Source: https://www.elo-forum.org/threads/tagespendelbereich.35244/
Timestamp: 2019-02-20 14:44:25+00:00

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Ich lese schon eine ganze Weile mit. Die Suchfunktion ist sehr effektiv, das meiste wiederholt sich,
habe soweit immer alles gefunden und auf meine Situation transponieren können.
In den vier Jahren Hartz IV haben sie auch bei mir einiges ausprobiert. Mit wenig Erfolg, weil die neutrale Beratung, die dem Hilfeempfänger zustehen würde, nicht stattfindet und oftmals die SB's, FM's und Ex-Postler versuchen ihr subjektives Rechtsempfinden umzusetzten. Man muss sich halt wehren... Jedenfalls bin ich nach dem ganzen Blödsinn immer noch ungesperrt und ungekürzt und mittlerweile habe ich den Eindruck, dass man ARGEseitig (bei mir) auch etwas vorsichtiger geworden ist.
Aber eigentlich geht's ja darum wieder in Arbeit zu kommen, gell? Da meine FM mich jetzt mit einer recht speziellen Wiedereingliederungsstrategie konfrontiert hat möchte ich diese mal zur Diskussion stellen und bitte Euch um eine Bewertung:
Arbeitslos: seit 2001
Tatort : ARGE Rhein-Sieg (Sa**t Au***tin)
Am Flughafen K**n/B**n werden dringend 40 LuftsicherheitsassistentInnen gesucht. (Das sind die Checker, die Dir beim check-in die Shampooflaschen und Nagelfeilen wegnehmen.) Wer eine diesbezügliche Weiterbildungsmassnahme absolviert und diverse Prüfungen (IHK und LuftSiG) besteht und diverse Sicherheitsüberprüfungen (MAD, BKA, LKA, Verfassungsschutz...) überlebt, erhält noch vor Schulungsbeginn eine Arbeitsplatzzusage für einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsplatz bei Kö***r Aviation Security. Stundenlohn in der 6-monatigen Probezeit € 7,70, danach € 8,12 jeweils plus Zulagen für Feiertage, Sonntage und Nachtschichten im Mehr-Schicht-Modus.
Ich habe eine Eingliederungsvereinbarung unterschrieben, in der vereinbart wurde, dass ich mir im
Tagespendelbereich per Bildungsgutschein einen Bildungsträger suche, der diese Schulung durchführt, aber der steht ohnehin schon fest (Institut für Wi*****aft und Bi***ng) und es gibt auch nur diesen einen. Die Schulung dauert elf Wochen plus vier Wochen Praktikum am Flughafen. Und direkt danach soll dann das Geld verdienen losgehen. Alternative: Arbeitsgelegenheit. So weit so gut...
Jetzt ist es aber so, dass ich aufgrund ungünstiger Verkehrsverbindungen die einfache Fahrt zum Bildungsträger schon 83 Minuten unterwegs bin, also täglich insgesamt 166 Minuten während der Weiterbildungsphase. Danach würde es dann sehr lustig, da morgens der erste Bus bei mir um 05.02 Uhr losgeht und mich Richtung Flughafen auf den Weg bringen könnte. Noch lustiger wirds, weil die Nachtschicht bei Kö***r um 03.00 Uhr endet ich theoretisch gezwungen wäre zunächst meinen Wigwam irgendwo in der Wahner Heide aufzustellen um dann um 04:36 Uhr die erste S-Bahn Richtung Heimatadresse nehmen zu können.
Als ich meine FM mit diesen Realitäten konfrontierte und um die Möglichkeiten einer Autofinanzierung seitens der ARGE nachfragte sagte Sie mir, dass sie damit schlechte Erfahrungen gemacht hätte und einen weiteren Kunden hat der gar keinen Führerschein mehr hätte und auch mit ÖPNV zu diesem Bildungsträger fahren würde. Ich sagte Ihr daraufhin, dass Sie von mir nicht erwarten könne, dass ich aus Solidarität täglich über 2,5 Stunden mit dem Bus rumguckel, nur weil irgend jemand seinen Führerschein verloren hat... Totenstille...
Um das junge Ding nicht unnötig zu traumatisieren bot ich ihr an meine privaten Möglichkeiten zu prüfen um ein Auto zu organisieren. Damit war sie dann einverstanden. Ich soll halt den dazu notwendigen Kapitalbedarf schriftlich dokumentieren (Kostenvoranschläge Versicherung, Steuer, oder Gebühren für ein privat leihweise überlassenes Auto etc...) und mit dem ganzen Gedöns einschliesslich ausgefülltem Bildungsgutschein wieder bei ihr vorsprechen. Sie hätte einen gewissen Spielraum zur Übernahme solcher Kosten und falls nötig, wenn der Kapitalbedarf [ihre Kompetenzen sprengt und] zu hoch ist, würde sie den Teamleiter hinzurufen, damit der dann den höheren Bedarf anerkennt und genehmigt und gegenzeichnet. Aber konkret auf Zahlen hat sie sich nicht festgelegt, weder in €, DM oder gar in $.
Tja, und jetzt steh' ich da, ich weiser Tor, und bin verwirrter als zuvor. Denn irgendwie missfällt mir immer mehr der Gedanke, mit meinem H-4-Satz ein (nun wie auch immer) Auto auftreiben zu müssen, um arbeiten gehen zu dürfen, vom Stundenlohn in Verbindung mit der Mehr-Schicht-Mühle mal ganz abgesehen...
Aber eigentlich geht's ja darum wieder in Arbeit zu kommen, gell? Theoretisch habe ich tatsächlich die Chance für ein paar Monate ein Auto geliehen zu bekommen (sehr spezieller Freundschaftsdienst). Aber was erwartet die ARGEntin? Einen Überlassungsvertrag? Sollten wir das Kfz auf mich ummelden? Oder beim Versicherer einen weiteren Fahrer eintragen lassen? Und wird sie sich mit Rechnungen und Kfz-Steuerbescheiden, die nicht auf meinen Namen lauten, zufriedengeben und anerkennen? Oder endet alles nachher im grossen Chaos und ich bleibe auf den Kfz-Kosten sitzen? Wie hoch ist ihr finanzieller "Spielraum" bzw. der ihres Teamleiters?
Und wären die täglichen 166 Minuten ÖPNV zum Bildungsträger überhaupt zumutbar (Anreisezeit, nicht Fahrzeit!)? Oder die Wartezeit im Wigwam?
Der Tagespendlerbreich liegt bei jeweils 90 Minuten pro Strecke bei Vollzeit.Bei Teilzeit entsprechend die Hälfte
Vermutlich werden sie dich beim Flughafen - wg. der langen Fahrzeiten -sowieso nicht nehmen...
Ich weiss hier von HH, dass für den Bereich ausdrücklich Leute "aus der Umgebung" gesucht werden.
Vielleciht solltest du dich erstmal diesbezüglich erkundigen.
Grundlage ist § 121 Abs. 4 SGB III:
Naja, die suchen halt im Moment dringend Leute, das hat - neben der hohen Fluktuation- wohl auch was mit der fristgerechten Umsetzung einer EU-Flugsicherungsrichtlinie zu tun. Davon abgesehen habe ich von Kö***r mittlerweile die Einstellungszusage nebst Stempel und Unterschrift, die wollen (brauchen) mich also ernsthaft. Beim Bildungsträger habe ich auf diese Problematik hingewiesen. "Ja, ja, alles kein Problem, besorgen Sie sich halt ein Auto..."
Absolut! So habe ich das mit den 2,5 Stunden auch bisher verstanden. Die Frage ist halt wie das in der Praxis endeffektlich mit dem auslegungsfähigen "im Regelfall" gehandhabt werden könnte. 150 Minuten sind also o. k., und meine 166 Minuten möglicherweise dann doch noch zumutbar?
zu den tagespendelzeiten haben Dir ja einige geantwortet.
Was mir aber aufgefallen ist, ist die Bezahlung, die die unter LUAssis allseits sehr beliebte Fa. Kxxxxr anbietet.
Wenn Du Dir diesen Job tatsächlich antun willst, dann aber bitte nicht untertariflich.Wenn Du geprüft bist nach §5 LuSiG (das beinhaltet §8+9 und ersetzt den bisherigen §29c), geht es, je nach Bundesland bei um die 9.-€ los.
Ebenso wichtig wäre die Prüfung nach § 7 (?), die sog. Frachtprüfung.
Die ist mittlerweile fast unabdingbar, wenn man längerfristig Fuß fassen möchte.
Googel mal nach den tariflichen Bestimmungen Deines Bundeslandes, denn wenn man die (sehr harte) Schulung übersteht und die Prüfung wuppt, sollte man sich nicht unter Preis verkaufen. Gerade die Wechselschichten zerren heftig an der Gesundheit, bei dauernder Fluktuation sind 12er-Schichten eher die Regel als die Ausnahme, Pausenzeiten sind eher ungewöhnlich usw usw.
Gut gemeinte tip's meiner Mitbewohnerin (seit 1,5Jahren LuSi in FFM)
Ja, ich merke schon, Du hast Hintergrundwissen über die LuSi's. Zu den € 8,12 nach der Probezeit kämen auch noch € 0,60 allgemeine Schichtzulage plus Nacht-, Feier- und Sonntagszuschläge. So würde sich das Ganze dann schon irgendwie gegen € 9,-- pro Stunde bewegen...
Und grüße mir Deine Mitbewohnerin, dieses Frühjahr ist möglicherweise mit einer neuen Tarifanpassung zu rechnen!! Da gehts dann vielleicht sogar Richtung € 10,-- pro Stunde, was ja dann irgendwo o. k. wäre.
Und ja, die Prüfung ist hart und der Job ruinert die Gesundheit.
Bei den Antworten bezüglich des Tagespendelbereiches beunruhigt mich am meisten die von Martin Behrsing, denn bei den 90 Minuten für die einfache Strecke wird er sich schon was gedacht haben, aber ich will 180 Minuten zumutbare Fahrzeit pro Tag einfach noch nicht so richtig in mein Bewusstsein lassen...
sorry, dass ich so spät antworte,bin noch etwas influenzageschädigt:icon_kotz:
Ich kann Dir leider auch keine bessere nachricht als Martin zukommen lassen, wobei ich nicht 100% weiß, ob die Tagespendelzeit auch für Massnahmen/Fortbildungen gilt.
Die Ausbildung meiner Mitbewohnerin war für 3 Monate in Lübeck, weit weg von zu Hause, geschlafen wurde in einer ehemaligen Kaserne und alle 2 Wochen wurde eine WE-Heimfahrt genehmigt und bezahlt.
Somit ist meine "Hilfestellung" mehr als beschränkt,leider....
Aber sollte das Mädel in irgendeiner Form die Ausbildung auf die Reihe bekommen, kleiner Tip am Rande:
Für Köln ist ein neues cargo-Depot der Fed.ex geplant, KoopPartner in Sachen LuSi ist die Fa.W.I.S.
Da liegt das Startgehalt schon in der Probezeit bei € 8,93 zzgl. Zuschläge.
Gezahlt wird pünktlich mit stimmigen Abrechnungen, das ist bei Kxxxer leider nicht immer der Fall
däumchendrückende Gr.
Ja, der Martin Behrsing hatte eingangs schon recht. 90 Minuten für die einfache Fahrstrecke sind (neuerdings) zumutbar. Zur allgemeinen Erbauung stelle ich hier mal das pdf vom Amt rein (siehe Seite 9).
http://www.elo-forum.org/attachment.php?attachmentid=3687&stc=1&d=1234647422
Und ich gehe davon aus, dass dies auch für Weiterbildungen/Massnahmen gilt. Im Zweifelsfall werden die ARGEnten argumentieren, dass dies ja nur eine vorübergehende Belastung für die Dauer der Weiterbildung wäre... Mir ist das jedenfalls zu dünn, um hier einen Rechtsstreit zu riskieren.
Was mich allerdings dann doch etwas stutzig macht ist die Tatsache, dass meine FM mir damals nicht diesen Wind aus den Segeln genommen hat. Offensichtlich wusste sie auch nur was von maximal 2,5 Stunden. Wir werden sehen, wie lange es braucht, bis dieses neue Zumutbarkeits-Detail bei ihr ankommt.
Wenn ich das mal auf irgend eine hypothetische 12-Stunden-Schicht hochrechne kämen wir dann auf 12 Stunden Arbeitszeit (ev. noch plus Pausenzeiten) zuzüglich -zumutbarerweise- 3 Stunden maximale Fahrzeit macht dann mindestens 15 Stunden Tagesengagement. Bei einem unterstellten Schlafbedarf von etwa 7,5 Stunden bleiben dann noch 1,5 Stunden für Frühstück und Abendessen... Klingt doch hübsch! Irgendwie nach Bedingungen wie zu Zeiten des antiken Pyramidenbaus.
Auch habe ich von Kö***r jetzt nur unappetittliches gehört. Und die Diskrepanz im Anfangslohn zu W.I.S. sprich schon für sich. Ich denke, es ist an der Zeit, die Träumereien um den Luftsicherungsassistenten zu begraben. (R.I.P.)
Der angedrohte 1-€-Job kann mich in Relation dazu auch nicht mehr wirklich schocken...
Der Link funktioniert nicht. Ich nehme aber an, daß sich die Aussage mit den 3 Stunden Pendelzeit bei Vollzeitbeschäftigung auf die Verwaltungsanweisung zu § 10 SGB II (also ALG II) bezieht. Dort steht eine zumutbare Pendelzeit von 3 Stunden bei über 6 Stunden Beschäftigung und 2,5 Stunden bei bis zu 6 Stunden täglicher Beschäftigungszeit.
Im Bereich SGB III (normale Arbeitsvermittlung bzw. ALG I) gilt nach wie vor die Vorschrift zu § 121 SGB III, also 2,5 bzw. 2 Stunden tägliche Pendelzeit bei über/bis 6 Stunden Arbeitszeit.
Wenn ich mich nicht täusche: "Pendelzeit" ist nicht nur die reine Fahrzeit, sondern die gesamte Zeit vom Verlassen der eigenen Wohnung bis zum Eintreffen am Arbeitsplatz.
Also ich meine das Teil hier:
SGBII, SGBIII... Das wird ja immer komplizierter. Und die Definition von Pendelzeit inclusive "zum 1. Bus" und "vom letzten Bus bis zur Schulungsstätte" wäre in dem Fall tatsächlich entscheidend, denn in diesem Fall käme ich tatsächlich auf 92 Minuten "Pendelzeit" pro Fahrtstrecke und zudem noch latent zu spät zum Unterricht, da der Bus um 08.27 Uhr ankommt und dann noch 6 Minuten zu Fuss bewältigt werden müssen.
Aber ich glaube, wir sind hier schon beim Haarespalten... ;-)

References: § 121
 §5
 §8
 §29
 § 7
 § 10
 § 121