Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=ZLR%202007,%20231
Timestamp: 2019-04-25 22:58:30+00:00

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OLG Köln, 08.12.2006 - 6 U 145/06 - dejure.org
LFGB §§ 2 Abs. 2 Nr. 3, 6 Abs. 1 Nr. 1a, 68; UWG § 4 Nr. 11; Richtlinie 2002/46 EG; BasisVO Art. 5, 6, 14; DiätVO § 7 b; EG-Vertrag Art. 28, 30
Erlaubnispflicht für Inverkehrbringen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Aminosäuren
Inverkehrbringen eines Produktes des Nahrungsmittelergänzungssektors ohne die erforderliche Zulassung unter Zusetzung von Aminosäuren; Ermittlung wissenschaftliche Daten als Voraussetzung für die Verwendung vonVitaminen und Mineralstoffen; Verstoß des in § 6 Abs. 1 Nr. 1 a i.V.m. § 2 Abs. 3 S. 2 Lebensmittel- bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) verankerten Verbots mit Erlaubnisvorbehalt gegen Art. 28, 30 EG- Vertrag (EG)
Aminosäuren in Nahrungsergänzungsmitteln nur bei entsprechender Erlaubnis zulässig
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des OLG Köln vom 08.12.2006, Az.: 6 U 145/06 (Aminosäuren)" von RA Dr. Tobias Teufer, LL.M., original erschienen in: ZLR 2007, 236 - 241.
LG Köln, 08.06.2006 - 31 O 58/06
ZLR 2007, 231
Die Klägerin verweist zur behaupteten Europarechtswidrigkeit auf das Urteil des OLG Köln ZLR 2007, 231 -"Aminosäuren" mit Anmerkung Teufer.
Die Rechtslage, die dem Verbot zugrunde lag, war durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Urteile vom 11. Oktober 2001 - I ZR 172/99 - Sportwetten-Genehmigung, vom 14. März 2002 - I ZR 279/99 - Sportwetten - und vom 1. April 2004 - I ZR 317/01 - Schöner Wetten), des Oberlandesgerichts Köln (Urt. v. 21. April 2006 - 6 U 145/06), des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 21. Juni 2006 - 6 C 19/06) des OVG Lüneburg (Beschl. v. 17. März 2005 - 11 ME 369/03) und weiterer Oberverwaltungsgerichte (siehe die Fundstellen im Schriftsatz der Klägerin vom 15. Januar 2007, Seite 6) im Wesentlichen geklärt, auch soweit es um die Auswirkungen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 28. März 2006 geht.
b) Zum ersten Punkt, nämlich dem noch nicht vollständig harmonisierten europäischen Zusatzstoffrecht , das noch Raum für ergänzende nationale Regelungen lässt, hat Teufer in seiner Anmerkung zur Entscheidung "Aminosäuren" des OLG Köln vom 8.12.2006 (ZLR 2007, 231) zu diversen Normen des Europäischen Rechts Einiges gesagt, auf das verwiesen werden kann (ZLR 2007, 236 ff).
(aa) In der Entscheidung "Aminosäuren" haben das OLG Köln (ZLR 2007, 231, 235) und Teufer in seiner Urteilsanmerkung ( ZLR 2007, a.a.o., S. 239) u. a. unter Bezugnahme auf die Urteile des EUGH vom 23.09.2003 in der Rechtssache C-192/01 und vom 05.02.2004 in den Rechtssachen C-24/00 und C- 95/01 darauf verwiesen, dass der nationale Gesetzgeber im nicht harmonisierten Bereich Verwendungsverbote für bestimmte Stoffe vorsehen könne, wenn eine solche Maßnahme aus zwingenden Gründen des Gesundheitsschutzes gerechtfertigt ist und nicht gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verstößt.
Dahinstehen kann, ob das in § 2 Abs. 3 Satz 2 i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 1 a LFGB enthaltene Verbot mit Erlaubnisvorbehalt gegen Gemeinschaftsrecht, insbesondere gegen Art. 28, 30 EG verstößt, kritisch Meyer/Streinz, LFGB-BasisVO, Kommentar 2007, § 2 Rdnr. 30 ff.; Meyer/Reinhart, WRP 2005, 1347 (1449); Teufner, ZLR 2007, 577 (601), a.A. OLG L. , Urteil vom 8. Dezember 2006 - 6 U 145/06 -, LRE 54, 320 (Aminosäuren), oder sich als verfassungswidrig erweist, vgl. hierzu Danneker/Gorny/Höhn/Mettke/Preuß, LFGB, Kommentar, Stand September 2007, B 1, § 2 LFGB, Rdnr. 98ff., weil Kieselerde auch nach § 2 Abs. 3 Satz 2 LFGB kein den Lebensmittelzusatzstoffen gleichgestellter Stoff ist.
Das OLG Hamburg hat sich in der Entscheidung Ginkgo-Tee (…Anlage K 8, S. 6 ff.) hiermit auseinandergesetzt und ist - allerdings vorbehaltlich einer genaueren Prüfung im Hauptsacheverfahren - zu der Entscheidung gekommen, dass keine Europarechtswidrigkeit vorliegt (so auch OLG Köln, ZLR 2007, 231 - Aminosäuren) .
Dies ist jedenfalls ein sachlich einleuchtender Grund (vgl. OLG Köln, Urt. v. 08.12.2006 - 6 U 145/06 - juris, Rn. 18).
Selbst wenn sich die Klägerin aber auf Art. 34 AEUV berufen könnte, ist die Vorschrift des § 2 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 LFGB in der hier vertretenen Auslegung zum Zweck des in Art. 36 AEUV explizit genannten Gesundheitsschutzes gerechtfertigt (vgl. im Ergebnis ebenso OLG Köln, Urt. v. 8.12.2006, 6 U 145/06, juris; Teufer, ZLR 2007, 577 ; Preuß, ZLR 2008, 92 ; Oelrichs, ZLR 2009, 271 ; Reese/Stallberg, ZLR 2009, 137 ; anders Meyer, ZLR 2007, 770 ).
Der Vertrieb eines Nahrungsergänzungsmittels wie des hier streitigen Produkts, das unter anderem die Aminosäure L-Tyrosin enthält, ohne Zulassung nach § 68 LFGB stellt damit grundsätzlich einen Verstoß gegen §§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a LFGB dar (vgl. OLG Köln, Urt. v. 08.12.2006 - 6 U 145/06 - juris).

References: § 4
 Art. 5
 § 7
 Art. 28
 § 6
 § 2
 Art. 28
 EUGH 
 § 2
 § 6
 Art. 28
 § 2
 § 2
 § 2
 Art. 34
 § 2
 Art. 36
 § 68