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Timestamp: 2020-08-06 19:37:10+00:00

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LAG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 22.01.2009, 11 Sa 616/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 22.01.2009, 11 Sa 616/08
Schlagworte: Kündigung: Klagefrist, Kündigungsfrist
Aktenzeichen: 11 Sa 616/08
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Mainz, Urteil vom 2.09.2008, 3 Ca 1132/08
3 Ca 1132/08
Ur­teil vom 22.01.2009
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz vom 02.09.2008, Az: 3 Ca 1132/08, wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten im Rah­men von An­nah­me­ver­zugs­ansprüchen über den Be­en­di­gungs­zeit­punkt ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses nach ei­ner von der Be­klag­ten aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung.
Der Kläger war bei der Be­klag­ten ab 02.11.2007 als Fach­ar­bei­ter beschäftigt. Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses war der Ar­beits­ver­trag vom 26.02.2007 (Bl. 32, 33 d. A.). Gemäß Zif­fer 1 des Ar­beits­ver­tra­ges war das Ar­beits­verhält­nis bis zum 30.04.2008 be­fris­tet. Der Ver­trag sah die Möglich­keit, das Ar­beits­verhält­nis or­dent­lich zu kündi­gen, nicht vor.
Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis gleich­wohl mit Schrei­ben vom 19.03.2008 zum 29.03.2008. Der Kläger er­hob ge­gen die­se Kündi­gung in­ner­halb der Frist des § 4 KSchG kei­ne Kla­ge. Die Be­klag­te leis­te­te für den Zeit­raum vom 30.03.2008 bis ein­sch­ließlich 30.04.2008 kei­ner­lei Zah­lun­gen an den Kläger. Er for­der­te die Be­klag­te mit Schrei­ben der Ge­werk­schaft IG B. vom 06.05.2008 auf, sei­ne Lohn­ansprüche für den 30. und 31.03.2008 in Ge­samthöhe von 100,- € brut­to zu erfüllen und wies gleich­zei­tig dar­auf hin, dass die Kündi­gung vom 19.03.2008 das Ar­beits­verhält­nis nicht ha­be auflösen können, da er ei­nen bis zum 30.04.2008 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ha­be. Die Be­klag­te lehn­te die Ansprüche ab. Der Kläger mach­te mit Schrei­ben vom 19.05.2008 Lohn­ansprüche für April 2008 in Höhe von 2.200,- € gel­tend (Bl. 13 d. A.) und wies un­ter dem 26.05.2008 dar­auf hin, dass die Kündi­gung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses nicht möglich ge­we­sen sei und das Ar­beits­verhält­nis da­her bis zum 30.04.2008 fort­be­stan­den ha­be. Da er sich nicht ge­gen die So­zi­al­wid­rig­keit oder die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung ins­ge­samt wen­de, son­dern le­dig­lich die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist gel­tend ma­che, sei er nicht ge­hal­ten ge­we­sen, in­ner­halb der 3-Wo­chen­frist gemäß § 4 Satz 1 KSchG Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben.
Der Kläger be­zog für den Zeit­raum vom 30.03. bis 30.04.2008 Ar­beits­lo­sen­geld in Höhe von 399,60 € net­to.
Mit am 20.06.2008 beim Ar­beits­ge­richt Mainz er­ho­be­ner Kla­ge be­gehrt er die Zah­lung von Ar­beits­vergütung für den 30. und 31.03.2008 so­wie für den ge­sam­ten Mo­nat April 2008 in Ge­samthöhe von 2.300,- € brut­to nebst Zin­sen hier­aus.
Der Kläger hat erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen,
der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag se­he die Möglich­keit der Kündi­gung für die Be­klag­te nicht vor; des­halb ha­be das Ar­beits­verhält­nis erst am 30.04.2008 sein En­de ge­fun­den.
die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.300,-€ brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz gemäß § 247 BGB seit dem 02.06.2008 zu zah­len.
Sie hat er­wi­dert,
das Ar­beits­verhält­nis sei, da der Kläger kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben ha­be, mit Ab­lauf des 29.03.2008 be­en­det wor­den. In­fol­ge­des­sen ha­be er kei­ne über die­sen Zeit­punkt hin­aus­ge­hen­den Lohn­ansprüche. Die Be­klag­te ha­be die Kündi­gung nur zu dem ge­nann­ten Zeit­punkt ge­gen sich gel­ten las­sen wol­len. Der Kündi­gungs­ter­min sei Be­stand­teil der Kündi­gungs­erklärung. Ei­ne an­de­re Aus­le­gung der Kündi­gungs­erklärung oder die Um­deu­tung in ei­ne Kündi­gung zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt sei­en aus­ge­schlos­sen.
Zur nähe­ren Dar­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Sach- und Streit­stan­des wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG Be­zug ge­nom­men auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Mainz vom 02.09.2008, AZ: 3 Ca 1132/08 (Bl. 44 bis 49 d. A.).
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 02.09.2008 ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung im We­sent­li­chen und zu­sam­men­ge­fasst aus­geführt, der gel­tend ge­mach­te An­spruch set­ze das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses im An­nah­me­ver­zugs­zeit­raum vor­aus. Das Ar­beits­verhält­nis sei je­doch im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum be­reits be­en­det ge­we­sen. Der Kläger ha­be nicht recht­zei­tig Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben. Die An­ru­fung des Ar­beits­ge­richts nach Ab­lauf des 3-Wo­chen­zeit­raums oder gar ei­ne In­zi­dent­prüfung im Rah­men ei­ner Zah­lungs­kla­ge sei auch nicht im Hin­blick auf das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 15.12.2005, 2 AZR 148/05, möglich. Nach die­ser Ent­schei­dung müsse die feh­ler­haf­te Be­rech­nung der Kündi­gungs­frist durch den Ar­beit­ge­ber nicht bin­nen 3 Wo­chen gel­tend ge­macht wer­den. Der Kläger des vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Falls ha­be aber aus­sch­ließlich die Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist ver­langt und sich ge­ra­de nicht ge­gen die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung ins­ge­samt ge­wandt. Viel­mehr sei er von der Wirk­sam­keit der Kündi­gung aus­ge­gan­gen und ha­be le­dig­lich fest­ge­stellt wis­sen wol­len, dass die Kündi­gung zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt wir­ke. Dem­ge­genüber be­ru­fe sich der Kläger vor­lie­gend auf ei­ne Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nach § 15 Abs. 3 Tz­B­fG. Die­ser Un­wirk­sam­keits­grund müsse frist­ge­recht durch Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge gel­tend ge­macht wer­den. Der Ver­s­toß ge­gen § 15 Abs. 3 Tz­B­fG führe an­ders als die Nicht­wah­rung der Kündi­gungs­frist bei Aus­spruch ei­ner Kündi­gung zur Un­wirk­sam­keit der aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung ins­ge­samt, nicht je­doch zur Wirk­sam­keit zu ei­nem an­de­ren Be­en­di­gungs­zeit­punkt.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Ent­schei­dungs­gründe des Ar­beits­ge­richts wird auf Sei­te 3 ff. des Ur­teils vom 02.09.2008 (Bl. 46 ff. d. A.) ver­wie­sen.
Der Kläger hat ge­gen das ihm am 23.09.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil am 17.10.2008 Be­ru­fung zum Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz ein­ge­legt und die­se mit am Mon­tag, 24.11.2008 ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz be­gründet.
Er macht gel­tend,
das Ar­beits­verhält­nis ha­be erst mit Ab­lauf des 30.04.2008 sein En­de ge­fun­den. Er ver­wei­se auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 15.12.2005, 2 AZR 148/05, wo­nach die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist außer­halb der Frist gemäß § 4 Satz 1 KSchG gel­tend ge­macht wer­den könne. Das Ar­beits­ge­richt ha­be zu Un­recht an­ge­nom­men, er be­ru­fe sich auf die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nach § 15 Abs. 3 Tz­B­fG. Er ha­be sich we­der außer­ge­richt­lich noch in der Kla­ge­schrift aus­drück­lich auf die­se Vor­schrift be­zo­gen. Viel­mehr ha­be er mit Schrei­ben vom 26.05.2008 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er sich nicht ge­gen die So­zi­al­wid­rig­keit oder die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung wen­de, son­dern le­dig­lich die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist gel­tend ma­che. Die Be­klag­te hätte die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist ein­hal­ten müssen, so dass das Ar­beits­verhält­nis erst mit Ab­lauf des 30.04.2008 ge­en­det ha­be. Ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ha­be es nicht be­durft, weil auch in ei­nem mögli­chen Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren zunächst die Fra­ge der Ein­hal­tung der maßge­ben­den Kündi­gungs­frist zu prüfen ge­we­sen wäre. Die Be­klag­te ha­be or­dent­lich gekündigt, ob­gleich sie dies we­gen der feh­len­den schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung im Ar­beits­ver­trag nicht ha­be tun dürfen. Die­se Kon­stel­la­ti­on sei ver­gleich­bar mit dem Aus­spruch ei­ner münd­li­chen Kündi­gung, die eben­falls nicht in­ner­halb der Kla­ge­frist des § 4 Satz 1 KSchG an­ge­grif­fen wer­den müsse. Da­her sei die or­dent­li­che Kündi­gung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses, bei dem die or­dent­li­che Kündi­gungsmöglich­keit aus­ge­schlos­sen sei, die nur durch Ein­hal­tung der Schrift­form ermöglicht wer­de, letzt­lich kei­ne schrift­li­che Kündi­gung im Sin­ne von § 623 BGB. Es sei der Be­klag­ten be­wusst ge­we­sen, dass die Möglich­keit der or­dent­li­chen Kündi­gung im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en aus­ge­schlos­sen ge­we­sen sei. Gleich­wohl ha­be sie gekündigt. Die­ses Ver­hal­ten sei willkürlich und die Kündi­gung ver­s­toße ge­gen § 242 BGB.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz vom 02.09.2008, AZ: 3 Ca 1132/08, ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 2.300,- € brut­to abzüglich 399,60 € net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 02.06.2008 zu zah­len.
Die Be­klag­te führt aus,
der Kläger sei aus­weis­lich der Kla­ge­schrift da­von aus­ge­gan­gen, dass die Kündi­gung we­gen § 15 Abs. 3 Tz­B­fG recht­lich aus­ge­schlos­sen sei. Aus die­sem Grund sei sein Be­geh­ren ge­ra­de nicht dar­auf ge­rich­tet ge­we­sen, le­dig­lich ei­ne fal­sche Kündi­gungs­frist durch die Zu­tref­fen­de er­set­zen zu las­sen. Es ge­be vor­lie­gend kei­ne „rich­ti­ge“ Frist, die an­zu­wen­den ge­we­sen wäre. So­fern der Kläger die Wirk­sam­keit der Kündi­gung ins­ge­samt an­grei­fen wol­le, weil es recht­lich kei­ne Kündi­gungsmöglich­keit ge­ge­ben ha­be, hätte er gemäß § 4 Satz 1 KSchG die Kla­ge­frist von 3 Wo­chen ein­hal­ten müssen. Falls er die Wirk­sam­keit der Kündi­gung ins­ge­samt nicht in Fra­ge stel­le und nur die Kündi­gungs­frist über­prüfen las­sen wol­le, ste­he fest, dass die Kündi­gung mit ei­ner Frist von sechs Werk­ta­gen gemäß § 12.1. des Bun­des­rah­men­ta­rif­ver­tra­ges für das Bau­ge­wer­be zulässig ge­we­sen wäre und das Ar­beits­verhält­nis nicht über den 29.03.2008 hin­aus be­stan­den ha­be. In bei­den Fällen sei die Zah­lungs­kla­ge un­be­gründet. Der Hin­weis des Klägers auf § 623 BGB sei ver­fehlt, da die Kündi­gung schrift­lich ab­ge­fasst wor­den sei. Sie sei auch nicht willkürlich und ver­s­toße da­her nicht ge­gen § 242 BGB. Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung wird auf den Schrift­satz der Be­ru­fungs­be­klag­ten vom 09.12.2008 (Bl. 81 ff. d. A.) ver­wie­sen.
Die form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung ist zwar zulässig, je­doch nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit zu­tref­fen­der Be­gründung ab­ge­wie­sen.
Der Kläger hat kei­nen Zah­lungs­an­spruch ge­gen die Be­klag­te über den 29.03.2008 hin­aus. Ins­be­son­de­re hat er kei­nen An­spruch auf Zah­lung von An­nah­me­ver­zugs­lohn für den Zeit­raum vom 30.03.2008 bis ein­sch­ließlich 30.04.2008. Gemäß § 615 Satz 1 BGB kann der Ver­pflich­te­te für die in­fol­ge des Ver­zugs nicht ge­leis­te­ten Diens­te die ver­ein­bar­te Vergütung ver­lan­gen, oh­ne zur Nach­leis­tung ver­pflich­tet zu sein, wenn der Dienst­be­rech­tig­te mit der An­nah­me der Diens­te in Ver­zug kommt. Vor­aus­set­zung für den von dem Kläger gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­an­spruch ist das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses im Zeit­raum vom 30.03.2008 bis ein­sch­ließlich 30.04.2008. Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 19.03.2008 zum 29.03.2008. Der Kläger hat in­ner­halb der Frist des § 4 KSchG hier­ge­gen nicht Kla­ge er­ho­ben. Nach § 4 Satz 1 KSchG muss ein Ar­beit­neh­mer, der gel­tend macht, dass ei­ne Kündi­gung "…so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist…" in­ner­halb von 3 Wo­chen nach Zu­gang der Kündi­gung Kla­ge er­he­ben. Dies hat der Kläger nicht ge­tan. Da­her hat das Ar­beits­verhält­nis auf Grund der Fik­ti­ons­wir­kung des § 7 KSchG am 29.03.2008 sein En­de ge­fun­den.
Wenn nicht die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung ins­ge­samt gel­tend ge­macht wird, son­dern nur de­ren Wirk­sam­keit zu dem in dem Kündi­gungs­schrei­ben an­ge­ge­be­nen Ter­min an­ge­grif­fen wird (BAG vom 15.12.2005, 2 AZR 148/05) oder aber die Kündi­gung nicht schrift­lich erklärt wur­de (§ 4 Satz 1 KSchG) muss die 3-Wo­chen­frist des § 4 Satz 1 KSchG nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Ein sol­cher Aus­nah­me­tat­be­stand liegt im Streit­fall nicht vor.
1. Der Ar­beit­neh­mer, der le­dig­lich die Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist ver­langt, will ge­ra­de nicht die So­zi­al­wid­rig­keit oder die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­ge­stellt wis­sen. Er geht im Ge­gen­teil von der Wirk­sam­keit der Kündi­gung aus und will gel­tend ma­chen, sie wir­ke al­ler­dings zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt als es nach Auf­fas­sung des Ar­beit­ge­bers der Fall ist. Die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist kann auch außer­halb der Kla­ge­frist des § 4 KSchG gel­tend ge­macht wer­den (BAG vom 15.12.2005, 2 AZR 148/05).
Vor­lie­gend macht der Kläger je­doch nicht gel­tend, die Kündi­gung sei wirk­sam, wir­ke je­doch zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt. Viel­mehr be­ruft er sich auf ei­ne Un­wirk­sam­keit gemäß § 15 Abs. 3 Tz­B­fG auch wenn er die­se Vor­schrift nicht ex­pli­zit nennt. Dies er­gibt sich aus den Schrei­ben vom 06.05.2008 und vom 26.05.2008 so­wie aus der Kla­ge­schrift.
a) Das Schrei­ben der Ge­werk­schaft IG B. vom 06.05.2008 lau­tet - so­weit von In­ter­es­se -:
"… un­ser Mit­glied hat Sie mit Schrei­ben vom 01.04.2008 be­reits schrift­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Kündi­gung zum 29.03.2008 das Ar­beits­verhält­nis nicht auflösen könne, da un­ser Mit­glied ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag bis zum 30.04.2008 hat…".
Der Kläger stellt hier mit nicht zu über­bie­ten­der Deut­lich­keit auf die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung ins­ge­samt ab, weil der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit ge­ra­de nicht vor­se­he. Mit kei­ner Sil­be macht er die Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist gel­tend.
b) Der Kläger führt in dem Schrei­ben der Ge­werk­schaft IG B. vom 26.05.2008 aus:
"… Be­zug neh­mend auf Ihr Schrei­ben vom 19.05.2008 wei­sen wir dar­auf hin, dass ei­ne Kündi­gung des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges un­se­res oben ge­nann­ten Mit­glieds durch den Ar­beit­ge­ber außer­halb der Be­fris­tung nicht möglich war und das Ar­beits­verhält­nis da­her bis zum 30.04.2009 fort­be­stand…. Da sich un­ser Mit­glied nicht ge­gen die So­zi­al­wid­rig­keit oder die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung als sol­che wehrt, son­dern le­dig­lich die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist gel­tend macht, war er auch nicht ge­hal­ten, in­ner­halb der 3-Wo­chen­frist Kündi­gungs­schutz­kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt zu er­he­ben…".
Hier­aus er­gibt sich, dass die Be­haup­tung des Klägers, er ma­che "le­dig­lich" die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist gel­tend, falsch ist. Viel­mehr be­ruft er sich in die­sem Schrei­ben auf den Aus­schluss der Möglich­keit der or­dent­li­chen Kündi­gung auf­grund der Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges und be­haup­tet darüber hin­aus, er ma­che die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist gel­tend.
c) In der Kla­ge­schrift heißt es:
"Der Kläger ist al­ler­dings der Auf­fas­sung, dass der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag kei­ne vor­zei­ti­ge Möglich­keit zur Kündi­gung für die Be­klag­te her­gibt und so­mit sein Ar­beits­verhält­nis erst am 30.04.2008 ge­en­det hat…".
Mit­hin be­ruft er sich auch in der Kla­ge­schrift ge­ra­de nicht auf die Un­rich­tig­keit der zu Grun­de ge­leg­ten Kündi­gungs­frist, son­dern be­haup­tet die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung ins­ge­samt we­gen des Aus­schlus­ses der Kündi­gung im be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis, § 15 Abs. 3 Tz­B­fG.
2. Der Kläger ist der Auf­fas­sung, ei­ner frist­ge­recht er­ho­be­nen Kündi­gungs­schutz­kla­ge ha­be es nicht be­durft, weil auch in ei­nem mögli­chen Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren zunächst die Fra­ge der Ein­hal­tung der maßge­ben­den Kündi­gungs­frist zu prüfen ge­we­sen wäre. Aus die­ser An­nah­me fol­gert er, dass die – nach sei­ner Mei­nung – im Kündi­gungs­schutz­pro­zess zunächst an­zu­stel­len­de Fest­stel­lung der zu­tref­fen­den Kündi­gungs­frist auch außer­halb der Frist des § 4 Satz 1 KSchG ei­ner ge­richt­li­chen Über­prüfung un­ter­zo­gen wer­den könne. Das ist falsch. Im Streit­fall ist es oh­ne jed­we­de Re­le­vanz, wel­che Kündi­gungs­frist die Be­klag­te hätte be­ach­ten müssen. Das Ge­richt hätte im Rah­men ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung im Hin­blick auf § 15 Abs. 3 Tz­B­fG fest­ge­stellt. Das Ge­richt hat sich nur dann mit der Fra­ge zu be­fas­sen, ob der Ar­beit­ge­ber die zu­tref­fen­de Kündi­gungs­frist ein­ge­hal­ten hat, mit­hin das Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt en­det, wenn über­haupt ei­ne Kündi­gung möglich ist. Ist die Kündi­gung aus­ge­schlos­sen (z. B. gemäß § 15 Abs. 3 Tz­B­fG), hat das Ge­richt nicht zu klären, wann das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der kon­kre­ten Kündi­gung sein En­de fin­det, da die Möglich­keit, das Ar­beits­verhält­nis durch or­dent­li­che Kündi­gung zu be­en­den, nicht eröff­net ist.
3. Es ist ent­ge­gen der Mei­nung des Klägers auch nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die Be­klag­te die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist ha­be wah­ren wol­len und die Aus­le­gung der Kündi­gungs­erklärung er­ge­be, dass die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit der Kündi­gungs­frist gemäß § 622 Abs. 1 BGB zum Ab­lauf des 30.04.2008 ha­be kündi­gen wol­len. Bei ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung ist für den Kündi­gungs­adres­sa­ten er­kenn­bar, dass der Kündi­gen­de die ein­zu­hal­ten­de Kündi­gungs­frist grundsätz­lich wah­ren will, da er auf Grund ge­setz­li­cher, ta­rif­li­cher oder ein­zel­ver­trag­li­cher Re­ge­lun­gen an sie ge­bun­den ist (BAG vom 15.12.2005, 2 AZR 148/05). Die Be­klag­te woll­te das Ar­beits­verhält­nis zum 29.03.2008, nicht aber zum 30.04.2008 kündi­gen. Das Kündi­gungs­schrei­ben erwähnt le­dig­lich den 29.03.2008 als den Ter­min, zu dem das Ar­beits­verhält­nis en­den soll. Aus den im Rah­men der Aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen­den Umständen des Ein­zel­falls (BAG vom 15.12.2005, 2 AZR 148/05) er­gibt sich eben­falls nicht der Wil­le der Be­klag­ten, das Ar­beits­verhält­nis erst zum 30.04.2008 durch Kündi­gung be­en­den zu wol­len. Um das Ar­beits­verhält­nis zu die­sem Zeit­punkt zu be­en­den, hätte es ei­ner Kündi­gung der Be­klag­ten nicht be­durft, da das Ar­beits­verhält­nis oh­ne­hin bis zu die­sem Zeit­punkt be­fris­tet war und des­halb ei­ne Kündi­gung zu die­sem Zeit­punkt ent­behr­lich war.
4. Die Auf­fas­sung des Klägers, wo­nach der Aus­spruch ei­ner nach § 15 Abs. 3 Tz­B­fG aus­ge­schlos­se­nen or­dent­li­chen Kündi­gung mit ei­ner münd­li­chen Kündi­gung ver­gleich­bar sei, über­zeugt nicht. Die Geschäftsführe­rin der Be­klag­ten hat das Kündi­gungs­schrei­ben ei­genhändig un­ter­zeich­net. Da­mit ist dem Schrift­for­mer­for­der­nis des § 623 BGB genüge ge­tan. Die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on - Aus­spruch ei­ner schrift­li­chen Kündi­gung ent­ge­gen § 15 Abs.3 Tz­B­fG - ist mit ei­ner münd­li­chen Kündi­gung nicht ver­gleich­bar.
5. Sch­ließlich führt der Kläger aus, es sei der Be­klag­ten be­wusst ge­we­sen, dass die Möglich­keit der or­dent­li­chen Kündi­gung im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en aus­ge­schlos­sen ge­we­sen sei, gleich­wohl ha­be sie gekündigt. Die­ses Ver­hal­ten sei willkürlich. Da­her ver­s­toße die Kündi­gung ge­gen § 242 BGB.
Ab­ge­se­hen da­von, dass nicht je­de Miss­ach­tung ge­setz­li­cher Re­ge­lun­gen, hier § 15 Abs.3 Tz­B­fG, zu­gleich ein Ver­s­toß ge­gen Treu und Glau­ben ist, han­delt es sich in­so­weit um ei­nen sons­ti­gen Un­wirk­sam­keits­grund im Sin­ne von § 4 Satz 1 KSchG, der in­ner­halb der 3-Wo­chen-Frist gel­tend zu ma­chen ist (BAG vom 09.02.2006, 6 AZR 283/05).
Nach al­le­dem war die Be­ru­fung des Klägers mit der Kos­ten­fol­ge aus § 97 Abs. 1 ZPO zurück­zu­wei­sen. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on war im Hin­blick auf die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht ver­an­lasst. Da­her ist die­se Ent­schei­dung un­an­fecht­bar.
zur Übersicht 11 Sa 616/08

References: § 4
 § 4
 § 247
 § 69
 § 15
 § 15
 § 4
 § 15
 § 4
 § 623
 § 242
 § 15
 § 4
 § 12
 § 623
 § 242
 § 615
 § 4
 § 4
 § 7
 § 4
 § 4
 § 15
 § 15
 § 4
 § 15
 § 15
 § 622
 § 15
 § 623
 § 15
 § 242
 § 15
 § 4
 § 97