Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/personalratsmitbestimmung-bei-einer-abhaengigen-gmbh-334517
Timestamp: 2020-07-03 11:03:46+00:00

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Personalratsmitbestimmung bei einer abhängigen GmbH | Rechtslupe
Personalratsmitbestimmung bei einer abhängigen GmbH
Per­so­nal­rats­mit­be­stim­mung bei einer abhän­gi­gen GmbH
Eine Ein­glie­de­rung von Mit­ar­bei­tern einer GmbH in die Dienst­stel­le einer juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts wird nicht dadurch begrün­det, dass zwi­schen der juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts und einer von ihr abhän­gi­gen GmbH gesell­schafts­recht­li­che Ein­fluss­mög­lich­kei­ten und per­so­nel­le Ver­flech­tun­gen bestehen. Für die Mit­ar­bei­ter die­ser GmbH gilt nach dem for­ma­len Rechts­trä­ger­prin­zip Betriebsverfassungs‑, nicht Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht.
In dem hier vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehrt der Antrag­stel­ler die Fest­stel­lung der Ver­let­zung eines Mit­be­stim­mungs­rechts durch die Beschäf­ti­gung von Arbeit­neh­mern der D. GmbH (G.) in der Cafe­te­ria der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen (H.).
Dem Antrag­stel­ler steht bei der Ein­stel­lung von Mit­ar­bei­tern durch die GmbH kein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 65 Abs. 2 Nr. 1 NPersVG zu. Die Mit­ar­bei­ter der GmbH sind nicht von der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen ein­ge­stellt wor­den.
Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist eine Ein­stel­lung die Ein­glie­de­rung des Betref­fen­den in die Dienst­stel­le. Dies geschieht zum einen durch tat­säch­li­che Auf­nah­me der vor­ge­se­he­nen Arbeit im Rah­men der Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on der Dienst­stel­le. Zum ande­ren ist ein recht­li­ches Band erfor­der­lich, durch wel­ches ein Wei­sungs­recht der Dienst­stel­le, ver­bun­den mit ent­spre­chen­den Schutz­pflich­ten, und damit kor­re­spon­die­rend die Wei­sungs­ge­bun­den­heit des Dienst­leis­ten­den, ver­bun­den mit ent­spre­chen­den Schutz­rech­ten, begrün­det wer­den. Im Regel­fall wird die Rechts­be­zie­hung zur Dienst­stel­le durch Begrün­dung eines Beam­ten- oder Arbeits­ver­hält­nis­ses her­ge­stellt. Als Grund­la­ge für die Ein­glie­de­rung kom­men aber auch mehr­sei­ti­ge Rechts­be­zie­hun­gen in Betracht. Die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze zur Fra­ge, wann Mit­ar­bei­ter von Fremd­un­ter­neh­men in die Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on des Betrie­bes ein­ge­glie­dert sind und daher eine Ein­stel­lung im Sin­ne von § 99 BetrVG vor­liegt, kön­nen dabei auf das Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht über­tra­gen wer­den [1]. Eine das Mit­be­stim­mungs­recht aus­lö­sen­de Ein­glie­de­rung der Mit­ar­bei­ter einer Fremd­fir­ma setzt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor­aus, dass die Arbeit­neh­mer die­ser Fir­ma gemein­sam mit den im Betrieb schon beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mern eine Tätig­keit zu ver­rich­ten haben, die ihrer Art nach wei­sungs­ge­bun­den ist, der Ver­wirk­li­chung des arbeits­tech­ni­schen Zwecks des Betrie­bes dient und daher vom Arbeit­ge­ber orga­ni­siert wer­den muss. Die Per­so­nen müs­sen so in die betrieb­li­che Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­glie­dert sein, dass der Arbeit­ge­ber das für ein Arbeits­ver­hält­nis typi­sche Wei­sungs­recht inne­hat und die Ent­schei­dung über den Arbeits­ein­satz auch nach Zeit und Ort trifft; er muss die Arbeit­ge­ber­funk­ti­on wenigs­tens im Sin­ne einer auf­ge­spal­te­nen Arbeit­ge­ber­stel­lung teil­wei­se aus­üben. Dazu genügt eben­so wenig die detail­lier­te Beschrei­bung der dem Auf­trag­neh­mer über­tra­ge­nen Tätig­keit in dem zugrun­de lie­gen­den Ver­trag wie die enge­re räum­li­che Zusam­men­ar­beit im Betrieb, die Unent­behr­lich­keit einer von der Fremd­fir­ma erbrach­ten Hilfs­funk­ti­on für den Betriebs­ab­lauf und die Ein­wei­sung und Koor­di­na­ti­on des Fremd­fir­men­ein­sat­zes durch Mit­ar­bei­ter des Betriebs­in­ha­bers. Von dem für ein Arbeits­ver­hält­nis typi­schen Wei­sungs­recht sind die Anord­nun­gen zu unter­schei­den, die im Rah­men eines Werk­ver­trags üblich sind. Das arbeits­ver­trag­li­che Wei­sungs­recht ist im Gegen­satz zur werk­ver­trag­li­chen Anwei­sung, die auch dann, wenn sie an die Erfül­lungs­ge­hil­fen des Werk­un­ter­neh­mers gerich­tet wird, sach­be­zo­gen und ergeb­nis­ori­en­tiert ist, per­so­nen­be­zo­gen, ablauf- und ver­fah­rens­ori­en­tiert. Es beinhal­tet Anlei­tun­gen zur Vor­ge­hens­wei­se und wei­ter­hin zur Moti­va­ti­on des Mit­ar­bei­ters, die nicht Inhalt des werk­ver­trag­li­chen Anwei­sungs­rechts sind [2]. Nach die­sen Grund­sät­zen sind die Mit­ar­bei­ter der GmbH in deren Betrieb, nicht aber in die Dienst­stel­le der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen ein­ge­glie­dert, da die GmbH die vol­le Per­so­nal­ho­heit über ihre Mit­ar­bei­ter inne­hat.
Der Antrag­stel­ler hat an kei­ner Stel­le sei­nes umfang­rei­chen Vor­brin­gens über­zeu­gend dar­zu­le­gen ver­mocht, dass das arbeits­ver­trag­li­che Wei­sungs­recht von Mit­ar­bei­tern der H. in die­ser Eigen­schaft gegen­über den Mit­ar­bei­tern der G. kon­kret aus­ge­übt wor­den ist. Dies gilt auch, soweit die Mit­ar­bei­te­rin J. als Beschäf­tig­te der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen an Ein­stel­lungs­ge­sprä­chen der GmbH teil­ge­nom­men haben soll­te. Dazu hat der Betei­lig­te erläu­ternd vor­tra­gen las­sen, dass Frau J. zu den Beschäf­tig­ten der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen gehö­re, die der GmbH zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben "bei­gestellt" wor­den sei. Mit­hin hat sie auch in die­ser Eigen­schaft an etwai­gen Ein­stel­lungs­ge­sprä­chen teil­ge­nom­men. Bei der Mit­ar­bei­te­rin I. han­delt es sich um eine Beschäf­tig­te der GmbH, deren arbeits­recht­li­che Wei­sun­gen auch nur die­ser Gesell­schaft zuge­rech­net wer­den kön­nen. Gera­de die vom Antrag­stel­ler vor­ge­tra­ge­ne Wei­sungs­be­fug­nis der Frau I. auch gegen­über "bei­gestell­ten" Mit­ar­bei­tern der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen spricht für die Eigen­stän­dig­keit der GmbH gegen­über der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen.
Der Antrag­stel­ler lei­tet die Ein­glie­de­rung der Mit­ar­bei­ter der GmbH in ers­ter Linie aus den gesell­schafts­recht­li­chen Ein­fluss­mög­lich­kei­ten der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen auf die Tätig­keit der GmbH und aus den Betriebs­füh­rungs­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der GmbH und der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen ab. Auch die­se Rechts­be­zie­hun­gen las­sen indes nicht auf eine auch nur teil­wei­se Arbeit­ge­ber­stel­lung der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen gegen­über den Mit­ar­bei­tern der GmbH schlie­ßen. Zweck der GmbH ist nach § 2 Abs. 1 des Gesell­schafts­ver­trags das Füh­ren eige­ner und frem­der Gas­tro­no­mie­be­trie­be sowie das Erbrin­gen von Dienst­leis­tun­gen im Bereich Gas­tro­no­mie und Spei­sen­ver­sor­gung. Nach § 6 Abs. 2 GesV kann zum Geschäfts­füh­rer nur bestellt wer­den, wer inner­halb des Vor­stands­res­sorts 3 der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen in lei­ten­der Funk­ti­on tätig ist. Die­se – gewoll­te – gesell­schafts­recht­li­che Abhän­gig­keit soll die "Feder­füh­rung" der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen im Hin­blick auf das Geschäfts­ge­ba­ren der GmbH sicher­stel­len. Allein die­se Abhän­gig­keit macht die Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen aber nicht zum Arbeit­ge­ber der Mit­ar­bei­ter der GmbH. Dies gilt in glei­cher Wei­se für das Zustim­mungs­er­for­der­nis nach § 6 Abs. 4 des Gesell­schafts­ver­tra­ges bei über den gewöhn­li­chen Betrieb des Unter­neh­mens der Gesell­schaft hin­aus­ge­hen­den Geschäf­te, wozu auch Abschluss, Ände­rung, Kün­di­gung und Auf­he­bung von Dienst- und Arbeits­ver­trä­gen sowie die Rege­lung zu deren Ver­gü­tung mit einem Jah­res­ge­halt von über 30.000 Euro gehö­ren. Auch wenn die Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen ein­zi­ge Gesell­schaf­te­rin der GmbH ist, so han­delt sie im Rah­men der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung doch als Gesell­schafts­or­gan und tritt nicht gegen­über den Mit­ar­bei­tern als Arbeit­ge­ber auf. Glei­ches gilt, soweit die Geschäfts­füh­rung nach § 8 Abs. 5 des Gesell­schafts­ver­tra­ges bis zum 30. Novem­ber eines jeden Jah­res u.a. einen Per­so­nal­plan für das nach­fol­gen­de Geschäfts­jahr auf­zu­stel­len und der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zur Geneh­mi­gung vor­zu­le­gen hat. Die bewusst enge Anbin­dung der GmbH an die Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen ver­mit­telt sich gesell­schafts- nicht arbeits­recht­lich. Dem Gesell­schafts­ver­trag lässt sich an kei­ner Stel­le ein Durch­griffs­recht der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen auf die Mit­ar­bei­ter der GmbH ent­neh­men. Die teil­wei­se Per­so­nen­iden­ti­tät zwi­schen den lei­ten­den Mit­ar­bei­tern der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen und der Füh­rungs­ebe­ne der GmbH führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Soweit den Mit­ar­bei­tern der GmbH von die­sen Per­so­nen, ins­be­son­de­re den Geschäfts­füh­rern, arbeits­recht­li­che Wei­sun­gen erteilt wer­den, erfolgt dies in Wahr­neh­mung ihrer bei der GmbH bestehen­den Funk­ti­on. Auf den vom Antrag­stel­ler erkenn­bar miss­ver­stan­de­nen Inter­net­auf­tritt der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen und der GmbH kommt es für die Fra­ge des Bestehens eines Wei­sungs­rechts schon des­halb nicht an, weil die­se Außen­dar­stel­lung kei­ne für die Orga­ni­sa­ti­on der GmbH kon­sti­tu­ti­ve Wir­kung hat. Kei­nem der vor­ge­leg­ten Aus­dru­cke aus dem Inter­net­auf­tritt der GmbH bzw. der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen lässt sich zudem ein arbeits­recht­li­ches Wei­sungs­recht der Mit­ar­bei­ter der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen gegen­über den Mit­ar­bei­tern der GmbH ent­neh­men. Ledig­lich die gesell­schafts­recht­lich enge Ver­flech­tung und beschrie­be­ne Dop­pel­funk­ti­on ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter gehen dar­aus her­vor. Die Selb­stän­dig­keit der GmbH wird aus­drück­lich betont. Auch mög­li­cher­wei­se ver­al­te­te Ein­trä­ge im Inter­net­te­le­fon­buch der Uni­ver­si­tät sind nicht geeig­net, eine arbeit­recht­li­che Ver­bin­dung zwi­schen der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen und den Mit­ar­bei­tern der GmbH zu bele­gen. Dabei ist auch in Rech­nung zu stel­len, dass die per­so­nel­le "Abna­be­lung" der GmbH von der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen im Lau­fe des Ver­fah­rens ins­be­son­de­re durch Abschluss des BFLV wei­ter fort­ge­schrit­ten ist und sich die­se Ent­wick­lung nur mit Ver­zö­ge­rung in den Inter­net­auf­trit­ten der Uni­ver­si­tät, der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen und der GmbH wider­spie­gelt.
Weder unter Gel­tung des bis Ende 2008 bestehen­den BFV, noch unter Zugrun­de­le­gung des nun­meh­ri­gen BFLV kann indes von einer Ein­glie­de­rung der Mit­ar­bei­ter der GmbH in die Dienst­stel­le der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen aus­ge­gan­gen wer­den. Die Bestim­mun­gen des BFV bzw. des BFLV las­sen kei­ne arbeit­recht­li­chen Befug­nis­se der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen gegen­über den Arbeit­neh­mern der GmbH erken­nen. So hieß es in § 3 Abs. 1 BFV aus­drück­lich: "Die Betriebs­füh­rung nimmt der Auf­trag­neh­mer mit eige­nem Per­so­nal vor. Er stellt sicher, dass die­ses über die erfor­der­li­chen beruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen ver­fügt und allen ein­schlä­gi­gen Vor­aus­set­zun­gen für eine Beschäf­ti­gung in dem zur Füh­rung über­las­se­nen Betrieb ent­spricht. Die Wei­sungs­be­rech­ti­gung für das Per­so­nal liegt allein beim Auf­trag­neh­mer. Dies gilt auch für Mit­ar­bei­ter, die dem Auf­trag­neh­mer vom Auf­trag­ge­ber zur Mit­hil­fe bei der Dienst­leis­tungs­er­brin­gung bei­gestellt wur­den. Die dis­zi­pli­na­ri­sche Zuord­nung die­ser Mit­ar­bei­ter bleibt erhal­ten."
Nach die­sen Bestim­mun­gen wirk­te sich die durch die Füh­rung des Betriebs im Namen und für Rech­nung der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen her­vor­ge­ru­fe­ne wirt­schaft­li­che Unselb­stän­dig­keit der GmbH auf deren Arbeit­ge­ber­stel­lung gegen­über ihren Mit­ar­bei­tern nicht aus. Mit Inkraft­tre­ten des BLFV führt und bewirt­schaf­tet die GmbH die Cafe­te­ria nach § 2 Nr. 3 die­ses Ver­tra­ges nun­mehr im eige­nen Namen und für eige­ne Rech­nung. § 5 des am 30. August 2011 zwi­schen der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen und der GmbH geschlos­se­nen Per­so­nal­ge­stel­lungs­ver­trags regelt dar­über hin­aus das Direk­ti­ons­recht hin­sicht­lich der bei der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen ver­blie­be­nen Beschäf­tig­ten, die der GmbH zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben "bei­gestellt" wer­den, in ver­gleich­ba­rer Wei­se wie § 3 Abs. 1 BFV. Ein Wei­sungs­recht der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter der GmbH ist in kei­nem die­ser Regel­wer­ke vor­ge­se­hen. Es bleibt viel­mehr bei der ledig­lich gesell­schafts­recht­lich und durch per­so­nel­le Ver­flech­tun­gen ver­mit­tel­ten Ein­fluss­mög­lich­keit der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen auf die Geschäfts­po­li­tik der GmbH. Eine arbeits­recht­li­che Bedeu­tung ent­fal­tet die­se Ein­fluss­mög­lich­keit nicht.
Bestand und besteht aber kein arbeits­recht­li­ches Wei­sungs­recht der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen gegen­über den Mit­ar­bei­tern der GmbH, so reicht die Erfül­lung ande­rer Kri­te­ri­en wie die Nut­zung einer gemein­sa­men Infra­struk­tur, ein enges Zusam­men­wir­ken der Beschäf­tig­ten der Dritt­fir­ma mit den Beschäf­tig­ten des Auf­trag­ge­bers sowie eine gemein­sa­me Außen­dar­stel­lung im Inter­net usw. nach der ein­deu­ti­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts [3] und des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts [4] zur Annah­me einer Ein­glie­de­rung in die Dienst­stel­le des Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen nicht aus, da die­se Kri­te­ri­en kein hin­rei­chen­des Gewicht für die Ermitt­lung der Arbeit­ge­ber­stel­lung haben [5]. Ergän­zend ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­ar­bei­ter der GmbH wie auch die ihr bei­gestell­ten Mit­ar­bei­ter der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen bereits vor dem 1. Janu­ar 2009 den gemein­sa­men arbeits­tech­ni­schen Zweck der GmbH – der Erfül­lung des bis zu die­sem Zeit­punkt gel­ten­den BFV – ver­folgt haben. Das wird durch das ent­spre­chen­de fach­li­che Wei­sungs­recht der GmbH gegen­über den bei­gestell­ten Mit­ar­bei­tern der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen in § 5 Abs. 1 Sät­ze 3 und 4 des BFV belegt. In die­sem Zusam­men­hang ist auch die Auf­stel­lung gemein­sa­mer Ein­satz­plä­ne für das zur GmbH gehö­ren­de und das von der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen bei­gestell­te Per­so­nal zu sehen. Nach dem auch nach außen hin erkenn­ba­ren Über­gang der Ver­ant­wor­tung für den Betrieb der Cafe­te­ria auf die GmbH ist für die Annah­me eines von der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen in die­sem Zusam­men­hang ver­folg­ten arbeits­tech­ni­schen Zwecks ohne­hin kein Raum mehr.
Eine Umge­hung mit­be­stim­mungs­recht­li­cher Nor­men kann in der Grün­dung der GmbH durch die Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen nicht gese­hen wer­den. Die dort beschäf­ti­gen Arbeit­neh­mer fal­len nach § 1 Abs. 1 NPersVG und § 130 BetrVG in den Gel­tungs­be­reich des Betriebs­ver­fas­sungs­rechts und sind durch die dor­ti­gen Mit­be­stim­mungs­re­ge­lun­gen hin­rei­chend geschützt. Inso­weit gilt das for­ma­le Rechts­trä­ger­prin­zip. Juris­ti­sche Per­so­nen des Pri­vat­rechts, auch wenn deren Geschäfts­an­tei­le zu mehr als der Hälf­te von der betref­fen­den Per­son des öffent­li­chen Rechts gehal­ten wer­den, fal­len nicht in den Anwen­dungs­be­reich des Per­so­nal­ver­tre­tungs­rechts [6]. Sowohl das Per­so­nal­ver­tre­tungs- als auch das Betriebs­ver­fas­sungs­recht die­nen dem Schutz der in den jewei­li­gen Dienst­stel­len bzw. Betrie­ben beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer. Ein Vor­rang der Rege­lun­gen des Per­so­nal­ver­tre­tungs­rechts vor denen des Betriebs­ver­fas­sungs­rechts besteht nicht. Wie schon das Ver­wal­tungs­ge­richt zutref­fend fest­ge­stellt hat, ist die Nut­zung zuläs­si­ger pri­vat­recht­li­cher Ver­trags­ge­stal­tun­gen und die Beauf­tra­gung von Dritt­fir­men mit der Besor­gung ein­zel­ner Geschäf­te ange­sichts der Not­wen­dig­keit, auch im Gesund­heits­we­sen kos­ten­spa­rend zu arbei­ten, nicht zu bean­stan­den. Dazu kann auch die Grün­dung einer 100%-igen Toch­ter­ge­sell­schaft gehö­ren, um damit maß­geb­li­chen Ein­fluss auf das neu gegrün­de­te Unter­neh­men zu behal­ten [7]. Der Vor­wurf des For­men­miss­brauchs kann dage­gen – jeden­falls aus Grün­den des Per­so­nal­ver­tre­tungs­rechts – nicht mit Erfolg erho­ben wer­den.
Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2011 – 18 LP 7/​09
vgl. BVerwG, Beschl. v. 18.06.2002 – 6 P 12.01, PersR 2002, 310; Beschl. v. 08.01.2003 – 6 P 8.02, PersR 2003, 148; Beschl. v. 13.04.2004 – 6 PB 2.04, PersR 2004, 269; jew. m.w.N.[↩]
vgl. BAG, Beschl v. 11.09.2001 – 1 ABR 14/​01, m.w.N.; vgl. auch Dembowski/​Ladwig/​Sellmann, Das Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht in Nie­der­sach­sen, § 65, Rdnr. 108, Lose­blatt, Stand März 2008[↩]
vgl. Beschl. v. 11.09.2001, a.a.O.[↩]
vgl. Beschl. v. 08.01.2003, a.a.O.[↩]
so auch Dembowski/​Ladwig/​Sellmann, a.a.O.[↩]
vgl. BVerwG, Beschl. v. 10.01.2008 – 6 P 5.07 -,PersV 2008, 313; Beschl. v. 13.06.2001 – 6 P 8.00 -, BVerw­GE 114, 313; Richar­di in Richardi/​Dörner/​Weber, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht, 3. Aufl. 2008, Einl., Rdnr. 59[↩]
so auch Fischer/​Goeres in GKÖD, Band V, § 75 BPersVG, Rdnr. 12a, Lose­blatt, Stand Juni 2007[↩]
juristische Person des MitbestimmungPersonalrat

References: § 65
 § 99
 § 2
 § 6
 § 6
 § 8
 § 3
 § 2
 § 5
 § 3
 § 5
 § 1
 § 130
 § 65
 § 75