Source: http://exploredoc.com/doc/11184469/--bundesregierung/
Timestamp: 2018-05-22 10:21:55+00:00

Document:
GUTE GESU
mt es an
Darauf kom
jeder, der einmal im Kranken­
haus gelegen hat, weiß, wie wich­
tig es ist, sich in den kompeten­
ten Händen von Ärztinnen und
Ärzten sowie Pflegekräften zu
wissen. Jedes Jahr vertrauen
rund 19 Millionen Menschen
allein im stationären Bereich
auf die hohe Behandlungsquali­
tät ­unserer Kliniken. Hinzu
kommt eine große Zahl ambu­
lanter Behandlungen.
Mit dem Ziel, die qualitativ hoch­
wertige Gesundheitsversorgung,
die unsere Kliniken auszeichnet,
für die Zukunft zu sichern und
dort, wo es notwendig ist, zu
verbessern, ist im Jahr 2016 das
Krankenhausstrukturgesetz in
Kraft getreten, das nun in der
Praxis umgesetzt wird. In enger
Zu­sam­men­arbeit mit den Län­
dern haben wir ent­scheidende
Neuregelungen zur Stärkung
der Qualität der Krankenhaus­
versorgung, zur Verbesserung
der Krankenhausfinanzierung
und zum bedarfsgerechten
Umbau vorhandener Kranken­
haus­kapa­­zitäten erarbeitet.
­Einen weiteren Schwerpunkt
haben wir außerdem auf den
Bereich Pfle­ge­personal gelegt.
Hier spielt zum Beispiel eine
aus­reichende Personalfinan­
zierung eine wichtige Rolle.
Diese Rahmenbedingungen
werden einen wichtigen Bei­
trag dazu leisten, auch für die
Zukunft eine gute Kranken­
hausversorgung sicherzu­stellen.
Der Ihnen vorliegende Ratgeber
bietet einen umfassenden Über­
blick zum Thema Krankenhaus
und bildet damit einen wert­
Krankenhausversorgung für Jung und Alt11
1Die Krankenhauslandschaft
1.1 Versorgung mit Krankenhäusern13
››Wie ist die gesundheitliche Versorgung in
Deutschland organisiert?
Krankenhaus notwendig?
››Wie wird eine ausreichende Notfallversorgung
sichergestellt?14
››Was sind die häufigsten Gründe für einen Kranken­
hausaufenthalt?15
1.2 Arten von Krankenhäusern16
Welche Versorgungsstufen lassen sich unterscheiden?
Wer darf Krankenhäuser betreiben?
1.3 Aufgaben und Leistungen von Krankenhäusern19
››Welche Aufgaben haben Krankenhäuser?
››Welche Leistungen umfasst die Krankenhausversorgung?
1.4 Besondere Formen der Zusammenarbeit zwischen
Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten21
Was ist eine ambulante spezialfachärztliche
Versorgung?22
Gut zu wissen: Welche Vorteile bietet Ihnen die
integrierte Versorgung?
Was leisten strukturierte Behandlungsprogramme
für chronisch Kranke?
Wie sieht die psychiatrische Akutbehandlung
im häuslichen Umfeld („Home-Treatment“) aus?
1.5 Finanzierung der Krankenhäuser26
Wie finanzieren sich die Krankenhäuser?
Wie erfolgt die Abrechnung zwischen Krankenhäusern
und Krankenkassen?
Welche Kliniken rechnen nach Fallpauschalen ab?
1.6 Qualität in Krankenhäusern28
››Wie wird Qualität im Krankenhaus sichergestellt?
berücksichtigen?29
›› ie wird Qualität gerade bei komplizierten Eingriffen
gewährleistet?30
››Welche Anreize gibt es, besonders gute Leistungen
››Wie wird die Qualität in Krankenhäusern überprüft? 30
››Wie werden unnötige Operationen verhindert?
2Vor der Behandlung:
2.1 Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung33
Wann kommt eine Krankenhausbehandlung
Wie bekommen Sie einen Termin beim Facharzt?
Woher wissen Sie, ob eine Behandlung wirklich
2.2 Auswahl des Krankenhauses
Können Sie sich das Krankenhaus selbst aussuchen?
Brauchen Sie eine Genehmigung Ihrer Krankenkasse?
Welche Kriterien sollten Sie bei der Krankenhauswahl
berücksichtigen?37
Gut zu wissen: So finden Sie das richtige Krankenhaus
Wo finden Sie die Qualitätsberichte der Krankenhäuser? 41
Was beinhalten die Qualitätsberichte der
Krankenhäuser?41
2.3 Vorbereitung des Krankenhausaufenthaltes42
Wie werden Sie auf den Krankenhausaufenthalt
vorbereitet?42
Wann übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten für
die Fahrt zum Krankenhaus?
Müssen Sie die Fahrten von Ihrer Krankenkasse
genehmigen lassen?
Gut zu wissen: So können Sie sich auf Ihren
2.4 Aufklärung, Einwilligung und Vorsorge
››Welche Informations- und Aufklärungspflichten
hat das Krankenhaus?
››Wie müssen Sie aufgeklärt werden?
››Gut zu wissen: Was Sie beim Aufklärungsgespräch
››Wie willigen Sie in eine Behandlung ein?
››Was passiert bei Patienten, die nicht selbst
einwilligen können?
›› ie können Sie für den Fall vorsorgen, dass Sie nicht
mehr selbst einwilligen können?
›› wird mit einem Organspendeausweis geregelt?
3Während der Behandlung:
die Behandlungsphase 3.1 Abläufe und Betreuung im Krankenhaus
Wie erfolgt die Krankenhausaufnahme im Notfall?
Auf welche Krankenhausleistungen haben Sie Anspruch?
Wer sorgt für Sie während eines Klinikaufenthaltes?
Welche psychologische, soziale und seelsorgerische
Betreuung gibt es?
Gut zu wissen: So können Sie Ängsten vor einer
Behandlung begegnen
3.2 Patientenrechte und Beschwerdemöglichkeiten66
››Welche Patientenrechte haben Sie?
››Welche Beschwerde- und Unterstützungsmöglichkeiten
3.3 Patientensicherheit im Krankenhaus67
Wie wird Patientensicherheit im Krankenhaus
gewährleistet?68
Wie wird der Schutz vor Krankenhauskeimen
verbessert?68
››Gut zu wissen: So schützen Sie sich vor
Kranken­hauskeimen
››Was wird gegen die zunehmenden AntibiotikaResistenzen getan?
››Ziele der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie
(DART) 2020
3.4 Umgang mit Patientendaten74
Welche Bedeutung haben Ihre Patientendaten?
Was umfasst der Patientendatenschutz?
Wofür dürfen Ihre Daten verwendet werden?
Warum und wo werden Ihre Daten gespeichert?
Was kann die elektronische Patientenakte?
3.5 Kosten des Krankenhausaufenthaltes78
Mit welchen Kosten ist eine Krankenhausbehandlung
(GKV) verbunden?
Wann sind Sie von der Zuzahlung befreit?
Welche Sonderregelungen gelten für chronisch
kranke Menschen?
4Nach der Behandlung: die Entlassungs-,
Reha- und Nachbehandlungsphase
4.3 Versorgung, Reha und Pflege nach dem
Kranken­hausaufenthalt90
Welche Versorgungsmöglichkeiten gibt es nach Ihrer
Entlassung?90
Wozu dient eine nachstationäre Behandlung?
Was passiert, wenn Ihnen eine Anschlussheil­behandlung
verordnet wurde?
Welche Arten von Anschlussheilbehandlungen gibt es?
Was passiert, wenn Sie zu Hause Unterstützung
benötigen?92
Was passiert, wenn Sie auf Pflege angewiesen sind?
4.4 Betreuung von Schwerstkranken und
ihren Angehörigen im Krankenhaus94
Wie wird sichergestellt, dass Schwerstkranke
und Sterbende im Krankenhaus gut versorgt sind?
Welche Unterstützung erhalten Angehörige von
Schwerstkranken und Sterbenden im Krankenhaus?
4.1 Nach der Operation81
Was geschieht unmittelbar nach Ihrer Operation?
Wann erhalten Sie Ihre erste Rehabilitations­­­maß­nahmen?81
4.2 Entlassungsgespräch und Entlassung82
Wann werden Sie aus dem Krankenhaus entlassen?
Was beinhaltet das Entlassungsgespräch?
Gut zu wissen: Was Sie beim Entlassungsgespräch
Was enthält der Arztbrief?
››Wer organisiert die Anschlussversorgung?
››Welche Hilfe können Sie im Einzelnen vom
Kliniksozialdienst erhalten?
››Wie wird sichergestellt, dass Sie nach Ihrer Entlassung
gut versorgt sind?
›› kommen Sie nach Hause?
Krankenhausversorgung für Jung und Alt
Ob zur Geburt eines Kindes, zur Behandlung von Krankheiten oder
zur Begleitung am Lebensende: Das Thema Krankenhaus betrifft
jede und jeden irgendwann. Unabhängig von Alter oder Lebenslage,
die meisten Menschen kommen mehrfach in ihrem Leben mit
Krankenhäusern in Kontakt, weil sie oder ihnen nahestehende Per­
sonen in einer Klinik behandelt und versorgt werden müssen.
Allein im Jahr 2015 waren in Deutschland 19,2 Millionen Menschen
vollstationär in Krankenhäusern.
Krankenhäuser können für Therapie, Heilung und Lebensrettung
stehen, genauso wie für die Begleitung, Versorgung und Linderung
der Schmerzen schwerstkranker Menschen ohne Aussicht auf Gene­
sung. Auch zur medizinischen Forschung leisten sie einen wichtigen
Beitrag. Entscheidend ist für die Menschen, dass sie sich überall in
Deutschland auf eine hochwertige und professionelle ärztliche und
pflegerische Betreuung verlassen können. Für viele Menschen ist
das Krankenhaus jedoch eine Welt für sich, die viele Fragen aufwirft
und oft mit Unsicherheiten und Sorgen verbunden ist.
Mit diesem Ratgeber erhalten Sie als Patientin beziehungsweise
Patient oder als Angehörige beziehungsweise Angehöriger einen
nützlichen Leitfaden an die Hand, der über alle wichtigen Aspekte
rund um das Thema Krankenhaus aufklärt. Dazu gehören eine Ein­
führung in die Krankenhauslandschaft in Deutschland sowie um­
fassende Informationen zu den Abläufen und Leistungen, die vor,
während und nach einer Krankenhausbehandlung wichtig sind.
Deutschland verfügt über ein dichtes Netz aus Krankenhäusern, das Ihnen als Patientin oder als Patient stets
eine umfassende und hochwertige Versorgung im Krankheitsfall ermöglicht. Im folgenden Kapitel erfahren Sie,
welche Arten von Krankenhäusern es gibt, welche Leistungen diese erbringen, wie sich die Kliniken finanzieren
und wie die Qualität in den Häusern sichergestellt wird.
1.1 Versorgung mit Krankenhäusern
Wie ist die gesundheitliche Versorgung in Deutschland organisiert?
Bei der gesundheitlichen Versorgung wird grundsätzlich zwischen
drei Bereichen unterschieden: der ambulanten Behandlung, die
durch zugelassene Ärztinnen und Ärzte (Haus- und Fachärzte1), medi­
zinische Versorgungszentren sowie ermächtigte Ärzte und Einrich­
tungen erbracht wird, der stationären Versorgung, für welche die
Krankenhäuser zuständig sind, und der Rehabilitation, die in Reha­
bilitationseinrichtungen, zum Beispiel zur Anschlussheilbehandlung
nach einem Krankenhausaufenthalt, erfolgt.
Wann wird eine (stationäre) Behandlung im Krankenhaus notwendig?
Eine stationäre Behandlung im Krankenhaus wird dann notwendig,
wenn eine ambulante Versorgung nicht ausreicht. Das kann der Fall
sein, wenn Ihr gesundheitlicher Zustand eine stärkere ärztliche und
pflegerische Betreuung erfordert und/oder wenn für Ihre Behandlung
Spezialistinnen und Spezialisten sowie besondere medizintechnische
Geräte benötigt werden. Eine stationäre Behandlung ist typischer­
weise erforderlich bei akuten Erkrankungen wie zum Beispiel einer
Blinddarmentzündung oder einem Herzinfarkt, bei Verletzungen
1 Aus Gründen der Lesbarkeit wird an einigen Stellen auf die Formulierung der weiblichen
Schreibweise verzichtet. Grundsätzlich sind jedoch stets beide Geschlechter gemeint.
durch Unfälle, bei Operationen, die nicht ambulant durchgeführt
werden können, aber auch bei Geburten. In der Regel bleiben die
Patientinnen und Patienten über Nacht und mehrere Tage in der
Klinik. Darüber hinaus verfügen viele Krankenhäuser über Einrich­
tungen, in denen Untersuchungen oder Eingriffe ambulant durch­
geführt werden oder in denen Spezialsprechstunden für bestimmte
Erkrankungen angeboten werden, etwa für Patientinnen und Pati­
enten mit Diabetes mellitus oder Tinnitus. Außerdem unterhalten die
meisten Krankenhäuser Notfallambulanzen.
Eine stationäre Versorgung umfasst die ärztliche Beobachtung und Behandlung sowie pflegerische Betreuung in Einrichtungen, die über entsprechende Spezialistinnen und
Spezialisten und medizintechnische Geräte verfügen. Neben
Krankenhäusern können das auch Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen sein. Unterkunft und Verpflegung sind
Bestandteil der stationären Versorgung.
In Deutschland gab es 2015 insgesamt 1.956 Krankenhäuser mit
499.000 Betten für die stationäre Versorgung (Quelle: Statistisches
Bundesamt). Die Verantwortung für eine angemessene Versorgung
mit Krankenhäusern und Krankenhausbetten liegt dabei bei den
Bundesländern. Sie stellen sogenannte Krankenhauspläne auf und
entscheiden über die Zulassung von Kliniken.
Wie wird eine ausreichende Notfallversorgung sichergestellt?
Damit Sie ein Krankenhaus im Akutfall, zum Beispiel nach einem
Unfall oder Herzinfarkt, schnell erreichen können, ist eine flächen­
deckende Versorgung mit Kliniken besonders wichtig. Um diese
sicherzustellen, erhalten Krankenhäuser, die für die Versorgung der
Bevölkerung notwendig sind, aber wegen zu geringer Auslastung
nicht auskömmlich wirtschaften können, sogenannte Sicherstellungs­
zuschläge. Weiterhin werden Krankenhäusern, die sich umfassend
an der Notfallversorgung beteiligen, höhere Zuschläge gewährt als
Krankenhäusern, die nicht oder nur in geringem Umfang an der
Notfallversorgung teilnehmen. Darüber hinaus sollen die Kassenärzt­
lichen Vereinigungen zur Sicherstellung des ambulanten Notdienstes
entweder vertragsärztliche Notdienstpraxen (sogenannte Portal­
praxen) in oder an Krankenhäusern als erste Anlaufstelle einrichten
oder die Notfallambulanzen der Krankenhäuser unmittelbar in
den Notdienst einbinden.
Was sind die häufigsten Gründe für einen Krankenhausaufenthalt?
Die Geburt eines Kindes ist der mit Abstand häufigste Grund für
einen stationären Klinikaufenthalt. Daneben kommen Patientinnen
und Patienten vor allem wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Krankheiten des Verdauungssystems, Verletzungen und Vergiftungen,
Krebserkrankungen sowie Krankheiten des Muskel-­Skelett-Systems
in akutstationäre Behandlung (Statistisches Bundesamt 2014). Unter­
scheidet man nach einzelnen Diagnosen, ergibt sich folgendes Bild:
Die zehn häufigsten Diagnosen 2014
Psychische und Verhaltens­
Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern und Vorhofflattern)
124.385 120.762
(essentielle/primäre Hypertonie)
1.2 Arten von Krankenhäusern
Grundsätzlich wird zwischen zugelassenen Krankenhäusern und
reinen Privatkrankenhäusern unterschieden. Als Versicherte oder
Versicherter in der gesetzlichen Krankenversicherung können Sie
sich in jeder zugelassenen Klinik auf Kosten Ihrer Krankenkasse
behandeln lassen. Reine Privatkliniken sind in der Regel nur für Selbst­
zahlerinnen und Selbstzahler zugänglich. Dabei unterliegen die
zugelassenen Krankenhäuser der Preisbindung durch das Kranken­
hausentgeltgesetz, während Privatkrankenhäuser in ihrer Preisge­
staltung weitgehend frei sind.
Daneben kann zwischen verschiedenen Krankenhaustypen unter­
schieden werden, die sich vor allem in ihrem Versorgungsumfang
und ihren Tätigkeitsschwerpunkten unterscheiden:
u den Aufgaben der Universitätskliniken gehören insbesondere
Forschung und Lehre, ärztliche Weiterbildung sowie die Behandlung
schwerer und komplexer Erkrankungen. Dabei werden in der Regel
alle medizinischen Fachrichtungen abgedeckt.
Auch die Allgemeinkliniken sind grundsätzlich für eine um­fassende
stationäre Versorgung ausgelegt. Die Anzahl der vorgehaltenen medi­
zinischen Fachrichtungen variiert je nach Größe der Klinik.
Fachkliniken haben sich auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert,
zum Beispiel Kinderkliniken, Lungenkliniken, Zentren für seltene
Erkrankungen, Fachkrankenhäuser für Augenheilkunde, für Psychia­
trie oder für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
In Belegkliniken werden die ärztlichen Leistungen nicht durch
angestellte Ärztinnen und Ärzte, sondern durch sogenannte Beleg­
ärzte erbracht. Dabei handelt es sich oft um niedergelassene Ver­
tragsärzte, die dies neben ihrer Praxis tun. Das ermöglicht es Patien­
tinnen und Patienten, sich im Krankenhaus von „ihrem“ Arzt
behandeln zu lassen. Die Klinik stellt lediglich die Räumlichkeiten
und sorgt für Unterkunft, Verpflegung und pflegerische Betreuung.
ages- und Nachtkliniken bieten teilstationäre Behandlung und
Betreuung an. Kennzeichnend für teilstationäre Leistungen ist, dass
sich die Behandlung über einen längeren Zeitraum erstreckt, ohne
dass eine ununterbrochene Anwesenheit der Patientinnen und Pati­
enten im Krankenhaus erforderlich ist. Typische Behandlungsfelder
sind die Psychiatrie und die Geriatrie (Altersmedizin).
Abhängig von der Zahl der Fachabteilungen und der Betten lassen
sich Krankenhäuser auch verschiedenen Versorgungsstufen zuordnen.
Mit Abweichungen zwischen den Bundesländern sehen die Landes­
krankenhausgesetze im Allgemeinen vier Versorgungsstufen vor:
Krankenhäuser der Grundversorgung gewährleisten eine Versorgung
auf den Gebieten der inneren Medizin und der allgemeinen Chirurgie.
Krankenhäuser der Regelversorgung müssen darüber hinaus wei­
tere Fachabteilungen betreiben, zumeist für Gynäkologie und
­Geburtshilfe sowie für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Augenheil­
kunde oder Orthopädie.
Krankenhäuser der Schwerpunktversorgung decken ein noch breite­
res Spektrum ab, darunter Fachabteilungen für Pädiatrie (Kinderheil­
kunde) und Neurologie.
Krankenhäuser der Maximalversorgung, zum Beispiel Universitäts­
kliniken, bieten ein sehr breites Leistungsspektrum an und behandeln
auch besonders seltene oder schwere Erkrankungen.
In Deutschland gibt es drei Möglichkeiten der Trägerschaft von
Öffentliche Krankenhäuser haben einen öffentlichen Träger. Das
können sowohl Bund, Land, Kreis oder Gemeinde sein als auch
Gemeindeverbände oder Sozialversicherungsträger wie die Berufs­
genossenschaften. Die Kliniken in öffentlicher Trägerschaft machen
etwa 30 Prozent aller Krankenhäuser in Deutschland aus. Sie stellen
jedoch fast die Hälfte aller Krankenhausbetten.
Freigemeinnützige Krankenhäuser werden von Trägern der kirch­
lichen und freien Wohlfahrtspflege, Kirchengemeinden, Stiftungen
oder Vereinen unterhalten. So gibt es Krankenhäuser, die beispiels­
weise von der evangelischen oder katholischen Kirche, der Arbeiter­
wohlfahrt oder dem Deutschen Roten Kreuz betrieben werden.
Krankenhäuser in privater Trägerschaft werden von Einzelunter­
nehmen oder Konzernen geführt. Sie benötigen eine besondere
Betriebserlaubnis nach der Gewerbeordnung.
1.3 Aufgaben und Leistungen von
Welche Aufgaben haben Krankenhäuser?
In unserem Gesundheitssystem haben Krankenhäuser die Aufgabe,
überall in Deutschland eine stationäre Versorgung in hoher Qualität
sicherzustellen. Neben Diagnose, Therapie, Pflege, Unterkunft und
Verpflegung gehören zu den Aufgaben eines Krankenhauses außer­
dem die Versorgung mit Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln, in Universi­
tätskliniken zusätzlich Forschung und Lehre.
Krankenhäuser sind Einrichtungen, „in denen durch ärztliche
und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten, Leiden oder
Körperschäden festgestellt, geheilt oder gelindert werden
sollen oder Geburtshilfe geleistet wird und in denen die zu
versorgenden Personen untergebracht und verpflegt werden
können“ (§ 2 Krankenhausfinanzierungsgesetz).
Welche Leistungen umfasst die Krankenhausversorgung?
Um die oben genannten Aufgaben zu erfüllen, gliedert sich die Ver­
sorgung im Krankenhaus in verschiedene Bereiche und Angebote:
Zur Notfallbehandlung verfügen Krankenhäuser über eine Not­
aufnahme beziehungsweise Rettungsstelle, die in Akutsituationen
rund um die Uhr aufgesucht werden kann.
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit zur vorstationären und nach­
stationären Behandlung. Die vorstationäre Behandlung dient dazu,
zu klären, ob eine vollstationäre Krankenhausbehandlung notwendig
ist, oder um sie vorzubereiten. Die nachstationäre Behan­dlung kann
sich an eine vollstationäre Krankenhausbehandlung anschließen, um
den Behandlungserfolg zu sichern. Vor- und nach­stationäre Behand­
lungen erfolgen stets ohne Unterkunft und Verpflegung.
Eine ambulante Behandlung im Krankenhaus liegt vor, wenn die
Patientin oder der Patient weder die Nacht vor noch die Nacht nach
der Behandlung im Krankenhaus verbringt. Typischerweise ist das
der Fall bei kleineren operativen Eingriffen. In den Ambulanzen
vieler Kliniken werden zudem Spezialsprechstunden zu bestimmten
Krankheitsbildern angeboten.
Medizinische Hilfe im Akutfall: Die Rettungsstelle ist durchgehend geöffnet.
Eine Krankenhausbehandlung kann vollstationär oder teilstationär
erfolgen. Bei der vollstationären Behandlung bleibt die Patientin
beziehungsweise der Patient mindestens einen Tag und eine Nacht
im Krankenhaus. Teilstationär heißt, dass keine Rund-um-die-UhrVersorgung nötig ist. Die Patientin oder der Patient ist in der Regel
nur tagsüber zur Behandlung im Krankenhaus und verbringt die
Nacht zu Hause. In einigen Fällen erfolgt die Versorgung nachts, etwa
bei krankhaften Schlafstörungen, sodass die Betroffenen tagsüber
das Krankenhaus verlassen können. Die teilstationäre Versorgung
dient meist der Behandlung von Krankheiten über einen längeren
Zeitraum. Dies ist der Fall, wenn keine ununterbrochene Anwesen­
heit erforderlich ist, es jedoch der Infrastruktur eines Krankenhauses
bedarf, zum Beispiel bei einer Dialyse oder Chemotherapie, bei krank­
haften Schlafstörungen oder psychiatrischen Krankheitsbildern.
Im Rahmen der sogenannten Frührehabilitation erbringen Kranken­
häuser außerdem rehabilitative Leistungen. Gemeint sind rehabili­
tationsmedizinische Maßnahmen, die in der frühen Phase der Ver­
sorgung, also schon im Krankenhaus, beginnen, um die Therapie- oder
­Heilungschancen zu verbessern. Häufig ist das der Fall bei neuro­
logischen Erkrankungen, zum Beispiel Hirnschädigungen. Die
Früh­rehabilitation unterscheidet sich von der sogenannten Anschluss­
heilbehandlung (medizinische Rehabilitation), die durch Rehabili­
tationseinrichtungen erbracht wird.
1.4 Besondere Formen der Zusammenarbeit
zwischen Krankenhäusern und nieder­
gelassenen Ärzten
In den letzten Jahren sind zunehmend mehr Möglichkeiten der
Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzten geschaffen worden. Insbesondere für Men­
schen mit sehr seltenen, besonders schweren oder chronischen
Erkrankungen gibt es besondere Versorgungsangebote. Diese ermög­
lichen es Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten, gezielt
zusammenzuarbeiten und betroffene Patientinnen und Patienten
umfassend und übergreifend zu betreuen.
Was ist eine ambulante spezialfachärztliche Versorgung?
Für Patientinnen und Patienten, die an bestimmten schwer behan­
delbaren oder seltenen Erkrankungen leiden, gibt es die Möglich­
keit einer ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV). Bei
dieser übernehmen Krankenhausärzte gemeinsam mit niederge­
lassenen Ärzten verschiedener Fachbereiche die Behandlung. Ziel
ist es, die Betroffenen qualitativ hochwertig durch ein Team von
Spezialisten und mit der notwendigen medizintechnischen Aus­
stattung zu versorgen.
Für Krankenhäuser und niedergelassene Fachärzte, die an der ASV
teilnehmen, gelten dabei die gleichen Bedingungen und Anforde­
rungen. Die Anforderungen für die Behandlung legt der Gemeinsame
Bundesausschuss (G-BA) – als Gremium der gemeinsamen Selbst­
verwaltung von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen, in dem
auch Patientenvertreter mitberaten – fest. Dazu gehören beispiels­
weise die Qualifikation der Mitglieder des behandelnden Teams,
Qualitätsvorgaben, Anforderungen hinsichtlich besonderer Ausstat­
tungen oder weitere organisatorische Anforderungen zur Zusam­
menarbeit im Team. Die Teammitglieder müssen nachweisen, dass
sie diese Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel dass sie für die
Behandlung der jeweiligen Erkrankung besonders qualifiziert sind
und bereits viele Patientinnen und Patienten mit dieser Krankheit
behandelt haben. Bei Bedarf können auch weitere Fachärzte oder
Psychotherapeuten hinzugezogen werden.
Zu den Krankheiten gehören seltene Erkrankungen wie Tuberkulose
und Mukoviszidose sowie Erkrankungen mit besonderen Verläufen,
beispielsweise Krebsleiden, Rheuma, Multiple Sklerose oder Epilepsie.
Die vollständige Liste der Erkrankungen, für die eine ASV angeboten
werden soll, ist in § 116b Fünftes Buch Sozialgesetzbuch fest­gelegt.
Die Behandlung erfolgt in den teilnehmenden Krankenhäusern
und Arztpraxen oder in medizinischen Versorgungszentren (MVZ).
Die ASV richtet sich an Patientinnen und Patienten mit
bestimmten seltenen oder schwer behandelbaren Erkrankungen mit dem Ziel, ihre medizinische Versorgung zu verbessern. Dabei arbeiten verschiedene Fachärzte koordiniert
in einem Team zusammen. Wenn erforderlich, kann das
Kernteam weitere Ärzte hinzuziehen.
Krankenhäuser sind auch maßgeblich an der sogenannten integrier­
ten Versorgung (IV) – auch besondere Versorgung genannt – beteiligt.
Zusammen mit Hausärzten, Fachärzten, Vorsorge- und Rehabilita­
tionskliniken sowie anderen Leistungserbringern wie Physiothera­
peuten, Sanitätshäusern und Apotheken werden Patientinnen und
Patienten versorgt, deren Erkrankungen komplexere Behandlungen
erforderlich machen. Das ist vor allem der Fall bei Volkskrank­
heiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit (Adipositas),
Rheuma, Bandscheibenvorfällen, künstlichen Hüft- und Kniege­
lenken oder chronischen Rückenschmerzen. Die Teilnahme an der
integrierten Versorgung ist freiwillig und steht grundsätzlich allen
Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über Angebote der inte­
grierten Versorgung, denn diese unterscheiden sich von Kasse zu
Kasse und von Region zu Region. Oft wird die integrierte Versorgung
über Wahltarife angeboten.
Die integrierte Versorgung zielt auf die lückenlose Behandlung von Patientinnen und Patienten mit komplexeren
­Erkrankungen. Dabei arbeiten alle Beteiligten (zum Beispiel
Kliniken, Haus- und Fachärzte, Reha-Einrichtungen, Physiotherapeuten) Hand in Hand und stellen eine abgestimmte
Versorgung sicher.
Für Sie als Patientin oder Patient kann die Teilnahme an einem
integrierten Versorgungsmodell zahlreiche Vorteile bringen:
• S ie sind in eine organisierte Behandlungskette eingebunden,
die Ihnen die eigene, oft mühsame Suche nach den richtigen
Spezialisten abnimmt.
• S ie müssen keine unnötigen Doppel- und Mehrfachunter­
suchungen auf sich nehmen.
mbulante, stationäre und rehabilitative Versorgung sind
besser ineinander verzahnt. Lange Wartezeiten entfallen
• S ie werden nach definierten Behandlungspfaden und auf dem
neuesten Stand des medizinischen Wissens versorgt.
urch standardisierte Nachuntersuchungen sinkt Ihr Risiko
für Folgeerkrankungen.
• Viele Krankenkassen bieten für die Teilnahme an der integrierten Versorgung spezielle Boni, von denen Sie profitieren
Was leisten strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch
Neben der integrierten Versorgung beteiligen sich viele Kranken­
häuser im Rahmen von strukturierten Behandlungsprogrammen –
als einer weiteren besonderen Versorgungsform – auch an der
Versorgung chronisch kranker Menschen. In diesen sogenannten
„Disease-Management-Programmen“ (DMP) betreuen Hausärzte,
Fachärzte und Kliniken die Patientinnen und Patienten gemeinsam
mit dem Ziel, ihnen ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermög­
lichen und so ihre Lebensqualität zu verbessern. Die koordinierte
Behandlung in den Programmen zielt auf die Verbesserung der
Behandlungsabläufe und der Qualität der medizinischen Versorgung.
Die Inhalte und die Anforderungen an die Ausgestaltung der Behand­
lungsprogramme legt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)
in Richtlinien fest.
Derzeit gibt es solche Programme für sechs Krankheiten: Wenn
Sie an Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD),
koronarer Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Typ 1 oder Typ 2, oder
Brustkrebs leiden, können Sie sich in ein strukturiertes Behandlungs­
programm Ihrer Krankenkasse aufnehmen lassen. Sie werden dabei
nach den aktuellen medizinischen Empfehlungen versorgt, etwa
in Brust- oder Tumorzentren, sowie aktiv in die Therapie eingebun­
den, unter anderem durch Schulungen. So lernen Sie, Ihre Behand­
lung besser zu verstehen und selbst besser umzusetzen.
Die Teilnahme an einem Disease-Management-Programm steht
allen gesetzlich Versicherten offen und ist freiwillig. Die Teilnehmen­
den haben dabei ähnliche Vorteile wie bei der integrierten Versor­
gung. Viele Kassen bieten ihren Versicherten für die Teilnahme Boni
an. Im Rahmen des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes, das 2015
in Kraft getreten ist, werden die strukturierten Behandlungsprogram­
me weiter ausgebaut. Der G-BA wurde beauftragt, bis Ende 2016
weitere chronische Erkrankungen zu benennen und für die Behand­
lung von Rückenleiden und Depressionen entsprechende Richt­
linien zu erlassen.
In strukturierten Behandlungsprogrammen („Disease-Mana­ge­
­ ent-Programme“, DMP) arbeiten Kliniken, Haus- und
Fachärzte gemeinsam und koordiniert daran, die Beschwerden
von Patienten mit chronischen Erkrankungen zu behandeln
und Verschlimmerungen und Folgeerkrankungen zu verhindern. Im Zentrum stehen Behandlungsmethoden nach dem
aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft und eine
aktive Patientenmitwirkung.
Wie sieht die psychiatrische Akutbehandlung im häuslichen Umfeld
(„Home-Treatment“) aus?
Für die akute Versorgung von Menschen mit schweren psychischen
Erkrankungen, zum Beispiel Psychosen ohne Selbst- oder Fremd­
gefährdung, erhalten Kliniken ab 2017 die Möglichkeit, die Betrof­
fenen mit mobilen Behandlungsteams auch zu Hause zu betreuen.
Eine solche psychiatrische Akutbehandlung im häuslichen Umfeld
(„Home-Treatment“) kann künftig die häusliche Versorgung von
Menschen ermöglichen, die bisher nur in einem Krankenhaus betreut
werden konnten, und für sie dennoch eine professionelle medizi­
nische Akutversorgung sicherstellen. So können Krankenhausauf­
enthalte vermieden werden. Für die betroffenen Patientinnen und
Patienten führt das zu geringeren Einschnitten in ihrem Alltagsleben.
1.5 Finanzierung der Krankenhäuser
In Deutschland gilt bei der Krankenhausfinanzierung das Prinzip
der „dualen Finanzierung“: Die Kosten, die im Zusammenhang mit
der Behandlung von Patientinnen und Patienten stehen, werden
von den Krankenkassen und den sonstigen Kostenträgern (insbeson­
dere private Krankenversicherungsunternehmen, Beihilfestellen
für Beamtinnen und Beamte) übernommen. Die Investitionskosten
zahlen die Bundesländer. Die Zahl der notwendigen Krankenhäuser
und Krankenhausbetten schreiben die Länder in ihren Landes­
krankenhausplänen fest.
Wie erfolgt die Abrechnung zwischen Krankenhäusern und
­Krankenkassen?
Die Leistungen, die die Krankenhäuser erbringen, rechnen sie bei
den Krankenkassen und den anderen Kostenträgern über soge­
nannte Fallpauschalen ab. Je nach Erkrankung der Patientin oder
des Patienten steht ihnen hierfür eine pauschale Vergütung zu.
Diese orientiert sich an der Behandlung eines typischen Patienten
mit gleicher Diagnose. Die Pauschale geht von einer für die Krank­
heit typischen Zahl von Behandlungstagen aus. Die Höhe der Pau­
schale hängt vor allem von Art und Schwere der Erkrankung
­sowie individuellen Faktoren wie Nebendiagnosen, Komplikationen
oder Alter ab. Für nur leicht erkrankte Patienten erstatten die
Krankenkassen somit weniger als für Patienten mit einer schweren,
aufwändig zu behandelnden Erkrankung. Werden Patientinnen
und Patienten deutlich länger oder kürzer behandelt, gibt es Zu- oder
Abschläge auf die Fallpauschalen.
Mit der Fallpauschale („Diagnosis Related Groups“, DRG)
vergüten die Krankenkassen eine genau definierte Erkrankung
und ihre Behandlung. Dazu wird je Krankheit eine typische
Bandbreite von Behandlungstagen festgelegt. Innerhalb dieser Bandbreite wird die gleiche Pauschale unabhängig von
der tatsächlichen Dauer des Aufenthalts des Patienten gezahlt.
Das DRG-System umfasst derzeit etwa 1.250 diagnosebezogene Fallpauschalen.
Seit 2003 werden die Krankenhäuser über Fallpauschalen vergütet.
Wenige Kliniken sind hiervon zeitlich befristet ausgenommen.
Dazu gehören beispielsweise Palliativeinheiten oder Kliniken mit
dem Behandlungsschwerpunkt Multiple Sklerose. Sie dürfen, wie
früher üblich, noch nach Tagessätzen abrechnen, die unabhängig
vom jeweiligen Aufwand für die Behandlung der einzelnen Patien­
tin beziehungsweise des einzelnen Patienten sind. Gleiches gilt bis­
lang auch für psychiatrische und psychosomatische Kliniken. Für
diese Einrichtungen hat der Gesetzgeber jedoch ebenfalls die Einfüh­
rung eines Vergütungssystems vorgesehen, das den tatsächlichen
Behandlungsaufwand stärker berücksichtigt als bislang.
reform auf den Weg gebracht, die unter anderem wichtige Neue­
rungen im Bereich der Qualitätssicherung enthält.
Welche Qualitätskriterien müssen Krankenhäuser berücksichtigen?
Künftig müssen die Länder bereits bei ihrer Krankenhausplanung
den Aspekt „Qualität“ als wesentliches Entscheidungskriterium
berücksichtigen. Hierzu werden sie die vom G-BA entwickelten Quali­
tätskriterien in ihrer Krankenhausplanung nutzen können. Die
Kriterien können sich auf Strukturen (zum Beispiel technische und
personelle Ausstattung), auf Abläufe (zum Beispiel Voruntersuchun­
gen, Antibiotikaprophylaxe) oder auf die Qualität der Behandlungs­
ergebnisse (zum Beispiel Komplikations- und Infektionsraten)
beziehen. Erfüllt ein Krankenhaus maßgebliche Qualitätskriterien
1.6 Qualität in Krankenhäusern
Patientinnen und Patienten müssen sich auf eine hochwertige und
sichere Versorgung im Krankenhaus verlassen können. Im Mittel­
punkt steht dabei die Patientensicherheit. Dazu gehören eine pro­
fessionelle medizinische Behandlung, die Vermeidung von Kom­
plikationen und Behandlungsschäden, der Schutz vor Infektionen,
sichere Arzneimittel sowie eine verlässliche Pflege am Kranken­
hausbett (siehe auch Kapitel 3.3 ab Seite 67).
Wie wird Qualität im Krankenhaus sichergestellt?
Zahlreiche Gesetze enthalten Vorgaben zur Qualitätssicherung, zum
Beispiel das Arzneimittel- und Medizinproduktegesetz, das Infek­
tionsschutzgesetz oder das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch. Hinzu
kommt eine Vielzahl von Richtlinien und Beschlüssen des Gemein­
samen Bundesausschusses (G-BA) – der Selbstverwaltung von Ärzten,
Krankenhäusern und Krankenkassen –, die ebenfalls die Qualität
und Patientensicherheit betreffen: Das Spektrum ist breit und reicht
von vorgeschriebenen Personalschlüsseln bei der Betreuung von
Frühgeborenen über die Verpflichtung zu fächerübergreifenden Qua­
litätszirkeln in der Kinderherzchirurgie bis hin zur Erhebung von
Komplikationsraten bei Gallenblasenoperationen. Im Rahmen des
Krankenhausstrukturgesetzes, das am 1. Januar 2016 in Kraft getreten
ist, hat der Gesetzgeber zudem eine weitreichende Krankenhaus­
Zur Patientensicherheit im Krankenhaus zählt insbesondere der Schutz vor Infektionen und
dauerhaft nicht, kann dies Konsequenzen bis hin zur Schließung der
jeweiligen Fachabteilung oder gar des Hauses haben.
Wie wird Qualität gerade bei komplizierten Eingriffen gewährleistet?
Qualität steigt mit Erfahrung – das gilt besonders dann, wenn es
sich um hochkomplexe Eingriffe handelt. Deshalb wird vorgegeben,
dass Krankenhäuser bei bestimmten Behandlungen oder Opera­
tionen eine Mindestanzahl erreichen müssen, zum Beispiel bei der
Versorgung von Frühgeborenen oder beim Kniegelenkersatz. Die
Kliniken müssen im Voraus eine Prognose abgeben, ob sie die gefor­
derte Zahl erreichen werden. Auf dieser Grundlage wird entschie­
den, ob ein Haus eine Behandlung im Folgejahr durchführen darf
oder nicht. Nimmt ein Krankenhaus eine Behandlung vor, ohne
die festgelegte Mindestmenge zu erreichen, wird es von der Kranken­
kasse hierfür nicht vergütet.
Welche Anreize gibt es, besonders gute Leistungen zu erbringen?
Qualitätszuschläge und -abschläge sollen Krankenhäuser in Zukunft
dazu motivieren, besonders gute Leistungen zu erbringen. Das Prin­
zip ist einfach: Erbringt ein Haus Leistungen von hoher Qualität oder
nimmt es besondere Aufgaben wahr, zum Beispiel die Beratung
oder die Dokumentation bei seltenen Erkrankungen, so erhält es
dafür einen Zuschlag. Bei Qualitätsmängeln droht ein Abschlag,
sofern die Mängel nicht innerhalb eines Jahres beseitigt werden.
Wie wird die Qualität in Krankenhäusern überprüft?
Krankenhäuser sind verpflichtet, die Qualitätsanforderungen ein­
zuhalten. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung kann
nach Vorgaben des G-BA unangemeldet Kontrollen durchführen,
wenn es Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Qualitätsbestimmungen
nicht beachtet werden. Stellt der Medizinische Dienst Verstöße fest,
muss das Krankenhaus Maßnahmen zur Qualitätssteigerung ergrei­
fen. Bessert sich daraufhin nichts, kann dies von den Krankenkassen
geahndet werden, zum Beispiel durch eine geringere Vergütung.
Wie werden unnötige Operationen verhindert?
Behandlungen sollen nur dann durchgeführt werden, wenn sie
medizinisch notwendig sind. Um zu verhindern, dass aus wirtschaft­
lichen Gründen zu schnell operiert wird, hat das Krankenhaus­
strukturgesetz verschiedene Schutzmaßnahmen eingeführt. Diese
greifen beispielsweise, wenn ein Krankenhaus überdurchschnittlich
viel operiert. Außerdem sollen Bonusregelungen in Chef­arzt­verträ­
gen verhindert werden, die zu Behandlungen verleiten, die medizi­
nisch nicht erforderlich sind. Im Zusammenspiel mit dem neuen
Recht auf eine strukturierte ärztliche Zweitmeinung, welches das
GKV-Versorgungsstärkungsgesetz Versicherten bei bestimmten
häufigen, planbaren Eingriffen zuspricht, werden somit unnötige
Operationen erschwert. Bei welchen Eingriffen konkret das Recht
auf diese Zweitmeinung besteht, legt der G-BA in einer Richtlinie
fest. Der Arzt, der einen Eingriff empfiehlt, bei dem der Anspruch
auf eine Zweitmeinung gegeben ist, muss künftig den Patienten über
dieses Recht informieren.
Vor der Behandlung: die Entscheidungsund Vorbereitungsphase
Ob Entbindung, Kniegelenkoperation oder Schlag­anfall:
Die meisten Menschen müssen im Laufe ihres Lebens ­ins
Krankenhaus. Dieses Kapitel zeigt Ihnen, wann eine stationäre Behandlung notwendig werden kann, wie Sie das
richtige Krankenhaus finden, welche Aufklärungspflichten Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat und welche Vorbereitungen Sie für Ihren Aufenthalt treffen sollten.
2.1 Notwendigkeit einer
Wann kommt eine Krankenhausbehandlung in Betracht?
Prinzipiell gilt: Erst wenn Ihre niedergelassene Ärztin oder Ihr nieder­
gelassener Arzt (Haus- oder Facharzt) alle Möglichkeiten ausge­
schöpft hat, um Ihre Erkrankung zu heilen oder zu lindern, kann die
teil- oder vollstationäre Behandlung in einer Klinik notwendig
werden. Das kann zum Beispiel bei einem größeren Eingriff der Fall
sein oder bei einer Behandlung, die eine besondere technische Aus­
stattung erfordert. Darüber hinaus stehen die Krankenhäuser natür­
lich für Notfälle zur Verfügung.
Immer mehr Kliniken bieten zudem ambulante Leistungen an. Dazu
gehören kleinere Operationen wie Kniespiegelungen oder gynäko­
logische Eingriffe, die Beratung in Spezialsprechstunden sowie außer­
dem die Teilnahme an der ambulanten spezialfachärztlichen Ver­
sorgung (ASV) bei besonderen Erkrankungen, an der integrierten
Versorgung (IV) bei komplexeren Krankheiten oder an strukturierten
Behandlungsprogrammen bei chronischen Erkrankungen (siehe
hierzu auch Kapitel 1.4 ab Seite 21). Um eine lückenlose Versorgung
der Versicherten zu gewährleisten, dürfen Krankenhäuser nach
dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz unter bestimmten Voraus­
setzungen inzwischen mehr ambulante Leistungen durchführen.
Ob eine Krankenhausbehandlung notwendig ist, besprechen Sie mit
Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt. Das
kann sowohl die Hausärztin oder der Hausarzt sein als auch eine
Fachärztin oder ein Facharzt. Eine Krankenhausbehandlung setzt
dabei stets Ihre Einwilligung voraus.
Damit Sie nicht wochenlang auf einen Facharzttermin warten müssen,
haben die Kassenärztlichen Vereinigungen seit Januar 2016 soge­
nannte Terminservicestellen eingerichtet. Die Terminservicestellen
vermitteln bei Vorlage einer Überweisung (ausgenommen sind
Termine beim Augen- und Frauenarzt) grundsätzlich innerhalb einer
Woche einen Facharzttermin mit einer Wartezeit von maximal vier
Wochen. Kann die Terminservicestelle keinen Termin innerhalb der
Wartezeit vermitteln, muss sie einen ambulanten Behandlungstermin
im Krankenhaus anbieten. Ausgenommen davon sind verschiebbare
Routineuntersuchungen oder Bagatellerkrankungen.
Woher wissen Sie, ob eine Behandlung wirklich notwendig ist?
Jeder Eingriff ist mit medizinischen Risiken verbunden und nicht für
jeden Patienten eignet sich die gleiche Behandlungsmethode. Mit
dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz wurde ein Anspruch auf ein
sogenanntes strukturiertes Zweitmeinungsverfahren auf Kosten der
Krankenkasse geregelt. Dieser Anspruch umfasst eine unabhängige
ärztliche Zweitmeinung bei bestimmten planbaren Operationen,
bei denen Unsicherheit bestehen kann, ob sie medizinisch zwingend
geboten sind und sich nicht gegebenenfalls vermeiden lassen. Bei
welchen Eingriffen Sie konkret einen Anspruch auf eine Zweitmei­
nung haben, legt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fest.
Das können zum Beispiel Operationen zum Hüft- oder Kniege­lenk­
­ersatz, aber auch eine Mandeloperation sein. Der Arzt, der eine
Zweitmeinung abgibt, muss dazu besonders qualifiziert sein, unter
anderem durch eine langjährige Erfahrung als Facharzt in dem
betreffenden Fachgebiet.
Unabhängig von diesen gesetzlichen Neuerungen bieten einige
Krankenkassen ihren Versicherten schon länger und auch weiterhin
eigene Zweitmeinungsverfahren für verschiedene schwerwiegen­
de Erkrankungen an und übernehmen die entsprechenden Kosten
als Satzungsleistung. Bei welchen Krankheiten dies der Fall ist
und welche Voraussetzungen hierbei erfüllt sein müssen, können
Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse erfragen.
Neben der ärztlichen Zweitmeinung können Sie als Patientin oder
Patient sowie als Angehöriger auch anderweitige Informations- und
Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Unterstützung gibt es
etwa durch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD),
die entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag nach § 65b Fünftes
Einen Facharzttermin vermitteln Ihnen die Terminservicestellen der Kassenärztlichen
Buch Sozialgesetzbuch kostenfrei, neutral und qualitätsgesichert zu
allen gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen infor­
miert und berät. Sie können sich telefonisch, online oder vor Ort
beraten lassen. Sie erreichen die Unabhängige Patientenberatung
unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 0117722 oder unter
www.patientenberatung.de.
Darüber hinaus gibt es weitere unabhängige Beratungsmöglich­
keiten, insbesondere zu besonderen Themen oder für besondere
Zielgruppen, die durch verschiedene Vereine, durch die Verbraucher­
zentralen oder durch Selbsthilfegruppen erbracht werden.
Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, sondern um eine
geplante Behandlung, haben Sie die Zeit und das Recht, sich eine
Klinik auszusuchen. Denn in Deutschland gilt neben der freien
Arztwahl grundsätzlich auch das Prinzip der freien Krankenhaus­
wahl. Als gesetzlich Versicherte oder gesetzlich Versicherter können
Sie sich in allen zugelassenen Kliniken behandeln lassen. Zugelassen
sind die Hochschulkliniken sowie die Krankenhäuser, die in den
Krankenhausplan eines Landes aufgenommen worden sind oder
mit denen die Krankenkassen einen Versorgungsvertrag abgeschlos­
sen haben. Lediglich in Privatkliniken, für die keine dieser Voraus­
setzungen zutrifft, gilt dieses Recht – außer in Notfällen – nicht.
Liegt kein Notfall vor, brauchen Sie eine Krankenhauseinweisung
von Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt
(Haus- oder Facharzt), um in eine Klinik aufgenommen zu werden.
Die Ärztin oder der Arzt gibt dabei die beiden nächsterreichbaren
Krankenhäuser an, wenn diese für die vorgesehene Behandlung geeig­
net sind. Sie können sich jedoch auch für eine andere Klinik ent­
scheiden, wenn es sich dabei um eine zugelassene Klinik handelt.
Wählen Sie eine andere Klinik ohne zwingenden Grund, kann die
Kasse verlangen, dass Sie die Mehrkosten hierfür tragen (§ 39 Absatz 2
Fünftes Buch Sozialgesetzbuch). Kommen Sie für eine ambulante
Behandlung ins Krankenhaus, benötigen Sie eine Überweisung
von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – wie bei einer Überweisung
zum Facharzt.
Um ein Krankenhaus aufzusuchen, müssen Sie sich in aller Regel
nicht vorher mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen. In Berlin
und Brandenburg gilt jedoch nach wie vor, dass Sie vor einer stati­
onären Behandlung im Krankenhaus eine Kostenübernahmeerklä­
rung von Ihrer Krankenkasse einholen sollten. Tun Sie dies nicht,
kann die Klinik Sie dennoch nicht abweisen. In diesem Fall holt die
Klinik die Erklärung selbst ein.
Welche Kriterien sollten Sie bei der Krankenhauswahl berücksichtigen?
Bei der Wahl des passenden Krankenhauses spielen oftmals gleich
mehrere Kriterien eine Rolle. Neben einer guten medizinischen Ver­
sorgung sind für viele Patientinnen und Patienten auch persönliche
Bedürfnisse wie zum Beispiel die Nähe zum Wohnort, Barriere­frei­
heit oder besondere Sprachkenntnisse des Klinikpersonals wichtig.
Viele verlassen sich bei der Entscheidung für eine Klinik oft auf die
Empfehlung des Hausarztes oder den Rat von Angehörigen und
Freunden. Unabhängig davon sollten Sie bei Ihrer Krankenhaus­
wahl aber auch objektive Kriterien einbeziehen. Denn persönliche
Einschätzungen ermöglichen keine zuverlässige Aussage über die
wirk­liche Qualität eines Krankenhauses. Hier lohnt sich ein Blick
in die Qualitätsberichte, mit denen die Krankenhäuser über ihre
Arbeit informieren. Diese geben unter anderem Auskunft über
die medizinische Versorgungsqualität, beispielsweise zum Behand­
lungsergebnis bei bestimmten Leistungen auch im Verhältnis zu
anderen Kranken­häusern sowie zur Erfüllung von Hygienestandards.
Besonders wichtige Informationen des Qualitätsberichts, insbe­
sondere zur Patientensicherheit, müssen in einem gesonderten
Berichtsteil in übersicht­licher Form und verständlicher Sprache
Um das für Sie passende Krankenhaus zu finden, sollten
Sie verschiedene Kriterien beachten. Neben objektiven
Aspekten, etwa hinsichtlich der Qualität eines Krankenhauses,
können auch persönliche Bedürfnisse eine Rolle spielen.
Auf welche medizinischen Kriterien Sie achten sollten:
• Ist das Krankenhaus auf Ihre Erkrankung spezialisiert?
Lassen Sie Eingriffe möglichst in einer Klinik durchführen, die
Erfahrung mit Ihrer Erkrankung hat. Die Qualitätsberichte
der Kliniken geben dazu Auskunft. In den Krankenhaussuch­
maschinen im Internet sind die entsprechenden Informationen nutzerfreundlich zusammengefasst. Dort finden Sie
• Verfügt die Klinik über die notwendige Fachabteilung, zum
Beispiel Orthopädie oder Onkologie?
• Welche medizinischen Leistungen bietet die Fachabteilung
an, zum Beispiel Gelenkersatz oder Diagnostik von Tumoren?
elche besondere Geräteausstattung gibt es in der Klinik,
zum Beispiel Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)?
• Welche Qualifikationen bringen die Klinikärzte mit, zum
Beispiel Kinder- oder Unfallchirurgie oder Strahlentherapie?
• Steht spezielles therapeutisches Personal zur Verfügung,
zum Beispiel Physiotherapeuten, Diätassistenten oder
• Gibt es zusätzliche medizinisch-pflegerische Leistungen,
zum Beispiel Lymphdrainage, Ernährungsberatung oder
• Weist das Krankenhaus eine hohe Qualität auf?
Die Kliniken sind gesetzlich dazu verpflichtet, Qualität sicher­
zustellen und Mängel zu beheben. Die Qualitätsberichte
treffen dazu entsprechende Aussagen. Die Krankenhaussuchmaschinen im Internet erleichtern den Überblick oft durch
ein einfaches Ampelsystem in der Rubrik „Gesetzliche Quali­
tätssicherung“. Dort finden Sie unter anderem Informationen darüber, ob die Klinik bei bestimmten Eingriffen die fest­
gelegten Qualitätsbestimmungen erreicht hat.
as noch hilfreich sein kann: Wie schneidet die Klinik bei
anderen Patienten ab?
Verschiedene Krankenhaussuchmaschinen im Internet lassen
auch die Bewertungen anderer Patientinnen und Patienten
in ihre Ergebnisse einfließen. Auch daran können Sie sich
orientieren – seien Sie sich jedoch bewusst, dass persönliche
Erfahrungen objektive Daten nicht ersetzen können.
Welche persönlichen Aspekte eine Rolle spielen können:
• I st die Klinik in der Nähe Ihres Wohnortes?
Davon hängen nicht nur Ihre Anreise und die Ihres Besuchs ab.
Sind in der ärztlichen Einweisung die nächsterreichbaren
Krankenhäuser angegeben und entscheiden Sie sich gleichwohl für eine entferntere Klinik, können Mehrkosten auf
Sie zukommen, etwa wegen höherer Fahrkosten.
ünschen Sie bestimmte Zusatz- und Wahlleistungen?
Ob Einzelzimmer, Chefarztbehandlung oder Akupunktur:
Erkundigen Sie sich im Voraus bei der Klinik nach Extraleistungen und anfallenden Zusatzkosten.
• Ist die Klinik barrierefrei?
Seh- oder gehbehinderte Menschen, Menschen mit Demenz,
Patienten mit starkem Übergewicht, aber auch Eltern mit
Kindern sind oft auf eine barrierearme Umgebung ange­wie­
sen. In den Qualitätsberichten der Kliniken sowie den Kran­
ken­haussuchmaschinen im Internet finden Sie Informa­tio­nen
zur Barrierefreiheit, etwa ob ein Blindenleitsystem, ein Patien­­
tenlifter oder rollstuhlgerechte Duschen vorhanden sind.
• Gibt es die Möglichkeit der Mitaufnahme von Begleit­
personen („Rooming-in“)?
Besonders bei kranken Kindern oder Menschen mit Demenz
kann es erforderlich oder hilfreich sein, wenn sie von einem
Angehörigen oder Betreuer begleitet werden. Fragen Sie im
Krankenhaus nach, welche Möglichkeiten hierfür zur Verfügung stehen, und klären Sie vorab mit Ihrer Krankenkasse
egen Sie Wert auf eine bestimmte Konfession?
Zahlreiche Kliniken werden von kirchlichen Einrichtungen
getragen. Sofern Sie gläubig sind, kann daher die konfessionelle Ausrichtung des Krankenhauses ein Auswahlkriterium
• I st fremdsprachiges Personal vorhanden?
Im Krankenhaus kommt es auf eine reibungslose Verständigung an. Sollten Sie nicht gut Deutsch sprechen, erkundigen
Sie sich, ob Dolmetscher oder Mitarbeiter mit besonderen
Sprachkenntnissen zur Verfügung stehen.
Wo finden Sie die Qualitätsberichte der Krankenhäuser?
Die Qualitätsberichte finden Sie sowohl auf den Internetseiten der
Kliniken als auch über verschiedene Krankenhaussuchmaschinen
im Internet, die von den Krankenkassen und ihren Verbänden, der
Deutschen Krankenhausgesellschaft oder Patientenorganisationen
angeboten werden. So bietet beispielsweise die Weisse Liste, die
unter der Schirmherrschaft des Patientenbeauftragten der Bundes­
regierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, steht, eine umfassende
Kliniksuche an. Dabei fließen die Qualitätsberichte der Kranken­
häuser und die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten in die
Bewertung ein. Die Suche ist im Internet erreichbar über­­
www.weisse-liste.de/de/krankenhaus/krankenhaussuche.
Was beinhalten die Qualitätsberichte der Krankenhäuser?
Krankenhäuser sind verpflichtet, jährlich einen Qualitätsbericht zu
veröffentlichen. Die Berichte machen transparent, welche Leistungen
angeboten werden, wie oft bestimmte Eingriffe erfolgt sind, wie
häufig es dabei zu Problemen gekommen ist und wie gut eine Klinik
auf spezielle Bedürfnisse, zum Beispiel Barrierefreiheit, eingeht.
Diese Informationen sollen Ihnen helfen, sich ein Bild von der Ver­
sorgungsqualität einer Klinik zu machen. Jeder Qualitätsbericht
besteht dabei aus drei Teilen:
Teil A enthält allgemeine Informationen, die das gesamte Kranken­
haus betreffen. Dazu zählen zum Beispiel die Zahl der Betten, der
Ärztinnen und Ärzte, der Pflegekräfte und des weiteren therapeuti­
schen Personals sowie Angaben zum Träger (öffentlich, freigemein­
nützig, privat), zu medizinisch-pflegerischen Leistungen (zum Bei­
spiel Akupunktur, Ernährungsberatung, Sterbebegleitung), zu
nicht­medizinischen Angeboten (zum Beispiel Mutter-Kind-Zimmer,
Seelsorge, Dolmetscherdienste), zu Besonderheiten bei der medizin­
technischen Ausstattung sowie zur Barrierefreiheit.
Teil B informiert über die Fachabteilungen und Zusatzqualifikationen. Hier lässt sich nachvollziehen, ob eine Klinik über die
gesuchte Fachkompetenz verfügt. Denn nicht jedes Krankenhaus hat
etwa eine Intensivstation oder eine Kinderabteilung. Aufgeführt
werden die Abteilungen, ihre medizinischen Leistungen sowie die
Zusatzqualifikationen der Ärztinnen und Ärzte und der Pflege­
kräfte. Außerdem wird für jede Fachabteilung die Zahl der vorge­
nommenen Eingriffe nach Diagnose und Prozedur veröffentlicht.
Tipp: Für eine effektive Suche ist es hilfreich, den Diagnoseschlüssel
(ICD-Code) oder den Operationen- und Prozedurenschlüssel
(OPS-Code) zu kennen. Damit können Sie gezielt nach Eingriffen
und Behandlungen suchen und diese in verschiedenen Kliniken
vergleichen. Den genauen Code erfahren Sie von Ihrem Arzt oder
Teil C ist der Kern des Qualitätsberichts. Er umfasst die Bewertung der
erbrachten Leistungen und die Maßnahmen zur Qualitäts­siche­rung.
Hierfür müssen die Kliniken für die verschiedenen Behandlungen
festgelegte Qualitätsstandards erfüllen, die der Gemeinsame Bundes­
ausschuss (G-BA) in der QSKH-Richtlinie (Richtlinie über Maßnah­
men der Qualitätssicherung in Krankenhäusern) festlegt. Beispiel:
Als Qualitätskriterium bei Frühgeburten gilt die Anwesenheit eines
Kinderarztes. Als Zielwert wurde festgelegt, dass mindestens 90 von
100 Frühgeburten in Anwesenheit eines Kinderarztes erfolgen sollen.
Ein Krankenhaus erhält eine gute Qualitätsbewertung, wenn es diese
Quote erfüllt. Zur Qualitätsbewertung sind Teil C so auch Hin­weise
auf Komplikationen bei bestimmten Eingriffen zu entnehmen.
Ausführlichere Informationen des Gemeinsamen Bundesausschusses
(G-BA) zu den Qualitätsberichten finden Sie im Internet unter
www.g-ba.de/qualitaetsbericht.
2.3 Vorbereitung des Krankenhausaufenthaltes
Wie werden Sie auf den Krankenhausaufenthalt vorbereitet?
Bevor Sie in einem Krankenhaus aufgenommen werden, müssen
Sie in der Regel zu einer ambulanten Voruntersuchung in die Klinik
kommen. Im Rahmen dieser sogenannten vorstationären Behand­
lung klärt die Klinikärztin oder der Klinikarzt, ob die Behandlung,
wie sie der einweisende Arzt vorgesehen hat, überhaupt im Kranken­
haus in dieser Form notwendig ist oder ob sie auch teilstationär oder
ambulant erfolgen kann. Ist eine stationäre Versorgung angezeigt,
dient die Aufnahmeuntersuchung dazu, Sie auf den Eingriff vorzu­
bereiten, etwa durch Blutentnahmen, das Aufklärungsgespräch und
die Vorstellung beim Narkosearzt. Um Doppeluntersuchungen und
Verzögerungen zu vermeiden, sollten Sie wichtige medizinische
Unterlagen mitbringen, zum Beispiel Röntgenbilder, Ultraschall­
befunde, Ihre Medikamentenliste oder Gesundheitspässe wie Aller­
giepass oder Diabetikerausweis. Das Krankenhaus kann auch nieder­
ge­lassene Vertragsärzte beauftragen, die vorstationäre Behandlung in
den Räumen des Krankenhauses oder der Arztpraxis zu übernehmen.
Die vorstationäre Behandlung dient dazu, zu klären, ob eine
vollstationäre Krankenhausbehandlung notwendig ist, oder
um diese vorzubereiten. Sie darf sich höchstens über drei
Behandlungstage innerhalb von fünf Tagen vor der stationären
Aufnahme erstrecken (§ 115a Fünftes Buch Sozialgesetzbuch).
Wann übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten für die Fahrt zum
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Fahrt zum Kran­
kenhaus, wenn die Fahrt im Zusammenhang mit einer Leistung der
Krankenkasse aus medizinischer Sicht zwingend notwendig ist. Hier­
für benötigen Sie von Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behan­
delnden Arzt eine entsprechende „Verordnung einer Krankenbeför­
derung“. Nur in Ausnahmefällen, insbesondere in Notfällen, kann
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Verordnung nachträglich ausstellen.
Die Fahrten können prinzipiell mit öffentlichen Verkehrsmitteln,
einem Kranken- oder Rettungswagen, mit Taxen und Mietwagen
oder Ihrem eigenen Pkw erfolgen. Welches Verkehrsmittel medi­
zinisch notwendig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt in der Verord­
nung fest. Bei Fahrten mit dem privaten Kraftfahrzeug oder mit
einem öffentlichen Verkehrsmittel ist keine Verordnung erforderlich.
Bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erstatten die Kranken­
kassen die Kosten abzüglich der von Ihnen zu leistenden gesetz­
lichen Zuzahlung sowie aller Fahrpreisvergünstigungen, zum Beispiel
Schwerbehindertenrabatt. Bei Fahrten mit dem eigenen Pkw zahlen
die Kassen für jeden gefahrenen Kilometer den im Bundesreisekosten­
gesetz festgesetzten Höchstbetrag für Wegstreckenentschädigung.
Dieser beträgt 20 Cent je Kilometer zurückgelegte Strecke, höchs­
tens jedoch die Kosten, die entstanden wären, wenn Sie – abhängig
von der medizinischen Notwendigkeit – eines der anderen oben
genannten Transportmittel genutzt hätten. Auch hier wird Ihr Eigen­
anteil (Zuzahlung) abgezogen.
Wenn es medizinisch notwendig ist, übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten für die Fahrt
Die Krankenkassen übernehmen die Fahrkosten in den nach
§ 60 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch aufgeführten Fällen:
ahrten zum Krankenhaus für Leistungen, die stationär
­erbracht werden
• Rettungsfahrten zum Krankenhaus auch ohne stationäre
­Behandlung
rankentransporte mit aus medizinischen Gründen not­wendiger
fachlicher Betreuung oder Fahrten in einem Krankenwagen
• Fahrten zu einer ambulanten Behandlung sowie Fahrten zu einer
vor- oder nachstationären Behandlung oder einer ambulanten
Operation im Krankenhaus, wenn dadurch eine an sich gebotene
stationäre oder teilstationäre Krankenhausbehandlung vermieden
oder verkürzt wird
Werden Ihre Fahrkosten von der Krankenkasse übernommen, zahlen
Sie pro Fahrt 10 Prozent des Fahrpreises zu, mindestens 5 und maxi­
mal 10 Euro, jedoch nie mehr als die tatsächlichen Kosten. Dabei
gelten die Hin- und Rückfahrt jeweils als Einzelfahrt. Auch für
Kinder und Jugendliche müssen Sie den vollen Eigenanteil leisten.
Müssen Sie die Fahrten von Ihrer Krankenkasse genehmigen lassen?
Wenn Sie zu einer stationären Behandlung in ein Krankenhaus
fahren, müssen Sie die ärztliche „Verordnung einer Kranken­beför­
derung“ nicht vorab von Ihrer Krankenkasse genehmigen lassen.
Sie können die Kostenerstattung auch im Nachhinein beantragen.
Fahrten zu einer ambulanten Behandlung wiederum müssen in jedem
Fall vorher von der Krankenkasse genehmigt werden, da die Kassen
die Kosten nur in besonderen Ausnahmefällen übernehmen. Das
betrifft beispielsweise Fahrten zur ambulanten Strahlen- oder Chemo­
therapie, zur Dialyse oder zu anderen ambulanten Serienbehand­
lungen. Die Ausnahmefälle hat der Gemeinsame Bundesaus­schuss
(G-BA) in seiner Krankentransport-Richtlinie festgelegt. Schwerbe­
hinderte oder Pflegebedürftige können die Kosten für die Fahrt zur
ambu­lan­ten Behandlung nach vorheriger Genehmigung durch die
Kranken­kasse erstattet bekommen, wenn sie einen Schwerbehinder­
tenausweis mit dem Merkzeichen „aG“ (außergewöhnliche Gehbe­
hinderung), „Bl“ (blind) oder „H“ (hilflos) besitzen oder die Pflege­
stufe II oder III (bis Ende 2016) nachweisen können.2 Die Fahrt muss
dabei zwingend medizinisch notwendig sein.
2 Durch das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) vom 21. Dezember 2015 wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2017 ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff in das Elfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) eingeführt. In diesem Zusammenhang werden die bisherigen Pflegestufen
durch Pflegegrade ersetzt. Die in der Krankentransport-Richtlinie niedergelegte Ausnahmeregelung hinsichtlich der Übernahme von Kosten für die Fahrt zu einer ambulanten Behandlung bei Vorliegen der Pflegestufen II und III wird zum 1. Januar 2017 mit Blick auf die Pflegegrade angepasst werden.
So können Sie sich auf Ihren Krankenhausaufenthalt
­vorbereiten
Wenn es sich um einen geplanten Krankenhausaufenthalt
handelt, sollten Sie die Zeit vorher nutzen, um diesen gut
vorzubereiten. Klären Sie wichtige Fragen vorab und treffen
Sie Vorkehrungen für Ihre Abwesenheit von zu Hause. Denken
Sie außerdem an die notwendigen Unterlagen und persönlichen Dinge, die Sie im Krankenhaus brauchen werden.
alls Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, müssen diese
im Vorfeld der Untersuchung oder Behandlung eventuell
abgesetzt oder umgestellt werden. Bei bestimmten Eingriffen
dürfen Sie außerdem vorher nichts mehr essen und trinken.
Besprechen Sie die Details mit Ihrem behandelnden Arzt.
• I nformieren Sie Ihren Arbeitgeber, Ihre Freunde, Verwandten
und/oder Nachbarn über Ihre Abwesenheit. Bei Pflegebe­
dürf­tigkeit sollten Sie auch den Pflegedienst benachrichtigen.
• Bitten Sie jemanden, sich um Ihre Wohnung oder Ihr Haus
sowie um Haustiere, Pflanzen, Post und Ähnliches zu kümmern,
und hinterlegen Sie hierfür einen Schlüssel.
• Bei längerem Krankenhausaufenthalt: Stellen Sie sicher, dass
Ihre laufenden Kosten gedeckt sind. Erteilen Sie bei Bedarf
einer Person Ihres Vertrauens eine Vollmacht für die Regelung
Ihrer Angelegenheiten.
berprüfen Sie, ob in nächster Zeit Termine geplant sind, die
Sie besser verschieben oder absagen sollten.
• Wenn während Ihres Krankenhausaufenthaltes Kinder betreut
und versorgt werden müssen, erkundigen Sie sich bei Ihrer
Krankenkasse nach der Möglichkeit einer Haushaltshilfe.
Ein Krankenhausaufenthalt sollte gut vorbereitet sein. Unsere Checkliste hilft Ihnen dabei.
• Wenn Sie sich als Angehöriger um einen Pflegebedürftigen
kümmern, sollten Sie frühzeitig eine Verhinderungspflege
enken Sie an die Zeit nach Ihrem Aufenthalt: Werden Sie
eine Betreuung oder Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Pflegebett
benötigen? Sprechen Sie in diesem Fall mit Ihrer Krankenkasse und dem Sozialdienst der Klinik.
Welche Dokumente und Unterlagen Sie mitnehmen sollten:
• soweit vorhanden: Versicherungsnachweis über eine Kranken­
haustagegeldversicherung, Bescheinigungen über die
Teilnahme an Versorgungsprogrammen Ihrer Krankenkasse
(integrierte Versorgung)
• gegebenenfalls Notfallvorkehrungen (zum Beispiel Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht,
­ rganspendeausweis)
Welche persönlichen Dinge Sie mitbringen sollten:
• Hilfsmittel wie Brille, Hörgerät, Gehhilfe, Stützstrümpfe
leidung wie Schlafanzug, Bademantel, Trainingsanzug,
rutschfeste Schuhe, Kleidung für den Nachhauseweg
• Einweisungsschein bei stationärer Behandlung, Überweisungs­
schein bei ambulanter Behandlung
• Kontaktdaten Ihrer Hausärztin oder Ihres Hausarztes
ei Neugeborenen: Erstlingskleidung, Auto-Babysitz für den
ame und Telefonnummer eines Angehörigen, der benachrichtigt werden soll
inge, die den Krankenhausaufenthalt angenehmer gestalten,
wie zum Beispiel Bücher, Zeitschriften, Musik, Fotos,
ei Pflegebedürftigen: die Kontaktdaten der Pflegeeinrichtung
oder des Pflegedienstes
• Kontaktdaten von Angehörigen und Freunden
• Liste der Medikamente, die Sie gegenwärtig einnehmen
• vorhandene Untersuchungsbefunde (zum Beispiel Röntgenoder Ultraschallbilder, EKG, Laborergebnisse) und frühere
• vorhandene Gesundheitspässe (zum Beispiel Impfpass,
Mutterpass, Allergiepass, Diabetikerausweis, Herzschrittmacherausweis)
• gegebenenfalls Zuzahlungsbefreiungen der Krankenkasse
oder Bestätigung der Kostenübernahme durch das Sozialamt
• Toilettenartikel zur Körperpflege
• etwas Bargeld (aus Haftungsgründen möglichst keine hohen
Bargeldsummen oder teuren Wertgegenstände)
Quelle: www.weisse-liste.de, Checkliste Krankenhausaufenthalt
Welche Informations- und Aufklärungspflichten hat das
Als Patientin oder Patient müssen Sie umfassend und verständlich
über Ihre Behandlung informiert und aufgeklärt werden (§ 630c,
630e Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)). Dies reicht von den erforder­
lichen Untersuchungen über die Diagnose und die beabsichtigte
Therapie bis hin zur voraussichtlichen gesundheitlichen Entwicklung.
Eine umfassende Information und Aufklärung beinhaltet zudem,
dass mit Ihnen über Risiken und Chancen der konkreten Behand­
lungsmaßnahme gesprochen wird. Stehen mehrere Behandlungs­
möglichkeiten zur Auswahl, die jedoch mit unterschiedlichen Belas­
tungen, Risiken und Heilungschancen verbunden sind, müssen Sie
auch darüber aufgeklärt werden.
Wie müssen Sie aufgeklärt werden?
Die Aufklärung muss in einem persönlichen Gespräch erfolgen,
damit Sie unmittelbar nachfragen können. Dabei kann die Ärztin
oder der Arzt zu Ihrer Information auch schriftliche Unterlagen
miteinbeziehen. Allerdings dürfen diese das Gespräch nicht ersetzen.
So reicht es nicht aus, wenn Ihnen der Arzt vor einer Gallenblasen­
entfernung ein Informationsblatt oder einen Aufklärungsbogen über­
reicht, ohne dies zusätzlich mit Ihnen persönlich zu besprechen.
Schriftstücke, die Sie im Zusammenhang mit der Aufklärung oder
Einwilligung unterzeichnet haben, müssen Ihnen als Kopie oder
Durchschrift ausgehändigt werden.
Was Sie beim Aufklärungsgespräch beachten sollten
Ihre behandelnde Ärztin beziehungsweise Ihr behandelnder
Arzt3 hat eine umfassende Informations- und Aufklärungspflicht Ihnen gegenüber. Das umfasst die medizinischen
Untersuchungen, die Diagnose und die Behandlungsmöglichkeiten sowie die Heilungschancen und Risiken.
Wann Sie die Ärztin oder der Arzt informieren und
­aufklären muss:
indet das Aufklärungsgespräch rechtzeitig vor einer Behandlung statt? Außer bei Notfällen sollte die Aufklärung mehrere Tage vor dem Eingriff erfolgen, damit Sie genügend Zeit
haben, Fragen zu stellen und Ihre Entscheidung zu treffen.
Bei kleineren ambulanten Operationen kann die Aufklärung
am Eingriffstag erfolgen, jedoch nicht erst unmittelbar vor
dem Eingriff im OP-Bereich.
önnen Sie die schriftlichen Materialien in Ruhe durchlesen?
Wenn nicht, lassen Sie sich nicht drängen und fordern Sie
genügend Zeit für die Lektüre ein.
aben Sie genug Zeit, eine wohlüberlegte Entscheidung
zu treffen? Erbitten Sie gegebenenfalls Bedenkzeit und
­nutzen Sie diese, um weitere Informationen und Meinungen
aben Sie auf die Aufklärung ausdrücklich verzichtet? In diesem Fall ist der Arzt von seiner Aufklärungspflicht entbunden.
3 Neben der Ärztin beziehungsweise dem Arzt können das auch andere Behandelnde sein, etwa
eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut.
Worüber Sie die Ärztin oder der Arzt informieren und
aufklären muss:
rklärt Ihnen der Arzt umfassend und verständlich, welche
Untersuchungen oder Eingriffe anstehen und wie diese
• Haben Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen, und geht der
Arzt darauf ein?
erden Ihnen Untersuchungsergebnisse und Befunde (zum
Beispiel Laborwerte oder Röntgenbilder) anschaulich erläutert?
• Klärt der Arzt Sie ausführlich und verständlich über die Dia­
gnose (zum Beispiel Herzinfarkt oder Bauchspeicheldrüsen­
entzündung) auf?
• S pricht er dabei auch den weiteren Krankheitsverlauf (mit und
ohne Behandlung), mögliche Heilungschancen oder Folge­
erkrankungen an?
rklärt er Ihnen, welche Behandlungsschritte erfolgen sollen?
eht er auch darauf ein, wie notwendig oder dringend die
Behandlung ist?
erden Ihnen die Chancen, aber auch die Risiken der Behand­
lung aufgezeigt?
eist Sie der Arzt auf mögliche Behandlungsalternativen und
ihre Vor- und Nachteile hin?
• Informiert Sie der behandelnde Arzt über die verschriebenen
Medikamente, ihre Einnahme und Dosierung? Geht er auf
die Wirkung sowie mögliche Nebenwirkungen der Arzneimittel ein?
• Werden Sie über Kosten, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen werden, vorab schriftlich
informiert, zum Beispiel für Wahlleistungen im Krankenhaus?
Wie Sie die Ärztin oder der Arzt informieren und
• Findet die Aufklärung mündlich statt oder erhalten Sie nur
schriftliche Informationen? Bitten Sie um ein persönliches
Gespräch, um all Ihre Fragen direkt stellen zu können. Der
Arzt ist zu einer mündlichen Aufklärung verpflichtet.
• Sind die Informationen für Sie verständlich? Wenn nicht,
fragen Sie nach. Lassen Sie sich alles, was Sie nicht verstehen,
aben Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen? Der Arzt muss
Ihnen zu allen offenen Punkten antworten.
• Werden Ihnen Kopien oder Durchschriften der von Ihnen
unterzeichneten Unterlagen (etwa Einwilligungserklärung
oder Aufklärungsbogen) ausgehändigt? Lassen Sie sich diese
geben und bewahren Sie sie für eventuelle Nachfragen auf.
Wie willigen Sie in eine Behandlung ein?
Für welche Behandlung Sie sich letztlich entscheiden – die rechtliche
Grundlage hierzu ist Ihre Einwilligung nach § 630d BGB. Diese ist
allerdings nur wirksam, wenn Sie rechtmäßig aufgeklärt worden sind.
Ob und wie Sie sich behandeln lassen, ist allein Ihre Entscheidung.
Hier greift das Recht auf Selbstbestimmung. In letzter Konsequenz
bedeutet dies, dass Sie eine medizinisch notwendige Behandlung
auch ablehnen können.
Bevor ein Arzt einen medizinischen Eingriff an Ihnen vornehmen darf, muss er Ihre Einwilligung einholen. So schreibt
es § 630d BGB vor. Sind Sie nicht in der Lage, einzuwilligen,
kann eine berechtigte Person die Einwilligung erteilen,
sofern Sie in einer Patientenverfügung nichts Gegenteiliges
Was passiert bei Patienten, die nicht selbst einwilligen können?
Wenn Sie nicht in der Lage sind, selbst einwilligen zu können, liegt
eine besondere Situation vor. Einwilligungsunfähig ist, wer Art,
Bedeutung und Tragweite beziehungsweise Folgen der ärztlichen
Maßnahme auch nach ärztlicher Aufklärung nicht verstehen oder
seinen Willen nicht danach bestimmen kann. Dies kann beispiels­
weise aufgrund einer Erkrankung, eines Unfalls oder bei Bewusst­
losigkeit der Fall sein. In dringenden Notfällen können dann Behand­
lungsmaßnahmen ohne Einwilligung eingeleitet werden, wenn
diese Ihrem mutmaßlichen Willen entsprechen. Dabei ist die Frage
zu stellen, wie Sie in der konkreten Situation entscheiden würden,
wenn Sie dazu in der Lage wären. Liegt kein Notfall vor, muss eine
Vertreterin oder ein Vertreter nach vorheriger Aufklärung an Ihrer
Stelle entscheiden, soweit nicht bereits eine Patientenverfügung die
konkret vorge­sehene Behandlung gestattet oder untersagt. Als Ver­
treter kommt zum Beispiel ein Bevollmächtigter oder ein vom Betreu­
ungsgericht bestellter Betreuer infrage. Auch ein Einwilligungsun­
fähiger darf jedoch über das Ob und Wie einer Behandlung, der er
unterzogen wird, grundsätzlich nicht im Unklaren gelassen werden.
Daher soll auch der einwilligungsunfähige Patient in das Behand­
lungsgeschehen einbezogen werden, indem auch ihm entsprechend
seinem Verständnis die wesentlichen Umstände der vorgesehenen
Maßnahme zu erläutern sind, soweit er aufgrund seines Entwick­
lungszustandes und seiner Verständnismöglichkeiten in der Lage ist,
die Erläuterung aufzunehmen, und soweit dies seinem Wohl nicht
zuwiderläuft (§ 630e Absatz 5 BGB).
Bei Minderjährigen hängt es insbesondere vom Alter und von ihrer Einsichtsfähigkeit ab, inwieweit
sie selbst in eine Behandlung einwilligen können.
Bei Minderjährigen ist zu unterscheiden: Ist der minderjährige Patient
nicht einwilligungsfähig, so liegt die Entscheidung über die Durch­
führung einer Behandlung ausschließlich bei den Personensorge­
berechtigten, sodass deren Einwilligung erforderlich ist. Da eine
Einwilligung der Personensorgeberechtigten nur wirksam ist, wenn
die Ärztin oder der Arzt sie vorher aufgeklärt hat, ist es unumgäng­
lich, dass sie über die ärztliche Maßnahme genau informiert werden.
Minderjährige können dagegen selbst grundsätzlich dann wirksam
in eine Behandlung einwilligen, wenn sie nach ihrem Alter und
ihrer Verstandesreife die Bedeutung und Tragweite des Eingriffs zu
ermessen vermögen. Inwieweit diese natürliche Einsichts- und
Entschlussfähigkeit der minderjährigen Person gegeben ist, muss die
Ärztin oder der Arzt im Einzelfall im Hinblick auf den geplanten,
konkreten Eingriff beurteilen. Das Gesetz kennt keine starren Alters­
grenzen. Im Zweifel sollte (zusätzlich) die Einwilligung der Personen­
sorgeberechtigten eingeholt werden. Wenn ausnahmsweise zwischen
dem bereits einwilligungs­fähigen Kind und den Eltern unterschied­
liche Auffassungen über eine Behandlung bestehen, muss diese
Konfliktsituation durch besonders intensive und umfassende Prü­
fung der behandelnden Ärzte und Gespräche mit allen Beteiligten
gelöst werden. Dabei sind einerseits das Selbst­bestim­mungs­recht des
minderjährigen Patienten, andererseits das Eltern- und Erziehungs­
recht zu berücksichtigen.
Wie können Sie für den Fall vorsorgen, dass Sie nicht mehr selbst
Im Laufe eines Lebens kann jeder in die Lage geraten, nicht mehr
für sich entscheiden zu können – etwa nach einem schweren
­Unfall oder bei einer Demenzerkrankung. Für diesen Fall können
Sie vorsorgen:
Mit einer Patientenverfügung legen Sie für den Fall Ihrer Entschei­
dungsunfähigkeit im Voraus schriftlich fest, ob Sie in einer bestimm­
ten Lebens- und Behandlungssituation in eine ärztliche Untersuchung
oder Behandlung einwilligen oder diese untersagen. Der Arzt hat
eine Patientenverfügung unabhängig von Art und Stadium der Erkran­
kung umzusetzen, wenn in der Erklärung Ihr Wille für die aktuelle
Lebens- und Behandlungssituation eindeutig und sicher festgestellt
Liegt keine Patientenverfügung von Ihnen vor oder treffen die Fest­
legungen nicht auf Ihre Lebens- und Behandlungssituation zu, hat
ein vom Betreuungsgericht bestellter Betreuer oder ein Bevollmäch­
tigter Ihre Behandlungswünsche festzustellen und auf dieser Grund­
lage zu entscheiden, ob er in die ärztliche Maßnahme einwilligt oder
sie untersagt. Lässt sich nicht feststellen, welche Behandlung Sie
wünschen, muss auf der Grundlage Ihres mutmaßlichen Willens ent­
schieden werden. Es kommt also wieder darauf an, wie Sie in der
konkreten Situation entscheiden würden, wenn Sie dazu in der Lage
wären. Mit einer Betreuungsverfügung können Sie Einfluss auf
die durch ein Gericht anzuordnende Betreuung nehmen. Sie können
darin eine Vertrauensperson benennen, die die Betreuung über­
nimmt, oder jemanden als Betreuer ausschließen. Außerdem können
Sie Wünsche zur Betreuung festlegen, zum Beispiel den Ort der
Pflege und die Art der Betreuung.
Die gerichtliche Bestellung eines Betreuers können Sie vermeiden,
indem Sie eine andere Person mit einer Vorsorgevollmacht zur Ver­
tretung (unter anderem) in gesundheitlichen Angelegenheiten
ermächtigen. Bevollmächtigen sollten Sie nur eine Person, der Sie
uneingeschränkt vertrauen und die bereit ist, für Sie im Bedarfs­
fall zu handeln. Es ist auch möglich, eine Vorsorgevollmacht mit
einer Patientenverfügung zu kombinieren. Dies hat den Vorteil, dass
der von Ihnen in der Patientenverfügung zum Ausdruck gebrachte
Wille von der durch Sie bevollmächtigten Person zur Geltung gebracht
Weitere Informationen zur Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht
und Betreuungsverfügung enthalten die vom Bundesministerium
der Justiz und für Verbraucherschutz herausgegebenen Broschü­
ren „Betreuungsrecht“ und „Patientenverfügung“ (im Internet ab­
rufbar unter www.bmjv.de → Publikationen).
Was wird mit einem Organspendeausweis geregelt?
Ob Sie für oder gegen Organspende sind – mit einem Organspende­
ausweis können Sie Ihre Entscheidung einfach und unbürokratisch
dokumentieren. Mit dem Ausweis können Sie sich für eine generelle
Organ- und Gewebespende aussprechen, die Spende auf bestimmte
Organe oder Gewebe beschränken, einzelne Organe ausschließen
oder einer Organ- und Gewebespende grundsätzlich widersprechen.
Außerdem können Sie die Entscheidung auf eine andere Person über­
tragen. Sollte sich Ihre Einstellung zur Organspende ändern, müssen
Sie lediglich den alten Ausweis vernichten. Auf einem neuen Aus­
weis können Sie Ihre geänderte Einstellung festhalten.
Als Patientin oder Patient haben Sie Anspruch auf eine
pro­fessionelle und sichere Versorgung während Ihres
Krankenhausaufenthaltes. In diesem Kapitel wird erläutert,
wie die Abläufe im Krankenhaus sind, welche Betreuung
und Begleitung Ihnen zur Verfügung steht, welche Rechte
Sie haben und wie für die Patientensicherheit und den
Schutz Ihrer Patientendaten gesorgt wird.
3.1 Abläufe und Betreuung im Krankenhaus
Die Welt des Krankenhauses ist ein komplexes System. Eine Vielzahl
von Abläufen muss genau aufeinander abgestimmt sein, damit der
Klinikalltag möglichst reibungslos funktioniert. Auch wenn sich
die Abläufe je nach Station oder Fachbereich unterscheiden können,
bedeutet das für Sie als Patientin oder Patient: Der Tag auf der
Station ist stark geregelt. Er beginnt in der Regel zwischen 6 und 7 Uhr
mit dem Wecken. Nach der Morgentoilette, ersten pflegerischen
Tätigkeiten wie Blutdruckmessen oder Verbandswechsel und dem
Frühstück findet die ärztliche Visite statt. Im Beisein der Stations­
ärzte, des Pflegepersonals und gegebenenfalls eines Oberarztes oder
Chefarztes werden die aktuellen Befunde und die weiteren not­
wendigen Schritte der Behandlung mit Ihnen besprochen. Nutzen
Sie die Visite als Gelegenheit, Fragen an den Arzt zu stellen, zum
Beispiel zum Verlauf Ihrer Therapie oder zur Wirkungsweise Ihrer
Medikamente. Gegen 12 Uhr ist Zeit für das Mittagessen. Während
des Vormittags und Nachmittags werden üblicherweise Eingriffe
oder Untersuchungen sowie Behandlungen wie Krankengymnastik
oder Ergotherapie durchgeführt. Ab etwa 18 Uhr erhalten Sie Ihr
Abendessen, ab circa 22 Uhr ist Nachtruhe.
Für einen geplanten Klinikaufenthalt vereinbaren Sie einen Termin
mit dem Sekretariat oder der Patientenaufnahme der Klinik.
Nötig hierfür ist eine Einweisung Ihrer behandelnden Ärztin oder
Ihres behandelnden Arztes. Am Aufnahmetag sollten Sie an alle
notwendigen Dokumente denken, zum Beispiel Versichertenkarte,
Personalausweis und Einweisungsschein (siehe auch Checkliste
„So können Sie sich auf Ihren Krankenhausaufenthalt vorbereiten“
auf Seite 47). Außerdem sollten Sie mögliche ärztliche Verord­
nungen beachten, die im Rahmen der vorstationären Behandlung
vereinbart wurden, beispielsweise zur Einnahme von Medika­
menten. Bei der Aufnahme im Krankenhaus werden Ihre persönli­
chen Daten erfasst (zum Beispiel Name, Adresse), die Kostenfragen
geklärt (zum Beispiel Abrechnungsprozedere, Zuzahlungen, Wahl­
leistungen) und es wird ein Behandlungsvertrag („Aufnahme­
antrag“) geschlossen, den Sie unterzeichnen müssen. Viele Kranken­
häuser verfügen über einen Patientenservice, der für die Aufnahme
zuständig ist und die Patientinnen und Patienten bis zur Entlas­
sung begleitet.
erfolgt nach einer Ersteinschätzung („Triage-System“), sodass Patien­
tinnen und Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen oder
Erkrankungen vorrangig versorgt werden. Grundsätzlich müssen Sie
als Notfallpatient keine Dokumente vorlegen. Wenn es möglich ist,
sollten Sie jedoch neben der Versichertenkarte wichtige Unterlagen
wie Medikamentenplan, Impfpass, Allergiepass sowie Patienten­
verfügung oder Vorsorgevollmacht mitbringen.
Eine Behandlung im Krankenhaus umfasst alle Leistungen, die im
Einzelfall nach Art und Schwere der Krankheit für die medizinische
Versorgung der Patientin oder des Patienten notwendig sind (allge­
meine Krankenhausleistungen). Soweit medizinisch erforderlich, ist
dabei auch eine Behandlung durch die Chefärztin oder den Chef­
arzt enthalten. Neben den allgemeinen Krankenhausleistungen kön­
nen Sie zudem Wahlleistungen in Anspruch nehmen, für die Sie
jedoch selbst aufkommen müssen, etwa die Unterbringung im Einoder Zweibettzimmer oder eine exklusive Chefarztbehandlung.
Im Behandlungsvertrag einigen sich Klinik und Patient beidseitig auf eine Krankenhausbehandlung. Der Vertrag enthält
üblicherweise die grundlegenden Patientendaten (zum
Beispiel Name, Geburtsdatum, Hausarzt), die Einwilligung
des Patienten zur Datenverarbeitung sowie einen Passus
zur Kostenübernahme.
Kommen Sie in einer Akutsituation in die Rettungsstelle, erfolgt die
Aufnahme naturgemäß ohne Termin. Bis auf Privatkliniken verfügt
jedes Krankenhaus über eine Notaufnahme, die in der Regel sieben
Tage in der Woche rund um die Uhr geöffnet ist. Die Behandlung
Im Krankenhaus haben Sie Anspruch auf alle Leistungen, die nach Art und Schwere Ihrer
­Erkrankung medizinisch notwendig sind.
Für manche Patientinnen und Patienten ist es sinnvoll, während
eines Klinikaufenthaltes in vertrauter Begleitung zu sein. Das gilt
insbesondere für kleine Kinder, bei denen die Fürsorge der Eltern
für die Genesung besonders wichtig ist. Aber auch für Menschen mit
Demenz kann die Anwesenheit eines Angehörigen oder Betreuers
sehr hilfreich sein. Für sie stellt die fremde Umgebung des Kranken­
hauses eine besondere Herausforderung dar. Denn sie haben oft­
mals Schwierigkeiten, ihre Beschwerden mitzuteilen oder einem Auf­
klärungsgespräch zu folgen. Viele Krankenhäuser bieten daher das
sogenannte „Rooming-in“ an. Dabei werden Eltern, Angehörige oder
andere Vertrauenspersonen mit aufgenommen und direkt im Pati­
entenzimmer oder in der Nähe untergebracht. Erkundigen Sie sich
vor dem Krankenhausaufenthalt bei Ihrer Krankenkasse und der
jeweiligen Klinik über die Möglichkeiten des Rooming-ins. Die
Kran­kenkassen übernehmen die Kosten, wenn die Begleitung aus
medi­zinischer Sicht notwendig ist und vom Arzt bescheinigt wird
(§ 11 Absatz 3 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch). Auf Säuglingsstationen
bezahlt die Kasse das Rooming-in immer, weil sowohl die Mutter
als auch das Kind Patienten sind.
Zu einem Krankenhausaufenthalt gehört neben der medizinischen
Behandlung durch die Ärztinnen und Ärzte immer auch eine
umfassende pflegerische Versorgung. Die Pflegekräfte erledigen bei­
spiels­­weise die Wundversorgung, die Medikamentengabe, ermitteln
Ihre Vitalparameter wie Blutdruck, Puls und Körpertemperatur und
helfen Ihnen bei Bedarf auch bei der Körperpflege und anderen
Ver­richtungen. Daneben können Sie aber auch auf Begleitung und
Unterstützung in psychologischen und sozialen Belangen zurück­
greifen – durch Klinikpsychologen, Klinikseelsorger und den
­Kliniksozialdienst.
Im Krankenhaus sind sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte für Sie da.
Eine gute Betreuung im Krankenhaus braucht eine solide
Personalausstattung. Krankenhäuser erhalten deshalb seit
1. Januar 2016 durch das Krankenhausstrukturgesetz mehr
Geld für Pflegepersonal am Krankenbett. Im Rahmen eines
Pflegestellen-Förderprogramms fließen den Krankenhäusern in den Jahren 2016 bis 2018 insgesamt bis zu 660 Millionen Euro Fördermittel zu. Ab 2019 stehen bis zu 330 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Darüber hinaus erhalten
die Kliniken für die Finanzierung des Pflegepersonals einen
Pflege­zuschlag von 500 Millionen Euro pro Jahr, damit sie
dauerhaft mehr Personal beschäftigen können. Eine vom
Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Expertenkommission prüft außerdem, ob der Pflegebedarf der Patientinnen
und Patienten in Krankenhäusern im Rahmen der Krankenhausvergütung ausreichend berücksichtigt wird.
Welche psychologische, soziale und seelsorgerische Betreuung gibt es?
Ein Aufenthalt im Krankenhaus kann für Patientinnen und Pati­
enten viele Fragen aufwerfen und auch Ängste auslösen. Klinikpsychologinnen und -psychologen stehen Ihnen und Ihren Ange­
hörigen bei, schwere Diagnosen zu verarbeiten, zum Beispiel bei
Die Kliniksozialdienste helfen Ihnen vor allem bei sozialen, persön­
lichen und finanziellen Fragen, die mit einem Krankenhausaufent­
halt verbunden sein können. Sie unterstützen zum Beispiel dabei,
Rehabilitationsmaßnahmen zu beantragen oder eine häusliche Pflege
zu organisieren, und beraten zu den Leistungen der Kranken- und
Pflegeversicherung (mehr siehe Kapitel 4.2 auf Seite 88).
Die Krankenhausseelsorge begleitet Sie unabhängig von Ihrem
Glauben, insbesondere durch Zuwendung und Zuhören. Wenn es
gewünscht wird, auch mit Gebet, Segnung und Sakramenten. Zudem
gibt es in vielen Kliniken ehrenamtliche Helferinnen und Helfer,
die zuhören, trösten und begleiten, zum Beispiel Hospizhelfer. Sie
stehen schwerkranken und sterbenden Menschen und deren Ange­
hörigen am Lebensende zur Seite.
So können Sie Ängsten vor einer Behandlung begegnen
Vor einer Untersuchung oder Operation Angst zu haben, ist
normal. Wenn Ihre Angst jedoch überhandnimmt, sollten
Sie dies gegenüber Ihrem Arzt ansprechen und sich helfen
lassen. Viele Krankenhäuser bieten gezielt Hilfe an. Indem Sie
etwas gegen die Angst unternehmen, verbessern Sie Ihr Wohlbefinden und sorgen für mehr Klarheit. Dies ist wichtig, um
zum Beispiel medizinische Informationen richtig zu verstehen.
• L ernen Sie, die Angst zu verstehen. Symptome wie Herzklopfen, Herzrasen, Übelkeit oder ein nervöser Magen sind natürliche Reaktionen des Körpers, um ihn vor einer mög­lichen
Gefahr zu schützen. In der Regel sind sie aber kein Anzeichen
dafür, dass sich eine Krankheit verschlimmert, sondern lediglich eine Stressreaktion.
Sie sich im Arztgespräch detailliert über die
geplante Behandlung. Je mehr Sie wissen, warum die Behandlung sinnvoll ist und wie sie abläuft, desto weniger beängstigend kann sie wirken.
esprechen Sie Ihre Ängste und Sorgen gegebenenfalls mit
einem Psychologen oder Seelsorger, den es in den meisten
Krankenhäusern gibt.
• S ie können mit Ärzten und Pflegekräften bereits im Vorfeld
einer Behandlung Dinge vereinbaren, die Ihnen wichtig sind,
zum Beispiel, in welchem Umfang Angehörige oder Freunde
informiert werden sollen, oder auf Entscheidungen für den
Notfall hinweisen, zum Beispiel mit einer Patientenverfügung.
ersuchen Sie, sich zu entspannen und sich abzulenken – ob
Musik hören, spazieren gehen, Atemübungen machen oder
Zeit mit Angehörigen verbringen.
• Wenn Ihre Angst besonders groß ist, können Sie auf Wunsch
am Abend vor einer Operation ein Beruhigungs- oder Schlaf­
mittel erhalten, um nachts zur Ruhe zu kommen.
3.2 Patientenrechte und Beschwerde­
Wenn Sie sich von einer Ärztin oder einem Arzt behandeln lassen,
schließen Sie einen sogenannten Behandlungsvertrag ab. Dieser
kommt zumeist automatisch und ohne Unterschrift zustande, sobald
Sie sich in einer Arztpraxis versorgen lassen. Im Kranken­haus unter­
zeichnen Sie den Behandlungsvertrag in der Regel bei der Aufnahme.
Seit Inkrafttreten des Patientenrechtegesetzes am 26. Februar 2013
ist der medizinische Behandlungsvertrag im Bürgerlichen Gesetz­
buch verankert (§ 630a bis 630h). Aus dem Vertrag ergeben sich für
beide Seiten Rechte und Pflichten. Als Patientin oder Patient haben
Sie Anspruch auf eine Behandlung, die den allgemein anerkannten
fachlichen Standards entspricht. Ein Recht auf einen Behandlungsoder gar Heilungserfolg lässt sich daraus aber nicht ableiten. Die
Ärztin beziehungsweise der Arzt muss Sie verständlich und umfassend
informieren und auf­k lären (siehe Kapitel 2.4 und Checkliste Seite 51)
sowie die Behandlung in einer Patientenakte dokumentieren.
Ausführliche Informationen zu Ihren Rechten, unter anderem zum
Aufklärungsgespräch sowie bei Diagnose- und Behandlungsfehlern,
finden Sie im „Ratgeber für Patientenrechte“. Informationen zu den
Bestellmöglichkeiten für diese Broschüre finden Sie auf Seite 99.
Welche Beschwerde- und Unterstützungsmöglichkeiten haben Sie?
Jede Klinik soll nach den gesetzlichen Vorgaben über ein sogenann­
tes Beschwerdemanagement verfügen. Ziel ist es, Patienten, Ange­
hörigen und Besuchern, aber auch Mitarbeitern und Kunden des
Krankenhauses die Möglichkeit zu bieten, Beschwerden zu äußern,
und von Klinikseite zeitnah zu reagieren. Das Beschwerdemanage­
ment nimmt auch Ihr Lob und Ihre Verbesserungsvorschläge ent­
gegen. Indem das Krankenhaus die Meldungen strukturiert erfasst,
bearbeitet und auswertet, kann es Schwachstellen erkennen und
die Behandlungsqualität und Patientenzufriedenheit verbessern.
Darüber hinaus gibt es die sogenannten Patientenfürsprecherinnen
und -fürsprecher, die eine wichtige Kommunikationsschnittstelle
zwischen Patient und Krankenhaus sind und eine vermittelnde
Rolle einnehmen können. Die Patientenfürsprecher arbeiten in
der Regel ehrenamtlich und sind daher vom Krankenhaus finanziell
unabhängig. Außerdem sind sie an die Schweigepflicht gebunden.
In Bremen, Hessen, Berlin, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Nieder­
sachsen und dem Saarland ist jede Klinik gesetzlich verpflichtet,
einen unabhängigen Patientenfürsprecher einzusetzen. Andere
Bundesländer wie Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg
verpflichten sich zur Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen
für Patienten, die aber grundsätzlich den gleichen Zweck wie die
Patientenfürsprecher erfüllen.
Eine kostenfreie und neutrale Patientenberatung bietet zudem die
Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), die hierzu einen
gesetzlichen Auftrag nach § 65b Fünftes Buch Sozialgesetzbuch hat.
Weitere unabhängige Beratungsmöglichkeiten finden Sie bei verschie­
denen Vereinen, Verbraucherzentralen oder Selbsthilfegruppen.
3.3 Patientensicherheit im Krankenhaus
Patientensicherheit bedeutet, dass Sie als Patientin oder Patient
ärztlich und pflegerisch so versorgt werden, dass dabei vermeidbare
Komplikationen und Schäden möglichst verhindert werden. Patien­
tensicherheit ist damit ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssiche­
rung in Krankenhäusern (siehe auch Kapitel 1.6 ab Seite 28). Dabei
geht es nicht um die Frage von Schuld, sondern darum, zu prüfen,
welche Faktoren zu Fehlern führen können und wie solchen Fehlern
vorgebeugt werden kann. Denn oft liegt die Ursache in einer Ver­
kettung mehrerer Umstände. So kann zum Beispiel eine Spritze eher
verwechselt werden, wenn zu viele ähnlich aussehende Ampullen
auf zu engem Raum gelagert werden, Checklisten fehlen und/oder
zu viele Patienten zeitgleich versorgt werden müssen.
Patientensicherheit steht für die „Abwesenheit unerwünschter
Ereignisse“ während einer medizinischen Therapie, also eine
fehler- und schadensfreie ärztliche Behandlung und Versorgung.
Das Krankenhausstrukturgesetz, das zum 1. Januar 2016 in Kraft
getreten ist, enthält deshalb Maßnahmen, um Krankenhauskeime
wirksamer zu bekämpfen. So wurde das Hygiene-Förderprogramm
erweitert, wodurch in den Kliniken mehr Hygienefachkräfte ein­
gestellt und ausgebildet werden können. Durch den Ausbau der
Weiterbildung im Bereich Infektiologie sollen künftig zudem mehr
Fachkräfte zur Verfügung stehen. Darüber hinaus können Sie auch
als Patientin oder Patient durch die Einhaltung einfacher Hygiene­
maßnahmen selbst etwas dazu beitragen, sich vor Krankenhaus­
keimen zu schützen.
Wie wird Patientensicherheit im Krankenhaus gewährleistet?
2013 wurde das Thema Patientensicherheit in das Patientenrechte­
gesetz aufgenommen. Seither sind die Kliniken verpflichtet, ein
Beschwerde­management durchzuführen (siehe Seite 66). Der Gemein­
same Bundesausschuss (G-BA) hat darüber hinaus Mindeststan­
dards für Fehlermeldesysteme definiert, mit denen das Klinikperso­
nal freiwillig, anonym und sanktionsfrei Komplikationen melden
und somit zu einer besseren Versorgung beitragen kann. Ziel ist es,
kritische Zwischenfälle nicht zu verschweigen, sondern aus ihnen
Ein wichtiges Instrument zur Erhöhung der Patientensicherheit
bei Operationen sind zudem OP-Checklisten. Mit ihrer Hilfe soll
vermieden werden, dass etwa falsche Eingriffe vorgenommen
oder Seiten verwechselt werden. Die Checklisten, deren Nutzung der
G-BA vorgeschrieben hat, sollen künftig bei allen Operationen
zum Einsatz kommen, an denen zwei oder mehr Ärzte beteiligt sind
oder bei denen sich die Patientin beziehungsweise der Patient
unter Narkose befindet.
Wie wird der Schutz vor Krankenhauskeimen verbessert?
Zur Patientensicherheit gehört auch der Schutz vor Krankenhaus­
keimen. Krankenhausinfektionen und resistente Krankheitserreger,
darunter multiresistente Keime wie MRSA, sind in ganz Europa
ein ernstzunehmendes Problem. Jährlich erkranken in Deutschland
400.000 bis 600.000 Patienten aufgrund von Krankenhausinfektionen,
die teilweise vermieden oder beeinflusst werden können. Etwa 10.000
bis 15.000 Menschen versterben laut Schätzungen jedes Jahr daran.
Schon einfache Hygienemaßnahmen wie die Desinfektion der Hände helfen, den Schutz vor
Krankenhauskeimen zu verbessern.
Um eine Infektion mit Krankheitserregern im Krankenhaus
zu vermeiden, kommt den Hygienestandards in einer Klinik
eine wesentliche Bedeutung zu. Das umfasst jedoch nicht
nur das Klinikpersonal, auch Sie selbst können zu einer guten
Hygiene beitragen.
• Oberstes Gebot: eine gründliche Desinfektion der Hände.
Hygiene steht und fällt mit sauberen Händen. Wo zu Hause
das Waschen mit Wasser und Seife vollkommen ausreichend
ist, sollten Sie im Krankenhaus zusätzlich auf Händedesinfektionsmittel zurückgreifen. Nur so werden Erreger, auch multi­
resistente Bakterien, wirklich abgetötet.
ichtig einwirken lassen. Geben Sie das Desinfektionsmittel auf Ihre trockenen Hände und verreiben Sie es in der
Hand­innenfläche und auf dem Handrücken für mindestens
30 Sek­unden. Vergessen Sie auch die Fingerzwischenräume,
Daumen, Nagelränder und Fingerkuppen nicht. Während
der Einwirkzeit müssen Ihre Hände durch das Desinfek­
tionsmittel nass sein.
egelmäßig desinfizieren. Greifen Sie zum Desinfektionsmittel bei sichtbar verschmutzten Händen, nach der Toilette
und vor dem Essen. Desinfizieren Sie lieber einmal zu oft
s geht jeden an. Ob Sie Patient in einem Krankenhaus sind
oder nur zu Besuch als Angehöriger oder Freund: Jeder, der
sich in einer Klinik aufhält, sollte seine Hände desinfizieren.
Das schützt Krankenhauspatienten vor Keimen von außen
und verhindert zugleich, dass Krankheitserreger hinausgetragen werden.
• Auf das Klinikpersonal achten. Für Sie als Patient ist es nicht
immer leicht zu erkennen, wann Ärzte oder Pflegekräfte
ihre Hände desinfizieren sollten. Oft herrscht Hektik, viele
Arbeitsprozesse müssen ineinandergreifen. Achten Sie
deshalb auf folgende Grundregeln, wann Händedesinfektion
dringend geboten ist:
• unmittelbar vor einem Hautkontakt mit Ihnen
nmittelbar vor jeglicher Handlung an Ihnen (zum Beispiel
Waschen, Blutentnahmen, Spritzen von Medikamenten,
Verbandswechsel, Anlegen eines Katheters)
enn ein Mitarbeiter Sie verlässt und zum nächsten
­Patienten geht
nmittelbar nach Kontakt mit Fäkalien, Blut oder
­Wundsekreten
• I m Zweifelsfall ansprechen. Hält sich das Personal nicht an
diese Regeln, sollten Sie es gezielt darauf ansprechen. Ob
Arzt oder Pflegekraft: Für alle gilt die gleiche Pflicht, auch
wenn es vielen Patientinnen und Patienten vor allem gegen­
über Ärzten schwerfällt, auf vermeintliche Versäumnisse
hinzuweisen. In einem Klima gegenseitigen Vertrauens sollte
dies aber möglich sein.
Quelle: nationale Kampagne „Aktion Saubere Hände“, www.aktion-sauberehaende.de
1.One-Health-Ansatz stärken:
Die Gesundheit von Menschen und Tieren ist bei vielen
Infektionskrankheiten eng miteinander verwoben. Die zuständigen Bundesministerien arbeiten deshalb gemeinsam
in einer Arbeitsgruppe an der Reduzierung von Antibiotika-­
Resistenzen. Zudem wurde eine Nationale Forschungsplattform für Zoonosen (Infektionskrankheiten, die von Tier zu
Mensch und umgekehrt übertragen werden) gegründet.
Die Eindämmung von Antibiotika-Resistenzen erfordert einen
sektorenübergreifenden Ansatz und kann nur erfolgreich
sein, wenn auch international eng zusammengearbeitet und
der Globale Aktionsplan der WHO unterstützt wird.
Bei einem Verdacht auf Keime werden Proben genommen, um Erreger frühzeitig zu erkennen.
Hier werden bei einer Hygieneschulung Fingerabdrücke genommen, um den sogenannten
Abklatsch-Test zu veranschaulichen.
Was wird gegen die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen getan?
Der Bekämpfung von resistenten Krankheitserregern widmet die
Bundesregierung große Aufmerksamkeit. Im Infektionsschutz­
gesetz wurde 2011 ein besserer Schutz vor Infektionen mit schwierig
zu behandelnden Erregern verankert. Mit der Deutschen Antibio­
tika-Resistenzstrategie (DART) hat die Bundesregierung im Jahr
2008 ein Konzept vorgelegt und nachfolgend umgesetzt, um die
weitere Entwicklung und Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen
zu redu­zieren. Im Mai 2016 wurde die überarbeitete DART 2020 vom
Bundes­kabinett beschlossen. DART 2020 bündelt Maßnahmen, mit
denen die Bundesregierung Fortschritte bei der Ver­besserung der
Krankenhaus­hygiene und der Vermeidung von Antibiotika-­Resis­
tenzen anstrebt.
2. Resistenzen frühzeitig erkennen:
Überwachungssysteme werden kontinuierlich ausgebaut, um
neue Erreger und Resistenzen frühzeitig zu erkennen und
repräsentative Daten für ganz Deutschland zu erhalten, die
auch der Forschung zur Verfügung stehen. Dies erlaubt, zeit­
nah Therapie- und Hygieneempfehlungen sowie gezielte
Präventionsstrategien zu entwickeln. Feedback-Systeme wer­
den weiter ausgebaut und vorangetrieben. Die Meldepflicht
wird auf weitere Erreger ausgedehnt.
3.Therapie-Optionen erhalten und verbessern:
Das Antibiotika-Verbrauchs-Monitoring wird weiter ausgebaut. Diese Daten bilden auf nationaler Ebene die Grundlage
für Interventionsmaßnahmen. Zudem werden Konzepte zur
Erstellung und Anwendung von Leitlinien erarbeitet.
4. Infektionsketten frühzeitig unterbrechen und Infektionen
Sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin wird
die Diagnostik verbessert und die Umsetzung von Hygienemaßnahmen gefördert. Die Methoden der Tierhaltung müssen
5.Bewusstsein fördern und Kompetenzen stärken:
In der Allgemeinbevölkerung und auch bei Ärztinnen und
Ärzten, Tierärztinnen und Tierärzten sowie Angehörigen
anderer Gesundheitsberufe müssen Wissenslücken geschlossen werden. Die Aus-, Fort- und Weiterbildung in Humanund Veterinärmedizin, Pharmazie sowie in anderen Gesund­
heitsberufen wird verbessert.
6.Forschung und Entwicklung unterstützen:
Forschung leistet einen wichtigen Beitrag, um die zunehmende Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen einzudämmen. Darum werden alle entsprechenden Forschungsbereiche in der Human- und Veterinärmedizin gestärkt – von
der Grundlagenforschung über die klinische Forschung bis
hin zur Forschung in der Land- und Lebensmittelwirtschaft.
Interdisziplinäre Forschungsvorhaben werden vorangebracht.
Auch muss die Forschung und Entwicklung neuer Arzneimittel zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten vorangetrieben werden.
3.4 Umgang mit Patientendaten
Im Krankenhaus fallen naturgemäß große Mengen von sensiblen
Patientendaten an, auf die viele Mitarbeiter Zugriff haben, um eine
Behandlung zu ermöglichen. Dies erfordert eine besondere Sorg­
falt im Umgang mit Ihren Daten. Denn Daten zum Gesundheitszu­
stand sind äußerst intim und sagen viel über die Persönlichkeit
eines Menschen, seine körperlichen und psychischen Leiden, Eigen­
schaften und Veranlagungen aus. Der Patientendatenschutz stellt
deshalb sicher, dass Sie vor einer unzulässigen Verarbeitung Ihrer
personenbezogenen Daten geschützt werden. Nur wenn dies gewähr­
leistet ist, können Sie sich vertrauensvoll an einen Arzt wenden
beziehungsweise sich in ein Krankenhaus begeben, ohne fürchten
zu müssen, dass die dort verwendeten Informationen zu Ihrem Nach­
teil genutzt werden.
Nach der ärztlichen Schweigepflicht hat der Arzt über das, was Sie ihm
in seiner Eigenschaft als Arzt anvertrauen – auch über Ihren Tod
hinaus – zu schweigen. So schreiben es die Berufsordnungen der
Landesärztekammern vor. Die Schweigepflicht gilt zudem für alle
Personen, die an Ihrer Behandlung beteiligt sind („berufsmäßig tätige
Gehilfen“), etwa Pflegepersonal, Mitarbeiter in Apotheke, Kranken­
hausverwaltung oder EDV-Abteilung. Geschützt sind auch Ihre schrift­
lichen Mitteilungen, Aufzeichnungen über Sie, Ihre Röntgenauf­
nahmen und sonstigen Untersuchungsbefunde. Verstöße gegen das
Patientenge­heimnis können nicht nur standesrechtliche Konse­
quenzen für den Arzt haben, sondern auch nach dem Strafgesetzbuch
geahndet werden (§ 203 StGB).
Neben der ärztlichen Schweigepflicht sind Ihre Patientendaten – je
nach Träger des Krankenhauses – auch über das Bundesdatenschutz­
gesetz, die Landesdatenschutzgesetze oder die in der Regel inhalts­
gleichen kirchlichen Datenschutzbestimmungen geschützt. Vor allem
für die Krankenhausverwaltungen sind die darin enthaltenen Vor­
gaben relevant. Verletzungen können hohe Bußgelder zur Folge haben.
Es gilt das Prinzip der Datensparsamkeit. Kliniken dürfen nur die
Daten erheben und verarbeiten, die für die Durchführung der
Behandlung, die Abrechnung sowie die Erfüllung der klinischen
Dokumentationspflicht und gesetzliche Erhebungen, zum Bei­
spiel zur Qualitätssicherung, notwendig sind. Dazu gehören Ihr Name
und Geburtsdatum, Ihre Adresse sowie Angaben zu Ihrer Kranken­
versicherung. Über die Datenverwendung müssen Sie vorab aufge­
klärt werden und im Rahmen des Behandlungsvertrages schrift­
lich einwilligen. Innerhalb der Klinik dürfen Ihre Daten nur dann
an eine andere Fachabteilung übermittelt werden, wenn es für die
Behandlung notwendig ist.
Gehen Sie zum Arzt oder in ein Krankenhaus, wird Ihre Behandlung
in einer Patientenakte dokumentiert. Dies dient in erster Linie der
Sicherheit Ihrer Behandlung, aber auch der Abrechnung sowie der
Beweisführung im Haftungsfall. Mit der Akte lassen sich alle pati­
enten- und behandlungsrelevanten Informationen festhalten und
auch noch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehen. Denn
aufgezeichnet werden alle für die Behandlung wichtigen Umstände,
etwa Ihre Krankengeschichte sowie Diagnosen, Untersuchungen
und Befunde, Eingriffe und medikamentöse Therapien. Damit erleich­
tert die Patientenakte den Austausch zwischen Ihnen, Ihrem Arzt
sowie gegebenenfalls weiterbehandelnden Medizinern. Die Patien­
tenakte muss nach Ende der Behandlung in der Regel zehn Jahre
Die Patientenakte kann sowohl in Papierform, etwa auf Karteikarten,
als auch elektronisch verwaltet werden. Ganz gleich, welche Doku­
mentationsweise gewählt wird: Wichtig ist, dass nachträgliche Ände­
rungen oder Ergänzungen in den Unterlagen stets mit Angabe
des Datums gekennzeichnet werden müssen und auch der ursprüng­
liche Inhalt weiterhin erkennbar bleibt. Zum Schutz elektronisch
geführter Patientenakten ist die Ärztin oder der Arzt zudem ver­
pflichtet, eine manipulationssichere Software zu verwenden.
Ausführliche Informationen zur Patientenakte finden Sie im „Rat­
geber für Patientenrechte“. Informationen zu den Bestellmöglich­
keiten für diese Broschüre finden Sie auf Seite 99.
Mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte zum
1. Januar 2015 wurde auch der Grundstein für die elektronische Pati­
entenakte und das elektronische Patientenfach gelegt. Das E-Health-­
Gesetz sieht vor, dass Ihre vorhandenen Gesundheitsdaten (zum
Beispiel Arztbriefe, Notfalldaten, Medikationspläne) bis Ende 2018 in
einer elektronischen Patientenakte für Sie bereitgestellt werden.
Somit sind Sie in Zukunft jederzeit in der Lage, Ihre Behandler über
Ihre wichtigsten Gesundheitsdaten zu informieren. Außerdem
haben Sie ab 2018 einen Anspruch darauf, dass Ihre auf der Gesund­
heitskarte gespeicherten Daten in ein sogenanntes Patientenfach
aufgenommen werden. Dort können Sie nicht nur eigene Daten able­
gen, etwa ein Tagebuch über Blutzuckermessungen, sondern Ihre
Daten auch außerhalb der Arztpraxis oder Klinik eigenständig ein­
sehen. Damit sind Sie genauer über Diagnose und Therapie informiert
und können besser als bisher über Ihre Gesundheit mitentscheiden.
Das Krankenhaus ist durch den Patientendatenschutz verpflichtet, besonders sorgsam mit
Ihren Daten umzugehen.
3.5 Kosten des Krankenhausaufenthaltes
Mit welchen Kosten ist eine Krankenhausbehandlung für Versicherte
der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verbunden?
Als GKV-Versicherte oder -Versicherter haben Sie Anspruch auf alle
im Einzelfall medizinisch notwendigen Leistungen (allgemeine
Krankenhausleistungen). Sie müssen sich prinzipiell an den Kosten
des Krankenhausaufenthaltes beteiligen. Laut der gesetzlichen Vor­
schrift haben Sie für jeden Kalendertag, den Sie im Krankenhaus
behandelt werden, 10 Euro an die Klinik zu zahlen. Längstens gilt
dies jedoch für 28 Tage pro Kalenderjahr.
Wollen Sie zusätzlich Wahlleistungen in Anspruch nehmen, die über
das Maß einer notwendigen medizinischen Versorgung hinausgehen,
etwa eine Unterbringung im Ein- oder Zweitbettzimmer oder eine
exklusive Chefarztbehandlung, so müssen Sie diese selbst bezahlen.
Die Berechnung der ärztlichen Wahlleistungen richtet sich nach der
Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Für nichtärztliche Wahlleistungen
legen die Kliniken die Kosten eigenständig fest.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie für Schwangere,
die zu einer Entbindung im Krankenhaus sind, entfällt die Zuzahlung.
Gleiches gilt für ambulante, teilstationäre sowie vor- und nachstati­
onäre Krankenhausbehandlungen. Darüber hinaus können Sie von den
Zuzahlungen befreit werden, wenn diese Ihre jährliche Belastungs­
grenze überschreiten. Dabei gilt: Eine vollständige Befreiung gibt es
nicht, bis zur Belastungsgrenze müssen Sie die Zuzahlungen leisten.
Die allgemeine Belastungsgrenze beträgt 2 Prozent Ihres jährlichen
Bruttoeinkommens, bei schwerwiegend chronisch Kranken oder
Menschen mit sehr niedrigem Einkommen 1 Prozent. Bei der Ermitt­
lung Ihres Einkommens werden – unter Berücksichtigung von Frei­
beträgen – alle Einkünfte Ihrer Haushaltsgemeinschaft zusammen­
gezählt. Sobald Sie mit Ihren Zuzahlungen im laufenden Kalender­jahr
die Belastungsgrenze erreicht haben, können Sie sich für den Rest des
Jahres von Ihrer Krankenkasse von sämtlichen Zuzahlungen befreien
lassen. Die Befreiung gilt für alle Familienmitglieder, die in Ihrem
Die Belastungsgrenze gibt an, wie viel Sie für medizinische
Behandlungen (zum Beispiel Krankenhausaufenthalt, Medikamente, Krankengymnastik) zuzahlen müssen. Die allgemeine Belastungsgrenze beträgt 2 Prozent Ihres Jahreseinkommens, für chronisch Kranke und Menschen mit sehr
niedrigem Einkommen 1 Prozent. Wer die Grenze erreicht hat,
kann für den Rest des Jahres von weiteren Zuzahlungen
Welche Sonderregelungen gelten für chronisch kranke Menschen?
Wenn Sie wegen einer schwerwiegenden Krankheit in Dauer­
behandlung sind, verringert sich Ihre jährliche Belastungsgrenze
gege­benenfalls auf 1 Prozent. Voraussetzung hierfür ist, dass Ihre
Erkrankung mindestens ein Jahr lang mindestens einmal pro Quartal
ärztlich behandelt wurde (Dauerbehandlung) und Sie darüber
­hinaus mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen:
flegestufe II oder III (bis Ende 2016)
• Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 60 oder eine Min­
derung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 60 Prozent
• Bescheinigung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes, dass wegen der
Erkrankung eine dauerhafte medizinische Versorgung (ärztliche
oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie,
Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) notwendig ist, ohne die
eine lebensbedrohliche Verschlimmerung Ihrer Erkrankung, eine
Verminderung Ihrer Lebenserwartung oder eine dauerhafte
Beeinträchtigung Ihrer Lebensqualität zu erwarten ist
So schreibt es die Chroniker-Richtlinie des Gemeinsamen Bundes­
ausschusses (G-BA) vor. Die Feststellung, ob Sie an einer schwer­
wiegenden chronischen Erkrankung im Sinne der Richtlinie leiden,
trifft Ihre Krankenkasse.
Nach der Behandlung: die Entlassungs-,
Nach erfolgter Operation oder Untersuchung endet in der
Regel die akute Versorgung im Krankenhaus. Worauf Sie
im Entlassungsgespräch achten sollten und welche Formen
der anschließenden Behandlung und Betreuung Sie nutzen können, etwa eine Reha oder eine pflegerische Unter­
stützung, können Sie in diesem Kapitel nachlesen.
4.1 Nach der Operation
Je nachdem, welcher Eingriff bei Ihnen vorgenommen wurde,
kommen Sie direkt im Anschluss in einen Aufwachraum oder bei
schwereren Operationen, etwa am Herzen, in eine besonders aus­
gestattete Intensivstation. In den ersten Stunden kontrollieren Ärzte
und Pflegefachkräfte Ihren Zustand, beispielsweise Atmung, Puls
und Körpertemperatur. Sobald Sie wieder wach sind und sich Ihr
Kreislauf stabilisiert hat, kommen Sie zurück auf Ihr Zimmer. Rech­
nen Sie aber damit, dass Sie gegebenenfalls noch nicht aufstehen
können und aufgrund der nachwirkenden Narkose noch weiter­
schlafen. Auch Ihr Besuch sollte sich darauf einstellen. Bei Intensiv­
patienten kann es sein, dass sie mehrere Tage auf der Intensivstation
verbleiben müssen.
Wann erhalten Sie Ihre ersten Rehabilitationsmaßnahmen?
Abhängig von Ihrer Operation beginnt in der Regel noch im Kranken­
haus die Rehabilitation. Die sogenannte Frührehabilitation gehört
zu den Aufgaben der Kliniken und soll den Heilungserfolg verbessern.
Haben Sie beispielsweise eine Schulteroperation hinter sich, begin­
nen Sie bereits in der Klinik mit einem leichten Rehabilitationspro­
gramm unter Anleitung eines Physiotherapeuten und der Gabe
von Schmerzmedikamenten. Die Physiotherapeutin oder der Physio­
therapeut zeigt Ihnen auch, welche Übungen Sie nach der Entlassung
aus dem Krankenhaus zu Hause durchführen sollten, um Ihre Gene­
sung voranzutreiben. Darüber hinaus hat sich eine früh einsetzende
Rehabilitation vor allem bei Patientinnen und Patienten mit neuro­
logischen Erkrankungen, etwa einem Schlaganfall oder Gehirn­
tumor, bewährt. Hier geht es meist darum, vor allem kognitive und
motorische Fähigkeiten wie Essen, Kauen, Schlucken und Sprechen
Rehabilitationsmaßnahmen, die bereits während Ihres Krankenhausaufenthaltes einsetzen, um Ihnen zu helfen, verloren
gegangene Funktionen wiederzuerlangen oder auszugleichen,
werden als Frührehabilitation bezeichnet. Sie sind in § 39
Absatz 1 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch als Aufgabe der
Kliniken verankert.
4.2 Entlassungsgespräch und Entlassung
Bevor Sie die Klinik verlassen, informiert Sie Ihre Krankenhausärztin
oder Ihr Krankenhausarzt umfassend über die erfolgte Behandlung
und die nötige Weiterbehandlung. Damit endet jedoch Ihre Versor­
gung nicht. Die Krankenhäuser sind verpflichtet, zu einer nahtlosen
Anschlussversorgung beizutragen, etwa durch eine Nachbehandlung
in der Klinik oder die Organisation einer Reha-Maßnahme oder
pflegerischen Betreuung (siehe auch Kapitel 4.3 ab Seite 90). Für den
reibungslosen Übergang ist das Entlassmanagement des Kranken­
hauses zuständig.
Wann Sie das Krankenhaus verlassen dürfen und welche Weiter­
behandlung gegebenenfalls notwendig ist, entscheidet Ihre Kranken­
hausärztin beziehungsweise Ihr Krankenhausarzt. Vor der Entlassung
führt Ihr Arzt ein Entlassungsgespräch mit Ihnen. Wollen Sie die
Klinik entgegen ärztlichem Rat früher verlassen, müssen Sie schrift­
lich erklären, dass Sie dies auf eigene Verantwortung tun. Wichtig
ist zu wissen, dass in diesem Fall unter Umständen Ansprüche gegen
den Behandelnden oder das Krankenhaus ausgeschlossen sein kön­
nen, wenn es infolge der vorzeitigen Entlassung zu einem gesund­
heitlichen Schaden kommt.
Im Entlassungsgespräch soll die Ärztin oder der Arzt Ihre Fragen
verständlich beantworten und alle wichtigen Untersuchungen und
Ergebnisse mit Ihnen besprechen. Sie erhalten Informationen über
die weitere Medikamenteneinnahme, wenn eine solche notwendig ist,
sowie weitere Hinweise. Zum Beispiel dazu, was Sie bei der Ernährung
beachten müssen, zu Einschränkungen Ihrer körperlichen Belast­
barkeit oder zu notwendigen Kontrolluntersuchungen. Wichtig ist
auch eine Information, an wen Sie sich beim Auftreten von Kompli­
kationen wenden können. Pflegerische Fragen, zum Beispiel zum
Verbandswechsel, kann Ihnen auch das Pflegepersonal beantworten.
Notieren Sie sich zur Sicherheit die wichtigsten Punkte vor dem Arzt­
gespräch, um nichts zu vergessen. Das Krankenhaus soll Sorge dafür
tragen, dass Sie nach der Entlassung gut weiterversorgt werden kön­
nen. Dazu dient auch der Arztbrief, in dem die Klinik Ihren Hausoder Facharzt über die Krankenhausbehandlung informiert.
Was Sie beim Entlassungsgespräch beachten sollten
Mit dem Entlassungsgespräch, das Ihr behandelnder Krankenhausarzt mit Ihnen führt, endet Ihr Klinikaufenthalt. Nutzen
Sie deshalb das Gespräch für alle wichtigen Fragen rund um
Ihre Behandlung und die weitere Versorgung.
at Ihnen der Arzt in allgemeinverständlichen Worten erläutert, welche Erkrankung Sie haben beziehungsweise welche
Ergebnisse eine Operation oder eine Untersuchung hervorgebracht hat?
• Was bedeutet die Diagnose für Ihr weiteres Leben und Ihre
täglichen Aktivitäten? Müssen Sie mit vorübergehenden oder
dauerhaften Einschränkungen rechnen?
• Welche Ärzte oder Therapeuten sollten Sie nach Ihrer Entlassung aufsuchen?
• Wann müssen Sie zur nächsten ärztlichen Kontrolle?
ietet die Klinik eine nachstationäre Behandlung an, zum
Beispiel zur Wundkontrolle nach einer Operation?
• Welche Medikamente müssen Sie wann und in welcher
Dosis einnehmen?
• L iegt der Arztbrief für Ihren weiterbehandelnden Arzt vor?
Enthält er alle wichtigen Informationen zu Ihrem Krankenhausaufenthalt einschließlich der Befunde (zum Beispiel
Röntgen- und Computertomographie-Aufnahmen, Labor­
er­gebnisse) und Angaben zur Medikamenteneinnahme?
Lassen Sie sich gegebenenfalls eine Kopie aushändigen!
rauchen Sie ein Rezept oder eine Krankschreibung, um die
Zeit bis zum Arztbesuch zu überbrücken?
rauchen Sie besondere Unterstützung nach der Entlassung,
zum Beispiel bei der Körperpflege, bei der Wundversorgung
oder im Haushalt? Kann diese von Angehörigen oder einer
häuslichen Krankenpflege oder einer Haushaltshilfe übernommen werden? Oder müssen Sie (vorübergehend) in eine
enötigen Sie bestimmte Hilfsmittel für zu Hause, etwa ein
Pflegebett oder eine Gehhilfe?
rauchen Sie eine Anschlussheilbehandlung, zum Beispiel
in einer Reha-Einrichtung?
at Ihr Arzt die entsprechenden Verordnungen (zum Beispiel
Arzneimittelrezept, Krankentransport) ausgestellt?
at der Kliniksozialdienst die notwendigen Anträge, etwa für
eine Haushaltshilfe oder eine Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung, gestellt und ist die Frage der Finanzierung
mit den Leistungserbringern (zum Beispiel Krankenkasse,
Pflegeversicherung) geklärt?
• Wurden alle erforderlichen Gesundheitspässe, beispielsweise
der Schrittmacherausweis, ausgestellt oder aktualisiert?
Quelle: unter anderem www.weisse-liste.de, Checkliste Krankenhausaufenthalt
Um Ihren Arztbrief richtig zu verstehen, hilft Ihnen auch das
gemein­­nützige Online-Projekt „Was hab’ ich?“. Dabei übersetzen
Medizinstudentinnen und Medizinstudenten Ihren ärztlichen
Befund kosten­frei in leicht verständliche Sprache. Über die Website
http://washabich.de können Sie Ihren Befund einsenden.
Mit dem Arztbrief informiert das Krankenhaus Ihren Haus- oder Facharzt über Ihren Gesundheitszustand und die weitere Behandlung.
Krankenhäuser müssen sowohl den einweisenden wie auch den
weiterbehandelnden Arzt im Arztbrief umfassend über die erfolgte
Krankenhausbehandlung informieren. Der Brief enthält daher
alle wichtigen gesundheitsrelevanten Daten über Ihren Kranken­
hausaufenthalt. Dazu gehören unter anderem Informationen über
eingenommene Medikamente und deren Dosierung, über durch­
geführte Operationen, Untersuchungen und Untersuchungsergeb­
nisse, aber auch eine Empfehlung für die weitere Behandlung. Den
Inhalt des Arztbriefs können Sie sich von Ihrem Arzt im Kranken­
haus allgemeinverständlich erklären lassen. In der Regel bekommen
Sie bei der Entlassung zunächst einen Kurzbericht, den ausführ­
lichen Bericht erhalten entweder Sie oder Ihr behandelnder Arzt
per Post. Sie haben zudem das Recht, Ihre Krankenunterlagen ein­
zusehen beziehungsweise gegen Erstattung der Kosten eine Kopie
Ihrer Patientenakte zu erhalten. Sollten dabei Probleme auftreten,
können Sie sich an den Patientenfürsprecher des Krankenhauses
oder an Ihre Krankenkasse wenden.
Der Arztbrief enthält alle für Ihren Haus- oder Facharzt
wichtigen Informationen über Ihren Klinikaufenthalt und zu
Ihrer Behandlung (zum Beispiel Diagnosen, Eingriffe, Unter­
suchungsergebnisse, Medikamente) sowie Empfehlungen
zur Weiterbehandlung.
Wer organisiert die Anschlussversorgung?
Dabei kümmern sich in der Regel die Mitarbeiterinnen und Mitar­
beiter des Kliniksozialdienstes darum, dass Sie nach der Entlassung
aus der Klinik lückenlos ärztlich und/oder pflegerisch weiterbetreut
werden. Der Kliniksozialdienst prüft, ob Sie nach der Entlassung
weitere Unterstützung brauchen, und hilft Ihnen, diese zu organisie­
ren und die notwendigen Anträge zu stellen. Als Patientin bezie­
hungsweise Patient haben Sie einen gesetzlichen Anspruch darauf,
dass das Krankenhaus für eine reibungslose Anschlussbetreuung
sorgt (§ 11 Absatz 4 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch). Mit dem GKV-­
Versorgungsstärkungsgesetz wurden die Kliniken zudem verpflich­
tet, ein professionelles Entlassmanagement einzurichten (§ 39 Absatz
1a Fünftes Buch Sozialgesetzbuch). Um Kontakt zum Kliniksozial­
dienst aufzunehmen, sprechen Sie die Ärzte oder Pflegekräfte auf
Ihrer Station an oder wenden Sie sich direkt an die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter des Sozialdienstes.
Das Entlassmanagement (oder Versorgungsmanagement)
einer Klinik hat die Aufgabe, den Übergang von Patientinnen
und Patienten von einem stationären Krankenhausaufenthalt
in eine ambulante oder pflegerische Versorgung vorzuberei­
ten und zu begleiten. Dazu gehört, die Patienten frühzeitig
zu beraten und zu unterstützen, Probleme beim Über­gang zu
lösen sowie die weiterbehandelnden Ärzte zu informieren.
Welche Hilfe können Sie im Einzelnen vom Kliniksozialdienst
Eine Erkrankung kann das Leben maßgeblich verändern. Der Klinik­
sozialdienst unterstützt Sie bei persönlichen, sozialen und finan­
ziellen Belangen, die mit Ihrem Krankenhausaufenthalt in Zusam­
menhang stehen. Er hilft dabei, Ihre Entlassung zu planen, und
kümmert sich darum, dass Sie die Klinik gut versorgt verlassen können.
Sei es, indem Sie in Ihren gewohnten Alltag zurückkehren, oder,
indem Sie auf eine neue Situ­ation, etwa bei Pflegebedürftigkeit, vor­
bereitet sind. Die Sozialarbei­terinnen und Sozialarbeiter informieren
Sie deshalb über Unterstützungsmöglichkeiten zu Hause, etwa wenn
Sie ein Pflegebett, einen Rollator oder Essen auf Rädern benötigen,
und organisieren bei Bedarf den Übergang in eine Anschlussreha­
bilitation. Zudem beraten sie Sie zur passenden Pflege (zum Beispiel
häusliche Kranken­pflege, Kurzzeitpflege, betreutes Wohnen) und
unterstützen Sie bei der Suche nach einem Pflegedienst oder einer
Pflegeeinrichtung. Darüber hinaus beantwortet der Kliniksozial­
dienst alle Fragen zur Kostenübernahme, greift Ihnen bei der Antrag­
stellung unter die Arme und koordiniert den Kontakt zu Behörden
und Kostenträgern (zum Beispiel Krankenkasse, Pflegeversicherung).
Wie wird sichergestellt, dass Sie nach Ihrer Entlassung gut
versorgt sind?
Die Klinik muss sicherstellen, dass Sie für die ersten Tage nach der
Entlassung ausreichend mit Medikamenten sowie Hilfs- und Heil­
mitteln versorgt sind, sodass Sie die Zeit bis zum nächstmöglichen
Haus- oder Facharztbesuch überbrücken können. Durch das GKV-­
Versorgungsstärkungsgesetz wurde zudem der Übergang von der
stationären in die ambulante Versorgung verbessert. Früher konnte
es nach der Entlassung zu Versorgungslücken kommen, etwa wenn
Patienten körperlich nicht in der Lage waren, ihren Arzt aufzusuchen.
Um dies zu verhindern, können Krankenhäuser nun als Über­
brückung für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen eigenständig
Medikamente, Heil- und Hilfsmittel, Soziotherapie (ambulante
Versorgung von Patienten mit psychischen Störungen) oder häusliche
Krankenpflege verordnen sowie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheini­
gung ausstellen. Außerdem müssen sie für jeden Patienten einen
schriftlichen Entlassplan erstellen, in dem sie die medizinisch unmit­
telbar erforderlichen Anschlussleistungen festlegen. Zum Entlass­
plan gehört auch, dass die Klinik die weiterbehandelnden Ärzte,
Rehabilitationseinrichtungen und Pflegedienste kontaktiert und
sicherstellt, dass diese die Anschlussversorgung übernehmen.
Sofern Sie die Klinik nicht selbst oder durch Unterstützung von Ange­
hörigen oder Freunden verlassen können, kann Ihnen das Kranken­
haus einen Transport nach Hause organisieren. Wie auch bei der
Anreise zum Krankenhaus übernehmen die Krankenkassen die
Fahrkosten jedoch nur, wenn der Transport medizinisch notwendig
ist und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine entsprechende Verordnung
ausstellt, in der auch das Transportmittel begründet wird, etwa ein
Taxi. Ist für Sie eine Anschlussheilbehandlung vorgesehen, kommt
für die Fahrt in eine Rehabilitationseinrichtung der Träger der Reha­
bilitationsmaßnahme auf. Sofern dies die gesetzliche Krankenver­
sicherung ist, gelten die Bestimmungen des § 60 Absatz 5 Fünftes
Buch Sozialgesetzbuch in Verbindung mit dem § 53 Absatz 1 bis 3
Neuntes Buch Sozialgesetzbuch. Danach können im Zusammenhang
mit Leistungen zur medizinischen Rehabilitation Fahr- und andere
Reisekosten übernommen werden.
Welche Versorgungsmöglichkeiten gibt es nach Ihrer Entlassung?
Je nach Art und Schwere Ihrer Erkrankung kommen verschiedene
Versorgungsmöglichkeiten nach Ihrer Entlassung in Betracht. Im
einfachsten Fall werden Sie nach Hause entlassen und können sich,
gegebenenfalls mit Unterstützung durch Angehörige, selbst ver­
sorgen. Ist eine solche Unterstützung nicht möglich und brauchen
Sie dennoch Hilfe, können Sie eine häusliche Krankenpflege bean­
tragen. Reicht diese nicht aus, ist eine (vorübergehende) stationäre
Versorgung in einem Pflegeheim möglich, etwa im Rahmen der
Kurzzeitpflege. Im Falle einer Anschlussheilbehandlung findet diese
in einer Rehabilitationseinrichtung statt.
Manchmal ist eine nachstationäre Versorgung im Krankenhaus not­
wendig, um den medizinischen Behandlungserfolg sicherzustellen,
beispielsweise zur Wundkontrolle nach einer Operation. Hierfür
können Sie innerhalb von in der Regel 14 Tagen an maximal 7 Tagen
zur ambulanten Nachbehandlung ins Krankenhaus gebeten werden.
Eine Ausnahme stellen Kontrolluntersuchungen nach Organtrans­
plantationen dar, die vom Krankenhaus auch nach dieser zeitlichen
Begrenzung durchgeführt werden. Die nachstationäre Behandlung
kann im Auftrag des Krankenhauses auch ein niedergelassener Hausoder Facharzt übernehmen. Sie ist in den Räumen des Kranken­
hauses ebenso wie in der Arztpraxis möglich.
Zur Sicherung des Behandlungserfolgs können Sie nach der
Entlassung an höchstens 7 Tagen innerhalb von 14 Tagen
im Krankenhaus nachbehandelt werden, etwa zur Kontrolle
nach Operationen (§ 115a Fünftes Buch Sozialgesetzbuch).
Als Anschlussheilbehandlung (oder Anschlussrehabilitation)
werden medizinische Leistungen zur Rehabilitation bezeichnet, die sich unmittelbar oder sehr zeitnah an einen Kranken­
hausaufenthalt anschließen. Sie hat zum Ziel, dass Patientinnen und Patienten ihre verloren gegangenen Fähigkeiten
wiedererlangen oder ausgleichen und wieder auf das Alltagsund Berufsleben vorbereitet werden.
Was passiert, wenn Ihnen eine Anschlussheilbehandlung
Wenn Sie eine Rehabilitationsmaßnahme brauchen, ist es für den
Behandlungserfolg oft sehr wichtig, dass diese direkt im Anschluss an
Ihren Krankenhausaufenthalt beginnt. Deshalb sollte die Anschluss­
rehabilitation (auch Anschlussheilbehandlung genannt) noch wäh­
rend Ihres Krankenhausaufenthaltes beantragt werden, um einen
nahtlosen Übergang sicherzustellen. Wenn Sie gesetzlich kranken­
versichert sind, muss Ihre Krankenhausärztin beziehungsweise Ihr
Krankenhausarzt die medizinische Notwendigkeit einer Rehabilita­
tionsleistung bestätigen und hierzu ein Formular für Ihre Kranken­
kasse ausfüllen. Der Kliniksozialdienst unterstützt Sie bei der Antrag­
stellung. Eine Anschlussrehabilitation beginnt in der Regel inner­halb
von 14 Tagen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.
Vor allem nach schweren Unfällen oder Erkrankungen, beispielsweise
einem Schlaganfall, einer Tumoroperation oder einer Organtrans­
plantation, müssen viele Patientinnen und Patienten erst wieder in
ihren Alltag zurückfinden und dabei auch ihre körperlichen Fähig­
keiten wiedererlangen. Aber auch nach Routineeingriffen wie Schulter-,
Knie- oder Hüftgelenkoperationen braucht es Zeit und Anstren­
gungen zur körperlichen Genesung. Eine Anschlussheilbehandlung
soll Sie nach Ihrem Krankenhausaufenthalt darin unterstützen.
Die Anschlussrehabilitation kann ambulant, teilstationär oder voll­
stationär erfolgen:
Bei der ambulanten Rehabilitation kehren Sie nach der Entlassung
aus der Klinik in Ihr Zuhause zurück und integrieren die Reha-Maß­
nahmen in Ihren Tagesablauf. Krankengymnastik, Belastungstraining,
Massagen oder andere Therapien können Sie dabei in der Nähe
Ihres Wohnortes in Anspruch nehmen, sodass dies auch berufsbe­
gleitend möglich ist.
Bei der teilstationären Rehabilitation befinden Sie sich in der Regel
tagsüber in einem Krankenhaus oder einer Reha-Klinik in Ihrer
Nähe, in der Sie behandelt werden. Der Vorteil: Sie haben die medi­
zinische Rundumbetreuung einer Klinik, können jedoch am Abend
in Ihr gewohntes Umfeld zurückkehren.
Bei der stationären Rehabilitation („Kur“) stehen Sie durchgehend
unter fachärztlicher Kontrolle. Neben der körperlichen Behand­
lung werden Sie hier oft auch pychisch betreut. Sie lernen, mit den
pychischen Belastungen, die häufig mit schweren Krankheiten ein­
hergehen, umzugehen und den Alltag neu zu gestalten. In der Regel
dauert eine stationäre Anschlussheilbehandlung drei Wochen, in
besonderen Fällen kann sie verlängert werden.
1. Sie können aufgrund Ihrer Erkrankung den Haushalt nicht
selbst weiterführen.
2. Bei Ihnen lebt ein Kind unter zwölf Jahren oder ein behindertes
Kind (ohne Altersbegrenzung), das Hilfe braucht.
3. Niemand sonst im Haushalt kann diesen weiterführen. Mit dem
Krankenhausstrukturgesetz, das am 1. Januar 2016 in Kraft getre­
ten ist, kann Ihnen die Krankenkasse auch eine Haushaltshilfe für
längstens vier Wochen gewähren, wenn Sie Ihren Haushalt wegen
einer schweren Krankheit oder akuten Verschlimmerung Ihrer
Krankheit, insbesondere nach einem Krankenhausaufenthalt,
nicht selbst weiterführen können. Lebt zudem ein Kind in Ihrem
Haushalt, das unter zwölf Jahre alt oder behindert und auf Hilfe
angewiesen ist, kann die Haushaltshilfe auf bis zu 26 Wochen
Reicht aufgrund Ihrer Erkrankung eine häusliche Versorgung nicht
aus oder ist diese nicht möglich, kann auch eine stationäre Betreuung
in Betracht kommen. So können Sie unmittelbar nach der Entlassung
Was passiert, wenn Sie zu Hause Unterstützung benötigen?
Wenn Sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause Hilfe
benötigen, beispielsweise bei Wundversorgung, Injektionen, Waschen
oder Ankleiden, können Sie bei Ihrer Krankenkasse häusliche
Krankenpflege beantragen. Ihre Klinikärztin oder Ihr Klinikarzt muss
diese bis zum dritten Werktag nach Ihrer Entlassung verordnen.
Eine Verordnung durch die Hausärztin oder den Hausarzt ist eben­
falls möglich. Die Pflege wird bis zu vier Wochen (28 Tage) gewährt,
wenn Sie dadurch zu Hause anstatt im Krankenhaus sein können, in
besonderen Fällen auch länger.
Darüber hinaus können Sie auch eine Haushaltshilfe erhalten. Hier­
für müssen Sie in der Regel drei Voraussetzungen erfüllen:
Wer sich nach einem Krankenhausaufenthalt nicht selbst versorgen kann, hat Anspruch auf
Unterstützung, zum Beispiel durch eine Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung.
aus dem Krankenhaus im Rahmen der sogenannten Kurzzeitpflege
vorübergehend – bis zu acht Wochen – in einer Pflegeeinrichtung
versorgt werden, ohne dass Sie dafür pflegebedürftig im Sinne der
Pflegeversicherung sein müssen. Dies kann der Fall sein, wenn Sie
etwa einen schweren Eingriff hinter sich haben. Das Krankenhaus­
strukturgesetz verpflichtet die Krankenkassen seit 1. Januar 2016,
sich an den Kosten für Pflege und Betreuung in einer Kurzzeitpflege­
einrichtung zu beteiligen. Damit wurde eine wichtige Versorgungs­
Ist aufgrund Ihrer Erkrankung davon auszugehen, dass Sie dauer­
haft – das heißt für mindestens sechs Monate – auf Pflege angewiesen
sind, können Sie Pflegeleistungen bei der sozialen Pflegeversicherung beantragen. In der Regel organisiert der Kliniksozialdienst die
ersten Schritte für eine pflegerische Versorgung (häuslich oder
stationär) und unterstützt Sie bei der Beantragung von Leistungen.
Außerdem können Sie eine Pflegeberatung bei der Pflegekasse Ihrer
Krankenkasse in Anspruch nehmen. Die Pflegeberaterinnen und
Pflegeberater, die die Beratung auf Wunsch auch telefonisch oder
zu Hause durchführen, ermitteln Ihren individuellen Hilfebedarf und
beraten Sie und Ihre Angehörigen umfassend über die möglichen
Leistungen der Pflegeversicherung in Ihrer konkreten Situation. Mit
Zustimmung des Pflegebedürftigen können sich Angehörige auch
allein beraten lassen.
Ausführliche Informationen zum Thema Pflege und Pflegeleistungen
finden Sie im „Ratgeber zur Pflege“ des Bundesgesundheitsminis­
teriums (Bestellinformationen auf Seite 99).
ihren Angehörigen im Krankenhaus
Schwerstkranke Menschen und Sterbende haben Anspruch auf
eine palliative Versorgung. Wenn keine Aussicht auf Heilung mehr
besteht, hat die Palliativmedizin zum Ziel, Schmerzen zu lindern
und Symptome zu behandeln und so die Lebensqualität möglichst
bis zum Tod aufrechtzuerhalten.
Wie wird sichergestellt, dass Schwerstkranke und Sterbende im
Krankenhaus gut versorgt sind?
Neben spezialisierten ambulanten Pflegediensten, stationären Pfle­
geeinrichtungen und Hospizen übernehmen auch Krankenhäuser
die Versorgung von schwerstkranken Patientinnen und Patienten
in ihrer letzten Lebensphase. Hierzu richten immer mehr Kliniken
eigene Palliativstationen ein. Das Hospiz- und Palliativgesetz, das im
Dezember 2015 in Kraft getreten ist, fördert dies, indem die Kliniken
für solche Stationen eine besondere Vergütung mit den Kostenträ­
gern vereinbaren können. Aber auch Krankenhäuser, die über keine
Palliativstationen verfügen, können künftig Zusatzentgelte erhal­
ten, wenn sie hauseigene Palliativteams aufbauen. Außerdem können
sie ambulante Hospizdienste mit Sterbebegleitungen in ihren Ein­
richtungen beauftragen. Für die betroffenen Patienten bedeutet dies,
dass ihnen auch im Krankenhaus eine professionelle Sterbebeglei­
tung und Palliativversorgung zur Verfügung steht. Welche Versor­
gung am Lebensende für Sie oder Ihren Angehörigen am geeignets­
ten ist und welche Leistungen dabei infrage kommen, können Sie
auch mit Ihrer Krankenkasse besprechen. Durch das Palliativ- und
Hospizgesetz haben Sie seit Dezember 2015 Anspruch auf entspre­
chende Beratung und Hilfestellung. Diese umfasst auch allgemeine
Informationen zu Fragen der persönlichen Vorsorge für die letzte
Lebensphase, etwa in Form einer Patientenverfügung, Vorsorgevoll­
macht oder Betreuungsverfügung (siehe auch Kapitel 2.4 ab Seite 56).
Welche Unterstützung erhalten Angehörige von Schwerstkranken und
Sterbenden im Krankenhaus?
Mit einer schweren, möglicherweise zum Tod führenden Erkrankung
umzugehen, ist nicht nur für die betroffenen Patientinnen und
Patienten eine außerordentliche Belastung, sondern ebenso für die
Angehörigen. Klinikpsychologen, Mitarbeiter der Krankenhaus­
seelsorge oder ehrenamtliche Hospizhelfer stehen daher auch Ihnen
als Angehöriger oder Angehörigem im Krankenhaus zur Seite. Sie
helfen Ihnen und begleiten Sie zum Beispiel durch Zuhören oder
Trösten in dieser schwierigen Lebenssituation.
„Gesundheit und Pflege aktuell“ erscheint mindestens dreimal jähr­
lich, berichtet aus der Arbeit des Bundesgesundheitsministeriums
rund um die Themen Gesundheit, Pflege und gesundheitliche Präven­
tion und wird Ihnen kostenlos per Post zugesandt. Abonnement
unter www.bmg-gp.de
Der Newsletter „GP_aktuell“ informiert zur aktuellen Gesundheits­
politik und wird Ihnen regelmäßig per E-Mail zugesandt. Sie finden
das Anmeldeformular unter www.bmg-gp.de
Das aktuelle Publikationsverzeichnis des Bundesministeriums für
Gesundheit können Sie als PDF-Datei herunterladen unter
www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen
finden Sie unter www.bundesgesundheitsministerium.de
Auf eine gute medizinische Versorgung kann man sich in ganz Deutschland
verlassen. Mit gezielten Verbesserungen wird die Qualität im Krankenhaus
gestärkt – beispielsweise mit mehr Unterstützung der Notfallversorgung, zusätzlichen Mitteln für Pflegekräfte und mehr Fachkräften für Hygiene.
Informationen zur Krankenhausreform, zu den weiteren Neuerungen im Gesund­
heitsbereich und kostenfreie Ratgeber unter www.wir-stärken-die-gesundheit.de
E-Mail: [email protected] Telefon: 030 / 18 272 2721 Fax:
030 / 18 10 272 2721 Schriftlich: Publikationsversand der Bundesregierung,
„Ratgeber für Patientenrechte“
Mit dem 2013 in Kraft getretenen Patien­
tenrechtegesetz wurden wichtige Patien­
tenrechte ausdrücklich im Gesetz festge­
schrieben. Dieser Ratgeber bietet Ihnen
eine verständliche Darstellung und Erläu­
terung der Rechte von Patientinnen
„Ratgeber zur Krankenversicherung“
Dieser Ratgeber hilft Ihnen, sich in unse­
rem Gesundheitswesen besser zurecht­
zufinden. Von der Wahl der Krankenkasse
bis zu Tipps für den Gang in die Apo­
theke – diese Broschüre zeigt die wichtigs­
ten Bestimmungen auf einen Blick.
Bestell-Nr.: BMG-P-07031
Der Ratgeber bietet einen Überblick über
das Pflegesystem und beantwortet die
häufigsten Fragen im Zusammenhang mit
„Ratgeber zur Prävention und
Gesundheit ist ein entscheidender Faktor
für ein gutes Leben. Der Ratgeber zur
zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, wie
man jeden Tag etwas für seine Gesund­
heit tun kann.
Bestell-Nr.: BMG-V-09053
„Ratgeber Demenz“
Dieser Ratgeber informiert rund um die
Pflege von Menschen mit Demenz, beant­
wortet häufige Fragen und stellt die Leis­
tungen der Pflegeversicherung vor.
Bestell-Nr.: BMG-P-11021
Mit einem Bürgertelefon zu verschiedenen Themenbereichen und
einem Service für Gehörlose und Hörgeschädigte bietet das Bundes­
ministerium für Gesundheit allen Bürgerinnen und Bürgern eine
kompetente und unabhängige Anlaufstelle für alle Fragen rund um
Bundesministerium für Gesundheit Referat Öffentlichkeitsarbeit, Publikationen
Scholz & Friends Berlin GmbH, www.s-f.com
Das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit erreichen
Sie von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, am Freitag von 8 bis
12 Uhr unter folgenden Nummern:
Diana Müller, Berlin, www.dianamueller.com
Titel, Seite 55: BMG/Benne Ochs, Seite 2: BMG/Jochen Zick (action press),
Seite 10: Michael Hagedorn, Seiten 12, 20, 29, 32, 35, 44, 46, 58, 61, 63,
69, 72, 76, 80, 86, 93, 96: BMG/Thomas Köhler (photothek) Bürgertelefon zur gesundheitlichen Prävention
030 / 340 60 66 - 01
030 / 340 60 66 - 02
030 / 340 60 66 - 03
02 21 / 89 20 31*
030 / 340 60 66 - 07 Telefax
030 / 340 60 66 - 08 ISDN-Bildtelefon
www.bmg.bund.de/service/buergertelefon.html
* BZgA-Informationstelefon zur Suchtvorbeugung
Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
dieser Broschüre unter:
bundesregierung.de Telefon: 030 / 18 272 2721 Fax:
030 / 18 10 272 2721 Schriftlich: Publikationsversand
Bestell-Nr.:BMG-G-11074
Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums für
Gesundheit kostenlos herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerbern
oder Wahlhelfern während des Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet
werden. Dies gilt für Europa-, Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen.
das Krankenhaus 09/2015: Editorial
das Krankenhaus 06/2015: Inhalt

References: § 116
 § 65

§ 60
 § 630
 § 630
 § 65
 § 39
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