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Gezielte Förderung und Unterstützung von Jugendlichen mit unterschiedlichen Begabungspotenzialen - PDF
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1 Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF Gezielte Förderung und Unterstützung von Jugendlichen mit unterschiedlichen Begabungspotenzialen an der Nahtstelle I und in der Berufsbildung Bericht des Bundesrates in Erfüllung der Postulate Ingold vom , Jositsch vom , Müri vom und Schilliger vom September /2013/01803 \ COO
2 Inhaltsverzeichnis Management Summary Hintergrund und Aufbau des Berichtes Ausgangslage Übergang in die nachobligatorische Bildung Unterschiedliche Begabungspotenziale Bildungspolitisches Ziel von Bund und Kantonen Herausforderungen Parlamentarischer Auftrag Aufbau des Berichtes Grundlagen Rechtliche Grundlagen Verbundpartnerschaft in der Berufsbildung Zuständigkeiten und Aufgaben Bund Kantone Organisationen der Arbeitswelt Angebote, Massnahmen und Instrumente zur Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial Massnahmen auf Bundesebene Eidgenössische Berufsmaturität Höhere Berufsbildung Kampagne Berufsbildungplus.ch Fachkräfteinitiative Kantonale Massnahmen Berufs-, Studien und Laufbahnberatung Schulische Angebote und Massnahmen Verkürzung der beruflichen Grundbildung und Dispensation Spezifische Förderprojekte Massnahmen der OdA und Unternehmen Definition der Bildungsinhalte Berufsmarketing Betriebliche Fördermöglichkeiten Berufsmeisterschaften Weitere Massnahmen Förderung von Mobilitätsaktivitäten Möglichkeiten nach Abschluss einer gymnasialen Maturität Talentförderung im Kunstbereich und Sport Angebote, Massnahmen und Instrumente zur Unterstützung von Jugendlichen mit schulischen, sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten Massnahmen auf Bundesebene Zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) Bildungsangebote für Berufsbildungsverantwortliche Kantonale Massnahmen Beratungs- und Vermittlungsangebote Übergangslösungen mit Fokus Berufseinstieg Case Management Berufsbildung Fachkundige individuelle Begleitung Verlängerung der beruflichen Grundbildung Lehrstellenförderung Unterstützung der Lehrbetriebe Massnahmen von OdA und Unternehmen Berufsentwicklung und Information Schaffung von Lehrstellen und Rekrutierung von Lernenden /2013/01803 \ COO /54
3 4.3.3 Betriebliche Fördermöglichkeiten Weitere Massnahmen Niederschwellige Ausbildungen ohne eidgenössisch anerkannten Abschluss Nationales Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut Exkurs: Jugendarbeitslosigkeit und Massnahmen der Arbeitslosenversicherung Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz Rechtliche Grundlagen der Arbeitslosenversicherung (ALV) Strategie der ALV zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit Massnahmen der ALV an der Nahtstelle I Massnahmen der ALV an der Nahtstelle II Zusätzliche Unterstützungsmassnahmen der ALV Schlussfolgerungen des Bundesrates Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial Jugendliche mit schulischen, sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten Anhang Anhang 1: Postulat Anhang 2: Postulat Anhang 3: Postulat Anhang 4: Postulat Anhang 5: Gesetzliche Grundlagen Anhang 6: Liste der zweijährigen beruflichen Grundbildungen mit eidgenössischem Berufsattest Abkürzungsverzeichnis Abbildungsverzeichnis Bibliografie /2013/01803 \ COO /54
4 Management Summary In der Schweiz entscheiden sich zwei von drei Jugendlichen nach Abschluss der obligatorischen Schule für die Berufsbildung. Sie stellt damit die bedeutendste Erstausbildung dar, ermöglicht den Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt und versorgt die Wirtschaft mit qualifiziertem Nachwuchs an Fach- und Führungskräften. Für die berufliche und soziale Integration 1 ist ein nachobligatorischer Abschluss von grösster Bedeutung. Die Erhöhung der Abschlussquote auf Sekundarstufe II gehört deshalb zu den bildungspolitischen Zielen, die Bund und Kantone 2011 gemeinsam festgelegt haben. Bis 2020 sollen 95 Prozent aller 25-Jährigen über einen nachobligatorischen Abschluss verfügen. Die Berufsbildung ist eine verbundpartnerschaftliche Aufgabe. Der Bund ist verantwortlich für die strategische Steuerung und Entwicklung des Gesamtsystems, den Kantonen obliegt die Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen und die Aufsicht. Die Organisationen der Arbeitswelt (OdA) definieren Lerninhalte sowie Abschlussqualifikationen und beteiligen sich gemeinsam mit den Sozialpartnern, anderen zuständigen Organisationen und Anbietern der Berufsbildung an der Weiterentwicklung des Systems. Parlamentarischer Auftrag Der Nationalrat überwies zwischen 2011 und 2013 die Postulate Mehr Ausbildungsplätze für Jugendliche mit schwachem Schulrucksack, Demografische Entwicklung und Auswirkung auf die duale Berufsbildung, Förderung leistungsstarker Jugendlicher in der Berufsbildung sowie Die zweijährige Lehre aufwerten. In Erfüllung dieser parlamentarischen Vorstösse bietet der vorliegende Bericht einen Überblick über Angebote und Massnahmen am Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung und während der Ausbildungszeit. Dabei geht es einerseits um das Unterstützungsinstrumentarium, das Bund, Kantone und OdA zugunsten von Jugendlichen mit schulischen, sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten aufgebaut haben, wobei ein besonderer Fokus auf die Entwicklung der zweijährigen beruflichen Grundbildung gerichtet wird. Andererseits werden Fördermassnahmen beschrieben, die sich gezielt an Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial richten. Zudem zeigt der Bericht auf, welche Beobachtungsinstrumente zur Verfügung stehen, um Ungleichgewichte beispielsweise aufgrund demografischer Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Diese Auslegeordnung erlaubt es, allfälligen Handlungsbedarf aufzuzeigen und entsprechende Empfehlungen zu formulieren. Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial Die Talentförderung gewinnt angesichts der demografischen Entwicklung und des Fachkräftebedarfs auf allen Stufen zunehmend an Bedeutung. Bereits heute können Ausbildungsplätze mit hohen Anforderungen zum Teil nur mit Mühe besetzt werden. Zudem führt der technologische Fortschritt in allen Bereichen der Wirtschaft zu höheren Anforderungen. Die Berufsbildung bietet mit kognitiv anspruchsvollen beruflichen Grundbildungen, der Berufsmaturität als Türöffner zu den Fachhochschulen, den Angeboten der höheren Berufsbildung und einer hohen Durchlässigkeit attraktive Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten für Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial. Zudem besteht die Möglichkeit einer verkürzten beruflichen Grundbildung. Daneben setzen sich zahlreiche Akteure auf allen Ebenen mit gezielten Massnahmen, Projekten und Initiativen für die Förderung ambitionierter Jugendlicher ein. Eine wichtige Rolle spielen dabei insbesondere die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in den Lehrbetrieben, die leistungsstarken Lernenden beispielsweise mehr Verantwortung und anspruchsvolle Aufgaben übertragen oder sie bei der Teilnahme an Leistungswettbewerben unterstützen. Berufsfachschulen bieten mit Freikursen die Möglichkeit, sich in unterschiedlichen Bereichen zusätzliche Kenntnisse anzueignen. Jugendliche mit schulischen, sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten Dem weitaus grössten Teil der Jugendlichen gelingt der Einstieg ins Erwerbsleben von sich aus. Für einen gelungenen Übergang von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II (Nahtstelle I) und 1 D.h. die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben /2013/01803 \ COO /54
5 einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss spielen aber verschiedene Faktoren eine Rolle. Es wird immer Jugendliche geben, die dabei Unterstützung benötigen. Erklärtes Ziel der Verbundpartner ist es, den Anteil jener Jugendlichen zu senken, die den direkten Einstieg in eine berufliche Grundbildung nicht schaffen und deshalb in eine Übergangslösung eintreten. Zu den Hilfestellungen, die für Jugendliche im Prozess der Berufswahl, bei der Lehrstellensuche oder während der Ausbildung zur Verfügung stehen, gehören Berufsberatung, Brückenangebote, Coaching- und Mentoring-Programme, das Case Management Berufsbildung oder die fachkundige individuelle Begleitung. Auch individuelle Lehrverlängerungen sind möglich. Mit dem aktuellen Berufsbildungsgesetz wurde 2004 zudem die zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) eingeführt. Sie richtet sich an vorwiegend praktisch begabte Jugendliche und führt zu einem eidgenössischen Abschluss mit einem eigenständigen arbeitsmarktorientierten Berufsprofil. Inzwischen sind bereits über 40 zweijährige berufliche Grundbildungen in Kraft und die Zahl der Lehrvertragsverhältnisse ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Diese Entwicklung dürfte weiter anhalten, insbesondere da in jüngster Zeit neue zweijährige berufliche Grundbildungen in Berufsfeldern geschaffen wurden, die bei Jugendlichen überdurchschnittlich beliebt sind. Dazu gehören insbesondere die Berufe Assistent/-in Gesundheit und Soziales EBA, Gärtner/-in EBA und Coiffeur/- euse EBA. Erfahrungsgemäss braucht es eine gewisse Zeit, bis sich neue Ausbildungen etabliert haben. Mit wachsender Erfahrung steigt aber auch die Zahl der Betriebe, die entsprechende Lehrstellen anbieten. Auch Lehrbetriebe werden bei der Ausbildung ihrer Lernenden unterstützt, in erster Linie durch die kantonalen Berufsbildungsämter und die OdA, die den Unternehmen mit persönlicher Beratung zur Verfügung stehen und Arbeitsinstrumente für die Praxis anbieten. Zudem haben der Einsatz von Lehrstellenförderern und die Möglichkeit für Lehrbetriebsverbünde dazu beigetragen, dass die Zahl der angebotenen Lehrstellen in den letzten Jahren stetig zunahm und der Lehrstellenmarkt weitgehend stabil blieb. Schlussfolgerungen des Bundesrates Die Integration der Jugendlichen in den Arbeitsmarkt und die Bereitstellung von gut ausgebildeten Fachkräften auf allen Stufen sind zentrale Anliegen des Bundesrates. Er erachtet die Berufsbildung als entscheidenden Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz und die im Vergleich zu anderen Ländern tiefe Jugendarbeitslosigkeit. Die Entwicklungen im Bereich der Berufsbildung werden deshalb laufend beobachtet. Bei Ungleichgewichten im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung, strukturellen Veränderungen oder konjunkturellen Schwankungen besteht die Möglichkeit, zusätzliche Massnahmen zu ergreifen 2. Die Verbundpartner haben in den vergangenen Jahren gezielte Anstrengungen unternommen, um Jugendliche in die Berufsbildung zu integrieren und sie ihren Fähigkeiten entsprechend zu fördern. Der Schwerpunkt wurde dabei auf die Unterstützung von Jugendlichen mit schulischen, sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten gelegt. Das Instrumentarium setzt in der obligatorischen Schule ein und umfasst den Prozess der Berufswahl und der Lehrstellensuche, den Einstieg in die Berufswelt und die Zeit der beruflichen Grundbildung. Der Bundesrat ist überzeugt, dass sich diese Massnahmen bewährt haben. Sie sollen weitergeführt und wie bisher regelmässig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Die im Bericht vorgeschlagenen Empfehlungen des Bundesrates zielen darauf ab, das bisherige Engagement zu verstärken und das bestehende Instrumentarium gezielt zu ergänzen. Die Empfehlungen stehen zudem in Einklang mit weiteren Aktivitäten des Bundes, etwa im Rahmen der Fachkräfteinitiative oder des Nationalen Programms zur Prävention und Bekämpfung von Armut. Nachdem der Fokus in der Berufsbildung in den letzten Jahren auf Integrationsmassnahmen im niederschwelligen Bereich lag, möchte der Bundesrat den Blickwinkel verstärkt auf die Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial richten. Er plädiert dabei generell für ein umfassenderes Begabungs- und Leistungsverständnis. Gefördert werden sollen vermehrt auch praktische Kenntnisse und Fähigkeiten. Zudem soll bei der Entwicklung und Revision von Bildungsangeboten die Flexibilität des Systems genutzt werden, um Modelle zu schaffen, die den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen genügen. Gestärkt werden müssen aus Sicht des Bundesrates insbesondere die Be- 2 Vgl. Art. 13 BBG /2013/01803 \ COO /54
6 rufsmaturität und die Angebote der höheren Berufsbildung. Weiter sind angesichts der zunehmenden Internationalisierung auf dem Arbeitsmarkt interkulturelle Kompetenzen und sprachliche Fähigkeiten mit geeigneten Massnahmen zu fördern. Und nicht zuletzt müssen Erziehungsberechtigte als massgebende Beeinflusser im Berufswahlprozess vermehrt einbezogen werden. Auch bei der Unterstützung von Jugendlichen mit schulischen, sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten sieht der Bundesrat die Möglichkeit, das Engagement gezielt zu verstärken. Im Bereich der zweijährigen beruflichen Grundbildungen sollen sich die Berufsverbände für eine bessere Bekanntheit und Anerkennung der Angebote einsetzen. Der Bund wird offene Fragen etwa bzgl. Arbeitsmarktfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen klären. Zur Unterstützung jener Jugendlichen, die keine eidgenössisch anerkannte berufliche Grundbildung absolvieren, erachtet der Bundesrat den individuellen Kompetenznachweis als adäquates Instrument. Damit die erhoffte Wirkung erzielt werden kann, ist entscheidend, dass das Instrument bekannt ist und in der Praxis angewendet wird. Schliesslich ist ein koordiniertes Vorgehen aller involvierten Stellen von höchster Bedeutung. Der Bundesrat setzt sich deshalb dafür ein, dass die interinstitutionelle Zusammenarbeit im Rahmen des Case Management Berufsbildung sowie weiterer berufsbildungsrelevanter Projekte weiter verbessert werden kann /2013/01803 \ COO /54
7 1 Hintergrund und Aufbau des Berichtes 1.1 Ausgangslage Übergang in die nachobligatorische Bildung Der Übergang von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II (Nahtstelle I) stellt eine sensible und wichtige Phase in der Entwicklung der Jugendlichen dar. Sie entscheiden über ihren weiteren Ausbildungsweg und stellen damit eine erste Weiche für ihre Zukunft. Entsprechend wichtig ist eine Begleitung und Unterstützung durch Bezugspersonen oder Fachleute. Nicht zuletzt, da sich die Wünsche der Jugendlichen nicht immer mit den tatsächlichen Möglichkeiten decken. Schliesslich ist ein reibungsloser Übergang in die Berufsbildung und in den Arbeitsmarkt auch aus volkswirtschaftlicher Sicht von grösster Bedeutung, damit das Fachkräftepotenzial bestmöglich ausgeschöpft und der Jugendarbeitslosigkeit vorgebeugt werden kann (vgl. Kap und 4.5). Zwei Drittel der Schulabgängerinnen und Schulabgänger beginnen eine berufliche Grundbildung und machen damit den ersten Schritt ins Arbeits- und Erwerbsleben. Dies stellt auch deshalb eine besondere Herausforderung dar, weil sich die Jugendlichen plötzlich in verschiedenen Ausbildungsrealitäten wiederfinden: in der Berufsfachschule, den überbetrieblichen Kursen und im Lehrbetrieb. Die meisten Jugendlichen schaffen diesen Schritt bzw. Spagat eigenständig. Manche benötigen jedoch Unterstützung bei Berufswahl, Lehrstellensuche oder während der Ausbildung. Diesem Unterstützungsbedarf wird in allen Kantonen mit gezielten Massnahmen Rechnung getragen. Die Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial ist insbesondere aufgrund der seit 2009 rückläufigen Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ins Zentrum der verbundpartnerschaftlichen Anstrengungen gerückt (vgl. Kap ). Mit den verschiedenen Angeboten auf Sekundar- und Tertiärstufe sowie dank der hohen Durchlässigkeit bietet die Berufsbildung vielfältige Berufs- und Karriereperspektiven, auch für ambitionierte Jugendliche Unterschiedliche Begabungspotenziale Der vorliegende Bericht umfasst zwei thematische Schwerpunkte. Einerseits geht es um die Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial, sogenannt Leistungsstarken. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff Talentförderung häufig verwendet. Dabei geht es nicht zwingend um rein schulische Leistungen. Gerade in der Berufsbildung, in der die Vermittlung von beruflichen Handlungskompetenzen im Zentrum steht, sind praktische Kenntnisse und Fähigkeiten von mindestens ebenso grosser Bedeutung (vgl. Einleitung zu Kap. 3). Das duale System erlaubt es, theoretisch erworbenes Wissen direkt in der Praxis umzusetzen. Theorie und Praxis ergänzen sich und vertiefen die beruflichen Erfahrungen. Ist in den nachfolgenden Ausführungen deshalb von hohem Leistungspotenzial, leistungsstarken Jugendlichen oder Talentförderung die Rede, umfassen diese Bezeichnungen auch Jugendliche, die sich durch herausragende praktische Kenntnisse und Fähigkeiten auszeichnen. Den zweiten Schwerpunkt des Berichtes bildet die Unterstützung von Jugendlichen, bei denen ein nahtloser Übergang in eine berufliche Grundbildung bzw. der erfolgreiche Abschluss einer nachobligatorischen Ausbildung nicht gewährleistet ist. Ausschlaggebend dafür können etwa schulische, soziale oder sprachliche Schwierigkeiten sein. Meist handelt es sich um das komplexe Zusammenspiel verschiedener Faktoren, wie auch Untersuchungen im Rahmen des Projekts Optimierung der Nahtstelle obligatorische Schule Sekundarstufe II der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) zeigen. Auf der Suche nach Erfolgsfaktoren in Bezug auf eine gelungene berufliche Grundbildung wurden verschiedene Einflussbereiche Persönlichkeitsmerkmale, familiärer und sozialer Hintergrund, das schulische und betriebliche Umfeld, Freizeit, Beratungsangebote sowie übergeordnete Einflüsse definiert und analysiert 3. Es zeigte sich unter anderem, dass insbesondere äussere Faktoren wie soziale Schicht, Schulstrukturen, Lehrstellenmarkt oder Wohnregion den Erfolg einer Ausbildung 3 Häfeli, K. / Schellenberg, C. [EDK Hrsg.]: Erfolgsfaktoren in der Berufsbildung bei gefährdeten Jugendlichen, Bern 2009, Abbildung 10, S /2013/01803 \ COO /54
8 massgeblich beeinflussen; gleichzeitig aber vorhandene Risikofaktoren nicht zwingend eine negative Entwicklung zur Folge haben müssen Bildungspolitisches Ziel von Bund und Kantonen Angesichts der steigenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt wird ein nachobligatorischer Bildungsabschluss für die soziale und berufliche Integration zunehmend wichtiger. Bund und Kantone haben sich zum Ziel gesetzt, dass bis Prozent aller 25-Jährigen über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen 5. Für Jugendliche, die das ganze Schulsystem in der Schweiz durchlaufen haben, ist dieses Ziel bereits erreicht 6. Differenzen zwischen den Geschlechtern sind inzwischen kaum mehr feststellbar: Nach einem deutlichen Anstieg der Abschlussquote von Frauen in den 1990er-Jahren verläuft die Entwicklung der geschlechtsspezifischen Quoten gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) seit dem Jahr 2000 in etwa gleich Herausforderungen Demografische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen beeinflussen die Berufsbildung. Um den damit verbundenen Herausforderungen zu begegnen, gilt es, diese Entwicklungen zu beobachten, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und allenfalls Massnahmen einzuleiten. Regionale Unterschiede sind dabei genauso zu berücksichtigen wie branchenspezifische Besonderheiten. Entwicklung der Lernendenzahlen Das BFS geht in seinen aktuellen Bildungsszenarien davon aus, dass die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger der obligatorischen Schule von 2012 bis 2018 um 8.0 Prozent zurückgeht und danach bis 2022 wieder um 4.2 Prozent ansteigt 8. Diese Entwicklung wird sich auch auf die Lernendenzahlen in der Berufsbildung auswirken. Im ersten Jahr der beruflichen Grundbildung rechnet das BFS bis 2018 mit einem Rückgang der Lernendenzahlen um 3.1 Prozent auf Lernende (verglichen mit Lernenden im Jahr 2012) und anschliessend wieder mit einer leichten Zunahme um 1.7 Prozent auf Lernende im Jahr Dabei sind grosse kantonale Unterschiede zu erwarten: Betrachtet man wiederum das erste Jahr der beruflichen Grundbildung, prognostiziert das BFS in den acht Kantonen AG, BS, FR, GE, TI, VD, ZG und ZH ein Wachstum, in allen anderen Kantonen eine Abnahme, die in der Ost- und Zentralschweiz teilweise über 10.0 Prozent beträgt 10. Steigende Fachkräftenachfrage Diese Entwicklungen werden eine gewisse Polarisierung auf dem Lehrstellenmarkt, die bereits heute feststellbar ist, weiter akzentuieren. Auf der einen Seite wird es immer Jugendliche geben, die Mühe haben, eine Lehrstelle zu finden. Um diese Jugendlichen in die Berufsbildung zu integrieren und sie vor Arbeitslosigkeit zu schützen, werden weiterhin Anstrengungen im niederschwelligen Bereich nötig sein. Auf der anderen Seite melden Unternehmen zunehmend Rekrutierungsschwierigkeiten. Betroffen sind Branchen wie MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), die auf allen Stufen mit einer Fachkräfteknappheit konfrontiert sind; allgemein aber auch Unternehmen, die Ausbildungsplätze mit hohen Anforderungen anbieten. Es braucht deshalb geeignete Massnahmen, um Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial für die Berufsbildung zu gewinnen. 4 Häfeli, K. / Schellenberg, C. [EDK Hrsg.]: Erfolgsfaktoren in der Berufsbildung bei gefährdeten Jugendlichen, Bern 2009, S. 123 / S EDI / EVD/ EDK: Chancen optimal nutzen Erklärung 2011 zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen für den Bildungsraum Schweiz, Bern SKBF: Bildungsbericht Schweiz, Aarau 2010, S BFS: Bildungsindikatoren Abschlussquote auf der Sekundarstufe II. Die Zahlen beziehen sich auf BFS: Szenarien für das Bildungssystem Szenarien für die obligatorische Schule. 9 BFS: Szenarien für das Bildungssystem Szenarien für die Sekundarstufe II. 10 BFS: Szenarien für das Bildungssystem Szenarien für die Sekundarstufe II /2013/01803 \ COO /54
9 Dies nicht zuletzt, als die Nachfrage nach Fachkräften weiter steigen wird. Zu einem gewissen Grad kann dieser Bedarf durch die Personenfreizügigkeit gedeckt werden. Da sich die Ausgangslage in den meisten industrialisierten Staaten jedoch ähnlich gestaltet, darf nicht allein auf die Zuwanderung gesetzt werden. Die 2011 vom damaligen Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement (EVD) 11 lancierte Fachkräfteinitiative hat zum Ziel, den Fachkräftebedarf der Schweiz bis 2020 vermehrt durch Rekrutierungen im Inland decken zu können 12. Neben der Aktivierung freier Potenziale in der Schweizer Erwerbsbevölkerung steht die kontinuierliche Nach- und Höherqualifizierung im Vordergrund der koordinierten Anstrengungen von Bund, Kantonen und Wirtschaft (vgl. Kap ). 1.2 Parlamentarischer Auftrag Mit dem vorliegenden Bericht werden folgende Postulate erfüllt: Postulat Ingold : Nationalrätin Maja Ingold reichte am das Postulat Mehr Ausbildungsplätze für Jugendliche mit schwachem Schulrucksack ein. Darin wird der Bundesrat beauftragt, Massnahmen für die Ausweitung und Attraktivitätssteigerung der zweijährigen beruflichen Grundbildungen mit eidgenössischem Berufsattest aufzuzeigen. Der Bundesrat empfahl das Postulat in seiner Antwort vom zur Ablehnung mit dem Hinweis, dass sich die Zahl der Lehrverhältnisse bei den zweijährigen beruflichen Grundbildungen positiv entwickle und zu erwarten sei, dass der Nutzen für die Lehrbetriebe mit zunehmendem Erfahrungsgewinn weiter steige. Am beschloss der Nationalrat mit 89:88 Stimmen die Annahme des Postulats. Postulat Jositsch : Nationalrat Daniel Jositsch reichte am das Postulat Demografische Entwicklung und Auswirkung auf die duale Berufsbildung ein. Der Bundesrat wird darin ersucht, mit allfälligen Massnahmen sicherzustellen, dass auch bei rückläufiger Zahl von Schulabgängerinnen und Schulabgängern Qualität und Quote der dual ausgebildeten Jugendlichen erhalten bleiben. In seiner Antwort vom zeigte sich der Bundesrat überzeugt, dass mit den Anstrengungen, welche die Verbundpartner in den letzten Jahren zur Steigerung der Attraktivität und der Durchlässigkeit sowie zur Unterstützung von Jugendlichen und Unternehmen unternommen haben, die Forderungen des Postulates bereits erfüllt sind. Er beantragte, den Vorstoss abzulehnen. Im Nationalrat wurde das Postulat am mit 149:33 Stimmen angenommen. Postulat Müri : Nationalrat Felix Müri reichte am das Postulat Förderung leistungsstarker Jugendlicher in der Berufsbildung ein mit der Forderung, Massnahmen zu prüfen, um leistungsstarke Schulabgängerinnen und -abgänger für die Berufsbildung zu gewinnen und sie während der beruflichen Grundbildung speziell zu fördern. Zur Zielgruppe gehören aus Sicht des Postulanten insbesondere auch Jugendliche, die sich durch herausragende Leistungen auf technischem oder handwerklichem Gebiet auszeichnen. Der Bundesrat beantragte in seiner Antwort vom die Annahme des Postulates. Am wurde es vom Nationalrat überwiesen. Postulat Schilliger : Nationalrat Peter Schilliger reichte am das Postulat Die zweijährige Lehre aufwerten ein. Er verlangt vom Bundesrat aufzuzeigen, wie die Attraktivität der zweijährigen beruflichen Grundbildungen mit eidgenössischem Berufsattest gesteigert werden kann. Nachdem der Bundesrat in seiner Antwort vom beantragte, das Postulat anzunehmen, wurde es vom Nationalrat am überwiesen. 1.3 Aufbau des Berichtes Der vorliegende Bericht bietet einen Überblick über Angebote, Massnahmen und Instrumente am Übergang in die Sekundarstufe II und während der beruflichen Grundbildung. Nach einer Darlegung der Aufgaben von Bund, Kantonen und OdA sowie Hinweisen zu den rechtlichen Grundlagen im Kapitel 2 widmet sich Kapitel 3 der Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial. Dabei 11 Seit 2013 Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). 12 EVD: Fachkräfte für die Schweiz: Eine Initiative des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, Bern /2013/01803 \ COO /54
10 werden Aktivitäten und Massnahmen der Verbundpartner zur Talentgewinnung auf verschiedenen Ebenen aufgezeigt. Kapitel 4 umfasst Instrumente zur Unterstützung von Jugendlichen mit schulischen, sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die Entwicklung der zweijährigen beruflichen Grundbildungen mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) gelegt wird. Ein Exkurs beleuchtet das Thema Jugendarbeitslosigkeit und die Massnahmen der Arbeitslosenversicherung. In den Kapiteln 3 und 4 werden zudem in jenen Bereichen, in denen Handlungsbedarf geortet wird, entsprechende Empfehlungen formuliert. Schliesslich fasst Kapitel 5 die Schlussfolgerungen des Bundesrates und die daraus resultierenden Empfehlungen zusammen. Es ist darauf hinzuweisen, dass die im Bericht genannten Projektbeispiele der Veranschaulichung dienen. Es gibt zahlreiche andere Initiativen, die einen ebenso wichtigen Beitrag zur Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial und zur Integration von Jugendlichen mit schulischen, sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten leisten, die aber im Rahmen dieses Berichtes aus Platzgründen nicht berücksichtigt werden konnten. 2 Grundlagen 2.1 Rechtliche Grundlagen Regelungen betreffend Förder- und Unterstützungsangeboten für Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungspotenzialen und Bildungsressourcen bestehen auf Bundesebene und in den kantonalen Gesetzen. Auf Bundesebene finden sich die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen im Bundesgesetz über die Berufsbildung (Berufsbildungsgesetz BBG) 13 sowie in der Berufsbildungsverordnung (BBV) 14. Aus Gründen der Übersichtlichkeit und Lesbarkeit werden die entsprechenden Gesetzes- und Verordnungsartikel im Anhang aufgeführt. 2.2 Verbundpartnerschaft in der Berufsbildung Zuständigkeiten und Aufgaben Gemäss Berufsbildungsgesetz (Art. 1 BBG) ist die Berufsbildung eine verbundpartnerschaftliche Aufgabe. Bund, Kantone und OdA arbeiten eng zusammen und streben gemeinsam qualitativ hochstehende Angebote und einen ausgeglichenen Lehrstellenmarkt an. Innerhalb der Verbundpartnerschaft kommen den Partnern verschiedene Aufgaben zu Bund Zuständig für die Belange der Berufsbildung auf Bundesebene ist das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) 15. Ihm obliegt in Zusammenarbeit mit den Kantonen und OdA die strategische Steuerung des Systems, d.h. die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Berufsbildung sowie die Transparenz und Vergleichbarkeit der Angebote. Das SBFI erlässt die Verordnungen über die berufliche Grundbildung, anerkennt die Prüfungsordnungen und Rahmenlehrpläne der höheren Berufsbildung und genehmigt die Bildungsgänge für Berufsbildungsverantwortliche. Die für die strategische Steuerung nötigen Datengrundlagen liefern insbesondere die Statistiken und Bildungsindikatoren des BFS. Zudem veröffentlicht das SBFI seit 1997 zweimal jährlich das Lehrstellenbarometer, basierend auf repräsentativen Umfragen bei Unternehmen sowie Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 20 Jahren 16. Es dient neben den bei den Kantonen durchgeführten Trendumfragen dazu, die Entwicklungen auf dem Lehrstellenmarkt aufzuzeigen. Seit SR SR Das SBFI ging per Anfang 2013 aus der Zusammenlegung des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) sowie des Staatssekretariates für Bildung und Forschung (SBF) hervor. 16 Die Erhebungen führt das LINK Institut für Markt- und Sozialforschung (Luzern) im Auftrag des SBFI durch. Bei den Unternehmen handelt es sich je zur Hälfte um Lehrbetriebe und um solche, die keine Lehrstellen anbieten oder Lernende ausbilden /2013/01803 \ COO /54
11 gibt das jährlich erscheinende Berufseinstiegs-Barometer Aufschluss über die Entwicklung des Stellenmarktes für Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Grundbildung (Einsteigerstellen) 17. Die Erkenntnisse, welche diese Beobachtungsinstrumente liefern, werden seit 2005 auch im Rahmen der nationalen Lehrstellenkonferenz von den Spitzen der Verbundpartner sowie Vertreterinnen und Vertretern des eidgenössischen Parlaments diskutiert, um das bestehende Massnahmeninstrumentarium zu prüfen und bei Bedarf Anpassungen einzuleiten 18. Im Rahmen seiner Projektförderung nach Art. 54 / 55 BBG leistet der Bund Beiträge für Projekte zur Weiterentwicklung der Berufsbildung, zur Qualitätsentwicklung sowie für besondere Leistungen im öffentlichen Interesse. Insgesamt bemisst sich der Anteil des Bundes an den Berufsbildungskosten der öffentlichen Hand am Richtwert von 25 Prozent. Das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) ist das Kompetenzzentrum des Bundes für die Aus- und Weiterbildung von Berufsbildungsverantwortlichen (vgl. Kap ), für die Begleitung und Umsetzung von Berufsreformen und -revisionen sowie für Fragen der Berufsbildungsforschung. Mit seinen drei regionalen Standorten in Zollikofen, Lausanne und Lugano trägt das EHB zur nationalen Ausrichtung der Berufsbildung bei Kantone In die Verantwortung der Kantone fallen die Umsetzung der Berufsbildung und deren Aufsicht. Sie decken rund 75 Prozent der öffentlichen Berufsbildungskosten. Neben der Aufsicht über die Lehrverhältnisse, Berufsfachschulen und höheren Fachschulen betreiben die Kantone Lehrstellenmarketing, erteilen Bildungsbewilligungen für Unternehmen, organisieren die Lehrabschlussprüfungen und stellen die Aus- und Weiterbildung der in den Lehrbetrieben tätigen Berufsbildnerinnen und Berufsbildner sicher. Vollzugsorgane sind die kantonalen Berufsbildungsämter, die ihre Tätigkeiten im Rahmen der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) einer Fachkonferenz der EDK koordinieren. Als nationale Informations- und Austauschplattform fördert die SBBK die Berufsbildungsentwicklung auf gesamtschweizerischer Ebene sowie die Zusammenarbeit und Koordination unter den Kantonen. Sie berät die EDK in Fragen der Berufsbildung und fördert die Kontakte mit der Arbeitswelt sowie der allgemeinen Bildung. Die Kantone stellen zudem Angebote bereit, die der Vorbereitung auf die berufliche Grundbildung dienen und bieten im Rahmen der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen Orientierungshilfen für Jugendliche und Erwachsene (vgl. Kap und 4.2.1). Im Informations- und Dokumentationszentrum (IDES) der EDK werden Informationen über das schweizerische Bildungswesen sowie dazugehörige Dokumentationen gesammelt, aufbereitet und zugänglich gemacht. Seit 2009 ist die Berufsbildung explizit als Fachgebiet in der Dienstleistungspalette enthalten Organisationen der Arbeitswelt Zu den OdA zählen Sozialpartner, Berufs- und Branchenverbände sowie andere zuständige Organisationen und Anbieter der Berufsbildung. Sie sind an der strategischen, konzeptionellen und inhaltlichen Ausgestaltung der Berufsbildung massgeblich beteiligt. Berufs- und Branchenverbände definieren die Inhalte der Ausbildungen. Sie entwickeln neue bzw. revidieren in regelmässigen Abständen bestehende Bildungsverordnungen und -pläne. Damit ist sichergestellt, dass die Ausbildungen den Bedürfnissen der Wirtschaft entsprechen. Die Verbände organisieren die berufliche Grundbildung, definieren die nationalen Qualifikationsverfahren, führen überbetriebliche Kurse durch und stellen Angebote der höheren Berufsbildung bereit. 17 Dazu untersucht der Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich im Auftrag des SBFI und des SECO Bestand und Zusammensetzung von Berufseinsteigenden und analysiert Stelleninserate. In den bisherigen Untersuchungen zeigte sich deutlich, dass der Abschluss einer beruflichen Grundbildung einen starken Schutz vor Arbeitslosigkeit bietet. 18 Ab 2014 wird die Lehrstellenkonferenz unter neuem Namen durchgeführt. An der inhaltlichen Ausrichtung als Diskussions- und Controllingplattform auf Spitzenebene ändert sich hingegen nichts /2013/01803 \ COO /54
12 Eine klare und abschliessende gesetzliche Definition der Organisation der Arbeitswelt gibt es nicht. Der Begriff ist im jeweiligen bildungspolitischen Kontext und mit Bezug auf die Aufgaben- oder Fragestellung zu beurteilen. 3 Angebote, Massnahmen und Instrumente zur Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial Die Nachwuchssicherung auf allen Stufen ist ein zentrales Anliegen der Verbundpartner. Die Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern für jene Unternehmen, welche Ausbildungsplätze mit hohen Anforderungsprofilen anbieten, mit zunehmenden Schwierigkeiten verbunden ist und eine Entspannung angesichts der sich abzeichnenden demografischen Entwicklungen nicht zu erwarten ist (vgl. Kap und 3.1.4). Die Berufsbildung steht hier in Konkurrenz zu den Gymnasien. Gerade ambitionierte Jugendliche mit ausreichenden schulischen Leistungen entscheiden sich nach der obligatorischen Schulzeit häufig für den allgemeinbildenden Weg. Steigendes Bildungsniveau Die Nachfrage der Unternehmen nach höher qualifizierten Arbeitnehmenden nimmt laufend zu, denn der technologische Fortschritt in allen Bereichen der Wirtschaft führt zu höheren Anforderungen. Das BFS geht davon aus, dass das Bildungsniveau in der Schweiz weiter steigen wird: Verfügten 2010 noch 35 Prozent der 25- bis 64-Jährigen über einen Abschluss auf Tertiärstufe 19, dürften es 2030 bereits mehr als die Hälfte sein (Abb. 1) 20. Gleichzeitig sinkt in der gleichen Altersgruppe der Anteil jener mit einem nachobligatorischen Abschluss als höchstem Bildungsabschluss (von 52 Prozent im Jahr 2010 auf 38 Prozent im Jahr 2030). Die Zahl der Personen ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss konnte in den vergangenen Jahrzehnten reduziert werden, auf aktuell rund zehn Prozent. Vor 1980 lag der Anteil der 25- bis 64-Jährigen ohne Abschluss auf Sekundarstufe II noch bei fast 40 Prozent. Über einen Tertiärabschluss verfügte lediglich etwas mehr als jeder Zehnte. Abb. 1: 25- bis 64-Jährige nach höchstem Bildungsabschluss (Quelle: BFS) 60% 50% 52% 53% 40% 30% 35% 38% 20% 10% 13% 9% 0% Sekundarstufe I Sekundarstufe II Tertiärstufe 19 In der internationalen Klassifikation wird unterschieden zwischen Tertiär A (Hochschulen) und Tertiär B (höhere Berufsbildung). 20 BFS: Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz , Neuchâtel 2010, S /2013/01803 \ COO /54
13 Chancen der Berufsbildung Die Berufsbildung bietet Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial dank der hohen Durchlässigkeit, der Berufsmaturität als Zugangsportal zu den Fachhochschulen oder den Angeboten der höheren Berufsbildung beste Voraussetzungen für die berufliche Karriere. Der enge Einbezug der Wirtschaft garantiert die Vermittlung von Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. Wie die nachfolgenden Ausführen deutlich machen, stehen zudem auf allen Ebenen Möglichkeiten zur Verfügung, ambitionierte Jugendliche für die Berufsbildung zu gewinnen und zu fördern, sei es durch eine Verkürzung der Ausbildung, die Ausgestaltung der Bildungsinhalte, Informations- und Werbeaktivitäten, schulische und betriebliche Initiativen oder nationale und internationale Wettbewerbe. Stärkung der praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten Dennoch fehlt, wie bisherige Untersuchungen im Rahmen der Berufsbildungsforschung zeigen, bis anhin eine systematische Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial in der Berufsbildung. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass die Anstrengungen der Verbundpartner in den letzten Jahren vorab auf die Integration von Jugendlichen gerichtet waren, die beim Übergang in eine nachobligatorische Ausbildung Schwierigkeiten bekundeten. Andererseits wird Talent- oder Begabtenförderung in erster Linie mit der akademischen Bildung in Verbindung gebracht 21. Auch in der Berufsbildung bezieht sich der Begriff leistungsstark vorwiegend auf den schulischen Bereich und nicht auf praktische Kenntnisse und Fähigkeiten. Dies, obwohl die Kompetenzorientierung ein Kernelement der Berufsbildung ist. Den Lernenden werden Fach-, Methoden, Sozial- und Selbstkompetenzen vermittelt, die es ihnen ermöglichen, berufliche Herausforderungen zu meistern. Die Ausbildung an den drei Lernorten Betrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse erlaubt es, das erworbene theoretische Wissen direkt praktisch anzuwenden. Dieser Lerneffekt wird häufig unterschätzt. Für Margrit Stamm, Professorin em. an der Universität Fribourg, die das Thema Talentförderung in der Berufsbildung in verschiedenen Forschungsprojekten beleuchtet hat, stellt das praktische Erfahrungswissen, d.h. die Fähigkeit, mit realen Problemen erfolgreich umzugehen, das zentrale Merkmal von Berufskompetenz dar 22. Sie spricht sich für ein verstärktes Bewusstsein für eine Praktikerelite aus, wobei ihrer Ansicht nach auch bei der Rekrutierung von Lernenden weniger auf schulische Kompetenzen gesetzt werden soll 23. Ihre Untersuchungen haben gezeigt, dass die besten Lehrabgängerinnen und -abgänger vor Beginn der beruflichen Grundbildung nicht unbedingt die besten schulischen Leistungen erbracht haben 24. Empfehlung des Bundesrates: Die Verbundpartner richten den Fokus der Förderung von leistungsstarken Jugendlichen in der Berufsbildung vermehrt auf praktische Kenntnisse und Fähigkeiten. 3.1 Massnahmen auf Bundesebene Eidgenössische Berufsmaturität 1994 eingeführt, trug die Berufsmaturität massgeblich zur Steigerung der Durchlässigkeit und der Attraktivität der Berufsbildung bei. Basierend auf einer drei- oder vierjährigen beruflichen Grundbildung beinhaltet sie eine erweiterte Allgemeinbildung und erlaubt den prüfungsfreien Zugang an eine Fachhochschule. Das Studium an einer Universität oder Eidgenössischen Technischen Hochschule ist mit der Ergänzungsprüfung Passerelle möglich. 21 Vgl. auch Stamm, M: Talentmanagement in der beruflichen Grundbildung, Dossier Berufsbildung 12/1, Fribourg 2012, S. 15/ Stamm, M: Talentmanagement in der beruflichen Grundbildung, Dossier Berufsbildung 12/1, Fribourg 2012, S Stamm, M.: Talentmanagement in der beruflichen Grundbildung, Dossier Berufsbildung 12/1, Fribourg 2012, S Stamm, M.: Talentmanagement in der beruflichen Grundbildung, Dossier Berufsbildung 12/1, Fribourg 2012, S /2013/01803 \ COO /54
14 Die Berufsmaturität hat sich als Angebot für schulisch starke Jugendliche etabliert. Jährlich werden über Berufsmaturitätsausweise ausgestellt. Die Berufsmaturitätsquote lag 2012 bei 13.7 Prozent (Männer: 14.1 Prozent, Frauen: 13.4 Prozent, Abb. 2) 25, wobei knapp 55 Prozent die Berufsmaturität integriert in die berufliche Grundbildung absolvierten, rund 45 Prozent im Anschluss. Der Anteil jener, welche die Berufsmaturität erst nach Abschluss der beruflichen Grundbildung als Vollzeitausbildung in Angriff nehmen, hat in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen. Mit ein Grund dafür ist die Doppelbelastung in der beruflichen Grundbildung, die nicht zu unterschätzen ist. Abb. 2: Berufsmaturitätsquote (Quelle: BFS) 16% 14% 12% 10% 8% 6% 4% 2% 0% Frauen Männer Total 2013 wurde der neue Rahmenlehrplan Berufsmaturität in Kraft gesetzt. Er bezweckt, die Berufsmaturität noch expliziter als Fachhochschulreife zu positionieren, indem der Unterricht gezielt auf die Fachbereiche der Fachhochschulen ausgerichtet wird. Die Erarbeitung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, OdA, Berufsfachschulen und Fachhochschulen mit dem Ziel, die eidgenössische Berufsmaturität national und international zu stärken und die Absolventinnen und Absolventen optimal auf den Übertritt in die Fachhochschulen vorzubereiten. Über 50 Prozent der Absolventinnen und Absolventen einer Berufsmaturität beginnen ein Studium an einer Fachhochschule. Erkenntnisse zu deren Studierfähigkeit und Antworten auf die Frage, inwiefern die Berufsmaturität den Studienerfolg beeinflusst, soll eine 2012 von der SBBK in Auftrag gegebene Evaluation bringen 26. Ergebnisse werden 2014 erwartet und sollen den Verbundpartnern auch als Grundlage für ein Monitoring-System dienen, das zur Qualitätssicherung und Steuerung der Berufsmaturität aufgebaut werden soll Höhere Berufsbildung Auf Tertiärstufe bietet die höhere Berufsbildung Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial praxisnahe Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und Höherqualifizierung. Sowohl die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen als auch die Bildungsgänge der höheren Fachschulen orientieren sich eng am Arbeitsmarkt und vermitteln Kompetenzen, die für anspruchsvolle Positionen mit Fach- oder Führungsverantwortung gefragt sind wurden rund Abschlüsse der höheren Berufsbildung verzeichnet 27. Damit leistet die höhere Berufsbildung einen entscheidenden Beitrag zum Werk- und Denkplatz Schweiz. Zudem ist, angesichts des zu erwartenden steigenden Bildungsniveaus in der Bevölkerung, mit einer Zunahme der 25 BFS: Bildungsindikatoren Maturitätsquote. 26 Vgl. 27 BFS: Tertiärstufe, Höhere Berufsbildung: Abschlüsse, Tabelle je-d /2013/01803 \ COO /54
15 Abschlüsse zu rechnen. Nicht zuletzt, da die Beschäftigungsaussichten für Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung gut sind, wie Abbildung 3 zeigt. Abb. 3: Erwerbstätigkeit nach Abschluss einer Ausbildung (Quelle: BFS) % 80% 76% 82% 72% 60% 40% 20% 0% Normale Arbeit 14% 19% 12% Besondere Arbeitsformen 7% 4% 1% 3% 1% 2% Nichterwerbstätige Erwerbslose Berufliche Grundbildung inkl. Maturität Höhere Berufsbildung Hochschulen Die Weiterentwicklung und Stärkung der höheren Berufsbildung gehört zu den prioritären Anliegen von Bund, Kantonen und Wirtschaft. Das SBFI hat deshalb im Frühjahr 2013 ein Strategieprojekt initiiert, um Fragestellungen bzgl. Finanzierung und Positionierung koordiniert anzugehen und gemeinsam mit den Verbundpartnern zu klären. Anfang 2013 trat zudem die vom Bundesrat beschlossene Änderung von Art. 65 der Berufsbildungsverordnung in Kraft. Damit wurden die Bundesbeiträge für die Durchführung der eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen weiter erhöht, von 25 auf höchstens 60 Prozent und in Ausnahmefällen, d.h. bei besonders kostenintensiven Prüfungen, auf bis zu 80 Prozent der Durchführungskosten. Diese Erhöhung dient der finanziellen Entlastung von Prüfungsträgern und Absolventinnen und Absolventen sowie der Attraktivitätssteigerung der eidgenössischen Prüfungen. Die Anstrengungen der Verbundpartner tragen zu einer kohärenten Steuerung und Politik zugunsten der Wirtschaft und der Gesellschaft bei und sorgen dafür, dass die höhere Berufsbildung national und international weiter gestärkt wird. Dies auch im Hinblick auf die bildungspolitische Zielsetzung einer Höherqualifizierung der Bevölkerung entsprechend den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes (vgl. Kap ). Empfehlung des Bundesrates: Die Verbundpartner setzen sich mit geeigneten Massnahmen für eine bessere Positionierung der höheren Berufsbildung und steigende Abschlusszahlen ein Kampagne Berufsbildungplus.ch Zur Förderung der Berufsbildung lancierte der Bund in Zusammenarbeit mit den Kantonen und OdA 2007 die Kampagne Berufsbildungplus.ch 29. Ziel der Kommunikationsmassnahmen ist die Sensibilisierung von Jugendlichen, Eltern und Unternehmen für die Möglichkeiten der Berufsbildung. 28 Als besondere Arbeitsformen gelten z. B. Vertragsdauer < 12 Monate, Teilzeitanstellung < 6 Std./ Woche, mehr als eine Stelle, gewisse Formen der Selbstständigkeit, Heimarbeit /2013/01803 \ COO /54
16 An der nationalen Lehrstellenkonferenz 2011 beschlossen die Spitzen der Verbundpartner, die Kampagne 2013 und 2014 schwerpunktmässig für die Talentgewinnung einzusetzen. In der Folge wurde eine nationale Plakat- und Inseratekampagne mit Slogans zur beruflichen Grundbildung ( Mit der Berufslehre werden aus Talenten Profis ) und zur höheren Berufsbildung ( Mit der höheren Berufsbildung werden aus Profis Experten ) gestartet. Zudem wurde das Internetportal als Kernelement der Kampagne grafisch und inhaltlich aktualisiert. Neben Informationen zu allen Teilbereichen der Berufsbildung bietet die Seite insbesondere auch den Kantonen, Berufs- und Branchenverbänden sowie Sozialpartnern Anknüpfungspunkte zum Mittragen der Kampagne. Mit dem Ziel, auch ausländischen Unternehmen in der Schweiz und Unternehmungen mit ausländischem Management das duale Berufsbildungssystem näher zu bringen, wird neu auch in englischer Sprache informiert Fachkräfteinitiative Die 2011 lancierte Fachkräfteinitiative des Bundes zielt darauf ab, freie Potenziale in der hiesigen Erwerbsbevölkerung besser auszuschöpfen und dafür zu sorgen, dass Unternehmen ihren Fachkräftebedarf künftig vermehrt durch Rekrutierungen im Inland decken können. Denn wie in Kapitel dargelegt, stellt der zunehmende Fachkräftebedarf für die Schweiz langfristig eine grosse Herausforderung dar. Dabei geht es gemäss einer Analyse von Bund und Kantonen in besonderem Mass um gut bis sehr gut ausgebildete Personen ab 25 Jahren, die mindestens über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen 30. Die Höherqualifizierung entsprechend den Bedürfnissen der Arbeitswelt gehört deshalb zu den vier Handlungsfelder der Fachkräfteinitiative (neben der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, guter Bedingungen zur Erwerbstätigkeit für ältere Arbeitnehmende und der Innovationsförderung) 31. Hauptzielgruppe entsprechender Massnahmen bilden rund 1.5 Millionen Personen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II 32. An einem Runden Tisch im Mai 2013 haben sich Bund, Kantone und Sozialpartner mit dem Ziel einer kohärenten Strategie zur Minderung des Fachkräftemangels auf die gemeinsamen Stossrichtungen und das weitere Vorgehen verständigt. Schwerpunkte im Bereich Berufsbildung betreffen allgemein die Förderung des dualen Berufsbildungssystems als wichtiger Schweizer Standortfaktor, gezielte Anstrengungen in besonders sensiblen Branchen (z. B. MINT, Gesundheitswesen), die Stärkung der höheren Berufsbildung, die Weiterbildung sowie die Anrechenbarkeit von Bildungsleistungen. 3.2 Kantonale Massnahmen Berufs-, Studien und Laufbahnberatung Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial können sich bei den kantonalen Informations- und Beratungszentren über die verschiedenen Berufe und die Karrieremöglichkeiten, die ihnen die Berufsbildung bietet, informieren. Das Schweizerische Dienstleistungszentrum für Berufsbildung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (SDBB) stellt in verschiedenen Medien, Lehr- und Arbeitsmitteln Informationen über sämtliche Berufe, das entsprechende Anforderungsprofil und weiterführende Bildungsangebote im Tertiärbereich zur Verfügung 33. Diese Informationen sind in den Berufsinformationszentren (BIZ) zugänglich oder können ausgeliehen werden. Zudem helfen die Beraterinnen und Berater in persönlichen Gesprächen, die individuellen Interessen und Fähigkeiten zu ermitteln, und zeigen Aus- und Weiterbildungswege auf. Auch Erwachsenen, die nach einer beruflichen Grundbildung Unterstützung brauchen beim Stellenwechsel, beim Entscheid für eine Weiterbildung, einen Karrieresprung oder den Schritt in die Selbstständigkeit, stehen verschiedene Angebote der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung zur Verfü- 30 WBF / VDK: Fachkräfteinitiative Situationsanalyse und Massnahmenbericht, Bern Die Qualifizierung von nicht ausgebildeten oder niedrigqualifizierten Personen ist Teil des Nationalen Programms zur Prävention und Bekämpfung von Armut (vgl. Kap ). 32 WBF / VDK: Fachkräfteinitiative Situationsanalyse und Massnahmenbericht, Bern (Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2012.) /2013/01803 \ COO /54
17 gung. Dazu gehören Standortbestimmungen, Potenzialanalysen, Laufbahnberatungen oder die Hilfe bei der Erstellung eines Bewerbungsdossiers. Eine entscheidende Rolle im Prozess der Berufs- und Ausbildungswahl von Jugendlichen kommt den Erziehungsberechtigten zu. Ihre persönlichen Erfahrungen und Vorstellungen beeinflussen die Jugendlichen bei der Entscheidungsfindung. Wichtig ist, dass die Erziehungsberechtigten in den Berufswahlprozess eng einbezogen werden und über die verschiedenen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten informiert sind. Der SDBB bietet im Internet sowie mit mehrsprachigen Broschüren, Ratgebern und Merkblättern konkrete Hilfestellungen, wie die Jugendlichen unterstützt werden können. Die Berufsberatungsstellen stehen für Hintergrundinformationen über die einzelnen Angebote sowie für systemische Fragen zur Verfügung. Zudem gibt es Kurse, die sich gezielt an Erziehungsberechtigte richten. Dennoch zeigt sich, dass die Möglichkeiten der Berufsbildung gerade als Alternative zum akademischen Bildungsweg für Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial oftmals zu wenig bekannt sind. Empfehlung des Bundesrates: Die Kantone legen bei der Berufsinformation und -beratung einen Schwerpunkt auf Massnahmen, die sich an Erziehungsberechtigte richten, um diese über die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Karriereperspektiven der Berufsbildung zu informieren. Dabei werden auch Aspekte der Arbeitsmarktsituation (Jobaussichten etc.) berücksichtigt Schulische Angebote und Massnahmen Als Ergänzung zur schulischen Ausbildung bieten die Berufsfachschulen für Jugendliche, welche die entsprechenden Leistungen erbringen, Freikurse an 34. Das Angebot umfasst berufsbezogene und allgemeinbildende Kurse, beispielsweise Sprachkurse mit Diplomen. Die Freikurse finden allerdings oft zu Randzeiten oder an Samstagen statt, was die Nachfrage bzw. die Bereitschaft der Lernenden, an einem Kurs teilzunehmen, beeinflussen kann. Während der Arbeitszeit ist der Besuch von Freikursen bis zu einem halben Tag pro Woche ohne Lohneinbussen erlaubt 35. Integriert in den allgemeinbildenden Unterricht oder als Freikurs werden zudem vielerorts Informationen zum Thema Unternehmertum vermittelt. Das Gewerblich-industrielle Bildungszentrum Zug beispielsweise bietet einen entsprechenden Freikurs an, in dem Fragen rund um die Führung oder Gründung eines Unternehmens behandelt werden 36. Auch der bilinguale oder trilinguale Unterricht, bei dem fachliche Inhalte in einer bzw. mehreren Fremdsprachen vermittelt werden (entweder im Fach- oder im allgemeinbildenden Unterricht), dient der Förderung leistungsstarker Jugendlicher. In mehreren Kantonen findet bilingualer Unterricht an Berufsfachschulen statt 37. Die ersten Erfahrungen sind positiv. Im Kanton Zürich etwa wurde der bilinguale Unterricht (deutsch-englisch) nach einer Pilotphase trotz Kosten und Mehraufwand von den Schulleitungen grundsätzlich als durchführbar eingestuft und von Lehrpersonen und Lernenden mehrheitlich positiv bewertet 38. Der Bund arbeitet mit den Verbundpartnern an einem Projekt, welches die Förderung des bilingualen Unterrichts zum Ziel hat. Empfehlung des Bundesrates: Die Sprachbildung an den Berufsfachschulen wird gezielt gefördert (Freikursangebot, bilingualer Unterricht, E-Learning). Branchenspezifische Lösungen stehen im Vordergrund. 34 Vgl. Art. 20 Abs. 4 BBV. 35 Vgl. Art. 22 Abs. 3 BBG und Art. 20 Abs. 1 BBV. 36 Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zug: Medienmitteilung zur Lancierung des neuen Freikursangebotes Entrepreneurship Unternehmertum und Philosophie am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug, Vgl. auch die Liste der Berufsfachschulen mit zweisprachigem Unterricht auf 38 Brohy, C. / Gurtner, J.-L. [MBA Hrsg.]: Evaluation des bilingualen Unterrichts (bili) an Berufsfachschulen des Kantons Zürich, Freiburg 2011, S /2013/01803 \ COO /54
18 Voraussetzung für die Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial ist nicht zuletzt die entsprechende Sensibilisierung und Ausbildung der Berufsfachschullehrkräfte. Die Rahmenlehrpläne für Berufsbildungsverantwortliche tragen diesem Anspruch Rechnung 39. Darin heisst es etwa, dass individuelle Stärken erkannt und Förderkonzepte eingesetzt werden sollen, um die Lernenden ihrem Potenzial entsprechend auszubilden. Zudem sollen die Lehrkräfte Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenzen fördern. Die Stiftung Schweizer Jugend forscht und der Dachverband Berufsbildung Schweiz (BCH) unterstützen in einem gemeinsamen Projekt die aktive und nachhaltige Talentidentifikation und -förderung an den Berufsfachschulen in allen Sprachregionen und über alle Berufe hinweg. Ziel ist es, den Innovationsgehalt der Abschlussarbeiten von Lernenden zu verbessern. Die innovativsten Arbeiten werden zum nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht zugelassen. Im Rahmen des Projekts werden Trainingscamps für Lernende und Workshops für Lehrpersonen (sogenannte Ambassadoren) angeboten. Der Aufbau von Partnerschulen dient der nachhaltigen Sicherung der Prozesse und des Know-hows. Das vom SBFI mit Franken subventionierte Projekt soll dazu beitragen, die Talentförderung in der Berufsbildung zu etablieren und ihren Innovationscharakter zu stärken Verkürzung der beruflichen Grundbildung und Dispensation Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial können eine verkürzte berufliche Grundbildung absolvieren oder sich von Teilen der Ausbildung bzw. der Abschlussprüfung dispensieren lassen (vgl. auch Kap ). Art. 18 Abs. 1 BBG sieht für besonders befähigte Personen die Möglichkeit einer Verkürzung der beruflichen Grundbildung vor. Ein entsprechendes Gesuch muss vom Kanton genehmigt werden. In der schulischen Ausbildung erfolgt die Dispensation von gewissen Fächern sofern ausreichende Vorkenntnisse vorhanden sind durch die Berufsfachschule. Auch von Teilen der Lehrabschlussprüfung ist eine Befreiung möglich, wenn die nötigen Qualifikationsnachweise erbracht werden. Der Entscheid liegt bei der kantonalen Behörde Spezifische Förderprojekte Verschiedene Kantone haben zudem gezielt Massnahmen lanciert, die auf die Gewinnung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial für die Berufsbildung fokussieren. Der Kanton Luzern zum Beispiel setzt (neben einer verbesserten Kooperation unter den Lernorten) Beobachtungsinstrumente ein, die für Lehrbetriebe und überbetriebliche Kurse entwickelt wurden, damit Leistungsstarke frühzeitig erkannt und entsprechend gefördert werden können 40. Die Kantone Basel-Stadt und Basel- Landschaft haben 2012 zusammen mit den Wirtschaftsdachverbänden die Kampagne Berufslehre plus Berufsmatur Karriere machen mit der Berufsmaturität gestartet 41. An Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen ist die damit verbundene Botschaft gerichtet, dass eine berufliche Grundbildung in Kombination mit einer Berufsmaturität eine gleichwertige Alternative zum gymnasialen Weg darstellt. Zudem sollen Betriebe dazu animiert werden, Ausbildungsplätze für Berufsmaturandinnen und Berufsmaturanden anzubieten. 3.3 Massnahmen der OdA und Unternehmen Definition der Bildungsinhalte Wie in Kap festgehalten, obliegt die inhaltliche Ausgestaltung der Berufsbildung in erster Linie den Berufsverbänden. In der beruflichen Grundbildung erarbeiten sie die Inhalte der jeweiligen Bildungsverordnungen und Bildungspläne; d.h. sie definieren für alle drei Lernorte die Bildungsziele, den Aufbau der beruflichen Grundbildung, die Qualifikationsverfahren sowie die überbetrieblichen Kurse. In der höheren Berufsbildung fungieren die OdA als Träger der eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen und legen die entsprechenden Qualifikationen und Prüfungsverfahren fest. Zudem er- 39 SBFI: Rahmenlehrpläne für Berufsbildungsverantwortliche, Bern 2011, S /2013/01803 \ COO /54
19 arbeiten sie die Rahmenlehrpläne, die den höheren Fachschulen als Grundlage für ihre Bildungsgänge dienen. Den OdA kommt damit eine entscheidende Rolle bei der (Weiter-)Entwicklung der Bildungsangebote zu. Sie haben die Möglichkeit, durch kognitiv anspruchsvolle Aus- und Weiterbildungen Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial zu gewinnen und entsprechend den Bedürfnissen der Wirtschaft zu bilden bzw. höher zu qualifizieren. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel bedingt aber auch, dass immer wieder geprüft wird, ob bestehende Angebote und Modelle noch zeitgemäss sind bzw. den aktuellen und künftigen Anforderungen genügen. Dies gilt insbesondere für anspruchsvolle Berufe etwa im Dienstleistungsbereich, bei denen die Vermittlung der theoretischen Grundlagen mit der klassischen dualen Verteilung an ihre Grenzen stösst. Mit Blick auf die Zielsetzung, Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial für die Berufsbildung zu gewinnen, sind flexiblere Modelle gerade auch in Kombination mit der Berufsmaturität denkbar. Empfehlung des Bundesrates: Die OdA prüfen je nach Bedürfnis der jeweiligen Branche neue Ausbildungsmodelle insbesondere in Kombination mit der Berufsmaturität, um die Attraktivität der Bildungsangebote zu erhöhen und leistungsstarke Jugendliche und junge Erwachsene dafür zu gewinnen Berufsmarketing Berufswerbung oder -marketing ist für Berufs- und Branchenverbände ein wichtiges Instrument zur Nachwuchssicherung. Die Aktivitäten in diesem Bereich sind vielfältig und wurden in den vergangenen Jahren zum Teil stark professionalisiert. Mit Broschüren, Flyern, Videofilmen, Internetplattformen und anderen Kommunikationsmitteln wird über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten informiert und nicht zuletzt für einen einheitlichen Auftritt (bis in die Betriebe) gesorgt. Auch leistungsstarke Jugendliche werden auf diese Weise sensibilisiert, insbesondere in Branchen, deren Unternehmen mit Rekrutierungsschwierigkeiten konfrontiert sind 42. Dasselbe gilt für die zahlreichen Berufsmessen, die jedes Jahr in der Schweiz stattfinden und die breite Aus- und Weiterbildungspalette der Berufsbildung präsentieren Betriebliche Fördermöglichkeiten Im betrieblichen Alltag gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten. Dazu gehören beispielsweise die Übertragung von anspruchsvollen Aufgaben und mehr Verantwortung, die Betreuung von anderen Lernenden, der Besuch von Förder- und Freikursen oder die Motivation zur Teilnahme an Leistungswettbewerben (vgl. Kap und 3.3.4). Schindler Schweiz startete 2012 ein Talentförderprogramm, das neben einem individuellen Coaching auf verschiedene Anreize setzt. Die Lernenden, die in das Programm aufgenommen werden, dürfen bereits Projekte leiten und übernehmen die Stellvertretung der Berufsbildnerin / des Berufsbildners. Besondere Leistungen werden gewürdigt in Form von Prämien, Gutscheinen etc., und der Besuch von internen oder externen Weiterbildungen dient der gezielten Kompetenzerweiterung. Lehrabsolventinnen und Lehrabsolventen, die an einer Fachhochschule studieren möchten, werden Beschäftigungsmöglichkeiten geboten, die mit dem Studium vereinbar sind. Verschiedene Unternehmen ermöglichen ihren Lernenden, die Verantwortung für den ganzen Betrieb zu übernehmen. Beispiele sind die Junior Shops der Swisscom, die Lehrlingsläden bei Volg oder das Lehrlingsrestaurant Too much in Ostermundigen (BE). Daneben besteht bei internationalen oder gesamtschweizerisch tätigen Unternehmen oft die Möglichkeit, während oder nach der Ausbildung einen Aufenthalt im Ausland oder an einem anderen Standort in der Schweiz zu absolvieren (vgl. auch Kap ). Schliesslich veranstalten Unternehmen, Berufs- oder Branchenverbände Lehrabschlussfeiern, an denen die besten Lernenden gewürdigt werden, oder auch Wettbewerbe wie der 42 Vgl. z. B /2013/01803 \ COO /54
20 concours de l Institut d horlogerie Cartier, wo Lernende der Uhrenbranche ihre fachlichen und künstlerischen Fähigkeiten demonstrieren können. Daneben bietet auch die Zusammenarbeit in Lehrbetriebsverbünden die Möglichkeit, Lernende mit hohem Leistungspotenzial spezifisch zu fördern. Die Kooperation mit anderen Betrieben ist vor allem für kleine oder spezialisierte Unternehmen attraktiv, da der Ausbildungsaufwand optimiert werden kann. Eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial im Lehrbetrieb kommt den Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern zu. Sie arbeiten nicht nur eng mit den Lernenden zusammen, sondern üben eine Mentoren- und Vorbildfunktion aus. Zudem sind sie oft über fachliche Belange hinaus wichtige Bezugspersonen. Auch Untersuchungen der Universität Fribourg machen deutlich, dass nicht nur persönliche Eigenschaften der Lernenden wie Motivation, Fleiss oder Ehrgeiz ausschlaggebend sind, sondern genauso die Kompetenzen der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner: Dies ist in der Aus- und Weiterbildung zu berücksichtigen mit dem Ziel, dass Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in der Lage sind, anspruchsvolle Übungsprozesse zu initiieren sowie die Lernenden entsprechend zu unterstützen und motivieren Berufsmeisterschaften Immer mehr Berufsverbände organisieren Berufsmeisterschaften und bieten so talentierten Nachwuchskräften eine Plattform, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und sich zu messen. Waren es 2005 noch neun Verbände, die Wettbewerbe in 13 Berufen durchführten, verzeichnete die Stiftung SwissSkills 2012 bereits 27 Verbände bzw. 52 Berufe, in denen Schweizermeisterinnen und -meister erkoren wurden. SwissSkills unterstützt und koordiniert die Aktivitäten der Verbände und organisiert die Teilnahme der Schweiz an den internationalen Berufsmeisterschaften EuroSkills und WorldSkills. Diese finden jeweils alle zwei Jahre im Wechsel statt; in den vergangenen Jahren rangierte die Schweiz wiederholt in den ersten drei Rängen. Diese Erfolge unterstreichen die Qualität der Berufsbildung in der Schweiz und tragen dazu bei, die positive Wahrnehmung im In- und Ausland zu steigern. Im nächsten Jahr werden mit dem Projekt SwissSkills Bern 2014 die Schweizer Berufsmeisterschaften zum ersten Mal zentral durchgeführt, mit Nachwuchskräften aus rund 130 Berufen 44. Der Anlass bietet auch Gelegenheit, die Berufsbildung einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Bei der Vorbereitung auf die nationalen und internationalen Meisterschaften ist die Unterstützung und Begleitung durch die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner der Lehrbetriebe zentral. Bei der Teilnahme steht nicht nur der eigentliche Wettkampf im Vordergrund, sondern insbesondere auch die fachliche Weiterentwicklung. An den Europa- und Weltmeisterschaften werden die Teilnehmenden von Expertinnen und Experten aus den Verbänden betreut. 3.4 Weitere Massnahmen Förderung von Mobilitätsaktivitäten Die Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial haben auch Initiativen im Bereich von Austauschen, Praktika etc. zum Ziel. Solche Mobilitätsaktivitäten tragen zur Persönlichkeitsentwicklung und Motivationssteigerung bei, fördern Selbstständigkeit, Organisationsfähigkeit, interkulturelle Kompetenzen und ermöglichen einen Einblick in ein anderes betriebliches Umfeld. Initiiert werden Mobilitätsaktivitäten auf unterschiedlichen Ebenen, sei es seitens Unternehmen, Berufs- oder Branchenverbänden, Berufsfachschulen, der öffentlichen Verwaltung oder privater Organisationen. Im Auftrag des Bundes setzt die ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit verschiedene nationale und internationale Programme zur Förderung der Mobilität auch in der Berufsbildung um 45. Zudem laufen verbundpartnerschaftliche Arbeiten mit dem Ziel, die Zahl der Mobilitätsaktivitäten zu steigern. 43 Stamm, M.: Talentmanagement in der beruflichen Grundbildung, Dossier Berufsbildung 12/1, Fribourg 2012, S /2013/01803 \ COO /54

References: Art. 13
 Art. 54
 Art. 65
 Art. 20
 Art. 22
 Art. 20
 Art. 18