Source: http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/452/960
Timestamp: 2013-05-25 21:55:22+00:00

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Vol 6, No 2 (2005) >	Cisneros Puebla
Volume 6, No. 2, Art. 45 – Mai 2005
Editorial: Die aktuelle FQS-Schwerpunktausgabe "Qualitative Forschung, Archivierung, Sekundärnutzung"
César A. Cisneros Puebla, Katja Mruck & Wolff-Michael Roth Inhaltsverzeichnis
Zitation Liebe Leserin, lieber Leser,
wie bereits im Editorial der Januar-Ausgabe von FQS (MRUCK 2005) angekündigt, steht die heute veröffentlichte Schwerpunktausgabe
Qualitative Forschung, Archivierung, Sekundärnutzung: Eine Bestandsaufnahme (BERGMAN & EBERLE 2005) in einer engen inhaltlichen Beziehung zu FQS 1(3) Text . Archiv . Re-Analyse (CORTI, KLUGE, MRUCK & OPITZ 2000) und zu FQS 6(1) Sekundäranalyse qualitativer Daten (CORTI, WITZEL & BISHOP 2005). [1]1) [1]
FQS 1(3) erlaubte einen ersten, systematischeren Überblick über die Archivierung und Sekundäranalyse qualitativer Daten und über
Fragen des Datenschutzes; FQS 6(1) verzeichnete sowohl den Fortschritt im Feld der Sekundäranalyse zwischen 2000 und 2005 als auch den offensichtlichen
Bedarf an weiteren Diskussionen. Dies betrifft im Besonderen den Anschub und die Institutionalisierung qualitativer Service-
und Archivierungszentren auf nationaler Ebene sowie deren mögliche internationale Vernetzung. Genau diese Fragen bildeten
den Ausgangspunkt eines Workshops in Neuchâtel, aus dem die hier veröffentlichten Beiträge hervorgegangen sind und der mit
dem Ziel der weiteren Förderung qualitativer Sozialforschung in der Schweiz vom "Wissenschaftspolitischen Rat für die Sozialwissenschaften",
einer Kommission der "Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften", gemeinsam mit dem "Schweizerischen
Informations- und Datenarchivdienst für die Sozialwissenschaften" (SIDOS) organisiert wurde. Ein erster Schritt hierzu sollte
sein, so die Schweizer Kollegen, "to build a network among qualitative researchers, to facilitate a consensus on quality standards
and teaching requirements, and to explore the viability of an archive and resource center for qualitative research" (EBERLE
& BERGMAN 2005, Absatz 1). Obwohl die Teilnehmenden aus wichtigen europäischen Einrichtungen kamen, ist, was sie berichten,
nicht nur für europäische Forschende von Interesse. Wir haben uns deshalb angesichts der Relevanz des Austauschs über das
"Warum und Wie qualitativer Methoden" und das "Warum und Wie der Archivierung qualitativer Daten" entschieden, diese Erfahrungsberichte
komplementär zu einer bereits existierenden Print-Veröffentlichung2) auch in FQS zu publizieren, damit sie für Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt verfügbar sind, die sich für die (kooperative) Organisation
qualitativer Service- und Archivierungszentren interessieren. [2]
Der Wunsch, zur transdisziplinären und internationalen Kooperation beizutragen, hat unsere Arbeit an FQS von Anfang an begleitet (MRUCK 2000): FQS soll ein Ort der Information und des wissenschaftlichen Publizierens, aber eben auch ein Ort der Interaktion, der Zusammenarbeit
und des Networking sein. Mit Blick auf die heute veröffentlichte Schwerpunktausgabe ist es ohnehin so, dass nationale Projekte,
die auf die Einrichtung z.B. von Service- und Archivierungszentren zielen, international bedeutsam sind, weil sie aus den
Erfahrungen anderer lernen und ihrerseits umgekehrt die eigenen (nationalen) Erfahrungen an andere weitergeben können. Insoweit
bedeutet die Globalisierung qualitativer Forschung eine große Vielfalt an Dimensionen und Praktiken; sie ist zugleich Vermächtnis,
Herausforderung und Potenzial, die aus den lokalen Perspektiven der Nutzer(innen), Institutionen und Forschenden erwachsen:
Je nach nationalem und disziplinärem Hintergrund und den vor Ort faktisch gelebten Interaktionen zwischen allen an qualitativer
Forschung Beteiligten erwachsen sehr unterschiedliche Arten der Realisierung von Forschung, Lehre, Archivierung, usw. [3]
Mit dem Wissen und den Instrumenten, die in unterschiedlichen Teilen dieser Erde zur Verfügung stehen und mit der Zirkulation
von unterschiedlichen "approaches and practices ... within the global community of researchers" (ALASUUTARI 2004, S.606) ist
eine tatsächlich globale Vorstellung von qualitativer Forschung möglich geworden. Wir hoffen insoweit, dass die aktuelle Schwerpunktausgabe
weitere Perspektiven für ein weltweites Networking eröffnet. Dabei werden unsere Leser und Leserinnen z.B. in Lateinamerika,
Afrika oder Asien ganz ohne Frage eigene Wege finden, um mit den Herausforderungen qualitativer Archivierung, der Wiederverwendung
qualitativer Daten und mit qualitativen Sekundäranalysen umzugehen, indem sie berichtete Erfolge und Schwierigkeiten aus anderen
Ländern/Kontinenten vergleichen. Bei Interesse können auch diejenigen, die zu dieser Schwerpunktausgabe beigetragen haben,
für vergleichbare Vorhaben in anderen Ländern angefragt werden, denn wir wissen bereits, dass und in welchem Ausmaß die Idee,
national, kontinental und international kooperierende qualitative Service- und Archivierungszentren zu gründen, auf das Interesse
auch in den Ländern stößt, in denen solche Zentren bisher nicht existieren. Allerdings ist mit Blick auf die spanischsprachige
FQS-Community anzumerken, dass die Beitragseinreichungen, die bisher für die geplante Schwerpunktausgabe The State of the Art of Qualitative Research in Ibero America eingegangen sind, nur begrenzt auf die in Text . Archiv . Re-Analyse und in Sekundäranalyse qualitativer Daten behandelten Themen Bezug nehmen. Wir hoffen deshalb, dass insbesondere FQS 6(2) Forschende in anderen Ländern anregt und ermutigt, von ihre Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen in diesen Feldern
zu berichten. [4]
In FQS zu publizieren bedeutet, zu dem verfügbaren Bestand globalisierten Wissens beizutragen, denn FQS erreicht eine breite internationale Leserschaft: Der monatliche Newsletter wird an derzeit ca. 5.200 Kolleginnen und Kollegen
verschickt, außerdem werden Informationen über neue Schwerpunktausgaben an unterschiedliche internationale Mailinglisten
verteilt. Um die Sichtbarkeit von FQS-Veröffentlichungen zusätzlich zu verbessern, wurden zwischen 2000 und 2004 ausgewählte Abstracts z.B. in die CSA Illumina aufgenommen; weitere Abstracts von 2005 erschienenen FQS-Veröffentlichungen folgen im Juni. Im April 2005 bat die International Bibliography of the Social Sciences um die Genehmigung, Abstracts aus FQS in deren Datenbanken aufnehmen zu dürfen, die wir gerne erteilt haben. Außerdem haben wir EBSCO Publishing erlaubt, FQS Volltexte in SocINDEX nachzuweisen (beginnend mit der Januar-Ausgabe 2004). [5]
Dass wir uns nicht auf die eigene Veröffentlichung im Internet beschränken, sondern auch traditionelle bibliographische Nachweiswege
nutzen, ist dem Interesse geschuldet, den Impact von Veröffentlichungen in FQS, der Zeitschrift selbst und auch darüber hinausgehend der Open Access-Bewegung soweit irgend möglich zu verbessern. Letzteres
scheint erforderlich, weil zwar viele Forschende in allen Wissenschaftsbereichen die Arbeit und den Wert von Open Access-Zeitschriften
wie FQS schätzen und von der wachsenden Open Access-Bewegung profitieren; sie sind deshalb aber nicht notwendig mit der Open Access-Idee
vertraut3): Wichtige Diskurse über Open Access und die Vertrautheit mit dieser Publikationspraxis beschränken sich leider nach wie vor
vor allem auf einige Kerndisziplinen in den Natur- und Informationswissenschaften. [6]
Eine Schwierigkeit in der bisherigen Publikationspraxis gründet in dem Charakter der Publikations- und Gratifikationssysteme
insbesondere in Nordamerika bzw. in Ländern und Disziplinen, die sich an dort übliche Modelle und Praktiken anlehnen. So spielt
z.B. bei Einstellungen und Berufungen die Zahl an Zeitschriftenartikeln und die "Qualität" der Zeitschriften, in denen veröffentlicht
wird, eine wesentliche Rolle. Als Qualitätskriterien werden dabei insbesondere das ISI-Ranking oder die Rückweisungsraten
der jeweiligen Zeitschriften hinzugezogen – je höher die Rückweisungsrate einer Zeitschrift, desto höher deren vermeintlicher
Wert; zusätzlich werden Print-Zeitschriften in der Regel höher gewichtet als Online-Journals mit de facto gleicher Qualität.
Genau dieser Reproduktionszyklus muss durchbrochen werden. Dass hier unbedingter Handlungsbedarf besteht, universitäre Leistungsdaten
an eine veränderte – globalisierte und virtualisierte – Wissenschaftswelt anzupassen, hat mit der wachenden Bedeutung der
internationalen Open Access-Bewegung Politik und Hochschuladministrationen zumindest zu erreichen begonnen.4) Es bleibt gleichwohl noch einiges zu tun, damit Online- und insbesondere Open Access-Zeitschriften und traditionelle Print-Zeitschriften
mit Blick auf akademische Karriereaussichten gleich behandelt werden. Und es bleibt auch einiges zu tun, damit nicht nur die
Bedeutsamkeit von Open Access für die Human- und Geisteswissenschaften erkannt wird, sondern auch umgekehrt die der Human-
und Geisteswissenschaften für die internationale Open Access-Bewegung. [7]
César A. Cisneros Puebla (Mexiko), Katja Mruck (Deutschland) und Wolff-Michael Roth (Kanada) für die FQS-Redaktion
1) Neben den Beiträgen, die unmittelbar dem Schwerpunktthema "Qualitative Forschung, Archivierung, Sekundärnutzung" zugeordnet
sind, enthält auch FQS 6(2) ausgewählte Einzelbeiträge und Beiträge aus FQS-Rubriken, nämlich aus der FQS-Debatte zu Qualitativer Forschung und Ethik sowie aus den Rubriken FQS-Interviews, FQS-Reviews und FQS-Tagungen. Wir freuen uns über die Vielzahl der in diesen Rubriken veröffentlichten Beiträge, wünschen uns aber insbesondere für die
drei Debatten mehr Aufmerksamkeit und Beitragseinreichungen, da sie in besonderem Maße erlauben, unsere Aktivität als Forschende in einer
Weise zu reflektieren, die sonst meist unmöglich ist in einer akademischen Welt, die die kritische Reflektion der eigenen
Tätigkeit und der Reproduktion positiver wie negativer Aspekte akademischen Lebens immer noch leider viel zu selten zulässt. <zurück>
2) Die 2004 veröffentlichte Buchausgabe kann, solange der Vorrat reicht, kostenlos bezogen werden bei: Schweizerische Akademie
der Geistes- und Sozialwissenschaften, Hirschengraben 11, Postfach 8160, CH-3001 Bern. Tel.: ++41 31 313 14 40, Fax: ++41
31 313 14 50, E-Mail: info@sagw.unibe.ch. <zurück>
3) In den Sozial- und Geisteswissenschaften wird, wenn überhaupt, vornehmlich von "einem Weg" des Open Access-Publizierens Gebrauch
gemacht, nämlich dem Veröffentlichen in Open Access-Zeitschriften, ein "zweiter Weg", das Archivieren von in Print-Zeitschriften
veröffentlichten Beiträgen z.B. in institutionellen Repositorien, ist ganz weitgehend unbekannt und ungenutzt; siehe hierzu
die Möglichkeit der Registrierung von Einrichtungen, die eine institutionelle Verpflichtung für die Open Access-Selbstarchivierung
unterzeichnen wollen, http://www.eprints.org/signup/sign.php und die vielen Beiträge insbesondere von Stevan HARNAD zu "The Need to Take Both Roads to Open Access" im American-Scientist-Open-Access-Forum. <zurück>
4) Siehe hierzu z.B. die Unterzeichner der "Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities" und
auch die Folgekonferenz "Berlin 3" zum Thema Progress in Implementing the Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities, die im Februar 2005 in Southampton stattgefunden hat. Siehe zusammenfassend zu Open Access MRUCK, GRADMANN und MEY (2004);
instruktiv zum Stand des Open Access-Publizierens in Deutschland sind insbesondere die aktuelle DFG-Studie (FOURNIER 2005)
sowie Präsentationen im Rahmen des DINI-Symposiums zu Open Access im Mai 2005 in Göttingen (siehe http://www.dini.de/veranstaltung/workshop/goettingen_2005-05-23/programm.php sowie SIETMANN 2005 für eine kurze Zusammenfassung; ebenfalls online verfügbar ist die Präsentation "The Art of Doing Open
Access: some considerations about the impact of open access movement, self-archiving and publishing on the humanities and
social sciences", MRUCK & MEY 2005). <zurück>
Alasuutari, Pertti (2004). The Globalization of Qualitative Research. In Clive Seale, Giampietro Gobo, Jaber Gubrium & David
Silverman (Hrsg.), Qualitative Research Practice (S.595-608). London: Sage.
Bergman, Manfred Max & Eberle, Thomas S. (Hrsg.) (2005). Qualitative Forschung, Archivierung, Sekundärnutzung: Eine Bestandsaufnahme. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 6(2). Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs-d/inhalt2-05-d.htm [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Corti, Louise; Kluge, Susann; Mruck, Katja & Opitz, Diane (Hrsg.) (2000). Text . Archiv . Re-Analyse. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 1(3). Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs-d/inhalt3-00-e.htm [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Corti, Louise; Witzel, Andreas & Bishop, Libby (Hrsg.) (2005). Sekundäranalyse qualitativer Daten. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 5(1). Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs-d/inhalt1-05-d.htm [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Eberle, Thomas S. & Bergman, Manfred Max (2005). Introduction [14 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 6(2), Art. 30. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-05/05-2-30-e.htm [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Fournier, Johannes (2005). The DFG (German Research Foundation) Study of Author Experience of Open Access. Berlin 3: Progress in Implementing the Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities, February
28th-March 1st, 2005, University of Southampton, UK. Verfügbar über: http://www.eprints.org/berlin3/ppts/05-JohannesFournier.ppt [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Mruck, Katja (2000). FQS – Idee, Realisierung, Perspektiven [25 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 1(1), Art. 1. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-00/1-00hrsg1-d.htm [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Mruck, Katja (2005). Editorial: Die aktuelle FQS-Schwerpunktausgabe "Sekundäranalyse qualitativer Daten" [6 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 6(1), Art. 48. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-05/05-1-48-d.htm [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Mruck, Katja & Mey, Günter (2005). The Art of "Doing" Open Access: Some Considerations About the Impact of Open Access Movement, Self-archiving and Publishing
on the Humanities and Social Sciences. DINI Symposium "Wissenschaftliches Publizieren der Zukunft – Open Access", May 23-24, 2005, Universität Göttingen, Deutschland.
Verfügbar über: http://www.dini.de/veranstaltung/workshop/goettingen_2005-05-23/slides/mruck/Mruck.html [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Mruck, Katja; Gradmann, Stefan & Mey, Günter (2004). Open Access: Wissenschaft als Öffentliches Gut [32 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 5(2), Art. 14. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2-04mrucketal-d.htm [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Sietmann, Richard (2005). "Open Access" als Publikationsalternative unter Wissenschaftlern kaum bekannt. Heise online, 23.05.2005,
http://www.heise.de/newsticker/meldung/59796 [Datum des Zugriffs: 29. Mai 2005].
Cisneros Puebla, César A.; Mruck, Katja & Roth, Wolff-Michael (2005). Editorial: Die aktuelle FQS-Schwerpunktausgabe "Qualitative Forschung, Archivierung, Sekundärnutzung" [7 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 6(2), Art. 45, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0502453.

References: Art. 45
 Art. 30
 Art. 1
 Art. 48
 Art. 14
 Art. 45