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Timestamp: 2020-02-18 18:38:08+00:00

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BGH, 24.09.1987 - III ZR 187/86 - dejure.org
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BGH, 24.09.1987 - III ZR 187/86 (https://dejure.org/1987,13)
BGH, Entscheidung vom 24.09.1987 - III ZR 187/86 (https://dejure.org/1987,13)
BGH, Entscheidung vom 24. September 1987 - III ZR 187/86 (https://dejure.org/1987,13)
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Vollstreckungsbescheid aufgrund Wucherkredits
§ 796 Abs. 2 ZPO, materielle Rechtskraft des Vollstreckungsbescheids;
§ 826 BGB, sittenwidrige Titelerschleichung
Rechtskraft des Vollstreckungsbescheides bei zugrunde liegendem sittenwidrigem Ratenkreditvertrag
Vollstreckungsbescheiden - Materielle Rechtskraft
Durchbrechung der Rechtskraft des Vollstreckungsbescheides aufgrund sittenwidrigen Ratenkreditvertrages bei Erkennbarkeit der fehlenden Schlüssigkeit bei Antragstellung
Zur materiellen Rechtskraft von Vollstreckungsbescheiden
BGHZ 101, 380
NJW-RR 1988, 55 (Ls.)
ZIP 1987, 1305
MDR 1988, 126
WM 1987, 1245
BB 1988, 505
DB 1987, 2304
Rpfleger 1987, 462
Eine Durchbrechung der Rechtskraft wird nur angenommen, wenn es mit dem Gerechtigkeitsgedanken schlechterdings unvereinbar wäre, dass der Titelgläubiger seine formelle Rechtsstellung unter Missachtung der materiellen Rechtslage zu Lasten des Schuldners ausnutzt (BGH, 24.9.1987, III ZR 187/86).
Deshalb müssen außer der Kenntnis des Gläubigers von der materiellen Unrichtigkeit des Titels noch weitere Umstände hinzukommen, die die Art der Erlangung des Titels oder die Ausnutzung der Vollstreckung betreffen und es geboten erscheinen lassen, daß der Gläubiger die ihm nach materiellem Recht unverdient zugefallene Rechtsposition aufgibt (BGHZ 101, 380, 385;… BGH, Urt. v. 9. Februar 1999, aaO).
b) Solche besonderen Umstände hat die höchstrichterliche Rechtsprechung bejaht, wenn der Gläubiger für die Ansprüche aus einem sittenwidrigen Ratenkreditvertrag einen Vollstreckungsbescheid erwirkt hatte, obwohl er hätte erkennen können, daß er bei Wahl des Klageverfahrens mit seinem Anspruch schon deshalb gescheitert wäre, weil die gerichtliche Schlüssigkeitsprüfung die Sittenwidrigkeit des Vertrages offenbart hätte (vgl. BGHZ 101, 380, 387), und darüber hinaus der Schuldner damals aus Unerfahrenheit oder Ungewandtheit den Vollstreckungsbescheid hatte rechtskräftig werden lassen, sich also gegen den Anspruch nicht verteidigt hatte.
Dies kommt allenfalls dann in Betracht, wenn die materielle Unrichtigkeit des Titels aufgrund der Sittenwidrigkeit des Vertrages der Parteien so eindeutig und schwerwiegend ist, daß allein schon deswegen jede Vollstreckung das Rechtsgefühl in schlechthin unerträglicher Weise verletzen würde (BGHZ 101, 380, 386).
Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (Urteil vom 24. September 1987 - III ZR 187/86 = BGHZ 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86];… weitere Nachweise im Urteil vom 15. Dezember 1988 - III ZR 195/87 = LM BGB § 826 Fa Nr. 33 = BGHR BGB § 826 Rechtskraftdurchbrechung 6; ferner Urteile vom 3. November 1988 - III ZR 152/87 = WM 1989, 169 und vom 13. Juli 1989 - III ZR 78/88) sind Vollstreckungsbescheide der materiellen Rechtskraft fähig; Einwendungen gegen den Anspruch unterliegen den Einschränkungen des § 796 Abs. 2 ZPO.
Das Berufungsgericht ist der Entscheidung BGHZ 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] (= NJW 1987, 3256) ausdrücklich nicht gefolgt.
Die in dem Urteil BGHZ 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] entwickelte Lösung knüpft an die über Jahrzehnte hinweg gefestigte höchstrichterliche Rechtsprechung zu § 826 BGB an und läßt unter Weiterführung dieser Rechtsprechung eine Durchbrechung der Rechtskraft von Vollstreckungsbescheiden über Ansprüche aus sittenwidrigen Ratenkreditverträgen in den Fällen zu, in denen gerade die Besonderheiten des Mahnverfahrens dazu geführt haben, daß der Gläubiger für einen materiell nicht gerechtfertigten Anspruch einen rechtskräftigen Vollstreckungstitel gegen seinen Schuldner erwirken konnte.
Dem kann aus Rechtsgründen nicht beigetreten werden, wie der erkennende Senat unter Hinweis auf die vom Gesetzgeber in § 796 Abs. 2 ZPO getroffene Regelung in der Entscheidung BGHZ 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] bereits im einzelnen ausgeführt hat (…vgl. insbesondere a.a.O. S. 382 f., 385 ff.).
Für den Streitfall ergibt die Anwendung der in dem Urteil BGHZ 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] aufgestellten Rechtsgrundsätze folgendes:.
Der von der Beklagten am 11. März 1982 gegen den Kläger erwirkte Vollstreckungsbescheid erscheint zwar aus heutiger Sicht als inhaltlich unrichtig (vgl. insoweit Senatsurteil BGHZ 101, 380, 384 f. [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] zu II 3 a).
Das Berufungsgericht hat bei der Prüfung der Wirksamkeit des Vertrages im Rahmen der nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs erforderlichen Gesamtwürdigung aller Geschäftsumstände (vgl. Senatsurteil BGHZ 80, 153; 98, 174 [BGH 10.07.1986 - III ZR 133/85]; 99, 333 [BGH 15.01.1987 - III ZR 217/85]; 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86]und ständig) ohne Rechtsirrtum dem Verhältnis zwischen Vertrags- und Marktzins wesentliche Bedeutung beigemessen.
Kenntnis von der materiellen Unrichtigkeit ihres Vollstreckungstitels hat die Beklagte zumindest durch die Ausführungen der Vorinstanzen zu § 138 Abs. 1 BGB erlangt (vgl. insoweit Senatsurteil BGHZ 101, 380, 385 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] zu II 3 b).
Gleichwohl ist das Unterlassungsbegehren des Klägers nur teilweise gerechtfertigt; denn die besonderen Umstände, die nach der erwähnten Senatsrechtsprechung hinzukommen müssen, um eine Vollstreckung aus dem materiell unrichtigen Vollstreckungsbescheid nach § 826 BGB als sittenwidrig erscheinen zu lassen (vgl. Senatsurteil BGHZ 101, 380, 385 ff. [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] zu II 3 c), liegen im Streitfall nur für einen Teil des titulierten Anspruchs vor.
Erst in seinem Urteil vom 2. Oktober 1986 (…III ZR 163/85 = BGHR BGB § 138 Abs. 1 Ratenkredit 6 = NJW 1987, 181) hat der Senat klargestellt, daß auch offen im Vertrag ausgewiesene Vermittlerkosten in der Regel nur in die Berechnung des Vertragszinses, nicht aber des Marktzinses einzubeziehen sind (BGHZ 101, 380, 391 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86]/392).
Ein Extremfall, bei dem von dem Erfordernis zusätzlicher besonderer Umstände ausnahmsweise abgesehen werden kann (vgl. BGHZ 101, 380, 386) [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86], liegt nicht vor.
Wie der erkennende Senat in dem Urteil BGHZ 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] bereits entschieden hat (…a.a.O. S. 392/393), erscheint insoweit, weil beim Konsumentenkredit gerade der Zinsberechnung erhebliche Bedeutung zukommt und der Gläubiger aufgrund eines insgesamt sittenwidrigen Vertrages vorgeht, eine auf die Zinsberechnung beschränkte Anwendung des § 826 BGB geboten.
Der von der Beklagten am 12. August 1986 gegen den Kläger erwirkte Vollstreckungsbescheid erscheint zwar aus heutiger Sicht als inhaltlich unrichtig (vgl. insoweit Senatsurteil BGHZ 101, 380, 384 f. [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] zu II 3 a).
Gleichwohl ist das Unterlassungsbegehren des Klägers nicht gerechtfertigt; denn die besonderen Umstände, die nach der erwähnten Senatsrechtsprechung hinzutreten müssen, um eine Vollstreckung aus dem materiell unrichtigen Vollstreckungsbescheid nach § 826 BGB als sittenwidrig erscheinen zu lassen (vgl. Senatsurteil BGHZ 101, 380, 385 ff. [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] zu II 3 c), liegen im Streitfall nicht vor.
Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (BGHZ 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] und ständig; zuletzt Urteile vom 2. November 1989 - III ZR 144/88 …und vom 16. November 1989 - III ZR 162/88 m.w.Nachw., zur Veröffentlichung in BGHR vorgesehen) sind Vollstreckungsbescheide der materiellen Rechtskraft fähig; Einwendungen gegen den Anspruch unterliegen den Einschränkungen des § 796 Abs. 2 ZPO.
Die von der Beklagten am 7. November 1979 gegen die Kläger erwirkten Vollstreckungsbescheide erscheinen aus heutiger Sicht als inhaltlich unrichtig (vgl. insoweit Senatsurteil BGHZ 101, 380, 384 f. [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] zu II 3 a).
Das Berufungsgericht hat bei der Prüfung der Wirksamkeit des Vertrags im Rahmen der nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs erforderlichen Gesamtwürdigung aller Geschäftsumstände (vgl. Senatsurteile BGHZ 80, 153; 98, 174 [BGH 10.07.1986 - III ZR 133/85]; 99, 333 [BGH 15.01.1987 - III ZR 217/85]; 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86]und ständig) ohne Rechtsirrtum dem Verhältnis zwischen Vertrags- und Marktzins wesentliche Bedeutung beigemessen.
Kenntnis von der materiellen Unrichtigkeit ihrer Vollstreckungstitel hat die Beklagte zumindest durch die Ausführungen des Berufungsgerichts zu § 138 Abs. 1 BGB erlangt (vgl. insoweit Senatsurteil BGHZ 101, 380, 385 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] zu II 3 b).
Die besonderen Umstände, die nach der erwähnten Senatsrechtsprechung hinzutreten müssen, um eine Vollstreckung aus den materiell unrichtigen Vollstreckungsbescheiden nach § 826 BGB als sittenwidrig erscheinen zu lassen (vgl. Senatsurteil BGHZ 101, 380, 385 ff. [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] zu II 3 c), liegen im Streitfall vor.
Wie der erkennende Senat in dem Urteil BGHZ 101, 380, 388 f. [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86] ausgeführt hat, durfte eine Bank, die Konsumentenkreditverträge abgeschlossen hat, die nach heutiger Rechtsprechung bereits zur Zeit des Vertragsabschlusses die Voraussetzungen des § 138 Abs. 1 BGB erfüllten, nie darauf vertrauen, daß die höchstrichterliche Rechtsprechung solche Verträge materiell-rechtlich billigen würde (vgl. auch Senatsurteil vom 10. Juli 1986 - III ZR 47/85 = BGHWarn 1986 Nr. 239 = WM 1986, 1017 zu I 2).
Es lag nicht etwa so (vgl. Senatsurteil BGHZ 101, 380, 388 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86]/389), daß die Instanzgerichte erst in der Folgezeit höchstrichterlich entwickelte Grundsätze noch nicht anwandten.
Wenn einzelne Instanzgerichte, wie die Beklagte geltend macht, die veröffentlichte höchstrichterliche Rechtsprechung zur Sittenwidrigkeit von Konsumentenkreditverträgen noch nicht berücksichtigt haben sollten (s. insoweit auch Senatsurteil vom 30. Juni 1983 - III ZR 114/82 = BGHWarn 1983 Nr. 213 = NJW 1983, 2692, 2693 [BGH 30.06.1983 - III ZR 114/82] zu II 2 a.E.), kann die Beklagte daraus mangels schutzwürdigen Vertrauens nichts für sich herleiten (vgl. Senatsurteil BGHZ 101, 380, 389) [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86].
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References: § 796

§ 826
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 § 138
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