Source: http://strafrecht-online.org/lehre/ws-2019/ag-strafrecht-at-stroele/definitionenspeicher/
Timestamp: 2020-06-02 20:26:59+00:00

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Der Gutachtenstil erfordert eine sich an den Obersatz zu einem einzelnen Tatbestandsmerkmal oder einer sonstigen Strafbarkeitsvoraussetzung anschließende Definition dieses Merkmals. Definition bedeutet: Das Merkmal muss abstrakt umschrieben werden und auf den konkreten Sachverhalt darf an dieser Stelle noch kein Bezug genommen werden (sondern erst in der Subsumtion).
Im Laufe der Jahre haben sich in Rechtsprechung und Literatur Definitionen herausgebildet, die eine Subsumtion des konkreten Sachverhalts erleichtern. Für strafrechtliche Fallbearbeitungen im Gutachtenstil ist die Kenntnis dieser Definitionen unabdingbar. Sie müssen nicht wortgleich, aber zumindest in ihren Kernelementen wiedergegeben werden, um anschließend das Geschehene hieran zu messen. Auch die in dieser Liste genannten Definitionen sind insofern lediglich Formulierungsvorschläge, die in verschiedenen Lehrbüchern oder Kommentaren leicht variieren.
Diese Liste soll einen Überblick über alle Definitionen bieten, die in unseren AG-Fällen auftauchen. Sie wird stetig erweitert, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Beschädigen i.S.d. § 303 Abs. 1 StGB
Beschädigung ist jede Einwirkung auf die Sache, durch die ihre Substanz nicht unerheblich verletzt oder ihre bestimmungsmäßige Brauchbarkeit nicht unerheblich beeinträchtigt wird (vgl. Schönke/Schröder/Hecker StGB, 30. Aufl. 2019, § 303 Rn. 8).
Zerstören i.S.d. § 303 Abs. 1 StGB
Zerstört ist eine Sache, wenn sie infolge der körperlichen Einwirkung vernichtet oder so weitgehend beschädigt wird, dass ihre bestimmungsgemäße Brauchbarkeit vollständig aufgehoben ist (vgl. Schönke/Schröder/Hecker StGB, 30. Aufl. 2019, § 303 Rn. 14).
Fremde Sache i.S.d. § 303 Abs. 1 StGB
Eine Sache ist jeder körperliche Gegenstand. Fremd ist eine Sache, wenn sie zumindest auch im Eigentum eines anderen steht (vgl. Rengier Strafrecht BT I, 21. Aufl. 2019, § 2 Rn. 6 ff.).
Körperliche Misshandlung i.S.d. § 223 Abs. 1 StGB
Eine körperliche Misshandlung ist jede üble unangemessene Behandlung, durch die das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit mehr als nur unerheblich beeinträchtigt wird (vgl. Nomos Kommentar StGB/Paeffgen/Böse, 5. Aufl. 2017, § 223 Rn. 8).
Gesundheitsschädigung i.S.d. § 223 Abs. 1 StGB
Eine Gesundheitsschädigung bezeichnet das Hervorrufen oder Steigern eines krankhaften (= pathologischen) Zustandes. Krankhaft ist jeder Zustand, der nicht nur unerheblich negativ vom Normalzustand abweicht (vgl. Wessels/Hettinger/Engländer Strafrecht BT I, 43. Aufl. 2019, Rn. 219).
Im Sinne der conditio-sine-qua-non-Formel ist jede Bedingung (d.h. jede Handlung) kausal für einen Erfolg, die nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele (vgl. Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 49. Aufl. 2019, Rn. 228).
Ein tatbestandlicher Erfolg ist dem Täter objektiv zuzurechnen, wenn er eine rechtlich missbilligte Gefahr geschaffen oder erhöht hat und sich gerade diese Gefahr (und keine andere) im tatbestandlichen Erfolg realisiert hat (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 49. Aufl. 2019, Rn. 261).
Vorsatz bezeichnet den Willen zur Tatbestandsverwirklichung in Kenntnis aller seiner objektiven Tatbestandsmerkmale; Kurzformel: Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung (vgl. Rengier Strafrecht AT, 11. Aufl. 2019, § 14 Rn. 5).
Gefährliches Werkzeug i.S.d. § 224 Abs. 1 Nr. 2 Var. 2 StGB
Als gefährliches Werkzeug gilt jeder Gegenstand, der nach seiner objektiven Beschaffenheit und der konkreten Art seiner Verwendung geeignet ist, erhebliche Verletzungen herbeizuführen (Lackner/Kühl/Kühl, 29. Aufl. 2018, § 224 Rn. 5).
Jede durch menschliches Verhalten drohende Verletzung eines notwehrfähigen Rechtsguts (Schönke/Schröder/Perron StGB, 30. Aufl. 2019, § 32 Rn. 3).
Gegenwärtig (§ 32 StGB)
Gegenwärtig ist ein Angriff, wenn er unmittelbar bevorsteht, begonnen hat oder andauert (Kindhäuser in: NK-StGB, 5. Aufl. 2017, § 32 Rn. 51).
Rechtswidrig (§ 32 StGB)
Rechtswidrig ist ein Angriff, wenn er im Widerspruch zur Rechtsordnung steht, also nicht seinerseits durch einen Rechtfertigungsgrund gedeckt wird (vgl. Momsen/Savic in: BeckOK-StGB, 43. Edition, § 32 Rn. 22).
Geeignet (§ 32 StGB)
Geeignet ist die Verteidigungshandlung, wenn sie den Angriff endgültig beenden oder zumindest erschweren kann (Rengier Strafrecht AT, 11. Aufl. 2019, § 18 Rn. 33).
Erforderlich (§ 32 StGB)
Erforderlich ist die Verteidigungshandlung, die von allen gleich geeigneten Mitteln das für den Angreifer am wenigsten gefährliche ist (vgl. Rengier Strafrecht AT, 11. Aufl. 2019, § 18 Rn. 40).
Gefahr (§ 34 StGB)
Zustand, in dem nach den konkreten Umständen bei natürlicher Weiterentwicklung des Geschehens die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines schädigenden Ereignisses besteht (Rengier Strafrecht AT, 11. Aufl. 2019, § 19 Rn. 9).
Gegenwärtig (§ 34 StGB)
Gegenwärtig ist eine Gefahr, wenn nach menschlicher Erfahrung der bestehende Zustand bei natürlicher Weiterentwicklung alsbald in einen Schaden umschlagen kann, wenn also der Eintritt eines Schadens sicher oder doch höchstwahrscheinlich ist, sofern nicht sofort Abwehrmaßnahmen ergriffen werden (vgl. Fischer-StGB, 66. Aufl. 2019, § 34 Rn. 7).
Eine solche liegt vor, wenn mehrere Handlungspflichten den Normadressaten derart treffen, dass er die eine nur auf Kosten der anderen erfüllen kann (Rengier Strafrecht AT, 11. Aufl. 2019, § 49 Rn. 39).
Beim Erlaubnistatumstandsirrtum stellt sich der Täter irrig tatsächliche Umstände vor, bei deren Vorliegen seine Handlung gerechtfertigt wäre (vgl. Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 49. Aufl. 2019, Rn. 740).
Unmittelbares Ansetzen iSd § 22 StGB (Kombinationsansatz)
Nach dem herrschenden Kombinationsansatz liegt ein unmittelbares Ansetzen vor, wenn subjektiv die Schwelle zum „Jetzt geht’s los“ überschritten ist und nach der Vorstellung des Täters bei objektiver Betrachtung zur tatbestandlichen Handlung angesetzt wurde. Dabei genügt nur ein Verhalten, das so eng mit der tatbestandlichen Ausführungshandlung verknüpft ist, dass es bei ungestörtem Fortgang unmittelbar zur Verwirklichung des gesamten Straftatbestandes führen soll oder im unmittelbaren räumlichen und zeitlichen Zusammenhang (Sphärentheorie) damit steht. Das kann sich insbesondere daraus ergeben, dass die vom Täter in Gang gesetzte Ursachenreihe nach seiner Vorstellung vom Tatablauf ohne Zäsur und ohne weitere wesentliche Zwischenakte (Zwischenaktstheorie) in die eigentliche Tatbestandshandlung einmünden soll mit der Folge, dass aus seiner Sicht das Angriffsobjekt schon konkret gefährdet (Gefährdungstheorie) erscheint (BGHSt 48, 34 [35 f.]; BGH NStZ 2019, 79).
Subjektiver Fehlschlag des Versuchs
Ein Versuch ist fehlgeschlagen, wenn der Täter nach seiner subjektiven Vorstellung die Tat mit den bereits eingesetzten oder den zur Hand liegenden Mitteln nicht mehr ohne zeitliche Zäsur vollenden kann (BGHSt 41, 368 [369]; Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 49. Aufl. 2019, Rn. 1019).
Unbeendeter Versuch iRd § 24 StGB
Der Versuch ist unbeendet, wenn der Täter glaubt, noch nicht alles Erforderliche getan zu haben, um den tatbestandlichen Erfolg herbeizuführen und die Vollendung aus seiner Sicht noch möglich erscheint (Rengier Strafrecht AT, 11. Aufl. 2019, § 37 Rn. 31). Der für die subjektive Vorstellung maßgebliche Zeitpunkt ist der Moment unmittelbar nach Abschluss der letzten Ausführungshandlung (sog. Rücktrittshorizont, vgl. Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 49. Aufl. 2019, Rn. 1019).
Beendeter Versuch iRd § 24 StGB
Der Versuch ist beendet, wenn der Täter nach seiner subjektiven Vorstellung alles für die Herbeiführung des tatbestandlichen Erfolges Erforderliche getan hat und den Erfolgseintritt für möglich hält (Rengier Strafrecht AT, 11. Aufl. 2019, § 37 Rn. 32).
Gewalt iSd § 249 Abs. 1 StGB
Unter Gewalt versteht man physisch vermittelten Zwang zur Überwindung eines geleisteten oder erwarteten Widerstands, der sich gegen eine Person richtet (Rengier Strafrecht BT II, 20. Auflage 2019, § 23 Rn. 2).
Drohung iSd 249 Abs. 1 StGB
Eine Drohung ist das Inaussichtstellen eines künftigen Übels, auf dessen Eintritt der Drohende Einfluss hat oder zu haben vorgibt (Rengier Strafrecht BT II, 20. Auflage 2019, § 23 Rn. 39).
(Quasi-)Kausalität iRd Unterlassens (§ 13 StGB)
Die Ursächlichkeit des Unterlassens für den Eintritt des tatbestandlichen Erfolges ist zu bejahen, wenn die rechtlich gebotene Handlung nicht hinzugedacht werden kann, ohne dass der Erfolg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entfiele (BGHSt 6, 1, 2; 37, 106, 126).
Objektive Komponenten der Fahrlässigkeit
Objektiv fahrlässig handelt, wer sich objektiv sorgfaltspflichtwidrig verhält und dadurch objektiv vorhersehbar einen Tatbestand verwirklicht (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 49. Aufl. 2019, Rn. 1115).
Ein objektiver Sorgfaltspflichtverstoß liegt vor, wenn der Täter die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt (Rengier Strafrecht AT, 11. Aufl. 2019, § 52 Rn. 15).
Objektiv vorhersehbar ist alles, was ein umsichtiger Mensch aus dem Verkehrskreis des Täters unter Berücksichtigung der konkreten Umstände aufgrund allgemeiner Lebenserfahrung in Rechnung stellen würde (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 49. Aufl. 2019, Rn. 1116).
Mittäterschaft (Tatentschluss) iSd § 25 Abs. 2 StGB
Ein gemeinsamer Tatentschluss setzt das Einverständnis jedes Beteiligten mit dem gemeinsamen täterschaftlichen Vorgehen voraus (Kühl AT § 20 Rn. 104). Alle Mittäter müssen die gemeinsame Begehung einer Straftat jeweils als Täter (und nicht nur als Teilnehmer oder unterlegenes „Werkzeug“ im Sinne der mittelbaren Täterschaft) in ihren Willen aufgenommen haben.
AG Strafrecht AT (Ströle)

References: § 303
 § 303
 § 303
 § 303
 § 303
 § 2
 § 223
 § 223
 § 223
 § 14
 § 224
 § 224
 § 32
 § 32
 § 32
 § 18
 § 18
 § 19
 § 34
 § 49
 § 22
 BGH 
 § 24
 § 37
 § 24
 § 37
 § 249
 § 23
 § 23
 § 52
 § 25
 § 20