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Timestamp: 2019-11-23 00:09:16+00:00

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Störung der Totenruhe durch Teufels Asche | strafrechtsblogger
von Rechtsanwalt Dietrich, Fachanwalt für Strafrecht - Berlin-Kreuzberg · 9. August 2010
Manchmal hat man auch nach dem Tode keine Ruhe. Am Samstag wurde laut Bericht der Berliner Zeitung die Urne des Alt 68ers Fritz Teufel auf dem Friedhof ausgegraben und anschließend wurde die Asche auf dem Friedhof verstreut. Herr Teufel war Mitbegründer der Kommune 21. Da politische Motive nicht ausgeschlossen werden können, ermittelt der Staatsschutz z.b. wegen Störung der Totenruhe gem. § 168 StGB.
Vor der Beerdigung ist der Totenfürsorgeberechtigte Berechtigter im Sinne von § 168 StGB. Hierzu zählen die nächsten Angehörigen. Wenn diese nicht vorhanden sind, werden die tatsächlichen Gewahrsamsinhaber (z.B. Krankenhaus oder Pflegeheim) zu Berechtigten. Nach der Beerdigung sind die Inhaber der Nutzungsrechte der Grabstelle (Pächter) und die Friedhofsverwaltung berechtigt.
Da man auch nach dem Tod seiner Menschenwürde nicht beraubt werden kann, ist als Gewahrsam im Unterschied zu § 242 StGB ein tatsächliches Obhutsverhältnis und nicht eine tatsächliche Sachherrschaft zu verstehen.
Sollte die Asche tatsächlich auf dem Friedhof verstreut worden sein, müsste man sich fragen, ob eine Wegnahme vorliegt. Die Asche verbleibt weiterhin auf dem Friedhof. In einem Selbstbedienungsladen wird ein Kunde auch nicht bestraft, wenn er die Milch zur Wurst bringt. Man könnte aber auch argumentieren, dass die Asche nun den Umwelteinflüssen ausgesetzt wird und z.B. der Wind zeitnah die Asche verstreuen wird.
Sollte man eine Wegnahme ausschließen, könnte man prüfen, ob an der Asche durch das Verstreuen beschimpfender Unfug begangen wurde. Sollte man das Verstreuen von Asche als beschimpfenden Unfug einstufen, sollten alle See und Luftbestattungen untersagt werden.
Letztlich könnte, sollte die Grabstätte beschädigt worden sein, § 168 Abs. 2 StGB einschlägig sein. Hier reicht das bloße Beschädigen aus. Im Gegengsatz zu § 303 StGB hat § 168 StGB einen höheren Strafrahmen und ein Strafantrag ist nicht erforderlich.
Sollte alles nichts helfen, müsste § 189 StGB geprüft werden. Dieser regelt den postmortalen Persönlichkeitsschutz. Nach § 189 StGB wird man bestraft, wenn man das Andenken an einen Verstorbenen verunglimpft.
Wendie Mabrey (1 comments) sagt:
30. August 2010 um 10:53 Uhr
recht hast du, dass der Vergleich hinkt.
Mit dem Vergleich wollte ich ein wenig provozieren, inwieweit die Überreste eines Menschen mit tierischen Produkten gleichgesetzt werden können.
Darüber hinaus kann man sich an abseitige Paragraphen und Tatbestandsmerkmale besser erinnern, wenn sie plakativ dargestellt wurden. Die Abgrenzung zum Diebstahl könnte in einer Klausur schon einmal von Relevanz sein. Das Gesetz benutzt an zwei Stellen den selben Begriff – die Wegnahme. Hiernach könnte man davon ausgehen, dass dieser Begriff an beiden Stellen auch in der gleichen Art verwendet werden müsste. Da dem nicht so ist, habe ich diese Übertreibung eingebaut.
Jan (2 comments) sagt:
29. August 2010 um 11:11 Uhr
Das Verstreuen der Asche von Teufel mit ‘nem Supermarkt zu vergleichen, finde ich etwas daneben und inhaltlich auch nicht richtig. Sie schreiben: “In einem Selbstbedienungsladen wird ein Kunde auch nicht bestraft, wenn er die Milch zur Wurst bringt.” – auf einem Friedhof wird vermutlich auch niemand bestraft, der eine frei zugängliche Urne anders plaziert. Allerdings ist das ja nicht geschehen. Um dem tatsächlichen Geschehen gerecht zu werden hätte der Satz lauten müssen: “In einem Selbstbedienungsladen wird ein Kunde auch nicht bestraft, wenn er in den Laden einbricht, eine Milchpackung aufschneidet und die Milch im ganzen Laden verteilt.” – das würde inhaltlich jedoch keineswegs zutreffen, da man dafür sehr wohl bestraft wird… Daher hinkt Ihr Vergleich m.E. doch ganz gewaltig!
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References: § 168
 § 168
 § 242
 § 168
 § 303
 § 168
 § 189
 § 189