Source: https://studylibde.com/doc/7035255/evaluation-1999-94-eg-duh-position-20160115
Timestamp: 2019-08-19 15:14:28+00:00

Document:
Konsultation zur Richtlinie 1999/94/EG
über die Bereitstellung von Verbraucherinformationen über den
Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen beim Marketing für neue
Personenkraftwagen1
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Register-Nr. im Transparenzregister: 03506017714-81
Evaluation of Directive 1999/94/EC relating to the availability of consumer information on fuel economy and CO2 emissions in respect of the marketing of new passenger cars
1. Zusammenfassung ........................................................................................................ 3
2. Erfolge der Richtlinie 1999/94/EG ................................................................................. 4
2.1. Artikel 2: Definitionen ................................................................................................ 4
Artikel 2 Nr. 9: Begriff „Werbeschriften“ ....................................................................................... 4
Artikel 2 Nr. 11: Begriff „Modell“ ................................................................................................... 5
2.2. Artikel 3 / Anhang I: „Hinweis“ ................................................................................... 6
2.3. Artikel 6 Satz 2: “Werbematerial” ............................................................................... 7
2.4. Artikel 11: Sanktionen ................................................................................................ 9
2.5. Anhang IV: Angaben in Werbeschriften ...................................................................... 9
3. Änderungsbedarf ........................................................................................................ 10
3.1. Einführung europaweit einheitlicher CO2-Effizienzklassen......................................... 11
3.1.1. Einführung eines CO2-Effizienzlabels ................................................................................. 11
3.1.2. Angabe der CO2-Effizienzklasse und des CO2-Effizienzlabels in der Werbung ................. 12
3.1.3. Realitätsgerechte Abbildung des Stromverbrauchs im CO2-Effizienzlabel ....................... 13
3.2. Abschaffung der Spannweitenangaben..................................................................... 13
3.3. Ausdehnung des Geltungsbereichs der Richtlinie auf Gebrauchtwagen ..................... 15
3.3.1. Kennzeichnungspflicht für Gebrauchtwagen .................................................................... 15
3.3.2. hilfsweise Konkretisierung der Definition „Neue Personenkraftwagen“ (Art. 2. Nr. 2) .. 16
3.3.3. Wegweisende Beispiele aus der Rechtsprechung ............................................................. 18
3.4. Kennzeichnungspflicht für in elektronischer Form verbreitetes Werbematerial ......... 20
3.5. Konkrete Vorgaben zur Marktüberwachung ............................................................. 22
3.6. Verankerung jährlicher Berichtspflichten .................................................................. 22
3.7. Ausgewählte Änderungsanträge im Einzelnen .......................................................... 23
4. Anlagen ...................................................................................................................... 33
4.1. Ergebnis der Abfrage bei den Vollzugsbehörden zur Marktüberwachung .................. 33
4.2. Ausgewählte Gerichtsentscheidungen deutscher Gerichte ........................................ 39
4.2.1. Anhang IV: Angaben in Werbeschriften ............................................................................ 39
4.2.2. Werbung in digitalen Medien / Neue Werbeformen ........................................................ 40
Die Richtlinie 1999/94/EG hat entscheidend zur Verbesserung der Information des Verbrauchers über den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen von Neufahrzeugen beigetragen.
Die deutsche Rechtsprechung hat sich seit Inkrafttreten der Richtlinie 1999/94/EG und der
nationalen Umsetzungsnorm durch die PKW-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung
(PKW-EnVKV) ausführlich mit den geltenden Rechtsbestimmungen auseinandergesetzt und
dabei ausgewogene, wegweisende Entscheidungen getroffen, die sich insbesondere an der
Zwecksetzung der Richtlinie orientieren. Eine Novellierung der Richtlinie muss dabei berücksichtigen, dass sie diesen Entscheidungen für einen effektiven Verbraucherschutz nicht die
Rechtsgrundlage entzieht und im Handel und bei Herstellern von PKW nicht zu Verunsicherung führt.
Die deutsche Rechtsprechung hat Rechtsbegriffe wie z.B. „Werbematerial“ (Art. 6) konkretisiert und dadurch einen verlässlichen Rechtsrahmen für Händler und Hersteller von PKW bei
der Bewerbung von Neufahrzeugen in Deutschland geschaffen. Die Formulierungen zur
Größe der Pflichtangaben zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen in Werbeschriften (Anhang IV) wurden durch höchstrichterliche Entscheidungen mit Leben erfüllt.
Die Lenkungswirkung der Angaben zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen bei verständigen, aufgeklärten Verbrauchern gemäß des EU-Verbraucherleitbildes und die marktsteuernde Wirkung dieser Informationspflichten sollte daher umsichtig gestärkt und ausgebaut
Im Grundsatz fordern wir daher die Beibehaltung der Vorgaben, empfehlen aber die Aufnahme bzw. Änderung folgender Punkte:
Einführung eines Energieverbrauchlabels für PKW mit den CO2-Effizienzklassen A-G.
Bezugsgröße für die Klasseneinteilung je nach CO2-Ausstoß sollte dabei die „Fahrzeugstandfläche“ (Produkt aus Spurweite und Radstand) nach Verordnung (EG) Nr.
443/2009 sein. Fahrzeuge der Klasse A müssen weniger als 90 g CO2/km emittieren.
Ausdehnung der Kennzeichnungspflichten auf Gebrauchtfahrzeuge ggf. mit Kilometerobergrenze bei 50.000 km
Abschaffung der Spannweitenangaben bei der Bewerbung mehrerer Modelle, da
diese dem Verbraucher keine Entscheidungshilfe bieten und keine Marktanreizwirkung entfalten.
Kennzeichnungspflicht bei in elektronischer Form verbreitetem Werbematerial
Aufnahme von Vorgaben zur Marktüberwachung sowie Verankerung jährlicher Berichtspflichten
2. Erfolge der Richtlinie 1999/94/EG
Die deutsche Rechtsprechung hat sich seit Inkrafttreten der Richtlinie und der nationalen
Umsetzungsnorm durch die PKW-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (PKWEnVKV) ausführlich mit den geltenden Rechtsbestimmungen auseinandergesetzt und dabei
ausgewogene, wegweisende Entscheidungen getroffen, die sich insbesondere an der Zielsetzung der Richtlinie orientieren. Diese Entscheidungen haben einen verlässlichen Handlungsrahmen für Hersteller und Händler im Marketing für neue PKW in Deutschland geschaffen.
2.1. Artikel 2: Definitionen
Unter Bezugnahme auf die jeweiligen Normen der Richtlinie werden im Folgenden beispielhaft ausgewählte Urteile deutscher Gerichte vorgestellt.
Artikel 2 Nr. 9: Begriff „Werbeschriften“
Mehrere Gerichtsentscheidungen führten zu einer Präzisierung des Begriffs der Werbeschriften, z.B.:
Oberlandesgericht Oldenburg, Hinweisbeschluss vom 18.06.2014 (Az.: 6 U 76/14):
„Zwar hat die Beklagte den Inhalt des streitgegenständlichen Artikels – anders als wie bei Anzeigen üblich – nicht selber vorgegeben, sondern er ist von einem Redakteur recherchiert und verfasst worden. Mit
zutreffender Begründung, auf die Bezug genommen wird, hat das Landgericht in dem angefochtenen
Urteil ausgeführt, dass der Text als sog. verschleierte Werbung aufgemacht sei, in dem vordergründig
der Bericht über das Fahrzeug […] als Produktberichterstattung aufgemacht sei, tatsächlich jedoch im
Text versteckte Werbebotschaften enthalten seien; der Text würde ausschließlich die Vorzüge des Fahrzeugs […] hervorheben, irgendwelche Kritikpunkte jedoch vermissen lassen; […] Der vermeintlich redaktionelle Artikel ist augenscheinlich mit der Anzeige auf derselben Zeitungsseite „gekoppelt“. […] Unstreitig
ist kausal wegen der Schaltung der Werbeanzeige der Beklagten […] auf derselben Seite im Rahmen eines vermeintlichen redaktionellen Beitrags eine positive Darstellung des Fahrzeugs […] erfolgt. […]
Es handelt sich bei dem streitgegenständlichen Artikel um eine Zugabe außerhalb der Werbeanzeige
i.S.v. Ziff. 9 der ZAW-Richtlinien, nämlich um eine zusätzliche Gegenleistung des Verlegers, die im Zusammenhang mit der Erteilung eines Anzeigenauftrags veröffentlicht worden ist, dabei in Form günstiger
Beurteilung oder dem Anschein der Objektivität den Anzeigenauftraggeber oder seine Erzeugnisse erwähnt und hierdurch dem Erwerbsstreben dient, ohne diese Absicht erkennen zu lassen (vgl. auch Bornkamm/Köhler-Köhler, UWG, 31. Aufl. 2014, ³ 4 Rz. 3.27 c).“
Oberlandesgericht Braunschweig, Beschluss vom 05.06.2012 (Az.: 2 U 45/12):
„So hat der Zeuge ausgesagt, dass es sich um einen kostenfreien PR-Text handele, der als Sonderaktion
zu der kostenpflichtigen Anzeige […] dazu geliefert worden sei. Der Kunde müsse sagen, ob er Interesse
an einer Anzeige und einem PR-Artikel habe, und könne auch wählen, ob der PR-Artikel sich mit demselben Modell befasse, welches in der Anzeige beworben werde, oder einem anderen. […]
Da der Beklagte den Inhalt des Beitrags, anders als bei Anzeigen üblich, nicht vorgegeben hat, er vielmehr von einem Redakteur gefertigt wurde, geht es um die Abgrenzung von Werbung und redaktionellem Text. Entsprechend den für die lauterkeitsrechtliche Beurteilung des Handelns von Presseorganen
entwickelten Grundsätzen ist hier von Werbung auszugehen. Der Artikel über den […] stellt nur einen angeblich redaktionellen Beitrag dar, der tatsächlich aber Werbebotschaften integriert und im Ergebnis als
Werbung einzustufen ist. Der Artikel ist unzweifelhaft auf eine positive und damit werbende Darstellung
angelegt. Unter Verwendung einer reklamehaften Sprache und von Bildmaterial des Herstellers werden
die Vorzüge des Produkts unkritisch herausgestellt.
Richtig ist zwar, dass auch redaktionelle Beiträge werbenden Charakter haben können und bei Einhaltung bestimmter Voraussetzungen zulässig sind […]. Hier liegt jedoch ein Fall unzulässiger (verschleierter) Werbung und nicht etwa einer, wie der Beklagte meint, zulässigen Produktberichterstattung vor,
weil der als redaktioneller Beitrag aufgemachte Artikel versteckte Werbebotschaften enthält und über
die Unabhängigkeit der Berichterstattung täuscht. Nach dem oben Gesagten trägt das Erscheinen des
Artikels gerade nicht dem allgemeinen Informations- und Aufklärungsbedürfnis der Öffentlichkeit Rechnung.“
Landgericht Traunstein, Urteil vom 30. Juli 2014 (Az.: 1 HK O 110/14):
„Die Kammer hat keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem im Klageantrag wiedergegebenen Text um
eine Werbeschrift nach dieser Definition handelt. Dies beginnt schon damit, dass der Text ausdrücklich
als „Anzeige“ überschrieben ist. Der laufende Text geht sodann ersichtlich über eine bloße Berichterstattung über ein Ereignis heraus. Die emotionale anpreisende Beschreibung der Marke AMG und ihrer Produkte zielt eindeutig darauf ab, Kaufinteresse beim Leser zu wecken und zu steigern. […]
Selbst wenn der Text nicht von ihr vorgegeben worden sein sollte, so ist die Beklagte hierfür wenigstens
unter dem Aspekt der Täterschaft durch Unterlassen verantwortlich. § 5 I Pkw-EnVKV bestimmt unter
anderem, dass Händler, die Werbeschriften verwenden, „sicherzustellen“ haben, dass die Angaben über
Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen gemacht werden. Das bedeutet, dass die Norm dem Händler
entsprechende gesteigerte Handlungs- und Überwachungspflichten auferlegt, was den Inhalt der Werbeschrift angeht. Diesen gesteigerten Pflichten ist die Beklagte nicht nachgekommen. Der Zeuge […],. der
beim OVB für die Anzeigenakquise zuständig war, konnte nur angeben, dass der Text – üblicherweise –
von einem Mitarbeiter der Sonderseitenredaktion verfasst und dafür grob mit dem Kunden abgesprochen
wird. Ob der Kunde den Text dann noch genehmigt, wusste er nicht.“
Artikel 2 Nr. 11: Begriff „Modell“
Der Modellbegriff als Handelsbezeichnung der Fabrikmarke unterteilt in „Typ“, „Variante“
und „Version“ bereitet in der Praxis Schwierigkeiten. Hierzu trägt maßgeblich bei, dass die
Richtlinie in derzeitiger Fassung den Rückgriff auf einen einheitlichen Modellbegriff durch
Einführung des ergänzenden, nicht näher definierten Begriffs des „bestimmten Modells“ in
Anlage 4 erschwert. Dem widersprechend ermöglicht Art. 2 Nr. 5 und 6 auch bei Vorliegen
mehrerer Versionen und Varianten die Kennzeichnungspflichten auslösende Einordnung eines Fahrzeugtyps als Modell.
Gleichwohl ist es der Rechtsprechung gelungen, den Modellbegriff näher einzugrenzen.
Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 10.05.2012 (Az.: 6 U 81/11):
„Leitsatz: Wird in der Werbung für ein Kraftfahrzeug neben der Fabrikmarke auch ein bestimmter Fahrzeugtyp genannt, sind Angaben zu den Kraftstoffverbrauchs- und CO2-Werten erforderlich, da die Ausnahmevoraussetzungen gemäß Anlage 4 zu § 5 PKW-EnVKV, Abschnitt I Nr. 3 nicht erfüllt sind. […]
Nach der Definition des Verordnungs- und des Richtliniengebers ist das „Modell“ die Handelsbezeichnung
eines Fahrzeugs, bestehend aus der Fabrikmarke (Handelsname des Herstellers) und dem Typ sowie gegebenenfalls der Variante und der Version (§ 2 Nr. 15 PKW-EnVKV; Art. 2 Nr. 11 Richtlinie 1999/94/EG).
Das bedeutet allerdings nicht, dass erst jede einzelne Variante oder Version eines Fahrzeugtyps ein „bestimmtes Modell“ darstellt. Gemäß Art. 2 Nr. 5 und 6 der Richtlinie können vielmehr „unter einem Modell
mehrere Varianten und/oder Versionen zusammengefasst“ sein mit der Folge, dass der Wert „dieses Modells“ auf der Grundlage der Variante oder Version mit dem höchsten Wert „innerhalb dieser Gruppe“
Daraus folgt, dass bereits die aus Fabrikmarke und Typ zusammengesetzte Handelsbezeichnung als „bestimmtes Modell“ im Sinne von Anlage 4 (zu § 5) Abschnitt I Nr. 3 zur PKW-EnVKV bzw. Anhang IV zur
Richtlinie 1999/94/EG , letzter Satz, anzusehen ist, und zwar unabhängig davon, ob dieser Typ in weiteren Varianten oder Versionen angeboten wird. Dafür spricht im Übrigen, dass die Verwendung einer solchen – aus Fabrikmarke und Typ zusammengesetzten – Bezeichnung nach dem Wortsinn der genannten
Vorschriften ohnehin nicht als Werbung „lediglich für die Fabrikmarke“ eingestuft werden kann.“
2.2. Artikel 3 / Anhang I: „Hinweis“
CO2-Effizienzlabel in Deutschland
Die Kennzeichnung von Neuwagen nach CO2-Effizienzklassen spielt für kaufinteressierte Verbraucher eine immer wichtigere Rolle. Eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (dena)
ergab, dass 73 Prozent derer, die das Pkw-Label kennen, es als sehr wichtig oder eher wichtig für ihre Kaufentscheidung betrachten. Seit der Einführung der Kennzeichnung im Jahr
2011 ist dieser Wert laut Deutscher Energieagentur um 15 Prozent gestiegen. Zudem sind
Kraftstoffverbrauch und -kosten trotz niedriger Kraftstoffpreise nach wie vor die wichtigsten
Auswahlkriterien für potenzielle Neuwagenkäufer.2
Mit der Einführung des Energielabels für PKW (§ 3a PKW-EnVKV) hat der deutsche Gesetzgeber den Versuch einer Einteilung von PKW in CO2-Effizienzklassen unternommen.
Die in der deutschen Pkw-EnVKV festgelegte gewichtsbezogene Einteilung in Effizienzklassen
ist jedoch ungeeignet, um Verbrauchern eine sinnvolle Orientierung zur Wahl emissionsärmerer Fahrzeuge zu bieten. Sie bevorzugt schwere Fahrzeuge mit absolut hohen CO2-Emissionen und bietet Herstellern zu wenig Anreize, leichtere und emissionsärmere Modelle zu
entwickeln. Ein Vorschlag, wie die Einteilung von PKW in CO2-Effizienzklassen erfolgen sollte,
findet sich unter 3.1.1. dieser Stellungnahme.
Um eine bessere Vergleichbarkeit unterschiedlicher Fahrzeugmodelle sicherzustellen, darf
bei der Kennzeichnung ausgestellter Fahrzeuge nicht vom vorgeschriebenen Formblatt mit
der farbigen CO2-Effizienzskala abgewichen werden.
http://www.dena.de/presse-medien/pressemitteilungen/umfrage-pkw-label-ist-autokaeufern-wichtigerdenn-je.html
Das Oberlandesgericht München führte in seinem Urteil vom 06.10.2011 (Az.: 29 U 2574/11)
„Zu diesen Anforderungen gehört es gemäß Abschnitt I Nr. 2 Satz 1 der Anlage I zur Pkw-EnVKV, dass der
Hinweis einheitlich nach dem Formblatt in Abschnitt II der Anlage 1 zur Pkw-EnVKV zu erstellen ist. […]
Die dargestellten Verpflichtungen stehen […] nach dem klaren Wortlaut der Rechtsverordnung nicht zur
Disposition des Kennzeichnungspflichtigen. […].
Die von der Beklagten erteilten Hinweise entsprechen weder in ihrer Gestaltung noch in Schrifthöhe und
Schriftgrad dem Formblatt […] All dies beeinträchtigt die Wahrnehmung der Verbraucher im Sinne einer
Wiedererkennung dieses Hinweises als Hinweis i.S. von Anlage 1 zur Pkw-EnVKV.“
Das Landgericht Essen entschied am 07.06.2013 wie folgt (Az.: 45 O 4/13):
„Dabei muss der Hinweis die CO2-Effizienzklasse nach § 3a Abs. 2 enthalten sowie den Anforderungen
der Anlage 1 entsprechen. Danach ist der Hinweis einheitlich nach dem Formblatt in Abschnitt 2 der Anlage zu erstellen und das auf dem Formblatt enthaltene Balkendiagramm mit den verschiedenen Klassen
der CO2-Emissionswerte gemäß der in Ziffer 7 der Anlage 1 aufgelisteten Farbzusammensetzung zu gestalten. Da das von der Beklagten verwandte Formblatt lediglich ein in schwarz-weiß bzw. Grautönen
gestaltetes Balkendiagramm zeigte, liegt ein Verstoß gegen § 3 Abs. 1 Ziff. 1 i.V.m. Anlage 1 PKW-EnVKV
vor. […]
Das System der farbigen Effizienzskala stärke – wie die Erfahrungen im Bereich der Haushaltsgeräte gezeigt hätten – den Absatz der als effizient bezeichneten Produkte und führe demgemäß zu einer Verlagerung des Kaufverhaltens […] Dabei erleichtert die farbliche Darstellung im Sinne eines Ampelsystems das
Verständnis des Balkendiagramms. Es ist insoweit allgemeines Verständnis, dass grün grundsätzlich im
positiven und rot im negativen Sinn zu verstehen ist. […] Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil – anders als die Beklagte meint – das System der farbigen Effizienzskala bereits für die nach der EnVKV relevanten Haushaltsgeräte eingeführt wurde.“
Das Landgericht Koblenz führte in seinem Urteil vom 28.05.2013 (Az.: 1 HK O 122/12) aus:
„Dabei ist es dem Händler nicht freigestellt, in welcher Weise er die Information vornehmen will; er hat
vielmehr das dort vorgeschriebene, aktuelle, farbige Formblatt zu verwenden. […]
Eine Bagatelle liegt nicht vor. Vielmehr ist die unlautere Handlung der Beklagten geeignet, die Interessen
von Verbrauchern spürbar zu beeinträchtigen. Das ist nach der obergerichtlichen Rechtsprechung bei
Verstößen gegen Vorschriften, die auf Unionsrecht beruhen, schon grundsätzlich der Fall. Vorliegend
liegt eine Verletzung von Verbraucherinteressen aber schon deshalb auf der Hand, weil die Beklagte in 4
Fällen veraltete Formulare verwendet hat, und damit dem Verbraucher es schon gar nicht ermöglicht
nach CO2 Effizienzklassen auszuwählen. Dass in 2 Fällen das zwar aktuelle aber nicht farbige Formblatt
verwendet wurde, ist ebenfalls geeignet Verbraucherinteressen spürbar zu beeinträchtigen, da die Effizienzklassen ähnlich einer Ampel von rot bis grün gestaltet sind und dem Verbraucher gerade durch diese
Farbgestaltung die Auswahl eines „CO2 günstigen“ Fahrzeugs ermöglichen sollen.“
2.3. Artikel 6 Satz 2: “Werbematerial”
Die deutschen Gerichte haben sich ausführlich mit den unterschiedlichen Formen von Marketing für Neufahrzeuge auseinandergesetzt und hierbei eine Konkretisierung des Begriffs
des Werbematerials vorgenommen:
Das Oberlandesgericht Stuttgart fasst unter den Begriff der Werbung in seinem Urteil vom
30.09.2010 (Az.: 2 U 45/10) Kundenmagazine und Presserechtliche Erzeugnisse:
„Nach Art. 2 lit a der Richtlinie 2006/114/EG fällt unter den Werbebegriff „jede Äußerung bei der Ausübung eines Handels, Gewerbes, Handwerks oder freien Berufs mit dem Ziel, den Absatz von Waren oder
die Erbringung von Dienstleistungen, einschließlich unbeweglicher Sachen, Rechte und Verpflichtungen
zu fördern“ […] Der Begriff der „Äußerung“ ist weit zu verstehen. […] Werbung liegt auch dann vor, wenn
ein Unternehmen sich die Äußerungen Dritter, wie etwa wissenschaftliche Untersuchungen […] oder
Presseberichte […] zu Werbezwecken zu eigen macht […]. Nicht anders zu beurteilen als das sich zu eigen
machende Verwenden von Presseartikeln ist es, wenn das Unternehmen selbst ein presserechtliches Erzeugnis herausgibt, welches im Ganzen oder zu Teilen der Absatzförderung dient.
Dass in der Absatzförderung der einzige Zweck der Publikation liege, ist für die Einordnung einzelner
Passagen als Werbung nicht erforderlich. […] Auch muss die Absatzförderung nicht offen und unmittelbar betrieben werden. Entscheidend ist der mit der Veröffentlichung verfolgte Zweck. Daher reicht es
aus, wenn der dem gewünschten Unternehmensverständnis entsprechende Ruf mittelbar oder gar verdeckt gefördert werden soll. […]
Aber auch der vorgetragene Inhalt des Magazins lässt den Rückschluss zu, dass der Name […] und damit
zugleich der Ruf des Unternehmens durch diese Publikation gestärkt und dadurch sein Absatz zumindest
mittelbar gefördert werden soll, indem in erster Linie bestehende Kundenbindungen gepflegt und gefestigt und in zweiter […] Fans, die noch keine Kunden sind, bei der Stange gehalten werden. […] Diesen
Zweck belegt auch der Umstand, dass in der Veröffentlichung neue Fahrzeugtypen der Beklagten vorgestellt werden, während - was als Kontrollüberlegung dienen mag - weder Fahrzeuge von Konkurrenten
der Beklagten dort in gleicher Weise besprochen werden, noch Kritik an den Produkten der Beklagten
geübt wird“.
Oberlandesgericht München, Urteil vom 05.06.2014 (Az.: 29 U 197/14) sieht öffentlich zugängliche Presseveröffentlichungen von der Kennzeichnungspflicht erfasst:
„Die konkrete und detaillierte Darstellung der beiden neuen Fahrzeugmodelle der Beklagten in dem PDFDokument gemäß Anlage K 4 diente dazu, deren Absatz zu fördern. Dass dies nicht durch unmittelbare
Ansprache der als Kunden in Betracht kommenden Endabnehmer bewirkt werden sollte, sondern durch
Ansprache von Presseangehörigen, die ihrerseits durch ihre Berichterstattung als Multiplikatoren auf die
potentiellen Endabnehmer einwirken, ist für das Vorliegen eines objektiven Zusammenhangs ohne Belang. […]
Die beanstandeten Inhalte des Internetauftritts der Beklagten stellen Werbematerial in diesem Sinn dar.
Sie waren für jedermann im Internet frei zugänglich, so dass sie schon aus diesem Grund in der Öffentlichkeit verwendet wurden, zumal der allgemein übliche Einsatz von Suchmaschinen das Auffinden auch
von Inhalten erlaubt, die in einen umfangreicheren Internetauftritt eingebettet sind. Aber auch die Ausrichtung der Inhalte auf die Presse spricht entgegen der Auffassung der Beklagten nicht gegen die Annahme einer Verwendung in der Öffentlichkeit, sondern dafür. Denn die Angehörigen der Presse sollten
nicht um ihrer selbst willen informiert werden, sondern die ihnen zur Verfügung gestellten Informationen
weitergeben und auf diese Weise zu deren Wirkung in der breiten Öffentlichkeit beitragen.
Die beanstandeten Informationen dienten auch, wie sich schon aus ihrem Inhalt ergibt, der Vermarktung
und Werbung für Verkauf und Leasing neuer Personenkraftwagen. Auch insoweit ist es ohne Belang,
dass dieser Zweck nach der Vorstellung der Beklagten nicht durch unmittelbare Ansprache der potentiellen Endabnehmer, sondern über Presseveröffentlichungen erreicht werden sollte. Ob die Beklagte über
die Informationsbereitstellung hinaus Einfluss darauf hat, in welcher Weise die Medienvertreter über die
Produkte der Beklagten berichten, ist für die Zielrichtung der Informationen ohne Belang.“
Laut Landgericht Tübingen, Urteil vom 28.02.2014 (Az.: 21 O 55/13) gilt die Kennzeichnungspflicht auch bei Gewinnspielen:
„Entgegen der Auffassung der Beklagten ist nicht nur die […] Verlags GmbH als Werbende anzusehen,
sondern auch die Beklagte selbst. Diese ist bei dem hier in Rede stehenden Gewinnspiel Werbepartnerin
der Jubilarin gewesen und hat bezweckt, durch die Auslobung eines Neufahrzeugs auf sich aufmerksam
zu machen, ihre Marke und ihre Produkte zu präsentieren und so den eigenen Absatz zu fördern. Für die
angesprochenen Verkehrskreise war dadurch, dass in den Anzeigen die Beklagte als Spenderin des
Hauptpreises genannt worden ist, klar, dass nicht die Verlags GmbH den Hauptpreis stellt, sondern die
Beklagte, die damit auch eigene wirtschaftliche Absatzabsichten und –zwecke verfolgt hat. Die Gegenleistung für die unentgeltliche Zurverfügungstellung eines Neuwagens bildete gerade die Verschaffung
einer geeigneten Plattform für die eigene Werbung. Anders wäre der Sachverhalt nur zu beurteilen,
wenn die Beklagte auf ihren Firmenzusatz verzichtet hätte, was gerade nicht der Fall war.“
2.4. Artikel 11: Sanktionen
Die DUH erfragt jährlich auf der Basis des deutschen Umweltinformationsgesetztes (UIG) das
Kontrollverhalten der für den Vollzug der deutschen Norm verantwortlichen Bundesländer.
Insgesamt lässt sich eine zurückhaltende Kontrolle und Sanktionierung von Verstößen gegen
die Vorgaben der Richtlinie 1999/94/EG durch staatliche Marktüberwachungsbehörden feststellen. Da die Vorgaben als Marktverhaltensregelungen einzuordnen sind (vgl. BGH,
04.02.2010 - I ZR 66/09, „Gallardo Spyder“), werden staatliche Vollzugsdefizite durch marktinterne Überwachungsmaßnahmen im Wege der Nutzung wettbewerbsrechtlicher Sanktionsmechanismen ergänzt. In einer Gesamtschau ist festzustellen, dass die Einhaltung der
Kennzeichnungsvorschriften daher regelmäßig öffentlich-rechtliche und/oder zivilrechtliche
Überprüfung erfährt.
Der deutsche Gesetzgeber hat in § 12 EnVKG im Gegensatz zur Richtlinie Berichtspflichten
der Marktüberwachungsbehörden gegenüber übergeordneten Behörden und mittelbar auch
gegenüber der Kommission verankert. In Erfüllung dieser Berichtspflichten werden die
durchgeführten Kontroll- und Sanktionsmaßnahmen regelmäßig dargestellt.
2.5. Anhang IV: Angaben in Werbeschriften
Die deutsche Rechtsprechung konnte auf der Basis der Richtlinie sowie der deutschen Umsetzungsnorm Klarheit im Marketing für PKW in Werbeschriften herbeiführen. Eine Modifizierung oder gar Aufweichung dieser Norm würde zu einer erheblichen Verunsicherung der
Pflichtadressaten führen.
Die u.g. Beispielanzeigen veranschaulichen die Verbesserung der Kennzeichnung hin zu einer
Konfrontation des Verbrauchers mit den Angaben zu Kraftstoff und CO2-Emissionen.
Beispiel Werbeanzeige 2008:
Beispiel Werbeanzeige 2015:
Weiterhin verweisen wir auf ausgewählte Gerichtsentscheidungen zur Frage der Schriftgröße
in Werbeanzeigen im Anhang 4.2. Rechtsprechung.
3. Änderungsbedarf
Die DUH unterstreicht die Lenkungswirkung der Richtlinie 1999/94/EG sowie der deutschen
Umsetzungsnorm (PKW-EnVKV) für Verbraucher sowie Händler und Hersteller von PKW. Die
Notwendigkeit zur Fortschreibung der Richtlinie sieht die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)
auf Grund der bereits erfolgten Konkretisierungen und Interpretationen durch die Rechtsprechung daher nur in wenigen Punkten – insbesondere um Handel, Herstellern und Verbrauchern noch mehr Rechtssicherheit zu gewährleisten.
Die deutsche Pkw-EnVKV berücksichtigt die Begebenheiten des Marktes, insbesondere der
Online-Werbung und des Fernabsatzhandels in stärkerem Maße als die Mutterrichtlinie. Eine
Novellierung der Richtlinie 1999/94/EG müsste dabei berücksichtigen, dass sie den o.g. wegweisenden Entscheidungen deutscher Gerichte für möglichst effektiven Verbraucherschutz
nicht die Rechtsgrundlage entzieht.
3.1. Einführung europaweit einheitlicher CO2-Effizienzklassen
3.1.1. Einführung eines CO2-Effizienzlabels
Eine EU-weit einheitliche Einordnung von Personenkraftwagen in aussagekräftige CO2-Effizienzklassen und die Abbildung ebendieser in geeigneter Weise in der Werbung, am Verkaufsort und in virtuellen Verkaufsräumen würde einen Vergleich verschiedener Fahrzeuge
mit Blick auf die jeweilige Klimaschädlichkeit erleichtern und den Erwägungsgründen 4 und 5
der Richtlinie dadurch in angemessener Weise Rechnung tragen. Für die Einteilung in eine
bestimmte Effizienzklasse muss dabei auf taugliche Parameter zurückgegriffen werden, die
eine realitätsgerechte und ernstliche Abbildung der Klimaschädlichkeit ermöglichen.
Keinesfalls sollte das „deutsche Modell“ der Berechnung über das Fahrzeuggewicht übernommen werden, da dieses ineffiziente, schwere Fahrzeuge unsachgemäß bevorzugt. Mit
der Einführung des Energielabels für PKW (§ 3a PKW-EnVKV) hat der deutsche Gesetzgeber
den Versuch einer Einteilung von PKW in Energieeffizienzklassen unternommen. Die deutsche Ausgestaltung, die das Fahrzeuggewicht im Verhältnis zum CO2-Ausstoß zur Grundlage
der Effizienzklasseneinteilung nimmt, ist jedoch nicht geeignet, Verbrauchern eine klimapolitisch sinnvolle, hilfreiche Orientierung zur Wahl emissionsärmerer Fahrzeuge zu bieten. Sie
bevorzugt schwere Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen und bietet Herstellern zu wenig
Anreize, leichtere und emissionsärmere Modelle zu entwickeln.
Die Berechnungsgrundlage führt zu absurden Ergebnissen, was folgendes Beispiel verdeutlicht: Ein SUV AUDI Q7 erhält mit einem CO2-Ausstoß von 189 g/km und einem Gewicht von
über 2,3 Tonnen eine Einteilung in die Effizienzklasse B und liegt damit noch im grünen Bereich, währenddessen es für den 930 kg leichten Kleinwagen Toyota Aygo mit einem CO2Ausstoß von 105g/km nur für Effizienzklasse C reicht.
Die Einteilung in emissionsabhängige CO2-Effizienzklassen sollte die tatsächliche Nutzbarkeit
anhand des Platzangebots im Alltag berücksichtigen und so einen tauglichen Fahrzeugvergleich ermöglichen. Eine weitaus bessere Bezugsgröße für die Einteilung in CO2-Effizienzklassen als die Fahrzeugmasse ist die „Fahrzeugstandfläche“ („footprint“, Produkt aus Spurweite
und Radstand). Im Gegensatz zu alternativen Maßen für das Platzangebot eines Fahrzeugs
wie der Anzahl der Sitzplätze und dem Kofferraumvolumen ist die Fahrzeugstandfläche weniger anfällig für Herstellermanipulationen. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Größe bereits
auf Grundlage der Verordnung (EG) Nr. 443/2009 im Zulassungsverfahren erhoben wird und
ein Wechsel des Bezugsparameters deshalb schnell umgesetzt werden kann.3
Vgl. Ökopol (2013): Kurzgutachten zur Entwicklung einer alternativen Berechnungsgrundlage zur Änderung
der PKW-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung. Für das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. https://www.umwelt.nrw.de/fileadmin/redaktion/endbericht_pkw_envkv.pdf
Zusätzlich sollte die Einordnung in die günstigste Effizienzklasse A an die Bedingung geknüpft
werden, dass der CO2-Ausstoß weniger als 90 g/km betragen muss. Dass dies auch bei familientauglichen Modellen mit großem Platzangebot schon heute möglich ist, zeigen die bestplatzierten Modelle der Auto-Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in den Kategorien Familienautos und 7-Sitzer4. Eine Einordnung von Fahrzeugen mit einem Emissionswert von 90 bis 95g/km CO2 in Effizienzklasse B schafft für Hersteller Anreize, zeitnah energieeffizientere Pkw zu entwickeln. Die Werbetauglichkeit der Energieeffizienzklasse A wird
gesteigert. Darüber hinaus fördert eine Abbildung überdurchschnittlicher Werte in der
Klasse B die Erreichung der Effizienzziele der EU und wirkt einer zeitnah erforderlichen Überarbeitung der Klassengrenzwerte entgegen. Die Effizienzskala sollte auf die Klassen A bis G
begrenzt werden mit einer Anpassung der Grenzwerte mindestens alle zwei Jahre an den
technischen Fortschritt. Eine Erweiterung der Skala um immer weitere A-Plus-Klassen würde
die Wirksamkeit der Kennzeichnung einschränken, da Verbraucher schon die Klasse A ohne
Pluszeichen als sehr gute Bewertung empfinden und sich der Anreiz für Hersteller zur Entwicklung effizienterer Fahrzeuge verringert.
Das CO2-Effizienzlabel sollte in einheitlicher grafischen Darstellung auf einem offiziellen
Formblatt gemeinsam mit dem Kraftstoffverbrauch und den CO2-Emissionen am Verkaufsort
und in virtuellen Verkaufsräumen angegeben werden. Die Angaben müssen auch bei flüchtigem Lesen leicht verständlich, deutlich sichtbar und gut lesbar sein und in virtuellen Verkaufsräumen dem Benutzer zudem spätestens in dem Augenblick zur Kenntnis gelangen, in
welchem er ein Fahrzeugmodell ausgewählt oder eine Konfiguration abgeschlossen hat.
3.1.2. Angabe der CO2-Effizienzklasse und des CO2-Effizienzlabels in der Werbung
Die Angabe vergleichbarer Effizienzparameter in der Werbung ermöglicht eine informierte
Entscheidung des Verbrauchers bei der Produktwahl. Entsprechend den positiven, marktstimulierenden Erfahrungen mit der Pflicht zur Angabe der Energieeffizienzklasse gemäß der
Energieverbrauchskennzeichnungs-Richtlinie 2010/30/EG (die auf weitaus energieverbrauchsärmere Produkte als Pkw Anwendung findet) und der auf Ihrer Basis erlassenen Verordnungen sollte die Richtlinie daher vorsehen, dass die CO2-Effizienklasse angegeben werden muss, sobald für ein Modell im Sinne der Richtlinie geworben wird. Auf diese Weise gewinnt die CO2-Effizienklasse als Verkaufsargument an Bedeutung. Eine entsprechende Kennzeichnungspflicht stimuliert den Markt für verbrauchsarme Fahrzeuge.
Sofern, wie etwa im Internet, ausreichend Platz für Zusatzinformationen vorhanden ist,
sollte außerdem das offizielle Formblatt mit dem Effizienzlabel angegeben werden. Jedenfalls aber sollte zusätzlich zum Kraftstoffverbrauch, den CO2-Emissionen und der CO2-Effizienzklasse eine grafische Darstellung der Übersicht der Effizienzklassen einschließlich der
konkreten Einteilung des jeweiligen Pkw abgebildet werden
https://www.vcd.org/themen/auto-umwelt/vcd-auto-umweltliste/
3.1.3. Realitätsgerechte Abbildung des Stromverbrauchs im CO2-Effizienzlabel
Im Zusammenhang der Einführung eines CO2-Effizienzlabels sollte auch die zunehmende Bedeutung von rein elektrisch betriebenen Personenkraftwagen durch die Richtlinie aufgegriffen werden. Dabei sollte die Richtlinie auch Informationspflichten für den Stromverbrauch
entsprechender Personenkraftwagen vorsehen.
Die Einbeziehung des Stromverbrauchs in die Kennzeichnungspflicht macht eine entsprechende textliche Änderung der Richtlinie und des Leitfadens erforderlich. Die deutsche PkwEnVKV bietet hier Anhaltspunkte. Hierzu bedarf es unter anderem einer realitätsgerechten
Berechnungsgrundlage für die CO2-Emissionen elektrisch betriebener Fahrzeuge. Die Umweltauswirkungen des Stromverbrauchs als aus Elektrizitätsnetzen entnommene alternative
Antriebsenergie infolge der jeweiligen europäischen Stromzusammensetzung und dessen
Maßgeblichkeit im Vergleich zu kraftstoffbetriebenen Fahrzeugen sollte hierbei ebenfalls
hinreichend berücksichtigt werden. Der Stromverbrauch sollte in Kilowattstunden je 100 Kilometern (kWh/100 km) angegeben werden.
3.2. Abschaffung der Spannweitenangaben
Wie bereits dargestellt, führt die Einordnung eines Fahrzeugtyps auch bei Vorliegen mehrerer Varianten und Versionen als Modell zu zufriedenstellenden Ergebnissen, was die mit der
Richtlinie bezweckte Verbraucherinformation betrifft. Gleichwohl hat der Bundesgerichtshof
höchstrichterlich entschieden, dass keine Pflicht zur Angabe des Kraftstoffverbrauchs und
der CO2-Emissionen bestehe, wenn unter einem Modell mehrere Varianten und Versionen
Bundesgerichtshof, Urteil vom 24. Juli 2014 (Az.: I ZR 119/13):
„Nach den im zweiten Rechtszug nicht angegriffenen Feststellungen des Landgerichts gibt es von dem
mit der von der Klägerin beanstandeten Werbeschrift beworbenen Personenkraftwagen „Mercedes-Benz
SLK“ etwa mit dem „SLK 200“, dem „SLK 250“ und dem „SLK 350“ mehrere Varianten bzw. Versionen und
damit auch mehrere Modelle. Eine Verpflichtung zur Angabe der gemäß § 5 Abs. 1 und Abschnitt I der
Anlage 4 der Pkw-EnVKV zu machenden Angaben hätte für die Beklagte danach nur dann bestanden,
wenn sie etwa für das Modell „Mercedes-Benz SLK 200“ geworben hätte. […]
Dem Vorstehenden steht nicht entgegen, dass nach § 2 Nr. 6 Pkw-EnVKV in Verbindung mit Art. 2 Nr. 6
der Richtlinie 1999/94/EG dann, wenn unter einem Modell mehrere Varianten und/oder Versionen zusammengefasst sind, der Wert für die CO2-Emissionen dieses Modells auf der Grundlage der Variante
oder Version mit den höchsten offiziellen CO2-Emissionen innerhalb dieser Gruppe anzugeben sind […]
Diese beiden Bestimmungen sind […] auf die Richtlinie 70/156/EWG […] bezogen […].
Danach können bei einem Fahrzeugtyp wegen Unterschieden in der Motorleistung oder im Hubraum
auch in unterschiedlichem Umfang CO2-Emissionen auftreten. Diesem Umstand trägt die in § 2 Nr. 6
Pkw-EnVKV in Verbindung mit Art. 2 Nr. 6 der Richtlinie 1999/94/EG enthaltene Regelung Rechnung.
Diese Vorschriften lassen aber keinen Rückschluss darauf zu, was unter einem Modell im Sinne von § 5
Abs. 1 und Abschnitt I der Anlage 4 der Pkw-EnVKV zu verstehen ist.“
Die bisherige Regelung widerspricht dem Grundsatz der Widerspruchsfreiheit der Norm. Sie
sorgt für ein erhebliches Maß an Rechtsunsicherheit. Je nach Lesart werden Informationsvorgaben ausgehebelt. Spannweitenangaben bei der Bewerbung mehrerer Modelle sind
auch nicht geeignet, Verbraucher in tauglicher Weise über Kraftstoffverbrauch und CO2Emissionen zu informieren, sondern ermöglichen es vielmehr, qualitativ schlechte Verbrauchs- und CO2-Werte verschiedener Modelle durch Hinzunahme bereits eines effizienteren Fahrzeugs in die Werbung zu verdecken.
Wir regen deshalb an, die klimapolitisch sinnvollen Regelungen aus Artikel 2 Nr. 5 und 6 zur
Angabe der Werte der Variante oder Version mit dem höchsten Kraftstoffverbrauch und
CO2-Ausstoß in die Anforderungen an die Werbung in Anhang IV der Richtlinie aufzunehmen
und die Ausnahmeregelung zur Angabe von Spannweiten zu streichen. Diese Klarstellung
hätte zur Folge, dass – entsprechend der bisherigen Intention des europäischen Gesetzgebers in Art. 2 Nr. 5 und 6 sowie Anlage 4 der Richtlinie 1999/94/EG – nur die Werbung für
eine Fabrikmarke von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen ist, nicht jedoch die Werbung für einen Fahrzeugtyp. Es würde zudem einen Anreiz für Hersteller schaffen, die CO2Emissionen für sämtliche Varianten und Versionen eines Typs zu reduzieren. Auch dürfte die
Klarstellung dazu führen, dass Händler verstärkt umweltfreundliche Versionen bewerben, da
sie bei einer Werbung für einen Fahrzeugtyp nicht mehr von der Kennzeichnungspflicht befreit wären, sondern die Werte der Version mit den höchsten Emissionen angeben müssten.
Folgende Beispiele verdeutlichen den nichtssagenden Charakter von Spannweitenangaben:
3.3. Ausdehnung des Geltungsbereichs der Richtlinie auf Gebrauchtwagen
3.3.1. Kennzeichnungspflicht für Gebrauchtwagen
Die Pflicht zur Angabe der Verbrauchs- und Emissionswerte sowohl in der Werbung als auch
am (virtuellen und stationären) Verkaufsort sollte angesichts der Bedeutung des entsprechenden Marktes im Gesamtverhältnis auch für kommerziell veräußerte Gebrauchtwagen,
die zum Angebotszeitpunkt in ihren Werten zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen
nicht wesentlich von neuen Personenkraftwagen abweichen, gelten. Eine Kilometerobergrenze könnte aus technischen Gründen statthaft sein.
Eine entsprechende Ausdehnung der Kennzeichnungspflicht auf Gebrauchtwagen entspricht
den Vorgaben von Erwägungsgrund 6. Bereits in der derzeitigen Richtlinienfassung ist die
Notwendigkeit eines entsprechenden Hinweises am (stationären wie auch virtuellen) Verkaufsort daher anerkannt.
Ein am Verkaufsort an gebrauchten Personenkraftwagen angebrachter Hinweis
könnte die Entscheidung der Käufer von neuen Personenkraftwagen zugunsten von
Fahrzeugen mit niedrigem Verbrauch beeinflussen, da dieses Merkmal bei einem Weiterverkauf des Fahrzeugs berücksichtigt wird. Daher sollte bei der ersten Überprüfung
dieser Richtlinie in Erwägung gezogen werden, den Anwendungsbereich auf Ge-
brauchtfahrzeuge im Sinne der Richtlinie 93/116/EWG der Kommission vom 17. Dezember 1993 zur Anpassung der Richtlinie 80/1268/EWG des Rates über den Kraftstoffverbrauch von Kraftfahrzeugen an den technischen Fortschritt auszudehnen.
Eine entsprechende Kennzeichnungspflicht in der Werbung würde eine innovationshemmende Privilegierung von in der Regel verbrauchs- und CO2-emissionsintensiveren Gebrauchtwagen gegenüber neuen Personenkraftwagen verhindern.
3.3.2. hilfsweise Konkretisierung der Definition „Neue Personenkraftwagen“ (Art. 2. Nr. 2)
Sofern entgegen der Ziel- und Zwecksetzung der Richtlinie in der überarbeiteten Fassung Gebrauchtwagen gleichwohl von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen bleiben sollen, bietet es sich an, die Definition „Neue Personenkraftwagen“ unter Einbeziehung kurzzeitiger Zulassungen und zum Verkauf oder Leasing angebotenen Pkw mit Kilometerständen bis 1.000
km ohne Rücksicht auf deren Standzeit zu konkretisieren.
Der BGH hat seine praxistaugliche Rechtsprechung zur Definition „Neue Personenkraftwagen“ in Artikel 2 Nr. 2 für Pkw in Teilen aufgegeben. Die Änderungen in der höchstrichterlichen Rechtsprechung haben zu erheblicher Rechtsunsicherheit geführt.
Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte im Dezember 2011 zwar noch entschieden, dass Fahrzeuge mit bis zu 1.000 Kilometern als “neue Personenkraftwagen” im Sinne der PKW-EnVKV
zu behandeln sind. Liegt die Kilometerleistung des angebotenen Fahrzeugs über 1.000 km
spräche dies dafür, dass der Händler das Fahrzeug (auch) zu einem anderen Zweck als dem
des Weiterverkaufs - nämlich für die nicht ganz unerhebliche Eigennutzung - erworben habe.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 21.12.2011 (Az.: I ZR 190/10):
„Die Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung, mit der die Richtlinie 1999/94/EG […] umgesetzt worden ist, enthält damit eine eigenständige Definition des Begriffs "neuer Personenkraftwagen".
Aus diesem Grund kann nicht auf den im nationalen Recht entwickelten Begriff des "Neuwagens" zurückgegriffen werden, den der Bundesgerichtshof im Kaufrecht […] oder im Wettbewerbsrecht bei der
Frage der Irreführung zugrunde legt […]
Die gesetzlichen Definitionen sowohl in Art. 2 Nr. 2 der Richtlinie 1999/94/EG als auch in § 2 Nr. 1 PkwEnVKV stellen maßgeblich auf die Motivlage des Händlers - Anschaffung zum Zweck des Weiterverkaufs
oder der Auslieferung - im Zeitpunkt des Erwerbs des fraglichen Fahrzeugs ab. […] Der nach Art. 1 der
Richtlinie 1999/94/EG mit den Angaben über den offiziellen Kraftstoffverbrauch und die offiziellen spezifischen CO2-Emissionen verfolgte Zweck sicherzustellen, dass die Verbraucher Informationen über den
Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen von neuen zum Kauf oder Leasing angebotenen Personenkraftwagen erhalten und so ihre Entscheidung in voller Sachkenntnis treffen können (BGH, GRUR 2010,
852 Rn. 16 Gallardo Spyder), wäre gefährdet, wenn allein die Motivlage des Händlers dafür maßgeblich
wäre, ob es sich bei einem von ihm beworbenen Kraftfahrzeug um einen "neuen Personenkraftwagen"
im Sinne von § 2 Nr. 1 Pkw-EnVKV handelt. Die nicht fernliegende Angabe des Händlers, er habe das betreffende Fahrzeug ursprünglich in der Absicht erworben, es längerfristig in seinem Betrieb zu nutzen,
wäre in vielen Fällen nur schwer zu widerlegen.
Zur Erreichung des in Art. 1 der Richtlinie 1999/94/EG genannten Richtlinienzwecks ist es daher geboten, das Verständnis des Begriffs "neue Personenkraftwagen" in § 2 Nr. 1 Pkw-EnVKV an objektivierbaren Umständen auszurichten, aus denen sich ergibt, dass das betreffende Fahrzeug vom Händler alsbald
veräußert werden soll. Eine kurzfristige Zwischennutzung des Personenkraftwagens im Betrieb des
Händlers etwa als Vorführwagen ist damit nicht ausgeschlossen. Als objektiver Umstand eignet sich
hierzu die Kilometer-leistung des Fahrzeugs zum Zeitpunkt seines Angebots zum Verkauf. Bietet ein
Händler ein Fahrzeug mit einer geringen Kilometerleistung (bis 1.000 Kilometer) zum Verkauf an, ist im
Allgemeinen davon auszugehen, dass er dieses Fahrzeug zum Zweck des Weiterverkaufs erworben hat.
Liegt die Kilometerleistung des angebotenen Fahrzeugs darüber, spricht dies dafür, dass der Händler
den Pkw (auch) zu einem anderen Zweck als dem des Weiterverkaufs nämlich für die nicht ganz unerhebliche Eigennutzung erworben hat.
Mit Recht wendet sich die Revision gegen die Annahme des Berufungsgerichts, Vorführfahrzeuge seien
hinsichtlich der kennzeichnungspflichtigen Werte nicht mit fabrikneuen Kraftfahrzeugen vergleichbar.
Die Revision rügt mit Erfolg, dass das Berufungsgericht bei seiner Beurteilung unberücksichtigt gelassen
hat, dass die Werte zum Kraftstoffverbrauch und zu den CO2-Emissionen eines Fahrzeugmodells sich
nicht dadurch ändern, dass das Fahrzeug zugelassen und bereits im Straßenverkehr genutzt worden ist.
Die Ingebrauchnahme ändert nichts am Interesse eines Käufers, vollständige Informationen über den
Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen zu erhalten. Die Verbraucher sollen ihre Entscheidung in
voller Sachkenntnis treffen können (Art. 1 der Richtlinie 1999/94/EG). Es ist kein entscheidender Unterschied darin zu sehen, ob ein Fahrzeug fabrikneu ist oder ob es bereits zugelassen und in geringem Umfang im Straßenverkehr genutzt worden ist.“
Diese Rechtsprechung führte zu erheblicher Rechtssicherheit, da bei erstzugelassenen, aber
noch zum Verkauf angebotenen Fahrzeugen eine klar zu bemessende Größe (1.000 km) unter Berücksichtigung der Gesamtumstände die Kennzeichnungspflicht auslösen sollte.
Im März 2015 relativierte der BGH jedoch seine Auffassung, dahingehend, dass zum Verkauf
angebotene Fahrzeuge bereits 10 Monaten nach Erstzulassung von der Kennzeichnungspflicht unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen sein sollten.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 05.03.2015 (Az.: I ZR 164/13):
„Da das Verständnis des Begriffs "neue Personenkraftwagen" in § 2 Nr. 1 Pkw-EnVKV an objektivierbaren
Umständen auszurichten ist, aus denen sich ergibt, dass der Händler das betreffende Fahrzeug alsbald
veräußern will, eignet sich die Dauer der Zulassung - neben der in erster Linie maßgeblichen Kilometerleistung - für einen Schluss auf die Motivlage des Händlers bei Erwerb des Fahrzeugs. Wird ein Personenkraftwagen vom Händler erst längere Zeit nach der Erstzulassung zum Verkauf angeboten, kann dies den
Schluss rechtfertigen, dass der Händler das Fahrzeug (auch) für eine nicht ganz unerhebliche Eigennutzung erworben hat und die Zwischennutzung im Betrieb des Händlers nicht nur kurzfristiger Natur war
[…]. Im Streitfall lagen zwischen dem Zeitpunkt der Erstzulassung und der Schaltung der von der Klägerin
beanstandeten Anzeige zehn Monate. Sollte es sich bei der Erstzulassung nicht nur um eine Tageszulassung für lediglich einen oder allenfalls einige wenige Tage gehandelt haben, sondern um eine Zulassung,
die seit zehn Monaten ununterbrochen angedauert hat […], würde dieser erhebliche Zeitraum gegen die
Annahme einer nur kurzfristigen Zwischennutzung im Betrieb des Händlers sprechen.“
Diese Auslegung des Neuwagenbegriffs durch den Bundesgerichtshof schmälert in erheblicher Weise die Lenkungswirkung der Richtlinie für den Klimaschutz. Denn auch bei Fahrzeugen, die mehrere Monate zugelassen waren (und in dieser Zeit z. B. für kurze Probefahrten
genutzt wurden), sollten sich Verbraucher anhand der Informationen zu Kraftstoffverbrauch
und CO2-Emissionen bewusst für umweltfreundliche Fahrzeuge entscheiden können. Abweichungen von den Verbrauchs- und Emissionswerten im Testzyklus sind jedenfalls bei kurzzeitiger vorübergehender Nutzung und längerer Standzeit nicht zu erwarten.
Der europäische Gesetzgeber sollte daher klarstellen, unter welchen Voraussetzungen noch
ein „neuer Personenkraftwagen“ im Sinne der Richtlinie vorliegt.
3.3.3. Wegweisende Beispiele aus der Rechtsprechung
Auch viele Wertungen der Rechtsprechung der Landes- und Oberlandesgerichte lassen sich
zur abschließenden Klärung der Neuwageneigenschaft durch den europäischen Gesetzgeber
Nach großen Teilen der Rechtsprechung stellen Fahrzeuge mit Tageszulassungen, Werkstattwagen, Schaufahrzeuge und Ladenhüter mit geringer Kilometerlaufzahl neue Personenkraftwagen im Sinne des § 2 Nr. 1 Pkw-EnVKV dar.
Das Oberlandesgericht Köln, Urteil vom 14.02.2007 (Az.: 6 U 217/06) klärt die Rechtsfrage
für Tageszulassungen.
„Im Autohandel ist es nämlich schon seit langem weit verbreitete Praxis, dass Händler die Zulassung faktisch neuer Fahrzeuge nur für einen Tag oder ähnlich kurze Zeit veranlassen, nicht um sie zu nutzen, sondern um gegenüber dem Hersteller in einer bestimmten Periode höhere Verkaufszahlen nachweisen zu
können und solche Fahrzeuge mit deutlichen Preisnachlässen anbieten zu können […]. Solche Tageszulassungen werden von der deutschen höchstrichterlichen Rechtsprechung als besondere Form des Neuwagengeschäfts beurteilt […] Wenn der Verordnungsgeber in Kenntnis dessen bei der Definition „neuer“
Personenkraftwagen lediglich auf den Verkauf der Fahrzeuge zu keinem anderen Zweck als dem des Weiterverkaufs oder der Auslieferung abgestellt hat, umfasst diese Begriffsbestimmung ohne Weiteres auch
Fahrzeuge mit Tageszulassung“.
(Ähnlich OLG Oldenburg, Urteil vom 14.09.2006, Az.: 1 U 41/06; OLG Naumburg, Urteil vom
14.07.2006, Az.: 10 U 19/06).
Landgericht Freiburg, Urteil vom 07.03.2008 (Az.: 10 O 55/07):
„Ob die kurzfristige Zulassung durch den Hersteller oder Händler erfolgte, begründet keinen relevanten
Unterschied. Der Händler will durch diese Praxis dem Hersteller gegenüber in einer bestimmten Periode
höhere Verkaufszahlen nachweisen, damit er solche Fahrzeuge dann mit deutlichen Preisnachlässen anbieten kann. Dem Hersteller wird es ermöglicht, dem Händler die PKWs mit Nachlässen zum Verkauf anzubieten. Beide Male ist einziges Ziel der Tageszulassung, letztlich für den Endabnehmer eine rabattähnliche Situation zu schaffen.“
Landgericht Münster, Urteil vom 07.06.2013 (Az.: 025 O 9/13), bestätigt durch das Oberlandesgericht Hamm durch Hinweis vom 27.01.2914 (Az.: I-4 U 73/13), erachtet Werkstattwagen noch als „neue Personenkraftwagen“.
„Im vorliegenden Fall hat die Geschäftsführerin der Beklagten ausgeführt, dass die für den Werkstattbetrieb als Werkstattwagen angeschafften Fahrzeuge regelmäßig für einen kurzen Zeitraum – sie sprach
von durchschnittlich geschätzten 4 Monaten – für die Nutzung als Werkstattfahrzeuge vorgesehen sind
und sodann planmäßig weiterveräußert werden. […] Dem steht die zwischenzeitliche Nutzung als Werkstattfahrzeug, die sich qualitativ von der Nutzung als Vorführwagen nicht unterscheidet, weil es in beiden Fällen (auch) darum geht, dem Kunden ein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, damit dieser die Vorzüge des Fahrzeuges kennenlernt, nicht entgegen. Der Sinn und Zweck der Pkw-EnVKV erfordert es, auch
die zu solchen Zwecken mit der hier von der Beklagten dargelegten Intention erworbenen Fahrzeuge unter die Verordnung zu fassen und vor diesem Hintergrund die Angaben in den Werbeinseraten zu verlangen. Andernfalls wäre einer Umgehung der PKW-EnVKV durch kurzfristige – den Wert nur geringfügig
beeinträchtigende – anderweitige Nutzung Tür und Tor geöffnet.“
Das Thüringer Oberlandesgericht, Urteil vom 05.12.2012 (Az.: 2 U 884/11) sieht sog. Schaufahrzeuge von der Kennzeichnungspflicht erfasst.
„Vorliegend hat die Beklagte einen PKW angeboten, der nur 15 Kilometer gelaufen war. Dieser objektive
Umstand spricht daher eindeutig dafür, dass der PKW noch nicht zu einem anderen Zweck als dem des
Weiterverkaufs oder der Anlieferung verkauft wurde. Daran ändert auch nichts, dass der Wagen bereits
etwa sieben Monate zuvor erstzugelassen war. Dies entspricht zwar nicht der Sachverhaltskonstellation
der o.g. BGH-Entscheidung, bei der das Fahrzeug nach knapp zwei Monaten nach der Erstzulassung angeboten worden war. Gleichwohl handelt es sich noch um eine kurzfristige Zwischennutzung im Sinne
dieser BGH-Rechtsprechung. Denn das Fahrzeug wurde in diesen sieben Monaten, wie die auffallend
niedrige Laufleistung von 15 km zeigt, fast überhaupt nicht genutzt. Es handelt sich also um einen Neuwagen, der lediglich schon längere Zeit zum Verkauf anstand.
Der Vortrag, das Fahrzeug sei als „Schaufahrzeug“ erworben worden, ist aufgrund der genannten objektiven Umstände unerheblich. […] Daran ändert auch nichts, dass ein „Schaufahrzeug“, wie jedes andere
ausgestellte Neufahrzeug, Werbezwecken dient. Eine Eigennutzung durch ein „Schaufahrzeug“ anzunehmen, würde deshalb nur der Verschleierung des Umstandes dienen, dass ein Neufahrzeug schlicht längere Zeit nicht verkauft werden konnte oder sollte. Die Verpflichtung zum Vorhalten von „Schaufahrzeugen“ entspringt dem Vertragsverhältnis mit dem Fahrzeughersteller und hindert, wie der vorliegende Fall
mit Deutlichkeit zeigt, nicht daran, dass die Händler auch solche Fahrzeuge im Endergebnis (spätestens
bei Modellwechseln) verkaufen und nicht etwa nach einer bestimmten „Schauzeit“ zurückgeben. Auch
„Schaufahrzeuge“ sind also noch nicht zu einem anderen Zweck als dem des Verkaufs weiterverkauft
Die Oberlandesgerichte Karlsruhe und Celle haben die Kennzeichnungspflicht sogenannter
„Ladenhüter“ eindrucksvoll unterstrichen.
Oberlandesgericht Karlsruhe, Urteil vom 25. Mai 2011 (Az.: 4 U 197/09):
„Es wäre mit diesem Normzweck nicht vereinbar, würde die Kennzeichnungspflicht bei einem Jahreswagen durch schlichten Zeitablauf entfallen. Gerade bei Fahrzeugen mit längerer Standzeit besteht ein von
der Norm mit geschütztes Interesse der Verbraucher, den Schadstoffausstoß solcher Fahrzeuge mit Fahrzeugen noch aktuelleren Herstellungsdatums zu vergleichen.
Eine abweichende Sichtweise eröffnete zudem weitgehende Umgehungsmöglichkeiten. Händler hätten
es in der Hand, die Kennzeichnungspflicht auch und gerade schadstoffintensiver Fahrzeuge durch Bestimmung des Verkaufszeitpunkts selbst zu steuern. Sowohl der Wortlaut der Norm als auch der Normzweck
sprechen daher eindeutig dafür, dass das Alter des Fahrzeugs als Abgrenzungskriterium ausscheiden
muss […] Auch auf die Anzahl der Voreigentümer kommt es deshalb nicht an.“
Oberlandesgericht Celle, Urteil vom 5. Dezember 2013 (Az.: 13 U 154/13):
„Die objektivierbaren Umstände sprechen hier dafür, dass der Verfügungsbeklagte das Fahrzeug zum
Zweck des Weiterverkaufs erworben hat. In erster Linie spricht hierfür […] die geringe Laufleistung des
Fahrzeugs von lediglich 66 Kilometern zum Zeitpunkt der Anzeigenerstellung. […]
Gegen eine solche Zweckbestimmung zum Zeitpunkt des vorangegangen Verkaufs könnte allenfalls sprechen, wenn der Verfügungsbeklagte das Fahrzeug nach dem Erwerb zunächst über einen erheblichen
Zeitraum nicht zum Verkauf angeboten hätte. […] Schon wenn der Pkw sichtbar auf dem Verkaufsgelände gestanden hat, dürfte dies aus objektiver Sicht ein Anbieten darstellen. […]
Entgegen der Auffassung des Landgerichts ist die Legaldefinition des Begriffs des „neuen Personenkraftwagens“ nicht im Hinblick auf die Bedeutung des Wortes „neu“ durch den konkreten Zustand - insbesondere das Alter – des Personenkraftwagens eingeschränkt. Die Legaldefinition knüpft allein an den beabsichtigten Zweck zum Zeitpunkt vorangegangener Verkäufe an. […] Die zum Erwerbszeitpunkt bestehende Zweckbestimmung entfällt nicht rückwirkend durch Zeitablauf oder eine Verschlechterung des Zustands der Kaufsache. […]
Unter Berücksichtigung von Sinn und Zweck der Informationspflichten mag es zwar eine Grenze geben,
ab der die vorgeschriebene Informationen nicht mehr sinnvollerweise zu verlangen sind. Dies kann zum
einen dann in Betracht kommen, wenn die für Neufahrzeuge ermittelten Verbrauchswerte aufgrund des
Zustands des Fahrzeugs keine Geltung mehr für dieses haben. Nicht ausreichend ist jedoch der von dem
Verfügungsbeklagten vorgetragene – und schon nicht glaubhaft gemachte - Umstand, dass Verbrauchswerte nur möglicherweise abweichen können.
Im Übrigen mögen die normierten Informationspflichten dann unverhältnismäßig sein, wenn für ein bestimmtes Fahrzeug aufgrund dessen Alters keine „offiziellen“ Verbrauchsangaben vorhanden sind und
der Händler diese durch Einholung eines teuren Sachverständigengutachtens erst ermitteln lassen
müsste. Ein solcher Fall liegt hier jedoch nicht vor.“
3.4. Kennzeichnungspflicht für in elektronischer Form verbreitetes Werbematerial
Der deutsche Verordnungsgeber hat in der Umsetzung der Richtlinie 1999/94/EG auch eine
Pflicht zur Angabe des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen für in elektronischer
Form verbreitetes Werbematerial verankert.5 Diese Regelung hat sich angesichts der Schnelllebigkeit und Geschwindigkeit digitaler Medien bewährt und sollte auch in den europaweiten Pflichtenkatalog aufgenommen werden.
Vgl. Anlage 4 zu § 5 der PKW-EnVKV
Bei Internetwerbung müssen - so schreibt es die nationale Umsetzung vor - die Verbrauchsund CO2-Angaben automatisch gleichzeitig mit den Motorisierungsangaben angezeigt werden, also z. B. schon auf Fahrzeugübersichtsseiten oder in Teaser-Texten mit Motorisierungsangaben und nicht erst auf Folgeseiten.
Das Oberlandesgericht Nürnberg, Urteil vom 31.03.2015 (Az.: 3 U 2004/14), stellte dies zuletzt für Übersichtsseiten klar und verneinte einen Bagatellverstoß
„Wie der Empfehlung der Kommission vom 26.03.2003 über die Anwendung der in der Richtlinie
1999/94/EG enthaltenen Bestimmungen auf andere Medien (Nr. 1 Abs. 3, Anlage K 15) zu entnehmen ist,
kommt es dem Verordnungsgeber gerade darauf an, dass der Empfänger des Werbematerials die vorgeschriebenen Informationen automatisch erhält, sobald das Werbematerial zum ersten Mal auf der Internetseite angezeigt wird. […]
Die Pflichtangaben zum Kraftstoffverbrauch und den CO2-Emissionen sollen zu einem frühest möglichen
Zeitpunkt gemacht werden, um eine Sensibilisierung der Verbraucher für die Relevanz dieser Werte herbeizuführen. Dabei geht es nicht nur um die Beeinflussung der eigentlichen Kaufentscheidung, sondern
bereits um eine Steuerung des Verbraucherinteresses im Vorfeld einer solchen. Der Verbraucher soll
durch die Verbrauchs- und Emissionsangaben gleichzeitig mit den Angaben zur Motorisierung dazu veranlasst werden, sein eventuelles Kaufinteresse von vornherein auf verbrauchs- und emissionsärmere
Fahrzeuge zu lenken (Oberlandesgericht Oldenburg, Urteil vom 20.07.2012, Az.: 6 U 72/12, Anlage K 11).
Es kommt dann unter Umständen nicht mehr zur Auswahl eines bestimmten Fahrzeugs durch ein weiteres Anklicken, weil der Verbraucher wegen zu hoher Werte kein Interesse mehr an dem betreffenden Pkw
hat. Genau dies soll durch die Pflicht, die Angaben gleichzeitig mit den Motorisierungsangaben zu machen, erreicht werden […]
Da schon in der nach Aufruf der Internetseite erscheinenden Übersicht bei den aufgelisteten Modellen
Mitteilungen zur Motorisierung enthalten sind, waren bereits zu diesem Zeitpunkt nach Nummer 3 die
Pflichtangaben i.S.v. Nummer 2 Satz 1 erforderlich. Denn, wie ausgeführt, sind diese nach Sinn und
Zweck der Bestimmung so früh wie möglich und unabhängig von einer bereits konkretisierten Auswahlentscheidung bereitzuhalten (so auch OLG Frankfurt, GRUR-RR 2014, 156 ff. a.a.O. [Urteil vom
06.02.2014 – 6 U 224/12]).“
Auch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 06.02.2014 (Az.: 6 U 224/12),
Nichtzulassungsbeschwerde durch Bundesgerichtshof am 06.11.2014 zurückgewiesen (Az.: I
ZR 44/14) teilt diese Auffassung:
„Bereits innerhalb der Ergebnisliste werden Aussagen zur Motorleistung (kW / PS) getroffen. Bereits hier
müssten die Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Emissionen aufgeführt werden, da gemäß Anlage 4,
Abschn. II zu § 5 Pkw-EnVKV schon bei der erstmaligen Angabe der Motorisierung dem Werbeadressaten
die Verbrauchsangaben „automatisch zur Kenntnis gelangen“ müssen. […] Sinn und Zweck der Bestimmung ist es, die Informationen so früh wie möglich und unabhängig von einer bereits konkretisierten
Auswahlentscheidung bereitzuhalten.“
Ebenso das Oberlandesgericht Naumburg, Urteil vom 05.12.2013 (Az.: 9 U 68/13):
„Der Sinn der Pkw-EnVKV liegt aber gerade darin, dem Kunden zugleich mit der Motorisierung auch den
damit verbundenen Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß vor Augen zu führen. Nur so kann seine Auswahlentscheidung – nach der Vorstellung des Gesetzgebers – beeinflusst werden. Es soll gerade verhin-
dert werden, dass der Kunde den PKW allein nach der Motorleistung und noch ohne Kenntnis des Kraftstoffverbrauchs aussucht. Denn hat sich der Kunde erstmal auf ein Modell mental festgelegt, wird die
nachträgliche Kenntnis des Kraftstoffverbrauchs diese Entscheidung kaum mehr infrage stellen.
Und das Oberlandesgericht Oldenburg, Urteil vom 20.07.2012 (Az.: 6 U 72/12):
„Entscheidend ist, dass die Übersicht der Fahrzeuge neben einigen anderen Informationen auch Angaben
zur Motorisierung der Pkw enthält (kW), jedoch keine zum Kraftstoffverbrauch und zum CO2-Ausstoß;
die Angaben zum Verbrauch und zu den Emissionen folgen vielmehr erst, wenn der Nutzer einen Doppelklick auf das ausgewählte Fahrzeug setzt und sich dadurch die Seite des jeweiligen Autohauses mit näheren Angaben zum betreffenden Pkw öffnet. Damit gelangen die nach der Pkw-EnVKV erforderlichen Angaben dem Internetnutzer nicht in dem Augenblick zur Kenntnis, in dem erstmalig Angaben zur Motorisierung gemacht werden, sondern erst später.
Entgegen der Ansicht des Landgerichts handelt es sich bei der darin liegenden Verletzung der Vorschrift
des § 5 Pkw-EnVKV i.V.m. Anlage 4 Abschnitt II Nr. 3 um eine spürbare Beeinträchtigung i.S.d. § 3 Abs. 1
UWG und nicht um eine Bagatelle (vgl. auch OLG Köln, Beschluss vom 20.04.2012 – 6 U 29/12-, K17). […]
Vor diesem Hintergrund kann der Verstoß der Beklagten gegen ihre Pflicht, die Angaben bereits beim
erstmaligen Erscheinen der Angaben über die Motorisierung der Fahrzeuge zu machen, nicht deshalb als
geringfügig angesehen werden, weil der Internetnutzer nach einem Doppelklick auf das ausgewählte
Fahrzeug die Verbrauchs- und Emissionswerte erfährt, da durch die rechtzeitige Kenntnis der Angaben
das Verbraucherinteresse gesteuert werden soll. Der Internetnutzer soll dadurch, dass ihm bereits gleichzeitig mit den Angaben zur Motorisierung die Verbrauchs- und Emissionswerte zur Kenntnis gebracht
werden, in die Lage versetzt werden, von vornherein sein Interesse auf Fahrzeuge mit niedrigen Verbrauchs- und Emissionswerten zu lenken. Es kommt dann unter Umständen nicht mehr zu einem Doppelklick auf ein bestimmtes Fahrzeug, weil der Verbraucher wegen zu hoher Werte kein Interesse mehr an
dem betreffenden Pkw hat. Genau dies soll durch die Pflicht, die Angaben gleichzeitig mit den Motorisierungsangaben zu machen, erreicht werden.“
3.5. Konkrete Vorgaben zur Marktüberwachung
Die Richtlinie enthält in ihrer derzeitigen Fassung keine konkreten Vorgaben zur behördlichen Marktüberwachung zur Einhaltung der Vorgaben durch die Mitgliedstaaten. Artikel 11
liefert nur abstrakte Vorgaben zur Ausgestaltung der Marktüberwachung. In einem Anhang
zur Richtlinie sollte ein konkreter Rahmen einer richtlinienkonformen Marktüberwachung
3.6. Verankerung jährlicher Berichtspflichten
Jährliche Mitteilungspflichten der Mitgliedstaaten an die EU-Kommission über die konkrete
Ausübung der behördlichen Marktüberwachung sollten fest verankert werden
3.7. Ausgewählte Änderungsanträge im Einzelnen
Die Umsetzung der Änderungsvorschläge in der Richtlinie könnte wie folgt aussehen:
Von einer textlichen Aufnahme des vorgeschlagenen Berechnungsmodells für die CO2-Effizienklasse, der grafischen Darstellung der Effizienzklasseneinteilung sowie des Stromverbrauchs als zu kennzeichnendem Wert
wurde aus Darstellungsgründen abgesehen.
Ein am Verkaufsort an gebrauchten Personenkraftwagen angebrachter Hinweis könnte die Entscheidung der Käufer von neuen
Personenkraftwagen zugunsten von Fahrzeugen mit
niedrigem Verbrauch beeinflussen, da dieses Merkmal
bei einem Weiterverkauf des
Fahrzeugs berücksichtigt
wird. Daher sollte bei der
ersten Überprüfung dieser
Richtlinie in Erwägung gezogen werden, den Anwendungsbereich auf Gebrauchtfahrzeuge im Sinne
der Richtlinie 93/116/EWG
der Kommission vom 17. Dezember 1993 zur Anpassung
der Richtlinie 80/1268/EWG
des Rates über den Kraftstoffverbrauch von Kraftfahrzeugen an den technischen Fortschritt (ABl. L 329
vom 30.12.1993, S. 39.) auszudehnen.
durch Ersetzung des Begriffs des „neuen Personenkraftwagen“ durch „neue und gebrauchte Personenkraftwagen“
und Einfügung folgender Begriffsbestimmung in Artikel 2
Nummer 2a: „‘gebrauchte Personenkraftwagen‘ Personenkraftwagen, die bereits zu einem anderen Zweck als dem
des Weiterverkaufs oder der Auslieferung verkauft wurden
und zum Angebotszeitpunkt in ihren Werten zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen nicht wesentlich von neuen
Personenkraftwagen abweichen; bis zu einem Kilometerstand von nicht mehr als 50.000 km wird vermutet, dass die
Personenkraftwagen in ihren Werten zu Kraftstoffverbrauch
und CO2-Emissionen nicht wesentlich von neuen Personenkraftwagen abweichen.“
durch Ersetzung des Begriffs des „neuen Personenkraftwagen“ durch „Personenkraftwagen“ und ersatzlose Streichung des Artikels 2 Nummer 2.
Es besteht keine Notwendigkeit, Neu- und Gebrauchtfahrzeuge bezüglich ihres Kraftstoffausstoßes und ihrer CO2-Emissionen in der Werbung, bei Verkauf und/oder Leasing im geschäftlichen Verkehr unterschiedlich rechtlich zu behandeln, solange Gebrauchtfahrzeuge in ihren
Werten zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen nicht wesentlich
von neuen Fahrzeugen abweichen, eine sichere Bewertung mithin möglich ist.
Weitere Verwendung der
Begrifflichkeit „neue Personenkraftwagen“ in
Erwägungsgründe 7
Artikel 1, 2 (Nr. 2, 4
und 8), 3, 5, 7 und 9
Anhang I, II (Nr. 1, 3,
6) und II (Nr. 5 und
Artikel 2, neu eingefügte bzw. geänderte Fassung
Nr. 4a neu
„virtueller Verkaufsraum“, ein elektronisches Angebot, bei
dem mittels interaktiver Elemente Konfigurierungen oder
Gestaltungen für Personenkraftwagen vorgenommen werden können und/oder ein elektronisches Angebot zum unmittelbaren Kauf oder Leasing eines nach Möglichkeit durch
den Käufer oder Leasingnehmer selbst konfigurierten Personenkraftwagens.
Der zunehmend an Bedeutung gewinnende Online-Handel für Verkauf
und Leasing von Personenkraftwagen sollte nicht vom Geltungsbereich
der Richtlinie ausgeklammert werden. Klarstellend sollten daher virtuelle Fernabsatzangebote mit individueller Konfigurier- und/oder Kaufmöglichkeit definiert werden.
Nr. 9a neu
„Verbreitung in elektronischer Form“ die Verbreitung von
Informationen, die mittels Geräten für die elektronische
Verarbeitung und Speicherung (einschließlich digitaler Kompression) von Daten am Ausgangspunkt gesendet und am
Endpunkt empfangen und vollständig über Draht, über
Funk, auf optischem oder anderem elektromagnetischen
Wege gesendet, weitergeleitet und empfangen werden;
Nr. 9b neu
„Werbematerial“ jede Form von Informationen, die für Vermarktung und Werbung für Verkauf und Leasing neuer Personenkraftwagen in der Öffentlichkeit verwendet werden;
dies umfasst auch Texte und Bilder auf Internetseiten, soweit für den Inhalt der Angaben nach anderen Rechtsvorschriften Fahrzeughersteller oder Unternehmen, Organisationen und Personen verantwortlich sind, die neue Personenkraftwagen zum Kauf oder Leasing anbieten, sowie Darstellungen auf Internetseiten von Handelsmessen, auf denen
neue Fahrzeuge öffentlich vorgestellt werden;
Nr. 9c neu
„Empfänger von Werbematerial“, wer Werbematerial, insbesondere zu Informationszwecken, zur Kenntnis nimmt;
Nr. 9d neu
„elektronische, magnetische oder optische Speichermedien“
alle physikalischen Materialien, auf denen Informationen in
elektronischer Form aufgezeichnet werden und die zur Information der Öffentlichkeit genutzt werden können;
Wenngleich eine Technologieneutralität der Richtlinie im Sinne einer
schlanken, übersichtlichen Regelung wünschenswert wäre, sind darstellungsbedingt medienspezifisch unterschiedliche inhaltliche Anforderungen an die Kennzeichnungspflicht angemessen. Dies erfordert Neudefinitionen, insbesondere für den Bereich des elektronischen Geschäftsverkehrs, die ihrem Wortlaut nach an die sachgerecht formulierte deutsche Umsetzungsnorm (Pkw-EnVKV) angelehnt werden können.
Artikel 3, geänderte Fassung
Die Mitgliedstaaten stellen
sicher, daß am Verkaufsort
ein den Anforderungen des
Anhangs I entsprechender
Hinweis auf den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen an jedem neuen Personenkraftwagenmodell oder in seiner Nähe deutlich
sichtbar angebracht ist.
Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass am Verkaufsort ein
den Anforderungen des Anhangs I entsprechender Hinweis
auf den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen sowie
zusätzlich die CO2-Effizienzklasse einschließlich der grafischen Darstellung nach Anhang V an jedem neuen Personenkraftwagenmodell oder in seiner Nähe deutlich sichtbar
und gut lesbar angebracht ist. In virtuellen Verkaufsräumen müssen bei der Beschreibung des Fahrzeugmodells
die nach Anhang IV erforderlichen Angaben sowie zusätzlich die CO2-Effizienzklasse einschließlich der grafischen
Darstellung nach Anhang V angegeben und ein Hinweis
auf die Internetadresse beigefügt werden, unter welcher
der Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO2Emissionen abgerufen werden kann; der Händler kann in
Bezug auf die grafische Darstellung auf die entsprechenden Internetseiten des Herstellers hinweisen. Die Angaben
müssen auch bei flüchtigem Lesen leicht verständlich,
deutlich sichtbar und gut lesbar sein. Es ist sicherzustellen,
dass die CO2-Effizienzklassen einschließlich der grafischen
Darstellungen nach Anhang V dem Benutzer spätestens in
dem Augenblick zur Kenntnis gelangen, in welchem er ein
Fahrzeugmodell ausgewählt oder eine Konfiguration abgeschlossen hat. Die Pflichten nach Anhang IV bleiben unberührt.
Die Pflicht zur Anbringung des Hinweises muss auch in virtuellen Verkaufsräumen gelten. Gründe für eine Ungleichbehandlung bestehen
insbesondere deshalb nicht, da eine mediengerechte Darstellung der
Information ohne weiteres möglich ist. . Infolge der Einführung der Begrifflichkeit des „virtuellen Verkaufsraums“ muss die bestehende Regelung klarstellend angepasst werden. Zudem sind aus Gründen der
Rechtssicherheit und um Wiedererkennungswert zu schaffen genaue
Vorgaben erforderlich, wie der Hinweis online anzugeben ist. Die Bewerbung von Fahrzeugen in virtuellen Verkaufsräumen darf nicht hinter
den Anforderungen nach Anhang IV zurückbleiben. Daher sollte klargestellt werden, dass im Falle der Bewerbung von Fahrzeugen in virtuellen
Verkaufsräumen zugleich die Kennzeichnungspflichten nach Anhang IV
Artikel 6, geänderte Fassung
sicher, daß alle Werbeschriften die offiziellen Kraftstoffverbrauchswerte und die offiziellen spezifischen
CO2-Emissionswerte der betreffenden Personenkraftwagenmodelle gemäß Anhang IV enthalten.
Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass alle Werbeschriften
und in elektronischer Form oder durch Nutzung elektronische, magnetische oder optische Speichermedien verbreitetem Werbematerial die offiziellen Kraftstoffverbrauchswerte und die offiziellen spezifischen CO2-Emissionswerte
und die Angabe der CO2-Effizienzklasse der betreffenden
Personenkraftwagenmodelle gemäß Anhang IV enthalten.
Die Mitgliedstaaten tragen
gegebenenfalls dafür Sorge,
daß anderes Werbematerial
als die obengenannten Werbeschriften eine Angabe der
offiziellen CO2-Emissionswerte und der offiziellen
Kraftstoffverbrauchswerte
Die Mitgliedstaaten tragen gegebenenfalls dafür Sorge,
dass jedes anderes als das obengenannte Werbematerial
als die obengenannten Werbeschriften eine Angabe der offiziellen CO2-Emissionswerte und der offiziellen Kraftstoffverbrauchswerte und der CO2-Efffizienklasse des betreffenden Personenkraftwagenmodells beinhaltet.
des betreffenden Personenkraftwagenmodells beinhaltet.
Informationsbedarf besteht bei allen Vermarktungsformen. Die Kennzeichnungspflicht in der Werbung muss daher medienübergreifend geltend. Insbesondere sprechen Darstellungsgründe nicht für eine grundsätzliche Ungleichbehandlung. Die bisherige Differenzierung „sicherstellen/Sorge tragen“ sollte daher aufgehoben werden. Eine mediengerechte Ausdifferenzierung der Kennzeichnungspflicht sollte vielmehr im
Anhang geregelt werden.
Artikel 11, geänderte Fassung
Die Mitgliedstaaten legen
die Sanktionen für Verstöße
gegen die aufgrund dieser
Richtlinie erlassenen innerstaatlichen Vorschriften
fest. Die Sanktionen müssen
wirksam, verhältnismäßig
und abschreckend sein.
Die Mitgliedstaaten legen die Sanktionen für Verstöße gegen die aufgrund dieser Richtlinie erlassenen innerstaatlichen Vorschriften fest. Die Sanktionen müssen wirksam,
Die behördliche Marktüberwachung erfolgt im Einklang
und nach Maßgabe der Verordnung (EG) Nr. 765/2008 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. Juli 2008
über die Vorschriften für die Akkreditierung und Marktüberwachung im Zusammenhang mit der Vermarktung
von Produkten und zur Aufhebung der Verordnung (EWG)
Nr. 339/93 des Rates. Die zuständigen Marktüberwachungsbehörden der Mitgliedstaaten überprüfen die Einhaltung der Vorgaben dieser Richtlinie in allen von dieser
Richtlinie erfassten Geschäftsbereichen bei einem signifikanten Prozentanteil der jeweiligen Händler und Hersteller pro Kalenderjahr. Die Mitgliedsstaaten teilen der Europäischen Kommission jährlich zum 30. Juni Anzahl und Art
der durchgeführten Verwaltungsmaßnahmen mit.
Eine Umfrage der DUH unter den zuständigen deutschen Marktüberwachungsbehörden6 und ein Vergleich mit der Praxis auf Grundlage der
Regelungs- und Vollzugsdefizite der Energieeinsparverordnung (EnEV) bei der Durchsetzung des Energieausweises als Lenkungsinstrument, Stand: April 2015, www.duh.de
Energieverbrauchskennzeichnungsrichtlinie 2010/30/EU und Ökodesignrichtlinie 2009/125/EG macht deutlich, dass eine funktionierende
Marktüberwachung ohne konkrete europäische Vorgaben nicht auskommt. In der Kennzeichnungsrichtlinie und Ökodesignrichtlinie finden
sich konkrete Vorgaben zur Marktüberwachung in Übereinstimmung
mit der Verordnung (EG) 765/2008.
Die unzureichende Vollzugspraxis der Marktüberwachungsbehörden
macht die nationalen Umsetzungsgesetze in vielen Punkten zum zahnlosen Papiertiger. Sanktionen gegenüber gesetzeswidrig agierenden
Marktteilnehmern sind die Ausnahme. Insbesondere die Einhaltung
verbraucherinformatorischer Regelungen wird nicht ausreichend kontrolliert. Die Marktüberwachungsbehörden sollten die Pflichterfüllung
durch die Marktteilnehmer überwachen und Verstöße angemessen
Jährliche Mitteilungspflichten der Mitgliedstaaten an die EU-Kommission über die konkrete Ausübung der behördlichen Marktüberwachung
sollten fest verankert werden. Die Mitteilungen sollten Anzahl und Art
der durchgeführten Verwaltungsmaßnahmen erfassen und auch Statistiken über verhängte Sanktionen enthalten.
Art. 12a, neu eingefügte Fassung
Bei dieser Richtlinie handelt es sich um eine andere Rechtsvorschrift der Gemeinschaft im Sinne des Artikel 3 Absatz 4
der RICHTLINIE 2005/29/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 11. Mai 2005 über unlautere
Geschäftspraktiken im binnenmarktinternen Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen und Verbrauchern und zur Änderung der Richtlinie 84/450/EWG des Rates, der Richtlinien 97/7/EG, 98/27/EG und 2002/65/EG des Europäischen
Parlaments und des Rates sowie der Verordnung (EG) Nr.
2006/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates
(Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken).
Artikel 3 Absatz 5 und 6 der Richtlinie über unlauteren Geschäftspraktiken findet keine Anwendung auf restriktivere
oder strengere nationale Vorschriften, die der Umsetzung
dieser Richtlinie dienen.
Bei den Umsetzungsgesetzen der Mitgliedstaaten handelt es sich um
wettbewerbsrechtliche Marktverhaltensregelungen. Die Harmonisierung des europäischen Wettbewerbsrechts durch Artikel 3 der Richtlinie 2005/29/EG macht eine Klarstellung erforderlich, um vor dem Hintergrund einer äußerst zurückhaltend ausgeübten behördlichen Markt-
überwachung einer wettbewerbsrechtlichen Kontrolle durch Mitbewerber, Wettbewerbsverbände und Verbraucherschutzverbände nicht die
Rechtsgrundlage zu entziehen.
ANHANG I, geänderte Fassung
VORSCHRIFTEN FÜR DEN
HINWEIS AUF DEN KRAFTSTOFFVERBRAUCH UND DIE
1. Der Hinweis muß zur besseren Wiedererkennung
durch die Verbraucher ein
Standardformat haben.
1. Der Hinweis muss zur besseren Wiedererkennung durch
die Verbraucher das aus Anhang V ersichtliche Standardformat haben.
Aus Harmonisierungsgründen sollten einheitliche Vorgaben für das
Standardformat erfolgen. Insbesondere die grafischen Darstellungsmöglichkeiten sollten sich aus dem Anhang der Richtlinie eindeutig ergeben.
ANHANG IV, neu eingefügte bzw. geänderte Fassung
ANGABEN ÜBER KRAFTSTOFFVERBRAUCH UND
CO2-EMISSIONEN IN WERBESCHRIFTEN
sicher, daß in allen Werbeschriften der offizielle Kraftstoffverbrauch und die offiziellen spezifischen CO2Emissionen des betreffenden Fahrzeugs angegeben
werden. Die entsprechenden
Angaben sollten zumindest
3. Die offiziellen Kraftstoffverbrauchswerte sollten für
3. Die offiziellen Kraftstoffverbrauchswerte und die offiziellen, spezifischen CO2-Emissionen und die CO2-Effizienklasse
Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass in allen Werbeschriften und in elektronischer Form oder durch Nutzung
elektronischer, magnetischer oder optischer Speichermedien verbreitetem Werbematerial der offizielle Kraftstoffverbrauch und die offiziellen spezifischen CO2-Emissionen
und die CO2-Effizienklasse des betreffenden Fahrzeugs angegeben werden. Die entsprechenden Angaben sollten zumindest folgenden Anforderungen genügen:
alle in der Werbeschrift genannten unterschiedlichen
Fahrzeugmodelle angegeben werden. Wird für mehrere Modelle geworben, sind
entweder die Kraftstoffverbrauchswerte aller Modelle
oder die jeweiligen Spannweiten zwischen ungünstigstem und günstigstem Kraftstoffverbrauch anzuführen.
Der Kraftstoffverbrauch ist
entweder in Litern je 100 Kilometer (l/100 km), Kilometern je Liter (km/l) oder einer geeigneten Kombination
dieser Werte bis zur ersten
Dezimalstelle anzugeben.
sollten für alle in der Werbeschrift genannten unterschiedlichen Fahrzeugmodelle angegeben werden. Wird für mehrere Modelle geworben, sind entweder die Kraftstoffverbrauchswerte aller Modelle oder die jeweiligen Spannweiten zwischen ungünstigstem und günstigstem Kraftstoffverbrauch anzuführen. Sind unter einem Modell mehrere Varianten und/oder Versionen zusammengefasst, so wird der
Wert für den Kraftstoffverbrauch und der Wert für die
CO2-Emissionen und die CO2-Effizienzklasse dieses Modells
auf der Grundlage der Variante und/oder Version mit dem
höchsten offiziellen Kraftstoffverbrauch und den höchsten
offiziellen CO2-Emissionen innerhalb dieser Gruppe angegeben. Der Kraftstoffverbrauch ist entweder in Litern je 100
Kilometer (l/100 km), Kilometern je Liter (km/l) oder einer
geeigneten Kombination dieser Werte bis zur ersten Dezimalstelle anzugeben. Die CO2-Emissionen sind in Gramm je
Kilometer (g/km) anzugeben.
4. Es ist sicherzustellen, dass dem Empfänger von in elektronischer Form verbreitetem Werbematerial die offiziellen
Kraftstoffverbrauchswerte und die offiziellen, spezifischen
CO2-Emissionen und die CO2-Effizienzklasse automatisch in
dem Augenblick zur Kenntnis gelangen, in dem erstmalig
Angaben zur Motorisierung, zum Beispiel zu Motorleistung, Hubraum oder Beschleunigung, auf der Internetseite
angezeigt werden. Es ist sicherzustellen, dass dem Empfänger von in elektronischer Form verbreitetem Werbematerial zusätzlich die CO2-Effizienzklasse des Personenkraftwagens einschließlich der grafischen Darstellung der CO2Effizienzklassen nach Anhang V angezeigt wird.
Wird in der Werbeschrift lediglich auf die Fabrikmarke
und nicht auf ein bestimmtes Modell verwiesen, muß
Wird in der Werbeschrift lediglich auf die Fabrikmarke und
nicht auf ein bestimmtes Modell verwiesen, muss der Kraftstoffverbrauch nicht angegeben werden.
Die Wahlmöglichkeit zwischen Angabe aller Kraftstoffverbrauchswerte
oder bloßen Spannweiten bei der Werbung für mehrere Modelle hat
sich als nicht praxistauglich erwiesen. So ermöglicht etwa die Nebeneinanderstellung von Modellen (selbst unterschiedlicher Hersteller) mit
extrem niedrigem und extrem hohem Verbrauch eine nichtssagende,
nicht im Geringsten modellspezifisch informative Spannweitenangabe.
Zwischen einzelnen Varianten und/oder Versionen innerhalb einer Modellgruppe bestehen häufig erhebliche Unterschiede bei den Verbrauchs- und Emissionswerten. Dies begründet bei der Werbung für ein
aus mehreren Varianten und/oder Versionen bestehendes Modell die
Gefahr der Schönfärberei.
Ein Verbraucher entsprechend dem EU-Verbraucherleitbild möchte jedoch nicht mit einer legal schöngerechteten Spannweitenangabe beliebig zusammengestellter Modellgruppen konfrontiert werden, sondern
sich ernstlich über den Verbrauche eines bestimmten Modells informieren können. Diesem Informationsbedürfnis wird durch die Möglichkeit
der Spannbreitenangaben nicht genügt, sodass diese ersatzlos zu streichen ist. Auf diese Weise könnte auch der normative Widerspruch zwischen der Regelung zur Kennzeichnungspflicht von Modellen in Artikel
2 Nr. 5 und 6 und der Spannweitenregelung in Anlage 4 aufgelöst werden. Die bisher in Artikel 2 Nr. 5 und 6 verankerten Regelungen
„[…] sind unter einem Modell mehrere Varianten
und/oder Versionen zusammengefasst, so wird der Wert für
den Kraftstoffverbrauch dieses Modells auf der Grundlage
der Variante und/oder Version mit dem höchsten offiziellen
Kraftstoffverbrauch innerhalb dieser Gruppe angegeben;“
“[…] sind unter einem Modell
mehrere Varianten und/oder Versionen zusammengefasst, so wird der
Wert für die CO2-Emissionen dieses Modells auf der Grundlage der Variante oder Version mit den höchsten offiziellen CO2-Emissionen innerhalb
dieser Gruppe angegeben;“
könnten bei einer textlichen Einbindung in Anlage 4 aus systematischen
Gründen stärker die Ihnen zugedachte Wirkung entfalten.
Um Verbrauchern die realistische Möglichkeit zu verschaffen, sich im
Informations- und Werbedschungel von Onlineangeboten zurechtzufinden, muss der Kennzeichnungspflicht möglichst früh und nicht erst auf
Folgeseiten zum Werbeangebot entsprochen werden, damit diese die
Ihr zugetragene Funktion der Information und an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtete Konsumsteuerung entfalten kann. Der Formulierungsvorschlag entspricht der derzeit geltenden deutschen Umsetzungsnorm und wurde mehrfach durch die Rechtsprechung bestätigt.
Da im Internet, etwa auf Folgeseiten, ausreichend Platz für Zusatzinformationen vorhanden ist, sollte außerdem das offizielle Formblatt mit
dem Effizienzlabel angegeben werden. Jedenfalls aber sollte zusätzlich
zum Kraftstoffverbrauch, den CO2-Emissionen und der CO2-Effizienzklasse eine grafische Darstellung der Übersicht der Effizienzklassen
einschließlich der konkreten Einteilung des jeweiligen Pkw abgebildet
Zu Satz 9 (neue Fassung):
Es besteht keine Notwendigkeit dafür, im Falle der Werbung für ein
Modell, das nicht durch ein bestimmte Version und/oder Variante konkretisiert ist, der Kennzeichnungspflicht nicht genügen zu müssen. Bereits für den Fall des Vorhandenseins zweier unterschiedlicher Gangschaltungsarten könnte dem Wortlaut der derzeitigen Fassung nach
von einer Kennzeichnung abgesehen werden. Dies steht im systematischen Widerspruch zu Artikel 2 Nr. 4, 1. Halbsatz (nach Semikolon) und
Nr. 5, 2. Halbsatz (nach Semikolon) und ist mit der Ziel- und Zweckrichtung der Richtlinie unvereinbar.
ANHANG V, neu einzufügen
STANDARDFORMAT FÜR DEN HINWEIS AUF DEN KRAFTSTOFFVERBRAUCH UND DIE CO2-EMISSIONEN UND DEREN
[es empfiehlt sich die Heranziehung des Formblatts nach
deutschem Recht, Anlage 1 (zu § 3 Abs. 1 Nr. 1) Hinweis auf
Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen und Stromverbrauch A. Anforderungen an den Hinweis gemäß § 3 Absatz
1 Nummer 1, Abschnitt II Formblatt für den Hinweis auf den
Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch*]
Der Wiedererkennungswert und die Vergleichbarkeit einheitlicher Hinweise machen ein EU-weit einheitliches Standardformat zu einem probaten Mittel für eine an der Ziel- und Zweckrichtung der Richtlinie orientierte Verbraucherinformation. Die Einführung eines EU-weit einheitlichen Standardformats, das sich in seinen Grundzügen an dem erprobten deutschen „Formblatt“ orientiert, würde den gemeinsamen Binnenmarkt durch einheitliche Informationsblätter stärken und Wettbewerbsverzerrungen – insbesondere im Online-Handel und im grenznahen stationären Handel – zwischen den Mitgliedsstaaten vermeiden.
Das Standardformat sollte auch Vorgaben zur grafischen Darstellung
der CO2-Effizienzklassen machen.
4.1. Ergebnis der Abfrage bei den Vollzugsbehörden zur Marktüberwachung
4.2. Ausgewählte Gerichtsentscheidungen deutscher Gerichte
Im Folgenden sind ausgewählte Gerichtsentscheidungen aufgeführt, die zur Präzisierung der
Richtlinie sowie der nationalen Umsetzungsnorm geführt haben.
4.2.1. Anhang IV: Angaben in Werbeschriften
Nr. 1 des Anhang IV der Richtlinie stellt klar: “Die Verbrauchs- und CO2-Angaben sollten gut
lesbar und nicht weniger hervorgehoben sein als der Hauptteil der Werbebotschaft.” Die
Rechtsprechung verdeutlichte die hieraus ableitbaren Anforderungen an die Kennzeichnung
in zahlreichen Fällen.
Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 18.01.2011 (Az.: 1-4 U 151/10), Nichtzulassungsbeschwerde durch Bundesgerichtshof am 23.02.2012 zurückgewiesen:
„Zwar ist der nach der Verordnung gebotene Hinweis auf den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen erfolgt. Am unteren Ende der Werbeanzeige sind in einem eigenen Werbeblock die entsprechenden
Angaben enthalten. Wie der Senat aber schon in der Entscheidung 4 U 159 / 07 ausgeführt hat, regelt die
Verordnung nicht nur, dass die Angaben überhaupt erfolgen müssen. Sie müssen auch bei flüchtigem Lesen leicht verständlich, gut lesbar und insbesondere nicht weniger hervorgehoben sein als der Hauptteil
der Werbebotschaft. Das ist hier nicht der Fall. […] Dem Verbraucher eines neuen Kraftfahrzeugs sollen
der Verbrauch und die CO2-Emissionen deutlich vor Augen geführt werden. Der Verbraucher soll gleichsam angehalten werden, sich in seinem Interesse vor der Kaufentscheidung mit der Umweltverträglichkeit und den Verbrauchskosten als Folgekosten auseinander zu setzen.“
Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 17.01.2008 (Az.: 4 U 159/07):
„Die Verordnung regelt aber nicht nur, dass die Angaben überhaupt erfolgen müssen, sondern nach Nr. 2
des Abschnitts I der Anlage 4 zu § 5 der Verordnung müssen die Angaben auch bei flüchtigem Lesen
leicht verständlich, gut lesbar und nicht weniger hervorgehoben sein als der Hauptteil der Werbebotschaft. Das ist bei der hier streitgegenständlichen Werbung unzweifelhaft nicht der Fall. […] Beim flüchtigen Studium der Anzeige kann man über sie auch sehr leicht hinweglesen. […]
Die Tatsache, dass der angesprochene Verbraucher zufällig auf die Pflichtangaben stoßen könnte, wie
das Landgericht meint, reicht nach dem Zweck des Gesetzes gerade nicht aus. Der Verbraucher soll eindeutig, klar und gleichrangig mit den anderen Details über den Verbrauch des Fahrzeuges und dessen
Emissionen informiert werden, um beim Kauf des neuen Fahrzeuges diese Gesichtspunkte von Anfang an
in seine Kaufentscheidung mit einbeziehen zu können. Dem genügt eine Information gerade nicht, bei
der es dem Zufall überlassen bleibt, ob der Käufer davon Kenntnis nimmt oder nicht. […]
Ein erheblicher Verstoß liegt dann aber nicht nur dann vor, wenn die Pflichtangaben völlig unterbleiben,
sondern auch, wenn sie so unzureichend vorgenommen werden, dass der Gesetzeszweck durch die entsprechende Angabe nicht mehr erreicht werden kann. […] Dem Käufer eines neuen Kraftfahrzeugs sollen
dagegen der Verbrauch und die CO2-Emissionen, die sehr unterschiedlich ausfallen können, deutlich vor
Augen geführt werden. […] Der Verbraucher soll gleichsam angehalten werden, sich in seinem Interesse
bei der Kaufentscheidung auch mit der Umweltverträglichkeit auseinander zu setzen. Kern der Vorschrift,
gegen die die Beklagte verstoßen hat, ist somit nicht nur, dass die geforderten Pflichtangaben gemacht,
sondern dass sie besonders deutlich gemacht werden.“
Oberlandesgericht Bamberg, Beschluss vom 17.01.2013 (Az.: 3 U 191/12):
„Maßgeblicher Anknüpfungspunkt für die Gestaltung der erforderlichen Angaben ist der ‚Hauptteil der
Werbebotschaft‘. Entgegen der Ansicht der Beklagten ist darunter das beworbene Fahrzeug und seine
Eigenschaften zu sehen und nicht etwa die Finanzierungsbedingungen, denn die Beklagte ist keine Bank,
sondern PKW-Händlerin. […] Bei der vergleichenden Betrachtung, ob die anzugebenden Verbrauchs- und
Emissionswerte weniger hervorgehoben im Sinne der Nr. 2 der Anlage 4 zur Pkw-EnVKV sind, ist deshalb
auf die Beschreibung des beworbenen Fahrzeugs abzustellen […}
Der Hauptteil der Werbebotschaft ist deshalb hier in der Modellbezeichnung, den Angaben zur Leistung
der beworbenen Fahrzeuge und dem Preis zu sehen. Demgegenüber ist die Darstellung der Verbrauchsund Emissionswerte weit deutlich weniger hervorgehoben und befindet sich zudem an einer ganz anderen Stelle, obwohl – auch unabhängig von den Vorschriften der Pkw-EnVKV – die Verbrauchswerte angesichts hoher Treibstoffkosten für die angesprochenen Verkehrskreise ganz wesentliche Eigenschaften
darstellen, die den Kaufinteressenten nach dem Willen des Verordnungsgebers auch bei der Kaufentscheidung bewusst sein sollen. Dies ergibt sich aus der Richtlinie 1999/94/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13.12.1999, die mit der Pkw-EnVKV in nationales Recht umgesetzt worden ist.
Entgegen der Ansicht der Beklagten haben die Verbrauchs- und Emissionswerte für Kaufinteressenten
durchaus Bedeutung. Dem Senat ist bekannt, dass diese Werte auf Prüfständen ermittelt werden und im
Alltagsgebrauch allenfalls unter optimalen Bedingungen erreicht werden können. Da dies aber für alle
Fabrikate und alle Fahrzeugtypen zutrifft, eröffnen die anzugebenden Verbrauchs- und Emissionswerte
einem Interessenten in jedem Fall die Möglichkeit eines Vergleichs.“
Landgericht Meiningen, Urteil vom 13.08.2015 (Az.: 8 HK O 8/15):
„Die Angaben zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen treten gegenüber dem Hauptteil der Werbebotschaft deutlich in den Hintergrund. Die Überschrift […], die Angaben zu Motorisierung, Ausstattung
und auch zum Preis des Fahrzeugs sind in etwa doppelt so groß und dick gesetzt und zum Teil auch durch
Farbdruck hervorgehoben. […] Es genügt nicht zur Einhaltung der PKW-EnVKV, wenn ein an den Verbrauchswerten interessierter Leser diese den Inseraten mit gewisser Mühe entnehmen kann.“
Zur Übersichtlichkeit der Angaben gemäß Nr. 2 (“Die Verbrauchs- und CO2-Angaben sollten
bereits bei flüchtigem Lesen leicht verständlich sein.”) führte das Landgericht Braunschweig,
Urteil vom 01.08.2014 (Az.: 21 O 2564/13), aus:
„Die Angaben müssen auch bei flüchtigem Lesen leicht verständlich sein. Abzustellen dabei ist nicht auf
den „durchschnittlich angemessen und situationsbedingt informierten Durchschnittsverbraucher“, der
sonst im Bereich des unlauteren Wettbewerbs maßgeblich ist […] Vielmehr ist nach richtlinienkonformer
Auslegung der Pkw-EnVKV der Adressat der „flüchtige“ Leser (BGH, GRUR 2010, 852 ff.) […]
Die Zahlenkolonne ist für den flüchtigen Durchschnittsleser aus sich heraus auch nicht verständlich, weil
die isolierte Angabe der Zahlenwerte ohne übersichtliche Erläuterung ohne besonderen Informationsgehalt bleibt. Hieran ändert sich auch daran nichts, dass über den Sternchen-Zusatz die Inhalte der Pflichtangaben im blau unterlegten Bereich am Ende der Werbung aufgelöst werden. […] Denn dem Käufer eines neuen Kraftfahrzeuges sollen der Verbrauch und die CO2-Emissionen deutlich und eindringlich vor
Augen geführt werden, er soll angehalten werden, sich in seinem Interesse vor der Kaufentscheidung mit
der Umweltverträglichkeit und den Verbrauchskosten als Folgekosten auseinanderzusetzen. In diesem
Sinn sind die Pflichtangaben nicht deutlich gemacht. […] Es bleibt auch hier eher zufällig, ob er bei flüchtiger Betrachtung auf den Sternchen-Hinweis stößt und ihm an das Ende der Werbung folgt.“
4.2.2. Werbung in digitalen Medien / Neue Werbeformen
Das Landgericht Köln, Urteil vom 28.08.2015 (Az.: 84 O 84/15) erklärte Verbrauchs- und
Emissionsangaben im sog. Mouse-Over-Verfahren als unzulässig.
„Dem wird das sog. Mouse-Over-Verfahren nicht gerecht, da die Pflichtangaben erst und nur dann angezeigt werden, wenn der Nutzer der Internetseite mit der Maus über die Angabe der Effizienzklasse scrollt.
Durch dieses Verfahren wird nicht gewährleistet, dass die Pflichtangaben automatisch in dem Augenblick
erfolgen, in dem Motorisierungsangaben gemacht werden. Bei dem Mouse-Over-Verfahren bleibt es
dem Zufall überlassen, ob der Nutzer die Mouse-Over-Funktion überhaupt erkennt und – wenn ja – dann
auch tatsächlich mit der Maus über diese Funktion fährt. Die Anzeige der Pflichtangaben ist von einer
vorherigen manuellen Tätigkeit des Nutzers abhängig, während die Pkw-EnVKV verlangt, dass die Angaben automatisch in dem Augenblick angezeigt werden, in dem erstmalig Angaben zu Motorisierung gemacht werden.“
Nach Rechtsprechung des Landgerichts Braunschweig, Urteil vom 02.10.2014 (Az.: 21 O
1195/14) sind die Angaben zum Verbrauch und zum CO2-Ausstoß als Aufklapp-Informationen auf FACEBOOK („Mehr Anzeigen“) nicht geeignet, der Kennzeichnungspflicht zu genügen.
„Die Pflichtangaben erscheinen in der streitgegenständlichen Werbung erst nach einem weiteren Klick
unter der Rubrik „mehr anzeigen“. Entgegen der Ansicht der Beklagten genügt dies nicht den Erfordernissen der Pkw-EnVKV. Die Kammer teilt die Auffassung der Beklagten nicht, dass diese Kriterien immer
dann erfüllt seien, wenn sich die Angaben durch einen Tastenklick oder durch ein Weiterscrollen im Text
auf derselben Internetseite finden. […]
Zwar ist der Beklagten darin zuzustimmen, dass es schwierig sein dürfte, eine verkehrsübliche „Normalansicht“ von Internetseiten zu definieren. […] Um den Vorgaben der Pkw-EnVKV Rechnung zu tragen
und Umgehungsmöglichkeiten auszuschließen, ist deshalb eine strenge Beurteilung geboten. Daraus
folgt, dass die Formulierung „automatisch in dem Augenblick“ nichts anderes bedeuten kann, als „sofort“
und „ohne weiteres Zutun“. Derartigen Anforderungen genügt die hier angegriffene Gestaltung der Werbung nicht, weil die Angaben erst nach einem weiteren Klick erscheinen und damit gerade nicht automatisch in dem Augenblick, in dem die Angaben zur Motorisierung erstmals gemacht werden zur Kenntnis
genommen werden können. […]
Die Beklagte kann sich auch nicht erfolgreich auf fehlendes Verschulden berufen, weil der Seitenumbruch
eigenmächtig von dem Seitenbetreiber Facebook gesetzt worden sei und sie keinen Einfluss auf die
Linksetzung gehabt habe […] Ist dies nicht möglich und kann die Einhaltung des Vertragsstrafeversprechens nicht sichergestellt werden, darf die Beklagte – um die Vertragsstrafe nicht zu verwirken – auf dieser Seite nicht werben. Zum anderen hat die Beklagte auch keine Tatsachen vorgetragen, aus denen sich
ergibt, dass sie sich, nachdem die Werbung erschienen war, davon überzeugt hat, dass die Werbung die
Vorgaben der Pkw-EnVKV einhält und z.B. durch Screenshots dokumentiert, dass die Pflichtangaben verordnungsgemäß erscheinen.“
Ähnliche Wertungen nahmen das Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 10.03.2014 (Az.: 34 O
54/13), das Landgericht Trier, Urteil vom 01.03.2012 (Az.: 7 HK O 190/11) und das Landgericht Köln, Urteil vom 17.01.2012 (Az.: 81 O 102/11) vor.
Deutsche Umwelthilfe e.V., 15. Januar 2015
Agnes Sauter, Leiterin DUH-Verbraucherschutz (sauter@duh.de, Tel. +49 7732 / 9995 11)
BGH: Angabe des CO2 Ausstoßes eines PKW in der Werbung
Französische Regelung betreffend die Werbung mit bezifferten
SEAT Leon „Emotion“ - im Autohaus Bussiek
CM_PETI - Europa
Erklärung zur Unterstützung der Richtlinie 2010/63/EU des
2 Rechtsgrundlage dieser Richtlinie ist Artikel 235 EWG
Verschreibungspflicht für Arzneimittel für Lebensmittel
Antrag Baustopp am Zieselhabitat nördlich des Heeresspitals.

References: § 5
 Art. 2
 § 5
 Art. 2
 Art. 2
 § 5
 § 3
 § 3
 Art. 2
 § 12
 § 5
 § 2
 Art. 2
 § 2
 Art. 2
 § 5
 Art. 2
 BGH 
 Art. 2
 § 2
 Art. 1
 § 2
 Art. 1
 § 2
 BGH 
 § 2
 § 2
 § 5
 § 5
 § 5
 § 3

Art. 12
 § 3
 § 3
 § 5