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Timestamp: 2019-10-15 12:25:26+00:00

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Der Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer beim Postversand | Außenwirtschaftslupe
Schuld­ner der Ein­fuhr­um­satz­steu­er i.S. des § 3 Abs. 8 UStG ist die Per­son, die in eige­nem Namen eine Zollan­mel­dung abgibt oder in deren Namen eine Zollan­mel­dung abge­ge­ben wird. Dar­auf, dass tat­säch­lich Ein­fuhr­um­satz­steu­er ange­fal­len ist, kommt es nicht an. Als Ver­tre­ter „für Rech­nung” eines ande­ren i.S. des Art. 5 Abs. 2 ZK han­delt nicht, wer in eige­ner Per­son alle etwaig anfal­len­den Steu­ern und sons­ti­ge Kos­ten trägt und sein Han­deln sich für den ande­ren unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt wirt­schaft­lich aus­wirkt.
Dass Ein­fuhr­um­satz­steu­er tat­säch­lich anfällt, ist nicht ent­schei­dend. Schuld­ner der Ein­fuhr­um­satz­steu­er i.S. des § 3 Abs. 8 UStG ist auch der­je­ni­ge, des­sen Umsät­ze zwar gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 4 UStG steu­er­bar, aber gemäß § 5 UStG steu­er­frei sind1. Der Annah­me einer Lie­fe­rung im Inland steht daher nicht ent­ge­gen, dass die Lie­fe­run­gen der Klä­ge­rin gemäß § 1a der Ein­fuhr­um­satz­steu­er-Befrei­ungs­ver­ord­nung vom 11.08.19922 nicht der Ein­fuhr­um­satz­steu­er unter­lie­gen, weil es sich um Sen­dun­gen von Waren mit gerin­gem Wert i.S. des Art. 27 der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 918⁄83 des Rates vom 28.03.1983 ‑VO (EWG) Nr. 918÷83−3 han­delt, deren Gesamt­wert je Sen­dung 22 EUR nicht über­steigt.
Die Klä­ge­rin war auch „Schuld­ner der Ein­fuhr­um­satz­steu­er”. Der Schuld­ner der Ein­fuhr­um­satz­steu­er bestimmt sich gemäß § 13a Abs. 2 UStG i.V.m. § 21 Abs. 2 UStG nach den Vor­schrif­ten über die Zöl­le.
Die Y‑GmbH war Anmel­der, weil sie durch den „Antrag auf Freisch­rei­bung” Zollan­mel­dun­gen zwar im Namen der Emp­fän­ger, aber mit Wir­kung für sich selbst abge­ge­ben hat.
Ob der „Antrag auf Freisch­rei­bung” nach Art. 27 VO (EWG) Nr. 918⁄83 die Anfor­de­run­gen an eine Zollan­mel­dung i.S. des Art. 61 ZK in vol­lem Umfang erfüllt, d.h. ob er auf einem dem amt­li­chen Mus­ter ent­spre­chen­den Vor­druck i.S. des Art. 62 Abs. 1 ZK abge­ge­ben und unter­schrie­ben wur­de, braucht der Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu ent­schei­den. Denn das Zoll­recht kennt die Fik­ti­on der Zollan­mel­dung, wenn Waren die Vor­aus­set­zun­gen der Art. 230 bis 232, 237 ZKDVO erfül­len, z.B. im Post­ver­kehr beför­der­te Waren, und zuläs­si­ger­wei­se eine ande­re Form der Wil­lens­äu­ße­rung an die Stel­le einer schrift­li­chen oder münd­li­chen Anmel­dung getre­ten ist4. Hier­von ist bei dem zwi­schen der Deut­schen Post AG und der Klä­ge­rin abge­stimm­ten Ver­fah­ren aus­zu­ge­hen.
Es fehlt an dem für die allein in Betracht kom­men­de direk­te Ver­tre­tung zoll­recht­lich erfor­der­li­chen Han­delns „für Rech­nung eines ande­ren” (Art. 5 Abs. 2 1. Spie­gel­strich ZK).
Nimmt ein Steu­er­ge­setz, wie vor­lie­gend § 3 Abs. 8, § 13a Abs. 2, § 21 Abs. 2 UStG durch den Ver­weis auf den Begriff der Ver­tre­tung in Art. 5 ZK, auf einen Begriff Bezug, der einem ande­ren Rechts­ge­biet ent­nom­men ist, ist durch Aus­le­gung zu ermit­teln, ob das Steu­er­recht inso­weit den Wer­tun­gen des jewei­li­gen Rechts­ge­bie­tes, wie hier des Zivil­rechts, folgt oder mit Hil­fe der ent­lehn­ten Begrif­fe eigen­stän­di­ge steu­er­recht­li­che Tat­be­stän­de bil­det. Steu­er­recht­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le sind danach, auch wenn sie einem ande­ren Rechts­ge­biet ent­nom­men sind, nach dem steu­er­recht­li­chen Bedeu­tungs­zu­sam­men­hang, nach dem Zweck des jewei­li­gen Steu­er­ge­set­zes und dem Inhalt der ein­schlä­gi­gen Ein­zel­re­ge­lung zu inter­pre­tie­ren. Es besteht weder eine Ver­mu­tung für ein über­ein­stim­men­des noch für ein abwei­chen­des Ver­ständ­nis5.
Davon aus­ge­hend hat der Bun­des­fi­nanz­hof auch an der uni­ons­recht­li­chen Aus­le­gung des Begrif­fes der Ver­tre­tung unab­hän­gig von den ver­schie­de­nen Sprach­fas­sun­gen des Art. 5 ZK kei­ne Zwei­fel. Eine Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on kommt daher vor­lie­gend nicht in Betracht. Es kommt nicht dar­auf an, ob der Begriff der Ver­tre­tung in Art. 5 ZK mit der deut­schen Fas­sung ein Han­deln „für Rech­nung eines ande­ren” oder mit der eng­li­schen Fas­sung ein „act … on behalf of ano­t­her per­son”, was eher einem Han­deln „im Inter­es­se eines ande­ren” ent­spricht, vor­aus­setzt. Denn bei­des ist vor­lie­gend nicht erfüllt.
Der Zoll­schuld­ner­schaft der Klä­ge­rin ste­hen die Rege­lun­gen in Art. 237 ZKDVO nicht ent­ge­gen. Grund­sätz­lich erhält der Post­ver­kehr im Recht der Zollan­mel­dung eine pri­vi­le­gier­te Son­der­stel­lung6. Nach Art. 237 ZKDVO wür­den die Emp­fän­ger zoll­recht­lich als Anmel­der gel­ten, weil es sich bei dem Waren­trans­port durch die P um Post­sen­dun­gen han­del­te, die gemäß Art. 38 Abs. 4 ZK i.V.m. § 5 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b aa der Zoll­ver­ord­nung in der Fas­sung vom 22.12 2003 ‑ZollV-7 von der Ver­pflich­tung des Beför­derns frei­ge­stellt waren. Im Post­ver­kehr gel­ten gemäß Art. 237 Abs. 1 Buchst. A.a 4. Spie­gel­strich ZKDVO der­ar­ti­ge Post­sen­dun­gen als ange­mel­det. Als Anmel­der und Zoll­schuld­ner gilt in die­sen Fäl­len gemäß Art. 237 Abs. 2 Satz 1 1. Halb­satz ZKDVO der Emp­fän­ger.
Zwar ist die Deut­sche Post AG gemäß § 5 Abs. 2 ZollVG befugt, für von ihr beför­der­te Waren, die nach Maß­ga­be des ZK zu gestel­len sind, Zollan­mel­dun­gen in Ver­tre­tung des Emp­fän­gers abzu­ge­ben. Das gilt auch für die P, eine Toch­ter­ge­sell­schaft der Deut­schen Post AG. Nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt hat die P aber weder eine schrift­li­che Zollan­mel­dung i.S. des Art. 61 und 62 ZK mit­tels Ein­heits­pa­piers noch eine Anmel­dung mit Mit­teln der Daten­ver­ar­bei­tung abge­ge­ben. Nach den den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) hat die Y‑GmbH den „Antrag auf Freisch­rei­bung” gestellt. Die Klä­ge­rin geht selbst davon aus, dass die P inso­weit nur als Bote auf­ge­tre­ten ist. Aus die­sem Grund kommt auch kei­ne voll­macht­lo­se Ver­tre­tung sei­tens der P in Betracht.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29. Janu­ar 2015 — V R 5⁄14
Ver­wahr­ge­büh­ren des Zolls und die Post­be­för­de­rung Es ist ernst­haft zwei­fel­haft, ob die Post dann, wenn sie auf­grund des Welt­post­ver­trags Sen­dun­gen aus dem Nicht-EU-Aus­land über­nimmt und den Zoll­be­hör­den über­gibt, für dort ent­ste­hen­de Ver­wahr­ge­büh­ren Kos­ten­schuld­ner ist oder ob Ver­an­las­ser und Kos­ten­schuld­ner inso­weit der…
Die Ent­nah­meh­anldung als umsatz­steu­er­freie Aus­fuhr­lie­fe­rung? Die Ent­nah­me eines PKW durch einen Unter­neh­mer aus sei­nem Unter­neh­men in den nicht­un­ter­neh­me­ri­schen (pri­va­ten) Bereich mit spä­te­rer Beför­de­rung (Aus­fuhr) in ein Dritt­land ist weder nach natio­na­lem Recht noch nach Uni­ons­recht eine steu­er­freie Aus­fuhr­lie­fe­rung. Der strei­ti­ge…
Klein­sen­dun­gen aus dem Nicht-EU-Aus­land Der BFH hat im März 2007 ent­schie­den, dass Schuld­ner der Ein­fuhr­um­satz­steu­er auch der­je­ni­ge ist, des­sen Umsät­ze zwar gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 4 UStG 1993 steu­er­bar, aber gemäß § 5 UStG 1993 steu­er­frei sind.…
BFH, Urteil in BFHE 217, 66, BSt­Bl II 2008, 153 [↩]
BGBl I 1992, 1526 [↩]
ABl.EG Nr. L 105⁄1 [↩]
Hen­ke in Wit­te, Zoll­ko­dex, 6. Aufl., Mün­chen 2013, Art. 63 Rz 3 [↩]
BVerfG, Beschluss vom 27.12.1991 — 2 BvR 72⁄90, BSt­Bl II 1992, 212 [↩]
Hen­ke in Wit­te, a.a.O., Art. 61 Rz 41 [↩]
BGBl I 1993, 2449 [↩]

References: § 3
 Art. 5
 § 3
 § 1
 § 5
 § 1
 Art. 27
 § 13
 § 21
 Art. 27
 Art. 61
 Art. 62
 Art. 230
 § 3
 § 13
 § 21
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 237
 Art. 237
 Art. 38
 § 5
 Art. 237
 Art. 237
 § 5
 Art. 61
 § 1
 § 5
 Art. 63
 Art. 61