Source: https://diakonie-ols.de/clearing-im-landkreis-los.html
Timestamp: 2020-03-31 19:10:35+00:00

Document:
Clearing im Landkreis LOS - Das Diakonische Werk
Jugendhilfeeinrichtung für unbegleitete minderjährige Ausländer und integrative Krisenintervention
Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) und Einrichtung der integrativen Krisenintervention.
Die Clearingstelle im Jugendprojekt ALREJU bestand bereits seit 1999 mit 9 Plätzen.
Da der Bedarf an Clearingplätzen 2015 sprunghaft anstieg, wurde die Clearingstelle auf 25 Plätze erweitert, ausgelagert und am 01.12.2015 an einem neuen Standort eröffnet.
Sie war ausschließlich eine Einrichtung für junge Flüchtlingskinder unter 18 Jahren, die ohne Eltern aus ihrem Heimatland geflohen sind. Hier erfolgt eine erste Abklärung ihrer augenblicklichen Situation und ihrer Perspektive in Deutschland.
Seit 2017 gibt es einen deutlichen Rückgang der Zugangszahlen, sodass die Platzzahl im umA Bereich auf 9 Plätze reduziert werden muss.
Seit der Gründung von ALMA wurde unsere Clearinarbeit auf die Zielgruppe der umA begrenzt. Zukünftig soll mit der konzeptionellen Ergänzung auf die veränderten individuellen und gesellschaftlichen Bedarfslagen reagiert werden. Die Arbeit wird künftig sowohl das Clearing als auch eine integrative Krisenintervention umfassen.
Vor dem Hintergrund der Erfahrung, dass Kinder, Jugendliche und Familien mit Migrationshintergrund häufig erschwerte Voraussetzungen für eine positive Gestaltung eines eigenverantwortlichen Lebens haben, verstehen wir uns als Wegbegleiter und Interssenvertreter dieser Zielgruppe.
In diesem Bereich bietet ALMA ebenfalls 9 Plätze, für Kinder und Jugendliche vorrangig mit Migrationshintergrund an. Mit einer vorübergehenden Unterbringung in ALMA wird die Möglichkeit geschaffen, Kinder und Jugendliche aus einer konflikthaften, gefährdenden oder bedrohlichen Situation zeitlich befristet aufzunehmen und mit ihnen und ihrem Umfeld eine gewaltfreie und sichere Unterstützungs- und Lebensperspektive zu erarbeiten.
Clearingstelle ALMA
Giovanna Tschentscher
Tel.: (03361) 693825-0
FAX: (03361) 693825-22
E-Mail: alma...@diakonie-ols.de
Die Inobhutnahme der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMA) und der integrativen Krisenintervention erfolgt im Rahmen des
§ 8 SGB VIII Beteiligung
§ 8 a SGB VIII Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung
§ 34 SGB VIII stationäre Unterbringung
$ 35 a SGB VIII Eingliederungshilfe
§ 36 SGB VIII Hilfeplanverfahren/Mitwirkung
§ 41 SGB VIII Hilfe für Junge Volljährige i.V. § 34 Heimerziehung
§ 45 SGB VIII Beteiligung und Beschwerde
Anspruch auf Inobhutnahme in der Clearingstelle haben UMA (unbegleitete, minderjährige Ausländer), die unter 18 Jahre alt sind und in Brandenburg zum ersten Mal aufgegriffen und registriert werden. Das zuständige örtliche Jugendamt setzt sich mit der Clearingstelle ALMA in Verbindung. Es verpflichtet sich dann schriftlich, für die Unterbringungskosten aufzukommen und Krankenbehandlungsscheine bzw. Krankenversicherungskarten für die UMA zu übernehmen. Eine entsprechende Kostenübernahme- und Wiederaufnahmeerklärung muss vorgelegt werden. Hierin wird auch festgehalten, dass sich das Jugendamt nach Abschluss des Clearingverfahrens bemüht, eine geeignete weiterführende Maßnahme zu finden.
Die Zielgruppe der integrativen Krisenintervention sind Kinder und jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren, vorrangig mit Migrationshintergrund, bei denen Personensorgeberechtigte vorhanden sind, diese aber ihre Personensorge zum aktuellenZeitpunkt nicht in ausreichendem Maße nachgehen oder nachgehen können. Dadurch ist für eine bestimmte Zeit eine Unterbringung außerhalb der Familie notwendig.
Beispielhaft können folgende Gründe für eine Aufnahme sein:
Krankenhausaufenthalt/Inhaftierung der PSB
Gewalterfahrung und traumatische Erlebnisse
Bindungs- und Entwicklungsstörungen
Verlust von familiären Bezugssystemen
Perspektivlosigkeit, fehlende Tagesstruktur
Schutz vor Zwangsehen und kulturellen Spannungen
akut drogen- und alkoholabhängige Kinder und Jugendliche
akut suizidgefährdete und akut aggressive Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche mit schweren körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen
Während des Clearingverfahrens im umA Bereich soll eine differenzierte Abklärung des Kindeswohls erfolgen. Daraus ergibt sich für den Clearingprozess im Wesentlichen:
Im Bereich der integrativen Krisenintervention wissen wir aus Erfahrung, dass die Kinder und Jugendlichen vor Aufnahme in der Einrichtung oft mehrere Stationen durchlaufen und Beziehungsabbrüche erlebt haben. Um adäquate Hilfestellung bei der Persönlichkeitsentwicklung leisten zu können, ist es zunächst wichtig, die individuelle Entwicklungsgeschichte nachvollziehen, verstehen und wertfrei akzeptieren zu können, um auf diser Grundlage zu arbeiten.
Die Persönlichkeitsentwicklung wird insbesondere gefördert durch:
Herstellen einer Vertauensbasis
Verstehen der Perspektive der Kinder und Jugendlichen
Allparteilichkeit und Wohlwollen
Aufbau eines strukturierten Tagesablaufes
Soziales Lernen durch Gruppenangebote
Angeleitete, regelmäßige Reflektion des Verhaltens der Kinder und Jugendlichen
Alma bietet eine, für die Kinder und Jugendlichen verlässliche, aber gleichzeitig nicht so starre Tagesstruktur. Diese bildet den Rahmen der pädagogischen Arbeit. Der Alltag wird so zum Lernfeld für die eigene Lebensgestaltung.
Am Ende des Aufenthalts in ALMA muss eine Einschätzung für die weitere Lebensperspektive ermittelt worden sein. Dies entsteht in einem intensiven Prozess mit dem jungen Menschen im Zusammenarbeit mit den PSB, den Jugendämtern, ggf. den Ausländerbehörden und anderen zuständigen Institutionen.
Beispielhaft können sich folgende Anschlussmöglichkeiten ergeben:
Rückkehr in die Familie, ggf. in Ergänzung mit Formen ambulanter Hilfe zur Erziehung
Unterbringung in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung
eine Empfehlung an das JA zur Aufnahme in einer Pflegefamilie
Umzug in eine Gemeinschaftsunterkunft, sollte kein weiterer Hilfebedarf festgestellt werden
Bezug von eigenen Wohnraum mit ambulanter Jugendhilfe
Die Einrichtung verfügt über 18 Plätze. Die Jugendlichen sind in Wohngruppen untergebracht, die sich in 2 Wohnetagen aufteilen. Pro Etage stehen 4 Toiletten und 2 Duschen zu Verfügung.
Für 3 Mädchen stehen eine Küche, 1 Dusche und 2 Toiletten zu Verfügung.
Die personelle Ausstattung richtet sich nach der vom MBJS erteilten Betriebserlaubnis der Einrichtung gemäß § 45 SGB VIII für die Fachkräfte und den Vorgaben des örtlichen Jugendamtes zum sonstigen Personal.
Zum pädagogischen Team gehören auch muttersprachliche Betreuer, die den Kindern und Jugendlichen das Ankommen erleichtern und ihnen als Sprach- und Kulturmittler zur Verfügung stehen.
Für alle Kinder und Jugendlichen erfolgt im umA Bereich ein Erstunterricht in der deutschen Sprache (A 1).
Folgende Themen werden u.a. im Unterricht neben der deutschen Sprache vermittelt:
Interkulturelle Sichweisen
deutsche Kultur und Traditionen
Umfelderkundungen zBsp. durch eine Stadtrally
Im Bereich der integrativen Krisenintervention kann davon ausgegangen werden, dass die jungen Menschen in der Regel an Fürstenwalder Schulen unterrichtet werden können. Dementsprechend erfolgt im Rahmen der Aufnahme in die Einrichtung auch eine Abstimmung zur Aufnahme in eine Schule, sofern der weitere Besuch der bisherigen Schule nicht möglich ist. Unter Umständen ist eine abweichende Regelung notwendig, wenn dem jungen Menschen aufgrund bestehender unzureichender Bildungshintergründe, einer Verweigerungshaltung oder ähnliches, der Besuch der Regelklasse im Wege steht.
Bei verübergehender Befreiung von der Schulpflicht oder einer hausinternen Beschulung wird die pädagogische Arbeit auf Zwischenschritte ausgerichtet. Wie zBsp.
Stärkung persönlicher Ressourcen und Kompetenzen, Motivationsarbeit
Gemeinsame Zielentwicklung bzgl. der Wiedereingliederung in den Schulalltag
Nachhilfe, Aufarbeitung von Lerninhalten, Hausaufgabenhilfe
Begleitung zur Schulanmeldung u.s.w.
Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Bedarf nach § 35 a SGB VIII kann eine solche Regelung notwendig sein. In dem Zusammenhang zusätzlich zur Verfügung stehende personelle Ressourcen werden für die Gestaltung lerntherapeutischer Angebote genutzt, welche bei Bedarf und nach Absprache vorübergehend auch als interne Beschulung erfolgen kann.
In jedem Fall wird abhängig vom Entwicklungsstand des jungen Menschen und der Verweildauer in der Einrichtung, die Beschulung in einer Regelklasse angestrebt.
Pädagogen verschiedener Kulturen und Sprachen
Gesundheitsamt/Fachärzte/PIA
Jugendclubs der Stadt Fürstenwalde
Sportvereine der Stadt Fürstenwalde

References: § 8

§ 8

§ 34

§ 36

§ 41
 § 34

§ 45
 § 45
 § 35