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Timestamp: 2016-10-25 08:28:46+00:00

Document:
1P.459/2000 (16.08.2000)
1P.459/2000/boh
S.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Werner Rechsteiner, Unterer Graben 1, Postfach, St. Gallen,
Bezirksamt Arbon, Pr�sident der Anklagekammer des Kantons Thurgau,
pers�nliche Freiheit, rechtliches Geh�r
(Haftentlassung; Kollusionsgefahr), hat sich ergeben:
A.- S.________ steht im Verdacht, sich im Rahmen von Kreditvermittlungsgesch�ften des Betrugs schuldig gemacht zu haben. Das Bezirksamt Arbon stellte aufgrund verschiedener Strafanzeigen am 4. April 2000 einen Haftbefehl gegen ihn aus. Weiter wurde er in verschiedenen Fahndungsmitteln zur Verhaftung ausgeschrieben. Bei seiner Einreise in die Schweiz am 11. April 2000 wurde S.________ festgenommen und in das Bezirksgef�ngnis Arbon �berf�hrt. Am selben Tag wurde er dem Untersuchungsrichter vorgef�hrt, der ihm er�ffnete, dass er wegen dringenden Betrugsverdachts sowie Flucht-, Kollusions- und Fortsetzungsgefahr in Untersuchungshaft versetzt werde. Ein am 27. April 2000 gestelltes Haftentlassungsgesuch wies der Pr�sident der Anklagekammer des Kantons Thurgau am 5. Mai 2000 mit der Begr�ndung der nach wie vor bestehenden Kollusionsgefahr ab. Am 16. Juni 2000 wurde S.________ ins Bezirksgef�ngnis Romanshorn verlegt. Mit Eingabe vom 20. Juni 2000 beantragte dieser erneut die Entlassung aus der Untersuchungshaft, wobei er insbesondere geltend machte, aufgrund seiner ausgiebigen Befragung, der Haftentlassung des Mitangeschuldigten A.________ sowie der zwischenzeitlich erfolgten Inhaftierung und Befragung des Mitverd�chtigen P.________ entfalle eine weitere Kollusionsm�glichkeit; zudem seien die Haftbedingungen im Bezirksgef�ngnis Romanshorn massiv schlechter als in Arbon, was auf unzul�ssige Beugehaft hindeute. Weiter beantragte S.________ Akteneinsicht. Der Haftrichter des Bezirksamts Arbon wies das Haftentlassungsgesuch am 23. Juni 2000 ab, wobei er feststellte, dass das Akteneinsichtsrecht gew�hrt worden sei, soweit dies der Zweck der laufenden Untersuchung zugelassen habe. Da zwischen den Aussagen von S.________ und dem am 7. Juni 2000 an die Schweiz ausgelieferten P.________ keine �bereinstimmung bestehe, sei vorerst eine �berpr�fung der Angaben erforderlich. Sodann sei die Verlegung ins Bezirksgef�ngnis Romanshorn einzig als Folge der Zuf�hrung von P.________ ins Bezirksgef�ngnis Arbon zu sehen.
Der Pr�sident der Anklagekammer, an den die Akten gest�tzt auf � 113 Abs. 2 und 3 der Strafprozessordnung des Kantons Thurgau vom 30. Juni 1970/5. November 1991 (StPO/TG) von Amtes wegen zur endg�ltigen Entscheidung �berwiesen wurden, verf�gte am 30. Juni 2000 nach einer Anh�rung und Konfrontation mit P.________ die Fortsetzung der Untersuchungshaft wegen Betrugsverdachts und Kollusionsgefahr.
B.- Gegen den Haftpr�fungsentscheid vom 30. Juni 2000 ist S.________ mit staatsrechtlicher Beschwerde ans Bundesgericht gelangt. Er macht eine Verletzung der pers�nlichen Freiheit, des rechtlichen Geh�rs sowie des Anspruchs auf willk�rfreie Beweisw�rdigung geltend und beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheids.
Das Bezirksamt Arbon und der Pr�sident der Anklagekammer des Kantons Thurgau haben zur Beschwerde Stellung genommen und deren Abweisung beantragt. Der Beschwerdef�hrer hat eine Replik eingereicht. Der Pr�sident der Anklagekammer hat am 16. August 2000 eine weitere Stellungnahme eingereicht, die indessen nicht mehr ber�cksichtigt werden kann.
1.- Der Beschwerdef�hrer ist durch die angefochtene, kantonal letztinstanzliche Verf�gung betreffend Best�tigung der angeordneten Untersuchungshaft in seinen rechtlich gesch�tzten Interessen betroffen und zur Erhebung der staatsrechtlichen Beschwerde wegen Verletzung der angerufenen Verfassungsrechte legitimiert (Art. 86 f. OG). Die R�ge, die Haftbedingungen im Bezirksgef�ngnis Romanshorn seien unzumutbar und bewirkten im Ergebnis eine Beugehaft, erf�llt die Begr�ndungsanforderungen nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG nicht, weshalb darauf nicht eingetreten werden kann. Hinsichtlich der �brigen Vorbringen sind indessen s�mtliche Sachurteilsvoraussetzungen erf�llt.
2.- a) Der Beschwerdef�hrer macht geltend, sein Anspruch auf rechtliches Geh�r sei verletzt, weil ihm keine ausreichende Einsicht in die Untersuchungsakten gew�hrt und er �ber die Ermittlungen nicht auf dem Laufenden gehalten worden sei. Insbesondere habe er bis zur Verhandlung vor dem Pr�sidenten der Anklagekammer am 28. Juni 2000 von den Belastungen seitens P.________ keine Kenntnis gehabt. Das vorg�ngig mit dem Haftentlassungsgesuch befasste Bezirksamt Arbon habe die Abweisung demnach mit Erkenntnissen begr�ndet, die ihm nicht zug�nglich gewesen seien.
b) aa) Der in Art. 29 Abs. 2 BV gew�hrleistete Anspruch auf rechtliches Geh�r dient der Sachaufkl�rung und garantiert dem Betroffenen ein pers�nlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im Verfahren (BGE 126 I 7 E. 2b; 124 I 241 E. 2 und 49 E. 3a; je mit Hinweisen). Dazu geh�rt insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zur Sache zu �ussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisantr�gen geh�rt zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu �ussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 126 I 15 E. 2a/aa und 7 E. 2b; 119 Ia 260 E. 6a S. 261 mit Hinweisen). Das verfassungsm�ssig gew�hrleistete Akteneinsichtsrecht umfasst den Anspruch, am Sitz der Beh�rde Einsicht in die Unterlagen zu nehmen, Notizen zu machen und - sofern die Beh�rde dadurch nicht �berm�ssig beansprucht wird - Fotokopien zu erstellen (BGE 126 I 7 E. 2b; 122 I 109 E. 2b mit Hinweisen). Das Recht auf Akteneinsicht besteht indessen nur soweit, als einer Einsichtnahme durch den Betroffenen keine �berwiegenden �ffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen (BGE 126 I 7 E. 2b; 122 I 153 E. 6a S. 161 mit Hinweisen).
bb) In einem Verfahren betreffend Verl�ngerung der Untersuchungshaft steht dem Beschuldigten das Recht zu, Einsicht in die wesentlichen Akten zu nehmen, welche dem die Haftverl�ngerung beantragenden oder verf�genden Beamten zur Verf�gung standen. Dem Beschuldigten soll mit der Gew�hrung der Akteneinsicht erm�glicht werden, sich angemessen gegen die Argumente zur Wehr zu setzen, mit denen die Beh�rde das Vorliegen der Haftvoraussetzungen bejaht. Deshalb sind nicht nur diejenigen Unterlagen verfahrensrelevant, welche f�r die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft sprechen, sondern auch solche Aktenst�cke, die den Angeschuldigten entlasten.
Das Einsichtsrecht besteht aber auch hier nur soweit, als dadurch der Zweck der Strafuntersuchung nicht gef�hrdet wird (vgl. BGE 115 Ia 293 E. 5b und c S. 303 f.).
cc) Das Bundesgericht pr�ft mit freier Kognition, ob der vom Beschwerdef�hrer angerufene, sich unmittelbar aus der Bundesverfassung ergebende Geh�rsanspruch verletzt ist (BGE 121 I 230 E. 2b S. 232, 54 E. 2a S. 56 f.). Aufgrund der formellen Natur des rechtlichen Geh�rs f�hrt dessen Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten in der Sache selbst grunds�tzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 126 I 19 E. 2d/bb S. 24; 124 V 180 E. 4a; 122 II 464 E. 4a S. 469; 121 I 230 E. 2a).
c) Der Pr�sident der Anklagekammer hat in seiner Stellungnahme zur Beschwerde ausgef�hrt, die f�r das Haftpr�fungsverfahren herbeigezogenen Akten seien dem Beschwerdef�hrer zur Kenntnis gebracht worden. So enthalte bereits der diesem ausgeh�ndigte Haftbefehl des Bezirksamts Arbon vom 8. Mai 2000 den Vorwurf, der Beschwerdef�hrer habe zusammen mit seinem Cousin P.________ f�r das Zusichern von Kreditvermittlungen Provisionen entgegengenommen, obwohl ihm bekannt gewesen sei, dass die Firma Y.________ weder willens noch in der Lage war, entsprechende Kredite auszurichten.
Zudem habe der Beschwerdef�hrer Einsicht in die Protokolle der ihn selbst betreffenden untersuchungsrichterlichen Einvernahmen nehmen k�nnen. Weiter weist der Pr�sident der Anklagekammer darauf hin, dass er anl�sslich des Haftpr�fungsverfahrens die Anh�rung des Beschwerdef�hrers vom 27. Juni 2000 auf eine eigentliche kontradiktorische Verhandlung ausgeweitet habe, indem er in dessen Beisein auch den Mitangeschuldigten P.________ befragt habe. Weiter habe er dem Beschwerdef�hrer bzw. seinem Verteidiger die M�glichkeit einger�umt, zus�tzliche Fragen an P.________ zu stellen, wovon diese jedoch keinen Gebrauch h�tten machen wollen. Nach der Anh�rung h�tte der Verteidiger die Gelegenheit gehabt, sofort zu pl�dieren. Auf dessen Wunsch und im allseitigen Einverst�ndnis sei ihm jedoch eine Frist bis zum 28. Juni 2000 zur schriftlichen Stellungnahme einger�umt worden, wobei ihm die Protokolle der Anh�rung des Beschwerdef�hrers und der Befragung von P.________ per Telefax zugestellt worden seien.
Der Pr�sident der Anklagekammer hat die Aufrechterhaltung der Haft insbesondere mit den Belastungen durch P.________ sowie gewissen Widerspr�chen in den Aussagen des Beschwerdef�hrers begr�ndet, so dass es diesem gest�tzt auf die erhaltene Akteneinsicht sowie die Konfrontation mit P.________ m�glich war, sich angemessen zu verteidigen. Aus den Akten geht hervor, dass die beiden Protokolle �ber die Anh�rung und Befragung des Beschwerdef�hrers und des Mitangeschuldigten P.________ dem Verteidiger noch am Abend des
27. Juni 2000 per Telefax �bermittelt worden waren, so dass die in der Replik enthaltene Behauptung, die Unterlagen seien dem Verteidiger erst nach der Er�ffnung der Haftpr�fungsverf�gung vom 30. Juni 2000 zugekommen, nicht zutrifft. Dass sich der Beschwerdef�hrer ausreichend gegen die f�r eine Haftverl�ngerung sprechenden Argumente der Strafverfolgungsbeh�rden verteidigen konnte, geht auch aus seiner Stellungnahme vom 28. Juni 2000 hervor. Ein Recht auf Einsichtnahme in s�mtliche Untersuchungsakten hat der Beschwerdef�hrer schon deshalb nicht, weil im gegenw�rtigen Verfahrensstadium bef�rchtet werden muss, dies w�rde die Ermittlungen wesentlich beeintr�chtigen und den Untersuchungszweck gef�hrden (s. vorne E. 2b und hinten E. 4b). Ebenfalls als unbegr�ndet erweist sich die R�ge, das Bezirksamt Arbon habe ihm nicht ausreichend Akteneinsicht gew�hrt: Da der Pr�sident der Anklagekammer die vorliegende Haftsache sowohl hinsichtlich des Sachverhalts als auch der Rechtslage frei �berpr�fen konnte und dem Beschwerdef�hrer die entscheidrelevanten Unterlagen zur Verf�gung stellte, w�re ein allf�lliger Mangel ohnehin als in jenem Verfahren geheilt zu betrachten (BGE 126 I 68 E. 2 S. 72; 125 V 368 E. 4c/aa; je mit Hinweisen).
3.- a) Der Freiheitsentzug stellt einen Eingriff in das Recht auf pers�nliche Freiheit dar, das in Art. 10 Abs. 2 und Art. 31 BV gew�hrleistet ist. Dieser Eingriff ist nur zul�ssig, wenn er auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruht, im �ffentlichen Interesse liegt und verh�ltnism�ssig ist. Zudem ist der Kerngehalt der pers�nlichen Freiheit unantastbar: Diese darf weder v�llig unterdr�ckt noch ihres Gehalts als Institution der Rechtsordnung entleert werden (Art. 10 Abs. 2 i.V.m. Art. 36 BV; vgl. BGE 125 I 361 E. 4a, 124 I 80 E. 2c mit Hinweisen). Art. 5 EMRK geht in seinem Gehalt nicht �ber den verfassungsm�ssigen Anspruch auf pers�nliche Freiheit hinaus. Indessen ber�cksichtigt das Bundesgericht bei der Konkretisierung dieses Anspruchs auch die Rechtsprechung der Konventionsorgane (BGE 114 Ia 281 E. 3; 108 Ia 64 E. 2c mit Hinweisen).
Das Bundesgericht pr�ft im Hinblick auf die Schwere des Eingriffs die Auslegung und Anwendung des einschl�gigen kantonalen Rechts mit freier Kognition (BGE 124 I 80 E. 2 mit Hinweisen; 123 I 31 E. 3a). Soweit jedoch reine Sachverhaltsfeststellungen und Fragen der Beweisw�rdigung zu beurteilen sind, greift das Bundesgericht grunds�tzlich nur ein, wenn die tats�chlichen Feststellungen der kantonalen Instanz willk�rlich sind (BGE 123 I 31 E. 3a und 268 E. 2d; 117 Ia 72 E. 1; je mit Hinweisen).
b) Nach � 105 in Verbindung mit � 106 Abs. 1 Ziff. 2 StPO/TG kann gegen einen Angeschuldigten, der eines Verbrechens oder Vergehens verd�chtigt wird, ein Haftbefehl erlassen werden, wenn die Gefahr besteht, dass er Spuren der Tat verwischen, Mitbeteiligte oder Zeugen beeinflussen oder sonstwie die Untersuchung beeintr�chtigen k�nnte.
c) aa) Zur allgemeinen Haftvoraussetzung des dringenden Tatverdachts hat der Pr�sident der Anklagekammer in der angefochtenen Verf�gung ausgef�hrt, der Beschwerdef�hrer habe im Herbst 1999 zusammen mit dem Mitbeschuldigten A.________ den von der Firma C.________ �brig gebliebenen Aktienmantel zu einem Preis von Fr. 8'000.-- gekauft. In der Folge seien Name und Zweck dieser bis anhin im Gastgewerbe t�tig gewesenen Gesellschaft ge�ndert und deren Sitz vom Kanton Neuenburg in den Kanton Thurgau verlegt worden. Daraufhin seien mit Hilfe der neuen Firma D.________, Arbon, Kreditvermittlungsgesch�fte angeboten worden, wobei in den schriftlichen Darlehensvertr�gen zugesichert worden sei, die Kredite w�rden von der Firma U.________, London, gew�hrt.
Der Beschwerdef�hrer habe dabei mit den Herren B.________, W.________ und A.________ zusammengearbeitet. Zur Strafuntersuchung sei es infolge verschiedener Anzeigen gegen die Verantwortlichen der Firma D.________ gekommen, in denen der Vorwurf erhoben worden sei, sie h�tten f�r die versprochene Vermittlung von Darlehen Provisionen entgegengenommen, obwohl die Kredite nie ausbezahlt worden seien. Gegen die Aussagen des Beschwerdef�hrers, wonach er von den fehlenden Kreditgew�hrungsabsichten der Firma U.________ weder gewusst noch diese in Kauf genommen habe, w�rden verschiedene Anhaltspunkte sprechen. Unter anderem zeigten die von den Gesch�digten eingereichten Unterlagen, dass die von der Firma U.________ erhaltenen Schreiben, in welchen jeweils eine Kreditgew�hrung oder eine �berpr�fung des Kreditantrags in Aussicht gestellt wurde, in einwandfreiem Deutsch verfasst worden seien. Dies lege den Verdacht nahe, dass die Verantwortlichen der Firma D.________ diese Briefe selbst erstellt h�tten. In diesem Zusammenhang mute auch eine anderweitige Aussage des Beschwerdef�hrers, wonach die Gesch�ftsdokumente der Firma U.________ in einer Druckerei im Kanton Thurgau hergestellt worden und er dem Eigent�mer der Firma U.________ bei der Formulierung des Kreditvertrags behilflich gewesen sei, merkw�rdig an. Jedenfalls sei es un�blich, dass eine kreditgebende Bank mit Sitz in London ihr Druckmaterial in der Schweiz herstellen lasse.
Der dringende Betrugsverdacht sei auch hinsichtlich der f�r die Firma E.________ get�tigten Kreditvermittlungsgesch�fte zu bejahen, wo jeweils eine Kreditgew�hrung durch die Firma Y.________, London, zugesichert worden sei. Laut den Angaben im gegen P.________ ausgestellten internationalen Haftbefehl vom 8. Mai 2000 h�tten die Verantwortlichen der Firma E.________ von elf Kreditsuchenden Provisionen im Umfang von insgesamt Fr. 72'540.-- entgegengenommen, ohne dass die Kreditsummen je ausbezahlt worden w�ren. Nach den Aussagen von P.________ sei der Beschwerdef�hrer in dieser Angelegenheit der eigentliche Drahtzieher gewesen, der die ganze Sache ausgeheckt habe. Dass P.________ ohne pers�nlichen Gesch�ftsbezug zur Firma E.________ die Firma Y.________ gegr�ndet h�tte, wie es der Beschwerdef�hrer darstelle, erg�be keinen Sinn, weil f�r P.________ ohne finanzielle Gewinnaussichten kein Anreiz zu dieser Gr�ndung bestanden haben d�rfte. Da P.________ in den bisherigen Einvernahmen nicht nur den Beschwerdef�hrer, sondern auch sich selbst belastet habe, erschienen seine Aussagen glaubw�rdig.
Dies umso mehr, als dieser etwa erst nach l�ngerem Bestreiten zugegeben habe, dass die Gesch�ftspapiere der Firma U.________ im Kanton Thurgau gedruckt worden seien.
bb) Der Beschwerdef�hrer bestreitet das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts mit dem Einwand, die fehlende Zahlungsbereitschaft der Firma U.________ sei ihm im fraglichen Zeitraum, als er die Vermittlungsprovisionen entgegengenommen habe, noch nicht bekannt gewesen. Erst Ende November 1999 habe er anl�sslich eines Familienfestes mit P.________, seinem Cousin, �ber die mit der Firma U.________ bestehenden Probleme diskutiert. Im Januar 2000 habe P.________ ihm dann mitgeteilt, dass er nun bei der Firma Y.________ t�tig sei und ihm vorgeschlagen, f�r ihn als Kreditvermittler t�tig zu werden. In der Folge habe er mit den Herren A.________, H.________ und K.________ die Firma E.________ gegr�ndet, deren Zweck in der Vermittlung von Kreditsuchenden an die Firma Y.________ bestanden habe. Damals sei ihm noch nicht bekannt gewesen, dass diese Gesellschaft nicht zur weltweit t�tigen X.________-Gruppe geh�re, sondern ein reines Konstrukt P.________s darstelle. Da das Logo auf dem Briefpapier der Firma Y.________ demjenigen der X.________-Gruppe t�uschend �hnlich sehe, habe zu entsprechenden Bef�rchtungen auch kein Anlass bestanden, zumal P.________ seines Wissens als Dr.oec. stets gehobene Stellungen in gr�sseren Unternehmen innegehabt habe. Nachdem P.________ selbst die von der Firma E.________ an die Firma Y.________ weitergeleiteten Kreditvertr�ge unterzeichnet habe, sei es offensichtlich, dass er heute versuche, die Verantwortung f�r seine Gesch�ftst�tigkeiten abzuschieben.
Dass P.________ die Firma Y.________ aus eigener Initiative gegr�ndet habe, mache entgegen der Auffassung des Haftpr�fungsrichters insofern Sinn, als die Firma E.________ P.________ einen Provisionsanteil versprochen habe, im Glauben, dass die Kreditantr�ge von der X.________-Gruppe besonders wohlwollend behandelt w�rden. Der Beweiswert der Belastungen seitens P.________ sei daher gleich null, zumal die dahingehenden Aussagen nicht belegt seien. Hinsichtlich der Gesch�ftst�tigkeiten mit der Firma U.________ f�hrt der Beschwerdef�hrer aus, die in der angefochtenen Verf�gung angef�hrten Indizien seien nicht geeignet, den Verdacht f�r die ihm vorgeworfenen deliktischen Handlungen zu erh�rten, da es weder abwegig sei, dass ein englisches Unternehmen f�r die Verfassung von deutsch zu formulierenden Vertr�gen auf die deutschsprachigen Kreditvermittler zur�ckgreife, noch dass es seine Dokumente in der Schweiz drucken lasse.
d) aa) Die Kollusionsgefahr ergibt sich nach Auffassung des Pr�sidenten der Anklagekammer aus der Aussage des Mitangeschuldigten P.________, wonach der Beschwerdef�hrer ihm f�r den Fall einer allf�lligen polizeilichen Befragung Instruktionen erteilt habe. Demnach h�tte P.________ gegen�ber den Strafverfolgungsbeh�rden erkl�ren sollen, der Beschwerdef�hrer sei nur Aussendienstmitarbeiter der Firma E.________. Weiter h�tte er behaupten sollen, einen gewissen H.________ gesehen zu haben, obwohl dies nicht zutreffe. Damit er bei einer allf�lligen Fotokonfrontation ein Treffen mit H.________ h�tte belegen k�nnen, habe der Beschwerdef�hrer ihm Fotos von H.________ gegeben. Die grunds�tzliche Kollusionsbereitschaft ergebe sich sodann aus dem Umstand, dass der Beschwerdef�hrer vor seiner Einreise in die Schweiz seine Agenda habe verschwinden lassen. Ebenso lasse die Tatsache, dass er im Rahmen seiner Gesch�ftst�tigkeit f�r die Firma E.________ unter einem falschen Namen aufgetreten sei, auf seine Kollusionsbereitschaft schliessen. Der Einwand des Beschwerdef�hrers, wonach mit der Verhaftung von P.________ jede Verdunkelungsm�glichkeit weggefallen sei, sei unzutreffend, da noch nicht alle verd�chtigen Personen festgenommen worden seien und der Beschwerdef�hrer zudem versuchen k�nnte, die Gesch�digten zu beeinflussen. Deren Aussagen seien f�r das Verfahren deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Provisionsleistungen jeweils auf dem Barzahlungsweg erfolgt seien und der Geldfluss somit nicht dokumentiert sei.
bb) Der Beschwerdef�hrer bestreitet, P.________ jemals Instruktionen f�r das Aussageverhalten erteilt zu haben. Generell spreche gegen die Glaubw�rdigkeit von P.________, dass die Ermittlungsergebnisse ohnehin gegen diesen sprechen w�rden; deshalb liege es nahe, dass er auch andere Personen belasten wolle. Eine Kollusionsgefahr im Verh�ltnis zu den Gesch�digten liege schon deshalb nicht vor, weil er nie bestritten habe, dass die Firma E.________ und teilweise auch er selbst Provisionszahlungen entgegengenommen h�tten. Im �brigen belege die Tatsache, dass er freiwillig zur Einvernahme in die Schweiz eingereist sei, seine Bereitschaft, den Untersuchungsbeh�rden zur Verf�gung zu stehen und zu den Abkl�rungen beizutragen.
4.- a) Im Gegensatz zum erkennenden Sachrichter hat das Bundesgericht bei der �berpr�fung des allgemeinen Haftgrundes des dringenden Tatverdachts keine ersch�pfende Abw�gung s�mtlicher belastender und entlastender Beweisergebnisse vorzunehmen oder etwa eine umfassende Bewertung der Glaubw�rdigkeit der den Beschwerdef�hrer belastenden Personen.
Macht ein Inhaftierter geltend, er befinde sich ohne ausreichenden Tatverdacht in strafprozessualer Haft, ist vielmehr zu pr�fen, ob konkrete Anhaltspunkte daf�r bestehen, dass der Beschwerdef�hrer eine Straftat begangen hat, die kantonalen Beh�rden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gr�nden bejahen durften (BGE 116 Ia 143 E. 3c). Das Prinzip, wonach mit fortschreitendem Verfahren ein immer strengerer Massstab an die Erheblichkeit und Konkretheit des Tatverdachts gestellt wird, verlangt dabei nicht, dass der Haftrichter immer neue, zus�tzliche Verdachtsmomente darlegen m�sste. Wenn von Anfang an, etwa aufgrund einer Zeugenaussage, ein erheblicher Verdacht vorhanden ist, gen�gt es f�r die Annahme des dringenden Tatverdachts, dass sich dieser nicht durch andere Umst�nde oder neue Vorbringen des Verhafteten verfl�chtigt.
Der Pr�sident der Anklagekammer hat sich in der angefochtenen Verf�gung eingehend mit den Einw�nden des Beschwerdef�hrers auseinander gesetzt und sie im Zusammenhang mit der Beurteilung der sich aus den Akten ergebenden Verdachtsmomente ber�cksichtigt. Seine Schlussfolgerung, wonach beim gegenw�rtigen Stand der Ermittlungen die von P.________ zu Protokoll gegebene Sachverhaltsversion glaubw�rdiger erscheine als diejenige des Beschwerdef�hrers, ist nicht zu beanstanden, zumal auff�llt, dass dessen erfolglose Kreditvermittlungst�tigkeiten f�r die Firmen D.________ und E.________ jeweils demselben Schema folgten. Der Beschwerdef�hrer hat insofern auch keine Gr�nde vorgebracht, weshalb er nach den negativen Erfahrungen mit der Firma U.________ im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Firma Y.________ nicht vorsichtiger vorging. Dass der Haftpr�fungsrichter nach einer eingehenden, vertretbaren W�rdigung der aktuellen Beweislage den Tatverdacht bejaht hat, stellt damit keine unzul�ssige Einschr�nkung der pers�nlichen Freiheit des Beschwerdef�hrers dar.
b) Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverst�ndigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst. Die Untersuchungshaft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Angeschuldigte die Freiheit dazu missbrauchen w�rde, die wahrheitsgetreue Abkl�rung des Sachverhalts zu gef�hrden oder zu vereiteln. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts gen�gt indessen die theoretische M�glichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren k�nnte, nicht, um die Fortsetzung der Haft oder die Nichtgew�hrung von Urlauben unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es m�ssen vielmehr konkrete Indizien f�r die Annahme von Verdunkelungsgefahr sprechen (BGE 123 I 31 E. 3c S. 35 mit Hinweisen).
Der Pr�sident der Anklagekammer hat die Kollusionsgefahr auf stichhaltige Indizien gest�tzt und einer in sich schl�ssigen, �berzeugenden Bewertung unterzogen. Bereits die belastenden, glaubw�rdigen Aussagen von P.________ lassen konkret bef�rchten, dass der Beschwerdef�hrer in Freiheit versuchen w�rde, unzul�ssigen Einfluss auf die Ermittlungen zu nehmen und insbesondere Absprachen mit weiteren, teilweise noch nicht festgenommenen Verd�chtigen zu treffen. Dass er freiwillig in die Schweiz eingereist ist und den Bezug von Provisionsgeldern nicht bestreitet, vermag die f�r die Verdunkelungsgefahr sprechenden Anhaltspunkte nicht zu entkr�ften.
5.- a) Der Beschwerdef�hrer macht eine Verletzung des Beschleunigungsgebots gelten, indem er vorbringt, er bef�nde sich nun schon seit mehr als drei Monaten in Untersuchungshaft, obwohl noch keine ihn belastenden Erkenntnisse vorl�gen.
Als er sein zweites Haftentlassungsgesuch gestellt habe, sei er schon w�hrend rund eines Monats vom Untersuchungsrichter nicht mehr einvernommen worden. Dieser Umstand ergebe, dass versucht werde, ihn mit einer unzul�ssigen Beugehaft zu den erhofften Aussagen zu zwingen.
b) Gem�ss den Art. 31 Abs. 3 BV und 5 Ziff. 3 EMRK hat eine in strafprozessualer Haft gehaltene Person Anspruch auf Beurteilung ihrer Sache innerhalb einer angemessenen Frist, ansonsten sie w�hrend des Verfahrens aus der Haft entlassen werden muss. Eine �berm�ssige Haftdauer stellt eine unverh�ltnism�ssige Beschr�nkung dieses Grundrechts dar. Sie liegt dann vor, wenn die Haft die mutmassliche Dauer der zu erwartenden Freiheitsstrafe �bersteigt. Bei der Pr�fung der Verh�ltnism�ssigkeit der Haftdauer ist namentlich der Schwere der untersuchten Straftaten Rechnung zu tragen. Der Haftrichter darf die Haft nur so lange erstrecken, als ihre Dauer nicht in grosse N�he der konkret zu erwartenden Freiheitsstrafe r�ckt. Im Weiteren kann eine Haft die zul�ssige Dauer auch dann �berschreiten, wenn die Strafuntersuchung nicht gen�gend vorangetrieben wird, wobei sowohl das Verhalten der Justizbeh�rden als auch dasjenige des Inhaftierten in Betracht gezogen werden m�ssen. Nach der Rechtsprechung der Organe der Europ�ischen Menschenrechtskonvention sowie des Bundesgerichts ist die Frage, ob eine Haftdauer als �berm�ssig bezeichnet werden muss, aufgrund der konkreten Verh�ltnisse des einzelnen Falles zu beurteilen (BGE 124 I 208 E. 6 S. 215; 123 I 268 E. 3a S. 273, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 107 Ia 256 E. 2b mit Hinweisen auf Entscheide der Strassburger Organe; Mark E. Villiger, Handbuch der EMRK, Z�rich 1993, S. 211 f.).
c) Der Beschwerdef�hrer befindet sich seit dem
11. April 2000 in Untersuchungshaft. Er wird verd�chtigt, durch Irref�hrung zahlreicher Kreditsuchender in den unrechtm�ssigen Genuss von Provisionsgeldern gekommen zu sein.
Die in Art. 146 StGB vorgesehene Strafandrohung bei Betrug betr�gt Zuchthaus bis zu f�nf Jahren oder Gef�ngnis (Abs. 1), bei gewerbsm�ssigem Handeln Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder Gef�ngnis nicht unter drei Monaten (Abs. 2). In Anbetracht der in Frage stehenden deliktischen Vorw�rfe und des erh�rteten Tatverdachts (s. vorne E. 4a) erreicht die bisher ausgestandene Untersuchungshaft von rund vier Monaten die mutmassliche Dauer einer allenfalls zu erwartenden Strafe noch nicht. Schliesslich erweist sich auch der Vorwurf als unbegr�ndet, die Ermittlungsbeh�rden h�tten das Untersuchungsverfahren nicht ausreichend vorangetrieben. Der Umstand, dass der Beschwerdef�hrer vor dem zweiten Haftentlassungsverfahren w�hrend mehr als eines Monats nicht mehr einvernommen worden war, stellt schon deshalb keine verfassungswidrige Verschleppung des Verfahrens dar, weil die Beh�rden, wie aus den Akten hervorgeht, w�hrend dieser Zeit anderweitige, mit derselben Strafsache zusammenh�ngende Untersuchungshandlungen vornahmen.
6.- Demnach ist die staatsrechtliche Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Ausgangsgem�ss sind die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens dem Beschwerdef�hrer aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG).
3.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdef�hrer, dem Bezirksamt Arbon und dem Pr�sidenten der Anklagekammer des Kantons Thurgau schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 90
 Art. 29
 BGE 
 Art. 10
 Art. 31
 Art. 36
 BGE 
 Art. 5
 Art. 31
 BGE 
 Art. 146