Source: http://reichstadt.eu/Page054.htm
Timestamp: 2018-11-17 02:44:04+00:00

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Nachstehende Texte stellen Mitteilungen zum Thema "Informationen für Sachverständige" dar; darunter verstehen wir:
Mitteilungen oder Aktuelles zu Grundsatzurteilen; DIN-Vorschriften ...
DIN-Vorschriften sind keine Rechtsvorschriften, eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 30.09.1996
Mitteilungen oder Aktuelles zur Kostenabrechnung; Berufszuschlag ...
Der Berufszuschlag - ein absurdes Theater, ein Beitrag aus "Informationen für den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen, Informationen III/97"
Qualitätssicherung/-management, Gütezeichen - Hinweise zur Rechtslage; Zusammenfassung aus 12/96. Schalttitel: Ü-Zeichen
Qualitätssicherung/-management, DIN EN 1279 "Glas im Bauwesen" als Normentwurf erschienen Schalttitel: DIN EN 1279
Innere Abdichtung der Bauanschlußfuge ist jetzt Stand der Technik. Schalttitel: Fugenabdichtung
Die Texte sind nacheinander aufgeführt, jeweils durch Linien getrennt und die Texttitel sind rot dargestellt.
DIN-Vorschriften sind keine Rechtsvorschriften
Viele Sachverständigen sind der Auffassung, daß DIN-Vorschriften die gleiche Rangordnung haben, wie Gesetze oder Verordnungen und damit unmittelbar geltendes Recht seien. Zumindest seien sie immer als "Regeln der Technik" anzusehen. Daß dies nicht der Fall ist, zeigt nachstehende Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 30.09.1996 (Az: 4 B 175/96).
Die Auslegung von DIN-Vorschriften (hier: DIN 4261 Teil 1, Teil 2, Kleinkläranlagen) ist als solche keine Rechtsanwendung, sondern Tatsachenfeststellung.
DIN-Vorschriften können anerkannte "Regeln der Technik" im Sinne des § 18 b WHG sein, sind dies aber noch nicht ohne weiteres kraft ihrer Existenz; sie schließen den Rückgriff auf weitere Erkenntnismittel nicht aus.
§ 18 b WHG setzt mit der Bezugnahme auf die "Regeln der Technik" einen Mindeststandard; er schließt nicht aus, daß Landesrecht (hier: § 153 NWG) strengereAnforderungen stellt.
Die Begründung wird wörtlich wie folgt wiedergegeben:
Aus den Gründen: Die Frage, ob Sickerschächte bei Kleinkläranlagen nicht mehr den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, ließe sich in dem erstrebten Revisionsverfahren nicht klären. Sie betrifft nicht die Anwendung und Auslegung von Bundesrecht i. S. des § 137Abs. 1 Nr. 1 VwGO. Der Bundesgesetzgeber nimmt zwar in § 18 b Abs. 1 WHG ebenso wie der niedersächs. Landesgesetzgeber in § 153 Abs. 1 S. 1 des Niedersächs. Wassergesetzes (NWG) auf die "Regeln der Technik" Bezug. Diese Regeln stellen aber nicht selbst Rechtsnormen dar. Die Beschwerde leitet aus der DIN 4261 Teil 1 ab, daß es ausreicht, Kleinkläranlagen mit Sickerschächten auszustatten. Das Deutsche Institut für Normung hat indes keine Rechtsetzungsbefugnisse. Es ist ein eingetragener Verein, der es sich zur satzungsgemäßen Aufgabe gemacht hat, auf ausschließlich gemeinnütziger Basis durch Gemeinschaftsarbeit der interessierten Kreise zum Nutzen der Allgemeinheit Normen zur Rationalisierung, Qualitätssicherung, Sicherheit und Verständigung aufzustellen und zu veröffentlichen. Wie weit er diesem Anspruch im Einzelfall gerecht wird, ist keine Rechtsfrage, sondern eine Frage der praktischen Tauglichkeit der Arbeitsergebnisse für den ihnen zugedachten Zweck. Rechtliche Relevanz erlangen die von ihm erarbeiteten Normen im Bereich des technischen Sicherheitsrechts nicht, weil sie eigenständige Geltungskraft besitzen, sondern nur, soweit sie die Tatbestandsmerkmale von Regeln der Technik erfüllen, die der Gesetzgeber als solche in seinen Regelungswillen aufnimmt. Werden sie, wie dies beim Bau und beim Betrieb von Abwasseranlagen geschehen ist, vom Gesetzgeber rezipiert, so nehmen sie an der normativen Wirkung in der Weise teil, daß die materielle Rechtsvorschrift durch sie näher konkretisiert wird. Die Problematik dieses Vorgangs spricht die Beschwerde mit ihrer ersten Frage indes nicht an.
Die Frage, ob Regeln der Technik durch Verwaltungserlaß begründet werden können, rechtfertigt ebenfalls nicht die Zulassung der Revision.
Das OVG hat darauf abgestellt, daß vorhandene Abwasseranlagen so anzupassen sind, daß sie die in Betracht kommenden Regeln der Technik einhalten. Die Beschwerde geht davon aus, daß im Bereich der Abwasserbehandlung und -einleitung die Regeln der Technik mit der DIN 4261 Teil 1 (Kleinkläranlagen ohne Abwasserbelüftung) identisch sind. Dies entspricht nicht der Sichtweise des GVG, das sich insoweit - wenn auch unausgesprochen - an dem in der höchstrichterl. Rspr. geklärten Begriff der anerkannten Regeln der Technik orientiert hat. Danach lassen sich als anerkannte Regeln der Technik diejenigen Prinzipien und Lösungen bezeichnen, die in der Praxis erprobt und bewährt sind und sich bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt haben (vgl. BVerfG, Beschl. v. 8.8.1978, BVerfGE 49, 89, 135; BVerwG, Urt v. 25.9.1992 - 8 C 28.90 - Buchholz 401.64 § 7 AbwAG Nr. 2 und Beschl. v. 4.8.1992 - 4 B 150.92 - Buchholz 406.25 § 3 BImSchG Nr. 9; vgl. auch § 2 Abs. 10 UGB-E). DIN-Vorschriften und sonstige technische Regelwerke kommen hierfür als geeignete Quellen in Betracht. Sie haben aber nicht schon kraft ihrer Existenz die Qualität von anerkannten Regeln der Technik und begründen auch keinen Ausschließlichkeitsanspruch. Als Ausdruck der fachlichen Mehrheitsmeinung sind sie nur dann zu werten, wenn sie sich mit der Praxis überwiegend angewandter Vollzugsweisen decken. Das wird häufig, muß aber nicht immer der Fall sein. Die Normausschüsse des Deutschen Instituts für Normung sind pluralistisch zusammengesetzt. Ihnen gehören auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die ihre Eigeninteressen einbringen. Die verabschiedeten Normen sind nicht selten das Ergebnis eines Kompromisses der unterschiedlichen Zielvorstellungen. Meinungen und Standpunkkte (vgl. B VerwG, Urt. V. 22.5.1987 - 4 C 33-35.83 - BVerwGE 77.285). Sie begründen ein tatsächliche Vermutung dafür, daß sie als Regeln, die unter Beachtung bestimmter verfahrensrechtlicher Vorkehrungen zustande gekommen sind, sicherheitstechnische Festlegungen enthalten, die einer objektiven Kontrolle standhalten, sie schließen den Rückgriff auf weitere Erkenntnismittel aber keineswegs aus. Die Behörden, die im Rahmen des einschlägigen Rechts den Regeln der Technik Rechnung zu tragen haben, dürfen dabei auch aus Quellen schöpfen, die nicht in der gleichen Weise wie etwa die DIN-Normen kodifiziert sind. Unter welchen Voraussetzungen sie sich auf dem Gebiet des Abwasseranlagenbaus von der Erkenntnis leiten lassen können, daß Sickerschächte nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, ist eine Frage der Einzelfallwürdigung.
Im übrigen verkennt die Beschwerde, daß sich das OVG nicht auf § 18 b WBG, der dem revisiblen Bundesrecht angehört, sondern auf die landesrechtliche Bestimmung des § 153 NWG gestützt hat Bei dieser Entscheidungssituation läßt sich der Bezug zum Bundesrecht nicht mit dem bloßen Hinweis herstellen, daß beide Vorschriften, soweit hier von Belang, nahezu wortgleich sind. § 18 b WHG hat auf der verfassungsrechtl. Grundlage des Art. 75 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 GG rahmenrechtl. Charakter. Er gilt nicht aufgrund eines Gesetzgebungsbefehls des Bundesgesetzgebers unmittelbar, sondern bedarf der Umsetzung in Landesrecht, um Rechte und Pflichten zu begründen. Er steckt lediglich den Rahmen ab, den die Länder auszufüllen haben. Mit der Bezugnahme auf die Regeln der Technik bezeichnet § 18 b WHG den bundeseinheitl. Mindeststandard, dem Abwasseranlagen genügen müssen. Strengere Anforderungen werden damit nicht ausgeschlossen. Dies folgt schon daraus. daß § 18 b WHG die Errichtung und den Betrieb mit den Benutzungsbedingungen und Auflagen für das Einleiten von Abwasser verknüpft, aus denen sich unter Umständen weitergehende Erfordernisse als aus den Regeln der Technik ergeben können. Welcher baulichen Vorkehrungen es bei Abwasseranlagen bedarf; um i. S. des § 1 a Abs. 2 WHG eine Verunreinigung des Wassers oder eine sonstige nachteilige Veränderung seiner Eigenschaften zu verhüten, ist der einschlägigen Norm des Landesrechts zu entnehmen, die einer revisionsgerichtlichen Prüfung entzogen ist. Daran ändert auch der Hinweis der Beschwerde aufArt 14 GG nichts. § 153 NWG erfüllt die Merkmale einer gesetzl. Inhalts- und Schrankenbestimmung i. S. des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG.
Fundstelle: Die Öffentliche Verwaltung 1997, Seite 303
Der Berufszuschlag - ein absurdes Theater
In den Antworten der Landesregierungen auf entsprechende parlamentarische Anfragen findet sich bei dem Kapitel "Entschädigung nach dem ZSEG" immer wieder der Hinweis, die Sachverständigen könnten doch den Berufszuschlag geltend machen und dadurch "locker" auf einen Stundensatz von 150,- DM kommen. Die Verfasser dieser Antwort dürften wohl weder den Gesetzeswortlaut gelesen haben noch dessen Auslegung durch die Gerichte kennen.
Zum einen gibt es den Spitzenstundensatz von 100,- DM nach § 3 Abs. 2 ZSEG nur für wenige Ausnahmefälle; meist bekommen ihn nur Professoren der Medizin. Zum anderen verlangt der Gebührentatbestand des § 3 Abs. 3 ZSEG, daß der Sachverständige, der zusätzlich einen Berufszuschlag erhalten möchte, mindestens 70% seiner Berufseinkünfte aus Gutachtentätigkeit erzielt. Aber selbst der Sachverständige, der beide Hürden mit Erfolg überwunden hat, sieht sich nunmehr einer dritten Hürde gegenüber: Die Gerichte verlangen, für die Gewährung des vollen 50-prozentigen Zuschlags den Nachweis, daß der Sachverständige mindestens 90% seiner Gutachten in Gerichtsverfahren erstattet hat; sie berufen sich für ihre Gesetzesauslegung auf die beiden Wortteile des § 3 Abs. 3 "nach billigem Ermessen" und "bis zu 50%". Spätestens bei dem Nachweis der zuletzt genannten Voraussetzung geht dann den meisten Sachverständigen die Luft aus und Resignation macht sich breit.
Dazu ein Beispiel aus jüngster Zeit, das man nur noch unter die Rubrik "absurdes Theater" einordnen kann:
Das Amtsgericht Aachen hat einem Sachverständigen, der den Berufszuschlag beanspruchte, ein Schreiben folgenden Wortlauts zugesandt:
"In der oben erwähnten Liquidation haben Sie eine prozentuale Erhöhung des Stundensatzes nach § 3 Abs. 3 b ZSEG beantragt. Die Berechtigung dieser Erhöhung muß glaubhaft gemacht werden. Sie werden daher gebeten, eine Aufstellung Ihrer Einkünfte des letzten halben Jahres einzureichen aus:
a) Gutachtenaufträgen (unterteilt in gerichtliche und außergerichtliche Aufträge)
b) sonstiger nicht gutachterlicher Tätigkeit.
Aus dieser Aufstellung soll sich der Auftraggeber (bei behördlichen Aufträgen das Aktenzeichen) sowie die für die Erledigung aufgewandte Zeit und bei nicht behördlichen Gutachten bzw. nicht behördlicher Tätigkeit die Angabe des Stundensatzes ergeben."
Der von dieser bürokratischen Anordnung betroffene Sachverständige, der der Redaktion* bekannt ist, hat uns dazu mitgeteilt, daß er mindestens einen Arbeitstag aufwenden müßte, um den vom AG Aachen angeforderte Auftragsaufstellung des letzten halben Jahres zu erledigen. Der strittige Betrag für den beantragten Berufszuschlag beläuft sich auf lediglich 405,- DM. Er habe resigniert und werde die Sache nicht weiter verfolgen.
Bei diesem Sachverhalt fragt man sich, was Rechtsvorschriften, die zugunsten der Gerichtssachverständigen erlassen wurden, noch für einen Wert haben, wenn sie auf diese Weise von den Kostenbeamten praktiziert werden. Ganz zu schweigen von der Tatsache, daß der Sachverständige gegen seine Schweigepflicht verstoßen würde, wenn er die Auftraggeber und die Behördenaktenzeichen seiner Gutachtenaufträge angeben würde. Es kann doch einfach nicht wahr sein, daß ein Gerichtssachverständiger für die Erstellung seiner Rechnung und den Nachweis des Umfangs seiner Gutachtertätigkeit - Tätigkeiten, für die er keinen Pfennig erhält - einen höheren Zeit- und Kostenaufwand hat als für die Erstattung des Gutachtens selbst. Es wird höchste Zeit, daß der Gesetzgeber die einzelnen Gebührentatbestände des ZSEG so eindeutig formuliert, daß unterschiedliche Auslegungen nicht mehr möglich sind und eine Rechnung ohne wesentlichen Zeitverlust erstellt werden kann. Für eine entsprechende Novellierung des § 3 Abs. 3 ZSEG gibt es ganz einfache Lösung, die der DIHT bereits mehrfach vorgeschlagen hat: Man streicht ersatzlos die Worte "bis zu" und "nach billigem Ermessen" und setzt die Einkommensgrenze auf 50 % statt auf 70 % fest.
Fundstelle: Informationen für den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen, Informationen III/97, Seite 34 und 35
Herausgeber: Institut für Sachverständigenwesen e.V., Gereonstraße 50, 50670 Köln
*Redaktion: RA Dr. Peter Bleutge
Anmerkungen: Vorstehendes Beispiel steht stellvertretend für viele derartige Fälle. Der uns im Bereich des Sachverständigenwesens unterstützende ö.b.v.SV Reichstadt hatte ebenfalls mehrfach den Eindruck, "unter der Willkür der Kostenbeamten oder Gerichte zu unrecht leiden zu müssen", bis er seine Büroorganisation bzw. sein Formular und Korrespondenzwesen optimiert hat.
Beachten Sie unsere Leitseite für Sachverständige und darin "Formulare". Die aufgeführten Formulare (und die statistische Erfassung) werden seit 1992 verwendet. Mit keinem Gericht hat es seither Probleme mit der Bewertung des Schwierigkeitsgrades und/oder der Abrechnung gegeben.

References: § 18

§ 18
 § 153
 § 137
 § 18
 § 153
 § 7
 § 3
 § 2
 § 18
 § 153
 § 18
 Art. 75
 § 18
 § 18
 § 1
 § 153
 Art. 14
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3