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Timestamp: 2019-10-17 08:05:22+00:00

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Die feh­len­de Wähl­bar­keit der CDU in Bay­ern | Rechtslupe
Die feh­len­de Wähl­bar­keit der CDU in Bay­ern
Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sind jetzt meh­re­re Anträ­ge auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung, die die feh­len­de Wähl­bar­keit der CDU in Bay­ern bezie­hungs­wei­se die feh­len­de Wähl­bar­keit der CSU außer­halb Bay­erns bei der letzt­jäh­ri­gen Bun­des­tags­wahl betra­fen, ohne Erfolg geblie­ben.
Die Antrag­stel­ler haben gegen die Wahl zum Deut­schen Bun­des­tag am 24.09.2017 jeweils Ein­sprü­che ein­ge­legt, über die bis­her noch nicht ent­schie­den ist. Sie sehen sich in ihrem Recht auf freie Wahl gemäß Art. 38 Abs. 1 GG ver­letzt, weil die CDU für Wahl­be­rech­tig­te mit Wohn­sitz in Bay­ern und die CSU für Wahl­be­rech­tig­te mit Wohn­sitz außer­halb Bay­erns nicht wähl­bar sind.
Mit ihren Anträ­gen auf Erlass einst­wei­li­ger Anord­nun­gen gemäß § 32 BVerfGG begeh­ren sie die Ver­pflich­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges, über ihre Wahl­ein­sprü­che inner­halb einer vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu bestim­men­den Frist zu ent­schei­den, und anzu­ord­nen, dass sie bei frucht­lo­sem Frist­ab­lauf auch ohne Ent­schei­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges über ihre Wahl­ein­sprü­che zuläs­si­ger­wei­se Wahl­prü­fungs­be­schwer­den zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erhe­ben kön­nen.
Sie machen die Befürch­tung gel­tend, die Legis­la­tur­pe­ri­ode wer­de auf­grund des mühe­vol­len Starts der Bun­des­re­gie­rung und des "der­zei­ti­gen Koali­ti­ons­streits zwi­schen CDU und CSU" zu Ende gehen, ohne dass der Wahl­prü­fungs­aus­schuss und dar­an anschlie­ßend das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über ihre Anträ­ge auf Wahl­prü­fung ent­schie­den hät­ten. Nach Ablauf der Legis­la­tur­pe­ri­ode wür­den sich die Anträ­ge auf Wahl­prü­fung erle­digt haben. Dies ver­let­ze ihren Anspruch auf effek­ti­ven Rechts­schutz, zumal dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in der Haupt­sa­che eine hin­rei­chen­de Zeit zur Ent­schei­dungs­fin­dung ein­ge­räumt wer­den müs­se. Soll­ten sich die Anträ­ge auf Wahl­prü­fung vor einer recht­li­chen Klä­rung erle­di­gen, stel­le dies einen schwe­ren Nach­teil dar. Die Ver­ein­bar­keit der feh­len­den Wähl­bar­keit der CDU in Bay­ern und der CSU außer­halb Bay­erns mit Art. 38 Abs. 1 GG wer­de bezwei­felt. Eine Klä­rung die­ser Rechts­fra­ge müs­se bis zur nächs­ten Bun­des­tags­wahl her­bei­ge­führt wer­den, wes­halb der Erlass der begehr­ten einst­wei­li­gen Anord­nun­gen für das all­ge­mei­ne Wohl gebo­ten sei.
Die Anträ­ge auf Erlass einst­wei­li­ger Anord­nun­gen sind abzu­leh­nen.
Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall – auch schon vor Anhän­gig­keit eines Ver­fah­rens zur Haupt­sa­che 1 – einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le, zur Ver­hin­de­rung dro­hen­der Gewalt oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist. Dabei haben die Grün­de, die für die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des ange­grif­fe­nen Hoheits­akts vor­ge­tra­gen wer­den, grund­sätz­lich außer Betracht zu blei­ben. Der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung hat jedoch kei­nen Erfolg, wenn der Antrag in der Haupt­sa­che unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det wäre 2.
Nach die­sen Grund­sät­zen kommt der Erlass einst­wei­li­ger Anord­nun­gen vor­lie­gend nicht in Betracht, da zuläs­si­ge Anträ­ge in der Haupt­sa­che nicht gestellt wer­den könn­ten. Sowohl auf die feh­len­de Wähl­bar­keit der CDU in Bay­ern und die feh­len­de Wähl­bar­keit der CSU außer­halb Bay­erns gerich­te­te Wahl­prü­fungs­be­schwer­den (a) als auch auf die Ver­let­zung der Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­den wären unzu­läs­sig (b). Sons­ti­ge Anträ­ge in der Haupt­sa­che sind nicht ersicht­lich.
Auf die Fest­stel­lung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der feh­len­den Wähl­bar­keit der CDU in Bay­ern und der feh­len­den Wähl­bar­keit der CSU außer­halb Bay­erns gerich­te­te Wahl­prü­fungs­be­schwer­den wären unzu­läs­sig.
Der Zuläs­sig­keit sol­cher Wahl­prü­fungs­be­schwer­den steht der feh­len­de Abschluss der Wahl­ein­spruchs­ver­fah­ren vor dem Deut­schen Bun­des­tag ent­ge­gen. Gemäß Art. 41 Abs. 2 GG, § 48 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG ist erst gegen den Beschluss des Deut­schen Bun­des­ta­ges die Beschwer­de an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zuläs­sig 3. Dar­an fehlt es hier. Dabei kann dahin­ste­hen, ob etwas ande­res gilt, wenn dem Beschwer­de­füh­rer ein Abwar­ten der Ent­schei­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges über den ein­ge­leg­ten Wahl­ein­spruch nicht zuge­mu­tet wer­den kann. Dies könn­te in Betracht kom­men, wenn über einen Wahl­ein­spruch nicht in ange­mes­se­ner Frist ent­schie­den wird und dadurch die Gefahr besteht, dass das Wahl­prü­fungs­be­schwer­de­ver­fah­ren nicht mehr zeit- oder sach­ge­recht durch­ge­führt wer­den kann 4. Die Antrag­stel­ler haben jedoch kei­ne Umstän­de vor­ge­tra­gen, die für die Unzu­mut­bar­keit des Abwar­tens der Ent­schei­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges spre­chen. Sol­che sind auch nicht in sons­ti­ger Wei­se ersicht­lich. Die bis­he­ri­ge Dau­er der Wahl­ein­spruchs­ver­fah­ren von weni­ger als einem Jahr kann nicht ohne Wei­te­res als unan­ge­mes­sen ange­se­hen wer­den 5. Es ist auch nicht abseh­bar, dass die Ent­schei­dung des Bun­des­ta­ges erst zu einem Zeit­punkt erge­hen wird, der die Durch­füh­rung ord­nungs­ge­mä­ßer Wahl­prü­fungs­be­schwer­de­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gefähr­det. Soweit die Antrag­stel­ler gel­tend machen, es sei auf­grund eines Streits inner­halb der Regie­rungs­ko­ali­ti­on ein vor­zei­ti­ges Ende der Legis­la­tur­pe­ri­ode und damit eine Erle­di­gung ihrer Wahl­ein­sprü­che zu befürch­ten, ist hier­für im Zeit­punkt der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung nichts ersicht­lich. Es sind auch kei­ne sons­ti­gen Grün­de erkenn­bar, die für ein vor­zei­ti­ges Ende der bestehen­den Regie­rungs­ko­ali­ti­on und eine vor­zei­ti­ge Auf­lö­sung des Deut­schen Bun­des­ta­ges spre­chen wür­den.
Auch noch zu erhe­ben­de, auf die Ver­let­zung der Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes durch den Deut­schen Bun­des­tag gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­den wären unzu­läs­sig. Ent­schei­dun­gen und Maß­nah­men, die sich unmit­tel­bar auf das Wahl­ver­fah­ren bezie­hen, kön­nen nur mit den in den Wahl­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Rechts­be­hel­fen und im Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren ange­foch­ten wer­den 6. Die Wahl­prü­fung obliegt gemäß Art. 41 Abs. 1 GG dem Bun­des­tag, gegen des­sen Ent­schei­dung gemäß Art. 41 Abs. 2 GG die Beschwer­de an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zuläs­sig ist. Damit wird die Kor­rek­tur etwai­ger Wahl­feh­ler ein­schließ­lich sol­cher, die Ver­let­zun­gen sub­jek­ti­ver Rech­te ent­hal­ten, dem Rechts­weg des Art.19 Abs. 4 GG ent­zo­gen 7. Dar­an hat sich durch das Gesetz zur Ver­bes­se­rung des Rechts­schut­zes in Wahl­sa­chen 8 nichts geän­dert 9. Dem­ge­mäß ist für eine auf Art.19 Abs. 4 GG gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren kein Raum 10. Das Vor­brin­gen der Antrag­stel­ler bie­tet kei­ne Ver­an­las­sung, die­se Rechts­la­ge in Fra­ge zu stel­len.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. August 2018 – 2 BvQ 53/​18
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vgl. BVerfGE 11, 339, 442; 27, 152, 156; 92, 130, 133[↩]
vgl. BVerfGE 63, 73, 76; BVerfG, Beschluss vom 24.07.2018 – 2 BvQ 33/​18 7[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.07.2018 – 2 BvQ 33/​18 7; VerfGH Saar­land, Urteil vom 31.01.2011 – Lv 13/​10 83, 84[↩]
vgl. BVerfGE 121, 266, 290; 123, 39, 65; BVerfG, Beschluss vom 24.07.2018 – 2 BvQ 33/​18 7[↩]
vgl. BVerfGE 11, 329 f.; 14, 154, 155; 16, 128, 130; 28, 214, 219; 63, 73, 76; 83, 156, 158; BVerfG, Beschluss vom 24.07.2018 – 2 BvQ 33/​18 8[↩]
vgl. BVerfGE 22, 277, 281; 34, 81, 94; 46, 196, 198; 66, 232, 234; BVerfG, Beschluss vom 24.07.2018 – 2 BvQ 33/​18 8[↩]
BGBl I 2012 S. 1501[↩]
vgl. BVerfGE 134, 135, 138 Rn. 5; BVerfG, Beschluss vom 24.07.2018 – 2 BvQ 33/​18 8[↩]
vgl. BVerfGE 66, 232, 234; BVerfG, Beschluss vom 30.08.2017 – 2 BvQ 50/​17 1; Beschluss vom 24.07.2018 – 2 BvQ 33/​18 8[↩]

References: Art. 38
 § 32
 Art. 38
 § 32
 Art. 41
 § 48
 Art. 41
 Art. 41
 Art.19
 Art.19
 § 191
 § 74
 § 148