Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/3/3257.htm
Timestamp: 2018-11-21 19:03:49+00:00

Document:
3.257 Schlosshalde - Mannsteighalde
Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg und der Körperschaftsforstdirektion Freiburg über das Naturschutzgebiet und den Schonwald »Schlosshalde - Mannsteighalde« vom 31. Oktober 2000 (GBl. v. 30.11.2000, S. 723).
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Wehingen, Landkreis Tuttlingen, Regierungsbezirk Freiburg wird zum Naturschutzgebiet und Schonwald erklärt. Das Naturschutzgebiet und der Schonwald führen die Bezeichnung »Schlosshalde – Mann­steighalde«.
(1) Das Naturschutzgebiet und der Schonwald haben eine Größe von rd. 55 ha. Die Flächen der beiden Schutzgebiete sind identisch.
(2) Das Naturschutzgebiet und der Schonwald umfassen ein zusammenhängendes Waldgebiet. Die Flächen liegen auf Gemarkung Wehingen in den Gewannen Schlosshalde, Breithalde und Mannsteighalde.
Die Schutzgebietsgrenze verläuft im Süden entlang des Schlossbuckelweges und entlang des Stebbachhalde-weges, welcher auch gemeinsam mit dem Mannsteighaldeweg und dem Riedertalweg die Grenze im Westen darstellt. Im Norden verläuft die Grenze entlang des Hasenwaldweges und des Brunnenhaldeweges und folgt im Osten dem Zimmerwaldweg und anschließend dem Schlossbuckelweg.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes und des Schonwaldes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg, beim Land­ratsamt Tuttlingen, bei der Forstdirektion Freiburg und dem Staatlichen Forstamt Wehingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes
- als ein repräsentativer Hangabschnitt der Hohen Schwabenalb mit Mergelrutschhalden, Felsbildungen, reliktischen Pflanzengesellschaften und wertvollen Waldgesellschaften;
- als Lebensraum für eine Vielzahl seltener, überwiegend alpigener, zum Teil stark gefährdeter Pflanzenarten, sowie seltener Tierarten;
- mit teilweise nur wenig genutzten, reich strukturierten Wäldern und reliktischen Pflanzenge­sellschaften.
(2) Schutzzweck des Schonwaldes ist es, vorhandene Waldgesellschaften mit ihren Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, zu entwickeln und gegebenenfalls zu verjüngen.
- die Erhaltung der Altholzbestände in den Steillagen als Altholzinseln;
- die Sicherung der naturnahen Waldgesellschaften in ihrer typischen Baumartenzusammen­setzung und Struktur;
- die Zurücknahme der Fichte und die Überführung von Fichten-Reinbeständen in strukturreiche Fichten-Tannen-Buchen-Bestände mit hohem Laubholzanteil;
- die besondere Förderung seltener einheimischer, standortstypischer Baumarten sowie der Schutz der Bodenflora.
3. Christbaum- und Schmuckreisigkulturen sowie Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;
4. zu zelten, zu lagern;
5. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen;
6. außerhalb der hierfür ausgeschilderten Wege zu reiten;
7. Hundeschlittenfahrten durchzuführen.
(1) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß im Sinne einer naturnahen Waldwirtschaft erfolgt.
1. die bestehenden Altholzbestände in den Steillagen als Altholzinseln erhalten bleiben; der Auszug von Einzelbäumen (insbesondere Fichten) im Interesse der Waldverjüngung und zur Förderung seltener Pflanzenarten (u. a. Berghähnlein) bleibt jedoch möglich;
2. die seltenen, naturnahen Waldgesellschaften in ihrer typischen Baumartenzusammensetzung als sehr lichte, ungleichaltrige, kraut- und grasreiche Bestände flächenhaft erhalten bleiben;
3. in den Steilhangwäldern an der Mannsteighalde, der Mollenhalde und im südlichen Teil der Schlosshalde nur Nutzungen im Rahmen von Pflegemaßnahmen zur Erhaltung der auf diesen Standorten typischen Bestandsstrukturen und Baumartenzusammensetzungen und Bodenflora durchgeführt werden; am übrigen Westhang der Schlosshalde ist im Wesentlichen eine extensive Nutzung anzustreben; Bestandslücken dürfen nicht aufgeforstet werden;
4. Fichten bei künftigen Durchforstungsmaßnahmen zurückgedrängt werden; (der vorhandene Schwarz-kiefernbestand ist so lange wie möglich zu erhalten);
5. reine Fichtenbestände in standortgemäße Fichten-Tannen-Buchenbestände sukzessive mit hohem Laubholzanteil überführt werden;
6. die offenen Flächen, kleine Lichtungen im Steppenheide-Buchenwald, die Sonderstandorte der Steilhalden mit ihren Rutschungen, die kleinen Schutthalden und die Felsenbereiche an der Schlosshalde baumfrei gehalten werden;
7. in allen Waldbeständen ein naturnaher Waldaufbau unter besonderer Berücksichtigung seltener, einheimischer standorttypischer Baumarten und Bodenpflanzen gefördert wird;
8. Kahlhiebe eine Fläche von 0,5 ha nicht überschreiten;
9. bei der forstlichen Nutzung auf die Standorte und Wohnstätten von Pflanzen und Tieren, insbesondere stark gefährdeter Arten größtmögliche Rücksicht genommen wird;
10. Wegeneubaumaßnahmen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgen;
11. die Schutzbehandlung von Nadelstammholz nur mit zugelassenen Mitteln erfolgt.
(2) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass auf grasreichen, lichten und trockenen Rasenplätzen im Wald keine Fütterungsstellen und keine Kirrungen angelegt werden.
Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden, wobei das Einvernehmen mit der höheren Forst­behörde herzustellen ist.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. l Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt
Freiburg i. Br., den 31. Oktober 2000

References: § 2
 § 4
 § 4
 § 63
 § 64
 § 4