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Timestamp: 2017-11-17 18:16:40+00:00

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DAS URANTIA BUCH, Schrift 98. Die Lehren Melchisedeks : im Abendland
DAS URANTIA BUCH - Schrift 98. Die Lehren Melchisedeks : im Abendland
Schrift 98. Die Lehren Melchisedeks : im Abendland
§ 1. Die Religion Salems bei den Griechen
§ 2. Das philosophische Denken der Griechen
§ 3. Die Lehren Melchisedeks in Rom
§ 4. Die Mysterienkulte
§ 5. Der Mithraskult
§ 6. Mithraismus und Christentum
§ 7. Die christliche Religion
98:1.5 (1078.3) Die Hellenen waren durch die priesterfeindlichen Lehren der früheren Lehrer aus Salem so sehr geprägt worden, dass in Griechenland nie eine Priesterschaft von etwelcher Bedeutung ent-stand. Selbst die Anfertigung von Götterbildern geschah mehr im Geiste einer Kunstübung als einer andächtigen Verehrung.
2. Das philosophische Denken der Griechen
98:2.2 (1078.6) So lagen die Dinge, als Orient und Levante im sechsten vorchristlichen Jahrhundert eine Erweckung geistigen Bewusstseins und eine neu erwachende Anerkennung des Monotheismus erlebten. Aber der Westen teilte diese Entwicklung nicht; weder Europa noch Nordafrika nahmen an dieser religiösen Renaissance nennenswerten Anteil. Die Griechen indessen unternahmen einen großartigen intellektuellen Vorstoß. Sie hatten begonnen, die Furcht in den Griff zu bekommen, und sie suchten deren Gegengift nicht mehr in der Religion. Aber sie erkannten nicht, dass wahre Religion den Hunger der Seele stillt und sie von geistiger Unrast und sittlicher Verzweiflung heilt. Sie suchten in tiefem Denken — in Philosophie und Metaphysik — Trost für die Seele. Sie wandten sich vom Nachsinnen über die Selbstbewahrung — Errettung — ab und der Selbstverwirklichung und Selbsterkenntnis zu.
98:2.3 (1078.7) Durch strenges Denken versuchten die Griechen zu jenem Bewusstsein von Sicherheit zu gelangen, das als Ersatz für den Glauben an das Fortleben dienen sollte, aber sie scheiterten dabei vollkommen. Nur die intelligenteren Angehörigen der höheren Klassen des hellenischen Volkes konnten die neue Lehre erfassen; die große Masse der Nachkommen der Sklaven früherer Generationen besaß keine Fähigkeit zur Aufnahme dieses neuen Religionsersatzes.
98:2.10 (1079.7) Aber die gewöhnlichen Menschen jener Zeiten konnten die griechische Philosophie der Selbstverwirklichung und einer abstrakten Gottheit weder erfassen, noch interessierten sie sich besonders dafür; sie sehnten sich vielmehr nach Heilsversprechen, verbunden mit einem persönlichen Gott, der ihre Gebete hören konnte. Sie verbannten die Philosophen, verfolgten die letzten Vertreter des Salemkultes — beide Denkrichtungen hatten sich stark vermischt — und bereiteten sich auf jenes fürchterliche orgiastische Untertauchen in die Mysterienkulte vor, die sich damals in allen Mittelmeerländern ausbreiteten. Im olympischen Pantheon entwickelten sich die eleusinischen Mysterien, eine griechische Version des Fruchtbarkeitskultes; die dionysische Naturanbetung blühte; der beste der Kulte war derjenige der orphischen Bruderschaft, deren sittliche Predigten und Heilsversprechen an viele mächtig appellierten.
98:3.3 (1080.5) Die römische Religion geriet stark unter den Einfluss umfangreicher kultureller Importe aus Griechenland. Schließlich wurden die meisten olympischen Götter verpflanzt und dem lateinischen Pantheon einverleibt. Die Griechen hatten lange Zeit das Feuer des Familienherdes verehrt — Hestia war ihre jungfräuliche Göttin des Herdes; nun wurde Vesta zu der römischen Göttin des Heims. Zeus wurde zu Jupiter, Aphrodite zu Venus, und dasselbe widerfuhr vielen anderen olympischen Gottheiten.
98:3.9 (1081.3) Den letzten Widerstand der schrumpfenden Gruppe von Salemgläubigen leistete die ernste Predigerschar der Kyniker, die die Römer aufforderten, ihre wilden und sinnlosen religiösen Rituale aufzugeben und zu einer Form der Anbetung zurückzukehren, die das durch den Kontakt mit der Philosophie der Griechen veränderte und infizierte Evangelium Melchisedeks enthielt. Aber das Volk als Ganzes lehnte die Kyniker ab; es zog vor, sich in die Rituale der Mysterien zu stürzen, die ihm nicht nur Hoffnung auf persönliche Errettung anboten, sondern auch seinem Wunsch nach Abwechslung, Erregung und Unterhaltung entgegenkamen.
98:4.1 (1081.4) Da die Menschen der griechisch-römischen Welt in ihrer Mehrheit ihre angestammte Familien- und Staatsreligion verloren hatten und nicht fähig oder willens waren, die Bedeutung der griechischen Philosophie zu erfassen, wandten sie ihre Aufmerksamkeit den spektakulären und erregenden Mysterienkulten aus Ägypten und der Levante zu. Die einfachen Leute sehnten sich nach Heilsversprechen — nach religiösem Trost für das Heute und nach Bekräftigung der Hoffnung auf Unsterblichkeit nach dem Tode.
98:4.7 (1081.10) Die phrygischen Zeremonien waren beeindruckend, aber entwürdigend; ihre blutigen Feiern lassen erkennen, wie heruntergekommen und primitiv diese levantinischen Mysterien geworden waren. Der heiligste Tag war der Schwarze Freitag, der „Tag des Blutes“, an dem man des selbst-auferlegten Todes Attis‘ gedachte. Nach drei Tagen der feierlichen Begehung des Opfers und Todes von Attis schlug die Feier zu Ehren seiner Auferstehung in Freude um.
98:5.1 (1082.2) Die phrygischen und ägyptischen Mysterien mussten schließlich dem größten aller Mysterienkulte, der Verehrung Mithras, weichen. Der mithraische Kult sprach die verschiedensten Menschentypen an und verdrängte allmählich seine beiden Vorgänger. Der Mithraismus verbreitete sich über das ganze Römische Reich durch die Propaganda der in der Levante — wo diese Religion im Schwang war — rekrutierten römischen Legionen; denn sie trugen diesen Glauben mit sich in alle Gegenden, wo sie hinkamen. Und dieses neue religiöse Ritual bedeutete gegenüber den früheren Mysterienkulten eine große Verbesserung.
98:7.2 (1083.7) Es ist nicht Aufgabe dieser Schrift, auf Ursprung und Verbreitung der christlichen Religion einzugehen. Begnügen wir uns damit festzuhalten, dass sie um die Person Jesu von Nazareth, den als Menschen inkarnierten Michael-Sohn von Nebadon herum aufgebaut ist, den Urantia als den Christus, den Gesalbten, kennt. Das Christentum wurde in der Levante und im Abendland durch die Jünger dieses Galiläers verbreitet, und ihr missionarischer Eifer kam dem ihrer illu-stren Vorgänger, der Sethiter und Salemiten, und dem ihrer ernsten asiatischen Zeitgenossen, der buddhistischen Lehrer, gleich.
98:7.3 (1084.1) Die christliche Religion als urantianisches Glaubenssystem entstand aus der Vermengung folgender Lehren, Einflüsse, Glaubensvorstellungen, Kulte und individueller persönlicher Haltungen:
98:7.4 (1084.2) 1. Die Lehren Melchisedeks. Sie bilden den Grundfaktor aller Religionen von Okzident und Orient, die in den letzten viertausend Jahren entstanden sind.
98:7.5 (1084.3) 2. Das hebräische System der Sittlichkeit, Ethik, Theologie und des Glaubens an die Vorsehung sowie an den höchsten Jahve.
98:7.6 (1084.4) 3. Die zoroastrische Auffassung vom Kampf zwischen dem kosmischen Guten und Bösen, die ihren Stempel bereits dem Judaismus und dem Mithraismus aufgedrückt hatte. Durch den lang währenden Kontakt, den die Kämpfe zwischen Mithraismus und Christentum mit sich brachten, wurden die Lehren des iranischen Propheten zu einem mächtigen und bestimmenden Faktor in der theologischen und philosophischen Art und Bauweise der Dogmen, Lehrsätze und der Kosmologie der hellenisierten und latinisierten Versionen von Jesu Lehren.
98:7.7 (1084.5) 4. Die Mysterienkulte, insbesondere der Mithraismus, aber auch die Verehrung der Großen Mutter im phrygischen Kult. Selbst auf die Legenden über Jesu Geburt auf Urantia färbte die römische Version von der wunderbaren Geburt des iranischen Retters und Helden Mithras ab, bei dessen Ankunft auf Erden nur eine Handvoll Hirten zugegen waren, die Geschenke darbrachten und denen Engel das unmittelbar bevorstehende Ereignis bekannt gegeben hatten.
98:7.8 (1084.6) 5. Die historische Tatsache des menschlichen Lebens Josua ben Josephs, die Realität Jesu von Nazareth als des verherrlichten Christus, des Sohnes Gottes.
98:7.9 (1084.7) 6. Der persönliche Gesichtspunkt von Paulus von Tarsus. Und es sollte daran erinnert werden, dass während seiner Adoleszenz die dominierende Religion von Tarsus der Mithraismus war. Paulus hätte sich nie träumen lassen, dass seine in guter Absicht verfassten Briefe an seine Bekehrten eines Tages von späteren Christen als „Wort Gottes“ betrachtet würden. Man darf solche wohlmeinenden Lehrer nicht für den Gebrauch verantwortlich machen, den spätere Nachfolger von ihren Schriften machen.
98:7.10 (1084.8) 7. Das philosophische Denken der hellenistischen Völker, von Alexandrien und Antiochien über Griechenland bis nach Syrakus und Rom. Die Philosophie der Griechen stand mehr in Harmonie mit der paulinischen Version des Christentums als mit jedem anderen der damaligen religiösen Systeme und wurde zu einem wichtigen Faktor des Erfolges des Christentums im Abendland. Immer noch bildet die griechische Philosophie im Verein mit der Theologie des Paulus die Grundlage der europäischen Ethik.
98:7.11 (1084.9) Während die ursprünglichen Lehren Jesu im Abendland eindrangen, wurden sie verwestlicht, und mit ihrer Verwestlichung begannen sie, ihre potentiell universale Anziehungskraft auf alle Rassen und Arten von Menschen einzubüßen. Das heutige Christentum ist zu einer Religion geworden, die den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Sitten der weißen Rassen gut angepasst ist. Es hat seit langem aufgehört, Jesu Religion zu sein, obwohl es Einzelnen, die aufrichtig seiner Unterweisung nachzuleben trachten, immer noch mutig eine schöne Religion über Jesus bietet. Es hat Jesus als den Christus, den messianischen Gesalbten Gottes verherrlicht, aber es hat weitgehend des Meisters persönliches Evangelium vergessen: die Vaterschaft Gottes und die universale Bruderschaft aller Menschen.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7