Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20C%2015/88
Timestamp: 2019-07-15 19:18:18+00:00

Document:
BVerwG, 16.10.1990 - 1 C 15.88 - dejure.org
https://dejure.org/1990,48
BVerwG, 16.10.1990 - 1 C 15.88 (https://dejure.org/1990,48)
BVerwG, Entscheidung vom 16.10.1990 - 1 C 15.88 (https://dejure.org/1990,48)
BVerwG, Entscheidung vom 16. Januar 1990 - 1 C 15.88 (https://dejure.org/1990,48)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1990,48) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Rechtsstellung der Staatenlosen - Reiseausweis - Aufenthaltsverfestigung - Staatenlosenübereinkommen - Aufenthaltserlaubnis
VG Sigmaringen, 25.06.1986 - 3 K 1968/85
VGH Baden-Württemberg, 20.08.1987 - 1 S 285/87
BVerwG, 18.02.1988 - 1 B 128.87
BVerwGE 87, 11
NJW 1991, 3109 (Ls.)
NVwZ 1991, 787
VBlBW 1991, 293
DVBl 1991, 270
Rechtmäßiger Aufenthalt im Hoheitsgebiet beinhaltet, wie der Senat zu der gleich lautenden Vorschrift des Art. 28 Satz 1 des Übereinkommens vom 28. September 1954 über die Rechtsstellung der Staatenlosen - StlÜbk - (BGBl II 1976 S. 473/ BGBl II 1977 S. 235) entschieden hat (Urteil vom 16. Oktober 1990 - BVerwG 1 C 15.88 - BVerwGE 87, 11 ), eine besondere Beziehung des Betroffenen zu dem Vertragsstaat durch eine mit dessen Zustimmung begründete Aufenthaltsverfestigung.
Wie der Senat wiederholt, zuletzt zum Übereinkommen vom 28. September 1954 über die Rechtsstellung der Staatenlosen (BGBl. 1976 II S. 473/1977 II S. 235) - StlÜbk - sowie zum Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 560/1954 II S. 619) - Genfer Konvention - GK - ausgesprochen hat, führt die Transformation eines völkerrechtlichen Vertrages durch ein Zustimmungsgesetz zur unmittelbaren Anwendbarkeit einer Vertragsnorm, wenn sie nach Wortlaut, Zweck und Inhalt geeignet und hinreichend bestimmt ist, wie eine innerstaatliche Vorschrift rechtliche Wirkung zu entfalten, also dafür keiner weiteren normativen Ausfüllung bedarf (BVerwGE 87, 11 (13) [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]; 88, 254 (257) [BVerwG 29.05.1991 - 8 C 67/89]; 89, 296 (299) [BVerwG 16.01.1992 - 2 C 30/90]; vgl. bereits BVerwGE 4, 309 (310 f.) [BVerwG 01.03.1957 - I C 80/55]; 49, 202 (207) [BVerwG 07.10.1975 - I C 46/75]; 80, 233 (235) [BVerwG 27.09.1988 - 1 C 52/87]; Urteil vom 13. Juni 1960 - BVerwG 1 C 214.58 - Buchholz 402.22 Art. 1 GK Nr. 6, S. 11; Beschluß vom 20. Februar 1987 - BVerwG 1 A 94.86 - Buchholz 402.24 § 7 AuslG Nr. 26, S. 4).
b) "Staatenloser" im Sinne des Art. 1 Abs. 1 StlÜbk ist eine Person, die kein Staat aufgrund seines Rechts als Staatsangehörigen ansieht, d. h. ein De-iure-Staatenloser (BVerwGE 87, 11 (14) [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]), nicht dagegen ein De-facto-Staatenloser (Urteile vom 10. Juli 1984 - BVerwG 1 C 30.81 - …und vom 27. September 1988 - BVerwG 1 C 20.88 - Buchholz 130 § 8 RuStAG Nr. 24, S. 36 bzw. Nr. 36, S. 41).
Diese Zustimmung ist nur zur Begründung eines rechtmäßigen Aufenthalts grundsätzlich erforderlich (vgl. BVerwGE 87, 11 (17 f.) [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]; 88, 254 (267) [BVerwG 29.05.1991 - 8 C 67/89]).
aa) Grundsätzlich ist der Aufenthalt eines Ausländers in der Bundesrepublik Deutschland nur dann rechtmäßig, wenn er von der zuständigen Ausländerbehörde erlaubt worden ist (BVerwGE 87, 11 (18) [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]).
Derartige Befreiungstatbestände sind andererseits geeignet, die in internationalen Vereinbarungen vorausgesetzte Rechtmäßigkeit des Aufenthalts zu begründen (so im Zusammenhang mit der Erteilung von Reiseausweisen nach Art. 28 Satz 1 StlÜbk: BVerwGE 87, 11 (18) [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]; zum erlaubten Aufenthalt nach Art. 6 a des Europäischen Fürsorgeabkommens: BVerwGE 75, 26 (30 f.) [BVerwG 16.09.1986 - 1 C 13/85]; für Art. 2 Nr. 2 AG-StlMindÜbk: OVG Münster, Beschluß vom 27. Februar 1990 - OVG 18 B 3231/89 - VGH Mannheim, InfAuslR 1990, 336; OVG Koblenz, Urteil vom 6. November 1990 - OVG 7 A 10111/89 -, insoweit nicht abgedruckt in: DVBl. 1991, 545).
Es entspricht vielmehr der ständigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, daß durch den Befreiungstatbestand des § 2 Abs. 2 Nr. 1 AuslG 1965 ein Aufenthaltsrecht festgelegt und der dort genannte Personenkreis Ausländern gleichgestellt wurde, die eine Aufenthaltserlaubnis besaßen (BVerwGE 85, 261 (264) [BVerwG 23.07.1990 - 9 B 87/90]; 87, 11 (18) [BVerwG 11.10.1990 - 2 C 46/88]; Urteil vom 31. Juli 1984 - BVerwG 9 C 156.83 - a.a.O.).
Diese durch Bundesgesetz in innerstaatliches Recht transformierte Vorschrift vermittelt dem einzelnen Staatenlosen gegenüber dem Vertragsstaat, in dem er sich aufhält, einen Rechtsanspruch auf Ausstellung des Reiseausweises, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990 -1 C 15.88- BVerwGE 87, 11 (13/14) m.w.N.).
Es genügt nicht seine tatsächliche Anwesenheit, selbst wenn sie dem Vertragsstaat bekannt ist und von diesem hingenommen wird (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (14)).
Die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts ergibt sich mangels eigener Bestimmungen im StlÜb oder in anderen einschlägigen völkerrechtlichen Abkommen grundsätzlich aus den für die Aufenthaltsnahme geltenden Rechtsnormen des jeweiligen Vertragsstaates (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (15)).
So war in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Inkrafttreten des AuslG n.F. am 1.1.1991 der Aufenthalt nur dann rechtmäßig, wenn er von der zuständigen Ausländerbehörde durch die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 2 Abs. 1 Satz 2 AuslG a.F. erlaubt worden ist (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (17/18)).
Die Erteilung einer Aufenthaltsgestattung "zur Durchführung des Asylverfahrens" (§§ 19ff. des Asylverfahrensgesetzes vom 16.7.1982 (BGBl. I S. 946), jetzt §§ 55ff. des Asylverfahrensgesetzes vom 26.6.1992 (BGBl. I S. 1126)) oder ein nach Beantragung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 2 Abs. 1 Satz 2 AuslG a.F. oder einer Aufenthaltsgenehmigung nach § 5 AuslG n.F. "bis zur Entscheidung der Ausländerbehörde" erlaubter Aufenthalt (§ 21 Abs. 3 Satz 1 AuslG a.F. und § 69 Abs. 3 Satz 1 AuslG n.F.) genügen nicht (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (20)).
Allerdings läßt sich der nach dem Vertragstext des StlÜb verbindlichen englischen und französischen Fassung ("lawfully staying" bzw. "residant regulierement"), die mit der deutschen Übersetzung "rechtmäßig aufhalten" zutreffend wiedergegeben wird (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (14/15)), vor allem bei einem Vergleich mit Art. 28 Satz 2 StlÜb ("in ihrem Hoheitsgebiet befindlichen") und Art. 26 StlÜb ("rechtmäßig in seinem Hoheitsgebiet befinden") entnehmen, daß nicht schon jede (rechtmäßige) Anwesenheit eines Staatenlosen im Bundesgebiet einen rechtmäßigen Aufenthalt darstellt, sondern eine "gewisse Aufenthaltsverfestigung" (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (14)) notwendig ist.
Bei Beachtung der als Ausdruck allgemeiner Regeln des Völkerrechts auf das StlÜb anwendbaren (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO (16)) Auslegungsregel des Art. 31 Abs. 1 und 2 des Wiener Übereinkommens über das Recht der Verträge vom 23.5.1969 (BGBl. II S. 926; BGBl. 1987 II S. 757) -WVK-, nach der ein Vertrag nach Treu und Glauben in Übereinstimmung mit der gewöhnlichen, seinen Bestimmungen in ihrem Zusammenhang (u.a. Vertragswortlaut samt Präambel und Anlagen) zukommenden Bedeutung und im Lichte seines Zieles und Zweckes auszulegen ist, schließt die Formulierung "aufhalten" aber keine ständige Niederlassung oder eine für eine Einbürgerung erforderliche Aufenthaltsdauer, sondern lediglich ein nicht nur vorübergehendes Verweilen im Hoheitsgebiet des Vertragsstaates ein.
Denn schon mit Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung hat der Staatenlose "die Schwelle der staatlichen Souveränität" überschritten und kann er die an einen rechtmäßigen Aufenthalt geknüpften Gewährleistungen des StlÜb in Anspruch nehmen (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (17)).
Würde der rechtmäßige Aufenthalt eines Staatenlosen gegenüber dem allgemeinen Aufenthaltsrecht der Bundesrepublik Deutschland gesteigerten Anforderungen (ständige Niederlassung, Ausschluß einer Aufenthaltsbeendigung und in Betracht zu ziehende Einbürgerung) unterworfen, würde das StlÜb mit Blick auf dessen Zwecke und die Ziele (…siehe dazu Bleckmann/Helm, aaO. (147/148 u. 150/151); Rossen, aaO. (22)) nicht vertragskonform gehandhabt (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (17)).
Nach Art. 28 Satz 1 StlÜbk, einer Vorschrift, aus der ein Ausländer im Falle ihrer Anwendbarkeit unmittelbar Rechtsansprüche herleiten kann (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, BVerwGE 87, 11 (13/14) m.w.N.), stellen die Vertragsstaaten den Staatenlosen, die sich rechtmäßig in ihrem Hoheitsgebiet aufhalten, Reiseausweise aus, die ihnen Reisen außerhalb dieses Hoheitsgebietes gestatten, es sei denn, daß zwingende Gründe der Staatssicherheit oder der öffentlichen Ordnung dem entgegenstehen.
Die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts ergibt sich mangels eigener Bestimmungen im StlÜbk oder in anderen einschlägigen völkerrechtlichen Abkommen grundsätzlich aus den für die Aufenthaltsnahme geltenden Rechtsnormen des jeweiligen Vertragsstaates (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (15)).
So war in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Inkrafttreten des Ausländergesetzes vom 9. Juli 1990 (BGBl. I S. 1354, 1356) -AuslG- am 1. Januar 1991 der Aufenthalt nur dann rechtmäßig, wenn er von der zuständigen Ausländerbehörde durch die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 2 Abs. 1 Satz 2 des Ausländergesetzes vom 28. April 1965 (BGBl. I S. 353) -AuslG 1965- erlaubt worden ist (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (17/18)).
Denn selbst wenn ihr Aufenthalt mangels einer Entscheidung der Beklagten über ihren Verlängerungsantrag noch als erlaubt gälte, begründete dies keinen rechtmäßigen Aufenthalt im Sinne des Art. 28 Satz 1 StlÜbk (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO. (20)).
Denn ein Verbleiben im Bundesgebiet aufgrund rechtlicher oder tatsächlicher Abschiebungshindernisse reicht zur Begründung eines rechtmäßigen Aufenthaltes nicht aus (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO.; Kemper, ZAR 1992, 112 (116)).
Schließlich wird der Aufenthalt der Klägerin auch nicht allein durch deren mittlerweile fünfjährige Dauer rechtmäßig, auch wenn sie schon längere Zeit erlaubt eine unselbständige Erwerbstätigkeit im Bundesgebiet ausübt (BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO.).
Denn erst mit der Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung wird die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts i.S. des Art. 28 Satz 1 StlÜbk begründet und die Voraussetzung für die Erteilung eines Reiseausweises nach dieser Bestimmung geschaffen (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO.).
Die Vorschrift setzt daher im Gegensatz zu Art. 28 Satz 1 StlÜbk nicht voraus, daß sich der Staatenlose rechtmäßig im Hoheitsgebiet des Vertragsstaates aufhält, begründet aber keinen Anspruch des Staatenlosen auf Ausstellung des Reiseausweises, sondern stellt die Entscheidung darüber in das -gegebenenfalls durch die Wohlwollensklausel eingeschränkte- Ermessen der zuständigen Behörde (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO, …und Urt. v. 16.10.1990 Buchholz 402.27 Art. 28 Nr. 2;… VGH Bad.-Württ., Urt. v. 20.8.1987 InfAuslR 1987, 279 (281)).
Denn die Wohlwollensklausel kann hier ohnehin nicht zu einer Ermessensreduzierung führen, weil jedenfalls die weitere Voraussetzung, daß die Klägerin vom rumänischen Staat keinen Reiseausweis (dies kann auch ein anderes Ausweispapier sein, das ihr Reisen in andere Staaten ermöglicht, vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990 aaO.), erhalten kann, nicht erfüllt ist.
Nach Art. 28 Satz 1 StlÜbk, einer Vorschrift, aus der ein Ausländer im Falle ihrer Anwendbarkeit unmittelbar Rechtsansprüche herleiten kann (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, - 1 C 15.88 -, DVBl. 1991, 270), stellen die Vertragsstaaten den Staatenlosen, die sich rechtmäßig in ihrem Hoheitsgebiet aufhalten, Reiseausweise aus, die ihnen Reisen außerhalb dieses Hoheitsgebietes gestatten, es sei denn, daß zwingende Gründe der Staatssicherheit oder der öffentlichen Ordnung dem entgegenstehen.
Die Erteilung einer Aufenthaltsgestattung zur Durchführung des Asylverfahrens nach den Vorschriften des Asylverfahrensgesetzes vom 16.7.1982 (BGBl. I S. 946) -AsylVfG a.F.- oder einer Duldung (Aussetzung der Abschiebung) nach § 17 Abs. 1 AuslG a.F. genügte dafür ebensowenig wie die gesetzliche Fiktion eines vorläufig erlaubten Aufenthaltes nach Stellung eines Antrages auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 21 Abs. 3 Satz 1 AuslG a.F. (vgl. zum ganzen: BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO.;… VGH Bad.-Württ., Urt. v. 25.5.1988 -11 S 2402/86- …und Urt. v. 20.8.1987 -1 S 285/87-, InfAuslR 1987, 279).
In der nicht einmal ein Jahr währenden fortlaufenden Erteilung befristeter Duldungen kann auch keine "verkappte Aufenthaltserlaubnis" (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO) gesehen werden.
Denn auch diese Frage stellt sich unmittelbar nur auf der Ebene des Vollzugs von Maßnahmen zur Entfernung aus dem Bundesgebiet (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO.).
Schließlich wird der Aufenthalt des Klägers auch nicht allein durch dessen mittlerweile fast siebenjährige Dauer rechtmäßig, auch wenn er -wie dies in der Berufungsbegründung hervorgehoben wird- schon seit Jahren erlaubt eine unselbständige Erwerbstätigkeit im Bundesgebiet ausübt (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO.).
Denn erst mit der Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung könnte die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts i.S. des Art. 28 Satz 1 StlÜbk begründet und damit die Voraussetzung für die Erteilung eines Reiseausweises nach dieser Bestimmung geschaffen werden (…vgl. BVerwG, Urt. v. 4.6.1991 - 1 C 42.88 -, Buchholz 402.22 Art. 1 GK Nr. 21, S. 12/13, und Urt. v. 16.10.1990, aaO.).
Aber selbst wenn eine abweichende Beurteilung dann geboten sein sollte, falls der staatenlose Ausländer einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer solchen Aufenthaltsgenehmigung, insbesondere aufgrund einer Reduzierung eines der Ausländerbehörde eingeräumten Ermessens auf Null, hat (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO.), führte dies hier zu keiner für den Kläger günstigeren Entscheidung.
Die seit Abschluß des Asylverfahrens im Jahre 1989 mit weniger als vier Jahren verstrichene Zeit ist zu kurz, um anzunehmen, nach den gesamten Umständen des Falles sei die Ausländerbehörde nunmehr verpflichtet, den Aufenthalt des Klägers im Bundesgebiet durch Erteilung einer Aufenthaltsbefugnis zu regeln (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO.).
Die Vorschrift setzt daher im Gegensatz zu Art. 28 Satz 1 StlÜbk nicht voraus, daß sich der Staatenlose rechtmäßig im Hoheitsgebiet des Vertragsstaates aufhält, begründet aber keinen Anspruch des Staatenlosen auf Ausstellung des Reiseausweises, sondern stellt die Entscheidung darüber in das -gegebenenfalls durch die Wohlwollensklausel eingeschränkte- Ermessen der zuständigen Behörde (vgl. zum ganzen:: BVerwG, Urt. v. 16.10.1990, aaO, …und Urt. v. 16.10.1990 -1 C 51.88- Buchholz 402.27 Art. 28 Nr. 2;… VGH Bad.-Württ., Urt. v. 25.05.1988 und 20.08.1987, aaO.).
Mit der Umsetzung des Abkommens in innerstaatliches Recht haben Staatenlose, die die Voraussetzungen der Vorschrift erfüllen, einen unmittelbaren Anspruch gegen den Vertragsstaat auf Ausstellung des Ausweises (BVerwGE 87, 11 [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]).
Staatenloser ist danach eine Person, die kein Staat aufgrund seines Rechts als Staatsangehörigen ansieht, d.h. ein De-jure-Staatenloser (BVerwGE 87, 11 [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]), nicht dagegen ein De-facto-Staatenloser (BVerwGE 92, 116 [BVerwG 23.02.1993 - 1 C 45/90] m.w.N.).
Dem Vertragstext läßt sich mithin entnehmen, daß nicht jede (rechtmäßige) Anwesenheit eines Staatenlosen im Hoheitsgebiet bereits einen rechtmäßigen Aufenthalt darstellt (BVerwGE 87, 11 [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]).
Über den dadurch ausgelösten Wegfall der Voraussetzungen für die Erteilung des Reiseausweises kann der Senat selbst dann nicht hinweggehen, wenn - was in seiner Rechtsprechung bisher offengeblieben ist (BVerwGE 87, 11 [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]) - dem Staatenlosen ein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung zustehen sollte.
Diese Bestimmung dient nur der Durchsetzung des Paßzwangs, greift aber nicht ein, wenn die Paßerteilung Folge der Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung ist (Fraenkel, Einführende Hinweise zum neuen Ausländergesetz S. 49; BVerwGE 87, 11 [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]).
Die Vorschrift ist so bestimmt, dass sie nicht nur zwischenstaatliche Verpflichtungen begründet, sondern durch Behörden und Gerichte unmittelbar angewendet werden kann (BVerwG, Urteil vom 16. Oktober 1990, 1 C 15/88; BVerwG, Urteil vom 16. Oktober 1990, 1 C 51/88).
Aus diesem Grunde richtet sich die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts grundsätzlich nach den für die Aufenthaltsnahme maßgeblichen Rechtsnormen des jeweiligen Vertragsstaats (vgl. BVerwG, Urteile vom 16. Oktober 1990, 1 C 15/88 und 1 C 51/88, zitiert nach juris).
Die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts bildet die Schwelle der Souveränität , die im Einzelfall überschritten sein muss, damit die an einen rechtmäßigen Aufenthalt geknüpften Gewährleistungen des Übereinkommens in Anspruch genommen werden können (vgl. BVerwG, Urteile vom 16. Oktober 1990, 1 C 15/88 und 1 C 51/88, zitiert nach juris).
Dies wäre der Fall, wenn das Merkmal des rechtmäßigen Aufenthalts mit Blick auf die Ziele des Vertrags missbräuchlich und damit nicht vertragskonform gehandhabt würde, z.B. ein Vertragsstaat nach seinem Recht einem Staatenlosen von vornherein nicht die Möglichkeit zur Begründung eines rechtmäßigen Aufenthalts einräumt oder die diesbezüglichen Anforderungen gegenüber seinem allgemeinen Aufenthaltsrecht anheben würde (vgl. BVerwG, Urteile vom 16. Oktober 1990, 1 C 15/88 und 1 C 51/88, zitiert nach juris).
Nach der ständigen Rechtssprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVerwG, Urteile vom 16. Oktober 1990, 1 C 15/88 und 1 C 51/88; BVerwG, Urteil vom 16.Juli 1996, 1 C 30/93 zitiert nach juris) beinhaltet der rechtmäßige Aufenthalt im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Beziehung des Staatenlosen zu dem Vertragsstaat durch eine mit dessen Zustimmung begründete Aufenthaltsverfestigung.
Es genügt nicht die bloße faktische Anwesenheit unabhängig von ihrer Dauer, selbst wenn sie dem Vertragsstaat bekannt ist und von diesem hingenommen wird (vgl. BVerwG, Urteile vom 16. Oktober 1990, 1 C 15/88 und 1 C 51/88, BVerwG; Urteil vom 16. Juli 1996, 1 C 30/93, zitiert nach juris).
Dem Vertragstext lässt sich entnehmen, dass nicht jede (rechtmäßige) Anwesenheit eines Staatenlosen im Hoheitsgebiet bereits einen rechtmäßigen Aufenthalt darstellt (vgl. BVerwG, Urteile vom 16. Oktober 1990, 1 C 15/88 und 1 C 51/88; BVerwG, Urteil vom 16. Juli 1996, 1 C 30/93, zitiert nach juris).
So können eine Duldung oder eine Aufenthaltsgestattung nach dem Asylverfahrensgesetz, auch wenn sie über einen längeren Zeitraum gewährt worden waren, aufgrund ihrer vorübergehenden Natur grundsätzlich keinen rechtmäßigen Aufenthalt im Sinne von Art. 28 S. 1 StlÜbk begründen (BVerwG, Urteile vom 16. Oktober 1990, 1 C 15/88 und 1 C 51/88, zitiert nach juris).
Dadurch soll die Erfüllung der gesetzlichen Abschiebungspflicht besser gewährleistet werden (vgl. BTDrucks 11/6321 S. 48 zu §§ 30 ff. und S. 76 zu § 55 Abs. 3; vgl. ferner Urteil vom 16. Oktober 1990 - BVerwG 1 C 15.88 - BVerwGE 87, 11 (19) [BVerwG 16.10.1990 - 1 C 15/88]).
BVerwG, 04.06.1991 - 1 C 42.88
Genfer Flüchtlingskonvention, Palästinenser, Libanon, Flüchtlingseigenschaft, …
VG Düsseldorf, 05.03.2015 - 8 K 4951/12
Anspruch in Kroatien geborener Asylbewerber auf Erteilung von Reiseausweisen für …
VGH Baden-Württemberg, 27.10.2004 - 13 S 865/02
Keine Passausstellung im Ermessenswege nach FlüAbk bei einem ausgewiesenen, …
BVerwG, 28.01.1997 - 1 B 6.97
Aufenthalt - Fortbildung - Befreiung - Verfahrensmangel - Mangel
VGH Baden-Württemberg, 14.07.1992 - 13 S 2026/91
Palästina-Flüchtlinge; Reiseausweis, Fremdenpaß; Wegfall des Schutzes der UNRWA; …
VG Neustadt, 13.08.2018 - 2 L 942/18
Ausländerrecht, Aufenthaltsrecht, Asylrecht, Flüchtlingsrecht
VGH Baden-Württemberg, 13.09.2001 - A 2 S 26/98
Syrien: keine Wiedereinreise für staatenlose kurdische Yeziden
OVG Niedersachsen, 10.12.2007 - 2 LA 441/07
Reiseausweis für Staatenlose; Mitwirkungspflichten
BVerwG, 10.08.1994 - 1 B 141.94
Voraussetzungen für die Annahme eine Rechtssache habe grundsätzliche Bedeutung - …
BVerwG, 22.11.1993 - 1 B 184.93
VG Hannover, 27.04.2010 - 2 A 6108/08
Anspruch auf Erteilung eines Reiseausweises für Staatenlose; zur …
BVerwG, 02.06.1992 - 1 C 14.90
Möglichkeit einer mündlichen Verhandlung trotz Fehlens eines notwendigen …
Kein Reiseausweis bei selbst herbeigeführter; Reiseausweis; Staatenlosigkeit
VG München, 15.04.2013 - M 10 S 12.5730
Einreise ohne erforderliches Visum zum Daueraufenthalt; keine Fiktionswirkung
OVG Schleswig-Holstein, 15.11.2010 - 4 LA 49/10
Aufenthalt i.S.v. Art. 28 S. 1 StlÜbk als ein Daueraufenthalt
VG Saarlouis, 08.09.2010 - 10 K 2031/09
Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis; staatenlose Kurden aus Syrien; …
OVG Nordrhein-Westfalen, 10.04.2003 - 19 E 298/03
BVerwG, 18.10.1993 - 1 B 156.92
Nichtzulassungsbeschwerde - Zurückbleiben hinter den Darlegungsanforderungen …
VGH Bayern, 17.01.2008 - 10 CS 07.3191
Erfordernis des rechtmäßigen Aufenthalts; deklaratorische Bedeutung von …
OVG Nordrhein-Westfalen, 09.02.1999 - 18 A 5330/96
BVerwG, 17.10.1996 - 1 PKH 13.96
Darlegung eines Aufklärungsmangels in der Nichtzulassungsbeschwerde - Anspruch …
BVerwG, 17.10.1996 - 1 B 119.96
BVerwG, 24.11.1994 - 1 B 102.94
OVG Rheinland-Pfalz, 13.08.1993 - 11 B 11383/92
Rumänen; Rumänische Staatsangehörigkeit ; Staatenlose; Abschiebung; Einstweilige …
BVerwG, 13.01.1992 - 1 B 79.91
Nichtzulassung der Revision mangels grundsätzlicher Bedeutung - Versagung der …
VG München, 15.11.2011 - M 12 K 11.2334
Vormerkung für eine Sozialwohnung; Antragsberechtigung; Duldung
OVG Schleswig-Holstein, 20.04.2011 - 4 LA 4/11
VGH Bayern, 07.10.2008 - 10 C 08.1640
Aufenthaltserlaubnis; Asylbewerber
VG Bremen, 23.02.2004 - 4 K 1152/03
D (A), Syrer, Kurden, Staatenlose, Duldung, Aufenthaltsbefugnis, …

References: Art. 28
 Art. 1
 § 7
 Art. 1
 § 8
 Art. 28
 Art. 6
 Art. 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 5
 § 69
 Art. 28
 Art. 26
 Art. 31
 Art. 28
 § 2
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 § 17
 § 21
 Art. 28
 Art. 1
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 § 55
 Art. 28