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Timestamp: 2016-12-06 21:49:24+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 7 RAr 112/75
Arbeitslosenversicherung, Sperrzeit
Bun­des­so­zi­al­ge­richt - 7 RAr 112/75 -
Pro­zeßbe­vollmäch­tig­te: ge­gen
Der 7. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat am 20. April 1977 oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung für Recht er­kannt:
Gründe: Die Kläge­rin leb­te mit ih­rem 1963 ge­bo­re­nen Sohn in Ko­blenz und ar­bei­te­te dort als Verkäufe­r­in in ei­nem Le­bens­mit­tel­geschäft bei ei­ner re­gelmäßigen Ar­beits­zeit von wöchent­lich 30 St­un­den. Am 15. Fe­bru­ar 1974 kündig­te sie ihr Ar­beits­verhält­nis zum 30. April 1974. Sie woll­te zu ih­rem späte­ren Ehe­mann zie­hen, der mit sei­nen bei­den 16 und 17 Jah­re al­ten Kin­dern in Bad Neue­nahr wohn­te. Die Hei­rat fand am 20. Au­gust 1974 statt. Am 22. April 1974 sprach die Kläge­rin erst­mals beim Ar­beits­amt May­en we­gen ei­ner An­schlußbeschäfti­gung vor. Sie mel­de­te sich am 2. Mai 1974 ar­beits­los und be­an­trag­te Ar­beits­lo­sen­geld (Alg). Da­bei gab sie an, we­gen Ver­sor­gung des nun­mehr aus fünf Per­so­nen be­ste­hen­den Haus­halts könne sie le­dig­lich fünf St­un­den täglich von 8.0o bis 13.00 Uhr ar­bei­ten.
- 6 - Den bis­he­ri­gen. Fest­stel­lun­gen des LSG läßt sich wei­ter­hin nicht ein­deu­tig ent­neh­men, ob die Kläge­rin für ihr Ver­hal­ten ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 119 Abs. 1 AFG ge­habt hat. Nach der vom LSG erwähn­ten Recht­spre­chung des Se­nats zu § 80 des Ge­set­zes über Ar­beits­ver­mitt­lung und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung (AVAVG) ist ein wich­ti­ger Grund ge­ge­ben, wenn Umstände vor­lie­gen, die nach verständi­gem Er­mes­sen dem Ar­beits­lo­sen die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr zu­mut­bar er­schei­nen las­sen, weil sonst das In­ter­es­se des Kündi­gen­den in un­bil­li­ger Wei­se geschädigt würde (BS­GE 21, 205, 206). Der wich­ti­ge Grund in die­sem Sin­ne muß nicht nur für ei­ne frist­lo­se Kündi­gung vor­lie­gen. Viel­mehr er­faßt der Tat­be­stand des § 119 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AFG auch die or­dent­li­che Kündi­gung. Der Ar­beits­lo­se ent­geht bei or­dent­li­cher Kündi­gung und da­durch vorsätz­lich oder grob­fahrlässig be­wirk­ter Ar­beits­lo­sig­keit ei­ner Sperr­zeit nur, wenn er ei­nen wich­ti­gen Grund hat­te. Bei or­dent­li­cher Kündi­gung, ins­be­son­de­re aber bei frist­lo­ser Kündi­gung, muß der wich­ti­ge Grund auch den Zeit­punkt der Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses de­cken, d.h., der Ar­beits­lo­se muß ei­nen wich­ti­gen Grund dafür ha­ben, daß er das Ar­beits­verhält­nis zu dem be­stimm­ten von ihm gewähl­ten Zeit­punkt auflöst.
- 7 - iS des § 80 Abs. 1 AVAVG (vgl. da­zu ins­be­son­de­re BS­GE 21, 206) auch für den "wich­ti­gen Grund" iS des § 119 Abs. 1 AFG zu­trifft, je­doch hält er nicht mehr an der Auf­fas­sung fest, daß die Ar­beits­auf­ga­be zur Her­stel­lung oder Wie­der­her­stel­lung der ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft al­lein kein wich­ti­ger Grund im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist. Wenn auch grundsätz­lich bei der Be­ur­tei­lung des "wich­ti­gen Grun­des" ei­ne Abwägung der In­ter­es­sen des ein­zel­nen mit de­nen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft vor­zu­neh­men ist, so darf nicht über­se­hen wer­den, daß der Schutz von Ehe und Fa­mi­lie Ver­fas­sungs­rang (Art. 6 des Grund­ge­set­zes -GG-) hat und die Ehe­leu­te zur Her­stel­lung der ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft ver­pflich­tet sind. Der in der Ent­schei­dung des Se­nats vom 17. Ju­li 1964 (BS­GE 21, 205) zum Aus­druck ge­kom­me­ne Ge­dan­ke, ei­ne stren­ge Be­ur­tei­lung sei ge­bo­ten, um Ma­ni­pu­la­tio­nen vor­zu­beu­gen, er­scheint je­den­falls für die Fra­ge der or­dent­li­chen Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, um die ehe­li­che Le­bens­ge­mein­schaft her­zu­stel­len, nicht durch­grei­fend; es ist je­den­falls nur schwer denk­bar, daß ein Ar­beit­neh­mer die Ehe schließt, um da­durch ei­nen wich­ti­gen Grund zur Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ha­ben und oh­ne Auf­er­le­gung ei­ner Sperr­zeit Alg be­zie­hen zu können. Wird das Ar­beits­verhält­nis we­gen ei­nes an­de­ren Grun­des gekündigt und wird der Ar­beit­neh­mer da­durch ar­beits­los, daß er kei­nen An­schlußar­beits­platz erhält oder im Zeit­punkt der Kündi­gung kei­ne kon­kre­ten Aus­sich­ten auf ei­nen An­schlußar­beits­platz hat, so können die in den o.a, Ent­schei­dun­gen auf­ge­stell­ten Grundsätze in je­dem Fal­le Ma­ni­pu­la­tio­nen vor­beu­gen. Der Ge­san­ke, daß ein Ar­beit­neh­mer - im In­ter­es­se der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft - bei ei­ner Ehe­sch­ließung die Her­stel­lung der ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft not­falls hin­aus­schie­ben müsse, stellt kein ge­eig­ne­tes Mit­tel dar, um den "wich­ti­gen Grund" iS des § 119 Abs. 1 AFG zu ob­jek­ti­vie­ren. Es ist zwar rich­tig, daß bei des­sen Be­ur­tei­lung letzt­lich der Ein­zel­fall ent­schei­dend ist; ei­ne zeit­li­che Ab­gren­zung, nach der es dem Ar­beit­neh­mer er­laubt wäre, oh­ne Sperr­zeit das Ar­beits­verhält­nis zur Her­stel­lung der ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft zu kündi­gen, müßte ge­ra­de bei der Be­trach­tung des Ein­zel­fal­les da­zu führen, daß die
zu­gleich für Rich­ter am Bun­des­so­zi­al­ge­richt , der we­gen Er­kran­kung ver­hin­dert ist, sei­ne Un­ter­schrift bei­zufügen.	m.hensche.de
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References: § 119
 § 80
 § 119
 § 80
 § 119
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