Source: https://www.schuldnerhilfe-direkt.de/vorzeitige-restschuldbefreiung-bekommt-man-das-pfaendbare-einkommen-zurueck/
Timestamp: 2020-02-22 18:09:09+00:00

Document:
DeGks
18. Februar 2020 at 19:09
Mir wurde die RSB erteilt, mit einem Beschluss vom 31.01.2020. Dieser ist immer noch nicht Rechtskräftig, gibt es da eine Frist, wann dieser Rechtskräftig werden muss oder liegt das am ermessen des Gerichts?
ANTWORT: Das müsste eigentlich unter dem Beschluss stehen. Gegen den Beschluss kann man mit sog. sofortiger Beschwerde vorgehen mit einer Notfrist (das bedeutet, sie ist nicht verlängerbar) von 2 Wochen (ab Zustellung bzw. öff. Bekanntmachung).
16. Februar 2020 at 09:10
zu meinem Anliegen : Ich hatte am 08.11.19 ( Stichtag nach 3 Jahren) die RSB erteilt bekommen , und am 31.01.20 den Beschluss darüber erhalten. Seitdem wird weiter gepfändet… Nach §300a insO bekomme ich den “Neuerwerb” ab Stichtag wieder, wie ich gelesen habe, kann der TH darüber Rechnung legen?! Der TH hat sich schon den Vorschuss aus der Insolvenzmasse eingeholt, was auch vom Gericht genehmigt wurde, ( ist mehr, als an die Gläubiger verteilt wird) weshalb wird mir davon wieder für dessen Rechnung was abgezogen? Gibt es da einen Festsatz oder liegt das am ermessen des TH, wie hoch seine Rechnung dafür ist. Zu meiner zweiten Frage, Wann wird der Beschluss rechtskräftig? Ist das normal, dass das fast ein Monat dauert? Vielen Dank im voraus, regelt: Zu meiner zweiten Frage,
Wann wird der Beschluss rechtskräftig? Ist das normal, dass das fast ein Monat dauert? Vielen Dank im voraus,
ANTWORT: der Insolvenzverwalter muss bis zur rechtskräftigen Entscheidung über die Restschuldbefreiung die Beträge weiter einziehen, da bei der vorzeitigen Restschuldbefreiung vor der Erteilung noch nicht bekannt sein kann, ob diese tatsächlich erteilt wird (wenn nicht, endet die Abführung erst mit der regulären Beendigung der Abtretung). Das wäre nur dann anders, wenn (wie Sie schreiben), Sie tatsächlich die Restschuldbefreiung taggenau 3 Jahre nach Eröffnung erhalten hätten. Das ist mit Sicherheit nicht der Fall gewesen, sonst hätte das Gericht dann nicht im Januar noch entscheiden müssen. § 300a Abs. 2 InsO regelt deshalb: “Bis zur rechtskräftigen Erteilung der Restschuldbefreiung hat der Verwalter den Neuerwerb, der dem Schuldner zusteht, treuhänderisch zu vereinnahmen und zu verwalten. […] Der Insolvenzverwalter hat bei Rechtskraft der Erteilung der Restschuldbefreiung dem Schuldner den Neuerwerb herauszugeben und über die Verwaltung des Neuerwerbs Rechnung zu legen.” Da er diese Verwahrung noch als Treuhänder ausführt (das Amt endet erst mit Erteilung der Restschuldbefreiung), können also durchaus noch Kosten für diese treuhänderische Verwahrung anfallen, allerdings spielt das in der Praxis auch nur sehr selten eine erhebliche Rolle. Warum das so ist, diese Frage stellt sich praktisch nicht. Denn ich kann Ihnen auch nur sagen, was gesetzlich geregelt ist. Die gesamte Insolvenzordnung ist inzwischen ein Konglomerat von politischen Ansprüchen und stellt kein Gesetz aus einem Guss dar. Immer wieder werden neue Dinge hineingepflanzt, die da nicht reingehören (man denke nur an die Aufblähung von § 302 InsO bezüglich des Umfangs der deliktischen Forderungen vor ein paar Jahren), und statt dass die Sache durch Gesetzesänderungen einfacher und übersichtlicher wird, bilden sich neue Bruchstücke an den wieder 100 neue Probleme entstehen. Leider bleiben diese Probleme dann sehr lange Zeit ungelöst. Schon die Tatsache, dass wir im Rahmen dieser Artikel lang und breit erklären müssen, wie die vorzeitige Restschuldbefreiung technisch umgesetzt wird, zeigt doch, dass irgendetwas falsch sein muss. Einfache Dinge, die wegen der schlechten gesetzlichen Regelung so kompliziert geworden sind, dass sie selbst von Gerichten fehlerhaft angewendet werden. Die gesamte Ungerechtigkeit auch in Bezug auf die Auflösung der vorzeitigen Restschuldbefreiung ist ein Teil davon.
10. Februar 2020 at 22:19
Hallo, ich habe mit großem Interesse Ihren Artikel gelesen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht alles ganz verstanden habe. Mein 5. Jahr läuft am 3.9.2020 aus. Meinen Antrag auf vorzeitige Erteilung der Restschuldbefreiung nach § 300 Abs. 1 Nr.3 am 3.02.2020 gestellt. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist es wahrscheinlich, dass die RSB nicht zum 3.9. erteilt wird, sondern sich das Ganze noch bis zum Ende des Jahres hinzieht? Vielen Dank Gruß Torsten
ANTWORT: ja, das haben Sie richtig verstanden. Der Zeitpunkt des gesetzlich vorgesehenen Verfahrensablaufs (bei Ihnen im Rahmen der vorzeitigen Restschuldbefreiung nach 5 Jahren) ist zwar genau bestimmbar (hier also der 03.09.2020), dass das Gericht aber dafür Sorge trägt, dass Sie an diesem Tag oder unmittelbar danach die Restschuldbefreiung bereits erhalten, gehört nicht zu dem, was ich als wahrscheinlichen Verlauf ansehen würde. Zunächst einmal wird das Gericht einen sogenannten Anhörungsbeschluss erlassen, wenn es die Voraussetzungen für die vorzeitige Restschuldbefreiung grundsätzlich als gegeben ansieht. Es ist häufig so, dass schon dieser Beschluss sehr viel später ergeht. In ihrem Falle wäre es ja möglich, dass das Gericht diesen Anhörungsbeschluss erst Ende September oder im Oktober erlässt. In diesem Beschluss wird ein Datum genannt, bis zu dem die Gläubiger die Möglichkeit haben, sich zu Ihrem Antrag auf Restschuldbefreiung zu äußern. An diesem Termin kann man sich orientieren, weil für den Fall, dass keine Gegenanträge gestellt werden, über die Restschuldbefreiung unmittelbar danach entschieden werden kann (und sollte). Auch das ist nicht immer der Fall, aber schon eher zu erwarten. Es kommt also wesentlich darauf an, wann das Gericht den Anhörungsbeschluss erlässt. Im besten Falle unmittelbar im zeitlichen Umfeld des 20. September. Leider fehlt jede Verpflichtung für das Gericht, sich darum zu bemühen, diese Phase zeitlich sehr knapp zu halten. Man hätte es rechtlich so regeln können, dass das Gericht dafür Sorge tragen muss, dass zum Ablauf des 5. oder 6. Jahres die Restschuldbefreiung erteilt wird, bzw. der Zeitraum danach so kurz wie möglich gehalten wird. So ist es aber nicht. Meist treten Verzögerungen deshalb ein, weil die Abrechnung des Treuhänders noch nicht vorliegt und das Gericht nicht genügend Druck auf den Treuhänder ausübt. Das ist gerade in den Fällen, wo rechtzeitig vorher der Antrag gestellt wird (das ist bei Ihnen ja auf jeden Fall so) nicht so recht nachvollziehbar. Aber wie gesagt, die rechtlichen Möglichkeiten, hierauf Einfluss zu nehmen, sind sozusagen nicht vorhanden. Der Gesetzgeber hat in vielen Bereichen des Insolvenzrechts die Möglichkeit, gegen die Handlungen des Gerichts Beschwerde einzulegen oder allgemein dagegen rechtlich vorzugehen so stark eingeschränkt, dass leider Gottes in manchen Bereichen quasi ein rechtsfreier Raum entstanden ist (das sage ich mit einiger Bitterkeit, denn natürlich ist dieser Bereich nicht rechtsfrei). Es ist schon sehr ärgerlich, wenn man allein deshalb, weil es keine Rechtsmittel gibt, zum Teil haarsträubende Entscheidungen oder Handlungsweisen des Gerichts hinnehmen muss. Leider ist das praktisch tatsächlich kein seltenes Problem. Auch in ihrem Falle wird es also wesentlich davon abhängen, wie die Praxis Ihres Gerichts ist. Ich habe schon von erfreulichen Verläufen gehört, aber hier beim Amtsgericht Dresden beispielsweise ist es so, dass die Restschuldbefreiung in der Regel immer erst sehr, sehr, sehr spät erteilt wird, häufig sind es Monate, zum Teil auch bis zu einem Jahr. Das ist unzumutbar. Ich wünsche Ihnen, dass es bei Ihnen etwas schneller geht, und dagegen spricht ja auch gar nichts.
26. Januar 2020 at 08:33
meine Wohlverhaltensperiode konnte lt. meines TH am 10.10.2019 enden da die VK und mindesten 35% Gläubigerquote erfüllt sind. Daraufhin habe ich leider etwas verspätet am 21.11.2019 meinen Antrag auf vorzeitige RSB bei meinem zuständigen Insolvenzgericht persönlich abgegeben. Seither habe ich weder vom Gericht noch von meinem TH etwas gehört bzw. Schriftstücke erhalten. Ich habe mir die Einreichung des Antrages abstempeln lassen. Wurde mein Antrag evtl. zerschreddert? Wie lange dauert die erste Phase bis zur Gläubigerbefragung?
ANTWORT: Ihr Antrag wurde ganz gewiss nicht geschreddert, denn darüber muss das Gericht in jedem Falle entscheiden. Die nachträgliche Abgabe des Antrags kann bedeuten, dass die vom 10. Oktober bis 21. November vom Treuhänder noch eingezogenen Beträge nicht mehr an Sie zurückgezahlt werden, wenn Ihnen die vorzeitige Restschuldbefreiung später erteilt wird. Das ist heute die meines Erachtens herrschende Praxis bei den Amtsgerichten. Weitergehende Folge hat aber die späte Beantragung nicht, es ist also ansonsten unschädlich, dass Sie den Antrag erst im Folgemonat abgegeben haben. Was den Rest betrifft, ist es aber wie immer: Leider hat der Gesetzgeber wohl geglaubt, dass die Gerichte sich um eine zeitnahe Entscheidung über die Restschuldbefreiung bemühen. Das ist von Amtsgericht zu Amtsgericht auch verschieden, in Dresden dauert es manchmal ein ganzes Jahr, bevor dann die Restschuldbefreiung erteilt wird. Das Gericht entscheidet natürlich auch erst, wenn der Treuhänder seine Arbeit abgerechnet hat. Manche Treuhänder benötigen dafür übermäßig viel Zeit. Hier müsste das Gericht Druck ausüben, was aber so gut wie nie geschieht (ich kann mich jedenfalls an keinen einzigen Fall erinnern). Was bedeutet das nun alles für Sie? Das Gericht wird zunächst Rücksprache mit dem Treuhänder halten, ob die Voraussetzungen für eine vorzeitige Restschuldbefreiung tatsächlich gegeben sind. Ist das nach Überzeugung des Gerichts der Fall, erlässt dieses einen sogenannten Anhörungsbeschluss. Dieser Beschluss ist für die Gläubiger bestimmt, diese können dann zu Ihrem Antrag Stellung nehmen. In diesem Beschluss ist auch ein Enddatum benannt, bis eine Äußerung der Gläubiger (und gegebenenfalls gegen Antragstellung) möglich ist. Ist der Zeitpunkt erreicht, entscheidet das Gericht über den Antrag, und Sie können davon ausgehen, dass nach diesem Termin die Restschuldbefreiung sehr bald beschlossen wird. Da inzwischen seit Abgabe des Antrags bei Ihnen 2 Monate vergangen sind, halte ich es für durchaus sinnvoll, wenn Sie bei Gericht nachfragen, wann Sie mit einer Bearbeitung Ihres Antrags rechnen können. Der Erfahrung nach finden sich dann ggf. „hinter den Schrank gefallene” oder nach ganz unten gelegte Akten schneller wieder.
20. Dezember 2019 at 17:26
Hallo,habe vor 4 Wochen die RSB erhalten.Ich habe frühzeitig nach 5 Jahren alle Gläubiger zu 100% befriedigt.Auf meinem Anderkonto befindet sich danach ein Guthaben von ca.3.700 € plus. Alle kosten sind gedeckt Th und Gerichtskosten.Ein Motivationsrabatt von 10 % wurden mir genehmigt.Jetzt hat mir meine TH 3.000 € Motivationsrabatt überwiesen.Da meine Schulden an alle Gäubiger 30.000 € bezahlt worden sind gehe ich davon aus das es sich hier um die 10% handeln.Meine Th schreibt mir aber gerade das sie mir die 3.000 € von meinem Guthaben von meinem Anderkonto überwiesen hat.Ich bekomme jetzt noch 700€ und dann ist ist die Sache erledigt.Ich bin aber davon ausgegangen das ich mein Guthaben von 3.700€ erstattet bekomme plus 3.000€ Motivationsrabatt bekomme.Liege ich da falsch????? Mfg Markus
ANTWORT: so gern ich es möchte, es ist leider unmöglich, hier Fragen zu beantworten, die eine konkrete Fallprüfung voraussetzen. Ihre Frage ist leider derart, dass es ohne eine konkrete Prüfung der Situation wirklich nicht möglich ist, das zu beurteilen. Dafür reichen auch Ihre Information nicht aus.
20. Dezember 2019 at 09:38
vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Es gibt jedoch Gerichte, die in dem Beschluß schreiben: Die Abtretungsfrist endet erst mit der Rechtskraft der RSB” Es wird mir daher nicht ein das pfändbare Einkommen anteilig erstattet, dass ich in der Schwebe bis zur Rechtskraft des Beschlusses dem Treuhänder eingezahlt habe. das wären bei mir 133 Euro. Von den 10 % der Einzahlungen, die ich im fünften Jahr getätigt habe, habe ich nichts gesehen. Im Schlussbericht des Treuhänders an das Gericht war keine Rede von einer Differenz. Wenn ich zu wenig abgeführt hätte, hätte mein Treuhänder logischer Weise die 10 % behalten und damit den fehlenden Betrag ausgeglichen.
Allerdings konnte ich keine Ermächtigungsgrundlage im Gesetz für den Motivationsrabatt finden. Die Ungleichbehandlung des Schuldners, die durch die Arbeitsweise des Gerichts entsteht und daher Beschlüsse nicht zeitig erlassen werden können aufgrund der Unterbesetzung der Gerichte, sind aus meiner Sicht mit Art. 3 I GG nicht vereinbar.
ANTWORT: auch Ihnen vielen Dank für Ihren Bericht, leider habe ich von derartigen Gerichten auch schon gehört. Zunächst muss man festhalten, dass es immer nur um die Fälle geht, bei denen die vorzeitige Restschuldbefreiung beantragt wird. Auch ist der Ausspruch des Gerichts keineswegs falsch, denn dass die Abtretungsfrist nicht schon nach dem 5. oder 3. Jahr endet, sondern erst mit Rechtskraft des Beschlusses, ergibt sich aus der (analogen) Anwendung von § 299 InsO, auf die der letzte Absatz des § 300 InsO verweist. Aber daraus ergibt sich nun gerade nicht, dass die ab dem 3. oder 5. Jahr noch einbehaltenen Beträge noch zur Verteilung kommen, denn es wird gleichzeitig auf § 300a InsO verwiesen. Und aus dieser merkwürdigen Verweistechnik ergibt sich, dass zwar die Abtretung erst mit Beschluss endet, die zwischen den 5 oder 3 Jahren noch einbezogenen Beträge aus dem Einkommen aber zurückzuzahlen sind (vergleiche § 300a Abs. 2 InsO). Man kann jetzt zwar sagen, dass § 300a InsO sich in seiner direkten Anwendung nur mit dem Einbehalt beschäftigt, der zwischen Ende der Abtretung und Beschlussfassung durch das Gericht entsteht. Dann wäre aber für die analoge Anwendung des § 300a InsO gar kein Anwendungsfall mehr möglich, da hier immer das Abtretungsende und die Beschlussfassung zusammenfällt. Daran sieht man, dass es so nicht gemeint ist. Vielmehr sollte durch diesen Verweis sichergestellt werden, dass derjenige, der vorzeitig seine Restschuldbefreiung erhält, in Bezug auf das nach Ablauf der Zeit noch einbehaltene Einkommen nicht schlechter gestellt wird wie bei einer regulären Restschuldbefreiung. Wäre es nämlich so, hinge es von der Arbeitsweise des Gerichts ab, wie lange noch pfändbares Einkommen über die 3 oder 5 Jahre hinaus in die Masse kommt. Ich kenne Verfahren, bei denen – ohne nachvollziehbarer Notwendigkeit – die Restschuldbefreiung erst ein Jahr später erteilt wurde; man stelle sich also vor, was das für praktische Auswirkungen hätte. Aber man muss auch sagen, dass auch dieses Problem hinreichend gut lösbar wäre, wenn der Gesetzgeber sich durchringen könnte, eine Insolvenzordnung aus einem Guss zu schaffen, anstatt immer nur nachzubessern und anzuheften. Inzwischen ist es so, dass man die Grundlage der Insolvenzordnung nicht mehr aus dem Gesetz selbst verstehen kann, also immer Fachbücher dazu braucht. Das spricht nicht unbedingt für die Qualität der Insolvenzordnung. Allerdings sollten Gerichte, die das Gesetz anwenden, es schon richtig machen.
26. November 2019 at 17:04
Ihr seid ein top Ratgeber und klärt offene Fragen sehr zeitnah. Macht weiter so, jetzt weiß ich woran ich bin und mich verhalten muss/soll.
26. November 2019 at 08:39
so wie jeder hier möchte ich mich auch schonmal im Voraus bedanken. Alleine schon weil sie das Insolvenzrecht mal richtig auseinander pflücken, was es leichter macht dieses zu verstehen.
Nun zu meinem Anliegen: Ich bin am 18.11.2016 in die Privatinsolvenz gekommen. Da die Gerichtskosten und 35% der Insolvenzmasse durch Gehaltspfändung getilgt wurde, habe ich ein Antrag auf Restschuldbefreiung gestellt. Nicht mal eine Woche später bekam ich ein Brief vom Amtsgericht dass Gläubiger und Treuhänder einen Monat Zeit haben Widerspruch durch ein Versagungsantrag zu stellen. Dies ist nach Anfrage beim Amtsgericht nicht geschehen. Wenn ich es richtig verstanden habe kann ich ab dem Zeitpunkt des Stichtages, dem 18.11.2019, gepfändete Beträge geltend machen so dass sie mir zurückgeführt werden? Was ich darüber hinaus noch gern wissen möchte, ist ob dies über einen seperaten Antrag oder über mein Treuhänder geregelt werden muss?
Vielen Dank für ihre Bemühungen und den ausführlichen Beschreibung jeder Problematik!
ANTWORT: bis zur Entscheidung über die Restschuldbefreiung (bzw. der Rechtskraft des Restschuldbefreiungsbeschlusses) behält der Treuhänder weiter die pfändbaren Beträge ein, allerdings bekommen Sie die, sofern es den Zeitraum ab Ablauf des 5. Jahres betrifft, dann tatsächlich zurückgezahlt. Dies ergibt sich aus dem Verweis auf § 300a InsO (vergleiche § 300 Abs. 4 InsO, analoge Anwendung des § 300a InsO). Demnach werden diese Beträge weiter eingezogen (was auch Sinn macht, da zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststeht, ob Sie die Restschuldbefreiung wirklich schon vorzeitig erhalten und die Abtretung vorzeitig endet), werden aber gemäß § 300a Abs. 2 Satz 2 InsO nach Beschluss dann ausgezahlt. Das ergibt sich unmittelbar aus der gesetzlichen Regelung, weshalb man dafür nicht zusätzlich einen Antrag stellen muss.
26. Oktober 2019 at 22:30
Vielen lieben Dank für die schnelle Antwort. Ich habe halt bei Ihnen schreiben gesehen wegen der Restschuldbefreiung und was man am besten schreiben sollte.
Ich wollte nur wissen ob ich zu diesem Schreiben meine Verdienstbescheinigungen und Kontoauszüge dazu legen soll. Ihr seid ein tolles Team. Liebe Grüße
ANTWORT: Nein, Die Kontoauszüge spielen für diesen Antrag keine Rolle. Bei der vorzeitigen Restschuldbefreiung sind nur zwei Dinge wichtig: 1. dass man den Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung stellt und 2. die Kosten des Verfahrens erledigt sind. Das Konto (und der Kontostand) sind allenfalls in der Insolvenz von Bedeutung, also bis zum Beginn der Wohlverhaltensphase oder wenn man die weitere Stundung der Kosten beantragen muss. Aber Letzteres kommt in Ihrem Fall nicht in Frage, denn dann könnten Sie den Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung jetzt ja nicht stellen.
26. Oktober 2019 at 15:20
Sehr geehrte Damen und Herren, Ich habe von meinem Insolvenzverwalter er in schreiben bekommen, in dem ich meinen Anteag auf Restschuldbefreiung dem Örtlichem Insovenzgericht schicke. Meine Frage nun, da in dem Brief steht “300 Abs. 1 Satz 2, 3. ” Was heißt das für mich und was muss ich zu dem Schreiben noch dazu legen?
ANTWORT: Aus dem Hinweis auf § 300 Abs. 1 Satz 2 Ziff. 3 InsO entnehme ich, dass Ihr Insolvenzverwalter bzw. Treuhänder auf die Möglichkeit hingewiesen hat, nach 5 Jahren (und damit ein Jahr vor der regulären Zeit) die Restschuldbefreiung zu beantragen und zu erhalten; nichts anderes sagt die zitierte Gesetzesstelle aus. So ganz verstehe ich Ihre Frage leider (sprachlich) nicht, aber falls es darum geht, wie Sie so einen Antrag stellen können, dann möchte ich Ihnen unseren Artikel “Restschuldbefreiung steht bevor – was ist zu beachten?” empfehlen.
24. Oktober 2019 at 16:16
Ich habe im Jahre 2014 den Antrag auf Privatinsolvenz über die Schuldnerberatung gestellt und er wurde genehmigt und das Insolvenzverfahren eröffnet. Jetzt wurde mir vom Insolvenzverwalter mitgeteilt, dass ich bis spätestens 15. November 2019 ( 5 Jahre) den Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung beim Insolvenzgericht stellen kann, da alle Verfahrenskosten durch Pfändung meines Gehaltes erledigt sind.
Desweiteren ist wichtig, dass 2 Gläubiger damals im Jahre 2014 mich wegen Betruges angezeigt haben und ich im Jahre 2015 diesbezüglich verurteilt wurde. Damit hat man mir beim Gericht mitgeteilt, dass diese beiden Gläubiger auch nach der Restschuldbefreiung Möglichkeit haben ihre offene Schuld weiterhin durch Pfändung eintreiben können.
Jetzt meine Frage: Ist es für mich nicht besser auf die vorzeitige Restschuldbefreiung zu verzichten und auf das Ende nach den offiziellen 6 Jahren abzuwarten, denn ansonsten könnten die beiden betreffenden Gläubiger mich sofort wieder pfänden, was aufs Gleiche rauskommt, und ich müsste wieder alles neu regeln, jedoch mit dem Abwarten der offiziellen Restschuldbefreiung nach 6 Jahren hätte ich noch 1 Jahr Ruhe.
Was empfehlen Sie mir als Experte ????
ANTWORT: ja, das ist wirklich eine schwierige Frage, da letztlich beide Optionen nicht so wahnsinnig toll sind. Die vorzeitige Restschuldbefreiung würde Ihnen natürlich ermöglichen, sich jetzt schon mit den Gläubigern auseinanderzusetzen, von deren Forderungen Sie nicht restschuldbefreit werden. Letztlich ist es ja so, dass Sie spätestens nach dem 6. Jahr ohnehin vor dieser Wahrheit stehen werden. Sollten Sie in diesem einen Jahr monatlich pfändbare Beträge an den Insolvenzverwalter abführen (wenn Sie den Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung nicht stellen), dann sehe ich den Vorteil, den Sie mit dem Abwarten des 6. Jahres erkaufen, nicht mehr. Denn dieses Geld könnte dann ja schon in die Befriedigung der Deliktsgläubiger fließen. Natürlich hängt es auch davon ab, wie hoch diese Forderungen sind. Ich will nur darauf hinweisen, dass dieses eine Jahr nicht unbedingt sehr viel Ruhe erzeugt, dafür geht es einfach auch zu schnell herum und die Gläubiger haben in der Regel sehr viel Geduld, solange sie auf Geld hoffen können. Aber, um es ganz klar zu sagen, wenn es Ihnen ein Bedürfnis ist, vor dem neuen Orkan noch ein Jahr Ruhe zu haben und alles reiflich überdacht haben, dann spricht – Vorteil hin, Nachteil her – nichts dagegen. Die objektive Seite ist dann auch gar nicht so wichtig.
Sz. Markus
Hallo,die Abrechnung ist schon erfolgt.Sie wird immer im Juli ausgekehrt.Ich bekomme dann immer einen Kontoauszug von meinem Anderkonto.Wenn das nicht vorzeitig geht heiß das dass ich bis nächtes Jahr fast 10000 € angespart habe.Und die wahrscheinlich nicht mehr zurück bekomme?
ANTWORT: Naja, bei 100% ist für die Gläubiger Schluss, der Rest (immer abzgl. ggf. noch offener Kosten) muss dann an Sie zurückgezahlt werden. Wenn dieser Punkt erreicht ist, sollte der TH/IV von selbst aufhören, Geld einzuziehen. Aber wie es oft ist: Das Gericht überwacht (ofenbar) die Arbeit Ihres TH sehr lax.
8. Oktober 2019 at 17:38
Sehr geehrte Damen und Herren,mein Insovenzverfahren wurde eine Woche vor dem 01.07.2014 eröffnet. Also altes Verfahren.Letzten Monat habe ich eine Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung gestellt, dieser wurde abgelehnt weil ich nur 99,2 % der Gläubiger bedient haben soll. Es fehlen noch 299 € Da aber auf meinem Anderkonto bis jetzt schon wieder fast 5289,00 € befinden habe ich vor 2 Wochen einen neuen Antrag gestellt. (Nach Rücksprache mit dem Amtsgericht sollte ich diesen stellen) Gerichtskosten sowie Verfahrenkosten sind gedeckt. Meine Frage an das Amtsgericht waren warum wurden von der TH nicht die restlichen 299 € von meinem Anderkonto beglichen. Können Sie mir darauf eine Antwort geben? Und bekomme ich den Rest dann wieder? Und steht mir auch der Motivationsrabatt zu? Dieser steht in meinem Insovenzantag vom Gericht mit drin. Das mir nach 5 Jahren wenn ich mir bis dahin nichts zu Schulden komme lasse habe, einen 10% Motivationsrabatt von bis Dato Pfändbaren Einkommen zurück bekomme.
ANTWORT: Ich empfehle Ihnen, die Sachlage mit dem Treuhänder bzw. Insolvenzverwalter zu besprechen. Denn möglicherweise liegt es daran, dass die Abrechnung noch nicht erfolgt ist. Anders als bei der vorzeitigen Restschuldbefreiung nach der neuen Regelung, die für Verfahren gilt, die ab dem 01.07.2019 beantragt worden sind, ist es bei Altverfahren so, dass es dort für die vorzeitige Restschuldbefreiung (auch im Falle der Vollbefriedigung) noch keine gesetzliche Regelung gab. Allerdings hat der Gesetzgeber in Sachen Vollbefriedigung bei der Regelung in § 300 InsO letztlich nur umgesetzt, was für diese Fälle aufgrund der höchstrichterlichen Rechtsprechung vorher schon galt. Man wird also den neuen § 300 Abs. 1 Ziffer 1 InsO analog anwenden können. Und dort ist festgelegt, dass die vorzeitige Restschuldbefreiung erfolgen kann, wenn die Forderungen der Insolvenzgläubiger befriedigt sind (anders als bei § 300 Abs. 1 Ziffer 2 InsO, wo die “Möglichkeit” der Befriedigung reicht). Das ist, da das Geld ja offensichtlich noch beim Insolvenzverwalter/ Treuhänder liegt, derzeit noch nicht erfolgt. Es wäre also sinnvoll, darauf hinzuwirken.
3. Oktober 2019 at 06:07
Danke schonmal für Ihre Nachricht. Ich hatte mich verschrieben, die Abtretung lief bis 12.09.2019 und mein Gehalt habe ich am 30.09.2019 erhalten. Also wurde ja noch nach Abtretungsende überwiesen. Irgendwie erschließt sich mir das nicht?! Ich dachte es wird nur bis zur Abtretung an den Treuhänder gezahlt? Wäre das dann nicht auch Neuerwerb?
ANTWORT: Nach Auffassung des BGH kommt es darauf an, für welchen Zeitraum die Einkommen gezahlt werden. Also, nehmen wir an, Sie erhalten nach Ablauf der drei (oder fünf oder sechs) Jahre Geld für den laufenden Monat, dann müsste man den pfändbaren Teil notfalls nach Tagen aufrechnen. Ist der Lohn für den vergangenen Monat gezahlt worden, dann kann m. E. der Treuhänder noch mal zuschlagen. Ich sehe in der Praxis aber, dass dies in dem Fall, den Sie schildern, nicht immer geschieht. Zumindest hat es hat eine gewisse Konsequenz, denn die Pfändbarkeit des Einkommens wird auch sonst immer auf den Monat gerechnet, für den gezahlt wird, der tatsächliche Überweisungsmonat ist also nicht relevant (siehe dazu hier: Pfändbarkeit von Nachzahlungen). Der BGH hat da inwzischen einiges vorgegeben im Zusammenhang mit § 300a InsO und diese Sichtweise hinreichend bestätigt. Es gibt also vier Problemfälle:
1. Einkommen gezahlt für Zeit vor Ablauf der drei Jahre und Zahlung vor dem Dreijahresablauf -> ganz sicher voll abzuführen,
2. wie eben, aber Einkommen gezahlt für den laufenden Monat bzw. für die Zeit über den Dreijahresablauf hinaus -> anteilmäßig Pfändung sachgemäß (das ist aber gewiss nicht unstrittig)
3. Gezahlt nach Dreijahresablauf für Zeit davor -> pfändbar. Und
4. Es wird vor Ablauf der drei Jahre Gehalt ausschließlich für die Zeit nach Ablauf der drei Jahre gezahlt. Konsequenterweise muss man das als Abwandlung des 2. Falls ansehen -> also mE. völlige Unpfändbarkeit. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es manchen Treuhänder bzw. Rechtspfleger gibt, die das anders sehen. Nur ist das dann mit der erwähnten Ansicht des BGH nicht mehr in Übereinstimmung zu bringen.
2. Oktober 2019 at 10:25
Hallo, meine Insolvenz wurde am 13.09.2013 eröffnet. Am 15.01.2015 wurde sie aufgehoben. Jetzt am 12.08.2019 endete meine Abtretungsfrist und die Gläubiger hatten bis 20.09.2019 Zeit einen Versagungsantrag zu stellen, dies geschah jedoch nicht und ich erhielt vom Gericht rechtskräftig RSB am 25.09.219. ich habe alle Verfahrenskosten und Gerichtskosten beglichen. Merkwürdigerweise wurde mein Gehalt für September komplett gepfändet? Ist das korrekt so? Ich dachte wenn überhaupt wird nur anteilig bis 12.09.19 gepfändet? Lt. Treuhänder wäre das Rechtens? Könnte mir das jemand näher erläutern?
ANTWORT: kommt ein bisschen darauf an wann die Zahlung ihres Einkommens erfolgte. Wenn der Arbeitgeber noch vor Ende der Abtretungsfrist überwiesen bzw. den pfändbaren Teil des Lohnes abgeführt hat, sieht es schlecht aus. Eine anteilmäßige Berechnung gibt es hier nicht. Denn hier ist es wie bei der Pfändung, am ehesten vergleichbar mit dem Fall, bei dem der Gläubiger die Pfändung aufhebt. Da ist es so, dass alle Zahlungen, die vor der Aufhebung der Pfändung noch erfolgt sind, natürlich abgeschlossen sind. Erst ab Aufhebung der Pfändung ist eine weitere Überweisung an diesen Gläubiger nicht mehr möglich.
herzlichsten Dank für Ihre Ausführungen – ich habe es soweit verstanden. Was ich noch nicht verstehe bzgl. der etwaigen verkürzung ist die Tatsache, dass die Verfahrenskosten und Verwaltertätigkeit aus der einbezahlten Masse (welche ausreichend vorliegt) beglichen sein müssen. Da ja aber das Verfahren noch läuft, kann ja diese Abrechnung bzw. der Ausgleich noch nicht vorliegen bzw. getätigt sein. Also was ist Ihre Empfehlung dann in den Antrag zu schreiben? Mir liegt bis heute kein Schriftstück vor mit den Forderungen und den bisher eingezahlten aus meinem Einkommen.
ANTWORT: das können Sie beim Insolvenzverwalter oder auch beim Gericht erfragen, also ob die Berichtigung der Verfahrenskosten schon festgestellt werden kann. Dabei gilt natürlich nur der Kostenanfall bis zum Ablauf des 5. Jahres und nicht gegebenenfalls noch entstehende Kosten des Insolvenzverwalters für die danach folgende Zeit, denn die muss er ja ohnehin aus den Massezahlungen leisten, die er über die Restschuldbefreiung hinaus noch erwartet bzw. erhält.
16. September 2019 at 12:49
ich befinde mich im Insolvenzverfahren seit Dez. 2015. Demnach gilt ja die neue Regelung. Wir reden über ca. 60 T€ an Forderungen. Nun zu meinem Problem. Es gibt einen Posten aus einem führen Arbeitsverhältnis (insolventes Unternehmen), welcher dann nach Auszahlung in die InsoMasse fließen würde. Demnach wird mein eigentliches Verfahren noch nicht beendet. Nach Rücksparche mit dem Insolvenzverwalter ist es sogar möglich, dass sich mein Verfahren über 6 Jahre hinaus verlängert. Ich habe mittlerweile um die 15T€ an pfänbaren Einkommen abgegeben, demnach würde ich gerne auf 5 Jahre verkürzen. Ist die Verkürzung trotz noch eröffnetem Verfahren möglich? es ist m.E. nach genug Masse da, um die Gerichtskosten und Insoverwalter zu bezahlen, jedoch wird es nicht bezahlt, da ja das verfahren noch läuft.
Danke herzlich für eine Prüfung.
ANTWORT: Also, man muss unterscheiden. Der normale (zeitliche) Gang ist der: Insolvenzeröffnung -> Aufhebung der Insolvenz -> Wohlverhaltensphase -> Restschuldbefreiung. Aufhebung der Insolvenz und Wohlverhaltensphase gehören hier zusammen. Denn in der Regel ist das Insolvenzverfahren beendet, lange bevor die Restschuldbefreiung erfolgen kann (meist schon ein Jahr nach Eröffnung). Deshalb wird dann die Restzeit bis zur Restschuldbefreiung mit der sog. Wohlverhaltensphase aufgefüllt. Bei Ihnen tritt ein seltener Fall ein, bei dem es so aussieht: Eröffnung der Insolvenz -> Restschuldbefreiung (also ganz ohne vorherige Insolvenzaufhebung und Wohlverhaltensphase). D.h. aber auch, dass Sie die Restschuldbefreiung erhalten (auch die vorzeitige!), auch wenn die Insolvenz noch nicht beendet wurde. Das genau ist das, was § 300a InsO (in der direkten Anwendung) regelt. D.h. die Massezugehörigkeit dieser Position besteht noch (vgl. § 300 Abs. 1 Satz 2, 3. Alt. InsO), aber Sie sind trotzdem “draußen”, denn § 300 InsO sieht als Voraussetzung für die Erteilung der Restschuldbefreiung nicht vor, dass die Insolvenz zuvor aufgehoben ist (das war ganz früher einmal anders, als die Insolvenz zeitlich unbegrenzt dauern konnte und erst danach sieben Jahre Wohlverhaltensphase einsetzten – das ist schon seit gut 20 Jahren nicht mehr so). Im Endeffekt bedeutet das also nur, dass diese Position (Posten aus einem führen Arbeitsverhältnis) durch die Restschuldbefreiung nicht an Sie zurückfällt.
22. August 2019 at 13:47
Eine Frage hätte ich zum Zeitpunkt der Antragstellung der RSB. Kann ich den Antrag nicht einfach schon ein Jahr vorher stellen, um sicher zu gehen das ich auch die Bewilligung rechtzeitig bekomme.
ANTWORT: Sie können den Antrag jederzeit stellen, allerdings wird das Gericht ihn zurückweisen, wenn die Voraussetzungen noch nicht gegeben sind. Um zu verhindern, dass ein sehr früh gestellter Antrag allein wegen des zeitlichen Abstands als “zur Zeit unzulässig” zurückgewiesen wird, kann man im Antrag anführen, dass das Gericht über den Antrag erst entscheiden soll, wenn der zeitliche Ablauf entsprechend erfolgt ist. Dann legt das Gericht den Antrag weg und holt ihn wieder hervor, sobald der Zeitpunkt für eine Entscheidungsfähigkeit erreicht ist. Das ist nicht das Problem. Kniffliger ist, ob man bereits ein Jahr früher nachweisen kann, dass die Voraussetzungen tatsächlich für die Restschuldbefreiung in einem Jahr gegeben sind. Das betrifft insbesondere die Kosten, denn es können ja in diesem einen Jahr noch weitere Kosten entstehen. Aber, wenn auch das schon jetzt geklärt sind, Sie das tatsächlich also bereits zum jetzigen Zeitpunkt nachweisen können, steht einem Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung nichts entgegen. Wie gesagt, auch dann wird das Gericht erst entscheiden, wenn die Zeit erreicht ist. Vielleicht noch eines: dass das Gericht nach Ablauf der 3 bzw. 5 Jahre schneller entscheidet, weil der Antrag ein Jahr früher abgegeben wurde (statt z. B. 4 Wochen vorher), ist zumindest nach meiner praktischen Erfahrung nicht der Fall. Sie könnten unter Umständen (das hängt aber sehr von Ihrem Insolvenzgericht ab) die Situation vorfinden, dass Sie den Antrag ein Jahr früher abgegeben haben, das Gericht den Anhörungsbeschluss für die Gläubiger gleichwohl erst einen Monat nach Ablauf der 3 bzw. 5 Jahre erlässt.
24. Juni 2019 at 14:13
Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für Ihre informativen´, gut nachvollziehbaren und sehr hilfreichen Ausführungen. Bezüglich der vorzeitigen Restschuldbefreiung nach fünf Jahren habe ich aber noch eine Frage: wird die Neuerwerbsregelung von Gerichten und Insolvenzverwaltern bzw. Treuhändern automatisch berücksichtigt oder müssen hierfür zusätzliche Anträge gestellt bzw. Hinweise gegeben werden. Im letzteren Fall wäre eine Formulierungshilfe super. Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus, mit freundlichen Grüßen R. Tiez
ANTWORT: Ihre Frage ist durchaus berechtigt. Zwar habe ich versucht, in dem obigen Artikel darzulegen, dass es rechtlich so geregelt ist, dass der Neuerwerb rückwirkend auf den Zeitpunkt der 5 Jahre hin gesetzt, also ab diesem Zeitpunkt noch einbehaltene Gelder an den antragstellenden Schuldner ausgezahlt werden müssen (sofern tatsächlich die vorzeitige RSB erteilt wird). Allerdings ist die gesetzliche Regelung offenbar für einige Rechtspfleger zu schwierig, denn ich habe auch schon von Fällen gehört, wo Gerichte der Meinung waren, dass noch bis zur eigentlichen Restschuldbefreiung einbehaltene Gelder verteilt werden können. Das ist in jedem Falle falsch. Es gibt hier nur eine Einschränkung, die ich oben auch schon erwähnt habe: Einige Gerichte sind der Meinung, dass der Neuerwerb frühestens ab dem Zeitpunkt angenommen werden kann, an dem der Antrag gestellt wird. Ich halte diese Auffassung zwar für falsch, aber doch zumindest für vertretbar. Da es in dieser Frage nach meiner Kenntnis noch keine höchstrichterliche Rechtsprechung gibt, wäre es sinnvoll, es nicht darauf ankommen zu lassen. Es ist also sinnvoll, den Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung vor Ablauf des 5. Jahres einzureichen, damit es zu diesem Problem nicht kommen kann. Aber alle Einbehalte des Treuhänders nach diesem Zeitpunkt (dem 5. Jahr bzw. dem Zeitpunkt der Antragstellung, wenn diese nach dem 5. Jahr erfolgt) müssen Sie mit Erteilung der Restschuldbefreiung zurückgehalten. In der Praxis kann man das in die Antragstellung mit einfließen lassen (“…weiter wird beantragt, die ab dem 5. Jahr dem Treuhänder noch zugeflossenen pfändbaren Einkommensanteile an den Antragsteller zurückzuzahlen). – Nötig ist das aber nicht, und es könnte gut sein, dass das Gericht den Antrag ignoriert, weil sich das Begehren bereits aus dem Gesetz ergibt. Aber erfahrungsgemäß schadet der Antrag auch nicht.

References: §300
 § 300
 § 302
 § 300
 Art. 3
 § 299
 § 300
 § 300
 § 300
 § 300
 § 300
 § 300
 § 300
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 § 300
 § 300
 § 300
 § 300
 § 300
 BGH 
 BGH 
 § 300
 BGH 
 § 300
 § 300
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