Source: http://palikanon.com/khuddaka/jataka/j421.htm
Timestamp: 2017-03-24 20:02:16+00:00

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Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 421. Die Erzählung von Gangamala (Gangamala-Jātaka)
§1. „Heiß wie 'ne Kohle ist die Erde, wie glüh'nde Asche ist der Boden, und während du dahineilst, singst du; belästigt dich die Hitze nicht? §2. Von oben her brennt dich die Sonne, von unten her brennt dich der Sand, und während du dahineilst, singst du; belästigt dich die Hitze nicht?“ Als dieser des Königs Worte vernahm, sprach er folgende dritte Strophe:
§3. „Die Hitze nicht belästigt mich, mich quälen der Begierde Gluten. Verschieden, König, sind die Wünsche; die quälen mich und nicht die Hitze.“ Darauf fragte ihn der König: „Was ist denn dein Wunsch?“ Der Mann antwortete: „Ich, o Fürst, lebte am Südtore zusammen mit einer armen Frau. Diese fragte mich: ‘Wir wollen das Fest begehen, Gebieter; hast du etwas in deinem Besitze?’ Darauf sagte ich: ‘Ich habe meinen Schatz am Nordtore in der Mauer verborgen.’ Sie schickte mich fort mit den Worten: ‘Gehe und hole ihn; wir wollen uns beide erfreuen.’ Diese ihre Rede verlässt nicht mein Herz; wenn ich daran gedenke, brennt mich die Glut der Begierde. Dies ist mein Zweck, o König.“ Dieser fuhr fort: „Was ist aber die Ursache deiner Freude, dass du, ohne auf den Gluthauch zu achten, singend daherkommst?“ Er antwortete: „O Fürst, ich denke, wenn ich diesen Schatz geholt habe, werde ich mich mit ihr vergnügen, und deshalb bin ich voll Freude und singe.“
§6. „Von einer kleinen Tat ist dies für mich die Frucht, zu großer Herrlichkeit ist Udaya gekommen. Doch hat fürwahr den bessern Teil erwählt der Jüngling, der aufgab die Begierde und die Welt verließ.“ Von dieser Strophe aber verstand niemand den Sinn. Eines Tages fragte ihn seine erste Gemahlin nach der Bedeutung des Verses; aber er sagte es nicht. Er hatte aber einen Hofbader namens Gangamala. Wenn dieser seinen Bart behandelte, so nahm er zuerst das Rasiermesser zur Hand und dann entfernte er die Haare mit seiner Haarzange. Wenn nun das Rasiermesser in Tätigkeit war, war es dem Könige wohl; wenn ihm aber die Haare ausgerissen wurden, war es ihm unangenehm. Zuerst wollte er ihm immer einen Wunsch gewähren, dann aber wünschte er, ihm den Kopf zu spalten.
Aus Furcht, die Unwahrheit zu sagen, willigte der König ein. §D. Nachdem er in der Art, wie im Kummasapinda-Jātaka [Jātaka 415] auseinandergesetzt ist, alles angeordnet und sich auf seinem Thronsessel niedergelassen hatte, sprach er: „Ich, o Gangamala, war in meiner früheren Existenz in dieser Stadt“, usw. Nachdem er diese ganze frühere Begebenheit erzählt hatte, fügte er hinzu: „Dies ist die Veranlassung zu der ersten Halbstrophe. Mein Freund aber hat die Welt verlassen und ich muss ermüdet die Herrschaft weiter führen; aus diesem Grunde sage ich die letzte Halbstrophe.“ So erklärte er die Bedeutung seines begeisterten Gesanges.
Als dies der Barbier hörte, dachte er: „Durch die halbe Erfüllung der Uposatha-Bestimmungen ist der König zu solchem Glanze gelangt. Das Gute muss man üben; wie, wenn ich jetzt die Welt verließe und mir selbst dadurch Rettung verschaffte?“ Als er dies bedacht hatte, verließ er die Gemeinschaft mit allen seinen Verwandten und Besitztümern, bat den König um Erlaubnis, die Welt zu verlassen, und zog in den Himalaya, wo er der Weisen Weltflucht betätigte [5a]. Er erhob sich zu den drei Einsichten [6], stärkte seinen übernatürlichen Blick und gelangte zur Würde eines Paccekabuddha. Er erhielt Almosenschale und Obergewand durch seine Wunderkraft und weilte fünf oder sechs Jahre an dem Berge Gandhamādana.
§7. „Asketen geben böse Taten auf; sie hören auf, Barbier zu sein und Töpfer. Asketen sind voll Stolz, o Gangamala, und reden auch den König an mit Namen.“ Um seine Mutter zurechtzuweisen und den Vorzug des Paccekabuddha zu verkündigen, sprach aber der König folgende achte Strophe:
§9. „O saget nichts vom weisen Gangamala, der auf dem Pfad der Wahrheit wohl bewandert; denn dieser überschritt den Ozean, jenseits von dem man ohne Kummer lebt.“ Nach diesen Worten bezeigte der König dem Paccekabuddha seine Ehrfurcht und sprach: „Herr, verzeihet meiner Mutter.“ „Wir verzeihen ihr, o Großkönig“, antwortete dieser. Auch das Gefolge des Königs bat ihn um Verzeihung. Darauf bat ihn der König um seine Zustimmung, dass er bei ihm wohnen bleiben wolle. Der Paccekabuddha aber gab diese Einwilligung nicht, sondern unter den Augen des Königs und seines Gefolges erteilte er in der Luft stehend dem Könige noch eine Ermahnung und kehrte nach dem Berge Gandhamādana zurück.
§A2. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „So, ihr Laienbrüder, ist es geziemend, die Uposatha-Regeln zu beobachten.“ §C. Dann verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Der damalige Paccekabuddha ging zum völligen Nirvana ein; der König Halbmasaka war Ānanda, die Königin war die Mutter Rāhulas, der König Udaya aber war ich.“
[1] Vgl. Jātaka 1 Anm. 14.
[3] Es wird in den Jātakas öfters diese festliche Zeremonie der Bestätigung der Schwangerschaft erwähnt.
[6] Diese sind (1.) die Einsicht von der Unbeständigkeit, (2.) dem Leiden und (3.) der Unbeständigkeit aller Dinge. [7] Nur der höher Gestellte darf den Niedrigeren mit Namen anreden.

References: §1
 §2

§3

§6

§7

§9