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Timestamp: 2019-02-21 19:37:44+00:00

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Ofﬁ zielles Organ der meditaxa Group e. V. Fachkreis für Steuerfragen der Heilberufe Ausgabe 87 | November 2018 www.meditaxa.de Strategie. Vorbereitung. Ruhestand. – Teil I – Der ermittelte Praxisgewinn und die reale Liquidität. Ärzte auf der Suche nach ihrem Geld Terminservice- und Versorgungsgesetz: Maßgebende Regelungen für Ärzte und Zahnärzte DS-GVO: Ärzte sollten auf Nummer sicher gehen Überreicht von Ihrem Steuerberater
meditaxa 87 | November 2018 3 EDITORIAL Sehr geehrte Mandantin, sehr geehrter Mandant, Matthias Haas Vorstandsvorsitzender der meditaxa group e. V. Altersvorsorge. Ein ema, mit dem sich früher oder später jeder auseinander setzen sollte. Eine umfassende und individuelle Planung ist essenziell, um den gewohnten Lebensstandard auch im Alter halten zu können. In „Strategie. Vorbereitung. Ruhestand.“ Teil I beschä i gen wir uns mit den wichtigsten Punkten zum ema Altersvorsorge für Ärzte ab Seite 8. Die Finanzen im Auge behalten – dieser Grundsatz spielt nicht nur bei der Ruhestandsplanung eine wichtige Rolle. Viele Ärztinnen und Ärzte stellen nicht selten bei der Betriebswirtscha lichen Auswertung oder ihrem Jahres- abschlussgespräch mit ihrem Steuerberater fest, dass der Praxisgewinn nicht gleich der Liquidität entspricht. Woran das liegt und wohin das ganze Geld verschwindet, erläutert Vorstandsmit- glied Marc-Andreas Hustedt im Interview auf Seite 16/17. Im April 2019 soll das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz in Kra treten. Wichtig für die zahnärztliche Abrechnung sind insbesondere die neue Mehrkostenregelung bei KFO-Leistungen, die Abschaﬀ ung der Punktwertdegression, höhere Festzuschüsse und die gesetzliche Fixierung des Gutachterverfahrens. Details ﬁ nden Sie auf Seite 15. Seit Anfang des Jahres beschä igt uns alle die Datenschutz-Grundverordnung: Nach sechs Monaten mit dem verschär en Regelwerk tappen viele Mediziner noch im Dunkeln, was die Anforderungen angeht. „Braucht meine Praxis nun einen Datenschutzbeau ragten?“, „Muss mein Telefonanbieter in meinem Au ragsdaten- verarbeitungsregister gelistet werden?“ – Fragen, auf die viele keine Antwort wissen. Wir erklären in jeder Ausgabe, auf was Sie achten müssen und was ratsam ist, um nicht Opfer einer Abmahnung zu werden (Seite 7 und Seite 27). Wieder steuern wir das Ende eines Jahres an – wir bedanken uns bei Ihnen, liebe Mandantinnen und Mandanten, sehr geehrte Leserinnen und Leser – für ein spannendes Jahr 2018. Wir freuen uns, Sie auch weiterhin, im neuen Jahr und darüber hinaus, über alles Wichtige in Sachen Steuern und Recht informieren zu dürfen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihren Familien besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins Jahr 2019. Ihre meditaxa-Redaktion Besuchen Sie uns auch im Internet: meditaxa.de
INHALT 4 meditaxa 87 | November 2018 LEITARTIKEL Strategie. Vorbereitung. Ruhestand. – Teil I – Seite 8 EXTRA KURZ FINANZEN IGeL: Pauschale Abrechnung nicht zulässig „Ticktack – der Nächste bitte!“ · Telematik- infrastruktur: Erklär-Broschüre/-Video für die Zahnarztpraxis · Unterhalt ______________________ 6 Steuerfreie Nebenjobs für Ärzte _____________________ 7 Verkauf von Praxis-Pkw: Erlös muss trotz Privatnutzung versteuert werden ______ 12 Begrenzung der Nutzungsentnahme bei 1 %-Regelung ________________________________ 12 IHRE AKTUELLE RECHTSFRAGE AN UNS Elektrofahrzeuge: Anschaﬀ ung bis 2019 herauszögern _________________ 13 Erfordert der Vertrag mit einem Telekommunikationsanbieter auch einen Vertrag zur Au ragsdatenverarbeitung? ______________ 7 FINANZEN Terminservice- und Versorgungsgesetz Seite 15 12 Tage als kurze Zeit ____________________________ 13 Aussetzung der Vollziehung bei Verzinsung durch die Finanzverwaltung _______________________ 14 Nicht operativ tätig? _____________________________ 14 Terminservice- und Versorgungsgesetz: Maßgebende Regelungen für Ärzte und Zahnärzte _____ 15 Labormediziner gewerbesteuerpﬂ ichtig ______________ 15 FAMILIE Baukindergeld gestartet __________________________ 18 Kinderbetreuungskosten: Höchstbeträge ausschöpfen _______________________ 18 Schulgeld kann Steuerlast mindern _________________ 19 Steuerliche Entlastung für Familien ab 2019 geplant ____ 19
meditaxa 87 | November 2018 5 INHALT INTERVIEW Der ermittelte Praxisgewinn und die reale Liquidität – Wo ist mein Geld? Seite 16 LEBEN PRAXISNAH Keine Lohnsteuerpauschalierung bei Gehaltsumwandlung __________________________ 24 Approbationswiderruf auch bei Einstellung staatsanwaltlicher Ermittlungen zulässig _____________ 24 Wirksame Verdachtskündigung erfordert angemessene Zeitspanne für Stellungnahme des Arbeitnehmers ______ 25 Mindestlohn steigt 2019 und 2020 stufenweise ________ 26 Privates Veräußerungsgeschä bei häuslichem Arbeitszimmer _____________________ 26 LEBEN Weihnachten, das länger hält Seite 20 Wer sucht, pﬂ anzt Bäume _________________________ 20 DS-GVO: Auf Nummer sicher gehen ________________ 27 Leihen statt schenken ____________________________ 21 Warnung vor dem „Klick“ _________________________ 27 LESEN & HÖREN ______________________________ 21 TI-Rollout: Forderung nach Fristverlängerung ________ 28 IMMOBILIEN Unlauterer Wettbewerb: Was Ärzte und Zahnärzte dürfen und was nicht ________ 28 Ist es das wert? _________________________________ 29 Möblierungszuschlag bei ortsüblicher Miete __________ 22 Grundstückseigentümer: Wer Hecken und Bäume nicht schneidet, zahlt sa ig ____ 22 SERVICE Wo sich kaufen noch lohnt ________________________ 23 Praxisverkauf: Vorsicht, Immobilien-Steuerfalle! _______ 23 Impressum ____________________________________ 29 Unser Onlineportal _____________________________ 30 Mitglieder der meditaxa Group e. V. ________________ 31
EXTRA KURZ 6 meditaxa 87 | November 2018 tra kurz IGeL: Pauschale Abrechnung nicht zulässig Eine Praxisinha- berin hat im Warte- zimmer eine Information zu IGe-Leistungen ausgelegt, u. a. bei Tauglichkeitsuntersu- chungen veranschlagt die Ärz- tin einen Pauschalpreis gemes- sen am tatsächlichen Aufwand. Pauschalpreise für IGe-Leistungen sind nicht zulässig. Jede IGe-Leistung muss korrekt auf der Grundlage der GOÄ in Rechnung gestellt werden. Neben dem Datum der Leistungserbringung sind für eine Privatliquidation von IGe-Leis- tungen insbesondere auch die Bezeich- nung der Leistung nach GOÄ sowie der Betrag und gegebenenfalls der Steigerungssatz anzugeben. Dies gilt beispielsweise auch bei Sofortzahlern. Um den Honoraranspruch zu sichern, ist es zu empfehlen, vorab eine schri - liche Zustimmung im Rahmen eines Behandlungsvertrages einzuholen. Quelle: Meditaxa Redaktion | Praxisbeispiel: A&W 07/2018 „Tick Tack – der Nächste bitte!“ Patienten werden im Gespräch bereits nach 11 Sekunden das erste Mal von ihren Ärzten unterbrochen. Nur jeder dritte Arzt gibt seinem Patienten die Möglichkeit, seine Beschwerden aus- führlicher zu beschreiben. Im Schnitt haben deutsche Ärztinnen und Ärzte für ein Arzt-Patienten-Gespräch nur 7,6 Minuten Zeit pro Patient. Dies ergab eine US-Studie der University of Florida. Untersucht wurde die klinische Konsultation zwischen 112 Patienten und ihren Ärzten. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Gesprächsverlauf. Die Studie fand im Rahmen eines Trainings für Ärztinnen und Ärzte statt. Anbindung an die Telematikinfrastruktur: Erklär-Broschüre und Erklär-Video für die Zahnarztpraxis Die KZBV hat eine neue Praxisinformation „Anbindung an die Telematik- infrastruktur – Informationen für Ihre Praxis“ erstellt. Darin werden Fragen zur notwendigen technischen Ausstattung und Finanzierung der Telematik- infrastruktur (TI) beantwortet. Checklisten, Tabellen und Hinweise erläutern, wie sich die Zahnarztpraxen auf den Einstieg in die Telematikinfrastruktur rechtzeitig vorbereiten können. Außerdem gibt ein Erklärﬁ lm von KZBV und KZV Sachsen in ca. 20 Minuten einen Überblick über die TI und die Vorgänge bei der Anbindung in der Zahnarztpraxis (Einzelheiten un- ter https://www.kzbv.de/telemati- kinfrastruktur) Unterhalt Auch für die Zeit eines so genannten Freiwilligen Sozialen Jahres kann die Ausbildungs-Unterhaltspﬂ icht für einen geschiedenen Vater gegenüber seinem Sohn bestehen. Das gelte jedenfalls dann, so das Oberlandesgericht Frank- furt am Main, wenn das Kind zu Beginn noch minderjährig ist und der Freiwilli- gendienst auch der Berufsﬁ ndung dient. Neben einer „beruﬂ ichen Orientie- rungs- und Arbeitserfahrung“ vermittle der Freiwilligendienst auch wichtige soziale Kompetenzen, „die als Schlüs- selkompetenz noch die Arbeitsmarkt- chancen verbessern“. OLG Frankfurt am Main, 2 UF 135/17 vom 04.04.2018
meditaxa 87 | November 2018 7 EXTRA KURZ tra kurz Steuerfreie Nebenjobs für Ärzte Mancher Arzt möchte sich nebenbei engagieren – den beruflichen Nachwuchs weiterbilden oder als Einsatzarzt bei Events für den Notfall da sein. Ist der Nebenjob gemein- nützig, dürfen Ärzte bis zu 2.400 Euro pro Jahr steuerfrei dazuverdienen. Zu den begünstigten Tätigkeiten gehören ausschließlich Arbeiten in Ausbildung, Kunst oder Pﬂ ege: • Sporttrainer und Mannscha sbetreuer • Arzt im Rehabilitations-, Behinderten- und Coronarsport • Dozent an Volkshochschulen • Hochschullehrer bei Staatsprüfungen • Bereitscha bei Hausnotrufdiensten • Vormundscha /Ergänzungspﬂ egscha Die Oberﬁ nanzdirektion Frankfurt/Main hat außerdem festge - legt, dass folgende Tätigkeiten das Merkmal der „Pﬂ ege“ erfüllen und so den Steuervorteil des Übungsleiterfreibetrags erhalten: • Rettungssanitäter und -schwimmer, Notärzte in Rettungs- und Krankentransportwagen für traumatisierte Opfer und deren Angehörige bei • Einsatzkrä e der Berg-, Höhlen- und Wasserrettung, sofern Personenbergung im Vordergrund steht • Kriseninterventionspersonen (psychologische Soforthilfe schweren oder tragischen Unfällen) • Einsatzleiter Rettungsdienst vor Ort Ob eine Tätigkeit nebenberuﬂ ich ausgeübt wird oder nicht, richtet sich ausschließlich nach dem zeitlichen Umfang. Dieser darf nach Auﬀ assung der Finanzverwaltung nicht mehr als ein Drittel der Vollzeitstelle ausmachen. Den Freibetrag gibt es übrigens auch, wenn Sie die begünstigte Tätigkeit nur während eines Teils des Jahres ausüben. Allerdings sind mit dem Übungsleiterfreibetrag auch alle Werbungskosten im Zusammenhang mit solchen Nebenjobs abgegolten. IHRE AKTUELLE RECHTSFRAGE AN UNS Erfordert der Vertrag mit einem Telekommunikationsanbieter auch einen Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung? Wenn Sie für Ihre Praxis einen Telefonvertrag mit Internetzugang abgeschlossen haben, müssen Sie auf Folgendes achten: Wird der Anschluss ausschließlich für An- rufe und Internetnutzung benötigt, wird vom Telekommunikationsanbieter keine Datenverarbeitung vorgenommen. Der Speicherung der Daten des Vertragspartners wird automa- tisch im Rahmen des Vertrags- abschlusses durch die eigene Unterschrift zugestimmt. Wird der Anbieter jedoch vom Vertragspartner – also vom als Praxisinhaber – beauftragt, eingehende Anrufe zu speichern oder weiterzuleiten, kann darin ein Auftrag zur Daten- verarbeitung liegen, da in diesem Fall der Telekommunikationsanbieter fremde per- sonenbezogene Daten im Auftrag des Praxisinhabers Anschlussinhaber verarbeitet, bzw. speichert. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, den Telefonanbieter im eigenen Daten- verarbeitungsverzeichnis zu führen, da die meisten Telekommunikationsanbieter die Telefonnummern – Telefonnummern der Patienten, die als personenbezogene Daten gelten – zumindest für eine gewisse Zeit speichern. Jörg G. Eick Mitglied der meditaxa Group e. V. Steuerberater, Geschä sführer DELTA Steuerberatungs- gesellscha mbH Richten Sie Ihre Frage zu aktuellen Steuer- und Rechts- themen an: info@meditaxa.de Wir freuen uns!
– Teil I – Strategie. Vorbereitung. Ruhestand. Altersvorsorge – vorerst im Hinterkopf behalten und das „Hier und Jetzt“ sichern. Oftmals bleibt die Ruhestandsplanung bei vielen Ärzten dann auch dort: Eine Theorie im Hinterkopf. Dabei ist eine umfassende und individuelle Planung essenziell, um den gewohnten Lebensstandard auch im Alter halten zu können. In „Strategie. Vorbereitung. Ruhestand.“ beschäftigen wir uns mit den wichtigsten Punkten zum Thema Altersvorsorge für Ärzte. 1. Alles muss durchdacht sein Um für den Tag X vorbereitet zu sein, sollten Sie sich im Vorfeld einige Gedanken zu ﬁ nanziellen Aspekten machen: • Welche Konsequenzen bringt die Ruhestandsentscheidung mit sich? • Welche Wünsche und Ziele habe ich für den Ruhestand? • Welche Gestaltungsmöglichkeiten stehen mir bis dahin noch zur Verfügung? Im ersten Schritt muss Klarheit über die eigenen Vorstellungen für die Zeit bis zum Eintritt in den Ruhestand und danach herrschen. Dabei darf man nicht vergessen – wird der Ruhestand mit einem Partner verbracht, sollten auch dessen Vorstellungen und Einstellungen bei der Ruhestandsplanung berücksichtig werden, genauso wie das familiäre Umfeld. INFO Zum Konkretisieren der Vorstellungen lohnt es sich, eine Check- liste zu erstellen und abzugleichen: Unsere Checkliste steht Ihnen online unter www.meditaxa.de/checkliste zur Verfügung. Viele Mediziner sorgen sich um ihr Auskommen im Alter, trotz Versorgungswerken. Dennoch handeln die meisten nicht. Das Ergebnis – zu viel Geld, dass unverzinst auf Konten und Sparbüchern liegt und dennoch nicht für den „Zeitraum Alter“ inklusive Partner und Familie ausreicht. Jeder Mediziner – angestellt oder niedergelassen – wird sich irgendwann vollständig aus dem Berufsleben in den Ruhestand verabschieden. Die Ausgaben werden ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aus den bisherigen Einnahmen der beruﬂ ichen Tätigkeit gedeckt, sondern aus dem, was während der Tätig- keit aus einem Teil der Einnahmen gemacht wurde. Da viele Mediziner genau wissen, wann sie ihre Berufung aufgeben möchten, lohnt es sich, sich vorab und frühzeitig um die Finanzen für „später“ zu kümmern.
meditaxa 87 | November 2018 9 LEITARTIKEL Zeitpunkt- und Zeitraumbetrachtung Während des Berufslebens ﬁ ndet meistens eine Zeitpunkt- betrachtung statt: • Wann möchte ich mich beruﬂ ich verändern? • Wann eine Familie gründen? • Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Immobilie? Die Ausgaben werden durch die Höhe der Nettoeinkün e bestimmt. Der Lebensstandard baut sich analog zum Einkom- men auf, das Vermögen wächst und die Familie entwickelt sich entsprechend weiter. Dieser Planungshorizont erstreckt sich bis zum Ruhestand. Die ﬁ nanziellen Entscheidungen erfolgen gemäß dem Grundsatz „Lebenslange Ausgaben müssen durch lebenslange Einnahmen gedeckt sein. Das gilt in jeder Lebenssituation.“ Im Gegensatz zu der Zeitpunktbetrachtung liegt im Ruhe- stand eine Zeitraumbetrachtung vor. Der Lebensstandard wird nicht mehr aufgebaut, sondern soll bis zum Lebensende erhalten werden. Es geht auch nicht mehr um den Au au von Immobilienwerten oder der eigenen Praxis, sondern um deren Verwendung in den kommenden Jahren. Gerade bei der Zeitraumbetrachtung spielen individuelle Überle- gungen eine große Rolle, zum Beispiel die Weitergabe der Vermögens werte an die Kinder, die Abgabe der Praxis oder die Konsequenzen eines Pﬂ egefalls. Der bereits erwähnte Grundsatz gewinnt nochmals an Bedeutung. Denn die Weichen für die Einnahmen im Ruhestand sind bereits gestellt und die Handlungsspielräume – also die Einkommens- möglichkeiten – nicht mehr dieselben wie in der Erwerbsphase. Aller Anfang ist… unübersichtlich Um einen sorgenfreien Ruhestand genießen zu können, sollten Mediziner im Rahmen einer strategischen Ruhe- standsplanung sowohl ihre individuellen Vorstellungen als auch die wirtscha liche Faktenlage in Einklang bringen. Im Vordergrund stehen die Pﬂ ichtausgaben: • Krankenversicherung, • Wohnkosten oder Lebenshaltung, die durch laufende, Die Basis hierfür bildet die Rente durch das Versorgungs- werk, gegebenenfalls ergänzt durch eine betriebliche Alters- vorsorge oder Mieteinnahmen. Nicht immer ist diese Basis ausreichend, um alle Wünsche oder Risiken im aktiven Ruhe stand auch abzudecken. Deshalb sollten sich Mediziner mit der Frage auseinandersetzen, wie sie ihr vorhandenes Kapital verwenden möchten und welche Au auarbeit bis zum Ruhestandszeitpunkt noch geleistet werden muss. lebenslange Einnahmen abgedeckt werden müssen. 2. Inﬂ ation, Steuern, Lebenserwartung Das sollte Ihre Zielsetzung sein: Zum Ruhestandszeitpunkt so aufgestellt zu sein, dass sich die persönlichen Ambitionen und Ziele auch verwirklichen lassen. Entscheidungen auf Basis falscher Annahmen sollte man vermeiden, im schlimmsten Fall können diese nicht mehr rückgängig gemacht werden. Deshalb ist es wichtig, einige Parameter näher zu betrachten: Inﬂ ation, Steuern, Ausgaben, die Lebenserwartung und der Renteneintrittspunkt. RUHESTANDSPLANUNG ANHAND ZWEIER BEISPIELE: im Krankenhaus arbeiten. • Dr. A. ist 52 Jahre alt und angestellter Oberarzt Er möchte bis zum Regelrenteneintrittsalter weiterhin • Dr. N. ist niedergelassener Internist und 60 Jahre alt Er würde gerne mit 62 Jahren seinen Anteil an der Ge mein schaftspraxis verkaufen. Inﬂ ation – was ist das eigentlich? Als Inﬂ ation wird der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus bezeichnet: Man betrachtet einen festen Warenkorb. Werden die gleichen Produkte im Zeitverlauf teurer, nennt man das Inﬂ ation. Das Thema Inﬂ ation hält Dr. N. für nicht relevant, da die Inﬂ ationsrate quasi bei null liegt. Davon auszugehen, dass die aktuell sehr niedrige Inﬂ ations- rate keinen entscheidenden Einﬂ uss auf die Planung nimmt, ist im Grunde richtig. Im Hinblick auf die Ruhestandsplanung muss das Verständnis von Inﬂ ation etwas erweitert werden – auf die „persönliche Inﬂ ation“: Man betrachte den Warenkorb vom Anfang, der sich durch den Eintritt in den Ruhestand erheblich verändert. Hat der Warenkorb früher beispielsweise – wegen mangelnder Freizeit – zwei Reisen im Jahr und ein Hobby enthalten, kommen durch die geänderten Lebensumstände nun weitere Reisen und weitere Hobbys hinzu. Das Konsumverhalten und damit auch der Warenkorb ändern sich maßgeblich – ein Faktor, der unter Umständen ins Gewicht fällt und bereits bei der Planung berücksichtigt werden muss. Steuerlast im Ruhestand Die steuerliche Situation des Ruheständlers ist ebenso wie in der Erwerbsphase von seinen Einnahmen abhängig. Um die Steuerlast im Ruhestand macht sich Dr. A keine Gedanken – die Rente des Versorgungswerks und seine betriebliche Altersvorsorge sind fast steuerfrei. Davon geht er zumindest aus. Achtung vor falschen Erwartungen! Der Steu- ersatz wird sich nicht in einem minimalen Bereich beﬁ nden – von dieser Wunschvorstellung sollte man sich rechtzeitig verabschieden. Dabei hil ein einfacher Kniﬀ : Mittels einer
LEITARTIKEL 10 meditaxa 87 | November 2018 „Mustersteuererklärung“ für die ersten Ruhestandsjahre können alle für die Steuer relevanten Faktoren gecheckt werden – und ermöglichen so eine recht genaue Betrachtung der zu erwartenden Steuerlast. Mithilfe der Mustersteuererklärung ist es relativ einfach, die zu erwartenden Einnahmen zu ermitteln. Tätigkeit erworben werden – ist für Dr. N. letztendlich erst mit 67 erreicht. Erst dann verändert sich die die Einnahme- situation nicht mehr relevant und es ist gewährleistet, dass im Zeitraum des Ruhestandes Einnahmen und Ausgaben in einem richtigen und deckungsgleichen Verhältnis stehen. Fix und variabel – alles muss berücksichtig werden Schwierig wird es, die zukün igen Ausgaben zu betrachten. Zum einen bestehen sie aus lebenslangen Pﬂ ichtausgaben, also Lebenshaltungs-, Wohn-, oder Krankenversicherungs- kosten, diese sind „ﬁ x“. Zum anderen gibt es variable Kosten, diese liegen keinesfalls auf der Hand, sondern hängen sowohl von der persönlichen Zielsetzung im Ruhestand als auch von den Ruhestandsphasen ab. So wird etwa der aktive Ruhestand in den ersten Jahren o mals mit Reisen verbracht – und das kostet. Dieser Kostenfaktor nimmt mit zunehmendem Alter und sinkender Mobilität ab. Allerdings kommen dann andere Ausgaben hinzu, beispielsweise durch die Inanspruchnahme von Hilfspersonal. Diese Ausgaben können im Vorfeld nicht sicher festgelegt, aber zumindest geschätzt werden. „Lang lebe der Doktor“ Für eine valide Finanzplanung ist die Lebenserwartung von außerordentlicher Bedeutung. Sein Vater starb mit Anfang 70. Dr. A. geht davon aus, dass er ähnlich alt werden wird. Dazu tendieren Menschen o mals: Die Unterschätzung der eigenen Lebenserwartung aufgrund emotionaler Faktoren. Zudem haben viele nicht auf dem Schirm, wie schnell sich die Lebenserwartung entwickelt: Statistisch gesehen steigt sie jedes Jahr um rund drei Monate Lebenszeit an. Nach der Sterbetafel 2014/2015 hat eine heute 65-jährige Frau noch knapp 21 Lebensjahre vor sich, ein 65-jähriger Mann noch etwa 18. Somit werden die Menschen mittlerweile durch- schnittlich weit über 80. Ergo: Ein „frühes“ Ableben kann natürlich als wahrscheinlich erachtet werden – die Pﬂ ichtausga- ben sollten dennoch für ein langes Leben angemessen decken. Renteneintrittspunkt: Wann ist das eigentlich? Wer nach dem Dienstaustritt oder der Praxisabgabe weiter- hin einer ärztlichen Tätigkeit nachgeht, kann so auch über das Regelrenteneintrittsalter hinaus zusätzliche Einkün e generieren, allerdings wird diese „Übergangsphase“ zwischen „vereinzelter Aufgabe“ und „vollständiger Aufgabe“ noch nicht als Renteneintrittspunkt betrachtet. Dr. N. möchte mit 62 Jahren seinen Anteil an der Gemein- schaftspraxis verkaufen und bis zu seinem 67. Lebensjahr nur noch vereinzelte Urlaubsvertretungen übernehmen. Der für die Planung relevante „echte“ Ruhestandszeitpunkt – der Zeitpunkt, in dem keine Einkün e mehr aus einer beruﬂ ichen 3. Die wahrscheinlich größte Investition: die eigene Immobilie Ob zur Selbstnutzung oder als langfristiges Anlageobjekt, die eigene Immobilie spielt in der Ruhestandsplanung von Ärzten eine zentrale Rolle, denn kaum ein Aspekt der Ruhestands- planung ist so emotional wie die Frage nach der Wohnsituation. Denn es muss die langfristige und folgenreiche Entschei- dung getroﬀ en werden, wie man selbst und die Familie in der kommenden Lebensphase wohnen und leben möchte. Haus oder Wohnung, Land oder Stadt, Inland oder Ausland? Viele Optionen und die Entscheidung sollte für die kommenden Jahrzehnte tragfähig sein. Eine weitere Herausforderung: Unter Umständen müssen verschiedene Vorstellungen unter einen Hut gebracht werden, etwa die eigenen und die des Partners. Klarheit bei der Finanzierung Bei der Fülle an Fragen, die es hinsichtlich der zukün igen Wohnsituation zu beantworten gibt, sollte das Augenmerk zuerst auf den Status quo des Immobilienbesitzes und insbesondere auf bestehende Finanzierungen gelegt werden. Dr. A. hat vor zehn Jahren eine Immobilie gekauft. Wann die Finanzierung abgeschlossen ist oder wie lange sein Darlehen noch läuft, kann er nur ungefähr sagen. Im Optimalfall ist die Finanzierung einer eigengenutzten Immobilie bis zum 55. Lebensjahr abgeschlossen. Häuﬁ g ist das Haus allerdings erst zum Ruhestandszeitpunkt oder kurz davor abbezahlt. Kritisch wird es bei unerwarteten Verzögerungen. Denn dann muss der Kredit auch im Ruhestand weiter bedient werden – bei o mals merklich weniger Einnahmen als in der Erwerbsphase. Deshalb: frühzeitig Klarheit über die bestehen- den Finanzierungen und deren Laufzeit schaﬀ en, so können gegebenenfalls notwendige Schritte wie eine frühzeitige Anschlussﬁ nanzierung oder die Verkürzung der Finanzierung durch Sondertilgungen ein- geleitet werden. Werden laufende Finan- zierungen nicht mit einbezogen, sind alle weiteren Überlegungen und Planungen des Ruhestands hinfällig – hieran gibt es nichts zu rütteln. Haus + Zukun = ? Die eigengenutzte Immobilie ist eine der bedeutsamsten Entschei- dungen im Leben – dort ver- bringt man den Großteil seines
meditaxa 87 | November 2018 11 LEITARTIKEL Lebens mit der Familie und hat zudem einen erheblichen Teil des Vermögens investiert. Besonders heikel ist deshalb die Frage: Passt das Haus auch zu Ihrer Zukun ? Auch wenn es schwerfällt: Gefühle dürfen hier nicht ausschlaggebend sein, stattdessen ist ein gewisser Pragmatismus gefragt. Dr. A. lebt mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern (18 und 20) in einer Stadtvilla. In spätestens fünf Jahren wollen beide Kinder auf eigenen Füßen stehen. Wie die Wohnsituation des Paares dann aussehen soll, hat Dr. A. mit seiner Frau noch nicht besprochen. Er weiß generell nicht, wie und wo seine Frau in Zukunft mit ihm wohnen möchte. Dieser Fall ist nicht untypisch: Der Ruhestand liegt gefühlt noch in weiter Ferne, das gemeinsame Leben mit den Kindern ist eingespielt und die aktuelle Immobilie entspricht den Ansprüchen. Ein Zustand, der nicht ewig anhalten wird, denn früher oder später wird der Nachwuchs ﬂ ügge und das bisherige „Nest“ zu teuer in der Haltung. Gemeinsam mit dem Partner sollte man sich über folgende Fragen Gedanken machen: Ist die Größe des Hauses für zwei Personen angemessen? Passen die laufenden Kosten zu den Einnah- men, gerade auch bei der veränderten Einkommensstruktur im Ruhestand? Entspricht die Lage überhaupt den eigenen Zielen und Wünschen für den Ruhestand – und kann die Immobilie bei einem möglichen Pﬂ egefall umgebaut werden? Soll die Immobile verkau werden – wenn ja, wo liegt ein möglicher Kaufpreis? Erst wenn es für diese oﬀ enen Punkte klare gemeinsame Positionen gibt, können diese in der weiteren wirtscha lichen Planung konstruktiv berücksichtigt werden. Und es lohnt sich durchaus, hier etwas mehr Zeit zu investieren. Schlussendlich läu alles auf eine entscheidende Frage hinaus: Wie wollen Sie in Zukun wohnen – und ist dies auch wirtscha lich sinnvoll und möglich? In die Ferne schweifen Der Ruhestand rückt näher: Für viele Menschen ist das ein Anlass, sich mit dem ema Ausland näher zu beschä igen. Dr. N. hat die Finanzierung seines Eigenheims vor einem Jahr abgeschlossen. Die nun frei gewordene Liquidi- tät und ein gerade erhaltenes Erbe möchte er in den kommenden Jahren investieren, vielleicht in eine Immobilie im Ausland. Nun stellt er sich die Frage: Kann und möchte er die bisherige Wohnsituation erhalten oder ist es für ihn sinnvoll, frühzeitig nach einem geeigneten Wohnsitz im Ausland Ausschau zu halten? Wie immer stehen die eigenen Wünsche und Vorstellungen im Vordergrund. Die Möglichkeiten sind vielseitig: Wird ein dauerha er Umzug bevorzugt oder nur ein Zweitwohnsitz? Welche ﬁ nanziellen Spielräume gibt es, und wie sind die Preise im Zielland? Soll es ein großes Haus mit vielen Gästezimmern für die Familie werden oder lieber eine kleine Wohnung, eventuell mit einem dazugehörigen Wohnmobil für Reisen? Zudem empﬁ ehlt sich, das auserwählte Land vor einem Umzug besser kennen- zulernen, um unliebsamen Überraschungen vorzubeugen. Besonders wichtig für die Ruhestandsplanung: Infrastruktur und medizinische Versorgung. Fremdgenutzt: Au esserung der Alters-Einkün e Bereits abbezahlte oder geerbte Häuser stellen eine zu- sätzliche Einnahmequelle dar, wenn man diese vermietet. Da Immobilien als relativ krisensichere Form der Kapitalanlage gelten, kann auch eine Neuinvestition sinnvoll sein. Hier stellt sich die Frage nach der wirtscha lichen Tragfähigkeit und der Bedeutung der Immobilie für das Familienvermögen. in Zukun der Fall sein? Bedacht werden muss auf jeden Fall: • Trägt sich das Objekt wirtscha lich, und wird dies auch • Inwiefern müssen oder können die Mieteinnahmen in die Planung miteingebunden werden? Vorsicht im Falle eines Mietausfalls. • Welche Investitionen stehen in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten an und passen diese Ausgaben zu dem eigenen Budget im Ruhestand? Diese Ausgaben können bei der Instandhaltung einer Immobilie auf Sie zukommen: Arbeiten Dach neu eindecken Dachausbau Fensteraustausch Aussenfassade erneuern Neue Elektroinstallationen Bad Küche Heizungsanlage erneuern Warmwasseranlage erneuern Zeitraum alle 30 – 50 Jahre – alle 20 Jahre Kosten (ca.) in 20.000 – 50.000 10.000 – 40.000 5.000 – 20.000 alle 20 – 30 Jahre 5.000 – 35.000 alle 25 – 30 Jahre 8.000 – 12.000 alle 10 – 15 Jahre alle 15 – 20 Jahre 5.000 – 25.000 7.500 – 20.000 alle 15 – 20 Jahre 10.000 – 15.000 alle 25 – 30 Jahre 5.000 – 8.000 Strategie. Vorbereitung. Ruhestand. – Teil II. Lesen Sie mehr über die strategische Ruhestands pla nung für Ärzte – „Erben oder Schenken?“, „Ab sicherung im Falle einer Scheidung“, „Der lange Weg bis zur Praxisübergabe“, etc. – in unserer Februarausgabe 2019.
FINANZEN 12 meditaxa 87 | November 2018 Verkauf von Praxis-Pkw: Erlös muss trotz Privatnutzung versteuert werden Ein Praxis-Pkw, der im Betriebsvermögen des Arztes gehalten wird, wird in den meisten Fällen auch oder sogar größten- teils privat genutzt. Private und betriebliche Nutzung haben entsprechende Auswirkungen auf die Steuer. Kommt es zum Verkauf des Autos, können Ärzte allerdings eine negative Überraschung erleben: Betriebseinnahmen müssen versteuert werden. Das gilt auch für Einnahmen aus der Veräußerung eines Praxis-Pkw, der im Betriebsvermögen des Arztes gehal- ten und überwiegend privat genutzt wurde. Ob der komplet- te Erlös versteuert werden muss, entscheidet demnächst der Bundesﬁ nanzhof entscheiden. Bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG (sog. Einnahmen-Überschuss-Rech- nung) wirken sich AfA-Beträge eines im Betriebs- bzw. Pra- xisvermögen beﬁ ndlichen Pkw steuerlich nur in der Höhe der betrieblichen Nutzung aus. Ein Verkaufsgewinn sollte sich ebenfalls nur in dieser Höhe steuerlich niederschlagen. So ist es aber nicht: Wird das Auto verkau , ist der Erlös in voller Höhe der Besteuerung zu unterwerfen. Das hat jedenfalls das Finanzgericht Sachsen in einem Urteil vom 04. Mai 2017 ent- schieden (5 K 1362/15). Widerspruchslos hinnehmen sollten Ärzte entsprechende Entscheidungen ihres Finanzamts allerdings nicht, denn der Bundesﬁ nanzhof hat eine Revision zugelassen (VIII R 9/18). Nach dem im Besprechungsurteil vorliegenden Sachverhalt erwarb der Kläger im Jahre 2008 einen Jaguar XK und nutzte diesen anschließend lediglich zu 25 % für seine freiberuﬂ iche Tätigkeit und zu 75 % für private Zwecke. Die AfA (Abschreibung für Abnutzung) berück- sichtigte der Kläger jedoch in voller Höhe als Betriebs- ausgabe. Des Weiteren erklärte er den privaten Nutzungs- anteil als Nutzungsentnahme. Darin waren jeweils 75 % der AfA-Beträge inkludiert. Ausgehend von diesem ermittelten betrieblichen Nutzungsanteil setzte er im Streitjahr auch nur 25 % des „Veräußerungserlöses“ als Betriebseinnahme an. Das Finanzamt und das Finanzgericht erteilten dieser Handhabung eine Absage und unterwarfen den vollständig erzielten Veräußerungserlös – ungeachtet der Höhe der privatanteiligen Nutzung – der Besteuerung. HINWEIS Der BFH hat auf die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers die Revision erfreulicherweise zugelassen (VIII B 138/17). Dies deutet daraufhin, dass der BFH möglicherweise nicht auf einer Linie mit der Entscheidung der Finanzverwaltung und FG liegt. Die Rechtsfrage betrifft dabei alle Fälle, in denen ein Arzt, der seinen Gewinn durch Einnahmen-Überschuss- rechnung nah § 4 Abs. 3 EStG ermittelt, einen Pkw mit einer betrieblichen Nutzung unterhalb von 50 % zum sog. gewillkürten Betriebsvermögen zuordnet und später veräußert. Bis zur höchstrichterlichen Klärung sollten betroffene Steuer- bescheide unbedingt offengehalten werden. Begrenzung der Nutzungsentnahme bei 1 %-Regelung Wird ein betrieblicher Pkw durch den Unternehmer oder seine Angehörigen auch für private Zwecke genutzt, sind die dabei entstandenen Aufwendungen nicht als Betriebsausgaben abzieh- bar, sondern als Entnahme anzusetzen. Diese „Nutzungsentnah- men“ können grundsätzlich mit monatlich 1 % des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung bewertet werden, wenn die betriebliche Nutzung mehr als 50 % beträgt. Alternativ zu dieser 1 %-Regelung kann der Wert der priva- ten Nutzung anhand eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs und der nachgewiesenen tatsächlichen Aufwendungen ermittelt werden.Insbesondere bei gebraucht gekau en oder vollständig abgeschriebenen Pkw kann der mit der 1 %-Regelung ermittelte Wert der Privatnutzung höher sein als die tatsächlich entstan- denen Gesamtkosten des Pkw. Aus Billigkeitsgründen sieht die Finanzverwaltung deshalb eine sog. Deckelung vor, sodass der Privatanteil höchstens mit den Gesamtkosten angesetzt wird. Auch wenn die 1 %-Regelung nur unter der Voraussetzung einer mehr als50 %-igen betrieblichen Nutzung angewendet werden kann, hält der Bundesﬁ nanzhof eine Deckelung auf 50 % der Gesamtkosten aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht für geboten, weil die Anwendung der pauschalen 1 %-Regelung durch Führung eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs ver- mieden werden kann. Quelle: BFH-Urteil vom 15.05.2018, X R 28/15 MIT FREUNDLICHER EMPFEHLUNG: Libra Steuerberatungsgesellschaft mbH & Co.KG
meditaxa 87 | November 2018 13 FINANZEN Elektrofahrzeuge: Anschaffung bis 2019 herauszögern Die private Nutzung von betrieblichen Elektrofahrzeugen bzw. Fahrzeugen mit Hybridantrieb wird bereits seit Januar 2013 steuerlich günstiger bewertet. Dabei wird der Bruttolistenpreis um die Batteriekosten gemindert. Bei Fahrzeugen, die noch bis zum 31. Dezember 2018 zugelassen werden, beträgt die Minde- rung 250 €/kWh, maximal 7.500 €. Für die Berechnung des geld- werten Vorteils eines Elektrofahrzeuges oder eines Hybridelekt- rofahrzeuges, welches zu mehr als 50 % für betriebliche Zwecke genutzt wird, ist für nach dem 31. Dezember 2018 angescha e Fahrzeuge nur die Häl e des Bruttolistenpreises anzusetzen. Die Regelung ist auf Anschaﬀ ungen bis zum 31. Dezember 2021 begrenzt. Im Gegenzug entfällt die pauschalierte Kürzung der im Bruttolistenpreis enthaltenen Kosten für das Batteriesystem für Anschaﬀ ungen vom 01. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2021. Bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils mittels eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuches sind bei Anschaﬀ ung nach dem 31. Dezember 2018 und vor dem 01. Januar 2022 bei der Ermittlung der insgesamt entstandenen Aufwendungen die Anschaﬀ ungskosten für das Kra fahrzeug oder vergleichbare Aufwendungen (Leasingraten) nur zur Häl e zu berücksichtigen. HINWEIS Eine Investition in ein Elektrofahrzeug sollten Sie daher bis 2019 herauszögern. Eine Bestellung des Fahrzeuges im Jahr 2018 ist möglich, wenn die Auslieferung erst 2019 erfolgt. Elektrofahrzeuge, die bis zum 31. Dezember 2020 angescha werden, sind zudem für 10 Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Die zehnjährige Steuerbefreiung für reine Elektrofahrzeuge gilt auch für technisch angemessene, verkehrsrechtlich genehmigte Elektro-Umrüstungen. 12 Tage als kurze Zeit Regelmäßig wiederkehrende Ausgaben, die vom Steuerpﬂ ich- tigen kurze Zeit vor oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres, zu dem sie wirtscha lich gehören, geleistet werden, sind dem Kalenderjahr zuzuordnen, zu dem sie wirtscha lich gehören. Als kurze Zeit sieht die Verwaltung, aber auch die Rechtsprechung, einen Zeitraum von 10 Tagen an. Damit eine Ausgabe im Zehntageszeitraum als geleistet gilt, muss diese in diesem Zeitraum abgeﬂ ossen und fällig gewesen sein. In einem Fall, in dem es um den Abzug von Umsatzsteuervor- auszahlungen ging, hat das Finanzgericht München entgegen der BFH-Rechtsprechung entschieden, dass als „kurze Zeit“ ein Zeitraum von mindestens 12 Tagen anzunehmen ist. Der BFH ist in seiner ständigen Rechtsprechung bislang von 10 Tagen ausgegangen. Eine Steuerpﬂ ichtige hatte am 07. Januar 2015 den Umsatz- steuerbetrag aus der Voranmeldung Dezember 2014 begli- chen und diesen als Betriebsausgabe bei ihrer Einnahme- Überschuss-Rechnung des Jahres 2014 angesetzt. Da der 10. Januar ein Samstag war und sich die gesetzliche Fälligkeit der Umsatzsteuervoranmeldung auf den nächstfolgenden Werktag verschob, trat die Fälligkeit erst am 12.01.2015 ein. Das Finanzamt lehnte den Abzug des Zahlungsbetrags bei der Einnahmen-Überschussrechnung 2014 als Betriebsausgabe ab, da der gesetzliche Fälligkeitstag außerhalb des 10-Tageszeit- raums lag. Dagegen klagte die Steuerpﬂ ichtige. Es komme nicht auf die abgabenrechtliche Fälligkeit an, die sich für das Jahr um 2 Tage auf den 12. Januar 2015 verschoben habe. Denn eine Berücksichtigung dieser Verschiebung führe gerade zu den vom Gesetzgeber nicht bezweckten Zufalls- ergebnissen, als in zwei von sieben Jahren, unabhängig von der tatsächlich erfolgten Zahlung eine Zurechnung in das andere Wirtscha sjahr erfolge. Das Finanzgericht gab der Steuer- pﬂ ichtigen Recht. Die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriﬀ s „kurze Zeit” sei modiﬁ zierungsbedür ig. Auch wenn der 10-Tages zeitraum in der Rechtspre- chung über Jahre Bestand hatte, so sei die- ser doch willkürlich festgelegt. Entspre- chend zur Erweiterung des Zeitraums der „kurzen Zeit“ hinsichtlich der Leistung sei auch der Zeitraum, der für die Fälligkeit der entsprechenden Leistung zu berücksichtigen sei, auf mindestens 12 Tage zu erweitern. Quelle: FG München, Gerichtsbescheid vom 07.03.2018, 13 K 1029/16
FINANZEN 14 meditaxa 87 | November 2018 Aussetzung der Vollziehung bei Verzinsung durch die Finanzverwaltung Nach Auﬀ assung des Bundesﬁ nanzhofs ist die derzeitige gesetzliche Regelung, Steuererstattungen und Nach zahlungen mit 0,5 % pro Monat zu verzinsen, zumindest ab dem Jahr 2015 nicht verfassungskonform. Das Gericht hatte einem Antrag auf Aussetzung der Vollziehung eines entsprechenden Zinsbescheides stattgegeben. Die Finanzverwaltung will das Urteil für Verzinsungszeiträume ab dem 01. April 2015 grundsätzlich in allen Fällen anwenden, in denen der Zinsschuldner gegen die Zinsfestsetzung Einspruch einlegt und die Aussetzung der Vollziehung beantragt. Entsprechende Zinsfestsetzungen sollten daher angefoch- ten und Aussetzung der Vollziehung beantragt werden. Die Finanzverwaltung weist aber auch ausdrücklich darauf hin, dass diese Regelung nicht dahingehend zu verstehen sein soll, dass die Verwaltung die Verfassungsmäßigkeit der Verzinsung bezweifelt. Quelle: BFH-Beschluss vom 25. April 2018 IX B 21/18 Nicht operativ tätig? Die Maxime der Krankenkassen lautet „So viel ambulant operieren wie möglich“ – als nicht operativ tätige Hausärzte können Sie sich dennoch an diesem Honorarvolumen betei- ligen. Die präoperative Diagnostik liegt, vor ambulanten und belegärztlichen Operationen, abrechnungstechnisch komplett in hausärztlicher Hand. Hausärzte können auch von der post- operativen Betreuung proﬁ tieren – mit einer einzigen Gebüh- renposition (GOP). Dies gilt allerdings nur nach ambulanten, nicht nach belegärztlichen Operationen. Alle diese Positionen müssen nach der Regelleistungsvolumina vergütet werden. Gewährleistet wird dies mit der Angabe einer Sondernummer – bei den meisten KVen die SNr.: 88115 – zusätzlich zu diesen Leistungen. Teilweise werden diese auch mit einem höheren Punkt- wert abgerechnet. Hier bitte un- bedingt bei Ihrer KV nachfragen. „GOP 31600 – Postoperative Behandlung durch den Hausarzt nach der Erbringung eines Eingriﬀ s des Abschnitts 31.2 bei Überweisung durch den Operateur“ Unabhängig von der jeweiligen Operation ist bei Hausärzten – anders als bei Fachärzten – immer die GOP 31600 aus dem Abschnitt 31.4 des EBM abzurechnen, bewertet mit 156 Punkten. Dies entspricht einem Honorar i. H. v. 16,62 Euro. Die GOP 31600 ist einmal abrechenbar für die Betreuung inner- halb von 21 Tagen nach der Operation. Voraussetzungen Um die GOP abrechnen zu können, muss auf folgende formale Dinge geachtet werden: • Eine Rücküberweisung durch den Operateur. • Diese muss den Vermerk der zutreffenden GOP für die durchgeführte Operation enthalten. • Angabe des Operationsdatums (wichtig für die Abrechnung innerhalb der 21-Tage-Frist). Leistungsumfang Erforderliche Leistungsbestandteile sind Befundkontrollen und -besprechungen, dazu sind bestimmte Maßnahmen der Wundversorgung „freiwillig“ und somit in den ersten 21 Tagen nach der Operation nicht gesondert abrechenbar: • Verbandwechsel • Anlage/Wechsel eines ruhigstellenden Verbandes • Drainagewechsel/-entfernung • Einleitung/Kontrolle der medikamentösen Therapie Bei Übernahme der postoperativen Behandlung muss auch die medikamentöse Versorgung und/oder eine erforderliche Physiotherapie durch den Hausarzt erfolgen. Quelle: Meditaxa Redaktion | Quelle: A&W, 08/2018, S.23
meditaxa 87 | November 2018 15 FINANZEN Terminservice- und Versorgungsgesetz: Maßgebende Regelungen für Ärzte und Zahnärzte Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) soll im April 2019 in Kra treten. Der entsprechende Gesetzesentwurf des Bundesgesundheitsministeriums liegt seit August diesen Jahres vor und enthält viele Regelungen, die für Ärzte und Zahnärzte maßgebend sind: Terminservicestellen, die elektro- nische Patientenakte ab 2021 und Regelungen zu Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Wichtig für die zahnärztliche Abrechnung sind insbesondere die neue Mehrkostenregelung bei KFO-Leistungen, die Abschaﬀ ung der Punktwertdegression, höhere Festzuschüsse und die gesetzliche Fixierung des Gutachterverfahrens: Mehrkostenregelung bei KFO-Leistungen Die Möglichkeit der Vereinbarung von Mehrkosten, die in vielen Bundesländern bereits aufgrund vertraglicher Vereinbarungen mit den Kostenträgern möglich ist, wird nun gesetzlich legitimiert. Das bedeutet, dass die GKV-Patienten, die aufwendigere kieferorthopädische Behandlungen wählen, ihren Anspruch auf GKV-Leistungen behalten und nur die Mehrkosten zahlen müssen. Die Krankenkassen und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) sollen einen Katalog der „Mehrleistungen“ im KFO-Bereich erstellen und Formulare dafür entwickeln. Abschaﬀ ung der Punktwertdegression Die Punktwertdegression für vertragszahnärztliche Leistungen soll abgescha werden. Begründung: Dadurch werden Fehlan- reize auf die Bereitscha von Zahnärzten beseitigt, sich in ländlichen und strukturschwachen Gebieten niederzulassen. Hier will man gegensteuern und andere Anreize für die Niederlassung von jungen Zahnärzten auf dem Land schaﬀ en. Festzuschüsse werden erhöht Die befundbezogenen Festzuschüsse (FZ) sollen ab dem 01.01.2021 von 50 auf 60 Prozent der Kosten für die Regel- versorgung erhöht werden. Dadurch sollen die Versicherten, die auf eine Versorgung mit Zahnersatz angewiesen sind, ﬁ nanziell entlastet werden. Wer durch das Bonushe regelmäßige Zahnpﬂ ege nachweist, kann sogar 70 oder 75 Prozent als Festzuschuss erhalten. Gutachterverfahren wird gesetzlich geregelt Bei Zahnersatz, KFO-Maßnah- men, PAR-Behandlungen und Ausnahmeindikationen für Im- plantate können Krankenkassen bei Aufgaben, die bisher dem Medizi- nischen Dienst der Krankenkas- sen (MDK) allein oblagen, nun auch ein vertragliches Gut- achterverfahren durchführen lassen. Das ist im Bundesmantel- vertrag für Zahnärzte geregelt. Quelle: www.bundesgesundheitsministerium.de, Gesetzesentwurf der Bundesregierung für schnellere Termine und bessere Versorgung Labormediziner gewerbesteuerpﬂ ichtig Nach den Feststellungen des Finanzgerichts steht fest, dass der als Zytologe tätige Kläger und Beschwerdeführer nur solche Untersuchungsau räge im gynäkologischen Bereich samt der zugehörigen Ausstrichpräparate selbst begutach- tet und befundet hat, bei denen die Mitarbeiter nach dem Vorscreening von einem Krebsverdacht (sog. positiver Befund) ausgingen. Bei 80 bis 90 % der Untersuchungsauf- träge war dies allerdings nicht der Fall. Diese wurden ohne Begutachtung und Plausibilitätsprüfung des Laborarztes von fachlich vorgebildeten Mitarbeitern direkt an das Sekretariat gegeben, um die Ergebnisse an die Au raggeber zu versenden. Auf Grundlage dieser Feststellungen hat das FG die erforderliche eigenverantwortliche Tätigkeit des Klägers gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 S. 3 EStG verneint und dessen Tätigkeit insgesamt als gewerbliche Tätigkeit gemäß § 2 Abs. 1 S. GewStG eingeordnet. Quelle: BFH-Beschluss vom 12.06.2018 – VIII B 154/17 MIT FREUNDLICHER EMPFEHLUNG: media Steuerberatungsgesellschaft mbH
Der ermittelte Praxisgewinn und die reale Liquidität – wo ist mein Geld? Der ermittelte Praxisgewinn entspricht in der Regel nicht dem tatsächlich ver- fügbaren Geld – vielen Niedergelassenen geht es so, wenn sie ihre Betriebswirt- schaftliche Auswertung im Vergleich zu den eigenen Aufzeichnungen betrachten. Die Betroffenen können sich nicht erklären, wie es zu dieser Diskrepanz kommen kann. Marc-Andreas Hustedt, Steuerberater der Kanzlei Hammer & Partner, Mitglied im Vorstand der meditaxa Group e. V., klärt die Ursachen: Viele Ärzte stellen beim Gespräch mit ihrem Steuerberater fest, dass der Jahresabschluss überhaupt nicht mit dem Bank- saldo oder der eigenerbrachten Finanzanalyse übereinstimmt. Grund zur Panik? Hustedt: Nicht unbedingt. Es gibt mehrere Gründe, weshalb der Praxisgewinn nicht der „realen“ Liquidität entspricht – nur teilweiseabzugsfähige Aufwendungen, Privatanteile bei der Kfz-Nutzung, Tilgungsleistungen, bei denen nur der in der Rate enthaltene Zinsanteil berücksichtig wird – die Liste für die Gründe ist sehr lang und es gibt einiges, was Ärztinnen und Ärzte beim Vergleich ihrer internen Auswertung mit der BWA des Steuerberaters beachten müssen, um nicht zu verzweifeln. Stichwort Betriebswirtscha liche Auswertung und Jahresab- schlüsse: Was wird damit konkret dargestellt? Hustedt: Man muss wissen, dass die Betriebswirtscha liche Aus- wertung (BWA) ebenso wie die Jahresabschlüsse gar nicht den aktuellen Stand der Liquidität, sondern ein rein steuerliches Betriebsergebnis abbilden. Durch welche Faktoren werden die Abweichungen zwischen steuerlichem Ergebnis und Liquidität beeinﬂ usst? Hustedt: Die BWA erfasst zum Beispiel gar keine Forderun- gen und Verbindlichkeiten. Da Praxisinhaber ihren Gewinn im Regelfall nach § 4 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes mit Hilfe der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, werden im Grundsatz nur die Einnahmen- und Ausgaben der Praxis in einem bestimmten Zeitraum betrachtet. Leistungen, die bereits erbracht wurden, aber noch nicht zu Honorarzuﬂ üssen geführt haben – Restzahlung der KV etwa –, bildet die BWA nicht ab. Und auch Eingangsrechnungen, die vom Arzt noch nicht bezahlt wurden, werden ebenfalls nicht beachtet. Investitionen und Finanzierungen – beispielsweise die An- schaﬀ ung eines Ultraschallgerätes, oder die Neuausstattung des Wartezimmers – wie werden diese Positionen behandelt? Hustedt: Diese bildet die BWA nur mittelbar ab. Nehmen wir das angesprochene Ultraschallgerät: Ein Niedergelassener tätigt diese größere Investition. Dabei hinterlassen weder die zugehö- rigen Auszahlungen, noch der Zugang des Gerätes Spuren in der BWA. Hier wird das grundsätzliche Prinzip der Erfassung von Einnahmen und Ausgaben partiell durchbrochen, denn im Jahr der Anschaﬀ ung wird eben nicht der volle Zahlungsbetrag als Betriebsausgabe erfasst, sondern nur anteilig die „Abschreibung“. Denn bei einer größeren Anschaﬀ ung eines einzeln nutzbaren Wirtscha sgutes werden die Anschaﬀ ungskosten steuerlich auf den Zeitraum der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Wirt- scha sgutes verteilt. Dies nennt man „Abschreibung“. Also ist der abgehende Geldﬂ uss im Jahr der Anschaﬀ ung viel höher als die erfasste Abschreibung. Ein Ungleichgewicht, das sich zwar in den Folgejahren wieder ausgleicht. Im Jahr der Anschaﬀ ung aber ist der in der BWA dokumentierte Gewinn höher als das liquide Praxisergebnis. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines je- den Wirtscha sgutes hat das Bundesﬁ nanzministerium getrennt nach Wirtscha szweigen in umfangreichen Tabellen festgelegt. Wie sieht es mit „kleineren“ Anschaﬀ ungen aus? Hustedt: Bei sogenannten „geringwertigen Wirtscha sgütern“ – also Wirtscha sgüter, die sich schnell abnutzen (Kleinmö- bel, Datenträger, kleinere Instrumente) – dürfen niedergelasse- ne Ärzte diese sofort, also im Jahr der Anschaﬀ ung, komplett als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen. Die Grenze beträgt seit Januar 2018 800,00 Euro netto. Bei der Prüfung dieser Grenze ist zu beachten, dass zu den reinen Anschaﬀ ungskosten Positionen wie
meditaxa 87 | November 2018 17 INTERVIEW Provision, Speditionskosten, Verpackung, Porto, Versand, Mon- tage und – ganz wichtig – auch Aufwendungen, die notwendig sind, um das Gerät in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, hinzuzurechnen sind. Zurück zu den großen Investitionen. Gehen wir davon aus, ich als Niedergelassener ﬁ nanziere mein Ultraschallgerät über ein Bankdarlehen. Auf meinem Konto sehe ich einmal den Zuﬂ uss der Darlehenssumme, den Abﬂ uss durch die Anschaﬀ ung – der ja, wie ich jetzt weiß anteilig abgeschrieben werden muss – und meine Tilgungsleistung. Was erwartet mich, wenn Sie mir die BWA vorlegen? Hustedt: In der BWA wird weder der Zuﬂ uss des Darlehensbe- trages noch die Tilgungsleistung als Einnahme und/oder Aus- gabe erfasst. Lediglich die auf das Darlehen zu entrichtenden Zinsen ﬁ nden dann Eingang in die Aufzeichnung der Betriebs- ausgaben. Ähnlich verhält es sich übrigens mit den Privatanteilen für die private Kfz- und Telefonnutzung. Auch diese steuerlich notwendigen Korrekturen erhöhen den Gewinn einer Praxis, obwohl die Gesamtkosten für Auto und Telefon vom Praxis- konto abgeﬂ ossen sind. Das sind bereits einige Positionen, die man beachten muss. Wie behält man da den Überblick? Hustedt: Empfehlen würde man die Führung rein betrieb- licher Konten. In vielen Fällen haben Niedergelassene aber gemischte Praxiskonten. Werden nichtbetriebliche Ausgaben von einem solchen Praxiskonto beglichen, können sie im Rahmen der Praxisgewinnermittlung steuerlich nicht berücksichtigt werden, werden also in der BWA nicht erfasst. Entnimmt der Praxisinhaber also Geld von seinem Praxis- konto für die private Lebenshaltung – für die Zahlung von Versicherungsprämien oder die Einkommensteuer – werden diese Beträge nicht als Betriebsausgabe erfasst, schmälern aber den Liquiditätsbestand. Entsprechendes gilt im Um- kehrschluss für die Einlage privater Gelder, etwa aus einer fälligen Lebensversicherung. Vollkommen ohne steuerliche Berücksichtigung bleiben auch eventuell vom Praxiskonto getätigte Zins- und Tilgungsleistungen für die private Immobilienﬁ nanzierung. Der Praxisalltag besteht ja nun nicht nur aus großen Anschaf- fungen – welche Ausgaben sollte man noch im Auge behalten? Hustedt: Betriebliche Bewirtungsaufwendungen beispielsweise. Hier akzeptiert das Finanzamt nur 70 Prozent des Gesamtaufwan- des als Betriebsausgabe, obwohl die übrigen 30 Prozent auf dem Praxiskonto als Geldabﬂ uss gebucht werden. Allerdings bleiben diese 30 Prozent bei der steuerlichen Gewinnberechnung unbe- rücksichtigt. Dies gilt ebenfalls für angefallene Reisekosten, sofern deren beruﬂ iche Veranlassung im Einzelfall nicht nachgewiesen werden kann. Bei solchen Aufwendungen ist es generell wich- tig, diese mit entsprechenden Belegen nachweisen zu können. Apropos Belege: wenn mein Steuerberater die Zahlungsströme kontiert, kann ich als Praxisinhaber seine Arbeit konstruktiv vorbereiten? Hustedt: Mit Hinweisen zu den Belegen. Zum Beispiel weist Ihr Kontoauszug Zahlungseingänge auf, die eventuell nur mit einem Namen versehen sind. Der Steuerberater kann nicht wissen, ob es sich dabei um Honorare für kurative Leistungen oder Gutach- ten handelt, ob ein honoriertes Gutachten für ein Pharmaunter- nehmen oder eine Versicherung erstellt wurde oder es um einen Befundbericht ging. Die Kennzeichnung solcher Posten etwa mit „GV“ (Gutachten für Versicherung) oder „BB“ (Befundbericht) sind hinsichtlich Umsatzsteuer aber auch betriebswirtscha licher Auswertung unumgänglich. Hier sind je nach den mandanten- speziﬁ schen Gegebenheiten individuelle Absprachen zwischen ihm und seinem Steuerberater notwendig, damit von ihm auch die richtigen umsatz- und ertragsteuerlichen Konsequenzen gezogen werden können. Um die ﬁ nanzielle Stellung meiner Praxis zukün ig besser be- urteilen zu können, was würden Sie mir raten? Hustedt: Jeder Praxisinhaber sollte sich in erster Linie ein gewisses steuerliches Grundwissen aneignen, um die ihm von seinem Steuerberater zugesendeten Summen- und Saldenlisten, BWA und die Einnahmen-Überschussrechnung in etwa zu ver- stehen. Hierbei hil der Steuerberater gern. Denn nur so ist jeder Niedergelassene in der Lage, selbst Praxis-Controlling zur Ab- sicherung und Weiterentwicklung seiner wirtscha lichen Ziele zu betreiben. Und auch das Ergebnis des Jahresabschlusses wir einen dann nicht sofort aus der Bahn, sollte dieses einmal vom liquiden Ergebnis abweichen. Zudem empfehle ich eine strikte Trennung zwischen Praxis und privat. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte müssen für Klarheit und Transparenz in der Organisation der Kontenführung sorgen. Vom Praxiskonto sollten neben den praxisbedingten Ausgaben maximal noch als private Ausgaben die Kranken- und Pﬂ egeversi- cherungsbeiträge, Zahlungen an das Versorgungswerk sowie Steu- ervorauszahlungen abgehen. Alle anderen privaten Ausgaben soll- ten über ein privates Konto erfolgen, welches durch Geldüberträge vom Praxiskonto – steuerlich „Entnahmen“ genannt – gespeist wird. Diese strikte Trennung zwischen Privatem und Beruﬂ ichem einzu- behalten ist nicht leicht. Von einer konsequenten Trennung kann man aber proﬁ tieren: Mit Blick auf das Praxiskonto sieht man, ob noch ausreichend ﬁ nanzielle Deckung für Privatentnahmen vorhanden ist. Quelle: Meditaxa Redaktion IM INTERVIEW Marc-Andreas Hustedt Dipl.-Finanzwirt, Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht, Hammer & Partner mbB Mitglied des Vorstands der meditaxa Group e. V.
FAMILIE 18 meditaxa 87 | November 2018 Baukindergeld gestartet Für neue Gebäude, bei denen die Baugenehmigung zwischen dem 01. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 erteilt worden ist, können seit dem 18. September 2018 bei der KfW Bankengruppe Anträge für Baukindergeld gestellt werden. Gefördert wird der erstmalige Neubau oder Erwerb von Wohneigentum zur Selbstnutzung in Deutschland für Familien und Alleinerziehende mit mindestens einem im Haushalt lebenden Kind unter 18 Jahren und für das im Haushalt eine Kindergeldberechtigung vorliegt. Gewährt wird das Baukindergeld i.H.v. 1.200 Euro je Kind und Jahr bis zu einem Haushaltseinkommen von 90.000 Euro pro Jahr und zusätzlich 15.000 Euro je weiterem Kind. Es gilt das zu versteuernde Einkommen des Antragstellers und seines Ehe- bzw. Lebenspartners oder des Partners aus ehe- ähnlicher Gemeinscha im Durchschnitt des vorletzten und vorvorletzten Jahres, also für 2018 zählt das Einkommen 2015 und 2016. Gezahlt wird 10 Jahre lang, so dass sich bei einer Familie mit zwei Kindern ein Zuschuss von insgesamt 24.000 Euro ergibt. Das Baukindergeld wird rückwirkend ab dem 01. Januar 2018 gezahlt. MIT FREUNDLICHER EMPFEHLUNG: PRO VIA Steuerberatungsgesellschaft mbB Kinderbetreuungskosten: Höchstbeträge ausschöpfen Kosten für Kinderbetreuung können unter bestimmten Voraussetzungen in Höhe von zwei Drittel der Kosten, maximal 4.000 Euro je Kind, steuerlich geltend gemacht werden. Die Steuerermäßigung wird gewährt, wenn das zu betreuende Kind zwischen 0 und 14 Jahren alt ist. Zu den Kinderbetreuungskosten gehören insbesondere die Kosten für: • einen Kindergarten-, Krippen- oder Hortplatz, • für Tagesmütter oder Ganztagespﬂ egestellen, • eine Aufsichtsperson bei der Erledigung der Schulaufgaben oder • die Beschäftigung einer Haushaltshilfe, soweit sie auf die Kinderbetreuung entfällt. HINWEIS Anträge können ab dem 18.09.2018 ausschließlich online auf der Homepage der KfW gestellt wer- den. Nähere Informatio- nen erteilt die KfW unter: www.kfw.de Nicht zu den Kinderbetreuungskosten gehören generell Aufwendungen für Unterricht (z. B. Nachhilfe- oder Fremd- sprachenunterricht), die Vermittlung besonderer Fähigkeiten (z. B. Musikunterricht) sowie für sportliche und andere Freizeitbetätigungen. Verpﬂ egungsaufwendungen bleiben ebenfalls unberücksichtigt. Kinderbetreuungskosten können nur dann abgezogen werden, wenn sie auf das Konto des Leistungserbringers gezahlt werden und es eine Rechnung gibt. HINWEIS Überprüfen Sie, ob der Höchstbetrag von 4.000 pro Kind bereits überschritten wurde. Soweit möglich, können die Höchstbeträge durch verzögerte oder vorgezogene Zahlung im Jahr 2018 bzw. 2019 optimal genutzt werden.
meditaxa 87 | November 2018 19 FAMILIE Schulgeld kann Steuerlast mindern Besucht das Kind eine private Fachhochschule, bezahlen Eltern in der Regel ein Schulgeld. Ein Teil dieser Kosten lässt sich unter gewissen Voraussetzungen steuerlich absetzen. Die Sonderausgaben werden dann am besten in der Einkommen- steuererklärung des Kindes angegeben. Schicken Eltern ihre Kinder in eine Privatschule, können sie das Schulgeld in der Steuererklärung absetzen. Das gilt nicht nur für teure Schulen, sondern zum Beispiel auch für Schulen in kirchlicher Trägerscha . „Auch Eltern, die nur ein kleines Schulgeld zahlen, sollten die Ausgaben daher nicht in ihrer Einkommensteuererklärung vergessen“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Berücksichtigt werden pro Jahr 30 Prozent der Ausgaben, maximal 5.000 Euro. Voraussetzung: Die Schule führt zu einem anerkannten Schul- oder Berufsabschluss. Die Regelung gilt aber nicht für private Hoch- oder Fachhochschulen, stellt der Bundesﬁ nanzhof (BFH) fest (Az.: X R 32/15). Im Urteilsfall besuchte die Tochter einen Bachelor-Studien- gang an einer privaten Fachhochschule. Der Vater machte die Studiengebühren als Sonderausgaben geltend. Das Finanzamt verweigerte jedoch den Abzug. Die dagegen gerichtete Klage blieb erfolglos, denn die Richter bestätigten die Ansicht des Finanzamtes. Hochschulen- und Fachhochschulen seien in der gesetzlichen Regelung nicht erfasst. Es sei denn, die Hochschule wurde ausnahmsweise als staatlich genehmigte oder nach Landesrecht erlaubte Ersatzschule anerkannt, was hier aber nicht der Fall war. Dennoch sollten Ausgaben für die private Fachhochschule in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. „Allerdings in der Einkommensteuererklärung des Kindes und nicht der Eltern“, rät Klocke. Dort können sich die Kos- ten für die eigene Berufsausbildung als Sonderausgaben oder vorweggenommene Werbungskosten steuermindernd auswirken. Quelle: dpa Steuerliche Entlastung für Familien ab 2019 geplant Ein Ehepaar mit 2 Kindern und einem Einkommen von 100.000 Euro hätte dann im Jahr 2019 eine steuer liche Entlastung von 356 Euro gegenüber 2018 und im Jahr 2020 von weiteren 388 Euro. Quelle: Referentenentwurf des Bundesministeriums der Finanzen Die Bundesregierung hat ein neues Familienentlastungsge- setz vorgelegt, das stufenweise ab dem Jahr 2019 Verbesse- rungen insbesondere beim Kindergeld und Kinderfreibetrag sowie beim Grundfreibetrag vorsieht. Flankiert werden diese Maßnahmen durch tariﬂ iche Entlastungen zum Ausgleich der „kalten Progression“. Ein Abbau des Solidaritätszuschlags ist in dem Gesetzentwurf nicht enthalten. Der folgenden Übersicht können die wichtigsten Änderungen entnommen werden: ab aktuell 01.07.2019 ab 2019 ab 2020 Kindergeld 1. und 2. Kind jeweils für das 3. Kind ab dem 4. Kind jeweils Kinderfreibeträge Grundfreibetrag Unterhalts- höchstbetrag (§ 33a Abs. 1 EStG) 194 204 200 210 225 235 7.428 9.000 9.000 7.620 7.812 9.168 9.408 9.168 9.408
LEBEN 20 meditaxa 87 | November 2018 Wer sucht, pﬂ anzt Bäume Daran denkt man nicht, dass jede Suchanfrage bei der On- line-Firma mit den bunten Buchstaben Strom kostet – jede Menge Strom. Da könnte man gleich eine 60-Watt-Glühbirne eine Stunde lang brennen lassen. Zum Glück gibt‘s Alter- nativen wie Ecosia, „die Suchmaschine, die Bäume pﬂ anzt“, wie sie sich selbst nennt. Gründer und CEO Christian Kroll lernte auf einer Reise nach Südamerika die Wichtig- keit von Waldgebieten kennen, die nicht nur Kohlendioxid aus der Lu ﬁ ltern, für ein gutes Mikroklima sorgen, den Wasserhaushalt einer Region regulieren und Bodenerosion verhindern. Ganz nebenbei sorgen Wälder auch für Einkommen und ernähren die Menschen vor Ort. Aber wie funktioniert das Bäumepﬂ anzen mittels Suchan- fragen? Ecosia arbeitet mit der Suchmaschine „Bing“ zusammen, die Suchergebnisse und Anzeigen erstellt. Bei jedem Klick werden Werbeeinnahmen generiert, die auch zur Deckung der laufenden Kosten, aber zum Großteil zur Finanzierung der Baumpﬂ anzaktionen verwendet werden. Schön, dass dabei weder die Daten der Nutzer an Werbeträger verkau werden, noch Tracker von Dritten zugelassen sind. So bleiben die Daten geschützt. Das Suchen mit Ecosia bringt nicht nur nahezu gleiche Ergebnisse wie bei anderen Suchmaschinen, sondern auch noch Spaß: Ein Live-Ticker zeigt, wie viele Bäume bereits gepﬂ anzt wurden und ein kleines Symbol vermerkt, bei wie vielen man als Sucher beteiligt war. Glühbirnen gibt‘s nicht mehr, dafür sparsame Leuchten aus vielen kleinen lichtemittierenden Dioden. Und auch viele kleine Klicks können Großes bewirken. WEBLINK www.ecosia.org Weihnachten, das länger hält Immer mehr, immer billiger, immer schneller – kaputt. Na, dann hil nur wegwerfen. So lautet zumeist der Lebenszyklus unser al- ler Stabmixer, T-Shirts, Badregale und sowieso dem der meisten Weihnachtsgeschenke. Dass das nicht so sein muss, haben sich Hersteller und Vertreiber von langlebigen Produkten auf die Fahnen geschrieben. Wie von selbst achten die dabei auch auf biologische Verträglichkeit, fairen Handel und soziale Verantwor- tung, denn „ein bisschen Nach- haltigkeit“ gibt es nicht. Wetten, jetzt hat man Einkäufer in Ökolat- schen mit Jutetaschen vor dem inneren Auge? Dass aber auch das nicht sein muss, beweist der Green Produkt Award. Um diese begehrte Trophäe für das eigene Produkt zu erhalten, muss es in Sachen Nachhaltigkeit, Innovation, aber auch beim Design punkten. In zwölf Kategorien von A wie Arbeitswelt über F wie Fashion bis W wie Wohnaccessoires ﬁ ndet jeder ein schickes, grünes Geschenk (für sich selbst). Apropos Bekleidung, bei manchen Anbietern ist das Reparieren genauso selbstverständlich wie das Shoppen. Oder man kau gleich bei Tom Cridland: Auf seine Klamotten gibt er 30 Jahre Garantie, auch auf Pullis mit Weihnachtsmotiv. WEBLINKS www.gp-award.com www.prodana.de www.avocadostore.de www.manufactum.de www.vaude.com (Outdoorbekleidung und -Ausrüstung, letzte - res auch zur Miete, Anleitungen zur Reparatur von Bekleidung) www.tomcridland.com
meditaxa 87 | November 2018 21 LEBEN Leihen statt schenken Auf Geliehenes achtet man sorgfältiger als auf Eigenes, auch so könnte man die Idee der Mikrokredite umschreiben. Verleiht man Geld an die „Start-ups“ der Dritten Welt, investiert man nicht nur in die Ziele der Menschen, sondern betrachtet sie als Geschä spartner auf Augenhöhe. Zu einem Großteil sind es Frauen, die Mikrokredite beantragen und bekommen. Sie, die weltweit meist als Menschen zweiter Klasse gelten, kommen dadurch nicht nur selbst in Arbeit, sondern bringen o auch andere in Beschä igung. Dieses Weihnachten kann und sollte man auch spenden, Anlässe und Nöte gibt es genug. Aber warum nicht mal einen Geldbetrag leihen, damit Wachs- tum da gefördert wird, wo man sich von Haus aus weder Nähmaschine noch Saatgut leisten kann? In Zeiten niedriger Zinsen kann das auch eine attraktive Mini-Geldanlage sein. Und sollte der Kredit mal nicht zurückgezahlt werden, was sehr selten vorkommt – für die meisten ist der Verlust von 200 Euro nicht allzu schmerzlich. Dann betrachtet man es eben als Spende oder wie Henry Ford sagte: „Ich weiß, dass die Häl e meiner Werbeausgaben umsonst ist. Aber ich weiß nicht, welche Häl e.“ in unseren Breiten WEBLINKS www.oikocredit.de LESEN & HÖREN Ava Reed Die Stille meiner Worte Ueberreuter Verlag ca. 17 Euro Paula Fox Was am Ende bleibt C. H. Beck ca. 8 Euro Hannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Han- nah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi tri , der ver- sucht herauszuﬁ nden, wer sie wirklich ist. Ohne Pathos, doch mit großer Ein- dringlichkeit erzählt Paula Fox wie ein glücklich wirkendes, gut situiertes Paar mittleren Alters nach einer Reihe eher kleiner Katastrophen vor den Scherben seines Lebens und seiner Beziehung steht. Stephen Hawking Kurze Antworten auf große Fragen Klett Cotta ca. 20 Euro Charlotte Link Die Suche Random House Audio ca. 19 Euro In seinem letzten Buch gibt Hawking Antworten auf die Fragen unserer Zeit und nimmt uns mit auf eine Reise durch das Universum seiner Weltanschauung. Seine Gedanken zu Ursprung und Zu- kun der Menschheit sind eine Mah- nung, unseren Planeten besser vor den Gefahren der Gegenwart zu schützen. In den Hochmooren Nordenglands wird die Leiche der ein Jahr zuvor ver- schwundenen 14-jährigen Saskia Mor- ris gefunden. Kurze Zeit später wird ein weiteres junges Mädchen vermisst, die ebenfalls 14-jährige Amelie Goldsby. Die Polizei in Scarborough ist alarmiert. Treibt ein Serientäter sein Unwesen? Inger-Maria Mahlke Archipel Rowohlt Verlag ca. 20 Euro Kai Meyer Der Pakt der Bücher Argon ca. 18 Euro Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2018: ein großer europäischer Familienroman von der Peripherie des Kontinents: der Insel des ewigen Früh- lings, Teneriﬀ a. In „Archipel“ führt sie rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege. Londons Straße der Buchhändler: Laby- rinthe aus Regalen, voll Geschichten auf altem Papier. Mercy Amberdale führt das Antiquariat ihres Stiefvaters und prakti- ziert die Magie der Bücher. Als man sie zwingt, das letzte Kapitel des verscholle- nen Flaschenpostbuchs an den zwielich- tigen Mister Sedgwick zu übermitteln, gerät die Bibliomantik aus den Fugen.
IMMOBILIEN 22 meditaxa 87 | November 2018 Möblierungszuschlag bei ortsüblicher Miete oder aus am Markt realisierbaren Zuschlägen ermitteln lässt; eine Ermittlung in anderer Weise komme nicht in Betracht. Sieht der Mietspiegel z. B. für eine überlassene Einbauküche einen prozentualen Zuschlag oder eine Erhöhung über ein Punktesystem vor, ist diese Erhöhung nach Auﬀ assung des Gerichts als marktüblich anzusehen. Gibt der Mietspiegel keine entsprechenden Hinweise und kann auch ein am örtlichen Markt realisierbarer Möblierungszuschlag nicht ermittelt werden, ist die ortsübliche Miete ohne Zuschlag maßgebend. Quelle: BFH-Urteil vom 06.02.2018 IXR 14/17. MIT FREUNDLICHER EMPFEHLUNG: Hammer & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB Beﬁ nden sich bei Beginn eines Mietverhältnisses Einrich- tungsgegenstände in der vermieteten Wohnung, werden diese regelmäßig mitvermietet. Hierzu können z. B. Wohnzimmer- oder Esszimmereinrichtungen, Schränke, Teppiche, aber auch Einbauküchen, Kühlschränke oder Waschmaschinen gehören. Für diese möbliert vermietete Wohnung kann die ortsübliche Miete aufgrund des gesteigerten Nutzungswerts regel mäßig um einen Möblierungszuschlag erhöht werden. Bedeutung kann dieser Möblierungszuschlag auch steuer- lich erhalten, wenn eine (teil-)möblierte Wohnung verbilligt z. B. einem Angehörigen überlassen wird. Denn in diesem Fall können die Werbungskosten nur dann in voller Höhe abgezogen werden, wenn die gezahlte Miete mindestens 66 % der Vergleichsmiete be trägt. Der Möblierungszuschlag ist dann bei der ortsüblichen Marktmiete im Sinne von § 21 Abs. 2 EStG zu berücksichtigen. Dies kann dazu führen, dass die gezahlte Miete nicht die steuerliche Grenze von 66 % für die Anerkennung des vollen Werbungskostenabzugs erreicht. Beispiel A B ohne Möblierungs- mit Möblierungs- Vergleichsmiete gezahlte Miete Entgeltlichkeit Berücksichtigung von Werbungskosten zuschlag 600 450 75 % 100 % zuschlag 690 450 65 % 65 % Bei unveränderter Miete (wie unter B) ist nur ein anteiliger Werbungskostenabzug möglich. Zur Gewährleistung des vollen Werbungskostenabzugs wäre es erforderlich, die vereinbarte Miete entsprechend anzupassen. Der Bundesﬁ nanzhof hat in einer aktuellen Entscheidung klargestellt, dass ein Möblierungszuschlag (nur) dann zu berücksichtigen ist, wenn er sich aus dem örtlichen Mietspiegel Grundstückseigentümer: Wer Hecken und Bäume nicht schneidet, zahlt saftig Schneidet ein Grundstückseigentümer seine Bäume und Hecken nicht, die von seinem Anwesen auf öﬀ entliche Straße ragen, obwohl er dazu zweimal per behördlicher Mitteilung aufgefordert worden ist, so kann das teuer für ihn werden. Das Verwaltungsgericht Mainz hat entschieden, dass Grund- stückseigentümer „verpﬂ ichtet sind, den auf Straßen ragenden Bewuchs zu beseitigen“. Erledigten sie das nicht, so könne die Straßenbaubehörde nach Auﬀ orderung und Fristsetzung den Bewuchs selbst beschneiden lassen und die Kosten für einen Gartenbaubetrieb in Rechnung stellen (die hier mehr als 500 Euro ausmachten), der den Rückschnitt vornimmt. Quelle: VwG Mainz, 3 K 363/17 vom 21.02.2018
meditaxa 87 | November 2018 23 IMMOBILIEN Wo sich kaufen noch lohnt Immobilien sind als Wertanlage aktuell beliebt – dement- sprechend steigen die Preise. Wo es sich lohnt, in Wohnei- gentum zu investieren, zeigt der aktuelle Wohnatlas 2018. Gemeinsam mit dem Hamburgischen WeltWirtscha s- institut (HWWI) hat die Postbank ermittelt, in welchen Städten, Landkreisen und Regionen beim Immobilienkauf mit Wertzuwachs zu rechnen ist – und in welchen nicht. Ganz vorne liegt dabei die kreisfreie Stadt Heilbronn. Der Preis pro Quadratmeter betrug 2017 durchschnittlich 2.532 Euro pro Quadratmeter – innerhalb der Top Ten ein geringer Preis, wie die Graﬁ k zeigt. Bis 2030 prognostizieren die Experten einen Wertzuwachs von 2,99 Prozent pro Jahr. Knapp dahinter liegt der Landkreis Erding mit einem Preis von 3.996 Euro pro Quadratmeter und einer jährlichen Wert- steigerung von 2,24 Prozent. Einen Wertverfall prognostiziert der Wohnatlas für viele Landkreise im Osten des Landes. Am größten ist dieser aber mit -5,52 Prozent in der Stadt Suhl im Süden üringens. Preistrend (pro Jahr) 2,99 % 2,24 % 1,82 % 1,81 % 1,81 % 1,72 % 1,66 % 1,64 % 1,63 % 1,61 % Städte/Kreise mit der höchsten Wertsteigerung bis 2030 Heilbronn Erding (Landkreis) Cloppenburg (Landkreis) Landsberg am Lech (Landkreis) München (Landkreis) Landshut (Landkreis) Potsdam (Stadt) Rosenheim (Landkreis) Ebersberg (Landkreis) Miesbach (Landkreis) Basis: Regionale Daten zu Alters- und Bevölkerungsstruktur, Haushaltsgröße, Angebot/Nachfrage, Wohnausgaben, Einkommen, Angebot/Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt in 401 Städten/Landkreisen Preis 2017 (in /qm) 2.532 3.996 1.667 3.301 5.240 2.570 3.241 3.285 4.529 4.836 Quelle: Postbank Wohnatlas 2018 Praxisverkauf: Vorsicht, Immobilien-Steuerfalle! Wer nach Aufgabe seiner Praxis die ihm selbst gehörenden Praxisräume an den Nachfolger vermietet, muss aufpassen, dass er nicht in eine Steuerfalle tappt. Von erheblicher steuerlicher Tragweite ist, ob die Praxisimmo- bilie Eigentum des abgebenden Arztes ist, in dem Fall sollte sie bei der Praxisaufgabe nach Möglichkeit mitverkau werden. O ist nur durch diesen zusätzlichen Erlös möglich, die Steuern aus der Praxisaufgabe zu ﬁ nanzieren. Häuﬁ g will ein Abgeber die Immobilie aber gar nicht verkaufen, weil er die Mieteinnah- men als zusätzliche Altersversorgung braucht. Oder er gibt die Praxis zugunsten eines lang laufenden Mietvertrags vielleicht sogar unter dem höchstmöglichen Wert ab. Das Problem: Die eigenen Praxisräume werden durch die Aufgabe steuerlich zum Vermietobjekt, das nicht mehr zum Betriebsvermögen gehört, sondern steuerlich gesehen ins Privatvermögen überführt wird. Die Folge ist eine Besteuerung als Privatentnahme nach der Formel: geschätzter Verkaufs- wert minus Buchwert (laut Anlageverzeichnis). Ist der Markt- wert seit der Anschaﬀ ung gestiegen, führt alleine das schon zu einem Gewinn. Da der Buchwert, einst identisch mit den Anschaﬀ ungskosten, im Laufe der Jahre um die Abschreibungen sinkt, kann der Veräußerungsgewinn dann sogar noch höher ausfallen. Will der Praxisabgeber die Immobilie behalten, muss er die Steuer genauso bezahlen wie bei deren Verkauf. Nur hat er dann nicht die Liquidität wie beim Verkauf. Ob genug Liquidität übrig bleibt, hängt vom Praxisverkaufspreis ab. Der Aufgabegewinn wird mit einem begünstigten Satz besteuert, ausgehend vom persönlichen Durchschnittssatz. Zudem stehen neben dem Verkaufserlös die noch zuﬂ ießenden Einnahmen (etwa aus der Abrechnung von Kassenlei- stungen) zur Verfügung, denen dann nach der Abgabe keine Kosten mehr gegenüberstehen. Ob die Liquidität aus der Praxisabgabe für die Steuerzahlung reicht, lässt sich vorab mit einer Annäherungsrechnung ermit- teln. Einfacher hat es, wer nicht in der Vermietungsfalle steckt: Die Rechnung ist grundsätzlich dieselbe, aber der Unsicher- heitsfaktor Immobilienentnahme fällt weg. Dann reicht der Erlös immer für die Einkommensteuer. Quelle: A&W online
PRAXISNAH 24 meditaxa 87 | November 2018 Keine Lohnsteuerpauschalierung bei Gehaltsumwandlung Mit dem gesetzlichen Tatbestandsmerkmal „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ solle die Umwandlung von Arbeitslohn in pauschal besteuerte Leistungen ausge- schlossen werden. Hier sei oﬀ enbar bezweckt worden, eine günstigere steuerliche Behandlung des bereits vereinbarten Arbeitslohns zu erreichen. Es handele sich daher um eine für die Pauschalbesteuerung (schädliche) Gehaltsumwandlung. HINWEIS Das Finanzgericht hat die Revision zum Bundesﬁ nanzhof wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache und zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zugelassen. Zu ähnlichen Sachverhalten haben bereits das FG Rheinland- Pfalz (Urteil vom 23.11.2016, 2 K 1180/16) und das FG Münster (Urteil vom 28.06.2017, 6 K 2446/15 L) entschieden. Quelle: FG Düsseldorf, Urteil vom 24.05.2018, 11 K 3448/15 H (L) Ein Unternehmer hatte im Jahr 2011 mit seinen unbefristet angestellten Arbeitnehmern neue Lohnvereinbarungen getroﬀ en und sich darin verpﬂ ichtet, einen Zuschuss für die Nutzung des Internets und für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu leisten. Der Zuschuss sollte nicht unter den Freiwilligkeitsvorbehalt fallen. Der Bruttoarbeitslohn wurde zugleich jeweils um den Zuschussbetrag reduziert. Im Jahr 2014 traf der Steuerpﬂ ichtige mit seinen Arbeitnehmern eine Änderungsvereinbarung, wonach die Zuschüsse rein freiwillig geleistet wurden. Das Finanzamt vertrat die Auﬀ as- sung, dass die Lohnsteuerpauschalierung für die Zuschüsse zu Unrecht erfolgt sei und erließ einen Lohnsteuerha ungs- und Nachforderungsbescheid. Eine Pauschalierung komme nur dann in Betracht, wenn die Zuschüsse zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt würden, nicht bei Gehaltsumwandlungen. Das Finanzgericht wies die Klage zurück. Die beiden relevanten Lohnbestandteile seien nicht zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt worden. Für die Jahre 2011 bis 2013 scheitere eine Pauschalversteuerung bereits daran, dass den betroﬀ enen Arbeitnehmern ein arbeitsrechtlicher Anspruch auf die fraglichen Leistungen zugestanden habe. In der ersten Änderungsvereinbarung sei ausdrücklich vereinbart worden, dass die Zuschüsse nicht unter den Freiwilligkeitsvorbehalt ﬁ elen. Ab dem Jahr 2014 hätten die Arbeitnehmer wegen der neu getroﬀ enen Freiwilligkeitsvereinbarung zwar keinen Rechtsanspruch auf die Leistung der Zuschüsse gehabt. Der Pauschalbesteuerung stehe aber entgegen, dass gegenüber der ursprünglichen Lohn- vereinbarung kein Mehr an Arbeitslohn hinzugekommen sei. Approbationswiderruf auch bei Einstellung staatsanwaltlicher Ermittlungen zulässig Der Widerruf der Approbation als Arzt wegen Unwürdigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufs setzt nicht voraus, dass ein schwerwiegendes berufswidriges Verhalten die Grenze der Stra arkeit überschreitet. Es handelt sich um eine Maßnahme zur Abwehr der Gefahren, die von der Tätigkeit eines unzuverlässigen oder zur Berufsausübung unwürdigen Arztes ausgehen. Deshalb stellt der Approbationswiderruf keine (weitere) Bestrafung dar und setzt dementsprechend auch kein stra ares Verhalten voraus. Ein Chirurg hatte bei Patientinnen zahlreiche nicht not- wendige und allein sexuell motivierte Untersuchungen im Intimbereich vorgenommen und sich Patientinnen auch anderweitig unangemessen genähert. Während die Staatsanwaltscha ihre Ermittlungen diesbezüg- lich einstellte, wurde die Approbation des Arztes widerrufen. Hiergegen setzte sich der Arzt erfolglos zur Wehr. Quelle: Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 03.08.2018 – 13 A 1535/17
meditaxa 87 | November 2018 25 PRAXISNAH Wirksame Verdachtskündigung erfordert angemessene Zeitspanne für Stellungnahme des Arbeitnehmers Wer einem Arbeitnehmer gegenüber eine Kündigung aussprechen will, die nicht auf Tatsachen, sondern auf einem Verdacht beruht, kann dies bei unter anderem hinreichend schwerem Verdacht rechtlich wirksam tun, muss aber den betroﬀ enen Mitarbeiter vorher zu den Vorwürfen anhören. Dabei ist ihm angemessen Zeit für die Antwort einzuräumen. Setzt der Arbeitgeber eine zu kurze Frist und kündigt dem Arbeitnehmer nach deren Ablauf, ohne dass die Stellung- nahme des Betroﬀ enen vorliegt, so ist die Kündigung als Verdachtskündigung rechtsunwirksam. Dies hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Hol- stein entschieden. Der als Entwicklungsingenieur be- schä igte Kläger stritt sich mit seiner Arbeitgeberin, der Beklagten, schon mehrfach bis vor das LAG über die Been- digung seines Arbeitsverhältnisses. Im vom Gericht nun- mehr entschiedenen Fall ging es neben einer Versetzung und einer Änderungskündigung um eine fristlose, hilfs- weise ordentliche Kündigung vom 12.08.2016, die un- ter anderem mit dem Verdacht von Stra aten begründet wurde. Im Zuge der im Rechtsstreit ebenfalls streitigen Versetzung des Klägers aus der Entwicklungsabteilung in den Außendienst erhielt der Kläger von der Beklagten im Juni 2016 ein Laptop ausgehändigt. Er war seitdem durchgehend arbeits- unfähig erkrankt. Nachdem der Kläger größere Datenmengen über das Laptop heruntergeladen hatte, verlangte die Beklagte das Laptop heraus. Am 03.08.2016 übersandte der Kläger der Beklagten ein anderes Laptop. Ob dies versehentlich erfolgte, ist zwischen den Parteien streitig. Jedenfalls gab die Beklagte dem Kläger mit Schreiben vom 04.08.2016, in dessen Brie asten frühestens am Abend eingegangen, Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 08.08.2016, 13.00 Uhr. Als die Frist verstrichen war, brachte die Beklag- te die außerordentliche Verdachtskündigung auf den Weg. Das LAG hält – angesichts des Umstands, dass sich die Parteien bereits anderweitig in vertraglichen und auch gerichtlichen Auseinandersetzungen befanden, in denen sich der Kläger stets anwaltlich vertreten ließ – die Stellungnahmefrist von nicht einmal zwei vollen Arbeitstagen bis Montagmittag für in jeder Hinsicht unangemessen kurz. Dies gelte umso mehr, als die Beklagte das Anhörungsschreiben nicht zugleich dem Prozessbevollmächtigten des Klägers – gegebenenfalls auch per Fax – zugesandt habe. Außerdem habe sie gewusst, dass der Kläger arbeitsunfähig krank war. Sie habe somit damit rechnen müssen, dass sich dieser gerade nicht durchgängig zu Hause au ält. Das LAG hat die Revision nicht zugelassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskrä ig. Quelle: Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 21.03.2018, 3 Sa 398/17 MIT FREUNDLICHER EMPFEHLUNG: Tennert Sommer & Partner - Steuerberater
PRAXISNAH 26 meditaxa 87 | November 2018 Mindestlohn steigt 2019 und 2020 stufenweise Die Mindestlohn-Kommission entscheidet alle zwei Jahre über die Höhe des Mindestlohns. Sie wägt ab, ob er den Beschäftigten einen angemessenen Mindestschutz bietet, faire Wettbewerbsbedingungen ermöglicht und die Beschäftigung nicht gefährdet. Die Mindestlohnkommission empﬁ ehlt zum 01.01.2019 den Mindestlohn von 8,84 Euro auf 9,19 Euro und zum 01.01.2020 auf 9,35 Euro brutto je Zeitstunde anzuheben. Bitte beachten Sie die Aufzeichnungspﬂ ichten: Arbeitgeber in bestimmten Branchen sind verpﬂ ichtet, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit von bestimmten Arbeitnehmern spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag des der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages aufzu- zeichnen und diese Aufzeichnungen mindestens zwei Jahre aufzubewahren. Das gilt entsprechend für Entleiher, denen ein Verleiher Arbeitnehmer zur Arbeitsleistung überlässt. Die Aufzeichnungspﬂ icht gilt grundsätzlich für alle Minijob- ber. Erleichterte Aufzeichnungspﬂ ichten gelten für Arbeit- nehmer mit ausschließlich mobilen Tätigkeiten, die keinen Vorgaben zu Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit unter- liegen. Die Dokumentations- und Meldepﬂ ichten gelten nicht für Arbeitnehmer, deren regelmäßiges Monatsentgelt brutto mehr als 2.958 Euro beträgt und bei im Betrieb des Arbeitge- bers arbeitenden Ehegatten, eingetragenen Lebenspartnern, Kindern und Eltern des Arbeitgebers. HINWEIS Der Zoll kontrolliert, ob Arbeitgeber den Mindestlohn einhal- ten. Nach dem Gesetz kann die Geldbuße bei Nichteinhalten des Mindestlohns bis zu 500.000 betragen. Wer die Arbeits- zeiten als Arbeitgeber nicht ordentlich dokumentiert, kann mit bis zu 30.000 bestraft werden. Des Weiteren ist ein Aus- schluss des Unternehmens von der Vergabe öffentlicher Auf- träge möglich. Damit der Mindestlohn nicht unterlaufen wird, soll es mit dem Bundeshaushalt für 2019 deutlich mehr Stellen beim Zoll geben. MIT FREUNDLICHER EMPFEHLUNG: Haas & Hieret Steuerberater Rechtsanwalt Privates Veräußerungsgeschäft bei häuslichem Arbeitszimmer Der Gewinn aus dem Verkauf von selbstgenutztem Wohn- eigentum ist auch dann in vollem Umfang steuerfrei, wenn zuvor Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer abgesetzt wurden. Das hat das Finanzgericht Köln in einem kürzlich veröﬀ entlichten Urteil entschieden. Geklagt hatte ein Ehepaar, das im Wesentlichen Einkün e aus nichtselbstständiger Tätigkeit erzielte. Die Steuerpﬂ ich- tigen hatten innerhalb der 10-jährigen Spekulationsfrist die von ihnen selbst bewohnte Eigentumswohnung veräußert. In den Vorjahren hatten sie den Abzug von Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer i. H. v. 1.250 Euro erfolgreich geltend gemacht. Das Finanzamt unterwarf den auf das Arbeitszimmer entfallen- den Veräußerungsgewinn von 35.600 Euro der Besteuerung, da insoweit keine steuerfreie eigene Wohnnutzung vorliege. Das Finanzgericht Köln vertrat dage- gen die Auﬀ assung, dass ein häusliches Arbeitszimmer nicht zu einer anteiligen Besteuerung des Ver- äußerungsgewinns führe. stelle kein integriert und Das Arbeitszimmer sei nämlich in den privaten Wohn- bereich selbstständiges Wirtscha sgut dar. Eine Besteuerung stünde auch im Wertungswiderspruch zum generellen Abzugsverbot von Kosten für häusliche Arbeitszimmer. Ein häusliches Ar- beitszimmer, das ausschließlich und unmittelbar für eigen- betriebliche Zwecke des Steuerpﬂ ichtigen genutzt wird und in dessen Eigentum steht, gehört dagegen grundsätzlich zum notwendigen Betriebsvermögen. Eine Ausnahme besteht bei Grundstücksteilen von untergeordnetem Wert. Das ist der Fall, wenn der Wert des Grundstücksteils weniger als 20 % des gesamten Grundstückswerts bzw. weniger als 20.500 Euro beträgt. Sind diese Grenzen nicht überschritten, steht die Bilanzierung im Ermessen des Steuerpﬂ ichtigen und er kann das Arbeitszimmer durch eine unmissverständliche und dokumentierte Zuordnungsentscheidung als gewillkürtes Betriebsvermögen behandeln. Bei einer späteren Veräußerung des Gebäudes oder einer Nutzungsänderung des Arbeitszim- mers ist diese Entscheidung dann ggf. mit entsprechenden steuerlichen Folgewirkungen (Besteuerung des anteiligen Veräußerungsgewinns bzw. des Entnahmegewinns) verbunden. Quelle: FG Köln, Urteil vom 20.03.2018, 8 K 1160/15;
meditaxa 87 | November 2018 27 PRAXISNAH DS-GVO: Auf Nummer sicher gehen Die neuen Regelungen zum Datenschutz stehen nicht gerade für ein gesetzliches Meisterwerk – problematisch aus Sicht der Ärztescha ist die nichteindeutige Formulierung von Regeln. Als Beispiel: Wann braucht eine Praxis einen Datenschutzbeau ragten? Art. 37 DS-GVO Abs. 1 lit. c, besagt, ein Datenschutzbeau ragter sei zu benennen wenn „die Kerntätigkeit eines Verant- wortlichen […] in der umfangreichen Verarbeitung besonderer Kategorien von Daten […] besteht.“ Allerdings werden hier keine Angaben gemacht, wann eine „umfangreiche“ Verarbeitung vorliegt. Die Erklärung ﬁ ndet der rechtsuchende Arzt in den Erwägungsgründen der DS-GVO: Erwägungsgrund 91 „Die Verarbeitung personenbezogener Daten sollte nicht als umfangreich gelten, wenn die Verarbeitung personenbezogene Daten von Patienten […] betri und durch einen einzelnen Arzt […] erfolgt.“ Eine Einzelpraxis benötigt somit nicht unbedingt einen Datenschutzbeau ragten. Arztpraxen mit zehn oder mehr Beschä igten, die sich mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschä igen, sind dazu verpﬂ ichtet, einen Datenschutzbeau ragten zu bestellen (§ 38 Abs. 1. BDSG). Bei einer Gemeinscha spraxis kann der Interpretationsraum bereits größer angelegt sein. Diese wird nicht als „einzelner Arzt“ im Sinne von Erwägungsgrund 91 gelten und einen Datenschutzbeau ragten bestellen müssen. Anders ist das bei Gemeinscha spraxen, in denen jeder Arzt auf eigene Rechnung arbeitet. Beschä igen die Berufsträger insgesamt weniger als zehn Mitarbeiter, ist die Benennung eines Datenschutzbeau ragten nach der Datenschutzgrundver- ordnung nicht unbedingt zwingend. Interpretationen hin oder her – um auf Nummer sicher gehen zu können, sollten Gemeinscha spraxen und Einzelärzte mit weniger als zehn Mitarbeitern den Posten eines Datenschutzbeau ragten schaﬀ en. Dieser kann durch einen durch Schulung und Seminare ausgebildeten Mitarbeiter erfolgen oder einen Externen bestellten. Warnung vor dem „Klick“ Aktuell warnt der AOK-Bundesverband medizinische Einrichtungen vor gefälschten E-Mails. Die in der E-Mail angehängte ZIP-Datei – angeblich eine angeforder- te Patienten dokumentation – enthält ein Verschlüsse- lungsprogramm, die den betroﬀ enen Computer unbrauchbar macht: „Betreﬀ : Ihre angeforderten Patientendokumentation – A5882010559; Unterzeichnet: Janine Köhler, AOK Bundes- verband GbR“ Mit dem Öﬀ nen der ZIP-Datei installiert sich au- tomatisch der Trojaner „GrandCrab“ auf dem betroﬀ enen Rech- ner, die darauf enthaltenen Dateien werden verschlüsselt. Eine Entschlüsselung erfolgt nur gegen Geld – das LKA Berlin ermittelt bereits. Allgemein gilt: Verdächtige E-Mails enthalten sehr o gram- matikalische Fehler bereits in der Betreﬀ zeile. O mals enthält die E-Mail selbst keine Nachricht oder Signatur. Es ist wichtig, alle Mitarbeiter, die mit einem Computer in Ihrer Praxis oder Einrichtung arbeiten müssen, auf solche Augenmerke hinzuweisen (Mitarbeiter Compliance) und entsprechende E-Mails sofort zu löschen (auch aus dem Papierkorb). Im Falle eines Zweifels – E-Mail löschen oder nicht löschen – sollte versucht werden, den Absender, in diesem Fall der AOK Bun- desverband, telefonisch zu erreichen um so die „Echtheit“ der E-Mail zu überprüfen. Wird versehentlich doch einmal eine ZIP-Datei geöﬀ net, sollte umgehend der Computer vom Netz- werk getrennt und die Internetverbindung unterbrochen wer- den. Auf keinen Fall sollten Betroﬀ ene auf Lösegeldforderungen eingehen, sondern umgehend die Polizei verständigen und den Computer von einem IT-Experten untersuchen lassen. Meditaxa Redaktion | Quelle: www.aok-bv.de
PRAXISNAH 28 meditaxa 87 | November 2018 TI-Rollout: Forderung nach Fristverlängerung Laut E-Health-Gesetz sollen ab 2019 Honorare gekürzt werden, wenn Praxen die Versichertendaten nicht über die Telematikinfrastruktur abgleichen können. „Problematisch bei dieser Umsetzung ist, dass bis zum Jahresende weder genügend Konnektoren, noch Kapazitäten an Technikern zur Verfügung stehen würden“ – so Dr. omas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). „Die meisten Ärzte haben zwar bereits die Vorbereitungen für die Anbindung getroﬀ en, allerdings fehlt es an Geräten. Eine Sanktionsfrist zur Beschleunigung der Anbindung ist unter diesen Umständen nicht möglich.“ Die KBV fordert ein Verschieben der Frist um mehrere Monate, damit würde auch negativen Eﬀ ekten entge- gen gewirkt werden. Dr. Kriedel: „Unrealistische Zielvorgaben, verbunden mit Sanktionen, können jegliche Akzeptanz der TI zunichtemachen“. Stimmen aus der Politik fordern bereits eine Fristverlängerung um mindestens sechs Monate. Unlauterer Wettbewerb: Was Ärzte und Zahnärzte dürfen und was nicht In Bezug auf das Anti-Korruptionsrecht sind die meisten Ärzte inzwischen sensibilisiert. Doch das ist nicht das einzige Gesetz, dass Ärzten deutliche Grenzen in ihrer unternehmeri- schen Freiheit aufzeigt. Auch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) und das Heilmittelwerbegesetz (HWG) beinhalten so einige Tücken. So ist Werbung für Arzneimittel oder Verfahren und Behand- lungen zwar nicht grundsätzlich verboten, unterliegt aber doch deutlichen Beschränkungen. Das HWG verbietet zahlreiche Praktiken, die im Einzelhandel üblich sind. So z. B. suggestive Werbemethoden und die Vergabe von Zuwendungen. Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verbietet Rabatte Auch Rabatte und Sonderangebote, die sich bei Kunden zweifelsohne großer Beliebtheit erfreuen, sind Ärzten nicht erlaubt. So wurde ein Zahnarzt abgemahnt, der professionelle Zahnreinigung mit Rabatten von zum Teil bis zu 70 % angeboten hatte. Ärzte und Zahnärzte dürfen ihre Honorare nicht frei gestalten, sondern müssen sich innerhalb der jewei- ligen Gebührenordnungen bewegen. So sollen Patienten vor überhöhten Gebühren geschützt und das Grundeinkommen des Arztes garantiert werden. Gerade um die gleichbleibende Qualität der ärztlichen Leistung zu sichern, sind Rabatte oder Pauschalpreise nicht vorgesehen. Ärzte als Multiplikator für Unternehmen So manches Unternehmen würde die ärztliche Autorität gerne dazu nutzen, den Absatz seiner Produkte oder Dienstleistungen anzukurbeln. Deshalb ist die Abgabe von kostenlosen Produkten durch Ärzte an ihre Patienten unter- sagt. So hat der Bundesgerichtshof auf Betreiben der Wett- bewerbszentrale einem Arzt untersagt, aus einem Depot in seiner Praxis Blutzuckerteststreifen an Patienten abzugeben (Az. I ZR 317/02). Der Arzt mag dem Patienten Geld sparen und etwas Gutes tun wollen – dennoch ist es nicht erlaubt. Diätprodukte darf ein Arzt hingegen in seiner Arztpraxis verkaufen, wenn er hier auch eine gewerbliche Ernährungs- beratung betreibt. Dieser „Gewerbebetrieb“ muss aber in „zeitlicher, organisatorischer, wirtscha licher und rechtlicher Hinsicht“ von der freiberuﬂ ichen Tätigkeit als Arzt getrennt gehalten werden (BGH, Az. I ZR 75/05). Keine Empfehlungen für gewerbliche Produkte Weist ein plastischer Chirurg seine Patienten auf eine bestimmte Folgekostenversicherung hin, so lässt er zu, dass von seinem Namen und seinem beruﬂ ichen Ansehen in unlauterer Weise für gewerbliche Zwecke Gebrauch gemacht wird (LG Düssel- dorf, Az. 38 O 15/16). Das gilt natürlich nicht nur in Zusam- menhang mit Versicherungen. Empfehlungen für Policen, aber auch diverse gewerbliche Produkte sollten Ärzte also besser unterlassen. Gibt es gar eine Provisionsregelung zwischen Arzt und Firma, könnte es sich um einen Korruptionsfall handeln. A&W online | Quelle: Wettbewerbszentrale
meditaxa 87 | November 2018 29 PRAXISNAH Ist es das wert? Einträge jedoch und mahnte die Kollegen ab. Ärztinnen und Ärzte, die das Angebot gekau er Positivbewertungen annehmen, handeln nicht nur wettbewerbswidrig, sie führen auch Patienten, die auf der Suche nach einem passenden Arzt sind, bewusst in die Irre. Florian Weiß, Geschä sführer von Jameda: „Wir gehen rigoros gegen solche Manipulationen vor und löschen entsprechende Bewertungen umgehend.“ Abgesehen von der Löschung der Bewertung sollte sich jeder Praxisinhaber die Frage stellen, ob eine Manipulation die rechtlichen und auch wirtscha lichen Konsequenzen – beispielsweise leidet darunter o auch das Image der Praxis – wert ist. Meditaxa Redaktion sich über unverschämt sind wie „Komödie und Arzt-Bewertungsplattformen Tragödie“ – einerseits können sich Arztpraxen dort präsentieren und von guten Bewertungen proﬁ tieren, andererseits muss auch mit negativen Bewertungen gerechnet werden. Ärztinnen und Ärzte begegnen solchen Plattformen im Internet immer noch skeptisch. Nicht ohne Grund – eine Listung bei Jameda muss von Praxisinhabern prinzipiell akzeptiert werden – so entschied der BGH in einem Urteil Anfang 2018, dass eine Speicherung personenbezogener Daten mit einer Bewertung der Ärzte grundsätzlich zulässig sei. Hinzu kommt, dass nicht jede Negativbewertung un- bedingt gerechtfertigt sei: Patienten die ohne Termin erscheinen, mokieren lange Wartezeiten, wieder andere geben medizinisch unhaltbare Statements ab oder bewerten eine Innenstadtpraxis mit „mangelha “, weil nicht genügend Parkplatzmöglichkeiten vorhanden richtig, wenn der eben erst zugezogene Kollege in „Online- Lobeshymnen“ schier ertrinkt und niemand diesen Lobesregen nachvollziehen kann. Positive Entwicklungen gibt es zumindest beim Marktführer Jameda. Die Betreiber der Arztbewertungsplattform tun inzwischen einiges, um die Richtigkeit von Bewertungen sicherzustellen. Ärztinnen und Ärzte können nun gegen ungerechtfertigte Negativeinträge vorgehen. Und auch das Gegenmodell – gekau e Positivbewertungen – wird inzwi- schen geahndet. Jameda ging vor kurzem erfolgreich gegen Ärzte vor, die ihre Bewertungen manipulieren wollten – eine Beau ragung eines Anbieters, der gekau e Bewertungen anbietet, um positive Erfahrungsberichte platzieren zu können. Die interne Qualitätskontrolle identiﬁ zierte diese sind. Ärgerlich wird es dann IMPRESSUM Herausgeber: meditaxa Group e. V. Fachkreis für Steuerfragen der Heilberufe Brunshofstraße 12 45470 Mülheim an der Ruhr V.i.S.d.P.: Vorsitzender: Matthias Haas Brunshofstraße 12 45470 Mülheim an der Ruhr Telefon 0208 308340 Telefax 0208 3083419 E-Mail: fachkreis@meditaxa.de Redaktion & Realisation: Marketing Management Mannheim GmbH Carolin Lenhart Turley-Platz 11 68167 Mannheim www.mm-mannheim.de Auﬂ age: 5.000 Ausgabe: 87 | 2018 November Der Fachkreis für Steuerfragen der Heilberufe übernimmt trotz sorgfältiger Auswahl der Quel- len keine Haftung für die Richtigkeit des Inhalts. Wir möchten Ihnen mit diesen Artikeln die Mög- lichkeit geben, an der Erfahrung des Fachkreises zu partizipieren. Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater. Bildnachweis: Titel: © WavebreakMediaMicro / AdobeStock, S. 3: © osaba / Freepik, © Pressfoto / Freepik, S. 4: © javiindy / AdobeStock, © Freepik, S. 5: © pinko- melet / AdobeStock, © Halfpoint / AdobeStock, S. 6: © Freepik, © takasu / AdobeStock, © rawpi- xel.com / Freepik, S. 7: © Freepik, © Rawpixel. com / AdobeStock, S. 10: © Freepik, S. 12: © am- brozinio / AdobeStock, S. 13: © Suteren Studio / AdobeStock, S. 14: © peoplecreations / Freepik, S. 16: © Pressfoto/ Freepik, S. 18: © biker3 / Ad- obeStock, S. 19: © Freepik, S. 20: © Production Perig / AdobeStock, S. 21: © soupstock / Adobe- Stock, S. 22: © mrsiraphol / Freepik, S. 23: © Free- pik, S. 24: © Freepik, S. 25: © sebra / AdobeStock, S. 26: © bongkarn / AdobeStock, S. 27: © peshko- va / AdobeStock, S. 28: © Pressfoto / Freepik, S. 29: © Freepik, S. 30: © Pressfoto / Freepik, S. 32: © iStockphoto / Wavebreakmedia
meditaxa 87 | November 2018 31 SERVICE Mitglieder der meditaxa Group e. V. PSV Steuerberatungsgesellschaft mbH Kaitzer Straße 85 01187 Dresden 03 51/877 57-0 Muthmann, Schäfers & Kollegen Wirtschaftsprüfer | Steuerberater Dreifertstraße 9 03044 Cottbus 03 55/380 35-0 PSV Leipzig Steuerberatungsgesellschaft mbH Braunstraße 14 04347 Leipzig 03 41/463 77 30 Tennert, Sommer & Partner Steuerberater Bismarckstraße 97 10625 Berlin 030/450 85-0 DELTA Steuerberatungsgesellschaft mbH Im Kohlhof 19 22397 Hamburg 040/61 18 50 17 DELTA Steuerberatungsgesellschaft mbH Hindenburgstraße 1 23795 Bad Segeberg 045 51/88 08-0 DELTA Steuerberatungsgesellschaft mbH Sti straße 44 25746 Heide 04 81/51 33 Hammer & Partner mbB Wirtschaftsprüfer | Steuerberater | Rechtsanwälte Außer der Schleifmühle 75 28203 Bremen 04 21/36 90 40 alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH Gymnasiumstraße 18 –20 63654 Büdingen 060 42/978-50 LIBRA Steuerberatungs- gesellschaft mbH & CO. KG Im Teelbruch 128 45219 Essen-Kettwig 020 54/9527-77 LIBRA Steuerberatungs- gesellschaft mbH & CO. KG Königsallee 47 44789 Bochum 02 34/93034-32 Jahnel und Klee Steuerberater Robert-Koch-Straße 29 – 31 51379 Leverkusen 021 71/34 06-0 Arminia Steuerberatungsgesellschaft mbH Gartenfeldstraße 22 54295 Trier 06 51/978 26-0 Arminia Steuerberatungsgesellschaft mbH Goethestraße 12 66538 Neunkirchen 068 21/999 72-0 Media Steuerberatungsgesellschaft mbH B 7, 18 68159 Mannheim 06 21/53 39 40-0 Pro Via Steuerberatungsgesellschaft mbH Lessingstraße 10 76135 Karlsruhe 07 21/559 80-0 Primus Steuerberatungsgesellschaft mbH Oltmannsstraße 9 79100 Freiburg 07 61/282 61-0 alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH Germaniastraße 9 34119 Kassel 05 61/712 97-10 alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH Bantzerweg 3 35396 Gießen 06 41/30 02-3 alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH Lurgi Allee 16 60439 Frankfurt 069/95 00 38-14 alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH Falkensteiner Str. 77 60322 Frankfurt 069/95 00 6-0 alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH Berliner Platz 11 97080 Würzburg 09 31/804 09-50 alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH Zum Hospitalgraben 8 99425 Weimar 036 43/88 70-21 Dornbach-Lang-Koch GmbH & Co. KG Steuerberater Hausertorstraße 47b 35578 Wetzlar 06441/96 319-0 Haas & Hieret Steuerberater Rechtsanwalt Partnerschaftsgesellschaft Brunshofstraße 12 45470 Mülheim a. d. Ruhr 02 08/308 34-0 LIBRA Steuerberatungs- gesellschaft mbH & CO. KG Feldstiege 70 48161 Münster-Nienberge 025 33/93 03-0

References: § 4
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 § 18
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 § 21
 Art. 37
 BGH