Source: http://www.spreezeitung.de/22673/dm-gruender-goetz-werner-bedingungsloses-grundeinkommen-ist-eine-frage-des-menschenbildes/
Timestamp: 2016-06-27 07:40:52+00:00

Document:
Ursula Pidun / 25. Februar 2016 / 17 Kommentare Götz Werner (dm): Grundeinkommen ist eine Frage des Menschenbildes	Götz Werner, Gründer des Drogerieunternehmens „dm“, setzt sich bereits seit langer Zeit für die Idee eines BGE ein. Welche Vorteile gibt es, wie lässt sich ein Grundeinkommen finanzieren, was ist von Hartz IV zu halten und inwiefern ist die Gesellschaft gefordert, damit sich auch politisch etwas bewegt? Wir haben nachgefragt.	„Es geht darum, dass der Einzelne bescheiden, aber menschenwürdig im Sinne des Artikels 1 unserer Verfassung leben kann. Damit ist alles erklärt. Dass die Verfassungsrechtler Hartz IV zulassen, ist ein Beweis dafür, dass sie ihre eigene Verfassung nicht anerkennen. Oder ihr begrifflich noch nicht gewachsen sind.“ *Zitat Götz W. Werner
dm-Gründer Götz W. Werner (Bildquelle: dm/Alex Stiebritz)Prof. Götz W. Werner: „Wesentlich ist, dass wir Arbeit und Einkommen voneinander trennen würden. Wir erliegen heute immer noch dem Irrtum, dass Einkommen die Bezahlung für Arbeit ist. Wenn wir aber genau hinschauen, müssen wir erkennen, dass ein Einkommen die Ermöglichung von Arbeit ist. Wir alle brauchen in unserer heutigen, fremdversorgten Welt ein Einkommen, um leben zu können. Erst dann können wir für andere tätig werden.“
Gegner des BGE werfen gerne die mangelnde Finanzierung in die Waagschale. Mit welchen Argumenten kontern Sie? Werner: „Dass wir nicht vom Geld leben, sondern von den Gütern und Dienstleistungen, die wir hervorbringen. Und es kann niemand ernsthaft bezweifeln, dass wir im Überfluss an materiellen Gütern leben. Wir waren noch nie so reich wie heute. Geld ist ein probates Hilfsmittel aber davon kann doch niemand leben. Schon der bekannte Ökonom Oswald von Nell-Breuning sagte: ‚Alles, was sich güterwirtschaftlich erstellen lässt, das lässt sich auch finanzieren – vorausgesetzt, wir haben den ehrlichen Willen dazu’. Die Frage ist, ob wir es finanzieren wollen; wenn ja, dann finden wir auch Wege.“
Als Unternehmer stehen Sie mit Ihrer Überzeugung zum BGE noch recht allein in der deutschen Wirtschaftslandschaft. Worin liegen die Gründe, dass bisher nicht viele Unternehmer mitziehen? Werner: „Viele Unternehmer, mit denen ich spreche, wissen, dass Menschen arbeiten wollen und erkennen an, dass sie in der heutigen Gesellschaft zunächst ein Einkommen brauchen.“
Politiker melden immer wieder große Bedenken an. So auch Kanzlerin Angela Merkel, die vor der letzten Bundestagswahl im Rahmen eines Bürgerforums die Frage stellte, wer dann noch zusätzlich arbeiten wolle. Wird das Prinzip BGE nicht richtig verstanden? Werner: Es ist eine Frage des Menschenbildes. Wenn ich Menschen frage, ob sie noch arbeiten würden, sagen alle: ‚Ja, aber die anderen nicht.’ Wenn wir von ‚den Anderen’ sprechen, meinen wir, wir müssten denen ‚die Hammelbeine langziehen’ oder ‚sie auf Trab bringen’. Merken Sie das? Wir haben zwei Menschenbilder: ein edles von uns und ein tierisches von unseren Mitmenschen. Davon sollten wir uns lösen.“
Die Kanzlerin verwies damals auf die bereits bestehende Grundsicherung, womit das sog. Hartz IV-System gemeint ist. Abgesehen davon, dass es sich hier nicht um ein bedingungsloses Einkommen handelt – wie denken Sie über die vom damaligen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) eingeführte Arbeitsmarktreform? Werner: „Dass wir Hartz IV zulassen, ist ein Skandal. Eigentlich müsste ein Aufschrei durch die Gesellschaft gehen: Wie kann es sein, dass wir zulassen, dass ein Teil unserer Mitbürger ausgegrenzt und stigmatisiert wird? Die Verhältnisse müssen doch so sein, dass jeder eine Lebensperspektive hat.“
Was wünschen Sie sich für Ihren persönlichen „Kampf“ um die Einführung eines BGEs und wie optimistisch sind Sie, dass sich dieser Wunsch auch tatsächlich erfüllt? Werner: „Mit Wünschen ist das so eine Sache. Als Unternehmer bin ich grundsätzlich optimistisch und ich beobachte, dass immer mehr Menschen die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, zu ihrer persönlichen ergebnisoffenen Forschungsfrage machen. Das bringt uns voran.“
Mehr Gerechtigkeit durch Grundeinkommen:
17 Kommentare zu "Götz Werner (dm): Grundeinkommen ist eine Frage des Menschenbildes"	Soraya Maria Jägert 25. Februar 2016 at 19:47	Welcher Betrag soll denn als Grundeinkommen angesetzt werden? Brutto … Da würde sich der Gründer von DM Märkten ja ins eigene Knir schießen, schließlich verdienen Kassenkräfte ja nicht viel. Nennt einen Bruttobetrag, dann kann man hier weiter diskutieren!
Aktive Arbeitslose Österreich 28. Februar 2016 at 13:26	Der Vorteil des Grundeinkommen gegenüber Hartz IV ist, dass bei Aufnahme einer Arbeit die „Grundsicherung“ nicht reduziert wird!
Fx 25. Februar 2016 at 22:18	„Eigentlich müsste ein Aufschrei durch die Gesellschaft gehen“
Fred Suban, Buchautor 26. Februar 2016 at 03:22	Kürzlich sah ich bei Deutsche Welle ein Interview eines Zukunftsforschers wo gesagt wurde, dass durch Automatisierung/digitalisierung bis zu 60% der Arbeitsplätze wegfallen, aber neue Arbeitsplätze geschaffen würden. Allein durch diese Aussage drängt sich ein BGE direkt auf. Heute arbeiten Menschen grösstenteils nicht das, was ihren wahren Talenten entspricht, sondern das, was sie um des Geldeswillen arbeiten müssen.
Simon Rosenthal 27. Februar 2016 at 23:30	daumen hoch!
Rainer H. Kühne - AG GRUNDGESETZ als GESELLSCHAFTSVERTRAG 26. Februar 2016 at 03:43	3. Februar 2016 11:14
Sabine 26. Februar 2016 at 15:41	Ich werde nie die Demütigungen meiner H4-Zeit vergessen!Dieses sinnlose Verwaltet werden, die immer sich wiederholenden Fragen, weil man durch gereicht wurde. Stichwort: rotierende Berater! Das Streichen von Geld, wegen Versäumnissen aus Unwissenheit! Aber die Fehler seitens des Amtes genauso ausbauen müssen, da dann wieder kein Geld floss. Und dann der Knaller, als ich mich beschweren wollte. Da hat man mich an das KRZ verwiesen= Kunden Reaktionszentrum! Wenn es nicht so traurig wäre… Könnte man sich kaputt Lachen!
Georgy 26. Februar 2016 at 19:00	Herr Werner sollte sich mal mit Inge Hannemann unterhalten. Dann versteht er vielleicht, warum es eben kein Aufschrei in der Gesellschaft gibt. Wer ist eigentlich die Gesellschaft? Wen meint Herr Werner damit?
Redaktion SPREEZEITUNG 26. Februar 2016 at 19:06	@Georgy: Vielleicht hilft unser Interview mit Inge Hannemann auch schon weiter:
Martina 26. Februar 2016 at 20:29	Dieses Scheinargument „dann würde niemand mehr arbeiten gehen“ kommt erstaunlicherweise immer wieder.
Eric Manneschmidt 26. Februar 2016 at 22:13	Eingangs sagt Götz Werner:
harry h. schaefer 27. Februar 2016 at 10:33	Sehr geehrte Damen und Herren,
hier bei uns in Bremen, festigt sich ebenfalls der Gedanke eines „Bedingungslosen Grundeinkommen für alle“ Es wird langsam Zeit, neue Wege zu gehen, um der Gesellschaft, in
machen. Mit unseren Gedanken und Anfangs-Aktivitäten, kommen wir in gegebener Zeit auf Sie zu,
K.O.Boldt 1. März 2016 at 15:01	Ein BGE regelt den Arbeitsmarkt ohne Mindestlohn bei Kurzzeitverträgen. Mit einem BGE kann mann auch mal Jobs machen, die nicht so viel bringen- man kann immer noch davon würdig leben.
Gast 8. März 2016 at 07:35	Ein sympatischer Mensch.
Ursula Pidun ist gelernte Journalistin und befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen Politik, Wirtschaft und Soziales sowie Bürger- und Menschenrechte. Seit 1998 arbeitet sie als freie Journalistin für verschiedene Medien. Darüber hinaus war sie viele Jahre Pressesprecherin im Bundesverband Deutscher Vereine & Verbände.	Artikel	Artikel

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE