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Timestamp: 2020-08-06 12:27:16+00:00

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Sittenwidrige Swap-Geschäfte | Rechtslupe
Ein Swap-Geschäft ist sit­ten­wid­rig und nich­tig, wenn es dar­auf ange­legt ist, den Ver­trags­part­ner der Bank von vorn­her­ein chan­cen­los zu stel­len [1].
Ein Rechts­ge­schäft ist sit­ten­wid­rig im Sin­ne des § 138 BGB und damit nich­tig, wenn es nach sei­nem aus der Zusam­men­fas­sung von Inhalt, Beweg­grund und Zweck zu ent­neh­men­den Gesamt­cha­rak­ter mit den grund­le­gen­den Wer­tun­gen der Rechts- und Sit­ten­ord­nung nicht zu ver­ein­ba­ren ist [2]. Maß­ge­bend sind die Ver­hält­nis­se im Zeit­punkt der Vor­nah­me des Rechts­ge­schäfts [3].
Die Fra­ge, ob ein Rechts­ge­schäft sit­ten­wid­rig und damit nich­tig ist, kann nicht ohne eine kon­kre­te Betrach­tung des Geschäfts ent­schie­den wer­den. Zins­satz-Swap-Ver­trä­ge wie die hier streit­ge­gen­ständ­li­chen sind aty­pi­sche gegen­sei­ti­ge Ver­trä­ge [4] mit aleato­ri­schem Cha­rak­ter [5]. Bei sol­chen Ver­trä­gen mit Spiel- oder Wett­cha­rak­ter kann sich die Sit­ten­wid­rig­keit auch aus deren Inhalt erge­ben [6]. Aller­dings hat im Unter­schied zum ech­ten Aus­tausch­ver­trag eine auf­fäl­li­ge Abwei­chung vom Ver­gleichs­wert bei Spiel- und Wett­ver­trä­gen kei­ne indi­zi­el­le Aus­sa­ge­kraft [7]. Im Beson­de­ren ist hier die Wer­tung des § 37e Satz 1 WpHG in der Fas­sung des Vier­ten Finanz­markt­för­de­rungs­ge­set­zes [8] bei der Aus­le­gung der aus­fül­lungs­be­dürf­ti­gen Gene­ral­klau­sel des § 138 Abs. 1 BGB zu berück­sich­ti­gen [9]. Mit der Schaf­fung des § 37e Satz 1 WpHG ver­folg­te der Gesetz­ge­ber das Anlie­gen, durch den Aus­schluss des Spiel­ein­wands gegen Finanz­ter­min­ge­schäf­te eine siche­re Rechts­sphä­re zu schaf­fen [10]. Dar­aus folgt, dass Finanz­ter­min­ge­schäf­te allein wegen ihres spe­ku­la­ti­ven Cha­rak­ters nicht sit­ten­wid­rig sind. Hin­zu­kom­men müs­sen wei­te­re Umstän­de [11]. In Anleh­nung an die vom Bun­des­ge­richts­hof ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze zur Sit­ten­wid­rig­keit von Ter­mi­n­op­ti­ons­ge­schäf­ten gilt, dass ein Swap-Geschäft erst dann sit­ten­wid­rig ist, wenn es dar­auf ange­legt ist, den Ver­trags­part­ner der Bank von vorn­her­ein chan­cen­los zu stel­len [12].
Anschluss an BGH, Urtei­le vom 09.03.2010 – XI ZR 93/​09, BGHZ 184, 365 Rn. 26; vom 13.07.2010 – XI ZR 28/​09, WM 2010, 1590 Rn. 39; und vom 12.10.2010 – XI ZR 394/​08, WM 2010, 2214 Rn. 40[↩]
BGH, Urtei­le vom 19.01.2001 – V ZR 437/​99, BGHZ 146, 298, 301; vom 17.01.2008 – III ZR 239/​06, NJW 2008, 982 Rn. 11; und vom 03.04.2008 – III ZR 190/​07, WM 2008, 996 Rn. 21, jeweils mwN[↩]
st. Rspr., BGH, Urtei­le vom 09.11.1978 – VII ZR 54/​77, BGHZ 72, 308, 314; und vom 10.02.2012 – V ZR 51/​11, WM 2012, 2015 Rn. 13 mwN[↩]
Jahn in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch, 4. Aufl., § 114 Rn. 75; Decker, WM 1990, 1001, 1004; Rol­ler/​Els­ter/​Knappe, ZBB 2007, 345, 352 f.[↩]
Roberts, DStR 2010, 1082, 1083 f.[↩]
Münch­Komm-BGB/Ha­ber­sack, 6. Aufl., § 762 Rn. 17[↩]
vgl. Hens­s­ler, Risi­ko als Ver­trags­ge­gen­stand, 1994, S. 481, 484; Roberts, DStR 2010, 1082, 1083 f.[↩]
BGBl. I 2002, S.2010[↩]
dazu KK-WpH­G/Roth, 2. Aufl., § 37e Rn. 31[↩]
BT-Drs. 14/​8017, S. 96[↩]
Roth aaO[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 09.03.2010 – XI ZR 93/​09, BGHZ 184, 365 Rn. 26; vom 13.07.2010 – XI ZR 28/​09, WM 2010, 1590 Rn. 39; und vom 12.10.2010 – XI ZR 394/​08, WM 2010, 2214 Rn. 40[↩]

References: § 138
 § 37
 § 138
 § 37
 § 114
 § 762
 § 37