Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/menschenhandel-und-die-strafbarkeit-in-altfaellen-3200763?pk_campaign=feed&pk_kwd=menschenhandel-und-die-strafbarkeit-in-altfaellen
Timestamp: 2020-01-19 04:08:42+00:00

Document:
Men­schen­han­del – und die Straf­bar­keit in Alt­fäl­len | Rechtslupe
Auf­grund der Novel­lie­rung der §§ 232 bis 233b StGB durch das Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Bekämp­fung des Men­schen­han­dels und zur Ände­rung des Bun­des­zen­tral­re­gis­ter­ge­set­zes sowie des Ach­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 11.10.2016 1 sind an die Stel­le der bis dahin gel­ten­den Fas­sun­gen des schwe­ren Men­schen­han­dels zum Zwe­cke der sexu­el­len Aus­beu­tung (§ 232 Abs. 1, Abs. 3 Nr. 3 StGB aF) die Rege­lun­gen der schwe­ren Zwangs­pro­sti­tu­ti­on getre­ten (§ 232a Abs. 1, Abs. 4 i.V.m. § 232 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 StGB nF; vgl. SKStGB/​Noltenius/​Wolters, 9. Aufl., Vor § 232 Rn. 1 ff.). Rele­van­te Ände­run­gen im Rege­lungs­ge­halt der Straf­tat­be­stän­de waren hier­durch weder bezweckt 2 noch sind sie ein­ge­tre­ten 3
Wird die Alter­na­ti­ve "Aus­nut­zen einer Zwangs­la­ge" (§ 232 Abs. 1 Satz 1 StGB aF) ohne Unter­bre­chung wäh­rend des gesam­ten Tat­zeit­raums ver­wirk­lich, hat dies der Gesetz­ge­ber bis zur Geset­zes­re­form ohne wei­te­re Dif­fe­ren­zie­run­gen wie sich auch bereits aus der amt­li­chen Über­schrift des § 232 StGB aF ergibt eben­so als "Men­schen­han­del zum Zwe­cke der sexu­el­len Aus­beu­tung" benannt wie eine Erfül­lung des § 232 Abs. 1 Satz 2 StGB aF 4. Auch im Fal­le einer wie hier zeit­wei­sen kumu­la­ti­ven Ver­wirk­li­chung bei­der Vari­an­ten soll­te sich nach dem bis­he­ri­gen gesetz­ge­be­ri­schen Wil­len an der Delikts­be­zeich­nung nichts ändern 5.
Die Bezeich­nung der hier vor­lie­gen­den Fall­kon­stel­la­ti­on als "Men­schen­han­del" hat der Gesetz­ge­ber aber bewusst auf­ge­ge­ben. Mit der Novel­lie­rung soll­ten die bis­he­ri­gen Fäl­le des "Men­schen­han­dels zum Zwe­cke der sexu­el­len Aus­beu­tung" unter­schieds­los als "Zwangs­pro­sti­tu­ti­on" erfasst wer­den. Die bis­he­ri­ge Behand­lung als "Men­schen­han­del" erschien miss­ver­ständ­lich, weil gera­de nicht der Han­del mit Men­schen, son­dern Hand­lun­gen erfasst wur­den, die unmit­tel­bar zu einer Beein­träch­ti­gung der sexu­el­len Selbst­be­stim­mung füh­ren 6.
Gestützt wird dies schließ­lich durch Sinn und Zweck des erst zur Anwend­bar­keit der Neu­fas­sun­gen füh­ren­den § 2 Abs. 2 StGB. Denn die­ser zielt gera­de auf eine ein­heit­li­che Beur­tei­lung der Tat 7, was kon­se­quen­ter­wei­se auch für ihre Bezeich­nung in der Ent­schei­dungs­for­mel Bedeu­tung erlangt.
vgl. BT-Drs. 15/​4048, S. 12 ["Grund­tat­be­stand"]; BT-Drs. 18/​9095, S. 32; zur Fra­ge, ob in die­sen Fäl­len Tat­ein­heit oder eine Tat vor­liegt, s. BGH, Beschluss vom 09.06.2015 2 StR 530/​14 4; LK/​Kudlich, StGB, 12. Aufl., § 232 Rn. 61; Münch­Komm-StG­B/­Ren­zi­kow­ski, 3. Aufl., § 232a Rn. 62; NKStGB/​Böse, 5. Aufl., § 232 Rn. 30; Schönke/​Schröder/​Eisele, StGB, 30. Aufl., § 232 Rn. 78[↩]

References: § 232
 § 232
 § 232
 § 232
 § 2
 § 232
 § 232
 § 232
 § 232