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Timestamp: 2020-07-11 01:37:48+00:00

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kantone/zh_sozverger/AK.2015.00038.html
AK.2015.00038
1. Die Y.___ mit Sitz in O.___ war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (vgl. Urk. 6/145-146). Mit Urteil vom 8. Juli 2011 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts Bülach den Konkurs über die Gesellschaft. Am 1. September 2011 meldete die Ausgleichskasse im Konkurs der Y.___ eine Forderung von Fr. 25‘859.90 zur Kollokation an. Vom 28. Juni bis 18. Juli 2013 wurden der Kollokationsplan und das Inventar zur Einsicht aufgelegt (Urk. 6/126). Mit Urteil vom 26. August 2013 wurde das Konkursverfahren vom Konkursrichter als geschlossen erklärt (Urk. 11).
Mit Verfügung vom 11. Juli 2014 forderte die Ausgleichskasse von X.___ Schadenersatz für entgangene bundesrechtliche Sozialversicherungsbeiträge der Y.___ in der Höhe von Fr. 25‘859.70 (Urk. 6/136). Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 6/138) hiess die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 1. September 2015 teilweise gut und reduzierte die geforderte Schadenersatzsumme auf Fr. 20‘402.25 (Urk. 2).
2. Mit Eingabe vom 25. September 2015 erhob X.___ Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 1. September 2015. Er stellte ein Begehren um Einsicht in den Bericht der Arbeitgeberkontrolle vom 27. Juli 2011. Sinngemäss ersuchte er um Aufhebung des angefochtenen Entscheids (Urk. 1, vgl. auch Urk. 6/138). Die Ausgleichskasse schloss in der Beschwerdeantwort vom 28. Oktober 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer am 20. Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7). Mit Verfügung vom 23. März 2017 wurde dem Beschwerdeführer der Bericht der Arbeitgeberkontrolle (samt Beilagen) zugestellt (Urk. 9). Dazu liess er sich nicht mehr vernehmen.
1.2 Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung) sowie auf jene an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (Art. 25 lit. c).
1.3.1 Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hinweisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitragspflichtigen Arbeitgebers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Schadenseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden können (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
1.3.2 Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitgeber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52 Abs. 3 AHVG; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
1.3.3 Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52 Abs. 3 AHVG ist in der Regel von dem Zeitpunkt an gegeben, in welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Gegebenheiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Schadenersatzpflicht begründen können (BGE 131 V 425 E. 3.1, 129 V 193 E. 2.1, 128 V 15 E. 2a, 126 V 443 E. 3a, 452 E. 2a, 121 III 386 E. 3b, je mit Hinweisen).
1.4 Im Konkurs der Y.___ wurden - wie erwähnt - am 28. Juni 2013 der Kollokationsplan und das Inventar zur Einsicht aufgelegt (Urk. 6/126). Damit wurde die zweijährige Verjährungsfrist von Art. 52 Abs. 3 AHVG ausgelöst. Mit dem Erlass der Schadenersatzverfügung vom 11. Juli 2014 (Urk. 6/136) wahrte die Beschwerdegegnerin die genannte Frist. Die streitgegenständliche Forderung ist demnach nicht verjährt.
2.2 Die Schadenersatzforderung setzt sich gemäss dem Kontoauszug vom 26. Oktober 2015 und der Beitragsübersicht gleichen Datums (Urk. 6/145-146) aus unbezahlt gebliebenen Beiträgen für das Jahr 2011 sowie Mahngebühren zusammen und ist aufgrund der eingereichten Akten hinreichend substantiiert (vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_325/2010 vom 10. Dezember 2010 E. 7.1.1). Der Beschwerdeführer machte in der Einsprache und in der Beschwerde geltend, die effektiv ausbezahlten Löhne seien geringer gewesen, als von der Ausgleichskasse angenommen (Urk. 1, 6/138). Aufgrund des Berichts der Arbeitgeberkontrolle vom 27. Juli 2011, welcher unter anderem das Lohnjournal 2011 der Y.___ beinhaltet, sind jedoch die Löhne, auf welche die Ausgleichskasse Beiträge erhob, ausgewiesen (Urk. 6/101). Im Übrigen war auch im Konkursverfahren die entsprechende Forderung von Fr. 25‘859.90 (= Fr. 25‘751.25 plus Verzugszins) anerkannt worden (Urk. 6/121, 6/126, 6/128/1).
Dem Beschwerdeführer waren der Bericht der Arbeitgeberkontrolle sowie die dazugehörigen Beilagen offenbar zuvor nie zur Einsicht zugestellt worden. Nachdem dies im vorliegenden Verfahren nachgeholt wurde, liess sich der Beschwerdeführer nicht mehr vernehmen, woraus zu schliessen ist, dass er die Höhe der Lohnzahlungen, wie sie sich aus den Akten ergeben, nicht mehr bestreitet.
2.3 Die Beschwerdegegnerin reduzierte im angefochtenen Einspracheentscheid die vom Beschwerdeführer geforderte Schadenersatzsumme von Fr. 25‘859.70 auf Fr. 20‘402.25. Dabei berücksichtigte sie zutreffenderweise, dass die nach Konkurseröffnung in Rechnung gestellten Beitragsforderungen, Verzugszinsforderungen und Mahnkosten nicht dem Beschwerdeführer angelastet werden können (Urk. 2).
2.4 Das Quantitativ der streitgegenständlichen Forderung ist nach dem Gesagten durch die Akten ausgewiesen. Mangels offenkundiger Anhaltspunkte für Berechnungsfehler ist die Schadensberechnung der Beschwerdegegnerin zu bestätigen und von einem vorliegend relevanten Schadensbetrag von Fr. 20‘402.25 auszugehen.
3.2 Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Y.___ den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen nur schleppend und im 2011 nicht mehr beziehungsweise nur unvollständig nachgekommen war. Schliesslich blieben geschuldete Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von Fr. 25‘859.70 unbezahlt, wovon vorliegend Fr. 20‘402.25 relevant sind (vgl. E. 2.3 hievor). Es bedarf deshalb keiner weiteren Ausführungen, dass die Y.___ Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
4.1 Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grobfahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.2.1 Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu verlangenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
4.3 Bei der Y.___ handelte es sich um ein kleines Unternehmen (vgl. Urk. 6/61, 6/101). Bei derart leicht überschaubaren Verhältnissen muss von jedem Verwaltungsrat – insbesondere von einem geschäftsführenden – verlangt werden, dass er den Überblick über alle wesentlichen Belange des Unternehmens hat. Der Beschwerdeführer muss sich demnach den Vorhalt gefallen lassen, dass die Y.___ vorliegend relevante Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) schuldig blieb, im Jahr 2011 aber Lohnzahlungen von Fr. 333‘769.80 (vgl. Urk. 6/101/3 [Lohnjournal], Urk. 6/117-118) ausrichtete. Mit anderen Worten wurde den Lohnzahlungen Priorität vor der Beitragsentrichtung eingeräumt, worauf die Beitragsausstände zurückzuführen sind. Indem der Beschwerdeführer nicht gegen die Praxis der Y.___ einschritt beziehungsweise diese Vorgehensweise wählte, verletzte er seine öffentlichrechtlichen Pflichten als Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft. Gründe, welche den Beschwerdeführer entlasten würden, sind nicht ersichtlich. Er brachte denn auch nichts Entsprechendes vor (Urk. 1, 6/138). Somit ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer die Nichterfüllung der Zahlungspflichten durch die Konkursitin gegenüber der Beschwerdegegnerin als qualifiziert schuldhaftes Unterlassen anzurechnen ist.
5.1 Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missachtung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4). Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119 Ib 334 E. 3c).
5.2 Unter den gegebenen Umständen ist das Verhalten beziehungsweise die Passivität des Beschwerdeführers ohne Weiteres adäquat kausal für den eingetretenen Schaden. Es ist davon auszugehen, dass ein pflichtgemässes Verhalten den Schaden verhindert hätte.
5.3. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
4. Da der Streitwert unter Fr. 30'000.-- liegt, kann gegen diesen Entscheid innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde nach Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) eingereicht werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (Art. 85 Abs. 2 BGG), wobei in der Beschwerde auszuführen ist, warum diese Voraussetzung erfüllt ist (Art. 42 Abs. 2 Satz 2 BGG).
Soweit keine Beschwerde nach Art. 82 ff. BGG zulässig ist, kann gegen diesen Entscheid innert der gleichen Frist von 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG erhoben werden. Gerügt werden kann nach Art. 116 BGG die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten.
Werden sowohl die Beschwerde als auch die subsidiäre Verfassungsbeschwerde erhoben, sind beide Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift einzureichen (Art. 119 Abs. 1 BGG).
Die Fristen stehen während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).

References: Art. 52
 Art. 16
 BGE 
 BGE 
 Art. 14
 BGE 
 Art. 52
 Art. 52
 Art. 52
 Art. 52
 Art. 52
 BGE 
 Art. 52
 BGE 
 Art. 82
 Art. 90
 Art. 82
 Art. 113
 Art. 116