Source: http://www.kindergartenpaedagogik.de/791.html
Timestamp: 2018-10-17 18:29:54+00:00

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Aus: Becker-Textor, I./Textor, M.R.: Der offene Kindergarten - Vielfalt der Formen. Freiburg, Basel: Verlag Herder, 2. Aufl. 1998, S. 75-106
Die Öffnung des Kindergartens zu seinem Umfeld hin ist eine Form der Öffnung, auf die keine Einrichtung verzichten sollte. Der Kindergarten darf kein abgekapselter Raum, keine "Insel" bleiben, wo die Kinder jeden Tag nur auf dieselben Personen treffen, in ähnliche Aktivitäten einbezogen werden und die gleichen Spielmaterialien benutzen - dann stößt ihre Entwicklung bald an Grenzen, kann sie nicht mehr allseitig gefördert werden. So sollten die Grenzen zwischen Kindertagesstätte und Umwelt, zwischen institutionellem und außerinstitutionellem Lernen aufgebrochen werden. Die Natur, die Nachbarschaft des Kindergartens, die Gemeinde bzw. der Stadtteil sind reich an Erfahrungsmöglichkeiten für Kleinkinder. Sie können Pflanzen, Tiere, Vögel und Insekten beobachten, mit Menschen unterschiedlichen Alters, Deutschen und Ausländern, Behinderten und Nichtbehinderten Kontakt aufnehmen, die Arbeitsplätze Erwachsener und Produktionsabläufe kennenlernen, historisch bedeutsame Bauwerke und Kultureinrichtungen erkunden. Damit wirkt der Kindergarten in altersgemäßer Weise auch schulvorbereitend; es findet eine erste Hinführung zu Inhalten der Biologie, Sozialkunde oder Geschichte statt.
Durch die Öffnung des Kindergartens zu seinem Umfeld hin wird die ganze Lebenswirklichkeit von Kindern berücksichtigt. So sind die Entwicklungsprozesse von Kleinkindern auf das engste mit dem Milieu verbunden, in dem sie aufwachsen und lernen. Professor Hopf schrieb schon 1988: "Die Bedeutung des engen Zusammenhangs zwischen lokaler Umwelt und kindlicher Entwicklung haben ... vor allem sozialisationstheoretische Erkenntnisse betont. Denn der Stadtteil und die Gemeinde bilden den unmittelbaren Erfahrungshorizont, und Kinder im Vorschulalter sind an ständiger Erweiterung des 'Horizonts' interessiert; sie wollen ihre weitere räumliche und soziale Nachbarschaft entdecken und erobern." (S. 2)
Im Umfeld des Kindergartens finden Kleinkinder nicht nur eine Fülle an Anschauungsmaterial und Erfahrungsmöglichkeiten, sondern erleben das Lernen auch als abwechslungsreicher, interessanter, reizvoller und lebensnäher als in der Einrichtung. Durch den Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen laufen scheinbar nebenbei intergenerationale und interkulturelle Lernprozesse ab, kommt es zur Entwicklung von Verständnis, Empathie, Toleranz und Solidarität. Zugleich werden Lebensräume und Erlebnisfelder zurückerobert, die Kindern zunehmend aufgrund der Verkehrsgefährdung, der mangelnden Zeit ihrer Eltern oder anderer Faktoren verschlossen bleiben. Indem Kinder mit der ganzen überschaubaren Umwelt vertraut werden, fühlen sie sich dort heimisch, entwickeln ein Wir- bzw. Heimatgefühl. Dieses kann noch dadurch gefördert werden, daß sich Erzieherinnen und Kinder auch mit örtlichen Bräuchen und Traditionen befassen.
M. Hildegard Schneider beschreibt, wieso sie den von ihr geleiteten Kindergarten Ringheim in Großostheim nach außen hin öffnete:
"Zum einen war es für mich und das Kindergartenteam im Zusammenhang mit der Konzeptionserstellung wichtig geworden, den Kindergarten hin zum Gemeinwesen, zur Kirchengemeinde, ja zum gesamten Ort zu öffnen, um so den Kindern andere und neue Lernorte, Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten zu eröffnen. Zum anderen wurde mir durch die Neubelebung des Situationsansatzes in unserer Einrichtung deutlich, daß es sich bei diesem nicht nur um einen didaktischen Ansatz handelt. Vielmehr geht es darum, sich an den Lern- und Erfahrungsprozessen der Kinder vor Ort zu orientieren und deshalb das gesamte Umfeld einzubeziehen. Da ich die Eltern als Partner in der Kindergartenerziehung sehe, können und sollen auch sie ihre lebenspraktische Kompetenz bei der Planung und Durchführung verschiedener Aktivitäten einbringen. Neben anderen Erwachsenen werden sie z.B. an Projekten beteiligt. So wirkten beispielsweise beim Projekt 'Was ist gut für meine Gesundheit?' Vertreter der örtlichen Krankenkassen, ein Zahnarzt und Eltern mit. Manche der Aktivitäten spielten sich im Kindergarten ab, andere außerhalb.
Ganz wesentlich für die Gestaltung von Außenbeziehungen und Aktivitäten außerhalb der Einrichtung sind die Aufgeschlossenheit der Fachkräfte und die Bereitschaft, Kontakt zu anderen Institutionen und Menschen aufzunehmen. Es bedarf einer großen Offenheit, das Leben außerhalb der Normen des Kindergartens als Lern- und Erfahrungsfeld für Kinder und für sich selbst zu entdecken und aufzuschließen."
Bedeutsam ist, daß das Lernen im Umfeld des Kindergartens von hoher Qualität ist. So setzen sich die Kinder mit der Wirklichkeit direkt auseinander; sie machen Primärerfahrungen anstatt von durch Medien oder Erzieherinnen vermittelte; sie machen eigene Erfahrungen, an denen sie die Aussagen und Deutungsmuster anderer Menschen überprüfen können. Zugleich eignen sie sich selbständig und selbsttätig Wissen an. Insbesondere wenn in der Gruppe die Aktivitäten in Natur und Gemeinwesen reflektiert werden, werden unterschiedliche Beobachtungen, Sichtweisen und Meinungen ausgesprochen. Die Kinder werden hierdurch - aber auch durch die Gespräche mit anderen Menschen - mit verschiedenen Standpunkten und Perspektiven konfrontiert, was zu einem komplexeren Denken, dem Erschließen von Sinnzusammenhängen und dem Abbau von Vorurteilen führt, aber auch zur Entwicklung von Gesprächsfertigkeiten und Empathie. Zugleich können Erfahrungen, die Kinder aus ihren Lebensbereichen mitbringen, aufgegriffen und aufgearbeitet werden.
Die direkte Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit fordert den Einsatz aller Sinne und führt zu einer differenzierten Wahrnehmung. Bei den Außen- und den nachbereitenden Innenaktivitäten herrschen handlungsorientierte Lernformen wie Interviewen, Experimentieren, Beobachten, Bauen, Basteln und Rollenspiel vor. Auch ergeben sich viele Gelegenheiten, wo Kinder mitplanen, mitgestalten und mitbestimmen können. So führt die Öffnung des Kindergartens zu seinem Umfeld hin zum beschleunigten Erwerb von Schlüsselqualifikationen wie Kommunikationsfähigkeiten, Sozialkompetenz, Organisationsvermögen, Problem- und Konfliktlösefertigkeiten, Mündigkeit, Kooperationsbereitschaft und Sachkompetenz. Die Kinder verstehen nicht nur die sie umgebende Welt besser, sondern erleben auch das Lernen als interessant, abwechslungsreich und befriedigend. Dies fördert ihre Lernmotivation und Leistungsbereitschaft.
Eine Öffnung nach außen setzt voraus, daß die Erzieherinnen das Einzugsgebiet ihres Kindergartens gut genug kennen, um für die Kinder relevante Lernorte identifizieren zu können. Auch sollten sie Kontakt zu Geschäften und Betrieben, zu sozialen und kulturellen Einrichtungen haben, die man gemeinsam mit den Kindern erkunden könnte. Ist dies nicht der Fall, sollte das Umfeld des Kindergartens zunächst im Team analysiert und auf kindgemäße Lernmöglichkeiten hin untersucht werden. Zu erfassen sind beispielsweise:
naturnahe Flächen: Wald, Heide, Bäche, Parks usw.
Bebauung der Nachbarschaft: Häusertypen, Baustile, Gärten, Spielplätze, Treffpunkte usw.
Arbeitswelt: Geschäfte, Firmen, Büros, Praxen, Handwerksbetriebe, Bauernhöfe etc.
Bildungs- und Kultureinrichtungen: Grundschulen, Fachschulen, Kirchen, Museen, Theater usw., aber auch Traditionen, Bräuche und Feste
soziale Einrichtungen: Krankenhäuser, Altenheime, Einrichtungen für Behinderte etc.
Freizeiteinrichtungen: Sportanlagen, Schwimmbäder, Badeseen, Grillplätze, Vereine usw.
Dann können Ansprechpartner bei besuchenswerten Institutionen, Betrieben und Diensten ausfindig gemacht werden, können gezielte Erkundungsgänge folgen.
Da das Umfeld eines Kindergartens immer einzigartig ist, trifft dies auch auf alle Außenaktivitäten zu. So dürfen nachfolgende Beispiele keinesfalls als "Rezepte" mißverstanden werden. Die jeweilige Außenaktivität kann mehr oder minder regelmäßig erfolgen (z.B. Spaziergänge durch die Nachbarschaft, Einkaufsgänge), einmalig (z.B. Besuch in der Zahnarztpraxis oder bei der Feuerwehr) oder Teil eines Projekts (z.B. "Handwerker in unserer Stadt") sein. Sie kann entweder im Wochenplan festgelegt werden und nach bestimmten Lernzielen erfolgen, oder sie kann sich aus einer Situation in der Kindergruppe (z.B. ein Gespräch, ein besonderes Ereignis, ein Vorschlag eines Kindes) ergeben und gemeinsam mit den Kindern geplant werden. Generell ist nicht die Anzahl der Außenkontakte und -aktivitäten von Bedeutung, sondern deren pädagogische Qualität. Auf vor- und nachbereitende Aktivitäten mit den Kindern sollte nicht verzichtet werden.
1. Außenstehende im Kindergarten
Die Öffnung des Kindergartens zu seinem Umfeld hin muß natürlich nicht immer zu Außenaktivitäten führen. Vielmehr kann die Lebenswelt auch in den Kindergarten "hereingeholt" werden, indem Eltern und Außenstehende von der Gruppe eingeladen werden - nicht um zu hospitieren oder um mit den Kindern zu spielen, sondern um ihre besonderen Kompetenzen einzubringen. Aber auch Gegenstände und Materialien aus Natur und Erwachsenenwelt können in den Kindergarten mitgebracht und den Kindern vorgestellt werden. Dies kann sogar zum Aufbau thematischer Sammlungen (z.B. "Blüten und Samen", "Handwerkszeug", "alte Fotos") führen.
Erzieherinnen in Kindergärten sind Fachleute für außerfamiliale Erziehung und Elternarbeit; hierin liegt ihre Professionalität. Eltern und andere Mitbürger verfügen hingegen über ganz andere Kenntnisse, Erfahrungen und Kompetenzen, die durchaus für Kinder relevant sind und zur allseitigen Förderung ihrer Entwicklung beitragen können. Es ist somit pädagogisch sinnvoll, solche Personen ausfindig zu machen und in die praktische Kindergartenarbeit einzubeziehen. Beispielsweise kann
ein Erwachsener seinen Beruf, die von ihm verwendeten Materialien und benutzten Werkzeuge bzw. Instrumente vorstellen;
ein Gärtner gemeinsam mit den Kindern ein Gemüsebeet oder eine Kräuterspirale anlegen sowie sie über Aussaat und Pflege der Pflanzen informieren;
eine ortsansässige Künstlerin den Kindern einige ihrer Werke vorstellen und ihnen neue Maltechniken vermitteln;
ein Musiker sein Instrument vorführen und erklären;
ein Erwachsener ein Hobby wie das Briefmarkensammeln vorstellen sowie anhand ausgewählter Marken z.B. unterschiedliche Baustile oder verschiedene Schmetterlingsarten lebendig werden lassen;
eine Masseuse den Kindern verschiedene Massagegriffe zeigen und sie in die Partnermassage einführen;
ein Senior von früher berichten, z.B. wie er Kindergarten bzw. Schule erlebt hat oder wie damals bestimmte Feste gefeiert wurden;
ein Erwachsener mit guten Englisch- oder Französischkenntnissen den Kindern einige Redewendungen und Lieder beibringen;
eine Ausländerin von der Landschaft, den Städten, Sitten und Gebräuchen ihres Heimatlandes berichten und z.B. mit den Kindern ein typisches Gericht zubereiten.
Ein Vater berichtet im Elternbrief des Kindergartens St. Nikola in Passau von seinem Besuch in der Vormittagsgruppe II:
"Passend zum Jahresmotto 'Laßt uns Brücken bauen' war dieses Jahr das Faschingsmotto 'Eine Reise um die Welt', denn mit beiden Themen wurde auch das Ziel verfolgt, den Kindern andere Kulturen und deren Lebensweisen zu vermitteln. Da sich die Kinder der Vormittagsgruppe II zu Fasching als Inder zu verkleiden wünschten, wollte ich den Kindern mit Bildern meiner Indienreise eben dieses Land und seine Menschen etwas näher bringen.
Um das Vertrauen der Kinder zu gewinnen, hatte ich vor der Pause mit ihnen gespielt. Dann zog ich meinen original indischen Anzug an, um mit den Kindern die Bilder, die mit einem Episkop an die Wand 'geworfen' wurden, wie in einem Kino anzusehen. Wir sahen neben vielen anderen Dingen das Verkehrschaos, arme Menschen, Kühe auf der Straße, das Tadsch Mahal, verschiedene sehr farbenprächtige Gewürzläden, einen Verkehrspolizisten sowie einen Bartschneider, einen Schuster und einen Friseur, die auf der Straße arbeiteten. Die Freude und Begeisterung war bei den Kindern so groß, daß wir uns danach die Bilder noch einmal in zwei Gruppen anschauten, um den einen oder anderen Eindruck zu vertiefen."
Dieses sind natürlich nur einige von unendlich vielen Möglichkeiten einer Einbeziehung von Außenstehenden in die Kindergartenarbeit. Es ist nicht schwierig, geeignete Personen ausfindig zu machen - oft reicht es schon, Eltern genau zuzuhören, um besondere Talente und Hobbys ausfindig zu machen. Und ihre Berufsangaben befinden sich sowieso in den Anmeldeunterlagen. Haben sich solche Besuche in der Einrichtung eingebürgert, werden auch Eltern andere, für ihre Kinder interessante Mitbürger/innen vermitteln. Falls diese jedoch über keine Erfahrung mit Kleinkindern verfügen, sollten die Erzieherinnen in einem Vorgespräch (Telefonat) ihre Erwartungen äußern und die Vorgehensweise abklären. Nach mehreren Besuchen nimmt übrigens auch die Scheu der Kinder vor fremden Menschen ab. Sie gehen auf sie zu, unterhalten sich mit ihnen und fragen offen nach.
2. Spaziergänge und Exkursionen
Üblicherweise entdecken Kinder das Umfeld des Kindergartens auf Spaziergängen. Sie erkunden Grünanlagen, Parks, Waldstücke, Friedhöfe und landwirtschaftlich genutzte Flächen, vergleichen die Baustile und Gärten der umliegenden Häuser, betrachten von ferne Wasserwerk, Müllverbrennungsanlage und Klärwerk, lernen Geschäfte bei Einkaufsgängen kennen, gehen mit zu Bank und Post, nehmen Kontakt zu Nachbarn und Passanten auf. Oft gibt es für Spaziergänge aktuelle Anlässe wie eine neue Baustelle, Umbauten im Gemeindezentrum, Sturmschäden im Wald, Aussaat oder Ernte, das Aufstellen eines Maibaums, junge Lämmer auf der Weide, reife Früchte (wie Holunder oder Schlehen) zum Einsammeln usw.
Spaziergänge, Besichtigungen und Einkaufsgänge können mit der ganzen Gruppe oder in Kleingruppen von sechs bis acht Kindern erfolgen. Letzteres hat den Vorteil, daß keine weiteren Begleitpersonen benötigt werden (spontan durchführbar), daß die Kinder besser zu beaufsichtigen sind und daß sie leichter die Initiative ergreifen können. Finden Erkundungs- und Einkaufsgänge in Kleingruppen häufig statt, dann befürchten die zurückbleibenden Kinder zumeist nicht, etwas Besonderes zu verpassen. Je öfter Spaziergänge durchgeführt werden, um so besser lernen die Kinder das Umfeld des Kindergartens kennen. Sie beginnen, sich dort heimisch und sicher zu fühlen.
Dem Kennenlernen der Erwachsenenwelt dienen aber auch vorgeplante und vorangemeldete Besuche bei Handwerkern, Ärzten oder Fabriken bzw. Exkursionen zum Rathaus, Theater, Museum, Krankenhaus usw. Solche Ausflüge sind nicht ganz unproblematisch, wie folgender Auszug aus einem Referat von Roger Prott verdeutlicht (in: Berger et al. 1992, S. 205-207):
"Wie verläuft so ein Ausflug zum Zoo, ein Besuch beim Bäcker oder Spaziergang zum nächsten Spielplatz üblicherweise? Den Kindern werden ein oder mehrere Zielpunkte angesagt; sie dürfen auswählen. Manchmal greift die Erzieherin Ideen und Anregungen der Kinder auf. Ob es nun gerade dieses Mal so sein wird, darüber entscheiden wird sie allein. Die Erzieherin plant, bereitet vor, organisiert, terminiert und kontrolliert: den Fahrplan, die Wegstrecke, die Verpflegung, die Zweierreihen und manches mehr. Der Weg zum Zielpunkt wird schnell überbrückt, das Dazwischen ist hinderlich, zum Teil gefährlich und stört. Weitere Störungen werden tunlichst vermieden, um sich und die Kinder zu beschützen.
Der Schutz bewahrt die Kinder vor körperlichem Schaden, es soll ihnen ja nichts zustoßen. Der Schutz bewahrt die Kinder häufig ebenfalls vor sozialen Kontakten: Die Kinder sollen ruhig sein im Bus, damit kein anderer gestört wird; die Kinder sollen nicht so neugierig die Leute anstarren oder sie gar ansprechen, denn die Gruppe soll pünktlich ans Ziel gelangen; und wenn doch einmal ein Passant mit den Kindern schimpft, dann schreitet mit Sicherheit zur Sicherheit die Erzieherin ein.
Am Zielpunkt des Ausflugs, beispielsweise beim Bäcker, angelangt, schauen sich die Kinder alles an, dürfen vielleicht etwas anfassen und ein paar vorbesprochene Fragen stellen; dann geht es auf dem gleichen Weg und in gleicher Weise zurück in den Kindergarten.
Was können Kinder dabei lernen?
(1) Die Erzieherin weiß, wo es langgeht. Sie weiß, was gut und interessant ist; zumindest weiß sie, was gut und interessant zu sein hat.
(2) Die Erzieherin organisiert alles, regelt alles, nimmt einem alles ab.
(3) Erwachsene machen alles; als Kind brauche ich bloß zuzuschauen. ...
Die Kinder erfahren, daß Gänge zum nächstgelegenen Spielplatz mehrfach möglich sind, daß man einen Ausflug in der Regel nur einmal unternimmt und dann nie wieder. Wozu also war der Ausflug gut? Für die Zukunft? Die Kinder lernen, daß dieser Ausflug nicht einmal jetzt zu gebrauchen ist, denn auf den Alltag der Einrichtung bleibt er ohne Einfluß. Wenn ich diese Effekte nicht richtig finde und deshalb vermeiden will, muß ich als Erwachsener soweit wie möglich aus dem gewohnten Schema ausbrechen: Nicht ich bestimme, wo es hin- und wo es langgeht, sondern die Kinder werden zu Bestimmern ihres Alltags. Sie bestimmen, welche Auseinandersetzung sie eingehen und welche nicht; sie bestimmen ihr Tempo; sie wissen oder lernen, wann sie den nächsten Schritt tun können und welches für sie der nächste Entwicklungsschritt ist. Die Kinder brauchen den Raum für den Schritt und die Zeit für die Entscheidung.
Um Interesse zu wecken, kann ich den Kindern vieles zeigen. Das wird meist gelingen. Um jedoch Interessen zu wecken, Eigeninitiative zu fördern und Konzentrationsfähigkeit zu bewahren, muß ich die Kinder entdecken lassen. Ich darf sie nicht zwingen, muß sie sich in Beziehung setzen lassen zu den Menschen, zu den Gegenständen und den Konventionen. Günstig ist ferner, als Erwachsener nicht schon alles zu wissen (oder auch nur so zu tun), sondern selbst neugierig zu sein, denn Neugier ist eine ansteckende Krankheit. ...
Sie können noch mehr berücksichtigen. Sie können die Kinder mehr entdecken lassen als ihnen zu zeigen. Sie können sich die Welt von den Kindern zeigen lassen. Sie können sich darauf einstellen, zu entdecken, was die Kinder entdecken. Sie können sogar das Unmögliche fertigbringen: mit den Kindern in die Knie gehen und gleichzeitig hinter ihnen stehen. Die zweite Tätigkeit gibt den Kindern Rückhalt und zugleich Ihnen die Richtung an, in die Sie blicken müssen. Die erste Tätigkeit verändert Ihre Perspektive entscheidend. Wenn es auch schwerfällt: Die Alternative des oben und unten haben nur Sie. Kinder wachsen nicht so schnell, wie Sie sich bücken können."
Bei Spaziergängen, Besuchen und Exkursionen ist also wichtig, daß die Kinder mitplanen und mitbestimmen können, daß ihnen Raum für ihre Entdeckungsfreude, Neugier und Kontaktbereitschaft gegeben wird, daß sie selbsttätig und eigenverantwortlich handeln können. So sollten die Kinder bei Erkundungen im Umfeld des Kindergartens genau beobachtet werden: Was interessiert sie? Wo verweilen sie? Wonach fragen sie? Mit wem wollen sie sprechen? Auch ist wichtig, Ausflüge mit den Kindern vor- und vor allem nachzubereiten (im Gespräch, durch Malen und Bastelarbeiten etc.): Ein fortwährender Wechsel zwischen Beobachten, Erfahren und Erleben im Umfeld auf der einen Seite und dem Reflektieren und Verarbeiten des Neuen im Kindergarten auf der anderen Seite ist besonders entwicklungsfördernd. Deshalb ist es empfehlenswert, Erkundungsgänge und Exkursionen so weit wie möglich in Projekte einzubinden.
Marlene Ocker vom Kindergarten in Mariazell beschreibt Spaziergänge, die diesen Kriterien entsprechen (in: Berger et al. 1992, S. 240-241):
"Im letzten Sommer widmeten wir uns verstärkt der Dorferkundung. In kleineren Gruppen mit ca. fünf bis sieben Kindern versuchten wir, die Besonderheiten unseres Dorfes zu entdecken. Da gehörten der gesamte Verlauf des Dorfbaches und die alten Bäume dazu, ebenso die Brücken, Winkel und die vielen Häuser. Wir wollten natürlich auch wissen, wo die Kinder der Gruppen zu Hause sind. Es war ganz interessant, was wir unterwegs so alles erlebten.
So waren wir eines Nachmittags auf dem Weg zu den Häusern einiger Kinder, als wir plötzlich virtuose Trompetentöne vernahmen. Wir wollten eine kleine Weile zuhören, als schließlich das Fenster, hinter welchem wir den Spieler vermuteten, geöffnet wurde. Die Kinder riefen alle: 'Spiel doch nochmal, es war so schön!' Worauf der Musiker nochmals die Trompete ansetzte. Es ergab sich dann eine nette kleine Unterhaltung. Dabei erfuhren wir, daß der Bläser kein 'Mariazeller' ist, sondern zu Besuch bei seinen Eltern hier war und ansonsten als Bläser bei den Berliner Philharmonikern spielt. Es war natürlich eine Überraschung, so jemanden kennenzulernen. Wir freuten uns alle über das Erlebnis bei diesem Spaziergang. Die anderen Häuser waren nun nicht mehr so wichtig, sondern das schöne 'Konzert'. Wir konnten dann am nächsten Tag eine Schallplatte mit dem Musiker als Solisten besorgen, die wir mit den Kindern anhörten!
Bei all unseren Spaziergängen sind nicht die Ziele das Wichtigste, sondern das, was wir unterwegs erleben. So ging es uns bei einem Spaziergang zu den Feldern, wo wir die Mähdrescher beobachten wollten (den wir übrigens nicht nur einmal unternahmen, sondern bei jeder Gelegenheit): Wir waren gerade ca. 300 m vom Kindergarten entfernt, als wir eine Mutter in ihrem Garten antrafen und uns ein wenig mit ihr unterhielten. Anscheinend war dies den Kindern zu langweilig, weshalb sie sich an einem sich in der Nähe befindlichen Steinhaufen zu schaffen machten. Einige Kinder hatten nun herausgefunden, daß diese Steine zum Malen auf der Straße geeignet waren. Sie setzten sich auf den Boden und begannen, auf dem fast verkehrsfreien Asphaltsträßchen kreativ zu werden. Schließlich saßen alle Kinder auf dem Boden und malten. In der Nähe befand sich ein Lindenbaum mit schon auf dem Boden liegenden Früchten. Auf der anderen Seite des Weges beobachteten einige Kinder, die inzwischen keine Lust mehr zum Malen hatten, verschiedene Käfer und Raupen. Die einen schauten den Käfern zu, die anderen sammelten unter der Linde die Samen, begannen, mit den weichen Schalen zu streicheln und alles mögliche zu spielen. Die Kinder freuten sich an all dem, was sie entdeckten und beobachteten, und wir freuten uns an dieser entstandenen 'Situation'. Voller Eindrücke und ohne die Erfahrung des Mähdreschers kehrten wir in den Kindergarten zurück."
Projektarbeit ist eine Form der Kindergartenarbeit, die besonders gut der Lebenssituation von Kindern und den Zielen einer zeitgemäßen Frühpädagogik entspricht (vgl. Textor 1995). Bei einem Projekt wird ein bestimmtes Thema wie "Wo gehen Menschen einkaufen?", "Uhren", "Leben im Mittelalter", "Das Wetter" oder "Wer macht was auf einer Baustelle?" über einen längeren Zeitraum hinweg intensiv behandelt ("exemplarisches Lernen"). Damit sind in der Regel die Öffnung des Kindergartens zu seinem Umfeld hin und die Einbeziehung Dritter verbunden. Die Zahl möglicher Projektthemen und -verläufe ist letztlich unbegrenzt. So entspricht kein Projekt einem anderen. Allerdings ähneln sie sich darin, daß aktive Lernformen wie Beobachten, Untersuchen, Experimentieren, Erfahren, Interviewen, Diskutieren und Reflektieren zum Zuge kommen, daß das Lernen überwiegend vom Innern der Kinder motiviert ist, daß die Selbsttätigkeit, Eigenverantwortung und Kooperation der Kinder (in Kleingruppen) betont werden und daß die kindliche Entwicklung allseitig gefördert wird (Erwerb von Wissen und Kompetenzen). Ein Beispiel (nach Katz/Chard 1989, S. 56 ff.):
Das Projekt "Wetter" begann mit einer Gruppendiskussion über Sonnenschein und Regen, Schnee und Wind. Diese verdeutlichte, inwieweit Kleinkinder das Wettergeschehen beobachteten, welche Vorkenntnisse sie mitbrachten und inwieweit sie sich des Einflusses des Wetters auf das Alltagsgeschehen bewußt waren. Dann malten die Kinder Bilder zum Thema. In den folgenden Tagen wurden Geschichten, Lieder und Gedichte über das Wetter von den Erzieherinnen eingeführt. Ferner wurden ganz unterschiedliche Experimente gemacht. Beispielsweise maßen einige Kinder mehrmals täglich die Lufttemperatur mit einem Thermometer, das anstatt einer Gradeinteilung in Zahlen eine Farbskala aufwies. So konnten die Kinder ihre Meßergebnisse mit Farbstiften festhalten. Dann wurden Innen- und Außen-, Vormittags- und Nachmittagstemperatur miteinander verglichen. Die Kinder diskutierten mit den Erzieherinnen, was wohl die Temperaturunterschiede verursachte.
Ferner wurden Experimente mit Eiskugeln gemacht. So wurde ermittelt, ob Eis schneller oder langsamer schmilzt, wenn es an verschiedenen Orten ausgelegt wird, wenn es aus klarem oder gefärbtem Wasser besteht oder wenn es sich in gleich großen Gefäßen aus unterschiedlichem Material befindet. Immer wieder wurde nach Erklärungen gesucht. Auch maßen die Kinder den Regenfall und erforschten, ob Pfützen im Schatten oder in der Sonne schneller trocknen (in regelmäßigen Abständen wurden mit Kreide Kreise um die Pfützen herum gezogen). Außerdem wurden verschiedene Materialien hinsichtlich ihrer Wasserdurchlässigkeit untersucht. Ferner lernten die Kinder, die Stärke des Windes mit Windmühlen und dessen Richtung mit einem Wetterhahn zu messen. Gemeinsam wurden Drachen und unterschiedliche Papierflieger gebastelt, wobei letztere hinsichtlich ihrer Flugfähigkeit verglichen wurden. Schließlich wurde über die Jahreszeiten und die verschiedenen Klimazonen der Welt gesprochen. Es wurde diskutiert, wie sich Tiere, Pflanzen und Menschen diesen klimatischen Bedingungen anpassen.
Das Thema für ein Projekt kann sich eher zufällig aus einer bestimmten Situation in der Kindergruppe ergeben oder von den Erzieherinnen vorab festgelegt werden. Es sollte aber immer von den Interessen der Kinder ausgegangen und gefragt werden, wie relevant das Thema für deren Leben ist, ob es zu möglichst vielfältigen Aktivitäten führt, inwieweit alle Bereiche der kindlichen Entwicklung durch es gefördert werden und ob es relativ leicht durchführbar ist. Die Planung und Vorbereitung des Projekts können entweder im Team oder gemeinsam mit den Kindern erfolgen. Auf jeden Fall sollten aber während der Durchführung des Projekts den Kindern viele Gelegenheiten zum Mitbestimmen eingeräumt werden. Auch sollten diese möglichst viele Aktivitäten selbsttätig, eigenverantwortlich und kooperativ durchführen können. Die Erzieherinnen übernehmen dann eine überwiegend motivierende und unterstützende Funktion, geben Ratschläge und benötigte Informationen, zeigen Optionen auf und fördern die Zusammenarbeit in Kleingruppen. Ferner achten sie darauf, daß Phasen des Erkundens, Untersuchens und Experimentierens immer wieder von Phasen der Reflexion, Phasen des Bauens, Bastelns und Malens und Phasen des Rollenspiels abgelöst werden, in denen die Kinder ihre Eindrücke verarbeiten und umsetzen können, aber auch neue Lernerfahrungen machen und Kompetenzen erwerben.
Projekte können sich über einige Tage oder Wochen erstrecken - aber auch über ein ganzes Kindergartenjahr, wie nachfolgendes Beispiel von Claudia Lampelsdorfer zeigt:
"In der unmittelbaren Umgebung unseres Kindergartens St. Nikola in Passau sind mehrere Brücken mit unterschiedlichsten Funktionen zu finden: eine Eisenbahnbrücke, eine alte Fußgängerbrücke, Brücken für Autos und in der angrenzenden Universität eine Brücke, die zwei Gebäude miteinander verbindet.
Bei Ausgängen mit der Kindergruppe ist immer wieder zu beobachten, welch großes Interesse Kinder für Brücken haben: Bei der Eisenbahnbrücke müssen wir immer stehenbleiben, die Waggons der vorüberfahrenden Züge zählen, den Geräuschen lauschen. Wichtige Fragen müssen beantwortet werden, z.B. was die Waggons geladen haben oder wohin sie fahren. Von der Fußgängerbrücke aus haben die Kinder einen guten Blick auf den darunterliegenden Fluß; Wasservögel und Boote können beobachtet werden. Das leichte Schwanken, das in der Mitte der Brücke zu spüren ist, macht den Kindern besonderen Spaß.
Wir haben mit den Kindern überlegt, welche Funktion die einzelnen Brücken haben und was wäre, wenn sie nicht da wären. Darauf meinte Steffi (5 Jahre): 'Ja, wenn es die Brücke da nicht gäbe, dann würden die Leute immer traurig am Ufer stehen und könnten nur rüberschauen und die Leute da drüben nicht besuchen.'
Bei Ausgängen zum nahegelegenen Spielplatz war zu beobachten, daß ein Spielgerät mit einer schwankenden Brücke ein besonders begehrter Platz war. Einige Kinder rannten mit Begeisterung über einen Steg aus Holz und Ketten. Andere mußten noch viel Mut aufbringen und gingen vorsichtig darüber. Die Brücke wurde in Rollenspiele einbezogen, und das angrenzende Häuschen war ein besonders begehrter Treffpunkt.
Diese Beobachtungen gingen mir auf der Suche nach einem Jahresthema durch den Kopf. Mir war klar, das Thema mußte etwas sein, mit dem die Kinder direkt etwas anfangen können, das mit Spaß und Freude am Entdecken verbunden ist. Den nächsten Anstoß bekam ich bei der Planung für die Neugestaltung unseres Außenspielgeländes. Bei einer Befragung der Kinder kam ganz deutlich heraus, daß sie sich auch so eine Brücke wie auf dem nahegelegenen Spielplatz wünschten.
Die Überlegungen zum Jahresthema gingen weiter, und in der Teamsitzung zum Jahresbeginn wurde endgültig das 'Brückenthema' gewählt. Nach einer ausführlichen Stoffsammlung von Gedanken, Ideen und eigenen Kindheitserlebnissen war der 'Grundstein' gelegt. Es war klar, daß wir es nicht bei Ausgängen zu Brücken und dem Konstruieren solcher Bauwerke belassen wollten. Uns Erwachsenen war der Verbindungscharakter von Brücken wichtig. Es sollte ein Symbol für Begegnungen mit anderen Menschen sein. So hieß dann die endgültige Themenformulierung: 'Laßt uns Menschen-Brücken bauen.'
Dann galt es, die Situation unseres Kindergartens, der Kinder und ihrer Familien näher zu betrachten und Verbindungen zum Projekt herzustellen. Wir stellten fest:
In unserer Stadt gibt es drei Flüsse, und darum sehen die Kinder hier unterschiedlichste Brücken.
Unser Kindergarten befindet sich in einem Klostergebäude, in dem es außerdem noch ein Altenheim und die Fachakademie für Sozialpädagogik gibt. Hier leben und arbeiten Ordensschwestern. In den angrenzenden Gebäuden befinden sich die Universität und die Pfarrkirche.
Fast 50 % der Kinder sind im September neu in unseren Kindergarten gekommen.
Vor dem Eintritt der Kinder in den Kindergarten kannten sich die meisten Eltern nicht. Kontakte müssen erst aufgebaut werden.
In jeder Gruppe gibt es Familien, die aus anderen Ländern kommen.
Unser Team hat drei neue Mitarbeiterinnen.
Ein Hauptziel unseres Projekts war, das Jahresthema wörtlich zu nehmen, das heißt, gemeinsam mit den Kindern Brücken zu Menschen in unserer Umgebung zu bauen, Beziehungen zu knüpfen, uns für das Leben anderer zu interessieren, den Raum für Begegnungen zu schaffen und Berührungsängste abzubauen. Dabei wollten wir die Eltern einbeziehen.
In unserem ersten Elternbrief informierten wir die Eltern über unser Jahresthema. Zur gleichen Zeit gestalteten die Kinder eine 'Menschen-Brücke' im Eingangsbereich. Dann luden wir alle Familien zu einem gemeinsamen Fest zur Einweihung unseres neugestalteten Gartens ein. Es begann mit einer 'Stadt-Rally', die von den Gruppen separat durchgeführt wurde (unterschiedliche Startpunkte), und endete mit der Segnung des Gartens durch den Pfarrer. Hier wurden erste Kontakte zwischen den neuen (und alten) Eltern geknüpft.
Beim Elternabend Anfang November, bei dem auch der Kindergartenbeirat gewählt wurde, stellten wir anhand von Dias die pädagogische und architektonische Konzeption unseres neugestalteten Außengeländes vor. Die letzten drei Dias zeigten jeweils eine Gruppe des Kindergartens auf der zum Klettergerüst gehörenden Hängebrücke. Mit diesen Bildern stimmten wir die Eltern auf unser Jahresthema ein: 'Unsere Kinder erleben täglich Begegnungen mit anderen Kindern und Erwachsenen. In der nächsten Umgebung des Kindergartens treffen sie Menschen, die bestimmte Funktionen haben. Wir möchten Sie, liebe Eltern, einladen, unser Jahresthema aktiv mitzugestalten.'
Die Eltern zogen sich dann mit den Fachkräften in die Gruppenräume zurück und sammelten Ideen, wie das Projekt realisiert werden könnte. Einige Vorschläge waren:
Kindergartenkinder besuchen eine Familie.
Eltern kochen mit den Kindern Gerichte aus ihrem Heimatland.
Faschingsthema 'Reisen in ferne Länder'.
Besuch bei Kindern in der Kinderklinik.
Familienausflug zu einer Brücke am Wochenende.
Wir laden Gäste in den Kindergarten ein, die eine andere Nationalität haben.
Wir lernen ein Lied in einer fremden Sprache.
Die Ideen wurden auf Plakaten gesammelt. Diese wurden noch einige Zeit im Eingangsbereich des Kindergartens aufgehängt, um den Eltern die Möglichkeit zum Ergänzen zu geben. Ein Elternteil schrieb folgende Anregung dazu: 'Nähe zu anderen Menschen spüren, sich auf Nähe einlassen.' Diesen Satz finde ich sehr aussagekräftig.
In den folgenden Monaten führten wir viele der vorgeschlagenen (und weitere) Aktivitäten durch. Eine Zeitlang beschäftigten wir uns mit dem Unterthema: 'Laßt uns auf die Reise gehn und ferne Länder sehn'. Jede Gruppe spezialisierte sich auf ein anderes Land. Unsere Gruppe entschied sich für Indien. So wurden Turbane aus Stoff gewickelt, Flöten mit Schlangen für einen Tanz gebastelt, große Elefanten gemalt und Wellpappeschlangen für meterlange Girlanden geschnitten. Ein Vater, der längere Zeit in Indien war, besuchte uns an einem Vormittag und berichtete von seinen Reiseerlebnissen. Verschiedene Sachbücher wurden in der Gruppe aufgelegt, und indisches Essen stand auf dem Speiseplan.
Die Faschingsfeier gestaltete sich in Form einer Reise: Fremde Länder, vorbereitet von den Nachbargruppen, wurden besucht. Als die Gäste zu uns kamen, zeigte unsere 'Indien-Gruppe' einen Schlangentanz. Danach wurden die Eltern zu gemeinsamen Tänzen in den Gruppenraum gebeten, um noch etwas 'Indien-Atmosphäre' zu erleben.
Ein Teilaspekt des 'Brücken-Projekts' betrifft direkt unser Haus. Wir sehen im Klostergebäude ein Begegnungsfeld für unterschiedliche Menschen: Kinder, Eltern, Haus- und Küchenpersonal, Ordensschwestern, alte Menschen und Studierende der Fachakademie. Es war uns wichtig, diese Berührungspunkte bewußt auszubauen. Warum sollten die Kinder unsere beiden Hausmeister immer nur dann sehen, wenn im Kindergarten etwas repariert werden muß? So hatten wir die Idee, Herrn Schmidt und Herrn Kloose zu bitten, bei unserem 'Lichtmeßgottesdienst' mitzuwirken. Zwei Väter und eine Mutter mit einem 'echten' Baby übernahmen die Rollen von Simeon, Josef, Maria und dem Kind Jesus. Daneben gab es noch viele weitere Begegnungen - einen Nikolausbesuch der Kinder bei den Klosterschwestern, Besuche im Seniorentrakt, im Sekretariat der Fachakademie usw.
Anfang März stand ein Ausgang zu zwei Brücken, die sich in der direkten Umgebung unseres Kindergartens befinden, auf dem Programm. Wir wurden von einem Vater begleitet. Unser erstes Ziel war die Eisenbahnbrücke über den Inn. Zur Vorbereitung auf unseren Ausflug hatten wir mit den Kindern ein altes Foto von der Brücke, das vor dem Krieg entstand, angeschaut.
Den Kindern fiel gleich auf, daß von den vier Türmen, die auf dem alten Foto zu sehen sind, nur noch einer erhalten ist. Ebenso fehlt das Tor am Brückenanfang. Wir stellten uns unter die Brücke, lauschten dem Geräusch der fahrenden Züge. Die Steine der Brückenpfeiler wurden genauer betrachtet, ebenso die torartigen Durchgänge unter der Brücke. Wir versuchten, mit den Kindern 'Brückentore' nachzuspielen. Simon meinte: 'Jetzt sind wir eine Brücke unter der Eisenbahnbrücke!'
In ca. 300 Meter Entfernung befindet sich eine zweite Brücke, der 'Fünferlsteg'. Ich erzählte den Kindern, daß ich mich noch erinnern kann, wie in meiner eigenen Kindheit ein 'Brückenzoll' für das Passieren des Steges zu entrichten war. Dann besichtigten wir das frühere Haus des Brückenwärters. Das Gitterfenster, hinter dem früher die Kasse war, ist noch zu sehen. Wir gingen über die Brücke, stellten Vergleiche zur Eisenbahnbrücke her, beobachteten Menschen auf der Brücke und fütterten die Möwen. Zurück im Kindergarten entstanden interessante Brückenzeichnungen.
Zu unserem 'Menschen-Brücken-Projekt' gehörten noch viele weitere Aktivitäten, die ich aus Platzmangel nicht alle beschreiben kann. Viele dienten auch der Intensivierung des Kontaktes zu den Eltern. Unser Projekt wird sicher nach diesem Jahr weitergehen. Ein Aspekt, den ich noch sehr interessant finde, ist die Intensivierung des Kontakts zu Menschen aus anderen Kulturen."
4. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
Teil der Öffnung des Kindergartens nach außen hin ist die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen - zum einen mit psychosozialen Diensten (siehe Kapitel "Vernetzung"), zum anderen mit Einrichtungen, bei denen ein kontinuierlicher Kontakt mit entwicklungsfördernden Erfahrungen für Kleinkinder verbunden ist. Zunächst ist hier an eine Kooperation mit der Kirchengemeinde zu denken. Dies gilt besonders für Kindergärten mit einem kirchlichen Träger, zumal hier die Erzieherinnen zum hauptamtlichen Mitarbeiterstab der Pfarrei gehören. Nach christlichem Gemeindeverständnis ist der Kindergarten ein Glied des "Körpers" Gemeinde, sollten alle Glieder in wechselseitigen Beziehungen stehen und zusammenwirken.
Der Kindergarten kann die Pfarrgemeinde für die Kinder und ihre Familien erschließen: die Kirche, das Pfarrhaus, das Gemeindezentrum, die Kunstgegenstände, die haupt- und ehrenamtlich Tätigen, die verschiedenen Gruppierungen usw. Die Kinder lernen einen wichtigen Teil der Erwachsenenwelt kennen und beginnen, sich in der Gemeinde wohl, sicher und geborgen zu fühlen. Für die Eltern ergeben sich neue Außenkontakte, Kommunikations- und (eventuell) Beratungsmöglichkeiten. Insbesondere der Pfarrer sollte großes Interesse an einer solchen Zusammenarbeit haben, da er vor allem über den Kindergarten den Zugang zu den meisten jungen Familien in seiner Gemeinde finden kann.
Kooperationsmöglichkeiten zwischen Kindergarten und anderen Gliedern der Pfarrgemeinde sollten in regelmäßigen (Dienst-) Besprechungen mit dem Pfarrer ausgelotet werden. Hier geht es zunächst um den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses und darum, die Arbeit der einen Seite für die andere transparent zu machen. Dann können gemeinsame Aktivitäten geplant werden wie beispielsweise:
Besuche des Pfarrers im Kindergarten (auch zur Unterstützung religionspädagogischer Aktivitäten),
Besuche beim Pfarrer, beim Mesner, bei der Gemeindekrankenschwester usw.,
Besichtigung der Kirche und sakraler Gegenstände, eventuell mit Führung durch den Pfarrer,
Teilnahme der Kinder an einer Trauung oder Taufe (möglichst wenn die betroffenen Personen in Beziehung zum Kindergarten stehen),
Durchführung eines Kindergarten- bzw. Familiengottesdienstes,
Teilnahme des Pfarrers an einem Elternabend (eventuell auch als Referent zu einem religionspädagogischen Thema),
Besuche bei älteren Gemeindemitgliedern bzw. Jubilaren,
gemeinsame Veranstaltungen mit dem Seniorenkreis,
Beteiligung des Kindergartens am Kirchweih- bzw. Gemeindefest,
Öffnung des Sommerfestes oder anderer Feiern des Kindergartens für Gemeindemitglieder,
Vorführung der Jugendgruppe im Kindergarten,
Durchführung gemeinsamer Basare und Flohmärkte,
Beiträge der Erzieherinnen im Pfarrblatt bzw. des Pfarrers im Elternbrief,
Austausch relevanter Ankündigungen und Anschläge für das Schwarze Brett.
Noch besser lassen sich solche oder ähnliche Aktivitäten planen, wenn es in der Pfarrei regelmäßige Besprechungen mit Vertretern aller Gruppen und Kreise gibt.
Von besonderer Bedeutung ist ferner die Zusammenarbeit mit (Grund-)Schulen. Hier geht es zum einen um die Erleichterung des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule (vgl. Kapitel "Vernetzung"): "Nur durch einen intensiven Austausch zwischen Erziehern und Lehrern ist die Kontinuität in der Erziehung und Bildung gewährleistet: Was Kinder im Kindergarten gelernt haben, soll nicht verloren gehen. Es soll vielmehr in der Schule darauf aufgebaut werden. Über Bilderbücher, Liedgut, ja die gesamte Erziehungskonzeption usw. muß ein Informationsaustausch erfolgen." (Huppertz 1986, S. 160 f.) Die älteren Kindergartenkinder sollen möglichst schon ihre zukünftige Lehrerin und den Klassenraum kennenlernen. Ferner sollen Grundschullehrer und Erzieherinnen gemeinsam den Eltern das Lernen im Kindergarten und in der Schule vorstellen, Unterschiede diskutieren und Kriterien der Schulreife erarbeiten. Bei Zweifelsfragen hinsichtlich der Einschulung eines Kindes sollten Gespräche zwischen Lehrer, Erzieherin und Eltern erfolgen.
Zum anderen - und das ist in unserem Kontext wichtiger - geht es bei der Kooperation mit Schulen darum, Kindern die Lern- und Lebenswelt einer Bildungsinstitution vorzustellen. Schulen sind ein zentraler Bestandteil der kindlichen Lebenswelt: Geschwister gehen bereits zur Schule, ältere Kindergartenkinder sprechen über ihre bevorstehende Einschulung, Bekannte fragen: "Und wann kommst Du in die Schule?" - und so sind Kinder sehr daran interessiert, solche Einrichtungen kennenzulernen. In diesem Zusammenhang wird deutlich, daß sich die Kooperation nicht auf die beiden ersten Grundschulklassen beschränken muß. Vielmehr sind auch Kontakte zu Haupt- und weiterführenden Schulen, zu Fachschulen und eventuell sogar zu Berufsschulen sinnvoll.
Besuche in der Schule mit der Kindergruppe oder mit einer Teilgruppe von acht bis zehn Kindern sollten gründlich vorbereitet werden. Lehrer/innen oder - noch besser - Schüler/innen zeigen den Kindern zunächst den Pausenhof und das Schulgebäude. Dann kann ein Unterrichtsbesuch folgen, wobei die Kindergruppe entweder hinten im Klassenzimmer oder aufgeteilt in den Ecken des Raumes sitzt. Alternativ kann sich jeweils ein Kindergartenkind neben einen Schüler setzen und sich von diesem betreuen lassen. Der Lehrer sollte möglichst solche Unterrichtsinhalte auswählen, die für Kleinkinder nachvollziehbar sind (z.B. aus dem Bereich der Biologie). Bei Aktivitäten wie Singen, Basteln, Malen und Werken oder beim Sport in der Turnhalle können die Kindergartenkinder mitmachen.
Wichtig ist, daß die Besuche in der Schule auch nachbereitet werden. Beispielsweise kann im Gespräch mit den Kindern das Besondere der Schule im Vergleich zum Kindergarten herausgearbeitet werden (z.B. Schulpflicht, altersgleiche Klassen, Lehrplan, Unterrichtsstunden mit festgelegter Dauer, Schulfächer, Benotung, Stillsitzen der Schüler/innen). Die Kinder können "Schule spielen" oder ihre Beobachtungen in Bildern festhalten.
Bei intensiveren Kontakten sind natürlich auch Gegenbesuche der (Grund-, Fach-) Schüler im Kindergarten möglich. Ferner können Schüler/innen und Kindergartenkinder zu Spielnachmittagen zusammentreffen, gemeinsam Ausflüge unternehmen (Zoo, Heimatmuseum, Burg usw.) oder eine (Puppen-)Theateraufführung besuchen. Viele Feste (St. Martin, Erntedankfest, Karneval etc.) können von den Kindern geplant, vorbereitet und durchgeführt werden: Schüler/innen und Kindergartenkinder singen und tanzen abwechselnd etwas vor, machen füreinander Aufführungen (z.B. Krippen- oder Schattenspiel) und spielen miteinander. Hier können auch die Eltern und andere Familienmitglieder einbezogen werden.
Carmen Wagner berichtet nun, wie der Kindergarten St. Laurentius in Denkhof mit einer Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) zusammenarbeitet, in der geistig und körperlich behinderte sowie verhaltensauffällige Kinder zwischen drei und sieben Jahren betreut und gefördert werden:
"Vor einigen Jahren hatte ich in meiner Gruppe ein Mädchen, dessen Vater als Lehrer in der SVE tätig war. Dieses Mädchen erzählte ab und zu von den Kindern in der SVE, die sie durch ihren Papa bereits kennengelernt hatte. Angeregt durch die Erzählungen des Mädchens einerseits und die 'Tür- und Angelgespräche' zwischen dem Vater und mir andererseits, entwickelte sich allmählich die Idee einer wechselseitigen Kontaktaufnahme.
Als ich mich mit den Kindergartenkindern zusammensetzte und ihnen von dieser Idee berichtete, reagierten sie von Anfang an sehr aufgeschlossen. In der folgenden Zeit beschäftigten wir uns etwas intensiver mit dem Thema 'Behinderte Menschen', und schließlich war es soweit, daß wir Vorbereitungen für unser erstes Zusammenkommen treffen konnten. Zuerst gestalteten wir Einladungen, dann überlegten wir, welche Spiele wir gemeinsam mit den SVE-Kindern spielen könnten.
Der Tag unseres ersten Treffens rückte näher. Wir hatten einen Kuchen für die Gäste gebacken, und als es dann endlich soweit war, deckten wir zusammen mit den Kindern die Tische und erwarteten voller Aufregung den Besuch. Zu unserer Überraschung hatten die SVE-Kinder ein tolles Geschenk mitgebracht, nämlich eine selbstgebastelte Trommel, über die sich unsere Kinder riesig freuten. Dieses Geschenk sollte uns im Laufe der folgenden Jahre immer wieder an unseren Besuch erinnern.
Folgende Eindrücke sind mir von diesem Tag unseres ersten gegenseitigen Kennenlernens noch besonders im Gedächtnis geblieben: Bei dem Kreisspiel 'Ich bin ein dicker Tanzbär', bei dem die Kinder jeweils ein anderes zum Tanzen auffordern sollten, konnten wir anfängliche 'Berührungsängste' zwischen Kindergarten- und SVE-Kindern beobachten. Die Kindergartenkinder suchten sich jeweils wieder ein Kindergartenkind als Tanzpartner aus, die SVE-Kinder forderten ausschließlich wieder SVE-Kinder zum Tanzen auf. Erst auf unseren Vorschlag hin, sich ein Besuchskind zum Tanzen zu holen, trauten sich einzelne Kinder. So kann man von einer allmählichen Annäherung und Kontaktaufnahme sprechen.
Im Freispiel konnten wir feststellen, daß die Kindergartenkinder individuell sehr unterschiedlich auf die behinderten Kinder eingingen. Die meisten Kinder hatten zunächst offenbar eine große Hemmschwelle zu überwinden. Anfangs beobachteten sie interessiert, teils wohl auch etwas verwundert, das Verhalten unseres Besuchs. Einige wenige Kinder aber reagierten 'mutiger' und kümmerten sich liebevoll um die behinderten Kinder. Ich erinnere mich beispielsweise an ein Kind, das sich bei diesem ersten Treffen liebevoll um ein Mädchen bemühte, das im Rollstuhl saß. So fuhr sie z.B. das Mädchen vor der Pause in das Bad, um ihm beim Händewaschen zu helfen. Anschließend fuhr sie es wieder zurück und war ihm beim Essen behilflich.
Insgesamt läßt sich unser erstes Treffen sicher als Erfolg bezeichnen. Als wir die Begegnung hinterher gemeinsam reflektierten, äußerten die Kinder von sich aus den Wunsch nach einem weiteren Treffen. Die Gegeneinladung ließ nicht lange auf sich warten, und so fuhren wir etwa zwei Monate später mit sechs Kindern in die SVE. Zuvor galt es aber noch zu überlegen, was wir unseren Gastgebern mitbringen könnten. Wir einigten uns auf etwas Selbstgebackenes.
Bei diesem ersten Gegenbesuch machten wir die Erfahrung, daß zunächst für unsere Kinder das fremde Spielzeug und die ungewohnten Räumlichkeiten im Vordergrund des Interesses standen. So spielten die Kinder eher 'nebeneinander' als miteinander. Aus diesem Grund hielten wir es für sinnvoll, unseren Kontakt noch auszubauen und mehrere Begegnungstermine pro Jahr zu vereinbaren.
Aus den anfänglichen vier bis fünf Treffen pro Jahr wurde schließlich in den letzten drei Jahren ein regelmäßiges Treffen pro Monat, das jeweils abwechselnd im Kindergarten bzw. in der SVE stattfindet. Erfreulicherweise konnten wir beobachten, daß die Begegnungen allmählich immer ungezwungener wurden. Nach und nach verloren die Kinder ihre anfänglichen Berührungsängste und gingen zunehmend lockerer miteinander um.
So kamen wir schließlich unseren pädagogischen Zielen immer näher: Allmählich lernten die Kinder den richtigen Umgang mit behinderten Kindern. Sie lernten, offen und gelöst, aber auch taktvoll mit ihnen umzugehen. Sie lernten, ihr 'Anderssein' zu akzeptieren und sie in ihrer Eigenart ernst zu nehmen. Auch die nötigen Hilfestellungen erlernten sie im Lauf der Zeit, und so durften sie die Erfahrung machen, was es bedeutet, für jemanden da zu sein, gebraucht zu werden.
Das anfängliche 'Begaffen' eines Menschen, der offensichtlich anders ist als wir, wich einem lebendigen Interesse. Die nichtbehinderten Kinder wurden nach und nach sensibilisiert für die Gefühle und Reaktionen behinderter Menschen. Sie lernten, was es bedeutet, Reize an ein schwerstbehindertes Kind weiterzugeben, es zu streicheln und mit ihm zu reden, auch wenn es keine Antwort - in unserem Verständnis - geben kann. Sie haben aber auch Reize zu verstehen gelernt, die von den Schwerstbehinderten ausgingen: so etwa die Bedeutung eines Lächelns oder des Weinens (ähnlich wie bei einem Säugling).
In der SVE haben die Kinder schon tolle Dinge erlebt. Besondere Höhepunkte unserer bisherigen Begegnungen waren ein gemeinsames Grillen, der Besuch im SVE-Hallenbad und in der großen Turnhalle (die wir in unserem eingruppigen Kindergarten leider nicht haben) sowie ein großes Sommerfest für die gesamte SVE.
Zum Schluß möchte ich noch auf die organisatorischen Punkte unserer Kooperation eingehen: Leider können aus Platz- und Organisationsgründen an den Fahrten zur SVE (die vom Kindergarten ca. 15 km entfernt liegt) jeweils nur sechs bis acht Kinder teilnehmen. Während wir in den ersten Jahren verstärkt Schulanfänger mitnahmen, gestaltet sich die Teilnahme inzwischen sehr unterschiedlich. Ein paar Tage vor dem geplanten Treffen entscheiden die Kinder letztendlich selbst, wer mitkommen möchte. Dann wenden wir uns an die Eltern der betreffenden Kinder und bitten sie, uns in Privatautos zur SVE zu fahren. Die Eltern derjenigen Kinder, die mitfahren, unterschreiben zuvor eine Einverständniserklärung. Meistens bleiben die Eltern, die uns fahren, beim Treffen dabei. Sie können bei einer Tasse Kaffee, die ihnen angeboten wird, selbst ein wenig Einblick in die Situation einer SVE erhalten. Daraus ergeben sich auch für die Eltern neue und sicherlich wertvolle Erfahrungen.
Zu Jahresbeginn werden die neuen Kindergartenkinder jeweils vor dem ersten Treffen durch Gespräche, Fotos und Bilderbücher entsprechend vorbereitet. Insgesamt sind wir mit dem Verlauf des Projektes sehr zufrieden. Und so hat sich die Kooperation zwischen SVE und Kindergarten zu einem festen Bestandteil unseres pädagogischen Konzeptes entwickelt."
Neben Kirchengemeinden, Schulen und Einrichtungen für Behinderte gibt es noch andere potentielle Kooperationspartner: Kinder- und Altenheime, Verbände, Sport-, Musik- und Heimatvereine, aber auch andere Kindertageseinrichtungen kommen beispielsweise in Frage. Aber auch Einzelpersonen wie Handwerker oder Künstler sind zu nennen. So beschreibt Susanne Treffer, ehemals Leiterin einer altersübergreifenden Gruppe im Sozialpädagogischen Zentrum St. Leonhard in Regensburg, die langfristige Zusammenarbeit mit einer Töpferin:
"Fast in unmittelbarer Nähe unserer Einrichtung entdeckte ich die Werkstatt der Regensburger Malerin und Töpferin Mariana Steiner. Mein eigener Wunsch, wieder einmal künstlerisch tätig zu werden, und die Vorstellung, daß es ebentuell zu einer Zusammenarbeit zwischen ihr und der altersgemischten Gruppe kommen könnte, führte zu einem Besuch bei ihr.
Mariana Steiner und ich fühlten uns sofort gleichgesinnt. Es entwickelte sich ein längeres Gespräch, in dem wir unseren Gedanken freien Lauf ließen, Meinungen über unsere bisherigen Tätigkeiten austauschten, über Sinn und Zweck von Kind und Kunst sprachen und auf uns beiden bekannte Künstler und deren Erfahrungen stießen. Nach einigen Semestern ihres Kunstpädagogikstudiums stand für Mariana Steiner fest, daß sie keine Lehrerin werden wollte. Sie möchte nicht 'erziehen', um ein Ergebnis zu erzielen, sondern jedem Kind die Möglichkeit geben, seinen eigenen Weg zu erspüren und zu gehen. Sie möchte ihren Schülern eine Art 'Hebamme' sein und nur daneben stehen, um im richtigen Moment zu helfen.
Nach einer Abstimmung der Eltern im Rahmen eines Elternabends, auf dem Mariana Steiner sich vorstellte, töpferten ab November 1994 regelmäßig vier bis fünf Kinder voller Begeisterung in ihrer Keramikwerkstatt. Die Arbeit in der Töpferei beinhaltete Momente, in denen die Kinder wirklich ihr eigenes 'Selbst' ausleben, an Selbstsicherheit gewinnen und die Chance nutzen konnten, Ideen und Vorstellungen freien Lauf zu lassen - ohne Anweisungen zu erhalten, aber doch in der Gewißheit unserer Hilfestellung.
Der Erfolg zeigte sich in einer große Freude und Spaß am Umgang mit dem Ton. Themen, die gerade im Kindergarten, zu Hause oder für das Kind selbst aktuell waren, flossen in die Arbeiten ein. Auch ohne die Vorgabe eines bestimmten Themas fingen die Kinder an, den Ton als ein formbares Element zu erkennen. Sie überlegten, welchen Zweck und welche Gestalt sie ihm verleihen wollten und experimentierten mit ihm. Die Kinder kamen schnell auf die Idee, sich schon auf dem Weg zur Werkstatt ihr 'Werkzeug' zu suchen. Stöcke, Grashalme u.a. waren interessante Hilfsmittel für die Mustergestaltung. Die Kinder wurden mit der Zeit immer anspruchsvoller. Sie bestanden darauf, in Ruhe arbeiten zu können, bewiesen Ausdauer und waren sich über die einzelnen Schritte eines längeren Arbeitsvorgangs im klaren.
Wir beobachteten, daß die Töpferaktivität teilweise eine gewisse kompensatorische Wirkung beinhaltete. Kinder, die in einer reizarmen Lebenssituation aufwuchsen, wurden gefördert und angeregt. Sie lernten durch die vielfältigen Möglichkeiten, mit dem Ton umzugehen, sich besser verbal auszudrücken. Andere Kinder wiederum, die in einem sehr überfordernden Erziehungsmilieu aufwuchsen, waren mitunter so gehemmt, zurückgezogen und ängstlich, daß sie nichts 'leisten' könnten. Die daraus resultierenden Aggressionen konnten sie erst einmal am Ton auslassen, um dann schließlich Entspannung und Ruhe zu finden.
Mariana Steiner und ich waren uns darüber einig, Töpfern nicht als 'leistungsorientiertes' Arbeiten, als Produzieren für die Eltern zu betrachten, sondern vielmehr der 'Aufforderung' der Kinder nachzukommen, sich mit ihrer kindlichen Vorstellungswelt auseinanderzusetzen. Diese Erkenntnisse waren der Anlaß dafür, daß wir unsere Kontakte und Zusammenarbeit weiter vertieften. Unser Projekt nahm so über ein Jahr lang einen festen Platz in der Wochenplangestaltung ein und war nicht mehr wegzudenken. Wir schlossen es mit einer Ausstellung ab, die die Kinder mit ihren Kunstwerken gestalteten und zu der auch die Öffentlichkeit eingeladen wurde."
5. Der Kindergarten als Gemeinwesenzentrum
Die Öffnung von Kindertagesstätten zu ihrem Umfeld hin kann auch dazu führen, daß Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern entdeckt werden, die der Kindergarten auf unkonventionelle Weise befriedigen kann. So entwickelten sich einige Einrichtungen zu Nachbarschaftszentren mit ganz unterschiedlichen Angeboten und Unterstützungsleistungen weiter, die auch von Außenstehenden genutzt werden können. Zugleich werden sie zu lokalen Begegnungsstätten, die einen wichtigen Beitrag zur Integration von Familien in das Gemeinwesen leisten und die Qualität des Zusammenlebens verbessern.
Vor allem in den neuen Bundesländern wurde eine Weiterentwicklung in Richtung Nachbarschaftszentrum auch durch das Bestreben eingeleitet, bei zurückgehenden Kinderzahlen neue Betätigungsfelder für Erzieherinnen zu erschließen, denen ansonsten gekündigt werden müßte. Schließlich wurde mancherorts diskutiert, ob Kindergartenräume - die schließlich mit öffentlichen Mitteln geschaffen wurden - nicht auch noch anderweitig genutzt werden könnten. Diese Frage wird sicherlich in Zukunft noch häufiger gestellt werden, wenn aufgrund der Bevölkerungsentwicklung auch in den alten Bundesländern immer mehr Gruppenräume leerstehen werden.
Kindergärten, die sich in Richtung Gemeinwesenzentren weiterentwickeln, machen in den eigenen oder benachbarten Räumen z.B. folgende Angebote:
Kochkurs/-club
Gymnastikkurs/Elternsport
Teestube/Café (für Eltern, Nachbarn u.a.)
Mittagstisch für Eltern, Nachbarn u.a. (gegen Bezahlung)
Öffnung des Spielplatzes für andere Kinder
Vorlesenachmittage in der Bibliothek (auch für Schulkinder und Eltern)
offene Freizeitangebote wie Kinderatelier oder Phantasiewerkstatt
Ferienaktionen für Schulkinder
Es handelt sich hier immer um Angebote, für die vor Ort ein konkreter Bedarf besteht. Viele kommen ohne Mitwirkung der Erzieherinnen zustande; hier werden nur Räumlichkeiten und eventuell Spielsachen zur Verfügung gestellt. Andere werden von den Eltern in Eigenregie oder von Laienmitarbeiter/innen durchgeführt. Und bei Angeboten wie Mittagstisch für Schulkinder bzw. Erwachsene oder Ferienaktionen werden vorhandene Ressourcen (Küche) oder freie personelle Kapazitäten (weniger zu betreuende Kindergartenkinder während der Ferien) besser genutzt.
Ein konkretes Beispiel für ein Nachbarschaftszentrum ist das Kinderhaus "Wi-Wa-Wunderland" in Eisenhüttenstadt, das Petra Lorenz in der Zeitschrift EigenSinn (Heft 3/95, S. 2-3) wie folgt vorstellte:
"Wichtigster Ansatzpunkt für die Erarbeitung einer neuen Konzeption war die Analyse der Lebensbedingungen in unserem Wohngebiet: Es leben hier viele junge Familien mit Kindern unter 14 Jahren, die kaum Möglichkeiten für eine sinnvolle Freizeitgestaltung hatten. Viele Eltern sind arbeitslos, finanziell besser Gestellte ziehen weg. Die älteren Leute leben isoliert in ihren Wohnungen, insgesamt haben Familien untereinander kaum Kontakt. Auch zu anderen Institutionen und Vereinen, die sich im Wohngebiet gegründet hatten, bestanden sehr wenig Beziehungen. Das bestärkte uns in dem Anliegen, die Einrichtung als Anlaufpunkt und als Lebensstätte für Kinder und als Begegnungsstätte für Bürger des Wohngebietes umzugestalten. Die Anwohner sollten sich mit dem Kinderhaus als Treffpunkt für klein und groß identifizieren. Dazu wollten wir die Eltern, andere Bewohner und eine breite Öffentlichkeit als Partner gewinnen.
Zunächst einmal steht unser Haus allen Kindern von 1 1/2 bis zu 12 Jahren als ganztägiges Betreuungsangebot zur Verfügung. Zur Zeit leben und lernen hier 184 Kinder in altersgemischten Kindergarten- und Hortgruppen.
Für Kinder bis zu 14 Jahren steht ein Freizeitbereich offen. Zur Zeit nutzen ca. 40 bis 50 Kinder für einen Unkostenbeitrag von monatlich fünf Mark die umfangreichen Angebote. Die Kinder kommen gern zu uns, können sie doch hier ihre unterschiedlichsten Wünsche und Interessen verwirklichen. Es gibt einen Sportraum, wo man sich vielfältig körperlich belasten kann. Dies ist auch auf dem Freigelände möglich. Man kann auch Tischtennis und Billard spielen, sich am Computer ausprobieren, Musik hören und vielfältig kreativ-künstlerisch tätig sein. Zur Zeit richten sich die Ältesten einen Clubraum ein, in dem man gemütlich quatschen und kleine Feste feiern kann. Gern besucht sind die Interessengruppen wie 'Kochen und Backen', 'Tanzen', 'Werken', 'Fotografie'.
Für diesen Freizeitbereich ist zwar eine Erzieherin zusätzlich beschäftigt, dennoch war uns von Beginn an bewußt, daß ein solches vielseitiges zusätzliches Angebot nur in enger Zusammenarbeit mit den Eltern, mit ehrenamtlichen Kräften sowie Vereinen zu verwirklichen ist. Zur Zeit arbeiten bei uns 13 ehrenamtliche Kräfte. Unterstützung erhalten wir auch durch die Mobile Suchtberatung, Pro Familia, Ernährungsberater, Umweltschützer, dem Tierschutzverein, die Musikschule u.v.a. Wichtig ist uns dabei, daß die Kinder auch ihre Erfahrungen mit männlichen Partnern brauchen.
Erwähnenswert ist unser Mittagessenangebot für die Kinder aus dem Wohngebiet, das gern in Anspruch genommen wird. Weiterhin bietet das Kinderhaus für Eltern, welche das Erziehungsjahr nutzen oder deren Kinder keine Einrichtung besuchen, die Krabbelbox an. Diese ist täglich von 9 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet. Zu einem Stundensatz von 1,- DM werden die Kinder hier stundenweise betreut. Man trifft sich zum Müttertreff, wo sich neben einer festangestellten Kraft u.a. auch ehrenamtliche Helfer engagieren. Eine Therapeutin, Sozialarbeiterin und Ärztin helfen den Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder. Man kann sich auch nur zum Kaffeeklatsch treffen und dadurch neue Kontakte knüpfen.
Zur Zeit denken wir gemeinsam mit dem Förderverein darüber nach, einen Raum für einen Elterntreff einzurichten, in dem sich Eltern unkonventionell treffen und miteinander reden, vielleicht auch Selbsthilfe organisieren können. Wir denken in diesem Zusammenhang auch an eine Bibliothek für Kinder, Jugendliche und Eltern.
Natürlich feiern wir auch viele Feste in unserem Kinderhaus, die alle Bewohner, Kinder, Jugendliche, Eltern und ältere Leute unseres Wohngebietes vereinen. So kann man sagen, daß unser Haus zu einem kulturellen Mittelpunkt des Stadtteils geworden ist.
Auch in der Arbeit mit den Eltern haben wir manchmal Rückschläge einstecken müssen. Ohne unsere Initiative passierte kaum etwas, immer wieder sind wir es, die Anregungen geben, die Initiative ergreifen müssen. Viel versprechen wir uns von den Elterntreffs, wo Eltern für Eltern Zusammenkünfte verschiedenster Art organisieren können. Ich denke, daß die größten Erfolge in unserer Arbeit dadurch gegeben sind, daß jede Erzieherin den ihr gegebenen Freiraum nutzt, um sich im Rahmen unserer Konzeption selbst auszuprobieren. Dadurch werden viele Initiativen freigesetzt."
Wie im letzten Beispiel schon angedeutet, sind die Weiterentwicklung von Kindergärten zu Gemeinwesenzentren oder aus dem üblichen Rahmen fallende Angebote in der Regel nur möglich, wenn zusätzliche Finanzierungsquellen erschlossen werden - wie z.B. durch einen Förderverein (Alternativen sind die Erhebung von Teilnehmerbeiträgen, das Einwerben von Spenden, "social sponsoring", die Beantragung öffentlicher Mittel u.a.). Die Ziele eines solchen Vereins sind vor allem die Förderung der Belange des Kindergartens und seines Ansehens in der Gesellschaft, die ideelle, personelle und finanzielle Unterstützung der pädagogischen Arbeit und von besonderen Vorhaben (Projekte, neue Angebote, Anschaffungen usw.) und die Aufrechterhaltung des Kontakts zu ehemaligen Kindergarteneltern. Der Verein kann auch bei Betrieben, Geschäften und Einzelpersonen um Spenden bitten und - wenn er als gemeinnützig anerkannt ist - Spendenquittungen ausstellen.
Mitglieder des Fördervereins können Eltern (auch ehemaliger Kindergartenkinder), interessierte Mitbürger, der Bürgermeister, Gemeinderäte, der Pfarrer und die Erzieherinnen selbst sein. Auch kann der Verein eigene Veranstaltungen im Kindergarten oder in anderen Räumen durchführen, die das Angebot der Einrichtung ergänzen und erweitern. Wie beim Elternverein der Kindertagesstätte "Die Wurzel" in Magdeburg kann sich ein aktives Vereinsleben mit Kegel- und Tanzabenden, Aerobic-Kursen und Klausurtagungen entwickeln. Der Verein "Offenes Astwerk" in Tiefenbach-Ast widmet sich besonders der Kinderkulturarbeit, indem für Kindergarten- und Schulkinder Spielplatzfeste, Musiknachmittage und besondere Ferienprogramme durchgeführt werden. Auch setzte er die Schaffung von zwei kindgerechten öffentlichen Spielplätzen durch. Deutlich wird, daß durch Fördervereine die Öffnung von Kindertagesstätten zu ihrem Umfeld vorangetrieben werden kann und daß sie zu deren Einbettung in das Gemeinwesen beitragen.
Haben sich mehrere Erwachsene gefunden, die gemeinsam einen Kindergartenverein gründen wollen, so müssen sie förmlich oder informell zu einer Gründungsversammlung eingeladen werden. Wie es dann weitergeht, beschreibt der Jurist Wolfgang Bott (1992, S. 23):
"Die Aufgaben dieser Gründungsversammlung bestehen im wesentlichen darin, den vorgelegten Entwurf nach entsprechender Diskussion als Satzung zu verabschieden und den ersten ggf. vorläufigen Vereinsvorstand zu wählen. Eine Beschlußfähigkeitsregelung gilt für diese Gründungsversammlung grundsätzlich nicht; lediglich für den Fall, daß alsbald die Eintragung im Vereinsregister angestrebt wird, sind nach § 56 BGB mindestens 7 Mitglieder und nach § 59 Abs. 3 BGB die Unterzeichnung der Satzung von mindestens 7 Mitgliedern erforderlich.
Für den Fall, daß der Förderverein nur als sog. Idealverein im Sinne von § 21 BGB geführt werden soll, ist mit dem Beschluß über die Satzung und deren Inkrafttreten die für die Vorstandsarbeit erforderliche Rechtsgrundlage gegeben, weiterer rechtlich vorgegebener Schritte bedarf es dann nicht.
Lediglich für den Fall, daß eine Eintragung des Vereins beim zuständigen Amtsgericht als Registergericht angestrebt wird, sind weitere Schritte erforderlich. Eine solche Eintragung hat folgende Rechtswirkung:
Der Verein erlangt gemäß § 21 BGB Rechtsfähigkeit, was ihm zumindest im Privatrechtsverkehr im wesentlichen dieselben Rechte eröffnet wie jeder natürlichen Person.
Der Verein erlangt, soweit er gemeinnützige/nicht wirtschaftliche Ziele verfolgt, die Berechtigung, Zuwendungen als steuerlich absetzbar zu quittieren; dabei sind auch die Mitgliedsbeiträge natürlicher Personen als Sonderausgaben steuerlich absetzbar.
Der Verein unterscheidet sich durch seine satzungsgemäß fixierte Zweckbestimmung von anderen eher personenbezogenen Vereinigungen.
Zur Eintragung im Vereinsregister sind folgende Schritte durchzuführen:
1. Beschluß einer Satzung des Fördervereins, die gemäß § 57 BGB mindestens Angaben über Zweck, Namen, Sitz und das Bestreben, eine Eintragung im Vereinsregister zu begehren, enthalten muß, wobei der Name so zu wählen ist, daß Verwechslungen mit anderen Vereinigungen am Ort möglichst vermieden werden.
Darüber hinaus soll die Satzung gemäß § 58 BGB Angaben über Ein- und Austritt der Mitglieder, Beitragspflichten der Mitglieder, Bildung des Vorstands und über Voraussetzungen der Berufung von Mitgliederversammlungen, der Form dieser Berufung und die Beurkundung der Beschlüsse von Mitgliederversammlungen enthalten.
2. Meldung des Vereins zur Eintragung beim örtlich zuständigen Amtsgericht gemäß den §§ 55 und 59 BGB durch den Vereinsvorstand; der Meldung ist nach § 59 Abs. 2 beizufügen
die Satzung in Urschrift und Abschrift sowie eine Abschrift der Urkunde über die Wahl des Vorstandes.
Die Satzung ist gemäß § 59 Abs. 3 BGB von mindestens 7 Mitgliedern unter Angabe des Errichtungstages zu unterzeichnen.
Die Meldung ist gemäß § 77 BGB in öffentlich beglaubigter Form vorzunehmen, das heißt, alle Unterschriften sind entweder vor einem Notar oder vor einem Amtsgericht zu leisten und von diesem zu beglaubigen.
3. Mit der Eintragung im Vereinsregister erhält der Verein gemäß § 65 BGB den Zusatz e.V. und erwirbt die dargestellten Rechte. Die Eintragung wird gemäß § 66 Abs. 1 BGB bekanntgemacht und die Satzungsurschrift mit Eintragungsvermerk gemäß § 66 Abs. 2 BGB zurückgegeben.
4. Nach der Eintragung bedarf jede Veränderung im Vorstand gemäß § 67 BGB und jede Satzungsänderung gemäß § 71 Abs. 1 der Anmeldung zur Eintragung im Vereinsregister, wofür das vorstehend geschilderte Verfahren gilt.
5. Danach ist beim zuständigen Finanzamt lediglich eine Bescheinigung über die Gemeinnützigkeit durch Vorlage der eingetragenen Satzung einzuholen."
Nun kann der Verein aktiv werden, die Öffnung des Kindergartens nach außen hin unterstützen, zusätzliche Mittel "einwerben", die pädagogische Arbeit und besondere Aktivitäten der Fachkräfte ideell, personell und materiell fördern, Geräte und Materialien zur Verfügung stellen usw.

References: § 56
 § 59
 § 21
 § 21
 § 57
 § 58
 § 59
 § 59
 § 77
 § 65
 § 66
 § 66
 § 67
 § 71