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Timestamp: 2020-06-06 00:36:19+00:00

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Plötzlicher Antrag nach §212 Inso im Forum für Insolvenzrecht
Plötzlicher Antrag nach §212 Inso
Beitrag von Julius Stranz » 01.11.19, 12:27
Guten Tag, folgender imaginärer Fall:
Insolvenz steht kurz vor dem Abschluss, aufgrund überraschender Erbschaft hat Verwalter 100% Erfüllung angekündigt. Schlussverteilung ist ca. zur Hälfte durch, wird aber laut Verwalter noch ein paar Wochen dauern.
Nun reicht Insolvenzschuldner Antrag auf §212 ein mit der Bitte das Verfahren einzustellen wegen 100%. Gläubiger haben eine Woche Zeit für Widerspruch.
Ist dieser Antrag dazu geeignet die Schlussverteilung zu gefährden? Schließlich behauptet der Insolvenzzschuldner ja dass der Eröffnungsgrund, seine Schulden die durch die Verteilung getilgt werden sollen, weg seien.
Re: Plötzlicher Antrag nach §212 Inso
Beitrag von Der Internationale » 04.11.19, 10:32
Fühle ich eine gewisse Feindseligkeit gegenüber in Ihrem Text? Wenn der Nikolaus dem Schuldner unerwartet und zu früh jede Menge Kohle in die Schuhe gesteckt hat, dann MUSS ein Antrag gem. § 212 InsO zwangsläufig plötzlich kommen. Sie sollten die Sache NACH ihrem Freudentanz vollkommen nüchtern sehen. Denn das was Sie schreiben kann nicht das sein was wirklich passiert (ist). Insofern Konzentration auf's tatsächliche, statt Rochus auf den Schuldner.
Wenn die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners weggefallen ist, dann wird er wohl ALLE seine Schulden demnächst bezahlen, Also auch die nachrangigen wie Zinsen etc. GLÜCKWUNSCH! Dass er das kann, das hat er dem Insolvenzgericht glaubhaft zu machen. Insofern passiert da nicht irgendwas, weil der Schuldner "im Wald bellt" oder so. Wenn das Gericht die Nikolaus-Schuhe des Schuldners geprüft hat, dann erlässt es einen Einstellungsbeschluss nach § 212. Diesen können Sie dann ja in Ruhe prüfen. Wenn Sie dann rausfinden, dass der Schuldner gar keine Nikolaus-Schuhe hat, sondern nur Oster-Strümpfe mit 2 roten Cent-Stücken, dann steht Ihnen gegen den Einstellungsbeschluss das Rechtsmittel der sofortigen Beschwerde zu. Diese ihre Beschwerde muss dem Gericht binnen 2 Wochen ab Kenntnis des Einstellungsbeschlusses vorliegen. Ergo: ihr 8-Tage-Vortrag ist Kappes. Wahrscheinlich haben Sie Gelegenheit zu Stellungnahme erhalten.
Beitrag von Dirty Uschi » 04.11.19, 10:56
Julius Stranz hat geschrieben: ↑
01.11.19, 12:27
Wie ist eine Schlussverteilung "zur Hälfte durch"? Gab es eine Abschlagsverteilung? Gab es überhaupt einen Schlusstermin?
Ist dieser Antrag dazu geeignet die Schlussverteilung zu gefährden? Schließlich behauptet der Insolvenzschuldner ja dass der Eröffnungsgrund, seine Schulden die durch die Verteilung getilgt werden sollen, weg seien.
Wenn der Antrag begründet ist, dann ist er geeignet die Schlussverteilung zu gefährden, weil eine solche dann nicht mehr stattfindet. Der Schuldner erhält die Verfügungsbefugnis über sein Vermögen zurück und muss sich dann selbst um die Befriedigung der Gläubiger kümmern.
die genannte Frist bezieht sich nicht auf die Einstellung des Verfahrens nach § 216 InsO, sondern auf § 214 Abs. 1 Satz 3 InsO, den Antrag des Schuldners.
Beitrag von Der Internationale » 04.11.19, 13:58
Dirty Uschi hat geschrieben: ↑
04.11.19, 10:56
echte Fortbildung, danke. Diese Frist hatte ich nicht auf dem Radar.

References: §212
 §212
 §212
 §212
 § 212
 § 212
 § 216
 § 214