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Timestamp: 2017-09-22 03:50:40+00:00

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BSG, 20.04.2010 - B 1/3 KR 21/08 R - Anspruch auf Soziotherapie aus der gesetzlichen Krankenversicherung; Beschränkung auf einen Zeitraum von drei Jahren je Krankheitsfall | anwalt24.de
Urt. v. 20.04.2010, Az.: B 1/3 KR 21/08 R
Referenz: JurionRS 2010, 18710
Aktenzeichen: B 1/3 KR 21/08 R
SG Reutlingen - 25.09.2007 - AZ: S 2 KR 3235/06
LSG Baden-Württemberg - 16.09.2008 - AZ: L 11 KR 1171/08
§ 37a SGB V
Breith. 2011, 29-32
NZS 2011, 336
RPsych (R&P) 2011, 29-30
Az: B 1/3 KR 21/08 R
L 11 KR 1171/08 (LSG Baden-Württemberg)
S 2 KR 3235/06 (SG Reutlingen)
Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg vom 16. September 2008 wird zurückgewiesen.
Die 2001 erlassenen Soziotherapie-RL gelten fort, obwohl seit dem 1.1.2004 § 37a Abs 2 SGB V nF (idF durch Art 1 Nr 28 Buchst a GKV-Modernisierungsgesetz [GMG] vom 14.11.2003, BGBl I 2190) den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) zur Regelung beruft. Das GMG passte damit § 37a Abs 2 SGB V lediglich an die Änderung des § 91 SGB V an (vgl Gesetzentwurf der Fraktionen SPD, CDU/CSU und BÜNDNIS 90/Die Grünen eines GMG, BT-Drucks 15/1525 S 90 rechte Spalte zu Nr 28 zu Buchst a), ohne die Fortgeltung der bisher erlassenen Soziotherapie-RL auszuschließen.
Der Wortlaut des § 37a Abs 1 Satz 3 SGB V lässt ohne Weiteres ein Normverständnis zu, wonach der Anspruch auf Soziotherapie je Krankheitsfall jeweils für höchstens 120 Stunden innerhalb von drei Jahren besteht, nach Ablauf des Dreijahreszeitraums jedoch erneut entstehen kann (vgl zB Padé in jurisPK-SGB V, Stand: 10.11.2009, § 37a RdNr 29.1). Diese Lesart entspricht dem Zweck der Regelung, den besonderen Bedürfnissen psychisch Kranker Rechnung zu tragen, unnötige Krankenhausaufenthalte schwer psychisch Kranker zu vermeiden und damit verbundene unnötige Kostenbelastungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gar nicht erst entstehen zu lassen (vgl Gesetzentwurf der Fraktionen SPD und BÜNDNIS 90/Die Grünen eines Gesetzes zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung ab dem Jahr 2000 [GKV-Gesundheitsreform 2000], BT-Drucks 14/1245 S 57 linke Spalte zu Nr 8). Zugrunde liegt dem die Erkenntnis, dass schwer psychisch Kranke häufig nicht in der Lage sind, Leistungen, auf die an sich ein Anspruch besteht, selbstständig in Anspruch zu nehmen. Dies kann zu wiederkehrenden stationären Aufenthalten führen (sog "Drehtüreffekt"). Um solche Wirkungen zu vermeiden, hat der Gesetzgeber die Leistung "Soziotherapie" als eine neue Betreuungsleistung eingeführt (vgl BT-Drucks 14/1245 S 66 linke Spalte zu Nr 20 [§ 37a zu Abs 1]). Gesetzessystematisch handelt es sich um eine ergänzende Leistung, die an der Nahtstelle zwischen Krankenbehandlung und allgemeiner Lebenshilfe angesiedelt ist (vgl Großer Senat, BSGE 99, 111 [BSG 25.09.2007 - GS 1/06] = SozR 4-2500 § 39 Nr 10, jeweils RdNr 20).

References: § 37
 § 37
 § 37
 § 91
 § 37
 § 37
 § 39