Source: http://jataka.nibbanam.com/Band_III/j409.htm
Timestamp: 2019-05-25 02:12:02+00:00

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409 Dalhadhamma-Jataka
409. Die Erzählung von Dalhadhamma (Dalhadhamma-Jataka)
„Wenn ich für König Dalhadhamma“
§A. Dies erzählte der Meister, da er bei Kosambi im Ghosika-Kloster verweilte, mit Beziehung auf Bhaddavati, das Elefantenweibchen des Königs von Udena.
§D. Die Geschichte aber, wie dies Elefantenweibchen zu Ehre kam, und die Herkunft des Königs Udena wird im Matanga-Jataka [Jataka 497] erzählt werden.
Als aber eines Tages das Elefantenweibchen aus der Stadt hinausging, sah sie, wie der Erhabene in der Frühe von einer edlen Schar umgeben mit unvergleichlicher Buddha-Anmut in die Stadt hineinging, um Almosen zu sammeln. Da legte es sich zu den Füßen des Vollendeten nieder und sagte: „Der Erhabene ist der Allwissende und der Retter der ganzen Welt. Zur Zeit, da ich jung war und meine Arbeit verrichten konnte, dachte der aus edlem Geschlechte stammende König Udena: ‘Durch diese wurde mir das Leben, die Regierung und die Königin erhalten’; darum liebte er mich und erwies mir große Ehre. Er zierte mich mit allem Schmuck, ließ an der Stelle, wo ich zu stehen pflegte, einen Kreis aus wohlriechenden Substanzen anbringen und auf allen Seiten ein buntes Zelt darum befestigen. Eine Lampe mit wohlriechendem Öl ließ er brennen, eine Platte mit Weihrauch dabei aufstellen und an dem Orte, wo ich den Kot von mir zu geben pflegte, eine goldene Schüssel anbringen. Mich selbst ließ er auf einem bunten Teppich stehen und ließ mir eines Königs würdige Speise von mannigfachem äußerstem Wohlgeschmäcke reichen. Jetzt aber, da ich alt geworden bin und keine Arbeit mehr verrichten kann, hat er mich all dieser Ehrung beraubt. In Not und Bedrängnis bin ich und friste mein Leben, indem ich im Walde Pandang-Früchte [2] verzehre. Eine andere Hilfe habe ich nicht; bewirkt Ihr, Erhabener, dass Udena sich an meinen Vorzug erinnert, und verschafft mir wieder die frühere Ehrung, die mir gebührt!“ So bat sie unter Klagen den Vollendeten.
Der Meister erwiderte: „Gehe nur; ich werde es dem Könige sagen und dir die frühere Ehrung zuteil werden lassen.“ Nach diesen Worten begab er sich an das Tor des königlichen Palastes. Der König ließ den Vollendeten eintreten und spendete im Innern seines Palastes der Mönchsgemeinde samt Buddha, ihrem Haupte, ein großes Almosen. Als der Meister nach Beendigung des Mahles die Danksagung darbrachte, fragte er: „O Großkönig, wo ist Bhaddavatika?“ „Ich weiß es nicht, Herr“, antwortete dieser. Darauf sprach der Meister: „O Großkönig, es passt sich nicht, wenn man seinen Helfern Ehre zuteil werden ließ, diese ihnen, wenn sie alt geworden, wieder zu nehmen. Man muss dankbar sein und sich an die Wohltaten erinnern. Bhaddavatika ist jetzt, da sie hochbetagt und vom Alter bedrückt ist, in Not gekommen und fristet ihr Leben, indem sie im Walde Pandang-Früchte verzehrt. Dass Ihr sie in ihrem Alter Not leiten lasst, ist für Euch nicht passend.“ Nachdem er dann Bhaddavatikas Vorzug auseinandergesetzt, fügte er hinzu: „Erweist ihr alle frühere Ehrung, die ihr gebührt“, und entfernte sich.
Der König tat so. In der ganzen Stadt aber verbreitete sich die Rede: „Der Vollendete hat den Vorzug der Bhaddavatika geschildert und dadurch ihre frühere Ehrung, die ihr gebührte, wieder veranlasst.“ Auch in der Mönchsgemeinde wurde diese Begebenheit bekannt und darauf begannen sie in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, der Meister hat den Vorzug der Bhaddavatika geschildert und dadurch ihre frühere Ehrung, die ihr gebührte, wieder veranlasst.“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon hat der Vollendete ihren Vorzug geschildert und dadurch ihre frühere Ehrung, die ihr gebührte, wieder veranlasst.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Ehedem regierte zu Benares ein König namens Dalhadhamma. Damals hatte der Bodhisattva in einer Ministerfamilie seine Wiedergeburt genommen und diente, nachdem er herangewachsen war, dem Könige. Er empfing von ihm große Ehrung und bekleidete die Stelle des ersten Ministers.
Damals besaß der König ein Kamelweibchen [3], das war mit großer Kraft ausgestattet und sehr stark. An einem Tage legte es hundert Yojanas zurück. Es besorgte für den König die Überbringung von Botschaften; in der Schlacht stürzte es sich in den Kampf und zertrat die Feinde. Der König dachte: „Es ist mir eine große Hilfe“, gab ihm allen Schmuck und ließ ihm alle Ehrung zuteil werden
§D gleich der, die der König Udena der Bhaddavatika zukommen ließ.
Als es aber alt und schwach wurde, entzog ihm der König die ganze Ehrung. Von da an kam es in Not und fristete sein Leben, indem es sich im Walde von Gras und Blättern nährte.
Als nun einmal beim Hofe des Königs die Gefäße nicht ausreichten, ließ der König den Töpfer zu sich rufen und sagte ihm: „Die Gefäße sind ja nicht ausreichend.“ Dieser antwortete: „Ich bekomme keine Rinder, die ich an den Wagen spannen könnte, um Kuhmist zu holen [4].“ Als der König seine Worte vernahm, fragte er: „Wo ist denn unser Kamelweibchen?“ Man erwiderte ihm: „Es geht umher nach eigenem Gutdünken.“ Darauf sagte der König: „Von jetzt an spanne das Tier an und hole damit Kuhmist“; mit diesen Worten übergab er es dem Töpfer.
Als aber das Kamelweibchen eines Tages zur Stadt hinausging, sah es den Bodhisattva, wie er die Stadt betrat. Es legte sich zu seinen Füßen nieder und sprach jammernd: „O Gebieter, als ich noch jung war, merkte der König, dass ich ihm eine große Hilfe sei, und erwies mir große Ehrung. Jetzt aber, da ich alt geworden bin, hat er sie mir ganz entzogen und denkt nicht einmal mehr an mich. Ich friste in meiner Not mein Leben, indem ich im Walde Gras und Blätter verzehre. Da ich nun so ins Unglück gestürzt bin, hat er mich jetzt dem Töpfer gegeben, um mich an seinen Wagen zu spannen. Außer Euch habe ich keine andere Zuflucht. Ihr wisst, wie ich dem Könige geholfen habe; gut, bewirket, dass meine verlorene Ehrung wieder wie früher werde!“ Nach diesen Worten sprach es folgende drei Strophen:
§1. „Wenn ich dem König Dalhadamma
durch Botendienste nicht genügte,
nicht dass an meiner Brust den Speer
ich hielt, zu Boden trat die Kämpfer [5]!
§2. Jetzt weiß der König ja nicht mehr,
dass ich gewirkt gleich einem Mann;
im Kampfe tat ich Heldentaten
und seine Botschaften bestellt' ich.
§3. So aber muss den Tod ich finden,
niemand befreundet, ohne Zuflucht;
denn jetzt dem Töpfer schenkt' er mich,
dass ich den Mist herbei ihm fahre.“ —
Als der Bodhisattva die Rede des Tieres vernommen, tröstete er es mit folgenden Worten: „Sei unbekümmert; ich werde es dem Könige mitteilen und dir deine Ehrung wiederherstellen wie zuvor.“ Dann ging er in die Stadt hinein und begab sich nach dem Frühmahle zum Könige. Mit diesem begann er ein Gespräch und sagte dabei: „O Großkönig, hatte nicht ein Kamelweibchen namens so und so bei der und der Gelegenheit den Speer an seiner Brust befestigt und beteiligte sich beim Kampfe? Wurde es nicht an dem und dem Tage mit einem Briefe, der an seinem Halse befestigt war, fortgeschickt und legte hundert Yojanas zurück? Auch Ihr erwieset ihm große Ehre; wo ist es jetzt?“ Der König antwortete: „Ich habe es dem Töpfer gegeben, um Kuhmist herbeizuschaffen.“
Darauf sprach zu ihm der Bodhisattva: „Es passt nicht für Euch, o Großkönig, dies Tier dem Töpfer zu schenken, damit er es an seinen Wagen spanne.“ Und um ihn zu ermahnen, sprach er die folgenden vier Strophen:
§4. „Solang man einen kann gebrauchen,
so lang wird Ehrung ihm zuteil;
doch wird er schwach, verlässt man ihn,
wie das Kamelweibchen der Fürst.
§5. Wer dessen, der ihm früher Gutes
erwiesen hat, nicht mehr gedenkt,
der geht des Guten all verlustig,
das immer er für sich begehrt.
§6. Wer dessen, der ihm früher Gutes
erwiesen, später noch gedenkt,
dem bleibt das Gute all erhalten,
§7. Drum sage ich euch: Heil sei euch,
soviel ihr hier zusammenkamet!
Seid alle dankbar stets gesinnt,
dann dürft ihr lang im Himmel weilen.“
So erteilte der Bodhisattva vom Könige angefangen allen Versammelten eine Ermahnung. Als dies der König vernommen, erwies er dem Kamelweibchen wieder die frühere Ehrung. Er beharrte bei der Ermahnung des Bodhisattva, tat gute Werke wie Almosen Spenden u. dgl. und gelangte hierauf in den Himmel.
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war das Kamelweibchen Bhaddavatika, der König war Ananda, der Minister aber war ich.“
Ende der Erzählung von Dalhadhamma
[2] Ketakam ist der Baum Pandanus odoratissimus, der besonders auf den malayischen Inseln oft vorkommende Pandang.
[3] Das Wort „otthivyadhi“ wird auch als „Elefantenweibchen“ gedeutet. Nun heißt aber „ottha“ (skr. „ostra“) das Kamel; allerdings ist die Beifügung „vyadhi“, das eigentlich „Krankheit“ bedeutet, unklar. Im Übrigen passt die Schilderung der Schnelligkeit des Tieres besser für ein Kamel.
[4] Zum Brennen des Tons.
[5] D. h. wenn ich ihm dadurch nicht genügte, wer soll dann dazu im Stande sein?

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7