Source: https://der-privatier.com/gastbeitrag-erfahrungen-mit-dem-dispojahr/?replytocom=23791
Timestamp: 2019-11-17 15:23:16+00:00

Document:
Erfahrungen mit dem Dispojahr (Gastbeitrag) | Der Privatier
← Kap. 6.12.6: Die Flexirente
Kap. 12.8 Investment-Ideen →
Gastbeitrag: Erfahrungen mit dem Dispojahr
Der Privatier Veröffentlicht am 15.Nov.2016 von Privatier 17.Dez.2016
Der Beitrag über das Dispojahr gehört zu den beliebtesten Beiträgen hier auf „Der Privatier“. Er hält sich seit seinem Erscheinen ständig auf den ersten Plätzen der meistgelesenen Beiträge und hat inzwischen die stattliche Anzahl von über 600 Kommentaren erreicht.
Die überwiegende Mehrzahl der Kommentare befasst sich mit Detail-Fragen zu speziellen Fällen oder zur Ausführung. Einige wenige Kommentare sind dabei, die nach erfolgreicher Durchführung von ihrem Erfolg berichten. Damit solche Erfolgsmeldungen nicht in der großen Masse an Kommentaren untergehen, hat sich Leser Kawahu entschlossen, hier einmal seine Erfahrungen mit dem Dispojahr zusammenzufassen.
Das Wort hat Blog-Leser Kawahu:
Das Dispositionsjahr
Das Dispositionsjahr funktioniert und ich bin der Beweis dafür, dass es funktioniert hat.
1. Die Kurzfassung
2. Die Langfassung
Ich bin am 31.12.2013 mit einem Aufhebungsvertrag und einer Abfindung im Alter von 57 Jahren ausgeschieden.
Bei einer Arbeitslosmeldung zum 01.01.2014, also unmittelbar nach dem Aus­scheiden, hätten mir für 18 Monate Arbeitslosengeld zugestanden. Aber das Arbeitslosenrecht prüft bei einem Ausscheiden immer die Umstände. Wie hinlänglich bekannt ist, wird man „bei einer Eigenkündigung gesperrt“ – umgangssprachlich aus­gedrückt. Aufhebungsvertrag zählt dabei ebenfalls als Eigenkündigung. Egal, wie das im Vertrag formuliert ist, diese Handlungsweise ist von allen Gerichten bestätigt und es ist auch nicht Sinn dieses Artikels, daran zu rütteln.
2.1 Was bedeutet nun dieses „gesperrt“?
Eigentlich hat man es mit zwei bzw. sogar drei Maßnahmen zu tun, die sich über­lagern und miteinander zusammen hängen.
2.1.1 Ruhensregelung nach §158 SGB III
Der Grundgedanke dabei ist, dass ein Arbeitnehmer eine Kündigungsfrist hat, d. h. ab dem Zeitpunkt der Kündigung bis zum tatsächlichen Ausscheiden vergeht eine gewisse Frist. Bei Eigenkündigung (und auch Aufhebungsverträgen) wird diese Frist in der Regel nicht eingehalten. Je nach den Umständen setzt das Arbeitsamt die Frist auf bis zu 18 Monate fest. Das Gesetz sagt nun, dass vom Ausscheiden bis zum Ende dieser Frist kein ALG1 gezahlt wird (Termin A).
Alternativ wird betrachtet, wieviel Zeit (das Amt rechnet sogar in Tagen) man von der Abfindung hätte leben können. Dabei wird aber nur ein Anteil der Abfindung berücksichtigt, je nach Alter und Betriebszugehörigkeit zwischen 25% und 60%. Ganz grob gerechnet, wieviele Monatsgehälter hätte man bekommen, bis man diesen Anteil der Abfindungssumme erreicht hätte. Als Beispiel: Bei einer Abfindungshöhe von 10 Brutto-Monatsgehältern und einem Anteil von 30% hätte man nach 3 Monaten diesen Anteil erreicht. Dies ergibt den Termin B. Die Details ergeben sich z. B. aus dem Merkblatt 17 der Bundesagentur für Arbeit „Berücksichtigung von Entlassungsentschädigungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, Ziff 4.3.
Die für unsere Zwecke wichtigste Formulierung steckt in SGB III §158 (2) Satz 1: „Der Anspruch auf Arbeitslosengeld ruht … längstens ein Jahr.“ (Termin C)
Alle Termine A, B und C werden für den Einzelfall berechnet, miteinander verglichen und der kürzeste davon genommen. Bis zu diesem Tag ruht das ALG1, d. h. es gibt kein ALG1 und, als Nebeneffekt, man muss sich selbst in der Krankenkasse versichern.
Der Gute an der Ruhensregelung ist, dass das ALG1 nur verschoben, aber nicht ge­kürzt wird. Als Beispiel: Anspruch ALG1 24 Monate, Ausscheiden am 31.12.2013, Ruhen für 3 Monate, Beginn ALG1 01.04.2014, Ende ALG1 31.03.2016.
Nach einem Jahr ist also jegliche Ruhenszeit abgelaufen.
2.1.2 Sperrzeit nach §159 SGB III
Auch hier gilt: Aufhebungsvertrag = Eigenkündigung. In diesem Fall wird immer eine Sperrzeit von 12 Wochen verhängt. Während dieser Sperrzeit „ruht“ der Anspruch auf ALG1 – im Klartext: es wird kein ALG1 gezahlt. Der Begriff „ruht“ führt leider dazu, dass man dies sehr leicht mit der o. a. Ruhensregelung verwechselt und dadurch verwirrt wird.
Beide Zeiten, die Sperrzeit und die Zeit aus der Ruhensregelung laufen übrigens parallel, werden also nicht addiert.
Für diesen Artikel nicht von Bedeutung, möchte ich aber trotzdem erwähnen, dass das Amt noch weitere, zusätzliche Sperrzeiten verhängen kann z. B. wegen ver­säumter Termine, mangelnder Eigenbemühungen etc.
Die für unsere Zwecke wichtigste Formulierung steckt in der Geschäftsanweisung (GA) des Arbeitsamtes zu SGB III §159 in Ziff. 1.4 (2) Abs. 1 letzter Satz: „Eine Sperrzeit tritt nicht ein, wenn seit dem Ende des … Beschäftigungsverhältnisses mehr als ein Jahr vergangen ist.“
Ähnlich, aber ein wenig mehr verklausuliert, steht es in SGB III §148 (2) Satz 2: „… entfällt die Minderung für Sperrzeiten bei … Arbeitsaufgabe, wenn das Ereignis, das die Sperrzeit begründet, bei Erfüllung der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosengeld länger als ein Jahr zurückliegt.“
Beides heißt übersetzt, dass das Ereignis = Ende des Beschäftigungsverhältnisses am 31.12.2013 war, somit am 01.01.2015 über ein Jahr zurückliegt und daher keine Sperrzeit verhängt wird.
2.1.3 Verminderung des Anspruchs wegen Sperrzeit nach §148 SGB III
Der unangenehme Seiteneffekt bei der Sperrzeit, ist, dass der Gesamtanspruch des ALG1 verringert wird, in meinem Fall bei 12 Wochen Sperrzeit um ein Viertel, d. h. die 18 Monate verringern sich um 4,5 auf 13,5 Monate.
Aber es gilt: keine Sperrzeit – keine Verringerung.
2.2 Was ist das Dispositionsrecht und was bewirkt es
Statt sich unmittelbar nach dem Ausscheiden arbeitslos zu melden, kann man dem Arbeitsamt mitteilen, dass man von seinem Dispositionsrecht Gebrauch machen möchte. Dies bedeutet im Klartext, man erklärt, dass man sich nicht sofort, sondern erst später arbeitslos (mit allen Folgen inkl. ALG1) melden möchte.
Nach dieser Zeit meldet man sich also arbeitslos und die Prüfung durch das Amt geht los. Dabei wird geprüft, ob man vor der Arbeitslosigkeit ALG1-versichert war und ob man in den letzten 24 Monaten (ab Zeitpunkt der Meldung rückwärts gerechnet) mindestens für 12 Monate Beiträge bezahlt hat. Ist dies nicht der Fall, so bekommt man kein ALG1. Daher ist es wichtig, diesen Termin auf keinen Fall zu versäumen. Das ist aber insofern unkritisch, als dass man sich bis zu drei Monate vor dem Termin arbeitslos melden kann (z. B. am 15.11.2014 für den 01.01.2015).
Der große Vorteil des Dispositionsrechts liegt darin, dass einerseits einige Ruhens- oder Sperrfristen abgelaufen sein können und andererseits man eventuell in dieser Zeit älter wird und dadurch einen erhöhten ALG1-Anspruch hat (z. B. von 57 auf 58 Jahre = 6 Monate mehr ALG1). Beides zusammen, wie in meinem Fall, erhöht das ALG1 um insgesamt 10,5 Monate oder rund 20.000.- Euro, genug für eine Weltreise.
Völlig unabhängig vom Dispositionsrecht ist die Möglichkeit, den Bezug des ALG1 auf bis zu 4 Jahre zu verteilen. Dies wird in diesem Artikel aber nicht behandelt.
Das ALG1 und auch die Beiträge, die das Amt zur Rentenversicherung abführt, werden auf der Basis des letzten Einkommens vor der Entlassung berechnet. Das Dispositionsjahr ist in dieser Richtung völlig unschädlich.
2.3 Was ist zu beachten
Der wichtigste Punkt und damit auch das größte Risiko ist das Thema Krankheit. Sollte man am geplanten Termin (hier 01.01.2015) arbeitsunfähig (= krank) sein, so steht man dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Und das ist der Grund, warum dann der Antrag auf ALG1 erst später (nach Gesundung) gestellt werden kann. Später heißt aber, dass man dann in den letzten 24 Monaten vor Antrag keine 12 Monate arbeitslosenversichert war und deshalb wird der Antrag abgelehnt, d. h. man be­kommt überhaupt kein Geld. Daher sollte man in die Überlegung eine kritische Bestandsaufnahme seiner Gesundheit einbeziehen. Wer schon Krankheiten oder Schäden hat, sollte das Risiko meiden. Wer dagegen pumperlgesund ist, sollte auch in dieser Hinsicht optimistisch sein.
Wenn man im Jahr vor der Entlassung keine vollen 12 Monate (jeder einzelne Tag zählt) arbeitslos versichert war, gibt es überhaupt kein ALG1.
Während des Dispositionsjahres muss man von seinem Ersparten bzw. von der Abfin­dung leben. Ein Zuverdienst ist möglich, wegen der Steuerprogression aber wenig sinnvoll (wurde schon an anderer Stelle beschrieben).
Kranken- und Pflegeversicherung muss man selbst bezahlen. Bei den Beiträgen wird die Abfindung u. U. auch angerechnet. Sofern man in einer gesetzlichen Kranken­kasse ist, kann man ggf. auch seinen Partner freiwillig versichern und dann bei ihm über die Familienversicherung mitversichert werden. Meine Krankenkasse hat mich hier entsprechend beraten (sehr gut) und das hat prima geklappt (Beitrag KV und PV für 2 Personen pro Monat 160.- Euro).
Je nach Anzahl der bisher erworbenen Rentenjahre sollte man sich für dieses Jahr auch freiwillig in der Rentenversicherung versichern (Mindestbeitrag rd. 1.000.- Euro pro Jahr). Durch Eintragung beim Arbeitsamt als „arbeitssuchend“ kann man evtl. Anrechnungsjahre bei der Rentenversicherung sammeln, macht aber nur Sinn, wenn man sich nicht freiwillig versichert.
Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass man u. U. bis zu 3 Jahre ohne Beschäftigung ist. Wenn man danach wieder arbeiten möchte oder muss, könnte diese Zeitspanne auf potentielle Arbeitgeber eher abschreckend wirken.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Beratung durch das Arbeitsamt richtig grottig ist. Die Bearbeiter kennen sich nicht richtig aus, haben tlw. nur Halbwissen, haben nicht genügend Zeit für die Erklärung und schriftlich gibt es auch nichts. Insbesondere wird man gerne an die Hotline verwiesen.
Der Wissensstand dort mag zwar besser sein, aber alles erfolgt nur mündlich – wenn man da etwas falsch verstanden hat, gibt es keine schriftlichen Unterlagen. Ich habe daher eine schrift­liche Protokollnotiz angefertigt und der Bearbeiterin im Arbeitsamt vorgelegt.
Ihre Teamleiterin hat diese dann unterschrieben und sogar noch um einen Punkt ergänzt (Respekt). Solch ein Vorgehen würde ich jedem empfehlen. Beispiel siehe Anlage (Download im PDF- oder Word-Format über die links stehenden Buttons).
Da ich mich schon vor meinem Ausscheiden intensiv mit der ganzen Problematik beschäftigt habe, habe ich den 31.12. als Termin für das Ausscheiden gewählt wegen der Steuer und des ALG1. Für einen Austritt unterjährig und kürzere Zeiträume des Dispositionsrechts gelten die hier gemachten Aussagen also nur bedingt.
Das Thema ist nicht einfach, aber leider ist das im Zusammenhang mit einem Auf­hebungsvertrag kein einziges Thema: Formulierung des Vertrags, Arbeitszeugnis, Steuern, ALG1, Rente, Betriebsrente, Krankenversicherung, Geldanlage etc.
Aber es macht Sinn, sich selbst damit zu befassen und nicht nur auf das Hörensagen verlassen. Gerade hier kommt es auf die Details an. Ich hoffe, dass ich diese ver­ständlich dargestellt habe. Ich bin auf alle Fälle mit dem Ergebnis zufrieden. Eine Weltreise wurde es zwar nicht, aber immerhin einmal USA mit Hawaii.
Ich wünsche allen Lesern viel Erfolg.
Soweit die Erkenntnisse von Kawahu. Der Inhalt gibt nicht unbedingt die Meinung von „Der-Privatier“ wieder.
Kap. 9.10.1: Arbeitslosengeld – Vorüberlegungen Kap. 9.10.2: Arbeitslosengeld – Sperre Kap. 9.10.3: Arbeitslosengeld – Ruhezeit Kap. 9.3.2.2: Hinweise zum Dispositionsjahr: Vor- und Nachteile
Veröffentlicht unter Aktuelles,Gastbeiträge,Kap. 9 - Agentur für Arbeit	Verschlagwortet mit §148 SGB III,§158 SGB III,§159 SGB III,Abspruch auf ALG,Arbeitslosmeldung,Aufhebungsvertrag,Beratung durch das Arbeitsamt,Dispojahr,Dispositionsrecht,Eigenkündigung,Erfolgsmeldung,Familienversicherung,freiwillig in der Rentenversicherung,Gastbeitrag,Gesamtanspruch des ALG1,gesetzliche Kranken­kasse,Kawahu,Kranken- und Pflegeversicherung,Krankheit,Kündigungsfrist,Rente - Früher oder Später,Rentenversicherung,schrift­liche Protokollnotiz,Sperre,Sperrzeit,Steuerprogression,Vorteil Dispojahr	permalink
Gastbeitrag: Erfahrungen mit dem Dispojahr — 84 Kommentare
Privatier sagte am 15.Nov.2016 um 11:13 :
An dieser Stelle erst einmal „Herzlichen Dank“ an Blog-Leser Kawahu für diese doch recht ausführliche Schilderung und für das Muster-Dokument zur Vorlage bei der Arbeitsagentur!
Mir ist bei der Aufbereitung des Textes für die Veröffentlichung hier im Blog aber noch eine Frage gekommen, die immer wieder im Zusammenhang mit dem Dispojahr gestellt worden ist und ich würde mich freuen, wenn Kawahu diesen Aspekt noch ergänzen könnte: Die Frage nach den Meldefristen.
Also die Frage, wann welche Meldung (arbeitsuchend/arbeitslos) zu Beginn/Ende des Dispojahres abgegeben wurde und ob es dazu Absprachen/Aussagen der Agentur gegeben hat.
Kawahu sagte am 6.Dez.2016 um 14:23 :
Zu meinem Zeitablauf bei der Agentur für Arbeit:
Persönliche Vorsprache beim Arbeitsamt, dabei habe ich mich arbeitslos gemeldet zum 01.01.2014. Weiterhin Klärung allgemeiner Fragen. Dispositionsrecht wurde kurz angerissen.
Telefongespräch mit Hotline zum Thema Dispositionsrecht. Inhalt unbefriedigend, ich habe mich dann später aus anderen Quellen schlau gemacht.
Persönliche Vorsprache beim Arbeitsamt, Abgabe Erklärung zum Dispositionsrecht.
Persönliche Vorsprache beim Arbeitsamt, dabei habe ich mich arbeitslos gemeldet zum 01.01.2015.
Auf Einladung: Persönliche Vorsprache beim Arbeitsamt in der Leistungsabteilung (dabei Abgabe des Antrags auf ALG 1) sowie in der Vermittlungsabteilung
Kawahu
Matthias sagte am 15.Nov.2016 um 17:04 :
Hallo lieber Privatier,
was wäre ich ohne Ihre informativen Seite, besten Dank hierfür.
Trotz intensiver Suche habe ich auf eine Frage keine wirklich belastbare Antwort gefunden.
offizieles Ausscheiden zum 31.12.2016 und Abfindungszahlung
in 2017 Dispositionsjahr
keine weiteren Einkünfte,kein Antrag auf ALG etc.
Dieses meinem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt.
Mein Arbeitgeber will nun aber die Abfindung entweder nach der bisherigen Steuerklasse 4 mit dem Dezembergehalt auszahlen oder im Januar 2017 mit Steuerklasse 6.jeweils unter Berücksichtigung der Fünftelregelung
Wie kann ich Ihm klar machen das dies nicht richtig ist (EstG §39b sonstige Bezüge etc)
Kann mir hier jemand helfen ? Beste Grüße Matthias
Dirk sagte am 16.Nov.2016 um 14:58 :
Ich hatte bei ähnlicher Konstellation gerade auch eine solche Diskussion mit meinem AG. Steuerklasse 6 scheint für die Lohnverrechnung die Standardlösung für alle Zahlungen nach dem Austritt zu sein.
Letztlich kommt es für die Höhe der Steuer auf den Zeitpunkt der Auszahlung an, also ist 2017 wegen der geringeren sonstigen Einkünfte deutlich günstiger als 2016. Die Steuerklasse bestimmt nur, was vorab schon einbehalten wird. Mit der Steuererklärung für 2017 bekommst Du zuviel gezahlte Beträge von FA erstattet, es ist also nur ein zinsloser Kredit, den Du dem FA gewährst.
Hardy sagte am 16.Nov.2016 um 16:03 :
die Arbeitgeber machen die Abfrage der geltenden Steuerklasse über das ELStAM-Verfahren. Nur der „Hauptarbeitgeber“ darf auf die Steuerklassen 1-5 zugreifen.
Dein AG setzt voraus, dass Du in 2017 ALG1 bekommen wirst; damit ist die Arbeitsagentur „Hauptarbeitgeber“. Für Deinen ehemaligen AG gilt damit Steuerklasse 6.
Bei mir kam das Dispositionsjahr zum tragen. Mein ehemaliger AG hat sich von mir schriftlich bestätigen lassen, dass es keinen anderen AG geben wird und dann Steuerklasse 3 verwendet.
Viele Grüße, Hardy
Privatier sagte am 16.Nov.2016 um 16:40 :
Die Fragestellung nach dem korrekten Steuerabzug durch den AG kommt regelmäßig zum Ende/Anfang eines neuen Jahres. Generell ist der AG verpflichtet, den Steuerabzug so vorzunehmen, dass er den tatsächlich vorliegenden Verhältnissen entspricht.
Da er diese aber in der Regel nicht kennt, neigen manche AG zur „vorsichten“ Variante und nehmen an, der Ex-AN könnte ja nahtlos einen vergleichbaren Job mit einem Gehalt in alter Höhe annehmen.
Um es kurz zu machen: Es ist dringend zu empfehlen, ein „nettes und freundschaftliches“ Gespräch mit dem EX-AG zu suchen und ihm die eigene Situation/Pläne (kein ALG, keine Einkünfte, etc.) darzulegen und auch anzubieten, dies schriftlich zu bestätigen. Ziel sollte dabei sein, dass ausschließlich die Abfindung (und kein fiktives Gehalt) unter Berücksichtigung der Fünftelregel und der aktuellen Steuerklasse (eins o. drei) zur Berechnung verwendet wird.
Gelingt einem dies nicht, so bleibt der Trost auf die Rückzahlung im Rahmen der Steuererklärung.
Matthias sagte am 24.Nov.2016 um 15:17 :
Hallo lieber Privatier, Dirk und Hardy, besten Dank für die Antworten.Bitte seht nochmal auf meine Daten
letzter Arbeitstag der 31.12.2016
Auszahlung der Abfindung im Januar 2017
In 2017 Dispositionsjahr(Arbeitsamt hat hierzu einen Vordruck und sich dies schriftlich bestätigen lassen)
Arbeitslosengeld ab 02.01.2018
Dies dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt.
Mein Steuerberater und mein Finanzamt sagen, Abrechnung nach Steuerklasse 4
Arbeitgeber beharrt darauf das er in Steuerklasse 6 abrechnen muss!!!
Zitat vom Arbeitgeber :
Im Januar 2017 sind wir nicht mehr Ihr Haupt-Arbeitgeber, damit müssen wir Sie nach Steuerklasse 6 versteuern. Das bedeutet für Sie im Januar einen höheren Abzug, den Sie im Rahmen Ihrer Jahreseinkommenssteuererklärung aber wieder korrigieren können. Eine Versteuerung nach einer anderen Steuerklasse belässt das Risiko, dass zu wenig Steuern abgeführt wurden, weil Sie in 2017 doch noch anderes Einkommen erzielen, beim Unternehmen.
Ich habe keinen Grund, Ihrer Aussage, dass Sie in 2017 keine anderen Einkünfte haben werden, nicht zu glauben, kann aber nicht das Unternehmen in ein Risiko setzen
Zitatende….
Natürlich wäre dies nur ein Darlehen an Vater Staat und ich bekomme es in 2018 wieder aber obwohl mein arbeitgeber ein Konzern ist und sich extra schlau gemacht hat ,kommt er zu diesem ergebnis.
meine Frage zielte daher eher darauf ab ,wie kann ich Ihn daran hinder, Umgang ist freundlich aber ist er einfach nur inkompetent ? kann ich mir bei der Größe nicht vorstellen, wisst Ihr noch Rat wie ich Ihn überzeugen kann ??
Hardy sagte am 24.Nov.2016 um 16:15 :
ich war bei einem großen Versicherungskonzern beschäftigt. Dort gab es das Problem nicht. Die Personalabteilung war wohl geübter im gesamten Ablauf.
Schlag Deinem AG doch vor, er soll im Januar, zum Zeitpunkt seines Lohn-Laufes, als Haupt-Arbeitgeber die ELSTAM-Abfrage machen. Dann müsste er doch sehen, dass dort kein anderer, z.B. die Arbeitsagentur, gemeldet ist.
Viel Glück, Hardy
Dirk sagte am 24.Nov.2016 um 21:22 :
ich bin (noch) bei einer großen Bank beschäftigt und die Antworten waren nahezu die gleichen. Ich denke, dass gerade in Großkonzernen alles standardisiert ist und die Mitarbeiter zur Risikovermeidung erzogen werden, d.h. möglichst nicht vom vorgegebenen Pfad abweichen. (siehe Dein Zitat)
Kein Mitarbeiter bekommt eine bessere Beurteilung, eine Beförderung oder mehr Bonus, wenn er sicht für Dich (der die Firma verlässt) aus dem Fenster lehnt. Aber wenn etwas schief geht, kann es jede Menge Ärger geben. Das ist dann erstmal weniger eine Frage der Kompetenz, sondern der Incentives.
Hast Du mit dem eigentlichen Sachbearbeiter, der die Lohnverrechnung macht, gesprochen oder bist Du von einem anderen „Manager“ abgeblockt worden? Vielleicht lohnt es sich, noch tiefer in die Organisation vorzudringen bis zum echten Kompetenzzentrum zu dem Thema.
Hardy sagte am 25.Nov.2016 um 12:42 :
„Eine Versteuerung nach einer anderen Steuerklasse belässt das Risiko, dass zu wenig Steuern abgeführt wurden, weil Sie in 2017 doch noch anderes Einkommen erzielen, beim Unternehmen.“
Ich frage mich, wann dieses „Risiko“, und zu wessen Lasten, eintritt.
Meiner Ansicht nach trägt das Risiko der Steuerpflichtige; also Du. Im Endeffekt wird das Finanzamt, allerdings um ein Jahr versetzt, sagen, was der richtige Steuerbetrag ist.
Wie weiter unten gesagt wird, scheint es sich um ein Kompetenzproblem zu handeln.
Ossi sagte am 25.Nov.2016 um 01:11 :
ich bin zum 31.12.2017 mit einer Abfindung dran. Unsere Gehaltsabteilung (grosse Versicherung in Hamburg) hat mir versichert dass die Abfindung in der bisherigen Steuerklasse versteuert wird wenn ich (z. B. per eMail) bestätige dass im Folgejahr kein Arbeitsverhältnis angestrebt wird (sonst STK 6).
Demnach hat der AG Handlungsspielraum.
Privatier sagte am 25.Nov.2016 um 12:11 :
@Matthias,
eigentlich ist das Verfahren für den Lohnsteuerabzug im §39b EStG eindeutig geregelt. Dort ist u.a. festgelegt, dass die Fünftelregel angewandt werden muss und auch, dass die aktuellen Steuerklasse verwendet werden muss: „Für die Lohnsteuerberechnung ist die als Lohnsteuerabzugsmerkmal mitgeteilte Steuerklasse maßgebend.“
Vielleicht hilft ja ein (nochmaliger) Hinweis auf die gesetzliche Regelung?
Wenn nicht, sehe ich aber wenig Chancen, denn in einem solchen Fall mit einem Gerichtsprozess zu drohen, halte ich für wenig hilfreich. Dann wird wohl nur das Abwarten auf den Steuerbescheid bleiben.
Ich selber war übrigens auch in einem internationalen Konzern mit ca. 130.000 Mitarbeitern angestellt und bei mir waren sowohl die Anwendung der Fünftelregel, als auch die „normale“ Steuerklasse (bei mir: drei) ohne jede Zweifel. Und das sogar quasi automatisch, also ohne spezielle Nachfrage oder Forderung von mir.
Es hat also mit „Größe“ oder „Konzern“ nichts zu tun.
Matthias sagte am 25.Nov.2016 um 15:03 :
zunächst erstmal für das Feedback meinen Dank an die Herren Privatier,Hardy,Ossy und Dirk.
Kurzer zwischenstand, nach einem freundschaftlichem Telefonat mit meinem Arbeitgeber wende ich mich ans Finanzamt, Huíntergrund, der AG hat von einer führenden wirtschaftsberatung seinen Kenntnisstand und geht dann natürlich den sicheren Weg.Ich will mal versuchen ob das Finanzamt mir und damit dem AG was schriftliches zukommen assen kann worauf der AG sich dann stützen kann.
Übers Ergebnis werde ich berichten.
Nun noch zum Thema Erfahrungen mit dem Dispositionsjahr,
von meinem Arbeitsamt habe ich einen Vordruck zugesendet bekommen in dem ich per Unterschrift erkläre das :
Mein Anspruch auf Arbeitslosengeld am 01.01.2018 entstehen.
Damit ist für das Arbeitsamt die Sache bearbeitet,natürlich übernimmt das AA keinerlei Leistungen wie Kranken,-Renten und Pflegeversicherung
also recht easy…
Beste Grüße und echt gutes Forum
Matthias sagte am 10.Dez.2016 um 12:24 :
Hallo liebe Forumteilnehmer,insbesondere der Privatier Herr Ranning,Ossi,Hardy und Dirk
das Thema der Steuerklasse hat nun ein gutes Ende gefunden, das Finanzamt hat mir die ELSTAM Daten also die aktuellen Lohnsteuerabzugsmerkmale zugesendet, diese nebst den anderen Fakten in diesem Forum zusammengetragen meinem Arbeitgeber mitgeteilt führten zu der Einsicht und Lernerfahrung auf seiner Seite.
Meinen herzlichen Dank und ein gesundes neues Jahr 2017 als Privatier an alle
Privatier sagte am 10.Dez.2016 um 14:08 :
Wow! Sehr gut. Freut mich zu hören.
Es zeigt aber eben auch, dass neben dem Wissen und den Tipps (die wir hier alle gerne vermitteln) auch immer ein gewisses Maß an Eigeninitiave, Hartnäckigkeit und ein unbedingter Wille, sich auch gegen Widerstände von sogenannten Fachleuten (z.B. in der Personalabteilung) durchzusetzen, erforderlich sind. Gut gemacht!
Didimus sagte am 21.Dez.2016 um 19:28 :
Hallo Privatier und alle anderen Beteiligten, die absolut hilfreiche Informationen geben. Vorab herzlichen Dank dafür!!
Sehr wahrscheinich stehe ich auch vor dem „Problem“ mit einer Abfindung aus dem Beschäftigungsverhältnis zu scheiden. Bin 55 1/2 Jahre alt und schwerbehindert (was für den frühestmöglichen Renteneintritt wichtig ist der demnach der 01.01.2023 wäre).
Wenn möglich möchte ich das Dispositonsjahr nutzen.
Derzeit bin ich aber noch arbeitsunfähig geschrieben, Krankengeldbezug dann ab Mitte Januar 2017. Wie verhält es sich da?
Arbeitslosmeldung sofort, dann Beginn des Dispositionsjahres? Oder Beginn des Dispositionsjahres erst nachdem ich wieder arbeitsfähig bin und solange Krankengeldbezug?
Als wenn alles nicht schon so kompliziert genug wäre 🙂
Privatier sagte am 22.Dez.2016 um 12:44 :
Ich würde zu diesem Thema ganz gerne auf eine Diskussion verweisen, die vor einiger Zeit Leser „Ralf“ angestossen hat: „Dispojahr nach Krankengeldbezug„.
Ich habe damals auch einiges lernen können und daher sind diese Kommentare vielleicht zum Nachlesen ganz hilfreich. Am Ende übrigens auch noch mit einem Hinweis auf die Auswirkungen der ALG1-Höhe.
Jürgen Alletsee sagte am 6.Feb.2017 um 17:39 :
vielen Dank für die umfangreichen Anregungen und auch meinerseits die Bestätigung, dass die beschriebene Vorgehensweise bzgl. Zeitpunkt der Abfindungszahlung und vorteilhafte Nutzung eines Dispositionsjahres funktioniert. Ergänzen möchte ich noch den Hinweis, dass sich auch die Krankenkassenbeiträge noch während des Dispositionsjahres wieder massiv senken lassen.
Nachstehend meine Aktivitäten in chronologischer Aufstellung:
Jahrgang 1957, seit 1990 Mitarbeiter in einem großem deutschen Industrieunternehmen, 2015 bereitwilliges „Opfer“ einer umfangreichen Personalanpassungsmaßnahme
09.04.2015 Aufhebungsvertrag zum 31.12.2015 unterschrieben mit Abfindungszahlung im Januar 2016
29.01.2016 Abfindung erhalten, korrekt versteuert nach 5tel-Regelung
Arbeitsamt:
29.09.2015 Telefongespräch mit Agentur für Arbeit, Zentrale:
– Info über Aufhebungsvertrag
– Ankündigung der Arbeitslosigkeit ab Januar 2016
01.10.2015 Terminvereinbarung durch „persönlichen Betreuer“ im Arbeitsamt
26.10.2015 Gespräch mit persönlichem Betreuer im Arbeitsamt:
– grundlegende Infos über Arbeitslosigkeit
28.10.2015 Telefongespräch mit Agentur für Arbeit, Leistungsstelle:
– Detailinfos über die Nutzung, Vor- und Nachteile eines Dispositionsjahres
– Bestätigung der korrekten Wahrnehmung eines Dispositionsjahres bei Arbeitslosmeldung spätestens zum 01.01.2017
06.11.2015 Telefongespräch mit Agentur für Arbeit, Servicestelle:
– Arbeitslosmeldung zum 01.01.2017 angekündigt
31.10.2016 Antragsunterlagen für Arbeitslosengeld ab 01.01.2017 online ausgefüllt
02.12.2016 Bewilligungsbescheid über 24 Monate Arbeitslosengeld erhalten
16.01.2017 Gespräch mit persönlichem Betreuer im Arbeitsamt:
– Korrektur der gespeicherten Daten
– Hinweise bzgl. erwarteter Bewerbungsbemühungen
– Auswahl möglicher Stellenangebote in der Datenbank der Agentur für Arbeit
30.01.2017 erstes Arbeitslosengeld erhalten
27.11.2015 Meldung über Aufhebungsvertrag an Krankenkasse (TK)
17.12.2015 Info der TK über Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung ab Januar 2016 auf Basis der Abfindung (=> Höchstsatz mit 735€ pro Monat)
12.11.2016 Meldung über aktuelle Einkommenssituation an TK
16.11.2016 Info der TK über Reduzierung der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung rückwirkend ab September 2016 auf 168€ pro Monat
16.01.2017 Info der TK über Übernahme der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung ab Januar 2017 durch Agentur für Arbeit
Privatier sagte am 6.Feb.2017 um 20:29 :
Danke für die ausführliche Schilderung eines nahezu perfekten Ablaufs.
„Nahezu“ deshalb, weil ich nicht so ganz nachvollziehen kann, warum der Beitrag für die KK erst so spät reduziert wurde? Gab es beim Ex-AG einen erhöhten Kündigungsschutz? Wurden also Kündigungszeiten nicht eingehalten?
Aber ansonsten: Perfekt!
Jürgen Alletsee sagte am 13.Feb.2017 um 17:44 :
Besten Dank für die Blumen!
Und die „späte“ Reduzierung des Krankenkassenbeitrages war rein durch mich verschuldet: Ich bin davon ausgegangen, dass ich für das ganze Jahr 2016 den Höchstsatz bezahlen müsste. Erst durch ein Telefongespräch mit der KK in anderer Sache im November 2016 bin ich auf die Reduzierungsmöglichkeit aufmerksam geworden – und die KK (TK) hat dann ja auch noch rückwirkend zu meinen Gunsten gehandelt.
Besser wäre es gewesen, gleich zu Beginn von 2016 bei der KK nach zu fragen, wie lange denn der Höchstsatz gezahlt werden muss.
Privatier sagte am 13.Feb.2017 um 19:36 :
Ja, danke für die Erläuterung. Ich hatte es schon fast geahnt…
Immer gut, wenn man den Privatier liest! 😉
WiBu sagte am 11.Feb.2017 um 18:32 :
Besten Dank an Privatier aber auch Kawahu,
für mich ist bis dato noch unklar, ob das Dispojahr zwingend 12 Monate haben muss oder ob auch ein kürzerer Zeitraum z.B. 6 Monate vereinbart werden kann. Wenn ich am .1.04.2017 aus der Altersteilzeit ALG1 beantrage, muss ich mit eine Sperre von 3 Monaten rechnen und die ALG-Zahlungen reduzieren sich auf 18 Monate. Wenn ich dann – falls möglich – 6 Monate „Dispozeit“ nehme, könnte ich das wegdrücken. Damit bekäme zwar 6 Monate später, dafür aber 24 Monate ALG. Hat da jemand Erfahrung
Hardy sagte am 11.Feb.2017 um 20:47 :
Hallo WiBu,
es gibt gar kein „Dispositionsjahr“.
Man kann den Beginn der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung bestimmen (disponieren). Die maximale Länge der Verschiebung beträgt ein Jahr; daher kommt der Begriff. Kürzere Zeiten sind auch möglich.
Nach genau einem Jahr verfallen auch alle Sperrzeiten; deswegen wird das „Dispositionsjahr“ häufig genutzt.
Die andere sinnvolle Anwendung einer Dispositionszeit ist, über eine Altersgrenze zu kommen und einen längeren ALG1-Anspruch zu haben. Z.B. 24 Monate, wenn man älter als 58 ist.
Hardy sagte am 12.Feb.2017 um 09:02 :
die Konstruktion des „Dispositionsjahres“ kannst Du in Kapitel 9.3.2 nachlesen.
Dort steht auch der Verweis auf den grundlegenden § 137 Abs. 2 SGB III.
Privatier sagte am 12.Feb.2017 um 10:49 :
Hardy hat hier eigentlich schon alles gesagt, deshalb nur ganz kurz:
* Eine Dispozeit wird nicht „vereinbart“, sondern ist immer einzig und allein die eigene Entscheidung.
* Nur wenn exakt ein Jahr eingehalten wird, entsteht der Vorteil hinsichtlich Sperr- und Ruhezeiten.
* Nachzulesen sind die Zusammenhänge im Beitrag über das Dispojahr.
Ich finde allerdings die Hintergründe zu der geschilderten Situation sehr viel interessanter. Denn Arbeitslosigkeit nach Altersteilzeit ist ja eher ungewöhnlich. Normalerweise sollte sich da ja die Rente anschließen, oder?
Wenn dies hier offensichtlich nicht der Fall ist, schließe ich daraus, dass aufgrund einer geänderten Lebensplanung oder auch aufgrund von geänderten Gesetzen (Rente mit 63) der ursprünglich geplante Rentenbeginn nun aufgeschoben wurde.
In einem solchen Fall muss man nicht zwingend mit einer Sperre rechnen! Es gibt zwar durchaus unterschiedliche Rechtsauffassungen (und auch unterschiedliche Urteile), ich bin aber der Meinung, dass die Chancen je nach Lage der Dinge doch recht gut aussehen, ohne eine Sperre davonzukommen. Womit sich dann andere Konstruktionen erübrigen dürften.
Eine recht gute und umfangreiche Erläuterung zur aktuellen Rechtslage kann man beim DGB Rechtsschutz nachlesen.
WiBu sagte am 12.Feb.2017 um 12:20 :
Danke an alle Feedback-Geber, ich lerne täglich dazu. Es ist wohl evident, dass die Ruhe- oder Sperrzeit nur dann nicht greifen, wenn das Dispojahr auf den Tag genau mindesten ein Jahr beträgt. Terminlich betrachtet schon etwas haarig. Demnach erscheint es aussichtsreicher, sich auf eine schlüssige Darlegung der „wichtigen“ Gründe zu konzentriern, die eine geänderte Lebensplanung plausibel machen. Hier würden mich Erfahrungen interessieren, wo medizinische aber auch psychologische Hintergründe eine Rolle spielen. Ich bitte darum
Sylvia sagte am 14.Mai.2017 um 21:02 :
Auch ich stehe vor der Entscheidung, in absehbarer Zeit mit einer Abfindung das Unternehmen zu verlassen und recherchiere seit einigen Wochen in der Richtung.
Dabei bin ich hier über die sehr interessante Idee eines Dipositionsjahres gestolpert und finde das in der Tat eine sehr interessante Möglichkeit, die Sperrfrist zu umgehen.
Hier wurde ja bereits mehrfach erwähnt und davor gewarnt, dass eine Arbeitsunfähigkeit am Stichtag den gesamten Anspruch auf ALG1 verwirken kann.
Gilt das denn wirklich nur für den Stichtag? Ich meine, dann ist das Risiko doch überschaubar; denn dann müsste ich ja schon wirklich sehr krank sein (Krankenhaus oder so) und würde ansonsten einfach nicht angeben, dass ich gerade eine Bronchitis oder sowas habe.
Wenn ich erstmal im ALG1 Bezug stehe, hat es doch keine Auswirkungen mehr auf meinen Leistungsbezug, wenn ich arbeitsunfähig erkranke, oder?
Wie ist denn das eigentlich mit dieser Sperrfrist? Die entfällt erst nach 12 Monaten, richtig? Nehmen wir an, ich will jetzt bezüglich Krankheitsrisiko auf Nummer sicher gehen und melde mich nicht erst nach einem Jahr, sondern schon nach 11 Monaten arbeitslos. Dann kann ja noch immer eine Sperrfrist zur Anwendung kommen. Bekäme ich dann die gesamten 12 Wochen aufgebrummt oder nur noch die restlichen 4 Wochen, die an der Jahresfrist fehlen?
Privatier sagte am 15.Mai.2017 um 12:25 :
Wie es der Zufall will, habe ich heute morgen einen weiteren Beitrag mit Hinweisen zum Dispojahr veröffentlicht. Dabei geht es um die Arbeitslosmeldung am Ende des Dispojahres.
Ich habe den Eindruck, dass die Fragen damit alle beantwortet sind. Wenn nicht, bitte einfach noch einmal fragen.
Sylvia sagte am 15.Mai.2017 um 17:00 :
Hallo lieber Privatier, das passt ja wunderbar, vielen Dank. In den letzten Tagen schnüffle ich fast in jeder freien Minute in deinem Blog herum.
Mir ist aber dazu noch ein anderer Aspekt eingefallen:
Was ist denn wenn ich im letzten Jahr meines Anstellungsverhältnis durch eine Erkrankung ins Krankengeld falle. Bricht dann nicht das schöne Konstrukt für das Dispojahr zusammen? Ich bekomme dann ja nicht mehr die 12 Monate zusammen? Oder wird die Zeit des Krankengeldbezugs aus der Berechnung der Anwartschaft herausgerechnet und diese entsprechend verlängert oder mit fiktiven Daten aufgefüllt?
Hat dazu jemand Erfahrungen? Ist meine Frage nachvollziehbar, oder sollte ich mit Beispieldaten aufwarten?
Gruß, Sylvia
Privatier sagte am 16.Mai.2017 um 08:32 :
Zum Thema Krankengeld würde ich ganz gerne auf eine Diskussion verweisen, die vor einiger Zeit Leser „Ralf“ angestossen hat: „Dispojahr nach Krankengeldbezug“ .
Sylvia sagte am 16.Mai.2017 um 11:10 :
Hey danke, genau danach habe ich gesucht. Bei mir ist der Fall zwar etwas anders gelagert, da ich nicht „plane“, im Anschluss an mein Arbeitsverhältnis eine Krankheit auszukurieren, aber mein Gesundheitszustand lässt befürchten, dass ich in den letzten Arbeitsmonaten auch mal länger als 6 Wochen ausfallen könnte.
Die Infos passen aber trotzdem.
Privatier sagte am 16.Mai.2017 um 11:22 :
Vielleicht als Ergänzung dazu noch einen Erfahrungsbericht von Timmy. Könnte vielleicht das Thema noch ein wenig abrunden.
Und dann viel Erfolg!
Sylvia sagte am 16.Mai.2017 um 12:32 :
Ja, den hatte ich beim Hangeln von Link zu Link inzwischen auch entdeckt.
Was ich noch nicht gefunden habe, sind Erfahrungsberichte über die Alg1-Zeit, was Vermittlungsbemühungen betrifft und wie realistisch es ist, dass ich tatsächlich mit 58+ am Ende noch eine wesentlich schlechter bezahlte Stelle antreten muss.
Gibt es dazu auch schon eine Diskussion?
BigMac sagte am 16.Mai.2017 um 13:39 :
Leider nicht. Ich habe auch schon mal die Leserschaft darum gebeten von Erfahrungen mit der AA in der ALG1-Zeit zu berichten, aber leider quasi ohne Erfolg.
Deine Frage „… wie realistisch es ist, dass ich tatsächlich mit 58+ am Ende noch eine wesentlich schlechter bezahlte Stelle antreten muss“ verstehe ich nicht. Meinst du damit eigentlich, dass du eine Stelle ablehnen „musst“ und damit temporär kein ALG1 aufgrund einer Sperrzeit erhältst?
Gruß, BigMac
Sylvia sagte am 16.Mai.2017 um 14:00 :
Ich meine damit, dass ich ja mit dem Bezug von ALG1 meine Arbeitskraft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stelle, auch wenn ich nicht allzu enttäuscht bin, wenn sich für mich kein passendes Stellenangebot finden sollte.
Das bedeutet aber auch, dass ich grundsätzlich bereit sein sollte, eine entsprechende Stelle anzutreten.
Ich muss doch sicher auch eine Stelle in Erwägung ziehen, die schlechter bezahlt ist, als meine bisherige.
Eigentlich gehört diese Überlegung aber in den Beitrag zur Arbeitsagentur.
@Privatier, es tut mir Leid, dass ich das Thema jetzt falsch platziert habe. Kannst du das irgendwie verschieben?
Privatier sagte am 17.Mai.2017 um 19:56 :
Also, ich lasse die Frage hier mal so stehen. Verschieben möchte ich immer ungern.
Zur Frage der Erfahrungen: Ich denke, die sind SEHR unterschiedlich. Hin und wieder haben einzelne Kommentatoren schon einmal etwas berichtet. Das geht von mehreren „Maßnahmen“ bis hin zur „gar nichts“ (nicht einmal Bewerbungen…).
Es liegt wohl sehr in der Hand der entsprechenden Mitarbeiter, was sie jeweils einfordern. Und darum wäre es sicher auch immer ratsam, sich um ein gutes Verhältnis zu bemühen.
Ich selber habe an einer 2-wöchigen Maßnahme teilgenommen (Existenzgründung), habe in der Summe vielleicht max. 10 Vorschläge von der Agentur bekommen (eher weniger), wurde zwischendrin zu keinen Terminen eingeladen, nur jeweils am Anfang und am Ende.
Neues Leben sagte am 15.Jun.2017 um 11:13 :
Lieber Privatier und Leser dieses Blogs,
erstmal vielen herzlichen Dank für diese Seite !! und ganz großes Kompliment!! Ohne Ihre Hilfe und Informationen auf dieser Seite wäre ich über viele Fallstricke gestolpert.
Aber eine Frage hätte ich noch: meine Situation, seit 1.5. beziehe ich nach vielen Monaten Dispositionsjahr nun ALG 1.
Jetzt würde ich gerne im Herbst eine Auszeit vom ALG 1 nehmen, so ca. 4-6 Wochen. D.h. ich müßte mich abmelden, in dieser Zeit meine KK-Beiträge und Rentenbeiträge selber zahlen, soweit denke ich alles klar.
Aber wie genau funktioniert die ganze Prozedur, vor allem die des wieder anmeldens??
Wie weit im voraus kann ich mich abmelden, d.h. kann ich z.B. am 10. August sagen ich melde mich zum 1. September ab, oder geht das nur ganz kurzfristig?
Oder kann ich mich z.B. abmelden wenn ich mich gerade in einer Weiterbildungsmaßnahme vom Arbeitsamt befinde?
Wenn ich mich dann nach den 6 Wochen meiner Auszeit wieder arbeitslos melde, muss ich wieder alles von vorne anfangen, sprich Antrag einreichen, Arbeitsbescheinigung vom letzten Arbeitgeber einreichen usw.
Vielleicht könnt Ihr bitte meine Fragen beantworten und mir eine „Anleitung“ dieser Situation darstellen, vielleicht auch interessant für andere Leser dieses Blogs.
Schon mal im Voraus ganz herzlichen Dank, ich bin ein begeisterter Leser dieser Seite!!
Die besten Grüße
Penalty sagte am 15.Jun.2017 um 13:36 :
Hallo Neues Leben,
bitte mal lesen ab Seite 21: https://www3.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mtm3/~edisp/l6019022dstbai377607.pdf
Das bedeutet, die AfA kann Sie auf Antrag bis zu 6 Wochen „frei stellen“ ohne eine erneute komplette Antragsprozedur.
Bis zu 3 Wochen im Jahr dürfen Sie eine „Ortsabwesenheit“ beantragen. Während dieser Zeit erhalten Sie weiterhin das ALG. Vielleicht reicht Ihnen sogar dieser Zeitraum, das wäre ganz unkompliziert. Meist wird ein kurzfristiger (ca 2 Wochen vorher) schriftlicher formloser Antrag zur „Zustimmung zur Ortsabwesenheit“ erwartet. Sprechen Sie ggf beim nächsten Termin mit Ihrem Sachbearbeiter bei der AfA, in der Regel sind die Bearbeiter nicht „weltfremd“.
Hoffe, das hilft Ihnen schon mal.
Privatier sagte am 15.Jun.2017 um 13:55 :
Danke Penalty für die Hinweise, da kann ich mich kurzfassen und stichwortartig bestätigen:
* Ortsabwesenheit muss beantragt werden, ALG1 läuft in dieser Zeit weiter.
* Echte Unterbrechung (ohne ALG-Bezug) bis zu 6 Wochen ohne neuen Antrag.
* Bei mehr als 6 Wochen neuer Antrag erforderlich, aber in jedem Fall auf den bestehenden Anspruch hinweisen!
– Eine Abmeldung ist unkompliziert und kann jederzeit und auf unterschiedlichen Wegen erfolgen (persönlich, Mail, Telefon). Ich würde aber einen Weg bevorzugen, der auch nachweisbar ist.
– Eine Abmeldung kann auch für einen späteren Zeitpunkt erfolgen. Das ist ja z.B. auch erforderlich, wenn man einen Arbeitsvertrag zum Anfang des folgenden Monats unterschrieben hat.
– Eine Abmeldung kann sicher auch während einer Maßnahme gemacht werden. Halte ich aber für sehr ungeschickt und würde das nach Möglichkeit vermeiden. In diesem Falle ist ggfs. auch mit Sanktionen zu rechnen.
Neues Leben sagte am 15.Jun.2017 um 18:35 :
Liebe Penalty und Privatier,
vielen herzlichen Dank für Ihre umfassende und prompte Antworten. Dies hat mir wieder mal sehr weitergeholfen !!
Vor allem im Dschungel der deutschen „Beamtensprache“ bin ich immer wieder sehr froh, dass diese Dinge in diesem Forum in einer für den deutschen Durchschnittsmenschen verständlichen Sprache ausgedrückt werden.
Vielen Dank und die allerbesten Grüße
Thomas sagte am 9.Aug.2017 um 15:35 :
auch von mir einen ganz herzlichen Dank für diese Website, die mir schon so einige interessante Tipps und Denkanstöße geliefert hat.
Auch für mich wird die Idee des Privatiers so langsam interessant und das „Dispositionsjahr“, das ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, klingt verlockend.
Im Unterschied zu den meisten Schreiberinnen und Schreibern hier liegt der „Fall“ bei mir etwas anders: ich werde selbst kündigen, eine Abfindung wird es nicht geben. Insofern stellt sich die Frage, ob auch in meinem Fall zwingend die exakt einjährige Pause zwischen Kündigung und Arbeitslosmeldung erforderlich ist, da außer der dreimonatigen Sperre des ALG I keine weiteren Ruhezeiten auftreten sollten. Oder habe ich was übersehen?
Zweite Frage: Im letzten halben Jahr war ich aus eigenem Wunsch teilzeitbeschäftigt, davor drei Jahre Vollzeit. Bastelt die AFA zur Beitragsbemessung einen Mix aus Teil- und Vollzeitgehalt oder wie wird das gehandhabt?
Praktischerweise werde ich dieses Jahr noch 55, so dass sich der Bezugsanspruch von 15 auf 18 Monate erhöhen wird…
FÜR2012 sagte am 9.Aug.2017 um 17:26 :
neben der Sperre von drei Monaten kommt ggf. bei Eigenkündigung parallel noch die Kürzung der Bezugsdauer um ein Viertel noch hinzu …
Vermutlich wissen Sie das schon bzw. haben Pläne wie Sie diese Kürzung vermeiden können.
LG FÜR2012
Privatier sagte am 10.Aug.2017 um 10:36 :
„…stellt sich die Frage, ob auch in meinem Fall zwingend die exakt einjährige Pause zwischen Kündigung und Arbeitslosmeldung erforderlich ist…?“
Die exakt einjährige Pause ist immer erforderlich, wenn Sperr- und/oder Ruhezeiten vermieden werden sollen. Ansonsten kann das jeder machen, wie er will (ich selber habe übrigens auch kein Dispojahr gemacht). Für weitere Überlegungen zum Dispojahr hinsichtlich Motive, Vorteile und Risiken möchte ich gerne auf die „Hinweise zum Dispojahr“ verweisen.
Die Frage der Berechnung des ALG in Verbindung mit einer Teilzeittätigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unter bestimmten Bedingungen kann auch ein früheres Vollzeitgehalt berücksichtigt werden. Näheres dazu findet man im §150 SBG III, speziell Satz 2, Nr.5.
Gerd Zimmermann sagte am 20.Dez.2017 um 15:10 :
Moin Privatier,
ich habe vom AA die Auskunft dass 350 versicherungspflichtige Tage in den letzten 2 Jahren vor Antragstellung notwendig sind . Ich scheide zum 31.12.2017 aus und habe dann bis zum 07.01.2019 Zeit mich arbeitslos zu melden. Ich beabsichtige aber nicht diese Frist auszureizen.
Privatier sagte am 20.Dez.2017 um 18:42 :
„Ich beabsichtige aber nicht diese Frist auszureizen.“
Ich weiß nämlich nicht, wie die Agentur diese mysteriösen 350 Tage begründen will? Ein solches Gesetz kennen ich nicht. Dafür aber die anderen, die exakt ein Jahr für das Dispojahr voraussetzen.
Entrepreneur2Privatier sagte am 20.Dez.2017 um 12:42 :
vielen dank für diesen sehr guten Beitrag!
Wie sieht es aus mit Werbungskosten im dispositionsjahr in den Monaten in der kein Arbeitnehmerverhältnis und auch keine selbständige Arbeit nachgegangen wird – Können diese auch angesetzt werden? Welche einschränkungen gibt es – ich konnte hier informationen für Studenten und Arbeitslose finden jedoch für den Fall des „Privatier“ im Dispojahr. Beste Grüße, Entrepreneur2Privatier
Privatier sagte am 21.Dez.2017 um 10:44 :
Zunächst einmal spielt die Betrachtung einzelner Monate keine Rolle. Es geht immer um den Veranlagungszeitraum, also um das ganze Kalenderjahr. Sind dort Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit enthalten, können auch Werbungskosten geltend gemacht werden.
Liegt aber gar keine Berufstätigkeit mehr vor, müssten diesselben Aussagen gelten, die auch für Studenten und Erwerbslose gelten: Wenn die Werbungskosten zur Vorbereitung einer geplanten Berufstätigkeit dienen, sind sie auch steuerwirksam. Allerdings sollte man sich darauf einrichten, dass man dies genau begründen/nachweisen muss. Mehr dazu über „Vorweggenommene Werbungskosten„.
Covahe sagte am 5.Jun.2018 um 11:55 :
Hab eine im Moment aktuelle Frage
Kann man im Dispo Jahr auch mehr als Euro 450 verdienen? Oder ist die Grenze gesetzt.?
Privatier sagte am 6.Jun.2018 um 14:19 :
Da solche und ähnliche Fragen immer wieder einmal gestellt werden, habe ich dazu zwei gesonderte Beiträge geschrieben:
„Arbeitslosengeld nach einer Zwischenbeschäftigung“ (Teil 1 und 2).
Schneck Frank sagte am 26.Jul.2018 um 22:27 :
Lieber Privatier,
ich scheide mit Aufhebungsvertrag zum 31. Oktober 2018 aus dem Unternehmen aus.
Meine normale Kündigungsfrist wären 7 Monate gewesen zum 31.01.2019
Ich bin 58 Jahre alt und möchte das Dispositionsjahr in Anspruch nehmen.
Ab 01.11.2018 (in Bayern ein Feiertag) bin ich ohne Beschäftigung. Wie ist
die genaue Zeitfolge ?
Ich teile dem Arbeitsamt am 31.Oktober 2018 (01.11. Feiertag) mit, dass ich mein Dispositionsrecht in Anspruch nehmen möchte. Muss ich hier schon den Hinweis geben, dass ich mich zum 01.11.2019 arbeitslos melden werde ? Oder ist es ausreichend wenn ich mich z.B. im Oktober 2019 mit Wirkung zum 01.11.2019 arbeitlos melde ? Ist im Zeitablauf noch etwas zu beachten ? Vielen Dank !
Privatier sagte am 27.Jul.2018 um 09:35 :
Die kurze Antwort lautet:
Sie müssen die Agentur gar nicht über Ihre Pläne informieren. Es bietet jedoch ein wenig mehr Sicherheit, wenn man die Vorgehensweise vorab gemeinsam abstimmt.
Ausführlichere Antworten finden Sie in den Hinweisen zum Dispojahr, inkl. der Vorgehensweisen zu Meldungen zu Beginn und zum Ende eines Dispojahres. Dort können Sie auch noch einmal prüfen, ob ein Dispojahr wirklich die richtige Entscheidung ist.
Schneck Frank sagte am 2.Aug.2018 um 20:57 :
ich scheide vorzeitig ohne Einhaltung der individuellen Kündigungsfrist zum 31.10.2018 aus dem Unternehmen aus. (normale Kündigungsfrist wären 7 Monate zum 31.01.19 gewesen).
Ich wollte den zeitlichen Ablauf nochmal darstellen:
Im Juli 2018 habe ich die Arbeitsagentur informiert, dass ich das Dispositionsrecht gem. & 137 SGB in Anspruch nehmen möchte.
Zum 01.08.2019: arbeitssuchend melden
im Oktober 2019: arbeitslos melden mit Wirkung zum 01. 11.2019
Da ich 58 Jahre bin, habe ich 24 Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld. Umgehe ich mit dieser Vorgehensweise(Dispositionsjahr)auch die Sperrzeit von 6 Monaten ?
Privatier sagte am 3.Aug.2018 um 11:31 :
Soweit ich das erkennen kann, ist die Vorgehensweise korrekt.
Und richtig: Das Dispojahr verhindert Sperr- und Ruhezeiten.
Es wurde allerdings vereinzelt in letzter Zeit berichtet, dass die Agentur trotzdem 12 Wochen Sperrzeit auf dem sog. Sperrzeitkonto vermerkt. Dies hat zwar keine Folgen hinsichtlich der vollen Dauer und Höhe des ALG-Anspruches, könnte aber zu Problemen führen, wenn man sich im Laufe seiner ALG-Zeit weitere Sperren aufgrund von nicht-an-die-Regeln-halten einhandelt. Bei einer Summe von insgesamt 21 Wochen verfällt der ALG-Anspruch nämlich (§ 161 SGB III). 🙁
Porti sagte am 7.Jan.2019 um 18:03 :
Sehr geehrter Privatier, sehr geehrter Kawahu,
vielen Dank für die sehr interessanten und ausführlichen Informationen in diesem Forum.
Ich folge zZ. der o.g. Vorgehensweise zum Dispojahr, mit Ausnahme der vorherigen Absprache mit der Arbeitsagentur. Zum 31.3.18 hatte ich gekündigt,zum 1.4.19 beabsichtige ich mich arbeitslos zu melden.
Bei der Vorbereitung darauf bin ich allerdings darauf gestoßen, dass es die o.g. Regelung bzw. Anweisung zum „SGB III §159 in Ziff. 1.4 (2) Abs. 1 letzter Satz“ nicht mehr zu geben scheint. Allerdings findet sich unter https://con.arbeitsagentur.de/prod/apok/ct/dam/download/documents/FW-SGB-III-159_ba015166.pdf eine Anweisung der AA von 04/2018, die mir dazu etwas widersprüchlich erscheint.
Gibt es Hinweise darauf, dass die AA die Nutzung des §159 für das Dispojahr als missbräuchlich beurteilt bzw. unterbinden will?
Privatier sagte am 8.Jan.2019 um 14:14 :
Die Geschäftsanweisung §159 SGB III (Ruhen bei Sperrzeit) wurde in der Tat überarbeitet. Darüber habe ich hier an anderer Stelle bereits berichtet. Allerdings stellen die Änderungen eher eine Erleichterung dar, da es nunmehr einige Fälle mehr gibt, in denen keine Sperre mehr verhängt wird.
Dass der Satz herausgenommen wurde, nachdem eine Sperre entfällt, wenn das Ereignis, welches sie begründet, mehr als ein Jahr zurückliegt, würde mich nicht beunruhigen. Dies ist immer noch im §148 Abs.2 Satz 2 unverändert so geregelt.
Die Folge ist höchstens ein kleines Detail:
* Gemäß der alten Dienstanweisung zum §159 SGB III gab es nach einem Jahr überhaupt keine Sperre.
* Gemäß der aktuellen DA gibt es zwar eine Sperre (denn der entsprechende Passus fehlt ja), aber ohne Minderung des Anspruches (wg. §148 SGB III).
Die Folge: Man startet mit einem Sperrzeitkonto, welches bereits mit 3 Monaten Sperre gefüllt ist. Erlaubt man sich weiteres „Fehlverhalten“, kann dies zum gänzlichen Verlust des ALG-Anspruches führen.
Wenn man sich „ordentlich“ verhält, sollten daraus keine Nachteile erwachsen.
Porti sagte am 9.Jan.2019 um 11:37 :
Hallo und vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich hoffe dann später ebenfalls Erfolg vermeiden zu können.
Gruß, Porti
Entrepreneur2Privatier sagte am 8.Jan.2019 um 14:40 :
Hallo Herr Privatier,
Würde es diese Speere auch dann geben wenn das Dispojahr vor dem Wegfall der Zeile? Ich hatte Sie so verstanden das es nur für diejenigen eine Änderung gibt die ein dispojahr nach der Änderung begonnen haben. Muss ich jetzt ihre obige Ausführung jetzt anders verstehen?
Entrepreneur2Privatier
Privatier sagte am 8.Jan.2019 um 15:03 :
Der Beginn eines Dispojahres ist für die Agentur quasi ein „non-event“. Ich erinnere daran, dass es den Begriff des Dispojahres in keinem Paragrafen des SGB (oder anderswo) gibt. Es ergeben sich daraus keinerlei Rechtsfolgen.
Entscheidend ist ausschließlich der Beginn der Arbeitslosigkeit bzw. die Meldung zur Arbeitslosigkeit. Die zu diesem Zeitpunkt gültigen Gesetze, Dienstanweisungen und andere Regeln sind dann maßgebend.
Dass sich diese Regeln im Verlaufe der eigenen Planungen immer einmal ändern können, ist ein Risiko, dessen man sich immer bewusst sein sollte!
Entrepreneur2Privatier sagte am 8.Jan.2019 um 17:08 :
Das bedeutet also das von den drei Nachteilen von Speerzeiten: Ruhen des Anspruches, minderung der Anspruchsdauer und das Speerzeitenkonto , ich nach dem Dispojahr nur im letzten Punkt betroffen bn die anderen beiden Punkten erspare ich mir weiterhin durch das dispojahr – ist das so korrekt verstanden?
Privatier sagte am 9.Jan.2019 um 10:55 :
Ja, richtig verstanden.
Sunny sagte am 9.Jan.2019 um 23:31 :
Hallo Privatier,Hallo Frei2020,
vielen Dank für eure Antworten,also
heute früh hab ich mein Antrag auf Alg1 schriftlich bei der zuständigen AFA zurückgezogen.Danke nochmals!
Wie würde es sich jetzt steuerrechtlich auswirken,wenn ich nun dieses Jahr mich privat weiterbilde und dabei mir evtl. Bafög zusteht?Ist dieser Zuschuss dann ein „Zugewinn“ zum Abfindung?
Privatier sagte am 11.Jan.2019 um 13:48 :
Ich würde mal sagen: Oftmals ist Bafög steuerfrei, muss also nicht in der Steuererklärung angegeben werden und hat somit auch keinen Einfluss auf die Besteuerung der Abfindung.
Es hängt allerdings (wie so oft) von den genauen Voraussetzungen ab, diese hier zu erläutern aber ein bisschen sehr weit vom Thema wegführen würde. Deshalb hier mal ein Link: https://www.vlh.de/arbeiten-pendeln/ausbildung-studium/bafoeg-in-die-steuererklaerung-eintragen.html , in dem die wichtigsten Dinge ganz gut erläutert sind.
Doc Jo sagte am 21.Feb.2019 um 16:05 :
bin neu hier, weil mich das Schicksal nun auch gerade gepackt hat:
Bin von meinem Arbeitgeber wegen Betriebsstilllegung zum 31.8.2019 betriebsbedingt gekündigt worden. Bis dahin beziehe ich noch Gehalt, über die Abfindung in vermutlich ordentlich fünfstelliger Höhe wird gerade im Rahmen des Sozialplans verhandelt. Und ich überlege nun, wie ich die Zeit bis zur Rente am besten überbrücke.
Da erscheint mir das Dispositionsjahr, auf das mich ein bereits ausgeschiedener Kollege hingewiesen hat mit Hinweis auf diese Seite (hab mir gleich das Buch gekauft!), als eine durchaus interessante Möglichkeit.
Frage nun: viele Fragen hier drehen sich ja um das Vermeiden von Sperrzeiten durch Aufhebungsverträge (bei mir nicht der Fall) und darum, die 58er Hürde zu nehmen. Für mich auch nicht relevant, weil ich schon 59 bin und mit 63 Jahren und 8 Monaten die 45 Beitragsjahre voll hätte für eine abschlagsfreie Rente – zwar natürlich unterhalb der Regelaltersrente, aber immerhin. Voraussetzung natürlich: weitere (freiwillige) Beitragszahlungen an die Rentenkasse.
Ist das Dispositionsjahr für mich trotzdem eine gute Wahl? Gefühlt würde ich sagen: ja!
Mein Modell im Kopf sieht noch ohne allzu tiefe Recherche so aus:
Ausscheiden zum 31.8.2019, vorher dem AA mitteilen, dass ich das Dispositionsjahr in Anspruch nehmen möchte, ALG 1 ab 1.9.2020 für maximal zwei Jahre bis 31.8.22 – und dann?
Ist es irgendwie ein Nachteil, das Dispositionsjahr mitten im Jahr zu beginnen? Mein Arbeitgeber bietet allerdings wohl auch an, sich die Abfindung erst Anfang 2020 auszahlen zu lassen. Macht das Sinn, solange dann erst mal vier Monate vom Ersparten zu leben, wenn dann im September 2020 sowieso ALG 1 dazukommt?
In einem Beitrag von „Finanztipp“ habe ich ohne weitere Erläuterung gelesen, dass man das ALG 1 auch bis zu vier Jahre strecken kann – geht das wirklich und unter welchen Bedingungen?
Zweiter wichtiger Punkt: Ich bin in der PKV, muss also zumindest mal für den Zeitraum des Dispo-Jahres mich selbst dort vollbeitraglich versichern. Das geht ins Geld. Oder geht da noch was anderes?
Bedanke mich vorab schon mal bei allen, die hier geschrieben haben, ist wirklich sehr interessant und informativ, wenn man sich mit dem Thema Altersarbeitslosigkeit auseinandersetzen muss. Und sorry, sind viele Fragen, ich weiß … 🙏
Privatier sagte am 21.Feb.2019 um 22:14 :
„Ist das Dispositionsjahr für mich trotzdem eine gute Wahl?“
Gefühlt würde ich sagen: Nein!
Ich habe die Gründe, die für und gegen ein Dispojahr sprechen, in dem Beitrag „Hinweise zum Dispositionsjahr: Vor- und Nachteile“ zusammengefasst. Mein Fazit daraus: Wenn man keine Ruhe- oder Sperrzeiten vermeiden will UND keine Altersgrenze erreichen will, sehe ich keinen Sinn im Dispojahr.
Als Motiv bliebe nämlich nur die Vermeidung von zusätzlichen ALG-Einkünften. Und DAS kann man auch einfacher haben, wie z.B. im Beitrag „An- und Abmelden“ beschrieben.
Falls es um die Steuerbelastung geht, kann man diese auch auf andere Art und Weise reduzieren. Siehe Beitrag: „Steuern sparen bei der Abfindung„.
Zur Krankenversicherung: Egal ob jemand ein Dispojahr macht oder einen anderen Weg wählt: Wer weder angestellt ist noch ALG bezieht, wird seine KV-Beiträge wohl selber zahlen müssen. Da führt kein Weg daran vorbei. Ausser ggfs. bei gesetzl Versicherten über die Familienversicherung. Was man sicher immer versuchen kann, ist die Beiträge so klein wie möglich zu halten. Das geht in der gesetzl. Versicherung durch die Planung der Einkünfte, in der PKV evtl. durch eine Optimierung des Tarifs.
Zum ALG-Anspruch: Ein einmal per Bescheid festgestellter ALG-Anspruch hat bis zu vier Jahre Gültigkeit. Ist korrekt. Siehe dazu z.B.: Beitrag: „Arbeitslosengeld nach einer Zwischenbeschäftigung„.
Doc Jo sagte am 22.Feb.2019 um 00:13 :
Danke schon mal für die Einschätzung, Herr Privatier!
Könnte in meinem Fall bedeuten:
Arbeitssuchend melden vor dem 1.6.19. Kündigung wirksam zum 31.8.19. Arbeitslos melden zum 1.9.19. Feststellungsbescheid abwarten (oder kann man den vorher beantragen?) und dann direkt wieder abmelden. Steuerliche Effekte der Abfindung optimieren. Dann zum selbstgewählten Tag X innerhalb von maximal vier Jahren wieder arbeitslos melden und restliches ALG 1 geltend machen.
So „besser“? Und sollte man diesen „Plan“ offen beim AA kommunizieren bei der Arbeitssuchende-Meldung, um nicht gleich in die Bewerbungsmaschinerie eingeschleust zu werden?
Privatier sagte am 22.Feb.2019 um 20:18 :
Die ursprüngliche Frage war ja u.a. darauf gerichtet, ob ein Dispojahr sinnvoll ist. Und ich habe dazu gesagt, dass ich es nicht für erforderlich halte.
Die von Ihnen beschriebene Vorgehensweise wäre z.B. ein gangbarer Weg. Inwieweit dieser Weg nun insgesamt der für Sie beste Weg ist, kann ich schlecht beurteilen. Hier müssten Sie einmal selber ein bisschen mit den Zahlen jonglieren und die Vorgehensweise wählen, die für Sie am bestem passt.
Sie können Ihren Plan („nur den Anspruch feststellen lassen“) durchaus der Agentur mitteilen. Das wird Sie aber nicht von den Verpflichtungen entbinden! Es hängt auch immer ein wenig vom jeweiigen Sachbearbeiter ab, was er mit einer solchen Informationen anfängt.
Doc Jo sagte am 23.Feb.2019 um 08:35 :
Vielen Dank noch mal für die Einschätzung an dieser Stelle, Ihre Argumentationskette ist schlüssig, ich werde wohl das An- und Abmeldeverfahren wählen. Das scheint mir tatsächlich sinnvoller.
Ich habe noch ein, zwei andere Fragen, aber die werde ich an entsprechend anderer Stelle stellen …
Herzlichen Dank noch mal, Ihr Buch und Ihre Seite hier sind mir eine große Hilfe in nicht ganz einfachen Zeiten. 👍
Porti sagte am 8.Mrz.2019 um 13:13 :
mein Dispojahr liegt in den letzten Zügen, zum 31.3.2018 habe ich gekündigt, in den nächsten Tagen will ich mich zum 1.4.19 arbeitslos melden. Ich hatte mich letztes Jahr nicht bei der Agentur gemeldet.
Die Bitte um Gespräch und Termin ist zwar vor zwei Wochen schon per e-Service an meine zuständige Agentur gegangen, von dort habe ich allerdings bisher keine Rückmeldung, außer dass es ein paar Tage dauern kann.
Deshalb habe ich bei der Hotline angerufen und soeben hatte ich ein Gespräch mit einer netten und – wie ich glaube – insgesamt gut informierten Mitarbeiterin, das mich allerdings etwas verunsichert hat.
Sie bestätigte grundsätzlich alles, was hier schon oft beschrieben wurde, zB. die Vermeidung von Sperrzeit, etc. Allerdings ist sie der Meinung, ich hätte mich damals zum 1.4.18 AL melden müssen, um *dann* mein Recht auf Disposition in Anspruch zu nehmen. Wenn ich mich erst jetzt zum 1.4.19 AL melde, würde die Höhe des ALG I nach einem Einkommen berechnet, das über die letzten zwei Jahre vor der AL-Meldung gemittelt wird, was natürlich zu einer starken Reduktion führen würde (ca. die Hälfte). Mit der Begründung, dass das Gesetz vorschreibt, sich am Tag nach dem letzten Arbeitstag persönlich bei der Agentur zu melden.
Meine Frage: habe ich jetzt ein Eigentor geschossen, indem ich damals nicht zur Agentur gegangen bin? Hier im Forum habe ich – abgesehen von Empfehlungen – bisher keine zwingende Notwendigkeit herausgelesen, das zu tun. Vielmehr widerspricht das Beschriebene doch der Idee, die Sperrfrist zu vermeiden, oder?
Auf jeden Fall werde ich am Montag persönlich zur Agentur gehen, das dort besprechen und weitersehen.
Privatier sagte am 8.Mrz.2019 um 14:12 :
Die Dame hat in mehrfacher Hinsicht falsche Aussagen getätigt:
* Eine AL-Meldung zum 1.4.18 war nicht erforderlich.
* Das Dispojahr fliesst bei der Berechnung der ALG-Höhe nicht ein.
* Es gibt kein Gesetz, welche eine persönliche Meldung am Tag nach dem letzten Arbeitstag vorschreibt.
Dies alles ist hier von etlichen Kommentatoren erfolgreich durchgeführt und bestätigt worden. Allerdings gibt es auch in den Agenturen immer wieder Mitarbeiter, denen man die Zusammenhänge erst einmal erklären muss. 🙁
Man sollte sich daher ggfs. „ein wenig“ vorbereiten…
fp sagte am 7.Mai.2019 um 20:42 :
Auf welchen § stützt sich das Dispojahr eigentlich und woraus ergibt sich, dass man sich bis zu 3 Monate vor dem Ablauf des Dispojahres arbeitslos melden kann. Entspricht das dann nicht einer Arbeitssuchemeldung ?
Privatier sagte am 7.Mai.2019 um 22:23 :
Rechtsgrundlagen zum:
* Dispojahr: s. Das Dispojahr
* Arbeitlosmeldung: §141 SGB III (Abs.1 Satz 2).
* Arbeitsuchendmeldung und Arbeitslosmeldung sind nicht identisch.
fp sagte am 8.Mai.2019 um 10:10 :
Gemeint war folgendes. Wer sich 3 Monate vor AL arbeitssuchend meldet, wird ja schon in Vermittlungsaktivitäten eingebunden, ohne Gegenleistung der AfA. Meldet sich man nun zum Ende des Dispojahres mit Wirkung für einem bestimmten Tag AL (z.B. 3 Monate vorher), wird man dann ebenso wie bei einer Arbeitssuchemeldung bereits eingebunden ohne Gegenleistung ? Welchen Vorteil könnte das haben ?
Porti sagte am 8.Mai.2019 um 11:27 :
die „Gegenleistung“ der Afa ist ja gerade die möglichst frühzeitige Vermittlung(-sbemühung). Dass das nicht deiner eigentlichen Intentionen entspricht, steht auf einem anderen Blatt.
Vorteil ist u.a., sich nicht taggenau dort melden zu müssen. Ist bei den Abläufen zum Dispositionsjahr aber auch ausführlich beschrieben.
Gruss, Porti
Privatier sagte am 8.Mai.2019 um 12:44 :
Ergänzung dazu: Ein weiterer Vorteil kann in einer vorzeitigen Bearbeitung/Prüfung der Unterlagen liegen, was teilweise (hier in den Kommentaren beschrieben) dazu führen kann, dass ein Bescheid bereits VOR dem eigentlichen Beginn der Arbeitslosigkeit vorliegen kann.
Vorteil bei gewünschtem ALG-Bezug: Die Leistungen können ohne Wartezeit fliessen.
Vorteil bei gewünschter Abmeldung: Die Abmeldung kann nach kürzester Zeit erfolgen.
Porti sagte am 8.Mai.2019 um 11:38 :
mit etwas Verspätung herzlichen Dank für dieses Superforum. Mir hat es sehr geholfen, mich hier intensiv vorzubereiten. Mein Dispojahr ist mittlerweile abgelaufen und alles hat bestens geklappt. Selbst in der Kleinstadt musste ich keine Paragraphen zitieren, alle kannten die entsprechenden Regelungen. Vielleicht lesen die ja auch hier mit;-) Bei der Hotline war das tw. leider anders.
Nun muss ich mich allerdings mit einem ehrgeizigen jungen Mitarbeiter arrangieren, der mich partout für zu jung für den Ruhestand hält…
Privatier sagte am 8.Mai.2019 um 12:50 :
Danke für die Rückmeldung, Porti. Und schön, dass bis jetzt alles wie geplant geklappt hat. Und was die Agenturen und deren Mitarbeiter für Pläne haben, kann man leider schlecht vorhersehen. Das verläuft sehr(!) unterschiedlich.
Fritz sagte am 12.Aug.2019 um 11:36 :
Ich habe das Disositionsjahr vor kurzem beantragt und habe vor, mich im September 2020 arbeitslos/arbeitssuchend zu melden. Jedoch würde ich gerne im November 2020 für einen Monat im Ausland Urlaub machen. Weiterhin möchte ich auch die Zahlungen des Finanzamtes in 2020 verhindern.
Ich habe von der Möglichkeit gelesen, micht wieder abzumelden. Wenn ich das im Oktober 2020 für den Rest des Jahres mache würde ohne dass vorher die Berechnung meines Anspruches erfolgt ist, laufe ich dann Gefahr meinen Anspruch zu verlieren?
eSchorsch sagte am 12.Aug.2019 um 18:26 :
Formal nicht.
Real besteht eine kleine Gefahr, dass irgendetwas unsauber formuliert wird und der Sachbearbeiter bei Arbeitsamt die „Abmeldung aus dem laufenden ALG1-Bezug“ (weiss nicht wie das offiziell heißt, hoffe es ist verständlich beschrieben) fälschlicherweise für eine „Stornierung“ des noch nicht offiziell beschiedenen Antrages auf ALG1 hält. Und dann könnte es mühsam werden, den Antrag zu retten.
Die Problematik kann man selbst entschärfen, indem man sich nicht erst am Stichtag, sondern bereits einige Wochen davor beim AA meldet und den Antrag ausfüllt. Dann sollte der Bescheid auch rechtzeitig zugestellt sein.
Eine andere Möglichkeit ist es sich nicht telefonisch oder formlos schriftlich abzumelden, sondern über den Internetzugang => weitere Veränderungen anzeigen => Sonstiges => Sonstige Abmeldung. Das dürfte einer Verwechslung von Abmeldung und Storierung Antrag ebenfalls vorbeugen.
Du hast ja keine genauen Daten angegeben. Wenn im September arbeitslos melden den 1. September meint, dann sind es gute 8 Wochen bis zum letzten Oktober. Wenn es meint im Laufe des Septembers sich zum 1.10 arbeislos melden, dann sollte der Bescheid auch bis zum 31.10 da sein.
Zum Vergleich: ich habe mich am 19.12 arbeistlos gemeldet, mein Bescheid datiert vom 25.01.
Privatier sagte am 12.Aug.2019 um 19:14 :
eSchorsch hat genau die wichtigen Punkte genannt.
Zur Ergänzung vielleicht noch, dass die Bearbeitungszeit sehr unterschiedlich sein kann. Bei mir waren es (wenn ich mich richtig erinnere) ca. 8 Wochen nach mehrmaligen Nachfragen von mir. Darum ist der Hinweis gut und richtig, den Antrag vorzeitig abzugeben und alles dazu beizutragen, dass er auch bearbeitet werden kann.
Ratsuchender sagte am 9.Okt.2019 um 00:52 :
kann ich während des Dispositionsjahres als Selbständiger hauptberuflich arbeiten (d.h. z.B.: beim Gewerbeamt angemeldet; Vom Finanzamt zur Vorsteuer-Meldepflicht angehalten) Bislang allerdings -d.h. seit meinem letzten Arbeitsmonat als Angestellter im Juli 2019- noch ohne nennenswerten Erfolg da ich noch in der Akquise-Phase für Berater- bzw. Trainer-Aufträge bin. Das Dispojahr begann am 01.08.2019.
Solange ich ab Beginn des ALGI-Bezugs (ab 01.08.2020) unter 15h/Woche arbeite bzw. weniger als 165,- €/Monat verdiene sollte dies keine Probleme bereiten. Ist das richtig?
Gruß, Ratsuchender
FÜR2012 sagte am 9.Okt.2019 um 10:47 :
Hallo Ratsuchender,
wenn Sie nächstes Jahr ALG1 beziehen und parallel dazu arbeiten, dann gilt (zumindest im Angestelltenverhältnis):
solange die Tätigkeit unter 15h/ Woche ist, gilt das beim Arbeitsamt als NEBENTÄTIGKEIT. Die Einkünfte (nach Abzug der Werbungskosten) werden ggf. bei der ALG1-Zahlung „angerechnet“.
Ab 15h/ Woche gilt (zumindest im Angestelltenverhältnis): Sie sind in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis (und erhalten zumindest den Mindestlohn) und somit nicht mehr arbeitslos, somit keine ALG1-Zahlung.
Zur Selbständigkeit kann ich nichts sagen. Vielleicht hilft der Hinweis.
Ratsuchender sagte am 9.Okt.2019 um 11:37 :
Wow, die Antwort kam schnell. Vielen Dank dafür!
Selbständigkeit im Dispojahr egal in welchem Umfang sollte nach allem was ich gehört habe nicht problematisch sein. Zumal ich in dieser Zeit nicht gesondert arbeitslosenversichert bin.
Ab Beziehen von ALG1 gelten dann die gleichen oben genannten Auflagen. Das hatte ich bei einem Telefonat mit einer Mitarbeiterin der AfA so verstanden und wollte dies nur nochmals bestätigt wissen.
Wichtig war für mich Ihre Information, dass Werbungskosten abgezogen werden können.
Wie schon so viele der Fragensteller und Leser dieser Seite bedanke ich mich sehr herzlich für die wichtigen Erfahrungswerte und die zahlreichen absolut wissenswerten Hinweise, die hier vermittelt werden. Diese haben uns bereits seit den ersten Wochen nach Bekanntwerden der Abfindungsangebote im März bei unseren Überlegungen was zu beachten ist extrem geholfen. Die sehr unterschiedlichen und vielen relevanten Themen an einer Stelle finden zu können ist sehr hilfreich.
Prima, dass es Sie und dieses Forum gibt!
Porti sagte am 9.Okt.2019 um 11:58 :
wenn du die Selbständigkeit ernst meinst, gibts ja noch – aber das weißt du vermutlich – den EXGZ. Könnte je nach genauen Umständen aber schädlich für die Bezugsdauer sein, wenn du schon seit einiger Zeit AL bist (Sperrzeit?).
Privatier sagte am 9.Okt.2019 um 11:18 :
eine selbständige Tätigkeit im Dispojahr hat keinen Einfluss auf den späteren ALG1-Anspruch, solange keine freiwilligen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt werden (falls man dies macht, können sich ggfs. alte und neue Ansprüche überlagern).
Während des ALG1-Bezuges sind weitere Einkünfte als Selbständiger möglich unter den von Ihnen angegebenen Einschränkungen. Wichtig dabei: Mehr als 15h/Woche dürfen es auf keinen Fall sein (sonst ist man nicht arbeitslos), mehr als 165€/Monat dürfen ruhig sein, der übersteigende Teil wird dann aber vom ALG abgezogen.
Schreibe einen Kommentar zu Ratsuchender Antworten abbrechen
Abfindung und Ruhezeit
Volker Z 17.Nov.2019 um 14:31 zu Kap. 3.3.1.1: Hinweise zur Fünftelregel: GrundlegendesHallo Herr Ranning, ich habe 2018 eine Abfindung unter Berücksichtigung der Fünftelregelung erhalten....
Privatier 17.Nov.2019 um 12:47 zu Plauderecke Crowdinvesting (Teil 3)Danke, dass Sie sich hier als Betroffener zu Wort melden! Ich denke, es...
Inspector 17.Nov.2019 um 10:47 zu Plauderecke Crowdinvesting (Teil 3)Aus meinen Erfahrungen bei meinem zweitgrößten Zahlungsverzug, bei LeihDeinerUmweltGeld, kann ich sagen, dass...
Karl Udo Arnegger 17.Nov.2019 um 07:25 zu Plauderecke Crowdinvesting (Teil 3)Guten Morgen in die Runde, bisher war ich stiller und interessierter Mitleser bei...
Privatier 16.Nov.2019 um 15:58 zu Kap. 9.8: Weitere BewerbungenIch verstehe Ihre Rechnung nicht: Wenn Sie Ihren Job nach weniger als einem...
Bepamo 16.Nov.2019 um 13:08 zu Kap. 9.3.1: Anmelden und wieder abmeldenDas liest sich prima und war mir zum Beispiel im Wesentlichen auch bekannt....
Archiv Monat auswählen November 2019 (1) Oktober 2019 (4) September 2019 (4) August 2019 (2) Juli 2019 (4) Juni 2019 (2) Mai 2019 (4) April 2019 (4) März 2019 (3) Februar 2019 (3) Januar 2019 (3) Dezember 2018 (2) November 2018 (3) Oktober 2018 (4) September 2018 (3) August 2018 (5) Juli 2018 (3) Juni 2018 (4) Mai 2018 (2) April 2018 (5) März 2018 (4) Februar 2018 (3) Januar 2018 (3) Dezember 2017 (4) November 2017 (3) Oktober 2017 (4) September 2017 (3) August 2017 (4) Juli 2017 (4) Juni 2017 (3) Mai 2017 (3) April 2017 (4) März 2017 (3) Februar 2017 (3) Januar 2017 (4) Dezember 2016 (3) November 2016 (4) Oktober 2016 (4) September 2016 (3) August 2016 (5) Juli 2016 (3) Juni 2016 (4) Mai 2016 (5) April 2016 (4) März 2016 (4) Februar 2016 (5) Januar 2016 (4) Dezember 2015 (4) November 2015 (5) Oktober 2015 (6) September 2015 (7) August 2015 (7) Juli 2015 (7) Juni 2015 (7) Mai 2015 (6) April 2015 (7) März 2015 (8) Februar 2015 (6) Januar 2015 (5) Dezember 2014 (4) November 2014 (6) Oktober 2014 (7) September 2014 (6) August 2014 (5) Juli 2014 (6) Juni 2014 (7) Mai 2014 (6) April 2014 (9) März 2014 (8) Februar 2014 (6) Januar 2014 (9) Dezember 2013 (3) November 2013 (7) Oktober 2013 (7) September 2013 (8) August 2013 (9) Juli 2013 (7) Juni 2013 (9) Mai 2013 (10) April 2013 (11) März 2013 (13) Februar 2013 (11)

References: §158
 §158
 §159
 §159
 §148
 §148
 §148
 §39
 §39
 § 137
 §150
 §159
 §159
 §159
 §148
 §159
 §148
 §141