Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bgh/07fcf29fe8a1d00e77cb40c5e80d13bc86bc8f37cbfe06ea41d80941190c5a31
Timestamp: 2018-07-18 08:26:31+00:00

Document:
BGH, 4 StR 117/10: BGH (wiedereinsetzung in den vorigen stand, verhältnis zu, rechtliches gehör, stgb, stpo, verfall, stand, wiedereinsetzung, antrag, verhältnis)
Urteil des BGH vom 11.05.2010, 4 StR 117/10
4 StR 117/10
BGH (wiedereinsetzung in den vorigen stand, verhältnis zu, rechtliches gehör, stgb, stpo, verfall, stand, wiedereinsetzung, antrag, verhältnis)
Wiedereinsetzung in den vorigen stand, Verhältnis zu, Rechtliches gehör, Stgb, Stpo, Verfall, Stand, Wiedereinsetzung, Antrag, Verhältnis
Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Beschwerdeführers und des Generalbundesanwalts - zu 2. auf dessen Antrag - am 11. Mai
2010 gemäß §§ 44, 46 Abs. 1, 349 Abs. 2 StPO beschlossen:
den vorigen Stand zur Anbringung einer Verfahrensrüge
Landgerichts Zweibrücken vom 8. Dezember 2009 wird
verworfen; jedoch wird die Verfallsanordnung zur Klarstellung dahin gefasst, dass der Verfall (statt: "erweiterte
Verfall von Wertersatz") eines Geldbetrages von
5.750 Euro angeordnet wird.
1Das Wiedereinsetzungsgesuch des Angeklagten zur Anbringung einer
Verfahrensrüge ist unzulässig. Das Gesetz räumt die Möglichkeit einer Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nur für den Fall ein, dass eine Frist versäumt
worden ist (§ 44 Satz 1 StPO). Eine Fristversäumung liegt hier nicht vor, weil
die Revision des Angeklagten von seinem Pflichtverteidiger mit der Sachrüge
und einer - allerdings nicht den Anforderungen des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO
genügenden - Verfahrensrüge fristgerecht begründet worden ist. Die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zur Ergänzung einer zunächst vom Verteidiger
nicht formgerecht vorgetragenen und daher unzulässigen Verfahrensrüge
kommt grundsätzlich nicht in Betracht (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom
27. März 2008 - 3 StR 6/08, StV 2008, 394 m.N.). Sie kommt nur ausnahmsweise in besonderen Prozesssituationen in Betracht, wenn dies zur Wahrung
des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör unerlässlich erscheint (vgl. BGH aaO). Eine solche Ausnahmesituation liegt hier nicht vor.
22. Die Revision des Angeklagten ist aus den Gründen der Antragsschrift
des Generalbundesanwalts unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. Ergänzend bemerkt der Senat:
3a) Entgegen der Auffassung der Revision ergeben die Urteilsfeststellungen nicht die Voraussetzungen eines Verstoßes gegen den Grundsatz des fairen Verfahrens gemäß Art. 6 Abs. 1 Satz 1 MRK in der Form einer unzulässigen
Tatprovokation. Insbesondere lässt sich den Urteilsgründen nicht entnehmen,
dass eines der Drogengeschäfte nicht mehr in einem angemessenen, deliktspezifischen Verhältnis zu dem gegen den Angeklagten stehenden Tatverdacht
steht (vgl. dazu BGH, Urteil vom 30. Mai 2001 - 1 StR 42/01, BGHSt 47, 44).
Ergeben sich die tatsächlichen Voraussetzungen eines geltend gemachten
Konventionsverstoßes - wie hier - nicht schon aus den Urteilsfeststellungen,
muss ein Verstoß gegen den Grundsatz des fairen Verfahrens mit Hilfe einer
Verfahrensrüge geltend gemacht werden (vgl. BGH, Beschluss vom 19. Juli
2000 - 3 StR 245/00, NStZ 2001, 53). Soweit mit der Revisionsbegründungsschrift vom 23. Februar 2010 die Verletzung des Art. 6 Abs. 1 MRK gerügt wird,
genügt die Rüge jedoch nicht den Anforderungen des § 344 Abs. 2 Satz 2
StPO. Dies gilt im Übrigen auch für die nach Ablauf der Revisionsbegründungsfrist mit Schriftsatz vom 29. März 2010 erhobene Verfahrensrüge, weil Umstände, die gegen eine Überschreitung des erlaubten tatprovozierenden Verhaltens
sprechen, nicht mitgeteilt werden. Der Mitteilung bedurft hätte insbesondere der
Inhalt der Angaben der Vertrauensperson bei der Vernehmung am 5. August
2009, wonach der Angeklagte von sich aus angeboten hat, "das Ganze" auf
500 g zu erhöhen, damit sich das auch mit der Fahrerei lohnen würde (SA Bd. I
Bl. 13).
4b) Die vom Landgericht auf § 33 BtMG, §§ 73, 73 a und 73 d StGB gestützte Verfallsentscheidung hält im Ergebnis rechtlicher Nachprüfung stand, da
nach den Feststellungen die Voraussetzungen des § 73 a StGB vorliegen (zum
Verhältnis zwischen § 73 StGB [Verfall], § 73 a StGB [Verfall des Wertersatzes]
und 73 d StGB [erweiterter Verfall] vgl. Senatsbeschlüsse vom 11. Dezember
2008 - 4 StR 368/08, BGHR StGB § 73 a Anwendungsbereich 2 und vom
20. April 2010 - 4 StR 119/10 Rdn. 7 ff.). Zur Klarstellung ändert der Senat die
Verfallsanordnung entsprechend.

References: BGH 
 BGH 

BGH 
 § 344
 BGH 
 § 349
 Art. 6
 Art. 6
 § 344
 § 33
 § 73
 § 73
 § 73
 § 73