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BGH, 10.10.2006 - XI ZR 265/05 - dejure.org
https://dejure.org/2006,473
BGH, 10.10.2006 - XI ZR 265/05 (https://dejure.org/2006,473)
BGH, Entscheidung vom 10.10.2006 - XI ZR 265/05 (https://dejure.org/2006,473)
BGH, Entscheidung vom 10. Januar 2006 - XI ZR 265/05 (https://dejure.org/2006,473)
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RBerG § 1; BGB §§ 134, 139
Vollmacht in Zeichnungsschein verstößt nicht gegen Rechtsberatungsgesetz
Anwendung der §§ 171, 172 BGB auf eine bloße Durchschrift des Zeichnungsscheins
Voraussetzungen für die Besorgung einer ausschließlich oder hauptsächlich rechtlichen Abwicklung eines Fondsbeitritts im Rahmen eines Steuersparmodells für den Erwerber; Auslegung einer in einem ausdrücklich mit "Auftrag und Vollmacht" überschriebenen Zeichnungsscheins ...
Zur Feststellung der rechtsgeschäftlichen Einheit von umfassender Treuhandvollmacht zum Immobilienfondsanteilserwerb und Finanzierungsvollmacht im Zeichnungsschein
Rechtsberatungsgesetz - Verstoß bei weitreichender Vollmacht von GbR-Gesellschaftern an geschäftsführenden Gesellschafter eines Immobilienfonds
Zur Prüfung der Frage, ob die Nichtigkeit einer notariell beurkundeten Vollmacht und eines Treuhandvertrages gemäß § 139 BGB auch die im Zeichnungsschein erteilte Vollmacht erfasst
Immobilienfondsanteilsfinanzierung - Nichtigkeit der Vollmacht
Wirksamkeit der in einem Zeichnungsschein neben einer umfassenden Vollmacht erteilten Vollmacht zur Aufnahme von Zwischen- und Endfinanzierungskrediten beim Erwerb und der Finanzierung eines Immobilienfondsanteils
BGB §§ 139, 139; RBerG Art. 1 § 1
Wirksamkeit von umfassenden Treuhändervollmachten bei Anlagemodellen; Auswirkungen auf in Zeichnungsscheinen erteilte Finanzierungsvollmachten
LG Hildesheim, 03.02.2005 - 8 O 147/04
OLG Celle, 04.09.2005 - 3 U 38/05
OLG Celle, 14.09.2005 - 3 U 38/05
BGH, 26.02.2008 - XI ZR 313/07
NJW 2007, 1131
ZIP 2007, 173
MDR 2007, 416
NZM 2007, 178
WM 2007, 108
NZG 2007, 179
Dies lässt Rechtsfehler nicht erkennen (vgl. Senatsurteil vom 10. Oktober 2006 - XI ZR 265/05, WM 2007, 108, Tz. 24).
Der Umstand, dass der erkennende Senat in vergleichbaren Fällen, in denen die umfassende Treuhändervollmacht wegen Verstoßes gegen Art. 1 § 1 RBerG unwirksam war, angenommen hat, der formularmäßige Zeichnungsschein könne bereits eine Singularvollmacht zum Abschluss der Finanzierungsdarlehen enthalten, die nicht gegen das Rechtsberatungsgesetz verstößt, beruhte erklärtermaßen darauf, dass die Vollmacht in dem Zeichnungsschein nicht den Abschluss eines ganzen Bündels von Verträgen mit mannigfaltigem rechtlichen Beratungsbedarf zum Gegenstand hatte, sondern sich vielmehr auf die Erklärung des Beitritts zur Fondsgesellschaft und auf die Aufnahme der Finanzierungsdarlehen beschränkte (vgl. etwa BGHZ 167, 223, 228, Tz. 15 und Senatsurteil vom 10. Oktober 2006 - XI ZR 265/05, WM 2007, 108, 110, Tz. 20).
Ein - wie hier - ohne diese Erlaubnis abgeschlossener Geschäftsbesorgungsvertrag und eine umfassende Vollmacht zum Abschluss aller mit dem Erwerb und der Finanzierung der Eigentumswohnung zusammenhängenden Verträge sind nichtig (st.Rspr., vgl. zuletzt Senat BGHZ 167, 223, 227 Tz. 12 sowie Senatsurteile vom 11. Juli 2006 - XI ZR 12/05, BKR 2006, 451 Tz. 11, vom 10. Oktober 2006 - XI ZR 265/05, WM 2007, 108, 109 Tz. 14 und vom 17. Oktober 2006 - XI ZR 19/05, WM 2007, 62, 66 f. Tz. 40).
Entgegen der Annahme des Berufungsgerichts ist diese Entscheidung des Senats nicht vereinzelt geblieben (…vgl. etwa BGH, Urt. v. 16.3.1989 - I ZR 30/87, GRUR 1989, 437, 440 = WRP 1989, 508 - Erbensucher), sondern auch von anderen Senaten des Bundesgerichtshofs übernommen worden (…BGH, Urt. v. 18.5.1995 - III ZR 109/94, NJW 1995, 3122, 3123;… Urt. v. 8.10.2004 - V ZR 18/04, NJW 2005, 820, 823;… Urt. v. 22.2.2005 - XI ZR 41/04, NJW 2005, 1488; Urt. v. 10.10.2006 - XI ZR 265/05, NJW 2007, 1131 Tz. 14; BGHZ 167, 223 Tz. 12;… BGH, Urt. v. 3.7.2008 - III ZR 260/07, NJW 2008, 3069 Tz. 19; zur steuerlichen Beratung BGHZ 98, 330, 335 - Unternehmensberatungsgesellschaft I; 132, 229, 232).
Der Senat ist mit dem Bundesgerichtshof (Urteil vom 14.06.2004, II ZR 393/02, www.bundesgerichtshof.de; Urteil vom 10.10.2006, XI ZR 265/05, www.bundesgerichtshof.de, Tz. 14) der Auffassung, dass sowohl der dem Treuhänder mit dem Zeichnungsschein unterbreitete und von diesem mit Schreiben vom 08.09.1992 angenommene "Treuhandvertrag nebst Vollmacht und Auftrag" - des Zugangs der Annahmeerklärung bedurfte es für die Wirksamkeit des Treuhandvertrages ausweislich der dortigen Präambel nicht - als auch die am 18.09.1992 notariell beglaubigte Treuhändervollmacht wegen Verstoßes gegen den Erlaubniszwang gemäß Art. 1 § 1 Abs. 1 RBerG nichtig sind, § 134 BGB.
Schließlich bedarf eine GmbH, die rechtsberatend tätig wird, auch dann einer Erlaubnis nach dem Rechtsberatungsgesetz, wenn ihr Geschäftsführer als Rechtsanwalt zugelassen ist (so auch: BGH…, Urteil vom 22.02.2005, a.a.O.; BGH, Urteil vom 10.10.2006, XI ZR 265/05, a.a.O.), weshalb es auf die streitige Behauptung der Klägerin, der Treuhänder sei während des hier maßgeblichen Zeitraums von einem Rechtsanwalt vertreten gewesen, nicht ankommt.
Die in dem Zeichnungsschein vorgesehene Vollmacht verstößt, wie der XI. Zivilsenat in Bezug auf insoweit vergleichbare Formulare entschieden hat, nicht gegen das Rechtsberatungsgesetz (Urteile vom 25.04.2006 (XI ZR 219/04, WM 2006, 1060 ff., zitiert nach juris, Tz. 15; XI ZR 29/05, WM 2006, 1008 ff., zitiert nach juris, Tz. 16; Urteil vom 10.10.2006, a.a.O., Tz. 20).
Ob es sich aufgrund eines Einheitlichkeitswillens der Vertragsparteien um ein einheitliches Rechtsgeschäft handelt, ist Tatfrage und durch Ermittlung und Auslegung des Parteiwillens festzustellen (vgl. nur: BGH, Urteil vom 10.10.2006, XI ZR 265/05, www.bundesgerichtshof.de, Tz. 24).
Ausweislich des Zeichnungsscheins - und (auch) hierzu verhalten sich weder die von der Klägerin in Bezug genommenen Urteile der Oberlandesgerichte München (Urteil vom 07.07.2005, WM 2005, 1986 ff., 1987), Hamm (Urteil vom 06.11.2006, 31 U 188/05, AS 496 bis 510) und Frankfurt am Main (Urteil vom 22.01.2007, 23 U 75/06, Anlagenband Klägerin) noch der Hinweisbeschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf (I-16 U 159/05, AS 511 bis 514) oder das in diesem Verfahren am 12.01.2007 ergangene Urteil (…a.a.O.) noch die auszugsweisen Zitate mit Schriftsatz vom 15.02.2007 aus unveröffentlichten Entscheidungen des Oberlandesgerichts Frankfurt noch schließlich die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 10.10.2006 (XI ZR 265/05, a.a.O.), vom 17.10.2006 (XI ZR 185/05, www.bundesgerichtshof.de, Tz. 24) und vom 24.10.2006 (XI ZR 216/05, www.bundesgerichtshof.de, Tz. 18, 19) - wünschte vorliegend die Anlegerin "alle Leistungen wie prospektiert".
Auch vor diesem tatsächlichen Hintergrund ist daher hier der Schluss von einer allgemeinen Handhabung auf das Vorgehen im konkreten Einzelfall weder zwingend noch geboten (ebenso: BGH, Urteil vom 10.10.2006, XI ZR 265/05, a.a.O., Tz. 15, 16).
Die Rechtsfrage, anhand welcher Kriterien die Anwendbarkeit des § 139 BGB in Fällen, in denen neben einer nichtigen - umfassenden - notariellen Vollmacht in einer privatschriftlichen Urkunde eine weitere - beschränkte - Vollmacht erteilt wurde, zu prüfen ist, hat der Bundesgerichthof u.a. mit Urteilen vom 10.10.2006 (XI ZR 265/05, a.a.O., Tz. 24) und vom 24.10.2006 (…XI ZR 216/05, a.a.O., Tz. 18, 19) beantwortet.
Ob gemessen an diesen Grundsätzen ein einheitliches Rechtsgeschäft im Sinne des § 139 BGB vorliegt, ist Tatfrage und durch Ermittlung und Auslegung des Parteiwillens festzustellen (…BGH, Urteile vom 30. April 1976 - V ZR 143/74, aaO;… vom 6. Dezember 1979 - VII ZR 313/78, aaO;… vom 19. Februar 1998 - III ZR 169/97, aaO; vom 10. Oktober 2006 - XI ZR 265/05, NJW 2007, 1131 Rn. 24).
(1) Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes kommt es für den Erlaubnisvorbehalt nach dem Rechtsberatungsgesetz nicht darauf an, ob der Vertragspartner des Rechtsuchenden sich zur Erfüllung seiner Beratungspflichten eines zugelassenen Rechtsberaters bedient (Senatsurteil vom 18. Mai 1995 - III ZR 109/94 - NJW 1995, 3122, 3123; BGH, Urteile vom 24. Juni 1987 - I ZR 74/85 - NJW 1987, 3003, 3004; vom 16. März 1989 - I ZR 30/87 - NJW 1989, 2125; 2126; vom 22. Februar 2005 - XI ZR 41/04 - NJW 2005, 1488; vom 10. Oktober 2006 - XI ZR 265/05 - NJW 2007, 1131, 1132 Rz. 14;… BGHZ 167, 223, 227 Rz. 12; zur steuerlichen Beratung: BGHZ 98, 330, 335; 132, 229).
Dagegen ist eine in einem Zeichnungsschein erteilte Vollmacht nicht wegen Verstoßes gegen das Rechtsberatungsgesetz nichtig, wenn sie nicht den Abschluss eines ganzen Bündels von Verträgen mit mannigfaltigem rechtlichen Beratungsbedarf zum Gegenstand hat, sondern sich vielmehr auf die Erklärung des Beitritts zur Fondsgesellschaft und auf die Aufnahme der Finanzierungsdarlehen beschränkt und unabhängig von einer umfassenden Geschäftsbesorgungsvollmacht erteilt worden ist, neben der sie eine selbständige Bedeutung haben sollte (vgl. etwa BGHZ 167, 223, 228, Tz. 15; Senatsurteile vom 10. Oktober 2006 - XI ZR 265/05, WM 2007, 108, 110, Tz. 20 und vom 11. November 2008, WM 2008, 2359, 2362, Tz. 35, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen).
Die Vollmacht ist auch nicht deshalb wirksam, weil der Geschäftsführer des Treuhänders über die erforderliche Erlaubnis nach dem Rechtsberatungsgesetz verfügt (BGH, Urteil vom 10.10.2006 - XI ZR 265/05, WM 2007, 108 ff.; BGH, Urteil vom 25.04.2006 - XI ZR 29/05, NJW 2006, 1952 ff.; BGH, Urteil vom 22.02.2005 - XI ZR 41/04, WM 2005, 786, 787).
Die zu beglaubigende Vollmacht bezieht sich dagegen auf den noch abzuschließenden Gesellschafts- und Treuhandvertrag und hat den Sinn, dem Formerfordernis nach § 29 GBO Rechnung zu tragen, damit der Anleger als Miteigentümer im Grundbuch eingetragen werden kann (BGH, Urteil vom 25.04.2006 - XI ZR 29/05, NJW 2006, 1952 ff., BGH, Urteil vom 25.04.2006 - XI ZR 219/04, NJW 2006, 1957 ff.; BGH, Urteil vom 10.10.2006 - XI ZR 265/05, WM 2007, 108 ff.).
OLG Frankfurt, 06.07.2010 - 5 U 205/07
Aktienrechtlicher Differenzhaftungsanspruch
OLG Frankfurt, 23.11.2007 - 9 U 75/07
Stellvertretung: Umstände für das Vorliegen einer Vollmachtsurkunde
BGH, 17.03.2009 - XI ZR 124/08
Rückforderung eines nicht geschuldeten vollstreckbaren Schuldversprechens
OLG München, 26.04.2007 - 19 U 4917/06
LG Aurich, 17.02.2012 - 5 O 1298/11
Verstoß gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz bei einem Treuhandvertrag: …

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