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Timestamp: 2019-11-15 04:39:22+00:00

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BGH, 23.04.1986 - VIII ZR 93/85 - dejure.org
https://dejure.org/1986,1542
BGH, 23.04.1986 - VIII ZR 93/85 (https://dejure.org/1986,1542)
BGH, Entscheidung vom 23.04.1986 - VIII ZR 93/85 (https://dejure.org/1986,1542)
BGH, Entscheidung vom 23. April 1986 - VIII ZR 93/85 (https://dejure.org/1986,1542)
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Fälligkeit des Kaufpreises für eine Kommanditbeteiligung - Vertrag auf Freistellung von einer übernommenen Bürgschaft - Eröffnung eines Konkursverfahrens - Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten - Schadensersatzanspruch wegen Verschuldens bei Vertragsschluß
ZPO § 528 Abs. 2, § 264 n. F.
NJW 1986, 2257
WM 1986, 864
Dementsprechend können - was das Berufungsgericht ebenfalls nicht verkannt hat - die gleichzeitig zur Begründung dieser erweiterten Anträge vorgetragenen Tatsachen und Beweismittel einschließlich eines Bestreitens, auch wenn es sich dabei um Angriffs- oder Verteidigungsmittel handelt, nicht als verspätet zurückgewiesen werden, weil dies andernfalls in unzulässiger Weise auch die nach dem Gesetz grundsätzlich ausgeschlossene Präklusion des Angriffs selbst zur Folge hätte (vgl. BGH, Urteile vom 23. April 1986 - VIII ZR 93/85, aaO; vom 15. Dezember 1994 - VII ZR 13/94, WM 1995, 818 unter I 2 b;… MünchKommZPO/Prütting, aaO Rn. 42).
bb) Gleichwohl hat das Berufungsgericht gemeint, dem Senatsurteil vom 23. April 1986 (VIII ZR 93/85, aaO unter II 2 b bb) entnehmen zu können, die im Zuge der im Schriftsatz vom 14. September 2015 vorgenommenen Klageerweiterung und/oder -änderung neu vorgetragenen Tatsachen einschließlich des darin enthaltenen Bestreitens auch dann insgesamt unberücksichtigt lassen zu können, wenn die Erweiterung/Änderung - wie im Streitfall - nur den Sinn haben könne, den Verspätungsfolgen zu entgehen, und deshalb als rechtsmissbräuchlich einzustufen sei.
Der Senat hat - was das Berufungsgericht nicht berücksichtigt hat - unter Hinweis auf vorangegangene Rechtsprechung deutlich gemacht, dass in Bezug auf den neuen Angriff der diesen Angriff tragende Sachvortrag schon begrifflich nicht verspätet sein könne, und es abgelehnt hat, insoweit die Präklusionsvorschriften im Wege der Rechtsfortbildung durch eine verschärfende analoge Anwendung auch auf den Angriff selbst auszudehnen (Senatsurteil vom 23. April 1986 - VIII ZR 93/85, aaO unter II 2 b aa).
Soweit der Senat in seinem Urteil vom 23. April 1986 (VIII ZR 93/85, aaO unter II 2 b bb) - ohne dies nach der dortigen Fallkonstellation abschließend entscheiden zu müssen - erwogen hat, ob neues Vorbringen im Rahmen einer Widerklageerweiterung in Bezug auf das bisherige Vorbringen zur Widerklage und ein damit deckungsgleiches Verteidigungsvorbringen gegen die Klage als rechtsmissbräuchlich behandelt werden könne, hat dies schon nach dem Argumentationszusammenhang nur auf die Frage abgezielt, ob das neue Vorbringen nicht ausnahmsweise auch durch Teilurteil allein zur Klage hätte zurückgewiesen werden können (…vgl. MünchKommZPO/Prütting, aaO Rn. 109, 111; Gounalakis, MDR 1997, 216, 220).
Die Geltendmachung eines neuen Anspruchs im Wege der Klageänderung und Klageerweiterung stellt hingegen den Angriff selbst dar und ist allein nach §§ 263, 264 ZPO zu beurteilen (BGH, Urteil vom 18.1.1955 - I ZR 119/53 - BGH, Urteil vom 23.4.1986 - VIII ZR 93/85 -, Rn. 23; BGH, Beschluss vom 20.9.2016 - VIII ZR 247/15 -).
BGH, 14.01.1993 - VII ZR 118/91
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes bezieht sich § 528 Abs. 1 ZPO schon seinem Wortlaut nach nur auf Angriffs- und Verteidigungsmittel, nicht aber auf den Angriff oder die Verteidigung selbst (vgl. BGH Senatsurteil vom 12. Februar 1981 - VII ZR 112/80 = NJW 1981, 1217 und Urteil vom 23. April 1986 - VIII ZR 93/85 = NJW 1986, 2257, 2258).
Die Novelle hat sachlich insoweit aber nichts geändert (vgl. BGH Urteil vom 23. April 1986 - VIII ZR 93/85 = NJW 1986, 2257, 2258).
Zwar hat das Landgericht zutreffend erkannt, dass in der Rechtsprechung und Literatur ein Teilurteil über eine Klage trotz nicht entscheidungsreifer Widerklage und der Gefahr widersprechender Entscheidungen ausnahmsweise für zulässig erachtet wird, wenn die Erhebung der Widerklage rechtsmissbräuchlich ist (BGH NJW 1987, 3139 sowie BGH Urteil vom 23.04.1986, VIII ZR 93/85, NJW 1986, 2257, 2258 am Ende und BGH Beschluss vom 20.09.2016, VIII ZR 247/15, NJW 2017, 491 Rn 21 (im Ergebnis jeweils offen gelassen); OLG Köln, Urteil vom 06.09.2000, 11 U 261/99, OLGR Köln 2001, 71, 74, zitiert nach juris; OLG Frankfurt Urteil v.om 16.11.2014- 11 U 27/04, BeckRS 2005, 669 Rn 13; LG Gießen, Urteil vom 20.02.2002, 1 S 365/01, NJW-RR 2003, 381; LG Berlin NJOZ 2005, 49;… Zöller-Feskorn, ZPO, 32. Auflage 2018, § 301 Rdnr. 10).
Insoweit ist nämlich zu berücksichtigen, dass die sog. "Flucht in die Widerklage" als solche nicht unter die Präklusionsvorschrift des § 296 ZPO fällt und als grundsätzlich zulässiges Mittel zur Verhinderung der Zurückweisung der zu ihrer Begründung vorgetragenen Behauptungen im Wege der Präklusion anerkannt ist (…vgl. allgemein Zöller-Greger, ZPO, 32. Auflage 2018, § 296 Rdnr. 42; zur Widerklage vgl. BGH NJW 1986, 2257, zitiert nach juris Rn 23) und zur Klageerweiterung und Klageänderung BGH, Beschluss vom 20.09.2016, VIII ZR 247/15, NJW 2017, 491).
Zwar hat das Berufungsgericht die Klageerweiterung aus dem Schriftsatz vom 25. Oktober 2010 zu Unrecht gemäß § 528 ZPO aF zurückgewiesen, weil es sich bei der Klageerweiterung nicht um ein Angriffs- oder Verteidigungsmittel im Sinne dieser Vorschrift handelt (BGH, Urteil vom 23. April 1986 - VIII ZR 93/85, NJW 1986, 2257, 2258).
Dagegen wird durch Zurückweisung oder Nichtzulassung wegen Verspätung die geltend gemachte Forderung sachlich und damit rechtskräftig aberkannt (BGHZ 33, 236, 242; BGH NJW 1986, 2257 Nr. 13, 2258).
Ein Urteil entscheidet nach herrschender Meinung nicht rechtskraftfähig über Gegenforderungen, wenn es nicht erkennen läßt, ob und auf welche Weise einzelne zur Aufrechnung gestellte Forderungen in die Abrechnung der Klagforderung einbezogen oder nicht einbezogen werden (vgl. BGH, Beschl. v. 26.09.1991 - VII ZR 125/91, NJW 1992, 317, 318;… Urt. v. 12.12.1990 - VIII ZR 355/89, NJW-RR 1991, 971, 972; Beschl. v. 25.05.1988 - VIII ZR 18/88, NJW 1988, 3210;… Urt. v. 13.04.1983 - VIII ZR 320/80, NJW 1984, 128, 129;… Urt. v. 24.06.1963 - VII ZR 22/62, nicht veröffentlicht;… Urt. v. 10.07.1961 - VIII ZR 64/60, LM § 33 ZPO Nr. 5;… vgl. noch BGH, Urt. v. 03.10.1989 - XI ZR 90/89, BGHR ZPO § 322 Abs. 2 "Aufrechnung 1" ; BGH, Urt. v. 23.04.1986 - VIII ZR 93/85, WM 1986, 864, 867; BGHZ 33, 236, 242;… Urt. v. 25.06.1956 - II ZR 78/55, LM § 322 ZPO Nr. 21).
Für diese Klagerweiterung gelten auch nicht die Voraussetzungen des § 528 ZPO sondern über § 523 ZPO die §§ 263 ff ZPO (vgl. hierzu BGH v. 23.04.1986 - VIII ZR 93/85 - NJW 1986, 2257 ;… Thomas/Putzo, aaO., § 528 Bem. 2 a sowie § 530 ZPO Bem. 2).
OLG Frankfurt, 16.11.2004 - 11 U 27/04
Unzulässigkeit eines Teilurteils: Aufrechnungsforderungen zugleich Gegenstand der …
Ein Teilurteil über den Klageanspruch konnte auch nicht deshalb ergehen, weil die Widerklage auf Vortrag beruht, der bei der Entscheidung über den Klageanspruch als verspätet zurückzuweisen wäre, wenn die Widerklage nicht erhoben worden wäre (BGH NJW 86, 2257;… Zöller/Vollkommer, ZPO, § 33 Rn. 9).
Für die Klagerweiterung gelten auch nicht die Voraussetzungen des § 528 ZPO , sondern über § 523 ZPO die §§ 263 ff. ZPO (vgl. hierzu BGH vom 20.04.1986 - VIII ZR 93/85, NJW 1986, 2257 ;… Thomas/Putzo, ZPO , 17. Aufl., § 528 Rdn. 2 a sowie § 530 ZPO Rdn. 2).
BayObLG, 11.07.1997 - 3Z BR 193/96
Entscheidung des Beschwerdegerichts über erweiterten Anspruch des Betreuers im …
OLG München, 07.03.1994 - 31 U 4892/93
Reichweite eines Feststellungsurteils über die fristlose Kündigung des …

References: § 528
 § 264
 § 528
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 301
 § 296
 § 296
 BGH 
 § 528
 BGH 
 § 33
 § 322
 § 322
 § 528
 § 523
 BGH 
 § 528
 § 530
 § 33
 § 528
 § 523
 BGH 
 § 528
 § 530