Source: http://www.cgc.uni-frankfurt.de/archiv/cgc-forschung-projekte.shtml
Timestamp: 2020-06-05 03:16:02+00:00

Document:
Cornelia Goethe Centrum - Forschung - Forschungsprojekte
: Buchreihen
Die am Cornelia Goethe Centrum angesiedelte Forschung ist vielfältig. Seine Mitglieder forschen zu den Bedeutungen und Problemen der Geschlechterverhältnisse in allen gesellschaftlichen Bereichen. Hierzu zählen die symbolischen Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit, aber auch die sozialen Ungleichheiten und Machtverhältnisse, in die sie eingebunden sind. Die Forschung greift aktuelle gesellschaftspolitische Fragen auf und zeichnet sich durch das Interesse an theoretischen Neuorientierungen, soziokulturellen Differenzierungsprozessen und internationalen Entwicklungen aus. Die Forschungsprojekte werden von internationalen und nationalen Drittmittelgeber gefördert, so z. B. von der Europäischen Union, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, dem Land Hessen und der Hans-Böckler-Stiftung.
Between Two Pasts - Immigrants‘ Constructing and Re-Constructing the Narratives of their Past. The Case of Israel and Germany Life, Work and the Socialization of the Next Generation
Projektmitarbeiter_in:DoktorandInnen der Goethe-Universität und der Tel Aviv University
The research project focuses on the construction of narratives of the past of immigration and emigration in youth cultures in Germany and Israel . Research Objectives: To offer a comprehensive, inter-disciplinary and multi-method comparative study of a key issue within Hebrew, Arabic and German youth cultures : How youth cultures construct narratives of the past(s) in conflicting, immigrant-absorbing and emigrant societies engaged in a process of identity construction. It is of major interest to address the implicit gender questions.
Gefördert durch den DAAD im Rahmen der Strategischen Partnerschaft zwischen der Goethe- Universität und Tel Aviv University. Angestrebt sind Co-Tutelle-Verfahren für Promotionen an beiden Universitäten
Prof. Ursula Apitzsch <apitzsch@soz.uni-frankfurt.de>
Projektmitarbeiter_in: Dr. Katrin Amelang
Im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunkts „Ethische, rechtliche und soziale Aspekte des Wissenstransfers zwischen den modernen Lebenswissenschaften und der Gesellschaft“ führt Susanne Bauer ein Forschungsvorhaben an der Schnittstelle von Wissenssoziologie, Risikosoziologie und Science & Technology Studies (STS) durch. Im Mittelpunkt des Projekts „Epidemiologische Risiko-Scores als Instrumente des Wissenstransfers“ (Laufzeit: 1.11.2013- 31.10.2016) stehen Wissenstransferprozesse und Differenzproduktion in und durch Risiko-Scores, wie sie aus epidemiologischen Studien abgeleitet und dann als Vorhersageinstrumente u.a. in Prävention, Klinik und Gesundheitspolitik eingesetzt werden. Das Projekt folgt ethnografisch der Generierung und der sozialen Zirkulation dieser Instrumente und nimmt damit verbundene Daten-Infrastrukturen sowie Prozesse der Subjektkonstitution in den Blick. Das Forschungsprojekt wird als Verbundprojekt in Zusammenarbeit mit der Charité Universitätsmedizin Berlin (Dr. Christine Holmberg) durchgeführt.
Prof. Dr. Susanne Bauer <bauer@soz.uni-frankfurt.de>
Wie die Natur der Geschlechtscharaktere als soziale Konstruktion entlarvt wurde, so gilt auch die Wissenschaft als nicht geschlechtsneutral. Frauen bevorzugen andere Disziplinen als Männer und sind neben den Ingenieurwissenschaften vor allem in den Naturwissenschaften unterrepräsentiert. Zudem stellen sie nur einen geringen Anteil an den ProfessorInnen. Frauen schreiben auch nur selten Wissenschaftsgeschichte. In mehr als 100 Jahren Geschichte der Nobelpreisverleihung finden sich gerade einmal 16 Wissenschaftlerinnen, die in den Kategorien Medizin, Chemie oder Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurden. Dennoch haben sich über die Jahrhunderte nicht wenige Frauen mit der Betrachtung und Erforschung von Naturphänomenen beschäftigt. Ein vergleichsweise prominentes Beispiel bietet etwa die in Frankfurt geborene Maria Sibylla Merian (1647-1717), die dank ihres wissenschaftlichen Interesses und ihrer präzisen Beobachtungsgabe von der Naturmalerin zur Naturforscherin wurde. Gibt es in der Frankfurter Wissenschaftsgeschichte noch weitere Entdeckungen zu machen? Wie ist es um die Forscherinnen bestellt, die seit der Gründung der Goethe-Universität in Frankfurt gearbeitet haben bzw. arbeiten? Diesen Fragen wurde bereits im Sommersemester 2013 in einer Veranstaltung nachgegangen. Es wurden theoretische und methodische Konzepte kennen gelernt und diskutiert, die es nun anzuwenden gilt. Fokussieren wollten wir dabei vor allem auf zwei Werkzeuge, zum einen die kritische Biographieforschung und zum anderen verschiedene Verfahren des Mapping. Auf dieser Basis haben wir uns auf den Campi der Goethe-Universität und im Stadtraum auf die Spuren von WissenschaftlerInnen in Geschichte und Gegenwart begeben. Ziel des Projektes ist es, einen Stadtplan zu entwickeln, der Forscherinnen in Frankfurt verortet und sichtbar macht.
Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink <b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de>/ Prof. Dr. Verena Kuni <verena@kuni.org>
www.ArtSciEd.net/ff /www.ArtSciEd.net/ff-karte
Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink <b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de>
Dr. Alexandra Rau <rau@soz.uni-frankfurt.de>
Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit lesbischen Paaren, die über eine private oder klinische Samenspende eine Familie gegründet haben. Es wird der Frage nachgegangen, welche Vorstellungen von Verwandtschaft, Familie und Geschlecht sich in diesen Familien herausbilden und welche Rolle Reproduktionstechnologien hierbei spielen. Theoretisch bezieht sich das Projekt auf Perspektiven der Wissenschafts- und Technikforschung, der Frauen- und Geschlechterforschung sowie der Queer Studies. Der empirische Teil des Projekts umfasst qualitative Interviews mit lesbischen Paaren sowie Interviews mit Expert_innen aus dem medizinischen, rechtlichen und zivilgesellschaftlichen Bereich, die das Feld lesbischer Reproduktion in Deutschland mitgestalten.
Sarah Dionisius <Dionisius@soz.uni-frankfurt.de>
GanztagsSchulKulturen - ein Feldforschungsprojekt
Das Projekt „GanztagsSchulKulturen“ untersucht mit den Instrumenten ethnographischer Feldforschung Formen und Effekte (pädagogischer) Beziehungen, Kulturen des Umgangs und Regelungen des Alltags an zwei Ganztagsschulen. Wie wird Ganztagsschule von Schüler_innen und Lehrkräften sowie im Zusammenspiel mit außerschulischen Akteuren und Angeboten erlebt und wie gestalten sich (pädagogische) Beziehungen und die Kulturen des Umgangs miteinander? Welche Rolle spielt dabei auch die Kategorie Geschlecht? Seit 2009 begleiten wir vier verschiedene Klassen an zwei Ganztagsschulen auf ihrem Weg durch die Schulen. Im Zentrum stehen die Übergänge der Schülerinnen und Schüler von den Grundschulen in den Ganztagschulalltag bzw. von dem Ganztagsschulalltag in Ausbildung bzw. weiterführende Schulen sowie das Erleben von Ganztagsschulen und die Gestaltungen von (pädagogischen) Beziehungen. Neben den Schüler/-innen werden die Schulleiter/-innen, (Klassen)Lehrer/-innen, die Sozialarbeiter/-innen und die pädagogischen Mitarbeiter/-innen in Bezug auf ihre Sichtweisen und ihr Erleben des Ganztagsschulalltages befragt. Die Langzeitperspektive ermöglicht es, Sichtweisen auf Ganztagsschule über die gesamte Schulzeit einzufangen sowie Wandlungen pädagogischer Beziehungen in den Blick zu nehmen.
Dipl. Päd. Sophia Richter <S.Richter@em.uni-frankfurt.de>
Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser <B. Friebertshaeuser@em.uni-frankfurt.de>
Transnational Care-work in France and in Germany - a Biographical Policy Evaluation
Projektmitarbeiter_in: Janina Glaeser
This bi-national PhD-project is a comparative study of France and Germany, which is stipulated by a contract between the Goethe University of Frankfurt and the University of Strasbourg (“Cotutelle”). The main interest of the study is to evaluate social policies of these two nation states through biographical research with migrant care workers who take care of small children in private households (so called “assistant(e)s maternel(le)s” or “Tageseltern”) on a regular basis. This is a crucial task as the industrialized countries nowadays are highly interested in finding adequate solutions to their increasing care-deficit. European countries like France and Germany are structurally close and face similar problems such as demographic aging and the pluralization of life and work forms. However, their efforts to guarantee the (re-)production of human beings themselves in a globalised and capitalized world differ remarkably. At this juncture, migrant care workers are important key actors, because they represent a significant resource of care-workers. Therefore it will be interesting to analyze how dimensions of gender, race/ethnicity and class intersect within the course of their life and which strategies they pursue by doing care-work. A comparison between the European nation states France and Germany promises valuable clues to care-policies that are rising in relevance and to the current value of care-work.
Gefördert von der Hans Böckler Stiftung und der Deutsch-Französischen Hochschule
Janina Glaeser <Janina.glaeser@gmx.de>
Norbert Elias hat seit seiner Zeit am Soziologischen Seminar der Universität Frankfurt Anfang der 1930er Jahre mehrere Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachhaltig geprägt. Zu diesen gehörten Sozialwissenschaftlerinnen wie Gisèle Freund, Ilse Seglow und Viola Klein deren Dissertationen er als Assistent von Karl Mannheim an der Universität Frankfurt sowie nach seiner Flucht nach Paris und im Exil in England betreute und mit denen er bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden war. Im Forschungsprojekt werden die im Nachlass Norbert Elias überlieferten Briefwechsel zwischen Elias und diesen ersten Sozialwissenschaftlerinnen erschlossen und nach zwei Hauptaspekten untersucht: Zum einen nach der Rolle von Elias als Mentor der ersten Sozialwissenschaftlerinnen, zum anderen nach deren Bedeutung für Elias sowie nach der Position, die sie in den Intellektuellen-Netzwerken von Elias im akademischen Feld einnahmen.
Gefördert von der Norbert Elias Foundation und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach im Rahmen eines Norbert-Elias-Stipendiums
Dr. Marion Keller<Keller@em.uni-frankfurt.de>
Das Forschungsprojekt untersucht aktuelle Formen, Methoden und Strategien der künstlerischen Auseinandersetzung mit Gebrauchsgegenständen und Alltagstechnologien: Von der Rekonstruktion und dem Recycling obsolet gewordener Technologien und Geräte über die Umnutzung, das Aufbrechen und die Transformation bis hin zur Neuerfindung. Dabei interessiert nicht zuletzt die Rolle, die tradierter Geschlechterordnungen sowohl im Hinblick auf die mit den Geräten und Technologien selbst assoziierten 'vorgesehenen' Gebrauchsweisen, als auch im Hinblick auf jene Techniken und Strategien spielen, die im künstlerischen Kontext zur Anwendung kommen - und damit die Frage, inwieweit diese Techniken und Strategien geeignet sind, diese Geschlechterordnungen kritisch und wortwörtlich 'dekonstruktiv' zu hinterfragen.
Anteilig gefördet von: migros Kulturprozent
Prof. Dr. Verena Kuni <verena@kuni.org>
ArtSciEd - Plattform für die Entwicklung, Präsentation und Vermittlung von Lehr-Forschungsprojekte an der Schnittstelle von Kultur- und Naturwissenschaften
Das Projektvorhaben zielt darauf, eine flexible interdisziplinäre Lehr- und Lernplattform für Studierende und DozentInnen zur Entwicklung, Präsentation und Vermittlung gemeinsamer Lehr-Forschungsprojekte an der Schnittstelle von Kultur- und Naturwissenschaften aufzubau­en. Die Grundlage hierfür bildet die bereits bestehende interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Fächern Kunst und Biologie bzw. Kunstpädagogik/Visuelle Kultur und der Didaktik der Biowissenschaften. In der beantragten Förderphase wird ein ausbaufähiges Pilot-Modell entwickelt und umgesetzt.
Pilotförderung durch den eLearning Förderfonds des studiumdigitale der JWGU (2010-2012)
Ver(un)eindeutigende Praxen. Zum Verhältnis von Geschlecht, Heteronormativität und Vielfältigkeit in schulischer Sexualpädagogik - eine diskursanalytische Ethnographie
Wie in vielen anderen Bildungsbereichen wird auch in sexualpädagogischen Konzeptionen derzeit eine "Pädagogik der Vielfalt" proklamiert. Im Rahmen des kontrovers diskutierten Spannungsverhältnisses von Gender und Diversity werden Konzepte und Praktiken schulischer Sexualerziehung im Hinblick auf dieses anvisierte Ziel untersucht. Herausgearbeitet werden Praktiken und Prozesse der (Re)Produktion und Stabilisierung von Zweigeschlechtigkeit und heterosexueller Norm in sexualkundlichem sowie in außerschulisch organisierten Veranstaltungen. Besonders fokussiert werden zudem Konstellationen, Momente und Praktiken, die Norm- und Normalitätskonstruktionen in Bewegung bringen und die die dichotome Matrix aufbrechen oder irritieren. Welche Normen und Werte werden wie vermittelt? Welche Möglichkeiten des Blickwechsels werden eröffnet und wie gehen Pädagog_innen und Schüler_ innen damit um? Welche Praktiken der Differenzierung kommen dabei zum Einsatz? Ziel ist, die Gelingensbedingungen und -prozesse einer auf Vielfalt ausgerichteten Gender- und Sexualpädagogik herauszuarbeiten.
Gefördert vom Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) und im Rahmen der Förderung „NachwuchswissenschaftlerInnen im Fokus“ der Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Antje Langer <antje.langer@uni-paderborn.de>
In den vergangenen Jahren ist in den Geistes- und Sozialwissenschaften ein neues Forschungsfeld entstanden: der new materialism. Grundlegend für diese Theorieperspektive ist die Ausdehnung der Konzepte von Handlungsfähigkeit, Selbstorganisation und Wirkung macht auf nicht-menschliche Entitäten und die Infragestellung traditioneller Vorstellungen von Leben. Das Buchprojekt stellt zentrale Positionen und theoretische Optionen innerhalb des „Neuen Materialismus“ vor und nimmt dabei auch ungelöste theoretische Spannungen und konzeptionelle Unklarheiten dieser Forschungsperspektive in den Blick. Es verfolgt die These, dass sich in Michel Foucaults Idee einer „Regierung der Dinge“ Elemente eines posthumanistischen Konzepts von Materialität finden und fruchtbar weiterentwickeln lassen. Das Buch soll diese historisch informierte und empirisch orientierte Perspektive auf die „Verflechtung von Menschen und Dingen“ (Foucault) aufgreifen und weiter ausarbeiten, indem die Analytik der Regierung systematisch mit Einsichten der Wissenschafts- und Technikforschung verbunden wird. Das Buch skizziert die Konturen eines „relationalen Materialismus“ (Annemarie Mol), der zugleich einen substanziellen Beitrag zu einer materialistischen Analyse politischer Prozesse und Strukturen leistet.
Opus Magnum-Programm der VolkswagenStiftung
Projektmitarbeiter_in: Marija Grujic
My project is an intervention in debates about the globalization of care work. The Global Care Chain signifies the connection between care deficit in the Global North and care provision from the Global South by migrant women. I criticize this concept's suggestion that it can explain care chains worldwide because it employs the global as a homogenizing container. Instead, I investigate the situation in Europe where the East sends and the West receives care workers as a division of labor coinciding with the 'iron curtain'. The 'care curtain' expresses a pattern rooted in state socialism and its aftermath.
Prof. Dr. Helma Lutz <Lutz@soz.uni-frankfurt.de>
Projektmitarbeiter_in: Kristina Nottbohm
Dieses Forschungsprojekt untersucht die zunehmende und problematische Rolle von feministischen Forderungen in aktuellen Debatten über Multikulturalismus und Integration in Frankreich und Deutschland. Unabhängig von ihrer politischen Verortung beziehen sich viele PolitikerInnen, JournalistInnen und Feministinnen in beiden Ländern auf feministische Forderungen und ermöglichen so ein gegeneinander Ausspielen von Frauenrechten gegen Minderheitenrechte. Sie suggerieren, dass Multikulturalismus, insbesondere im Hinblick auf „den“ Islam, eine Bedrohung der Frauenrechte und der Geschlechtergleichheit darstellt. In Reaktion auf diese binarisierende, teilweise rassistische Repräsentationspraxis beschäftigt sich eine neue Debatte mit Mechanismen der Vereinnahmung und Instrumentalisierung feministischer Forderungen und Themen durch unterschiedliche politische Akteure. Diese Debatte greift die Kritik und Analyse postkolonialer und anti-rassistischer Feministinnen auf, die bereits seit Jahrzehnten kritisieren, dass (neo-) koloniale und (neo-) orientalistische Diskurse in Bezug auf Geschlecht und Sexualität in Massenmedien und Regulierungspolitiken (re-)produziert werden. Anhand eines diskursanalytischen Verfahrens vergleicht dieses Forschungsprojekt Artikel aus deutschen und französischen Tageszeitungen über den Zeitraum von 2000 bis 2011. Im Mittelpunkt stehen dabei diskursive Verschränkung zwischen feministischen und anti-muslimischen Stellungnahmen wie auch diskursive Konstruktionen von Multikulturalismus und Feminismus als antagonistisches Verhältnis.
Kristina Nottbohm <k.nottbohm@em.uni-frankfurt.de>
Das Mensch-Tier-Verhältnis wie es gedacht und praktiziert wurde und wird, steckt voller Paradoxien und Ambivalenzen. In verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, von der Philosophe über Soziologie, Sozialethik, Biologie u.a.m. gewinnt das Mensch-Tierverhältnis daher gegenwärtig zunehmend an Aufmerksamkeit. Auch für die Literatur- und Kulturwissenschaften eröffnet sich hier ein neues Forschungsfeld.
Das Projekt, Animals in American Literature untersucht die Paradoxien und Ambivalenzen des Mensch-Tier-Verhältnisses in Texten der amerikanischen Literatur. Der zeitliche Rahmen spannt sich dabei von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart. An literarischen Texten (Erzählung, Roman, Gedicht) interessiert nicht nur, wie das Verhältnis von Menschen und (anderen) Tieren konzipiert und reflektiert wird, sondern auch Versuche, die Welt aus der Perspektive von Tieren zu denken. Welche kulturelle Arbeit leisten Tiere in Texten auf der Ebene des Erzählten wie auf der Ebene der erzählerischen Vermittlung? Letztlich rücken damit die diskursiven Grundlegungen unserer symbolischen und sozialen Ordnung in den Blick und werden einer Analyse zugänglich.
Prof. Dr. Susanne Opfermann <opfermann@em.uni-frankfurt.de>
Die Auflösung tradierter Natur/Kultur/Mensch/Technik-Gegensätze hat epistemologi¬sche Konsequenzen für die Wissensproduktion und für die Analyse von Macht- und Dominanzverhältnissen. Universalisierte Evidenz als Paradigma des 20. Jahrhun¬derts hat mittlerweile ausgedient. Vielmehr geht es um Fragen nach den Prozessen der Ko-Konstitution und Stabilisierung von Wissensformen als materiell-semiotische Gefüge, um ihre Performativität und die mit dieser verbundenen Politiken. Notwendig wird damit nicht zuletzt ein Wechsel vom Anthropozentrismus hin zu einer multispecies perspective, welche die Prozesshaftigkeit, die Wechselbeziehungen und Dynamiken, aber auch die Resilienz aller biologischen und sozialen, ökologischen und kulturellen Vorgänge anerkennt und ihre Aushandlungen in den Blick nimmt. Denn Wirkungsmacht entsteht entlang konkreter Praktiken in Handlungsketten, wobei längst nicht alle Teile dieser Ketten notwendigerweise von den freiwillig und unfreiwillig Beteiligten intendiert oder kontrolliert werden. Hier setzt die Forscherinnengruppe an, um Potenziale und Probleme dieses Para-digmenwechsels anhand von Wissenspraktiken und Wirkungsketten in Mensch-Natur-Kultur-Technikverhältnissen zu untersuchen. Zwei zentrale Fragen stehen im Fokus unseres Interesses. 1. Welche neuen Formen oder Praktiken von Wissen entstehen im Zuge des beschriebenen Perspektiv- bzw. Paradigmenwechsels (u.U. auch nebenbei)? Wie wird Wissen generiert, formuliert und tradiert? 2. Welche – intendierten und nicht intendierten - Wirkungen zeitigen Prozesse der Wissensgenerierung?
Vor dem Hintergrund zunehmender Kinderschutzbemühungen und damit verstärkter Beobachtungen der elterlichen Sorge- und Erziehungstätigkeiten erforscht das Projekt praxisanalytisch, wie in stationären Mutter-Kind- Einrichtungen Erziehungsverhältnisse von Müttern und Kindern organisiert werden. Es fragt, wie die mütterliche Erziehungsfähigkeit in sozialen Praktiken mit dem Kindeswohl relationiert wird, und fokussiert (pädagogische) Technologien sowie ihren praktischen Einsatz in den Einrichtungen: Um zu untersuchen, wie Frauen als Mütter zu Fällen von Hilfe‘ werden, werden Aufnahme-, Clearing- und Kinderschutzverfahren exploriert. Und um zu analysieren, wie Normen mütterlicher Erziehung und Sorge konstruiert und interaktiv verhandelt werden, nimmt das Projekt Erziehungskompetenztrainings in den Blick. Mit der Methodologie einer ethnographischen Institutionenanalyse werden unterschiedliche methodische Zugänge gewählt, mit denen die Analyseebenen von Programmatik und situierten Praktiken systematisch aufeinander bezogen werden können. Ziel ist es erstens, professionsbezogen die praktischen Umgangsweisen mit der Ambivalenz von Vertrauens- und Kinderschutz in Einrichtungen freier Kinder- und Jugendhilfeträger systematisch zu untersuchen. Zweitens sollen in einer Verknüpfung von Perspektiven der Geschlechter- und Kindheitsforschung jene praktischen Prozesse systematisiert und in einzelnen Varianten im Detail rekonstruiert werden, in denen die Kategorien Mütterlichkeit/Mutterschaft und Kindeswohl wechselseitig relationiert werden.
Dr. Marion Ott <M.Ott@em.uni-frankfurt.de>
Projektmitarbeiter_innen: Simon Bieling (HfG Karlsruhe), Eleni Blechinger (Goethe Universität Frankfurt), Katja Gunkel (Goethe Universität Frankfurt), Melanie Horn (Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Annemarie Opp (Goethe Universität Frankfurt), Antonia Wagner (HfG Karlsruhe)
Was sagen die Produkte oder Orte wie der Supermarkt über uns und unsere gegenwärtigen Kulturpraktiken aus? Antworten auf diese Fragen sucht ein Forscherteam der Universitäten Frankfurt und Münster sowie der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Die Erforschung des Umgangs mit Konsumgütern und Alltagsgegenständen in Hochkultur und Alltag und seine Vermittlung über Medien stehen im Mittelpunkt der Analyse auf so unterschiedlichen Feldern wie der Literatur, der Popmusik, dem Film und dem Internet. Das Vorhaben umfasst vier Teilprojekte: Popmusik als Marke – Marken in der Popmusik; Liebe und ihre Verbindung zum Konsum; Konsumobjekte im bewegten Bild des Internets sowie Konsum als Kulturtechnik. Zum Projektende ist eine Ausstellung zum Thema „Kulturästhetik des Handys“ geplant; hier werden auf ungewöhnliche Art die Forschungsergebnisse der gemeinsamen Untersuchungen eines Konsumobjekts der Öffentlichkeit präsentiert.
<profrichar@aol.com>
Afrikas Asiatische Optionen - AFRASO
Das Frankfurter Inter-Zentren-Programm „Afrikas Asiatische Optionen (AFRASO)“ geht von der Prämisse aus, dass sich Regionalstudien in einer globalisierten Welt zunehmend mit Entgrenzungs- und Transregonalisierungsprozessen konfrontiert sehen, auf die sie mit innovativen Konzepten und Theorien reagieren müssen, um ihren sich rasch verändernden Gegenstandsbereichen weiterhin gerecht werden zu können. Das Frankfurter Afrika-Asien-Programm setzt sich mit dieser Problematik am Beispiel neuer afrikanisch-asiatischer Interaktionen auseinander und folgt dabei der Annahme, dass diese Interaktionen auf wirtschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Ebene nicht nur den Ländern Asiens, sondern auch afrikanischen Akteuren neue Handlungsspielräume eröffnen. Dabei spielen neben China und Indien weitere, im Zusammenhang mit Afrika bisher weniger untersuchte asiatische Akteure wie Japan, Indonesien, Korea, Malaysia und Vietnam eine zentrale Rolle. Das Frankfurter Forschungsprogramm AFRASO verfolgt deshalb das Ziel, die sich gegenwärtig dynamisch vervielfältigenden Beziehungsmuster zwischen unter schiedlichen Regionen Afrikas und Asiens in vergleichender, inter- und transdisziplinärer Perspektive aufzuarbeiten, den Area Studies durch den Fokus auf transregionale Interaktionen zwischen Afrika und Asien innovative Theorieangebote zu unterbreiten, Regionalstudien an der Goethe-Universität strukturbildend zu vernetzen und die Kooperation von Area Studies mit systematischen Disziplinen nachhaltig zu sichern und die Expertise zu afrikanischasiatischen Interaktionen an der Goethe-Universität international sichtbar zu bündeln. Bestehende bilaterale Beziehungen zu Partnern der Goethe-Universität in Afrika und Asien werden über Forschungsprojekte und gemeinsame Konferenzen in Frankfurt zusammengeführt. Darüber hinaus wird in Kooperation mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine Schnittstelle zwischen universitärer Forschung und entwicklungspolitischer Praxis etabliert und erprobt.
Klimawandel, Entwicklung und Geschlecht - Zivilgesellschaftliche Aushandlungsprozesse in Tunesien und Marokko im Vergleich
Projektmitarbeiter_in: Dr. Tanja Scheiterbauer
Das Projekt zielt darauf ab, grundlegende Erkenntnisse darüber zu ermitteln, wie zivilgesellschaftliche AkteurInnen in Tunesien und in Marokko als relevante gesellschaftliche Kräfte in klimapolitischen Entscheidungsprozessen partizipieren und wie geschlechtergerechte Entwicklung von diesen verhandelt und artikuliert wird. In den Vordergrund gerückt wird die Frage, wie transnationale Normen der Geschlechtergerechtigkeit angesichts sich überschneidender Konfliktlagen – wie z.B. die steigende Wasserknappheit sowie gesellschaftliche Ungleichheitslagen von Männern und Frauen – von zivilgesellschaftlichen AkteurInnen lokal ausgehandelt werden und inwiefern diese AkteurInnen Einfluss auf die Ausgestaltung von klimapolitischen Maßnahmen und Programmen ausüben. Dabei greift die Studie auf bisherige Ergebnisse der Klimafolgen, Vulnerabilitäts- und Anpassungsforschung (KVA-Forschung) zurück, in der davon ausgegangen wird, dass zivilgesellschaftliche AkteurInnen notwendig in politische Entscheidungen über Maßnahmen und Programme zur Entwicklung von Klimapolitik einzubinden sind, um gesellschaftliche Wirksamkeit zu erlangen, aber auch um soziale Gerechtigkeit voranzubringen
Dr. Tanja Scheiterbauer <t.scheiterbauer@soz.uni-frankfurt.de>
Projektmitarbeiter_innen: Alewtina Schuckmann, Stephanie Michels
Die starke Beteiligung von Frauen an den jüngsten Revolten und Revolutionen in der arabischen Welt seit Januar 2011 wurde in den Medien aus guten Gründen als Zeichen umfassender Veränderungen der Geschlechterordnungen in der arabischen Welt interpretiert. In allen arabischen Ländern lässt sich beobachten, dass Frauen in den öffentlichen Raum vordringen, sich politisch und beruflich engagieren und vielerorts Reformen des Rechtssystems im Sinne einer größeren Gleichheit der Geschlechter durchsetzen konnten. Das beantragte Projekt dient der Erforschung komplexer Dynamiken der Transformation von Geschlechterordnungen in Syrien und Marokko aus der Perspektive studentischer Akteurinnen und Akteure. Staatliche Programme, die sich teilweise an CEDAW orientieren, werden mit der Lebenswirklichkeit urbaner, gebildeter junger Erwachsener konfrontiert und Diskrepanzen sichtbar gemacht. Das Vorhaben versteht sich als Beitrag zu den ethnologischen Gender Studies, aber auch zu den interdisziplinären Debatten um Gender und Islam sowie der kulturellen Entwicklung der ara-bischen Welt. Konkret soll untersucht werden, wie vorhandene Freiräume von Studierenden genutzt werden, welche Rolle die neuen Medien dabei spielen, welche Diskurse das Überschreiten tradierter Geschlechter- grenzen begleiten, welche Konflikte dadurch hervorgerufen und wie diese von den Akteuren in den Peer-Groups und möglicherweise auch in der Familie bearbeitet werden.
Finanziert durch den DAAD, das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Prof. Dr. Susanne Schröter <s.schroeter@em.uni-frankfurt.de>
Projektmitarbeiter_in: Sonia Zayed
Spannungen zwischen Tradition, Islam und Ideen einer säkularen Moderne durchziehen die gesamte Geschichte des postkolonialen Tunesiens. Bereits in den 1920er Jahren hatte der Schriftsteller Tahar Haddad Maßnahmen zur rechtlichen Gleichstellung von Männern und Frauen gefordert, sich gegen den Schleier ausgesprochen und die Bildung von Mädchen an-gemahnt. Der erste Präsident des unabhängigen Staates Habib Bourgiba begann, die Ideen Haddads umzusetzen und verbot das Tragen von Kopftüchern für Bedienstete in staatlichen Einrichtungen, führte die allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Jungen ein, garantierte Frauen das aktive und passive Wahlrecht. 1956 erließ er ein liberales Personenstandsrecht, das in vielerlei Hinsicht mit dem islamischen Familienrecht brach. Auch der zweite Präsident Zine El-Abidine Ben Ali, der 1989 in einem unblutigen Putsch an die Macht kam, setzte diesen Kurs fort. Modernisierung und Entwicklung, so die staatliche Agenda, sei untrennbar mit der Partizipation der Frauen in der Gesellschaft verbunden. Von weiten Teilen der tunesischen Bevölkerung wurde diese Modernisierungsagenda inklusive des verordneten "Staatsfeminismus" abgelehnt. Die Opposition wurde seit den 1980er Jah-ren von islamistischen Akteuren angeführt, insbesondere der Mouvement de la Tendence Islamique, die nach einer Reihe von Attentaten zerschlagen und sich 1989 als Hizb an-Nahda neu konstituierte. Nach der Revolution im Jahr 2011 formierte sich die Ennahda unter ihrem Vorsitzenden Rachid al-Ghannouchi als politische Partei und gewann die Mehrheit der abge-gebenen Stimmen. Seit dieser Zeit wird die Geschlechterordnung neu verhandelt. Auf der Seite islamistischer Eiferer machen salafistische Gruppierungen mobil und fordern die neue Regierung mit gewalttä- tigen Aktivitäten heraus. Ihr Ziel ist eine islamische Ordnung, inklusive der Einführung isla-mischen Rechts. Die Idee der Gleichheit der Geschlechter wird zugunsten eines Modells komplementärer Rollen von Männern und Frauen abgelehnt. Mit Hilfe von Demonstrationen, Angriffen auf Kunstausstellungen, Kinos, missliebige Organisationen und Universitäten ver-suchen die Salafisten Druck auf die Ennahda auszuüben. Säkulare Intellektuelle formieren sich ebenfalls und mobilisieren die Befürworter einer nicht-religiösen modernen Gesellschaft. Die Vertreter der Ennahda selbst sind gespalten, und bis jetzt lässt sich nicht ermessen, auf welche Kompromisse man sich einigen kann. Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen die Aushandlungsprozesse auf der Ebene von Vertretern der Parteien, der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie öffentlicher Intellektueller untersucht werden.
Finanziert durch das Exzellenzcluster "Herausbildung normativer Ordnungen"
Interaction between state feminism and women's civil society organisations in Egypt
Projektmitarbeiter_in: Lubna Azzam
This study focuses on women's CSOs as advocacy agencies, which are defined by Abdelrahman as "groups that lobby to influence public policy, instead of providing services directly" (Abdelrahman, 2004, p. 8). This requires examining how such advocacy agencies negotiate and shape policies regarding issues concerning women's lives and status relative to men. The manner in which these organisations, and individual women within these agencies, present and advance their agendas and their interaction with government agencies and elite actors are of particular interest in this regard. An important aim of the project therefore is to understand processes of negotiation, as well as the processes of framing and codifying women's human rights in the Egyptian context which culminate in successful legal and policy reform. Given the events of 2011 and 2012 which role did women and women's organisations play in setting the stage for this so-called "Arab Spring"? Women are becoming more visible in Egyptian society but what does this mean in regard to their civil, legal and political rights? What does the Arab Spring mean for women and their position in society in general and what led up to these events? In 2004 the Egyptian law was amended, allowing women to pass on their nationality to their biological children. Which role did the National Council for Women (NCW), a national women's machinery, play in the process of framing and negotiation of this law into national legislation? Which other elite political actors were involved in this process? This is but one example of a successful campaign to secure positive legal rights for women. This also serves as the backdrop against which current and subsequent events will be examined. Women were a visible part of the protests of January and February 2011 and the ongoing protests in Cairo but what does this mean for the transformation process which was initiated and what do recent developments such as a majority religious oriented parliament mean for women and their newly legal rights? What does a majority religious parliament mean for women's rights in the future? Is this a case of one step forward and two steps back?
Finanziert durch die Hans Seidel-Stiftung
Reversal of the Gender Order? Male Marriage Migration to Germany by North African and Turkish Men: Consequences for Family Life, Work and the Socialization of the Next Generation
Projektleitung: Prof. Ursula Apitzsch
Projektmitarbeiter_in: Dr. Anil Al-Rebholz
Laufzeit: Juli 2012 - Dezember 2013
Förderung durch das HMWK, genehmigt als Anschubfinanzierung für ein EU-Projekt im Programm "Horizon 2020".
Dr. Anil Al-Rebholz <al-rebholz@soz.uni-frankfurt.de>
Dekolonisierung und Demokratisierung
Projektleitung: Jun. Prof. Dr. Nikita Dhawan
Den Ausgangspunkt von Nikita Dhawans Projekt bildete die Frage, inwiefern gegenwärtige Diskurse über Demokratie, Transnationale Gerechtigkeit und Menschenrechte durch das keineswegs leicht zu bewältigende koloniale Erbe geprägt sind. Im ersten Schritt wurde der Fokus auf die Ambivalenz von Normen gelegt, wobei insbesondere untersucht wurde, inwie-fern Normen zugleich eine befähigende und gewaltvolle Funktion ausüben. Obwohl Normen daher als Orientierung für die Transformation der sozialen Welt unentbehrlich sind, muss der "normativen Gewalt" hegemonialer Normen auch Widerstand entgegen gesetzt werden. In diesem Zusammenhang stellte sich die zentrale Frage, wie Normen in Bestrebungen um Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit eingesetzt und angeeignet werden können, um historische Gewalt zu überwinden.
Gefördert durch das Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
Prof. Nikita Dhawan <dhawan@soz.uni-frankfurt.de>
Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser und Dr. Birte Egloff (Frankfurt/M.) Prof. Dr. Gabriele Weigand und Gérald Schlemminger (Karlsruhe), Remi Hess und Augustin Mutuale (Paris)
Projektmitarbeiter_innen: Elina Stock, M.A., Kathrin Brunner, Simone Schmitt, Marco Dobel, Rahel Kohnen u.a.
Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) gehört seit Jahrzehnten zu den führenden internationalen Organisationen im Bereich des Jugendaustauschs. Seit seiner Gründung im Jahre 1963 fördert es jährlich etwa 7000 Austausch- und Begegnungsprogramme. Damit ermöglichte es bisher fast sechs Millionen Jugendlichen, interkulturelle, binationale und internationale Erfahrungen im eigenen und fremden Land zu sammeln. Das Projekt fragt nach dem Beitrag solcher Austausch- und Begegnungsprogramme zur interkulturellen Bildung sowie nach interkulturellen Momenten in Biographien.
Da angenommen werden kann, dass auch über das eigene Leben hinausgehende interkulturelle Erfahrungen in Familien Einfluss auf die jeweiligen Biographien nehmen können, soll der Untersuchungsrahmen möglichst weit gefasst werden, um bspw. die Kriegserfahrungen der Eltern- oder Großelterngeneration mit einzubeziehen.
Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser <B.Friebertshaeuser@em.uni-frankfurt.de>
Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser und Dipl. Päd. Sophia Richter
Projektmitarbeiter_innen: Dr. Antje Langer, Dipl. Päd. Anna Bitzer, Dipl. Päd. Merle Lohölter, Dipl. Päd. Nicoleta Camaras-Napp, Nadine Wirthl
An Ganztagsschulen strukturiert sich (pädagogischer) Alltag neu. Bildungspolitisch proklamierte Chancen gehen mit Herausforderungen in der (Um)Gestaltung von Schule, von Professionen, Kooperationen, Rhythmisierung und Raumgestaltung einher. Im Projektkontext wird Ganztagsschule unter dem Fokus der dort angesiedelten und sich begegnenden Kulturen sowie der produzierten Schulkultur betrachtet. Welche unterschiedlichen Kulturen begegnen sich im schulischen Raum und wie beeinflussen sie die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen? Wie wird Ganztagsschule von Schüler/-innen und Lehrkräften erlebt und gelebt? Wie gestaltet sich das Zusammenspiel zwischen schulischen und außerschulischen Akteuren und Angeboten?
Im Fokus stehen die innerhalb der Institution Schule hervorgebrachten Werte, Normen, Einstellungen und Verhaltensweisen, die sich im alltäglichen Handeln, in den Interaktionen, Ordnungen und Strukturen und den Begründungen von Handlungen dokumentieren. Schulkulturen äußern sich nicht nur in den verbalen Zuschreibungen, sondern gerade in den alltäglichen Umgangsweisen, Praktiken, aber auch Räumen, Symbolen, Ritualen, sozialen Ordnungen und Deutungen. In der ethnographischen Studie werden durch teilnehmende Beobachtungen, Expertengespräche, Interviews, Fragebogenerhebungen, Fotographie und Dokumentenanalyse die Regelungen des Alltags, die Gestaltung der Beziehungen und die Kulturen des Umgangs zu erfassen gesucht. Der Ganztagsschulalltag und das (pädagogische) Zusammenleben werden aus den unterschiedlichen Perspektiven der schulischen Akteure, ihrer Wahrnehmungen, Bewertungen und Deutungen sozialer und schulischer Prozesse, analytisch rekonstruiert.
In einem ersten Schritt begleiteten wir dafür verschiedene fünfte Klassen an zwei Schulen im Übergang in die Ganztagsschule. Wir nahmen durch regelmäßige teilnehmende Beobachtungen zu unterschiedlichen Tageszeiten am Tagesablauf der Schüler/-innen und Lehrer/-innen über ein dreiviertel Schuljahr teil. Parallel dazu wurden die Schüler/-innen der Klassen, ihre Lehrer/-innen, die Sozialarbeiter/-innen und die pädagogischen Mitarbeiter/-innen in Bezug auf ihre Sichtweisen und ihr Erleben im Kontext des Ganztagsschulalltages befragt. Geplant sind weitere Erhebungen in den Schulklassen über den Verlauf der Schulzeit und die Einbeziehung der Eltern, um neben möglichen Veränderungen Ganztagsschulkultur im Kontext der Kooperation von Familie und Schule zu erfassen.
Gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Forschungsschwerpunkt "Dimensionen der Kategorie Geschlecht - Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen"
New Migrant Socialities: Ethnic Club Cultures in Urban Europe
Projektmitarbeiter_innen: 3 Projektmitarbeiterinnen
Gefördert durch ein Starting Independent Researcher Grant des Europäischen Forschungsrat ERC
Prof. Dr. Kira Kosnick <kosnick@em.uni-frankfurt.de>
Online-Repertorium der mittelalterlichen deutschen Übertragungen lateinischer Hymnen und Sequenzen (Frankfurter Repertorium)
Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Kraß
Laufzeit: Oktober 2012 - September 2021
In der vormodernen, vom antiken Hymnus bis zum frühneuzeitlichen Kirchenlied reichenden Geschichte des geistlichen Liedes nimmt das deutsche Mittelalter eine zentrale Stellung ein. Insbesondere das Spätmittelalter brachte ein quantitativ und qualitativ breites Spektrum deutscher Bearbeitungen, Übersetzungen und Adaptationen lateinischer Hymnen und Sequenzen hervor. Die volkssprachlichen Zugriffe sind jeweils auf ihre spezifische Gebrauchssituation ausgerichtet. Sie verhalten sich hinsichtlich ihrer Form, Poetik, Frömmigkeitsdisposition und medialen Präsentation gegenüber den lateinischen Vorlagen eigenständig. Sie bilden ein bedeutendes Kapitel der deutschen Kulturgeschichte, das, trotz seiner Aussagekraft für literatur-, sprach-, musik-, kunst-, liturgie-, theologie- und übersetzungsgeschichtliche Fragestellungen, bis heute der systematischen Erschließung harrt. Diese Lücke wird das Frankfurter Repertorium schließen und eine große Fülle bislang unbekannter Quellen für die wissenschaftliche Forschung aufbereiten. Im Rahmen des auf neun Jahre angelegten Forschungsprojekts werden zahlreiche Dissertationen entstehen, die auch Fragestellungen der Geschlechterforschung einbeziehen können, z.B. zur mittelalterlichen Marienfrömmigkeit.
Prof. Dr. Andreas Kraß <a.krass@lingua.uni-frankfurt.de>
Buchprojekt: Männerfreundschaft. Geschichten einer Passion.
Wie sich an philosophischen Traktaten und literarischen Erzählungen der Antike, des Mittelalters und der Gegenwart zeigen lässt, bietet der Tod des geliebten Freundes den typischen Anlass für die Rede über das Wesen der Freundschaft als solcher. Freundschaftsgeschichten sind somit Passionsgeschichten im doppelten Sinne: Geschichten von Leid (Totenklage) und Leidenschaft (Affektbeziehung). Das literaturwissenschaftliche Projekt untersucht an einer Reihe von Texten, die von Ciceros Abhandlung 'Über die Freundschaft' bis Uwe Timms Erzählung 'Der Freund und der Fremde' reicht, die diskursive Abgrenzung von homosozialer Freundschaft und heterosozialer Liebe als konkurrierenden "Codes der Intimität" (Niklas Luhmann, Liebe als Passion). Die aus dem Projekt hervorgehende Monographie wird in der Wissenschaftsreihe des Frankfurter Verlags S. Fischer erscheinen.
Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Kraß / Nataša Bedekovic
Die Studiengruppe zur historischen Intersektionalitätsforschung überprüft das Konzept der Intersektionalität auf seine Anwendbarkeit bezüglich vormoderner Gesellschaftsstrukturen und entwickelt hermeneutische Modelle, mit deren Hilfe intersektionelle Konstellationen in historischen Artefakten sichtbar gemacht und interpretiert werden können. Sie fragt danach, wie sich die Erkenntnisse der Sozialwissenschaften zur Intersektionalität mit den Arbeitsweisen und Erkenntnisinteressen historisch forschender Literatur- und Kulturwissenschaften verbinden lassen. Es geht darum, ein Methoden- und Kategorieninstrumentarium zu entwickeln, mit dessen Hilfe am Beispiel vormoderner Texte und Bilder ermittelt werden kann, wie zu bestimmten Zeiten und in bestimmten kulturellen Räumen soziale Differenzen diskursiv markiert und modelliert werden. Als Fallbeispiele dienen das Nibelungenlied (um 1200) und der Nibelungenfilm von Fritz Lang (1924).
Gefördert durch das Forschungszentrum für historische Geisteswissenschaften
Nataša Bedekovic <bedekovic@lingua.uni-frankfurt.de>
Do-It-Yourself-Kulturen / Do-It-Yourself Cultures
Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld von DIY und Prosumer Cultures in seinen historischen und gegenwärtigen Konstellationen, die unter verschiedenen Schwerpunktsetzungen in Teilprojekten untersucht werden. Die Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen ist hierbei in vielfacher Hinsicht von zentraler Bedeutung - etwa vor dem Hintergrund einschlägiger historischer Verortungen und kulturell tradierter, gesellschaftlicher Wertzuweisungen im Bezug auf das Verhältnis von "(Kunst-)Handwerk" und Kunst, Heimarbeit, Heimwerken und Hausarbeit, Dilettantismus und Professionalität usw.
Dies gilt namentlich auch für das Feld historischer und aktueller Kommunikationstechniken und -technologien, welches die in Kooperation mit dem Museum für Kommunikation Frankfurt erarbeitete Ausstellung fokussiert.
Ausstellungsprojekt in Kooperation mit dem Museum für Kommunikation Frankfurt am Main
24.08.2011 - 26.02.2012 Museum für Kommunikation, Frankfurt
30.03.2012 - 02.09.2012 Museum für Kommunikation, Berlin
29.09.2012 - 25.04.2013 DASA Arbeitswelt Ausstellung, Dortmund
www.under-construction.cc/diy
Unter einem Biotop versteht man einen Lebensraum, den verschiedene Lebewesen miteinander teilen und gemeinsam nutzen. In diesem Sinne ist jede Stadt ein Biotop, das seinerseits wiederum zahlreiche spezifische Biotope umfasst, in denen unterschiedliche Arten in Lebensgemeinschaften koexistieren. Dass diese nicht allein von biologischen Faktoren bestimmt werden, liegt auf der Hand. Ziel des Projekts ist es, die Stadt als bewegliche Konstellation von unterschiedlichen Lebensgemeinschaften zu erkunden, die verschiedenen Einflüssen bzw. Steuerungen unterliegt, aber auch eigene Dynamiken entfaltet. Den Ausgangspunkt bildet die Frage nach den Wahrnehmungen und Repräsentationen des Biotops Stadt, die weiterführend auf Gestaltungs- und Kommunikationsprozesse leitet. Der Komplexität des Gegenstands entsprechend ist das Projekt interdisziplinär orientiert und in verschiedenen Kooperationen verankert. Untersucht werden kann auf diesem Wege nicht zuletzt, wie die jeweiligen Annäherungen aus unterschiedlichen Perspektiven die Wahrnehmung und das Verständnis dieser Konstellation konstituieren.
"Biotop Stadt" ist ein Teilprojekt des im Schwerpunkt Visuelle Kultur angesiedelten, laufenden Forschungs- und Praxisprojekt "(IN)VISIBLE CITY - (UN)SICHTBARE STADT", in dessen Rahmen seit 2007 lokale, überregionale und internationale Projektkooperationen und Workshops mit Modulen zum Thema durchgeführt und seit Sommer 2008 auch Stadtspaziergänge angeboten werden ("GEHEN & SEHEN. Sondierungen zur visuellen Kultur urbaner Räume").
Critical Crafting Circle - Netzwerk zur Auseinandersetzung mit Theorien und Praktiken von Handarbeit
Der Critical Crafting Circle wurde 2007 gegründet von Elisabeth Freiß, Elke Gaugele, Elke Zobl, Sonja Eismann und Verena Kuni. Als Theoretikerinnen und Praktikerinnen, die sich wissenschaftlich und künstlerisch mit dem Spannungsfeld von materiellen und visuellen Kulturen in Geschichte und Gegenwart beschäftigen, erforschen wir die Rolle textiler Techniken, ihrer Politiken und Technologien aus genderkritischer Perspektive.
2011 ist die vom Critical Crafting Circle herausgegebene Publikation "Craftista! Handarbeit und/als Aktivismus" (Mainz: Ventil-Verlag) erschienen.
Critical Crafting Circle <info@criticalcraftingcircle.net>
www.criticalcraftingcircle.net
Gefördert vom Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK)
Dr. Antje Langer <antje.langer@em.uni-frankfurt.de>
Wissen, Einstellungen und Verhalten von Jugendlichen zu HIV/Aids im Berliner Jugendarrest
Projektleitung: Phil C. Langer
Das Projekt zielt auf die Bereitstellung von empirischen Erkenntnissen zu Wissen, Einstellungen und Verhalten von vulnerablen Jugendlichen, die im Berliner Jugendarrest mittels qualitativer und quantitativer Methoden befragt werden. Die Projektergebnisse bieten eine wesentliche Grundlage für die konzeptionelle Weiterentwicklung zielgruppenspezifischer Workshops zur HIV-Prävention und Gesundheitsförderung der Berliner Aidshilfe e.V. Das Projektdesign wurde partizipativ mit dem Jugendpräventionsteam der Berliner Aidshilfe e.V. sowie der Leitung und den Mitarbeiter*innen des Berliner Jugendarrestes entwickelt.
Gefördert von der Berliner Aidshilfe e.V.
Phil C. Langer <langer@soz.uni-frankfurt.de>
Genetische Diskriminierung in Deutschland: Eine Befragung von Klientinnen und Klienten genetischer Beratungen und Mitgliedern von Selbsthilfegruppen
Projektmitarbeiter_innen: Tino Plümecke und Dr. Ulrike Manz
Laufzeit: 15.1.2011 bis 14.1.2014
Das Projekt ist die erste umfassende und systematische empirische Untersuchung zu Praktiken genetischer Diskriminierung in Deutschland. Es zielt darauf, die Auswirkungen genetischer Diskriminierung von "präsymptomatischen Kranken" anhand von vier exemplarisch ausgewählten genetischen Erkrankungen sichtbar zu machen, die die Bandbreite genetischer Erkrankungen repräsentieren: (1) Menschen, bei denen der genetische Test für die Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP) positiv ausfiel, die aber (noch) nicht erkrankt sind; (2) Menschen mit einem Risiko für Familiäre Hypercholoesterinämie (FH); (3) Betroffene der Eisenspeicherkrankheit (hereditäre Hämochromatose, HH) sowie (4) "Träger" des CFTR-Gens für Cystische Fibrose.
In der ersten Projektphase soll eine Fragebogen basierte Umfrage bei einschlägigen Selbsthilfegruppen und ausgewählten genetischen Beratungsstellen zu den vier genannten genetischen Dispositionen einen Einblick in die Verbreitung, die Formen und Dimensionen genetischer Diskriminierung geben. Darauf aufbauend werden im zweiten Arbeitsschritt etwa 60 Leitfaden gestützte Interviews durchgeführt, die Auskunft über Erfahrungen und Umgangsweisen mit Praktiken genetischer Diskriminierung geben sollen. Zur Vertiefung, Erweiterung und Fundierung der gesammelten Informationen werden in der dritten Projektphase pro Krankheitstyp 3 bis 5 Follow-up-Interviews mit Familienmitgliedern, Arbeitgebern oder Vertretern von Versicherungsunternehmen geführt.
Prof. Dr. Thomas Lemke <lemke@em.uni-frankfurt.de>
Tino Plümecke <pluemecke@soz.uni-frankfurt.de>
DNA and Immigration: Exploring the social, political and ethical implications of DNA analysis for family reunification
Projektmitarbeiter_in: Torsten Heinemann
Laufzeit: 1.2.2010 - 31.1.2013
Gegenstand des Projekts ist die in einer wachsenden Zahl von Staaten zu beobachtende Tendenz, bei Anträgen auf Familienzusammenführung im Rahmen von Einwanderungsverfahren genetische Abstammungstests zu verwenden. DNA-Analysen kommt in diesem institutionellen Kontext eine ambivalente Rolle zu. Sie erlauben einerseits den Nachweis der biologischen Verwandtschaft in (aus Sicht der Ausländerbehörden) "zweifelhaften" Fällen, in denen eine Abschiebung droht bzw. der Familiennachzug verweigert wird und ermöglichen auf diese Weise die Familienzusammenführung. Andererseits geht diese Praxis mit einer Vielzahl von Problemen einher, die von datenschutzrechtlichen Bedenken über psychische Belastungen bis hin zur Abwertung sozialer Familienmodelle reichen.
Das Projekt ist Teil eines Forschungsverbunds, der in drei europäischen Staaten - Österreich, Deutschland und Finnland - der Frage nachgeht, wie sich der Einsatz genetischer Abstammungstests in Einwanderungsverfahren auf das gesellschaftliche Verständnis von Familie und Verwandtschaft auswirkt und welche ethischen, sozialen und politischen Probleme diese Praxis in den jeweiligen Ländern aufwirft. Das Forschungsvorhaben untersucht in vergleichender Perspektive die historische Entstehung und die rechtlich-administrative Regulierung des Einsatzes genetischer Tests zur Bestimmung von Familienbeziehungen am Beispiel der deutschen Einwanderungspraxis. Auf der Grundlage der Analyse von Rechtsdokumenten, Stellungnahmen, Richtlinien etc. und Interviews mit Vertretern von Ausländerbehörden, Rechtsanwält(inn)en und Menschenrechtsaktivisten sowie Familienmitgliedern, die eine DNA-Analyse im Rahmen von Einwanderungsverfahren in Auftrag gegeben (oder verweigert) haben, sollen die vielfältigen Dimensionen, Kontextbedingungen und Folgen der Nutzung von genetischen Informationen für Einwanderungsverfahren dargestellt werden.
Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und der Academy of Finland
Torsten Heinemann <heinemann@soz.uni-frankfurt.de>
Männer in den globalen Versorgungsketten? Eine explorative Fallstudie über polnische handymen1 (Heimwerker) in deutschen Haushalten
Projektmitarbeiter_in: Dr. des. Ewa Palenga-Möllenbeck
Das Ziel dieser Untersuchung ist es, die Delegation von männlich vergeschlechtlichten Haushaltsarbeiten an polnische handymen in deutschen Haushalten zu analysieren. Dabei wird theoretisch an das Konzept der globalen Versorgungsketten angeknüpft. Dieses Konzept beschreibt das Phänomen der Weitergabe (weiblich vergeschlechtlichter) Care-Arbeit in der Ersten Welt an (meist weibliche) MigrantInnen aus Ländern der westlichen Peripherie und der Dritten Welt, wodurch der Care-Zugewinn im Aufnahmeland einen Care-Drain im Entsendeland verursacht (Hochschild 2003). Globale Versorgungsketten werden in der Literatur vorwiegend als "Versorgungsketten zwischen Frauen" analysiert, was mit der überwiegend weiblich besetzten Care-Arbeit an den beiden Enden dieser Ketten zusammenhängt. Erst langsam wächst das Interesse an männlich konnotierten Arbeiten im Haushalt und an der Frage, ob angesichts der steigenden Anforderungen des Erwerbs- und Familienlebens in den Zielländern, auch traditionell "männliche" Haushaltsarbeiten (wie Reparaturen, Instandhaltung und Gartenarbeit) delegiert werden. Eine Ende der 1990er Jahre durchgeführte Untersuchung zeigte, dass in den EU-15-Staaten im Durchschnitt 10% der kommodifizierten Haushaltsarbeit von Männern ausgeführt wird (Cancedda 2001). Die wenigen existierenden Studien aus den USA, Großbritannien und Italien weisen auf eine wachsende Tendenz hin (vgl. Ramirez/Hondagneu-Sotelo 2009, Kilkey 2010, Scrinzi/Sarti 2010).
Der innovative Ansatz dieser Studie besteht darin, das in der Literatur anhand weiblicher Haushaltsarbeit bereits ausführlich beschriebene Phänomen der Kommodifizierung und Ethnisierung dieser Art von Arbeit mit Erkenntnissen aus der Väterforschung in Deutschland zu kombinieren. Die aktuelle Männlichkeits- und Vaterschaftsforschung könnte ? so die These dieser Untersuchung - zur Erklärung dieser Tendenzen beitragen. So bestätigen etwa Zeitbudgetstudien in Deutschland, dass die Väter heute stärker in die Erziehung der Kinder involviert sind als früher der Fall war. Da aber die Rolle dieser Männer als Ernährer gleichzeitig unverändert bleibt zeigt sich bei den "neuen Vätern" eine ambivalente Haltung zwischen traditionellen und modernen Orientierungen (Edwards et al. 2009). Um diesem Konflikt zu entkommen, delegieren also Männer 'ihre Seite? der unbezahlten häuslichen Arbeit zunehmend an andere; an dieser Stelle kommen die preisgünstig arbeitenden männlichen Migranten ins Spiel. Neben der Analyse der Nachfrageseite nach solchen Dienstleistungen in den Zielländern soll mit dieser Untersuchung gleichwohl die Situation der Männer am anderen Ende dieser globalen Versorgungskette in Blick genommen werden. Welche Folgen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei den migrantischen handymen haben diese (oft transnationale) Versorgungsketten?
1 Der Begriff handymen bezieht sich auf männliche Personen, die alles, was an traditionell "männlichen" Arbeiten in einem Haushalt anfällt, ausführen können. Wir bevorzugen den englischen Begriff "handymen", der im Gegensatz zu deutschen Umschreibungen wie "Heimwerker" bzw. "Alleskönner" genauer verdeutlicht, dass es gerade Männer sind, die die Tätigkeiten ausführen.
Gefördert vom Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Förderprogramm: "Dimensionen der Kategorie Geschlecht - Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen"
Dr. des. Ewa Palenga-Möllenbeck <e.pm@em.uni-frankfurt.de>
MIGMENTO - Mentoring-Programm für Studierende mit Migrationshintergrund an der Goethe-Universität, ein Kooperationsprojekt des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften und des Gleichstellungsbüros der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Projektsteuerung: Prof. Dr. Helma Lutz (Leitung), Dr. Minna-Kristiina Ruokonen-Engler (FB Gesellschaftswissenschaften), Dr. Astrid Franzke und Dr. Anja Wolde (Gleichstellungsbüro)
Projektmitarbeiter_innen: Dipl. Soz. Natalie Streich, Dipl. Päd. Sakine Subasi-Piltz
Dipl. Soz. Natalie Streich <streich@em.uni-frankfurt.de>
Website des MIGMENTO-Projekts
Laufzeit: April 2012 - Juni 2013
Wissenschaftliches Netzwerk: "Praxeologien des Körpers"
Sprecher_innen: Dr. Ulrike Manz, Dr. Karen Nolte
Laufzeit: 1. April 2009 - 31. März 2014
Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt auszuloten, inwieweit eine als "praxeologisch" bezeichnete Perspektive einen innovativen Forschungsbeitrag zum Thema Körper leisten kann. Praxistheorien erscheinen hierfür besonders geeignet, da sie gängige Dichotomien in der Debatte über den Körper, allen voran die von "Natur" und "Kultur", zu überwinden versprechen. Praxeologische Perspektiven konzentrieren sich auf Handlungsvollzüge, in denen natürliche und kulturelle, individuelle und gesellschaftliche Dimensionen immer schon ineinander verwoben sind. Dabei rekurrieren sie auf vielfältige disziplinäre Zugänge, wie soziologische, philosophische und kulturwissenschaftliche Handlungstheorien oder Konzepte der Alltagsgeschichte, die in der Regel nicht in Beziehung zueinander gesetzt werden. Deshalb ist gerade der interdisziplinäre Dialog hilfreich, um Grenzen und Leerstellen der jeweiligen Zugänge ausfindig zu machen und produktiv zu wenden. Die Arbeit des Netzwerkes besteht darin, die Vielfalt an Theoriebezügen zu bündeln, zu systematisieren und entlang praxeologischer Grundannahmen im Sinne eines interdisziplinären Forschungsprogramms weiter zu entwickeln.
Dr. Bettina Brockmeyer, Bielefeld (Geschichte)
Dr. Karin Klenke, Göttingen (Ethnologie)
Prof. Dr. Susanne Lettow, Berlin (Philosophie)
Dr. Ulrike Manz, Frankfurt a.M. (Soziologie)
PD Dr. Karen Nolte, Würzburg (Geschichte der Medizin)
Dr. Heike Raab, Wien (Politikwissenschaft/ disability studies)
Malaika Rödel, M.A., Frankfurt a.M. (Soziologie)
Dr. Eva Sänger, Frankfurt a.M. (Soziologie)
Dr. Uta Schirmer, Göttingen (Soziologie)
Dr. Sigridur Thorgeirsdottir, Reykjavik, Island (Philosophie)
Dr. des. Karen Wagels, Kassel (Soziologie)
Mica Wirtz, M.A., Hamburg (Soziologie)
Dr. Ulrike Manz <u.manz@soz.uni-frankfurt.de>
Dr. Karen Nolte <karen.nolte@mail.uni-wuerzburg.de>
"Enacting Pregnancy": Ultraschallbilder in der pränatalen Diagnostik
Projektmitarbeiter_in: Janne Krumbügel (stud. Hilfskraft)
Laufzeit: 8/2010 - 8/2013
Die Schwangerenvorsorge in der Bundesrepublik Deutschland zeichnet sich durch die weltweit höchste Rate an Ultraschalluntersuchungen aus. Das Projekt untersucht die lebensweltlichen Aneignungsformen, die durch diesen in der Medizin vorherrschenden Trend zur Visualisierung entstehen. Anhand von leitfadengestützten Interviews mit schwangeren Frauen und Ärzt_innen sowie teilnehmender Beobachtung von Ultraschalluntersuchungen erforscht die Studie die Bedeutung, die dem Ultraschallbild als Repräsentation des Ungeborenen in der Lebenswelt schwangerer Frauen zugesprochen wird sowie die Folgen, die die kulturelle und medizinische Privilegierung des Visuellen für den verkörperten Übergang zur Elternschaft hat. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Debatte um die Veränderung von Körperwissen und -praktiken durch biomedizinische Technologien.
Dr. Eva Sänger <evasaeng@soz.uni-frankfurt.de>
Pränatale Diagnostik im Umbruch? Sozio-kulturelle Kontexte der Implementierung neuer Testverfahren auf Down-Syndrom
Projektleitung und -durchführung: Dr. Eva Sänger
Das beantragte Vorhaben nimmt die sozio-kulturellen Kontexte der Implementierung eines neuartigen genetischen Testverfahrens in die klinische Praxis der Schwangerenvorsorge in den Blick. Anlass für die Forschung ist die sich abzeichnende Markteinführung eines nichtinvasiven pränataldiagnostischen Tests auf Down-Syndrom auf der Grundlage des molekulargenetischen Verfahrens der Next Generation Sequenzierung. Herausgearbeitet werden soll, welche Akteure und welche Allianzen die Implementierung dieses Tests maßgeblich vorantreiben und welche Nachfragebedingungen geschaffen werden oder bereits vorhanden sind. Das besondere Augenmerk des Projekts liegt auf den Akzeptanzbedingungen dieses Implementierungsprozesses und den damit einhergehenden Konstruktionen von Geschlecht und Behinderung. Dazu werden Perspektiven der Frauen- und Geschlechterforschung, der Social Science of Technology (STS) und der Disability Studies miteinander verbunden. Das Vorhaben trägt zur Weiterentwicklung einer intersektionalen Perspektive auf Geschlecht und Behinderung bei und verspricht Einsichten darüber, wie sich der Prozess des Eltern-Werdens und das Durchlaufen der Statuspassage Schwangerschaft unter den Bedingungen der Verfügbarkeit des nicht-invasiven Diagnoseverfahrens verändert. Die Studie fließt in die Vorbereitung eines weiterführenden Projektantrages ein.
Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Forschungsschwerpunkt "Dimensionen der Kategorie Geschlecht - Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen"
Dr. Eva Sänger <saenger@soz.uni-frankfurt.de>
Wer sorgt für wen? Sorgeprozesse und Netze des Sorgens (Care) im Kontext sich wandelnder Geschlechter- und Generationenverhältnisse
Projektleitung: Prof. Dr. Margrit Brückner und Dr. Marianne Schmidbaur
"Care", Sorge und Fürsorge bzw. die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen, findet immer häufiger in einem Mix von privat und öffentlich organisierten Sorgesystemen statt, in denen Familienangehörige, Nachbarn, ungelernte Kräfte und professionelle Soziale Dienste verschiedene Aufgaben übernehmen. Die traditionelle Arbeitsteilung, die unbezahlte und/oder schlecht bezahlte Sorge- und Fürsorgearbeiten Frauen zuweist, hat an Selbstverständlichkeit verloren. Mit der zunehmenden Erwerbstätigkeit von Frauen und der allmählichen Durchsetzung der Gleichheitsnorm im Geschlechterverhältnis scheint auf der einen Seite eine für natürlich gehaltene Resource von "Care" zu versiegen. Veränderungen in den Generationenverhältnissen und der neoliberale Umbau der sozialen und gesundheitlichen Versorgung führen auf der anderen Seite zu einem steigenden und sich stark differenzierenden Bedarf an Dienstleistungen im Bereich "Care". Um diesem "Care-Defizit" (Hochschild) zu begegnen, müssen alltägliche Hilfeleistungen und Unterstützungen in besonderen, vulnerablen Lebenssituationen neu aufgebaut und organisiert werden. Dabei stehen die verschiedenen, an Care-Netzen beteiligten Akteure vor der Herausforderung, sich zu verständigen und über Professions-, Geschlechter-, Alters- und Herkunftsgrenzen hinweg unterschiedliche Sichtweisen und Einschätzungen von Bedürftigkeit und Hilfeleistung miteinander zu verhandeln. Ziel dieser explorativen Studie ist die Beschreibung und Analyse dieser reflexiven Care-Prozesse und des Zusammenwirkens privater, ehrenamtlicher und professioneller Akteure in Netzen des Sorgens in verschiedenen Hilfesituationen. Ausgehend von der Analyse persönlicher Hilfesysteme werden durch problemzentrierte Interviews, teilnehmende Beobachtung und Netzwerkanalysen Netze des Sorgens erfasst und ergänzt durch Hintergrundinformationen zu Fallanalysen verdichtet. Die Studie basiert auf einem empirischen Lehrforschungsprojekt, das über vier Semester in Kooperation zwischen CGC und der Fachhochschule Frankfurt am Main stattfand.
Brückner, Margrit (2012): Selbstsorge im Spannungsfeld von Care und Caritas, in: Brückner, Margrit/ Göttert, Margit/ Jansen, Mechtild/Schmidbaur, Marianne (Hg.) (2012): Selbstsorge als Thema in der (un)bezahlten Arbeit, Wiesbaden: Hessische Landeszentrale für Politische Bildung (im Erscheinen)
Schmidbaur, Marianne (2012): Burnout - Wenn Selbstsorge an ihre Grenzen stößt, in: Brückner, Margrit/ Göttert, Margit/ Jansen, Mechtild/Schmidbaur, Marianne (Hg.) (2012): Selbstsorge als Thema in der (un)bezahlten Arbeit, Wiesbaden: Hessische Landeszentrale für Politische Bildung (im Erscheinen)
Brückner, M., G. Heimbeck, F. Peters, T. Reimann, M. Schmidbaur (2012). Wer sorgt für wen und wie? Beteiligte kommen zu Wort - erstes Resümee einer empirischen Untersuchung zu Care. Frankfurt am Main: gFFZ ? Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen. Online Publikation 2/2012. SBN-Nr. 978-3-943029-07-9.
Brückner, M. (2011). "Care Prozesse und Verletzungsrisiken: Sorgen aus der Perspektive der Akteurinnen und Akteure am Beispiel des Sorgenetzwerks einer psychisch erkrankten Frau." Feministische Studien 29. Jg.(2): 264-279.
Dr. Marianne Schmidbaur <schmidbaur@soz.uni-frankfurt.de>
Gender im Kontext Religion, Tradition, Moderne in Aceh. Positionen und Einflussnahme von Frauenrechtsaktivistinnen im Transformationsprozess
Projektmitarbeiter_in: Kristina Grossmann
Die indonesische Provinz Aceh befindet sich seit der Dezentralisierungspolitik Indonesiens in den 90er Jahren, der Tsunamikatastrophe 2004 und dem Friedensschluss zwischen der Unabhängigkeitsbewegung und der indonesischen Regierung 2005 in einer politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Transformation. Die Situation von Frauen in Aceh ist geprägt durch Repressionen aufgrund der Einführung der Scharia, durch Einflussnahme von internationalen Hilfsorganisationen nach dem Tsunami und durch die Neuordnung der Provinz Aceh seit den Autonomieverhandlungen. Dieser Transformationsprozess bringt große Herausforderungen für Frauen in Aceh mit sich und beinhaltet zugleich die Chance zur Mitgestaltung. So entwer-fen Frauenrechtsaktivistinnen innerhalb des Spannungsfeldes, islamische Religiosität, traditionell-kulturelle Strukturen und westliche Wertevorstellungen, Positionen und Strategien, um den Wunsch nach Geschlechtergerechtigkeit durchzusetzen. Die Aktivistinnen spielen als zivilgesellschaftliche Akteure eine wichtige Rolle im Transformationsprozess und nehmen Einfluss auf politische und gesellschaftliche Prozesse. Eine Herausforderung für sie besteht darin, ihre Rolle als change agents, d.h. als Ideengeberinnen, Kritikerinen, Vorbilder und Anwältinnen im aktuellen politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontext Acehs umzusetzen. Ziel des Vorhabens ist es, anhand von qualitativen und quantitativen Untersuchungen systematisch zu analysieren, welche Positionen Frauenrectsaktivistinnen in Aceh einnehmen, um ihren Einfluss auf staatliche Handlungen und zentrale aktuelle politische und gesellschaftliche Diskurse geltend zu machen.
Kristina Großmann <rossarigo@gmx.net>
Projektmitarbeiter_in: Amporn Marddent
Eine Untersuchung zweier Frauengruppen in so genannten neo-salafistischen Bewegungen in Bangkok und in Südthailand. Das Augenmerk liegt auf religiösen Praxen und Vorstellungen sowie den sozialen Beziehungen der Frauen innerhalb ihrer Organisationen vor dem Hintergrund politischer Auseinandersetzungen zwischen der thailändischen Regierung und muslimisch-separatistischen Bewegungen.
Finanziert durch die Friedrich-Ebert-Stiftung
Reconstructing Biographies in Exile: Chechen Refugee Women in Austria, Germany and Poland
Projektleitung: Dr. Alice Szczepanikova
The project investigates how radical social, political and economic changes which have taken place in Chechnya (North Caucasus, Russian Federation) since the early 1990s have transformed gender relations in Chechen society. It takes a perspective of Chechen women residing in Europe as a starting point to explore how these changes have been experienced and understood by women of different age groups, class backgrounds and regional origins. The perspective of Chechen women in Europe is interesting because they are both insiders and outsiders to their society. Their migration experiences give them a unique opportunity to reflect on developments in Chechen society from a distance. The study is based on biographical interviews with 35 Chechen women living in Austria, Germany and Poland collected in 2010. It demonstrates how these dramatic changes have penetrated and shaped women's life circumstances and life courses and which new roles they have taken up both in Chechnya and in exile. Discussion of both the recent and more distant history of Chechnya has been dominated by male actors: politicians and fighters while women have been predominantly presented as passive victims of violence. In Europe, Chechen women are commonly perceived as suffering under the patriarchal rule of their families and communities that hinder their integration into receiving societies. This research problematises such constructions by drawing attention to everyday impacts of political events, economic developments, military operations, displacement and European asylum and integration policies on women's lives and their spaces of manoeuvre. At the same time, the impact of different socio-political and institutional settings on gender relations is investigated by bringing together Chechen women's narratives from Germany, Austria and Poland. These countries have received a large share of Chechen asylum seekers and now host significant populations of Chechen refugees. However, they differ significantly in the conditions of reception and settlement. The research focuses on renegotiations of femininities and masculinities in exile and examines how they intersect with ethnicity, class, age, religious affiliation, family status and urban/rural settings. The project will result in a publication of a book.
Gefördert von der Alexander von Humboldt Stiftung und Junior Scientists in Focus (Goethe-Universität)
Dr. Alice Szczepanikova <szczepanikova@soz.uni-frankfurt.de>
Projektmitarbeiter_innen: Annette Kirschenbauer, Nicole Wolf
Laufzeit: 1.9.2011 - 31.08.2013
Erwerbstätige Frauen und Männer, mit und ohne Kinder, sind zunehmend an einer besseren Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben interessiert. Der Faktor Zeit wird immer wichtiger, Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen achten vermehrt auf eine bessere Work-Life-Balance, was sich zudem durch ein verändertes Karrierestreben beobachten lässt. Hinzu kommt eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt, die vor allem durch die steigende Informatisierung beeinflusst wird. Dem entgegen stehen die Anforderungen, die den Berufstätigen in der modernen Arbeitswelt abverlangt werden. Die Rede ist von ständiger Erreichbarkeit, Zeitdruck, Arbeitsintensivierung, zeitlicher und örtlicher Flexibilität sowie sich ständig verändernden und stetig wachsenden Ansprüchen. Außerdem wird für das berufliche Fortkommen nach wie vor eine Vollzeiterwerbstätigkeit vorausgesetzt. Immer mehr Menschen empfinden den Erwartungsdruck, der von Arbeitgeber- und Unternehmensseite ausgeht, als schwer vereinbar mit ihren Vorstellungen von einem "guten Leben". Unweigerlich kommt es so zu Diskrepanzen zwischen den Bedürfnissen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen und den an sie gestellten beruflichen Anforderungen. Hier setzt unser Forschungsprojekt an: Wie, so ist zu fragen, könnten diese Diskrepanzen ausgeglichen werden und wie könnte eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben überhaupt aussehen? Welche Rolle spielt die rasante Entwicklung der Informatisierung von Arbeit und die damit verbundene Auflösung gegebener Raum-Zeit-Strukturen bei der Schaffung neuer Potentiale für Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelten über die heute bekannten und teilweise auch schon umgesetzten Möglichkeiten hinaus?
Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Bedürfnissen, Erwartungen und Vorstellungen von erwerbstätigen Frauen und Männern hinsichtlich ihrer "Work-Life-Balance". Diese werden den Anforderungen des Arbeitsmarktes, unternehmensinterner Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie moderner Arbeits- und Erwerbsformen gegenübergestellt. Dabei gilt es die weitreichenden Folgen der Informatisierung mit einzubeziehen und die mit ihr verbundenen neuen Möglichkeiten zur Gestaltung hinsichtlich der Vereinbarkeit von Arbeit und Leben auszuloten. Dieser Untersuchungskonzeption liegt die Hypothese zugrunde, dass letztlich nur bewegliche Geschlechterarrangements, in denen Frauen und Männer Arbeit und Leben, Privatheit und Öffentlichkeit austarieren, zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen und dadurch die Berufs- und Karriereverläufe von Frauen positiv beeinflussen.
Prof. Dr. Ulla Wischermann <wischermann@soz.uni-frankfurt.de>
Annette Kirschenbauer <a.kirschenbauer@em.uni-frankfurt.de>
Projektmitarbeiter_in: Marion Keller
Laufzeit: 1.8.2012 - 31.7.2013
In diesem Projekt geht es um die Geschichte von Frauen und Wissenschaft in Frankfurt am Main in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main ist schon wegen der besonderen lokalen Wissenschaftstopographie als regionale Fallstudie über die Entwicklung des Frauenstudiums und weiblicher akademischer Berufswege interessant. Als erste aus rein privaten Mitteln finanzierte Hochschule nahm die 1914 gegründete Frankfurter Stiftungsuniversität mit ihrer spezifischen inneruniversitären Ordnung und Gestaltung der Lehre in der Hochschullandschaft des Deutschen Reichs eine Sonderstellung ein. Als besonders galt die liberale und offene Haltung gegenüber dem Frauenstudium, Außenseitern des etablierten Wissenschaftssystems sowie den neu entstehenden Fächern.
Geplant ist, am Beispiel der Gruppe und einzelnen Sozialwissenschaftlerinnen, Ethnologinnen sowie Natur- und Biowissenschaftlerinnen die geschlechts- und schichtspezifischen Zugänge und Barrieren sowie die geschlechts- und schichtspezifische Arbeitsorganisation in der Wissenschaft und Wissensproduktion herauszuarbeiten. Dabei werden die an die Universität angebundenen oder mit ihr assoziierten außeruniversitären wissenschaftlichen Institute, die auch potentielle Arbeitsorte für Wissenschaftlerinnen waren, einbezogen. Die Besonderheiten der Frankfurter Wissenschaftstopographie sollen als Teil und Ausdruck der 'Wissenschaft als soziales Feld' (Krais 2002; Beaufys, Bourdieu) sowie des sozialen Kontextes der Wissensproduktion herausgearbeitet und Geschlecht als interdependente (Wissens)kategorie (Walgenbach 2008) (Intersektionalitätsansatz) sichtbar gemacht werden. Der gewählte Untersuchungszeitraum umfasst die zeitlich markanten Ein- und Abschnitte des Ersten Weltkrieges, der Weimarer Republik, der NS-Zeit sowie der Nachkriegszeit. Gleichzeitig ist er durch einschneidende Veränderungen in der Wissenschaftsorganisation und Wissenschaftslandschaft gekennzeichnet. Hierzu gehört die Entstehung und Etablierung neuer Fächer wie der Soziologie und Ethnologie.
Gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Forschungsschwerpunkt "Dimensionen der Kategorie Geschlecht - Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen".
Marion Keller <Keller@em.uni-frankfurt.de>
Biographical Methods and Professional Practice (EU-Netzwerk TSER)
Projektleitung: Prof. Dr. Ursula Apitzsch / Dr. Maria Kontos (in Zusammenarbeit mit Prof. Prue Chamberlayne, Open University, London)
Projektmitarbeiter_in: Dipl.-Soz. Irini Siouti
Laufzeit: 1.10.1999 - 31.3.2001
Gefördert durch die EU-DG Research
Apitzsch, U. / Bornat, J. / Chamberlayne, P. (eds.): "Biographical Methods and Professional Practice. An International Perspective". Bristol 2004.
Challenging Knowledge and Disciplinary Boundries through Integrative Research Methods in the Social Sciences and Humanities
Laufzeit: Mai 2004 - Mai 2007
The EC has stressed the detrimental impact of the fragmentation of the Social Sciences and Humanities on achieving a broad knowledge base, enhancement of employability and competitiveness in Europe vis-à-vis the USA and Japan (eg White Paper on Education and Training; Green Paper on Innovation). This project responds to this challenge in three ways by proposing:
a comparative analysis of the bases (epistemological, structural, fiscal etc) of this fragmentation;
a comparative analysis of interdisciplinary research and its impact;
the development of a prototype European integrated research methods training module as one step towards overcoming the barriers between Social Sciences and the Humanities.
This project presents a unique opportunity to develop a module that can be implemented across all European countries as part of education reforms currently undertaken, fostering through its integrative component the opportunities for the development of new knowledge a broad knowledge a broad knowledge base, and the ability to adapt to changing work and research environments through the acquisition by learners/future researchers of a barrier-breaking basis in integrative research methods. The central case study for this integrated module will be Gender Studies in Europe.
Gefördert durch die EU im 6. Rahmenprogramm
Prof. Dr. Ursula Apitzsch <apitzsch@soz.uni-frankfurt.de>
www.hull.ac.uk/researchintegration
Das Verhältnis von Citizenship, Gender und neuer Selbständigkeit in multikulturellen europäischen Migrationsgesellschaften
Projektleitung: Prof. Dr. Ursula Apitzsch / PD Dr. Lena Inowlocki
Projektmitarbeiter_in: Dr. Kyoko Shinozaki
Laufzeit: 1.4.2005 - 30.3.2006
Ursula Apitzsch: Citizenship, New Migration and Gender Diversity in Europe. In: Irregular Migration, Informal Labour and Community in Europe, (ed. Erik Berggren, Branka Likic-Brboric, Gülay Tokzös and Nicos Trimikliniotis). Maastricht: Shaker, pp. 200-209.(2007)
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. Ursula Apitzsch, Prof. Dr. Dorothee Frings
Projektkoordinator_in:: Dr. Maria Kontos, IfS Frankfurt am Main
Projektmitarbeiter_in: Ana-Violeta Sacaliuc
Das Forschungsprojekt analysiert den Einfluss sowohl nationaler als auch EU Policies auf die Lage von Migrantinnen in Europa innerhalb des letzten Jahrzehnts. Auf der Basis dieser Analyse formuliert es Empfehlungen für europäische Politiken auf unterschiedlichen Ebenen, die zu größerem sozialem Zusammenhalt innerhalb der europäischen Bevölkerungen führen sollen.
Dr. Maria Kontos <Kontos@soz.uni-frankfurt.de>
Self-Employment Activities Concerning Women and Minorities: Their Success or Failure in Relation to Social Citizenship Policies (EU-Netzwerk TSER)
Projektleitung: Prof. Dr. Ursula Apitzsch / Dr. Maria Kontos
Laufzeit: 1.12.1997 - 30.11.2000
Apitzsch, U./ Kontos, M. (eds.): Self - employment, Gender and Migration, in: International Review of Sociology Vol.13, No.1/2003, Monographic Section, pp. 67 - 234.
Apitzsch, U./ Jansen, M. (Hrsg.): "Migration, Biographie und Geschlechterverhältnisse" Münster 2003.
Projektmitarbeiter_in: Dr. Maria Kontos
Apitzsch, Ursula: The Chances of the Second Generation in Families of Ethnic Entrepreneurs, in: Revue Européenne des Migrations Internationales, Vol.21, No.3/2005, pp. 83-95.
Apitzsch, Ursula: Die Chancen der Zweiten Generation in selbständigen Migrantenfamilien. Vortrag im Plenum XI des 32. Kongresses der DGS in München, in: Karl Siegbert Rehberg (Hg.): Soziale Ungleichheit, kulturelle Unterschiede, Frankfurt/New York 2006, S.737 - 752.
Weibliche Migranten in informellen europäischen Arbeitsmärkten
Projektmitarbeiter_in: Felicia Herrschaft
Laufzeit: 1.4. - 31.12.2006
Ursula Apitzsch: Kulturelle Entbettung und gegenhegemoniale Netzwerke, in: Das Argument 266 "Migrantinnen, Grenzen überschreitend", H.3/2006, S.365 - 380.
Forschungsprojekt zur Biographie der deutsch-jüdischen Frauenrechtlerin, Soziologin und Sozialpolitikerin Henriette Fürth (1861-1938)
Projektleitung: Prof. Dr. Ursula Apitzsch, Prof. Dr. Gerhard Wagner
Projektmitarbeiter_innen: Monika Graulich, Claudius Härpfer, Darja Klingenberg
Das Forschungsprojekt hat das Ziel, die Biographie Henriette Fürths anhand bislang unzugänglicher Quellen zu erforschen und ihre autobiographischen Notizen in Form einer Buchpublikation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dafür muss vorab das wissenschaftliche und gesellschaftliche Egnagement Henriette Fürths als Frauenrechtlerin, Soziologin und Sozialpolitikerin erforscht und möglichst auch publizistisch dokumentiert werden.
Henriette Fürth ist der heutigen Öffentlichkeit kaum bekannt, obwohl sie im Deutschen Reich und in der Weimarer Republik eine über ihren hessischen Wirkungskreis hinaus geachtete Politikerin, Wissenschaftlerin und Publizistin war. Selbst Mutter von acht Kindern, engagierte sie sich für den Mutterschutz und die Rechte der Frauen, besonders der jüdischen Frauen. Sie wurde für die SPD in den Frankfurter Stadtrat gewählt und wirkte bei der Gründung der Frankfurter Universität mit. Wiewohl Autodidaktin, arbeitete sie mit renommierten Sozialwissenschaftlern an der Erhebung sozialpolitisch relevanter Daten über die Arbeitsverhältnisse in der hessischen Industrie, über Prostitution und Hygiene und wurde das erste weibliche Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS). Diese Charakterisierung genügt, um ihre historische Bedeutung zu belegen und die Entscheidung zu begründen, ihre Biographie zu rekonstruieren, ihre Autobiographie zu edieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Prof. Dr. Gerhard Wagner <g.wagner@soz.uni-frankfurt.de>
Familien-Orientierungen und Gender-Differenzen in mehrgenerationalen transnationalen Migrationsprozessen
Projektmitarbeiter_in: Dr. des. Anil Al-Rebholz, Dr. des. Patricia Oliveira
Laufzeit: 1.10.2010 - 31.12.2011
Das Forschungsprojekt setzt sich mit dem biographischen Perspektivenwandel in den unterschiedlichen Generationen von Migrationsfamilien im Rhein-Main-Gebiet auseinander. Im Rahmen dieser Studie werden anhand biographisch-narrativer Interviews mit den Mitgliedern zweier Generationen nach Deutschland eingewanderter Familien insbesondere der Wandel der Geschlechterbeziehungen und Geschlechternormen sowie die Besonderheiten transnationaler Familienkooperationsnetzwerke untersucht. Der Wandel der Familienkooperation und der Geschlechterordnung in familiären Netzwerken in transnationalen Räumen wurde bislang vor allem für Asien und Lateinamerika, aber für Europa kaum untersucht. Transnationale Familienkooperationsnetzwerke stellen deshalb ein wichtiges Forschungsfeld für die Untersuchung des Wandels der Geschlechterverhältnisse und intimer Beziehungen dar. Offen ist dabei, ob in Europa neue, bislang übersehene Formen der transnationalen Familienkooperation entstanden sind. Es stellt sich die Frage, wie die Migrationsfamilie sich im Verlaufe des Migrationsprozesses selbst verändert im Übergang zwischen verschiedenen sozialen und kulturellen Systemen und welche transnationalen Kooperationsformen über die Generationen hinweg tradiert oder neu gebildet werden. Insbesondere geht es darum, ob patriarchale Autoritätsstrukturen erhalten oder durch neue, eher egalitäre Kooperationsformen ersetzt werden. Die Familientransmission der Werte, Rollen und Normen zwischen den Generationen und zwischen den Geschlechtern zu erfassen, ist Ziel unseres Forschungsprojektes.
Klassische soziologische Migrationsstudien sind in der Regel Momentaufnahmen. Die mehrgenerationale biographische Fallanalyse erlaubt es hingegen, dezidiert zu betrachten, welche Verständnisse von Geschlecht, welche symbolischen Vorstellungen oder Normen, Handlungsweisen und Weltbilder beibehalten, aufgegeben, variiert oder durch andere, neue Sinnbezüge ersetzt werden. So können Veränderungsprozesse im transnationalen Raum ebenso wie das Zusammenwirken von Mikro-, Meso- und Makrostrukturen aufgezeigt werden. In diesem Forschungsvorhaben soll mit dem Forschungsansatz der hermeneutischen Interpretation biographisch- narrativer Interviews gearbeitet werden. Wird Biographie als konstitutiv verstanden für die Entstehung relationaler transnationaler Räume, ermöglicht uns biographisches Wissen, die Zeitachse (Erfahrungen der Vergangenheit - Planung der Zukunft) in die Erforschung transnationaler Prozesse zu integrieren. Der biographieanalytische Ansatz ist für die Erforschung transnationalen Wissens auf der Mikro- und der Mesoebene im Migrationskontext besonders geeignet, weil durch Biographien die Verschränkung individueller Lebensgeschichten und kollektiver Erfahrungen aufgezeigt werden kann.
Die Studie wird in enger Kooperation mit dem Patenschaftsmodell Offenbach (PMO; getragen durch das Jugendamt Offenbach und die Evangelische Kirche Hessen-Nassau) und dem Bildungsträger "beramí" (Verein für berufliche Integration e.V.) aus Frankfurt am Main durchgeführt. PMO bringt seit 2004 erfolgreich Schüler aus drei Offenbacher Schulen (fast ausschließlich mit Migrationshintergrund) und PatInnen, d.h. Personen, die sich in ihren beruflichen Karrieren als erfolgreich erwiesen und als MentorInnen zur Verfügung gestellt haben, miteinander in Kontakt, um den Jugendlichen Einblicke ins Berufsleben und Perspektiven für ihre Zukunft zu ermöglichen. Ein weiterer Kooperationspartner des Forschungsprojektes ist beramí. Der Verein begleitet seit 1990 durch verschiedene Weiterbildungsprogramme und Trainingsangebote Frauen und Männer mit Migrationsbiografien bei der Entwicklung ihrer beruflichen Perspektiven.
Durch die Kooperation mit diesen beiden Partnern werden die Zugangsmöglichkeiten zu ExpertInnen im sozialen Feld sowie die Annäherung an die vielschichtigen Aspekte, die bei der Fragestellung des Projektes adressiert werden, gewährleistet.
Erste Ergebnisse und Ausblick:
In ersten biographischen Interviews wurde unerwartet deutlich, dass die Partnerwahl der 2. und 3. Generation auch kulturell und beruflich gut integrierter junger Frauen mit Migrationshintergrund relativ häufig auf das Herkunftsland der Eltern oder Großeltern ausgerichtet ist. Diese Verbindung der zweiten und dritten mit einer neuen ersten Einwanderergeneration ist durchaus nicht durchweg traditionsorientiert, sondern hängt mit den Familienbildern und Partnerschaftsmodellen junger Frauen im Unterschied zu denen junger Männer der Einwanderungsgesellschaft zusammen. Die damit verbundene Problematik männlicher Heiratsmigranten in Deutschland ist ein bislang kaum erforschtes Gebiet. In der jetzt anstehenden Phase unseres Forschungsprojektes ist deshalb auch eine besondere Teilstudie über dieses Thema und seine Auswirkung auf das Generationsverhältnis vorgesehen. Diese Teilstudie soll ausdrücklich auch eine Policy-Orientierung enthalten. Es wurde aufgrund der bisherigen biographischen Analysen festgestellt, dass es, im Gegensatz zu vielfältigen Beratungsangeboten für Migrantinnen, eher wenige Angebote für männliche Heiratsmigranten in Bezug auf ihre kulturelle und berufliche Integration gibt.
Berufe im Wandel - Sekretärinnen an der Hochschule - Das Beispiel Goethe-Universität Frankfurt am Main
Projektmitarbeiter_innen: Kristina Warncke und Sophie Westenberger
In diesem Forschungsprojekt geht es um den zu beobachtenden Wandel der Tätigkeit von Sekretärinnen an Hochschulen angesichts technischer Entwicklungen aber auch unter den Bedingungen einer zunehmenden Vielfalt der anstehenden Aufgaben in Zeiten von Qualitätsmanagement, konsekutiven Studiengängen, Zielvereinbarungen auf sämtlichen Ebenen der Hochschulen und einer zunehmenden Öffnung der Hochschulen gegenüber gesellschaftlichen Akteuren. Interessant wird dann die Frage, welcher Zusammenhang sich ergibt im Hinblick auf den (wahrgenommenen) Wandel der beruflichen Anforderungen einerseits und die subjektiven Erwartungen hinsichtlich Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit von Seiten der Sekretärinnen andererseits. Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, einen umfassenden Blick auf die objektiven und subjektiven (sich verändernden) Arbeitsbedingungen der Sekretärinnen an der Goethe-Universität zu werfen. Angestrebt ist eine Vollerhebung der Sekretärinnen der Goethe-Universität mit einem standardisierten Online-Fragebogen, durch den die aktuelle Beschäftigungssituation, die tarifliche Einstufung; die Ausbildung, die bisherige Erwerbsbiographie, die Übereinstimmung der jetzigen Beschäftigung mit dem ursprünglich angestrebten Beruf / der ursprünglich angestrebten Erwerbstätigkeit; soziodemographische Daten, die Zufriedenheit mit der aktuellen Tätigkeit, der wahrgenommene Wandel derselben, die Wertschätzung von Seiten der Vorgesetzen, KollegInnen, Studierenden und die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen erfasst werden. Identifiziert werden sollen spezifische "Sekretärinnentypen", die sich entlang der o.g. Merkmale gruppenspezifisch unterscheiden. In einem weiteren Kontext kann dieses Projekt zu einem Schwerpunkt "Berufssoziologie" an der Goethe-Universität führen. Kooperationspartner ist das Institut für Sozialforschung.
Gefördert von der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Bürgerschaftliches Engagement im Bereich FrauenMenschenrechte und Asyl: Zivilgesellschaftliche Ansätze zur Integration von weiblichen Flüchtlingen am Beispiel Frankfurt/Main
Projektmitarbeiter_in: Brigitte Kubisch M.A.
Laufzeit: 1.7.2006 - 31.12.2006
Das Forschungsprojekt untersucht den Beitrag von Expertinnen und Organisationen der Flüchtlingsarbeit zur Integration von weiblichen Flüchtlingen in Deutschland. Den analytischen und theoretischen Rahmen dieser Untersuchung bilden die Diskurse über Zivilgesellschaft, Menschenrechte und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. In diesem Zusammenhang fragt das Projekt nach den Zielen und Auswirkungen des konkreten Handelns zivilgesellschaftlicher AkteurInnen im Feld der Asylpolitik auf Integrationsdiskurse und die alltägliche Praxis kommunalen Handelns. Empirisch untersucht werden individuelle, soziale, rechtliche und institutionelle Bedingungen professioneller wie ehrenamtlicher Arbeit im Feld der Flüchtlingshilfe am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main. Ziel des Forschungsprojektes ist es, neue Erkenntnisse über konkretes Handeln, Einflussmöglichkeiten und Integrationschancen von zivilgesellschaftlichen Akteuren im Bereich Asyl, Menschenrechte und Geschlecht zu entwickeln. Im Dreieck Staat, Markt und Zivilgesellschaft wird letzterer eine konfliktvermittelnde und ausgleichende, eine Gemeinschaft stiftende und integrierende Rolle zuerkannt. Zugleich betont die Forschung die Partizipationsfunktion von Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement. Doch gibt es bislang fast keine Aufschlüsse über Alltagspraxen und konkrete zivilgesellschaftliche Beiträge im Feld der Asylpolitik. Diese Lücke scheint uns um so dringender zu bearbeiten als wir die Flüchtlingsarbeit als eine bedeutungsvolle Arena gesellschaftlichen Konflikts betrachten, in der mit Standards der Menschenrechte und sozialen Praxen der Anerkennung zugleich auch normative Grundlagen des gesellschaftlichen Ganzen verhandelt werden. Diese Prozesse aus einer Geschlechterperspektive zu analysieren, verspricht Erkenntnisse über die Verschränkung von politisch, rechtlich und sozio-kulturell bestimmten Grenzziehungen zwischen Ausschluss, Diskriminierung und Integration bzw. zwischen Illegalität, Statuslosigkeit und Legalität zu gewinnen. Das zentrale Anliegen des Forschungsprojektes ist es, das Wissen über Integrationsansätze in diesem im mehrfachen Sinne "randständigen" Bereich der Migration und des zivilgesellschaftlichen Engagements zu verbreitern und Chancen der Integration analytisch auszuloten. Zugleich werden mit der Rekonstruktion dieser Prozesse auch Entwicklungen der Menschenrechtsbildung nachvollzogen, die für weitere Bildungsarbeit fruchtbar gemacht werden können
Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser <B.Friebertshäuser@em.uni-frankfurt.de>
Prof. Dr. Uta Ruppert <ruppert@soz.uni-frankfurt.de>
Frauen/Menschenrechte, Asylpolitik und Integration. Integrationskonzepte von Expertinnen der Flüchtlingsarbeit
Kooperationspartner_in in Teil I: Dr. Christa Oppenheimer, (Universität Bielefeld)
Projektmitarbeiter_in: Dipl. Soz. Simin Jampoolad
Laufzeit: 01.01.2003 - 30.06.2006
Körperinszenierungen im Jugendalter - jugendliche und pädagogische Perspektiven - eingefangen mittels ethnographischer Feldforschung und dem Medium der Fotografie
Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser, Dipl.-Päd. Antje Langer
Mitwirkende: Gabriele Frenzel (Lehrerin), Dipl.-Päd. Henriette Schmitz, Dipl.-Päd.Marion Ott, Dipl.-Sozialpäd. Holger Adam, Renate Herrmann (Lehrerin) sowie die Studentinnen und Studenten: Andrea Bargon, Janine Hartwig, Dorothee Haubs, Annika Jensen, Nicole Koch, Christine Lingkost, Kerstin Nitsche, Jörg Recke, Sophia Richter, Antje Schneider
Transnationale Bildungsnetzwerke von MigrantInnen und ihren Familien
Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser, Prof. Dr. Joachim Schroeder
Projektmitarbeiter_in: Daniela Marx
Transnationale Mobilität und nationalstaatliche Bildungsinstitutionen geraten zunehmend in Widerspruch. Denn den Bildungssystemen ist die Annahme unterlegt, ein Individuum habe die Bildungsstufen in jenem Territorium zu durchlaufen, dem es staatsrechtlich zugehört. Unter Bedingungen von Migration vollziehen sich Bildungskarrieren jedoch in nationalen Grenzüberschreitungen. Das Projekt befasst sich deshalb mit der Frage, wie sich soziale Bildungsräume mit weiblichen und männlichen Bildungsbiografien verbinden.
Anhand transnationaler Bildungsnetzwerke werden soziale Räume als vergeschlechtlichte transnationale Bildungsräume untersucht. Es wird gefragt, welche materiellen, institutionellen, diskursiven und symbolischen Geschlechterordnungen diese transnationalen Bildungsräume nach Innen strukturieren und nach Außen begrenzen. Insbesondere wird analysiert, ob sich in transmigrantischen Bildungsnetzwerken 'weibliche' bzw. 'männliche' Bedürfnis- und Nutzungsmuster identifizieren lassen, und ob in transnationalen Bildungsräumen geschlechtsdifferente Zugänge bzw. Ausschlüsse wirken.
Die empirischen Untersuchungen beziehen sich auf Menschen aus dem Iran, die dort eher der Mittel- und Oberschicht angehörten, in Deutschland als Flüchtlinge sozial marginalisiert waren und nach Abschluss des Asylverfahrens durch Bildung einen sozialen Aufstieg anstrebten. Gefragt wird, welche individuellen Bildungsnetze vor der Flucht, während des Asylverfahrens und nach der Aufenthaltsverfestigung entstanden sind, und an welche institutionellen 'Grenzen' diese Nutzung transnationaler Bildungsräume gelangte.
Prof. Dr. Joachim Schroeder <J.Schroeder@em.uni-frankfurt.de>
(Neu)Ordnungen und pädagogische Beziehungen an Ganztagsschulen - ein Feldforschungsprojekt
Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser, Dipl. Päd. Sophia Richter
Projektmitarbeiter_innen: Dr. Antje Langer, Dipl. Päd. Anna Bitzer, Nicoleta Camaras, Merle Lohölter, Leila Steinke, Nadine Wirthl
Welche Möglichkeiten, Chancen und Herausforderungen entstehen durch ein Ganztagskonzept an einer Schule und welche Anforderungen zur (Um)Gestaltung von pädagogischen Beziehungen gehen damit einher?
Ganztagsschulen strukturieren den schulischen Alltag neu und wirken sich vermutlich auf die pädagogischen Beziehungen aus. Wie werden diese neuen Ordnungen und Rollen von Schüler/-innen und Lehrkräften erlebt und gelebt? Wie gestaltet sich das Zusammenspiel zwischen schulischen und außerschulischen Angeboten, welche Herausforderungen ergeben sich?
Die empirische Studie möchte durch die Teilnahme den Alltag von Ganztagsschulen sowie die Perspektiven von Akteurinnen und Akteuren kennenlernen. Uns interessieren die Regelungen des Alltags, die Gestaltung der Räume sowie das (pädagogische) Zusammenleben in der Schule.
Die ethnographische Feldstudie nutzt verschiedene Methoden, um diesen Fragen nachzugehen: Teilnehmende Beobachtung, Expertengespräche, Interviews, Fragebogenerhebungen, Fotographie und Dokumentenanalyse. In einem ersten Schritt begleiteten wir verschiedene fünfte Klassen an zwei Schulen. Wir nahmen durch regelmäßige teilnehmende Beobachtungen zu unterschiedlichen Tageszeiten am Tagesablauf der Schüler/-innen und Lehrer/-innen teil. Zu der Wahrnehmung von Ganztag haben wir in einem zweiten Schritt Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen befragt und diese in ihrem Schulalltag begleitet. Parallel dazu befragten wir auch die Lehrer/-innen, Sozialarbeiter/-innen, Honorarkräfte, Beschäftigte der Schule und Eltern.
Arbeitsbedingungen in der Gebäudereinigung in öffentlichen Gebäuden. Vergaberichtlinien als wirksames Instrument zur Sicherung arbeits- und tarifrechtlicher Standards?
Projektleitung: Prof. Dr. Ute Gerhard, Prof. Dr. Claudia Gather (Berlin)
Projektmitarbeiter_innen: Heidi Schroth, Lena Schürmann (Berlin)
Laufzeit: 1. März 2003 - August 2004
Prof. Dr. Ute Gerhard <Gerhard@soz.uni-frankfurt.de>
Employment and Womens`s Studies: the Impact of Women`s Studies Training on Women`s Employment in Europe
Projektleitung: Prof. Dr. Ute Gerhard, PD Dr. Ulla Wischermann
Projektmitarbeiter_in: Dr. Marianne Schmidbaur
Laufzeit: 1. Oktober 2001 - 30. Juni 2003
Gefördert innerhalb des fünften thematischen Rahmenprogramms (5th Thematic Framework) durch die Europäische Kommission
"Women`s Employment, Woman`s Studies and Equal Opportunities 1945-2001. Reports from nine European Countries" ed. Gabriele Griffin, University of Hull 2002.
Projektleitung: Prof. Dr. Ute Gerhard, Dr. Ute Klammer
Projektmitarbeiter_innen: Dr. Isolde Ludwig, Vanessa Schlevogt
Laufzeit: 1.11.1998 - 31.10.2000
"Managerinnen des Alltags. Strategien erwerbstätiger Mütter in Ost- und Westdeutschland" im Verlag edition sigma, Berlin 2002.
Frauen- und Geschlechterstudien: Qualifikationen, Arbeitsfelder und Berufswege von Absolventinnen und Absolventen
Institutionalisierte Frauenpolitik zwischen Verrechtlichung, Modernisierung und Frauenbewegung. Eine Wirkungsanalyse
Projektleitung: Prof. Dr. Ute Gerhard
Projektmitarbeiter_innen: Dr. Clarissa Rudolph, Uta Schirmer
Laufzeit: 1. Oktober 1999 - 31. März 2002
"Gestalten oder verwalten? Kommunale Frauenpolitik zwischen Verrechtlichung, Modernisierung und Frauenbewegung. Mit einem Vorwort von Ute Gerhard" (im Erscheinen bei Leske + Budrich)
Islam und Geschlechterverhältnisse, Menschenrechte, Migration und interkultureller Dialog
Projektleitung: Prof. Dr. Ute Gerhard, Prof. Dr. Marianne Braig
Projektmitarbeiter_in: Dr. Mechthild Rumpf
Laufzeit: 1. Januar 2001 - 31. März 2002
"Facetten islamischer Welten. Geschlechterordnung, Frauen- und Menschrechte in der Diskussion" erschienen im Verlag transcript, Bielefeld 2003
Working and Mothering: Social Practices and Social Policies (EU-Netzwerk TSER)
Projektmitarbeiter_in: Anja Weckwert
Laufzeit: 1.11.1998 - 31.4.2001
Beteiligt waren 9 Länder: Spanien, Niederlande, Italien, Irland, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Norwegen und Deutschland
"Erwerbstätige Mütter. Ein europäischer Vergleich" im Verlag C. H. Beck, München 2003.
Pionierinnen der empirischen Sozialwissenschaft im wilhelminischen Deutschland (1890-1914/18)
Laufzeit: 1. Juni 2005 - 31. Mai 2007
Das Projekt soll den wegweisenden und heute kaum mehr bekannten Beitrag der ersten Sozialforscherinnen im Wilhelminischen Deutschland (1890-1914/18) erarbeiten. Diese Pionierinnen der empirischen Sozialforschung setzten wichtige Impulse zur Konstituierung des Faches in einer Zeit, in der Frauen der Zugang zu akademischen Institutionen generell noch verwehrt wurde. Ermöglicht wurde dies durch eine besondere Konstellation: Einerseits war die junge Disziplin noch offen für die Mitwirkung von 'Außenseiterinnen'. Andererseits weckte deren thematische Festlegung auf sozialpolitische Fragestellungen das Interesse gebildeter, an einer Lösung der 'sozialen Frage' interessierter Frauen.
Anhand der wissenschaftlichen Lebensläufe und Werkbiografien von Elisabeth Gnauck-Kühne (1850-1917), Gertrud Dyhrenfurth (1862-1946), Rosa Kempf (1874-1948) und Marie Bernays (1883-1939) werden die enge Verbindung zwischen der Soziologie, der Sozialreform und der Frauenbewegung herausgearbeitet und die Bedingungen, die den Frauen die Teilnahme an der Wissenschaft ermöglichten, dargelegt. Analysiert werden soll, worin der innovative Beitrag ihrer empirischen Studien zur Wissenschaft besteht und welche Anknüpfungspunkte sie für die heutige Frauen- und Geschlechterforschung bieten. Die Rekonstruktion der Karriereverläufe der Forscherinnen soll einen Einblick in deren Arbeits- und Forschungszusammenhänge vermitteln aber auch die geschlechtsspezifischen Inklusions- und Exklusionsmechanismen der deutschen Universität im ausgewählten Zeitraum sichtbar machen. Darüber hinaus wird nach den möglichen Gründen für die fehlende Rezeption der empirischen Sozialforscherinnen nach 1945 gefragt. Das Projekt liefert einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Wissenschaftsgeschichte und Wissenskulturen in Deutschland.
Gefördert von der DFG im Rahmen des Schwerpunktprogramms 1143 "Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Deutschland im internationalen Zusammenhang im späten 19. und 20. Jahrhundert: Personen, Institutionen, Diskurse"
Soziale Frauenschulen - die außeruniversitäre Ausbildungs-, Wissenschafts- und Forschungseinrichtung der bürgerlichen Frauenbewegung
Laufzeit: 1.6.2007 bis 31.5.2009
Das Vorhaben, die Geschichte der Sozialen Frauenschulen zu erforschen, geht aus dem Projekt über "Pionierinnen der empirischen Sozialforschung im Wilhelminischen Deutschland" hervor. Dieses im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 1143 geförderte Projekt untersucht personenbezogen den Beitrag der Pionierinnen Elisabeth Gnauck-Kühne, Gertrud Dyhrenfurth, Rosa Kempf und Marie Bernays zur empirischen Sozialforschung. Die weiterführende Projektphase soll schwerpunktmäßig während des Wilhelminischen Kaiserreichs entstandene außeruniversitäre Ausbildungs-, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen der bürgerlichen Frauenbewegung, die so genannten Sozialen Frauenschulen, untersuchen. Ziel ist es, am Beispiel des "Seminar(s) für soziale Berufsarbeit" in Frankfurt am Main und der "Soziale(n) Frauenschule" in Mannheim die Gründung und Etablierung der Sozialen Frauenschulen im Wilhelminischen Deutschland und der Weimarer Republik aufzuzeigen und ihre Entwicklung während des Nationalsozialismus zu untersuchen. Die Konzeption und disziplinäre Entwicklung der im Rahmen der Sozialen Frauenschulen angebotenen Ausbildungs- und Studiengänge zur sozialen Berufsarbeit im Spannungsfeld zwischen Professionalisierung und Verwissenschaftlichung einerseits und Vergesellschaftung und Verstaatlichung andererseits sollen erforscht werden. Die besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der geschlechtsspezifischen Arbeitsorganisation der Wissensproduktion und die Verortung der Sozialen Frauenschulen im nationalen Wissenschaftsgefüge.
Buchprojekt: "Gutes Kind - Schlechtes Kind. Ethische Fragen im Kontext der Gendiagnostik und Reproduktionsmedizin"
Projektleitung: Prof. Dr. Hille Haker
Reproduktions- und Schwangerschaftsentscheidungen stehen heute zunehmend unter dem Druck, durch verschiedene Technologien der Diagnose von Krankheiten oder Wunsch-Eigenschaften begleitet zu werden. Das Buch führt durch die komplexe Diskussionslandschaft und stellt eine ethische Analyse vor, die es Frauen und Paaren ermöglichen soll, einen reflektierten Umgang mit den neuen Technologien zu finden.
Prof. Dr. Hille Haker <H.Haker@em.uni-frankfurt.de>
"Die Gabe des Körpers" - Eine kritische Analyse von Keimzellspende, Organspende und Trafficking vor dem Hintergrund des Diskurses zur Ethik der Gabe und der Kommerzialisierung des menschlichen Körpers
Die Ethik der Gabe wird in Philosophie und Theologie häufig ins Feld geführt, um der auf Tauschgerechtigkeit abhebenden ökonomischen Vernunft die Haltung des Altruismus und des einseitigen Gebens entgegenzuhalten. Als rhetorische Figur wird die "Gabe" jedoch auch für die Praxis der Keimzellspende und der Organspende herangezogen, um damit eine Abgrenzung zur Kommerzialisierung und Kommodifizierung des menschlichen Körpers zu markieren - und die jeweiligen Praktiken so zu legitimieren. Das Projekt fragt in kritischer und geschlechtertheoretisch- bzw. feministisch-ethischen Absicht nach dem Zusammenhang dieser beiden Diskurse, nach der Überschreibung der ethisch notwendigen Haltung des Altruismus mit einer instrumentalisierenden Rhetorik, die den Tausch hinter der Gabe zu verstecken scheint. Schließlich konfrontiert die Studie die Praxis der Eizellspende und (Lebend-)Organspende mit der klar kommerzialisierten Praxis des sex-trafficking, um Ähnlichkeiten und Unterschiede des Diskurses über die Kommerzialisierung mit dem Diskurs über die "Gabe" des Körpers herauszuarbeiten.
Projektleitung: Prof. Dr. Marlis Hellinger
Together with Anne Pauwels of the University of Western Australia I edited Vol. IX (Language and Communication: Diversity and Change) of the Series Handbooks of Applied Linguistics (HAL) to be published by de Gruyter (2007). This international project will be a major reference work, whose 9 volumes will provide a comprehensive coverage of the field of Applied Linguistics (AL).
The project is based on an understanding of AL as a problem-oriented and problem-solving discipline. AL is not interpreted as a reduction of (theoretical) linguistics, nor as simply "applying" linguistic theories and methodologies. Rather, the assumption is that AL is actively involved in the development of innovative theoretical approaches as well as practical solutions, drawing on insights from linguistics, but also neighbouring disciplines such as psychology, anthropology, and sociology. The Handbook-series focusses explicitly on the question in which way AL may contribute to the identification, description and solution of real world problems which manifest themselves (also) on the level of language and communication. In Vol. IX, gender will be one issue among many others.
Hellinger, Marlis/Pauwels, Anne (eds.): Handbook of Language and Communication. Diversity and Change. Berlin: Mouton de Gruyter 2007.
Prof. Dr. Marlis Hellinger <Hellinger@em.uni-frankfurt.de>
Sorge und Erziehung unter Beobachtung. Zur praktischen Formierung des Verhältnisses von Geschlecht und Elternschaft in Feldern der institutionalisierten Erziehungshilfe
Projektleitung: Prof. Dr. Helga Kelle
Projektmitarbeiter_in: Dr. Marion Ott
Anlass für das Forschungsprojekt ist der aktuelle gesellschaftliche Transformationsprozess, der mit einem bereits fortgeschrittenen Ab- und Umbau (sozial-)staatlicher Hilfeleistungen hin zur Aktivierung der Leistungsbezieher/-innen verknüpft ist und in dem das Verhältnis von Staat, Eltern und Kindern neu organisiert wird. Von den Eltern wird einerseits mehr Verantwortung für Prävention und Vorsorge, z.B. von Entwicklungsstörungen ihrer Kinder eingefordert, andererseits wird die staatliche Kontrolle der elterlichen Sorge verstärkt und institutionalisiert.
Das Vorhaben nimmt unterschiedliche Formen der Institutionalisierung von Mutterschaft, Vaterschaft oder Elternschaft im Kontext sozialpädagogischer Erziehungshilfen in den Blick. Anhand kontrastiv ausgewählter Felder - stationäre Erziehungshilfeeinrichtungen (§ 19 SGB VIII; Mutter-Kind-Einrichtungen innerhalb und außerhalb des Strafvollzugs) und Kinderschutzverfahren (§ 8a SGB VIII) - wird untersucht, wie Geschlechterkonstruktionen bezogen auf Elternschaft in organisierten Erziehungsverhältnissen institutionalisiert und praktisch formiert werden. Das Projekt zielt darauf, in den unterschiedlichen Kontroll- und Beobachtungsformen vermittelte Erziehungsanforderungen und Zuständigkeitszuschreibungen sowie damit verbundene Kategorisierungen (Geschlecht, Generation, soziale Klasse, Abweichung und ggf. weitere) herauszuarbeiten. Dazu werden Perspektiven der Geschlechterforschung, der sozialpädagogischen Forschung und der Kindheitssoziologie miteinander verbunden.
Prof. Dr. Helga Kelle <H.Kelle@em.uni-frankfurt.de>
Buchprojekt: "Meerjungfrauen – Geschichten einer unmöglichen Liebe"
Das Buch bietet eine komparatistische Literaturgeschichte der Meerjungfrau. Behandelt werden die Sirenen der Antike, die Melusinen des Mittelalters und die Undinen der Romantik sowie ihre jeweilige literarische Rezeption bis in die Gegenwart. Ziel der Untersuchung ist die Rekonstruktion der symbolischen Inszenierung von Geschlechterverhältnissen und Liebescodes sowie ihrer dichtungstheoretischen Implikationen.
Verlagsvertrag mit dem Fischer-Verlag, Wissenschaftsreihe, komplett über den Verlag finanziert, zuvor im Rahmen eines Senior Fellowships am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien gefördert (WS 08/09)
Kraß, Andreas: Meerjungfrauen: Geschichten einer unmöglichen Liebe. Frankfurt: Fischer 2010.
Geschlechtsspezifische Pflegearrangements und transnationale Lebensbezüge älterer türkeistämmiger MigrantInnen in Frankfurt
Projektleitung: Jun. Prof. Kira Kosnick
Projektmitarbeiter_in: 1 wissenschaftliche Hilfskraft
Laufzeit: September 2009 - Januar 2010
Ziel des Projektes ist es zu untersuchen, welche transnationalen Mobilitätsmuster in Frankfurter Familien mit Migrationshintergrund aus der Türkei existieren, die staatliche oder private Dienste im Bereich der Altenpflege und des deutschen Gesundheitssystems in Anspruch nehmen, und wie sich die geschlechtsspezifischen Dimensionen von familiärer Pflege gestalten. Aufgrund der schlechteren Gesundheitssituation und der oft mangelhaften finanziellen Absicherung von älteren MigrantInnen im Vergleich zu ihrer Alterskohorte in Deutschland wird die Organisation von Pflege für viel Familien zu einem wachsenden Problem. Die zu untersuchende These ist, dass in diesem Kontext die geschlechtsspezifische Transnationalisierung von verwandtschaftlichen Pflegearrangements zumindest partielle und temporäre Lösungen bietet, die einer Inanspruchnahme externer Pflegeleistungen vorausgehen oder sie ergänzen.
Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften
Jun. Prof. Kira Kosnick <kosnick@em.uni-frankfurt.de>
SoftWareZ - Textile Techniken, Digitale Technologien. Verknüpfungen von DIY, Design, Mode, Aktivismus und Kunst // Textile Techniques, Digital Technologies. Net-Working DIY, Design, Fashion, Activism and Art
Das Forschungsprojekt nimmt ein Produktionsfeld in den Fokus, das auf verschiedenen Ebenen nachhaltig von tradierten Geschlechtervorstellungen und -politiken sowie daraus resultierenden gesellschaftlichen und kulturellen Effekten bestimmt ist. Es fragt in diesem Zusammenhang nach theoretischen und praktischen Ansätzen sowie nach technologischen, nach künstlerischen bzw. kreativen und politischen Strategien, diese Strukturen zu analysieren und offen zu legen bzw. zu transformieren und für neue, produktive Perspektiven eröffnen.
GAMElabor Frankfurt am Main - Kooperationsprojekt mit bb22 Architekten & Stadtplanern sowie weiteren AkteurInnen aus Wissenschaft, Bildung, Spielentwicklung, Stadtplanung und Kunst
Laufzeit: seit 2009, 2009 Pilotförderung (ExWoSt / BBSR)
Das Projekt GAMElabor verknüpft virtuelle Räume des Computerspiels bzw. medial gestützte und realraumbezogene, soziale Spielformate sowie deren Schnittstellen mit der urbanen Praxis ("Social Games", "Serious Games", "Pervasive Games", "Urban Games") aus der Perspektive von Jugendlichen. Erforscht und entwickelt werden die Potentiale dieser Spiele für die Förderung einer aktiven Erschließung des urbanen Umfelds, in deren Zuge technische und soziale Kompetenzen erworben sowie Beteiligungsmöglichkeiten an stadträumlichen Prozessen im Quartier erprobt werden können.
Sowohl im Hinblick auf die konkrete Spielentwicklung als auch weiterführend im Hinblick auf die Frage nach Beteiligungsformen Jugendlicher an der Gestaltung urbaner Räume und an Stadtentwicklung sind der reflektierte Umgang und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlich tradierten und implementierten Geschlechterdifferenzen von zentraler Bedeutung, die sich auch in den Forschungsfragen widerspiegelt, mit denen das Projekt in 2010 weitergeführt wird.
"Gender and the Creative City" – Das Geschlecht der Kreativen Stadt - Repräsentationen und Performanzen von Geschlechterdifferenz im urbanen "Kreativen Milieu" / Representations and Performances of Gender Difference in Urban Creative Milieus
Das Projekt "Gender and the Creative City" fragt nach der Bedeutung der Kategorie Geschlecht und der Relevanz gesellschaftlich und kulturell vermittelter Geschlechterdifferenzen für das Feld der Kreativwirtschaft und den mit ihm eng assoziierten Topos der "Kreativen Stadt".
Jenseits von "Doing Gender" und Diskursanalyse. Erprobung des"assemblage"-Ansatzes
Projektleitung: Prof. Dr. Rolf Haubl, Prof. Dr. Katharian Liebsch
Projektmitarbeiter_innen: Dipl. Soz. Simon Dechert, Dipl. Soz. Sebastian Jentsch
In dem von Rolf Haubl und Katharina Liebsch geleiteten und vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst bewilligten Pilotprojekt "Jenseits von "Doing Gender" und Diskursanalyse. Erprobung des"assemblage"-Ansatzes wird eine Zusammenführung verschiedener methodischer Zugänge am Beispiel der ADHS-Problematik erprobt. Im Mittelpunkt steht die Erhebung und Auswertung Fallstudien bezogener Interviews und teilnehmender Beobachtung mit Personen, die alltäglich mit der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung konfrontiert sind. Da vor allem männliche Kinder und Jugendliche von der Diagnose betroffen sind, spielen geschlechtliche Repräsentationen beim Verstehen und im Umgang mit der ADHS eine zentrale Rolle.
Prof. Dr. Rolf Haubl <haubl@soz.uni-frankfurt.de>
Ästhetische Distinktion. Bedeutung, Funktion und Praxis körperlicher, geschlechtlicher und sexueller Inszenierungen adolezenter Mädchen und junger Frauen
Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Liebsch
Projektmitarbeiter_innen: Dr. Inge Schubert, Dr. Marga Günther
Laufzeit: Oktober 2007 - Oktober 2008
Jugendliche bearbeiten ihr sexuelles Heranwachsen in der Gegenwartsgesellschaft in und mit Hilfe kultureller Körperpraktiken. Diese Praktiken sind imaginäre Strategien, mit denen sie sich in Bezug zu ihrer sozialen Geschlechtsgruppe, der Erwachsenen-Generation und den gesellschaftlichen Normen und Regeln setzen. Der erprobende Umgang mit der gesellschaftlichen Bewertung von weiblicher Sexualität spielt dabei eine wichtige Rolle und genau dies kommt sowohl in den meisten Erklärungsansätzen als auch in den empirischen Beschreibungen kaum und zum Teil gar nicht vor.
Im Rahmen der Studie werden deshalb folgende Fragen bearbeitet:
Auf welche Art und Weise thematisieren die Körperinszenierungen weiblicher Jugendlicher ihre Suche nach einer sexuellen Identität?
Welche Funktion erfüllen körperkulturelle Praktiken und Inszenierungen für die Adoleszenten?
Wie wirkt sich die symbolische Besetzung der kulturellen Praktiken (z.B. als Zeichen von Aufsässigkeit, von Pragmatismus, von Unterwürfigkeit oder ähnlichem) aus und inwieweit hilft sie bei der Bearbeitung bestimmter Lebensthemen oder Problemen?
Prof. Dr. Katharina Liebsch <K.Liebsch@soz.uni-frankfurt.de>
Beziehungsgestaltung, Identität und Schulerfolg von Mädchen. Zur Soziologie der Nähe und der Reziprozität in schulischen Kontexten
Projektmitarbeiter_innen: StR'in Ursula Bös, Dr. Inge Schubert, sowie vier studentische Mitarbeiterinnen
Laufzeit: Oktober 2005 - Dezember 2006
Mädchen und junge Frauen erscheinen zunehmend als Gewinnerinnen von Bildungsprozessen, während für die schulische Sozialisation von Jungen und männlichen Adoleszenten eher Probleme thematisiert werden. Das BIS-Projekt geht der Fragestellung nach, ob und gegebenenfalls wie gleichgeschlechtliche Identifikationen mit Lehrerinnen sich positiv auf die Sozialisation von Mädchen auswirken. Es geht dabei um die Frage, wie Mädchen von dem hohen Frauenanteil unter den Lehrenden profitieren. Die Fragestellung greift damit eine Leerstelle in der Forschung zum Thema Generation, Geschlecht und Adoleszenz auf. Mit Hilfe von Interviews werden zunächst adoleszente Schülerinnen wie auch Absolventinnen befragt, im Weiteren werden Lehrerinnen nach der ihr eigenen Ausgestaltung von Nähe und Distanz im Lehrerinnen-Schülerinnen-Verhältnis interviewt. Im Blickpunkt der Untersuchung stehen dabei insbesondere die kommunikative Kultur zwischen Lehrerinnen und Schülerinnen in der Institution Schule sowie das Austauschverhältnis, wie es im pädagogisch-professionellen Arbeitsbündnis von Schülerinnen und Lehrerinnen jenseits von konkreter Wissensvermittlung zum Tragen kommt. Schülerinnen mit Migrationshintergrund, mit sowohl bildungsorientierter als auch bildungsferner Herkunft sind in das Sample miteinbezogen. Ziel ist es, aus den narrativen Schilderungen der interviewten Schülerinnen und Lehrerinnen das Verhältnis von Identitätsbildung, Identifizierungsprozessen und schulischer Erfolgsorientierung oder produktiver Bewältigung von erschwerten beruflichen Zugangsmöglichkeiten zu rekonstruieren und interpretativ zu erfassen.
Gefördert durch Mittel zur Förderung von kleineren Projekten zur Frauen- und Geschlechterforschung der Goethe-Universität
Generation Geschlecht Gesundheit. Zum Selbstbild von Jungen im Rahmen moderner Generationsbeziehungen - das Beispiel der Medikalisierung von AD(H)S
in Zusammenarbeit mit: Prof. Dr. Rolf Haubl, Sigmund-Freud-Institut Frankfurt
Laufzeit: April 2007 - April 2008
Das Phänomen AD(H)S gilt als eine neuartige, moderne Krankheit. Sie betrifft überwiegend ein Geschlecht und eine Generation: Jungen heute im Alter von 7 bis 10 Jahren. Die gängigen Aussagen über Krankheiten und Diagnosen entwerfen und konstruieren Geschlechtlichkeit, ohne die kulturellen Modelle gesund/krank, weiblich/männlich einer Reflexion zu unterziehen. Dabei ist insgesamt auffällig, dass die diagnostizierten Kinder selbst in der Debatte um AD(H)S kaum gehört werden. Im Rahmen der Studie soll deshalb geklärt werden, wie die betroffenen Kinder ihre Diagnose erleben und wie dieses Erleben ihr Selbstbild prägt. Von Interesse ist dabei auch, welche Rolle die Verabreichung von Medikamenten spielt und wie die Wirkungen der Medikamentenverabreichung von den betroffenen Jungen erfahren werden.
Reflexive Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern im Kontext der gesellschaftlichen Zunahme unsicheren Wissens: Das Beispiel Bio-Ethik
Projektmitarbeiter_in: Ulrike Manz
Laufzeit: 01. Oktober 2003 - 30. Juni 2006
Liebsch, Katharina/Manz, Ulrike: Jenseits der Expertenkultur. Zur Aneignung und Transformation biopolitischen Wissens in der Schule. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007.
"ADHS-bezogene Gesundheitszirkel als Bestandteil von Erziehungs- bzw. Verhaltensvereinbarungen in der Schule"
Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Liebsch, Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl
Projektmitarbeiter_in: Beate Schnabel
Laufzeit: 1.9.2008 - 1.10.2009
In dem Projekt 'AD(H)S-bezogene Gesundheitszirkel als Bestandteil von Erziehungs- und Verhaltensvereinbarungen' werden an drei Grundschulen und einer weiterführenden Schule mit Kindern, LehrerInnen, Eltern und einer Gruppe von Kindern/Eltern/LehrerInnen Gruppengespräche geführt mit dem Ziel, das pädagogische Erfahrungswissen, das LehrerInnen in der Unterrichtung und Begleitung von AD(H)S-Schülern gesammelt haben, zu erfassen und zu analysieren.
Auf der Grundlage dieser Auswertung werden AD(H)S-bezogene Gesundheitszirkel an Schulen konzeptualisiert. Diese bestehen aus Arbeitsgruppen, in denen alle schulrelevanten Akteure an einer Lern- und Lebenswelt Schule beteiligt werden, um die Lernumgebung für Jungen und Mädchen mit AD(H)S zu verbessern, damit diese sich schulisch besser entwickeln können; dazu beizutragen, dass sich die Symptomatik des AD(H)S nicht weiter intensiviert, im besten Fall abschwächen oder vermeiden lässt; die erfolgreichen Interventionen im Umgang mit betroffenen Kindern zu systematisieren und institutionell zu verankern.
Gefördert vom Hessischen Kultusministerium, Fachkoordinatorin Projekt 'Erziehungsvereinbarungen’, Frau Elisabeth Mudersbach
Beate Schnabel <beate.schnabel@online.de>
Begleitforschung zum Pilotprojekt "Verfahrensvereinfachung und konfliktregulierende Beratung bei hochstrittigen Sorge – und Umgangsrechtsverfahren"
Projektmitarbeiter_innen: Annette Bausinger, Katharina Hess
Laufzeit: 1.10.2008 - 1.10.2009
Zwischen den Jahren 1990 und 2005 waren nach Aussagen des Statistischen Bundesamtes ca. 2,3 Mio. Kinder von der Trennung und Scheidung ihrer Eltern betroffen. Nur ein kleiner Teil dieser mündet in (hoch-)strittigen Sorge- und Umgangsrechtsverfahren, die sich häufig über Monate und Jahre ziehen und die Ressourcen der Scheidungsprofessionen binden. Für Kinder in derart unklaren Situationen mit offenem Ausgang bedeuten diese anhaltenden ungelösten Konflikte eine große Belastung für ihre Entwicklung und ihr Wohlbefinden.
Mit dem FGG-Reformgesetz zum 01.09.2009 zielt der Gesetzgeber u.a. auf eine Beschleunigung der familiengerichtlichen Verfahren.
In Frankfurt wurde im Oktober 2008 ein einjähriges Pilotprojekt gestartet, das als Kooperationsmodell die Institutionen des Familiengerichtes, des Jugendamtes und Beratungsstellen zusammen bringt, um eine beschleunigte Umsetzung des Verfahrens unter wissenschaftlicher Begleitung zu erproben.
Ziele des Pilotprojekts sind: Die frühe Intervention im Konflikt der Eltern und dadurch der Erhalt der Beziehungen der Kinder zu beiden Elternteilen und die Optimierung des Verfahrens im JA und die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Familiengericht, Jugendamt und Beratungsstellen.
Gefördert vom Hessischen Sozialministerium, Fachkoordination durch Frau Anita Schneider, Sozialrathaus "Am Bügel"
Katharina Hess <katharina_hess@web.de>
Annette Bausinger <A.Bausinger@gmx.de>
Landscapes of Care Drain. Care provision and Care Chains from the Ukraine to Poland and from Poland to Germany
Projektmitarbeiter_in: Ewa Palenga-Möllenbeck
Since 1989 a new 'migratory space? has opened up in Europe following the collapse of the former communist states in Central and Eastern Europe. Women make up the majority of this east west migratory flow (Eurostat, 2003) and Polish women make up the largest national group of migrants in Western Europe (Morokvasic 2002). High levels of job loss and unemployment amongst women (Coyle 2003) has spurred large numbers of women to migrate to EU countries to find work. Poland is not the only sending country; as part of migration movements from virtually all East European countries, there is also a strong inclination of women from the Ukraine to migrate west-wards. As Poland, contrary to other EU members, did not have visa requirements until October 2003 this country has become one of the main migration targets for Ukrainians (Kindler 2008). Although Poland has introduced visa requirements for Ukrainians shortly before accession to the EU, the migration has not decreased in numbers. Wage disparities which are still high between Germany and Poland, but also between Poland and the Ukraine (the average salaries in Poland are 2-4 times higher than in the Ukraine, (Okolski 2004:33)) are still important migration incentives.
Many Polish as well as Ukrainian women migrants are highly educated and skilled; nevertheless, they are mostly working in the low paid and insecure service sector: in shops, bars, hotels and restaurants, and also caring for children and the elderly in private households. Although Polish and Ukrainian women migrants are in fact highly differentiated in terms of age, education, skills, marital status, children and life stage, they appear to be a unified labour supply, deskilled by migration and homogenized in their undocumented status. In the receiving countries, a (growing) female workforce, lack of care facilities, diversification of life-styles and growing family fragmentation are the reasons for the demand of domestic and care workers. In particular, an aging population is resulting in a very significant new demand for health and social care workers (Hutton and Giddens 2001), the vast majority of who will be women. The research project is a follow-up to the project "Gender, Ethnicity and Identity. The New Maids in the Age of Globalization" (2002-2005) which focused on households in three German cities (Münster, Berlin and Hamburg) and looked at the ways in which a new labour market for domestic workers from Eastern Europe and Latin America was established over the past ten years.
This pioneering German project has made clear that the German case differs from other European ones in a couple of aspects one of which is the dual illegality of domestic workers, being irregular migrants without a residence permit and without a work permit. As a result of missing work-recruitment policies in Germany, the enrolment as a student is the only possibility for temporary legalization, and marriage the only opportunity to gain a permanent residence status (Lutz 2007). Since 2004, however, the new EU-migration regime between Poland and Germany has made the legal situation more complex. Despite of legal and social obstacles, Polish women keep coming and staying in Germany and many of them lead a life in two countries, combining their German work place with their Polish homes within a transnational life-style.
This research project will analyze the aspect of transnational care provision and transnational care chains more thoroughly. Many of the interviewed domestic workers from Poland had left their children and husbands behind while they were taking care of children and elderly people in German households. Thus, while Polish women have become care providers for Germans, they have to make care arrangements for their families at home. At the same time, the quickly growing group of middle class households in Poland is employing Ukrainian women for care work in large Polish cities. On top of that, Ukrainian women are also found in German households as care-providers. We can thus speak of an East-West care chain linking Ukrainian with Polish and German households. This research project will conduct 50 (biographical) interviews with domestic workers, their children, husbands or partners and other family members in Germany, Poland and the Ukraine. It will also give an overview over the legal situation of the workers in the three countries, taking the different migration regimes into account. Next to this, a media analysis aims at giving an overview over the most important debates on Polish and Ukrainian migrants in Germany and in Poland over the last 10 years. On the basis of hermeneutical case-study analysis a typology of care arrangements linking household in the three countries will be given. Theoretically, the intersectional analysis of gender, ethnicity, class, age, religion and sexuality will be made use of as well as recent theories on transnational families. The establishment of the care drain from Eastern to Western Europe will be analyzed by tracing migration trajectories back from Germany and Poland to the families left behind.
Dieses Projekt ist Mitglied des Forschungsverbundes: "Migration and Networks of Care in Europe. A Comparative Research Project", das in Zusammenarbeit mit fünf europäischen Universitäten im Rahmen des EUROCORE Programms der European Science Foundation durchgeführt wird.
Ewa Palenga-Möllenbeck <e.pm@em.uni-frankfurt.de>
Paratexte - Präsentations- und Vermittlungsstrategien des frühen amerikanischen Romans
Die Studie befasst sich mit den Präsentations- und Vermittlungsstrategien des amerikanischen Romans zwischen 1774 und 1830. Anhand der Paratexte (Titelseiten, Widmungen, Vorworte, Autorenbezeichnungen, Pseudonyme etc.) werden Konventionen von Anonymität, Pseudonymität, Legitimationen, Selbstinszenierungen, Adressaten u.a.m. untersucht. Innerhalb des Untersuchungszeitraums verändern sich nicht nur Vorstellungen von Wesen und Funktion fiktionaler Literatur, sondern auch die Konzeptionen von Autorschaft und Autorenrolle. Diese Veränderungen stehen ihrerseits in Wechselwirkung mit dem Aufstieg nationalstaatlicher Ideen, Vorstellungen von der Eigenständigkeit amerikanischer kultureller Identität, und der Natur und den Aufgaben der Geschlechter. Ziel ist es, literaturbezogene Fragestellungen in einen breiteren kulturellen und ideengeschichtlichen Kontext einzuordnen.
Teilprojekt Gender and the early American Novel
Basierend auf einer statistischen Erhebung aller amerikanischen Romane im Zeitraum von 1774-1830 wird der Autorenanteil von Frauen und Männern sowie der Grad von Anonymität der Publikationen ermittelt. Auf diese Weise lassen sich Annahmen über die Beteiligung der Geschlechter an der Romanproduktion substantiieren bzw. korrigieren und Veränderungen ermitteln.
Elizabeth Stoddard - Edition und Übersetzung
interuniversitäre Kooperation: Prof. Dr. Helmbrecht Breinig, Universität Erlangen-Nürnberg
Elizabeth Stoddard (1823-1902) hat mittlerweile Anerkennung gefunden als Verfasserin eines der besten amerikanischen Romane des 19. Jahrhunderts: The Morgesons (1862) steht auf der Schwelle zwischen romantischem und realistischem Erzählen.
Stoddards umfangreiches Werk umfasst neben drei Romanen, von denen zwei als reprints vorliegen, Essays, Erzählungen, Geschichten für Kin­der und Gedichte, die in einer breiten Palette von Zeitschriften und Magazinen erschienen. Außer einer Sammlung von Gedichten aus dem Jahr 1895 wurde nichts davon in Buchform publiziert; Stoddards Texte sind daher nur sehr mühsam zugänglich. Das Projekt will dem in mehreren Schritten Abhilfe verschaffen: mit einer ausgewählten und kommentierten Ausga­be von Stoddards Erzählungen (erschienen 2003); mit einem Sammelband, der das Spektrum ihres Schreibens zeigt, und mit der erstmaligen Übersetzung ihres Romans The Morgesons ins Deutsche. Diese Übersetzung wird im Herbst 2011 erscheinen.
Jüdische Lehrerinnen an öffentlichen Schulen der Stadt Frankfurt (1890-1935)
Projektleitung: Prof. Dr. Brita Rang
An diesem facettenreichen Projekt sind Studierende und Promovierende beteiligt. Es richtet sich insbesondere auf die Geschichte jüdischer Lehrerinnen der Stadt Frankfurt, aber auch - vergleichend - auf die anderer Lehrerinnen- und Lehrergruppen. Basismaterial sind die archivierten Personalakten, die - ungeordnet - im städtischen Archiv lagern.
Die relativ große Anzahl von Personalakten jüdischer Lehrerinnen deutet auf eine Besonderheit der Frankfurter Situation. Aus keiner anderen deutschen Stadt ist eine solche Zahl jüdischer Lehrerinnen an öffentlichen Schulen bekannt. Zwar weiß man bereits aus Untersuchungen zur Geschichte des Frankfurter Philanthropins, der Schule der jüdischen Gemeinde, dass es dort auch einige Lehrerinnen gab, und man ist darüber hinaus informiert, dass sich jüdische Lehrerinnen in privaten jüdischen Mädchenschulen fanden, doch ist deren Anwesenheit im öffentlichen Schulwesen der Stadt bisher auch im Jüdischen Museum nicht bekannt gewesen. Eine Untersuchung ihrer Professionskarrieren, insbesondere in der Weimarer Republik und den ersten Jahren des Nationalsozialismus, ist auch deshalb ein forschungsintensives Unterfangen, weil Untersuchungen zu Lehrerinnen in Frankfurt generell fehlen. Hinzu kommt, dass es keine anderen regionalen und überregionalen Studien zu jüdischen Lehrerinnen in Deutschland gibt. Insofern scheint es wichtig, diese Frankfurter Archivfunde und -bestände und damit die besondere Situation Frankfurts in die Forschungsdiskussion einzubringen.
Das Forschungsprojekt ist darauf gerichtet, die einzelnen Professionsbiographien - sei es jüdischer, sei es nicht jüdischer Lehrerinnen und Lehrer - im Zeitraum zwischen 1900 und 1935 nicht nur als singuläre Fälle zu rekonstruieren, sondern prosopographisch, d. h. kollektivbiographisch zu verfahren. Auf die Weise werden nicht nur der Stadtgeschichte neue Aspekte hinzugefügt, sondern auch neue Wege der erziehungsgeschichtlichen Biographieforschung beschritten.
Prof. Dr. Brita Rang <Rang@em.uni-frankfurt.de>
Gendersensitive Aspects of 'Self-regulated Learning' - History and Theory
Das Projekt ist Teil eines mit pädagogischen Psychologen gemeinsam durchgeführten Projekts zu aktuellen und historischen Aspekten selbstregulierten Lernens. Selbstregulatorisches Lernen ist vor allem ein aktuelles Thema der Pädagogischen Psychologie, das unter anderen Begriffen in der Pädagogik aber eine lange historische Tradition hat. In der aktuellen kognitionspsychologischen Forschung wird davon ausgegangen, dass beim Erwerb von Wissen die Lernenden keine passive, sondern eine aktive Rolle spielen. Eine große Bedeutung wird mentalen Aktivitäten zugeschrieben, die dazu führen, dass neues Wissen an vorhandene Wissensstrukturen assimiliert werden kann. Vor dem Hintergrund dieser Auffassung und aufgrund empirischer Befunde aus der kognitiv orientierten Lernpsychologie wurden Modellvorstellungen guter LernerInnen wie z. B. das Good Information Processor Model entwickelt, in denen insbesondere solche Lernprozesse im Mittelpunkt stehen, die vom Lernenden selbst gesteuert werden (Pressley, 1995; Pressley, Borkowski & Schneider, 1989). Erfolgreiche LernerInnen zeichnen sich nach diesen Modellvorstellungen durch eine Reihe charakteristischer kognitiver, metakognitiver und motivationaler Merkmale aus: Sie besitzen einschlägige Kenntnisse über Lernstrategien und deren Anwendungsbedingungen. Sie sind in der Lage, eigene Lernvorgänge zu planen, zu initiieren, aufrechtzuerhalten, zu beobachten und zu regulieren. Sie können eigene Stärken und Schwächen beim Lernen erkennen und sie können Lernergebnisse evaluieren und motivational verarbeiten (Schiefele & Pekrun, 1996). Selbstregulatorisches und strategisches Lernen wurde vielfach bei älteren Schulkindern, Jugendlichen oder Erwachsenen untersucht, hat sich prinzipiell jedoch auch schon bei jüngeren Kindern als eine erfolgreiche Form des Lernens erwiesen (Hattie, Biggs & Burdie, 1996). Korrespondierend zu diesem Befund zeigen entwicklungspsychologische Studien, dass gerade im Grundschulalter eine deutliche Zunahme an strategischen und metakognitiven Kompetenzen zu verzeichnen ist (Schneider & Büttner, 2002). Durch PISA wissen wir, dass Mädchen und Jungen unterschiedliche Lernergebnisse und wahrscheinlich auch unterschiedliche Lernstrategien nutzen (können).
Aus dem heutigen Interesse, diese Situation dauerhaft aufzubrechen, soll historisches Wissen gezielt als Element der Implementation von Fördermaßnahmen zum Erwerb selbstregulatorischer Lernstrategien genutzt werden. Selbstregulatorisches Lernen hat insbesondere in den pädagogischen Reformbewegungen in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine Rolle gespielt, aber auch im expliziten Bezug der pädagogisch-psychologischen Forschung auf sie. Für beide Entwicklungen wurden Konzeptionen der "Tat-" und "Arbeits-Schule", des "Projektunterrichts" oder der "Selbsttätigkeit" bedeutsam. Trotz eines vielfältigen Interesses am selbständig-motiviert Lernenden in der deutschen Vergangenheit, ist die Intention jedoch primär Intention geblieben und lebt gegenwärtig im teilweise diffusen Verständnis vom "autonom Lernenden" wieder auf. (Horlacher, 2002). Schule blieb primär der Ort, an dem die Lehrenden das Wissen weitergeben, das die Schüler "anwenden".
Im Kontext des Projektteils, der "gendersensitive aspects" des selbstregulierten Lernens beobachtet, geht es deshalb (1) um die Erforschung der konzeptuellen Wahrnehmung von Geschlechterdifferenzen in der Erziehungsgeschichte (insbesondere in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, der Zeit der Reformpädagogik) und (2) auch um die Bedeutung von Geschlechterdifferenzen bei der aktuellen Implementation selbstregulativer Strategien.
Gender Differences in Dutch Islamic Schools
Es ist inzwischen in Deutschland bekannt, dass die Niederlande ein öffentlich finanziertes, aber zu großen Teilen privat organisiertes Unterrichtssystem besitzen. Das gilt insbesondere für den Primarschulbereich, zu dem gegenwärtig 7690 öffentliche und private Schulen gehören. 68,3% aller Schüler besuchen die "bijzondere scholen", d. h. separate oder private Schulen. Die übrigen (31,7 %) sind in öffentlichen, d. h. in Gemeindehand befindlichen Einrichtungen. Den etwa 70%igen Anteil des Privatschulunterrichts teilen sich unterschiedliche, vor allem religiöse Gruppierungen. 27,3 % der Kinder und Jugendlichen folgen protestantisch-christlichem, 33,9 % katholischem Unterricht und nur ein kleiner Teil von 7,1% lernt in anthroposophischen, in Montessori-, Dalton-, Jena-Plan- oder Freinet-Schulen oder aber besucht islamische, jüdische, hinduistische, zur protestantischen Brudergemeinschaft gehörende Institutionen (Primair onderwijs in cijfers 2002, S. 44). Die Prozentzahlen zeigen ein seit Ende der zwanziger Jahre relativ konstantes Bild (Idenburg 1964, S. 114). Das Forschungsprojekt richtet sich auf die zur Zeit 45 islamischen Schulen und dabei auf das besondere Verhältnis der Geschlechter in diesen Schulen.
Die Einrichtung öffentlich finanzierter aber privat beantragter und organisierter Schulen wurde nach einem etwa 80 Jahre währenden Streit zwischen Konfessionellen und Liberalen 1917 mit dem so genannten Schulkompromiss beschlossen und im Gesetz für den Primarunterricht von 1920 im einzelnen ausgestaltet. Eltern bekamen das Recht, auf Antrag eine eigene Schule mit einem eigenen privatrechtlichen "bestuur", d. h. einem Vorstand, der zugleich Verwaltungsgremium ist, einzurichten. Noch heute reicht ein religiös oder reformpädagogisch motiviertes Interesse aus, um an die Gründung einer privaten Schule zu gehen. Nichts trägt die Schule, als sie sich selbst (und die staatliche Finanzierung). Die besondere Autonomie wird bereits bei der Einrichtung und Zusammensetzung des Vorstands sichtbar. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch, Buch 2, besteht er nur aus wenigen Mitgliedern, darunter einem oder einer Vorsitzenden, einem Sekretär und einem "Penningmeester" (Braster 1995, S. 215). Es sind gerade die Eltern von Kindern der (geplanten) Schulen, die Sitz im Vorstand haben (v. Wieringen 1995, S. 188ff.). Mit dem Blick auf solche Möglichkeiten, gelten die Niederlande vielen deutschen Pädagogen als das Eldorado der Reformpädagogik. Doch haben auch die privaten Schulen inzwischen die Beweispflicht, dass die Leistungen ihrer Schüler/innen nicht hinter die nationalen Standards (gesetzlich verankerte und sehr präzis formulierte "Kernziele" der zentralen Unterrichtsfächer) zurückfallen. Ein die Primarschule abschließender, Vergleichswerte liefernder Abschluss-Test (wie der CITO-Test) wird auch ihnen abverlangt.
In den letzten zwanzig Jahren ging die Zahl der privaten Schulen aufgrund von Zusammenlegungen zunächst zurück. Inzwischen sind allerdings die Schulen unter streng religiösen Vorzeichen hinzugekommen, die von einer erneuten "verzuilung", d. h. der vertikalen Aufspaltung oder Grenzziehung in der Gesellschaft unter religiösen Vorzeichen, sprechen lassen. Einige hinduistische, vor allem aber die 45 islamischen Schulen bilden inzwischen eine gesellschaftlich deutlich wahrgenommene und in den Medien heftig diskutierte Gruppe. Die privaten Schulen allgemein und damit auch streng islamische Schulen wie Al Ummah in Enschede schützt das sehr weit reichende, gesetzlich verankerte Elternrecht der Niederlande. Was in den islamischen Schule geschieht, erfahren wir nicht nur aus eigener Beobachtung, sondern auch von den Schul-Inspekteuren, die u. a. im vergangenen Jahr angesichts von öffentlich geäußerten Zweifeln, ob der dort erteilte Unterricht nicht die Integration seiner Schüler und Schülerinnen in die niederländische Gesellschaft verhindere, die 45 Schulen auf der Basis der gesetzlichen Vorgaben evaluierten und kritisch klassifizierten (Islamitische scholen 2002.; 2004; Inspectie 2003).
In diesem Forschungsprojekt geht es um die Untersuchung der bisherigen Entwicklung der 45 islamischen Schulen allgemein, und um die Frage der Geschlechterverhältnisse in ihnen im Besonderen. Denn nicht nur gibt es an einigen Schulen gesonderte Eingänge für Mädchen, die meisten Schulen trennen Mädchen und Jungen, Lehrer und Lehrerinnen auch im Unterricht.
Angesichts der Kopftuchdebatte in Deutschland, scheint die Beobachtung des niederländischen großenteils privaten Schulwesens mit seinen langen Traditionen der Integration unterschiedlicher religiöser Gruppen ein wichtiges Beispiel für den kulturellen Umgang mit Differenz. Die aktuellen Debatten zu den islamischen Schulen weisen allerdings auf besondere Schwierigkeiten. Wieweit sie mit der Geschlechterfrage zu tun haben ist ein Gesichtspunkt der Untersuchung.
Expertise für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zum Thema: "Mittelbare Diskriminierung und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz"
Projektleitung: Prof. Dr. Ute Sacksofsky, M.P.A. (Harvard)
Das Verbot mittelbarer Diskriminierung ist inzwischen fester Bestandteil des Antidiskriminierungsrechts, auch wenn viele Menschen mit Diskriminierung primär die unmittelbare Verwendung eines Merkmals wie Rasse oder Geschlecht verbinden. Doch reicht die Beseitigung von Regelungen, die ausdrücklich an solche Merkmale anknüpfen, nicht aus, um Diskriminierung wirkungsvoll zu bekämpfen. Diskriminierung hat sich tief in die Strukturen der Gesellschaft eingeschrieben. Formal gleiche Regelungen wirken sich daher unterschiedlich aus und können nicht als diskriminierungsfrei angesehen werden.
Die Rechtsfigur der mittelbaren Diskriminierung stammt aus den USA und wurde in Europa vor allem durch die Rechtsprechung des EuGH wirksam. In Deutschland enthält erstmals das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz eine Legaldefinition des Konzeptes der mittelbaren Diskriminierung.
Die Expertise analysiert die bisher ergangene Rechtsprechung zu mittelbarer Benachteiligung im AGG anhand verschiedener Frageperspektiven. Gefragt wird beispielsweise, in welchen Rechtsgebieten mittelbare Benachteiligung vor die Gerichte gebracht wurde und zu welchen Merkmalen die Entscheidungen ergingen. Vor allem aber geht es um eine Inhaltsanalyse der Entscheidungsbegründungen, indem untersucht wird, wann Gerichte den Tatbestand einer mittelbaren Benachteiligung bejahen und welche Rechtfertigungsgründe sie anerkennen.
Diese Analyse der dogmatischen Probleme wird – unter Einbeziehung der juristischen Literatur weiter vertieft. Es wird aufgezeigt, an welchen Stellen das Konzept der mittelbaren Benachteiligung noch ungeklärt oder fehleranfällig ist. Insoweit besteht weiterer Forschungsbedarf.
Gefördert durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Prof. Dr. Ute Sacksofsky, M.P.A. (Harvard) <Sacksofsky@jur.uni-frankfurt.de>
Rechtsgutachten zur Frage "Vereinbarkeit des geplanten Betreuungsgeldes nach § 16 Abs. 4 SGB VIII mit Art. 3 und Art. 6 GG"
Die Einführung eines Betreuungsgeldes findet ihre – bisher einzige – normative Grundlage in § 16 Abs. 4 SGB VIII. Die Vorschrift lautet: "Ab 2013 soll für diejenigen Eltern, die ihre Kinder von ein bis drei Jahren nicht in Einrichtungen betreuen lassen wollen oder können, eine monatliche Zahlung (zum Beispiel Betreuungsgeld) eingeführt werden". Das Gutachten untersucht die verfassungsrechtliche Zulässigkeit einer solchen Regelung und kommt zu dem Ergebnis, dass die geplante Einführung eines Betreuungsgeldes gegen den Schutz der Familie nach Art. 6 Abs. 1 GG und gegen den Verfassungsauftrag zur Förderung der tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern nach Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG verstößt.
Gefördert durch die Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
Der englische Salon der Romantik und Lady Blessington (1789-1849)
Projektleitung: PD Dr. Susanne Schmid (FB 10)
Laufzeit: 1. September 2002 - August 2004
Susanne Schmid: "Lady Blessington und die Salons der englischen Romantik", in: Subversive Romantik, ed. Klaus Lubbers/Patricia Plummer (Berlin: Duncker und Humblot, 2003).
Saisonarbeit - Integration - Bildung. Sardische Industriearbeiterinnen in einem Großunternehmen in Hessen
Projektleitung: Dr. Marianne Schmidbaur, Prof. Dr. Joachim Schroeder
Kooperationspartner_innen: Claudia Zaccai (Universität Rom, La Sapienza), Maren Gag (passage gGmbH, Hamburg)
Projektmitarbeiter_in: Ottavia Nicolini
Laufzeit: Juli - Dezember 2011
Derzeit sind in Deutschland jährlich etwa 300.000 Menschen als Saisonarbeiter und -arbeiterinnen vor allem in der Landwirtschaft, aber auch im Tourismus und Gastronomie sowie in der Industrie tätig. Bis heute gibt es jedoch keine Forschung, welche die Herstellung und strukturelle Verankerung von 'Geschlecht' in dem Phänomen 'Saisonarbeit', in dessen Rekrutierungsmuster und Arbeitsbedingungen, in Erwartungen und Erfahrungen von SaisonarbeiterInnen und in den Auswirkungen auf Herkunfts- und Zielländer systematisch untersucht.
In einem deutsch-italienischen, interdisziplinären und multiperspektivischen Forschungsverbund analysiert dieses Forschungsprojekt an einem exemplarischen Beispiel Gender-Dimensionen der Saisonarbeit, deren sozialräumliche Einbettung sowie mögliche bildungs- und integrationspolitische Interventionen im Generationenvergleich und im Vergleich verschiedener Gruppen von Migrantinnen. Die Pilotstudie befasst sich mit Saisonarbeiterinnen in einem italienischen Unternehmen in einer mittelhessischen Kleinstadt, das aufgrund produktionsbedingter Abläufe seit seiner Ansiedelung in Hessen im Jahr 1955 Saisonarbeitskräfte einstellt. Rekrutiert werden diese Saisonarbeiterinnen traditionell in einer bestimmten Region auf Sardinien. Die Anwerbung der Frauen dort erfolgt über 'Flüsterpropaganda' sowie über einen Anwerber, der zu den Familien geht und dort - gleichsam per Handschlag - die Saisonarbeit der Töchter vereinbart. Darüber hinaus wird der Job quasi 'vererbt', d.h. von Generation zu Generation weitergegeben. Das bedeutet, dass heute zum Teil die Enkelinnen derjenigen Frauen dort arbeiten, die in den 1950er Jahren mit dieser Beschäftigung begonnen haben. Eine erste Annäherung an das Feld erbrachte irritierende Informationen und Beobachtungen. Die vertiefte Analyse dieses Fallbeispiels verspricht weit reichende theoretische wie empirische Aufschlüsse zum Zusammenhang von Saisonarbeit, Integration, Bildung und Geschlecht.
Im Rahmen einer Anschubfinanzierung durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst wird ein Drittmittelantrag erarbeitet.
Islamischer Feminismus. Diskussionen zu Frauenrechten und Islam
Feministische Reinterpretationen des Qur’an und der Sunna sind untrennbar mit dem so ge-nannten "Islamischen Feminismus" verbunden, einem zunächst analytischen Begriff, der von Wissenschaftlerinnen zur Beschreibung von Frauenbewegungen im islamischen Raum ver-wendet wurde, sich dann aber schnell zu einem politischen und religiösen Programm von Ak-tivistinnen entwickelte. Der islamische Feminismus stellt einen dritten Weg zwischen säkularer Frauenbewegung und religiöser Orthodoxie bzw. fundamentalistischer Revitalisierung dar und begründet die Legitimität des Kampfes um Frauenrechte und Geschlechtergleichheit aus einer eigenen Interpretation der sakralen Texte des Islam.
Das "neue Lesen" des Qur’an und die feministische Auseinandersetzung mit der islamischen Überlieferung ist gleichermaßen ein theologisches wie ein politisches Projekt, das weit über eine frauenrechtliche Perspektive hinausgeht. Es ist mit demokratischen Reformbewegungen innerhalb der islamischen Welt verwoben und wird von Akteuren und Akteurinnen getragen, die sich einem Vorrücken islamistischer Positionen genauso verweigern wie einer westlich-säkularen Definition von Moderne. Ausdruck dieser umfassenden politischen Ambition ist das gesellschaftspolitische Engagement der meisten Vertreter/innen des feministischen Islam für Transformationen herrschender normativer Ordnungen, insbesondere hinsichtlich des Rechts und der Politik. In islamischen Ländern engagieren sich die Aktivist/innen sich für Pluralismus, demokratische Erneuerung und interreligiösen Dialog, in Europa und den USA kämpfen sie gegen islamophobische Vorurteile.
Buchprojekt im Rahmen des Exzellenzclusters "Herausbildung normativer Ordnungen"
Re-defining gender in contemporary Indonesia. Empowerment strategies of Muslim and secular women activists
Projektmitarbeiter_innen: Monika Arnez (2008-09), Ricarda Gerlach (2009-10)
Das Projekt dient der Erforschung relevanter Debatten um die Neudefinition von Geschlechterrollen in Indonesien seit der Demokratisierung im Jahr 1998, die zunehmend an Schärfe gewinnt und die Gesellschaft polarisiert. Während Liberale für Geschlechtergleichheit votieren und "Women’s empowerment"-Programme sogar in religiösen Institutionen implementieren konnten, fordern muslimische Prediger und Politiker die Durchsetzung restriktiver Geschlechternormen und die Implementierung islamischen Rechts. Gewalttätige Übergriffe auf Frauen im öffentlichen Raum nehmen zu, besonders dort, wo die shari’a eingeführt wurde. In dieser gespannten Situation versuchen säkulare und muslimische Frauenorganisationen emanzipative Gegenpositionen zu entwickeln und Vorstellungen von Geschlechtergerechtigkeit durchzusetzen, die sich an Zielsetzungen der Vereinten Nationen orientieren. Anhand einer vergleichenden empirischen Untersuchung der wichtigsten Organisationen soll sichtbar gemacht werden, wie Aktivistinnen "Gender Mainstreaming" definieren und umsetzen, wie sie diese Agenda "islamisieren", welche Allianzen sie schließen und wie sie ihre Einflussmöglichkeiten optimieren.
Monika Arnez <monika_arnez@yahoo.de>
Ricarda Gerlach <rgerlach@em.uni-frankfurt.de>
CEDAW on the ground - Transformationen von Geschlechterordnungen in Syrien, Marokko und Palästina
Projektmitarbeiter_innen: Alewtina Schuckmann, Sonia Zayed, Stephanie Michel
Laufzeit: 1.7.2011 - 30.1.2012
Ziel des Vorhabens ist eine ethnologische Erforschung aktueller Transformationen von Geschlechterverhältnissen in Syrien, Marokko und Palästina, die im Zusammenhang mit der UN-Konvention zur Eliminierung aller Formen von Diskriminierung von Frauen ("Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women", CEDAW) stehen.
Das Projekt soll staatliche und nichtstaatliche Maßnahmen der Umsetzung von CEDAW im Hinblick auf rechtliche, politische und kulturelle Wandlungsprozesse analysieren und dabei dezidiert auf konfiktive Diskurse (religiös vs. säkular, liberal vs. konservativ, national/lokal vs. transnational) fokussieren. Ausgehend von der These, dass Gender als soziale und kulturelle Konstruktion in dynamischen Kontexten entsteht und veränderbar ist (Mae / Saale 2007), werden kulturelle Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit ebenso in den Blick genommen wie unterschiedliche Formen nationalstaatlicher und religiöser Rhetorik. Ferner soll der Frage nachgegangen werden, auf welche Geschlechtermodelle sich zivilgesellschaftliche Akteurinnen in den jeweiligen Kontexten berufen und wie diese möglicherweise durch Programme internationaler Geberorganisationen beeinflusst werden. Untersucht werden soll weiterhin, ob und unter welchen Umständen Implementierungen von CEDAW Erfolge zeigen, d.h. traditionelle Modelle von Geschlechterungleichheit verändern und Möglichkeiten einer gesellschaftlichen Partizipation von Frauen verbessern, und unter welchen Umständen sie als "westlich" abgelehnt werden oder sogar neokonservative Gegenbewegungen (islamistische Frauenbewegungen) hervorrufen.
Ideen- und Kulturtransfers um 1900: Transnationale Dimensionen der deutschen bürgerlichen und proletarischen Frauenbewegung
Projektleitung: PD Dr. Ulla Wischermann
Projektmitarbeiter_in: Petra Pommerenke, MA
Frauenbewegungen waren schon um 1900 in einem überraschend großen Ausmaß über Ländergrenzen hinweg untereinander vernetzt. Große internationale Zusammenschlüsse entwickelten eine beachtliche Mobilisierungskraft, waren (frauen)politisch aktiv und durchaus von (allgemein)politischer Brisanz. Das Forschungsprojekt arbeitet die transnationale Dimension der deutschen historischen Frauenbewegungen um 1900 heraus. Leitend ist dabei der Blick auf die Transfer- und Verflechtungsprozesse zwischen transnationalen und nationalen Ebenen und deren Bedeutung für Entwicklungen und Mobilisierungen in der deutschen Frauenbewegung. Es handelt sich um ein Vorprojekt für eine soziologisch-historische Studie, die sich mit dem Instrumentarium der sozialen Bewegungsforschung den wichtigsten Organisationen der transnationalen Frauenbewegung und ihrer deutschen Beteiligung widmet.
Petra Pommerenke <pommerenke@nordcam.de>
Ernährung im Fokus der Politik: Eine intersektionale Analyse der Ernährungs-, Körper- und Gesundheitsvorstellungen im aktuellen Diskurs um Übergewicht und Adipositas
Projektmitarbeiter_in: Mica Wirtz, MA
Seit einigen Jahren stehen das Ernährungs-, Körper und Gesundheitsverhalten der Deutschen zunehmend im Fokus staatlicher Politik. Im Mai 2007 verkündeten die Bundesgesundheits-ministerin Ulla Schmidt und der damalige Ernährungs-, Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer das Regierungsprogramm Gesunde Ernährung und Bewegung – Schlüssel für mehr Lebensqualität, das auf die Kurzformel Fit statt Fett gebracht durch die Presse ging, und im Juni 2008 wurde von den bereits genannten Ministerien der Nationale Aktionsplan IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung vorgelegt. Gestützt auf statistische Daten kommt es seitdem vermehrt zu normativen Aussagen darüber, was als normal-, unter- oder übergewichtiger Körper angesehen wird und was als ›gesunder Lebensstil‹ gilt. Mittels eines intersektionalen Ansatzes wird in diesem Forschungsprojekt untersucht, welche Vorstellungen von Ernährung, Körper und Gesundheit neuerdings als Leitbilder gesetzt werden, wie diese geschlechtlich, klassenspezifisch, ethnisch codiert sind und ob bzw. wie sich diese Codierungen miteinander verwoben sind. Dazu werden durch eine Diskursanalyse zum einen die staatlichen Programme und zum anderen ihre Rezeption in den großen Tageszeitungen (BILD, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tageszeitung, Frankfurter Rundschau und Süddeutsche Zeitung) untersucht.
Gefördert durch das Programm "Kleinere Projekte zur Frauen- und Genderforschung" der Goethe-Universität
PD Dr. Ulla Wischermann <wischermann@soz.uni-frankfurt.de>
Mica Wirtz <m.wirtz@soz.uni-frankfurt.de>
Projektmitarbeiter_in: Annette Kirschenbauer, Dipl. Kauffrau, Dipl. Soziologin
Es gibt Anzeichen dafür, dass Männer und Frauen, mit und ohne Kinder, in den Industrieländern zunehmend an einem besseren Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben interessiert sind und dem Faktor "Zeit" mehr Wert beimessen. Dem entgegenstehen die Anforderungen, die den Berufstätigen in der modernen Arbeitswelt abverlangt werden. Die Rede ist von Zeitdruck, Arbeitsintensivierung, Mobilität, sich ständig verändernden und stetig wachsenden Anforderungen. Außerdem setzen die meisten Arbeitgeber für das berufliche Fortkommen nach wie vor eine Vollzeiterwerbstätigkeit voraus. Immer mehr Menschen empfinden den Erwartungsdruck aus der Wirtschaft und ihre Vorstellungen von einem guten (Familien-)Leben nicht mehr als deckungsgleich. So kommt es unweigerlich zu Diskrepanzen zwischen Bedürfnissen von Arbeitnehmer/innen und den bisherigen wirtschaftlichen Anforderungen. Hier setzt das Forschungsprojekt an: Wie - so wird gefragt - können diese Diskrepanzen ausgeglichen werden und wie könnte eine intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben überhaupt aussehen? Vielleicht trägt gerade die rasante Entwicklung der Informationstechnologie (Informatisierung) dazu bei, dass neue Potentiale für Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelten entstehen.
Das Forschungsprojekt will zum einen den Erwartungen, Bedürfnissen und Vorstellungen von Männern und Frauen hinsichtlich ihrer "Work-Life-Balance" nachgehen. Zum anderen sollen mit der Informatisierung verbundene neue Möglichkeiten zur Gestaltung, bzw. Vereinbarkeit von Arbeit und Leben ausgelotet werden.
Annette Kirschenbauer <AnKirschen@aol.com>
Letzte Änderung am	10.11.2015

References: EuGH 
 § 16
 Art. 3
 Art. 6
 § 16
 Art. 6
 Art. 3