Source: https://www.juris.de/jportal/portal/page/homerl.psml?cmsuri=/juris/de/nachrichten/zeigenachricht.jsp&feed=jr-bfh&wt_mc=rss.jr-bfh&nid=STRE201910001
Timestamp: 2019-03-19 06:07:43+00:00

Document:
Aktenzeichen: I R 13/16
ECLI: ECLI:DE:BFH:2018:U.270618.IR13.16.0
Normen: § 8 Abs 4 S 1 KStG 2002 vom 15.10.2002, § 8 Abs 4 S 4 KStG 2002 vom 15.10.2002, § 10d Abs 4 S 1 EStG 2002, § 10d Abs 4 S 2 EStG 2002, § 40 Abs 2 FGO, § 351 Abs 2 AO, KStG VZ 2006, KStG VZ 2007, KStG VZ 2008, KStG VZ 2009, EStG VZ 2006, EStG VZ 2007, EStG VZ 2008, EStG VZ 2009, § 10a S 8 GewStG 2002 vom 13.12.2006
Zitiervorschlag: BFH, Urteil vom 27. Juni 2018 – I R 13/16 –, BFHE 262, 340
(Maßgeblicher Zeitpunkt für den Ausschluss des Verlustabzugs nach § 8 Abs. 4 KStG 2002 a.F. - Zulässigkeit der Klage gegen einen Folgebescheid)
1. § 8 Abs. 4 Satz 1 KStG 2002 a.F. versagt den Verlustabzug auch dann vom Zeitpunkt der schädlichen Anteilsübertragung an, wenn die Zuführung des neuen Betriebsvermögens dieser zeitlich nachfolgt (Bestätigung des Senatsurteils vom 5. Juni 2007 I R 9/06, BFHE 218, 207, BStBl II 2008, 988)(Rn.15).
2. Der Verlustabzug ist (ggf. rückwirkend) in dem Feststellungsbescheid zum 31. Dezember desjenigen Veranlagungszeitraums zu versagen, in welchem die schädliche Anteilsveräußerung stattgefunden hat. Eine Versagung des Verlustabzugs erst in dem Bescheid zum 31. Dezember des nachfolgenden Veranlagungszeitraums ist nicht möglich(Rn.15)(Rn.16)(Rn.17).
3. Die Klage gegen einen Folgebescheid ist nicht allein deswegen unzulässig, weil sie ausschließlich mit Einwendungen begründet wird, die den Grundlagenbescheid betreffen (Änderung der Senatsrechtsprechung)(Rn.19)(Rn.20).
(Zu LS 3): Der Senat kehrt zu seiner früheren Rechtsprechung zurück, die im Einklang mit der Spruchpraxis anderer Senate des BFH steht (Rn.20).
BFHE 262, 340
DB 2019, 32-35 (Leitsatz und Gründe)
DStR 2019, 42-45 (Leitsatz und Gründe)
GmbHR 2019, 137-140 (Leitsatz und Gründe)
BFH/NV 2019, 245-248 (Leitsatz und Gründe)
HFR 2019, 143-145 (Leitsatz und Gründe)
DStRK 2019, 57 (Leitsatz und Gründe)
BB 2019, 86 (Leitsatz)
StE 2019, 38 (Leitsatz)
StuB 2019, 91 (Leitsatz)
DStRE 2019, 118 (Leitsatz)
EStB 2019, 54 (Kurzwiedergabe)
vorgehend Thüringer Finanzgericht, 16. September 2015, Az: 3 K 450/12, Urteil
Lars Haverkamp, DStRK 2019, 57 (Anmerkung)
jh, StuB 2019, 91-92 (Anmerkung)
Änderung BFH, 26. April 2017, Az: I R 76/15
Vergleiche BFH, 5. November 2015, Az: III R 12/13
im Text BFH, 9. Juni 2015, Az: X R 14/14
Änderung BFH, 18. Dezember 2013, Az: I R 25/12
Änderung BFH, 11. September 2013, Az: I R 26/12
Änderung BFH, 12. Juli 2012, Az: I R 23/11
Vergleiche BFH, 12. Oktober 2011, Az: VIII R 2/10
Vergleiche BFH, 1. Juli 2010, Az: IV R 100/06
im Text BFH, 19. Mai 2010, Az: I R 62/09
Bestätigung BFH, 5. Juni 2007, Az: I R 9/06
Vergleiche BFH, 9. November 2005, Az: I R 10/05
Vergleiche BFH, 21. Januar 2004, Az: VIII R 2/02
Vergleiche BFH, 15. Oktober 2003, Az: X R 48/01
Vergleiche BFH, 28. Februar 2001, Az: I R 77/00
Vergleiche BFH, 2. September 1987, Az: I R 162/84
im Text BFH, 25. Oktober 1972, Az: GrS 1/72
Vergleiche VV DEU BMF 2008-12-04 IV C 7-S 2745/07/10003
Die Klägerin und Revisionsbeklagte (Klägerin), eine GmbH, wurde im Jahr 2003 gegründet. Gesellschafter der mit einem Stammkapital von 25.000 € ausgestatteten Klägerin waren zunächst Y mit einem Anteil von 51,2 %, R mit einem Anteil von 24,8 % sowie W und H mit Anteilen von jeweils 12 %.
Am 30. Mai 2005 teilte Y ihren Anteil und übertrug einen Teilgeschäftsanteil von ... € auf F; dadurch waren Y zu 60 % und F zu 40 % an der Klägerin beteiligt. Ebenfalls am 30. Mai 2005 erhöhten die Gesellschafter das Stammkapital der Klägerin auf 50.000 €. Den daraus entstehenden neuen Geschäftsanteil von 25.000 € zuzüglich eines ratierlich zu leistenden Aufgelds (Agio) von ... € übernahm eine Schweizer Aktiengesellschaft (Holding-AG). Damit waren die Holding-AG zu 50 %, Y zu 30 % und F zu 20 % an der Klägerin beteiligt.
Der Beklagte und Revisionskläger (das Finanzamt --FA--) kam nach einer Außenprüfung zu der Auffassung, in den Beteiligungserwerben der Jahre 2004 und 2005 --verbunden mit der Zuführung überwiegend neuen Betriebsvermögens in Form der Agio-Zahlungen der Holding-AG in den Jahren 2005 und 2006-- sei eine "schädliche" Anteilsveräußerung i.S. von § 8 Abs. 4 Satz 2 des Körperschaftsteuergesetzes 2002 i.d.F. bis zur Änderung durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 (UntStRefG 2008) vom 14. August 2007 (BGBl I 2007, 1912, BStBl I 2007, 630) --KStG 2002 a.F.--, hinsichtlich der Gewerbesteuer i.V.m. § 10a Satz 8 des Gewerbesteuergesetzes 2002 in der bis zum 31. Dezember 2006 geltenden Fassung (GewStG 2002 a.F.) zu sehen. Er versagte unter Berufung auf § 8 Abs. 4 Satz 1 KStG 2002 a.F. unter dem 14. März 2011 in dem Änderungsbescheid zur gesonderten Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs zur Körperschaftsteuer zum 31. Dezember 2006 den Verlustabzug in Höhe von ... € und in dem Änderungsbescheid zur gesonderten Feststellung des vortragsfähigen Gewerbeverlustes auf den 31. Dezember 2006 den Verlustvortrag in Höhe von ... €. Ausweislich der Feststellungsbescheide handelt es sich bei den zum 31. Dezember 2006 nicht berücksichtigten Verlusten um den jeweils zum 31. Dezember 2005 gesondert festgestellten verbleibenden Verlustabzug zur Körperschaftsteuer sowie um den vortragsfähigen Gewerbeverlust. Gleichzeitig erließ das FA unter dem 14. März 2011 entsprechend geänderte Folgebescheide jeweils zum bzw. auf den 31. Dezember der Jahre 2007 bis 2010.
b) Nach der den angefochtenen Feststellungsbescheiden zugrunde liegenden Auffassung des FA liegt im Streitfall die in § 8 Abs. 4 Satz 2 KStG 2002 a.F. beschriebene Konstellation vor, weil mit der Kapitalerhöhung um nominal 25.000 € und der Übernahme des neu entstandenen Geschäftsanteils durch die Holding-AG am 30. Mai 2005 --unter Berücksichtigung der vorangegangenen Veränderungen im Beteiligungsstand der Altgesellschafter-- eine schädliche Anteilsveräußerung von mehr als der Hälfte der Geschäftsanteile vollendet worden sei und die Klägerin ihren Geschäftsbetrieb mit überwiegend neuem Betriebsvermögen --in Form der bis in das Jahr 2006 hinein geleisteten ratierlichen Zahlungen der Holding-AG auf das übernommene Agio-- fortgesetzt habe.

References: § 8
 § 8
 § 10
 § 10
 § 40
 § 351
 § 10
 § 8
 § 8
 § 8
 § 10
 § 8
 § 8