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Timestamp: 2017-02-26 04:02:01+00:00

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BVerfG, 08.04.2010 - 1 BvR 862/10 - Verpflichtung des Entführers zur persönlichen Rückführung eines Kindes nach seiner Entführung in einen Vertragsstaat | Urteile auf anwalt24.de
BVerfG, 08.04.2010 Inhaltsübersicht
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BVerfG, 08.04.2010 - 1 BvR 862/10 - Verpflichtung des Entführers zur persönlichen Rückführung eines Kindes nach seiner Entführung in einen Vertragsstaat
BundesverfassungsgerichtBeschl. v. 08.04.2010, Az.: 1 BvR 862/10Gericht: BVerfGEntscheidungsform: BeschlussDatum: 08.04.2010Referenz: JurionRS 2010, 13586Aktenzeichen: 1 BvR 862/10 Verfahrensgang:vorgehend:AG Karlsruhe - 21.09.2009 - AZ: 1 F 293/09OLG Karlsruhe - 18.03.2010 - AZ: 2 UF 179/09Rechtsgrundlage:Art. 12 Abs. 1 HKÜRedaktioneller Leitsatz:Eine Auslegung des Art. 12 Abs. 1 des Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführungen (im Folgenden: HKÜ) durch die Fachgerichte, derzufolge eine Verpflichtung zur persönlichen Rückführung des Kindes durch diejenige Person, die ein Kind widerrechtlich in einen Vertragsstaat gebracht oder dort zurückgehalten hat, angeordnet werden kann, verstößt nicht gegen die Grundrechte des entführenden Elternteils.In dem Verfahren über die Verfassungsbeschwerde...gegena) den Beschluss des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 18. März 2010 - 2 UF 179/09 -,b) den Beschluss des Amtsgerichts Karlsruhe vom 21. September 2009 - 1 F 293/09 - undAntrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung undAntrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe undBeiordnung eines Rechtsanwaltshat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichtsdurchdie Richterin Hohmann-Dennhardt unddie Richter Gaier, Paulusgemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGGin der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl. I S. 1473)am 8. April 2010einstimmig beschlossen:Tenor:Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts wird mangels Erfolgsaussicht der Verfassungsbeschwerde abgelehnt.Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.Damit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.Gründe1Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen. Die Voraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor. Die Verfassungsbeschwerde hat keine grundsätzliche Bedeutung. Ihre Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der von den Beschwerdeführerinnen als verletzt gerügten Rechte angezeigt. Für eine Verletzung von Grundrechten und grundrechtsgleichen Rechten ist nichts ersichtlich.2Insbesondere verstößt eine Auslegung des Art. 12 Abs. 1 des Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführungen (im Folgenden: HKÜ), derzufolge eine Verpflichtung zur persönlichen Rückführung des Kindes durch diejenige Person, die ein Kind widerrechtlich in einen Vertragsstaat gebracht oder dort zurückgehalten hat, angeordnet werden kann, nicht gegen die allgemeine Handlungsfreiheit der Beschwerdeführerin aus Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Bestimmtheitsgrundsatz aus Art. 20 Abs. 3 GG. In der (nicht verbindlichen) deutschen Übersetzung des Art. 12 Abs. 1 HKÜ ist von der Anordnung der "sofortige[n] Rückgabe des Kindes" die Rede. Diese Auslegung wird durch die verbindliche englische Sprachfassung des HKÜ bestätigt. Darin heißt es: "..., the authority concerned shall order the return of the child forthwith". Die verbindliche Sprachfassung legt damit eine Rückkehr des Kindes in das Ausgangsland nahe (vgl. OLG München, FamRZ 2005, S. 1002). Demnach erscheint die Auslegung durch die Fachgerichte, derzufolge das Kind ins Ausgangsland zurückzuführen ist, zumindest möglich. In jedem Fall haben die Fachgerichte aber die Grenzen der Auslegung eingehalten. Die mit dieser Auslegung verbundenen Härten für den entführenden Elternteil sind als Folge der rechtswidrigen Entführung beziehungsweise Zurückhaltung hinzunehmen (vgl. BVerfGE 99, 145 [BVerfG 29.10.1998 - 2 BvR 1206/98]<159 f.>).3Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.4Diese Entscheidung ist unanfechtbar.Hohmann-DennhardtGaierPaulusHinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.
BVerfG, 13.04.2010BVerfG, 08.04.2010

References: Art. 12
 § 93
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 Art. 12
 Art. 2
 Art. 20
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