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Timestamp: 2017-01-21 17:32:12+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 8 AZR 144/09
Arbeitsgericht München, Urteil vom 24.10.2007, 2b Ca 7669/07 H
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 18.12.2008, 3 Sa 88/08
8 AZR 144/09 3 Sa 88/08
- 2 - hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Ju­li 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger, die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Morsch und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schus­ter für Recht er­kannt:
- 3 - Am 24. Ju­li 2006 wur­de der da­mals 22 Jah­re al­te Kläger mit dem Vor-
- 4 - al­so 800,00 Eu­ro. Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass in die­ser Höhe ei­ne Zwangs­voll­stre­ckung un­zulässig ist.
- 5 - Der Kläger hat be­an­tragt,
- 6 - A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wiefolgt be­gründet: Nach Rück­ab­tre­tung durch die Streit­hel­fe­rin sei die Be­klag­te ma­te­ri­ell­recht­lich wie­der In­ha­be­rin der ti­tu­lier­ten For­de­rung, die Zwangs­voll­stre­ckung so­mit nicht mehr un­zulässig. Das no­ta­ri­el­le de­kla­ra­to­ri­sche Schuld­an­er­kennt­nis sei wirk­sam. Dass die Be­klag­te bei ei­nem Streit um die Höhe der For­de­rung den Scha­den al­len­falls zu ei­nem ge­rin­gen Teil hätte be­wei­sen können, führe eben­so we­nig zur Sit­ten­wid­rig­keit wie der Um­stand, dass der Kläger - wenn über­haupt - die Schuld al­len­falls un­ter großen Mühen zurück­zah­len könne. Auch aus den Ge­samt­umständen bei Ver­trags­schluss ergäbe sich kei­ne Sit­ten­wid­rig­keit. Das Schuld­an­er­kennt­nis ge­be die Einschätzung der Sach- und Rechts­la­ge durch die Par­tei­en im Zeit­punkt sei­ner Ab­ga­be wie­der. Die Be­klag­te ha­be we­der ei­ne Geschäfts­un­er­fah­ren­heit des Klägers un­zulässig aus­ge­nutzt noch ihm je­de Über­le­gungs­frist ge­nom­men. Die Be­weis­auf­nah­me ha­be er­ge­ben, dass der Kläger am 24. Ju­li 2006 we­der im Großmarkt, noch auf der Fahrt zum No­tar oder in des­sen Kanz­lei in ei­ne see­li­sche Zwangs­la­ge ver­setzt wor­den sei. Der Kläger ha­be die Möglich­keit zu te­le­fo­ni­schem Kon­takt nach außen ge­habt; we­der sei ihm mit ei­ner ho­hen Frei­heits­stra­fe ge­droht noch bei Nie­der­schrift des Geständ­nis­ses die Hand geführt wor­den. Die Be­klag­te ha­be nicht ver­langt, das Schuld­an­er­kennt­nis „müsse“ un­ter­schrie­ben wer­den, der No­tar ha­be ei­nen ge­gen­tei­li­gen Hin­weis ge­ge­ben. Nach die­sem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me schei­de auch ei­ne An­fech­tung nach § 123 BGB aus. Die Be­klag­te be­ru­fe sich auch nicht rechts­miss­bräuch­lich auf das Schuld­an­er­kennt­nis, ob­wohl sie das Fehl­ver­hal­ten des Klägers durch feh­len­de Kon­trol­len begüns­tigt ha­be.
- 7 - ti­tu­lier­ten For­de­rung. Nach Rück­ab­tre­tung kann die Zwangs­voll­stre­ckung durch die Be­klag­te nicht mehr mit der Be­gründung des Ar­beits­ge­richts als un­zulässig an­ge­se­hen wer­den.
1. Wel­chen In­halt die no­ta­ri­el­le Ver­ein­ba­rung hat, ist grundsätz­lich ei­ne Fra­ge tatrich­ter­li­cher Fest­stel­lung und Aus­le­gung, weil es um den In­halt ei­ner in­di­vi­du­el­len, aty­pi­schen Erklärung geht. Sie ist vom Re­vi­si­ons­ge­richt nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüfbar, ob die Rechts­vor­schrif­ten für die Aus­le­gung von Wil­lens­erklärun­gen und Verträgen, §§ 133, 157 BGB, rich­tig an­ge­wandt wur­den, ob das We­sen des de­kla­ra­to­ri­schen Schuld­an­er­kennt­nis­ses ver­kannt oder Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze ver­letzt wur­den. Der Aus­le­gungs­stoff, der sich nach dem Vor­brin­gen der Par­tei­en gemäß dem Tat­be­stand des Be­ru­fungs­ur­teils er­gibt, muss vom Be­ru­fungs­ge­richt aus­rei­chend be­ach­tet wor­den sein (BAG 10. Ok­to­ber 2002 - 8 AZR 8/02 - BA­GE 103, 71, 78 = AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 169 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 158; 15. De­zem­ber 1999 - 10 AZR 881/98 - zu II 1 der Gründe).
2. Nach die­sem Maßstab ist die Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richtsnicht zu be­an­stan­den, es lie­ge we­der ein Ver­gleich iSv. § 779 BGB vor, weil es kein ge­gen­sei­ti­ges Nach­ge­ben in Be­zug auf Be­ste­hen und Höhe ei­ner von der Be­klag­ten er­ho­be­nen For­de­rung ge­ge­ben ha­be, noch sei ein kon­sti­tu­ti­ves Schuld­an­er­kennt­nis oder -ver­spre­chen nach §§ 780, 781 BGB ab­ge­ge­ben wor­den, weil der Schuld­grund der vorsätz­li­chen un­er­laub­ten Hand­lung in der no­ta­ri­el­len Ur­kun­de aus­drück­lich erwähnt wur­de. Da bei ei­nem de­kla­ra­to­ri­schen Schuld­an­er­kennt­nis, an­ders als beim Ver­gleich, die Un­si­cher­heit der Par­tei­en über das Be­ste­hen und den In­halt ei­nes Schuld­verhält­nis­ses nicht durch ge­gen­sei­ti­ges, son­dern durch ein­sei­ti­ges Nach­ge­ben des Schuld­ners be­sei­tigt wird, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt rechts­feh­ler­frei er­kannt, dass vor­lie­gend die Par­tei­en ih­re ma­te­ri­ell­recht­li­chen Be­zie­hun­gen durch ei­nen der­ar­ti­gen ein­sei­ti­gen Fest­stel­lungs­ver­trag re­geln woll­ten (Stau­din­ger/Mar­bur­ger [1997] § 781
- 8 - Rn. 8 mwN; BAG 15. März 2005 - 9 AZR 502/03 - BA­GE 114, 97 = AP BGB § 781 Nr. 7 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 2).
a) Da der Kläger wuss­te, dass in der ge­ge­be­nen Si­tua­ti­on ge­ra­de das Be­ste­hen und die Höhe des zu er­set­zen­den Scha­dens klärungs­bedürf­tig wa­ren, ist er mit dem Ein­wand aus­ge­schlos­sen, die Schuld be­ste­he nicht oder nicht in die­ser Höhe, was das Be­ru­fungs­ge­richt zu­tref­fend er­kannt hat.
b) Zu Recht ha­ben sich da­her die Be­ru­fungs­rich­ter mit der Fra­ge des In­halts und der Zulässig­keit des Be­wei­ses durch ei­ne ver­deck­te Vi­deo­auf­zeich­nung nicht be­fasst.
- 9 - ur­teils wer­den je­doch kei­ne selbständi­gen An­griffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel des Klägers über­g­an­gen. Sein Vor­trag, dass die Vi­deoüber­wa­chung un­zulässig ge­we­sen sei, stellt nur ein Ar­gu­ment im Zu­sam­men­hang mit ei­nem An­griffs oder Ver­tei­di­gungs­mit­tel dar, nämlich der gel­tend ge­mach­ten Un­wirk­sam­keit des no­ta­ri­el­len Schuld­an­er­kennt­nis­ses.
- 10 - kei­ne An­halts­punk­te dafür zu ent­neh­men, dass da­bei vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gun­gen zur An­wen­dung ge­kom­men sind. Ei­ne Über­prüfung nach dem Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (§§ 305 ff. BGB) kommt da­her nicht in Be­tracht.
2. Das Schuld­an­er­kennt­nis ist nicht ent­spre­chend § 779 BGB we­genei­nes bei­der­sei­ti­gen Irr­tums über ei­nen als fest­ste­hend zu­grun­de ge­leg­ten Sach­ver­halt, der der Wirk­lich­keit nicht ent­sprach, un­wirk­sam. Zwar ist § 779 BGB we­gen sei­nes ver­gleichsähn­li­chen Cha­rak­ters auch auf das de-kla­ra­to­ri­sche Schuld­an­er­kennt­nis ent­spre­chend an­wend­bar (Stau­din­ger/ Mar­bur­ger § 781 Rn. 18 mwN; BAG 15. De­zem­ber 1999 - 10 AZR 881/98 - zu II 3 a der Gründe; 11. Sep­tem­ber 1984 - 3 AZR 184/82 - zu III der Gründe, AP BGB § 138 Nr. 37 = EzA BGB § 138 Nr. 17). Vor­lie­gend ha­ben aber die Par­tei­en nicht ge­mein­sam über ei­nen als fest­ste­hend zu­grun­de ge­leg­ten streit­aus­sch­ließen­den Um­stand ge­irrt. Viel­mehr macht der Kläger gel­tend, er sei über Grund und Höhe des von ihm ver­ur­sach­ten Scha­dens im Un­kla­ren ge­las­sen oder getäuscht wor­den. Das war zwi­schen den Par­tei­en vor Ab­ga­be des Schuld­an­er­kennt­nis­ses aber ge­ra­de strei­tig und wur­de des­we­gen zu sei­nem Ge­gen­stand ge­macht.
3. Das no­ta­ri­el­le Schuld­an­er­kennt­nis ist nicht sit­ten­wid­rig nach § 138Abs. 1 BGB. Ob ein Ver­s­toß ge­gen die gu­ten Sit­ten vor­liegt, ist ei­ne der Nach­prüfung im We­ge der Re­vi­si­on un­ter­lie­gen­de Rechts­fra­ge (BGH 30. Ok­to­ber 1990 - IX ZR 9/90 - zu II 3 der Gründe mwN, NJW 1991, 353).
- 11 - Verhält­nis­se im Zeit­punkt der Vor­nah­me des Rechts­geschäfts ab­zu­stel­len und nicht auf den Ein­tritt der Rechts­wir­kun­gen (Pa­landt/El­len­ber­ger § 138 Rn. 9; PWW/Ah­rens § 138 Rn. 36; BGH 5. Ok­to­ber 2001 - V ZR 237/00 - zu II 2 c der Gründe, NJW 2002, 429 f.). In sub­jek­ti­ver Hin­sicht genügt es, wenn der Han­deln­de die Tat­sa­chen kennt, aus de­nen sich die Sit­ten­wid­rig­keit er­gibt, bzw. sich der Kennt­nis be­wusst ver­sch­ließt oder ent­zieht (teil­wei­se wird le­dig­lich ein ob­jek­ti­ver Pflich­ten­ver­s­toß ge­for­dert zB Stau­din­ger/Sack [2003] § 138 Rn. 62 f.; Münch­KommBGB/Arm­brüster 5. Aufl. § 138 Rn. 129 ff.), da­ge­gen ist ein Be­wusst­sein der Sit­ten­wid­rig­keit und ei­ne Schädi­gungs­ab­sicht nicht er­for­der­lich (Pa­landt/El­len­ber­ger § 138 Rn. 8; PWW/Ah­rens § 138 Rn. 34; BGH 19. Ja­nu­ar 2001 - V ZR 437/99 - zu II 1 b der Gründe, BGHZ 146, 298). Bei ei­ner Ver­pflich­tung, die die Ein­kom­mens- und Vermögens­verhält­nis­se des Schuld­ners weit über­steigt, kommt Sit­ten­wid­rig­keit in Be­tracht, wenn zusätz­li­che, dem Gläubi­ger zu­re­chen­ba­re Umstände zu ei­nem un­erträgli­chen Un­gleich­ge­wicht der Ver­trags­par­tei­en führen. Sol­che Be­las­tun­gen können sich ins­be­son­de­re dar­aus er­ge­ben, dass der Gläubi­ger die Geschäfts­un­er­fah­ren­heit oder ei­ne see­li­sche Zwangs­la­ge des Schuld­ners aus­nutzt oder ihn auf an­de­re Wei­se in sei­ner Ent­schei­dungs­frei­heit un­zulässig be­ein­träch­tigt (BAG 22. Ok­to­ber 1998 - 8 AZR 457/97 - zu I 4 e der Gründe, AP BGB § 781 Nr. 5 = EzA BGB § 781 Nr. 5 un­ter Hin­weis auf BGH 16. Ja­nu­ar 1997 - IX ZR 250/95 - zu II 3 der Gründe mwN, NJW 1997, 1980).
- 12 - ge­gen die gu­ten Sit­ten, von ei­nem Schädi­ger über das schrift­li­che Geständ­nis hin­aus die Ab­ga­be ei­nes no­ta­ri­el­len Schuld­an­er­kennt­nis­ses zu ver­lan­gen, wenn dies aus ver­si­che­rungs­recht­li­chen Gründen er­for­der­lich sein soll­te. Da es kei­nen all­ge­mei­nen Er­fah­rungs­satz gibt, dass bei der­ar­ti­gen Fest­le­gun­gen die Scha­dens­sum­me stets überhöht dar­ge­stellt und ei­ne Täuschung des Ver­si­che­rers zu­min­dest bil­li­gend in Kauf ge­nom­men wird, ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt auf die­sen Vor­halt des Klägers zu Recht nicht näher ein­ge­gan­gen.
- 13 - kom­men sei. In ei­nem Scha­dens­er­satz­pro­zess hätte bei der ge­ge­be­nen Sach­la­ge die Scha­densschätzung durch ein Ge­richt nach § 287 ZPO rechts­feh­ler­frei auch höher aus­fal­len können. Die Sit­ten­wid­rig­keit lässt sich da­her aus der Höhe des an­er­kann­ten Scha­dens nicht ab­lei­ten.
d) Das no­ta­ri­el­le Schuld­an­er­kennt­nis ist auch nicht des­halb sit­ten­wid­rig,weil der Kläger sich da­mit zur Zah­lung ei­nes Be­tra­ges nebst Zin­sen ver­pflich­tet hat, den er bei gleich­blei­ben­den Ein­kom­mens­verhält­nis­sen erst nach Jahr­zehn­ten oder über­haupt nicht vollständig zurück­zah­len kann. Es verstößt grundsätz­lich nicht ge­gen die gu­ten Sit­ten, sich in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung auch zu Leis­tun­gen zu ver­pflich­ten, die nur un­ter be­son­ders güns­ti­gen Be­din­gun­gen er­bracht wer­den können (BGH 16. Ja­nu­ar 1997 - IX ZR 250/95 - zu II 3 der Gründe mwN, NJW 1997, 1980). Mit der ein­geräum­ten mo­nat­li­chen Ra­ten­zah­lung iHv. 200,00 Eu­ro, die die jähr­li­che Ver­zin­sung auf dem Ka­pi­tal­markt nicht ab­deckt und die Voll­stre­ckungsmöglich­keit der Be­klag­ten be­schränkt, ist ei­ne wirt­schaft­li­che Kne­be­lung des Klägers eben­falls nicht er­folgt. Im Übri­gen geht es um Ansprüche aus ei­ge­nen un­er­laub­ten Hand­lun­gen des Klägers und nicht et­wa um ei­ne Mit­haf­tungsüber­nah­me oder Bürg­schafts­erklärung, bei der die Be­klag­te in sitt­lich anstößiger Wei­se die emo­tio­na­le Ver­bun­den­heit des Klägers mit ei­nem Haupt­schuld­ner aus­ge­nutzt hätte, um ei­ne übermäßig fi­nan­zi­ell be­las­ten­de Per­so­nal­si­cher­heit zu er­lan­gen (vgl. da­zu BGH 16. Ju­ni 2009 - XI ZR 539/07 - Rn. 18 mwN, NJW 2009, 2671).
e) Die Be­klag­te hat zur Ab­ga­be des no­ta­ri­el­len Schuld­an­er­kennt­nis­seskein un­erträgli­ches Über­ge­wicht da­durch her­ge­stellt, dass sie dem Kläger je­de Über­le­gungs­frist ge­nom­men hätte. Ab­ge­se­hen da­von, dass kei­ne oder nur ei­ne kur­ze Über­le­gungs­frist al­len­falls die An­fecht­bar­keit des Rechts­geschäfts we­gen Dro­hung nach sich zieht (BAG 15. März 2005 - 9 AZR 502/03 - zu II 3 a der Gründe mwN, BA­GE 114, 97 = AP BGB § 781 Nr. 7 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 2), hat die Be­klag­te dem Kläger be­reits nach des­sen Be­kun­den nicht jeg­li­che Über­le­gungs­frist ge­nom­men, wie das Be­ru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt hat. Zwi­schen dem Gespräch und der Fahrt nach M war­te­te der Kläger ei­ne Drei­vier­tel­stun­de, oh­ne dass Ver­tre­ter der Be­klag­ten zu­ge­gen wa­ren. Et­wa eben­so
- 14 - lang dürf­te dann die Fahrt zum No­tar ge­dau­ert ha­ben, des­sen vom Kläger selbst wie­der­ge­ge­be­ner Hin­weis, er müsse das Schuld­an­er­kennt­nis nicht un­ter­schrei­ben, auch die Ge­le­gen­heit dar­stell­te, zwi­schen­zeit­lich an­ge­stell­te Über­le­gun­gen und nach dem Gespräch auf­ge­tauch­te Be­den­ken zu äußern.
f) Rechts­feh­ler­frei hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt auch an­ge­nom­men, dassdie Be­klag­te kei­ne „Geschäfts­un­er­fah­ren­heit“ des Klägers aus­nutz­te, um zum Schuld­an­er­kennt­nis zu ge­lan­gen. Dass der Kläger als aus­ge­bil­de­ter Ein­zel­han­dels­kauf­mann mit vierjähri­ger Be­rufs­er­fah­rung und im Al­ter von 22 Jah­ren über­bli­cken konn­te, was er zu­ge­ge­ben hat­te und wo­zu er sich ver­pflich­te­te, durf­te die Be­klag­te oh­ne Ver­s­toß ge­gen die gu­ten Sit­ten an­neh­men.
g) Selbst nach dem Vor­brin­gen des Klägers ist nicht auf ei­ne Zwangs­la­gebei Ab­ga­be des no­ta­ri­el­len Schuld­an­er­kennt­nis­ses zu schließen, die die Be­klag­te sit­ten­wid­rig aus­ge­nutzt hätte.
- 15 - IV. Zu­tref­fend hat es das Be­ru­fungs­ge­richt nicht als rechts­miss­bräuch­lich(§ 242 BGB) an­ge­se­hen, wenn sich die Be­klag­te auf das An­er­kennt­nis be­ruft. Selbst wenn sie das Fehl­ver­hal­ten des Klägers durch feh­len­de Kon­trol­len er­leich­tert ha­ben soll­te, stellt dies kei­nen Rechts­ver­s­toß im Zu­sam­men­hang mit der Ab­ga­be des no­ta­ri­el­len Schuld­an­er­kennt­nis­ses dar. Wie­der­um gilt, dass vor­lie­gend nicht in ei­nem Scha­dens­er­satz­pro­zess die Fra­ge ei­nes Mit­ver­schul­dens des Geschädig­ten zu be­ur­tei­len war, son­dern ob die Be­klag­te we­gen ei­ner ti­tu­lier­ten Scha­dens­er­satz­for­de­rung voll­stre­cken darf.
V. Sch­ließlich hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die An­fech­tung sei­ner zumno­ta­ri­el­len Schuld­an­er­kennt­nis führen­den Wil­lens­erklärung des Klägers oh­ne Rechts­feh­ler für un­wirk­sam be­fun­den. Schon nach sei­nem ei­ge­nen Vor­brin­gen steht dem Kläger ein An­fech­tungs­grund nicht zur Sei­te. Un­mit­tel­bar vor Un­ter­zeich­nung des Schuld­an­er­kennt­nis­ses beim No­tar ist dem Kläger nicht ge­droht wor­den. Die Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge im Großmarkt war, selbst wenn sie bis zum No­tar „fort­ge­wirkt“ ha­ben soll­te, nicht wi­der­recht­lich. Die Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge ist dann rechtmäßig, wenn sie nur da­zu dient, den Täter zur Wie­der­gut­ma­chung des Scha­dens zu ver­an­las­sen (Münch­KommBGB/Kra­mer § 123 Rn. 43). Da der Kläger nicht in Ab­re­de ge­stellt hat­te, un­be­rech­tig­ter­wei­se Pfand­beträge in er­heb­li­cher Höhe an sich selbst aus­be­zahlt zu ha­ben, la­gen aus­rei­chend An­halts­punk­te dafür vor, dass er die Be­klag­te geschädigt hat­te; die Er­stat­tung ei­ner Straf­an­zei­ge er­schien da­her als adäqua­tes Mit­tel zur Aufklärung des Sach­ver­hal­tes. Ei­ne sol­che Dro­hung ist nicht wi­der­recht­lich, da das Mit­tel, al­so das an­ge­droh­te Ver­hal­ten und der Zweck, dh. das er­reich­te Schuld­an­er­kennt­nis nicht, auch nicht in der Ver­knüpfung, wi­der­recht­lich sind (Pa­landt/ El­len­ber­ger § 123 Rn. 19; BAG 10. Ok­to­ber 2002 - 8 AZR 8/02 - zu II 3 b bb der Gründe mwN, BA­GE 103, 71 = AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 169 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 158). Ein Gläubi­ger darf ver­meint­li­che Scha­dens­er­satz­ansprüche un­abhängig da­von gel­tend ma­chen, ob er sie be­wei­sen kann. Der er­streb­te Zweck, nämlich die Si­che­rung die­ser Ansprüche durch Schuld­an­er­kennt­nis ist - für sich be­trach­tet - noch nicht rechts­wid­rig, so­lan­ge der Gläubi­ger je­den­falls vom Be­ste­hen der Schuld aus­ge­hen darf (BAG 10. Ok­to­ber 2002 - 8 AZR 8/02 - aaO).
- 16 - Der Kläger ist auch nicht arg­lis­tig getäuscht wor­den. Sei­ner Be-
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References: § 123
 § 4
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 § 779
 § 781
 § 781
 § 307
 § 779
 § 779
 § 781
 § 138
 § 138
 § 138
 § 138
 § 138
 BGH 
 § 138
 § 138
 § 138
 § 138
 BGH 
 § 781
 § 781
 BGH 
 § 287
 BGH 
 § 781
 § 307
 § 123
 § 123
 § 4
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