Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/innergemeinschaftliche-lieferungen-nachweis-3133742?pk_campaign=feed&amp;pk_kwd=innergemeinschaftliche-lieferungen-nachweis
Timestamp: 2019-05-20 14:38:49+00:00

Document:
Innergemeinschaftliche Lieferungen – und der buchmäßige Nachweis des Bestimmungsortes | Rechtslupe
Im Streitfall fehlt es an einem Belegnachweis i.S. von § 17a Abs. 2 Nr. 2 UStDV 2005. In den die Lieferungen an B betreffenden als “Ausfuhrbescheinigung – Übernahmebestätigung für Umsatzsteuerzwecke” bezeichneten Verbringungserklärungen fehlt jeweils die nach § 17a Abs. 2 Nr. 2 UStDV 2005 erforderliche Angabe des Bestimmungsorts. Aus der dort jeweils getätigten Angabe, das “Fahrzeug wird am … von mir in das Zielland Spanien verbracht”, geht jedenfalls kein Bestimmungsort i.S. von § 17a Abs. 2 Nr. 2 UStDV 2005 hervor.
Zwar kann sich die gemäß § 17a Abs. 2 Nr. 2, § 17c Abs. 2 Nr. 9 UStDV 2005 erforderliche Angabe des Bestimmungsorts unter Berücksichtigung aller Umstände im Einzelfall aus der Rechnungsanschrift des Abnehmers ergeben3. Das gilt jedoch im Grundsatz nur, wenn davon auszugehen ist, dass der Gegenstand der Lieferung auch zum Unternehmenssitz des Abnehmers versendet oder befördert wird4. Davon kann im Streitfall jedoch aus den unter II. 3.a bb genannten Gründen nicht ausgegangen werden. Wie bereits ausgeführt, ist der Verbleib der betreffenden Fahrzeuge vorliegend -wie es das Finanzgericht festgestellt hat- “völlig unklar”.
Kommt der Unternehmer -wie hier- seinen Nachweispflichten gemäß § 6a Abs. 3 UStG, §§ 17a, 17c UStDV 2005 nicht nach, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Voraussetzungen einer innergemeinschaftlichen Lieferung nicht erfüllt sind. Etwas anderes gilt -was vorliegend schon aufgrund des “völlig unklaren” Verbleibs der noch streitgegenständlichen Fahrzeuge nicht der Fall ist- ausnahmsweise dann, wenn zweifelsfrei feststeht, dass die Voraussetzungen der Steuerfreiheit erfüllt sind6.
Die Unternehmerin führt mit Bezug auf das BFH, Urteil vom 07.12 2006 – V R 52/037 zwar zutreffend aus, dass der Belegnachweis nicht zwingend deshalb als nicht geführt zu beurteilen sei, weil eine der in § 17a Abs. 2 UStDV 2005 genannten Voraussetzungen fehle, und es in Fällen, in denen -wie hier- der Abnehmer den Gegenstand beim Unternehmer abholt, in der Regel nicht den in § 17a Abs. 2 Nr. 2 UStDV geforderten handelsüblichen Beleg gebe, aus dem sich der Bestimmungsort ergibt. In dem Fall des von der Unternehmerin in Bezug genommenen BFH, Urteils in BFHE 216, 367, BStBl II 2007, 420 ergab sich der Bestimmungsort jedoch aus der auf den Rechnungen ausgewiesenen Anschrift des betreffenden Abnehmers, für den deren Geschäftsführer die Fahrzeuge abgeholt hat. Da dies jedoch im Grundsatz nur gilt, wenn -wie vorstehend unter II. 3.b cc ausgeführt- davon auszugehen ist, dass der Gegenstand der Lieferung auch zum Unternehmenssitz des Abnehmers versendet oder befördert wird, ergibt sich daraus für den Streitfall, bei dem der Verbleib der streitgegenständlichen Fahrzeuge “völlig unklar” ist, nichts anderes.
Der Begriff “Bestimmungsort” i.S. von § 17a Abs. 2 Nr. 2 UStDV 2005 ist -anders als die Unternehmerin meint- unionsrechtskonform nicht dahingehend auszulegen, dass die Angabe des Ziellandes ausreicht.
Die unionsrechtliche Befugnis zur gesetzlichen Anordnung des Belegnachweises ergibt sich aus Art. 131 MwStSystRL9. Danach wird die Steuerfreiheit für die innergemeinschaftliche Lieferung nur “unter den Bedingungen angewandt, die die Mitgliedstaaten zur Gewährleistung einer korrekten und einfachen Anwendung dieser Befreiungen und zur Verhinderung von Steuerhinterziehung, Steuerumgehung und Missbrauch festlegen”. Daneben lässt Art. 273 MwStSystRL es zu, dass die Mitgliedstaaten zur genauen Erhebung der Steuer oder zur Vermeidung von Steuerhinterziehung weitere Pflichten vorsehen.
Soweit danach der Grundsatz der steuerlichen Neutralität erfordert, dass die Mehrwertsteuerbefreiung gewährt wird, wenn die materiellen Voraussetzungen erfüllt sind, selbst wenn der Steuerpflichtige bestimmten formellen Anforderungen nicht genügt hat11, kommt dies im Streitfall, in dem der Verbleib der betreffenden Fahrzeuge “völlig unklar” ist, nicht in Betracht.
vgl. dazu BFH, Urteile vom 25.04.2013 – V R 28/11, BFHE 242, 77, BStBl II 2013, 656, Rz 15; in BFHE 250, 559, BStBl II 2015, 914, Rz 38 [↩]
vgl. dazu BFH, Urteil vom 10.08.2016 – V R 45/15, BFHE 254, 453, UR 2016, 888, Rz 13 [↩]
vgl. BFH, Urteile vom 14.11.2012 – XI R 17/12, BFHE 239, 516, BStBl II 2013, 407, Rz 34, m.w.N.; in BFHE 250, 559, BStBl II 2015, 914, Rz 42 [↩]
vgl. BFH, Urteile in BFHE 239, 516, BStBl II 2013, 407, Rz 34, m.w.N.; in BFHE 250, 559, BStBl II 2015, 914, Rz 42; in BFHE 254, 453, UR 2016, 888, Rz 15 [↩]
vgl. BFH, Urteile vom 15.02.2012 – XI R 42/10, BFH/NV 2012, 1188, Rz 32; in BFHE 250, 559, BStBl II 2015, 914, Rz 43; in BFHE 254, 453, UR 2016, 888, Rz 21; jeweils m.w.N. [↩]
vgl. z.B. BFH, Urteile in BFHE 239, 516, BStBl II 2013, 407, Rz 22; in BFHE 250, 559, BStBl II 2015, 914, Rz 44; jeweils m.w.N. [↩]
BFHE 216, 367, BStBl II 2007, 420, unter II. 2.c, Rz 40 [↩]
vgl. BFH, Urteile vom 08.11.2007 – V R 71/05, BFHE 219, 417, BStBl II 2009, 52; vom 06.12 2007 – V R 59/03, BFHE 219, 469, BStBl II 2009, 57; vom 12.05.2009 – V R 65/06, BFHE 225, 164, BStBl II 2010, 511, m.w.N. [↩]
vgl. dazu z.B. BFH, Urteile vom 11.08.2011 – V R 50/09, BFHE 235, 32, BStBl II 2012, 151, Rz 20, noch zu Art. 28c Teil A Buchst. a Unterabs. 1 der Sechsten Richtlinie 77/388/EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Umsatzsteuern; in BFHE 254, 453, UR 2016, 888, Rz 13 [↩]
vgl. dazu z.B. EuGH, Urteile Mecsek-Gabona vom 06.09.2012 – C-273/11, EU:C:2012:547, UR 2012, 796, Rz 36, m.w.N.; Traum vom 09.10.2014 – C-492/13, EU:C:2014:2267, UR 2014, 943, Rz 27; Euro Tyre vom 09.02.2017 – C-21/16, EU:C:2017:106, UR 2017, 271, Rz 33 [↩]
vgl. dazu EuGH, Urteil Euro Tyre, EU:C:2017:106, UR 2017, 271, Rz 36, m.w.N. [↩]
vgl. dazu EuGH, Urteil Mecsek-Gabona, EU:C:2012:547, UR 2012, 796, Rz 55 [↩]
vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 254, 453, UR 2016, 888, Rz 14 [↩]
vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 254, 453, UR 2016, 888, Rz 15 [↩]
Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr. L 264, S. 1 [↩]
BestimmungsortBuchnachweisInnergemeinschaftliche Lieferung

References: § 17
 § 17
 § 17
 § 17
 § 17
 § 6
 § 17
 § 17
 § 17
 Art. 131
 Art. 273
 Art. 28