Source: http://pttv.de/content/amtlich/popup_beitrag.php?content=urteile&user=38&beitrag=2495
Timestamp: 2018-03-23 16:35:15+00:00

Document:
Betreff: SpA 2-10/11
TTC Reipoltskirchen // Kreisspielleiter W-N, Kaduk
In der wegen diverser Einsätze von Jugendspielern anhängigen Disziplinarangelegenheit des TTC Reipoltskirchen, vertreten durch den Vorsitzenden Ernst Eckert – Einspruchsführer – gegen den Pfälzischen Tischtennis-Verband e. V., vertreten durch den Präsidenten Kurt Sturm, dieser hier vertreten durch den Kreisspielleiter W-N, Christian Kaduk – Einspruchsgegner – hat der Spruchausschuss durch den Vorsitzenden Harz sowie die Beisitzer Eisele und Gerlinger ohne mündliche Verhandlung am 28.01. 2011 folgende Entscheidung getroffen:
1. Die Spielleiterentscheidungen des Einspruchsgegners hinsichtlich der in der Kreisklasse A Ost der Herren des Bezirks Westpfalz-Nord stattgefundenen Begegnungen TTC Kreimbach-Kaulbach III gegen TTC Reipoltskirchen und TTC Reipoltskirchen gegen SV Katzweiler II werden aufgehoben und die Spiele ihrem Ausgang entsprechend gewertet.
3. Der Einspruchsführer trägt 3/7, der Einspruchsgegner 4/7 der Kosten des Verfahrens.
Zur Meisterschaftsrunde 2010/2011 meldete der Einspruchsführer (Ef.) drei Herrenmannschaften, von denen zwei in der Kreisklasse Ost A antreten. Ferner meldete er erstmals wieder seit einigen Jahren eine Jugendmannschaft. Von diesen Jugendspielern bot der Ef. in fünf Meisterschaftsspielen der Herren jeweils einen auf und zwar dreimal in der ersten und zweimal in der zweiten Mannschaft, wobei der Jugendliche jeweils auf Position vier aufgestellt worden war. Die Einsätze in der ersten Mannschaft fanden statt am 17.09. 2010 gegen TTC Kreimbach-Kaulbach III, am 01.10. 2010 gegen SV Katzweiler II und am 29.10. 2010 gegen TTV Siegelach VI. Das zuerst genannte Spiel endete mit einem 8:0, die beiden anderen mit 8:1 Siegen des Ef.s. Ein Jugendlicher war ferner bereits am 27.08. 2010 in der zweiten Mannschaft beim Duell gegen die eigene erste eingesetzt worden. Derselbe Jugendliche hatte einen weiteren Einsatz in der zweiten Mannschaft am 05.11. 2010 gegen BffL Kaiserslautern II. Diese Begegnung endete unentschieden (7:7). Hinsichtlich dieser Partie vermerkte am 09.11. 2010 der Eg. in dem im Internet unter tt-info einsehbaren Spielbericht eine 8:5 Wertung für die gegnerische Mannschaft, in dem er die von dem Jugendlichen absolvierten Spiele als verloren kennzeichnete.
Der Einspruchsführer trägt vor, er habe vor Abgabe der Mannschaftsmeldung bei der Karteistelle angefragt wie oft Jugendliche in den Herrenmannschaften eingesetzt werden dürfen. Er habe die Auskunft erhalten, dass dies fünfmal geschehen könne. Hinweise auf Neuerungen habe es nicht gegeben und auch beim Bezirkstag sei nichts bekannt gegeben worden. Der Ef. sei davon ausgegangen, dass die Spielberechtigungsliste, in der alle Spieler aufgeführt seien, ausreichend sei. Schließlich seien auch die ersten Einsätze unbeanstandet geblieben. Erst bei dem Spiel der zweiten Mannschaft gegen BffL Kaiserslautern sei dies von einem gegnerischen Spieler reklamiert worden. Erst in der Folge der damit zusammenhängenden Einträge im Internet seien vom Eg. die vorherigen Spielergebnisse nachträglich geändert worden und der Ef. auf das Problem aufmerksam gemacht worden.
Der Ef. moniert, dass die Wertungen ohne Rücksprache und ohne ein ordentliches Urteil zu fällen, seitens des Eg.s vorgenommen worden seien.
Der Einspruchsführer beantragt sämtliche Wertungen, bei denen Mannschaften des Ef.s Punkte abgezogen wurden, rückgängig zu machen und diese Punkte den Mannschaften des Ef.s wieder zuzuschlagen.
Er gibt zu bedenken, dass mit der von der Karteistelle bescheinigten Spielberechtigung noch nicht die Einsatzberechtigung für eine bestimmte Mannschaft einher gehe.
Der Eg. wirft dem Ef. vor den Einsatz der Jugendlichen als E/J-Spieler nicht mit ihm abgesprochen zu haben. Diese Verpflichtung ergebe sich eindeutig aus der Wettspielordnung (WO). Im Übrigen sei ein Jugendspieler in zwei verschiedenen Mannschaften zum Einsatz gelangt, was gleichfalls ein Verstoß gegen die WO sei.
Die Vergehen seien ihm erst durch den Anruf des Spielers der BffL Kaiserslautern aufgefallen, da er die Einsatzberechtigung der Jugendspieler nicht mit jedem Spielbericht überprüfe, weil das Mitwirken von Jugendlichen inzwischen ein gewöhnlicher Vorgang sei. Das Spiel der zweiten Mannschaft des Ef.s gegen BffL Kaiserslautern habe er nicht mit 8:0 gewertet, weil der Mannschaftsführer des BffL Kaiserslautern schon vor Beginn des Spiels darauf hingewiesen habe, dass der Jugendliche nicht einsatzberechtigt sei. Dessen Partien seien daher von vorne herein kampflos verloren gewesen. Er habe nur außer Konkurrenz mitgewirkt, so dass die Mannschaft des Ef.s eigentlich nur zu dritt angetreten gewesen sei.
Der nach § 1, Abs. 2 Rechtsordnung (RechtsO) statthafte Einspruch ist auch zulässig.
Der Eg. ahndete die fehlerhaften Aufstellungen in seiner Eigenschaft als Klassenleiter und Rechtsorgan gemäß § 2 RechtsO, wodurch das Disziplinarverfahren in Gang kam.
Bei dem Ef. handelt es sich um einen Mitgliedsverein des PTTV (§ 3, Ziffer 2 PTTV-Satzung), so dass auch die in § 7 RechtsO beschriebene Anrufungsberechtigung besteht. Mit den vom Eg. vorgenommenen Punktabzügen wurde der Ef. auch belastet, weil dadurch die Chance auf eine bessere Platzierung im Klassement verringert wurden, was dem Ziel an der Teilnahme der Meisterschaftsrunde zuwider läuft, so dass auch das in § 8 RechtsO geforderte schutzwürdige Interesse zu bejahen ist.
Der Ef. hatte auch die in § 9, Ziffer 3 RechtsO normierte Frist von höchstens drei Wochen beachtet, da der Ef. frühestens mit dem Eintrag des Eg.s in tt-info vom 09.11. 2010 Kenntnis von dem Vorwurf nicht spielberechtigte Akteure eingesetzt zu haben, erfahren haben kann. Der Einspruch lag dem Spruchausschuss aber schon am 26.11. 2010 vor.
Auch der in § 11, Abs. 2 RechtsO, D. KostenO festgehaltenen Gebührenpflicht hatte der Ef. innerhalb der in § 11, Abs. 2, § 9 RechtsO genannten Frist entsprochen, da der Zahlungseingang schon am 24.11. 2010 verzeichnet werden konnte.
Der mit elektronischer Post eingelegte Einspruch entsprach auch den in § 14, Abs. 2 und 3 RechtsO formulierten Voraussetzungen.
Der Einspruch ist jedoch nur zum Teil begründet.
Die am 27.08., 17.09. und 01.10. 2010 begangenen Verstöße waren zum Zeitpunkt der Ahndung verjährt gewesen und können daher keine disziplinarrechtlichen Folgen mehr nach sich ziehen. Das am 27.08. 2010 ausgetragene Spiel kann dabei völlig unberücksichtigt bleiben, weil die vom Eg. diesbezüglich vorgenommene Verfügung vom Ef. gar nicht angegriffen wurde und auch ein darauf sich bezogener Einspruch folgenlos geblieben wäre, weil das betroffene Meisterschaftsspiel die Begegnung der beiden Mannschaften des Ef.s zum Gegenstand hatte und die Mannschaft, die nach Ansicht des Eg.s falsch aufgestellt hatte, ohnehin mit 0:8 unterlegen war.
Die Verjährung ergibt sich aus § 28, Abs. 2 RechtsO, wonach die Verjährungsfrist für Verstöße, die nicht dem Bagatellbereich (§ 28, Abs. 1 RechtsO) zuzuordnen sind, ein Monat beträgt. Diese Frist war zum Zeitpunkt der Wertung durch den Eg. am 15.11. 2010 längst abgelaufen. Dies vermag auch § 28, Abs. 4 RechtsO nicht zu ändern, wonach die Frist nicht mit dem Verstoß, sondern mit der Kenntniserlangung, zu laufen beginnt. Bewusst wurde dem Eg. der Aufstellungsfehler zwar erst durch den Hinweis des Spielers der BffL Kaiserslautern im November 2010. Dies ist hier jedoch unbeachtlich, weil der Eg. angab, dass er den Einsatz Jugendlicher als normal empfinde und grundsätzlich keinen Abgleich mit den Mannschaftsmeldebögen vornehme. Mit der Eingabe der Aufstellungen und Ergebnissen waren dem Eg. alle Fakten zugänglich gemacht worden. Dies entspricht der früheren Zustellung des papiernen Spielberichts. Eine entsprechende Kenntnisnahme des jeweiligen Spielberichts ist zu erwarten spätestens vor Beginn des nächsten Spieltags. Dies folgt auch daraus, dass die Vereine verpflichtet sind bis spätestens Sonntagabend den Spielbericht ins Internet zu übertragen. Wird diese Vorschrift befolgt, kann davon ausgegangen werden, dass der Spielbericht den Klassenleiter auch erreicht hat, so dass dessen Kenntnis fingiert werden kann.
Nachdem der Eg. die übrigen Spielberichte der betroffenen Spieltage auch nur wenige Tage nach der Austragung via Internet absegnete, ist davon auszugehen, dass er auch die betroffenen Spielberichte des Ef.s zeitnah in Augenschein genommen hatte. Ferner war seitens des Eg.s auch nichts Gegenteiliges behauptet worden und im Streitfall wäre ohnehin von ihm zu beweisen gewesen, dass und aus welchen zu rechtfertigenden Gründen eine zeitige Kenntnisnahme nicht möglich gewesen sein soll.
Für die Kenntnisnahme im Sinne des § 28, Abs. 4 RechtsO ist nicht erforderlich, dass ein eventuell zu ahndender Vorgang auch in rechtlicher Hinsicht entsprechend gewürdigt wird. Ausreichend ist insoweit nur die visuelle Wahrnehmung. Schließlich wäre auch das vorsätzliche Unterlassen der zeitnahen Prüfung der Spielberichte trotz deren rechtzeitigen Vorliegens eine unbeachtliche Vereitelung der Kenntnisnahme, denn aus der analogen Anwendung des § 199, Abs. 1 BGB folgt, dass die grob fahrlässige oder sogar vorsätzliche Unkenntnis der positiven Kenntnis gleichzusetzen ist.
Soweit jedoch keine Verjährung vorliegt, erfolgte die Ahndung durch den Eg. zurecht. Die Spiele waren für den Ef. gemäß G. 16.4, 2. Alternative WO als verloren zu werten, wobei die Wertung sich nach G. 16.8, 2. Alternative WO, richtet.
Der Ef. hatte in den angegebenen Spielen jeweils einen Spieler, konkret einen Jugendlichen, ohne Einsatzberechtigung antreten lassen.
Zwar hat der Ef. recht, dass die Jugendlichen eine Spielberechtigung besaßen, weil sie namentlich auf der Spielberechtigungsliste aufgeführt waren. Nach A. 3 Spielberechtigungsordnung ist damit deren Spielberechtigung nachgewiesen. Diese ist jedoch nur eine – von mehreren - Voraussetzungen für die Teilnahme des Spielers an offiziellen Sportwettkämpfen. Es handelt sich hierbei quasi um die Grundvoraussetzung (A. 14.1 WO). Während die weiteren Voraussetzungen der Spielberechtigung im Abschnitt B. 1 WO geregelt sind, ergibt sich aus G. 4.1 WO, dass der Einsatz eines spielberechtigten Spielers in einer konkreten Mannschaft daran geknüpft ist, dass er an einer bestimmten Position auf dem Mannschaftsmeldebogen aufgeführt ist, welcher wiederum vom zuständigen Klassenleiter geprüft und genehmigt wurde (G. 4.3 WO).
Daran fehlt es hier. Die Namen der Jugendlichen befanden sich nicht auf dem Mannschaftsmeldebogen der Herrenmannschaften des Ef.s, so dass sie für diese auch nicht hätten antreten dürfen. Daran ändert auch G. 5.1, Satz 5 WO nichts. Hier wird lediglich die Ermächtigungsgrundlage normiert, wonach es Jugendlichen gestattet werden kann, sowohl für Erwachsenen- als auch für Nachwuchsmannschaften einsatzberechtigt zu sein. Konkret sieht die WO hierfür zwei Modelle vor, von denen der Ef. jedoch keinen Gebrauch gemacht hatte. Nach G. 6.5 WO kann jeder Verein pro Mannschaft zwei Jugendspieler (E/J) melden. Aber auch diese Spieler müssen dem Klassenleiter gemeldet und auf dem Mannschaftsmeldebogen vermerkt sein (G. 6.5.8 WO). Andernfalls wäre ein unkontrollierter willkürlicher Einsatz möglich. Der Ef. hatte jedoch keinen seiner Jugendlichen für solche Einsätze gemeldet.
Daneben existiert seit diesem Spieljahr die Möglichkeit der doppelten Spielberechtigung gemäß E. 6 WO. Hier werden die Jugendlichen wie alle anderen auch in die Aufstellungen eingereiht, nachdem der Verein einen entsprechenden Antrag gestellt hat (E. 6.6. WO). Auch dies war seitens des Ef.s versäumt worden.
Dessen Vortrag etwaige Neuerungen seien ihm unbekannt gewesen, läuft ins Leere. Die Möglichkeit der E/J-Meldungen besteht schon seit Jahren und die doppelte Einsatzberechtigung war ausführlich auf den Internetseiten des PTTV publiziert worden. Jeder Verein hat eigenverantwortlich sicher zu stellen, dass ihm die veröffentlichten, amtlichen Mitteilungen auch bekannt sind (A. 5 Internetordnung). Unverständlich ist ferner, dass sich der Ef. nach der Anzahl der zulässigen Einsätze Jugendlicher in Aktivenmannschaften erkundigt, nicht aber nach den weiteren Voraussetzungen und Formalitäten. Der Karteistellenleiter hatte keine Veranlassung von sich aus ungefragt weitere Erläuterungen abzugeben, zumal diese Praxis schon seit Jahren zumeist reibungslos gelebt wird und weil mit der Frage an sich der Ef. ja zu erkennen gab, dass ihm das Instrument der Jugendlichen als Ersatzspieler bekannt gewesen sein musste, weshalb es nicht angezeigt war unaufgefordert über die Einzelheiten zu berichten.
Ob die Entscheidung des Eg.s korrekt war, bei einer Begegnung nur die einzelnen Spiele des unberechtigt eingesetzten Spielers als verloren zu werten, kann dahinstehen, weil der Spruchausschuss die Entscheidung des Eg.s nicht zu Lasten des Ef.s ändern darf. Wenn aber beide Parteien sich einig gewesen sein sollten, dass der Einsatz des Jugendlichen „außer Konkurrenz“ erfolgte, hätten auch im veröffentlichten Spielbericht dessen Name und die Ergebnisse nicht auftauchen dürfen. Der äußere Anschein spricht eher dafür, dass der Ef. von einem berechtigten Einsatz ausgegangen war und somit das gesamte Mannschaftsspiel für den Ef. als verloren zu werten gewesen wäre.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 36, Abs. 2 RechtsO. Insgesamt wurden dem Ef. von den auf sportlichem Weg nach G. 16.2 WO erzielten Punkte seitens des Eg.s sieben abgezogen. Davon wurden ihm nun wieder vier zuerkannt, so dass er also in diesem Verfahren zu 4/7 erfolgreich war.

References: § 1
 § 2
 § 7
 § 8
 § 9
 § 11
 § 11
 § 9
 § 14
 § 28
 § 28
 § 28
 § 199
 § 36