Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Gleichbehandlung_in_Beschaeftigung_und_Beruf_EuGH_C-88-08.html
Timestamp: 2017-02-20 06:12:33+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: C-88/08
C-88/08
Die Art. 1, 2 und 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, die, um die all­ge­mei­ne Bil­dung nicht ge­genüber der be­ruf­li­chen Bil­dung zu be­nach­tei­li­gen und die Ein­glie­de­rung ju­gend­li­cher Lehr­lin­ge in den Ar­beits­markt zu fördern, bei der Fest­le­gung der Dienst­al­ters­stu­fe von Ver­trags­be­diens­te­ten des öffent­li­chen Diens­tes ei­nes Mit­glied­staats die Berück­sich­ti­gung von vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs lie­gen­den Dienst­zei­ten aus­sch­ließt.
Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht vom Obersten Gerichtshof (Österreich)
18. Ju­ni 2009(*)
„Richt­li­nie 2000/78/EG – Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf – Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters – Fest­le­gung des Ent­gelts von Ver­trags­be­diens­te­ten des Staa­tes – Aus­schluss der vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung“
In der Rechts­sa­che C‑88/08
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Obers­ten Ge­richts­hof (Öster­reich) mit Ent­schei­dung vom 7. Fe­bru­ar 2008, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 27. Fe­bru­ar 2008, in dem Ver­fah­ren
Da­vid Hütter
Tech­ni­sche Uni­ver­sität Graz
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten A. Ro­sas, der Rich­ter A. Ó Cao­imh und J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, der Rich­te­rin P. Lindh (Be­richt­er­stat­te­rin) so­wie des Rich­ters A. Ara­b­ad­jiev,
Kanz­ler: R. Grass,
– von Da­vid Hütter, ver­tre­ten durch Rechts­anwälte T. Stamp­fer und C. Org­ler, – der Tech­ni­schen Uni­ver­sität Graz, ver­tre­ten durch das Mit­glied der Fi­nanz­pro­ku­ra­tur M. Ge­wolf‑Vu­ko­vich,
– der däni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch B. Weis Fogh als Be­vollmäch­tig­te,
– der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, ver­tre­ten durch J. En­e­gren und B. Kot­schy als Be­vollmäch­tig­te,
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Hütter und der Tech­ni­schen Uni­ver­sität Graz (im Fol­gen­den: TUG) über sei­ne Ein­stu­fung in die Lauf­bahn ei­nes Ver­trags­be­diens­te­ten des öffent­li­chen Diens­tes bei sei­ner Ein­stel­lung.
Ge­mein­schafts­recht 3
Im 25. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 heißt es:
Art. 2 („Der Be­griff ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘“) der Richt­li­nie 2000/78 sieht vor:
Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt in Abs. 1:
a) die Be­din­gun­gen – ein­sch­ließlich Aus­wahl­kri­te­ri­en und Ein­stel­lungs­be­din­gun­gen – für den Zu­gang zu un­selbständi­ger und selbständi­ger Er­werbstätig­keit, un­abhängig von Tätig­keits­feld und be­ruf­li­cher Po­si­ti­on, ein­sch­ließlich des be­ruf­li­chen Auf­stiegs;
Art. 6 („Ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters“) der Richt­li­nie 2000/78 sieht in Abs. 1 vor:
„Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
Nach Art. 18 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 hat­te die Re­pu­blik Öster­reich die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zu er­las­sen, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003 nach­zu­kom­men.
Na­tio­na­les Recht 9 Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt sich, dass sich der In­halt der zwi­schen der Uni­ver­sität und ih­ren Beschäftig­ten ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge gemäß § 128 des Uni­ver­sitäts­ge­set­zes 2002 (BGBl. I Nr. 120/2002) vom In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes, d. h. ab 1. Ja­nu­ar 2004, bis zum In­kraft­tre­ten ei­nes Kol­lek­tiv­ver­trags nach dem Ver­trags­be­diens­te­ten­ge­setz 1948 (BGBl. Nr. 86/1948) in der durch das Ge­setz von 2004 (BGBl. I Nr. 176/2004) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: VBG) be­stimmt.
§ 3 Abs. 1 Buchst. a VBG re­gelt die Ein­stu­fung der Ver­trags­be­diens­te­ten. Nur Per­so­nen, die ein Le­bens­al­ter von min­des­tens 15 Jah­ren ha­ben, dürfen als Be­diens­te­te auf­ge­nom­men wer­den. 11 Für Rech­te, die von der Dau­er des Dienst­verhält­nis­ses oder der Be­rufs­er­fah­rung abhängen, dürfen nach dem VBG – außer in be­stimm­ten, hier nicht re­le­van­ten Aus­nah­mefällen – vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs im Dienst­verhält­nis zurück­ge­leg­te Zei­ten nicht berück­sich­tigt wer­den. Da­her ist nach § 26 Abs. 1 VBG bei der Er­mitt­lung des Vorrückungs­stich­tags ei­ne Berück­sich­ti­gung der Dienst­zei­ten, die vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs zurück­ge­legt wur­den, aus­ge­schlos­sen. Dienst­zei­ten, die nach § 26 Abs. 2 Z 1 Buchst. b VBG „im Lehr­be­ruf … an ei­ner … Uni­ver­sität oder Hoch­schu­le …“ zurück­ge­legt wur­den, können bei der Ein­stu­fung nur in­so­weit berück­sich­tigt wer­den, als sie nach Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs lie­gen.
Die Richt­li­nie 2000/78 ist in Öster­reich mit dem Bun­des-Gleich­be­hand­lungs­ge­setz von 1993 (BGBl. Nr. 100/1993) in der durch das Ge­setz von 2004 (BGBl. I Nr. 65/2004) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: B-GIBG) um­ge­setzt wor­den. Die­ses Ge­setz re­gelt die Ar­beits­verträge mit den Uni­ver­sitäten. Dem vor­le­gen­den Ge­richt zu­fol­ge wur­de § 26 Abs. 1 VBG aber durch das B‑GIBG nicht geändert, so dass die­se Vor­schrift auf den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Sach­ver­halt an­wend­bar bleibt.
Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­la­ge­fra­ge 13
Herr Hütter, der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens, wur­de 1986 ge­bo­ren. Mit ei­ner Kol­le­gin ab­sol­vier­te er vom 3. Sep­tem­ber 2001 bis zum 2. März 2005 ei­ne Leh­re als Che­mie­la­bor­tech­ni­ker bei der TUG, die ei­ne un­ter das Bun­des­ge­setz von 2002 über die Or­ga­ni­sa­ti­on der Uni­ver­sitäten und ih­re Stu­di­en fal­len­de öffent­li­che Ein­rich­tung ist.
Herr Hütter und sei­ne Kol­le­gin wur­den dar­auf­hin von der TUG wei­ter­beschäftigt, und zwar vom 3. März 2005 bis zum 2. Ju­ni 2005, d. h. für drei Mo­na­te. Da die Kol­le­gin 22 Mo­na­te älter als Herr Hütter war, wur­de sie höher ein­ge­stuft, wor­aus sich ein um 23,20 Eu­ro höhe­res Mo­nats­ge­halt er­gab. Die­ser Un­ter­schied be­ruht dar­auf, dass die nach der Volljährig­keit zurück­ge­leg­te Lehr­zeit bei Herrn Hütter un­gefähr 6,5 Mo­na­te, bei sei­ner Kol­le­gin da­ge­gen 28,5 Mo­na­te be­trug. 15
Herr Hütter er­hob Kla­ge beim Lan­des­ge­richt für Zi­vil­rechts­sa­chen Graz. Er be­an­trag­te, ihm ei­ne Entschädi­gung in Höhe der ihn we­gen sei­nes Al­ters be­nach­tei­li­gen­den Ge­halts­dif­fe­renz zu zah­len, die un­ge­recht­fer­tigt sei und so­wohl ge­gen das B-GIBG als auch ge­gen die Richt­li­nie 2000/78 ver­s­toße. Die­se Ge­halts­dif­fe­renz beläuft sich auf 69,60 Eu­ro. 16
Nach­dem der Kla­ge im ers­ten Rechts­zug und im Be­ru­fungs­ver­fah­ren statt­ge­ge­ben wor­den war, leg­te die TUG Rechts­mit­tel beim vor­le­gen­den Ge­richt ein. Die­sem stellt sich ins­be­son­de­re die Fra­ge, ob Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78 ei­ner na­tio­na­len Maßnah­me ent­ge­gen­steht, die es den Ar­beit­ge­bern er­laubt, vor der Volljährig­keit lie­gen­de Aus­bil­dungs­zei­ten nicht zu berück­sich­ti­gen, um ei­ne Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen zu ver­mei­den, die ei­ne Se­kun­dar­schu­le be­sucht ha­ben, Schülern kei­nen An­reiz zu ge­ben, die­se Schu­len zu ver­las­sen, und, all­ge­mei­ner, das Lehr­verhält­nis für den öffent­li­chen Dienst nicht zu ver­teu­ern, um die Ein­glie­de­rung von Lehr­lin­gen in den Ar­beits­markt zu begüns­ti­gen.
Un­ter die­sen Umständen hat der Obers­te Ge­richts­hof das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
Sind die Art. 1, 2 und 6 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, die an­re­chen­ba­re Vor­dienst­zei­ten für die Er­mitt­lung des Vorrückungs­stich­tags aus­sch­ließt, so­weit sie vor der Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs zurück­ge­legt wur­den?
Herr Hütter macht gel­tend, dass es bei glei­cher Be­rufs­er­fah­rung kei­ne Recht­fer­ti­gung im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 für die Un­gleich­be­hand­lung aus­sch­ließlich we­gen des Al­ters, in dem die­se Er­fah­rung er­wor­ben wor­den sei, ge­be. Ei­ne Re­gel wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che stel­le ei­nen An­reiz dar, vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs kei­ner Be­rufstätig­keit nach­zu­ge­hen. Es han­de­le sich um ei­ne durch die Richt­li­nie 2000/78 ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung.
Die TUG ver­neint ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung. § 26 Abs. 1 VBG gel­te un­ter­schieds­los und un­abhängig vom Al­ter für je­der­mann. Von ei­ner auf dem Kri­te­ri­um des Al­ters be­ru­hen­den Dis­kri­mi­nie­rung könne da­her kei­ne Re­de sein. Die­se Vor­schrift könne dem­nach nur an Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 über mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen auf­grund dem An­schein nach neu­tra­ler Kri­te­ri­en ge­mes­sen wer­den.
Die TUG macht hilfs­wei­se gel­tend, dass mit der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Maßnah­me ein le­gi­ti­mes Ziel ver­folgt wer­de und dass die­se Maßnah­me an­ge­mes­sen und er­for­der­lich im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 sei. 21
Sie ermögli­che es nämlich dem öffent­li­chen Dienst­ge­ber, über ei­ne gleich­ar­ti­ge und nach­voll­zieh­ba­re Struk­tur der Ge­halts­er­mitt­lung für die Ver­trags­be­diens­te­ten zu verfügen. Es han­de­le sich um ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne der Art. 2 Abs. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78.
Im Jahr 2000 hätten et­wa 0,03 % der Lehr­lin­ge ih­re Aus­bil­dung nach Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs ab­ge­schlos­sen. Die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung der Lehr­lin­ge wer­de da­durch gefördert, dass die­se Aus­bil­dungs­zei­ten vor dem 18. Le­bens­jahr auf­zu­wei­sen hätten, die nicht für die Ent­gelts­be­mes­sung zu berück­sich­ti­gen sei­en. Da­mit könn­ten die Ar­beit­ge­ber die Kos­ten der Ein­stel­lung jünge­rer Lehr­lin­ge sen­ken.
Darüber hin­aus be­nach­tei­li­ge ei­ne Berück­sich­ti­gung von vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs lie­gen­den Aus­bil­dungs­zei­ten Per­so­nen mit all­ge­mei­ner Schul­bil­dung. In ei­nem Mit­glied­staat wie der Re­pu­blik Öster­reich, wo der Ar­beits­markt über zu we­nig Hoch­schul­ab­sol­ven­ten verfüge, las­se sich mit ei­ner Maßnah­me wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen auch ver­mei­den, Per­so­nen da­zu zu ver­lei­ten, die all­ge­mein­bil­den­den Schu­len zu ver­las­sen.
Die däni­sche Re­gie­rung ist der Auf­fas­sung, dass Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sei, dass er ei­ner Maßnah­me wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den nicht ent­ge­gen­ste­he, wenn sie ein le­gi­ti­mes Ziel im Zu­sam­men­hang mit der be­ruf­li­chen Bil­dung und der Beschäfti­gungs­po­li­tik zu­guns­ten von Ju­gend­li­chen ver­fol­ge und an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sei.
Die däni­sche Re­gie­rung weist auf das wei­te Er­mes­sen hin, über das die Mit­glied­staa­ten bei auf dem Kri­te­ri­um des Al­ters be­ru­hen­den Maßnah­men verfügten (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 22. No­vem­ber 2005, Man­gold, C‑144/04, Slg. 2005, I‑9981, Rand­nrn. 62 und 63, und vom 16. Ok­to­ber 2007, Pa­la­ci­os de la Vil­la, C‑411/05, Slg. 2007, I‑8531, Rand­nr. 68). 26
Für Min­derjähri­ge ei­ne nied­ri­ge­re Vergütung vor­zu­se­hen als für Volljähri­ge bie­te Ers­te­ren ei­nen An­reiz, ei­ne zusätz­li­che Aus­bil­dung ab­zu­le­gen, auf­grund de­ren sie ei­ne höhe­re Vergütung er­lan­gen könn­ten. Wären Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, Min­derjähri­ge ge­nau­so zu ent­loh­nen wie volljähri­ge Ar­beit­neh­mer, würden sie außer­dem selbst­verständ­lich da­zu nei­gen, älte­re und er­fah­re­ne­re Ar­beit­neh­mer ein­zu­stel­len. Sch­ließlich sei­en Min­derjähri­ge im Re­gel­fall nicht in der La­ge, die glei­chen Auf­ga­ben zu erfüllen wie Volljähri­ge. Des­halb sähen vie­le Ta­rif­verträge in Däne­mark ei­ne ge­rin­ge­re Ent­loh­nung für Ar­beit­neh­mer die­ser Al­ters­grup­pe vor. 27
Die Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten macht gel­tend, die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Re­gel be­tref­fe ei­ne Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gung im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78, nämlich das Ar­beits­ent­gelt. Der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Sach­ver­halt fal­le da­her in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78.
Die Re­gel, die ei­ne An­rech­nung der vor dem 18. Le­bens­jahr lie­gen­den Dienst­zei­ten aus­sch­ließe, be­gründe ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters. Dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Maßnah­me un­ter­schieds­los auf al­le Per­so­nen, die das 18. Le­bens­jahr voll­endet hätten, An­wen­dung fin­de, sei in­so­weit ir­re­le­vant. Denn die Dis­kri­mi­nie­rung lie­ge dar­in be­gründet, dass die Re­gel Per­so­nen, die nach Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs Be­rufs­er­fah­rung sam­mel­ten, bes­ser­stel­le. Die im Aus­gangs­ver­fah­ren vor­lie­gen­den Umstände zeig­ten die dis­kri­mi­nie­ren­de Wir­kung die­ser Re­gel, weil der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens bei glei­cher Be­rufs­er­fah­rung al­lein we­gen des un­ter­schied­li­chen Al­ters schlech­ter be­han­delt wer­de als ei­ne Kol­le­gin.
Hin­sicht­lich der Recht­fer­ti­gung mit der Not­wen­dig­keit ei­nes für das ge­sam­te Per­so­nal ein­heit­li­chen Sys­tems für die An­rech­nung der Vor­dienst­zei­ten räumt die Kom­mis­si­on zwar ein, dass es sich um ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 han­deln könne. Die frag­li­che Re­gel sei je­doch we­der an­ge­mes­sen noch er­for­der­lich, um die­ses Ziel zu er­rei­chen. Das Sys­tem für die An­rech­nung der Vor­dienst­zei­ten wäre ge­nau­so ein­heit­lich und nach­voll­zieh­bar, wenn die Berück­sich­ti­gung von vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs lie­gen­den Beschäfti­gungs­zei­ten nicht aus­ge­schlos­sen wäre.
Die Recht­fer­ti­gung mit der Gleich­be­hand­lung von Lehr­lin­gen und Schülern all­ge­mein­bil­den­der Schu­len könne un­ter die Po­li­tik der be­ruf­li­chen Bil­dung nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 fal­len. An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­me sei­en je­doch frag­lich, denn die­se be­vor­zu­ge die Schüler all­ge­mein­bil­den­der Schu­len den Lehr­lin­gen ge­genüber, die re­gelmäßig vor dem Er­rei­chen ih­rer Volljährig­keit Be­rufs­er­fah­rung sam­meln könn­ten.
Was schließlich die Recht­fer­ti­gung mit der Ein­glie­de­rung jun­ger Men­schen in den Ar­beits­markt an­ge­he, so sei zwei­fel­haft, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Maßnah­me ei­ne sol­che Wir­kung ha­be. Die da­mit ge­schaf­fe­ne Un­gleich­be­hand­lung stel­le ei­nen Nach­teil dar, der den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer sein gan­zes Be­rufs­le­ben hin­durch be­glei­te. Der Aus­schluss der Berück­sich­ti­gung vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs lie­gen­der Dienst­zei­ten be­tref­fe nicht nur Ju­gend­li­che, son­dern auch sämt­li­che un­ter das VBG fal­len­de Ver­trags­be­diens­te­te, un­abhängig da­von, wie alt die­se bei der Ein­stel­lung sei­en. Die Kom­mis­si­on ist der Auf­fas­sung, dass es an­de­re, we­ni­ger ein­schränken­de Mit­tel zur Förde­rung der Beschäfti­gung von Ju­gend­li­chen ge­be.
Es ist zu prüfen, ob ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt und, wenn ja, ob es sich um ei­ne we­gen des Al­ters dis­kri­mi­nie­ren­de Maßnah­me han­delt, die ge­ge­be­nen­falls als nach der Richt­li­nie ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wer­den kann.
So­wohl aus dem Ti­tel und den Erwägungs­gründen als auch aus dem In­halt und der Ziel­set­zung der Richt­li­nie 2000/78 er­gibt sich, dass die­se ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men schaf­fen soll, der gewähr­leis­tet, dass je­der „in Beschäfti­gung und Be­ruf“ gleich­be­han­delt wird, in­dem sie dem Be­trof­fe­nen ei­nen wirk­sa­men Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen aus ei­nem der in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe – dar­un­ter auch das Al­ter – bie­tet.
Ins­be­son­de­re er­gibt sich aus Art. 3 Abs. 1 Buchst. a und c der Richt­li­nie 2000/78, dass die­se im Rah­men der auf die Ge­mein­schaft über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten „für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len“, in Be­zug auf „die Be­din­gun­gen – ein­sch­ließlich Aus­wahl­kri­te­ri­en und Ein­stel­lungs­be­din­gun­gen – für den Zu­gang zu … Er­werbstätig­keit, un­abhängig von Tätig­keits­feld und be­ruf­li­cher Po­si­ti­on“ und „die Beschäfti­gungs‑ und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“, gilt.
§ 26 VBG schließt je­doch bei der Ein­stu­fung von Ver­trags­be­diens­te­ten des öster­rei­chi­schen öffent­li­chen Diens­tes all­ge­mein je­de Berück­sich­ti­gung der vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung aus. Die­se Vor­schrift wirkt sich so­mit auf die Er­mitt­lung der Dienst­al­ters­stu­fe die­ser Per­so­nen aus. Sie wirkt sich folg­lich auch auf ihr Ar­beits­ent­gelt aus. Bei ei­ner der­ar­ti­gen Re­ge­lung ist dem­nach da­von aus­zu­ge­hen, dass sie die Be­din­gun­gen für den Zu­gang zur Er­werbstätig­keit, die Ein­stel­lung und das Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. a und c der Richt­li­nie 2000/78 re­gelt.
Un­ter die­sen Umständen fin­det die Richt­li­nie 2000/78 auf ei­nen Fall An­wen­dung, wie er dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit zu­grun­de liegt.
Nach Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­deu­tet der „Gleich­be­hand­lungs­grund­satz“, der mit ihr durch­ge­setzt wer­den soll, dass es „kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 [der Richt­li­nie] ge­nann­ten Gründe ge­ben darf“. Nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Abs. 1 vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son.
Ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die des Aus­gangs­ver­fah­rens be­han­delt aber Per­so­nen, die ih­re Be­rufs­er­fah­rung, wenn auch nur teil­wei­se, vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs er­wor­ben ha­ben, we­ni­ger güns­tig als Per­so­nen, die nach Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs ei­ne gleich­ar­ti­ge Be­rufs­er­fah­rung ver­gleich­ba­rer Länge er­wor­ben ha­ben. Ei­ne sol­che Re­ge­lung be­gründet ei­ne Un­gleich­be­hand­lung von Per­so­nen aus Gründen des Al­ters, in dem sie ih­re Be­rufs­er­fah­rung er­wor­ben ha­ben. Wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Sach­ver­halt zeigt, kann die­ses Kri­te­ri­um da­zu führen, dass zwei Per­so­nen, die die glei­che Aus­bil­dung ab­ge­legt und die glei­che Be­rufs­er­fah­rung er­wor­ben ha­ben, al­lein we­gen ih­res un­ter­schied­li­chen Al­ters un­gleich be­han­delt wer­den. Ei­ne sol­che Vor­schrift be­gründet da­mit ei­ne Un­gleich­be­hand­lung, die un­mit­tel­bar auf das Kri­te­ri­um des Al­ters im Sin­ne des Art. 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 ab­stellt.
Aus Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 er­gibt sich je­doch, dass sol­che Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters „kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind“. 40
Hin­sicht­lich der Le­gi­ti­mität des mit der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Re­ge­lung ver­folg­ten Ziels geht aus den Erläute­run­gen des vor­le­gen­den Ge­richts her­vor, dass der öster­rei­chi­sche Ge­setz­ge­ber die Berück­sich­ti­gung der vor An­er­ken­nung der vol­len Geschäftsfähig­keit mit 18 Jah­ren er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung aus­sch­ließen woll­te, um nicht Per­so­nen mit all­ge­mei­ner Se­kun­dar­schul­bil­dung ge­genüber Per­so­nen mit be­ruf­li­cher Bil­dung zu be­nach­tei­li­gen. Ne­ben die­sem An­reiz für den länge­ren Be­such der Se­kun­dar­schu­le führt das vor­le­gen­de Ge­richt auch den Wunsch des Ge­setz­ge­bers an, die Aus­bil­dung von Lehr­lin­gen für den öffent­li­chen Dienst nicht zu ver­teu­ern und da­mit die Ein­glie­de­rung von Ju­gend­li­chen, die die­se Art von Aus­bil­dung ab­ge­schlos­sen hätten, in den Ar­beits­markt zu fördern. Es ist da­her zu prüfen, ob die­se Zie­le als im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 le­gi­tim an­ge­se­hen wer­den können.
In­so­weit ist dar­an zu er­in­nern, dass die Zie­le, die als „le­gi­tim“ im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 und da­mit als ge­eig­net an­ge­se­hen wer­den können, ei­ne Aus­nah­me vom Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters zu recht­fer­ti­gen, so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le wie sol­che aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt oder be­ruf­li­che Bil­dung sind (Ur­teil vom 5. März 2009, Age Con­cern Eng­land, C‑388/07, Slg. 2009, I‑0000, Rand­nr. 46). 42 Die vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­nann­ten Zie­le gehören zu die­ser Ka­te­go­rie von le­gi­ti­men Zie­len und können Un­gleich­be­hand­lun­gen recht­fer­ti­gen, die im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2000/78 mit der „Fest­le­gung be­son­de­rer Be­din­gun­gen für den Zu­gang zur Beschäfti­gung … ein­sch­ließlich der Be­din­gun­gen für … Ent­loh­nung, um die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung von Ju­gend­li­chen … zu fördern“, und mit der „Fest­le­gung von Min­dest­an­for­de­run­gen an das Al­ter, die Be­rufs­er­fah­rung oder das Dienst­al­ter für den Zu­gang zur Beschäfti­gung oder für be­stimm­te mit der Beschäfti­gung ver­bun­de­ne Vor­tei­le“ im Zu­sam­men­hang ste­hen.
Dem­nach ist bei Zie­len wie den vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­nann­ten grundsätz­lich da­von aus­zu­ge­hen, dass sie ei­ne von den Mit­glied­staa­ten vor­ge­se­he­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ und „im Rah­men des na­tio­na­len Rechts“, wie in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 vor­ge­se­hen, recht­fer­ti­gen.
Wei­ter ist zu prüfen, ob die Mit­tel, die zur Ver­wirk­li­chung die­ser Zie­le ein­ge­setzt wer­den, die­ser Vor­schrift ent­spre­chend „an­ge­mes­sen und er­for­der­lich“ sind.
In­so­weit verfügen die Mit­glied­staa­ten un­be­streit­bar über ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum bei der Wahl der Maßnah­men zur Er­rei­chung ih­rer Zie­le im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik (Ur­teil Man­gold, Rand­nr. 63).
Un­be­scha­det die­ses Er­mes­sens­spiel­raums der Mit­glied­staa­ten ist fest­zu­stel­len, dass die vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­nann­ten Zie­le auf den ers­ten Blick wi­dersprüchlich er­schei­nen können. Ei­nes die­ser Zie­le soll nämlich sein, die Schüler da­zu zu ver­an­las­sen, ei­ne all­ge­mein­bil­den­de statt ei­ne be­rufs­bil­den­de Se­kun­dar­schu­le zu be­su­chen. Ein an­de­res Ziel soll, wie sich aus Rand­nr. 40 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, die Be­vor­zu­gung der Ein­stel­lung von Per­so­nen mit be­ruf­li­cher Bil­dung ge­genüber der­je­ni­gen von Per­so­nen mit all­ge­mei­ner Schul­bil­dung sein. Es geht da­her im ers­ten Fall dar­um, Per­so­nen mit all­ge­mei­ner Se­kun­dar­schul­bil­dung nicht ge­genüber Per­so­nen mit be­ruf­li­cher Bil­dung zu be­nach­tei­li­gen, und im zwei­ten Fall um das Ge­gen­teil. Auf den ers­ten Blick ist kaum er­sicht­lich, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die des Aus­gangs­ver­fah­rens gleich­zei­tig je­de die­ser bei­den Grup­pen auf Kos­ten der je­weils an­de­ren fördern können soll.
Über die­se Fest­stel­lung des Feh­lens in­ne­rer Kohärenz hin­aus ist auch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Re­ge­lung bei der Ein­stu­fung und da­mit der Fest­le­gung des Ar­beits­ent­gelts der Ver­trags­be­diens­te­ten des öffent­li­chen Diens­tes auf das Kri­te­ri­um der Be­rufs­er­fah­rung stützt. Die Ho­no­rie­rung der er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung, die es dem Ar­beit­neh­mer ermöglicht, sei­ne Ar­beit bes­ser zu ver­rich­ten, ist in der Re­gel als ein le­gi­ti­mes Ziel an­er­kannt. Da­her steht es dem Ar­beit­ge­ber frei, die­se Be­rufs­er­fah­rung bei der Vergütung zu berück­sich­ti­gen (vgl. Ur­teil vom 3. Ok­to­ber 2006, Cad­man, C‑17/05, Slg. 2006, I‑9583, Rand­nrn. 35 und 36). Ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che be­schränkt sich je­doch nicht dar­auf, die Be­rufs­er­fah­rung zu vergüten, son­dern nimmt ei­ne Un­gleich­be­hand­lung da­nach vor, in wel­chem Al­ter die­se Er­fah­rung er­wor­ben wur­de. Un­ter die­sen Umständen steht ein sol­ches Al­ters­kri­te­ri­um da­her in kei­nem un­mit­tel­ba­ren Zu­sam­men­hang mit dem Ziel des Ar­beit­ge­bers, die er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung zu ho­no­rie­ren.
Zu dem Ziel, die all­ge­mei­ne Se­kun­dar­schul­bil­dung nicht ge­genüber der be­ruf­li­chen Bil­dung zu be­nach­tei­li­gen, ist fest­zu­stel­len, dass das Kri­te­ri­um des Al­ters, in dem die Be­rufs­er­fah­rung er­wor­ben wur­de, un­abhängig von der Art der Aus­bil­dung gilt. Es schließt die An­rech­nung der vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung bei ei­ner Per­son mit All­ge­mein­schul­bil­dung eben­so aus wie bei ei­ner Per­son mit be­ruf­li­cher Bil­dung. Die­ses Kri­te­ri­um kann da­her zu ei­ner Un­gleich­be­hand­lung von zwei Per­so­nen mit be­ruf­li­cher Bil­dung oder von zwei Per­so­nen mit All­ge­mein­schul­bil­dung führen, und zwar aus­sch­ließlich auf­grund des Kri­te­ri­ums des Al­ters, in dem die Be­rufs­er­fah­rung er­wor­ben wur­de. Un­ter die­sen Umständen er­scheint das Kri­te­ri­um des Al­ters, in dem die Be­rufs­er­fah­rung er­wor­ben wur­de, zur Er­rei­chung des Ziels, die all­ge­mei­ne Bil­dung nicht ge­genüber der be­ruf­li­chen Bil­dung zu be­nach­tei­li­gen, nicht an­ge­mes­sen. In­so­weit ist fest­zu­stel­len, dass ein Kri­te­ri­um, das un­mit­tel­bar auf die Art der ab­sol­vier­ten Aus­bil­dung und nicht auf das Al­ter der Per­so­nen ab­stellt, aus der Sicht der Richt­li­nie 2000/78 der Ver­wirk­li­chung des Ziels, die all­ge­mei­ne Bil­dung nicht zu be­nach­tei­li­gen, bes­ser zu ent­spre­chen scheint.
Zu dem Ziel, die Ein­glie­de­rung von Ju­gend­li­chen mit be­ruf­li­cher Bil­dung in den Ar­beits­markt zu fördern, ist fest­zu­stel­len, dass der Aus­schluss der Berück­sich­ti­gung der vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung un­ter­schieds­los für al­le Ver­trags­be­diens­te­ten des öffent­li­chen Diens­tes gilt, un­abhängig da­von, in wel­chem Al­ter sie ein­ge­stellt wer­den. Die­ses Kri­te­ri­um des Al­ters, in dem die Be­rufs­er­fah­rung er­wor­ben wur­de, er­laubt da­her kei­ne Ab­gren­zung ei­ner Grup­pe von Per­so­nen, die durch ihr nied­ri­ges Al­ter de­fi­niert wer­den, um ih­nen be­son­de­re Ein­stel­lungs­be­din­gun­gen zu ver­schaf­fen, die ih­re Ein­glie­de­rung in den Ar­beits­markt fördern sol­len. Ei­ne Re­gel wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che un­ter­schei­det sich von den von der däni­schen Re­gie­rung an­geführ­ten Maßnah­men, die die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung von Ju­gend­li­chen un­ter 18 Jah­ren fördern sol­len, in­dem sie für sie Min­dest­be­din­gun­gen für die Ent­loh­nung vor­se­hen, die un­ter de­nen lie­gen, die für älte­re Ar­beit­neh­mer gel­ten. Da sie das Al­ter der Per­so­nen bei ih­rer Ein­stel­lung nicht berück­sich­tigt, ist ei­ne Re­gel wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che im Hin­blick auf die Förde­rung des Ein­stiegs in den Ar­beits­markt ei­ner durch ihr nied­ri­ges Al­ter de­fi­nier­ten Grup­pe von Ar­beit­neh­mern nicht an­ge­mes­sen. 50
Da­her kann ei­ne Re­ge­lung mit den Merk­ma­len der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Re­ge­lung nicht als an­ge­mes­sen im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 an­ge­se­hen wer­den.
Dem vor­le­gen­den Ge­richt ist dem­nach zu ant­wor­ten, dass die Art. 1, 2 und 6 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, die, um die all­ge­mei­ne Bil­dung nicht ge­genüber der be­ruf­li­chen Bil­dung zu be­nach­tei­li­gen und die Ein­glie­de­rung ju­gend­li­cher Lehr­lin­ge in den Ar­beits­markt zu fördern, bei der Fest­le­gung der Dienst­al­ters­stu­fe von Ver­trags­be­diens­te­ten des öffent­li­chen Diens­tes ei­nes Mit­glied­staats die Berück­sich­ti­gung von vor Voll­endung des 18. Le­bens­jahrs lie­gen­den Dienst­zei­ten aus­sch­ließt.
Kos­ten 52
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References: Art. 1
 Art. 234
 Art. 234

Art. 2

Art. 3

Art. 6
 Art. 18
 § 128

§ 3
 § 26
 § 26
 § 26
 Art. 6
 Art. 1
 Art. 6
 § 26
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 1
 Art. 3

§ 26
 Art. 3
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 1