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Timestamp: 2020-01-26 23:36:42+00:00

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Betreu­er­ver­gü­tung in Unter­brin­gungs­sa­chen | Rechtslupe
Betreuervergütung in Unterbringungssachen
Betreu­er­ver­gü­tung in Unter­brin­gungs­sa­chen
Hat das Betreu­ungs­ge­richt den anwalt­li­chen Ver­fah­rens­pfle­ger in einem Ver­fah­ren über die Geneh­mi­gung einer Unter­brin­gung nach § 1906 Abs. 1 bis 3 BGB einer­seits und einer frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­me nach § 1906 Abs. 4 BGB ande­rer­seits bestellt, kann er bei­de Tätig­kei­ten jeweils nach Nr. 6300 VV RVG abrech­nen; es han­delt sich inso­weit nicht um die­sel­be Ange­le­gen­heit im Sin­ne des § 15 Abs. 2 Satz 1 RVG.
Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren konn­te der anwalt­li­che Ver­fah­rens­pfle­ger nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz abrech­nen. Dabei stel­len sei­ne Tätig­kei­ten als Ver­fah­rens­pfle­ger in dem Ver­fah­ren der Geneh­mi­gung einer frei­heits­ent­zie­hen­den Unter­brin­gung eines Betreu­ten nach § 1906 Abs. 1 bis 3 BGB i.V.m. § 312 Nr. 1 FamFG einer­seits und in dem Ver­fah­ren der Geneh­mi­gung einer frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­me nach § 1906 Abs. 4 BGB i.V.m. § 312 Nr. 2 FamFG ande­rer­seits aller­dings ver­schie­de­ne Ange­le­gen­hei­ten im Sin­ne des § 15 RVG dar.
Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat 1, kann der anwalt­li­che Ver­fah­rens­pfle­ger eine Ver­gü­tung nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz bean­spru­chen, soweit er im Rah­men sei­ner Bestel­lung sol­che Tätig­kei­ten zu erbrin­gen hat, für die ein Laie in glei­cher Lage ver­nünf­ti­ger­wei­se einen Rechts­an­walt zuzie­hen wür­de. Dabei ist die – auch hier getrof­fe­ne – gericht­li­che Fest­stel­lung, dass eine anwalts­spe­zi­fi­sche Tätig­keit erfor­der­lich ist, für die anschlie­ßen­de Kos­ten­fest­set­zung bin­dend.
Die Ver­gü­tung des Rechts­an­walts rich­tet sich in Unter­brin­gungs­sa­chen im Sin­ne von § 312 FamFG nach Teil 6 Abschnitt 3 – und dort grund­sätz­lich nach Nr. 6300 – des Ver­gü­tungs­ver­zeich­nis­ses zum RVG 2. Der Tat­be­stand der Nr. 6302 VV RVG bezieht sich auf Ver­län­ge­rungs- oder Auf­he­bungs­ent­schei­dun­gen, um die es hier nicht geht.
Die Fra­ge, ob der anwalt­li­che Ver­fah­rens­pfle­ger die Ver­gü­tung nach Nr. 6300 VV RVG in Unter­brin­gungs­sa­chen nur ein­mal for­dern kann, rich­tet sich nach § 15 Abs. 2 RVG. Danach kommt es dar­auf an, ob es sich bei der Geneh­mi­gung der Unter­brin­gung nach § 1906 Abs. 1 bis 3 BGB und der Geneh­mi­gung der wei­te­ren frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­men nach § 1906 Abs. 4 BGB kos­ten­recht­lich um die­sel­be Ange­le­gen­heit han­delt. Wer­den aller­dings meh­re­re Ver­fah­ren neben­ein­an­der geführt, so lie­gen stets ver­schie­de­ne Ange­le­gen­hei­ten im Sin­ne des § 15 RVG vor 3.
Das Gesetz unter­teilt die Unter­brin­gungs­sa­chen in § 312 FamFG in ver­schie­de­ne Ver­fah­ren. Des­sen Num­mer 1 erfasst die Ver­fah­ren zur Geneh­mi­gung einer frei­heits­ent­zie­hen­den Unter­brin­gung nach § 1906 Abs. 1 bis 3, 5 BGB. Num­mer 2 bezieht sich auf die Geneh­mi­gung einer frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­me nach § 1906 Abs. 4 BGB durch einen Betreu­er oder einen Bevoll­mäch­tig­ten 4.
Dass es sich bei den Geneh­mi­gun­gen im vor­ge­nann­ten Sinn nach Num­mer 1 und Num­mer 2 um ver­schie­de­ne Ver­fah­ren mit ent­spre­chend unter­schied­li­chen Vor­aus­set­zun­gen han­delt, zeigt bereits die Rege­lung des § 321 FamFG. Wäh­rend vor einer Unter­brin­gungs­maß­nah­me nach § 1906 Abs. 1 und 2 BGB eine förm­li­che Beweis­auf­nah­me durch Ein­ho­lung eines Gut­ach­tens über die Not­wen­dig­keit der Maß­nah­me statt­zu­fin­den hat, genügt gemäß § 321 Abs. 2 FamFG für eine Maß­nah­me nach § 1906 Abs. 4 BGB ein ärzt­li­ches Zeug­nis.
Es han­delt sich vor­lie­gend auch nicht etwa des­halb um die­sel­be Ange­le­gen­heit im Sin­ne des § 15 Abs. 2 Satz 1 RVG, weil eine Geneh­mi­gung nach § 1906 Abs. 4 BGB bereits in der Geneh­mi­gung der Unter­brin­gung als sol­cher ent­hal­ten wäre. Da die Unter­brin­gung den Betrof­fe­nen im Ein­zel­fall weni­ger beein­träch­tigt als eine frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­me iSv § 1906 Abs. 4 BGB, ist letz­te­re stets auch dann geson­dert gericht­lich zu geneh­mi­gen, wenn der Betrof­fe­ne nach § 1906 Abs. 1 bis 3 BGB unter­ge­bracht ist 5. Die mate­ri­ell­recht­lich ver­schie­de­nen Ange­le­gen­hei­ten sind des­we­gen auch gebüh­ren­recht­lich nicht als die­sel­be Ange­le­gen­heit iSv § 15 Abs. 2 Satz 1 RVG zu behan­deln.
Gemes­sen an den vor­ste­hen­den Anfor­de­run­gen ist der anwalt­li­che Ver­fah­rens­pfle­ger nicht (nur) in der­sel­ben Ange­le­gen­heit im Sin­ne des § 15 RVG tätig gewor­den.
Dass das Amts­ge­richt die bei­den Beschlüs­se am sel­ben Tag und unter dem­sel­ben Akten­zei­chen erlas­sen hat, steht der gebüh­ren­recht­li­chen Behand­lung als ver­schie­de­ne Ange­le­gen­hei­ten nicht ent­ge­gen. Denn maß­geb­lich ist allein, dass es sich bei den der Bestel­lung zugrun­de­lie­gen­den Ver­fah­ren bzw. Ver­fah­rens­ge­gen­stän­den nicht um die­sel­be Ange­le­gen­heit han­delt 6. Zwar mag die Tätig­keit des Ver­fah­rens­pfle­gers dadurch erleich­tert wor­den sein, dass er den Betrof­fe­nen – in bei­den Ange­le­gen­hei­ten – nur ein­mal auf­su­chen muss­te und ins­ge­samt auch nur ein­mal dem Gericht berich­tet hat. Das ändert aber nichts dar­an, dass der Ver­fah­rens­pfle­ger im Inter­es­se des Betrof­fe­nen die Recht­mä­ßig­keit sowohl der Geneh­mi­gung der Unter­brin­gung als auch der Geneh­mi­gung der frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­men zu über­prü­fen hat­te. Denn die Recht­mä­ßig­keit der Geneh­mi­gung der Unter­brin­gung geht nicht mit der Recht­mä­ßig­keit der Geneh­mi­gung der frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­men nach § 1906 Abs. 4 BGB ein­her.
Zwar ist der zusätz­lich gel­tend gemach­te Gebüh­ren­tat­be­stand der Nr. 6302 VV RVG nicht ein­schlä­gig, weil er sich auf Ver­län­ge­rungs- bzw. Auf­he­bungs­ent­schei­dun­gen bezieht. Die unzu­tref­fen­de Bezeich­nung hin­dert das Gericht indes nicht, dem Ver­fah­rens­pfle­ger den rich­ti­gen Ver­gü­tungs­tat­be­stand (hier also ein wei­te­res Mal die Nr. 6300 VV RVG) zuzu­er­ken­nen, wenn auch im Ergeb­nis – sei­nem Antrag ent­spre­chend – in redu­zier­ter Höhe.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Sep­tem­ber 2012 – XII ZB 543/​11
BGH, Beschluss vom 17.11.2010 – XII ZB 244/​10, Fam­RZ 2011, 203 Rn. 12 ff.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.06.2012 – XII ZB 346/​10, Fam­RZ 2012, 1377 Rn. 6[↩]
N. Schnei­der in Anwalt­kom­men­tar RVG 5. Aufl. § 15 Rn. 80 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 27.06.2012 – XII ZB 24/​12, Fam­RZ 2012, 1372 Rn. 12[↩]
BGH, Beschluss BGHZ 166, 141, 153 = Fam­RZ 2006, 615, 618; Mar­sch­ner in: Marschner/​Volckart/​Lesting Frei­heits­ent­zie­hung und Unter­brin­gung 5. Aufl. § 1906 BGB Rn. 43 mwN; Palandt/​Diederichsen BGB 71. Aufl. § 1906 Rn. 34 mwN[↩]
vgl. zur Ver­gü­tung des Ver­fah­rens­bei­stan­des BGH, Beschluss vom 01.08.2012 XII ZB 456/​11[↩]
BetreuervergütungBetreuung

References: § 1906
 § 1906
 § 15
 § 1906
 § 312
 § 1906
 § 312
 § 15
 § 312
 § 15
 § 1906
 § 1906
 § 15
 § 312
 § 1906
 § 1906
 § 321
 § 1906
 § 321
 § 1906
 § 15
 § 1906
 § 1906
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 § 15
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 § 1906
 § 15
 § 1906
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