Source: https://www.deliberationdaily.de/2015/09/wenn-verantwortung-nicht-verantwortung-heisst/
Timestamp: 2019-09-17 10:51:42+00:00

Document:
Wenn Verantwortung nicht Verantwortung heißt - Deliberation Daily
by Stefan Sasse on 29. September 2015
Denn wenn die VW-Affäre eines beweist, dann, dass in Politik und Wirtschaft Verantwortung nicht gleich Verantwortung ist. Apologeten werden vermutlich wieder darauf verweisen, dass bei Winterkorn – wie in allen Fällen zuvor – die Höhe der Abfindungen oder die Unkündbarkeit ohne Abfindungen vertraglich festgelegt ist und dass, egal wie schäbig das für die Öffentlichkeit auch aussehen mag, dem Buchstaben genüge getan muss. Pacta sunt servanda. Und ich will auch gar nicht fordern, Winterkorns Vertrag zu ignorieren und VW Druck zu machen, ihm nichts zu bezahlen. Der offensichtliche nutzlose Aufsichtsrat hat diesen Vertrag abgenickt, und dann wird er auch eingehalten, keine Frage. Was mir unbegreiflich ist, und ich kann mir nicht vorstellen in diesem Unverständnis alleine zu sein, ist, warum solche Verträge immer noch geschlossen werden. Winterkorn hat zuletzt einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr erhalten. Seine Pensionsansprüche gegenüber VW, für die der Konzern in weiser Voraussicht, die er hoffentlich bei normalen Betriebsrenten ebenfalls walten lassen wird, einen Fond zurückgestellt hat, belaufen sich auf rund eine Million im Jahr. Es sei ihm gegönnt. Ich nehme einfach einmal an, dass Winterkorn sein Geld wert war und ohne diese Summen im knallharten globalen Konkurrenzkampf um Führungskräfte einfach bei einem britischen oder amerikanischen Konzern angeheuert hätte, wie es so viele seiner Kollegen ja auch nicht tun.
Geschenkt. Um die völlig absurden Bezahlungen der Spitzenpositionen in Konzernen auf der ganzen Welt soll es hier gar nicht gehen, denn in einem freien Land können freie Konzerne in den Grenzen des Gesetzes ihr Geld zum Fenster hinauswerfen, wie es ihnen passt. Wo mein Verständnis völlig aufhört ist in der Forderung Winterkorns, seinen bis 2016 laufenden Vertrag voll ausbezahlt zu bekommen. Das kann er natürlich machen, denn der bereits erwähnte Aufsichtsrat scheint die Möglichkeit eines Scheiterns offensichtlich nicht bedacht zu haben. Wenn Winterkorn nun also davon redet, „wegen der Fehler Einzelner“, mit denen er natürlich nichts zu tun hat, „die Verantwortung zu übernehmen“, dann macht mich das wütend. Denn Winterkorn tut eben gerade nicht das, was eben auch zu seinem Jobprofil gehört und die Pille für den Betrieb zu schlucken. Eine der Begründungen für die gewaltigen Gehälter der Firmenbosse ist ja gerade immer die unglaubliche Verantwortung die sie tragen, der Druck, dem sie ausgesetzt sind.
CitizenK 29. September 2015, 15:59
Richtig: Der Aufsichtsrat war wieder mal „nutzlos“. Und der Rücktritt mit diesen Ansprüchen ist auch kein Opfer.
Als Begründung für Privatisierung wird immer wieder genannt (und „In Dubio“ wird ja nicht müde, das hier zu behaupten), dass private Kapitalgeber besser auf ihr Geld aufpassen als Beamte auf öffentliche Gelder.
Wie Thyssen und jetzt wieder VW zeigt, ist das nicht haltbar. Aufsichtsräte erfüllen ihre Funktion oft nicht. Das ist nicht neu – ich hab das schon vor Jahrzehnten im BWL-Studium gelernt („Funktionswandel des Aufsichtsrats“).
Diese Dimension des VW-Skandals wird in der derzeitigen Debatte kaum beachtet. Angesichts der volkswirtschaftlichen Bedeutung des VW-Konzerns wäre es aber wieder mal Zeit dafür.
R.A. 29. September 2015, 17:50
> Aufsichtsräte erfüllen ihre Funktion oft nicht.
Das ist richtig und die Besetzungsverfahren für deutsche Aufsichtsräte sind ein Problem.
Aber im konkreten Fall hier kann ich bisher nicht erkennen, daß der AR irgendetwas falsch gemacht haben könnte. Die Abgas-Messungen sind rein operatives Geschäft, sogar deutlich unter Vorstandsebene, und kein Aufsichtsrat kann da irgendeine Verantwortung haben.
Im übrigen: Von „Privatfirma“ kann man bei VW ja nur begrenzt sprechen. Die Mehrheit im Aufsichtsrat haben nicht private Geldgeber, sondern Staats- und Gewerkschaftsvertreter.
Stefan Sasse 29. September 2015, 18:42
Die Argumentation bezieht sich nicht auf den Abgasskandal. Da ist der Aufsichtsrat außen vor, und es mag sogar sein (obwohl ich aus dem Bauch heraus sehr misstrauisch bin) dass Winterkorn nichts davon wusste. Nur ist das irrelevant. Winterkorn streicht hohe Gehälter und Boni ein wenn der Laden gut läuft, weil er das auf seine Führung zurückführt – wie jeder Manager. Fair enough. Wenn dann aber etwas schief geht kann es nicht sein, dass er und seine vielen, vielen partners in crime ebenfalls großes Geld erhalten. In dem Fall muss es einfach so sein dass es ihnen geht wie jedem Arbeitnehmer auch und dass sie gefeuert werden, fristlos und ohne irgendwelche Abfindungen. Und eine solche Vertragsstruktur sicherzustellen ist die Aufgabe des Aufsichtsrats, und hier hat er versagt. Ob Niedersachsen 20% von VW hält oder nicht ist dabei irrelevant, weil das in allen andren Großunternehmen ähnlich ist.
R.A. 30. September 2015, 09:27
> In dem Fall muss es einfach so sein dass es ihnen geht
> wie jedem Arbeitnehmer auch und dass sie gefeuert
> werden, fristlos und ohne irgendwelche Abfindungen …
Ein normaler Arbeitnehmer, der fristlos gefeuert wird, weil in seinem Bereich etwas schief gelaufen ist?
Gibt es nicht. Nicht in Deutschland.
Im Prinzip werden Vorstände behandelt wie jeder andere Arbeitnehmer – nur daß ihre Verträge zeitlich befristet sind.
Normales „Mist bauen“ ist möglich, kann nicht Anlaß für eine Kündigung sein, wird aber zur Streichung von Boni etc. führen.
Kündigung ist nur möglich, wenn Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit vorliegen.
Ich gehe auch davon aus, daß Winterkorn nur sein Grundgehalt für die restliche Zeit bekommt, keine Boni etc.
Stefan Sasse 30. September 2015, 14:58
CitizenK 29. September 2015, 19:37
Gerade in diesem Fall kann man weder den Vorstandsvorsitzenden noch den Aufsichtsrat von der Verantwortung freisprechen.
Die Diskrepanzen zwischen den offiziellen und den tatsächlichen Verbrauchs- und Abgaswerten wurde in den Medien immer wieder thematisiert. Selbst der ADAC kam auf andere Zahlen. Wie die USA auf Betrügereien reagieren würden, war aufgrund der dortigen Gesetzeslage (und Konkurrenzsituation) auch bekannt.
Also wäre es Aufgabe der Führungsorgane gewesen, das aufzuklären. Weil aber die Gewinne zunächst gestimmt haben, hat man das unterlassen, bewusst oder fahrlässig. Den Schaden für das Unternehmen haben sie deshalb zu verantworten.
Stefan Sasse 29. September 2015, 19:51
OK, das war mir unbekannt. Macht meine Argumentation ja sogar stärker 🙂
R.A. 30. September 2015, 09:32
> Die Diskrepanzen zwischen den offiziellen und den
> tatsächlichen Verbrauchs- und Abgaswerten wurde
> in den Medien immer wieder thematisiert.
Genau das bedeutet, daß aus AR-Sicht alles in Ordnung ist!
Die Sache ist öffentlich bekannt, also natürlich auch den staatlichen Kontrollinstanzen, aber die tolerieren das.
Damit ist klar: Der Test ist vielleicht realitätsfern, aber es ist legal, wie VW mit den Testbedingungen umgeht.
Es wird noch zu klären sein, warum das von den Behörden jahrelang akzeptierte VW-Vorgehen nun auf einmal illegal sein soll.
R.A. 29. September 2015, 17:47
Ein Vorstand wie Winterkorn hat schlicht einen Zeitvertrag. Er arbeitet für eine Zeit X für das Unternehmen und bekommt dafür die definierten finanziellen Leistungen. Und wenn das Unternehmen ihn nun plötzlich weniger als die gebuchte Zeit beschäftigen will, dann ist trotzdem die Vertragssumme fällig.
Das ist durchaus gerecht und üblich. Es würde auch kein guter Manager einen Vertrag unterschreiben, bei dem der Aufsichtsrat völlig nach Gutdünken und nach kürzester Zeit ein einseitiges Kündigungsrecht hätte.
Etwas anderes wäre es, wenn der Manager absichtlich oder grob fahrlässig gegen seine Pflichten verstößt. Aber das ist ja nicht der Fall, bisher ist nichts davon bekannt, daß Winterkorn irgendeinen straf- oder zivilrechtlich relevanten Fehler gemacht hätte.
Sollte sich so etwas noch herausstellen, wäre die Situation eine andere, und dann ist auch eine Gehaltskürzung bzw. -streichung möglich.
Aber derzeit ist der „Rücktritt“ juristisch nichts Anderes als eine einseitige Erklärung des Unternehmens, Winterkorns Dienste nicht mehr abnehmen zu wollen.
Stefan Sasse 29. September 2015, 18:49
Dass für Winterkorn alles rechtmäßig ablief bezweifle ich keine Sekunde. Erneut: good for him. Nur: warum sollte eine Kündigung (von mir aus innerhalb einer Frist von einem Monat oder was weiß ich) nicht möglich sein? Wie Ralf unten hilfreich ergänzt, verdienen diese Leute gigantische Summen. Kann man dafür im Geiste kapitalistischen Erwerbsstrebens nicht erwarten, dass sie ein Risiko eingehen? Denn wenn sie tatsächlich so gut sind wie die Apologeten dieser absurden Gehälter nicht zu behaupten müde werden, sollten sie keinerlei Probleme haben, danach wieder Arbeit zu finden – und haben es in der Praxis ja auch nicht.
R.A. 30. September 2015, 09:41
> warum sollte eine Kündigung (…) nicht möglich sein?
Weil KEIN Angestellter ohne triftigen Grund gekündigt werden darf. Und „Nase gefällt uns nicht mehr“ ist eben kein triftiger Grund, auch nicht bei einem Vorstand.
Und mehr an Substanz haben die Vorwürfe gegen Winterkorn ja bisher nicht.
> Kann man dafür im Geiste kapitalistischen Erwerbsstrebens
> nicht erwarten, dass sie ein Risiko eingehen?
Wenn sie echtes Geschäftsrisiko eingehen wollten, wären sie Unternehmer geworden. Vorstände sind aber keine Unternehmer (auch wenn sie sich oft so aufführen), sondern nur Angestellte.
Ihr Risiko besteht darin, daß sie den wesentlichen Teil ihres Gehalts, nämlich den variablen, bei schlechter Performance nicht bekommen. Dieses Risiko ist natürlich gedeckelt. Genau wie auch ihre Chance – selbst bei perfektem Unternehmenserfolg ist ihr Bonus begrenzt.
Ein echter Unternehmer ist bei Risiko wie Chance nicht begrenzt.
Und das zweite Risiko ist, bei einem Scheitern nirgendwo anders wieder eine Anstellung zu bekommen. Dieses Risiko ist übrigens viel größer, als gemeinhin angenommen wird – weil in den Medien nur die Ausnahmefälle auftauchen, die wieder einen neuen Vorstandsjob bekommen haben.
Ich bin ja übrigens völlig einig mit Dir, daß deutsche Vorstände in der Regel zu hohe Gehälter bekommen und daß die Ursache dafür ein Defizit in der Aufsichtsratsstruktur ist.
Aber selbst wenn das anders wäre, würde sich in diesem Punkt nichts ändern.
Kein guter Manager würde eine Anstellung akzeptieren, bei der die Firma ihn jederzeit und ohne echte Begründung feuern könnte. Es ist schon recht weitgehend, daß man ihn derzeit nach Belieben raussetzen kann, und ihm nur das Grundgehalt der Vertragslaufzeit geben muß. D.h. er verliert die wesentliche Komponente, auch wenn er sich nichts zuschulden kommen ließ.
Ralf 29. September 2015, 18:06
Ich befuerchte Dein Fehler beginnt schon damit, dass Du annimmst, dass der Inhalt eines Vertrages zwischen einem Unternehmen und seinem Chef massvoll sein und dem gesunden Menschenverstand folgen sollte. Und dass damit dem Wohl des Unternehmens gedient werden sollte.
Dass dies nicht der Fall ist, wird aber schon bei den absurd hohen Gehaeltern klar, die Du in diesem Kontext (erstaunlicherweise!) nicht diskutieren wolltest. Statt um das Wohl des Unternehmens geht es in diesen Dingen naemlich vielmehr darum, dass sich der Geldadel gegenseitig so viel mehr Geld in Taschen stopfen will wie moeglich. Wenn das Unternehmen dabei den Bach runter geht, geht es eben den Bach runter. Nach uns die Sintflut! Wenn man die Situation mal in diesem Lichte sieht, dann ist der Fall Winterkorn ueberhaupt nicht mehr erstaunlich. Klar dass der so einen Vertrag hat. Klar dass der jetzt massiv abkassiert, obwohl er wegen eines Skandals mit globalen Ausmassen, fuer den er als Konzernchef Verantwortung traegt, zuruecktreten musste.
Stefan Sasse 29. September 2015, 18:51
Ich habe die Höhe deswegen aus der Diskussion herausgehalten, weil ich keine Grundsatzkritik des Neoliberalismus anfangen, sondern einen spezifischen Punkt (die Bedeutung von Verantwortung) diskutieren wollte. Ein gewisser Fokus hilft der Debatte.
Ralf 29. September 2015, 19:18
Grundsaetzlich stimme ich Dir da zu. In diesem Fall ist die Hoehe der Gehaelter aber essentiell fuer die Debatte. Denn die absurden Bezuege zeigen, dass der Zweck dieser Vertraege von vorneherein einzig und allein das Abkassieren Einzelner auf Kosten der Allgemeinheit (oder in diesem Fall auf Kosten des Betriebes) ist. Vor Jahren las ich mal einen Artikel, der den Erfolg der wirtschaftskraeftigsten deutschen Unternehmen mit der Hoehe des Gehaltes des jeweiligen Konzernbosses verglich. Ergebnis: Es gab KEINERLEI Korrelation. Es ist schlicht eine Luege, dass man diesen Managern so viel bezahlen muss, weil man andernfalls niemanden findet, der einen aehnlich guten Job machen wuerde. Dass diese Riesengehaelter trotzdem bezahlt werden, zeigt dass es von vorneherein nicht um das Wohl des Unternehmens, sondern einzig und allein um das persoenliche Abkassieren geht. Und von da aus kann man dann den Bogen zu Deinem Lieblingsthema, der „Verantwortung“, spannen. Denn wenn es bei den Vertraegen nur um’s Abkassieren geht, ist es dann wirklich noch verwunderlich, dass die Manager auf die „Verantwortung“ pfeiffen und solange in die Kasse greifen, wie ihnen das moeglich gemacht wird?
Stefan Sasse 29. September 2015, 19:55
Ich empfinde wie du diese Gehälter als zu hoch und unverdient, wie ich durch meine Wortwahl und Seitenhiebe deutlich zu machen glaubte, und versuche die Legitimation dieser Gehälter – den Kampf um die besten Köpfe und die Kräfte des Freien Markts – hier entsprechend anzuwenden.
In Dubio 30. September 2015, 14:23
Es gab KEINERLEI Korrelation.
Die Korrelation gibt es aber bei Erzieherinnengehältern und bei gering Entlohnten. Wenn es die aber gibt, warum werden Gehälter durch ein Instrument wie den Mindestlohn begrenzt? Linke sagen doch, niemand erbringt eine Arbeitsleistung, die weniger als 8,50 EUR wert ist. Solche Argumente gelten immer in beide Richtungen…
Das Gehalt eines Managers wie einer IT-Kraft richtet sich nicht nach deren angenommenen Produktivität, sondern nach dem Marktwert. Für den Flughafen BER werden die Eigentümer nun auch für einen durchschnittlichen Manager der Branche ein relativ hohes Gehalt zahlen müssen, da die Position aufgrund der Vorgeschichte ziemlich unattraktiv ist.
Da messen Sie nicht in Produktivität, sondern in Entschädigung, dass sich jemand den Job antut. Und das kostet. Zum Thema: Winterkorn hat VW zum größten Automobilhersteller der Welt gemacht, das kann man als überragende Leistung bezeichnen. VW ist so profitabel wie noch nie in seiner Geschichte. Auch das ist eine überragende Leistung. Dennoch verdient Professor Winterkorn weniger als die Manager von Ford oder GM. In dieser Relation war er nicht überbezahlt.
Heute ist VW der mit Abstand schwierigste Job der Branche. Müsste man seinem Nachfolger nicht mehr zahlen als den Größen der Industrie? Was sollte einen Top-Mann von BMW oder Mercedes derzeit bewegen, sich den Tort in Wolfsburg anzutun, seinen über lange Jahre aufgebauten guten Ruf aufs Spiel zu setzen mit der großen Gefahr des Scheiterns? Leute die für den Job in Frage kämen, haben es nicht nötig, so ins Risiko zu gehen.
Ralf 1. Oktober 2015, 00:04
Linke sagen doch, niemand erbringt eine Arbeitsleistung, die weniger als 8,50 EUR wert ist. Solche Argumente gelten immer in beide Richtungen…
Es ist ein Unterschied zu sagen, eine Arbeitsleistung sollte der Gesellschaft nicht weniger als 8,50 EUR wert sein oder zu sagen, eine Arbeitsleistung kann den Wert von 8,50 EUR an einem ungeregelten Markt nicht unterschreiten. Ersteres ist richtig. Letzteres ist falsch.
Noch falscher ist allerdings, dass alle Argumente grundsaetzlich immer in „beide Richtungen“ also in „allen Faellen“ gelten muessen. Die Argumente fuer einen Mindestlohn sind voellig andere als die fuer einen Maximallohn. Der Mindestlohn verhindert, dass Menschen, die arbeiten, in Armut versinken. Ein Maximallohn verhindert, dass sich ein Geldadel bildet, der letztlich soviel Macht, Reichtum und Einfluss gewinnt, dass er die Demokratie kauft und damit de facto abschafft.
Das Gehalt eines Managers wie einer IT-Kraft richtet sich nicht nach deren angenommenen Produktivität, sondern nach dem Marktwert.
Der „Marktwert“ eines Managers hat keinerlei reale Grundlage. Vielmehr stopft sich dort eine immer reichere Elite gegenseitig die Taschen voll und wird noch reicher. Dadurch wird der „Marktwert“ stetig nach oben manipuliert, weil alle in diesen Chefetagen ein Interesse daran haben, dass ihre Gehaelter und Boni weitersteigen. Ihr Argument, dass man einem Manager Millionen zahlen muss, weil andere ja auch Millionen bekommen, erinnert dabei an das Argument eines Sechsjaehrigen, der von seiner Mutter einen Spielzeugroboter fordert, weil der Nachbarsjunge schliesslich auch einen hat. Ihr Argument wuerde sogar Billionengehaelter rechtfertigen, wenn nur andere Manager ebenfalls Billionen verdienen wuerden. Dass Sie von vorneherein eingestehen, dass die Summen die da heute gezahlt werden mit Produktivitaet und Leistung nichts zu tun haben, laesst tief blicken. Nein, so einfach darf man es sich nicht machen. Man kann natuerlich lange diskutieren, wieviel Gehalt fuer eine Taetigkeit angemessen ist. Aber die voellig absurden Fantasiebetraege, die von CEOs gegenwaertig eingestrichen werden, sind ein riesiger Skandal.
Für den Flughafen BER werden die Eigentümer nun auch für einen durchschnittlichen Manager der Branche ein relativ hohes Gehalt zahlen müssen, da die Position aufgrund der Vorgeschichte ziemlich unattraktiv ist.
Ihrem Argument folgend muessten jetzt die Gehaelter der Lidl-Kassiererinnen und Amazon-Mitarbeiter dramatisch steigen, weil aufgrund der Vorgeschichten von Mobbing und illegaler Ueberwachung in diesen Betrieben, diese Jobs jetzt ziemlich unattraktiv sind.
An diesem Beispiel wird klar wie unsinning Ihre Argumentation ist. Der Berliner Flughafen ist ein grosses Projekt und fuer jeden Chef eine grosse Herausforderung. Viele wuerden traeumen mal eine so wichtige Aufgabe zu haben und sich beweisen zu koennen. Wer die Leitung dieses Grossprojektes uebernimmt, hat die Moeglichkeit einen totgeglaubten Totalschaden letztlich in einen Erfolg zu verwandeln. Da alle nur noch das Schlimmste erwarten, wird selbst ein maessiger Erfolg phaenomenal erscheinen. Schwer zu glauben, dass ein Land mit ueber 80 Millionen Einwohnern keinen faehigen Buerger finden soll, der fuer ein ordentliches Gehalt die Fuehrung uebernimmt. Ich arbeite 7 Tage die Woche, 12-14 Stunden am Tag, fuer deutlich weniger als der naechste Chef des Berliner Flughafens bekommen wird und bin trotzdem motiviert. Erklaeren Sie das mal.
Da messen Sie nicht in Produktivität, sondern in Entschädigung, dass sich jemand den Job antut.
Also dass ein Millionengehalt „Entschaedigung“ sein soll, „dass sich jemand ueberhaupt den Job antut“, untertunnelt jetzt sogar Ihr gewoehnliches Niveau. Wenn dem Herrn das Champagnertrinken und Mercedesfahren nicht mehr als Motivation ausreicht, soll er halt in Rente gehen. Es wird sich sicher jemand Faehiges finden, der den Job gerne haette. Aber irgendwie ist das etwas, was man in Chefetagen nicht gerne hoert. Da betrachtet sich jeder als unersetzlich. Bis er ersetzt wird.
Winterkorn hat VW zum größten Automobilhersteller der Welt gemacht
Winterkorn ist ein kleines Raedchen unter vielen tausend anderen Raedchen gewesen, die VW zum groessten Automobilhersteller der Welt gemacht haben. Wenn man Ihnen so zuhoert, entsteht der Eindruck Winterkorn hat alle VW-Modelle selbst entworfen, alle Autos alleine handgefertigt und anschliessend noch im Laden selbst verkauft. Ausserdem hat er auch noch die gesamte Technik im Labor entwickelt. Oh, Pardon. Ich meine natuerlich die gesamte Technik ausser der Betrugssoftware. Das muss irgendwer anders gewesen sein.
Dennoch verdient Professor Winterkorn weniger als die Manager von Ford oder GM. In dieser Relation war er nicht überbezahlt.
Schon wieder dieses Argument. Was wenn die Manager von Ford und GM voellig ueberbezahlt sind? Dann faellt Ihre komplette Argumentation zusammen wie ein Kartenhaus.
Heute ist VW der mit Abstand schwierigste Job der Branche. Müsste man seinem Nachfolger nicht mehr zahlen als den Größen der Industrie?
Nein. Alle, inklusive der „Groessen der Industrie“, muessten Gehaelter bekommen, die rational nachvollziehbar, an tatsaechliche Leistung geknuepft und in ihrer Hoehe moralisch gegenueber den anderen Angestellten des Betriebes vertretbar sind. Wo dieser Rahmen liegt, darueber kann man streiten. Nicht streiten kann darueber, dass ein solcher Rahmen existieren sollte.
Was sollte einen Top-Mann von BMW oder Mercedes derzeit bewegen, sich den Tort in Wolfsburg anzutun, seinen über lange Jahre aufgebauten guten Ruf aufs Spiel zu setzen mit der großen Gefahr des Scheiterns?
Zwei Saetze weiter oben war VW noch der groesste Automobilhersteller aller Zeiten. Jetzt ist er ploetzlich ein Totalschaden, an dem man sich nur noch die Finger verbrennen kann. Immer so wie es gerade in Ihre Argumentation passt …
In Dubio 1. Oktober 2015, 08:40
Es ist ein Unterschied zu sagen, eine Arbeitsleistung sollte der Gesellschaft nicht weniger als 8,50 EUR wert sein
Die Gesellschaft bezahlt denjenigen nicht, dessen Arbeitsleistung nun mal gering und voller Fehler ist. Und sie kann mich nicht zwingen, es zu bezahlen. Genau deshalb ist es ja prinzipiell richtig, dass der Markt (also Dritte) über den „richtigen“ Lohn entscheiden und die Gesellschaft aufstockt, wenn sie das als nicht angemessen ansieht. Kennen Sie den Spruch: „Wer die Musik bestellt…“?
Der Mindestlohn verhindert, dass Menschen, die arbeiten, in Armut versinken.
Quatsch! Der Mindestlohn liegt über 80% über dem durchschnittlichen Hartz-IV-Niveau, was das kulturelle Existenzminimum definiert. Und da Armut in Deutschland relativ interpretiert wird, kann der Mindestlohn per definitione Armut nicht verhindern. Er kann nur ein bestimmtes (Existenz-) Minimum gewährleisten. Die vom Staat definierten Minima im Arbeitsrecht und Sozialrecht fallen jedoch auseinander. Konsequent ist das nicht.
Noch falscher ist allerdings, dass alle Argumente grundsätzlich immer in „beide Richtungen“ also in „allen Fällen“ gelten müssen.
Das ist das Prinzip von Fairness. Bemerkenswert, dass Ihnen das nicht bekannt ist. Gesetze gelten gegen jedermann, Regeln im Sport sind einheitlich auszulegen, die Spielregeln werden auf jeden angewendet. Und so weiter. Linke halten grundsätzlich nichts von Fairness, sie wollen jeden Einzelfall debattieren und demokratisch abstimmen, was „gerecht“ ist. Sozial gerecht, habe ich vergessen hinzuzufügen. 😉
Ein Maximallohn verhindert, dass sich ein Geldadel bildet, der letztlich soviel Macht, Reichtum und Einfluss gewinnt, dass er die Demokratie kauft und damit de facto abschafft.
Sorry, Sie reden an den Fakten vorbei. Bei den hohen Einkommen ist der Anteil der Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit wie aus Kapitalvermögen weit höher als beim Schnitt der Bevölkerung. Falls Sie es nicht wissen: Auch Managergehälter gehören zu den Einkünften aus unselbständiger Tätigkeit. Sie können den logischen Schluss ziehen?
Der „Marktwert“ eines Managers hat keinerlei reale Grundlage. Vielmehr stopft sich dort eine immer reichere Elite gegenseitig die Taschen voll und wird noch reicher.
Auch hier reden Sie an den Fakten vorbei. Sie glauben tatsächlich, der Kaufpreis wäre durch die Kosten bestimmt? Auch wenn Sie nicht Volkswirtschaftslehre studiert haben, so können Sie beim einfachen Gang auf den Markt feststellen, dass Ihre These Unsinn ist. Das Kilo Tomaten hat am Abend einen anderen Preis als am Morgen, ohne dass sich seine Herstellkosten oder der „Wert“ zum Essen geändert hätte. Mein iPhone hat eine weit höhere Gewinnmarge als ein Samsung, dürfte nach Ihrer These gar nicht sein. Oder niemand dürfte Apple kaufen. Und ja, auch mein Marktpreis hat über die über 20 Jahre, die ich arbeite, stark geschwankt. Wer garantiert mir eigentlich einen Lohn, der mir ein Auskommen gewährleistet, an das ich mich zwangsläufig gewöhnt habe?
Bitte erklären Sie anhand Ihrer Argumentation, warum der BMW-Chef 2 Mio. EUR kassiert und Herr Winterkorn 16 Mio. EUR. Und was an Ihnen völlig vorbeigelaufen ist: viele Unternehmen unterhalb der im DAX notierten Werte sind heute im Besitz von Kapitalsammelstellen wie z.B. Private Equity Fonds. Deren Manager werden danach vergütet, welche Rendite sie aus den Anlagen holen. Hohe Managergehälter ohne entsprechende Leistung wie z.B. Ergebnissteigerungen sind da kontraproduktiv. Hier besteht ein Interessenkonflikt. Und wenn Sie schon am Erklären sind (wenn Sie nicht an der ersten Stufe bereits scheitern): Erklären Sie bitte, warum Manager sich immer kürzer (weniger als 2 Jahre) auf dem Chefsessel halten und meist von den Eigentümern gefeuert werden. Wenn eine Krähe der anderen kein Auge aushakt…
Lösen Sie sich von den Lehren, die Linke seit Anbeginn der Zeit herunterbeten. Damit können Sie nicht die Wirklichkeit erklären.
Viele würden träumen mal eine so wichtige Aufgabe zu haben und sich beweisen zu können.
Der Hartz-IV-Empfänger vielleicht. Der rund 70jährige Mehdorn war ja schon eine Verlegenheitslösung der Eigentümer, weil sie niemanden kompetentes mehr bekommen konnten. Glauben Sie Manager streben nach so unklaren Verhältnissen wie beim BER, wo das Scheitern in der Struktur angelegt ist? Abweichungen vom Budget sind vom Aufsichtsrat zu genehmigen, so weit so gut. Nur müssen im Falle des Großflughafens noch die Parlamente von Berlin, Brandenburg und des Bundes zustimmen. Mehdorn hat mal angeführt, dass er den Großteil seiner Zeit vor Politikern verbracht hat. Fürs Operative blieb da kaum etwas übrig. Kein zielorientierter Manager wird sich diese Bedingungen einfach antun, um hinterher der Prügelknabe für Politik und Öffentlichkeit zu sein. Kein Wunder also, haben sie die Politiker bereits zahlreiche Absagen von Wunschkandidaten eingehandelt.
Also dass ein Millionengehalt „Entschaedigung“ sein soll, „dass sich jemand überhaupt den Job antut“, untertunnelt jetzt sogar Ihr gewöhnliches Niveau.
Sie glauben ernsthaft, Leute wie mich motivieren 10.000 EUR Gehaltsunterschied?! Sie haben keine Ahnung… Niemand braucht 20 Mio. EUR Gehalt, das sagen Sie doch selber. Also muss logischerweise etwas anderes motivieren. Außer Sie unterstellen hochintelligenten Menschen, dumm zu handeln. Nur weil Sie etwas nicht verstehen.
Wenn man Ihnen so zuhoert, entsteht der Eindruck Winterkorn hat alle VW-Modelle selbst entworfen, alle Autos alleine handgefertigt und anschliessend noch im Laden selbst verkauft.
Wieder so ein typisches linkes Mantra. Wenn es in einem Unternehmen gut läuft, haben es die Mitarbeiter (außer dem Management) gerissen. Wenn es daneben geht, waren es unfähige Manager. VW war vor gut 20 Jahren ein Insolvenzfall, bis Piech und Lopez kamen. Dazwischen gab es die Phase Pietschesrieder, wo es nicht so gut lief – anscheinend waren die Mitarbeiter schwächer geworden – bevor Winterkorn antrat. Damals war VW die Nr. 3 der Welt. Zwischenzeitlich sind ein paar Marken dazugekommen und das Image von Volkswagen wurde aufpoliert. Man hat SUVs gebaut und ist weiter in China expandiert. Das geht natürlich auf den Werker am Fließband und den Motoreningenieur zurück. Logisch. Genauso allerdings, dass VW mit einem kleinen SUV wie dem Tiguan erst auf den Markt kam, als alle anderen Anbieter bereits so ein Auto im Angebot hatten. Eben Schlafmützen. Ach so, das war ja nun das Management.
Finden Sie Ihre Argumentation ernsthaft logisch?
Was wenn die Manager von Ford und GM völlig überbezahlt sind?
Woher wollen ausgerechnet Sie (!) das wissen?
Alle, inklusive der „Größen der Industrie“, müssten Gehälter bekommen, die (..) an tatsächliche Leistung geknüpft und in ihrer Höhe moralisch gegenüber den anderen Angestellten des Betriebes vertretbar sind.
Welche Leistung?!? Definieren Sie sie! Der Aufsichtsrat von VW, in dem Arbeitnehmer und Staat die Mehrheit halten, haben das Gehalt von Herrn Winterkorn abgesegnet, die VW-Mitarbeiter haben zur Bonusausschüttung auf der Betriebsversammlung 2013 applaudiert. Möglicherweise hielten sie das für moralisch gerechtfertigt?
Zwei Sätze weiter oben war VW noch der größte Automobilhersteller aller Zeiten. Jetzt ist er plötzlich ein Totalschaden, an dem man sich nur noch die Finger verbrennen kann.
Wenn Sie so denken, werden Sie an jeder Aufgabe scheitern. Das erste ist die Bilanz, die Bewertung einer „Leistung“. Das Zweite ist die zukünftige Aufgabe. Winterkorn hat viel geleistet, aber kein gemachtes Haus hinterlassen. Sonst hätte er auch kaum so abrupt gehen müssen.
Sie haben so viel geschrieben und kein Wort von der Verquickung von Politik und Gewerkschaften mit Unternehmensführungen gesagt. Auch bezeichnend.
CitizenK 1. Oktober 2015, 09:16
Ich würde doch gern von Ihnen erfahren, wie Sie die Verantwortung des Top Managements konkret für die Betrugs-Software sehen. Wenn sie es nicht wusste: Hätten sie es wissen müssen? Liegt also ein Organisations-Versagen vor?
(Falls ich es in Ihren langen Ausführungen überlesen haben sollte, bitte ich um einen Hinweis)
In Dubio 1. Oktober 2015, 11:30
Dazu hatte ich an prominenter Stelle ausführlich geschrieben:
Die Unterschiede sind materiell: wird Martin Winterkorn eine direkte Beteiligung in Form einer Direktive oder der bloßen Kenntnis nachgewiesen, ist er strafrechtlich dran und Staatsanwaltschaft, Versicherung und Aktionäre haben direkten Durchgriff. Das Aktiengesetz schreibt Vorständen darüber hinaus vor, geeignete Kontrollen zu unterhalten. Hierunter fällt der Betrugsfall auf jeden Fall. Das Interne Kontrollsystem (IKS) von VW war offensichtlich nicht geeignet, solche Betrügereien im großen Stil zu verhindern und aufzudecken.
Hiernach ist Winterkorn zivilrechtlich haftbar, wobei allerdings seine D&O-Versicherung greift, allerdings nur bis 500 Mio. EUR. Alles darüber hinaus muss er aus seinem Privatvermögen decken.
Da diese Regeln in den letzten 15 Jahren stark verschärft wurden und das Management weit stärker haftet als noch in den 1990er Jahren, ist auch eine weit höhere Vergütung, sozusagen als Entschädigung, gerechtfertigt.
Um Ihre Frage kurz zu beantworten: Winterkorn hätte es in jedem Fall wissen müssen, damit hat er seine Organisation nicht geeignet aufgestellt. Hier ist er schadensersatzpflichtig. Wenn er es gewusst hat, tritt noch die strafrechtliche Komponente hinzu. Allerdings verlangt das Strafrecht aktive Handlungen zum Zwecke andere zu schädigen. Etwas nicht zu wissen (auch schuldhaft nicht), ist nach den einschlägigen Strafrechtsparagrafen noch keine Straftat. Ich denke, die bald einsetzenden Prüfungen der Strafverfolgungsbehörden wie die internen Prüfungen durch die Interne Revision wie der Due Diligence durch unabhängige Wirtschaftsprüfer werden hier eine gewisse Klärung herbeiführen. So lange heißt es die Füße stillzuhalten.
Der Spruch des Volksmundes, „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ gilt nur für Ordnungswidrigkeiten.
R.A. 1. Oktober 2015, 17:44
> die Staatsanwaltschaft Braunschweig nun ein
> Ermittlungsverfahren … gegen … Herrn Prof.
> Dr. Martin Winterkorn, eingeleitet hat.
Ist das nicht inzwischen dementiert worden?
> Das Interne Kontrollsystem (IKS) von VW
> war offensichtlich nicht geeignet, solche
> Betrügereien im großen Stil zu verhindern
> und aufzudecken.
Solche Systeme sind m. W. nicht dazu gedacht und geeignet, Verstöße gegen gesetzliche Auflagen zu verhindern oder zu entdecken. Sondern da geht es in erster Linie um Schutz der Firma und Dritten vor finanziellem Betrug. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das systematische Nichtentdecken der Abgas-Manipulation ein Pflichtversäumnis des Vorstands ist.
In Dubio 2. Oktober 2015, 09:49
§91 Abs. 2 AktG:
Rechtlich ist dies eine „Muss-Vorschrift“ und damit im Falle des Versagens zu ahnden.
Tim 29. September 2015, 20:39
Den meisten Aktionären und Aktienfonds-Besitzern ist sowas nun mal egal. Darum ist es auch dem Aufsichtsrat egal. Ich kann da kein systematisches Problem erkennen.
Stefan Sasse 29. September 2015, 21:26
Es schadet der Volkswirtschaft?
Tim 30. September 2015, 07:27
Es schadet der Volkswirtschaft, wenn es den Eigentümern egal ist, ob der Vorstandsvorsitzende immerhin ca. 0,02 % oder doch nur 0,003 % des Umsatzes als Gehalt bekommen soll? Das ist eine sehr steile These, deren Begründung Dir nicht leicht fallen dürfte. 🙂
Nein, volkswirtschaftlich dürfte das relativ unbedeutend sein. Im Falle Volkswagens viel schwerwiegender ist, daß Niedersachsen seine Wirtschaftspolitik ganz überwiegend an den Bedürfnissen von Volkswagen ausrichtet. Das ist ein volkswirtschaftliches Problem in diesem Bundesland.
Stefan Sasse 30. September 2015, 15:00
Meine These wäre, dass es nicht nur am Gehalt hängt – also der Höhe – sondern auch an den entsprechenden Incentives.
Ariane 30. September 2015, 07:19
Ich teile die Kritik, allerdings gibt es wohl durchaus Klauseln die Manipulation, Aktionärsklagen etc. abdecken, die greifen könnten wie egghat schreibt: http://egghat.tumblr.com/post/129768764746/winterkorn-pension-abfindung-186-millionen-euro#disqus_thread
Ist halt die Frage, ob und wie das alles greift. Solche Managerverträge kommen zustande, „weil sie es können“. Der Aufsichtsrat ist da nicht genug hinterher und es sitzen häufig wirklich Leute drin, die meinen Manager verdienen solche Verträge und wandern sonst wirklich irgendwohin ins Ausland ab. Und im kompletten Unternehmensergebnis fallen die Managergehälter vermutlich nicht so extrem auf.
Unwahrscheinlich dass sich daran etwas ändern wird, wenn sich die Gesetzeslage nicht ändert :/
el_rey 30. September 2015, 13:44
Ich denke wie von R.A. beschrieben sind die Verträge durchaus korrekt gestrickt, dass im Falle eines Fehlverhaltens Gehälter gekürzt oder gestrichen werden. Solange das nicht nachgewiesen ist sehe ich erstmal nichts verwerfliches.
Ein einseitiges Kündigungsrecht des Konzerns mit Frist X wäre sicherlich die für das Unternehmen elegantere Variante – warum solche Verträge nicht mehr verwendet werden ist mir nicht bekannt. Möglicherweise ist dies aber einfach auch nur dadurch bedingt, dass man mit einer solchen Klausel erstmal eine negative Erwartungshaltung signalisiert. Bei der Berufung eines neuen Vorstands möchte das Unternehmen bzw. der Aufsichtsrat sicherlich Zuversicht und positives Zukunftsdenken mitschwingen lassen, sodass solche Verträge zustande kommen wie wir sie aktuell beobachten.
Wie Ralf jederzeit von einem großen Komplott der Reichen zu schwadronieren ist natürlich blanker Unsinn. Eine Entlohnung im siebenstelligen Bereich ist für jeden Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens dieser Größe locker angemessen. Das es bei Winterkorn nun einige Jahre achtstellig war ist nett für ihn aber bei weitem kein weiteres Indiz für eine Weltverschwörung der Kapitalisten.
In Dubio 30. September 2015, 14:10
Ein einseitiges Kündigungsrecht des Konzerns mit Frist X wäre sicherlich die für das Unternehmen elegantere Variante – warum solche Verträge nicht mehr verwendet werden ist mir nicht bekannt.
Ganz einfach: weil die Ungleichbehandlung arbeits- und zivilrechtlich höchst problematisch wäre. Nach deutschem Recht müssen die vertraglichen Rechte und Pflichten für beide Vertragsparteien in einem einigermaßen ausgewogenen Verhältnis stehen, sonst schlägt die Generalnorm des §138 BGB zu: sittenwidrig! Das gilt für Verträge im Mietrecht, Kaufverträge sowie sonstige (Dauer-) Schuldverhältnisse. Gilt im übrigen auch für Fußballprofiverträge. 😉
Eine Entlohnung im siebenstelligen Bereich ist für jeden Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens dieser Größe locker angemessen.
Was angemessen ist, ist sicher schwierig zu sagen. Erstaunlich ist dann höchstens, dass sich viele, nicht nur Linke, das mit einer gewissen Nonchalance zubilligen, ohne die Aufgabenbeschreibungen genauer zu kennen. Es sind im übrigen auch die selben, die immer wissen, welcher Lohn von unten kommend nicht angemessen ist. Also kurz, die exakt wissen, was ein Mitmensch verdienen darf und was eben nicht.
Next post: Vertragstreue versus Verantwortungsethik – eine Replik
Previous post: Eine Erklärung der amerikanischen Vorwahlen

References: In Dubio
In Dubio
In Dubio
In Dubio
In Dubio

§91
In Dubio
 §138