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Timestamp: 2020-06-05 23:11:16+00:00

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Begegnungsverkehr Fahrrad + X im Forum für Verkehrsrecht
Begegnungsverkehr Fahrrad + X
Beitrag von MichiFed » 10.09.19, 23:02
wie ist das mit dem Begegnungsverkehr auf schmalen Landstraßen mit Fahrradfahrern geregelt? Muss sich der Radfahrer in den Graben schmeißen? Oder der PKW die Böschung hochhoppeln um dem Radfahrer Platz zu machen? Die Frage ist entstanden weil Person X in den letzten Wochen wiederholt fast Kontakt mit den modernen Schleppern der dorfnahen Landwirte hatte. Mit Anbaugerät hat so ein DIng grne mal drei Meter Breite. DIe Straßen in der Ggend sind zum Teil satte drei Meter breit. Und die Landwirte fahren großzügig mit einem halben Reifen unter Vollgas (bis zu 60 km/h) auf dem Seitenstreifen. So vergrößert sich der Überlebensraum für den Radfarer auf 60 cm meist inkl. geschottertem Seitenstreifen..... Gibt es da klare Regelungen wie man sich als Radfahrer und PKW/Traktorfahrer zu verhalten hat?
Re: Begegnungsverkehr Fahrrad + X
Beitrag von SusanneBerlin » 10.09.19, 23:10
Was Sie da beschreiben, das nennt man Feldweg, nicht Landstrße.
Steht am Beginn des Feldwegs eine Einschränkung, z.B. das Zeichen 251 oder Zeichen 260 mit Zusatz "Für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben"?
Beitrag von Tastenspitz » 11.09.19, 07:28
Ansonsten - Siehe §1 StVO
Beitrag von ktown » 11.09.19, 07:33
10.09.19, 23:10
Verzeihen sie ihm, dass er den Begriff der Kreis-, Gemeinde oder sonstige öffentliche Straße nicht kennt.
Also ich kenne bei mir im Umkreis eine Kreisstraße, da musst du von Haltebucht zu Haltebucht springen, um überhaupt bei Begegnungsverkehr aneinander vorbei zu kommen.
Natürlich gilt aber auch in diesem Fall der §1 StVO. Der Landwirt sollte also seine Geschwindigkeit reduzieren. Gerade unter dem Aspekt, dass ein Traktor bei diesen Geschwindigkeiten sicherlich extrem schwankt und daher noch mehr Verkehrsraum benötigt.
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Beitrag von sentry » 11.09.19, 08:46
Bis auf §1, insbesondere Abs. 2 gibt es mMn keine klaren Regeln für das Begegnen auf schmalen Straßen.
Mit 60 km/h auf schmaler Straße mit Großgerät auf einen Radfahrer zufahren, genügt diesem Anspruch jedenfalls nicht.
Wenn tatsächlich nicht genug Raum zum gefahrlosen Begegnen da ist, müssen beide Fahrzeugführer besonders vorsichtig agieren und ggf. anhalten und sich verständigen, wie die Vorbeifahrt passieren soll.
Wenn gar nichts geht, muss einer der Beiden zurücksetzen bis zu einer Stelle, die für das Begegnen breit genug ist (Ausweichstelle, Zufahrten oä.).
Auch dafür gibt es keine Regeln, aber üblicherweise macht das der, der näher an so einer Ausweichstelle dran ist oder der, dem es leichter fällt zurückzusetzen. Im beschriebenen Fall dürfte das der Radfahrer sein, denn er muss nicht rückwärts fahren.
Schön wäre natürlich, wenn alle ein bisschen mitdenken, vielleicht auch für den Anderen und nicht immer auf ihr (vermeintliches) Recht (des Stärkeren) pochen.
Für die Dimensionierung der Straßen ist übrigens die Einteilung der öffentlichen Straßen gem. der Landesstraßengesetze (Landesstraßen, Kreisstraßen, Gemeindestraßen, Sonstige öffentliche Straßen oä.) eher unwichtig.
Ländliche Wege (Feld- und Waldwege) dürfte es in den meisten Straßengesetzen sowieso nicht geben. Das sind dann eben Sonstige Straßen oä.
Gerade im Altbestand kann man in all dieses Kategorien alle möglichen Dimensionierungen finden, eben auch solche, die für mögliche Begegnungsfälle zu schmal sind und es gibt keine Vorschriften, wie breit eine Landes-, Kreis- oder sonstige Straße zu sein hat. Die vorgeschriebenen Breiten für Neu- und Ausbauten orientieren sich an der erwarteten Verkehrsbelegung, der Verbindungsfunktion, der grundsätzlichen Ausgestaltung (einbahnig, zweibahnig, anbaufrei usw.), also Autobahnen, Landstraßen, Stadtstraßen und Ländliche Wege.
Eine Landesstraße (die nach ihrer Ausgestaltung in der Regel eine Landstraße ist) kann als Neu- oder Ausbau also je nach Bedeutung eine 6 m breite Fahrbahn haben oder durchaus auch autobahnähnlich zweibahnig hergestellt werden...und natürlich alles mögliche dazwischen.
Beitrag von Zafilutsche » 11.09.19, 09:08
Ich mußte etwas schmunzeln bei der Frage:
MichiFed hat geschrieben: ↑
10.09.19, 23:02
Muss sich der Radfahrer in den Graben schmeißen?
Aber wie Tastenspitz richtig anführte, gilt §1 StVO.
Und das gilt für alle Verkehrsteilnehmer!
Wenn also das "in den Graben schmeißen" der aller letzte Ausweg ist, um möglicherweise ein an- oder gar überfahren noch verhindern zu können, ist es sehr wahrscheinlich die bessere Wahl für den Radfahrer, denn gesundheitliche Einschränkungen können durch Gerichtsentscheidungen und/oder Geld-/Strafzahlungen nicht kompensiert werden.
Beitrag von FM » 11.09.19, 09:24
Der Radfahrer kann nahezu immer recht leicht absteigen und mit dem Rad die Fahrbahn kurz verlassen. Sollte das nicht möglich sein, etwa weil beidseits der Straße Felswände oder Schluchten sind, kann er immer noch leicht wenden und bis zur nächsten breiteren Stelle zurückfahren. Für einen Traktor mit Anbaugeräten oder Hänger wäre das deutlich schwieriger.
In der StVO geregelt ist nur die Fahrbahnverengung oder das Hindernis, also eine kleinere Engstelle (§ 6), nicht aber die dauerhaft schmale Fahrbahn. Sicher könnte man eine lange Aufzählung aller Situationen (auch je nach Fahrzeugart, Länge der Strecke, Restbreite, Beschaffenheit der Nebenflächen usw.) in die StVO schreiben, aber das wäre ziemlich sinnlos. Vorschriften dieser Art sind nur anwendbar, solange man sie sich noch merken kann. Wenn beide Verkehrsteilnehmer erst im Gesetz nachschlagen müssen ist das unpraktisch.
Beitrag von FelixSt » 11.09.19, 10:30
Papperlapapp. Hier nun endlich die Wunschantwort für Michi und Herrn Ulg: Autos, Traktoren, Mähdrescher und sonstige motorbetriebene Gefährte haben immer, ausnahmslos und umgehend für Fahrradfahrer Platz zu schaffen - egal, wie. Sollte ein Fahrzeugführer dies einmal nicht einsehen, sind möglichst kurzfristig kleine Kinder und ein paar Schwerbehinderte herbeizuschaffen, damit sich der Anzeigentext später besser dramatisieren lässt.
Beitrag von Hans Ulg » 11.09.19, 12:51
Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass derjenige, der die Fahrbahnmitte übertritt, dafür verantwortlich ist, dass er den Gegenverkehr nicht gefährdet und möglichst wenig behindert - egal was für ein Fahrzeug entgegen kommt.
Eine Haftung des Fahrers eines Mähdreschers kommt jedoch gemäß § 823 Abs. 1 BGB in Betracht, wenn dieser auf einer Fahrstrecke, die aufgrund ihrer Breite eine gefahrlose Begegnung mit dem Gegenverkehr nicht zulässt, ohne besondere Sicherungsmaßnahmen, z.B. ein Begleitfahrzeug, fährt.
Eine Haftung des Halters, der gleichzeitig Betriebsinhaber ist, kommt ebenfalls gemäß § 823 Abs. 1 BGB unter dem Gesichtspunkt des Organisationsverschuldens in Betracht, wenn dieser bei der Einsatzplanung und Streckenauswahl nicht dafür Sorge trägt, dass die Fahrzeuge ausreichend breite Strecken befahren oder hinreichend abgesichert sind.
https://verkehrslexikon.de/Texte/Rspr6708.php
Zuletzt geändert von Hans Ulg am 11.09.19, 13:05, insgesamt 1-mal geändert.
Beitrag von FM » 11.09.19, 12:57
Tja, da muss die örtliche Landwirtschaft ihren Fuhrpark wohl umstellen.
https://www.big.de/de/produkte/fahrzeuge/traktoren/
Beitrag von FM » 11.09.19, 14:15
Das OLG-Urteil hat allerdings nichts mit der Frage zu tun. Denn eine zivilrechtliche Haftung käme nur in Betracht, wenn der Traktorfahrer z.B. den Radfahrer überrollt hat. Und dann aber sogar dann, wenn der Traktor Vorfahrt hatte.
Inwieweit ein Begleitfahrzeug durch ein gelbes Rundumlicht das Problem lösen könnte, ist nicht erkennbar. Der Fragesteller hat offenbar schon gesehen, dass da ein Traktor kommt und ziemlich breit ist.
Sollte der Radfahrer nicht von sich aus die Straße freimachen, muss der Landwirt natürlich bis auf weiteres stehen bleiben, und wird das in nahezu allen Fällen auch tun (begleitet von der höflichen Bitte, doch zur Seite zu gehen).
Beitrag von ktown » 11.09.19, 15:33
Ich stell mir gerade vor, wie Fahrradfahrer und Traktorfahrer, so nach 12 Uhr Mittag Manier, sich gegenüberstehen und jeder auf den Moment seine Vorteils wartet.
Beitrag von Zafilutsche » 11.09.19, 15:58
11.09.19, 15:33
Oder beide drehen erst richtig auf und singen dabei: I Need a hero! wenn diese sich aufeinander zu bewegen. Vieleicht hat einer sogar ein Lithium-Ionen-Akku dabei, dann haben beide Verkehrsteilnehmer die gleiche Geschwindigkeit und die Spannung steigt! Wer zuerst ausweicht hat verloren!
Ich fahre sehr gerne selbst Fahrrad, aber ich kann nur immer wieder mit dem Kopfschütteln was da für Rowdys unterwegs sind und das "Image" der Radfahrer ramponieren.
Es gibt scheinbar ein Gesetz, das ein Absteigen des Radfahrers vor erreichen seines Fahrtzieles verbietet. Ich hab den Gesetzestext dazu nirgends finden können, aber es scheint darauf eine Todesstrafe zu geben
Beitrag von Hans Ulg » 11.09.19, 18:07
Ob ihr es wohl auch so lustig fändet, wenn ihr im Auto unterwegs seid und es würde euch ein Schwertransport, der die gesamte Fahrbahn einnimmt, mit hoher Geschwindigkeit entgegen kommt und draufhält und erwartet, dass ihr irgendwie verschwindet? Und wen würdet ihr für den Rowdy halten, euch selbst oder den Schwertransport-Fahrer?
Beitrag von MichiFed » 11.09.19, 20:53
Hier ist ja was los.... das freut mich aber. Es handelt sich um eine geteerte Straße. Ich dachte Feldwege sind im besten Fall geschottert? Ich messe das gerne mal genau aus. Mich interessiert das aber völlig unabhängig von der Strassenbreite. Der wenig breitere Bruder wird gerne von LKW´s als Abkürzung benutzt. Da die an die Straße angrenzenden Bäume dazu neigen auf die Straße zu springen (und das Lichtraumprofil echt sehr eng ist) fahren Tregger´s und LKW´s da auch direkt auf den Radler zu. Und nur nebenbei, ja meine kleine Tochter benutzt die selben beschissenen Wege wie Vatti. Nur mit einem Pedelec. Danke für die informativen Antworten!!

References: §1
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 § 823
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