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Timestamp: 2019-04-22 22:47:25+00:00

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Nochmals: die automatisierte Kennzeichenkontrolle im bayerischen Polizeiaufgabengesetz | Rechtslupe
Das Bundesverfassungsgericht hat eine (weitere) Verfassungsbeschwerde betreffend die Regelungen des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes zur automatisierten Kennzeichenkontrolle nicht zur Entscheidung angenommen, da hierfür nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 18.12 20181 bestand.
Mit seiner Verfassungsbeschwerde hatte sich der Beschwerdeführer gegen Normen des Gesetzes über die Aufgaben und Befugnisse der Bayerischen Staatlichen Polizei2 gewendet, welche die automatisierte Kontrolle von Kraftfahrzeugkennzeichen durch die bayerische Polizei regeln3.
Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung aus Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG durch die Regelungen des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes zur automatisierten Kennzeichenkontrolle. Die Regelungen seien aufgrund eines Verstoßes gegen die grundgesetzliche Verteilung der Gesetzgebungskompetenzen formell verfassungswidrig und genügten nicht den verfassungsrechtlichen Anforderungen der Bestimmtheit und der Verhältnismäßigkeit.
Nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Neuordnung des bayerischen Polizeirechts (PAG-Neuordnungsgesetz) vom 18.05.20184 erklärte der Beschwerdeführer, seine Verfassungsbeschwerde nun hinsichtlich des Art. 39 BayPAG n.F. fortzuführen, der Art. 33 Abs. 2 Satz 2 und 3 und Art. 38 Abs. 3 BayPAG a.F. bei geringfügigen redaktionellen Änderungen im Wesentlichen wortlautidentisch ersetzte.
Das Bundesverfassungsgericht hat die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG). Sie ist unzulässig, weil kein Rechtsschutzbedürfnis mehr besteht.
Die Zulässigkeit einer Verfassungsbeschwerde setzt voraus, dass im Zeitpunkt der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ein Rechtsschutzbedürfnis besteht5. Daran fehlt es hier, weil das Bundesverfassungsgericht die mit der Verfassungsbeschwerde angestrebte verfassungsrechtliche Überprüfung der Normen des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes zur automatisierten Kennzeichenkontrolle im Beschluss vom 18.12 2018 – 1 BvR 142/15, www.bverfg.de, mittlerweile vorgenommen hat. Das Bundesverfassungsgericht hat die teilweise Unvereinbarkeit von Art. 33 Abs. 2 Satz 2 bis 5 in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 BayPAG a.F. sowie dessen Neufassung Art. 39 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 BayPAG mit Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG festgestellt. Auch im Hinblick auf Art. 38 Abs. 3 BayPAG a.F. und dessen Neufassung Art. 39 Abs. 3 Satz 1 bis 3 BayPAG wurde die teilweise Unvereinbarkeit mit Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG festgestellt. Soweit die angegriffenen Normen nicht für nichtig erklärt wurden, hat das Bundesverfassungsgericht die verfassungswidrigen Regelungen des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes in der Fassung vom 18.05.2018 bis zu einer Neuregelung durch den Gesetzgeber, längstens bis zum 31.12 2019, nach Maßgabe der Gründe des Beschlusses vom 18.12 2018 für weiterhin anwendbar erklärt und konkrete Maßgaben für die Auslegung und Handhabung der einfachgesetzlichen Regelungen festgelegt. Diese Entscheidung hat Gesetzeskraft (§ 31 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG).
Der Gegenstand dieser Rechtssatzverfassungsbeschwerde geht nicht über den Gegenstand der Urteilsverfassungsbeschwerde hinaus, über die das Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom 18.12 2018 entschieden hat. Auch durch die Umstellung der Verfassungsbeschwerde (vgl. BVerfGE 87, 181, 194) wurde der Umfang der verfassungsgerichtlichen Prüfung nicht erweitert. Zwar verweist Art. 39 Abs. 1 Satz 1 BayPAG n.F. aufgrund von Gesetzesänderungen, die zwischen dem Eingang und der Umstellung der Verfassungsbeschwerde erfolgten, mittlerweile auch auf Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe b) und Nr. 2 Buchstabe c) BayPAG. Soweit sich die Verfassungsbeschwerde auch auf diese Normen erstreckt, genügt die Begründung jedoch nicht den Anforderungen aus § 23 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 1, § 92 BVerfGG.
Für eine auf denselben Gegenstand zielende verfassungsgerichtliche Entscheidung über die im Wesentlichen inhaltsgleichen Grundrechtsrügen besteht kein Bedürfnis mehr. Der Beschwerdeführer hat keine verfassungsrechtlichen Fragen aufgeworfen, die in ihrem materiellen Gehalt über die im Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 18.12 2018 geprüften Einwände gegen das Gesetz hinausgehen.
Bundesverfassungsgericht, Beschluss der des Erstens vom 16. März 2019 – 1 BvR 1782/09
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12 2018 – 1 BvR 142/15, Rn. 2 ff. [↩]
Polizeiaufgabengesetz – im Folgenden: BayPAG [↩]
vgl. hierzu ausführlich BVerfG, Beschluss vom 18.12 2018 – 1 BvR 142/15, Rn. 2 ff. [↩]
BayGVBl S. 301 [↩]
vgl. BVerfGE 33, 247, 253; 50, 244, 247; stRspr [↩]
KraftfahrzeugkennzeichenKraftfahrzeugkennzeichenkontrolleRechtssatzverfassungsbeschwerdeRechtsschutzbedürfnis
Kein Wahlrechtsausschluss für Betreute
Europawahl – und die Nichtanerkennungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht
Abschiebungsanordnung gegen einen radikal-islamistischen Gefährder – und die Gefahrenprognose
Abschiebungsanordnung gegen einen Gefährder – ohne vorherige Anhörung
Vereinsverbot – und die bereits eingeleitete Liquidation

References: Art. 2
 Art. 1
 Art. 39
 Art. 33
 Art. 38
 Art. 33
 Art. 13
 Art. 39
 Art. 13
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 38
 Art. 39
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 39
 Art. 13
 § 23
 § 92