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Timestamp: 2016-10-28 08:41:18+00:00

Document:
U 439/05 (20.09.2006)
U 439/05
Pr�sident Ursprung, Bundesrichterin Widmer und Bundesrichter Fr�sard; Gerichtsschreiberin Weber Peter
A.________, 1944, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanw�ltin Karin Caviezel, Reichsgasse 65,
A.________, geboren 1944, war seit 28. Mai 2001 bei der Firma X.________ als Betriebsmechaniker in einem befristeten Anstellungsverh�ltnis t�tig und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen Berufs- und Nichtberufsunf�lle sowie Berufskrankheiten versichert. Im Winter arbeitete er jeweils als selbstst�ndiger Skilehrer. Am 27. August 2001 erlitt er einen Verkehrsunfall, bei dem er sich eine distale Radiusfraktur rechts mit leichter Einstauchung der Gelenkfl�che, eine Thoraxkontusion rechts basal sowie eine Schulterkontusion rechts mit Verdacht auf Rotatorenmanschettenl�sion zuzog. Hinzu kamen Beschwerden in der LWS. Am 26. Dezember 2001 glitt der Versicherte auf Schnee aus und brach den linken Unterschenkel, welcher gleichentags in der Klinik G.________ osteosynthetisiert wurde. Nach Abschluss der Unfallbehandlungen sprach die SUVA dem Versicherten mit Verf�gung vom 22. Mai 2003 eine Invalidenrente aufgrund einer Erwerbsunf�higkeit von 23 % ab 1. Februar 2003 und eine Integrit�tsentsch�digung von 20 % zu. Auf Einsprache hin erh�hte sie die Integrit�tsentsch�digung auf 25 % und hielt im �brigen an der Verf�gung fest (Einspracheentscheid vom 18. Juni 2004).
Die dagegen erhobene Beschwerde, mit welcher ein Bericht der Klinik V.________, Interdisziplin�re Schmerzsprechstunde (vom 2. November 2004), eingereicht worden war, wies das Verwaltungsgericht des Kantons Graub�nden mit Entscheid vom 14. Juni 2005 ab.
A.________ l�sst unter Beilage eines Schreibens der Klinik S.________ (vom 7. November 2005) Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit den Rechtsbegehren, in Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheides sei die Sache zur Einholung eines medizinischen Gutachtens �ber die Restarbeitsf�higkeit und zur Neuberechnung von Invalidit�tsgrad und Rente an die Vorinstanz zur�ckzuweisen; eventuell sei eine Rente bei einem Invalidit�tsgrad von 62 % zuzusprechen. Zudem wird um unentgeltliche Verbeist�ndung ersucht.
Die SUVA beantragt Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend das Bundesamt f�r Gesundheit (BAG) auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Streitig und zu pr�fen ist die H�he der Rente, welche die SUVA dem Beschwerdef�hrer ab 1. Februar 2003 auszurichten hat. Verwaltung und kantonales Gericht haben die diesbez�glich massgebenden gesetzlichen Bestimmungen und Grunds�tze �ber den Rentenanspruch (Art. 18 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG) sowie die Ermittlung des Invalidit�tsgrades bei Erwerbst�tigen nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 16 ATSG) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt hinsichtlich der anwendbaren Beweisgrunds�tze (vgl. auch BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen). Richtig sind auch die vorinstanzlichen Erw�gungen zur Aufgabe des Arztes oder der �rztin im Rahmen der Invalidit�tsbemessung (vgl. ferner BGE 125 V 261 Erw. 4 mit Hinweisen) sowie zum Beweiswert und zur W�rdigung medizinischer Berichte und Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Darauf wird verwiesen.
Nach W�rdigung der medizinischen Aktenlage ging die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid davon aus, dass gest�tzt auf die schl�ssigen und �bereinstimmenden Ergebnisse der verschiedenen SUVA-internen medizinischen Abkl�rungen dem Beschwerdef�hrer aufgrund der Unfallrestfolgen eine leichte wechselbelastende T�tigkeit ganztags zumutbar ist und sich weitergehende Abkl�rungen er�brigen. Dies ist nicht zu beanstanden. Wie die Vorinstanz zu Recht erwog, wird diese Einsch�tzung durch den Bericht der Klinik V.________ vom 2. November 2004, der vom Beschwerdef�hrer selbst aufgelegt worden war, nicht in Zweifel gezogen. Diesem Bericht ist zu entnehmen, dass die k�rperliche Leistungsf�higkeit (selbst unter Einbezug des lumboverterbralen Schmerzsyndroms) einer leichten bis maximal mittelschweren wechselbelastenden T�tigkeit entspricht - womit sogar noch eine etwas h�here Belastung im Vergleich zur SUVA-Abkl�rung zugemutet wird. Diese Beurteilung ergibt sich aufgrund eines am 30. September 2004 durchgef�hrten Basistests der k�rperlichen Leistungsf�higkeit durch die Ergonomieabteilung der Klinik V.________. Entgegen dem Einwand des Beschwerdef�hrers ist aus dem entsprechenden Testbericht klar ersichtlich, dass sich die erw�hnte Leistungsf�higkeit auf einen vollen 8-Stunden Arbeitstag bezieht. Daran vermag der Umstand, dass der Test nicht w�hrend 8 Stunden und nicht w�hrend mehreren Tagen durchgef�hrt wurde, nichts zu �ndern. Es besteht kein Grund f�r eine erneute Pr�fung der funktionellen Leistungsf�higkeit. Auch das vom Beschwerdef�hrer aufgelegte Schreiben der Klinik S.________ vom 7. November 2005 vermag an der Beurteilung der Zumutbarkeit nichts zu �ndern. Zur verbleibenden Arbeitsf�higkeit bis zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides, welcher die zeitliche Grenze der richterlichen �berpr�fungsbefugnis bildet (BGE 129 V 4 Erw. 1.2), ergibt sich daraus nichts. Wie die Beschwerdegegnerin zudem zu Recht einwendet, werden darin lediglich Vermutungen ge�ussert, wonach die Schmerzen im Unterschenkel "unter Umst�nden" auf eine Irregularit�t der Syndesmose zur�ckgef�hrt werden "k�nnten". Bei dieser Ausgangslage sind von erg�nzenden medizinischen Abkl�rungen, insbesondere der beantragten Einholung eines medizinischen Gutachtens �ber die Restarbeitsf�higkeit, keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet wird (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 124 V 9 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d und seitherige Entscheide).
Zu pr�fen bleiben die erwerblichen Auswirkungen des unfallbedingten Gesundheitsschadens. W�hrend SUVA und Vorinstanz die Invalidit�t mit 23 % bemassen, geht der Beschwerdef�hrer von einem Invalidit�tsgrad von 62 % aus.
3.1 Streitig ist zun�chst die Berechnung des Valideneinkommens. Das kantonale Gericht erwog, dass der Beschwerdef�hrer ohne unfallbedingten Gesundheitsschaden gem�ss Auskunft der letzten Arbeitgeberin, die Firma X.________ (vom 6. August 2003 und 5. Februar 2004), ein Einkommen von Fr. 63'700.- (13 x 4'900.-) erzielen k�nnte. Demgegen�ber vertritt der Beschwerdef�hrer erneut den Standpunkt, bei der Firma X.________ als tempor�r angestellter Betriebsmechaniker einen Stundenlohn von brutto Fr. 37.- (inklusive Ferienentsch�digung und 13. Monatslohn) erzielt zu haben, was bei Annahme einer vollzeitlichen Erwerbst�tigkeit von 42 Stunden pro Woche einen Jahresbruttolohn von Fr. 74'592.- (Fr. 37.- x 42 Stunden x 48 Stunden) ergebe. Dies entspreche einem Monatslohn von Fr. 6'216.- und somit in etwa einem Durchschnittslohn f�r gelernte Mechaniker gem�ss LSE-Tabellen (privater Sektor, Sektor 3 Dienstleistungen).
3.2 Mit der Vorinstanz besteht kein Grund, an den Ausk�nften der Personalverantwortlichen der Firma X.________ zu zweifeln, wonach der mutmassliche Verdienst im Jahr 2003 Fr. 4'900.- monatlich betragen h�tte. Der im Unfallzeitpunkt ausbezahlte Stundenlohn von brutto Fr. 37.- sei nur durch die befristete Tempor�ranstellung und dadurch begr�ndet gewesen, dass sich der Betrieb im Zeitpunkt der Einstellung des Versicherten Ende Mai 2001 in einer Notlage befunden habe. Im Bericht der SUVA vom 18. April 2002 wird dies denn auch insofern best�tigt, als der Versicherte anl�sslich einer Besprechung selbst ausf�hrte, dass Not am Mann gewesen sei und er einen tempor�ren Einsatz so lange leisten konnte, bis ein neuer Mitarbeiter (Betriebsmechaniker) gefunden werde. Der Beschwerdef�hrer ist gelernter Automechaniker mit zwar vielf�ltiger und langj�hriger Berufserfahrung als Mechaniker und Monteur; er war aber jeweils lediglich in tempor�rer Anstellung t�tig (im Winter arbeitete er als selbstst�ndiger Skilehrer) und ist nicht gelernter Betriebsmechaniker. Mithin ist nicht nachvollziehbar, weshalb sein Verdienst h�her sein sollte als der eines gelernten Betriebsmechanikers in dieser Firma (von Fr. 72'800.-). Zudem ist aus den Akten nirgends ersichtlich und wird denn auch nicht geltend gemacht, dass er vormals ohne unfallbedingten Gesundheitsschaden jeweils ein entsprechend hohes Einkommen erzielt hat. Das von der Vorinstanz angenommene Valideneinkommen von Fr. 63'700.- ist mithin nicht zu beanstanden. Daran verm�gen die weiteren Einwendungen des Beschwerdef�hrers nichts zu �ndern, zumal auch die Invalidenversicherung von einem Valideneinkommen in �hnlichem Umfange (Fr. 65'000.-) ausgegangen ist. Dies entspricht dem Durchschnittslohn (2002) f�r M�nner mit Berufs- und Fachkenntnissen (privater Sektor, Anforderungsniveau 3, Dienstleistungen). Von einem unterdurchschnittlichen Einkommen kann vorliegend keine Rede sein.
3.3 Nicht zu beanstanden ist schliesslich die Ermittlung des hypothetischen Invalideneinkommens unter Beizug der statistischen Werte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE (BGE 129 V 475 Erw. 4.2.1 mit Hinweisen). Gem�ss Tabelle TA 1 (LSE 2002) belief sich der durchschnittliche Lohn von M�nnern f�r einfache und repetitive T�tigkeiten (Anforderungsniveau 4) auf Fr. 4'557.- pro Monat. Angepasst an die betriebs�bliche w�chentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Die Volkswirtschaft 5/2006 S. 86 Tabelle B 9.2) sowie die Lohnentwicklung im Jahre 2003 von 1,4 % (a.a.O., S. 87 Tabelle B 10.2) und unter zutreffender Ber�cksichtigung eines zumutbaren vollen Arbeitspensums in einer angepassten T�tigkeit (vgl. Erw. 2 hievor), ergibt sich mit Vorinstanz und SUVA ein m�gliches Einkommen von Fr. 57'806.- pro Jahr. Dies wird denn auch nicht bestritten. Wie das kantonale Gericht mit zutreffender Begr�ndung erkannt hat, rechtfertigt es sich mit Blick auf die geltende Rechtsprechung (BGE 126 V 78 ff. Erw. 5), einen leidensbedingten Abzug vorzunehmen, der unter Ber�cksichtigung des Alters des Beschwerdef�hrers sowie der Tatsache, dass ihm nur noch leichtere T�tigkeiten zugemutet werden k�nnen, mit 15 % im Rahmen der Angemessenheitskontrolle (Art. 132 lit. a OG) nicht zu beanstanden ist. F�r den von Seiten des Beschwerdef�hrers geltend gemachten Maximal-Abzug von 25 % besteht kein Grund. Mithin ist der von der Vorinstanz ermittelte Invalidit�tsgrad von 23 % zu best�tigen.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 134 OG). Die unentgeltliche Verbeist�ndung kann gew�hrt werden, da die hierf�r nach Gesetz (Art. 152 in Verbindung mit Art. 135 OG) und Praxis (BGE 125 V 202 Erw. 4a und 372 Erw. 5b, je mit Hinweisen) erforderlichen Voraussetzungen erf�llt sind. Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 152 Abs. 3 OG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu im Stande ist.
Zufolge Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege wird Rechtsanw�ltin Karin Caviezel, Chur, f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) ausgerichtet.
Luzern, 20. September 2006

References: Art. 8
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 135
 Art. 152