Source: http://sachsen-anhalt.lsvd.de/?action=archiv&cat=0&seite=5
Timestamp: 2018-04-20 08:40:22+00:00

Document:
PM: LSBTI* ins Grundgesetz aufnehmen
18. April 2018 / Dominic
PM: LSVD sagt Teilnahme ab
12. Januar 2018 / Dominic
PM: Schwule Flüchtlinge berichten
28. November 2017 / Dominic
PM: Stolpersteinverlegung
26. September 2017 / Dominic
LSVD Sachsen-Anhalt
Kategorien: News, Pressemitteilungen
Eduard („Eddi“) Stapel, war die treibende Kraft bei der Gründung unseres Verbandes. Als unser Verband am 18. Februar 1990 in Leipzig als „Schwulenverband in der DDR” (SVD) aus der Taufe gehoben wurde, wurde Eddi Stapel sein erster Bundesgeschäftsführer und Sprecher. Ohne seinen Mut, seine Tatkraft und ohne seine Weitsicht gäbe es heute keinen LSVD.
Zur Erinnerung an Homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus
Kategorien: Stolpersteine
Dort, wo Menschen wohnten oder wirkten, setzt der Kölner Künstler Gunter Demnig seit Jahren in Deutschland den Opfern des Faschismus mit der Aktion “Stolpersteine” ein Gedenken. Seit 1992 wurden über 8000 Erinnerungssteine in Deutschland in das Straßenpflaster verlegt, eine Messingplatte, auf der die Namen und Lebens-Daten zu lesen sind. Es wurden Millionen jüdischer Familien Opfer dieser Barbarei – aber auch andere Gruppen: über 400 Roma und Sinti in Magdeburg, Widerstandskämpfer/innen, Homosexuelle Männer und Frauen, Behinderte aus den Pfeifferschen Stiftungen, Zeugen Jehovas.
Rede zur Gedenkveranstaltung für ermordete Homosexuelle aus Magdeburg am 20. August 2009
von Martin Pfarr
Die ermordeten Homosexuellen haben keinen Grabstein. 63 Jahre nach der Befreiung wurde für sie ein nationaler Ort der Erinnerung der Öffentlichkeit übergeben: Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin. 16 Jahre hatte der LSVD dafür gekämpft.
Nun haben wir durch die in diesem Jahr mit finanzieller Unterstützung der Landeshauptstadt durchgeführten Forschungen erstmals auch die Möglichkeit, Namen von Magdeburgern zu kennen, die wegen des § 175 verurteilt und in den KZ ermordet wurden.
PRESSEMITTEILUNG des LSVD Sachsen-Anhalt e.V. | 16. April 2018
LSBTI* ins Grundgesetz aufnehmen
Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Sachsen-Anhalt fordert die Landesregierung zur Unterstützung der Berliner Bundesratsinitiative auf
Magdeburg. Auf Beschluss des Berliner Senats wird es eine Bundesratsinitiative zur Änderung des Grundgesetzes geben. Damit sollen die Merkmale der sexuellen und geschlechtlichen Identität in den Schutzbereich des Artikels 3, Absatz 3 des Grundgesetzes aufgenommen werden.
Der LSVD Sachsen-Anhalt begrüßt eine erneute Bundesratsinitiative zur Schaffung eines verfassungsmäßig verbrieften Diskriminierungsschutzes von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI*) ausdrücklich und fordert die Landesregierung auf, die Bundesratsinitiative zur Ergänzung des Artikels 3, Absatz 3 Grundgesetz zu unterstützen.
„Die Ergänzung des Gleichheitsartikels im Grundgesetz war bereits im Jahr 1990 Bestandteil des ersten Grundsatzprogrammes unseres Verbandes. Viele LSBTI*-Organisationen, insbesondere die CSDs, haben über die folgenden 28 Jahre unsere zentrale Forderung aufgegriffen. Deren Umsetzung ist längst überfällig.“ erklärt Grit Merker vom Landesvorstand des LSVD Sachsen-Anhalt.
Mathias Fangohr vom Landesvorstand des LSVD Sachsen-Anhalt ergänzt: „Auch innerhalb Sachsen-Anhalts besteht Handlungsbedarf. Der Koalitionsvertrag der Landesregierung sieht ganz klar die Ergänzung des Gleichheitsartikels der Landesverfassung (Artikel 7, Absatz 3) vor. Bisher ist nichts geschehen. Hier ergeht ebenfalls die Aufforderung an die Landesregierung, endlich zu handeln. Geben Sie Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI*) endlich den verfassungsmäßigen Diskriminierungsschutz, den sie als Teil der Gesellschaft verdienen! Der LSVD streitet für Akzeptanz und Schutz von Vielfalt ohne Kompromisse.“
Queerzeit März 2018
Kategorien: Queerzeit
PRESSEMITTEILUNG des LSVD Sachsen-Anhalt e.V. | 12. Januar 2018
LSVD sagt Teilnahme an Meile der Demokratie ab
MAGDEBURG. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) in Sachsen-Anhalt nimmt am 20. Januar 2018 nicht an der Meile der Demokratie teil, anders als in den Vorjahren. Damit schließt sich der Bürgerrechtsverband, der seit Gründung 1990 die Interessen und Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI*) vertritt, Miteinander e.V. und anderen Initiativen und Verbänden an.
Als Mitglied beim PARITÄTISCHEN Sachsen-Anhalt begrüßt der Landesvorstand des LSVD auch die klare Absage des Wohlfahrtsverbandes, der im Land die Interessen von fast 300 gemeinnützigen Organisationen vertritt.
Zur Absage erklärt der Landesvorstand:
„In einer demokratischen, offenen und vielfältigen Gesellschaft sollte jeder Mensch gleichwertig teilhaben und Schutz erfahren. In diesem Geiste stand bisher immer die Meile der Demokratie in Magdeburg. Parteien, Gruppierungen und Menschen, die diesen Geist untergraben und gesellschaftsspaltende, menschenverachtende Parolen verbreiten hatten keinen Platz. Dies ist in diesem Jahr leider anders.“
„Wenn für Abgeordnete einer Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt Homosexualität als ‚Fehler der Natur‘ angesehen wird, Schwule ins Gefängnis gehören und ein Programm für Akzeptanz als Umpolungsprogramm denunziert wird, dann ist das genauso entwürdigend wie die rassistischen Hetztiraden gegenüber Geflüchteten und die als Genderwahn titulierte Förderung der Gleichstellung von Frauen in unserer Gesellschaft.“
„Wir können und dürfen im Sinne einer offenen Demokratie nicht mit menschenfeindlichem Gedankengut Seite an Seite stehen. Weder bei der Meile der Demokratie noch anderswo. Hieran ändert auch eine parlamentarische Vertretung dieser Gedanken nichts.“
„Der LSVD streitet für Akzeptanz und Schutz von Vielfalt ohne Kompromisse. Aktionen in diesem Sinne unterstützt der Landesverband und wird dies auch zukünftig tun.“
Lesung & Gespräch:
„Das rettende Ufer – Schwule Flüchtlinge berichten“
Wann: Freitag, 1. Dezember 2017, 19.00 Uhr
Wo: Magdeburg, Regenbogencafé des LSVD Sachsen-Anhalt, Schäfferstr. 16
Gastautor: Axel Limberg (Journalist und ehrenamtlicher Flüchtlingsbetreuer aus Hamburg)
Veranstaltung auf Facebook >>>
Die Flüchtlinge sind das große Thema unserer Zeit. Einige Hundert von ihnen haben einen bestimmten Grund, warum sie zu uns geflohen sind: Sie sind wegen ihrer sexuelle Identität hier – als Schwule werden sie in ihrer Heimat verfolgt. Zuhause drohen ihnen Gefängnis, Folter oder der Tod.
Je nach Heimatland, Region oder Stammesgebiet sind Homosexuelle verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Hinzu kommt die persönliche Situation: Wie öffentlich wurde ihr Schwulsein, müssen sie sich nicht nur vor dem Staat, sondern auch vor ihrer Familie fürchten?
Die Lebens- und Leidensgeschichten von zwei schwulen Syrern werden in diesem Buch vorgestellt. Doch nicht nur Menschen aus dem Bürgerkriegsland kommen zu Wort – auch Flüchtlinge aus dem Irak, Afghanistan, Iran und Bangladesch werden porträtiert. Sie berichten von ihrer Leidenszeit zuhause, der Flucht, dem Ankommen in Deutschland. Und von den Lebensträumen, die in ihrer neuen Heimat Wirklichkeit werden sollen.
Ein ehrenamtlicher Flüchtlingsbetreuer kommt im Buch zu Wort – ebenso weitere Interviewpartner: Eine liberale Imamin und ein Experte für Asylrecht beleuchten Hintergründe.
Der Autor Axel Limberg ist nicht nur Journalist, sondern seit zweieinhalb Jahren auch ehrenamtlicher Flüchtlingsbetreuer in Hamburg. Für mehrere Jugendliche hat er Vormundschaften übernommen.
Auch der LSVD Sachsen-Anhalt leistet im Rahmen des durch die Landeshauptstadt Magdeburg geförderten Projektes „Rainbow-Connection – Meeting Point For International Queers And Friends“ Unterstützung für LSBTI*-Geflüchtete aus anderen Ländern.
Nähere Infos siehe Interview Axel Limberg im Schwulissimo:
http://www.schwulissimo.de/unterhaltung/buecher/229433/AxelLimbergDasrettendeUfer.htm
Eine Veranstaltung mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung Sachsen-Anhalt und dem Amt für Gleichstellungsfragen der Landeshauptstadt Magdeburg.
P R E S S E M I T T E I L U N G des Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt (LSVD)
Stolpersteinverlegung zum Gedenken an
ermordete Magdeburger Homosexuelle sowie
Lesung und Vortrag mit dem Historiker Dr. Jens Dobler
Magdeburg. Am 28. September 2017 werden in der Landeshauptstadt Magdeburg auf Initiative des LSVD Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Stolpersteininitiative Magdeburg zwei weitere Stolpersteine zum Gedenken an zwei von den Nationalsozialisten ermordete Homosexuelle aus Magdeburg verlegt. Aus den zahlreichen uns auf Grund der Forschungen des Historikers Rainer Hoffschildt aus Hannover bekannten Namen ermordeter Magdeburger Homosexueller hat der LSVD für dieses Jahr die Ermordeten Joseph Schnetz und Wilhelm Krüger ausgewählt.
Joseph Schnetz wurde erstmalig 1937 wegen Vergehens gegen §175 verurteilt. 1938 verurteilte ihn ein Gericht in Magdeburg nochmals wegen „widernatürlicher Unzucht“, diesmal aber auch wegen Erpressung und Vergehens gegen das Heimtückegesetz. Letzteres bedeutete, dass er sich abfällig über Nazi-Größen oder die NSDAP geäußert hatte. Die Strafe „Schwerstarbeit im Moor“ verbüßte er in den Strafgefangenenlagern Neusustrum im Emsland und Rodgau in Hessen. Auf Anweisung der Polizei Magdeburg entließ man ihn nach verbüßter Strafe 1941 nicht in die Freiheit, sondern überführte ihn in das KZ Buchenwald, wo man ihn in die Gruppe der §175-Häftlinge einstufte und wie fast alle Homosexuellen zu besonders schwerer Arbeit einteilte, die er im Kommando 53 im Steinbruch erleiden musste. Joseph Schnetz verstarb am 11. April 1942 im KZ Buchenwald im Alter von 41 Jahren angeblich an einer Erkrankung der Atemwege, tatsächlich aber doch wohl an den Strapazen der jahrelangen Haft und Zwangsarbeit und der chronischen Unterversorgung im KZ.
2002 hob der Deutsche Bundestag pauschal die NS-Verurteilungen nach §175 in der NS-Fassung von 1935 auf. Rückblickend war er also jahrelang zu Unrecht in Haft gewesen.
Wilhelm Krüger wurde 1939 in Magdeburg verhaftet und von der Polizei Magdeburg zunächst in Untersuchungshaft wegen Verstoßes gegen §175 StGB genommen. Er hatte keine Vorstrafen. Vom Landgericht Magdeburg wurde er zu drastischen drei Jahren Zuchthaus, vermutlich aufgrund §175a StGB, verurteilt und am 21. Dezember 1939 in das Zuchthaus Coswig in Anhalt transportiert. Nach Strafverbüßung wurde er nicht in die Freiheit entlassen sondern zunächst in das KZ Buchenwald, später in das KZ Dachau eingelie­fert. 1942 kam er von Dachau aus auf einen „Invalidentransport“ mit unbe­kanntem Ziel. Es gab solche Transporte für nicht mehr arbeitsfähige und kranke Häft­linge z. B. von Dachau in das Schloss Hartheim, wo die Häftlinge vergast wurden. Seine nachfolgenden Todesdaten sind zumindest unsicher, wenn nicht gar gefälscht, um die Mörder zu schützen. Er starb angeblich am 20. November 1942 im KZ Dachau an Verdauungsproblemen im Alter von 48 Jahren. Nur rund sieben Monate hatte er das KZ-System der Nazis überlebt. Tatsächlich starb er aber doch wohl durch die Strapazen der Haft und die Unterversorgung im KZ.
Zeitpunkte der Verlegung der Stolpersteine:
Um 17.00 Uhr beginnt die Verlegung des Stolpersteins für Joseph Schnetz an seiner letzten Wohnadresse Hohepfortestr. 6 (Alte Neustadt), gegen 17.30 Uhr erfolgt dann die Stolpersteinverlegung für Wilhelm Krüger in der Bernburger Str. 6 (Buckau).
Zur Beachtung: Beide Verlegeorte liegen so weit auseinander, dass für die Begleitung beider Verlegungen die Nutzung von ÖPNV oder Kfz notwendig ist.
Im Anschluss lädt der LSVD Sachsen-Anhalt zu einem die Stolpersteinverlegung begleitenden Vortrag mit Dr. Jens Dobler in das
Regenbogencafé des LSVD Sachsen-Anhalt
(39112 Magdeburg, Schäfferstr. 16)
am Donnerstag, den 28.09.2017 um 19.00 Uhr
„Die Kriminalgeschichte des § 175 (R)StGB“
Unter den Opfern der NS-Diktatur nehmen die Homosexuellen bis heute einen besonderen Platz ein. Im Unterschied zu anderen von den Nazis zu Hauptfeinden erklärten Bevölkerungsgruppen wurden sie schon vor 1933 verfolgt, aber auch nach 1945 weiter kriminalisiert. Über ihre Situation, über das Schicksal der Männer, die in das Visier von Gestapo und Kripo gerieten, von Gerichten verurteilt, in Gefängnisse und Zuchthäuser, auch in KZ eingeliefert wurden, ist in der Öffentlichkeit noch immer wenig bekannt. Der Vortrag behandelt die Fragen, wann und warum der § 175 in das Strafgesetzbuch kam, wie er verschärft und reformiert wurde und wie sich die Entschädigungen gestalten werden.
Lesung/Vortrag und Verlegung der Stolpersteine mit freundlicher Unterstützung des
Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt
Dr. Jens Dobler geb. 1965, promovierte an der Technischen Universität in Neuerer Geschichte über die Homosexuellenverfolgung durch die Berliner Polizei zwischen 1848 und 1933. Studium der Erziehungswissenschaften, Psychologie und Neueren Geschichte. Bevor er sich der Geschichtsforschung zuwandte, arbeitete er viele Jahre als Wissenschaftsjournalist über antischwule Gewalt. Von 2010 bis 2015 war er Archiv- und Bibliotheksleiter des Schwulen Museums, heute leitet er die Polizeihistorische Sammlung im Polizeipräsidium Berlin.
Grit Merker
Mitglied im Vorstand des LSVD Sachsen-Anhalt
Nachfragen sind möglich unter 0178-47 66 205
Rede: Grit Merker beim Rathausempfang 2017
Sehr geehrte Menschen,
das lange Warten auf Gerechtigkeit hat für Homosexuelle in diesem Jahr bereits an zwei Stellen ein Ende gefunden!
Mit dem „Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen“ werden zumindest die bis heute gültigen Urteile auf Grundlage des § 175 StGB aufgehoben, eine Entschädigungszahlung für die Betroffenen ist vorgesehen.
122 Jahre lang war mit § 175 StGB die Verfolgung von Homosexuellen institutionell im deutschen Staat verankert. Mit der Übernahme des Gesetzestextes aus der NS-Zeit hat insbesondere die BRD schwere Schuld auf sich geladen. Rosa Listen wurden bis in die 80er Jahre hinein geführt, Menschen systematisch ob ihres Sexualverhaltens überwacht. Manche verloren ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnung, ihr soziales Umfeld. Mit der Kriminalisierung manifestierte sich eine gesellschaftliche Ächtung, mit deren Folgen wir, Community aber auch Gesamtgesellschaft, bis heute zu kämpfen haben. Die Rücknahme von Urteilen zu Handlungen, die in einem aufgeklärten Rechtsstaat nicht rechtswidrig sein können, ist letztlich nur logische Konsequenz. Ebenso eine Entschädigung der Betroffenen, auch wenn diese erlittene Erniedrigungen nicht ausgleichen kann.
Was das eine Wiedergutmachung und Entschuldigung ist – ist das andere Gleichberechtigung! Die Ehe wird mit der Veröffentlichung des Gesetzes im Bundesgesetzblatt auch Schwulen und Lesben offen stehen.
Dem vorangegangen war ein 30 Jahre währender Kampf. Bereits Ende der 80er hatten die späteren Mitbegründer des LSVD Volker Beck, Günter Dworek und Manfred Bruns – der als Bundesanwalt am Bundesgerichtshof in Karlsruhe nach seinem Outing 1983 von seinen Vorgesetzten als Sicherheitsrisiko eingestuft, und daraufhin von Staatsschutzangelegenheiten abgezogen worden war – mehrere Papiere veröffentlicht, in denen die Schaffung eines Rechtsinstituts für gleichgeschlechtliche Paare gefordert wurde. Nach unzähligen Aktionen, jahrelanger Überzeugungsarbeit und vielen Anträgen trat 2001 zunächst das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft. Auch zehn Jahre später mussten im Übrigen in Baden-Württemberg solche Partnerschaften bei KfZ-Zulassungsstellen geschlossen werden. Nach diversen verfassungsrechtlichen Nachjustierungen, zuletzt z.B. zur Sukzessivadoption, entwickelte sich politische Dynamik. Doch mehrere Anträge und Gesetzesvorschläge zur Eheöffnung scheitern. Über all die Jahre steter Begleiter der Debatten war für die Menschen, über die gesprochen wurde, ein Gefühl der Ohnmacht, lag das Ziel doch so fern. Doch basierend auf mehreren Koalitionsbedingungen und einem Interview der Kanzlerin überschlagen sich die Ereignisse. Keine Woche nach besagtem Interview stimmen die Abgeordneten des Bundestages mit unerwartet großer Mehrheit für das Gesetz.
Zweifellos sind diese Entscheidungen zum 175er und der Ehe historisch. Jahrzehntelang wurde für sie gestritten, die wenigsten hatten wirklich geglaubt, dass ihre Umsetzung zu diesem Zeitpunkt möglich sei. Zwei ganz große, zentrale Forderungen der LSBTI*-Gemeinschaft sind damit Realität geworden.
Stehen wir nun am Ende der Emanzipationsbewegung? Können wir uns nun zurücklehnen und auf diesen Erfolgen ausruhen?
Diese Fragen können nur mit einem ganz klaren NEIN beantwortet werden.
Gesetze können lediglich eine Leitlinie vorgeben. Vorurteile und Diskriminierung lösen sich nicht einfach auf! Hier ist und bleibt Gesellschaft gefragt.
Daher müsste gesamtgesellschaftlich angesetzt werden, um den Impuls weiterzutragen. Es gibt genug zu tun. Um nur einige Themenfelder zu nennen: Die Eheöffnung muss fachlich begleitet werden. Das Familienrecht muss modernisiert werden, um weitere Benachteiligungen auszuräumen. Das Transsexuellengesetz bedarf nach wie vor einer dringenden Überarbeitung, weil einige Regelungen schlicht demütigend und verfassungswidrig sind.
Leider stehen den Entwicklungen auf Bundesebene aber jene im Land Sachsen-Anhalt konträr gegenüber.
Die breitgefächerten Maßnahmen des landesweiten LSBTI*-Aktionsprogrammes gegen Homo- und Transphobie, welches bereits im Januar 2016 vom Landtag beschlossen worden war, ist entgegen der Koalitionsvereinbarungen in der Realität nur mit geringem Budget ausgestattet. Scheint manchmal gar nicht gewollt zu sein.
Dabei geben allgemeine Entwicklungen weiterhin Grund zur Sorge: die Zahlen homo- und transphober Straftaten steigen laut Kriminalstatistik des BMI an, Hasskommentare gehören mittlerweile zum Alltag. Homo- und transphobe Einstellungen sind wieder Bestandteil von Wahlprogrammen. Gegen die angedachte Aufklärungsarbeit im Bildungsbereich regt sich Wiederstand und Leo e. V. darf wieder Homoheilung propagieren.
Dass Ressentiments gegen Homosexuelle und Transidente – gerade auch auf politischer Ebene in Sachsen-Anhalt – noch längst nicht ausgeräumt sind, hat sich seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode vielfach bestätigt. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und B90/DIE GRÜNEN sieht die Ergänzung des Artikel 7 der Landesverfassung um das Merkmal der „sexuellen Identität“ vor, ebenso die Umsetzung des LSBTI*-Aktionsprogramms sowie die Einführung einer hauptamtlichen Ansprechperson für LSBTI* bei der Landespolizei und die Schaffung einer Koordinierungsstelle für LSBTI* vor.
Umgesetzt wurde bisher beinahe nichts.
Stattdessen ändert das CDU-geführte Ministerium für Justiz und Gleichstellung die Förderrichtlinien und verkompliziert so die Antragsstellung. Gute Zusammenarbeit mit ehrenamtlich geführten Vereinen sieht anders aus. Während andere Ressorts Ausnahmegenehmigungen vom Sparzwang beantragten, blieben im LSBTI*-Bereich Kürzungen angedacht. Schlussendlich führte die Rückhaltung von Fördermitteln beim LSVD gar zur beinahe-Insolvenz. Dank der Interventionen von verschiedenen Seiten konnte dieser Missstand mittlerweile aufgelöst werden. Dafür an der Stelle ein herzliches Dankeschön an unsere Unterstützer*innen.
Doch Akzeptanz zu erreichen bleibt ein langer Weg. Ein Beispiel ist die Aussage von CDU-Landeschef Webel, am Leitbild seiner Partei zur Ehe zwischen Mann und Frau festzuhalten. Eine Ausführung der AFD-Position zum Thema ist hier wohl gar nicht erst erforderlich.
Sollen die Gegner ruhig die verfassungsrechtliche Prüfung forcieren! Um mit den Worten der Philosophin Carolin Emcke zu sprechen:
Wäre vom Bundesverfassungsgericht geprüft und bestätigt, dass die Ehe für alle mit dem Grundgesetz vereinbar ist, müssten die Gegner ihre Einwände als das entblößen, was sie nicht immer, aber oft sind: bloßes Ressentiment gegen Homosexuelle.
Doch nun… Es gibt auch weitere Lichtblicke, und da möchte ich den Focus auf die Stadt Magdeburg richten. Seit einigen Jahren findet eine sehr gute Zusammenarbeit insbesondere mit dem Amt für Gleichstellungsfragen statt. Zunehmend übertragbar ist diese Aussage – sehr zu unserer Freude – auch auf den Stadtrat und die gesamte Verwaltung.
Auf Antrag der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen fasste der Stadtrat im Dezember 2016 den Beschluss, eine öffentlich zugängliche Gedenktafel für Magnus Hirschfeld an dessen ehemaliger Wirkungsstätte am Ulrichshaus zu schaffen. Der Stadtratsbeschluss geht auf die langjährige Forderung und das politische Wirken des LSVD Sachsen-Anhalt zurück, welches bereits 2015 im Rahmen des Hirschfeldgedenkens zur Einweihung eines „Hirschfeldweges“ in Magdeburg führte.
Mit der Anbringung der Gedenktafel am 14. Mai 2017 wurde der abschließende Teil des Konzeptes zur Schaffung eines geeigneten, modularen Gedenkortes Realität.
Magnus Hirschfeld war Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten Homosexuellenbewegung. Sein Schaffen legte die wissenschaftliche Grundlage für die Abschaffung der Strafbarkeit homosexueller Handlungen.
Der Kulturbeigeordnete der Stadt Magdeburg, Prof. Dr. Matthias Puhle, bekräftigte in seiner Rede zu diesem Anlass das Bestreben von Stadtrat und Verwaltung, Akzente gegen Ausgrenzung setzen und Vielfalt fördern zu wollen, insbesondere unter dem Aspekt des Projekts „Europäische Kulturhauptstadt Magdeburg 2025“. Puhle verwies weiter auf die verpflichtende Tradition des „Magdeburger Rechts“, einem einflussreichen Vorläufer moderner Rechtsordnungen, in welchem der oberste Verfassungsgrundsatz der Menschenwürde seinen Ursprung habe.
Dieses Erinnern ist ein wichtiger Vorgang und muss aktiv betrieben werden, denn eine Demokratie ist dann stark, wenn sie Minderheiten schützt und sichtbar macht. Erinnern werden wir auch der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus mit der Verlegung zweier Stolpersteine am 28. September Sie sind alle recht herzlich dazu eingeladen.
im Übrigen gibt es seit dem 01. Juli 2017 im Regenbogencafé des LSVD Sachsen-Anhalt einen regelmäßigen Treffpunkt für queere Menschen mit und ohne Migrations- und Fluchterfahrung. Dort können sich Interessierte an einem geschützten Ort treffen und kennenlernen sowie Beratung und Unterstützung erhalten.
Ziel ist es, den Austausch zwischen altein­gesessenen und neu hinzugekommenen Bürger*innen zu fördern, Barrieren abzubauen, ein soziales Miteinander zu pflegen und durch Sozialarbeiter*innen abgesicherte, fachlich versierte Beratung und Unterstützung zu bieten.
Die Umsetzung dieses richtungsweisenden Projektes „Rainbow Connection“ ist dem LSVD alleinig durch eine kommunale Förderung möglich. Die Landeshauptstadt Magdeburg würdigt damit Engagement und zeigt zudem im Lichte der Anerkennung der Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte politischen Handlungswillen und Gestaltungskompetenz.
Die stetig wachsende Anzahl der regelmäßig kommenden Menschen bestätigt uns in der Ansicht, dass dieser Treffpunkt für Magdeburg längst überfällig war und Ausdruck gelebter Mitmenschlichkeit ist.
Mit der „Rainbow Connection“ wurde ein Ort geschaffen, an dem Beratung und Vernetzung stattfinden können, ein Ort, der queeren Menschen unabhängig vom Geburtsland einen festen Bezugspunkt im Alltag bietet.
Umso wünschenswerter ist es, dass Projekte wie dieses auch weiterhin Bestandteil unseres gemeinsamen Kampfes für Akzeptanz und eine vielfältige Gesellschaft sind.
LSVD: „Es ist genug Ehe für alle da”
MAGDEBURG. In der heutigen Magdeburger Volksstimme beklagt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU), dass der Beschluss zur Ehe für alle im Deutschen Bundestag am 30.06.2017 seiner Meinung nach zu schnell kam. „Für eine wirkliche Debatte blieb keine ausreichende Zeit”, so Haseloffs Zitat in der Volksstimme. Dazu erklärt Mathias Fangohr als Mitglied des Landesvorstandes des Lesben- und Schwulenverbands Sachsen-Anhalt (LSVD):
„Für uns Lesben und Schwule sorgt diese Äußerung unseres Ministerpräsidenten für ratloses Kopfschütteln. Seit Gründung unseres Verbandes unter Eduard Stapel noch zu DDR-Zeiten am 18.02.1990 in Leipzig und anschließendem ersten Verbandstag am 23. Juni 1990 in Magdeburg – noch vor der Wiedervereinigung – kämpfen wir landes- und bundesweit für die Öffnung der Ehe für alle. Seit 27 Jahren führen wir eine gesamtgesellschaftliche öffentliche Debatte bei intensiver Einbindung der Politik auf allen Ebenen, und nicht zuletzt auch auf den Christopher Street Day-Veranstaltungen in Halle und Magdeburg.”
„Offensichtlich hat Dr. Reiner Haseloff diese intensive Debatte in knapp 3 Jahrzehnten vollkommen verschlafen. Anders kann man sich die Äußerung „für eine wirkliche Debatte blieb keine ausreichende Zeit” nicht erklären.”
„Wir bekennen uns in Sachsen-Anhalt und auf Bundesebene zu einer Gleichstellung der Lesben, Schwulen, bisexuellen-, trans- und interidenten Menschen und engagieren uns in Sachsen-Anhalt wie auf der Bundesebene für die Abschaffung aller Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Identität.”
„Die Eingetragene Lebenspartnerschaft war eine Ehe zweiter Klasse und damit eine klare Diskriminierung. Darum hatte das Bundesverfassungsgericht mehrfach Nachbesserungen gefordert. Mit der Ehe für alle sind nach 27 Jahren Debatte endlich gleiche Rechte und Pflichten geschaffen. Der Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt fordert von Ministerpräsident Haseloff diesen vollendeten politischen Willen zu akzeptieren. Es ist genug Ehe für alle da.”
Terminübersicht: Juni und Juli
Pünktlich zu Pfingsten ist unsere aktuelle Terminübersicht für die Monate Juni und Juli erschienen. Sie kann unter http://sachsen-anhalt.lsvd.de/download/termine2017-06.pdf heruntergeladen werden.
Fällt Ihnen auf, dass Termine fehlen, schreiben Sie uns an. Wir nehmen sie dann gern in die nächste Übersicht mit auf.
LSVD Sachsen-Anhalt @ facebook
Apr 20 um 19:00 – 22:00
Apr 23 um 17:00 – 21:00
Apr 24 um 20:00 – 22:00

References: § 175
 §175
 §175
 §175
 §175
 §175
 § 175
 § 175
 § 175
 § 175