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1 V. RÜCKVERSICHERUNG 1 V. RÜCKVERSICHERUNG V. RÜCKVERSICHERUNG... 1 V. RÜCKVERSICHERUNG Einleitung Risk Management einer Versicherungsunternehmung Definition von Rückversicherung Die Aufgaben der Rückversicherungsunternehmungen Rechtliche Rahmenbedingungen Die Geschichte der Rückversicherung Der Rückversicherungsmarkt Die Marktteilnehmer Das Marktvolumen Klassifikation der Rückversicherungsverträge Überblick Vertragsrechtliche Kategorien Charakteristika der Rückversicherungsverträge Vertragsabschluss Vertragsklauseln Vertragsdurchführung Vertragsdauer Proportionale Rückversicherung Grundlagen Arten der proportionalen Rückversicherung Preisbestimmung Nicht-proportionale Rückversicherung Grundlagen Arten von nicht-proportionaler Rückversicherung Prämienbestimmung für die nicht-proportionale Rückversicherung Retrozessionen Alternativer Risikotransfer (ART) Überblick Einführung ART-Produkte2 V. RÜCKVERSICHERUNG 2 V. RÜCKVERSICHERUNG 1 1. Einleitung 1.1. Risk Management einer Versicherungsunternehmung 1) Versicherungsunternehmungen sind - wie wir weiter oben im Kapitel über Risk Management ausführten - Risiken in doppelter Hinsicht ausgesetzt. Zum einen sind sie wie jede Unternehmung den unternehmerischen Risiken ausgesetzt. Unter dieser Rubrik werden alle Risiken zusammengefasst, die einerseits auf unternehmerische Fehlentscheidungen zurückzuführen sind oder andererseits auf Verschlechterungen der Umweltbedingungen. Zum anderen sind Versicherungsunternehmungen spezifischen versicherungstechnischen Risiken ausgesetzt, die darauf zurückzuführen sind, dass ihre Kerntätigkeit darin besteht, Risiken von anderen Wirtschaftssubjekten zu übernehmen bzw. für diese zu versichern. 2) Bezogen auf die Bestimmung der Prämien und Rückstellungen wird für diese Risiken klassischer Weise folgende Dreiteilung vorgenommen: Das Zufallsrisiko besteht darin, dass die tatsächlichen Schäden höher sind als die gemäss Modell erwarteten, auch wenn das Modell die Realität korrekt abbildet. Dieses Risiko ist darauf zurückzuführen, dass die Höhe der tatsächlichen Schäden eine Zufallsvariable ist. Als Diagnoserisiko wird das Risiko bezeichnet, dass aus dem vorhandenen statistischen Material falsche Schlüsse gezogen werden, die die Grundlage für das versicherungsmathematische Modell oder die verwendeten Parameter bilden. Dies kann einerseits auf fehlerhaftes Datenmaterial oder Fehler in den Berechnungen zurückzuführen sein; andererseits können solche Modellfehler aber auch dadurch entstehen, dass die abgeleiteten Aussagen - obwohl keine "Rechenfehler" begangen wurden - stets nur mit gewissen 1 Die folgenden Ausführungen stützen sich auf: M. Grossmann, Rückversicherung - eine Einführung, Bern Ch. Pfeiffer, Einführung in die Rückversicherung, Wiesbaden, 1994, 4. Auflage. P. Liebwein, Klassische und moderne Formen der Rückversicherung, Karlsruhe 2009, 2. Auflage Ferner ist zu erwähnen: K. Geratewohl u.a., Rückversicherung, Grundlagen und Praxis, 2 Bände, Karlsruhe 1976.3 V. RÜCKVERSICHERUNG 3 Wahrscheinlichkeiten gelten. Anders formuliert heisst das, dass mit positiver Wahrscheinlichkeit die richtig abgeleiteten Modelle bzw. Modellparameter falsch sein können. Das Prognoserisiko schliesslich besteht darin, das die aus dem Datenmaterial der Vergangenheit für die Zukunft abgeleiteten statistischen Zusammenhänge nicht eintreffen. D.h. die Realität verändert sich anders als prognostiziert. Hierbei ist zu beachten, dass dies insbesondere auch für schon abgeschlossene Risiken gilt, sofern die Versicherungen lange Haftungszeiträume beinhalten, wie z.b. für Produkt-Haftpflichtversicherungen oder Rentenversicherungen. Zusätzlich sind Versicherungsunternehmungen zwei Risiken ausgesetzt, die auf asymmetrische Information zurückzuführen sind und von dem Verhalten der Versicherungsnachfrager abhängen: o Adverse Selection: aufgrund von Informationsdefiziten der Versicherungsunternehmung kann der Kunde seine Nachfrage nach Versicherung spezifisch bestimmen (Risiko der objektiven Wahrscheinlichkeiten vor Versicherungsabschluss) o Moral Hazard: aufgrund des Versicherungsabschlusses ändert der Versicherungsnehmer sein Verhalten (Risiko der subjektiven Wahrscheinlichkeiten nach Versicherungsabschluss) 3) Risiken stellen die Möglichkeit dar, dass die Ziele, die sich die Unternehmung gesetzt hat, nicht erreicht werden. Durch die Massnahmen des Risk Managements will sich die Unternehmung gegen solche Zielverfehlungen schützen. Die wesentlichen Massnahmen sind vermeiden, vermindern, versichern, selbst tragen. Im Folgenden werden die Charakteristiken dieser Massnahmen - jedoch beschränkt auf die versicherungstechnischen Risiken - im Sinne einer Wiederholung nochmals knapp umrissen. 4) Risikovermeidung ist dadurch charakterisiert, dass man die entsprechenden Risiken - wie das Wort besagt - vermeidet, d.h. dass man sich ihnen nicht aussetzt. Für eine Versicherungsunternehmung heisst das, dass sie die besagten Risiken nicht versichert. Dies kann sich einerseits auf gewisse Produkte wie z.b. Invaliditätskapitalversicherungen oder eine ganze Branche wie z.b. Produkte-Haftpflicht-4 V. RÜCKVERSICHERUNG 4 versicherungen beziehen oder aber andererseits lediglich auf konkrete Versicherungsanträge (Underwriting). 5) Zur Verminderung der versicherungstechnischen Risiken für eine Versicherungsunternehmung lassen sich die folgenden drei Massnahmenkategorien unterscheiden: korrekte Tarifierung des Risikos, Selbstbeteiligung des Versicherungsnehmers, Aufteilung auf mehrere Mitversicherer. 6) Die typische Form der Risikoübertragung besteht im Abschluss einer Versicherung. Hier tauscht der Versicherungsnehmer ungewisse Belastungen in Form von Schäden gegen sichere Belastungen in Form von Prämienzahlungen. Falls eine Versicherung Risiken weitergibt und sich bei einer anderen Versicherung versichert, spricht man von Rückversicherung. In den folgenden Ausführungen dieses Kapitels werden die wesentlichen Aspekte der Rückversicherung erläutert. Zuvor wollen wir jedoch noch auf eine spezielle Art der Risikoübertragung kurz hinweisen, nämlich auf das Pooling von Risiken. Beim Pooling bringen verschiedene Versicherungsunternehmungen bestimmte Risiken in einen gemeinsamen Pool ein, an dem diese Unternehmungen nach einem bestimmten Schlüssel beteiligt sind. Dem Versicherungsnehmer gegenüber tritt nur eine Versicherungsunternehmung auf, die ihm gegenüber auch voll haftet. Die Risiken werden jedoch nach den Beteiligungsquoten am Pool auf die beteiligten Versicherungsunternehmungen aufgeteilt. Dies betrifft lediglich die Versicherungsunternehmungen; nicht jedoch den Versicherungsnehmer, der oft von diesem Pooling nichts weiss. Für die Versicherungsunternehmungen bietet das Pooling dreierlei Vorteile. Erstens findet eine Risikoübertragung statt, die wegen der Gegenseitigkeit der Beteiligungen zu einer guten Mischung der Risiken führt. Zweitens wird durch das Pooling die Administration spürbar vereinfacht und damit verbilligt. Drittens schliesslich - und das ist ein ganz gewichtiger Vorteil - wird eine umfassende Kontrolle der meist sehr grossen Risiken erheblich vereinfacht bzw. erst überhaupt ermöglicht ( kontrollierte Rückversicherung ).5 V. RÜCKVERSICHERUNG 5 In der Schweizer Versicherungswirtschaft existieren einige Pools; speziell erwähnt seien: Schweizer Elementarschaden-Pool, Schweizer Pool für Luftfahrtversicherungen (in Auflösung), Schweizer Pool für die Versicherung von Nuklearrisiken, Schweizer Pool für die Versicherung von Talsperren-Haftpflichtrisiken. 7) Die Kerntätigkeit einer Versicherungsunternehmung besteht darin, dass sie versicherungstechnische Risiken selbst trägt. Im Rahmen des Risikotransfers übernimmt die Versicherungsunternehmung vom Versicherungsnehmer Risiken. Sie erhält dafür eine Prämie. Im Versicherungsvertrag gibt sie dem Versicherungsnehmer Garantien, dass bei Eintreffen gewisser Ereignisse sie ihrerseits Versicherungsleistungen erbringt. Der Prozess der Risikotransformation ermöglicht der Versicherungsunternehmung das Selbsttragen von Risiken. Hierzu dient z.b. der Risikoausgleich im Kollektiv, in der Zeit oder im Raum. Ferner bieten sich die oben angesprochenen Massnahmen des Risk Managements an, um die Risiken für die Versicherungsunternehmung handhabbar zu machen. Zur Abdeckung eines verbleibenden "Restrisikos" sind ausreichende Eigenmittel oder nicht gebundene Reserven erforderlich (Solvenzkapital). Je nach finanzieller Ausstattung kann eine Versicherungsunternehmung mehr oder weniger Risiken selbst tragen. 8) Diese Massnahmen des Risk Management gelten selbstverständlich auch für Rückversicherungsunternehmungen Definition von Rückversicherung 1) Im Folgenden betrachten wir ausschliesslich die Rückversicherung. Der Brockhaus definiert Rückversicherung wie folgt: "Rückversicherung, Re-Assekuranz, eine Versicherung, bei der ein Versicherer (der Erstversicherer oder Zedent) Teile seines übernommenen Risikos gegen eine Prämienzahlung (Rückversicherungsprämie) an einen anderen Versicherer (den Rückversicherer oder Zessionär) überträgt. Die Rückversicherung wird auch als die Versicherung der Versicherer bezeichnet. Derjenige, der die Rückversicherung anbietet, betreibt die aktive Rückversicherung,6 V. RÜCKVERSICHERUNG 6 derjenige der die Rückversicherung nachfragt, die passive Rückversicherung." 2) Die Definition der Rückversicherung in diesem Sinne ist seit rund zwei Jahrhunderten gültig. So verweist Pfeiffer auf Seite 13 auf eine Definition eines englischen Gerichts aus dem Jahr 1807, nach der die "Rückversicherung eine weitere Versicherung ist, durch eine neue Police abgeschlossen, für dasselbe Risiko, das davor versichert worden war, um den Versicherer zu entschädigen." Nach Pfeiffer sind drei Punkte charakteristisch für die Rückversicherung: a) Rückversicherung ist eine echte (eigenständige) Versicherung. b) Das vom Erstversicherer getragene Risiko, das so genannte Originalrisiko, bildet auch den wesentlichen Gegenstand des Rückversicherungsvertrages. c) Vertragspartner sind Versicherungsunternehmungen; Rechtsbeziehungen zwischen dem Rückversicherer und den Versicherungsnehmern bzgl. des Originalrisikos bestehen grundsätzlich nicht. 3) Durch den dritten Punkt wird der wesentliche Unterschied zur Mitversicherung festgehalten. Bei einer Mitversicherung haftet jeder Mitversicherer entsprechend seiner Beteiligungsquote direkt dem Versicherungsnehmer gegenüber. Die geschäftsführende Gesellschaft hat zusätzlich lediglich organisatorische Befugnisse. Man spricht hier von einer primären Risikoteilung; das Originalrisiko des Versicherungsnehmers wird zwischen mehreren Erstversicherern aufgeteilt. 4) Im Gegensatz dazu wird bei einer Rückversicherung von einer sekundären Risikoteilung gesprochen. Diese kommt im Verhältnis zum Versicherungsnehmer nicht zum Tragen. Hier haftet der Erstversicherer dem Versicherungsnehmer gegenüber voll. Im Rahmen seines Risk Managements kann der Erstversicherer jedoch auf einer zweiten Stufe das eingegangene Risiko mit einem oder mehreren Rückversicherern teilen. Rückversicherer ihrerseits können wiederum Rückversicherungsschutz in Anspruch nehmen; man spricht dann von Retrozession. Bei grossen Risiken kann die Kette der involvierten Rückversicherer sehr lang sein.7 V. RÜCKVERSICHERUNG 7 Für den Nachfrager nach Rückversicherung entsteht hierdurch ein so genanntes Kreditrisiko, das darin besteht, dass der Anbieter von Rückversicherung seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Der Nachfrager nach Rückversicherung haftet nämlich seinen Versicherungsnehmern gegenüber in der von ihm gezeichneten Höhe unabhängig davon, ob sein Rückversicherer seinen Verpflichtungen nachkommt oder nicht. Wegen dieses Kreditrisikos sind in der Schweiz die Rückversicherer neu dem VAG unterstellt worden und zwar insbesondere der Solvenzaufsicht. 5) Betrachtet man die Versicherungswirtschaft als Ganzes, so lassen sich die folgenden typischen Massnahmen bei der Risikotransformation unterscheiden: Risikoausgleich im Kollektiv Versicherungsgesellschaften versuchen, die Risiken dadurch tragbar zu machen, dass sie einen möglichst grossen Bestand an homogenen und voneinander möglichst unabhängigen Risiken versichern. Aufgrund des Gesetzes der grossen Zahl werden solche Bestände für die Versicherungsunternehmungen versicherbar. Risikoausgleich im Raum Eine erste natürliche Ergänzung des Risikoausgleichs im Kollektiv stellt der Risikoausgleich im Raum dar. Man versucht hier, durch regionale, d.h. oft internationale Diversifikation sich besser gegen die versicherungstechnischen Risiken zu schützen. Man kann dies auch als räumliche Erweiterung des Kollektivs interpretieren. Risikoausgleich in der Zeit Eine zweite Ergänzung stellt der Risikoausgleich in der Zeit dar. Hier wird eine neue Dimension eröffnet. Durch Reservenbildung in so genannten "guten Jahren" lassen sich hohe Schäden aus so genannten "schlechten Jahren" decken. Voraussetzung hierfür sind finanzielle Medien, mit denen sich der intertemporale finanzielle Ausgleich bewerkstelligen lässt. Probleme stellen sich hier insbesondere in Aufbauphasen, in denen die Reserven akkumuliert werden müssen. Man beachte jedoch, dass in US GAAP und IFRS4 das Halten von Schwankungsreserve oder Katastrophenreserven verboten ist im Gegensatz zur Schweizer Rechnungslegung; in US GAAP und IFRS4 werden solche statutarischen Reserven als Eigenkapital ausgewiesen. "Atomisierung" der Risiken Durch wiederholte Risikoteilung mittels Rückversicherung lassen sich auch grosse Risiken auf so viele Versicherungsunter-8 V. RÜCKVERSICHERUNG 8 nehmungen aufteilen, dass für die einzelne Versicherungsunternehmung nur noch ein relativ kleiner Teil übrig bleibt, den sie zu übernehmen in der Lage ist. Durch die so vorgenommene "Atomisierung" der Risiken ist die weltweite Versicherungswirtschaft als Ganzes in der Lage, enorme finanzielle Risiken zu versichern. (Problem: Kumulrisiko, vgl. Retrozessionen) 1.3. Die Aufgaben der Rückversicherungsunternehmungen Bei der Abwicklung dieses mittlerweile weltweiten Risikotransformationsprozesses übernehmen die Rückversicherungsunternehmungen folgende drei Aufgaben: Rückversicherungsunternehmungen als Risikoträger, Rückversicherungsunternehmungen als Servicestelle, Rückversicherungsunternehmungen als Financiers Rückversicherungsunternehmungen als Risikoträger Die Kerntätigkeit von Rückversicherungsunternehmungen besteht in der Übernahme von Risiken. Durch diese sekundäre Risikoteilung zwischen Erstversicherer und Rückversicherer wird der Erstversicherer erst in die Lage versetzt, grosse Risiken von den Versicherungsnehmern zu übernehmen. Ein wesentliches Hilfsmittel, das den Rückversicherer hierzu in die Lage versetzt, ist die Weitergabe von Risiken an weitere Rückversicherer. Durch diese so genannte "Atomisierung" der Risiken wird eine möglichst breite Verteilung der Risiken angestrebt. Dennoch verbleiben letztendlich Risiken, die von den Rückversicherungsunternehmungen selbst zu tragen sind Rückversicherungsunternehmungen als Servicestellen Da Rückversicherungsunternehmungen meist weltweit und in allen Branchen tätig sind, akkumuliert sich bei ihnen enorm viel Wissen, was sie im Sinne von Serviceleistungen ihren Kunden zur Verfügung stellen. Durch diesen Know-how-Transfer gelingt es ihnen, enge, meist sehr langfristig angelegte Kundenbeziehungen aufzubauen und zu pflegen. Die aufgrund dieser Kundenbeziehungen gemachten Erfahrungen führen in Form eines Rückkoppelungseffektes zu einem weiteren Anstieg des Know-hows bei den Rückversicherungsunternehmungen. (Dies ist vergleichbar mit weltweit operierenden Beratungsfirmen wie z.b. McKinsey)9 V. RÜCKVERSICHERUNG 9 Im Einzelnen verweist Grossmann auf Seite 29 auf folgende Punkte, in denen die Rückversicherungsunternehmungen Serviceleistungen anbieten: Erteilung von Auskünften über die Lage bestimmter Versicherungsmärkte, die dort geltende Versicherungsaufsichtsgesetzgebung und -praxis usw. Laufende Orientierung über aktuelle versicherungstechnische, volkswirtschaftliche, rechtliche und wissenschaftliche Fragen in Gestalt eines Presseauszugs- und Studiendienstes (z.b. Sigma Hefte der Swiss Re). Versicherungstechnische Beratung insbesondere in Fragen der Versicherbarkeit von Risiken und der Tarifierung von Risiken, allenfalls in Gestalt konkreter Tarifierungsvorschläge (mit oder ohne Einsatz von Computerprogrammen). Schadendienstberatung, namentlich bei Vorliegen von komplizierten Schadenfällen oder von Schadenfällen aus Spezialsparten, welche besondere Fachkenntnisse verlangen. Beratung in Fragen der Schadenverhütung. Beratung in Fragen der Organisation, der Verwendung von Datenverarbeitungsanlagen, der Reduktion von Verwaltungskosten usw. Vorübergehende Bereitstellung von Fachpersonal und Experten. Mithilfe bei der Schulung des Personals des Erstversicherers, allenfalls in Form von besonderen Seminarien. Ergänzend ist zu erwähnen: Beratung beim Underwriting bzw. Durchführung des Underwriting insbesondere bei komplizierten Fällen; Entwicklung und Verkauf von spezieller Underwriting-Software. Die Erstversicherer können diese spezialisierten Dienstleistungen teilweise nicht selbst erbringen oder wollen es auch nicht, da dies nicht zu konkurrenzfähigen Kosten für sie möglich wäre. Das Outsourcing erweist sich hier oft als günstiger; dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Versicherungsunternehmungen.10 V. RÜCKVERSICHERUNG Rückversicherungsunternehmungen als Financier Durch geeignet ausgestaltete Rückversicherungsverträge kann eine Rückversicherungsunternehmung Finanzierungshilfen für Erstversicherer leisten. Hierbei sind namentlich zwei Funktionen zu erwähnen. Zum einen können beim Aufbau von neuen Versicherungsportefeuilles die oft enormen Aufbauinvestitionen teilweise an den Rückversicherer weitergegeben werden. Zum anderen lassen sich durch Rückversicherungsverträge die finanziellen Lasten im Zusammenhang mit behördlichen Auflagen wie Solvabilitätsvorschriften und dergleichen für den Erstversicherer reduzieren (man bezeichnet das als Regulierungs-Arbitrage). Als Beispiel sei der Verkauf oder die Belehnung des Value of Business in Force erwähnt. Innerhalb von Versicherungskonzernen kommt diesem Aspekt besondere Bedeutung zu. Konzerninterne Rückversicherung kann zum einen zur Erledigung der beiden obigen Aufgaben genutzt werden; zum anderen ist sie jedoch ein ideales Instrument zur konzerninternen Gewinnverschiebung. Hierdurch kann beispielsweise die Steuerbelastung optimiert werden oder die Verfügbarkeit von Gewinnen. Letzteres gilt insbesondere für Lebensversicherungsunternehmungen die Töchter von Nicht-Lebensversicherungsunternehmungen sind. Zusätzlich ist zu beachten, dass durch die konzerninterne Rückversicherung die Rückversicherungsquote eines Konzerns erheblich gesenkt werden kann, was zu spürbaren Einsparungen führen kann Rechtliche Rahmenbedingungen Im krassen Gegensatz zur Erstversicherung, die in den meisten Ländern bis jetzt oder bis vor kurzem zum Teil recht strengen rechtlichen Reglementierungen unterlag bzw. unterliegt, geniesst die Rückversicherung weltweit grosse rechtliche Freiräume. Dies führte dazu, dass der so genannte "Rückversicherungsbrauch" weitgehend massgebend ist. Hiermit werden die Usanzen umschrieben, die sich im Laufe der Zeit als Gewohnheitsrecht etabliert haben. Prägend hierfür sind einerseits Techniken zur Abwicklung des Rückversicherungsgeschäftes und andererseits Verhaltensweisen nach Treu und Glauben, Vertrauen sowie Fairness. So sind in den meisten Ländern die Versicherungsvertragsgesetze nicht auf die Rückversicherung anzuwenden. Durch diese Gesetze werden spezielle rechtliche Rahmenbedingungen für die Versicherungsverträge zwischen Erstversicherern und Versicherungsnehmern geschaffen. Für die Vertragsverhältnisse zwischen Versicherern und11 V. RÜCKVERSICHERUNG 11 Rückversicherern werden solche Spezialvorschriften für nicht erforderlich gehalten. Als Motiv für die rechtliche Regelungsdichte des Erstversicherungsgeschäftes wird oft der Konsumentenschutz angeführt, da die beiden Vertragspartner als ungleich angesehen werden. Im Bereich der Rückversicherung entfällt dieses Argument. Grundlage für die rechtliche Beziehung zwischen Erstversicherer und Rückversicherer ist der Rückversicherungsvertrag, der zwischen diesen beiden Partnern frei ausgehandelt werden kann. Rückversicherungsverträge unterstehen selbstverständlich dem öffentlichen und privaten Recht. Hierdurch werden jedoch in der Regel nur allgemeingültige Tatbestände erfasst; die Spezifika der Rückversicherung folgen dagegen dem Rückversicherungsbrauch. Nach der neuen Version des VAG, die am in Kraft getreten ist, unterstehen neu auch die Rückversicherungen in der Schweiz der Versicherungsaufsicht; dies gilt insbesondere für die Solvenzaufsicht wegen des Kreditrisikos, das durch einen Rückversicherungsvertrag für der Nachfrager entsteht Die Geschichte der Rückversicherung 1) Der älteste überlieferte Rückversicherungsvertrag datiert aus dem Jahr 1370 und wurde in Genua aufgesetzt. Er entstammt also den oberitalienischen Handels- und Seestädten, die die Grundlage legten für den gewerbsmässigen Betrieb von Erstversicherungen mit dem Ziel, Gewinn zu erzielen. Gegenstand dieser Versicherungen waren zumeist See- oder Transportversicherungen von Handelsware. Im Gefolge hiervon wuchs auch ein Bedarf an Rückversicherung. In diesem Anfangsstadium wurde oft das ganze Risiko vom Erstversicherer auf den Rückversicherer überwälzt.12 V. RÜCKVERSICHERUNG 12 Im Zusammenhang mit dieser 100 %-igen Rückversicherung führten Auswüchse in Form von so genannten Prämiendifferenzgeschäften zu massiven Rückschlägen für die Rückversicherungsbranche; bei diesen Geschäften lag die Rückversicherungsprämie erheblich unter der Erstversicherungsprämie, obwohl meist das ganze Risiko weitergegeben wurde. Auf diese Missstände ist beispielsweise das Verbot für Seerückversicherung in England für die Zeit von 1746 bis 1864 zurückzuführen. Dieses Verbot legte jedoch die Grundlage für den Aufstieg von Lloyd's. Bei dieser "Versicherungs-Institution" fand früher eine primäre Risikoteilung über Mitversicherer statt, so dass auch ohne explizite Rückversicherung grosse Risiken übernommen werden konnten. (Vollständige Weitergabe von Risiken im Subprime Hypothekenmarkt in den USA ist meiner Meinung nach mit ein Grund für die Finanzkrise 2007/9.) In Kontinentaleuropa, das von einem solchen Verbot verschont blieb, entwickelte sich die Rückversicherung recht beachtlich aufgrund der immer grösser werdenden Risiken, die die Erstversicherer im Laufe der einsetzenden Industrialisierung zu versichern hatten. Im Jahr 1846 wurde die erste, nur die Rückversicherung betreibende Unternehmung gegründet, die "Kölnische Rückversicherungs-Gesellschaft"; aufgrund politischer Unruhen (1848) konnte sie jedoch ihre Geschäftstätigkeit erst 1852 aufnehmen. Elf Jahre später wurde 1863 in Zürich die "Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft" von der "Helvetia Allgemeinen Versicherung" in St. Gallen, der Schweizerischen Kreditanstalt und der Basler Handelsbank gegründet. Die "Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft" wurde im Jahr 1880 in München gegründet. 2) Die Rückversicherung war gemäss Grossmann von dieser Gründerzeit bis zum zweiten Weltkrieg geprägt einerseits vom "Rückversicherungsbeamten", der sich als Praktiker in der Erst- oder Rückversicherung von Stufe zu Stufe emporgearbeitet hatte und eine weitgehend auf Erfahrung und Tradition beruhende Rückversicherungstechnik gewissenhaft und zuverlässig verwaltete. Andererseits lag dagegen "die oberste Leitung der Rückversicherungs- Gesellschaften sehr oft in den Händen von genialen Unternehmernaturen...". Hierdurch und durch die noch kleine Anzahl der Geschäftsbeziehungen bedingt "wickelten sich die Geschäftsbeziehungen noch vorwiegend im Stile persönlicher Freundschaften ab" (vgl. Grossmann Seite 12). 3) Die Entwicklung seit dem zweiten Weltkrieg charakterisiert Grossmann im Jahr 1977 mit folgenden Punkten (vgl. Seite 13):13 V. RÜCKVERSICHERUNG 13 Moderne Organisations-, Arbeits- und Planungsmethoden halten ihren Einzug auch in der Rückversicherung. Die in beinahe allen Bereichen festzustellende "Verwissenschaftlichung" der praktischen Geschäftstätigkeit erstreckt sich auch auf die Rückversicherung und hat eine grundlegende Änderung der Rückversicherungs-Technik und -Politik zur Folge. Damit im Zusammenhang steht eine gewisse Versachlichung der Beziehungen zwischen Erst- und Rückversicherer. Der Kreis der als Erstversicherungsmärkte für den Rückversicherer in Betracht fallenden Länder hat sich enorm ausgeweitet und umfasst heute praktisch die ganze Welt; gleichzeitig hat sich auch die Zahl der als potentielle Kunden in Betracht fallenden Erstversicherer stark erhöht. Der Rückversicherungs-Markt wird in den Unfall- und Haftpflichtbranchen weitgehend vom allerdings Problem beladenen Schaden- Exzedentenvertrag beherrscht. Neue Rückversicherungs-Träger in der Gestalt von staatlichen oder halbstaatlichen Monopolanstalten werden in manchen Entwicklungsländern gegründet und verändern das Bild des internationalen Rückversicherungs-Marktes nicht unwesentlich. Eine Änderung der Märkte ergibt sich auch durch die Erst- und Rückversicherer erfassende Fusionsbewegung. (Je grösser ein Versicherer ist, desto geringer ist seine Nachfrage nach Rückversicherung.) Internationale Organisationen und Staatengruppen mit dem Zweck der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beschäftigen sich, neben den staatlichen Versicherungsaufsichtsbehörden, auch mit den Tätigkeitsbedingungen der Erst- und Rückversicherung. 4) Gemäss Pfeiffer (aus dem Jahr 1994) sind noch folgende Punkte zu ergänzen (vgl. Seite 21 ff): "Zahlreiche Erstversicherer betätigen sich zugleich als Rückversicherer und brachten erhebliche Marktanteile an sich. Obwohl das nichts grundsätzlich Neues bedeutete, hatte sich diese Entwicklung unter dem Druck der Verhältnisse in der Kriegszeit verstärkt, als die traditionellen Rückversicherungsverbindungen zum grossen Teil unterbrochen wurden. Begünstigt durch die damals im Allgemeinen guten Geschäftsergebnisse in der Feuer- und Transportrückversicherung hielt das Bestreben von Erstversicherungsgesell-14 V. RÜCKVERSICHERUNG 14 schaften an, sich Rückversicherungsabteilungen anzugliedern. In jüngster Zeit ist unter dem Eindruck schlechter Ergebnisse und hoher Kapitalerfordernisse ein Rückzug der Erstversicherer aus diesem Teilmarkt festzustellen (Bsp.: Winterthur, Zürich) Das Verlangen nach so genannter Reziprozität (Gegenüberweisungen von Rückversicherungsgeschäft), gefördert durch zunehmende Aktivität von Rückversicherungsmaklern, hatte zwar schon nach dem ersten Weltkrieg eingesetzt, wurde aber nun in allen Zweigen, die Gewinne für den Rückversicherer erwarten liessen, immer ausgeprägter. Auch die professionellen Rückversicherer vermochten sich dem Verlangen nach Reziprozität oft nicht zu entziehen, wenn sie ihm auch stets nur zum Teil entsprechen konnten, weil ihnen bei "voller Reziprozität" kein Gewinn verheissendes Geschäft mehr für eigene Rechnung verblieben wäre. Die Reziprozität spielt heute eine wesentlich geringere Rolle, wird sogar teilweise nicht mehr gewünscht. Risikoreichere Rückversicherungsvertragsformen (Schadenexzedentenverträge), die neben der Gefahr besonders hoher Schäden die Schwierigkeit einer richtigen Prämienberechnung in sich bergen, haben stark an Bedeutung gewonnen und auf manchen Gebieten die proportionalen obligatorischen Verträge zurückgedrängt, die bei höheren Rückversicherungsprämieneinnahmen einen ausgeglichenen Verlauf erwarten lassen. Die stärker als alle anderen Zweige zunehmende proportionale Kraftfahrtversicherung hat das Bestreben der deutschen Rückversicherer, ihre Versicherungsbestände möglichst vielseitig und ausgewogen auch branchenmässig zu mischen, erheblich erschwert und liess das dem konjunkturellen Risiko besonders ausgesetzte Kraftfahrtgeschäft zu Lasten der Sach- und Lebensrückversicherung stark ansteigen. Dieses Geschäft hat heute an Bedeutung stark verloren, stattdessen wird die nichtproportionale Rückversicherung weltweit bevorzugt.15 V. RÜCKVERSICHERUNG Der Rückversicherungsmarkt 2.1. Die Marktteilnehmer Anbieter von Rückversicherungsschutz Als wesentliche Anbieter von Rückversicherungsschutz lassen sich unterscheiden: professionelle Rückversicherer, Erstversicherer, die auch aktive Rückversicherung betreiben, Lloyd's in London. 1) Als professionelle Rückversicherer werden gewöhnlich solche Versicherungsgesellschaften bezeichnet, die ausschliesslich Rückversicherung betreiben; sie sind also nicht zusätzlich als Erstversicherer tätig und haben somit keine Versicherungsverträge mit "originären" Versicherungsnehmern. Ihre Kunden sind ausschliesslich Versicherungsgesellschaften und zwar sowohl Erstversicherer als Zedenten als auch andere Rückversicherer als "Retrozedenten". Gemäss den "Global Reinsurance Highlights 2004" von Standard & Poor s gab es rund 250 professionelle Rückversicherer in 50 Ländern. Die beiden grössten sind mit Abstand die Münchener Rück und die Schweizer Rück. Die obige Definition ist mit einigen Vorbehalten zu verstehen, da nämlich gerade diese beiden grössten professionellen Rückversicherer auch als Erstversicherer tätig waren bzw. weiterhin sind. Die Schweizer Rück hatte mal die Strategie, dass ihr Prämienvolumen zu gleichen Teilen aus der Erst- und der Rückversicherung stammen sollte. Offensichtlich ergaben sich im Erstversicherungsbereich derart grosse Probleme, dass vor etlichen Jahren ein radikaler Strategiewechsel eingeführt wurde, der zum Verkauf sämtlicher Erstversicherungsaktivitäten der Schweizer Rück führte. Im Gegensatz zu dieser Strategie baut die Münchener Rück ihr Erstversicherungsgeschäft konsequent weiter aus. In Deutschland gehört die ERGO, so heisst die Erstversicherungsgruppe der Münchener Rück, mittlerweile zu den grossen Erstversicherern; nach der Allianz und der ABM Generali ist sie der drittgrösste Erstversicherung in Deutschland. Und dennoch wird man nicht behaupten wollen, die Münchener Rück sei keine professionelle Rückversicherungsunternehmung. 2) Viele Erstversicherer betätigen sich mittlerweile auch als aktive Rückversicherer. Es lassen sich hier zwei Gruppen unterscheiden. Zum einen diejenigen Erstversicherer, die nur gelegentlich als aktive Rückversicherer auftreten. Hierbei handelt es sich meist um sporadisch16 V. RÜCKVERSICHERUNG 16 abgeschlossene Rückversicherungsverträge, die dem Austausch von Risiken dienen. Zahlenmässig ist das die erheblich grössere Gruppe. Zur zweiten Gruppe werden die Erstversicherer zusammengefasst, die bewusst eine eigenständige aktive Rückversicherung aufbauen. Zu Beginn ist es meist eine spezielle Branche innerhalb der Erstversicherungsgesellschaft; im Laufe der Zeit wird oft daraus eine selbständige Tochtergesellschaft. Mittlerweile haben sich in der Schweiz die Zürich und die Winterthur von ihren aktiven Rückversicherungstöchtern getrennt. Die Zürich Re wurde eine eigenständige Aktiengesellschaft mit dem Namen Converium und ist mittlerweile Teil der Scor; die Winterthur Re wurde an die Partner Re verkauft. 3) Eine spezielle Institution, die als Rückversicherer auftritt, stellt Lloyd's in London dar. Hier schliessen sich natürliche Personen (so genannte "names") zusammen, die mit ihrem Privatvermögen haftend als Gemeinschaft aktive Rückversicherung betreiben; sie bleiben jedoch rechtlich und finanziell eigenständig. Mittlerweile sind auch institutionelle Unternehmungen als "names" zugelassen. 4) Der weitaus grösste Anteil der Rückversicherungsprämien wird von den professionellen Rückversicherern eingenommen. 5) Eine spezielle Kategorie von Unternehmungen, die Rückversicherungsschutz anbieten, sind die so genannten unternehmungseigenen Captives. Es handelt sich hierbei um spezielle Versicherungseinrichtungen, die von grossen finanzstarken Nicht-Versicherungsunternehmungen gegründet werden, um ihre eigenen Risiken zu decken. Aus technischen Gründen versichern sich diese Unternehmungen zunächst bei einem Erstversicherer, der jedoch verpflichtet ist, den wesentlichen Anteil der Risiken bei der unternehmungseigenen Captive rückzuversichern. Der Erstversicherer stellt hierbei meist spezielles Know-how zur Verfügung, während die Captive-Gesellschaft der wesentliche Risikoträger ist. Allerdings beschränkt sich die Risikoleistung meist nur auf Risiken aus der zugehörigen Nicht-Versicherungsunternehmung. Im Abschnitt zum Alternativen Risikotransfer (ART) kommen wir darauf zurück. 6) In den "Global Reinsurance Highlights 2012" von Standard & Poor's werden für die Top 40 Global Reinsurance Groups folgende Daten angegeben:17 V. RÜCKVERSICHERUNG 1718 V. RÜCKVERSICHERUNG 1819 V. RÜCKVERSICHERUNG 1920 V. RÜCKVERSICHERUNG Nachfrager nach Rückversicherungsschutz Als direkte Nachfrager nach Rückversicherungsschutz treten lediglich Erstversicherungsunternehmungen oder Rückversicherungsunternehmungen auf. Als indirekte Nachfrager spielen Makler eine immer grösser werdende Rolle. Gerade im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Erstversicherer als aktive Rückversicherer ist es den Rückversicherungsmaklern gelungen, eine wichtige Mittlerfunktion zu übernehmen. Auch die Makler betätigen sich oft gleichzeitig auf beiden Märkten, dem Erstversicherungsmarkt und dem Rückversicherungsmarkt. Die Makler dienen oft als Substitut für eigene Repräsentanten vor Ort; aus Kostengründen haben meist nur die professionellen Rückversicherer ein hinreichend enges Netz von firmeneigenen Repräsentanten. Pfeiffer weist in diesem Zusammenhang auf Seite 15 auf folgende Problematik hin: "Gerade Erstversicherer, welche die notwendigen Spezialkenntnisse der Versicherungsmärkte in aller Welt und der sich ständig entwickelnden Rückversicherungstechnik nicht besitzen können, müssen sich auf eine sachverständige Beratung durch Makler verlassen können. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass diese Voraussetzung nicht immer gegeben ist und dass das Interesse des Vermittlers an der Courtage unter Umständen stärker sein kann als sein Bestreben, durch Vermittlung gewinnhaltigen Geschäftes dauerhafte Beziehungen zwischen seinen Geschäftspartnern herzustellen. Auch darf nicht übersehen werden, dass der Rückversicherungsmakler zwar sein Entgelt vom Rückversicherer erhält, aber doch oft in erster Linie die Interessen des ihn beauftragenden Erstversicherers wahrt. Die Courtagesätze für proportionale Geschäfte betragen in der Regel zwischen 1 % und 2.5 % der Rückversicherungsprämie. 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