Source: http://www.beo-news.ch/febr2000/luchs28.htm
Timestamp: 2018-01-21 06:36:20+00:00

Document:
«Schutzvorschriften müssen mittelfristig gelockert werden»
Konzept «Luchs Schweiz»: Kanton Bern findet Entscheid des Buwal unverständlich
aid/buwal/S. Das «Konzept Luchs Schweiz» des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) – siehe auch Bericht «Überarbeitetes Konzept Luchs Schweiz» in Kraft gesetzt» von heute Montag, 28. Februar 2000 – trägt laut einer Medienmitteilung den Forderungen des Kantons Bern in wesentlichen Teilen nicht Rechnung: «Das Ziel des Konzeptes, die Luchspopulation als Teil der einheimischen Fauna langfristig zu erhalten, wird nicht erreicht.» Der Kanton Bern werde bei Bundesrat Moritz Leuenberger vorstellig werden, damit die gestellten Forderungen vollumfänglich erfüllt würden.
Die bestehenden Schutzvorschriften müssen nach Berner Auffassung mittelfristig gelockert werden: «Bei untragbaren Schäden an Kleinvieh oder bei stark eingeschränkten jagdlichen Nutzungsmöglichkeiten beim Reh- und Gämswild soll der Luchsbestand auf eine nachhaltige, das heisst arterhaltende Weise reguliert werden können.» Die Kantone müssten die Kompetenz erhalten, für grössere Schäden und nach klar definierten Kriterien Abschüsse anzuordnen.
In seiner Stellungnahme zum Konzept Luchs Schweiz des Buwal vom 22. September 1999 forderte der Kanton Bern laut Medienmitteilung unter anderem Folgendes:
– Der Luchs ist als wichtiger Teil der einheimischen Fauna langfristig zu erhalten und zu sichern.
– Die vorgesehenen Umsiedlungen von Luchsen müssen im Jahr 2000 erfolgen, damit von der momentan hohen Luchsdichte in den Nordwestalpen profitiert werden kann.
– Der Kanton Bern muss die Kompetenz erhalten, bei grösseren Schäden an Nutztieren Luchsabschüsse anzuordnen.
– Die Kantone sollen in der Phase 3 (gesicherter Luchsbestand) nicht nur Eingriffe in Luchsbestände im lokalen oder regionalen Rahmen im Fall von punktuellen Problemen mit untragbaren Schäden an Nutztieren selber anordnen können, sondern auch im Fall von anhaltend unterdurchschnittlichen jagdlichen Nutzungsmöglichkeiten des Schalenwildes, sofern die Eingriffe den Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen.
– Wenn der Luchsbestand im Alpenraum als gesichert betrachtet werden kann, ist der absolute Schutz zu lockern und regulierende Eingriffe in den Luchsbestand sind zuzulassen, ohne diese Tierart wieder zu bedrohen.
Der Kanton Bern habe mit seinen Forderungen erreichen wollen, heisst es in der Verlautbarung, «dass der Luchs als Glied unserer einheimischen Fauna langfristig erhalten wird». Voraussetzung hiezu sei eine Umsiedlung von Luchsen in andere Kantone: «Im Hinblick auf eine nachhaltige Regulierung der Luchsbestände ist zudem eine anschliessende, schrittweise Anpassung der gesetzlichen Grundlagen vorzunehmen, damit die Kantone die Kompetenz erhalten, bei grösseren Schäden an Nutztieren und Schalenwild die Luchsabschüsse anzuordnen.» Die Bereitschaft zur Aufnahme von Luchsen werde von allen betroffenen Kantonen an die Bedingung geknüpft, dass die Kompetenzdelegation erfolge. Im überarbeiteten Konzept Luchs Schweiz sei solches jedoch nicht vorgesehen: «Die Haltung des Buwal verunmöglicht deshalb die geplante Umsiedlung.»
Eine Umsiedlung trägt laut Berner Stellungnahme nicht nur zur Sicherung des Luchsbestandes im Alpenraum bei: «Gleichzeitig kann dadurch ein positives Signal im Sinne von aktiven Massnahmen gegen einen als zu hoch empfundenen Luchsbestand im Nordwestalpenraum gesetzt werden.» Damit könne die Kontroverse um den Luchs wirksam entschärft werden, ohne Tiere legal oder illegal zu töten. Hindernisse wie Flüsse, Autobahnen und so weiter verhinderten die natürliche Ausbreitung des Luchses in andere Kompartimente der Schweiz. «Beim Verzicht auf eine Umsiedlung sind die Tiere daher akut bedroht»: Es sei zudem davon auszugehen, dass ohne behördliches Eingreifen – siehe auch Bericht «Wilderer schickt Paket mit vier abgeschnittenen Luchspfoten / Illegale Luchstötung im Kanton Bern – Strafanzeige gegen die Täterschaft» vom Montag, 14. Februar 2000 – Selbsthilfemassnahmen ergriffen würden.
Konzept Luchs Schweiz des Buwal
Das vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) vom 24. Februar 2000 datierte und heute Montag per E-Mail verbreitete Luchs-Konzept im Wortlaut:
1. Anlass zur Erarbeitung des Konzeptes
Am 26. Juni 1996 erliess der Bundesrat, gestützt auf Art. 1 Abs. 1 Bst. b und c sowie von Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG), neu den Art. 10 Abs. 5 der Jagdverordnung (JSV). Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft soll danach für besondere geschützte Arten wie Wolf und Luchs Konzepte erarbeiten, in denen die Grundsätze über den Schutz, den Abschuss oder Fang, die Verhütung und Ermittlung von Schäden sowie die Entschädigung von Verhütungsmassnahmen festgelegt werden.
Die Notwendigkeit zur Erarbeitung solcher Konzepte, insbesondere für Grossraubtiere, ergab sich aus den Problemen, die sich im Zusammenhang mit dem Schutz und der Erhaltung des Luchses in unserem Land stellten und noch stellen werden.
Die Wiederansiedlung des Luchses in der Schweiz seit der vom Bundesrat bewilligten (Bundesratsbeschluss vom 18. 8. 1967) Aussetzung 1972 im Kanton Obwalden lässt sich wie folgt zusammenfassen:
a) Es gibt nun seit bald 30 Jahren Luchse in der Schweiz.
b) Ein grosser Teil unserer Bevölkerung akzeptiert die Präsenz des Luchses in unserem Land und möchte, dass er erhalten wird.
c) Sind die Luchsbestände gering oder mittelgross, halten sich die Probleme in engen Grenzen und der Luchs wird auch von einem Grossteil der Jägerschaft und der Schafzüchter zumindest toleriert.
d) Bei hohen Dichten, wie wir sie zum Teil bereits schon in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre in den Zentralalpen und dem Wallis hatten und heute im westlichen Berner Oberland und im Kanton Freiburg haben, verschärfen sich allerdings die Probleme. Die Schäden am Kleinvieh, insbesondere Schafen, nehmen stark zu. Parallel dazu wurden Reh- und Gämsbestände lokal zum Teil stark reduziert.
e) Luchse kommen heute in geringen und mittleren Dichten im westlichen Jura (Kantone Neuenburg und Waadt), im Wallis und den Zentralalpen vor. Östlich der Reuss tritt der Luchs nur sporadisch auf. In den Nordwestalpen gibt es zurzeit eine relativ hohe Dichte. Gesamthaft gesehen genügt allerdings weder die Grösse der Verbreitungsgebiete noch die Bestandesgrösse, um den Luchs dauerhaft zu erhalten. Erschwerend kommt hier dazu, dass die zunehmende Erschliessung und Zersiedlung der Landschaft die natürliche und beim Luchs weiträumige Ausbreitung immer mehr behindert und teilweise gar völlig verhindert. Dabei spielen vor allem die grossen Alpentäler der Rhone, der Aare, der Reuss und des Rheins, die immer mehr zu unüberwindlichen Barrieren werden, eine grosse Rolle.
Es lässt sich folgendes Fazit ziehen: Die Wiedereinbürgerung des Luchses war erfolgreich, es bestehen auch heute noch in den westlichen Alpen und im Jura zwei allerdings kleine Bestände von zusammen 150 adulten und subadulten Luchsen.
Der Luchs richtet volkswirtschaftlich gesehen keine untragbaren Schäden, gemessen am Gesamtverlust während der Sömmerung, an Haustieren an. Einzelne Schafhalter können allerdings stark betroffen werden. Das gleiche lässt sich für den Einfluss des Luchses auf seine Hauptbeutetiere Reh und Gämse sagen.
Grossräumig gesehen lässt sich kein Einfluss im Sinne einer Regulierung auf die Bestände dieser Arten feststellen. Hingegen werden Rehe und Gämsen besser auf ihre Lebensräume verteilt. Regional und lokal kann es jedoch zu spürbaren Eingriffen des Luchses in die Bestände dieser Arten kommen. Studien zum Verbiss von Jungpflanzen im Wald in Gebieten mit Luchsen zeigen, dass dadurch die Wildschäden sehr stark verringert wurden und die Verjüngung mit fast allen Baumarten ermöglicht wird. Möglicherweise werden dadurch auch die Kondition und die Konstitution der Beutetiere positiv beeinflusst. Weder die Verbreitung noch die aktuelle Bestandesgrösse des Luchses genügen, um das langfristige Überleben eines Luchsbestandes in unserem Land zu gewährleisten.
2. Grundsätze und Ziele des Konzeptes Luchs Schweiz
2.1 Grundsätze des Konzeptes
Der Luchs spielt als Spitzenprädator eine wichtige Rolle im Ökosystem und besonders als Selektionsfaktor für die langfristige Entwicklung der einheimischen, wildlebenden Huftiere. In der Schweiz kommen heute die einzigen zusammenhängenden Luchsbestände im Alpenraum vor. Sie trägt deshalb europaweit eine besondere Verantwortung für die Erhaltung und den Schutz des Luchses. Die Schweiz fördert die Verbreitung des Luchses in der Schweiz und im gesamten Alpenraum, indem im Rahmen nationaler und internationaler Projekte Luchse aus dichtbesiedelten Gebieten zur Umsiedlung in noch nicht besiedelte Gebiete im Inland und Ausland eingefangen werden können.
Die Luchsbestände sollen in der ganzen Schweiz langfristig gesichert und dauerhaft überwacht werden. Schäden, die durch Luchse an Nutztieren angerichtet werden, sollen nach dem Grundsatz «Verhütung vor Vergütung» (Art. 12 JSG und Art. 13 JSG) durch den Bund und die Kantone gemeinsam abgegolten werden. Besonders schadenstiftende Tiere, die einen untragbaren Schaden verursachen, sollen ausnahmsweise abgeschossen werden.
Die Akzeptanz für den Beutegreifer Luchs soll in der ganzen Bevölkerung gefördert werden. In jedem Kompartiment (siehe Punkt 3.1.2) werden interkantonale Kommissionen gebildet, in denen Vertreter des Bundes und der Kantone die mit dem Luchs in Verbindung stehenden Probleme gemeinsam bearbeiten.
2.2 Zielsetzungen des Konzeptes
Die langfristige Erhaltung eines lebensfähigen Luchsbestandes wird gesichert. Der Luchs bleibt in den jetzt schon besiedelten Lebensräumen erhalten und die Voraussetzungen für die Verbreitung in neue Lebensräume werden geschaffen.
Die Verbreitung des Luchses in neue, noch nicht besiedelte Lebensräume erfolgt im Einvernehmen des Bundes mit allen betroffen Kantonen eines Kompartimentes und wird mit Verträgen geregelt.
Bund und Kantone schaffen die geeigneten Voraussetzungen zur Verhütung von Schäden, die Luchse an Nutztieren anrichten.
Die Schäden, die Luchse an Nutztieren nachgewiesenermassen anrichten, werden durch den Bund und die Kantone gemeinsam entschädigt.
Der Einfluss des Luchses auf seine hauptsächlichen Beutetiere Reh und Gämse wird im Sinne der Nachhaltigkeit bei der jagdlichen und forstlichen Planung sowie bei der Erhaltung der Artenvielfalt durch die Kantone berücksichtigt. Eingriffe in Luchsbestände im lokalen oder regionalen Rahmen können im Fall von punktuellen Problemen vom Buwal bewilligt werden. Dabei werden die Anliegen des Natur- und Artenschutzes, der Land- und Forstwirtschaft und der Jagd im Sinne der Nachhaltigkeit berücksichtigt.
Die Information der Öffentlichkeit wird im nationalen, regionalen und lokalen Rahmen sichergestellt. Die Mitwirkung der interessierten Kreise und der direkt Betroffenen wird gewährleistet.
3. Umsetzung Konzept Luchs Schweiz
3.1 Umsetzung des Konzeptes in drei Phasen
3.1.1 Phase 1. Zustand heute: Der Luchs ist geschützt. Die aktuellen Bestände in den Alpen und im Jura bleiben erhalten und werden überwacht. An Orten an denen Schäden auftreten, werden geeignete Verhütungsmassnahmen getroffen. Entstehen trotz Vorsorge Schäden, werden sie vom Bund und den Kantonen vergütet. Einzelne, besonders schadenstiftende Luchse können ausnahmsweise mit Bewilligung des Buwal abgeschossen werden (Art. 10 Abs. 4 JSV). Zur Erteilung dieser Bewilligung müssen die Kriterien gemäss Punkt 3.2.3 des Konzeptes erfüllt sein.
3.1.2 Phase 2. Zustand 2000 bis 2015 (Grössenordnung): Der Luchs ist geschützt. Die Verbreitung des Luchses wird in Zusammenarbeit von Buwal, Kantonen und interessierten Partnern durch Umsiedlung von Luchsen aus Gebieten mit relativ hoher Dichte in solche, die noch nicht besiedelt sind und der Schaffung von Wildtierbrücken und Übergängen über Verkehrsträger gefördert. Die Entwicklungen des Luchsbestandes sowie der Bestände der wichtigsten Beutetiere werden durch Bund und die Kantone überwacht, insbesondere in neu besiedelten Gebieten (Monitoring). Schäden durch Luchse werden entschädigt. In Gebieten mit gehäuften Schäden müssen Verhütungsmassnahmen getroffen werden. Besonders schadenstiftende Tiere können ausnahmsweise mit Bewilligung des Buwal abgeschossen werden, wenn die Kriterien gemäss Punkt 3.2.3 des Konzeptes erfüllt sind. Für den Fang von einzelnen Luchsen in Gebieten mit hohen Luchsdichten und ihre Freilassung in noch luchsfreie Gebiete erteilt das Buwal im Einvernehmen mit den Kantonen spezielle Bewilligungen (Art. 8 Abs. 4 JSV). Es werden keine Luchse umgesiedelt, welche gemäss Punkt 3.2.3 des Konzeptes untragbare Schäden verursacht haben.
Die in der Schweiz vorkommenden Lebensräume des Luchses werden wie folgt aufgeteilt. Kompartiment I: Region Jura mit den betroffenen Kantonen/Kantonsgebieten AG, BE (Jura), BL, JU, NE, SO, VD. – Kompartiment II: Nordostschweiz mit AI, AR, SG, TG, ZH. – Kompartiment III: Zentralschweiz West mit BE Ost, LU, NW, OW, UR. – Kompartiment IV: Zentralschweiz Ost mit GL, GR westlich Rhein, SG Oberland, SZ, UR Ost, ZG, ZH. – Kompartiment V: Ostalpen mit GR – Kompartiment VI: Nordwestalpen mit BE West, FR, VD Alpen. – Kompartiment VII: Wallis. – Kompartiment VIII: Südalpen mit GR Südwest, TI.
Ab dem Jahr 2000 sollen als Versuch und im Rahmen eines interkantonalen Projektes in der Region Nordostschweiz (Kompartiment II) erste Luchse ausgesetzt werden. Mittelfristig ist es vorgesehen, im Kompartiment IV ein weiteres, auf den Erfahrungen mit dem Projekt Nordostschweiz basierendes Umsiedlungsprojekt zu konkretisieren.
3.1.3 Phase 3. Zustand ab 2015 (Grössenordnung): Der Luchs bleibt eine geschützte Art. Die geeigneten Lebensräume sind besiedelt und die Bestände sind so gefestigt, dass eine langfristige Erhaltung des Luchses in der Schweiz sichergestellt ist.
Die durch Verkehrswege getrennten Hauptlebensräume sind wieder so miteinander verbunden, dass ein Austausch zwischen diesen, durch die Kantone und den Bund weiterhin überwachten (Monitoring) Teilbeständen, möglich ist. Die Verhütungs-massnahmen sind in Gebieten mit erhöhten Schäden getroffen. Die Schäden durch den Luchs werden entschädigt.
Die betroffenen Kantone in den Kompartimenten und der Bund überwachen die Entwicklung der Luchsbestände sowie die Auswirkungen des Luchses auf die Fauna. Sie können, unter Berücksichtigung der Land- und Forstwirtschaft sowie der Jagd und des Natur- und Artenschutzes im Rahmen bundesrechtlicher Richtlinien und mit Bewilligung des Buwal auf lokaler oder regionaler Stufe Eingriffe in Luchsbestände vorsehen. Solche Eingriffe sollen in erster Linie im Rahmen internationaler Projekte zur Förderung der Verbreitung des Luchses im gesamten Alpenraum in Form von Umsiedlungen von Luchsen ins Ausland erfolgen. In Ausnahmefällen kann das Buwal den Abschuss von einzelnen Luchsen bewilligen. Besonders schadenstiftende Luchse können mit Bewilligung des Buwal abgeschossen werden. Zur Erteilung dieser Bewilligung müssen die Kriterien gemäss Punkt 3.2.3 des Konzeptes erfüllt sein.
3.2 Bestimmungen zur Phase 2
3.2.1 Schutz und Verbreitung: Der Luchs ist geschützt (JSG Art. 7). Das Buwal plant in Zusammenarbeit mit den Kantonen die Verbreitung des Luchses, insbesondere durch Einfangen und Aussetzen (Umsiedlung) von Luchsen und, in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA), durch Schaffung der für die Verbreitung notwendigen Verbindungen über die hauptsächlichen geographischen Barrieren im Alpenvorland und den Alpen. Es erlässt die dazu notwendigen Bewilligungen (Art. 9 JSG, Art. 14 JSG, Art. 10 JSV).
3.2.2 Monitoring: Das Buwal und die Kantone lassen die Bestände der Luchse und seiner wichtigsten Beutetiere überwachen. Sie können in besonderen Fällen eine intensivere Überwachung anordnen (z.B. bei Beständen mit besonders hoher oder sehr geringer Dichte, im Falle von Bestandesgründungen durch Umsiedlung etc.). Das Buwal führt periodisch Ausbildungskurse für die kantonalen Vollzugsorgane durch.
3.2.3 Schäden durch Luchse, Entschädigung und Verhütung: Die Schäden werden durch die kantonalen Vollzugsorgane erfasst und an die kantonalen Verwaltungen zur Auszahlung weitergeleitet. Das Buwal leistet eine Abgeltung von 50 Prozent (Art. 10 JSV). Es hat eine Erhöhung des Bundesanteils auf 80 Prozent in die Wege geleitet, die im Frühjahr 2000 in Kraft gesetzt werden soll. Das Buwal führt periodisch Aus- und Weiterbildungskurse für die kantonalen Vollzugsorgane durch. In zweifelhaften Fällen kann die kantonale Verwaltung eine Expertise durch Spezialisten des Institutes für Tierpathologie der Universität Bern, Abteilung Wild- und Zootiere AWI oder des Institutes Galli-Valério in Lausanne anfordern. Schafe oder Ziegen, die im Wald gerissen werden, werden nicht vergütet. Ausgenommen sind gerissene Tiere auf forstlich ausgeschiedenen Waldweiden.
In Gebieten mit erhöhten Schäden müssen situationsspezifisch eine oder eine Kombination folgender Massnahmen zur Schadenverhütung ergriffen werden, die durch das Buwal nach Absprache mit den Kantonen im einzelnen festgelegt werden:
– Schutz der Herden durch Hirten mit Hunden. Der Bund leistet 100 Prozent der Kosten.
– Aufhebung der Beweidung durch Schafe und Ziegen auf Weiden mit regelmässigen Luchsschäden. Das Buwal leistet situationsspezifisch 100 Prozent der Abgeltung der Pachtzinse.
– Regelmässige und häufige Kontrolle der Herden, namentlich solche in Waldnähe.
– Anbringen von breiten Schutzhalsbändern bei Schafen.
– Elektrozäune für den Schutz kleinerer Herden in Waldesnähe oder auf Waldlichtungen.
– Anbringen von blinkenden Baustellenlampen zur Verhütung weiterer Schäden nach einem Schadenereignis.
– Wechseln der Weide nach einem Schadenereignis.
– Verbringen von Schafen und Ziegen in der Nacht in gesicherte Pferche.
– Sicherung von Gehegen und Pferchen mit Elektrozäunen (oben und aussen).
Der Bund leistet an die Materialkosten zur Schadenverhütung einen Beitrag bis 100 Prozent.
Das Buwal erarbeitet weitere Methoden zur Schadenverhütung (Esel, Abwehrstoffe, und so weiter).
– Es unterstützt die Kantone bei der Orientierung und Information der Kleinviehhalter über die Methoden zur Schadenverhütung.
Das Buwal kann für Luchse, die untragbare Schäden anrichten, situationsspezifisch eine Abschussbewilligung erteilen (Art. 10 JSV). Eine Bewilligung wird nur erteilt ...
– falls in einem Umkreis von fünf Kilometer um einen Schaden trotz Verhütungsmassnahmen pro Sömmerungssaison (resp. pro Kalenderjahr) mindestens 15 Schafe und/oder Ziegen gerissen wurden. Im Wald gerissene Schafe oder Ziegen werden nicht gezählt, ausgenommen solche auf forstlich ausgeschiedenen Waldweiden.
– falls im Vorjahr bereits am selben Ort Schafe oder Ziegen gerissen worden sind, so verringert sich diese Zahl auf 12.
Der Antrag für eine Bewilligung ist Sache der kantonalen Fachstelle. Sie prüft, ob die Schadenfälle sachkundig festgestellt wurden und ob die Massnahmen zur Schadenverhütung getroffen wurden. Die kantonale Fachstelle beauftragt ein Aufsichtsorgan oder einen Jagdberechtigten mit dem Abschuss des Luchses. Der Luchs darf nur am gerissenen Tier erlegt werden.
3.2.4 Kranke und schwache Luchse, Totfunde: Luchse, die offensichtlich verletzt, krank oder schwach sind, können gestützt auf Art. 8 JSG abgeschossen werden. Sie sind zur Diagnose an das Institut für Tierpathologie der Universität Bern, Abteilung Wild- und Zootiere AWI oder an das Institut Galli-Valério in Lausanne einzusenden. Dies gilt auch für tot aufgefundene Luchse. Die Kantone entscheiden über die weitere Verwendung der Kadaver.
Jungluchse, welche in Siedlungen gefunden werden und wahrscheinlich verwaist sind, sollten in der Phase 2 zur Umsiedlung im In- oder Ausland eingefangen werden. In der Phase 3 sind solche Jungluchse entweder für weitere Umsiedlungen im In- oder Ausland einzufangen oder zu erlegen (Art. 8 JSG).
3.2.5 Öffentlichkeitsarbeit: Das Buwal orientiert die Öffentlichkeit periodisch über den Luchs und seinen Status in der Schweiz. Es führt eine «Arbeitsgruppe Grossraubtiere», in welcher die Kantone und die interessierten Verbände vertreten sind. In ihr werden Konzepte gemäss Art. 10 JSV erarbeitet, Revisionen vorbereitet, sowie Fragen von allgemeinem Interesse diskutiert. Es fördert zusammen mit den Kantonen die Öffentlichkeitsarbeit im regionalen und lokalen Rahmen.
3.2.6 Luchsprojekt Schweiz: Das Buwal führt auf Auftragsbasis ein «Luchsprojekt Schweiz» mit folgenden Aufgaben:
– Organisation und Überwachung von Umsiedlungsversuchen.
– Durchführung spezieller wissenschaftlicher Projekte zur Verbreitung, dem Verhalten und zur Populationsdynamik des Luchses.
– Entwicklung und Beratung über Methoden zur Schadenverhütung.
– Pflege internationaler Kontakte auf Fachebene.
– Öffentlichkeitsarbeit nach Absprache mit dem Buwal und den Kantonen.
Das Konzept soll periodisch überprüft und aufgrund neuer Erkenntnisse angepasst werden.

References: Art. 1
 Art. 7
 Art. 10
 Art. 13
 Art. 7
 Art. 14
 Art. 10
 Art. 8
 Art. 10