Source: https://openjur.de/u/183976.html
Timestamp: 2019-10-19 01:00:30+00:00

Document:
BVerfG, Beschluss vom 16.07.1998 - 2 BvR 1953/95 - openJur
Die Verfassungsbeschwerde wird zurück-gewiesen.
(vgl. Frowein, AöR 99 [1974], S. 72 <81>; v. Münch, in: ders./Kunig, GG, 3. Aufl., Art. 38 Rn. 48; v. Mangoldt/Klein, Das Bonner Grundgesetz, 2. Aufl., 1957, Bd. I, S. 194 und S. 201 f.; dies. Bd. II,
2. Aufl., 1964, S. 883; Jarass/Pieroth, GG, 4. Aufl., Art. 38 Rn. 7; Magiera, in:
Sachs, GG, Art. 38 Rn. 92; Murswiek, JZ 1979, S. 48 <50>; Roth, DVBl 1998, S. 214 <216 f.>; wohl auch Heun in: Dreier, GG, Art. 3 Rn. 85 u. 126).
Mit dieser Qualifizierung als Spezialregelungen stehen aber die
Rechtsfolgen für die Anwendbarkeit des allgemeinen Gleichheitssatzes noch
nicht fest. Die Rechtsordnung kennt zur Auflösung derartiger
Konkurrenzlagen keine allgemeinen Regeln (vgl. Bleckmann/Wiethoff, DÖV
1991, S. 722 <724 f. u. 729>; ferner Hillgruber, MedR 1998, S. 201 <204>). Es
mag zwar naheliegen, daß den besonderen Gleichheitssätzen des
Grundgesetzes eine je eigenständige normative Funktion zukommt, weil der
Verfassunggeber anderenfalls eine überflüssige Regelung getroffen
hätte (vgl. Sachs in: Isensee/Kirchhof, Handbuch des Staatsrechts, Bd. V,
§ 126 Rn. 16). Gleichwohl kann die Frage, ob im Sachbereich eines speziellen
Gleichheitssatzes ein Rückgriff auf Art. 3 Abs. 1 GG zulässig ist,
jeweils nur durch Auslegung geklärt werden. Dabei darf eine
Verfassungsnorm nicht isoliert betrachtet und allein aus sich heraus ausgelegt
werden; sie steht in einem Sinnzusammenhang mit den übrigen Vorschriften
der Verfassung (BVerfGE 1, 14 <32>).
Allgemeinheit und Gleichheit sichern die vom Demokratieprinzip
vorausgesetzte Egalität der Staatsbürger
(vgl. BVerfGE 41, 399
<413>; 51, 222 <234>; 71, 81 <94>; 85, 148 <158>).
(vgl. dazu und zum folgenden Meyer, a.a.O., S. 83 ff.; ferner
Frowein, Rechtsgutachten zu der Vereinbarkeit der Verhältniswahl in
kleinen Wahlkreisen [Dreier-Wahlkreissystem] mit dem Grundgesetz, 1968, S. 29
Fußn. 12 unter Bezugnahme auf Holtzendorff in: Encyclopädie der
Rechtswissenschaft, 2. Aufl., 1873, S. 811).
(vgl. schriftlicher Bericht des Rechtsausschusses v. 15.
November 1968, BTDrucks. V/3506 [neu]; BRDrucks. 673/68 v. 5. Dezember
(vgl. Schiffers, Grundlegung der Verfassungsgerichtsbarkeit -
Das Gesetz über das Bundesverfassungsgericht vom 12. März 1951, 1984,
S. 207, S. 311 f., S. 348 sowie S. 267 mit Fußn. 30).
(so die vom Bundesminister der Justiz eingesetzte
Entlastungskommission, die deshalb sogar für eine Streichung von Art. 93
Abs. 1 Nr. 4, 3. Variante GG eintritt; vgl. Bundesministerium der Justiz
<Hrsg.>, Entlastung des Bundesverfassungsgerichts, Bericht der vom
Bundesminister der Justiz eingesetzten Kommission, 1998, S. 94).
(vgl. dazu etwa BVerwG, Beschlüsse vom 24. Juni 1997 -
BVerwG 8 B 92.97, vom 18. April 1997 - BVerwG 8 C 5.96, vom 16. Juli 1996
- BVerwG 8 PKH 10.96, Urteil vom 29. November 1991 - BVerwG 7 C 13.91 -,
Buchholz 160 Nrn. 46, 40, 44 und 35).
Permalink: https://openjur.de/u/183976.html (https://oj.is/183976)

References: Art. 38
 Art. 38
 Art. 38
 Art. 3

§ 126
 Art. 3
 Art. 93