Source: https://www.buerokratischer-kindes-missbrauch.de/home/b%C3%BCrokratie-akten-weinen-nicht/straftat-helfende-hinweise/
Timestamp: 2018-02-17 21:26:00+00:00

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Straftat Helfende Hinweise - 1498547100s Webseite!
Straftat "Helfende Hinweise"
Zur Banalität des Büros
und zur Schreibtisch-Gewalt
Bürokratischer Kindesmissbrauch: Der Lenkende Hinweis
Bürokratischer Kindes-Missbrauch hat verschiedene Grundübel. Dazu gehören vielfach nicht nur Fakten-Freiheit oder Grund(!)Rechts-Missachtung. Dazu gehört vor allem auch die Unimosität von Empfehlungen und Entscheidungen.
Grundlage der Unimosität ist der „Lenkende Hinweis“.
Der Lenkende Hinweis ist unter Beteiligten auf informellen Wege ein Hinweis, wie eine Sache, ein Fall zu deuten, zu bewerten, zu entscheiden ist.
Der Lenkende Hinweis ist gerade dadurch, dass er „informell“ gegeben wird, sowohl schwer nachweisbar wie andererseits extrem kraftvoll. Denn das Informelle, wie wir aus unendlichen Studien wissen, ist weit bedeutender als all das, was „formell“ vermittelt wird.
Bei Gesprächen, wissen wir, werden nach einer Untersuchung von Albert Mehrabian 55% der Kommunikation durch Körpersprache vermittelt, 38% über Ton und Stimme transportiert wird und nur 7% über den Inhalt – bedeutend: Das Informelle bestimmt mit gut 93 Prozent weit mehr wie wir einen Sachverhalt wahrnehmen als das Formell mit nur gut 7 Prozent.
Das ist mit dem „Lenkenden Hinweis“ vergleichbar. Der Lenkende Hinweis gibt dem Empfänger eine Richtung vor, wie er eine komplexe Sache als Ganzes bewerten soll. Und zwar nicht auf der sach-rationalen Ebene, sondern auf der emotionalen Ebene.
Die emotionale Ebene ist meist kurz und knapp, eine Art Zusammenfassung, selten detailliert begründet, während die formelle Ebene genau umgekehrt ist:
„Die Eisdiele ist gut.", „Dr. Müller ist ein Schwätzer“, „Erfolgreiche spielen Golf“.
Entscheidend ist, dass im Fall des Kindschaftsrechts Beteiligte deshalb unterschiedliche Beteiligte sein sollen, weil sie aus unterschiedlichen Winkeln heraus, aus „ihrer unabhängigen Fachkompetenz“ heraus einen Fall „unabhängig“ beurteilen sollen:
Der Verfahrensbeistand aus seiner Sicht, das Jugendamt aus seiner Sicht, der Richter aus seiner Sicht, die Verfahrenspflegerin aus ihrer Sicht.
Genau diese Unabhängigkeit wird bewusst und gezielt unterlaufen.
Der „Lenkende Hinweis“ macht den Empfänger eines Hinweises zum Teil einer Crowd Intelligence. Es erspart ihm, sich eine Meinung „erarbeiten“ zu müssen. Die Meinung des anderen dient ihm als Orientierung.
Zudem versichert sich der Empfänger des lenkenden Hinweises der Freundschaft und Verbundenheit oder Dank, des Hinweis-Gebenden. Man wird zu einer informellen verschworenen Gemeinschaft, sieht Dinge ähnlich, geht nicht gegeneinander, sondern miteinander in eine bestimmte Richtung. Der Empfänger wird ggf. auch Teil einer größeren Gruppe, der der Geber vielleicht schon angehört. Man wird informeller aber wesentlicher Teil von etwas Größerem.
Das Sachproblem konkretisiert sich vielleicht nur in dieser einen Frage: Ja/Nein, Stopp/Weiter. Sie ist inhaltlich und zeitlich begrenzt. Der Fall selbst ist für die Beteiligten von nur untergeordneter Bedeutung, für die Entscheider vielleicht sogar unbedeutend, vielleicht sogar in kurzer Zeit wieder vergessen.
Die emotionale Verbundenheit hingegen wird langfristig verstärkt. Man hilft sich hier, man sieht Dinge ähnlich. Man bekommt und gibt Hinweise heute, und morgen. Dieses Jahr und nächstes Jahr.
Man erspart sich Zeit – hat das Urteil schon, bevor man überhaupt dazu irgendetwas gelesen hat.
Man stimmt überein bei einer Reihe von dienstlichen Schreibtisch-Angelegenheiten, und bald auch in der Einschätzung von Kollegen oder Vorgesetzen.
Man gibt sich Hinweise in dienstlichen Kleinigkeiten, und bald auch in bedeutenden persönlichen Angelegenheiten: Wo wird eine Stelle frei, welcher Chef ist mit Vorsicht zu genießen, wo kann man am besten einkaufen, vor welcher Frau sollte man sich in Acht nehmen.
Entscheidender als der Inhalt des Lenkenden Hinweises ist, dass er überhaupt gegeben wurde, dass er überhaupt angenommen wurde. Denn er verstärkt persönliche, emotionale Bande zwischen den Beteiligten.
Der Lenkende Hinweis geschieht durch ein kurzes Telefonat („Sagen Sie mal, Herr Kollege …“), bei einem kurzen Treffen auf dem Flur („Was halten Sie von …“), einer kurzen Paraphe („Q“ für Querulant) oder durch eine kurze Bemerkung („Oh je …“) oder einem Hinweis in einer Mail („Na dann viel Spaß …“)
Die Folge in jedem Fall ist: Der Hinweis-Empfänger prüft nicht voreingenommen, sondern wird Partei, bevor er überhaupt die Fakten zur Kenntnis genommen hat. Und bei dieser Meinung wird er zu 95 Prozent oder mehr bleiben. Kommt er zu einer anderen Einschätzung, wird er sich beim Hinweisgeber häufig „entschuldigen“ – um diesem nun trotzdem weiterhin seine Wertschätzung zu versichern.
Die Sachentscheidung wird gegen emotionale Unterstützung eingehandelt.
Die für Kinder, Eltern oft lebensentscheidende Frage wird zur emotionalen Frage von Externen - z.B. zwischen Verfahrenspflegerin und Richter.
Einzelkämpfer kommen nicht weit. Sind unbeliebt. Haben keine Förderer. Sind isoliert.
Hinweis-Geber und Hinweis-Nehmer sind Teil einer informellen Gruppe, sind beliebt. Nur informelle Gruppen als Ganzes bringen sich und einzelne Mitglieder nach vorn – was in jedem Fall der Gruppe als Ganzes hilft.
WEIL man sich hilft, kennt man sich, und WEIL man sich hilft, hilft man sich, und weil man sich hilft, kommt man vorwärts.
Aus diesem Grunde sind in Kindschaftsverfahren auch „Externe“, die als Zeugen geladen werden, von großer Unsicherheit. Sie gehören nicht dem informellen Kreis von Bürokraten, Geld- und Auftraggebern, Geld- und Auftragnehmern an.
Sie tauchen kurzzeitig auf, geben ihre Einschätzung ab, und verschwinden wieder.
Sie sind für Druck oder gegenseitige Hinweise oder Vorteile nicht empfänglich. Sie sind „wild carts“: Unabhängig.
Hinweisgeber hingegen gehören einem „System“ ähnlicher Interessen an, egal ob Richter, Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt oder Verfahrenspfleger.
Für Außenstehende ist dieses System nicht zu durchschauen – im beim Einzelnen anstehenden, konkreten Fall sogar undurchschaubar. Es umschleicht sie das Gefühl, dass „irgendetwas nicht stimmt“. Aber was?
Wie kann es sein, dass ein Beteiligter so plötzlich seine Meinung komplett ändert? Wie kann es sein, dass trotz vorliegender Fakten alle Beteiligten so blind sind und alle Beteiligten so sehr in die eine, völlig verblendete Richtung denken?
Viele Betroffene vermuten und befürchten „dunkle Mächte“ hinter den Kindschafts-Urteilen. Sie vermuten, dass Jugendämter an den Einnahmen von Heimen beteiligt werden – und Jugendämter DESHALB für „Inobhutnahmen“ (Entführungen von Eltern) votieren. Oder sie vermuten, dass „die Aufdeckung“ von Strukturen durch den „Staatsschutz“ verhindert werde.
Weder Mafia, noch Staatsschutz sind hier das Übel: das Übel heißt Faulheit, menschliche Kommunikation, Einsamkeit, Wunsch, einer Gruppe anzugehören, Machtwille.
Während der betroffene Elter sich akribisch auf den Termin vorbereitet, Argumente und Sachverhalte aufgelistet hat, ist die Entscheidung schon längst gefallen - vielleicht schon zwei oder drei Wochen vor diesem Termin: Zwischen Verfahrensbeistand und Richter, zufällig auf dem Flur.
Ob dabei Kinder oder Familien zerstört werden, ob der Einzelne es hätte verhindern können, spielt dabei keine Rolle. Akten weinen nicht. Wichtiger ist, dass man sich in drei Tagen mit dem Kollegen zu Mittag verabredet oder ihn in 3 Monaten mal um einen Gefallen bitten kann.
Der Lenkende Hinweis ist vergleichbar mit dem Straftatbestand der „Sexuellen Belästigung“. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz entspringt, wie Lenkende Hinweise, verschiedenen, menschlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse:
Sexualität – ist normal. Dass „der Mann“ den ersten Schritt der Annäherung macht – häufig. Dass Frauen sich „adrett“ kleiden – ebenfalls.
Normale Freundlichkeit, Interesse werden hingegen strafrechtlich relevant, wenn Sexualität als Mittel der Erpressung genutzt wird. „Wenn du mir nicht dienst, werde ich dir kündigen oder dich anders behindern oder benachteiligen, ansonsten werde ich dich fördern oder dich anders belohnen“.
Sexuelle Belästigung ist erst seit 1978 definiert. Lin Farley fand heraus, dass viele weibliche Angestellte vom Boss angestellt wurden, weil sie hübsch waren, und gefeuert wurden, wenn sie sexuelle Dienste verweigerten.
Heute ist Sexuelle Belästigung, an der Schnittstelle zwischen normalem, menschlichem Verhalten und Straftat Teil des Gesetzbuches.
Lenkende Hinweise sind ähnlich zu behandeln. Lenkende Hinweise entsprechen in vielfältiger Hinsicht menschlichem Verhalten.
Gleichzeitig ist der Lenkende Hinweis in Kindschaftssachen als Straftatbestand zu ahnden. Denn er verletzt gezielt die Unabhängigkeit der Beteiligten, und er verletzt – gezielt – die Unmittelbarkeit des Verfahrens – die im Übrigen gesetzlich garantiert und vorgeschrieben ist (für den Zivilprozess in den § 128, § 309 und § 355 ZPO, für den Verwaltungsprozess in den § 96 und § 101 VwGO und für die Strafprozesse in den § 244, § 250 und § 261 StPO.)
Der Lenkende Hinweise ist Teil des Systems, das Familien zerstört, Kinder in Psychosen und Eltern in den Selbstmord treibt.
Der Lenkende Hinweis ist Teil Bürokratischen Kindes-Missbrauchs.
„Das Kind …? Was für ein Kind? Ach so, ja … Der Vater hat sich kürzlich erhängt. Die Akte ist schon lange im Archiv. Wollen wir noch einen Kaffee trinken?“
Nachtrag und Weiterung:
Nach einer Untersuchung von 2013/14 erhalten gut 50 % (80 % ?) der Gutachter von Richtern Hinweise, in welche Richtung diese sich ein Gutachten wünschen.
Noch extremer wird der willfährig vorauseilende Gehorsam bei kommerziellen Kinder-Unternehmern (wie Umgangspflegern, Verfahrenspflegern) sein. Denn sie sind wirtschaftlich extrem vom nächsten Folgeauftrag des Richters abhängig.
Und wer dort gegen einen Richter spricht, steht in Gefahr, das nächste Mal - von genau diesem Richter - keinen Auftrag mehr zu bekommen. Und das - wäre schlecht. Denn daheim das Badezimmer muss renoviert werden ...
Lithographie: A. Paul Weber

References: § 128
 § 309
 § 355
 § 96
 § 101
 § 244
 § 250
 § 261