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Timestamp: 2020-08-10 01:53:06+00:00

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In Dubio Pro Pädo | Focus über Pädophile | Kinder im Herzen
In Dubio Pro Pädo | Focus über Pädophile
15. September 2019 • 5 Minuten
An diesem Tag startet meine neue Medien-Kritik-Kolumne. Und der Focus lieferte mir mir dem Artikel "Gestörtes Verlangen: In Deutschland leben 250.000 pädophile Männer" vor wenigen Tagen den perfekten Start.
Was die Autorin Petra Apfel ritt, mit Blick auf die Vorwürfe der Kinderpornographie gegen den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder all ihre journalistische Sorgfaltspflicht zu vergessen und sich zu Beleidigungen gegenüber Pädophilen, ob unschuldig oder nicht, hinreißen zu lassen ("gestörtes Verlangen") und ihre Anzahl als eine Bedrohung aufzufassen, als wären sie eine Seuche, vor der man Angst haben sollte, lässt sich natürlich nicht sagen. Ein Geschmäckle hat es allerdings definitiv. Um sachlich zu bleiben.
Doch worin bestehen die Kritikpunkte im Enzelnen?
Dass ein ziemlich plakatives Symbolbild genutzt wird, um dem Leser oder der Leserin auch symbolhaft die Gefahr, die von uns ausgehen soll, zu verdeutlichen, ignoriere ich an dieser Stelle mal. Denn das ist ja mittlerweile Habitus unter vielen Journalisten geworden.
In Dubio Pro Pädo
In Dubio Pro Pädo ist die Medienkritik-Kolumne von Ilytul. Journalistische Erzeugnisse, die sich undifferenziert oder gar böswillig gegenüber Pädophile äußern, werden hier analyisert und kritisiert. Aber auch positive Erzeugnisse werden hier analysiert. Solltest Du einen Artikel haben, der Deiner Ansicht nach analysiert gehört, kannst Du Dich hier melden.
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Der erste und wichtigste Kritikpunkt lässt sich auf der Metaebene betrachten: Es gibt einen bekannten Ex-Fußballer, ihm wird etwas Abscheuliches vorgeworfen. Dann wird zu diesem Anlass ein Artikel gezaubert, der die Leserinnen und Leser darüber aufklären möchte, dass es Schätzungen zufolge etwa 250.000 Pädophile in Deutschland gibt. Ohne zu wissen, ob Metzelder, dem hier indirekt unterstellt wird, einer zu sein, überhaupt einer ist geschweige denn die Anschuldigungen überhaupt zutreffen. Eine journalistische Sorgfalt, die der Pressekodex vorsieht, erkenne ich hier nicht. Schlimmer noch: Die gesellschaftliche Empörung über eine mutmaßliche Tat, die, sollte sie denn zutreffen, wirklich abscheulich ist, wird hier, ob so gewollt oder nicht, benutzt, um sämtliche Pädophile als Menschen mit einem "gestörten Verlangen" zu denunzieren, sich über sie zu erheben. Man mag ja von der Neigung halten, was man möchte, aber Frau Apfel sollte mal ernsthaft darüber nachdenken, wie sich Menschen fühlen, die zufälligerweise pädophil sind und hier in einem Medium mit großer Reichweite in einen Topf mit einem Menschen geworfen werden, der mutmaßlich eine moralisch verwerfliche wie auch strafbewehrte Tat begangen hat.
Ein anderer Kritikpunkt geht nicht nur an die Autorin, sondern an den Wissenschaftler Andrej König, den Frau Apfel im Artikel zu Wort kommen lässt. Ich bin selbst kein Wissenschaftler, doch wie man als Autorin eine als Fakt präsentierte Aussage veröffentlichen kann, die auf einer Annahme besteht, die in keiner Weise belegt werden kann, erschließt sich mir nicht. Noch weniger erschließt sich mir, weshalb Herr König, der sich selbst Psychologe schimpft, nicht selbst auf den Trichter gekommen ist.
„Die meisten pädophilen Männer laden sich mehrere Tausend Dateien mit kinderpornographischen Inhalten aus dem Netz, oft ohne zu wissen, welche Abbildungen im Einzelnen dabei sind.“ (Andrej König)
Um diese Aussage, die hier als Fakt dargestellt wird, treffen zu können, muss man wissen, wieviele Pädophile es gibt und wieviele davon Kinderpornographie konsumieren. Und die letzte Zahl muss mehr als die Hälfte der ersten Zahl, also 50%, betragen. Wenn wir jetzt auf Basis der rein vermuteten 250.000 Pädophilen in Deutschland ausegehen, müssen demnach mehr als 125.000 Täter kinderpornographische Schriften konsumiert haben. Schauen wir uns doch mal die polizeiliche Kriminalstatistik an: Die offizielle Kriminalstatistik des BKA aus dem Jahre 2018 spricht von 2303 Fällen, also nicht einmal einem Prozent (0,92%) der geschätzten Pädophilen. Soll: mind. 125.001 Täter - Ist: 2303 Täter. Wieviele davon überhaupt pädophil und wieviele einfach nur sich am Leid von Kindern ergötzende Arschlöcher sind, geht aus dieser Zahl nicht hervor.
Wie Herr König so seriös über "die meisten pädophilen Männer" reden kann, die sich "mehrere Tausend Dateien mit kinderpornographischen Inhalten aus dem Netz laden", ist mir schleierhaft. Ein Erklärungsansatz: Als Forensiker ist er tagtäglich mit Straftätern konfrontiert, da kann das Weltbild gut und gerne mal aus den Fugen geraten. Doch davon sollte sich ein professioneller Wissenschaftler freimachen können. Dass er anschließend dann doch einigen Pädophilen generös zugesteht, keine Straftaten zu begehen, bleibt so nichts Anderes als eine Ansammlung hohler Worte, obwohl er damit eigentlich den Kern trifft.
Anschließend muss Frau Apfel den Leserinnen und Lesern natürlich noch einbläuen, dass jeder nette Nachbar von nebenan einer dieser "Verlangensgestörten" sein könnte, und dass man nichts tun könne, um sie zu erkennen.
Nein, da sie sich genau in dem gesellschaftlichen Umfeld aufhalten, wo wir alle leben. Die meisten Übergriffe finden in der unmittelbaren Umgebung statt und die wenigsten werden justizbekannt.
Ehrlich gesagt, habe ich an der Stelle aufgehört zu lesen. Selbst wenn ab diesem Punkt nur noch gut recherchierte Wahrheiten kommen, machen sie den Braten auch nicht mehr fett. Wir Non Offender wurden nämlich jetzt wieder erfolgreich mit Menschen in einen Topf geworfen, die grausame Taten begehen. Wohlgemerkt anhand eines Mannes, der noch nichtmal erwiesen schuldig ist. Das macht die Sache noch perfider. Und sollte in irgendeinem Kopf angekommen sein, dass wir vielleicht doch nicht willenlose Monster sind, die sich an der nächstbesten Straßenecke das nächstbeste Kind schnappen, sondern dass zwischen Neigung und tatsächlichem Übergriff einiges geschehen muss, so ist in diesem Kopf nun wieder erfolgreich das Gegenteil angekommen. Dieses Framing beschert nun wieder bei vielen Leserinnen und Lesern wunderbares Kopfkino, es wurde wieder erfolgreich eine Verbindung zwischen Straftaten und Neigung hergestellt, vielen Dank Frau Apfel, vielen Dank Herr König. Bleibt zu hoffen, dass genug Menschen verstehen werden, was hier für ein Spiel gespielt wird.
Sirius • 11 Monate her
Pädophilie ist ein männliches Phänomen
Weil es auch gar keine weiblichen Pädophilen gibt, nicht war Ruby? :D
Über die Symbolbilder müsste man mal einen eigenen Beitrag machen… klischeebehafteter geht es jedenfalls kaum mehr.
ilytul • 11 Monate her
Ja, könnte man vielleicht machen. Hast Du das schon vor? Oder darf ich? :D
Ich bin noch am Sammeln von Artikeln mit besonders "schönen" Symbolbildern. Wir können ja auch beide was dazu schreiben.
Vielleicht kooperativ. Wäre eine gute Idee :)
Ruby • 11 Monate her
Höhö, ich bin ein Mann :o Oder mich gibt es eigentlich gar nicht...Du solltest dir echt mal über deine Partnerwahl Gedanken machen, werter Sirius.
Also nicht Rubricappula, sondern Rubricappulus?
Buzz • 11 Monate her
Ich bin gerade vor dem Bild erschrocken. Inhaltlich kann ich dazu nicht viel sagen. Vorverurteilung ist schlimm, allerdings muss man auch sagen das sich viele Pädokriminelle den Deckmantel gesellschaftlichen Engagements verleihen um sich zu tarnen. Der Gedanke kam mir als erstes bei der Vielzahl von Gebieten in denen Christoph Metzelder für Kinder aktiv ist. Das bleibt letztlich aber Spekulation.
Genau, es bleibt Spekulation. Und selbst wenn es bei ihm so ist, dann bleibt der Artikel dennoch eine unfassbare Pauschalisierung aller rechtschaffenen Pädos, die Kindern niemals etwas antun würden. Namentlich z.B. Dir, mir und alle anderen Non Offender

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