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Timestamp: 2016-12-03 11:36:39+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 2 AZR 674/09
Arbeitsgericht Detmold, Urteil vom 3.09.2008, 1 Ca 1700/07
2 AZR 674/09 16 Sa 1644/08Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm Im Na­men des Vol­kes!
hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. März 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Kreft, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ber­ger und - 2 - Ra­chor so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Pitsch und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Gans für Recht er­kannt:
- 3 - Stel­lung der Mehr­heits­ge­sell­schaf­te­rin ein. Die Geschäfte der Be­klag­ten führ­te fort­an der jünge­re Bru­der des Klägers al­lei­ne.
En­de Ok­to­ber 2007 lehn­te die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung die Anträge des Klägers auf Ab­be­ru­fung des Geschäftsführers und Kündi­gung des An­stel­lungs­ver­trags ab. Die hier­ge­gen er­ho­be­ne Nich­tig­keits­kla­ge wies das Land­ge­richt D mit Ur­teil vom 10. April 2008 ab. Ei­ne Ent­schei­dung über ei­ne da- - 4 - ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung des Klägers lag bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt noch nicht vor.
- 5 - wei­gert. Mit sei­nem Vor­ge­hen im Zi­vil­pro­zess ha­be er le­dig­lich ihm zu­ste­hen­de Rech­te als Ge­sell­schaf­ter wahr­ge­nom­men.
I. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht kein Streit darüber, dass der Kläger trotz sei­ner Stel­lung als Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten Ar­beit­neh­mer im Sin­ne des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes ist. Dafür spricht im Übri­gen, dass der Kläger im Rah­men sei­ner Tätig­keit als kaufmänni­scher Lei­ter dem Wei­sungs­recht des Geschäftsführers der Be­klag­ten aus § 106 Satz 1 Ge­wO un­ter­stand (vgl. BAG 6. Mai 1998 - 5 AZR 612/97 - zu I 2 a der Gründe, AP BGB § 611 Abhängig­keit Nr. 95 = EzA BGB § 611 Ar­beit­neh­mer­be­griff Nr. 68). Er verfügte mit ei­nem Geschäfts- und dem­ent­spre­chen­den Stimm­rechts­an­teil von 24 vH auch nicht über ei­ne sog. Sperr­mi­no­rität, auf­grund de­rer er als Ka­pi­tal­eig­ner auf die Geschäftsführung hätte be­stim­men­den Ein­fluss neh­men können (vgl. BAG 6. Mai 1998 - 5 AZR 612/07 - aaO). - 6 - II. Der Auflösungs­an­trag der Be­klag­ten be­durf­te nach § 9 KSchG der Be­gründung. Der Kläger ist kein lei­ten­der An­ge­stell­ter iSv. § 14 Abs. 2 KSchG.
1. Nach § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG hat das Ge­richt nach - wie im Streit­fall - er­folg­rei­cher Kündi­gungs­schutz­kla­ge auf An­trag des Ar­beit­ge­bers das Ar­beits­verhält­nis auf­zulösen, wenn Gründe vor­lie­gen, die ei­ne den Be­triebs­zwe­cken - 7 - dien­li­che wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer nicht er­war­ten las­sen.
b) Auflösungs­gründe iSv. § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG können sol­che Umstände sein, die das persönli­che Verhält­nis zum Ar­beit­neh­mer, die Wer­tung sei­ner Persönlich­keit, sei­ner Leis­tung oder sei­ner Eig­nung für die ihm ge­stell­ten Auf­ga­ben und sein Verhält­nis zu den übri­gen Mit­ar­bei­tern be­tref­fen. Die Gründe, die ei­ne den Be­triebs­zwe­cken dien­li­che wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den Ver­trags­part­nern nicht er­war­ten las­sen, müssen nicht im Ver­hal­ten, ins­be­son­de­re nicht im schuld­haf­ten Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers lie­gen. Ent­schei­dend ist, ob die ob­jek­ti­ve La­ge die Be­sorg­nis recht­fer­tigt, dass die wei­te­re ge­deih­li­che Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ar­beit­neh­mer gefähr­det ist (BAG 8. Ok­to­ber 2009 - 2 AZR 682/08 - Rn. 15, EzA KSchG § 9 nF Nr. 57; 7. März 2002 - 2 AZR 158/01 - zu B II 2 b der Gründe, AP KSchG 1969 § 9 Nr. 42 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 45). In die­sem Sin­ne als Auflösungs­grund ge­eig­net sind et­wa Be­lei­di­gun­gen, sons­ti­ge ehr­ver­let­zen­de Äußerun­gen oder persönli­che An­grif­fe des Ar­beit­neh­mers ge­gen den Ar­beit­ge­ber, Vor­ge­setz­te oder Kol­le­gen (BAG 9. Sep­tem­ber 2010 - 2 AZR 482/09 - Rn.11 mwN, AP KSchG 1969 § 9 Nr. 64 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 60). - 8 - c) Zu berück­sich­ti­gen ist aber auch, dass ge­ra­de Erklärun­gen in lau­fen­den Ge­richts­ver­fah­ren - et­wa dem Kündi­gungs­schutz­pro­zess selbst - durch ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers ge­deckt sein können (BAG 9. Sep­tem­ber 2010 - 2 AZR 482/09 - Rn. 12 mwN, AP KSchG 1969 § 9 Nr. 64 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 60). Darüber hin­aus ist mit Blick auf ei­ne pro­zes­sua­le Aus­ein­an­der­set­zung zu berück­sich­ti­gen, dass Par­tei­en zur Ver­tei­di­gung von Rech­ten schon im Hin­blick auf das recht­li­che Gehör (Art. 103 GG) al­les vor­tra­gen dürfen, was als rechts-, ein­wen­dungs- oder ein­re­de­be­gründen­der Um­stand pro­zes­s­er­heb­lich sein kann (BVerfG 11. April 1991 - 2 BvR 963/90 - zu C II 3 der Gründe, NJW 1991, 2074). An­er­kannt ist, dass ein Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter auch star­ke, ein­dring­li­che Aus­drücke und sinnfälli­ge Schlag­wor­te be­nut­zen darf, um sei­ne Rechts­po­si­ti­on zu un­ter­strei­chen, selbst wenn er sei­nen Stand­punkt vor­sich­ti­ger hätte for­mu­lie­ren können. Das gilt al­ler­dings nur in den Gren­zen der Wahr­heits­pflicht. Auch dürfen die Par­tei­en nicht leicht­fer­tig Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen auf­stel­len, de­ren Un­halt­bar­keit oh­ne Wei­te­res auf der Hand liegt (BVerfG 11. April 1991 - 2 BvR 963/90 - aaO; BAG 23. Fe­bru­ar 2010 - 2 AZR 554/08 - Rn. 32, AP KSchG 1969 § 9 Nr. 61 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 58).
a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, der Kläger ha­be die Ver­trau­ens­ba­sis für ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit der Par­tei­en durch sein Vor-ge­hen in dem par­al­lel geführ­ten Zi­vil­pro­zess zerstört. Zur Be­gründung sei­nes Ab­be­ru­fungs­an­trags ha­be er dem Geschäftsführer der Be­klag­ten ei­ne „straf-ba­re Un­treue­hand­lung“ zu de­ren Nach­teil vor­ge­wor­fen. Da­mit ha­be er „über das Ziel hin­aus­ge­schos­sen“. Die Äußerung sei ehr­ver­let­zend. Der Kläger hätte bei der Ver­fol­gung sei­ner Rech­te als Ge­sell­schaf­ter Rück­sicht auf das eben­falls be­ste­hen­de Ar­beit­verhält­nis neh­men und das nöti­ge Au­gen­maß auf­brin­gen müssen. Statt­des­sen ha­be er trotz der wohl­be­gründe­ten, sei­ne Kla­ge ab­wei­sen­den Ent­schei­dung sei­nen An­trag wei­ter ver­folgt, was ge­eig­net ge­we­sen sei, - 9 - die Span­nun­gen zwi­schen ihm und dem Geschäftsführer der Be­klag­ten wei­ter zu verschärfen.
Soll­te die An­schul­di­gung des Klägers zu­tref­fen, brauch­te er sich nicht da­mit zu be­gnügen, das Ver­hal­ten des Geschäftsführers all­ge­mein als „er­heb- - 10 - li­che Pflicht­ver­let­zung“ dar­zu­stel­len. Er durf­te sei­ne Auf­fas­sung zu de­ren Qua­lität auch da­durch zum Aus­druck brin­gen, dass er die Tan­tie­me­zah­lung - zu­mal in­ner­pro­zes­su­al im Rah­men ei­ner ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung - un­ter straf­recht­li­chen As­pek­ten würdig­te.
bb) Al­ler­dings könn­te sich der Kläger dann nicht auf ei­ne Recht­fer­ti­gung sei­nes Vor­ge­hens un­ter dem Ge­sichts­punkt der Wahr­neh­mung be­rech­tig­ter In­ter­es­sen be­ru­fen, wenn die Un­halt­bar­keit des Vor­wurfs auf der Hand ge­le­gen hätte oder er selbst nicht von der Rich­tig­keit sei­ner Be­haup­tun­gen über­zeugt ge­we­sen wäre (Fi­scher StGB 58. Aufl. § 193 Rn. 19, 28 mwN). Dafür bie­tet in­des das Vor­brin­gen der Be­klag­ten - auch un­ter Ein­be­zie­hung des Ur­teils des Land­ge­richts D vom 10. April 2008, auf das sich die Be­klag­te zur Dar­le­gung ei­nes über­zo­ge­nen Vor­ge­hens des Klägers ge­gen ih­ren Geschäftsführer maßgeb­lich stützt - kei­nen genügen­den An­knüpfungs­punkt. - 11 - (1) Das Land­ge­richt hat in sei­nem Ur­teil aus­drück­lich da­hin­ste­hen las­sen, ob die um­strit­te­ne Tan­tie­me­zah­lung - ins­be­son­de­re im straf­recht­li­chen Sin­ne - als Un­treue­hand­lung zu qua­li­fi­zie­ren ist. Es ist da­von aus­ge­gan­gen, auch un­abhängig von ei­ner et­wai­gen Straf­bar­keit ha­be der Geschäftsführer sei­ne ihm ge­genüber der Be­klag­ten ob­lie­gen­den Pflich­ten er­heb­lich ver­letzt, in­dem er es versäumt ha­be, ei­ne Ent­schei­dung der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung über die Tan­tie­me­zah­lung her­bei­zuführen. Sei­ne Auf­fas­sung, trotz der Schwe­re der Pflicht­ver­let­zung sei­en die be­an­trag­te Ab­be­ru­fung des Geschäftsführers und die Kündi­gung des An­stel­lungs­ver­trags nicht ge­recht­fer­tigt, hat es im We­sent­li­chen auf die - aus sei­ner Sicht nicht sub­stan­ti­iert be­strit­te­ne - Be­haup­tung der Be­klag­ten gestützt, der frühe­re Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter R ha­be dem jet­zi­gen Geschäftsführer noch zu Leb­zei­ten die Tan­tie­me zu­ge­sagt. Außer­dem sei zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei der Be­klag­ten um ein rei­nes Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men han­de­le und wei­te­re Umstände, die ei­ne Un­trag­bar­keit oder Un­ge­eig­net­heit des Geschäftsführers be­gründen könn­ten, nicht er­sicht­lich sei­en.
- 12 - Durchführung ei­ner Be­weis­auf­nah­me im Be­ru­fungs­ver­fah­ren spricht aber deut­lich dafür, dass der Vor­trag des Klägers zum Ge­wicht der fest­ge­stell­ten Pflicht­ver­let­zung schlüssig war, mag auch aus Sicht der Zi­vil­ge­rich­te die straf­recht­li­che Würdi­gung des Ge­sche­hens für die ge­sell­schafts­recht­li­che Be­wer­tung der Pflicht­ver­let­zung nicht ent­schei­dend ge­we­sen sein. Die Be­klag­te hat im Hin­blick auf ih­ren Auflösungs­an­trag auch nicht et­wa be­haup­tet, der Kläger ha­be die Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen sei­nen Brüdern po­si­tiv ge­kannt und da­hin­ge­hen­den Vor­trag im Zi­vil­rechts­streit wi­der bes­se­res Wis­sen be­strit­ten.
dd) Die Be­klag­te hat auch kei­ne kon­kre­ten An­halts­punk­te be­nannt, die den Schluss zu­ließen, das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en sei durch die ge­sell­schafts­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung zusätz­lich nach­tei­lig be­las­tet wor­den. Der Kläger hat sei­nen „Vor­wurf ei­ner straf­ba­ren Un­treue­hand­lung“ - so­weit er-sicht­lich -, aus­sch­ließlich in­ner­halb der zuständi­gen Gre­mi­en und im an-schließen­den zi­vil­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren an­ge­bracht und da­mit in der Ten­denz ge­zeigt, dass er zwi­schen sei­ner Stel­lung als Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten und der ei­nes Ge­sell­schaf­ters der Be­klag­ten zu tren­nen weiß. Zu­dem kom­mu­ni­zier- - 13 -
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References: § 106
 § 611
 § 611
 § 9
 § 14
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 193