Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=02.09.2014&Aktenzeichen=B%201%20KR%2012/13%20R
Timestamp: 2020-03-28 15:53:18+00:00

Document:
BSG, 02.09.2014 - B 1 KR 12/13 R - dejure.org
https://dejure.org/2014,23501
BSG, 02.09.2014 - B 1 KR 12/13 R (https://dejure.org/2014,23501)
BSG, Entscheidung vom 02.09.2014 - B 1 KR 12/13 R (https://dejure.org/2014,23501)
BSG, Entscheidung vom 02. September 2014 - B 1 KR 12/13 R (https://dejure.org/2014,23501)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2014,23501) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Krankenversicherung; Beschränkung der Zahnersatzversorgung auf Zuschuss; Freistellung vom Eigenanteil unter bestimmten Voraussetzungen; Regelungen über Zahnersatzversorgung verstoßen weder gegen Verfassungs- noch gegen Konventionsrecht
Krankenversicherung - Zugunstenverfahren - Zahnersatz - Heil- und Kostenplan - Regelversorgung - Festzuschuss - Eigenanteil - Eigenverantwortung - zahnprothetische Versorgung - Härtefall - Gesamtbehandlung - Ausnahmeindikation - Behandlungsrichtlinie - ...
§ 2 Abs 1 S 1 SGB 5, § 27 Abs 1 S 1 SGB 5 vom 21.12.1992, § 27 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB 5 vom 14.11.2003, § 27 Abs 1 S 2 Nr 2a SGB 5 vom 14.11.2003, § 28 Abs 2 S 1 SGB 5 vom 14.11.2003
Keine Übernahme der vollen Kosten einer Zahnbehandlung durch die gesetzliche Krankenversicherung bei einer angeborenen doppelseitigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte mit Nichtanlage der Zähne; Gesetzes-, völkerrechts- und verfassungskonforme Festsetzung des Festzuschusses für ...
Keine Übernahme der vollen Kosten einer Zahnbehandlung durch die gesetzliche Krankenversicherung bei einer angeborenen doppelseitigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte mit Nichtanlage der Zähne; Verfassungskonforme Festsetzung des Festzuschusses für den über die Regelversorgung ...
Trotz Erbkrankheit hohe Zuzahlungskosten für Zahnersatz
SG Freiburg, 11.08.2011 - S 5 KR 2582/10
LSG Baden-Württemberg, 16.04.2013 - L 11 KR 4024/11
Sie bedarf einer Ausführungsgesetzgebung und ist non-self-executing (…BSGE 110, 194 = SozR 4-1100 Art. 3 Nr. 69, RdNr 16 ff; BSG Urteil vom 2.9.2014 - B 1 KR 12/13 R - Juris RdNr 22).
Soweit die Vorschrift zugleich behinderte Menschen iS des Art. 3 Abs. 3 S 2 GG oder des Art. 1 Abs. 2 UN-BRK trifft, ist sie wegen des Gestaltungsspielraums des Gesetzgebers bei der Ausgestaltung des GKV-Leistungskatalogs gerechtfertigt (…vgl BSGE 110, 194 = SozR 4-1100 Art. 3 Nr. 69, RdNr 32 ff; BSG Urteil vom 2.9.2014 - B 1 KR 12/13 R - Juris RdNr 23) .
Art. 5 Abs. 2 UN-BRK ist unmittelbar anwendbar, in diesem Sinne also self-executing (vgl BSG Urteil vom 2.9.2014 - B 1 KR 12/13 R - Juris RdNr 23 mwN) .
Der Gesetzgeber kann schon im Rahmen der Krankenbehandlung aus verfassungsrechtlicher Sicht grundsätzlich frei entscheiden, von welchen Elementen der zu ordnenden Lebenssachverhalte die Leistungspflicht abhängig gemacht und die Unterscheidung gestützt werden soll (…vgl BVerfGE 115, 25, 46 = SozR 4-2500 § 27 Nr. 5, RdNr 27; BVerfG Beschluss vom 5.3.1997 - 1 BvR 1071/95 - NJW 1997, 3085;… vgl zum Ganzen zB auch BSGE 96, 153 = SozR 4-2500 § 27 Nr. 7, RdNr 23, 29 - D-Ribose;… BSGE 100, 103 = SozR 4-2500 § 31 Nr. 9, RdNr 46 - Lorenzos Öl;… BSG SozR 4-2500 § 55 Nr. 2 RdNr 44; BSG Urteil vom 2.9.2014 - B 1 KR 12/13 R - juris RdNr 16) .
cc) Eine Grenze des Gestaltungsspielraums ist wegen Verstoßes gegen den allgemeinen Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) erst dann erreicht, wenn sich für eine Ungleichbehandlung kein in angemessenem Verhältnis zu dem Grad der Ungleichbehandlung stehender Rechtfertigungsgrund mehr finden lässt (BSG Urteil vom 2.9.2014 - B 1 KR 12/13 R - juris RdNr 16 unter Hinweis auf BVerfGE 102, 68, 87 = SozR 3-2500 § 5 Nr. 42 S 184).
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (…BSG, Urt. v. 13.07.2004, B 1 KR 37/02 R - juris; BSG, B v. 23.05.2007, B 1 KR 27/07 B - juris; siehe auch BSG, Urt. v. 02.09.2014, B 1 KR 12/13 R - juris), welcher der Senat folgt, verstoßen die gesetzliche Regelung des § 28 Abs. 2 Satz 9 SGB V und die darauf beruhende Behandlungsrichtlinie mit den dort geregelten Ausnahmeindikationen selbst dann nicht gegen verfassungsrechtliche Vorgaben, wenn Implantate als einzig medizinisch sinnvolle Leistung in Betracht kommen.
Welche Behandlungsmaßnahmen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung einbezogen und welche davon ausgenommen und damit der Eigenverantwortung des Versicherten zugeordnet werden, unterliegt aus verfassungsrechtlicher Sicht einem weiten gesetzgeberischen Ermessen (BSG, Urt. v. 02.09.2014, B 1 KR 12/13 R - juris).
Soweit § 2 Abs. 1a SGB V neben lebensbedrohlichen oder regelmäßig tödlich Erkrankungen einen - verfassungsrechtlich nicht gebotenen (BVerfG, B v. 10.11.2015, 1 BvR 2056/12 - juris) - Anspruch bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen auch bei wertungsmäßig vergleichbaren Erkrankungen gewährt, erreicht selbst drohende Zahnlosigkeit keinen vergleichbaren Schweregrad (BSG, Urt. v. 02.09.2014, B 1 KR 12/13 R - juris;… siehe auch BSG, Urt. v. 04.03.2014, B 1 KR 6/13 R - juris).
Im Gesetz wird deshalb von medizinisch (und nicht zahnmedizinisch) notwendiger Versorgung gesprochen" (BSG…, Urteil vom 06.10.1999 - B 1 KR 9/99 R -, Rn. 13; mittlerweile gleichlautend zur Beschränkung der Leistung über § 55 SGB V: BSG, Urteil vom 02.09.2014 - B 1 KR 12/13 R -, Rn. 14).
Darüber hinaus ist die Annahme des BSG, Zahnlosigkeit allein genüge nicht, um eine Entstellung annehmen zu können, wegen der ein Betroffener sich aus dem Leben in der Gemeinschaft zurückzuziehen und zu vereinsamen drohe, sodass die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft gefährdet sei (BSG, Urteil vom 02.09.2014 - B 1 KR 12/13 R -, Rn. 17), abwegig und wird jedenfalls im Fall des Klägers widerlegt.
Drohende Zahnlosigkeit erreicht aber selbst bei contergangeschädigten Menschen keinen vergleichbaren Schweregrad (…BSG SozR 4-2500 § 28 Nr. 7 RdNr 16; vgl auch BSG Urteil vom 2.9.2014 - B 1 KR 12/13 R - Juris RdNr 21).
Entscheidung vom 2. September 2014 (B 1 KR 12/13 R) bestätigt.
Nur wenn die Notwendigkeit des Zahnersatzes auf einer von der gesetzlichen Krankenversicherung gewährten Erstbehandlung beruht, die sich im Nachhinein als gesundheitsschädlich und damit als hoheitlicher Eingriff in nicht vermögenswerte Rechtsgüter darstellt, gebietet jedoch Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG eine verfassungskonforme Auslegung der Vorschriften des SGB V (BSG, Urteil vom 2. September 2014 - B 1 KR 12/13 R -, juris).
Der finanzielle Ausgleich für Versicherte ohne ausreichende eigene Mittel muss auch nicht notwendig im SGB V selbst geregelt werden (BSG, Urt. v. 2. September 2014 - B 1 KR 12/13 R - juris Rn 19).
BSG, 30.10.2019 - B 1 KR 40/19 B
Übernahme einer die Regelversorgung übersteigenden Kosten der Versorgung mit …
Sie setzt sich nicht mit der einschlägigen Rspr des Senats auseinander (…vgl zB BSGE 117, 1 = SozR 4-2500 § 28 Nr. 8; BSG Urteil vom 2.9.2014 - B 1 KR 12/13 R - juris;… BSGE 86, 66, 67 f = SozR 3-2500 § 13 Nr. 21;… BSGE 85, 66, 68 = SozR 3-2500 § 30 Nr. 10 S 38).

References: § 2
 § 27
 § 27
 § 27
 § 28
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 1
 Art. 3

Art. 5
 § 27
 § 27
 § 31
 § 55
 § 5
 § 28
 § 2
 § 55
 § 28
 Art. 2
 § 28
 § 13
 § 30