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Timestamp: 2020-07-02 18:33:59+00:00

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Volksverhetzung nach deutschem Strafrecht
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Warum Volksverhetzung gem. § 130 StGB strafbar ist
Nicht zuletzt auch das Internet hat es einfach gemacht, hasserfüllte Äußerungen mit vielen Menschen zu teilen. Doch nicht jede Äußerung fällt auch unter die Meinungsfreiheit. Mitunter liegt der Tatbestand der Volksverhetzung nahe. Basis ist dabei Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dem Staat kommt somit die Pflicht zu, die Würde des Menschen zu achten und zu schützen.
Dies umfasst nicht nur den Schutz vor Gewalt, sondern auch vor Herabsetzungen und Hass. Und die Schutzwirkung soll darüber hinaus nicht nur Individuen zukommen, sondern auch bestimmten Personengruppen. Darauf zielt § 130 StGB ab.
1. Gesetzliche Regelung des § 130 StGB
2.1. Volksverhetzung und die Grenze zur Meinungsfreiheit
2.2. Beispiele für ein volksverhetzendes Verhalten
2.3. Strafen
2.4. Urteile
Gesetzliche Regelung des § 130 StGB
Volksverhetzung ist in § 130 StGB geregelt. Dort heißt es in Absatz 1:
Volksverhetzung (© Gina Sanders / Fotolia.com)1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
Durch § 130 StGB soll vor allem auch das Allgemeininteresse an einem friedlichen Zusammenleben im Staat geschützt werden. § 130 StGB befasst sich nicht mit der Hetze gegen den Staat, sondern mit der Hetze im Staat. Dabei sind in Absatz 1 gleich mehrere Handlungsvarianten genannt.
So kann zum Hass aufgestachelt und zu Gewalt- und Willkürmaßnahmen aufgefordert werden. Es ist durchaus möglich, dass sich beide Varianten auch überschneiden. Was das Aufstacheln zum Hass angeht, ist eine abstrakte Eignung der Handlung aus Sicht des Täters ausreichend. Der Erfolg, nämlich dass tatsächlich Hass erzeugt wird, ist nicht erforderlich. In § 130 Absatz 1 Nr. 2 StGB sind die Tatalternativen beschimpfen, verleumden und böswilliges Verächtlichmachen genannt. Was das Beschimpfen und Verleumden angeht, können die §§ 185 ff. StGB ergänzend herangezogen werden.
Volksverhetzung und die Grenze zur Meinungsfreiheit
Ein immer wiederkehrendes Problem ist es festzustellen, wann Meinungsfreiheit aufhört und Volksverhetzung beginnt. Denn zur Meinungsfreiheit gehören auch Meinungen, die einem persönlich nicht immer gefallen mögen. Auch wenn Äußerungen ausländerfeindlich oder rassistisch klingen, müssen sie noch nicht strafrechtlich relevant sein. Der Meinungsfreiheit wird ein hoher Stellenwert beigemessen. Allein die Aufstachelung oder Aufforderung zur Gewalt reicht für § 130 StGB noch nicht aus. Hinzukommen muss noch, dass es sich speziell gegen eine bestimmte Gruppe Menschen richtet, die sich u.a. durch Hautfarbe oder Herkunft kennzeichnen lässt.
Zudem bedeutet Meinungsfreiheit, dass eine Meinung wiedergegeben wird, nicht eine Tatsache. Der Unterschied hierbei ist, dass eine Tatsache dem Beweis zugänglich ist. Es lässt sich überprüfen, ob sie richtig oder falsch ist. Beliebtes Beispiel hier: Wer den Holocaust leugnet, äußert keine Meinung. Es handelt sich um eine Tatsachenbehauptung und es ist eine klare Widerlegbarkeit gegeben. Die Leugnung des Holocausts ist als Volksverhetzung anzusehen.
Beispiele für ein volksverhetzendes Verhalten
Ein Beispiel für Volksverhetzung stammt aus dem Jahr 2014. Damals fand die Berliner Al-Quds-Demonstration statt, organisiert von pro-palästinensischen Initiativen. In islamischen Ländern ist es seit einigen Jahrzehnten Brauch, am Al-Quds Tag Anti-Israel Demonstrationen abzuhalten. In Berlin skandierten die Teilnehmer die Parole „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf' allein“. Von Meinungsfreiheit war hier nicht mehr auszugehen. Strafrechtsexperten gehen vielmehr davon aus, die Parole als volksverhetzend einzustufen. Es wäre eine klare Abgrenzung von Menschen nach ihrer Religion gegeben, zudem würden sie herabgesetzt.
Strafverteidiger-Tipp: Ein rechtsradikaler Sänger wurde u.a. wegen Volksverhetzung verurteilt, weil er vor etwa 50 Zuhörern in einer Gaststätte selbst komponierte Lieder sang, in denen zu Hass auf Juden, Ausländer und Farbige aufgerufen wurde.
Strafrecht (© blackday / Fotolia.com)Ein Mann wurde wegen rassistischer Kommentare, die er in einem sozialen Netzwerk postete, zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Auslöser war ein Kommentar von ihm, in dem er die Worte Erschießung und Vergasung nannte, Bezug nehmend auf ein Bild von angeblichem Müll von Asylbewerbern. Weiterhin musste er 80 Sozialstunden leisten bei der Asyl- und Flüchtlingshilfe.
Wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wurde 2016 ein Mann zu einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt. Hier ging es ebenfalls um einen Kommentar in den sozialen Netzwerken. Der Mann hinterließ den Kommentar „Drecksyrierpack“ und postete dazu noch ein Bild von Adolf Hitler.
Berücksichtigt werden muss auch, dass bei Volksverhetzung nicht nur strafrechtliche Konsequenzen drohen können. Auch auf der Arbeit kann die Erfüllung des Tatbestandes Folgen nach sich ziehen. So ist eine Kündigung durchaus wegen rassistischen Online-Einträgen oder fremdenfeindlichen Äußerungen gegenüber Kollegen möglich. Ein Fachanwalt für Strafrecht kann nähere Auskünfte dazu erteilen.
Das mögliche Strafmaß wegen Volksverhetzung richtet sich nach den unterschiedlichen Begehungsformen. Wie hoch die tatsächliche Strafe ausfällt, hängt vom Einzelfall ab.
Rechtfertigung, Billigung, Verherrlichung der Gewalt- und Willkürherrschaft des Nationalsozialismus -> eine Freiheitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe.
Äußerung von Volksverhetzung -> Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis 5 Jahren.
Leugnen, Billigen und Verharmlosen des NS-Völkermordes -> Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe.
Darbietungen durch Medien- oder Teledienste, Rundfunk, Verbreiten von Schriften -> Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe.
Wegen Volksverhetzung für schuldig befunden wurde 2017 ein Ex-Soldat, der in einem sozialen Netzwerk gegen Flüchtlinge und Ausländer hetzte. Es wurde eine Geldstrafe in Höhe von 3750 Euro verhängt. Das Urteil ist rechtskräftig.
Drei Jugendliche wurden zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil sie sich einer Demonstration angeschlossen hatten und dabei „Ausländer raus“ riefen. Eine der Angeklagten musste zudem für eine Woche in den Jugendarrest.
1. Richtiger Adressat (z.B. Teile der Bevölkerung)
2. Handlungsvariante: aufstacheln zum Hass oder auffordern zu Gewalt- und Willkürmaßnahmen / beschimpfen, verleumden, böswilliges Verächtlichmachen / billigen, leugnen oder verharmlosen einer Handlung unter der Herrschaft des Nationalsozialismus
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