Source: https://www.apothekerkammer.de/service/lak+aktuell/lak+aktuell+ausgabe-26/
Timestamp: 2018-06-23 09:54:49+00:00

Document:
LAK aktuell Ausgabe Mai 2016
ATHINA - Erfolgreich im Medikationsmanagement
mit überwältigender Mehrheit hat die Apothekerschaft vor knapp zwei Jahren das Grundsatzpapier „Apotheke 2030“ verabschiedet und damit die perspektivischen Weichen zur pharmazeutischen Versorgung in Deutschland gestellt.
Ein wichtiger Aspekt des Papiers ist das Medikationsmanagement, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bedingt durch den demografischen Wandel wird auch die Zahl jener Patienten steigen, die mehrere Medikamente einnehmen müssen. Kernziel für uns Apotheker ist die fundierte Beratung dieser Patienten, die damit einhergehende strukturierte Medikationsanalyse und die daraus resultierende Arzneimitteltherapiesicherheit. Diese qualitätsgesicherte Leistung, die einen Mehrwert für die Patienten darstellt, muss ein Angebot werden, das auch honoriert wird. Hier muss die gesamte organisierte Apothekerschaft – Kammern und Verbände gemeinsam – tätig werden.
Das ATHINA-Fortbildungs-Paket, das wir – Ihre Kammer – anbieten, unterteilt sich in drei Module und schließt mit dem ATHINA-Zertifikat ab. Dadurch wird die erweiterte Medikationsanalyse in Ihrer Apotheke möglich und kann schon während der Schulungsphase ein- und umgesetzt werden. Mehr erfahren Sie auf unserer ATHINA-Seite.
Nutzen Sie Ihre Chance und stellen Sie mit einer ATHINA-Fortbildung die Weichen für sich und Ihre Apotheke.
Die „Akkreditierte Ausbildungsapotheke“ der Landesapothekerkammer Hessen
Wie gut junge Kollegen auf den Beruf vorbereitet werden, hängt im Dritten Ausbildungsabschnitt sowohl vom Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) wie auch vom Ausbilder ab.
Um Pharmazeuten im Praktikum und ihrem Ausbilder eine Struktur für den Dritten Ausbildungsabschnitt an die Hand zu geben, hat die Landesapothekerkammer Hessen die sogenannte „Akkreditierte Ausbildungsapotheke“ geschaffen. Das Zertifikat „Akkreditierte Ausbildungsapotheke“ bietet eine Orientierung für den PhiP bei der Suche nach einer Ausbildungsstätte, für den Ausbilder steht ein strukturierter Leitfaden zur Verfügung.
Sie finden alle » weiterführenden Informationen unter folgenden Links auf der Homepage der Landesapothekerkammer Hessen:
» Liste der „Akkreditierte Ausbildungsapotheken“
» Leitfaden und » Antrag zur „Akkreditierten Ausbildungsapotheke“ sowie
» Link zum Leitfaden der Bundesapothekerkammer, inklusive Arbeitsbögen für die Praxis.
Gerne können Sie sich bei der Geschäftsstelle der Landesapothekerkammer Hessen zu diesen Themen informieren. Ansprechpartnerin: Dr. Pamela Kantelhardt, Tel.: 069 979509-59 oder E-Mail: p.kantelhardt@apothekerkammer.de
Die „Akkreditierte Ausbildungsapotheke“ jetzt auch für Krankenhausapotheken
Das Erfolgskonzept der „Akkreditierten Ausbildungsapotheke“ lebt die Landesapothekerkammer Hessen bereits seit einigen Jahren. Im Rahmen der Akkreditierung erhalten Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) wie auch deren Ausbilder eine Struktur für den Dritten Ausbildungsabschnitt an die Hand.
Nun wurde dieses Konzept auch für ausbildende Krankenhausapotheken erstellt. Der Anforderungskatalog beinhaltet unter anderem die Punkte:
Regelmäßige Teilnahme an Patientenvisiten
Arzneimittelanamnesen
Im Anforderungskatalog für die praktische Ausbildung ist auch der Sterilbereich als Betriebsraum genannt. Weiterhin werden Einblicke in die Organisation des Krankenhauses (Rechtsformen, Trägerschaft, Struktur, etc.) gegeben. Die Darstellung einiger Aufgabengebiete des Apothekers im Krankenhaus (Arzneimittel-, Hygienekommission oder ABS-Team) ergänzen die Aufzählung.
Im Bereich der Logistik findet sich in diesem Katalog unter anderem die „Stationsbelieferung“. Auch der Bereich der „Arzneimittelinformation“, wie auch der der „Pharmazeutischen Dienstleistungen (z.B. die Visitenbegleitung)“ haben Eingang in diesen Katalog gefunden.
Das Zertifikat „Akkreditierte Ausbildungsapotheke“ bietet eine Orientierung für den PhiP bei der Suche nach einer Ausbildungsstätte, für den Ausbilder steht ein strukturierter Leitfaden zur Verfügung.
Weiterbildung zum Fachapotheker für „Toxikologie und Ökologie"
Dieses Mal möchten wir Ihnen die Weiterbildung zum Fachapotheker für „Toxikologie und Ökologie" vorstellen.
Der weitergebildete Fachapotheker kann z.B. in der Gerichtsmedizin arbeiten und arzneistoff-toxikologisch, forensisch-toxikologisch oder gerichts-chemische Untersuchungen durchführen, deren Ergebnisse interpretieren und bewerten. Die dafür notwendigen analytischen und klinisch-chemischen Methoden stehen im Mittelpunkt der Weiterbildung. Daneben werden Kenntnisse in den stoffbezogenen Rechtsgebieten vermittelt und die praktisch-experimentellen Fertigkeiten geschult.
Die Untersuchung und Bewertung schädlicher Wirkungen von Chemikalien auf die Umwelt und das ökologische Gleichgewicht stellt ebenfalls ein Betätigungsfeld dar.
Der Fachapotheker für „Toxikologie und Ökologie" kann bei wissenschaftlichen Instituten oder Untersuchungsämtern, in der pharmazeutischen Industrie, in der Gerichtsmedizin oder in Umweltlaboratorien tätig sein.
Einschulungstermine für PKA 2016
Die Landesapothekerkammer Hessen gibt nachfolgend die Einschulungstermine für PKA bekannt. Die Berufsschulen bitten zudem darum, Auszubildende sofort nach Vertragsabschluss in der Berufsschule anzumelden:
Begleitender Unterricht für Pharmazeuten im Praktikum 2016
Termin Teil II: 29. August bis 9. September 2016
⇒⇒ Achtung: Neuer Veranstaltungsort ⇐⇐
Die Anmeldung zu den Begleitenden Unterrichtsveranstaltungen erfolgt online auf der Internetseite der » Landesapothekerkammer Hessen und muss nachfolgende Daten enthalten: Name, Vorname, Privatanschrift und den zu absolvierenden Teil.
BGH-Urteil zur Preiswerbung einer Apotheke unter Bezugnahme zum Krankenkassenverrechnungspreis
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit Urteil vom 31.03.2016 in einem Verfahren der Wettbewerbszentrale die Revision einer Apothekerin gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Braunschweig zurückgewiesen.
Bestätigung des OLG
Der BGH hat damit die Entscheidung des OLG bestätigt, dass Preiswerbung für Arzneimittel, bei der der beworbene Preis mit dem Hinweis auf einen „einheitlichen Apothekenabgabepreis zur Verrechnung mit der Krankenkasse“ gegenübergestellt wird, ohne dass deutlich gemacht wird, dass der Krankenkasse auf den Apothekenabgabepreis ein Rabatt von fünf Prozent zu gewähren ist, unzulässig ist.
Die beklagte Apothekerin hatte in einer Broschüre OTC-Arzneimittel und Kosmetika beworben. Neben dem fettgedruckten Preis und einer prozentual angegebenen Ersparnis befand sich ein höherer, durchgestrichener Preis mit dem vorangestellten Wort „statt“, der in der Fußzeile erläutert wurde als „statt = einheitlicher Abgabepreis zur Verrechnung mit der Krankenkasse“.
Preiswerbung „irreführend“
Bereits das Berufungsgericht hat die Preiswerbung der Apotheke unter Bezugnahme auf einen „einheitlichen Apothekenabgabepreis zur Verrechnung mit der Krankenkasse“ als irreführend beurteilt. Begründet wurde es damit, dass die sozialrechtlichen Vorschriften für Krankenkassen bei rechtzeitiger Zahlung einen Krankenkassenabschlag von fünf Prozent vorsehen, um den sich der Abgabepreis entsprechend reduziert. Die beanstandete Formulierung suggeriere demnach fälschlicherweise, dass der bezeichnete Abgabepreis auch tatsächlich von der Krankenkasse zu bezahlen sei und vermittele dem Verbraucher unzutreffend eine besondere Preiswürdigung des Angebots.
Der BGH hat somit die Auffassung der Wettbewerbszentrale und der Landesapothekerkammer bestätigt. Bei einer Bewerbung über den Preis sollte daher immer der bisherige Verkaufspreis der Apotheke als Bezugsgröße verwandt werden.
Kostenloses Verblistern und der Verstoß gegen § 7 HWG
Immer wieder wird die Landesapothekerkammer Hessen (LAK Hessen) gefragt, wie sie zu dem Thema „kostenloses Verblistern“ steht und diese Handlung rechtlich beurteilen würde. Bislang gibt es keine gerichtliche Entscheidung oder eine konkrete gesetzliche Regelung dazu. Deshalb herrscht diesbezüglich vielerlei Unsicherheit.
§ 7 Heilmittelwerbegesetz (HWG)
Aus der Sicht der LAK Hessen verstößt das kostenlose Verblistern gegen § 7 Heilmittelwerbegesetz (HWG). Danach ist es unzulässig, Zuwendungen und sonstige Werbegaben (Waren und Leistungen) anzubieten, anzukündigen oder als Angehöriger der Fachkreise anzunehmen. Das Verblistern stellt eine Dienstleistung in diesem Sinne dar und wird somit ebenfalls von dieser Norm umfasst.
Ausnahmeregelung findet keine Anwendung
Die Ausnahmeregelung des § 7 Abs. 1 Nr. 3, wonach die Zugabe von handelsüblicher Nebenleistung erlaubt ist, findet hier jedoch keine Anwendung. Handelsübliche Nebenleistungen sind zum Beispiel eine im Hinblick auf den Wert der Ware oder Leistung angemessene teilweise oder vollständige Erstattung oder Übernahme von Fahrtkosten, die im Zusammenhang mit dem Besuch des Ortes, an dem die Ware oder die Leistung erbracht wird. Das Verblistern stellt keine handelsübliche Nebenleistung dar. Allein schon aufgrund der besonderen Anforderungen, welche hinsichtlich der räumlichen Voraussetzungen an die Apotheke nach § 34 Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) gestellt werden, kann es sich beim Verblistern nicht um eine solche handelsübliche Nebenleistung handeln. Vielmehr erfordert das Verblistern selbst einen erhöhten Aufwand sowohl finanzieller als auch koordinatorischer Natur.
Wettbewerbsrechtlicher und somit berufsrechtlicher Verstoß
Sollte das Verblistern also kostenlos angeboten werden, liegt ein wettbewerbsrechtlicher Verstoß vor und somit auch ein berufsrechtlicher, nämlich gegen § 11 Abs. 3 der Berufsordnung der Landesapothekerkammer Hessen (BO). In § 11 Abs. 3 ist geregelt, dass der Apotheker Werbe- und Wettbewerbsmaßnahmen zu unterlassen hat, die gegen gesetzliche Bestimmungen oder sonstige apothekenrechtliche Vorschriften, insbesondere gegen das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb (UWG) oder das HWG, verstoßen. Eines gesonderte Aufnahme des Verbotes der kostenlosen Verblisterung und eine damit einhergehende Änderung der Berufsordnung ist aufgrund der bestehenden Regelung nicht erforderlich.
„Herausforderungen und Chancen der Zell- und Gentherapie aus pharmazeutischer Sicht“ diskutierten Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Dr. Matthias Weide, Prof. Dr. Klaus Cichutek, Prof. Dr. Halvard B. Bönig und Thomas Müller (v.l.). © Foto Jürgen Lecher/House of Pharma & Healthcare
Hochschule und Industrie – Gemeinsam für die Pharmazie der Zukunft
Am 7. und 8. April 2016 fand zum zweiten Mal das Symposium „Hochschule und Industrie – Gemeinsam für die Pharmazie der Zukunft“ im Otto-Stern-Zentrum der Goethe-Universität (Frankfurt am Main) statt. In vier Sessions wurden die Themen Zell- und Gentherapie, Arzneimitteltherapiesicherheit, der Nutzen von Schrittinnovationen und die Herausforderungen für das Fach Pharmazie durch Impulsvorträge und Podiumsdiskussionen mit hochkarätigen Referenten adressiert. Die offenen Podiumsdiskussionen boten den Teilnehmern die Gelegenheit, sich mit Fragen und Meinungen einzubringen.
Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, betonte in seinem Grußwort die Wichtigkeit des Dialogs zwischen den verschiedenen Stakeholdern, wie sie im Rahmen der Veranstaltung in einer geeigneten Form stattfindet.
Session I: Zell- und Gentherapie
Im Auftaktvortrag referierte Prof. Dr. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, über den aktuellen Stand der Zell- und Gentherapie anhand von Beispielen und zeigte die Schwierigkeiten bei der Generierung von sicheren Arzneimitteln aus wissenschaftlich und technologisch innovativen Ansätzen auf. In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wissenschaft, Industrie und dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) herrschte Einigkeit darüber, dass Arzneimittel zell- und gentherapeutischen Ursprungs anders beurteilt werden müssen als klassische Arzneimittel.
Session II: Arzneimitteltherapiesicherheit
Der zweite Themenblock widmete sich der Arzneimitteltherapiesicherheit. Konsens herrschte darüber, dass der Patient nur von berufsgruppenübergreifendem Handeln profitiert. Prof. Dr. Ulrich Jaehde wies in seinem Impulsvortrag kritisch darauf hin, dass auch verständliche Gebrauchsinformationen, Warnhinweise oder die Vermeidung von Sound- und Look-alikes zur Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen.
Session III: Academic Drug Discovery − Fiction, Facts, Fantasy
Der erste Tag schloss mit einem Vortrag von Prof. Dr. Stefan Laufer, seit Januar Präsident der Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), über die Herausforderungen und Chancen der universitären Forschung bei der Arzneimittelentwicklung mit dem Titel „Academic Drug Discovery: Fiction, Facts, Fantasy“. Obwohl ein Großteil der Ansätze für neue Arzneimittel aus amerikanischen Universitäten stammt, zeigte er in seinem Vortrag auf, dass auch einige deutsche Hochschulen gut aufgestellt seien. Er betonte hier unter anderem die von der Goethe-Universität (Frankfurt am Main) gegründete Fraunhofer-Projektgruppe für Translationale Medizin und Pharmakologie TMP.
Session IV: Schrittinnovationen
Am zweiten Tag stand in der ersten Diskussionssession das Thema Schrittinnovationen im Fokus, welche mit einem Vortrag über ihren Nutzen von Prof. Dr. Werner Weitschies aus Greifswald begann. Die Diskutanten seitens der Industrie, der Hochschule und der Krankenkasse waren sich einig, dass die Art der Schrittinnovation, sei es beispielsweise chemischer oder technologischer Natur, und der manchmal auf eine bestimmte Gruppe begrenzte Nutzen die Findung von einheitlichen Bewertungsrichtlinien schwermache.
Diskussion: Herausforderungen für das Fach Pharmazie
Den Abschluss des Symposiums bildete eine berufspolitisch geprägte Diskussion über die Herausforderungen für das Fach Pharmazie. Prof. Dr. Andreas Busch, Leiter Global Drug Discovery und Mitglied des Executive Committee bei Bayer HealthCare, hob in seinem Vortrag die gute Ausbildung hervor, die man durch ein Pharmaziestudium erlange, sowie die damit verbundenen guten Berufsaussichten in der Pharmazeutischen Industrie. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde betont, dass die aktuelle Approbationsordnung nach wie vor eine gute Grundlage für das Studium bilde. Allerdings müsse man die gebotenen Freiräume nutzen, um Inhalte und Themen interessant zu lehren und so den Nachwuchs für das Fach Pharmazie zu begeistern.
Veranstaltet wurde das Symposium von der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft e.V. (DPhG) gemeinsam mit den Herstellerverbänden BAH, BPI, ProGenerika und vfa in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität (Frankfurt am Main) und dem House of Pharma & Healthcare.
Diabetestherapie bei alten Menschen
Am 27. April trafen sich rund 40 Ärzte und Ärztinnen, Apotheker und Apothekerinnen in der DRK-Klinik Kaufungen bei Kassel. Das Thema des interdisziplinären Fortbildungsnachmittags, mit dem die Zusammenarbeit zwischen den Heilberuflern gestärkt werden soll, war die Diabetestherapie bei alten Menschen.
Problematik der Diabetestherapie im Alter
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Klinikleiter Dr. Jürgen Sasse führte die Diabetologin Dr. Ute Hennböhle in die Problematik der Diabetestherapie im Alter ein. Das Angebot der oralen Antidiabetika, das in den letzten Jahren um neue Wirkstoffgruppen wie z.B. die GLP-1-Agonisten, die DPP-IV-Hemmer („Gliptine“) sowie die SGLT-2-Inhibitoren („Gliflozine“) erweitert wurde, bildete den Schwerpunkt ihrer Ausführungen. Der Diabetes im höheren Lebensalter stellt eine besondere Herausforderung dar, denn die zunehmende Gebrechlichkeit, altersbedingte Einschränkungen der Motorik, des Seh- und Hörvermögens und das erhöhte Risiko von Stürzen mit der Gefahr von anschließender Pflegebedürftigkeit und erhöhter Mortalität müssen in der Therapieplanung berücksichtigt werden. Dr. Henneböhle beleuchtete in diesem Zusammenhang den Stellenwert der oralen Antidiabetika, vor allem im Hinblick auf Verträglichkeit und die Gefahr unerwünschter Hypoglykämien.
In einer kurzen Kaffeepause war Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und zum interdisziplinären Austausch, der durch diese zweite gemeinsame Veranstaltung angestoßen werden sollte.
Die verschlechtere Feinmotorik alter Menschen wird durch den Einsatz von Skihandschuhen demonstriert.
© Fotos Claudia Wegener
Im zweiten Vortrag beleuchtete Dr. Regine Wellhöner, Diabetologin, die Insulintherapie im Alter. Sehr eindrücklich und realitätsnah schilderte sie, mit welchen Schwierigkeiten gerade alte Menschen beim Selbstmanagement dieser Erkrankung zu kämpfen haben. Unter Verwendung von dicken Skihandschuhen, die der Verschlechterung der Feinmotorik dienen sollten, versuchte ein Kollege aus dem Publikum, einen Teststreifen in ein Blutzuckermessgerät einzuführen. Erst nach mehreren Anläufen gelang dies, wobei sogar ein relativ großes Messgerät ausgewählt worden war. Schnell war ersichtlich, an wie vielen Stellen die Arzneimitteltherapiesicherheit gefährdet sein kann.
Anhand der Leitlinie beschrieb Dr. Wellhöner, welche Spielräume in der Einstellung der HbA1c-Werte inzwischen möglich sind und nach welchen Kriterien die Therapieplanung im optimalen Fall vorgenommen werden sollte. Besonders Hypoglykämien müssen unbedingt vermieden, aber auch unerklärlichen Schwankungen, die die Therapie-Einstellung erschweren, sollte nachgegangen werden, weil der Patient davon profitiert.
Wechselwirkungen antidiabetischer Wirkstoffe
Den Abschluss bildete der Vortrag von Michaela Mann. Die Apothekerin befasste sich mit relevanten Wechselwirkungen, die bei der Anwendung der verschiedenen antidiabetischen Wirkstoffe entweder in Kombination untereinander oder in der Kombination mit anderen Arzneistoffen auftreten können. In der Apotheke ist es immer wieder sinnvoll, gerade den älteren Menschen nach Problemen im Umgang mit seinen Arzneimitteln zu fragen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein im Rahmen der Rabattverträge auszutauschendes Metformin-Präparat nur sehr schwer und mit großem Kraftaufwand zu teilen ist. Hier empfahl Frau Mann die Rücksprache mit dem Verordner und gab den Hinweis an die Hausärzte, dass hier auch ein Aut-idem-Kreuz sinnvoll sein kann, um die Therapiesicherheit zu gewährleisten.
Dieser interessante und praxisnahe Fortbildungsnachmittag brachte die Erkenntnis, dass sowohl die Ärzteschaft als auch die Apothekerschaft immer stärker den Patienten in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellen, mit dem Ziel, ihm eine Therapie zu empfehlen, die er selbst sicher durchführen kann und mithilfe derer er einen Zugewinn an Lebensqualität erhält. Die gemeinsame Fortbildung und damit die Förderung der heilberuflichen Zusammenarbeit ist hierbei ein wichtiges Element.
Seit nunmehr zwei Jahren gedeihen die Arzneipflanzen im Wissenschaftsgarten am Campus Riedberg und die Studierenden der Pharmazie (und natürlich auch anderer Naturwissenschaften) können sich vor Ort mit den verschiedenen Pflanzen sowie ihren Inhaltsstoffen und Anwendungsgebieten am lebenden Objekt vertraut machen. Markenzeichen des Wissenschaftsgartens sind die drei tonnenförmigen Gewächshäuser, die weithin sichtbar sind (hier im Bild).
Tradition gestern bis heute
Arzneipflanzengärten haben in Frankfurt am Main eine lange Tradition, hatte doch bereits 1768 Johann Christian Senckenberg den ersten Garten mit Medizinalpflanzen anlegen lassen. 2007 wurde der „Neue Senckenbergische Arzneipflanzengarten“ im Botanischen Garten eröffnet, der im Herzen der Stadt am mittlerweile aufgegebenen Biologie-Campus der Universität liegt und Anfang 2012 als Bestandteil des Palmengartens in die Obhut der Stadt Frankfurt überging. 2014 schließlich wurde der Arzneipflanzengarten am Campus Riedberg eröffnet. Beide Gärten richten sich nicht nur an Studierende der Pharmazie und anderer naturwissenschaftlicher Fächer, sondern auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Didaktische Konzepte in der Gestaltung sichtbar
Auf den ersten Blick erscheinen die beiden Arzneipflanzengärten sehr ähnlich, stehen doch fast die gleichen Pflanzen jeweils auf Hochbeeten mit Kalksteinumrandungen, die mit entsprechenden Schriftzügen aus Metall versehen sind. Dem Kundigen fallen jedoch sehr schnell die deutlichen Unterschiede der Gärten auf. Diese liegen primär im jeweiligen didaktischen Konzept, denn beide Arzneipflanzengärten sind Lehrgärten.
Der „Neue Senckenbergische Arzneipflanzengarten“
Der „Neue Senckenbergische Arzneipflanzengarten“ ist nach Indikationen angeordnet und erschließt sich somit dem interessierten Laien-Besucher leichter, der sich vielleicht darüber informieren will, welches „Kraut“ denn beispielsweise gegen Durchfall gewachsen ist. Dagegen sind die Arzneipflanzen im Wissenschaftsgarten am Campus Riedberg nach ihren Inhaltsstoffen sortiert. Dieses Ordnungsprinzip lehnt sich stärker an eine moderne Lehre im Fach „Pharmazeutische Biologie“ an und ist für den Laien auf den ersten Blick nicht komplett nachvollziehbar. Allerdings erleichtert die gut durchdachte und sehr ausführliche Beschilderung der einzelnen Beete und der Pflanzen das Verständnis. So können auch pharmazeutisch nicht vorgebildete Besucher nachvollziehen, weshalb der rote Fingerhut und die Tollkirsche, die im „Neuen Senckenbergischen Arzneipflanzengarten“ nebeneinander auf dem Beet „Gifte“ stehen, am Riedberg hingegen verteilt auf den Beeten „Alkaloide“ und „Triterpene“ wachsen. Auf der anderen Seite stehen Pflanzen, die bei sehr unterschiedlichen Indikationen eingesetzt werden, wie z.B. Lein bei leichter Obstipation und Eibisch bei Reizhusten, einträchtig auf dem Beet „Schleimstoffe“ nebeneinander.
Arzneipflanzengarten am Riedberg
Die Arzneipflanzen sind im Wissenschaftsgarten nach ihren Inhaltsstoffen auf Beeten angepflanzt. © Foto Landesapothekerkammer Hessen
Mit ca. 2.500 Quadratmetern Fläche ist der Arzneipflanzengarten am Riedberg ungefähr doppelt so groß wie der „Senckenbergische“ und ermöglicht somit auch, größere, pharmazeutisch relevante Sträucher und Bäume anzupflanzen und das Repertoire langfristig zu erweitern. Und doch steht der Arzneipflanzengarten am Riedberg nicht in Konkurrenz zum „Neuen Senckenbergischen Arzneipflanzengarten“ oder auch zu anderen Arzneipflanzengärten in der Region. Jeder Garten verfolgt sein eigenes didaktisches oder auch ästhetisches Konzept, und somit können Besucher jeweils bestimmte Aspekte erleben und zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Die großartige Südhanglage des Gartens am Riedberg mit Blick auf die Frankfurter Skyline lädt zudem zum Verweilen und Genießen ein.
Engagement für die Gärten
Auf dem Alkaloide-Beet findet sich kein Papaver somniferum, sondern nur Papaver bracteatum. © Foto Landesapothekerkammer Hessen
Dass beide Arzneipflanzengärten zustande kamen, ist dem Engagement des Instituts für Pharmazeutische Biologie der Goethe-Universität zu verdanken. In einer sicherlich deutschlandweit einmaligen Konstellation haben drei Generationen an Hochschullehrern (Prof. em. Dr. Georg Schneider, Senior-Prof. Dr. Theodor Dingermann und Prof. Dr. Robert Fürst) konzeptionell zusammengearbeitet. Tatkräftig unterstützt wurden sie von Dr. Ilse Zündorf. Beide Gärten konnten nahezu vollständig über Spenden finanziert werden. Für den „Neuen Senckenbergischen Arzneipflanzengarten“ konnten vor allem Großspender wie die Firma Bionorica gewonnen werden. Für den zweiten Garten am Riedberg stellte die Firma Engelhard Arzneimittel einen Grundstock zur Verfügung. Der Hauptanteil der Mittel, der für die Realisierung des Gartens nötig war, wurde über ein Crowd-Funding-Projekt eingeworben, an dem sich auch eine riesige Zahl von Privatpersonen mit einer persönlichen Arzneipflanzenpatenschaft beteiligten und gerne auch weiterhin noch beteiligen können.
Am Sonntag, 22. Mai 2016, findet ab 11 Uhr das alljährliche Frühlingsfest am Campus Riedberg im Wissenschaftsgarten statt. An diesem Tag präsentiert sich natürlich auch der Arzneipflanzengarten seinen Paten und allen interessierten Besuchern im Rahmen von Führungen. Nähere Informationen finden Sie dazu auf der Facebook-Seite zu unserem Frühlingsfest.
Den Wissenschaftsgarten finden Sie auf 50°10‘ N und 8°37‘ O oder über https://www.uni-frankfurt.de/49113340/Anfahrt

References: BGH 
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