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Timestamp: 2020-06-05 02:59:26+00:00

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Der verspätete Semesterbeitrag | Rechtslupe
Der verspätete Semesterbeitrag
Der ver­spä­te­te Semes­ter­bei­trag
Die Exma­tri­ku­la­ti­on eines Stu­den­ten kraft Geset­zes gemäß § 19 Abs. 6 Satz 3 des Nie­der­säch­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes wegen des feh­len­den Zah­lungs­ein­gangs des Semes­ter­bei­tra­ges kommt nur bei einer wirk­sa­men Frist­set­zung durch die Hoch­schu­le in Betracht. Bei der Fest­le­gung der Nach­frist zur Zah­lung des fäl­li­gen Semes­ter­bei­tra­ges wäh­rend der Semes­ter­fe­ri­en ist die Hoch­schu­le gehal­ten zu berück­sich­ti­gen, dass sich Stu­den­ten übli­cher­wei­se in der vor­le­sungs­frei­en Zeit nicht durch­gän­gig am Stu­di­en­ort auf­hal­ten.
Allein auf­grund der gesetz­li­chen Rege­lung des § 19 Abs. 6 Satz 3 NHG kann die Hoch­schu­le bei der den Stu­den­ten aus­schließ­lich eröff­ne­ten Mög­lich­keit der Zah­lung per Über­wei­sung ledig­lich die Abga­be des Über­wei­sungs­auf­trags, nicht jedoch den Ein­gang der Zah­lung auf dem Kon­to des Zah­lungs­emp­fän­gers inner­halb der gesetz­ten Frist ver­lan­gen.
Gemäß § 19 Abs. 6 Satz 3 NHG ist der­je­ni­ge, der sich nach Mah­nung unter Frist­set­zung und Andro­hung der Exma­tri­ku­la­ti­on nicht rück­mel­det oder fäl­li­ge Abga­ben und Ent­gel­te nach die­sem Gesetz nicht zahlt, mit Frist­ab­lauf zum Ende des Semes­ters exma­tri­ku­liert. In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg ent­schie­de­nen Fall mahn­te die Uni­ver­si­tät Vech­ta mit Schrei­ben vom 3. März 2011 die säu­mi­ge Stu­den­tin bezüg­lich der Zah­lung des fäl­li­gen Semes­ter­bei­tra­ges in Höhe von 143,50 € ver­bun­den mit einer Aus­schluss­frist und unter Hin­weis auf eine Exma­tri­ku­la­ti­on im Fal­le der Nicht­zah­lung inner­halb der Frist. Danach muss­te der aus­ste­hen­de Betrag bis zum 15. März 2011 auf dem Bank­kon­to der Uni­ver­si­tät ein­ge­gan­gen sein. Der Vater der Stu­den­tin hat einen ent­spre­chen­den Über­wei­sungs­auf­trag am Frei­tag, den 11. März 2011 bei sei­ner Bank abge­ge­ben. Auf­grund einer Ver­zö­ge­rung bei der Bank des Vaters ging der Betrag in Höhe von 143,50 € erst am Mitt­woch, den 16. März 2011 bei der Bank der Uni­ver­si­tät und damit einen Tag nach der von ihr gesetz­ten Frist ein. In die­sem Fall ist nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Olden­burg trotz Zah­lungs­ein­gangs erst am 16. März 2011 eine Exma­tri­ku­la­ti­on auf­grund eines Frist­ver­säum­nis­ses nicht gerecht­fer­tigt:
Kei­ne Zugangs­fik­ti­on wegen feh­len­den Absen­de­ver­merks
Vor­lie­gend fehlt es nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Olden­burg bereits an einer wirk­sa­men Frist­set­zung durch die Uni­ver­si­tät, da die von ihr gesetz­te Frist nicht ange­mes­sen war. Die Uni­ver­si­tät mahn­te die Stu­den­tin mit Schrei­ben vom 3. März 2011, das mit ein­fa­chem Brief ver­sen­det wur­de. Nach dem Vor­trag der Uni­ver­si­tät habe daher auf­grund der Drei-Tages-Fik­ti­on gem. § 41 Abs. 2 Satz 1 VwVfG bei der Stu­den­tin spä­tes­tens am 6. März 2011 von einer Kennt­nis­nah­me des Mahn­schrei­bens und einer aus­rei­chen­den Zeit­span­ne für die Zah­lung bis zum vor­ge­se­he­nen Fris­ten­de aus­ge­gan­gen wer­den kön­nen.
Dies trifft nach Ansicht des Ver­wal­tug­ns­ge­richts Olden­burg jedoch nicht zu. Vor­aus­set­zung ist, dass der Brief am 3. März 2011 abge­sandt wur­de. Dies ist nicht belegt. Ent­ge­gen der in Ver­wal­tungs­be­hör­den übli­chen Pra­xis befin­det sich auf dem Mahn­schrei­ben vom 3. März 2011 kein Ver­merk des zustän­di­gen Mit­ar­bei­ters, wann die­ses Schrei­ben an die Stu­den­tin abge­schickt wur­de. Damit fehlt es bereits am Frist­be­ginn des 6.März 2011. Selbst wenn davon aus­zu­ge­hen ist, dass Stu­den­ten auch wäh­rend der Semes­ter­fe­ri­en die Oblie­gen­heit trifft, in regel­mä­ßi­gen Abstän­den einen mög­li­chen Post­ein­gang unter der Semes­ter­adres­se zu kon­trol­lie­ren, kann ein vor dem 11. März 2011 begin­nen­der Frist­be­ginn nicht ange­nom­men wer­den.
Die Stu­den­tin hat das Schrei­ben vom 3. März 2011 am 11. März 2011 zur Kennt­nis genom­men. Einen frü­he­ren Zugang hat die Uni­ver­si­tät nicht nach­ge­wie­sen. Das Mahn­schrei­ben wur­de wäh­rend der Semes­ter­fe­ri­en ver­sandt. Wäh­rend der Semes­ter­fe­ri­en ist es durch­aus üblich, dass sich die Stu­den­ten nicht durch­gän­gig am Stu­di­en­ort auf­hal­ten, son­dern z.B. Prak­ti­ka oder Feri­en­jobs an einem ande­ren Ort wahr­neh­men oder sich bei ihren Eltern auf­hal­ten. Aus­zu­ge­hen ist des­halb von einem Zugang des Schrei­bens am 11. März 2011.
Unan­ge­mes­sen kur­ze Aus­schluss­frist
Bei Zugrun­de­le­gung die­ses Zugangs­zeit­punk­tes – aber auch bei einem unter­stell­ten Zugang ein paar Tage vor dem 11. März 2011 – ist die von der Uni­ver­si­tät gesetz­te Aus­schluss­frist zu kurz und damit unver­hält­nis­mä­ßig. In Kennt­nis der Üblich­keit der Orts­ab­we­sen­heit von Stu­den­ten ist die Uni­ver­si­tät gehal­ten, die von ihr in einem Schrei­ben gesetz­te Frist so groß­zü­gig zu bemes­sen, dass es dem betref­fen­den Stu­den­ten mög­lich ist, die­se Frist auch dann ein­zu­hal­ten, wenn er sei­nen Brief­kas­ten unter der Semes­ter­an­schrift nicht täg­lich, son­dern z.B. ein­mal in der Woche oder jede zwei­te Woche kon­trol­liert. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Erwä­gun­gen war die gesetz­te Frist ins­be­son­de­re in Anbe­tracht der mit dem Ver­säu­men der Aus­schluss­frist ver­bun­de­nen weit­rei­chen­den Fol­ge einer Exma­tri­ku­la­ti­on zu kurz.
Grund­sätz­lich durf­te die Uni­ver­si­tät für die Frist­set­zung einen Ter­min wäh­len, der ihr ermög­lich­te, noch recht­zei­tig vor dem Semes­ter­be­ginn einen Über­blick über die Rück­mel­dun­gen zu erlan­gen, um ggf. Stu­di­en­plät­ze von nicht zurück­ge­mel­de­ten Stu­den­ten an ande­re Bewer­ber ver­ge­ben zu kön­nen. Dies gilt selbst dann, wenn der mit den Rück­mel­dun­gen und der Ver­ga­be ggf. frei­wer­den­der Stu­di­en­plät­ze ver­bun­de­ne Auf­wand im Ver­gleich zu grö­ße­ren Uni­ver­si­tätn gering ist. Die Uni­ver­si­tät hät­te aber schon die Mah­nun­gen zu einem frü­he­ren Zeit­punkt ver­sen­den kön­nen, da die Rück­mel­de­frist für das Som­mer­se­mes­ter 2011 bei der Uni­ver­si­tät bereits am 7. Febru­ar 2011 ende­te. Eine Frist von drei bis fünf Arbeits­ta­gen ist jeden­falls zu kurz bemes­sen. Dies gilt umso mehr, als die Semes­ter­bei­trä­ge übli­cher­wei­se – wie auch im vor­lie­gen­den Fall – von den Eltern getra­gen wer­den, die somit inner­halb der Frist benach­rich­tigt wer­den müs­sen.
Über­wei­sungs­da­tum statt Zah­lungs­ein­gang
Des Wei­te­ren fehlt es vor­aus­sicht­lich an einer gesetz­li­chen Grund­la­ge für das von der Uni­ver­si­tät mit der Aus­schluss­frist ver­bun­de­ne Erfor­der­nis des Ein­gangs der fäl­li­gen Geld­be­tra­ges auf ihrem Bank­kon­to zur Ein­hal­tung der Frist. Die Rege­lung des § 19 Abs. 6 Satz 3 NHG sieht ledig­lich vor, dass der­je­ni­ge, der fäl­li­ge Abga­ben und Ent­gel­te nicht zahlt, mit Frist­ab­lauf zum Ende des Semes­ters exma­tri­ku­liert wird. Mit der Abga­be der Über­wei­sung bei der Bank kommt der Zah­lungs­schuld­ner sei­ner Ver­pflich­tung zur Zah­lung nach. Danach hat der Zah­lungs­schuld­ner kei­nen Ein­fluss mehr dar­auf, wie lan­ge es dau­ert, bis ein Ein­gang auf dem Kon­to des Zah­lungs­emp­fän­gers zu ver­zeich­nen ist. Selbst wenn die Bank des Vaters der Stu­den­tin ver­pflich­tet sein soll­te – wie von der Uni­ver­si­tät vorgetragen‑, den zu über­wei­sen­den Betrag spä­tes­tens nach drei Tagen auf dem Kon­to des Zah­lungs­emp­fän­gers gut­zu­schrei­ben, ver­bleibt man­gels Ein­fluss­nah­me­mög­lich­keit auf die Dau­er des Bank­ver­kehrs das Risi­ko des Ver­säu­mens der Aus­schluss­frist bei der Stu­den­tin. Da die Uni­ver­si­tät den Stu­den­ten für die Zah­lung der fäl­li­gen Geld­be­trä­ge ledig­lich die Mög­lich­keit der Über­wei­sung an eine nicht am Stu­di­en­ort gele­ge­ne Bank als Zah­lungs­weg eröff­net, erscheint es unbil­lig, das Risi­ko von Ver­zö­ge­run­gen im Bank­ver­kehr allein auf die Stu­den­ten zu über­tra­gen, indem sie als Nach­weis der Ein­hal­tung der von ihr gesetz­ten Frist den Ein­gang der Zah­lung auf ihrem Bank­kon­to ver­langt. Der Kam­mer ist bekannt, dass die Uni­ver­si­tät noch im letz­ten Jahr Mahn­schrei­ben mit einer Nach­frist­set­zung hin­sicht­lich aus­ste­hen­der Geld­be­trä­ge im Rah­men der Rück­mel­dung an Stu­den­ten über­sand­te, die die­sen Zusatz der Erfor­der­lich­keit des Ein­gangs der Zah­lung bei der Bank der Uni­ver­si­tät nicht ent­hiel­ten. Wor­auf die­se Ände­rung in der Pra­xis der Uni­ver­si­tät beruht, lässt sich nicht erken­nen.
Bereits gezahl­ter Stu­di­en­bei­trag
Schließ­lich ist die Exma­tri­ku­la­ti­on der Stu­den­tin aller Vor­aus­sicht nach aus einem wei­te­ren Grund unver­hält­nis­mä­ßig. Wie bereits dar­ge­legt ist die Uni­ver­si­tät auf eine Ein­hal­tung der Rück­mel­de­frist bzw. der dies­be­züg­li­chen Nach­frist ein­schließ­lich der damit ver­bun­de­nen Zah­lung der fäl­li­gen Geld­be­trä­ge durch die Stu­den­ten ange­wie­sen, um u.a. frei­wer­den­de Stu­di­en­plät­ze an ande­re Bewer­ber ver­ge­ben zu kön­nen. Eine Rück­mel­dung allein ohne die Zah­lung der fäl­li­gen Abga­ben und Ent­gel­te führt nach der Rege­lung des § 19 Abs. 6 Satz 3 NHG zur Exma­tri­ku­la­ti­on. Die Kon­stel­la­ti­on der Stu­den­tin weist inso­fern eine Beson­der­heit auf, dass sie frist­ge­recht bereits einen gro­ßen Teil des fäl­li­gen Gesamt­be­tra­ges in Höhe von 500,– Euro gezahlt hat­te und mit der Mah­nung ledig­lich ein Teil­be­trag von 143,50 Euro ein­ge­for­dert wur­de. Die Stu­den­tin war ver­pflich­tet, für das Som­mer­se­mes­ter 500,– Euro Stu­di­en­bei­trag und 143,50 Euro Semes­ter­bei­trag zu zah­len. Zwar war auch die Stu­den­tin ver­pflich­tet, inner­halb der von der Uni­ver­si­tät gesetz­ten Frist die noch aus­ste­hen­den Beträ­ge zu zah­len. Mit der Zah­lung des grö­ße­ren Betra­ges in Höhe von 500,– Euro hat sie jedoch gegen­über der Uni­ver­si­tät ihre Absicht, sich für das Som­mer­se­mes­ter 2011 rück­zu­mel­den, deut­lich gemacht. Nach Kennt­nis des Mahn­schrei­bens hat der Vater der Stu­den­tin den noch aus­ste­hen­den Betrag inner­halb der gesetz­ten Frist über­wie­sen, auch wenn der Zah­lungs­ein­gang bei der Bank der Uni­ver­si­tät erst nach Ablauf der Frist zu ver­zeich­nen war. In der Gesamt­schau die­ser Umstän­de erscheint in die­sem Ein­zel­fall eine Exma­tri­ku­la­ti­on der Stu­den­tin als unver­hält­nis­mä­ßig.
Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 6. Mai 2011 – 12 B 1090/​11
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References: § 19
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 § 41
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 § 34