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Timestamp: 2017-04-24 03:33:35+00:00

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539 Mahajanaka-Jataka
Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 539. Die Erzählung von Mahajanaka (Mahajanaka-Jataka)
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die große Weltentsagung. Eines Tages nämlich saßen die Mönche in der Lehrhalle, indem sie die große Weltentsagung des Vollendeten priesen. Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach der Meister: „Nicht nur jetzt, sondern auch früher schein, ihr Mönche, betätigte der Vollendete die große Weltentsagung.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Ehedem herrschte im Reiche Videha in der Stadt Mithila ein König namens Mahajanaka. Dieser hatte zwei Söhne, Aritthajanaka und Polajanaka. Von diesen gab der König dem ältesten die Stelle des Vizekönigs, dem jüngsten das Amt des Heerführers. Als in der Folgezeit der König Mahajanaka gestorben war, wurde Artthajanaka König und gab dem andern das Amt des Vizekönigs. Ein Diener von diesem ging zum Könige hin und sagte: „O Fürst, der Vizekönig beabsichtigt, Euch zu töten.“ Als der König immer wieder dessen Worte hörte, ließ er sich umstimmen; er ließ den Polajanaka mit Ketten fesseln und unweit vom königlichen Palaste in einem Hause von Wächtern bewachen. Hier machte nun der Prinz folgende Wahrheitsbekräftigung: „Wenn ich ein Feind meines Bruders bin, so sollen meine Ketten sich nicht lösen und auch die Tür soll sich nicht öffnen; im anderen Falle aber sollen meine Fesseln sich lösen und auch die Tür soll sich öffnen.“ Sogleich zerbrachen seine Ketten in kleine Stücke und die Türe war offen. Er ging hinaus und gelangte zu einem Grenzdorfe, wo er seinen Aufenthalt nahm; die Grenzbewohner erkannten ihn und dienten ihm. Der König aber konnte seiner nicht habhaft werden.
Darauf sprach der Brahmane: „Sei darum unbesorgt. Ich bin ein Brahmane vom Norden, sehr begütert, ein weltbekannter Lehrer. Ich werde dich als Schwester annehmen und dich pflegen. Sage Bruder zu mir, fasse mich an den Füßen und jammere laut [1].“ Unter lautem Klagen fiel sie ihm zu Füßen und sie klagten miteinander. Da liefen die Schüler herbei und fragten: „Meister, was ist Euch?“ Er antwortete: „Meine jüngste Schwester war so lange Zeit von mir getrennt.“ Sie erwiderten: „Nachdem Ihr sie aber gesehen habt, seid nicht mehr bekümmert, Meister!“ Darauf ließ er einen bedeckten großen Wagen herbeiholen, ließ sie sich darauf setzen und sagte ihr: „Liebe, sage meiner Gattin, dass du meine Schwester bist, und versprich ihr, alle Dienstleistungen zu tun.“ Mit diesen Worten schickte er sie in sein Haus. Die Brahmanin aber ließ sie mit warmem Wasser baden, richtete ihr ein Lager her und ließ sie sich darauf legen. Als nun der Brahmane vom Bade nachhause kam, sagte er, als es Essenszeit war: „Ruft meine Schwester herbei“; er aß mit ihr zusammen und pflegte sie in seinem Hause.
Siebenhundert Beine [2] bestiegen das Schiff; an sieben Tagen legte das Schiff siebenhundert Meilen zurück. Weil es aber zu gewaltsam fuhr, konnte es nicht mehr weiter fahren. Die Planken brachen, allenthalben kam das Wasser hervor und das Schiff versank inmitten des Meeres. Viel Volks weinte, klagte und rief die verschiedenen Gottheiten an. Der Bodhisattva aber klagte und weinte nicht und rief auch keine Gottheit an; sondern als er merkte, dass das Schiff untergehe, zerstieß er Zucker in zerlassener Butter und verzehrte dies, bis sein Leib gefüllt war. Dann bestrich er zwei reine Gewänder mit Sesamöl, zog diese fest an und stellte sich neben den Mast. Als nun das Schiff unterging, blieb der Mast gerade stehen. Viel Volks wurde der Fraß der Fische und Schildkröten, nach allen Seiten hin wurde das Meer von Blut gefärbt.
Auf der Spitze des Mastes stehend erforschte das große Wesen die Himmelsgegend und merkte: „In dieser Richtung liegt Mithila.“ Dann sprang es von der Mastspitze herab, kam über die Fische und Schildkröten hinaus und sprang infolge seiner großen Kraft ein Usabha [3] weit. — An demselben Tage starb Polajanaka. — Von da an drehte sich das große Wesen in den edelsteinfarbenen Wogen um und schwamm durch den Ozean wie ein Haufen Gold. Es schwamm eine ganze Woche, als wäre es nur ein Tag; doch beobachtete es die Zeit und hielt das Uposatha, indem es sich mit Salzwasser den Mund ausspülte.
Damals war von den vier Welthütern [4] eine Göttertochter namens Manimekhala als Hüterin des Meeres aufgestellt mit folgender Weisung: „Wesen, die mit der Ehrung der Mutter und ähnlichen Tugenden ausgerüstet sind, verdienen nicht, in das Meer zu fallen; gib auf diese acht!“ Diese hatte während dieser sieben Tage das Meer nicht angeschaut, sondern weil sie ihr Glück genoss, war ihr die Erinnerung daran geschwunden, einige sagen auch, sie sei zu einer Versammlung der Götter gegangen. Diese dachte: „Heute ist der siebente Tag, dass ich das Meer nicht betrachtet habe; was geht da vor?“ Als sie nun das Meer betrachtete, sah sie das große Wesen und sie dachte: „Wenn der Prinz Mahajanaka im Meer unterginge, würde ich nicht mehr den Zutritt zur Götterversammlung erhalten.“ Unweit vom Bodhisattva stellte sie sich mit reichgeschmücktem Körper in die Luft und sprach, um das große Wesen zu prüfen, folgende erste Strophe: §1. „Wer ist dies, der in Meeres Mitten kein Ufer sehend vorwärts strebt?
§2. „Weil ich die Pflicht der Welt erkenne, dass man sich muss anstrengen, Göttin, deshalb streb ich in Meeres Mitten,
§4. „Schuldlos ist der bei den Verwandten und bei der Götter Vater auch,
§5. „Doch wenn ein Tun ist ohne Zweck, fruchtlos und nur Ermattung bringt,
§6. „Wenn einer selbst keinen Gewinn und keinen Zweck für sich sieht, Gottheit, und deshalb nicht sein Leben schützt, wird er 's erkennen, wenn er fällt.
§7. Um ihren Wunsch erfüllt zu sehen, führen in dieser Welt, o Gottheit,
§8. Siehst du nicht, Gottheit, klar vor Augen die Frucht von dem, was ich getan?
§9. Drum werde ich mich jetzt bemühen nach meinen Kräften, meiner Macht;
§10. „Der du in diesem Wogenschwalle, im unermesslichen Ozeane rechter Bemühung bist ergeben
Nach diesen Worten aber fragte sie: „Du Weiser, du Großes Überwindender, wohin soll ich dich führen?“ Als er antwortete: „Nach der Stadt Mithila“, hob sie das große Wesen wie ein Blumenbündel empor, umfasste es mit beiden Armen, legte es auf ihren Schoß und flog durch die Luft dahin wie eine Mutter, die ihren Sohn mitnimmt. Das große Wesen, dessen Körper sieben Tage lang durch das Salzwasser ausgedörrt war, verfiel in Schlaf, sobald es die göttliche Berührung fühlte. Die Gottheit verbrachte ihn nach Mithila und legte ihn im Mangowalde auf die königliche Steinplatte [5] auf die rechte Seite; dann übertrug sie den Parkgottheiten seine Bewachung und kehrte an ihren Ort zurück. — Polajanaka hatte keinen Sohn, sondern es war ihm nur eine Tochter; diese mit Namen Fürstin Sivali war weise und klug. Als er nun auf dem Sterbebette lag, fragte man ihn: „O Großkönig, wenn Ihr zu den Göttern eingegangen seid, wem sollen wir dann das Reich geben?“ Er antwortete: „Dem, der meiner Tochter, der Fürstin Sivali, zu gefallen im Stande ist, oder dem, der von einem viereckigen Polster die Kopfseite erkennt, oder wer einen Bogen, der so stark ist wie tausend, zu spannen vermag, oder wer den sechzehnfachen großen Schatz zu heben im Stande ist, dem gebt die Herrschaft!“ Sie antworteten: „O Fürst, gebt uns eine Angabe von diesen Schätzen!“ Darauf sprach der König:
§11. „Am Sonnenaufgang ist ein Schatz, am Sonnenuntergang auch einer,
drinnen ein Schatz, draußen ein Schatz, nicht drinnen und nicht draußen einer.
§12. Beim Aufsteigen ein großer Schatz, beim Absteigen ist auch ein Schatz,
ein Schatz bei den vier großen Salas [6], überall auf ein Yojana.
§13. An den Zahnenden ist ein Schatz, am Schwanzende, am Kebuka [7],
dies sind die sechzehn großen Schätze. Der Tausendkräft'ge und das Polster, der Sivali Gefallende.“
Nach dem Tode des Königs erwiesen ihm die Minister die letzten Ehren; dann versammelten sie sich und überlegten: „Der König hat gesagt, man solle dem die Herrschaft übergeben, der im Stande ist, seiner Tochter zu gefallen. Wer wird ihr gefallen können?“ Da dachten sie, der Heerführer sei ihr Günstling, und schickten ihm Botschaft. Dieser stimmte bei, begab sich um des Thrones willen nach dem Tore des königlichen Palastes und ließ der Königstochter melden, er sei da. Da sie merkte, warum er gekommen sei, wollte sie ihn auf die Probe stellen, ob er Verstand genug besitze, um den Glanz der Herrschaft zu ertragen, und sagte deshalb: „Er soll kommen.“ Als jener diese Botschaft vernahm, lief er, um ihr zu gefallen, rasch vom Fuße der Treppe an hinauf und trat zu ihr hin. Darauf sagte sie, um ihn auf die Probe zu stellen: „Laufe rasch im Thronsaal umher.“ Er dachte: „Damit befriedige ich die Königstochter“, und sprang rasch davon. Dann sagte sie ihm wieder: „Komm!“ Er kam wieder rasch herbeigelaufen. Als sie so merkte, dass er keinen Verstand besitze, sagte sie zu ihm: „Komm und umfasse meine Füße!“ Um ihr zu gefallen, kniete er nieder und umfasste ihre Füße. Da stieß sie ihn mit dem Fuße an die Brust, dass er ausgestreckt hinfiel, und gab ihren Dienerinnen den Befehl: „Schlagt diesen blinden Toren, der seinen Verstand verloren hat, fasst ihn am Halse und werft ihn hinaus.“ Diese taten so. Darauf fragte man ihn: „Was ist es, Heerführer?“ Er antwortete: „Redet nicht, das ist kein menschliches Weib.“ Darauf kam der Schatzmeister; auch diesen beschämte sie. Dann der Vorsteher der Zunft der Kaufleute, der Sonnenschirmträger, der Schwertträger: sie alle beschämte sie. Hierauf überlegte eine große Volksmenge: „Der Königstochter zu gefallen, ist jetzt niemand im Stande; gebt den Thron dem, der den tausendstarken Bogen zu spannen im Stande ist.“ Auch diesen vermochte keiner zu spannen. Dann sagten sie: „Gebt den Thron dem, der an einem viereckigen Polster das Kopfteil erkennt.“ Auch dies erkannte niemand. Darauf sagte man: „Gebt den Thron dem, der die sechzehn großen Schätze zu heben versteht.“ Aber niemand vermochte sie zu heben.
Jetzt überlegten sie: „Ein Reich ohne König kann man nicht beschützen; was sollen wir tun?“ Da sprach zu ihnen der Hauspriester: „Seid unbesorgt! Man muss den Phussa-Wagen [8] loslassen; der durch den Phussa-Wagen erlangte König ist nämlich im Stande, über ganz Indien zu herrschen.“ Sie gaben ihre Zustimmung, ließen die Stadt schmücken und an den königlichen Wagen vier lotosfarbene Rosse spannen. Eine obere Decke breiteten sie darüber, legten die Königsinsignien darauf und umgaben ihn mit dem aus vier Teilen bestehenden Heere. Bei einem Wagen, auf dem sein Herr fährt, ertönen die Instrumente vor ihm, bei einem Wagen ohne Herrn hinter ihm; darum sagte der Hauspriester: „Lasst hinterdrein die Instrumente ertönen.“ Dann weihte er mit einem goldenen Gefäß die Wagenriemen und die Peitsche und sagte: „Für wen es recht ist, dass er den Thron besteigt, zu dem gehe hin.“
Durch diesen Lärm erwachte das große Wesen; es enthüllte sein Haupt, blickte hin, sah die große Volksmenge und dachte: „Der weiße Sonnenschirm muss zu mir gekommen sein.“ Als es dies gehört hatte, verhüllte es wieder sein Haupt, drehte sich um und legte sich auf die linke Seite. Der Hauspriester enthüllte ihm nun die Füße, und als er dort die Vorzeichen [9] gewahrte, sagte er: „Sehen wir ab von einem Erdteil, auch über die vier Erdteile ist er zu herrschen im Stande“, und er ließ wieder die Instrumente ertönen. Da enthüllte das große Wesen sein Antlitz, drehte sich um, legte sich auf die rechte Seite und betrachtete die Volksmenge. Der Hauspriester beruhigte die Versammlung, beugte sich mit gefalteten Händen vor ihm nieder und sprach: „Erhebe dich, König; das Reich kommt an dich.“ „Wo ist dein König?“ „Er ist gestorben.“ „Hat er einen Sohn oder einen Bruder?“ „Nein, o Fürst.“ „Gut, so werde ich den Thron besteigen“, versetzte der Bodhisattva, erhob sich und setzte sich auf das Polster. Darauf weihte man ihn dortselbst zum Könige; er war der König Mahajanaka.
Er bestieg den Wagen und fuhr mit großer Pracht in die Stadt ein. Während er in den Palast hinaufstieg, untersuchte er: „Dies sollen die Plätze für den Heerführer u. dgl. sein“, und stieg selbst in den Thronsaal hinauf. — Um ihn nun nach der früheren Art zu prüfen, schickte die Königstochter einen Mann zu ihm mit dem Auftrag: „Gehe, suche den König auf und sage zu ihm: ‘Die Fürstin Sivali ruft dich; komme rasch!’“ Der König tat in seiner Weisheit, als höre er dessen Stimme nicht, und pries die Pracht des Palastes mit den Worten: „Ach, wie schön!“ Als jener ihn nicht zum Anhören veranlassen konnte, ging er hin und meldete der Königstochter: „Edle, der König hat Eure Worte gehört, aber er preist nur den Palast und achtet auf Euch nicht ein bisschen.“ Jene dachte: „Er wird ein Mann von großen Wünschen sein“, und schickte zum zweiten und zum dritten Male den Mann hin. Der König aber stieg nach seinem Gefallen seinen früheren Gang [10], indem er wie ein Löwe seinen Mund öffnete, in den Palast hinauf.
Als dieser nahte, vermochte die Königstochter infolge seiner Majestät aus eigener Kraft nicht, stehen zu bleiben, sondern sie kam auf ihn zu und lehnte sich auf seine Hand. Er stieg nun, sie an der Hand haltend, in den Thronsaal hinauf, setzte sich unter dem ausgespannten weißen Sonnenschirm auf das königliche Thronpolster, wandte sich dann an seine Minister und fragte: „Holla, hat euch der König bei seinem Sterben irgend einen Auftrag gegeben?“ „Ja, o Fürst“, antworteten sie. „So sprecht!“ „Er hat gesagt, wer der Fürstin Sivali zu gefallen vermöchte, dem solle man die Herrschaft geben.“ „Als die Fürstin Sivali kam, hat sie sich an meine Hand gelehnt; also hat sie an mir Gefallen gefunden. Sagt etwas anderes!“ „Fürst, er sagte auch: ‘Gebt die Herrschaft demjenigen, der an einem viereckigen Polster den Kopfteil zu erkennen im Stande ist.’“ Da dachte der König: „Das ist schwer zu erkennen, doch durch eine List kann man dies erkennen.“ Er nahm von seinem Haupte eine goldene Nadel und gab sie der Fürstin Sivali in die Hand mit den Worten: „Lege sie auf ihren Platz!“ Sie nahm dieselbe und steckte sie in den Kopfteil des Polsters; man sagt auch, sie habe ihm ein Schwert gegeben [11]. An diesem Zeichen merkte er, wo der Kopfteil war. Als wenn er die Worte der Minister nicht gehört hätte, sagte er: „Was sagt ihr?“ Und als sie wieder so sprachen, erwiderte er: „Das zu erkennen, ist nichts Wunderbares; hier ist der Kopfteil.“
Am folgenden Tage versammelte er die Minister und fragte: „Hat euer König Paccekabuddhas [12] gespeist?“ „Ja, o Fürst“, war die Antwort. Da dachte der König: „Mit der Sonne ist nicht diese Sonne gemeint; wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Sonne aber heißen die Paccekabuddhas Sonnen. An der Stelle, wo sie empfangen werden [13], muss der Schatz sein.“ Und er fragte: „Wenn der König den Paccekabuddhas bei ihrem Kommen entgegengeht, bis zu welchem Ort geht er da?“ Als sie antworteten: „An den und den Ort“, befahl er: „Grabt an dieser Stelle und holt den Schatz heraus.“ So ließ er diesen Schatz heben. Weiter fragte er: „Wenn er sie bei ihrem Weggehen begleitet, wo bleibt er stehen und entlässt sie?“ Als sie antworteten: „An der und der Stelle“, ließ er auch dort den Schatz heben mit den Worten: „Holt dort den Schatz heraus.“ Eine große Volksmenge stieß tausend Rufe aus: „Weil man sagte, ‘beim Sonnenaufgang’, gruben sie beständig in der Richtung des Sonnenaufgangs; weil man sagte ‘beim Sonnenuntergang’, grub man beständig in der Richtung des Sonnenuntergangs [14]. Hier aber ist der Schatz; ach, wie wunderbar ist dies!“ So gab sie ihrer Freude und Befriedigung Ausdruck.
„Drinnen ein Schatz“; deshalb ließ er im königlichen Palast innerhalb des Haupttores an der Schwelle den Schatz heben. „Draußen ein Schatz“, deshalb ließ er außerhalb an der Schwelle den Schatz heben. „Nicht drinnen und nicht draußen“, daher ließ er unter der Schwelle den Schatz heben. „Beim Aufsteigen“: er ließ an der Stelle, wo zur Zeit, da der König den königlichen Leibelefanten bestieg, eine goldene Leiter aufgestellt wurde, den Schatz heben. „Dann beim Absteigen“: er ließ an der Stelle, wo der König vom Rücken des Elefanten herunterstieg, den Schatz heben. „Die vier großen Salas“: auf dem Boden waren an der Stelle, da man ihm die Aufwartung machte, die vier Füße des fürstlichen Lagers aus Sala-Bäumen gefertigt; unter diesen ließ er vier Schatzkästen hervorholen. „Überall auf ein Yojana“: Yojana heißt das Wagenjoch [15]. Darum ließ er auf allen Seiten des fürstlichen Lagers in der Entfernung eines Wagenjoches die Schatzkästen herausholen. „An den Zahnenden ist ein Schatz“: an dem Platze des königlichen Leibelefanten, da, wo dessen beide Hauer sich erstrecken, ließ er zwei Schätze heben. „An den Schwanzenden“: an dem Platze des königlichen Leibrosses ließ er die Schätze heben seinem Schweife gegenüber. „Am Kebuka“: Kebuka ist ein Name für das Wasser. Darum ließ er im königlichen Lotosteiche das Wasser entfernen und brachte so den Schatz ans Licht. „An den Baumenden ein großer Schatz“: in seinem Parke zu Füßen eines großen Sala-Baumes in dem kreisförmigen Schatten, der dort zur Mittagszeit war, ließ er Schatzkisten heben. Nachdem er so die sechzehn großen Schätze hatte heben lassen, fragte er: „Gibt es noch etwas anderes?“ „Nein, o Fürst“, war die Antwort. Die Volksmenge aber war hocherfreut.
Der König dachte nun: „Dieses Geld werde ich als Almosen ausgeben.“ Er ließ in der Mitte der Stadt und an den vier Toren im ganzen fünf Almosenhallen errichten und spendete reiche Almosen. Aus der Stadt Kalacampana ließ er seine Mutter und den Brahmanen holen und erwies ihnen große Ehrung. Als seine Herrschaft noch jung war, gehörte ihm schon das ganze Reich von Videha; der Sohn des Königs Aritthajanaka, der König Mahajanaka, führte die Regierung. „Weise ist fürwahr der König; wir wollen ihn sehen.“ So dachte man und deshalb strömte, um ihn zu besuchen, die ganze Stadt zusammen. Von allen Seiten kamen sie herbei mit vielen Geschenken. In der Stadt feierte man ein großes Fest. Sie bedeckten den königlichen Palast mit den Eindrücken ihrer Hände [16], breiteten duftende Kränze und Girlanden aus, machten die Luft finster von ausgestreuten Körnern, Lotosblumen, Wohlgerüchen und Weihrauch und richteten mancherlei Getränke und Speisen her. Um dem König damit ein Geschenk zu machen, nahmen sie in silbernen und goldenen Töpfen u. dgl. verschiedenartige feste und flüssige Speisen, Getränke, Früchte u. dgl. mit und stellten sich dort ringsherum auf. Auf einer Seite saß der Kreis der Hofleute, auf einer Seite die Schar der Brahmanen, auf einer Seite die Hausväter usw. und auf einer Seite die Tänzerinnen von höchster Schönheit. Brahmanische Lobredner, die Festgedichte kannten und festlicher Gesänge u. dgl. kundig waren, ließen ihre Lieder erschallen; viele hundert Instrumente erschallten. Der ganze Palast des Königs war von lauten Tönen erfüllt wie im Innern des Yugandhara-Meeres [17]; jeder Ort, wohin man blickte, zitterte.
§16. Anstrengen möge sich der Mensch, nicht lasse nach der weise Mann.
§17. Anstrengen möge sich der Mensch, nicht lasse nach der weise Mann.
§18. Auch wenn ins Unglück stürzt der weise Mann, geb er nicht auf das Streben nach dem Heil. Viel gibt 's Berührungen, ungut' und gute; wer nichts bedenkt, der fällt dem Tod zum Opfer.
Erfolg beim Weibe wie beim Mann [18].“ —
Darauf betätigte er die zehn Königstugenden [19] und führte in Gerechtigkeit die Herrschaft; auch ehrte er die Paccekabuddhas. In der Folgezeit gebar die Königin Sivali einen Sohn, der mit den Kennzeichen des Reichtums und der Tugend ausgestattet war; ihm gab man den Namen Prinz Dighavu (= Lebelange). Als dieser herangewachsen war, übertrug ihm der König das Amt des Vizekönigs. —
§20. „Nicht so wie sonst fürwahr der König,
der Völkerfürst, der Weltbeherrscher, hört heute weder auf die Tänze
§21. Nach Tieren nicht noch nach dem Parke, auch nach den Schwänen schaut er nicht. Gleich einem Stummen sitzt er still und keine Sache er entscheidet.“
Auch fragten sie den Speisenträger und den Diener: „Redet denn der König etwas mit euch?“ Sie antworteten: „Er redet nicht.“ Darum sprachen sie folgendermaßen: „Der König hat sich mit seinem nicht mehr an den Lüsten hängenden, der tiefen Einsamkeit ergebenen Sinn an die zu seiner Familie gehörigen Paccekabuddhas erinnert und denkt: ‘Wer wird mir den Aufenthaltsort dieser Nichtbesitzenden, mit Tugend und anderen Vorzügen Versehenen verkünden?’ Deshalb hat er folgenden begeisterten Ausruf in drei Strophen ausgestoßen:
§22. ‘Die heimlichfrommen Glücksbegehrer, befreit von Tötung und von Banden,
in welcher Einsiedelei heute weilen die Jungen und die Alten?
§23. Die Helden, die die Lust besiegten, Verehrung diesen großen Weisen,
§24. Der Todes Schlinge sie zerbrachen,
wer bringt mich dorthin, wo sie weilen?’“ —
Während er aber in seinem Palaste die Asketentugenden betätigte, vergingen vier Monate. Sein Sinn aber neigte sich immer mehr zur Weltflucht und das Leben im Hause kam ihm vor wie die Lokantarika-Hölle [20]. Die drei Existenzen [21] erschienen ihm wie Feuerflammen. Da dachte er in seinem Sinne, der der Weltflucht zugewendet war: „Wann werde ich wohl diese Stadt Mithila, die wie Sakkas Palast geschmückt ist, verlassen, in den Himalaya ziehen und dort den Augenblick erleben, da ich die Gewänder der Weltflüchtlinge erhalte?“ Und er begann folgendermaßen Mithila zu preisen:
§25. „Wann werd ich Mithila, das blühnde, das große, strahlend überall, aufgeben und die Welt verlassen? Wann wird mir dies beschieden sein [22]?
§26. Wann werd ich Mithila, das blühnde, das eingeteilte, abgegrenzte,
§27. Wann werd ich Mithila, das blühnde, das reich an Mauern ist und Bögen,
§28. Wann werd ich Mithila, das blühnde,
§29. Wann werd ich Mithila, das blühnde, wohl eingeteilt mit großen Straßen,
§30. Wann werd ich Mithila, das blühnde, wohl eingeteilt mit vielen Läden,
§31. Wann werd ich Mithila, das blühnde, das reich an Rindern, Rossen, Wagen, aufgeben und die Welt verlassen?
§32. Wann werd ich Mithila, das blühnde, das Lustgärten hat reihenweise,
§33. Wann werd ich Mithila, das blühnde, das Parke hat in ganzen Reihen,
§34. Wann werd ich Mithila, das blühnde, das Reihen von Palästen hat, aufgeben und die Welt verlassen?
§35. Wann werd ich Mithila, das blühnde, dreistädtig [23], voll von Königsfreunden, das von Somanassa erbaut, dem ruhmreichen Vedehakönig, aufgeben und die Welt verlassen?
§36. Wann werd ich 's blühnde Reich Vedeha, das reich versehn, gerecht bewahrt wird, aufgeben und die Welt verlassen?
§37. Wann werd ich 's blühnde Reich Vedeha, das unbesiegt gerecht bewahrt wird,
§38. Wann werd ich den Palast, den schönen, wohl abgegrenzt, gut eingeteilt, aufgeben und die Welt verlassen? Wann wird mir dies beschieden sein?
§39. Wann werd ich den Palast, den schönen, der mit Zement und Ton bestrichen,
§40. Wann werd ich den Palast, den schönen, voll Wohlgerüchen, herzerfreuend,
§41. Wann werde ich die flachen Dächer [24], wohl abgegrenzt, schön eingeteilt,
§42. Wann werde ich die flachen Dächer, die mit Zement und Ton bestrichen,
§43. Wann werde ich die flachen Dächer, voll Wohlgerüchen, herzerfreuend,
§44. Wann werde ich die flachen Dächer, die dicht bestreut mit Sandelpulver, aufgeben und die Welt verlassen?
§45. Wann werde ich die goldnen Polster, mit bunten Tüchern überdeckt,
§46. Wann werd ich Baumwolle und Seide und meine leinenen Gewänder aufgeben und die Welt verlassen?
§47. Wann werde ich die schönen Teiche, die wilde Gänse rings umfliegen,
die mit Korallenblumen und mit Lotosblumen sind bedeckt,
§48. Wann werde ich der Elefanten
§49. welche bestiegen sind von Wärtern mit Speer und Haken in der Hand,
§50. Wann werde ich der Rosse Scharen, die reich geziert mit allem Schmuck, die edel sind von Abstammung,
§51. welche bestiegen sind von Kriegern mit Schwert und Bogen in der Hand,
§52. Wann werde ich der Wagen Scharen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§53. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§54. Wann werde ich die goldnen Wagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§55. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§56. Wann werd ich die silbernen Wagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§57. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§58. Wann werde ich die Pferdewagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§59. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§60. Wann werd ich die Kamelwagen,
§61. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§62. Wann werde ich die Rinderwagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§63. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§64. Wann werde ich die Ziegenwagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§65. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§66. Wann werde ich die Widderwagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§67. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§68. Wann werd ich die Gazellenwagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§69. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§70. Wann werd ich die Elefantenreiter, mit allem Zierrat reich geschmückt,
§71. Wann werde ich die Pferdereiter, mit allem Zierrat reich geschmückt,
mit Schwertern in der Hand und Bogen, aufgeben und die Welt verlassen?
§72. Wann werde ich die Bogenschützen, mit allem Zierrat reich geschmückt,
§73. Wann werde ich die Königssöhne, mit allem Zierrat reich geschmückt,
§74. Wann werde ich der Edlen Scharen, mit schönen Kleidern, reich geschmückt, den Leib besprengt mit gelbem Sandel,
§75. Wann werd ich siebenhundert Frauen, mit allem Zierrat reich geschmückt,
§76. Wann werd ich siebenhundert Frauen mit edlem Namen, schlank von Taille, aufgeben und die Welt verlassen?
§77. Wann werd ich siebenhundert Frauen, gehorsame, die Liebes reden, aufgeben und die Welt verlassen?
§78. Wann werd ich meine hundertfält'ge [25] Schüssel aus Gold mit hundert Strichen [26]
§79. Wann werden Elefantenscharen,
§80. welche bestiegen sind von Wärtern mit Speer und Haken in der Hand,
bei meinem Gehn mich nicht geleiten? Wann wird mir dies beschieden sein?
§81. Wann werden mich der Rosse Scharen, die reich geziert mit allem Schmuck,
§82. welche bestiegen sind von Kriegern mit Schwert und Bogen in den Händen, bei meinem Gehen nicht geleiten?
§83. Wann werden mich der Wagen Scharen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§84. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen haben,
§85. Wann werden mich die goldnen Wagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§86. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen haben,
§87. Wann werden die silbernen Wagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§88. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen haben,
§89. Wann werden mich die Pferdewagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§90. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen haben,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten? Wann wird mir dies beschieden sein?
§91. Wann werden die Kamelwagen
§92. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen haben,
§93. Wann werden mich die Rinderwagen gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§94. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen haben,
§95. Wann werden mich die Ziegenwagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§96. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§97. Wann werden mich die Widderwagen, gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
§98. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§99. Wann werden die Gazellenwagen,
§100. welche bestiegen sind von Kriegern, die Bogen in den Händen tragen,
§101. Wann werden Elefantenreiter,
§102. Wann werden mich die Pferdereiter, mit allem Zierrat reich geschmückt,
mit Schwertern in der Hand und Bogen, bei meinem Gehn nicht mehr geleiten? Wann wird mir dies beschieden sein?
§103. Wann werden mich die Bogenschützen, mit allem Zierrat reich geschmückt,
§104. Wann werden mich die Königssöhne, mit allem Zierrat reich geschmückt,
§105. Wann werden mich der Edlen Scharen, mit schönen Kleidern reich geschmückt, den Leib besprengt mit gelbem Sandel, die schöne Kasi-Kleider tragen,
§106. Wann werden siebenhundert Frauen, mit allem Zierrat reich geschmückt,
§107. Wann werden siebenhundert Frauen, mit edlem Namen, schlank von Taille
§108. Wann werden siebenhundert Frauen, gehorsame, die Liebes reden, bei meinem Gehn mich nicht geleiten? Wann wird mir dies beschieden sein?
§109. Wann werd ich, in der Hand die Schale, geschoren, mit dem Mönchsgewand
Almosen mir erbetteln gehen? Wann wird mir dies beschieden sein?
§110. Wann werde ich aus schmutz'gen Lumpen, die auf der Straße weggeworfen,
§111. Wann werd ich, das Gewand durchnässt von sieben Tage langem Regen,
§112. Wann werde ich den ganzen Tag
unter den Bäumen, tief im Walde [27], frei von Begierde weilen können?
§113. Wann werd ich in der Berge Wildnis, frei von der Furcht vor Schrecklichem, ohn' einen andern weilen dürfen?
§114. Wann werd ich, wie ein Lautenspieler die Laute mit den sieben Saiten,
§115. Wann werd ich, wie ein Wagenbauer [28] den umgetretnen Schuh aufreißt,
die göttlichen und menschlichen?“ —
Dieser war geboren in einer Zeit, wo das Leben zehntausend Jahre dauerte. Nachdem er siebentausend Jahre lang regiert hatte, betätigte er die Weltflucht, als noch dreitausend Jahre von seinem Leben übrig waren. Nachdem er aber bei seiner Betätigung der Weltflucht, seitdem er am Parktore den Mangobaum gesehen, vier Monate in seinem Hause geblieben war, dachte er: „Besser als dieses Gewand ist das Gewand der Weltflüchtlinge; ich werde die Welt verlassen.“ Und er gab seinem Diener folgenden geheimen Befehl: „Lieber, ohne jemand etwas davon wissen zu lassen, hole mir aus einem Laden gelbe Gewänder und eine irdene Schale.“ Jener tat so. Darauf ließ der König den Barbier rufen und ließ sich Haare und Bart abscheren; dann schickte er den Barbier fort und zog das eine gelbe Gewand als Untergewand, das andere als Obergewand an und legte das dritte auf die Schulter [29]. Die irdene Schale steckte er in eine Schlinge und hängte diese über die Schulter. Darauf ergriff er den Bettlerstab und ging im Thronsaale einige Male mit der Anmut eines Paccekabuddha auf und ab. An diesem Tage blieb er noch dort; am nächsten Tage aber schickte er sich zur Zeit des Sonnenaufgangs an, vom Palaste herabzusteigen.
Als nun die andere [30] in den Palast hinaufgestiegen war und oben auf dem königlichen Lager des Königs bienenfarbige Haare und das Bündel mit seinem Schmuck sah, da dachte sie: „Das ist kein Paccekabuddha, es wird unser lieber Gatte sein. Geht; ich will ihn durch meine Bitten zur Rückkehr veranlassen.“ Sie stieg vom Thronsaale herab und erreichte ihn im Hofe des Palastes. Da löste sie zusammen mit allen anderen ihre Haare, warf sie über den Rücken, schlug sich mit den Händen die Brust und rief: „Warum tut Ihr derartiges, großer König?“ Indem sie so gar sehr mitleiderregend klagte, folgte sie dem König nach. Die ganze Stadt wurde bewegt; auch die Städter jammerten: „Unser König ist ein Weltflüchtling geworden; woher werden wir wieder einen solchen gerechten König erhalten?“, und folgten weinend dem Könige nach.
§116. Doch diese siebenhundert Frauen mit allem Schmucke reich geziert,
§117. Und diese siebenhundert Frauen mit edlem Namen, schlank von Taille, streckten die Arme aus und klagten:
§118. Und diese siebenhundert Frauen, gehorsame, die Liebes sprachen,
§119. Und diese siebenhundert Frauen, mit edlem Schmucke reich geziert,
§120. Und diese siebenhundert Frauen mit edlem Namen, schlank von Taille, gab auf und stieß zurück der König,
§121. Und diese siebenhundert Frauen, gehorsame, die Liebes sprachen,
§122. Er ließ die hundertfält'ge Schüssel, die goldne mit den hundert Streifen, und er ergriff aus Ton die Schale
für den Empfang der zweiten Weihe [31]. Als die Königin Sivali mit ihren Klagen den König nicht zur Umkehr veranlassen konnte, dachte sie: „Es gibt ein Mittel“, ließ den Oberheerführer rufen und gab ihm folgenden Befehl: „Lieber, in der Richtung, wo der König hingeht, lege Feuer an alle Häuser und alle Hallen; trage Gras und Blätter zusammen und mache allenthalben Rauch!“ Jener tat so. Darauf ging sie zum Könige hin, fiel ihm zu Füßen und sprach, um ihm zu melden, dass Mithila brenne, folgendes Strophenpaar:
§123. „Furchtbar entbrennen Feuerflammen,
§124. Edle Juwelen, Muschelperlen,
§125. „Ganz glücklich leben wir fürwahr, die wir kein Eigentum besitzen.
wird doch von mir nichts mitverbrannt [32].“
§126. „Die Waldbewohner sind gekommen und plündern aus dein Königreich.
§127. „Ganz glücklich leben wir fürwahr, die wir kein Eigentum besitzen.
Wenn auch das Reich geplündert wird, geht dabei nichts von mir zugrunde.
§128. Ganz glücklich leben wir fürwahr,
den Göttern gleich im Brahma-Himmel [33].“
Damals wohnte ein Asket namens Narada im Himalaya in der Goldhöhle; dieser besaß die fünf Erkenntnisse [34]. Als er in Ekstase versunken sieben Tage zugebracht hatte, erhob er sich wieder aus der Ekstase und stieß den begeisterten Ausruf aus: „Ach dies Glück, ach dies Glück!“ Als er dann mit seinem göttlichen Auge betrachtete, ob jemand auf dem Jambu-Erdteil nach diesem Glück suche, bemerkte er, dass Mahajanaka ein künftiger Buddha [35] sei, und er dachte: „Der König kann, während er seine große Weltflucht betätigt, die von der Königin Sivali geführte Volksmenge nicht zur Umkehr veranlassen; sie könnten ihm ein großes Hindernis bereiten. Ich will ihm eine Ermahnung geben, um ihn noch stärker zu befestigen.“ Durch seine Wunderkraft kam er herbei, stellte sich vor den König in die Luft und sprach, um eine Anstrengung bei ihm hervorzurufen:
§129. „Woher kommt dieser laute Schall, was für ein Spiel gibt 's wie im Dorf? Den Büßer hier wollen wir fragen:
§130. „Versammelt ist dies Volk um mich, der ich fortgehe es verlassend,
§131. „Glaub nicht, dass du schon drüben bist, so lang du diesen Körper trägst.
Nicht überschreitbar ist dies Tun [36], denn viel sind Hindernisse da.“
§132. „Was für ein Hindernis gibt es für mich, wenn ich mich so verhalte, wenn nicht im Diesseits noch im Jenseits [37] ich nach den Lüsten trag Verlangen?“
§133. „Schläfrigkeit, Trägheit, Überhebung [38], die Unzufriedenheit, die Essgier,
§134. „Gar Schönes hast du mir fürwahr geraten, würdiger Brahmane; drum den Brahmanen frage ich:
§135. „Narada, so bin ich genannt, auch als Kassapa kennt man mich [39]. Zum Herren bin ich hergekommen; gut ist Vereinigung mit Weisen.
§136. Drum möge volle Freude auch und Heiligkeit zuteil dir werden; was dir noch fehlt, das mache voll durch Seelenruhe und Geduld.
§137. Was tief hinabgebeugt, gib auf und auf das Hohe auch verzichte. Das rechte Tun, Wissen und Tugend betätigend verlass die Welt.“
§138. „Viel Elefanten, Pferde, Städte
und an der Muschel [40] Freud empfunden.
§139. Taten denn deine Landbewohner, Freunde, Minister und Verwandten
dir etwas Böses, Janaka? Warum gefiel dir 's so zu tun?“
§140. „Gewiss nicht, o Migajina,
habe ich jemals irgendeinen Verwandten durch Unrecht besiegt
§141. „Da ich der Welt Ergehen sah,
wie sie verzehrt wird und voll Schmutz, —
sie da, wo herrscht das dumme Volk, —
§142. „Wer ist denn dein erhabner Lehrer,
und Weisheit, Völkerfürst, verschmähen, so sagt man, wenn man will erreichen, dass man das Leiden überschreitet.“
§143. „Gewiss nicht, o Migajina,
habe ich je einen Asketen oder Brahmanen angehört, bis ich jetzt hierher bin gelangt.“
§144. „Als ich mit großer Macht einherzog und hell erstrahlt' in meinem Glanz,
§145. da sah ich einen Mangobaum,
§146. Drum gab ich auf die Herrlichkeit und stieg herab, Migajina; zum Fuß des Mango ging ich hin,
§147. Als ich den Fruchtbaum sah vernichtet, zerstört, beraubt all seiner Blätter, da blickt' ich auf den andern Mango, den dunkel schimmernden, den schönen.
§148. Gerade so werden auch uns,
§149. Des Felles wegen stirbt der Panther, der Elefant der Zähne wegen, wegen des Gelds der Reiche; doch wer [41] tötet den Freund- und Heimatlosen?
Der Fruchtbaum und der unfruchtbare, sie beiden waren meine Lehrer.“
§150. „Das ganze Volk ist krank vor Trauer: ‘Der König hat die Welt verlassen’,
§151. Gib doch zuerst den Leuten Trost, stell ihnen eine Schutzwehr auf,
§152. „Auf gab ich meine Untertanen, Freunde, Minister und Verwandten.
§153a. „Komm her, ich werde dich belehren, was für ein Wort mir wohlgefällt:
§153b. Von Gaben andrer, von Almosen, die andre spenden, nähre dich;
So gab ihr das große Wesen eine Ermahnung. Während sie aber im gegenseitigen Gespräch weiter wandelten, ging die Sonne unter. Die Königin ließ an einer geeigneten Stelle ein befestigtes Lager schlagen. Das große Wesen aber begab sich nach der Wurzel eines Baumes und brachte hier die Nacht zu. Nachdem es am nächsten Tage die Reinigung seines Körpers besorgt, machte es sich wieder auf den Weg. Die Königin sagte: „Das Heer soll hinterdrein kommen“, und ging selbst hinter ihm her. Zur Zeit des Almosen Sammelns gelangten sie an eine Stadt namens Thuna.
§154. „Wer selbst zur vierten Essenszeit nicht isst, der wird als ein Halbtoter Hungers sterben; doch sollst du den gemeinen, schmutz'gen Bissen als edler Mann, als Weiser nicht verzehren. Das ist für dich nicht heilsam und nicht gut, dass du verzehrst, was ein Hund weggeworfen.“
§155. „Nicht ist mir dies, Sivali, nicht zu essen, das von sich warf ein Laie [42] oder Hund; die Güter alle, die rechtlich erworben, darf ohne Tadel man genießen, sagt man.“ —
Während sie so miteinander redeten, kamen sie an das Stadttor. Während dort Kinder spielten, schwenkte ein Mädchen in einem kleinen Worfelkorb Sand hin und her. An ihrer einen Hand war ein Armband, an der anderen zwei. Diese stießen aneinander; das andere aber machte keinen Lärm. Als der König die Ursache davon merkte, dachte er: „Sivali geht hinter mir drein; ein Weib aber ist eine Befleckung für einen, der die Welt verlässt. Man könnte mich tadeln: ‘Dieser kann, obwohl er ein Weltflüchtling ist, doch nicht seine Gattin verlassen.’ Wenn dies Mädchen weise ist, wird sie der Königin Sivali verkünden, warum sie umkehren muss. Wenn ich ihre Worte gehört habe, werde ich Sivali fortschicken.“ Und er sprach:
§156. „O Kind, das bei der Mutter ruht, das stets mit Ketten ist geschmückt, warum ertönt dein einer Arm, der andre Arm ertönet nicht?“
§157. „An dieser meiner Hand, Asket, sind zwei Armbänder angehängt.
Durch die Verein'gung kommt der Schall; wenn man zu zweit ist, geht dies so.
§158. An dieser andern Hand, Asket,
§159. Zum Streite gibt der Zweite Anlass; mit wem wird auch ein einz'ger streiten? Wenn du drum nach dem Himmel strebst, gefalle dir die Einsamkeit.“
§160. „Hast du gehört, o Sivali,
‘Wenn man zu zweit ist, geht dies so.’
§161. Dieser getrennte Weg, du Liebe, wird von den Wanderern betreten;
wähl du den einen dir davon, ich werde dann den andern gehen.
§162. „Während sie miteinander sprachen, kamen sie zur Stadt Thuna hin.“
§163. Am Laden eines Bogenmachers,
drückte damals der Bogenmacher das eine Auge zu und blickte zum krummen Bogen mit dem andern.
§164. „Siehst du denn gut auf diese Weise,
§165. „Mit beiden Augen, o Asket,
§166. Wenn man das eine Auge schließt und nur mit einem sieht die Krümme,
dann sieht man auch den zweiten Strich und es erscheint in Richtigkeit.
§167. Zum Streite nur der zweite dient; mit wem kann denn ein einz'ger streiten? Wenn du drum nach dem Himmel strebst, gefalle dir die Einsamkeit.“
§168. „Du hörtest, Sivali, die Verse, die uns der Bogenmacher sagte,
und eine Sklavin musst' mich tadeln; wenn man zu zweit ist, geht es so.
§169. Dieser geteilte Weg, du Liebe, wird von den Wanderern begangen;
Nicht mehr sollst du mich Gatte nennen und ich will nicht mehr Frau dich heißen.“
Obwohl ihr aber von ihm gesagt wurde: „Nicht mehr sollst du mich Gatte nennen“, folgte sie immer noch dem großen Wesen; doch konnte sie den König nicht zur Umkehr bewegen [43] und eine große Menge folgte ihr nach. Von da aber war der Wald nicht weit. Als das große Wesen den Rand des dunklen Waldes sah, bekam es Lust, sie zur Umkehr zu veranlassen. Wahrend es so dahinging, sah es in der Nähe der Straße Munja-Gras [44]. Davon riss es einen Halm ab und sagte: „Sieh, Sivali, dieses kann man nicht wieder mit dem andern verbinden; ebenso kann man auch mein Zusammensein mit dir nicht mehr wiederherstellen.“ Und es sprach folgende Halbstrophe:
§170. „Wie dieser Halm vom Gras gerissen, lebe allein, o Sivali!“
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon betätigte der Vollendete die große Weltentsagung“, und verband hierauf das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war die Meeresgottheit Uppalavannu, Narada war Sāriputta, Migajina war Mogallana, das Mädchen war die Nonne Khema, der Bogenmacher war Ananda, Sivali war die Mutter Rahulas, der Prinz Dighavu war Rahula, die Eltern waren Angehörige der Großkönigsfamilie, der Völkerfürst Mahajanaka aber war ich.“ Ende der Erzählung von Mahajanaka
[1] Dies soll geschehen, um bei den Schülern den Anschein zu erwecken, als habe ihr Lehrer wirklich seine Schwester gefunden.
[2] Cowell will statt des überlieferten „sattajamghasatani“ lesen „sattajamghasatthani“ und übersetzt „seven caravans with their beasts“. Doch kommen solche Ausdrücke mit „Beinen“ statt „Menschen“ auch sonst vor.
[3] Der vierte Teil eines Yojana, also etwa 5 Kilometer. [4] Dasselbe wie die vier Großkönige oder Erzengel („lokapala“), von denen ein jeder die Aufsicht über eine der vier Weltgegenden hat. Sie heißen Dhatarattha (Norden), Virulhaka (Süden), Virupakkha (Westen), Vessavana (Osten).
[5] Der Steinsitz, auf dem der König zu ruhen pflegt, wenn er in den Park kommt.
[6] „Sala“ heißt Halle, sala“ der Sala-Baum. Hier wie bei den anderen Strophen ist der Doppelsinn beabsichtigt.
[7] Das Wort wird unten bei der Lösung dieser Rätsel gedeutet als „Wasser“.
[8] Dies eigentümliche Mittel, durch Entsendung des königlichen Wagens ohne Lenker den Thronerben zu bestimmen, kommt auch sonst oft in den Jatakas vor.
[9] Die Zeichen, ob einer zum Throne berufen sei, waren besonders an den Füßen erkennbar; unter den 32, die man annahm, war das wichtigste ein Rad auf der Fußsohle.
[10] D. h. er ging ruhig weiter, wie wenn nichts geschehen wäre.
[11] Es kann auch heißen: Er gab ihr ein Schwert. Die von Cowell zitierte Parallele passt nicht recht.
[12] Hier wohl nur in der allgemeinen Bedeutung „Asketen“ gemeint.
[13] Das Wort „paccuggamanam“ = „Entgegengehen“ entspricht fast ganz dem in der Strophe gebrauchten „uggamanam“ = „Aufgehen“; ebenso ist es mit „anuggamanam“ = „Begleitung“, und „okkamanam“ = „Untergang“.
[14] Dieser Satz gehört, wie auch Cowell bemerkt, schon zur Rede der Leute.
[15] Die gewöhnliche Bedeutung von Yojana ist, wie so oft in den Jatakas, Meile. Hier ist künstlich das Wort mit dem aus gleicher Wurzel stammenden „yugam“ identifiziert.
[16] Cowell verweist auf einen ähnlichen Ausdruck im Harsacarita 63, 13 und 157, 1.
[17] Yugandhara ist der Name des den Berg Meru zunächst umgebenden Bergkreises. Der Zwischenraum ist mit Wasser ausgefüllt.
[18] Diese sechs Strophen finden sich auch im Jataka 483 Strophen 1-6. Einzelne von ihnen kommen auch an anderen Stellen vor.
[19] Almosen Geben, Tugend, Freigebigkeit, Frei Sein von Zorn, Nichtverletzen, Geduld, Gerechtigkeit, Milde, religiöser Eifer, Standhaftigkeit.
[20] Die Hölle, die sich in dem Raum zwischen drei Weltsystemen befindet. Weltsysteme gibt es unzählige, jedes mit eigner Sonne, die in Gruppen zu drei gegliedert sind. [21] Die sinnliche, körperliche und unkörperliche Existenz; Gegensatz Nirvana.
[22] In den folgenden Strophen sind die Unterschiede oft nur gering; doch schien es passend, sie wie im Original in extenso wiederzugeben.
[23] D. h. aus drei Städten bestehend. Nach anderer Lesart: „tipuram“ = „dreimal gefüllt“.
[24] Das hier gebrauchte Wort „kutagaram“ heißt gewöhnlich Pagode; doch bezeichnet es auch „flaches Dach“, „Balkon“ u. dgl.
[25] Entweder aus hundert Körnern oder Schichten bestehend oder hundert Früchte enthaltend?
[26] Zur Verzierung auf der Rückseite, wie der Kommentator bemerkt.
[27] „rukkharukkham“ und „vanavanam“ entsprechen in der Bildung dem oft vorkommenden „phalaphalam“.
[28] Dies ist die wörtliche Bedeutung von „rathakaro“. Cowell übersetzt „a cobbler“.
[29] So wie die buddhistischen Mönche gekleidet sind, wie auch sonst im einzelnen bei dieser Beschreibung der buddhistische Habitus zu Grunde gelegt ist.
[30] Nach der Lesart einer Handschrift „die anderen“.
[31] Nur bildlich gemeint, nicht auf eine etwaige Mönchsweihe zu beziehen; erst jetzt wurde er ein eigentlicher Asket.
[32] Diese Strophe steht in ihrem ersten Teile auch im Dhammapadam Vers 200; ebenso im Mahabharata Buch 12.
[33] Die höchsten Götter, die keine sinnlichen Vergnügungen mehr kennen wie die Götter im Himmel der Dreiunddreißig.
[34] Dies sind: 1. die Erkenntnis der Wunderkraft (und die Fähigkeit Wunder zu wirken), 2. das göttliche Gehör, 3. die Erkenntnis der Gedanken anderer, 4 die Erinnerung an die früheren Existenzen, 5. das göttliche Auge.
[35] Wörtlich: ein Buddha-Same.
[36] Es kann auch heißen: sein Karma.
[37] Wörtlich: in der sichtbaren Welt und der unsichtbaren.
[38] Die folgende Stelle findet sich auch im Samyutta-Nikaya, Band I, S. 7.
[39] Dies ist wohl der Familienname; auch sonst sehr häufig vorkommend als Name oder vielmehr Beiname von Asketen.
[40] Am Tragen der Almosenschale.
[41] Fausböll emendiert das unverständliche „dhanino hanti aniketam“, das auch der Kommentator nicht verstand, in „dhani, ko hanti aniketam“.
[42] Gemeint ist ein Angehöriger der dritten Kaste, der weder Brahmane noch Krieger ist.
[43] Oder ist statt „rajanam“ zu lesen „raja nam“, wobei „nam“ allerdings ungewöhnlich für das Femininum stände? Aber der Sinn wäre besser: „der König konnte sie ...“
[44] Die Grasart Saccharum munja, aus der die Brahmanenschnüre gefertigt werden.

References: §1

§2

§4

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§6

§7

§8

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§13

§16

§17

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