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Timestamp: 2020-07-04 12:25:18+00:00

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Umsetzung eines Beamten | Rechtslupe
Umsetzung eines Beamten
Umset­zung eines Beam­ten
Eine spe­zi­el­le ge­setz­li­che Grund­la­ge für Um­set­zun­gen ist auch dann nicht er­for­der­lich, wenn sie mit einem Wech­sel des Dienstor­tes ver­bun­den sind. Die Um­set­zung steht im pflicht­ge­mä­ßen Er­mes­sen des Dienst­herrn, der die zu­grun­de lie­gen­den dienst­li­chen Be­lan­ge mit den Fol­gen für den be­ruf­li­chen Wer­de­gang und die pri­va­te Le­bens­füh­rung des Be­trof­fe­nen ab­wä­gen muss.
Umset­zun­gen sind Maß­nah­men der Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt des Dienst­herrn, die nicht dem Vor­be­halt des Par­la­ments­ge­set­zes unter­fal­len. Dies gilt unab­hän­gig von den Fol­ge­wir­kun­gen für den betrof­fe­nen Beam­ten.
Eine Umset­zung stellt eine inner­be­hörd­li­che Maß­nah­me dar, durch die der Auf­ga­ben­be­reich eines Beam­ten geän­dert wird. Des­sen Ämter im sta­tus­recht­li­chen und im abs­trakt­funk­tio­nel­len Sinn blei­ben unbe­rührt. Dem Beam­ten wird ein ande­rer, bei sei­ner Beschäf­ti­gungs­be­hör­de ein­ge­rich­te­ter Dienst­pos­ten (Amt im kon­kret­funk­tio­nel­len Sinn) über­tra­gen, der nach sei­ner Wer­tig­keit dem Amt des Beam­ten im sta­tus­recht­li­chen Sinn zuge­ord­net ist. Die­se Ände­rung des Auf­ga­ben­be­reichs ist zwangs­läu­fig mit einer Ände­rung des Dienstor­tes ver­bun­den, wenn alter und neu­er Dienst­pos­ten bei ver­schie­de­nen Dienst­stel­len der Beschäf­ti­gungs­be­hör­de mit Sitz an ver­schie­de­nen Orten ange­sie­delt sind.
Es ist all­ge­mein aner­kannt, dass die Berech­ti­gung des Dienst­herrn zur Vor­nah­me von Umset­zun­gen aus der Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt folgt. Bei der Umset­zung han­delt es sich um eine dienst­li­che Anord­nung, der die betrof­fe­nen Beam­ten auf­grund ihrer Wei­sungs­ge­bun­den­heit Fol­ge zu leis­ten haben (vgl. nun­mehr § 35 Satz 2 BeamtStG). Umset­zun­gen müs­sen von einem dienst­li­chen Grund getra­gen sein. Davon aus­ge­hend hat der Dienst­herr nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu ent­schei­den. Die tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen der Umset­zung auf den beruf­li­chen Wer­de­gang des Betrof­fe­nen oder des­sen pri­va­te Lebens­füh­rung sind aus Für­sor­ge­grün­den bei den Ermes­sens­er­wä­gun­gen zu berück­sich­ti­gen. Der Dienst­herr muss sowohl das dienst­li­che Inter­es­se an der Umset­zung als auch die ent­ge­gen­ste­hen­den Belan­ge des Betrof­fe­nen mit der ihnen objek­tiv zukom­men­den Bedeu­tung in die Abwä­gung ein­stel­len und gewich­ten. Umset­zun­gen sind nach § 114 Satz 1 VwGO von den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob der Dienst­herr die das Ermes­sen ein­schrän­ken­den Rechts­grund­sät­ze beach­tet hat [1].
Grund­sätz­lich gilt, dass die dienst­li­chen Belan­ge, die der Umset­zung zugrun­de lie­gen, umso gewich­ti­ger sein müs­sen, je schwe­rer die Fol­gen einer Umset­zung für den Beam­ten sind. Zu den nach­tei­li­gen Fol­gen für die pri­va­te Lebens­ge­stal­tung kann ins­be­son­de­re gehö­ren, dass die Umset­zung mit einem Wech­sel des Dienstor­tes ver­bun­den ist und der neue Dienst­ort wesent­lich wei­ter von der Woh­nung des Beam­ten ent­fernt liegt oder wesent­lich schwe­rer erreich­bar ist als der alte Dienst­ort.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Recht­spre­chung jüngst wie folgt zusam­men­ge­fasst [2]:
Eine Umset­zung ist eine inner­dienst­li­che Wei­sung, die im Ermes­sen des Dienst­herrn steht [3]. Sie kann grund­sätz­lich auf jeden sach­li­chen Grund gestützt wer­den. Die Aus­übung des Ermes­sens wird begrenzt durch das Recht auf amts­an­ge­mes­se­ne Beschäf­ti­gung oder eine Zusi­che­rung. Dane­ben sind die Belan­ge des Betrof­fe­nen nach dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu berück­sich­ti­gen [4]. Die Umset­zung ist ermes­sens­feh­ler­haft, wenn sie auf sach­wid­ri­gen Grün­den oder einer unzu­rei­chen­den Abwä­gung betrof­fe­ner Belan­ge beruht.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die dar­ge­stell­ten Rechts­grund­sät­ze mit Kam­mer­be­schluss vom 30. Janu­ar 2008 [5] aus­drück­lich als ver­fas­sungs­kon­form bestä­tigt. Danach sind spe­zi­el­le gesetz­li­che Vor­aus­set­zun­gen für Umset­zun­gen unter dem Gesichts­punkt des Vor­be­halts des Par­la­ments­ge­set­zes nicht gebo­ten, weil die Ämter des Beam­ten im sta­tus­recht­li­chen und im abs­trakt­funk­tio­nel­len Sin­ne nicht berührt wer­den. Der Beam­te wer­de auch auf dem neu­en, durch die Umset­zung zuge­wie­se­nen Dienst­pos­ten (Amt im kon­kretfun­tio­nel­len Sinn) amts­an­ge­mes­sen, d.h. ent­spre­chend der Wer­tig­keit sei­nes Amtes im sta­tus­recht­li­chen Sinn, beschäf­tigt. Die Not­wen­dig­keit einer spe­zi­el­len gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung für Umset­zun­gen erge­be sich auch nicht aus dem Grund­recht der Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG), weil Umset­zun­gen ledig­lich die Moda­li­tä­ten der Berufs­aus­übung kon­kre­ti­sier­ten.
Mit dem Begriff des her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG ist der über­lie­fer­te Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en gemeint, die all­ge­mein oder doch ganz über­wie­gend und wäh­rend eines län­ge­ren, Tra­di­ti­on bil­den­den Zeit­raums, min­des­tens wäh­rend der Gel­tung der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung, als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den ist. Grund­le­gen­de Bedeu­tung und Aner­ken­nung müs­sen kumu­la­tiv vor­lie­gen. Erfasst wer­den nur Rege­lun­gen, die das Bild des Beam­ten­tums in sei­ner über­kom­me­nen Gestalt und Funk­ti­on so prä­gen, dass ihre Besei­ti­gung das Wesen des Beam­ten­tums antas­ten wür­de [6].
Es gibt kei­nen all­ge­mei­nen her­ge­brach­ten Grund­satz des Inhalts, dass alle Berei­che des Beam­ten­rechts einem all­ge­mei­nen Vor­be­halt des Par­la­ments­ge­set­zes unter­lie­gen. Dies wird gera­de durch das Rechts­in­sti­tut der Umset­zung belegt: Es ist zu kei­ner Zeit in Fra­ge gestellt wor­den, dass die Vor­aus­set­zun­gen von Umset­zun­gen nicht gesetz­lich fest­ge­legt sein müs­sen, die­se Maß­nah­men ihre Rechts­grund­la­gen viel­mehr in der Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt des Dienst­herrn und in der Pflicht der Beam­ten fin­den, dienst­li­che Anord­nun­gen zu befol­gen. Umset­zun­gen sind stets ohne spe­zi­el­le gesetz­li­che Ermäch­ti­gung als zuläs­sig ange­se­hen wor­den [7].
Daher kann auch nichts aus dem bereichs­spe­zi­fi­schen her­ge­brach­ten Grund­satz im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG her­ge­lei­tet wer­den, dass Besol­dungs­leis­tun­gen nur gewährt wer­den dür­fen, wenn und soweit sie gesetz­lich vor­ge­se­hen sind (sog. besol­dungs­recht­li­cher Geset­zes­vor­be­halt [8]).
Neue­re Ent­schei­dun­gen von Ver­wal­tungs­ge­rich­ten, die sich gegen die aus­nahms­lo­se Gel­tung des Streik­ver­bots für Beam­te aus­spre­chen, sind für die hier auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen zu den Rechts­grund­la­gen von Umset­zun­gen ohne jede Bedeu­tung. Im Übri­gen ver­kennt die Gegen­an­sicht, dass dem Streik­ver­bot als einem her­ge­brach­ten Grund­satz im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG Ver­fas­sungs­rang zukommt [9]. Die Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te betref­fen nur die Fra­ge des Ver­hält­nis­ses die­ses her­ge­brach­ten Grund­sat­zes mit Art. 11 EMRK in der Aus­le­gung durch den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te [10].
Auch ist nicht ersicht­lich, dass die vom Klä­ger genann­ten ver­fas­sungs­recht­lich fun­dier­ten Geset­zes­vor­be­hal­te für spe­zi­el­le Berei­che des Beam­ten­rechts für die Beur­tei­lung der Rechts­grund­la­gen von Umset­zun­gen von Bedeu­tung sein könn­ten:
Der bei­hil­fe­recht­li­che Geset­zes­vor­be­halt beruht auf der Beson­der­heit, dass die Bei­hil­fe­ge­wäh­rung in einem untrenn­ba­ren Zusam­men­hang mit der Ali­men­ta­ti­on steht, die ihrer­seits einem Geset­zes­vor­be­halt unter­liegt. Er soll ver­hin­dern, dass die Exe­ku­ti­ve das gesetz­lich fest­ge­leg­te Niveau von Besol­dung und Ver­sor­gung durch Ände­run­gen des Bei­hil­fe­rechts unter Aus­schluss des par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bers in beacht­li­chem Umfang absen­ken kann [11].
Der Geset­zes­vor­be­halt für ein an Leh­rer gerich­te­tes Ver­bot, im Unter­richt an öffent­li­chen Schu­len reli­gi­ös moti­vier­te Klei­dungs­stü­cke zu tra­gen, hat sei­nen Grund dar­in, dass ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten wider­strei­ten­de Grund­rechts­po­si­tio­nen von Leh­rern, Schü­lern und Eltern berührt [12]. Eine der­ar­ti­ge grund­recht­li­che Kon­flikt­la­ge besteht bei Umset­zun­gen gera­de nicht [13].
Schließ­lich sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Sta­tu­ie­rung eines Geset­zes­vor­be­halts der vor­lie­gen­den Fest­stel­lungs­kla­ge nicht zum Erfolg ver­hel­fen könn­te. In die­sem Fall wäre dem Gesetz­ge­ber eine ange­mes­se­ne Frist für sein Tätig­wer­den ein­zu­räu­men. In der Über­gangs­zeit wären Umset­zun­gen, so auch die­je­ni­ge des Klä­gers, wei­ter­hin nach den all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­ben zu beur­tei­len [14].
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Juni 2012 – 2 B 23.12
stRspr; vgl. grund­le­gend BVerwG, Urtei­le vom 22.05.1980 – 2 C 30.78, BVerw­GE 60, 144, 146 ff. = Buch­holz 232 § 26 BBG Nr.20 S. 28 ff. und vom 28.11.1991 – 2 C 41.89, BVerw­GE 89, 199, 200 ff. = Buch­holz 232 § 26 BBG Nr. 34 S. 9 f.[↩]
BVerwG, Urteil vom 26.05.2011 – 2 A 8.09, Buch­holz 232 § 55 BBG Nr. 16 Rn.19[↩]
BVerwG, Urteil vom 28.02.2008 – 2 A 1.07, NVwZ-RR 2008, 547 Rn. 25[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 23.05.2002 – 2 A 5.01, Buch­holz 240 § 18 BBesG Nr. 27 S. 2 m.w.N. und vom 22.05.1980 – 2 C 30.78, BVerw­GE 60, 144, 151 ff. = Buch­holz 232 § 26 BBG Nr.20 S. 33 ff.; stRspr[↩]
BVerfG, Beschluss vom 30.01.2008 – 2 BvR 754/​07, NVwZ 2008, 547[↩]
stRspr des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, vgl. nur BVerfG, Urteil vom 06.03.2007 – 2 BvR 556/​04, BVerfGE 117, 330, 348 f.; Beschluss vom 28.05.2008 – 2 BvL 11/​07, BVerfGE 121, 205, 219 f.[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 22.05.1980 a.a.O.; und vom 28.11.1991 a.a.O.[↩]
vgl. zuletzt BVerwG, Urteil vom 27.05.2010 – 2 C 33.09, Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 5 GG Nr. 117 = NVwZ-RR 2010, 647 [↩]
BVerfG, Beschlüs­se vom 11.06.1958 – 1 BvR 1/​52, 46/​52, BVerfGE 8, 1, 17 und vom 30.03.1977 – 2 BvR 1039/​75, 1045/​75, BVerfGE 44, 249, 264; BVerwG, Urteil vom 03.12.1980 – 1 D 86.79, BVerw­GE 73, 97, 102 f.[↩]
vgl. EGMR, Urteil vom 21.04.2009 – 68959/​01 – NZA 2010, 1423[↩]
BVerwG, Urteil vom 17.06.2004 – 2 C 50.02, BVerw­GE 121, 103, 106 f. = Buch­holz 232 § 79 BBG Nr. 123 S. 12 f.[↩]
BVerfG, Urteil vom 24.09.2003 – 2 BvR 1436/​02, BVerfGE 108, 282, 297 ff.; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 24.06.2004 – 2 C 45.03, BVerw­GE 121, 140, 144 f. = Buch­holz 237.0 § 9 BaWüLBG Nr. 1 S. 4 f.[↩]
vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 30.01.2008 a.a.O.[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 17.06.2004 a.a.O. S. 111 f. bzw. S. 14 f. und vom 26.06.2008 – 2 C 2.07, BVerw­GE 131, 234 = Buch­holz 270 § 6 BhV Nr. 17 [↩]
UmsetzungVersetzung

References: § 35
 § 114
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 11
 § 26
 § 26
 § 55
 § 18
 § 26
 Art. 33
 § 79
 § 9
 § 6