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Timestamp: 2019-09-18 07:48:43+00:00

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Beiträge von hammer - Trance Forum
Beiträge von hammer
Ian O'Donovan "Troposphere / Aquarian"
Der ein oder andere mag sicherlich bereits richtig bemerkt haben, dass ich hinsichtlich meiner Postingdichte zur Zeit etwas kürzer trete, dies ist jedoch keinesfalls einer etwaigen wachsenden Missgunst gegenüber dem hiesigen Forum geschuldet, Schuld daran tragen vielmehr deutlich profanere Gründe, bin ich doch gerade dabei, aus beruflichen Gründen nach Frankfurt am Main umzuziehen. Meinem Nicknamen werde ich damit zwar alsbald nicht mehr ganz gerecht werden können, vollständig verschonen werde ich euch mit meinen schwafellaunigen Tellerrandbeiträgen in dieser Zeit jedoch keineswegs, wenn es mir mal wieder in den Fingern juckt. So geschehen in der heutigen Nacht, in der ich eure Aufmerksamkeit unbedingt auf die neue Scheibe des irischen Produzenten Ian O’Donovan lenken möchte, welcher dem Connaisseur sphärisch belasteter Klangwelten progressiven oder technoiden Ursprungs aus dem Umfeld des umtriebigen Bedrock-Labels möglicherweise schon ein Begriff sein könnte. Sein jüngst im April veröffentlichter Two-Tracker erscheint zwar nicht dort, hat sich mit Bio Music jedoch ebenfalls ein Zuhause ausgesucht, das nicht umsonst meinem persönlichen Lauschangriff schutzlos ausgeliefert ist…
Den Anfang macht dabei die Troposphere, welche ihrem vorauseilenden Ruf als wunderbar melodiebesaitetes Kleinod bereits zu Beginn die Ehre erweist und in subtilen Anleihen stakkatierte Tonfolgenwanderungen und deep verankerte Flächenfragmente um sich zu scharen weiß. Die Elemente verharren jedoch keinesfalls in ihrer Nische, sondern präsentieren alsbald zunehmend trackprägender, wenn sie sich mit der gewissen Portion Nachhallaffinität weiter ausstaffieren und zudem einigen alternativen Tonströmungen nun mehr und mehr Raum zur Entfaltung geben. Hierzu gehören im weiteren Verlauf beispielsweise nicht nur unruhig nach vorn ausgerichtete Streicheransätze, sondern auch ein dezenter Basslauf im Hintergrund der stetig in angenehm progressiver Manier anwachsenden Klangdichte, welcher gekonnt den Gleichklang mit dem Auf und Ab der Intensität der Melodieelemente sucht, im Schlepptau desweiteren die deephousig inspirierten Flächenstücke in ihrer leicht mystischen Stimmungsfarbe aus ihrer fragmentierten Umgebung befreit und diese im Vorlauf zum anstehenden Break zu einer weiteren unverzichtbaren Antriebsfeder des Stücks mutieren lässt. Besonders der Kontrast zwischen den tiefenentspannten Flächen und dem vielschichtig galoppierenden Stakkatotönen sei hierbei hervorgehoben, bevor das Ganze mit einem afrikanisch anmutenden Voodoo-Vocalsample ins Break stapft und dort nach anfänglicher Konzentration auf die bekannten Melodieelemente die Szenerie reduziert, die Spannungskurve jedoch unentwegt befeuert, scharrt doch die Initiierung einer wundervollen Synthiemelodielinie in leichter Retrooptik, welche im Folgenden in überaus galanter Manier dem Hintergrund zu entfleuchen gelingt, bereits mit den Hufen. Selbige ruft für meinen Geschmack zwar unweigerlich Assoziationen mit dem großartigen Synthesizer-Pendant aus Guy Gerbers Timing hervor, möchte jedoch bei weitem nicht derart düster ausarten und besitzt somit genug Eigenständigkeit, um den Track in Zusammenarbeit mit den langsam aber sicher erneut dazustoßenden, etablierten Klangstücken sowie dem groovend gehaltenen Untergrund zu einem mehr als gelungenen Finale zu geleiten, währenddessen sich das Ganze mit den mittlerweile noch etwas schärfer zu Tage tretenden Kontrasten auch in atmosphärischer Hinsicht als besonders wertvoll entpuppt. Erst durch die sich allmählich wieder zurück ins Körbchen orientierende Synthiemelodielinie ist das hiesige Stück dann in der Lage, den Fortgang der Dinge zu entschleunigen und sich schlussendlich zu einem würdig progressiven Abgang zu verhelfen, welcher meine vorzeigenswerte 5,5/6er-Bewertung endgültig unter Dach und Fach bringt.
Aquarian auf der digitalen B-Seite versucht dann erst gar nicht, seinem Vorgänger in irgendeiner Form das Wasser reichen zu wollen, und wählt stattdessen einen deutlich entspannter zu charakterisierenden Ansatz für seine zwischen deepen und progressiven Gefilden zu verortende Housemischung. Dafür spricht allein schon die zurückgelehnt sommerlich anmutende Klangmischung aus sanfter Flächenuntermalung und unruhig schwingenden Effekttönen, welche sich im Intro mehr und mehr wellenartig aufschwingt und dabei alsbald nicht nur perkussive Begleitung erhält, sondern sich in Kooperation mit einer subtil agierenden, düsteren Basslinewand als Gegenpol auch in Sachen sphärischer Intensität in angenehmer Art und Weise aufzustocken weiß. Die zwei Minuten „Wartezeit“ bis zum Einsetzen der Kickdrum vergehen somit fast wie im Flug und auch die anschließende Drummingphase, in der sich die Melodieelemente auf kurze, aber prägnante Fragmente beschränken, weicht schneller auf als gedacht, wenn sich aus dem Hintergrund schnell wieder die markante Flächenentspannung heranpirscht und zusammen mit alternativen Stakkatotönen mediterrane Unbeschwertheit heraufbeschwört, bei welcher die Basslinewand in meinen Ohren aber insgesamt leider etwas zu deutlich ins Hintertreffen gerät. Erst im Vorfeld des Breaks ändert sich die Gemengelage, da sich die Flächen kurzzeitig eine verdiente Pause gönnen, bevor sie hierin erneut in voller Montur zur Eroberung der Melodieebene ansetzen, im Vergleich zur Entwicklung im Intro jedoch wenig Neues zu sagen haben. Dies gilt auch für das letzte Drittel des Stücks, welches noch einmal alle Elemente gemeinsam auf die Bühne bittet und ein weiteres Fass voller flächenverliebter Sommersphären aufmacht, ehe ein zurückgelehntes Outro die Szenerie beschließt. Summa summarum kann ich dem Ganzen aber aufgrund kaum vorhandener Ecken und Kanten auf jeden Fall nicht mehr als solide 4,5/6 auf die imaginäre Stirn pappen…
Bei mir läuft gerade "John Digweed - Live in Cordoba" (CD 1).
Das Teil groovt schön fett vor sich hin!
Die CD kam heute per Post aus England.
Glückspilz, ich muss mich derweil noch ein wenig in Geduld üben, habe aber stattdessen genug Zeit und Muße, mehrere Etagen höher in den guten alten Verzerrerhimmel aufzusteigen:
Der Vollständigkeit halber möchte ich mich hier nicht enthalten:
->01-> Max Cooper - Micron --- Traum Schallplatten
->02-> Oxia - Harmonie --- Infiné
->03-> Luis Junior - Playa [Version 2 Mix] --- Mooseekaa
->04-> Alan Fitzpatrick - Prometheus --- Drumcode
->05-> Guy Gerber - The Mirror Game --- Visionquest
->06-> Ólafur Arnalds & Nils Frahm - a2 [Max Cooper Remix] --- Erased Tapes
->07-> Oliver Schories - Sunday --- Parquet Recordings
->08-> Martin Roth - Beautiful Life --- Anjunadeep
->09-> Angström & Aalberg - Gorilla [Petar Dundov Remix] --- Girafe Sauvage
->10-> Max Cooper - Autumn Haze [Ripperton's "Frostbite" Remix] --- Traum Schallplatten
Der ein oder andere Nörgler mag zwar sicherlich am Konzept, einen Live-Mitschnitt ganz offiziell auf Silberlinge zu pressen und in die digitalen und analogen Verkaufsregale zu stellen, zweifeln, der britische Progressive-Produzent und -DJ John Digweed, seines Zeichens Gründer des von mir stets sehr geschätzten Qualitätslabels Bedrock Records, hat sich von solchen Unkenrufen jedoch anscheinend nicht wirklich beeindrucken und stattdessen von seiner Intuition leiten lassen, die möglicherweise nicht nur für ihn besonders in Erinnerung gehaltene Atmosphäre eines fünfstündigen Open-Air-Sets in Südamerika zu Beginn dieses Jahres für die Nachwelt zu erhalten. Der Gute selbst geizt somit auch nicht mit Superlativen im Rückblick auf das „Tres Aguas“-Festival im argentinischen Córdoba: Eine „fantastische“, bisweilen „magische“ Nacht sei es gewesen, in der er mit seinem Publikum zu einer Einheit geworden wäre und dementsprechend auch nach über mehr als fünf Stunden Spielzeit einfach kein Ende hatte finden wollen. Glücklicherweise war ein nüchternes Aufnahmegerät anwesend, dem es zu verdanken ist, dass auch wir nun drei Monate später in den Genuss des von Digweed so hochgelobten Auftritts auf einer seit dieser Woche käuflich zu erwerbenden 3er-CD-Box namens Live in Córdoba kommen dürfen. Und wenn ich mir die Tracklists so auf der Zunge zergehen lasse sowie hier und dort die vielversprechenden Minimixe als Appetitshappen zu Gemüte führe, sollte das Ganze in seiner interessanten Mixtur melodiereicher elektronischer Musik zwischen progressiven, technoiden und techhousigen Standpunkten in der Tat für alle Tellerrandfanatiker ein gefundenes Fressen darstellen. Tracks und Remixe von solch illustren Produzenten wie Guy J, Oliver Lieb, Robert Babicz, Kollektiv Turmstraße, Ewan Pearson, Stelios Vassiloudis, Marc Marzenit, Pig & Dan oder Stephan Bodzin sprechen dabei für den gewieften Connaisseur selbstverständlich Bände. Insgesamt gesehen scheint es auf der ersten CD auf jeden Fall recht entspannt zuzugehen, wohingegen CD 2 mit einem clubbiger orientierten Referenzspektrum punkten kann und CD 3 ungemixt daherschlawinert und einige Exklusivversionen der zuvor vernommenen Stücke beinhaltet. Die ersten beiden Silberlinge sind zudem, wie es sich für eine authentische Liveaufnahme ziemt, nicht vom hörbar begeisterten Publikumsunterton getrennt, sodass sich der gemeine Hörer die heiße argentinische Nacht direkt in seine mehr oder weniger opulente Behausung projizieren kann…
- - - - - - - - - - CD1 - - - - - - - - - -
01. Philip Bader, Niconé & Sascha Braemer - Dantze, Boy
02. Francys - Crossing The White Line [Gorge Interpretation]
03. Yooj - Mademoiselle [Martin Buttrich Remix]
04. Robert Babicz - Beautiful [Night Mix]
05. Dominik Eulberg - Der Tanz der Glühwürmchen [Kollektiv Turmstrasse „Dirt Glow" Remix]
06. Pig & Dan - Love Song [Stephan Bodzin „Freie Liebe“ Remix]
11. Agoria feat. Scalde - Singing [Dixon Dub]
12. Pig & Dan and Mark Reeve - Turbulence
13. Subb_an - This Place [Nic Fanciulli Remix]
14. Fosky feat. Shiva - Shiva [Martinez Brothers Remix]
- - - - - - - - - - CD2 - - - - - - - - - -
01. Mikh Solvis - Deep Pool [Todd Bodine Remix]
04. Boys Noize & Erol Alkan feat. Jarvis Cocker - Avalanche (Terminal Velocity) [Ewan Pearson's „Deeper Underground“ Re-Version]
06. Alljacks - Sad Hill c/w Sissy - Acid Cake (Acappella) [Nick Muir Re-Edit]
09. Rodamaal feat. Claudia Franco - Insomnia [Âme Remix]
10. Slam - Eterna [John Digweed & Nick Muir Remix]
11. Zoo Brazil - Slob [Nick Curly Remix]
14. Guy J - High [Marc Marzenit Remix]
- - - - - CD3 (Unmixed Exclusives) - - - - -
01. Slam - Eterna [John Digweed & Nick Muir Reprise]
02. Slam - Eterna [John Digweed & Nick Muir Remix]
06. Pig & Dan and Mark Reeve - Turbulence
10. Robert Babicz - Echo From The Past [Ambient Mix]
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Ólafur Arnalds & Nils Frahm "Stare EP"
Die erhabenen Klangwelten von Ólafur Arnalds und Nils Frahm sind ja trotz ihrer minimalistischen Herangehensweise für sich genommen bereits ein derart intensitätsreicher neoklassischer Musikgenuss, dass ich es kaum zu wagen gedachte, einer etwaigen Remixarbeit die Möglichkeit einzuräumen, aus einer solchen Elegie des isländisch-deutschen Duos mit einem gekonnten Feinschliff noch ein wenig mehr herauszuholen - was auch immer dieses "mehr" bedeuten mochte. Max Cooper, einer meiner erklärten Lieblingsproduzenten, straft mich mit der hiesigen Überarbeitung des nur hinsichtlich des Tracktitels wenig kreativen Stücks a2 jedoch in meisterhafter Manier Lügen, verführt er die karge, melancholische Schönheit des Originals aus ihrem klaren, organischen Klangbett doch hinein in die Welt vielfältige synthetischer Hypnose, ohne dabei die Wurzeln des Ganzen allzu sehr unter den Tisch zu kehren. Dafür trägt allein schon der Beginn des Remixes in mehr als genugtuender Art und Weise Rechnung, in dem die ausdrucksstark wellenartig vorgetragenen Originalbläser ein gelungenes Intro bestreiten dürfen, welches alsbald nicht nur willkommenen Besuch von einer zurückgenommen agierenden Kickdrum, sondern im weiteren Verlauf auch von wunderbar detailliert produzierten Klickereffekten zittriger Natur sowie einer dezent düster brummenden Basslinegrundierung erhält, mit welcher der Track nun peu à peu jeden weiteren Schritt auf der Atmosphärenleiter zu zelebrieren weiß. Hierbei entpuppen sich verständlicherweise nicht nur die bekannten Toneinwürfe und Hallflächen, welche ab dem ersten Kurzbreak die Szenerie begleiten, sondern vor allen Dingen auch im Anschluss langsam aber sich markanter ins Feld geführte, herrliche Alternativtonspitzen als tragende Elemente der hiesigen Spannungsmanufaktur. Wenn dann zudem noch weitere Cooper'sche Melodiegeflechte in Form von elfenhaft anmutenden Stimmenflächen die Gunst des Moments nutzen und zusammen mit dem kaum merklich, aber in angenehm progressiver Manier stetig anschwellenden Untergrund den Track verdichten, ist es in diesem aufopferungsvoll geführten Gigantenduell zwischen der zunehmend epischer auf den Plan tretenden Verträumtheit der Melodiegesamtheit und dem bedrohlich düster-knirschend emporwachsenden Basslineantrieb endgültig um mich geschehen. Erst ein auf dem Höhepunkt des beschriebenen Kampfes jäh in die Wege geleitetes Kurzbreak ist dabei in der Lage, mich wieder etwas aus den Fesseln dieses großartigen Rauschs zu lösen, sodass die anschließende Kooperation sich auch verdientermaßen vollends den Fittichen der Entschleunigung unterwerfen darf, die selbstverständlich nach dem subtil auslaufenden Klickerdrumming im Outro noch einmal die ganze minimalistische Pracht der wehenden Bläserfahnen in das Gedächtnis der geneigten Hörerschaft zurückrufen darf. Summa summarum eine meines Erachtens herausragende Überarbeitung, die mich nicht nur zu der These verleiten lässt, dass hier der akustische Brückenschlag zwischen Reykjavik, London und Berlin in unnachahmlicher Weise geschaffen wird, sondern auch, dass Arnalds, Frahm und Cooper wie füreinander geschaffen zu sein scheinen. Dass nach dieser meiner Lobhudelei (bedankt euch bei halcyonzocalo) die unausweichliche Verteilung der Höchstwertung 6/6 aussteht, sollte dann allerdings keine allzu große Überraschung mehr darstellen.
Martin Roth "Beautiful life / Make love to me baby"
In der Tat ruft Martin Roth mit dieser EP erneut seine mittlerweile äußerst vorzeigbaren Deephouse-Qualitäten ab und präsentiert der nach Sommerwärme lechzenden Klientel zwei stimmungsvoll entspannt zu charakterisierende Tracks auf dem Silbertablett, denen die Sonne nur so aus dem Allerwertesten scheint.
Das von der Anjunadeep:04 bekannte Beautiful Life hat sich dabei in recht eindeutiger Manier zu meinem Favoriten gemausert, betört das gute Stück die geneigte Hörerschaft doch mit einer überaus gelungenen Mixtur aus dunkel angestrichenen Hintergrundgestaden und einer angenehm balearisch anmutenden Melodie- und Vocalfragmentierung. Schon im Intro schickt das Ganze einige herrlich düster grummelnde Basslinewellen in den Ring und legt damit die Basis für den sich nun peu à peu anbahnenden Kontrast zwischen diesen und den ersten langsam aber sich aus dem Untergrund herauslugenden Vocalsamples sowie zackig arrangierten Gitarrenzupfern als anregende Groovebegleitung, sodass sich im weiteren Verlauf nicht nur die „Beautiful Life“-Vocaleinwurfdichte, sondern auch die arpeggierte Melodieuntermalung gepflegt zu steigern imstande ist. Im anstehenden Kurzbreak ist dann der erste subtile Wendepunkt des Tracks erreicht, wenn nach anfänglichen Melodiesoli die Basslinewellen aus ihrer Monotonie erwachen und ebenso fachgemäß wie die Gitarreneinspieler den Groove auspacken, in diesem Zusammenhang jedoch gar nicht daran denken, sich auch von ihrer atmosphärisch zwielichtigen Nische zu verabschieden. Nur so ist es zu erklären, dass der Track im Folgenden in zunehmender Kooperation mit den Melodie- und Vocalfragmenten nie die gesunde Portion Tiefe aus den Augen verliert und sich damit weit absetzt vom üblicherweise in hiesigen Genregefilden inszenierten „Sommer, Sonne, Strand“-Kitschstandard. Vielmehr begrüßt die Melodieebene nun zunehmend weitere alternative Flächenfäden, welche in ihrer spannend schimmernden Bremswegoptik besonders in der Umgebung des zweiten Kurzbreaks die Szenerie verdichten und in wunderbar angedunkelten Klimmzügen auf dem groovenden Basslinewellen segeln, ehe letztere zusammen mit dem restlichen Untergrund erneut eine dezente Solofahrt ansteuern, in deren Kielwasser sich allerdings bereits sämtliche Melodie- und Vocalfragmente tummeln, um dem Stück zu einem mehr als würdigen, intensitätsbefeuerten Abgang zu verhelfen. Auf der Zielgerade mutiert die Bassline zwar wieder zu einem monotonen Grummeln, mitsamt der retrobehafteten Gitarrenzupfer öffnet sich dennoch bald der Blick auf ein gelungenes Outro, das nicht müde wird, die verdienten 5,5/6 in den Vordergrund zu hieven.
Make Love To Me Baby gewinnt dann im Anschluss nicht nur das Bundesverdienstkreuz für den plakativsten Tracktitel, sondern auch den Grammy in der von mir neu geschaffenen Kategorie „Ibiza-F***mucke“. Dementsprechend räkelt sich der Track von einer tiefergelegten Flächeneinlage zur nächsten und posaunt dabei bereits zu Beginn in überaus deutlicher Manier seine Vorliebe für dümpelnde Deephouse-Strukturen heraus, die von immer wieder an- und abschwellenden Wabertonflächen begleitet werden, mit deren Hilfe immerhin die Klischeefalle nicht vollends zuschnappen kann und will. Unterstützt von einer herrlich groovend gestalteten Bassline badet das Ganze zwar eindeutig in mediterranem Türkis, aufgrund der glücklicherweise nicht komplett durchschaubaren Hintergrundbegleitung verdecken jedoch immer wieder dunkle Wolken das Azurblau des Himmels, ehe es im anstehenden Break mit einer heruntergepitchten Malevocal-Front schließlich ans Eingemachte geht und eine schmierige Softporno-Atmosphäre heraufbeschwört wird. In Zusammenarbeit mit dem Drumming setzt sich diese Entwicklung zwar zunächst nicht fort, das nächste überaus ähnlich gestrickte Kurzbreak steht allerdings schon in den Startlöchern, um beim geneigten Hörer mit seiner überstrapazierten Möchtegern-Pimperuntermalung einen Lachanfall zu provozieren. Immerhin erbarmt sich im letzten Drittel die Melodieebene des hiesigen Stücks noch einmal und stellt den bekannten Deephouse-Flächeneinwürfen in angenehm progressiver Manier eine sonnenverwöhnte Pianotonfolge an die Seite, vor deren Ausdrucksstärke in einem letzten Kurzbreak auch die unsägliche Laberei des übererregten Typen kapitulieren muss. Ein versöhnlicher Schlussakkord eines ansonsten meines Erachtens zu oft mittelmäßig spannend agierenden Tracks, der somit schlussendlich auch nicht mehr als 4,25/6 ergattern kann.
Guy Gerber "The mirror game / One day in May"
Über den israelischen DJ und Produzenten Guy Gerber dürfte ich sicherlich nicht allzu weit ausholen müssen, bereichert der Gute doch schon seit etwa einem Jahrzehnt die elektronische Musikszene mit seinen genreübergreifenden Veröffentlichungen, die sich aufgrund ihrer atmosphärischen Qualitäten auch auf den hiesigen Tellerrandpfaden in guter Regelmäßigkeit wiederfinden lassen. Zur Zeit arbeitet der aus Tel Aviv stammende Gerber zwar an einem würdigen Nachfolger seines herausragenden 2007er-Jahrgang-Debütalbums „Late Bloomers“, welches auf dem eng mit seinem nicht unter den Tisch zu kehrenden Erfolgszug verbundenen Label Cocoon Recordings erschienen ist, die Chance eines kleinen EP-Einschubs als erstes musikalisches Lebenszeichen seit etwa zwei Jahren lässt er sich dennoch verständlicherweise nicht nehmen. Der zwischen eindringlichem Progressive House und deep verwurzeltem Techhouse changierende, frisch geschlüpfte Two-Tracker fühlt sich zwar nicht beim hauseigenen Label Supplement Facts heimisch, dürfte jedoch auch beim empfehlenswerten aufstrebenden Imprint Visionquest bestens aufgehoben sein.
Als aus meiner Sicht eindeutiger Höhepunkt der EP kristallisiert sich dabei gleich The Mirror Game heraus, welches mich bereits zu Beginn gehörig um den Finger zu wickeln weiß, indem es nachhall- und dunkelheitsaffine Synthietöne in den Ring schickt, die auf einem trockenen Untergrund thronend alsbald nachdrückliche Unterstützung in Form einer nicht minder tiefwurzelnden Bassgitarre erhalten. Alternative Flächenstücke sowie ein leicht verstörend verzerrtes Vocalsample verfeinern zudem abwechselnd die sich stetig dichter entwickelnde Klanglandschaft, die im weiteren Verlauf mittels subtil hinzugewonnener Basslineanleihen und immer spielfreudiger auftretender Synthietöne mehr und mehr melancholische Stahlkraft ausstrahlt. Die Melodieelemente geben sich hier derart gekonnt die Klinke in die Hand, dass dem Hörer fast gar nicht gewahr wird, wie stark er schon nach knapp zwei Minuten Spielzeit in den Rausch des hiesigen Stücks hineingesogen wurde, bevor fast unbemerkt eine weitere spannende Tonfolge in das Geschehen einzugreifen gedenkt und die vielseitige Melodieebene endgültig zum mehr oder weniger alleinigen Taktgeber des Tracks avancieren lässt. Wenn im Mittelteil nacheinander dann auch noch alternative Flächenstücke, weiter zerhackstückelte Vocalsamples und wehmütig agierende Tonspitzen die atmosphärische Intensität peu à peu hochpeitschen, das Ganze in seiner sympathischen Bescheidenheit jedoch kurz vor der Grenze zur Epik einen entspannten Rückzieher macht, wird der geneigten Hörerschaft wieder einmal überdeutlich bewusst, welch hypnotisch anziehende Ausdruckskraft sich hinter der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs Trance doch verstecken kann. Das Stück schaltet im Anschluss zwar wieder einige Gänge herunter, ist vor weiteren Übergriffen diverser Melodieelemente – sowohl synthetischer als auch organischer Natur – allerdings auch im letzten Drittel glücklicherweise nicht gefeit, wobei insbesondere der wunderbar melancholisch tänzelnden Tonfolge in einem Kurzbreak noch einmal verdient Tribut gezollt wird, ehe sie von Bassgitarre und alternativen Klangeinwürfen in angenehm subtiler Manier zur Ruhe gebettet wird, sodass das Ganze im Anschluss in Kooperation mit dem minimalistischen Untergrund in gelungener Art und Weise abgerundet werden kann. Da das gewisse Spannungsmoment in der Tat bis zur letzten Sekunde mühelos aufrechterhalten wird, steht insgesamt gesehen dem Durchmarsch pompöser 5,75/6 schließlich nichts mehr im Wege…
One Day in May auf der B-Seite erreicht dann zwar meines Erachtens nicht ganz die vielfältigen Qualitäten seines Vorgängers, hat dies jedoch auch gar nicht im Sinn, konzentriert sich der Track doch viel lieber auf seine deutlich techhousiger inspirierte Umgebung, ohne dabei den untrüglichen Hang zur Gerber’schen Melodieverliebtheit allzu sehr zu vernachlässigen. Dafür trägt beispielsweise eine bereits nach wenigen Momenten initiierte Deeptonfläche Verantwortung, welche nicht nur in regelmäßiger Manier einige erfrischende Schlenker aufs Parkett legt, sondern sich auch mit den nun immer öfter eingestreuten Boy/Girl-Vocal- und Alternativmelodiefragmenten bestens zu verstehen scheint. Zurückhaltende Basstöne unterstreichen dabei die frühlingshaft entspannte Stimmungstendenz des Ganzen, welche ab einem angedeuteten Break zudem in den kurzen, aber eindrucksvollen Genuss einer galanten Klimpermelodiefolge mit allerhand positiver Sommergefühle im Gepäck kommt, bevor das Zusammenspiel der Elemente sich wieder auf das zurückgelehnte Tagesgeschäft fokussiert. Hier und da erscheint mir das Stück zwar etwas zu wohlgefällig, punktet just in diesem Moment jedoch wieder mit feinsinnig arrangierten Melodieeinwürfen, welche in ihrer verspielten Art aber leider viel zu selten entscheidend aus dem Hintergrund heraustreten dürfen. Immerhin ist dies schimmernden Melodieloops und weiteren tiefenentspannten Vocalfragmenten im weiteren Verlauf gegönnt, sodass vor allen Dingen in der Umgebung des zweiten angedeuteten Breaks die atmosphärische Dichte ein wenig anzuziehen imstande ist und der herrliche Groove der Basstöne kurzzeitig etwas deutlicher in den Vordergrund rücken darf, bevor die Schlussgerade eingeläutet wird. Summa summarum fehlt dem Ganzen für meinen Geschmack zwar die gesunde Portion Ecken und Kanten, dieses Manko kaschiert das hiesige Stück, das mit jedem Hördurchgang wächst, mit seinen vielen interessanten, mitunter versteckten Melodiefäden und –ideen sowie seiner herrlich mediterran veranlagten atmosphärischen Komponenten allerdings äußerst geschickt, sodass ich schlussendlich auch gewillt bin, überdurchschnittliche 5/6 aus dem Hut zu zaubern.
Zurückgelehnte D&B-Klanglandschaften für die vorgerückte Stunde...
Großen Glückwunsch an die Fürther zum verdienten Aufstieg, der nach den etlichen verpassten Chancen in den letzten Jahren nun wirklich mal fällig war. Mit etwas mehr Glück wäre ja fast sogar noch das Pokalfinale erreicht worden - was die gewisse Portion Konstanz, die den Franken bisher so gefehlt hat, doch ausmacht! Letzteres ist der Fortuna aus meiner Geburtsstadt Düsseldorf in der Rückrunde dagegen dermaßen abhandengekommen, dass ich nur hoffen kann, dass nach der rekordverdächtigen Hinrunde am Ende wenigstens noch der Relegationsplatz mit Hängen und Würgen herausspringt, wobei der Möbelmarktverein aus der ostwestfälischen Fußballdiaspora von meiner Seite aus gern ein wenig Schützenhilfe leisten darf. Was wäre nur im Rheinland los, wenn es wirklich zu einem Tod-oder-Gladiolen-Duell zwischen Düsseldorf und diesem gewissen rheinaufwärts gelegenen Millionendorf mit seinem Prinz-Poldi-Chaosclub kommen würde...!?
Was die Bayern morgen Abend im altehrwürdigen Champions-League-Halbfinale gegen Real zu leisten imstande sind, mag ich dagegen kaum erahnen, wird doch vor allen Dingen die gute alte, aber äußerst widrig vorhersehbare Tagesform einen mitentscheidenden Faktor darstellen, wer in diesem Spiel mehr Land sieht. Weder Mainz noch Dortmund taugen schließlich dazu, haltbare Schlüsse für das Auftreten der Mannschaft gegen Mourinho und seine Jungs aufzustellen. Immerhin hat der Uli bereits in gewohnt-verschmitzter Manier die mediale Aufmerksamkeit von der Mannschaft komplett auf sich gelenkt, damit diese sich in der nötigen Ruhe auf einen der Höhepunkte dieser Saison vorbereiten kann und diverse Neidgeister aus den Reihen der Bienchen reflexhaft die "Schlechte-Verlierer"-Keule herausholen dürfen, um sich damit unversehens gekonnt selbst ins Abseits zu manövrieren. Besser als Clear_Blue in seinem letzten Beitrag kann man diese Taktik auf jeden Fall nicht zusammenfassen - auf geht's, ihr Roten!
Max Cooper "Egomodal EP"
Wenn mal wieder eine neue EP von Max Cooper das Licht der Welt erblickt, braucht man mich bekanntlich nicht allzu inständig bitten, diese rezensionstechnisch in zahlreichen ausgewählten Worten abzuarbeiten, zähle ich doch seit seiner ersten herausragenden Veröffentlichung auf dem Kölner Melodiegourmetlabel Traum Schallplatten unbestritten zu einem seiner größten Sympathisanten im hiesigen Forum. Mittlerweile sind wir zwar sage und schreibe schon bei der insgesamt achten Traum-Trackzusammenstellung angelangt, wenn ich mich nicht verrechnet habe, sowohl die Güte der sphärischen Klangraffinessen aus den Tiefen der Düsternis als auch die detailverliebte Feinjustierung der Produktion überwältigen mich jedoch stets aufs Neue. Das im Laufe der Zeit zudem immer genreübergreifender angelegte Spektrum der Cooper-Stücke setzt dem Ganzen dann zumeist noch verdientermaßen die Krone auf, wie es auch bei der frisch geschlüpften und zwischen Atmospheric Techno, Minimal Progressive sowie Dubstep-Anleihen changierenden Egomodal EP erneut der Fall ist. Mit fünf neuen Stücken und drei namhaften Remixarbeiten präsentiert sich der akustische Osterkorb auf jeden Fall prall gefüllt, wobei diese Beschreibung nicht weniger auf den Tourplan des Briten zutrifft, welcher ihn im kommenden Sommer mit seinen großartigen Livesets übrigens auch wieder mehrmals nach Deutschland führt (6.6. im Artheater, Köln – 8.6. in der Hafenliebe, Dortmund – 23.6. im Suicide Circus, Berlin – 3.8. im Odonien, Köln).
Epitaphy beginnt den Klangreigen als erstplatzierter Track auf der EP zwar, eignet sich jedoch nur bedingt als Eisbrecher, konzentriert sich das Ganze doch viel lieber auf die nachtumwehte Entfaltung leicht verstörend agierender Melodieelemente, welche sich der stetigen Unterstützung eines äußerst minimalistisch klickernden Drummings sicher sein dürfen. Zwielichtige Effekt- und Toneinwürfe sezieren dabei in regelmäßigen Abständen Zeit und Raum, bevor die angenehm zwielichtig dreinschauende Anwandlung einer Bassline alsbald auch noch gepflegt den Groove auspackt und zusammen mit dem kaskadenartigen Tonflimmern sowie einigen sich nach und nach aus dem Hintergrund herausschälenden Alternativtönen den geneigten Hörer zunehmend eindrücklicher in seine tiefgekühlte Emotionsspirale hineinzieht. Im mittig angelegten Break machen die etablierten Elemente zwar zunächst kurzzeitig Bekanntschaft mit einem dunklen Streicherfragment, lassen dieses allerdings schnell wieder links liegen, um sich umso intensiver um die Erforschung neuer Pfade auf Seiten der vielseitigen Melodielinienansätze zu kümmern, sodass sich das Ganze insbesondere in der anschließenden Kooperation mit dem nihilistischen Untergrund nun bis zum späteren Rückbau in überaus spannender Manier stetig auf- und abschaukelt. Trotz des beizeiten aufkommenden Gefühls fehlenden Drucks aus dem Drumming heraus ist der Track in der Lage, seine verstörende Botschaft aus dem Jenseits gelungen ins Hier und Jetzt zu übertragen, wovon auch vorzeigbare 5/6 zeugen.
Autumn Haze wiederum verbindet den Minimalismus des Vorgängers mit der gewissen Portion atmosphärischer Wärme und bettet seine fragilen Melodielinien in diesem Zusammenhang auf berührende Melancholie, wenngleich diese der im Tracktitel enthaltenen Jahreszeit doch deutlich besser entspricht als der jetzigen. Dies mindert die Ausdruckskraft der hiesigen Tonfolgenfragmente selbstverständlich keineswegs, stellen diese doch bereits im Intro, in dem sie sich in feinsinniger Manier zusammenstellen und mit klickernden Effekten sowie dezent arrangierten Flächenstücken verzieren, ihre einfühlsamen Charakterzüge in den Vordergrund. Im Zusammenspiel mit einem skelettierten Drumming, welches dennoch einige subtil groovende Basstöne sein Eigen nennen darf, geraten die Tonflächen zwar zunächst einmal wieder außer Sichtweite des Stücks, sodass sich die wunderbar detailreich inszenierten Melodietröpfchen mit einigen alternativen Entwicklungen verdichten können, fortan wird die leicht kontrastreich düstere Machart der Begleitflächen allerdings regelrecht herbeigesehnt, sodass diesem Wunsch alsbald auch stattgegeben wird. Ab dem Break, in dem sich besonders die Melodietöne durch zahlreiche spannende Instrumentierungswechsel und Fragmentierungen hervortun, tritt die mittlerweile unverzichtbare Hintergrundbegleitung zudem in wabernder Art und Weise auf, wovon in der zweiten Hälfte des Stücks vor allen Dingen die sphärische Intensität profitiert, schwellt die Tonfläche doch immer mal wieder gekonnt beunruhigend an und ab und sichert dem Ganzen schlussendlich auf dem Silbertablett servierte 5,75/6.
Raw als Dritter im Bunde macht seinem Namen dann in der Tat alle Ehre, dafür beehre ich gern wieder einmal das allseits beliebte Phrasenschwein. Das Motto heißt hier schließlich keineswegs „Wo rohe Kräfte sinnlos walten“, vielmehr herrscht eine Rückbesinnung auf die rohe Durchschlagskraft eines entschlackten Minimaltechno-Kleinods vor, welches im Endeffekt durch die Hinzunahme sägender Klangflächen in charakteristischer Cooper-Bauart auch in sphärischer Hinsicht zu punkten imstande ist. Zu Beginn übt sich der Track zwar erfolgreich im unscheinbaren Bluffen, präsentiert mit einer monotonen grummelnden Basstonfläche aber bereits die Basis für die anstehende Reise in die Finsternis, welche ab dem ersten Kurzbreak langsam Gestalt annimmt. Die Verantwortung dafür darf dabei vor allen Dingen einer deutlich dreckiger, bedrohlicher und aggressiver auftretenden, zweiten Bassebene in die Schuhe geschoben werden, in deren Gesellschaft die bisherige Grummelfläche nur noch als passender Subbass fungiert. Ein zweites Kurzbreak rollt dann wiederum den bereits erwähnten, wunderbar unheilvoll durch Mark und Bein sägenden Klangstücken den roten Teppich aus, welche in Kooperation mit den beiden Bassebenen dem hiesigen Track noch ein wenig schwärzer zu kleiden wissen. Da das Ganze zudem äußerst druckvoll zu Werke geht, muss der gemeine Hörer sprichwörtlich stets damit rechnen, die Zwölf poliert zu bekommen, wodurch – zumindest für mich gesprochen – die Gesamtbewertung von 5,25/6 sicherlich nicht in Mitleidenschaft gezogen werden würde…
Einen völlig konträren Ansatz verfolgt dagegen Simplexity, welches sich in Dubstep-Gewässern bewegt und diese mit einem außergewöhnlichen Vocalfragmentkonzept zu beleben weiß. Der Aufbau atmosphärischer Großtaten steht dabei zwar nicht im Vordergrund, dafür begeistert der Track den gemeinen Audiophilen bereits im Intro mit einer äußerst vielseitigen und scharfkantig produzierten Effektschar, welche sich alsbald um ein typisch schleppendes Beatgerüst inklusive zwielichtig anmutender Bassflächenwellen versammelt und nach zwei Minuten ekstatischer Bewegungsabläufe schließlich die ersten relativ positiv gestimmten Vocalschnipsel heraufbeschwört. In Kooperation mit weiteren spannenden Effekthappen und einem zunehmend wabernd gestalteten Untergrund verdichten sich die frisch durch den Fleischwolf gedrehten Stimmenstücke zusehends und sorgen in diesem Zusammenhang nicht nur für eine Verschärfung der Kontraste, sondern beflügeln mich sogar dazu, den hiesigen Track und das von mir nur in äußerster Sparsamkeit benutzte Wörtchen Innovation in ein- und demselben Satz unterzubringen. Nichtsdestotrotz kann ich dem Ganzen „nur“ 5/6 kredenzen, bewegen sich die experimentellen Vocalfragmente doch auf längere Sicht gesehen meines Erachtens einfach zu nah an der guten alten Nervenstrapazierung.
Micron als letztes neues Cooper-Machwerk der EP zeigt sich in seiner Klangauswahl wieder deutlich charakteristischer, setzt das Stück doch voll und ganz auf die grazil düstere Deepness angeschrägter Flächenfahnen, welche nicht allzu lang fackeln und von Beginn an ihre markant morbide Ausdruckskraft über den Äther transportieren können. Unterstützt von einem minimalistisch arrangierten Drumming mitsamt eines herrlich brodelnd geratenen Basswandkonsortiums, subtil eingeflochtenen Klopfeffekten und alsbald als passende Begleitung initiierten Stimmenflächen etabliert sich der Track mehr und mehr als hypnotisierende Weltuntergangsstimmung im Grenzbereich zwischen Club und Kunst. Wenn sich dann noch tröpfchenartige Melodietonfragmente in wunderbar zurückgenommener Dosierung auf die Flächenfahnen legen und der Untergrund peu à peu druckvoller zu agieren weiß, ist es in dieser unwirklichen, aber doch überaus intensiven Szenerie endgültig um mich geschehen – daran kann auch ein zwischenzeitlich eingelegtes Break nicht rütteln. Vielmehr fungiert dieses als gelungene Vorlage für das virtuose Trackfinale, in dem sich alle Melodieelemente noch einmal die Klinke munter in die Hand geben und zusammen mit dem unvermindert düster nach vorn grummelnden Drumming eine postmoderne Atmospheric-Techo-Gala aufführen. Chapeau, Monsieur Cooper, die 6/6 sind ihnen hiermit sicher!
Da der Textfluss dieser Rezension bis hierhin bereits erneut völlig aus dem Ruder geraten ist, möchte ich die Bewertung der noch ausstehenden drei Remixarbeiten nun so kompakt wie mir möglich nachreichen. Autumn Haze in Ripperton’s „Frostbite” Remix zum einen lädt das Original zu einem zehnminütigen Rendezvous ein, sodass sich nicht nur Zeit findet, dem Ganzen in ansprechender Manier eine ausgedehnte Intro-/Outro-Thematik anzudichten, sondern mit Hilfe eines schön stakkatierten Basslinefragments auch deutlich mehr Groove unterzujubeln. Die gelungene Mischung aus alternativen Melodieansätzen und schwermütigen Originalflächen, garniert mit verstörenden Vocalschnipseln, steht dem Original imho auf jeden Fall in nichts nach, sodass ich erneut nach den verdienten 5,75/6 greifen möchte. Marc Romboy’s „Sub Attack“ Remix von Raw entführt die in der Vorlage vorherrschende rohe Ausdruckskraft dann in ein erstaunlich positiv konnotiertes Stimmungsumfeld, wobei zunächst einzig eine zurückgelehnt wabernde Bassline inklusive düster schimmernder Subbässe noch vom Original erzählt, während an der Oberfläche schon fast frühlingshaft anmutende Alternativmelodiefragmente ihre Kreise ziehen. Obwohl diese zunächst recht unscheinbar wirken, sind diese in der zweiten Hälfte in der Lage, sogar die bekannten verzerrten Bassflächen in ein deutlich helleres Licht zu stellen, während das Drumming sich in regelmäßiger Manier absichtlich hinter seinen eigenen Beats herschleppt und die hiesige Überarbeitung nicht nur weiter aufwertet, sondern auch schlussendlich 5/6 unter Dach und Fach bringt. Simplexity im Rone Remix verführt das experimentelle Dubstep-Original zum Abschluss zu einem Ausflug in die Gefilde gerader Beats, in welchen die Vocalfragmentdichte zwar eine gesunde Prise heruntergefahren wird, mit Hilfe von passend eingesetztem Nachhall und harmonischen Alternativmelodietönen aber in sphärischer Hinsicht deutlich stärker die Gehörgänge belagert werden. Unterstützt von einem düsteren Basslinegrummeln, welches sich mitunter auch einige knarzige Momente gönnt, sowie immer wieder spannenden neuen Melodieeinwürfen bleibt im Laufe des Ganzen zwar stetig weniger vom Original übrig, dieser Umstand ermutigt mich jedoch umso mehr, die 5,25/6 für diesen gelungenen Remix, der auch von einem Dominik Eulberg stammen könnte, zu zementieren.
Absolut zeitloser Progressive-Klassiker, der mittlerweile sage und schreibe 15 Jahre auf dem Buckel hat...
Oxia "Harmonie / Flying over time"
Dass die Bekanntheit des französischen Produzenten Olivier Raymond alias Oxia im hiesigen Forum vor allen Dingen von seinem unbestritten großartigen Track Domino, welcher im Jahre 2006 die ein oder andere Diskussion über die Genreverortung Neotrance befeuerte bzw. sogar entfachte, zehrt, mag zwar nicht wirklich eine überraschende Erkenntnis darstellen, mit der Vorstellung eines vor wenigen Tagen veröffentlichten frischen Two-Trackers möchte ich diese Einseitigkeit nun jedoch ein wenig aufbrechen. Das Bemühen im Aufspüren ähnlicher Klangmuster erübrigt sich zwar aufgrund der zeitlichen Distanz zwischen den beiden Veröffentlichungen sowie der musikalischen Weiterentwicklung des Franzosen, die Vorliebe für atmosphärisch gehaltvolle Arrangements ist ihm nichtsdestotrotz geblieben, sodass die beiden neuen Stücke diese nunmehr im Grenzbereich zwischen Deep und Progressive House entfalten dürfen. Desweiteren fungiert die EP übrigens als Vorbote für sein im Mai zu erwartendes zweites Album, welches den Titel Tides Of Mind tragen und ganze acht Jahre nach seinem Debüt 24 Heures auf dem von Landsmann Sébastien Devaud alias Agoria geführten Label Infiné erscheinen soll. Ergo: Scheuklappen runter, Ohren auf!
Schon zu Beginn entspinnt sich beim nicht zu Unrecht Harmonie betitelten Eröffnungstrack eine wunderbar entspannte Szenerie aus unaufgeregten Melodietönen, sachte eingeworfenen Knister- und Effekthappen sowie fragmentierten Andeutungen einer druckvollen Klaviertonfolge, wobei sich bereits in dieser Phase des Stücks feststellen lässt, dass die sphärische Gesamtausrichtung keinesfalls in Richtung ambienter Belanglosigkeiten schielt, sondern sich ihres Deepness-Potenzials durchaus bewusst ist. Im Zusammenspiel mit einer angenehm trockenen Kickdrum sowie dezent düster angehaltenem Bassrumoren verstärkt sich dieser Eindruck zudem noch einmal, wenn sich die behutsam ausgewählten Elemente der Melodieebene die Klinke in die Hand geben und insbesondere die Vorliebe der Pianoklänge für opulenten Nachhall mehr und mehr ihre stimmungsvollen Früchte erntet. Ein Quasi-Break trägt dann im Folgenden eine weitere Alternativmelodielinie an das Geschehen heran, welche mit ihrer melancholischen Handschrift die sphärische Intensität des Ganzen angenehm zu verdichten weiß, einige Takte später jedoch bereits durch elegant stakkatierte Streichereinwürfe ersetzt wird. Diese wissen den Track nicht nur eine gute Portion orchestraler zu instrumentieren, sondern beschwören langsam aber sicher im Hintergrund auch eine flirrende Tonfläche herauf, aus welcher sich im nächsten Kurzbreak schließlich ein klassisches Streicherensemble entwickelt, welches im Vergleich zu den bisher vernommenen Melodieklängen nicht minder angedunkelt die große Bühne betritt, selbige allerdings mit ihrer allumfassenden Epik für meinen Geschmack etwas zu deutlich zu Nebendarstellern degradiert, auch wenn vor allen Dingen die Klaviertöne sich vehement gegen diese Entwicklung stemmen und in Form stakkatierter Tontropfen stets gekonnte Kontrapunkte setzen können. Legen sich die Streicher im letzten Drittel dann wieder peu à peu zur Ruhe, kommen auch die restlichen Basismelodieelemente wieder zum Vorschein, um das Stück schlussendlich mit einem kleinen Outro in gelungener Manier abzurunden. In meinen Ohren hätte die hiesige Harmonie zwar durchaus einige Minuten länger als die veranschlagten 6½ Umdrehungen ihre Vorzüge preisen können, für die feierliche Entgegennahme vorzeigbarer 5,5/6 reicht es dennoch ohne Wenn und Aber.
Flying Over Time auf der B-Seite hört man dagegen die deephousig veranlagte Natur wesentlich stärker an, sodass das Stück insgesamt gesehen zum einen nicht an die sphärische Dichte seines Vorgängers heranreicht und zum anderen auch deutlich sommerlicher geprägt wirkt. Sind dafür in den ersten Momenten nur einige subtil im Hintergrund gehaltene Tonfolgenandeutungen verantwortlich, mehrt sich im weiteren Verlauf die Anzahl eingeworfener Melodie- und Vocalfragmente mediterranen Ursprungs, wodurch sich wiederum die Hintergrundtöne zunehmend dazu aufgerufen fühlen, sich ebenfalls offensiver zu platzieren und mitsamt harmonischer Alternativtöne mit einem unmissverständlich funkigen Charakter sowie einer flirrenden Tonfläche den Mittelpunkt des Ganzen anzuvisieren. Um den Abwechslungsreichtum hochzuhalten entspringt dieser interessanten Klangmischpoke im anstehenden Break zudem eine äußerst retrobehaftete Melodielinie, welche trotz ihres angenehm deepen Anstrichs erstaunlich fordernd das Heft des Tracks in die Hand nimmt und im Zusammenspiel mit dem Drumming zunächst eine gelungene Solofahrt initiiert, bevor sich auch die bekannten restlichen Melodieelemente wieder dazugesellen und dem gemeinen Hörer die balearisch anmutende Atmosphäre unter die Nase reiben. Ein Kurzbreak später formiert sich aus der druckvollen Melodiefolge zwar ein deutlich entspannter zu charakterisierendes Pendant, in Kooperation mit der flirrenden Tonfläche eröffnet sich hingegen ein nicht minder ansprechendes Ambiente, welches sich allerdings bereits langsam aber merklich auf den Spuren des Rückbaus befindet. Summa summarum ein Track, der zwar einerseits keinem wehtut, andererseits aber genau daran krankt und im Endeffekt dadurch auch nicht über solide 4/6 hinauskommt.
Eure Top 10: März 2012
Die Zeit ist mal wieder reif für den zehnpunktigen akustischen Monatsfavoritenrückblick...
§01§ Microtrauma - Reflection --- Traum Schallplatten
§02§ Monaque - Introspecto --- Manual Music
§03§ Damabiah - Irminsul, Le Pilier Du Monde [Andrew Bayer Remix] --- Natura Sonoris
§04§ Donatello, Kastis Torrau & Arnas D - Melodrama --- Stripped Recordings
§05§ Ryan Davis - Satellite --- Bedrock Records
§06§ Sasha & James Teej - Night Track --- Last Night On Earth
§07§ Andrew Bayer - Community --- Anjunadeep
§08§ Pig & Dan - Saturn Storm --- Herzblut Recordings
§09§ DNYO - Aquatika [Luis Junior Remix] --- microCastle
§10§ Microtrauma - Nordlicht --- Traum Schallplatten
Monaque "Introspecto EP"
Über das Projektpseudonym Monaque dürfte der ein oder andere Tellerrandinteressierte im hiesigen Forum sicherlich schon mehrfach gestolpert sein, zeigen sich die beiden dahintersteckenden russischen Produzenten Alex Monachow und Sergej Ljubarskij doch seit etwa vier Jahren in regelmäßigen Abständen für düster-treibende Machwerke aus der Schnittstelle der Genregroßräume Progressive House und Atmospheric Techno verantwortlich. Zumindest die Erwähnung des Namens Monachow sollte aber einige Lichter aufgehen lassen, war der Gute doch bereits zur kreativen Blütezeit von Markus Schulz im Coldharbour-Umfeld produktionstechnisch tätig - ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an diesen herausragenden Progressive-Track aus dem Jahre 2006. Spannen wir den Bogen nun bis in die Gegenwart, führt kein Weg an der Anfang März auf dem stets zu empfehlenden niederländischen Label Manual Music erschienenen Introspecto EP vorbei, auf welcher das Beste von damals und heute in eklektisch atmosphärischer Art und Weise verknüpft wird. Voilà!
Als Dreh- und Angelpunkt des Gesamtpakets fungiert dabei das Titelstück Introspecto, welches besonders einträglich in die Kerbe düster beschwerter Stimmungsgefilde einschlägt und schon nach wenigen Momenten präzise fragmentiert gestalteter Drumming-Einwirkzeit die erfolgreiche Flucht nach vorn antritt. Auslöser dieser Entwicklung ist eine wunderbar grimmig dreinschauende Basslinewand leicht wellenförmiger Natur, welche mit ihrer offensiven Ausrichtung nicht nur enorm viel Druck aufzubauen, sondern zusammen mit einer langsam aber stetig dem Hintergrund entschleichenden Tonfläche dem Track in Sachen sphärischer Ausrichtung zudem ein herrlich intensives Pechschwarz aufzutragen imstande ist. Einer ersten dezent angesetzten Anschwellaktion folgt wiederum die Einführung elektroid inspirierter Stakkatotöne auf dem Fuß, sodass sich insbesondere zwischen der Kurzlebigkeit dieser neu hinzugewonnenen Melodietöne und dem zwielichtigen Grundrauschen alsbald ein interessanter Kontrast ausbildet. Alternative sowie deutlich nachhallverliebter auftretende Verästelungen der elektroiden Stakkatotöne münden hierbei sogar in eine weitere nachdrückliche Anschwellaktion in einem Kurzbreak, ehe im Anschluss die bekannte Tonfläche sich erneut dem Hintergrund entreißt und verstärkt mit tief melancholischen Zusatzflächen zum endgültigen atmosphärischen Siegeszug im hiesigen Stück ansetzt, auch wenn die unter die Haut gehende Melodielinie sich im nächsten Break bereits langsam aber sicher wieder ins Nirwana bewegt. Aus den zerstückelten und fragmentierten Resten der Melodieebene kann sich dennoch ein irritierend flirrendes Tonwabern hinüberretten in das Zusammenspiel mit dem Untergrund und nach kurzer Dauer seine Erfüllung als Basis der erneut heraufbeschwörten elektroiden Stakkatotöne finden. Während letztere sich nun schnell wieder zunehmend arpeggierteren Strukturen zuwenden, nutzt die intensitätsreiche Flächenmelodiefolge die allgemeine Verwirrung, um sich ein weiteres Mal aus dem Hintergrund an die Spitze des atmosphärischen Feldes zu setzen und schließlich mit einer weiteren Verschärfung ihres Arrangements einen wahrhaftig sehnsüchtig-düsteren Rausch zu evozieren. Im letzten Drittel ziehen sich die markanten Flächenstücke zwar in die zweite Reihe zurück, sind jedoch bis zum Schlusspunkt noch in der Lage, zwei weitere passend gesetzte Nadelstich-Anschwellaktion auf dem unvermindert nach vorn drückenden Untergrund zu platzieren. Alles in allem eine wahre Wonne für alle Sympathisanten der gepflegten Progtechno-Düsternis, zu der auch ich mich selbstverständlich zähle und somit endlich wieder einmal geneigt bin, mit 6/6 die absolute Höchstbewertung herbeizuzitieren.
Die beiden ebenfalls im Gesamtpaket der EP enthaltenen Remixarbeiten sind dann zwar nicht in der Lage, dem großartigen Original das Wasser zu reichen, entpuppen sich aber dennoch als Überarbeitungen, welche diesem in gelungener Manier einige neue Seiten abgewinnen können. Der Cumiks Remix beispielsweise dehnt das Originalthema sogar auf etwas mehr als zehn Minuten aus, wobei allein zwei davon auf ein wunderbar ambient gestaltetes Intro entfallen, welches mit vielfältigen alternativen Melodieentwicklungen wirklich keinesfalls zu geizen pflegt und zusammen mit sporadisch eingesetzten, zwielichtigen Basslineschlieren ein wunderbar entrücktes Szenario auffährt, mit welchem der Rest des Tracks meines Erachtens leider nicht ganz mithalten kann. Schuld daran trägt vor allem die bisweilen zu aggressiv arrangierte Weiterentwicklung der Alternativtonfolgen, welche sich in den ersten Momenten des Zusammenspiels mit dem zurückhaltenden Untergrund allerdings noch nicht derart durchschlägt wie in der zweiten Trackhälfte. So wohnt der geneigte Hörer zunächst vielmehr der Einzelvorstellung der synthielastigen Melodiefragmente bei, während im Hintergrund stets das aus dem Original bekannte Tonflächengrundrauschen vorherrscht, bevor die Melodietöne sich langsam aber sicher tranciger aufstellen, dabei die atmosphärische Komponente langsam aber sicher aus ihrer Traumwelt herauskatapultieren und für die exaltierte Peaktime vorbereiten. Exemplarisch für diese Entwicklung steht dabei das nach etwa sechs Minuten Spieldauer beginnende Break, welches interessant durch den Raum geisternden Synthiefäden mit Potenzial schlussendlich nur eine fade Anschwellaktion mit unrühmlichen Bigroom-Referenzen vorsetzt. Auf der Zielgerade setzt die Überarbeitung dann endgültig nur noch auf nervig inszenierte Dissonanzen, welche die erste Trackhälfte leicht zu verhöhnen scheinen und damit die in der Endabrechnung auftauchenden 4/6 untermauern. Der Fran von Vie Remix dagegen positioniert sich zwar deutlich näher am Original, lässt den atmosphärischen Trip des Melodiethemas sowohl durch gezielte Verfeinerungen als auch Reduzierungen jedoch insgesamt gesehen etwas deeper erscheinen, während dem Untergrund derweil eine geschmackvolle Portion Klickereffekte angedichtet wird. Die hypnotisch nach vorn drückende Basslinewand darf sich in diesem Zusammenhang mit einigen knarzigen Einwürfen schmücken, mit welchen nun mehr und mehr Andeutungen und Fragmente der Originalmelodieebene heraufbeschwört und mit flirrend arrangierten Alternativtonfolgenansätzen vermählt werden, sodass sich ein ganz und gar undurchsichtig agierendes Melodietreiben etabliert, welches nur von einigen überfallartig anschwellenden Kurzbreaks unterbrochen wird, im weiteren Verlauf aber dann doch noch verdichtenden Besuch von etwas strukturierteren Andeutungen der Originalflächenstücke erhält. Nichtsdestotrotz reduziert sich der Remix hierbei immer wieder gern auf seinen vielfältig klickernden Brodeluntergrund, aus welchem er dann stets in spannender Manier einzelne Melodielinienüberreste auf atmosphärisch sowie künstlerisch wertvollen Pfaden zurück an die Oberfläche holt. Summa summarum eine Überarbeitung, bei der die geneigte Hörerschaft auch beim x-ten Hördurchgang noch Neues entdeckt, wodurch sich die vorzeigbaren 5,25/6 imho sicherlich – wenn natürlich auch nicht allein – rechtfertigen.
Venezuela als zweiter frischer Track im Bunde verortet sich zum Abschluss dann im Gegensatz zu seinem fulminanten Vorgänger deutlich heruntergeschraubter im Bereich von sphärisch wertvollem Deep Progressive House und legt sein Hauptaugenmerk somit auf die nachdrückliche Verbreitung repetitiver Klangstrukturen. So arbeiten sich bereits nach wenigen Momenten Einwirkzeit bei einem mit verstörenden Effekten besetzten Drumming die ersten tiefergelegten Tonflächenschimmer aus dem Untergrund heraus, um sich in waberartigen Bewegungsabläufen langsam aber sicher in Richtung eines tragenden Trackelements zu entfalten und in einem ersten Kurzbreak zudem eine flirrende Begleitfläche als intensivierende Maßnahme vorzustellen. Auch wenn diese im weiteren Verlauf wieder in ihre Kammer zurückschleicht, der Einfluss der leicht dämonisch wabernden und immer wieder leicht an- und abschwellenden Tonflächenstücke in der hiesigen sphärischen Komponente bleibt weiterhin immens groß, während sich die begleitenden Elemente im Laufe der Zeit damit abfinden müssen, ausschließlich als passender Stichwortgeber für die fließenden Arrangementwechsel der Waberklänge gebraucht zu werden. Die einzige Ausnahme bildet dabei der flirrende Alternativtonstrom, welcher ab dem zweiten Break ins Geschehen eingreifen darf und die düster schwelende Stimmung während der zunehmenden Rückverlagerung der markanten Waberzungen an den äußersten Horizont des Hintergrunds im letzten Drittel übernehmen und in gelungen kryptischer Art und Weise bis zum Schluss aufrecht erhalten darf. Wer vor Deephouse mit Schuss nicht zurückschreckt, sollte diesem 4,75/6er-Machwerk auf jeden Fall eine verdiente Chance geben…
Andrew Bayer "You / Community / Brick"
Unglaublich, wie Andrew Bayer es fertig bringt, nach seinem hervorragenden Album aus dem letzten Jahr mit der dieser vielseitigen EP gleich den nächsten Satz warmer Trackohren galant aus dem Ärmel zu schütteln. Nicht umsonst kann sich der Gute mit seinen enttäuschungsresistenten Produktionen in letzter Zeit stets ein Stück weiter nach vorn in der Progressive-House/Trance-Elite positionieren und über zwielichtige Lounge-Zuweisungen nur fachgemäß amüsieren.
Da die Postsendung mit meiner Anjunadeep:04-Bestellung leider verschollen ist und erst in den nächsten Tagen neu versendet wird, bin ich zwar bisher leider noch nicht in den Genuss von You gekommen, die Ausschnitte beim GEMA-Feind Numero 1 versprechen jedoch nicht wenig und heizen meine Vorfreude auf die hoffentlich baldigst zu empfangende Mixcompilation wieder in nicht zu verachtender Art und Weise an. Schuld daran trägt hier sicherlich vor allen Dingen erneut die klangliche Vielseitigkeit, welche sich über jegliche Genregrenzen hinwegzusetzen pflegt und den Track mit den unterschiedlichsten Einflüssen würzt: Deephousige Flächenanleihen geben wunderbar tiefergelegten Basswänden ebenso selbstverständlich die Klinke in die Hand wie fragmentierte Vocalschnipsel trancig schimmernden Begleitmelodieansätzen, sodass sich im Zusammenwirken ein leicht frühlingshaft anmutendes Schaulaufen vor dem inneren Auge abspielt, welches allerdings keinesfalls die Lektion über die Mitnahme der gewissen, kontrastreich düster behafteten Tiefe verpasst hat. Sogar einige jazzig inspirierte Trompetenklänge säumen im weiteren Verlauf den sphärisch mit jedem Augenblick intensiver erscheinenden Pfad zum anstehenden Break, in welchem zwar zunächst die bekannten Melodieelemente dominieren, zusammen mit tröpfchenartigen Alternativtönen und herrlich aus dem schwärzesten Untergrund heraus agierenden Basswummertönen in Form von Stakkatowellenbewegungen läuft das Szenario jedoch mehr und mehr zu sphärischer Höchstform auf, ehe zusätzliche Streicher alsbald endgültig das Tor zur Epik aufstoßen. Auch wenn das Ganze sich in dieser Form arg nah an die Kitschgrenze heranwagt, alternative Melodietöne in schön knochentrockener Optik sowie eine effektvoll gesetzte Anschwellaktion beenden die eingeschlagene Richtung in betont zurückhaltender Manier dann doch recht schnell, sodass das Stück sich mit der Rückkehr des Untergrunds wieder deutlich reduzierter zeigen kann. Diese Phase ist allerdings nur von kurzer Dauer, wird es der vielschichtigen Melodieebene (inklusive Streicherklängen) doch gegönnt, noch ein weiteres Mal aus flimmernden Fragmenten spannungsgeladen aufzuerstehen, um den Track in gelungen intensitätsreicher Manier abzurunden. Die 5/6 stehen hier auf jeden Fall bereits Schlange…
Noch einen Ticken stärker präsentiert sich für meinen Geschmack im Anschluss das wunderbar minimalistisch atmende Community, welches zudem mit einem in seiner Eindringlichkeit nicht zu erahnenden Höhepunkt aufwartet. Bevor dieser eingeläutet wird, liegt die Konzentration jedoch erst einmal auf loopartig wehenden Tonstücken, welche in trauter Gesellschaft leicht verstörender Vocalschnipsel zunächst nicht nur das Intro beherrschen, sondern auch in Kooperation mit einem soliden Drumming als Antriebselement des Ganzen fungieren, während sich im Untergrund mehr und mehr druckvoll nach vorn stierende Alternativtöne als passende Begleitung herauskristallisieren können. In der Umgebung des ersten Kurzbreaks lösen sich letztere aber aus ihrer Umklammerung und wagen sich kurzzeitig auf melancholische Pfade, ehe im Anschluss deutlich monotoner gestaltete Stakkatotöne das Regiment übernehmen und zusammen mit herrlich groovebeglückten Basslinefragmenten langsam aber sicher eine nicht zu harsch operierende Anschwellaktion heraufbeschwören, in deren Fängen sich in einem weiteren Break erneut die melancholische Ader des Tracks in Form dezent mäandernder Flächenstücke zeigt, welche im weiteren Verlauf zudem den Weg für die sphärische Erleuchtung der Stakkatotöne vom Beginn ebnen. Beispielhaft für die kreative Energie sei in diesem Zusammenhang in besonderem Maße auf die gleichzeitig verspielt und vertrackt gehaltene Übergangsgestaltung zwischen dem dezenten Klimax der Anschwellaktion und dem Beginn des Drummingeinsatzes hingewiesen, sodass sich im weiteren Verlauf eine kontrastreich reduzierte Szenerie aus detailbesessen arrangiertem Drumming und trancigen Melodietönen in den Vordergrund stellen und sich peu à peu in einen wahrhaftigen Rausch spielen kann, welcher letztendlich mit der zunehmenden Unterstützung leicht sehnsüchtig agierender Flächen sowie der bekannten verstörenden Vocaleffekte im anfangs erwähnten Höhepunkt mit eindeutiger Trancereferenz seinen Intensitätsmaximum erreicht. Deeskalierende Stakkatotöne im eingeleiteten Kurzbreak sowie die anschließende Groove-Nabelschau zugunsten der Bassline leiten schließlich den Rückbau des Tracks ein, der sich um seine verdienten 5,25/6 in der Endabrechnung bereits zu diesem Zeitpunkt sicherlich keine Sorgen mehr machen muss.
Mit einem gänzlich anderen Ansatz wartet wiederum Brick auf, welches der gemeine Hipster möglicherweise mit solch famosen Genrebezeichnungen wie Glitch Hop oder Chillwave beschreiben würde. Im Großen und Ganzen liegt auch hier wie zumeist in der elektronischen Musik der Hase in der gekonnten Repetition bestimmter Klangstrukturen begraben, welche sich im hiesigen Stück insbesondere in der loopartigen Verstärkung der Melodie- und Klangflächenelemente manifestiert, sodass beispielsweise damit nicht nur die Akkordfolge noch einmal besonders betont wird, sondern auch eine vielseitig genutzte Spielwiese für allerlei Fragmentierungen, Zerstückelungen oder sonstige Verfremdungen und Verzierungen eröffnet wird. Flankiert wird das Ganze von einem betont schleppend gehaltenen Drumming aus gebrochenen Beats und stakkatierten Basstoneinwürfen, welchen zudem ein gewisser retrobehafteter Charakterzug innewohnt. Im Break mehrt sich dann der Einsatz von Vocalflächen, welche sich in für meinen Geschmack gelungener Art und Weise in die sommerlich inspirierten Klanggebilde einfügen, die sich auch von einem klassisch heruntergepitchten, kurzzeitigen Stillstand aller Elemente nicht aus dem Rhythmus bringen lassen, sondern getreu ihrer sonnigen Ausrichtung selig bis ins Outro hindurchscheinen. Auch wenn der Track insgesamt gesehen näher an Projekten wie Washed Out oder Com Truise anzusiedeln ist (befragt ruhig mal Youtube), für seine atmosphärischen Qualitäten und die Vergabe überdurchschnittlicher 5/6 sollte in der Grauzone des toleranten Forum-Tellerrands sicherlich noch genug Platz vorhanden sein.
Da mittlerweile schon wieder zwei Freitage vergangen sind, an denen unser allerliebstes Schmelztiegelfestival weitere neue Namen in seinem vorläufigen Line-Up veranken durfte, möchte ich euch hiermit nun einen kleinen Überblick über das verschaffen, was in den letzten Tagen aus dem mehr oder weniger fernen Osten kolportiert wurde. Die größte Aufmerksamkeit durfte in diesem Zusammenhang erwartungsgemäß die gute Lana del Rey als prominentester Neuzugang fürs diesjährige Melt! für sich verbuchen, welche für meinen Geschmack auf jeden Fall eine interessante Bereichung für die Bühnen unter den Stahlgiganten verspricht. Dies möchte ich jedoch auch keinesfalls dem alten Haudegen Squarepusher absprechen, welcher die mit IDM gewürzte Drum & Bass-Fahne sicherlich respektabel hochhalten wird, während der Jenaer Douglas Greed eher die Sympathisanten atmosphärisch experimenteller Klangkost ansprechen sollte und der Schwede Joel Mull dann den technoideren Gegenpart übernimmt. Nicht vergessen werden sollten auf Seiten der Gitarrenmusiker-Newcomer zudem die meines Erachtens überaus vielversprechenden Indierocker von den Jezabels aus Australien sowie die Berliner Indietronica-Formation I Heart Sharks. Für die Melt! Selektor Stage (direkt am See) indes, welche wie bereits erwähnt von Modeselektor nicht nur kuratiert, sondern natürlich auch bespielt wird, wurde heute in einer schön schnoddrigen Videobotschaft eine illustre Künstlerschar aus u.a. Hudson Mohawke, Brandt Brauer Frick, Mouse On Mars, Rustie und Schlachthofbronx bekannt gegeben, welche ein enorm abwechslungsreiches Programm elektronischer Musik abseits ausgetretener Pfade versprechen. Warum die Melt!-Macher aber mit den nervenstrapazierenden Quietscheentchen-Möchtegern-Dubstep-Jungs von Nero auf Teufel komm raus das Skrillex-Publikum aus allen Himmelsrichtungen anzulocken gedenken, bleibt wohl bis auf Weiteres ihr ganz eigenes Geheimnis...
Console - Leaving The Century [Marek Hemmann Remix]
Oh du süße Melancholie...
Sasha & James Teej "Bring on the night EP"
Sashas neues Ziehkind Last Night On Earth ist derzeit drauf und dran, die Basis für einen äußerst glor- und erfolgreichen Einzug in die Riege meiner uneingeschränkten Lieblingslabels zu feiern, woran die zurückgefundene Freude am Produzieren auf Seiten des Labelgründers recht schwerlich ihre „Mitschuld“ von sich weisen kann. Die hiesige in Kooperation mit James Teej entstandene EP reicht zwar auch meines Erachtens nicht ganz an das herausragend sphärisch-treibende „Cut Me Down“ heran, dieser Hinweis darf allerdings absolut ruhigen Gewissens unter Kritik auf überaus hohem Niveau abgeheftet werden, zeigen sich die beiden frischen Stücke doch ebenso mit dem gewissen Tellerrandetwas ausgestattet…
Der Night Track zum einen platziert sich irgendwo in einer schwer zu schreibenden Nische zwischen techhousigen Strukturen, progressiven Gefilden sowie recht synthielastigen Melodiegestaden, welche von einem zurückhaltend minimalistisch geprägten Drumming begleitet werden. Als Hauptdarsteller etablieren sich dabei zunächst eine herrlich groovend angelegte Oktav-Bassline sowie sporadisch in flächigen Schwärmen auftretende Effektelemente, die sich im Laufe der Zeit immer öfter blicken lassen und schließlich mit ihrer stetig an- und abschwellenden Fortbewegungsart zu einem beständigen Antriebsmuster des Stücks avancieren sowie mehr und mehr als Türöffner für die sphärische Verdichtung des Ganzen fungieren. Die leicht undurchsichtig zu charakterisierende Stimmungslage wird in diesem Zusammenhang durch alsbald initiierte Vocaleinlagen nur noch verstärkt, fügen diese sich in ihrer ganz eigenen Abwandlung flüsternden Sprechgesangs doch bestens in die leicht verworren wirkende Szenerie aus zunehmend durch Synthieflächen verstärkten Effektwolken und verspielten Alternativmelodiefragmenten ein. Besonders letztere stehen dann im nächsten Kapitel des progressiven Fortlaufs der Dinge im Vordergrund, wenn sie immer effektiver ihren anfänglichen Status einer Hintergrundbegleitung abstreifen und eine spannende Entwicklung bis hin zur verträumt agierenden Tonfolgenkaskade an vorderster Front aufs Parkett legen. Im Quasibreak des Mittelteils beruhigt sich die Elementdichte wieder deutlich, sodass die im Anschluss anvisierte Drummingphase in eindrücklicher Manier die Bassline aus dem Untergrund emporwachsen lassen darf, welche zusammen mit allerhand zerfetzten und zerhackstückselten Effektflächen auch ohne melodische Zusatzbeiträge ein wahrhaft intensitätsreiches Klangschauspiel zu entfalten in der Lage sind. Dies reicht mitunter derart weit, dass die Bassline sogar ungeahnt elektroide Züge in sich entdeckt, welche immer mal wieder zudem in acidlastige Territorien abschweifen, aber zu keinem Zeitpunkt ihr wunderbar groovendes Potenzial im mittlerweile auch durch die bekannten Synthieflächen erweiterten Sammelsurium an Trackelementen vernachlässigen. Die betont mysteriös gehaltenen Vocaleinspieler leiten dann wiederum angenehm dezent das letzte Drittel des Stücks ein, welches vor allen Dingen noch einmal vom nachhaltigen Zusammenspiel aus flexibler Oktav-Bassline, der kontrastreich hell gewandeten Tonkaskade sowie schwelenden Effektflächen zehrt, ehe das Ganze langsam aber sicher auf die mit verdienten 5,5/6 ausgeschmückte Zielgerade einbiegt.
Der dazugehörige M.A.N.D.Y. Remix geht seine Sache im direkten Vergleich dann eine gute Portion druckvoller an und erinnert dadurch nur noch phasenweise an die zelebrierte Kleinteiligkeit des Originals. Nichtsdestotrotz brechen sich mit einzelnen Vocalsamples, stakkatierten Effektfetzen und einer schön deep angelegten Hintergrundtonfläche bereits nach wenigen Momenten Einwirkzeit die ersten Erinnerungen an Letzteres Bahn, bevor im anstehenden Kurzbreak auch Fragmente der bekannt groovedurchfluteten Bassline auftauchen und in einer housigeren Abwandlung fortan als ernstzunehmender Feind jeglicher Bewegungsneurose zu fungieren wissen. Währenddessen setzen sich nicht nur harmonische Alternativtöne immer mal wieder in den Verästelungen des weiterhin minimalistisch auftretenden Untergrunds fest, auch ein arpeggierter Tonlauf nimmt alsbald in erfolgreicher Manier die Hürde in der Entwicklung vom akustischen Beipackzettel hin zum entscheidenden Melodieelement innerhalb der stets durch flirrende, plätschernde und knisternde Effekteinwürfe aufgewerteten Trackoberfläche, welche sich mittlerweile allerdings leider nicht mehr von der entspannt groovenden Bassline vom Beginn, sondern von einem deutlich monotoner nach vorn ausgerichteten Pendant antreiben lässt. Nichtsdestotrotz gönnt sich die Überarbeitung immer mal wieder ein passend eingefügtes Kurzbreak, um im Anschluss ihre Element- und Effektschar frisch zu ordnen und dabei beispielsweise den prägnanten Tonlauf in neuerlicher Manier aus dem Hintergrund herauszuarbeiten sowie mitsamt interessanter Alternativflächenschlieren- und melodietöne immer eklektischer an die Spitze zu forcieren. Ein weiteres Kurzbreak läutet dann wiederum eine deutlich entspannter angelegte Phase ein, welche auch die feinsinnig verästelte Bassline wieder auf ihrer angestammten Grooveposition erfolgreich spielen lässt, während dem Original entlehnte Effektflächen in Begleitung sporadisch eingeworfener Vocalfetzen gekonnt ihren mystisch angehauchten Laut-und-Leise-Rhythmus offenbaren und den Remix damit in für meinen Geschmack gelungener Art und Weise abrunden. Insgesamt gesehen und plakativ gesprochen etwas weniger Atmosphäre, dafür mehr Club, aber kaum minder vorzeigbare 5/6 als Endergebnis auf meinem Bewertungsbogen…
As You Fall dagegen bewegt sich, wie Martin schon richtig angemerkt hat, auf Pfaden, die sich erstaunlich deutlich von Acidhouse beeinflusst zeigen, jedoch auch vor der gewissen Prise Detroit Techno keinesfalls zurückschrecken und dabei nicht nur ein spannungsreiches, sondern auch atmosphärisches Machwerk schaffen, welches ich in dieser Art bei einer Kollaboration von Sasha und James Teej nicht erwartet hätte. Bereits zu Beginn schmiegen sich die ersten wärmenden Tonstrahlen an ein zurückhaltendes Retro-Drumming, das mit seinen Bassline-Andeutungen im Untergrund zwar zunächst noch recht zurückhaltend voranschreitet, dafür aber den synthieverliebten Melodietönen mit jeder Sekunde mehr Zeit und Raum für ihre frühlingshaften Ausführungen im Hinblick auf die sphärischer Komponente erteilt. Nachhallverliebt und unbeschwert gleiten sie auf dem zunehmend offensiver nach vorn stakkatierenden Untergrund, ehe James Teej im Anschluss an ein erstes Kurzbreak auch mit seinen stimmlichen Qualitäten anstelle der melodietechnischen Wärme in das hiesige Geschehen eingreifen darf. Dieser Zustand minimal-progressiver Verlockung ist jedoch nur von kurzer Dauer, erobern doch im weiteren Verlauf die bekannten Synthieflächentöne schnell wieder ihren Stammplatz zurück, während im Untergrund acidlastige Basslinefragmente nicht nur die nötige Druckverstärkung im Kopf haben, sondern mit ihrer düster anmutenden Ausstrahlung gleich auch noch in gelungener Manier die Kontraste des Tracks zu verschärfen imstande sind. Dass in dieser Konstellation auch die kurzzeitig ausgebremsten Stakkato-Basstöne bald wieder mitmischen wollen, ist verständlich, sodass diesen insbesondere im Umfeld des nächsten Breaks wahrlich keine Steine mehr in den Weg gelegt werden; vielmehr dürfen sie sich sogar an einer gelungenen Solofahrt versuchen, bevor im Folgenden mit der Rückkehr des Drummings auch die Trackdichte mit der Einbeziehung verspulter Alternativtoneinwürfe noch einen kleinen weiteren Posten auf der atmosphärischen Habenseite verbuchen kann. Leicht konfus torkelnd, aber stets bedrohlich aus dem Hintergrund beäugt gestaltet sich schließlich auch das letzte Drittel des Stücks, das mir summa summarum ebenfalls nicht unter 5/6 die Bewertungsarena verlässt.
Microtrauma "Reflection EP"
Ich habe in den letzten Monaten zwar bereits einige Eigenproduktionen und Remixe von Microtrauma in der hiesigen Tracksrubrik an das gewiefte Tellerrandpublikum heranzutragen versucht, aber für den Fall, dass dieser Name nichtsdestotrotz auf dem Radar des ein oder anderen zu Unrecht doch noch nicht aufgetaucht ist, biete ich gern an, vor meinen wie stets in blumiger Tradition stehenden Rezensionsworten einen klitzekleinen Exkurs einzuwerfen. Hinter dem aufstrebenden Projekt stecken auf jeden Fall die aus heimischen Landen stammenden Daniel Päßler und Ricardo Linke, welche zwar schon eine über fast fünf Jahre ausgedehnte Diskographie aufweisen können, jedoch erst mit den meines Erachtens hervorragenden EPs auf dem enttäuschungsresistenten Kölner Label Traum Schallplatten seit letztem Jahr deutlich mehr Aufmerksamkeit als je zuvor auf sich lenkten. So ist es nicht allzu verwunderlich, dass diese äußerst erfrischende Zusammenarbeit mit der jüngst erschienenen Reflection EP ein weiteres hörenswertes Kapitel hinzugefügt bekommt. Und so, wie die beiden darauf wieder ihre vielfältigen Klangliebschaften irgendwo zwischen progressiven, technoiden, minimalen und trancigen Versatzstücken unterzubringen wissen, ist es wieder einmal eine helle Freude, sich den zumeist in inspirierender Düsternis badenden Stücken voll und ganz hinzugeben…
Reflection als Titeltrack geht dabei gleich mal als gutes Beispiel in Sachen energetischem Atmospheric Techno voran und beglückt den gemeinen Hörer bereits zu Beginn mit den ersten melodischen Andeutungen im Hintergrund einer schön knochentrocken gelagerten Kickdrum, welche alsbald zudem in den druckvollen Genuss einer wunderbar nach vorn rollend ausgerichteten Bassline kommt. Mysteriöses Effektklappern im Anschlag, Klickerelemente als Konkurrenz für bedrohliches Schlangenzischen und die in dezenter Manier immer wieder an- und abschwellenden Melodielinienfragmente verdeutlichen im weiteren Verlauf die zunehmende Verdunklung des hiesigen sphärischen Horizonts, bevor sich im Folgenden die markante Tonfolge langsam aber sicher endlich aus ihrer sicheren Nische im Untergrund heraustraut und zusammen mit stakkatierten Tonverschnörkelungen die Intensität merklich anzuheben versteht, auch wenn sich die Gute nicht permanent ans Ohr klebt, sondern daneben auch immer wieder für passend gesetzte Kunstpausen zu haben ist. Im anstehenden Kurzbreak ist dies genauso der Fall wie im direkten Anschluss, wenn die große Bühne zunächst düster aufgeplusterten Basstönen überlassen wird, welche in Kooperation mit dem monoton drückenden Drumming zudem unheilvoll anmutendes Tonflirren in ihrem Kreis begrüßen dürfen. Wenn sich im Umfeld eines zweiten Kurzbreaks dann auch noch die umwerfend zwielichtige Melodielinie erneut dazugesellen darf und auf zwei Ebenen – minimalistische Stakkatotonfetzen mit deepem Flächenunterbau – das Stück in subtiler, aber effektiver Manier verdichtet, ist es um mich wieder einmal geschehen. Alles in allem haben wir es demzufolge hier mit einer wahren Delikatesse für jeden Sympathisanten melodisch treibender Technoprominenz zu tun, welcher ich meine himmelhochjauchzenden 6/6 wahrlich nicht vorenthalten möchte.
Der Egbert Remix verfrachtet das Originalthema dann zwar in eine nicht ganz so drückende Umgebung, kann sich in Bezug auf sphärische Intensität jedoch mit seinem Vorgänger aber immerhin teilweise messen lassen, wenngleich der Eigenanteil innerhalb der Melodieebene zunächst doch verschwindend gering auf den Plan tritt. So wird beispielsweise dem bekannten Tonflirren deutlich mehr Spielraum zugestanden, bevor im weiteren Verlauf dann auch die ersten vagen Andeutungen der einnehmenden Melodielinie in den äußersten Gestaden des Ganzen auftauchen, von der nur nuancenhaft verändert rollendem Untergrund allerdings erst einmal noch in Schach gehalten werden. Statt eines Empfangs der Melodietöne mit offenen Armen schließt sich dementsprechend passenderweise eine deutlich drummingorientierter auftretende Phase an, welche sich mit allerhand detailverliebt arrangierten Klickerelementen und Tonfragmenten bestückt zeigt und im Folgenden erst dann schwach wird, wenn sich alternative Synthieflächen aus dem bekannten Tonflirren emporzwirbeln und alsbald zusammen mit der bekannten Melodielinie für immer mehr düster-sphärische Ausrufezeichen sorgen. Leider verliert die Überarbeitung an diesem variantenreichen Spiel für meinen Geschmack viel zu schnell das Interesse und scheint in diesem Zusammenhang bereits kurz nach Durchschreiten der zeitlichen Mitte des Tracks mehr oder weniger mit dem Rückbau zu beginnen. Anders ist es nicht zu erklären, dass nach einer letzten Widmung des Tonflirrens keine zielstrebigen Aktionen mehr auf dem Programmplan zu finden sind und das Ganz somit satt und zufrieden nach Hause dümpelt – mit 4,25/6 gibt’s dafür die gerechte Quittung!
Blütenstaub ist zwar derzeit noch kein großes Thema in der Natur, bei Microtrauma dafür umso mehr, auch wenn die beiden Produzenten dem frühlingshaft anmutenden Titel ein weiteres überaus zwielichtig gewandetes Machwerk unterjubeln. Gehaltvolle Ingredienzen wie dunkelheitsaffine Basswelleneinschübe, wehende Melodieflächenfahnen sowie immer mal wieder kontrastreich hell durchscheinende Tontropfen sind dabei in Zusammenarbeit mit einem alsbald initiierten, dezenten Basslinegrummeln stetig einträglicher in der Lage, die Hochzeit von progressiven Strukturen und gesundem Minimalismus zu einem wahrhaft mystischen Schauspiel avancieren zu lassen. Die Melodieelemente geben sich dabei zwar die Klinke in die Hand, sind allerdings stets sehr darum bemüht, den Track nicht allzu stark zu überladen, sodass sich jedes noch so kleine Tonflattern sicher sein kann, nicht an den Rand des Klangspektrums abgedrängt zu werden. Bei der Begehung des Breaks im Mittelteil sollte dann desweiteren die wunderbar elektroid-drückend anschwellende Basslinegarnitur hervorgehoben werden, von welcher sich auch die Melodieeinwürfe in ansprechender Art und Weise antreiben lassen, ehe im Anschluss zur Abwechslung eine Drummingphase eingeleitet wird, welche auf der Zielgerade noch einmal kurzzeitig markante Melodie- und Basswellenfragmente integriert, ehe die Verleihung überdurchschnittlicher 5,5/6 die Szenerie beherrscht.
Der niederträchtige Pollenflug kommt zwar mittlerweile leider immer deutlicher in die Gänge, kann sich in seiner Intensität aber zur Zeit wohl noch eher mit dem dazugehörigen Track vergleichen, welcher es im Gegensatz zu seinen Vorgängern vorzieht, eine gute Portion zurückhaltender aufzutreten. Der melodietechnischen Vielfalt steht dieser Umstand allerdings natürlich keinesfalls im Wege, lässt es sich doch auch im Schlepptau angenehm beruhigter Drumminggefilde und spannender, sporadischer Effekthäppchen ganz famos sphärisch schweben, wie deep fußende Melodietöne im Hintergrund schon in den Anfangsmomenten des hiesigen Stücks passabel zu demonstrieren wissen. Einer ersten subtilen Anschwellaktion folgt zwar im Anschluss an ein Kurzbreak eine erneute Drummingphase inklusive neu hinzugewonnener und in Groove eingelegter Basstöne, besagte Tonfolge schleicht sich mit der Unterstützung dezenter Begleitflächen im weiteren Verlauf aber schnell wieder in den Mittelpunkt des Geschehens, sodass die mystisch veranlagten Melodietöne mehr und mehr ihre Traumwelt auf den sanften Beats verankern können. Mitsamt tranciger Alternativtöne und nachtaktiven Flächenwinden wird dabei peu à peu der sphärische Höhepunkt des Ganzen angepeilt, von dem aus aber auch die Sicht auf den anstehenden Rückbau schon wieder frei wird. Summa summarum dennoch ein mehr als gelungenes Deep-Progressive-Kleinod, welches sich seine 5,25/6 meiner Meinung nach redlich verdient hat.
Lassen wir uns zu guter Letzt noch auf das traumhaft schöne Nordlicht ein, dessen musikalische Umsetzung der Erhabenheit dieses Naturspektakels in meinen Ohren aber leider nicht ganz nachkommt, präsentiert sich der Track doch als das am deutlichsten in Richtung technoider Monotonie abdriftende Mitglied der hiesigen EP. Hinsichtlich seiner sphärischen Ausdrucksstärke kann das Ganze nichtsdestotrotz an seine Vorgänger heranreichen, wird dem Hörer hier doch keineswegs eine unspektakuläre Kaffefahrt geboten – allein dafür sorgen schon die herrlich düster-drückenden Basstöne, welche zunächst mit allerhand Effektwirren im Gepäck, im Laufe der Zeit aber auch in gelungener Kooperation mit schwelenden Tonflächenandeutungen ihre Vorbildfunktion unterstreichen. Nicht nur in den immer mal wieder eingeworfenen Kurzbreaks sind es die finsteren Schwaden aus Effekt- und Melodieflächenanbandlungen, welche das Stück mit ihrer Liebe fürs produktionstechnische Detail überaus überdurchschnittlich zu platzieren wissen, auch zusammen mit dem angemessen druckvoll nach vorn ausgerichteten Untergrund verdunkelt sich das Blickfeld des Hörer sichtlich gern. Insgesamt gesehen eine runde Sache, welcher ich meine beachtlichen 5,5/6 nicht verwehren möchte.
Nachdem sich die Macher des Melt!-Festivals in diesem Jahr für eine leicht abgeänderte Salamitaktik bei der Bekanntgabe ihrer Line-Up-Neuzugänge entschieden haben, darf sich der gemeine Festivalconnaisseur seit anderthalb Wochen nun jeden Freitag auf eine mal mehr, mal weniger breit aufgestellte Schar an neuen Namen für die Baggersause im Juli freuen. In die Riege der ersten illustren 15er-Ladung reihten sich dabei bereits solch gegensätzliche Pole wie die wunderbar düstere Synthieopulenz von Austra, Indielectro im Weirdo-Format, auf den man sich verlassen kann, von Yeasayer (zuletzt 2010 dabei), New-Wave-Romantik von Twin Shadow und klassische Singer/Songwriter-Klänge von Rufus Wainwright ein, während Seth Troxler und Tale Of Us die Fraktion heißgehandelter DJs erweiterten. Den unrühmlichen Casper hätte man dagegen guten Gewissens anderen Festivals als Publikumsmagnet überlassen können (das Splash! findet doch beispielsweise nur ein paar Tage zuvor in Ferropolis statt), auf das Melt! passt der Krächzer für meinen Geschmack schließlich nicht so wirklich. Die am vergangenen Freitag verlauteten Mathew Jonson, Jacques Lu Cont und Oliver Koletzki tun dies dafür umso mehr, ebenso wie Chairlift und Citizens! aus der anspruchsvollen Umgebung von Synthiepop oder die beiden reizenden Damen von Boy. Einen Headliner, der seinen auch redlich verdient, sehe ich, mal abgesehen von "Bloc Party", im bisherigen Line-Up zwar noch nicht, aber das kann ja noch werden. In dieser Hinsicht darf das ebenfalls von der Intro veranstaltete Berlin Festival, das vor ein paar Tagen Sigur Rós aus dem Ärmel schüttelte, von meiner Seite aus gern als Vorbild dienen...
Den vereinsintern höchsten Sieg in der Champions-League-Geschichte sowie 14 Tore in vier Tagen, davon sieben allein auf dem Konto eines angeblich so limitierten Abstaubertrefferkönigs, hatte ich nun wahrlich nicht erwartet, sodass der Balsam auf meine Bayernseele umso größer ist. Ausruhen sollten sich die Jungs darauf allerdings bitte nicht allzu lang, sondern besser in den nächsten wichtigen Spielen unter Beweis stellen, dass sie es auch auswärts nicht verlernt haben, überzeugende Dreier einzufahren. Für den Moment aber darf das Motto ganz unverblümt "Schweigen und genießen!" heißen...
Verzeiht mir, dass ich die gute Lana del Rey hiermit noch einmal aus den Irren und Wirren der Tracksrubrik-Versenkung emporzuhieven gedenke, aber nachdem ich vorhin per Zufall auf den großartigen Joris Voorn Edit von Video Games gestoßen bin, komme ich nicht drumherum, euch meine Begeisterung für die Überarbeitung des niederländischen House-Zeremonienmeisters, welche es übrigens auf seiner Soundcloudseite sogar nach wie vor kostenlos zu ergattern gibt, vorzuenthalten. Das Ganze schlägt zwar eine äußerst gediegen anzumutende Marschrichtung ein, in der sich die geschmeidig-opulenten Originalvocals sichtlich wohlfühlen, entwickelt sich dabei jedoch mit seinem wunderbar groovend gestalteten Untergrund mehr und mehr zu einem sphärisch gehaltvollen Zwitter aus Deep und Progressive House, welcher bereits zu Beginn eine seiner Stärken in subtiler Manier in den Vordergrund zu lenken weiß. Hierbei handelt es sich um niemand Geringeres als die melancholisch-verträumten Pianotupfer aus dem Original, welche als nachhallverliebter und stets im passenden Moment geloopter Melodiestrang langsam aber sicher aus dem Untergrund hervorlugen und im weiteren Verlauf in überzeugender Manier zum leicht schwerelosen Antriebselement des Stücks avancieren. Angereichert mit einer dezenten Effektauswahl sowie vereinzelten Andeutungen von Harfe und Streichern aus der bekannten Orchesteruntermalung pirscht sich der Track dann immer wieder in angenehm anschwellender Manier an zurückgelehnte Kurzbreaks heran, in welchen Lana del Rey ihre stimmliche Nonchalance unter Beweis stellen darf, ehe im Anschluss an das zweite Vocalintermezzo ein an die Pianotöne angelegtes Bassrumoren initiiert wird und die Kontraste im Folgenden in gelungener Art und Weise zu verschärfen versteht. Zudem verdichtet sich das Ganze während dieser Entwicklung fast unbemerkt, aber wahrhaftig effektiv und perfektioniert mehr und mehr das Nebeneinander von vocallastigen Breaks und instrumentalen Drummingparts in sphärischer Umgebung, bevor im letzten Drittel schließlich auch der Refrain endlich in das Geschehen eingreifen darf und sowohl in einem orchestral untermalten Break als auch mit folgender Drummingunterstützung überzeugend eingebunden wird. Noch deutlicher hervorgehoben gehören hierbei allerdings die herrlichen Alternativmelodieversatzstücke, welche Joris Voorn in sommerlich-verspielter Manier in seinen Edit einfügt, um diesen äußerst stimmungsvoll abzurunden - nicht umsonst wird diesen auf der Zielgeraden noch der rote Teppich für eine subtile Soloausflug auf dem groovenden Untergrund ausgerollt. Alles in allem muss ich auf jeden Fall gestehen, dass mein bisheriger Remixfavorit von Solarstone mit dem "Joris Voorn Edit" einen äußerst ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen hat, der mir dementsprechend auch mit nicht weniger als verdienten 5,5/6 den heimischen Bewertungskeller verlässt...
Bei ihrer Musik schlafen mir zwar regelmäßig die Füße ein, aber davon mal abgesehen - bei Katie Melua werd ich auf jeden Fall schwach...
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Collaborations: Oliver Lieb & Jimmy van M as The Audible Suspects
Mix-CDs, die von zwei unterschiedlichen Künstlern, Produzenten und/oder DJs zusammengestellt werden, sollten zwar mittlerweile nicht wirklich mehr als neue Erfindung durchgehen, da der gemeine Hörer in diesem Zusammenhang aber grundsätzlich davon ausgeht, dass er im Gesamtpaket dann auch in den Genuss von zwei unabhängig voneinander zusammengebastelten Mixen kommt, hat sich das stets umwerfende Label Bedrock Records jüngst einmal an eine alternative Herangehensweise gewagt. Für das unter dem schon recht wegweisenden Namen Collaborations fungierende Projekt konnten dabei zwei ziemlich erfahrene alte Hasen aus dem Fundus progressiver elektronischer Musik gewonnen werden, welche bereits seit etlichen Jahren eine transatlantische Freundschaft verbindet und somit beste Voraussetzungen mitbrachten, um in kooperierender Art und Weise möglicherweise sogar den mehr als gelungenen Beginn einer ganz frischen Mix-CD-Reihe zu markieren. Hinter den Audible Suspects als besagtem Zweiergespann hinter der hiesigen Mix-CD versteckt sich übrigens niemand Geringeres als der Frankfurter Ausnahmeproduzent Oliver Lieb sowie der amerikanische EDM-Strippenzieher Jimmy van M, welche nicht nur eine Vorliebe für die grazile Vermischung von Progressive House und Atmospheric Techno, sondern auch der gewisse Hang zu hypnotisch-trancigen Momenten im ursprünglichen Sinne eint. Im überzeugenden Einklang mit perkussiven Phasen und einer schmackhaft zusammenklamüserten Portion Groove lässt sich die sphärische Umgebung des Ganzen zwar als recht deep charakterisieren, knausert jedoch ebenfalls nicht, wenn es um die Generierung intensitätsreicher Melodiehöhepunkte geht. Oliver Lieb beschreibt die Maxime hinsichtlich seiner Trackauswahl recht treffend im Pressetext mit "Our collaboration is based on grooves and interesting sounds as well as melodies, that don't just aim for big commercial success but more for some exciting trippy development of audible space.", sodass Labelchef John Digweed vor Begeisterung kaum zurückzuhalten ist: "Jimmy and Oliver have delivered a futuristic mix that locks you into a groove and won’t let go. This is cool electronic house meets spacious techno." (Quelle). Mit solch illustren Namen wie Ryan Davis, Max Cooper, Phil Kieran, Lanny May, Thomas Muller oder den beiden Kuratoren selbst konnte in dieser Hinsicht wahrlich auch nicht allzu viel schiefgehen, wie die Hörproben der Ende Februar erschienenen Collaborations erahnen lassen...
01. Oliver Lieb – Epsilon Eridani [Reprise]
02. Oliver Lieb – Epsilon Eridani [Davide Cali Remix]
03. Ray Kajioka – Origins [Jimmy van M Remix]
04. Thomas Muller – One Hit One Night
05. Pele & Findling – Deep Sea
06. Mono Electric Orchestra – Blunt Force Trauma [Max Cooper Remix]
07. D. Diggler – Weed
08. Daso – Rolling For The Mix
09. Lanny May – Soft Light Turns On
10. SF FM – The Depths
11. Ryan Davis – Satellite
12. Phil Kieran – Rocket Science Part 2
13. Joel Mull – Constant Crescendo
14. Phil Kieran & Green Velvet – Rocket Yourself
15. Digital Mess – Open The Box
16. Sascha Walter – Glastank [Tobias Felbermayr Remix]
17. Oliver Lieb – Helios
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Thomas Smith "Retina scan"
Was lange währt, wird endlich gut – auf keine Veröffentlichungspolitik treffen diese Worte besser zu als auf diejenige des von vielen Seiten heißersehnten Debüttrackmonstrums eines gewissen Thomas Smith, da spendiere ich auch dem Phrasenschwein äußerst gern mal wieder einen verdienten kleinen Obolus. Hinter besagtem Allerweltsnamen-Pseudonym versteckt sich übrigens anscheinend kein Geringerer als einer der kreativsten Köpfe im stets weitzufassenden Bereich progressiver elektronischer Tanzmusik. Wenn ich nun noch halbwegs beiläufig anmerke, dass das Stück, um das es im Folgenden gehen soll, vor wenigen Tagen auf dem im letzten Jahr von besagtem Ausnahmeproduzenten neu gegründeten Label Last Night On Earth erschienen ist, auf dem selbiger vor einem halben Jahr mit einem fulminanten Vocaltrack namens „Cut Me Down“ auch seine zwischenzeitlich eingelegte Produktionsabstinenz beendete, dann sollte sicherlich spätestens jetzt auch dem Letzten aufgegangen sein, dass ich selbstverständlich von Alexander Paul Coe alias Sasha fabuliere. Durch seine Sets geisterte Retina Scan, so der Titel des atmosphärischen Klickertrips für die ganz großen Tellerrandmomente, auf jeden Fall seit mehr als nur geraumer Zeit, hat meine Wenigkeit den herausragenden Track doch schon im vergangenen Frühjahr mit allem Drum und Dran lieben gelernt und dementsprechend bereits in den favorisierten Zehn vom Mai 2011 verankert (ich habe ausdrücklich für euch nachgeschaut). Nun aber schnellstens den elendig-staubigen Vorhang gelüftet, wir haben schließlich mittlerweile lang genug vor verschlossenen Türen (im Westfälischen auch: „vor zuen Türen“) verharrt…
Der Original Mix, der im Netz auch als „Cheefroberts Edit“ sein Unwesen treibt, geht jedenfalls von Beginn an keine Kompromisse ein und bereit der gemeinen Hörerschaft derweil ein von vorn bis hinten von zirpenden, schlackernden und klickernden Elementen und Effekten gesäumtes Drumming, welches nur so sprüht vor Detailverliebtheit und Spielfreude. Angetrieben wird das Klangsammelsurium dabei von einem schön monoton gehaltenen Basstonschwingen, welches sich auch von alsbald hinzugewonnen, ersten Melodieanleihen nicht wirklich aus seiner Ruhe bringen lässt und bis zum Schlusspunkt des Tracks seiner Rolle als repetitive Basis im Sinne eines bodenständigen Gegenpol zu den mittlerweile mehr und mehr ausfransenden Tonfolgenbögen mehr als gerecht wird. Im Gegenzug macht das Ganze in diesem Zusammenhang vor allen Dingen auch in sphärischer Hinsicht nachhaltige Fortschritte, wenn sich zum anfänglich in Solomanier auftretenden Tonsplittern die Schar an mystisch anmutenden Alternativflächeneinwürfen peu à peu dezent zu verdichten und das Ganze in überaus erfolgreicher Manier irgendwo an der grünen Grenze zwischen Zwielicht und Geheimniskrämerei anzusiedeln weiß. Aus den sporadischen Flächeneinschüben entwickelt sich hierbei zudem immer markanter eine ganz eigene Melodielinie, welche sich auch im anstehenden Break zunächst noch in mehr als ansprechender Art und Weise gegenüber einem anschwellenden Effektbecken behaupten kann, ehe letzteres sich im Folgenden dann doch zu übermächtig aufplustert und die Melodietöne kurzzeitig in Form einer wahrhaftigen Lawine überrollt. Wie ihr Vorbild in der Natur ist ihr Wirken allerdings nur von kurzer Dauer, sodass die glücklicherweise unverletzt gebliebene Melodieebene sich im Anschluss langsam aber sicher aus dem Effektschwitzkasten befreien kann und in Kooperation mit dem ebenfalls wieder angeworfenen Untergrund den nächsten sphärischen Intensitätsschub anpeilt. Setzt sich das Drumming dann erneut in vollem feinsinnig-klickernden Umfang in Szene, werden die für einige Augenblicke nach den Sternen gegriffenen Flächenstücke zwar zunächst nicht mitgenommen, sind allerdings in galant-progressiver Manier im weiteren Verlauf fraglos in der Lage, sich aus dem Hintergrund wieder an die Spitze des hiesigen Feldes zu arbeiten und ein letztes Mal Tonsplitter, Flächeneinwürfe und Klickerarmada zu einem leicht anschwellenden, stets wunderbar mystisch umwehten Klangteppich zu formen. Alles in allem eine herrlich hypnotische Angelegenheit, die mich mit ihren kreativen Gelüsten seit dem ersten Hören in den Bann zieht und dementsprechend keine Scheu besitzt, die hochachtungsvollen 6/6 aus meinem Bewertungskeller hervorzulocken.
Die zwei ebenfalls zum Paket der EP gehörenden Remixarbeiten sind dann meines Erachtens in keinster Weise imstande, dem glorreichen Original auch nur auf einer einzigen Ebene anhaltend Paroli bieten zu können und entpuppen sich somit ausschließlich als schmückendes Beiwerk. Der SCB Edit des britischen Wahlberliners Scuba beispielsweise verliert sich in unterkühlten technoiden Gefilden, in denen die Konzentration auf Fragmenten des bekannten Klicker- und Effektimperiums liegt. Trotz nicht vorhandener Melodieanbandlungen schleicht sich die atmosphärische Komponente zwar in undurchsichtigen Schlieren durch das betont düster gehaltene Ambiente, zehrt in diesem Zusammenhang aber mehr von der Verspultheit der eingesetzten Klangspuren als von intensiven Klangmustern. Im Anthea Scholtz Delayed Remix wird dem Originalthema hingegen ein wesentlich deeper sowie unaufgeregter gestalteter Überhang übergeworfen, sodass die bekannten Melodielinien nun deutlich reduzierter auftreten und in Form verschleierter Toneinsätze eher im Hintergrund als an vorderster Front ihre Erfüllung finden. Düster grummelndes, aber subtil zurückgenommenes Basslinewummern begleitet die Überarbeitung dabei wunderbar unprätentiös und sorgt für eine angenehme Kontrastverschärfung, welche wohl vor allen Dingen zu vorgerückter Stunde ihr deepness-geschwängertes Potenzial am besten abzurufen vermag.
Andain "Much too much"
Entpuppte sich bereits die Vorgängersingle Promises als überaus gehaltvoller Vorgeschmack auf das in diesem Frühjahr zu erwartende Debütalbum von Andain, so geht Much Too Much gleich noch einen Schritt weiter und serviert der gemeinen Hörerschaft anspruchsvolle elektronische Popmusik vom Feinsten, welche glücklicherweise auch erst gar nicht versucht, ihre Amibitionen in dieser Richtung zu verstecken, sondern sie entspannt und offen auslebt. Dementsprechend erwarte ich auch gar keine lyrischen Höchstleistungen, sondern genieße vielmehr das vom alten Haudegen Josh Gabriel wunderbar atmosphärisch austarierte Zusammenspiel zwischen der mit viel Liebe fürs Detail versehenen Klanglandschaft und der glasklar-verträumten Stimme von Mavie Marcos, die im verlinkten Video auch optisch nicht zu verachten ist. In der Rhythmusfraktion schwingen dabei zwar einige Dubstep-Referenzen mit, wissen sich jedoch gekonnt mit ambienten Avancen zu vermischen, während eine herrlich tänzelnd geratene Bassline den düster groovenden Untergrund als angenehm wahrgenommenen Gegenpol zu den immer wieder leicht melancholisch schmachtenden Vocals etabliert. Trancig anmutende Flächenwellen und Stakkatotöne sorgen indes für die gelungene sphärische Verdichtung des Ganzen, welche im Mittelteil schließlich in einem energetischen Break gipfelt, in dem sich Vocals und Melodieelemente schwebenderweise mehr und mehr gen Höhepunkt anstacheln, ehe dort das nun etwas vertrackter auftrende Drumming das Regiment übernimmt und in kontrastreich-perkussiver Manier nach vorn giert. In Kooperation mit elektroidem Basswabern spielt sich das Ganze hierbei irgendwo im kreativen Grenzbereich zwischen Drum & Bass und Post Dubstep ab, gönnt sich im weiteren Verlauf allerdings auch schnell wieder das stimmungsvolle Paket aus trancigen Melodiezungen, wärmender Flächenuntermalung und der besonderen Stimme von Madame Marcos, bevor im Outro auch der Bassline noch eine subtile Solofahrt zugestanden wird. Alles in allem eine mehr als gelungene neue Andain-Single, die mich definitiv gespannt auf das kommende Album warten lässt und summa summarum nicht weniger als überdurchschnittliche 5,25/6 einheimst - wer ein Faible für zeitlos schöne elektronische Popmusik mit dem gewissen Etwas hat, sollte hier unbedingt einmal seine beiden Lauscher aufsperren.
Ebenfalls nicht von schlechten Eltern zeigen sich im Anschluss die Remixbeigaben, welche für Black-Hole-Verhältnisse meines Erachtens schon recht experimentell geraten sind, war das Label doch bisher nicht wirklich für seine unverblümten Präferenzen aus dem Bereich Drum & Bass bekannt. In besonderem Maße hat es mir dabei auf jeden Fall - ebenso wie dem Martin - der Rido Remix angetan, welcher sich vor allen Dingen durch das friedliche sowie überaus spannende Nebeneinander von zurückgelehnten Dubstep-Phasen, in denen Vocals und Melodieelemente sich in bekannter Manier die sphärische Klinke in die Hand geben, und herrlich breakbeatlastigen Abgeh-Epsioden in bester 90er-Jungle-Manier hervortut. Garniert mit der nötigen Portion zwielichtiger Effekte, flexibel mäandrierenden Basslineverrenkungen und schwurbelnden Alternativtoneinwürfen scheinen auch die Vocals im Verlauf dieser Überarbeitung immer mehr Gefallen an der Neuausrichtung des Untergrunds zu finden und lassen das Ganze schlussendlich in der Nähe überaus verdienter 5,75/6 Platz nehmen. Der Relay & Front Remix wiederum wurzelt deutlich tiefer in klassischen Liquid-Funk-Gefilden und macht das Originalthema dabei mit einer wesentlich größeren Alternativelementeschar bekannt, mit welcher er sich mehr und mehr in sommerlichen Gestaden einquartiert. Die Vielzahl an entspannten Gitarrenklängen, Pianotönen und Flächenstücken spricht in diesem Zusammenhang eine eindeutige Sprache, lässt das Ganze allerdings auch immer mal wieder knapp an der Belanglosigkeisgrenze vorbeischrammen. Viel Wert auf eine offensive Ausrichtung legt dann der Shreddward & Exceed Remix, welcher sich in seinem Dubstep/D&B-Konglomerat einige quietschende Bigroom-Eskapaden gönnt, die sich zwar nicht unbedingt mit der sphärischen Eleganz der Vocals vertragen und für meinen Geschmack teilweise etwas zu sehr dem polarisierenden Skrillex nacheifern, im hiesigen Paket aber immerhin mit dem Freak-Faktor auf sich aufmerksam machen können. Das passende Kontrastprogramm liefert schussendlich noch der Zetandel Chill Mix ab, welcher seine Intention nicht nur bereits im Namen offenbart, sondern die im Vergleich zum Original etwas reduzierter auftrenden Vocals auch mit einem verträumten Klangfarbenteppich sowie einem zurückhaltenden Ambient-Untergrund in überzeugend sphärischer Manier auffängt. Ecken und Kanten fehlen hier dementsprechend allerdings an allen Ecken und Enden...
Eure Top 10: Februar 2012
Mein Februar-mit-Schalttag-Favoritenzehner mit folgender Aufstellung:
+01- Guy J - Pathos --- Sudbeat
-02+ Mono Electric Orchestra - Blunt Force Trauma [Max Cooper Remix] --- Manual Music
+03- Ticon - Nefertiti --- Baroque Records
-04+ Minilogue - Drop The Mask Of Self Protection [Rodskeez Remix] --- Traum Schallplatten
+05- Glenn Morrison & Matt Lange - Bowed --- Morrison Recordings
-06+ Alessandro Diga - Winter Blues --- Lowendcommunity
+07- Gavin Herlihy - Witching Hour --- Crosstown Rebels
-08+ Gai Barone - The Bloque --- Afterglow
+09- Guy J - High [Marc Marzenit Remix] --- Sudbeat
-10+ Petar Dundov - Stairway --- Music Man Records
Mono Electric Orchestra "Blunt Force Trauma"
Und erneut eine ausgezeichnete Veröffentlichung auf dem niederländischen Label Manual Music, welches unter der Obhut von Paul Hazendonk mehr und mehr in die Riege meiner favorisierten Digital-EP-Lieferanten hervorzudringen imstande ist. Hinter dem recht undurchsichtigen Projektnamen Mono Electric Orchestra steckt dabei übrigens der Brite Barry Jamieson, welcher dem ein oder anderen möglicherweise bereits als Wegbegleiter, Remixer und Koproduzent von Sasha und Charlie May untergekommen sein könnte, maßgeblich am Produktionsprozess der legendären „Involver“-Reihe beteiligt war und die Feuertaufe seines neuen Pseudonyms mit der vorliegenden Debüt-EP mit größtmöglicher Leichtigkeit besteht.
In sphärischer Hinsicht wird der geneigten Hörerschaft dagegen alles andere Schonkost serviert, entpuppt sich doch beispielsweise schon der Titeltrack Blunt Force Trauma als überaus düster gewandetes Downtempo-Epos, bei welchem auch die Bedeutung des Tracknamens nicht wirklich für positive Gedanken sorgen kann. Den Anfang macht dabei ein zwielichtig in Deepness badendes Intro, welches langsam aber sicher einige schattige Basslinetöne aus einer dezent arrangierten Auswahl an futuristischen Klangstücken erwachsen und im weiteren Verlauf mit spannend brodelnden Synthiebasseinwürfen, welche sich nicht nur etwas elektroider beeinflusst zeigen, sondern auch noch mit erheblich mehr Tiefgang ausgestattet sind, zusammenkommen sieht. Dies schlägt sich selbstverständlich sogleich in einer Intensitätssteigerung der schwarzsehenden Atmosphärenwolke nieder, sodass nun definitiv die überzeugende Basis für die Vorhaben der hiesigen Melodieebene geschaffen scheint, zugleich verhuschte Tonfolgenfragmente, angsteinflößende Stimmenflächen sowie unruhiges Tonflirren in angenehm subtil anschwellender Manier in den Track zu integrieren. Antworten die markanten Basstöne dieser Entwicklung dann passenderweise noch mit verstärktem Echoeinsatz, steht der Apokalypse alsbald nichts mehr im Wege, vermutet der gemeine Hörer, wenn auch immer wieder vereinzelte Hoffnungsschimmer in Form schemenhafter Nebelflächen durch die Szenerie wandern und die Schar des flirrenden Melodieflüsterns im Hintergrund gleichzeitig zunehmend verdichteter auf den Plan tritt. Letzterer Melodieschub gerät dabei derart einflussreich, dass die Basstöne zunehmend ihre düsteren Felle davonschwimmen sehen und sich schlussendlich sogar dazu genötigt sehen, endgültig die weiße Fahne zu schwenken, sodass das Ganze einen leicht versöhnlicheren Abschluss mit der Welt auf die Bühne legen kann. Alles in allem eine äußerst vielschichtige Dark-Ambient-Angelegenheit, welcher ich meine achtbaren 5,25/6 keinesfalls vorenthalten möchte.
Der Max Cooper Remix dieses grusligen Spektakels ist im Anschluss zwar nicht minder dunkelheitsbehaftet zu charakterisieren, verfrachtet die allumfassende Düsternis des Originals jedoch in eines dieser wunderbar minimalistisch inspirierten Atmospheric-Techno-Glanzstücke, für welche sich der britische Ausnahmeproduzent mittlerweile mehr als nur einen guten Namen gemacht hat. Dabei werden bereits in den ersten Momenten des Stücks auf einer schön knochentrocken geratenen Kickdrum die ersten Effekt- und Tonandeutungen im Dienste der sphärischen Komponente eingeflochten, ehe das kommende Kurzbreak es sich nicht nehmen lässt, die bekannten Synthiebasstöne in all ihrer charakteristischen Dramatik auch in der hiesigen Überarbeitung nachhaltig zu verankern. Umrandet von Fragmenten der ebenfalls dem Original entlehnten Stimmenflächen sowie mit viel Liebe für das produktionstechnische Detail hinzugefügten Klicker- und Zischeffekten interpretiert das Ganze seine Rolle als Herausforderer des Originals im weiteren Verlauf immer ernster, wobei ihm desweiteren vor allen Dingen sein ungemein progressiv geplanter Fortlauf der Dinge zugute kommt, da just in dem Moment im Anschluss an das nächste überaus morbid inszenierte Break, in dem die kritische Hörerschaft keine großartige Veränderungsbereitschaft im hiesigen Stück mehr erwartet, die Stimmenflächen sich mehr und mehr aus dem zwielichtigen Dickicht des Untergrunds befreien können und eine herrlich mystische Alternativmelodieabrundung heraufbeschwören. Die Hauptrolle übernimmt hierbei eine wunderbar tröpfelnd geratene Tonansammlung à la Cooper, welche sich zusammen mit hellen Flächenfragmenten der Übermacht der omnipräsenten Dunkelheit stellt und ein mehr als gelungen zu bezeichnendes, vom Kontrastreichtum lebendes Atmosphärenfinale zelebrieren, bevor das Ganze sich recht flott, aber dennoch angenehm dezent zurückzubauen pflegt. Summa summarum mal wieder ein absoluter Leckerbissen für alle Cooper-Sympathisanten wie mich, der mir nicht unter verdächtig nah an der vollen Punktzahl schnuppernden 5,75/6 die Hütte verlässt…
Für Lunar Cycle als Dritten im Bunde hat sich dann auch das Mono Electric Orchestra aus den zuvor vorherrschenden Downtempo-Gefilden herauskatapultiert und präsentiert der geneigten Hörerschaft ein im innovationsfreudigen Grenzbereich zwischen Progressive House und Atmospheric Techno angesiedelten Track erster sphärischer Güte. Als Herzstück des Ganzen fungiert dabei eine interessant über Stock und Stein stolpernde Bassline in äußerst enger Kombination mit einer druckvoll inszenierten Kickdrum, welche in trauter Zweisamkeit bereits zu Beginn die Aufmerksamkeit mit ihren flexiblen Groovebewegungen um sich zu scharen wissen und zudem im weiteren Verlauf auch nicht vor leicht hektisch vorgetragenen Ausflügen in die oberen Etagen des Stücks zurückschrecken. Hierbei verstärkt sich nicht zu Unrecht mehr und mehr der Eindruck, dass sich aus dieser spannenden Entwicklung in Zusammenarbeit mit dezenter Hintergrundflächenarbeit die ersten Melodielinienfragmente erheben können und der Hörer somit der komplizierten Geburt solch sphärischer Geschöpfe mit dem gewissen Etwas nie näher beiwohnen durfte. Die sich anbahnenden Synthietöne selbst entpuppen sich zwar zunächst noch – wer könnte es ihnen verdenken – als recht verspielt, dem Untergrund des hiesigen Basslinekonglomerats entweicht im weiteren Verlauf allerdings zunehmend eine deutlich geheimnisvoller zu beschreibende Flächenuntermalung, welche den Track mit wachsendem Einfluss gehaltvoll zu verdichten weiß, ehe das Ganze sich im Mittelteil wieder etwas reduzierter zeigt und damit wieder den Basstönen mehr Raum für ihre schlingernden Experimente gönnt. Diese Phase ist jedoch nur von kurzer Dauer, zögern die verspielten Synthietöne doch im weiteren Verlauf nicht, die intensitätsreiche Flächenuntermalung aus ihrer im passenden Moment eingelegten Kunstpause erneut hervorzulocken, um den Track ein leider bereits letztes Mal in umwerfend mystischer Düsternis aufgehen zu lassen. Insgesamt gesehen haben wir es daher hier auf jeden Fall mit einem weiteren unmissverständlichen Qualitätsmerkmal der EP zu tun, welches sich mit imho verdienten 5,5/6 punktetechnisch genau zwischen seinen beiden Vorgängern einreiht.
Wie stets in den ersten Monaten eines jeden Jahres rumort es unter den Festivalveranstaltern nicht nur dieses Landes derzeit ganz gewaltig, wollen doch nicht nur die ersten Bestätigungen für den noch weit entfernten Sommer verkündet, sondern auch die vielfältigen Erwartungen geneigter Festivalgänger gleichermaßen erfüllt und durchkreuzt sowie diverse Werbetrommeln geschwungen werden. Auch die einzige Freiluftveranstaltung dieser Gattung, welche mit einer immer wieder aufs Neue eindrucksvollen Schaufelradbaggerkulisse aufwarten kann und von Andru und meiner Wenigkeit bereits in den Ausgaben von 2008 bis 2010 in bester Erinnerung geblieben ist, gibt sich in dieser Hinsicht selbstverständlich keine Blöße, sodass in diesen Tagen die ersten Namen für das diesjährige Melt! Festival durch die unendlichen Weiten des Netzes geistern durften. Im Vergleich zum letztjährigen Eröffnungsschub an Künstlerinnen und Künstlern zeigt sich selbiger in 2012 zwar deutlich gitarrenlastiger, muss sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, dass auf viel „Altbewährtes“ zurückgegriffen wird. Nichtsdestotrotz versteckt sich dahinter, wie man es in der Grassavanne Sachsen Anhalts Mitte Juli gewohnt ist, immer noch eine für meinen Geschmack überaus bunte Schar spannender sowie vielversprechender Bands wie die großartigerweise wieder in voller Eintracht badenden Bloc Party (zuletzt 2009 dabei), der großartig verspulte und live unschlagbare Caribou (zuletzt 2009 dabei), die stets einen Indie-Knaller nach dem nächsten auspackenden Two Door Cinema Club (zuletzt 2010 dabei), die seit ihrer letzten Melt!-Beehrung im Jahre 2009 mit Popularität nur so übergossenen Gossip, Deutschlands akrobatischster Poplyriker Peter Licht (zuletzt 2008 dabei), die live ebenfalls überaus famosen Indie-Lieblinge von The Whitest Boy Alive (zuletzt 2009 dabei) und die Post-Punk-Disco-Kombo von The Rapture. Deutlicher zwischen den Stühlen befindet sich da schon die Franzosenfraktion um Justice und M83, wobei sich letzteres Projekt wohl eher um die hymnischen Momente bemühen und den beiden gerechtigkeitssuchenden Ed-Banger-DJs das Feld fürs kollektive Ausflippen vor der Bühne überlassen wird. Die elektronische Seite des Ganzen soll hier jedoch keinesfalls gänzlich unterschlagen werden, stehen doch auch hier solch illustre Namen wie Synthiediscoplatten-Spezialist Todd Terje, Dubstep-Urgestein Benga, der exzeptionelle Houselieferant Laurent Garnier sowie die Stammgäste Modeselektor, welche mittlerweile sogar eine eigene Bühne kuratieren, und Ellen Allien auf der Haben-Seite. Für alle Tellerrandfanatiker mit dem unmissverständlichen Hang zu Indie-Gitarren sollte auf jeden Fall bereits dieser Vorgeschmack auf das peu à peu in den nächsten Monaten mit weiteren interessanten Bands, DJs, Liveacts und Solokünstlern zu vervollständigende Line-Up für die Ferropolis-Halbinsel im Gremminer See die Vorfreude auf den kommenden Sommer gehörig anheizen…
Vorläufiges Line-Up [Stand: 24.3.2012]
AraabMuzik | Austra | Benga live | Adam Beyer | Bloc Party | The Bloody Beetroots DJ Set | Boy | Brandt Brauer Frick | Brodinski | Buraka Som Sistema | Caribou | Casper | The Cast Of Cheers | Chairlift | Citizens! | Claude VonStroke | Dave Clarke | Maya Jane Coles | Destroyer | Dillon | Dixon | Elektro Guzzi | Ellen Allien | Floating Points | Flux Pavilion | Frittenbude | Gaslamp Killer | Gesaffelstein live | Gossip | Douglas Greed | I Heart Sharks | Jacques Lu Cont | The Jezabels | John Talabot live & DJ Set | Justice | Mathias Kaden | Lana del Rey | Laurent Garnier | Lazer Sword | Little Boots | M83 | Mathew Jonson live | Modeselektor | Hudson Mohawke | Monkey Maffia | Mouse On Mars | Joel Mull | Nero | Niki & The Dove | Oliver Koletzki | Peter Licht | Plan B | Pollyester | The Rapture | Richie Hawtin | Riton | Rustie | Schlachthofbronx | SebastiAn live | Sebo K | Seth Troxler | Shed | Squarepusher | Steffi | Switch | Tale Of Us | Tobias live | Todd Terje | Twin Shadow | Two Door Cinema Club | Vondelpark | Rufus Wainwright | The War On Drugs | Jessie Ware | The Whitest Boy Alive | Willy Moon | Yeasayer | Zedd
Wie im Vorjahr wird es auch heuer wieder nur Tickets für das komplette 3-Tage-Programm geben, wobei die Preissteigerung sich diesmal auf 6 Euro gegenüber 2011 sowie unschlagbaren 25 Euro gegenüber meinem 2008er-Ticket beläuft. Wo soll das nur hinführen…!?
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Gai Barone "Alicudi / The Bloque"
Gai Barone ist in der Tat eines der heißesten Eisen, welches das stets empfehlenswerte Label Afterglow seit geraumer Zeit im Feuer hat, versteht es der italienische Produzent doch immer wieder, angenehm innovative Fußspuren in äußerst nachhaltiger Art und Weise im Vielvölkerstaat zwischen trancigen, progressiven und technoiden Einflüssen zu hinterlassen. Ein weiteres Qualitätsmerkmal seiner Tracks besteht darin, dass diese – wie es bei vielen anderen Künstler meines Erachtens leider nicht oft genug der Fall ist – im Voraus nie auszurechnen sind: Eine feinst deep veranlagte Progressive-Klangreise könnte den gemeinen Hörer schließlich ebenso erwarten wie euphorische Trance-Momente mit dem gewissen Etwas, weitab von konventionellem Bigroom-Geseier…
Alicudi in Anlehnung an eine gleichnamige kleine Vulkaninsel vor der Nordküste Siziliens gehört in diesem Zusammenhang eher zur zweiten Kategorie, wobei das gute Stück im Hinblick auf Instrumentierung und Spannungsaufbau zwar nicht zu überhörende Reminiszenzen an solch herausragende Pryda-Tracks wie „Melo“ oder „Emos“ in sich birgt, diese jedoch mit genug eigenen Ideen versieht, sodass ein womöglich durch den Raum geisternder Abklatsch-Vorwurf schnell ad acta gelegt werden kann. Die Vielfalt der hiesigen Melodieebene zeigt sich bereits im Intro von ihrer Schokoladenseite, wenn zur noch in Watte gepackten Kickdrum langsam aber sicher ein flächig schimmerndes Tonkonglomerat aus dem Hintergrund emporklettert, mehr und mehr zu einem brodelnden Klangteppich avanciert und schlussendlich zusammen mit einer elektroid inspirierten Synthiefläche den Drummingaufbau initiiert. Die Melodiefragmente lassen sich davon jedoch keinesfalls einschüchtern, sondern schicken sogleich im Gegenzug lieber züngelnde Tonspitzen in den Mittelpunkt des Geschehens, während sich im Untergrund zunehmend leicht düster grummelnder Basslinewand-Einfluss bemerkbar macht und vor allen Dingen ab einem in patenter Manier anschwellenden Kurzbreak die Kontraste zu den warmen Klangfarben der Melodieversatzstücke gekonnt verschärft. Wie in dieser Formation unschwer zu erkennen ist, zelebriert der Track nun immer deutlicher seine Vorliebe für wohl durchdachten Progressive Trance, bevor sich im weiteren Verlauf der wunderbar fließend geratene Übergang in das nächste Break ankündigt, welches mittels allerhand dezent anschwellender Effektwellen auf seinem ersten Höhepunkt zunächst einmal schön in sich zusammenfällt und in einen Augenblick der Stille mündet. Mit Hilfe dieses Stilmittels kann sich die geneigte Hörerschaft im Folgenden dann ganz und gar auf die herrlich melancholischen Flächenmelodien konzentrieren, welche alsbald aus ihrem Winterschlaf erwachen und in Kooperation mit choralen Flächenstücken und schlingernden Effekthappen mehr und mehr Epik verbreiten. Das Ganze ist mit weiteren flächigen Intensitätsverstärkungen kurz davor, zu dick aufzutragen, da taucht unvermittelt eine grundsolide rollende Bassline auf und bringt der versammelten Melodieebene nicht nur den Groove bei, sondern lenkt die sphärische Arbeit auch noch in überzeugender Manier in weniger hochtrabende Gefilde. Mit dieser entscheidenden Änderung im Gepäck stellt es anschließend ein Leichtes dar, die omnipräsenten Flächen vor dem Übergang in die kommende Drummingphase fachgemäß zu dekonstruieren und warmherzig-verträumten Fragmenten das Melodieregiment anzuvertrauen. Angetrieben von den druckvoll stakkatierten Basstönen sowie einem stetig verdichteten Untergrund wird das Stück mit dieser letzten melodieseligen Phase mehr als gelungen abgerundet, ehe das Ganze im fließenden Übergang zum Outro wieder zur Ruhe kommt und schließlich sehenswerte 5,25/6 etwas genauer in Anschein nehmen kann. Summa summarum Trance mit Herz und Seele, der sogar meine Wenigkeit noch hinter dem Ofen hervorlocken kann.
The Bloque dagegen beschreitet dann einen deutlich technoider sowie experimenteller zu charakterisierenden Weg, auf welchem jedoch entgegen des Tracktitels keineswegs der Fehler gemacht wird, gegen jegliche sphärische Annäherungen eine Blockadehaltung an den Tag zu legen. Nichtsdestotrotz ist dem Stück anzumerken, dass die melodischen Finessen hier eine gesunde Portion minimalistischer die hauseigenen Gehörgänge ansteuern, in ihrer dunkelheitsaffinen Machart allerdings kaum minder erfolgreich den Intensitätspegel des Stücks über etwas mehr als zehn spannungsreiche Minuten konstant hochzuhalten wissen. Als Basis dient dem Ganzen dabei ein klickernd angereichertes Drumming, welches aus dem äußerst unruhigen Hintergrund heraus ständig mit verschiedensten Effekt-, Ton- oder Basslinefetzen konfrontiert wird und diese mittels einer wunderbar detailverliebten Produktionsweise eindrucksvoll in die überaus deep zu beschreibende Szenerie hineinwebt. Der betont progressive Fortlauf der Dinge mag auf den ein oder anderen zwar etwas zu verspult wirken, meine Wenigkeit fühlt sich von solch undurchschaubar zwielichtigen Tracks allerdings stets mehr als nur angezogen – wenn dann auch noch feinsinnig arrangierte Kurzbreaks mit irrlichternden Friedhofsflächentönen oder acidlastigen Anschwellaktionen mit von der Partie sind, umso besser! In besonderem Maß hat es mir da das mittig eingelegte Break angetan, welches nach zahlreichen verschwurbelten Acidspielereien für einige Momente eine wunderbar melancholisch agierende Tonfolge anzulocken imstande ist, bevor das Ganze mit schummrigen Effekten erneut in tiefste morbide Düsternis abdriftet und mir zeitweise mit seiner organischen Effektwahl sogar das ungute Gefühl vermittelt, dass meine Gänsehaut einzig und allein von einer Schar unterschiedlichster Spinnentiere, die über meinen Rücken kreucht und fleucht, zu verantworten ist. Alles in allem eine mehr als nur willkommene Abwechslung zum positiv konnotierten Vorgängertrack, welche mich in ihrer deepen Stringenz noch etwas mehr zu überzeugen vermag und dementsprechend mit nicht weniger als verdienten 5,5/6 den Heimweg antreten darf.
Herrlich winterliches Synthiepopgemälde, die Dame muss ich mir für 2012 merken!
Ticon "Costa Rica / Nefertiti"
Auf Filip Mårdberg und Fredrik Gilenholt, besser bekannt unter ihrem Produktionspseudonym Ticon, bin ich zwar erst vor anderthalb Jahren im hiesigen Forum gestoßen, die beiden Schweden machen jedoch bereits deutlich länger gemeinsame Sache im Zeichen der geschickten Vermählung von progressiven, trancigen und technoiden Versatzstücken. Die musikalischen Ursprünge der beiden Skandinavier liegen dennoch irgendwo im Nischenbereich des guten alten Psy Trance, wobei selbst der geübte Hörer beim aktuellen Two-Tracker seine Lauscher schon arg weit aufsperren muss, um derartige Einflüsse noch erkennen zu können. Die Ende Januar auf Baroque Records erschienene EP hat sich schließlich uneindeutig äußerst zeitlosem Progressive House anvertraut, um diesen mit dem aus jahrelanger (Trance-)Erfahrung angereicherten passenden Händchen für das gewisse Etwas an Melodieausflügen sowie einer gesunden Portion Minimalismus zu versehen. Dass das Ganze dann auch noch in zwei angenehm unterschiedliche Track-Charaktere mündet, dürfte sicherlich nicht nur meine Wenigkeit recht schnell aus dem Schneckenhäuschen locken…
Die Hommage an Costa Rica auf der digitalen A-Seite bedient sich hierbei vor allen Dingen an dem bekanntlich stets reich bestückten Fundus an groovenden Basslinien, um sein tänzelndes Drumming signifikant aufzuwerten und als Anziehungspunkt für melodische Feinheiten zu etablieren. Zuvor liegt das Hauptaugenmerk jedoch noch auf der dezenten Einarbeitung klickernder Effekteinwürfe sowie sporadischer Hintergrundflächenfragmente, bevor ein erstes Kurzbreak schließlich besagte Bassschlenker galant aus dem Untergrund schält und mitsamt der gelungenen Anschwellaktion einer nervösen Flächenwelle den Einsatz eines Intensitätsmessgeräts sinnvoll erscheinen lässt. In Kooperation mit dem wieder deutlich reduzierter auftretenden Drumming steht dann im Anschluss einer mehr als einladenden Groove-Solofahrt der Bassline nichts mehr im Wege, wobei angemerkt werden muss, dass dieser Zustand nicht allzu lang anhält, werben doch im weiteren Verlauf nicht nur die bekannten Flächenfragmente, sondern auch immer wieder eingeworfene, leicht schräg angesetzte Synthiespitzen und sphärisch schimmernde Toneffekte um die angestrebte Gunst der Begleitung. Die Bassline zeigt sich von diesem Geschehen zwar zunächst weitgehend unbeeindruckt, begutachtet die Vielfalt der Melodieelemente, zu der sich mittlerweile auch verspielte, alternative Synthiemelodietöne sowie kurzzeitig eine weitere flächige Anschwellaktion gesellen, jedoch mit wachsendem Interesse, sodass sich das Zusammenspiel der beiden Pole zunehmend in der Ausdruckskraft der hiesigen, recht frühlingshaft anmutenden Atmosphäre positiv niederschlägt. Ein anstehendes Break nimmt dann zwar etwas Fahrt aus dem Geschehen und die Bassline für einige Momente in Gewahrsam, sodass sich Klickereffekte, Hintergrundfläche und Synthietoneinspieler in lockerem Beisammensein die Bälle zuspielen können, die alsbald nahende Anschwellaktion der Flächen provoziert allerdings schnell einen im Vergleich zur ersten Unterbrechung überaus ähnlichen Fortgang der Dinge. Den Beginn macht dabei ein erneuter Soloausflug der Bassline auf reduziertem Drumminggelände, bevor sich das Ganze im Folgenden in angenehm progressiver Manier wieder Element um Element zusammenfindet, um die kritische Hörerschaft mit einer letzten, gut sortierten Mischung Wohlfühlmomente zu verwöhnen. Da dies jedoch zu keinem Zeitpunkt allzu klischeebehaftet oder holzhammerbeschwert vonstatten geht, möchte ich den Track summa summarum trotz ausbaufähigeren Mitwirkens von Ecken und Kanten mit nicht weniger als überdurchschnittlichen 5/6 entlohnen.
Das zweite Stück der EP, welches auf den Namen Nefertiti (die im Ausland gebräuchliche Bezeichnung der Nofretete) hört, zieht die Zügel im direkten Vergleich dann gleich etwas offensiver an, wenngleich die Vorliebe des schwedischen Produzenten-Duos für minimalistischen Purismus im Hinblick auf die Klangauswahl hier ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist. Den Anfang macht dabei ein nicht minder tänzelnd geratenes Drumming, welches sich in seinem Schatten aber vermehrt allerhand subtil eingesetzten, aber angenehm zwielichtig erscheinenden Effekten ausgesetzt sieht, in deren Gesellschaft sich alsbald auch die stakkatierten Überreste einer Bassline einfinden und im weiteren Verlauf peu à peu eine herrlich düster angelegte Basslinewand heraufbeschwören. Nach einer ersten dezenten Anschwellaktion gehört der Untergrund dann ab dem folgenden Kurzbreak ganz und gar dem äußerst druckvoll agierenden Grummelabgrund, welcher seine Aufgabe äußerst ernst nimmt und von nun an in einem unnachahmlich progressiven Intensitätswechselspiel ebenfalls neu hinzugekommene Stakkatotönen ordentlich Feuer unter dem Allerwertesten bereitet. Da letztere sich ebenso vielseitig in ihrer Instrumentierung zeigen und von abstrakter Fragmentierung bis hin zu flächiger Orientierung jegliche Spielart beherrschen, dürfte es den gemeinen Hörer nicht allzu verwundern, dass auch die atmosphärische Komponente des Ganzen ihr düsteres Farbenspektrum zunehmend markanter zur Schau trägt und zusammen mit immer wieder eingeworfen Effektwellen einen überaus einnehmenden Charakter offenbart. Nicht ganz unschuldig an dieser stetig dichter und druckvoller gearteten Entwicklung ist selbstverständlich die wunderbar progressive Wandlung der Basslinewand von einem Grollen aus der Tiefe hin zu einem deutlich elektroider beeinflussten, fast schon omnipräsenten Druckinstrument der Extraklasse. Erst im anstehenden Break wird der Hörerschaft eine kurze Verschnaufpause zugestanden, wenn der Untergrund in seinen Anfangszustand versetzt wird, in Kooperation mit den leicht neben sich stehenden Stakkatotönen alsbald aber bereits Anlauf für die nächste Anschwellaktion nimmt, an die sich zunächst eine weitere reduzierte Drummingphase anschließt, in der die Basslinewand in spannender Manier unter Beweis stellt, dass sie ihr progressives Druckpotenzial auch in wabernder Form abzurufen vermag. Die anschließende Verdichtung des Tracks mittels sämtlicher Effektwellen, Stakkatotöne und Nebengeräusche ist dann zwar vorhersehbar, in solch einer großartig düster-treibenden Aufmachung, wie sie hier zu hören ist, gelingt dies meines Erachtens jedoch (leider) nur sehr selten (ausgenommen Sasha, Henry Saiz, Max Cooper und manchmal auch Eelke Kleijn). Fazit: In einem schön ranzigen Club wird die hiesige Melange aus Progressive House und Atmospheric Techno ihre überzeugenden 5,75/6 sicherlich erst recht rechtfertigen können…
Glenn Morrison & Matt Lange "Bowed / Class B"
Dank geht raus an Martin fürs Vorstellen dieses überaus spannungsreich geratenen Ergebnisses der Kollaboration zweier von mir sehr geschätzter Produzenten, die keinesfalls zu Unrecht dafür bekannt sind, atmosphärische elektronische Musik in zumeist eklektischer Manier abseits vielbetretener Pfade zusammenzubasteln. Auch wenn der Außenstehende davon ausgeht, dass Glenn Morrison bei der hiesigen Zusammenarbeit den Part des etablierten und Matt Lange im Gegenzug den des aufstrebenden Künstlers eingenommen hat, ist der minimalistisch orientierte Einfluss von Letzterem insgesamt gesehen doch in der Tat etwas stärker einzustufen, wie Martin schon richtig angemerkt hat.
Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch keineswegs, dass der geneigte Hörer auf sphärisch gehaltvoll gestaltete Klangwelten verzichten muss, trumpft doch vor allen Dingen Bowed mit herrlich düster, teilweise fast schon verstörenden Flächenfragmenten auf, die das hauseigene Kopfkino mit einem nicht versiegenden Strom an hereinflatternden Bildern und Metaphern zu versorgen wissen. Mal zwielichtig schimmernd, mal bedrohlich Schicht um Schicht anwachsend schleichen sie dabei um das mit viel Liebe für klickernde Details ausgestatte Drumming herum, um sich in den zahlreichen Kurzbreaks dann immer wieder intensitätsreiche Soloausflüge zu gönnen. Der Untergrund zeigt sich in diesem Zusammenhang allerdings zumeist unbeeindruckt von den morbiden Klangflächen, die stetig erfolgreiche Angriff auf seine Oberfläche initiieren, und konzentriert sich stattdessen auf seine Paradedisziplin, namentlich die kontrastreich-minimale Fortbewegung, die jedoch ebenfalls eine nicht zu verachtende Portion Groove in sich birgt, während an den Rändern des Drummings zahlreiche entzückende Effekte inklusiver einer interessanten Tröpfchenfolter, dämonenhaft verzerrten Vocalschnipseln und verspielten Alternativtoneinwürfen subtil für Furore sorgen. Der Abwechslungsreichtum des Ganzen ist damit allerdings längst noch nicht auserzählt, bringen im weiteren Verlauf doch nicht nur leicht verdrehte Sirenenfragmente als Weiterentwicklung der Flächenstücke vom Beginn, sondern auch sirrende Synthieuntermalungen die Trackdichte von einem Höhepunkt zum nächsten. Einzig einige im Hintergrund angelegte, deephousige Flächenandeutungen lassen sich von der fast schon allumfassenden Düsternis nicht wirklich beeindrucken und sorgen in ihrer deepen Machart für Konstanz in der Melodiebegleitung. Über allem schwebt jedoch eindeutig die Vielfalt der heranrollenden Tonstücke, welche jede erdenkliche Ausgestaltung dunkelheitsaffiner Atmosphären eindrucksvoll zelebrieren und dem hiesigen Track damit eine gehörige Portion Innovation einimpfen, die meine Wenigkeit schlussendlich mit nicht weniger als äußerst überzeugenden 5,75/6 verdient belohnen möchte.
Class B auf der digitalen B-Seite trägt dann unglücklicherweise nicht nur bereits im Namen den Hinweis darauf, dass wir es hier wohl eher mit Klängen der zweiten Wahl zu tun bekommen, der Fokus auf einen im direkten Vergleich zum Vorgänger noch wesentlich minimalistischeren Fortgang der Dinge unterstreicht diesen Eindruck umso mehr. Reine Funktionalität möchte ich dem Stück jedoch ebensowenig vorwerfen, präsentiert sich das Ganze in der Auswahl seiner Elemente, im feinjustierten Detailreichtum seiner klickernden Ausuferungen sowie in der teilweise an Max Cooper erinnernden Ausgereiftheit der Produktion doch immer noch weit oberhalb des marktüblichen Minimaltechno-Konsens. Die für meinen Geschmack recht einfältig geratene Offbeat-Bassline mag in das variantenreich klickernde Drumming dagegen nicht so wirklich passen und hätte beim Potenzial der Herren Morrison und Lange auf jeden Fall eine gesunde Portion flexibler, markanter oder groovender das Zepter des Untergrunds in die Hand nehmen dürfen. Die wellenartigen Effektschübe gefallen mir dafür umso besser, sind sie doch als einzige Elemente des Tracks in der Lage, eine leise Ahnung von atmosphärischer Arbeit zu erwecken, wenn sie sich immer wieder durch den Verzerrer jagen und in repetitiver Manier die vorhandenen Räume füllen. Im anschließenden Break wird dann von einem technoiden Pendant der bisherigen Effekteinschübe sogar eine waschechte Anschwellaktion in die Hand genommen, welche in Zusammenarbeit mit den unterkühlten Klickerelementen interessanterweise auf der Zielgeraden gekonnt in sich zusammenbricht, um der gemeinen Hörerschaft im weiteren Verlauf erneut eine schiebende Drummingphase unterzujubeln. In Kooperation mit neu hinzugekommenen Vocalschnipseln tauchen jedoch alsbald auch die bekannten Effektwellen wieder auf, um das Ganze ein letztes Mal mit dieser schwer zu beschreibenden, verstörenden Endzeitstimmung zu versehen. Alles in allem eine mehr als gefällige Abwechslung zum Vorgängerstück, die mir nicht unter soliden 4/6 die Bewertungsarena des Forums verlässt...
Vor einem kleinen Rückblick auf die gestrige Nacht kann und will ich mich natürlich ebenfalls nicht drücken, hat es sich doch auch für meinen Geschmack auf jeden Fall mehr als gelohnt, die Exkursion in die Ex-Kulturhauptstadt Europas anzutreten. Davon war zunächst zwar nicht allzu viel zu merken, wurde man im U-Bahnhof doch erst einmal stilecht von auf einer Bank dahinvegetierenden und reihernden Jugendlichen begrüßt, der Empfang im kleinen, aber feinen RÜ Dekadence mit Willkommensdrink und der schnellen Zusammenkunft mit Britta (alias whale) und Soundwave gestaltete sich dafür umso einladender. Der Laden mit seinen vielen Spiegelwänden machte im Vergleich zu den Bildern, die ich mir vorher im Netz angeschaut hatte, in natura durchaus einen etwas beengteren Eindruck, wusste jedoch mit einer warmen Farbgebung, schnieken Kronleuchtern und Klinsmann-Gedächtnis-Buddhastatuen zu punkten. Nach und nach trudelten dann auch das Münsterland-Duo aus Jaymel und seinem Kumpel Volker sowie der äußerst amüsante Wuppertaler Vogel Skytune nebst Freundin ein. In musikalischer Hinsicht lag das Augenmerk zu diesem Zeitpunkt noch auf angenehm melodieorientierten Progressive-Klängen, für welche sich Placid verantwortlich zeigte, dabei peu à peu dem Tanzbein das Grooven beibrachte und somit ein mehr als überzeugendes Warm-Up ablieferte. Gegen 1:30 übernahm dann Jody Wisternoff, der sich bereits seit geraumer Zeit an der Theke ausgiebig publikumsnah gab, das Regiment, um den mittlerweile gut gefüllten Club mit einer zunächst deutlich housiger anmutenden Trackauswahl zu beschallen. Als mehr und mehr Eigenproduktionen (u.a. „Starstrings“ und das immer noch großartige „Cold Drink, Hot Girl“) das Set des Way-Out-West-Mitbegründers deutlicher in Richtung progressiver Gefilde verschlugen, hielt auch uns nichts mehr von der Eroberung der Tanzfläche ab. Dennoch fehlte mir im weiteren Verlauf die konsequente Weiterentwicklung bei der Auswahl des werten Herrn Wisternoff, da statt weiterem Druckaufbau in Sachen Progressive House das Intensitätsbarometer mit meines Erachtens recht laschen Edits bekannter Popsachen von beispielsweise Empire Of The Sun („We Are The People“) oder Jamie Woon („Night Air“) sowie der unnötigen weiteren Erhöhung des Vocal-Anteils links liegengelassen wurde. Stattdessen legte dann eben Getfrisky-Resident Ingo Vogelmann nach Jodys Zwei-Stunden-Set den längst fälligen Schalter um und versorgte uns mit einer schön nach vorn ausgerichteten Mischung aus technoiden, minimalen und progressiven Scheiben – ein angenehmer Kontrast zu den zumeist sommerlich-sphärischen und melodieverwöhnten Klängen seines Vorgängers. Insgesamt gesehen konnten meine hohen Erwartungen (vornehmlich die Trackauswahl betreffend) zwar nicht ganz erfüllt werden, dennoch war es vor allen Dingen mal wieder schön, ein paar neue sympathische Gesichter hinter den hiesigen Nutzernamen kennenzulernen. Vielen Dank auch nochmal an Jaymel für das Chauffieren zum Bahnhof, auch wenn ich meinen Zug leider doch noch knapp verpasst, mir den frühen Sonntagmorgen stattdessen mit Mäckes und S1-Fahren „versüßt“ habe und schlussendlich erst um Sieben in der Hammer Falle lag…
@Edik’ted: Hätte dich ja gern vom Gegenteil überzeugt, wenn ich gewusst hätte, hinter welchem Partygast du dich versteckst…

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