Source: https://www.zimmerling.de/files/zimmerling/publikationen/aufsaetze/doktoranrede.htm
Timestamp: 2018-12-18 10:38:01+00:00

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Daß der "Doktortitel" tatsächlich ein akademischer Grad ist, ergibt sich zwingend aus § 18 Abs. 2 HRG. Durch die Verleihung des Doktorgrades wird die erbrachte wissenschaftliche Leistung gewürdigt.8 Die Promotion ist eine Hochschulprüfung, wie viele andere Prüfungen auch, für die §§ 15 ff HRG entsprechend gelten.9 Mit dem (bürgerlichen) Namen hat dies nichts zu tun.
Irritationen mag es geben, weil der Doktorgrad in den Reisepaß oder Personalausweis eingetragen werden kann. Dies ergibt sich jedoch nicht deshalb, weil er ein Bestandteil des Namens ist, sondern aufgrund ausdrücklicher gesetzgeberischer Regelung (vgl. § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 PaßG sowie § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 PAuswG).10 Wäre der "Doktortitel" Namensbestandteil, so hätte es dieser gesetzlichen Regelungen nicht bedurft.
Schließlich ist darauf zu verweisen, daß in Personenstandsbüchern und -urkunden der Doktorgrad nur mit Einwilligung des Betroffenen eingetragen werden darf. So gibt die Heiratsurkunde nur den wesentlichen Inhalt der Eintragung im Heiratsbuch wieder; die Angabe des akademischen Grades ist als wesentlicher Teil in § 63 PStG nicht aufgeführt und unterbleibt, wenn sie vom Betroffenen nicht gewollt ist.11
Da somit der akademische Grad kein Namensbestandteil ist, hat der Promovierte keinen sich aus § 12 BGB ergebenen Anspruch auf Anrede mit dem Doktorgrad.12
Der Arbeitgeber hat den vom Arbeitnehmer erworbenen akademischen Grad grundsätzlich so zu respektieren, wie er sich aus der Diplomurkunde ergibt. Gegebenenfalls kann der Arbeitnehmer in entsprechender Anwendung der §§ 12, 862, 1004 BGB bei einem objektiv rechtswidrigen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht die Beseitigung einer fortwirkenden Beeinträchtigung verlangen. Ihm stehe ferner der gleichfalls in entsprechender Anwendung der §§ 12, 862, 1004 BGB entwickelte vorbeugende Unterlassungsanspruch zu, sofern die Besorgnis künftiger Wiederholung des Eingriffs besteht.14
Das VG München hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob das Weglassen des Doktortitels gegenüber dem promovierten Dienstvorgesetzten das beamtenrechtliche Gebot zu achtungs- und vertrauenswürdigem Verhalten verletzt.15 Das VG München hat diese Frage verneint, da bei objektiver Betrachtung in dem Weglassen des Doktortitels keine das Ansehen der Person beeinträchtigende Anrede liege. Offengelassen wurde die Frage, ob gleiches gilt, wenn der Betroffene Wert darauf legt, mit seinem "vollen Namen" angesprochen zu werden und wenn sich der Beamte bewußt über diese Bitte hinwegsetzt. Der Entscheidung des VG München ist zuzustimmen. Gem. § 81 BBG (und den entsprechenden Bestimmungen der Landesbeamtengesetze) führt der Beamte im Dienst die Amtsbezeichnung des ihm übertragenen Amtes. Dies bedeutet jedoch lediglich, daß sich der Beamte dieser Amtsbezeichnung bedient. Die Vorschrift gibt dem Beamten keinen Anspruch auf Verwendung der Amtsbezeichnung durch den Dienstherrn und auch keinen Anspruch darauf, von anderen Beamten oder vom Publikum mit seiner Amtsbezeichnung angeredet zu werden.16 Für den Doktorgrad hat entsprechendes zu gelten.
Es verbleibt somit bei der Erkenntnis, daß der Doktorgrad zwar "anredefähig" ist, daß indes der Promovierte keinen Anspruch auf Anrede mit dem Doktorgrad hat. Sofern allerdings im Arbeitsverhältnis der Arbeitgeber den akademischen Grad des Arbeitnehmers verwendet, muß er ihn in der korrekten Form verwenden, sofern nicht sich der Arbeitgeber auf berechtigte Interessen berufen kann. Fragen der Höflichkeit sind vorliegend nicht zu diskutieren.17

References: § 18
 § 4
 § 1
 § 63
 § 12
 § 81