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Timestamp: 2020-02-28 12:05:12+00:00

Document:
HV-Magazin-3-2019
Sturmfest machen
Kenne Deine Aktionäre
HV-Max - Die Kolumne
Vertrauen verschoben
Die neue Macht der Aktionäre
Bernhard Orlik, Daniela Gebauer, Link Market Services
Lehren aus der HV-Saison 2019
Vorworte in Geschäftsberichten
Digitalisierung der Hauptversammlung setzt sich durch
Christian Jeschke, Computershare
Standard-Aktionärsportal
Bosse verdienen weniger – aber nicht alle
Vorstandsvergütungsstudie 2018
§137 AktG
Die neue Waffe aktivistischer Aktionäre?
Unterlassungsklage gegen die Ausgabe neuer Aktien
HV-Kalender / Impressum
Erfolgreich an der Wiener Börse
Möglichkeiten des Kapitalmarkts aktiv nutzen
03 2019 h - v e d . n i z a g a m R U E – , 4 1 Die neue Macht der Aktionäre Lehren aus der HV-Saison 2019 KLARTEXT STATT KAUDERWELSCH Hauptversammlungsreden der Konzernchefs unter der Lupe AKTIONÄRSPORTAL Auch kleinere Unternehmen setzen zunehmend auf digitale HV VORSTANDSVERGÜTUNGEN Ein bisschen weniger – aber nicht für alle
I I T R E Z F T R E Z I weil die Prozesse der Versammlungsvorbereitungen und -durchführungen stimmen – bei Haupt-, Gläubiger- und Gesellschafterversammlungen für die Organisation, Terminplanung und -überwachung, das Einladungsmanagement, die Registration und Abstimmungen von Versammlungen weil das Qualitätsmanagement der internen Softwareentwicklung spitze ist weil die Prozesse der Softwareentwicklung mit Anforderungsmanagement, Projektierung, Entwicklung und Testing vorbildlich sind weil die Systeme den Anforderungen der Kunden angepasst werden weil die Prozesse sich über Jahre etabliert und bewährt haben weil es stetige Weiterentwicklungen gab und gibt ISO 9001:2015 www.linkmarketservices.de
03 E D I T O R I A L Sturmfest machen THORSTEN SCHÜLLER Redaktionsleitung HV Magazin schueller@goingpublic.de Der Herbst des Jahres 2019 scheint auch der Herbst einer jahrelangen wirtschaftlichen Hausse zu sein. Nahezu sämtliche ökono- mischen Indikatoren zeigten in den vergan- genen Wochen und Monaten nach unten. Die Unternehmen drosselten die Produktion, zogen die Kostenschrauben an und verord- neten für ihre Beschäftigten zunehmend Kurzarbeit. Das ist im Kern das Ergebnis der erratischen Handlungen Donald Trumps (Politik kann man seine Art der Amtsführung kaum nen- nen), der Falschmaler in Großbritannien, aber auch von Regierungen wie in Italien, die mehr mit sich selbst beschäftigt sind, als sich um die Zukunft ihrer Bürger und Unternehmen zu kümmern. Politik, die auf Destruktion, Blockade und Egoismus ausgerichtet ist, bleibt nun einmal nicht ohne Folgen. Diese Folgen könnten sich auch in der Haupt- versammlungssaison 2020 niederschlagen. Denn wenn die börsennotierten Unterneh- men ächzen, ihre Fertigung abbremsen, weniger Waren verkaufen und in den Bilanzen rote Zahlen ausweisen, ist abzusehen, dass sie auch ihre Dividendenzahlungen anpas- sen werden – und das eher nach unten als nach oben. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass Aktionäre kritische Fragen in die Hauptver- sammlungssäle rufen werden: Was die Unter- nehmenslenker getan haben, um sich gegen den Abschwung zu stemmen? Ob sie diesen nicht rechtzeitig erkannt oder gar ignoriert haben? Welche organisatorischen und perso- nellen Maßnahmen die Manager treffen, um sich künftig dem Sog nach unten zu entziehen? Die Kommunikations- und Investor-Relations- Abteilungen können also schon mal die Fragen-und-Antworten-Kataloge aus den Krisenzeiten nach 2008 hervorholen und ihre Führungskräfte in entsprechender Rhe- torik schulen. Für die Hauptversammlungs- kultur muss all das nicht unbedingt schlecht sein. Denn der Diskurs zwischen Anteilseig- nern und Geschäftsleitungen kann durchaus fruchtbar sein – das ist wie Politik im Kleinen. Im Übrigen schärft allein schon die Beschäf- tigung mit herausfordernden Situationen den Blick der Unternehmen für das Mögliche und Nötige. Insofern mag die Hauptversamm- lungszeit 2020 turbulent und vielleicht auch deutlicher im Ton werden. Sie kann damit aber auch einen Weg in wieder bessere Zeiten weisen – sofern die Trumps und Johnsons unserer Zeit von den Wählern endlich in die Ecke gestellt werden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe des HV Magazins, in der wir unter anderem einen Blick zurück auf das Hauptversammlungsjahr 2019 werfen. Auch das ist erhellend. Ihr HV MAGAZIN 03/2019
T T L L A A H H N N I I 04 INHALT BERNHARD ORLIK Link Market Services GmbH CHRISTIAN JESCHKE Computershare DR. THOMAS ZWISSLER Zirngibl Rechtsanwälte Schon wieder neigt sich eine lange HV-Sai- son dem Ende entgegen. Für viele Verant- wortliche ist die HV 2019 gar schon Schnee von gestern, während Sie die HV 2020 bereits fest im Blick haben. Dennoch lohnt sich der Blick zurück, um zu analysieren und Lehren für die kommende Saison zu ziehen. Ein Ergebnis: Man kann von einer neuen Macht der Aktionäre sprechen. Seiten 10–13 Der Einsatz digitaler Technologien und die Nutzung von Online-Kanälen auf Hauptver- sammlungen haben stark zugenommen. Knapp zwei Drittel der Emittenten und fast alle DAX-Unternehmen nutzen bereits ein Aktionärsportal. Zwar kommt den großen Konzernen eine Vorreiterrolle zu, aber auch bei anderen Emittenten wächst das Inte- resse, digitale HV-Prozesse zu etablieren. Seiten 18–19 Unterlassungsklagen von Aktionären gegen Maßnahmen der Verwaltung sind selten. Der Grund hierfür ist, dass die aktienrechtliche Kompetenzordnung stets Vorrang bean- sprucht. Beruht das Verwaltungshandeln auf einem HV-Beschluss, muss der Aktionär diesen angreifen. Handelt die Verwaltung dagegen aus eigener Kompetenz, erfährt der Aktionär meist erst spät davon. Seite 26 HV-Praxis HV-Splitter 16 Der Ton macht die Musik 28 Ausgewählte Hauptversammlungen Vorworte in Geschäftsberichten 18 Digitalisierung der Hauptversamm- lung setzt sich durch Standard-Aktionärsportal Christian Jeschke, Computershare 20 Bosse verdienen weniger – aber nicht alle Vorstandsvergütungsstudie 2018 22 §137 AktG Die neue Waffe aktivistischer Aktionäre? Torsten Fues, Better Orange IR & HV Legal 26 Aktuelle HV-Urteile Kommentiert von Dr. Thomas Zwissler, Zirngibl Rechtsanwälte Partnerschaft Rückblick, Ausblick, Tipps & Spezialitäten Austria Corner/Standpunkt 30 Erfolgreich an der Wiener Börse Möglichkeiten des Kapitalmarkts aktiv nutzen Karl-Heinz Strauss, PORR AG 29 HV-Kalender 29 Impressum Liebe Leser, dieses Symbol weist Sie auf zusätzlichen Inhalt im Internet hin. Das komplette Heft ist als E-Magazin online abrufbar: www.goingpublic.de/ emagazine-archiv 03 Editorial 06 Daten & Fakten 07 HV-Max – Die Kolumne Vertrauen verschoben Titelthema 10 Die neue Macht der Aktionäre Lehren aus der HV-Saison 2019 Bernhard Orlik, Daniela Gebauer Link Market Services 14 Klartext statt Kauderwelsch HV-Reden HV DIALOG – Das HV Magazin Netzwerktreffen „Austausch. Netzwerk. Zukunft.“ Nächster Termin: 10. Dezember ab 18.00 Uhr ZIRNGIBL Rechtsanwälte, München Anmeldung: https://goingpublic-events.de/hv-dialog HV MAGAZIN 03/2019
(E-)MAGAZIN – ONLINE – EVENT – NETZWERK e d . n i z a g a m R U E – , 4 1 03 2019 h - v Die neue Macht der Aktionäre Lehren aus der HV-Saison 2019 r HV Saison 2019 KLARTEXT STATT KAUDERWELSCH Hauptversammlungsreden der Konzernchefs unter der Lupe AKTIONÄRSPORTAL KTIONÄRSPORTAL Auch kleinere Unternehmen Auch kleinere Unternehmen setzen zunehmend auf digitale HV setzen zunehmend auf digitale HV VORSTANDSVERGÜTUNGEN VORSTANDSVERGÜGÜTUGÜGGGGGGGGGGRGGRRRGRGGRG NGEN Ein bisschen weniger – Ein bisschhhhhchhhhchhchhchscchchhcchhccchccccccccccccccsc en weeeeeeeeniinininiininnnnninninnnnnnn gegeggegeegeggegggggggeeeeegerrrrrrrrrrrrrrrr –––––– aberrrr nnniiininnininnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn cht für alle aber nicht für alle Jahrespartner 2019 Jahrespartner im Netz: www.goingpublic.de/jahrespartner-hvmagazin
N E T K A F & N E T A D 06 NEWS Kenne Deine Aktionäre Wie informieren sich Aktionäre? Welche Dividendenpräferenzen haben sie und wie beurteilen sie Aktien als Instrument der lang- fristigen Vermögensbildung? Diese und weitere aktuelle Fragen standen im Fokus der Studie „Verhalten und Präferenzen deut- scher Aktionäre 2018“, die von Prof. Dr. Bernhard Pellens von der Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit Deutsche Post DHL Group, dem Deutschen Aktieninstitut und dem DIRK – Deutscher Investor Relations Verband verfasst wurde. Die bereits zum vierten Mal durchgeführte Studie gibt die Ergebnisse einer Umfrage unter 430.000 Post-Aktionären wieder und erlaubt einen auch im internationalen Vergleich einmaligen Einblick in das Verhalten sowie die Präferenzen privater und institutioneller Investoren. Demnach besitzen Privatanleger Aktien der Deutschen Post im Wert von 5 Mrd. EUR, halten einen Anteil von gut 17% am Streubesitz-Grundkapital und sind damit eine wichtige, lang- fristig orientierte Investorengruppe. „Da sollte man wissen, wie sie sich informieren und worauf sie Wert legen“, sagte Martin Ziegenbalg, Leiter Investor Relations bei der Deutschen Post DHL Group. Nach Pellens’ Ansicht wünschen sich Privatinvestoren im Rahmen ihrer langfristigen Anlagestrategie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Dividendenzahlungen und Kurssteigerun- gen. Viele informierten sich aber nicht umfassend anhand der primären Unternehmensberichte über die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens und nutzten auch ihr Stimmrecht in der Hauptversammlung nicht. Die Studie zum download: http://hv-mag.de/dai-studie1 Familienunternehmen wirtschaften solider und erfolgreicher Börsennotierte Familienunternehmen wirtschaften solider und erfolgreicher als Nicht-Familienunternehmen – und die positive Performance wächst mit dem Familieneinfluss. Das geht aus ei- ner Untersuchung im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hervor. Erstellt wurde die Studie „Börsennotierte Familienunter- nehmen in Deutschland“ vom Center for Entrepreneurial and Fi- nancial Studies an der Technischen Universität München (TUM). Laut der Untersuchung handelt es sich bei etwa 40% der börsennotierten Unternehmen um Familienunternehmen. EIGENKAPITALRENDITE Return on Equity, gemäß Founding-Family-Deﬁnition Return on Equity, gemäß Substantial Family Inﬂuence (SFImod) 9,1% 8,2% 10% 8% 6% 4% 2% 0% 2,2% 1,8% 10% 8% 6% 4% 2% 0% 9,8% 8,2% 8,1% 0,2% Mittelwert Median Mittelwert Median Familienunternehmen Nicht-Familienunternehmen Quelle: Stiftung Familienunternehmen HV MAGAZIN 03/2019
07 D A T E N & F A K T E N HV-MAX DIE KOLUMNE Vertrauen verschoben Sie greift um sich, diese gefährliche und offenbar hochansteckende Krankheit der Verschieberitis: Greta Thunberg beklagte auf dem UN-Klimagipfel in ihrer Wutrede die Untätigkeit der Politik in Sachen Klimawandel, der Brexit wurde auf Hallo- ween verschoben (ob das britische Grau- en wirklich eintritt, wagt überdies noch keiner zu prognostizieren) und der deut- sche Gesetzgeber verschiebt gar Geset- zesverabschiedungen ohne genauen Zeitplan, wie jüngst das ARUG II. Schön, dass man sich als Aktionär aber wenigs- tens auf die Unternehmen verlassen kann: Nur wenige verschieben ihre Hauptversammlung, die Dividende er- fährt keine Verzögerung, und auch die Geschäftszahlen werden (zumeist) an den vorgegebenen Terminen veröffentlicht. Unternehmen sollten verstehen, was es heißt, Vertrauen aufzubauen und zu bewah- ren. Und wenn es doch mal enttäuschend wird, weil die Unternehmensführung eine Gewinnprognose kassiert, kann auch das vertrauensbil- dend sein – nämlich immer dann, wenn der Aktionär nicht das Gefühl hat: „Ihr da oben macht, was ihr wollt“, sondern ernst genommen wird. Aktionäre sind und bleiben nun einmal die Eigen- tümer der Unternehmen. Aber was soll ich sagen: War ich gerade noch voll des Lobes, schon, zack, besuche ich wieder eine HV und alles weg, das ganze Ver- trauen – da stellt man ein paar Fragen, die einem auf der Seele brennen, und man wird abgespeist mit Worthülsen, Floskeln und Oberflächlichkeiten. Der CEO kannte nicht mal seine Bilanz richtig. Kann man das glau- ben? Wahrscheinlich hat er die HV-Vorberei- tung auch immer wie- der verschoben. Das empfinde ich als Affront gegenüber uns, den Eigentümern. Und wis- sen Sie, was das Beste war? Er er- wartete auch noch, dass ich ihm Entlastung erteile. Das konnte er sich aber abschminken, denn immerhin hat an diesem Punkt noch der Aktionär das letzte Wort. „Familienunternehmen wirtschaften auf lange Sicht und mit Sub- stanz. Diese Tugenden übertragen sie auch an die Börse. Sie set- zen damit einen Kontrapunkt im Börsenkonzert, in dem es häu- fig vor allem darum geht, die Erwartungen von Investoren zu steuern“, sagt Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Fa- milienunternehmen. „Je stärker der Familieneinfluss in einem Unternehmen, desto stärker treten die positiven Effekte zutage.“ Einzelpersonen oder Gruppen, die erhebliche Mengen an Aktien einer Aktiengesellschaft erwerben, um einen Sitz im Vorstand zu erhalten und die Funktionsweise des Unternehmens zu ändern. Während Hedgefondsmanager wie Bill Ackman, Carl Icahn und Paul Singer seit Langem an der Wall Street bekannt seien, spürten europäische Unternehmen nun auch den Druck durch die Expan- sion staatlicher Aktivisten. So verzeichneten Familienunternehmen von 2009 bis 2018 ein höheres Wachstum in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung. Das jährliche Beschäftigungswachstum von Familienunternehmen sei demnach mit 6% annähernd doppelt so hoch wie bei Nicht-Fa- milienunternehmen (3%). Auch gemessen an der Gesamtkapital- rendite und Eigenkapitalrendite schnitten Familienunternehmen signifikant besser ab. Aktivistische Investoren beeinflussen Europa Die aggressiven Strategien aktivistischer US-Investoren treiben den Wandel auch in Europa voran. Wie der US-Nachrichtensender CNBC berichtete, gewinnen die wichtigsten aktivistischen Inves- toren der Wall Street zunehmend auch in Europa an Bedeutung. Mittlerweile hätten diese über 82 Mrd. USD Kapital investiert und würden öffentlich versuchen, Veränderungen in Unternehmen zu erzwingen. Bei aktivistischen Investoren handelt es sich um M&A-Markt zeigt Schwächen Bereits im ersten Quartal 2019 verlief das Geschäft mit Über- nahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) im Vergleich zum volumenstarken Vorjahreszeitraum schwächer. Auch das zweite Quartal 2019 blieb wegen wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten deutlich hinter den Werten aus der Vorjahreszeit zurück, stellte das M&A-Team der Anwaltsgesellschaft Allen & Overy fest. So nahm die Zahl der Deals mit deutscher Beteiligung von 652 auf 452 um 31,5% ab. Das Transaktionsvolumen reduzierte sich um 67% von 92,8 Mrd. auf 30,7 Mrd. USD. In der Betrachtung des weltweiten M&A-Geschehens sei deutlich geworden, dass sich die Rückgänge in eine globale Entwicklung einordneten. So erreichte das Transaktionsvolumen bis zum Stichtag 1,57 Bio. USD und damit rund ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Transaktionszahl reduzierte sich weltweit von 21.360 auf 16.400. Marktbeobachter würden damit rechnen, HV MAGAZIN 03/2019
N 08 N E E T T K K A A F F & & N N E E T T A A D D NEWS dass das M&A-Geschäft auch in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20% zurückgehen wird. Besonders schwer betroffen seien zyklische Branchen wie Autozulieferer, Maschinen- und Anlagenbauer. Auch Fusionen und Übernahmen mit asiatischer Beteiligung seien in den vergangenen Monaten weiter zurückgegangen. Hier sei die Hauptursache in einem zunehmend restriktiven regulatorischen Umfeld und einer damit korrespondierenden Verunsicherung der potenziellen Käufer zu suchen. SdK: weitere steuerliche Enteignung von Kleinanlegern geplant Während das Bundesfinanzministerium (BMF) weiterhin an einer Finanztransaktionssteuer arbeitet, die nur Kleinanleger betreffen würde und die wahren Verursacher der Finanzkrise außen vor ließe, plant die Bundesregierung schon den nächsten Schlag gegen die Kleinanleger: Gemäß einem Referentenentwurf des BMF sollen Forderungsausfälle von Kapitalforderungen ab 1. Januar 2020 steuerlich nicht mehr geltend gemacht werden können. Dies würde in der Praxis dazu führen, dass etwa Käufer von Anleihen im Falle einer Insolvenz oder Restrukturierung des Anleiheemittenten den erlittenen Verlust nicht mehr mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnen könnten. Die Gesetzesänderung ist aus Sicht der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger rein fiskalisch motiviert, da Privatanleger in den zurückliegenden zehn Jahren aufgrund der Niedrigzinsphase mehrere Mrd. EUR in sogenannte Mittelstandsanleihen investiert hatten, deren Emittenten die Anleihen überwiegend nicht mehr zurückzahlen konnten. Um den Fiskus vor Einnahmeausfällen zu . . m o c e b o d a k c o t s – r e n s a g k e z s e l l © : o t o F schützen, sollen nun fragwürdige Änderungen des § 20 Einkom- mensteuergesetzes vorgenommen werden, nach denen sogar der reale Verkauf einer Forderung nicht mehr in jedem Falle ein Veräußerungsgeschäft im steuerlichen Sinne darstellen würde. Mehr unter: http://hv-mag.de/sdk1 SEMINARE ZUR HAUPTVERSAMMLUNG Termin/Ort Veranstaltung/Preis Veranstalter/Internet 24.-25.10.2019 Frankfurt HV-Management Seminar 2019 950 Euro (zzgl. MwSt.) Computershare Deutschland GmbH & Co. KG http://hv-mag.de/computershare2 02.12.2019 Berlin 03.12.2019 Hamburg 04.12.2019 München 05.12.2019 Frankfurt Die Gesetze des Kapitalmarkts 2019 – Praxisseminar 2019 Die Gesetze des Kapitalmarkts 2019 – Praxisseminar 2019 Die Gesetze des Kapitalmarkts 2019 – Praxisseminar 2019 Die Gesetze des Kapitalmarkts 2019 – Praxisseminar 2019 Better Orange IR & HV AG http://hv-mag.de/betterorange1 Better Orange IR & HV AG http://hv-mag.de/betterorange1 Better Orange IR & HV AG http://hv-mag.de/betterorange1 Better Orange IR & HV AG http://hv-mag.de/betterorange1 HV MAGAZIN 03/2019
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A 10 10 M E H T L E T I T Lehren aus der HV-Saison 2019 Die neue Macht der Aktionäre . . m o c e b o d a k c o t s – 5 1 h s v r e d © i : o t o F Schon wieder neigt sich eine lange HV-Saison dem Ende entgegen. Für viele Verantwort- liche ist die HV 2019 gar schon Schnee von gestern, während sie die HV 2020 bereits fest im Blick haben. Dennoch lohnt sich der Blick zurück, um zu analysieren und Lehren für die kommende Saison zu ziehen. Die HV-Saison 2019 war sicherlich turbu- lenter als viele der vorangegangenen. Man kann hier schon von einer neuen Macht der Aktionäre sprechen: Die Rolle der institutionellen Investoren hat sich durch entsprechende Vorgaben der verschiede- nen Kodizes, Gesetze, aber auch ein gewisses verändert. Längst ziehen sie sich nicht mehr auf den Standpunkt zurück, ihren Einfluss nur im Eigeninteresse Hinterzimmer bei Gesprächen mit Vor- stand und Aufsichtsrat auszuüben, son- dern sie demonstrieren ihren Einfluss darüber hinaus zunehmend durch die Abgabe von Weisungen. Wenn es richtig kritisch wird, nutzen sie gar die Bühne der Generaldebatte auf einer Hauptversamm- lung und fordern eindringlich und eloquent Änderungen an Management, Strategie und/oder Geschäftsgebaren. Präsenzen steigen weiter Abzulesen ist das gestiegene Interesse auch an einer gestiegenen Präsenz: Mit knapp 65% ist die Präsenz der Aktio- näre in der HV-Saison 2019 so hoch wie in den vergangenen 15 Jahren nicht gewe- sen und bedeutete eine nochmalige Steigerung um knapp 4% im Vergleich zum letztjährigen Spitzenwert. Im MDAX liegt HV MAGAZIN 03/2019
ENTWICKLUNG DER KAPITALPRÄSENZEN DAX30(1998–2019) 11 T I T E L T H E M A 64,85 62,55 60,48 59,81 sie mit 72,47% sogar noch höher. Dabei ist dieser Anstieg eindeutig auf die erhöhte Teilnahme Investoren zurückzuführen: Die Zahl der HV-Teilneh- mer entwickelte sich nicht in gleichem Maße nach oben. institutioneller Forderungen der institutionellen Investoren Der steigende Einfluss der Institutionellen spiegelt sich aber auch in den Hauptver- sammlungen wider, genauer gesagt in den Tagesordnungen, bei den Abstimmungen und auch bei den Ergebnissen: Investoren verweigern dem Vorstand und/oder dem Aufsichtsrat die Entlastung. Die bekann- testen Beispiele sind hier sicherlich die Bayer AG und die Schweizer UBS, wo den Vorständen die Entlastung vorenthalten wurde. unternehmeredition.de 65 60 55 50 45 40 60,47 58,60 58,38 58,20 56,39 56,50 54,81 55,25 49,72 60,95 56,36 54,85 53,03 51,23 49,14 49,88 47,29 44,58 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Quelle: Link Market Services Anzeige Unternehmer Edition Know-howww füüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüürrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr dddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddddeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeennnnnnnnnnnnnnnn MMMMMMMMMMMMMMMMMMiiiiiiiiiiiiittttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttteeeeeeeeelstand NNaaacccchhhhhffffoooooooolllgggeeeeeee • FFFiinnnnnnnnnnnnnnnnnnaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaannnnnnnnnnnnnnnnnnnzzzzzzzzzzzzzzzzziiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeerrrrrrrrruuuuuuuuuuuuuuuuuunnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnngggggggggggggggggggggggggggggggg ••••••••••••••• SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSttttttttttttttttttttttteeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuueeeeeeeeeeeeeeeeern & Recht RRRRRRRReeeeeeeessssssssttttttttttrrrrrruuuuuuukkkkkkkkttttttuuuuuuurrrriiieeeeeeeeeeerrruuunnnnnngggggggggggggggggggggggg •••••••• PPPPPPPPPPPPPPPPPrrrrrrrrrrrrrrrrrriiiiiiiiiiiiiiiivvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaatttttttttttttttttttttttttteeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee Equity, M&A IInnnnnnnvvvvveeeeeessssstttttooooooooren immmmm Mittteeeelllsssstttttaaaaaannnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnddddddddddddddd ••• IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIInnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnntteeeeeeeeeeeeeeeeeerrrrrrrrrrrrrrrnnnnaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaatttttttiiiiiiiiiiioooooooooonnnalisierung MMMMMMMMiiiitttttaaaaaaaaaaaaarrrrrrrrbbbbbbbbbbbbbbbeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiittttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttteeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeerrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeetttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttteeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiilllllllllllllllllllliiiiiiiiiiiiiiiiiiggggggggggggggggguuuuuuuuunnnnnnnnnnnnnngggggggggggggg •••••••••••••••••••• VVVVVVVVVVVeermögen Mittelstandsﬁnﬁ anzierung Know-how für den Mittelstand 2 g Weitere Informationen zum Thema ﬁnden Sie unter: wwwunternehmereditionde April 201 9,89 Euro Kredite Jetttttzzzzzztttttt aaaaabbbbbooooonnnnnnnniieeren!!!!! www.ununnunterterterterrnehnehnehnehmermermermermem ediededede tiotiotiootioti n.dnnn e/abonbonnnnnemnemnemnemmnemmmmentententenee Tel.: + 444449 89 89 89 89 89 -9 -9 -9 -9 202202002 000000000000 339339339339399 ---- 0 FotFFotFFotFotFotFotFotFFFotFFFFFotFF o:oo:o:oooooooo:ooo: © I© I© I©© I©©©©©©© I IIII© © ©© RStRStStRStStSttRStStRSRStRStttSStttSStSStSRRRSR tttonononeoneonnenenenonononnnneennnneeononennneonnenoneeoneoononeoneoononnnneeonno eoonneone – ststotostootoototoootttooototostttooststoototostoottoootootttttotttttttttt ck.ck.ck.kck.k.kkkkkkkk aaadaaadodoadoadoaaaaadoadoaadodooaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa oaaaa bebebebeeee.beeebeeeeeeee.e..comcom Onlineportale ergänzen die Hausbank-Finan zierung FiFi Mittelstandsﬁnﬁ anzierung Know-how für den Mittelstand 2 g Weitere Informationen zum Thema ﬁnden Sie unter: wwwunternehmereditionde April 201 9,89 Euro Smarte Kredite Onlineportale ergänzen die Hausbank-Finanzierung Giesecke+Devrient Vom Produktionsbetrieb zum Technologieunternehmen nologieunt t ernehmen zum TTTe hch h Seite 12 Seite 12 l i Fuchs Petrolub FFFuF chschs sss PPPPPPeeeeettPPPPPP FFFaFF milienunnununnnnunttteeerrn Familienunternehmen und Börsennotiz – kein Widerspruch Börsennooootttiizizzztt z tt z z –– k Seite 22 Seite 22 ro nehm kein Wildling Shoes Auf Wachstumskurs dank Crowdfunding Seite 42
A M E H T L E T I T 12 Insbesondere Unternehmen, bei denen es kritischer zu Sache ging, haben sich dem Investorendruck gebeugt und statt der bislang üblichen Blockabstimmung über die Entlastung von Vorstand und/oder Aufsichtsrat eine Einzelentlastung auf die Tagesordnung gesetzt. So hatte sich auch der BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V. Ende 2018 bei der Überarbeitung seiner Analyse-Leitlinien für die HV-Saison 2019 für eine Einzel- entlastung eingesetzt: „In der Hauptver- sammlungssaison 2018 hat sich gezeigt, dass in einigen Fällen eine Einzelent- lastung wünschenswert ist. Wir würden es daher begrüßen, wenn der Vorstand bzw. der Aufsichtsrat vor Veröffentlichung der Tagesordnung für die Hauptversammlung mit den Investoren das Gespräch sucht, um etwa das Bedürfnis nach einer Einzel- entlastung der Vorstands- bzw. Aufsichts- ratsmitglieder abzufragen. Damit würde verhindert, dass aufgrund des Verhaltens eines einzigen Organmitglieds die Entlas- tung des Gesamtorgans abgelehnt wird. Bei geringen Zustimmungsquoten zur Entlastung (weniger als 75%) im Vorjahr könnte in einem derartigen Gespräch zudem eine Nachbesserung oder die Entscheidung gegen eine solche erläutert werden.“ (Quelle: Anschreiben zu den BVI- Analyse-Leitlinien für Hauptversammlun- gen 2019 vom 24. September 2018) Auch große Fondsgesellschaften wie beispielsweise die DSW haben mit Vertre- Gründe für die Nicht- Entlastung der Vorstände sind in der Regel man- gelnde Performance, unzu reichendes Risiko- management oder unge- nügende Kommunikation. HV MAGAZIN 03/2019 ENTLASTUNGSBESCHLÜSSE 2019 IM DAX30 adidas Allianz BASF Bayer Beiersdorf BMW Continental Covestro Daimler Deutsche Bank Deutsche Börse Deutsche Lufthansa Deutsche Post Deutsche Telekom E.ON Fresenius Medical Care* Fresenius* HeidelbergCement Henkel* Inﬁneon Merck** Munich Re RWE SAP Siemens thyssenkrupp VOLKSWAGEN Vonovia Wirecard 66,38% 44,48% 99,35% 99,67% 98,26% 99,33% 98,90% 99,49% 97,76% 99,86% 92,34% 97,69% 94,23% – 97,52% 99,81% – 99,82% 99,52% 99,40% 93,51% 93,89% 71,63% – 73,62% 61,41% – 75,23% 96,71% 99,78% 97,11% 98,49% 98,99% 99,63% – 99,80% 90,55% 96,08% 99,37% 99,76% 87,53% 98,49% 99,68% – 99,83% 99,80% – 99,83% 99,10% 99,93% 92,27% 98,02% 52,32% 56,81% 91,77% 99,25% 99,13% 99,65% 99,14% 97,00% 99,13% 99,35% 95,19% – 96,34% 96,38% – 96,73% 94,99% 97,41% 98,40% – 98,72% 98,41% – 99,02% 97,39% 99,64% 87,50% – 89,36% 97,27% – 97,60% Entlastung Aufsichtsrat Entlastung Vorstand/persönlich haftende Gesellschafterin/Geschäftsleitung * Die persönlich haftende Gesellschafterin wurde entlastet. ** Die Geschäftsleitung wurde entlastet. Rot markiert: Einzelentlastungen Quelle: Link Market Services; D.F. King tern wie Hendrik Schmidt auf Einzelent- lastungen gedrängt und dann gezielt einzelnen Mitgliedern des Vorstands oder Aufsichtsrats – Stichwort: OSRAM – die Entlastung verweigert. Gründe für die Nicht-Entlastung für Vorstände sind in der Regel mangelnde Performance, unzu- reichendes Risikomanagement oder ungenügende Kommunikation. Beim Auf- sichtsrat hingegen bestehen potenzielle Gründe in mangelnder Transparenz der Arbeit, unan- für die Nicht-Entlastung
13 T I T E L T H E M A . m o c e b o d a k c o t s – o d u t s - k c o t s o r P © i . : o t o F gemessener Vorstandsvergütung, fehlen- der Unabhängigkeit, der Nicht-Einhaltung von Governance-Standards und inakzep- tablem Umgang mit Aufklärung, wie Hendrik Schmidt in diesem Jahr plastisch auf der DIRK-Jahreskonferenz aufzählte: „Der Aufsichtsrat ist der Interessenwahrer der Aktionäre, das ist seine Aufgabe“, sagte er. Ziel einer Nicht-Entlastung sei vielmehr ein Ausdruck der Nicht-Zufrieden- heit der Aktionäre, und Unternehmen sollten das Votum als Steilvorlage nutzen, auf die Investoren zuzugehen, ein gutes Miteinander zu pflegen sowie die Erwar- tungen letztlich der Eigentümer bei Entscheidungen einfließen zu lassen. Trends 2020 – die große Unbekannte Angesichts des immer stärker werdenden Einflusses der institutionellen Investoren erwarten wir auch in der kommenden HV-Saison, dass mehr Unternehmen eine Einzelentlastung statt einer Gesamtent- lastung der Gremien auf die Tagesordnung setzen – analog der Entwicklung bei den Aufsichtsratswahlen, wo die Einzelwahl bereits flächendeckend umgesetzt wurde. Was jedoch ansonsten auf die Gesellschaf- ten im kommenden Jahr zukommen wird, ist schwer vorauszusagen: Nachdem ARUG II noch immer nicht verabschiedet ist und auch bislang kein konkreter Abstimmungstermin bekannt ist, herrscht derzeit eine gewisse Verunsicherung. Klar ist, dass die Regelungen des ARUG erst auf die erste ordent liche HV, die am letzten Tag des fünften auf das Inkrafttreten folgenden Kalendermonats stattfindet, Anwendung finden. Das gilt beispielsweise für die Vergütungsberichte und -systeme. Es ist davon auszugehen, dass diese 2020 Beim Aufsichtsrat hingegen bestehen poten- zielle Gründe für die Nicht-Entlastung in mangelnder Transparenz der Arbeit, unange- messener Vorstandsvergütung, fehlender Unabhängigkeit, der Nicht-Einhaltung von Governance-Standards. daher kein großes Thema auf der HV werden. Proxy Advisors und wichtige Investoren haben schon angekündigt, dass sie Verständnis haben, wenn Unter- nehmen 2020 unter Verweis auf ARUG II darauf verzichten, das Vergütungssystem auf die Tagesordnung zu setzen. Hierauf würde man keine negative Empfehlung für die Entlastungsbeschlüsse begründen. Auch das Prinzip „Know your sharehol- ders“ wird zur HV-Saison 2020 noch nicht die durchschlagende Relevanz haben: Erst für Hauptversammlungen, die nach dem 3. September 2020 einberufen werden, findet die Offenlegung der Verwahrketten und damit eine Pflicht der Aktionärs- information durch die Intermediäre und der Informationsanspruch der Gesell- schaften gegenüber den Intermediären Anwendung. Fazit insbesondere Die Hauptversammlungssaison 2019 war geprägt von einigen spannenden Ergeb- nissen, in Sachen Vor- stands- und Aufsichtsratsentlastung. In- vestoren lassen sich eben nicht mehr alles gefallen. Gesellschaften sollten darauf reagieren und frühzeitig den Dialog mit den wichtigsten Anteilseignern suchen und deren Wünsche schon bei der Erstel- lung der Tagesordnung berücksichtigen. Aufgrund der Verzögerungen bei ARUG II wird es in der kommenden Saison nur bedingt Neuerungen geben, sodass man sich auf einen derartigen Dialog auch konzentrieren kann. Zudem können sich Unternehmen weiterhin mit der fortschrei- tenden Digitalisierung der Hauptversamm- lung auseinandersetzen. BERNHARD ORLIK Geschäftsführer, Link Market Services GmbH DANIELA GEBAUER Senior-Beraterin, Link Market Services GmbH bernhard.orlik@linkmarketservices.de daniela.gebauer@linkmarketservices.de HV MAGAZIN 03/2019
A M E H T L E T I T 14 HV-Reden Klartext statt Kauderwelsch Zum achten Mal hat die Universität Hohenheim in diesem Jahr die Verständlichkeit der Hauptversammlungsreden der DAX30-Spitzenmanager unter die Lupe genommen. Im Rennen um die formal beste Rede errang Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, seinen fünften Sieg in Folge. Schlusslicht war Bayer-Chef Werner Baumann. Mit 19,9 Punkten auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex hatte der Tele- kom-Chef auch in diesem Jahr rhetorisch die Nase vorn, knapp gefolgt von Stephan Sturm von Fresenius SE (19,8 Punkte) und Harald Krüger von BMW (19,6 Punkte). Bei der Auswertung der Reden, die in Kooperation mit dem Handelsblatt erfolgte, kommt eine spezielle Verständ- lichkeitssoftware zum Einsatz, die den Hohenheimer Verständlichkeitsindex von null – formal schwer verständlich – bis zu 20 – formal sehr verständlich – b erechnet. Grundlage hierfür ist eine Klartextformel, die Kommunikationswis- senschaftler Prof. Dr. Frank Brettschnei- der von der Universität Hohenheim zu- sammen mit der H&H Communication Lab GmbH entwickelt hat. Diese wertet die Redemanuskripte der deutschen Konzernchefs von A wie Appel bis Z wie Zetsche anhand zahlreicher Satz- und Wortmerkmale aus. Dazu zäh- len unter anderem die durchschnittliche Satzlänge sowie die Anteile der Sätze mit mehr als 20 Wörtern, der Schachtelsätze, der Sätze mit mehr als zwei Informa- tionseinheiten, der Passivsätze, der Wörter aus dem Grundwortschatz und der Fremdwörter. 2019 erreichten die CEO-Reden laut der Studie einen Durchschnittswert von 15,5 Punkten. Die Unternehmenslenker hatten somit die formale Verständlichkeit der HV MAGAZIN 03/2019 HOHENHEIMER VERSTÄNDLICHKEITSINDEX (HIX): DIE FORMALE VERSTÄNDLICH- KEIT VON CEO-REDEN AUF DEN HAUPTVERSAMMLUNGEN 2019 Telekom (Höttges) Fresenius (Sturm) BMW (Krüger) Deutsche Börse (Weimer) Deutsche Post (Appel) Continental (Degenhart) BASF (Brudermüller) Merck (Oschmann) Siemens (Kaeser) Vonovia (Buch) Henkel (Van Bylen) Allianz (Bäte) Daimler (Zetsche) Lufthansa (Spohr) Deutsche Bank (Sewing) adidas (Rorsted) RWE (Schmitz) thyssenkrupp (Kerkhoff) Beiersdorf (De Loecker) Inﬁneon (Ploss) SAP (McDermott) Münchener Rück (Wenning) E.ON (Teyssen) VW (Diess) Covestro (Steilemann) Fresenius MC (Powell) Bayer (Baumann) +/–0 +0,3 +0,9 +2,7 +0,4 +1,5 19,9 19,8 19,6 19,4 19,3 19,2 18,8 18,5 +1,1 +4,8 neu +4,9 17,2 16,8 16,2 15,9 15,8 15,7 15,4 15,3 15,0 15,0 14,6 +/–0 0,8 1,9 2,2 1,4 +1,5 0,5 neu neu 13,7 0,2 13,2 2,1 +4,3 12,7 1,4 2,1 neu 11,2 11,1 11,0 5,9 9,6 4,3 7,8 Index-Wert für formale Verständlichkeit auf Skala von 0 (formal schwer verständlich) bis 20 (formal leicht verständlich). Durchschnittswert 2019: 15,5 Quelle: Universität Hohenheim August 2019, Studie „Klartext oder Kauderwelsch? – Die formale Verständlichkeit der CEO-Reden auf den Hauptversammlungen 2019 (DAX-30-Unternehmen)“ Redetexte im Vergleich zu den vergange- nen Jahren gesteigert. Über 19 Punkte – und damit in der Spitzengruppe – rangier- ten insgesamt sechs Redner. Platz vier bis sechs in dieser Gruppe nahmen Theodor Weimer von der Deutschen Börse (19,4 Punkte), Frank Appel von der Deut- schen Post (19,3 Punkte) und Elmar Degenhart von Continental (19,2 Punkte) ein. Insbesondere Weimer und Degenhart
sind als Neulinge in der Spitzengruppe des Rankings hervorzuheben: Der Chef der Deutschen Börse konnte sich vom elften auf den vierten Platz verbessern, der Continental-Vorstandsvorsitzende von Platz sieben im Vorjahr auf Platz sechs. Nicht mehr nur für Experten „Nur wer verstanden wird, kann auch überzeugen“ – so das Fazit von Brett- schneider im Handelsblatt. Dabei sollten seiner Meinung nach Grundregeln für verständliche Reden eingehalten werden, wie kurze Sätze, gebräuchliche Begriffe, Fachbegriffe übersetzen und zusammen- gesetzte Wörter möglichst vermeiden. Vielen Vorstandsvorsitzenden gelänge dies inzwischen. Die Autoren der Studie vermuten, dass sich die Reden nicht mehr nur an institutionelle Anleger, Analysten sowie Finanz- und Wirtschafts- kenner richten, sondern auch an Nicht- Experten. „Die Vorstandsvorsitzenden greifen immer seltener auf komplizierte Fachausdrücke zurück, die höchstens die Experten im Publikum verstehen“, sagte Studienmitarbeiterin Claudia Thoms dem Handelsblatt. Außerdem erklärten die Redner häufig schwierige Begriffe oder Anglizismen. Vermutet wird, dass dies für den Auf- und Ausbau von Reputation sinn- voll sei. l m o k e e T e h c s t u e D © : o t o F Rhetorisch die Nase vorn: Telekom-Boss Timotheus Höttges Rechtfertigung führt zu längeren Reden unkonkrete Als Redner habe Bayer-Chef Werner Bau- mann einen ziemlichen Absturz hingelegt, urteilt Brettschneider gegenüber dem Handelsblatt. Dieser kam im Rhetorik- Ranking auf lediglich 7,8 Punkte, erlitt damit die größte Verschlechterung – von minus 4,3 Punkten – zu seinen Mitrednern und reihte sich auf den letzten Platz ein. Grund dafür waren lange Sätze, über- durchschnittlich viele Passivkonstruk- tionen, Formulierungen, Fremdwörter und zu viele Gedanken in einem Satz. „Baumann war im Verteidi- gungsmodus“, so Kommunikations- experte Brettschneider. Generell gelte nämlich, dass Redner Rechtfertigungen vielfach ausschmücken. Das führe dann nicht nur zu längeren Reden, sondern auch zu längeren Schachtelsätzen. Bau- mann reihte im Schnitt 16 Wörter in einem Satz aneinander, während Experten maxi- mal sieben Wörter pro Satz empfehlen – sonst verliere das Publikum den Faden. Doch im Verteidigungsmodus scheint es üblich zu sein, alle guten Regeln einer Rede über Bord zu werfen. Der Bayer-Chef musste vor den Aktionären die Vorteile des Monsanto-Kaufs darlegen sowie die Schadenersatzrisiken des umstrittenen Produkts Glyphosat abwiegeln. Klar verständlich und auf den Punkt Spitzenreiter Timotheus Höttges kam laut Studie durchschnittlich mit nur knapp sechs Wörtern pro Satz aus. Mit insgesamt 2.800 Wörtern war seine Rede auch nur halb so lang wie Baumanns. In dieser Rednersaison ließ sich laut Handelsblatt beobachten, dass sämtliche Neulinge im CEO-Rednerring besser abschnitten als ihre Amtsvorgänger. So übertraf beispiels- weise Debütant Guido Kerkhoff von thyssenkrupp mit 15 Punkten deutlich seinen Vorgänger Heinrich Hiesinger, der auf 12,1 Punkte gekommen war. Einen sehr guten Neueinstieg verschaffte sich auch BASF-Neuling Martin Brudermüller: 15 T I T E L T H E M A r e y a B © : o t o F Redner im Verteidigungsmodus: Bayer-Chef Werner Baumann Er landete aus dem Stand mit 18,8 Punk- ten auf dem siebten Platz und überflü gelte damit seinen Vorgänger Kurt Bock, der sich im letzten Jahr auf 17,4 Punkte bzw. Platz neun im Gesamtklassement vorge- arbeitet hatte. Einschränkung der Berechnungen Brettschneider weist allerdings auch darauf hin, dass die formale Verständlich- keit nicht das einzige Kriterium sei, von dem die Güte einer Rede abhängt. Noch wichtiger seien der Inhalt und etwa der Aufbau der Rede oder der Vortragsstil. Formal verständliche Botschaften wie kurze aktive Sätze, der Verzicht auf kom- plizierte Fachausdrücke und Anglizismen werden jedoch laut Brettschneider von den Zuhörern besser verstanden und blieben besser im Gedächtnis. Zudem seien die Zuhörer eher in der Lage, die Kernbotschaft einer Rede wiederzugeben. Verständliche Botschaften genössen mehr Vertrauen als unverständliche – insbesondere bei Fachfremden. So sei es ein erfreulicher Trend, dass immer mehr Redner und ihre Redenschreiber an die Zuhörer denken. Mareike Spielhofen, Thorsten Schüller HV MAGAZIN 03/2019
S 16 I X A R P - V H Vorworte in Geschäftsberichten Der Ton macht die Musik Aggressiv und impulsiv, aber wenig innovativ geben sich die Vorstandsvorsitzenden der deutschen DAX-Unternehmen in den Vorworten ihrer Geschäftsberichte. Zu diesem Schluss kam eine Künstliche-Intelligenz-Software im Rahmen einer Studie, die darüber hinaus der Frage nachging, was Analysten daraus machen. In welcher Tonlage schreiben Vorstands- chefs (CEOs)? Welche Auswirkung hat dies auf den Kapitalmarkt? Diesem Thema ist die HHL Leipzig Graduate School of Management gemeinsam mit Kirchhoff Consult und PRECIRE TECHNOLOGIES nachgegangen. Mithilfe einer künstlichen Intelligenz (KI) untersuchten die Wissen- schaftler sprachpsychologisch die Vor- standsvorworte der Geschäftsberichte aller 30 DAX-Unternehmen aus den Jahren 2015 bis 2017. Dabei gingen sie im Einzel- nen den Fragen nach, — welche kommunikativen Ausprägun- gen typisch für DAX-Vorwörter sind und welche unterschiedlichen Typen sich erkennen lassen, — inwieweit das Vorstandsvorwort Rückschlüsse auf die wirtschaft- liche Lage sowie weitere Unterneh- menseigenschaften zulässt und — ob die kommunikativen Ausprägun- gen eines Vorstandsvorwortes in Zusammenhang mit Analystenein- schätzungen zum jeweiligen Unter- nehmen stehen. Ganz bewusst wurden als Untersuchungs- gegenstand die Vorwörter der Geschäfts- berichte gewählt. Kein anderer Teil eines Geschäftsberichts wird so oft gelesen wie das Vorwort, das in der Regel die Hand- schrift der CEOs wiedergibt. Entsprechend wichtig ist der Ton, in dem dieses Schrei- ben gehalten ist, für die gesamte Investor- HV MAGAZIN 03/2019 . . m o c e b o d a k c o t s – s o d u t S - S R © i konferenz, die Analystenkonferenz und teils auch die Hauptversammlungsrede der Vorstandsvorsitzenden übernommen. Überraschend aggressive und impulsive Texte Die kommunikative Wirkung der Texte wurde mithilfe von PRECIRE analysiert, einer KI, die laut Studie Sprachmuster erkennt und Rückschlüsse auf kommu- nikative und persönliche Kompetenzen so- wie auf die Wirkung von Sprache ermög- licht. Die Texte wurden anhand von neun kommunikativen Hauptfaktoren bewertet: unternehmerisch, kompetitiv, profes sionell, innovativ, inspirierend, lenkend, dramati- sierend, kooperativ und unabhängig. Pro Faktor wurde berechnet, wie stark er auf ei- ner Skala von 0 bis 100 ausgeprägt ist. Fak- : n o i t a r t s u l l I Relations-Arbeit. Zudem werden Wertun- gen und Formulierungen aus dem Vorwort in Pressemitteilungen, die Bilanzpresse- TEXTE UNTER DER SOFTWARELUPE – KI ANALYSIERT SPRACHE ANHAND VON NEUN HAUPTFAKTOREN UNABHÄNGIG sich trotz geringer Akzeptanz nicht in seiner Meinung beirren lassen INSPIRIEREND fesselnd, beeindruckend und motivierend kommunizieren DRAMATISIEREND Erzählungen und Aussagen übertreibend ausschmücken KOOPERATIV freundlich und sensibel sein, Unterstützung anbieten UNTERNEHMERISCH Zuversicht und Optimismus in Bezug auf die Zukunft ausstrahlen (nicht: strategisches Denken oder Beschäftigung mit Unternehmenskennzahlen) PROFESSIONELL in anspruchsvollen Gesprächen strukturiert und rational kommunizieren INNOVATIV bedeutsame Themen aus einer neuen Perspektive betrachten LENKEND eine nach außen gerichtete Kommunika- tion, mit der die Leitung übernommen wird KOMPETITIV ungeduldig, provozierend und auf brausend diskutieren Quelle: HHL Leipzig Graduate School of Management/Kirchhoff Consult/PRECIRE TECHNOLOGIES
toren über 50 weisen eine überdurch- schnittliche, Werte unter 50 eine unter- durchschnittliche Ausprägung auf. Das Ergebnis war laut Henning Zülch, Professor für Accounting and Auditing an der HHL Leipzig Graduate School of Management, überraschend: Die KI habe die Texte als eher aggressiv und impulsiv, aber kaum als innovativ bewertet, so der Professor im manager magazin. Nur bei we- nigen Unternehmen habe sich über die drei untersuchten Jahre hinweg so etwas wie eine Handschrift gezeigt, also ein einheitliches Sprachmuster. Laut Studie weichen die Sprachmuster sogar erheblich voneinander ab – auch bei gleichbleiben- dem CEO. „Eigentlich seltsam, wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Geld die DAX-Kon- zerne in eine konsistente Außen darstellung investieren“, so Zülch wörtlich. Unternehmensdaten beeinflussen den Sprachstil Wie stark wird der Ton eines Vorstands- vorwortes vom Unternehmen und seiner wirtschaftlichen Lage geprägt? Die Wis- senschaftler spürten auch dieser Frage nach und setzten die psychologischen Faktoren mit unternehmensspezifischen Daten in Verbindung. Dabei brachten sie ans Licht, dass CEOs ihr Vorwort weniger kompetitiv, weniger unternehmerisch und weniger inspirierend formulieren, wenn starke Ankeraktionäre an Bord sind oder eine hohe Ausschüttungsquote gegeben ist. Zülch vermutet, dass CEOs in diesen Unternehmen weniger Anlass dazu hätten, das Vorwort als verbale Leistungsschau zu nutzen. Auch wenn ein Unternehmens- chef gerade erst seinen neuen Posten angetreten hat, kommt das Vorwort oft wenig kompetitiv, wenig dramatisierend und wenig inspirierend daher. Die Wissen- schaftler der Studie nehmen an, dass ein neuer CEO in seinem ersten Vorwort eher Ruhe und Sicherheit vermitteln möchte, statt einen großen Wandel zu verkünden. Unternehmen mit einer geringen Aus- schüttungsquote wiederum wählten häu- fig eine dramatisierende, kompetitive und 17 Textanalyse mit künstlicher Intelligenz H V - P R A X I S . . m o c e b o d a k c o t s – s o d u t S - S R © i : n o i t a r t s u l l I inspirierende Sprache – eventuell als Rechtfertigung für die geringe Dividende. Laut der Untersuchung lassen sich also einige wirtschaftliche Faktoren erkennen, die mit dem Ton des Vorstandsvorwortes zusammenhängen. Der richtige Ton für die Analysten Wirkt sich der Ton eines Vorstandsvorwor- tes auf die Prognosen der Analysten aus? Auch mit dieser Frage beschäftigten sich die Wissenschaftler mithilfe von Analys- tenprognosen, die im Anschluss an die Veröffentlichung der Geschäftsberichte erstellt wurden. Die Antwort ist eindeutig: Der Ton macht die Musik – auch in der Kapitalmarktkommunikation. Bei Unter- nehmen, die besonders kompetitiv kommunizieren, gehen die Analysten- meinungen zum künftigen Ergebnis je Aktie laut Studie signifikant auseinander. Eine aggressive Sprachwahl scheint man- che Analysten von den aggressiven Zukunftsplänen zu überzeugen und ande- re eher abzuschrecken. Inspirierende Vor- worte hingegen überzeugen die Analysten gleichermaßen vom Kurs des Unter- nehmens, was sich auf eine geringere Streuung ihrer Prognosen auswirkt. Einen Blick auf die Titel der Geschäfts- berichte der DAX30-Unternehmen hat die Kommunikationsagentur wirDesign ge- worfen. Dabei stellte sie fest, dass diese im Reporting zunehmend auf eine präg- nante Aussage verzichten. Immer seltener finde man auf dem Titel ein Motto, das die Aktivitäten des vergangenen und aktuel- len Geschäftsjahres plakativ kennzeichne, zusammenfasse oder eine wichtige Ziel- setzung formuliere. Die Analyse habe ge- zeigt, dass das Verhältnis bei 14:16 zu- gunsten der „Sprachlosen“ liege. Fazit Die Studie gibt interessante Einblicke in die Sprache der CEO-Kommunikation, ihren Zusammenhang zu Unternehmens- daten sowie ihren Einfluss auf die Streu- ung von Analystenprognosen. Die Untersu- chung zeigt auch, wie bedeutsam Sprache für die Investor-Relations-Arbeit und die CEO-Kommunikation ist. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse lohnt es sich für Kommunikationsverantwortliche in allen Unternehmen, auf den bewussten und zielgerichteten Einsatz von Sprache zu achten – zum einen im Hinblick auf eine einheitliche Tonalität der verschiedenen Kommunikationskanäle, zum anderen durch ein bewusstes Lenken von Analys- tenprognosen mithilfe der relevanten kommunikativen Faktoren. Mareike Spielhofen, Thorsten Schüller HV MAGAZIN 03/2019
S I X A R P - V H e r a h s r e t u p m o C © : o t o F 18 Standard-Aktionärsportal Digitalisierung der Hauptver- sammlung setzt sich durch Tablet statt Stimmkartenblock Zu Recht zählen Smartphone und Tablet mittlerweile zum Standard der HV. Die Erhebung sieht besonderen Zuwachs bei der Tabletabstimmung. Mehr als ein Viertel der erfassten AGs, darunter 27 der DAX30- Werte, ermöglicht es den Anteilseignern bereits, ihre Stimme digital vor Ort abzu- geben. Unter den Unternehmen aus dem gesamten DAX30 hat 2019 schon die Hälfte per Tablet abstimmen lassen. Dank des papierlosen Verfahrens müssen die Emittenten keine Stimmunterlagen mehr drucken, sparen damit Kosten und stei- gern gleichzeitig die Nachhaltigkeit. Zudem wird die Abstimmung auch für die Aktionäre komfortabler. So authentifizieren sie sich im Idealfall mit ihrer elektronischen Ein- trittskarte und stimmen über ein Tablet ab, auf dem die Beschlussfassungspunkte übersichtlich dargestellt sind. Anschlie- ßend wird das Tablet zur Auswertung ins Backoffice gebracht oder die Daten direkt online übertragen, wo eine schnelle, zu- verlässige und komfortable Verifizierung und Auswertung erfolgt. CHRISTIAN JESCHKE Director Sales & Account Management, Computershare christian.jeschke@computershare.de Der Einsatz digitaler Technologien und die Nutzung von Online- kanälen auf Hauptversammlungen (HVs) haben erheblich zugenommen. Knapp zwei Drittel der Emittenten – darunter fast alle DAX30-Unternehmen – nutzen laut der jüngsten Datenerhebung von Computershare bereits ein Aktionärsportal. Erwartungsgemäß kommt den im DAX30 vertretenen Konzer- nen eine Vorreiterrolle zu. Allerdings wächst auch bei anderen Emittenten das Interesse, digitale HV-Prozesse zu etablieren. aktien bereits eine elektronische Einla- dung bereit, und bei mehr als der Hälfte dieser Unternehmen können die Aktionäre ihr Ticket bequem aufs Smartphone laden. Die diesjährige Untersuchung von Compu- tershare zeigt deutlich: Immer mehr Emittenten nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung, um ihre Hauptversamm- lung effizienter und für die Investoren komfortabler zu gestalten. So verfügen mittlerweile 60% der in der Erhebung be- rücksichtigten Aktiengesellschaften (AGs) über ein Aktionärsportal, das als zentrale Plattform für die Kommunikation mit den Anteilseignern dient. Im Vorjahr waren es noch unter 30 % – dieser deutliche Anstieg signalisiert, dass die Digitalisierung der HV an Fahrt gewinnt. Denn: Aktionärsportale bilden die Basis für weitere digitale Pro- zesse. Hier können sich Aktionäre z.B. online zur HV anmelden oder ihre Eintritts- karte bestellen. So stellen viele der berücksichtigten Emittenten mit Namens- HV MAGAZIN 03/2019 e r a h s r e t u p m o C © : n o i t a r t s u l l I
Der Tableteinsatz bietet einen weiteren – handfesten – Vorteil: Die vom Versamm- lungsleiter bei Abstimmungen, insbeson- dere bei aus Sonderabstimmungen resul- tierenden Anträgen, zu verlesenden Texte sind in allen Abstimmungsvarianten bei- nahe wortgleich, leichter zu verlesen und auch besser zu verstehen. So wird das Leitfadenkonvolut deutlich entlastet. Diese Mehrwerte kann auch ein digitaler Pionier aus Ludwigshafen bestätigen: BASF hat die Tabletabstimmung bereits das zweite Jahr in Folge auf seiner HV ein- gesetzt. Die fast 6.300 Teilnehmer konn- ten ihre Stimmen in mehreren Räumen und Etagen parallel abgeben. Dabei kamen 56 Tablets zum Einsatz, mit denen inner- halb weniger Minuten abgestimmt wurde. Simon Schön, IT-Projektleiter bei BASF, erklärt: „Der gesamte Abstimmungspro- zess kann damit vollständig digital und ohne Medienbrüche ablaufen. Die Tablets sind leicht zu bedienen, und im IT-Back- office können wir den Eingang der Stim- men nun live im HV-System verfolgen.“ Nicht-DAX-Emittenten holen in puncto Digitalisierung auf Die Digitalisierung der HV geht bei DAX30- Konzernen allerdings über die Tabletab- stimmung hinaus. So zeigt die Compu- tershare-Analyse: Fast alle Unternehmen aus diesem Kreis nutzen bereits eine elek- tronische Einladung und ein Fragen-und- Antworten-(Q&A-)Tool, 96% verfügen gar über ein Aktionärsportal und 70% setzen 19 H V - P R A X I S e r a h s r e t u p m o C © : n o i t a r t s u l l I den Organisatoren, die Fragen der Aktionäre während der Veranstaltung in einem den Vorstand unterstützenden Experten- Office zirkulieren zu lassen – bis hin zur Beantwortung auf der Bühne. Damit las- sen sich der Ablauf und die Rednerliste der Generaldebatte papierlos und vor allem effizient strukturieren. Das ist umso wich- tiger, da vor dem Hintergrund der gesetz- lichen Neuanforderungen, z.B. der Bericht- erstattungen rund um das Thema Vor- stands- und Aufsichtsratsvergütung, auf Hauptversammlungen nicht mit einer Abnahme der Fragenmenge zu rechnen ist. Handytickets (elektronische Eintrittskar- te) ein. Mittlerweile ziehen ebenso Emit- tenten aus den anderen Marktsegmenten nach und führen digitale Prozesse wie auch Tools ein. Besonders auffällig: In die- sem Kreis aus mehr als 100 Emittenten hat sich die Nutzung der Tabletabstimmung im Vergleich zum Vorjahr von 8% auf 21% fast verdreifacht; der Einsatz eines Aktio- närsportals ist ebenfalls von 15% auf 44% signifikant gestiegen. Statt nur nachzuziehen, startet mancher Börsenneuzugang digital. So führte der Medizintechnikkonzern Siemens Healthi- neers 2019 seine erste HV nach dem Bör- sengang mit umfassenden elektronischen Services durch. Aktionäre konnten sich im Aktionärsportal anmelden, ihre digitale Eintritts- und Stimmkarte aufs Smart- phone laden und vor Ort in der Münchner Olympiahalle per Tablet abstimmen. Wer die Versammlung vor der Abstimmung verlassen musste, konnte am Ausgang per Tablet Vollmacht und Weisung erteilen. Knapp zwei Drittel der Aktionäre und damit 97% des präsenten Kapitals hatten sich elektronisch zur HV angemeldet – ein Rekord unter den Computershare-Kunden. Q&A-Tool ist oftmals gesetzt Was bringt die Zukunft? Digitale Tools unterstützen an vielen Stel- len – beispielswiese auch bei der Durch- führung der Generaldebatte. So setzt bereits mehr als die Hälfte der Emittenten aus der Erhebung ein Fragen-und-Antworten- System ein. Dieses Q&A-Tool ermöglicht es Die Digitalisierung der HV gewinnt an Fahrt und bringt Emittenten sowie Aktionären zahlreiche Erleichterungen. Unternehmen sparen Papier und Kosten, vermeiden Medienbrüche und können Prozesse effi- zienter gestalten. Die Anteilseigner wiede- rum freuen sich über komfortable, digitale Möglichkeiten: So wird etwa die Abstim- mung in naher Zukunft vermehrt vom eigenen Smartphone oder Tablet aus mög- lich sein. Allerdings werden deutsche Emittenten auch künftig nicht komplett auf Präsenzveranstaltungen verzichten – aufgrund gesetzlicher Vorgaben. Zudem wünschen sich viele Aktionäre und insti- tutionelle Investoren, das Management persönlich anzutreffen. Dieser direkte Kontakt ist und bleibt wichtig – für vieles andere sind digitale Technologien das Mittel der Wahl. HV MAGAZIN 03/2019 e r a h s r e t u p m o C © : n o i t a r t s u l l I
S I X A R P - V H 20 Vorstandsvergütungsstudie 2018 Bosse verdienen weniger – aber nicht alle Die Vergütung der Vorstände der im DAX30 notierten Gesellschaften sank 2018 gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um 3,5% – allerdings nicht bei allen Top- Managern. Zu diesem Ergebnis kam eine von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitzer (DSW) in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Controlling der Technischen Universität München (TUM) erstellte Vorstandsvergütungsstudie. Es ist ein anhaltend heiß diskutiertes Thema in der Bevölkerung: die Vorstands- vergütung. Laut DSW-Studie gibt es auch jetzt wieder Zündstoff, insbesondere wenn das Verhältnis von Vorstandsgehalt zum Durchschnittsgehalt der Arbeitnehmer betrachtet wird. Demnach verdienen die Vorstände durchschnittlich das 52-Fache ihrer Mitarbeiter; bei Volkswagen beträgt die sogenannte Vertikalität der Gehälter sogar das 97-Fache. Das heißt im Klartext: Ein Vorstandsvorsitzender bei VW verdient im Schnitt fast einhundertmal so viel wie seine Kollegen in den rangniedrigeren Abteilungen. „Die Aussagekraft dieser Kennzahl ist zwar für sich betrachtet nicht sonderlich hoch. Sie ist aber hochpolitisch und wird daher in den Aufsichtsräten bereits heute stark diskutiert“, sagte DSW- Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Vorstandsgehälter sanken im Schnitt um 3,5% Insgesamt allerdings nahmen die Vorstands- gehälter laut Studie zum Vorjahr im Schnitt um 3,5% auf nun 3,5 Mio. EUR ab. Am deut- lichsten gesunken seien dabei die Bezüge der BMW-Vorstände mit knapp 39%. HV MAGAZIN 03/2019 . . m o c e b o d a k c o t s – g n o w m a n a a r i s © : n o i t a r t s u l l I Nachdem die Vorstände von SAP 2016 und 2017 Gewinner in der Gehaltsliste gewe- sen waren, schafften es nun wieder, wie in den Jahren zuvor, die Volkswagen-Bosse mit im Schnitt 6 Mio. EUR auf die Spitze. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Merck und die Deutsche Bank mit durch- schnittlich rund 5 Mio. EUR Verdienst. Die
21 H V - P R A X I S DURCHSCHNITTLICHE GESAMTVERGÜTUNG DER DAX-VORSTÄNDE 2018 IM VERGLEICH ZU DEN DURCHSCHNITTLICHEN PERSONALAUFWENDUNGEN PRO MITARBEITER Gesellschaft VOLKSWAGEN Fresenius HeidelbergCement Fresenius Medical Care adidas Continental E.ON Deutsche Post Henkel Merck Wirecard Siemens Allianz thyssenkrupp Deutsche Lufthansa Daimler Vonovia BASF Deutsche Bank Deutsche Telekom SAP Beiersdorf Infineon Covestro Bayer BMW RWE Munich RE Deutsche Börse Ø DAX Ø Gesamt- vergütung [Tsd. EUR] 6.030 3.515 3.817 3.816 2.895 2.872 3.478 2.290 3.507 5.184 2.249 3.966 3.724 2.670 2.874 3.277 2.235 3.808 5.094 2.845 4.442 2.303 2.006 3.998 3.276 3.077 3.290 2.574 3.349 3.508 Ø Personal- aufwand pro MA [Tsd. EUR] 62 45 52 57 44 46 57 38 59 97 44 81 83 60 66 75 52 89 129 76 120 67 59 117 99 99 107 86 138 68 Vertikalität 97 79 73 67 67 63 61 60 59 53 51 49 45 45 44 44 43 43 40 37 37 34 34 34 33 31 31 30 25 52 Veränderung Vertikalität zum Vorjahr --- n/a Quelle: DSW Unübliches Entlohnungsmodell Die Vorstandsvorsitzenden werden laut der Untersuchung mit durchschnittlich 5,4 Mio. EUR entlohnt. Bill McDermott von SAP sei mit 10,8 Mio. EUR Spitzenreiter. Dabei ist die variable und aktienkurs- basierte Vergütung mit eingerechnet. Etwas aus der Reihe fällt das Spitzentrio des im MDAX notierten Modeversenders Zalando: Den drei gleichberechtigten Cos Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter sei, so die DSW-Studie, aufgrund eines neuen Long-Term-Incentive-Pro- gramms jeweils eine Summe von 19,4 Mio. EUR ausgezahlt worden. Bei Zalan- dos Modell handele es sich um ein in Deutschland bisher unübliches Vergü- tungssystem, das auf einem Festgehalt verbunden mit einem Optionsprogramm basiere. Thorsten Schüller HV MAGAZIN 03/2019 . . m o c e b o d a k c o t s – f k a © : n o i t a r t s u l l I Chefs der Deutschen Bank waren auch insgesamt die Gewinner: Hier stiegen die Zahlen laut Studie um rund 55% – der stärkste Zuwachs unter den DAX- Unternehmen. Das Jahr zuvor hatten die Banker noch auf ihre variable Vergütung verzichtet. Zahlungen abhängig vom längerfristigen Aktienkurs Stärker als in den Jahren zuvor sind die Vorstandsgehälter offensichtlich abhängig von der längerfristigen Entwicklung des Aktienkurses des jeweiligen Unter- nehmens, stellte die Untersuchung fest. Inzwischen mache diese Komponente 30,4% der Gesamtvergütung aus; im Vorjahr habe der Anteil noch 26,8% betra- gen. „Diesen Trend halten wir für richtig, weil der Aktienkurs die langfristige Wert- entwicklung eines Unternehmens am besten widerspiegelt“, so Studienleiter Gunther Friedl vom Lehrstuhl für Control- ling der TUM im DSW-Aktuell.
S I X A R P - V H 22 Die neue Waffe aktivistischer Aktionäre? §137 AktG TORSTEN FUES Senior Berater & Vorstand, Better Orange IR & HV AG torsten.fues@better-orange.de Basierend auf einem Fall aus diesem Jahr: Das Verlangen nach §137 AktG auf bevorzugte Abstimmung über den oder die selbst im Vorfeld vorgeschlagenen Aufsichtsratskandi- daten durch aktivistische Aktionäre erhöht in bestimmten Konstellationen die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich. Die Kandidaten des Aufsichtsrats, für die ggf. eine größere JA-Stimmenzahl und auch Mehrheit vorgelegen hätte, kommen dann nicht zur Abstimmung. Wie ist der mögliche Ablauf? 1. Aktivist A hält eine relevante, aber nicht zu große Beteiligung am Ziel- unternehmen Z, z.B. 7% des Grundkapi- tals. Es stehen laut im Bundesanzeiger veröffentlichter Einladung zur Haupt- versammlung von Z Aufsichtsrats- wahlen an. 2. A schlägt bis spätestens zum 15. Tag vor der HV, 24:00 Uhr, einen oder mehrere alternative Wahlkandidaten gem. § 127 i.V.m. § 126 AktG vor. Hinter- grund: Bei späterer Übermittlung des alternativen Wahlvorschlags bzw. eines Gegenantrags ist Z nicht verpflichtet, diesen im Internet zu veröffentlichen. 3. Der alternative Wahlvorschlag wird von Z nach Prüfung pflichtgemäß im Inter- net veröffentlicht. Die Weisungsertei- lungs-/Briefwahlformulare auf der HV-Seite von Z für den Download und zum Ausfüllen durch die Aktionäre werden entsprechend ergänzt. Sofern ein Aktionärsportal vorhanden ist, wer- den dessen Weisungsmöglichkeiten ebenfalls angepasst. Bis zur HV gehen dann Weisungen bzw. Briefwahlstim- men ein, die auch den alternativen Wahlvorschlag umfassen (können). 4. Parallel werden über verschiedene Serviceanbieter, z.B. über den Proxy Advisor ISS (Institutional Shareholder Service, www.issgovernance.com) und den Proxy-Management-Provider Broadridge Financial Solutions, Inc., (www.broadridge.com) Abstimmwei- sungen von deren Kunden gesammelt und die Stimmausübung bis in die Hauptversammlung hinein organisiert, d.h. die Weisungen werden über die HV MAGAZIN 03/2019 Verwahrstellenkette von der Verwahr- stelle (sog. Custody Bank oder Custodi- an) des Aktionärs bis hin zur Stimm- rechtsausübung in der Hauptver- sammlung gebracht. Dabei werden teil- weise persönliche Vertreter des letzten Gliedes in der Verwahrstellenkette zur Hauptversammlung geschickt oder im letzten Schritt Vollmacht und Weisung an den Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft erteilt. Briefwahl wird eher selten genutzt. a. Wie erfolgt meist die Weisungsertei- lung? Viele institutionelle Anleger nutzen ein Portal eines Service- anbieters, in dem die Stimmrechts- ausübung organisiert wird. Dabei gibt der Investor seine Abstimm- weisungen i.d.R. über komfortable Radiobuttons (JA, NEIN oder ENT- HALTUNG zum Verwaltungsvorschlag) bei jedem Agendapunkt von Z ein. Um das weitere Prozedere kümmert sich der Anbieter. b. Kann auf diesem Weg über den veröffentlichten alternativen Wahl- vorschlag/einen Gegenantrag abge- stimmt werden? Die Richtlinien von . . m o c e b o d a k c o t s – v o k a y n i t © : o t o F
3. M&A Night Business. People. Network. Die Abendveranstaltung zum 17. DEUTSCHEN CORPORATE M&A-KONGRESS Palais Lenbach. München. Ottostraße 6. 12. November 2019. Einlass ab 18:45 Uhr. 1989–2019: 30 Jahre w w a n J e m w . m el d t z t a - nig e n ! h t.d e Die Abendveranstaltung zum 17. DEUTSCHEN CORPORATE M&A-KONGRESS 12. und 13. November 2019, München Veranstalter: Kooperationspartner: Eintritt M&A Night 2019: 150 EUR (zzgl. MwSt.); 120 EUR (zzgl. MwSt.) für Mitglieder des Bundesverbandes M&A
S I X A R P - V H 24 WEG DER WEISUNGEN Insti1 Insti 2 I n s t i 3 ISS Z HV Insti4 In s ti 5 Gebündelte Weisungen 1-3 Broadridge Weisungen W e i s u n g e n Custodian 1 Weisungen Custodian 2 Weisungen Custodian 3 C 5 C 4 C 6 C 7 Aufberei- tung HV-Dienstleister Aktionäre Quelle: Better Orange IR & HV AG ISS und Broadridge sehen das expli- zit nicht vor. Für solche Fälle wird die Bestellung einer Eintrittskarte für die HV von Z und die Ausübung der Stimmrechte durch einen persön- lichen Vertreter empfohlen. Außer- dem wird angeboten, manuelle Weisungen zu erteilen (z.B. per Fax an den persönlichen Betreuer), bei denen durchaus mit viel Engage- ment versucht wird, sie über die Verwahrstellenkette bis in die HV von Z durchzureichen. c. Welche Konsequenz hat das? Da der Aufwand der Eintrittskartenbestel- lung und der persönlichen Vertre- tung in der HV von Z recht hoch ist, nimmt eine nennenswerte Zahl an Investoren ausschließlich die Mög- lichkeit der bequemen Radiobutton- lösung im Portal des Anbieters wahr. Die Variante der manuellen Wei- sungserteilung birgt zwei schwer- wiegende Risiken. Die über den Betreuer durchzuführenden not- wendigen Tätigkeiten können in der Verwahrstellenkette zu einer ver- späteten Übermittlung der Stimm- weisung führen, da die zeitlichen Rahmenbedingungen sehr eng bestimmt sind. Außerdem können technische Restriktionen die Weiter- leitung innerhalb der Verwahrstel- lenkette verzögern oder verhindern. In solchen Fällen gibt es für diese Stimmrechte in der HV zum alter- nativen Wahlvorschlag (oder zu allen Agendapunkten) keine Wei- sung, und das bedeutet in der HV dann Enthaltung resp. Nichtteil- nahme. 5. Wie kann A die Situation für sich nut- zen? A erscheint persönlich vertreten in der HV, wartet die Verkündung der Erstpräsenz (i.d.R. vor Beginn der Generaldebatte) ab, meldet sich zu Wort und beantragt die bevorzugte Abstimmung seines alternativen Wahl- vorschlags gem. § 137 AktG, sofern er mit seinen hier beispielhaften 7% vom Grundkapital mindestens 10% des bei der HV vertretenen Grundkapitals ver- tritt, die Präsenz also nicht höher als 70% des gesamten Grundkapitals ist. Sollte die Präsenz höher sein, also z.B. 80%, kann er sich im Beispielfall mit Vertretern von mindestens einem weiteren Prozent vom Grundkapital zusammentun und gemeinsam den Antrag stellen. 6. Was passiert dann? Der alternative Wahlvorschlag wird zuerst abge- stimmt. Da i.d.R. aufgrund des be- schriebenen Mechanismus recht viele Enthaltungen zu diesem Punkt vor- liegen und laut Aktiengesetz nur die HV MAGAZIN 03/2019 JA- und NEIN-Stimmen für die Berech- nung des Ergebnisses (JA+NEIN=100%) zählen, erhält der Anteil von A (und sei- nen Verbündeten, die ebenfalls JA stimmen) ein überproportionales Gewicht. So kann ggf. eine Mehrheit der Stimmen ausgehebelt und der Wunsch- kandidat durchgesetzt werden. Lösungsvorschläge 1. Z kann versuchen, möglichst viele Aktionäre zur EK-Bestellung und persönlichen Vertretung zu bewegen, um in der HV zu allen Punkten selbst abzustimmen. 2. Zur Aufwandsreduzierung empfiehlt es sich, die EKs zwar zu bestellen, dann aber über die im Internet verfügbaren Formulare von Z unmittelbar Vollmacht und Weisung an den Stimmrechts- vertreter der Gesellschaft zu erteilen (auch zum alternativen Wahlvor- schlag). in 3. ISS und Broadridge sollten als außer- ordentlich relevante Prozessbeteiligte veröffentlichte alternative Wahlvor- schläge (und idealerweise auch sons- tige Gegenanträge) ihre Portal- Radiobutton-Lösungen integrieren und die Ausübung der Weisungen über die Custodians und Sub-Custodians sicherstellen. Das ist wegen der aus- schließlichen Veröffentlichung dieser Vorschläge/Anträge auf der dezentra- len HV-Homepage der jeweiligen Emit- tenten statt im zentralen Medium Bundesanzeiger arbeitsaufwendig, verstärkt aber die Glaubwürdigkeit und ist zeitgemäß. Fazit Aktivistische Aktionäre können durch geschickten Einsatz relativ kleiner Betei- ligungen an Zielunternehmen ggf. den Mehrheitswillen der Aktionäre aufgrund von Unvollkommenheiten im Stimm- rechtsausübungsprozess zur Durchset- zung eigener Aufsichtskandidaten nutzen. Prozessverbesserungen können dem entgegenwirken.
Austausch. Netzwerk. Zukunft. m o c . e b o d a . k c o t s – H M © : o t o F 4 x jährlich. HV DIALOG Das HV Magazin Netzwerktreffen. Bereits seit 2003 beleuchtet das HV Magazin die Themen und Trends der Haupt- versammlungs-Organisation. „HV DIALOG“ erweitert das Spektrum seit Dezember 2018 um eine persönliche Diskussionsplattform. 4x jährlich, an wechselnden Stand orten. Neben einem kurzen Impulsvortrag stehen Diskussion und Vernetzung im Vordergrund. Ansprechpartner: Anna Bertele, bertele@goingpublic.de, 089/2000 339-18 Termine 2019: 19.03. Frankfurt • 12.06. Düsseldorf • 08.10. Berlin • 10.12. München
L A G E L 26 § Unterlassungsklage gegen die Ausgabe neuer Aktien Nicht nur, aber gerade auch wegen ihrer Seltenheit sind Entscheidungen zu aktien- rechtlichen Unterlassungsklagen stets von besonderem Interesse. Dies gilt auch für die hier zu besprechende Entschei- dung des Bundesgerichtshofs (BGH), die sich vorrangig mit der zeitlichen Dimension des Unterlassungsanspruchs befasst. BGH, Urteil v. 07.05.2019 – II ZR 278/16 – Epigenomics AG Die Entscheidung des BGH In dem zur Entscheidung stehenden Fall hatte die Gesellschaft Wandelschuld- verschreibungen ausgegeben. Die Anleihe- bedingungen enthielten zugunsten der Anleihegläubiger eine Verwässerungs- schutzklausel, die weiter gefasst war, als es der Ermächtigungsbeschluss der Hauptversammlung zur Ausgabe der Wan- delschuldverschreibungen vorgesehen hatte. Tatsächlich trat dann mit einer Kapitalerhöhung mit Bezugsrechtsaus- schluss der Fall ein, der nach den Anleihe- bedingungen zu einer Reduzierung des Wandlungspreises führte. Nach dem Ermächtigungsbeschluss der Hauptver- sammlung hätte diese Anpassung jedoch nur für den Fall einer Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht zugesagt werden dürfen. Der Kläger war mit seiner Klage auf Unter- lassung der Ausgabe von Aktien an Anleihegläubiger zu einem reduzierten Preis in erster und in zweiter Instanz gescheitert. Der BGH bestätigte die Klage- abweisung. Wie schon in der Berufungs- instanz stützte auch der BGH seine Entscheidung vor allem darauf, dass der Aktionär den Unterlassungsanspruch stets ohne unangemessene Verzögerung geltend machen muss. Das Interesse der Gesellschaft an einer schnellen Klärung müsse stets berücksichtigt werden. Im konkreten Fall, so der BGH, hätte der Kläger spätestens dann reagieren müs- sen, als er von der Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts und der Ankündigung der Gesellschaft Kenntnis hätte erlangen können, nach der sich der Wandlungspreis für die Anleihegläubiger reduziert habe. Bis zur Klageerhebung DR. THOMAS ZWISSLER Unterlassungsklagen von Aktionären ge- gen Maßnahmen der Verwaltung sind in der Praxis selten. Der Grund hierfür ist zunächst darin zu suchen, dass die aktienrechtliche Kom- petenzordnung stets Vorrang beansprucht. Beruht das Verwaltungshandeln auf einem Hauptversammlungsbeschluss, muss der Aktionär diesen angreifen. Handelt die Verwaltung hingegen aus eigener Kompe- tenz, erfährt der Aktionär meist erst dann von der Maßnahme, wenn sie bereits umgesetzt ist. Aufgrund der zeitlichen Abfolge kann Unterlassung dann nicht mehr verlangt werden. Es kommen allen- falls noch Schadenersatzansprüche in Betracht. Unterlassungsklagen sind auch deshalb nur selten zu beobachten, weil ihre recht- liche Grundlage mit sehr großen Unsicher- heiten behaftet ist. Zwar ist dem Grunde nach anerkannt, dass der Aktionär einen klagbaren Anspruch darauf hat, dass die Gesellschaft seine Mitgliedschaftsrechte achtet und alles unterlässt, was diese Mitgliedschaft über das durch Gesetz und Satzung gedeckte Maß hinaus beeinträch- tigt. Die genauen Konturen dieses An- spruchs sind jedoch ebenso unsicher wie die prozessualen Regeln für die gericht- liche Durchsetzung des Unterlassungs- anspruchs, der im Aktiengesetz allenfalls punktuell vorausgesetzt, dort ansonsten aber nicht ausdrücklich beschrieben ist. HV MAGAZIN 03/2019 . . m o c e b o d a k c o t s – k c o t s o t o f c r © : o t o F hatte der klagende Aktionär noch ca. vier Monate verstreichen lassen. Dieser Zeitraum war nach Auffassung des Gerichts zu lang. Schadenersatz statt Unterlassung? Aufgrund der Tatsache, dass die Wand- lungsrechte zum Zeitpunkt der Entschei- dung des BGH bereits ausgeübt waren, stellte sich die Frage nach einem mög- lichen Schadenersatzanspruch. Der BGH bestätigte insoweit, dass ein Schaden sowohl durch Minderung der Beteiligungs- quote als auch durch Minderung des Werts der Beteiligung eintreten kann. Der Kläger hatte jedoch keinen dieser möglichen Schäden hinreichend konkret dargelegt, weshalb das Gericht die Klageabweisung auch insoweit bestätigte. Fazit sind Anwendungsfälle Unterlassungsklagen können ein scharfes Schwert in der Hand des Aktionärs sein. Die jedoch begrenzt, und wie der durch den BGH entschiedene Fall zeigt, schwinden die Erfolgsaussichten schnell, wenn der Aktionär mit der Klageerhebung zu lange zögert. Von Dr. Thomas Zwissler t.zwissler@zl-legal.de
Tipps & Trends rund um die HV Jetzt abonnieren! http://hv-mag.de/abo ✂ Name, Vorname, Firma Postfach/Straße PLZ, Ort, Land Telefon Ort und Datum Per Mail an abo@goingpublic.de oder per Fax an +49 (0) 89/2000 339-39 E-Mail-Adresse Unterschrift Der Preis für das Jahresangebot beträgt 48 EUR inkl. MwSt. und Versand. Kündigungsfrist: Das Abonnement verlängert sich um jeweils ein Jahr zum Preis von 48 Euro, wenn es nicht bis sechs Wochen vor Ablauf gekündigt wird. Widerrufsgarantie: Dieser Auftrag kann binnen zwei Wochen widerrufen werden. Rechtzeitiges Absenden genügt . . m o c e b o d a k c o t s – z w h c r a i i , i o d u t S a c i r f A © : n o i t a r t s u l l I
R E T T I L P S - V H 28 HV-SPLITTER Hertha BSC liebäugelt mit der Börse Umweltaktivisten stürmen Hauptversammlungen und was Daimler tue, um ein flächende- ckendes Ladenetz aufzubauen. Der Berliner Fußballklub Hertha BSC erwägt einen Gang an die Börse. Wie das manager magazin berichtete, soll Finanz investor Lars Windhorst, seit Juni 2019 Großinves- tor bei dem Berliner Bundesligaklub, den Börsengang der Profi abteilung befürworten und vorantreiben. Dieser Schritt könnte dem Hauptstadt verein im Jahr 2020 weitere 150 Mio. EUR an Kapital einspielen. Eine Bestätigung der Pläne gab es bis Redak- tionsschluss noch nicht. Herthas Finanzgeschäftsführer, Ingo Schiller, hatte in einem Interview mit der Deut- schen Presse-Agentur (dpa) kundgege- ben, dass er noch in der laufenden Saison mit weiteren 100 Mio. EUR des Investors rechne. Nach den ersten 125 Mio. EUR von Windhorsts Firma Tennor, mit denen zunächst auch Verbindlichkeiten abgelöst wurden, sollte die zweite Tranche laut Schiller „zeitnah“ fließen. Gleich mehrmals haben Umweltaktivisten in der zurückliegenden HV-Saison auf sich aufmerksam gemacht – oder die Aktio- närstreffen sogar gestürmt. So haben die Protestbewegung „Fridays for Future“ und andere Gruppen bei der Hauptversamm- lung des Energiekonzerns RWE vor der Essener Grugahalle für ein schnelles Ende der Kohleverstromung demonstriert. Einige Aktivisten eroberten sogar die Bühne. Mit einer Protestaktion haben Umweltschützer am Rande der Haupt- versammlung von Volkswagen in Berlin gegen den Autokonzern demonstriert. Dabei kritisierten sie eine Mitschuld des Konzerns an der Klimakrise und forderten Konsequenzen aus dem Abgasskandal bei VW. Die Leviten wurden auch dem Daimler- Vorstand gelesen – durch den jungen Jakob Roloff. Er wollte von den Konzern- bossen wissen, wie viel diese für die Ent- wicklung alternativer Antriebe ausgeben Dividendenindex auf Rekordstand Obwohl sich bereits eine Abkühlung der globa- len Konjunktur andeutete, sprudelten die Dividenden im zweiten Quartal 2019 weiter. Wie die SdK Schutzgemeinschaft der Kapital- anleger errechnet hat, wurden weltweit zwischen April und Juni 2019 rund 513,8 Mrd. USD an Dividenden ausgeschüttet – so viel wie noch nie in einem zweiten Quartal. Die Wachstums rate sei mit währungsbereinigten 4,8% (unbereinigt: 1,1%) allerdings die nie- drigste seit zwei Jahren gewesen. In Europa (ohne UK) lag die Wachstumsrate mit bereinigten 2,6% unter dem globalen Durch- schnitt. In Deutschland stiegen die Ausschüt- tungen mit der gleichen Rate, während Frank- reich – Europas größte Dividendenzahler – mit einem Anstieg um 5,1% einen neuen Rekord- wert in Höhe von 51,0 Mrd. USD beisteuerte. Thorsten Schüller . . m o c e b o d a k c o t s – 8 f w a R © : o t o F HV MAGAZIN 03/2019
AUSGEWÄHLTE HV-TERMINE* In Zusammenarbeit mit OKTOBER 2019 15.10.2019 Travel24.com AG 18.10.2019 Matica Technologies AG 25.10.2019 Russia Total Return AG 31.10.2019 MEDION AG NOVEMBER 2019 21.11.2019 Schloss Wachenheim AG DEZEMBER 2019 04.12.2019 KROMI Logistik AG 05.12.2019 STEMMER IMAGING AG 17.12.2019 KWS SAAT SE & Co. KGaA 17.12.2019 HumanOptics AG *) Änderungen vorbehalten H V - K A L E N D E R / I M P R E S S U M 29 IMPRESSUM HV MAGAZIN 3/2019 Verlag GoingPublic Media AG Hofmannstr. 7a, 81379 München Tel.: 089 / 2000 339-0, Fax: -39 info@hv-magazin.de, www.hv-magazin.de Redaktion Thorsten Schüller Mitarbeit an dieser Ausgabe Anna Bertele, Torsten Fues, Daniela Gebauer, Florian Alexander Hutzl, Christian Jeschke, Bernhard Orlik, Mareike Spielhofen, Dr. Thomas Zwissler Lektorat Benjamin Eder, Magdalena Lammel Redaktionsanschrift s. Verlag E-Mail redaktion@hv-magazin.de Gesamtgestaltung Andreas Potthoff Gestaltungskonzept Whitepark GmbH & Co., Hamburg Bilder www.stock.adobe.com, jeweiliger Bildnachweis Titelbild © dervish15 – stock.adobe.com Anzeigen An den Verlag. Gültig ist Preisliste Nr. 4 vom 1.11.2009 Objektleitung Anna Bertele Tel.: 089 / 2000 339-18, Fax: 089 / 2000 339-39 bertele@goingpublic.de Erscheinungstermine 2019 28.2. (Sonderausgabe „Kapitalmarktrecht 2019 – Das Nachschlagewerk für Emittenten“), 16.3. (1/19), 8.6. (2/19), 31.8. (Sonderausgabe „Financial Locations 2019/2020“), 5.10. (3/19), 7.12. (4/19) Preise Einzelpreis 14,00 EUR, Jahresabonnement 48,00 EUR. Kostenlose Bezugsmöglichkeit für Emitten ten. Druck www.viaprinto.de Historie Das HV Magazin entstand im Jahr 2003 in Ko ope ration mit der Haubrok Corporate Events GmbH, seit 2017 Link Market Services GmbH, die bis Ende 2004 als Herausgeber der Zeit schrift fungierte. Im Jahr 2003 erschien die Erstaus gabe, 2004 wurden drei Ausgaben publiziert. Seit dem Jahr 2005 erscheint das Fach magazin viermal jährlich zzgl. zwei Sonderaus gaben. Alte Ausgaben können bei Interesse noch im Original oder als PDF-Version über den Verlag bezogen werden. Haftung und Hinweise Artikeln, Meldungen und Hinweisen liegen Quel len zugrunde, welche die Redaktion für verlässlich hält. Eine Garantie für die Richtigkeit kann allerdings nicht übernommen werden. Bei unaufgefordert eingesandten Beiträgen behält sich die Redaktion Kürzungen oder Nicht- abdruck vor. Nachdruck © 2019 GoingPublic Media AG, München. Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Ohne schriftliche Ge neh migung der GoingPublic Media AG ist es nicht gestattet, diese Zeitschrift oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikro ko pie) zu vervielfältigen. Unter dieses Verbot fallen auch die Aufnahme in elektronische Datenbanken, Inter net und die Vervielfältigung auf CD-ROM. ISSN 2190-2380, ZKZ 64983 HV MAGAZIN 03/2019 . . m o c e b o d a k c o t s – 6 9 a n e g © : o t o F
T K N U P D N A T S / R E N R O C A I R T S U A sponsored by 30 EU-Prospektverordnung KMU-Emissionen erleichtert und Anlegerschutz gestärkt MAG. FLORIAN ALEXANDER HUTZL Of Counsel, Müller Partner Rechtsanwälte GmbH f.hutzl@mplaw.at Seit dem 21. Juli 2019 ist die neue EU-Prospektverordnung in Österreich unmittelbar anwendbar und bringt für die Teil- nehmer des Kapitalmarktes einige wesentliche Neuerun- gen mit sich. Zeitgleich ist auch das neue Kapitalmarkt- gesetz 2019 in Kraft getreten, welches in erster Linie die Anwendbarkeit der EU-Prospektverordnung in Österreich sicherstellen soll, davon abgesehen allerdings keine wesentlichen inhaltlichen Neuerungen aufweist. Stärkung des Kapital binnenmarktes Ein zentrales Ziel der EU-Prospektver- ordnung besteht darin, den Kapital- binnenmarkt weiter zu festigen. Dement- sprechend zielen einzelne Änderungen (etwa die Darstellung von Steuerthemen in Prospekten betreffend) primär darauf ab, grenzüberschreitende Angebote zu erleichtern. Der Anlegerschutz – ein weiteres wesentliches Ziel der neuen EU-Prospektverordnung – soll durch eine verbesserte Darstellung der zentralen Informationen im Prospekt weiter gestärkt werden. Die gemäß den neuen Regelungen verfassten Prospekte sollen nicht mehr mit Risikofaktoren überladen werden, sodass Anleger leichter zu erkennen ver- mögen, welche für sie relevant sind. Pros- pekte, die für ein öffentliches Angebot von Wertpapieren oder bei deren Zulassung zum Handel an einem geregelten Markt erstellt werden, müssen die Risiken daher in Zukunft deutlich konkreter beschrei- ben. sollen Wertpapier- prospekte so einfacher und benutzer- freundlicher ausfallen. Insgesamt KMU-Finanzierungen erleichtert Durch die schon lange überfällige An- hebung des Schwellenwertes für die Prospektpflicht wird der Kapitalmarkt nun auch für kleinere und mittlere Unterneh- men zugänglich. Nachdem mit den jüngs- ten Reformen des Kapitalmarktgesetzes und des Alternativfinanzierungsgesetzes die Marktbedingungen für rein österrei- chische Wertpapierangebote bereits deut- lich verbessert worden sind, werden mit dem neuen KMU-Wachstumsprospekt nunmehr auch grenzüberschreitende KMU-Finanzierungen über den Kapital- markt deutlich erleichtert. Aus österrei- chischer Perspektive sind diese Neue- rungen sowohl unternehmer- als auch anlegerseitig allesamt positiv zu bewer- ten, da für beide Seiten der Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert und die Markt- bedingungen für alle Teilnehmer dieses Marktsegments weiter verbessert wur- den. HV MAGAZIN 03/2019 e s r ö B r e n e W © i : o t o F
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