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Timestamp: 2020-04-09 19:22:16+00:00

Document:
Richental-Chronik: Einleitung G-Version
Ulrich Richental: Die Chronik des Konzils von Konstanz
Kapitelkonkordanz
Kapitelsukzession
1Die 223 Blätter zählende St. Georgener Handschrift war früher im Besitz des Benediktinerklosters St. Georgen bei Villingen im Schwarzwald und liegt heute in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (Cod. St. Georgen 63)1. Die Handschrift ist, wie sogleich aus dem Texteingang hervorgeht, nur fragmentarisch erhalten, die Bilderfolge stark dezimiert, die Blattfolge teilweise gestört. Der Text-, aber auch der Bild- und Wappenteil des Codex kann indes über den von Anton Sorg zu Augsburg im Jahr 1483 besorgten2, 247 Blätter umfassenden Erstdruck der Chronik näherungsweise rekonstruiert werden3.
2Die hier vorliegende G-Version der Richental-Chronik, die nachweislich der Schreibstube Gebhard Dachers (ca. 1425–1471) entstammt, ist mithin überall dort, wo Text oder Bildmaterial in G fehlt oder ausgefallen ist, nach D1 ergänzt bzw. komplettiert worden. Es handelt sich mithin um einen teilweise zusammengesetzten Text. Der Textanfang orientiert sich an der Druckausgabe der Chronik, die im Besitz des Nürnberger Humanisten Hartmann Schedel (1440–1514) war und heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München verwahrt wird (Rar. 335).
3Die St. Georgener Handschrift wurde von dem Karlsruher Bibliothekar Alfred Holder erst Ende des 19. Jahrhunderts in der Großherzoglich Badischen Hof- und Landesbibliothek „entdeckt“4. Sie war 1803 im Zuge der Säkularisation der Kirchen- und Klostergüter nach Karlsruhe gekommen, aber erst sehr viel später bibliographisch erfasst und ausgewertet worden. Bis dahin spielte der für die Konstitution der dritten Textfassung wichtige Codex in der Richental-Forschung eigentlich keine Rolle.
4Michael Richard Buck hatte den Textzeugen für seine Edition 1882 noch nicht berücksichtigt, die Handschrift allerdings 1887 in der „Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins“ in einem Editionsnachtrag angezeigt und erstmals – zusammen mit der heute ebenfalls in Karlsruhe liegenden Ettenheimer Handschrift – eingehend besprochen5. Zuvor hatte er den wiederentdeckten Codex mit den bereits 1882 editorisch erfassten Handschriften (damals noch) aus Aulendorf (heute New York) und Konstanz (heute Rosgartenmuseum) verglichen bzw. kollationiert6.
5Seiner Kollation zufolge ist der Codex jedoch nur „ein eigens zugerichteter Auszug aus K[onstanz]“7. In dieser Allgemeinheit ist das Urteil jedoch ebenso wenig haltbar wie das ebenfalls hier geäußerte Urteil, „dass E[ttenheim] eine wörtliche Abschrift von K[onstanz]“ sei8. Denn es hat allenfalls für Teile der St. Georgener Handschrift Gültigkeit. Darauf hatte bereits der Kunsthistoriker Rudolf Kautzsch 1894 hingewiesen, wenn er betont, G sei ein Auszug aus einer Handschrift, „die wesentlich mehr bot“ als der Konstanzer Richental-Codex9.
6Kautzsch bezeichnete Michael Richard Bucks Analyse denn auch zu Recht als „nicht ganz genau“10. Kautzsch hat vor allem den Zusammenhang mit dem Erstdruck herausgestellt, der, was den Text anbelangt, der St. Georgener Chronikversion im Wesentlichen folgt11. Leo Baer hat dieses Urteil auch im Hinblick auf die Formschnitte und Miniaturen, die der Erstdruck enthält, bestätigt12.
7Lilli Fischel betrachtete den St. Georgener Textzeugen als „führendes Werk“ der zweiten Handschriftengruppe13, was indes insofern fraglich ist, als G bzw. D1 nicht nur, was die fragmentarische Recapitulatio des Schlussteiles foll. 263v– 264v (in D1 foll. 241r–242r) mit Ich-Erzähler anbelangt, durchaus auch mit einer A-Version gearbeitet haben müssen, also eine Mischversion darstellen, die nicht einfach der subjektiven oder objektiven Chronikversion zugerechnet werden kann, sondern eine eigene, allerdings redigierte Chronikfassung repräsentieren.
8Auch für die Hus- und Hieronymus-Geschichte ist in cc. 152 und 156,1 in der siebten Texteinheit ein Ich-Erzähler belegt, der in der K-Version eigentlich tabu sein müsste. Der Ich-Erzähler der A-Version findet sich auch in D1 in cc. 154, 267,1 und 279, so dass er hier ursprünglich auch für das vollständige G angenommen werden darf. Außerdem führt sich G, so die Unterschrift am Ende der Handschrift fol. Cr, klar auf den Konstanzer Chronisten Gebhard Dacher zurück.
9Die Handschrift, die 1894 von Theodor Längin noch einmal ausführlich im Karlsruher Handschriftenkatalog codicologisch beschrieben und analysiert wurde14, ist mithin nachweislich im Besitz des Konstanzer Chronisten gewesen und von ihm bearbeitet, rubriziert, foliiert und redigiert worden, so dass der ganz originäre Textaufbau sowie die exzeptionelle Handschriftengestaltung mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Dacher, der in Konstanz eine nicht mehr näher rekonstruierbare „Schreibstube“ unterhielt und seit 1461 als Hausherr im Kaufhaus tätig ist, zurückgehen15. Die Autopsie der Handschrift lässt ferner den Schluss zu, dass Dacher selbst Namen bzw. Teilnehmer in die Handschrift nachgetragen hat.
10Das Dachersche Familienwappen16, wie es sich fol. 4v* in der Prager Handschrift (Cod. XVI A 17), fol. 1r in der Stuttgarter Handschrift (HB V Hist. 22) und fol.11r auch in D1 (zusammen mit dem Konstanzer Stadtwappen) findet, ist wohl aufgrund des fragmentarischen Beginns – das erste Blatt im St. Georgener Codex fehlt – ebenso ausgefallen wie der Psalmvorspruch und das Stadtwappen von Konstanz.
11Die G-Version setzt heute fol. 2ra mitten im Text ein. Die ersten Worte von c. 3,2 nach der K-Version lauten: dick ze red gesetzt wurden. Sie beziehen sich auf die Kurfürsten. Im Erstdruck finden sich diese Worte fol. 12va Z. 16f. Die St. Georgener Chronik setzt mit der Vorgeschichte des Konzils und der Rolle der Kurfürsten beim Zustandekommen des Konzils ein. Im Frühdruck gehen zwei Texteinheiten voraus, die sich mit dem Einzug von Konzilsteilnehmern (cc. 35, 40–45,3, 52–55,3, 68,1–86,2) und der großen Konstanzer Fronleichnamsprozession (c. 142) beschäftigen17.
12Es ist jedoch nicht ganz klar, ob wir die beiden Textelemente auch für die ehemals vollständige St. Georgener Handschrift annehmen dürfen18. Aus einem Rückverweis fol. 36ra geht indes hervor, dass die St. Georgener Handschrift wohl zumindest über die erste Texteinheit verfügt haben muss19, ob auch über die zweite, ist anzunehmen, aber heute nicht mehr stringent aus der erhaltenen Handschrift zu beweisen.
13Der Textzusammenhang von G und D1, den bereits Kautzsch betonte20, ist jedoch so offensichtlich, dass er zur Textkonstitution herangezogen werden darf. Zu dieser Rekonstruktion können teilweise – neben D1 – aber auch E (ab fol. 106r), St1 (ab fol. 129vb) und Z2 (foll. 66v–67r) herangezogen werden, die an manchen Stellen über Text verfügen, wo er in G heute fehlt oder ausgefallen ist.
14Festzuhalten bleibt, dass die St. Georgener Handschrift und der ihr textlich folgende Erstdruck von 1483 keine erzählerisch in sich geschlossene Chronik bieten, wie sie etwa in der A- und K-Version und deren Deszendenten vorliegt. Der Text ist in beiden Textzeugen wohl im Blick auf eine veränderte Leserschaft völlig neu geordnet, organisiert und sortiert worden21. Das ist bereits 1847 dem Konstanzer Privatgelehrten und Gymnasialprofessor Josua (Joseph) Eiselein (1791–1856) aufgefallen, der sich selbst mit dem (allerdings nicht ausgeführten) Plan trug, die Chronik zu edieren.
15Er schreibt in einer Verlagsankündigung des Editionsprojekts aus dem Jahr 1847, die dem Stuttgarter Cod. Don. 613 in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart lose beigefügt ist, dass der erste „Herausgeber“ der Chronik – er meint damit den Augsburger Drucker Anton Sorg – 1483 „die Abfolge der Materien nach Belieben verändert“ habe22. Richtig an dieser Feststellung ist, dass G nachweislich eine redaktionelle Bearbeitung erfuhr, die aber nicht erst auf Sorg, sondern bereits auf Dacher zurückgeht, der, wie es in der Prager Handschrift (Cod. XVI A 17) im Vorspann heißt, die Chronik einer „Erneuerung“ unterzog.
16Der Terminus „Auszug“, der oben für G reklamiert wurde, zeigt also nicht nur an, dass in G Text- und Bildverluste zu verzeichnen sind, sondern auch, dass G nur ausgewählte Exzerpte aus einer bereits bekannten Vollchronik bietet. Es ist insofern auch nicht ganz richtig, wenn Kautzsch behauptete, G sei ein Auszug aus einer Handschrift, „die wesentlich mehr bot“ als der Konstanzer Textzeuge23.
17Tatsache ist vielmehr, dass die G-Version einerseits mehr, andererseits aber auch weniger als K bietet. Nur hier findet sich etwa foll. 77v–79v der Auszug Papst Martins V. aus Konstanz im Bild dargestellt24. Als bearbeitete Mischversion nimmt G eine eigenständige Stellung zwischen den Versionen A und K ein. Das geht am besten daraus hervor, dass G aufgrund seiner exzeptionellen Formalstruktur beispielsweise das c. 118 zwei Mal bringt, einmal fol. 27r in der dritten und einmal fol. 75r am Anfang der vierten Texteinheit. Das gilt für viele weitere Textpartien, die sich aufgrund der neu konzipierten Textgliederung nicht nur wiederholen, sondern teilweise auch nach unterschiedlichen Vorlagen erzählt werden25.
18Man darf insofern davon ausgehen, dass es – angesichts einer wohl durch den Frühdruck grundsätzlich veränderten Rezeptionssituation – weder in der Absicht von G noch von D1 lag, die Chronik in ihrer Vollform zu geben. Text- und Bildcorpus sind nachweislich reduziert, der Textbestand ferner in sieben größere selbstständige Texteinheiten untergliedert worden, wobei G im Vergleich zu D1 heute fragmentarisch mitten in der dritten Texteinheit einsetzt und ebenfalls fragmentarisch in der Recapitulatio, dem Gesamtverzeichnis der Konzilsteilnehmer, endet.
19Die ersten beiden Texteinheiten berichten in D1 vom Einzug der Konzilsteilnehmer und von der großen Fronleichnamsprozession. Sie fehlen heute in G, sind ursprünglich aber wohl – das gilt zumindest für die erste Texteinheit – in der Handschrift vorhanden gewesen. Daraus folgt, dass man die G-Version, da es keine durchgängige Geschichtserzählung gibt, nicht in derselben Weise „lesen“ und „rezipieren“ kann, wie dies für die A- und K-Version gilt. Insofern ist der Vergleich der Versionen, da man es mit einem von Grund auf veränderten und redigierten Text zu tun hat, hier schwerer als etwa zwischen A und K durchzuführen. Das gilt, wie aus der Kapitelkonkordanz und der Kapitelsukzession hervorgeht, vor allem für den systematischen Kapitelabgleich26.
20Im Folgenden gebe ich daher zum besseren Verständnis die Formalgliederung der G-Version, wie sie sich aus dem Textaufbau von G und D1 ergibt, wobei zu bedenken ist, dass G aufgrund des fragmentarischen Beginns fol. 2ra erst in der dritten Texteinheit einsetzt:
1. Texteinheit: Einzug der Konzilsteilnehmer, D1, foll. 2ra–10rb (cc. 34,3, 35, 40–45,3, 52–55,3, 68,1–86,2).
2. Texteinheit: Große Konstanzer Fronleichnamsprozession, D1, fol. 10ra–vb (c. 142).
3. Texteinheit: Chronik im engeren Sinne (G, foll. 2ra–74rb, D1, foll. 11va–82va). Psalmvorspruch, Konstanzer Stadtwappen mit Hinweisen auf Gebhard Dacher und seine Frau Ursula Ächtpigin (Wappen), wie sie für D1 fol. 11r belegt sind, sind in G ausgefallen (cc. 1,1–318).
4. Texteinheit: Flucht Papst Johannesʼ XXIII. (G, foll. 75ra–81va, D1, foll. 82va–88vb) (cc. 118–137).
5. Texteinheit: Kanonisation der Hl. Birgitta (G, foll. Ar–v, urspr. fol. 83r–v, D1, fol. 89ra–89vb) (cc. 97–99,2).
6. Texteinheit: Beginn des systematischen bzw. statistischen Chronikteils (G, foll. 85r–264v, D1, foll. 90r–242r) (cc. 327–520).
7. Texteinheit: Geschichte von Jan Hus und Hieronymus von Prag (G, foll. 267ra–268vb, Bra–Cra27, D1, foll. 242v–247r) (cc. 147,2–156,2).
22Aus der Aufstellung geht hervor, dass wir es bei der G-Version mit einem gegenüber der A- und K-Version grundsätzlich veränderten Text- und Chronikaufbau zu tun haben. Die narrativ geschlossene Gesamtchronik, wie sie uns etwa in den Handschriften A, Pr, K, W, Wo und St2 begegnet und die aus einem chronologischen bildlich-narrativen und einem systematischen, mit Namen und Wappen versehenen Textteil besteht, wird in einzelne, selbstständig rezipierbare Texteinheiten aufgelöst, die thematisch neu angeordnet werden.
23Das gewählte Auswahl- bzw. Selektionsverfahren, das eventuell einer mit dem frühen Buchdruck entstandenen „neuen Lesewelt“ Rechnung trug, zeigt, wie pragmatisch im 15. Jahrhundert mit vorgegebenen Textvorlagen umgegangen und gearbeitet wurde. Der Text und seine Redaktion leben hier ganz wesentlich aus der Funktion, die sie in jenem sozialen und kulturellen Kontext haben, in den ihn die Schreiber und Redaktoren jeweils stellten.
24Die neuen Publikationsmöglichkeiten, die sich im Laufe des 15. Jahrhunderts mehr und mehr durchsetzten, konnten nicht nur die Situation und Performanz eines Textes, sondern auch seine Geltung und seinen Wert verändern. Der Fall des Augsburger Erstdruckes der Richental-Chronik im Jahr 1483 ist im Rahmen der Chroniküberlieferung und Chronikrezeption deshalb aufschlussreich, weil er den Medienwandel vom handgeschriebenen zum gedruckten Buch bezeichnet28.
25In diesem Zusammenhang stellt sich selbstverständlich auch die Frage, ob die neue Textqualität, die die Chronik in der G-Version erreicht, gezielt für den Druck und dessen veränderte Leserschaft hergestellt wurde. Wilhelm Berger hat 1871 immerhin vermutet, dass Dacher mit der vorbereitenden Drucklegung der Chronik auf irgendeine Weise befasst war29, die Textveränderung also eventuell in Verbindung mit dem Druck steht.
26Wie ordnen sich nun – neben G und D1 – die anderen erhaltenen Textzeugen in den skizzierten Überlieferungszusammenhang der dritten Chronikversion ein? Die zweite Karlsruher Handschrift, die ursprünglich dem Benediktinerstift Ettenheim-Münster entstammt, folgt, wie bereits bei der Besprechung der K-Version betont wurde, bis fol. 70r (c. 212) nahezu eindeutig K bzw. W. Danach wechselt E mehrfach die Vorlage, folgt einmal K bzw. W, aber auch A bzw. Pr, bis schließlich mit fol. 106r (c. 286) ein letzter Hand- und Vorlagenwechsel erfolgt30, und zwar zur St. Georgener Chronik-Version, so dass die Varianten des Ettenheimer Textzeugen ab fol. 106r auch in den kritischen Apparat der G-Version eingearbeitet worden sind.
27Die 243 Blätter zählende, früher im Besitz des Benediktinerklosters Weingarten in Oberschwaben befindliche Stuttgarter Handschrift (HB V Hist. 22) ist, worauf bereits bei der Vorstellung der A-Version hingewiesen wurde und was sogleich aus dem Dacherschen Familienwappen und dem Namenseintrag fol. 1r hervorgeht, wie die St. Georgener, Prager Handschrift (Cod. XVI A 17) und Wolfenbütteler Handschrift Dacherscher Provenienz31.
28Der Stuttgarter Codex vereinigt, wie aus dem Vorsatzblatt fol. Ir und dem vorangestellten alphabetischen Index (foll. 2r–9v) ersichtlich ist, drei bekannte Chroniken (Jakob Twinger von Königshofen, Ulrich Richental, Konstanzer Chronik Gebhard Dachers) in einem historiographisch ausgerichteten Sammelband.
29Der Textzeuge ist zudem mit der 258 Blätter zählenden Handschrift der St. Galler Stiftsbibliothek Cod. germ. 646 eng verwandt, die neben der Konzilschronik auch eine Stadt- bzw. Weltchronik Dachers enthält32. Auch hier findet sich fol. 1r am oberen Blattrand unter der rubrizierten Jahreszahl (anno CCCviiij jar) der lateinisch nachgetragene Hinweis, dass Gebhard Dacher der Verfasser dieser Konstanzer Chronik sei. Gemäß Kolophon samt Datierung fol. 223v wurde der Codex 1472 von Dacher dem Konstanzer Stadtschreiber Konrad Albrecht übereignet.
30Die dem St. Galler Codex nahe stehende Stuttgarter Sammelhandschrift setzt fol. 2r jedoch nicht mit der Konzilschronik, sondern mit einem Auszug aus dem Geschichtswerk des Jakob Twinger von Königshofen (1346–1420) ein. Erst nach dem zweiten Kapitel der Twingerschen Chronik wird in der Stuttgarter Handschrift foll. 115vb (Wahl König Sigmunds) bzw. 116rb (Wahl Johannesʼ XXIII.) eine gekürzte bzw. redigierte Fassung der Richental-Chronik eingeschoben, die – mit verschiedenen Nachträgen von anderer Hand (u.a. zu Jan Hus und Hieronymus von Prag) – bis fol. 142rb reicht33.
31Das Exzerpt setzt fol. 117ra mit c. 3,1 ein. Der chronologische Chronikteil reicht bis fol. 126rb. Daran anschließend folgt der systematische Chronikteil (Dis sind ir namen), der fol. 129vb endet. Wir sehen uns in jedem Fall einer Redaktionsstufe der Chronik gegenüber. Dass St1 der New Yorker bzw. der Prager Handschrift (Cod. XVI A 17) folgt, geht beispielsweise aus dem Ich-Erzähler in c. 393 (fol. 128r) hervor. Das gilt jedenfalls für den narrativen Chronikteil, der stark gekürzt und redaktionell bearbeitet ist. Der Listenteil dagegen exzerpiert wohl in Teilen Pr. Auf fol. 129vb folgt dann – im Anschluss an den Sprachenkatalog – ein deutlicher Handwechsel34, der den Richental-Auszug in ausgewählten Teilen fortsetzt.
32Der Handwechsel führte offenbar auch zu einem Vorlagenwechsel. St1 folgt jetzt der St. Georgener Handschrift. Die Text- und Kapitelauszüge, die St1 nun bringt, sind von anderer Hand in vorhandene Textlücken (etwa foll. 129vb–130vb, 132rb–133vb, 134rb–134vb) nachgetragen. Es handelt sich u.a. um die Lebensmittel- und Gebrauchsgüterlisten (foll. 134rb–134vb), die Richental in seiner Chronik bietet, sowie um die Hus-Geschichte (foll. 135va–136vb, 137va–138vb, 139rb–140vb).
33Nach der Erzählung von Hus und Hieronymus bringt St1 dann noch einmal Teile der Lebensmittel- und Preislisten (fol. 141ra–141va), um sodann mit der in G ebenfalls separierten Fronleichnamsprozession (c. 142) fol. 141va–142rb das Richental-Exzerpt zu beschließen. Die bildliche Darstellung König Albrechts II. (1438/39) (umgeben von sieben Wappen seiner Länder), die in St1 fol. 142v noch folgt, dürfte kaum zur Konzilschronik gehören, zumal St1 ansonsten über keine Illustrationen oder Wappen verfügt35.
34Die heute in der Stiftsbibliothek St. Gallen verwahrte Handschrift Cod. germ. 65736 ist mit den Codices aus Innsbruck (Sammlung Di Pauli 873)37 und Zürich (Ms. A 172 und Ms. A 80) näher verwandt. Die vier Sammelhandschriften bilden eine eigene Textgruppe38. I und Z1 stellen wie Sg den systematischen dem chronologisch-narrativen Chronikteil voran und bieten eine gekürzte Redaktion der Chronik, deren Referenzpunkt der Text der G-Version ist. Z2, das stark beschädigt ist, beginnt den Richental-Auszug fol. 35r allerdings – nach zwei Leerblättern (foll. 33–34) – fragmentarisch mit c. 106/10739, so dass nicht recht klar ist, ob der voranstehende systematische Chronikteil, wie er sich in Sg, I und Z1 findet, verloren ging oder nie existiert hat. Der Zusammenhang von G und Z2 lässt jedoch eher Letzteres vermuten.
35Die zweite Zürcher Handschrift (Ms. A 80)40, von der in der Zentralbibliothek eine teilweise, allerdings nicht die Konzilschronik berücksichtigende Abschrift aus dem frühen 19. Jahrhundert existiert (Ms. U 12)41, stellt sich jedenfalls sehr viel näher zu G, als dies für Sg, I und Z1 der Fall ist. Das geht schon aus den Wappen der Papstwähler hervor, die Z2 fol. 57r–v in Übereinstimmung mit G bzw. D1 – trotz der vielen Verluste – nicht vollständig, aber doch teilweise bewahrt hat42. Sg, I und Z1 dagegen verzichten auf jegliche Wappen und Illustrationen. Alle drei Codices schreiben in c. 265 sacristie bzw. sacrastie statt sigental, bald statt anstet und stuͦl statt sessel, in cc. 288/289 gibt es ferner in allen drei Handschriften eine die liturgische Kleidung im Rahmen der Griechenmesse betreffende Ergänzung, die sich nur hier findet. Einen in allen drei Codices vorfindlichen längeren Zusatz zum Auszug des Papstes findet sich auch in c. 308.
36Die drei genannten Textzeugen schließen sich mithin über bestimmte gemeinsame Varianten zusammen. I und Z1 sind noch zusätzlich durch ein singuläres lateinisch-deutsches Prooem zusammengeschlossen43, das sich in der erhaltenen Richental-Tradition anderweitig nicht findet, in den beiden Handschriften aber den systematischen Chronikteil eröffnet, der mit Papst Johannes XXIII. beginnt.
37Die 230 Seiten zählende, aus dem Besitz des Glarner Chronisten Aegidius Tschudi (1505–1572) stammende St. Galler Handschrift beschränkt sich inhaltlich auf die Teilnehmerlisten (pag. 132/133–181) sowie auf einen stark kompilatorischen Chronikauszug (pag. 182–228)44, der in vieler Hinsicht Z1 folgt. Auf pag. 132 steht gewissermaßen als Prooem voran: Hie nach ist von dem concilio, daz ze Costentz waz und wie menig person da waß, alß die hie nach geschriben und ain tail genempt sind.
38In dem St. Galler Codex sind jedoch nicht alle Zuordnungen im Teilnehmerbereich eindeutig. Manche Namen begegnen – wie etwa in Pr – mehrfach mit unterschiedlicher Schreibung. Darüber hinaus ist vieles durch die handschriftlichen Notizen, Datierungen, Streichungen, Korrekturen und Überschreibungen, die Tschudi vorgenommen hat, heute nur noch sehr schwer lesbar45. Das Ende des Listenteiles von Sg pag. 181 (mit Nationen- und Sprachenkatalog) ist jedenfalls mit dem von Z1 fol. 92r identisch. Auch sonst stimmen, wie aus dem kritischen Apparat hervorgeht, viele Varianten der beiden Handschriften überein.
39Die Innsbrucker Handschrift, die von dem Konstanzer Chronisten Claus Schulthaiß (foll. 78v, 108r und 117r) geschrieben wurde und wie die New Yorker Handschrift auf ca. 1460 zu datieren ist46, bietet foll. 1r–78v ähnlich wie Sg, Z1 und Z2 keine „Geschichte des Konstanzer Konzils“47, sondern nur eine gekürzte Redaktion der Konzilschronik, ist aber vollständiger als der St. Galler Textzeuge. Im zweiten Teil der Handschrift schließen sich – nach sechs Leerblättern – foll. 85r–117r eine Zürcher Chronik sowie fol. 118r ein (nachträglich wieder ausgestrichenes) Fragment der „Legenda aurea“ an.
40Der Richental-Auszug, der wie in Z1 fol. 64r–v mit einem lateinisch-deutschen Prooem (fol. 1r–v) beginnt, ist zweigeteilt. Er beginnt foll. 1v–43v mit dem systematischen Chronikteil, also mit den Teilnehmerlisten, wobei die Bischofs- und Äbteliste (foll. 2v–8v) eine Nähe zu A zeigt. Der Innsbrucker Textzeuge ist deshalb – zusammen mit Sg und Z1 – teilweise (cc. 365–368, 384–395 und 412) in den kritischen Apparat der A-Version hineinkollationiert worden. Sg, I und Z1 verfügen über viele gemeinsame Varianten, gehen mithin auf eine ähnliche Vorlage zurück.
41Der narrative Chronikteil der im Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck verwahrten Handschrift folgt foll. 44r–78v auf den systematischen Chronikteil. Er ist stark über Rubriken, Nota-Vermerke und Lombardinitialen gegliedert, die teilweise in roter Tinte gehalten sind. Die fehlende Blattzählung ist später von einer modernen Hand rechts oben mit Bleistift ergänzt worden.
42Die Innsbrucker Handschrift schließt fol. 78r nach c. 318 wie Z1 (foll. 115v–116r) mit vier angefügten Kapiteln, die in G und Z2 fehlen. In der unten stehenden Edition findet sich ein entsprechender Vermerk. Die überschießenden Kapitel sind in die vorliegende Edition nach Z1 und I aufgenommen worden. Aufschlussreich ist, dass im ersten der vier angefügten Kapitel sowohl in I als auch in Z1 die Stadt Konstanz mit einer die Stadt überhöhenden Tendenz als irdesch himelrich bezeichnet wird48. Es handelt sich hier wohl um eine Form des Städtelobs, die wir bereits aus dem Psalmvorspruch des Konstanzer Codex kennen.
43Auch die systematischen Chronikteile der beiden Codices stimmen im Allgemeinen, von kleineren Varianten abgesehen, fast vollständig überein. So schließt I fol. 43r–v wie Z1 fol. 92r den systematischen Chronikteil mit einem Sprachenkatalog und der Aufzählung der fünf Konzilsnationen ab, die sich pag. 181 auch in Sg finden. Darüber hinaus bringen nach c. 165 sowohl I als auch Z1 singulär ein aus den cc. 140 und 126,1 zusammengesetztes Kapitel, woraus man schließen darf, dass beide Handschriften bei ihrer Entstehung wohl auf eine gemeinsame oder doch ähnliche Textvorlage zurückgegriffen haben.
44Am Ende des Richental-Auszuges des Innsbrucker Textzeugen fol. 78v findet sich ein Kolophon mit Schreibernotiz: Es ist ze Constentz ist [!] ain guͦt gesell, der haist Clauss Schulthais, der hautt dis geschriben uss guͦttem muͦtt und ouch mitt gantzem fliss. Darunter schließt sich nach apprekativem Amen in roter Tinte folgende, für die zeitgenössische Überlieferungssituation wichtige Schluss-Sentenz an, die wohl ebenfalls von Schulthaiß stammt: Man vint och mer bücher darinn staͧt gemaͧlt und geschriben des concilium loff und sachen, wie es ze Costentz so loblich und wol mit hilf des almächtigen gottes geregiert ward etc.
45Der Innsbrucker Textzeuge bezieht sich fol. 78v mithin ausdrücklich auf mer bücher bzw. auf mehrere handschriftliche Vorlagen oder Codices, in denen der Verlauf des Konzils „gemalt und niedergeschrieben“ gewesen sei. Das kann aber nur heißen, dass im Konstanz der Nachkonzilszeit mehrere einschlägige Texte im Umlauf waren und dass sich der Innsbrucker Codex auf eine vollständige(re) illustrierte Konzilshandschrift bezieht, die A nahe gestanden haben könnte.
46Die Nähe zur A-Version zeigt sich nicht nur daran, dass die Listenteile teilweise konvergieren, sondern auch an der subjektiven Erzählform: Foll. 11r, 68v, 71r und 76r – bei Erwähnung der priester und curtisani (cc. 393 und 395), der Juden, die den neuen Papst um die Bestätigung ihrer Privilegien bitten (c. 267,1), des Abtes von Petershausen, den der Chronist als sein Herr bezeichnet (c. 304), sowie im Rahmen der Schilderung der griechischen Messe (cc. 288 und 289) – findet sich denn auch in I ein Ich-Erzähler, der eigentlich ein Spezifikum der A-Version ist.
47Dass die Vorlage, was den Text anbelangt, vollständiger gewesen sein muss, geht vor allem aus urkundenähnlichen Textinserten (beispielsweise der Konvokationsbulle, fol. 44r) hervor, die I nicht bringt, auf die die Handschrift aber foll. 44r, 47r, 48r und 50r aus dem Text heraus verweist, deren Kenntnis und Text also offenbar vorausgesetzt wird. Im Wortlaut wird nur die Unterwerfungsurkunde Herzog Friedrichs IV. von Österreich foll. 48v–49v gebracht. Auf lateinische Dokumente wird fol. 47r – ähnlich wie in A – vornan im Buch verwiesen49. Die Vorlage scheint also über solche Quellen – im Sinne einer Materialsammlung – verfügt zu haben.
48Die erste Zürcher Handschrift (Ms. A 172)50 schließt sich mit dem Innsbrucker Codex, wie bereits erwähnt wurde, nicht nur über ein lateinisch-deutsches Prooem, sondern auch über eine auf c. 318 folgende Texterweiterung zusammen, die vier Kapitel umfasst51. Die Chronik des Konzils von Konstanz nach Richental findet sich foll. 64r–116r. Der systematische Chronikteil (foll. 64r–92r) mit den Teilnehmerlisten steht dem chronologischen (foll. 92v–116r) voran.
49Ganz ähnlich ist der St. Galler Codex germ. 657 aufgebaut. Wie in Z1 folgen auf eine, mit der Schöpfungsgeschichte52 anhebende Konstanzer Weltchronik (pag. 1–46), eine Zürcher Chronik53 (pag. 47–121) von den Anfängen bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts (mit Fortsetzungen, pag. 121–132) und schließlich ein Auszug aus der Richental-Chronik (pag. 132–228). Der St. Galler Textzeuge stellt pag. 133–181 – wie I und Z1 – den systematischen dem chronologischen Chronikteil pag. 182–228 voran.
50Was den Textaufbau anbelangt, so bricht Z1 im zweiten narrativen Chronikteil fol. 109v in c. 277, obwohl kein Blatt ausgerissen ist, plötzlich ab, führt den Text aber fol. 110r mit c. 286 weiter. Die zweite Zürcher Handschrift (Ms. A 80) ist, was den Richental-Auszug (foll. 35r–73v) betrifft, verkürzt und wohl nur fragmentarisch erhalten, folgt indes G. Der Codex setzt fol. 35r mit c. 106/107 ein. Es fehlen auch in der Folge immer wieder Textteile, z.B. die cc. 123, 97–98 und 247. Ein späterer Bearbeiter macht fol. 35v erstmals auf die Textlücken (da gebrist) aufmerksam.
51Ein systematischer Chronikteil fehlt heute in Z2, könnte aber einmal vorhanden gewesen sein54. Obwohl Z2 heute nur noch fragmentarisch erhalten und zudem stark beschädigt ist, sind heute in der Handschrift noch zwei lateinische Briefe (foll. 52r–54r) singulär erhalten55. Von ihnen ist in der Chronik in c. 241 zwar die Rede, sie sind aber in keine der anderen erhaltenen Handschriften inseriert worden.
52Der erste Brief ist fol. 52r mit Emanuel Pelagus Dei gratia natus imperator Constantinopolim ac dominus tocius terre Graecorum überschrieben. Der zweite Brief, der sich direkt an den ersten anschließt, hält die Antwort (responsio) bereit. Der Erstdruck von Anton Sorg aus dem Jahr 1483 hat die beiden Schreiben zwar bewahrt, aber in deutscher, nicht wie in Z2 in der lateinischen Fassung. Sie dürften in der deutschen Version ursprünglich auch in der St. Georgener Handschrift vorhanden gewesen sein56, fehlen indes heute aufgrund des Textverlusts, den die Handschrift im Laufe der Zeit erlitten hat.
1Vgl. B. Konrad, Die Buchmalerei in Konstanz S. 295; ders., Kostbarkeiten der Buchmalerei Nr. 9; G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik, Anhang II S. Vf.; K. Domanski, Ulrich Richental S. 484f.
2Laut Kolophon fol. 247r am afftermontag nach Egidy (= 2. September 1483). Vgl. B. Jahn, Art. Sorg, Anton, in: Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter, hg. von W. Achnitz 7: Das wissensvermittelnde Schrifttum im 15. Jahrhundert (2015) Sp. 1113–1116 und B. Konrad, Rosgartenmuseum Konstanz S. 131.
3Siehe etwa die Inkunabeln Dh 9 und Don. Ink. 412 der BLB Karlsruhe. Faksimile: Ulrich von Richental, Conciliumbuch, Augsburg 1483, hg. von E. Voulliéme (Die Inkunabel in ihren Hauptwerken 3, 1923). Eine Abbildung der Holzschnitte findet sich bei A. Schramm, Der Bilderschmuck der Frühdrucke 4: Die Drucke von Anton Sorg in Augsburg (1921) Abb. 1049–2253. Die Nähe der Handschrift zum Druck betonten bereits Ph. Ruppert, Das alte Konstanz in Schrift und Stift S. VIII und L. Baer, Die illustrierten Historienbücher des 15. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte des Formschnittes (1903) S. 142. Nach I. Leipold, Untersuchungen zum Funktionstyp „Frühe deutschsprachige Druckprosa“. Das Verlagsprogramm des Augsburger Druckers Anton Sorg, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 48 (1974) S. 264–290, hier S. 277 Anm. 94 handelt es sich bei der am 2. September 1483 erschienenen Konzilschronik um das „bedeutendste Druckwerk Sorgs“.
4Der Codex kam 1807 mit anderen Bänden des Klosters nach Karlsruhe. Vgl. W. Brambach, Die Grossherzogliche Hof- und Landesbibliothek in Carlsruhe (1875) S. 15 und M. R. Buck, Zwei neue Richentalʼsche Codices S. 111.
5Vgl. M. R. Buck, Zwei neue Richentalʼsche Codices S. 111–117.
6Vgl. M. R. Buck, Zwei neue Richentalʼsche Codices S. 112.
7Was allein schon deshalb nicht stimmen kann, weil G und D1 den systematischen Chronikteil nach Manier der A-Version mit einer Recapitulatio beschließen und die chronikabschließende Hus- und Hieronymus-Geschichte den Ich-Erzähler kennt. Vgl. M. R. Buck, Zwei neue Richentalʼsche Codices S. 114.
8Ab fol. 106 folgt E nicht mehr K bzw. Pr, sondern G. Dies ist gegen M. R. Buck, Zwei neue Richentalʼsche Codices S. 114 festzuhalten.
9R. Kautzsch, Die Handschriften S. 450.
10R. Kautzsch, Die Handschriften S. 450 und 463. Siehe auch B. Konrad, Rosgartenmuseum Konstanz S. 132.
11R. Kautzsch, Die Handschriften S. 468. Siehe auch schon Ph. Ruppert, Das alte Konstanz in Schrift und Stift S. VIII.
12Vgl. L. Baer, Die illustrierten Historienbücher (Anm. 3) S. LXI und 142. Siehe auch W. Matthiessen, Ulrich Richentals Chronik S. 103.
13Vgl. L. Fischel, Die Bilderfolge der Richental-Chronik S. 51.
14Vgl. Th. Längin, Die Handschriften der Grossherzoglich Badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe. Beilage II: Deutsche Handschriften (1894, ND 1974) S. 15f. und K. Domanski, Ulrich Richental S. 459–462.
15Vgl. Ph. Ruppert, Das alte Konstanz in Schrift und Stift S. VIII; R. Kautzsch, Die Handschriften S. 450; Th. Längin, Die Handschriften (Anm. 14) S. 16; L. Fischel, Die Bilderfolge der Richental-Chronik S. 44; K. Domanski, Ulrich Richental S. 460; B. Konrad, Rosgartenmuseum Konstanz S. 132; ders., Die Buchmalerei in Konstanz S. 120 und J. Klöckler, Die Konstanzer Handschrift S. 8f.; ders., Nachwort S. 230–234; P. Eckhart / B. Studt, Das Konzil im Gedächtnis der Stadt S. 91.
16B. Konrad, Die Buchmalerei in Konstanz S. 126 interpretiert das Wappen Dachers und seiner aus Überlingen stammenden Frau Ursula Ächtpigin gewissermaßen als „Firmenzeichen“.
17Vgl. zum gegenüber A und K veränderten Textaufbau bereits R. Kautzsch, Die Handschriften S. 468.
18Der Handschrift sind heute zehn neue Blätter (foll. I–X) vorgebunden. Ob sie einen Verlust dokumentieren sollen, ist unklar. Die Untersuchung der ersten Lage zeigt jedenfalls, dass vor fol. 2 ursprünglich mehr Blätter vorfindlich waren.
19Der Zusatz handelt von dem Burggrafen Friedrich von Nürnberg: so vor von dem burggrafen geschriben ist an sinem inriten. Die entsprechende Textstelle, auf die hier Bezug genommen wird, findet sich heute nur noch in c. 53,2 in D1 fol. 4ra.
20Vgl. R. Kautzsch, Die Handschriften S. 469. Siehe auch G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik S. 254 und K. Domanski, Ulrich Richental S. 484.
21Vgl. R. Kautzsch, Die Handschriften S. 463: „Der Inhalt der Vorlage ist überall gekürzt und in viele kleine Abschnitte zerlegt worden“.
22Vgl. hierzu die in Cod. Don. 613 in der WLB Stuttgart aufbewahrte Verlagsankündigung.
23Vgl. R. Kautzsch, Die Handschriften S. 450.
24Vgl. G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik S. 150 mit Anm. 771; Th. M. Buck, Figuren, Bilder, Illustrationen S. 415, 426, 428f.; G. J. Schenk, Die Lesbarkeit von Zeichen der Macht S. 288, 293, 301.
25B. Konrad, Die Buchmalerei in Konstanz S. 120 geht davon aus, „daß Dacher zur Kopie mindestens zwei verschiedene Urschriften vorgelegen haben“.
26Es gibt viele Kapitel – etwa cc. 97, 119,1 und 122 – die zwei Mal in unterschiedlichen Texteinheiten begegnen.
27Die inkohärente Textverteilung der Hus- und Hieronymus-Geschichte in G ergibt sich dadurch, dass die St. Birgitten-Geschichte als textfremdes Einschiebsel in der Hus-Geschichte erscheint. Fol. A (war ursprünglich fol. 83), das die St. Birgitten-Geschichte bietet, wird hier fälschlich eingebunden. Vgl. Th. Längin, Die Handschriften (Anm. 14) S. 15.
28Vgl. D. Mertens, Früher Buchdruck und Historiographie. Zur Rezeption historiographischer Literatur im Bürgertum des deutschen Spätmittelalters beim Übergang vom Schreiben zum Drucken, in: Studien zum städtischen Bildungswesen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1978 bis 1981, hg. von B. Moeller u.a. (1983) S. 83–111, hier S. 99; P. Johanek, Historiographie und Buchdruck im ausgehenden 15. Jahrhundert, in: Historiographie am Oberrhein im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit (Oberrheinische Studien 7, 1988) S. 89–120, hier S. 96 und B. Konrad, Die Buchmalerei in Konstanz S. 128. Zur Karlsruher Inkunabel Don. Ink. 412 C. Mackert, dieses kuntzyllyum ist wollffgang grauff zu furstenberg. Zur Richental-Inkunabel Donaueschingen Ink. 412 der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe und zum Buchbesitz des Grafen Wolfgang von Fürstenberg (1465–1509), in: Bibliothek und Wissenschaft 32 (1999) S. 1–31.
29Vgl. W. Berger, Johannes Hus und König Sigmund S. 217.
30Zu diesem Vorlagenwechsel schon ausführlich R. Kautzsch, Die Handschriften S. 451, 465f.
31Vgl. K. Löffler, Die Handschriften des Klosters Weingarten (Beihefte zum Zentralblatt für Bibliothekswesen XLI, 1912) S. 104; W. Irtenkauf / I. Krekler, Die Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart. Zweite Reihe: Die Handschriften der ehemaligen Königlichen Hofbibliothek 2, 2: Codices historici (HB V 1–105) (1975) S. 37f.; W. Matthiessen, Ulrich Richentals Chronik S. 105; B. Konrad, Kostbarkeiten der Buchmalerei Nr. 10; G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik, Anhang II S. XVf.; S. Wolff, Die „Konstanzer Chronik“ Gebhart Dachers S. 97–106.
32Auf dem Buchrücken als „Chronicon episcoporum Constantiensium“ ausgewiesen, woraus hervorgeht, dass das Grundgerüst der Chronik eine Konstanzer Bischofsliste ist. Hinweise auf Gebhard Dacher finden sich foll. 1r, 211r und 223v. Digitalisat: http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/csg/0646. Hierzu Ph. Ruppert, Das alte Konstanz in Schrift und Stift S. XXIV–XXVI; B. Konrad, Die Buchmalerei in Konstanz S. 295; ders., Kostbarkeiten der Buchmalerei Nr. 14; B. M. von Scarpatetti, Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen 1, Abt. IV: Codices 547–669. Hagiographica, Historica, Geographica 8.–18. Jahrhundert (2003) S. 279–281; S. Wolff, Die „Konstanzer Chronik“ Gebhart Dachers S. 88–97; N. H. Ott, Konstanz: Gebhard Dacher S. 212–216; V. Zapf, Art. Dacher, Gebhard, Sp. 799–801; P. Eckhart, Ursprung und Gegenwart. Geschichtsschreibung in der Bischofsstadt und das Werk des Konstanzer Notars Beatus Widmer (1475 – ca. 1533) (2016) S. 344–372, S. 522f. Zur Provenienz siehe schon G. Scherrer, Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St. Gallen (1875, ND 1975) S. 212 und Ph. Ruppert, Das alte Konstanz in Schrift und Stift S. VIII und XXVI.
33Der die Chronik Richentals betreffende Auszug ist wohl von drei Händen geschrieben. Die zweite Hand trägt in den von der ersten und dritten Hand frei gelassenen Raum Nachträge ein. Zu den Texteinfügungen zählt z.B. ein wichtiges Privileg König Sigmunds (foll. 132rb–133rb) für die Stadt Konstanz vom 20. Oktober 1417. Der König verschrieb nach dem Einzug des Thurgaus das Landgericht, den Wildbann und die Vogtei Frauenfeld der Reichsstadt Konstanz. Vgl. Repertorium schweizergeschichtlicher Quellen im Generallandesarchiv Karlsruhe, hg. von F. Geiges-Heindl, K. Mommsen und M. Salzmann, Abt. I, 1 (1982) Nr. 301 S. 46; E. Trösch, Art. Thurgau, Spätmittelalter bis 18. Jahrhundert, in: Historisches Lexikon der Schweiz 12 (2012) S. 353.
34Vgl. W. Irtenkauf / I. Krekler, Die Handschriften (Anm. 31) S. 38.
35Vgl. Th. M. Buck, Figuren, Bilder, Illustrationen S. 418.
36Vgl. H. Liebenau, Eine Zürcher Chronik auf dem Ferdinandeum in Innsbruck, in: Anzeiger für Schweizerische Geschichte und Alterthumskunde 9 (1863) S. 37–39; G. Scherrer, Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St. Gallen (Anm. 32) S. 214; R. Gamper, Die Zürcher Stadtchroniken S. 180f.; W. Matthiessen, Ulrich Richentals Chronik S. 105; G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik, Anhang II S. XV und von B. M. von Scarpatetti, Die Handschriften (Anm. 32) S. 299–301.
37St1, Sg, I und Z1 schließen sich über einen Zusatz in c. 60,1b zusammen, der den Inhalt des Kapitels um ein karren mistes erweitert. Vgl. R. Gamper, Die Zürcher Stadtchroniken S. 27, 174f.; W. Matthiessen, Ulrich Richentals Chronik S. 101 mit Anm. 17; G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik, Anhang II S. XIVf.
38Das geht schon aus dem Umstand hervor, dass alle vier Codices neben einer gekürzten Redaktion der Konzilschronik Richentals auch Zürcher Chroniken überliefern. Vgl. R. Gamper, Die Zürcher Stadtchroniken S. 27f. und 121 mit Anm. 374.
39[…] der fuͦrtt inn durch die statt und hatt uff den tag groß fest. Vgl. R. Gamper, Die Zürcher Stadtchroniken S. 178; G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik, Anhang II S. XIX.
40Vgl. L. C. Mohlberg, Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich I: Mittelalterliche Handschriften (1952) S. 4 und E. Gagliardi / L. Forrer, Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich II: Neuere Handschriften seit 1500 (1982) Sp. 71f.
41Aus dem Nachlass von Johann Martin Usteri (1763–1827). Vgl. E. Gagliardi / L. Forrer, Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich II (Anm. 40) Sp. 1438 sowie das handschriftliche Verzeichnis der von Herrn Johann Martin Usteri hinterlassenen Collectaneen und anderen Handschriften (ZB Zürich, St 374), fol. 5v.
42Vgl. L. C. Mohlberg, Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich I: Mittelalterliche Handschriften (Anm. 40) S. 4; E. Gagliardi / L. Forrer, Katalog der Handschriften (Anm. 40) Sp. 71; K. Domanski, Ulrich Richental S. 450.
43Vgl. W. Matthiessen, Ulrich Richentals Chronik S. 108.
44Die einzelnen Universitäten, die in Konstanz vertreten waren, werden pag. 162–163 beispielsweise nur summarisch genannt, ohne dass die einzelnen Teilnehmer namentlich aufgeführt würden. Vgl. R. Gamper, Die Zürcher Stadtchroniken S. 181; G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik, Anhang II S. XV.
45Der Codex war bis 1768 im Besitz der Familie Tschudi. Danach kam er mit dem Nachlass an die Stiftsbibliothek St. Gallen. Die Marginalien in deutscher Sprache von Aegidius Tschudi beginnen pag. 29 mit „Sant Gallen gebuwen“. Vgl. J. Duft, Aegid Tschudis Handschriften in der Stiftsbibliothek St. Gallen, in: Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte 53 (1959) S. 125–137, hier S. 134; C. Sieber, Art. Tschudi, Aegidius, in: Historisches Lexikon der Schweiz 12 (2013) S. 526f.
46Vgl. Ph. Ruppert, Das alte Konstanz in Schrift und Stift S. XII–XVIII; H. von Liebenau, Eine Zürcher Chronik (Anm. 36) S. 37 und 39 Anm.*; Th. Ludwig, Die Konstanzer Geschichtschreibung bis zum 18. Jahrhundert (1894) S. 37f.; J. Dierauer, Chronik der Stadt Zürich. Mit Fortsetzungen (1900) S. XXI–XXIV; H. Strahm, Der Chronist Conrad Justinger und seine Berner Chronik von 1420 (1978) S. 65; R. Gamper, Die Zürcher Stadtchroniken S. 174f.; H. Maurer, Konstanz im Mittelalter 2 S. 160f.; W. Matthiessen, Ulrich Richentals Chronik S. 101, 106, 109, 430–434, 442; B. Sandbichler / H. P. Sandbichler, Handschriftenkatalog des Museums Ferdinandeum: Die Codices des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum bis 1600, (Innsbruck 1999, ungedruckt) S. 228–230, die den Codex auf „2./3. Viertel 15. Jh.“ datieren, und P. Eckhart, Ursprung und Gegenwart (Anm. 32) S. 552f.
47P. Eckhart, Ursprung und Gegenwart (Anm. 32) S. 552.
48In der Innsbrucker Handschrift findet sich der Hinweis fol. 78r, in der Zürcher Handschrift fol. 115v.
49In dem gemischten Kapitel. 96, 101 und 103 findet sich in I der Hinweis: Als da vornan aigenlich in latin vindest, wie all sachen wol gegangen sind.
50Vgl. L. C. Mohlberg, Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich I: Mittelalterliche Handschriften (Anm. 40) S. 10; E. Gagliardi / L. Forrer, Katalog der Handschriften (Anm. 40) Sp. 145–148.
51Vgl. R. Gamper, Die Zürcher Stadtchroniken S. 175, 183; G. Wacker, Ulrich Richentals Chronik, Anhang II S. XIV und XVIIIf.
52Die Weltchronik beginnt im St. Galler Codex pag. 1 mit der Schöpfungsgeschichte: [H]ie vahet an daz buch der beschepfung der welt […]. In der ersten Zürcher Handschrift lautet der Anfang fol. 1r: […] der erden. Also geschuͦf er den menschen nach sinem götlichen bilde […].
53Der Zürcher Chronik steht pag. 47 voran: [D]iß ist ain cronik der edlen und loblichen statt Zürich […].
54Zum Aufbau und Inhalt von Z2 siehe auch das nachträgliche eingeklebte Papierblatt zu Anfang der Handschrift aus dem 19. Jahrhundert sowie die u.a. auf Ulrich Richental und seine Teilnahme an der Griechenmesse Bezug nehmenden Hinweise auf der Rectoseite des Vorsatzblattes vor fol. 1.
55Zu den Textinserten, die u.a. auch eine Klassifikation der Richental-Handschriften erlauben, vgl. Th. M. Buck, Fiktion und Realität S. 61–96.
56Vgl. Th. M. Buck, Fiktion und Realität S. 63–66, 75–77.
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Ulrich Richental, Die Chronik des Konzils von Konstanz, hg. von Thomas Martin Buck (MGH DE 1, 2019), Einleitung G-Version Anm. 23.
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