Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20175,%20207
Timestamp: 2020-02-27 14:38:15+00:00

Document:
BGH, 06.02.2008 - XII ZR 45/06 - dejure.org
https://dejure.org/2008,193
BGH, 06.02.2008 - XII ZR 45/06 (https://dejure.org/2008,193)
BGH, Entscheidung vom 06.02.2008 - XII ZR 45/06 (https://dejure.org/2008,193)
BGH, Entscheidung vom 06. Februar 2008 - XII ZR 45/06 (https://dejure.org/2008,193)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2008,193) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
BGB §§ 1375, 1378 Abs. 1
Berücksichtigung des Vermögenswertes einer freiberuflichen Praxis i.R. eines Zugewinnausgleichs; Ermittlung des "good will" im Zugewinnausgleichsverfahren bei Berücksichtigung von Vermögenswerten aus einer freiberuflichen Praxis; Zulässigkeit der Außerachtlassung des ...
§ 1375 BGB, § 1378 BGB
Wert der freiberuflichen Praxis im Zugewinnausgleich
BGB § 1375 § 1378 Abs. 1
Familienrecht - Zugewinnausgleich: Berücksichtigung einer freiberuflichen Praxis
Notare Bayern , S. 48 (Leitsatz und Auszüge und Entscheidungsanmerkung)
§§ 1375, 1378 Abs. 1 BGB
Ermittlung des good will einer freiberuflichen Praxis
Familienrecht - Zugewinnausgleich und Freiberufler
Zugewinnausgleich bei Freiberufler
Berücksichtigung einer freiberuflichen Praxis im Zugewinnausgleich
Ermittlung des ideellen Praxiswerts beim Zugewinnausgleich
Familienrecht - BGH korrigiert OLG Oldenburg: Goodwill der Praxis bleibt im Zugewinnausgleich
Zugewinnausgleich - Freiberufliche Praxis: Doppelverwertungsverbot
Verhältnis zwischen Zugewinnausgleich und Unterhalt bei Selbstständigen
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 06.02.2008, Az.: XII ZR 45/06 (Konkurrenz von Zugewinnausgleich und Ehegattenunterhalt bei der Bewertung einer freiberuflichen Praxis)" von VorsRiOLG a.D. Dr. Rainer Hoppenz, original erschienen in: FamRZ 2008, 765 - 767.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 06.02.2008, Az.: XII ZR 45/06 (Zugewinnausgleich: Praxiswert ist zu berücksichtigen)" von Dipl.-Kfm./ Wirt.-Ing. Wolfgang Wehmeier, original erschienen in: Stbg 2008, 176 - 177.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 06.02.2008, Az.: XII ZR 45/06 (Verbot der Doppelberücksichtigung bei Bewertung freiberuflicher Praxis)" von RA Dr. Walter Kogel, FA FamR, original erschienen in: FamRB 2008, 134 - 135.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 06.02.2008, Az.: XII ZR 45/06 (Doppelverwertungsverbot bei freiberuflicher Praxis)" von RiAG Dr. Wolfram Viefhues, original erschienen in: ZFE 2008, 271 - 272.
Kurznachricht zu "Anmerkungen, insb. auch aus Sicht des Unternehmensbewerters, zu BGH vom 6.2.2008 - XII ZR 45/06" von RA Bernd Kuckenburg, FA FamR und SteuerR, original erschienen in: FuR 2008, 270 - 272.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 06.02.2008, Az.: XII ZR 45/06 (Praxiswert im Zugewinnausgleich und Ehegattenunterhalt)" von RA/Dipl-Kfm. Udo H. Cramer, original erschienen in: MedR 2008, 365.
Zusammenfassung von "Unternehmensbewertung im Zugewinnausgleich und Doppelverwertungsverbot" von Notar Dr. Christof Münch, original erschienen in: NJW 2008, 1201 - 1202.
Kurznachricht zu "Unternehmen im Zugewinnausgleich" von Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb, original erschienen in: FuR 2008, 209 - 216.
Zusammenfassung von "Unternehmensbewertung im Zugewinnausgleich" von Prof. Dr. Michael Olbrich und RA Dr. Carola Olbrich, original erschienen in: DB 2008, 1483 - 1485.
Kurznachricht zu "Praxisbewertung: Praxiswert durch Klonen verdoppelt!?" von Dipl.-Kfm./Dipl.-Ing. Wolfgang Wehmeier, original erschienen in: Stbg 2012, 26 - 35.
AnwBl Online 2008, 60
Dabei ist auf den objektiven (Verkehrs-) Wert des jeweiligen Vermögensgegenstandes abzustellen (Senatsurteile BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 18; vom 25. November 1998 - XII ZR 84/97 - FamRZ 1999, 361, 362 und vom 24. Oktober 1990 - XII ZR 101/89 - FamRZ 1991, 43, 44; BGHZ 75, 195, 199 = FamRZ 1980, 37, 38).
Mit dem Goodwill bezahlt der Käufer einer freiberuflichen Praxis die Chance, die Mandanten des bisherigen Praxisinhabers oder Teilhabers zu übernehmen und auf dem vorhandenen Bestand und der gegebenen Konkurrenzsituation aufbauen zu können (Senatsurteile BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 20 und vom 25. November 1998 - XII ZR 84/97 - FamRZ 1999, 361, 362).
Vielmehr ist auch insoweit nur der am Stichtag nachhaltig vorhandene Wert der Praxis oder des Praxisanteils zu erfassen, der sich in der bis dahin aufgebauten und zum maßgeblichen Zeitpunkt vorhandenen Nutzungsmöglichkeit niederschlägt (Senatsurteile BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 21; vom 25. November 1998 - XII ZR 84/97 - FamRZ 1999, 361, 363; Hoppenz FamRZ 2006, 1242, 1244; Borth FamRB 2002, 371, 374).
aa) Im Hinblick darauf bestehen keine rechtlichen Bedenken, wenn sich der sachverständig beratene Tatrichter bei der Bemessung des Goodwills einer inhabergeführten Praxis im Wege einer modifizierten Ertragswertmethode an den durchschnittlichen Erträgen orientiert und davon einen Unternehmerlohn absetzt (vgl. Senatsurteile BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 19; vom 25. November 1998 - XII ZR 84/97 - FamRZ 1999, 361, 362 und vom 24. Oktober 1990 - XII ZR 101/89 - FamRZ 1991, 43, 44;… Büte Zugewinnausgleich bei Ehescheidung 3. Aufl. Rn. 75;… Haußleiter/Schulz Vermögensauseinandersetzung bei Trennung und Scheidung 5. Aufl. Kap. 1 Rn. 189, 222 ff.;… vgl. auch die Richtlinien zur Bewertung von Arztpraxen unter Ziff. D und die Hinweise für die Ermittlung des Wertes einer Steuerberaterpraxis unter Ziff. III 1 jeweils abgedruckt in Schröder Bewertung im Zugewinnausgleich 4. Aufl. Rn. 175 f. und Büte Zugewinnausgleich bei Ehescheidung 3. Aufl. Anhang 2 und 4).
Nur auf diese Weise kann der auf den derzeitigen Praxis(mit)inhaber bezogene Wert ausgeschieden werden, der auf dessen persönlichem Einsatz beruht und nicht auf einen Übernehmer übertragbar ist (Senatsurteile BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 23 und vom 25. November 1998 - XII ZR 84/97 - FamRZ 1999, 361, 364;… Johannsen/Henrich/Jaeger aaO § 1376 BGB Rn. 23).
Insoweit handelt es sich um unvermeidbare Veräußerungskosten (Senatsurteile BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 32; vom 24. Oktober 1990 - XII ZR 101/89 - FamRZ 1991, 43, 48 und vom 27. September 1989 - IVb ZR 75/88 - FamRZ 1989, 1276, 1279;… Johannsen/Henrich/Jaeger aaO § 1376 BGB Rn. 23;… Büte aaO Rn. 194; Kogel FamRZ 2004, 1337; aA Hoppenz FamRZ 2006, 449, 450; vgl. auch Tiedtke FamRZ 1990, 1188 ff. und Gernhuber NJW 1991, 2238, 2242 f.).
Zu einer Konkurrenz zwischen Zugewinnausgleich und Unterhalt kann es somit lediglich dann kommen, wenn zum Unterhalt auch der Vermögensstamm herangezogen wird (Senatsurteil BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 17; Hoppenz FamRZ 2006, 1242, 1243 und FamRZ 2008, 765, 766; Münch NJW 2008, 1201 f.).
Auf diese Weise kann der Schuldner in die Lage versetzt werden, den Zugewinnausgleich ratenweise aus seinem künftigen laufenden Einkommen zu leisten (Senatsurteile BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 31 und vom 25. November 1998 - XII ZR 84/97 - FamRZ 1999, 361, 363).
Die sachverhaltsspezifische Auswahl aus der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Methoden (…vgl. die Zusammenstellungen von Schröder Bewertungen im Zugewinnausgleich 4. Aufl. Rn. 67 ff. und Haußleiter/Schulz Vermögensauseinandersetzung bei Trennung und Scheidung 5. Aufl. Rn. 116 ff.) und deren Anwendung ist Aufgabe des - sachverständig beratenen - Tatrichters (vgl. etwa Senatsurteil BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 18 mwN).
Der Senat hat es für die Bewertung der Praxis eines Freiberuflers für sachgerecht erachtet, wenn eine Bewertungsmethode herangezogen worden ist, die von einer zuständigen Standesorganisation empfohlen und verbreitet angewendet wird (Senatsurteil BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 19 mwN).
Dazu gehört der auf die persönliche Leistung des Inhabers entfallende Teil des Ertragswerts nicht (vgl. BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 18).
Die Nutzungsmöglichkeit bestimmt aber auch den Vermögenswert, vorausgesetzt, Praxen der entsprechenden Art werden in nennenswertem Umfang veräußert (Senatsurteil BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 20; BGH Urteil vom 13. Oktober 1976 - IV ZR 104/74 - FamRZ 1977, 38, 40).
Soweit die Rechtsbeschwerdeerwiderung auf einen vermeintlichen Widerspruch zum Senatsurteil vom 6. Februar 2008 (BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 23) verweist, verkennt sie, dass es dort um die Bestimmung des good will im Rahmen der modifizierten Ertragswertmethode ging.
Daher erscheint es auch zweifelhaft, ob es überhaupt einen nennenswerten Markt für den Verkauf von Geschäftsanteilen an solchen Gesellschaften geben würde, was freilich eine notwendige Voraussetzung dafür ist, die fortbestehende Nutzungsmöglichkeit des Inhabers an seinem Unternehmen als Vermögenswert in den Zugewinnausgleich einbeziehen zu können (vgl. Senatsurteil BGHZ 175, 207 = FamRZ 2008, 761 Rn. 20 und BGH Urteil vom 13. Oktober 1976 - IV ZR 104/74 - FamRZ 1977, 38, 40).
Der vom Bundesgerichtshof in mittlerweile ständiger Rechtsprechung aufgestellte Grundsatz, dass ein güterrechtlicher Ausgleich nicht stattzufinden hat, soweit eine Vermögensposition bereits auf andere Weise, sei es unterhaltsrechtlich oder im Wege des Versorgungsausgleiches ausgeglichen wird (vgl. etwa BGH, FamRZ 2008, 761 = NJW 2008, 1221 m.w.N.), wird dadurch nicht berührt.Zum Zugewinnausgleich gehören die dem Ehegatten zum maßgeblichen Stichtag zustehenden rechtlich geschützten Positionen von wirtschaftlichem Wert, also grundsätzlich alle bereits entstandenen objektiv bewertbaren Rechte (st. Rspr.).
Die Erwartung künftigen Einkommens, die der individuellen Arbeitskraft des Inhabers zuzurechnen ist, kann im Zugewinnverfahren aber nicht maßgebend sein, weil es beim Zugewinnausgleich nur auf das am Stichtag vorhandene Vermögen ankommt (so BGH, FamRZ 1991, 43; NJW 2008, 1221).
Der Bundesgerichtshof billigt den Abzug einer latenten Steuerlast, sofern ein Unternehmen nach dem Substanzwertverfahren bewertet wurde (vgl. etwa BGH, FamRZ 2008, 761; 1999, 361; 1991, 43).
Die Tatsache, dass die Kreditrate für die Bank S. bereits bei der Berechnung des Trennungsunterhaltsanspruchs berücksichtigt wurde, ändert hieran nichts, weil das Zugewinnausgleichsverfahren als streng formalisiertes auf Stichtage bezogenes Ausgleichsverfahren ausgestaltet ist (BGH, FamRZ 2008, 761 ff.; OLG Koblenz, 2. Senat für Familiensachen, NJW 2007, 2646).
Wird dieser "subjektive Mehrwert" in die Bewertung einbezogen, wird der Sache nach künftiges Einkommen des Inhabers vorweg im Wege des Zugewinnausgleichs verteilt, obwohl insoweit nur das am Stichtag vorhandene Vermögen auszugleichen ist (BGH, FamRZ 2008, 761 ff., juris Tz. 18, 23).
Sie sachverhaltsspezifisch auszuwählen und anzuwenden, ist Sache des - sachverständig beratenen - Tatrichters (BGH FamRZ 2008, 761 (762); FamRZ 1991, 43).
Deshalb muss, um den good will zugewinnrechtlich zutreffend zu ermitteln, vom zunächst festgestellten Ausgangswert der Unternehmerlohn abgezogen werden (BGH FamRZ 2008, 761 (762 f.).
Es entspricht ständiger Rechtsprechung (BGH FamRZ 1991, 43 (48); 2008, 761 (764), dass insoweit eine latente (fiktive) Steuerlast wertmindernd zu berücksichtigen ist, und zwar unabhängig davon, ob eine Veräußerung tatsächlich beabsichtigt ist, weil dies eine Konsequenz der Bewertungsmethode ist.
Denn der im Verhältnis 70/30 zu Gunsten der Erblasserin durchgeführte Vermögensausgleich verschaffte ihr nicht nur - wie etwa im Falle eines Nießbrauchs - den Nutzungsvorteil, sondern zugleich den Vermögenswert selbst, was eher dem güterrechtlichen Ausgleich zuzuordnen ist (vgl. BGHZ 175, 207, 212 = FamRZ 2008, 761, 762).
Der Antragsteller hält seit der Veröffentlichung des Urteils des Bundesgerichtshofs vom 6.2.2008 - XII ZR 45/06 - an seiner erstinstanzlich vertretenen Ansicht, der Praxiswert sei für die Ermittlung des güterrechtlichen Ausgleichsanspruchs bedeutungslos, zwar nicht mehr fest.
OLG Brandenburg, 24.06.2008 - 10 WF 119/08
OLG Brandenburg, 05.05.2008 - 10 UF 239/07

References: § 1375
 § 1378
 § 1375
 § 1378
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 1376
 § 1376
 BGH 
 BGH