Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IV%20R%2053/11
Timestamp: 2020-02-18 21:28:49+00:00

Document:
BFH, 04.12.2014 - IV R 53/11 - dejure.org
https://dejure.org/2014,45387
BFH, 04.12.2014 - IV R 53/11 (https://dejure.org/2014,45387)
BFH, Entscheidung vom 04.12.2014 - IV R 53/11 (https://dejure.org/2014,45387)
BFH, Entscheidung vom 04. Dezember 2014 - IV R 53/11 (https://dejure.org/2014,45387)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2014,45387) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Keine Anwendung des § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG auf Index-Partizipationszertifikate - Definition des "Termingeschäfts"
§ 15 Abs. 4 Satz 3 des Einkommensteuergesetzes, § ... 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG, § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG, § 15 Abs. 4 EStG, § 164 Abs. 2 der Abgabenordnung, § 68 der Finanzgerichtsordnung (FGO), § 68 FGO, §§ 121, 100 FGO, § 118 Abs. 2 FGO, § 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FGO, § 10d EStG, § 22 Nr. 2 EStG, § 15 EStG, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 EStG, § 764 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, § 15 Abs. 4 Sätze 1 und 2 EStG, § 764 BGB, § 23 EStG, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 EStG, § 2 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG), § 1 des Kreditwesengesetzes (KWG), § 2 WpHG, § 1 KWG, § 2 Abs. 2 WpHG, § 1 Abs. 11 KWG, § 1 Abs. 11 Satz 4 Nr. 1 KWG, § 1 Abs. 11 Satz 3 Nr. 1 KWG, § 2 Abs. 2 Nr. 1 WpHG, § 23 Abs. 1 Nr. 4 EStG, § 20 Abs. 2 Nrn. 3 und 7 EStG
§ 15 Abs 4 S 3 EStG 1997 vom 24.03.1999, § 6 Abs 1 Nr 2 EStG 1997, § 6 Abs 1 Nr 4 EStG 1997, § 23 Abs 1 S 1 Nr 4 EStG 2002, § 15 Abs 4 S 3 EStG 2002
Keine Anwendung des § 15 Abs. 4 S. 3 EStG auf Index-Partizipationszertifikate - Definition des "Termingeschäfts"
Keine Anwendung des § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG auf Index-Partizipationszertifikate
Index-Partizipationszertifikate kein "Termingeschäft"
BFHE 248, 57
BStBl II 2015, 483
Zur Erfassung des Inhalts einer Norm darf sich der Richter dieser verschiedenen Auslegungsmethoden gleichzeitig und nebeneinander bedienen (vgl. z.B. BFH-Urteile in BFHE 243, 69, BStBl II 2014, 135, Rz 23, und vom 04.12.2014 - IV R 53/11, BFHE 248, 57, BStBl II 2015, 483, Rz 20, jeweils m.w.N.).
Der Bescheid vom 20. Februar 2003 stellt vielmehr lediglich eine wiederholende Verfügung dar, die nach § 68 FGO zum Verfahrensgegenstand wurde (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 4. Dezember 2014 IV R 53/11, BFHE 248, 57, BFH/NV 2015, 412).
Danach sind Termingeschäfte Verträge über Wertpapiere, vertretbare Waren oder Devisen nach gleichartigen Bedingungen, die von beiden Seiten erst zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt zu erfüllen sind und die zudem eine Beziehung zu einem Terminmarkt haben, der es ermöglicht, jederzeit ein Gegengeschäft abzuschließen (BFH-Urteil in BFHE 248, 57, BStBl II 2015, 483; BGH-Urteile vom 22. Oktober 1984 II ZR 262/83, BGHZ 92, 317, und vom 16. April 1991 XI ZR 88/90, BGHZ 114, 177).
Soweit sich nach Auffassung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags der Begriff des Termingeschäfts an dem in § 2 des Gesetzes über den Wertpapierhandel (Wertpapierhandelsgesetz) i.d.F. der Bekanntmachung vom 9. September 1998 (BGBl I 1998, 2708) --WpHG-- und § 1 KWG definierten Begriff orientieren sollte (BTDrucks 14/443, S. 28 f.), ist festzustellen, dass weder § 2 WpHG noch § 1 KWG in ihren vorgenannten Fassungen eine Definition des Termingeschäfts enthielten (BFH-Urteil in BFHE 248, 57, BStBl II 2015, 483).
Nicht anders ist die gleichlautende Regelung in § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG 1999 zu verstehen, welcher --mit Ausnahme der nicht übernommenen Ausdehnung auf Aktienzertifikate und Optionsscheine gemäß § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG 1999 (dazu BFH-Urteil in BFHE 248, 57, BStBl II 2015, 483)-- einen identischen Wortlaut hat.
BFH, 28.11.2019 - IV R 28/19
Denn § 68 FGO ist mit Rücksicht auf den Zweck der Vorschrift auch auf wiederholende Verfügungen anwendbar (z.B. BFH-Urteil vom 04.12.2014 - IV R 53/11, BFHE 248, 57, BStBl II 2015, 483, m.w.N.).
Der Senat entscheidet aufgrund seiner Befugnis aus den §§ 121 und 100 FGO auf der Grundlage der verfahrensfehlerfrei zustande gekommenen und damit nach § 118 Abs. 2 FGO weiterhin bindenden tatsächlichen Feststellungen des FG gleichwohl gemäß § 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FGO in der Sache, da der Änderungsbescheid hinsichtlich des streitigen Sachverhalts keine Änderungen enthält und die Sache spruchreif ist (z.B. BFH-Urteil in BFHE 248, 57, BStBl II 2015, 483, m.w.N.).
Den Begriff des Termingeschäfts habe der Bundesfinanzhof (BFH) hierbei in seinem Urteil vom 4. Dezember 2014 (IV R 53/11, Bundessteuerblatt [BStBl] II 215, 483) im Wege der Auslegung ermittelt.
Mithin unterfielen diese Zertifikate auch nach den Urteilsgrundsätzen des BFH (Urteil vom 4. Dezember 2014, a.a.O.) dem Begriff des Termingeschäfts i.S.d. § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG.
Diese (Negativ-) Abgrenzung zum Termingeschäft wird auch bei der steuerrechtlichen Begriffsbestimmung herangezogen (z.B. zum zertifikatbezogenen Kassageschäft;… s. zum Ganzen: BFH-Urteil vom 21. Februar 2018 I R 60/16, BStBl II 2018, 637, Rn. 17 - 22 m.w.N.; vgl. auch BFH-Urteil vom 4. Dezember 2014 IV R 53/11, BStBl II 2015, 483).
Insoweit ist die vom BFH für Index-Zertifikate vertretene Auffassung zu berücksichtigen (vgl. Urteil vom 4. Dezember 2014 IV R 53/11, BStBl II 2015, 483), der der erkennende Senat folgt und deren Argumente - auch wenn die betroffenen Papiere nicht identisch sind - auch hier zutreffen.
Der BFH weist in seinem Urteil vom 4. Dezember 2014 (IV R 53/11, BStBl II 2015, 483) zudem zu Recht darauf hin, dass § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG nicht der Zweck zugrunde liegt, "Besteuerungslücken bei Spekulationsgewinnen im Betriebsvermögen" allgemein und unabhängig von den zivilrechtlichen Charakteristika eines Fest- oder Optionsgeschäfts zu schließen.
Einer solchen Regelung hätte es nicht bedurft, wenn Zertifikate generell als Termingeschäft aufzufassen wären (s. zum Ganzen BFH-Urteil vom 4. Dezember 2014 IV R 53/11, BStBl II 2015, 483).
Insoweit ist maßgebend für die Interpretation eines Gesetzes der in ihm zum Ausdruck kommende objektivierte Wille des Gesetzgebers (vgl. z.B. BVerfG-Beschluss vom 9.11.1988 1 BvR 243/86, BVerfGE 79, 106, m.w.N.; BFH-Urteile vom 4.12.2014 IV R 53/11, BStBl II 2015, 483; vom 21.10.2010 IV R 23/08, BStBl II 2011, 277).
Der Feststellung des zum Ausdruck gekommenen objektivierten Willens des Gesetzgebers dienen die Auslegung aus dem Wortlaut der Norm (grammatikalische Auslegung), aus dem Zusammenhang (systematische Auslegung), aus ihrem Zweck (teleologische Auslegung) sowie aus den Gesetzesmaterialien und der Entstehungsgeschichte (historische Auslegung); zur Erfassung des Inhalts einer Norm darf sich der Richter dieser verschiedenen Auslegungsmethoden gleichzeitig und nebeneinander bedienen (z.B. BFH-Urteil vom 4.12.2014 IV R 53/11, BStBl II 2015, 483, m.w.N.).
Diese (Negativ-)Abgrenzung zum Termingeschäft (z.B. Ebel, FR 2013, 882, 884) wird auch bei der steuerrechtlichen Begriffsbestimmung herangezogen (s. z.B. zum zertifikatbezogenen Kassageschäft BFH-Urteil in BFHE 248, 57, BStBl II 2015, 483; s.a. BFH-Beschluss vom 24. April 2012 IX B 154/10, BFHE 236, 557, BStBl II 2012, 454; Ebel, ebenda; Johannemann/Reiter, Deutsches Steuerrecht 2015, 1489, 1492 f.; Intemann in Herrmann/Heuer/Raupach, § 15 EStG Rz 1541; Blümich/Bode, § 15 EStG Rz 655;… Reiß in Kirchhof, EStG, 17. Aufl., § 15 Rz 418a; Beermann, EFG 2017, 418; Jochum in Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 20 Rz D/3 12 und D/3 16: Maßgeblichkeit der Handelstechnik).
Der geänderte Gewerbesteuermessbescheid vom 30. Oktober 2012 ist nach § 68 der Finanzgerichtsordnung (FGO) Gegenstand des anhängigen Verfahrens geworden (…vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 14. April 2011 IV R 36/08, BFH/NV 2011, 1361;… vom 26. Juni 2014 IV R 51/11, BFH/NV 2014, 1716; vom 4. Dezember 2014 IV R 53/11, BFHE 248, 57, BStBl II 2015, 483).
Vor diesem Hintergrund unterscheiden sich diese Papiere auch maßgeblich von den Index-Partizipationszertifikaten, die der BFH im Urteil vom 4.12.2014 (IV R 53/11, BStBl II 2015, 483) im Rahmen des § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG nicht als Termingeschäfte beurteilt hat.
FG Niedersachsen, 24.10.2013 - 6 K 404/11
Verlust aus der Veräußerung von Zertifikaten auf Aktien als Kosten der …

References: § 15

§ 15
 § 15
 § 23
 § 15
 § 164
 § 68
 § 68
 § 118
 § 126
 § 10
 § 22
 § 15
 § 23
 § 764
 § 15
 § 764
 § 23
 § 23
 § 2
 § 1
 § 2
 § 1
 § 2
 § 1
 § 1
 § 1
 § 2
 § 23
 § 20

§ 15
 § 6
 § 6
 § 23
 § 15
 § 15
 § 15
 § 68
 § 2
 § 1
 § 2
 § 1
 § 15
 § 23
 § 68
 § 118
 § 126
 § 15
 § 15
 § 15
 § 15
 § 15
 § 20
 § 68
 § 15