Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kettenbefristung_im_Krankenhaus_wegen_angeblichen_Vertretungsbedarfs_EuGH_C16_15_u.html
Timestamp: 2018-04-25 21:57:12+00:00

Document:
Schlag­worte: Kettenbefristung, Befristung: Vorübergehender Bedarf
Akten­zeichen: C-16/15
Ent­scheid­ungs­datum: 14.09.2016
Vor­ins­tan­zen: Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV, eingereicht vom Verwaltungsgericht Nr. 4 Madrid, Spanien
UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Zehn­te Kam­mer)
14. Sep­tem­ber 2016*(1)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - So­zi­al­po­li­tik - Richt­li­nie 1999/70/EG Richt­li­nie 1999/70/EG - EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge - Pa­ra­gra­fen 3 bis 5 - Auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge im Be­reich des öffent­li­chen Ge­sund­heits­we­sens - Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se - An­spruch auf ei­ne Aus­gleichs­zah­lung“
In der Rechts­sa­che C-16/15
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Juz­ga­do de lo Con­ten­cio­so-Ad­mi­nis­tra­tivo n° 4 de Ma­drid (Ver­wal­tungs­ge­richt Nr. 4 Ma­drid, Spa­ni­en) mit Ent­schei­dung vom 16. Ja­nu­ar 2015, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 19. Ja­nu­ar 2015, in dem Ver­fah­ren
María Ele­na Pérez López
Ser­vicio Ma­dri­leño de Sa­lud (Co­mu­ni­dad de Ma­drid),
DER GERICH­TSHOF (Zehn­te Kam­mer)
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten F. Bilt­gen (Be­richt­er­stat­ter), des Rich­ters A. Borg Bart­het und der Rich­te­rin M. Ber­ger,
- von Frau Pérez López, ver­tre­ten durch L. García Bo­tel­la, aboga­do,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch M. van Beek und J. Guil­lem Carrau als Be­vollmäch­tig­te,
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Pa­ra­gra­fen 3 bis 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge vom 18. März 1999 (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung), die im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (ABl. 1999, L 175, S. 43) ent­hal­ten ist.
Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau María Ele­na Pérez López und dem Ser­vicio Ma­dri­leño de Sa­lud, Co­mu­ni­dad de Ma­drid (Ge­sund­heits­dienst der Au­to­no­men Ge­mein­schaft Ma­drid) über die recht­li­che Be­wer­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses in Form von auf­ein­an­der­fol­gen­den Er­nen­nun­gen als sta­tu­ta­ri­sche Aus­hilfs­kraft.
Mit der Richt­li­nie 1999/70 soll nach ih­rem Art. 1 „die zwi­schen den all­ge­mei­nen bran­chenüberg­rei­fen­den Or­ga­ni­sa­tio­nen (EGB, UN­ICE und CEEP) ge­schlos­se­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung … durch­geführt wer­den“.
Die Nrn. 6, 7 und 8 der All­ge­mei­nen Erwägun­gen der Rah­men­ver­ein­ba­rung lau­ten:
„6. Un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge sind die übli­che Form des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses. Sie tra­gen zur Le­bens­qua­lität der be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer und zur Ver­bes­se­rung ih­rer Leis­tungsfähig­keit bei.
7. Die aus ob­jek­ti­ven Gründen er­fol­gen­de In­an­spruch­nah­me be­fris­te­ter Ar­beits­verträge hilft Miss­brauch zu ver­mei­den.
8. Be­fris­te­te Ar­beits­verträge sind für die Beschäfti­gung in be­stimm­ten Bran­chen, Be­ru­fen und Tätig­kei­ten cha­rak­te­ris­tisch und können den Bedürf­nis­sen der Ar­beit­ge­ber und der Ar­beit­neh­mer ent­spre­chen.“
Gemäß ih­rem Pa­ra­gra­fen 1 soll die Rah­men­ver­ein­ba­rung zum ei­nen durch die An­wen­dung des Grund­sat­zes der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung die Qua­lität be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se ver­bes­sern und zum an­de­ren ei­nen Rah­men schaf­fen, der den Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­hin­dert.
Pa­ra­graf 2 („An­wen­dungs­be­reich“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung sieht in sei­ner Nr. 1 vor:
„Die­se Ver­ein­ba­rung gilt für be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Ar­beits­ver­trag oder ‑verhält­nis gemäß der ge­setz­lich, ta­rif­ver­trag­lich oder nach den Ge­pflo­gen­hei­ten in je­dem Mit­glied­staat gel­ten­den De­fi­ni­ti­on.“
Pa­ra­graf 3 („De­fi­ni­tio­nen“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­stimmt:
1. ‚be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer‘ ei­ne Per­son mit ei­nem di­rekt zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem Ar­beit­neh­mer ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag oder -verhält­nis, des­sen En­de durch ob­jek­ti­ve Be­din­gun­gen wie das Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Da­tums, die Erfüllung ei­ner be­stimm­ten Auf­ga­be oder das Ein­tre­ten ei­nes be­stimm­ten Er­eig­nis­ses be­stimmt wird[;]
2. ‚ver­gleich­ba­rer Dau­er­beschäftig­ter‘ ein Ar­beit­neh­mer des­sel­ben Be­triebs mit ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag oder -verhält­nis, der in der glei­chen oder ei­ner ähn­li­chen Ar­beit/Beschäfti­gung tätig ist, wo­bei auch die Qua­li­fi­ka­tio­nen/Fer­tig­kei­ten an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen sind. …“
Pa­ra­graf 4 („Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung“) Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung sieht vor:
„Be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer dürfen in ih­ren Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen nur des­we­gen, weil für sie ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag oder ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis gilt, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Dau­er­beschäftig­ten nicht schlech­ter be­han­delt wer­den, es sei denn, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt.“
Pa­ra­graf 5 („Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­stimmt in sei­ner Nr. 1:
„Um Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zu ver­mei­den, er­grei­fen die Mit­glied­staa­ten nach der ge­setz­lich oder ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­schrie­be­nen oder in dem Mit­glied­staat übli­chen Anhörung der So­zi­al­part­ner und/oder die So­zi­al­part­ner, wenn kei­ne gleich­wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men zur Miss­brauchs­ver­hin­de­rung be­ste­hen, un­ter Berück­sich­ti­gung der An­for­de­run­gen be­stimm­ter Bran­chen und/oder Ar­beit­neh­mer­ka­te­go­ri­en ei­ne oder meh­re­re der fol­gen­den Maßnah­men:
Art. 9 der Ley 55/2003 del Es­ta­tu­to Mar­co del per­so­nal es­ta­tu­ta­rio de los ser­vici­os de sa­lud (Ge­setz 55/2003 über das Rah­men­sta­tut des sta­tu­ta­ri­schen Per­so­nals der Ge­sund­heits­diens­te) vom 16. De­zem­ber 2003 (BOE Nr. 301 vom 17. De­zem­ber 2003, S. 44742, im Fol­gen­den: Rah­men­sta­tut) sieht vor:
„1. Aus Gründen der Er­for­der­lich­keit, Dring­lich­keit oder zur Durchführung von Pro­gram­men zeit­lich be­grenz­ter, kon­junk­tu­rel­ler oder außer­or­dent­li­cher Art können die Ge­sund­heits­diens­te be­fris­tet beschäftig­tes sta­tu­ta­ri­sches Per­so­nal er­nen­nen.
Die Er­nen­nun­gen von be­fris­te­tem sta­tu­ta­ri­schem Per­so­nal können für ei­ne Über­g­angs­zeit, mit Aus­hilfs­cha­rak­ter oder ver­tre­tungs­wei­se er­fol­gen.
2. Die Er­nen­nung zur Be­set­zung ei­ner frei­en Stel­le in den Ge­sund­heits­zen­tren oder -diens­ten für ei­ne Über­g­angs­zeit er­folgt, wenn dies er­for­der­lich ist, um die ent­spre­chen­den Funk­tio­nen ab­zu­de­cken.
Für ei­ne Über­g­angs­zeit beschäftig­tes sta­tu­ta­ri­sches Per­so­nal ist zu ent­las­sen, wenn die frei wer­den­de Stel­le in dem durch Ge­setz oder Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren durch Fest­ein­stel­lung be­setzt wird oder wenn die Stel­le ge­stri­chen wird.
3. Die Er­nen­nung mit Aus­hilfs­cha­rak­ter er­folgt un­ter fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen:
a) wenn es um die Er­brin­gung be­stimm­ter Leis­tun­gen zeit­lich be­grenz­ter, kon­junk­tu­rel­ler oder außer­or­dent­li­cher Art geht;
b) wenn sie er­for­der­lich ist, um den dau­er­haf­ten und kon­ti­nu­ier­li­chen Be­trieb der Ge­sund­heits­zen­tren si­cher­zu­stel­len;
c) wenn Leis­tun­gen zum Aus­gleich ei­ner Ver­rin­ge­rung der Re­gel­ar­beits­zeit er­bracht wer­den müssen.
Sta­tu­ta­ri­sches Aus­hilfs­per­so­nal ist zu ent­las­sen, wenn der Grund ein­tritt oder die Frist abläuft, der oder die bei sei­ner Er­nen­nung aus­drück­lich fest­ge­legt wur­de, so­wie dann, wenn die Funk­tio­nen weg­fal­len, die zur Er­nen­nung geführt ha­ben.
Wer­den in ei­nem Zeit­raum von zwei Jah­ren für die­sel­ben Leis­tun­gen mehr als zwei Er­nen­nun­gen mit ei­ner Ge­samt­dau­er von 12 oder mehr Mo­na­ten vor­ge­nom­men, so sind die Ur­sa­chen die­ser Er­nen­nun­gen zu prüfen, um ge­ge­be­nen­falls zu klären, ob in dem Zen­trum ei­ne Plan­stel­le zu schaf­fen ist.
Nach Art. 15 Abs. 3 des Tex­to re­fundi­do de la Ley del Es­ta­tu­to de los Tra­ba­ja­do­res, apro­ba­do por el Re­al De­cre­to Le­gis­la­tivo 1/1995 (Neu­fas­sung des Ge­set­zes über das Ar­beit­neh­mer­sta­tut durch das König­li­che ge­set­zes­ver­tre­ten­de De­kret 1/1995), vom 24. März 1995 (BOE Nr. 75 vom 29. März 1995, S. 9654) in sei­ner zum Zeit­punkt des Sach­ver­halts des Aus­gangs­ver­fah­rens an­wend­ba­ren Fas­sung (im Fol­gen­den: Ar­beit­neh­mer­sta­tut) sind „zur Ge­set­zes­um­ge­hung ge­schlos­se­ne be­fris­te­te Verträge als un­be­fris­tet an­zu­se­hen“.
Gemäß Art. 3 des Re­al De­cre­to 2720/1998 por el que se des­ar­rol­la el artícu­lo 15 del Es­ta­tu­to de los Tra­ba­ja­do­res en ma­te­ria de con­tra­tos de du­ra­ción de­ter­mina­da (König­li­ches De­kret 2720/1998 zur An­wen­dung von Art. 15 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts im Be­reich be­fris­te­ter Ar­beits­verträge) vom 18. De­zem­ber 1998 (BOE Nr. 7 vom 8. Ja­nu­ar 1999, S. 568) dient der Aus­hilfs­ver­trag, der zur Grup­pe der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge gehört, der De­ckung ei­nes kon­junk­tu­rel­len Be­darfs.
Art. 49 Abs. 1 Buchst. c des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts sieht vor, dass der Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Aus­lau­fen des Ar­beits­ver­trags - außer im Fall von „con­tra­tos de in­ter­i­ni­dad“ (Verträgen für ei­ne Über­g­angs­zeit) und Aus­bil­dungs­verträgen - ei­nen An­spruch auf ei­ne Aus­gleichs­zah­lung in Höhe ei­nes Be­trags hat, der zwölf Ta­ges­ent­gel­ten je Beschäfti­gungs­jahr ent­spricht.
Sach­ver­halt des Aus­gangs­rechts­streits und Vor­la­ge­fra­gen
14 Frau Pérez López wur­de für den Zeit­raum vom 5. Fe­bru­ar bis zum 31. Ju­li 2009 als zum sta­tu­ta­ri­schen Aus­hilfs­per­so­nal gehören­de Kran­ken­schwes­ter im Uni­ver­sitäts­kran­ken­haus von Ma­drid ein­ge­stellt. Im Ein­klang mit den Be­stim­mun­gen von Art. 9 Abs. 3 des Rah­men­sta­tuts wur­den in der Er­nen­nung als recht­fer­ti­gen­der Grund „die Ausführung be­stimm­ter zeit­lich be­grenz­ter, kon­junk­tu­rel­ler oder außer­or­dent­li­cher Diens­te“ und als In­halt und Be­schrei­bung der Leis­tung die „Ausübung ih­rer Tätig­keit in die­sem Kran­ken­haus zur Si­cher­stel­lung der ge­sund­heit­li­chen Ver­sor­gung“ an­ge­ge­ben.
Beim Ab­lauf die­ses ers­ten Ar­beits­ver­trags wur­de die Er­nen­nung von Frau Pérez López mit­tels je­weils iden­tisch for­mu­lier­ter, be­fris­te­ter Ar­beits­verträge für drei, sechs oder neun Mo­na­te sie­ben­mal verlängert, so dass die Ar­beits­leis­tung von Frau Pérez López im Zeit­raum vom 5. Fe­bru­ar 2009 bis zum 31. März 2013 un­un­ter­bro­chen an­dau­er­te.
Während des letz­ten der vor­ste­hend ge­nann­ten Ar­beits­verträge, der dem Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar 2013 bis zum 31. März 2013 ent­sprach, ver­ab­schie­de­te die Con­se­jería de Eco­no­mia y Ha­ci­en­da de la Co­mu­ni­dad de Ma­drid (re­gio­na­les Wirt­schafts- und Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um von Ma­drid, Spa­ni­en) den Er­lass vom 28. Ja­nu­ar 2013, der zur Be­schränkung der öffent­li­chen Aus­ga­ben die Be­en­di­gung der Ar­beits­verhält­nis­se des sta­tu­ta­ri­schen Aus­hilfs­per­so­nals zum Ab­lauf der Er­nen­nung so­wie die Aus­zah­lung des Gut­ha­bens, das dem Zeit­raum der er­brach­ten Leis­tun­gen ent­sprach, an­ord­ne­te, auch wenn im An­schluss ei­ne er­neu­te Er­nen­nung der­sel­ben Per­son vor­ge­se­hen war.
Am 8. März 2013 wur­de Frau Pérez López in An­wen­dung die­ses Er­las­ses von der Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ge­sund­heits­dienst von Ma­drid zum 31. März 2013 in Kennt­nis ge­setzt. Des­sen un­ge­ach­tet teil­te ihr die Ver­wal­tung am 21. März 2013 ih­re er­neu­te Er­nen­nung für den Zeit­raum vom 1. April bis zum 30. Ju­ni 2013 mit, die mit den vor­an­ge­gan­ge­nen iden­tisch war und sich oh­ne Un­ter­bre­chung an die­se an­schloss.
Am 30. April 2013 leg­te Frau Pérez López Wi­der­spruch ge­gen die­se Ent­schei­dung über die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und die er­neu­te Er­nen­nung als sta­tu­ta­ri­sche Aus­hilfs­kraft ein. Nach Ab­lauf der ge­setz­li­chen Frist, nach der der Wi­der­spruch auf­grund des Schwei­gens der zuständi­gen Ver­wal­tung als zurück­ge­wie­sen gilt, er­hob sie am 13. Sep­tem­ber 2013 ei­ne Kla­ge beim Con­ten­cio­so-Ad­mi­nis­tra­tivo n° 4 de Ma­drid (Ver­wal­tungs­ge­richt Nr. 4 Ma­drid, Spa­ni­en), mit der sie gel­tend macht, dass ih­re auf­ein­an­der­fol­gen­den Er­nen­nun­gen nicht der De­ckung ei­nes kon­junk­tu­rel­len oder außer­or­dent­li­chen Be­darfs der Ge­sund­heits­diens­te dien­ten, son­dern in Wirk­lich­keit ei­ner dau­er­haf­ten Tätig­keit entsprächen. Da­her stel­le die Ab­fol­ge der mit ihr ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge ei­ne Um­ge­hung ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten dar und müsse zu ei­ner Um­wand­lung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses führen.
Nach Auf­fas­sung des vor­le­gen­den Ge­richts enthält das in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Ge­setz, ge­nau­er Art. 9 des Rah­men­sta­tuts, kei­ne Maßnah­men zur wirk­sa­men Be­schränkung der Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Verträge. Auch wenn ei­ne Höchst­dau­er für das Ar­beits­verhält­nis des sta­tu­ta­ri­schen Aus­hilfs­per­so­nals fest­ge­legt sei, be­fin­de die Ver­wal­tung nämlich nach frei­em Er­mes­sen über die Gründe zur Recht­fer­ti­gung ei­ner Ver­wen­dung be­fris­te­ter Verträge so­wie die Zweckmäßig­keit der Schaf­fung ei­ner Plan­stel­le für die Bedürf­nis­se der Ge­sund­heits­diens­te. Für den Fall, dass ei­ne sol­che Stel­le ge­schaf­fen wer­de, blei­be die Si­tua­ti­on der Un­ge­wiss­heit der Ar­beit­neh­mer be­ste­hen, da die Ver­wal­tung über die Möglich­keit verfüge, die­se Stel­len durch die Ein­stel­lung von sta­tu­ta­ri­schem Per­so­nal, das für ei­ne Über­g­angs­zeit be­fris­tet beschäftigt wer­de (In­te­rims­per­so­nal oder -kräfte) zu be­set­zen, oh­ne dass Be­schränkun­gen im Hin­blick auf die Dau­er oder die An­zahl der Verlänge­run­gen der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge die­ser Ar­beit­neh­mer bestünden.
Das vor­le­gen­de Ge­richt zwei­felt fer­ner an der Ver­ein­bar­keit der strei­ti­gen na­tio­na­len Be­stim­mun­gen mit dem Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung, wie er in Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung nie­der­ge­legt sei. Es weist dar­auf hin, dass das sta­tu­ta­ri­sche Aus­hilfs­per­so­nal der Ge­sund­heits­diens­te, das dem Rah­men­sta­tut un­ter­lie­ge, und die Beschäftig­ten, die durch ei­nen Ar­beits­ver­trag für Aus­hilfs­kräfte ge­bun­den sei­en, der dem Ar­beit­neh­mer­sta­tut un­ter­lie­ge, in ver­gleich­ba­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen stünden. Das Ar­beit­neh­mer­sta­tut er­ken­ne be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern - im Ge­gen­satz zu den auf das sta­tu­ta­ri­sche Aus­hilfs­per­so­nal an­wend­ba­ren Be­stim­mun­gen - nicht nur ei­ne Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von zwölf Ta­ges­ent­gel­ten je Beschäfti­gungs­jahr oder den ent­spre­chen­den Teil da­von zu, son­dern um­fas­se auch ei­ne Ga­ran­tie­klau­sel für Beschäfti­gungs­sta­bi­lität da­hin ge­hend, dass un­ter Ge­set­zes­um­ge­hung ge­schlos­se­ne Zeit­verträge als un­be­fris­tet an­ge­se­hen würden.
Un­ter die­sen Umständen hat der Juz­ga­do de la Con­ten­cio­so-Ad­mi­nis­tra­tivo n° 4 de Ma­drid (Ver­wal­tungs­ge­richt Nr. 4 Ma­drid) be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof die fol­gen­den Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Verstößt Art. 9 Abs. 3 des Rah­men­sta­tuts ge­gen die Rah­men­ver­ein­ba­rung, weil er Miss­bräuche durch In­an­spruch­nah­me auf­ein­an­der­fol­gen­der Er­nen­nun­gen als sta­tu­ta­ri­sche Aus­hilfs­kraft begüns­tigt, und ist da­her un­an­wend­bar, so­weit er
a) we­der ei­ne Ober­gren­ze für die Ge­samt­dau­er auf­ein­an­der­fol­gen­der Er­nen­nun­gen als sta­tu­ta­ri­sche Aus­hilfs­kraft noch ei­ne Höchst­zahl ih­rer Verlänge­run­gen fest­legt;
b) es in das Be­lie­ben der Ver­wal­tung stellt, zu ent­schei­den, ob Plan­stel­len ge­schaf­fen wer­den, wenn zur Er­brin­gung der­sel­ben Leis­tun­gen für ei­ne Ge­samt­dau­er von zwölf oder mehr Mo­na­ten in ei­nem Zeit­raum von zwei Jah­ren mehr als zwei Er­nen­nun­gen vor­ge­nom­men wer­den;
c) es er­laubt, Er­nen­nun­gen als sta­tu­ta­ri­sche Aus­hilfs­kraft vor­zu­neh­men, oh­ne zu ver­lan­gen, dass dar­in der dies recht­fer­ti­gen­de kon­kre­te ob­jek­ti­ve Grund zeit­li­cher, kon­junk­tu­rel­ler oder außer­or­dent­li­cher Art ge­nannt wird?
2. Verstößt Art. 11 Abs. 7 des Er­las­ses des re­gio­na­len Wirt­schafts- und Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums von Ma­drid vom 28. Ja­nu­ar 2013, der fest­legt, dass „[a]m En­de des Er­nen­nungs­zeit­raums … auf je­den Fall die Dienst­verhält­nis­se zu be­en­den und die dem Zeit­raum der er­brach­ten Leis­tun­gen ent­spre­chen­den Gut­ha­ben aus­zu­zah­len [sind], auch wenn im An­schluss ei­ne er­neu­te Er­nen­nung der­sel­ben Per­son er­folgt“, mit­hin un­abhängig da­von, ob der die Er­nen­nung recht­fer­ti­gen­de kon­kre­te ob­jek­ti­ve Grund hinfällig ge­wor­den ist, wie es Pa­ra­graf 3 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung vor­sieht, ge­gen die Rah­men­ver­ein­ba­rung und ist da­her un­an­wend­bar?
3. Ist es mit dem Zweck, den die Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­folgt, ver­ein­bar, Art. 9 Abs. 3 Un­terabs. 3 des Rah­men­sta­tuts da­hin aus­zu­le­gen, dass dann, wenn zur Er­brin­gung der­sel­ben Leis­tun­gen für ei­ne Ge­samt­dau­er von zwölf oder mehr Mo­na­ten in ei­nem Zeit­raum von zwei Jah­ren mehr als zwei Er­nen­nun­gen vor­ge­nom­men wer­den, im Ge­sund­heits­zen­trum ei­ne Plan­stel­le zu schaf­fen ist, mit der Fol­ge, dass der bis­lang als Aus­hilfs­kraft er­nann­te Be­diens­te­te als In­te­rims­kraft er­nannt wird?
4. Ist es mit dem Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung, der in der Rah­men­ver­ein­ba­rung an­er­kannt wird, ver­ein­bar, beim sta­tu­ta­ri­schen Aus­hilfs­per­so­nal in An­be­tracht der im We­sent­li­chen übe­rein­stim­men­den Sach­ver­hal­te die­sel­be Aus­gleichs­zah­lung vor­zu­neh­men wie bei den als Aus­hilfs­kraft beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern, da es un­sin­nig wäre, Beschäftig­te mit der­sel­ben Qua­li­fi­ka­ti­on, die Leis­tun­gen für das­sel­be Un­ter­neh­men (Ge­sund­heits­dienst von Ma­drid) er­brin­gen, die­sel­be Funk­ti­on erfüllen und zur De­ckung des­sel­ben kon­junk­tu­rel­len Be­darfs ein­ge­stellt wur­den, am En­de ih­res Dienst- bzw. Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter­schied­lich zu be­han­deln, oh­ne dass ein Grund er­sicht­lich wäre, der ei­nem zur Ver­mei­dung von Un­gleich­be­hand­lun­gen die­nen­den Ver­gleich be­fris­te­ter Verträge ent­ge­genstünde?
Das vor­le­gen­de Ge­richt hat den Ge­richts­hof außer­dem dar­um er­sucht, die Rechts­sa­che im be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren nach Art. 105 Abs. 1 der Ver­fah­rens­ord­nung des Ge­richts­hofs zu be­han­deln. Mit Be­schluss des Präsi­den­ten des Ge­richts­hofs vom 24. April 2015 ist die­ser An­trag zurück­ge­wie­sen wor­den.
Zur ers­ten und zur drit­ten Fra­ge
Mit sei­ner ers­ten und sei­ner drit­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er der An­wen­dung ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den durch die Stel­len des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, der zu­fol­ge die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im öffent­li­chen Ge­sund­heits­sek­tor des­halb als aus „sach­li­chen Gründen“ im Sin­ne die­ses Pa­ra­gra­fen ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wird, weil die Verträge auf Rechts­vor­schrif­ten gestützt sind, die die Ver­trags­verlänge­rung zur Si­cher­stel­lung be­stimm­ter Leis­tun­gen zeit­lich be­grenz­ter, kon­junk­tu­rel­ler oder außer­or­dent­li­cher Art zu­las­sen, und weil die Ver­wal­tung bei der Ent­schei­dung über die Schaf­fung von Plan­stel­len, mit der die Ein­stel­lung sta­tu­ta­ri­scher Aus­hilfs­kräfte be­en­det wird, über ei­nen Er­mes­sens­spiel­raum verfügt.
Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der An­wen­dungs­be­reich der Rah­men­ver­ein­ba­rung, wie sich schon aus dem Wort­laut ih­res Pa­ra­gra­fen 2 Nr. 1 ent­neh­men lässt, weit ge­fasst ist, da sie all­ge­mein auf „be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Ar­beits­ver­trag oder -verhält­nis gemäß der ge­setz­lich, ta­rif­ver­trag­lich oder nach den Ge­pflo­gen­hei­ten in je­dem Mit­glied­staat gel­ten­den De­fi­ni­tio­nen“ ab­stellt. Auch die De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer“ im Sin­ne der Rah­men­ver­ein­ba­rung, die in de­ren Pa­ra­graf 3 Nr. 1 ent­hal­ten ist, er­fasst al­le Ar­beit­neh­mer, oh­ne da­nach zu un­ter­schei­den, ob sie an ei­nen öffent­li­chen oder an ei­nen pri­va­ten Ar­beit­ge­ber ge­bun­den sind, und un­abhängig da­von, wie ihr Ver­trag nach dem in­ner­staat­li­chen Recht zu qua­li­fi­zie­ren ist (Ur­tei­le vom 4. Ju­li 2006, Aden­eler u. a., C-212/04, EU:C:2006:443, Rn. 56, vom 13. März 2014, Márquez Sa­mo­ha­no, C-190/13, EU:C:2014:146, Rn. 38, vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 28 und 29, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 67).
Da die Rah­men­ver­ein­ba­rung kei­ne be­stimm­te Bran­che aus­sch­ließt, fällt ein Ar­beit­neh­mer wie die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens, die als Kran­ken­schwes­ter beschäftigt ist und zum sta­tu­ta­ri­schen Aus­hilfs­per­so­nal des öffent­li­chen Ge­sund­heits­diens­tes gehört, in den An­wen­dungs­be­reich der Rah­men­ver­ein­ba­rung.
26 Zur Aus­le­gung von Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er zur Um­set­zung ei­nes ih­re Zie­le dient, nämlich den wie­der­hol­ten Rück­griff auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder-verhält­nis­se, der als ei­ne Quel­le po­ten­zi­el­len Miss­brauchs zu­las­ten der Ar­beit­neh­mer ge­se­hen wird, ein­zu­gren­zen, in­dem ei­ne Rei­he von Min­dest­schutz­be­stim­mun­gen vor­ge­se­hen wird, die die Pre­ka­ri­sie­rung der La­ge der Beschäftig­ten ver­hin­dern (Ur­tei­le vom 4. Ju­li 2006, Aden­eler u. a., C-12/04, EU:C:2006:443, Rn. 63, vom 23. April 2009, An­gel­i­da­ki u. a., C-378/07 bis C-380/07, EU:C:2009:250, Rn. 73, vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 25, vom 13. März 2014, Márquez Sa­mo­ha­no, C-190/13, EU:C:2014:146, Rn. 41, vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 54, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 72).
Wie nämlich aus dem zwei­ten Ab­satz der Präam­bel der Rah­men­ver­ein­ba­rung so­wie aus ih­ren All­ge­mei­nen Erwägun­gen 6 und 8 her­vor­geht, stel­len fes­te Beschäfti­gungs­verhält­nis­se ei­nen wich­ti­gen As­pekt des Ar­beit­neh­mer­schut­zes dar, während be­fris­te­te Ar­beits­verträge nur un­ter be­stimm­ten Umständen den Bedürf­nis­sen so­wohl der Ar­beit­ge­ber als auch der Ar­beit­neh­mer ent­spre­chen können (Ur­tei­le vom 4. Ju­li 2006, Aden­eler u. a., C-212/04, EU:C:2006:443, Rn. 62, vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 55, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 73).
So­mit ver­pflich­tet Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung die Mit­glied­staa­ten im Hin­blick auf die Ver­mei­dung der miss­bräuch­li­chen Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se da­zu, ef­fek­tiv und mit ver­bind­li­cher Wir­kung min­des­tens ei­ne der dort auf­geführ­ten Maßnah­men zu er­grei­fen, so­fern ihr in­ner­staat­li­ches Recht kei­ne gleich­wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men enthält. Die hierfür in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a bis c auf­geführ­ten drei Maßnah­men be­tref­fen sach­li­che Gründe, die die Verlänge­rung sol­cher Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­ti­gen, die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se und die zulässi­ge Zahl ih­rer Verlänge­run­gen (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le vom 23. April 2009, An­gel­i­da­ki u. a., C-378/07 bis C-380/07, EU:C:2009:250, Rn. 74, vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 26, vom 13. März 2014, Márquez Sa­mo­ha­no, C-190/13, EU:C:2014:146, Rn. 42, vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 56, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 74).
29 Die Mit­glied­staa­ten verfügen in­so­weit über ein Er­mes­sen, da sie die Wahl ha­ben, auf ei­ne oder meh­re­re der in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a bis c der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Maßnah­men oder aber auf be­ste­hen­de gleich­wer­ti­ge ge­setz­li­che Maßnah­men zurück­zu­grei­fen, und zwar un­ter Berück­sich­ti­gung der An­for­de­run­gen be­stimm­ter Bran­chen und/oder Ar­beit­neh­mer­ka­te­go­ri­en (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 59 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 75).
30 Da­mit gibt Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung den Mit­glied­staa­ten ein all­ge­mei­nes Ziel - Ver­hin­de­rung sol­cher Miss­bräuche - vor, lässt ih­nen je­doch zu­gleich die Wahl der Mit­tel zu sei­ner Er­rei­chung, so­lan­ge sie nicht das Ziel oder die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung in Fra­ge stel­len (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 60, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 76).
Wenn das Uni­ons­recht, wie im Aus­gangs­ver­fah­ren, kei­ne spe­zi­fi­schen Sank­tio­nen für den Fall vor­sieht, dass den­noch Miss­bräuche fest­ge­stellt wor­den sind, ob­liegt es außer­dem den na­tio­na­len Stel­len, Maßnah­men zu er­grei­fen, die nicht nur verhält­nismäßig, son­dern auch hin­rei­chend ef­fek­tiv und ab­schre­ckend sein müssen, um die vol­le Wirk­sam­keit der zur Durchführung der Rah­men­ver­ein­ba­rung er­las­se­nen Nor­men si­cher­zu­stel­len (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 62 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 77).
Zwar wer­den in Er­man­ge­lung ei­ner ein­schlägi­gen Uni­ons­re­ge­lung die Ein­zel­hei­ten der Durchführung sol­cher Nor­men nach dem Grund­satz der Ver­fah­rens­au­to­no­mie der Mit­glied­staa­ten durch ihr je­wei­li­ges in­ner­staat­li­ches Recht ge­re­gelt, doch dürfen sie nicht we­ni­ger güns­tig sein als bei ent­spre­chen­den Sach­ver­hal­ten, die nur in­ner­staat­li­ches Recht be­tref­fen (Äqui­va­lenz­grund­satz), und sie dürfen die Ausübung der durch die Uni­ons­rechts­ord­nung ver­lie­he­nen Rech­te nicht prak­tisch unmöglich ma­chen oder übermäßig er­schwe­ren (Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz) (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-63/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 63 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 78).
In­fol­ge­des­sen muss, wenn es zu ei­nem miss­bräuch­li­chen Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ge­kom­men ist, die Möglich­keit be­ste­hen, ei­ne Maßnah­me an­zu­wen­den, die ef­fek­ti­ve und äqui­va­len­te Ga­ran­ti­en für den Schutz der Ar­beit­neh­mer bie­tet, um die­sen Miss­brauch an­ge­mes­sen zu ahn­den und die Fol­gen des Ver­s­toßes ge­gen das Uni­ons­recht zu be­sei­ti­gen (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 64 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 79).
34 Fer­ner ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es nicht Sa­che des Ge­richts­hofs ist, sich zur Aus­le­gung der Be­stim­mun­gen des na­tio­na­len Rechts zu äußern, da die­se Auf­ga­be al­lein dem vor­le­gen­den Ge­richt oder ge­ge­be­nen­falls den zuständi­gen na­tio­na­len Ge­rich­ten zu­kommt, die fest­zu­stel­len ha­ben, ob die von Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung auf­ge­stell­ten An­for­de­run­gen durch die Be­stim­mun­gen der an­wend­ba­ren na­tio­na­len Re­ge­lung ge­wahrt wer­den (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 66 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 82).
35 So­mit ob­liegt es grundsätz­lich dem vor­le­gen­den Ge­richt, zu be­ur­tei­len, in­wie­weit die ein­schlägi­gen Be­stim­mun­gen des in­ner­staat­li­chen Rechts un­ter Berück­sich­ti­gung ih­rer An­wen­dungs­vor­aus­set­zun­gen und ih­rer tatsächli­chen An­wen­dung ei­ne an­ge­mes­se­ne Maßnah­me dar­stel­len, um den miss­bräuch­li­chen Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zu ver­hin­dern und ge­ge­be­nen­falls zu ahn­den (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 67 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 82).
Der Ge­richts­hof kann je­doch, wenn er im Rah­men ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens ent­schei­det, ge­ge­be­nen­falls Klar­stel­lun­gen vor­neh­men, um dem vor­le­gen­den Ge­richt ei­ne Richt­schnur für sei­ne Aus­le­gung zu ge­ben (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 68 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, und vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 83).
In die­sem Zu­sam­men­hang ist zu prüfen, ob die Be­stim­mun­gen der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Re­ge­lung - die die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im Be­reich der Ge­sund­heits­diens­te zu­las­sen - in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­nann­te Maßnah­men dar­stel­len können, ge­nau­er ge­sagt, sach­li­che Gründe zur Recht­fer­ti­gung ei­ner Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se.
Zum Vor­lie­gen ei­nes „sach­li­chen Grun­des“ er­gibt sich aus der Recht­spre­chung, dass die­ser Be­griff so zu ver­ste­hen ist, dass er ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände meint, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang die Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Die­se Umstände können sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung sol­che Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls aus der Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels durch ei­nen Mit­glied­staat er­ge­ben (Ur­tei­le vom 23. April 2009, An­gel­i­da­ki u. a., C-378/07 bis C-380/07, EU:C:2009:250, Rn. 96 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 27, und vom 13. März 2014, Márquez Sa­mo­ha­no, C-190/13, EU:C:2014:146, Rn. 45).
Hin­ge­gen entspräche ei­ne in­ner­staat­li­che Vor­schrift, die sich dar­auf be­schränken würde, den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge all­ge­mein und abs­trakt durch Ge­setz oder Ver­ord­nung zu­zu­las­sen, nicht den in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­leg­ten Er­for­der­nis­sen (Ur­tei­le vom 23. April 2009, An­gel­i­da­ki u. a., C-378/07 bis C-380/07, EU:C:2009:250, Rn. 97 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 28, und vom 13. März 2014, Márquez Sa­mo­ha­no, C-190/13, EU:C:2014:146, Rn. 46).
40 Ei­ner sol­chen rein for­ma­len Vor­schrift las­sen sich nämlich kei­ne ob­jek­ti­ven und trans­pa­ren­ten Kri­te­ri­en für die Prüfung ent­neh­men, ob die Verlänge­rung der­ar­ti­ger Verträge tatsächlich ei­nem ech­ten Be­darf ent­spricht so­wie zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich ist. Die­se Vor­schrift birgt so­mit die kon­kre­te Ge­fahr ei­nes miss­bräuch­li­chen Rück­griffs auf der­ar­ti­ge Verträge in sich und ist da­her mit dem Ziel und der prak­ti­schen Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung un­ver­ein­bar (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 23. April 2009, An­gel­i­da­ki u. a., C-378/07 bis C-380/07, EU:C:2009:250, Rn. 98 und 100 so­wie die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 29, und vom 13. März 2014, Márquez Sa­mo­ha­no, C-190/13, EU:C:2014:146, Rn. 47).
Im Aus­gangs­ver­fah­ren ist fest­zu­stel­len, dass die ein­schlägi­ge na­tio­na­le Re­ge­lung ge­nau fest­legt, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ge­schlos­sen wer­den können. Der Rück­griff auf sol­che Verträge ist nämlich nach Art. 9 Abs. 3 des Rah­men­sta­tuts ge­stat­tet, wenn es um die Er­brin­gung be­stimm­ter Leis­tun­gen zeit­lich be­grenz­ter, kon­junk­tu­rel­ler oder außer­or­dent­li­cher Art geht, oder wenn er er­for­der­lich ist, um den dau­er­haf­ten und kon­ti­nu­ier­li­chen Be­trieb der Ge­sund­heits­zen­tren si­cher­zu­stel­len, oder wenn Leis­tun­gen zum Aus­gleich ei­ner Ver­rin­ge­rung der Re­gel­ar­beits­zeit er­bracht wer­den müssen.
42 Die­se Be­stim­mung stellt fer­ner klar, dass die zuständi­ge Behörde die Ur­sa­chen die­ser Er­nen­nun­gen prüft und über die Zweckmäßig­keit der Schaf­fung ei­ner zusätz­li­chen Plan­stel­le ent­schei­det, wenn in ei­nem Zeit­raum von zwei Jah­ren für die­sel­ben Leis­tun­gen mehr als zwei Er­nen­nun­gen mit ei­ner für ei­ne Ge­samt­dau­er von zwölf oder mehr Mo­na­ten er­fol­gen.
43 Dar­aus er­gibt sich, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Re­ge­lung kei­ne all­ge­mei­ne und abs­trak­te Ge­neh­mi­gung für ei­nen Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge er­teilt, son­dern den Ab­schluss sol­cher Verträge im We­sent­li­chen auf die De­ckung ei­nes zeit­wei­li­gen Be­darfs be­schränkt.
44 Hier­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tung ei­nes Ar­beit­neh­mers, um ei­nen zeit­wei­li­gen Ar­beits­kräfte­be­darf des Ar­beit­ge­bers zu de­cken, ei­nen „sach­li­chen Grund“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung dar­stel­len kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 23. April 2009, An­gel­i­da­ki u. a., C-378/07 bis C-80/07, EU:C:2009:250, Rn. 101 und 102, vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 30, und vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 91).
In ei­ner Ver­wal­tung, die, wie der öffent­li­che Ge­sund­heits­sek­tor, über ei­ne große An­zahl von Mit­ar­bei­tern verfügt, ist es nämlich un­ver­meid­lich, dass u. a auf­grund des Aus­falls von Beschäftig­ten, die Krank­heits-, Mut­ter­schafts-, El­tern- oder an­de­ren Ur­laub in An­spruch neh­men, vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tun­gen er­for­der­lich sind. Un­ter die­sen Umständen kann die vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tung von Ar­beit­neh­mern ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung bil­den, der so­wohl die Be­fris­tung der mit den Ver­tre­tungs­kräften ge­schlos­se­nen Verträge als auch, bei er­neu­tem Be­darf, de­ren Verlänge­rung recht­fer­tigt, so­fern die in­so­weit in der Rah­men­ver­ein­ba­rung auf­ge­stell­ten An­for­de­run­gen be­ach­tet wer­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 31, und vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 92).
Fer­ner ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Ver­pflich­tung, die Ge­sund­heits­diens­te so zu or­ga­ni­sie­ren, dass ein gleich­blei­bend an­ge­mes­se­nes Verhält­nis zwi­schen der Zahl der Mit­glie­der des Pfle­ge­per­so­nals und der Zahl der Pa­ti­en­ten si­cher­ge­stellt ist, der öffent­li­chen Ver­wal­tung ob­liegt und von ei­ner Viel­zahl von Fak­to­ren abhängt, die ein be­son­de­res Bedürf­nis nach Fle­xi­bi­lität wi­der­spie­geln können, das nach der in Rn. 40 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung in die­sem spe­zi­fi­schen Be­reich ge­eig­net ist, ei­nen Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge im Hin­blick auf Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung sach­lich zu recht­fer­ti­gen.
Es kann hin­ge­gen nicht zu­ge­las­sen wer­den, dass be­fris­te­te Ar­beits­verträge zum Zweck ei­ner ständi­gen und dau­er­haf­ten Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben der Ge­sund­heits­diens­te, die zur nor­ma­len Tätig­keit des fes­ten Kran­ken­haus­per­so­nals gehören, verlängert wer­den (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 13. März 2014, Márquez Sa­mo­ha­no, C-190/13, EU:C:2014:146, Rn. 58).
Die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zur De­ckung ei­nes Be­darfs, der in Wirk­lich­keit kein zeit­wei­li­ger, son­dern ein ständi­ger und dau­er­haf­ter ist, ist nämlich nicht im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­recht­fer­tigt, da ein sol­cher Ein­satz be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se der Prämis­se der Rah­men­ver­ein­ba­rung, dass un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge die übli­che Form der Beschäfti­gungs­verhält­nis­se sind, auch wenn be­fris­te­te Ar­beits­verträge für die Beschäfti­gung in be­stimm­ten Bran­chen oder für be­stimm­te Be­ru­fe und Tätig­kei­ten cha­rak­te­ris­tisch sind, un­mit­tel­bar zu­wi­derläuft (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 36 und 37, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 100).
Zur Be­ach­tung von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ist es so­mit er­for­der­lich, dass kon­kret ge­prüft wird, ob die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zur De­ckung ei­nes zeit­wei­li­gen Be­darfs dient und ob ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de nicht in Wirk­lich­keit ein­ge­setzt wird, um ei­nen ständi­gen und dau­er­haf­ten Ar­beits­kräfte­be­darf des Ar­beit­ge­bers zu de­cken (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 39 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 101).
50 Hier­zu er­gibt sich aus der Si­tua­ti­on der Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens, wie sie in der Vor­la­ge­ent­schei­dung be­schrie­ben ist, dass die auf­ein­an­der­fol­gen­den Er­nen­nun­gen von Frau Pérez López zur Si­cher­stel­lung von Ge­sund­heits­dienst­leis­tun­gen im Kran­ken­haus­be­reich of­fen­sicht­lich nicht auf ei­nem zeit­wei­li­gen Be­darf des Ar­beit­ge­bers be­ru­hen.
Die­se Fest­stel­lung wird durch die Einschätzung des vor­le­gen­den Ge­richts bestätigt, das die Be­set­zung von Stel­len im Be­reich der Ge­sund­heits­diens­te mit­tels Er­nen­nung von be­fris­tet beschäftig­tem sta­tu­ta­ri­schen Per­so­nal als „weit ver­brei­te­tes Übel“ ein­stuft und da­von aus­geht, dass un­gefähr 25 % der 50 000 Plan­stel­len für Ärz­te und Pfle­ge­kräfte in der Au­to­no­men Ge­mein­schaft Ma­drid mit Per­so­nal be­setzt sind, das im Rah­men von be­fris­te­ten Er­nen­nun­gen mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Dau­er von fünf bis sechs Jah­ren ein­ge­stellt ist, von de­nen ei­ni­ge aber so­gar 15 Jah­re un­un­ter­bro­che­ne Dienst­zeit über­schrei­ten.
52 Un­ter die­sen Umständen ist da­von aus­zu­ge­hen, dass Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er der An­wen­dung ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den durch die Stel­len des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, der zu­fol­ge die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im öffent­li­chen Ge­sund­heits­sek­tor des­halb als aus „sach­li­chen Gründen“ im Sin­ne die­ses Pa­ra­gra­fen ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wird, weil die Verträge auf Rechts­vor­schrif­ten gestützt sind, die die Ver­trags­verlänge­rung zur Si­cher­stel­lung be­stimm­ter Leis­tun­gen zeit­lich be­grenz­ter, kon­junk­tu­rel­ler oder außer­or­dent­li­cher Art zu­las­sen, während in Wirk­lich­keit die­ser Be­darf ständig und dau­er­haft ist.
Zum Er­mes­sens­spiel­raum, der der Ver­wal­tung bei der Schaf­fung von Plan­stel­len zu­kommt, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Be­ste­hen ei­ner sol­chen Möglich­keit zur Schaf­fung ei­ner fes­ten Stel­le wie auch das der Möglich­keit der Um­wand­lung ei­nes be­fris­te­ten Ver­trags in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ein wirk­sa­mes Mit­tel ge­gen die miss­bräuch­li­che Ver­wen­dung be­fris­te­ter Verträge dar­stel­len kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 23. April 2009, An­gel­i­da­ki u. a., C-378/07 bis C-380/07, EU:C:2009:250, Rn. 170).
Auch wenn ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zum Zweck der Ver­tre­tung von Per­so­nal bis zur Be­set­zung der ge­schaf­fe­nen Plan­stel­len zulässt, grundsätz­lich durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt sein kann, muss die kon­kre­te An­wen­dung die­ses Grun­des un­ter Berück­sich­ti­gung der be­tref­fen­den Tätig­keit und der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung al­ler­dings der Rah­men­ver­ein­ba­rung ent­spre­chen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 34 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 99).
55 Im vor­lie­gen­den Fall ist fest­zu­stel­len, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Re­ge­lung kei­ne der zuständi­gen Ver­wal­tung ob­lie­gen­de Ver­pflich­tung enthält, zusätz­li­che Plan­stel­len zu schaf­fen, um die Ein­stel­lung von sta­tu­ta­ri­schem Aus­hilfs­per­so­nal zu be­en­den. Viel­mehr er­gibt sich aus den Fest­stel­lun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts, dass die ge­schaf­fe­nen Plan­stel­len durch die Er­nen­nung von In­te­rims­per­so­nal be­setzt würden, oh­ne dass die­sem ge­genüber ei­ne Be­schränkung der Dau­er der In­te­rims­verträge oder der An­zahl ih­rer Verlänge­run­gen bestünde, so dass die Un­si­cher­heit, in der sich die Ar­beit­neh­mer be­fin­den, in Wirk­lich­keit per­pe­tu­iert würde. Ei­ne sol­che Re­ge­lung lässt es al­so un­ter Ver­s­toß ge­gen Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung zu, dass be­fris­te­te Ar­beits­verträge verlängert wer­den, um ei­nen Be­darf zu de­cken, der ständi­ger und dau­er­haf­ter Na­tur ist, ob­wohl sich aus den in Rn. 52 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen er­gibt, dass ein struk­tu­rel­ler Man­gel an Plan­stel­len für fest an­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat be­steht.
Nach al­le­dem ist auf die ers­te und die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er der An­wen­dung ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den durch die Stel­len des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, wenn
- die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im öffent­li­chen Ge­sund­heits­sek­tor des­halb als aus „sach­li­chen Gründen“ im Sin­ne die­ses Pa­ra­gra­fen ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wird, weil die Verträge auf Rechts­vor­schrif­ten gestützt sind, die die Ver­trags­verlänge­rung zur Si­cher­stel­lung be­stimm­ter Leis­tun­gen zeit­lich be­grenz­ter, kon­junk­tu­rel­ler oder außer­or­dent­li­cher Art zu­las­sen, während in Wirk­lich­keit die­ser Be­darf ständig und dau­er­haft ist;
- die zuständi­ge Ver­wal­tung nicht ver­pflich­tet ist, Plan­stel­len zu schaf­fen, mit de­nen die Er­nen­nung sta­tu­ta­ri­scher Aus­hilfs­kräfte be­en­det wird, und es ihr of­fen­steht, ge­schaf­fe­ne Plan­stel­len durch die Ein­stel­lung von In­te­rims­kräften zu be­set­zen, so dass die Un­si­cher­heit der Ar­beit­neh­mer an­dau­ert, ob­wohl der be­tref­fen­de Staat ei­nen struk­tu­rel­len Man­gel an Plan­stel­len für fest an­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter in die­sem Be­reich auf­weist.
Mit sei­ner zwei­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den ent­ge­gen­steht, die be­stimmt, dass das Ver­trags­verhält­nis zu dem im be­fris­te­ten Ver­trag vor­ge­se­he­nen Zeit­punkt be­en­det wird und dass, un­be­scha­det ei­ner even­tu­el­len er­neu­ten Er­nen­nung, ein Aus­gleich al­ler Ansprüche er­folgt.
Hier­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Rah­men­ver­ein­ba­rung nicht vor­schreibt, wel­che Be­din­gun­gen in un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge auf­ge­nom­men wer­den dürfen, und dass sie nicht die Har­mo­ni­sie­rung sämt­li­cher na­tio­na­ler Vor­schrif­ten über be­fris­te­te Ar­beits­verträge zum Ge­gen­stand hat. Die Rah­men­ver­ein­ba­rung zielt nämlich nur dar­auf ab, durch Fest­le­gung von all­ge­mei­nen Grundsätzen und Min­dest­vor­schrif­ten ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men zu schaf­fen, der die Gleich­be­hand­lung be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer si­chert, in­dem er sie vor Dis­kri­mi­nie­rung schützt, und Miss­bräuche durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Beschäfti­gungs­verhält­nis­se oder Ar­beits­verträge zu ver­hin­dern (Ur­teil vom 18. Ok­to­ber 2012, Va­len­za u. a., C-302/11 bis C-305/11, EU:C:2012:646, Rn. 63 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie Be­schluss vom 7. März 2013, Ber­taz­zi u. a., C-393/11, nicht veröffent­licht, EU:C:2013:143, Rn. 48).
Die den Mit­glied­staa­ten zu­ste­hen­de Be­fug­nis zur Fest­le­gung des In­halts ih­rer na­tio­na­len Re­ge­lun­gen für Ar­beits­verträge kann aber kei­nes­falls so weit ge­hen, dass ih­nen ge­stat­tet wird, das Ziel oder die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung in Fra­ge zu stel­len (Ur­teil vom 18. Ok­to­ber 2012, Va­len­za u. a., C-302/11 bis C-305/11, EU:C:2012:646, Rn. 64 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie Be­schluss vom 7. März 2013, Ber­taz­zi u. a., C-393/11, nicht veröffent­licht, EU:C:2013:143, Rn. 49).
Das von Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­folg­te Ziel, das dar­in be­steht, den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge und -verhält­nis­se ein­zu­gren­zen, würde je­doch jeg­li­chen In­halts be­raubt, wenn der bloße Um­stand, dass ein Ar­beits­verhält­nis nach na­tio­na­lem Recht als neu ein­ge­stuft wird, ei­nen „sach­li­chen Grund“ dar­stel­len könn­te, der die Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags im Sin­ne die­ses Pa­ra­gra­fen er­laubt.
Da­her ist auf die zwei­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung, nach der das Ver­trags­verhält­nis zu dem im be­fris­te­ten Ver­trag vor­ge­se­he­nen Zeit­punkt be­en­det wird und - un­be­scha­det ei­ner even­tu­el­len er­neu­ten Er­nen­nung - ein Aus­gleich al­ler Ansprüche er­folgt, grundsätz­lich nicht ent­ge­gen­steht, so­weit die­se Re­ge­lung nicht ge­eig­net ist, das Ziel oder die tatsächli­che Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung in Fra­ge zu stel­len, was vom vor­le­gen­den Ge­richt zu prüfen sein wird.
Mit sei­ner vier­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den ent­ge­gen­steht, die dem sta­tu­ta­ri­schen Aus­hilfs­per­so­nal jeg­li­che Aus­gleichs­zah­lung für die Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags vor­enthält, während ei­ne sol­che Aus­gleichs­zah­lung ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern, die im Rah­men ei­nes Ar­beits­ver­trags für Aus­hilfs­kräfte beschäftigt sind, gewährt wird.
Hier­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung in sei­ner Nr. 1 ein Ver­bot auf­stellt, be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer hin­sicht­lich der Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen nur des­we­gen, weil für sie ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag oder ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis gilt, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Dau­er­beschäftig­ten schlech­ter zu be­han­deln, es sei denn, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt.
Nach ständi­ger Recht­spre­chung ver­langt der Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung, dass ver­gleich­ba­re Sach­ver­hal­te nicht un­ter­schied­lich und un­ter­schied­li­che Sach­ver­hal­te nicht gleich be­han­delt wer­den, so­fern ei­ne sol­che Be­hand­lung nicht sach­lich ge­recht­fer­tigt ist (Ur­teil vom 8. Sep­tem­ber 2011, Ro­s­a­do San­ta­na, C-177/10, EU:C:2011:557, Rn. 65 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
In­so­weit ist klar­zu­stel­len, dass der Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung durch die Rah­men­ver­ein­ba­rung nur im Hin­blick auf die Un­gleich­be­hand­lung von be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern und ver­gleich­ba­ren Dau­er­beschäftig­ten um­ge­setzt und kon­kre­ti­siert wor­den ist (Be­schlüsse vom 11. No­vem­ber 2010, Vi­no, C-20/10, nicht veröffent­licht, EU:C:2010:677, Rn. 56, vom 22. Ju­ni 2011, Vi­no, C-161/11, nicht veröffent­licht, EU:C:2011:420, Rn. 28, und vom 7. März 2013, Ri­vas Mon­tes, C-178/12, nicht veröffent­licht, EU:C:2013:150, Rn. 43).
Ei­ne even­tu­el­le Un­gleich­be­hand­lung zwi­schen be­stimm­ten Grup­pen be­fris­tet beschäftig­ten Per­so­nals, wie die vom vor­le­gen­den Ge­richt dar­ge­stell­te, die nicht auf der be­fris­te­ten oder un­be­fris­te­ten Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses be­ruht, son­dern auf des­sen Ein­ord­nung als sta­tu­ta­risch oder ver­trag­lich, fällt hin­ge­gen nicht un­ter den in die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­an­ker­ten Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung (vgl. in die­sem Sin­ne Be­schlüsse vom 11. No­vem­ber 2010, Vi­no, C-20/10, nicht veröffent­licht, EU:C:2010:677, Rn. 57, und vom 7. März 2013, Ri­vas Mon­tes, C-178/12, nicht veröffent­licht, EU:C:2013:150, Rn. 44 und 45).
Die­se Un­gleich­be­hand­lung könn­te nur dann un­ter den in Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­an­ker­ten Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung fal­len, wenn das vor­le­gen­de Ge­richt fest­stel­len soll­te, dass auf der Grund­la­ge ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer, die ei­ne ver­gleich­ba­re Ar­beit ausführen, ei­ne Aus­gleichs­zah­lung für die Ver­trags­be­en­di­gung er­hal­ten, während ei­ne sol­che Aus­gleichs­zah­lung dem sta­tu­ta­ri­schen Aus­gleichs­per­so­nal ver­wehrt wird (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom heu­ti­gen Tag, De Die­go Por­ras, Rn. 37 und 38).
Da sich aus der dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­te nichts für die An­nah­me er­gibt, dass im Aus­gangs­ver­fah­ren ei­ne Un­gleich­be­hand­lung zwi­schen dem sta­tu­ta­ri­schen Aus­hilfs­per­so­nal und dem un­be­fris­te­ten Per­so­nal vorläge, fällt die Un­gleich­be­hand­lung, die den Ge­gen­stand der vier­ten Fra­ge des vor­le­gen­den Ge­richts bil­det, nicht un­ter das Uni­ons­recht (Be­schlüsse vom 11. No­vem­ber 2010, Vi­no, C-20/10, nicht veröffent­licht, EU:C:2010:677, Rn. 64, vom 22. Ju­ni 2011, Vi­no, C-161/11, nicht veröffent­licht, EU:C:2011:420, Rn. 30, und vom 7. März 2013, Ri­vas Mon­tes, C-178/12, nicht veröffent­licht, EU:C:2013:150, Rn. 52). Die­se Un­gleich­be­hand­lung fällt aus­sch­ließlich un­ter das na­tio­na­le Recht, des­sen Aus­le­gung al­lein Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts ist (Be­schlüsse vom 22. Ju­ni 2011, Vi­no, C-161/11, nicht veröffent­licht, EU:C:2011:420, Rn. 35, und vom 7. März 2013, Ri­vas Mon­tes, C-178/12, nicht veröffent­licht, EU:C:2013:150, Rn. 53).
Un­ter die­sen Umständen ist fest­zu­stel­len, dass der Ge­richts­hof für die Be­ant­wor­tung der vier­ten Fra­ge of­fen­sicht­lich un­zuständig ist.
Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Zehn­te Kam­mer) für Recht er­kannt:
1. Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge vom 18. März 1999, die im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ent­hal­ten ist, ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er der An­wen­dung ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den durch die Stel­len des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, wenn
2. Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge, die im An­hang der Richt­li­nie 1999/70 ent­hal­ten ist, ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung, nach der das Ver­trags­verhält­nis zu dem im be­fris­te­ten Ver­trag vor­ge­se­he­nen Zeit­punkt be­en­det wird und - un­be­scha­det ei­ner even­tu­el­len er­neu­ten Er­nen­nung - ein Aus­gleich al­ler Ansprüche er­folgt, grundsätz­lich nicht ent­ge­gen­steht, so­weit die­se Re­ge­lung nicht ge­eig­net ist, das Ziel oder die tatsächli­che Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung in Fra­ge zu stel­len, was vom vor­le­gen­den Ge­richt zu prüfen sein wird.
3. Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on ist für die Be­ant­wor­tung der vier­ten vom Juz­ga­do de lo Con­ten­cio­so-Ad­mi­nis­tra­tivo n° 4 de Ma­drid (Ver­wal­tungs­ge­richt Nr. 4 Ma­drid, Spa­ni­en) vor­ge­leg­ten Fra­ge of­fen­sicht­lich un­zuständig.
1 Ver­fah­rens­spra­che: Spa­nisch.
zur Übersicht C-16/15

References: Art. 267
 Art. 267
 Art. 1

Art. 9
 Art. 15
 Art. 3
 Art. 15

Art. 49
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 11
 Art. 9
 Art. 105
 Art. 9