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Timestamp: 2019-11-21 09:16:50+00:00

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Kin­der­geld für eine in den Nie­der­lan­de arbei­ten­de Mut­ter | Rechtslupe
Nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 EStG hat zwar der­je­ni­ge für Kin­der Anspruch auf Kin­der­geld, wer im Inland einen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat. Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüll­te in dem vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall die Klä­ge­rin. Aller­dings arbei­tet sie in den Nie­der­lan­den – und dies ließ ihren Kin­der­geld­an­spruch nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf wie­der ent­fal­len:
Ob und in wel­cher Höhe der Klä­ge­rin für ihre Toch­ter Kin­der­geld zusteht, rich­tet sich aus­schließ­lich nach den Vor­schrif­ten der Ver­ord­nung (EWG) 1408/​71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwen­dung der Sys­te­me der sozia­len Sicher­heit auf Arbeit­neh­mer, Selb­stän­di­ge sowie deren Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge, die inner­halb der Gemein­schaft zu- und abwan­dern 1 und der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 574/​72 des Rates vom 21. März 1972 über die Durch­füh­rung der VO Nr. 1408/​71 2, da das Kin­der­geld in den sach­li­chen Gel­tungs­be­reich der Vor­schrift fällt 3 und die Klä­ge­rin auf­grund ihrer nicht­selbst­stän­di­gen Tätig­keit in den Nie­der­lan­den im strei­ti­gen Zeit­raum Arbeit­neh­me­rin im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung war.
Nach Art. 13 Abs. 2 lit.a) Ver­ord­nung (EWG) 1408/​71 unter­liegt eine Per­son, die im Gebiet eines Mit­glied­staa­tes im Lohn- oder Gehalts­ver­hält­nis beschäf­tigt wird, grund­sätz­lich den Rechts­vor­schrif­ten des Beschäf­ti­gungs­staa­tes und zwar auch dann, wenn sie im Gebiet eines ande­ren Mit­glieds­staa­tes wohnt. Ins­be­son­de­re hat nach Art. 73 VO Nr. 1408/​71 ein Arbeit­neh­mer, der in einem Mit­glied­staat arbei­tet, für sei­ne Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, die in einem ande­ren Mit­glied­staat woh­nen, Anspruch auf Fami­li­en­leis­tun­gen nach den Rechts­vor­schrif­ten des Beschäf­ti­gungs­staa­tes, als ob die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen im Gebiet des Beschäf­ti­gungs­staa­tes wohn­ten. Zweck die­ser Rege­lung ist es, alle Arbeit­neh­mer eines Lan­des unab­hän­gig von ihrem Wohn­ort gleich­zu­stel­len. Die­se Vor­schrift gilt auch dann, wenn die Leis­tun­gen in dem Beschäf­ti­gungs­land nied­ri­ger sind, als die im Wohn­sitz­land. Durch die­se Vor­schrif­ten wird die Anwen­dung deut­schen Kin­der­geld­rechts ver­drängt 4. Dem Kin­der­geld­be­rech­tig­ten steht auch kein Anspruch auf Zah­lung der Dif­fe­renz zwi­schen dem nied­ri­ge­ren aus­län­di­schen und dem deut­schen Kin­der­geld zu. Dif­fe­renz­kin­der­geld ist nach Art. 10 Abs. 1 Buchst. a der VO (EWG) Nr. 574/​72 nur zu gewäh­ren, wenn einem Eltern­teil Fami­li­en­leis­tun­gen nach dem Recht des Beschäf­ti­gungs­lan­des zuste­hen, wäh­rend der ande­re Eltern­teil für das­sel­be Kind in dem Wohn­land der Fami­lie Kin­der­geld bean­spru­chen kann. Der Grenz­gän­ger selbst hat im Wohn­land kei­nen Anspruch auf Dif­fe­renz­kin­der­geld 5. Die­se Rechts­fol­ge ist ver­fas­sungs­ge­mäß 6.
Auf die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Müns­ter vom 30. April 2009 – 7 kann die Klä­ge­rin sich nicht mit Erfolg beru­fen. Das Urteil betrifft zum einen die Fra­ge des inlän­di­schen Kin­der­geld­an­spruchs einer allein erzie­hen­den, in den Nie­der­lan­den beschäf­tig­ten Mut­ter für ein voll­jäh­ri­ges Kind, für das nach dem Recht des Beschäf­ti­gungs­lan­des ein Kin­der­geld­an­spruch nicht besteht, zum ande­ren die Fra­ge der Anwen­dung des Art. 10 VO (EWG) 574/​72 auf den kin­der­geld­be­rech­tig­ten Arbeit­neh­mer selbst. Nach Ansicht des Gerichts im dor­ti­gen Fall ergibt sich aus der Ent­schei­dung des EuGH vom 20. 5. 2008 (Bos­mann) eine Anwen­dung des Art. 10 nicht nur für den Fall, dass ande­re Per­so­nen eben­falls Anspruch auf Fami­li­en­leis­tun­gen haben, son­dern auch in Bezug auf den Arbeit­neh­mer selbst, so dass der Klä­ge­rin Dif­fe­renz­kin­der­geld zuge­spro­chen wur­de. Die­ser Auf­fas­sung ver­mag das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf nicht zu fol­gen. Nach Ansicht des Sena­tes betrifft Art. 76 der VO (EWG) 1408/​71 und Art. 10 der VO (EWG) 574/​72 nur den – hier nicht vor­lie­gen­den – Fall, in dem ande­re Per­so­nen Anspruch auf Kin­der­geld gel­tend machen, weil der Ehe­gat­te des in Deutsch­land Kin­der­geld­be­rech­tig­ten im Aus­land arbei­tet und des­halb der Anspruch des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten ruht.
Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 30. August 2010 – 7 K 4726/​09 Kg
kon­so­li­dier­te Fas­sung, Amts­blatt der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten – AblEG – Nr. L 28 vom 30.01.1997, S. 1[↩]
kon­so­li­dier­te Fas­sung, AblEG Nr. L 28 vom 30.01.1997, S. 1[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 13.08.2002 – VIII R 70/​99, BFH/​NV 2003, 29[↩]
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 110, 412, BFH/​NV 2005, Bei­la­ge 1, 33, m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 24.03.2006, BFHE 212, 551BStBl II 2008,369 m.w.N.[↩]
FG Müns­ter, Urteil vom 30.04.2009 – 11 K 998/​06[↩]

References: § 62
 Art. 13
 Art. 73
 Art. 10
 Art. 10
 EuGH 
 Art. 10
 Art. 76
 Art. 10