Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=22.02.2005&Aktenzeichen=1%20C%2017.03
Timestamp: 2017-11-25 09:23:19+00:00

Document:
BVerwG, 22.02.2005 - 1 C 17.03 - dejure.org
AsylVfG § 26 Abs. 1; AufenthG § 60 Abs. 1
Familienasyl; Begriff der Ehe; Zivilehe; religiöse Eheschließung; staatliche Anerkennung der religiösen Ehe; Verleugnung des Glaubens/der Religion.
Familienasyl; Begriff der Ehe; Zivilehe; religiöse Eheschließung; staatliche Anerkennung der religiösen Ehe; Verleugnung des Glaubens/der Religion.; Abschiebungsverbot; Asylbewerber; Ausländer; Ausweisung; Ehegatte; Familienasyl; Glaubensverleugnung; Heimatstaat; Jezide; Kernbereich; Kurde; Religionsfreiheit; Religionszugehörigkeit; religiöse Eheschließung; Staatenloser; staatliche Anerkennung; Syrien; Wiedereinreiseverweigerung; Zivilehe
Anspruch auf Familienasyl nach § 26 Abs. 1 Asylverfahrensgesetz (AsylVfG); Schließung einer wirksamen, staatlich anerkannten Ehe; Vorliegen einer religiösen Ehe bei Unzumutbarkeit einer regulären staatlichen Eheschließung im Heimatstaat
AsylVfG § 26 Abs. 1 Nr. 2; GG Art. 16 a Abs. 1; AufenthG § 60 Abs. 1
Syrien, Kurden, Staatenlose, Jesiden, Familienasyl, Ehe, Religiöse Eheschließung, Religiös motivierte Verfolgung, Religiöses Existenzminimum, Religionsfreiheit, Eheschließungsfreiheit, gewöhnlicher Aufenthalt, Einreiseverweigerung
Asylrecht, Eherecht, Glauben
VG Hannover, 24.02.1994 - 6 A 393/89
BVerwG, 10.07.2003 - 1 B 88.03
BVerwGE 123, 18
NVwZ 2005, 1191
DVBl 2005, 1201
DÖV 2005, 827
Rüge einer Verletzung des Zeugnisverweigerungsrecht der Angehörigen des …
Für eine analoge Anwendung von § 52 StPO auf hier (lediglich) nach islamischem Recht geschlossene "Ehen" sieht der Senat keinen Anlass (…vgl. Senge in KK-StPO, 7. Aufl., § 52 Rn. 14;… Schmitt in Meyer-Goßner, StPO, 60. Aufl., § 52 Rn. 5; vgl. zur rechtlichen Bedeutung von lediglich nach religiösem Ritus geschlossenen, staatlich nicht anerkannten Ehen auch BVerwGE 123, 18).
vgl. dazu BVerwG, Urteil vom 22. Februar 2005 - 1 C 17.03 -, BVerwGE 123, 18 = juris, Rn. 9; Marx, in: GK-AufenthG, Stand Mai 2008, § 27 Rn. 21 ff.
Sowohl im Rahmen des Familienasyls nach § 26 Abs. 1 Nr. 2 AsylG, vgl. BVerwG, Urteil vom 22. Februar 2005 - 1 C 17.03 -, BVerwGE 123, 18 = juris, Rn. 9, als auch im Aufenthaltsrecht, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Januar 2009 - 1 C 40.07 -, BVerwGE 133, 72 = juris, Rn. 16, Marx, in: GK-AufenthG, Stand Mai 2008, § 27 Rn. 21 ff., 28 Rn. 49, ist eine anerkannte Eheschließung erforderlich; eheähnliche Beziehungen reichen nicht aus.
Löst dieser Staat aus im asylrechtlichen Sinne nichtpolitischen Gründen die ihn mit einem Staatenlosen verbindenden Beziehungen, steht er ihm in gleicher Weise gegenüber wie jeder andere auswärtige Staat, so dass die Frage, ob dem Staatenlosen auf seinem Territorium politische Verfolgung droht, mit Blick auf die Flüchtlingsanerkennung gegenstandslos wird (…vgl. Urteile vom 15. Oktober 1985 - BVerwG 9 C 30.85 - Buchholz 402.25 § 1 AsylVfG Nr. 39 S. 122 und vom 22. Februar 2005 - BVerwG 1 C 17.03 - BVerwGE 123, 18 ).
Sollte das Berufungsgericht eine andere Staatsangehörigkeit der Kläger verneinen, müsste es (erneut) prüfen, ob ihnen in Syrien als syrischen Staatsangehörigen oder als Staatenlosen Verfolgung im Sinne von § 60 Abs. 1 AufenthG droht (vgl. aber für den Fall eines Wiedereinreiseverbots für Staatenlose aus in asylrechtlichem Sinne nichtpolitischen Gründen, Urteil des Senats vom 22. Februar 2005 - BVerwG 1 C 17.03 - zur Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung BVerwGE vorgesehen).
15 Sollte das Berufungsgericht eine türkische Staatsangehörigkeit der Kläger verneinen, müsste es prüfen, ob ihnen in Syrien als syrischen Staatsangehörigen oder als Staatenlosen Verfolgung im Sinne von § 60 Abs. 1 AufenthG droht (vgl. aber für den Fall eines Wiedereinreiseverbots für Staatenlose aus in asylrechtlichem Sinne nichtpolitischen Gründen: Urteil vom 22. Februar 2005 BVerwG 1 C 17.03 zur Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung BVerwGE vorgesehen).
Es kommt vielmehr darauf an, ob ein Staat einem Staatenlosen, der im Staatsgebiet seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte (vgl. § 3 AsylVfG), die Wiedereinreise "aus nichtpolitischen Gründen" verweigert, ob die Verweigerung also auf Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder auf die politische Überzeugung zielt (so ausdrücklich BVerwG…, Urteil vom 15.10.1985, a.a.O., m.w.N.; ähnlich auch Urteil vom 22.02.2005, a.a.O.).
Das Urteil des Berufungsgerichts weicht, wie die Beschwerde zu Recht geltend macht, von der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ab (Urteile vom 24. Oktober 1995 BVerwG 9 C 3.95 Buchholz 402.25 § 1 AsylVfG Nr. 180 und vom 22. Februar 2005 BVerwG 1 C 17.03 BVerwGE 123, 18; vgl. auch Urteil vom 8. Februar 2005 BVerwG 1 C 29.03 BVerwGE 122, 376 = Buchholz 402.242 § 60 Abs. 1 AufenthG Nr. 1).
Zur Förderung des weiteren Verfahrens und zu der Rüge in der Revisionsbegründung (unter II., S. 3) bemerkt der Senat, dass der Verwaltungsgerichtshof dem Vortrag der Kläger dazu, dass sie nicht syrische Staatsangehörige, sondern staatenlose Kurden oder türkische Staatsangehörige seien, nachgehen muss (vgl. insbesondere Urteil vom 8. Februar 2005 - BVerwG 1 C 29.03 - InfAuslR 2005, 339, 341; Urteil vom 22. Februar 2005 - BVerwG 1 C 17.03 - ; beide zur Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung BVerwGE vorgesehen und Urteil vom 12. April 2005 - BVerwG 1 C 3.04 - ).
In dem ebenfalls zitierten Urteil vom 22. Februar 2005 a.a.O. hat der Senat ferner dargelegt, welche Folgen sich dann ergeben, wenn festgestellt wird, dass die Kläger staatenlose Kurden sind, denen der syrische Staat dauerhaft die Wiedereinreise aus nicht asylerheblichen Gründen verweigert.
Die Frage, ob dem Staatenlosen auf seinem Territorium politische Verfolgung droht, wird mit Blick auf die Flüchtlingsanerkennung gegenstandslos (…vgl. Urteile vom 15. Oktober 1985 BVerwG 9 C 30.85 Buchholz 402.25 § 1 AsylVfG Nr. 39 S. 122 , vom 24. Oktober 1995 BVerwG 9 C 3.95 Buchholz 402.25 § 1 AsylVfG Nr. 180 S. 61 und vom 22. Februar 2005 BVerwG 1 C 17.03 BVerwGE 123, 18 ).

References: § 26
 § 60
 § 26
 § 26
 Art. 16
 § 60
 § 52
 § 52
 § 52
 § 27
 § 26
 § 27
 § 1
 § 60
 § 60
 § 3
 § 1
 § 60
 § 1
 § 1