Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Braunschweig&Datum=08.10.2003&Aktenzeichen=3%20U%2069/03
Timestamp: 2020-04-01 03:46:53+00:00

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OLG Braunschweig, 08.10.2003 - 3 U 69/03 - dejure.org
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OLG Braunschweig, 08.10.2003 - 3 U 69/03 (https://dejure.org/2003,2116)
OLG Braunschweig, Entscheidung vom 08.10.2003 - 3 U 69/03 (https://dejure.org/2003,2116)
OLG Braunschweig, Entscheidung vom 08. Januar 2003 - 3 U 69/03 (https://dejure.org/2003,2116)
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Rückkaufswertberechnung für Lebensversicherungen: Anwendbarkeit und Verfassungsmäßigkeit des Treuhänderverfahrens
Treuhänderverfahren - Lebensversicherung - Anwendbarkeit
Zum Anspruch auf Rückzahlung geleisteter Versicherungsprämien - Anwendungsbereich des Treuhänderverfahrens nach § 172 Abs. 2 VVG
Anspruch auf Rückzahlung geleisteter Versicherungsprämien; Kapitalbildende Lebensversicherung ; Berechnung des Rückkaufwertes; Unwirksamkeit einzelner Vertragsklauseln; Durchführung des Treuhänderverfahrens; Gewährleistung der Vertragsfreiheit
Das Treuhänderverfahren ist bei allen Arten von Lebensversicherungsverträgen anwendbar
Die Oberlandesgerichte folgen, soweit ersichtlich, im Wesentlichen der in der Literatur überwiegend vertretenen Ansicht (Stuttgart VersR 2001, 1141 m. Anm. Lorenz; München VersR 2003, 1024; Braunschweig VersR 2003, 1520; Celle VersR 2005, 535; Nürnberg, Urteil vom 11. Juli 2005 - 8 U 3187/04; anders für bei Wirksamwerden der Änderung gekündigte Verträge Düsseldorf, Urteil vom 13. Mai 2005 - I-4 U 146/04).
a) Nach der herrschenden Meinung ist diese Frage zu bejahen, da § 172 Abs. 2 VVG nicht nur bei Risikoversicherungen Anwendung finde (OLG Stuttgart VersR 2001, 1141, 1142, 1144; OLG München VersR 2003, 1024, 1025; OLG Braunschweig VersR 2003, 1520, 1521; LG Stuttgart VersR 2003, 313; LG Wiesbaden VersR 2003, 1292; LG Saarbrücken VersR 2003, 1291, 1292; LG Aachen VersR 2003, 1022, 1023; Kollhosser VersR 2003, 807, 811; Lorenz VersR 2001, 1146; Wandt VersR 2001, 1449, 1452;… BK-Schwintowski, VVG, § 172 Rn. 23;… Prölss/Martin, VVG, 27. Aufl., § 172 Rn. 30; ebenso BAV NVersZ 2002, 9 f.).
a) Überwiegend wird angenommen, dass die "Zillmerung" der Abschlusskosten und der Stornokostenabzug dem hypothetischen Willen beider Parteien entspreche und daher zumutbar sei, weil es sich insbesondere bei der Verrechnung der Beiträge nach dem Zillmerverfahren um eine verbreitete und anerkannte Berechnungsmethode handele (OLG München, VersR 2003, 1024, 1026; OLG Braunschweig VersR 2003, 1520, 1522 f.; LG Stuttgart VersR 2003, 313; LG Saarbrücken VersR 2003, 1291, 1292; LG Aachen VersR 2003, 1022, 1024; Wandt VersR 2001, 1449, 1454 f.; Kollhosser VersR 2003, 807, 810).
Im Treuhänderverfahren kann er nämlich nur das zum neuen Inhalt der Verträge machen, was dem hypothetischen Parteiwillen gerecht wird (OLG Braunschweig VersR 2003, 1520, 1522; LG Hildesheim VersR 2003, 1290, 1291; LG Aachen VersR 2003, 1022, 1023; Wandt VersR 2001, 1449, 1453; Kollhosser VersR 2003, 807, 811;… Prölss/Martin, a.a.O., § 172 Rn. 33).
Mit der überwiegenden Rechtsprechung (OLG Stuttgart VersR 2001, 1141 [OLG Stuttgart 06.04.2001 - 2 U 175/00] ; OLG München VersR 2003, 1024 [OLG München 01.07.2003 - 25 U 2283/03] ; OLG Braunschweig VersR 2003, 1520 [OLG Braunschweig 08.10.2003 - 3 U 69/03] ; LG Aachen VersR 2003, 1022 [LG Aachen 10.07.2003 - 2 S 367/02] ; LG Landshut VersR 2002, 1362 [LG Landshut 03.09.2002 - 72 O 1458/02] ) und der überwiegenden Literatur (Wandt VersR 2001, 1449; Schwintowski VersR 1996, 337 [BGH 19.10.1995 - IX ZR 104/94] ) folgt die Kammer der weiten Auslegung der Norm.
Die Erwägung, mit dieser ein Verfahren zu schaffen, mit dem angemessene Ersatzklauseln bei Verträgen mit langen Laufzeiten gefunden werden, wenn AGBl teilweise nichtig sind und die Lückenfüllung beim Zugreifen auf gesetzliche Vorschriften schwierig ist, gilt für Kapital- und Risikolebensversicherungen gleichermaßen (vgl. OLG Braunschweig, VersR 2003, 1521 [OLG Braunschweig 08.10.2003 - 3 U 69/03] ).
Nichts anderes kann aber gelten, wenn es nach § 172 Abs. 2 WG zur ordnungsgemäßen Ersetzung einer intransparenten Klausel gekommen ist (so auch OLG München, VersR 2003, 1024 [OLG München 01.07.2003 - 25 U 2283/03] ; OLG Braunschweig VersR 2003, 1523 [OLG Braunschweig 08.10.2003 - 3 U 69/03] ).
Er erschöpft sich darin, den von dem Parteiwillen umgrenzten Raum ergänzend auszulegen (vgl. OLG Braunschweig, VersR 2003, S. 1522 [OLG Braunschweig 08.10.2003 - 3 U 69/03] ), wobei er nicht gegen gesetzliche Auslegungsregeln, Denkgesetze, Erfahrungssätze oder Verfahrensvorschriften verstoßen darf.
LG Dortmund, 07.04.2005 - 2 S 54/04
Berechnung des Rückkaufswertes sowie Abzug der Abschlusskosten einer …
Dabei sei zu berücksichtigen, dass ein ersatzloser Wegfall der Abschlusskosten wegen deren Bedeutung für die Kalkulation der Versicherungsleistung die Interessen der Beteiligten erheblich berühren würde, so dass unter der Fragestellung, welche Regelung die Parteien getroffen hätten, wenn ihnen bei Vertragsschluss die Unwirksamkeit der Abrechnungsklausel bekannt gewesen wäre, diese eine Verteilung der Abschlusskosten auf 10 Jahre in Anlehnung an die Regelungen des § 1 Absatz 1 Nr. 8 AltZertG vereinbart hätten (LG Hildesheim, VersR 2003, 1290 = NJOZ 2003, 3339. c) Schließlich wird ungeachtet der Unwirksamkeit der ursprünglich verwendeten Klauseln wegen Intransparenz die Anwendung des "Zillmer-Verfahrens" bei der Berechnung des Rückkaufswertes jedenfalls dann befürwortet, wenn der Versicherer ein wirksames Klauselersetzungsverfahren nach § 172 Absatz 2 VVG durchgeführt hat (OLG München, VersR 2003, 1024; OLG Braunschweig, NJOZ 2003, 3332 ff. = VersR 2003, 1520; OLG Celle VersR 2005, 535; LG Aachen VersR 2003, 1022; LG Saarbrücken VersR 2003, 1291; LG Wiesbaden VersR 2003, 1232).
Das Treuhänderverfahren gemäß § 172 VVG stellt die nach § 6 Absatz 2 AGBG anzuwendende Methode zur Findung einer zumutbaren Ersatzregelung dar (OLG Braunschweig VersR 2003, 1520).
a) Entgegen der Auffassung des Klägers findet § 172 Absatz 2 VVG nicht nur auf reine Risikoversicherungen, sondern auf alle Arten von Lebensversicherungen Anwendung (OLG München VersR 2003, 1024; OLG Stuttgart VersR 2001, 1141; OLG Braunschweig VersR 2003, 1520; OLG Celle VersR 2005, 535; LG Hamburg VersR 2005, 537; LG Würzburg, VersR 2005, 538;… Prölss/Martin, VVG, 27. Auflage, § 172, Rd.-Nr. 30 m. w. N. - auch zu der Gegenauffassung - ; Brömmelmeyer in Beckmann/Matusche - Beckmann, Versicherungsrechtshandbuch, 2004, § 42, Rd.-Nr. 72 ff; Höra/Müller-Stein in Münchener Anwaltshandbuch VersR 2004, § 24, Rd.-Nr. 207).
Die aus der allgemeinen Handlungsfreiheit folgende Vertragsfreiheit findet jedoch ihre Schranken in § 172 Absatz 2 VVG, der seinerseits einer verfassungsrechtlichen Prüfung Stand hält (OLG Braunschweig VersR 2003, 1520; OLG Celle VersR 2005, 535).
Das Treuhänderverfahren ist für alle Arten der Lebensversicherung, einschließlich der Rentenversicherung anwendbar und nach zutreffender wohl überwiegender Ansicht im Hinblick auf die vom Gesetzgeber angestrebte umfassende Regelung in § 172 Abs. 2 VVG (trotz der Einschränkung in Absatz 1 der Vorschrift für Risiken mit ungewisser Leistungspflicht) - zumindest entsprechend - auch bei Risiken mit sicherer Einstandpflicht des Versicherers anwendbar (vgl. dazu Prölss/Kolhosser VVG, 27. Aufl. 2004, Rdnr. 3 vor § 159 VVG und Rdnr. 30 zu § 172 VVG m.w.N., OLG Braunschweig VersR 2003, 1520 ff. 1521) [OLG Braunschweig 08.10.2003 - 3 U 69/03].
Nach herrschender Auffassung gilt § 172 Abs. 2 VVG jedoch für alle Arten von Lebensversicherungen, d. h. auch für die hier im Fall vorliegenden Kapital-Lebensversicherungen (OLG Stuttgart, VersR 2001, 1141;… OLG München Urt. v. 01.07.2003 - 25 U #####/####; OLG Braunschweig, VersR 2003, 1520;… AG Hamburg Urt. v. 20.02.2003; Wandt, VersR 2001, 1449).

References: § 172
 § 172
 § 172
 § 172
 § 172
 § 172
 § 1
 § 172
 § 172
 § 6
 § 172
 § 172
 § 42
 § 24
 § 172
 § 172
 § 159
 § 172
 § 172