Source: http://familienrecht.at/index.php?id=7096&L=446%27
Timestamp: 2018-10-24 02:49:29+00:00

Document:
Verzeichnispfad: Internetplattform Österr. Recht / Allgemeines / Verfahrenshilfe
Allgemeines Verfahrensgesetze
GebAG, GGG
Jurisdiktionsnorm JN
Kosten alle Verfahren
Kosten Außerstreitverfahren
A E F K M N P R S U V W
Verfahrenshilfeformular am Bildschirm ausfüllbares Verfahrenshilfeformular
gesetzliche Bestimmungen (§§ 63 ff ZPO)
Personen, die wirtschaftlich schlechter gestellt sind, wird über Antrag vom Gericht in Zivil- und Strafsachen die Verfahrenshilfe (in unterschiedlichem Ausmaß - § 64 ZPO) bewilligt und wenn das Gericht auch einen Rechtsanwalt im Rahmen der Verfahrenshilfe bewilligt, von der Rechtsanwaltskammer ein Rechtsanwalt zur unentgeltlichen Rechtsvertretung zur Verfügung gestellt. Die Einkommensgrenze liegt derzeit bei rund S 10.000,00 ohne weitere Sorgepflichten, jedoch je nach absehbarem Verfahrensaufwand. Die Rechtsanwaltskammer kann auch einen "Wunschanwalt" als Verfahrenshelfer bestellen. Dies ist aber von der Zustimmung des zu bestellenden Anwaltes abhängig. Gegen die Verweigerung kann der Antragsteller, gegen die Gewährung der Verfahrenshilfe der Gegner Rekurs erheben. Ein Revisionsrekurs in Sachen Verfahrenshilfe ist jedenfalls unzulässig (§ 528 Abs. 2 Z. 4 ZPO).
Einer alleinstehenden Person müssen jedenfalls € 950,00 zur Bestreitung des notwendigen Unterhalts verbleiben (EF-Slg 111.939 = LG für ZRS Wien 2005/04/25, 44 R 222/05f). Keine Gewährung der Verfahrenshilfe bei einem verbleibenden Einkommen von € 1.100,00 (EF-Slg 111.940). Verbleiben dem Antragsteller für sich und die vierköpfige Familie € 1.300,00, ist Verfahrenshilfe selbst für Gerichtsgebühren von € 200,00 zu gewähren (EF-Slg 111.9419).
In Verfahren in denen Anwaltszwang herrscht, ist auch die Beigebung eines Rechtsanwaltes vorgesehen. In anderen Verfahren nur bei außergewöhnlicher Schwierigkeit des Falles oder quasi bei besonderer Unbeholfenheit des Betroffenen (EF-Slg 85.251, 82.184, 79.168, 66.961, .
Die meisten Gerichten geben bei Scheidungsverfahren in erster Instanz keinen Rechtsanwalt bei.
Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass Rechtsmittel auch zu Protokoll unter Anleitung eines Richters gegeben werden können (§ 520 Abs. 1 ZPO).
Die subsidiäre Geldunterhaltspflicht der Mutter, die das Verfahrenshilfe anstrebende Kind in ihrem Haushalt betreut, erstreckt sich auch auf die Kosten eines Exekutionsverfahrens. Um dem Kind Verfahrenshilfe bewilligen zu können, müssen die Voraussetzungen des § 63 Abs 1 ZPO auch bei der naturalunterhaltspflichtigen Mutter vorliegen ( LG Leoben 2005/07/11, 32 R 149/05i).
Anmerkung: die Entscheidung des LG Leoben ist auch in der Praxis sehr bedeutsam, da in Verfahren wegen Unterhalt von minderjährigen Kindern bei Einholung von Gutachten den Kindern gerne Verfahrenshilfe gewährt wird und der Unterhaltspflichtige oft mit einer Solidarhaftung konfrontiert ist, die letztlich darauf hinausläuft, dass er alleine auf den kosten "sitzenbleibt".
Gegenteilig: LG für ZRS Wien 2005/08//30, 42 R 324/05s
Nach derzeit geltender Rechtslage kann im Strafverfahren dem Opfer (als Privatbeteiligtem) kein Anwalt als Verfahrenshelfer beigegeben werden. Allerdings bieten die Rechtsanwaltskammern dieses Service in Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendanwaltschaften bei Strafverfahren wegen sexuellem Missbrauch an.
Eine nachträgliche Befreiung von Gerichtsgebühren im Wege der Verfahrenshilfe ist nicht möglich. Mit Antragstellung oder Klagsführung ist daher unbedingt auch sofort der Antrag auf Verfahrenshilfe zu stellen (EF-Slg 72.905).
Ein Antrag auf Verfahrenshilfe innerhalb offener Rechtsmittelfrist unterbricht diese (d.h. sie läuft nicht mehr). Diese Rechtsmittelfrist beginnt neu zu laufen mit rechtskräftiger Abweisung des Antrages auf Beigebung eines Rechtsanwaltes oder mit der Zustellung des Bescheides der Rechtsanwaltskammer mit dem ein bestimmter Anwalt beigegeben wird (u.a. §§ 73, 464 Abs. 3, 521 ZPO). Dies gilt auch im Außerstreitverfahren ( OGH 25. 3. 1999, 6 Ob 311/98y).
§ 71 ZPO bietet keine Grundlage für einen Beschluss, mit dem im Rahmen der Verfahrenshilfe gestundete Beträge für uneinbringlich erklärt werden . Die Dreijahresfrist des § 71 ZPO wird nicht durch ein einfaches Ruhen des Verfahrens ausgelöst ( OLG Wien 2005/06/16, 10 Ra 73/05m).
Im Rahmen der Verfahrenshilfeanträge sind die Voraussetzungen zu bescheinigen. Es ist zu beachten, dass Mängel bei der Bescheinigung zu Lasten der Partei gehen, die die Verfahrenshilfe beantragt
Achtung Falle:
Der Verfahrenshilfe in Zivilrechtssachen kann widerrufen werden (erlöschen oder entzogen werden). Es kann daher innerhalb von drei Jahren nach rechtskräftiger Beendigung des Verfahrens die Nachzahlung von Beträgen an Sachverständigengebühren und Rechtsanwaltshonorar vorgeschrieben werden, wenn sich die Einkommens- und Vermögensverhältnisse entsprechend gebessert haben (§ 71 ZPO). Hier kann es zu bösen Überraschungen kommen, weil es an der Aufklärung durchaus oft mangelt.
In Strafverfahren ist ein derartiger (rückwirkender) Widerruf nicht vorgesehen (§§ 41f StPO) und wird auch von der Rechtssprechung ausdrücklich abgelehnt (EvBl 1975/305; SSt 46/27).
Verbesserung von Verfahrenshilfeanträgen:
Gelegentlich werden Verfahrenshilfeanträge ohne Formblatt eingebracht und dann zur Verbesserung binnen einer relativ kurzen Frist zurückgestellt. Bitte beachten, dass diese Verbesserungsfrist nur zu laufen beginnt, wenn ein solches Formblatt vom Gericht angeschlossen wurde ( OGH 1995/09/20, 10 ObS 165/95).
Verfahrenshilfe in Pflegschaftsverfahren
In Pflegschaftsverfahren (Unterhalt Kinder - Vertretung durch Jugendamt möglich EF-Slg 82.183, Obsorge, Besuchsrecht) wird in der Regel kein Rechtsanwalt beigegeben. Siehe aber die Entscheidung des EGMR P., C. & S. gegen das Vereinigte Königreich vom 2002/07/16. In Pflegschaftsverfahren ist in der Regel ein Anwalt nicht beizugeben, da keine Anwaltspflicht besteht und auch der Grundsatz der Amstwegigkeit vorherrschtund auch ein hoher Prozentsatz von Rechtsmitteln zielführend von den Parteien selbst verfasst wird (EFSlg 111.992; 111.993).
Anmerkung: die Entscheidung des LG Leoben ist auch in der Praxis sehr bedeutsam, da in Verfahren wegen Unterhalt von minderjährigen Kindern bei Einholung von Gutachten den Kindern gerne Verfahrenshilfe gewährt wird und der Unterhaltspflichtige oft mit einer Solidarhaftung konfrontiert ist, die letztlich darauf hinausläuft, dass er alleine auf den Kosten "sitzenbleibt". Nach meiner Wahrnehmung ist die E aber vereinzelt geblieben bzw. wurde ausdrücklich abgelehnt.
Bei besonders emotional geführten Besuchsrechtsverfahren kann auch ein Rechtsanwalt in Verfahrenshilfe beigegeben werden, insbesondere wenn Beugestrafen bis zur Beugehaft beantragt sind ( LG Linz 2004/02/19, 15 R 427/03z).
Anmerkung: Irgendwie bemerkenswert. Die KM boykottiert das vereinbarte Besuchsrecht auf Teufel komm raus monatelang, stellt so nebenbei einen Aussetzungsantrag, das Gericht tut wenig, außer ein Gutachten einholen - das wenig überraschend - eine BesuchsrechtsAUSDEHNUNG - empfiehlt und der Rekurssenat wirft zwischen den Zeilen dem Vater die Beugestrafenanträge vor - die KM wird auch noch mit Verfahrenshilfeanwalt belohnt. Folgerung: je massiver der Rechtsbruch ist und die geforderten Sanktionen gegen den Rechtsbruch, desto leichter kriegt der Rechtsbrecher den Anwalt umsonst, man muss Jurist sein, um diesen Krampf zu verstehen :-((Bei besonders emotional geführten Besuchsrechtsverfahren kann auch ein Rechtsanwalt in Verfahrenshilfe beigegeben werden, insbesondere wenn Beugestrafen bis zur Beugehaft beantragt sind ( LG Linz 2004/02/19, 15 R 427/03z).
gesetzliche Bestimmungen (ZPO)
§ 63. (1) Verfahrenshilfe ist einer Partei so weit zur Gänze oder
zum Teil zu bewilligen als sie außerstande ist, die Kosten der
Führung des Verfahrens ohne Beeinträchtigung des notwendigen
Unterhalts zu bestreiten, und die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder
Rechtsverteidigung nicht als offenbar mutwillig oder aussichtslos
erscheint. Als notwendiger Unterhalt ist derjenige Unterhalt
anzusehen, den die Partei für sich und ihre Familie, für deren
Unterhalt sie zu sorgen hat, zu einer einfachen Lebensführung
benötigt. Als mutwillig ist die Rechtsverfolgung besonders anzusehen,
wenn eine nicht die Verfahrenshilfe beanspruchende Partei bei
verständiger Würdigung aller Umstände des Falles, besonders auch der
für die Eintreibung ihres Anspruchs bestehenden Aussichten, von der
Führung des Verfahrens absehen oder nur einen Teil des Anspruchs
geltend machen würde.
(2) Einer juristischen Person oder einem sonstigen parteifähigen
Gebilde ist die Verfahrenshilfe zu bewilligen, wenn die zur Führung
des Verfahrens erforderlichen Mittel weder von ihr (ihm) noch von den
an der Führung des Verfahrens wirtschaftlich Beteiligten aufgebracht
werden können und die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder
erscheint; das gleiche gilt für ein behördlich bestelltes Organ oder
einen gesetzlichen Vertreter, die für eine Vermögensmasse auftreten,
wenn die zur Führung des Verfahrens erforderlichen Mittel weder aus
der Vermögensmasse noch von den an der Führung des Verfahrens
wirtschaftlich Beteiligten aufgebracht werden können.
(3) (Anm.: aufgehoben durch BGBl. Nr. 135/1983)
(4) Die Bestimmungen über die Verfahrenshilfe gelten auch für den
Nebenintervenienten.
§ 64. (1) Die Verfahrenshilfe kann für einen bestimmten
Rechtsstreit und ein nach Abschluß des Rechtsstreits eingeleitetes
Vollstreckungsverfahren die folgenden Begünstigungen umfassen:
1. die einstweilige Befreiung von der Entrichtung
a) der Gerichtsgebühren und anderen bundesgesetzlich geregelten
staatlichen Gebühren;
b) der Kosten von Amtshandlungen außerhalb des Gerichtes;
c) der Gebühren der Zeugen, Sachverständigen, Dolmetscher,
Übersetzer und Beisitzer;
d) der Kosten der notwendigen Verlautbarungen;
e) der Kosten eines Kurators, die die Partei nach § 10 zu
bestreiten hätte;
f) der notwendigen Barauslagen, die von dem vom Gericht
bestellten gesetzlichen Vertreter oder von dem der Partei
beigegebenen Rechtsanwalt oder Vertreter gemacht worden sind;
diese umfassen jedenfalls auch notwendige Übersetzungs- und
Dolmetschkosten; die unter den Buchstaben b bis e und die
unter diesem Buchstaben genannten Kosten, Gebühren und
Auslagen werden vorläufig aus Amtsgeldern berichtigt;
2. die Befreiung von der Sicherheitsleistung für die Prozeßkosten;
3. sofern die Vertretung durch einen Rechtsanwalt gesetzlich
geboten ist oder es nach der Lage des Falles erforderlich
erscheint, die vorläufig unentgeltliche Beigebung eines
Rechtsanwalts, die sich auch auf eine vorprozessuale
Rechtsberatung im Hinblick auf eine außergerichtliche
Streitbeilegung erstreckt; dieser bedarf keiner Prozeßvollmacht,
jedoch der Zustimmung der Partei zu einem Anerkenntnis, einem
Verzicht oder der Schließung eines Vergleiches. § 31 Abs. 2
und 4 sind sinngemäß anzuwenden;
4. sofern in einer Rechtssache, in der die Vertretung durch einen
Rechtsanwalt gesetzlich nicht geboten ist und der Partei auch
ein Rechtsanwalt nicht beigegeben wird, die Klage bei einem
Gericht außerhalb des Bezirksgerichtssprengels angebracht
werden soll, in dem die Partei ihren Aufenthalt hat, das Recht,
die Klage gemeinsam mit dem Antrag auf Bewilligung der
Verfahrenshilfe beim Bezirksgericht ihres Aufenthalts zu
Protokoll zu erklären und zu begehren, daß dieses Protokoll dem
Prozeßgericht übersendet, und daß von diesem für die Partei zur
unentgeltlichen Wahrung ihrer Rechte bei der mündlichen
Verhandlung ein Gerichtsbediensteter oder ein Rechtspraktikant
als ihr Vertreter bestellt werde; deren Auswahl obliegt dem
Vorsteher des Gerichtes;
5. sofern das Gericht deren persönliche Anwesenheit zur
Einvernahme oder zur Erörterung des Sachverhalts anordnet, den
Ersatz der notwendigen Reisekosten der Partei in sinngemäßer
Anwendung der für Zeugen geltenden Bestimmungen des GebAG
1975; diese Kosten werden vorläufig aus Amtsgeldern ersetzt.
(2) Bei Bewilligung der Verfahrenshilfe ist auszusprechen,
welche der im Abs. 1 aufgezählten Begünstigungen und welche zur
Gänze oder zum Teil gewährt werden. Die Begünstigung nach Abs. 1 Z 3
darf nur in vollem Ausmaß gewährt werden.
(3) Soweit die Verfahrenshilfe bewilligt wird, treten die
Befreiungen und Rechte nach Abs. 1 mit dem Tag ein, an dem sie
beantragt worden sind. Die Befreiungen nach Abs. 1 Z 1 Buchstaben b
bis e können wirksam noch bis zur Entrichtung dieser Kosten und
Gebühren beantragt werden.
§ 64a. Eine Partei, der in einem anderen Mitgliedstaat der
Europäischen Union für einen bestimmten Rechtsstreit Verfahrenshilfe
gewährt worden ist, hat für das Verfahren zur Anerkennung und
Vollstreckung der in diesem Rechtsstreit ergangenen Entscheidung
Anspruch auf Verfahrenshilfe gemäß diesem Titel. Die Partei hat in
ihrem Antrag zu bescheinigen, dass ihr im Erkenntnisverfahren
Verfahrenshilfe gewährt wurde, dem Antrag ein Vermögensbekenntnis
(§ 66) anzuschließen und anzugeben, welche der in § 64 Abs. 1
aufgezählten Begünstigungen sie begehrt. Das Gericht hat
auszusprechen, in welchem Ausmaß der Partei die Begünstigungen des
§ 64 Abs. 1 gewährt werden.
§ 64b. Zur außergerichtlichen Streitbeilegung in
nachbarrechtlichen Streitigkeiten nach § 364 Abs. 3 ABGB wird
Verfahrenshilfe für den Antrag nach § 433 Abs. 1 gewährt. Diese
umfasst die Begünstigungen nach § 64 Abs. 1 Z 1 und 5.
§ 65. (1) Die Verfahrenshilfe ist beim Prozeßgericht erster Instanz
schriftlich oder zu Protokoll zu beantragen. Hat das Prozessgericht
seinen Sitz außerhalb des Bezirksgerichtssprengels, in dem die
Partei ihren Aufenthalt hat, so kann sie den Antrag beim
Bezirksgericht ihres Aufenthalts zu Protokoll erklären; im Fall des
§ 64 Abs. 1 Z 4 kann sie gemeinsam mit diesem Antrag die Klage, den
Widerspruch gegen ein Versäumungsurteil oder den Einspruch gegen
einen Zahlungsbefehl zu Protokoll erklären.
(2) Über den Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe hat stets
das Prozeßgericht erster Instanz zu entscheiden, auch wenn sich die
Notwendigkeit hierzu erst im Verfahren vor einer höheren Instanz
ergibt. Der Beschluß über den Antrag darf dem Gegner frühestens mit
der Klage zugestellt werden.
§ 66. (1) In dem Antrag ist die Rechtssache bestimmt zu bezeichnen,
für die die Verfahrenshilfe begehrt wird. Zugleich sind ein nicht
mehr als vier Wochen altes Bekenntnis der Partei (ihres gesetzlichen
Vertreters) über die Vermögens-, Einkommens- und Familienverhältnisse
der Partei (Vermögensbekenntnis) und, soweit zumutbar, entsprechende
Belege beizubringen; in dem Vermögensbekenntnis sind besonders auch
die Belastungen anzugeben, weiter die Unterhaltspflichten und deren
Ausmaß, sowie ob eine andere Person für die Partei
unterhaltspflichtig ist. Für das Vermögensbekenntnis ist ein vom
Bundesminister für Justiz aufzulegendes und im Amtsblatt der
österreichischen Justizverwaltung kundzumachendes Formblatt zu
verwenden. Ist dem Antrag kein solches Vermögensbekenntnis
angeschlossen, so ist nach den §§ 84 und 85 vorzugehen, wobei jedoch
in allen Fällen nach § 85 Abs. 2 eine Frist zu setzen ist;
gleichzeitig ist der Partei das Formblatt zuzustellen.
(2) Über den Antrag ist auf der Grundlage des
Vermögensbekenntnisses zu entscheiden. Hat das Gericht gegen dessen
Richtigkeit oder Vollständigkeit Bedenken, so hat es das
Vermögensbekenntnis zu überprüfen. Hierbei kann es auch die Partei
unter Setzung einer angemessenen Frist zur Ergänzung des
Vermögensbekenntnisses und, soweit zumutbar, zur Beibringung weiterer
Belege auffordern. Der § 381 ist sinngemäß anzuwenden.
§ 67. Hat das Gericht die Beigebung eines Rechtsanwalts
beschlossen, so hat es den Ausschuß der nach dem Sitz des
Prozeßgerichts zuständigen Rechtsanwaltskammer zu benachrichtigen,
damit der Ausschuß einen Rechtsanwalt zum Vertreter bestelle.
Wünschen der Partei über die Auswahl dieses Rechtsanwalts ist im
Einvernehmen mit dem namhaft gemachten Rechtsanwalt nach Möglichkeit
§ 68. (1) Die Verfahrenshilfe erlischt mit dem Tod der Partei. Das
Prozeßgericht erster Instanz hat von Amts wegen oder auf Antrag -
auch des bestellten Rechtsanwalts - die Verfahrenshilfe so weit zur
Gänze oder zum Teil erloschen zu erklären als Änderungen in den
Vermögensverhältnissen der Partei dies erfordern, oder die weitere
Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung als offenbar mutwillig oder
aussichtslos erscheint.
(1a) Wird nicht innerhalb eines Jahres nach Abschluss des
Rechtsstreits ein Vollstreckungsverfahren eingeleitet, so ist bei
dessen Einleitung von Amts wegen zu überprüfen, ob die
Voraussetzungen für die Gewährung von Verfahrenshilfe weiterhin
(2) Das Prozeßgericht erster Instanz hat von Amts wegen oder auf
Antrag - auch des bestellten Rechtsanwalts - die Verfahrenshilfe so
weit zur Gänze oder zum Teil zu entziehen als sich herausstellt, daß
die seinerzeit angenommenen Voraussetzungen nicht gegeben gewesen
sind. In diesem Fall hat die Partei die im § 64 Abs. 1 Z. 1 genannten
Beträge, von deren Bestreitung sie einstweilen befreit gewesen ist,
insoweit zu entrichten bzw. zu ersetzen und den ihr beigegebenen
Rechtsanwalt nach dem Tarif zu entlohnen. Über den
Entlohnungsanspruch hat das Gericht mit Beschluß zu entscheiden.
(3) Im Zug eines in den Abs. 1, 1a und 2 vorgesehenen Verfahrens
kann das Gericht die Parteien unter Setzung einer angemessenen Frist
zur Beibringung eines neuen Vermögensbekenntnisses und, soweit
zumutbar, von Belegen auffordern. Der § 381 ist sinngemäß anzuwenden.
(4) Erklärt das Gericht die Verfahrenshilfe für erloschen oder
entzieht es sie, so bleibt der bestellte Rechtsanwalt noch bis zum
Eintritt der Rechtskraft des Beschlusses berechtigt und verpflichtet,
für die Partei zu handeln, soweit dies nötig ist, um sie vor
Rechtsnachteilen zu schützen. Die Zustellung des Beschlusses, womit
das Gericht die Verfahrenshilfe für erloschen erklärt oder entzieht,
an den Rechtsanwalt unterbricht den Lauf der Frist zur Beantwortung
der Klage bzw. Erhebung von Rechtsmitteln gegen andere Entscheidungen
des Gerichtes bis zum Eintritt der Rechtskraft des genannten
Beschlusses. Mit dem Eintritt der Rechtskraft beginnt die volle Frist
von neuem zu laufen.
§ 69. Gegen denjenigen, der durch unrichtige oder unvollständige
Angaben im Vermögensbekenntnis (§ 66) die Verfahrenshilfe
erschleicht, hat das Prozeßgericht erster Instanz eine
Mutwillensstrafe zu verhängen. Derjenige, gegen den eine solche
Mutwillensstrafe rechtskräftig verhängt worden ist, schuldet
überdies - vorbehaltlich der Nachzahlungspflicht der Partei (§ 68
Abs. 2) - die Gerichtsgebühren in zweifacher Höhe. Schließlich hat
das Prozeßgericht den Sachverhalt in jedem Fall der
Staatsanwaltschaft anzuzeigen.
§ 70. Die im § 64 Abs. 1 Z. 1 genannten Beträge, von deren
Bestreitung die Partei einstweilen befreit ist, sowie die der Partei
gemäß § 64 Abs. 1 Z 5 einstweilen ersetzten Reisekosten sind
unmittelbar beim Gegner einzuheben, soweit diesem die Kosten des
Rechtsstreits auferlegt worden sind oder er sie in einem Vergleich
übernommen hat. Das Gericht hat auch dann, wenn die Partei zwar
obsiegt, aber keinen Kostenersatz beansprucht, darüber zu
entscheiden, ob und wieweit der Gegner zum Ersatz der im § 64 Abs. 1
Z. 1 und Z 5 genannten Beträge verpflichtet ist. Ist der Gegner der
Partei zum Kostenersatz verpflichtet, so ist bei der
Kostenfestsetzung so vorzugehen, als wäre der Rechtsanwalt der
Partei nicht vorläufig unentgeltlich beigegeben worden.
§ 71. (1) Die die Verfahrenshilfe genießende Partei ist mit
Beschluß zur gänzlichen oder teilweisen Nachzahlung der Beträge zu
verpflichten, von deren Berichtigung sie einstweilen befreit gewesen
ist oder die ihr zur Bestreitung ihrer Reisekosten einstweilen aus
Amtsgeldern ersetzt worden sind, und die noch nicht berichtigt sind,
wie ebenso zur tarifmäßigen Entlohnung des ihr beigegebenen
Rechtsanwalts, soweit und sobald sie ohne Beeinträchtigung des
notwendigen Unterhalts dazu imstande ist. Nach Ablauf von drei
Jahren nach Abschluß des Verfahrens kann die Verpflichtung zur
Nachzahlung nicht mehr auferlegt werden.
(2) In dem Beschluß über die Nachzahlung ist der Partei zunächst
der Ersatz der im § 64 Abs. 1 Z. 1 Buchstaben b bis f und Z 5
genannten Beträge aufzuerlegen, dann die Leistung der Entlohnung des
Rechtsanwalts unter gleichzeitiger Bestimmung ihrer Höhe und endlich
die Entrichtung der im § 64 Abs. 1 Z. 1 Buchstabe a genannten
Beträge; dieser Beschluß ist erst nach Eintritt der Rechtskraft
(3) In Verfahren nach den Abs. 1 und 2 kann das Gericht die
Parteien unter Setzung einer angemessenen Frist zur Beibringung
eines neuen Vermögensbekenntnisses und, soweit zumutbar, von Belegen
auffordern. Der § 381 ist sinngemäß anzuwenden.
§ 72. (1) Die nach diesem Titel ergehenden Beschlüsse sind ohne
mündliche Verhandlung zu fassen, sofern das Prozeßgericht eine solche
nicht zur Erörterung ihm erheblich scheinender Tatsachen für
erforderlich hält.
(2) Gegen die nach diesem Titel ergehenden Beschlüsse steht auch
dem Gegner sowie dem Revisor der Rekurs zu. Das Recht, einen Antrag
nach § 68 Abs. 1 oder 2 zu stellen, bleibt ihnen vorbehalten.
(2a) Ein Rekurs ist, vorbehaltlich des § 65 Abs. 2, den Parteien
und dem Revisor zuzustellen. Diese können binnen 14 Tagen ab
Zustellung des Rekurses eine Rekursbeantwortung einbringen.
(3) Einer Vertretung durch Rechtsanwälte bedürfen die Parteien bei
den nach diesem Titel bei Gericht vorzunehmenden Handlungen auch im
Anwaltsprozeß nicht. Rekurse gegen Beschlüsse über die
Verfahrenshilfe sowie Rekursbeantwortungen können auch bei
Gerichtshöfen mündlich zu Protokoll erklärt werden. Ein Kostenersatz
§ 73. (1) Weder der Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe noch
ein anderer nach diesem Titel zulässiger Antrag berechtigt die
Parteien, die Einlassung in den Rechtsstreit oder die Fortsetzung der
Verhandlung zu verweigern oder die Erstreckung von Fristen oder die
Verlegung von Tagsatzungen zu begehren.
(2) Hat die beklagte Partei vor Ablauf der Frist, innerhalb deren
sie die Klage zu beantworten, den Einspruch gegen einen
Zahlungsbefehl, die Einwendungen im Mandatsverfahren und im
Bestandverfahren oder den Widerspruch gegen ein Versäumungsurteil
einzubringen hätte, die Bewilligung der Verfahrenshilfe
einschließlich der Beigebung eines Rechtsanwalts beantragt, so
beginnt die Frist zur Einbringung der Klagebeantwortung, des
Einspruchs gegen einen Zahlungsbefehl, der Einwendungen im
Mandatsverfahren und im Bestandverfahren oder des Widerspruchs gegen
ein Versäumungsurteil frühestens mit der Zustellung des Bescheides,
mit dem der Rechtsanwalt bestellt wird, beziehungsweise mit dem
Eintritt der Rechtskraft des Beschlusses, mit dem die Beigebung
eines Rechtsanwalts versagt wird. Der Bescheid über die Bestellung
des Rechtsanwalts ist durch das Gericht zuzustellen.
(3) Wird nach dem Eintritt der Rechtskraft des Beschlusses, mit
dem die Beigebung eines Rechtsanwalts versagt wird, von derselben
Partei neuerlich ein Antrag gestellt, ihr einen Rechtsanwalt
kostenlos beizugeben, so bleibt hievon der weitere Ablauf der schon
einmal nach dem Abs. 2 unterbrochenen Frist unberührt.

References: § 64
 § 63
 OGH 

§ 71
 § 71
 OGH 
 EGMR 

§ 63

§ 64
 § 10
 § 31

§ 64
 § 64

§ 64

§ 64
 § 364
 § 433
 § 64

§ 65

§ 64

§ 66
 § 85
 § 381

§ 67

§ 68
 § 64
 § 381

§ 69

§ 70
 § 64
 § 64
 § 64

§ 71
 § 64
 § 64
 § 381

§ 72
 § 68
 § 65

§ 73