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Timestamp: 2020-02-19 22:11:06+00:00

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Still­le­gung einer durch Betriebs­ver­ein­ba­rung gewill­kür­ten Betriebs­ein­heit – und die Kün­di­gung eines Betriebs­rats­mit­glieds | Rechtslupe
Stilllegung einer durch Betriebsvereinbarung gewillkürten Betriebseinheit - und die Kündigung eines Betriebsratsmitglieds
Die ordent­li­che Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses einer nach § 15 Abs. 1 bis Abs. 3a KSchG geschütz­ten Per­son 1 ist gemäß § 15 Abs. 4 KSchG ohne beson­de­re Vor­aus­set­zun­gen zuläs­sig, wenn "der Betrieb" still­ge­legt wird.
§ 15 KSchG ent­hält eben­so wie das gesam­te Kün­di­gungs­schutz­ge­setz kei­ne eige­ne Defi­ni­ti­on des Betriebs­be­griffs. Es gilt daher der all­ge­mei­ne Betriebs­be­griff, der im Wesent­li­chen dem­je­ni­gen des § 1 Abs. 1 Satz 1 BetrVG ent­spricht 2.
Danach ist der Betrieb die orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit von Arbeits­mit­teln, mit deren Hil­fe der Arbeit­ge­ber allein oder in Gemein­schaft mit sei­nen Arbeit­neh­mern unter Ein­satz von tech­ni­schen und imma­te­ri­el­len Mit­teln einen bestimm­ten arbeits­tech­ni­schen Zweck fort­ge­setzt ver­folgt, der nicht nur in der Befrie­di­gung von Eigen­be­darf liegt 3.
Eine auf­grund einer Ver­ein­ba­rung nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG errich­te­te betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit stellt für sich genom­men ohne ent­spre­chen­de Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur kei­nen Betrieb iSd. § 1 Abs. 1 Satz 1 BetrVG dar. Die Betei­lig­ten schaf­fen mit einer Ver­ein­ba­rung nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG gera­de eine von den tat­säch­li­chen betrieb­li­chen Struk­tu­ren abwei­chen­de betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Ord­nung und lösen den Betriebs­rat vom "Betrieb als aus­schließ­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­ba­sis" ab 4.
Bei der durch Tarif­ver­trag oder Betriebs­ver­ein­ba­rung gewill­kür­ten Ein­heit han­delt es sich ledig­lich um die nach § 3 Abs. 5 Satz 1 BetrVG aus­drück­lich auf das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz begrenz­te Fik­ti­on eines Betriebs, die für das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz ohne Bedeu­tung ist 5. Das gilt auch für § 15 KSchG. Zwar ent­hält der Zwei­te Abschnitt des Kün­di­gungs­schutz­ge­set­zes Bestim­mun­gen zum "Kün­di­gungs­schutz im Rah­men der Betriebs­ver­fas­sung". Das ändert aber nichts dar­an, dass die Vor­schrift im Kün­di­gungs­schutz­ge­setz ver­or­tet ist. Es kann nicht ange­nom­men wer­den, der his­to­ri­sche Gesetz­ge­ber des § 3 Abs. 5 Satz 1 BetrVG habe die Fik­ti­ons­wir­kung über den ein­deu­ti­gen Wort­laut der Norm hin­aus auf § 15 KSchG als eine betriebs­ver­fas­sungs­recht­lich gepräg­te Vor­schrift außer­halb des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes 6 erstre­cken wol­len. Es erscheint aus­ge­schlos­sen, dass er § 15 KSchG über­se­hen hat. § 3 Abs. 5 BetrVG ist durch das Gesetz zur Reform der Betriebs­ver­fas­sung vom 23.07.2001 7 im Zusam­men­hang mit einer erheb­li­chen Aus­wei­tung der Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten der Kol­lek­tiv­par­tei­en in das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz auf­ge­nom­men wor­den. Durch das glei­che Gesetz ist § 15 KSchG um sei­nen Wahl­in­itia­to­ren betref­fen­den Abs. 3a ergänzt wor­den. Der Gesetz­ge­ber muss­te des­halb die für den bestands­recht­li­chen Schutz von Orga­nen der Betriebs­ver­fas­sung zen­tra­le Norm des § 15 KSchG deut­lich vor Augen haben. Das belegt die zeit­gleich ein­ge­führ­te Rege­lung in § 3 Abs. 5 Satz 2 BetrVG über die Rechts­stel­lung der Mit­glie­der eines Betriebs­rats, die gera­de auch die betref­fen­den Vor­schrif­ten des Kün­di­gungs­schutz­ge­set­zes für anwend­bar erklärt.
Aus § 3 Abs. 5 Satz 2 BetrVG folgt eben­falls nicht, dass die nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG errich­te­ten betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten zuguns­ten der Mit­glie­der der "in ihnen" gebil­de­ten Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen als "Betrieb" iSv. § 15 Abs. 4 KSchG zu gel­ten hät­ten. § 3 Abs. 5 Satz 2 BetrVG betrifft nur die per­sön­li­che Rechts­stel­lung der Mit­glie­der eines gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG gewähl­ten Betriebs­rats. Die Norm ent­hält kei­ne Aus­sa­ge dar­über, auf wel­che Ein­heit bei der Prü­fung einer Betriebs­still­le­gung abzu­stel­len ist. Ihren Vor­ga­ben wird dadurch genügt, dass die Gre­mi­en­mit­glie­der bezo­gen auf die Still­le­gung eines Betriebs iSd. all­ge­mei­nen Betriebs­be­griffs den glei­chen Schutz genie­ßen wie die Mit­glie­der eines nach § 1 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2, Abs. 2 BetrVG errich­te­ten Betriebs­rats.
Der Annah­me, eine gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG gebil­de­te betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit sei als Betrieb iSv. § 15 Abs. 4 KSchG anzu­se­hen, stün­den auch die Rechts­po­si­tio­nen der in ande­ren, nicht von der Still­le­gung betrof­fe­nen Betrie­ben beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer ent­ge­gen.
Ordent­li­che Kün­di­gun­gen, die vom Arbeit­ge­ber auf § 15 Abs. 4 KSchG gestützt wer­den, sind Kün­di­gun­gen aus drin­gen­den betrieb­li­chen Grün­den iSv. § 1 Abs. 2 und Abs. 3 KSchG 8. Die Anwend­bar­keit von § 15 Abs. 4 KSchG muss des­halb im Kon­text die­ser Bestim­mun­gen beur­teilt wer­den, die ins­ge­samt der indi­vi­du­al­recht­li­chen Zuwei­sung von Beschäf­ti­gungs­ri­si­ken für die betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer die­nen 9.
Das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz wird gekenn­zeich­net durch eine im Wesent­li­chen auf den Beschäf­ti­gungs­be­trieb loka­li­sier­te Betrach­tungs­wei­se 10. Nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG muss die Kün­di­gung bedingt sein durch drin­gen­de betrieb­li­che Erfor­der­nis­se, die einer Wei­ter­be­schäf­ti­gung des Arbeit­neh­mers in die­sem Betrieb ent­ge­gen­ste­hen. Steht dies fest, ist die Kün­di­gung gemäß § 1 Abs. 2 Satz 2 KSchG gleich­wohl sozi­al unge­recht­fer­tigt, wenn der Arbeit­neh­mer an einem ande­ren Arbeits­platz in dem­sel­ben Betrieb oder in einem ande­ren Betrieb des Unter­neh­mens wei­ter­be­schäf­tigt wer­den kann. § 1 Abs. 2 Satz 2 KSchG ent­hält eine Aus­nah­me­re­ge­lung als Aus­prä­gung des ulti­ma-ratio-Grund­sat­zes und betrifft nur freie Arbeits­plät­ze 11. Es erfolgt dem­entspre­chend kei­ne betriebs­über­grei­fen­de "Ver­drän­gung" von Arbeit­neh­mern. Zu einer "Ver­drän­gung" kann es nur nach den Grund­sät­zen der Sozi­al­aus­wahl gemäß § 1 Abs. 3 KSchG kom­men. Die Sozi­al­aus­wahl erfolgt stets inner­halb des Betriebs. Sie erstreckt sich auch dann nicht auf Arbeit­neh­mer ande­rer Betrie­be des Unter­neh­mens, wenn eine betriebs­über­grei­fen­de Ver­set­zungs­klau­sel ver­ein­bart ist 12. Zum einen wirk­te eine betriebs­über­grei­fen­de Ver­set­zungs­klau­sel ansons­ten als Ver­trag zulas­ten Drit­ter. Zum ande­ren besteht für Arbeit­neh­mer ande­rer Betrie­be kein auf ihren Beschäf­ti­gungs­be­trieb bezo­ge­nes Erfor­der­nis, das eine Kün­di­gung nach § 1 Abs. 2 KSchG sozi­al recht­fer­ti­gen könn­te 13. Damit ist das Kün­di­gungs­ri­si­ko im Sinn einer gegen­sei­ti­gen "Ver­drän­gung" strikt auf sol­che Arbeit­neh­mer begrenzt, die in dem­sel­ben Betrieb beschäf­tigt sind. Zwar kann es sogar zu einer rechts­trä­ger­über­grei­fen­den Sozi­al­aus­wahl kom­men, wenn meh­re­re Unter­neh­men einen gemein­sa­men Betrieb füh­ren (vgl. § 1 Abs. 1 Satz 2 BetrVG). Damit wird der Betriebs­be­zug der Sozi­al­aus­wahl aber nicht auf­ge­ge­ben, son­dern wegen der ein­heit­li­chen Betriebs­struk­tur gera­de auf­recht­erhal­ten. Hin­ge­gen schei­det eine unter­neh­mens­über­grei­fen­de "Ver­drän­gung" aus, wenn der gemein­sa­me Betrieb bei Zugang der Kün­di­gung auf­ge­löst ist oder fest­steht, dass er bei Ablauf der Kün­di­gungs­frist still­ge­legt sein wird. Man­gels gemein­sa­mer Lei­tungs­struk­tur ist der Unter­neh­mer des still­zu­le­gen­den Betriebs dann nicht mehr recht­lich in der Lage, eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung im fort­ge­führ­ten Betrieb des ande­ren Unter­neh­mens durch­zu­set­zen 14.
In den in § 15 Abs. 1 bis Abs. 3a KSchG bestimm­ten Fäl­len kommt regel­mä­ßig nur eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung in Betracht, die zudem ggf. der Zustim­mung des Betriebs­rats nach § 103 BetrVG bedarf. Die geschütz­ten Per­so­nen sol­len mit Rück­sicht auf ihre beson­de­re Stel­lung grund­sätz­lich von der Bedro­hung durch eine ordent­li­che Kün­di­gung aus­ge­nom­men sein 15. Eine sol­che ist aller­dings aus­nahms­wei­se zuläs­sig, wenn der Arbeit­ge­ber einen Betrieb (§ 15 Abs. 4 KSchG) oder doch eine Betriebs­ab­tei­lung (§ 15 Abs. 5 KSchG) still­legt. Der Gesetz­ge­ber hat die wegen der Still­le­gung aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung für in der Regel "unver­däch­tig" erach­tet und typi­sie­rend ange­nom­men, es gehe dem Arbeit­ge­ber nicht (nur) dar­um, sich von unlieb­sa­men Akteu­ren der Betriebs­ver­fas­sung zu tren­nen. Dem­entspre­chend hat er es bei der Anknüp­fung des Kün­di­gungs­schut­zes an den Beschäf­ti­gungs­be­trieb belas­sen. Wird die­ser ins­ge­samt still­ge­legt, kann das Arbeits­ver­hält­nis einer geschütz­ten Per­son zum Zeit­punkt der Still­le­gung nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen aus drin­gen­den betrieb­li­chen Erfor­der­nis­sen gekün­digt wer­den. Der Amts­trä­ger kann – wie ande­re betriebs­an­ge­hö­ri­ge Arbeit­neh­mer – nur ver­lan­gen, auf einem Arbeits­platz in einem ande­ren Betrieb des Unter­neh­mens beschäf­tigt zu wer­den, wenn die­ser frei ist (§ 1 Abs. 2 Satz 2 KSchG). Eine betriebs­über­grei­fen­de "Ver­drän­gung" von Arbeit­neh­mern fin­det nicht statt. Wird "ledig­lich" eine Abtei­lung des Beschäf­ti­gungs­be­triebs geschlos­sen, wer­den die betref­fen­den geschütz­ten Per­so­nen gegen­über den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen allein durch die Pflicht des Arbeit­ge­bers bes­ser­ge­stellt, sie in eine ande­re Betriebs­ab­tei­lung zu über­neh­men (§ 15 Abs. 5 Satz 1 KSchG). Die beson­de­re Über­nah­me­pflicht bezieht sich ggf. auch auf nicht freie Arbeits­plät­ze 16. Sie hat zur Fol­ge, dass nach § 15 Abs. 1 bis Abs. 3a KSchG geschütz­te Per­so­nen ande­re Arbeit­neh­mer des­sel­ben Betriebs nicht nur nach den Grund­sät­zen der Sozi­al­aus­wahl, also nicht bloß inner­halb der Gren­zen ihres bestehen­den Arbeits­ver­trags und nicht allein nach den durch § 1 Abs. 3 KSchG vor­ge­ge­be­nen Kri­te­ri­en "ver­drän­gen" kön­nen. Bei­des ändert indes nichts dar­an, dass eine den Beschäf­ti­gungs­be­trieb über­stei­gen­de "Ver­drän­gung" von Arbeit­neh­mern in den § 15 Abs. 4 und Abs. 5 KSchG zugrun­de lie­gen­den Fäl­len nicht statt­fin­det. Dies gilt glei­cher­ma­ßen, wenn meh­re­re Unter­neh­men einen Gemein­schafts­be­trieb iSd. § 1 Abs. 1 Satz 2 BetrVG füh­ren. Auch dann bil­den aus­schließ­lich Arbeit­neh­mer ein und des­sel­ben Betriebs eine "Risi­ko­ge­mein­schaft" 17. Über­dies liegt ein Fall der Betriebs­still­le­gung iSv. § 15 Abs. 4 KSchG vor, wenn eines der an dem gemein­sa­men Betrieb betei­lig­ten Unter­neh­men sei­nen Betrieb bei Zugang der Kün­di­gung still­ge­legt hat oder im Kün­di­gungs­zeit­punkt fest­steht, dass er bei Ablauf der Kün­di­gungs­frist still­ge­legt sein wird 18.
Wäre eine betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG hin­ge­gen als "Betrieb" iSv. § 15 Abs. 4 KSchG anzu­se­hen, bedeu­te­te dies einen Bruch mit dem all­ge­mei­nen Prin­zip, dass kei­ne "Ver­drän­gung" von Arbeit­neh­mern über die Gren­zen ihres Beschäf­ti­gungs­be­triebs hin­weg statt­fin­det. Da ein Betrieb iSd. all­ge­mei­nen Betriebs­be­griffs durch eine kol­lek­tiv­recht­li­che Ver­ein­ba­rung nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG nicht sei­ner Iden­ti­tät beraubt wird 19 und er des­halb zumin­dest als "Abtei­lung" der gewill­kür­ten betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit anzu­se­hen wäre, blie­ben die durch § 15 Abs. 1 bis Abs. 3a KSchG geschütz­ten Per­so­nen im Fall der Still­le­gung (nur) ihres Beschäf­ti­gungs­be­triebs nicht etwa ordent­lich unkünd­bar. Viel­mehr käme dann eine ordent­li­che Kün­di­gung nach § 15 Abs. 5 KSchG in Betracht. Es bestün­de ggf. die Pflicht des Arbeit­ge­bers, das Arbeits­ver­hält­nis mit einem "eigent­lich" in einem ande­ren Betrieb täti­gen Arbeit­neh­mer zu been­den, um die geschütz­te Per­son auf dem "frei­ge­mach­ten" Arbeits­platz wei­ter­be­schäf­ti­gen zu kön­nen. Dafür gäbe es wohl kein drin­gen­des, auf sei­nen Beschäf­ti­gungs­be­trieb bezo­ge­nes Erfor­der­nis, das eine Kün­di­gung nach § 1 Abs. 2 KSchG sozi­al recht­fer­ti­gen könn­te 20. Woll­te man anneh­men, der Kün­di­gungs­grund lie­ge inso­fern in § 15 KSchG, gin­ge eine Rege­lung nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG zulas­ten von Arbeit­neh­mern, die ohne eine sol­che vom Weg­fall des Beschäf­ti­gungs­be­darfs in einem ande­ren Betrieb nicht betrof­fen wären. Die von § 3 BetrVG bezweck­te Ver­bes­se­rung der betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­tre­tung ihrer Inter­es­sen wirk­te sich dann als Ver­schlech­te­rung ihrer bestands­recht­li­chen Posi­ti­on aus. Die­se Kon­se­quenz hät­te einer aus­drück­li­chen Anord­nung bedurft, an der es gera­de fehlt 21, weil die Fik­ti­on des § 3 Abs. 5 Satz 1 BetrVG auf die Rege­lun­gen des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes begrenzt ist.
In den Fäl­len des § 3 Abs. 1 Nr. 2 und Nr. 3 BetrVG stün­de der Arbeit­ge­ber zudem vor einem unlös­ba­ren Pro­blem. Er könn­te die ggf. gefor­der­te Über­nah­me einer geschütz­ten Per­son in einen ande­ren Betrieb eines ande­ren Rechts­trä­gers, zumal unter "Frei­kün­di­gen" eines dor­ti­gen Arbeits­plat­zes – regel­mä­ßig nicht durch­set­zen. Für eine ent­spre­chen­de Rechts­macht böte eine auf die betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­tre­tungs­struk­tu­ren beschränk­te Ver­ein­ba­rung nach § 3 Abs. 1 Nr. 2 oder Nr. 3 BetrVG für sich genom­men kei­ne Grund­la­ge.
Es wäre über­dies wider­sprüch­lich, auch dann eine rechts­trä­ger­über­grei­fen­de Über­nah­me­pflicht anzu­neh­men, wenn ein an eine Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­rung gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 2 oder Nr. 3 BetrVG gebun­de­ner Arbeit­ge­ber sei­nen (ein­zi­gen) der betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit ange­hö­ren­den Betrieb still­leg­te. Man hiel­te ihn dann an einer Ver­ein­ba­rung nach § 3 Abs. 1 Nr. 2 oder Nr. 3 BetrVG und der blo­ßen Fik­ti­on eines rechts­trä­ger­über­grei­fen­den Betriebs stär­ker fest als an der Abre­de, einen "ech­ten" gemein­sa­men Betrieb zu füh­ren.
Durch die am kün­di­gungs­recht­li­chen Betriebs­be­griff ori­en­tier­te Aus­le­gung wird der Zweck von § 15 KSchG nicht beein­träch­tigt.
Die Vor­schrift soll zum einen den dort geschütz­ten Per­so­nen die erfor­der­li­che Unab­hän­gig­keit bei der Aus­übung ihres Amts gewähr­leis­ten 15. Sie sol­len nicht aus Furcht vor einer ordent­li­chen Kün­di­gung davor zurück­schre­cken, Auf­ga­ben im Rah­men des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes zu über­neh­men oder über­nom­me­ne Auf­ga­ben ord­nungs­ge­mäß wahr­zu­neh­men, auch wenn dabei Kon­flik­te mit dem Arbeit­ge­ber aus­zu­tra­gen sind 22. Die­ser Zweck wird auch erreicht, wenn die nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG gebil­de­te betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit für sich genom­men kei­nen "Betrieb" iSv. § 15 KSchG dar­stellt. Es ver­bleibt bei dem Grund­satz der ordent­li­chen Unkünd­bar­keit. § 15 Abs. 4 und Abs. 5 KSchG gelan­gen wei­ter­hin nur zur Anwen­dung, wenn ein Betrieb oder doch eine Betriebs­ab­tei­lung iSd. all­ge­mei­nen Begrif­fe still­ge­legt wird. Die­se Fäl­le hat der Gesetz­ge­ber bei typi­sie­ren­der Betrach­tung für "unver­däch­tig" gehal­ten. An die­ser Ein­schät­zung ändert eine abwei­chen­de Ver­ein­ba­rung nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG nichts.
§ 15 KSchG soll zum ande­ren die Kon­ti­nui­tät der Betriebs­rats­ar­beit sichern 15 und das Kol­le­gi­al­or­gan für die Dau­er der Wahl­pe­ri­ode vor einer per­so­nel­len Aus­zeh­rung schüt­zen 23. Auch inso­fern gilt, dass es nur bei Still­le­gung eines Betriebs (§ 15 Abs. 4 KSchG) oder doch einer Betriebs­ab­tei­lung (§ 15 Abs. 5 KSchG) iSd. all­ge­mei­nen Begrif­fe zu einer per­so­nel­len Aus­dün­nung des Gre­mi­ums durch den Aus­spruch ordent­li­cher Kün­di­gun­gen kom­men kann. Inso­weit gilt eben­falls das glei­che Schutz­ni­veau, wie es ohne eine Ver­ein­ba­rung nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG bestün­de.
Ent­ge­gen Mückl 24 lässt sich aus einem Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 04.11.2004 25 nicht fol­gern, der zwei­te Zweck von § 15 KSchG ver­lan­ge, stets auf die Ein­heit abzu­stel­len, für die ein Betriebs­rat gewählt wur­de. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat dort eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung von § 15 Abs. 5 KSchG vor­ge­nom­men. Er hat gemeint, bei der Still­le­gung eines Betriebs­teils, der nach § 4 Abs. 1 Satz 1 BetrVG als selbst­stän­di­ger Betrieb gilt und für den ein eige­ner Betriebs­rat errich­tet wur­de, bestehe kei­ne Über­nah­me­pflicht nach § 15 Abs. 5 KSchG in den Haupt­be­trieb. Mit der Still­le­gung des gesetz­lich fin­gier­ten Betriebs ende das Amt des für ihn errich­te­ten Betriebs­rats. Bestün­de eine Über­nah­me­pflicht, wür­den des­sen Mit­glie­der in eine betrieb­li­che Ein­heit wech­seln, der sie zuvor nicht ange­hört und deren Beleg­schaft sie nicht reprä­sen­tiert haben. Der Schutz­zweck von § 15 KSchG wür­de ver­fehlt. Dies besagt nicht umge­kehrt, der Gesetz­ge­ber müs­se mit § 15 KSchG das Ziel ver­folgt haben, die Kon­ti­nui­tät der Betriebs­rats­ar­beit umfas­send und gleich­sam "um jeden Preis", also auch dann zu gewähr­leis­ten, wenn in "unver­däch­ti­gen" Fäl­len auf­grund einer Abre­de der Kol­lek­tiv­part­ner die bestands­recht­li­che Posi­ti­on von nicht durch § 15 Abs. 1 bis Abs. 3a KSchG geschütz­ten Arbeit­neh­mern ver­schlech­tert wür­de. Das gilt umso mehr, als nach das Bun­des­ar­beits­ge­richts­recht­spre­chung die Über­nah­me­pflicht gemäß § 15 Abs. 5 KSchG grund­sätz­lich für alle nach § 15 Abs. 1 bis Abs. 3a KSchG geschütz­ten Per­so­nen gilt 26, also ua. auch für ehe­ma­li­ge Betriebs­rats­mit­glie­der sowie Wahl­be­wer­ber, Mit­glie­der des Wahl­vor­stands und Wahl­in­itia­to­ren im jewei­li­gen Nach­wir­kungs­zeit­raum. Inso­weit kann es zumin­dest nicht unmit­tel­bar um den Schutz der per­so­nel­len Zusam­men­set­zung (noch) bestehen­der Gre­mi­en gehen. Dies spricht gleich­falls dafür, dass der Gesetz­ge­ber eine mög­li­che "Ver­drän­gung" durch eine beson­de­re Über­nah­me­pflicht nur in den Gren­zen eines Betriebs iSd. § 1 Abs. 1 Satz 1 BetrVG und ggf. sogar nur inner­halb des Betriebs­teils iSd. § 4 Abs. 1 Satz 1 BetrVG zulas­sen woll­te, für den die geschütz­te Per­son Auf­ga­ben der Betriebs­ver­fas­sung über­nom­men hat. Hier­nach bedarf es kei­ner Ent­schei­dung, ob der Zweck des § 15 KSchG ledig­lich dann voll­stän­dig erreicht wür­de, wenn selbst feh­ler­haf­te, aber nicht ange­foch­te­ne (§ 19 BetrVG) Betriebs­bil­dun­gen zulas­ten "nor­ma­ler" Arbeit­neh­mer auf die kün­di­gungs­recht­li­che Ebe­ne durch­schlü­gen 21.
Ein ande­res Ergeb­nis lässt sich schließ­lich nicht mit dem Ein­wand begrün­den, inner­halb einer betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG könn­ten unlieb­sa­me Betriebs­rats­mit­glie­der ohne das Erfor­der­nis einer Zustim­mung des Gre­mi­ums gemäß § 103 Abs. 3 BetrVG in einen zur Still­le­gung vor­ge­se­he­nen Betrieb ver­setzt wer­den, weil ein "Betriebs­wech­sel" in die­sen Fäl­len nicht zum Ver­lust des Amts füh­re. Zunächst gilt § 103 Abs. 3 BetrVG nur für Ver­set­zun­gen kraft Direk­ti­ons­rechts nach § 106 GewO. Bei Ver­set­zun­gen, die einer außer­or­dent­li­chen Ände­rungs­kün­di­gung bedür­fen, bleibt es bei dem Zustim­mungs­er­for­der­nis gemäß § 103 Abs. 1 und Abs. 2 BetrVG 27. Eine ordent­li­che Ände­rungs­kün­di­gung kommt ledig­lich unter den Vor­aus­set­zun­gen von § 15 Abs. 4 oder Abs. 5 KSchG in Betracht 28. Eine rechts­trä­ger­über­grei­fen­de Ver­set­zung wird regel­mä­ßig weder vom Direk­ti­ons­recht des Ver­trags­ar­beit­ge­bers gedeckt sein noch könn­te sie von ihm durch eine Ände­rungs­kün­di­gung bewirkt wer­den. Soweit die Ver­set­zung eines Betriebs­rats­mit­glieds sich inner­halb einer betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit und in den Gren­zen des bestehen­den Arbeits­ver­trags voll­zö­ge, wäre sie nach § 78 Satz 2 BetrVG iVm. § 134 BGB gleich­wohl nich­tig, wenn sie das allei­ni­ge Ziel ver­folg­te, sich durch eine anschlie­ßen­de Betriebs­still­le­gung des betref­fen­den Man­dats­trä­gers ent­le­di­gen zu kön­nen. Zugleich ent­sprä­che eine sol­che Maß­nah­me nicht bil­li­gem Ermes­sen iSv. § 106 GewO.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Okto­ber 2019 – 2 AZR 85/​19
die Nicht­er­wäh­nung von § 15 Abs. 3a KSchG beruht auf einem Redak­ti­ons­ver­se­hen, BAG 4.11.2004 – 2 AZR 96/​04, zu B I 2 der Grün­de[↩]
BAG 19.07.2016 – 2 AZR 468/​15, Rn. 12[↩]
BAG 2.03.2017 – 2 AZR 427/​16, Rn. 15[↩]
BT-Drs. 14/​5741 S. 33[↩]
BAG 31.05.2007 – 2 AZR 276/​06, Rn. 18, BAGE 123, 1[↩]
zu § 17 Abs. 2 KSchG BAG 22.09.2016 – 2 AZR 276/​16, Rn. 37, BAGE 157, 1[↩]
BAG 14.10.1982 – 2 AZR 568/​80, zu B II 1 der Grün­de, BAGE 41, 72[↩]
vgl. Preis RdA 2000, 257, 264[↩]
BAG 14.10.1982 – 2 AZR 568/​80, zu B II 3 a der Grün­de, BAGE 41, 72[↩]
BAG 31.05.2007 – 2 AZR 276/​06 ‑Rn. 16, BAGE 123, 1; 15.12 2005 – 6 AZR 199/​05, Rn. 24[↩]
BAG 31.05.2007 – 2 AZR 276/​06 – aaO; 15.12 2005 – 6 AZR 199/​05 – aaO[↩]
BAG 31.05.2007 – 2 AZR 276/​06 – aaO[↩]
vgl. BAG 18.10.2012 – 6 AZR 41/​11, Rn. 53; 23.03.2006 – 2 AZR 162/​05, Rn. 35[↩]
BAG 21.06.2012 – 2 AZR 343/​11, Rn. 13[↩][↩][↩]
BAG 23.02.2010 – 2 AZR 656/​08, Rn. 37, BAGE 133, 226; 13.06.2002 – 2 AZR 391/​01, zu B I 3 a der Grün­de, BAGE 101, 328[↩]
vgl. Thü­s­ing ZIP 2003, 693, 705[↩]
vgl. BAG 5.03.1987 – 2 AZR 623/​85, zu B II bis IV der Grün­de, BAGE 55, 117[↩]
zu § 1 BetrVG vgl. BAG 7.06.2011 – 1 ABR 110/​09, Rn. 14; 18.03.2008 – 1 ABR 3/​07, Rn. 28, BAGE 126, 161[↩]
vgl. Rn. 24[↩]
vgl. Preis RdA 2000, 257, 263[↩][↩]
BAG 29.08.2013 – 2 AZR 419/​12, Rn. 29[↩]
BAG 23.02.2010 – 2 AZR 656/​08, Rn. 43, BAGE 133, 226[↩]
Mückl, DB 2010, 2615, 2618[↩]
BAG 4.11.2004 – 2 AZR 96/​04, zu B II 2 b der Grün­de[↩]
vgl. BAG 12.03.2009 – 2 AZR 47/​08, Rn. 25 ff.[↩]
Fit­ting 29. Aufl. § 103 Rn. 65[↩]
vgl. BAG 12.03.2009 – 2 AZR 47/​08, Rn. 17 ff.; APS/​Linck 5. Aufl. BetrVG § 103 Rn. 53[↩]
Außerordentliche betriebsbedingte KündigungBetriebsbedingte KündigungBetriebsratBetriebsstilllegungBetriebsteilBetriebsvereinbarungKündigungKündigungsschutzStilllegung

References: § 15
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 § 4
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 § 3
 § 103
 § 103
 § 106
 § 103
 § 15
 § 78
 § 134
 § 106
 § 15
 § 17
 § 1
 § 103
 § 103