Source: https://www.atypischstill.com/steuern/der-mythos-von-der-vermoegensverwaltenden-gmbh
Timestamp: 2019-10-15 18:42:52+00:00

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Der Mythos von der vermögensverwaltenden GmbH - Atypisch Still
19.05.2019 Allgemein, Steuern 17 Comments
Im Internet gibt es bekanntlich viel zu lesen. Vieles davon sind jedoch oftmals bestenfalls Halbwahrheiten, die sich über Hörensagen und das Stille-Post-Prinzip verbreitet und festgesetzt haben. Kernprobleme dabei sind, dass kaum jemand einmal eigenständig in der Tiefe recherchiert und womöglich noch Gesetze zitiert. Wir gehen deshalb die Frage der Gewerbesteuerfreiheit einer Vermögensverwaltungs-GmbH heute einmal von A bis Z durch.
Ganz am Anfang steht offensichtlich die Rechtsformfrage. Warum haben wir eine UG und nicht etwa eine GmbH? Akademisch wäre diese Frage so zu beantworten, dass die UG im Kern eine GmbH ist und auch im sogenannten GmbH-Gesetz geregelt wird, also erstmal fast identisch ist. Wesentlicher Unterschied einer UG ist das herabgesetzte Stammkapital von nur (mindestens) 1 Euro gegenüber 25.000 Euro für eine GmbH.
Praktisch ist die Frage so zu beantworten: die GmbH hat einen Reputationsvorteil gegenüber der UG, weil eben vom Start weg ein höheres Haftungskapital vorhanden ist. Aber: braucht man diesen Reputationsvorteil, wenn man gerade nicht ein traditionelles Geschäft mit größeren Wareneinkäufen auf Rechnung führt, sondern im Wesentlichen ein Geschäftdepot? Nein, braucht man nicht. Wir bekommen bei der Bank ein Geschäftskonto, wir bekommen bei Degiro ein Geschäftsdepot. Lediglich der Abschluss von Firmenmobilfunkverträgen soll wohl in der Praxis bei UGs etwas herausfordernder sein.
Jedenfalls kräht kein Hahn danach, wie viel Stammkapital bei uns in der Sparschwein-UG liegt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang nur, dass man mit ausreichend Stammkapital startet, um die Anlaufkosten stemmen zu können und da würden wir aus eigener Erfahrung 500 Euro als Untergrenze und 1.000 Euro als komfortabel einschätzen. Des Weiteren ist aufgrund der Abschreibungspflichten bei im Preis unter Einstand gesunkenen Aktien im Auge zu behalten, dass man sich bilanziell nicht überschuldet (bei Hinzutreten weiterer Voraussetzungen wäre das ein Insolvenzeröffnungsgrund).
Aber kommen wir zurück zur Vermögensverwaltung. Was ist überhaupt Vermögensverwaltung? Die Antwort findet sich im Steuer-Grundgesetz, der Abgabenordnung. Dort steht im Paragraph 14:
Danach sind Tätigkeiten in der Regel vermögensverwaltend, wenn sie ihre Erträge aus der sogenannten Fruchtziehung des Vermögens erzielen. Das heißt, dass nicht der Umschlag bzw. die Umschichtung der Vermögenswerte im Vordergrund steht, sondern das Erzielen laufender Erträge aus gehaltenem Vermögen.
Allerdings kann man relativ leicht von der Vermögensverwaltung in die Gewerblichkeit kommen. Das kennt man beispielsweise vom gewerblichen Grundstückshandel, wenn also innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit Grundstücke an- und verkauft werden. In gewerblichen Wertpapierhandel kommt man dagegen als Privatanleger üblicherweise nicht rein, unabhängig davon, wie viel man handelt.
Das sind die allgemeinen steuerlichen Grundsätze zur Vermögensverwaltung bzw. Gewerblichkeit. Dazu kommen nun, da wir eine UG führen, auch noch die speziellen Grundsätze für Kapitalgesellschaften. Hierfür ist es hilfreich, sich das System vor Augen zu führen. Schauen wir in Paragraph 7 des Körperschaftsteuergesetzes:
Offensichtlich verweist man uns hier auf den Paragraphen 8. Schauen wir also dort nach:
(1) Was als Einkommen gilt und wie das Einkommen zu ermitteln ist, bestimmt sich nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes und dieses Gesetzes. […]
Folglich unterliegen also Körperschaften den allgemeinen Vorschriften des Einkommensteuergesetzes, wenn es nicht eine speziellere Regelung für Körperschaften im Körperschaftsteuergesetz gibt. Und genau die gibt es. Schauen wir einen Absatz weiter:
Hier wird eine im Steuerrecht ganz wichtige Fiktion niedergelegt. Alles, was eine UG oder eine GmbH oder eine AG an Einkünften erzielt, sind gewerbliche Einkünfte. Nach § 1 KStG gilt diese Regelung für die folgenden Gesellschaften:
Da eine UG keine eigene Rechtsform, sondern eine GmbH mit niedrigerem Stammkapital und folglich nur mit unterschiedlicher Rechtsformbezeichnung ist, sind alle Einkünfte unserer UG auch gewerbliche Einkünfte. Somit kann es gar keine „vermögensverwaltenden“ GmbHs/UGs im Sinne einer gewerbesteuerbefreiten Kapitalgesellschaft geben. Es sei denn, diese Kapitalgesellschaft hätte weder Sitz noch Geschäftsleitung im Inland, wie wir eben gelesen haben.
Auch unsere Sparschwein-UG ist also zu 100 % gewerblich und weil das so ist, erzielt auch der atypisch still Beteiligte unserer UG & atypisch Still gewerbliche Einkünfte, wenn er auch im steuerlichen Sinne atypisch beteiligt ist, also über Mitunternehmerrechte und -risiko verfügt. Das sieht sogar das Finanzamt selbst so (es existieren in der Steuerliteratur aber auch von der Verwaltungsauffassung abweichende Ansichten):
[…] Ist Inhaber des Handelsgeschäfts eine GmbH, so erzielt auch der an ihr atypisch still beteiligte
Gesellschafter gewerbliche Einkünfte, und zwar unabhängig davon, ob die Tätigkeit der GmbH und des
an ihr atypisch still beteiligten Gesellschafters die Voraussetzungen eines Gewerbebetriebs nach § 15
Abs. 2 EStG erfüllt (BMF-Schreiben vom 26.11.1987, BStBl 1987 I S. 765).
[…] OFD Erfurt v. 23.10.2003 – S 2241 A – 08 – L 221
Warum nun gibt es aber die Geschichten, dass vermögensverwaltende GmbHs gewerbesteuerbefreit sind? Das liegt zunächst mal an den begrifflichen Unschärfen bei den Verwendern solcher Formulierungen. Denn wie wir gesehen haben, kann eine inländische Kapitalgesellschaft machen, was sie will, aber sie erzielt immer gewerbliche Einkünfte, ist aus steuerlicher Sicht also fiktiv nicht vermögensverwaltend.
Tatsächlich gibt es aber eine spezielle Regelung im Gewerbesteuergesetz (§ 9 Satz 1 Nr. 1 GewStG), nach der eine rein immobilienverwaltende Kapitalgesellschaft keine Gewerbesteuer auf den Teil zahlen muss, der auf die Verwaltung und Nutzung der Immobilien entfällt – was bei richtiger Ausgestaltung in einer faktischen Gewerbesteuerfreiheit mündet. Hier hat man aber tatsächlich nicht unbedingt etwas gespart. Denn alleiniger Zweck dieser Regelung ist es, eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, nämlich derjenigen mit Grundsteuer und Gewerbesteuer. Die Gewerbesteuer kann man sich als Immobiliengesellschaft folglich sparen, die Grundsteuer nicht.
Für Aktiendepots in einer Kapitalgesellschaft gibt es eine solche Regelung leider nicht (mehr, § 8b Abs. 4 KStG). Deutschland ist eben kein Land der Aktienbesitzer. Aktienbesitzer können sich nur darauf zurückziehen, aus einer gesellschaftsrechtlichen Kapitalgesellschaft steuerrechtlich eine Personengesellschaft zu machen. Eben unsere UG & atypisch Still zum Beispiel. Denn Personengesellschaften wird ein Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500 Euro gewährt. Bis zur Höhe dieses Gewerbeertrags werden wir jährlich nur mit Körperschaftsteuer und Soli belastet. Und das auch nur, wenn man die direkte Ausschüttung des Jahresgewinns an den Gesellschafter vermeidet, um die damit einhergehende Abgeltungsteuer auf die Ausschüttung zu vermeiden.
Solange wir thesaurieren und – grob gesagt – weniger als 24.500 Euro Jahresüberschuss pro Jahr machen, zahlen wir also nur 15,825 % Steuern. Und zwar auf eine Bemessungsgrundlage, von der wir alle Kosten abziehen können – nicht wie im Privatbereich. Es fällt den meisten leider sehr schwer, zu verstehen, wie sich dieser Vorteil langfristig unter Zinseszinsgesichtspunkten auswirkt. Allerdings fällt es den meisten ja auch schon schwer, zu verstehen, dass jede Dividende aus steuerlicher Sicht einen sicheren Verlust in Höhe von 26,375 % der Dividende bedeutet und dass jede Gewinnmitnahme einen sicheren Verlust in Höhe von 26,375 % des Gewinns bedeutet.
Bei der Dividende müssen wir damit auskommen, weil diese unsere wesentliche Wertpapierkredittilgungsquelle darstellen. Kursgewinne nehmen wir allerdings grundsätzlich „nicht mit“, wenn nicht die Geschäftsentwicklung des Unternehmens fundamental die Richtung wechselt. Je größer die unrealisierten Gewinne bei uns werden, desto größer ist der Anreiz diese aus steuerlichen Gründen nicht zu realisieren, selbst wenn diese bei uns zu 95 % steuerbefreit sind (und Verluste deshalb im Gegenzug nicht nutzbar sind). Es kann nicht schaden, diesen Gedanken zur Selbstdisziplinierung langfristig für sich zu nutzen.
Hast Du Fragen, Anmerkungen, Hinweise zum Artikel? Schreib uns im Kommentarbereich! 🙂
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Hallo, wie immer ein interessanter Artikel! Ich freue mich schon auf den nächsten.
Ich habe in einem anderen Kommentar gesehen, dass Ihr euer Buch noch einmal überarbeiten wollt.
Wenn ich das Ebook jetzt kaufe erhalte ich dann auch die überarbeitete Version?
Ich habe vor gegen Ende des Jahres auch eine UG zu gründen.
Was ich noch nicht ganz verstanden habe ist folgendes…wenn Ihr nur 1000€ Stammkapital einlegt mit welchem Geld kauft Ihr dann bei Degiro die Aktien? Nehmt Ihr noch einen Kredit über die UG auf ? Legt Ihr Privatgeld ein oder wie funktioniert das?
So weit ich weiß müsst Ihr mit 25% des Gewinns der UG weitere Rückstellungen bilden um bei 25.000€ Stammkapital dann in eine GmbH umzuwandeln. Wisst Ihr wie teuer das ist? Wäre es nicht sinnvoller gleich eine GmbH zu gründen?
Gruß uRaNobody
Hi uranobody,
ich spiele seit Jahren ebenfalls mit dem Gedanken in solch einer KOsntellation Anlagen zu tätigen, bekam aber nie Bestätigung, dass es sinnvoll ist sondern eher das Gegenteil.
Es dürfen lediglich 25% der Gewinne bei der UG nicht ausgeschüttet werden! Da man bei dem Modell sinnvollerweise gar nichts ausschüttet, um keine Besteuerung auszulösen sondern sich maximale Liquidität erhalten und reinvestieren möchte, ist diese Vorschrift unproblematisch.
Wenn ich in der Kürze richtig gelesen habe, wird von einer UG & Co. KG gesprochen. Diese ist typischerweise eine KG mit einer UG als Komplementär. Investments macht dann die KG.
Eine GmbH zu gründen würde unnötige Kosten versursachen und keine Vorteile bieten, wenn am Kapitalmarkt investiert wird, da mit der Rechtsform UG (haftungsbeschränkt) weder Kunden noch Lieferanten verunsichert werden.
Gerne würde ich mich ausfühlicher dazu äußern, aber dazu fehlt mir momentan die Zeit. Ich lasse mich auch gerne korrigieren. Evtl. schaue ich bei Gelegenheit noch mal vorbei.
Da war ich in der Kürze daneben. Keine KG, da war ich gerade daneben wegen des Gewerbesteuerfreibetrages. Atypisch still, daher der Freibetrag. Also einiges streichen, jedoch wollen Gewinne der UG dennoch nicht ausgeschüttet werden.
Deine Argumentation mit der nicht möglichen erweiterten Gewerbesteuerkürzung bei vermögensverwaltenden GmbH/UG kann ich nicht nachvollziehen. Den § 9 Nr. 1 S. 2 GewStG hast du gelesen? § 8b (4) KStG hat nichts mit der erweiterten Gewerbsteuerkürzung zu tun, sondern bezieht sich auf die Steuerpflicht von Streubesitzdividenden.
Bitte genau lesen, wir haben nicht geschrieben, dass bei vermögensverwaltenden UGs keine Gewerbesteuerkürzung möglich ist, sondern dass UGs kraft der 8b-Fiktion immer in voller Höhe gewerbliche Einkünfte erzielen (und nicht beispielsweise klassische Vermögensverwaltungseinkünfte aus VuV oder aus Kapitalvermögen) und eine der Gewerbesteuerkürzung für grundstückshaltende Kapitalgesellschaften vergleichbare Begünstigung für streubesitzaktienhaltende Kapitalgesellschaften seit der Einführung von § 8b Abs. 4 KStG nicht mehr existiert, bzw. nur noch in Bezug auf Veräußerungsgewinne (§ 8b Abs. 2 und 3 KStG) aber nicht mehr in Bezug auf Dividenden (§8b Abs. 1 i.V.m. Abs. 4 KStG).
Sorry, aber das habt ihr nicht geschrieben. Ihr habt zum Ende des Absatzes, der die erweiterte Gewerbesteuerkürzung (§ 9 Nr. 1 GewStG) behandelt, wörtlich geschrieben: „Die Gewerbesteuer kann man sich als Immobiliengesellschaft folglich sparen, die Grundsteuer nicht.“
Nächster, direkt folgender, Absatz:
„Für Aktiendepots in einer Kapitalgesellschaft gibt es eine SOLCHE Regelung leider nicht (mehr, § 8b (4) KStG)“
Diese Schlussfolgerung ist falsch und darauf wollte ich andere Leser mit meinem Kommentar hinweisen.
Wenn das missverständlich ausgedrückt sein sollte, ergänzen wir das gerne: Mit einer „solchen“ ist eine „vergleichbare Begünstigung“ von Vermögensverwaltungssachverhalten gemeint gewesen, also bspw. bei der Verwaltung von Immobilien (als alleinige Tätigkeit) über die Gewerbesteuerkürzung (effektiver Steuersatz dann 15,825%). Eine reine Verwaltung von Aktien war früher fast vollständig steuerfrei, mittlerweile gibt es durch § 8b (4) KStG keine Befreiung mehr bei den Streubesitzdividenden, die dann KSt+SolZ+GewSt unterliegen, es sei denn man kann z.B. aufgrund einer Atypisch-Still-Gesellschaft den Gewerbesteuerfreibetrag für Personengesellschaften in Anspruch nehmen, dann fallen auf die ersten 24.500 Euro Gewerbeertrag nur Körperschaftsteuer nur KSt+SolZ an.
Und noch ein Hinweis: UG erzielen nicht Kraft 8b-Fiktion grundsätzlich gewerbliche Einkünfte, sondern aufgrund ihrer Rechtsform.
UG sind vielleicht kraft Rechtsform Kaufmann nach HGB, aber jedenfalls kraft 8b-Fiktion gewerblich (https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-gold/frotscherdrueen-gewstg-2-steuergegenstand-6-gewerbebetrieb-kraft-rechtsform-2-abs2-s1-gewstg_idesk_PI16039_HI2254632.html&ved=2ahUKEwitpd2XmbLiAhWK0KYKHbOJBp8QFjAAegQIBhAB&usg=AOvVaw1A4b21Ln5B6G9_gDHj5gqQ).
Das mit der atypisch still, ist echt ein geniales Konzept 🙂
Für den Fall, dass man mehr Dividenden Rendite hat, als die 24.500 Gewerbesteuer Befreiung. Wäre es da möglich mehrere UGs zu gründen?
Man könnte eine Emerging Markets Investment UG gründen, und eine America Investment UG etc.
Oder wird das Finanzamt hier Gestaltungsmissbrauch vorwerfen?
Zuerst: wir machen keine Steuerberatung, deshalb konkrete Hilfe bitte beim Steuerberater erfragen. Mehrere UGs können gegründet werden. Wie das Finanzamt das sieht, wissen wir noch nicht, weil es bei uns soweit noch nicht ist, aber es sollte eigentlich wie dargestellt funktionieren.
ihr schreibt oben, dass eure Gewinne zu 95% Steuerbefreit sind. Könntet ihr das nochmal kurz erläutern wie das zusatande kommt?
bitte mal in der Suchfunktion hier im Blog „8b“ eingeben, insb. im Artikel Tax Hacks #3 haben wir dazu was. Und natürlich in unserem E-Book. Außerdem hilft auch Google zu § 8b KStG umfangreich weiter.
Ich sehe in der UG bei ausreichend Stammkapital für eine GmbH eine Sackgasse weil:
– GmbH-Stammkapital ist ja nicht blockiert, kann verwendet werden
– Zweckbindung von 25% der Überschüsse für Rücklagenbildung bei der UG besteht
– Bei der schlussendlichen Überführung der UG in die GmbH nicht zu vernachlässigende Kosten und Aufwände auf einen zukommen
der erste Punkt spricht nicht gegen eine UG.
Der zweite Punkt ist irrelevant, da unsere UG von Grund auf auf Thesaurierung angelegt ist. Wenn die Gesellschafter Ausschüttungen wollen, gibt es keinen Steuervorteil aus der Thesaurierung mehr, deshalb machen wir so etwas auch nicht.
Der dritte Punkt ist nur relevant, wenn man Steuern und Buchhaltung ausgelagert hat und ohnehin Geld dafür bezahlt. Informiert man sich ausreichend und rechtzeitig (idealerweise vor Gründung), kann man durchaus auch selbst herausfinden, was hier zur gegebenen Zeit zu tun ist. Die notarielle Änderung des Gesellschaftsvertrags kostet vielleicht einen niedrigen dreistelligen Betrag.
Wie Du aber richtig anführst, kann es Sinn ergeben, bei schon vorhandenem ausreichend hohem Kapital gleich eine GmbH zu gründen. Es sei aber angemerkt, dass ein möglichst hohes Stammkapital nicht gleichzeitig auch unter anderen Blickwinkeln optimal sein muss. Wir haben es z.B. nicht auf hohes Eigenkapital, Gewinne oder schnelle Umwandlung in eine GmbH abgesehen. Wir wollen in der Sparphase möglichst hohe Gesellschafterverbindlichkeiten aufbauen, da diese in der Entnahmephase steuerfrei und unkompliziert zurückbezahlt werden können. Deshalb ist es für uns optimal, ein möglichst geringes Stammkapital zur Gründung einzubringen und die Gesellschaft durch Gesellschafterkredite zu kapitalisieren. Das muss man vorher eben für sich durchdenken, was einem wichtig ist, gerade vor dem Hintergrund des beabsichtigten Lebenszyklus der Gesellschaft, also Spar- & Investitionsphase und Entnahmephase im Gegensatz zu einem Unternehmen, das aus Reputations- und Bankfinanzierungsgründen auf Eigenkapital angewiesen ist.
Zunächst einmal Kompliment für Euer Konzept welches mir sehr durchdacht und stimmig erscheint.
Selbst wenn der jetzige Gewerbesteuervorteil oder der jetzige Steuervorteil bei Verkäufen mit Gewinn eines Tages wegfallen sollten bleiben Euch die m.E. entscheidenden strategische Vorteile immer noch erhalten:
Die KöSt wird man in Anbetracht der globalen Entwicklungen nicht auf das Niveau von hiesigen individuellen Steuersätzen anheben können.
Natürlich hättet auch Ihr in der Ausschüttungsphase individuelle Steuern zu zahlen (die Pauschalbesteuerung soll ja aus Gründen der „Gerechtigkeit“ wegfallen).
Aber zu dem Zeitpunkt habt ihr ja möglicherweise keine anderweitigen Einkünfte mehr welche Eure Steuerprogression belasten oder könnt Euren Wohnsitz (nicht den Sitz der UG) in angenehmere Gegenden verlegen.
Bei Fonds und ETF ist man nun einmal auf den Geschmack gekommen das diese hervorragende steuertechnische Melkkühe darstellen was befürchten lässt das wir hier bisher nur den Anfang einer sehr düsteren Entwicklung gesehen haben. Davor seid Ihr aber sicher.
Zur Umwandlung in eine GmbH:
Diese würde etliches an Kosten verursachen welche nicht zu unterschätzen sind.
Allerdings gibt es keinen Zwang für die Umwandlung, ihr könnt für immer eine UG bleiben. Zwar müsst ihr dann auch für immer die Zwangsrückstellung von 25% bilden. Dies tut Euch aber nicht weh weil ihr ja zunächst ohnehin nicht ausschütten wollt und die Rückstellung somit eine rein formale Bilanzposition ist die Euch bei Investitionen nicht einschränkt.
Wenn ich eine Frage stellen darf:
Ist das FA schon auf die Idee gekommen Euch zu Vorauszahlungen auf die KöSt zu veranlagen?
gut zusammengefasst! Die Körperschaftsteuervorauszahlungen werden schon irgendwann kommen, derzeit sind sie aber noch nicht absehbar. Zwei Anmerkungen dazu: zum einen ist der Gewinn einer Gesellschaft im Unterschied zu Privatfinanzen wesentlich steuerbarer. Und zum zweiten werden bspw. bei US-Dividenden bereits 15 % Quellensteuer einbehalten, die auf die Körperschaftsteuer anrechenbar sind. Insoweit haben wir im Dividendenquellensteuerabzug bereits eine Körperschaftsteuervorauszahlung enthalten.
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