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Timestamp: 2019-07-22 01:39:41+00:00

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Innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft - Lexikon des Steuerrechts | smartsteuer
Innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft – Lexikon des Steuerrechts
1 Tatbestandsmerkmale und Folge des innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts
1.2 Zuordnung der Beförderungs- bzw. Versendungslieferung
1.3 Maßgebliche Umsätze des innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts
2 Überwälzung der Steuerschuld auf den letzten Abnehmer
3 Besonderheiten der Rechnungserteilung
4 Bemessungsgrundlage nach § 25b Abs. 4 UStG
7 Fiskalvertretung
1. Tatbestandsmerkmale und Folge des innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts
Nach § 25b UStG müssen folgende Voraussetzungen vorliegen:
drei Unternehmer (erster Lieferer, erster Abnehmer und letzter Abnehmer) schließen über denselben Gegenstand Umsatzgeschäfte ab und diese Geschäfte werden dadurch erfüllt, dass der Gegenstand der Lieferung unmittelbar vom ersten Lieferer an den letzten Abnehmer befördert oder versendet wird (§ 25b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG; Abschn. 25b.1 Abs. 2 UStAE),
die Unternehmer sind in jeweils verschiedenen Mitgliedstaaten für Zwecke der USt erfasst (§ 25b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG; Abschn. 25b.1 Abs. 3 UStAE),
der Gegenstand der Lieferung gelangt aus dem Gebiet des Mitgliedstaates in das Gebiet eines anderen Mitgliedstaates (§ 25b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG; Abschn. 25b.1 Abs. 4 UStAE),
der Gegenstand der Lieferung wird durch den ersten Lieferer oder den ersten Abnehmer befördert oder versendet (§ 25b Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 UStG; Abschn. 25b.1 Abs. 5 UStAE).
1.2. Zuordnung der Beförderungs- bzw. Versendungslieferung
Ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft setzt u.a. voraus, dass der Gegenstand durch den ersten Lieferer oder den ersten Abnehmer (mittlerer Unternehmer) befördert oder versendet wird (§ 25b Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 UStG). Dies gilt für den mittleren Unternehmer allerdings nur dann, wenn er in seiner Eigenschaft als Abnehmer befördert oder versendet, d.h. wenn die Beförderung oder Versendung der Lieferung an ihn (erste Lieferung im Dreiecksgeschäft) zugeordnet wird.
Voraussetzung für ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft ist, dass der Lieferung an den letzten Abnehmer ein innergemeinschaftlicher Erwerb (des mittleren Abnehmers) vorausgegangen ist (§ 25b Abs. 2 Nr. 1 UStG).
Wird die Beförderung oder Versendung der zweiten Lieferung im Dreiecksgeschäft zugeordnet, weil der mittlere Unternehmer in seiner Eigenschaft als Lieferer auftritt, liegt kein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft vor. Wird der Gegenstand der Lieferungen durch den letzten Abnehmer befördert oder versendet (Abholfall), liegt ebenfalls kein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft vor (Abschn. 25b.1 Abs. 5 UStAE).
Zu beachten gilt, dass die Regelung des Abschn. 3.14 Abs. 8 Satz 2 UStAE mit dem EuGH-Urteil vom 16.12.2010 (C-430/09, UR 2011, 176, 269, LEXinform 5211805, Rz. 41 und 45) nicht mehr vereinbar ist. S. dazu die Erläuterungen unter → Reihengeschäft. S. dort auch das EuGH-Urteil vom 27.9.2012, C-587/10, UR 2012, 832, LEXinform 0589310 sowie die Nachfolgeentscheidung des BFH vom 28.5.2013, XI R 11/09, BFH/NV 2013, 1524, LEXinform 0179723 und das BFH-Urteil vom 25.2.2015, XI R 15/14, BFH/NV 2015, 772, LEXinform 0934809).
Das EuGH-Urteil vom 16.12.2010 (C-430/09, Euro Tyre Holding, UR 2011, 176, 269, LEXinform 5211805) ist die Fortsetzung des EuGH-Urteils vom 6.4.2006 (C-245/04, UR 2006, 342, LEXinform 5210057) und beschäftigt sich mit der Bestimmung des Lieferorts bei aufeinanderfolgenden Lieferungen innerhalb der EU (s.a. von Streit, UR 2011, 161). Klärungsbedürftig war die Frage, wann bei einem Reihengeschäft mit drei Beteiligten (A-B-C-Geschäft) in verschieden EU-Staaten, die Beförderung oder Versendung der ersten oder der zweiten Lieferung zuzurechnen ist. Das EuGH-Urteil lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Die Beförderung ist grundsätzlich der ersten Lieferung (A – B) zuzurechnen, wenn der Zwischenerwerber B gegenüber dem Erstlieferer A die Absicht bekundet, die Waren in einen anderen Mitgliedstaat zu befördern und er deshalb mit der vom anderen Mitgliedstaat zugewiesenen UStIdNr. aufgetreten ist.
Der Erstlieferer kann anhand der Angaben seines Vertragspartners davon ausgehen, dass er an diesen eine innergemeinschaftliche Lieferung tätigt. Diese Erstlieferung ist dann steuerfrei, wenn der Erstlieferer seinen Verpflichtungen zum Nachweis der innergemeinschaftlichen Lieferung nachkommt (s.a. Sterzinger, Anmerkung zum EuGH-Urteil vom 16.12.2010, UR 2011, 269).
Auch wenn der Zweiterwerber (C) an der Beförderung beteiligt ist, ist das kein Anhaltspunkt dafür, dass diese Beförderung der zweiten Lieferung zuzuordnen ist.
Die Beförderung ist der zweiten Lieferung (B – C) zuzurechnen, wenn der Zwischenlieferer B den Erstlieferer A darüber informiert, dass er – der Zweitlieferer B – den Gegenstand, bevor dieser den Liefermitgliedstaat verlassen hat, an einen anderen Unternehmer C weiterverkauft hat.
Siehe die ausführlichen Erläuterungen zu → Reihengeschäft unter dem Gliederungspunkt »Innergemeinschaftliches Reihengeschäft«.
1.3. Maßgebliche Umsätze des innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts
Ziel der Regelung ist es, den mittleren Unternehmer von steuerlichen Registrierungs- und Meldevorschriften zu entbinden. Dies wird dadurch erreicht, dass erstens der Erwerb beim mittleren Unternehmer als besteuert gilt und zweitens die USt des mittleren Unternehmers vom Erwerber übernommen wird. Der Erwerber ist berechtigt, diese USt als Vorsteuerabzug geltend zu machen (§ 25b Abs. 5 UStG; Abschn. 25b.1 Abs. 1 UStAE).
Bei einem innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäft werden unter Berücksichtigung der allgemeinen Regelungen für Reihengeschäfte (vgl. Abschn. 3.14 Abs. 1 bis 11 UStAE) grundsätzlich folgende Umsätze ausgeführt (Abschn. 25b Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 bis 4 UStAE):
Abb.: Umsätze beim innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäft
2. Überwälzung der Steuerschuld auf den letzten Abnehmer
Die Überwälzung der USt des mittleren Unternehmers auf den letzten Abnehmer kann nur dann erfolgen, wenn die nachfolgenden Voraussetzungen erfüllt sind (§ 25b Abs. 2 UStG):
der Lieferung des mittleren Unternehmers an den letzten Abnehmer ist ein → innergemeinschaftlicher Erwerb vorausgegangen (s.a. Abschn. 25b.1 Abs. 7 UStAE),
der mittlere Abnehmer ist in dem Mitgliedstaat, in dem die Beförderung oder Versendung endet, nicht ansässig. Er verwendet gegenüber dem ersten Lieferer und dem letzten Abnehmer dieselbe → Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, die ihm von einem anderen Mitgliedstaat erteilt worden ist als dem, in dem die Beförderung oder Versendung endet,
der mittlere Abnehmer erteilt dem letzten Abnehmer eine → Rechnung i.S.d. § 14a Abs. 7 UStG, in der die Steuer nicht gesondert ausgewiesen ist,
der letzte Abnehmer verwendet eine → Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Mitgliedstaates, in dem die Beförderung oder Versendung endet.
R aus Rom verkauft Pkws an L aus Ludwigshafen, der seinerseits die Pkws an M aus Mannheim verkauft. R transportiert die Pkws mit eigenem Lkw am 28.2.07 unmittelbar an M.
Ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft liegt nach § 25b Abs. 1 Nr. 2 UStG nicht vor, da die Unternehmer nicht in jeweils verschiedenen Mitgliedstaaten für Zwecke der USt erfasst sind (§ 25b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG; Abschn. 25b.1 Abs. 3 UStAE). Die Ansässigkeit in einem dieser Mitgliedstaaten ist nicht erforderlich; maßgeblich ist vielmehr, dass der Unternehmer unter der UStIdNr. auftritt, die ihm von einem dieser Mitgliedstaaten erteilt worden ist. Treten mehrere der an dem Dreiecksgeschäft beteiligten Unternehmer unter der UStIdNr. desselben Mitgliedstaates auf, liegt kein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft vor. Zur weiteren Lösung s. → Reihengeschäft.
S.a. Beispiel 1. R aus Rom verkauft Pkws an L aus Ludwigshafen, der seinerseits die Pkws an M aus Mannheim verkauft. R transportiert die Pkws mit eigenem Lkw am 28.2.07 unmittelbar an M. R und L treten jeweils unter der UStIdNr. ihres Landes auf. M tritt nicht unter seiner deutschen UStIdNr., sondern unter seiner französischen UStIdNr. auf.
Die Voraussetzung des § 25b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG für das Vorliegen eines innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts ist erfüllt, da die drei beteiligten Unternehmer in jeweils verschiedenen Mitgliedstaaten (Italien, Deutschland, Frankreich) für Zwecke der USt erfasst sind und mit UStIdNrn. aus verschiedenen Mitgliedstaaten auftreten. Auf die Ansässigkeit von L und M in demselben Mitgliedstaat kommt es bei der Beurteilung nicht an.
S.a. Beispiel 1 und 2. T aus Turin verkauft Pkws an R aus Rom, der seinerseits die Pkws an L aus Ludwigshafen und der wiederum verkauft die Pkws an M aus Mannheim. T transportiert die Pkws mit eigenem Lkw am 28.2.07 unmittelbar an M. T, R und L treten jeweils unter der UStIdNr. ihres Landes auf. M tritt nicht unter seiner deutschen UStIdNr., sondern unter seiner französischen UStIdNr. auf. R weist nach, dass er den Gegenstand als Lieferer i.S.d. § 3 Abs. 6 Satz 6 2. Alternative versendet hat. Zur Bestimmung des Lieferorts nach der EuGH- und BFH-Rspr. s. → Reihengeschäft.
Ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft setzt voraus, dass drei Unternehmer (erster Lieferer, erster Abnehmer und letzter Abnehmer) über denselben Gegenstand Umsatzgeschäfte abschließen und dieser Gegenstand unmittelbar vom Ort der Lieferung des ersten Lieferers an den letzten Abnehmer gelangt (§ 25b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG). Ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft kann auch zwischen drei unmittelbar nacheinander liefernden Unternehmern bei Reihengeschäften mit mehr als drei Beteiligten vorliegen, wenn die drei unmittelbar nacheinander liefernden Unternehmer am Ende der Lieferkette stehen. Der erste Abnehmer in dem Dreiecksgeschäft ist als mittlerer Unternehmer in der Reihe zugleich Abnehmer und Lieferer (Abschn. 25b.1 Abs. 2 UStAE).
Zwischen T, R, L und M liegt ein Reihengeschäft vor. Darüber hinaus ist ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft i.S.d. § 25b Abs. 1 UStG zwischen R, L und M anzunehmen, weil R als erster am Dreiecksgeschäft beteiligter Lieferer den Gegenstand der Lieferungen versendet. Die Versendung ist der ersten Lieferung im Dreiecksgeschäft (R an L) zuzuordnen, da R den Gegenstand als Lieferer i.S.v. § 3 Abs. 6 Satz 6 2. Alternative UStG versendet hat. Ort der Lieferung ist nach § 3 Abs. 6 Satz 5 i.V.m. Satz 1 UStG Italien (Beginn der Versendung). Die Lieferung des R an L ist als innergemeinschaftliche Lieferung in Italien steuerfrei. Der Erwerb des Gegenstands unterliegt bei L grundsätzlich der Besteuerung des innergemeinschaftlichen Erwerbs in Deutschland, da die Beförderung dort endet (§ 3d Satz 1 UStG).
Die zweite Lieferung im Dreiecksgeschäft (L an M) ist eine ruhende Lieferung. Lieferort ist nach § 3 Abs. 7 Satz 2 Nr. 2 UStG Deutschland, da sie der Beförderungslieferung nachfolgt. T erbringt eine ruhende Lieferung in Italien (§ 3 Abs. 7 Satz 2 Nr. 1 UStG), die nach italienischem Recht zu beurteilen ist.
Eine Übertragung der Steuerschuld vom ersten (L) an den letzten Abnehmer M nach § 25b Abs. 2 UStG erfolgt nicht. Der Lieferung von L an M ist ein innergemeinschaftlicher Erwerb vorausgegangen (§ 25b Abs. 2 Nr. 1 UStG), der erste Abnehmer L ist aber in dem Mitgliedstaat, in dem die Beförderung oder Versendung endet, ansässig. Somit ist die Voraussetzung des § 25b Abs. 2 Nr. 2 UStG nicht erfüllt.
R aus Rom verkauft Pkws an B aus Brüssel, der seinerseits die Pkws an L in Ludwigshafen verkauft. R transportiert die Pkws mit eigenem Lkw direkt zu L. R, B und L benutzen jeweils die UStIdNr. ihres Landes. B erteilt dem L eine Rechnung i.S.d. § 14a Abs. 7 UStG.
Die Lieferung ist in Italien steuerbar. R tätigt eine innergemeinschaftliche Lieferung entsprechend des italienischen UStG.
Bei B liegt ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor (§ 1a Abs. 1 Nr. 1–3 UStG). Die Warenbewegung wird der 1. Lieferung zugeordnet. Nach § 3d Satz 1 UStG befindet sich der Ort der innergemeinschaftlichen Lieferung in Deutschland, da dort die Beförderung endet, und in Belgien, da B seine belgische UStIdNr. verwendet (§ 3d Satz 2 UStG). Der Erwerb ist gem. § 1 Abs. 1 Nr. 5 UStG steuerbar und mangels Befreiung nach § 4b UStG in Deutschland steuerpflichtig.
Ort dieser »bewegungslosen Lieferung« ist gem. § 3 Abs. 7 Nr. 2 UStG in Ludwigshafen. Die Lieferung ist gem. § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG steuerbar und steuerpflichtig. Ein innergemeinschaftlicher Erwerb des L liegt nicht vor, da er Leistungsempfänger einer inländischen »bewegungslosen Lieferung« ist. B führt demnach eine steuerbare und steuerpflichtige Lieferung in Deutschland aus.
Da die Unternehmer in jeweils verschiedenen Mitgliedsstaaten für Zwecke der USt erfasst sind (§ 25b Abs. 1 Nr. 2 UStG), ist das innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäft zu prüfen:
§ 25b Abs. 1 Nr. 1 UStG: R, B und L schließen über denselben Gegenstand Umsatzgeschäfte ab; die Pkws gelangen unmittelbar von R an L.
§ 25b Abs. 1 Nr. 2 UStG: R, B und L sind in den jeweils verschiedenen Mitgliedsstaaten Italien, Belgien und Deutschland erfasst.
§ 25b Abs. 1 Nr. 3 UStG: Die Pkw gelangen von dem Mitgliedstaat Italien in den Mitgliedstaat Deutschland.
§ 25b Abs. 1 Nr. 4 UStG: Die Pkw werden durch den ersten Lieferer R befördert.
Überprüfung der Tatbestandsmerkmale des § 25b Abs. 2 UStG:
§ 25b Abs. 2 Nr. 1 UStG: Der Lieferung durch B an L geht der innergemeinschaftliche Erwerb durch B voraus.
§ 25b Abs. 2 Nr. 2 UStG: B ist nicht in dem Mitgliedstaat ansässig, in dem die Beförderung oder Versendung endet. B ist in Belgien ansässig, die Beförderung endet aber in Deutschland. Er verwendet gegenüber R und L seine belgische UStIdNr. Die UStIdNr. ist nicht von den Mitgliedstaaten erteilt worden, in denen die Versendung beginnt (Italien) oder endet (Deutschland).
§ 25b Abs. 2 Nr. 3 UStG: Der erste Abnehmer B erteilt dem letzten Abnehmer L eine Rechnung i.S.d. § 14a Abs. 7 UStG, in der die Steuer nicht gesondert ausgewiesen ist. In der Rechnung ist auf das Vorliegen eines innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts und die Steuerschuld des letzten Abnehmers hinzuweisen.
§ 25b Abs. 2 Nr. 4 UStG: L verwendet die UStIdNr. des Mitgliedstaates Deutschland, in dem die Beförderung oder Versendung endet.
Im Fall eines innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts i.S.d. § 25b Abs. 1 UStG wird die Steuer für die (Inlands-)Lieferung des ersten (B) an den letzten jeweils an dem Dreiecksgeschäft beteiligten Abnehmer (L) von diesem letzten Abnehmer L geschuldet, wenn die in § 25b Abs. 2 Nr. 1 bis 4 UStG genannten Voraussetzungen sämtlich erfüllt sind. Die Übertragung der Steuerschuld auf den letzten Abnehmer ist bei Vorliegen der Voraussetzungen zwingend vorgeschrieben. Durch die Übertragung der Steuerschuld wird der letzte Abnehmer L Steuerschuldner für die vom ersten Abnehmer B an ihn ausgeführte Lieferung (§ 13a Abs. 1 Nr. 5 UStG; Abschn. 25b.1 Abs. 6 UStAE).
Rechtsfolge (Abschn. 25b.1 Abs. 7 UStAE): Wird die Steuerschuld auf den letzten am Dreiecksgeschäft beteiligten Abnehmer L übertragen, gilt der innergemeinschaftliche Erwerb des ersten am Dreiecksgeschäft beteiligten Abnehmers B nach § 25b Abs. 3 UStG als besteuert. Diese fiktive Besteuerung des innergemeinschaftlichen Erwerbs bei diesem ersten Abnehmer B gilt für die Erwerbsbesteuerung in dem Mitgliedstaat, in dem die Beförderung oder Versendung endet (vgl. § 3d Satz 1 UStG) und zugleich auch für die Beurteilung einer Erwerbsbesteuerung in dem Mitgliedstaat, unter dessen UStIdNr. der erste Abnehmer auftritt (vgl. § 3d Satz 2 UStG).
Die Vereinfachungsregelung des innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts besteht darin, dass eine steuerliche Registrierung des mittleren Unternehmers B im Bestimmungsland Deutschland vermieden wird. Die steuerbare und steuerpflichtige Lieferung des B aus Belgien wird durch D in Deutschland durchgeführt.
3. Besonderheiten der Rechnungserteilung
Nach § 25b Abs. 2 Nr. 3 UStG ist materielle Voraussetzung für die Übertragung der Steuerschuld, dass der erste dem letzten jeweils am Dreiecksgeschäft beteiligten Abnehmer eine Rechnung i.S.d. § 14a Abs. 7 UStG erteilt, in der die Steuer nicht gesondert ausgewiesen ist. Neben den Angaben nach § 14 Abs. 4 UStG sind in der → Rechnung dieses ersten Abnehmers danach folgende zusätzliche Angaben erforderlich:
ein Hinweis auf das Vorliegen eines innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts, z.B. »Innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft nach § 25b UStG« oder »Vereinfachungsregelung nach Artikel 141 MwStSystRL«;
die Angabe der UStIdNr. des ersten am Dreiecksgeschäft beteiligten Abnehmers und
die Angabe der UStIdNr. des letzten am Dreiecksgeschäft beteiligten Abnehmers.
Der letzte am Dreiecksgeschäft beteiligte Abnehmer soll durch die Hinweise in der Rechnung eindeutig und leicht erkennen können, dass er letzter Abnehmer in einem innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäft ist und die Steuerschuld auf ihn übertragen wird (Abschn. 25b.1 Abs. 8 UStAE).
4. Bemessungsgrundlage nach § 25b Abs. 4 UStG
Im Fall der Übertragung der Steuerschuld nach § 25b Abs. 2 UStG auf den letzten am Dreiecksgeschäft beteiligten Abnehmer gilt für die Berechnung der geschuldeten Steuer abweichend von § 10 Abs. 1 UStG die Gegenleistung als Entgelt (Nettobetrag ohne USt). Die USt ist auf diesen Betrag aufzuschlagen.
Im Rahmen eines innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts wird die Steuer für die Lieferung des ersten Abnehmers an den letzten Abnehmer von diesem geschuldet (§ 25b Abs. 2 UStG, vgl. Abschn. 25b.1 Abs. 6 UStAE). Der letzte Abnehmer kann diese Steuer als Vorsteuer abziehen, wenn er den Gegenstand für sein Unternehmen bezieht und soweit er ihn zur Ausführung von Umsätzen verwendet, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen (§ 25b Abs. 5 UStG; Abschn. 15.10 Abs. 5 UStAE). Der Vorsteuerabzug ist somit ohne den gesonderten Ausweis in einer Rechnung zulässig, wie dies beim Übergang der Steuerschuld auch üblich ist (s.a. § 13b UStG i.V.m. § 15 Abs. 1 Nr. 4 UStG).
Neben den allgemeinen Aufzeichnungspflichten nach § 22 UStG sind bei innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften vom ersten und vom letzten jeweils daran beteiligten Abnehmer zusätzliche Aufzeichnungspflichten zu erfüllen (§ 25b Abs. 6 UStG und Abschn. 25b.1 Abs. 10 UStAE).
Sachverhalt und Lösung s. Beispiel 4. R aus Rom verkauft Pkws an B aus Brüssel, der seinerseits die Pkws an L in Ludwigshafen verkauft. R transportiert die Pkws mit eigenem Lkw direkt zu L. R, B und L benutzen jeweils die UStIdNr. ihres Landes. B erteilt dem L eine Rechnung i.S.d. § 14a Abs. 7 UStG.
S. die Lösung unter Beispiel 4.
Aus den Aufzeichnungen des ersten Abnehmers B müssen zu ersehen sein (§ 25b Abs. 6 Nr. 1 UStG):
das vereinbarte Entgelt für die Lieferung i.S.d. § 25b Abs. 2 UStG an L sowie
der Name und die Anschrift des letzten Abnehmers L.
Die besonderen Aufzeichnungen des § 25b Abs. 6 Nr. 1 UStG müssen vom ersten Abnehmer nur geführt werden, wenn er eine inländische UStIdNr. verwendet. Beim ersten Abnehmer, der eine UStIdNr. eines anderen Mitgliedstaates verwendet, entfallen die Aufzeichnungspflichten nach § 22 UStG, wenn die Beförderung oder Versendung im Inland endet. Im Ausgangsfall ist B von der Aufzeichnungspflicht befreit.
Aus den Aufzeichnungen des letzten Abnehmers L müssen zu ersehen sein (§ 25b Abs. 6 Nr. 2 UStG):
die Bemessungsgrundlage der an ihn ausgeführten Lieferung i.S.d. § 25b Abs. 2 UStG (s.o.) sowie die hierauf entfallenden Steuerbeträge,
der Name und die Anschrift des ersten Abnehmers B.
Die besonderen Aufzeichnungen des § 25b Abs. 6 Nr. 2 UStG müssen vom letzten Abnehmer nur geführt werden, wenn er eine inländische UStIdNr. verwendet (s.a. Abschn. 25b.1 Abs. 10 UStAE).
7. Fiskalvertretung
Der Vertretene darf weder im Inland (§ 1 Abs. 2 Satz 1 UStG) noch in einem der in § 1 Abs. 3 UStG genannten Gebiete seinen Wohnsitz (§ 8 AO), seinen Sitz (§ 11 AO), seine Geschäftsleitung (§ 10 AO) oder Zweigniederlassung (§ 12 Nr. 2 AO) haben. Abschn. 18.10 Abs. 1 und 2 UStAE ist entsprechend anzuwenden (s.a. § 59 Satz 2 UStDV). Unerheblich ist die Staatsangehörigkeit des Unternehmers und ob ihm eine deutsche UStIdNr. erteilt worden ist (Sterzinger in Birkenfeld/Wäger, Umsatzsteuer-Handbuch, § 227, Rz. 35).
F tätigt in Deutschland nur steuerfreie Umsätze und kann keine Vorsteuerbeträge abziehen. Nach § 22a Abs. 1 UStG kann F sich im Inland durch einen Fiskalvertreter vertreten lassen. Nach § 18a Abs. 1 i.V.m. Abs. 6 Nr. 1 UStG ist F zur Abgabe einer Zusammenfassenden Meldung verpflichtet. Der Fiskalvertreter hat die Pflichten des im Ausland ansässigen Unternehmers als eigene zu erfüllen (§ 22b Abs. 1 UStG).
Ramb/Schneider, Steuerrecht in Übungsfällen, Grundkurs des Steuerrechts Bd. 14; Völkel u.a., ABC-Führer Umsatzsteuer (Loseblatt).

References: § 25
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 § 14
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 § 3
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 § 25
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 § 14
 § 3
 § 1
 § 4
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 § 1

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 § 14
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 § 10
 § 13
 § 15
 § 22
 § 14
 § 25
 § 25
 § 22
 § 25
 § 25
 § 1
 § 59
 § 227
 § 22
 § 18