Source: https://www.familienrecht-deutschland.de/Unterhaltstabellen_Leitlinien/Unterhaltstabellen_Leitlinien_Archiv/Tabellen_Leitlinien_OLGe/OLG_Celle
Timestamp: 2019-07-21 11:47:26+00:00

Document:
2.9 In der Regel Bezüge nach §§ 41 - 43 SGB XII (Grundsicherung) beim Verwandten unterhalt (anders beim Ehegattenunterhalt).
2.10 Kein Einkommen sind Sozialhilfe (SGB XII) und Leistungen nach dem Unterhaltsvorschußgesetz. Die Unterhaltsforderung eines Empfängers dieser Leistungen kann in Ausnahmefällen treuwidrig sein (BGH FamRZ 1999, 843 bzw. 2001, 619).
10.2.1 Bei Vorliegen entsprechender Anhaltspunkte kann von Einkünften aus nichtselbständiger Erwerbstätigkeit eine Pauschale von 5% des Nettoeinkommens (Ziff. 10.1) angesetzt werden. Übersteigen die berufsbedingten Aufwendungen diese Pauschale, so sind sie im einzelnen darzulegen.
10.2.2 Für die notwendigen Kosten der berufsbedingten Nutzung eines Kraftfahrzeugs kann der nach den Sätzen des § 5 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 JVEG anzuwendende Betrag (derzeit 0,30 € pro gefahrenen Kilometer) angesetzt werden. Damit sind in der Regel Anschaffungskosten erfaßt. Werden die Raten für einen zur Anschaffung aufgenommenen Kredit berücksichtigt, so verringern sich die anrechnungsfähigen km-Kosten.
10.5 Bei der Prüfung, ob Unterhaltsleistungen vorweg abzuziehen sind (vgl. Nrn. 13.3, 15.2), ist zwischen Bedarfsermittlung und Leistungsfähigkeit zu unterscheiden.
12.1 Der betreuende Elternteil braucht neben dem anderen Elternteil in der Regel keinen Barunterhalt zu leisten, es sei denn, sein Einkommen ist bedeutend höher als das des anderen Elternteils (§ 1606 Abs. 3 S. 2 BGB) oder der eigene angemessene Unterhalt des sonst allein barunterhaltspflichtigen Elternteils ist gefährdet (§ 1603 Abs. 2 S. 3 BGB).
13.1.2 Der angemessene Bedarf eines volljährigen Kindes mit eigenem Hausstand beträgt in der Regel monatlich640 € ohne Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Studiengebühren.
13.2 Auf den Unterhaltsbedarf werden Einkünfte des Kindes, auch BAföG-Darlehen und Ausbildungsbeihilfen (gekürzt um ausbildungsbedingte Aufwendungen), angerechnet. Bei Einkünften aus unzumutbarer Erwerbstätigkeit gilt § 1577 Abs. 2 BGB entsprechend.
13.3 Bei anteiliger Barunterhaltspflicht ist vor Berechnung des Haftungsanteils nach § 1606 Abs. 3 S. 1 BGB das bereinigte Nettoeinkommen jedes Elternteils gemäß Ziff. 10 zu ermitteln. Außerdem ist vom Restbetrag ein Sockelbetrag in Höhe des angemessenen Selbstbehalts 1.100 € abzuziehen.
Bei volljährigen Schülern, die in § 1603 Abs. 2 S. 2 BGB minderjährigen Kindern gleichgestellt sind, wird der Sockelbetrag bis zum notwendigen Selbstbehalt (770 €/ 890 €) herabgesetzt, wenn der Bedarf der Kinder andernfalls nicht gedeckt werden kann.
15.1 Bei der Bedarfsbemessung darf nur eheprägendes Einkommen berücksichtigt werden. Bei Aufnahme oder Erweiterung einer Erwerbstätigkeit nach Trennung/ Scheidung gilt grundsätzlich das (Mehr-)Einkommen als prägend (BGH FamRZ 2001, 986).
Der Vorwegabzug des Kindesunterhalts beim Ehegatten kann unterbleiben, soweit sich daraus ein Mißverhältnis zum wechselseitigen Bedarf der Beteiligten ergibt. Dieses Mißverhältnis ist regelmäßig zu bejahen, wenn beim Ehegatten die Beträge gemäß Ziff. 22.1 unterschritten sind.
22.1 Ist bei Unterhaltsansprüchen minderjähriger und diesen nach § 1603 Abs. 2 S. 2 BGB gleichgestellter Kinder der Unterhaltspflichtige verheiratet, werden für den mit ihm zusammenlebenden Ehegatten im Regelfall 560 €, und wenn dieser erwerbstätig ist, 650 € angesetzt.
23.1 Ein verschärfter Mangelfall liegt vor, wenn das Einkommen des Pflichtigen zur Deckung seines notwendigen Selbstbehalts und der gleichrangigen Unterhaltsansprüche nicht ausreicht (BGH FamRZ 2003, 363, 366).
für minderjährige oder diesen nach § 1603 Abs. 2 BGB gleichgestellte Kinder den Zahlbeträgen nach der Düsseldorfer Tabelle abzüglich des anzurechnenden Kindergeldes sowie
für den getrennt lebenden oder geschiedenen Ehegatten seinem jeweiligen Restbedarf (Ziff.15, 16).
23.2.3 bei mit den Pflichtigen zusammenlebenden Ehegatten auf die Beträge gemäß Ziff. 22.1.
(§ 1612a Abs. 3 BGB)	Vom-Hundertsatz	Bedarfskontrollbetrag
(Anm. 3, 4)	0-5	6-11	12-17	ab 18	(Anm. 6)
1.	bis 1.300	204	247	291	335	100	780/890
2.	1.300 - 1.500	219	265	312	359	107	950
3.	1.500 - 1.700	233	282	332	382	114	1.000
4.	1.700 - 1.900	247	299	353	406	121	1.050
5.	1.900 - 2.100	262	317	373	429	128	1.100
6.	2.100 - 2.300	276	334	393	453	135	1.150
7.	2.300 - 2.500	290	351	414	476	142	1.200
8.	2.500 - 2.800	306	371	437	503	150	1.250
9.	2.800 - 3.200	327	396	466	536	160	1.350
10.	3.200 - 3.600	347	420	495	570	170	1.450
11.	3.600 - 4.000	368	445	524	603	180	1.550
12.	4.000 - 4.400	388	470	553	637	190	1.650
13.	4.400 - 4.800	408	494	582	670	200	1.750
über 4.800	nach den Umständen des Falles
1. Anrechnung des (hälftigen) Kindergeldes für das 1. bis 3. Kind von je 77 €
1. = 100 %	204 – 5 = 199	247 – 0 = 247	291 – 0 = 291
2. = 107 %	219 – 20 = 199	265 – 8 = 257	312 – 0 = 312
3. = 114 %	233 – 34 = 199	282 – 25 = 257	332 – 16 = 316
4. = 121 %	247 – 48 = 199	299 – 42 = 257	353 – 37 = 316
5. = 128 %	262 – 63 = 199	317 – 60 = 257	373 – 57 = 316
6. = 135 %	276 – 77 = 199	334 – 77 = 257	393 – 77 = 316
2. Anrechnung des (hälftigen) Kindergeldes für das 4. Kind und jedes weitere Kind von je 89,50 €
1. = 100 %	204 – 17,50 = 186,50	247 – 2,50 = 244,50	291 – 0 = 291
2. = 107 %	219 – 32,50 = 186,50	265 – 20,50 = 244,50	312 – 8,50 = 303,50
3. = 114 %	233 – 46,50 = 186,50	282 – 37,50 = 244,50	332 – 28,50 = 303,50
4. = 121 %	247 – 60,50 = 186,50	299 – 54,50 = 244,50	353 – 49,50 = 303,50
5. = 128 %	262 – 75,50 = 186,50	317 – 72,50 = 244,50	373 – 69,50 = 303,50
6. = 135 %	276 – 89,50 = 186,50	334 – 89,50 = 244,50	393 – 89,50 = 303,50
½ (6/7 * 2.000 € + 300 € + 6/7 * 1.000 € ) = 1.436 €
Höhe des Anspruchs ( = ungedeckter Bedarf):
K1: 233 €, nach Kindergeldverrechnung 199 €;
K2: 282 €, nach Kindergeldverrechnung 257 €;
F: (1.650 € ./. 233 € ./. 282 €) * 3/7 = 486 €
Leistungsfähigkeit M 1.650 € ./. 199 € ./. 257 € ./. 486 € = 708 €, d.h. Mangelfall
K1: 204 €, nach Kindergeldverrechnung 199 €;
K2: 247 €, keine Kindergeldverrechnung;
F: (1.650 € ./. 204 € ./. 247 €) * 3/7 = 514 €;
Leistungsfähigkeit M 1.650 € ./. 199 € ./. 247 € ./. 514 € = 690 €, d.h. Mangelfall
1.650 € ./. 890 € = 760 €
760 € : 1.380 € x 100 = 55,07%
K1: 276 € x 55,07% = 152 €;
K2: 334 € x 55,07% = 184 €;
F: 770 € x 55,07% = 424 €.
Der Kindesunterhalt entspricht 74,3% des Regelbetrages (= 55,07% * 1,35).
Unterhaltsleitlinien OLG Celle 2005.pdf (61,13 kb)

References: § 5
 § 1577
 § 1606
 § 1603
 § 1603
 § 1603