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Timestamp: 2020-04-10 09:44:35+00:00

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Wei­ter­ga­be der Treu­ge­ber­lis­te an einen Fonds­ge­sell­schaf­ter – und der Daten­schutz | Rechtslupe
Die Wei­ter­ga­be von Namen und Anschrif­ten der Treu­ge­ber einer Fonds­ge­sell­schaft an Mit­ge­sell­schaf­ter bzw. Mit­treu­ge­ber steht auch dann mit § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG in Ein­klang, wenn im Gesell­schafts- und/​oder Treu­hand­ver­trag die Wei­ter­ga­be an ande­re Mit­treu­ge­ber aus­ge­schlos­sen ist.
Eben­so ist die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Zuläs­sig­keit der Aus­kunfts­er­tei­lung nach § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG und zur Unwirk­sam­keit der Anony­mi­täts­klau­sel nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs mit den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 95/​46/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 24.10.1995 zum Schutz natür­li­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten und zum frei­en Daten­ver­kehr 1 ver­ein­bar.
Der Bun­des­ge­richts­hof hät­te sei­ne Ent­schei­dun­gen zur Zuläs­sig­keit der Daten­wei­ter­ga­be nach § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG 2 nicht tref­fen kön­nen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG nicht erfüllt (gewe­sen) wären. Die Zuläs­sig­keit der Daten­wei­ter­ga­be nach § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 3 BDSG setzt zwin­gend vor­aus, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG erfüllt sind.
Die Über­mitt­lung der Daten nach § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG ist (grund­sätz­lich) immer nur im Rah­men der fest­ge­leg­ten Zweck­bin­dung zuläs­sig. Auch ohne aus­drück­li­che Nor­mie­rung die­ser Fest­le­gungs­pflicht in § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG ergä­be sie sich aus dem Norm­zu­sam­men­hang des Sat­zes 1, weil ohne die Fest­le­gung des Zwe­ckes die Zuläs­sig­keit nach § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 3 gar nicht geprüft wer­den könn­te 3.
Eben­so hat der Bun­des­ge­richts­hof die Fra­ge der Ver­ein­bar­keit der Daten­wei­ter­ga­be mit den Vor­ga­ben der Daten­schutz-RL 95/​46/​EG, deren Umset­zung (u.a.) § 4 und § 28 BDSG die­nen, im Sin­ne eines acte clair bereits mit­ent­schie­den, da er bei Zwei­feln an der Ver­ein­bar­keit sei­ner Aus­le­gung des § 28 Abs. 1 Satz 1 BDSG mit den Vor­ga­ben der Daten­schutz-RL 95/​46/​EG nach Art. 267 AEUV zur Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ver­pflich­tet gewe­sen wäre, weil er ansons­ten gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ver­sto­ßen hät­te 4.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 11.01.2011 5, in dem der Bun­des­ge­richts­hof sich aus­führ­li­cher als zuvor mit der Ver­ein­bar­keit des Aus­kunfts­ver­lan­gens mit § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG aus­ein­an­der­ge­setzt hat, nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men 6.
Aus der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 7 ergibt sich, dass sich das Aus­kunfts­recht der Treu­ge­ber, die wie hier im Innen­ver­hält­nis den Kom­man­di­tis­ten gleich­ge­stellt sind, als unent­zieh­ba­res mit­glied­schaft­li­ches Recht aus dem durch den Gesell­schafts­ver­trag begrün­de­ten Ver­trags­ver­hält­nis als sol­chem ergibt, dass sich die­ser Aus­kunfts­an­spruch sowohl gegen die Fonds­ge­sell­schaft als auch gegen die Kom­ple­men­tä­rin und den geschäfts­füh­ren­den Kom­man­di­tis­ten rich­tet 8. Anhalts­punk­te für einen Ver­stoß der aus­kunfts­be­geh­ren­den Gesell­schaf­te­rin gegen das Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) und das Schi­ka­ne­ver­bot (§ 226 BGB) waren vor­lie­gend nicht ersicht­lich. Und die Aus­kunfts­er­tei­lung ist auch mit dem Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz und der Daten­schutz-RL 95/​46/​EG ver­ein­bar:
§ 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG steht der Daten­über­mitt­lung nicht ent­ge­gen. Die Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten im Sin­ne von § 3 Abs. 1 BDSG ist nach § 4 Abs. 1 BDSG ohne die Ein­wil­li­gung des Betrof­fe­nen zuläs­sig, soweit "die­ses Gesetz oder eine ande­re Rechts­vor­schrift" dies erlaubt oder anord­net (Ver­bot mit Erlaub­nis­vor­be­halt). Die Erlaub­nis­norm fin­det sich hier in § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG 9. Die Treu­ge­ber wuss­ten bei der Bekannt­ga­be ihrer Daten gegen­über der Fonds­ge­sell­schaft bzw. gegen­über der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin, dass die­se zum Zwe­cke der Durch­füh­rung des Gesell­schafts­ver­trags erho­ben und ver­wen­det wur­den. Eine der­ar­ti­ge kon­klu­den­te Zweck­be­stim­mung genügt den Erfor­der­nis­sen des § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG 10. Des­halb ent­fällt die ansons­ten nach § 4 Abs. 3 Nr. 2 BDSG erfor­der­li­che Unter­rich­tung des Betrof­fe­nen über die Zweck­be­stim­mung dann, wenn der Betrof­fe­ne wie hier die Treu­ge­ber bereits ander­wei­ti­ge Kennt­nis von dem Zweck hat, die sich bereits aus dem Geschäft selbst (hier: Durch­füh­rung des Gesell­schafts­ver­trags) erge­ben kann 11. Nach dem "objek­ti­ven Emp­fän­ger­ho­ri­zont" muss­ten die Treu­ge­ber mit einer Über­mitt­lung ihrer Daten an ihre Mit­ge­sell­schaf­ter rech­nen, da ansons­ten die Durch­füh­rung des Gesell­schafts­ver­trags nicht mög­lich war (§ 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BDSG) 12.
Die­se Aus­le­gung deckt sich ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on mit den Vor­ga­ben aus Art. 6 (1) lit. a) bis c), Art. 10 lit. b) und c) und dem Erwä­gungs­grund 28 der Daten­schutz-RL 95/​46/​EG. Anders als die Revi­si­on meint, pos­tu­liert die Daten­schutz-Richt­li­nie kein "Ver­bot der Daten­ver­ar­bei­tung gegen den Wil­len des Betrof­fe­nen" (auch) dann, wenn der Betrof­fe­ne bei der Daten­er­he­bung über die Zweck­bin­dung der Daten­er­he­bung infor­miert wor­den ist und sich die Daten­wei­ter­ga­be im Rah­men die­ser Zweck­bin­dung bewegt. So liegt der Fall hier. Die Treu­ge­ber wuss­ten bei Bekannt­ga­be ihrer Daten gegen­über der Fonds­ge­sell­schaft bzw. der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin, dass die­se zum Zwe­cke der Durch­füh­rung des Gesell­schafts­ver­trags erho­ben und ver­wen­det wur­den (kon­klu­den­te Zweck­fest­le­gung). Das Über­mit­teln der im Rah­men die­ser Zweck­fest­le­gung erho­be­nen per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten ist gemäß § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG im Rah­men eines rechts­ge­schäft­li­chen Schuld­ver­hält­nis­ses zuläs­sig, wenn es für des­sen Durch­füh­rung erfor­der­lich ist. Das ist anzu­neh­men, wenn der Aus­kunfts­be­rech­tig­te bei ver­nünf­ti­ger Betrach­tung auf die Daten­ver­wen­dung zur Erfül­lung der Pflich­ten oder zur Wahr­neh­mung der Rech­te aus dem Ver­trags­ver­hält­nis ange­wie­sen ist. Das ist hier der Fall. Die aus­kunfts­for­dern­de Treugeberin/​Gesellschafterin ist zur Wahr­neh­mung ihrer Rech­te aus § 16 Abs. 2 des Gesell­schafts­ver­tra­ges auf die Kennt­nis der Namen und der Anschrif­ten ihrer Mit­ge­sell­schaf­ter ange­wie­sen.
Die aus­kunfts­be­ge­ren­de Gesellschafterin/​Treugeberin muss sich nicht in Anleh­nung an § 127a AktG auf ein Inter­net­fo­rum oder auf die Ein­rich­tung eines Daten­treu­hän­ders als mil­de­res Mit­tel ver­wei­sen las­sen. Es muss viel­mehr den Gesell­schaf­tern über­las­sen blei­ben, auf wel­chem Weg und in wel­cher Wei­se sie sich an ihre Mit­ge­sell­schaf­ter wen­den wol­len. Auf Sei­ten der aus­kunfts­ver­lag­nen­den Treu­ge­be­rin besteht ein berech­tig­tes Inter­es­se, ihre Gesell­schaf­ter­rech­te wahr­neh­men zu kön­nen, ohne auf die Treu­hän­de­rin als Mitt­ler zu den übri­gen Treu­ge­bern ange­wie­sen zu sein oder von ihnen bereit­ge­stell­te und kon­trol­lier­te Medi­en zu nut­zen 13.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Febru­ar 2016 – II ZR 48/​15
ABl. Nr. L 281 vom 23.11.1995 S. 31 ff.; künf­tig: Daten­schutz-RL 95/​46/​EG[↩]
sie­he hier­zu nur BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 17[↩]
vgl. Tae­ger in Taeger/​Gabel, BDSG, 2. Aufl., § 28 Rn. 109; sie­he dazu auch Wolff in Wolff/​Brink, Beck­OK DSR, Stand: 1.08.2015, § 28 Rn. 14; Gola/​Klug/​Körffer in Gola/​Schomerus, BDSG, 12. Aufl., § 28 Rn. 35[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 08.10.2015 1 BvR 1320/​14 10 ff.[↩]
BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 ff.[↩]
BVerfG, Beschluss vom 08.02.2012 1 BvR 623/​11[↩]
sie­he nur BGH, Urteil vom 16.12 2014 – II ZR 277/​13, ZIP 2015, 319 Rn. 11; Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 12; Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 11, jew. mwN[↩]
vgl. hier­zu nur BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 48 mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 17[↩]
vgl. hier­zu nur Wolff in Wolff/​Brink, Beck­OK DSR, Stand: 1.08.2015, § 28 Rn. 17 unter Hin­weis auf BGH, Urteil vom 08.02.2007 – III ZR 148/​06, NJW 2007, 1528 Rn. 12[↩]
vgl. nur Tae­ger in Taeger/​Gabel, BDSG, 2. Aufl., § 4 Rn. 79; Plath in Plath, BDSG, § 4 Rn. 36 f.; Gola/​Klug/​Körffer in Gola/​Schomerus, BDSG, 12. Aufl., § 4 Rn. 32, 34, 38[↩]
aA.: OLG Mün­chen, Urteil vom 05.02.2015 – 23 U 1875/​14; dem zustim­mend Wolff in Wolff/​Brink, Beck­OK DSR, Stand: 1.08.2015, § 28 Rn. 56a 1[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 17; sie­he zum Ver­ein BGH, Beschluss vom 21.06.2010 – II ZR 219/​09, ZIP 2010, 2397 Rn. 13 mwN[↩]
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References: § 28
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 § 28
 § 28
 § 28
 § 28
 § 28
 § 28
 § 4
 § 28
 § 28
 Art. 267
 Art. 101
 § 28

§ 28
 § 3
 § 4
 § 28
 § 28
 § 4
 Art. 6
 Art. 10
 § 28
 § 16
 § 127
 § 28
 § 28
 § 28
 § 28
 § 4
 § 4
 § 4
 § 28