Source: http://beteiligung-pflegekinderhilfe2015.de/?page_id=180
Timestamp: 2017-12-15 16:01:08+00:00

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Workshops und AGs | IGfH
Workshops/Arbeitsgruppen (120 Min.)
Diskutieren Sie mit Fachleuten und Kolleg_innen zu Fragen der Pflegekinderhilfe und der Beteiligungs- wie Schutzrechte! Hierfür finden Sie pro Tag 10 Workshops oder Arbeitsgruppen im Programm der Fachtagung. Einige Workshops/Arbeitsgruppen werden sowohl am ersten wie auch am zweiten Tag angeboten, andere sind nur einmalig ausgerichtet.
In den Workshops gibt es keine Vorträge oder längeren Inputs der Referent_innen. Der Schwerpunkt liegt hier in der gemeinsamen Bearbeitung des Themas. Arbeitsgruppen können durchaus einen längeren Vortrag (max. 45 Minuten) der Referent_innen beinhalten. Im Anschluss daran wird diskutiert.
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1. Tag, 16.03.2015, 17.00 bis 19.00 Uhr
1 – Workshop
Synergie statt Reibungsverluste – Zusammenarbeit in der PKH
Andrea Dittmann (Universität Siegen, Forschungsgruppe Pflegekinder)
2 – Workshop
Partizipation in der Pflegekinderhilfe – dazu gehören auch die Eltern!
(Kompetenzzentrum Pflegekinder e. V.)
3 – Workshop
Verwandtenpflege: verschlungene Wege zu guten Bedingungen für das Kind?
Sabine Simon (PiB-Pflegekinder in Bremen)
Thomas Gerling-Nörenberg (Fachdienst Adoptions- und Pflegekinder, Jugendamt Stadt Münster)
Beurteilung der Eignung von Pflegefamilien
Bernd Antonowitsch (Fachdienst Sozialpädagogische Hilfen/Jugendamt, Kreis Dithmarschen)
Christa Pahls-Korzonnek (Pflegekinderdienst und Adoptionsvermittlung/Jugendamt, Landkreis Celle)
Krisen und Krisenintervention in Pflegefamilien
Benno Schweizer (St. Mauritz Kinder- und Jugendhilfe Münster)
Annette Tenhumberg (Fachdienst Adoptiv- und Pflegekinder, Stadt Münster)
6 – Arbeitsgruppe
Nach Hause?! Rückführungsoption und Perspektivklärung in der Pflegekinderhilfe
Dirk Schäfer, Judith Pierlings (Universität Siegen, Forschungsgruppe Pflegekinder)
Henrike Hopp (Internetportal zur Pflegekindschaft und Adoption, moses-online)
8 – Workshop
Wie kommen wir zu einer kultursensiblen Pflegekinderhilfe?
Gülseren Celebi (PlanB Ruhr e. V.)
Monika Ferfers (Pflegeelterndienst, Jugendamt Mönchengladbach)
9 – Workshop
„Mit Kindern reden“ – Kommunikation mit Kindern „Erklär mir Deine Welt“
Corinna Petri (Universität Siegen, Forschungsgruppe Pflegekinder)
Imke Büttner (LWL Landesjugendamt)
10 – Arbeitsgruppe
Übergänge für Pflegekinder gestalten – Care Leaver
Britta Sievers (IGfH Frankfurt am Main)
Diana Eschelbach (Berlin)
Informationen zu den einzelnen Workshops und Arbeitsgruppen
Eine Aufstellung aller beteiligten Institutionen und Personen (ASD, PKD, Vormünder, …), die sich um eine Pflegefamilie gruppieren, würde mitunter eine verwirrende Ansicht erzeugen – erst recht, wenn auch die unterschiedlichen Interessen, Vorgaben und Arbeitsweisen in das Bild integriert werden sollten. Die Kooperation dieser verschiedenen Akteur_innen erzeugt nicht selten Reibung. Was also muss geschehen, damit die unterschiedlichen Ansätze und Sichtweisen fruchtbar und nutzbar gemacht werden können – oder im Sinne der Pflegekinderhilfe: Wie kann eine wirkliche Koproduktion zum Wohle des Pflegekindes unter diesen Bedingungen gelingen? In diesem Workshop sollen die einzelnen Perspektiven und Aufgabenstellungen der beteiligten Dienste kurz beleuchtet und dann exemplarisch in einem konkreten Koproduktionsmodell zusammengeführt werden.
Die Unterstützung der leiblichen Eltern durch Beratung ist in § 37 Absatz 1 SGB VIII gesetzlich festgelegt. Gleichwohl existieren kaum Konzepte zum Einbezug der Eltern in Dauerpflegeverhältnissen. Persönliche Beratungskontakte mit den leiblichen Eltern finden nur insoweit statt, als zu Beginn der Hilfe um ihre Mitwirkung gerungen wird oder sie in krisenhaften Verläufen, manchmal unter Einschaltung von Familiengerichten, eine „störende“ Rolle spielen. Für den Großteil der Pflegeverhältnisse gilt: Wenn die Eltern sich zurückziehen oder ruhig verhalten, findet Elternberatung nicht statt. Damit wird eine wertvolle Chance für das Gelingen von Pflegeverhältnissen vertan.
In diesem Workshop sollen konzeptionelle Ansätze erarbeitet werden, Eltern auf verschiedene Weisen zu beteiligen und mit ihnen zu arbeiten, selbst wenn eine Rückkehr der Kinder nahezu ausgeschlossen werden kann.
Verwandtenpflege: Gute Bedingungen brauchen professionelle Unterstützung
Im Jahr 2011 lebten fast 19.000 Kinder in Vollzeitpflege bei Verwandten. Wie viele es tatsächlich sind, wissen wir nicht, denn die Jugendhilfe ist nur gefragt, wenn Hilfe zur Erziehung nach § 33 SGB VIII beantragt wird. Der Wunsch nach einem „offiziellen Pflegeverhältnis“ nimmt stetig zu, und hier sehen sich die Fachkräfte der Pflegekinderhilfe oft vor einem scheinbar nicht zu lösenden Konflikt: entweder erkennen sie die für das Kind sorgenden Verwandten als offizielle Pflegepersonen an, obwohl diese nicht oder nur zum Teil die erforderlichen Qualifikationen mitbringen, oder sie verzichten gänzlich auf Einblick in die Familie und die oft dringend benötigte Beratung und Unterstützung. Die Arbeitsgruppe wird sich mit dieser Thematik beschäftigen, um Aus-Wege aus diesem Dilemma zu finden.
Im Workshop werden zunächst die neuen Empfehlungen (Juni 2014) des Deutschen Vereins zum Thema Verwandtenpflege vorgestellt und es schließt sich eine Diskussion an.
Es werden dann Beispiele vorgestellt, wie es gelingen kann, Familien für die Zusammenarbeit zu gewinnen, indem man z. B. Angebote speziell für die besonderen Bedarfe und Voraussetzungen schafft. Anschließend geht es vornehmlich um Fragen der qualitativen Einschätzung zur Eignung und um Informationen zur rechtlichen Situation in der Verwandtenpflege.
Thomas Gerling-Nörenberg (Verwandtenpflege, Jugendamt Stadt Münster)
Worauf kommt es eigentlich an, wenn für jedes Kind und jeden Jugendlichen eine geeignete Pflegefamilie gefunden und gewonnen werden soll? Können Kriterien wie Alter, finanzielle Situation, gesundheitlicher Zustand, Alter der eigenen Kinder im Verhältnis zum Pflegekind, Bindungstoleranz und Reflexionsfähigkeit, die in „Checklisten“ zu finden sind, einfach abgeprüft werden? Oder geht es um Mut zur Vielfalt, Toleranz, Offenheit für unterschiedliche Lebensformen, Zuhören, Werbung, Kreativität auf Seiten der Fachkräfte? Muss beides verbunden werden und wie kann das gehen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich der angebotene Workshop.
Christa Pahls-Korzonnek (Pflegekinderdienst und Adoptionsvermittlung, Landkreis Celle)
Krisen kommen in allen Lebensläufen und Lebensbezügen vor. Sie begleiten notwendige Veränderungsprozesse, sind von vorübergehender Dauer und in der Regel durch eine massive Dynamik gekennzeichnet. In Krisen zerfallen Strukturen und Selbstregulierungsmechanismen. Auf der familialen Ebene verändern sich Strukturen z.T. in einem solchen Maß, dass (Pflege-)Eltern ihre Rollen nicht ausüben und die alltäglichen Abläufe nicht mehr steuern können.
Schnelle, die Krise entschärfende und Orientierung bietende Hilfe ist in diesen Situationen erforderlich. Als Familie eine Krise „öffentlich“ zu machen verlangt aber auch, Vertrauen zu haben. In der Pflegekinderhilfe heißt dies, dass über eine vertrauensvolle Zusammenarbeit hinaus zwischen Pflegefamilie und Fachkraft eine Klärung bezüglich verschiedener Fragestellungen erfolgt sein muss: Was bedeutet eine Krise für diese Pflegefamilie? Wann muss sie sich mit der Fachkraft in Verbindung setzen und was darf sie an Unterstützung erwarten? Die Fachkraft muss klären, was einerseits die Familie zur Bearbeitung benötigt und auf der anderen Seite das Pflegekind braucht.
Geplante Rückführungen aus Pflegefamilien in die Herkunftsfamilien finden in der Praxis der Pflegekinderhilfe kaum statt. Dies hat vielfältige Gründe. Der Rückkehrprozess eines Pflegekindes in seine Herkunftsfamilie ist ein besonders komplexer Vorgang, der Kinder und Erwachsene, aber auch die beteiligten Dienste vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Um die Entwicklungschancen der Kinder und die Lebensbedingungen in beiden Familien zu verbessern, sind unterschiedlichste zentrale Fragen im Vorfeld zu entscheiden: Wird bereits bei der Aufnahme des Pflegekindes geklärt, ob eine Rückführungsoption besteht? Werden die Hindernisse, die einer Rückkehr im Wege stehen, klar benannt? Wie sieht die Unterstützung zum Abbau der Rückkehrbarrieren aus? Wer ist dafür zuständig, dass die Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie verbessert werden? Stehen dafür Finanzmittel zu Verfügung?
Auf der Grundlage eines aktuell abgeschlossenen Praxisforschungsprojekts der Forschungsgruppe Pflegekinder werden aktuelle Wissensbestände vermittelt und anschließend fachliche Konsequenzen und Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Pflegekinderhilfe diskutiert.
Eine aufbauende Teilnahme an WS 16 (Fallwerkstatt) am folgenden Tag ist sehr gut möglich.
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen können in besonderem Maße von der Zuwendung in einer familiären Umgebung profitieren. Aus diesem Grund hat sich Deutschland als Vertragsstaat der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, für Kinder mit Behinderungen Formen der Betreuung in einem familienähnlichen Umfeld zu gewährleisten (Art. 23 Abs. 5 UN-BRK). Die Betreuung von behinderten Kindern und Jugendlichen stellt in besonderer Weise die Frage nach dem Verhältnis von stationärer Unterbringung zur Unterbringung in der Familienpflege. Fragen der sachlichen Zuständigkeit zwischen Sozialhilfe und Kinder- und Jugendhilfe, fehlende Standards und offene Finanzierungsfragen eröffnen potenziellen Pflegefamilien behinderter Kinder häufig ein hohes Maß an Unsicherheit.
Der Workshop beschäftigt sich mit den bisherigen Erfahrungen bei der Förderung und Unterstützung von Pflegeeltern mit behinderten Kindern und Jugendlichen. Weiterhin werden mit den Teilnehmenden die Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Themenfeldes erörtert.
Der Anteil der Familien mit Migrationsgeschichte in Deutschland wächst. Wie kann es der Pflegekinderhilfe gelingen, auch Pflegefamilien mit Migrationsgeschichte für Pflegekinder mit Migrationsgeschichte zu gewinnen?
Am Beispiel des Modellprojektes von „Plan B“ (www.planb-ruhr.de) und der Arbeit eines Pflegeelterndienstes sollen einige Antworten vorgestellt und mit den Teilnehmer_innen des Workshops die Erfahrungen diskutiert werden. Erste Antworten auf Fragen nach der Suche geeigneter Pflegefamilien, speziellen Vorbereitungskursen und der Religionsfrage beim Matching sollen gemeinsam entwickelt werden.
Kommunikation mit Kindern – „Erklär mir Deine Welt“
Die Kinder sind es, die im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Um ihr Wohlergehen und Wohlbefinden drehen sich die Einschätzungen und Entscheidungen von Fachkräften sowie auch das Bemühen und die Fürsorge der Pflegeeltern. Dabei beraten und diskutieren die Erwachsenen viel darüber, was gut für die Kinder ist. Sie tauschen Informationen aus und stellen fest, was die Kinder für ihre Entwicklung brauchen.
Um die Bedürfnisse der individuellen Kinder erfassen und verstehen zu können, bedarf es jedoch weit mehr: erforderlich ist eine feinfühlige Kommunikation mit den Kindern. Nur so können Erwachsene einen Zugang zu deren Erlebenswelten bekommen und auf diese Weise angemessene Formen der Beteiligung finden. In alltäglichen aber auch besonderen Situationen – etwa im Kontext des Kinderschutzes – ist es von entscheidender Bedeutung, wie Fachkräfte oder Pflegeeltern mit welchem Ziel mit Kindern altersangemessen sprechen können. Hierzu werden Grundlagen und Methoden vorgestellt und im Erfahrungsaustausch entlang von Beispielen erprobt und diskutiert.
Als Care Leaver werden im englischsprachigen Raum junge Menschen bezeichnet, die einen Teil ihres Lebens in stationären Erziehungshilfen (Wohngruppen, Pflegefamilien etc.) verbracht haben und vor dem Übergang in ein selbstständiges Leben stehen oder bereits die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe verlassen haben. Das – im Vergleich zum Auszugsalter anderer junger Menschen – frühe Hilfeende stellt hohe Anforderungen an die Lebenskompetenzen der Care Leaver und steht in einem starken Kontrast zu den biografischen Vorerfahrungen und prekären Lebensverhältnissen, denen viele von ihnen entstammen.
Bei der konzeptionellen Weiterentwicklung der Pflegekinderhilfe sollte es daher weniger um formalisierte Verselbständigungs-Programme gehen, sondern primär um die Stärkung der emotionalen Stabilität von Pflegekindern sowie deren Unterstützung bei der Weiterentwicklung von Unterstützungsnetzen.
Wesentlich ist zudem, dass die Fachkräfte im Pflegekinderbereich jugendliche Pflegekinder vor der Volljährigkeit über den Rechtsanspruch auf eine fortgeführte Hilfe informieren und sie bei der Geltendmachung des Anspruchs unterstützen. Von Bedeutung ist hier auch das Aufzeigen von Schnittstellen zu anderen Sozialleistungssystemen und Handlungsoptionen im Hinblick auf (weitere) Anschlusshilfen. In dieser Arbeitsgruppe werden relevante rechtliche Grundlagen erläutert und Ergebnisse aus den Care-Leaver-Projekten der IGfH und Uni Hildesheim vorgestellt; zudem besteht Raum für den Austausch und das Einbringen der Erfahrungen der Teilnehmer_innen.
Britta Sievers (IGfH, Frankfurt am Main)
2. Tag, 17.03.2015, 9.00 bis 11.00 Uhr
11 – Arbeitsgruppe
Zusammenarbeit in der PKH – Perspektivklärung in gemeinsamer Verantwortung
Andrea Dittmann, Judith Pierlings (Universität Siegen, Forschungsgruppe Pflegekinder)
12 – Workshop
Nicht jedes Ende muss ein Scheitern sein – qualifizierte Entscheidungsfindung bei schwierigen Problemen im Pflegeverhältnis
Judith Pöckler-von Lingen, Nicole Lüllmann (PiB-Pflegekinder in Bremen)
13 – Workshop
15 – Arbeitsgruppe
Der Vormund in der Pflegefamilie – „was hat der hier zu suchen“?
Peter Nied (Jugendamt Stuttgart)
Dr. Carmen Thiele (PFAD-Bundesverband Berlin)
16 – Workshop
Rückkehrprozesse in der Pflegekinderhilfe – eine Fallwerkstatt
Dirk Schäfer (Universität Siegen, Forschungsgruppe Pflegekinder)
17 – Arbeitsgruppe
Qualitätssicherung gem. § 79 a SGB VIII in der Pflegekinderhilfe
Andreas Sahnen (Pflegekinderdienst Jugendamt Düsseldorf)
Norbert Struck (Paritätischer Wohlfahrtsverband)
18 – Workshop
Skandal oder Skandalisierung? Berichterstattung über die „katastrophalen Fälle“ in der PKH
Jens Schneider (Süddeutsche Zeitung)
Christina Wilde (Universität Siegen, Forschungsgruppe Pflegekinder)
19 – Arbeitsgruppe
Eskalation und Abbruchprozesse
Clara Bombach (ZHAW Hochschule Zürich)
Andy Jespersen (Universität Siegen, Forschungsgruppe Pflegekinder)
20 – Workshop
Beteiligung von Pflegekindern in der Hilfeplanung
Heidrun Sauer (Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e. V.)
Helga Heugel (Pflegekinderdienst Jugendamt Stuttgart)
Für die Entwicklung von Pflegekindern sind geklärte Perspektiven bezüglich ihres kontinuierlichen Lebensmittelpunktes von großer Bedeutung; darüber besteht weitgehend Konsens in der Pflegekinderhilfe.
Entsprechend wird die Perspektivklärung im Sinne einer Entscheidung zwischen Platzierung auf Zeit oder auf Dauer als wichtige Aufgabe der Fachkräfte angesehen, bei der es darum geht, einen Prozess der fachlich begründeten Meinungsbildung zu gestalten. Hier ist die Koproduktion der beteiligten Dienste und Fachkräfte von zentraler Bedeutung, um die relevante Entscheidungsbasis gemeinsam herzustellen und Reibungsverluste im Zuständigkeitsdschungel zu vermeiden. Welche Voraussetzungen sind dafür zu schaffen, welche Aufgabenteilung ist hier sinnvoll und welche Vereinbarungen sind in diesem Sinne zu fixieren? In dieser Arbeitsgruppe sollen Antworten auf diese Fragen gesucht werden.
Das Aufwachsen in einer Pflegefamilie ist für viele Kinder eine gute Alternative, wenn es zu Hause – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr geht. Aber was ist, wenn es auch in der Pflegefamilie schwerwiegende Probleme gibt, die sich trotz aller Lösungsversuche als nicht veränderbar zeigen? Was hat Vorrang: die Bindung zwischen Kindern und Pflegefamilie und das Bemühen um Kontinuität in einer Biografie, die sowieso schon Brüche aufweist? Oder die (rechtzeitige) Beendigung einer Situation, in der z. B. destruktive, konflikthafte Beziehungsmuster zu einer dauerhaften Stressbelastung für alle Beteiligten führen?
Für diese Entscheidung gibt es keinen „Königsweg“. Wir werden im Workshop auf der Grundlage eines Fallbeispiels verschiedene Methoden erproben, mit deren Hilfe Eindrücke, Wahrnehmungen und ambivalente Äußerungen der Beteiligten reflektiert und erörtert werden können. Ziel ist es, für die eigene fachliche Entscheidung mehr Sicherheit zu gewinnen.
Partizipation in der Pflegekinderhilfe – dazu gehören auch die Eltern
Zumindest seit der Vormundschaftsreform 2011/2012 suchen die Vormünder sehr viel häufiger als früher den Kontakt zu ihren Mündeln – natürlich auch in Pflegefamilien. Dadurch können bei den Beteiligten unterschiedliche Gefühle ausgelöst werden. Zunächst einmal „stört“ der Vormund die Intimsphäre der Familie. Jedoch wird er zu einem weiteren Ansprechpartner, welcher möglicherweise einen intensiveren und häufigeren Kontakt zur Pflegefamilie hat als die Fachkräfte des ASD und der Pflegekinderdienst.
Wie hilfreich ist nun die stärkere Präsenz des Vormunds für das Mündel in Bezug auf Beteiligung und Förderung? Wie profitiert das gesamte „Helfersystem“? Wie können die unterschiedlichen Rollen kommuniziert werden? Was muss beachtet werden, um Rollenkonflikte zu vermeiden?
Anhand konkreter Fallbeispiele wird den Teilnehmer_innen mit der Methode des szenischen Fallverstehens ein Einblick in das Denken, Fühlen und Handeln der unterschiedlichen relevanten Akteur_innen vermittelt. Im Anschluss werden Konsequenzen für die Begleitung, Zusammenarbeit und Unterstützung von Pflegekindern, Pflegefamilien und Herkunftsfamilien festgehalten.
Durch den neuen § 79a SGB VIII ‚Qualitätsentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe‘ wurden durch das Bundeskinderschutzgesetz das Aufgabenfeld und der Auftrag der Jugendhilfe zum 1.1.2012 erweitert. Der § 79a benennt, dass die Träger der öffentlichen Jugendhilfe für alle Aufgaben nach § 2 SGB VIII Grundsätze und Maßstäbe für die Bewertung der Qualität und geeignete Maßnahmen zur Gewährleistung entwickeln müssen. Weiterhin wird ausgeführt, dass diese Grundsätze und Maßstäbe weiterzuentwickeln, anzuwenden und regelmäßig zu überprüfen sind. Sowohl die Qualitätskriterien als auch die Verfahren zur Qualitätsentwicklung sollen regelmäßig überprüft werden. Qualitätsentwicklung soll als ein dynamischer Prozess gestaltet werden, der sowohl inhaltlich als auch verfahrensmäßig angesichts neuer Erkenntnisse und Erfahrungen reflektiert und ggf. verändert werden soll.
Für die Pflegekinderhilfe bedeutet dies einerseits zu erarbeiten und zu definieren, was Qualitätskriterien in der Pflegekinderhilfe sind, und zum anderen, dass Verfahren der Qualitätsentwicklung entworfen und in den Alltag der Praxis integriert werden müssen.
Skandal oder Skandalisierung? Berichterstattung über die „katastrophalen Fälle“ in der Pflegekinderhilfe
Todesfälle von Pflegekindern beschäftigen eine breite Öffentlichkeit. Die Medien berichten darüber, Soziale Dienste werden kritisch befragt und fühlen sich manchmal an den Pranger gestellt. Mit dem renommierten Journalisten Jens Schneider (Süddeutsche Zeitung) soll das Zusammenspiel von Medienberichterstattung und Reaktionen der betroffenen Fachkräfte analysiert werden. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle: Wie können sich Fachkräfte verhalten, die sich plötzlich im Mittelpunkt einer aufgeregten Medienberichterstattung wiederfinden?
Abbrüche von Pflegeverhältnissen können für die Kinder und Erwachsenen als schwere Belastung erlebt werden und sie tief erschüttern. In der Arbeitsgruppe sollen Wege gesucht werden, wie solche plötzlichen ungeplanten Beendigungen verhindert oder zumindest so gestaltet werden können, dass Belastungen für alle Beteiligten und Risiken für die Pflegekinder vermindert werden.
Zur Einführung wird ein kurzer Input zu den Faktoren gegeben, die abbruchbegünstigende und eskalationsfördernde Prozesse beeinflussen. Daran schließt die Vorstellung des aktuellen Forschungsprojektes „Foster Care Placement Breakdown“ an. In dem Projekt werden Entwicklungsverläufe von Abbruchprozessen in Pflegefamilien rekonstruiert und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Faktoren in der Pflegefamilie, beim Pflegekind, den sozialen Diensten und den Rahmenstrukturen des Hilfesystems untersucht.
Die Teilnehmenden diskutieren dann ihre Erfahrungen mit Abbrüchen in Pflegefamilien und fragen gemeinsam nach den Stellen, an denen die begleitenden Sozialen Dienste wichtige Handlungsoptionen in Abbruchprozessen haben, die sie zugunsten der Pflegekinder nutzen können.
Eine Voraussetzung dafür, dass sich Pflegekinder auf ihre Lebenssituation einlassen können, ist ihre systematische Beteiligung an allen ihr Leben betreffenden Entscheidungen. Orientiert an ihrem Alter und Entwicklungsstand und ihrer konkreten Situation bei der Inpflegegabe sind sie an den Entscheidungen über Art und Form der Hilfe, der ‚Auswahl‘ der Pflegefamilie, an Entscheidungen über Umgangskontakte und zu Verbleibensentscheidungen sowie an der Wahl des Lebensortes nach Beendigung eines Pflegeverhältnisses zu beteiligen. Wo Kinder ihre Interessen noch nicht selbst vertreten, ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht selbst artikulieren können, ist ihnen eine Vertretung nicht nur in Gerichtsverfahren, sondern auch in der Hilfeplanung zur Seite zu stellen.
Diese Grundsätze sind unbestritten, deren Umsetzung in der Praxis fordert aber nicht nur die Kinder und Jugendlichen heraus, sondern auch die beteiligten Erwachsenen.
Im Mittelpunkt des Workshops stehen Strukturen, Methoden und Haltungen, die die Beteiligung von Pflegekindern in der Hilfeplanung unterstützen und ermöglichen.

References: § 37
 § 33
 § 79
 § 79
 § 79
 § 2