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Timestamp: 2019-10-18 19:30:42+00:00

Document:
BPatG, 2 Ni 1/03: BPatG: stand der technik, chlor, patentanspruch, fig, erfindung, druck, strahlung, nichtigkeitsgrund, bibliothek, neuheit
Urteil des BPatG vom 29.04.2004, 2 Ni 1/03
BPatG: stand der technik, chlor, patentanspruch, fig, erfindung, druck, strahlung, nichtigkeitsgrund, bibliothek, neuheit
Verkündet am 29. April 2004 …
2 Ni 1/03 (EU)
betreffend das europäische Patent 0 338 637
(DE 589 09 367)
mündlichen Verhandlung vom 29. April 2004 unter Mitwirkung des Vorsitzenden
Richters Meinhardt sowie der Richter Dipl.-Phys. Dr. Gottschalk, Gutermuth,
Dipl.-Phys. Lokys und Dipl.-Phys. Dr. Häußler
Die Beklagte ist eingetragene Inhaberin des am 17. April 1989 unter Inanspruchnahme der Priorität der deutschen Patentanmeldung 3813421 vom 21. April 1988
angemeldeten, mit Wirkung auch für die Bundesrepublik Deutschland erteilten europäischen Patents 0 338 637 (Streitpatent), das eine Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe betrifft und vom Deutschen Patent- und Markenamt unter
der Nummer 589 09 367 geführt wird. Das Patent umfaßt drei Patentansprüche,
von denen die angegriffenen Patentansprüche 1 und 2 in der Verfahrenssprache
Deutsch folgenden Wortlaut haben:
"1. Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe mit einem
Kolben aus hochtemperaturfestem Material, der Elektroden
aus Wolfram und eine Füllung enthält, die im wesentlichen
aus Quecksilber, Edelgas und im Betriebszustand freiem
Halogen besteht, dadurch gekennzeichnet, daß die Quecksilbermenge größer als 0,2 mg/mm 3 ist, der Quecksilberdampfdruck größer als 200 x 10 5 Pa (200 bar) und die
Wandbelastung größer als 1 W/mm 2 ist und daß wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom oder Jod in einer
Menge zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 vorhanden ist.
2. Entladungslampe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Quecksilbermenge zwischen 0,2 und 0,35
mg/mm 3 und der Quecksilberdampfdruck im Betrieb zwischen 200 x 10 5 Pa und 350 x 10 5 Pa (200 und 350 bar)
Mit ihrer Teilnichtigkeitsklage macht die Klägerin geltend, das Patent offenbare die
Erfindung nicht so deutlich und vollständig, daß ein Fachmann sie ausführen könne. Auch wenn er die praktischen Ausführungsbeispiele in der Patentschrift (Lampen 1 bis 3) mit den dortigen Angaben nachbauen könne, könne der Fachmann
bei den den Quecksilberdampfdruck und den Anteil der Halogene betreffenden
Merkmalen mit dem Fachwissen des Prioritätstages nicht feststellen, ob im durch
die Patentansprüche geschützten Bereich gearbeitet werde oder nicht. Zudem
fehlten im Patentanspruch 1 Angaben zur Lampenleistung. Unterstelle man einen
nacharbeitbaren Patentgegenstand, fehle es ihm an Neuheit, jedenfalls aber an
erfinderischer Tätigkeit gegenüber dem Stand der Technik zum Prioritätstag. Ihr
Vorbringen stützt sie auf folgende Unterlagen:
K2 Schreiben Bekl. an Kl. vom 23. März 2001
K3 Dakin / Gilliard, "Energy balance of the high-pressure mercury discharge with sodium- and scandium iodide additives", J. Appl. Phys.,
Vol. 62, No. 1, 1 July 1987
K4 EP 0 562 872 B1
K5 EP 0 901 151 B1
K6 Schreiben Bekl. an Kl. vom 9. August 2001
K7 Höfling, Physik-Lehrbuch für die gymnasiale Oberstufe, 1962,
K8 E. Fischer, "Ultra high performance discharge lamps for projection
TV systems", 1998, S. 36 bis 41
K9 Schreiben Bekl. an Kl. vom 8. Mai 2002
K10 EP 0 576 071 A1
K11 US-PS 2 094 694
K12 OS 1 489 417
K13 japanische Offenlegungsschrift 54-150871 nebst englischsprachiger
Übersetzung und englischsprachigem Patent Abstract of Japan
K14 Monographie "The High Pressure Mercury Vapour Discharge" von
W. Elenbaas, North Holland Publishing Company, Amsterdam,
K15 japanische Offenlegungsschrift 49-5421 mit englischsprachiger
K16 Verletzungsklage LG Hamburg vom 30. August 2002
K17 Schriftsatz Philips vom 16. Juni 2003 i.V. LG Hamburg
315 O 482/02
K18 Beweisbeschluß LG Hamburg 315 O 482 vom 13. November 2003
K19 Japan Patent Office Decision, Nullification No. 2003-35241 vom
K20 Herausgeber W. Elenbaas, "Quecksilberdampfhochdrucklampen",
Philips Technische Bibliothek,1966 (vollständig in der Verh. übergeben)
das Streitpatent mit Wirkung für die Bundesrepublik Deutschland im Umfang der Patentansprüche 1 und 2 für nichtig zu erklären.
Sie tritt den Ausführungen der Klägerin in allen Punkten entgegen und hält das
Streitpatent im angegriffenen Umfang für patentfähig. Ihr Vorbringen stützt sie auf
NB 1 Merkmalsanalyse
NB 2 Darlegung "The virial equitation of state for mercury"
NB 3,4 Gasdruck-Berechnungen
NB 5 S. 34 bis 38 aus W. Elenbaas, "Quecksilberdampfhochdrucklampen", Philips Technische Bibliothek,1966 (vollst. K20,s.o.)
NB 6 S. 32 bis 35, 46, 47 und 134,135 aus "The High Pressure
Mercury Vapour Discharge" von W. Elenbaas, North Holland
Publishing Company, Amsterdam, 1951 (vollst.K14, s.o.)
NB 7 W. Elenbaas, "Der Gradient der Quecksilber-Hochdruckentladung als Funktion von Druck, Durchmesser und Stromstärke",
Physica 2 (1935), S.787 – 792
NB 8 H. Zwicker, "Evaluation of plasma parameters in optically thick plasmas", in "Plasma - Diagnostics" (Herausg. W. Lochte-Holtgreven)
NB 10 I. Hangos / L. Bartha, "THE ROLE OF IMPURITY METALS IN
HALOGEN LAMPS", Acta Technica Academiae Scientarium
Hungaricae, Tomus 78 (3 - 4), pp. 405-416 (1974)
NB 11 L.N. Yannapoulos / A.L. Wolfe, "The influence of metallic impurities on the tungsten bromine regenerative cycle of linear quartz
bromine lamps", J. Appl. Phys., Vol.50(9), September 1979
Die Klage, mit der die in Artikel II § 6 Absatz 1 Nrn. 1 und 2 IntPatÜG, Artikel 138
Absatz 1 lit a) und b) EPÜ iVm Artikel 56 EPÜ vorgesehenen Nichtigkeitsgründe
der mangelnden Offenbarung sowie der fehlenden Patentfähigkeit geltend gemacht werden, ist zulässig, jedoch nicht begründet.
1. Streitpatentgegenstand
Nach den Angaben in der Streitpatentschrift (Seite 2, Absätze 1 und 2) wird im
Oberbegriff des erteilten Patentanspruchs 1 von einer Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe ausgegangen, wie sie aus der deutschen Offenlegungsschrift 1 489 417 (Anlage K12) bekannt ist (vgl die dortige Superhochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe mit dem Quarzglaskolben (1), den Wolfram-Elektroden (3, 4) und der Füllung aus Quecksilber, Edelgas und - im Betriebszustand
selbstverständlich freiem - Halogen im Anspruch 1 iVm der einzigen Fig und der
dazugehörigen Beschreibung auf S 3, Abs 2). Derartige Lampen mit Quecksilberdampfdrücken von etwa 120 bar erzeugten zwar eine hohe Leuchtdichte, gäben
jedoch im wesentlichen ein typisches Quecksilber-Spektrum, das einem kontinuierlichen Spektrum überlagert sei, mit einem niedrigen Rotanteil ab (S 2, Abs 3 der
Bei einer aus der britischen Patentschrift 1 109 135 bekannten Superhochdruck-
Quecksilberdampfentladungslampe mit bis zu 0,15 mg Quecksilber pro Kubikmillimeter, einem Quecksilberdampfdruck von etwa 150 bar und mindestens einem
Metalljodid zur Verbesserung der Farbwiedergabe führe die hohe Elektrodenbelastung dazu, daß Wolfram von den Elektroden verdampfe und sich auf der Kolbenwand niederschlage, wobei die daraus resultierende Schwärzung des Kolbens eine starke Erhitzung des Kolbens zur Folge habe, die insbesondere bei hohen
Quecksilberdampfdrücken zu einer Explosion des Kolbens führen könne (S 2,
Abs 4 der Streitpatentschrift).
Vor diesem Hintergrund liegt dem Streitpatentgegenstand als technisches Problem die Aufgabe zugrunde, eine Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe
der gattungsgemäßen Art zu schaffen, welche außer einer hohen Leuchtdichte
und einer guten Lichtausbeute eine verbesserte Farbwiedergabe sowie eine längere Lebensdauer aufweist (S 2, Abs 5 der Streitpatentschrift).
Zur Lösung dieser Aufgabe weist der erteilte Patentanspruch 1 des Streitpatents
- entsprechend der Merkmalsanalyse aus dem Verletzungsprozeß - folgende
Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe
1. mit einem Kolben aus hochtemperaturfestem Material,
2. der Elektroden aus Wolfram und
3. eine Füllung enthält, die im wesentlichen aus Quecksilber,
Edelgas und im Betriebszustand freiem Halogen besteht
(Oberbegriff),
4. wobei die Quecksilbermenge größer als 0,2 mg/mm 3 ist,
5. der Quecksilberdampfdruck größer als 200 x 10 5 Pa
(200 bar) ist,
6. die Wandbelastung größer als 1 W/mm 2 ist und
7. wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom oder Jod in einer Menge zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 vorhanden ist
(Kennzeichen).
Wie sich aus den nachfolgenden Ausführungen ergibt, ergänzen und fördern sich
die Merkmale nach dem kennzeichnenden Teil des erteilten Patentanspruchs 1
gegenseitig bei der Lösung der Aufgabe (Merkmalskombination).
Gemäß der Streitpatentschrift (S 2, Abs 7) sind bis zu einem Quecksilberdampfdruck von etwa 150 bar die Lichtausbeute und die Farbwiedergabeeigenschaften
von Quecksilberhochdrucklampen praktisch konstant, da im wesentlichen eine Linienstrahlung des Quecksilbers sowie ein kontinuierlicher Strahlungsanteil emittiert werde, der aus der Rekombination von Elektronen und Quecksilberatomen
herrühre. Überraschenderweise habe sich bei höheren Quecksilberdampfdrücken
ein deutlicher Anstieg der Lichtausbeute und des Farbwiedergabeindex ergeben,
der durch einen drastischen Anstieg des Anteils kontinuierlicher Strahlung verursacht werde (Fig 3 der Streitpatentschrift nebst zugehöriger Beschreibung). Vermutlich leiste bei hohen Drücken über 200 bar (Merkmal 5. der Merkmalsanalyse)
neben einer Kontinuumsemission aus quasimolekularen Zuständen auch die Bandenemission echter gebundener Molekülzustände einen erheblichen Beitrag. Bei
einem Betriebsdruck von 300 bar liege der Kontinuumsanteil der sichtbaren Strahlung deutlich über 50%. Hierdurch erhöhe sich auch der Rotanteil des ausgestrahlten Lichtspektrums. Die Obergrenze des Quecksilberdampfdruckes hänge von der
Festigkeit des Kolbenmaterials ab und liege in der Praxis bei etwa 400 bar (S 2,
Abs 9).
Nach den Angaben der Beklagten (vgl auch die Streitpatentschrift, S 2, Abs 10)
könnten die durch den Quecksilberdampfdruck größer als 200 bar (Merkmal 5. der
Merkmalsanalyse) bedingten sehr kleinen Kolbenabmessungen zu einer verstärkten Wandschwärzung durch von den Elektroden verdampfendes Wolfram führen.
Dies müsse jedoch unbedingt vermieden werden, da andernfalls durch vermehrte
Absorption von Wärmestrahlung die Wandtemperatur während der Lebensdauer
anstiege, was zur Zerstörung des Lampenkolbens führen würde. Als Gegenmaßnahme sei gemäß dem erteilten Patentanspruch 1 neben einer Wandbelastung
größer als 1 W/mm 2 (Merkmal 6. der Merkmalsanalyse) - die zu einer hohen Temperatur der Kolbenwand und damit zu einer geringeren Schwärzung der Kolbenwand durch sich niederschlagendes Wolfram führe - wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom oder Jod in einer Menge zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 vorhanden (Merkmal 7. der Merkmalsanalyse) (die beiden Grenzwerte von 10 -6 bzw. 10 -4 μmol/mm 3 gehören dabei nicht zu dem beanspruchten Halogenbereich, da es sich
hierbei - aufgrund der Angabe "zwischen" - um ein offenes Intervall im mathematischen Sinne handelt). Die Halogene bewirkten einen Wolframtransportzyklus,
durch den das Wolfram vom Lampenkolben zu den Elektroden zurücktransportiert
werde. Da ein Teil des Halogens durch das im Kolben vorhandene Quecksilber
gebunden werde, sei die vorgesehene Halogenmenge zwischen 10 -6 und
10 -4 μmol/mm 3 außerordentlich gering, zumal ein sehr hoher Quecksilberdampfdruck größer als 200 bar vorgesehen sei. Als Halogen werde zweckmäßigerweise
Brom verwendet, das in Form von CH2Br2 mit einem Fülldruck von etwa 0,1 m bar
in die Lampe eingebracht werde und sich zersetze, sobald die Lampe gezündet
werde (S 2, Z 55 bis 58).
Gemäß der Streitpatentschrift (S 2, le Z bis S 3, Abs 1) enthalten die erfindungsgemäßen Lampen kein Metallhalogenid, da für eine nennenswerte Erhöhung des
Kontinuumsanteils der Strahlung eine so hohe Metallhalogenidkonzentration erforderlich wäre, daß infolge der hohen Wolframtransportraten eine sehr schnelle Korrosion der Elektroden auftreten würde. Hochbelastete Metallhalogenidlampen, wie
sie beispielsweise in der vorgenannten britischen Patentschrift 1 109 135 beschrieben seien, erreichten daher typischerweise nur Lebensdauern von einigen
hundert Stunden, während bei den erfindungsgemäßen Lampen Lebensdauern
von mehr als 5000 Stunden bei fast konstanter Lichtausbeute (Δη < 2%) und fast
völlig gleichbleibenden Farbkoordinaten (Δx, Δy < 0,005 während 5000 Stunde) erreicht werden könnten.
Der geltend gemachte Nichtigkeitsgrund der mangelnden Offenbarung liegt nicht
Zum einen definiert die Klägerin diesen Nichtigkeitsgrund zu ausweitend, wobei
sie angebliche Unklarheiten bei der Bestimmung des Schutzbereichs als Grundlage heranzieht. In seinen Entscheidungen "Taxol" und "Kupplungsvorrichtung II"
hat der Bundesgerichtshof ausgeführt, daß für die Ausführbarkeit eines Gegenstandes eines Patentanspruches die eines aufgeführten Ausführungsbeispiels genügt und es für die Angaben, die der Fachmann zur Ausführung benötigt, ausreicht, wenn sie sich aus dem Inhalt der Patentschrift insgesamt ergeben (GRUR
2001,813 und 2003,223,225 li Sp). Nachdem die Klägerin die Ausführbarkeit der in
der Patentschrift aufgeführten drei Lampenbeispiele eingeräumt hat, hätte sie für
bestimmte beanspruchte Merkmalskombinationen bzw. Parameterbereiche darlegen und zumindest glaubhaft machen müssen, daß dort Ausführbarkeit nicht gegeben ist (vgl Busse, PatG 6. Aufl, § 34 Rdnr 87,88). Eine unangemessene Breite
eines Patentanspruchs stellt für sich allein keinen Widerrufs- oder Nichtigkeitsgrund dar (Busse aaO), auch wenn vor der Erteilung eine Abgrenzung gemäß
§ 84 EPÜ verlangt werden könnte. Die Argumentationslinie der Klägerin geht
auch, unter Berufung auf BPatG 15 W (pat) 27/01 und Entscheidungen des EPA,
z.B. T 225/93, in eine andere Richtung. Letztlich behauptet sie nicht fehlende Ausführbarkeit in bestimmten Parameterbereichen, etwa an den "Rändern" des
Schutzbereichs, sondern das Vorliegen zur Herstellung patentgemäßer Lampen
generell ungeeigneter Merkmalsangaben, wobei ein gewisser Widerspruch zur
Einräumung der Herstellbarkeit der Ausführungsbeispiele ersichtlich wird.
Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist zur Erläuterung der Patentansprüche
die Beschreibung heranzuziehen (BGH GRUR 1986, 803, 805 li Sp Abs 2 - "Formstein"). Auch müssen die Angaben, die der Fachmann zur Ausführung der geschützten Erfindung benötigt, nicht im Patentanspruch enthalten sein, vielmehr genügt es, wenn sie sich aus dem Inhalt der Patentschrift insgesamt ergeben (BGH
GRUR 2003, 223, Leitsatz - "Kupplungsvorrichtung II").
Im vorliegenden Fall kann der Fachmann aufgrund des Inhalts der gesamten
Streitpatentschrift auch ohne Berechnung oder Messung des Drucks zu einer
Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe mit einem Quecksilberdampfdruck
größer als 200 bar im Sinne des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents gelangen, wenn er nur die detaillierten Angaben der Ausführungsbeispiele befolgt.
Arbeitet er beispielsweise das mit "Lampe 2" bezeichnete Ausführungsbeispiel
nach, indem er einen ellipsoidförmigen Lampenkolben nach Figur 1 mit 1,7 mm
Wandstärke, 5 mm Länge, 2,5 mm Durchmesser, 16,5 mm 3 Kolbenvolumen und
1,0 mm Elektrodenabstand vorsieht, den Kolben mit 4 mg Quecksilber füllt und die
Lampe mit den angegebenen 40 W Leistung betreibt, so stellt sich ein - durch die
übrigen Parameter der Lampe 2 definierter - Quecksilberdampfdruck (Betriebsdruck) von ca. 220 bar im Sinne des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents
nämlich von selbst ein (vgl hierzu auch BGH GRUR 2001, 232 Leitsatz - "Brieflocher"; GRUR 1999, 909, Leitsatz 2 - "Spannschraube").
Arbeitet der Fachmann auch das mit "Lampe 1" bezeichnete Ausführungsbeispiel
nach, so gelangt er - ebenfalls ohne Messung und/oder Berechnung - zu einer
Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe mit einem Betriebsdruck von ca.
200 bar. Vom Aufbau her unterscheidet sich die Lampe 1 von der Lampe 2 im we-
sentlichen durch das signifikant größere Kolbenvolumen von 23 mm 3 (gegenüber
16,5 mm 3 bei der Lampe 2). Das größere Volumen ist daher - wie vom Fachmann
nach dem Gesetz für ideale Gase bzw. nach der Virialgleichung für reale Gase
nicht anders zu erwarten - der wesentliche Grund für den niedrigeren Betriebsdruck der Lampe 1 von ca. 200 bar (gegenüber ca 220 bar bei der Lampe 2).
Um die Lehre des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents auch im gesamten
beanspruchten Bereich größer 200 bar - d.h. vorzugsweise bis 350 bar (Unteranspruch 2) bzw. maximal bis 400 bar (Streitpatentschrift, S 2, Z 44 bis 46) - ausführen zu können (BGH GRUR 1978, 162, 164 re Sp - "7-chlor-6-demethyltetracyclin"; Schulte PatG 6. Aufl § 34 Rdn 331 und 332), braucht der Fachmann also lediglich das Volumen der Lampe 1 sukzessive bis zur Druck-Obergrenze zu verringern, bei der der Kolben dem Druck nicht mehr standhält.
Soweit die Klägerin bestreitet, daß der Betriebsdruck der Ausführungsbeispiele
dem Quecksilberdampfdruck entspricht - weil er auch den Partialdruck des Edelgases umfasse -, kann dem insofern nicht gefolgt werden, als der Edelgasdruck
von Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampen in der Größenordnung von
0,00075 bis 0,019 bar liegt (1 bis 25 mm Hg; vgl die Anlage K14, S 6, Abs 1), d.h.
gegenüber dem Quecksilberdampfdruck größer als 200 bar vernachlässigbar gering ist, der sich erst im Betrieb durch Verdampfen des Quecksilbers einstellt und
daher auch als Betriebsdruck bezeichnet wird.
Im übrigen reicht zur Bestimmung des Quecksilberdampfdrucks im gesamten beanspruchten Bereich größer als 200 bar ausweislich der Anlage NB 2 auch das
Gesetz für ideale Gase zumindest in erster Näherung aus. Denn danach errechnet
sich nach dem Gesetz für ideale Gase bei einer Wandtemperatur von 1200 K zwar
eine Abweichung von 7% gegenüber der für reale Gase geltenden Virialgleichung.
Bei den im Kolbeninnern vorherrschenden Temperaturen im Bereich von 2000
bis 3000 K (Anlage NB 3, Diagramm auf S 1) ist die Abweichung jedoch insofern
vernachlässigbar, als der dafür ursächliche zweite Virialkoeffizient B(T) bei 3000 K
praktisch gleich Null ist und erst unterhalb 2000 K - etwa ab 1500 K - steil ins Negative abfällt (vgl hierzu das Diagramm auf S 3 der Anlage NB 2).
Das Merkmal des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents, wonach wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom oder Jod in einer Menge zwischen 10 -6 und
10 -4 μmol/mm 3 vorhanden ist (Merkmal 7. der Merkmalsanalyse), ist für den Fachmann insofern ohne weiteres ausführbar, als es sich dabei nach den Angaben in
der Streitpatentschrift (S 2, Z 55 bis 57) eindeutig um die Füllmenge handelt. Denn
danach wird in die erfindungsgemäße Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe als Halogen zweckmäßigerweise Brom in Form von CH2Br2 mit einem
Fülldruck von etwa 0,1 m bar eingebracht, weil sich diese Verbindung zersetzt,
sobald die Lampe gezündet wird. Bei den Ausführungsbeispielen (Lampen 1 bis 3)
ist dementsprechend eine Füllung von 5 x 10 -6 μmol/mm 3 CH2Br2 vorgesehen, die
bei der Zersetzung 10 -5 μmol/mm 3 Brom ergibt (siehe Lampe 1) (der Faktor 2 zwischen der Brom- und der CH2Br2-Konzentration resultiert ersichtlich daraus, daß
jedes CH2Br2-Molekül jeweils zwei Bromatome freigibt, die wegen der hohen Temperatur dissoziiert bleiben, dh kein Br2-Molekül bilden). Durch Variation der
CH2Br2-Füllung ist dabei jede Bromkonzentration im beanspruchten Bereich zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 einstellbar, wobei sich auch bei den weiteren Halogenen Chlor und Jod eine entsprechende Vorgehensweise anbietet.
c) Lampenleistung
Die zulässigen Lampenleistungen brauchen insofern nicht in den Patentanspruch 1 des Streitpatents aufgenommen zu werden, als es sich hierbei nach der
Gesamtoffenbarung der Streitpatentschrift um keinen für die Problemlösung relevanten Parameter handelt. Für die Ausführbarkeit der Erfindung reicht es aber völlig aus, daß bei den Ausführungsbeispielen Leistungen von 50 W (Lampe 1), 40 W
(Lampe 2) bzw. 30 W (Lampe 3) genannt sind (vgl hierzu BGH "Kupplungsvorrichtung II" aaO).
a) Patentanspruch 1
Der Gegenstand des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents ist gegenüber
dem von der Klägerin entgegengehaltenen Stand der Technik patentfähig.
α) Die Neuheit der beanspruchten Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe
gegenüber dem entgegengehaltenen Stand der Technik ergibt sich ohne weiteres
daraus, daß keine der von der Klägerin genannten Entgegenhaltungen eine Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe mit einer Elektrode aus Wolfram offenbart, bei der in der Kolben-Füllung wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom
oder Jod in einer Menge zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 vorhanden ist, wie dies
dem Merkmal 7. der Merkmalsanalyse des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents entspricht.
Die umfängliche Anlage K14 offenbart an einer Stelle (Fig 54b. mit zugehöriger
Beschreibung auf den S 106 und 107) eine Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe, die folgende Merkmale des erteilten Patentanspruchs 1 aufweist:
a) einen Kolben aus hochtemperaturfestem Material (quartz
tubes, Seite 106, letzter Absatz)
b) Elektroden aus Wolfram (tungsten, Seite 106, letzter Absatz) und
c) eine Füllung aus Quecksilber und Edelgas (amount of mercury and rare gas, Seite 107, vorletzter Absatz).
An anderer Stelle der Anlage K14 (Fig 60 mit zugehöriger Beschreibung auf den
S 116 und 117) ist eine andere Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe
offenbart, die folgende Merkmale des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents enthält:
d) eine Quecksilbermenge größer als 0,2 mg/mm 3 (0,298 mg/mm 3 ; berechnet aus den Parametern m =
10mg/cm und d = 0,21 cm in Fig. 60 nebst zugehöriger Legende)
e) ein Quecksilberdampfdruck größer 200 bar (300 atm =
303,98 bar; vgl. die Legende zur Fig. 60) und
d) eine Wandbelastung größer als 1 W/mm 2 (15,15 W/mm 2 ;
errechnet aus den Parametern P = 1000 W/cm und d =
0,21 cm der Legende zur Fig. 60).
Daß die Elektroden der letzteren Quecksilberdampfentladungslampe aus Wolfram
bestehen könnten - wie von der Klägerin geltend gemacht -, ist der Anlage K14
nicht entnehmbar, zumal dort auch Wolfram-Elektroden beschrieben sind, die mit
Thorium oder anderen Materialien beschichtet sind (S 142, le Abs).
Auch unterscheidet sich der Gegenstand des erteilten Patentanspruchs 1 des
Streitpatents von beiden vorgenannten Quecksilberdampfentladungslampen nach
der Anlage K14 (Fig 54b. bzw 60) zusätzlich dadurch, daß bei ihm die Kolben-Füllung ein im Betriebszustand freies Halogen enthält, wobei zu diesem Zweck in der
Füllung wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom oder Jod in einer Menge zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 vorhanden ist, wohingegen die Anlage K14 keine
Halogenzugabe vorsieht.
Die nach Auffassung der Klägerin neuheitsschädliche Anlage K20 - die einer aktualisierten Neuauflage der Anlage K14 entspricht - kommt dem Gegenstand des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents nur insoweit näher, als danach zur
Verminderung der Schwärzung des Kolbens durch niedergeschlagenes Wolfram
dem Quecksilber eine geringe Menge eines Halogens - Jod oder Brom - beigegeben und somit ein Halogenzyklus eingeleitet wird (S 314). Bei Befolgung dieser
Anweisung ohne Kenntnis der Erfindung wird der Fachmann jedoch allenfalls zufällig einmal, nicht aber wiederholbar, d.h. gezielt nach einer bestimmten Methode
zu dem Merkmal des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents gelangen kön-
nen, wonach wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom oder Jod in einer Menge
zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 vorhanden ist (vgl hierzu BGH BlPMZ 1973,
170, 171 re Sp Abs 2 - "Legierungen" = "Schmelzrinne"; BGH GRUR 1956, 77, 78,
79 - "Rödeldraht"; Benkard Patentgesetz, 9. Aufl, § 3 Rdn 51).
Denn die Anlage K12 sieht zur Verlängerung der Lebensdauer einer Superhochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe ein Halogen in einer Menge von 5 x 10 -4 bis 5 x 10 -2 μmol/mm 3 vor (5 x 10 -7 bis 5 x 10 -5 gAtom je cm 3 ; Anspruch 1 iVm S 2,
Abs 3 und der Tabelle auf S 4), die oberhalb des beanspruchten Bereichs zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 liegt.
In der gleichfalls eine Superhochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe betreffenden Anlage K13 ist ein Bromgehalt von 10 -4 bis 6 x 10 -3 μmol/mm 3 vorgeschlagen (0,1 x 10 -6 bis 6 x 10 -6 gram atom per 1cc; S 9 der englischsprachigen Übersetzung, Abs 1 iVm Anspruch 2). Dieser Bereich liegt ebenfalls oberhalb des beanspruchten Bereichs zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 (da der Grenzwert von
10 -4 μmol/mm 3 - wie dargelegt - nicht zu dem beanspruchten Bereich zwischen
10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 gehört).
Die Anlage K15 (englischsprachige Übersetzung, einziger Anspruch iVm S 2,
Abs 1) offenbart zwar eine Superhochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe
mit 2,2 x 10 -8 bis 2,2 x 10 -6 mol/cm 3 Quecksilber-Halogenid, was umgerechnet eine Halogenmenge ergibt, die sich teilweise mit dem beanspruchten Bereich zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 überlappt, jedoch bestehen die Elektroden dabei
aus Wolfram mit Thorium (thoriated tungsten electrodes).
Daß das die Halogenmenge betreffende Merkmal des erteilten Patentanspruchs 1
des Streitpatents zum Offenbarungsgehalt der Anlage K11 gehören könnte, ist
auch von der Klägerin nicht geltend gemacht worden (vgl den Klageschriftsatz
vom 13. Dezember 2002, S 12, drittle Abs bis S 13, Abs 3). Die Anlage K11 betrifft
nämlich eine Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe, bei der die Kolben-
Füllung ausschließlich aus Quecksilber und einem Startgas - z.B. Neon - besteht,
d.h. kein Halogen enthält (vgl den Anspruch 12).
Das betreffende Merkmal des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents findet
sich schließlich auch nicht in den - in der Streitpatentschrift zum Stand der Technik
abgehandelten - britischen Patentschriften 1 109 135 bzw. 1 539 429. Denn erstere schlägt zur Verbesserung der Farbwiedergabe einer Superhochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe zumindest eines der chemischen Elemente Zinn, Germanium, Arsen, Antimon und Mangan sowie eine entsprechende Menge Jod vor,
wobei die Gesamtmenge der genannten chemischen Elemente im Bereich zwischen 1:100 und 1:2 der Quecksilbermenge im Entladungsraum zu liegen hat (vgl
die Ansprüche 1, 2 und 5). Gemäß letzterer wird der Kolben-Füllung einer Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe zumindest ein Halogenid der Seltenen-
Erdmetalle Dysprosium, Holmium, Thulium, Erbium und Terbium, ferner zumindest
ein Halogenid eines Alkali- oder Erdalkalimetalls als Zusatz zum Thallium-Halogenid sowie Zinnjodid als Filter im blauen Spektralbereich zugegeben (vgl die Ansprüche 1 bis 3).
β) Der Gegenstand des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents beruht auch
auf einer erfinderischen Tätigkeit des zuständigen Durchschnittsfachmanns, der
hier als ein mit der Entwicklung von Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampen befaßter, berufserfahrener Physiker mit Universitätsausbildung zu definieren
ist, der über Grundkenntnisse und praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der
Chemie verfügt und erforderlichenfalls auch einen wissenschaftlich ausgebildeten
und berufserfahrenen Chemiker zu Rate ziehen kann, wobei die Summe des Wissens beider Fachleute das Wissen und Können des Durchschnittsfachmanns darstellt (vgl hierzu BGH GRUR 1986, 798, Leitsatz - "Abfördereinrichtung für Schütt-
gut"). Die von der Klägerin genannten Entgegenhaltungen vermögen diesen Fachmann weder einzeln noch in einer Zusammenschau dazu anzuregen, bei einer
Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe mit Elektroden aus Wolfram, einem Quecksilberdampfdruck größer als 200 bar und einer Wandbelastung größer
al 1 W/mm 3 für die Kolben-Füllung wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom
oder Jod in einer Menge zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 vorzusehen, wie dies
der Merkmalskombination des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents entspricht.
So findet sich in den Anlagen K14 bzw. K20 - die nach Auffassung der Klägerin
dem Gegenstand des erteilten Patentanspruchs 1 des Streitpatents am nächsten
kommen - kein Anhalt dafür, daß es bei einer Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe mit Elektroden aus Wolfram von Vorteil sein könnte, der Kolben-Füllung wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom oder Jod in der außerordentlich
niedrigen Menge zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 - bei einem sehr hohen Quecksilberdampfdruck größer als 200 bar - zuzugeben, wie dies der erteilte Patentanspruch 1 des Streitpatents lehrt. Mithin wird der Fachmann bei der Realisierung
der unbestimmten Angabe der Anlage K20 (Seite 314), wonach zur Verminderung
der Kolben-Schwärzung durch Wolfram dem Quecksilber eine geringe Menge eines Halogens - Jod oder Brom - beizugeben ist, den weiteren Stand der Technik
Die Anlage K15 sieht für die Füllung einer Superhochdruck-Quecksilberdampfentladungslame zwar 2,2 x 10 -8 bis 2,2 x 10 -6 mol/cm 3 Quecksilber-Halogenid vor,
was sich - wie dargelegt - teilweise mit dem beanspruchten Halogen-Bereich zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 überlappt. Jedoch dient das Quecksilber-Halogenid
dabei der Vermeidung einer Devitrifikation (Entglasung) des Kolbens durch sich
auf dem Kolben niederschlagendes Thorium der Wolfram-Thorium-Elektroden
(englischsprachige Übersetzung, S 3, le Abs bis S 6, Z 21). Der Fachmann kann
indessen nicht ohne weiteres davon ausgehen, daß diese bei Thorium ausreichende Halogenmenge auch zur Vermeidung der Wandschwärzung durch Wolfram
- insbesondere bei einem Quecksilberdampfdruck höher als 200 bar - geeignet ist,
zumal die Anlage K15 einen vergleichsweise niedrigen Quecksilberdampfdruck
von einigen 10 bar vorsieht (several tens of atmospheric pressures; englischsprachige Übersetzung, einziger Patentanspruch) und nicht ersichtlich ist, inwieweit
sich das vorgesehene Quecksilber-Halogenid bei einem Quecksilberdampfdruck
höher als 200 bar zersetzt, d.h. freies Halogen liefert.
Letzteres findet zudem eine Bestätigung in der - auf dieselbe Anmelderin zurückgehenden - Anlage K13, die eine Weiterentwicklung der Superhochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe nach der Anlage K15 betrifft (vgl die englischsprachige Übersetzung, S 1, vorle Abs bis S 6, Ab 2, insbes S 3, le Abs ff). Denn danach werden die Wolfram-Thorium-Elektroden der Anlage K15 durch reine
Wolfram-Elektroden ersetzt, wobei zur Vermeidung der Wandschwärzung durch
Wolfram eine Brom-Menge von 10 -4 bis 6 x 10 -3 μmol/mm 3 vorgesehen wird
(0,1 x 10 -6 bis 6 x 10 -6 gram atom per 1cc; englischsprachige Übersetzung, Anspruch 2 und S 9, Abs 1), die - wie dargelegt - oberhalb des beanspruchten Bereichs zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 liegt. Zudem heißt es dort, daß ein Bromgehalt kleiner als 10 -4 μmol/mm 3 (0,1 x 10 -6 gram atom per 1cc) keinen Effekt zeige, wodurch der Fachmann ausdrücklich von Versuchen im beanspruchten Bereich zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 abgehalten wird.
Die Anlage K12 schlägt zur Vermeidung eines Wolframniederschlags bei einem
Quecksilberdampfdruck höher als 15,2 bar (15 Atm.; S 1, Abs 1) aber gleichfalls
eine oberhalb des beanspruchten Bereichs zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 liegende Halogenmenge von 5 x 10 -4 bis 5 x 10 -2 μmol/mm 3 vor.
Auch kann der Fachmann durch die Anlage K11 insofern keine Anregung in Richtung des beanspruchten Halogenbereichs erhalten, als die Kolben-Füllung danach
- wie dargelegt - ausschließlich aus Quecksilber und einem Startgas, z.B. Neon,
In den britischen Patentschriften 1 109 135 bzw. 1 539 429 findet sich ebenfalls
kein Hinweis darauf, daß es von Vorteil sein könnte, bei einer Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe mit aus Wolfram bestehenden Elektroden, einem
Quecksilberdampfdruck größer als 200 x 10 5 Pa (200 bar) und einer Wandbelastung größer als 1 W/mm 3 wenigstens eines der Halogene Chlor, Brom oder Jod
in der ungewöhnlich niedrigen Menge zwischen 10 -6 und 10 -4 μmol/mm 3 vorzusehen, wie dies der Lehre des Patentanspruch 1 des Streitpatents entspricht.
b) Unteransprüche
Die erteilten Unteransprüche 2 und 3 des Streitpatents betreffen vorteilhafte und
nicht selbstverständliche Ausführungsformen der Hochdruck-Quecksilberdampfentladungslampe nach dem erteilten Patentanspruch 1 und sind mit diesem
Die Kostenentscheidung beruht auf § 84 Abs 2 PatG iVm § 91 Abs 1 Satz 1 ZPO,
der Ausspruch zur vorläufigen Vollstreckbarkeit auf § 99 Abs 1 PatG iVm
Meinhardt Dr. Gottschalk Gutermuth Lokys Dr. Häußler
2 Ni 1/03
Stand der technik, Chlor, Patentanspruch, Fig, Erfindung, Druck, Strahlung, Nichtigkeitsgrund, Bibliothek, Neuheit

References: § 6
 § 34

§ 84
 BGH 
 § 34
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 3
 BGH 
 § 84
 § 91
 § 99