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Timestamp: 2018-05-22 21:37:24+00:00

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Alles zum Thema E-Bilanz: Ziele, Grundlagen,Taxonomie und Strategie - Bundesanzeiger Verlag
Hier informieren wir Sie umfassend zum Thema E-Bilanz. Wir erläutern Ihnen, welche Ziele die Finanzverwaltung mit der Einführung der E-Bilanz verfolgt. Es wird auf Rechtsgrundlagen und deren Anwendungsbereich eingegangen ebenso wie auf Steuertaxonomien und Strategien zur konkreten Umsetzung.
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Interview zur E-Bilanz
Ziele der Finanzverwaltung für die Einführung einer E-Bilanz
Aufgrund der Einführung des § 5b EStG sind die Inhalte der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung künftig durch eine Datenfernübertragung an die Finanzverwaltung zu übermitteln. Die entsprechenden Datensätze müssen dabei einer von der Finanzverwaltung vorgeschriebenen Taxonomie entsprechen.
Die E-Bilanz führt zu einer veränderten Praxis der Steuerdeklaration und Kommunikation mit der Finanzverwaltung! Die E-Bilanz wird faktisch die zentrale Kommunikationsgrundlage zwischen bilanzierendem Steuerpflichtigen und der Finanzverwaltung!
Während der Bilanzierende bisher seine Steuerbilanz manuell an das Finanzamt versendet hat, und die entsprechenden Daten dort manuell erfasst wurden, um sie anschließend weiterverarbeiten zu können, soll – durch die E-Bilanz – eine direkte Weiterverarbeitung durch die Finanzverwaltung ermöglicht werden. Dies soll zum einen die Fehlerquelle der manuellen Eingabe verringern, gleichzeitig soll durch einen einheitlichen Datensatz die Auswertbarkeit – z.B. für Zwecke der steuerlichen Außenprüfung – der entsprechenden Information ermöglicht werden.
Damit die Kommunikation zwischen dem Steuerpflichtigen und der Finanzverwaltung hinsichtlich der Abgabe von Steuerklärung, E-Bilanzen etc. und der Steuerveranlagung durch das Finanzamt problemlos erfolgen kann, ist eine Datenkonsistenz von grundlegender Bedeutung.
Rechtsgrundlage für die Abgabe einer E-Bilanz ist grundsätzlich § 5b EStG. Mit dem BMF-Schreiben zur elektronischen Übermittlung von Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen – Anwendungsschreiben zur Veröffentlichung der Taxonomie vom 28.09.2011 (IV C 6 – S 2133-b/11/10009) – wurden die gesetzlichen Regelungen mit Leben gefüllt.
Hinsichtlich der Anwendungsvoraussetzungen für die Abgabe einer E-Bilanz entsprechend der steuerlichen Taxonomie wird dabei zwischen drei unterschiedlichen Anwendungsvoraussetzungen unterschieden, nämlich dem persönlichen, dem sachlichen sowie dem zeitlichen Anwendungsbereich.
Zur Abgabe einer E-Bilanz sind alle Unternehmen verpflichtet, die ihren Gewinn durch einen Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1, § 5 oder § 5a EStG ermitteln. Die Regelungen des BMF-Schreibens vom 28.09.2011 gelten dabei sowohl rechtsform- als auch größenunabhängig.
Zusätzlich sind Steuerpflichtige, die freiwillig eine Steuerbilanz aufstellen, ebenfalls zur Abgabe einer E-Bilanz verpflichtet. Besondere Erleichterungsvorschriften gelten auch für diese Unternehmen nicht.
In der E-Bilanz sind neben den Inhalten der Bilanz auch die der Gewinn- und Verlustrechnung zu übermitteln, sofern diese Rechenwerke nach den handels- oder steuerrechtlichen Regelungen aufzustellen sind oder aufgestellt werden.
Bestandteil der Datenübermittlung im Rahmen der E-Bilanz können dabei folgende Berichtsbestandteile sein (nicht kumulativ):
handelsrechtliche Gewinn- und Verlustrechnung,
steuerliche (bilanzielle) Überleitungsrechnung,
Steuerbilanz (entsprechend der Taxonomie einschließlich der Gewinn- und Verlustrechnung).
Zusätzlich zur jährlich aufzustellenden und abzugebenden E-Bilanz sind Steuerpflichtige auch in folgenden Situationen zur Abgabe einer E-Bilanz verpflichtet:
Betriebsveräußerungen oder Betriebsaufgaben,
Änderung der Gewinnermittlungsart,
Sofern die vorstehenden Sachverhalte in Zeitpunkten nach dem 31.12.2012 auftreten, ist bereits für diese Zeitpunkte eine E-Bilanz abzugeben.
§ 5b EStG schreibt die erstmalige Abgabe einer E-Bilanz für Geschäftsjahre vor, die nach dem 31.12.2010 beginnen. Durch die Anwendungszeitpunktverschiebungsverordnung vom 20.12.2010 sowie der Nichtbeanstandungsregelung des BMF-Schreibens vom 28.09.2011 ist die erstmalige Übermittlung einer E-Bilanz grundsätzliche für Wirtschaftsjahre erforderlich, die nach dem 31.12.2012 beginnen – damit also für den Veranlagungszeitraum (VAZ) 2013. Für Unternehmen, bei denen das Wirtschaftsjahr dem Kalenderjahr entspricht und das Wirtschaftjahr kein Rumpfgeschäftsjahr ist, gilt damit, dass sie ihre erste E-Bilanz zum 31.05.2014 abzugeben haben. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig.
Abbildung: zeitlicher Anwendungsbereich
Ausnahmen vom oben beschreiben Anwendungszeitpunkt gelten für folgende Sachverhalte:
Ausländische Betriebsstätten inländischer Unternehmen:
Für ausländische Betriebsstätten braucht die E-Bilanz erst für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2014 beginnen, abgegeben zu werden. Dies bedeutet, dass für den VAZ 2015 erstmals eine E-Bilanz für das gesamte Unternehmen erfolgen muss. Zuvor, d.h. ab dem VAZ 2013 ist eine E-Bilanz abzugeben, in der die inländischen Betriebsstätten enthalten sind, für die ausländischen Betriebsstätten ist zusätzlich eine Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung – soweit diese nicht in der E-Bilanz berücksichtigt sind – in Papierform abzugeben. Diese in Papierform abgegebene Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung brauchen im Übergangszeitraum nicht der Taxonomie zu entsprechen.
Inländische Betriebsstätten ausländischer Unternehmen:
Die abzugebende E-Bilanz beschränkt sich auf die inländische Betriebsstätte als unselbstständiger Teil des Unternehmens. Die Abgabe einer E-Bilanz und damit die Anwendung der Taxonomie ist für diese Betriebsstätten erstmals verpflichtend für Wirtschaftsjahre erforderlich, die nach dem 31.12.2012 beginnen, damit ab dem VAZ 2015.
Kapitalkontenentwicklung bei Personenhandelsgesellschaften:
Die Übermittlung der Kapitalkontenentwicklung der Mitunternehmer einer Personenhandelsgesellschaft ist erstmals für Wirtschaftsjahre, die ab dem 31.12.2014 beginnen, zwingend erforderlich. Zuvor verlangte die Finanzverwaltung, dass im Berichtsteil „Bilanz“ der E-Bilanz die Kapitalkontenentwicklung zusammengefasst nach Gesellschaftergruppen in den entsprechenden Mussfeldern dargestellt wird.
Sonder- und Ergänzungsbilanzen:
Für Sonder- und Ergänzungsbilanzen wird für Wirtschaftsjahre, die vor dem 01.01.2015 enden, nicht beanstandet, wenn diese im Datensatz der Gesamthand im Freitext „Sonder- und Ergänzungsbilanzen“ im Berichtsteil „Steuerliche Modifikationen“ übermittelt werden.
Unbeschränkt körperschaftsteuerpflichte Körperschaften, deren Befreiung von der Köperschaft- oder der Gewerbesteuer sich lediglich auf einen Teil der Einkünfte der Körperschaft bezieht und von der Körperschaft eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung aufzustellen sind:
Die Übermittlung einer E-Bilanz hat für diese Körperschaften für Wirtschaftsjahre zu erfolgen, die nach dem 31.12.2014 beginnen – also dem VAZ 2015.
Juristische Personen des öffentlichen Rechts mit Betrieben gewerblicher Art:
Auch diese juristischen Personen dürfen für Wirtschaftsjahre, die vor dem 31.12.2014 beginnen, ihre Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung in Papierform ohne Berücksichtigung der Taxonomie einreichen. Ab dem VAZ 2015 ist zwingend eine E-Bilanz zu übermitteln.
Die Taxonomie und XBRL
Taxonomie leitet sich aus dem altgriechischen Begriff taxis (Ordnung) und nomos (Gesetz) ab und stellt ein Klassifizierungsschema dar. Im Zusammenhang mit der E-Bilanz stellt die Taxonomie das vorgeschriebene Datenschema für die E-Bilanz-Daten dar.
Grundsätzlich besteht für die E-Bilanz eine sogenannte Kerntaxonomie, welche die Positionen beinhaltet, die für alle Rechtsformen anzugeben sind. Die Kerntaxonomie hat dabei folgende Varianten:
Einzelunternehmen nach Gesamtkostenverfahren,
Körperschaften nach Gesamtkostenverfahren,
Personengesellschaften nach Gesamtkostenverfahren,
Gewinn- und Verlustrechnung nach Umsatzkostenverfahren (Ergänzung/Überleitung),
Sonstige, freiwillig nutzbare Berichtsbestandteile.
Neben der Kerntaxonomie bestehen für bestimmte Brachen weitere Angabepflichten, welche in Spezial- bzw. Ergänzungstaxonomien abgebildet sind. Während Spezialtaxonomien die Kerntaxonomie ersetzen, gelten Ergänzungstaxonomien – entsprechend ihres Namen – zusätzlich zur Kerntaxonomie.
Zusatztaxonomien
Jede E-Bilanz besteht dabei jeweils aus zwei Modulen – dem sogenannten GCD-Modul (Global Common Data-Modul), sowie dem GAAP-Modul (Generally Accepted Accounting Principles-Modul). Während im GCD-Modul insbesondere Stammdaten des Unternehmens wie z.B. der Name, die Rechtsform oder die Steuernummer anzugeben sind, beinhaltet das GAAP-Modul Angaben zum steuerlichen Jahresabschluss.
Abbildung Übermittlung der E-Bilanz Daten
Gemeinsam bilden das GCD- und das GAAP-Modul die E-Bilanz, welche als XBRL-Datensatz an die Finanzverwaltung zu übermitteln ist. Der Umfang der entsprechenden Taxonomien kann unter www.esteuer.de oder www.abra-search.com abgerufen werden.
Zu beachten ist, dass die Taxonomien unterschiedliche Arten von Feldern kennen:
Unzulässig in der Handelsbilanz
Diese Positionen dürfen im E-Bilanz-Datensatz nicht enthalten sein (beispielsweise Firmenwert im Konzernabschluss (§ 309 HGB), steuerliche Ausgleichsposten).
Unzulässig in der Steuerbilanz
Diese Positionen dürfen in der Steuerbilanz nicht enthalten sein.
Wenn eine Handelsbilanz übermittelt wird, sind diese Positionen in der steuerlichen Überleitungsrechnung zwingend durch Umgliederungen zu korrigieren (beispielsweise latente Steuern gemäß § 274 HGB, aktivierte selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände).
Bestimmen den Mindestumfang des amtlichen Datensatzes.
Zwingende Eingabe erforderlich, ggf. „NIL-Wert“ (not in list).
Mussfelder, Kontennachweis erwünscht (Angabe von Kontonummer, Kontobezeichnung und Stichtagssaldo aller in die Position einfließenden Konten der Finanzbuchhaltung; XBRL-Format).
Mussfelder, rechnerisch notwendig, soweit vorhanden (Achtung: Folgewirkung, wenn eine dieser Positionen auf der jeweiligen Unterebene vorhanden ist).
Mussfelder Kontennachweis erwünscht
Position selbst ist Mussfeld; Finanzverwaltung wünscht zusätzlich einen Kontennachweis.
Kontennachweis beinhaltet: Kontonummer, Kontenbezeichnung sowie Saldo zum Stichtag (aller in diesen Posten einfließenden Konten der Finanzbuchhaltung).
Summenmussfelder
Oberposition, die mit den Feldern der darunter liegenden Ebene(n) rechnerisch verknüpft ist.
Hintergrund: Vermeidung von Eingriffen in Buchungspraxis trotz Standardisierung der Steuerbilanz/-Gewinn- und Verlustrechnung.
Nutzung: Nur wenn Mussfelder-Differenzierung aus der Buchhaltung (?Konto der Finanzbuchhaltung) nicht ableitbar.
Ziel: Rechnerische Richtigkeit des Datensatzes.
Die Auffangpositionen sollen voraussichtlich nur übergangsweise genutzt werden können. Über den Verbleib einzelner Auffangpositionen soll am Ende der Einführungszeit (spätestens 2017) entschieden werden.
Die aktuelle veröffentlichte Taxonomie ist die Taxonomie 5.2 vom 30.04.2013. Diese ist unter www.esteuer.de abrufbar und gilt seit dem entsprechenden BMF-Schreiben vom 27.06.2013. In einem BMF-Schreiben vom 05.06.2012 wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass eine Taxonomie grundsätzlich für ein Wirtschaftsjahr zu verwenden ist und dass regelmäßig erforderliche Aktualisierungen der Taxonomie von der Finanzverwaltung vorgenommen werden.
Im Folgenden werden beispielhaft zwei Problembereiche dargestellt, die sich bei der Anwendung der Taxonomie ergeben können:
Im Bereich der Beteiligungen war es bisher in der Praxis häufig der Fall, dass keine Aufteilung der Beteiligungen nach Personenhandelsgesellschaften, Kapitalgesellschaften, typisch stillen Beteiligungen und atypisch stillen Beteiligungen erfolgte. Künftig hat der Bilanzierende zu entscheiden, ob er eine entsprechende Aufteilung gemäß der Taxonomie vornimmt oder er ob die Auffangposition „sonstige Beteiligungen, nicht zuordenbar“ in Anspruch nimmt.
Abbildung: Problembereiche
Bei anderen Positionen – z.B. im Bereich des Personalaufwands – stellt sich häufig das Problem, dass es sich z.B. bei der Vergütung des Gesellschafter-Geschäftsführers um vertrauliche Informationen handelt, und durch die Einführung der Konten in der Finanzbuchhaltung entsprechend der Taxonomie diese Informationen für die Buchhaltungsmitarbeiter ersichtlich wären. Auch hier ist zu überlegen, ob die entsprechenden Informationen direkt in der Finanzbuchhaltung abgebildet werden sollen, die Auffangposition in Anspruch genommen werden soll oder eine Umbuchung ggf. auf anderer Ebene (z.B. durch den Steuerberater) erfolgen soll.
Das Format, in dem die vorgenannten Datensätze an die Finanzverwaltung zu übermitteln sind, nennt sich XBRL (eXtensible Business Reporting Language). Es handelt sich hierbei um einen universellen, auf der Web-Sprache XML basierenden Standard zur Verbesserung, der Erstellung, Verbreitung, Veröffentlichung und Analyse von Finanzinformationen. Das XBRL-Format kommt bereits heute im Bereich der Offenlegung von Unterlagen beim Bundesanzeiger zur Anwendung.
In diesem Datenformat werden den einzelnen Elementen der E-Bilanz, wie beispielsweise den Positionsbezeichnungen oder den einzelnen Beträgen, bestimmte Eigenschaften z.B. die Anzahl an Nachkommastellen oder die Währung zugeordnet. Eine eindeutige Auswertung der in der E-Bilanz übermittelten Daten ist lediglich durch ein Zusammenspiel der im GCD-Modul sowie der im GAAP-Modul erfassten Daten möglich. Nähere Informationen zu XBRL können bei XBRL Deutschland e.V. unter www.xbrl.de abgerufen werden.
Strategie zur Umsetzung der E-Bilanz
Es gibt unterschiedliche Varianten, nach denen die E-Bilanz an die Finanzverwaltung übermittelt werden kann. Hierbei ist insbesondere zu unterscheiden, ob Abweichungen zwischen der Handels- und der Steuerbilanz bestehen. Bestehen keine derartigen Abweichungen, entspricht die Handelsbilanz also der Steuerbilanz, ist diese an die Finanzverwaltung zu übermitteln. Sofern Abweichungen zwischen der steuerlichen und der handelsrechtlichen Rechnungslegung beim Unternehmen bestehen, hat das Unternehmen ein Wahlrecht: Entweder es übermittelt eine eigene Steuerbilanz oder es übermittelt eine Handelsbilanz einschließlich einer steuerlichen Überleitungsrechnung. Die Entscheidung hat dabei das Unternehmen zu treffen.
Abbildung: Übermittlungsvarianten
Im Zusammenhang mit der Art und Weise, in der das Unternehmen seine E-Bilanz übermittelt, ist zunächst zu überlegen, ob das Unternehmen selbst die Ermittlung der handels- und steuerlichen Abweichungen sowie der Übermittlung der E-Bilanz vornimmt, oder ob es seinen steuerlichen Berater mit den entsprechenden Aufgaben betraut. Auch wenn die Übermittlung sowie die erforderlichen Buchungen durch den steuerlichen Berater erfolgen, muss das Unternehmen dem Berater im Zweifel die erforderlichen Informationen für die Überleitung der Handels- auf die Steuerbilanz zur Verfügung stellen.
Insbesondere für den Fall, dass ein Unternehmen die Erstellung der E-Bilanz selbst übernimmt, hat es zu entscheiden, auf welche technische Art und Weise es die Abweichungen zwischen der Steuer- und der Handelsbilanz darstellen möchte. Sofern sich das Unternehmen zur originären Erstellung einer Steuerbilanz entscheidet, hat es – sofern sich Handels- und Steuerbilanz nicht entsprechen – zum einen die Möglichkeit die Steuerbilanz über eine Single-Ledger-Lösung abzubilden, zum anderen kann es diese über eine Multi-Ledger-Lösung abbilden. Die Anzahl der Ledger definiert dabei, wie viele Hauptbücher innerhalb eines Buchungskreises bestehen. So können in einem Buchungskreis beispielsweise ein Ledger für handelsrechtliche Zwecke, einer für die Steuerbilanz und ein dritter für die Bilanzierung nach IFRS verwenden werden.
Bei Anwendung der Single-Ledger-Lösung bestehen einerseits Konten, auf denen Sachverhalte erfasst werden, die sich handels- und steuerrechtlich entsprechen. Andererseits gibt es Konten, die nur für handelsrechtliche Zwecke genutzt werden, respektive Konten, die nur für steuerliche Zwecke genutzt werden. Besteht ein Sachverhalt sowohl handels- als auch steuerrechtlich, führt dies bei Anwendung der Single-Ledger-Lösung dazu, dass der Sachverhalt zweimal zu erfassen ist. Auf den handelsrechtlichen Konten werden die vollen handelsrechtlich erforderlichen Beträge erfasst, während auf den steuerrechtlichen Konten die vollen Beträge, die für die Steuerbilanz eine Rolle spielen, gebucht werden.
Anders ist das Vorgehen bei der Multi-Ledger-Methode. Hierbei besteht lediglich ein Kontenplan. Ob der auf einem Konto gebuchte Sachverhalt entweder in der Handels-, in der Steuerbilanz oder in beiden Bilanzen abgebildet wird, hängt dabei von dem angesprochenen Ledger ab, das Konto ist das Gleiche. Sachverhalte die nach beiden Rechnungslegungsstandards gleich behandelt werden, werden automatisch auf beiden Ledgern gebucht. Für Sachverhalte die in der Handels- bzw. der Steuerbilanz unterschiedlich abgebildet werden müssen, gibt es bei der Multi-Ledger-Lösung zum einen die Brutto- zum anderen die Nettomethode.
Während bei Anwendung der Bruttomethode für die Sachverhalte, bei denen Abweichungen bestehen, die absoluten Beträge zum einen auf dem Steuerledger zum anderen auf den handelsrechtlichen Ledger gebucht werden, erfolgt bei Anwendung der Nettomethode zum einen die Buchung eines Basiswerts (z.B. der handelsrechtliche Betrag) und auf dem gesonderten Ledger die Buchung des erforderlichen Differenzbetrags (z.B. für den steuerlichen Betrag).
Welche der oben genannten Lösungen für das Unternehmen am Geeignetsten ist, hängt zum einem vom Buchungsverhalten des jeweiligen Unternehmens ab, zum anderen von den technischen Möglichkeiten, die das jeweiligen Buchungsprogramms bietet.
Neben der Frage der technischen Umsetzung der Abweichungen zwischen der Handels- und der Steuerbilanz, müssen sich die Steuerpflichtigen überlegen, ob in welcher Detailtiefe sie die erhöhte Granularität der E-Bilanz Taxonomie erfüllen möchten. Dabei sind grundsätzlich drei Strategien zu unterscheiden:
Maximalstrategie: Die Maximalstrategie sieht eine vollständige Umsetzung der Taxonomie einschließlich der Kannfelder sowie der freiwilligen Übermittlung der Kontennachweise vor. Auffangpositionen finden keine Anwendung. Als Vorteil der Anwendung der Maximalstrategie werden ein geringerer Aufwand bei der Erstellung der Steuererklärungen, weniger Nachfragen durch die Finanzverwaltung sowie – sofern bei den übermittelten Daten keine Auffälligkeiten bestehen – ein geringeres Risiko einer steuerlichen Außenprüfung erwartet. Außerdem sollte eine zeitnahe Steuerfestsetzung erfolgen. Als Nachteile sind insbesondere ein hoher Umstellungs- und Pflegeaufwand sowie eine hohe Transparenz gegenüber der Finanzverwaltung zu nennen.
Minimalstrategie: Die Minimalstrategie sieht keine Anpassung des Buchungsverhaltens vor. Bei der Anwendung der Minimalstrategie können zum einen die Auffangpositionen genutzt werden; dies ist immer dann möglich, wenn die Positionen nicht direkt aus der Bilanz der Gesellschaft abgeleitet werden können, d.h. die entsprechenden Buchungskonten nicht existieren. Weiterhin werden bei Anwendung dieser Strategie keine zusätzlichen Nachweise oder andere freiwillige Berichtsbestandteile an die Finanzverwaltung übermittelt. Der Vorteil für den anwendenden Steuerpflichtigen liegt im Wesentlichen in dem vorerst geringen Umstellungs- und Pflegeaufwand bei Anwendung dieser Strategie. Weiterhin besteht eine geringe Transparenz gegenüber der Finanzverwaltung. Allerdings wird als Nachteil bei dieser Vorgehensweise mit häufigen Nachfragen der Finanzverwaltung zu rechnen sein. Weiterhin besteht ein höheres Risiko für eine steuerliche Außenprüfung. Es ist zu erwarten, dass der Umfang der Auffangpositionen in den kommenden Jahren verringert wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird der Umstellungsaufwand anfallen.
Neutralstrategie: Die Neutralstrategie stellt einen Mittelweg zwischen der Maximal- und der Minimalstrategie unter Ausnutzung von Auffangpositionen dar. Bei Anwendung der Neutralstrategie werden die wesentlichen Mussfelder angegeben.
Es lässt sich somit feststellen, dass der Steuerpflichtige im Einzelfall entscheiden muss, wie er die Vorgaben der Finanzverwaltung umsetzt. Hierzu gehört einerseits neben der technischen Übermittlung der E-Bilanz im XBRL-Format auch die Umstellung des künftigen Buchungsverhaltens – insbesondere sofern handels- und steuerrechtliche Sachverhalte in einem System abgebildet werden sollen. Andererseits muss der Bilanzierende entscheiden, in welchem Umfang er die Anforderungen der Finanzverwaltung umsetzt, d.h. welche Strategie er verfolgt. Jede Strategie zur Umsetzung der E-Bilanz muss damit unternehmensindividuell definiert werden. Allgemeingültige Lösungen und Schablonen gibt es nicht.
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Interview zum Thema E-Bilanz mit Herrn Dr. Christian Zwirner
Sind alle Unternehmen von der E-Bilanz betroffen?
Antwort Dr. Zwirner: Von der E-Bilanz sind grundsätzlich alle bilanzierenden Unternehmen betroffen. Dies gilt auch für Unternehmen, die freiwillig eine Bilanz erstellen, unabhängig davon, ob es sich um eine Kapitalgesellschaft oder um eine Personengesellschaft handelt. Bei den einzelnen Rechtsformen ist allerdings darauf zu achten, dass es bestimmte Übergangsvorschriften hinsichtlich des Zeitpunkts der Erstanwendung gibt. Unternehmen die eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen, brauchen keine E-Bilanz zu übermitteln.
Gibt es eine Möglichkeit auf die Erstellung einer E-Bilanz zu verzichten?
Antwort Dr. Zwirner: Ein Verzicht auf die Erstellung einer E-Bilanz ist nur möglich, sofern der Steuerpflichtige die Härtefallregelung nach § 5b Abs. 2 EStG i.V.m. § 150 Abs. 8 AO in Anspruch nehmen kann. Wird der Härtefallantrag vom Finanzamt abgelehnt, ist zwingend eine E-Bilanz zu übermitteln. Sofern eine solche Übermittlung nicht erfolgt, kann die Finanzverwaltung ein Zwangsgeld von bis zu 25 TEUR festsetzen.
Aus welchem Grund soll die Steuerbilanz künftig elektronisch übermittelt werden?
Antwort Dr. Zwirner: Ziel der Finanzverwaltung ist es, mit der E-Bilanz nachhaltig bürokratische Lasten abzubauen und das Verfahren bei der Steuererhebung zu erleichtern. Weiterhin können die auf Basis der Taxonomie erfassten Daten der E-Bilanz im Rahmen der Einführung eines Risikomanagement-Systems bei der Finanzverwaltung genutzt werden, um so eine Auswahl der Unternehmen vorzunehmen, die einer Betriebsprüfung unterzogen werden, sowie um eine Vorauswahl der Prüffelder oder Sachverhalte, die bei der Betriebsprüfung besonders beleuchtet werden, zu treffen. Künftig stellt die E-Bilanz das zentrale Kommunikationsmedium zwischen Finanzverwaltung und Steuerpflichtigem dar. Daher ist eine widerspruchsfreie Übermittlung aller steuerlich relevanten Daten notwendig.
Sind Bilanzierende dazu verpflichtet, ihren Kontenrahmen aufgrund der vorgegebenen Taxonomie zu überprüfen und diesen an die Taxonomie anzupassen?
Antwort Dr. Zwirner: Eine gesetzliche Verpflichtung zur Überprüfung des Kontenrahmens besteht nicht. Allerdings ist es zu empfehlen, den Kontenrahmen hinsichtlich der Möglichkeiten zur Umsetzung der E-Bilanz zu überprüfen. Wie hoch der Aufwand für die Umstellung des Kontenrahmes ist, hängt insbesondere vom bisherigen Buchungsverhalten des Unternehmens ab. Sofern sich der Kontenrahmen des Unternehmens heute bereits stark an einem Standard-Kontenrahmen orientiert, wird der Anpassungsbedarf im Zweifel geringer sein, als bei einem individuell definierten Kontenrahmen. Weiterhin hängt der Anpassungsbedarf sehr stark davon ab, welche Strategie (Minimalstrategie, Maximalstrategie, Neutralstrategie) das Unternehmen verfolgt.
Bei welchen Positionen erwarten Sie den größten Umstellungsbedarf?
Antwort Dr. Zwirner: Der größte Anpassungsbedarf wird bei den meisten Unternehmen im Bereich der Gewinn- und Verlustrechnung liegen. Hierbei sind insbesondere auch die Umsatzerlöse sowie der Materialaufwand zu nennen. Die Höhe des Aufwands für die Umstellung hängt dabei – wie bereits erwähnt – stark von der gewählten Umsetzungsstrategie ab. Aber auch in der Bilanz besteht Anpassungsbedarf. Grundsätzlich ist zudem zu beachten, dass die Finanzverwaltung zum Teil sehr sensible Daten genau aufgeschlüsselt erhalten möchte. Daher stellt sich in der Praxis oft die Frage, an welcher Stelle die Daten erfasst werden und wer letztlich die detaillierten Daten an die Finanzverwaltung übermittelt.
Soll das Unternehmen externe Berater bei der Umstellung auf die E-Bilanz hinzuziehen und was ist bei der Abstimmung mit diesen zu beachten?
Antwort Dr. Zwirner: Sofern die Steuererklärungen und die E-Bilanz durch einen steuerlichen Berater erstellt werden, sollte eine frühzeitige Abstimmung mit diesem erfolgen, um einen erhöhten Aufwand bei der Erstellung der E-Bilanz zu vermeiden. Sofern die E-Bilanz vom Unternehmen selbst erstellt wird oder steuerliche Sachverhalte in der Buchhaltung direkt abgebildet werden sollen – insbesondere wenn das Steuer- und das Handelsrecht voneinander abweichen – ist häufig eine Abstimmung mit dem IT-Dienstleister vorzunehmen. Bei dieser Abstimmung steht insbesondere eine Abstimmung hinsichtlich der technischen Umsetzung der laufenden Buchhaltung im Vordergrund. Sofern das Unternehmen die E-Bilanz selbst übermitteln will, muss es weiterhin die Erstellung einer XBRL-Datei sowie eine entsprechende Übermittlungsmöglichkeit sicherstellen. Auch hierzu wird das Unternehmen regelmäßig externe Berater hinzuziehen. Der individuelle Beratungsbedarf hängt daher von vielen unternehmensspezifischen Faktoren ab und geht über die reine Softwarelösung hinaus.
Für welche Bereiche müssen die Schulungen der Mitarbeiter des Unternehmens erfolgen?
Antwort Dr. Zwirner: Es sollten insbesondere die Mitarbeiter aus der Buchhaltung hinsichtlich der neu eingeführten Konten informiert und geschult werden. Weiterhin sollten die Mitarbeiter für die E-Bilanz sensibilisiert werden, damit sie Sachverhalte erkennen können, die im Rahmen der E-Bilanz von besonderer Bedeutung sind. Dies gilt auch für den Fall, dass Sachverhalte unterjährig nicht entsprechend der E-Bilanz erfasst werden und der steuerliche Berater die E-Bilanz erstellt und übermittelt. Im Zweifelsfall benötigt der steuerliche Berater die Informationen zu den einzelnen gebuchten Sachverhalten vom Unternehmen. Sofern die IT eine besondere Funktion bei der E-Bilanz übernimmt, sind auch diese Mitarbeiter entsprechend zu informieren. Es ist wichtig, dass allen Betroffenen die mit der E-Bilanz im Einzelfall einhergehenden Änderungen bisheriger Abläufe bekannt sind. Nur ein einheitliches, unternehmensweites Grundverständnis von dem E-Bilanz-Projekt stellt sicher, dass es zu einem Erfolg werden kann.
Was sind Ihrer Ansicht nach die wesentlichsten Punkte, auf die Unternehmen bei der Umstellung auf die E-Bilanz achten müssen?
Antwort Dr. Zwirner: Neben der technischen Umsetzung sollten Unternehmen insbesondere darauf achten, dass das Rechnungswesen auf ein geändertes Buchungsverhalten vorbereitet ist. Steuerrelevante Sachverhalte sollten nach Möglichkeit bereits unterjährig korrekt erfasst werden, um den Aufwand für die Erstellung der Steuerbilanz so gering wie möglich zu halten. Weiterhin ist es wichtig, dass die Mitarbeiter – z.B. durch Schulungen – bereits unterjährig für die E-Bilanz sensibilisiert sind. Abläufe und Zuständigkeiten sind ebenso anzupassen wie interne Buchungsvorgaben. Auch die IT muss frühzeitig eingebunden werden. Mit dem externen steuerlichen Berater sowie ggf. auch dem Wirtschaftsprüfer sollte zudem eine regelmäßige Abstimmung erfolgen, um aufwendige Korrektur- und Nacharbeiten zu vermeiden.
Welches Vorgehen sollten Unternehmen nun wählen?
Dr. Zwirner: Unternehmen müssen zunächst prüfen, welche Anforderungen der Finanzverwaltung sie bereits erfüllen können. In einem zweiten Schritt sollten Überlegungen dahingehend erfolgen, welche Strategie vom Unternehmen gewählt wird. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich regelmäßig eine Prüfung der Sachverhalte, die in der Buchhaltung problemlos umgesetzt werden können. Zeitgleich ist zu entscheiden, wie die E-Bilanz technisch umgesetzt werden soll.
Dr. Christian Zwirner ist Geschäftsführer der Dr. Kleeberg & Partner GmbH WPG StBG, München/Hamburg. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Grundsatzfragen der nationalen sowie internationalen Rechnungslegung sowie Fragen der Unternehmensbewertungen. Er veröffentlicht regelmäßig zu verschiedenen Fragen der Rechnungslegung sowie zur Unternehmensbewertung und tritt als Referent bei zahlreichen Veranstaltungen auf. Zudem vertritt Zwirner Kleeberg in verschiedenen Gremien. Hierdurch pflegt die Kanzlei den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Bei Kleeberg ist Zwirner zudem auch zuständig für Fragen rund um die E-Bilanz und deren Umsetzung in der Praxis.
Kleeberg mit Sitz in München und Hamburg berät nationale und internationale Mandanten umfassend in steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen sowie in allen Fragestellungen aus dem Bereich der Wirtschaftsprüfung.

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