Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=KG&Datum=30.03.2010&Aktenzeichen=4%20Ws%2038/10
Timestamp: 2019-10-16 06:13:18+00:00

Document:
KG, 30.03.2010 - 4 Ws 38/10, 1 AR 454/10 - dejure.org
KG, 30.03.2010 - 4 Ws 38/10, 1 AR 454/10
https://dejure.org/2010,14866
KG, 30.03.2010 - 4 Ws 38/10, 1 AR 454/10 (https://dejure.org/2010,14866)
KG, Entscheidung vom 30.03.2010 - 4 Ws 38/10, 1 AR 454/10 (https://dejure.org/2010,14866)
KG, Entscheidung vom 30. März 2010 - 4 Ws 38/10, 1 AR 454/10 (https://dejure.org/2010,14866)
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§ 116 Abs 4 StPO, § 112a StPO
Untersuchungshaft: Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen einen Haftverschonungsbeschluss; Einbeziehung von Vorverurteilungen bei Beurteilung des dringenden Tatverdachts
Beachtung des Grundgedankens des § 116 Abs. 4 Strafprozessordnung (StPO) im Beschwerdeverfahren bei der rückwirkenden Überprüfung einer alten Haftentscheidung; Einbeziehung von zurückliegenden Taten bei der Beurteilung eines dringenden Tatverdachts
StPO § 112a; StPO § 116 Abs. 4
LG Berlin, 08.03.2010 - 525 Qs 29/10
LG Berlin, 08.03.2010 - Qs 29/10 (282) 81 Js 4204/09
NStZ-RR 2010, 291
StV 2010, 585
Die hier in Rede stehende Sicherungshaft gebietet es indes aus verfassungsrechtlichen Gründen (vgl. BVerfG, Beschl. v. 15. Dezember 1965 - 1 BvR 513/65, BVerfGE 19, 342, 349; BVerfG, Beschl. v. 30. Mai 1973 - 2 BvL 4/73, BVerfGE 35, 185, 191), bei verfahrensfremden, zeitlich zurückliegenden Taten die aktuelle Gefahrenlage besonders sorgfältig zu prüfen (vgl. KG, Beschl. v. 30. März 2010 - 4 Ws 38/10, NStZ-RR 2010, 291).
Unzutreffend ist dagegen die schematische Annahme, dass bei einer Straferwartung in bestimmter Höhe stets Fluchtgefahr bestehe (…vgl. Meyer-Goßner, 54.A., § 112 Rn. 23;… Graf-Krauß, § 112 Rn. 17; Dahs NJW 1959, 511; Wendisch NStZ 1983, 479), etwa bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr (vgl. Celle NJW 50, 240; LG Oldenburg, StV 83, 248) oder von mehr als zwei Jahren (so KG StV 2010, 585, aA zutreffend KG StRR 2010, 354).
An die Anordnung (und den Vollzug) der Untersuchungshaft wegen Widerholungsgefahr sind im Hinblick auf ihren Charakter als präventive Sicherungshaft aus verfassungsrechtlichen Gründen strenge Anforderungen zu stellen (vgl. Senat NStZ-RR 2010, 291 m.w.Nachw.).
6 Der Haftgrund der Wiederholungsgefahr dient nicht der Verfahrenssicherung, sondern soll die Rechtsgemeinschaft vorbeugend vor weiteren Straftaten schützen, so dass an diese präventive Sicherungshaft aus verfassungsrechtlichen Gründen strenge Anforderungen zu stellen sind (vgl. KG, NStZ-RR 2010, 291; BVerfGE 19, 342, 349 ff und 35, 191, 195;… Hilger in Löwe-Rosenberg, StPO 26. Aufl., § 112 a Rdn. 10, 30).
Der Verteidiger bezieht sich insoweit offenbar auf eine - soweit ersichtlich vereinzelt gebliebene - Entscheidung des 4. Strafsenats (Beschluss vom 30. März 2010 - 4 Ws 38/10 -, StV 2010, 585 und in juris).
Der Senat verkennt nicht, dass der Haftgrund der Wiederholungsgefahr nicht der Verfahrenssicherung dient, sondern die Rechtsgemeinschaft vorbeugend vor weiteren Straftaten schützen soll, so dass an diese präventive Sicherungshaft aus verfassungsrechtlichen Gründen strenge Anforderungen zu stellen sind (vgl. Senat NStZ-RR 2010, 291 m.w.N.; BVerfGE 19, 342 und 35, 191;… Graf in Karlsruher Kommentar, StPO 7. Auflage, § 112a Rnr. 2 m.w.N.).

References: § 116
 § 112
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 § 112
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 § 112
 § 112
 § 112
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