NSN München
Die Kurzarbeit bei NSN München verbleibt anscheinend auch im Herbst auf dem mit dem Betriebsrat vereinbarten Niveau. Für alle Kurzarbeiter wurden bei der ARGE weiterhin auch Weiterbildungskurse beantragt und auch von dort bewilligt.
Eine erste große Weiterbildungsaktion ist im September 2010 angelaufen. Die nächste Fortbildungsaktion wird Ende November/Anfang Dezember stattfinden, leider nach unseren Information anscheinend nicht über das ganze Kursspektrum, sondern nur abgespeckt über 4 Kurse, da nicht genügend Teilnehmer gefunden werden konnten. Hätten da die gewählte Kurse nicht eher auch im September stattfinden können, um diese Mitarbeiter mit dem Gros der Mitarbeiter im September schulen zu können? Auch verlängert sich durch die Schulung im Einzelfall die Kurzarbeit um 8 Tage, was zu weiteren finanziellen Einbußen führt.
Gute Planung führt zu guten Ergebnissen, schlechte Planung zu unzufriedenen Mitarbeitern.
Ausgliederungen bei NSN weltweit
Nach unseren Informationen plant NSN weltweit ein Outsourcing von ca. 400 Mitarbeitern im Bereich Logistics. NSN München ist mit knapp 80 Mitarbeitern davon betroffen.
Der örtliche Betriebsrat wurde informiert, Verhandlungen mit der Betriebsleitung wurden aber anscheinend noch nicht aufgenommen, da die Informationsphase noch nicht abgeschlossen ist.
Zeitnah zum Betriebsrat wurden alle Mitarbeiter weltweit allgemein informiert und ebenfalls zeitnah zu den Betriebsräten auch die betroffenen Einheiten vor Ort per Telefonkonferenz.
Als Übernahmekandidat steht das Unternehmen capgemini im Gespräch. Also ein weltweit operierender Logistikkonzern.
NSN-ATP: Künftig mindestens 50% individuelle Ziele
Nachdem Arbeitgeber NSN und sein GBR nicht einig werden konnten, hat nun eine Einigungsstelle zum Thema „Incentive“ entschieden; dazu gehört u.a., dass künftig mindestens 50% der Zielgewichtung auf echte individuelle Ziele entfallen müssen, Ziel und Zielwert müssen vom einzelnen Mitarbeiter allein oder weit überwiegend beeinflussbar sein.
Die neue Regelung gilt ab der Zielperiode für das 1. Halbjahr 2011.
FAQ zu §1.2 KSchG
Nachdem wir mehrfach im Zusammenhang mit drohenden betriebsbedingten Kündigungen auf diesen Paragraphen verwiesen haben, nun auch noch ein paar Hinweise, worauf beim "Scannen" des firmeninternen Stellenmarktes zu achten ist.
In besagtem Gesetz steht:
"Die Kündigung ist auch sozial ungerechtfertigt, wenn ... der Arbeitnehmer an einem anderen Arbeitsplatz ... in einem anderen Betrieb des Unternehmens weiterbeschäftigt werden kann".
Angenommen meine Firma verselbständigt meinen Firmenteil (Ausgliederung), bleibt aber zu 100% dessen Eigentümer, und die neue Firma gehört weiterhin zum selben Konzern.
Darf mich dann meine neue Firma betriebsbedingt kündigen, obwohl es noch geeignete freie Stellen in der alten (Mutter-) Firma gibt?
Ja. Für §1.2 KSchG reicht nicht die Konzernzugehörigkeit, aussschlaggebend ist die Unternehmenszugehörigkeit.
Ich kann mich daher nur auf freie Stellen im eigenen (neuen) Unternehmen berufen.
Angenommen mein Unternehmen hat im Nachbarbetrieb für mich geeignete Stellen ausgeschrieben, kündigt mir aber trotzdem betriebsbedingt (und besetzt diese Stellen lieber mit anderen besser geeigneten Kollegen, deren Arbeitsplatz im Gegensatz zu meinem aber nicht gefährdet war).
Ja es ist möglich, aber gegen so eine Kündigung kann ich mich dann mit einer Kündigungsschutzklage wehren.
Wenn ich unter den Kollegen, die sich auf diese Stelle beworben haben, der einzige bin, der im Falle einer Ablehnung seiner Bewerbung mit seiner Kündigung rechnen muss (weil seine bisherige Arbeit weggefallen ist), dann muss mir der Arbeitgeber diese Stelle anbieten bevor er mir kündigt, auch wenn andere Bewerber vielleicht besser dafür qualifiziert wären. Ich muss (anders als in anderen Bewerbungssituationen) nicht der am besten qualifizierte Bewerber sein, es reicht schon dass ich überhaupt dafür geeignet bin (und nur das muss ich ggf. vor Gericht auch belegen können, wenn es der Arbeitgeber bestreitet, wovon auszugehen ist).
Denn eine Kündigung ist nur als "ultima ratio" zulässig; in so einer Situation aber wäre sie keine Ultima Ratio mehr.
Das bedeutet nun nicht zwangsläufig, dass ich die Stelle auch bekommen muss - aber wenn ich sie nicht bekomme, tut sich der Arbeitgeber nachher schwerer damit, mich trotzdem noch rechtsgültig zu kündigen.
Muss ich mich auf die freie Stelle bewerben, oder reicht es nachzuweisen dass es sie gegeben hätte?
Juristisch streng genommen Letzteres, der Arbeitgeber hätte sie mir aktiv anbieten müssen; pragmatisch gesprochen ist es aber kaum nachvollziehbar, wenn sich jemand, der von Kündigung bedroht ist, nicht firmenintern auf geeignete Stellen bewirbt (und würde auch vor Gericht zumindest keinen guten Eindruck machen).
Also: Bewerben, und die Bewerbung gut dokumentieren!
Übrigens auch wenn es heißt "die Stelle darf nur innerhalb von xxx besetzt werden", häufig sind solche Einschränkungen unzulässig.
Angenommen, es sind in der Stellenausschreibung 20 Voraussetzungen aufgelistet, die ich alle erfüllen würde (wenn auch vielleicht nicht ganz so perfekt wie andere Kollegen, deren Arbeitsplatz aber nicht bedroht ist); kann es dann passieren, dass meine Berufung auf diese Stelle trotzdem nachher mit der Begründung abgeschmettert wird, dass es weitere (von mir nicht erfüllbare) Anforderungen gibt, die man in der Stellenausschreibung lediglich zu erwähnen vergessen oder als selbstverständlich unausgesprochen vorausgesetzt habe?
Kann schon sein, aber das nützt dann dem Arbeitgeber auch nichts mehr: Vor Gericht gilt nur die originale Stellenausschreibung.
Angenommen, von 20 aufgelisteten Voraussetzungen (Können, Wissen, Berufserfahrung, ...) erfülle ich nur 10, aber die anderen (fehlenden) 10 Voraussetzungen könnte ich alle innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten nachholen/erlernen, kann ich mich dann trotzdem darauf berufen, dass man mir diesen Job hätte anbieten müssen statt mir zu kündigen?
Ja, erfahrungsgemäß darf diese Lern-Zeit aber maximal ein halbes Jahr dauern, und diese Möglichkeit das fehlende Wissen in wenigen Monaten zu erlernen muss schriftlich nachgewiesen werden können; so etwas geht z.B. mit einem Weiterbildungs-Kursangebot ("Java in 2 Wochen"...). Nur die reine Behauptung (auf Grundlage von Berufserfahrung, Breitbandigkeit etc.) reicht hingegen in der Regel nicht aus.
Man muss sich also die Ausschreibung mit diesen z.B. 20 Anforderungen ausdrucken und jede einzelne Forderung davon kommentieren "erfülle ich, siehe Nachweis hier und da" oder "kann ich in x Wochen erlernen, siehe Nachweis in Anlage y".
Angenommen, von 20 aufgelisteten Voraussetzungen erfülle ich 19 perfekt, und nur eine einzige (zudem meiner Meinung nach übertriebene) Forderung erfülle ich nicht ganz und kann ich auch nicht in ein paar Monaten nachholen (z.B. wenn 3 Jahre Auslandserfahrung gefordert sind, ich aber nur 1 Jahr habe).
Kann ich mich dann trotzdem darauf berufen?
Nein, wenn so eine Forderung in der Ausschreibung drin stand und ich sie eindeutig nicht erfüllen kann, kann ich mich zwar auf die Stelle bewerben (was auch Sinn macht, vielleicht bekomme ich sie ja auch), aber in einem späteren Kündigungsschutzprozess hilft sie mir nicht mehr.
Soweit nur ein paar unverbindliche Hinweise aus unserer NCI-Gerichtserfahrung; aber wir sind ja keine Rechtsanwälte, das ersetzt also natürlich keine Rechtsberatung!
SIS-Ausgliederung
Wenn die Presse heute von der Ausgliederung der Siemens-IT-Sparte mit Formulierungen wie "SIS bleibt Siemens" oder "in Deutschland sind Investitionen von mindestens 50 Millionen Euro geplant" berichtet, so zeichnet das ein Bild von dieser Outsourcing-Maßnahme, das vielleicht etwas schöner als die Realität ist. Künstlerische Freiheit eben - klar geht die Sonne unter, aber scheint sie dabei wirklich so rot wie auf dem Gemälde?
Die Aussagen sind ja nicht falsch: Aus der SIS wird eine zu 100% zu Siemens gehörende GmbH; der Haken ist nur: Erstens hat die Belegschaft davon wenig Nutzen, weder hinsichtlich künftiger Gehaltspflege noch hinsichtlich ihrer Arbeitsplatzsicherheit, und zweitens gibt es ja noch die kleingedruckte Ergänzung, "mittelfristig" werde man noch "verschiedene Optionen prüfen".
Auch mag es ja zutreffen, dass 50 Millionen investiert werden - bei einem Geschäft dieser Größenordnung wie bei SIS sind das aber nur Peanuts, wie das mal ein Bänker formuliert hat, und mithin wenig aussagekräftig.
Letztlich wird ein Unternehmen einen defizitären Firmenteil nur verselbständigen, wenn es glaubt dadurch künftig Geld sparen zu können, und da darf man drei mal raten auf wessen Kosten wohl.
Weder Belegschaft noch Betriebsrat noch Gewerkschaft können aber einen Arbeitgeber wirklich an einer solchen Ausgliederung hindern; lediglich jeder einzelne Betroffene kann abwägen und entscheiden, ob er für seine Person dem Betriebsübergang (nach §613a.6 BGB) widersprechen oder den Betriebsübergang brav mitmachen will.
Wie uns berichtet wurde, rät die IG Metall den SIS-Betroffenen in der Regel von einem Widerspruch ab.
Wir sind da etwas zurückhaltender: Nach unserer Erfahrung kann es keine allgemeingültige Generalempfehlung geben, jeder Einzelfall liegt wieder anders und ist individuell zu beraten und zu bewerten. Was für den einen genau richtig ist, kann für den anderen genau verkehrt sein.
Nur eines ist sicher: Bei so gut wie jeder Ausgliederung von einer größeren in eine kleinere Firma hat die Belegschaft Nachteile, leiden sowohl die künftige Entwicklung von Gehältern (für SIS längst schon angekündigt; wenn auch aus rechtlichen Gründen erst nach einem Jahr möglich), als auch künftige Abfindungen (was vor allem für ältere Kollegen wichtig ist, die demnächst eine Abfindung annehmen und gehen wollten), wie auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Letzteres gilt leider mit und ohne Betriebsübergangswiderspruch gleichermaßen, egal ob ich widerspreche oder ob ich mitgehe: Alleine schon dadurch, dass der Arbeitgeber dieses Outsourcing durchführt, wackelt nachher mein Arbeitsplatz:
Wenn ich den Betriebsübergang mitmache, lande ich in einer kleineren und finanziell schwächer abgesicherten Firma mit daher auch größerem Zerschlagungs- und Schließungsrisiko, und im Fall einer Kündigungsschutzklage nach betriebsbedingten Kündigungen habe ich schlechtere Karten, weil ich mich auf weniger freie im Unternehmen ausgeschriebene Stellen nach §1.2 KSchG berufen kann als zuvor in der größeren Firma. Auch wenn diese SIS-GmbH dann immer noch Siemens gehört, auf freie Siemens-Stellen kann man sich dann nicht mehr berufen, nur noch auf freie SIS-Stellen.
Und wenn ich dem Betriebsübergang widerspreche, risikiere ich früher oder später mit der Begründung betriebsbedingt gekündigt zu werden, dass mein Job ja in die andere Firma übergegangen sei und man in der alten Firma keine Arbeit mehr für mich habe (und dann womöglich noch ohne Sozialauswahl nach §1.3 KSchG, sodass ich nur noch auf Basis von §1.2 KSchG dagegen klagen kann).
So oder so, Teufel oder Beelzebub - wenn der Arbeitgeber ein Outsourcing durchführt, kann ich, egal wie ich mich entscheide, Nachteile und Risiken für mich leider nicht verhindern.
Trotzdem kann diese Entscheidung die Nachteile und Risiken aber zumindest graduell beeinflussen, hier gilt es fallindividuell abzuwägen; wer aber ernsthaft mit dem Gedanken spielt, womöglich einen Widerspruch abzusetzen, der sollte sich vorher sehr gut überlegen, ob er sich all das (nicht nur juristische) Ungemach, das dann über einen hereinbrechen dürfte, auch wirklich antun will und es auch mental durchsteht, und wie auch im Falle einer mittelfristig womöglich nachfolgenden betriebsbedingten Kündigung seine Prozessaussichten wären; dazu reicht es nicht, sich nur von einem Siemens-erfahrenen Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten zu lassen:
Gerade in diesem Fall könnte es ausschlaggebend werden, auf wie viele geeignete ausgeschriebene Siemens-Stellen man sich nach §1.2 KSchG berufen könnte (ein Arbeitgeber darf mich nicht kündigen, wenn er mich auch auf freien Stellen weiterbeschäftigen könnte); aber nur die Betroffenen selbst haben Zugang zum Siemens-internen Stellenmarkt und können diesen auch für sich bewerten, diese Arbeit kann ihnen kein Anwalt abnehmen.
Von unserer Seite daher keine generelle Empfehlung: Sorry, auch wenn's natürlich bequemer wäre, aber hier ist wirklich jeder Einzelfall sorgfältig zu prüfen und zu bewerten.
Innovative Unternehmen werden ausgebremst
Die Bundesregierung hatte Steuererleichterungen versprochen, aber nun fällt das Vorhaben auf Druck des Finanzministers aus. Eine „illustre Unternehmerschar“ saß am Montag mit Bundeskanzlerin Merkel zusammen. Mitglieder des Innovationsrats berieten mit Angela Merkel, wie Deutschland weltweit die Nr. 1 in Forschung und Entwicklung werden kann. Die Manager pochten auf das aus ihrer Sicht wichtigste Vorhaben der schwarz-gelben Koalition – die steuerliche Forschungsförderung.
Zu diesem Zeitpunkt wussten Angela Merkels Innovationsberater noch nicht, dass das Kabinett bereits kurz zuvor beschlossen hatte, den Plan eines Steuerbonus für Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) zu beerdigen. Wenn man bedenkt, dass die deutsche Wirtschaft dieses Instrument schon seit Jahren fordert und man diese Förderung jetzt wieder dem Sparprogramm opfert, was soll dann daraus werden? Wir benötigen diese Förderung jetzt und nicht erst in ein paar Jahren. Hier sollte doch besser darauf geschaut werden, was man priorisiert.
So viel zum Thema Fachkräftemangel
Seit Wochen und Monaten wird über Fachkräftemangel geredet. Jetzt haben sich Hochqualifizierte zu Wort gemeldet und ihre Lage geschildert. Ein zentraler Befund zeigt, dass Industieunternehmen jede Menge Know How verschenken, weil Ingenieure und Physiker Aufgaben übernehmen müssen, die nicht viel mit Ihrer Qualifizierung zu tun haben. Dies sei auch das Ergebnis des Personalabbaues der letzten Jahre.
Auch der Druck auf die Entwickler hat zugenommen, da man immer schneller liefern möchte. Die Aktiengesellschaften spüren den Druck der Börse, aber das Denken in Quartalszahlen erschwert es, langfristig zu operieren und auch die kurzfristigen Renditeziele seien "innovationshemmend" kritisieren IGM-Betriebsräte. So kann es daher nicht weitergehen, meint die IGM. Hoffentlich geschieht hier bald etwas, sonst verspielen wir doch noch unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Nun ist es so weit. Die uns Jahrzehnte vertraute Lohnsteuerkarte hat ausgedient. Es soll in Zukunft alles elektronisch erfolgen. Aber wie das bei allem Neuen so ist, erstmal wird es komplizierter, bevor es dann einfacher wird.
Siehe hierzu den Artikel unter www.br-online.de
Kurs der Regierung kommt nicht einmal bei der Wirtschaft an
Aus allen Ecken kommen Beschwerden über die schwarz-gelbe Koalition. Kuschelkurs mit den einen, z.B. die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, die Senkung der Mehrwertsteuersätze für Hotelpreise und auf der anderen Seite die Abzocke bei den sozial Schwachen, z.B. Kürzung des Elterngeldes für HartzIV-Empfänger.
Wohin soll das noch führen? Noch nicht einmal bei der Wirtschaft kommt dieser Kurs an. Selbst die Manager zeigen bei Umfragen ihre Enttäuschung über die Regierung. Hoffen wir, dass die Wähler hieraus ihre Lehren ziehen.
Die Flugzeugindustrie geht schon mit "gutem" Beispiel voran - ein Vorbild für NSN?
Verstoß gegen internationales Arbeitsrecht europäischer Konzerne in den USA
Da die USA ein sehr schwaches Arbeitsrecht haben, scheinen dies einige europäische Großkonzerne ausgenutzt zu haben. U.a. wurden in aggressiver Weise amerikanische Arbeitnehmer daran gehindert, sich zu organisieren und Tarifverhandlungen durchzuführen.
Nur gut, dass dies nicht unbeobachtet bleibt. Man kann nur hoffen, dass jeder einzelne Konzern zur Verantwortung gezogen wird und diese Machenschaften unterbunden werden.
Eine aktualisierte Broschüre zum Europarecht im Alltag
Da auch das Leben der Deutschen immer europäischer wird, kommen sehr viele neue Fragen auf. Eine aktualisierte Broschüre „Europarecht im Alltag" soll helfen, bei Anliegen und Problemen eine Antwort zu finden.
Die Broschüre ist kostenlos; jeder kann sie sich auf einem der angegebenen Wege besorgen: ec.europa.eu
HartzIV: Abfuhr für die Mogelpackung
Nun ist Frau von der Leyen also erstmal mit ihrem Vorstoß, HartzIV in „Basisgeld“ umzubenamsen, gescheitert.
Wie naiv sind unsere Politiker (oder für wie naiv halten sie ihre Wähler), wenn sie glauben alleine die Umbenennung würde eine schlechte Sache besser machen und die Akzeptanz erhöhen?.
Suchen wir als nächstes ein neues Wort für „Steuererhöhung“, weil das doch so negativ vorbelastet ist?
Nicht auf die Verpackung sondern auf den Inhalt kommt es an; HartzIV atmet aus allen Poren den Geist „wer langzeitarbeitslos ist hat dies selbst verschuldet und muss daher nur mal ordentlich unter Druck gesetzt werden“ und beinhaltet zugleich die indirekte Beschlagnahmung von Altersvorsorgen bei Eintreten einer Langzeitarbeitslosigkeit vor Erreichen der Rente; da braucht es keine schönen neuen Namen sondern eine deutliche inhaltliche Kurskorrektur. Letztlich geht es um einen Verteilungskampf, dem man nicht einfach nur durch neue Namensgebungen aus dem Weg gehen kann.
NSN MchM-Garage: Sparen auf Kosten der Mitarbeiter?
Wie uns ein Vögelchen zugezwitschert hat, soll über eine Nutzungsgebühr für die Mitarbeiter-Nutzung der Garagen bei NSN in München-M nachgedacht werden. Ob das wohl so ein Verbesserungsvorschlag war, für den ein lieber Kollege einen schönen Reisewecker als Prämie bekommen hat?
Klar ist das Autofahren nicht unbedingt die umweltfreundlichste Fortbewegungsmethode, und die wenigsten Mitarbeiter sind ganz zwingend darauf angewiesen – die Alternative „Radfahren“ kommt aber für Pendler kaum in Betracht, und für viele Pendler würde auch ein Umsteigen auf den MVV eine Verlängerung des täglichen Arbeitswegs um 1-2 Stunden bedeuten (und entsprechend weniger Zeit für die Familie), abgesehen davon dass eine MVV-Jahreskarte für Pendler deutlich im vierstelligen Euro-Bereich kostet.
Wenn eine Firma von ihren Mitarbeitern Flexibilität und Mobilität fordert, sollte sie ihnen diese auch ermöglichen, ein Pfennigfuchsen auf Kosten der Mitarbeiter ist weder an dieser noch einer anderen Stelle der richtige Weg zum NSN-Turnaround.
An anderer Stelle? Wer heute über Nutzungsgebühren für NSN-Parkplätze nachdenkt, kommt morgen vielleicht auf die Idee, dass auch unsere Büroräume nur gemietet sind – Bing! Gleich einreichen, vielleicht bekomme ich auch einen Reisewecker?
Auch die Streitereien um Flächenverdichtung wären damit elegant gelöst: Wir verlangen einfach von jedem Mitarbeiter einen quadratmeterabhängigen Nutzungsbeitrag für die von ihm belegten Büroflächen – je weniger qm er will, desto weniger muss er dafür löhnen! Despektierliche Chef-Sprüche wie „der müsste NSN noch etwas dafür zahlen dass er hier arbeiten darf“ werden so Wirklichkeit…
Und überhaupt: Wieso ist die Toilettenbenutzung bei uns eigentlich nutzungsgebührenfrei? Auch die übermäßige Benutzung von Toilettenpapier tut ja weder der Umwelt noch dem Firmenbudget gut – das wäre doch mal eine Idee: Jeder muss sein Papier selbst mitbringen? (Das „papierlose Büro“ haben wir ja auch schon längst eingeführt.)
So könnte man sicher noch viele viele kreative Ideen entwickeln – oder aber lieber darauf verzichten, so ein Fass überhaupt erst aufzumachen.
Industrie baut Jobs ab
Der exportbasierte deutsche Wieder-Aufschwung erreicht nicht immer auch den deutschen Arbeitsmarkt, und schon gar nicht in allen Branchen.
Laut Statistischem Bundesamt zählte das "verarbeitende Gewerbe" im Juli 1,9% Beschäftigte weniger als im Vorjahr. Insbesondere bauten Maschinenbauer und Hersteller von elektrischen Ausrüstungen jeweils 2,8% der Jobs ab, und in der Metallindustrie fiel sogar ein noch größerer Anteil der Stellen weg.
Soviel also zum Thema "wir haben zu wenig Ingenieure"!
Weiterer Umbau bei Nokia
Es vergeht kaum mehr ein Tag ohne neue Personalien: Nun will auch noch Nokia-Chairman Ollila seinen Posten abgeben (wenn auch erst 2012).
Analysten werten diesen Schritt jedoch primär positiv.
...dem früheren NSN-Chef Simon Beresford-Wylie?
Die von ihm seit einem knappen Jahr geführte (zum Finanzinvestor CVC gehörende) Essener Messtechnik-Firma Elster soll im Herbst an die Börse gehen; allerdings nicht in Frankfurt sondern in New York (in den USA liegt der größte Markt für Elster). (www.handelsblatt.com)
CVC behält dabei aber eine überwiegende Anteils-Mehrheit; der Börsengang ist im Zusammenhang mit Kapitalerhöhung und Schuldenabbau zu sehen.
6850 Elster-Mitarbeiter sind von diesem Börsengang betroffen.
Wirtschaftsethik an deutschen Hochschulen noch in den Kinderschuhen
Während an den meisten internationalen Top-Unis und Business Schools Wirtschaftsethik zum Pflichtprogramm gehört, bietet hierzulande nur etwa jede zweite Wirtschaftsfakultät Kurse für Wirtschaftsethik an - und diese sind meistens nicht einmal verpflichtend.
Die deutschen Wirtschaftsstudenten dagegen wünschen sich mehr wirtschaftsethische Inhalte und eine Umfrage des Netzwerks sneep (Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik) bei ca. 3000 Studierenden ergab, dass etwa zwei Drittel der Befragten Wirtschaftsethik in Ökonomie-Studiengängen sogar als Pflichtfach wünschen.
Trotz des großzügigen Geschenks des Siemens-Vorstands (siehe Artikel vom 12.8.2010), das der TU München einen Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftethik beschert hat, ist die Situation in Deutschland so unbefriedigend, dass die Studenten, z.B. in Tübingen, eigene Ringvorlesungen und andere Veranstaltungen zum Thema Wirtschaftethik organisieren und durchführen. Die Uni-Fakultäten halten sich beim Thema Wirtschaftsethik dagegen bedeckt oder gehen gar in Deckung. Wenn in den Vorlesungen „die Frage nach der Moral“ gestellt wird, liegt dies häufig am persönlichen Interesse einzelner Dozenten, Geld für zusätzliche Professoren und Dozenten sei nicht vorhanden – so die Meinung des Hochschullehrer-Verbands für Betriebswirtschaft (VHB).
Vielleicht liegt es aber auch an der grundsätzlichen Einstellung in Deutschland zum Thema Wirtschaftsethik. Kürzlich haben die Vereinten Nationen sechs Prinzipien für eine verantwortungsvolle Manager-Ausbildung definiert. 326 Hochschulen aus aller Welt haben die Absichtserklärung bereits unterzeichnet, darunter sind erst 17 deutsche Fakultäten.
Blick zur NSN-Konkurrenz: Huawei stellt in Deutschland weiter ein
Die einen bauen ab, die anderen auf - für wie lange auch immer.
In seiner Düsseldorfer Europa-Zentrale baut Huawei 200 HighTech-Jobs auf. (www.boersen-zeitung.de)
Sicherlich nicht aus selbstloser Liebe zu Deutschland: Ein wichtiges Kriterium für die Standortwahl dürfte dabei der von Huawei anvisierte Kunde Vodafone gewesen sein.
So wildert jeder in des anderen Revier - ein wenig erinnert das an das Wochenend-Verhalten der Oberbayern:
An schönen Sonntagen fahren Karawanen von Münchnern an den Starnberger See und die Starnberger fahren scharenweise nach München in den Hirschgarten.
Mit dem gleichen Recht wollen die Europäer in China und die Chinesen in Europa verkaufen, was Arbeitsplätze gleichzeitig schafft und auch vernichtet.
Neue Korruptionsschlagzeilen aus der deutschen Telekommunikationsbranche
Nur diesmal nicht vom Netzausrüster (wie seinerzeit Siemens) sondern diesmal von dessen Kunden, von Netzbetreiber-Seite:
Die Privatwohnung von R.Obermann, dem Chef der Deutschen Telekom, wurde von der Staatsanwaltschaft "im Auftrag der US-Börsenaufsicht und des US-Justizministeriums" anlässlich von Vorwürfen, in Ungarn seien vor fünf Jahren im Kontext mit Mobilfunklizenzen Schmiergelder an Regierungsbeamte geflossen, durchsucht.
Nach mehreren Monaten des Auftragszuwachses in der deutschen Industrie hat diese im Juli einen Rückschlag hinnehmen müssen. Es gab 2,2 % weniger Bestellungen, allerdings ist der Rückgang auch bedingt dadurch, dass man im Juni u.a. einen Milliardenauftrag für Flugzeuge bekommen hat und dadurch die Statistik nach oben verzerrt wurde. Auch hatten die frühen Sommerferien die Bestellungen gedrückt. Trotz allem ist das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut zuversichtlich und hat die Konjunkturprognose für dieses Jahr auf 3,4 Prozent Wachstum erhöht.
Die Bundesrepublik verbesserte sich im vergangenen Jahr auf der Rangliste des World Economic Forum von Platz sieben auf Platz fünf und ist zum stärksten Land der Euro-Zone aufgestiegen. Gewürdigt wurden insbesondere die Infrastruktur, der funktionierende Wettbewerb und auch die Wettbewerbspolitik.
Dies sollte unseren Managern u.a. zu Denken geben, wenn ständig von Auslagerung usw. die Rede ist. Wieso werden die Vorteile Deutschlands nicht genutzt? Stattdessen hört man ständig nur, wir haben zu hohe Gehälter und insgesamt ist Deutschland zu teuer, um hier den Firmenstandort zu lassen.
Bemängelt werden allerdings der starre Kündigungsschutz und die inflexible Lohnfindung. Gerade dieser Kündigungsschutz hat die letzten Jahre viele MitarbeiterInnen vor einer Kündigung bewahrt. Ansonsten würde die Statistik der Arbeitsagenturen noch schlechter ausfallen.
Herausgehoben wurde die Innovationskraft und Geschäftskultur der Schweiz, deshalb ist auch Spitzenreiter im WEF die Schweiz, gefolgt von Schweden und Singapur. Die Vereinigten Staaten rutschten weiter ab und finden sich mittlerweile auf dem vierten Rang wieder.
Auch vermerkt der Bericht negativ das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in ihre Politiker. Was Wunder, bis diesen unseren Politikern.
Elektroindustrie: Geschäftsklima so gut wie seit langem nicht
Im Juli gab es für die Autoindustrie und den Maschinenbau 28 % mehr Aufträge als im Jahr zuvor und das Geschäftsklima sei so gut wie seit dem Sommer 2007 nicht mehr. Diese verbesserte Auftragslage hat inzwischen bei der Elektroindustrie zu einem Anstieg von Umsatz und Produktion geführt. Mittlerweile wird auch wieder mehr exportiert als vor der Krise. Allerdings sei der Auftragseingang auch aus dem Ausland immer noch sehr dominant. Man profitiert u.a. natürlich von der weltweiten Konjunkturerholung.
Siemens z.B. hat erneut einen großen Kraftwerksauftrag erhalten.
Mit der verbesserten Geschäftslage ist auch der Stellenabbau in der Elektroindustrie weitgehend abgeschlossen.
Na, dann können wir ja hoffen, dass der Stellenabbau bei Siemens beendet ist und es bei Nokia Siemens Networks bald auch positive Meldungen geben wird. Natürlich ist das Umfeld hier schwieriger, aber wo ein Wille, da ist auch ein Weg.
Also spannend werden die nächsten Wochen und Monate auf jeden Fall. Weihnachten ist nicht mehr lange hin und deshalb hoffen wir vielleicht jetzt schon einmal auf gute und positive Weihnachtsüberraschungen.
Dr. Tilman Eckloff und sein Team von der Universität Hamburg führten eine bundesweite Studie durch zu dem Thema: "Was ist den Deutschen wichtiger." (www.respectresearchgroup.org)
Neben klassischen Arbeitswerten wie gutem Einkommen, sicherer Stelle und interessanter Tätigkeit wurde auch nach dem Stellenwert des Respekts für jeden Einzelnen in seinem Beruf gefragt.
Die Auswertung ergab, dass das wichtigste für die Menschen ist, wenn man am Arbeitsplatz von seinem Chef respektiert wird.
Dies sollte einigen zu denken geben, denn berücksichtigt man solche Werte, dann klappt es auch besser mit der Arbeit. Zufriedene Mitarbeiter/Innen sind motivierter, das Arbeitsklima ist besser und somit auch das Arbeitsergebnis.
Übertragen werden kann dies auch auf die Familie und die Gesellschaft. In jedem Bereich sollte der Respekt vor dem anderen das Wichtigste sein.
Nokia baut weiter seine Chefetage um
Nach der Auswechslung von Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzendem wechselt nun auch noch der Chef der Smartphone-Sparte bei Nokia (www.focus.de), und dies in Rekordzeit (winfuture.de).
Derweil wird bei NSN die Tatsache, dass der ehemalige Nokia-Vorstandsvorsitzende weiter im Verwaltungsrat von NSN verbleibt, als Indiz dafür gewertet, dass sich sein Nachfolger erstmal auf's Aufräumen bei Nokia selbst (nicht Nokia Siemens Networks) konzentrieren wird.
Übrigens wird ihm sein Abschiedsschmerz laut Funkschau mit knapp 5 Millionen Euro Abfindung versüßt.
Aber keine voreiligen Schlüsse: Es ist nicht davon auszugehen, dass das nun allgemein neue Maßstäbe für Abfindungen bei NSN setzt; es ist ja auch eine Nokia-, keine NSN-Abfindung...
Einblicke eines SCHUFA-Kunden
Ich (SK) werde (nun) also als SCHUFA-Kunde geführt, bei einem Verein – sorry heute ist die SCHUFA (Schutzorganisation für allgemeine Kreditsicherung www.schufa.de) eine Holding AG – bei der ich nie einen Aufnahmeantrag ausgefüllt habe, keine (direkten) Beitragsgebühren zahlen muss und bis vor kurzem auch keinen Einblick über die Speicherung meiner persönlichen Daten und deren Bewertungen (Scorewerte) bekam.
Der Geschäftszweck der SCHUFA ergibt sich bereits aus dem Langnamen. Partner der SCHUFA sind Banken, Sparkassen, Kreditkarten-Organisationen, Bausparkassen, Versicherungen, Einzel- und Versandhändler, Telefongesellschaften, Energieversorger oder auch Vermieter. Sie sind für die SCHUFA zugleich Informationslieferanten und -abnehmer. Die SCHUFA hat ¾ aller deutschen Personen erfasst und speichert etwa 460 Millionen Einzeldaten dazu ab.
Zu diesen sehr vielen Informationen dürfte nun eine dazugekommen sein, nachdem ich das Recht gemäß § 34 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) in Anspruch nahm, einmal pro Jahr eine kostenlose Selbstauskunft zu erhalten. Immerhin versichert die SCHUFA im Infoblatt Scoreübersicht, das dem Antwortschreiben beilag, dass „die Geltendmachung von Rechten nach dem BDSG, also z.B. wenn Sie bei der SCHUFA Einblick in die über Sie gespeicherten Informationen nehmen, keinerlei Einfluss auf ihre Scorewerte hat.“
Erfasst sind insbesondere die folgenden Daten:
Name, Vorname, Geburtsdatum- und Ort, aktuelle und ehemalige Anschriften,
Kredit- oder Leasingverträge mit Betrag und Laufzeit sowie eventuell vorzeitiger Erledigung,
Angaben aus öffentlichen Verzeichnissen und amtlichen Bekanntmachungen, insbesondere Eidesstattlichen Versicherungen (EV), Haftbefehl zur Erzwingung der EV, Eröffnung privater Insolvenzverfahren, Abweisung und Einstellung von Verbraucherinsolvenzverfahren mangels Masse sowie
Kritisch dabei ist, dass bei einem Drittel der Registrierten Fehler in den Einträgen existieren, die nie eliminiert wurden. Abhilfe dazu verhilft das neue Gesetz, was nicht nur die einmal jährliche kostenlose Auskunft für jeden Bürger ermöglicht, sondern auch das Recht, nachweislich falsche Daten zu berichtigen oder unzulässig gespeicherte Daten zu löschen.
SK hat also eine Selbstauskunft via Formular beantragt, der „Weg zur SCHUFA-Auskunft“ steht auch online via www.meineschufa.de zur Verfügung. Nach ca. 2 Wochen hatte SK bereits sein Ergebnis, die persönlichen Daten und Informationen sind korrekt.
Interessant wird es jedoch bei den Scorewerten. Als ordentlicher, ehrlicher Bürger hatte SK schon Werte von 100% erwartet. Allerdings sind die Scoring-Regeln sehr undurchsichtig, im bereits erwähnten Infoblatt teilt die SCHUFA lediglich mit, welche Datenarten bei der Berechnung mit einfließen können.
Welche Datenarten verwendet die SCHUFA?
Allgemeine Daten (laut SCHUFA „die restlichen gespeicherten Informationen“)
Damit wird klar, dass auch Vornamen und Wohngegend herangezogen werden können; es hilft nicht, wenn die SCHUFA versichert, dass keine externen Geomarketing-Daten verwendet werden.
Bei etwas Nachdenken hätte SK wissen müssen, dass er die 100% nicht erreichen kann. Für die Branchen „Freiberufler“ und „Kleingewerbetreibender“ ist wahrscheinlich das Lebensalter relevant, deshalb ein „überdurchschnittliches Risiko“ für SK. Für die „Banken“ und „Sparkassen“ ist der Scorewert nicht top, weil SK vermutlich zu oft umgezogen ist, auch die Banken und Kreditkartenanbieter gewechselt hat. Weitere „Sünden“ im Leben von SK, die vom statistisch normalen Bürger abweichen, wollen wir hier lieber nicht ausbreiten.
Wer weiß, was mit den Scorewerten passiert, wenn die SCHUFA mitliest und erfährt, dass SK einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hat. Deshalb wird SK nächstes Jahr wieder eine Selbstauskunft beantragen.
Trotz verbesserter Wirtschaftslage sind deutsche Unternehmen immer noch gefährdet
Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform sind trotz der verbesserten Wirtschaftslage deutsche Unternehmen nach wie vor gefährdet. Gründe hierfür sind das geringe Eigenkapital und eine zu schwache Ertragskraft. Aus diesem Grund sind auch die Kapitalgeber sehr vorsichtig. Daher erwartet Creditreform für 2010 insgesamt rund 34.000 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Deshalb wird von Creditreform-Vorstand Helmut Rödl die Krise als eine "Krise der Konzerne" bezeichnet. Diese hätten durch knappe Kredite und die Vorsicht der Banken ihre Finanzierungen erschwert bekommen.
Der Mittelstand hat sich allerdings in der Krise als Stabilitätsanker erwiesen. Wie so oft musste der Mittelstand wieder herhalten. Hoffentlich lernen alle aus dieser Krise und wiederholen nicht die gemachten Fehler.
Ansichten zur Arbeit in Amerika und Deutschland
Was der amerikanische Autor, Harvard-Absolvent und Anwalt Tom Geoghegan über die Arbeit der Deutschen, deren Arbeits-Gesetze und Mitbestimmung und auch über die Wirtschaftsleistung schreibt, ist lesenswert. Auch was wir von den Amerikanern lernen können oder warum die Amerikaner den Deutschen nacheifern sollten und nicht umgekehrt, ist lesenswert. Geoghegan setzt sich in den USA für Arbeitnehmerrechte ein.
Nokia: Befreiungsschlag mit Chef-Wechsel
NSN-Halbmutti Nokia hat einen neuen Chef: Der am verschlafenen Smartphone-Markt gescheiterte Olli-Pekka Kallasvuo wird durch den Microsoft-stämmigen Stephen Elop ersetzt. (de.reuters.com)
Der Kanadier Elop ist der erste Nicht-Finne auf dem Chefsessel in der 145-jährigen Firmengeschichte, und wird allseits reichlich mit Vorschusslorbeeren beglückt, zugleich aber auch unter Erfolgsdruck gesetzt.
Inwieweit sich der Chef- und Strategiewechsel bei Nokia auch auf Nokia Siemens Networks auswirken wird, steht erstmal noch abzuwarten.
Dem NSN-Board jedenfalls bleibt Kallasvuo erstmal noch erhalten. (www.ftd.de)
NSN: No News are good News
Es liegt wohl nicht nur an der zu Ende gehenden Urlaubszeit:
Wer keine großen Sensationen auf unserer Homepage las, sollte sich lieber nicht beschweren - wer legt schon großen Wert auf Schlagzeilen wie "wir werden alle verkauft" oder "die Hälfte muss raus"?
Seien wir also froh und dankbar, wenn es (noch) keine großen Negativschlagzeilen über NSN gab und gibt.
Wo stehen wir aber nun mit unseren diversen NSN-"Baustellen"?
Verkauf von NSN-Eigentümeranteilen: Wunsch und Wirklichkeit gehen mitunter auseinander. Die internationale Fachpresse ist sich einig, dass erst weitere Restrukturierungsmaßnahmen (was uns natürlich weniger freut...) und einige positive Quartalsergebnisse vorliegen müssen, bevor so etwas realisierbar ist, und rechnen daher damit nicht vor frühestens 2012.
Ausgliederung von NSN-Teilen: Dürfte unserer Einschätzung nach so sicher wie das Amen in der Kirche kommen, aber nicht mehr zwangsläufig schon in diesem Jahr.
Personalabbau mit freiwilligen Trennungsangeboten, evtl. auch mit betriebsbedingten Kündigungen, womöglich gar mit Altersclustern:
Auch mit Restrukturierung müssen wir rechnen, wenn auch wohl eher erst nächstes Jahr. Wie diese Angebote aussehen werden (auch im Vergleich mit den letzten Hofmannstraßen-Angeboten), steht noch in den Sternen, hängt nicht zuletzt auch vom Verhandlungsgeschick des Betriebsrats ab.
Alterscluster aber werden gerne überschätzt: Bei Kündigungen mit Altersclustern bekäme NSN mit großer Wahrscheinlichkeit ein eigenes BAG-Urteil (mit völlig offenem Ausgang), das kann kaum im NSN-Interesse liegen, zumal NSN es gar nicht nötig hätte bei einer Altersstruktur z.B. in München, bei der die meisten Mitarbeiter eh in der Altersgruppe 47-56 liegen.
Wer jünger ist, dessen Skalp sitzt eh locker, wer älter ist den kann man (wie in Mch-H) mit anständigen Angeboten auch loswerden, und damit machen die Kollegen in besagter Altersgruppe eine Sozialauswahl eh untereinander aus (auch ohne rechtsunsichere Clusterbildungen); daher halten wir Kündigungen mit Altersclustern für eher unwahrscheinlich.
München-interne Umzüge und (als Voraussetzung dafür) Flächenverdichtung in Mch-M:
Dürften in Kürze bereits auf uns zukommen. Das ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits mag dadurch die Arbeitsplatzqualität leiden, andererseits aber ist es zugegebenermaßen eine Methode, angeordnete Spamaßnahmen auf andere Weise als durch Mitarbeiterabbau zu realisieren.
Lieber eng als auf der Straße sitzen...
Gleitzeit: Eine neue Gleitzeitvereinbarung ist noch in Verhandlung; es dürfte da aber primär darum gehen, überbordende Gleitzeit-Guthabenkonten vernünftig und für alle ausgewogen in den Griff zu bekommen. Nicht unwichtig, aber im Vergleich zu drohenden Restrukturierungen und Verkäufen vielleicht doch eher ein Nebenkriegsschauplatz.
Kurzarbeit: Da ist jetzt im Oktober 2010 ein Wachwechsel angesagt, die "zweite Welle" soll die zuerst "Auserwählten" ablösen; aber immer nur dort, wo der Betriebsrat erfolgreich die Kurzarbeit auf die Hälfte der Zeit verkürzen konnte, alle anderen Kurzarbeiter verbleiben anscheinend über die ganze Laufzeit der Betriebsvereinbarung in Kurzarbeit. In welchem Umfang zusätzliche Kurzarbeiter im Oktober 2010 nominiert werden, steht heute noch in den Sternen.
(Übrigens führt die Arbeitsagentur tatsächlich Stichprobenkontrollen durch, dass in Sachen Kurzarbeit bei uns auch alles sauber ist.)
In welchem Umfang also auch immer, aber die Kurzarbeit bei NSN geht weiter; und dann? Wir halten es für denkbar, dass dann wieder das 2003 in Mch-H erstmalig eingeführte "Project Assignment" (diesmal evtl. sogar mit weltweiten Projekteinsätzen, z.B. auf Basis virtueller Teams und mit Dienstreisen?) reanimiert wird, um Mitarbeiter, deren bisherige Arbeit entfallen ist, sinnvoll im Unternehmen einsetzen zu können.
Eine Zuordnung zu so einer PRA-Einheit wäre freilich eine mitbestimmungspflichtige Versetzung, d.h. hier hätte der Betriebsrat den Daumen drauf: Wenn, dann müssen die Konditionen stimmen! Dazu gehört u.a. eine Verpflichtung, dass das so geschnürte Päckchen dann nicht einfach eben mal schnell ausgegliedert wird. Aber all das ist Zukunftsmusik, das sind Themen für 2011.
Für 2010 hingegen scheint tatsächlich mal etwas Ruhe eingekehrt zu sein, so dass wir uns auf das konzentrieren können, wofür wir eigentlich mal angeheuert haben: In Ruhe (ohne ständige Restrukturierungsbedrohungen) unsere Arbeit tun zu können.
Kann der Firma eigentlich nur gut tun.
Vodafone - die "weißen Flecken" sollen weg
Nachdem die Deutsche Telekom soeben die erste LTE-Basisstation im Feldversuch in Betrieb genommen hat - wir berichteten - kommt nun auch Vodafone mit dem Versprechen, bis Ende März nächsten Jahres mit den "weißen Flecken", also den nicht per Mobilfunk abgedeckten Gebieten, aufgeräumt zu haben.
Dies umzusetzen sei mit dem Aufbau von 1500 LTE-Baisstationen geplant, und, so Vodafone-Deutschland- Chef Frank Rosenberger weiter, der Startschuß hierfür falle schon im September dieses Jahres. Zur Sprache kamen hierbei Zugangsverträge mit einer Datenrate Netz zu Endgerät von bis zu 21,6 Mbit/s.
Dies ist gerade für die Kollegen/innen eine echte Option, die planen, sich im ländlichen Raum niederzulassen, ohne dabei die netzabhängige Heimarbeit an den Nagel hängen zu müssen, sondern auch fernab der xDSL- Abdeckung weiterhin für die beruflichen Herausforderungen verfügbar sein zu können.
Wer will NSN haben?
In der österreichischen Presse boerse-express.com wird es etwas unverblümter ausgedrückt als in Deutschland. Demnach soll Siemens-Chef Peter Löscher bereits klargemacht haben: „Seinen NSN-Anteil kann in drei Jahren haben, wer will.“
Die Spekulationen oder Hoffnungen, dass sich Investoren für Teilkäufe von NSN finden lassen, werden eher negativ beurteilt, es sei denn der „Bräutigam“ kann für die Tochter NSN eine ordentliche Mitgift erwarten. Da sich Industrieinvestoren „für ein so großes und unprofitables Unternehmen“ eher nicht interessieren, blieben die Finanzinvestoren übrig, die evtl. einen Anteil vor einem möglichen Börsengang kaufen könnten.
Die Mitbewerber am Markt, die Konkurrenten von NSN, haben Experten zufolge kein Interesse an einer Übernahme. Bei Ericsson drohen Kartellprobleme, Alcatel-Lucent hat genug eigene Probleme und die Chinesen, Huawai und ZTE, zeigen ebenfalls kein Interesse, sie setzen auch NSN mit Kampfpreisen zu und vergrößern so ihre Marktanteile.
In dem aus Nokia/Siemens/NSN-Sicht düsteren Artikel geht es nur noch um die Abwicklung „der unheilvollen Liaison des finnischen Handybauers mit dem Münchner Technologiekonzern“, eine Perspektive für den Netzausrüster NSN wird nicht erwähnt.
Wettstreit um die Talente
Die Unternehmen gehen neue Wege, um qualifizierten Nachwuchs an sich zu binden.
Am 1. September beginnt in den Unternehmen offiziell das neue Ausbildungsjahr.
Es bleiben Zehntausende Lehrstellen unbesetzt. Betroffen sind aber nicht mehr nur die kleinen und mittleren Unternehmen, sondern auch die für Jugendliche besonders attraktiv erscheinende Konzerne spüren diesen Wandel.
Daher sind neue Strategien der Unternehmen erforderlich, um die Jugendlichen fest an sich zu binden. Die kleineren und mittleren Betriebe tun sich schwerer, weil sie kaum Zeit für die Rekrutierung haben. Seit 2007 gibt es ein bundesweites Projekt "Die passgenaue Vermittlung Auszubildender an ausbildungswillige Unternehmen", das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wird.
Die Vermittler strecken ihre Fühler aus, kennen die Bewerber und wissen auch, wo es noch freie Lehrstellen gibt. Es werden Unternehmen und Schulen besucht, Bewerbungsgespräche geführt und der passende Azubi für den passenden Betrieb gesucht. Das bundesweite Projekt, das bis Ende 2010 laufen sollte, kann sich mit seinen Erfolgen sehen lassen und durch diesen Erfolg soll es auch weiter gefördert werden.
Neben dem bundesweiten Programm gibt es zusätzlich auf Länderebene die Initiative "Starthelfer Ausbildungsmanagment“, Nordrhein-Westfalen war dabei Vorreiter.
Die kleineren und mittleren Betriebe haben auch das Problem, dass sie nicht an erster Stelle stehen, wenn Schulabgänger einen Ausbildungsplatz suchen. Erst wird es bei den "Großen" versucht und klappt es da nicht, sind die "Mittleren und Kleinen" dran. Hier greifen die "Starthelfer" ein und versuchen auch Schulabgänger in weniger attraktive Betriebe zu vermitteln.
Bedingt durch die raren Bewerber hat sich auch Siemens einen neuen Webauftritt mit Live-Chat gestalten lassen, der speziell Schulabgänger ansprechen soll. Die Lehrlinge und Studenten stellen hier ihre Ausbildung vor.
Alles in allem will man präsenter dort sein, wo sich die Zielgruppe aufhält. Außerdem will man den Kontakt zu Lehrern und Eltern verstärken.
Ein wirklich sehr unterstützenswertes Projekt, denn gerade die Jugendlichen benötigen eine Perspektive für ihr weiteres Leben und an erster Stelle einen guten und sicheren Arbeitsplatz.
Das Ende einer Beziehung: Siemens / Ex-AUB-Chef Schelsky
Einst vom Siemens-Vorstand initiiert, hatte Schelsky die unternehmensnahe Betriebsräteorganisation AUB über Jahrzehnte auf- und ausgebaut und dafür reichlich Gelder von Siemens bekommen. Der Ex-Betriebsratsvorsitzende Schelsky kassierte im Namen der AUB insgesamt rund 30 Millionen Euro bis er im November 2008 wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.
Auf Basis dieses Urteils klagte Siemens nun auf Schadensersatz. 3,2 Millionen Euro muss Schelsky an den früheren Arbeitgeber zahlen: dies entschied das Landgericht Nürnberg-Fürth und lehnte zugleich eine Gegenklage Schelskys ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Außerdem erklärt der Verurteilte, er sei völlig mittellos. Siemens dürfte es aber nicht nur um die Millionen gehen, sondern um die wichtige Image-Pflege nach der großen Siemens-Korruptions-Affäre.
Die Arbeitslosenzahlen fallen, die Zahl der Erwerbstätigen dagegen steigt nicht
Dass überhaupt von einem Jobwunder in Deutschland oder einem „German miracle“ gesprochen wird, liegt nicht zuletzt an den düsteren Prognosen vor gut einem Jahr, dass infolge der Finanzkrise die Arbeitslosenzahl in Deutschland die 5-Millionen-Grenze überschreiten könnte – so jedenfalls damals einstimmig die Aussagen des Ifo-Instituts und des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung IMK.
Die relativ gute Bewältigung der Krise basierte auch auf der gesetzlichen Möglichkeit der Kurzarbeit, die in anderen Ländern nicht existiert. Die Kurzarbeit hilft den Unternehmen und den Mitarbeitern durch eine großzügige staatliche Unterstützung. Mit diesem Wundermittel und mit dem Abbau gut gefüllter Arbeitszeitkonten konnte oft ein Mitarbeiterabbau vermieden werden. Die Zahlen belegen dies deutlich: in Spitzenzeiten waren etwa 1,5 Millionen Menschen in Kurzarbeit, zuletzt noch etwa 400.000.
Die Erwerbslosenstatistik wird aber nicht dadurch besser, wenn Kurzarbeiter nun wieder zu 100% arbeiten. Das Anziehen der deutschen Wirtschaft hauptsächlich bedingt durch den Export verlangt nach neuen Arbeitskräften, die sich aber nicht in normale, unbefristete Stellen sondern im Wesentlichen als Zeitarbeitsjobs niederschlagen – es sind derzeit 800.000, ein neuer Höchststand. Aber auch diese Zunahme erklärt nicht allein die Verbesserung der Arbeitslosenstatistik.
„Einen gehörigen Anteil an der positiven Entwicklung der Erwerbslosenzahlen“, so der Spiegel , sind „die Demografie und Statistiktricks“.
Das vermeintliche Arbeitsmarktwunder ist also gar keins.
Die Bilanz der Bundesagentur für Arbeit (BA) bzgl. Erwerbslosen sieht gut aus, ist aber keine Zauberei, sondern lässt sich mit der Demographie und der wieder mal geänderten Statistikmethode erklären:
etwa 100.000 Personen fielen aus der Statistik, weil sie in den Ruhestand gingen
weitere zehntausende Arbeitslose werden einfach nicht mehr mitgezählt, weil sie von privaten Vermittlern betreut werden.
Deutlich werden diese Zahlentricks auch anhand einer Statistik, die nie von der Bundesagentur für Arbeit präsentiert wird: das Statistische Bundesamt weist die Erwerbstätigen in Deutschland aus. Demnach liegt die Zahl im Juli 2010 von 40,199 Millionen knapp unter der Zahl vom Mai 2009 mit 40,202 Millionen Erwerbstätigen. Und ich vermute, dass damit alle Personen erfasst sind, die mindestens 1 Stunde pro Woche arbeiten. Die Zahl der Erwerbstätigen steigt nicht. Dies ist auch eine Bilanz.
Den Aufschwung der deutschen Wirtschaft begrüßen wir alle, die Auftragseingänge dürfen weiterhin steigen, die Arbeitslosenquote mag auch unter 3% fallen, die Politiker dürfen von Vollbeschäftigung träumen, aber die deutschen Arbeitnehmer brauchen verlässliche Arbeitsverträge, die ein vernünftiges Planen und Überleben ihrer Familie zulassen.
Zeitarbeiter gesucht
Laut FAZ treibt die konjunkturelle Belebung in Deutschland die Nachfrage nach Arbeitskräften an. Das Angebot von ungeförderten Arbeitsplätzen hat fast schon wieder das Vorkrisenniveau von August 2008 erreicht. In einer Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit heißt es: "Die Betriebe signalisieren wieder deutlichen Einstellungsbedarf". Die flexible Nachfrage durch die Zeitarbeit hat zu dieser schnellen Erholung beigetragen.
"In einigen Regionen sind die Arbeitsmärkte sogar schon leergefegt" sagt ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes BZA (Bundesverband Zeitarbeit Personaldienstleistungen e.V.). Im Großraum Regensburg, wo BMW ein Werk betreibt, waren auch Ingenieure und Fachkräfte während der Krise gefragt, aber jetzt sind selbst Hilfsarbeiter kaum noch zu finden. Der BMW-Standort hatte als erster auf die Absatzkrise in der Automobilindustrie reagiert und sich von mehreren tausend Zeitarbeitern getrennt. In der Folge sank die Zahl der Zeitarbeiter in Deutschland zunächst rapide, hatte aber laut BZA-Berechnungen im vergangenen Juni bereits wieder den alten Höchststand erreicht und die "Nachfrage ist ungebrochen hoch".
„In der Metall- und Elektroindustrie stehen die Zeichen auch wieder auf Beschäftigungsaufbau“ sagte Michael Stahl, Chefvolkswirt der Arbeitgebervereinigung Gesamtmetall. Von April bis Juni haben die Unternehmen ihre Stammbelegschaft aufgebaut und nicht nur zusätzlich Zeitarbeitskräfte beschäftigt. Außerdem wurden von Jahresbeginn bis Mai 250.000 Kurzarbeiter in Vollbeschäftigung gebracht.
Das sind ja sehr gute Nachrichten. Hoffen wir, dass auch Nokia Siemens Networks demnächst wieder Stellen aufbaut und die Kurzarbeit der Vergangenheit angehört. Denn wir benötigen ganz dringend Arbeitsplätze in Deutschland nach allen diesen Verlagerungen ins Ausland.

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 §613
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 § 34