Source: https://wb-web.de/dossiers/recht-weiterbildung/folge-3-urheberrecht.html
Timestamp: 2020-08-10 11:03:19+00:00

Document:
Bei der Kursvorbereitung möchten Lehrende gerne das vorhandene Lehrbuchmaterial mit anschaulichen Beispielen ergänzen und ihre Materialsammlung wie einen bunten Blumenstrauß präsentieren. Doch wieviel darf man kopieren oder aus fremden Werken verwenden? Die im Jahr 2017 beschlossene Angleichung des Urheberrechts an die Erfordernisse und Bedarfe der Wissensgesellschaft hat zum Ziel, die Regelungen zu vereinfachen.
Kopierer (Bild: stevepb / pixabay.com; CC0)
Das Gesetz zum Urheberrecht regelt das Recht am Werk. Hierzu gehört die Definition, was ein geschütztes Werk auszeichnet und wer der oder die Schöpfer eines Werkes sind.
Am 30. Juni 2017 beschloss der Deutsche Bundestag eine Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse und Bedarfe der Wissensgesellschaft. So ersetzen die Paragrafen 60a-h bezüglich der gesetzlich erlaubten Nutzung für Unterricht, Wissenschaft und Institutionen ab dem 1. März 2018 den bis dahin geltenden § 52a UrhG.
Diese neuen Regelungen, die auch die Digitalisierung von Bildung und Wissenschaft auf dem aktuellen Stand berücksichtigen, haben eine Vereinfachung des Urheberrechts zum Ziel.
Der folgende Überblick führt in naher Anlehnung an den Gesetzestext in das Urheberrecht ein. Darüber hinausgehende Informationen, wie zum Beispiel „Verbundene Werke“ oder Veröffentlichung“, können Sie direkt dem Gesetzestext entnehmen. Das Erklärvideo von ELAN e.V. gibt ergänzend einen anschaulichen Überblick. (siehe Infobox unten)
Creative Commons Lizenzen (CC) setzen auf das Urhebergesetz auf, ohne das Urheberrecht zu verletzen. Einen Überblick über die CC-Lizenzen finden Sie hier.
Das Gesetz schützt die Urheber der Werke in der Literatur, der Wissenschaft und der Kunst. Zu den geschützten Werken zählen unter anderem schriftliche wie mündliche Sprachwerke, Werke der Musik oder der bildenden Kunst, aber auch Filmwerke sowie Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art. (§2 UrhG)
Übersetzungen und andere Bearbeitungen werden wie selbstständige Werke geschützt, wenn eine persönliche geistige Schöpfung des Bearbeiters vorliegt. Unwesentliche Änderungen werden nicht als selbstständiges Werk geschützt.
Der Urheber ist der geistige Schöpfer eines Werkes. Hat ein Werk mehrere Schöpfer, spricht man von Miturhebern. (§8 UrhG) Das Urheberrecht ist vererblich. (§28 UrhG)
Ziele des Urheberrechts?
Ziel des Urheberrechts ist die Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Nutzung des Werkes. Das Gesetz schützt den Urheber in seiner geistigen und persönlichen Beziehung zum Werk und in der Nutzung des Werkes. (§ 11 UrhG) Der Urheber besitzt das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk veröffentlicht wird.
Darüber hinaus bestimmt der Urheber, wie sein Werk zu verwerten bzw. wiederzugeben ist. (§15 UrhG) Die einzelnen Verwertungsrechte, wie Vervielfältigung, Verbreitung, Ausstellung oder Wiedergabe über verschiedene Medien, können Sie den einzelnen Paragrafen §15ff des Urheberrechtsgesetzes entnehmen.
Darüber hinaus können Nutzungsrechte eingeräumt werden. Diese werden in Form von schuldrechtlichen Einwilligungen und Vereinbarungen zu Verwertungsrechten abgeschlossen. (§29ff UrhG) Dem Urheber steht bei Abschluss einer entsprechenden Nutzungsvereinbarung eine angemessene Vergütung zu. (§32ff UrhG)
Das pauschal vergütete Nutzungsrecht kann zeitlich unbefristet vereinbart werden. Urheber haben jedoch auch die Möglichkeit nach zehn Jahren das Werk anderweitig zu verwerten. (§40a UhrG) Wenn der Inhaber des Nutzungsrechtes das Werk nicht entsprechend der Vereinbarung nutzt, kann der Urheber das Nutzungsrecht zurückrufen. Hierbei muss berücksichtigt werden, ob der Inhaber der Nutzungsrechte die Umstände, die einer Nutzung entgegenstehen, nicht selbst beheben kann.
Im Abschnitt 6 des Urheberschutzgesetzes sind die gesetzlich erlaubten Nutzungsmöglichkeiten eines Werkes geregelt. Der Unterabschnitt 4 regelt die erlaubte Nutzung für Unterricht, Wissenschaft und Institutionen. Im Folgenden liegt der Fokus auf den Aspekten für den Einsatz in der Bildungspraxis.
Alle Unterabschnitte zur
„Gesetzlich erlaubte Nutzungen“,
„Vergütung“ sowie
„weitere gesetzlich erlaubte Nutzungen“
können Sie hier im Einzelfall nachlesen.
§60a Unterricht und Lehre
Bis zu 15 Prozent eines veröffentlichten Werkes dürfen zur Veranschaulichung des Unterrichts und der Lehre an Bildungseinrichtungen zu nicht kommerziellen Zwecken vervielfältigt, verbreitet, öffentlich zugänglich gemacht und in sonstiger Weise öffentlich wiedergegeben werden. Diese Regelung gilt für
Lehrende und Teilnehmer der jeweiligen Veranstaltung
Lehrende und Prüfer an derselben Bildungseinrichtung sowie für
Dritte, soweit dies der Präsentation des Unterrichts, von Unterrichts- oder Lernergebnissen an der Bildungseinrichtung dient. (§60a UhrG)
Darüber hinaus dürfen einzelne Beiträge aus derselben Fachzeitschrift oder wissenschaftlichen Zeitschrift, sonstiger Werke geringen Umfangs und vergriffene Werke vollständig genutzt werden.
Der Absatz 2 schränkt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Aufnahme, Vervielfältigung und Verbreitung eines öffentlich vorgetragenen Werkes wie Mitschnitt eines Kinofilms mit dem Smartphone ein. Gleiches gilt für Werke, die ausschließlich für den Unterricht an Schulen geeignet, bestimmt und entsprechend gekennzeichnet sind.
§60b Unterrichts- und Lehrmedien
Für die Erstellung von Unterrichts- und Lehrmedien dürfen für solche Sammlungen bis zu 10 Prozent eines bereits veröffentlichten Werkes vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Das Gesetz definiert dabei diese Unterrichts- und Lehrmedien als Sammlungen, die Werke einer größeren Anzahl von Urhebern vereinigen. Ziel der Sammlung ist die Veranschaulichung des Unterrichts und der Lehre an Bildungseinrichtungen zu nicht kommerziellen Zwecken.
In den folgenden Paragrafen §60c Wissenschaftliche Forschung sowie §60d Text und Data Mining steht die wissenschaftliche, nicht kommerzielle Nutzung im Fokus des Urheberrechts.
Befristung von Teilbereichen des Gesetzes
Der Teil 1 Abschnitt 6 Unterabschnitt 4 „Gesetzlich erlaubte Nutzungen für Unterricht, Wissenschaft und Institutionen“ ist befristet bis zum 28. Februar 2023 und ab dem 1. März 2023 nicht mehr anzuwenden. Die Bundesregierung prüft nach vier Jahren nach Inkrafttreten des Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetzes die Auswirkungen des Teils 1 Abschnitt 6 Unterabschnitt 4.
Hier finden Sie die Gesetzes zum Urheberrecht als komplette Liste der geschützten Werke.
Erklärvideo von ELAN e.V.
Erklärvideo zu § 60a UrhG (Film: ELAN e.V., keine freie Lizenz)
Im Erklärvideo zu § 60a UrhG zeigt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Maria, wie urheberrechtlich geschützte Inhalte Studierenden rechtskonform bereitgestellt werden dürfen.
Der Verein ELAN e.V. veröffentlichte das Erklärvideo zum § 60a UrhG und gibt damit eine anschauliche Zusammenfassung des Gesetzestextes für die Bilddungspraxis wie für die Anwendung des Gesetzes in Wissenschaftszusammenhängen.
Über den ELAN e.V.:
Der Verein E-Learning Academie Network fördert die Zusammenarbeit seiner Mitglieder bei E-Learning-gestützten sowie standortübergreifenden Lehrveranstaltungen und gibt Impulse zur stetigen Verbesserung der Qualität von Hochschullehre durch Einsatz neuer Medien.
Der Praxisleitfaden zum Recht bei E-Learning, OER und Open Content wurde von Rechtsanwalt Dr. Till Kreutzer im Auftrag des und in Zusammenarbeit mit dem Multimedia Kontor Hamburg erstellt. Die im März 2018 veröffentlichte aktualisierte Auflage beinhaltet auch den Bezug auf die Schranken zu Wissenschaft und Bildung gemäß dem UrhWissG.
Der aktuelle Praxisleitfaden zum Download (PDF, 870 kb)
Die Verwertungsgesellschaft Bild -Kunst gibt auf ihrer Webseite einen Einblick in das Urheberrecht in Bezug auf Bilder/Fotos und deren Verbreitung zum Beispiel im Internet. So kann ein altes Bauwerk, wie der Eiffelturm oder der Hamburger Hafen, mit einer neuen Lichtinstallation bei Nacht zu einem neu geschaffenen Kunstwerk werden. Eine Verbreitung einer entsprechenden Aufnahme, zum Beispiel auf Instagram, kann kostenpflichtig werden.
Lesen Sie hier die Hinweise zum Urheberrecht auf der Webseite der VG Bild-Kunst.
Gesetzestext § 60 a-h UrhWissG
Informationen anderer Hochschulen/Einrichtungen
Die Vergütungen für die erlaubnisfreie Nutzung an Hochschulen erfolgt pauschal und wird für Sprachwerke zwischen KMK und VG Wort verhandelt (s. Informationsschreiben der HRK vom 20.12.2017).
Creative Commons Lizenzen im Überblick - Welche Lizenz für welche Zwecke
Mit freien Lizenzen können Urheber selbst entscheiden, unter welchen Bedingungen Andere ihre Werke nutzen können. Die gemeinnützige Organisation Creative Commons (CC) hat unterschiedliche Lizenzen entwickelt, die einen guten Kompromiss aus Einfachheit und Rechtssicherheit bieten.
Immer häufiger werden in der Lehre Software-Produkte eingesetzt. Um diese auf die eigenen Bedarfe anzupassen, ist eine freie bzw. offene Lizenz erforderlich, die eine Bearbeitung der Software ermöglicht. In dem folgenden Artikel werden Lizenzansätze beschrieben, welche Lizenzen existieren, wie man Software nutzen kann/darf und wo man freie Software findet. Der Artikel richtet sich an Lehrende und Bildungseinrichtungen, die Software-Produkte für den Einsatz in der eigenen Lehre bearbeiten oder weiterentwickeln möchten.
Hier können Sie die Handlungsanleitung Freie Software lesen.
Jedem Tierchen sein Pläsierchen - Jedes Land hat sein eigenes Urheberrecht und dies kann deutlich von anderen abweichen.
Das sogenannte "Prinzip der Inländerbehandlung" hat zum Ziel, Angehörige der unterzeichnenden Staaten im Falle eines Urheberrechtsstreits mit den eigenen Staatsangehörigen gleichzustellen.
Darüber hinaus sichern Mindestrechte aus Völkerrechtsverträgen einen Ansatz für ein international harmonisiertes Urheberrecht.
Quelle: Deutscher Bundestag (Hrsg.) (2009). Internationales Urheberrecht - Überblick und Zukunftsthemen. Abgerufen am 10. Juli 2017
Hochschulforum Digitalisierung: Dossier Urheberrecht
In dem Dossier werden Probleme im Umgang mit dem Urheberrecht bei Bildungsangeboten beleuchtet, Lösungsvorschläge betrachtet und diskutiert. Ein Thema ist auch das Verhältnis von Open Educational Resources (OER) zum Urheberrecht.
Hier finden Sie das Dossier Urheberrecht.
Diese Folge ist Teil des Dossiers "Recht in der Weiterbildung".
Recht Rechtsgrundlagen Urheberrecht

References: § 52
 §15

§60

§60
 §60
 §60
 § 60
 § 60
 § 60
 § 60