Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Wohnsitz-im-Ausland-Albanien-deutscher-Arbeitgeber--f312282.html
Timestamp: 2020-02-22 13:55:21+00:00

Document:
www.frag-einen-anwalt.deArbeitsrechtArbeitsvertragWohnsitz im Ausland (Albanien)...
| 09.06.2018 11:36 |
Zusammenfassung: Nach der 183-Regelung darf der deutsche Fiskus die Vergütung eines im Ausland wohnhaften Mitarbeiters nicht besteuern, wenn
dieser seinen Wohnsitz im Ausland behält,er sich innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten weniger als 183 Tage in Deutschland aufhält und von Deutschland aus bezahlt wird.
Ich bin deutscher und wohne seit einem Jahr in Albanien.
Mein jetziger Arbeitgeber ist ein albanisches Unternehmen.
Ich bin z.Z. in Albanien Kranken- und Renten versichert. Es existiert eine deutsche Anwartschaft der KV und besitze eine Internationale KV aus Luxemburg.
Ich besitze noch ein Haus in Deutschland, in dem meine Frau wohnt. Ich besuche Sie am Wochenende ca. einmal im Monat sowie sie mich einmal im Monat.
Ich muss in DE eine Steuererklärung abgeben, in der meine deutschen Einkünfte und die in Albanien berücksichtigt werden (Steuerprogression). Es sind aber nur für deutsche Einkünfte Steuern zu zahlen.
Ich werde nächsten Monat meinen Arbeitgeber wechseln. Das zukünftige Unternehmen ist deutsch mit Sitz in Deutschland (kein Sitz in Albanien vorhanden). Ich möchte aber in Albanien wohnen bleiben.
Ich arbeite in der IT und muss für den neuen Arbeitgeber, für Meetings in verschiedene Länder reisen (Zypern, Singapur etc.). Es gibt auch eine Menge Meetings in Albanien. Mein Hauptarbeitsplatz ist im Home-Office in Albanien. So werde ich mich max. 7% in DE aufhalten. Die meiste Zeit davon privat am Wochenende.
Es liegt keine Entsendung vor, da keine Weisung oder zeitliche Begrenzung!
Jetzt wurde mir gesagt, ich muss meine kompletten Einkünfte in DE versteuern und auch in die deutsche Sozialversicherung zurück. Wenn ich mich nun in einer deutschen GKV anmelde, leistet diese doch nur in DE oder innerhalb der EU. Das bedeutet ich muss Geld verschenken, bezahlen aber keine Leistung!
Was kann ich machen um weiterhin meine Steuern und Versicherungen in Albanien zu behalten, ohne zusätzlich die deutschen Sozialversicherungen abschließen zu müssen?
Kann ich einen internationalen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen schließen, in dem beide Seiten Albanien als rechtlichen Standort festlegen?
Arbeitsvertrag Arbeitsvertrag Arbeitgeber Mitarbeiter Ausland
Es lässt sich arbeitsrechtlich auf Grundlage Ihrer Angaben einfach gestalten, damit Sie weder in Deutschland Steuern auf die in Albanien oder in sonstigen Ländern geleiisteten Tätigkeiten zu entrichten haben, noch befürchten müssten, in eine nicht leistungsbereite Krankenkasse aufgenommen zu werden.
Für im Ausland ansässige Mitarbeiter eines deutschen Unternehmens gilt nämlich die 183 Tage-Regelung:
Eine Ausnahme der grundsätzlichen Regelung zur Steuerpflicht bildet die sogenannte 183-Tagefrist. Allerdings gelten über die rein zeitliche Betrachtung hinaus einige Bedingungen.
Nach der 183-Regelung darf der deutsche Fiskus die Vergütung des ausländischen (im Ausland ansässigen) Mitarbeiters nicht besteuern, wenn 4 Bedingungen eingehalten sind:
1. dieser seinen Wohnsitz im Ausland behält,
2. er sich innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten weniger als 183 Tage in Deutschland aufhält (datin sind nicht nur reine Arbeitstage erfasst, sondern auch Samstage, Sonntage, Feiertage, Urlaube, Krankheitstage)
3. die Vergütung von einem Arbeitgeber gezahlt wird, der in Deutschland ansässig ist und
4. die Vergütung nicht durch eine Betriebsstätte erfolgt, die der Arbeitgeber in Albanien hat.
Sie sagen nun, dass Ihre Ehefrau in Deutschland wohnt und Sie hier in Deutschland ein Haus besitzen. Diese Situation ist an Hand von § 8 AO (= Abgabenordnung) und § 9 AO zu prüfen. Ich darf das Ergebnis vor weg nehmen: Wenn Sie weniger als 183 Tage im Jahr in Deutschland anwesend sind, dann begründen Sie weder einen Wohnsitz nach § 8 AO, noch unterfallen Sie dem § 9 AO (= gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland). Im Einzelnen:
Fehlt es hingegen an den Merkmalen für einen Wohnsitz, so kann ggf. aufgrund der tatsächlichen Umstände ein gewöhnlicher Aufenthalt gemäß § 9 AO vorliegen. Der gewöhnliche Aufenthalt ist dabei alles andere als ein „Wohnsitz minderer Qualität", sondern vielmehr ein eigenständiger Anknüpfungspunkt.
Zunächst kommt es für den gewöhnlichen Aufenthalt auf den tatsächlichen Aufenthalt („Anwesenheit") an einem Ort oder in einem Gebiet an. Eine Begrenzung auf nur einen Ort erfolgt jedoch nicht. Daneben müssen objektive Umstände darauf schließen lassen, dass der Aufenthalt nicht nur vorübergehend erfolgt.
Ja, arbeitsrechtlich sollten Sie mit dem neuen Arbeitgeber einen "Frequent Traveller Vertrag" gestalten: Arbeitsort wird in Albanien vereinbart, die Bezahlung von Deutschland aus, es wird verabredet, dass Sie weisungsgemäß weniger als 183 Tage im Kalenderjahr (= its in Deutscland das Steuerjahr) beim Arbeitgeber in Deutschland anwesend sein sollen. Damit haben Sie die obigen Regelungen in eine private Vereinbarung mit dem Arbeitgeber gebracht. Wesentlich wird dann noch sein, pber ggf. Reisekosten, Spesen oder sonstige Unterstützungen zu sprechen.
Nachfrage vom Fragesteller	14.07.2018 | 11:16
Danke für Ihre Verbindliche Aussage. Bitte beantworten Sie mir noch folgende Frage:
Ich finde hier einen Unterschied zu Ihren Aussagen!
>Nach der 183-Regelung darf der deutsche Fiskus die Vergütung des ausländischen (im Ausland ansässigen) Mitarbeiters nicht >besteuern, wenn 4 Bedingungen eingehalten sind:
>3. die Vergütung von einem Arbeitgeber gezahlt wird, der in Deutschland ansässig ist und …
Artikel 15 Abs. 2 b DBA Albanien Deutschland:
>(2) Ungeachtet des Absatzes 1 können Vergütungen, die eine
>In einem Vertragsstaat ansässige Person für eine im anderen
>Vertragsstaat ausgeübte unselbständige Arbeit bezieht, nur im
>erstgenannten Staat besteuert werden, wenn die folgenden
>Bedingungen insgesamt erfüllt sind:
>b) die Vergütungen werden von einem Arbeitgeber oder für
>einen Arbeitgeber gezahlt, der NICHT im anderen Staat ansässig ist;
Ich Verstehe es so: Vertragsstaat = Albanien, anderen Staat = Deutschland.
Der Steuerbeamte verweist auf die Version des DBA.
Was soll ich nun dem Steuerbeamten Sagen, damit er mich als beschränkt Steuerpflichtig einstuft?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 16.07.2018 | 18:35
Hier liegt alleine eine "fehlkerhafte Lesart" von Ihnen zu Grunde, weil das DBA die 3 Voraussetzungen alle negativ ausdrückt, also sagt, ist nur in D zu besteuern, weil nicht 183 im anderen Vertragsstart, oder weil er in Deutschalland arbeitet, aber in Albanien wohnt:
Wer als Deutscher in Albanien wohnt und arbeitet und Lohn aus Deutschlanbd bezieht, muss auf diesen Lohn natürlich keine Steuer zahlen. Es gilt dabei auch, dass nicht etwa von einer Zweigniederlassung des in Deutschland ansässigen Arbeitgeber in Albanien gezahlt werden darf- also komplette Trennung: Arbeitgeber Deutschland, Sie Albanien = keine Steuerpflicht für Deutschland, nur in Albanien wegen der 183 Tage-Regelung.
Legen Sie bitte Ihrem Finanzbeamten die hier beigefügte Fundstelle des BMF 03. Mai 2018 vor, welches sich auch auf den Fall des § 15 II b) DBA bezieht:
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Internationales_Steuerrecht/Allgemeine_Informationen/2018-05-03-steuerliche-behandlung-arbeitslohn-doppelbesteuerungsabkommen.pdf?__blob=publicationFile&v=2
dort Rn. 80 und Rn. 81. Das ist nun wirklich aktuellste Quelle und gerade zu Unterrichtszwecken in der Welt.
Aber vorsorglich nochmals der Text:
>In einem Vertragsstaat ansässige Person = Das sind Sie in Albanien, da sind Sie wohnhaft, also ansässig
für eine im anderen>Vertragsstaat ausgeübte unselbständige Arbeit bezieht (schon das tun Sie ja gar keine Tätigkeit in Deutschland aus, sondern Sie arbeiten für Ihren Arbeitgeber in Albanien, also für Deutschland) , nur im
>einen Arbeitgeber gezahlt, der NICHT im anderen Staat (= Albanien wäre das, weil es ja gerade negativ formuliert ist) ansässig ist;
Ich Verstehe es so: Vertragsstaat = Albanien, anderen Staat = Deutschland. Ja, richtig. Nur sagt § 15 II DBA es gerade so, wie ich es Ihnen wiederholt habe, schauerlicher Text, dieses DBA. Es ist wohl so zu sehen, dass Deutschland und Albanien solche Personen im Blick hatten, welche gleichsam pendeln- also gewöhnlicher Aufenthalt und Tätigkeit auseinanderfallen = Wohnen in Albanien, in Deutschland weniger als 183 Tage Tätig sein. Nur deshalb kommen diese "negativen begriffe"- § 15 II beschreibt gar nicht Ihren Fall, weil Sie alles in Albanien machen- und sich dort kein Arbeitgeber befindet.
Jochen Boehncke
Bewertung des Fragestellers 13.06.2018 | 17:36
"Diese Antwort war für mich sehr überraschend und zugleich sehr positiv. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich benötige jetzt nur noch einige Zeit, dies in meinem Leben einzubauen. "
FRAGESTELLER 13.06.2018 4,8/5,0

References: § 8
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