Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=09.02.2000&Aktenzeichen=1%20BvR%20140/98
Timestamp: 2019-05-21 12:07:57+00:00

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BVerfG, 09.02.2000 - 1 BvR 140/98 - dejure.org
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BVerfG, 09.02.2000 - 1 BvR 140/98 (https://dejure.org/2000,2610)
BVerfG, Entscheidung vom 09.02.2000 - 1 BvR 140/98 (https://dejure.org/2000,2610)
BVerfG, Entscheidung vom 09. Februar 2000 - 1 BvR 140/98 (https://dejure.org/2000,2610)
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Angeblich eigennütziger Bezirksvorsitzender
Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG, Allgemeines Persönlichkeitsrecht, Rechtsschutz gegen ehrenrührige Behauptungen, Art. 5 Abs. 1 GG
Verletzung von GG Art 2 Abs 1 iVm Art 1 Abs 1 durch Abweisung des Unterlassungsbegehrens hinsichtlich rufschädigender Äußerungen im Rahmen der politischen innerparteilichen Auseinandersetzung
Verfassungsbeschwerde - Urteil - Menschenwürde - Allgemeines Persönlichkeitsrecht - Partei - Meinungsfreiheit - Schranke
LG Stralsund, 11.09.1997 - 1 S 29/97
LG Stralsund, 29.11.2000 - 1 S 29/97
NJW 2000, 3485
Bei dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1 GG) handelt es sich um ein subjektives Recht des Einzelnen auf Achtung und Entfaltung seiner individuellen Persönlichkeit gegenüber dem Staat und im privaten Rechtsverkehr (…vgl. BVerfGE 65, S. 1, 41 f.;… BVerfG NJW 1989, S. 891; näher: BVerfG NJW 2000, S. 3485;… s. auch BGHZ 24, S. 72, 76;… Senat, NJW 1999, S. 3339, 3340;… Palandt/Thomas, aaO., § 823 Rdn. 176 f.;… Münch.Komm.-Rixecker, aaO., Anhang § 12 Rdn. 1 ff.).
Eine Rechtfertigung nach § 193 StGB (Wahrnehmung berechtigter Interessen) oder Art. 5 Abs. 1 GG (Meinungs- und Pressefreiheit) kommt für ehrverletzende und als unwahr erwiesene oder gar bewußt unwahre Tatsachenbehauptungen grundsätzlich nicht in Betracht (…s. BVerfGE 61, S. 1, 8;… Bd. 90, S. 241, 247 f.;… BVerfG NJW 1992, S. 1439, 1440;… NJW 1999, S. 1322, 1324;… NJW 2000, S. 199, 200; NJW 2000, S. 3485 f.;… BGHZ 37, S. 187, 191;… Bd. 84, S. 237, 238;… Bd. 139, S. 95, 101;… Palandt/Thomas, aaO., § 824 Rdn. 2 und § 823 Rdn. 189 a m.w.Nw.).
In bezug auf Meinungsäußerungen gilt im Wahlkampf zwar ein großzügiger Maßstab (Art. 5 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1 und 2, Art. 21 Abs. 1 GG;… s. etwa BVerfG NJW 1983, S. 1415, 1416 f.; NJW 2000, S. 3485, 3486;… Prinz/Peters, aaO., Rdn. 8;… Löffler/ Ricker, aaO., S. 347).
Aber auch im Wahlkampf ist es nicht gerechtfertigt, unwahre ehrverletzende Tatsachenbehauptungen über einen Kandidaten zu verbreiten (vgl. etwa BVerfG NJW 2000, S. 3485, 3486;… BGH NJW 1984, S. 1102, 1103).
Eine Rechtfertigung nach § 193 StGB (Wahrnehmung berechtigter Interessen) oder Art. 5 Abs. 1 GG (Meinungs- und Pressefreiheit) kommt für ehrverletzende und als unwahr erwiesene oder gar bewusst unwahre Tatsachenbehauptungen grundsätzlich nicht in Betracht (BVerfG, NJW 2000, 3485; BGH, AfP 1998, 506;… Wenzel/Burkhardt, a. a. O., 6. Kap. Rdn. 38 ff.).
Die Gerichte hätten deshalb der Meinungsfreiheit vorliegend nicht allein deshalb den Vorrang einräumen dürfen, weil die von der Beklagten mitgeteilten Tatsachen ihrer Zielrichtung nach kritische Wertungen enthielten (vgl. auch BVerfG, 1. Kammer des Ersten Senats, NJW 2000, S. 3485).
Bei unwahren Tatsachenbehauptungen tritt die Meinungsfreiheit grundsätzlich hinter das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen zurück (vgl. BVerfG, Beschluss vom 09.02.2000, Az. 1 BvR 140/98, zitiert nach juris Rdnr. 16).
Mit Beschluss vom 9. Februar 2000 hob das Bundesverfassungsgericht die Entscheidung des Landgerichts vom 11. September 1997 auf, da das Urteil den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG verletze (vgl. BVerfG, 1. Kammer des Ersten Senats, Beschluss vom 9. Februar 2000 - 1 BvR 140/98 -, NJW 2000, S. 3485).
Bei unwahren Tatsachenbehauptungen hat die Meinungsfreiheit des Äußernden grundsätzlich hinter dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen zurückzutreten (vgl. BVerfG NJW 2000, 3485, 3486).
Tatsachenbehauptungen mit Meinungsbezug fallen zwar unter den Schutz von Art. 5 Abs. 1 GG, doch tritt die Meinungsfreiheit bei unwahren Tatsachenbehauptungen grundsätzlich hinter dem Persönlichkeitsrecht zurück (vgl. BVerfG NJW 2000, 3485 zu II.2.b).
Bei unwahren Tatsachenbehauptungen hat die Meinungsfreiheit des Äußernden regelmäßig hinter dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen zurückzutreten (vgl. BVerfG, NJW 2000, 3485, 3486).

References: Art. 2
 Art. 1
 Art. 5
 § 823
 § 12
 § 193
 Art. 5
 § 824
 § 823
 Art. 20
 Art. 21
 BGH 
 § 193
 Art. 5
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 5