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Timestamp: 2020-07-15 18:34:15+00:00

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Die Rechtsbeschwerde in Familiensachen - und ihre Begründung | Rechtslupe
Die Rechtsbeschwerde in Familiensachen - und ihre Begründung
Gemäß § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO muss die Begrün­dung der Rechts­be­schwer­de im Fall des § 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO Dar­le­gun­gen zu den Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen des § 574 Abs. 2 ZPO ent­hal­ten. Der Beschwer­de­füh­rer muss den Zulas­sungs­grund bzw. die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen nicht nur benen­nen, son­dern auch zu den jewei­li­gen Vor­aus­set­zun­gen sub­stan­ti­iert vor­tra­gen [1].
Gemäß § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO muss die Begrün­dung der Rechts­be­schwer­de im Fall des § 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO, also wenn die Rechts­be­schwer­de wie hier auf­grund aus­drück­li­cher gesetz­li­cher Bestim­mung statt­haft ist, eine Dar­le­gung zu den Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen des § 574 Abs. 2 ZPO ent­hal­ten. Danach ist die Rechts­be­schwer­de nur zuläs­sig, wenn die Rechts­sa­che grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat oder die Fort­bil­dung des Rechts oder die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung eine Ent­schei­dung des Rechts­be­schwer­de­ge­richts erfor­dert. Der Beschwer­de­füh­rer muss den Zulas­sungs­grund bzw. die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen nicht nur benen­nen, son­dern auch zu den jewei­li­gen Vor­aus­set­zun­gen sub­stan­ti­iert vor­tra­gen [2].
Grund­sätz­li­che Bedeu­tung im Sin­ne von § 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO hat eine Rechts­sa­che, wenn sie eine ent­schei­dungs­er­heb­li­che, klä­rungs­be­dürf­ti­ge und klä­rungs­fä­hi­ge Rechts­fra­ge auf­wirft, die sich in einer unbe­stimm­ten Viel­zahl von Fäl­len stel­len kann, oder wenn ande­re Aus­wir­kun­gen des Rechts­streits auf die All­ge­mein­heit deren Inter­es­sen in beson­de­rem Maße berüh­ren und ein Tätig­wer­den des Bun­des­ge­richts­hofs erfor­der­lich machen [3].
Um dies ord­nungs­ge­mäß dar­zu­le­gen, ist es grund­sätz­lich erfor­der­lich, die durch die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung auf­ge­wor­fe­ne Rechts­fra­ge kon­kret zu benen­nen sowie ihre Klä­rungs­be­dürf­tig­keit und Bedeu­tung für eine unbe­stimm­te Viel­zahl von Fäl­len im Ein­zel­nen auf­zu­zei­gen bzw. die Aus­wir­kun­gen des Rechts­streits auf die All­ge­mein­heit und das sich dar­aus erge­ben­de Bedürf­nis für ein kor­ri­gie­ren­des Ein­grei­fen des Bun­des­ge­richts­hofs dar­zu­stel­len. In Bezug auf die auf­ge­wor­fe­ne Rechts­fra­ge sind ins­be­son­de­re auch Aus­füh­run­gen dazu erfor­der­lich, aus wel­chen Grün­den, in wel­chem Umfang und von wel­cher Sei­te die­se umstrit­ten ist [4].
Glei­ches gilt im Hin­blick auf gel­tend gemach­te Ver­fah­rens­feh­ler:
Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs begrün­det die Ver­let­zung von Ver­fah­rens­vor­schrif­ten nur dann eine Beschwer­de­be­rech­ti­gung nach § 59 Abs. 1 FamFG, wenn es bei einer kor­rek­ten Ver­fah­rens­ge­stal­tung auch in mate­ri­ell­recht­li­cher Hin­sicht zu einer güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung für den Rechts­mit­tel­füh­rer hät­te kom­men kön­nen [5]. Auch im Schrift­tum wird über­ein­stim­mend die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass eine ver­fah­rens­wid­rig ergan­ge­ne Ent­schei­dung nur dann ein Rechts­mit­tel eröff­nen kann, wenn der Rechts­mit­tel­füh­rer zugleich in mate­ri­el­len Rech­ten betrof­fen ist [6].
Der Zulas­sungs­grund der Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 ZPO) ist zum einen gege­ben, wenn einem Gericht bei der Anwen­dung von Rechts­nor­men Feh­ler unter­lau­fen sind, die die Wie­der­ho­lung durch das­sel­be Gericht oder die Nach­ah­mung durch ande­re Gerich­te erwar­ten las­sen, und wenn dadurch so schwer erträg­li­che Unter­schie­de in der Recht­spre­chung zu ent­ste­hen oder fort­zu­be­stehen dro­hen, dass eine höchst­rich­ter­li­che Leit­ent­schei­dung not­wen­dig ist.
Eine der­ar­ti­ge Wie­der­ho­lungs­oder Nach­ah­mungs­ge­fahr ist von der Rechts­be­schwer­de eben­falls dar­zu­le­gen (§ 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO).
Sie ergibt sich im Regel­fall auch nicht unab­hän­gig von den Dar­le­gun­gen in der Rechts­be­schwer­de aus der recht­li­chen Begrün­dung des ange­foch­te­nen Beschlus­ses. Ein sol­cher Fall ist gege­ben, wenn die Begrün­dung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung sich ver­all­ge­mei­nern lässt und eine nicht uner­heb­li­che Zahl künf­ti­ger Sach­ver­hal­te zu erwar­ten ist, auf wel­che die Argu­men­ta­ti­on über­tra­gen wer­den kann. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt, wenn die Begrün­dung des ange­foch­te­nen Beschlus­ses von den beson­de­ren Umstän­den des Ein­zel­falls geprägt ist und nicht ver­all­ge­mei­nert wer­den kann.
Die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung erfor­dert ein Ein­grei­fen des Bun­des­ge­richts­hofs fer­ner dann, wenn die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung sich als objek­tiv will­kür­lich dar­stellt oder Ver­fah­rens­grund­rech­te einer Par­tei ver­letzt und die Ent­schei­dung dar­auf beruht. Hier­zu bedarf es jedoch eben­falls der nach § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO not­wen­di­gen Dar­le­gun­gen in der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Okto­ber 2018 – XII ZB 641/​17
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 02.08.2017 XII ZB 190/​17 FamRZ 2017, 1764[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 02.08.2017 XII ZB 190/​17 FamRZ 2017, 1764 Rn. 6; und vom 25.07.2012 XII ZB 170/​11 FamRZ 2012, 1561 Rn. 8 f. mwN[↩]
BGHZ 159, 135 = NJW 2004, 2222, 2223 zu dem gleich­lau­ten­den § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO; vgl. auch BGH, Beschluss vom 15.08.2018 XII ZB 32/​18 3 mwN[↩]
BGHZ 159, 135 = NJW 2004, 2222, 2223 zu dem gleich­lau­ten­den § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO[↩]
BGH, Beschluss vom 13.04.2016 XII ZB 44/​14 FamRZ 2016, 1062 Rn. 13; vgl. auch BGH, Beschluss vom 13.04.2005 XII ZB 54/​03 FamRZ 2005, 975, 977 und BGH, Urteil vom 17.11.2004 XII ZR 19/​03 FamRZ 2005, 514[↩]
vgl. Keidel/​MeyerHolz FamFG 19. Aufl. § 59 Rn. 7; Prütting/​Helms/​Abramenko FamFG 4. Aufl. § 59 Rn. 3; Musielak/​Borth FamFG 5. Aufl. § 59 Rn. 5; SchulteBunert/​Weinreich/​Unger/​Roßmann FamFG 5. Aufl. § 59 Rn. 13[↩]
Die vom Ober­lan­des­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Bestel­lung eines… Eine Rechts­be­schwer­de, die sich gegen die vom Ober­lan­des­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Bestel­lung eines Schieds­rich­ters wen­det, ist nicht statt­haft und damit unzu­läs­sig. Nach § 1065 Abs. 1 Satz…
Anhö­rungs­rü­ge – und die neue Sach­ent­schei­dung Die gesetz­li­che Rege­lung des § 44 FamFG sieht nicht vor, dass ein Beschluss zu Anhö­rungs­rü­gen zugleich eine abän­dern­de Sach­ent­schei­dung ent­hält. Für die Ent­schei­dung über die…
Rechts­be­schwer­den in Fami­li­en­sa­chen – und der Anwalts­zwang Rechts­be­schwer­den oder ande­re Rechts­be­hel­fe zum Bun­des­ge­richts­hof kön­nen in Fami­li­en­sa­chen von einem Betei­lig­ten form­ge­recht nur durch einen bei dem Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt ein­ge­legt wer­den (§ 10…
FamiliensacheRechtsbeschwerdeRechtsbeschwerdebegründung

References: § 117
 § 575
 § 574
 § 574
 § 117
 § 575
 § 574
 § 574
 § 574
 § 59
 § 575
 § 543
 § 543
 § 59
 § 59
 § 59
 § 59
 § 1065
 § 44