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Timestamp: 2020-01-23 23:17:45+00:00

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Altersbedingte Kürzung von Sozialplanabfindungen keine Altersdiskriminierung- Justiz- Büro gegen Altersdiskriminierung
Altersbedingte Kürzung von Sozialplanabfindungen keine Altersdiskriminierung
23.03.2010 - von Bundesarbeitsgericht
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 23.03.2010, 1 AZR 832/08
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 22. August 2008 – 10 Sa 573/08 – wird zurückgewiesen.
1 AZR 832/08 > Rn 1
1 AZR 832/08 > Rn2
1 AZR 832/08 > Rn3
1 AZR 832/08 > Rn4
1 AZR 832/08 > Rn5
1 AZR 832/08 > Rn6
1 AZR 832/08 > Rn7
Der Kläger hat beantragt, die Beklagte zu verurteilen, an den Kläger 43.495,49 Euro nebst 5 % Zinsen über dem Basiszinssatz seit dem 29. November 2007 zu zahlen.
1 AZR 832/08 > Rn8
1 AZR 832/08 > Rn9
1 AZR 832/08 > Rn10
1 AZR 832/08 > Rn11
1 AZR 832/08 > Rn12
1 AZR 832/08 > Rn13
1 AZR 832/08 > Rn14
1 AZR 832/08 > Rn15
1 AZR 832/08 > Rn16
1 AZR 832/08 > Rn17
aa) Die den Betriebsparteien in § 10 Satz 3 Nr. 6 2. Alt. AGG eingeräumte Möglichkeit, ältere Arbeitnehmer unter den dort genannten Voraussetzungen von Sozialplanleistungen auszuschließen, verstößt nicht gegen das Verbot der Altersdiskriminierung im Recht der Europäischen Union. Die nationale Regelung ist iSv. Art. 6 Abs. 1 Satz 1 der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf(Richtlinie 2000/78/EG) durch ein im Allgemeininteresse liegendes sozialpolitisches Ziel des deutschen Gesetzgebers gerechtfertigt. Dieser wollte es den Betriebsparteien entsprechend dem zukunftsgerichteten Entschädigungscharakter von Sozialplanleistungen ermöglichen, diese bei „rentennahen“ Arbeitnehmern stärker an den tatsächlich eintretenden wirtschaftlichen Nachteilen zu orientieren, die ihnen durch den bevorstehenden Arbeitsplatzverlust und eine darauf zurückgehende Arbeitslosigkeit drohen. Durch diese Gestaltungsmöglichkeit kann das Anwachsen der Abfindungshöhe, das mit der Verwendung der Parameter Betriebszugehörigkeit und/oder Lebensalter bei der Bemessung der Abfindung zwangsläufig verbunden ist, bei abnehmender Schutzbedürftigkeit im Interesse der Verteilungsgerechtigkeit begrenzt werden (vgl. dazu die ausführliche Begründung in BAG 26. Mai 2009 – 1 AZR 198/08 – Rn. 33 bis 40 sowie Rn. 48 f., AP BetrVG 1972 § 112 Nr. 200 = EzA BetrVG 2001 § 112 Nr. 31).
1 AZR 832/08 > Rn18
bb) Nach der Rechtsprechung des Senats sind die zur Beurteilung der Zulässigkeit von § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG heranzuziehenden Grundsätze zum Verständnis und zur Anwendung von Art. 6 Abs. 1 Satz 1 der Richtlinie 2000/78/EG offenkundig, jedenfalls aber durch die jüngere Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs(22. November 2005 – C-144/04 – [Mangold] Slg. 2005, I-9981; 16. Oktober 2007 – C-411/05 – [Palacios de la Villa] Slg. 2007, I-8531; 5. März 2009 – C-388/07 – [Age Concern England] NZA 2009, 305) geklärt, so dass ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 Abs. 3 EGV (nunmehr: Art. 267 Abs. 3 AEUV) nicht geboten ist (26. Mai 2009 – 1 AZR 198/08 – Rn. 41, AP BetrVG 1972 § 112 Nr. 200 = EzA BetrVG 2001 § 112 Nr. 31). Die Aussetzung des vorliegenden Verfahrens zur Durchführung eines Vorabentscheidungsverfahrens ist entgegen der Ansicht des Klägers auch nicht durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Nichtberücksichtigung von Beschäftigungszeiten vor dem 25. Lebensjahr bei der Berechnung der gesetzlichen Kündigungsfrist in § 622 Abs. 2 Satz 2 BGB veranlasst (19. Januar 2010 – C-555/07 – [Kücükdeveci] NZA 2010, 85). In dieser Entscheidung hat der Gerichtshof lediglich seine vom Senat bereits berücksichtigten Grundsätze zur Rechtfertigung von Ungleichbehandlungen wegen des Alters auf die Regelung in § 622 Abs. 2 BGB fallbezogen angewandt (19. Januar 2010 – C-555/07 – [Kücükdeveci] Rn. 33 bis 43, aaO).
1 AZR 832/08 > Rn19
1 AZR 832/08 > Rn20
1 AZR 832/08 > Rn21
1 AZR 832/08 > Rn22
1 AZR 832/08 > Rn23
1 AZR 832/08 > Rn24
1 AZR 832/08 > Rn25
1 AZR 832/08 > Rn26
1 AZR 832/08 > Rn27
1 AZR 832/08 > Rn28
1 AZR 832/08 > Rn29
aa) Nach der Senatsrechtsprechung haben Sozialpläne eine zukunftsbezogene Ausgleichs- und Überbrückungsfunktion. Geldleistungen in Form einer Abfindung stellen kein zusätzliches Entgelt für die in der Vergangenheit erbrachten Dienste dar, sondern sollen die voraussichtlich entstehenden wirtschaftlichen Folgen eines durch Betriebsänderung verursachten Arbeitsplatzverlustes ausgleichen oder zumindest abmildern. Die Betriebsparteien können diese Nachteile aufgrund ihres Beurteilungs- und Gestaltungsspielraums in typisierter und pauschalierter Form ausgleichen(26. Mai 2009 – 1 AZR 198/08 – Rn. 23, AP BetrVG 1972 § 112 Nr. 200 = EzA BetrVG 2001 § 112 Nr. 31). Dazu können sie die übermäßige Begünstigung, die ältere Beschäftigte mit langjähriger Betriebszugehörigkeit bei einer am Lebensalter und an der Betriebszugehörigkeit orientierten Abfindungsberechnung erfahren, durch eine Kürzung für rentennahe Jahrgänge zurückführen, um eine aus Sicht der Betriebsparteien verteilungsgerechte Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen der Betriebsänderung zu ermöglichen.
1 AZR 832/08 > Rn30
1 AZR 832/08 > Rn31
Diese Entscheidung wurde unter Abfindung abgelegt und mit Altersdiskriminierung, Gleichbehandlung, Sozialplan verschlagwortet.
Das Urteil BAG – 1 AZR 832/08 wird zitiert in:
> BAG, 23.04.2013 – 1 AZR 916/11
> BAG, 12.04.2011 – 1 AZR 764/09
Quelle: bag-urteil.com
22.03.2010: Altersgrenze von 70 Jahren für Notare ist O.K.
18.03.2010: BAG: Entschädigung f. immateriellen Schaden wg. Altersdiskriminierung
08.03.2010: Richter kann nicht bis 67 arbeiten

References: § 10
 Art. 6
 § 112
 § 112
 § 10
 Art. 6
 Art. 234
 Art. 267
 § 112
 § 112
 § 622
 § 622
 § 112
 § 112