Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=26.07.2011&Aktenzeichen=II%20ZB%2011/10
Timestamp: 2019-10-23 19:34:24+00:00

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BGH, 26.07.2011 - II ZB 11/10 - dejure.org
https://dejure.org/2011,1320
BGH, 26.07.2011 - II ZB 11/10 (https://dejure.org/2011,1320)
BGH, Entscheidung vom 26.07.2011 - II ZB 11/10 (https://dejure.org/2011,1320)
BGH, Entscheidung vom 26. Juli 2011 - II ZB 11/10 (https://dejure.org/2011,1320)
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KapMuG § 4 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 2; § 4 Abs. 2 Nr. 3 und 4
§ 4 Abs 1 S 2 Halbs 2 KapMuG, § 4 Abs 2 Nr 3 KapMuG, § 4 Abs 2 Nr 4 KapMuG
Kapitalanlegermusterverfahren: Bindungswirkung eines Vorlagebeschlusses bei verfahrensrechtlichen Mängeln
Entfall der Bindungswirkung eines Vorlagebeschlusses im Falle der Unmöglichkeit der Geltendmachung des streitgegenständlichen Anspruchs in einem Musterverfahren; Möglichkeit der Behebung von Fehlern und Auslassungen des Vorlagebeschlusses im Musterverfahren; Entfall der ...
Bindungswirkung eines Vorlagebeschlusses im KapMuG-Verfahren auch bei einfachen Rechtsfehlern
KapMuG - Bindungswirkung eines Vorlageschlusses bei der Durchführung eines Musterverfahrens
Zur Frage des Wegfalls der Bindungswirkung des Vorlagebeschlusses für das Oberlandesgericht nach dem KapMuG
§ 4 KapMuG: Bindungswirkung des Vorlagebeschlusses für das OLG entfällt nicht bei lediglich einfachen Rechtsfehlern
Bindungswirkung eines Vorlagebeschlusses
KapMuG § 4 Abs. 1 Satz 2 Halbs. 2, Abs. 2
Umfang der Bindungswirkung des Vorlagebeschlusses nach § 4 Abs. 1 Satz 2 KapMuG
Kurznachricht zu "Kommentar zum Beschluss des BGH vom 26.07.2011, Az.: II ZB 11/10 (Bindungswirkung eines Vorlagebeschlusses im KapMuG-Verfahren)" von RA Dr. Moritz Keller, LL.M., original erschienen in: BB 2011, 2640 - 2643.
BGHZ 190, 383
ZIP 2011, 1790
ZIP 2011, 51
MDR 2011, 1242
WM 2011, 1798
BB 2011, 2640
DB 2011, 2254
NZG 2011, 1117
Zwar weist die Rechtsbeschwerdeerwiderung des Musterklägers zu Recht darauf hin, dass die im Vorlagebeschluss bezeichneten Tatsachenmitteilungen und Beweismittel nicht abschließend den Verfahrensstoff bilden, sondern sich dieser vielmehr aus dem Vortrag der Beteiligten des Musterverfahrens ergibt (BGH, Beschluss vom 26. Juli 2011 - II ZB 11/10, BGHZ 190, 383 Rn. 13).
Aus § 4 Abs. 1 Satz 2 KapMuG ergibt sich eine Bindung des OLG nur insoweit, als es die im Vorlagebeschluss aufgenommenen Streitpunkte - im Rahmen des Feststellungsziels - zu bescheiden hat; der Vorlagebeschluss selbst dient insofern aber nur der Gliederung und Aufbereitung des Streitstoffs, eine Festlegung desselben mit bindender Wirkung und Begründung einer umfassenden Beweiserhebungspflicht bezweckt er dagegen nicht (BGH, Beschluss vom 26. Juli 2011, II ZB 11/10, zit. nach juris, Rn. 13).
In entsprechender Weise kann auch die Einschränkung in § 4 Abs. 1 Satz 2 und in § 15 Abs. 1 Satz 3 KapMuG das Rechtsbeschwerdegericht nicht binden, wenn schon der Anwendungsbereich des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes nicht eröffnet ist (zur Bindungswirkung für das Oberlandesgericht vgl. BGH, Beschluss vom 26. Juli 2011 - II ZB 11/10, ZIP 2011, 1790 Rn. 8; zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft (vgl. BGH, Beschlüsse vom 26. Juli 2011 - II ZB 11/10, BGHZ 190, 383, 385 Rn. 6 …und vom 6. Dezember 2011 - II ZB 5/11, NJW-RR 2012, 281 Rn. 6 [jeweils zu § 4 Abs. 1 Satz 2 KapMuG in der Fassung des Gesetzes zur Einführung von Kapitalanleger-Musterverfahren vom 16. August 2005, BGBl. I S. 2437 - aF]) und auch im Übrigen zulässig.
b) Anerkanntermaßen greift die in § 6 Abs. 1 Satz 2 KapMuG (nF) angeordnete Bindungswirkung nicht ein, wenn der geltend gemachte Anspruch schon nicht Gegenstand eines Musterverfahrens sein kann, also nicht unter § 1 Abs. 1 KapMuG fällt (s. BGH, Beschlüsse vom 26. Juli 2011 aaO S. 385 f Rn. 8 …und vom 13. Dezember 2011 - II ZB 6/09, NJW-RR 2012, 491, 492 Rn. 13 [jeweils zu § 4 Abs. 1 Satz 2 KapMuG aF]).
c) Ob die Bindung an den Vorlagebeschluss entsprechend den zu § 281 Abs. 2 Satz 4 ZPO entwickelten Grundsätzen entfallen kann (offen lassend: BGH, Beschluss vom 26. Juli 2011 aaO S. 386 Rn. 10;… bejahend: KK-KapMuG/Vollkommer, 2. Aufl., § 6 Rn. 78; Hanisch, Das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz, S. 281), bedarf an dieser Stelle keiner Entscheidung.
Denn hierfür wäre Voraussetzung, dass der Vorlagebeschluss auf einer Verletzung des rechtlichen Gehörs beruht oder jeder gesetzlichen Grundlage entbehrt und deshalb als willkürlich betrachtet werden muss (st. Rspr.; s. bspw. BGH, Beschlüsse vom 10. Dezember 1987 - I ARZ 809/87, BGHZ 102, 338, 341;… vom 13. Dezember 2005 - X ARZ 223/05, NJW 2006, 847, 848 Rn. 12 und vom 26. Juli 2011 aaO S. 387 Rn. 11, jeweils mwN).
Etwaige einfache Rechtsfehler rechtfertigen eine Durchbrechung der Bindungswirkung nicht (BGH, Beschluss vom 26. Juli 2011 aaO S. 387 Rn. 10 f).
Den Beschluss des Oberlandesgerichts vom 11. März 2010 zum Vorlagebeschluss des Landgerichts vom 12. November 2009 hat der erkennende Senat inzwischen aufgehoben und die Sache an das Oberlandesgericht zurückverwiesen (BGH, Beschluss vom 26. Juli 2011 - II ZB 11/10, ZIP 2011, 1790; zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Dieser Ausschluss der Anfechtbarkeit gilt nur für den Vorlagebeschluss selbst, nicht aber für eine Entscheidung des Oberlandesgerichts, mit der der Vorlagebeschluss aufgehoben wird (BGH, Beschluss vom 26. Juli 2011 - II ZB 11/10, ZIP 2011, 1790 Rn. 6; zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
a) Der erkennende Senat hat sich im vorliegenden Musterverfahren bereits in seinem Beschluss vom 26. Juli 2011 (II ZB 11/10, ZIP 2011, 1790; zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt) damit befasst, ob der geltend gemachte Anspruch Gegenstand eines Musterverfahrens sein kann, ob das Feststellungsziel auf die Feststellung des Anspruchs selbst gerichtet ist und ob im Hinblick darauf die Bindungswirkung nicht besteht.
Zwar entfällt die Bindung nach § 6 Abs. 1 S. 2 KapMuG, wenn es an einem Vorlagebeschluss fehlt, der eine geeignete Grundlage für die Durchführung eines Musterverfahrens darstellt (vgl. BGH Beschluss vom 26.7.2011 - II ZB 11/10 - juris Rn. 12, 16 - BGHZ 190, 383).
Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft (vgl. BGH, Beschlüsse vom 26. Juli 2011 - II ZB 11/10, BGHZ 190, 383, 385 Rn. 6 …und vom 6. Dezember 2011 - II ZB 5/11, NJW-RR 2012, 281 Rn. 6 [jeweils zu § 4 Abs. 1 Satz 2 KapMuG in der Fassung des Gesetzes zur Einführung von Kapitalanleger-Musterverfahren vom 16. August 2005, BGBl. I S. 2437 aF]) und auch im Übrigen zulässig.
Die Bindungswirkung des Vorlagebeschlusses entfällt zwar, wenn der geltend gemachte Anspruch schon nicht Gegenstand eines Musterverfahrens sein kann (BGH, Beschluss vom 26.07.2011 - II ZB 11/10, WM 2011, 1798).
Aus § 6 Abs. 1 Satz 2 KapMuG ergibt sich eine Bindung des OLG nur insoweit, als es die im Vorlagebeschluss aufgenommenen Streitpunkte - im Rahmen des Feststellungsziels - zu bescheiden hat; der Vorlagebeschluss selbst dient insofern aber nur der Gliederung und Aufbereitung des Streitstoffs (BGH, Beschluss vom 26. Juli 2011, II ZB 11/10, zit. nach juris, Rn. 13), eine Festlegung desselben mit bindender Wirkung und Begründung einer umfassenden Beweiserhebungspflicht bezweckt er dagegen nicht.

References: § 4
 § 4

§ 4
 § 4
 § 4

§ 4
 § 4
 § 4
 BGH 
 § 4
 § 4
 § 15
 § 574
 § 4
 § 6
 § 1
 § 4
 § 281
 § 6
 § 6
 BGH 
 § 574
 § 4
 § 6