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Timestamp: 2019-07-22 22:07:29+00:00

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BGH, 19.09.2013 - IX ZR 4/13 - dejure.org
https://dejure.org/2013,28380
BGH, 19.09.2013 - IX ZR 4/13 (https://dejure.org/2013,28380)
BGH, Entscheidung vom 19.09.2013 - IX ZR 4/13 (https://dejure.org/2013,28380)
BGH, Entscheidung vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13 (https://dejure.org/2013,28380)
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InsO § 133 Abs. 1 Satz 1 und 2
§ 133 Abs 1 S 1 InsO, § 133 Abs 1 S 2 InsO
Anforderungen an die Kenntnis eines befriedigten Gläubiger von dem Benachteiligungsvorsatz des Schuldners
Zur Kenntnis des Gläubigers vom Benachteiligungsvorsatz, wenn er um die Willensrichtung des Schuldners weiß und nach allgemeiner Erfahrung eine gläubigerbenachteiligende Rechtshandlung zugrunde legen muss
Insolvenzanfechtung - Vorsatzanfechtung - tatsächliche Befriedigung des Gläubigers durch eine Zahlung des Schuldners - Kenntnis von Benachteiligungsvorsatz - Wissen um die Willensrichtung des Schuldners - Zugrundelegung einer gläubigerbenachteiligenden Rechtshandlung des Schuldners nach allgemeiner Erfahrung
InsO § 133 Abs. 1 S. 1-2; InsO § 139 Abs. 2 S. 1
Anfechtungsgegner muss bei einer Vorsatzanfechtung im Allgemeinen von dem Benachteiligungsvorsatz gewusst haben
Wann hat ein Gläubiger Kenntnis vom Benachteiligungsvorsatz des Schuldners?
Zu früh gefreut - Anfechtung von Pfändungen aufgrund kooperativer Schuldner
Insolvenzanfechtung - Kenntnis des Gläubigers vom Benachteiligungsvorsatz des Schuldners
Vorsatzanfechtung; Auffüllung eines Bankkontos als gläubigerbenachteiligende Rechtshandlung; Benachteiligungsvorsatz des Schuldners und Kenntnis des Gläubigers
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 19.09.2013, Az.: IX ZR 4/13 (Insolvenzanfechtung - Kenntnis des Gläubigers vom Benachteiligungsvorsatz des Schuldners)" von RA Friedrich Birnbreier, original erschienen in: BB 2014, 83.
Kurznachricht zu "Gerät der subjektive Tatbestand des § 133 Abs. 1 InsO "unter die Räder"?" von RA Uwe Strandmann, original erschienen in: ZInsO 2014, 538 - 542.
AG Berlin-Tempelhof/Kreuzberg, 16.01.2012 - 11 C 64/11
NJW-RR 2014, 231
ZIP 2013, 84
WM 2013, 2074
BB 2014, 83
Fördert der Schuldner eine Vollstreckungsmaßnahme, kann dies die Qualifizierung der Vermögensverlagerung als Rechtshandlung des Schuldners rechtfertigen (vgl. BGH, Urteil vom 27. Mai 2003 - IX ZR 169/02, BGHZ 155, 75, 79; vom 10. Februar 2005 - IX ZR 211/02, BGHZ 162, 143, 147 ff;… vom 3. Februar 2011 - IX ZR 213/09, WM 2011, 501 Rn. 5, 12; vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074, Rn. 9;… vom 21. November 2013 - IX ZR 128/13, WM 2014, 44 Rn. 7;… vom 16. Januar 2014 - IX ZR 31/12, WM 2014, 272 Rn. 7;… vom 1. Juni 2017 - IX ZR 48/15, Rn. 15 zVb).
Dies gilt insbesondere, wenn der Schuldner gewerblich tätig ist, weil der Gläubiger in diesem Fall mit weiteren Gläubigern des Schuldners mit ungedeckten Ansprüchen rechnen muss (BGH…, Urteil vom 6. Dezember 2012 - IX ZR 3/12, WM 2013, 174 Rn. 15; vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074 Rn. 14;… vom 24. Oktober 2013 - IX ZR 104/13, WM 2013, 2231 Rn. 11).
Insoweit beruft sich der Beklagte ohne Erfolg darauf, nicht von den konkreten, gläubigerbenachteiligenden Rechtshandlungen des Schuldners gewusst zu haben (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, DB 2013, 2496 Rn. 17 ff).
Dieser konnte sich nicht der Kenntnis verschließen, dass die an ihn mit Benachteiligungsvorsatz bewirkte Zahlung auf einer die Gläubigergesamtheit benachteiligenden Rechtshandlung des Schuldners beruhte (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, DB 2013, 2496 Rn. 20 ff).
(2) Allein diese mehr oder weniger wahrscheinlichen Sachverhaltsalternativen, die eine Rechtshandlung der Schuldnerin oder (auch) eine Gläubigerbenachteiligung ausschließen könnten, stehen einer Kenntnis der Rechtshandlung und der durch sie bewirkten Gläubigerbenachteiligung nicht entgegen (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, DB 2013, 2496 Rn. 22 ff).
Dabei wird es zu beachten haben, dass die hier festgestellte Indizienlage sowohl für den Vorsatz der Schuldnerin als auch die Kenntnis der Beklagten Bedeutung hat (vgl. BGH, Urteil vom 4. Dezember 1997 - IX ZR 47/97, NJW 1998, 1561, 1564 f;… vom 8. Dezember 2011 - IX ZR 156/09, WM 2012, 146 Rn. 16; vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074 Rn. 18;… vom 22. Mai 2014 - IX ZR 95/13, WM 2014, 1296 Rn. 27).
a) Die subjektiven Tatbestandsmerkmale der Vorsatzanfechtung können - weil es sich um innere, dem Beweis nur eingeschränkt zugängliche Tatsachen handelt - meist nur mittelbar aus objektiven Tatsachen hergeleitet werden (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, ZInsO 2013, 2213 Rn. 14;… vom 14. Juli 2016 - IX ZR 188/15, ZInsO 2016, 1749 Rn. 12).
a) Die subjektiven Tatbestandsmerkmale der Vorsatzanfechtung können - weil es sich um innere, den Beweis nur eingeschränkt zugängliche Tatsachen handelt - meist nur mittelbar aus objektiven Tatsachen hergeleitet werden (BGH…, Urteil vom 13. August 2009 - IX ZR 159/06, WM 2009, 1943 Rn. 8; vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074 Rn. 14;… vom 24. Oktober 2013 - IX ZR 104/13, WM 2013, 2231 Rn. 10).
Sind beide Teile über die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners und die Existenz weiterer Gläubiger unterrichtet, kann von einem Benachteiligungsvorsatz des Schuldners und dessen Kenntnis bei dem Gläubiger ausgegangen werden, weil der Schuldner weiß, nicht sämtliche Gläubiger befriedigen zu können, und dem Gläubiger bekannt ist, dass infolge der ihm erbrachten Leistung die Befriedigungsmöglichkeit anderer Gläubiger vereitelt oder zumindest erschwert wird (BGH, Urteil vom 19. September 2013, aaO;… Urteil vom 24. Oktober 2013, aaO Rn. 11).
Eine Gläubigerbenachteiligung ist gegeben, wenn die Rechtshandlung entweder die Schuldenmasse vermehrt oder die Aktivmasse verkürzt und dadurch den Zugriff auf das Vermögen des Schuldners vereitelt, erschwert oder verzögert hat, mithin wenn sich die Befriedigungsmöglichkeiten der Insolvenzgläubiger ohne die Handlung bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise günstiger gestaltet hätten (BGH…, Urteil vom 29. September 2011 - IX ZR 74/09, WM 2011, 2293 Rn. 6 mwN; vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074 Rn. 12;… vom 10. Juli 2014 - IX ZR 280/13, WM 2014, 1868 Rn. 12;… vom 22. Oktober 2015 - IX ZR 248/14, WM 2015, 2251 Rn. 14).
Fördert der Schuldner eine Vollstreckungsmaßnahme, kann dies die Qualifizierung der Vermögensverlagerung als Rechtshandlung des Schuldners rechtfertigen (vgl. BGH, Urteil vom 27. Mai 2003 - IX ZR 169/02, BGHZ 155, 75, 79; vom 10. Februar 2005 - IX ZR 211/02, BGHZ 162, 143, 147 ff;… vom 3. Februar 2011 - IX ZR 213/09, WM 2011, 501 Rn. 5, 12; vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074, Rn. 9;… vom 21. November 2013 - IX ZR 128/13, WM 2014, 44 Rn. 7;… vom 16. Januar 2014 - IX ZR 31/12, WM 2014, 272 Rn. 7).
Dies ist der Fall, wenn er sich der Kenntnis nicht verschließen konnte, dass sein Vermögenserwerb auf einer die Gläubigergesamtheit benachteiligenden Rechtshandlung der Schuldnerin beruhte (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074 Rn. 17 ff).
a) Eine Gläubigerbenachteiligung ist gegeben, wenn die Rechtshandlung entweder die Schuldenmasse vermehrt oder die Aktivmasse verkürzt und dadurch den Zugriff auf das Vermögen des Schuldners vereitelt, erschwert oder verzögert hat, mithin wenn sich die Befriedigungsmöglichkeiten der Insolvenzgläubiger ohne die Handlung bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise günstiger gestaltet hätten (BGH…, Urteil vom 29. September 2011 - IX ZR 74/09, WM 2011, 2293 Rn. 6 mwN; vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074 Rn. 12).
Der Beklagte musste wegen der naheliegenden Möglichkeit einer Zahlung aus dem Entgelt einer zwischenzeitlich aufgenommen Arbeitstätigkeit oder aus angesparten Sozialleistungen nach allgemeiner Erfahrung eine gläubigerbenachteiligende Rechtshandlung des Schuldners zugrunde legen (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074 Rn. 24;… vom 24. Oktober 2013 - IX ZR 104/13, WM 2013, 2231 Rn. 19).
Fördert der Schuldner aktiv eine Vollstreckungsmaßnahme oder trägt er dazu bei, dass eine Situation entsteht, in der seine Leistung wegen des sonst erfolgenden Vollstreckungszugriffs als nicht selbstbestimmt zu werten ist, kann dies die Qualifizierung der Vermögensverlagerung als Rechtshandlung des Schuldners rechtfertigen (vgl. BGH, Urteil vom 27. Mai 2003 - IX ZR 169/02, BGHZ 155, 75, 79; vom 10. Februar 2005 - IX ZR 211/02, BGHZ 162, 143, 147 ff;… vom 3. Februar 2011 - IX ZR 213/09, WM 2011, 501 Rn. 5, 12; vom 19. September 2013 - IX ZR 4/13, WM 2013, 2074, Rn. 9;… vom 21. November 2013 - IX ZR 128/13, nv Rn. 7).
Ausreichend ist eine mitwirkende Rechtshandlung des Schuldners, ohne dass sie die einzige Ursache für die Gläubigerbenachteiligung bilden muss (BGH, Urteil vom 19. September 2013, aaO Rn. 10).
Für einen mitursächlichen Beitrag, wie er etwa bei einer vom Schuldner bewusst zum Zwecke der Befriedigung des Gläubigers veranlassten Einzahlung auf ein gepfändetes Konto bestehen kann (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013, aaO Rn. 2, 10), besteht kein Anhalt.

References: § 133

§ 133
 § 133
 § 133
 § 139
 BGH 
 § 133