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Timestamp: 2016-12-07 18:16:47+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 7 ABR 137/09
Mitbestimmung, Leiharbeit
Der Ar­beit­ge­ber hat dem Be­triebs­rat vor der Ein­stel­lung ei­nes Leih­ar­beit­neh­mers des­sen Na­men mit­zu­tei­len.
Arbeitsgericht Bielefeld, Beschluss vom 17.02.2009, 5 BV 70/08
7 ABR 137/09 10 TaBV 21/09
- 2 - Auf die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 25. Sep­tem­ber 2009 - 10 TaBV 21/09 - teil­wei­se auf­ge­ho­ben:
- 3 - Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt,
- 4 - schluss­ver­fah­rens auf ei­nen neu­en In­ha­ber über und berührt - wie im vor­lie­gen­den Fall - der Ver­fah­rens­ge­gen­stand die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers, tritt der Be­triebs­er­wer­ber au­to­ma­tisch nicht nur in die ma­te­ri­ell-be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che, son­dern auch in die pro­zes­sua­le Rechts­po­si­ti­on des Veräußerers ein. Be­son­de­rer Pro­zes­serklärun­gen der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten be­darf es da­zu nicht (vgl. BAG 28. April 2009 - 1 ABR 97/07 - Rn. 10 mwN, BA­GE 131, 1; 23. Ju­ni 2010 - 7 ABR 3/09 - Rn. 15, EzA Be­trVG 2001 § 99 Ein­stel­lung Nr. 14). Hier­nach ist am Ver­fah­ren nun­mehr gemäß § 83 Abs. 3 ArbGG ne­ben dem an­trag­stel­len­den Be­triebs­rat als Ar­beit­ge­be­rin die Be­triebs­er­wer­be­rin be­tei­ligt. Sie ist mit dem iden­titäts­wah­ren­den Über­gang des Be­triebs in die kon­kre­te pro­zes­sua­le Stel­lung des Be­triebs­veräußerers ein­ge­tre­ten. Der letz­te In­ha­ber des Be­triebs ist vom Aus­gang des Ver­fah­rens nicht mehr in sei­ner be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­po­si­ti­on be­trof­fen.
- 5 - b) Der An­trag ist un­be­gründet.
- 6 - un­geklärten Rechts­fra­ge ver­tei­digt (BAG 19. Ja­nu­ar 2010 - 1 ABR 55/08 - Rn. 28 mwN, AP Be­trVG 1972 § 23 Nr. 47 = EzA Be­trVG 2001 § 23 Nr. 4).
- 7 - hörung nach § 99 Be­trVG“ des­sen Na­men mit­ge­teilt wird. Da­mit steht der in­halt­li­che As­pekt des Un­ter­rich­tungs­ver­lan­gens hin­rei­chend be­stimmt fest. Außer­dem ist das si­tua­tiv-zeit­li­che Mo­ment der be­gehr­ten Un­ter­rich­tung klar be­schrie­ben. Un­klar­hei­ten über den Um­fang der ob­jek­ti­ven Rechts­kraft ei­ner dem An­trag statt­ge­ben­den oder ihn ab­wei­sen­den ge­richt­li­chen Sach­ent­schei­dung sind nicht zu be­sor­gen.
- 8 - (1) Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts liegt ei­neEin­stel­lung iSv. § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG vor, wenn Per­so­nen in den Be­trieb ein­ge­glie­dert wer­den, um zu­sam­men mit den dort beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern des­sen ar­beits­tech­ni­schen Zweck durch wei­sungs­ge­bun­de­ne Tätig­keit zu ver­wirk­li­chen. Auf das Rechts­verhält­nis, in dem die Per­so­nen zum Be­triebs­in­ha­ber ste­hen, kommt es nicht an (BAG 23. Ju­ni 2010 - 7 ABR 1/09 - Rn. 10 mwN, EzA Be­trVG 2001 § 99 Ein­stel­lung Nr. 13).
(2) Auch der Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern im Ent­lei­her­be­trieb ist da­nachei­ne Ein­stel­lung. Dies folgt zu­gleich aus § 14 Abs. 3 Satz 1 AÜG. Nach die­ser Be­stim­mung ist vor der Über­nah­me ei­nes Leih­ar­beit­neh­mers zur Ar­beits­leis­tung der Be­triebs­rat des Ent­lei­her­be­triebs nach § 99 Be­trVG zu be­tei­li­gen. Die auf den Be­trieb des Ent­lei­hers be­zo­ge­ne „Über­nah­me“ iSv. § 14 Abs. 3 Satz 1 AÜG ist die als Ein­stel­lung iSv. § 99 Abs. 1 Be­trVG zu er­ach­ten­de Ein­glie­de­rung. Sie liegt (erst dann) vor, wenn der Leih­ar­beit­neh­mer im Ent-lei­her­be­trieb zur Ar­beits­leis­tung ein­ge­glie­dert wird (BAG 23. Ja­nu­ar 2008 - 1 ABR 74/06 - Rn. 22 f. mwN, BA­GE 125, 306). Je­de noch so kur­ze tatsäch­li­che Beschäfti­gung ist mit­be­stim­mungs­pflich­tig. Er­fol­gen nach­ein­an­der meh­re­re be­fris­te­te Einsätze, ist je­der von ih­nen nach § 99 Abs. 1 Be­trVG mit­be­stim­mungs­pflich­tig. Dies gilt auch dann, wenn den je­weils be­fris­te­ten Ein­glie­de­run­gen ei­ne zwi­schen Ver­lei­her und Ent­lei­her ge­schlos­se­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung zu­grun­de liegt (BAG 23. Ja­nu­ar 2008 - 1 ABR 74/06 - Rn. 24 f. mwN, aaO).
(3) Auch bei ei­nem kurz­fris­ti­gen Er­satz für ei­nen be­reits ein­ge­setz­tenLeih­ar­beit­neh­mer durch ei­nen an­de­ren oder bei ei­ner zwi­schen Ver­lei­her und Ar­beit­ge­ber nur nach qua­li­fi­ka­ti­ons­be­zo­ge­nen Kri­te­ri­en ver­ein­bar­ten Ge­stel­lung von Leih­ar­beit­neh­mern, de­ren kon­kret-per­so­nel­le Dis­po­si­ti­on al­lein dem Ver­lei­her zu­kommt, han­delt es sich um mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Ein­stel­lungs­maßnah­men. Für die das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 99 Be­trVG auslösen­de tatsächli­che Be­trof­fen­heit der Be­leg­schaft kommt es dar­auf an, wel­che kon­kre­te Per­son ein­ge­glie­dert wer­den soll. Eben­so we­nig wie Dau­er und zeit­li­cher Um­fang des Leih­ar­beit­neh­mer­ein­sat­zes das Mit­be­stim­mungs­recht des Be-
- 9 - triebs­rats im Ent­lei­her­be­trieb re­du­zie­ren - auch nicht im Hin­blick auf die Be­son­der­hei­ten der Ar­beit­neh­merüber­las­sung (vgl. BAG 23. Ja­nu­ar 2008 - 1 ABR 74/06 - Rn. 25, BA­GE 125, 306) -, ist es bei ei­nem bloßen per­so­nel­len Wech­sel des ein­ge­setz­ten Leih­ar­beit­neh­mers ein­ge­schränkt. Dies gilt auch dann, wenn nach den Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen dem ent­lei­hen­den Ar­beit­ge­ber und dem Ver­lei­her die Ent­schei­dung über die kon­kret-per­so­nen­be­zo­ge­ne Aus­wahl der auf An­for­de­rung des Ar­beit­ge­bers zum Ein­satz kom­men­den Leih­ar­beit­neh­mer al­lein beim Ver­lei­her liegt. Je­der Ein­satz und je­der Aus­tausch stellt ei­ne er­neu­te „Über­nah­me“ nach § 14 Abs. 3 Satz 1 AÜG dar und ist nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Ein­stel­lung.
- 10 - bb) Das Er­for­der­nis, dem Be­triebs­rat gemäß § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG
(1) Die Un­ter­rich­tungs- und Vor­la­ge­pflicht nach § 99 Abs. 1 Satz 1 undSatz 2 Be­trVG dient da­zu, dem Be­triebs­rat die In­for­ma­tio­nen zu ver­schaf­fen, die er benötigt, um sein Recht zur Stel­lung­nah­me nach § 99 Abs. 2 Be­trVG sach­ge­recht ausüben zu können. Der Um­fang der vom Ar­beit­ge­ber ge­for­der­ten Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats be­stimmt sich da­mit nach dem Zweck der Be­tei­li­gung an der je­wei­li­gen per­so­nel­len Maßnah­me. Der Ar­beit­ge­ber muss den Be­triebs­rat so un­ter­rich­ten, dass die­ser auf­grund der mit­ge­teil­ten Tat­sa­chen in die La­ge ver­setzt wird zu prüfen, ob ei­ner der in § 99 Abs. 2 Be­trVG ge­nann­ten Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe vor­liegt (BAG 27. Ok­to­ber 2010 - 7 ABR 36/09 - Rn. 25 mwN, NZA 2011, 527).
(2) Da­nach gehört der Na­me ei­nes ein­zu­stel­len­den Leih­ar­beit­neh­mers zuden An­ga­ben, die der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat vor der Ein­glie­de­rung des Leih­ar­beit­neh­mers zu ma­chen hat. Nur so kann der Be­triebs­rat be­ur­tei­len, ob ein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund des § 99 Abs. 2 Be­trVG vor­liegt. Ins­be­son­de­re für den Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund des § 99 Abs. 2 Nr. 6 Be­trVG ist die „Per­son“ - al­so der Na­me - des Ein­zu­stel­len­den re­le­vant.
- 11 - in­so­weit die Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­triebs­rats im Ent­lei­her­be­trieb nicht re­du­zie­ren. Je­den­falls sind et­wai­ge Be­son­der­hei­ten der Ar­beit­neh­merüber­las­sung nicht ge­eig­net, die Pflicht des Ar­beit­ge­bers im Ent­lei­her­be­trieb ent­fal­len zu las­sen, das bei ei­ner Ein­stel­lung ent­schei­den­de Da­tum des Na­mens der ein­zu­stel­len­den Per­son mit­zu­tei­len. Auch die von der Ar­beit­ge­be­rin an­geführ­te kon­kre­te Ver­trags­ge­stal­tung mit den Ver­lei­h­un­ter­neh­men - die Ge­stel­lung von Leih­ar­beit­neh­mern al­lein auf der Grund­la­ge qua­li­fi­ka­ti­onsmäßiger Kri­te­ri­en - recht­fer­tigt in­so­weit kei­ne Ein­schränkung.
- 12 - (2) Der Um­stand, dass es der Ar­beit­ge­be­rin nicht auf die kon­kre­te Per­sondes Leih­ar­beit­neh­mers, son­dern nur auf des­sen Qua­li­fi­ka­ti­on an­kommt, verkürzt ih­re Aus­kunfts­pflicht nicht. Der Un­ter­rich­tungs­an­spruch des Be­triebs­rats nach § 99 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 Be­trVG setzt nicht not­wen­dig vor­aus, dass die Ar­beit­ge­be­rin über die be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen verfügt, son­dern be­steht auch dann, wenn ihr die mit­zu­tei­len­den Umstände „un­wich­tig“ sind. Die Ar­beit­ge­be­rin ist ge­hal­ten und es ist ihr grundsätz­lich zu­zu­mu­ten, zur Erfüllung ih­rer Un­ter­rich­tungs­ver­pflich­tung den Na­men des ein­zu­set­zen­den Leih­ar­beit­neh­mers beim Ver­lei­her zu er­fra­gen und ggf. bei die­sem auf ei­ne so recht­zei­ti­ge Aus­wah­l­ent­schei­dung zu drängen, dass sie ih­ren Pflich­ten nach § 99 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 Be­trVG nach­kom­men kann.
(3) Das Ver­lan­gen des Be­triebs­rats ist schließlich nicht auf ei­ne der Ar­beit-ge­be­rin unmögli­che Leis­tung ge­rich­tet. Der Ar­beit­ge­be­rin wird nicht et­wa im We­ge ei­nes Leis­tungs­ti­tels auf­ge­ge­ben, dem Be­triebs­rat ei­nen ihr un­be­kann­ten Na­men mit­zu­tei­len. Es wird le­dig­lich ih­re Ver­pflich­tung fest­ge­stellt, den Be­triebs­rat vor ei­ner Ein­stel­lung über den Na­men der ein­zu­stel­len­den Per­son zu un­ter­rich­ten. Wenn sie die­se Ver­pflich­tung nicht erfüllt, hat sie die Ein­stel­lung zu un­ter­las­sen. Das ist ihr möglich.
Strip­pel­mann Olaf Dei­nert	m.hensche.de
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