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Timestamp: 2020-08-03 09:42:36+00:00

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Der Bundesgerichtshof und das KapMuG-Musterverfahren | Rechtslupe
Der Bun­des­ge­richts­hof ist nicht Pro­zess­ge­richt im Sin­ne des § 8 Abs. 1 Satz 1 Kap­MuG.
Eine Aus­set­zung des Revi­si­ons­ver­fah­rens nach § 8 Abs. 1 Satz 1 Kap­MuG zu dem Zweck, die (hier allein rele­van­te) Klä­rung einer Rechts­fra­ge im Mus­ter­ver­fah­ren abzu­war­ten, kommt ohne Rück­sicht dar­auf nicht in Betracht, ob das Land­ge­richt Frank­furt am Main den Vor­la­ge­be­schluss in Über­ein­stim­mung mit den for­mel­len und mate­ri­el­len Vor­ga­ben der §§ 1, 6 Kap­MuG gefasst hat. Die Zulas­sung von Rechts­fra­gen als Gegen­stand des Mus­ter­ver­fah­rens dient dem Ziel, eine höchst­rich­ter­li­che Klä­rung sol­cher Fra­gen, die eine Viel­zahl von Ein­zel­fäl­len betref­fen, her­bei­zu­füh­ren [1]. Die­sem Ziel lie­fe es zuwi­der, wenn der zur Klä­rung grund­sätz­li­cher Fra­gen zuvör­derst beru­fe­ne (§ 543 Abs. 2 Satz 1, § 574 Abs. 2 ZPO) Bun­des­ge­richts­hof ver­pflich­tet wäre, Indi­vi­du­al­ver­fah­ren aus­zu­set­zen und eine Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts im Mus­ter­ver­fah­ren abzu­war­ten [2].
Aus § 22 Abs. 1 Satz 1 Kap­MuG ergibt sich nichts ande­res. Die Bestim­mung regelt die Bin­dungs­wir­kung des Mus­ter­ent­scheids in den nach § 8 Abs. 1 Kap­MuG aus­ge­setz­ten Ver­fah­ren und damit die Rechts­fol­gen der Aus­set­zung, nicht deren Vor­aus­set­zung.
Davon abge­se­hen lie­gen im hier ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs die Bedin­gun­gen für eine Aus­set­zung nach § 8 Abs. 1 Satz 1 Kap­MuG nicht vor. Ein ori­gi­när nicht mus­ter­ver­fah­rens­fä­hi­ger Rechts­streit darf nicht über die Aus­set­zung zur Teil­nah­me am Mus­ter­ver­fah­ren bestimmt wer­den [3]. Zwar ist durch § 1 Abs. 1 Nr. 2 Kap­MuG in der Fas­sung des Geset­zes zur Reform des Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­rens­ge­set­zes und zur Ände­rung ande­rer Vor­schrif­ten vom 19.10.2012 [4] der Anwen­dungs­be­reich des Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­rens­ge­set­zes erwei­tert wor­den. Jedoch setzt eine Aus­set­zung nach § 8 Abs. 1 Satz 1 Kap­MuG wei­ter­hin vor­aus, dass die gel­tend gemach­ten Kla­ge­an­sprü­che über­haupt Gegen­stand des Mus­ter­ver­fah­rens sein kön­nen. Ansprü­che, die wie hier vom Klä­ger auf die Ver­let­zung (vor)vertraglicher Rück­sicht­nah­me­pflich­ten, kon­kret eine unzu­rei­chen­de Über­prü­fung des Basis­werts einer Schuld­ver­schrei­bung, gestützt wer­den, wei­sen kei­nen hin­rei­chen­den Bezug zu einer fal­schen, irre­füh­ren­den oder unter­las­se­nen öffent­li­chen Kapi­tal­markt­in­for­ma­ti­on im Sin­ne des § 1 Kap­MuG auf [5].
KK-Kap­MuG/​Kruis, 2. Aufl., § 2 Rn. 60; vgl. auch BT-Drs. 15/​5091 S.20[↩]
im Ergeb­nis eben­so KK-Kap­Mu­G/­Kru­is, 2. Aufl., § 8 Rn. 8; aA zu § 7 Abs. 1 Satz 1 Kap­MuG in der Fas­sung vom 16.08.2005 [BGBl. I S. 2437] D. Ass­mann in Fest­schrift Voll­kom­mer, 2006, S. 119, 122; Gundermann/​Härle, VuR 2006, 457, 460; Hanisch, Das Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­rens­ge­setz, 2011, S. 401 f.; Mai­er-Rei­mer/­Wil­sing, ZGR 2006, 79, 97 mit Fn. 55; Reusch­le, WM 2004, 2334, 2336[↩]
BGH, Beschluss vom 08.04.2014 – XI ZB 40/​11, WM 2014, 992 Rn. 23[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 08.04.2014 aaO[↩]

References: § 8
 § 8
 § 574
 § 22
 § 8
 § 8
 § 1
 § 8
 § 1
 § 2
 § 8
 § 7