Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/1/1261.htm
Timestamp: 2018-12-13 09:18:55+00:00

Document:
1261 Rufsteinhänge und Umgebung
Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet "Rufsteinhänge und Umgebung"
(1) Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Gruibingen und Mühlhausen im Täle, Landkreis Göppingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Rufsteinhänge und Umgebung".
(2) Das Naturschutzgebiet ist zugleich ein Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung im Sinne der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie) (ABI. EG Nr. L 206 S. 7), geändert durch Richtlinie 97/62/EG des Rates vom 27. Oktober 1997 (ABI. EG Nr. L 305 S. 42).
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 247,3 ha.
(2) Das Naturschutzgebiet befindet sich größtenteils auf der Gemarkung Gruibingen, ein kleinerTeil auf Gemarkung Mühlhausen im Täle. Es handelt sich um ein Seitental des Oberen Filstales. Im Westen erstreckt sich das Gebiet bis fast an die L 1217 bzw. im Südwesten bis fast an die Autobahn A 8 und beinhaltet hauptsächlich die Hänge von Nortel, Bühl, Augstberg und Rufstein. Einbezogen sind dabei nach dem Stand vom 05. Mai 2004
a) auf dem Gebiet der Gemeinde Gruibingen, Gemarkung Gruibingen, ganz oder teilweise die Gewanne Vor dem Dürnauer Wald, Nortel, Nördlingsgrund, Näbern, Krummäcker, Haslachberg, HasJachwald, Ob Haslach, Königssteigäcker, Königssteige, Gansloser Steig, Gansloser Steigwald, Ob dem Gansloser Steig, Kreuzwiesen, Kaltenbronn, Autenwang, Augsberg, Ditschentalwald, Ditschental, Kreuzäcker, Lautelessteig, Rufsteinberge, Oberer Rufstein, Ob dem Wolkenteich, Mittlerer Rufstein, Rufsteinwald, Unterer Rufstein, Baumgarten, Anger, Ob dem Anger, An der Albsteige, Rößgumpen, Haufensteige, Vorderer Zwerenberg, Zwerenberg, Hinterer Zwerenberg, Oberer Leimberg, Kempten, Ob der Stelle, Kleine Grube.
b) Auf dem Gebiet der Gemeinde Mühlhausen im Täle, Gemarkung Mühlhausen ganz oder teilweise die Gewanne Jetel, Jeteltal, Schönbach.
(3) Das Naturschutzgebiet ist in einer Obersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 05. Mai 2004 im Maßstab 1 : 25 000 mit einer durchgezogenen roten Linie umgrenzt sowie in einer Detailkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 05. Mai 2004 im Maßstab 1 : 2500 mit durchgezogener roter, rot angeschummerter Linie eingetragen. D1e Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Göppingen in Göppingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Schutzzweck ist,
- die Erhaltung und Förderung einer ökologisch vielfältigen, klein strukturierten und vernetzten Landschaft mit Wacholderheiden, Magerrasen, Sukzessionsflächen, Hecken, extensiv genutzten artenreichen Wiesen, einigen Äckern, Wirtschaftswiesen, Streuobstwiesen und naturnahen Laubwäldern mit den jeweils typischen, zum Teil gefährdeten Tier- und Pflanzenarten;
- die Erhaltung einer Kulturlandschaft als Zeuge teilweise historischer Nutzungsformen, insbesondere die Erhaltung der Wacholderheiden, Kalk-Magerrasen und der extensiv bewirtschafteten Wiesen;
- die Bewahrung eines besonders abwechslungsreichen, reizvollen und für die Schwäbische Alb typischen Landschaftsausschnittes;
- die Erhaltung solcher Arten und Lebensräume, die der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (Flora-Fauna-Habitat-Rjchtljnie, kurz: FFH-Richtlinie) in besonderem Maße entsprechen.
Nach den dortigen Anforderungen kommen im Schutzgebiet folgende Lebensräume vor:
a) Lebensraumtyp 5130 Wacholderheiden
b) Lebensraumtyp 6210 Kalk-Magerrasen
c) Lebensraumtyp 6510/6520 Magere Flachland-Mähwiesen/Berg-Mähwiesen
d) Lebensraumtyp 9150 Orchideen-Buchenwälder
Im Süden des Naturschutzgebietes kommt die als prioritär eingestufte Anhang II -Schmetterlingsart "Spanische Flagge" (Callimorpha quadripunctaria) vor.
4. Dauergrünland oder Dauerbrache, ausgenommen Wechselgrünland, umzubrechen;
6. auf Heideflächen einschließlich Kalk-Magerrasen und mageren Flachland-Mähwiesen/Berg-Mähwiesen zu pferchen sowie land- und forstwirtschaftliche Produkte zu lagern.
1. Wege innerhalb von Heideflächen und Kalk-Magerrasen zu verlassen;
3. zu reiten, davon ausgenommen sind die in der Detailkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 05.Mai 2004 als Reitwege gekennzeichneten Wege;
6. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme, Fallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen, ausgenommen sind Flugbewegungen vom und zum Flugplatz Nortel;
(6) Weiter ist es verboten ,
(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in seiner chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält.
4. Pflanzenschutzmittel nur außerhalb von Heiden, Kalk-Magerrasen und mageren Flachland-Mähwiesen/Berg-Mähwiesen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
6. keine baulichen Anlagen errichtet werden; bei beweideten Flächen ist die Errichtung fester Zaunanlagen nicht erlaubt. Mobile Zaunanlagen sind nur für die Dauer der Beweidung zulässig.
3. Tothölzer, Höhlenbäume und Horstbäume im öffentlichen Wald bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden sofern hieraus keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht noch eine Erhöhung des Risikos durch Insektenkalamitäten zu erwarten ist;
(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und unter besonderer Berücksichtigung des Schutzzweckes erfolgt.
Voraussetzung ist weitert dass
1. Hochsitze, Unterstände und andere jagdlichen Einrichtungen nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen (offene Heideflächen und Kalk-Magerrasen) am Waldsaum oder im Bereich hochwüchsiger Gehölze aus naturbelassenen Hölzern errichtet werden;
2. keine Wildäcker und Futterstellen auf extensiv genutztem Grünland, mageren Flachland-Mähwiesen/Berg-Mähwiesen, Heideflächen und Kalk-Magerrasen angelegt werden, ausgenommen auf Intensivgrünland;
(4) Unberührt bleibt auch die sonstiget bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gebäude und Hütten, Gewässert Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Dies gilt auch für die Nutzung des Flugplatzes "Nortel" in der genehmigten Form.
Schutz- und Pflegemaßnahmen werden unter besonderer Berücksichtigung der sich aus den Anforderungen der FFH-Richtlinie ergebenden Erhaltungs- und Entwicklungszielen in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde- im Wald im Einvernehmen mit dem Staatlichen Forstamt -festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.
(2) Ordnungswidrig im Sfnne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet entgegen § 4 und § 5 Abs. 3 dieser Verordnung die Jagd ausübt.
(2) Gleichzeitig treten mit dem In-Kraft- Treten dieser Verordnung die Verordnungen des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 7. November 1967 über das Naturschutzgebiet "Heide auf dem Oberen Leimberg" und vom 25. Juli 1972 über das Naturschutzgebiet "Dachswiesle" außer Kraft.
(3) Ferner treten gleichzeitig mit dem In-Kraft-Treten dieser Verordnung die Verordnungen des Landratsamts Göppingen vom 8. Februar 1984 über das Landschaftsschutzgebiet "Oberes Filstal -Gemeinde Gruibingen", mit Änderung vom 16. Dezember 1998, und vom 28. Juni 1983 mit Änderungen vom 2. Februar 1984 und vom 20. Juli 1998 über das Landschaftsschutzgebiet „Oberes Filstal -Gemeinde Mühlhausen im Täle“, soweit sie im Geltungsbereich dieser Naturschutzgebietsverordnung liegen, außer Kraft.
Stuttgart, den 15. Juli 2004

References: § 2
 § 4
 § 4
 § 4
 § 40
 § 4
 § 5