Source: https://www.steuerschroeder.de/steuer/e-bilanz-3/
Timestamp: 2019-05-27 14:21:05+00:00

Document:
E-Bilanz - Steuer.org
Allgemein Steuern, E-Bilanz
Informationen zur Einführung der elektronischen Bilanz nach § 5b EStG
Elektronik statt Papier – Einfacher, schneller und günstiger berichten mit der E-Bilanz
1. „Elektronik statt Papier“ – Ausbau von E-Taxation
2. Die E-Bilanz – von Startschuss bis zum Zieleinlauf
3. E-Bilanz – Nachgefragt
3.2 Datenschemata/ Taxonomien
3.3 Kein Erfassungstool
3.4 E-Bilanz heute
3.5 Blick in die Zukunft
3.6 Fehlermeldungen
3.7 Betriebsprüfungen
5. Anhänge: Wichtige BMF-Schreiben zur E-Bilanz
Ende 2008 wurde das Gesetz zur Modernisierung und Entbürokratisierung des Steuerverfahrens verabschiedet, mit dem der Gesetzgeber die Strategie verfolgt, die elektronische Kommunikation zwischen Finanzverwaltung und Steuerpflichtigen auszubauen. Unter dem Motto: „Elektronik statt Papier“ soll die Steuererhebung im Interesse von Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Verwaltung so bürokratiearm wie möglich gestaltet werden.
In der bisherigen Praxis werden Bilanzen als Unterlage zur Steuererklärung bei der Finanzverwaltung in Papierform eingereicht, obwohl in der Mehrzahl der Fälle die Daten auf Seiten der Unternehmer als strukturierte Information in elektronischen Systemen zur Verfügung stehen. Aus diesen Daten werden kostenintensiv Papierberichte für Besteuerungszwecke größtenteils manuell generiert. Auf Seiten der Verwaltung müssen die Papierunterlagen wiederum händisch erfasst werden, um sie elektronisch verarbeiten zu können. Durch die Übermittlung steuererheblicher Daten auf dem Papierweg entsteht ein vermeidbarer, fehleranfälliger und kostenintensiver Medienbruch zwischen den elektronischen Datenhaltungen der Unternehmen und der Datenhaltung der Verwaltung. Dieses Verfahren ist angesichts der weit verbreiteten elektronischen Datenkommunikation unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß.
Allein durch schlichte Umstellung auf die elektronische Kommunikation zwischen Unternehmen und Finanzbehörden wären zentrale Schwächen des bisher papierbasierten Verfahrens nicht beseitigt worden. Des-halb wurde nach einer Lösung gesucht, die sowohl eine hinreichende Standardisierung als auch die notwendige Qualität der Daten sicherstellt und darüber hinaus auch für die Unternehmen ein Nutzenpotenzial über die bloße Erfüllung ihrer steuerlichen Pflichten hinaus birgt. Eine solche Lösung wurde mit der Übermittlung unter Verwendung des freien Standards XBRL gefunden.
Grundlage eines Datenaustausches in XBRL sind gegliederte Datenschemata, sog. Taxonomien. Sie beschreiben den Inhalt und die Struktur von Finanzberichten und dienen als Vorlage oder Baukasten für einen individuellen Abschluss. Vergleichbar einem Kontenrahmen beinhalten sie die Positionen, die für die Darstellung der Abschlussposten genutzt werden können.
Die Taxonomien (Version 5.0 und 5.1) sind auf der Webseite www.eSteuer.de bekannt gegeben. Sie enthalten ein Modul zur Übermittlung von Stammdaten („GCD-Modul“) und ein Modul zur Übermittlung der eigentlichen Abschlussdaten („GAAP-Modul“). Während das GCD-Modul Angaben zum Unternehmen (Firma, Sitz, Eigner, etc.) enthält, werden im GAAP-Modul neben weiteren Berichtsbestandteilen insbesondere die Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung sowie ein Schema für eine strukturierte steuerliche Überleitungs-rechnung vorgehalten. Im Ergebnis hat der Steuerpflichtige wie bisher die Möglichkeit, alternativ eine Handelsbilanz mit Überleitungsrechnung oder eine Steuerbilanz zu übermitteln.
Die Übermittlung der Datensätze erfolgt authentifiziert über das Verfahren ELSTER. Die Datensätze werden bei der elektronischen Übermittlung – mittels des in das Steueranwendungsprogramm einzubindenden ElsterRich-Clients (ERiC) – Prüfungen unterworfen, um sicherzustellen, dass nur valide und plausible Daten übersandt werden. Es wird insbesondere geprüft, ob der Datensatz rechnerisch richtig ist und ob zu allen Mussfeldern Angaben enthalten sind.
2. E-Bilanz – vom Startschuss bis zum Zieleinlauf
Zunächst war vorgesehen, dass Gewinnermittlungen ab dem Wirtschaftsjahr 2011 elektronisch zu übermitteln sind. Im Verordnungswege wurde im Dezember 2010 der Start der E-Bilanz um ein Jahr verschoben. Dies trug u.a. dem Wunsch der Wirtschaft Rechnung, mehr Zeit für die technisch und organisatorisch nötigen Anpas-sungen zu gewinnen. Auch wurde das Zeitfenster genutzt, die Praxistauglichkeit des zur Datenfernübertragung zu nutzenden amtlichen Datensatzes zu erproben. Im Juni 2011 konnte diese Pilotphase erfolgreich abgeschlossen werden. Sie hat gezeigt, dass die elektronische Übermittlung der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung in der von der Finanzverwaltung geforderten Form und mit dem gewünschten Inhalt möglich ist.
Das Anwendungsschreiben vom September 2011 regelt zahlreiche Anwendungshilfen für das neue Übermittlungsverfahren E-Bilanz. So wird es beispielsweise von den Finanzbehörden nicht beanstandet werden, wenn für das erste Wirtschaftsjahr, das nach dem 31. Dezember 2011 beginnt, die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung noch – wie bisher – auf Papier eingereicht werden. Für besondere sachliche Anwendungsbereiche, wie Betriebsstätten, teilweise steuerbefreite Körperschaften und Betriebe gewerblicher Art juristischer Personen öffentlichen Rechts sehen zudem Übergangsregelungen zur Vermeidung unbilliger Härten vor, dass für kalendergleiche Wirtschaftsjahre bis 2014 (abweichende Wirtschaftsjahre bis 2014/2015) die steuerliche Gewinnermittlung weiterhin in Papierform eingereicht werden kann
Unternehmer U betreibt seit Jahren ein bilanzierungspflichtiges Einzelunternehmen. Sein Geschäfts-jahr/Wirtschaftsjahr entspricht dem Kalenderjahr. Im Mai 2013 möchte U seine steuerliche Gewinnermittlung für das Wirtschaftsjahr 2012 an das Finanzamt weiter leiten. Welche Möglichkeiten der Übermittlung bestehen für U?
Die elektronische Übermittlung der steuerlichen Gewinnermittlung nach § 5b EStG ist erstmals für Wirt-schaftsjahre anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2011 beginnen. Grundsätzlich sind die Inhalte der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung für das Wirtschaftsjahr 2012 somit durch Datenfernübertragung auf elektronischem Weg an die Finanzverwaltung zu übermitteln. Für das erste Wirtschaftsjahr, das nach dem 31. Dezember 2011 beginnt (hier Wirtschaftsjahr 2012), wird es von der Finanzverwaltung nach dem BMF-Schreiben vom 28. September 2011 nicht beanstandet, wenn die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung für dieses Jahr noch nicht gemäß § 5b EStG nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung übermittelt werden. Eine Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung können in diesen Fällen in Papierform abgegeben werden. Eine Gliederung der steuerlichen Gewinnermittlung gemäß der Taxonomie ist in diesem Fall nicht erforderlich.
Im Ergebnis steht es U frei, die Abschlussdaten 2012 auf elektronischem oder auf dem Papierweg an die Finanzverwaltung zu übermitteln.
Abwandlung: U möchte den Abschluss des Wirtschaftsjahres 2013 im Mai 2014 bei seinem zuständigen Finanzamt einreichen. Die Einreichung der Bilanz- und Gewinn und Verlustdaten hat nunmehr, der gesetzlichen Verpflichtung folgend, zwingend mittels elektronischer Datenfernübertragung zu erfolgen.
Betroffen sind alle in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtigen, die ihren Gewinn (oder auch Verlust) durch Betriebsvermögensvergleich (Bilanz) nach § 4 Absatz 1, § 5 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sowie §§ 140, 141 der Abgabenordnung (AO) – oder durch die Tonnage nach § 5a EStG – ermitteln. Das sind insbesondere
• alle Unternehmer sowie Land- und Forstwirte, die ein selbständiges Handelsgewerbe betreiben
• Unternehmen, die in Form einer OHG, KG firmieren
• Kapitalgesellschaften (GmbH, AG)
• Nicht-Kaufleute, wenn ihr Gewinn aus Gewerbebetrieb
50.000 Euro im Wirtschaftsjahr übersteigt oder
wenn die Umsätze 500.000 Euro im Kalenderjahr übersteigen,
wenn sich Personengesellschaf-ten oder Einzelunternehmer sowie Land- und Forstwirte
freiwillig ins Handelsregister eintragen lassen
Damit greift die Übermittlungspflicht für alle Unternehmen, die nach handels- oder steuerrechtlichen Bestimmungen eine Bilanz aufzustellen haben oder diese freiwillig aufstellen. Das gilt zugleich auch für auslän-dische Unternehmen mit inländischen Betriebsstätten.
Ausgenommen sind also solche Unternehmen, die weder nach dem HGB noch nach anderen Rechtsvorschriften buchführungspflichtig sind und die ihren Gewinn tatsächlich durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ermitteln (§ 4 Absatz 3 EStG). Dieser Personenkreis gibt eine Anlage EÜR und keine Bilanz ab. Die Anlage EÜR ist nach § 60 Abs. 4 EStDV für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2010 beginnen, ebenfalls elektronisch an die Finanzverwaltung zu übermitteln (Vordrucke 2011 siehe https://www.formulare-bfinv.de, und dort Formulare A – Z/ Anlage EÜR 2011).
Was versteht man unter dem Begriff „Taxonomien“?
Taxonomien sind gegliederte Datenschemata, die den Inhalt und die Struktur von Finanzberichten beschreiben. Die in ihnen vorgehaltenen Berichtsbestandteile dienen wie Lettern im Setzkasten als Vorlage für einen Abschluss. Vergleichbar einem Kontenrahmen enthalten sie die Positionen, die für die individuelle Darstellung der Abschlussposten genutzt werden können.
Gibt es – abhängig von der Betriebsart oder -größe – Unterschiede bezüglich der zu übermittelnden Unterlagen?
Die zu übermittelnden Unterlagen sind grundsätzlich von jedem betroffenen Unternehmen zu übermitteln. Für Unternehmen mit speziellen Rechnungslegungsvorschriften (z.B. bei Banken und Versicherungen) werden branchenspezifische Taxonomien oder Taxonomieerweiterungen zur Verfügung gestellt.
Von der Buchführungspflicht ausgenommene Unternehmen brauchen, wie bereits ausgeführt wurde, keine E-Bilanz abzugeben. Die anderen Unternehmen, die z. B. die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft gewählt haben oder die die nicht unbeträchtlichen Buchführungsgrenzen über-schreiten, werden gleichbehandelt: Die Ta-xonomien umfassen gleichermaßen Positionen für alle Rechtsformen (Einzelunternehmen, Personen- oder Kapitalgesellschaften) und möglichen Berichtsbestandteile (z. B. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang, Lagebericht etc.) sowie für deren ggf. mögliche Darstellungsformen (Gewinn- und Verlustrechnung nach Umsatzkosten- oder Gesamtkostenverfahren). Das Ausmaß der werthaltig zu übermittelnden Datenfelder entspricht aber nahezu dem Umfang heutiger Gewinnermittlungen in Papier-form, weil nur die für das Unternehmen einschlägigen Berichtsbestandteile (Positionen) werthaltig übermittelt werden müssen.
Eine Unterscheidung innerhalb der Taxonomie nach (z.B. steuerlichen) Größenklassen würde zudem dazu führen, dass Unternehmen, die zum Stichtag in eine andere steuerliche Größenklasse eingeordnet wurden, auch ihre Buchführung neu aus-richten müssen. Das ist nicht gewollt, denn das Buchungsverhalten des Steuerpflichti-gen soll weitgehend unangetastet bleiben.
Im Ausnahmefall kann beim örtlich zuständigen Finanzamt im Übrigen ein Härtefallantrag nach § 5b Absatz 2 EStG gestellt werden. (s.u.)
Es kommt darauf an, wie Ihre Buchführung bisher aufgebaut ist. Hier kann ein gemeinsames Gespräch mit dem Steuerberater und dem Anbieter der Buchhaltungssoftware weiterhelfen.
Die Taxonomien weisen bestimmte Positionen als „Mussfelder“, zum Teil mit dem Zusatz „Kontennachweis erwünscht“, aus (Einzelheiten ergeben sich aus dem BMF-Schreiben vom September 20117, den veröf-fentlichten Taxonomiedateien und Leitfäden). Sie stellen den Mindestumfang nach § 51 Absatz 4 Nummer 1b EStG dar. Wie zu verfahren ist, wenn sich ein Mussfeld nicht mit Werten füllen lässt s. u.
In welchen Fällen kann ein Mussfeld mit „NIL“ übermittelt werden und was heißt das?
Nach Randziffer 16 des Anwendungsschreibens des BMF vom 28.09.2011 sind die in den Taxonomien als „Mussfeld“ gekennzeichneten Positionen zwingend zu befüllen. Es wird elektronisch geprüft, ob formal alle Mussfelder in den übermittelten Datensätzen enthalten sind. Sofern sich ein Mussfeld nicht mit Werten füllen lässt, z. B. weil aufgrund der Rechtsform des Unternehmens kein dem Mussfeld entsprechendes Bu-chungskonto geführt wird oder weil sich die benötigte Information aus der ordnungsmäßigen individuellen Buchführung nicht ableiten lässt, ist zur erfolgreichen Übermittlung des Datensatzes die entsprechende Position „leer“ (technisch: NIL-Wert) zu übermitteln. Die Bezeichnung „NIL“ bedeutet „Not in List“ und markiert die Abwesenheit eines Wertes.
Beispiel: Die Taxonomie sieht u.a. vor, die Beteiligungserträge nach steuerlichen Erfordernissen aufzugliedern:
Finanz- und Beteiligungsergebnis Summenmussfeld
Erträge aus Beteiligungen Summenmussfeld
Erträge aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften Mussfeld
Erträge aus Beteiligungen an Personengesellschaften Mussfeld
Soweit das berichtende Unternehmen die Beteiligungserträge nicht nach diesen Kriterien auf getrennten Konten bucht, können die entsprechenden als Mussfeld gekennzeichneten Positionen mit der Angabe NIL übermittelt werden.
Was bedeutet in diesem Zusammenhang „ableitbar“?
Ein Wert ist grundsätzlich aus der Buchführung ableitbar, wenn er sich aus den Buchführungsunterlagen im Sinne des § 140 AO und den steuerlichen Aufzeichnungen ergibt. Die Ableitbarkeit erfasst die Buchführung als Ganzes. Es reicht jedoch aus, die Ableitung der Werte aus dem Hauptbuch vorzunehmen. Dabei ist das ordnungsmäßige individuelle Buchungsverhalten des jeweiligen Unternehmens maßgeblich.
Um Eingriffe in das Buchungsverhalten der betroffenen Unternehmen weitestgehend zu vermeiden, sind in den Taxonomien neben Mussfeldern und fakultativen Positionen auch Auffangpositionen vorgesehen. Sie sollen eine Befüllung des Datensatzes erleichtern, wenn die Information für ein Mussfeld aus der Buchführung nicht abgeleitet werden kann. Zusätzlich mildern Mussfelder mit erwünschtem Kontennachweis den Eingriff in die Buchführung durch eine zu tiefgehende Gliederung ab. Ein Steuerpflichtiger, der eine durch Mussfelder vorgegebene Differenzierung für einen bestimmten Sachverhalt nicht aus der Buchführung ableiten kann, kann zur Sicherstellung der rechnerischen Richtigkeit für die Übermittlung der Daten alternativ die Auf-fangpositionen nutzen. Um arbeitsintensive Nachfragen des Finanzamts zu vermeiden, kann an dieser Stelle freiwillig ein Kontennachweis zur jeweiligen Berichtsposition beigefügt werden. Dies entspricht der bisherigen Praxis, den Finanzbehörden neben dem Abschluss auch eine Summen- und Saldenliste zur weiteren Sachverhaltserläuterung beizulegen.
Die Taxonomie sieht u.a. vor, die Umsatzerlöse nach umsatzsteuerlichen Tatbeständen aufzugliedern. Soweit das berichtende Unternehmen die Umsatzerlöse nicht nach diesen Kriterien auf getrennten Konten bucht, können die entsprechenden als Mussfeld gekennzeichneten Positionen mit NIL übermittelt werden. Die aus diesem Grund nicht zuordenbaren Umsatzerlöse können in der Auffangposition „Umsatzerlöse ohne Zuordnung nach Umsatzsteuertatbeständen“ berichtet werden.
Umsatzerlöse (GKV) Summenmussfeld
in Umsatzerlöse (GKV) erhaltener Bruttowert Summenmussfeld
Erlöse aus Leistungen nach § 13 b UStG Mussfeld
steuerfreie Umsätze nach § 4 Nr. 1 a UStG (Ausfuhr Drittland) Mussfeld
steuerfreie EG-Lieferungen nach § 4 Nr. 1 b UStG (Innergemeinschaftliche Lieferungen) Mussfeld
steuerfreie Umsätze nach § 4 Nr. 8 ff UStG Mussfeld
steuerfreie Umsätze nach § 4 Nr. 2 – 7 UStG Mussfeld
Umsatzerlöse nach § 25 und § 25 a UStG Mussfeld
Umsatzerlöse ohne Zuordnung nach umsatzsteuertatbeständen
Die Gliederungstiefe der Taxonomie erscheint insgesamt ziemlich umfangreich. Ist so viel Information tatsäch-lich nötig?
Die Taxonomie Steuer umfasst Positionen für alle Rechtsformen (Einzelunternehmen, Personen- oder Kapitalgesellschaften) und möglichen Berichtsbestandteile (z. B. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang, Lagebericht etc.) sowie für deren ggf. mögliche Darstellungsformen (Gewinn- und Verlustrechnung nach Umsatzkosten- oder Gesamtkostenverfahren). Wie aus einem Setzkasten können daher aus ihr die für die individuelle Gewinnermittlung benötigten Berichtsbestandteile entnommen werden.
Der Mindestumfang des amtlichen Datensatzes umfasst lediglich ca. 17 v. H. aller möglichen Taxonomiepositionen. Selbst von diesen Positionen muss der Steuerpflichtige grundsätzlich nur solche Mussfelder befüllen, die für seine Rechtsform und seinen Wirtschaftszweig einschlägig sind. Tatsächlich sind aber hiervon nur diejenigen Mussfelder werthaltig zu übermitteln, welche realisierte steuererhebliche Sachverhalte betreffen und sich aus der ordnungsmäßigen individuellen Buchführung ableiten lassen. Alle anderen Datenfelder werden von der eingesetzten Software automatisch ohne Wert (NIL-Wert) übermittelt. Das Ausmaß der werthaltig zu übermittelnden Datenfelder entspricht damit nahezu dem Umfang heutiger Gewinnermittlungen in Papierform.
Die Technik der E-Bilanz greift nicht unmittelbar in die bestehende individuelle Buchführung des Steuerpflichtigen ein. Sie stellt auch keine neuen Anforderungen an die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung. Denn bereits heute müssen steuererhebliche Sachverhalte zeitnah, vollständig und zutreffend in der ordnungsmäßigen Buchführung erfasst werden. Die Organisation der Buchführung wird nur durch die technische Notwendigkeit der Zuordnung der Informationen aus der Rechnungslegung auf die jeweiligen Taxonomiepositionen berührt. Insoweit ist eine Auswirkung auf die individuelle Buchführung der Standardisierungswirkung der E-Bilanz geschuldet. Der einmaligen Belastung durch eine ggf. nötige organisatorische und technische Anpassung stehen aber weitreichenden Vorteile gegenüber.
E-Bilanz schön und gut, aber welche Vorteile bringt die Umstellung für betroffene Unternehmen?
Die Technik XBRL ist vielseitig einsetzbar und kann auch im Rahmen der allgemeinen Finanzberichterstattung verwendet werden, z.B. an den elektronischen Bundesanzeiger, an verbundenen Unternehmen oder an Banken. Die Vorteile des medienbruchfreien, wenig fehleranfälligen und kostensparenden Verfahrens können somit auch für außer-steuerliche Zwecke genutzt werden.
Die E-Bilanz eröffnet daneben die Möglichkeit, die Prozesse zur Erstellung der Steuerberechnung und -erklärung aufzunehmen und neu zu konzipieren. Hierdurch ist künftig eine Entlastung im Rahmen der
Jahresabschlusserstellung möglich. Demnach können Unternehmen, welche die Automatisierungs- und Rationalisierungspotenziale der E-Bilanz nutzen, ihre Kosten senken.
Aus steuerlicher Sicht führt die Technik der E-Bilanz zu einer belastbaren Dokumentation der Gewinnermittlung. Die Möglichkeit der risikoorientierten Fallbearbeitung auf Seiten der Finanzverwaltung kann zu einer zeitnäheren Erlangung von Rechtssicherheit für die Unternehmen führen.
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und bezogene Waren wurden in der GuV bislang unter einem GuV-Posten: „Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren“ ausgewiesen. Eine Aufgliederung nach einzelnen steuerlichen Sachverhalten erfolgte bislang nicht. Wie sind diese Posten in der Taxonomie abzubilden?
Die Taxonomie verlangt eine Aufteilung dieser Aufwendungen in Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und in bezogene Waren mit jeweiliger Aufgliederung der einzelnen steuerlichen Sachverhalte. Eine Änderung des bisherigen Buchungsverhaltens wird dabei jedoch nicht gefordert. Eine Aufteilung ist nur vorzunehmen, soweit dies in der bisherigen Buchführungspraxis auch gemacht wurde. Daher wird nicht beanstandet, wenn der gesamte Wareneinkauf unter den Aufwendungen für bezogene Waren ausgewiesen wird, wenn bisher die Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und bezogene Waren nicht auf getrennten Konten gebucht wurden.
Ein Unternehmer bucht den gesamten Waren- und Materialeinkauf in seiner ordnungsmäßigen individuellen Buchführung auf einem Konto ohne eine Unterscheidung in Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und bezogene Waren. Um einen Eingriff in das bestehende Buchungsverhalten zu vermeiden, kann der Unternehmer den gesamten Wareneinkauf in der Position Aufwendungen für bezogene Waren (ggf. in den entsprechenden Unterkonten) berichten.
Materialaufwand Summenmussfeld
davon Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren – verbundene Unternehmen
Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe Summenmussfeld
Aufwand zum Regelsteuersatz Mussfeld
Aufwand zum ermäßigten Steuersatz Mussfeld
Innergemeinschaftliche Erwerbe Mussfeld
Aufwendungen ohne Zuordnung nach Umsatzsteuertatbeständen
Bestandsveränderungen Mussfeld
Aufwendungen für bezogene Waren Summenmussfeld
Wareneinkauf zum Regelsteuersatz Mussfeld
Wareneinkauf zum ermäßigten Steuersatz Mussfeld
Wareneinkauf ohne Zuordnung nach Umsatzsteuertatbeständen
Wenn die E-Bilanz mir erhebliche Probleme bereitet, bei wem kann ich den sog. Härtefallantrag stellen?
Ein Härtefallantrag nach § 5b Absatz 2 EStG i.V.m. § 150 Absatz 8 AO ist beim jeweils örtlich zuständigen Finanzamt zu stellen. Ein Härtefallantrag ist begründet, wenn die Einhaltung der elektronischen Übermitt-lungsverpflichtung aus persönlichen oder wirtschaftlichen Gründen unzumutbar ist. Der Antrag ist an keine bestimmte Form gebunden. Bereits die Einreichung einer Bilanz auf Papier zusammen mit der Steuererklärung wird im Regelfall als Härtefallantrag ausgelegt werden können, so dass es einer gesonderten Antragstellung nicht bedarf.
Bei der elektronischen Steuererklärung stellt die Finanzverwaltung Software zur Verfügung. Warum wird es für die E-Bilanz kein Erfassungstool geben?
Die Technik XBRL bietet die Möglichkeit, aus elektronischen Buchführungssystemen Daten voll automatisiert in die Positionen der „E-Bilanz“ zu übernehmen. Ein Tool zur händischen Erfassung würde diese Vorteile nicht umsetzen können. Denn nach Erstel-lung der Gewinnermittlung wären die erfor-derlichen Daten zusätzlich wieder in das elektronische System von Hand einzugeben. Dieser Aufwand soll vermieden werden
Die gesetzliche Verpflichtung zur elektronischen Übermittlung bezieht sich auf den Inhalt der Bilanz und – soweit vorhanden – der Gewinn- und Verlustrechnung. Alternativ kann entweder der Inhalt der Handelsbilanz, ergänzt um eine steuerliche Überleitungsrechnung, oder eine gesonderte Steuerbilanz eingereicht werden. Soweit ein Anhang, Lage- und/oder Prüfbericht vorliegt, ist dieser wahlweise in Papierform oder im Rahmen des E-Bilanz-Datensatzes an das Finanzamt zu übermitteln. Änderungen zum Umfang der bisher einzureichenden Unterlagen ergeben sich also nicht.
Ab wann ist die (E-)Bilanz elektronisch zu übermitteln?
Es ist nicht zu beanstanden, wenn für das erste Wirtschaftsjahr, das nach dem 31. Dezember 2011 beginnt, die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung für dieses Jahr noch nicht nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung übermittelt werden. Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung können in diesen Fällen in Papierform und ohne Taxonomiegliederung abgegeben werden (s. auch o. unter 2.).
Die Auffangpositionen sollen mittelfristig evaluiert werden. Heißt das, diese Felder fallen zukünftig ersatzlos weg?
Die vorhandenen Auffangpositionen werden – wie die gesamte Taxonomie – stetig evaluiert. Sie werden sicher auch künftig gebraucht, um im Fluss einer dynamischen Rechtsentwicklung weiche Übergänge auf neue Rechtssituationen zu schaffen. Deshalb wird es dauerhaft Auffangpositionen geben, denn sie werden benötigt, um der gegebenen Rechtssituation gerecht zu werden. Eine Streichung von diesen besonderen Positionen zu einem bestimmten Stichtag war und ist nicht beabsichtigt. In den Evaluierungsprozessen werden interessierte Vertreter der Kammern, Verbände und Unternehmen weiterhin eingebunden.
Welche Auswirkungen haben Gesetzesänderungen auf die E-Bilanz und die Taxonomie?
Ggf. erkennbarer Änderungsbedarf wird nach den aktuellen Planungen einmal im Jahr in ein Taxonomie-Update einfließen.
Was muss ich tun, wenn die Taxonomie fehlerhaft ist oder für die Abbildung meines Abschlusses nötige Positionen fehlen?
Es besteht die Möglichkeit, über den ELSTER-Support (siehe dazu www.eSteuer.de) gefundene Fehler oder Anregungen an die Finanzverwaltung zu melden.
Kann ich bei Bedarf eine bereits abgeschickt E-Bilanz noch mal korrigieren?
Ja, alle E-Bilanzen werden historisiert (ursprüngliche Bilanz, nachfolgende Versionen, Bearbeitervermerke) in einem Festsetzungsspeicher abgelegt.
Welche Bedeutung hat die „E-Bilanz“ für Betriebsprüfungen?
Mit einem sorgfältig befüllten Datensatz erhält die Finanzverwaltung Daten, die zu einer zeitnäheren und treffgenaueren Auswahl der zu prüfenden Betriebe genutzt werden können. Sowohl für den Steuerpflichtigen als auch die Verwaltung werden die zeitlichen und organisatorischen Belastungen einer Betriebsprüfung zurückgeführt.
Die eingereichten Unterlagen dienen nur dem Besteuerungsverfahren und unterliegen dem Steuergeheimnis. Sie können von anderen Unternehmen nicht eingesehen werden. Daher gibt es auch kein entsprechendes Portal.
Die Übermittlung der Datensätze erfolgt als authentifizierte ELSTER-Übermittlung. Eine Einsichtnahme in die Daten durch Dritte ist – anders als etwa beim öffentlichen Register des Bundesanzeigers – nicht möglich. Die E-Bilanz-Daten unterliegen dem Steuergeheimnis.
4. Fazit und Ausblick E-Bilanz
Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts E-Bilanz dient nachhaltig dem Bürokratieabbau und der Verwaltungsvereinfachung: Die Unternehmen können ihre steuerlichen Pflichten elektronisch und damit schnell, kostensparend und medienbruchfrei erfüllen. Die E-Bilanz ist als ein Baustein zu sehen, der die einzelnen Stufen des steuerlichen Deklarations- und Besteuerungsprozesses organisationsübergreifend und automationsgestützt miteinander verbindet (E-Taxation-Wertschöpfungskette). Diese Verbindung hilft, das Verwaltungshandeln evolutionär moderner, leistungsfähiger und effizienter zu gestalten. Die Standardisierung der Datenstrukturen und Arbeitsabläufe bei gleichzeitig umfassender IT-Unterstützung erlaubt eine rechnergesteuerte, gezielte Fallbearbeitung (Risikomanagement) und damit – bereits im Massenverfahren der jährlichen Steuerveranlagung – eine zugleich kostengünstige, zeitnahe und qualitativ hochwertige Rechtsanwendung. Die E-Bilanz ist über-dies unabdingbare Voraussetzung für das Institut der zeitnahen Betriebsprüfung. Denn mit der Einführung der „E-Bilanz“ erhält die Finanzverwaltung strukturierte Datensätze, mittels derer sie die Auswahl der zu prüfenden Unternehmen automationsunterstützt und am steuerlichen Risikopotential des Einzelfalles ausrichten kann. Dies dient insgesamt der Steuergerechtigkeit und schont Ressourcen bei Unternehmen und Verwaltung.
Darüber hinaus bieten sich den Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten zur Hebung von Effizienzrenditen. Neben den Nutzungsmöglichkeiten von XBRL in der allgemeinen Finanzberichterstattung, z.B. an den elektronischen Bundesanzeiger, an verbundene Unternehmen oder Banken, ist hier die frühzeitige Erlangung von Rechtssicherheit für die Unternehmen als Ergebnis der risikoorientierten Fallbearbeitung auf Seiten der Verwaltung zu nennen.
Weitergehende Informationen zur E-Bilanz abrufbar im Internet unter:
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References: § 5
 § 5
 § 5
 § 4
 § 5
 § 5
 § 60
 § 5
 § 51
 § 140
 § 13
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 25
 § 25
 § 5
 § 150
 § 118