Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=27.01.1983&Aktenzeichen=III%20ZR%20131/81
Timestamp: 2019-05-24 12:27:05+00:00

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BGH, 27.01.1983 - III ZR 131/81 - dejure.org
https://dejure.org/1983,223
BGH, 27.01.1983 - III ZR 131/81 (https://dejure.org/1983,223)
BGH, Entscheidung vom 27.01.1983 - III ZR 131/81 (https://dejure.org/1983,223)
BGH, Entscheidung vom 27. Januar 1983 - III ZR 131/81 (https://dejure.org/1983,223)
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Zahlung einer Entschädigung wegen der Erteilung rechtswidriger Baugenehmigungen - Voraussetzungen einer Entschädigung nach dem Ordnungsbehördengesetz NRW (OBG NW) - Wirksamkeit einer Baugenehmigung trotz eines für nichtig erklärten Bebauungsplans - Rechtsschutz gegen drittbegünstigende Verwaltungsakte (Baugenehmigung) - Verstoß gegen eine nachbarschützende Vorschrift - Einhaltung des Gebots der Rücksichtnahme - Voraussetzungen des Amtshaftungsanspruches
BGHZ 86, 356
NJW 1983, 1795
MDR 1983, 470
NVwZ 1984, 291
NVwZ 1984, 333 (Ls.)
VersR 1983, 455
WM 1983, 475
DVBl 1983, 628
BauR 1983, 226
Zwar mögen die Fragen, ob eine Norm Schutznorm i.S.d. § 823 Abs. 2 BGB und ob sie drittschützend im Sinne des Verwaltungsrechts ist, zusammenhängen, vgl. BGH, Urteil vom 27.1.1983 - III ZR 131/81 -, BGHZ 86, 356 (362), jedoch sind sie nicht deckungsgleich.
Denn dessen Unanfechtbarkeit bzw. Bestandskraft schließt die inzidente Prüfung seiner Fehlerhaftigkeit als Vorfrage in einem Schadensersatzprozeß vor den ordentlichen Gerichten nicht aus (vgl. zur Amtshaftung BGHZ 9, 129, 131; 86, 356, 359; BGH-Urteil vom 17. Januar 1985 - III ZR 109/83 = VersR 1985, 492, 494).
Die unanfechtbar gewordenen Baugenehmigungen, die aufgrund des für nichtig erklärten Bebauungsplans erteilt worden sind, bleiben entsprechend § 47 Abs. 6 Satz 3 VwGO von der Nichtigerklärung unberührt (Senatsurteil BGHZ 86, 356, 359 m.w.Nachw.; BVerwGE 56, 172, 176).
Das ist der Fall, soweit in qualifizierter und zugleich individualisierter Weise auf schutzwürdige Interessen eines erkennbar abgegrenzten Kreises Dritter Rücksicht zu nehmen ist (so zum Rücksichtnahmegebot im Rahmen des Nachbarschutzes: BVerwG 52, 122, 128 ff. m.w.Nachw.; Senatsurteil BGHZ 86, 356, 363).
Die behördliche Aufhebung einer Verordnung kann jedenfalls grundsätzlich - anders als die ex tunc, d.h. auf den Zeitpunkt des Erlasses zurückwirkende, Unwirksamkeitserklärung durch das Gericht (…vgl. Beschluss vom 30. September 1992 - BVerwG 4 NB 22.92 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 70 S. 114 = juris Rn. 9; BGH, Urteil vom 27. Januar 1983 - III ZR 131/81 - BGHZ 86, 356 ) - nur ex nunc, d.h. für die Zukunft erfolgen; dann aber fehlt es an einer Verordnung, die wieder aufleben könnte.
Auch dem betroffenen Nachbarn gegenüber kann eine zu Unrecht erteilte Baugenehmigung eine entschädigungspflichtige rechtswidrige Maßnahme darstellen (Urteil vom 27. Januar 1983 = BGHZ 86, 356).
Diese Entscheidung wirkt, da das OVG nichts anderes bestimmt hat, auf den Zeitpunkt des Erlasses des Bebauungsplans zurück (BGHZ 86, 356 (359) = NJW 1983, 1795 = LM NRWOBG Nr. 8).
Darüber hinaus folgt aus der Rechtsprechung des Senats, dass bei Entschädigungsansprüchen, die - wie § 69 SOG LSA - an die objektive Rechtswidrigkeit ordnungsbehördlicher Maßnahmen anknüpfen, dieselben Schutzzweckerwägungen herangezogen werden können wie bei der Frage der Drittbezogenheit der verletzten Amtspflicht im Rahmen des § 839 BGB (vgl. nur Urteile vom 27. Januar 1983 - III ZR 131/81, BGHZ 86, 356, 360 ff …und vom 19. Januar 2006 - III ZR 82/05, BGHZ 166, 22 Rn. 11).
Selbst wenn jedoch in diesem Zusammenhang zugunsten der Kläger unterstellt würde, daß der Bebauungsplan "In W 203" insgesamt, also hinsichtlich des ganzen Plangebietes, nichtig gewesen ist (diese Frage ist oben II 2 d offengelassen worden) und diese Nichtigkeit bewirkt hat, daß die Baugenehmigung rechtswidrig gewesen ist (vgl. dazu Senatsurteil BGHZ 86, 356, 359), so folgt daraus allein nicht zwingend, daß ein Schadensersatzanspruch, sei es aus § 839 BGB i.V.m. Art. 34 GG, sei es aus § 39 OBG, begründet ist.
Der Bauherr hat keinen allgemeinen Gesetzesvollziehungsanspruch gegen die Baugenehmigungsbehörde auf Befolgung aller baurechtlichen Normen, von denen ein ihm vorteilhafter Rechtsreflex ausgeht (Senatsurteil BGHZ 86, 356, 361 für nachbarschützende Vorschriften).
Fehlt einer baurechtlichen Norm der individuell begünstigende Schutzzweck, so kann ihre Verletzung auch keinen Schadensersatzanspruch nach § 39 Abs. 1 Buchst. b OBG NW begründen (Senatsurteil BGHZ 86, 356, 362).
BGH, 07.02.1985 - III ZR 179/83
Grundstücksverkauf durch Gemeinde: Zivilrechtliche Bindung des Erwerbers an noch …
BGH, 17.01.1985 - III ZR 109/83
BGH, 30.10.1986 - III ZR 56/85
OLG Zweibrücken, 04.05.2006 - 6 U 2/05
Amtshaftung wegen Erteilung von Bauvorbescheid und Baugenehmigung für ein …
BGH, 12.07.1996 - V ZR 106/95
Voraussetzung einer Aufrechnung - Auswirkungen der Bestandskraft eines Bescheids …
VerfGH Bayern, 30.03.2010 - 94-VI-09
Überprüfung zivilgerichtlicher Entscheidungen zu einem Amtshaftungsanspruch

References: § 823
 § 47
 § 47
 § 69
 § 839
 § 839
 Art. 34
 § 39
 § 39