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Timestamp: 2019-09-20 16:33:32+00:00

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Erbe ohne Testament - recht.de
Erbe ohne Testament
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Beitrag von FischWanda » 17.05.18, 09:08
Kann mir jemand bei folgender Fragestellung weiterhelfen?
Es gibt nur einen Angehörigen, der nach gesetzlicher Erbfolge erbberechtigt wäre.
Außer, der Erblasser hat testamentarisch etwas anderes festgelegt.
Nun hat der Angehörige alles mögliche getan, um herauszufinden, ob es einen schriftlichen letzten Willen gibt.
Nach 3 Monaten kein Eingang eines Testaments beim Nachlassgericht.
Kein Eintrag im zentralen Testamentsregister.
Die gesamte Wohnung wurde durchsucht. Kein Testament.
Wie ist nun die weitere Vorgehensweise?
Wann und wie wird der Angehörige zum "offiziellen" Erben?
Und mindestens genauso interessant:
Angenommen der Angehörige tritt das Erbe an.
Es ist ein wie auch immer geartetes Vermögen vorhanden.
Eine Wohnung oder ein Auto wird verkauft.
Der Angehörige nutzt das Erbe, um sich etwas zu gönnen.
Und nach 1 oder 5 oder 10 Jahren taucht irgendwo doch noch ein Testament auf.
Was passiert dann mit dem bereits verbrauchten Erbe?
Muss dieses an den "neuen" Erben zurückbezahlt werden?
Was, wenn das finanziell nicht möglich ist?
Es mündet also alles in der Frage, ob es für den Angehörigen ein unkalkulierbares Risiko darstellt,
ein Erbe anzunehmen, wenn er nicht ausdrücklich in einem Testament als solcher bestimmt wurde?
Gibt es rechtliche Möglichkeiten, solch ein Risiko zu verhindern?
Re: Erbe ohne Testament
Beitrag von Jdepp » 17.05.18, 09:49
Die Frage annehmen oder nicht stellt sich nach 3 Monaten nicht mehr. Wenn A nicht positiv davon ausgehen konnte, dass ein Testament da ist und auch keins in der Wohnung gefunden hat, hat spätestens dann die Ausschlagungsfrist begonnen. A ist seit dem Todestag Erbe und da A nicht ausgeschlagen hat bleibt A das auch. Wenn A die Erbenstellung nachweisen muss, muss ein Erbschein beantragt werden. Automatisch passiert da nichts weiter.
Ansprüche des wahren Erben würden sich aus § 2018 BGB ergeben. Ggfls. ergen sich Ansprüche auf Wertersatz (§ 2021 BGB) oder Schadenersatz (§ 2023 BGB).
Beitrag von zimtrecht » 17.05.18, 09:58
Beispiel: Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main (Az.: 20 W 251/14)
Da wird ein gesetzlicher Miterbe 20 Jahre nach dem Erbfall plötzlich ganz zu Recht zum testamentarischen Alleinerben....
Beitrag von matthias. » 17.05.18, 12:07
FischWanda hat geschrieben: Wie ist nun die weitere Vorgehensweise?
Ist er schon wie gesagt.
Ansonsten sind das doch auch etwas übertriebene Ängste und wenn dann verbraucht man
geerbtes Geld halt nicht, sondern legt es auf ein Konto.
Gegenstände sind meist eh nichts mehr wert. Auch ein Auto wäre (ausser
es wäre ein Klassiker) ja nach 20 Jahren (wenn dann der Erbe auftaucht)
Immobilie kann man entweder selber nutzen bis jemand kommt oder
verkaufen und auch das Geld auf ein Konto legen.
Ich finde die Sorgen wenn man alles durchsucht hat, nicht sonst gekommen
ist aber übertrieben.
Beitrag von zimtrecht » 17.05.18, 13:46
matthias. hat geschrieben: Auch ein Auto wäre (ausser
Und wenn (wie beim Pflichtteil) der Wert zum Zeitpunkt des Erbfalls (also Todestag des Erblassers) herangezogen wird?
Beitrag von matthias. » 17.05.18, 14:06
zimtrecht hat geschrieben: Und wenn (wie beim Pflichtteil) der Wert zum Zeitpunkt des Erbfalls (also Todestag des Erblassers) herangezogen wird?
Wird es denn?
Beitrag von SusanneBerlin » 17.05.18, 18:15
Das passiert höchstens, wenn der Scheinerbe das Auto kurz nach dem Todesfall verkauft. Dann muss er das Geld an den richtigen Erben herausgeben.
Wenn er es einfach nur stehen lässt, bekommt der richtige Erbe das Auto.
Wenn der Scheinerbe das Auto nutzt, müsste er eine "Nutzungsentschädigung" zahlen, § 818 Abs 1 BGB.
Wenn der Scheinerbe das Erbe verbraucht hat und pleite ist, geht mAn. der richtige Erbe leer aus, § 818 Abs 3 BGB.
§ 818 BGB hat geschrieben: (3) Die Verpflichtung zur Herausgabe oder zum Ersatz des Wertes ist ausgeschlossen, soweit der Empfänger nicht mehr bereichert ist.
Zum Erben wird er bereits direkt in der Sekunde des Todes des Verwandten. Offiziell wird es sobald das Nachlassgericht den Erbschein ausgestellt hat. Um sich als Erbe auszuweisen, den Kontozugriff zu erhalten und das geerbte Haus zu verkaufen, benötigt er den Erbschein sowieso.
Beitrag von SusanneBerlin » 18.05.18, 08:17
Nein es gibt keine rechtlichen Möglichkeiten, den testamentarisch eingesetzten Erben daran zu hindern, sein Erbrecht wahrzunehmen.
Es sei aber gesagt, dass sich der gesetzliche Erbe für den verbrauchten Teil des Erbes auf Entreicherung nach § 818 BGB berufen kann.
Wenn man es als gesetzlicher Erbe als Risiko ansieht, eventuell irgendwann die nicht verbrauchte Erbmasse an den testamentarischen Erben herauszugeben, gibt es nur die eine Möglichkeit: das Erbe auszuschlagen und ganz zu verzichten. Das hätte man aber innerhalb von 6 Wochen nach Kenntnis des Todesfalls und dem Wissen, dass man gesetzlicher Erbe ist, machen müssen.
Beitrag von FischWanda » 18.05.18, 08:40
Kann mir bitte jemand das Thema Entreicherung nach §818 BGB in kurzen Worten erklären?
Wenn der gesetzliche Erbe in Unkenntnis eines vorhandenen testamentarischen Erben das Erbe antritt und einen Zeitraum X von dieser Erbmasse lebt, kann der testamentarische Erbe wenn er sein Erbrecht wahrnimmt nur die dann noch vorhandene Erbmasse einfordern?
Beitrag von lottchen » 18.05.18, 10:08
http://www.juraindividuell.de/artikel/h ... ungsrecht/
unter IV. ganz gut beschrieben
Beitrag von matthias. » 18.05.18, 11:00
FischWanda hat geschrieben: Habe ich das richtig verstanden:
Wenn er davon lebt sich aber damit andere Aufwendungen erspart, also er lebt von der Erbmasse und kann deswegen sein eigenes Einkommen (Rente, Gehalt) auf die Hohe Kante legen. Dann ist er nicht entreichert, er müsste das was er auf die hohe Kante gelegt hat an den richtigen Erben herausgeben.
Entreicherung tritt typischerweise ein bei Menschen die wenig Einkommen haben und dann das Geld was ihnen zugekommen ist, einfach mit ausgeben und halt dadurch nichts sparen können.
Also jemand hat ne kleine Rente von 1000.- € und würde vom Erbe jeden Monat noch 500 € ausgeben für Konsum (nicht z.b. um sich ne Eigentumswohnung zu finanzieren, dann ist der Wert ja noch da und kann heraus gegeben werden).
Bei Beziehern höherer Einkommen die auch noch Sparvermögen haben, ist Entreicherung also viel schwieriger zu begründen.
Der selbe Vorgang kann bei dem einen zur Entreicherung führen, bei einem andere nicht.

References: § 2018
 § 818
 § 818

§ 818
 § 818
 §818