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Timestamp: 2019-07-19 07:19:48+00:00

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Siebentes Kapitel. Muri verliert die deutschen Herrschaften.
Im Frieden zu Campo Formio (17. Okt. 1797) trat Kaiser Franz von Oesterreich ganz Belgien an die Republik Frankreich ab und sollte dafür als Entschädigung das venetianische Gebiet bis an die Etsch erhalten, mit Deutschland wurde zu Rastat verhandelt. Diese Verhandlungen zerschlugen sich bald. (II-335) Oesterreich griff neuerdings zu den Waffen. Diese entschieden jedoch 1799 und 1800 wieder zu Gunsten Frankreichs. Kaiser Franz II. musste im Frieden zu Luneville (9. Febr. 1801) die Abtretung des linken Rheinufers, die Säkularisation der geistlichen Herrschaften in Deutschland unterzeichnen und sich für die Vollziehung der letztern verpflichten. Der deutsche Reichstag wollte die Angelegenheit der Entschädigung selbständig ordnen und ernannte am 2. Okt. (1801) zur Entwerfung eines Vertheilungsplanes aus den Ständen Baiern, Böhmen, Brandenburg, Hessen-Kassel, Sachsen, Würtemberg und dem Hoch- und Deutschmeister einen Ausschuss, der sich das folgende Jahr am 24. August in Regensburg versammelte. Frankreich wusste sich hier mit Russland in die Angelegenheiten, welche nur die deutschen Reichsfürsten berührten, einzumischen. Der französische General Bahorest und der russische Geschäftsträger Klüpfel legten mit unerhörter Anmassung der Versammlung einen förmlichen Theilungsplan vor. Bevor aber dieser von der Reichsdeputation genehmigt worden, griffen Preussen, Baiern und Würtemberg zu und nahmen die Länder der Stifte und Klöster, welche ihnen der besagte Theilungsplan zuwies, in Besitz. Endgiltig wurde derselbe erst am 25. Februar 1803 in allen Stücken durch einen Reichsdeputations-Hauptschluss genehmigt. Zwei Kurfürsten (von Trier und Köln)[^II_235_1], 23 Bischöfe und sämmtliche infulirte und nicht infullirte Aebte und Prälaten verloren dadurch die Landesherrlichkeit und die Reichsstandschaft und traten mit dem Genusse von oft geringen Pensionen in das Privatleben zurück.
Dasselbe Loos hatten die auf neutralem Schweizergebiete befindlichen Stifte St. Gallen, Einsiedeln, Muri und Kreuzlingen bezüglich ihrer Besitzungen auf deutschem Boden.
Fürst Anton von Sigmaringen, Sohn des Fürsten Karl von Sigmaringen, verlor zufolge des Luneviller-Friedens die Feudalrechte seiner holländischen Herrschaften Berg etc. und erhielt dafür laut Reichsdeputations-Hauptschluss in Regensburg (§ 10) die Herrschaft Glatt und die Klöster Inzikofen, Beuron und Holzheim. Der Entschädigungsplan war als Vorlage der Mächte Frankreichs und Russlands am 5. Oktober 1802 in die Oeffentlichkeit gedrungen. Zufolge § 6 dieses Planes fiel Dürrenmetstetten, wovon die Hälfte (II-336) nach Muri gehörte, dem Herzog von Würtemberg zu.1 Die schweizerische Republik sollte für dieses und anderes in Schwaben eingezogene Kirchengut mit dem Bisthum Chur und der kleinen Herrschaft Tarasp in Engadin entschädigt werden (§ 29), mit der Verpflichtung für den Unterhalt des Fürstbischofes in Chur, seines Kapitels und ihrer Beamten zu sorgen.
Die Nachricht von diesem Theilungsplan erfüllte den viel geprüften Fürstabt Gerold II., der damals wieder in Glatt weilte, mit grosser Besorgniss. Er überschaute sofort die Tragweite des Entwurfes und fürchtete, wenig oder nichts zu retten, weil die Begierde nach Kirchengut in Deutschland wie in Frankreich stark zu Tage trat. Doch als Oberer versuchte er pflichtgemäss alle erlaubten Mittel; um die irdische Habe in Deutschland seinem Kloster zu retten. Zuerst meldete er die drohende Gefahr dem Konvente in Muri, ihn beauftragend, ohne Verzug sich an die Tagsatzung der vereinigten Schweiz zu wenden, damit selbe thatkräftig für die Muri-Herrschaften in Deutschland eintrete. Alois Reding, in dessen Händen gerade die meiste Gewalt von der zerrissenen Eidgenossenschaft lag, präsidirte der Tagsatzung in Sehwyz. Vor ihm erschienen die Muri-Kapitularen mit der Bitte um Hilfe und opferten zugleich eine namhafte Summe.2 Die Tagherren beklagten es sehr, „dass zwei der dem fürstlichen Stifte Muri zustehenden Besitzungen in den Entschädigungsplan fallen, und wünschten vermöge ihrer gerechtigkeitsliebenden Gesinnung den Verlust vom Stifte abwenden zu können; weil aber die Schweizer-Nation selbst um ihre Unabhängigkeit zu sorgen hat“, so glaubt sie, man würde es als eine seltsame Anmassung auslegen, wofern sie sich unter diesen Umstanden durch Vorstellungen oder Repressalien in diese Angelegenheiten mischen wollte; sie hofft jedoch, dass weitere Beeinträchtigungen in Regensburg abgewendet werden könnten.3 Fürstabt Gerold II. hatte gleichfalls sein Auge dahin gerichtet. Als Herr der Reichsherrschaft Dettensee, der unmittelbaren Ritterschaften Glatt, Dettingen, Diessen etc. bevollmächtigte er am 17. Oktober Dr. Christian Klotz, in seinem und des Stiftes Muri Namen in Regensburg bei der Reichsdeputation für Erhaltung der Herrschaften zu unterhandeln.4 Derselbe legitimirte (II-337) sich bei der Deputation und überreichte ihr am 25. Oktober eine gedruckte Denkschrift. Darin beschrankt sich der Fürstabt einzig darauf, sich und seinem Stifte die Eigenthumsrechte auf die Immediatgüter Muri's in Schwaben nur auf den Fall ausdrücklich vorzubehalten, wenn keine förmliche Vereinbarung zwischen Deutschland und der helvetischen Republik erfolgen sollte. Mit diesem Vorbehalte verbindet er das geziemende Gesuch: die Reichsdeputation möge beschliessen, dass dem Vorbehalte Muri's, als eines auswärtigen Immediatgüterbesitzers in Schwaben, Folge gegeben werde, dass somit dieses Stift bis zur Constituirung und Organisation einer den gesammten Schweizerstaat gegen das Ausland repräsentirenden Oberbehörde im Besitze der Güter verbleibe. Demnach sollte das Stift bis zu jener oben berührten förmlichen und definitiven allseitigen Vereinbarung im Besitze und Genusse seiner schwäbischen Herrschaften belassen werden. Dr. Klotz pflog zugleich mit mehreren Abgeordneten mündliche Unterredungen, und empfahl ihnen die Angelegenheit; erkannte aber bald, dass alle Bemühungen fruchtlos seien. In einem Privatbriefe an den Muristatthalter in Glatt, P. Basilius, schrieb er den Misserfolg zwei Ursachen zu 1. weil die Stifte St. Gallen und Einsiedeln nicht in Verbindung mit Muri aus gleichen Gründen ihre Reklamationen erhoben haben, und 2. weil die allgemeine Ansicht herrsche, Muri sei sehr reich. Doch den wichtigsten Grund hat Klotz übersehen, dass die drei tonangebenden Mächte in Regensburg, Frankreich, Russland und Preussen, durchaus kein geistliches Stift im Besitze einer weltlichen Herrschaft in Deutschland belassen wollten. Durch die wiederholten Reklamationen Muri's fand sich die Reichsdeputation bewogen, eine nähere Erklärung (15. Febr. 1803), deren Wortlaut die drei genannten Mächte den Abgeordneten in den Mund legten, über den § 29 abzugeben, welche unter Anderem sagt: die schweizerische Republik könne gleichfalls die Säkularisation und zwar ohne Verlust der Besitzungen, welche die religiösen Institute im Reiche haben, mit Ausnahme dessen, worüber schon verfügt worden, vornehmen; dasselbe Recht steht dann auch dem Reiche zu gegenüber der Schweiz. Diese Erklärung ist nichts anderes als ein Spott auf den Gerechtigkeitssinn der Schweizer, den sie als Erbtheil aus den alten Zeiten noch besassen! Denn der Theilungsplan hatte bereits über alle Besitzungen und Rechte der Schweizerklöster seine Verfügungen getroffen mit Ausnahme der nicht genannten Muri-Herrschaften Dettingen, Diessen mit Dettlingen, Dettensee und Nekarshausen.
Der Herzog von Würtemberg, Friedrich II. Wilhelm Karl, seit dem März 1802 mit der Kurwürde geschmückt, nahm (II-338) kurz nach Veröffentlichung des Theilungsplanes Dürrenmetstetten in Besitz. Ihm folgte sogleich Fürst Anton von Sigmaringen nach. Schon am 19. Oktober 1802 liess er an die Muri-Beamten in Glatt die Aufforderung ergehen, dem von ihm abgesandten Commissär die Herrschaftsrechnungen und Archive zu übergeben. Derselbe erschien am 2. November, und es folgte sofort die Besitzergreifung von Glatt für Sigmaringen, wie auch, zum Schrecken des Fürstabtes und des Muri-Kapitels, die Besitznahme von den Herrschaften Diessen mit Dettlingen und Bittelbronn, Dettingen, Dettensee und Neckarshausen. Fürst Anton gab diesen Plan bald nach dem 19. Oktober zu erkennen; daher bat der greise Prälat durch ein Schreiben vom 31. Okt. den Fürst, er möge ihm in seinem Alter nicht einen solchen Kummer bereiten, zumal der Entschädigungsplan nur von der Herrschaft Glatt spreche, die fürstliche Hoheit wolle ihn doch „mit fürstlicher Grossmuth und unverkenntbarer Billigkeit“ behandeln, welches noch das Einzige sei, was ihm in seiner bittersten Lage wesentlichen Trost verschaffen könne. Hofrath Fischer schleuderte aber dem vielgeprüften Fürstabte die herzlosen Worte entgegen: „Der Fürst von Sigmaringen will von Muri als Entschädigung für seine Verluste nicht blos die Herrschaft Glatt, sondern alle daselbst befindlichen Herrschaften dieses Stiftes, ja sogar auch die in verschiedenen Zeiten, Orten und Umständen mit baarem Gelde errichteten Kapitalien.“ Und in der That, es waren keine leeren Worte. Um dem Prälaten die Kapitalbriefe, die auf Hohenzollern und Sigmaringen lauteten, aus den Händen zu Winden, nahm Fürst Anton die Maske eines wohlmeinenden Freundes an. Er gab dem Abte zu verstehen, er dürfe von Würtemberg den Lebensunterhalt, falls die Schweiz laut Vertrag in erster Linie selben ihm verweigern würde, nie erwarten. Weil also laut Reichsdeputationsbeschlusses vom 4. Nov. Sigmaringen dafür sorgen müsste, so schlage er ihm eine billige Verständigung zwischen Muri und Sigmaringen vor, aber er glaube dann die „Rücksichten einer gerechten Schonung vollständig zu erschöpfen.“ Abt Gerold II. machte in seiner Arglosigkeit Gegenvorschläge: er wünschte in Glatt ein Armen- und Waisenhaus zu gründen, verlangte für sich einen fürstlichen Hofhalt während seines Aufenthaltes in Glatt und im Falle seines Absterbens daselbst Nichtinventarisation und im Falle seines Fortgehens „ungekränkte“ Abzugsfreiheit. Fürst Anton war über diese mässigen Begehren des Abtes entzückt, willigte am 17. November in Alles und lobte insbesondere die Gründung einer Waisenanstalt. Zugleich stellte er an den Fürstabt das Verlangen, dass er ihm die Acker- und Feldgeräthe und das nagelfeste Mobiliar in den „ehemaligen Muriherrschaften“ (II-339) überlasse, und versprach schliesslich, jede Kränkung oder Unannehmlichkeit vom Abte ferne zu halten. – Die Rathgeber, welche den Fürsten Anton im Geiste der französischen Revolution leiteten, waren Fischer, Huber und Seyfried. Beide Fürsten unterzeichneten wirklich am 22. November 1802 nach freundschaftlicher Annäherung und zufolge gemeinsamen Einverständnisses folgende Vereinbarung: 1. Der Abt verpflichtet sich, „alle und jegliche Gefälle, Einkünfte, Rechte und Besitzungen, alles Vorhandene an Frucht, Vorräthen, Vieh und Ackergeräthschaften der Herrschaft Glatt sammt Zubehörden in demjenigen Masse, in welchem die Besitzungen von dem fürstlichen Stifte bisher inne gehabt wurden, nach Ausweisung der Urbarien, Rechnungen und Inventarien an das fürstliche Haus Hohenzollern-Sigmaringen zu einem wahren und vollem Eigenthum einzuantworten und abzutreten; 2. alle Exstanzien, welcher Art und woher dieselben rühren mögen, bei der Unterthanenschaft, den Gilt- und Zinspflichtigen nach vorläufiger gepflogener Liquidirung zu freier Disposition zu übergeben; endlich 3. jene 57,000 Gl. Kapitalschuld, welche das fürstliche Haus in drei verschiedenen Kapitalbriefen an das fürstliche Stift Muri mit den etwa noch ausstehenden Zinsen schuldet, von dem Tage der Uebereinkunft für getilgt und kompensirt zu erklären, und daher die Originalobligationen zurückzustellen.“
„Gegen diese Vergünstigungen, welche bereits in ihre vollständige Erfüllung übergegangen sind, haben Se. Durchlaucht, der regierende Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen, sich verbunden: 1. Sr. fürstlichen Gnaden zu lebenslänglicher Sustentation oder bei veränderten Umständen bis zu erfolgender Rückkehr in sein fürstliches Stift alljährlich aus den Einkünften des Oberamtes Glatt die reine Summe von 3000 Gl. zu verabreichen, auch für die Erhaltung von vier Wagenpferden und vier Kühen das benöthigte Futter in auszumittelnden Rationen unentgeltlich abzugeben und beinebens das benöthigte Brennholz und die erforderlichen Fische für die fürstliche Hofhaltung in einem Kammeralanschlage unverweigerlich zu überlassen; 2. dem Prälaten das Schloss in Glatt mit der Benützung des daranstossenden Lustgartens zu freier Bewohnung einzuräumen; 3. den jetzigen Stiftskapitularen (P. Martin) als Pfarrer zu belassen; 4. den beiden Statthaltern (P. Basilius in Glatt und P. Gallus in Dettingen), wenn dieselben in ihr Stift zurückzukehren nicht entschlossen wären, jedem eine jährliche Pension von 500 Gl. R. W. nebst freier Wohnung zu verabreichen; 5. allen Ansprüchen auf das Aktivvermögen an Kapitalien und Zinsen, mit Ausnahme der oben angegebenen 57,000 Gl., ausdrücklich und feierlich zu (II-340) entsagen,5 soferne nämlich hierunter die Eingangs benannten Schulden und Exstanzen der Gemeinden, Unterthanen, Zins- und Giltleute nicht begriffen sind.“ – Das ist der Wortlaut des für Muri so verhängnissvollen Aktenstückes vom 22. Nov.
In der Auffassung eines wesentlichen Punktes gingen die handelnden Fürsten weit auseinander; Unter dem Ausdrucke „der Herrschaft Glatt sammt Zubehörden“ verstand der greise Prälat nur diese Herrschaft und was unmittelbar zu dieser Herrschaft gehört, z. B. Collatur, Fischrechte etc., hingegen Fürst Anton wollte darunter auch die übrigen Muri-Herrsehaften, wie Diessen, Dettingen u. s. w. inbegriffen wissen, und deutete es in § 4 an; indem er auch dem Statthalter in Dettingen, P. Gallus, eine Pension verspricht. Abt Gerold II. hatte nicht auf die Zweideutigkeit des Wortes „Zubehörden“ und die weitgehende Zuvorkommenheit des Fürsten Anton bei der Pensionirung geachtet. Auch die Besitzergreifung der übrigen Herrschaften im November des gleichen Jahres liess ihm nichts Arges denken, weil sie als provisorisch erklärt wurde. Aber kaum war dem Prälaten das Missverständniss klar geworden, so wandte er sich, für Rettung der Herrschaften Diessen, Dettensee, Dettingen und Neckarshausen an die seit dem April 1803 constituirte Regierung des neuen Kantons Aargau und später durch sie an die eidgenössische Tagsatzung. Beide Behörden nahmen sich der Sache mit allem Ernste an. An die Stelle des Dr. Klotz, der nach obiger Vereinbarung des Abtes mit dem Fürsten von Sigmaringen als Sachwalter der Abtei Muri zurückgetreten war, kam Stocker, Mitglied des „Kleinen Rathes“ in Schaffhausen. Dieser war ein eifriger Vertreter des Klosters; er eilte nach Regensburg, um den Gang der Geschäfte in der Nähe zu beobachten, und glaubte sogar in seiner übergrossen Dienstbeflissenheit, das Uebereinkommen des Prälaten mit dem Fürsten Anton und das Verfahren seines Vorgängers Dr. Klotz in seinen Briefen nach Muri tadeln zu müssen. Weil diesem Tadel auch Andere beistimmten, so schrieb Abt Gerold II. zu. seiner Rechtfertigung: „Wer die Sachlage kennt, wird billiger denken. Wenn man mir sträfliche Unbesonnenheit vorwirft, so ist mein Gewissen hiebei ruhig. Ich habe nichts verabsäumt, und vernünftige Männer, welche die kritische Lage kennen, werden sagen müssen, dass nichts verabsäumt wurde.“
In Glatt war ein friedliches Nebeneinanderleben des alten und neuen Herrn, der alten und neuen Beamten auf die Dauer nicht wohl denkbar. Fürstabt Gerold II. und seine (II-341) Mitbrüder, Basilius, Gallus, Martin und Benedikt, sahen den Fürsten Anton und dessen Beamten als Eindringlinge und als unrechtmässige Besitzer, wenn nicht von Glatt, so doch von Dettingen, Diessen, Dettensee, und Neckarshausen an. Daher theilten die wahren Inhaber dieser letztgenannten Herrschaften nur das dem Fürsten Anton mit, was sie nothgedrungen herausgeben mussten. Die Folge davon war, dass die Beamten des Fürsten von Sigmaringen den Mönchen von Muri ihr Bleiben in Glatt zu verbittern suchten. Seyfried, der seit Anfang des Jahres 1803 die Geschäfte daselbst im Namen des Fürsten Anton leitete, war wegen seines Charakters und rücksichtslosen Benehmens für diese Zwecke ganz geeignet. Gleiches Ziel verfolgte Hofrath Huber. Die Briefe des Abtes Gerold II. und seiner bei ihm wohnenden Mitbrüder sind vom Dezember 1802 bis zum 5. Oktober 1803 voll Klagen über die Neckereien und Grobheiten der sigmaringischen Beamten. So z. B. lautet ein Brief vom 30. Dezember 1802: „Ja, wir sind wirklich am Ende eines kummervollen, mit vielen Leiden und Drangsalen erfüllt gewesenen Jahres; was das künftige bringen werde, weiss der gütige Gott.“ Oefters drückt der Fürstabt seinen Schmerz über den Verlust der schwäbischen Herrschaften aus. Unter Anderm schreibt er einmal, den Fürsten Anton entschuldigend: „Doch würde das Unglück noch viel grosser gewesen sein, wenn ein Herzog von Würtemberg oder wer immer Anderer statt des Fürsten von Sigmaringen über uns hergefallen wäre. Dank sei dem Himmel für das, was wenigstens dermalen gerettet worden.“ Am 13. Juli 1803 schreibt er jedoch klagend nach Muri: „Seit 18 Tagen ist wieder Hofrath Huber als Commissär von Sigmaringen hier, der seine ihm aufgetragenen Geschäfte sehr grell traktirt. Mit Nachdruck machte ich diesem jungen und schnöden Manne trifftige Vorstellungen, und weil er sich nicht wollte weisen lassen, verfügte ich mich selbst zu dem Fürsten nach Imnau.“6 – Die gemachten Vorstellungen blieben für den Abt und seine Mitbrüder ohne Erfolg. – Zu den angedeuteten Leiden gesellte sich noch im Frühjahre 1803 der von Oesterreich verhängte Sequester über die Kapitalien des Klosters Muri. Zwar versicherten die österreichischen Beamten dem Abte Gerold II.: dieser Sequester sei nur darum ausgesprochen worden, um sie den Händen des Fürsten von Sigmaringen zu entreissen; könne Muri seine Fortexistenz aufweisen, so werden sie ihm wieder zugestellt werden. Diese kamen jedoch 1805 im Werthe von etwa 103,713 Gl.7 vermöge (II-342) des in diesem Jahre abgeschlossenen Presburger-Friedens an das von Napoleon neu gegründete und mit oesterreichischen Ländern vergrösserte Königreich Würtemberg. Der dortige königliche Hof besass aber einen seltenen Gerechtigkeitssinn. Im Jahre 1810 liess er alle Muri-Kapitalien und Gefälle mit grösster Gewissenhaftigkeit aufsuchen, wandelte sie in eine Inkammeration um und stellte sie dann in dieser Eigenschaft (1813) Muri, dem rechtmässigen Eigenthümer, zu. Zuerst unterhandelten in dieser Sache die Tagsatzung der Eidgenossenschaft und die Regierung des Kts. Aargau mit Würtemberg, später führte das Kloster Muri allein dieses Geschäft mit dem königlichen Hofe zu Ende. Als aber Muri in seinen Rechnungen einmal die Fruchtpreise zu tief ansetzte, so erhöhte sie Würtemberg zu seinem eigenen Nachtheile.8 Nicht so edel handelte Sigmaringen. Hofrath Huber, von dem bereits die Rede war, bewirkte, dass er an den Tisch des Fürstabtes Gerold gezogen wurde, benützte aber diese Güte zu weitern Neckereien. „Hier macht man,“ schreibt der Fürstabt, „den Aufenthalt mir recht bitter und sauer. O Sigmaringen, Sigmaringen! wie undankbar lohnst Du die vielen Gefälligkeiten, die Muri früher und später dir erwiesen bat.“9 Oefters liess er in seinen Schreiben nach Muri den Wunsch laut werden, wieder in die Schweiz zurückzukehren. Allein seine Mitbrüder hielten ihm bis in den Juli 1803 stets die unsichere Lage vor Augen und baten ihn, auszuharren, um wenn möglich die Herrschaften zu retten.
Indessen gestalteten sich die Verhältnisse in der Schweiz seit der „Vermittlungsakte“ immer besser. Daher schrieb Abt Gerold II. am 10. August 1803 nach Muri: „Wenn der Himmel mich gesund erhält, so hoffe ich meine Abreise von hier so zu beschleunigen, dass ich noch vor dem Leonzifest (2. Sept) in Muri eintreffen werde. Unser Hauptgeschäft mit Sigmaringen ist durch meine eisenfeste Standhaftigkeit noch so ziemlich leidentlich und besser, als man anfangs vermuthen konnte, berichtiget worden.“
Hofrath Huber war bereits in seiner Unverschämtheit so weit gekommen, dass er dem Prälaten mündlich bedeutete: man wünsche seine Abreise. Das war für den Fürstabt genug. (II-343) Seine Würde gestattete es nicht, eine thatsächliche Fortweisung abzuwarten. Er verliess Glatt, und betrat um 5 Uhr Abends den 24. Aug. 1803, nach einer fünfeinhalbjährigen Abwesenheit zur Freude seines Konventes und der Bevölkerung des Freiamtes wieder die Hallen des ersehnten Klosters.
„Gott sei ewig gelobt,“ schreibt er nach seiner Ankunft in Muri einem Mitbruder, „am 24. August circa 5 Uhr bin ich Abends in meinem lieben Muri glücklich angelangt. Beten Sie eifrig, dass der gütige Himmel hinfort meinem Gotteshause, sowie auch mir selbst den vollen Segen, Frieden und Ruhe ertheile und seinen unnützen Knecht durch ein seliges Ende bald zu sich rufen wolle.“
Den ausgesprochenen Wunsch des Fürstabtes erfüllte Gott nach sieben Jahren.
Zwei Konventualen, Basilius und Martin, blieben nach dem Willen des Prälaten und dem Wunsche des Kapitels noch länger in Glatt. „Bei obwaltendem Streite (lite pendente) bleiben die Dinge im alten Stande,“ lautete der Kapitelsbeschluss. Nur der Gewalt durften sie weichen. Nach der Abreise des Fürsten wurde deren Existenz aber immer schwieriger und unerquicklicher. Seyfried und Huber verschmähten kein Mittel, um sie von Glatt zu entfernen. Zu ihrer Kränkung liessen die genannten Herren die Unterthanen Muri's nach Glatt kommen, damit sie angesichts unserer Mitbrüder dem Fürsten von Sigmaringen den Eid der Treue leisteten. Der vom Fürstenhause von Sigmaringen estellte Amtmann übersiedelte mit der ganzen Familie in's Schloss Glatt und beschränkte die Wohnung der beiden Konventualen auf wenige Zimmer. Allein diese fügten sich und litten. Endlich fragte sie Seyfried in schroffem Tone: wann sie fortzuziehen gedenken? – Sie gaben keine Antwort. Jetzt gelangte (am 26. Sept.) von der fürstlich-hohenzollerischen Regierungskanzlei an den Oberamtmann in Glatt die Weisung herab: die zwei Muri Kapitularen (Hausherr und Fassbind) aufzufordern, dass sie innerhalb 10 Tagen Glatt verlassen, „weil sie wider den ausdrücklichen Sinn des Reichsdeputationsschlusses den Besitz von Glatt dem Fürsten noch streitig machen wollen und das Volk aufwiegeln.“ Glatt machten die Konventualen nicht streitig, wohl aber die übrigen Muri-Herrschaften, die Unterthanen wiegelten sie gegen Sigmaringen nicht auf; Beweis hiefür ist, dass die Leute den Eid wirklich leisteten; und gerade um einem solchen Vorwurfe jeden Grund zu benehmen, verliessen die Konventualen in letzter Zeit höchst selten das Schloss. Bevor aber die 10 Tage vorüber waren, hob man (am 2. Oktober) dem P. Basilius die Thüre seines Zimmers aus den Angeln. Dies und die ungerechten Anschuldigungen sahen die zwei Patres (II-344) als einen Bruch des Vertrages vom 22. November vorigen Jahres wie auch als einen Gewaltsakt an, vermöge dessen ihnen das Gewissen erlaube, vom Platze zu weichen. Daher gaben sie am 3. Oktober die schriftliche Erklärung ab: „den 5. Oktober, am Sonntage, Glatt zu verlassen.“ – An diesem Tage hielten sie den vor- und nachmittägigen Gottesdienst nach Uebung; trafen die nöthige Vorsorge für die Pastoration der Pfarrei; ergriffen Abends den Wanderstab und übernachteten in dem nahen würtembergischen Städtchen Sulz am Neckar. Dort fassten sie Namens des Kapitels eine Protestation ab gegen das widerrechtliche Fortjagen10 und gegen die Eingriffe in die Rechte des Klosters. Die Schrift übergaben sie dem dortigen Oberamtmanne Schäfer mit der Bitte, dieselbe dem sigmaringischen Fürsten zuzustellen. Fürst Anton schickte dem genannten Oberamtmann die Protestation zu Handen des Stiftes Muri im Originale zurück; gab ihm sein Befremden zu erkennen, dass er sich eines solchen Geschäftes angenommen, und fügte die Drohung bei, höhern Ortes gegen ihn Beschwerde zu erheben, wenn er sich unbefugt ferner in solche Sachen mische. P. Basilius und P. Martin waren indessen weiter gereist und kamen in wenigen Tagen nach Muri.
Allein der Streit wegen der vier Herrschaften des Stiftes Muri hatte erst jetzt durch die Vertreibung der eben genannten Patres so recht seinen Anfang genommen.
Auf wiederholtes Ansuchen des Fürstabtes und Kapitels von Muri hatten die aargauische Regierung und die in Freiburg i. U. versammelte eidgennösische Tagsatzung Einleitungen getroffen, die vom Fürsten von Sigmaringen unberechtigt in Besitz genommenen vier Muri-Herrschaften und das dem Fürsten Gerold II. abgenöthigte Kapital von 57,000 Gl. anheimzubegehren.11 Die Klagen des Stiftes Muri vor der Tagsatzung lauteten: 1. Fürst Anton von Sigmaringen habe bei der Besitznahme von Glatt (das ganz unbefugter Weise von der Reichsdeputation als Entschädigungsgegenstand angewiesen worden) sich nicht einmal an die Entschädigungsrecesse gehalten, sondern dieselben ganz willkürlich auf alle Herrschaften des Klosters Muri in Schwaben, namentlich auf Dettingen, Diessen mit Dettlingen, Neckarshausen und Dettensee ausgedehnt und diese ebenfalls in Besitz genommen; – gegen dieses Verfahren streiten theils der Hauptschluss über die Entschädigung selbst, welcher dem Fürsten von Sigmaringen nur die Herrschaft Glatt anweist, theils der Umstand, dass die obgenannten (II-345) Herrschaften ganz von Glatt unabhängig und abgesondert von verschiedenen Besitzern durch verschiedene Kauf- und Tauschkontrakte an Muri gebracht und überhaupt unter einander in keiner andern Verbindung gestanden seien,12 als dass sie sämmtlich dem Stifte Muri zugehörten; 2. der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen habe ferner dem alten, geängstigten, von allen Seiten bedrohten Abte von Muri, der sich noch immer in Glatt befand, unter dem 22. November 1802 ohne Vorwissen und Einwilligung des Kapitels eine Konvention abzudringen gewusst, nach welcher der Abt allen seinen Rechten auf die Herrschaft Glatt sammt „Zugehörendem“ entsagt und sogar gegen eine jährliche Pension von 3000 Gl. und einige andere unbedeutende Vortheile auf eine Schuld von 57,000 Gl., welche das Stift Muri von dem fürstlichen Hause Hohenzollern-Sigmaringen laut drei verschiedener Kapitalbriefe zu fordern hatte, Verzicht leistet; nun sei eine solche Konvention von dem Fürstabte, der nach allen weltlichen und geistlichen Rechten ohne die Zustimmung des Kapitels nichts veräussern kann, durchaus ungiltig, selbst dann, wenn die Schuldbriefe der fürstlichen Regierung eingehändigt worden wären.
Die bestellte Commission untersuchte die Beschwerden des Klosters Muri genau und gab den 18. August 1803 dies bezügliche Vorschläge: a. In Ansehung der Herrschaft Glatt, welche bestimmt als Entschädigung an Hohenzollern-Sigmaringen durch den Hauptbeschluss vom 25. Februar d. J. zugetheilt worden ist, könne, nachdem die Tagsatzung die Grundlage dieses Hauptbeschlusses als auf die Schweiz annehmbar an genommen hat, kein weiteres Ansuchen an nunmehrige Besitzer gerichtet werden, als höchstens zur Erhaltung einer verhältnissmässigen lebenslänglichen Unterstützung für den Abt und die jetzt noch lebenden Kapitularen; b. mit desto grösserem Nachdrucke hingegen und ohne Zeitverlust solle in den Fürsten von Sigmaringen gedrungen werden, um von demselben theils die unbefugter Weise in Besitz genommenen Herrschaften zurückzufordern, theils die Ungiltigkeit des Vertrages darzuthun, welchen derselbe mit dem Abte von Muri unter dem 22. Novbr. vorigen Jahre geschlossen hat; e. sollte der Fürst Anton auf die Anforderung der schweizerischen Regierung hin sich weder zu dem einen, noch zum andern verstehen, so müsste alsdann der Versuch gemacht werden, ob die Einwirkung der Kurfürsten von Baden und Würtemberg, als kreisausschreibender Fürsten von Schwaben, nicht vermögend wären, denselben auf billigere (II-346) Gesinnung zurückzuführen, wobei von dem Kurfürsten von Baden insbesondere wegen der bedingten Annahme des Entschädigungsgesetzes von Seite der Tagsatzung ein mächtiger Zuspruch erwartet werden dürfte; d. wenn endlich alle anderen Mittel fruchtlos, und der Fürst von seiner Besitzergreifung weder auf dem Wege der Unterhandlung, noch durch den Einfluss der kreisausschreibenden Fürsten abzubringen ist, so trete alsdann der Fall ein, wo die Schweiz zu den vermittelnden Mächten ihre Zuflucht nehmen muss, welche, indem sie sich mit der Garantie des Entschädigungssystems in Deutschland beladen haben, die gegen dieselbe laufenden willkürlichen Verfügungen des Fürsten von Sigmaringen nicht gleichgiltig würden ansehen können.
Die Tagsatzung hiess die Vorschläge der Commission ihrem Inhalte nach vollkommen gut und ersuchte den Landammann der Schweiz, den Fürsten von Sigmaringen im Namen der schweizerischen Eidgenossenschaft sowohl zur Zurückgabe der murischen Besitzungen, Diessen, Dettingen, Neckarshausen und Dettensee, als auch zur Annullirung des Vertrages vom 22. November bestimmt aufzufordern; ferner nach Beschaffenheit der Umstände die weitern diplomatischen Schritte zu thun. Am 6. Sept. d. J. ging bei der Tagsatzung die Nachricht ein, dass der Kurfürst von Würtemberg von allen Gütern und Gefällen der Herrschaften Glatt, Diessen und Dettensee, die im würtembergischen Banne liegen, Besitz genommen habe.13 Die Tagsatzung stellte die fernern Reklamationen gegen Würtemberg ein, indem sie den Umständen gemäss den Erfolg der gegen Sigmaringen erhobenen Massnahmen abwartete.
Neben Stocker von Schaffhausen; den Muri als Sachwalter für seine schwäbischen Ansprüche erwählt hatte, fand das Kloster an Reding, Mitglied des „Kl. Rathes“ in Aarau, ferner an den Landammännern der Eidgenossenschaft d'Affry von Freiburg und Reinhart von Zürich treue Vertheidiger seiner Rechte; der Fürst von Sigmaringen dagegen benützte vorzüglich den Hofrath Huber, welcher den Grundsätzen der französischen Revolution huldigte. – Landammann d' Affry musste alles Ansehen aufbieten, um den Fürsten Anton, der sich hinter das verwandte königlich-preussische Haus steckte, zum Eintritt in die Verhandlungen zu bringen. In zwei Schreiben vom 10. Sept. und 4. Dezbr. wies dieser mit allgemeinen Beweisgründen die Reklamationen des Stiftes Muri als unbillig zurück und ersuchte die Schweiz, die freundschaftlichen Verhältnisse nicht zu stören. Das letzte Schreiben (II-347) des Fürsten veranlasste d'Affry zu einer scharfen Rückantwort. „Da sich Euer fürstlich Durchlaucht,“ schreibt er am 20. Dez., „in Ihrem Schreiben vom 4. Dez. auf eine Weise zu äussern belieben, welches alles Zutrauen in Dero Gerechtigkeitsgefühl, dessen ich in meinem vorigen so manche Beweise gegeben hatte, völlig zernichtet, so bleibt mir in der That nichts übrig, als einer für Euer Durchlaucht und mich gleich unangenehmen Correspondenz ein Ende zu setzen, dabei aber Euer Durchlaucht feierlich vor Gott und der ganzen Welt zu erklären, dass weder Gewalt noch List noch willkührliche Verdrehungen der heiligsten Verträge je vermögend sein werden, von der schweizerischen Eidgenossenschaft eine feige Einwilligung auszuwirken. Recht bleibt immer Recht, wenn auch dessen Ausübung gestört wird, und dass jenes der schweizerischen Eidgenossenschaft auf alle Besitzungen des Klosters Muri (Glatt ausgenommen) völlig gegründet und bis auf die gewaltige Besitznahme Euer Durchlaucht unangetastet geblieben sei, werden Wir seiner Zeit vor den competenten Richtern unseres Streites darzuthun wissen.“
„Vor Allem sehe ich mich aber genöthigt, Euer Durchlaucht offiziell anzuzeigen, dass Dero Weigerung, den Antrag zu einer freundlichen Auslegung der zwischen Hochdemselben und der Schweiz streitig gewordenen Interessen anzunehmen, allen Unterhandlungen, welche mit Ihro Kurfürstlichen Durchlaucht von Baden und mehreren anderen Ständen des hl. römischen Reiches in Rücksicht auf die Vollziehung des Deputations-Hauptschlusses vom 25. Febr. 1803 bereits eingeleitet worden waren, auf einmal ein Ende machen dürfte, indem die Schweiz sich überhaupt in keinen Antrag, das Entschädigungswesen betreffend, einlassen konnte, als einzig unter der Bedingung, dass sämmtlich betreffende Parteien gleich bestimmt seien, bemelten Hauptschluss nach seinem wahren Sinne und ohne nachtheilige Ausdehnung auszuführen. Auf diese Weise bleiben Euer Durchlaucht allein und gegen Alle für die Folgen, die der Abgang der beabsichtigten für beide Rhein-Ufer gleich vortheilhaften Uebereinkunft nach sich ziehen könnte, verantwortlich.“
An Kur-Baden erging ein besonderes Schreiben, welches zur Folge hatte, dass Baden dem Fürsten Anton vorstellte, in jedem Falle verpflichtet zu sein, Erläuterungen zu geben und solche anzuhören. Demnach kam im Februar 1804 die erste Conferenz in Schaffhausen zu Stande. Dem Hofrath Huber von Sigmaringen sassen Karl von Reding und Stocker von Schaffhausen gegenüber. Huber überreichte am 1. Febr. eine Denkschrift. Dieselbe besagt: „Dem fürstlichen Hause Hohenzollern-Sigmaringen wurde in dem § 10 des neuesten Reichsgrundsatzes neben andern Gegenständen die vormals (II-348) stiftmurische reichsunmittelbare Herrschaft Glatt (sollte heissen: reichsritterschaftliches Allodialgut) zu seiner Entschädigung zugetheilt. Als die provisorische Besitznahme dieses Entschädigungsobjektes verfügt wurde, hatte man nach der ausdrücklichen Anleitung des Generalplanes, welcher nochmals in den Reichsdeputations-Schluss aufgenommen wurde, Bedacht genommen, mit dem zu Glatt damals anwesenden Fürstabte von Muri eine verbindliche Uebereinkunft abzuschliessen, vermöge welcher derselbe unter ausdrücklicher Einstimmung dreier bei ihm wohnenden Kapitularen14 dem fürstlichen Hause den Civilbesitz der Herrschaft Glatt in dem ganzen Umfange (die Urkunde hat: „die Herrschaft Glatt sammt Zubehörden“)15 der gegenwärtigen Administration auf der Stelle übergab16 und auf eine Schuldforderung von 57,000 Gl. gänzlich Verzicht leistete.“
„Gegen diese Abtretung,“ bemerkt Huber weiters, „wurden dem Herren Fürstabte nebst dem ganzen in dem Schlosse vorhandenen Mobiliarvermögen als Surrogat und zu mehr als hinreichender Compensation des überlassenen Kapitals die sämmtlichen zu der Statthalterei Glatt verrechneten sehr beträchtlichen Aktivkapitalien abgetreten, ungeachtet dieselben nach dem Deputationshauptschluss dem neuen Erwerber zugefallen wären.“ Allein diese vorgebliche Grossmuth des Fürsten Anton zernichtet die Erklärung des § 29 des Hauptschlusses, welche sagt: die Säkularisation werde stattfinden ohne Verlust der im Reiche befindlichen Antheile der Schweiz; dasselbe gelte auch für das deutsche Reich bezüglich der Klöster, welche die Schweiz säkularisirt.17 Ferner konnte Muri nachweisen, dass weder die 57,000 Gl., noch andere im deutschen Reiche befindlichen Muri-Kapitalien einzig aus der Herrschaft Glatt, sondern aus dem Gesammtvermögen des Klosters entsprungen seien, dass also diese Kapitalien ihm von Rechtswegen gehörten.
(II-349) Huber erwähnt dann der dem Abte ausgeworfenen jährlichen Pension von 3000 Gl. und führt, um die Rechtskraft der am 22. Nov. 1802 getroffenen Uebereinkunft zu beweisen, Privatbriefe des Prälaten an den Fürsten Anton herbei, worin jener diesem seine Zufriedenheit über die gepflogene Uebereinkunft aussprach; dem fügte er bei, dass die Einwilligung des Kapitels ebenso wenig nöthig war, als für die in die Säkularisation gefallenen deutschen Stifte (doch wohl, weil jene von der Freiheit des Willens des rechtmässigen Besitzers abhing, diese aber nicht); zugleich behauptete er, „in selber Zeit“ sei das Muri Kapitel „ganz“ aufgelöst gewesen (das ist eine Unwahrheit; denn es war nie aufgelöst worden, und am 22. November waren auch die Deportirten Mitglieder zur Hälfte wieder in Muri);18 dann will er durch acht Nummern hindurch beweisen, dass unter dem Ausdrucke „Herrschaft Glatt“ sämmtliche stiftmurische Besitzungen in Schwaben verstanden und diese schon lange unter „einem Amte“ vereiniget gewesen seien, endlich behauptet Huber, dass die schweizerische Eidgenossenschaft in Regensburg durch Frankreich vertreten gewesen sei und durch die Besitznahme der durch § 29 ihr zugedachten Entschädigung dazu eingewilliget habe.
Die zwei eidgenössischen und von Muri bevollmächtigten Commissäre, Karl von Reding und Stocker, legten am 9. Febr. eine Gegenerklärung vor, worin sie vorab bemerkten: „dass die Schweiz den Reichsdeputationsschluss, durch welchen Sr. fürstlichen Gnaden Durchlaucht in dem § 10 die dem Kloster Muri zuständige Herrschaft Glatt ausdrücklich zugeschieden, nur insoferne anerkannt und angenommen habe, in wie ferne der gedachte Reichsschluss von den betreffenden Parteien nach seinem wahren Sinne und ohne irgend eine der Schweiz nachtheilige und willkührliche Ausdehnung würde befolgt und ausgeführt werden. Da nun aber nach der innigsten Ueberzeugung der schweizerischen Eidgenossenschaft von Seite der Sr. Durchlaucht sowohl durch die gewaltsame Besitznahme der übrigen dem schweizerischen Kloster Muri zugehörigen Herrschaften, als die nicht weniger eigenmächtige Einziehung der dem gedachten Kloster zuständigen Kapitalien der Sinn des Reichsdeputationsschlusses durch eine für die Schweiz ebenso nachtheilige, als willkührliche Ausdehnung verletzt worden; so ist die die Schweiz weit entfernt, ihre Rechte selbst auf die nur unter dieser Bedingniss cedirte Herrschaft Glatt aufgegeben zu haben.“
„Die Schweiz war (in Regensburg, wo über das seit Jahrhunderten anerkannte Eigenthum eines Staates willkührlich verfügt wurde) durch Niemanden vertreten, sie hatte Niemanden (II-350) bevollmächtigt, in ihrem Namen zu unterhandeln, und da sie von Frankreich selbst nach so mancher feierlichen Erklärung als ein freier und selbstständiger Staat anerkannt worden, so darf sich die Schweiz jetzt noch mehr als jemals überzeugt halten, dass diese Verfügungen über ihr Eigenthum von diesem ihrem mächtigen Bundesgenossen nur unter der Voraussetzung sei zugegeben worden, dass der Reichsdeputationsschluss nie anders, als nach seiner wörtlichen Bestimmung ausgeführt werde, und die Schweiz wieder eine verhältnissmässige Entschädigung in den ihr zugeschiedenen Vortheilen finden würde.“
Unter dieser vorausgeschickten feierlichen Erklärung wollten sich die zwei Commissäre in eine umständliche Beantwortung der huberischen Note einlassen. Nach Beleuchtung und Wegräumung mehrerer darin vorkommenden Unrichtigkeiten widerlegten sie zunächst Huber's Behauptung: dass nebst dem ehemaligen Rittergute Glatt dem Fürsten von Sigmaringen auch die übrigen vier Muri-Herrschaften seien als Entschädigung zugewiesen worden. Sie beweisen nämlich, dass diese vier Herrschaften mit Glatt nie ein einziges Amt gebildet haben; dass selbe ihrer Natur und ihren Rechten nach von einander unabhängig gewesen, und als solche selbst vom Reiche bis auf die letzte Zeit anerkannt wurden; dann bemerkten sie, sei dem Fürsten nicht das Oberamt, sondern die Herrschaft als Entschädigung zugesprochen worden. Und wenn der Reichsdeputationsschluss so klar gewesen, fragen sie weiter, wozu bedürfte es einer Uebereinkunft mit dem Fürstabte, deren Giltigkeit Huber mit so vielen Worten zu begründen suchte? – Der Fürstentitel gab dem Abte Gerold II. gar kein Recht, im Namen des Klosters diesen Vertrag zu schliessen, indem er als Fürst nie mit dem Reiche wegen der Besitzungen in Schwaben in irgend einer Verbindung gestanden; denn der Titel war nur eine Ehrensache. Ebenso wenig war er als Prälat vermöge geistlicher und weltlicher Rechte befugt, ohne die Einwilligung des Kapitels, welches damals in Muri mit allen Rechten bestand, über das wichtige Eigenthum des Klosters zu verfügen; das Kapitel hat aber nie seine Einwilligung dazu gegeben, sondern feierlich dagegen protestirt.
Am Schlusse der Widerlegung angelangt, fügen die Commissäre der Zurückforderung noch einen Vorschlag bei, der das Mittel einer gütlichen Ausgleichung werden sollte: der Fürst von Sigmaringen überlasse dem Abte von Muri sowohl für die in Frage stehenden Herrschaften, als für das aufgegebene Kapital eine Aversalsumme von 257,000 Gl.“
Als die bemeldeten Denkschriften ausgewechselt waren, löste sich die Conferenz auf, ohne dass von Muri ein günstiges Resultat erreicht worden wäre. Am 16. Juni dieses Jahres (II-351) gaben Karl von Reding und Stocker der eidgenössischen Tagsatzung hierüber Bericht. Die Regierung stellte sofort den Antrag: die stiftmurische Angelegenheit soll ferner noch, als die ganze Eidgenossenschaft angehend, betrachtet werden, und der Landammann erhalte den Auftrag, sie mit allen in seiner Gewalt stehenden Mitteln zu betreiben. – Auch der Kanton Thurgau erhob Klage, dass derselbe Fürst Anton Güter des Klosters Kreuzlingen in Besitz genommen habe. Demnach beschloss die Tagsatzung: der Landammann möge fortfahren, die Rechte der Eidgenossenschaft mit ebensoviel Nachdruck als Klugheit zu vertheidigen: der Stand Thurgau ist eingeladen, die Akten wegen der Kreuzlinger-Güter einzusenden.19
Sigmaringen hielt längere Zeit die Denkschrift der eidgenössischen Commissäre und die nachfolgenden Eingaben des Landammanns der Eidgenossenschaft keiner Beachtung werth; bestrafte aber indessen vermeintliche Ehrenbeleidigungen ohne vorausgegangene gerichtliche Untersuchung mit Landesverweisung. So wurde P. Joannicius Merishofer, früher Franziskaner-Guardian in Hechingen, von Hofrath Seyfried angeklagt: er habe mit dem Muri-Statthalter P. Basilius und den übrigen Patres in Glatt eine für Hohenzollern beleidigende Correspondenz gepflogen, und an der öffentlichen Tafel zu Glatt am Feste Maria Himmelfahrt (1803) unanständig über Ihre Durchlaucht Gräfin Antonia und Andere gesprochen. Der Fürst befahl nun dem P. Joannicius innerhalb 25 Stunden über die Grenzen zu gehen. Am 28. Jänner 1801 erklären P. Gallus Beutler, P. Basilius Hausherr und P. Martin Fassbind mit Unterschrift und der Fürstabt Gerold II. mit seinem Ehrenworte, dass die Anklagen unwahr seien.
Vom Jahre 1807-1813 ruhte dieser Streit fast gänzlich; dagegen wurden in diesen Jahren desto eifriger die Geschäfte wegen der von Oesterreich ehemals sequestirten, jetzt auf die Krone Würtembergs übergegangenen Muri-Einkünfte abgehandelt. Dem Kloster standen auch hierin die Regierung von Aargau und die Tagsatzung hilfreich zur Seite. Die Verhandlungen fanden wieder in Schaffhausen statt. Würtemberg zeigte sich sehr zuvorkommend und gerecht gegen Muri20 und gewährte ihm den ungestörten Besitz seiner Einkünfte, bis (1835) der aargauische Staat die Hand über das Vermögen des Klosters schlug.
Im Jahre 1808 reichte Muri bei der aargauischen Regierung eine annähernde Berechnung des Gesammtverlustes in (II-352) Schwaben ein. Derselbe bezifferte sich auf 950,000 Gl.; allein eine zweite Berechnung geht schon über eine Million hinauf. Wollten wir ihn nach heutigem Geldwerthe berechnen, so würde er in Rücksicht der 842 ½ Juchart Aecker und Rebgut, der 531 ½ Mannmad Wiesen, der 4 Schlösser und vielen Gebäude in Diessen, Glatt, Dettingen, Dettensee und Neckarshausen, des halben Dorfes Dürrenmetstetten, der obern und niedern Gerichtsbarkeiten in den genannten Herrschaften, wie auch in Bittelbronn, der vielen Waldungen, die nach dem Domänenarchiv in Sigmaringen nur geringe Veränderungen erlitten und dem fürstlichen Hause gegenwärtig über 100,000 Mark jährlich abwerfen, und endlich in Anbetracht des Mobiliars in den Schlössern, Wohnhäusern und Oekonomiegebäuden, das dem neuen Besitzer zufiel, eine Summe von 5 Millionen Mark ausmachen.
Als Napoleon I. 1813 bei Leipzig geschlagen worden und sich auf die Insel Elba zurückgezogen hatte, traten die Fürsten Europa's, mit Ausnahme des türkischen Sultans, in Wien zusammen und gaben sich das Wort, nach den Grundsätzen des Christenthums und des Rechtes die zerrütteten Verhältnisse zu ordnen. Merz, Rath und Beamter des gräflichen Hauses Schenk von Castell, schrieb am 13. September 1814 aus Gutenstein bei Mösskirch dem Abte von Muri und forderte ihn auf, seine Reklamationen wegen der schwäbischen Herrschaften auf dem Congresse zu Wien zu erneuern. Das Kloster theilte nicht die rosigen Hoffnungen mit Merz und gab ihm ausweichenden Bescheid. Gleichzeitig wies auch der Sohn des Regierungsrathes von Reding in Aarau, Karl, auf die günstige Gelegenheit hin, den „fürstlichen Raub“ wieder zu gewinnen. Bedenklicher äusserte sich Anderwert aus Frauenfeld in einem Schreiben (Dezember 1815) an P. Meinrad; jedoch meinte er, die Eingabe einer Denkschrift an den Vorort der Eidgenossenschaft würde von Nutzen sein. Das bildete die Einleitung zur zweiten Periode dieses lange dauernden Streites.
Die Tagsatzung versprach der aargauischen Regierung neuerdings ihre Hilfe, und so begannen wieder die Unterhandlungen mit Sigmaringen, welche bis zum Ausgleiche (1830) mit geringer Unterbrechung lebhaft geführt wurden. Offizielle Denkschriften wurden nun zwischen der Schweiz und Sigmaringen fast jedes Jahr gewechselt. Im Wesentlichen sagen sie immer dasselbe, was die zwei auf der Conferenz in Schaffhausen ausgetauschten Noten enthalten, nur in andern Formen oder mit mehr oder minder Beweisstellen belegt. Die Memoiren für Muri entwarf grösstentheils P. Meinrad Bloch. Am erschöpfendsten behandelte er die Streitpunkte 1824, die er mit 22 Belegen zu beleuchten suchte. Justus von Grüner, (II-353) der preussische Gesandte bei der Eidgenossenschaft, kann in einem Schreiben an den Vorort derselben (15. Nov. 1819) den Reklamationen Muri's die Billigkeit und Rechtmässigkeit nicht absprechen; lässt aber in dieser und in späteren Noten durchblicken, dass Sigmaringen von den einmal in Besitz genommenen Muri-Herrschaften nicht zurücktreten könne. Preussen trat 1824 in diesem Sinne als Vermittler auf und zeigte durch seinen Botschafter Arnim dem Vororte der Eidgenossenschaft an: der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen lasse sich wegen der Dependenzen von Glatt weder in ein Rechtsverfahren, noch in einen Vergleich ein; dagegen wolle er sich wegen der 57,000 Gl., welche Fürstabt Gerold II. abgetreten hatte, in eine Vergleichungsunterhandlung einlassen. Allein das Kloster und die aargauische Regierung glaubten an sämmtlichen Anforderungen noch festhalten zu müssen; die Tagsatzung mahnte jedoch zum Aufgeben der Herrschaften. Muri befolgte 1826 den Rath der Tagsatzung. Daher begannen in Sigmaringen neue Conferenzen wegen der 57,000 Gl. und deren Zinsen. In den Jahren 1827 und 1828 traten diese Verhandlungen wieder mehr in den Hintergrund. Dagegen entbrannte der Streit desto lebhafter im Jahre 1829. Der Vorort Bern eröffnete den Kampf am 2. April durch ein umfangreiches Schreiben an den Fürsten Anton Alois. Die Folge desselben war, dass Regierungsrath von Reding schon am 10. April als Abgeordneter des Standes Aargau in dieser Sache nach Sigmaringen abging. Die Verhandlungen führten nicht sogleich zum Ziele. Im August und September folgten Noten und Conferenzen rasch auf einander. Fürst Anton unterhandelte nur mehr mit dem Stande Aargau. Diesem ging bald die Geduld aus, und er wollte abbrechen; Muri gab in geringen Sachen wieder nach und ermunterte zur Fortsetzung. Endlich sollte der Streit in den Monaten Mai, Juni und Juli 1830 dem Abschlusse nahe gebracht werden. Muri verzichtet in der Vereinbarungsurkunde für immer 1) auf alle, wie auch nur geartete Ansprüche und Anforderungen, namentlich a) auf die Herrschaft Glatt am Neckar, b) die Herrschaft Dettingen mit Priorberg, c) die Herrschaft Diessen mit Dettlingen, d) die Herrschaft Dettensee und e) das vormalige Rittergut Neckarshausen, nach ihrem ganzen Umfange und mit allen ihren, wie immer gelegenen Zubehörden, und zu dessen Bestätigung sollen alle Akten, welche zu obigen Herrschaften gehören, von Muri ausgehändigt werden; 2) verzichten Muri und die aargauische Regierung auf das Kapital von 57,000 Gl., welches das fürstliche Haus Hohenzollern-Sigmaringen an das Gotteshaus Muri schulde, und erklären auch alle davon rückständigen und angesprochenen Zinsen für getilgt. Dagegen „zu gänzlicher Ausgleichung der vorstehenden Ansprüche und Verzichtleistungen (II-354) wird der schon geschehenen Ueberlassung und Hinwegziehung des in Glatt vorhanden gewesenen Mobiliarvermögens noch von Seite des fürstlichen Hauses Hohenzollern-Sigmaringen an das Gotteshaus Muri eine Summe von 70,000 Gl. in drei unverzinslichen Fristen bezahlt werden“;21 davon seien 30,000 Gl. sogleich zu entrichten, 30,000 am 30. Juli 1831 und die letzten 10,000 Gl. am 30. Juli 1832 und zwar kostenfrei einzuliefern auf die königliche Hofbank in Stuttgart.22 Die Unterzeichnung der zwei gleichlautenden Urkunden geschah am 21. Mai 1830 vom aargauischen Bevollmächtigten Karl von Reding; vom sigmaring'schen Bevollmächtigten von Huber am 24. Juni; von der aargauischen Regierung (Fetzer und Rothpletz) am 21. Juli; vom Kloster Muri (Abt Ambros und P. Beat Fuchs) am 29. Juli und endlich vom Fürsten Anton und seinem Kabinetssekretär Bellsevry.
Die andere Hälfte gehörte dem Benediktinerkloster Alpirsbach im Schwarzwalde; der Bann- oder Marchstein, der das Dörflein in zwei Theile zerlegte, stand mitten in der Kirche. – Vgl. Repertorium der eidgen. Tagsatzungen von 1803-1813. Bern 1886, S. 39.↩
S. oben, S. 313, 314.↩
Schreiben vom 22. Okt. 1802.↩
Arch. Muri in Gries D, IV.↩
Er hatte darauf ja keine Ansprüche!↩
Arch. Muri. in Gries.↩
Das beim Freiherrn von Ulm angelegte Kapital von 14,000 Gl. wurde an das fürstliche Haus Oranien-Nassau gegen andere Kapitalien in der Herrschaft Blumeneck vertauscht und sofort dem oranien-nassauischen Rentamte in Weingarten zur Verwaltung übergeben (Eidg. Absch., Repert. 1803-1813, s. 532).↩
Der Abschluss des Restitutionsgeschäftes war am ll. Okt. 1813. Für Würtemberg unterschrieben Hatz und Weckerlin, für Muri P. Meinrad Bloch, Statthalter.↩
Er dachte wohl an die 57,000 Gl., die er dem fürstlichen Hause schenkte, und an die 68,000 Gl., die es Muri noch schuldete.↩
Vgl. oben, S. 339, Nro. 3 u. 4.↩
Vgl. Eidgen. Abschd. vom Jahre 1803, S. 189, ff.↩
Diese Behauptung wird durch Belege (Kaufbriefe, Rechnungsbücher, Herrschaftsrechte, Angabe der Statthalter von Glatt, Diessen etc.) hekräftigt.↩
Repertorium der eidgenössischen Abschiede von 1803-1813. Bern 1886, S. 58, 65.↩
Diese „Einstimmung“ ist keineswegs im Instrumente vom 22. November enthalten; allein die Kapitularen handelten gewissenhaft und gestanden die „Einstimmung“.↩
Den zweideutigen Ausdruck „sammt Zubehörden“ hat Sigmaringen in diese ebenfalls unklaren Worte „in dem ganzen Umfange“ übersetzt. Uebrigens hatte Muri einzig die Herrschaft Glatt wirklich dem Fürsten Anton im ganzen Umfange zu administriren überlassen.↩
Diese Herrschaft war schon seit dem 2. November in den Händen des Fürsten Anton.↩
„Les secularisations … auront lieu sans pert et prèjudice de dependance en Empire de ses etablissemens religieux, sauf ce dont il a été disposé, et la reciprocitè est stipulée pour les dependances en Helvetie des éablissemens religieux d'Empire.“↩
Vgl. 3. und 4. Kapitel, besonders S. 317 ff.↩
Eidgen. Abschd. vom Jahre 1804, S. 166.↩
Vgl. oben, S. 341 ff. Eidgen. Abschd., Repertorium, 8. 159~160.↩
Domänenarchiv in Sigmaringen; Staatsarchiv in Aarau.↩
Die wirkliche Bezahlung erfolgte: 30,000 Gl. sogleich, 10,000 Gl. im Jahre 1831 und 30,000 Gl. 1832.↩

References: § 6
 § 29
 § 4
 § 10
 § 29
 § 29
 § 10