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Anwaltschaft fu r Menschenrechte und Vielfalt
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1 Schriftenreihe Anwaltschaft fu r Menschenrechte und Vielfalt Zwo lf Beiträge zur anwaltlichen Praxis Band 42 Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt3 Band Schriftenreihe Anwaltsblatt 4 im Auftrag des Deutschen Anwaltvereins Redaktion: herausgegeben von der Rechtsanwältin und Dr. Nicolas Lührig den Rechtsanwälten Udo Henke Edith Kindermann, Ulrich Schellenberg Manfred Aranowski Herbert P. Schons, Prof. Dr. Heinz Josef Willemsen Rechtsanwälte4 MN DeutscherAnwaltVerein Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt Zwölf Beiträge zur anwaltlichen Praxis5 Die Publikation wird im Rahmen des Projekts Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt des Deutschen Instituts für Menschenrechte veröffentlicht. Zielsetzung des Projekts ist es, durch Qualifizierungs- und Vernetzungsangebote einerseits zur Diversity-Kompetenz beizutragen und andererseits die Anwaltschaft für arbeitsmarktbezogene Formen von Diskriminierungen zu sensibilisieren, um dadurch auch strukturelle Barrieren beim Zugang zum Arbeitsmarkt abzubauen. Das dreijährige Projekt (2012 bis 2014) wird im Rahmen des Bundesprogramms XENOS Integration und Vielfalt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. ISBN G Deutscher Anwaltverein, Berlin, 2014 Verlag: Deutscher Anwaltverlag, Wachsbleiche 7, Bonn Druck: Hans Soldan Druck GmbH, Essen6 Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt Die Menschenrechte stehen nicht für sich alleine. Sie sind Bestandteil nahezu jedes Rechtsgebiets und damit auch für jede Anwältin und jeden Anwalt relevant. Dies zeigt der vorliegende Band Anwaltschaft für Menschenrechte sehr gut. Vom Strafrecht über das Sozialrecht bis hin zum Wirtschaftsrecht bieten das Grundgesetz, die Europäische Menschenrechtskonvention und die verschiedenen UN-Menschenrechtsverträge viel Potential, das die Anwaltschaft ausschöpfen kann zum Nutzen ihrer Mandantinnen und Mandanten, aber ebenso zum Wohle der Gesellschaft als solcher. Denn häufig hat ein Mandat über den Einzelfall hinausreichende Wirkung. Sei es, dass auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte eine Änderung des nationalen Rechts erfolgt, sei es, dass eine gesellschaftliche Diskussion entsteht. Auch dies ist ein Erfolg, der nicht gering zu bewerten ist. Mehr noch als Gesetzesl Vorwort Anwältinnen und Anwälte verhelfen dem Recht zur Durchsetzung. Sie treten dafür ein, dass gleiche Rechte für alle gelten und ermöglichen jeder und jedem einen gleichen Zugang zum Recht. Die Kenntnis der rechtlich verbindlichen und einklagbaren Menschenrechte ist dafür unabdingbar. Hier setzt dieser dritte Band der Schriftenreihe des Anwaltsblatts an. Gemeinsam mit dem Projekt Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt des Deutschen Instituts für Menschenrechte will der Deutsche Anwaltverein die Menschenrechte stärker in den Fokus der anwaltlichen Praxis aber auch von Studium und Referendariat rücken. Denn insbesondere in der juristischen Ausbildung kommen die Menschenrechte bisher zu kurz. Die Grundrechte des Grundgesetzes sind zwar Teil des Pflichtprogramms. Über die Europäische Menschenrechtskonvention und die verschiedenen Menschenrechtsverträge im Rahmen der UN in Deutschland ebenfalls geltendes Recht erfährt jedoch meist nur etwas, wer sich hierfür bereits interessiert und einen entsprechenden Schwerpunkt setzt. 57 l Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt änderungen ist eine solche Debatte Voraussetzung für eine Entwicklung der gesellschaftlichen Kultur hin zu mehr Respekt für Menschenrechte. Anwältinnen und Anwälte gestalten diesen gesellschaftlichen Wandel mit. Sie sind es, die die Fälle ihrer Mandantinnen und Mandanten vor nationale und internationale Gerichte und andere Foren bringen und dort mit den Menschenrechten argumentieren. Möge Ihnen der vorliegende Band der Schriftenreihe des Anwaltsblatts hierfür neue Impulse geben. Prof. Dr. Wolfgang Ewer, Kiel Rechtsanwalt Präsident des Deutschen Anwaltvereins 68 Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt l Vorwort Der vorliegende Sammelband wurde vom Deutschen Institut für Menschenrecht in Kooperation mit dem Deutschen Anwaltverein im Rahmen des Projektes Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt erstellt. Das Modellprojekt entwickelte von 2012 bis 2014 menschenrechtliche Qualifizierungs- und Informationsangebote speziell für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Die Anwaltschaft spielt eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung der Menschenrechte und der Herstellung des wirksamen Zugangs zum Recht für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen. Dies gilt in dramatischer Weise für menschenrechtsverletzende Regimes, in denen Anwältinnen und Anwälte als Menschenrechtsverteidiger selbst Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden, weil ihnen zum Beispiel willkürliche Haft und Folter drohen. Dies gilt aber auch für Deutschland, wo strukturelle Barrieren beim Zugang zum Recht und die mangelnde Kenntnis internationaler Verpflichtungen dazu führen können, dass Betroffene ihre Rechte nicht vor Gericht durchsetzen können. In Gerichtsverfahren in Deutschland kann die Berufung auf einschlägige internationale oder europäische Menschenrechtsabkommen für eine erfolgreiche Rechtsdurchsetzung ausschlaggebend sein sei es im arbeitsrechtlichen, sozialrechtlichen, verwaltungsrechtlichen oder sonstigen Verfahren. Nach Erschöpfung des deutschen Rechtswegs können Anwältinnen und Anwälte in geeigneten Fällen auch die internationalen Rechtsbehelfe zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte oder zu den Fachausschüssen der Vereinten Nationen in Betracht ziehen. Wie die Menschenrechte für die unterschiedlichsten praktischen Fallkonstellationen der anwaltlichen Arbeit in Deutschland relevant werden, hat das Deutsche Institut für Menschenrechte im Rahmen einer Serie von 79 l Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt Beiträgen im Anwaltsblatt aufgezeigt vom Niederschlag der UN-Behindertenrechtskonvention in der deutschen Sozialrechtsprechung bis zum Kindeswohlprinzip, von der Einklagbarkeit wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte bis zum Racial Profiling durch die Bundespolizei. Weitere Beiträge informieren über die internationalen und europäischen Beschwerdewege und Rechtsbehelfe. Geklärt werden auch grundsätzliche Fragen, die sich bei jeder Berufung auf internationale Menschenrechte in einem Verfahren vor deutschen Gerichten stellen, etwa nach der Geltung und Anwendbarkeit der Rechte im deutschen Recht oder dem Schutzumfang der Rechtsgewährleistungen. Die Beiträge dieser Serie präsentiert der vorliegende Sammelband gebündelt und in aktualisierter Form. Wir hoffen, dass der Band Anwältinnen und Anwälte zum Stöbern und zum Nachschlagen einlädt. Deutsches Institut für Menschenrechte Prof. Dr. Beate Rudolf Dr. Petra Follmar-Otto Direktorin Abteilungsleiterin Menschenrechtspolitik Inland/ Europa 810 Inhaltsverzeichnis Der Schutzumfang der Europäischen Menschenrechtskonvention 11 Professor Dr. Beate Rudolf und Rechtsanwalt Stefan von Raumer Die Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 29 Professor Dr. Beate Rudolf und Rechtsanwalt Stefan von Raumer Menschenrechtsverträge als Quelle von individuellen Rechten 45 Dr. Hendrik Cremer Diskriminierungsschutz aus den Menschenrechten 69 Dr. Nina Althoff Die UN-Behindertenrechtskonvention in der gerichtlichen Praxis 81 Dr. Valentin Aichele, LL.M. Das Individualbeschwerdeverfahren zu den UN-Fachausschüssen 95 Dr. Nina Althoff Kinderrechte und der Vorrang des Kindeswohls 105 Dr. Hendrik Cremer Diskriminierung wegen des Geschlechts ist mehr als Ungleichbehandlung 115 Professor Dr. Beate Rudolf Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte sind einklagbar! 125 Dr. Claudia Mahler 911 l Inhaltsverzeichnis Die Bedeutung der EGMR-Rechtsprechung für das deutsche Arbeitsrecht 135 Dr. Nina Althoff Das Verbot rassistischer Diskriminierung nach Art. 3 Abs. 3 GG 147 Dr. Hendrik Cremer Reform des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte eine Dauerbaustelle 159 Dr. Petra Follmar-Otto Autorinnen und Autoren12 Der Schutzumfang der Europäischen Menschenrechtskonvention Individuelle Freiheitsrechte, Verfahrensgarantien und Diskriminierungsverbote im Vergleich zum Grundgesetz * Professor Dr. Beate Rudolf und Rechtsanwalt Stefan von Raumer Die Grundrechte des Grundgesetzes sind Anwältinnen und Anwälten aus dem Studium vertraut. Doch welche individuellen Rechte lassen sich aus der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) ableiten? Der Beitrag skizziert die wichtigsten Unterschiede zwischen der deutschen Verfassung und dem Schutzumfang der völkerrechtlichen EMRK und stellt die Reichweite der Freiheitsrechte, der Verfahrensgarantien und der Diskriminierungsverbote in der EMRK im Überblick dar. I. Einleitung Dieser Beitrag soll einen Überblick über den Menschenrechtsschutz nach der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) im Vergleich zu dem Grundrechtsschutz des Grundgesetzes (GG) vermitteln. Eine eingehende Einführung in das Recht der EMRK und das Verfahren beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) bieten deutschsprachige Lehrbücher; 1 einen systematischen Zugriff auf die Rechtsprechung des EGMR ermöglichen deutschsprachige Handbücher 2 und Kommentare. 3 Die Entscheidungen des EGMR finden sich in der amtli- * Aktualisierte Version des unter demselben Titel veröffentlichten Aufsatzes in Anwaltsblatt 5/2009, Christoph Grabenwarter, Europäische Menschenrechtskonvention, 5. Aufl. 2012; Anne Peters / Tilmann Altwicker, Europäische Menschenrechtskonvention, 2. Aufl. 2012; Oliver Dörr/Christopher Lenz, Europäischer Verwaltungsrechtsschutz, Rainer Grote / Thilo Marauhn (Hrsg.), EMRK/GG Konkordanzkommentar, 2. Aufl. 2013; Mark Eugen Villiger, Handbuch zur EMRK, 2. Aufl Jens Meyer-Ladewig, EMRK-Handkommentar, 3. Aufl. 2011; leider z.t. lückenhaft die Loseblattsammlung von Wolfram Karl (Hrsg.), Internationaler Kommentar zur EMRK; Jochen Abr. Frowein / Wolfgang Peukert, EMRK-Kommentar, 3. Aufl13 l Professor Dr. Beate Rudolf und Rechtsanwalt Stefan von Raumer chen Sammlung des Gerichtshofes, sind aber auch im Internet kostenfrei zugänglich, 4 allerdings nur in den Amtssprachen Englisch und Französisch. Deutsche Übersetzungen wichtiger Entscheidungen werden regelmäßig in der Europäischen Grundrechte-Zeitschrift (EuGRZ) veröffentlicht; einige finden sich außerdem auf der Website des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz 5 und gelegentlich in der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW). 6 Seit 2008 existiert eine deutschsprachige Sammlung der Entscheidungen des EGMR, die systematisch die wichtigsten Urteile seit Beginn der Rechtsprechung des EGMR erfasst. 7 Hilfreich sind auch die Informationsblätter (fact sheets) des EGMR, in denen teilweise sogar in deutscher Sprache die relevante Rechtsprechung bezüglich eines bestimmten Themenfeldes überblicksartig zusammengestellt ist (z. B. zu Datenschutz, Zwangsarbeit, Gesundheit oder Religionsfreiheit). 8 II. Unterschiede zwischen EMRK und deutschem Grundrechtsschutz Wichtige Unterschiede zwischen der EMRK und dem deutschen Grundrechtsschutz ergeben sich aus dem Charakter der Konvention als einem völkerrechtlichen Vertrag und der Funktion des EGMR als überstaatliches Gericht. 4 mit komfortablen Suchfunktionen; Zitierweise: Die amtliche Sammlung der Entscheidungen des EGMR hat mehrfach den Namen gewechselt. Von war dies die Ser. A (Series A), von die RJD (Reports of Judgements and Decisions) und seit dem die ECHR (European Court of Human Rights Reports). (Noch) nicht veröffentlichte Urteile sind auf der o.g. Website des EGMR verfügbar. 5 unter Ministerium Abteilungen Öffentliches Recht Menschenrechte Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte. 6 Ein Fundstellennachweis findet sich unter 7 Erika Engel und Norbert Paul Engel (Hrsg.), Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte. Deutschsprachige Sammlung (EGMR-E). 8 Deutsche Fact Sheets unter 1214 Der Schutzumfang der Europäischen Menschenrechtskonvention l 1. Dimensionen der Konventionsrechte und Intensität der gerichtlichen Prüfung Wie die Grundrechte des Grundgesetzes begründen auch die Konventionsrechte Abwehrrechte gegen den Staat und zugleich staatliche Schutzpflichten, vom Gerichtshof als negative und positive Pflichten bezeichnet. Allerdings leitet der EGMR aus der Schutzpflicht in größerem Maße als das Bundesverfassungsgericht die Notwendigkeit her, strafrechtliche Sanktionen einzuführen. Er stellt nämlich nicht darauf ab, ob sich andere Mittel als wenig effektiv erwiesen haben. 9 Entscheidend ist vielmehr der hohe Rang eines Rechtsguts, etwa Würde, sexuelle Selbstbestimmung oder das Verbot der Sklaverei. 10 Gerade die Schutzpflichtendimension der Konventionsrechte ermöglicht es der Anwaltschaft, die EMRK trotz nicht bestehender Drittwirkung in Rechtsstreitigkeiten zwischen Privaten ebenfalls zu nutzen. Ähnlich wie das Bundesverfassungsgericht gesteht auch der EGMR dem Staat einen Beurteilungsspielraum bei der Entscheidung darüber zu, mit welchen Mitteln er seine Schutzpflichten erfüllt ( margin of appreciation ). Als Maßstab für die grundrechtskonforme Ausnutzung dieses Spielraums zieht das Bundesverfassungsgericht den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz heran. Der EGMR spricht von einem fairen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Interessen ( fair balance ), der hergestellt werden muss. Nach der EMRK besteht der Beurteilungsspielraum der staatlichen Organe auch bei der Erfüllung der negativen Pflichten, das heißt bei der Einschätzung, ob in Verfolgung eines (zulässigen) Zwecks in den Schutzbereich des Rechts eingegriffen werden darf und mit welchen Mitteln. Dies ergibt sich daraus, dass dem EGMR als überstaatlichem Gericht nur eine subsidiäre Funktion gegenüber dem nationalen Menschenrechtsschutz zukommt. 9 So BVerfGE 39, 1 (46 f.) Schwangerschaftsabbruch. 10 Z. B. Pflicht, häusliche Sklaverei strafrechtlich zu sanktionieren, EGMR, Siliadin./. Frankreich, , 73316/01, NJW 2007, 41 (44) oder sicherzustellen, dass Geschlechtsverkehr ohne die Zustimmung der betroffenen Person als Vergewaltigung bestraft wird, EGMR, M.C../. Bulgarien, , 39272/98. 1315 l Professor Dr. Beate Rudolf und Rechtsanwalt Stefan von Raumer Der Gerichtshof betont daher in ständiger Rechtsprechung den grundsätzlichen Vorrang der Einschätzung durch die innerstaatlichen Institutionen Gesetzgeber und Gerichte wegen deren größerer Nähe zu dem zu lösenden Problem. Eine erste Grenze zieht er indes mit dem Willkürverbot: Haben die innerstaatlichen Instanzen ihrer Entscheidung evident unzutreffende Einschätzungen zugrunde gelegt, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse missachtet oder in der Entscheidung Denkgesetze verletzt, so nimmt der EGMR eine eigene Bewertung vor. Darüber hinaus und hierin liegt ein weiterer wesentlicher sowie praktisch relevanter Unterschied zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts geht der EGMR davon aus, dass der staatliche Beurteilungsspielraum eingeschränkt ist, wenn ein gemeinsamer europäischer Standard besteht. Hierfür nimmt er einen wertenden Rechtsvergleich vor, bei dem er auch auf Entwicklungen in außereuropäischen Staaten blickt. Für die Anwältin oder den Anwalt bietet dies die Möglichkeit, nachteilige innerstaatliche Maßstäbe durch Verweis auf Entwicklungen in anderen Staaten Europas, auf europäisches Unionsrecht oder auf Richtlinien europaweiter nichtstaatlicher Institutionen, etwa von Berufsverbänden oder wissenschaftlicher Organisationen, zu überwinden. 2. Insbesondere: Sachverhaltsaufklärung und Rechtskontrolle durch den EGMR Aus der Subsidiarität des völkerrechtlichen Menschenrechtsschutzes folgen erhebliche Begrenzungen der Nachprüfungsbefugnis des EGMR in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht. Diese sind bei der anwaltlichen Prüfung, ob eine Beschwerde Aussicht auf Erfolg hat, zu berücksichtigen. 11 Der Gerichtshof ist keine Superberufungsinstanz; er legt in der Regel den vor den innerstaatlichen Gerichten ermittelten Sachverhalt zugrunde. Eine Grenze besteht allerdings dort, wo die Schlussfolgerungen der innerstaatlichen Gerichte entweder unvollständig oder nicht nachvollziehbar 11 Siehe ausführlich zur EGMR-Beschwerde: Beate Rudolf/ Stefan von Raumer, Die Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, in diesem Band. 1416 Der Schutzumfang der Europäischen Menschenrechtskonvention l sind und damit willkürlich erscheinen oder Beweisregeln angewendet wurden, die nicht auf das Verfahren vor dem EGMR zu übertragen sind. Kommt beispielsweise ein nationales Strafgericht wegen des Grundsatzes in dubio pro reo zum Freispruch eines Beamten, der der Misshandlung eines Gefangenen angeklagt ist, so folgt hieraus nicht zwingend, dass eine Menschenrechtsverletzung des Gefangenen nicht festgestellt werden kann. Vielmehr muss der Staat nachweisen, dass etwa der Gefangene die ärztlich attestierten körperlichen Verletzungen bereits vor der Inhaftierung hatte. 12 Hält der Gerichtshof aufgrund der ihm vorgelegten Unterlagen den Sachverhalt nicht für hinreichend aufgeklärt oder die Sachverhaltsfeststellungen innerstaatlicher Stellen für willkürlich, so kann er eigene Ermittlungen durchführen. Diese reichen von der Anhörung von Zeugen und Sachverständigen bis hin zu, allerdings noch selteneren, fact finding missions in dem betroffenen Staat. Die Subsidiarität wirkt sich auch auf den Umfang aus, in dem der EGMR die Beachtung innerstaatlichen Rechts kontrolliert. Einige Rechte verweisen nämlich in den Schrankenbestimmungen auf das innerstaatliche Recht. So müssen beispielsweise Beschränkungen der Meinungsfreiheit gesetzlich vorgesehen sein (Art. 10 Abs. 2) und Eigentum darf nur unter den durch Gesetz vorgesehenen Bedingungen entzogen werden (Art.1 Abs. 1 des 1. Zusatzprotokolls, ZP). Hier versteht sich der Gerichtshof nicht als Revisionsinstanz, sondern prüft lediglich, ob sich der Gesetzesverstoß als willkürlich erweist Auslegung der EMRK Als völkerrechtlicher Vertrag unterliegt die EMRK den völkerrechtlichen Auslegungsregeln der Wiener Vertragsrechtskonvention (Art ). Diese sind mit den innerstaatlichen Auslegungsmethoden insoweit identisch, als sie die Wortlautauslegung, die systematische Auslegung und die 12 Grundlegend hierzu: EGMR, Ronald Ribitsch./. Österreich, , 18896/91, EuGRZ 1996, 504 und Rudolf, EuGRZ 1996, Villiger (Fn. 2), Rdnr17 l Professor Dr. Beate Rudolf und Rechtsanwalt Stefan von Raumer teleologische Auslegung umfassen. Hingegen gilt die historische Auslegung ausdrücklich nur als ergänzendes Auslegungsmittel, wenn die anderen Auslegungsmethoden zu keinem oder keinem sinnvollen Ergebnis führen. Bei der Wortlautauslegung ist zu berücksichtigen, dass sie sich nur auf die völkerrechtlich verbindlichen Fassungen der Konvention, also ihre englische und französische Version, beziehen darf. Die dort verwendeten Begriffe haben freilich nicht den Inhalt, den sie nach englischem oder französischem Recht hätten, sondern sind autonom auszulegen. Das bedeutet, dass sie einen eigenständigen Inhalt haben, der im Lichte der von der EMRK verfolgten Zwecke zu ermitteln ist. Dabei ist die Konvention auch im Einklang mit bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen der Vertragsstaaten auszulegen. 14 Der EGMR zieht internationale Menschenrechtsverträge sogar in Verfahren gegen Staaten heran, die die entsprechende Konvention noch nicht ratifiziert haben. 15 Im Rahmen der teleologischen Auslegung ist bedeutsam, dass der EGMR die Konvention und ihre Protokolle dynamisch auslegt. Der Gerichtshof geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass die EMRK nach ihrer Zielsetzung ein lebendiges Instrument des Menschenrechtsschutzes ist. Sie soll also auch vor Menschenrechtsverletzungen schützen, die bei Schaffung der Konvention nicht als solche angesehen wurden. So hat der EGMR beispielsweise die Pflicht zur Abschaffung der Prügelstrafe in britischen Schulen 16 oder der Strafbarkeit von einvernehmlichen homosexuellen Handlungen zwischen einwilligungsfähigen Erwachsenen 17 oder die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften als Familie 18 begründet. Auch vor neu entstandenen Bedrohungen, etwa infolge des medizinischen Fortschritts, gewährt die EMRK nach diesem Verständnis Schutz. So hatte der Gerichtshof etwa zu entscheiden, ob eine Frau ein Recht auf in-vitro-fertilisation mit dem Sperma ihres ehemaligen Lebensgefährten hat, der zwischenzeitlich seine Zustimmung zurückgezogen 14 EGMR, Opuz./, Türkei, , 33401/ EGMR, Glor./. Schweiz, , 13444/04 (Heranziehung der UN-Behindertenrechtskonvention). 16 EGMR, Tyrer./. Vereinigtes Königreich, , 5856/72, EGMR, Dudgeon./. Vereinigtes Königreich, , 7525/76, EGMR, Schalk und Kopf./. Österreich, , 30141/04, 93f. 1618 Der Schutzumfang der Europäischen Menschenrechtskonvention l hatte. 19 Gerade bei solchen neuen Bedrohungen, aber auch generell in Fragen der Moral, erkennt der EGMR zwar den Staaten einen weiten Beurteilungsspielraum zu. Dieser verkleinert sich aber, wie gesehen, wenn bereits ein gemeinsamer europäischer Standard existiert. Aus anwaltlicher Sicht bietet dies die Möglichkeit, im Rahmen von strategischen Prozessen über den Gerichtshof verkrustete nationale Einschätzungen aufzubrechen. Innerhalb der teleologischen Auslegung der Konvention ist schließlich hervorzuheben, dass die Rechte so auszulegen sind, dass sie effektiv sind. Daraus folgt, dass die Staaten die geschützten Rechte auch durch wirksame Mechanismen absichern müssen. In Betracht kommt etwa die Pflicht zur Untersuchung behaupteter Menschenrechtsverletzungen durch Amtsträger, 20 oder verfahrensrechtliche Sicherungen wie etwa zur Nachprüfung der Höhe einer Enteignungsentschädigung 21 oder Kontrollbefugnisse, um die Verweigerung einer gesetzlich unter bestimmten Voraussetzungen zulässigen Abtreibung zu verhindern. 22 III. Prüfung einer Konventionsverletzung Die EMRK und ihre Zusatzprotokolle enthalten Freiheitsrechte, Diskriminierungsverbote und Verfahrensgarantien. Außerdem dürfen die Vertragsstaaten die Ausübung des Beschwerderechts zum EGMR (Art. 34) nicht behindern. Ein Verstoß hiergegen kann ebenfalls mit der Individualbeschwerde geltend gemacht werden, da Art. 34 nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs ein eigenes, rügefähiges Individualrecht begründet. 19 EGMR (GC), Evans./. Vereinigtes Königreich, , 6339/05, NJW 2008, EGMR, McCann./. Vereinigtes Königreich, , 18984/91, Ser. A 324, EGMR, Hentrich./. Frankreich, , 13616/88, EuGRZ 1996, EGMR, Tysiaç./. Polen, , 5410/03, 113,19 l Professor Dr. Beate Rudolf und Rechtsanwalt Stefan von Raumer 1. Freiheitsrechte a) Struktur Für die Prüfung, ob eine Individualbeschwerde vor dem EGMR wegen Verletzung eines Freiheitsrechts in Frage kommt, bietet sich das der Anwaltschaft vertraute Schema Schutzbereich Eingriff Schranke an. Der Eingriff kann in einem aktiven Tun liegen (Verletzung einer negativen Pflicht des Staates) oder im Unterlassen gebotener Schutzmaßnahmen (Verletzung einer positiven Pflicht). Zu berücksichtigen ist weiter, dass das Folterverbot (Art. 3) und das Verbot der Sklaverei (Art. 4) 23 absolut gelten, eine Rechtfertigung also unmöglich ist. Einige Rechte enthalten ausdrückliche Schranken, andere implizite Beschränkungsmöglichkeiten, die sich aus dem Recht des Staates zur gesetzlichen Ausgestaltung eines Sachbereichs ergeben (zum Beispiel Eherecht, Art. 12). Ein Eingriff in Eigentum im Sinne des Art. 1 des 1. ZP etwa ist ausdrücklich nur auf gesetzlicher Grundlage, im öffentlichen Interesse und in der Regel gegen angemessene Entschädigung zulässig. Soweit eine Beschränkung ein erlaubtes ( legitimes ) Ziel verfolgt, muss sie schließlich auch verhältnismäßig sein. Hier kann die aus dem deutschen Recht vertraute dreistufige Prüfung (geeignet erforderlich angemessen) erfolgen. Im Rahmen der Verhältnismäßigkeitsprüfung ist neben dem staatlichen Beurteilungsspielraum (oben II.1.) zu bedenken, dass die Konvention keinen allgemeinen Gleichheitssatz enthält. Gleichwohl hat der EGMR anerkannt, dass die EMRK vor willkürlichen Rechtsbeeinträchtigungen schützt. 24 Soweit sich eine gleichheitswidrige Rechtsverletzung als willkürlich erweist, muss sie die Anwältin oder der Anwalt also auf der Stufe der Verhältnismäßigkeit innerhalb der Rüge der Verletzung eines Konventionsrechts geltend machen. Voraussetzung dafür ist, dass die willkürliche Rechtsverletzung in den Schutzbereich eines der Konventionsrechte 23 Dieses wird in Deutschland im Zusammenhang mit Haushaltssklaverei und Zwangsverheiratungen relevant. 24 Vgl. etwa EGMR (GC), Dickson./. Vereinigtes Königreich, , 44362/04, 44, Beck RS 2008,20 Der Schutzumfang der Europäischen Menschenrechtskonvention l fällt. So konnte sich der EGMR mit der Stiefkindadoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren befassen, weil es um eine Ungleichbehandlung in Bezug auf das Recht auf Familienleben ging. 25 b) Schutzbereich wichtiger Freiheitsrechte Die Freiheitsrechte der EMRK umfassen Fundamentalgarantien, Rechte der Person, Kommunikationsgrundrechte, Freizügigkeit und Aufenthaltsrechte und den Eigentumsschutz. Die Fundamentalgarantien umfassen das Recht auf Leben (Art. 2), das Folterverbot (Art. 3) und das Verbot der Sklaverei (Art. 4). Auffällig ist das Fehlen einer ausdrücklichen Menschenwürdegarantie und eines Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit. Beides hat der Gerichtshof indes aus Art. 3 hergeleitet; diese Norm verbietet neben Folter auch jede unmenschliche oder erniedrigende Strafe oder Behandlung. 26 Auf diese Weise können etwa Haftbedingungen oder eine unzureichende strafrechtliche Ermittlung bei Misshandlungsvorwürfen überprüft werden, die Zustände in medizinischen Einrichtungen, aber auch die unzureichende Kontrolle von Pflegeeltern durch Jugendämter. Praktisch bedeutsam ist zudem, dass der EGMR den Schutz durch Art. 3 auf Fälle ausdehnt, in denen der betroffenen Person vorhersehbar im Ausland eine Verletzung droht, also etwa bei Auslieferung oder Abschiebung. 27 Für den Schutz der persönlichen Lebensgestaltung erfüllt Art. 8 (Schutz des Privat- und Familienlebens) eine zentrale Funktion. Das Recht auf Privatleben ist dabei mit Art. 2 Abs. 1 GG vergleichbar; es fungiert einerseits als Garantie der allgemeinen Handlungsfreiheit und hat sich andererseits zu einem allgemeinen Persönlichkeitsrecht entwickelt. Der Schutzbereich des Privatlebens umfasst den Schutz der Privatsphäre, also von Korrespondenz, individueller und Telekommunikation, persönlichen Daten sowie 25 EGMR (GC), X und andere./. Österreich, , 19010/ Z. B. EGMR, Valasinas./. Litauen, , 44558/98, ECHR 2001-VIII, 102; allg. Meyer-Ladewig, NJW 2004, EGMR, Soering./. Vereinigtes Königreich , 14038/88, EuGRZ 1989, 314 = NJW 1990, 2183; EGMR, Chahal./. Vereinigtes Königreich, , 22414/93, NVwZ 1997,21 l Professor Dr. Beate Rudolf und Rechtsanwalt Stefan von Raumer das Recht am eigenen Bild. Es schützt aber auch vor körperlichen Eingriffen, die nicht die Schwelle des Art. 3 erreichen sowie die persönliche und sexuelle Selbstbestimmung, zum Beispiel im Zusammenhang mit Selbsttötung, Abtreibung, Sexualleben oder Geschlechtsumwandlung. Als Form der allgemeinen Handlungsfreiheit umfasst das Recht auf Privatleben alle Entscheidungen über die eigene Lebensführung, einschließlich der privaten und beruflichen zwischenmenschlichen Beziehungen einer Person. Folgerichtig erstreckt der Gerichtshof es auch auf die Wahl und Ausübung eines Berufs. 28 Schließlich ergibt sich aus der staatlichen Pflicht zum Schutz des Privatlebens sogar ein begrenztes Recht auf Umweltschutz, nämlich auf Schutz der Wohnung vor schädlichen Immissionen. 29 Das Recht auf Familienleben schützt nicht nur bestehende Familien, sondern begründet auch ein Recht darauf, biologische Verwandtschaft zu sozialen familiären Bindungen zu entwickeln. In diesem Sinne hat der EGMR beispielsweise die Rechte nichtehelicher Väter etwa auf Umgang mit ihren Kindern gestärkt. Mittlerweile versteht der Gerichtshof unter Familie auch gleichgeschlechtliche Beziehungen. Die Kommunikationsgrundrechte der EMRK sind die Meinungs- und Pressefreiheit (Art. 10) sowie die Versammlungs- und die Vereinigungsfreiheit (Art. 11). Kunst- und Wissenschaftsfreiheit werden nicht ausdrücklich garantiert, sind aber von Art. 10 umfasst. 30 Gerade im Bereich der Meinungs- und Pressefreiheit hat der EGMR eine differenzierte Rechtsprechung zur Abwägung dieses Rechts mit dem Persönlichkeitsschutz entwickelt. 31 Hier sind das Informationsinteresse der Öffentlichkeit auch 28 EGMR, Niemietz./. Deutschland, , 13710/88, EuGRZ 1993, 65 = NJW 1993, 718; EGMR, Sidabras & Diautas./. Litauen, , 55480/00 und 59330/00, ECHR 2004-VIII, 47 f.; EGMR, Schüth./. Deutschland, , 1620/03; hierzu: Nina Althoff, Die Bedeutung der EGMR-Rechtsprechung für das deutsche Arbeitsrecht, in diesem Band oder in Anwaltsblatt 8+9/2013, EGMR, López Ostra./. Spanien, , 16798/90, EuGRZ 1995, 530; zuletzt EGMR, Fadeyeva./. Russland, , 55723/00, ECHR 2005-IV, 68 ff. 30 Für Kunstfreiheit: EGMR, Müller u.a../. Schweiz, , 10737/84, EuGRZ 1988, 543; für Wissenschaftsfreiheit: EGMR, Hertel./. Schweiz, , 25181/94, RJD 1998-VI = GRUR Int 1999, 156; EGMR, Wille./. Liechtenstein, , 28396/95, ECHR 1999-VII, 8, 36 ff. 31 Um die Abwägung der Persönlichkeitsrechte und der Meinungs- bzw. Pressefreiheit ging es beispielsweise im Fall Brosa./, Deutschland ( , 5709/09), in dem der EGMR die Meinungsfreiheit von Anti-Neonazi-Aktivisten stärkte. 2022 Der Schutzumfang der Europäischen Menschenrechtskonvention l an bloßer Unterhaltung mit dem Recht gerade auch prominenter Personen auf Privatsphäre abzuwägen. Dabei nimmt das Gewicht der Meinungs- und Pressefreiheit zu, je mehr die Äußerung einen Beitrag zur politischen Diskussion leistet. Die Meinungsfreiheit vermag auch das Recht zur Kündigung eines Arbeitnehmers zu begrenzen. 32 Die Garantie der Vereinigungsfreiheit ermöglicht es dem EGMR auch, Parteiverbote zu überprüfen. In Art. 1 des 1. ZP zur EMRK ist der Schutz des Eigentumsrechts verankert. Er geht insoweit über das deutsche Verfassungsrecht hinaus, als der EGMR auch Ansprüche auf Sozialleistungen, die nicht an eine vorausgehende eigene Beitragsleistung gebunden sind, als geschützte Vermögensposition ansieht. 33 Ein interessantes anwaltliches Anwendungsfeld eröffnet auch sich dadurch, dass der Schutzbereich des Art. 1 des 1. ZP neben tatsächlichem Eigentum schon bloße Rechtsansprüche auf Eigentum als Eigentumsposition schützt, und das in viel stärkerem Maße, als dies etwa bei Art. 14 GG der Fall ist. Nach der Rechtsprechung des EGMR ist eine Eigentumsposition im Sinne der Konvention bereits dann gegeben, wenn eine legitimate expectation auf den Erhalt von Eigentum besteht. Geschützt ist dabei allerdings nicht die bloße Hoffnung auf den Erhalt von Eigentum. 34 Eine legitimate expectation liegt aber dann vor, wenn ein nach nationaler Rechtslage bzw. Rechtsprechung anerkannter und grundsätzlich einklagbarer Rechtsanspruch auf Verschaffung einer Eigentumsposition im Sinne der Konvention besteht. Voraussetzung hierfür ist anders als bei Art. 14 Abs. 1 GG nicht etwa das Bestehen eines dinglichen Anwartschaftsrechts. Da der EGMR sich nicht als Prüfungsinstanz des nationalen Rechts ansieht, stellt er bei der Frage, ob eine legitimate expectation vorliegt, in der Regel auf die nationale Rechtsprechung und deren Auslegung des nationalen Gesetzesrechts ab. Haben die deutschen Gerichte einen Rechtsanspruch auf Eigentum verneint, liegt also in der Regel bereits keine 32 EGMR, Heinisch./. Deutschland, , 28274/08; hierzu: Althoff (Fn. 28). 33 EGMR (GC), Stec und andere./. Vereinigtes Königreich, , 65731/01 und 65900/01, Zur Abgrenzung EGMR (GC), Maltzan u. a../. Deutschland, , 71916/01 u.a., EuGRZ 2005, 305 m. w. Nachw. 21 Mehr anzeigen
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References: Art. 3
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 Art. 34
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 Art. 12
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 Art. 13
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de lege ferenda
de lege lata
de lege ferenda
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