Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=888
Timestamp: 2019-02-21 16:31:52+00:00

Document:
II buch, I, haubtstück,
gerechtigkeiten, und befugnissen.
von den gerech-
Die gerechtigkeit soll hir nicht nach den römi-
schen rechten, und wie man sie in den in-
stitutionen, auch pandecten findet, betrachtet wer-
den; sondern sie wird dahir in einem andern ge-
sichtspuncte genommen. Sie bedeutet überhaubt
ein recht, welches einem zustehet. Die Teutsche
nenneten die dinstbarkeiten im weitläuftigen sinne
ebenfalls gerechtigkeiten, Stryk im vsu mod. p.
lib. VIII tit. 1 § 1; im engen verstande aber heissen
sie befugnisse. Die gerechtigkeit teilet sich in die
gerechtigkeit insbesondere, und enthält dijenigen
rechte, welche mir auf dem meinigen auszuüben
zustehen, z. e. das patronat-jagt-braurecht, die
fischerei, u. s. w. (§ 1999 des 1ten th.) dise ge-
rechtsamen bestehen im tun (in faciendo). Da-
hingegen heissen dijenige rechte, welche ich auf des
andern person, oder sachen zu meinem nuze, und
vorteile habe, befugnisse, oder dinstbarkeiten (§
2000 des 1ten th.); wenn einer allso recht, und
freiheit hat, etwas zu tun, saget man: er wäre
befugt. Die befugniß kan auch vermittels eines
gedinges, und auf andere art erlanget, und zu-
gestanden werden (§ 2002 des 1ten th.), Stryk
am a. o. lib. VIII tit. 4 § 1, bevorab, bei den Teut-
schen, da sie an die römischen spizfindigkeiten sich
nicht banden, noch kereten (2004 des 1ten th.),
auch in praxi noch heute zu tage darauf nicht gese-
hen werden darf, da die stoische säze bei uns weg-
II buch, I, haubtſtuͤck,
gerechtigkeiten, und befugniſſen.
befugniſſen.
Die gerechtigkeit ſoll hir nicht nach den roͤmi-
ſchen rechten, und wie man ſie in den in-
ſtitutionen, auch pandecten findet, betrachtet wer-
den; ſondern ſie wird dahir in einem andern ge-
ſichtspuncte genommen. Sie bedeutet uͤberhaubt
ein recht, welches einem zuſtehet. Die Teutſche
nenneten die dinſtbarkeiten im weitlaͤuftigen ſinne
ebenfalls gerechtigkeiten, Stryk im vsu mod. π.
lib. VIII tit. 1 § 1; im engen verſtande aber heiſſen
ſie befugniſſe. Die gerechtigkeit teilet ſich in die
gerechtigkeit insbeſondere, und enthaͤlt dijenigen
rechte, welche mir auf dem meinigen auszuuͤben
zuſtehen, z. e. das patronat-jagt-braurecht, die
fiſcherei, u. ſ. w. (§ 1999 des 1ten th.) diſe ge-
rechtſamen beſtehen im tun (in faciendo). Da-
hingegen heiſſen dijenige rechte, welche ich auf des
andern perſon, oder ſachen zu meinem nuze, und
vorteile habe, befugniſſe, oder dinſtbarkeiten (§
2000 des 1ten th.); wenn einer allſo recht, und
freiheit hat, etwas zu tun, ſaget man: er waͤre
geſtanden werden (§ 2002 des 1ten th.), Stryk
ſchen, da ſie an die roͤmiſchen ſpizfindigkeiten ſich
auch in praxi noch heute zu tage darauf nicht geſe-
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[864/0888] II buch, I, haubtſtuͤck, Funfzigſtes haubtſtuͤck von den gerechtigkeiten, und befugniſſen. § 1948 Die gerechtigkeit ſoll hir nicht nach den roͤmi- ſchen rechten, und wie man ſie in den in- ſtitutionen, auch pandecten findet, betrachtet wer- den; ſondern ſie wird dahir in einem andern ge- ſichtspuncte genommen. Sie bedeutet uͤberhaubt ein recht, welches einem zuſtehet. Die Teutſche nenneten die dinſtbarkeiten im weitlaͤuftigen ſinne ebenfalls gerechtigkeiten, Stryk im vsu mod. π. lib. VIII tit. 1 § 1; im engen verſtande aber heiſſen ſie befugniſſe. Die gerechtigkeit teilet ſich in die gerechtigkeit insbeſondere, und enthaͤlt dijenigen rechte, welche mir auf dem meinigen auszuuͤben zuſtehen, z. e. das patronat-jagt-braurecht, die fiſcherei, u. ſ. w. (§ 1999 des 1ten th.) diſe ge- rechtſamen beſtehen im tun (in faciendo). Da- hingegen heiſſen dijenige rechte, welche ich auf des andern perſon, oder ſachen zu meinem nuze, und vorteile habe, befugniſſe, oder dinſtbarkeiten (§ 2000 des 1ten th.); wenn einer allſo recht, und freiheit hat, etwas zu tun, ſaget man: er waͤre befugt. Die befugniß kan auch vermittels eines gedinges, und auf andere art erlanget, und zu- geſtanden werden (§ 2002 des 1ten th.), Stryk am a. o. lib. VIII tit. 4 § 1, bevorab, bei den Teut- ſchen, da ſie an die roͤmiſchen ſpizfindigkeiten ſich nicht banden, noch kereten (2004 des 1ten th.), auch in praxi noch heute zu tage darauf nicht geſe- hen werden darf, da die ſtoiſche ſaͤze bei uns weg- fallen;
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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 864. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/888>, abgerufen am 21.02.2019.

References: § 1
 § 1
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§ 1948
 § 1
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