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Timestamp: 2019-12-11 20:35:15+00:00

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Umzug steuerlich absetzen? - Seite 2 - recht.de
Beitrag von winterspaziergang » 08.08.17, 10:19
jake779 hat geschrieben: I...Glauben Sie, dass ich wegen dem Antrag die Kosten nicht steuerlich absetzen kann? Die Umzugskostenbeihilfe hat nämlich nur einen Teil der Kosten gedeckt. Ich würde da gerne so viel Geld sparen wie möglich.
da die Ursprungsfrage lautet
... und frage mich jetzt, ob ich das steuerlich absetzen kann. Und wenn ja, wie?
indem man das bei seiner Steuererklärung angibt und bei Bedarf die Belege einreicht.
Auch das gilt für AN, nicht jedoch für ALG-Empfänger.
wenn Sie schon korrigieren, dann bitte richtig. Ihr Satz ist ein Widerspruch: Wozu sollte ein ALG-Empfänger denn überhaupt was einreichen und welche Steuererstattung sollte von 0 Euro Steuern kommen?
Ein ALG-Empfänger dürfte demnach kaum eine Einkommenssteuererklärung machen.
Wenn er nicht mehr ALG bezieht, Steuern zahlt und hierfür vorher umgezogen ist, kann er außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Dass bereits anderweitig erstattete Zahlungen nicht nochmals geltend gemacht werden können, ergibt sich von selbst und war auch nicht die Frage des TE.
Beitrag von locarno » 08.08.17, 11:03
Du vergisst: Der Fragesteller war Arbeitslosengeldempfänger und hatte damit zum Zeitpunkt des Umzuges eine Steuerlast von Null.
Na und? Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer.
Ohne den Zusammenhang zu beachten wird das nichts als ein Schlagatausch. Wahrscheinlcih willst Du dich nur durchsetzen und das letzte Wort haben. Das hat aber mit
einer Diskussion nichts mehr zu tun.
Aber weil Du so nett fragst:
Der monatliche Steuerabzug ist eine Vorrauszahlung in Form eines zwölftels der vorrausichtlichen Gesamtsteuerschuld. So sind die Steuertabellen gestaltet. Daher wird bei unterjähriger Beschäftigung, liegt hier vor, die Vorrauszahlung beim Lohnsteuerjahresausgleich korrigiert. Im Seuerbescheid steht dann "[...] mithin zuviel entrichtet[...]".
Um das deutlich zu machen, gibt man man in der Anlage N die Art und Dauer der Beschäftigung an und fügt den Bescheid des Arbeitgebers und ggf. den LB der Arbeitsagentur oder des JC bei.
Wäre das anders würde die an sich steuerfreie ALG-Leistung durch Arbeitsaufnahme nachträglcih, und unrechtmäßig, versteuert. Dies folgt daraus, dass die Steuerschuld für das Arbeitseinkommen
eben nicht gezwölftelt werden muss, es wurde doch nur von Juli bis Dezember gearbeitet. Davor war keine Vorrauszahlung geschuldet.
und @ws
"[...] Wozu sollte ein ALG-Empfänger denn überhaupt was einreichen und welche Steuererstattung sollte von 0 Euro Steuern kommen?[...]"
ALG-Geld unterliegt dem Progressionsvorbehalt und ist deshalb im Rahmen der Steuerklärung zu erklären. Daher steht in der jährlichen Leistungsbescheinigung auch
"[...] zur Vorlage beim Finanzamt[...]". Weiter steht dort auch die Rechtsgrundlage für die Angabe in der Steuererklärung drin. Jede dem Progressionsvorbehalt unterliegende
Einkommensersatzleitung löst die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung aus.
"[...] Bestimmte Einkünfte sind zwar selbst steuerfrei, erhöhen aber durch den Progressionsvorbehalt Ihre Steuerlast. Gemäß dem Progressionsvorbehalt werden Einnahmen wie Arbeitslosen- oder Elterngeld zur Berechnung Ihres Steuersatzes mit herangezogen, ohne dass sie selbst versteuert werden müssen. Es gibt auch einen negativen Progressionsvorbehalt, der Ihre Steuerlast entsprechend mindert. Alle steuerfreien Sozialleistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sind im Einkommensteuergesetz aufgezählt.
Werden Sie gemeinsam mit Ihrem Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner veranlagt, werden Ihre steuerfreien Einkünfte dem Einkommen Ihres Partners hinzugerechnet.[...]"
Im letzten Satz steht der allerbeste Grund dafür, als ALG-Empfänger eine SE abzugeben.
Umzugskosten sind natürlich keine außergewöhnliche Belastungen! Das ergibt schon schon daraus, das Sie als HHD geltend gemacht werden können. Letzteres steht im Schreiben des BMF.
Per Definition sind außergewöhnlche Belastungen ausschliesslich solche, die wegen Krankheit oder aufgrund von Unterhaltsverpflichtungen bestehen, § 33 EstG
Die Ausgangsfrage ist zudem mit Blick auf die Ansetzbarkeit der Haushaltsnahen Dienstleistungen beantwortet.
Beitrag von winterspaziergang » 08.08.17, 11:14
Ohne den Zusammenhang zu beachten wird das nichts als ein Schlagatausch.
Richtig- ein offenbar ehemaliger ALG-Empfänger fragt, ob er Aufwendungen, die er zwecks beruflichem Umzug hatte, steuerlich absetzen kann. Man darf davon ausgehen, dass hier Steuern gemeint sind, die ab dem Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme bezahlt werden. Ansonsten kann der TE ja schreiben, was er meint.
Beitrag von locarno » 08.08.17, 11:19
Dafür hast jetzt 'n Fisch
Beitrag von Hanes » 08.08.17, 11:23
locarno hat geschrieben: Woran aber keiner denkt sind haushaltsnahe Dienstleistungen. statt dessen reiten alle auf dem lahmen Gaul der WK heisst herum!
Die HHD kann der neue AN nächstes Jahr absetzen, und sie mindern sein steuerliches Einkommen aus 2017 um genau diesen Betrag.
Bedingung ist die unbare Zahlung der Kosten per Überweisung. Hier kann er wenigstens dass ansetzen, was von der "Beihilfe" nicht erfasst wird.
Der Rest war, wie dargestellt, ohehin vom Steuerzahler gezahlt worden und scheidet deshalb aus.
HHD kann jeder geltend machen, der steuerpfichtig ist. Er muss dafür kein AN sein. Er ist auch kein Verlustvortrag nötig.
Ein sehr guter Ansatz. Die auf Rechnung per Überweisung gezahlten Aufwendungen für Malerarbeiten etc. können als Handwerkerleistungen berücksichtigt werden, Aufwendungen für eine Putzfrau, Möbelpacker u.ä. als haushaltsnahe Dienstleistung, aber nur insofern sie nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden können (s. Tz. 31 im zitierten BMF-Schreiben).
In dem vorliegenden Fall ist das somit nicht möglich, da der Umzug beruflich bedingt ist. Ob der Stpfl. dabei Einkünfte in dem Veranlagungsjahr erzielt hat oder nicht, beim Umzug noch arbeitslos war oder nicht, ist dabei egal. Er ist für den Beruf umgezogen. Es handelt sich somit zwangsläufig um Werbungskosten, egal ob vorweggenommene oder nicht.
Der lahme Gaul ist dann doch schneller am Ziel als der schnelle Hase, leider.
Zudem fällt ein Abzug als Handwerker-/Haushaltsnahe Dienstleistungen nach Tz. 23 des BMF weg, wenn die Aufwendungen steuerfrei bezuschusst wurden. Ob das hier der Fall ist, ist fraglich, aber auch unerheblich.
Das der Zuschuss des Arbeitsamts (vermutlich aus dem Vermittlungsbudget nach § 44 SGB III, was keine berufliche Wiedereingliederung zur Voraussetzung hat) von den Aufwendungen abgezogen werden muss hatte ich doch geschrieben. Beim Abzug des Zuschusses ist dabei völlig egal, ob der vom "Steuerzahler" kommt oder vom Arbeitgeber oder sonst wem. Der Steuerzahler darf nur die Aufwendungen ansetzen, die ihm auch entstanden sind!
Und wenn deiner Meinung nach der Steuerpflichtige gar kein zu versteuerndes Einkommen erzielt hätte, weswegen die Werbungskosten ins Leere laufen würden, dann laufen die HWL/HHD erst recht ins Leere. Diese können nämlich nur auf zu zahlende Steuern angerechnet werden. Ein Verlustvortrag ist zudem auch nicht möglich.
@winterspaziergang: Wenn es sich um Werbungskosten handelt scheidet ein Ansatz als außergewöhnliche Belastung aus.
@Locarno: agB können noch viel mehr sein. Wer z.B. wegen eines Hochwassers oder Brandes umziehen muss (nicht berufsbedingt), kann die Umzugskosten als agB geltend machen insofern sie keine HWL/HHD darstellen. Da nicht alle Umzugskosten (z.B. doppelte Miete, Kosten für einen Anhänger u.a.) HWL/HHD sind, können also durchaus agB in Frage kommen. agB müssen nämlich nur zwangsläufig sein und betragsmäßig größer als den meisten anderen Steuerpflichtigen entstehen (grob gesagt).
Beitrag von locarno » 08.08.17, 11:57
Zuletzt geändert von locarno am 08.08.17, 12:07, insgesamt 1-mal geändert.
Um das abschließend aufzuklären, und weil Du sachlich geantwortet hast, habe ich das Ganze mal bei "Fachmann" hinterfragt.
Erstaunlich, was man im Gespräch mit authentischen Menschen jenseits von Foren alles erfährt...
Das Finanzamt erkennt HHD bei jedem Steuerbürger grundsätzlich an! Es kommt nicht auf ein Arbeitsverhältnis an.
Quelle: Finanzverwaltung Berlin, Servicecenter, soeben telf. erfragt.
"[....]Es handelt sich somit zwangsläufig um Werbungskosten, egal ob vorweg genommene oder nicht.
Der lahme Gaul ist dann doch schneller am Ziel als der schnelle Hase, leider.[...]"
Damit liegst Du leider falsch. Werbungskosten sind an ein Arbeitsverhältnis gebunden, das hier noch nicht vorlag.
Der Gaul ist längst verreckt.
Quelle: ebenda (die wissen allerdings nichts vom Schicksal des Pferdchens)
"[...] Und wenn deiner Meinung nach der Steuerpflichtige gar kein zu versteuerndes Einkommen erzielt hätte[...]"
Was ich geschrieben hatte bezog sich auf die Steuerlast und nicht auf das erzielte Einkommen. Die SL ist i.R. Null, wenn eben der PV nicht eintritt.
Wie geschildert sind Transfereinkünfte stets steuerpflichtig, was meist aber nicht zu einer Steuerzahlung führt. Wer aber z.B. nicht allein lebt, dann wird das ALG zu dem
Haushaltseinkommen steuerbar hinzugezählt, was die Steuerlast erhöht! ->Progressionsvorbehalt!
"[...] Zudem fällt ein Abzug als Handwerker-/Haushaltsnahe Dienstleistungen nach Tz. 23 des BMF weg, wenn die Aufwendungen steuerfrei bezuschusst wurden.[...]"
Das trifft für Umzugskostenzuschüsse nach § 35a EstG nicht zu:
"[...] (3) 1Für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen, auf Antrag um 20 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 1 200 Euro. Dies gilt nicht für öffentlich geförderte Maßnahmen, für die zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse in Anspruch genommen werden.[...]"
Du legst die Rechtsnorm hier also falsch aus: Gemeint sind Modernisierungen, die mit öffentlichen Geldern bezuschusst wurden, zum Bleistift: ernergetische Sanierungen. Der Grund ist naheliegend.
Umzüge sind von dieser Einschränkung nicht erfasst.
"[...]weswegen die Werbungskosten ins Leere laufen würden, dann laufen die HWL/HHD erst recht ins Leere. Diese können nämlich nur auf zu zahlende Steuern angerechnet werden. "
Hier vermischt Du zwei steuerliche Sachverhalte: Werbungskosten entstehen im Zusammenhang mit einem AV, HHD bei Vorhandensein eines Haushaltes.
HHD werden so wie sie sind am Ende der Berechnung vom steuerbaren Einkommen abgezogen. Dieser Abzug wird nicht durch andere Sachverhalte vernichtet.
Die Nichtabzugsfähigkeit von A bedingt also keinesfalls die Steuertarifabsenkung durch Ansatz von B.
Ein steuerbares Einkommen, von dessen Steuerlast man die HHD auf Antrag abziehen könnte, erzielt jake seit 1.8. und deshalb gilt:
Die Haushaltsnahen Dienstleistungen, die nicht von der Bezuschussung erfasst wurden, können im Rahmen des Umzugs vom "neuen Arbeitnehmer" daher im Rahmen der Steuerklärung als solche Anfang 2018 geltend gemacht werden!
Schön: es muss keine berufliche Veranlassung vorliegen. Umzüge sind per se einfach HHD, so wie es Handwerkerleistungen auch sind.
Meine Vermutung war also richtig.
"[...] Ein Verlustvortrag ist zudem auch nicht möglich.[...]"
Weil eine nicht ganzjährige Arbeitslosigkeit vorliegt, stimmt. Auch das hat man mir soeben bestätigt. Da ein solcher Abzug aber finanziell weniger attraktiv wäre
als der HHD-Ansatz, ist das sehr leicht zu "verschmerzen".
Danke @Hanes nochmals für den sachlichen Beitrag. So etwas ist hier ja selten.
Ein Anruf beim Finanzamt erspart offenbar viel raten und Onlinezeit. Foren sollten immer die zweite Wahl sein, wenn mans genau wissen will.
@jake: Alles klar?
Beitrag von Hanes » 08.08.17, 13:19
Da muss ich dir leider teils widersprechen.
locarno hat geschrieben: Das Finanzamt erkennt HHD bei jedem Steuerbürger grundsätzlich an! Es kommt nicht auf ein Arbeitsverhältnis an.
Das stimmt für jeden Steuerpflichtigen und ist unstreitig.
Damit liegst Du leider falsch. Werbungskosten sind an ein Arbeitverhältnis gebunden, das hier noch nicht vorlag.
§ 9 Abs. 1 S. 1 EStG: Werbungkosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen.
Und Haufe sagt noch ferner dazu: Aufwendungen, die einem Arbeitnehmer bereits vor oder mit Beginn seiner auf Einnahmen­erzielung gerichteten Tätigkeit entstehen, werden zum Werbungskostenabzug anerkannt, wenn ein ausreichend klarer Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis besteht.
Das gilt im Endeffekt für alle Einkunftsarten: Wenn ich einen Betrieb vorhabe zu gründen, dann stellen die Gründungskosten auch Betriebsausgaben dar. Wenn ich eine Wohnung vermieten möchte, so stellen die Handwerkerleistungen für die Instandsetzung der Wohnung vor Beginn der Vermietung ebenfalls Werbungskosten dar.
Negativabgrenzung: Mein Arbeitsverhältnis in Buxtehude endet zum 30.06.01, das nächste beginnt am 01.09.01 auf der Zugspitze, am 05.06.01 ziehe ich wegen der neuen Arbeit nach Garmisch um, ich muss statt täglich 20h nur noch eine Stunde pro Tag pendeln, meine Familie bleibt in Buxtehude. Die Umzugskosten wären für dich dann keine Werbungskosten, obwohl der Umzug rein beruflich veranlasst ist? Zum Glück sieht das der Gesetzgeber anders.
Was ich geschrieben hatte bezog sich auf die Steuerlast und nicht auf das erzielte Einkommen! Die SL ist i.R. Null, wenn eben der PV nicht eintritt.
Da hatte ich deine vorhergehenden Aussagen anders interpretiert. Jetzt weiß ich, was du mit Steuerlast meintest - die tarifliche Einkommensteuer.
Wie geschildert sind Transfereinkünfte stets steuerpflichtig, was meist aber nicht zu einer Steuerzahlung führt.
Wenn man aber z.B. nicht allein lebt, dann wird das ALG zu dem Haushaltseinkommen steuerbar hinzugezählt, was die Steuerlast erhöht! ->Progressionsvorbehalt
Das Arbeitslosengeld I/II ist steuerbar, aber steuerfrei nach § 3 Nr. 2 EStG. Es ist somit nicht steuerpflichtig. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt gem. § 32b Abs. 1 Nr. 1 a) EStG. Es sorgt dafür, dass das zu versteuernde Einkommen mit einem höheren Steuersatz berechnet wird. Liegt man unter dem Grundfreibetrag, muss man gar keine Steuern zahlen und die Progression hat keine Auswirkung. Liegt man dagegen drüber, muss man mehr Steuern zahlen als wenn man kein ALG bezogen hätte, obwohl das zu versteuernde Einkommen sich nicht verändert hat.
Das ist unabhängig davon, ob man nun alleine lebt oder nicht.
Hab ich nicht anders behauptet, das stimmt so.
Einspruch! Gem. § 35a Abs. 2 EStG vermindert sich die tarifliche Einkommensteuer, nicht das zu versteuernde Einkommen, um 20 %, höchstens jedoch um 4.000 EUR der Aufwendungen für HHD.
Wer keine Steuern zahlen muss, da seine Einkünfte zu gering sind und er einen Steuersatz von 0 % hat, hat also auch keinen Nutzen aus den HHD, da weniger als 0 nicht geht.
Wer hingegen WK hat, die seine Einnahmen übersteigen, kann die negativen WK ins Folgejahr mitnehmen. (Das wird für diesen Fall nicht in Betracht kommen).
Wie bereits oben erwähnt, führen Aufwendungen zur Anbahnung eines Arbeitsverhältnisses zu Werbungskosten. Das zitierte BMF-Schreiben sowie § 9 Abs. 1 S. 2 EStG verlangen zudem, dass die Umzugskosten auch als Werbungskosten zu behandeln sind.
Weil eine nicht ganzjährige Arbeitslosigkeit vorliegt, stimmt. Auch das hat man mir soeben bestätigt.
§ 10d Abs. 2 EStG regelt den Verlustvortrag. Dieser gilt nur für negative Einkünfte, nicht für Abzugsbeträge nach § 35a, wie die HHD. Im vorliegenden Fall wird das sicherlich nichts zutreffen, außer der Stpfl. verliert nach ein paar Tagen wieder seinen Job, fällt für den Rest des Jahres in das ALG zurück und hat in den paar Tagen weniger verdient als er an Umzugskosten (abzgl. Zuschuss) hatte. Aber das wünschen wir ihm nicht.
Und um es noch einmal klar herauszustellen: Man müsste auch zwischen Handwerkerleistungen und Haushaltsnahen Dienstleistungen unterscheiden, wenn man da ankommt. Und so manche Umzugskosten sind weder das eine noch das andere und könnten dann gar nicht berücksichtigt werden.
Das habe ich auch schon bemerkt. Aber dafür ist es eben nur ein Laienforum.
Merksatz: Ein Anruf beim Finanzamt erspart viel raten und Onlinezeit. Foren sollten immer die zweite Wahl sein, wenn mans genau wissen will.
Ein Anruf bringt nur leider nicht bei jedem FA etwas. Sie sind ja nicht zu einer Aussage verpflichtet und verweigern diese deshalb gern. Zudem kann man den konkreten Sachverhalt in der Kürze dieser Zeit auch nicht immer korrekt wiedergeben bzw. verstehen, wodurch es schnell zu Aussagen kommt, die nicht passen. Da müsste man theoretisch schon eine verbindliche Auskunft einholen.
Aber noch besser: Ab zum Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. Selbst die Steuerprogramme für den Endverbraucher haben eine Menge Tipps und helfen bei der Sachverhaltsaufarbeitung.
@jake: Setz deine Umzugskosten als Werbungskosten an und gib auch den Zuschuss durch das AA an. Sollte wider Erwarten das FA sagen, dass es keine Werbungskosten sind, wird der Finanzbeamte von sich aus die Kosten als HWL/HHD geltend machen, da er dazu verpflichtet ist. Viel Erfolg in deinem neuen Job!
Beitrag von locarno » 08.08.17, 13:24
"[...]Und Haufe sagt noch ferner dazu: Aufwendungen, die einem Arbeitnehmer bereits vor oder mit Beginn seiner auf Einnahmen­erzielung gerichteten Tätigkeit entstehen, werden zum Werbungskostenabzug anerkannt, wenn ein ausreichend klarer Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis besteht.[...]"
Der Arbeitslose ist kein Arbeitnehmer i.S.d. Textes. Daher besteht überhaupt kein Zusammenhang mit seinem Arbeitsverhältnis. ->Er hat es nicht.
Das hat mit der Zugspitze gar nichts zu tun, da "dein" AG eben nicht das JC ist und "Du" deshalb anders gestellt bist.
jake hat aber steuerfreie Leistungen erhalten, die einem Abzug jedenfalls im Wege stünden, außerdem hat er sie nicht als AN erhalten.
und ich denke nicht dass der Querverweis von § 10 auf § 35 Dein Ernst war, oder? Den Stoff hast Du nicht durchdrungen.
Selbstverständlich gelten für den Abzug von HHD andere Vorschriften als für Verluste. Verluste werden vor den in 35a genannten
in Abzug gebracht, asonsten könnten die HHD doch wohl kaum die tarifliche SL direkt herabsetzen.
Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte, die Du munter durcheinander wirfst.
Übrigens: die FB muss sehr wohl Auskunft geben, gegen Gebühr sogar rechtsverbindlich. Das ist gesetzlich geregelt und Praxis.
Beitrag von Hanes » 08.08.17, 14:24
Ersetze Arbeitnehmer mit Steuerpflichtigen und es kommt das selbe raus, was ich beschrieben habe. Natürlich ist er erst AN, wenn der Arbeitsvertrag anfängt zu laufen. Das Gesetz spricht aber nicht von AN sondern von Steuerpflichtigen, da die Regelungen zu den Werbungskosten auch für die anderen Überschusseinkünfte gelten.
Oder willst du uns allen Ernstes weiß machen, dass jemand, der eine Wohnung (in der er nicht selber wohnte) vermieten will, die aber vor der Vermietung noch renovieren muss, auf seinen Renovierungskosten ohne steuerliche Abzugsfähigkeit sitzen bleibt, weil zum Zeitpunkt der Renovierung nicht vermietet wurde?
Ein arbeitsloser Steuerpflichtiger, der sich um Arbeit bemüht, kann für jede Bewerbung die er schreibt Bewerbungskosten (sogar pauschal 5 EUR pro Bewerbung) geltend machen. Das sind genau so Ausgaben, die ihm entstehen noch bevor er Arbeitnehmer ist, die aber zwangsläufig zu Werbungskosten führen, da sie zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen aufgewendet werden (selbstverständlich unter Abzug von etwaigen direkten Kostenzuschüssen durch das AA).
Ein Student ist ebenso kein Arbeitnehmer und dennoch kann er die Studienkosten im Rahmen eines Zweitstudiums als "vorweggenommene" Werbungskosten aus nicht-selbständiger Arbeit absetzen, da sie zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen aufgewendet werden. Selbst, wenn das Arbeitsverhältnis erst in der Zukunft liegt.
Ich hoffe, du hast das Prinzip jetzt verstanden.
Ich möchte dich doch bitten, die Texte etwas genauer zu lesen. Ich habe doch geschrieben, dass § 10d nix mit §35a zu tun hat. Wie kommst du dazu, mir das zu unterstellen? Einen Zusammenhang kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Es ging darum, herauszustellen, dass §35a-Ausgaben nicht das Non-Plus-Ultra sind.
Beitrag von bavarian tax collector » 09.08.17, 08:06
Vielleicht sollte man zuerst einmal bestimmte Argumente rechtlich "abklopfen"!
1. Ganzjährig Arbeitslose zahlen keine Steuer!
Das trifft zwar wahrscheinlich auf deutlich mehr als 90% aller ganzjährig Arbeitslosen zu, ist so pauschal aber falsch! Ganzjährig Arbeitslose erzielen keine Einkünfte im Sinne §19 EStG, was aber nicht heißt, dass sie keine Einkünfte im Sinne §§13-18,20-23 EStG haben können, die zu einer ESt-Zahlung führen!
2. Arbeitslose können mangels Arbeitsverhältnis keine Wk haben!
Auch falsch! Im Gegenteil, da das ALG LOHNersatzleistung ist, wird sogar der nicht verbrauchte Teil des Wk-Pauschbetrages nach §9a EStG bei der Berechnung des dem Progressionsvorbehalt unterliegenden Betrages berücksichtigt! Es dürfte für einen ganzjährig Arbeitslosen jedoch schwer sein, mehr als 1.000 Euro Wk nachzuweisen.
3. Man kann die Umzugskosten auch immer im Rahmen §35a EStG geltend machen!
Auch hier liegt ein Irrtum vor! Es liegt ein ganz eindeutiger Gesetzesvorrang im Sinne §9 EStG-§33 EStG-§35a EStG vor!
§33 Abs.2 Satz 2 EStG hat geschrieben: Aufwendungen, die zu den Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Sonderausgaben gehören, bleiben dabei außer Betracht
§35a Abs.5 Satz 1 EStG hat geschrieben: Die Steuerermäßigungen nach den Absätzen 1 bis 3 können nur in Anspruch genommen werden, soweit die Aufwendungen nicht Betriebsausgaben oder Werbungskosten darstellen und soweit sie nicht als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt worden sind
Es besteht also kein Wahlrecht die Kosten z.B. im Rahmen des §35a EStG geltend zu machen, nur weil man nicht über 1.000 Euro Wk kommt!
Egal ob man die Umzugskosten nun unter §§9, 33 oder 35a EStG subsumieren kann, Voraussetzung führ eine steuerliche Auswirkung im Sinne von monetärer Auswirkung ist immer, dass überhaupt eine Steuer anfällt!
4. Wk während der Arbeitslosigkeit können nicht zu einem Verlustrück- bzw. -vortrag im Sinne des §10d EStG führen!
Die (vorweggenommenen) Wk bei der nichtselbständigen Arbeit können wie bei jeder anderen Einkunftsart zu einem negativen GdE führen! Voraussetzung ist, dass (im Normalfall) keine anderen Einkünfte vorliegen UND keine Lohnersatzleistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen!
Im Übrigen gehe ich davon aus, das @jake779 der irigen Meinung ist, dass das FA diese Kosten praktisch 1:1 erstattet!

References: § 33
 § 44
 § 35

§ 9
 § 3
 § 32
 § 35
 § 9

§ 10
 § 35
 § 10
 § 35
 § 10
 §35
 §35
 §19
 §9
 §35
 §9

§33

§35
 §35
 §10