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Timestamp: 2019-03-22 10:44:32+00:00

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LAG Baden-Württemberg, Urteil vom 31.03.2009, 2 SaGa 1/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 31.03.2009, 2 Sa­Ga 1/09
Schlagworte: Streik: Sympathiestreik, Arbeitskampf, Streik: Solidaritätsstreik, Streik: Unterstützungsstreik
Aktenzeichen: 2 SaGa 1/09
Auch im Bereich des Flugverkehrs und der Flugsicherung sind Arbeitskämpfe nicht grundsätzlich rechtswidrig.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Stuttgart - Kammern Ludwigsburg -, Urteil vom 02.03.2009, 12 Ga 4/09
2 Sa­Ga 1/09
früher 2 Ta 5/09
12 Ga 4/09 (ArbG Stutt­gart - Kn. Lud­wigs­burg)
Hag­dorn Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
- An­trag­stel­le­rin/Be­schwer­deführe­rin -
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Baum­gart
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kei­per
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom19.03.2009
Die so­for­ti­ge Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart - Kam­mern Lud­wigs­burg - vom 02.03.2009 (12 Ga 4/09) wird auf de­ren Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ist ein An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zur Un­ter­sa­gung von Ar­beits­kampf­maßnah­men.
Die An­trag­stel­le­rin ist im Be­reich der Flug­si­che­rung durch § 1 der Ver­ord­nung zur Be­auf­tra­gung ei­nes Flug­si­che­rungs­un­ter­neh­mens vom 11. No­vem­ber 1992 bun­des­weit als al­lei­ni­ge Flug­si­che­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on da­mit be­auf­tragt, die si­che­re, ge­ord­ne­te und flüssi­ge Ab­wick­lung des Luft­ver­kehrs zu gewähr­leis­ten. Sie übt für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die in § 27 c Abs. 2 Luft­VG auf­geführ­ten Flug­si­che­rungs­auf­ga­ben aus und hat die Si­cher­heit des Luft­ver­kehrs in der Bun­de­re­pu­blik Deutsch­land zu gewähr­leis­ten. Nach § 27c Abs. 2 Nr. 1 lit. a Luft­VG gehört hier­zu die Flug­ver­kehrs­kon­trol­le zur Über­wa­chung und Len­kung der Be­we­gun­gen im Luft­raum und auf den Rollflächen von Flugplätzen ein­sch­ließlich der Über­prüfung, War­nung und Um­lei­tung von Luft­fahr­zeu­gen im Luft­raum.
Bei der An­trags­geg­ne­rin han­delt es sich um ei­nen am 15.09.2003 in das Ver­eins­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein mit Sitz in Frank­furt am Main. Ihr Or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­biet er­streckt sich gemäß § 3 der Sat­zung vom 09.07.2003 in der Fas­sung vom 27.09.2008 auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Be­reich der Eu­ropäischen Uni­on. Laut § 4 der Sat­zung um­fasst der Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich der An­trags­geg­ne­rin al­le Be­trie­be und Un­ter­neh­men, in wel­chen die Über­wa­chung und Len­kung von Luft­fahr­zeu­gen in der Luft oder auf dem Bo­den zur si­che­ren, ge­ord­ne­ten und flüssi­gen Ab­wick­lung des Ver­kehrs er­folgt oder mit die­ser Auf­ga­be in un­mit­tel­ba­rem Zu­sam­men­hang ste­hen­de pla­ne­ri­sche, in­for­ma­to­ri­sche, tech­ni­sche und qua­li­fi­zie­ren­de Un­terstützungs­leis­tun­gen er­bracht wer­den. Bei der An­trags­geg­ne­rin sind ins­be­son­de­re die Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen der An-trag­stel­le­rin und auch die Vor­feld­lot­sen der Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH or­ga­ni­siert.
Die Be­trei­be­rin des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens, die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH (im Fol­gen­den: FSG) beschäftigt ins­ge­samt über 1.000 Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen. Da­von sind ca. 22 Mit­ar­bei­ter als so­ge­nann­te Vor­feld­lot­sen (Apron-Con­trol­ler) tätig, die den rol­len­den Ver­kehr von Luft­fahr­zeu­gen am Bo­den steu­ern und über­wa­chen. Der Zuständig­keits­be­reich die­ser Vor­feld­lot­sen, das Vor­feld, ist der Be­reich zwi­schen dem Ta­xi­way, der zur Pis­te (Start- und Lan­de­bahn) führt und zum Kon­troll­be­reich des Platz­lot­sen im Tower der An­trag­stel­le­rin gehört, und den Park­po­si­tio­nen, von und zu de­nen die Pas­sa­gie­re über ei­nen Flug­steig (Gate) oder mit­tels ei­nes Fahr­zeug­trans­fers zu den Flug­zeu­gen ge­bracht wer­den. Die Überg­a­be-/Über­nah­me­punk­te zur De­fi­ni­ti­on der Ver­ant­wort­lich­kei­ten sind zwi­schen der An­trag­stel­le­rin und der FSG durch Be­triebs­ab­spra­chen im Ein­zel­nen ge­re­gelt. Da­ge­gen ob­liegt die Steue­rung und Über­wa­chung des flie­gen­den
Ver­kehrs, ins­be­son­de­re der An- und Ab­flüge, den Beschäftig­ten der An­trag­stel­le­rin im Tower, vor al­lem den Flug­lot­sen.
1995 schlos­sen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und die An­trag­stel­le­rin die Neu­fas­sung ei­ner am 23.12.1992 ge­trof­fe­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung ab, de­ren § 6 (Not­dienst­ver­ein­ba­rung) fol­gen­der­maßen lau­tet:
Die DFS wird ... mit den Ta­rif­part­nern ver­ein­ba­ren, dass im Fal­le ar­beits­recht­li­cher Aus­ei-nan­der­set­zun­gen die fol­gen­den Flüge nicht be­hin­dert wer­den:
- Not- und Ka­ta­stro­phen­einsätze (ein­sch­ließlich hu­ma­nitärer Flüge),
- Re­gie­rungs­flüge,
- Flug­be­trieb der Streit­kräfte.
In Um­set­zung die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung schlos­sen die Par­tei­en am 26.07.2006 für den Fall des Ar­beits­kamp­fes ei­ne Not­dienst­ver­ein­ba­rung über die Ein­rich­tung von Not­diens­ten.
§ 2 Abs. 2 lau­tet:
Die GdF si­chert der DFS zu, dass sie im Fal­le ei­nes Ar­beits­kamp­fes Not­dien­st­ar­bei­ten durchführen wird. Not­dien­st­ar­bei­ten sind Ar­bei­ten, die not­wen­dig sind
b) zur si­che­ren Durchführung
von Not- und Ka­ta­stro­phen­flügen ein­sch­ließlich hu­ma­nitärer Flüge,
von Re­gie­rungs­flügen,
des Flug­be­triebs der Streit­kräfte und
25 % des planmäßigen Luft­ver­kehrs, der in dem vom Ar­beits­kampf be­trof­fe­nem/n Sek-tor/en/TWR übli­cher­wei­se pro St­un­de durch­geführt wird.
§ 3 lau­tet:
Or­ga­ni­sa­ti­on und Durchführung der Not­dien­st­ar­bei­ten
(1) Um die vor­ge­nann­ten Not­dien­st­ar­bei­ten si­cher­stel­len zu können, beträgt die Ankündi-gungs­frist für Ar­beits­kampf­maßnah­men 24 St­un­den. Mit der Ankündi­gung be­nennt die GdF zu­gleich ei­ne zen­tra­le Ar­beits­kampf­lei­tung so­wie ge­ge­be­nen­falls ört­li­che Ar­beits-kampf­lei­tun­gen und stellt de­ren so­for­ti­ge und ständi­ge Er­reich­bar­keit si­cher.
Am 15.08.2008 traf die An­trag­stel­le­rin mit der FSG ei­ne Ver­ein­ba­rung über Un­terstützungs­leis­tun­gen bei „Not­dienst-Vor­feld­kon­trol­le“. Ziff. 1.1 des An­hangs zu die­ser Ver­ein­ba­rung sieht ei­ne Über­tra­gung der Tätig­kei­ten der Vor­feld­kon­trol­le am Flug­ha­fen Stutt­gart an die Platz­kon­trol­le im Rah­men ei­ner Not­fall­ver­ein­ba­rung zwi­schen der An­trag­stel­le­rin und der FSG vor. Ei­ne sol­che Not­fall­ver­ein­ba­rung für die Vor­feld­kon­trol­le wur­de zwi­schen der An­trag­stel­le­rin und der FSG am 01.10.2008 ab­ge­schlos­sen. Gemäß Zif­fer 1.2 die­ser Not­fall­ver­ein­ba­rung wur­den die im An­hang zur Not­fall­ver­ein­ba­rung vom 15.08.2008 fest­ge­leg­ten Ver­fah­ren in Kraft ge­setzt. Gemäß Zif­fer 1.3 die­ser Not­fall­ver­ein­ba­rung ist der Zeit­punkt, ab dem die Ver­fah­ren gemäß der Not­fall­ver­ein­ba­rung an­ge­wen­det wer­den, in Ab­spra­che zwi­schen der Cen­ter­lei­te­rin Ver­kehrs­len­kung oder de­ren Ver-tre­ter und der Lei­te­rin Tower Stutt­gart und de­ren Ver­tre­ter fest zu le­gen.
En­de 2008 wur­de die FSG von der An­trags­geg­ne­rin zu Ver­hand­lun­gen über die Ar­beits­be­din­gun­gen der bei der FSG beschäftig­ten Vor­feld­lot­sen auf­ge­for­dert. U.a. will die An­trags­geg­ne­rin im Rah­men ei­ner stu­fen­wei­sen Erhöhung der Vergütung für die Vor­feld­lot­sen ei­ne Stei­ge­rung von ca. 30 % in 4 Jah­ren er­rei­chen. In ei­ner so­ge­nann­ten Pro­zess­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar­ten die FSG und die An­trags­geg­ne­rin am 10.11.2008 ei­ne ab­ge­stuf­te Ver­hand­lung der ein­zel­nen For­de­rungs-ge­genstände. Dar­in heißt es un­ter Punkt II. 4. a, dass hin­sicht­lich al­ler Vergütungs­fra­gen Frie-dens­pflicht bis zum 28.02.2009 be­steht.
Die An­trag­stel­le­rin bot der FSG an, zum 01.04.2009 die Tätig­kei­ten der Vor­feld­lot­sen im We­ge ei­nes Out­sour­cings mit ei­ge­nem Per­so­nal, d.h. oh­ne Über­nah­me von Ar­beit­neh­mern der FSG zu über­neh­men. Ei­nen sol­chen Ver­trag schlos­sen die An­trag­stel­le­rin und die FSG während der Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der An­trags­geg­ne­rin und der FSG, je­den­falls vor der münd­li­chen Ver­hand­lung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren. Nach die­sem Ver­trag wird die Vor­feld­kon­trol­le ab dem 01.04.2009 nicht mehr von der FSG, son­dern von der An­trag­stel­le­rin mit ei­ge­nem Per­so­nal im Tower des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens er­le­digt. Des­halb hat die FSG meh­re­ren der 22 Vor­feld­lot­sen ei­ne Kündi­gung aus­ge­spro­chen. Ein Teil die­ser Ar­beit­neh­mer wird von der FSG in der Ver­kehrs­zen­tra­le wei­ter­beschäftigt.
Am 26.02.2009 veröffent­lich­te die An­trags­geg­ne­rin ei­ne In­ter­net­mel­dung mit un­ter an­de­rem fol­gen­den In­halt:
"Flug­ha­fen Stutt­gart - Kei­ne Ei­ni­gung im Streit über Vor­feld­kon­trol­le - GdF droht mit Streik­maßnah­men
Die Ta­rif­kom­mis­si­on der Ge­werk­schaft der Flug­si­che­rung (GdF) hat die Ta­rif­ver­hand­lun-gen für den Be­reich Vor­feld­kon­trol­le der Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH (FSG) für ge­schei­tert
erklärt. In ei­ner Son­der­sit­zung am 24. Fe­bru­ar 2009 hat der GdF-Bun­des­vor­stand sei­ne Zu­stim­mung zu den jetzt nicht mehr zu um­ge­hen­den Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­ge­ben. Die­se können nach Ab­lauf der Frie­dens­pflicht ab dem 01. März 2009 ein­ge­lei­tet wer­den.
Soll­te die Deut­sche Flug­si­che­rung GmbH (DFS) ver­su­chen, im Rah­men sog. Not­fall­maß-nah­men die Auf­ga­ben der Vor­feld­kon­trol­le von ih­rem Per­so­nal, al­so den am Flug­ha­fen tä-ti­gen Flug­lot­sen, durch­zuführen zu las­sen, be­wer­tet die GdF dies als Bruch der Neu­tra­lität. Dann käme es auch in die­sem Be­reich - be­trof­fen wäre da­bei vor al­lem der En­d­an­flug so­wie der ers­te Teil des Ab­flugs - zu ent­spre­chen­den Strei­k­aus­wei­tun­gen. (…)"
Mit E-Mail vom 02.03.2009, 05.04 Uhr, kündig­te die An­trags­geg­ne­rin der FSG Ar­beits­kampf­maßnah­men wie folgt an:
"(…) wie in un­se­rem Schrei­ben vom 27.02.2009 an­gekündigt, tei­len wir Ih­nen mit, dass die GdF ih­re Mit­glie­der der Ver­kehrs­zen­tra­le/Vor­feld­kon­trol­le am Flug­ha­fen Stutt­gart vom 03. März 2009 ab 05:30 Uhr zu ei­nem be­fris­te­ten Ar­beits­kampf auf­ruft. Der Ar­beits­kampf wird bis zum 06. März 2009, 20:30 Uhr an­dau­ern.
Die an­gekündig­ten Not­diens­te wer­den zum oben ge­nann­ten Zeit­punkt zur Verfügung ste-hen.
Ab so­fort sind die Ih­nen schon be­kann­ten Per­so­nen der zen­tra­len Streik­lei­tung so­wie die nach­ste­hend be­nann­ten Kol­le­gen der ört­li­chen Streik­lei­tung für Rück­fra­gen er­reich­bar. (…)"
Am 05.03.2009 veröffent­lich­te die An­trags­geg­ne­rin auf ih­rer In­ter­net-Start­sei­te fol­gen­de
„Flug­ha­fen Stutt­gart am En­de sei­ner Möglich­kei­ten zur Strei­k­ab­wehr - Deut­sche Flug­si-che­rung greift un­terstützend ein und bricht da­mit ei­ge­ne Neu­tra­litäts­zu­sa­ge - Streit wird nun auf DFS aus­ge­wei­tet“
In die­ser In­ter­net­sei­te wirft die An­trags­geg­ne­rin der An­trag­stel­le­rin vor, Auf­ga­ben der Vor­feld­kon­trol­le für meh­re­re St­un­den von den Flug­lot­sen im Tower des Flug­ha­fens über­nom­men zu ha­ben. Die An­trags­geg­ne­rin ha­be be­reits im Vor­feld die­ses Kon­flikts an­gekündigt, in die­sem Fal­le auch die DFS-Ar­beitsplätze, die den Ver­kehr am Stutt­gar­ter Flug­ha­fen so­wie die An- und Ab­flüge dort­hin kon­trol­lie­ren, im Rah­men ei­nes So­li­da­ritäts­streiks lahm­zu­le­gen. Dies sei ab so­fort möglich, den Be­ginn und die Dau­er der Maßnah­men würden ge­son­dert be­kannt ge­ge­ben.
Am 06.03.2009 be­schloss die An­trags­geg­ne­rin, den Streik der Vor­feld­lot­sen am Stutt­gar­ter Flug-ha­fen un­be­fris­tet zu verlängern. Am sel­ben Tag fand ein Gespräch zwi­schen den Par­tei­en statt, in dem die An­trag­stel­le­rin äußer­te, ge­genüber ih­ren Tower­lot­sen an­ge­ord­net zu ha­ben, kei­ner­lei
Vor­feld­diens­te zu über­neh­men, um die Neu­tra­lität zu wah­ren. Dar­auf­hin fand bei der An­trags­geg­ne­rin ei­ne Son­der­sit­zung am 09.03.2009 über das wei­te­re Vor­ge­hen statt. In der münd­li­chen Ver­hand­lung am 19.03.2009 teil­te die An­trags­geg­ne­rin mit, dass sie der­zeit nicht von ei­ner Ver­let­zung der Neu­tra­litäts­pflicht der An­trag­stel­le­rin aus­geht und des­halb bis zum 31.03.2009 kei­ne Ar­beits­kampf­maßnah­men bei der An­trag­stel­le­rin ge­plant sei­en, wenn die­se - wei­ter­hin - neu­tral blei­be. Die Über­nah­me der Vor­feld­kon­trol­le durch die An­trag­stel­le­rin ab dem 01.04.2009 wer­te die An­trags­geg­ne­rin al­ler­dings als Ver­let­zung der Neu­tra­litäts­pflicht. In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat die An­trags­geg­ne­rin wei­ter geäußert, dass ein Un­terstützungs­streik bei der An­trag­stel­le­rin ab dem 01.04.2009 sehr wahr­schein­lich sei. Es ge­be al­ler­dings kei­nen Au­to­ma­tis­mus. Über kon­kre­te Streik­maßnah­men wer­de erst ent­schie­den.
Mit ih­rer beim Ar­beits­ge­richt am 02.03.2009 ein­ge­reich­ten An­trags­schrift be­gehr­te die An­trag­stel­le­rin den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung - we­gen be­son­de­rer Dring­lich­keit oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung - auf Un­ter­sa­gung von Ar­beits­kampf­maßnah­men. Mit Be­schluss vom 02.03.2009 wies das Ar­beits­ge­richt den An­trag oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung zurück.
Ge­gen die­sen der An­trag­stel­le­rin am 03.03.2009 zu­ge­stell­ten Be­schluss rich­tet sich die am 05.03.2009 ein­ge­leg­te und be­gründe­te so­for­ti­ge Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin.
Die An­trag­stel­le­rin ver­tritt die An­sicht, dass ein Streik der Flug­lot­sen auf­grund der ho­heit­li­chen, son­der­po­li­zei­li­chen Tätig­keit der An­trag­stel­le­rin grundsätz­lich rechts­wid­rig ist. Ein Ar­beits­kampf-ver­bot der Flug­lot­sen fol­ge aus Art. 33 Abs. 5 GG, dem ein funk­tio­na­ler Be­am­ten­be­griff zu­grun­de zu le­gen sei. Des­halb un­terlägen al­le Ar­beits­kampf­maßnah­men, die sich auf die son­der­po­li­zei­li­che Wahr­neh­mung von Flug­si­che­rungs­auf­ga­ben be­zie­hen, un­mit­tel­bar dem Streik­ver­bot des Art. 33 Abs. 5 GG. Ei­ne Un­ter­sa­gung des Ar­beits­kamp­fes würde in kei­ner Wei­se das Streik­recht der Ar­beit­neh­mer der An­trag­stel­le­rin ins­ge­samt in Fra­ge stel­len. Dort sei­en vie­le Mit­ar­bei­ter beschäftigt, die kei­ne son­der­po­li­zei­li­che Tätig­keit ausüben. Selbst wenn man ein Ar­beits­kampf­ver­bot aus Art. 33 Abs. 5 GG nicht her­lei­ten wol­le, wäre ein Streik der Flug­lot­sen der An­trag­stel­le­rin auf­grund des Ver­s­toßes ge­gen die höher­ran­gi­gen kol­li­die­ren­den Ver­fas­sungs­rech­te, nämlich Le­ben und Ge­sund­heit an­de­rer, un­verhält­nismäßig und da­mit rechts­wid­rig. Selbst­verständ­lich führe ein Streik von Flug­lot­sen nicht zu ei­ner kon­kre­ten Gefähr­dung von Leib und Le­ben der Pas­sa­gie­re und Be­diens­te­ten so­wie der An­woh­ner von Luft­ver­kehrs­s­traßen. Ein streik­be­ding­ter weit­ge­hen­der Aus­fall des Towers Stutt­gart ha­be aber zur Fol­ge, dass der für Stutt­gart be­stimm­te Luft­ver­kehr um­ge­lei­tet wer­den müsse. Ei­ne sol­che Um­lei­tung ma­che zusätz­li­che Flug­manöver not­wen­dig. Sol­che zusätz­li­chen Flug­manöver erhöhten das Ri­si­ko von Unfällen. Des­halb stei­ge die abs­trak­te Gefähr­dung von Leib und Le­ben der Pas­sa­gie­re, der Be­diens­te­ten und der An­woh­ner von Luft­ver­kehrs­s­traßen durch die an­gekündig­ten Un­terstützungs­streik­maßnah­men. Ein Un­terstützungs­streik ha­be auch ex­tre­me fi­nan­zi­el­le Fol­gen. Der tägli­che Scha­den bei der An­trag­stel­le­rin, der
FSG und den Flug­ge­sell­schaf­ten be­lau­fe sich auf mehr als 2 Mil­lio­nen Eu­ro. Dem­ge­genüber ver­fol­ge die An­trags­geg­ne­rin im Haupt­ar­beits­kampf le­dig­lich ein Streik­ziel, das zur Ver­bes­se­rung der Vergütung von 22 Mit­ar­bei­tern in 4 Jah­ren im Um­fang von ca. 600.000,00 Eu­ro führen soll. Auch aus die­sem Grund sei der Un­terstützungs­ar­beits­kampf un­verhält­nismäßig. Verhält­nismäßig sei ein Sym­pa­thie­ar­beits­kampf nur dann, wenn sich die­ser dar­auf be­schränke, dem Geg­ner im Haupt­ar­beits­kampf die zu­ge­sag­te oder für möglich ge­hal­te­ne Un­terstützung zu neh­men. Sch­ließ-lich ist die An­trag­stel­le­rin der Auf­fas­sung, dass vor­lie­gend auch ein Verfügungs­grund ge­ge­ben sei. We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der An­trag­stel­le­rin wird auf de­ren Schriftsätze vom 05.03.2009 und 18.03.2009 ver­wie­sen.
Die An­trag­stel­le­rin hat zu­letzt be­an­tragt:
I. Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 02.03.2009, Az. 12 Ga 4/09, wird auf-ge­ho­ben.
II. Der An­trags­geg­ne­rin wird es zur Ver­mei­dung ei­nes Ord­nungs­gel­des in Höhe von bis zu EUR 250.000,00 in je­dem Ein­zel­fall, er­satz­wei­se für den Fall, dass die­ses nicht bei­ge­trie­ben wer­den kann, ei­ne Ord­nungs­haft von bis zu 6 Mo­na­ten, vor­zu­neh­men am Bun­des-vor­sit­zen­den, un­ter­sagt,
1. ei­ne et­wai­ge Ur­ab­stim­mung zur Vor­be­rei­tung ei­nes Ar­beits­kamp­fes bei der An­trag-stel­le­rin durch­zuführen, so­weit die­ser Ar­beits­kampf zum Ziel hat, Vergütungs­for­de­run-gen durch­zu­set­zen, die die An­trags­geg­ne­rin für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der Vor­feld­kon­trol­le ge­gen die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH er­hebt;
2. ih­re am oder für den Stand­ort Stutt­gart täti­gen Mit­glie­der zur Be­tei­li­gung an Ar­beits-kampf­maßnah­men bei der An­trag­stel­le­rin auf­zu­ru­fen mit dem Ziel Vergütungs­for­de-run­gen, die die An­trags­geg­ne­rin für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der Vor­feld­kon­trol­le ge­gen die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH er­hebt, durch­zu­set­zen, so­weit die­se Ar­beits­kampf­maßnah­men über die bloße Ver­wei­ge­rung der Über­nah­me der Vor­feld-kon­trol­le hin­aus­ge­hen;
3. ih­re am oder für den Stand­ort Stutt­gart täti­gen Mit­glie­der, die als Flug­lot­sen, Se­ni­or-Flug­lot­sen oder Su­per­vi­sor im Flug­ver­kehrs­kon­troll­dienst oder als Flug­da­ten­be­ar­bei­ter oder Se­ni­or-Flug­da­ten­be­ar­bei­ter in der Flug­da­ten­be­ar­bei­tung bzw. als Platz­ko­or­di­na­tor oder als FS-Tech­ni­ker, Se­ni­or-FS-Tech­ni­ker, Sys­tem­tech­ni­ker, FS-In­ge­nieur oder Se­ni­or-FS-In­ge­nieur in der Flug­si­che­rungs­tech­nik, bei der An­trag­stel­le­rin ein­ge­setzt sind, zur Be­tei­li­gung an Ar­beits­kampf­maßnah­men bei der An­trag­stel­le­rin auf­zu­ru­fen mit dem Ziel, Vergütungs­for­de­run­gen, die die An­trags­geg­ne­rin für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der Vor­feld­kon­trol­le ge­gen die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH er-
hebt, durch­zu­set­zen, so­weit die­se Ar­beits­kampf­maßnah­men über die bloße Ver­wei­ge­rung der Über­nah­me der Vor­feld­kon­trol­le hin­aus­ge­hen;
4. Ar­beits­kampf­maßnah­men bei der An­trag­stel­le­rin durch­zuführen, die zu ei­ner Ein-schränkung der Tätig­kei­ten der­je­ni­gen Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer führen, die bei der An­trag­stel­le­rin als Flug­lot­sen, Se­ni­or-Flug­lot­sen oder Su­per­vi­sor im Flug-ver­kehrs­kon­troll­dienst oder als Flug­da­ten­be­ar­bei­ter oder Se­ni­or-Flug­da­ten­be­ar­bei­ter in der Flug­da­ten­be­ar­bei­tung bzw. als Platz­ko­or­di­na­tor oder als FS-Tech­ni­ker, Se­ni­or-FS-Tech­ni­ker, Sys­tem­tech­ni­ker, FS-In­ge­nieur oder Se­ni­or-FS-In­ge­nieur in der Flug­si-che­rungs­tech­nik, am oder für den Stand­ort Stutt­gart ein­ge­setzt sind, so­weit mit den Ar­beits­kampf­maßnah­men das Ziel ver­folgt wird, Vergütungs­for­de­run­gen, die die An-trags­geg­ne­rin für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der Vor­feld­kon­trol­le ge­gen die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH er­hebt, durch­zu­set­zen, so­weit die­se Ar­beits­kampf­maß-nah­men über die bloße Ver­wei­ge­rung der Über­nah­me der Vor­feld­kon­trol­le hin­aus­ge-hen.
Sie ver­tei­digt den an­ge­foch­te­nen Be­schluss und bringt ins­be­son­de­re vor, dass Ar­beits­kampf­maßnah­men im Rah­men von einst­wei­li­gen Verfügun­gen al­len­falls dann un­ter­sagt wer­den dürfen, wenn sie of­fen­sicht­lich un­ge­eig­net oder un­verhält­nismäßig sind. Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ses Be­wer­tungs­maßsta­bes sei­en vor­lie­gend we­der ein Verfügungs­an­spruch noch ein Verfügungs­grund ge­ge­ben. Den Flug­lot­sen der An­trag­stel­le­rin könne nicht aus grundsätz­li­chen Erwägun­gen ein Streik­recht ab­ge­spro­chen wer­den. Die Auf­fas­sung der An­trag­stel­le­rin ste­he nicht in Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes. Durch ei­nen Ar­beits­kampf wer­de Leib und Le­ben an­de­rer auch nicht abs­trakt gefähr­det. Der An­trag­stel­le­rin wer­de mit ei­ner Ankündi­gungs­frist von 24 St­un­den be­kannt ge­ge­ben, wel­che Sek­to­ren ge­schlos­sen wer­den. Des­halb ha­be die An­trag­stel­le­rin genügend Zeit, dar­auf auf ei­ne Wei­se zu re­agie­ren, die zusätz­li­che Ge­fah­ren für den Luft­ver­kehr aus­sch­ließen. Letzt­end­lich fänden kei­ne gefähr­li­chen Flüge statt, son­dern es fie­len Flüge vom und zum Flug­ha­fen Stutt­gart aus. Der von der An­trag­stel­le­rin be­haup­te­te dro­hen­de wirt­schaft­li­che Scha­den bei ihr, der FSG und bei wei­te­ren Drit­ten, der der Höhe nach be­strit­ten wer­de, führe nicht zu ei­ner Exis­tenz­gefähr­dung oder Exis­tenz­ver­nich­tung die­ser und sei des­halb nicht un­verhält­nismäßig. Im Übri­gen dürfe kei­ne Ta­rif­zen­sur in dem Sin­ne statt­fin­den, dass et­wai­ge wirt­schaft­li­che Nach­tei­le Drit­ter zu den Streik­for­de­run­gen und den Streik­fol­gen in ein Verhält­nis ge­setzt wer­den. We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der An­trags­geg­ne­rin wird auf de­ren Schrift­satz vom 16.03.2009 ver­wie­sen.
Über die so­for­ti­ge Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin hat­te die Kam­mer durch Ur­teil zu ent­schei­den.
Nach­dem der Vor­sit­zen­de der er­ken­nen­den Kam­mer aus Gründen der Sach­ver­halts­aufklärung ei­nen Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung an­be­raumt hat­te, wur­de die so­for­ti­ge Be­schwer­de in das Ur­teils­ver­fah­ren über­ge­lei­tet (Mu­sielak, ZPO, 5. Auf­la­ge, § 922 Rd­nr. 10 b). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­schei­det in die­sem Fall nach münd­li­cher Ver­hand­lung vor der Kam­mer durch Ur­teil (Zöller-Voll­kom­mer, ZPO, 27. Auf­la­ge, § 922 Rd­nr. 14; Ger­mel­mann-Ger­mel­mann, ArbGG, 6. Auf­la­ge, § 62 Rd­nr. 87).
Aus die­sen Gründen war auch nicht das Ab­hil­fe­ver­fah­ren gemäß § 572 Abs. 1 ZPO durch­zuführen, das im Übri­gen auch we­gen der Eil­bedürf­tig­keit nicht ge­bo­ten ge­we­sen wäre (vgl. Zöller-Heßler, a.a.O., § 572 Rd­nr. 4).
Die gemäß §§ 62 Abs. 1 Satz 1 ArbGG, 936, 922 Abs. 1 Satz 1, 567 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statt­haf­te so­for­ti­ge Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den (§ 569 ZPO). Im Übri­gen sind Be­den­ken an der Zulässig­keit der so­for­ti­gen Be­schwer­de nicht ver­an­lasst.
Die so­for­ti­ge Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin hat in der Sa­che kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt hat den zulässi­gen An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zu Recht zurück­ge­wie­sen. Die An­trag­stel­le­rin hat der­zeit kei­nen An­spruch auf Un­ter­sa­gung von Ar­beits­kampf­maßnah­men.
1. Der Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung im Ar­beits­kampf ist nach all­ge­mei­ner An­sicht grundsätz­lich zulässig (in der Li­te­ra­tur z. B. Kis­sel, Ar­beits­kampf­recht, § 65 Rd­nr. 9 m.w.N.; in der Recht­spre­chung z. B. zu­letzt Säch­si­sches LAG 02.11.2007 - 7 Sa­Ga 19/07 - NZA 2008, 59, Rd­nr. 91). Bei ei­ner Un­ter­las­sungs­verfügung, wie im vor­lie­gen­den Fall, ist der Verfügungs­an­spruch ein Un­ter­las­sungs­an­spruch, der sich ent­we­der aus der ta­rif­ver­trag­li­chen Frie­dens­pflicht, dem Recht auf Durchführung ei­nes Ar­beits­kamp­fes aus Art. 9 Abs. 3 GG un­ter Berück­sich­ti­gung der durch die Recht­spre­chung ge­zo­ge­nen Gren­zen so­wie die Re­ge­lun­gen der §§ 823 Abs. 1 BGB und 1004 BGB (Ein­griff in den ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb) er­ge­ben kann. Vor­aus­set­zung für den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung ist, dass die Rechts­wid­rig­keit des Ar­beits­kamp­fes oder der ein­zel­nen Ar­beits­kampf­maßnah­men dar­ge­legt und glaub­haft ge­macht wird. Da­bei ist in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur sehr um­strit­ten, ob die Rechts­wid­rig­keit der (be­vor­ste­hen­den) Ar­beits­kampf­maßnah­men ein­deu­tig oder of­fen­kun­dig sein muss (für ei­ne of­fen­kun­di­ge Rechts­wid­rig­keit der Ar­beits­kampf­maßnah­men: Säch­si­sches LAG 02.11.2007 - 7 Sa­Ga 19/07 - a.a.O., Rd­nr. 93; LAG Köln 19.03.2007 - 12 Ta 41/07 - LA­GE Art. 9 GG Ar­beits­kampf Nr. 77; Zeu­ner RdA 1971, 7; für die „ein­fa­che“ Rechts­wid­rig­keit der Ar­beits­kampf­maßnah­men: Hes­si­sches LAG 22.07.2004 - 9 Sa­Ga 593/04 - AP Nr. 168 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf; Kis­sel, a.a.O., § 65 Rd­nr. 28; Ot­to, Ar-beits­kampf und Sch­lich­tungs­recht, § 19 Rd­nr. 31; Ger­mel­mann-Ger­mel­mann, ArbGG, 6. Auf-la­ge, § 62 Rd­nr. 113 je­weils m.w.N.). Ne­ben dem Verfügungs­an­spruch setzt der Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung als Verfügungs­grund vor­aus, dass die Ge­fahr des endgülti­gen Rechts­ver­lus­tes be­steht. Hier ist ei­ne In­ter­es­sen­abwägung der be­tei­lig­ten Par­tei­en vor­zu-neh­men, in die sämt­li­che in Be­tracht kom­men­den ma­te­ri­ell­recht­li­chen und voll­stre­ckungs-recht­li­chen Erwägun­gen so­wie die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen für bei­de Par­tei­en ein­zu­be­zie­hen sind (LAG Köln 14.06.1996 - 4 Sa 177/96 - LA­GE, Art. 9 GG Ar­beits­kampf Nr. 63; Ger­mel­mann, a.a.O., Rd­nr. 114 m.w.N.). Hier­bei kann ne­ben der Ein­deu­tig­keit der Sach- und Rechts­la­ge auch von Be­deu­tung sein, dass ein Scha­den­er­satz­an­spruch gemäß § 945 ZPO bei ei­nem Er­folg des Verfügungs­geg­ners im Haupt­pro­zess nicht in der La­ge ist, die ent­stan­de­nen Nach­tei­le aus­zu­glei­chen. Auch muss bei der Ent­schei­dungs­fin­dung berück­sich­tigt wer­den, wel­chen Um­fang die ge­stell­ten Anträge ha­ben. Anträge, die den Ar­beits­kampf ins­ge­samt ver­hin­dern sol­len, grei­fen in die grund­ge­setz­lich geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen des Verfügungs­geg­ners so stark ein, dass der Kern­be­reich des Grund­rechts aus Art. 9 Abs. 3 GG gefähr­det sein kann. We­ni­ger stark wird ein­ge­grif­fen, wenn le­dig­lich die Rechts­wid­rig­keit ein-
zel­ner Kampf­hand­lun­gen im Rah­men der einst­wei­li­gen Verfügung gel­tend ge­macht wird. We­gen des zeit­lich be­grenz­ten Rah­mens von Ar­beits­kampf­maßnah­men führt in der Re­gel ih-re Un­ter­sa­gung auch zu ei­ner endgülti­gen Ent­schei­dung. Dies ge­bie­tet, dass Ein­schränkun-gen der Kampfmöglich­kei­ten der Par­tei­en im Ar­beits­kampf durch einst­wei­li­ge Verfügung nur in ganz sel­te­nen Fällen vor­ge­nom­men wer­den. Da es ge­ra­de We­sen des Ar­beits­kamp­fes ist, durch Ausübung wirt­schaft­li­chen Drucks auf den je­wei­li­gen Geg­ner ein­zu­wir­ken, kann noch nicht je­de Schädi­gung, die durch Kampf­maßnah­men ein­tritt, den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung recht­fer­ti­gen. Viel­mehr müssen schon er­heb­li­che und un­verhält­nismäßige wirt­schaft­li­che oder sons­ti­ge Schäden durch die rechts­wid­ri­ge Kampf­maßnah­me ein­tre­ten, die das Ein­grei­fen durch das Ge­richt not­wen­dig er­schei­nen las­sen (Ger­mel­mann, a.a.O., Rd­nr. 114).
2. Bei An­wen­dung die­ser Rechts­grundsätze zum Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung bei Ar­beits­kampf­maßnah­men ist die er­ken­nen­de Kam­mer wie das Ar­beits­ge­richt der Auf­fas­sung, dass beim vor­lie­gen­den Le­bens­sach­ver­halt be­reits ein Verfügungs­an­spruch nicht er­sicht­lich ist.
2.1 Wie der an­ge­foch­te­ne Be­schluss rich­ti­ger­wei­se fest­stellt, er­gibt sich ein Un­ter­las­sungs-an­spruch nicht aus ei­ner Ver­let­zung der Frie­dens­pflicht. Die im Haupt­ar­beits­kampf zwi-schen der An­trags­geg­ne­rin und der FSG be­ste­hen­de Frie­dens­pflicht ist bezüglich der Vergütungs­fra­gen mit Ab­lauf des 28.02.2009 ab­ge­lau­fen.
Auch die ge­genüber der An­trag­stel­le­rin be­ste­hen­de Frie­dens­pflicht wird nicht ver­letzt. Durch den le­dig­lich zur Un­terstützung ei­nes Haupt­ar­beits­kamp­fes geführ­ten Streik wer-den in der Re­gel nicht die für die Strei­ken­den gel­ten­den Ta­rif­verträge in Fra­ge ge­stellt, son­dern an­de­re Strei­ken­de bei ih­rer For­de­rung nach dem Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges über ta­rif­lich nicht ge­re­gel­te Ge­genstände un­terstützt (BAG 19.06.2007 - 1 AZR 396/06 - AP Nr. 173 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf, Rd­nr. 30).
2.2 Ein Un­ter­las­sungs­an­spruch er­gibt sich auch we­der aus § 1004 BGB i.V.m. § 823 Abs. 1 BGB un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­nes rechts­wid­ri­gen Ein­griffs in den ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb der An­trag­stel­le­rin noch aus § 1004 BGB i.V.m. § 27 c Abs. 2 Nr. 1 lit. a Luft­VG im Hin­blick auf die Si­cher­heit des Luft­ver­kehrs und auf den Rollflä-chen des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens.
2.2.1 Ent­ge­gen der Rechts­an­sicht der An­trag­stel­le­rin sind Ar­beitskämp­fe und Ar­beits-kampf­maßnah­men im Be­reich des Luft­ver­kehrs nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Die­se Fest­stel­lung gilt auch für die ho­heit­li­che, son­der­po­li­zei­li­che Auf­ga­be der
Flug­si­che­rung in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, mit der aus­sch­ließlich die An­trag­stel­le­rin be­auf­tragt wor­den ist.
Nach all­ge­mei­ner An­sicht sind Ar­beitskämp­fe in kei­nem Be­reich, al­so auch nicht im Be­reich des Luft­ver­kehrs, grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen. An­ge­sichts der aus Art. 9 Abs. 3 GG her­ge­lei­te­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Ga­ran­tie des Ar­beits­kampf­mit­tels Streik (BVerfG 02.03.1993 - 1 BvR 1213/85 - BVerfGE 88, 103, Gründe C II. 1., Rd­nr. 43) kann ein völli­ger Aus­schluss des Streiks in be­stimm­ten Wirt­schafts­be­rei­chen nicht als zulässig an­ge­se­hen wer­den. Die durch ei­nen Ar­beits­kampf be­ein­träch­tig­ten Rech­te Drit­ter sind viel­mehr durch Not­dienst und Er­hal­tungs­ar­bei­ten zu wah­ren, und können es nach al­ler Er­fah­rung auch. Mit ih­nen kann ein an­ge­mes­se­ner Aus­gleich ge­fun­den wer­den. Ei­ne Si­tua­ti­on, in der der ge­sam­te Ar­beits­kampf der­art in an­de­re Rech­te ein­greift, dass auch mit dem um­fas­sends­ten Not­dienst kei­ne Ab­hil­fe ge­schaf­fen wer­den kann und die be­ein­träch­tig­ten Güter ein­deu­tig das Recht aus Art. 9 Abs. 3 GG über­wie­gen, ist nicht vor­stell­bar (Kis­sel, Ar­beits­kampf­recht, § 28 Rd­nr. 26, so auch Däubler-Bie­back, Ar­beits­kampf­recht, 2. Auf­la­ge, S. 367). Das von Ga­mill­scheg (Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht I, Sei­te 1178) gewähl­te Ex­trem­bei­spiel des Kern­kraft­werks würde das Un­vor­stell­ba­re vo-raus­set­zen, dass ge­zielt ein Ar­beits­kampf aus­sch­ließlich ge­gen die not­wen­di­ge Über­wa­chung der An­la­ge geführt wird. Ei­ne sol­che - theo­re­tisch denk­ba­re - Gren­ze hat mit der ge­schicht­li­chen Ent­wick­lung des Ar­beits­kamp­fes in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, der deut­schen Ge­werk­schafts­struk­tur und vor al­lem mit dem vor­lie­gen­den Sach­ver­halt nichts zu tun.
Des­halb können auch im Be­reich des Flug­ver­kehrs und ins­be­son­de­re auch im Be-reich der Flug­si­che­rung grundsätz­lich Ar­beitskämp­fe geführt wer­den. Da­von geht - so­weit er­sicht­lich - auch die ganz über­wie­gen­de An­sicht aus (Hes­si­sches LAG 22.07.2004 - 9 Sa­Ga 593/04 - a.a.O.; LAG Rhein­land-Pfalz 14.06.2007 - 11 Sa 208/07 - LAG Art. 9 GG Ar­beits­kampf Nr. 78; Löwisch, Be­son­de­re Gren­ze der Streik­frei­heit in der Luft­fahrt?, ZFA 1988, 137, 150; Rüthers, Son­der­pro­ble­me der Rechtsmäßig­keit von Ar­beitskämp­fen im Luft­ver­kehr, ZFA 1987, 1, 42; Rieb­le, Gut­ach­ten für die An­trag­stel­le­rin [Bl. 316 ff. der zweit­in­stanz­li­chen Ak­te, Sei­te 8]; a.A.: Hein­ze, Streik­recht der deut­schen Flug­lot­sen als An­ge­stell­te der pri­va­ti­sier­ten Flug­si­che­rung, Fest­schrift 50 Jah­re Bun­des­ar­beits­ge­richt, Sei­te 493, 504).
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG 02.03.1993 - 1 BvR 1213/85 - a.a.O.) hat fest­ge­stellt, dass die Ko­ali­ti­ons­frei­heit auch den Ar­beit­neh­mern im öffent­li­chen Dienst gewähr­leis­tet ist, und zwar un­abhängig da­von, ob sie ho­heit­li­che oder an­de­re Auf­ga­ben erfüllen. Art. 33 Abs. 4 GG steht dem nicht ent­ge­gen. Er si­chert die Kon­ti­nuität ho­heit­li­cher Funk­ti­on des Staa­tes, in­dem er als Re­gel vor­sieht, dass ih­re Ausübung Be­am­ten über­tra­gen wird, ver­bie­tet je­doch nicht ge­ne­rell, dafür auch Ar­beit­neh­mer ein­zu­set­zen. Da die­sen die be­son­de­ren Rech­te der Be­am­ten nicht zu­ste­hen, blei­ben sie dar­auf an­ge­wie­sen, ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen auf der Ebe­ne von Ta­rif­verträgen aus­zu­han­deln. We­gen ih­rer Un­ter­le­gen­heit sind sie da­bei auch auf das Druck­mit­tel des Ar­beits­kamp­fes an­ge­wie­sen. So­weit der Staat von der Möglich­keit Ge­brauch macht, Ar­beits­kräfte auf pri­vat­recht­li­cher Ba­sis als Ar­beit­neh­mer zu beschäfti­gen, un­ter­liegt er dem Ar­beits­recht, des­sen not­wen­di­ger Be-stand­teil ei­ne kol­lek­ti­ve In­ter­es­sen­wahr­neh­mung ist (BVerfG, a.a.O., Rd­nr. 44).
Auch die Auf­fas­sung der An­trag­stel­le­rin, dass die bei ihr beschäftig­ten Flug­lot­sen nicht nur ho­heit­li­che, son­dern auch son­der­po­li­zei­li­che Auf­ga­ben wahr­neh­men, führt nicht zu der Rechts­fol­ge, dass ein Streik in der Flug­si­che­rung ge­ne­rell rechts­wid­rig ist. Da­von geht auch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht aus. Sie hat nämlich, ver­tre­ten durch den Bun­des­mi­nis­ter für Ver­kehr, 1992 mit der An­trag­stel­le­rin ei­ne Ver­ein­ba­rung mit dem Ziel ge­schlos­sen, dass im Fal­le ar­beits­recht­li­cher Aus­ein­an­der­set­zun­gen wich­ti­ge Flüge nicht be­hin­dert wer­den. Ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung hätte die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht ab­ge­schlos­sen, wenn von vorn­her­ein ein Streik­ver­bot der Flug­lot­sen be­steht. Ge­ra­de die Um­set­zung die­ser zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der An­trag­stel­le­rin 1992 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung durch die Par­tei­en des vor­lie­gen­den Ver­fah-rens, die 2006 ei­ne Not­dienst­ver­ein­ba­rung für den Fall des Ar­beits­kamp­fes ge­schlos­sen ha­ben, zeigt, dass die Par­tei­en mit der be­son­de­ren Ein­griffs­emp­find­lich­keit des Luft­ver­kehrs ver­ant­wor­tungs­voll um­ge­hen können. Sie ga­ran­tie­ren in die­ser Not­dienst­ver­ein­ba­rung nicht nur die si­che­re Durchführung der in der Rah­men­ver­ein­ba­rung zwi­schen der An­trag­stel­le­rin und der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor­ge­ge­be­nen wich­ti­gen Flüge, son­dern darüber hin­aus 25 % des planmäßigen Luft­ver­kehrs. Not­dien­st­ar­bei­ten wer­den si­cher­ge­stellt. Die Ar­beits­kampf­maßnah­men wer­den mit ei­ner Ankündi­gungs­frist von 24 St­un­den be­kannt ge­ge­ben. Dies
al­les zeigt, dass die Par­tei­en wil­lens und in der La­ge sind, die Si­cher­heit des Luft­ver­kehrs auch während ei­nes Ar­beits­kamp­fes zu gewähr­leis­ten.
2.2.2 Ein Un­ter­las­sungs­an­spruch er­gibt sich auch nicht dar­aus, dass die An­trags­geg­ne-rin bei der An­trag­stel­le­rin ei­nen so­ge­nann­ten Un­terstützungs­streik an­gekündigt hat. Im Rah­men des vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­rens ist der­zeit ei­ne Rechts­wid­rig­keit die­ses po­ten­zi­el­len Un­terstützungs­ar­beits­kamp­fes nicht er­kenn­bar.
2.2.2.1 Bei der Be­wer­tung des in Aus­sicht ge­stell­ten Un­terstützungs­streiks bei der An­trag­stel­le­rin geht die er­ken­nen­de Kam­mer von der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus (BAG 19.06.2007 - 1 AZR 396/06 - AP Nr. 173 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf). Zum ei­nen ist das Be­ru­fungs­ge­richt von der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts weit­ge­hend über­zeugt. Zum an­de­ren soll­te ge­ra­de im Ver­fah­ren der einst­wei­li­gen Verfügung, wo ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht er­reicht wer­den kann, im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit, des Ver­trau­ens­schut­zes und der Ein­heit der Rechts­ord­nung ei­ne Ab­wei­chung von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung nicht er­fol­gen (Wal­ker, Einst­wei­li­ger Rechts­schutz, Rd­nr. 717).
Nach die­ser Rechts­spre­chung un­terfällt auch ein Streik, den ei­ne Ge­werk­schaft zur Un­terstützung ei­nes auf den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­rich­te­ten Streiks aus­ruft, grundsätz­lich dem Grund­rechts­schutz des Art. 9 Abs. 3 GG. Zen­tra­ler und an­ge­mes­se­ner Maßstab für die Be­ur­tei­lung der un­ter­schied­li­chen Er­schei­nungs­for­men des Ar­beits­kamp­fes, auch des Un­terstützungs­ar­beits­kamp­fes, ist der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit im wei­te­ren Sinn. Der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit eig­net sich als Maßstab für die recht­li­che Be­ur­tei­lung von Ar­beits­kampf­maßnah­men des­halb, weil durch die Ausübung der ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Betäti­gungs­frei­heit re­gelmäßig in eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen des un­mit­tel­ba­ren Kampf­geg­ners oder von Drit­ten ein­ge­grif­fen wird. Es be­darf da­her ei­ner Abwägung kol­li­die­ren­der Rechts-po­si­tio­nen. Das Abwägungs­pos­tu­lat der Verhält­nismäßig­keit er­for­dert stets sei­ne Würdi­gung, ob ein Kampf­mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Kampf­ziels ge­eig­net und er­for­der­lich und be­zo­gen auf das Kampf­ziel an­ge­mes­sen (pro­por­tio­nal bzw. verhält­nismäßig im en­ge­ren Sinn) ein­ge­setzt wor­den ist.
Ge­eig­net ist ein Kampf­mit­tel, wenn durch sei­nen Ein­satz die Durch­set­zung des Kampf­ziels gefördert wer­den kann. Da­bei kommt den ei­nen Ar­beits­kampf führen­den Ko­ali­tio­nen ei­ne Einschätzungpräro­ga­ti­ve zu. Sie ha­ben ei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum bei der Fra­ge, ob ei­ne Ar­beits­kampf­maßnah­me ge­eig­net ist, Druck auf den so­zia­len Ge­gen­spie­ler aus­zuüben.
Er­for­der­lich ist ein Kampf­mit­tel, wenn mil­de­re Mit­tel zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Ziels nach der Be­ur­tei­lung der den Ar­beits­kampf führen­den Ko­ali­ti­on nicht zur Verfügung ste­hen. Auch in­so­weit um­fasst de­ren Betäti­gungs­frei­heit grundsätz­lich die Einschätzung, ob sie zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels das gewähl­te Mit­tel für er­for­der­lich oder an­de­re Mit­tel für aus­rei­chend er­ach­tet. Die Gren­ze bil­det auch hier der Rechts­miss­brauch.
Verhält­nismäßig im en­ge­ren Sinn (pro­por­tio­nal) ist ein Ar­beits­kampf­mit­tel, das sich un­ter hin­rei­chen­der Würdi­gung der grund­recht­lich gewähr­leis­te­ten Betäti­gungs­frei­heit zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Kampf­ziels un­ter Berück­sich­ti­gung der Rechts­po­si­tio­nen der von der Kampf­maßnah­me un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar Be­trof­fe­nen als an­ge­mes­sen dar­stellt. In­so­weit steht ei­ner Ar­beits­kampf­par­tei kei­ne Einschätzungs­prägo­ga­ti­ve zu, geht es doch hier­bei nicht um ei­ne tatsächli­che Einschätzung, son­dern um ei­ne recht­li­che Abwägung. Al­ler­dings ist bei die­ser stets zu be­ach­ten, dass es ge­ra­de das We­sen ei­ner Ar­beits­kampf­maßnah­me ist, durch Zufügung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le Druck zur Er­rei­chung ei­nes le­gi­ti­men Ziels aus­zuüben. Un­verhält­nismäßig ist ein Ar­beits­kampf­mit­tel da­her erst, wenn es sich auch un­ter Berück­sich­ti­gung die­ses Zu­sam­men­hangs als un­an­ge-mes­se­ne Be­ein­träch­ti­gung ge­genläufi­ger, eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen dar­stellt (BAG 19.06.2007 aaO).
Un­verhält­nismäßig ist ein Ar­beits­kampf dann, wenn er auf die Ver­nich­tung des Geg­ners ab­stellt (BAG GS 21.04.1971 - GS 1/68 - AP Nr. 43 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf, Teil III A 2 b). Un­verhält­nismäßig ist ein Ar­beits­kampf auch dann, wenn er die wirt­schaft­lich Exis­tenz des Geg­ners gefähr­det. Dies ist dann der Fall, wenn die ge­gen ein Un­ter­neh­men ge­rich­te­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men nach den Umständen da­zu führen oder führen können, dass es aus dem Markt aus­schei­den muss (Kis­sel Ar­beits­kampf­recht aaO § 29 Rd­nr. 24 ff. m.w.N.). Der Verhält­nismäßig­keits­grund­satz im en­ge­ren Sinn for­dert auch, dass der Ar­beits­kampf nicht außer Verhält­nis
zu dem an­ge­streb­ten Ziel ste­hen darf (BAG 11.05.1993 - 1 AZR 649/92 - AP Nr. 63 zu § 1 Fei­er­tags­lohn­zah­lungsG, Gründe II 1). Bei der Abwägung der zwei kol­li­die­ren­den In­ter­es­sen un­ter dem As­pekt der Pro­por­tio­na­lität ist die ei­ne Sei­te, nämlich der beim Ar­beits­kampf­geg­ner ent­ste­hen­de Druck und Scha­den, re­la­tiv ein­deu­tig zu er­mit­teln. Die Schwie­rig­keit liegt in der Fi­xie­rung der an­de­ren In­ter­es­sen­sei­te des Abwägungs­er­for­der­nis­ses des mit dem Ar­beits­kampf an­ge­streb­ten Ziels. Da­bei ist all­ge­mei­ne An­sicht, dass bei der Be­stim­mung die­ses Ziels nicht auf den In­halt der Ta­rif-for­de­rung ab­ge­stellt wer­den kann. In­halt­li­che Ta­rif­kon­trol­le und Kon­trol­le des In­halts der Ta­rif­for­de­rung und auch de­ren Be­wer­tung und Ge­wich­tung im Pro­por­tio­nal­ver­gleich sind un­zulässig: Sonst bestünde die Ge­fahr, über den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ei­ne der Ta­rif­au­to­no­mie wi­der­spre­chen­de Ta­rif­zen­sur aus­zuüben (BVerG 26.06.1991 - 1 BvR 779/85 - AP Nr. 117 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf, Gründe C I 3 b cc; Kis­sel Ar­beits-kampf­recht aaO § 29 Rd­nr. 34 m.w.N.). Denn es ist oh­ne Ver­let­zung des Kernstücks ko­ali­ti­ons­gemäßer Selbst­be­stim­mung nicht der Ent­schei­dung durch Außen­ste­hen­de zugäng­lich, ob ei­ne be­stimm­te Loh­nerhöhung not­wen­dig, an­ge­mes­sen oder vernünf­tig ist. Ge­nau­so we­nig kann ein Ar­beits-kampf des­halb als Ver­let­zung des Verhält­nismäßig­keits­prin­zips an­ge­se­hen wer­den, weil er an­ge­sichts ei­ner sehr nied­ri­gen For­de­rung im Verhält­nis zu den der Ge­gen­sei­te ent­ste­hen­den Schäden un­pro­por­tio­nal oder ei­ne ho­he For­de­rung im In­ter­es­se der Ar­beit­neh­mer nicht er­for­der­lich ist (Kis­sel aaO Rd­nr. 34, 36).
Nach dem Ge­bot der Verhält­nismäßig­keit ist ein Un­terstützungs­kampf rechts­wid­rig, wenn er zur Un­terstützung des Haupt­ar­beits­kamp­fes of­fen­sicht­lich un­ge­eig­net, nicht er­for­der­lich oder un­ter Berück­sich­ti­gung der schützens­wer­ten In­ter­es­sen der be­trof­fe­nen Drit­ten un­an­ge­mes­sen ist. Der Be­zugs­punkt, der die Prüfung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes be­stimmt, ist da­bei die sich aus dem Cha­rak­ter und der Funk­ti­on des Un­terstützungs­streiks er­ge­ben­de Be­zie­hung zum Haupt­ar­beits­kampf. Er ermöglicht die im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit ge­bo­te­ne, für ei­ne funk­ti­onsfähi­ge Ar­beits­kampf­ord­nung er­for­der­li­che Kon­kre­ti­sie­rung des Verhält­nismäßig­keits­prin­zips. Da­bei hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt für die ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen­den Rechts­po­si­tio­nen bei ei­nem Un­terstützungs­streik ver­schie­de­ne Prüfkri­te­ri­en ent­wi­ckelt (BAG 19.06.2007 aaO, Rd­nr. 44 ff.):
- Rechtsmäßig­keit des Haupt­ar­beits­kamp­fes
- Nähe oder Fer­ne des Un­terstützungs­streiks ge­genüber dem Haupt­ar­beits­kampf
- wirt­schaft­li­che Ver­floch­ten­heit der Adres­sa­ten des Haupt­ar­beits­kamp­fes und des Un­terstützungs­streiks
- Neu­tra­lität oder Ein­mi­schung des Ar­beit­ge­bers des Un­terstützungs-streiks
- Iden­tität der Ge­werk­schaft
- Dau­er und Um­fang des Un­terstützungs­streiks
2.2.2.2 Bei An­wen­dung der vor­ge­nann­ten Recht­spre­chung und der Abwägung der kol­li­die­ren­den Rechts­po­si­tio­nen der Par­tei­en und von Drit­ten steht für die Kam­mer zunächst fest, dass sich ei­ne Rechts­wid­rig­keit des po­ten­zi­el­len Un­terstützungs­streiks bei der An­trag­stel­le­rin nicht aus ei­ner dro­hen­den Ver­let­zung höher­ran­gi­ger Rechtsgüter er­gibt. Zwar ist die An­trag­stel­le­rin der Auf­fas­sung, dass bei ei­nem Un­terstützungs­streik bei der An­trag­stel­le­rin zusätz­li­che Flug­manöver not­wen­dig wer­den würden und sich da­durch das Ri­si­ko von Unfällen erhöhe. Des­halb stei­ge die abs­trak­te Gefähr­dung von Le­ben und Ge­sund­heit der Pas­sa­gie­re, der Be­diens­te­ten und der An­woh­ner von Luft­ver­kehrs­s­traßen. Ei­ne sol­che abs­trak­te Gefähr­dung der Fluggäste, der Be­diens­te­ten des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens und der An­woh­ner von Luft­ver­kehrs­s­traßen, al­so Mil­lio­nen von Men­schen, ist für die er­ken­nen­de Kam­mer, auch wenn sie die­se Be­haup­tung sehr ernst nimmt, nicht im An­satz er­kenn­bar. Auf­grund der zwi­schen den Par­tei­en in der Not­dienst­ver­ein­ba­rung aus­ge­han­del­ten Ankündi­gungs­frist von 24 St­un­den weiß die An­trag­stel­le­rin recht­zei­tig, zu wel­chem Zeit­punkt die Flug­lot­sen im Tower des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens nicht mehr ih­re Diens­te leis­ten wer­den. Da kein Flug länger als 24 St­un­den dau­ert, schei­det die Si­tua­ti­on aus, dass ein ge­star­te­tes Flug­zeug um­ge­lei­tet wer­den oder War­te­schlei­fen dre­hen muss. Viel­mehr wer­den in die­sem Fall Flüge von und nach Stutt­gart nicht mehr star­ten bzw. lan­den. Bei ei­nem Streik der Flug­lot­sen im Stutt­gar­ter Flug­ha­fen wer­den Flüge aus­fal­len, aber kei­ne ri­si­ko­rei­che­ren Flüge statt­fin­den. Es ist für das Ge­richt nicht nach­voll­zieh­bar, wie die abs­trak­te Ge­fahr für die o.g. Rechtsgüter stei­gen kann, wenn bis zu 75 % der Flüge vom bzw. zum Stutt­gar­ter Flug­ha­fen nicht mehr statt­fin­den. Selbst wenn es ein­zel­ne Flüge ge­ben soll­te, die auf­grund von Streik­maßnah­men
zu zusätz­li­chen Flug­manövern ge­zwun­gen wer­den, kann die abs­trak­te Ge­fahr für die o.g. Rechtsgüter ins­ge­samt, al­so wenn man auch die aus­ge­fal­le­nen Flüge mit ein­be­zieht, nicht höher sein, als wenn al­le Flüge nor­mal statt­fin­den. Denn jeg­li­cher (Flug)Ver­kehr birgt abs­trak­te Ge­fah­ren in sich.
Des­halb ver­bleibt als ab­zuwägen­de Rechts­po­si­ti­on der An­trag­stel­le­rin und von Drit­ten der bei ei­nem Un­terstützungs­kampf zu er­war­ten­de wirt­schaft­li­che Scha­den, den die An­trag­stel­le­rin mit min­des­tens 2 Mil­lio­nen Eu­ro täglich be­zif­fert. Die­ser po­ten­zi­el­le Scha­den setzt sich ins­be­son­de­re aus den Min­der­ein­nah­men der An­trag­stel­le­rin und vor al­lem aus dem Um­satz­aus­fall bei der FSG und bei den den Stutt­gar­ter Flug­ha­fen an­flie­gen­den Flug-ge­sell­schaf­ten zu­sam­men. In der An­trags­schrift hat die An­trag­stel­le­rin den zu er­war­ten­den Scha­den noch mit ei­nem „Viel­fa­chen der Mehr­kos­ten für die Luft­han­sa mit ca. 50 Mil­lio­nen DM pro Streik­tag“ (da­bei wird auf ei­nen Ta­rif­kon­flikt der Deut­schen Luft­han­sa im Jah­re 2001 ab­ge­stellt) an­ge­ge­ben. Die An­trags­geg­ne­rin hat bei­de Scha­dens­be­rech­nun­gen als un­sub­stan­zi­iert und rech­ne­risch nicht nach­voll­zieh­bar be­strit­ten. Der zu er­war­ten­de Scha­den bei der An­trag­stel­le­rin im Fal­le ei­nes Un­terstützungs­streiks ist der­zeit weit­ge­hend spe­ku­la­tiv. Die An­trags­geg­ne­rin hat im Be­ru­fungs­ter­min an­ge­ge­ben, dass im Streik­fall nie be­ab­sich­tigt sei, ei­nen Streik über 24 St­un­den (abzüglich des Nacht­flug­ver­bo­tes) oder gar „rund um die Uhr“ zu führen, son­dern dass al­len­falls „er­heb­li­che Na­del­sti­che“ im Um­fang bis zu 6 St­un­den be­ab­sich­tigt sei­en. Die zu er­war­ten­de, der­zeit völlig spe­ku­la­ti­ve Scha­denshöhe, kann bei An­wen­dung der o.g. Rechts­grundsätze, ent­ge­gen der Rechts­an­sicht der An­trag­stel­le­rin, auch nicht in ein Verhält­nis zu den Ta­rif­for­de­run­gen des Haupt­ar­beits­kamp­fes ge­setzt wer­den. Zwar wer­den im Haupt­ar­beits­kampf für ei­ne klei­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern, ver­gli­chen mit an­de­ren Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zun­gen in der der­zei­ti­gen deut­schen Ta­ri­fland­schaft, re­la­tiv ho­he Vergütungs­for­de­run­gen er­ho­ben. Ein Ge­richt ist aber we­der be­fugt noch in der La­ge über die An­ge­mes­sen­heit von Vergütungs­for­de­run­gen in Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zun­gen zu be­fin­den.
Der von der An­trag­stel­le­rin vor­ge­nom­me­ne Ver­gleich des Streik­zie­les im Haupt­ar­beits­kampf und der zu er­war­ten­de Scha­den im Un­terstützungs­ar­beits­kampf würde zu dem merkwürdi­gen Er­geb­nis führen: je höher die Lohn­for­de­rung im Haupt­ar­beits­kampf (und da­mit die be­gehr­te Lohn­sum­me) um so eher ist ein Un­terstützungs­kampf zulässig; bei mo­de­ra­ten
Lohn­for­de­run­gen ist ein Un­terstützungs­streik schon aus die­sem Grund un­verhält­nismäßig.
Für die er­ken­nen­de Kam­mer steht des­halb fest, dass der­zeit auch auf­grund ei­nes bei ei­nem Un­terstützungs­streik zu er­war­ten­den Scha­dens bei der An­trag­stel­le­rin und bei Drit­ten nicht er­kenn­bar ist, dass der Verhält­nismäßig­keits­grund­satz ver­letzt wird.
Wenn man die vom BAG im Ur­teil vom 19.06.2007 (aaO) ent­wi­ckel­ten Prüfkri­te­ri­en für die Verhält­nismäßig­keit ei­nes Un­terstützungs­streiks auf den vor­lie­gen­den Le­bens­sach­ver­halt an­wen­det, ist fest­zu­stel­len, dass auch kei­nes der nicht ab­sch­ließend ge­nann­ten Kri­te­ri­en, die ge­gen ei­ne Un­verhält­nismäßig­keit des Un­terstützungs­streiks spre­chen, vor­lie­gend er-füllt ist.
(1) Auch die An­trag­stel­le­rin be­haup­tet nicht, dass der Haupt­ar­beits­kampf zwi­schen der An­trags­geg­ne­rin und der FSG rechts­wid­rig ist. (2) Es be­steht ei­ne en­ge Ver­bin­dung zwi­schen dem Haupt­ar­beits­kampf und ei­nem mögli­chen Un­terstützungs­streik. Bei­de Ar­beitskämp­fe würden sich auf dem Stutt­gar­ter Flug­ha­fen ab­spie­len. Die Vor­feld­lot­sen und die Flug­lot­sen sind ge­mein­sam für die Si­cher­heit des Flug­ver­kehrs auf dem Stutt­gar­ter Flug­ha­fen ver­ant­wort­lich. Sie ar­bei­ten eng zu­sam­men.
(3) Es be­steht ei­ne en­ge wirt­schaft­li­che Ver­floch­ten­heit zwi­schen der An­trag­stel­le­rin und der FSG. Die An­trag­stel­le­rin er­bringt für die FSG wich­ti­ge Dienst­leis­tun­gen. Die An­trag­stel­le­rin wird ab dem 01.04.2009 ei­nen Teil der seit­he­ri­gen Auf­ga­ben der FSG über­neh­men (Vor­feld­kon­trol­le).
(4) Die Ge­werk­schaft des Haupt­ar­beits­kamp­fes und des mögli­chen Un­terstützungs­streiks ist iden­tisch.
(5) Die An­trag­stel­le­rin verhält sich auf­grund der Ver­trags­la­ge nicht dis­tan­ziert - neu­tral zum Haupt­ar­beits­kampf. Die An­trag­stel­le­rin und die FSG ha­ben Not­fall­ver­ein­ba­run­gen ab­ge­schlos­sen, wo­nach die An­trag­stel­le­rin für die FSG Un­terstützungs­leis­tun­gen auf dem Vor­feld der FSG bei ei­nem Aus­fall der Vor­feld­kon­trol­le zu er­brin­gen hat. Die­se Ver­pflich­tung gilt grundsätz­lich auch für Zei­ten ei­nes Ar­beits­kamp­fes
bei der FSG. Ab dem 01.04.2009 wird die An­trag­stel­le­rin die Vor­feld­kon­trol­le von der FSG über­neh­men und dafür ei­ne Vergütung er­hal­ten.
(6) Der­zeit kann auch nicht da­von ge­spro­chen wer­den, dass der Un­terstützungs­streik in den Vor­der­grund tritt. Das Aus­maß des mögli­chen Un­terstützungs­streiks ist der­zeit nicht vor­aus­zu­se­hen. Des­halb kann auch kei­ne Aus­sa­ge ge­trof­fen wer­den, ob sich der ge­sam­te Ar­beits­kampf si­gni­fi­kant auf den Un­terstützungs­streik ver­la­gert.
Ob­wohl die vor­ge­nann­ten Kri­te­ri­en nicht ku­mu­la­tiv erfüllt sein müssen, ist für den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt fest­zu­hal­ten, dass die­se al­le erfüllt sind und des­halb nichts ge­gen ei­ne Un­verhält­nismäßig­keit des mögli­chen Un­terstützungs­streiks spricht.
2.3 Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob beim vor­lie­gen­den Sach­ver­halt über­haupt ein Verfü-gungs­grund be­steht, nach­dem von der An­trags­geg­ne­rin zu­letzt im Be­ru­fungs­ter­min ein Un­terstützungs­streik nach dem 31.03.2009 als „sehr wahr­schein­lich“ in Aus­sicht ge­stellt wor­den ist. Je­den­falls ist im Rah­men des Prüfungs­maßsta­bes der einst­wei­li­gen Verfügung der­zeit ein Verfügungs­an­spruch auf Un­ter­sa­gung des Un­terstützungs­streiks nicht er­kenn­bar, schon gar nicht of­fen­sicht­lich er­kenn­bar.
Zur Klar­stel­lung möch­te die Kam­mer aber auf Fol­gen­des hin­wei­sen:
Dem den An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zurück­wei­sen­den Ur­teil kommt nur ein­ge­schränk­te ma­te­ri­el­le Rechts­kraft zu (vgl. zum Um­fang der ma­te­ri­el­len Rechts-kraft im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren: Münch­ner Kom­men­tar-Hein­ze, ZPO, 2. Auf­la­ge, Vor § 916 Rd­nr. 49, 52). Die Wie­der­ho­lung des Ge­suchs um einst­wei­li­gen Rechts­schutz ist zulässig, wenn das neue Ge­such um­fas­send auf im ers­ten Ver­fah­ren nicht vor­ge­tra­ge­ne neue Tat­sa­chen gestützt wird (Münche­ner Kom­men­tar aaO Rd­nr. 53). Falls die An­trags­geg­ne­rin bei der An­trag­stel­le­rin ei­nen mögli­chen Un­terstützungs­streik mit un­verhält­nismäßigen Mit­teln führen oder es zu Streik­ex­zes­sen kom­men soll­te, kann die An­trag­stel­le­rin dar­auf ei­nen neu­en An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zur Un­ter­sa­gung die­ser dann un­verhält­nismäßigen Streik­maßnah­men stützen.
Da so­mit die so­for­ti­ge Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin kei­nen Er­folg ha­ben konn­te, hat sie die Kos­ten ih­res er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG i.V.m. § 97 Abs. 1 ZPO zu tra­gen.
Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben (§ 72 Abs. 4 ArbGG).
Baum­gart
Kei­per
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References: § 1
 § 27
 § 27
 § 3
 § 4
 § 6

§ 2

§ 3
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 § 922
 § 922
 § 62
 § 572
 § 572
 § 65
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 § 65
 § 19
 § 62
 Art. 9
 § 945
 Art. 9
 Art. 9
 § 1004
 § 823
 § 1004
 § 27
 Art. 9
 Art. 9
 § 28
 Art. 9
 Art. 33
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 § 29
 § 1
 Art. 9
 § 29
 § 916
 § 64
 § 97