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Timestamp: 2018-09-20 21:18:19+00:00

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Landgericht Lübeck Urteil vom 22.04.2008 - 11 O 9/08 - Angabe von Auslandsversandkosten ist bei eBay nicht unbedingt nötig
Auktionsplattform - eBay - Liefergebiet - Preisangaben - Versandkosten - Wettbewerbsverstöße
LG Lübeck v. 22.04.2008: Zu zahlreichen Bestell- und Lieferbedingungen eines Onlinehändlers bei eBay, insbesondere zu den Auslandsversandkosten und zur Verlinkung auf die eBay-AGB zur Darstellung der Informationspflichten
Das Landgericht Lübeck (Urteil vom 22.04.2008 - 11 O 9/08) hat entschieden:
Muss ein eBay-Händler nur selten mit Kaufinteressenten für Auslandssendungen rechnen, ist ihm nicht zuzumuten, für jedes Land und jede Ware die Auslandsversandkosten anzugeben.
Die Verfügungsklägerin hat unter dem 05.02.2008 eine Unterlassungsverfügung erwirkt in der dem Verfügungsbeklagten bei Meidung eines Ordnungsgeldes, bzw. einer Ordnungshaft untersagt worden ist,
im geschäftlichen Verkehr zum Zwecke des Wettbewerbes im Internet auf der Internet-Plattform e-Bay, Verbraucher zur Abgabe von Angeboten und Bestellungen aufzufordern,
ohne auf die Rücknahme - und Verwertungspflicht bezüglich der Verkaufs- und Transportverpackungen, die nicht das Zeichen eines Systems der flächendeckenden Entsorgung tragen, nach der Verpackungsverordnung hinzuweisen.
Die Verfügungsklägerin ist Mitglied des Internetauktionshauses Ebay und betreibt dort einen Ebay Shop mit der Bezeichnung „KosThüm’s“. Dabei handelt die Verfügungsklägerin gewerblich, insbesondere mit Partykostümen, Bekleidungsgegenständen sowie Spiel-, Spaß- und Partyartikeln.
Der Verfügungsbeklagte ist ebenfalls Mitglied des Internetauktionshauses Ebay unter dem Mitgliedsnamen „littlegrandpapa“ und als solches Betreiber eines gleichnamigen Ebay-Shops. In diesem Shop verkauft der Verfügungsbeklagte ebenfalls gewerblich überwiegend Artikel aus dem Bereich Faschingskostüme und Zubehör.
Bei den einzelnen von dem Verfügungsbeklagten angebotenen Artikel fehlen auf den entsprechenden Angebotsseiten einige Angaben, wie aus dem Beschluss ersichtlich. Diese werden durch Verlinkung auf weitere Internetseiten zu den Ebay-AGBs angeboten.
Die Parteien streiten darüber, ob die Verfügungsklägerin eine „Massenabmahnerin“ sei.
Die Verfügungsklägerin ist der Auffassung, die Verlinkung sei nicht ausreichend.
unter Aufhebung des Beschlusses den Antrag abzuweisen.
Der Verfügungsbeklagte ist der Auffassung, durch Anklicken entsprechender Links sei den Formerfordernissen Genüge getan.
Es spricht einiges dafür, dass eine Rechtsmissbräuchlichkeit seitens der Verfügungsklägerin im Sinne des § 8 Abs. 4 UWG vorliegt.
Nach § 8 Abs. 4 UWG ist die Geltendmachung der in § 8 Abs. 1 UWG bezeichneten Ansprüche unzulässig, wenn sie unter Berücksichtigung der gesamten Umstände missbräuchlich ist, insbesondere wenn sie dazu dient, gegen den Zuwiderhandelnden eine Anspruch auf Ersatz von Aufwendungen und Kosten der Rechtsverfolgung entstehen zu lassen.
Indiz für einen solchen Verstoß ist z. B. eine umfangreiche Abmahntätigkeit, die sich verselbständigt hat, d.h. in keinem vernünftigen Verhältnis zur eigentlichen Geschäftstätigkeit liegt.
Diese Voraussetzungen könnten vorliegen, insbesondere vermochte die Verfügungsklägerin dem Vortrag des Verfügungsbeklagten nicht substantiiert entgegen zu treten, dass im Falle einer konkreten Abwehr der Ansprüche der Verfügungsklägerin die Rechtstreitigkeiten nicht weiter verfolgt worden seien. Weiteres Indiz ist die längere Dauer zwischen Abmahnung und Antragstellung.
Dies mag aber dahingestellt bleiben, denn in der Sache hat das Begehren der Verfügungsklägerin keinen Erfolg.
Der Verfügungsbeklagte hat seine Informationspflichten zum Vertragsschluss gem. §§ 312 c, e, BGB in Verb. mit § 3 BGB-InfoV sowie nach §§ 5, 6 TDG nicht verletzt, denn die Ebay-AGB gelten auch in Verträgen zwischen Käufern und Verträgen der Ebaymitglieder untereinander.
Der Angabe der Informationen nach §§ 312 c, e BGB in Verb. mit §§ 1, 3 BGB-InfoV sowie nach §§ 5, 6 TDG ist bei einem Internetauftritt dann Genüge getan, wenn diese über leicht erkennbare Links unmittelbar erreichbar sind.
Die Möglichkeit zur zumutbaren Kenntnisnahme vom Inhalt der AGB ist neben dem ausdrücklichen Hinweis, bzw. neben dem Aushang zusätzlich Voraussetzung einer wirksamen Einbeziehung.. So reicht es für die Möglichkeit, sich von seinen AGB Kenntnis zu verschaffen, bei einer Bestellung im Internet, aus, wenn dort die AGB des Anbieters über einen auf der Bestellseite gut sichtbaren Link aufgerufen und ausgedruckt werden können, d. h. der Kunde die AGB ohne Mühe und Kosten bei sich speichern und ausdrucken lassen kann.
Die Verwendung von Links und deren Darstellung gehört zu den in dem Medium Internet üblichen Gepflogenheiten.
Das Erreichen einer Internetseite über 2 Links erfordert regelmäßig kein langes Suchen. Dass die in § 312 c Abs. 2 BGB in Verb. mit § 1 Abs. 1 BGB-InfoV aufgeführten Informationen im Online-Bestellformular aufgerufen werden müssen, ist weder dem Wortlaut noch dem Sinn dieser Vorschrift zu entnehmen (vgl. u. a. BGH I ZR 228/03).
Die Angabe der Telefonnummer des Widerrufsempfängers im Rahmen der Widerrufsbelehrung über das Rückgaberecht begründet vorliegend keinen Unterlassungsanspruch der Verfügungsklägerin.
Nach § 356 Abs. 2 Nr. 1 BGB ist der Verbraucher über ein ihm eingeräumtes Rückgaberecht mit einer deutlich gestalteten Belehrung zu informieren.
Um die vom Gesetz bezweckte Verdeutlichung des Rechtes nicht zu beeinträchtigen, darf die Belehrung grundsätzlich keine anderen Erklärungen enthalten. Die Angabe einer Telefonnummer in einer Widerrufserklärung kann die Gefahr bergen, dass der Verbraucher den Inhalt der Widerrufserklärung irrtümlich dahin versteht, er könne sein Widerrufsrecht auch telefonisch ausüben, was das Gesetz gerade nicht erlaubt.
Diese Gefahr besteht allerdings vorliegend nicht, denn der Verfügungsbeklagte stellt in der Widerrufsbelehrung zuvor klar, dass der Widerruf respektive das Rückgabeverlangen in Textform zu erfolgen hat. Vorliegend eröffnet die Telefonnummer dem Verbraucher nur die Möglichkeit, ohne weitere Suche bei dem Verfügungsbeklagten weitere Informationen zur Rücksendung einzuholen (vgl. u. a. KG Berlin 5 W 266/07).
Insoweit trägt ihre Angabe zur Verdeutlichung bei. Unter diesen Umständen ist jedem Verbraucher klar, dass die Angabe der Telefonnummer nicht zur Ausübung des Rückgaberechtes selbst verhelfen, sondern nur zu Rückfragen zu Durchführung der Rücksendung der Waren erleichtern soll.
Weiterhin steht der Verfügungsklägerin hinsichtlich des „Versand: an weltweit“ kein Unterlassungsanspruch nach §§ 3, 4 Nr. 11 UWG in Verb. mit 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 PAnGV wegen fehlender Informationen über die Höhe der Versandkosten in das Ausland zu.
Regelmäßig werden die Interessen des Käufers ernstlich betroffen, wenn sie im Einzelfall die Versandkosten nicht berechnen können. Vorliegend geht es aber um einen besonders gelagerten Ausnahmefall.
Der Verfügungsbeklagte wendet sich mit seinem Angebot in aller erste Linie an Inländer. Daran ändert auch nichts, dass die Internetadresse „www-ebay.de“ auch aus dem Ausland zu erreichen ist und dass dort auch aus dem Ausland gehandelt und gekauft werden kann. Denn „www.ebay.de“ ist eben trotzdem die deutsche Seite des internationalen Unternehmens Ebay, die sich ausschließlich in der deutschen Sprache überwiegend an Inländer richtet. So ist es durchaus in Einzelfällen denkbar, dass ein Inländer beabsichtigt, die Ware, etwa als Geschenk, in das Ausland versenden zu lassen oder das Deutschsprachige im Ausland den Internetauftritt des Verfügungsbeklagten zum Warenbezug an ihren Auslandsaufenthalt nutzen wollen. Dies werden aber seltene Ausnahmefälle bleiben. Eine besondere Marktbedeutung des Verfügungsbeklagten ist nicht dargetan. Für Inländer und Deutschsprachige im Ausland ist ein Versand von Waren in das Ausland zudem eher eine besondere Zusatzleistung des Verkäufers. Sie rechnen ohnehin damit, dass sie sich regelmäßig, auch wenn kein Versand in das Ausland ausdrücklich genannt ist, gesondert beim Anbieter nach der Möglichkeit und den Kosten im Einzelfall erkundigen müssen. Der allgemeine Hinweis des Verfügungsbeklagten hilft ihnen dann schon bei der Informationssammlung und Auswahl.
Da der Verfügungsbeklagte somit allenfalls mit einer geringen Nachfrage rechnen kann, wäre eine gesonderte Preisaufstellung im voraus für jede Ware und für jedes Land mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden, zumal auch der Platz auf den Internetseiten begrenzt ist. Der Hinweis auf die Möglichkeit, gemäß § 1 Abs. 2, 2 PAnGV nur nähere Einzelheiten der Berechnung anzugeben, führt hier nicht weiter. Denn auch diese Berechnungsgrundlagen sind vorliegend, abhängig von Größe und Gewicht der Ware und dem jeweiligen Versandland, sehr vielschichtig.
Die Verstöße des Verfügungsbeklagten gegen das Textilkennzeichnungsgesetz sowie gegen die Verpackungsordnung begründen ebenfalls keinen entsprechenden Unterlassungsanspruch. Es handelt sich bei diesen Verstößen um bloße Bagatellverstöße im Sinne von § 3 UWG.
Die Schwere einer unlauteren Handlung ist, wenn man darunter die Intensität des Eingriffes in geschützte Interessen bestimmter Marktteilnehmer versteht, ein geeignetes Beurteilungskriterium. Ein unerheblicher Verstoß ist dann anzunehmen, wenn die unlautere Wettbewerbshandlung lediglich geeignet ist, irgendeinen geringfügigen Wettbewerbsvorsprung zu begründen.
Vorliegend ist nicht nachzuvollziehen, dass durch das Fehlen der exakten Materialangaben der verkauften Ware sowie eines Hinweises auf Rücknahmepflichten von Verpackungsmaterial bei einem Ebay-Shop der Größe des Verfügungsbeklagten der Verbraucher überhaupt in irgendeiner Weise beeinflusst wird, und wenn dann, ist diese Beeinflussung marginaler Art, unerheblich und hat keinen erheblichen Wettbewerbsvorsprung zur Folge.
In übrigen hat die Kammer Zweifel, im vorliegenden Falle die von dem UWG indizierte Wiederholungsgefahr, die erforderlich ist, um eine einstweilige Verfügung auszulösen, anzunehmen.
Der Verfügungsbeklagte ist mit Schreiben vom 14.12.2007 abgemahnt worden; ihm ist eine strafbewehrte Unterlassungserklärung übersandt worden. Diese Begehren der Verfügungsklägerin ist mit Schreiben vom 10.01.2008 von dem Verfügungsbeklagten zurückgewiesen worden.
Gleichwohl ist erst am 04.02.2008 ein entsprechender Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung bei Gericht eingegangen. Dieser relativ große Zeitablauf dürfte den Erlass einer einstweiligen Verfügung hindern; zumindest ist er ein Indiz, dass das Verfahren rechtsmissbräuchlich (s. o.) betrieben worden ist.

References: § 8
 § 8
 § 8
 § 3
 § 312
 § 1
 BGH 
 § 356
 § 1
 § 3