Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=09.10.2008&Aktenzeichen=IX%20ZR%20138/06
Timestamp: 2019-11-12 18:13:15+00:00

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BGH, 09.10.2008 - IX ZR 138/06 - dejure.org
https://dejure.org/2008,564
BGH, 09.10.2008 - IX ZR 138/06 (https://dejure.org/2008,564)
BGH, Entscheidung vom 09.10.2008 - IX ZR 138/06 (https://dejure.org/2008,564)
BGH, Entscheidung vom 09. Januar 2008 - IX ZR 138/06 (https://dejure.org/2008,564)
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InsO §§ 93, 139
InsO §§ 93, 129 ff.; HGB §§ 161 Abs. 2, 105 Abs. 3; BGB §§ 735, 739
Anfechtungen von Leistungen eines persönlich haftenden Gesellschafters an einen Gesellschaftsgläubiger vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft
Berechtigung eines Insolvenzverwalters zur Anfechtung der Leistungserbringung an einen Gläubiger durch einen persönlich haftenden Gesellschafter vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Gesellschaft; Anfechtungsrecht eines Insolvenzverwalters aufgrund seiner ...
Zur Anfechtungsbefugnis bei Doppelinsolvenz von Gesellschaft und persönlich haftendem Gesellschafter
Zur Person des Anfechtungsberechtigten bei Leistungen des persönlich haftenden Gesellschafters an einen Gesellschaftsgläubiger im Falle der Insolvenz der Gesellschaft sowie im Falle von Doppelinsolvenz; zur Berechnung des Anfechtungszeitraums bei Doppelinsolvenz
Anfechtungsbefugnis des Gesellschafterverwalters in der Doppelinsolvenz
Zur Insolvenzanfechtungsbefugnis bei Doppelinsolvenz von Gesellschaft und Gesellschafter
InsO §§ 93, 129 ff., 139
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des 09.10.2008 - IX ZR 138/06 (Insolvenzanfechtung bei Doppelinsolvenz von Personengesellschaft und persönlich haftendem Gesellschafter)" von Ministerialrat Dr. Ulf Gundlach und RA Dr. Volkhard Frenzel, original erschienen in: NJW 2009 Heft ...
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 09.10.2008, Az.: IX ZR 138/06 (Insolvenzanfechtungsberechtigung bei Doppelinsolvenz von Gesellschaft und Gesellschafter)" von Prof. Dr. Nicola Preuß, original erschienen in: JR 2009, 505 - 507.
Kurznachricht zu "BB-Kommentar zum Urteil des BGH vom 09.10.2008, Az.: IX ZR 138/06 (Anfechtungsbefugnis des Gesellschafterverwalters in der Doppelinsolvenz" von RA Dr. Stefan Proske, original erschienen in: BB 2009, 176 - 180.
LG Berlin, 17.02.2006 - 8 O 126/05
KG, 20.06.2006 - 7 U 13/06
NZG 2008, 940
Zugleich wird ein Beitrag zur Überwindung der Massearmut geleistet (BGH…, Urteil vom 9. Oktober 2006 - II ZR 193/05, ZInsO 2007, 35 Rn. 9; vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 10 f;… Beschluss vom 12. Juli 2012 - IX ZR 217/11, NZI 2012, 858 Rn. 4 ff;… BAGE 125, 92 Rn. 16).
Der anfechtbar erhaltene Gegenstand zählt - solange er unterscheidbar vorhanden ist - nicht zu dem den Gläubigern des Schuldners haftenden Vermögen (vgl. BGH, Urteil vom 23. Oktober 2003 - IX ZR 252/01, BGHZ 156, 350, 359 f unter IV.3.; vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 15).
Dieses Ergebnis bei einer anfechtbaren Darlehenshingabe wiederherzustellen, gehört zu den Aufgaben des Insolvenzverwalters über das Vermögen des Gesellschafters, dessen Vermögen zu Lasten seiner Gläubigergesamtheit durch die Rechtshandlungen zu Gunsten der Gesellschaft und deren Gläubiger gemindert worden ist (ebenso BGH, Urteil vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 15 zur Frage, wem Anfechtungsansprüche aufgrund der Erfüllung von Haftungsansprüchen zustehen).
(1) Nach ständiger Rechtsprechung ist jede Rechtshandlung selbständig auf ihre Ursächlichkeit für gläubigerbenachteiligende Folgen zu überprüfen und gegebenenfalls in deren Anfechtung einzubeziehen, selbst wenn sich die Rechtshandlungen wirtschaftlich ergänzen (BGH, Urteil vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 25).
Darum kann die Gewährung einer Sicherung (§ 135 Abs. 1 Nr. 1 InsO) und die Gewährung einer Befriedigung (§ 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO) innerhalb der für sie jeweils maßgeblichen Frist selbständig angefochten werden (vgl. BGH, Urteil vom 21. März 2000 - IX ZR 138/99, WM 2000, 1071 f; Urteil vom 9. Oktober 2008, aaO).
§ 93 InsO verleiht dem Insolvenzverwalter über das Vermögen der Gesellschaft lediglich die Befugnis, die Forderungen der Gesellschaftsgläubiger gegen die Gesellschafter gebündelt einzuziehen (BGHZ 178, 171, 174 Rn. 11;… BGH, Urt. v. 9. Oktober 2006 - II ZR 193/05, ZIP 2007, 79, 80 Rn. 9).
Zwar können in der Krise, jedoch vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Gesellschaftsvermögen durch den persönlich haftenden Gesellschafter erbrachte Leistungen zur Verwirklichung der Gläubigergleichbehandlung von dem Verwalter des Gesellschaftsvermögen in analoger Anwendung des § 93 InsO angefochten werden (BGHZ 178, 171, 174 f Rn. 12).
Dies zeigt sich daran, dass das Anfechtungsrecht in der Doppelinsolvenz von Gesellschaft und Gesellschafter allein dem Insolvenzverwalter über das Gesellschaftervermögen zusteht (BGHZ 178, 171, 175 Rn. 13).
(1) Eine Befriedigung, die ein Gläubiger aufgrund eines insolvenzfesten Absonderungsrechts erlangt, benachteiligt die Gesamtheit der Gläubiger nicht (BGH, Urteil vom 22. Januar 2004 - IX ZR 39/03, BGHZ 157, 350, 353; vom 10. Februar 2005 - IX ZR 211/02, BGHZ 162, 143, 156; vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 22).
a) Eine Befriedigung, die ein Gläubiger aufgrund eines insolvenzfesten Absonderungsrechts erlangt, benachteiligt die Gesamtheit der Gläubiger nicht (BGH, Urteil vom 22. Januar 2004 - IX ZR 39/03, BGHZ 157, 350, 353; vom 10. Februar 2005 - IX ZR 211/02, BGHZ 162, 143, 156; vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 22).
Da die Gesellschaft das Risiko tragen muss, dass der Gesellschafter insolvent wird und kein (weiteres) Eigenkapital für die Gesellschaft mehr aufbringen kann, ist es nur folgerichtig, dass das Stehenlassen einer Gesellschafterleistung, wodurch diese eigenkapitalersetzend wird, als anfechtbare Leistung zurückgewährt wird (vgl. BGH, Urt. v. 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, ZIP 2008, 2224, 2226 Rn. 17).
Allerdings ist es zutreffend, dass der Anfechtungsanspruch in der Insolvenz des Anfechtungsgegners ein Aussonderungsrecht gewährt (BGHZ 156, 350, 358 ff ; BGH, Urt. v. 9. Oktober 2008 aaO S. 2226 Rn. 15).
Denn der Zweck der Vorschrift, den Gläubigerwettlauf um die Gesellschafterhaftung während der Gesellschaftsinsolvenz im Interesse der Gleichbehandlung anzuhalten (BGHZ 151, 245, 248; BGH, Urt. v. 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, z.V.b. in BGHZ; vgl. zu § 171 Abs. 2 HGB auch bereits BGHZ 27, 51, 55), kann sich hier gleichfalls erfüllen.
Anfechtungen durch den Insolvenzverwalter entsprechend § 16 Abs. 2 AnfG, § 130 InsO oder §§ 93, 131 InsO (vgl. BGH, Urt. v. 9. Oktober 2008, aaO) werden dadurch zurückgedrängt.
Voraussetzung für den eingeklagten Anspruch auf Ersatzaussonderung des auf das Konto des Beklagten überwiesenen Restguthabens wäre die erfolgreiche Anfechtung der von der Schuldnerin veranlassten Überweisung des Guthabens von dem bei der Bank N. geführten Konto auf das Konto des Beklagten bei der D. Bank gewesen, die zu einem Aussonderungsrecht des Klägers gemäß § 47 InsO hinsichtlich des Anspruchs aus § 143 Abs. 1 Satz 1 InsO hätte führen können (vgl. BGH, Urteil vom 23. Oktober 2003 - IX ZR 252/01, BGHZ 156, 350, 359 ff; vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 15).
Der GmbH stand mithin ein Rückgewähranspruch aus § 143 Abs. 1 InsO zu, den sie im Weg der Aussonderung nach § 47 InsO hätte geltend machen können (vgl. BGH, Urteil vom 23. Oktober 2003 - IX ZR 252/01, BGHZ 156, 350, 359 ff; vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 15).
Der Gläubiger kann während der Dauer des Insolvenzverfahrens einen Haftungsanspruch gegen persönlich haftende Gesellschafter weder durch Klage noch durch Zwangsvollstreckung durchsetzen (BGH, Urteil vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 138/06, BGHZ 178, 171 Rn. 10).

References: BGH 
 BGH 

§ 93
 § 93
 § 171
 § 16
 § 130
 § 47
 § 143
 § 143
 § 47