Source: https://jobosblog.wordpress.com/category/christliche-anthropologie/
Timestamp: 2018-10-17 19:07:48+00:00

Document:
Christliche Anthropologie – JoBos Blog
Kategorie: Christliche Anthropologie
Dieser zweiten Ankündigung des Leidens und der Auferstehung folgt ein bizarres Kontrastprogramm, der so genannte „Rangstreit der Jünger“. Nachdem Jesus die Jünger ins Vertrauen gezogen hat, haben sie nichts Besseres zu tun, als darüber zu diskutieren, „wer (von ihnen) der Größte sei“. Es ist schier zum Verzweifeln!
Jesus wiederum bietet den Jüngern ein anschauliches Kontrastprogramm zur menschlichen Hybris, der Größte zu sein: ein Kind. Es steht für das Kleine, das Unschuldige, aber auch für das sich Entwickelnde, das Unfertige, für das, was wachsen und lernen muss. Ein solches Bewusstsein sollen die Jünger und damit auch wir in uns aufnehmen, denn: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf“.
jobo72	Bibelauslegungen - Homilie, Bibelstellen, Christliche Anthropologie, Christliche Ethik, Christliche Existenzphilosophie	 23. September 2018 1 Minute
Am 22. September gehen in Berlin wieder tausende Menschen für das Lebensrecht auf die Straße. Worum geht es beim „Marsch für das Leben“? Es geht um das unbedingte Recht auf Leben, dass einem Menschen – jedem Menschen – zukommt; organisiert wird die Veranstaltung nicht zufällig vom Bundesverband Lebensrecht. Und woher weiß man, dass das Recht auf Leben jedem Menschen zukommt? Ganz einfach: Es steht im Grundgesetz. Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 GG lautet: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“. Was „Leben“ ist, klärt die Biologie. Doch: Wer oder was ist hier „jeder“? Wer oder was kann das Lebensrecht für sich in Anspruch nehmen? Etwa auch Wachkomapatienten? Oder Föten? Migranten? Nazis? Journalisten? Demenzpatienten? Embryos? Finanzbeamte? Lebensschützer? Islamisten? Blogger?
Das Bundesverfassungsgericht beantwortet diese Fragen 1975 eindeutig: „Das Recht auf Leben wird jedem gewährleistet, der ‚lebt‘; zwischen einzelnen Abschnitten des sich entwickelnden Lebens vor der Geburt oder zwischen ungeborenem und geborenem Leben kann hier kein Unterschied gemacht werden. ‚Jeder‘ im Sinne des Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG ist ‚jeder Lebende‘, anders ausgedrückt: jedes Leben besitzende menschliche Individuum; ‚jeder‘ ist daher auch das noch ungeborene menschliche Wesen“ (BVerfGE 39, 1, 133). Ganz klar: „Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG schützt auch das sich im Mutterleib entwickelnde Leben als selbständiges Rechtsgut“ (BVerfGE 39, 1, 131).
Das entspricht dem Umstand, dass sich auch die Achtung und der Schutz der Menschenwürde, die dem Staat in Artikel 1 des Grundgesetzes aufgegeben sind, auf „jeden“ Menschen beziehen soll, als „Würde des Menschseins“, so das BVerfG im Jahr 1993: „Diese Würde des Menschseins liegt auch für das ungeborene Leben im Dasein um seiner selbst willen. Es zu achten und zu schützen bedingt, daß die Rechtsordnung die rechtlichen Voraussetzungen seiner Entfaltung im Sinne eines eigenen Lebensrechts des Ungeborenen gewährleistet“ (BVerfGE 88, 203, 252). Daraus folgt: „Liegt die Würde des Menschseins auch für das ungeborene Leben im Dasein um seiner selbst willen, so verbieten sich jegliche Differenzierungen der Schutzverpflichtung mit Blick auf Alter und Entwicklungsstand dieses Lebens“ (BVerfGE 88, 203, 267).
Das Bundesverfassungsgericht bezog sich bereits bei seiner Entscheidung im Jahre 1975 ausdrücklich auf „die Entstehungsgeschichte des Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG“. Diese lege nahe, daß die Formulierung „jeder hat das Recht auf Leben“ auch das „keimende“ Leben einschließen solle. Tatsächlich war schon in den Verhandlungen des Parlamentarischen Rates klar, dass es um eine derart weit gefasste Konzeption von Würde und Leben gehen soll, wenn diese Begriffe im Grundgesetz Verwendung finden.
Nachdem die Fraktion der Deutschen Partei (DP) wiederholt den Antrag gestellt hatte, im Zusammenhang mit dem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit auch das „keimende Leben“ ausdrücklich zu erwähnen, beriet der Parlamentarische Rat erstmalig in der 32. Sitzung seines Ausschusses für Grundsatzfragen am 11. Januar 1949 dieses Thema. Der Hauptausschuss des Parlamentarischen Rates befasste sich in seiner 42. Sitzung am 18. Januar 1949 bei der Zweiten Lesung der Grundrechte eingehender mit der Frage der Einbeziehung des werdenden Lebens in den Schutz der Verfassung. Der Abgeordnete Hans-Christoph Seebohm (DP) beantragte, dem damaligen Art. 2 Abs. 1 GG die beiden Sätze anzufügen: „Das keimende Leben wird geschützt“ und „Die Todesstrafe wird abgeschafft“. Dazu führte Seebohm aus, das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit umfasse möglicherweise nicht unbedingt auch das keimende Leben. Deshalb müsse es besonders erwähnt werden. Die Abgeordnete Helene Weber, einzige Frau in den Reihen der Union, erklärte für ihre Fraktion, diese meine das Leben schlechthin, wenn sie für ein Recht auf Leben eintrete, also auch das keimende Leben. Zuspruch bekam sie vom späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss (FDP).
Im Parlamentarischen Rat gab es also eine Lebensschutzkoalition aus CDU/CSU, DP und FDP: Leben ist jedes Leben, geboren oder ungeboren. Einzig die SPD konnte sich dieser Sicht nicht anschließen. Für die Sozialdemokraten meinte der Abgeordnete Otto Heinrich Greve, dass er unter dem Recht auf Leben nicht auch automatisch das Recht auf das keimende Leben verstehe. Seebohm stellte daraufhin seinen Antrag auf ausdrückliche Erwähnung des „keimenden Lebens“ erneut zur Abstimmung im Ausschuss. Dieser Antrag wurde mit 11 zu 7 Stimmen abgelehnt, aber nicht etwa deshalb, weil man ihn für inhaltlich unbegründet, sondern allein deshalb, weil man ihn für formal unnötig hielt. Es war für die Mehrheit aus Union und FDP schlicht überflüssig, extra zu erwähnen, dass mit „Leben“ im Grundgesetz auch „keimendes Leben“ gemeint sei. So steht es im Schriftlichen Bericht des Hauptausschusses zu Art. 2 GG. Die zusammenfassende Einschätzung des Abgeordneten Hermann Hans von Mangoldt (CDU) lautet darin: „Dabei hat mit der Gewährleistung des Rechts auf Leben auch das keimende Leben geschützt werden sollen. Von der Deutschen Partei im Hauptausschuss eingebrachte Anträge, einen besonderen Satz über den Schutz des keimenden Lebens einzufügen, haben nur deshalb keine Mehrheit gefunden, weil nach der im Ausschuss vorherrschenden Auffassung das zu schützende Gut bereits durch die gegenwärtige Fassung gesichert war“ (zit. nach BVerfGE 39, 1, 139).
Das Plenum des Parlamentarischen Rates stimmte dem Art. 2 Abs. 2 GG am 6. Mai 1949 in Zweiter Lesung bei 2 Gegenstimmen zu. Bei der Dritten Lesung am 8. Mai 1949 brachten sowohl der Abgeordnete Seebohm als auch die Abgeordnete Weber zum Ausdruck, daß nach ihrer Auffassung Art. 2 Abs. 2 GG auch das keimende Leben in den Schutz des Grundrechts auf Leben einbeziehe. Beide Redner blieben mit ihren Ausführungen unwidersprochen.
Halten wir fest: Alle phänomenologischen Kriterien, die man sich ausdenken kann, die Eigenschaften und Fertigkeiten des Menschen, müssen hinter dem einen überragenden ontologischen Fakt zurückstehen: Beim Menschen – geboren oder nicht – handelt sich um ein einzigartiges (menschliches) Wesen mit einer DNA, die so nur einmal auf der Welt und nur einmal in der Geschichte vorkommt. Sagt nicht nur die Biologie, das sagt auch das Grundgesetz. Zumindest soll es uns dies sagen, folgt man der Debatte über Artikel 2 GG im Parlamentarischen Rat und der fortlaufenden und bis zum Tage unaufgehobenen, also geltenden Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.
jobo72	Christliche Anthropologie, Christliche Ethik, Geschichte und Politik, Kirche und Gesellschaft, Kommentare + Erläuterungen + Klärungsbedarf, Veranstaltungshinweise	 7. September 2018 4 Minutes

References: Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2