Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=219
Timestamp: 2019-03-19 08:38:27+00:00

Document:
XXXII h. vom teusch. tugend-adel.
Dürmstein de ord. eq. Germ. fund. 2, n. 18, das
von Moserische teutsche hofrecht im 2ten bande,
s. 197 fg., § 27.
Zwei und dreissigstes Haubtstück
vom teutschen tugend-adel.
Der tugend-adel bedeutet dijenige achtung, wel-der tugend-
adel ist vom ge-
burts-adel un-
che einem die adeliche geburt versaget; je-
doch die tugend ihm beileget; wenn allso einer
durch seine geschicklichkeit, tapferkeit, ausnemen-
den verstand, grosse verdinste, und tugendhaftes
betragen zu eren gelanget; so ist er edel (virtute
excellens, praestans). Dises wird genennet: die
nobilitas honorum, Tiraquell de nobilit. cap. III,
n. 3, von Wernher de beneficio competent. th.
VII, § 1. Aus diser ursache machen vile einen
unterschid zwischen dem philosophischen, und bür-
gerlichen adel, Ge. Heinr. Ayrer de equitibus le-
gum, Gött. 1748, Werner Theod. Martini
de nobilit. quae litteris adquiritur, Witt. 1671,
4t. Jener wird auf die tugenden des verstandes,
und willens; diser aber auf den willkür des Re-
gentens gesezet, und begründet. Bei der ersten
saget man: die tugend adelt, oder wie der von
Lohenstein schreibet: der adel ist eine nulle; wenn
aber die ziffer der tugend dabei stehet, gilt sie vil;
wenn sie aber allein ist, nichts. Man darf nur
einen blick in die vorigen jarbücher, und das äl-
tere hofcaeremoniel tun; so leget sich die vorzüg-
lichkeit des tugend-adels vor augen. Gott hat
weißheit, tugend, wiz, und tapferkeit weder an
den adelichen, noch an den bürgerlichen stand,
allein verschenket. Der vorwurf einer nidrigen
XXXII h. vom teuſch. tugend-adel.
Duͤrmſtein de ord. eq. Germ. fund. 2, n. 18, das
von Moſeriſche teutſche hofrecht im 2ten bande,
ſ. 197 fg., § 27.
Zwei und dreiſſigſtes Haubtſtuͤck
vom teutſchen tugend-adel.
adel iſt vom ge-
che einem die adeliche geburt verſaget; je-
doch die tugend ihm beileget; wenn allſo einer
durch ſeine geſchicklichkeit, tapferkeit, ausnemen-
den verſtand, groſſe verdinſte, und tugendhaftes
betragen zu eren gelanget; ſo iſt er edel (virtute
excellens, praeſtans). Diſes wird genennet: die
VII, § 1. Aus diſer urſache machen vile einen
unterſchid zwiſchen dem philoſophiſchen, und buͤr-
gum, Goͤtt. 1748, Werner Theod. Martini
4t. Jener wird auf die tugenden des verſtandes,
und willens; diſer aber auf den willkuͤr des Re-
gentens geſezet, und begruͤndet. Bei der erſten
ſaget man: die tugend adelt, oder wie der von
Lohenſtein ſchreibet: der adel iſt eine nulle; wenn
aber die ziffer der tugend dabei ſtehet, gilt ſie vil;
wenn ſie aber allein iſt, nichts. Man darf nur
einen blick in die vorigen jarbuͤcher, und das aͤl-
tere hofcaeremoniel tun; ſo leget ſich die vorzuͤg-
den adelichen, noch an den buͤrgerlichen ſtand,
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[195/0219] XXXII h. vom teuſch. tugend-adel. Duͤrmſtein de ord. eq. Germ. fund. 2, n. 18, das von Moſeriſche teutſche hofrecht im 2ten bande, ſ. 197 fg., § 27. Zwei und dreiſſigſtes Haubtſtuͤck vom teutſchen tugend-adel. § 194 Der tugend-adel bedeutet dijenige achtung, wel- che einem die adeliche geburt verſaget; je- doch die tugend ihm beileget; wenn allſo einer durch ſeine geſchicklichkeit, tapferkeit, ausnemen- den verſtand, groſſe verdinſte, und tugendhaftes betragen zu eren gelanget; ſo iſt er edel (virtute excellens, praeſtans). Diſes wird genennet: die nobilitas honorum, Tiraquell de nobilit. cap. III, n. 3, von Wernher de beneficio competent. th. VII, § 1. Aus diſer urſache machen vile einen unterſchid zwiſchen dem philoſophiſchen, und buͤr- gerlichen adel, Ge. Heinr. Ayrer de equitibus le- gum, Goͤtt. 1748, Werner Theod. Martini de nobilit. quae litteris adquiritur, Witt. 1671, 4t. Jener wird auf die tugenden des verſtandes, und willens; diſer aber auf den willkuͤr des Re- gentens geſezet, und begruͤndet. Bei der erſten ſaget man: die tugend adelt, oder wie der von Lohenſtein ſchreibet: der adel iſt eine nulle; wenn aber die ziffer der tugend dabei ſtehet, gilt ſie vil; wenn ſie aber allein iſt, nichts. Man darf nur einen blick in die vorigen jarbuͤcher, und das aͤl- tere hofcaeremoniel tun; ſo leget ſich die vorzuͤg- lichkeit des tugend-adels vor augen. Gott hat weißheit, tugend, wiz, und tapferkeit weder an den adelichen, noch an den buͤrgerlichen ſtand, allein verſchenket. Der vorwurf einer nidrigen ge- der tugend- adel iſt vom ge- burts-adel un- terſchiden. N 2
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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 195. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/219>, abgerufen am 19.03.2019.

References: § 27
 § 1
 § 27
 § 1
 § 27

§ 194
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 § 194
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