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Timestamp: 2019-11-14 12:35:48+00:00

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BAG – 4 AZR 536/09
Arbeitsvertragliche Bezugnahme auf Tarifvertrag – Gleichstellungsabrede – Austritt des Arbeitgebers aus dem Arbeitgeberverband – Auslegung eines Personalüberleitungsvertrag
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 23.02.2011, 4 AZR 536/09
Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts München vom 27. Mai 2009 – 11 Sa 1000/08 – wird zurückgewiesen.
4 AZR 536/09 > Rn 1
Die Parteien streiten über die Verpflichtung der Beklagten, aufgrund einer Bezugnahmeklausel im Arbeitsvertrag oder aufgrund eines Personalüberleitungsvertrages Einmalzahlungen nach dem Tarifvertrag über eine Einmalzahlung im Jahr 2005 für den Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände – Tarifbereich West – vom 9. Februar 2005 (TV EZ), dem Tarifvertrag zur Überleitung der Beschäftigten der kommunalen Arbeitgeber in den TVöD und zur Regelung des Übergangsrechts (TVÜ-VKA) vom 13. September 2005 oder dem für den Bereich Bund geschlossenen Tarifvertrag über Einmalzahlungen für die Jahre 2005, 2006 und 2007 vom 9. Februar 2005 zu leisten.
4 AZR 536/09 > Rn 2
4 AZR 536/09 > Rn 3
4 AZR 536/09 > Rn 4
4 AZR 536/09 > Rn 5
4 AZR 536/09 > Rn 6
4 AZR 536/09 > Rn 7
4 AZR 536/09 > Rn 8
4 AZR 536/09 > Rn 9
4 AZR 536/09 > Rn 10
4 AZR 536/09 > Rn 11
4 AZR 536/09 > Rn 12
4 AZR 536/09 > Rn 13
4 AZR 536/09 > Rn 14
4 AZR 536/09 > Rn 15
a) Wie das Landesarbeitsgericht richtig ausgeführt hat, wendet der Senat zwar für Arbeitsverträge, die nach dem Inkrafttreten der Schuldrechtsreform zum 1. Januar 2002 abgeschlossen worden sind („Neuverträge”), die Auslegungsregel der sogenannten Gleichstellungsabrede nicht mehr an. Jedoch bezieht er sie aus Gründen des Vertrauensschutzes weiterhin auf Bezugnahmeklauseln, die vor dem 1. Januar 2002 vereinbart worden sind (st. Rspr., vgl. nur BAG 18. November 2009 – 4 AZR 514/08 – Rn. 18 und 22 jeweils mwN, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 70 = EzA TVG § 3 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 43; 26. August 2009 – 4 AZR 285/08 – Rn. 49, AP TVG § 3 Nr. 45 = EzA TVG § 3 Nr. 32; 18. April 2007 – 4 AZR 652/05 – Rn. 29 ff., BAGE 122, 74; 14. Dezember 2005 – 4 AZR 536/04 – Rn. 24 ff., BAGE 116, 326).
4 AZR 536/09 > Rn 16
4 AZR 536/09 > Rn 17
c) Nach der früheren Rechtsprechung des Senats galt die widerlegliche Vermutung, dass es einem an arbeitsvertraglich in Bezug genommene Tarifverträge gebundenen Arbeitgeber nur darum geht, durch die Bezugnahme die nicht organisierten Arbeitnehmer mit den organisierten hinsichtlich der Geltung des in Bezug genommenen Tarifwerks gleichzustellen. Der Senat ging davon aus, dass mit einer solchen von einem tarifgebundenen Arbeitgeber gestellten Vertragsklausel lediglich die möglicherweise fehlende Gebundenheit des Arbeitnehmers an die im Arbeitsvertrag genannten Tarifverträge ersetzt werden soll, um jedenfalls zu einer vertraglichen Anwendung des einschlägigen Tarifvertrages zu kommen und damit zu dessen Geltung für alle Beschäftigten (vgl. nur BAG 23. Januar 2008 – 4 AZR 602/06 – AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 63 = EzA TVG § 3 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 38; 1. Dezember 2004 – 4 AZR 50/04 – BAGE 113, 40, 42 f.; 25. September 2002 – 4 AZR 294/01 – BAGE 103, 9, 14; 21. August 2002 – 4 AZR 263/01 – BAGE 102, 275, 278 ff.).
4 AZR 536/09 > Rn 18
Daraus hat der Senat die Konsequenz gezogen, dass auch ohne weitere Anhaltspunkte im Vertragstext oder Begleitumständen bei Vertragsschluss bei Tarifgebundenheit des Arbeitgebers an die in Bezug genommenen Tarifverträge Bezugnahmeklauseln wie die im Arbeitsvertrag vom 5. Mai 2000 in aller Regel als sogenannte Gleichstellungsabreden auszulegen seien (vgl. nur 10. Dezember 2008 – 4 AZR 881/07 – Rn. 18 mwN, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 68; 14. Dezember 2005 – 4 AZR 536/04 – Rn. 12 ff. mwN, BAGE 116, 326; 1. Dezember 2004 – 4 AZR 50/04 – Rn. 15 ff. mwN, BAGE 113, 40; 21. August 2002 – 4 AZR 263/01 – Rn. 16 ff. mwN, BAGE 102, 275). Die Verweisung auf einen Tarifvertrag oder ein Tarifwerk in der jeweils geltenden Fassung wurde deshalb einschränkend dahin ausgelegt, dass die auf diese Weise zum Ausdruck gebrachte Dynamik nur so weit reicht, wie sie bei einem tarifgebundenen Arbeitnehmer reicht, also dann endet, wenn der Arbeitgeber wegen Wegfalls der eigenen Tarifgebundenheit nicht mehr normativ an künftige Tarifentwicklungen gebunden ist (vgl. im Einzelnen BAG 18. März 2009 – 4 AZR 64/08 – Rn. 28, BAGE 130, 43). Ab diesem Zeitpunkt sind die in Bezug genommenen Tarifverträge nur noch statisch anzuwenden.
4 AZR 536/09 > Rn 19
4 AZR 536/09 > Rn 20
2. Das Landesarbeitsgericht hat zudem zutreffend erkannt, dass die Klägerin auch aus dem PÜV keinen Anspruch für sich ableiten kann, da sie nicht von seinem Anwendungsbereich erfasst wird. Dies ergibt die Auslegung des PÜV (ebenso bezogen auf den vorliegenden PÜV bereits BAG 22. April 2009 – 4 ABR 14/08 – Rn. 59 ff., BAGE 130, 286).
4 AZR 536/09 > Rn 21
a) Beim PÜV handelt es sich um einen sogenannten typischen Vertrag, da er ua. die Rechtsverhältnisse der von dem Betriebsübergang betroffenen Beschäftigten und damit eine Vielzahl von Fällen regelt (BAG 18. Mai 1999 – 9 AZR 430/98 – zu II 1 der Gründe; 20. April 2005 – 4 AZR 292/04 – zu A I 1 der Gründe, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 35 = EzA TVG § 1 Auslegung Nr. 40). Seine Auslegung ist durch das Revisionsgericht unbeschränkt überprüfbar.
4 AZR 536/09 > Rn 22
Der Inhalt der Regelungen des PÜV ist nach den §§ 133, 157 BGB durch Auslegung zu ermitteln. Ausgehend vom Wortlaut der Klauseln ist deren objektiver Bedeutungsgehalt zu ermitteln (vgl. BAG 10. Dezember 2008 – 4 AZR 881/07 – Rn. 22, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 68; 6. Februar 1974 – 3 AZR 232/73 – AP BGB § 133 Nr. 38 = EzA BGB § 133 Nr. 8; 15. März 2005 – 9 AZR 97/04 – AP BGB § 157 Nr. 33 = EzA TVG § 4 Altersteilzeit Nr. 14). Maßgebend ist dabei der allgemeine Sprachgebrauch unter Berücksichtigung des vertraglichen Regelungszusammenhangs. Ein übereinstimmender Wille der Parteien geht dabei dem Wortlaut des Vertrages und jeder anderweitigen Interpretation vor und setzt sich auch gegenüber einem völlig eindeutigen Vertragswortlaut durch (BGH 13. August 1996 – XI ZR 218/95 – mwN, NJW-RR 1996, 1458). Von Bedeutung für das Auslegungsergebnis sind auch der von den Vertragsparteien verfolgte Regelungszweck und die Interessenlage der Beteiligten (BAG 22. April 2009 – 4 ABR 14/08 – Rn. 33 ff. mwN, BAGE 130, 286; 10. Dezember 2008 – 4 AZR 881/07 – Rn. 22 mwN, aaO; 20. April 2005 – 4 AZR 292/04 – zu A I 1 der Gründe mwN, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 35 = EzA TVG § 1 Auslegung Nr. 40) sowie die Begleitumstände der Erklärung, soweit sie einen Schluss auf den Sinngehalt der Erklärung zulassen (BAG 10. Dezember 2008 – 4 AZR 881/07 – Rn. 22, aaO; 27. August 1970 – 2 AZR 519/69 – BAGE 22, 424). Die tatsächliche Handhabung des Vertragsverhältnisses kann ebenfalls Rückschlüsse auf dessen Inhalt ermöglichen (BAG 10. Dezember 2008 – 4 AZR 881/07 – Rn. 22, aaO).
4 AZR 536/09 > Rn 23
b) Bereits die Bezeichnung des anlässlich des Betriebsübergangs auf die Arbeitgeberin geschlossenen Vertrages als „Personalüberleitungsvertrag“ weist darauf hin, dass sich dessen Anwendungsbereich nur auf dasjenige bei der LVA schon tätige Personal bezieht, welches von dem Betriebsübergang betroffen ist. Dem entspricht die Regelung in § 1 Abs. 1 PÜV, der von „Angestellten, Arbeiter(n) und Auszubildenden“ der – von der Arbeitgeberin erworbenen – Fachklinik handelt und damit die Bestimmung des relevanten Beschäftigtenkreises für die Regelungen des PÜV vornimmt (vgl. für den vorliegenden PÜV bereits BAG 22. April 2009 – 4 ABR 14/08 – Rn. 59 ff., BAGE 130, 286). Die in § 1 Abs. 2 PÜV genannten „Arbeitnehmer“ sind diejenigen iSd. § 1 Abs. 1 PÜV. Denn § 1 Abs. 1 PÜV legt zugleich fest, dass der dort genannte Personenkreis „im folgenden Arbeitnehmer“ genannt wird. Anhaltspunkte dafür, dass im nachfolgenden Absatz ein weitergehender Beschäftigtenkreis erfasst werden soll, sind dem Wortlaut der Bestimmung nicht zu entnehmen. Entgegen der Auffassung der Klägerin spricht auch nichts im Wortlaut des § 4 Abs. 1 PÜV dafür, dass von § 1 Abs. 2 PÜV auch die erst in der Zukunft eingestellten Arbeitnehmer erfasst werden sollen.
4 AZR 536/09 > Rn 24
4 AZR 536/09 > Rn 25
4 AZR 536/09 > Rn 26
Auslegung eines Personalüberleitungsvertrag,
Austritt des Arbeitgebers aus dem Arbeitgeberverband,
Das Urteil BAG – 4 AZR 536/09 wird zitiert in:
> BAG, 11.12.2013 – 4 AZR 473/12
> BAG, 09.10.2013 – 7 ABR 12/12
> BAG, 19.04.2012 – 6 AZR 691/10

References: § 1
 § 3
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 § 133
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 § 157
 § 4
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