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Timestamp: 2019-09-16 09:53:00+00:00

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socialnet Rezensionen: Othmar Jauernig (Begr.): Bürgerliches Gesetzbuch | socialnet.de
Othmar Jauernig (Begr.): Bürgerliches Gesetzbuch. Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (Auszug) ; Kommentar. Verlag C.H. Beck (München) 2014. 15., neubearb. Auflage. 2367 Seiten. ISBN 978-3-406-65246-2. 69,00 EUR.
Das Werk kommentiert die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) sowie – auszugsweise – die Vorschriften des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Nicht kommentiert sind insoweit insbesondere die Vorschriften über die Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle (§§ 25 ff. AGG).
Entstehungsgeschichte, Begründer und Autoren
Der „Jauernig“ – Teil der renommierten Reihe der „Gelben Erläuterungsbücher“ des Verlags C.H. Beck – zählt zu den Klassikern unter der BGB-Kommentaren. Erstmals erschien der damals und bis zur 14. Auflage von Othmar Jauernig herausgegebene Kommentar im Jahre 1979. Die 15. Auflage markiert einen schweren Verlust: Denn der Namensgeber Jauernig verstarb im Frühjahr 2014, also kurz nachdem er die Herausgeberschaft für das – auch weiterhin seinen Namen tragende – Werk in die Hände von Rolf Stürner gelegt hatte.
Der Autorenkreis setzt sich ausschließlich aus namhaften Universitätsprofessoren zusammen. Neben dem Herausgeber Stürner (Universität Freiburg) haben Christian Berger (Universität Leipzig), Heinz-Peter Mansel (Universität zu Köln), Astrid Stadler (Universität Konstanz) und Arndt Teichmann (Universität Mainz) die Kommentierungen verfasst.
Die Autoren kommentieren die Vorschriften der fünf Bücher des BGB sowie der zivilrechtlichen Teile des AGG. Wo es sich aus systematischen und inhaltlichen Gründen anbietet, werden – wie z.B. bei den §§ 80 bis 84 BGB zur Entstehung der Stiftung – mehrere Vorschriften zusammen kommentiert. Teilweise wird die Kommentierung – wie z.B. zur fortgesetzten Gütergemeinschaft (§§ 1483 bis 1518 BGB) – verknappt in den Vorbemerkungen zum jeweiligen Regelungskomplex dargestellt. Einigen Kommentierungen (so z.B. bei § 437 BGB über die Rechte des Käufers bei Mängeln) sind kurze Literaturverzeichnisse vorangestellt. Die Kommentierungen selbst sind durchweg übersichtlich gegliedert; das Schriftbild und der bedachte Einsatz von Fettdruck zur Kennzeichnung wichtiger Schlagworte oder Tatbestandsmerkmale tragen ebenso zur Übersichtlichkeit bei wie der weitgehende Verzicht auf Abkürzungen.
Die Erläuterungen konzentrieren sich (verständnisfördernd) auf die grundlegende Dogmatik und die – orientiert vor allem an der Rechtsprechung des Bundesgerichtshof und der Obergerichte – wesentlichen Probleme der Rechtsanwendung. Die für die Ausbildung und die Praxis zentralen Vorschriften vor allem im Allgemeinen Teil, im Schuld- und Sachenrecht sind ausführlicher behandelt. (Weiterführende) Literatur und Rechtsprechung werden im erforderlichen Umfang nachgewiesen. Insgesamt gilt unverändert das (Vor-) Wort der 1. Auflage 1979: „In gestraffter Darstellung werden die für Studium, Ausbildung, Prüfung und Praxis wichtigen Fragen behandelt.“
An Prägnanz und Schärfe sind die Kommentierungen des Jauernig unübertroffen. Jedes Wort ist wohlbedacht, die Erläuterungen beschränken sich treffsicher auf das für das Verständnis und für die Auseinandersetzung mit dem Gesetz Wesentliche. Gleichwohl gehen die Kommentierungen über das bloße das Referieren von Meinungen weit hinaus; die Autoren vertreten vielmehr meinungsstark ihre eigenen Ansichten. Fast schon legendär ist insoweit der noch aus der Feder Jauernigs stammende Satz zu § 90a BGB (dort, Rn. 1): „§ 90a ist symbolische Gesetzgebung, rechtlich funktionslos; hat Rechtslage nicht geändert, sondern ein außerrechtliches Bedürfnis an Explizität des Impliziten gestillt“.
Rechtsprechung und Literatur berücksichtigen die Kommentierungen bis April 2013, Gesetzesänderungen konnten noch bis Juni 2013 verarbeitet werden. Literatur- und Rechtsprechungsnachweise wurden durchgängig aktualisiert.
Der Jauernig ist ein zuverlässiger Begleiter – ob für die Wissenschaft oder für die Praxis. Die Kommentierungen sind durchweg aktuell und ihrem Umfang nach der Bedeutung (soweit sich das abstrakt sagen lässt) der kommentierten Vorschriften angemessen; dasselbe gilt für die nachgewiesene Rechtsprechung und Literatur. Wenn es nicht gerade darum geht, die Kasuistik zu einer Norm in vollem Umfang nachzuvollziehen, sondern um Grundsätzlicheres, erspart der Griff zum „kleinen Gelben“ oftmals die (zeit-) aufwendigere Recherche in größeren Werken.
Dass bei der Fülle des Materials einzelne Gerichtsentscheidungen unberücksichtigt bleiben, ist naturgemäß (leider) nicht zu vermeiden. So ist entgegen der Darstellung unter § 275 Rn. 14 eine Luftbeförderung nach neuerer Auffassung des BGH grundsätzlich kein absolutes Fixgeschäft (vgl. BGH NJW 2009, 2743 f.).
Völlig neu respektive aktualisiert sind z. B. die Erläuterungen von Berger/Mansel zu den Neuregelungen der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Ehegatten (§§ 1626a-1626e Rn. 1 ff.) sowie – mit zahlreichen Literaturnachweisen zur kontroversen Debatte – zu der durch eine Entscheidung des LG Köln motivierten Neuregelung in § 1631d BGB über die Beschneidung des männlichen Kindes (§§ 1631-1633 Rn. 8).
Die erst im Juni 2014 in Kraft getretenen geänderten Vorschriften über das Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen sind (immerhin) in ihrem Wortlaut im Anhang abgedruckt (S. 2275-2289).
Ein bewährter Ratgeber ist und bleibt der Jauernig auch zu den Rechtsproblemen des durch die Schuldrechtsreform im Jahre 2001 neugefassten Allgemeinen und Besonderen Schuldrechts. Wo es maßgebliche Rechtsprechung gibt, wird diese nachgewiesen; im Übrigen weisen die Autoren dem Leser nahezu überall zuverlässig den Weg durch das vielerorts vorherrschende Dickicht der Literaturmeinungen. Es sind nur Ausnahmen, die die Regel bestätigen: Legt man die Kommentierungen bei § 438 Rn. 4 und § 439 Rn. 15 nebeneinander, so bleibt letztlich unklar, ob nach Auffassung Bergers bei mangelhafter Nachbesserung die Frist des § 438 BGB neu zu laufen beginnt (§ 439 Rn. 15) oder nicht (§ 438 Rn. 4).
Die Erläuterungen im Jauernig sind in ihrer sprachlichen Schärfe, Präzision und Verständlichkeit hohe (Kommentar-) Kunst. Für den schnellen Zugriff sowie zum Verständnis der „Grundlinien“ des bürgerlichen Rechts ist der Jauernig jedem in Studium, Ausbildung, Prüfung und Praxis Tätigen nachdrücklich und uneingeschränkt zu empfehlen.
RA, Hamburg
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Jakob Hoffmann-Grambow. Rezension vom 17.11.2014 zu: Othmar Jauernig (Begr.): Bürgerliches Gesetzbuch. Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (Auszug) ; Kommentar. Verlag C.H. Beck (München) 2014. 15., neubearb. Auflage. ISBN 978-3-406-65246-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17622.php, Datum des Zugriffs 16.09.2019.

References: § 437
 § 90
 § 275
 BGH 
 BGH 
 § 1631
 § 438
 § 439
 § 438