Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Baskenmuetze_Kopftuch_ArbG-Duesseldorf_12Ca175-07.html
Timestamp: 2016-12-04 01:57:48+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 12 Ca 175/07
Staatliche Neutralität, Neutralität: Staatliche
Das dau­er­haf­te Tra­gen ei­ner Bas­kenmütze, die das Haar, Haar­an­satz und die Oh­ren kom­plett ver­deckt, durch ei­ne So­zi­alpädago­gin an­stel­le des zu­vor von ihr ge­tra­ge­nen is­la­mi­schen Kopf­tuchs verstößt ge­gen das staat­li­che Neu­tra­litäts­ge­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchG NW. Nach dem Wort­laut der Vor­schrift ist für die re­li­giöse Be­kun­dung auf den ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont ab­zu­stel­len. Un­er­heb­lich ist da­bei, wie die Kläge­rin das Tra­gen der Bas­kenmütze ver­stan­den wis­sen will.
T a t b e s t a n d : Die Par­tei­en strei­ten über die Be­rech­ti­gung ei­ner Ab­mah­nung des c.es vom 19.3...2006. Die am 14.05.1971 ge­bo­re­ne Kläge­rin, aus­ge­bil­de­te So­zi­alpädago­gin, ist seit dem 07.10.1997 bei dem c. an der E. mit Auf­ga­ben aus dem so­zi­al­be­treue­ri­schen Be­reich zur Sch­lich­tung von Schul­kon­flik­ten ge­gen ein mo­nat­li­ches Brut­to­ent­gelt in Höhe von 3..800,00 € beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det der TV-L An­wen­dung.
Die Kläge­rin hat 18 Jah­re lang das is­la­mi­sche Kopf­tuch ge­tra­gen. Seit dem 01.08.2006 re­gelt § 57 Abs. 4 des SchG NRW, dass Leh­re­rin­nen und Leh­rer in der Schu­le kei­ne po­li­ti­schen, re­li­giösen, welt­an­schau­li­chen oder ähn­li­che äußere Be­kun­dun­gen ab­ge­ben dürfen, die ge­eig­net sind, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schüle­rin­nen und Schülern so­wie El­tern oder den po­li­ti­schen, re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stören . Wei­ter heißt es: Ins­be­son­de­re ist ein äußeres Ver­hal­ten un­zulässig, wel­ches bei Schüle­rin­nen und Schülern oder den El­tern den Ein­druck her­vor­ru­fen kann, dass ei­ne Leh­re­rin oder ein Leh­rer ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Ar­ti­kel 3 des Grund­ge­set­zes, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tritt. Die Wahr­neh­mung des Er­zie­hungs­auf­tra­ges nach Ar­ti­kel 7 und 3.. Abs. 6 der Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen wi­der­spricht nicht dem Ver­hal­tens­ge­bot nach Satz 1. Das Neu­tra­litäts­ge­bot des Sat­zes 1 gilt nicht im Re­li­gi­ons­un­ter­richt und in den Be­kennt­nis- und Welt­an­schau­ungs­schu­len. . Nach § 58 des SchG NRW gilt § 57 Abs. 4 und 6 ent­spre­chend für sons­ti­ge im Lan­des­dienst ste­hen­de pädago­gi­sche und so­zi­alpädago­gi­sche Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter.
Am 09.08.2006 wur­de die Kläge­rin durch die Schul­lei­tung der E.-H. auf­ge­for­dert, das is­la­mi­sche Kopf­tuch in der Schu­le nicht mehr zu tra­gen. Die­ser Auf­for­de­rung kam sie am 25.09.2006 nach. Seit­dem trägt die Kläge­rin ei­ne ro­sa­far­be­ne Bas­kenmütze mit Strick­bund, die ihr Haar, den Haar­an­satz und die Oh­ren kom­plett be­deckt.
In ei­nem Gespräch am 07.11.2006 äußer­te die Kläge­rin ge­genüber der Schul­lei­te­rin, dass sie das Kopf­tuch in der Ver­gan­gen­heit stets aus re­li­giösen Gründen ge­tra­gen ha­be. Die Nach­fra­ge, ob sie die jetzt gewähl­te Kopf­be­de­ckung eben­falls aus re­li­giösen Gründen tra­ge, wur­de nicht von ihr be­ant­wor­tet. In ei­nem Schrei­ben vom 09.11.2006 hat die Kläge­rin die jet­zi­ge Kopf­be­de­ckung für welt­an­schau­lich-neu­tral ge­hal­ten.
Am 19.3...2006 er­teil­te das be­klag­te Land im Hin­blick auf § 57 Abs. 4 des SchG NRW die streit­ge­genständ­li­che Ab­mah­nung we­gen des Tra­gens ei­ner kopf­tuchähn­li­chen Kopf­be­de­ckung aus re­li­giösen Gründen.
Die Kläge­rin ist der An­sicht, dass sich § 57 Abs. 4 des SchG NRW an Leh­re­rin­nen und Leh­rer, nicht hin­ge­gen an an­de­re Per­so­nen wen­de. Im Ge­set­zes­text wer­de das is­la­mi­sche Kopf­tuch nicht erwähnt; die­se For­mu­lie­rung fin­de sich erst in den Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en wie­der.
Die Kläge­rin trägt wei­ter vor, die Bas­kenmütze wer­de von ihr als Kopf­schmuck ge­tra­gen; sie sei welt­an­schau­lich neu­tral und die­ne da­zu, dem Gefühl des Nicht­an­ge­zo­gen­seins zu be­geg­nen. Außer­dem sei sie Teil ih­res all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts. Ei­ne kon­kre­te Gefähr­dung ge­he von ihr nicht aus.
In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat sie den Vor­trag des Lan­des, dass kei­ne mit ihr ver­gleich­ba­ren An­ge­stell­ten mit Or­dens­ha­bit beschäftigt würden, mit Nicht­wis­sen be­strit­ten.
Die Kläge­rin be­an­tragt, das be­klag­te Land zu ver­ur­tei­len, die ihr mit Schrei­ben vom 19.3...2006 er­teil­te Ab­mah­nung aus ih­rer Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen.
Das be­klag­te Land be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Das Land ist der Auf­fas­sung, dass es sich bei der Bas­kenmütze um ein Sur­ro­gat zum is­la­mi­schen Kopf­tuch han­de­le. Von ihr ge­he nach wie vor Si­gnal­wir­kung aus; es be­ste­he nach wie vor ein re­li­giöser Zu­sam­men­hang, zu­mal die Kläge­rin seit lan­gen Jah­ren mit Kopf­tuch ge­ar­bei­tet ha­be.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ha­be dem Ge­setz­ge­ber die Möglich­keit ein­geräumt, durch Ge­set­ze das äußere Auf­tre­ten von Leh­re­rin­nen und Leh­rern in Schu­len zu re­geln. Hier­von ha­be der Lan­des­ge­setz­ge­ber in § 57 Abs. 4 des SchG NRW Ge­brauch ge­macht und den Kon­flikt mit Ar­ti­kel 4 GG zu Guns­ten des staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags gelöst. Die Ge­set­zes­be­gründung wei­se dar­auf hin, dass das Tra­gen vom Kopf­tuch un­statt­haft ist, weil ein nicht un­er­heb­li­cher Teil sei­ner Befürwor­ter da­mit ei­ne min­de­re Stel­lung der Frau in Ge­sell­schaft, Staat und Fa­mi­lie oder ei­ne fun­da­men­ta­lis­ti­sche Stel­lung­nah­me für ein theo­kra­ti­sches Staats­we­sen im Wi­der­spruch zu den Ver­fas­sungs­wer­ten in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und in Nord­rhein-West­fa­len ver­bin­det.
Auch lie­ge ein Ver­s­toß ge­gen die Men­schwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau, die Frei­heits­grund­rech­te und die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung vor. Hier­bei kom­me es auf den ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont an; ei­ne abs­trak­te Eig­nung zur Gefähr­dung des Schul­frie­dens genüge.
Im Hin­blick auf das Tra­gen des Non­nen­ha­b­its durch ei­ne Non­ne an ei­ner Be­kennt­nis­schu­le in N. und ei­ne Schul­lei­te­rin in Q. lie­ge kein Voll­zugs­de­fi­zit vor und auch kei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung; selbst für den Fall ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung sei die­se sach­lich auf­grund der Art der Leh­rertätig­keit und der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung ge­recht­fer­tigt.
We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen und die Sit­zungs­pro­to­kol­le Be­zug ge­nom­men.
Die Kla­ge ist nicht be­gründet. I. Die Kläge­rin hat ge­gen das be­klag­te Land kei­nen An­spruch auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus ih­rer Per­so­nal­ak­te.
1. Mit ei­ner Ab­mah­nung übt ein Ar­beit­ge­ber sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Gläubi­ger­rech­te aus. Er weist den Ar­beit­neh­mer als sei­nen Schuld­ner auf des­sen ver­trag­li­che Pflich­ten hin und macht ihn auf die Ver­let­zung die­ser Pflich­ten auf­merk­sam (Rüge- und Do­ku­men­ta­ti­ons­funk­ti­on). Zu­gleich for­dert er ihn für die Zu­kunft zu ei­nem ver­trags­treu­en Ver­hal­ten auf und kündigt in­di­vi­du­al­recht­li­che Kon­se­quen­zen für den Fall ei­ner er­neu­ten Pflicht­ver­let­zung an (Warn­funk­ti­on). Da ei­ne zur Per­so­nal­ak­te ge­nom­me­ne Ab­mah­nung ge­eig­net ist, den Ar­beit­neh­mer in sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men und sei­nem Persönlich­keits­recht zu be­ein­träch­ti­gen, be­steht nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG, 30. Mai 1996, 6 AZR 537/95 = AP BGB § 611 Ne­bentätig­keit Nr. 3.) ein An­spruch des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers in ent­spre­chen­der An­wen­dung der §§ 242, 1004 BGB auf Ent­fer­nung ei­ner zu Un­recht er­teil­ten Ab­mah­nung aus sei­nen Per­so­nal­un­ter­la­gen, wenn ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Ausübung sei­nes Gläubi­ger­rechts fehlt. Das ist der Fall, wenn die Ab­mah­nung for­mell nicht ord­nungs­gemäß zu­stan­de ge­kom­men ist, sie un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält, sie den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ver­letzt oder kein schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers auf Ver­bleib der Ab­mah­nung in der Per­so­nal­ak­te mehr be­steht. So­weit dem Ar­beit­neh­mer ei­ne Ver­let­zung sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten vor­ge­wor­fen wird, kommt es nicht dar­auf an, ob die­ser Pflich­ten­ver­s­toß dem Ar­beit­neh­mer sub­jek­tiv vor­werf­bar ist; es reicht aus, dass der Ar­beit­ge­ber ei­nen ob­jek­ti­ven Ver­s­toß des Ar­beit­neh­mers ge­gen die ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten rügt. Ei­ne sol­che Rüge ist al­ler­dings dann un­ge­recht­fer­tigt, wenn sie un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält oder auf ei­ner un­zu­tref­fen­den recht­li­chen Be­wer­tung des Ver­hal­tens des Ar­beit­neh­mers be­ruht (BAG, 11. De­zem­ber 2001, 9 AZR 464/00 = AP Nr. 8 zu § 611 BGB Ne­bentätig­keit).
3.. Ge­mes­sen an die­sen Grundsätzen hat die Kläge­rin kei­nen Ent­fer­nungs­an­spruch. Die Ab­mah­nung enthält kei­ne un­rich­ti­gen Tat­sa­chen und auch kei­ne un­zu­tref­fen­de recht­li­che Be­ur­tei­lung des Ver­hal­tens der Kläge­rin. Das Land wirft der Kläge­rin vor, durch das Tra­gen der Bas­kenmütze ge­gen das Neu­tra­litäts­ge­bot des § 57 Abs. 4 SchG NRW ver­s­toßen und da­mit zu­gleich ih­re ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt zu ha­ben. Die­se Einschätzung ist zu­tref­fend.
a. § 57 Abs. 4 Satz 3. des SchG NRW ver­bie­tet die Ab­ga­be von po­li­ti­schen, re­li­giösen, welt­an­schau­li­chen oder ähn­li­chen äußeren Be­kun­dun­gen von Leh­re­rin­nen und Leh­rern in der Schu­le, die ge­eig­net sind, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schüle­rin­nen und Schülern so­wie El­tern oder den po­li­ti­schen, re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stören.
Das Tra­gen ei­ner Bas­kenmütze an­stel­le ei­nes Kopf­tuchs aus re­li­giösen Gründen in ei­ner öffent­li­chen Schu­le verstößt ge­gen das in § 54 Abs. 4 Satz 1 SchG NRW ge­re­gel­te Ver­bot. Ob hier­in zu­gleich ein Ver­hal­ten zu se­hen ist, wel­ches bei Schülern oder El­tern den Ein­druck her­vor­ru­fen kann, dass ei­ne Lehr­kraft ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Ar­ti­kel 3 des Grund­ge­set­zes, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tritt (§ 54 Abs. 4 Satz 3. SchG NRW), kann da­hin­ste­hen.
Ne­ben dem Be­kennt­nis zum Is­lam und zu des­sen Be­klei­dungs­vor­schrif­ten kann das Kopf­tuch und da­mit eben­so die Bas­kenmütze, die von der Kläge­rin wie ein Kopf­tuch ge­tra­gen wird, auch als ein Zei­chen für das Fest­hal­ten an Tra­di­tio­nen der Her­kunfts­ge­sell­schaft ge­deu­tet wer­den. In jüngs­ter Zeit wird im is­la­mi­schem Kopf­tuch verstärkt ein po­li­ti­sches Sym­bol des is­la­mi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus ge­se­hen, das die Ab­gren­zung zu Wer­ten der west­li­chen Ge­sell­schaft, wie in­di­vi­du­el­le Selbst­be­stim­mung und ins­be­son­de­re Eman­zi­pa­ti­on der Frau, aus­drückt (BVerfG, 24. Sep­tem­ber 2003, 3. BvR 1436/02 = EzAR 345 Nr. 3). Un­er­heb­lich ist da­bei, wie die Kläge­rin das Tra­gen der Bas­kenmütze ver­stan­den wis­sen will und ob sie es als welt­an­schau­lich-neu­tra­len Kopf­schmuck er­ach­tet, der ihr da­zu dient, dem Gefühl des Nicht­an­ge­zo­gen­seins nach 18-jähri­gem Tra­gen des is­la­mi­schen Kopf­tuchs zu be­geg­nen.
Al­le denk­ba­ren Möglich­kei­ten, wie das Tra­gen ei­ner Bas­kenmütze nach der Art der Kläge­rin ver­stan­den wer­den kann, sind zu berück­sich­ti­gen, wenn es um die Be­ur­tei­lung geht, ob das Ver­hal­ten ge­eig­net ist, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schüle­rin­nen und Schülern so­wie El­tern oder den po­li­ti­schen, re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stören (BVerfG, 24. Sep­tem­ber 2003, 3. BvR 1436/02 = EzAR 345 Nr. 3; BVerwG, 24. Ju­ni 2004, 3. C 45/03 = BVerw­GE 121, 140-152; Baye­ri­scher Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, 15. Ja­nu­ar 2007 - Vf. 11 - VII - 05 = BayVBl 2007, 235-239). Maßgeb­lich ist der Empfänger­ho­ri­zont. Da­bei kommt es nicht auf die Sicht Ein­zel­ner an, die mögli­cher­wei­se ei­ne von wei­te­ren Bevölke­rungs­krei­sen kaum ge­teil­te Deu­tungsmöglich­keit ver­tre­ten, wohl aber auf ei­ne Deu­tungsmöglich­keit, die ei­ner nicht un­er­heb­li­chen Zahl von Be­trach­tern na­he liegt. § 57 Abs. 4 Satz 1 SchG NRW stellt dem­ent­spre­chend ins­be­son­de­re, wenn auch nicht aus­sch­ließlich, auf die Sicht der Schüler und El­tern ab, ei­ner Grup­pe, die zah­lenmäßig nicht zu ver­nachlässi­gen ist und die durch das Band der all­ge­mei­nen Schul­pflicht in ei­ner en­gen Be­zie­hung zum Staat steht. Ob de­ren Sicht­wei­se von der Mehr­zahl der Bevölke­rung ge­teilt wird, ist nicht ent­schei­dend (BVerwG, 24. Ju­ni 2004, 3. C 45/03 = BVerw­GE 121, 140-152).
Ei­ne So­zi­alpädago­gin, die in der Schu­le nach der Art der Kläge­rin dau­er­haft ei­ne Bas­kenmütze mit Strick­bund trägt, die Haa­re und Oh­ren vollständig um­sch­ließt, gibt da­mit zu ver­ste­hen, dass sie sich zur Re­li­gi­on des Is­lam be­kennt und sich ge­hal­ten sieht, des­sen von ihr als ver­pflich­tend emp­fun­de­ne Be­klei­dungs­vor­schrif­ten zu be­ach­ten. Hier­in liegt die be­wuss­te, an die Außen­welt ge­rich­te­te Kund­ga­be ei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung. Die­se Be­deu­tung der von der Kläge­rin als Sur­ro­gat für das is­la­mi­sche Kopf­tuch ge­tra­ge­nen Bas­kenmütze er­sch­ließt sich dem un­be­fan­ge­nen Be­trach­ter oh­ne wei­te­res. Durch den gleich­far­bi­gen, den Strick­bund der Bas­kenmütze über­lap­pen­den Roll­kra­gen­pull­over, den die Kläge­rin im Güte­ter­min ge­tra­gen hat, hat sie den Ein­druck der Kam­mer, dass es sich bei der Bas­kenmütze um ein Sur­ro­gat für das is­la­mi­sche Kopf­tuch han­delt, noch verstärkt.
Die Kläge­rin konn­te auch kei­ne plau­si­ble Erklärung dafür ab­ge­ben, wie sie bei­spiels­wei­se ge­genüber Schülern im Hoch­som­mer das Tra­gen der Bas­kenmütze (und even­tu­ell ei­ner zusätz­li­chen Hals­be­de­ckung) erklären will.
Da­durch, dass die Bas­kenmütze von der Kläge­rin dau­er­haft und nicht le­dig­lich an­lass­be­dingt ge­tra­gen wird, schei­den an­de­re Gründe für das Tra­gen der Kopf­be­de­ckung aus.
Ob die re­li­giöse Be­kun­dung der Kläge­rin vom Schutz der Re­li­gi­ons- oder Mei­nungsäußerungs­frei­heit um­fasst wird, ist in die­sem Zu­sam­men­hang eben­so un­be­acht­lich wie das ihr zu­grun­de lie­gen­de Mo­tiv, al­so die Fra­ge, ob die Be­kun­dung frei­wil­lig ist oder im Sin­ne ei­nes tra­dier­ten Rol­len­verständ­nis­ses auf ei­nem mehr oder we­ni­ger star­ken äußeren Zwang be­ruht. Ent­schei­dend ist der von Drit­ten wahr­ge­nom­me­ne Erklärungs­wert der Be­kun­dung.
b. Die von der Kläge­rin durch das Tra­gen der Bas­kenmütze ab­ge­ge­be­ne Be­kun­dung ist ge­eig­net, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schüle­rin­nen und Schülern so­wie El­tern oder den po­li­ti­schen, re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stören.
Das Ver­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchG NRW knüpft an ei­nen abs­trak­ten Gefähr­dungs­tat­be­stand an. Nicht erst Be­kun­dun­gen, wel­che die Neu­tra­lität des Lan­des oder den Schul­frie­den kon­kret gefähr­den oder gar stören, fal­len un­ter das Ver­bot. Es will viel­mehr schon abs­trak­ten Ge­fah­ren vor­beu­gen, um kon­kre­te Ge­fah­ren für die Neu­tra­lität der Schu­le oder den Schul­frie­den gar nicht erst ein­tre­ten zu las­sen. Im Ge­set­zes­wort­laut kommt dies dar­in zum Aus­druck, dass die­ser ent­spre­chen­de Ver­hal­tens­wei­sen be­reits dann ver­bie­tet, wenn sie nur ge­eig­net sind, die ge­nann­ten Schutzgüter zu gefähr­den. Ei­ne Be­trach­tung der kon­kre­ten Verhält­nis­se an ein­zel­nen Schu­len und de­ren Würdi­gung ist da­nach nicht vor­ge­se­hen.
Ei­ne der­art abs­trak­te Gefähr­dung ge­ra­de der welt­an­schau­lich-re­li­giösen Neu­tra­lität der Schu­le und des re­li­giösen Schul­frie­dens geht von dem dau­er­haf­ten Tra­gen ei­ner Haa­re und Oh­ren be­de­cken­den Bas­kenmütze durch ei­ne So­zi­alpädago­gin aus. Auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat den Fall, dass Leh­rer in der Schu­le re­li­giös mo­ti­vier­te Klei­dung tra­gen, die als Kund­ga­be ei­ner Glau­bensüber­zeu­gung zu in­ter­pre­tie­ren sind, aus­drück­lich als ei­ne abs­trak­te Ge­fahr ein­ge­stuft (BVerfG, 24. Sep­tem­ber 2003, 3. BvR 1436/02 = EzAR 345 Nr. 3). Die Schu­le ist der Ort, an dem die un­ter­schied­li­chen re­li­giösen Auf­fas­sun­gen un­aus­weich­lich auf­ein­an­der tref­fen und wo sich das Ne­ben­ein­an­der be­son­ders emp­find­lich aus­wir­ken kann. Die Ent­wick­lung hin zu ei­ner ge­wach­se­nen re­li­giösen Viel­falt in der Ge­sell­schaft hat da­her zwangsläufig ein ver­mehr­tes Po­ten­ti­al mögli­cher Kon­flik­te in der Schu­le mit sich ge­bracht. In die­ser La­ge können leich­ter Gefähr­dun­gen für den Schul­frie­den auf­kom­men. Sie können sich vor al­lem aus der Be­sorg­nis ins­be­son­de­re der El­tern vor ei­ner un­ge­woll­ten re­li­giösen Be­ein­flus­sung der Kin­der ent­wi­ckeln. Ein­bußen an Neu­tra­lität im Er­schei­nungs­bild können zu sol­cher Be­sorg­nis bei­tra­gen und las­sen sich in­so­weit als ei­ne abs­trak­te Ge­fahr be­zeich­nen. Ihr will der Lan­des­ge­setz­ge­ber durch ei­ne auch in der Klei­dung sicht­bar blei­ben­de Neu­tra­lität der Leh­rer und So­zi­alpädago­gen be­geg­nen (BVerwG, 24. Ju­ni 2004, 3. C 45/03 = BVerw­GE 121, 140-152).
An­ge­sichts der Vor­bild­funk­ti­on, die ei­ne So­zi­alpädago­gin auf­grund ih­rer Stel­lung im Verhält­nis zu den Schüle­rin­nen und Schülern in­ne hat, ist die An­nah­me ei­ner sol­chen Be­ein­flus­sungsmöglich­keit auch dann ge­recht­fer­tigt, wenn die von § 57 Abs. 4 Satz 1 SchG NRW er­fass­ten Sym­bo­le und Klei­dungsstücke nach der In­ten­ti­on der So­zi­alpädago­gin oh­ne mis­sio­na­ri­sche Ziel­set­zung ge­tra­gen wer­den (Baye­ri­scher Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, 15. Ja­nu­ar 2007 - Vf. 11 - VII - 05 = BayVBl 2007, 235-239).
So­mit be­darf es ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Kläge­rin kei­ner kon­kre­ten Gefähr­dung. Es kommt auch nicht dar­auf an, dass sie nach ih­ren ei­ge­nen An­ga­ben bis­lang kei­ne Ne­ga­tiv­re­ak­tio­nen auf die Bas­kenmütze er­hal­ten hat, da das Ge­setz die abs­trak­te Eig­nung zur Gefähr­dung des Schul­frie­dens genügen lässt. Dies auch vor dem Hin­ter­grund, dass es spätes­tens mit Schul­jah­res­be­ginn zu Wech­seln in der Schüler- und El­tern­schaft kommt und auch nicht aus­zu­sch­ließen ist, dass die Kläge­rin an ei­ne an­de­re Schu­le ver­setzt wird. Die ständi­ge Kon­fron­ta­ti­on mit der in der nach Art der Kläge­rin ge­tra­ge­nen Bas­kenmütze während ih­rer Tätig­keit hat zu­dem ei­ne an­de­re Qua­lität als das bloße Wis­sen um die is­la­mi­sche Glau­bens­zu­gehörig­keit ei­ner Leh­re­rin oder So­zi­alpädago­gin (VG Düssel­dorf, 05. Ju­ni 2007, 3. K 6225/06).
Die Auf­ga­be der Kläge­rin ist es, Schul­kon­flik­te bei den Kin­dern zu schlich­ten. Es ist nicht aus­zu­sch­ließen, dass die Kläge­rin auf­grund der von ihr­ge­tra­ge­nen Bas­kenmütze selbst zum Kon­flikt­fall wird, wo­mit ihr das Ausüben ih­rer ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­tenTätig­keit unmöglich würde.
c. So­weit § 57 SchG NRW hier an­zu­wen­den ist, ist er mit höher­ran­gi­gem Recht, ins­be­son­de­re dem Grund­ge­setz, ver­ein­bart.
aa. Wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 24.09.2003 (BVerfG, 24. Sep­tem­ber 2003, 3. BvR 1436/02 = EzAR 345 Nr. 3) im Ein­zel­nen dar­ge­legt hat, ist der Lan­des­ge­setz­ge­ber zuständig und be­rech­tigt, ei­ne ge­setz­li­che Be­stim­mung zu er­las­sen, die den mögli­chen Kon­flikt wi­der­strei­ten­der Grund­rech­te der Lehr­kräfte, So­zi­alpädago­gen, Schüler und El­tern so­wie des mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­ten staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags re­gelt. Dies gilt vor al­lem dann, wenn die be­trof­fe­nen Grund­rech­te - wie hier die po­si­ti­ve und ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit so­wie das el­ter­li­che Er­zie­hungs­recht - nach dem Wort­laut der Ver­fas­sung oh­ne Ge­set­zes­vor­be­halt gewähr­leis­tet sind und ei­ne Re­ge­lung, wel­che die­sen Le­bens­be­reich ord­net, not­wen­di­ger­wei­se ih­re ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken be­stim­men und kon­kre­ti­sie­ren muss. Es gilt auch dann, wenn vor­be­halt­los gewähr­te Grund­rech­te mit an­de­ren Wer­ten von Ver­fas­sungs­rang ab­ge­wo­gen wer­den müssen, auf de­ren In­halt der Staat ge­stal­te­ri­schen Ein­fluss hat, wie dies et­wa beim staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trag der Fall ist, den er nach Maßga­be ge­sell­schaft­li­cher Verhält­nis­se be­ein­flus­sen kann. Hier ist der Ge­setz­ge­ber ver­pflich­tet, die Schran­ken der wi­der­strei­ten­den Frei­heits­ga­ran­tie je­den­falls so­weit selbst zu be­stim­men, wie ei­ne sol­che Fest­le­gung für die Ausübung die­ser Frei­heits­rech­te we­sent­lich ist (BVerfG, 27. No­vem­ber 1990, 1 BvR 402/87 = BVerfGE 83, 130, 142).
Ei­ne Re­ge­lung, die Leh­rern un­ter­sagt, in der Schu­le äußer­lich dau­ernd sicht­bar ih­re Zu­gehörig­keit zu ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft oder Glau­bens­rich­tung er­ken­nen zu las­sen, ist Teil der Be­stim­mung des Verhält­nis­ses von Staat und Re­li­gi­on im Be­reich der Schu­le. Wie auf die Viel­falt der Glau­bensüber­zeu­gun­gen in der Schu­le zu ant­wor­ten ist, ins­be­son­de­re, wel­che Ver­hal­tens­re­geln in Be­zug auf Klei­dung und sons­ti­ges Auf­tre­ten für Leh­re­rin­nen und Leh­rer zur nähe­ren Kon­kre­ti­sie­rung ih­rer all­ge­mei­nen Pflich­ten und zur Wah­rung des re­li­giösen Frie­dens in der Schu­le auf­ge­stellt wer­den sol­len, kann und muss der de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Lan­des­ge­setz­ge­ber ent­schei­den. Für die Be­ur­tei­lung der tatsächli­chen Ent­wick­lung, ih­re Be­deu­tung für die Wah­rung oder Gefähr­dung des re­li­giösen Frie­dens in der Schu­le wie auch der Aus­wir­kun­gen von Maßnah­men, mit de­nen den abs­trak­ten oder kon­kre­ten Ge­fah­ren be­geg­net wer­den kann, verfügt der Ge­setz­ge­ber über ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve, die Behörden und Ge­rich­te nicht für sich in An­spruch neh­men können (BVerfG, 01. März 1979, 1 BvR 532/77, 1 BvR 533/77, 1 BvR 419/78, 1 BvL 21/78 = BVerfGE 50, 290, 332 f.; BVerfG 02. März 1999, 1 BvL 3./91 = BVerfGE 99, 367, 389 f.). Es ist sei­ne Sa­che zu ent­schei­den, ob er ei­ne großzügi­ge Lösung wählt, die es ermöglicht, die zu­neh­men­de re­li­giöse Viel­falt in der Schu­le auf­zu­neh­men und als Mit­tel für die Einübung ge­gen­sei­ti­ger To­le­ranz zu nut­zen, oder ob er we­gen des größeren Po­ten­ti­als mögli­cher Kon­flik­te in der Schu­le den Weg geht, der staat­li­chen Neu­tra­litäts­pflicht im schu­li­schen Be­reich ei­ne strik­te­re und mehr als bis­her dis­tan­zie­ren­de Be­deu­tung bei­zu­mes­sen und dem­gemäß auch durch das äußere Er­schei­nungs­bild ei­ner Lehr­kraft ver­mit­tel­te re­li­giöse Bezüge von den Schülern grundsätz­lich fern­zu­hal­ten, um Kon­flik­te mit Schülern, El­tern oder an­de­ren Lehr­kräften von vorn­her­ein zu ver­mei­den (BVerfG, 24. Sep­tem­ber 2003, 3. BvR 1436/02 = EzAR 345 Nr. 3).
In die­sem Rah­men hält sich § 57 SchG NRW. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber hat den Weg gewählt, mögli­chen Kon­flik­ten präven­tiv zu be­geg­nen. Be­reits die abs­trak­te Ge­fahr, die der staat­li­chen Neu­tra­lität oder dem Schul­frie­den aus ei­ner po­li­ti­schen, re­li­giösen, welt­an­schau­li­chen oder ähn­li­chen äußeren Be­kun­dung er­wach­sen kann, genügt ihm als An­lass, ent­ge­gen­wir­ken­de Ver­hal­tens­vor­schrif­ten auf­zu­stel­len. Das Ein­brin­gen re­li­giöser oder welt­an­schau­li­cher Bezüge in Schu­len und Un­ter­richt durch Lehr­kräfte kann den in Neu­tra­lität zu erfüllen­den staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trag, das el­ter­li­che Er­zie­hungs­recht und die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schüle­rin­nen und Schüler be­ein­träch­ti­gen. Es eröff­net zu­min­dest die Möglich­keit ei­ner Be­ein­flus­sung der Schul­kin­der so­wie von Schul­kon­flik­ten mit El­tern, die zu ei­ner Störung des Schul­frie­dens führen und die Erfüllung des Er­zie­hungs­auf­tra­ges der Schu­le gefähr­den können (BVerfG, 24. Sep­tem­ber 2003, 3. BvR 1436/02 = EzAR 345 Nr. 3).
bb. § 57 Abs. 4 Satz 3 SchG NRW ver­letzt nicht das Gleich­heits­ge­bot, in­dem er die Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen von den nach Satz 1 ver­bo­te­nen Be­kun­dun­gen ab­grenzt und als der Wahr­neh­mung des dem Neu­tra­litäts­ge­bot ver­pflich­te­ten Er­zie­hungs­auf­trags der Lan­des­ver­fas­sung Nord­rhein-West­fa­len nicht wi­der­spre­chend be­zeich­net.
Ei­ne un­zulässi­ge Be­vor­zu­gung der christ­li­chen Kon­fes­si­on ist mit der Klar­stel­lung in § 57 Abs. 4 Satz 3. SchG NRW nicht ver­bun­den. Der hier ver­wen­de­te Be­griff des Christ­li­chen ist im Sin­ne des Be­schlus­ses des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 17. De­zem­ber 1975 (BVerfG, 17. De­zem­ber 1975, 1 BvR 63/68 = BVerfGE 41, 29, 52) aus­zu­le­gen. Er be­zeich­net - un­ge­ach­tet sei­ner Her­kunft aus dem re­li­giösen Be­reich - ei­ne von Glau­bens­in­hal­ten los­gelöste, aus der Tra­di­ti­on der christ­lich-abendländi­schen Kul­tur her­vor­ge­gan­ge­nen Wer­te­welt, die er­kenn­bar auch dem Grund­ge­setz zu­grun­de liegt und un­abhängig von ih­rer re­li­giösen Fun­die­rung Gel­tung be­an­sprucht. Hier­zu gehören et­wa die Auf­fas­sung von der un­verfügba­ren und un­an­tast­ba­ren Men­schenwürde (Ar­ti­kel 1 GG), von der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit (Ar­ti­kel 3. GG), von der Gleich­heit al­ler Men­schen und Ge­schlech­ter (Ar­ti­kel 3 GG) und von der Re­li­gi­ons­frei­heit ein­sch­ließlich der ne­ga­ti­ven Glau­bens­frei­heit (Ar­ti­kel 4 GG). Wei­ter um­fasst der Be­griff hu­ma­ne Wer­te wie Hilfs­be­reit­schaft, Sor­ge für und all­ge­mei­ne Rück­sicht­nah­me auf den Nächs­ten so­wie So­li­da­rität mit den Schwäche­ren. Der Auf­trag zur Wei­ter­ga­be christ­li­cher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te ver­pflich­tet oder be­rech­tigt die Schu­le des­halb kei­nes­wegs zur Ver­mitt­lung be­stimm­ter Glau­bens­in­hal­te, son­dern be­trifft Wer­te, de­nen je­der auf dem Bo­den des Grund­ge­set­zes Ste­hen­de un­abhängig von sei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung vor­be­halt­los zu­stim­men kann (BVerwG, 24. Ju­ni 2004, 3. C 45/03 = BVerw­GE 121, 140-152). Das Wort abendländisch sei­ner­seits nimmt Be­zug auf die durch den Hu­ma­nis­mus und die Aufklärung be­ein­fluss­ten Grund­wer­te der west­li­chen Welt (Baye­ri­scher Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, 15. Ja­nu­ar 2007 - Vf. 11 - VII - 05 = BayVBl 2007, 235-239).
Das­sel­be gilt von der Be­zug­nah­me auf die Ar­ti­kel 7 und 3.. Abs. 6 der Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len. In die­sen Ar­ti­keln ist die Pflicht des Lan­des fest­ge­legt, in den öffent­li­chen Volks­schu­len in der Schul­form der christ­li­chen Ge­mein­schafts­schu­le die Kin­der in Ehr­furcht vor Gott auf der Grund­la­ge christ­li­cher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te in Of­fen­heit für die christ­li­chen Be­kennt­nis­se und für an­de­re re­li­giöse und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen ge­mein­sam zu un­ter­rich­ten. Auch hier be­zieht sich die Nord­rhein-Westfäli­sche Ver­fas­sung auf christ­li­che Tu­gen­den und nicht auf spe­zi­el­le Glau­bens­in­hal­te (BVerwG, 24. Ju­ni 2004, 3. C 45/03 = BVerw­GE 121, 140-152).
Hier­mit steht § 57 Abs. 4 SchG NRW in Ein­klang. Ins­be­son­de­re wer­den Non­nen­ha­bit und Kip­pa von dem Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchG NRW eben­falls er­fasst. So­weit die Be­gründung des dem zwei­ten Schul­rechtsände­rungs­ge­setz vom 27.06.2006 zu­grun­de lie­gen­den Ge­setz­ent­wurfs der Frak­tio­nen von CDU und FDP vom 31.10.2005 (LT Druck­sa­che 14/569, Sei­te 9) da­von aus­geht, dass äußere Sym­bo­le und Klei­dungsstücke, die den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­wer­ten und den Bil­dungs­zie­len der Ver­fas­sung ein­sch­ließlich den christ­lich-abendländi­schen Bil­dungs- und Kul­tur­wer­ten ent­spre­chen, et­wa die Tracht von Or­dens­schwes­tern oder die jüdi­sche Kip­pa , zulässig blei­ben, hat die­se Auf­fas­sung im Wort­laut des Ge­set­zes kei­nen hin­rei­chen­den Nie­der­schlag ge­fun­den.
Ein Verständ­nis, dass christ­li­che und jüdi­sche Glau­bens­be­kun­dun­gen pri­vi­le­giert sei­en, ist nach dem Ge­bot der ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung von Ge­set­zen aus­zu­sch­ließen (BVerwG, 24. Ju­ni 2004, 3. C 45/03 = BVerw­GE 121, 140-152).
Aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te und den Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en sich er­ge­ben­de sub­jek­ti­ve Ziel­vor­stel­lun­gen der am Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren Be­tei­lig­ten ste­hen dem ob­jek­ti­ven Ge­set­zes­in­halt nicht gleich. Der Wil­le der ge­setz­ge­ben­den In­stanz ist für die In­ter­pre­ta­ti­on nur in­so­weit be­deut­sam, als er sich auch im Ge­set­zes­text selbst wie­der­fin­det (BVerwG, 02. März 2000, 3. C 1/99 = BVerw­GE 110, 363-370; BVerwG vom 18. Ju­ni 2002, 3. B 17/02).
Ent­ge­gen der kläge­ri­schen Rechts­auf­fas­sung be­darf es ei­ner aus­drück­li­chen Erwähnung des is­la­mi­schen Kopf­tu­ches im Ge­set­zes­text selbst nicht, da das Ge­setz als abs­trakt ge­ne­rel­le Re­ge­lung ei­ne Viel­zahl von Ver­bots­ge­genständen er­fasst, die ge­eig­net sind, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schüle­rin­nen und Schülern so­wie El­tern oder den po­li­ti­schen, re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stören.
cc. § 57 Abs. 4 SchG NRW steht im Ein­klang mit Ar­ti­kel 9 der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (Eu­ropäischer Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te, vom 29.06.2004, 44774/98).
d. Die Maßnah­me als sol­che verstößt nicht ge­gen § 7 AGG, da sie auf ei­nem Ge­setz be­ruht. Das Ge­setz selbst ord­net die Neu­tra­litäts­pflicht als we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che Vor­aus­set­zung im Sin­ne von § 8 AGG an.
e. Das Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen un­ter­liegt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin we­gen § 72 Abs. 4 LPVG NW nicht dem Mit­be­stim­mungs­recht des Per­so­nal­rats.
f. So­fern die Kläge­rin rügt, dass sie we­der Leh­re­rin ist noch un­ter­rich­tet, über­sieht sie, dass § 58 SchG NRW die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 SchG NRW für im Lan­des­dienst ste­hen­de so­zi­alpädago­gi­sche Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter für ent­spre­chend an­wend­bar erklärt.
g. So­weit sich die Kläge­rin hin­sicht­lich des Tra­gens der Bas­kenmütze auf ihr all­ge­mei­nes Persönlich­keits­recht be­ruft, ver­kennt sie, dass dies mit den zu­vor ge­nann­ten eben­falls mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­ten Rech­ten kol­li­diert und der de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Lan­des­ge­setz­ge­ber ei­ne ver­fas­sungs­gemäße Abwägung der be­trof­fe­nen Rechtsgüter vor­ge­nom­men hat. Hier ist die be­son­de­re Si­tua­ti­on ge­ge­ben, dass die Kläge­rin bei der Wahr­neh­mung ih­rer Tätig­keit den Schülern nicht als Pri­vat­per­son ge­genüber­tritt; sie steht nicht nur auf der Sei­te des Staa­tes, son­dern der Staat han­delt durch sie (BVerfG, 24. Sep­tem­ber 2003, 3. BvR 1436/02 = BVerfGE, 108, 282, 319).
h. Die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 SchG NRW lei­det auch nicht an ei­nem Voll­zugs­de­fi­zit. Das be­klag­te Land beschäftigt kei­ne mit der Kläge­rin ver­gleich­ba­re An­ge­stell­te, die ent­we­der ei­nen Or­dens­ha­bit oder ei­ne jüdi­sche Kip­pa tra­gen. In dem ei­nen von dem c. be­nann­ten Fall han­delt es sich um ei­ne Non­ne an ei­ner Be­kennt­nis­schu­le in N., für die nach § 57 Abs. 4 Satz 4 SchG NRW das Neu­tra­litäts­ge­bot nicht gilt. Ei­ne wei­te­re Non­ne, die dem Or­den Kon­gre­ga­ti­on der Schwes­tern der christ­li­chen Lie­be an­gehört, ist an der Westfäli­schen Schu­le für Blin­de und Seh­be­hin­der­te in Q. als Schul­lei­te­rin tätig. Die­se ist nicht bei dem c. beschäftigt, son­dern auf­grund ei­nes ge­son­der­ten Ge­stel­lungs­ver­tra­ges tätig. In­so­fern han­delt es sich um ei­nen his­to­risch be­ding­ten Son­der­fall (vgl. hier­zu VG Düssel­dorf, 05. Ju­ni 2007, 3. K 6225/06).
Das Be­strei­ten die­ser Be­haup­tun­gen mit Nicht­wis­sen in der münd­li­chen Ver­hand­lung ist we­gen Ver­spätung gemäß § 46 Abs. 3. Satz 1 ArbGG, § 296 Abs. 3. ZPO in Ver­bin­dung mit § 282 ZPO un­zulässig, nach­dem die Kläge­rin dem schriftsätz­li­chen Vor­trag des Lan­des (Blatt 88 der Ge­richts­ak­te) mit Er­wi­de­rungs­schrift­satz vom 05. Ju­ni 2007 nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten war.
II. 1. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt gem. § 46 Abs. 3. Satz 1 ArbGG i. V. m. § 91 Abs. 1 ZPO die Kläge­rin.
3.. Die Streit­wert­fest­set­zung er­gibt sich aus § 61 Abs. 1 ArbGG i. V. m. § 3 ZPO und er­folgt auch gem. § 63 GKG.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei B e r u f u n g ein­ge­legt wer­den. Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner N o t f r i s t* von ei­nem Mo­nat beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21, 40227 Düssel­dorf, Fax: (0211) 7770 - 2199 ein­ge­gan­gen sein.
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