Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=22.09.2005&Aktenzeichen=3%20S%20772/05
Timestamp: 2020-07-15 03:16:05+00:00

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VGH Baden-Württemberg, 22.09.2005 - 3 S 772/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,4280
VGH Baden-Württemberg, 22.09.2005 - 3 S 772/05 (https://dejure.org/2005,4280)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 22.09.2005 - 3 S 772/05 (https://dejure.org/2005,4280)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 22. September 2005 - 3 S 772/05 (https://dejure.org/2005,4280)
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Antragsbefugnis im Normenkontrollverfahren; geringfügige planbedingte Erhöhung von Verkehrslärmimmissionen als abwägungserheblicher privater Belang
§ 47 Abs 2 VwGO, § 1 Abs 6 BauGB vom 27.08.1997
Antragsbefugnis, abwägungserheblicher privater Belang, Verkehrslärm, Geringfügigkeit, DIN 18005
VwGO § 47 Abs. 2; BauGB § 1 Abs. 6 (a.F.)
Normenkontrollbefugnis gegen Bebauungsplan
Antragsbefugnis für einen Normenkontrollantrag wegen Verletzung des Abwägungsgebots; Erforderlichkeit eines Bebauungsplans; Pflicht zur Einbeziehung einer Zunahme des Verkehrslärms in die Abwägung; Erfordernis der Einholung verkehrstechnischer und schalltechnischer ...
BauR 2006, 570
Die bloße verbale Behauptung einer theoretischen Rechtsverletzung genügt indes nicht zur Geltendmachung einer Rechtsverletzung im Sinne von § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO, wenn die Behauptung nur vorgeschoben erscheint, das tatsächliche Vorliegen einer Rechtsverletzung aber offensichtlich ausscheidet (vgl. BVerwG…, Urteil vom 24.09.1998, a.a.O. = juris Rn. 10; Beschluss vom 10.07.2012 - 4 BN 16.12 - VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 22.09.2005 - 3 S 772/05 -, BRS 69 Nr. 51 = juris Rn. 19).
Erheblich sind für das menschliche Ohr kaum hörbare Lärmerhöhungen grundsätzlich auch dann, wenn der Gesamtverkehrslärm nach Planverwirklichung die Richt- oder Grenzwerte technischer Regelwerke überschreitet (BVerwG…, Beschluss vom 25.01.2002, a.a.O. sowie Urteil des Senats vom 22.09.2005 - 3 S 772/05 -, BRS 69, Nr. 51).
Seit der Aufhebung der §§ 47 Abs. 5 Satz 4 VwGO, 215 a Abs. 1 BauGB führen beachtliche Mängel gemäß § 47 Abs. 5 Satz 2 VwGO i.d.F. des am 20.7.2004 in Kraft getretenen Art. 4 Nr. 1 des Gesetzes zur Anpassung des BauGB an EU-Richtlinien (Europarechtsanpassungsgesetz Bau - EAG Bau, BGBl 2004 I 1359) in jedem Fall zur (unbedingten) Unwirksamkeit (vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 22.9.2005 - 3 S 772/05 -).
Denn vorliegend ist ein Verstoß gegen das in § 1 Abs. 7 BauGB enthaltene Abwägungsgebot möglich, das hinsichtlich abwägungserheblicher privater Belange drittschützenden Charakter hat (…BVerwG, Urt. v. 30.4.2004 a. a. O.;… BVerwG, Urt. v. 24.9.1998, NJW 1999, 592; VGH BW, Urt v. 22.9.2005, BRS 69 Nr. 51).
Nicht abwägungsrelevant sind in der Regel nicht wahrnehmbare Lärmerhöhungen (vgl. OVG NRW, Beschl. v. 28.8.2007 - 7 D 28/06. NE), wenn mit der damit verbundenen Erhöhung des Dauerschallpegels die Orientierungswerte der DIN 18005 (Schallschutz im Städtebau) noch eingehalten werden (vgl. VGH BW, Urt. v. 22.9.2005, BRS 69 Nr. 51).
In einem solchen Fall spricht alles dafür, dass auch ansonsten geringfügige Lärmpegelerhöhungen zumindest in die Abwägung eingestellt werden müssen (…ebenso OVG Münster, Urt. v. 13.3.2008 - 7 D 34/07.NE -, BRS 73 Nr. 39 = ZfBR 2009, 62 = juris Rn. 55, 136, 148;… im gleichen Sinne Senatsbeschl. v. 5.6.2008 - 1 MN 328/07 -, juris Rn. 40 ff.; noch strenger VGH Mannheim, Urt. v. 22.9.2005 - 3 S 772/05 -, juris Rn. 20 f.: schon bei Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005).
Denn der Zu- und Abgangsverkehr für 23 weitere Bauplätze mit maximal 46 Wohnungen hält nach Maßgabe des vereinfachten Schätzverfahrens für Verkehrsanlagen (Anhang A zu Teil 1 der DIN 18005 "Schallschutz im Städtebau"; s. zu deren Anwendbarkeit für die Immissionsbeurteilung bei steigender Verkehrsbelastung auf Straßen außerhalb des Plangebiets VGH BW, BRS 69 Nr. 51) nicht zuletzt unter Berücksichtigung der bestehenden Geschwindigkeitsbegrenzung und eines realistischen Schwerverkehrsanteils die Orientierungswerte für ein reines Wohngebiet (tags 50 db, nachts 40 dB) aller Voraussicht nach ein.
Das Gericht hat dabei nachzuvollziehen, ob die Abwägung den daran zu stellenden Anforderungen entspricht, nicht aber Mängel der Abwägung selbst aufzuarbeiten, sodass auch eine für die Zusammenstellung des Abwägungsmaterials notwendige Aufklärung des Sachverhalts als Grundlage der Abwägung nicht in ein späteres Gerichtsverfahren verlagert werden darf (so z.B. in anderem - baurechtlichen - Zusammenhang VGH Baden-Württemberg, Normenkontrollurteil vom 22.09.2005 - 3 S 772/05 -).
Zum einen ist eine Lärmzunahme um maximal 2 dB(A) für das menschliche Ohr regelmäßig kaum wahrnehmbar (vgl. BVerwG, Beschluss vom 19.08.2003 - 4 BN 51.03 -, BauR 2004, 1132 sowie VGH Bad.-Württ. , Urteile vom 01.03.2007 - 3 S 129/06 -, BWGZ 2007, 509 ff. und vom 22.09.2005 - 3 S 772/05 -, BRS 69 Nr. 51, jeweils m.w.N.) und markiert der Richtwert von 40 dB(A) nach der DIN 18005 keine rechtsverbindliche Obergrenze, sondern stellt einen in der Bauleitplanung überschreitbare Orientierungshilfe dar (vgl. BVerwG, Beschluss vom 13.06.2007 - 4 BN 6.07 -, BRS 71 Nr. 49).

References: § 47
 § 1
 § 47
 § 1
 § 47
 § 47
 Art. 4
 § 1