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Timestamp: 2019-10-16 12:57:27+00:00

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Steuerfragen bei Aufenthalt in Doha - frag-einen-anwalt.de
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02.03.2014 12:58 |
Zusammenfassung: Zur unbeschränkten und beschränkten Steuerpflicht bei ausländischen Wohnorten, auländischen Arbeitsverhältnissen und inländischen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung.
Ich bin deutscher Staatsbuerger und lebe und arbeite seit fast 10 Jahren in London.
In Berlin besitze ich eine Eigentumswohnung, die ich moebliert untervermiete. Gemeldet war ich kurzfristig fuer ein paar Monate bis Februar diesen Jahres bei meinen Eltern.
Ungefaehr einmal im Monat besuche ich fuer ein Wochenende entweder meine Eltern in Suedeutschland oder meine Wohnung in Berlin.
Bisher habe ich meine Einkommessteuer auf das Berufseinkommen in Grossbritannien und das Einkommen aus den Mieteinnahmen der Wohnung in Berlin als beschraenkt Steuerpflichtiger in Deutschland bezahlt.
Meine englische Firma beabsichtigt mich nach Doha als Leiter des dortigen Bueros zu entsenden. Ich werde weiterhin meine Wohnung in London beibehalten jedoch weniger als 6 Monate im Jahr in Grossbritannien sein, was mich von der Bezahlung der Einkommessteuer in Grossbritannien befreit. Meine Deutschlandbesuche werden sich reduzieren.
1. Wenn ich in Grossbritannien nun mehr keine Einkommessteuer auf das Einkommen meiner Erwerbstaetigkeit in Doha bezahle unter welchen Umstaenden bin ich dann unbeschraenkt steuerpflichtig in Deutschland mit den Erwerbseinahmen aus Doha?
2.Macht es einen Unterschied ob ich mein Gehalt in Grobritannien erhalte oder in Katar?
3.Um in Deutschland keinen Wohnsitz zu haben sollte ich meine Eigentumswohnung in Berlin, in der Zeit in der ich in Doha arbeite, komplett vermieten und kann ich hierzu einen zeitlich befristeten Mietvertrag anwenden?
4. Sollte ich die britische Staatsbuergerschaft erhalten, zuzueglich zu der deutschen, wuerde ich dann als beschraenkt steuerpflichtig gelten und weiterhin nur die Einnahmen aus der Wohnungsvermietung deklarieren muessen und nicht die Einnahmen aus Doha? Mein europaeischer Hauptwohnsitzt waere weiterhin London jedoch weniger als 6 Monate im Jahr.
5. Sollte mein Einkommen weder in Grossbritannien noch in Deutschland versteuert werden, gibt es eine Steuer auf die Ueberweisung von meinem Geld aus Katar nach Deutschland?
Ihre Fragen möchte ich mit ein wenig Hintergrundwissen anreichern und dann gezielt Antworten geben.
1.) Steuerpflicht
Die unbeschränkte Steuerpflicht regelt § 1 EStG ( bitte lesen ). Dazu dürften Sie erst einmal nicht gehören, da Ihr Wohnsitz / gewöhnlicher Aufenthalt nicht in Deutschland liegt und Sie auch nicht aus deutschen Dienstverhältnissen Einkommen beziehen.
Eine beschränkte Steuerpflicht nach § 49 EStG ( N. 6 dort / bitte lesen ) ist bei Ihnen gegeben, da die Belegenheit der Immoblile im Inland der BRD anzusehen ist.
Das weitere Einkommen ist nicht in Deutschland zu versteuern, sondern nach der Maßgabe der einzelnen beteiligten Länder. Die Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung wären beim Betriebsstättenfinanzamt in Berlin anzugeben und dort auch eine Steuererklärung anzufertigen.
Doha, als Hauptstadt von Katar, fällt nur bei unbeschränkter Steuerpflicht in den Zuständigkeitsbereich der BRD. Da dies wohl bei Ihnen nicht gegeben ist, scheidet eine Besteuerung dieses Einkommens in der BRD aus.
Der Zahlungsfluss in der Erfüllung kann weder Steuertatbestände begründen, noch beseitigen. Es geht immer nur darum, durch wen ( Körperschaft ) aufgrund welcher Tätigkeit ( wo ) der Lohn gezahlt wird. Für eine Besteuerung in Deutschland ist dies unerheblich, so daß ich wieder auf die unbeschränkte Steuerpflicht mit ihren Rechtsfolgen oben verweisen möchte.
Den Wohnsitz ( Erst- oder Zweitwohnsitz ) in Berlin sollten Sie tunlichst vermeiden und die dortige Immobilie als Vermietung und Verpachtung nutzen. Nur so bleibt Ihnen die unbeschränkte Steuerpflicht ( § 1 EStG ) erspart und die beschränkte Steuerpflicht aus § 49 EStG berücksichtigt dann nur die Mieteinahmen aus Berlin. Mietverträge können nicht mehr befristet vorgenommen werden, da dies unzulässig ist. Es kann aber der Ausschluss einer Kündigungsfrist vereinbart werden, was im Ergebnis auf das gleiche hinaus läuft. Vereinbaren Sie für eine sichere Zeit Ihrer ausländischen Tätigkeit den Ausschluss einer Kündigung durch Sie und durch den Mieter. Dann kann Ihnen auch nicht auf Umwegen eine "versteckte" Umgehung vorgehalten werden, § 42 I AO zum Gestaltungsmissbrauch.
Die Staatsbürgerschaft begründet keine Steuerpflicht, siehe oben. Wenn Sie in Großbritannien Staatsbürger sind, kann dies neben den dortigen Vorschriften zu einer unbeschränkten Steuerpflicht in Großbritannien führen, nicht jedoch in der BRD. Selbst wenn Sie fortwährend Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung in Deutschland haben, § 2 I Nr. 6, § 21 EStG. Die Wohnorte würden hier bei Ihnen Großbritannien und Katar sein, nicht jedoch Berlin. Für etwaige Doppelbesteuerungen in den beiden anderen Ländern müssten Sie dort jeweils eine Anrechnung erhalten, soweit es zwischen diesen Ländern ein DBA gibt.
Für die Transaktion von Geldern gibt es keine Steuer. Auf deutschen Konten liegendes Geld kann aber dazu führen, daß Sie weitere Einkünfte zu versteuern haben. Lesen Sie hierzu § 2 I Nr. 5 EStG und § 20 EStG, Einkünfte aus Kapitalvermögen.Diese unterfallen auch der beschränkten Steuerpflicht nach § 49 I Nr. 5 EStG ( siehe oben ). Hier gibt es weitere Ausnahmen und Voraussetzungen, die Sie aber im Gesetz nachlesen können. Versuchen Sie, Ihre Voraussetzungen dort zu prüfen und entscheiden Sie selber.
Aber noch einmal, Konten in Deutschland sind für die Steuerpflicht unschädlich und hierauf darf auch steuerfrei Geld überwiesen werden. Der Bezug zur BRD muss jedoch in Hinsicht auf Wohnsitz, Aufenthalt, Arbeitsverhältnis mit Ort der Ausführung und Arbeitgeber ohne Bezug zur BRD immer vermieden werden.
3.) Abschließende Bemerkung
Ich hoffe Ihnen eine Übersicht gegeben zu haben. Damit Sie sich auch selber weiter einlesen können, habe ich Ihnen die wichtigsten Normen aus dem Einkommenssteuergesetz genannt. Diese sind zwar kompliziert geschrieben, bei aufmerksamer Lektüre erklären diese sich dann aber auch von selber.
Nachfrage vom Fragesteller	02.03.2014 | 22:15
Sehr geehrter Her Fricke
Vielen Dank fuer die Beantwortung meiner Fragen.
Hier noch zwei Nachfragen.
Wenn ich das richtig einschaetze ist der Knackpunkt um weiterhin in Deutschland nur beschraenkt steuerpflichtig zu bleiben meinen potentiel moeglichen Zugang zu meiner Eigentumswohnung in Berlin auszuschliesen. Wo kann ich Naeheres ueber die Gestaltungs eines "Ausschluss einer Kündigungsfrist" nachlesen?
Koennte dies auch mit Uebertragung der Wohnung auf meine Eltern erfolgen und muss die Wohnung auch dann komplett an Dritte vermietet sein oder kann sie unvermietet bleiben und meinen Eltern als Ferienwohnung dienen?
Nicht ganz klar ist mir "ohne Bezug zur BRD" in ihrem Satz:
'Der Bezug zur BRD muss jedoch in Hinsicht auf Wohnsitz, Aufenthalt, Arbeitsverhältnis mit Ort der Ausführung und Arbeitgeber 'ohne Bezug zur BRD' immer vermieden werden.'
Kann ich das so lesen:
Der Bezug zur BRD muss jedoch immer vermieden werden in Hinsicht auf Wohnsitz, Aufenthalt, Arbeitsverhältnis mit Ort der Ausführung und Arbeitgeber. ohne Bezug zur BRD?.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.03.2014 | 00:48
Auf die Nachfrage noch gerne folgendes:
Der Zugang zur Wohnung in Berlin ist ein "Knackpunkt", an dem die Finanzverwaltung ansetzen könnte. Auch die Ferienwohnung kann eine Verfügbarkeit belegen, die als zweiter Wohnsitz ausgelegt werden könnte.
Zum Ausschluss von Kündigungsfristen können Sie im Internet unter den Wörtern: Befristung Mietvertrag / Kündigungsausschluss Mietvertrag nachlesen. Dort tun sich viele Aufsätze und Foren auf, die sich von alleine und gut erklären.
Der Bezug zur BRD sollte nicht gegeben sein, so daß Ihre obige Interpretation der Richtigkeit entspricht.
Bei weiteren Fragen stehe ich im Rahmen von Beratungen auch unter meiner Email Adresse zur Verfügung.

References: § 1
 § 49
 § 1
 § 49
 § 42
 § 2
 § 21
 § 2
 § 20
 § 49