Source: http://bravors.brandenburg.de/verordnungen/nsg_trockenrasen_wriezen
Timestamp: 2019-10-20 22:16:48+00:00

Document:
(GVBl.II/16, [Nr. 66], S.ber. GVBl.II/17 [Nr. 13])
Auf Grund des § 22 Absatz 1 und 2, des § 23 und des § 32 Absatz 2 und 3 des Bundesnaturschutzgesetzes vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542) in Verbindung mit § 8 Absatz 1 und 3 und § 42 Absatz 1 Satz 2 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes vom 21. Januar 2013 (GVBl. I Nr. 3) und § 4 Absatz 1 der Naturschutzzuständigkeitsverordnung vom 27. Mai 2013 (GVBl. II Nr. 43) verordnet der Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche im Landkreis Märkisch-Oderland wird als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung „Trockenrasen Wriezen und Biesdorfer Kehlen“.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 140 Hektar. Es umfasst drei Teilflächen in folgenden Fluren:
Wriezen Biesdorf 1, 2;
Rathsdorf 2;
Wriezen 2, 3, 9;
Lüdersdorf 10;
Schulzendorf 2;
Bliesdorf Bliesdorf 8.
Eine Kartenskizze ist zur Orientierung über die Lage des Naturschutzgebietes dieser Verordnung als Anlage 1 beigefügt.
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in den in Anlage 2 aufgeführten Karten mit ununterbrochener roter Linie eingezeichnet; als Grenze gilt der innere Rand dieser Linie. Die in Anlage 2 Nummer 1 aufgeführten topografischen Karten im Maßstab 1 : 10 000 mit den Blattnummern 1 bis 3 ermöglichen die Verortung im Gelände. Maßgeblich für den Grenzverlauf ist die Einzeichnung in den in Anlage 2 Nummer 2 mit den Blattnummern 1 bis 4 aufgeführten Liegenschaftskarten. Zur Orientierung über die betroffenen Grundstücke ist eine Flurstücksliste als Anlage 3 beigefügt.
(1) Schutzzweck des reliefreichen Naturschutzgebietes mit Komplexen aus Grünland- und Trockenrasenbereichen, Hangwäldern, Feuchtwäldern und Teichen ist
die Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung der Lebensstätten wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere der Quellfluren, der Röhrichte und Riede, der eutrophen Niedermoore, der feuchten und trockenwarmen Staudenfluren, der Trocken- und Halbtrockenrasen, Frisch- und Feuchtwiesen mit ihren Brachestadien sowie der naturnahen Wälder wie Erlenbruchwälder, mesophile Eichen-Hainbuchen- und Schluchtwälder und der Gebüsche feuchter und trockenwarmer Standorte;
die Erhaltung und Entwicklung der Lebensstätten wild lebender Pflanzenarten, darunter im Sinne von § 10 Absatz 2 Nummer 10 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützte Arten, insbesondere Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Ähriger Blauweiderich (Veronica spicata), Trauben-Graslilie (Anthericum liliago), Gemeine Grasnelke (Armeria maritima ssp. elongata), Schlüsselblume (Primula veris), Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Körnchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Sand-Federgras (Stipa borysthenica), Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Pfriemengras (Stipa capillata) und Sand-Tragant (Astragalus arenarius);
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als Lebens- und Rückzugsraum sowie potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, insbesondere der Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien und Insekten, darunter im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 13 und 14 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützte Arten wie Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), Uhu (Bubo bubo), Fischadler (Pandion haliaetus), Kranich (Grus grus), Wendehals (Jynx torquilla), Zauneidechse (Lacerta agilis), Ringelnatter (Natrix natrix), Moorfrosch (Rana arvalis), Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus), Hosenbiene (Dasypoda hirtipes), Veränderliches Widderchen (Zygaena ephialtes) und Gipskraut-Kapseleule (Hadena irregularis);
die Erhaltung der besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit der drei Teilgebiete;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als wesentlicher Teil des regionalen Biotopverbundes von Trockenrasen entlang der Randhänge des Odertals.
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung „Biesdorfer Kehlen“ und „Trockenrasen Wriezen“ (§ 7 Absatz 1 Nummer 6 des Bundesnaturschutzgesetzes) mit ihren Vorkommen von
Natürlichen eutrophen Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions, Feuchten Hochstaudenfluren, Mageren Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis), Labkraut-Eichen-Hainbuchenwäldern sowie Schlucht- und Hangmischwäldern als natürlichen Lebens​raumtypen von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 4 des Bundesnaturschutzgesetzes;
Trockenen, kalkreichen Sandrasen, Subpannonischen Steppen-Trockenrasen, Auen-Wäldern mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion) als prioritären natürlichen Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 5 des Bundesnaturschutzgesetzes;
Fischotter (Lutra lutra), Elbebiber (Castor fiber albicus) und Bauchiger Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) als Arten von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 10 des Bundesnaturschutzgesetzes, einschließlich ihrer für Fortpflanzung, Ernährung, Wanderung und Überwinterung wichtigen Lebensräume.
die Bodengestalt zu verändern, Kies oder Sand abzubauen, Böden zu verfestigen, zu versiegeln oder zu verunreinigen;
das Gebiet außerhalb der Wege zu betreten; ausgenommen ist das Betreten von Waldbereichen zum Zweck der Erholung sowie des Sammelns von Pilzen und Wildfrüchten gemäß § 5 Absatz 1 Nummer 9 jeweils nach dem 31. Juli eines jeden Jahres;
außerhalb der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege sowie außerhalb der nach öffentlichem Straßenrecht oder gemäß § 51 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes als Reitwege markierten Wege zu reiten; § 15 Absatz 6 des Waldgesetzes des Landes Brandenburg bleibt unberührt;
mit nicht motorisierten Fahrzeugen außerhalb der Wege sowie mit Kraftfahrzeugen außerhalb der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege zu fahren oder Fahrzeuge dort abzustellen, zu warten oder zu pflegen; hinsichtlich des Fahrens mit bespannten Fahrzeugen gelten darüber hinaus die Regelungen des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes und des Waldgesetzes des Landes Brandenburg;
die rechtmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, dass die Fallenjagd nur mit Lebendfallen erfolgt und in einem Abstand von bis zu 100 Metern zu Gewässerufern verboten ist; Ausnahmen bedürfen einer Genehmigung der zuständigen unteren Naturschutzbehörde,
keine Baujagd in einem Abstand von 100 Metern zum Gewässerufer vorgenommen wird,
die Anlage von Kirrungen außerhalb gesetzlich geschützter Biotope sowie außerhalb des in § 3 Absatz 2 Nummer 1 genannten Lebensraumtyps Magere Flachlandmähwiesen.
die den in § 5 Absatz 4 des Bundesnaturschutzgesetzes genannten Anforderungen in Verbindung mit dem Fischereigesetz für das Land Brandenburg entsprechende fischereiliche Flächennutzung sowie die Angelfischerei mit der Maßgabe, dass Fanggeräte und Fangmittel so einzusetzen oder auszustatten sind, dass eine Gefährdung des Fischotters und des Bibers weitgehend ausgeschlossen ist;
die im Sinne des § 10 des Brandenburgischen Straßengesetzes ordnungsgemäße Unterhaltung der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege sowie die ordnungsgemäße Unterhaltung sonstiger rechtmäßig bestehender Anlagen, sofern sie nicht unter Nummer 7 fallen, jeweils im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde;
Maßnahmen zur Untersuchung von altlastverdächtigen Flächen und Verdachtsflächen sowie Maßnahmen der Altlastensanierung und der Sanierung schädlicher Bodenveränderungen gemäß Bundes-Bodenschutzgesetz im Einvernehmen sowie Maßnahmen der Munitionsberäumung im Benehmen mit der unteren Naturschutzbehörde;
Trocken- und Halbtrockenrasen sollen ab Mai als Weide mit Schafen und Ziegen genutzt werden. Die konkrete Beweidung soll auf der Grundlage eines mit der zuständigen Naturschutzbehörde abgestimmten Weideplanes durchgeführt werden;
nicht genutzte Grünlandflächen mit Restvorkommen typischer Arten sollen unter Beachtung der Maßgaben von § 5 Absatz 1 Nummer 1 wieder einer regelmäßigen extensiven Nutzung zugeführt werden;
im Bereich der nach Süden geneigten Kehlen sollen vormalige offene Trockenrasenflächen durch Gehölzentnahme und Beweidung wiederhergestellt werden und der Waldrand in den Bereichen der Kehlen aufgelichtet werden;
nicht heimische Gehölzarten, wie zum Beispiel Robinie (Robinia pseudoacacia), Hybrid-Pappel (Populus x canadensis), Späte Traubenkirsche (Prunus serotina), Gemeine Fichte (Picea abies) sollen bei der forstwirtschaftlichen Flächennutzung aus dem Bestand entnommen werden;
die Verjüngung von Waldflächen soll nach Möglichkeit durch Naturverjüngung von Baumarten der in § 3 genannten Wäldern erfolgen; dazu ist der Schalenwildbestand entsprechend zu regulieren;
strukturreiche Waldmäntel aus standortgerechten, gebietsheimischen Bäumen und Sträuchern sowie artenreiche Krautsäume sollen erhalten und entwickelt werden;
es sollen geeignete Einrichtungen zur Besucherlenkung und -information geschaffen werden;
oberhalb an Trockenrasen angrenzende Ackerflächen sollen in einem 10 bis 20 Meter breiten Streifen extensiv bewirtschaftet werden.
(1) § 5 Absatz 1 Nummer 1 tritt am 1. Januar 2017 in Kraft. Im Übrigen tritt diese Verordnung am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2) Gleichzeitig tritt der Beschluss Nummer 130 des Bezirkstages Frankfurt (Oder) vom 14. März 1990 für das Naturschutzgebiet „Biesdorfer Kehlen“ außer Kraft.
Potsdam, den 17. November 2016
Anlage 1 (zu § 2 Absatz 1) - Kartenskizze zur Lage des Naturschutzgebietes „Trockenrasen Wriezen und Biesdorfer Kehlen“ 1.5 MB
Anlage 2 (zu § 2 Absatz 2) - Topografische Karten, Liegenschaftskarten 597.0 KB
Anlage 3 (zu § 2 Absatz 2) - Flurstücksliste zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Trockenrasen Wriezen und Biesdorfer Kehlen“ 598.1 KB

References: § 22
 § 23
 § 32
 § 8
 § 42
 § 4
 § 2
 § 10
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 5
 § 51
 § 15
 § 3
 § 5
 § 10
 § 5
 § 3
 § 5
 § 2
 § 2
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