Source: https://cyclingclaude.de/2020/02/16/stvo-novelle-ueberholabstand-und-das-nebeneinanderfahren/
Timestamp: 2020-03-31 00:45:37+00:00

Document:
StVO-Novelle: Überholabstand und das Nebeneinanderfahren - CyclingClaude
Der Bundesrat hat zugestimmt. Nun kommt sie also, die Scheuer’sche StVO-Novelle, die uns Radfahrer einige Verbesserungen bringt. Gut so und gar nicht mal #beScheuerT!
Mein persönlicher Fokus lag auf der längst überfälligen Festschreibung des Mindestabstands beim Überholen von Fahrrad Fahrenden und der Umformulierung des Absatzes 4, §2 StVO, der das Nebeneinanderfahren von Radfahrern unmissverständlich erlaubt, solange niemand behindert wird.
Dass Fahrradfahrer nicht nebeneinander fahren dürfen ist nämlich ein Irrglaube.
Mit beiden Punkten tat sich der Innenausschuss des Bundesrates schwer und brachte Änderungsanträge ein, obwohl der Verkehrsausschuss für die StVO-Novelle federführend war.
Über diese Benzin getränkten Änderungsvorschläge hatte ich unlängst berichtet und sie als Schlag ins Gesicht jedes Rad Fahrenden bezeichnet. V.a. die Begründung des Antrags gegen die Novellierung von §2, Absatz 4 StVO war haarsträubend.
Beide Änderungsanträge wurden vom Bundesrat abgelehnt, sodass die BMVI-Vorschläge im Zuge der StVO-Novelle Gesetz werden!
§2, Absatz 4 StVO in der zum Veröffentlichungsdatum (15.2.2020) gültigen Fassung
Geänderter §2, Absatz 4 StVO, wie am 14.2.2020 durch den Bundesrat zugestimmt
Wie gesagt ändert sich eigentlich nichts. Das Nebeneianderfahren ist und bleibt erlaubt, solange der Verkehr dadurch nicht behindert wird. Aber durch den positiv formulierten ersten Satz wird mit dem Irrglauben aufgeräumt, man müsse einzeln hintereinander fahren.
§5, Absatz 4, Satz 2 StVO in der zum Veröffentlichungsdatum (15.2.2020) gültigen Fassung
§5, Absatz 4, Satz 3, 4 und 5 StVO, wie am 14.2.2020 durch den Bundesrat zugestimmt
Das erlaubte Nebeneinanderfahren und der Mindestüberholabstand hängen zwangsläufig zusammen. Das müssen alle Verkehrsteilnehmer lernen und begreifen – wir Fahrrad Fahrende eingeschlossen! Nur so wird es weniger Stress auf der Straße geben.
Zunächst müssen wir uns bewußt werden, was 1,50 bzw. 2 Meter Abstand bedeutet. Das unterschätzen Auto- und Radfahrer.
Mit Schwimmnudeln am Rad ist das gut zu demonstrieren.
Hier sieht man die Straße vor unserem Haus. Die Fahrbahnbreite beträgt 4,50 Meter. Natürlich fährt kein Radfahrer direkt am rechten Straßenrand, sondern etwas versetzt. Addiert man Abstand des Rads zum Straßenrand, Fahrradbreite und Mindestabstand, ergibt das ca. 2,30 Meter. Somit bleibt vor unserem Haus nur noch 2,20 Meter zum Überholen eines Fahrrads. Pkw sind in der Regel nicht breiter als 2,20 Meter und dürfen deshalb überholen. Ein LKW hingegen hätte Überholverbot.
Für Radfahrer bedeutet eine Straßenbreite von etwa 4,50 Metern, dass sie hintereinander fahren müssen! Würden zwei Radfahrer auf einer 4,50 Meter breiten Straße nebeneinander fahren, könnte kein Auto überholen. Ergo läge eine Behinderung vor.
Merke: Wegen des neuen Mindestüberholabstands von 1,50 Metern wird innerorts das Nebeneinanderfahren von Radfahrern immer dann erlaubt sein, wenn die Straße entweder mindestens 5,50 Meter breit, oder so schmal ist, dass ein Auto auch bei hintereinander fahrenden Radfahrern die 1,50 Meter Mindestüberholabstand nicht einhalten kann. Das sollte bei 4 Metern und weniger Fahrbahnbreite der Fall sein.
Darüber hinaus müssen Autofahrer begreifen, dass bei einer einspuriger Straßenführung, bei der die Fahrspuren durch Verkehrsinseln, Bebauung des Mittelstreifens oder durchgezogene Line getrennt sind, ein absolutes Radfahrerüberholverbot gilt.
Komunen sind gut beraten, vom neuen Verkehrszeichen „Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen“ großzügig Gebrauch zu machen.
Außerorts, wo die novellierte StVO mindestens 2 Meter Überholabstand vorschreibt, wird das Nebeneinanderfahren öfter erlaubt sein. Schließlich sind Landstraßen in der Regel mehr als 6 Meter breit. Bei Straßen mit Randstreifen darf die Straße gar etwas schmaler sein, falls einer der Radler rechts von der Fahrbahnmarkierung fährt.
Auf schmalen Wirtschaftswegen wird die 2-Meter-Regel zu einem eindeutigen Überholverbot führen. Nach Inkrafttreten der Novelle darf man dort immer nebeneinander radeln. Der nachfolgende Verkehr muss sich gedulden. Allerdings rate ich, fallweise Autos vorbei zu winken und auf sein Recht zu verzichten … aber nur, wenn der Autofahrer vorher anständig dahinter geblieben ist. 😉
Beim Foto-Shooting musste ein Testosteron gesteuerter Autofahrer zeigen, wie gut er für das Führen eines Kfz geeignet ist. Mit klaren Worten musste ich ihm erklären, dass ich ihn nicht behindere und mich auch nicht provozieren lasse. Erst dann legte der den Rückwärtsgang ein und fuhr auf seiner Spur vorbei; nicht ohne den Motor aufheulen zu lassen.
Tags: MindestüberholabstandNebeneinanderfahrenStVO-NovelleÜberholabstand
ich bin stiller Mitleser Deines Blogs und selbst regelmäßig mit dem Rad in Frankfurt und Umgebung unterwegs. Ich schätze bei Deinem Blog die abwechslungsreichen Themen, die das (Renn-)Radfahren von allen Seiten beleuchten.
Daher bin ich mir sicher, dass Dich auch folgendes interessiert, falls Du es noch nicht gehört hast. Ich habe es eben in der FAZ gelesen: Es soll einen neuen Radschnellweg geben und zwar durch Dein „Revier“, den Kreis Offenbach. Der Schnellweg soll vom Flughafen nach Seligenstadt führen. In dem FR-Artikel dazu steht auch, dass die Bürger mitmischen dürfen (https://www.fr.de/rhein-main/mehr-radschnellwege-durchs-rhein-main-gebiet-13551751.html). Vielleicht wäre das ja einen Blogeintrag wert 🙂

References: §2
 §2

§2
 §2

§5

§5