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Timestamp: 2018-11-16 03:17:12+00:00

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Objekt des Monats, Oktober 2007
Vakuumpumpe von Johann Georg Puschner jun.
Holz, Messing, Eisen, Glas, Grundbrett: 94 x 25cm, Höhe: 45 cm, Inv. Nr.: 11101708
Gravur von Joh. Georg Puschner aus Nürnberg
am sogen. Kessel der Pumpe
Schülerzeichnung von der Senguerdischen Luftpumpe
Über den Erwerb dieser Vakuumpumpe wissen wir derzeit nicht recht viel. P. Sigmund Fellöcker hat offensichtlich zumindest vorerst die Gravur des Herstellers Johann Georg Puschner jun. (1706-1754) übersehen. Er läßt in seinem Katalog die Spalte für den Namen des Verfertigers frei. Später ist die Spalte mit Bleistift (eventuell in Fellöckers Handschrift) mit Püschner in Nürnberg ausgefüllt. Fellöckers kurze Beschreibung: Eine Senquerd'sche Luftpumpe, einstieflig, Stiefel schiefliegend; die Bewegung des Kolbens mittels gezähnter Stange und Kurbel.
Interessant ist, dass P. Bonifaz Schwarzenbrunner seine Versuche mit Vakuum wohl alle mit dieser Pumpe gemacht hat (Schwarzenbrunner, 81-88).
Eine Anleitung zur Verfertigung einer Vakuumpumpe dieser Art bringt Christian Wolff in Allerhand Nützliche Versuche..., Ein Werk, das der junge Josef Fixlmillner - der nachmalige P. Plazidus Fixlmillner - zu seiner Universitätszeit in Salzburg von seinem Vater zum Geschenk erhalten hat (Kraml, 56). Diese recht ausführliche und ausschweifende Bau- und Gebrauchsanleitung sei hier zum besseren Verständnis unseres Objektes angefügt:
Das 4. Capitel. Von der Lufft-Pumpe § 62. Nachdem wir verschiedenes von den flüssigen Materien überhaupt abgehandelt haben; so wollen wir auch solches insbesondere von der Lufft zeigen, damit wir ihre Würkungen verständlich erklären können. Da nun zu denen Versuchen, wodurch die Eigenschafften und Würckungen der Lufft sich zu erkennen geben, die Lufft-Pumpe gebrauchet wird; so ist nöthig, daß wir dieses Instrument ausführlich beschreiben, ehe wir einigen Versuch vornehmen, dazu wir es von nöthen haben.
§ 63. Dieses sehr nützliche Instrument, dadurch fast die gantze Erkäntniß der natürlichen Dinge ein anderes Ansehen gewonnen, hat Otto von Gvericke, Bürgemeister in Magdeburg, auch Chur-Brandenburgischer Rath und Abgesandter auf dem Reichs-Tage zu Regensburg erfunden, und sie daselbst im Jahre 1654 in Gegenwart des Käysers, auch einiger Churfürsten und Abgesandten, mit grosser Verwunderung durch allerhand gantz unvermuthete Versuche gezeiget. Daher es auch geschehen, daß ein
Frantzose Desnoves (a) den Erfinder Mr. Magdeburg nennet. Damahls lebete eben zu Würtzburg auf der Universität der berühmte Jesuite Caspar Schottus, welcher daselbst die Professionem Mathemarum bekleidete. Als er nun eben Vorhabbens war seine Artem Mechanicam Hydraulico-pneumaticam heraus zu geben, die auch kurtz darauf, nehmlich A. 1657. an das Tages-Licht kommen, und das Gerüchte von dem, was Gvericke auf dem Reichs-Tage gezeiget hatte, auch in Würtzburg erschollen war; so schrieb er an ihn, und bath ihn um genauere Nachricht, die er nach diesem aus einen Anhang zu vorerwehnetem Wercke von den Lufft- und Wasser-Künsten mit heraus gab, und solchergestalt die so vortreflichen Erfindungen von den Würckungen der Luft zuerst der Welt durch öffentlichen Druck bekandt machte. Als in Engelland Robert Boyle vernahm, was Schottus von Gverickens Erfindungen heraus gegeben hatte; zog er den berühmten Robert Hoocke, der so wohl in Mechanischen Künsten, als auch natürlichen Wissenschaften, sehr erfahren und geübt war, zu rathe, und verfertigte sich gleichfalls eine Luft-Pumpe, wie er selbst aufrichtig gestehet in der Vorrede über seine Experimen-
ta de vi aeris elastica, die er zuerst A. 1659. in Englischer, nach diesem A. 1661. in Lateinischer Sprache drucken lassen. Und daher ist es kommen, daß nicht allein viele Engelländer, sondern auch einige Frantzosen Boylen für den Erfinder der Lufft Pumpe ausgeben. Endlich hat Gvericke selbst seine Erfindung beschrieben, und sie An. 1672 unter dem Titul: Experimenta nova Magdeburgica de vacuo spatio zu Amsterdam heraus gegeben.
§ 64. Anfangs hatte Gvericke seine Lufft-Pumpe gantz schlecht gemacht, und ohne allen künstlichen Rüstzeug, indem er bloß eine messigene Feuer-Sprütze dazu gebraucht, und als er ein hölzernes Wein-Faß, so er mit Wasser gefüllet hatte, vergebens damit auszupumpen sich bemühete, indem die Lufft durch die verborgene Löcher des Holzes durchgieng (b) eine küpfferne Kugel, darein 60 bis 70 Maaß Wasser giengen, damit ausgeleeret (c). Wie er es auf verschiedene Art angegriffen, damit er die Lufft aus Gläsern und Gefässen von Kupfer heraus bringen möchte, hat Schottus (d) weitläufig beschrieben. Endlich aber hat er seiner Lufft-Pumpe eine bequeme
Structur gegeben, damit ein einiger Mensch durch einen Heber den Stempel leicht hin und her bewegen konnte (e). Auch aus dem wenigen, was wir hier angeführet, erhellet, daß Gvericke zuerst durch seine sinnreiche Versuche heraus gebracht, es lasse sich die Lufft auspumpen, und könne man dadurch einen von der Lufft leeren Raum erhalten, was für ein Instrument zu Auspumpung der Lufft nöthig sey, und was die Gefässe, welche man damit ausleeren will, für eine Figur haben müssen, auch aus was für Materie man sie zu verfertigen hat. Dieses sind die Haupt-Sachen, darauf man bey der Lufft-Pumpe zu sehen kant, und also hat er im Haupt-Wercke nichts andern zu erfinden übrig gelassen.
§ 65. Boyle in dem vorhin angezogenem Orte erinnert, er habe die Erfindung Gverickens, wie sie von Schotten in dem Anhange seines Werkes von den Wasser-Künsten beschrieben wird, in zweyen Stücken verbessert. Einmahl habe er zu wege gebracht, daß der Stempel sich leichter bewegen liesse: darnach habe er auch davor gesorget, daß Gefässe mit weiten Eröffnungen sich auspumpen liessen. Nachdem er vieles bald auf dieses, bald auf eines andern Einrathen vergebens versuchet, ha-
be endlich Hooke die Sache zu Stande gebracht, indem er den Stempel heraus und hinein zu winden die Fuhrmanns-Winde gebrauchet, die aus einer eisernen Stange mit Zähnen und einer Kurbe mit einem Stirn-Rade [wohl Stern-Rad] bestehet, und dadurch bekandter massen schweer beladene Wagen sich von einem Menschen mit leichter Mühe in die Höhe winden lassen. In der andern Absicht hat er oben in der gläsernen Kugel eine weite Eröffnung mit einem Halse machen lassen, wie die Chymici und Apothecker haben, damit er daselbst einen meßingenen Ring ankütten, und einen Deckel darauf kütten könnte, wenn er die Sachen hinein gethan hatte, die er in einem von der Lufft leeren Raume zu sehen verlangete. Also hat Boyle nachgefraget, wie man den Stempel aus der Lufft-Pumpe bequem herauswinden könne, und sich den Vorschlag Hookens, als eines in natürlichen Wissenschafften und machanischen Künsten berühmten Mannes, gefallen lassen. Er hat auf der Glas-Hütte ein Glas machen lassen, was er bey den Chimicis und Apotheckern gesehen, und darauf einen meßingenen Deckel geküttet.
§ 66. Ich habe schon vorhin erinnert, daß Gvericke selbst eine bequeme Art den Stempel heraus zu ziehen und hinein zu stossen erdacht, da ein einiger Mensch solches
verrichten kan, und noch geschwinder als mit der Winde, sonderlich bey seiner Art der Lufft-Pumpe, die mit einem Ventile versehen war, und sich also in einer steten Bewegung auspumpen ließ. Daher auch Gvericke solches als einen Fehler in Boylens Luft-Pumpe ausstellet in einem Briefe, den er an den gelehrten Jesuiten Schottum geschrieben, und dieser in seiner Technica curiosa (f) anführet. Und im Haupt-Wercke, nehmlich in der Auspumpung der Lufft, hat Schottus mit Gvericke seine Lufft-Pumpe der Boyleischen vorgezogen (g). Es hat über dieses Gvericke seine Kugel unten mit einer weiten Eröfnung und dergestalt verfertigen lassen, daß er gleichfalls allerhand Sachen, als Fische und Vögel, hinein thun, und, was sich mit ihnen in einem von der Lufft leeren Raume ereignete, wahrnehmen konnte. Und hieraus lässet sich urtheilen, wie weit man sagen kan, es habe Boyle die Gverickische Lufft-Pumpe verbessert. Jedoch ist auch nicht zu vergessen, daß Boyle bloß gesehen, was Schottus davon geschrieben, nicht aber was Gvericke selbst erst nach diesem davon heraus gegeben.
§ 67. Nach diesem sind von verschie-
denen Künstlern und nach verschiedenen damit von den Gelehrten angestellten Versuchen hin und wieder einige Veränderungen vorgenommen worden, bis endlich An. 1697 der Herr Sengwerd, Professor zu Leyden, sich mit einem Künstler daselbst unterredet und eine Lufft-Pumpe von dieser Art machen lassen, wie sie unter uns jetzund im Brauch ist und ich nach diesem ausführlich beschreiben werde. Es ist aber diese Art von der vorigen hauptsächlich darinnen unterschieden, daß sie an statt der Ventile einen Hahn hat, der ihre Stelle vertritt, und an stat der kugelrunden Gefässe mit Schrauben eien meßingenen Teller mit einer nassen ledernen Scheide und einer gläsernen Glocke, die unten ganz offen ist. Vor einigen Jahren hat wiederum Hauksbee in Engelland eine Lufft-Pumpe mit Ventilen gemacht und daher auch die Art den Stempel zu bewegen behalten, den Gvericke zu einer Lufft-Pumpe mit Ventilen für bequem gehalten.
§ 68. Ich will mich mit Beschreibung verschiedener Arten der Lufft-Pumpen jetzt eben nicht aufhalten, indem dieses zu unserem gegenwärtigen Vorhaben nicht dienet: mir ist genung, wenn ich diejenige ausführlich darstelle, deren ich mich in gegenwärtigen Versuchen bedienet, und die von einem geschickten Mechanico in Leipzig
Herr Leupolden verfertiget worden: wobey ich mir jedoch die Freyheit nehmen werde bey jedem Theile derselben mit anzuführen, was überhaupt davon zu wissen nöthig und nützlich ist. Ich habe diese Lufft-Pumpe schon (a) fast 11. Jahr, nemlich von An. 1710. an, und sie beständig gebrauchet, jedoch noch nicht im geringsten nöthig gehabt daran etwas bessern zu lassen.
§ 69. Man hat bey einer Lufft-Pumpe auf vier Haupt-Theile acht zu geben, 1. auf das Rohr AB, als den Cörper der Pumpe, 2. auf den Stempel mit der Stange EDC, 3. auf den Hahn IG, 4. auf die Gefässe, die von Lufft aufgeleeret werden, und diejenigen Theile an der Lufft-Pumpe HKLQP, welche zu ihrer Befestigung dienen. Bey einem jeden von diesen Haupt-Theilen finden wir verschiedenes zu erinnern.
§ 70. Was nun erstlich das Rohr AB betrifft; so ist dasselbe ein ausgehöhleter Cylinder. Man machet es liber etwas lang, als gar zu weit, weil die Lufft, als ein flüßiger Cörper, mehr Wiederstand der Bewegung giebet, wenn es weit, als wenn es enge ist. Gar zu lang ist auch nicht dienlich, weil es sonst lange aufhält, ehe man den Stempel heraus und hinein windet. Und ist es in der That einerley, ob man einige
Züge mehr thut, oder über einem Zuge länger zubringet. Ein langes Rohr kan keinen andern Vortheil bringen, als daß man dadurch auf einmahl mehr Lufft auszupumpen gedencket und daher geschwinder fertig werden will. Da wir zur Zeit noch nicht zeigen können, was es für eine Beschaffenheit mit der Auspumpung der Lufft hat, sondern dieses erst hernach geschehen soll, so lässet sich auch hier die Frage nicht entscheiden, ob eine allzugrosse Länge der Luft-Pumpe mehr aufhält als fördert. Un- terdessen da die Grösse zu genauer Ausleerung der Gefässe nicht beyträget, wenn nur das Rohr nicht allzu klein ist, als in welchem Falle es die Erfahrung zeiget, daß man nicht so genaus ausleeren kan; so kan man sich mit mittelmäßigen vergnügen und ist nicht nöthig auf die Länge viele Kosten zu wenden, es sey denn daß man sich mehr zur parade, als in Ernst gebrauchen will. Unterdessen muß sie doch auch nicht allzu klein seyn, nicht allein, daß es nicht allzu langsam hergehet, wenn man grosse Gläser oder andere Gefässe auspumpen will; sondern daß man auch dieselben ohne Gefahr und bequem an die Lufft-Pumpe befestigen kan und aus der vorhin angezeigten Ursache. Das Rohr von meiner Lufft-Pumpe hält im Diameter im Lichten 4 Zoll und 6 Linien
und ist zwey Rheinländische Schuhe lang. Es wird das Rohr aus Meßing gegossen, nicht aber geschlagen und gelöthet, weil das Loth leichte Schaden nehmen kan, sonderlich wenn es nur Schnell-Loth ist, das ist, wenn man nur mit Zinn löthet. Jedoch muß der Guß mit aller möglichen Sorgfalt verrichtet werden, daß sich nicht etwan hin und wieder Lufft verhält, wodurch der Meßing löcherich wird und die Pumpe nach diesem nicht Lufft halten kan. Es können diese Löcher so kleine seyn, daß man nichts mit blossen Augen davon zu sehen bekommet. Wenn man aber versuchen will, ob einige vorhanden oder nicht; so darf man Wasser in das Rohr hinein ziehen und es mit dem Stempel nebst der zugleich darinnen enthaltenen Lufft mit der grösten Krafft, die man anwen-[sic!] kan, pressen; so wird es durch die Löcher durch dringen und sie verrathen. Solten sie auch etwan durch die Materie, so zum Poliren gebraucht worden, verstopfft seyn; so darf man nur anfangs Lufft allein darinnen zusammen pressen, so werden sie dadurch eröffnet werden. Denn wir werden nach diesem zeigen, daß, je mehr die Lufft zusammen gedrucket wird, je eine grössere Kraft bekommet sie sich auszubreiten. Daher sie dasjenige, wodurch die Löcher verstopfft worden, heraus stösset, indem sie
sich ausbreitet. Wenn man das Rohr, in gleichen auch die übrigen Theile der Lufft-Pumpe, nebest allem Zugehör aus Meßinge, reinlich erhalten will, muß man es mit klein gestossenem Bimsen-Steine und ein wenig Baum-Oele abreiben: jedoch damit der Glantz nicht verdorben wird, beständig nach dem Striche, wie es gearbeitet worden, z. E. was abgedrechselt worden, nach der Rundung. Inwendig muß das Rohr nicht allein sehr gleich ausgehölet, sondern auch gantz glatt poliret seyn, damit sich nirgends etwas Luft verhalten und zwischen dem Stempel in den Raum eindringen kan, wo er herausgezogen worden. Daher muß man sich auch in acht nehmen, daß kein grober Staub weder in das Rohr, noch auf den Stempel kommet, wenn man ihn heraus genommen: indem dadurch in der innern glatten Fläche des Rohres leicht Ritze entstehen können. Künstlern ist bekandt, wie man ein Rohr von Metalle gleich ausbohren und glatt poliren soll. Und ist es nicht mein Werck, daß ich Unterricht von der Hand-Arbeit ertheilen will zum Gebrauch der Künstler, die Lufft-Pumpen verfertigen willen: sondern ich will bloß die Beschaffenheit der Lufft-Pumpe denen zum besten beschreiben, die damit nöthige Versuche anstellen wollen, und wissen müssen, wie weit sie sich auf ihr Instrument zu ver-
lassen haben. Wenn im Experimentiren Wasser in das Rohr gedrungen; so muß man es nicht darinnen stehen lassen, weil, wie bekandt, auch Meßing von dem Wasser angegriffen wird. Man kan aber die Luft von dem Wasser gar bald reinigen, wenn man etwas Luft in das Rohr ziehend, nach diesem darinnen zusammen presset und alsdenn mit Gewalt heraus fahren lässet: da sie denn das Wasser zugleich mit sich heraus führet. Und wird sich dieses unten aus denen Versuchen, die man mit der Lufft-Pumpe anstellet, klärer zeigen.
§ 71. Der Stempel [Tab.V. Fig. 27] hat die Figur eines Cylinders und ist im Diameter so groß als das Rohr im Lichten weit ist, damit er allenthalben genau anschliessen kan und nirgends die Lufft zwischen ihm durch zu dringen vermögend ist. An der Höhe ist eben so viel nicht gelegen. Jedoch muß man ihn nicht gar zu lang machen: denn weil er sich überall an dem Rohre anreibet, dadurch aber der Bewegung ein Wiederstand geschiehet, indem er heraus gezogen, oder auch hinein gestossen wird (§.209.Mechan.); so kan man gar leicht erachten, daß ein langer Stempel sich schweerer herausziehen lässet, als ein kurzer. Es bestehet aber der Stempel aus verschiedenen ledernen Scheiben AB und zwey meßingenen BD und AC. Die ledernen müssen so breit seyn, als die Luft-Pumpe
im Lichten weit ist, damit sie überall genau schließen: hingegen die aus Meßing um ein weniges schmäler, damit sie nicht das Rohr berühren und in der Bewegung abreiben. Die ledernen werden aus starcken Büffel-Leder geschnidten, so von den Weiß-Gerbern zubereitet wird. Damit sie geschmeidig werden und Lufft halten, werden sie einige Zeit in Fett, so aus Schweinefleische ausgekocht, mit dem sechsten Theile Baum-Oele vermischet, geleget, bis sie sich gantz voll getruncken und weiter nichts annehmen wollen. An der oberen Scheibe von Meßing CA ist mitten ein Dorn, daran die lederne Scheiben gestecket werden, nachdem man sie vorher gehöriger Weise in der Mitten durchlöchert, daß ist, mit einem runden Eisen Löcher ausgeschlagen. Dieser Dorn ist unten mit einer Schraube gleichwie die untere Scheibe BD mit einer Mutter versehen, damit man vermittelst des Schlüssels HI [Tab.V. Fig. 28] das Leder zusammen pressen kan, so viel als nöthig. Nehmlich die untere Scheibe BD [Tab.V. Fig. 27] hat zwey viereckichte Löcher, darein man die beyden viereckichten Füsse des Schlüssels F und G setzen kan, wenn man sie herum drehen und anschrauben will. Und siehet man auch daher, warum sie dicke seyn muß. In meinem Stempel ist die Dicke der unern Scheibe BD 3 1/2 Linien, die Tieffe der gevierdten Löcher 5 Linien, ihre Wei-
te 3. Linien, die Länge des Stempels AB, so weit er ledern ist, hält 27 L. endlich die Dicke der obern Scheibe ist etwas dünner als die untere. Mitten an der obern Scheibe ist ein rundter Knopff zu Befestigung der Stange, damit der Stempel heraus gezogen und hinein gestossen wird. Zu dem Ende ist er in der Mitten ausgehölet, damit man oben in M die Stange hinein stecken kan, und zur Seiten ist er gleichfalls mit zwey Löchern durchboret, damit man den Hacken O [Tab.V. Fig. 29] durchstecken kan, wodurch die Stange an dem Stempel fest gehalten wird, Der Stempel wird mit Baum-Oele eingeschmieret, bis er in der Pumpe wohl zurücke gehet, wenn er heraus gezogen worden und man ihn wieder fahren lässet, ehe man die Pumpe eröffnet. Wenn er trocken ist, reibet er sich zu stark an der Pumpe und lässet sich nicht wohl heraus ziehen.
Die Zahnstangen-Winde an unserer Pumpe
§ 72. Der Stempel wird heraus gewunden durch Hülffe einer Winde, die aus einer gezähneten eisernen Stange AB [Tab.V. Fig. 30], einer Axe CD [Tab.V. Fig. 31], einem Stern-Rade EF [Tab.V. Fig. 32] und einem Creutze NO [Tab.IV. Fig. 26] bestehet; wozu noch das Gestelle mit der Wiederlage kommet. Die Stange hat unten eine doppelte Rundung AG und H, nach diesem aber ist sie bis I viereckicht, und bey dem Anfange der Zähne wird sie breiter. Die Rundung dienet
dazu, daß sie sich in den oberen Knopff des Stempels desto leichter bringen lässet, als der rund angeboret. Die kleinere Rundung H wird deswegen gemacht, damit die Gabel, welche durch die Löcher des Knopffes zur Seite durch gestossen wird, die Stange fassen und in dem Knopffe zurücke halten, solchergestalt an dem Stempel befestigen kan. Bis in I ist sie viereckicht, damit sie sich nicht innerhalb dem Knopffe wenden kan, sondern so muß stehen bleiben, wie man sie hineingestecket. Die Stange muß so lang seyn, daß, wenn man sie an dem Stempel befestiget und ihn hinein gewunden, sie nur ein wenig noch hervor gehet, indem sie auf der hintern Wand des Kessels, wo sie heraus gehet, auflieget. Weil sie grosse Gewalt ausstehen muß, wenn man sie herauswindet, muß sie starck genung gemacht werden, als etwa 4 1/2 Linien dicke und 9 Linien mit den Zähnen breit. Es können auch die Zähne an der Stange mit ein wenig Baum-Oele eingeschmieret werden, damit sich dieselbe leichter heraus und hinein winden lässet (§.211. Mech.): welches mit einer Feder gar leichte geschehen kan. Die Kammen werden oben abgerundet und inwendig, wo die Kammen des Rades aufstossen, wird der Raum zwischen zweyen Kammen gleichfalls ausgerundet, damit in der Bewegung sich weniger Wie-
derstand befindet (§.216. Mech.). Die Figur des Stern-Rades EF [Tab.V. Fig. 32] ist aus dem Risse leichtlich zu ersehen. Man machet in der Mitten das Loch, wodurch die Axe [Tab.V. Fig. 31] gehet, viereckicht und nicht rundt, damit es sich nicht herum drehen lässet und demnach desto fester an derselben hält. Die Axe CD ist oben in C, wo das Creutze befestiget wird gleichfalls viereckig, aus eben derselben Ursache. Oben ist eine Schraube-Mutter, damit man vermittelst der Schraube L das Creutze daran befestigen kan, hinten in D ist ein Zapffen, womit die Axe auf ihrem Lager auflieget. Damit das Stern-Rad über der Stange stehen bleibet und zu keiner Seiten abweichet, werden zugleich zwey Hülsen aus Meßing M und N [Tab.V. Fig. 33] an die Axe gestecket, nemlich zu jeder Seite des Rades eine, welche an dem Rade von beyden Seiten anliegen, und bis an die Seiten des Lagers gehen, wo die Axe auflieget. Die Hülse bey dem Zapffen D wird mit einer Schraube O an der Axe befestiget, daß sie sich nicht wenden kan, weil daselbst die Axe eckicht ist um des Stern-Rades willen, so ein eckichtes Loch hat und von derselben Seite angestecket wird. Und deswegen hat so wohl die Hülse N ein Loch, wo die Schraube durchgesteckt wird, als auch in der Axe ist in P die Schrauben-Mutter, darein die Schraube O geschraubet wird. Das
Creutze wird in der Mitten viereckicht gemacht, damit man es, wie schon erinnert, an der Axe befestigen kan. Es bekommet vier Arme und also die Figur eines Creutzes, damit die Bewegung bequemer wird. In den Armen sind die runden Hölzer um die Eisen, die durch sie gehen und darein sie oben verschraubet sind, beweglich, damit sie die Hand nicht so starck reiben. Zur Befestigung der Axe wird an das Förder-Blat des Kessels ein Gestelle [Tab.V. Fig. 34] gemacht, davon der obere Theil AB durch einen Zapffen C in ein viereckichtes Loch eingesetzet, der untere aber DE in F eine Mutter hat, dergleichen sich auch an gedachtem Blate des Kessels befindet, allwo er vermittelst einer Schraube daran befestiget wird. In H ist das Lager für die Axe der Winde: zwischen AH und DG aber kommen die Wiederlage IKLMNOPQ [Tab.V. Fig. 35], welche durch den Stifft SR [Tab.VI. Fig. 36] an dem Gestelle in V und R befestiget wird. Auf dieser Wiederlage ruhet die eiserne gezahnte Stange und wird zugleich durch einen runden an ihr befestigten Nagel oder Stifft aufgehalten, daß man den Stempel nicht so weit herauswinden kan, ob gleich der Kessel zugedecket ist, und man also nicht sehen kan, wie weit man ihn heraus windet.
§. 73. Wie die Röhre der Lufft-Pumpe an dem Kessel befestiget wird kan man
aus der Figur des Förder-Blates urtheilen. Nehmlich in der Mitten, wo die weite Eröffnung ist, wird ein runder Reiffen angelöthet ABCD[Tab.VI. Fig. 37], mit 4 Muttern in A, B, C und D, wo vermittelst 4 Schrauben das Rohr angeschraubet wird. Das Förder-Blat des Kessels aber wird vermittelst des Bleches FG [Tab.VI. Fig. 38]mit einer Schraube, wie vorhin (§.73.) gedacht, an das Gestelle zu der Stange des Stempels in K an den hölzernen Kasten unter dem Kessel angeschraubet.
§. 74. Wenn der Stempel nicht tüchtig ist, so hält die Lufft-Pumpe nicht Luft und deswegen hat man nöthig den Kessel mit Wasser zu füllen, damit keine Luft dadurch zu ihm kommen kan. Allein wenn er tüchtig gemacht worden, nehmlich aus dem dicken Leder von dem Halse welches die Gürtler bey Verfertigung der Degengehencke wegschneiden, und so mit Fett und Oele geträncket wird, wie oben beschrieben worden (§. 71.); so hat man kein Wasser im Kessel nöthig. Ich habe niemahls einigen Tropffen darin gebracht, so lange ich meine Lufft-Pumpe habe, unerachtet ich den Stempel öffters im Jahre kaum zweymahl eingeschmieret. Er dienet also nur die Lufft-Pumpe wider den Staub zu verwahren und ihr ein besseres Ansehen zu geben. Denn wenn das Rohr horizontal lieget und mit einem Deckel von Meßing, der
sich an das Rohr anschrauben lässet, und darinnen bloß eine Eröffnung für die Stange gelassen, verwahret wird; ist es eben so gut. Nur bekommet die Lufft-Pumpe nicht so grosses Ansehen: welches man einem so kostbahren Instrument gar wohl gönnen kan.
§. 75. Ein Haupt-Theil von der Lufft-Pumpe ist der Hahn, und demnach nöthig, daß wir ihn ausführlich beschreiben. Der obere Theil AB [Tab.VI. Fig. 39] ist eine enge Röhre, dadurch die Lufft so wohl aus der Pumpe heraus gestossen, als auch nach Befinden hinein gelassen wird. Der untere Theil BC hat die Figur eines abgekürtzten Kegels und ist oben weiter als unten, weil der Hahn so weit in eine Hülse gesetzet ist. Da er sich nun durch das viele Herumdrehen abnutzen kan; so wird er nicht auf einmahl wandelbahr, sondern gehet nach und nach tieffer hinein. Es wird aber dieser Theil mit Unschlitt über glüenden Kohlen eingeschmieret, damit er desto besser Lüfft hält und sich nicht aus arbeitet. Man muß sich aber wohl in acht nehmen, daß kein Baum-Oele daran kommet, indem Meßing auf Meßing sich sehr ausarbeitet, wenn es mit Baum-Oele geschmieret ist. Der gantz unterste kleine viereckichte Theil D [Tab.VI. Fig. 40] dienet zur Befestigung des Hahnes an der Hülse, wie wir bald deutlicher sehen werden. Nehmlich wenn man den Conischen Theil des Hahnes BC
in die Hülse HI hinein gesetzet, daß der unterste kleine viereckichte Theil D unten in I hervor gehet, so wird der platte Ring K, der mitten ein viereckichtes Loch hat, angestecket und ein lederner Ring, der mit Unschlitt voll geträncket worden, darzwischen geleget, nach diesem aber durch die Schraube L, die man in die Mutter in D einschraubet, angezogen. Es ist aber der untere Conische Theil des Hahnes BC auf zweyerley Weise durchbohret. Erstlich gehet das Loch F von der andern Seite wieder heraus, damit dadurch die Lufft aus der Röhre NM in die Lufft-Pumpe und aus dieser in dieselbe Röhre kommen kan, wenn man den Hahn dergestalt wendet, daß das einen Loch F an der Röhre N, das aber von der andern Seite an der Röhre M zu stehen kommet. Darnach ist das Loch E schräge hinauf bis in die Röhre BA gebohret, damit dadurch die Lufft aus der Pumpe durch die Röhre BA kan hinaus gestossen, wenn es gegen die Röhre M stehet, oder auch durch die Röhre AB in die Röhre N und die weiter mit ihr vereinigten Gefässe kan eingelassen werden, wenn es an der Röhre M zu stehen kommet. Oben auf die Hülse wird der kleine hohle meßingene Cylinder N mit einer breiten Platte geleget, damit man das Futteral PQ [Tab.VI. Fig. 41] über den Hahn AB bequem decken und damit denselben nach Be-
lieben wenden kan, wie man will. Die Röhre AB [Tab.VI. Fig. 39] im Hahne wird mit dem Stöpsel RS[Tab.VI. Fig. 41] zugestopfft, daß keine Luft von außen in den Hahn kommen kan, als wenn man es verlanget. Und damit man ihn nicht verlieret, auch im Gebrauch jederzeit bey der Hand hat, indem man immer nach einander bald damit zustopffen, bald ihn heraus ziehen muß, so wird er mit einem Kettlein an das Futteral des Hahnes feste gemacht.
§. 76. Wenn man sich in das Auspumpen der Luft finden will, so muß man hauptsächlich wohl darauf acht haben, wie der Hahn durchbohret ist. Das Futteral PQ muß einmahl so wie das andere aufgesetzet werden, damit man im Wenden nicht irre wird. Die Bequemlichkeit erfordert es, daß PO mit den quer durch gebohrten Löchern F parallel zu stehen kommet. Mit der Schraube O [Tab.VI. Fig. 40] wird die Hülse an das Rohr der Lufft-Pumpe geschraubet und solchergestalt der Hahn an die Lufft-Pumpe befestiget. Hingegen in N [Tab.VII. Fig. 42] wird die Röhre AB eingeschraubet, darauf in C die Gefässe geschraubet werden, die man auspumpen will, oder auch der Teller, darauf man die Gefässe setzet, die man auspumpen soll.
§. 77. Damit man ohne Gefahr grosse und schweere Gefässe in C aufschrauben kan, so wird die Röhre folgender gestalt befestiget. Auf das Bret, darauf man die Luft-
Pumpe feste gemacht, wird die Röhre BE fest geschraubt und darein die Hülse HI mit dem Dorne IK [Tab.VII. Fig. 44] gesteckt. Damit sie nicht wancken kan, so wird gedachter Dorn IK mit der Stell-Schraube L, so man in die Mutter G hinein schraubet, befestiget. Hierauf stösset man das eine Ende N der Gabel MN[Tab.VII. Fig. 45] durch die Hülse HI und schiebet den Förder-Theil M gegen die Röhre AB [Tab.VII. Fig. 42] bis sie die Schraube S fasset. Alsdenn wird oben auf der Hülse eine Stellschraube eingeschraubet, damit die Gabel nicht wanken kan. Und endlich wird die Mutter Q [Tab.VII. Fig. 46] in die Schraube S eingeschraubet, damit die Röhre AB von der Gabel NM feste gehalten wird. Überall, wo ein Theil an den andern geschraubet wird, dadurch Lufft in die Pumpe kommen kan, wird ein lederner Ring geleget, den man mit Unschlitt voll geträncket, damit er Luft hält.
§. 78. Und also haben wir die Lufft-Pumpe nach allen ihren Theilen kennen lernen. Es ist aber noch übrich, daß ich auch zeige, wie man sie auf die Probe stellet, ob irgendwo von aussen Lufft hinein dringen kan oder nicht. Man ziehet zu dem Ende den Stempel bey geschlossenem Hahne heraus und hält ihn auf, daß er nicht wieder zurücke lauffen kan. Wenn man ihn nun nach einiger Zeit wieder hinein windet, oder von sich selbst hinein lauffen lässet, und er
gehet bis an den Boden gantz hinein; so siehet man, daß keine Lufft in die Pumpe hinein kommen kan, weder durch den Hahn, noch bey dem Stempel. Will man nun ferner wissen, ob sie auch hinten bey der Röhre [Tab.VII. Fig. 42] und dem Teller wohl verwahret ist, oder nicht; so darf man nur die Röhre oben in C zuschrauben, den Hahn dergestalt wenden, daß die Röhre AB mit der Pumpe Communication hat, und die Lufft aus derselben Röhre auspumpen, nach diesem wie vorhin den Stempel von neuem heraus ziehen, und eine Weile zurücke halten, damit man abermahls inne werde, ob die Lufft hinein kommen kan, oder nicht. Denn wenn im ersten Falle keine hinein kommen, hingegen jetzt und einige hinein dringet; so ist gewiß, daß der Fehler in der Röhre AB hinter dem Hahne stecke.
§. 79. Will man nun eigentlich den Ort wissen, wo die Lufft durchkommen kan; so ziehet man in die Lufft-Pumpe Wasser, und, nachdem man entweder den Hahn verschlossen, oder hinter die Röhre verstopfft, presset man das Wasser so gewaltig, als man kan: wenn dieses geschiehet, dringet das Wassser dadurch, wo die Lufft hinein gehet. Wenn wir nach diesem Versuche mit der Lufft-Pumpe anstellen werden; so werden sich noch andere Proben an die Hand geben, von denen wir hier noch nichts reden können.
(a) Lettres de Desnoues a Rome 1706. in 8.
(b) Experim. Magdeburg. lib. 3. c. 2. f. 73.
(c) ibid. c. 2. f. 77.
(d) in Technica curiosa lib. I. p. 8 & seqq.
(e) Experim. Magdeburg. lib 3. c. 4. f. 75.
(f) lib. I. c. 28. p. 74.
(g) lib. 2. c. 2. p. 98.
§. 68. (a) Dieses ist An. 1721. geschrieben worden.
(Wolff, Bd. 1, 107-129)
KRAML, P. Amand 2006: Der Sternwarte von Kremsmünster erster Direktor P. Plazidus Fixlmillner, in: Technik : gesammelte Aspekte des Fortschritts ; [Katalog zur Ausstellung: "Technik. Entdecke eine Sammlung" der Oberösterreichischen Landesmuseen im Schlossmuseum Linz vom 21. Juni 2006 bis 7. Jänner 2007], Hrsg. von Ute Streitt u.a., Weitra, 53-62
WOLFF, Christian 1745: Allerhand nützliche Versuche, dadurch zu genauer Erkänntniß der Natur und Kunst der Weg gebähnet wird, denen Liebhabern der Wahrheit mitgetheilet von Christian Wolffen, 3 Bd. Halle.

References: § 62

§ 63

§ 64

§ 65

§ 66

§ 67

§ 68

§ 69

§ 70

§ 71

§ 72