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1 Beiträge zum Transnationalen Wirtschaftsrecht Martina Franke WTO, China - Raw Materials: Ein Beitrag zu fairem Rohstoffhandel? Heft 114 November 20112 WTO, China Raw Materials: Ein Beitrag zu fairem Rohstoffhandel? Von Martina Franke Institut für Wirtschaftsrecht Forschungsstelle für Transnationales Wirtschaftsrecht Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg3 Assessorin Martina Franke, LL.M.oec., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaftsrecht und Doktorandin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europarecht und Internationales Wirtschaftsrecht (Prof. Dr. Tietje, LL.M.) der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Christian Tietje/Gerhard Kraft/Matthias Lehmann (Hrsg.), Beiträge zum Transnationalen Wirtschaftsrecht, Heft 114 Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter abrufbar. ISSN (print) ISSN (elektr.) ISBN Schutzgebühr Euro 5 Die Hefte der Schriftenreihe Beiträge zum Transnationalen Wirtschaftsrecht finden sich zum Download auf der Website des Instituts bzw. der Forschungsstelle für Transnationales Wirtschaftsrecht unter den Adressen: Institut für Wirtschaftsrecht Forschungsstelle für Transnationales Wirtschaftsrecht Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Universitätsplatz 5 D Halle (Saale) Tel.: / Fax:4 INHALTSVERZEICHNIS A. Einleitung... 5 B. Hintergrund und Zusammenfassung des Verfahrens... 6 C. Panelentscheidung... 9 D. Rechtliche Fragestellungen der Entscheidung im Überblick E. Anwendbarkeit von Art. XX GATT als Rechtfertigung in nicht-wto Abkommen I. Die Panelentscheidung in China Raw Materials II. Diskussion der Panelentscheidung Beziehung zwischen Beitrittsprotokoll und WTO Abkommen Auslegung des Art APC a) Art und 11.2 APC b) Art. XX GATT c) Right to regulate trade d) Ziel und Zweck F. Ausnahmevorschrift des Artikels XI:2(a) GATT I. Die Panelentscheidung in China Raw Materials II. Diskussion der Panelentscheidung III. Schlussbemerkungen Schrifttum... 315 6 A. Einleitung Viele Staaten sehen sich mit dem Problem konfrontiert, ihren Rohstoffbedarf nicht selbst durch eigene Vorkommen decken zu können und müssen daher für eine sichere Versorgung mit Rohstoffen von außen sorgen. Dies erfolgt vor allem auf dem internationalen Markt, den Rohstoffmärkten. Hiervon betroffen sind im Hinblick auf wichtige Metalle vor allem Rohstoffimporteure wie die EU und Deutschland. Metalle werden in der Industrie zur Produktion von hochtechnologischen Produkten, Kfz oder neuen Umwelttechnologien und vielen weiteren Produkten eingesetzt. Eine sichere Versorgung ist daher nicht allein für die bestehende Produktion von enormer Bedeutung, sondern auch für die Entwicklung neuer Technologien und damit die Produktion in der Zukunft. Die Rohstoffversorgung ist in den Rohstoffimportländern zunehmend von einem knapper werdenden Angebot bedroht. 1 Dies beruht nicht zwingend auf einer tatsächlichen Verknappung bzw. Erschöpfung der Vorkommen. Dies beruht in erster Linie darauf, dass die Rohstoffe sehr konzentriert nur in wenigen Ländern vorkommen und in diesen rohstoffreichen Ländern Produktions- und Ausfuhrbeschränkungen existieren. Die Arten sind hierbei sehr vielfältig und umfassen Produktionsverbote, Exportverbote, Exportkontingente, Exportzölle und -abgaben, Minimumexportpreise und nicht-automatische Lizenzverfahren. Beschränkungen der genannten Art haben sehr unterschiedliche ökonomische Wirkungen zur Folge. 2 Sie können zunächst einmal zu steigenden Weltmarktpreisen führen. Sie bewirken aber insbesondere, dass der Zugang zu Rohstoffen unmittelbar beschränkt ist und wirken somit wettbewerbsverzerrend. Dennoch gibt es zahlreiche legitime Gründe, Beschränkungen oder Verbote der Ausfuhr anzuwenden. In erster Linie für Rohstoffe relevant ist die Förderung der nachgelagerten Industrie. Durch eine Beschränkung der Ausfuhr steigt zwar der Weltmarktpreis für den Rohstoff aufgrund des knapper gewordenen Angebots (unter der Bedingung, dass das die Beschränkung anwendende Land einen großen Anteil an der Weltproduktion für diesen Rohstoff hat und daher die Weltmarktpreise zu beeinflussen vermag). Auf dem Inlandsmarkt jedoch steigt das Angebot für das betroffene Produkt und damit sinkt der Inlandspreis, wodurch die weiterverarbeitende inländische Industrie günstigeren Zugang zu dem Rohstoff hat, als dies auf dem Weltmarkt der Fall wäre. Gerade für Entwicklungsländer ist dies für die Entwicklung einer nachgelagerten Industrie zur Diversifizierung der Exporte von sehr großer Bedeutung. Daneben werden die Beschränkungen auch angewendet, um Staatseinkünfte zu erzielen, in Entwicklungsländern nicht selten die einzige Finanzierungsquelle, da sie über kein funktionierendes Steuer- 1 2 Vgl. European Commission, Critical raw materials for the EU: Report of the Ad-hoc Working Group on defining critical raw materials, Juni 2010, erhältlich im Internet: <http://ec.europa.eu/ enterprise/policies/raw-materials/critical/index_en.htm> (besucht am 27. Oktober 2011); Franke, Rohstoffversorgungssicherheit, 6 ff. Vgl. für einen Überblick über die ökonomischen Effekte: WTO, World Trade Report 2010 Trade in Natural Resources, Kapitel D, erhältlich im Internet: <www.wto.org/english/res_e/ publications_e/wtr10_e.htm> (besucht am 27. Oktober 2011).7 system verfügen. Nicht zuletzt geht es vielfach auch darum, erschöpfliche natürliche Ressourcen sowie die Umwelt zu schützen. Eine maßgebliche Rolle im Wettbewerb um die Rohstoffe nimmt die Volksrepublik China ein. China ist Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) und erhält dennoch noch immer zahlreiche Ausfuhrbeschränkungen gerade auch für Metalle aufrecht; dazu zählen Kontingente, Verbote, Steuern und Genehmigungsverfahren, die aus Chinas Sicht aus Gründen des Umweltschutzes, der Bewahrung natürlicher Ressourcen oder der Sicherung eines stabilen Inlandsangebots aufrecht erhalten werden. Zu beobachten ist, dass die Ausfuhrbeschränkungen für metallische Rohstoffe die grundsätzliche politische Zielsetzung Chinas komplementieren, nämlich möglichst umfangreich Rohstoffe für den heimischen Markt zu sichern. Dies erfolgt zum einen über ausgedehnte Rohstoffkäufe im Ausland und auf dem internationalen Markt, zum anderen dadurch, dass Rohstoffe in nur sehr geringen und meist kontrollierten Mengen ausgeführt werden dürfen. Dies verdeutlicht ein Blick auf die Entwicklung der Aus- und Einfuhr metallischer Rohstoffe in China seit der Jahrtausendwende. Der Import von Bergbauprodukten ist enorm gestiegen und macht heute einen Anteil von 26% aller Importe aus. Umgekehrt ist der Anteil der Exporte dieser Stoffe drastisch gesunken auf gerade 1-2%. 3 In diesen Kontext ist der Fall China Raw Materials 4 einzuordnen. Die folgenden Abschnitte dienen dazu, einen Überblick über den Streit und dessen Hintergründe zu geben. Das Verfahren und die Entscheidung des Panels sollen zusammengefasst skizziert werden. Aus den zahlreichen interessanten rechtlichen Fragen, die die Entscheidung bietet, sollen zwei Aspekte Gegenstand einer näheren Analyse der Panelentscheidung sein: 1. Ist Artikel XX GATT 5 als Rechtfertigung für Verletzungen von nicht-wto Abkommen anwendbar? 2. Die Auslegung des Artikels XI:2(a) GATT durch das Panel. B. Hintergrund und Zusammenfassung des Verfahrens Mit dem Beitritt zur WTO im Jahr 2001 ist die Volksrepublik China die damit verbundenen Verpflichtungen in den WTO Abkommen eingegangen. Für die Ausfuhr von Waren enthalten diese ein Verbot nichttarifärer Handelsbeschränkungen in Art. XI GATT. Zusätzliche Verpflichtungen, die über die der WTO Abkommen hinausgehen können, ist China im Rahmen seines Beitrittsprotokolls 6 eingegangen. Hierin hat sich China verpflichtet, Ausfuhrzölle und -abgaben abzuschaffen und nicht anzuwenden, eine Verpflichtung, die weit über die ausfuhrspezifischen Regelungen des WTO, Trade Policy Review China, Report by the Secretariat vom 26. April 2010, WT/TPR/S/230, Annex AI Tabellen 2 und 3. WTO, China Measures Related to the Exportation of Various Raw Materials, Report of the Panel vom 5. Juli 2011, WT/DS394/R, WT/DS395/R, WT/DS/398/R. General Agreement on Tariffs and Trade vom 15. April 1994, in: Tietje (Hrsg.), Welthandelsorganisation, WTO, Protocol on the Accession of the People s Republic of China vom 23. November 2001, WT/L/432. 68 GATT hinausgeht. Ausgenommen von der Verpflichtung sind Produkte, die in einem Annex zu dem Beitrittsprotokoll ausdrücklich genannt sind. Dennoch erhält China zahlreiche Maßnahmen aufrecht, die die Ausfuhr von Rohstoffen beschränken. Durch seine besondere Stellung China ist weltweit nahezu führender oder führender Produzent, mitunter einziger Produzent diverser Rohstoffe 7 erzeugt China mit diesen Maßnahmen unfaire Wettbewerbsbedingungen zum Nachteil der europäischen und US-amerikanischen Industrie sowie der Industrie in anderen Ländern, die ihren Rohstoffbedarf durch Importe decken müssen. Betroffen sind Industrien, die Rohstoffe zur Produktion von Stahl und Aluminium sowie chemischer Produkte verwenden müssen, die wiederum Ausgangsstoffe für zahlreiche andere Produktionsgüter sind, bspw. Getränkedosen, Folie, CD s, Kfz, Batterien, Medizin oder Solarzellen. 8 Zu den die Ausfuhr beschränkenden Maßnahmen Chinas zählen 9 : Ausfuhrquoten, die die Menge eines zu exportierenden Gutes beschränken, Ausfuhrabgaben, die den Ausfuhrpreis erhöhen und andere Beschränkungen wie das Erfordernis von Ausfuhrgenehmigungen, Minimumausfuhrpreise oder besondere Verwaltungsverfahren, welche den Kreis der potenziellen Exporteure begrenzen und von diesen eine Abgabe für das Recht zur Ausfuhr verlangen. Entsprechend der Angaben im Trade Policy Review Chinas erhielt die Volksrepublik folgende Ausfuhrbeschränkungen aufrecht 10 : gesetzliche Ausfuhrsteuern für 95 Warengruppen (HS achtstelliger Code), davon waren 66 Warengruppen Gegenstand geringerer und drei Warengruppen Gegenstand höherer vorläufiger Ausfuhrzölle, für weitere 258 Warengruppen, die nicht von Ausfuhrsteuern erfasst waren, galten ebenfalls vorläufige Ausfuhrzölle; spezielle Ausfuhrabgaben wurden auf 35 Warengruppen erhoben, darunter insbesondere Kunstdünger und die dafür erforderlichen Rohstoffe; Ausfuhrkontingente galten für 173 Warengruppen, für die Ausfuhr von Waren aus 231 Gruppen war eine Lizenz erforderlich. Diese Praxis ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Zunächst einmal enthält das GATT ein Verbot von Exportbeschränkungen in Form von Kontingenten, Lizenzen oder Minimumausfuhrpreisen (Art. XI:1 GATT). Darüber hinaus ist China mit dem Beitritt zur WTO weitere Verpflichtungen in seinem Beitrittsprotokoll eingegangen, die auch Exportabgaben erfassen und diese, mit wenigen Ausnahmen, ver Vgl. Arbeitsdokument zur Mitteilung über die Rohstoffinitiative Sicherung der Versorgung Europas mit den für Wachstum und Beschäftigung notwendigen Gütern (KOM(2008) 699), SEC(2008) 2741, Annex 2, Tabelle 2; sowie Mitteilung über Grundstoffmärkte und Rohstoffe: Herausforderungen und Lösungsansätze, KOM(2011) 25, Anhang. Vgl. mit weiteren Beispielen: United States Trade Representative, WTO Case Challenging China s Export Restraints on Raw Material Inputs, erhältlich im Internet: <www.ustr.gov/aboutus/press-office/fact-sheets/2009/june/wto-case-challenging-chinas-export-restraints-raw-materi> (besucht am 27. Oktober 2011). Franke, Rohstoffversorgungssicherheit, 29; WTO, China Measures Related to the Exportation of Various Raw Materials, Request for Consultations by the European Communities vom 25. Juni 2009, WT/DS395/1, G/L/889. WTO, Trade Policy Review China, Report by the Secretariat vom 26. April 2010, WT/TPR/S/230, 147 ff. 79 bieten. Daneben verpflichtete sich China mit seinem Beitritt, alle Beschränkungen des Rechtes zu Handeln, d.h. des Imports und Exports, aufzuheben. Die chinesischen Maßnahmen bewirken eine künstliche Verknappung des Angebots auf den Weltmärkten und damit verbunden massive Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten ausländischer Industrien, die in höchstem Maße von den Importen abhängig sind. Diesen wird der Zugang zu Rohstoffen zu konkurrenzfähigen Preisen verwehrt, worunter schließlich die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zum Endverbraucher zu leiden hat. Umgekehrt gewährt diese Politik den chinesischen Produzenten Zugang zu günstigen Rohstoffen durch sinkende Inlandspreise und damit einhergehend Wettbewerbsvorteile gegenüber ausländischen Produzenten. 11 Vor diesem Hintergrund beantragten die Europäische Gemeinschaft 12 und die Vereinigten Staaten von Amerika im Juni 2009, gefolgt von Mexiko im August 2009, Konsultation mit China im Hinblick auf verschiedene Beschränkungen der Ausfuhr bestimmter Rohstoffe. Infolge erfolgloser Konsultationen wurde im Dezember 2009 ein einziges Panel (vgl. Art. 9 DSU) eingesetzt. Der Panelbericht ist am 5. Juli 2011 veröffentlicht worden. Das große Interesse an dem Verfahren innerhalb der Mitglieder der WTO lässt sich durch deren starke Beteiligung als Drittparteien belegen. Insgesamt 13 Drittparteien waren an den Verfahren beteiligt, darunter globale Akteure und große Rohstoffimporteure. 13 Der vorliegende Fall China Raw Materials ist ein komplexer Streit über verschiedene Ausfuhrbeschränkungen von diversen Rohstoffen. Gegenstand des Verfahrens sind verschiedene Formen von Bauxit, Kohle, Fluorit (Flussspat), Magnesium, Mangan, Siliziumkarbid, Siliziummetall, Gelber Phosphor und Zink in natürlicher Form oder mit einem geringen Grad der Weiterverarbeitung. Die beschwerdeführenden Parteien US, EU und Mexiko haben 40 spezifische Maßnahmen bestimmt, 14 gegen die sie vorgehen. China verletze durch Ausfuhrkontingente, Ausfuhrabgaben, Genehmigungserfordernisse und Minimumausfuhrpreise sowie durch die Zuteilung der Kontingente und die Verwaltung und Nichtveröffentlichung bestimmter Maßnahmen die Regeln des internationalen Handelsrechts. Die konkreten Beschwerden der Parteien variieren leicht, sind im Wesentlichen jedoch gleich. Sie rügen die Verletzung von Art. VIII, X:1, X:3(a) und XI:1 GATT sowie Bestimmungen des Beitrittsprotokolls Chinas (APC) und des Berichts der Arbeitsgruppe (WPR) 15, konkret Art. 1.2, 5.1, 5.2 und 11.3 APC und Abs. 83 (a), (b) und (d), 84 (a) und (b), 162 und 165 des WPR Vgl. auch MEMO/09/287 vom 23. Juni 2009, erhältlich im Internet: <http://europa.eu/rapid/ pressreleasesaction.do?reference=memo/09/287&format=html&aged=0&language=en& guilanguage=en> (besucht am 27. Oktober 2011). Mit dem in Kraft treten des Vertrages von Lissabon am 1. Dezember 2009 (ABl. EU 2007/C 306/01 vom 17. Dezember 2007) nunmehr Europäische Union. Am Verfahren beteiligte Drittparteien: Argentinien, Brasilien, Kanada, Chile, Kolumbien, Ecuador, Indien, Japan, Korea, Norwegen, Chinese Taipei, Türkei und Saudi Arabien. Vgl. WTO, China Measures Related to the Exportation of Various Raw Materials, Report of the Panel vom 5. Juli 2011, WT/DS394/R, WT/DS395/R, WT/DS/398/R, para. 2.3 ff. WTO, Report of the Working Party on the Accession of China vom 1. Oktober 2001, WT/ACC/CHN/49. 810 China beruft sich zur Verteidigung seiner Maßnahmen auf eine Rechtfertigung aus Art. XX(b) und (g) und Art. XI:2(a) GATT. Die rechtliche Analyse des Panels wurde im Verfahrensverlauf dadurch erschwert, dass es sich bei den umstrittenen Maßnahmen vielfach um jährliche Bestimmungen handelte, die nach Errichtung des Panels ausliefen oder durch neue Regelungen ersetzt wurden. So hat China im Verfahrensverlauf mehr als 100 legislative, für das vorliegende Verfahren relevante Instrumente erlassen. 16 Am 31. August hat China gegen die Panelentscheidung Rechtsmittel eingelegt. 17 Unter anderem soll das Berufungsgremium (Appellate Body) zu folgenden Fragen Stellung nehmen: 1. Die durch das Panel festgestellte nicht-anwendbarkeit des Art. XX GATT als Rechtfertigung für Verletzungen des Art APC. 2. Die Auslegung der Begriffe vorübergehend und kritischer Mangel des Art. XI:2(a) GATT. 3. Die Auslegung der Voraussetzungen des Art. XX(g) GATT. C. Panelentscheidung Das Panel entschied im Hinblick auf die meisten bzw. fast alle Beschwerden zu Gunsten der beschwerdeführenden Parteien. Im Einzelnen stellte es folgende Rechtsverletzungen fest: 1. Ausfuhrabgaben 18 China hat Verpflichtungen, die es mit seinem Beitritt zur WTO im Rahmen seines Beitrittsprotokolls eingegangen ist, verletzt. China verpflichtete sich, keine Ausfuhrabgaben (Zölle und Steuern) anzuwenden, es sei denn solche sind ausdrücklich im Anhang 6 zum Beitrittsprotokoll vorgesehen (Art APC). Die Ausnahmen des Anhangs treffen nicht auf die hier in Frage stehenden Rohstoffe zu. 2. Ausfuhrkontingente 19 Die Ausfuhrkontingente, die eine Beschränkung oder ein Verbot der Ausfuhr der genannten Produkte bewirken, verletzen Art. XI:1 GATT. 3. Verwaltung und Zuteilung von Kontingenten 20 Art. X:3(a) GATT ist durch das Erfordernis von business management capacity bei der Zuteilung von Quoten verletzt worden. Die chinesischen Gesetze WTO, China Measures Related to the Exportation of Various Raw Materials, Report of the Panel vom 5. Juli 2011, WT/DS394/R, WT/DS395/R, WT/DS/398/R, para WTO, China Measures Related to the Exportation of Various Raw Materials, Notification of an Appeal by China under Article 16.4 and Article 17 of the Understanding on Rules and Procedures Governing the Settlement of Disputes (DSU), and under Rule 20(1) of the Working Procedures for Appellate Review vom 2. September 2011, WT/DS394/11, WT/DS395/11, WT/DS398/10. WTO, China Measures Related to the Exportation of Various Raw Materials, Report of the Panel vom 5. Juli 2011, WT/DS394/R, WT/DS395/R, WT/DS/398/R, para ff. (7.105). Ibid., para ff. (7.224). Ibid., para ff. (7.756, 7.807, 7.678). 911 beinhalten weder eine Definition des Begriffs noch Richtlinien oder Standards zur Anwendung dieses Erfordernisses. Eine einheitliche, unparteiische und gerechte Anwendung dieses Kriteriums ist damit nicht gewährleistet. Art. X:1 GATT ist durch die Nichtveröffentlichung von Kontingenten für einige Produkte verletzt worden. Mit seinem Beitritt zur WTO verpflichtete sich China, das Recht zu Handel, hier insbesondere das Recht zur Ausfuhr, allen Unternehmen in China zu gewähren (Art. 5.1 APC, Abs. 83 WPR) und das Recht zu Handeln keiner Überprüfung oder Zulassung zu unterwerfen (Abs. 84 WPR). China verlangt von den potenziellen Exporteuren vorherige Ausfuhrerfahrung sowie die Erfüllung bestimmter Mindestkapitalanforderungen, durch welche es die Ausfuhrrechte kontrolliert und von einer Genehmigung abhängig macht. 4. Ausfuhrgenehmigungen 21 Eine Verletzung von Art. XI:1 GATT liegt im Hinblick auf das System der Ausfuhrgenehmigungen vor. Chinas Genehmigungsbehörden haben ein unbegrenztes und unbestimmtes Ermessen, die Bewerbung um eine Lizenz zu verweigern. Dies stellt eine Beschränkung der Ausfuhr dar, die gegen die Vorschrift verstößt. 5. Minimumausfuhrpreise 22 Art. XI:1 GATT wurde verletzt, indem China von den Exporteuren verlangt, zu festgelegten oder koordinierten Preisen zu exportieren. Art. X:1 GATT ist durch die Verfahren zur Koordinierung der festgelegten Preise verletzt worden. Die Verteidigung Chinas beruhte auf der Behauptung, dass die Maßnahmen gerechtfertigt seien. China berief sich insbesondere auf eine Rechtfertigung aus Art. XI:2(a) und XX GATT aus Gründen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes und der Bewahrung seiner natürlichen Ressourcen. Die Beschränkungen würden auf energieintensive, ressourcenintensive und verschmutzungsintensive Produkte angewendet. Eine Beschränkung der Ausfuhr vermindere die Produktion in China und reduziere somit die Verschmutzung. Zudem sei eine Beschränkung aufgrund einer kritischen Verknappung des Angebots erforderlich, da die Rohstoffreserven nur für einen geringen verbleibenden Zeitraum von ungefähr 16 Jahren genügen würden. Das Panel lehnte eine Rechtfertigung der Maßnahmen aus Art. XX(b) und (g) und Art. XI:2(a) GATT Chinas umfassend ab: 1. China konnte nicht nachweisen, dass es die Beschränkungen nur vorübergehend anwendet, um einen kritischen Mangel einer wichtigen Ware zu verhüten oder zu beheben (Art. XI:2(a) GATT). Die Maßnahmen seien zum einen bereits seit zehn Jahren in Kraft. Zum anderen kann von einem kritischen Mangel nicht gesprochen werden, wenn die Erschöpfung der Ressource erst nach Ablauf von schätzungsweise 16 Jahren eintritt Ibid., para ff. (7.958). Ibid., para ff. (7.1066, , ). Ibid., para ff. 1012 2. Das Panel lehnte die Anwendbarkeit von Art. XX GATT zur Rechtfertigung der Verletzung von Art APC grundsätzlich ab. Der Wortlaut und Kontext dieser Norm schließe eine Anwendung der allgemeinen Ausnahmen des GATT aus. Auch das Beitrittsprotokoll insgesamt erlaube eine Anwendung des Art. XX GATT für eine Rechtfertigung einer Verletzung des Art APC nicht. 24 Bei der Prüfung der Voraussetzungen einer Rechtfertigung nach Art. XX(b) und (g) GATT arguendo kam das Panel zu dem Schluss, dass selbst bei unterstellter Anwendbarkeit des Art. XX GATT die Voraussetzungen der Ausnahmeregelungen nicht vorlägen China argumentierte, dass es die Kontingente und Steuern nur deshalb anwende, um seine erschöpflichen natürlichen Ressourcen zu bewahren. Art. XX(g) GATT müsse im Lichte der Souveränität eines Staates über seine natürlichen Ressourcen und im Interesse eines Mitglieds an seiner eigenen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ausgelegt werden. 26 Das Panel konnte China hiervon nicht überzeugen. China habe weder belegen können, dass die Maßnahmen zur Erhaltung der erschöpflicher Naturschätze angewendet werden, noch konnte es zeigen, dass die Maßnahmen im Zusammenhang mit Beschränkungen der inländischen Produktion oder des inländischen Verbrauchs angewendet werden. Die Maßnahmen seien auch nicht angemessen und ausgewogen (even-handed) Schließlich begründete China die Notwendigkeit seiner Maßnahmen damit, dass sie für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung erforderlich seien, da hierdurch die Verschmutzung reduziert würde. Die Verschmutzung würde während des Produktionsprozesses der Rohstoffe verursacht, da die Produktion der Metalle selbst verschmutzungsintensiv, energieintensiv und ressourcenbasiert sei. Eine Beschränkung der Ausfuhr von Primärprodukten führe daher zu einer Reduzierung der Produktion dieser Stoffe und vermindere damit die Verschmutzung. Beschränkungen der Ausfuhr von Sekundärrohstoffen (Schrotte) würden angewendet, da ein ununterbrochenes Angebot von Schrott für die Recyclingindustrie notwendig sei, um die Produktion von der Primärproduktion weg, hin zur Sekundärproduktion zu verlagern. Die Sekundärproduktion sei weniger verschmutzungsintensiv. Darüber hinaus machte China deutlich, dass es Ausfuhrbeschränkungen gegenüber inländischen Produktionsbeschränkungen zum Schutz der Umwelt bevorzuge, da Ausfuhrbeschränkungen wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung ermöglichen. 28 Das Panel kam zu dem Schluss, dass China den Nachweis, dass die Maßnahmen dem Gesundheitsschutz dienen, nicht erbracht habe. China habe nicht beweisen können, dass die Maßnahmen zu einer Verringerung der Verschmutzung führen würden. Nach Ansicht des Panels sei nicht der Umstand, Ibid., para ff. Ibid., para ff. Ibid., para Ibid., para ff. Ibid., para ff. 1113 dass ein Produkt gehandelt wird ursächlich für die Verschmutzung. Eine Beschränkung der Ausfuhr könne daher dem Umweltschutz nicht dienen. 29 D. Rechtliche Fragestellungen der Entscheidung im Überblick Das Thema der wettbewerbsverzerrenden Handelsbeschränkungen für Rohstoffe durch China ist seit seinem Beitritt zur WTO ein ständiger Begleiter in seinen Handelsbeziehungen zu vielen Rohstoffimporteuren. Dementsprechend greift der Panelbericht viele interessante Fragen der Rohstoffproblematik im Kontext der WTO auf. Hierzu zählen: 1. Art. XI:2(a) GATT ist bislang in keinem Streitbeilegungsverfahren bemüht worden, so dass das Panel hier sich erstmals mit einer Auslegung dieser Norm zu beschäftigen hatte. 2. Das Panel lehnte die Anwendung von Art. XX GATT zur Rechtfertigung der Verletzung von Art APC grundlegend ab und steht damit in Kontrast zu der Entscheidung des Appellate Body in China Audiovisual Products 30, welcher die Ausnahmeregelungen des Art. XX GATT für Verletzungen des Art. 5.1 APC grundsätzlich anwendete. 3. Im Unterschied zu vielen vorhergehenden Entscheidungen stützte sich das Panel explizit auf Art. 31(3)(c) der Wiener Vertragsrechtskonvention (WVK) 31 und bemüht das Prinzip der Souveränität über natürliche Ressourcen zur Interpretation des Begriffs Erhaltung in Art. XX(g) GATT. Ebenso zog das Panel die Präambel des WTO Abkommens als relevanten Kontext zu Art. XX GATT im Rahmen der Auslegung heran. 4. Können Beschränkungen der Ausfuhr von Verschmutzung verursachenden Rohstoffen gemäß Art. XX(b) GATT gerechtfertigt werden? 32 Im diesem Zusammenhang stellt sich weiterhin die Frage, ob Ausfuhrbeschränkungen auf Schrotte mit der Begründung gerechtfertigt werden können, dass sie weniger Umweltverschmutzung verursachen als die Primärproduktion. E. Anwendbarkeit von Art. XX GATT als Rechtfertigung in nicht-wto Abkommen Ein erster nach wie vor umstrittener Aspekt, der erstmals von einem Panel aufgegriffen wurde, ist die Diskussion um die Anwendbarkeit der allgemeinen Ausnah Ibid., para ff. WTO, China Measures Affecting Trading Rights and Distribution Services for Certain Publications and Audiovisual Entertainment Products, Report of the Appellate Body vom 21. Dezember 2009, WT/DS363/AB/R. Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge vom 23. Mai 1969, BGBl. II 1985, 927. Anstelle einer Ausfuhrbeschränkung käme alternativ ein inländisches Produktionsverbot in Betracht. Hieraus ergibt sich wiederum konsequent die Frage, ob Produktionsverbote für Rohstoffe überhaupt vom GATT erfasst werden, ob also Rohstoffe als Produkt oder Ware isd GATT anzusehen sind. 1214 meregelungen des Art. XX GATT als Rechtfertigung in anderen nicht-wto Abkommen, hier konkret für Verletzungen des Beitrittsprotokolls Chinas. Noch das Panel in China Audiovisual Products vermied eine Analyse dieser systematisch schwierigen Konstellation zwischen dem GATT und dem Beitrittsprotokoll Chinas. Erst der Appellate Body (AB) in jenem Verfahren setze sich mit der Problematik intensiv auseinander. I. Die Panelentscheidung in China Raw Materials Das Panel hatte im vorliegenden Fall zu entscheiden, ob Art. XX GATT zur Rechtfertigung der Verletzung von Art APC angewendet werden könne. 33 Die beteiligten Parteien, die EU, US und Mexiko auf der einen Seite, China auf der anderen, sind hierüber uneinig. China ist der Ansicht, dass sich seine Berechtigung, Art. XX GATT als Rechtfertigung im Rahmen seines Beitrittsprotokolls zur Anwendung zu bringen, aus dem Beitrittsprotokoll insgesamt zusammen mit den in Anhang 1 zum DSU genannten Übereinkommen ( covered agreements, vgl. Art. 1.1 DSU) ergäbe. Darüber hinaus ergäbe sich aus dem einem Mitglied inhärenten Recht den Handel zu regulieren (right to regulate trade), dass eine Inbezugnahme des Art. XX GATT im Beitrittsprotokoll nicht erforderlich war, um dieses Regulierungsrecht ausüben zu können. 34 Die beschwerdeführenden Parteien stellen dem entgegen, dass die Ausnahmeregelungen des GATT exklusiv für Verletzungen desselben vorgesehen seien. Eine Anwendbarkeit außerhalb des GATT komme nur dann in Betracht, wenn ein anderes WTO Abkommen auf diese Vorschriften ausdrücklich Bezug nimmt. Wortlaut und Kontext eines Abkommens müssten Grundlage für eine Anwendbarkeit des Art. XX GATT sein. Art APC sei darüber hinaus eine vollständig neue Verpflichtung Chinas, die in dieser Form innerhalb des GATT nicht existiere. China ist hiernach verpflichtet, Ausfuhrzölle und -steuern abzuschaffen und nicht anzuwenden. Die Vorschrift enthalte selbst zwei Ausnahmeregelungen, nämlich für Produkte, die in Anhang 6 zum Beitrittsprotokoll gelistet sind oder wenn die Abgaben in Übereinstimmung mit Art. VIII GATT angewendet werden. 35 Das Panel entschied zu Gunsten der beschwerdeführenden Parteien und versagte China das Recht, Art. XX GATT zur Rechtfertigung der Verletzung des Art APC heranzuziehen. Zunächst analysierte das Panel den Wortlaut des Art APC sowie den Kontext dieser Bestimmung, d.h. Art und 11.2 APC und Abs. 170, 155 und 156, 342 WPR. Als weiteren Kontext zu der Bestimmung untersuchte das Panel Art. XX GATT. Darüber hinaus prüfte es das Recht zu Regulieren als Grundlage einer Rechtfertigung Vgl. WTO, China Measures Related to the Exportation of Various Raw Materials, Report of the Panel vom 5. Juli 2011, WT/DS394/R, WT/DS395/R, WT/DS/398/R, para Ibid., para Ibid., para15 Art APC lautet: China shall eliminate all taxes and charges applied to exports unless specifically provided for in Annex 6 of this Protocol or applied in conformity with the provisions of Article VIII of the GATT Im Hinblick auf den Wortlaut des Art APC stellte das Panel fest, dass dieser keinen ausdrücklichen Bezug zu Art. XX GATT oder zum GATT im Allgemeinen enthalte. 36 Auch ein Vergleich der in Frage stehenden Norm mit Art. 5.1 APC bestätigte nach Ansicht des Panels dieses Ergebnis. Art APC war in einem anderem Streitbeilegungsverfahren bereits durch den AB ausgelegt worden. In diesem Verfahren, China Audiovisual Products, kam der AB zu einer Anwendbarkeit des Art. XX GATT als Rechtfertigung für die Verletzung des Art. 5.1 APC. 37 In Art. 5.1 APC verpflichtet sich China, das Recht zu Handeln without prejudice to China s right to regulate trade in a manner consistent with the WTO Agreement zu gewähren. Diese Klausel bedeutete für den AB eine offene Tür, die Ausnahmeregelungen des Art. XX GATT im Rahmen von Art. 5.1 APC anzuwenden. Eine vergleichbare einleitende Formulierung fände sich im vorliegenden Fall in Art APC nicht. Vielmehr enthalte die Bestimmung selbst zwei spezifische Ausnahmeregelungen. Ausnahmen zu dem Verbot von Ausfuhrzöllen und -steuern gelten danach für die in Anhang 6 zum Protokoll genannten Produkte und für solche Abgaben, die in Übereinstimmung mit Art. VIII GATT angewendet werden. Die explizite Inbezugnahme des Art. VIII GATT in Art APC, gerade ohne die Nennung weiterer Bestimmungen des GATT, bedeute entsprechend dem Prinzip expressio unius est exclusio alterius 38 einen Ausschluss aller weiteren Regelungen des GATT aus dieser Vorschrift. Das Panel war überzeugt, dass China und die WTO Mitglieder nicht beabsichtigt hatten, Art. XX GATT in Art APC zu integrieren. 39 In einem zweiten Schritt analysierte das Panel den Kontext der Norm, hierbei zunächst Art und 11.2 APC. Im Unterschied zu Absatz 3 nähmen diese direkten Bezug auf das GATT, was für das Panel ein deutliches Signal war, dass China bewusst darauf verzichtet habe, die Ausnahmen des GATT in Absatz 3 einzubeziehen. Nach Aussage des Panels würden China und die WTO Mitglieder die Anwendbarkeit der Ausnahmereglungen des GATT in Art APC selbst oder in einer generellen Klausel des Protokolls deutlich gemacht haben, wenn sie eine solche Erweiterung der Reichweite des Art. XX GATT gewollt hätten. Eine andere Möglichkeit, Art. XX GATT für Ausfuhrabgaben zur Anwendung zu bringen, wäre gewesen, diese zusätzlichen Verpflichtungen in die Zugeständnislisten als Anhang zum GATT selbst zu integrieren. Art. XX GATT sei auf diese direkt anwendbar. Hierauf hätten die Vertragsparteien China und die WTO Mitglieder jedoch verzichtet. Die Verpflichtungen sei Ibid., para Siehe hierzu WTO, China Measures Affecting Trading Rights and Distribution Services for Certain Publications and Audiovisual Entertainment Products, Report of the Appellate Body vom 21. Dezember 2009, WT/DS363/AB/R, para. 215 ff. Zur Anwendbarkeit des Prinzips ird Vertragsauslegung vgl. van Damme, Treaty Interpretation, 130; Dahm/Delbrück/Wolfrum, Völkerrecht I/3, 648. WTO, China Measures Related to the Exportation of Various Raw Materials, Report of the Panel vom 5. Juli 2011, WT/DS394/R, WT/DS395/R, WT/DS/398/R, para16 en im Beitrittsprotokoll und dem Bericht der Arbeitsgruppe selbst enthalten und damit nur integraler Bestandteil der WTO Abkommen. 40 Auch die Vorschriften des WPR lieferten nach der Analyse des Panels keine Hinweise, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen und Art. XX GATT anzuwenden. 41 Hinsichtlich des Art. XX GATT selbst verwies das Panel auf den Wortlaut nothing in this agreement in dieser Norm. This agreement nehme deutlich Bezug auf das GATT allein. Andere Abkommen enthielten eigene Ausnahmeregelungen oder bezögen sich explizit auf Art. XX GATT. 42 Zuletzt verwies das Panel darauf, dass die WTO Mitglieder ein inhärentes und souveränes Recht hätten, den Handel zu regulieren. Dieses Recht würden sie jedoch in vielfältiger Weise ausüben, so auch durch die Verhandlung von WTO Abkommen. Mit der Verhandlung der Bedingungen für seinen Beitritt zur WTO habe China dieses Recht ausgeübt und bewusst der Verpflichtung in Art zugestimmt. Das Recht zu Regulieren könne nicht über den WTO Regelungen stehen, da diese ja bereits Ausübung dieses Rechtes seien und die weitere Ausübung dieses Rechtes mitbestimmen würden. 43 Die Anwendung der Rechtfertigung des Art. XX GATT im vorliegenden Fall would change the content and alter the careful balance achieved in the negotiation of China s Accession Protocol. It would thus undermine the predictability and legal security of the international trading system. 44 China befände sich zwar in einer im Vergleich zu anderen WTO Mitgliedern sehr unterschiedlichen Position, indem es eine nicht in den WTO Abkommen enthaltene Verpflichtung eingegangen ist, nämlich Ausfuhrzölle nicht anzuwenden. Für kaum ein anderes Mitglied gelten vergleichbare Ausfuhrzollregelungen. Dennoch erlaube der Wortlaut des Art APC keine andere Beurteilung. 45 II. Diskussion der Panelentscheidung Die Auslegung des Art APC durch das Panel, ob Art. XX GATT im Rahmen dieser Norm zur Rechtfertigung von Rechtsverletzungen herangezogen werden kann, ist auf eine streng am Wortlaut und engeren Kontext dieser Vorschrift orientierte Analyse beschränkt. Es ist zwar zutreffend, dass Wortlaut und Kontext des Art APC die Grundlage für eine Anwendbarkeit des Art. XX GATT bilden müssen. Die Panelanalyse lässt dennoch einen tiefergehenden holistischen Ansatz vermissen, der eine Analyse des Wortlautes unter Betrachtung des inhaltlichen und systematischen Umfeldes sowie Ziel und Zweck der Norm verwirklicht. Darüber hinaus bleibt auch nach dieser Entscheidung der Rechtsstatus des Beitrittsprotokolls innerhalb der WTO Ibid., para ff. Ibid., para ff. Ibid., para ff. Ibid., para ff. Ibid., para Ibid., para17 Abkommen fraglich, hier insbesondere die Beziehung zwischen Art APC und anderen Bestimmungen der WTO Abkommen. 1. Beziehung zwischen Beitrittsprotokoll und WTO Abkommen Das Panel im vorliegenden Streitfall sah sich zunächst mit der Frage konfrontiert, ob die Bestimmungen des Beitrittsprotokolls und des WPR im Rahmen eines WTO- Streitbeilegungsverfahrens durchgesetzt werden können. Hierzu führte es aus, dass Beitrittsprotokolle als integrale Bestandteile zu den WTO Abkommen angesehen werden. So bestimme auch Art. 1.2 des Beitrittsprotokolls Chinas: The WTO Agreement to which China accedes shall be the WTO Agreement as rectified, amended or otherwise modified by such legal instruments as may have entered into force before the date of accession. This Protocol, which shall include the commitments referred to in paragraph 342 of the Working Party Report, shall be an integral part of the WTO Agreement. Hierüber seien sich die Parteien des Verfahrens einig gewesen. Darüber hinaus stimmten die Parteien darin überein, dass Verpflichtungen aus den Protokollen und Verletzungen desselben Gegenstand von Streitbeilegungsverfahren sein könnten, ebenso die Verpflichtungen in den Berichten der Arbeitsgruppe, die durch die Einbindung in das Beitrittsprotokoll verbindlich seien. Das Panel wendete auf dieser Grundlage die herkömmlichen Regeln der Auslegung von völkerrechtlichen Verträgen (Art. 31 bis 33 WVK) zur Auslegung des Protokolls an. 46 Das Panel reiht sich damit in die gängige Praxis in anderen Verfahren ein, Protokolle als integrale Bestandteile der WTO Abkommen zu betrachten und aufgrund des Konsenses der Parteien über die Durchsetzbarkeit im Streitbeilegungsverfahren Verletzungen desselben zu prüfen. 47 Dies sagt über das tatsächliche rechtliche Verhältnis der Verpflichtungen aus dem Beitrittsprotokoll zu den Vorschriften der WTO Abkommen jedoch nichts aus. Auch bleibt hiermit weiter unklar, wie ein Panel bzw. AB über die Durchsetzbarkeit der Protokolle entscheiden würden, wenn die Parteien hierüber nicht einig wären. Fraglich ist damit weiterhin, ob ein Beitrittsprotokoll als integraler Bestandteil der WTO Abkommen zu einem Abkommen der covered agreements isd DSU wird oder aber Abkommen zur Änderung der WTO Abkommen sind. 48 Damit im Zusammenhang Ibid., para ff. Vgl. bspw WTO, China Measures Affecting Trading Rights and Distribution Services for Certain Publications and Audiovisual Entertainment Products, Report of the Panel vom 12. August 2009, WT/DS363/R sowie Report of the Appellate Body vom 21. Dezember 2009, WT/DS363/AB/R; WTO, China Measures Affecting Imports of Automobile Parts, Report of the Panel vom 18. Juli 2008, WT/DS339/R, WT/DS340/R, WT/DS342/R, para f. sowie Report of the Appellate Body vom 15. Dezember 2008, WT/DS339/AB/R, WT/DS340/AB/R, WT/DS342/AB/R, para Zu dieser Diskussion: Charnovitz, Mapping the Law of WTO Accession, 1 (38 ff.); Qin, JWT 37 (2003), 483 (508, 509); dies. JWT 44 (2010), 127 (137); Ehlermann/Ehring, JIEL 8 (2005), 51 (57); vgl. auch Kennedy, JIEL 14 (2011), 77 (98). 1618 ergibt sich das Problem, in welchem hierarchischen Verhältnis das Protokoll und die weiteren WTO Abkommen stehen. Ohne eine umfassende Analyse dieser Fragen vorzunehmen, soll hier nur aufgezeigt werden, dass sich aus dem Verhältnis der Abkommen zueinander die Anwendbarkeit der allgemeinen Ausnahmen der WTO Abkommen im Rahmen des Beitrittsprotokolls ohne Zweifel begründen lässt. Entsprechend Art. XII WTO 49 werden die Bedingungen eines Beitritts zur Welthandelsorganisation verhandelt. Im Rahmen der Verhandlungen werden in der Regel Bedingungen ausgehandelt, die über die Verpflichtungen der WTO Abkommen hinausgehen (WTO-plus) oder hinter diesen zurückbleiben (WTO-minus) können. Die Beitrittsprotokolle verkörpern diese ausgehandelten Bedingungen. Dies trifft im vorliegenden Fall für das Beitrittsprotokoll Chinas zu, welches umfangreiche zusätzliche und von den Regelungen der WTO Abkommen abweichende Verpflichtungen und Rechte beinhaltet, 50 ua die Verpflichtung, keine Ausfuhrzölle zu erheben (Art APC). Vor diesem Hintergrund bringt der Beitritt eines neuen Mitglieds zur WTO eine Änderung der Pflichten, die sich aus den WTO Abkommen ergeben, mit sich, soweit diese durch die Protokolle betroffen sind. Die Änderungen gelten freilich nur im Verhältnis zu dem neuen Mitglied. Hieraus erscheint es nun jedoch konsequent, die Beitrittsprotokolle als speziellere Abkommen zu behandeln, die gegenüber den WTO Abkommen im Konfliktfall vorrangig sind. 51 Sie enthalten den erklärten Willen beider Vertragsparteien, den sie in Kenntnis der bestehenden Regelungen der WTO Abkommen infolge von Verhandlungen bewusst und freiwillig kundgetan haben. Eine grundsätzliche Anwendbarkeit der allgemeinen Ausnahmen der WTO Abkommen ließe sich damit begründen. Die allgemeineren Regelungen der WTO Abkommen ergänzen das Beitrittsprotokoll insoweit, als dass dieses nicht selbst eine Regelung trifft. Dies stünde auch im Einklang mit der Allgemeinen Auslegungsregel zu Anhang 1A zum WTO-Übereinkommen, 52 wonach im Falle eines Widerspruchs die Bestimmungen einer anderen Übereinkunft des Anhangs 1A als das GATT gegenüber den Bestimmungen des GATT maßgebend sind. Die Auslegungsregel selbst ist auf das Verhältnis der WTO Abkommen zu dem Beitrittsprotokoll nicht anwendbar. Dennoch stellt diese eine Regel im Sinne des lex specialis Prinzips auf. Aufgrund der themenübergreifenden Regelungen des Beitrittsprotokolls, die das gesamte Spektrum der WTO Abkommen umfassen, ist die Interessenlage vergleichbar zu der der handelsspezifischen WTO Abkommen untereinander. Betrachtet man das Verhältnis von Art APC aus dieser Perspektive, kommt eine Anwendung von Art. XX GATT grundsätzlich in Betracht, soweit die Norm selbst oder das Protokoll insgesamt nichts anderes ergeben, also keine die Anwendbarkeit ausschließende speziellere Regel beinhalten oder die WTO Abkommen keine abweichende Regelung treffen Übereinkommen zur Errichtung der Welthandelsorganisation vom 15. April 1994, in: Tietje (Hrsg.), Welthandelsorganisation Vgl. auch Qin, JWT 37 (2003), 483 (487 ff.); Steger, JIEL 10 (2007), 483 (489). Vgl. Kewalram, in: Cass/Williams/Barker (Hrsg.), China and the World Trading System, 413 (415); Qin, JWT 44 (2010), 127 (137). Allgemeine Auslegungsregel zu Anhang 1A, in: Tietje (Hrsg.), Welthandelsorganisation19 Ein solches Ergebnis steht nicht im Widerspruch zu dem single undertaking Konzept der WTO Abkommen (vgl. Art. II:2 WTO), wonach die Abkommen als ein einheitliches Übereinkommen zu betrachten sind. Durch Art. 1.2 APC ist das Beitrittsprotokoll als integraler Bestandteil der WTO Abkommen ein multilaterales Abkommen. 53 Es kann jedoch nicht als integral part im Sinne des Art. II:2 WTO angesehen werden. Dieser ist abschließend und erfasst nur die multilateralen Übereinkommen der Anlagen 1, 2 und 3 des WTO-Abkommens (Übereinkommen zur Errichtung der Welthandelsorganisation) als Bestandteile. Diese bilden gemeinsam mit dem Übereinkommen zur Errichtung der Welthandelsorganisation das einheitliche Übereinkommen (single undertaking). Der AB in Brazil-Desiccated Coconut 54 sagte hierzu: [ ] the WTO Agreement is a single treaty instrument which was accepted by the WTO Members as a single undertaking. Article II:2 of the WTO Agreement provides that the Multilateral Trade Agreements in Annexes 1, 2 and 3 are integral parts of the WTO Agreement, binding on all Members. [ ] The single undertaking is further reflected in the provisions of the WTO Agreement dealing with original membership, accession, non-application of the Multilateral Trade Agreements between particular Members, acceptance of the WTO Agreement, and withdrawal from it. Within this framework, all WTO Members are bound by all the rights and obligations in the WTO Agreement and its Annexes 1, 2 and (Fußnote entfernt) Die Verpflichtungen der WTO Abkommen als single undertaking gelten daher auch für China 56 und zwar in der Form, die diese Abkommen mit dem Beitritt Chinas aufwiesen. Die konkreten Bedingungen sind als einheitliches Abkommen zwischen den Parteien ausgehandelt worden und im Beitrittsprotokoll verankert. Das Protokoll selbst ist jedoch kein Bestandteil im Sinne des Art. II:2 WTO. Damit ist zugleich gesagt, dass das Konzept eines single undertaking, welches im Rahmen der Uruguay Runde eingeführt worden ist und durch Art. II:2 WTO für die WTO Abkommen weiterhin gilt, 57 kein statisches Konzept ist, und auch die Entwicklung des single undertaking Ansatzes zeigt, dass er kontextspezifisch zu verstehen und zu interpretieren ist. 58 Das Konzept des single undertaking ist mit der Uruguay Runde entwickelt worden, um der Fragmentierung der Regelungen, die unter dem GATT 1947 vorherrschte, zu begegnen und einheitliche Regeln für alle Staaten ver Qin, JWT 44 (2010), 127 (132); dies. Chinese JIL 10 (2011), 271 (291). WTO, Brazil Measures Affecting Desiccated Coconut, Report of the Appellate Body vom 21. Februar 1997, WT/DS22/AB/R. Ibid., 12 f. Zur Geltung des single undertaking Prinzips für der WTO beitretende Länder vgl. Parenti, Legal Issues of Economic Integration 27 (2000), 141 (145). Vgl. Lanoszka, Mich. St. J. Int l L. 16 (2008), 655 (662 f.); Steger, JIEL 10 (2007), 483 (488); Kennedy, JIEL 14 (2011), 77 (80); von Bogdandy/Stelzer, in: Wolfrum/Stoll/Kaiser (Hrsg.), WTO, Art. II, Rn. 9. Patel, T.R.A.D.E., Working Paper Nr. 15 (2003), 1 (28). 1820 handeln und schaffen zu können. 59 Mit der Errichtung der WTO wurde es in das WTO-Abkommen aufgenommen, um das Abkommen inklusive seiner Anhänge für alle Mitglieder verbindlich zu machen. Es war somit kein bloßes Konzept mehr, welches Verhandlungen dirigierte und bestimmte. 60 Für die hier diskutierte Frage bedeutet dies, dass das single undertaking Konzept im Kontext der Beitrittsprotokolle zu betrachten ist und Bedeutung im Rahmen der Auslegung der Protokolle erlangt. Insofern kann jedes Beitrittsprotokoll als eine Modifizierung des ursprünglichen in Art. II:2 WTO enthaltenen single undertaking verstanden werden, welche einer erneuten Fragmentierung von Rechten und Pflichten Vorschub leistet. Dies ist jedoch von allen Mitgliedern akzeptiert und auch in Art. XII WTO bereits vorgesehen. Im Übrigen gelten jedoch für alle WTO-Mitglieder dieselben Rechte und Pflichten. Die Anwendung des Art. XX GATT innerhalb des Beitrittsprotokolls muss somit mit den Rechten und Pflichten des WTO-Abkommens und seiner Anhänge 1 bis 3, an die China gebunden ist, im Einklang stehen. Die Auslegung des Art APC muss berücksichtigen, dass durch Beitrittsprotokolle die einheitlichen Rechten und Pflichten der WTO Abkommen modifiziert werden können, im Übrigen jedoch dieselben Rechte und Pflichten für alle WTO-Mitglieder gelten. Eine wesentliche Frage der Auslegung lautet hier somit, inwieweit durch Art APC vom Konzept des single undertakings des Art. II:2 WTO, d.h. Bindung aller Mitglieder an dieselben Rechte und Pflichten, abgewichen werden sollte. 2. Auslegung des Art APC Das Panel stellte zutreffend fest, dass der Wortlaut des Art APC keinen ausdrücklichen Bezug zu Art. XX GATT oder zum GATT generell nimmt. Dies macht es erforderlich, sich mit der Bedeutung des Schweigens in einer Vorschrift auseinanderzusetzen, 61 wie dies auch der AB in verschiedenen Verfahren bemerkt: US Anti-Dumping Measures on Oil Country Tubular Goods: [S]ilence does not exclude the possibility that the requirement was intended to be included by implication. 62 US Carbon Steel: [S]ilent on a specific issue must have some meaning von Bogdandy/Stelzer, in: Wolfrum/Stoll/Kaiser (Hrsg.), WTO, Art. II, Rn. 9; Low, WTO Decision-Making, 4. Vgl. Kennedy, JIEL 14 (2011), 77 (79 ff.); Lanoszka, Mich. St. J. Int l L. 16 (2008), 655 (667 ff.). Vgl. zur Auslegung von Schweigen in den WTO Abkommen allgemein: van Damme, Treaty Interpretation, 126 ff. WTO, US Antidumping Measures on Oil Country Tubular Goods (OCTG) from Mexico, Report of the Appellate Body vom 2. November 2005, WT/DS282/AB/R, para WTO, US Countervailing Duties on Certain Corrosion-Resistant Carbon Steel Flat Products from Germany, Report of the Appellate Body vom 28. November 2002, WT/DS213/AB/R, para Mehr anzeigen
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 Art. 31
 Art. 1
 Art. 5
 Art. 5
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 Art. 5
 Art. 1
 Art. 1
 EuGH 

EuGH 
 EuGH 
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 41
 Art. 6
 Art. 6