Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/gesonderte-feststellung-besteuerungsgrundlagen-3123620
Timestamp: 2020-07-06 18:49:52+00:00

Document:
Gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen - und der Progressionsvorbehalt | Rechtslupe
Die Rege­lung gilt sinn­ge­mäß für die geson­der­te Fest­stel­lung gemäß § 181 Abs. 1 Satz 1 AO [1]. Ob eine nach­träg­lich bekannt gewor­de­ne Tat­sa­che zu einer höhe­ren Steu­er führt, ist bei der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung von ertrag­steu­er­li­chen Besteue­rungs­grund­la­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO danach zu beur­tei­len, ob und wie sich die Besteue­rungs­grund­la­gen für jeden ein­zel­nen Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten erhö­hen [2]. Ändern sich nicht betrags­mä­ßi­ge Besteue­rungs­grund­la­gen, son­dern wie hier die Ein­ord­nung von Ein­künf­ten unter eine Ein­kunfts­art, ist § 173 Abs. 1 AO eben­falls anwend­bar [3].
Tat­sa­che i.S. des § 173 Abs. 1 AO ist alles, was Merk­mal oder Teil­stück eines gesetz­li­chen Steu­er­tat­be­stands sein kann, also Zustän­de, Vor­gän­ge, Bezie­hun­gen und Eigen­schaf­ten mate­ri­el­ler oder imma­te­ri­el­ler Art. Kei­ne Tat­sa­chen i.S. des § 173 Abs. 1 Nr. 1 AO sind dem­ge­gen­über Schluss­fol­ge­run­gen aller Art, ins­be­son­de­re juris­ti­sche Sub­sum­tio­nen [4]. Wird nach­träg­lich bekannt, dass der Steu­er­pflich­ti­ge nicht erklär­te Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb erzielt hat, so stellt die Höhe die­ser Ein­künf­te die steu­er­lich rele­van­te Tat­sa­che dar, die zu einer Ände­rung nach § 173 AO führt [5]. Auch die Höhe bestimm­ter der Besteue­rung zugrun­de zu legen­der Ein­nah­men ist Tat­sa­che in die­sem Sin­ne [6].
Eine Tat­sa­che ist nach­träg­lich bekannt gewor­den, wenn sie das Finanz­amt bei Erlass des geän­der­ten Steu­er­be­schei­des noch nicht kann­te [7]. Inso­weit gilt der Inhalt der in der zustän­di­gen Dienst­stel­le geführ­ten Steu­er­ak­ten als bekannt, ohne dass es auf die indi­vi­du­el­le Kennt­nis des jewei­li­gen Bear­bei­ters ankommt [8]. Bei Tat­sa­chen, die sich nicht aus den Akten erge­ben, ist hin­ge­gen die posi­ti­ve Kennt­nis des zustän­di­gen Bear­bei­ters erfor­der­lich; ein Ken­nen­müs­sen reicht hier nicht aus [9].
Ein Fest­stel­lungs­be­scheid darf wegen nach­träg­lich bekannt gewor­de­ner Tat­sa­chen oder Beweis­mit­tel nur auf­ge­ho­ben oder geän­dert wer­den, wenn das Finanz­amt bei ursprüng­li­cher Kennt­nis der Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit anders ent­schie­den hät­te [10], d.h. die neu­en Tat­sa­chen bzw. Beweis­mit­tel rechts­er­heb­lich sind. § 173 AO bie­tet kei­ne Rechts­grund­la­ge für die Besei­ti­gung von Rechts­feh­lern [11].
Erheb­lich für die im Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid selb­stän­di­ge Fest­stel­lung zur Qua­li­fi­zie­rung der von der GbR erziel­ten Ein­künf­te als frei­be­ruf­lich bzw. gewerb­lich war der Umstand, dass die GbR in nicht uner­heb­li­chem Umfang Fremd­über­set­zun­gen in nicht von den Gesell­schaf­tern der GbR beherrsch­ten Spra­chen zuge­kauft hat [12]. Die recht­zei­ti­ge Kennt­nis des im Streit­jahr bestehen­den Umfangs an Fremd­über­set­zun­gen hät­te zu einer abwei­chen­den Fest­stel­lung der Art der Ein­künf­te der GbR als Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb geführt.
z.B. BFH, Urteil vom 24.06.2009 – IV R 55/​06, BFHE 226, 14, BStBl II 2009, 950[↩]
BFH, Urteil in BFHE 226, 14, BStBl II 2009, 950[↩]
vgl. z.B. Söhn in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 181 AO Rz 20b; von Wedel­städt in Beermann/​Gosch, AO § 173 Rz 39.1[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urteil vom 19.02.2013 – IX R 24/​12, BFHE 240, 265, BStBl II 2013, 484, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 26.06.2014 – VI R 94/​13, BFHE 246, 182, BStBl II 2014, 864[↩]
BFH, Urteil vom 01.10.1993 – III R 58/​92, BFHE 172, 397, BStBl II 1994, 346[↩]
BFH, Urteil vom 23.04.1991 – VIII R 87/​87, BFH/​NV 1992, 75[↩]
z.B. BFH, Urteil vom 13.01.2011 – VI R 61/​09, BFHE 232, 5, BStBl II 2011, 479[↩]
BFH, Beschluss vom 14.05.2013 – X B 33/​13, BFHE 241, 9, BStBl II 2013, 997; BFH, Urteil vom 03.05.1991 – V R 36/​90, BFH/​NV 1992, 221, m.w.N.[↩]
z.B. BFH, Beschluss in BFHE 241, 9, BStBl II 2013, 997; vgl. auch BFH, Urtei­le vom 13.06.2012 – VI R 85/​10, BFHE 238, 295, BStBl II 2013, 5; vom 13.01.2011 – VI R 62/​09, BFH/​NV 2011, 751, m.w.N.[↩]
z.B. BFH, Urteil vom 09.04.2014 – X R 1/​11, BFH/​NV 2014, 1499; Beschluss vom 23.11.1987 – GrS 1/​86, BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180[↩]
z.B. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180[↩]
BFH, Urteil vom 21.02.2017 – VIII R 45/​13[↩]

References: § 181
 § 180
 § 173
 § 173
 § 173
 § 173
 § 173
 § 181
 § 173