Source: http://www.sns-anwaelte.de/recht/notar/privates-testament.html
Timestamp: 2017-06-26 05:14:40+00:00

Document:
2. Eigenhändigkeit
4. Ort und Datum
5. Form, Zeugen
6. Gemeinschaftliches Testament
7. Testierfähigkeit
8. Vorteile - auch bzgl. der Kosten?
10. Ablieferung nach Todesfall
Das eigenhändige bzw. privatschriftliche Testament ist nach wie vor weit verbreitet.
Die nachfolgende Darstellung beschäftigt sich daher insbesondere mit den Voraussetzungen für die Wirksamkeit eines solches Testaments sowie dessen Vor- und Nachteilen.
Geregelt ist das eigenhändige Testament in § 2247 BGB. Nach § 2247 Absatz 1 BGB kann ein Erblasser ein solches Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten.
Voraussetzung ist also zunächst, dass das Testament vollständig eigenhändig geschrieben wird.
Es ist demnach z.B. unzulässig, das Testament mit der Schreibmaschine oder dem Computer zu schreiben und nur zu unterschreiben.
Wer nicht schreiben kann, kann auch kein wirksames privatschriftliches Testament errichten. Sich die Hand durch einen anderen führen zu lassen, macht das Testament ebenfalls nichtig.
Zum Zweiten ist das Testament eigenhändig zu unterschreiben, wobei die Unterschrift unter dem Testament stehen soll.
Besteht das Testament aus mehreren Blättern, reicht grundsätzlich die Unterschrift auf dem letzten Blatt, die Unterzeichnung jedes Blattes ist allerdings ratsam.
Nach § 2247 Absatz 3 BGB soll der Testierende mit seinem Vor- und seinem Familiennamen unterschreiben. Für die Gültigkeit des Testaments reicht es aber aus, wenn nur mit dem Vornamen oder dem Nachnamen (oder gar mit "Eure Mutter" oder ähnlichem) unterschrieben wird, wenn unzweifelhaft der Urheber des Testaments und die Ernstlichkeit der Testamentserrichtung festgestellt werden können.
Drittens sollen nach § 2247 Absatz 2 BGB das vollständige Datum und der Ort der Testamentserrichtung angegeben werden.
Das Datum ist vor allem wichtig, falls der Verstorbene zwei oder mehr Testamente aufgesetzt hat, der Ort vor allem dann, wenn Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft ein Testament errichten.
Fehlen Datum oder Ort auf dem Testament und ergeben sich hieraus Zweifel hinsichtlich seiner Gültigkeit (z.B., weil unklar ist, ob das Testament vor oder nach einem anderen errichtet wurde), so ist das Testament nur gültig, wenn sich Zeit bzw. Ort der Errichtung des Testaments anderweitig feststellen lassen (§ 2247 Absatz 5 BGB).
Form, Zeugen
Egal ist schließlich, womit (z.B. Kugelschreiber, Bleistift, Kreide) und worauf (z.B. Papier, Bierdeckel, Hauswand) das Testament geschrieben wird, ebenso die Schriftart und Sprache.
Die Hinzuziehung von Zeugen zu einem eigenhändigen Testament ist nicht erforderlich.
Ein gemeinschaftliches Testament kann nur von Ehegatten oder von Partnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft errichtet werden, nicht auch zum Beispiel von Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.
Nach § 2267 BGB genügt es dem Formerfordernis, wenn einer der beiden Ehegatten bzw. Lebenspartner das Testament und Beachtung aller oben dargestellten Formvorschriften errichtet und beide das Testament unterschreiben.
Auch der zweite Ehegatte bzw. Lebenspartner soll hierbei angeben, wann und wo er das Testament unterschrieben hat.
Erfordernis der vollen Testierfähigkeit
Wer ein gültiges Testament errichten will, muss voll testierfähig sein.
Nach § 2229 Absatz 4 BGB kann daher kein Testament errichten, wer "wegen krankhafter Störung der Geistestätigkeit, wegen Geistesschwäche oder wegen Bewusstseinsstörung nicht in der Lage ist, die Bedeutung einer von ihm abgegebenen Willenserklärung einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln".
Minderjährige können gemäß § 2247 Absatz 4 BGB ein eigenhändiges Testament nicht errichten, ebenso wenig, wer nicht lesen oder schreiben kann.
Das eigenhändige Testament kann ohne "großen Aufwand" geschrieben, geändert oder aufgehoben werden (wobei allerdings auch ein vor einem Notar errichtetes öffentliches Testament ohne Probleme, nämlich zum Beispiel durch ein späteres privates Testament, aufgehoben werden kann).
Und natürlich ist das eigenhändige Testament erst einmal kostenlos - sofern die Errichtung ohne juristischen Beistand geschieht.
Beauftragt man hingegen einen Rechtsanwalt mit dem Entwurf des privatschriftlichen Testaments, sollte mit diesem zuvor über die entstehenden Kosten gesprochen - und gfls. verhandelt - werden. Im außergerichtlichen Bereich dürfen Rechtsanwälte nämlich über die Höhe der Gebühren mit dem Mandanten Vereinbarungen treffen. Rechnet ein Rechtsanwalt ohne eine solche Vereinbarung die "normalen" Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) - in der Regel eine 1,3 Geschäftsgebühr nach dem Gegenstandswert - ab, so sind diese ganz erheblich höher als die Kosten, die durch die notarielle Beurkundung eines Testaments entstehen.
Die Beurkundung eines Testaments durch einen Notar ist keineswegs so teuer wie oftmals angenommen.
Für die - gesetzlich im GNotKG geregelte und nicht verhandelbare - Höhe der entstehenden Notargebühren kommt es auf Wert des Vermögens des bzw. der Testierenden zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung an.
Vom Vermögen werden dabei Schulden des Testierenden bis zur Hälfte seines Vermögens abgezogen, hat der Testierende also ein Vermögen von 50.000 Euro und Schulden von 40.000 Euro, so beträgt der Geschäftswert des Testaments, nach dem sich die Notargebühren richten, 25.000 Euro.
Bei einem gemeinschaftlichen Testament erfolgt diese Berechnung vor der Addition der beiden Vermögen für jeden der beiden Testierenden gesondert. Hat zum Beispiel der Ehemann ein Vermögen von 50.000 Euro und Verbindlichkeiten von 10.000 Euro, die Ehefrau ein Vermögen von 200.000 Euro und Schulden von 150.000 Euro, so beträgt der Geschäftswert für das Testament 140.000 Euro (Ehemann: 50.000 Euro abzgl. 10.000 Euro; Ehefrau: 200.000 Euro abzgl. maximal 100.000 Euro)
Ausgehend von dem so ermittelten Geschäftswert sollen als Überblick folgende Kostenbeispiele dienen, wobei zu den nachfolgenden Gebühren noch je nach Aufwand Schreibauslagen, Telefon- und Portokosten, die Kosten für die Registrierung beim Zentralen Testamentsregister (z. Zt. 15 Euro) sowie die Umsatzsteuer und evtl. im Einzelfall zusätzlich entstehende besondere Gebühren, zum Beispiel für eine Beurkundung im Hause des Testierenden, hinzukommen:
GeschäftswertEinzeltestamentGemeinschaftl. Testament
5.000 Euro45 Euro90 Euro
10.000 Euro75 Euro150 Euro
50.000 Euro165 Euro330 Euro
100.000 Euro273 Euro546 Euro
200.000 Euro435 Euro870 Euro
500.000 Euro935 Euro1.870 Euro
Wenn der Erblasser stirbt, verursacht das eigenhändige Testament den Erben allerdings unter Umständen erheblich höhere Kosten als das notariell beurkundete Testament:
Ist nämlich Grundbesitz vorhanden und muss das Grundbuch auf die Erben berichtigt werden (ähnliches gilt für Berichtigungen im Handelsregister), wird bei Vorliegen eines privatschriftlichen Testaments zwingend ein kostenträchtiger Erbschein benötigt, nicht so in der Regel, wenn ein notariell beurkundetes Testament existiert.
Auch ansonsten geben sich z.B. viele Banken im Rahmen der Abwicklung von Nachlässen mit einem notariellen Testament zufrieden, fordern ansonsten aber in aller Regel zur Legitimation der Erben ebenfalls einen Erbschein.
Das privatschriftliche Testament hat eine Reihe von Nachteilen:
Das Erbrecht ist unübersichtlich, persönliche Vorstellungen und eventuelle (rechtliche) Fehlvorstellungen des Testierenden können zu Unklarheiten, schwierigen Auslegungsfragen oder sogar zu gar nicht gewollten Rechtsfolgen führen. Grundsätzlich muss deshalb davon abgeraten werden, kompliziertere Testamente privat zu verfassen.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Testament nach dem Tode des Erblassers gefälscht, nicht aufgefunden oder gar vernichtet wird; um dem vorzubeugen, kann allerdings gem. § 2248 BGB auch ein privatschriftliches Testament auf Verlangen des Erblassers in besondere amtliche Verwahrung genommen werden.
Beim notariell beurkundeten Testament prüft der Notar die Identität des Testierenden, so dass Streitigkeiten über die Echtheit des Testaments ausgeschlossen sind.
Ebenso hat ein Notar die Testierfähigkeit des Erblassers bei Errichtung des Testaments zu prüfen, so dass spätere Streitigkeiten hierüber wesentlich unwahrscheinlicher sind.
Das eigenhändige Testament kann für die Erben erhebliche Kostennachteile haben (siehe: Abschnitt 8.).
Ablieferungspflicht bei Tod des Erblassers
Verstirbt die Person, die das Testament errichtet hatte, so hat derjenige, der das Testament in Besitz hat bzw. auffindet, die Pflicht, dieses unverzüglich an das Nachlassgericht abzuliefern.
Die Nichtablieferung kann erhebliche Folgen nach sich ziehen:
Wer ein Testament vorsätzlich nicht abliefert oder gar vernichtet, macht sich gegenüber allen Personen, die von dem Testament profitiert hätten, schadensersatzpflichtig.
Zudem stellt ein solches Verhalten eine Straftat im Sinne des § 274 StGB (Urkundenunterdrückung) dar, die darüber hinaus gem. § 2339 BGB dazu führen kann, dass der Täter erbunwürdig ist und seine Erbenstellung verliert.

References: § 2247
 § 2247
 § 2247
 § 2247
 § 2267
 § 2229
 § 2247
 § 2248
 § 274
 § 2339