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Timestamp: 2020-08-03 17:09:34+00:00

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Geld für alle! Das bedingungslose Grundeinkommen und die Corona-Krise | goschat.at
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15. April 2020Dominik PazellerCorona, Gesellschaft, Politik5
Kann das bedingungslose Grundeinkommen Menschen durch schwierige Zeiten helfen?
In Tagen der Krise kursieren zahlreiche Petitionen und Forderungen zum bedingungslosen Grundeinkommen. Es wäre eine Möglichkeit, alle Bürgerinnen und Bürger in Würde durch schwierige Zeiten zu bringen. Aber wie kann man sich das vorstellen?
Alle kriegen Geld geschenkt
Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein Modell, das allen Staatsangehörigen einen festgelegten Geldbeitrag zusichert. Dieser Beitrag ist für alle gleich hoch, zum Beispiel 1.200 Euro, und wird monatlich vom Staat ausbezahlt. Es handelt sich dabei nicht um eine bürokratische Sozialleistung, sondern um ein verfassungsmäßiges Grundrecht.
Im Gegenteil: Der niederländische Autor Rutger Bregman ist überzeugt, dass in Zukunft kein Land sich leisten kann, das BGE nicht einzuführen. Denn es ist günstiger Armut auszulöschen, als die Folgen der Armut zu bekämpfen. Für die Finanzierung des BGE gibt es verschiedene Modelle. Ein Beispiel ist die Finanztransaktionssteuer (Mikrosteuer). Dabei werden Finanzspekulationen und Börsenhandel besteuert. Das Geld wird also dort angezapft, wo es sich ohne Arbeit vermehrt. Die Reichsten handeln und spekulieren mit mehr Vermögen, als ein ganzes Land zusammen erwirtschaftet. In der Schweiz beispielsweise sind die Summen, die bei Banken- und Hochfrequenzhandel bewegt werden, 300-mal so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt. Hier schlug der Soziologe, Volks- und Betriebswirtschaftler Oswald Sigg eine Belastung von 0,05 % auf diesen Zahlungsverkehr vor. Das BGE wäre damit für alle Schweizer finanziert.
Der Mensch ist von Natur aus nicht faul, erst eine sinnhafte Tätigkeit erfüllt ihn mit Glück. Dazu kommt, dass jeder Euro, der zusätzlich zum BGE in einer Erwerbstätigkeit verdient wird, ohne Auflagen in die eigene Tasche wandert. Das ist motivierender als staatliche Leistungen, die Menschen in der Armut festhalten und faules Verhalten fördern. Das wohl größte Experiment zum Grundeinkommen wurde 1974 über vier Jahre in Dauphin (Kanada) durchgeführt und lieferte erstaunliche Ergebnisse: Ausbildungen wurden schneller und erfolgreicher abgeschlossen. 99 von 100 Leuten gingen weiterhin arbeiten. Häusliche Gewalt und psychische Probleme nahmen ab. Die Krankenhausaufenthalte gingen beachtlich zurück. Das zusätzliche Geld wurde investiert und stärkte die umliegende Wirtschaft. Weitere Versuche mit ähnlichen Ergebnissen gab es bereits in mehreren Ländern, darunter USA, Finnland, Schweiz und Namibia. Bei keinem Versuch haben die Menschen aufgehört zu arbeiten.
Natürlich gibt es Kritik und unbekannte Variablen, die noch unerforscht sind. Das BGE könne beispielsweise nur mit Schwierigkeiten von einem einzelnen Land eingeführt werden. Besser wäre die Einführung eines europaweiten Grundeinkommens. Manche Experten sehen im BGE einen notwendigen Ausgleich zu der bevorstehenden Massenarbeitslosigkeit durch die zunehmende Robotisierung und Automatisierung. Die schrumpfende Zahl der Erwerbstätigen könne mit dem aktuellen Sozialsystem die zunehmende Zahl der Arbeitslosen nicht mehr finanzieren. Das BGE könnte den Menschen eine Existenzgrundlage sichern und somit die Wirtschaft aufrechterhalten. Zukunftsforscher, die sich intensiv mit der digitalen Revolution und dem Arbeitsmarkt der Zukunft beschäftigen, sprechen nicht davon „ob“ man es einführen sollte, sondern „wann“. Zahlreiche Stimmen fordern jetzt ein Not-Grundeinkommen für die Corona-Krise, andere fordern ein permanentes. Fest steht: das Potenzial ist enorm.
Siegbert Grießer 18. April 2020 um 13:55
Ein gut erklärter Beitrag!
Die Finanzierung ist kein Problem, da die Steuerungerechtigkeit zwischen Einkommen aus Erwerbstätigkeit im Verhältnis zu Einkommen aus Kapitalerträgen sowieso korrigiert werden muss!
Ich bin gegen Versuche oder Experimente mit dem BGE, da die gesamtgesellschaftlichen Veränderungen nur dauerhaft und für alle sichtbar werden!
Selbstverständlich können einzelne Länder damit anfangen! Die Ergebnisse werden das Vorhaben in anderen Ländern beschleunigen
Dominik Pazeller 19. April 2020 um 11:34
Vielen Dank für Ihren Kommentar Herr Grießer.
Um zu sehen, ob das BGE praktisch funktionieren würde, müsste es eingeführt werden. Alle bisherigen Experimente und Versuche hatten verschiedene Mängel.
Der Philosoph Richard David Precht spricht von einer erfolgreichen Einführung des BGE ab zehn Ländern innerhalb Europas. Aber dazu gibt es natürlich unterschiedliche Meinungen.
sven Achilles 23. April 2020 um 10:09
Schön das auch die Grundartikel zum BGE passen, zb freier Wille und Persönlichkeitsentfaltung, Recht auf Gesundheit und Würde des Menschen.
Wenn man das alles mit der Argumentation des Beitrages untermauert, hat man ja im Grunde schon gewonnen. Mit freundlichen Grüßen!!
Katiliisa 19. April 2020 um 20:54
Eine bereits funktionierende Gebrauchsanweisung für alle Unentschlossenen und Skeptischen aus den 1.-Welt-Ländern:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/kenia-givedirectly-grundeinkommen-als-entwicklungshilfe-a-1179744.html?fbclid=IwAR1PjU2QhIUJ1l11NkP1BwU9lyZPPM0jJQlspJFyNlN7Ef5BDt8takqoMm4
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