Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Befristung_wegen_voruebergehenden_Bedarfs_und_Haushaltsmittelzuweisung_nur_wirksam_bei_nachvollziehbarer_Prognose_ArbG_Duisburg_3Ca260-10.html
Timestamp: 2017-03-24 19:49:03+00:00

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Ei­ne auf ei­nen Haus­halts­ver­merk zur Be­gründung ei­nes erhöhten Be­darfs an be­fris­te­ten Ar­beits­kräften gestütz­te Be­fris­tung ist un­wirk­sam, wenn der Ver­merk die Be­fris­tung von er­heb­lich mehr Ar­beits­kräften er­laubt, als nach der zur Be­gründung des Haus­halts­ver­merks auf­ge­stell­ten Pro­gno­se er­for­der­lich sind. In die­sem Fall fehlt es an ei­ner "nach­voll­zieh­ba­ren" Zweck­set­zung.
Tat­be­stand: Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung. Der 41jähri­ge, le­di­ge, ei­nem Kind zum Un­ter­halt ver­pflich­te­te Kläger war seit dem 05.09.2005 mit meh­re­ren be­fris­te­ten Verträgen bei der Be­klag­ten, der die staat­li­che Ar­beits­ver­mitt­lung ob­liegt, beschäftigt.
Der Haus­halts­plan der Be­klag­ten für das Ka­len­der­jahr 2008 wur­de am 19.12.2007 mit Auf­la­gen gem. § 71a Abs. 3 SGB IV ge­neh­migt und auf­grund der be­ste­hen­den Auf­la­gen am 20.12.2007 durch den Ver­wal­tungs­rat der Be­klag­ten gem. § 71a Abs. 4 SGB IV er­neut fest­ge­stellt.
Zur Si­cher­stel­lung der Um­set­zung der Auf­ga­ben nach dem SGB II wur­den im Haus­halt bei Ka­pi­tel 6 Ti­tel 425 02, Sei­ten 117 u. 140 des Haus­halts­plans, für das Ka­len­der­jahr 2008 bun­des­weit ins­ge­samt 5.000 Ermäch­ti­gun­gen zur Beschäfti­gung von Kräften mit be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen vor­ge­se­hen.
Da­zu heißt es in der An­la­ge 2 des Haus­halts­plans 2008 zur Erläute­rung des Ti­tels 425 02, Sei­te 151 des Haus­halts­plans:
„In der Über­sicht zur Grup­pe 425 “für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ sind 5.000 (Vor­jahr: 5.000) Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) zusätz­lich zeit­lich be­fris­tet bis 31. De­zem­ber 2010 aus­ge­wie­sen. Zum 1. Ja­nu­ar 2008 wur­de die Zahl der Dau­er­stel­len für die Auf­ga­ben nach dem SGB II um 3.000 auf­ge­stockt. In­fol­ge der ab­seh­ba­ren de­mo­gra­phi­schen Ent­wick­lung und der Ar­beits­markt­ent­wick­lung wird der ak­tu­el­le Per­so­nal­be­darf, der sich aus der An­zahl der Be­darfs­ge­mein­schaf­ten bzw. der er­werbsfähi­gen Hil­fe­bedürf­ti­gen er­rech­net, bis zum 31. De­zem­ber 2010 zurück­ge­hen. Ab 1. Ja­nu­ar 2011 wird der dann be­ste­hen­de Dau­er­stel­len­be­stand aus­rei­chen, um die Auf­ga­ben des SGB II zu er­le­di­gen. Bis zu die­sem Zeit­punkt be­steht ein erhöhter Ar­beits­an­fall und da­mit größerer, aber tem­porärer Per­so­nal­be­darf, der nur durch zusätz­lich be­fris­tet beschäftig­te Kräfte in den Be­rei­chen “Markt und In­te­gra­ti­on“ bzw. “Leis­tungs­gewährung“ der Ar­beits­ge­mein­schaf­ten bzw. der Agen­tu­ren in ge­trenn­ter Auf­ga­ben­wahr­neh­mung bewältigt wer­den kann.“
Mit Ar­beits­ver­trag vom 04.07.2008 wur­de der Kläger wie­der­um be­fris­tet als Voll­beschäftig­ter für die Zeit vom 01.01.2009 bis zum 31.12.2010 ein­ge­stellt. Für die Dau­er sei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges wur­de dem Kläger die Tätig­keit ei­nes „Fachas­sis­ten­ten Leis­tungs­gewährung“ im Be­reich SGB II in der Tätig­keits­ebe­ne V über­tra­gen. Das Ar­beits­verhält­nis be­stimmt sich nach dem Ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der BA (TV-BA). We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die An­la­ge K 1 zur Kla­ge­schrift (Bl. 5 f. d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Dem Kläger wur­de bei Ab­schluss des letz­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ein „Ver­merk zum be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag“ vom 04.07.2008 aus­gehändigt, der als Be­fris­tungs­grund haus­halts­recht­li­che Gründe gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG auf­weist. Der Kläger bestätig­te die Kennt­nis­nah­me die­ses Ver­mer­kes mit sei­ner Un­ter­schrift. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die An­la­ge K 2 zur Kla­ge­schrift (Bl. 7 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Das mo­nat­li­che Brut­to­ar­beits­ent­gelt des Klägers be­trug zu­letzt 2.260,00 €. Mit Schrei­ben vom 03.12.2009 ließ der Kläger die Be­klag­te auf­for­dern, auf die Be­fris­tung zu ver­zich­ten. Dies lehn­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 11.12.2009 ab.
Mit bei Ge­richt am 8.2.2010 ein­ge­gan­ge­ner Kla­ge hat der Kläger die Un­wirk­sam­keit der letz­ten Be­fris­tung gel­tend ge­macht.
Der Kläger be­haup­tet, bei der Be­klag­ten sei ge­ne­rell ein Be­darf an Ar­beits­kräften vor­han­den. Es sei zu be­strei­ten, dass er aus Haus­halts­mit­teln vergütet wer­de, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sei­en. Dies set­ze vor­aus, dass die Haus­halts­mit­tel für ei­ne Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sei­en. Es rei­che nicht aus, wenn die Haus­halts­mit­tel le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit ge­stellt würden oder dem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer über­wie­gend Dau­er­auf­ga­ben des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers über­tra­gen würden.
Die haus­halts­recht­li­che Zweck­be­stim­mung sei nicht hin­rei­chend kon­kret tätig­keits­be­zo­gen für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er. In­so­weit sei­en auch die Ausführun­gen im Ver­merk zum be­fris­te­ten Ver­trag nicht kon­kre­ti­siert wor­den.
Ihm sei­en Tätig­kei­ten be­fris­tet über­tra­gen wor­den, die ih­rer Art nach dau­er­haft an­fie­len, da es sich bei dem SGB II um ei­ne Dau­er­auf­ga­be han­de­le.
Letzt­lich sei die Be­fris­tung auch un­wirk­sam, weil die Un­ter­zeich­nung des Ver­tra­ges le­dig­lich „im Auf­trag“ und nicht „in Ver­tre­tung“ er­folgt sei. Ver­tre­ten wer­de die Be­klag­te aus­weis­lich des Ver­trags­ru­brums durch die Vor­sit­zen­de der Geschäftsführung der B.. Die­se ha­be den Ver­trag je­doch nicht un­ter­zeich­net. Der Zu­satz „im Auf­trag“ sei so zu ver­ste­hen, dass der für die Be­klag­te un­ter­zeich­nen­de Mit­ar­bei­ter le­dig­lich als Bo­te ge­han­delt ha­be.
Der Kläger be­an­tragt, fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht auf Grund der Be­fris­tung zum 31.12.2010 be­en­det wird.
Die Be­klag­te be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Be­klag­te be­haup­tet, der Ein­satz des Klägers er­fol­ge auf­grund der Zur­verfügung­stel­lung von Haus­halts­mit­teln für Auf­ga­ben von be­grenz­ter Dau­er.
Nach dem Haus­halts­ver­merk für das Jahr 2008 würden zusätz­lich zu den 5.000 be­fris­te­ten Stel­len für den Be­reich SGB II 3.000 zusätz­li­che Stel­len für Dau­er­an­ge­stell­te ge­schaf­fen so­wie zusätz­lich die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung berück­sich­tigt. Da­bei sei zu berück­sich­ti­gen, dass ein Haus­halts­ver­merk nur ei­ne ge­dräng­te und sehr verkürz­te Zu­sam­men­fas­sung der Über­le­gun­gen dar­stel­len könne.
Für den Haus­halts­ver­merk für den Ein­satz von 5.000 tem­porären Kräften im Be­reich SGB II, auf Grund des­sen auch der Ver­trag mit dem Kläger be­fris­tet wor­den sei, sei­en die nach­fol­gen­den Über­le­gun­gen aus­schlag­ge­bend ge­we­sen:
Der sog. Start­auf­stel­lung für den Be­reich SGB II ab dem 1.1.2005 hätten fol­gen­de Über­le­gun­gen zu­grun­de ge­le­gen:
18.072,5 vor­han­de­ne Stel­len für Plan­kräfte (An­teil Alhi, Ef­fi­zi­enz­ge­win­ne, AMI); 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für be­fr. Ar­beits­kräfte bis 31.12.2007 (Haus­halts­ver­merk Nr. 1 zu Kap. 6 Ti­tel 425 02 im Haus­halts­plan für das Ka­len­der­jahr 2005) ver­bun­den mit der Er­war­tung, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wer­de und im Übri­gen per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen beim Dau­er­per­so­nal SGB III auch für den Be­reich SGB II ge­nutzt wer­den könn­ten;
Grund­la­ge für die Start­auf­stel­lung sei­en po­li­tisch vor­ge­ge­be­ne Be­treu­ungs­schlüssel und qua­li­fi­zier­te Schätzun­gen zu den zu­grun­de lie­gen­den Be­darfs­ge­mein­schaf­ten und er­werbsfähi­gen Hil­fe­bedürf­ti­gen so­wie des Um­fangs des kom­mu­na­len Per­so­nals ge­we­sen.
Nach An­lau­fen der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung SGB II ha­be sich die Stel­len­aus­stat­tung als nicht aus­rei­chend ge­zeigt, da die Zahl der Be­darfs­ge­mein­schaf­ten und der er­werbsfähi­gen Hil­fe­bedürf­ti­gen deut­lich höher ge­le­gen ha­be. Da­her sei mit den nach­fol­gen­den Maßnah­men ver­sucht wor­den, dem erhöhten Be­darf Rech­nung zu tra­gen.
Um­schich­tun­gen aus dem Be­reich SGB III (2.500 Stel­len für Plan­kräfte im Haus­halts­jahr 2006);
Eta­ti­sie­run­gen (4.000 Stel­len für Plan­kräfte im Ka­len­der­jahr 2007); In­an­spruch­nah­me von Amts­hil­fe­per­so­nal; Erhöhung der An­zahl von be­fris­te­ten Kräften im Rah­men von sach­grund­lo­sen Be­fris­tun­gen zu Las­ten des Ver­wal­tungs- und Ein­glie­de­rungs­bud­gets der Ar­beits­ge­mein­schaf­ten.
Im Per­so­nal­kon­zept für den SGB II - Be­reich bis ein­sch­ließlich 2010 vom März 2007 ha­be sich aus­ge­hend von ei­nem pro­gnos­ti­zier­ten Rück­gang der Be­darfs­ge­mein­schaf­ten und er­werbsfähi­gen Hil­fe­bedürf­ti­gen in Höhe von 1% für 2008 und je­weils 2% für 2009 und 2010 er­ge­ben, dass we­ni­ger Dau­er­kräfte benötigt würden. Es sei pro­gnos­ti­ziert wor­den, dass 5.000 Kräfte we­ni­ger benötigt würden. Da­bei sei bei der Be­trach­tung des Per­so­nal­be­darfs im Hin­blick auf das da­mals zu er­war­ten­de Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Ver­fas­sungsmäßig­keit der Auf­ga­ben­er­le­di­gung im Be­reich SGB II be­wusst nur die Zeit­span­ne bis 2010 berück­sich­tigt wor­den. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Dar­stel­lung im Schrift­satz vom 31.5.2010 (Bl. 59 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Rech­ne­risch ha­be sich für das Jah­re 2008 ein Be­darf an 6.561 be­fris­te­ten Kräften, für das Jah­re 2009 ein Be­darf an 4.061 be­fris­te­ten Kräften und für das Jahr 2010 ein Be­darf an 3.211 be­fris­te­ten Kräften er­ge­ben. Auf die­ser Grund­la­ge ha­be der Haus­halts­ver­merk so ge­fasst wer­den sol­len, dass in 2008 auf die­ser Ba­sis bis zu 6.500 be­fris­tet Beschäftig­te, in 2009 bis zu 4.000 und in 2010 bis zu 3.200 geführt wer­den könn­ten (Ge­stal­tung: Ge­samt­zahl 6.500, da­von 2.500 mit Be­fris­tungs­en­de 31.12.2008, 800 mit Be­fris­tungs­en­de 31.12.2009 und 3.200 mit Be­fris­tungs­en­de 31.12.2010).
Im Rah­men des Haus­halts­auf­stel­lungs­ver­fah­rens sei das ent­wi­ckel­te Per­so­nal­kon­zept in­ten­siv mit dem auf­sichtsführen­den BMAS erörtert wor­den; im Rah­men die­ser Erörte­run­gen sei schließlich — auch un­ter Berück­sich­ti­gung der po­li­ti­schen Wil­lens­bil­dung — fol­gen­de Fest­le­gung ge­trof­fen wor­den:
an­ge­sichts des über den ak­tu­el­len Be­stand an Dau­er­kräften hin­aus­ge­hen­den dau­ern­den Per­so­nal­be­darfs soll­te im Ka­len­der­jahr 2008 die Eta­ti­sie­rung von wei­te­ren 3.000 Stel­len für Plan­kräfte vor­ge­nom­men wer­den; wei­te­re — an sich zusätz­lich noch er­for­der­li­che Eta­ti­sie­run­gen — sei­en po­li­tisch wie haus­haltsmäßig nicht durch­setz­bar ge­we­sen;
in den Haus­halts­plan für das Ka­len­der­jahr 2008 soll­te der später auch so for­mu­lier­te Haus­halts­ver­merk bei Kap. 6 Ti­tel 425 02 ein­ge­bracht wer­den;
ggf. darüber hin­aus be­ste­hen­de Per­so­nal­be­dar­fe soll­ten durch Beschäfti­gung von Kräften mit sach­grund­los be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag ge­deckt wer­den.
Die Hin­ter­gründe für die durch­ge­hen­de Fest­le­gung des durch be­fris­te­te Kräfte zu de­cken­den vorüber­ge­hen­den Per­so­nal­be­darfs auf 5.000 Kräfte sei­en im Ein­zel­nen nicht do­ku­men­tiert. Mögli­cher­wei­se sei u. a. die An­nah­me, den vorüber­ge­hen­den Per­so­nal­mehr­be­darf mit bis zu 4.400 Kräften durch Amts­hil­fe­per­so­nal zu de­cken, als nicht hin­rei­chend ge­si­chert an­ge­se­hen wor­den.
I. Die Kla­ge ist be­gründet. Das Ar­beits­verhält­nis en­det nicht auf­grund der Be­fris­tung zum 31.12.2010. Die letz­te, zur Über­prüfung ste­hen­de Be­fris­tung ist un­zulässig.
Der Kläger hat gem. § 17 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) recht­zei­tig Kla­ge er­ho­ben, da die dreiwöchi­ge Frist zwi­schen Ab­lauf der Be­fris­tung und Kla­ge­er­he­bung je­den­falls ge­wahrt ist, da der Kläger be­reits - zulässi­ger­wei­se - vor Ab­lauf der Be­fris­tung Kla­ge er­ho­ben hat.
a) Gem. § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ist die Be­fris­tung zulässig, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist.
Hier­an fehlt es. Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags ist nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG sach­lich ge­recht­fer­tigt, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird. Hier­zu müssen im Haus­halts­plan Mit­tel mit ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung für ei­ne Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er aus­ge­wie­sen sein. Die Zweck­set­zung muss schon aus Gründen des Eu­ropäischen Ge­mein­schafts­rechts so be­stimmt sein, dass sie ei­ne Kon­trol­le ermöglicht, ob die be­fris­te­te Beschäfti­gung der De­ckung ei­nes vorüber­ge­hen­den Be­darfs dient (BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10). Er­for­der­lich ist der über­wie­gen­de Ein­satz des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers ent­spre­chend der Zweck­set­zung der aus­ge­brach­ten Haus­halts­mit­tel. Da­bei sind die Umstände bei Ver­trags­schluss maßgeb­lich Die Vor­aus­set­zun­gen für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags we­gen Vergütung des Ar­beit­neh­mers aus Haus­halts­mit­teln gemäß § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG lie­gen hin­ge­gen nicht vor, wenn die Haus­halts­mit­tel le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit­ge­stellt wer­den (BAG v. 18.10.2006, 7 AZR 419/05, NZA 2007, 332; BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 640/08, ju­ris).
aa) Es kann da­hin­ste­hen, ob sich die Be­klag­te als Selbst­ver­wal­tungskörper­schaft über­haupt auf § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG be­ru­fen kann oder ob die­ser Sach­grund ein förm­li­ches Haus­halts­ge­setz vor­aus­setzt (eben­falls of­fen ge­las­sen von BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10).
Denn die Vor­aus­set­zun­gen nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG sind je­den­falls nicht erfüllt. bb) Ent­ge­gen der An­sicht des Klägers ist der Ver­merk al­ler­dings hin­rei­chend be­stimmt ge­nug und da­mit prin­zi­pi­ell ge­eig­net, ei­ne Haus­halts­be­fris­tung zu be­gründen.
Die eben­falls von der Be­klag­ten für ei­nen vor­her­ge­hen­den Haus­halt ver­wen­de­te For­mu­lie­rung: „In der Über­sicht zur Grup­pe 425 “für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ sind 5000 (Vor­jahr: 0) Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) zusätz­lich für die Dau­er von 3 Jah­ren bis 31.12.2007 aus­ge­wie­sen. Mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wird die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird. Zu­dem wird die BA per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich da­zu nut­zen, vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen.“
ist nicht hin­rei­chend kon­kret ge­nug, da sie kei­ne Über­prüfung ermöglicht, ob die Beschäfti­gung der be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer mit Auf­ga­ben von vorüber­ge­hen­der Dau­er er­folgt oder ob da­mit ein ständi­ger Be­darf ab­ge­deckt wird (BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10; LAG Schles­wig-Hol­stein v. 15.10.2008, 3 Sa 104/08,ju­ris).
Die For­mu­lie­rung „Die Mit­tel sind be­stimmt zur Bewälti­gung von Nach­fra­ge­spit­zen im Di­rekt­leih­ver­kehr und für Ver­tre­tungsfälle. Mehr ent­spre­chend dem erhöhten Auf­kom­men bei den Ein­nah­men.“
ist hin­ge­gen hin­rei­chend be­stimmt ge­nug (BAG v. 7.5.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880). Ent­ge­gen der For­mu­lie­rung im Haus­halts­plan 2005, der Ge­gen­stand der Kon­trol­le in der Ent­schei­dung des BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, s. o., war, ist der ausführ­li­cher ge­fass­te Ver­merk, der hier zu be­ur­tei­len ist, so ge­fasst, dass er ei­ne Über­prüfung der Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung ermöglicht. Es wird im Ein­zel­nen und da­mit kon­kret an­ge­ge­ben, war­um es ei­nen erhöhten Per­so­nal­be­darf gibt, der mit den vor­han­de­nen Dau­er­stel­len, die zu­dem auf­ge­stockt wur­den, nicht ab­ge­deckt wer­den kann. Zu­dem ist kon­kret an­ge­ge­ben, bis wann die­ser Be­darf be­steht. Auch die Gründe, war­um der Be­darf be­steht, sind an­ge­ge­ben, nämlich ein­mal die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung so­wie zum an­de­ren die Er­war­tung ei­ner Ver­bes­se­rung des Ar­beits­mark­tes. An ei­ner sol­chen Be­gründung be­steht ein nach­voll­zieh­ba­res In­ter­es­se. Ist tatsächlich ab­seh­bar, dass nach ei­nem ge­wis­sen Zeit­raum we­ni­ger Per­so­nal benötigt wird zur Er­le­di­gung der ge­ne­rel­len Auf­ga­be „SGB II“, ist es im In­ter­es­se der öffent­li­chen Hand nicht ver­tret­bar, des­we­gen dau­er­haft Per­so­nal ein­zu­stel­len. Wenn es aus­rei­chend ist, dass ein Mehr­be­darf al­lein mit der For­mu­lie­rung „Nach­fra­ge­spit­zen ... und für Ver­tre­tungsfälle“ be­gründet wird, so folgt hier­aus, dass die An­ga­be nähe­rer Zah­len im Haus­halts­ver­merk nicht er­for­der­lich ist (so im Er­geb­nis hier­zu auch BAG v. 18.4.2007, 7 AZR 316/06, ju­ris).
cc) Vor­aus­set­zung ist je­doch wei­ter, dass der Ar­beit­ge­ber zur Be­gründung der im Haus­halts­ver­merk nie­der­ge­leg­ten Pro­gno­se dar­le­gen kann, dass während der Ver­trags­lauf­zeit ein höhe­rer Ar­beits­be­darf zu er­war­ten war als mit dem nach dem Stel­len­plan vor­ge­se­he­nen Stamm­per­so­nal bewältigt wer­den konn­te und ob er nicht von ei­nem dau­er­haf­ten An­stieg des Ar­beits­auf­wan­des aus­ge­gan­gen ist bzw. aus­ge­hen muss­te. Nur dann ist von ei­ner „nach­voll­zieh­ba­ren“ Zweck­set­zung für ei­ne Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er aus­zu­ge­hen.Die Pro­gno­se des Ar­beit­ge­bers muss sich da­bei nicht dar­auf be­zie­hen, dass die Ar­beits­men­ge nach Ab­lauf des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags wie­der mit dem nach dem Stel­len­plan verfügba­ren Stamm­per­so­nal bewältigt wer­den kann. Es genügt viel­mehr, dass der Mehr­be­darf vor­aus­sicht­lich während der Dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags be­ste­hen wird. Die An­for­de­run­gen an ei­ne Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG müssen zu­dem ei­ne dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Un­ter­maßver­bot und den ge­mein­schafts­recht­li­chen An­for­de­run­gen genügen­de Be­fris­tungs­kon­trol­le ermögli­chen (BAG v. 7.5.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880).
Der Ar­beit­ge­ber hat im Be­strei­tens­fall die an­ge­stie­ge­ne Ar­beits­men­ge nach­voll­zieh­bar dar­zu­le­gen (BAG v. 14.2.2007, 7 AZR 193/06, NZA 2007, 871).
An die­ser nach­voll­zieh­ba­ren Dar­le­gung fehlt es. Die Be­klag­te hat kei­ne Pro­gno­se vor­ge­tra­gen, die die Be­fris­tung von 5.000 Stel­len bis zum 31.12.2010, die im Haus­halts­ver­merk 2008 ge­nannt wird, recht­fer­ti­gen könn­te.
Viel­mehr hat die Be­klag­te de­tail­liert vor­ge­tra­gen zu ei­ner im Jahr 2007 auf­ge­stell­ten und dem Haus­halts­ver­merk 2008 zu­grun­de lie­gen­den Pro­gno­se, nach der für das Jahr 2008 ein Be­darf an 6.561 be­fris­te­ten Kräften, für das Jah­re 2009 ein Be­darf an 4.061 be­fris­te­ten Kräften und für das Jahr 2010 ein Be­darf an 3.211 be­fris­te­ten Kräften be­stand.
Die­se Zah­len sind im Ein­zel­nen nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt und be­gründet wor­den an­hand der An­zahl der vor­han­de­nen Stel­len, der tatsächli­chen An­zahl von Be­darfs­ge­mein­schaf­ten, den vor­ge­schrie­be­nen bzw. ge­woll­ten Be­treu­ungs­schlüsseln so­wie der zu er­war­ten­den de­mo­gra­phi­schen Ent­wick­lung und Ar­beits­markt­ent­wick­lung. Da­bei ist nicht zu ver­ken­nen, dass sol­che Pro­gno­sen not­wen­di­ger­wei­se mit Unschärfen be­haf­tet sind, da vie­le ver­schie­de­ne An­nah­men zu berück­sich­ti­gen sind. Gleich­wohl sind sol­che Pro­gno­sen zulässig und not­wen­dig für ei­nen wirt­schaft­lich den­ken­den und han­deln­den Ar­beit­ge­ber im öffent­li­chen Dienst. Sie genügen auch prin­zi­pi­ell zur Recht­fer­ti­gung ei­ner Sach­grund­be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG (so auch LAG Schles­wig-Hol­stein v. 20.8.2008, 21 Sa 961/08, ju­ris).
Nach die­sen de­tail­liert vor­ge­tra­ge­nen Da­ten be­stand für das Jahr 2010 je­doch nur ein Be­darf an 3.211 be­fris­te­ten Kräften. Statt­des­sen nennt der Ver­merk pau­schal 5.000 Be­fris­tun­gen. Hier­bei wur­de so­gar von der ei­ge­nen Be­schluss­vor­la­ge, die an­hand der vor­lie­gen­den Da­ten er­ar­bei­tet wur­de, ab­ge­wi­chen. Ei­ne Be­gründung hierfür ist nicht ge­ge­ben. Die Be­klag­te selbst hat die Ab­wei­chung vor al­lem mit po­li­ti­schen Be­weg­gründen erläutert so­wie mit der Ver­mu­tung, mögli­cher­wei­se sei u. a. die An­nah­me, den vorüber­ge­hen­den Per­so­nal­mehr­be­darf mit bis zu 4.400 Kräften durch Amts­hil­fe­per­so­nal zu de­cken, als nicht mehr hin­rei­chend ge­si­chert an­ge­se­hen wor­den. Bei­de Ar­gu­men­te über­zeu­gen je­doch nicht bzw. genügen nicht für ei­ne Dar­le­gung ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Pro­gno­se. Po­li­ti­sche Über­le­gun­gen können kei­ne hin­rei­chen­de Pro­gno­se sein, die dem Un­ter­maßge­bot noch aus­rei­chend Rech­nung tra­gen würde. Denn po­li­ti­sche Über­le­gun­gen sind ge­ra­de von ei­nem stra­te­gi­schen / tak­ti­schen / ge­stal­ten­den Ele­ment ge­prägt, und sind des­halb als Vor­aus­set­zung für ei­nen recht­li­chen / sach­li­chen Grund un­ge­eig­net, je­den­falls so­lan­ge, wie die Über­le­gun­gen nicht kon­kre­ti­siert wer­den. Auch die wei­te­re Ver­mu­tung, der Ein­satz von Amts­hil­fe­per­so­nal würde nicht aus­rei­chen, genügt nicht als Be­gründung. Denn die­se müss­te wie­der­um so kon­kret sein, dass ei­ne Über­prüfung ermöglicht würde, ob die Beschäfti­gung der be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer mit Auf­ga­ben von vorüber­ge­hen­der Dau­er er­folgt oder ob da­mit ein ständi­ger Be­darf ab­ge­deckt wird (vgl. BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10). Dar­an fehlt es, weil hier­zu bloße Ver­mu­tun­gen nicht aus­rei­chen. Die An­zahl der Amts­hil­fe-Kräfte ist be­reits Teil des Re­chen­wegs zur Be­gründung der Pro­gno­se für den Be­darf an be­fris­tet Beschäftig­ten ge­we­sen (vgl. Dar­stel­lung der Be­klag­ten auf S. 3 des Schrift­sat­zes vom 31.5.2010). Es ist dem­nach nicht möglich, die­se zu­vor rech­ne­risch be­gründe­te Zahl nachträglich oh­ne nähe­re Erläute­rung ab­zuändern. Durch sol­che „Kor­rek­tu­ren“ wird die gan­ze Be­rech­nung, die ge­ra­de die Be­fris­tung tra­gen soll und muss, in Fra­ge ge­stellt.
Die Zahl 5.000 kann auch nicht dar­auf gestützt wer­den, dass im Durch­schnitt der Jah­re 2008 bis 2010 ca. 5.000 Kräfte jähr­lich genügen würden. Es ist nicht er­for­der­lich, dass ei­ne Pro­gno­se mo­nat­li­che Ge­nau­ig­keit er­rei­chen muss. Auch länger­fris­ti­ge Zeiträume, z. B. ein 3-Jah­res-Zeit­raum, kom­men auch als Pro­gno­se­zeit­raum in Be­tracht. Der Haus­halts­ge­ber muss sich al­ler­dings kon­se­quent und schlüssig ver­hal­ten. Ist es ihm möglich, den vor­aus­sicht­lich be­ste­hen­den Mehr­be­darf jähr­lich zu be­rech­nen, so muss er sich auch im Rah­men des Be­fris­tungs­rechts hier­an hal­ten. Nur dann ist das Merk­mal der „Nach­voll­zieh­bar­keit“ erfüllt und ei­ne et­wai­ge Be­lie­big­keit, die dem Un­ter­maßver­bot nicht mehr ge­recht wer­den würde, aus­ge­schlos­sen. Es ist oh­ne wei­te­res möglich, be­fris­te­te Ar­beits­verträge auf die Dau­er von ein, zwei oder drei Jah­re ab­zu­sch­ließen. So war es dem­ent­spre­chend auch nach dem Vor­schlag der Be­klag­ten zum Haus­halts­ver­merk vor­ge­se­hen wor­den. Da zu­dem auf die zu­vor schon be­fris­tet Beschäftig­ten zurück­ge­grif­fen wer­den konn­te, be­stand auch kei­ne Ver­an­las­sung, da­von aus­zu­ge­hen, dass sich Beschäfti­gun­gen ggf. erst nach ei­ner ge­wis­sen Ein­ar­bei­tungs­zeit per­so­nal­tech­nisch loh­nen würden. Wenn sich der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber - letzt­lich im öffent­li­chen In­ter­es­se - dar­auf be­ru­fen möch­te, dass die Bin­dung an den Haus­halt ihm nur vorüber­ge­hend ei­ne Beschäfti­gung wei­te­rer Kräfte ermöglicht, so ver­letzt er das öffent­li­che In­ter­es­se, wenn er ent­ge­gen sei­ner ei­ge­nen Pro­gno­se mehr Kräfte beschäftigt als nach der Pro­gno­se er­for­der­lich. Be­steht al­so die Pro­gno­se, im Jahr 2010 le­dig­lich 3.211 be­fris­te­te Kräfte zu benöti­gen, so ist je­den­falls die deut­li­che Erhöhung auf 5.000 Kräfte un­zulässig. Wie aus­geführt, sind nach­voll­zieh­ba­re Gründe hierfür nicht dar­ge­legt wor­den. So wird statt­des­sen die Ver­mu­tung gestützt, es lie­ge nicht nur Be­darf an ei­ner vorüber­ge­hen­den Beschäfti­gung vor, son­dern viel­mehr sei der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber von ei­nem dau­er­haf­ten An­stieg der Ar­beits­men­ge aus­ge­gan­gen bzw. die Haus­halts­mit­tel würden le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit­ge­stellt wer­den. Ei­ne sol­che An­nah­me recht­fer­tigt die Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG aber ge­ra­de nicht (BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 640/08, ju­ris).
dd) Die Be­fris­tung ist auch nicht des­halb wirk­sam, weil die Be­klag­te nach Vor­ste­hen­dem je­den­falls 3.200 Be­fris­tun­gen hätte wirk­sam ab­sch­ließen können und le­dig­lich 1.800 Be­fris­tun­gen rech­ne­risch un­wirk­sam wären. Es kann nicht fest­ge­stellt wer­den, wel­cher Ar­beit­neh­mer bzw. wel­che Ar­beit­neh­me­rin zu wel­cher Grup­pe gehören würde. Das Ge­bot ef­fek­ti­ven Rechts­schutz gem. Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 20 Abs. 3 GG würde ver­letzt, wenn des­halb die Kla­gen der ers­ten 3.200 Beschäftig­ten, die sich auf die Un­wirk­sam­keit be­ru­fen würden, ab­ge­wie­sen würden. Viel­mehr führt die Feh­ler­haf­tig­keit der Her­lei­tung des vorüber­ge­hen­den Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung bei al­len be­trof­fe­nen Beschäftig­ten. Zu­dem wäre die Fra­ge auch erst dann re­le­vant, wenn tatsächlich mehr als 1.800 be­fris­tet Beschäftig­te er­folg­reich ih­re Ent­fris­tung ggf. ge­richt­lich durch­ge­setzt hätten. Denn je­den­falls bei die­ser An­zahl sind die Be­fris­tun­gen un­wirk­sam.
ee) In­wie­weit sich ggf. aus eu­ro­pa­recht­li­chen Gründen wei­te­re Ein­schränkun­gen für ei­ne Haus­halts­be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG er­ge­ben (vgl. den EuGH-Vor­la­ge-Be­schluss des LAG Köln v. 13.4.2010, 7 Sa 1224/09, ju­ris), kann da­hin­ste­hen, da, wie aus­geführt, je­den­falls vor­lie­gend auch nach dem bis­he­ri­gen Verständ­nis von § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG die Be­fris­tung nicht ge­recht­fer­tigt ist. Der Rechts­streit ist des­halb be­reits zur Ent­schei­dung reif.
b) Die Be­fris­tung ist auch nicht gem. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG auf­grund ei­nes et­wai­gen nur vorüber­ge­hen­den Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung ge­recht­fer­tigt. Dies würde vor­aus­set­zen, dass die Be­klag­te zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des be­fris­te­ten Ver­tra­ges mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit er­war­ten konn­te, dass der Ar­beits­kräfte­be­darf in Zu­kunft weg­fal­len wird (vgl. BAG v. 25.8.2004, 7 AZR 7/04, NZA 2005, 357; BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 640/08, ju­ris). Über den vorüber­ge­hen­den Be­darf i.S. des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG ist ei­ne Pro­gno­se zu er­stel­len, der kon­kre­te An­halts­punk­te zu Grun­de lie­gen müssen. Die Pro­gno­se ist Teil des Sach­grun­des. Die Pro­gno­se muss sich le­dig­lich dar­auf er­stre­cken, dass der be­trieb­li­che Be­darf an der Ar­beits­leis­tung des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers nur zeit­wei­se und nicht dau­er­haft eröff­net ist. Die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung we­gen ei­nes vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darfs i.S. des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG setzt vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer ge­ra­de zur De­ckung die­ses Mehr­be­darfs ein­ge­stellt wird. Dem Ar­beit­neh­mer dürfen kei­ne Dau­er­auf­ga­ben über­tra­gen wer­den (BAG v. 20.2.2008, 7 AZR 950/06, NZA-RR 2009, 288).
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt. Bei den der Be­klag­ten im Be­reich der Grund­si­che­rung über­tra­ge­nen Auf­ga­ben nach dem SGB II han­delt es sich um Dau­er­auf­ga­ben, die auch über den 31.12.2009 hin­aus an­fal­len (vgl. auch BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 640/08, ju­ris).
Die­se Tätig­kei­ten sind auch nach dem 31.12.2010 zu er­le­di­gen, was von der Be­klag­ten auch gar nicht be­strit­ten wird. Dies war auch schon am 4.7.2008, dem Tag des Ab­schlus­ses der Be­fris­tung, ab­seh­bar. Selbst wenn der er­hoff­te nen­nens­wer­te Rück­gang von Grund­si­che­rungs­su­chen­den ein­ge­tre­ten wäre, so hat je­doch nie­mand an­ge­nom­men, nach dem 31.12.2010 würde die­se Auf­ga­be gänz­lich weg­fal­len. Ei­ne Pro­gno­se, dass der Be­darf an den 5.000 Stel­len im Sin­ne von § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG nur vorüber­ge­hend wäre, hat die Be­klag­te je­den­falls nicht dar­ge­tan und auch selbst nicht zur Be­gründung der Be­fris­tung an­geführt. § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG stellt in­so­weit höhe­re Vor­aus­set­zun­gen auf als § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG (vgl. BAG v. 7.5.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880).
c) Die Be­fris­tung ist auch nicht aus­nahms­wei­se als sach­grund­lo­se Be­fris­tung zulässig. Gem. § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ist die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren zulässig.
Die­se 2-Jah­res-Frist ist un­strei­tig über­schrit­ten. Der Kläger ist seit dem Jahr 2005 auf­grund von meh­re­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen und da­mit deut­lich länger als zwei Jah­re beschäftigt ge­we­sen.
d) Die Be­fris­tung ist auch nicht auf­grund wei­ter Umstände, z. B. als Al­ters­be­fris­tung gem. § 14 Abs. 3 Tz­B­fG, zulässig.
Ins­be­son­de­re kann da­hin­ste­hen, ob die Be­fris­tung we­gen des Ver­s­toßes ge­gen das Schrift­for­mer­for­der­nis un­wirk­sam ist, weil der Ar­beits­ver­trag auf Sei­ten der Be­klag­ten durch ei­nen Beschäftig­ten mit dem Zu­satz „Im Auf­trag“ un­ter­zeich­net wor­den ist. Hierfür spricht al­ler­dings we­nig, da die Ver­wen­dung des Zu­sat­zes „Im Auf­trag“ in der Ver­wal­tung ty­pi­scher­wei­se von al­len Beschäftig­ten außer dem Ver­wal­tungs­lei­ter bzw. der Ver­wal­tungs­lei­te­rin bzw. des­sen / de­ren Ver­tre­ter oder Ver­tre­te­rin zu ver­wen­den ist.
II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 46 Abs. 2 ArbGG iVm. § 91 ZPO. Der Streit­wert ist gem. § 61 Abs. 1 ArbGG, § 3 ZPO, § 42 Abs. 3 S. 1 GKG im Ur­teil fest­zu­set­zen und ent­spricht im Übri­gen dem gem. § 63 Abs. 2 GKG fest­zu­set­zen­den Wert.
Rechts­mit­tel­be­leh­rung Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der be­klag­ten Par­tei Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den. Für die kla­gen­de Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner N o t f r i s t* von ei­nem Mo­nat beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21, 40227 Düssel­dorf, Fax: 0211 7770 2199 ein­ge­gan­gen sein.
Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. * Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.	m.hensche.de
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