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Timestamp: 2017-08-17 23:08:19+00:00

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Zunächst war zu klären, was „der Wald“ überhaupt ist. Die Definition ergibt sich aus § 2 des Landeswaldgesetzes (LWaldG), wobei Herr Natale darauf hinwies, dass es eine kleine Baumgruppe auf der Wiese noch keinen Wald darstellt und insofern ein zusammenhängender Bewuchs vorhanden sein muss.
Zu unterscheiden ist dabei gem. § 3 LWaldG zwischen Staatswald, Gemeindewald und Privatwald, wobei bei der Behandlung der unterschiedlichen Waldarten ggf. unterschiedliche Regelungen anzuwenden sind. Etwa die Hälfte des saarländischen Waldes ist Staatswald, ca. ein Drittel Gemeindewald, der Rest privat.
Sicher für viele unter den Zuhörern von Interesse war die Frage, welche Befugnisse den Förstern, den Jägern und den Naturwächtern zukommen.
Insofern war es überraschend zu hören, dass die Förster weder das Recht zur Feststellung von Personalien noch zum Festhalten von Personen haben, was sicher einige der Zuhörer anders in Erinnerung hatten. Herr Natale erklärte, dass es durchaus in der Vergangenheit eine solche Regelung gegeben habe, das entsprechende Gesetz jedoch zwischenzeitlich außer Kraft sei und keine entsprechende Neuregelung durch den Gesetzgeber getroffen worden sei, wobei nicht auszuschließen ist, dass der Gesetzgeber in Zukunft doch noch einmal tätig wird.
Schon mehr Befugnisse stehen den Jägern zu, allerdings nur im Rahmen des Jagdschutzes, so dass Reiter hiervon weniger betroffen sein dürften und daher auch kein Grund ersichtlich ist, seine Personalien gegenüber einem Jäger preiszugeben.
Den Mitarbeitern der Naturwacht kommen lediglich in Naturschutzgebieten bestimmte Befugnisse zu.
Die wichtigste Vorschrift für uns Reiter wie auch die anderen Waldnutzer dürfte § 25 Abs. 1 LWaldG sein, auf den der Referent anschließend zu sprechen kam und der das Betretungsrecht im Wald regelt. Reiten ist demnach im Wald nur auf Wegen erlaubt, genauer gesagt auf dauerhaft angelegten oder naturfesten forstlichen Wirtschaftswegen, d. h. Wegen, die mit Kraftfahrzeugen befahrbar sein und eine entsprechende Breite und (ganzjährige) Festigkeit aufweisen müssen. Insbesondere auf Fußpfaden, Maschinenwegen und Rückeschneisen ist das Reiten nicht gestattet. Da Herr Natale jedoch aus eigener Anschauung weiß, wie viel „Spaß“ es macht, ausschließlich auf den „Waldautobahnen“ zu reiten, wies er auf die Möglichkeit hin, gem. § 25 Abs. 3 Nr. 7 das Einverständnis des Waldbesitzers einzuholen, auch andere Wege bereiten zu dürfen.
Auf eine Frage aus den Reihen der Zuhörer erklärte Herr Natale, dass es hinsichtlich der Breite und Festigkeit eines Weges auf den Ist-Zustand ankommt, man sich also nicht darauf berufen kann, dass der Weg „vor zwanzig Jahren noch ganz breit und nur mittlerweile zugewuchert“ ist. Er verwies darauf, ggf. mit dem Waldbesitzer zu sprechen, inwiefern ein Freischneiden des Weges möglich sei und warnte davor, in solchen Fällen selbst „Hand anzulegen“ ohne zuvor das Einverständnis des Waldbesitzers eingeholt zu haben. Des weiteren wies Herr Natale darauf hin, dass auch die Einleitung rechtlicher Schritte möglich ist, wenn das Zuwachsen eines Weges faktisch einer Sperrung gleichkommt, da eine Sperrung nur unter den entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen zulässig ist.
Kurz angerissen wurde eine weitere Frage aus dem Auditorium, die das Problem betraf, wenn bei einem „Herauswachsen“ eines Weges aus dem Wald durch Ausbreitung des Baumbestandes, der Bewirtschafter eines sich an den Wald anschließenden Ackers den Weg wegzackert.
Auf die für die Veranstaltung von Ritten maßgebliche Vorschrift des § 25 Abs. 3 Nr. 6 wies Herr Natale im Folgenden hin. Diese Vorschrift besagt, dass bei einer Durchführung von Veranstaltungen mit gewerblichem Charakter zunächst das Einverständnis des Waldeigentümers einzuholen ist. Praktische Probleme ergeben sich in diesen Fällen oft dadurch, dass ein im Rahmen eines Wanderrittes zu durchquerender Wald oft vielen verschiedenen Eigentümern gehört und die Einholung des Einverständnisses demnach sehr aufwändig sein kann.
Eine weitere, das Reiten im Wald betreffende Vorschrift ist § 27 LWaldG, der die Sperrung von einzelnen Wegen gestattet, sofern aufgrund einer hohen Benutzungsdichte oder aus anderen Gründen das Reiten oder Führen von Pferden zu einer erheblichen Gefährdung oder Beeinträchtigung anderer Nutzer führt. Diesbezüglich ergaben sich zunächst einige Irritationen hinsichtlich der Frage, ob die Verordnung über das Reiten im Wald aktuell noch Gültigkeit hat. Dies hat sich jedoch zwischenzeitlich geklärt mit dem Ergebnis, dass die im Jahre 2004 in Kraft getretene Verordnung nach wie vor gilt. (Anmerkung: In dieser Verordnung ist u. a. geregelt, dass vor Sperrung eines Weges die örtlichen sowie die großen überregionalen Reiterverbände anzuhören sind.)
In § 27 Abs. 2 ist geregelt, dass Schäden, die durch das Reiten im Wald entstehen, dem Waldeigentümer vom Land ersetzt werden. Diese Vorschrift wird laut Herrn Natale in den seltensten Fällen angewandt, er empfahl daher, die Gemeinden ggf. auf diese Möglichkeit hinzuweisen und so eine „liberalere“ Umgangsweise der Gemeinden mit dem Reiten im Wald zu fördern.
Im zweiten Teil seines Vortrages „Was passiert im Wald“ sensibilisierte der Referent die Zuhörer hinsichtlich der Einflüsse, die das Reiten auf die Flora und Fauna haben kann. Insbesondere ist in Naturschutzgebieten eine erhöhte Rücksichtnahme angebracht, aber auch außerhalb dieser Gebiete kann es durch das Reiten zu Schäden kommen, die mit ein wenig Rücksichtnahme oft zu vermeiden wären. Zum einen wurde auf die mögliche Beschädigung von Wegen hingewiesen, die durch die Vermeidung besonders schadensanfälliger Wege und Anpassung der Gangart – insbesondere bei feuchter Witterung – zu minimieren sind.
Darüber hinaus informierte Herr Natale darüber, dass Wildtiere grundsätzlich Angst vor Menschen haben und bei Unterschreitung der Fluchtdistanz flüchten. Dies ist allerdings nicht die Schuld der Reiter und Spaziergänger sondern vielmehr auf den Umstand zurückzuführen, dass die Tiere bejagt werden und daher ein grundsätzliches Misstrauen gegen den Menschen aufgebaut haben. Unabhängig von der Verursacherfrage sollte man jedoch diese Verhaltensweise berücksichtigen und die Fluchtdistanz zu den Tieren nicht unterschreiten. Dies gilt insbesondere für die Wintermonate, wenn die Tiere ohnehin geschwächt sind und jede Fluchtreaktion ihre zum Überleben dringend benötigten Reserven angreift.
Aber nicht nur auf das Wild, sondern auf die kleineren Bewohner des Waldes sollte Rücksicht genommen werden, so sollten insbesondere Ameisenhaufen großräumig umritten werden und auch bei Ansammlungen von Mistkäfern, die man durch die „Hinterlassenschaften“ seines Pferdes möglicherweise sogar selbst auf die Wege gelockt hat, sollte man aufpassen, dass man nicht darüber weg reitet.
Hinsichtlich der Flora sollte man insbesondere sensible Bereiche mit empfindlichen Pflanzen meiden sowie Schaden an Baumwurzeln durch zu enges Vorbeireiten vermeiden, da diese Verletzungen im Wurzelbereich eine Eintrittspforte für Pilzbefall darstellen, der zur Erkrankung und letztendlich zum Tod des Baumes führen kann.
Was vielen mit Sicherheit auch nicht bekannt war und insbesondere in den Naturschutzgebieten ein Problem darstellt, ist die übermäßige Nitrifizierung bei erhöhtem Kotabsatz durch die Pferde. Darüber hinaus kann es durch die im Pferdekot befindlichen Samen zu einer Verfälschung der ursprünglichen Flora kommen.
Neben den Schäden, die in und am Wald entstehen können, wies der Referent auch auf die Gefahren hin, die sich für Pferd und Reiter ergeben können, insbesondere durch Totholz, also abgestorbene Aste oder Stämme, die jederzeit abbrechen können. Herr Natale riet darüber hinaus dringend davon ab, während eines Sturms im Wald zu reiten, da zum einen die Astbruchgefahr erheblich steigt und zum anderen nicht wenige Pferde bei Sturm unsicher bis panisch reagieren, was für sich genommen bereits eine erhebliche Gefahr darstellt. Gefahren durch den Forstverkehr und den Holzeinschlag sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Insofern sollten immer Augen und Ohren offen gehalten werden, ob sich ggf. ein Fahrzeug nähert oder das Motorgeräusch von Motorsägen zu hören ist. Gefahren können daneben auch von anderen Waldnutzern wie z. B. Radfahrern ausgehen, daneben von in Wald wachsenden Giftpflanzen und Kleinlebewesen wie beispielsweise Zecken. Auch der zur Befestigung der Waldwege oft verwendete Grobschotter ist als Gefahrenquelle zu werten, da er – je nach Gangart – zu Schäden an Hufen und Gelenken führen kann. Ein weitere Gefahrenquelle ist der Jagdbetrieb, insbesondere die Treibjagd, aber auch die Ansitzjagd, bei der es passieren kann, dass der ansitzende Jäger den Reiter nicht sieht und einen Schuss abgibt, was leicht zu Panikreaktionen beim Pferd führt. In diesem Zusammenhang können darüber hinaus Gefahren durch flüchtendes Wild entstehen.
Als Resümée des Vortrages kann man folgendes sagen: Nur wenn man beim Reiten im Wald die erforderliche Sorgfalt walten lässt und sich jeder rücksichtsvoll dem anderen gegenüber verhält und nicht auf seinem vermeintlichen Recht beharrt, ist ein harmonisches Miteinander möglich, so dass dann auch eher einmal ein Auge zugedrückt wird, wenn man es einmal mit den Vorschriften hinsichtlich der Wegebreite und -beschaffenheit nicht so genau nimmt. Auch wenn wir unsere Pferde und unser Hobby lieben, müssen wir insofern auch Verständnis haben, dass es Leute gibt, die vielleicht Angst vor Pferden haben oder einen Haufen Pferdeäpfel auf dem Weg als unappetitlich empfinden, auch wenn wir selbst uns das gar nicht vorstellen können…

References: § 2
 § 3
 § 25
 § 25
 § 25
 § 27
 § 27