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Timestamp: 2019-12-16 03:33:57+00:00

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﻿ ﻿ BAG – 10 AZR 550/18 | bag-urteil.com
Beitragspflichten zu dem Sozialkassensystem der Bauwirtschaft -AVE VTV 2015 – AVE VTV 2016 – Verfassungsmäßigkeit des SokaSiG
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 28.08.2019, 10 AZR 550/18
Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Hessischen Landesarbeitsgerichts vom 12. Oktober 2018 – 10 Sa 759/18 SK – wird zurückgewiesen.
10 AZR 550/18 > Rn 1
10 AZR 550/18 > Rn 2
Der Kläger ist die Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft, eine gemeinsame Einrichtung der Tarifvertragsparteien in der Rechtsform eines Vereins mit eigener Rechtspersönlichkeit kraft staatlicher Verleihung. Er ist tarifvertraglich zum Einzug der Beiträge zu den Sozialkassen der Bauwirtschaft verpflichtet. Der VTV 2014 wurde am 6. Juli 2015 rückwirkend zum 1. Januar 2015 für allgemeinverbindlich erklärt (AVE VTV 2015). Die Allgemeinverbindlicherklärung des VTV 2015 erfolgte am 4. Mai 2016 rückwirkend zum 1. Januar 2016 (AVE VTV 2016). Der Senat hat sowohl die AVE VTV 2015 als auch die AVE VTV 2016 für wirksam befunden (BAG 21. März 2018 – 10 ABR 62/16 – BAGE 162, 166; 20. November 2018 – 10 ABR 12/18 -).
10 AZR 550/18 > Rn 3
10 AZR 550/18 > Rn 4
10 AZR 550/18 > Rn 5
10 AZR 550/18 > Rn 6
10 AZR 550/18 > Rn 7
10 AZR 550/18 > Rn 8
10 AZR 550/18 > Rn 9
10 AZR 550/18 > Rn 10
1. Die Zulässigkeit der Berufung ist Prozessfortsetzungsvoraussetzung für das gesamte weitere Verfahren nach Einlegung der Berufung. Sie ist deshalb vom Revisionsgericht von Amts wegen zu prüfen (st. Rspr., vgl. BAG 3. Juli 2019 – 10 AZR 499/17 – Rn. 12).
10 AZR 550/18 > Rn 11
10 AZR 550/18 > Rn 12
a) Nach § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG iVm. § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Berufungsbegründung die Umstände bezeichnen, aus denen sich die Rechtsverletzung durch das angefochtene Urteil und deren Erheblichkeit für das Ergebnis der Entscheidung ergibt. Die Berufungsbegründung muss erkennen lassen, in welchen Punkten tatsächlicher oder rechtlicher Art das angefochtene Urteil nach Ansicht des Berufungsklägers unrichtig ist und auf welchen Gründen diese Ansicht im Einzelnen beruht (BAG 24. Oktober 2017 – 1 AZR 166/16 – Rn. 11). Hat das erstinstanzliche Gericht seine Entscheidung hinsichtlich eines Streitgegenstands auf mehrere selbstständig tragende Begründungen gestützt, muss die Berufungsbegründung das Urteil in allen diesen Punkten angreifen. Andernfalls ist das Rechtsmittel insgesamt unzulässig, weil der Angriff gegen eine der Begründungen nicht ausreicht, um die Entscheidung insgesamt in Frage zu stellen (BAG 14. Mai 2019 – 3 AZR 274/18 – Rn. 19 mwN).
10 AZR 550/18 > Rn 13
10 AZR 550/18 > Rn 14
3. Ist die Berufung teilweise unzulässig, hat das Revisionsgericht die Revision insoweit zurückzuweisen (vgl. BAG 23. November 2017 – 8 AZR 458/16 – Rn. 10 mwN), wenn das Berufungsgericht – wie im Streitfall – keine Sachentscheidung zulasten des Gegners getroffen hat (vgl. dazu BAG 24. Oktober 2018 – 10 AZR 278/17 – Rn. 13).
10 AZR 550/18 > Rn 15
II. Soweit der Beklagte seine Verurteilung zur Zahlung der Beiträge für April und Mai 2016 angreift, ist die Revision ebenfalls unbegründet. Dies gilt bei materiell-rechtlicher Prüfung des Berufungsurteils auch für seine gegen die Verurteilung zur Zahlung des nachgemeldeten Beitrags für Juni 2015 gerichtete Revision (zu einem solchen Vorgehen BAG 19. Juli 2016 – 2 AZR 637/15 – Rn. 23 mwN). Die Klage ist insgesamt zulässig und begründet.
10 AZR 550/18 > Rn 16
1. Der Kläger hat die zulässige Klage nicht geändert, indem er die Beitragsforderungen zunächst allein auf die AVE VTV 2015 sowie die AVE VTV 2016 und später auch auf § 7 SokaSiG gestützt hat. Beitragsansprüche nach den Verfahrenstarifverträgen, für deren Geltungserstreckung sowohl eine Allgemeinverbindlicherklärung als auch § 7 SokaSiG in Betracht kommen, werden von demselben den Streitgegenstand umgrenzenden Lebenssachverhalt erfasst (BAG 27. März 2019 – 10 AZR 512/17 – Rn. 12 f. mwN).
10 AZR 550/18 > Rn 17
10 AZR 550/18 > Rn 18
a) Der im Land Hessen gelegene Baubetrieb des Beklagten fällt in den räumlichen und den betrieblichen Geltungsbereich der beiden Verfahrenstarifverträge (§ 1 Abs. 1, Abs. 2 VTV 2014 und VTV 2015). In ihm werden arbeitszeitlich überwiegend Tätigkeiten iSv. § 1 Abs. 2 der beiden Verfahrenstarifverträge ausgeführt: Vollwärmeschutzarbeiten unterfallen kumulativ oder alternativ § 1 Abs. 2 Abschn. V Nr. 9, Nr. 12 und Nr. 40 VTV 2014 und VTV 2015 (vgl. BAG 19. Juli 2000 – 10 AZR 918/98 – zu II 1 b aa der Gründe). Maurerarbeiten werden nach § 1 Abs. 2 Abschn. V Nr. 23 vom betrieblichen Geltungsbereich der beiden Verfahrenstarifverträge erfasst. Bei Renovierungs- und Ausbauarbeiten handelt es sich jedenfalls um bauliche Leistungen iSv. § 1 Abs. 2 Abschn. II VTV 2014 und VTV 2015 (vgl. BAG 8. Mai 2019 – 10 AZR 559/17 – Rn. 21; 23. Juni 2010 – 10 AZR 463/09 – Rn. 13). Der persönliche Geltungsbereich der beiden Verfahrenstarifverträge erstreckt sich auf die bei dem Beklagten beschäftigten gewerblichen Arbeitnehmer (§ 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 VTV 2014 und VTV 2015).
10 AZR 550/18 > Rn 19
10 AZR 550/18 > Rn 20
3. Die Beitragsansprüche ergeben sich auch aus § 7 Abs. 2 und Abs. 1 iVm. den Anlagen 27 und 26 SokaSiG. Gegen die gesetzliche Geltungserstreckung auf Betriebe wie den des nicht tarifgebundenen Beklagten bestehen aus Sicht des Senats keine verfassungsrechtlichen Bedenken (BAG 20. November 2018 – 10 AZR 121/18 – Rn. 42 ff., BAGE 164, 201).
10 AZR 550/18 > Rn 21
10 AZR 550/18 > Rn 22
10 AZR 550/18 > Rn 23
10 AZR 550/18 > Rn 24
10 AZR 550/18 > Rn 25
10 AZR 550/18 > Rn 26
10 AZR 550/18 > Rn 27
10 AZR 550/18 > Rn 28
10 AZR 550/18 > Rn 29
10 AZR 550/18 > Rn 30
10 AZR 550/18 > Rn 31
(2) Bis zum 20. September 2016 bestand keine Grundlage für ein Vertrauen auf die Unwirksamkeit der Allgemeinverbindlicherklärungen der Verfahrenstarifverträge in den Fassungen der Anlagen 26 und 27 des SokaSiG, auf die Absätze 1 und 2 des § 7 SokaSiG verweisen (BAG 20. November 2018 – 10 AZR 121/18 – Rn. 77 ff., BAGE 164, 201). Über die Wirksamkeit der AVE VTV 2016 und der AVE VTV 2015 war bei Inkrafttreten des SokaSiG noch nicht rechtskräftig entschieden. Schon deshalb konnte kein zu schützendes Vertrauen der tariffreien Arbeitgeber darauf entstanden sein, nicht von der Rechtsnormerstreckung erfasst zu werden. Die von dem Beklagten und anderen in Anspruch genommenen Arbeitgebern gehegten Zweifel waren keine geeignete Grundlage für die Bildung von Vertrauen dahin, dass auf der Annahme der fehlenden Normwirkung der Verfahrenstarifverträge beruhenden Dispositionen nicht nachträglich die Grundlage entzogen werden würde (BAG 3. Juli 2019 – 10 AZR 499/17 – Rn. 93; 8. Mai 2019 – 10 AZR 559/17 – Rn. 49; 20. November 2018 – 10 AZR 121/18 – Rn. 79 ff., aaO).
10 AZR 550/18 > Rn 32
10 AZR 550/18 > Rn 33
Beitragspflichten zu dem Sozialkassensystem der Bauwirtschaft -AVE VTV 2015 - AVE VTV 2016,
Das Urteil BAG – 10 AZR 550/18 wird zitiert in:

References: § 64
 § 520
 § 7
 § 7
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 7
 § 7