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Timestamp: 2017-06-26 14:20:31+00:00

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Kapitalmarktfinanzierung - PDF
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Reiner Schulze
1 SIX Group AG Selnaustrasse 30 Postfach 1758 CH-8021 Zürich Kontakt: Media Relations Kapitalmarktfinanzierung Grundlagen Prozess gesamtwirtschaftlicher Nutzen 2 Kapitalmarktfinanzierung Im Juni 2008 ging die in Zürich ansässige Burkhalter Gruppe, eine führende Anbieterin von Elektrotechnik Leistungen am Bauwerk, an die Schweizer Börse. Mit dem an SIX Swiss Exchange aufgenommenen Kapital sollten Schulden abgebaut und Akquisitionen finanziert werden. Heute bietet die Burkhalter Gruppe ihre Dienstleistungen an über 90 Standorten in der ganzen Schweiz an; das Unternehmen beschäftigt rund Mitarbeitende und ist an Grossprojekten wie dem Ausbau des Gotthard-Basistunnels beteiligt. Wenn ein Unternehmen plant, sich weiterzuentwickeln also z. B. zu expandieren, in neue Maschinen und Technologien zu investieren oder intensiv Forschung und Entwicklung zu betreiben braucht es Geld. Reichen die Eigenmittel nicht aus, muss es auf externe Finanzierungsquellen zurückgreifen: Es kann einen Vertrag mit einem privaten Kapitalgeber abschliessen, einen Kredit bei der Bank aufnehmen oder sich über den öffentlichen Kapitalmarkt finanzieren. Börsen sind die «Marktplätze» des öffentlichen Kapitalmarkts. Hier trifft ein Unternehmen mit seiner Kapitalnachfrage auf viele potenzielle Investoren. Um einen funktionierenden Markt zu gewährleisten, stellen der Gesetzgeber und die Börsen Regeln für die Nutzung des Kapitalmarkts auf. Seite 33 Die Entscheidung einer Organisation, sich über den Kapitalmarkt zu finanzieren, kann unterschiedliche Gründe haben. Über den Kapitalmarkt lassen sich sehr viel grössere Volumen aufnehmen als über Private oder Banken. Deshalb spielt diese Art der Finanzierung gerade bei teuren, langfristigen Investitionen, bei Ambitionen auf Wachstum oder Internationalisierung eine wichtige Rolle. Veränderte Rahmenbedingungen seitens der Banken zum Beispiel die aus Basel III entstehenden höheren Eigenkapitalforderungen und eine meist damit verbundene restriktivere Kreditvergabe lassen Unternehmen ebenfalls über alternative Finanzierungsquellen nachdenken. Der momentanen Regulierung und Konsolidierung im Bankensektor steht auf dem Kapitalmarkt der Vorteil einer breiten, internationalen Investorenbasis gegenüber; das minimiert Abhängigkeiten und sorgt für mehr finanzielle Stabilität bzw. Flexibilität. Einmal auf dem Kapitalmarkt zugelassen, können sich Organisationen über Kapitalerhöhungen oder die Begebung weiterer/unterschiedlicher Finanzierungsinstrumente rasch, kostengünstig und kontinuierlich finanzieren. Eigen- vs. Fremdkapital Möchte ein Unternehmen sich über den Kapitalmarkt finanzieren, kann es Eigenoder Fremdkapital aufnehmen. Eigenkapital sind in Wertschriften verbriefte Unternehmensanteile (Aktien). Durch sie stellt ein Investor dem Unternehmen Kapital ohne Laufzeitbeschränkung zur Verfügung und erwirkt damit gleichzeitig Beteiligungsrechte. D. h. er hat gewisse Mitspracherechte im Unternehmen und partizipiert über den Kursverlauf der Aktie sowie über Dividendenzahlungen am Geschäftserfolg. Die erstmalige Aufnahme von Eigenkapital an der Börse bezeichnet man deshalb als «Publikumsöffnung» bzw. «Initial Public Offering» (IPO). Fremdkapital sind finanzielle Mittel, die Investoren einem Unternehmen nur für eine gewisse Laufzeit zur Verfügung stellen. Dafür erhalten sie regelmässig Zinsen. Am Ende der Laufzeit muss das Unternehmen das Geld an seine Schuldner zurückbezahlen. Die Forderungsrechte der Investoren sind typischerweise in Anleihen (Bonds) verbrieft und somit genau wie Aktien an der Börse kotier- und handelbar. Die erstmalige Ausgabe von Anleihen bezeichnet man mit dem allgemeinen Begriff «Emission»; Emittenten können neben Unternehmen auch Staaten oder andere nicht-privatwirtschaftliche Organisationen sein. Die Handelbarkeit (Fungibilität) der ausgegebenen Wertschriften kann ein weiterer Grund für ein Unternehmen sein, sich für eine Kapitalmarktfinanzierung zu entscheiden. Während die Erstausgabe der Wertpapiere auf dem so genannten Primärmarkt stattfindet, wird der Handel an einer Börse als Sekundärmarkt bezeichnet. Wird ein Titel viel gehandelt, macht ihn das für Investoren attraktiv und steigert zugleich die Visibilität des Emittenten. Beides begünstigt weitere Kapitalaufnahmen, senkt also die Kapitalkosten und stärkt die finanzielle Reaktionsfähigkeit einer Organisation. Seite 4 Seite 54 Prozess eines Initial Public Offerings (IPO) Die Vorbereitung An der Börse kotierte Unternehmen müssen hohe Anforderungen bzgl. Transparenz, Corporate Governance und Bonität erfüllen und in der Regel über wenigstens zwei Geschäftsjahre Rechenschaft ablegen können (Track Record). Ein Unternehmen ist erst dann kapitalmarktfähig, wenn es über eine solide Bilanz verfügt und interne Strukturen und Prozesse etabliert hat etwa um die regelmässige und umfangreiche Information der Investoren zu gewährleisten, die von Gesetzgeber und Börse gefordert wird. Ein erster, wichtiger Teil der Kotierungsvorbereitung ist die Auswahl der die Emission begleitenden Bank(en). Sie vermitteln auf dem öffentlichen Kapitalmarkt zwischen Angebot und Nachfrage; das Netzwerk der Bank und ihr Zugang zu den angestrebten Investoren ist dafür entscheidend. Rechtsanwälte, IR-Berater, Revisions- oder Beratungsfirmen sind ebenfalls Partner im Kotierungsprozess. In einer Due-Diligence-Prüfung nehmen die externen Experten die geschäftliche, finanzielle und rechtliche Situation des Unternehmens genau unter die Lupe; der Status quo wird im Kotierungsprospekt festgehalten. Dieser ist Teil des Kotierungsgesuchs, das die federführende Bank oder ein anderer von SIX Exchange Regulation anerkannter Vertreter an der Schweizer Börse einreicht. Corporate-Governance- Strukturen überprüfen Going-Public-Partner auswählen Due-Diligence-Prozess starten Kotierungsdokumente erstellen Urteil über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage und die Entwicklungsaussichten des Emittenten sowie über die mit den Effekten verbundenen Rechte zu gestatten.» (SIX Swiss Exchange, Kotierungsreglement, Art. 27, I). Hat ein Emittent seinen Börsengang angekündigt und von SIX Exchange Regulation einen positiven Zulassungsentscheid des hierfür zuständigen Regulatory Board erhalten, muss er gemeinsam mit der Bank den Emissionspreis seiner Wertschriften festlegen. Bei einem IPO wird der Preis meist im Bookbuilding-Verfahren ermittelt. Die Bank übernimmt die Ansprache der Investoren sowie die Platzierung der Wertschriften am Markt. Primärmarkt /Emissionsmarkt Emittent Offizielle Ankündigung Börsengang Zulassungsentscheid durch das Regulatory Board Der Kotierungsprospekt ist eine wichtige Informations- und Entscheidungsgrundlage für die Investoren und Basis für die Kotierung an SIX Swiss Exchange: «Im Hinblick auf die Kotierung hat der Emittent einen Kotierungsprospekt zu veröffentlichen, welcher die Angaben enthält, die nötig sind, um dem sachkundigen Anleger ein begründetes Kotierungsdokumente einreichen Institutionelle Investoren Seite 6 Seite 7 5 Prozess eines Initial Public Offerings (IPO) Bookbuilding & Aktienzuteilung Für das anstehende Bookbuilding stellen die Analysten der Emissionsbank ihre Investitionsmöglichkeit zunächst potenziellen Grossanlegern (Banken, Versicherungen, Pensionskassen) vor; dies liefert eine erste Nachfrageindikation, die es unter Einbezug der Marktlage und des spezifischen Chance-Risiko-Profils der Anlage ermöglicht, eine Preisspanne festzulegen. Im Rahmen des eigentlichen Bookbuildings werden nun die Kaufangebote der Investoren in einem Orderbuch entgegengenommen; die Preise können sich innerhalb der festgelegten Spanne bewegen. Zu einem festgelegten Zeitpunkt wird das Orderbuch geschlossen und die Nachfragestruktur analysiert. Bank und Emittent legen basierend darauf den Emissionspreis fest und nehmen die Aktienzuteilung vor. Ausschlaggebend für beides ist nicht nur die erwartete Nachfrage auf dem Sekundärmarkt, sondern auch die angestrebte Aktionärsstruktur, die Qualität der Investoren (Grösse, zeitliches Engagement), Volumen und Zeitpunkt des Kaufangebots usw. Am Tag des IPO beginnt der öffentliche Verkauf bzw. Handel mit den Wertschriften an der Börse (Sekundärmarkt); die Graphik rechts zeigt, wie die Aktien am Tag des IPO von den institutionellen Investoren an das breite Publikum gelangen. Startpreis ist der Emissionspreis, der sich jedoch mit Börsenbeginn in wenigen Minuten nach oben oder nach unten verändern kann. Investment Case den Grossanlegern vorstellen Aktienpreisspanne festlegen und publizieren Preisangebote im Orderbuch der Syndikatsbanken sammeln Emissionspreis festlegen, Aktienzuteilung vornehmen Tag des IPO/Handelsbeginn IPO als «Tor» zum Kapitalmarkt Mit einem IPO erschliessen sich Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt und damit eine langfristige, stabile Finanzierungsoption: Bei SIX kotierte Unternehmen können unkompliziert und kontinuierlich weiteres Eigen- oder Fremdkapital aufnehmen; z. B. durch Kapitalerhöhungen, Mitarbeiterbeteiligungen, die Begebung von Anleihen etc. Solche Folgekotierungen sind an SIX Swiss Exchange hochgradig technologisiert und erregen deshalb viel weniger öffentliche Aufmerksamkeit als ein IPO; tatsächlich finden sie aber sehr häufig statt und machen die Börse damit zu einer wichtigen Finanzierungsquelle. Sekundärmarkt/Börsenhandel Seite 8 Seite 96 Travelstock44 - Juergen Held/gettyimages Bedeutung der Kapitalmarktfinanzierung für die Schweizer Volkswirtschaft Der öffentliche Kapitalmarkt ist entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes: Der Zugang zu einer breiten, internationalen Investorenbasis und langfristigen Finanzierungsmitteln ermöglicht Unternehmen, Staaten und anderen Institutionen die Realisierung grosser, kapitalintensiver Projekte. Das wirkt sich auf längere Sicht positiv auf das Wirtschaftswachstum aus also etwa auf die Zahl der Arbeitsplätze, auf Innovationen, Ausbildung, Exporte und Steuersubstrat. Börsenkotierte Aktiengesellschaften tragen in der Schweiz überdurchschnittlich stark zur landesweiten Beschäftigung, Wertschöpfung und Innovation bei: Sie verfügen über einen wesentlich grösseren Personalbestand, kapitalintensivere Arbeitsplätze und sind forschungsorientierter als der Durchschnitt der Schweizer Unternehmen. Etwa ein Sechstel des schweizerischen Bruttoinlandprodukts geht auf das Konto der knapp 300 kotierten Unternehmen; zusätzlich hängt der Umsatz jedes dritten Schweizer KMUs von ihnen ab und sie bezahlen mit Abstand den grössten Teil der Unternehmenssteuern 1. Die geringere Abhängigkeit von Banken erweitert den finanziellen Spielraum und die Reaktionsfähigkeit kapitalmarktfinanzierter Organisationen beträchtlich: Kotierte Unternehmen und Emittenten von Anleihen können rasch weiteres Kapital aufnehmen; Liquidität verbleibt länger in der Organisation und kann dort produktiv genutzt werden. Nicht zuletzt hat die von der Börse geforderte Transparenz nicht nur eine kontrollierende und regulierende Funktion, sondern fördert auch den wirtschaftlichen Wettbewerb. Gleichzeitig ermöglicht die stetige und umfangreiche Information der Öffentlichkeit eine effiziente Verwendung der verfügbaren finanziellen Reserven innerhalb einer Volkswirtschaft: überschüssige Liquidität fliesst in produktive Investitionen; Sparer haben die Möglichkeit, ihr Guthaben breit diversifiziert und risikogerecht anzulegen und so direkt am Wirtschaftswachstum zu partizipieren. 1 Vgl. Christian Hauseret al.: «Die Bedeutung börsenkotierter Aktiengesellschaften für die Schweizer Vokswirtschaft», Chur Seite 10 Ähnliche Dokumente
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