Source: https://notizen.duslaw.de/page/107/
Timestamp: 2018-03-23 18:49:43+00:00

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Unternehmensrechtliche Notizen - Seite 107 - von Prof. Dr. Ulrich Noack
Das Insti­tut der Wirt­schafts­prü­fer (IDW) legt ein Posi­ti­ons­pa­pier zu den bilan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der sog. Sub­prime-Krise vor. Es soll den Wirt­schafts­prü­fern eine Hil­fe­stel­lung bei der Prü­fung von IFRS- und HGB-Abschlüs­sen für das Geschäfts­jahr 2007 an die Hand geben und die Öffent­lich­keit über den aktu­el­len Mei­nungs­stand des IDW zu infor­mie­ren.
11. Dezember 2007 Ulrich Noack Kommentar hinterlassen
Eine für die Ver­eins­pra­xis wich­tige Ent­schei­dung hat der BGH am 10.12.2007 gefällt (Pres­se­mit­tei­lung: Keine Durch­griffs­haf­tung im Fall des insol­ven­ten Kol­ping-Bil­dungs­werk Sach­sen e.V.).
Selbst wenn ein e.V. sich sehr umfang­reich wirt­schaft­lich betä­tigt (und damit gegen das Neben­zweck­pri­vi­leg ver­stößt), führt allein die­ser Umstand nicht zur Mit­glie­der­haf­tung. Einem Haf­tungs­durch­griff der Gläu­bi­ger wegen Rechts­form­miss­brauchs ​„steht ent­ge­gen, dass das Gesetz gegen ein sol­ches Ver­hal­ten Vor­keh­run­gen getrof­fen hat, eine aus­fül­lungs­be­dürf­tige Lücke also nicht besteht: Als Sank­tion für eine der­ar­tige zweck­wid­rige unter­neh­me­ri­sche Betä­ti­gung des ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins sieht das Gesetz allein das Amts­lö­schungs­ver­fah­ren gemäß §§ 159, 142 FGG oder die behörd­li­che Ent­zie­hung der Rechts­fä­hig­keit nach § 43 Abs. 2 BGB vor. Erst durch einen der­ar­ti­gen Rechts­akt wird die Rechts­fä­hig­keit des Ver­eins been­det und die­ser zu einem nicht­rechts­fä­hi­gen wirt­schaft­li­chen Ver­ein, für des­sen Ver­bind­lich­kei­ten die Mit­glie­der — erst von die­sem Zeit­punkt an — per­sön­lich haf­ten (§ 54 BGB).”
10. Dezember 2007 Ulrich Noack Ein Kommentar
Aus der WELT ​„Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Wolf­gang Schäuble (CDU) machte sich für Rege­lun­gen stark, die den Kon­zer­nen die Offen­le­gung der Manage­ment­be­züge not­falls vor­schrei­ben. ​„Unter­neh­men, die sich einer sol­chen Publi­zi­tät ver­wei­gern, müs­sen gege­be­nen­falls durch ent­spre­chende Gesetze dazu gezwun­gen wer­den””
Ein Blick ins gel­tende Recht hilft: §§ 285 S 1 Nr 9 lit a S 5 bis 9, § 314 I Nr 6 S 5 bis 9 HGB ver­pflich­ten die bör­sen­no­tierte AG, zusätz­lich zum Aus­weis der Gesamt­be­züge auch die Bezüge jedes ein­zel­nen Vor­stands­mit­glieds unter Namens­nen­nung geson­dert anzu­ge­ben, und zwar auf­ge­teilt nach erfolgs­ab­hän­gi­gen und erfolgs­un­ab­hän­gi­gen Kom­po­nen­ten sowie sol­chen mit lang­fris­ti­ger Anrei­zwir­kung. Indi­vi­dua­li­siert anzu­ge­ben sind fer­ner etwaige Leis­tun­gen, die dem Vor­stands­mit­glied für Been­di­gung sei­ner Tätig­keit zuge­sagt sind.
Aller­dings kann die Haupt­ver­samm­lung (wie bei Por­sche gesche­hen) mit einer Mehr­heit von drei Vier­teln des ver­tre­te­nen Grund­ka­pi­tals für längs­tens fünf Jahre beschlie­ßen, dass die Anga­ben für das ein­zelne Vor­stands­mit­glied unter­blei­ben (§ 286 Abs. 5 HGB).
Kultur der Hauptversammlungen in D, F, I und GB
6. Dezember 2007 Ulrich Noack Kommentar hinterlassen
Ein auf dem Buch Busi­ness is Show­busi­ness von Dr. Bri­gitte Biehl basie­ren­der Ver­gleich der Haupt­ver­samm­lun­gen fin­det sich bei dem ​„Club of Flo­rence”: Thea­trics of Annual Gene­ral Mee­tings — a Euro­pean com­pa­ri­son.
„This study ana­ly­zes Annual Gene­ral Mee­tings ​„as” Per­for­mance. The thea­tri­cal and per­for­mance-rela­ted aspects of those pre­sen­ta­ti­ons like sce­no­gra­phy, stage design, out­fit, rhe­to­ric and Q&A, are ana­ly­sed in terms of their effi­cacy.”
So heißt es etwa über die Rede­kunst der Vor­stände: ​„French direc­tors deli­ver the impres­sion that they are really happy to speak to their share­hol­ders. Whe­ther they are posi­tive or not, one will never know, but the per­for­mance at least shows a dyna­mic atti­tude. Ger­man CEOs stand behind their lec­tern, are not even gesti­cu­la­ting and in con­se­quence show little per­so­na­lity and sim­ply act in a boring way.” Oder über die Raum­ge­stal­tung: ​„Ger­man Manage­ment tends to appear very ele­va­ted on stage, try­ing to create an impres­sion of hig­her ​„aut­ho­rity”. Room­st­ruc­ture is sym­bo­li­cally char­ged and hence ​„read­a­ble” as a sign-sys­tem. It is crea­ting a rea­lity which puts both part­ners of the inter­ac­tion into pre­scri­bed roles.”
Über die Gene­ral­de­batte und Aktio­närs­fra­gen: ​„Ger­man com­pa­nies do not make public the shareholder´s ques­ti­ons on the inter­net after the AGM … All Dax-com­pa­nies throw out TV- and radio-jour­na­list when the debate starts. Almost all inter­net web­casts stop in this very moment – excep­ti­ons in 2005 have been MAN, RWE und Thys­sen­Krupp. For rea­sons of ​„per­so­na­lity rights”, they say. But all share­hol­der rep­re­sen­ta­ti­ves and almost every pri­vate share­hol­der signa­lise their wil­ling­ness for public trans­mis­sion. How come!” – Die Liste der die Gesamt­ver­an­stal­tung über­tra­gen­den Gesell­schaf­ten ist nicht voll­stän­dig; jeden­falls auch die Deut­sche Tele­kom, die Alli­anz SE und die Mün­che­ner Rück boten eine Inter­net­über­tra­gung bis zum Ende der HV.
In ​„Der Betrieb” (Nr. 48 v. 30.11.2007) wer­tet RA Prof. Dr. Dr. h.c. Cars­ten P. Claus­sen (Jahr­gang 1927): ​„Der Gesetz­ent­wurf ist behut­sam mit sei­nen Neue­run­gen, bedäch­tig in sei­nen Ein­grif­fen in bewährte Struk­tu­ren und bringt viele ein­lei­tend erwähnte Vor­teile. 2008 wird die Hea­rings brin­gen, bei denen über Details gespro­chen wird, aber die Fun­da­men­ta­lent­schei­dun­gen nicht pro­ble­ma­ti­siert wer­den soll­ten. Damit ist der Weg frei, dass im nächs­ten Jahr das Bilanz­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz im Bun­des­an­zei­ger gedruckt sein wird, denn poli­tisch bewegt sich der Ent­wurf in einem neu­tra­len Umfeld. Ceterum cen­seo: Ein gelun­ge­nes Werk, das sei­nen Meis­ter ehrt.”
Im ​„Betriebs-Bera­ter” (Nr. 47 v. 15.11.2007) befin­det der Mann­hei­mer Betriebs­wirt­schafts­pro­fes­sor Jens Wüs­te­mann (Jahr­gang 1970) ganz anders: ​„Aus den Fugen: Refe­ren­ten­ent­wurf eines Bilanz­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes — Es dro­hen ein Wan­del im bewähr­ten GoB-Ver­ständ­nis, die Abkehr von zweck­ge­rech­ten Norm­be­grün­dun­gen und eine Ent­ob­jek­ti­vie­rung von Bilanz­in­hal­ten … ein Rück­fall in die über­wun­dene Klein­tei­lig­keit und Belie­big­keit rechts­form­ab­hän­gi­ger Bilan­zie­rung … Schon der ​„Aus­gangs­punkt” der Geset­zes­be­grün­dung im Refe­ren­ten­ent­wurf über­zeugt nicht”.
Mehr zum Thema in der soeben erschie­ne­nen Dezem­ber­aus­gabe von Status:Recht. Ein Edi­to­rial von RA/​StB/​WP Dr. Welf Mül­ler, eine Über­sicht von WP/​StB Dr. Bernd Stibi, eine Bil­MoG-Betrach­tung durch die ​„Steu­er­brille” von Prof. Dr. Ulrich Prinz und Inter­views mit Dr. Chris­toph Ernst (BMJ) und Klaus-Peter Nau­mann (IDW).
Das OLG Mün­chen v. 14.9.2007, 31 AR 211/07) sagt dazu: Durch den mit Wir­kung vom 1.11.2005 ein­ge­füg­ten § 246 Abs. 3 Satz 2 AktG („Ist bei dem Land­ge­richt eine Kam­mer für Han­dels­sa­chen gebil­det, so ent­schei­det diese an Stelle der Zivil­kam­mer.”) wird die aus­schließ­li­che funk­tio­nelle Zustän­dig­keit der Kam­mer für Han­dels­sa­chen begrün­det mit der Folge, dass nur diese zur Ent­schei­dung beru­fen ist. Die Norm ist ent­spre­chend auf Anfech­tungs­kla­gen gegen Beschlüsse der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung einer GmbH anzu­wen­den. Mit der ver­bind­li­chen Zuwei­sung die­ser Ver­fah­ren an die Kam­mer für Han­dels­sa­chen wird vor allem deren beson­dere Sach­kunde nutz­bar gemacht. Die funk­tio­nell unzu­stän­dige Zivil­kam­mer kann den Rechts­streit, für den eine aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit der Kam­mer für Han­dels­sa­chen besteht, von Amts wegen form­los an diese abge­ben. Der fort­ge­schrit­tene Ver­fah­rens­stand schließt die Abgabe nicht aus; denn die Zustän­dig­keits­re­ge­lung ist zwin­gend und kann weder durch die Geschäfts­ver­tei­lung des Gerichts abwei­chend gere­gelt noch aus Grün­den der Pro­zess­öko­no­mie im Ein­zel­fall außer Acht gelas­sen wer­den.
Ins­be­son­dere die neue Defi­ni­tion des abge­stimm­ten Ver­hal­tens (§ 22 II WpHG-E, § 30 II WpÜG-E) ​„schießt über das Ziel hin­aus”. ​„Nach dem Gesetz­ent­wurf wäre auch ein Zusam­men­wir­ken zur Erhal­tung des Sta­tus quo mel­de­pflich­tig. Ein schutz­wür­di­ges Inter­esse der Unter­neh­mens­füh­rung, ein orga­ni­sier­tes Vor­ge­hen gegen eine Umge­stal­tung der unter­neh­me­ri­schen Aus­rich­tung der Ange­bots- und Mel­de­pflicht zu unter­wer­fen, besteht jedoch nicht. Viel­mehr besteht in die­sem Falle die Gefahr, dass diese Aktio­närs­gruppe — und sei es fahr­läs­sig — ihr Stimm­recht ver­liert und somit das Ziel des Gesetz­ent­wurfs, die Risi­ken für die Ziel­un­ter­neh­men zu schmä­lern, gera­dezu kon­ter­ka­riert wird.”
Vor­ge­schla­gen wird für die Namens­ak­tie eine Prüf­bitte dahin, ​„ob nicht auf die vor­ge­schla­ge­nen Ände­run­gen des § 67 AktG ver­zich­tet wer­den sollte, weil sie die Han­del­bar­keit von Namens­ak­tien ver­schlech­tern und des­halb zu Kurs­ab­schlä­gen füh­ren kön­nen.” Fer­ner: ” Es steht daher zu befürch­ten, dass auf Grund der im Geset­zes­ent­wurf vor­ge­schla­ge­nen Sank­tion bei Nicht­er­fül­lung des Aus­kunfts­ver­lan­gens Aktio­närs­grup­pen das Stimm­recht in der Haupt­ver­samm­lung strei­tig gemacht wer­den kann.”
Aktiengesellschaft Rechtspolitik Übernahmerecht
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References: BGH 
 § 43
 § 314
 § 246
 § 30
 § 67