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Timestamp: 2016-10-26 05:54:46+00:00

Document:
U 171/99 (15.02.2000)
U 171/99 Hm
Bundesrichter Borella, R�edi und Bundesrichterin Leuzinger; Gerichtsschreiber Gr�nvogel
F.________, 1956, Beschwerdef�hrer, vertreten durch R.________,
A.- Der 1956 geborene F.________ arbeitete bei der Firma X.________ und war damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen Unfall und Berufskrankheit versichert. Am 7. Februar 1994 st�rzte er r�ckw�rts aus rund 2,8 m in die Tiefe, weshalb er notfallm�ssig in das Kantonsspital Y.________ eingeliefert wurde. Die r�ntgenologische Untersuchung ergab einen unauff�lligen Thoraxbefund und keine oss�ren L�sionen. Kopfschmerzen oder neurologische Ausf�lle konnten ebenso wenig festgestellt werden. Dagegen diagnostizierten die Spital�rzte eine lumbale Kontusion rechts. Nachdem F.________ das Spital am folgenden Tag bei deutlich gebessertem subjektivem Befinden verlassen hatte, musste er wegen starker Schmerzen im Bereich der cervicalen und thoracalen Wirbels�ule mit Ausstrahlung vor allem in den linken Arm und v�lliger Blockierung der Kopfbewegung am 10. Februar 1994 den Hausarzt Dr. H.________ aufsuchen. Dabei stellte Dr. H.________ neben der bereits bekannten lumbalen Kontusion weitere Prellungen im Bereich der ganzen Wirbels�ule, in der Nierengegend rechts, dem Ges�ss sowie multiple H�matome fest, welche er ebenfalls auf den Sturz vom 7. Februar 1994 zur�ckf�hrte. Ein erster Arbeitsversuch von 50 % musste nach drei Tagen am 18. M�rz 1994 wegen zunehmender Schmerzen mit Blockierung der Halswirbels�ule (HWS) abgebrochen werden. Eine durch den behandelnden Arzt veranlasste r�ntgenologische Untersuchung im Spital B.________ (vom 28. M�rz 1994) ergab keinen Nachweis f�r eine traumatische Knochenl�sion. Die auf Wunsch des Versicherten angefertigte Computertomographie (CT) der Hals- und der Brustwirbels�ule (vom 11. April 1994) zeigte ebenfalls keinen pathologischen Befund. Weil der Leidensdruck unvermindert anhielt, liess die SUVA den Versicherten in der Rehabilitationsklinik L.________ vom 25. Juli bis 19. August 1994 physiotherapeutisch behandeln. Dabei wurde auch ein neurologisches Konsilium durchgef�hrt. Dieses ergab keine Anhaltspunkte f�r eine radikul�re oder zentrale neurologische St�rung (Austrittsbericht vom 22. August 1994). Nachdem ein weiterer Arbeitsversuch mit einer reduzierten Leistungsf�higkeit von 33 1/2 % bei einem Arbeitspensum vom 50 % scheiterte, unterzog sich F.________ einer Behandlung in der Klinik K.________. Eine von der Klinik beim R�ntgeninstitut A.________ in Auftrag gegebene weitere CT, diesmal des zerviko-thoracalen �bergangs, (vom 19. Oktober 1994) zeigte keine Abnormit�ten auf. Der inzwischen den Versicherten behandelnde Arzt Dr. O.________ stellte am 2. Mai 1995 eine Tendenz zur depressiven Entwicklung fest. Gleichzeitig bezeichnete er das Beschwerdebild als chronisches, wechselnd ausgepr�gtes, stark belastungsabh�ngiges Thoracalsyndrom und chronisches thoracocervicales Syndrom mit rezidivierenden cervicocephalen Beschwerden (Bericht vom 2. Mai 1995). Auf Vorschlag des Kreisarzt-Stellvertreters Dr. E.________ veranlasste Dr. O.________ bei PD Dr. K.________ eine psychiatrische Beurteilung und allenfalls eine Behandlung. PD Dr. K.________ erstattete hier�ber am 30. Oktober 1995 Bericht. Im Zwischenbericht vom 9. Januar 1996 an die SUVA sprach Dr. O.________ von einem frustrierenden Heilungsverlauf und schlug eine abschliessende, nochmalige Behandlung in der Rehabilitationsklinik L.________ vor. Da er eine mechanische Bewegungsst�rung wahrscheinlich auf der Ebene der Wirbelgelenke im Bereich C6 bis Th2 vermutete, aber selber bisher kein anatomisches Substrat f�r die rezidivierenden Blockierungen finden konnte, empfahl er zus�tzlich eine r�ntgenkontrollierte gezielte An�sthesie verschiedener Wirbelgelenke am cervicothoracalen �bergang. Dies veranlasste den Kreisarzt, den Versicherten nochmals (vom 7. Februar bis 1. M�rz 1996) in die Rehabilitationsklinik L.________ zwecks gezielter Schmerzanalyse und -bek�mpfung sowie der Abkl�rung des Wiedereingliederungsstandes einzuweisen. Anl�sslich dieses Aufenthaltes fand auch ein psychosomatisches Konsilium statt (Austrittsbericht vom 4. M�rz 1996 mit separater Stellungnahme des Psychiaters Dr. R.________ vom 16. Februar 1996). Endlich f�hrte Dr. W.________ am 18. M�rz 1996 eine Abschlussuntersuchung durch.
Nachdem die SUVA bisher Leistungen in Form von Taggeldern und Heilkosten erbracht hatte, teilte sie dem Versicherten mit Verf�gung vom 8. Mai 1996 mit, gest�tzt auf die medizinischen Akten l�gen keine organischen Unfallfolgen mehr vor; die weiterhin bestehenden Beschwerden seien auf eine psychische Fehlverarbeitung zur�ckzuf�hren, wof�r die Anstalt mangels Ad�quanz zum Unfall nicht einzustehen habe, weshalb die Leistungen auf Ende Juni 1996 eingestellt w�rden. Auf Einsprache hin holte die SUVA zus�tzlich eine Stellungnahme (vom 11. M�rz 1997) des Dr. M.________, �rzteteam Unfallmedizin der SUVA, ein. In Ber�cksichtigung des vom Versicherten eingereichten Zusatzberichtes des PD Dr. K.________ vom 1. Juli 1996 hielt die SUVA mit Entscheid vom 21. Januar 1998 an ihrer Auffassung fest.
B.- Dagegen liess F.________ Beschwerde erheben, welche das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 24. M�rz 1999 abwies.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst F.________ sinngem�ss beantragen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sowie des Einspracheentscheides vom 21. Januar 1998 sei die SUVA zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen f�r den Unfall vom 7. Februar 1994 �ber den 30. Juni 1996 hinaus zu erbringen; eventuell sei die Sache zur Einholung eines anstaltsexternen polydisziplin�ren Gutachtens und zu neuer Beurteilung an die SUVA zur�ckzuweisen.
W�hrend die Anstalt auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, hat sich das Bundesamt f�r Sozialversicherung nicht vernehmen lassen.
1.- Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und Gesundheitsschaden zutreffend dargelegt. Entsprechendes gilt auch f�r die Ausf�hrungen zur Ad�quanzbeurteilung bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 138 Erw. 6; vgl. BGE 123 V 100 Erw. 3). Darauf kann verwiesen werden. Die vom Beschwerdef�hrer durch den Hinweis auf den Entscheid S. vom 16. Januar 1998, U 16/97 (ver�ffentlicht in RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243) angerufene Rechtsprechung, wonach bei der Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhangs auf eine Differenzierung zwischen somatischen und psychischen Komponenten verzichtet wird, gilt einzig f�r die Ad�quanzbeurteilung bei einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS und Sch�del-Hirn-Trauma (vgl. auch BGE 122 V 415, 119 V 335; RKUV 1999 Nr. U 341 S. 407).
2.- a) Die Vorinstanz ist in W�rdigung der medizinischen Unterlagen davon ausgegangen, dass im Zeitpunkt, in welchem die SUVA ihre Leistungen eingestellt hat (30. Juni 1996), keine wesentlichen organischen Unfallfolgen mehr vorlagen. Demgegen�ber verlangt der Beschwerdef�hrer in diesem Punkt zus�tzliche Abkl�rungen. Dabei beruft er sich im Wesentlichen auf den Bericht des Dr. O.________ vom 9. Januar 1996.
b) aa) Zwar �ussert Dr. O.________ in dieser Stellungnahme erstmals den Verdacht, ein anatomisches Substrat auf der Ebene der Wirbelgelenke am cervicothoracalen �bergang k�nnte die Ursache f�r die rezidivierenden Blockierungen am erw�hnten �bergang rechts mit deutlich eingeschr�nkter Rotationsf�higkeit des Kopfes sein. Indessen brachten die bereits vor dem 9. Januar 1996 erfolgten umfassenden Abkl�rungen, welche neben zwei r�ntgenologischen Untersuchungen (vom 7. oder 8. Februar und 28. M�rz 1994) und mehreren CT auch ein neurologisches Konsilium umfassten, keinen pathologischen Befund hervor, welcher mit dem Unfall vom 7. Februar 1994 in Verbindung gebracht werden konnte. So zeigte insbesondere die speziell den zerviko-thoracalen �bergang betreffende CT-Untersuchung des R�ntgeninstituts A.________ vom 19. Oktober 1994 keine Abnormit�ten auf. Weiter liessen weder die in Kenntnis der Vermutung des Dr. O.________ durchgef�hrten Schmerzanalysen in der Rehabilitationsklinik L.________ vom 7. Februar bis 1. M�rz 1996 noch die am 18. M�rz 1996 durchgef�hrte kreis�rztliche Abschlussuntersuchung ein anatomisches Substrat erkennen.
bb) Zudem geht aus den Akten hervor, dass die geklagten Beschwerden einige Zeit nach dem Unfallereignis zunehmend von einer psychischen St�rung �berlagert wurden. Anl�sslich des Aufenthaltes des Versicherten in der Rehabilitationsklinik L.________ der SUVA vom 25. Juli bis 19. August 1994 wurden erste Anzeichen von Unzufriedenheit und Schlafst�rungen wegen der dauernden Beschwerden festgestellt, indessen noch ohne Anzeichen f�r eine depressive Verstimmung. Dr. O.________ sprach in seinem Bericht vom 2. Mai 1995 von zunehmenden depressiven Momenten. Im psychiatrischen Bericht vom 30. Oktober 1995 stellte PD Dr. K.________ schliesslich die Diagnose einer Schmerzpers�nlichkeit mit zus�tzlich deutlichen Z�gen einer neurotischen depressiv-narzisstischen St�rung, was ein psychotherapeutisches Vorgehen erschwere, wenn nicht sogar verunm�gliche. Zum Ergebnis, dass der Beschwerdef�hrer an einer neurotisch-depressiv-narzisstischen Schmerzst�rung leidet, ist in der Folge auch die Rehabilitationsklinik L.________ gelangt (Psychiatrisches Konsilium Dr. R.________ vom 16. Februar 1996). Nach Auffassung der Klinik-�rzte ist die bestehende Arbeitsunf�higkeit ausschliesslich auf den psychischen Befund zur�ckzuf�hren.
cc) Bei dieser Beweislage ist dem Eventualantrag auf R�ckweisung zu erg�nzenden Abkl�rungen nicht stattzugeben. Ebenso wenig besteht letztinstanzlich hinreichender Anlass f�r weitere Abkl�rungen in dieser Richtung. Insbesondere ist von einer von Dr. O.________ erwogenen r�ntgenkontrollierten gezielten An�sthesie verschiedener Wirbelgelenke am cervicothoracalen �bergang abzusehen. Mit SUVA und Vorinstanz ist davon auszugehen, dass im Zeitpunkt, in welchem die Anstalt ihre Leistungen eingestellt hat (30. Juni 1996), keine wesentlichen organischen Unfallfolgen mehr vorlagen. Eine solche antizipierte Beweisw�rdigung ist zul�ssig und verst�sst insbesondere nicht gegen Verfassungsrecht, wie die st�ndige Rechtsprechung zu Art. 4 Abs. 1 aBV zeigt (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis). Diese Rechtsprechung gilt auch unter der Herrschaft von Art. 29 Abs. 2 der auf den 1. Januar 2000 in Kraft getretenen neuen BV, welche Bestimmung betreffend den verfassungsm�ssigen Anspruch auf rechtliches Geh�r keine beweisrechtlich erheblichen �nderungen bringt. Daher kann vorliegend offen bleiben, in welchen Rechtsanwendungslagen die neue BV intertemporalrechtlich zum Zuge kommt (nicht ver�ffentlichtes Urteil S. vom 8. Februar 2000, I 362/99).
3.- Zu pr�fen bleibt, ob die anhaltenden psychischen Beschwerden in einem nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 7. Februar 1994 stehen. Da unbestrittenermassen keine Schleuderverletzung der HWS vorliegt, ist die Kausalit�tsfrage praxisgem�ss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach dem Unfall zu beurteilen (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Hiezu bedarf es keiner weiteren Abkl�rungen.
a) Nach den Arztberichten, insbesondere jenem von PD Dr. K.________ vom 1. Juli 1996, kann als erstellt gelten, dass die beim Beschwerdef�hrer bestehenden gesundheitlichen Beeintr�chtigungen vorwiegend psychischer Natur zumindest teilweise eine Folge des Unfalls vom 7. Februar 1994 darstellen. Zu pr�fen bleibt, ob auch die erforderliche Ad�quanz des Kausalzusammenhangs gegeben ist.
b) Mit SUVA und Vorinstanz ist der Unfall vom 7. Februar 1994 der Kategorie der mittelschweren Unf�lle zuzuordnen, wobei er nach der Praxis (dargestellt in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122; vgl. auch BGE 115 V 144, wo ein Ereignis, bei dem eine versicherte Person �ber eine 2 m hohe B�schung r�ckw�rts auf ein Betonst�ck st�rzte und sich dabei eine Kompressionsfraktur eines Thorakalwirbels zuzog, als mittelschwer, im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen liegend, eingestuft wurde) nicht als Grenzfall zu einem schweren Ereignis qualifiziert werden kann. Dies verbietet sich auch mit R�cksicht auf die Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Die Unfallkausalit�t w�re daher nur zu bejahen, wenn eines der nach der Rechtsprechung f�r die Ad�quanzbeurteilung als massgebend bezeichneten unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise gegeben oder mehrere Kriterien in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt w�ren. So verh�lt es sich jedoch nicht. Der Sturz ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumst�nden, noch war er objektiv gesehen besonders eindr�cklich, auch wenn einzur�umen ist, dass das R�ckw�rtsfallen aus einer H�he von 2,8 m f�r den Betroffenen w�hrend des Sturzes ein Gef�hl von Angst und Hilflosigkeit ausl�sen kann. Art und Schwere der erlittenen Verletzungen sind erfahrungsgem�ss wenig geeignet, eine psychische Fehlentwicklung auszul�sen. Von einem schwierigen Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen kann ebenso wenig die Rede sein wie von einer ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung oder der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit. Zu beachten ist hiebei, dass der Genesungsverlauf, wenn auch nicht bereits zu Beginn, dann doch schon bald einmal im Verlauf des zweiten Jahres durch die psychische Fehlentwicklung �berlagt wurde (Erw. 2b/bb hievor) und der psychische Gesundheitsschaden in die Ad�quanzbeurteilung nicht einbezogen werden darf (hiezu Erw. 1 in fine und Erw. 3 Ingress hievor). Dies �bersieht der Beschwerdef�hrer in seinen Vorbringen. Was schliesslich die k�rperlichen Dauerschmerzen betrifft, ist dieses Kriterium jedenfalls nicht in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt. Insgesamt sind die nach der Rechtsprechung f�r die Ad�quanz psychischer Unfallfolgen massgebenden Voraussetzungen daher nicht gegeben.
4.- Nach dem Gesagten besteht der vorinstanzlich best�tigte Einspracheentscheid vom 21. Januar 1998 zu Recht. Dies auch insofern, als die bisherigen Leistungen auf den 30. Juni 1996 eingestellt worden sind.

References: BGE 
 BGE 
 Art. 4
 Art. 29
 BGE 
in fine