Source: https://www.lebensversicherung-anwalt.de/bgh-urteil-zum-widerruf-von-lebensversicherungen
Timestamp: 2019-01-22 11:13:14+00:00

Document:
BGH Urteil zum Widerruf von Lebensversicherungen| Dr. Stoll & Sauer
BGH Urteil zum Widerruf von Lebensversicherungen
Wer zwischen Juli 1994 und Dezember 2007 eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, kann bei einem erfolgreichen Widerruf auf hohe Rückzahlungen hoffen. Diese Entwicklung geht zurück auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs von Juli 2015 im Streit um eine Auszahlung der Aachen-Münchener Lebensversicherung. Dank diesem Grundsatzurteil können Verbraucher nun ihre Lebensversicherungen auch im Nachhinein noch widerrufen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Der Widerruf einer Lebens- oder Rentenversicherung kann aufgrund von falschen Widerspruchsbelehrungen erfolgreich sein. Das BGH Urteil ist besonders verbraucherfreundlich, da nur der genossene Versicherungsschutz und die Kapitalertragssteuer von den Rückzahlungen abgezogen werden, nicht aber die Abschluss- und Versicherungskosten. Somit erhält der Kunde dieser Versicherungen fast vollständig seine eingezahlten Beiträge zurück und kann darüber hinaus noch von den erwirtschafteten Zinsen profitieren.
Rechte von Kunden werden gestärkt
Betroffene Verträge & Falsche Widerspruchsbelehrungen
Das BGH Urteil spielt für Verbraucher eine Rolle, die in dem Zeitraum vom 29. Juli 1994 bis zum 31. Dezember 2007 Lebens- und Rentenversicherungsverträge nach dem Policenmodell abgeschlossen haben. Neben dem Versicherungsschein und den Versicherungsbedingungen musste den Kunden eine Belehrung über das Widerrufsrecht vorgelegt werden. So hatten die Versicherten die Möglichkeit, innerhalb einer bestimmten Frist die Kapitallebensversicherung zu widerrufen. Seit 2008 ist dieses Modell abgeschafft. Verbraucher, die eine solche Belehrung nur fehlerhaft oder gar nicht erhalten haben, können auch heute noch den alten Verträgen widersprechen und einen Großteil der eingezahlten Beiträge zurückbekommen. Laut einer Stichprobe des Bunds der Versicherten seien die Erfolgschancen eines solchen Widerspruchs relativ hoch, da circa 60 Prozent der Verträge aus dieser Zeit betroffen wären.
In Ausnahmefällen kann das BGH Urteil sogar bei der Rückabwicklung von Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen greifen. Jedoch sollte der Widerruf hier besonders sorgsam geprüft werden, da erhebliche Nachteile durch die Aufgabe des Versicherungsschutzes entstehen können. Riester-Fondssparpläne oder Riester-Banksparpläne hingegen sind nicht durch das BGH Urteil beeinflusst, da sie nicht über Versicherer laufen, sondern über Banken. Kunden, die mit dem Gedanken spielen, Ihre Lebensversicherung zu widerrufen, sollten sich in jedem Fall professionelle Beratung einholen. Diese sollte überprüfen, ob ein Widerspruch möglich ist, oder ob alternative Vorgehensweisen sinnvoller sind.
Sollte der Vertrags-Widerruf erfolgreich sein, erhält der Kunde nach dem BGH Urteil seine eingezahlten Beiträge beinahe vollständig zurück. Aus diesem Grund lohnt sich ein Widerspruch für den Versicherten im Normalfall finanziell viel mehr als eine normale Vertragskündigung. Bei der klassischen Kündigung einer Lebensversicherung bekommt der Verbraucher nämlich nur den Rückkaufswert ausgezahlt. Dieser liegt meistens deutlich unter den eingezahlten Beiträgen, da es sich beim Rückkaufwert um den Gegenwert des Lebensversicherungsvertrages zum Zeitpunkt der Kündigung handelt - abzüglich der Stornokosten. Grade bei jungen Lebensversicherungsverträgen ist der Rückkaufwert sehr gering, da die Betriebs- und Abschlusskosten den Wert der Police nur sehr langsam wachsen lassen. Daher profitiert der Verbraucher grundsätzlich davon, die Versicherung nicht einfach blindlings zu kündigen, sondern alle Alternativen in Erwägung zu ziehen.
Beim Widerspruch von Lebensversicherungen gilt: Je weniger Zusatzleistungen im Vertrag festgehalten wurden, desto mehr Rückzahlungen kann der widerrufende Kunde erwarten. Nicht auf dem Rücken des Versicherten ausgetragen werden die Abschlussprovision oder die Verwaltungskosten. Ein weiterer Kundenvorteil des BGH Urteils ist, dass auch das Geld, das der Versicherer während der Vertragslaufzeit mit den Versicherungsbeiträgen erwirtschaftet hat, in Zinsen zurückerstattet werden muss. So bekommt der Versicherungsnehmer beim erfolgreichen Widerspruch nicht nur seine Beiträge zurück, sondern auch noch eine Verzinsung von 4 bis 7 Prozent pro Jahr. Was für ein Zinssatz in einem Verfahren verlangt werden sollte, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und sollte im Vorfeld mit einem Fachanwalt besprochen werden.
Können Sie vom BGH Urteil profitieren?
Ob und inwiefern Sie mit einem Widerruf Ihrer Lebensversicherung von dem BGH Urteil profitieren können, hängt von einigen Faktoren ab, die gründlich geprüft werden sollten. Informieren Sie sich nachfolgend über die Einzelheiten des Urteils und die richtige Vorgehensweise beim Widerrufen von Lebensversicherungen.
Weitere Fragen und Antworten zum BGH Urteil:

References: BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH