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Timestamp: 2017-06-25 10:31:09+00:00

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Der Name Absang wird in der Literatur unterschiedlich erklärt:
Nach Georg Brückner ist der Name auf die sich zur Selbitz absenkende Bergwand zurückzuführen.
Sieber erklärt in seiner Beschreibung der Reußischen Forsten Absang als eine durch Feuer (absengen) bewirkte Rodung.
Pfarrer Goldhahn aus Harra hingegen erläutert im Mareile vom Juli 1929, dass die volkstümliche Bezeichnung von Absang Moos- oder Maasanger, wahrscheinlicher aber Aasanger war und brachte den Ort mit dem Schindanger als Richtstätte in Verbindung.
Bei Absang, gleich oberhalb von Blankenstein, treffen wir auf eine streckenmäßig geringe Abweichung des Rennsteiges von seinem Originalverlauf. Der geänderte Verlauf und die Originalstrecke sind eindeutig und ohne umfangreiche Nachforschungen nachvollziehbar. Im Zuge der Neuvermessung des Rennsteiges wurden dabei folgende Messwerte ermittelt:
Originalrennsteig: 343,25 m
Umgehung: 454,97 m
Die Umverlegung erfolgte in guter Absicht, offenbar aufgrund des starken Fahrverkehrs, besonders durch die Holztransporte zur Blankensteiner Zellstofffabrik. Eine Abstimmung mit dem Rennsteigverein erfolgte offensichtlich nicht. Die neue Trasse wendet sich ca. 130 m vor dem Einzelgehöft an der Straße (dem ursprünglichen Rennsteigverlauf) in westliche Richtung auf einen Schotterweg, der zum Bärwinkel führt. Nach etwa 170 m biegen wir im weiteren Verlauf in Richtung Nordwesten ab und passieren den rechts vom Weg liegenden Hof von Absang. Der Schotterweg wendet sich unmittelbar nach dem Hof in nördlicher Richtung und trifft nach 180 m wieder auf den Originalrennsteig, die Fahrstraße von Blankenstein nach Kießling. Aufgrund der verkehrsberuhigten Lage der Ausweichtrasse, ist diese Wegführung der Begehung der Originaltrasse vorzuziehen.
Strassenverlauf: Originalrennsteig, Weg links ab: Umgehung
Abzweig des aktuellen Rennsteigwanderweges
Gehöft an der Straße (Originalverlauf)
Umleitung trifft wieder auf Straße
Denkmalschutz und Rennsteig - Gesetzliche Grundlagen Auf Initiative des Vereins für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde wurde der Rennsteig, hier Plänckner’scher Rennsteig, im September 1997 unter Denkmalschutz gestellt. Die aktuellen gesetzlichen Grundlagen entnehmen Sie bitte den nachfolgenden Auszügen.
Thüringer Gesetz zur Pflege und zum Schutz der Kulturdenkmale (Thüringer Denkmalschutzgesetz - ThürDSchG) i.d.F. vom 14. April 2004 (GVBl. S. 465), zuletzt geändert durch das Erste Gesetz zur Änderung des Thüringer Denkmalschutzgesetztes vom 23. November 2005 (GVBl. S. 359) - Auszüge
§ 2 Kulturdenkmale (1) Kulturdenkmale im Sinne dieses Gesetzes sind Sachen, Sachgesamtheiten oder Sachteile, an deren Erhaltung aus geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, technischen, volkskundlichen oder städtebaulichen Gründen sowie aus Gründen der historischen Dorfbildpflege ein öffentliches Interesse besteht. Kulturdenkmale sind auch Denkmalensembles (Absatz 2) und Bodendenkmale (Absatz 7). (2) Denkmalensembles können sein: 1. bauliche Gesamtanlagen (Absatz 3), 2. kennzeichnende Straßen-, Platz- und Ortsbilder (Absatz 4), 3. kennzeichnende Ortsgrundrisse (Absatz 5), 4. historische Park- und Gartenanlagen (Absatz 6), 5. historische Produktionsstätten und -anlagen. Nicht erforderlich ist, dass jeder einzelne Teil des Denkmalensembles ein Kulturdenkmal darstellt. (3) Bauliche Gesamtanlagen sind insbesondere Gebäudegruppen, einheitlich gestaltete Quartiere und Siedlungen und historische Ortskerne einschließlich der mit ihnen verbundenen Pflanzen, Frei- und Wasserflächen. (4) Ein kennzeichnendes Straßen-, Platz- oder Ortsbild ist insbesondere gegeben, wenn das Erscheinungsbild der Anlage für eine bestimmte Epoche oder Entwicklung oder für eine charakteristische Bauweise mit auch unterschiedlichen Stilarten kennzeichnend ist. (5) Ein kennzeichnender Ortsgrundriss ist gegeben, wenn das Erscheinungsbild der Anlage für eine bestimmte Epoche oder Entwicklung charakteristisch ist, insbesondere im Hinblick auf Orts- und Siedlungsformen, Straßenführungen, Parzellenstrukturen und Festungsanlagen. (6) Historische Park- und Gartenanlagen sind Werke der Gartenbaukunst, deren Lage sowie architektonische und pflanzliche Gestaltung von der Funktion der Anlage als Lebensraum und Selbstdarstellung früherer Gesellschaftsformen und der von ihr getragenen Kultur Zeugnis geben. Dazu zählen auch Tier- und botanische Gärten, soweit sie eine eigene historische und architektonische Gesamtgestaltung besitzen. (7) Bodendenkmale sind bewegliche oder unbewegliche Sachen, bei denen es sich um Zeugnisse, Überreste oder Spuren menschlicher Kultur (archäologische Denkmale) oder tierischen oder pflanzlichen Lebens (paläontologische Denkmale) handelt, die im Boden verborgen sind oder waren.
§ 13 Erlaubnis (1) Einer Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde bedarf, 1. wer ein Kulturdenkmal oder Teile davon a) zerstören, beseitigen oder an einen anderen Ort verbringen, b) umgestalten, instand setzen oder im äußeren Erscheinungsbild verändern oder c) mit Werbe- oder sonstigen Anlagen versehen will, 2. wer in der Umgebung eines unbeweglichen Kulturdenkmals Anlagen errichten, verändern oder beseitigen will, wenn sich dies auf den Bestand oder das Erscheinungsbild des Kulturdenkmals auswirken kann, 3. wer Erdarbeiten an einer Stelle vornehmen will, von der bekannt ist oder vermutet wird oder den Umständen nach anzunehmen ist, dass sich dort Kulturdenkmale befinden. (2) Die Erlaubnis kann versagt werden, soweit gewichtige Gründe des Denkmalschutzes für die unveränderte Beibehaltung des bisherigen Zustandes sprechen. Im Falle des Absatzes 1 Nr. 2 kann die Erlaubnis darüber hinaus nur versagt werden, soweit das Vorhaben zu einer Beeinträchtigung des Wesens, des überlieferten Erscheinungsbildes oder der künstlerischen Wirkung eines Kulturdenkmals führen würde und gewichtige Gründe des Denkmalschutzes für die unveränderte Beibehaltung des bisherigen Zustandes sprechen. (3) Der Inhaber einer Erlaubnis nach Absatz 1 Nr. 3 ist im Rahmen des Zumutbaren verpflichtet, die Kosten für die denkmalfachliche Begleitung der Erdarbeiten, für die Sicherung und Behandlung von Funden und für die Dokumentation der Denkmalfachbehörde zu erstatten.
§ 14 Erlaubnisverfahren (1) Der Erlaubnisantrag ist der zuständigen Denkmalschutzbehörde schriftlich mit allen für die Beurteilung des Vorhabens und der Bearbeitung des Antrags erforderlichen Unterlagen einzureichen. Die Denkmalschutzbehörde prüft den Antrag innerhalb von zwei Wochen auf Vollständigkeit und teilt dem Antragsteller den Eingang des Antrags mit. Ist der Antrag unvollständig oder weist er sonstige erhebliche Mängel auf, fordert die Denkmalschutzbehörde den Antragsteller zur Behebung der Mängel innerhalb einer angemessenen Frist auf. Werden die Mängel innerhalb der Frist nicht behoben, gilt der Antrag als zurückgenommen. Die Denkmalschutzbehörde kann verlangen, dass der Antrag durch denkmalpflegerische Zielstellungen oder vorbereitende Untersuchungen am Kulturdenkmal ergänzt wird. Die Kosten dieser vorbereitenden Untersuchungen hat der Antragsteller zu tragen. (2) Soweit die besondere Eigenart, die Bedeutung des Kulturdenkmals oder die Schwierigkeit der Maßnahme es erfordert, soll die Leitung oder Ausführung der vorbereitenden Untersuchung oder die Durchführung von Arbeiten, die besondere Erfahrungen und Kenntnisse voraussetzen, durch denkmalfachlich geeignete Personen zur Auflage einer Erlaubnis gemacht werden. (3) Die untere Denkmalschutzbehörde entscheidet über einen Erlaubnisantrag nach Anhörung der Denkmalfachbehörde innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Vorlage der vollständigen Antragsunterlagen; die Denkmalschutzbehörde kann diese Frist gegenüber dem Antragsteller aus wichtigem Grund um bis zu zwei Monate verlängern. Der Antrag gilt als genehmigt, wenn über ihn nicht innerhalb der nach Satz 1 maßgeblichen Frist entschieden worden ist. Die fachliche Stellungnahme der Denkmalfachbehörde ist grundsätzlich innerhalb von sechs Wochen gegenüber der unteren Denkmalschutzbehörde zu erteilen. Diese ist an die fachliche Stellungnahme der Denkmalfachbehörde gebunden. Beabsichtigt die untere Denkmalschutzbehörde von der Stellungnahme abzuweichen und kommt eine Einigung nicht zustande, entscheidet die obere Denkmalschutzbehörde nach Anhörung der Denkmalfachbehörde. Sofern die Gemeinden einen Denkmalpflegeplan erstellt haben (§ 3), entscheidet die untere Denkmalschutzbehörde über die Erlaubnisanträge allein. Die Denkmalfachbehörde kann wegen der Bedeutung des Objekts und des Vorhabens im Einzelfall die fachliche Beteiligung verlangen. Entsprechendes gilt für die fachliche Beteiligung im Falle des § 12 Abs. 3. (4) Die Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von drei Jahren nach ihrer Erteilung mit der Ausführung begonnen oder die Ausführung ein Jahr unterbrochen worden ist. Die Fristen nach Satz 1 können auf schriftlichen Antrag jeweils um bis zu einem Jahr verlängert werden. (5) Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übt die Rechte und Pflichten der unteren Denkmalschutzbehörde für von ihr betreute oder verwaltete Kulturdenkmale aus.
§ 15 Beseitigung widerrechtlicher Maßnahmen Wer eine Maßnahme, die nach diesem Gesetz der Erlaubnis oder Genehmigung bedarf, ohne die erforderliche Genehmigung oder im Widerspruch zu den bei der Genehmigung erteilten Auflagen durchführt, ist auf Anordnung der Denkmalschutzbehörde verpflichtet, den alten Zustand wiederherzustellen oder das Kulturdenkmal auf andere Weise entsprechend den Auflagen der Denkmalschutzbehörde instand zu setzen. Die Denkmalschutzbehörden können die Einstellung der Maßnahmen anordnen.
§ 29 Bußgeldbestimmungen (1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig 1. erlaubnispflichtige Maßnahmen entgegen § 13, § 18 Satz 1 oder § 19 Abs. 2 Satz 1 ohne Erlaubnis beginnt oder durchführt oder einer von der zuständigen Behörde mit der Erlaubnis erteilten Auflage zuwiderhandelt; 2. entgegen § 11 Abs. 2 Satz 2 Maßnahmen der Denkmalschutzbehörde zur Abwendung einer unmittelbaren Gefahr für den Bestand eines Kulturdenkmals nicht duldet; 3. der Auskunftspflicht nach § 9 Abs. 1 nicht nachkommt oder entgegen § 9 Abs. 2 Satz 1 den Beauftragten der zuständigen Behörde das Betreten von Grundstücken oder Besichtigen von Kulturdenkmalen nicht gestattet; 4. entgegen § 8 Abs. 2 den Eigentumswechsel eines beweglichen eingetragenen Kulturdenkmals nicht oder nicht rechtzeitig anzeigt; 5. einer Einstellungsanordnung nach § 15 Satz 2 zuwiderhandelt; 6. entgegen § 16 Abs. 1 Satz 1 einen Fund nicht unverzüglich anzeigt; 7. entgegen § 16 Abs. 3 den Fund oder die Fundstelle nicht bis zum Ablauf einer Woche nach der Anzeige in unverändertem Zustand lässt; 8. den von der Denkmalfachbehörde erlassenen, vollziehbaren Anordnungen zur Bergung, Auswertung und zur wissenschaftlichen Bearbeitung nach § 16 Abs. 4 zuwiderhandelt; 9. einer Nutzungsbeschränkung nach § 20 Abs. 1 zuwiderhandelt. (2) Ordnungswidrigkeiten nach Absatz 1 Nr. 1, mit Ausnahme der Zuwiderhandlungen nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a, sowie Ordnungswidrigkeiten nach Absatz 1 Nr. 2 bis 9 können mit einer Geldbuße bis zu einhundertfünfzigtausend Euro geahndet werden. Ordnungswidrigkeiten nach Absatz 1 Nr. 1 können im Falle der Zuwiderhandlung gegen § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a mit einer Geldbuße bis zu fünfhunderttausend Euro geahndet werden. (3) Verwaltungsbehörde im Sinne des § 36 Abs. 1 Nr. 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten ist die untere Denkmalschutzbehörde. Abweichend von Satz 1 ist die obere Denkmalschutzbehörde zuständig, wenn gegen eine Maßnahme dieser Behörde verstoßen wird. (4) Ist eine Ordnungswidrigkeit nach Absatz 1 Nr. 1 begangen worden, so können die zur Vorbereitung oder Begehung gebrauchten oder bestimmten Gegenstände eingezogen werden. § 19 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten ist anzuwenden.
Thüringer Staatsanzeiger - Eintragung von Denkmalensembles in das Denkmalbuch hier: Denkmalensemble "Pläncknerscher Rennsteig" (Thüringer Rennsteig) INV/001/99 Bezug: gemäß § 2 Abs. 2 ThDSchG in der Fassung vom 07.01.1992 (GVBl. S. 17 ff.) Ausweisung am 23.09.1997 z.H. - Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, - Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, - Thüringer Innenministerium, - Thüringer Landesverwaltungsamt/Obere Denkmalschutzbehörde u. Landesvermessungsamt, - Landrat des Wartburgkreises, - Landrat des Kreises Schmalkalden-Meiningen, - Landrat des Kreises Gotha, - Oberbürgermeister der Stadt Suhl, - Landrat des Ilm-Kreises, - Landrat des Kreises Hildburghausen, - Landrat des Kreises Sonneberg, - Landrat des Kreises Saalfeld-Rudolstadt, - Landrat des Saale-Orla-Kreises erfolgt; Ausweisungskriterien nach dem Thüringer Denkmalschutzgesetz: § 2 Absatz 3 ThDSchG — "bauliche Gesamtanlage", Geltungsbereich: gesamter Streckenabschnitt innerhalb und auf den Landesgrenzen des Freistaates Thüringen (Stadtund Landkreise Wartburgkreis, Schmalkalden-Meiningen, Gotha, Suhl, Ilm-Kreis, Hildburghausen, Sonneberg, Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Orla-Kreis) von 99819 Hörschel (Rennsteig-km 0,0) bis 07366 Blankenstein/Saale (Rennsteig-km 168,3) Aufgrund des auf den Freistaat Thüringen begrenzten Geltungsbereiches des Thüringer Denkmalschutzgesetzes (ThDSchG) bleiben die im rechtlichen Zuständigkeitsbereich des Freistaates Bayern befindlichen Streckenabschnitte von dieser Ausweisung als Kulturdenkmal unberührt. Folgende Abschnitte des "Pläncknerschen Rennsteiges" sind noch weitgehend im originalen Zustand erhalten. In diesen Abschnitten reicht der Gültigkeitsbereich des Kulturdenkmalensembles auf beiden Seiten des Rennsteiges jeweils 50 Meter: - Hörschel — Clausberg - Vachaer Stein — Glasbach - Gr. Weißenberg — Gr. Jagdberg bis Abzweig zur Tanzbuche - Spießberg — Dreiherrenstein am Hangweg - Neue Ausspanne — Ausspanne Neuhöfer Wiesen - Ausspanne Neuhöfer Wiesen — Wachsenrasen - Wachsenrasen — Abzweig Karin-Hütte - Rondell — Schmücke - Schmücke — Mordfleck - Allzunah — Gr. Dreiherrenstein - Limbach — Ortseingang Neuhaus (Rennsteig-km 110 — 116,0) - Bahnhof Ernstthal — Waldstraße Piesau/Brandstraße (Rennsteig-km 120,8 — 125,0) - Waldrand vor Spechtsbrunn — Kalte Küche (Rennsteig-km 127,5 — 129,5) - Waldrand südöstlich "Kalte Küche" — Schildwiese (Rennsteig-km 130,0 — 132,0) - Zwischen Kurfürstenstein und Blankenstein sind insbesondere die Abschnitte Rennsteig-km 144,3 — 148,2 sowie 148,5 — 155,3 sowie 160,6 — 161,7 sowie 163,5 — 164,2 sowie 167,5 — 168,3 unverändert. Dagegen sind die nachfolgenden Abschnitte bereits verändert und somit von geringerem Denkmalwert. In diesen Abschnitten reicht der Gültigkeitsbereich des Kulturdenkmalensembles auf beiden Seiten des Rennsteiges jeweils 20 Meter: - Clausberg — Vachaer Stein (Trassenführung durch Anlage eines Parallel-Weges verändert) - Glasbach — Kleiner Weißenberg (Trassenführung durch Anlage eines Parallel-Weges verändert) - Abzweig Tanzbuche — Heuberg (Trassenführung durch Anlage eines Parallel-Weges verändert) - Heuberg — Abzweig Spießberghaus (Trassenführung durch Anlage eines Parallel-Weges verändert) - Karin-Hütte — Grenzadler (chaussiert/Schotterstraße) - Grenzadler — Rondell (durch Versorgungsleitungen stark verbreitert) - Mordfleck — Allzunah (Trassenführung durch Anlage eines Parallel-Weges verändert) - Stadtgebiet Neuhaus: historische Wegeführung verändert (Rennsteig-km 117,0 — 119,0) - Gebiet Bahnhof Ernstthal, historische Wegeführung verändert - Waldstraße Piesau — Brandstraße, historische Trassenführung verändert (Rennsteig-km 125,0 — 126,0) - Gebiet Roter Berg vor Spechtsbrunn, historische Trassenführung verändert (Rennsteig-km 126,5 — 127,5) - Kalte Küche — Waldrand, Kolonnenweg asphaltiert (Rennsteig-km 129,5 — 130,0) - innerhalb der Teilstrecke Kurfürstenstein — Blankenstein sind folgende Abschnitte stärker verändert: 146,0 — 146,5 sowie 148,2 (Friedhof Brennersgrün) — 149,0 (Ochsenhut Brennersgrün) sowie 159,8 — 160,5 sowie 161,5 — 163,5 sowie 164,2 — 167,5
Erfurt, 23.09.1997. Landesamt für Denkmalpflege Erfurt, 29.06.1999 Az.:INV/001/99 ThürStAnz Nr.
Eintragung von Denkmalensembles in das Denkmalbuch – Korrektur hier: Denkmalensemble „Plänckner’scher Rennsteig“ (Thüringer Rennsteig) INV/014/08 veröffentlicht im ThürStAnz Nr. 30/1999 (INV/001/99) Bezug: gemäß § 2 Abs. 2 ThürDSchG in der Fassung der Neubekanntmachung vom 14. April 2004 (GVBl. Nr. 10/2004 S. 465), geändert durch Gesetz vom 23. November 2005 (GVBl. 16/2005 S. 359) In Abstimmung mit dem Thüringer Landesverwaltungsamt werden aus denkmalrechtlichen Gründen folgende Korrekturen vorgenommen: 1. Der „Thüringer Rennsteig“ wird nicht wie bisher als Denkmalensemble § 2 Abs. 2 ausgewiesen, sondern als Einzel-Kulturdenkmal im Sinne einer Sachgesamtheit § 2 Abs. 1. 2. Der in der Beschreibung des Kulturdenkmals (Anlage 1) aufgeführte Geltungsbereich auf beiden Seiten des Rennsteigs von 50 Metern und 20 Metern in jeweils unterschiedlichen Streckenabschnitten wird aufgehoben und ersatzlos gestrichen. Das bedeutet, dass sich der Denkmalschutz ausschließlich auf den historischen Verlauf des Rennsteigs sowie seine Sachteile Grenzsteine, Wegweiser, Gedenksteine und Schrifttafeln sowie Wegkreuzungen, Pässe und Raststätten bezieht. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Erfurt, 09.06.2008 Az.: INV/014/08 ThürStAnz. Nr. 26/2008 S. 992 30/1999 S. 1665-1666
Die historische Entwicklung des Denkmalschutzes und Naturschutzes am Rennsteig Mit der Unterschutzstellung werden die über ein Jahrhundert andauernden Bemühungen zahlreicher Rennsteigforscher und interessierter Freunde der Region belohnt, welche sich um die Schutzwürdigkeit einer reizvollen Landschaft bisher bemühten. Solange die Grenzsteine Ländergrenzen markierten, war deren Existenz durch Verordnungen und Gesetze geschützt und ihre Bedeutung eindeutig definiert. Mit dem Wegfall der Kleinstaaterei in Thüringen nach 1918, verloren die Steine ihre ursprüngliche Bedeutung, zumindest dort, wo sie nicht unmittelbar eine weiter bestehende Grenze markierten. Dies war auch für den überwiegenden Teil des Rennsteiges der Fall, in welchem die ehemalige Landesgrenze durch die Mitte des Rennsteigs gebildet wurde. Durch die verstärkt aufkommende Rennsteigbewegung wurde über eine Organisation nachgedacht und so bildete sich 1896 der Rennsteigverein. Besonders auf Initiative dieses Vereines wurden regelmäßige Inventuren des Grenzsteinbestandes durchgeführt. Leider kam es nie zu einer kompletten Veröffentlichung der Ergebnisse der Erhebungen.
Beispielsweise wurde in der Bekanntmachung der Ordnung zur 25. Pfingstrennfahrt 1926, Blankenstein - Hörschel über eine geplante
...gemeinsame Überprüfung der Grenzsteinstrecke 1-136, Dreiherrenstein Hoher Lach- Limbach, auf Vollständigkeit und Erhaltungszustand der Grenzsteine (Nummer oder Doppelnummer, Wappenform, Jahreszahlen, Richtungsstriche oder- winkel)... Quelle: Mareile Bote des Rennsteigvereins. II. Jahrgang Nr. 2 vom 1.Mai 1926. S. 74-75. berichtet.
In der Folge wird im Mareile immer wieder über eine Katalogisierung diskutiert. Unter dem Titel: Freiwillige vor, wird in der Ausgabe Nr. 3 vom 1. August 1926 von Johannes Bühring eine Anleitung zur einheitlichen Steininventur vorgeschlagen. Besondere Verdienste bei diesen Arbeiten haben sich Elisabeth Streller und Prof. Hermann Böttger erworben. Elisabeth Streller erstellte einen Arbeitsplan zur generellen Erfassung aller relevanten Daten des Rennsteiges. Quelle: Mareile Bote des Rennsteigvereins. I. Jahrgang Nr. 2 vom 1. März 1927. S. 11-12.
In den Folgejahren wurde die Grenzsteininventur immer wieder aktualisiert. Leider sind die Unterlagen aber nicht mehr auffindbar. Natürlich gab es auch Aktivitäten anderer Art, die den Bestand der Grenzsteine am Rennsteig akut gefährdeten.
Unter der Überschrift: Die Republikanische Beschwerdestelle und die Rennsteiggrenzsteine, veröffentlicht das Mareile Nr. 1 vom 01. Februar 1926 nachfolgend ungekürzt wiedergegebene Artikel:
Thüringisches Ministerium für Inneres und Wirtschaft, Abt. Inneres Weimar, an die Republikanische Beschwerdestelle, Berlin. Auf Ihr eingeschriebenes Schreiben vom 9. November wegen Beseitigung von Grenzsteinen am Rennsteig haben wir sofort den Kreisdirektor in Arnstadt beauftragt, die nötigen Ermittlungen vorzunehmen. Dieser hat uns berichtet, dass infolge des auf dem Thüringer Walde liegenden Schnees zurzeit die Wege dort nahezu völlig unpassierbar und auch die Steine, die Ihren Anstoß erregt haben, unter dem Schnee fast ganz verschwunden sind. Es ist uns deshalb zurzeit zu unserem größten Bedauern leider nicht möglich, genauere Feststellungen zu machen, um so mehr, als die beiden von Ihnen genannten Steine nicht die einzigen Grenzsteine auf dem Rennsteig im Landkreise Arnstadt sind, die noch die alten Hoheitsbezeichnungen tragen. Wir sind deshalb zu unserem größten Bedauern genötigt, die wichtige Angelegenheit bis zum Eintritt besseren Wetters zurückzustellen. Wir werden aber die Witterung auf dem Thüringer Walde mit größter Aufmerksamkeit verfolgen und werden, sobald es uns möglich ist, weitere Feststellungen zu treffen versuchen. Wir werden Ihnen dann sofort Nachricht geben. gez.: Dr. Sattler Die Republikanische Beschwerdestelle, Berlin, an das Thüringische Ministerium, Abt. Inneres, Weimar. Den gefl. amtlichen Bescheid vom 11. Dezember haben wir mit großem Vergnügen erhalten. Wir nahmen gern davon Kenntnis, daß der Herr Minister Dr. Sattler sich bereit erklärt hat, die Grenzsteine mit der monarchistischen Bezeichnung entfernen zu lassen. Was die angeschnittene Witterungsfrage auf dem Thüringer Walde anlangt, so sind wir der Meinung, dass das dortige Ministerium bei der Bearbeitung der vielen wichtigen Dinge vielleicht nicht in der Lage sein dürfte, gerade diese Angelegenheit genau im Auge zu behalten. Wir werden uns deshalb gestatten, diese Sache für einige Monate zurückzustellen und bei Beginn des Frühjahres, wenn die Schneemassen verschwunden sind, dann diesen Fall dem Herrn Staatsminister Dr. Sattler oder dem dann amtierenden Herrn Minister des Innern erneut vorzulegen. gez. Republikanische Beschwerdestelle.
Hier wird deutlich, welche Wirkung eine fehlende Sachkenntnis der geschichtlichen Hintergründe hervorbringen kann. Die Unwissenheit war aber nur der Vorbote einer noch schlimmeren Entwicklung während der Hitlerdiktatur. Am 15. November 1933 erschien in der Nr. 268 der Suhler Zeitung folgender Artikel:
Jugend kennt keine innerdeutschen Grenzen „Unter dem gewaltigen Eindruck der Einigung aller Deutschen begab sich eine Abteilung der Hitlerjugend aus Mainz zu den preußisch-hessischen Grenzsteinen, um sie kurzerhand zu beseitigen“.
Der ständigen Intervention des Rennsteigvereins in Zusammenarbeit mit den Forstund Katasterämtern war es zu verdanken, dass größerer Schaden am Steinbestand vermieden wurde. Bei sogenannten Landesgrenzbegehungen wurden alle Steine kontrolliert, nötigenfalls gerichtet oder tiefer gesetzt. Am 19. Mai 1934 wird auf der Jahreshauptversammlung des Rennsteigvereines in Blankenburg a.d. Saale unter Punkt 5 der Tagesordnung über den Schutz des Rennsteiges diskutiert. Quelle: Mareile Bote des Rennsteigvereins. II. Jahrgang Nr.4 vom 1.Juli 1934. S. 131-132.
In der Folge wird am 31. August 1940 eine Vorläufige Anordnung über die einstweilige Sicherstellung von Landschaftsteilen beiderseits des Rennsteiges verabschiedet. Damit würdigt man erstmalig den Schutz des Rennsteiges als Gesamtheit.
Nachfolgend der Text dieser Anordnung im Originalwortlaut:
Vorläufige Anordnung über einstweilige Sicherstellung von Landschaftsteilen beiderseits des Rennsteiges Auf Grund der §§ 5, 17 und 19 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26.6.1935 (RGBl . 1, S . 821) in der Fassung des Zweiten Gesetzes zur Änderung und Ergänzung des Reichsnaturschutzgesetzes vom 1.12.1936 (RGBl. 1, S. 1001) und des Dritten Gesetzes zur Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes vom 20.1.1938 (RGBl.1, S. 36), sowie des § 11 Abs. 3 und des § 13 der Durchführungsverordnung vom 31.10.1935 (RGBl. 1, S. 1275) wird mit Ermächtigung der Obersten Naturschutzbehörde zugleich für die in den Regierungsbezirken Erfurt, Kassel und Ansbach gelegenen Landschaftsteile zur einstweiligen Sicherstellung des im § 1 näher bezeichneten Geländes folgendes verordnet:
§ 1 Die in der Landschaftsschutzkarte bei der höheren Naturschutzbehörde in Weimar eingetragenen Landschaftsteile beiderseits des Rennsteiges zwischen Eisenach und Blankenstein a. d. Saale werden in einer Tiefe von durchschnittlich 500 m einstweilig sichergestellt.
§ 2 1. Es ist verboten, innerhalb der Geländestreifen von 500 m beiderseits des Rennsteigs zwischen Eisenach und Blankenstein a. d. Saale Änderungen vorzunehmen, die geeignet sind, die Natur zu schädigen, den Naturgenuss zu beeinträchtigen oder das Landschaftsbild zu verunstalten. 2. Im besonderen ist verboten: a) innerhalb der geschützten Geländeteile Gehölze, Bäume und Hecken, Tümpel und Seen oder sonstige für das Landschaftsbild wichtige Landschaftsbestandteile zu verändern, zu beschädigen oder zu beseitigen. b) Bauwerke aller Art, einschließlich von Mauern und Zäunen, zu errichten oder zu verändern: - (die für den laufenden Betrieb der Forstverwaltung notwendigen Vorrichtungen wie Kulturgatter und Wildzäune werden hierdurch nicht berührt) - ; c) Müll oder Schutt abzulagern oder Sand- und Kiesgruben, Steinbrüche und dergl. anzulegen; d) oberirdische Drahtleitungen zu erstellen; e) Inschriften anzubringen, soweit sie nicht auf den Naturschutz oder die Wegebezeichnung Bezug haben; f) grundstücksweise außerhalb des bisherigen Waldes aufzuforsten; g) solche Eingriffe im Walde vorzunehmen, die das Landschaftsbild verunstalten.
§ 3 1. Unberührt von Vorschriften im § 2 bleibt die land- und forstwirtschaftliche Nutzung, soweit sie dem Inhalt und Zweck dieser Anordnung nicht widerspricht. 2. Ausnahmen von den Vorschriften dieser Anordnung können von mir in besonderen Fällen im Einvernehmen mit den beteiligten Behörden genehmigt werden.
§ 4 Wer den Bestimmungen dieser Anordnung zuwiderhandelt, wird nach §§ 21 und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes und dem § 16 der Durchführungsverordnung bestraft.
§ 5 Diese Anordnung tritt mit ihrer Bekanntgabe in Kraft. Weimar, den 31.August 1940.
Der Reichsstatthalter in Thüringen. Der Staatssekretär und Leiter des Thüringischen Ministeriums des Innern - als höhere Naturschutzbehörde - P a b s t i . A . - III A 3106
Leider kam es durch den 2. Weltkrieg zu einer Interessenverschiebung, so dass dieser Gesetzesvorstoß im Prinzip nur Makulatur war. Auch auf dem Territorium der ehemaligen DDR waren Natur- und Denkmalschutz gesetzlich geregelt. Wirtschaftliche, politische und militärische Interessen aber verhinderten oftmals ihre umfassende Durchsetzung. So verläuft eine Hauptgastrasse über weite Strecken auf dem Rennsteig. Viele der heute fehlenden Steine fielen den damaligen Erdarbeiten zum Opfer. Bei Forstarbeiten wurden einige Steine durch umstürzende Bäume beschädigt oder vernichtet. Aus dem Jahre 1978 stammen beispielsweise Dokumente zur Verlegung des Rennsteiges in Neuhaus a. Rwg. Die Verlegung erfolgte im Zusammenhang mit dem Beginn der Bauarbeiten am Pumpspeicherwerk Goldisthal. Zu diesem Zweck wurden seinerzeit großflächige Abholzungen im Bereich des Herrnberges vorgenommen. Der Originalrennsteig verläuft genau durch das Gebiet. Mit etwas planerischem Geschick hätte hier größerer Schaden vermieden werden können. Die Umverlegung wurde durchgeführt und im Rahmen von Schulungen der sozialistischen Kader diskutiert. Nachfolgend, auszugsweise eine Einladung für eine solche Schulung:
Einladung In Vorbereitung der 26. Tagung der Stadtverordnetenversammlung findet zur weiteren Qualifizierung der Abgeordneten und weiterer Führungskräfte die nächste Schulung lt. Schulungsplan am Donnerstag, dem 20.07.1978, 16.00 Uhr im Röhrenwerk Neuhaus - Abgeordnetenkabinett - mit dem Thema: „Die Rolle der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit für die Erhöhung der Effektivität in der staatlichen Leitungstätigkeit und Beratung über Probleme, die im Zusammenhang mit dem Bau des Pumpspeicherwerkes Goldisthal, Teilobjekt Umschlagplatz Herrnberg, wie z. B. Verlegung des Rennsteiges usw. stehen“ statt. Referent: Koll . ............ , Rat des Kreises, Plankommission Wir laden Sie dazu ein und bitten um Ihre Teilnahme. Wir weisen darauf hin, dass in der Stadtverordnetenversammlung am 27.07.1978 wegen der Verlegung des Rennsteiges ein Beschluss gefasst werden soll und dass es sich deshalb unbedingt notwendig macht, an dieser Beratung teilzunehmen. Zur besseren Orientierung übersenden wir in der Anlage drei Vorschläge (Information Nr. 3 - 5 / 1978) zur Verlegung des Rennsteiges, wobei wir den Vorschlag Nr. 2 als Vorzugsvariante angeben. Wir bitten Sie, in der Abgeordneten - Schulung Ihre Meinung dazu zu äußern. Außerdem bitten wir Sie, die Einladung an der Wache des VEB Röhrenwerk vorzuzeigen und pünktlich zu erscheinen. 3 Anlagen
Holzeinschlag am Herrnberg bei Neuhaus am Rennweg (oben), Gasleitungsbau Limbach (unten) - hist. Fotos, G. Weiss
Positiv ist zu bewerten, dass alle in diesem Bereich sichtbaren Steine sichergestellt und im Geißlermuseum in Neuhaus am Rennweg eingelagert worden sind. Drei Grenzsteine erhielten an der favorisierten Ausweichstrecke zwischen Neuhaus und Bernhardsthal einen neuen Standort und wurden somit ihrer eigentlichen Funktion beraubt, denn diese Grenzsteine waren ursprünglich keine Wegemarkierung für Rennsteigwanderer, sondern durch den Steinsatz wurden Grenzen eindrucksvoll dokumentiert, die auch beim Bau des Umschlagplatzes für das Pumpspeicherwerk noch völlige Gültigkeit besaßen. Die Arbeiten am Umschlagplatz wurden in den 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts wegen Kapazitätsmangel eingestellt. Zurück blieben neben der Zerstörung wertvoller Grenzzeugen auch nie wieder gut zu machende Schäden an Natur und Umwelt. Ein Trost für alle Verfechter der damaligen Ideologie bleibt aber, dass nach der politischen Wende die Arbeiten an der gleichen Stelle wieder aufgenommen wurden. Der Rennsteig wurde als Medientrasse für die Arbeiten im Zusammenhang mit den neu entstehenden Gewerbegebieten in unmittelbarer Nachbarschaft genutzt, umverlegt und in seiner ursprünglichen Trasse völlig zerstört.
Mit der fortschreitenden Vernichtung wertvollen Kulturgutes beiderseits des Rennsteiges wird einerseits die geschichtlich gewachsene Rennsteigbewegung ignoriert, andererseits werden Teile der Haupttourismusattraktion in Thüringen, welche nun einmal der Rennsteig ist, zerstört. Wahrscheinlich ist es aber einfacher Sponsorengelder aufzutreiben, um Zerstörtes wieder instand zu setzen, als im Vorgriff einvernehmliche Lösungen zu finden, die eine solche Entwicklung verhindern. Diese Entwicklung macht offenbar vor gesellschaftlichen Systemen keinen Unterschied - eine traurige Gemeinsamkeit.
Schwarzburger Meilenstein in Igelshieb (oben), Rennsteiglauf um 1970 in Limbach (unten) - hist. Fotos, G. Weiss
Maßgebend für die Durchsetzung des Natur- und Denkmalschutzes in der DDR waren meistens die Mitglieder des ehemaligen Kulturbundes. Es passte so gar nicht in das Konzept des real existierenden Sozialismus, dass es Menschen gab, die sich mit der Geschichte des Steinsatzes beschäftigten, war diese Geschichte doch ein Relikt der verpönten monarchistischen Kleinstaaterei. Auf lokaler Ebene wurden die interessierten Bürger häufig als Volks- oder Heimattümler bezeichnet. Aber gerade der Hilfe dieser Freunde ist es zu verdanken, dass in schweren Zeiten, ein historisches Kulturgut bewahrt wurde. Stellvertretend für Alle sind hier Werner Messing und Günther Weiss zu nennen, die in regelmäßigen Abständen den Steinbestand kontrollierten und darüber Protokoll führten. In Kleinschmalkalden war es besonders Helmut Köllner, welcher den Nachlass von Werner Messing auswertete und zur Dokumentation zusammenstellte. Die Freunde des Vereins für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde e.V. waren es auch, die federführend bei der Unterschutzstellung mitwirkten. Unter ihrer Regie wurden die gesamten notwendigen Unterlagen zusammengestellt und zur Bearbeitung an das Landesamt für Denkmalpflege übergeben. Um diese aufwändigen Arbeiten auch weiterhin durchführen zu können, ist es wichtig, jüngere Menschen zu mobilisieren und für die aktive Unterstützung zum Erhalt der Grenzsteine zu gewinnen. Über die schulische Ausbildung kann das Engagement für die örtliche Geschichte gefördert werden, damit interessierte Jugendliche gewonnen werden, die später einmal die Arbeit der früheren Generationen fortsetzen können.
Werner Messing, Helmut Köllner, Erich Röder (v.li.n.re.), Günther Weiss (oben rechts), Landschaftsschutzschild nach G. Weiss - hist. Fotos, G. Weiss
Seit dem Jahre 2004 kämpfen wir dafür, das denkmalgeschützte Inventar des Rennsteiges auch als Denkmal zu kennzeichnen. Auch hier können wir nicht im größeren Umfang auf die Hilfe aller beteiligten öffentlichen Institutionen bauen. Thüringen ist eines der wenigen Bundesländer, die die Pflicht zur Kennzeichnung der Denkmale nicht im Denkmalschutzgesetz verankert hat. Ist es Dummheit oder Berechnung? Auch die Initiative zur Kennzeichnung der Denkmale verblieb bei uns. Bereits im Jahre 2004 ermittelten wir durch einen Wettbewerb das Schild, welches wir erstmals im Spätherbst 2009 in der Nähe besonders gefährdeter Grenzsteine im Neustädter Raum angebracht haben. Ganze 4 Jahre waren vergangen, bevor das erste Schild zur Kennzeichnung angebracht werden konnte. Nachfolgend erstmals in der Rennsteiggeschichte eine Veröffentlichung aller 17 im Jahre 2004 eingereichten Wettbewerbsvorschläge.
Der Gewinner! (Bild 17) - schwarzes R auf gelbem Grund
So ist es kein Wunder, dass die im mit Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege angekündigte Änderung (Abschaffung) der Schutzzonen des Rennsteiges an die in Thüringen zuständigen Behörden mit Datum vom 25.09.2006 , erst am 09.06.2008 im Thüringer Staatsanzeiger veröffentlicht wurde (s. oben: Eintragung von Denkmalensembles in das Denkmalbuch – Korrektur). Das geschah auf mein Veto hin, weil es einfach vergessen worden ist!
Ein weiteres Beispiel aus dem täglichen Leben ist bezeichnend für den Wert des Denkmalschutzes am Rennsteig:
Am 25. Januar 2000 reichte ich die Unterlagen für den Thüringer Denkmalschutzpreis 2000 über das Landratsamt Sonneberg beim Thüringer Landesamt für Denkmalpflege Erfurt ein. Grundanliegen des Beitrages war die in den voran gegangenen Jahren durchgeführte Sanierung historischer Landesgrenzsteine, die seit dem Jahre 1997 unter Denkmalschutz stehen, durch Mitarbeiter des damaligen Katasteramtes Neuhaus am Rennweg. Insgesamt sanierten die Mitarbeiter, vor allem die Auszubildenden, fast 200 historische Landesgrenzsteine in ihrer Freizeit. Im Rahmen der Ausbildung zum Vermessungstechniker wurden die Grenzsteinstandorte vermessen. Die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb sollte eine Auszeichnung für den geleisteten persönlichen Einsatz während der Sanierungsarbeiten sein. Der Beitrag wurde nicht bearbeitet, eine schriftliche Stellungnahme seitens des damaligen Landesamtes für Denkmalpflege ist nie erfolgt. Er blieb über ein Jahr unbearbeitet in den Schubladen einer bekannten Mitarbeiterin des Landesamtes liegen.
Übrigens ist im Bundesland Sachsen-Anhalt ein ähnlicher Beitrag dortiger Grenzsteinforscher mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnet worden. Dort stehen die Grenzsteine aber nicht unter Denkmalschutz.
Zum Falken, Kahlert
Anfang März 2016 begann man mit den Abbrucharbeiten am Gasthof "Zum Falken" in Kahlert.
März 2016, Foto: Uwe Albrecht, Kahlert
Die Geschichte des Gasthofes und der Brauerei begann im Jahre 1727:
Am 24. Mai erhält der Wirt zu Crock, Christoph Kahlert, die Gastungs- und Braugerechtigkeit auf ein zwischen Gießübel und Neustadt an der Landstraße zu erbauendes Wohnhaus. In der Konzessionsurkunde heißt es: Dem Gesuchsteller soll zu seinem Vorhaben, einen Gasthof an der Straße bei der Schwarzburger Grenze zu errichten, ein geeigneter Platz zugemessen und versteinet und ihm auch ein öffentliches Schild mit dem Zeichen und Namen eines Falken auszuhängen genehmigt sein, desgleichen auch ein Malz- und Brauhaus dabei zu bauen, darin gesundes und tüchtiges Bier zu brauen und solches allda zu verzapfen oder maß- und faßweise an ausländische Orte zu geben.
Weiterhin wird festgelegt, dass diese Konzession weder zum Zechen noch Saufen, besonders auf Sonn- und Festtagen zu brauchen ist, woraus Fluchen, Zank und Schlägerei zu entstehen pflegen. (Quelle: Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Kreis Hildburghausen. 19, 706.)
Für die am 24. Mai erteilte Konzession waren 50 Gulden, an jährlichen Erbzins 6 Gulden und zu einem Steuertermin 1 Gulden zu entrichten. Von allen anderen Beschwerden und Anlagen sollte das Gasthaus befreiet sein.
1765: Kahlert verkaufte den Gasthof einschließlich der Braurechte an die Vorfahren der Familie Heinz.
1776: Am Wirtshaus "Zum Falken" führte damals die viel befahrene "Hohe Straße" vorbei. Da das Wirtshaus gleichzeitig als Ausspanne genutzt werden konnte, wurde hier eine Poststation eingerichtet.
3. September 1776 1776: Prinz Joseph von Sachsen-Hildburghausen führte in der Nähe des Wirtshauses ein "Abschießen" von Rotwild durch. Der Chronist schreibt dazu (s. Bild oben):Dieses war das prächtige Abschießen, welches Ihro Durchl. Prinz JOSEPH in hoher gegenwart des Durchl. Herzogs von Weyhmar, Herzogs von Gotha, Herzogs von Hildburghausen, deßen Bruder und gantzen Familie, wie auch Durchl. Erb-Printzen von Rudolstadt, Durchl. Printzen von Darmstadt und zweyer Grafen benebst anderer Staats-Persohnen beym größten Aufzuge gehalten. Solches geschahe nechst am Kahlert, den 3ten September Anno 1776.
1788: Waldarbeiter siedelten sich rund um das Wirtshaus an. Der kleine Ort Kahlert entstand auf der Sachsen-Meiningischen Seite, hier direkt an der Landesgrenze zu Schwarzburg.
1810: In einem Bericht des Amtsverwalters Habermann über den Stand des Braugewerbes im Amte Eisfeld im Herbst steht: Kahlert: Die Brau- und Schenkgerechtigkeit gehört dem Gasthof zum Falken. Posthalter Lutz hat niemals gutes Bier gehabt. Das Hauptgeschäft der Fam. Lutz war auch nicht die Bierproduktion, sondern die Posthalterei. Zeitweise unterhielt sie bis zu 20 Pferde, die für Vorspanndienste eingesetzt wurden, in der Hauptsache für den Postkutschenverkehr. In Kahlert auf der Kreuzung stand damals eine sächsische Postmeilensäule, die leider nicht mehr vorhanden ist.
Montage, Postmeilensäule zwischen A-Mast und Vorfahrtsschild rechts, könnte so ausgesehen haben
1820: Familie Heinz, die nun schon in der 4. Generation Besitzer von Brauerei und Gasthof war, übernahm die Posthalterstation von Fam. Lutz.
1868: Richard Heinz wurde erster Bierbrauer und Büttner in Kahlert.
1896: Der Gasthof "Zum Falken" wurde Opfer eines Feuers. Es war damals die drittälteste Gaststätte Neustadts. In den Folgejahren wurden umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen am Gebäudebestand durchgeführt.
1897: Der Gasthof wurde in seinem heutigen Aussehen aufgebaut und durch einen Tanzsaal ergänzt.
1898, Hertel und Bühring zu Gast im "Falken"
1906: Der Falke wurde ein beliebtes Ausflugslokal. Kahlert erhält Telefonanschluss.
1946: Die Brauerei nimmt nach dem 2. Weltkrieg die Produktion wieder auf. Eine neue, moderne Kühlanlage wurde gebaut.
1957: Rekonstruktion der Brauerei in Kahlert. Das Bier wurde nun trchnisch gekühlt.
1962: Durch vorangegangene Rekonstruktionsmaßnahmen war es nun möglich, jährlich bis zu 6000hl Bier zu brauen.
1970: Die Flaschenabfüllung der Brauerei wurde rekonstruiert und am 21. Juni in Betrieb genommen. Durch die Zwangskollektivierung ging der Betrieb im Getränkekombinat des Bezirkes Suhl auf und wurde der Schmiedefelder Brauerei zugeordnet. Das hatte die Einstellung der Bierproduktion in Kahlert zur Folge. Das Bier, welches nun in Schmiedefeld gebraut wurde, fuhr man mit Tankwagen nach Kahlert in die Abfüllanlage.
1977: Die Brauerei wird Teil des VEB Getränkekombinat Meiningen. Die 250-Jahr-Feier wurde begangen, ein Produktionsausstoss von 10.000hl Bier wurde erreicht.
1981: Am 31. Januar wurde die Flaschenbierabfüllung in Kahlert eingestellt.
1986: Die Brauerei Kahlert schließt am 15. Februar. Zuletzt haben hier noch 7 Personen gearbeitet.
Nach der Wiedervereinigung konnte der Besitzer Horst Heinz sein Markenbier "Falkenbräu" nach altem Rezept bei einer auswärtigen Brauerei weiterbrauen lassen. Der Vertrieb erfolgte über einen eigenen Getränkehandel mit Laden-geschäft im umgebauten Brauhaus. 1998 wurde der Kühlturm zurückgebaut.
Mit dem Abriss endet die Geschichte eines beliebten Gasthauses am Rennsteig.
Im Verlauf des Rennsteiges auf dem Thüringer Wald finden wir insgesamt 3 solcher Grenzadler, die einst die Grenze zu den ehemalig preußischen Gebieten markierten. Eine direkte Grenzfunktion besaßen diese Steine nicht. Sie hatten mehr symbolischen Charakter. Die relativ wuchtigen Steine hatten eine bewegte Vergangenheit. Sie wurden umgefahren, wieder aufgestellt, mit zum Teil nicht zutreffenden Informationen versehen, der preußische Adler wurde gestohlen, sie wurden im Zuge von Baumaßnahmen umgesetzt.
Folgende 3 Grenzadler stehen im Verlauf des Rennsteiges (von Blankenstein nach Hörschel):
Grenzadler an der Neuen Ausspanne
Grenzadler am Kleinen Inselsberg
Die wechselvolle Geschichte wird in einer Ansprache von Hartmut Burkhardt vom Verein für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde anlässlich der Wiederaufstellung des Grenzadlers auf dem Nesselberg an der Neuen Ausspanne am besten dargelegt, so dass ich mich entschlossen habe, diesen Beitrag ungekürzt bereitzustellen. Ergänzt werden die Darlegungen mit aktuellen und historischen Belegen aus meinem Archiv.
Hartmut Burkhardt bei seiner Ansprache (Foto: Burkhardt)
Ansprache anlässlich der Wiederaufrichtung des Preußischen Grenzadlers an der Neuen Ausspanne Nesselberg, am 3. Oktober 2007 (von: Hartmut Burkhardt, Verein für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde, Schmalkalden)
Seit die Henneberger Grafen 1360 das Gebiet um Schmalkalden mit dem Amt Schmalkalden, der Cent Brotterode und der Vogtei Herrenbreitungen, das sie schon „Herrschaft Schmalkalden“ nannten, nur mit Hilfe des Landgrafen von Hessen aus der Pfandherrschaft lösen konnten und nun je zur Hälfte mit den Hessen verwalten mussten, spätestens seit dem Aussterben der Henneberger 1583 und dem Beginn der hessischen Alleinherrschaft, war das Schicksal der hessischen Exklave Schmalkalden untrennbar mit der geschichtlichen Entwicklung der Landgrafschaft Hessen verknüpft. 1619 erfolgte durch Zugewinn des kursächsischen AmtesHallenberg im Tausch gegen die im hessischen Besitz befindliche halbe Cent Benshausen (Permutationsvertrag vom 13.04.1619) noch eine Gebietserweiterung. In dieser Form überdauerte das hessische Herrschaftsgebiet weitere fast 250 Jahre – nur unterbrochen in napolionischer Zeit von 1807 bis 1813 durch Zugehörigkeit als Kantondes künstlichen Staatsgebildes „Königreich Westfalen“ unter Jerome, dem Bruder Napoleons. (Frieden von Tilsit7.7.1807. Bildung der Kantone Schmalkalden, Floh, Seligenthal, Brotterode, Herrenbreitungen, Steinbach). Und selbst nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 blieb die Herrschaft Schmalkalden als Teil der neu gebildeten preußischen Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Cassel „hessisch“ orientiert, bis sie durch „Führererlaß“ vom 3. 7.1944 im Zuge einer „Zentralisierung der Verteidigungsstruktur“ derpreußischen Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt zugeschlagen wurde. Damit endete die Bindung unseres Gebietes an Hessen nach fast 600 Jahren endgültig.
Wenn wir heute am 3. Oktober hier oben stehen, um den seit September 2004 „gesichtslosen“ gewordenen Preußischen Grenzadler an der Neuen Ausspanne wieder aufgestellt zu sehen, ist ein Blick in die mit ihm verbundene deutsche und Territorialgeschichte des 19. Jahrhunderts angebracht.
Nachdem sich die hessische Exklave Schmalkalden unter den hessischen Landgrafen mehr oder weniger beachtet fand- man denke nur an den aufwändigen Bau der Sommerresidenz Wilhelmsburgunter Landgraf Wilhelm IV – trat zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine deutliche Verschlechterung ein.Nach dem Ende der sog. Revolutionskriege mit Frankreich und dem Frieden von Luneville 1801 wurden linksrheinische deutsche Gebiete an Frankreich abgetreten und brachten auch territoriale Verluste für das hessische Landgrafenhaus. Der damalige LandgrafWilhelm IX. erhielt 1803 als „Ausgleich“ als Wilhelm I. die Kurfürstenwürde und wir Schmalkalder wurden „kurhessisch“, wie es noch heute an zahlreichen Grenzsteinen aus dieser Zeit am Rennsteigsichtbar ist.
Napoleon Bonapartes erwachte Expansionsgelüste – 1804 hatte er sich zum erblichen Konsul Frankreichs selbst erhoben – richteten sich nun auf Deutschland, seine Hegemonievorstellungen auf Europa. Nachdem die Habsburger schon gedemütigt waren, richtete sich jetzt der Stoß gegen die zweite Hauptmachtim Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, gegen Preußen, das 1806 bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen wurde und im Frieden von Tilsit seine tiefste Erniedrigung erlebte. Das kleine Kurhessen fürchtete sich, zwischen die Fronten zu geraten. Kurfürst Wilhelm I. hatte deshalb 1806 mit Napoleon einen „Neutralitäts-Vertrag“ geschlossen, der aber nach dem Sieg über die Preußen von Napoleon gebrochen wurde mit der Begründung, der hessische Kurfürst hätte zum gleichen Zeitpunkt seine Armee auf 20.000 Mann verstärkt und offensichtlich nur auf einen anderen Ausgang des Krieges gegen Preußen spekuliert, um dann mit diesen gemeinsam gegen Napoleon Front zu machen. Der Kurfürst wurde abgesetzt, das Kurfürstentum dem Staatsgebilde Königreich Westfalen eingegliedert, das hauptsächlich aus Kurhessen, preußischen und braunschweigischen Gebieten gebildet wurde. Die Herrschaft Schmalkalden hatte in dieser Zeit viele Truppendurchzüge zu erdulden. Die Notlage der Bevölkerung verstärkte sich. Obgleich 1807 eine neue Verfassung für das Königreich Westfalen mit fortschrittlichen Inhalten in Kraft trat, war dies wenig Ausgleich für die Lasten der napoleonischen Herrschaft. Mit dem Sieg der alliierten Heere in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde Napoleons Niederlage besiegelt und damit auch das Ende des Königreichs Westfalen.
Im November 1813 konnte Kurfürst Wilhelm I. nach Cassel zurückkehren. Europa musste neu geordnet werden. Der habsburgische Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Franz II. hatte – offensichtlich dieser Würde und Pflichten überdrüssig – schon 1804 den Titel eines neuen Kaiser-reiches Österreich-Ungarn angenommen und 1806 die seit 1438 in habsburgischen Händen liegende Krone des Hl. R. R. D. N. niedergelegt. (Seither befinden sich die Reichsinsignien in Wien – Ausnahme 1938 – 1945 in Nürnberg).
Beim Wiener Kongreß 1815, an dem alle europäischen Staaten teilnahmen, wurden unter dem habsburgischen Fürstkanzler Metternich eine neue europäische Staatenordnung und neue Grenzfestlegungen vereinbart. Deutschland wurde durch den Widerstand Österreichs der erhoffte Nationalstaat verweigert. Dagegen entstand ein loser Staatenbund – der Deutsche Bund - mit dem Kaisertum Österreich als Präsidialmacht, den Königreichen Preußen,Bayern, Sachsen, Hannover und Württemberg, dem Kurfürstentum Hessen – Kurfürst Wilhelm I. wurde die Königswürde verweigert, er behielt den jetzt völlig wertlosen Titel „Kurfürst“- ,sieben Großherzogtümern, zehn Herzogtümern, ein Flickenteppich von Mittel- und Kleinstaaten, ohnmächtig gegen die Deutschland umgebenden Zentralstaaten, Keim neuer Konflikte, nicht zuletzt durch den sich schon abzeichnenden Dualismus zwischen der Präsidialmacht Österreich und dem durch Gebietszuwachs wieder erstarkenden Preußen.
Die Herrschaftshäuser begannen im Gegensatz zu allen Volksbestrebungen eine restaurative, reaktionäre Politik, die ganz auf die Wiederherstellung der alten Ordnung und Machtverhältnisse gerichtet war. So hielt es auch der nach Cassel zurückgekehrte hessische Kurfürst Wilhelm I., der zunächst Reformen versprach, einen neuen Verfassungsentwurf vorlegte und wieder zurückzog. Auch die Wiederherstellung der Landstände wurde nicht eingehalten und meist per Verordnungen regiert. Als nach Wilhelm I. Tod sein Sohn als Wilhelm II. die Regierung übernahm, erregte nicht nur sein Verhältnis zur bürgerlichen Emilie Ortlepp, vom Kurfürsten zur Gräfin von Reichenbach und vom österreichischen Kaiser zur Fürstin von Hanau und Horowitz erhoben, allgemeinen Anstoß, sondern vielmehr auch seine allgemeine Herrschaftspolitik.Es kommt zu Unruhen in Kurhessen, so dass sich Kurfürst Wilhelm II. zur Verlegung seiner Residenz nach Hanau genötigt sah und seinen Sohn, Kurprinz Friedrich Wilhelm, zur Mitregentschaft einsetzte. Der verfügte den Zollanschluß Kurhessens an Preußen, lag aber im ständigen Streit mit den Verfassungsorganen Landtag und Ständeversammlung. Das änderte sich auch nicht nach dem Tod Wilhelm II. und der Alleinherrschaft Kurfürst Friedrich Wilhelm I., so dass die revolutionären Erhebungen von 1848 auch in Kurhessen wirkten.
Die Reichsverfassung von 1849 wurde angenommen und Grundrechte publiziert. Die Ständeversammlung setzte den Beitritt Kurhessens zur preußisch dominierten Deutschen Union (Am 26.05.1849 geschlossenes „Dreikönigsbündnis“ von Preußen, Hannover und Sachsen, das nach dem Scheitern des Verfassungswerkes der Frankfurter Nationalversammlung eine deutsche Bundesstaatsverfassung unter ausdrücklichem Ausschluß Österreichs, aber unter Leitung Preußens ausarbeiten sollte. Unter österreichischem und russischen Druck musste Preußen in der sogen. „Olmützer Punktation“ vom 29.11.1850 seine Pläne zurückziehen. U.a. akzeptierte Preußen hierin auch die sogen. Bundesexekution gegen Kurhessen) durch. Doch die Unionsverfassung erschwerte die Unterdrückung des andauernden Volkswiderstandes. Kurfürst Friedrich Wilhelms mächtigster „Handlanger“ war Minister Hassenpflug, der als „Hessenfluch“ konsequent gegen parlamentarische Rechte vorging und mit Hilfe von Österreich im deutschen Bundestag in Frankfurt am Main intrigierte. War die vom Volk beanstandete Ehe des Kurfürsten der erste Schritt zur Annäherung an Österreich, so folgte jetzt mit Hassenpflugs Politik ein zweiter Schritt. Wegen Haushaltsstreitigkeiten, Finanzen und Steuerverweigerung wurde vom hessischen Ministerium sogar der „Kriegszustand“ erklärt und Hassenpflug forderte im Frankfurter Bundestag das Eingreifen des Deutschen Bundes in die hessischen Angelegenheiten. Im November 1849 überschreitet deshalb ein österreichisch-bayrisches Armeekorps, die sogen. „Strafbayern“ die kurhessische Grenze.
Kurfürst Friedrich Wilhelm kehrt nach Cassel zurück und lässt hessische Beamte, Richter und Offiziere vor Gericht stellen. Die Verfassungsstreitigkeiten dauern an,Preußen und Österreich mischen sich ein, und erst nach Hassenpflugs Sturz wurden 1862 die fortschrittliche Verfassung von 1831, das Wahlgesetz und die Geschäftsordnung der Stände von 1848 wieder eingesetzt.
Inzwischen hatte die sogen. Schleswig-Holstein-Frage – die hier nicht weiter betrachtet werden kann – im Deutschen Bund zu neuen Spannungen geführt. Nach dem polnischen Aufstand gegen die Besatzungsmacht Russland hielt es Dänemark für günstig, seine Pläne hinsichtlich der Herzogtümer Schleswig und Holstein umzusetzen.
Dänemark beabsichtigte im Widerspruch zum sogen. Londoner Protokoll (08.05.1852 , Anerkennung von Prinz Christian von Schleswig -Holstein – Sonderburg – Glücksburg von allen Großmächten und Schweden) die Eingliederung Schleswigs in den dänischen Gesamtstaat. Bismarck, der in Preußen mit einer starken liberalen Oppositionzu kämpfen hatte, kam der aufbrechende Streit sehr zupass, zumal er die Annektierung Schleswig-Holsteins längst im Visier hatte. Es gelang ihm aber, durch das Pochen auf den Londoner Vertrag, Österreich noch einmal auf seine Seite zu ziehen. AlsDänemark auf die ultimative Aufforderung, die den Londoner Abmachungen zuwiderlaufende Gesamtstaatsverfassung zurückzuziehen, nicht reagierte, überschritten am 1. Februar 1864 preußische und österreichische Truppen die Grenze nach Dänemark. Die Kampfhandlungen endeten mit dem sogen. Wiener Frieden vom 30.10.1864, in dem man sich über eine gemeinsame Herrschaft über Schleswig und Holstein einigte. Doch die Streitigkeiten zwischen Preußen und Österreich brechen rasch wieder auf.
Der stockkonservative Bismarck überraschte alle liberalen und progressiven Kräfte, als er im April 1866 im Frankfurter Bundestag den Antrag einbringt, ein Nationalparlament zu berufen, das aus allgemeinen und direkten Wahlen hervorgehen und über eine Reform der Bundesverfassung beraten soll, ein Affront gegen das Kaisertum Österreich, die Präsidialmacht im Deutschen Bund! Fast gleichzeitig überträgt Österreich im Juni 1866 die Entscheidung in der Schleswig-Holstein-Frage dem Frankfurter Bundestag und sagt sich damit vom Gasteiner (14.08.1865, Vertrag zwischen Österreich und Preußen über die provisorische Verwaltung der Fürstentümer Schleswig und Holstein, am 20.08.1865 von Kaiser Franz Joseph und König Wilhelm unter-zeichnet. Die Verwaltung Holsteins mit überwiegend deutscher Bevölkerung geht an Österreich, die von Schleswig mit dänisch- deutscher Bevölkerung an Preußen. Lauenburg wurde gegen eine Entschädigungszahlung in Höhe von 2,5 Mio. Thaler von Österreich an Preußen abgetreten) und Londoner Vertrag los, ein Affront gegen Preußen! Sofort rücken als Antwort am 9. 6. 1866 preußische Truppen in Holstein ein. Außerdem unterbreitet Bismarck jetzt im Bundestag die Grundzüge einer neuen Bundesverfassung o h n e Österreich.
Daraufhin beschließt die mehrheitlich auf österreichischer Seite stehende Mehrheit am 14. 6. 1866 die Mobilmachung der Bundestruppen. Preußen erklärt als Antwort den „Bundesvertrag“ für gebrochen und erloschen. Der hessische Kurfürst Friedrich Wilhelm I. hatte sich entgegen aller mahnenden Einwände von Ministern, Offizieren, Ständen und trotz seiner engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu Preußen (er war der Sohn von Auguste, Tochter des preuß. Königs Friedrich- Wilhelm II.) am 14. 6. 1866 für den Bundesbeschluß, und damit auf dieSeite Österreichs gestellt. Zudem wies er alle preußischen Vermittlungsversuche ab und befahl die sofortige Mobilmachung der hessischen Truppen.
Schon am 16. 6. 1866 rückten preußische Truppen in Kurhessen ein und besetzten die Residenzstadt Cassel. Der hessische Kurfürst Friedrich Wilhelm I. wurde gefangen genommen und in Gefangenschaft nach Stettin abgeführt, oder wie es hieß „vom preußischen König eingeladen, für die Dauer des Krieges seinen Wohnsitz nach Preußen zu verlegen“. In seiner Begleitung befand sich u.a. Hauptmann Friedrich Brack, der spätere Bürgermeister von Schmalkalden. Die hessischen Truppen hatten bis auf ein Gefecht nicht in die Kampfhandlungen eingegriffen. Am 22. 6.1866 überschritt die preußische Hauptarmee die böhmische Grenze und besiegte am 3. 7. 1866 die Bundestruppen bei Königgrätz vernichtend. Während im Friedensschluss von Prag am 23.8.1866 der Territorialbestand von Österreich, Sachsen, sowie aller süddeutschen Staaten zugesichert wurde, annektierte Preußen das Königreich Hannover, das Fürstentum Nassau, die Stadt Frankfurt sowie K u r h e s s e n . Schon am 16.8.1866, also noch vor der Unterzeichnung des Friedensvertrages, gab König Wilhelm von Preußen in einer Botschaft an den Landtag bekannt, dass er zur Annexion dieser Staaten entschlossen sei.
Am 20. 9. 1866 wurde die „Vereinigung“ des ehemaligen Kurfürstentums Hessen mit dem preußischen Königreich per Gesetz bekanntgegeben:
…“Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preußen etc. etc. verordnen mit Zustimmung beider Häuser des Landtages was folgt: § 1. Das Königreich Hannover, das Kurfürstenthum Hessen, das Herzogthum Nassau und die freie Stadt Frankfurt werden in Gemäßheit des Artikels 2 der Verfassungs-Urkunde für den preußischen Staat mit der preußischen Monarchie vereinigt…
Gegeben Berlin, den 20. September 1866 Wilhelm“ (Sammlung von Gesetzen für Kurhessen, Jahr 1866 – Nr. XIV – September)
Am 8.10.1866 verfügte König Wilhelm in einem Patent u.a.
"Wir befehlen, die Preußischen Adler an den Grenzen zur Bezeichnung Unserer Landesherrlichkeit aufzurichten..."
Kurz vorher begrüßt und umarmt König Wilhelm in einer Allerhöchsten Proklamation vom 3. 10.1866 alle Kurhessen als seine neuen Landeskinder.
Aber schon am 14. September 1866, also deutlich vor den von König Wilhelm erstmals geäußerten Annexionsplänen, und vor der gesetzlichen Verkündung in seinem „Besitznahmepatent“ vom 3. 10. 1866 schenkte der preußische König die ihm zu dieser Zeit noch nicht gehörenden in der Herrschaft Schmalkalden gelegenen hessischen Staatsforsten mit 8665.0 ha an Herzog Ernst II. von Sachsen - Coburg und Gotha.
Bismarcks Angebot an Herzog Ernst II., die gesamte Herrschaft Schmalkalden dem gothaischen Staat einzugliedern, lehnte Ernst II. dankend ab, da das Zugewinngebiet zu arm und deshalb für ihn eine Belastung sei. Die Jagd wäre aber für ihn sicher von großem Interesse.
(Diese Schenkung wirkt über Revolution und Weltkrieg II mit seinen Folgen bis in unsere Tage).
Bemerkenswert an der Schenkung sind insbesondere zwei Fakten:
1. Die Dotation erfolgt am 14. 9. 1866 deutlich vor Verkündung der Annexion und stellt folglich die Weitergabe einer „Kriegsbeute“ dar.
2. Die Dotation erfolgte nicht an das Herzogtum Sachsen – Coburg – Gotha, sondern vielmehr als persönliches Eigentum im Sinne eines fideikommissarischen (Nach preußischem Recht ein Wertobjekt, meist Grundbesitz, das unveräußerlich und nur innerhalb von Familien nach Erbfolge ungeteilt an ein anderes Glied der Familie übergeht) Privateigentums an das Hzgl. Sachsen – Coburg und Gothaischen Haus.
Anlass für die großzügige Schenkung sollte nach König Wilhelm der Dank an Herzog Ernst II.
von S.C.G. für geleistete militärische Hilfe sein. Die gothaischen Truppen hatten im Krieg die taktische Aufgabe übernommen, den Zusammenschluss der feindlichen bayrischen und hannoveranischen Armeen zu verhindern. Sie hatten in den Gefechten bei Langensalza Tote und Verwundete zu beklagen, die Bevölkerung durch auferlegte Truppendurchzüge und Biwaklager Belastungen hinnehmen müssen.
In einer Vereinbarung des Bevollmächtigten S.M. des Königs von Preußen und S.H. dem Herzog von Sachsen – Coburg – Gotha heißt es: … „S. M. d. König von Preußen, geleitet von dem Wunsche, S. H., dem Herzog von S.C.G. für die im Laufe der letzten kriegerischen Ereignisse gebrachten Opfer eine Entschädigung zu gewähren und zugleich ein Beweis des Anerkenntnisses der getreuen Bundesgenossenschaft G. H. vom ersten Anfang des Krieges bis zuletzt und der threuen und wirksamen Theilnahme des Herzoglichen Contingents an der kriegerischen Action, tritt die in der ehemaligen kurhessischen Herrschaft Schmalkalden gelegenen Staatsforsten mit allem Zubehör an Forsthäusern, Pirschhäusern, Feld- und Wiesengrundstücken, Teichen und Fischereien und allen Inventarien etc. an S. H. den Herzog von Coburg und Gotha ab….“
Wie reagierte nun die Bevölkerung der ehem. kurhessischen Gebiete, im speziellen die der Herrschaft Schmalkalden auf den Hoheitswechsel ? Es wurde schon gesagt, dass das Casseler Interesse an der hessischen Exklave Schmalkalden seit kurhessischen Zeiten, also seit Beginn des 19. Jh. spürbar nachgelassen hatte. Man sagte, dass missliebig gewordene Beamte nach hier versetzt wurden und sprach vom „Hessisch-Sibirien“. Die wirtschaftliche Situation der zahlreichen Handwerksbetriebe hatte sich zur gleichen Zeit ständig verschlechtert. Schon nach den negativen Folgen des Siebenjährigen Krieges, dem preußisch-französichen Krieg von 1806, den Lasten des Befreiungskrieges 1813, der beginnenden industriellen Fertigungsweise, dem bodenständigen Beharren auf der Produktionsweise der Väter einerseits und den wiederholt schlechten Ernten auf kargen Böden andererseits war die Situation der ca. 45.000 Einwohner der Herrschaft Schmalkalden schlecht. Es bestanden wenig Sympathien für das kurhessische Haus, wenn auch die Stadt beim Tod von Kurfürst Wilhelm II. 1847 ein vierwöchentliches Trauergeläute anordnete, bei dem die historische Große Oster sprang.
Um die Notlage zu lindern, organisierte der damalige Bürgermeister Utendörfer „Notarbeiten“, wie den Ausbau des in schlechtem Zustand befindlichen Forstweges ins Pfaffenbachtal bis zu den Landwehrgräben am Steinkopf auf Kosten der Stadt, an der bis zu 385 Arbeiter beschäftigt waren. Arbeitslose Bergarbeiter aus Herges-Vogtei bauten die Fortsetzung der Straße bis ins Trusetal.
Im August 1866 kamen 225 preußische Soldaten zur „Besitzergreifung“ nach Schmalkalden. Sie wurden von der Bevölkerung freundlich aufgenommen und rückten schon am 8. Oktober wieder ab.
Im sog. preußischen „Diktaturjahr“ (Von der preußischen Regierung für die Zeit vom 01.10.1866 bis 01.10.1867 in Vorsorge auf evtl. zu erwartende Widerstände in den Annexionsgebieten ausgerufen) ergoss sich auf die ehem. Kurhes-sichen Gebiete eine wahrhaft preußische Gesetzesflut, die „Wolken-bruchgesetzgebung“ (Zu den wichtigsten Gesetzen gehörte das über die Abschaffung der Zünfte vom 29.03.1867 sowie das über die Beschäftigung von Jugendlichen in der Industrie vom 22.09.1867) und einhergehend eine Verwaltungsreform. Die Herrschaft Schmalkalden kam zur neu gebildeten Provinz Hessen-Nassau und darin zum Regierungsbezirk Cassel. Die Regierungsbezirke wurden nach preußischem Muster in Landkreise unterteilt und die Herrschaft Schmalkalden somit zum Landkreis „Herrschaft Schmalkalden“.
Doch schon bald wurde gerade dieser Landkreis vom preußischen Oberpräsidenten von Witzleben in Frage gestellt. Er sollte nach seinen Plänen dem schon vorher preußischen Landkreis Schleusingen zugeschlagen werden. In einer ausführlichen Stellungnahme vom 23. 1. 1867 sprach sich der damalige Schleusinger Landrat Herold ausdrücklich gegen die Verschmelzung aus und führte topographische Gründe am Beispiel Brotterode / Kreisstadt Schleusingen, unterschiedliche kirchliche Zugehörigkeit, Unterschiede bei Handel und Industrie, bei Agrar- und Kommunalverhältnissen, aber auch charakterliche Unterschiede bei der Bevölkerung an. Obwohl beide hennebergisch-fränkisch, seien die Bewohner der Herrschaft Schmalkalden durch die jahrhundertelange hessische Prägung mit Schleusingern nicht recht kompatibel. Auch sollte man zwei arme Kreise nicht vereinen. Dagegen sollten die Schleusinger Orte Viernau und Christes, weil näher an Schmalkalden gelegen, dem Kreis Schmalkalden zuschlagen.
Allmählich besserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse unter preußischer Herrschaft. Teile des „Kurhessischen Hausschatzes“, die der ehem. Kurfürst nach einem „Auseinandersetzungs Vertrag“ mit Preußen nicht mit ins böhmische Exil nehmen konnte und den ehemalig kurhessichen „Staatsschatz“ verwandte Preußen auf Druck der Kommunalstände zum dringend nötigen Aufbau des Landes. Für die Herrschaft Schmalkalden brachten neue Verkehrsanbindungen, Entwicklung der Industrie, Ausbau des Schulwesens allmählichen Aufstieg, der in der Zeit nach der Reichsgründung gefestigt werden.
Grenzadler an der Neuen Ausspanne zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Am 3. Oktober 1866 war die kgl. preuß. Anordnung auf Errichtung preußischer Hoheitszeichen ergangen. Sie wurden an den Straßenüberhängen der Herrschaft zu den Territorien der sächsich-thür. Herzogtümer Sachsen – Coburg – Gotha und Sachsen – Meiningen errichtet. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges und der von den alliierten Siegermächten befohlenen Auflösung des Staates/Landes Preußen als „Hort immer-währenden Militarismus’“ endete auch für die Herrschaft Schmalkalden die „Preußenzeit“. Die SMAD ( Sowjetische Militäradministration Deutschland, höchstes Verwaltungsorgan der sowjetischen Besatzungsmacht. SMATh., Sowjetische Militäradministration in Thüringen) verfügte die Beseitigung der Preußenadler. Sie wurden aus den Sandsteinsäulen herausgebrochen und vernichtet (?).
Der Wirt des Gasthauses „Kleiner Inselsberg“ zeigte Zivilcourage und bewahrte den am Standort Grenzwiese abgenommenen Grenzadler auf und brachte ihn aus Sicherheitsgründen über die inzwischen entstandene innerdeutsche Grenze. Nach der politischen Wende 1989 gelangte der Adler in den Besitz der Wirtstochter, Frau Christa Malsch, und die Kunde, dass einer der Grenzadler noch unversehrt erhalten sei. Verdienstvolle Heimatfreunde um Jochen Heusing aus Schmalkalden, Helmut Köllner, Gerhard Ringer aus Kleinschmalkalden und Dr. Stötzer aus Tambach-Dietharz konnten sich sofort eine Wiederanbringung an den Originalstandorten vorstellen. Sie organisierten die notwendigen finanziellen Mittel bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Schmalkalden und ließen in Zella-Mehlis Neuabgüsse herstellen, die dann wiederum am 3. Oktober 1992 an den Standorten Waldschenke bei Kleinschmalkalden, an der Grenzwiese bei Brotterode, an der Neuen Ausspanne am Nesselberg und an der Schützenwiese bei Oberhof feierlich angebracht wurden. 1993 folgten die Aufstellung in Herrenbreitungen und eine Wiederanbringung in Bairoda, 2006 eine Wiederaufstellung am Ortsausgang Mittelschmalkalden (mit Hilfe der Freunde der Todenwarth.
Am 3./4. September 2004 stahlen gewissenlose Souvenirjäger oder kriminelle Metalldiebe den Grenzadler an der Neuen Ausspanne mit brachialer Gewalt. Polizeiliche und staatsanwaltliche Nachforschungen ergaben keinen Hinweis. Wieder stand der Grenzadler „gesichtslos“.
Bild: Ulrich Rüger, der gesichtslose Grenzadler an der Neuen Ausspanne
Bild: Ulrich Rüger, kurz vor dem Diebstahl entstand dieses Foto
Auf Initiative des Vereins für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde e.V. wurde der gesamte Stein in diesem Jahr mit finanzieller Hilfe der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Schmalkalden-Meiningen und der Gemeinde Floh-Seligenthal, für die wir hier herzlich danken, vom Natursteinbetrieb Köpler in bewährter Weise restauriert, wieder mit seinem Preußenadler versehen aufgestellt und soll heute, genau 141 Jahre nach der von Preußen befohlenen Aufstellung, wieder der Öffentlichkeit übergeben werden.
Inzwischen wissen wir – und können es auch wieder sagen – dass Preußen viel mehr war als Militarismus: Disziplin und Ordnung, wissenschaftlich-technischer Fortschritt, vor allem aber auch Toleranz. So erinnert uns der wieder aufgestellte Adler an fast 80 Jahre Preußenzeit für die Herrschaft Schmalkalden, aber auch an die Überwindung der Kleinstaaterei. Wir sind nun „Hessen“ im Freistaat Thüringen in der Bundesrepublik Deutschland und endlich auch in einem vereinten fast grenzenlosen Europa.
So übergeben wir den Stein der Öffentlichkeit mit der Bitte um Schutz und Bewahrung.
Schmalkalden im September 2007 Hartmut Burkhardt
Mein Dank gilt den Jagdhornbläsern aus Floh-Seligenthal, die unsere kleine Feierstunde würdig umrahmten, dem Diabaswerk Nesselgrund, das uns ganz unbürokratisch und schnell eine LKW-Ladung Schotter zur Verfügung stellte und meinen Freunden des Geschichtsvereins und mir ermöglichte, die Umgebung des Grenzadlers in einen „begehbaren“ Zustand zu versetzen.
Engelberg, Bismarck Akademieverlag Berlin 1986
Bismarck, Dokumente seines Lebens Reclam 1986
Lemberg, Wolff, Das nördliche Hessen, Zeugnisse seiner Geschichte, Heft 5 Kurhessen wird preußisch 1995
Lehnert, Die Kriegsereignisse des Jahres 1866 im Hzgt. Gotha z.Zt. des Treffens von Langensalza, 1899 Repro: Rockstroh
Hoffmeister, Wahl, Die Wettiner in Thüringen Rhino-Verlag Arnstadt und Weimar 1999
Chronik von Schmalkalden, Heft 2 u. 3 Stadt- und Kreisarchiv Schmal-kalden 2007
Zeitschrift für Hennebergische Geschichte und Landeskunde zu Schmalkalden, Heft XI
Pistor, Stadt und Herrschaft Schmalkalden im Kriege 1866, Heimatkalender 1916
Akten der hzgl. Sachsen-Gotha und Coburgischen Hauptverwaltung, Forst-abteilung Reinhardsbrunn
Unterlagen des Stadt- und Kreisarchivs Schmalkalden.
Köllner, Dokumentation zur Wiederanbringung der ehem. Preußischen Grenzadler 2005
Brockhaus Konversationslexikon 1898
Akten des Stadt- und Kreisarchivs Schmalkalden
historisches Foto vom Grenzadler bei Oberhof zu Beginn des 20. Jh. (Bild: archiv-rüger)
der Oberhofer Grenzadler, aufgenommen zur Pfingstrunst 1940 (archiv-rüger)
Foto des Grenzadlers bei Oberhof aus dem Jahre 2008
neueres Foto vom Oberhofer Grenzadler von Manfred Kastner (vergl. dazu auch Rennsteigchronik 2014)
Bauarbeiten am Grenzadler bei Oberhof (November 2014)
Grenzadler am Kleinen Inselsberg, Grenzwiese aufgenommen zur Rennsteigneuvermessung im Jahre 2003, mit Aufschrift auf dem Obelisk, die jeglichen denkmalschutzrechtlichen Regeln widerspricht
In Alsbach, oben auf dem Rennsteig, befand sich eine Ausspanne der Herzoglich Sachsen-Meiningen Fürstl. Thurn und Taxis'schen Post. Hier wurden unter anderem auch Belege für gewisse Transportleisungen ausgegeben. Da man sich hier auf sehr unwegsamen Gelände fortbewegte, war eine besondere Pflege und Wartung von Ross und Kutsche erforderlich. Diese Leistungen wurden dem jeweiligen Auftraggeber der Beförderungsleistung anteilig in Rechnung gestellt. Hierzu gehörte auch das sogenannte "Schmiergeld" (Wagenschmiere für die beweglichen Metallteile an den Kutschen). Wahrscheinlich ist so auch der Begriff "Schmiergeld" für Leistungen, wenn es halt einmal schneller gehen sollte und es dabei am Willen der beauftragten Person mangelte, entstanden.
ein Postbeleg der Ausspanne Alsbach über die Zahlung von Schmiergeld vom 05. August 1846
Es gibt insgesamt noch 2 solcher Wegesteine am Rennsteig. Ein Stein befindet sich direkt an der Straße Neustadt am Rennsteig/ Großer Dreiherrenstein, dort wo der Rennsteig die Straße kreuzt. Der 2. Stein steht gegenüber vom Großen Dreiherrenstein.
1968 entstand dieses Foto (erstgenannter Stein oben) bei meiner Runst auf dem Rennsteig Ascherbrück
Bühringsblick, Bühringshütte
Aus dem Jahre 1909 stammen die folgenden Bilder vom Aussichtspunkt Bühringsblick am Nordhang des Fehren-berges, westlich von Masserberg. Heute befindet sich neben der Hütte die Bergstation einer Abfahrtspiste. Hütte und Aussicht sind noch vorhanden. Auf dem unteren Bild sind noch einige Felsformationen der Gießübler Schweiz, wie zum Beispiel das Nadelöhr (unten Mitte) abgebildet.
Eine historische Karte aus dem Jahre 1794 stellt den Grenzverlauf am Rennsteig zwischen der Hohen Lach und dem Dreiherrenstein am Saarzipfel dar. Auf dieser Karte sind auch die beiden damaligen Glashütten Glücksthal auf der Meininger- und Habichtsbach auf der Schwarzburger Rennsteigseite dargestellt.
oben: Legende zur Karte von 1794, unten: Kartenausschnitt mit den beiden Glashütten
Das Gasthaus wird im Jahre 1965 abgebrochen. Seine Geschichte lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurück verfolgen. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Parkplatz. Gegenüber auf der anderen Straßensteite entstand ein neues Gasthaus mit dem gleichen Namen.
Hörschel als Anfangs-oder Endpunkt der Runst, war bereits seit dem 19. Jahrhundert eine beliebte Sommerfrische für die Bewohner der umliegenden Städte in Hessen und Thüringen.
Der Rennsteigverein prägte die Tradition einen Stein von der Werra oder von der Selbitz mit auf dem Weg der Runst zu nehmen und diesen am jeweiligen Zielort in den Fluss zu werfen. Die Bilder aus den Jahren 1935 stammen auch vom damaligen Fotografen des Vereins, der die Höhepüunkte der Runst dokumentierte.
1935, Brautgasse
1935, Werraufer
1935, Werraufer, links: Julius Kober
1935, zweiter von rechts: Vater Gonnermann
1936, Bahnhof Hörschel
1936, Ortsmitte
Neuhäuser Marktrecht
Am 12. April 1729 erhält der schwarzburgische Ort Neuhaus vom Fürstenhaus in Rudolstadt das Marktrecht. Die nachfolgende Urkunde ist eines der wenigen Originaldokumente, dass beim Angriff der Amerikaner im Jahre 1945 nicht vernichtet wurde. Bei diesem Angriff wurden zahlreiche Gebäude des damaligen Stadtzentrums zerstört, dabei war auch das Rathausgebäude mit seinen Archivräumen.
Kopie der Originalurkunde aus dem Jahre 1729 Oberhof
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Oberhof im Jahre 1470. Der Ort lag im damaligen Amt Schwarzwald und gehörte zu verschiedenen ernestinischen Herzogtümern, von 1826 bis 1918 zum Hause Sachsen Coburg-Gotha.
1830 liess Herzog Ernst ein Jagdschloss errichten. 1884 erhielt der Ort Bahnanschluss.
Herzog Carl Eduard von Sachsen Coburg-Gotha war leidenschaftlicher Wintersportler. Ihm war es zu verdanken, dass Oberhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein namhafter Wintersportort in Deutschland wurde. 1931 fanden hier sogar Weltmeisterschaften im Wintersport statt
Von der DDR-Führung wurde der Ort systematisch zum Wintersportort ausgebaut. Dieser Trend hält bis in die Gegenwart an.
1862, Jagdschloss
Durchschlagsfest am Brandleitetunnel, 23. Februar 1883
1902, Zellasche Straße
Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha beim Skilaufen in Oberhof, 1908
um 1920, Rennsteig bei Oberhof
Bahnhof, Brandleitetunnel, 1920
Jugendherberge, 1928
Straße zum Bahnhof, 1935
Der Name Plänckners Aussicht stammt von A. W. Fils der im Jahre 1858 im Bereich des Beerberges Höhenmessungen durchführte. In Petermanns Mitteilungen des Jahres 1859 schreibt er dazu auf Seite 259ff:
Nahe bei dem zwischen Landesgrenzstein 83 und 82 am Großen Beerberg gelegenen höchsten Punkte des Rennsteiges auf seiner ganzen Länge und gegen 30 Schritte nördlich vom Wege findet sich eine der reizendsten Aussichtsstellen mit Tisch und Bank versehen, mit einem landschaftlichen Bilde vor sich, das Suhl in der Tiefe zeigt... Unbedenklich der Mühe wert, diese Stelle zu besuchen, die wir Plänckners Ruhe getauft haben zu Ehren eines Mannes, der sich viele Verdienste um die Kunde Thüringens ec. erworben hat... Auf der 3. Jahreshauptversammlung des Rennsteigvereins im Waldhaus Weidmannsheil wird am 28. Mai 1898 vorgeschlagen, auf dem Beerberg bei Plänckners Aussicht eine Tafel aufzustellen, auf welcher an den Rennsteigforscher Julius von Plänckner erinnert wird. Am 30. Mai wird der Standort ausgemessen.
Leider ist bei der Anfertigung der Tafel ein falscher Vornamen eingraviert worden. Statt Julius von Plänckner wurde der Name "Justus" von Plänckner eingraviert. Der Fehler wurde nie berichtigt. Der Besucher findet noch heute den falschen Namen auf der Tafel vor.
1971 (Stein nicht mehr vorhanden)
Rennsteigkarte von Clemens Major
Clemens Major betätigte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Kartograph, obwohl er diesen Beruf nicht erlernt hatte. Er gilt als Schöpfer der 5-teiligen Rennsteigkarte und Mitautor des bekannten Rennsteigprofils auf der Grundlage dieser Karte. Nachfolgend ein Korrekturexemplar von Clemens Major, darunter die dazu gehörigen Empfehlungen für den Lithographen.
Der Bau des Straßenobeliskes erinnert an den Straßenbau der Jahre 1830-32, den der gothaische Hauptmann und Straßenbauer Julius von Plänckner leitete.
1826 wurde das ernestinische Adelshaus neu geordnet. Um eine kürzere Verbindung der beiden Herzogtümer Coburg und Gotha zu schaffen, veranlasste Herzog Ernst I. den Bau einer neuen Straße über den Pass bei Oberhof.
Im Jahre 1834 wurde dann der Obelisk errichtet. Der Entwurf stammte vom Gothaer Hofbaurat Gustav Eberhard.
Auf der einen Seite sind alle Namen der am Bau beteiligten Personen eingearbeitet.
Die Inschriften der folgenden Seiten lauten wie folgt:
"Wie sich die Straße so sicher und leicht zu den Höhen hinaufschwingt, Länder mit Ländern verknüpft, Handel und Künste belebt.“
„Heil dem schaffenden Sinn, der zum freundlichen Garten die Wildnis umschuf und der Natur Schrecken in Lieblichkeit kehrt.“
„Ernst Herzog zu Sachsen erbauete diese Straße zur Höhe des Gebirgs 2572 Par. Fuß in den Jahren 1830=1832.“
Nachfolgende Bilder dokumentieren die Restaurierungsarbeiten am Obelisk im Jahre 2003. Sie entstanden am 03.07.2003. Die Arbeiten wurden von einer Sachsenbrunner Steinmetzfirma durchhgeführt.
Der Bau der Schutzhütte war ein Gewinn für die Rennsteigwanderer, war doch bisher auf der Strecke von Oberhof bis zur Neuen Ausspanne (Nesselberg) keine überdachte Rastmöglichkeit vorhanden.
Die massiv errichtete Hütte wurde mit Porphyrsteinen gemauert. Die Hütte besteht aus einem überdachten Vorbau und einem Aufenthaltsraum der durch einen offenen Zugang über den Vorbau zu erreichen ist.
Zur Einweihungsfeier am 20.Juni 1909 waren aus der Umgebung zahlreiche Renner angereist. Die Festrede hielten Herr Weidinger aus Schmalkalden und Herr Landgerichtsrat Lincke, der Vorsitzende des Thüringerwald Vereins aus Eisenach. Von herzoglicher Seite (Grundeigentümer) war der Hofkammerpräsident von Bassewitz anwesend.
Die Wartburg bei Eisenach liegt zwar nicht unmittelbar am Rennsteig, doch die Geschichte der Burg beeinflusste die gesamte Region. Besonders wegen der bezaubernden Aussichten vom Rennsteig auf die Wartburg ab der Hohen Sonne, wurde die Burganlage mit in die Sammlung historischer Bilder aufgenommen.
1873 (aus: Gartenlaube)
Kümpel, Constantin (1856 - 1942) - Der Erbauer des Dreistromsteines
Am 11. Dezember 1856 wurde Constantin Kümpel in Steinach geboren. Sein Vater, Emil Kümpel (1813-1894), war zu diesem Zeitpunkt Oberförster in Steinach. Einen Großteil seiner Kindheit verbrachte Constantin im nahe gelegenen Steinheid. Der Vater, sein großes Vorbild, nahm den Jungen oft mit in sein Revier. So lernte Kümpel die Natur kennen, beschäftigte sich mit der regionalen Geschichte und lauschte aufmerksam den Alten, wenn sie die alten Sagen und Märchen ihrer Steinheider Heimat erzählten. Constantin Kümpel interessierte sich lebhaft für die Geschichte des Goldbergbaues in der Umgebung von Steinheid. Aus diesem Interesse heraus entstand auch 1927 sein historischer Roman „Bei den Goldsuchern“, ein Roman, der sich oftmals auf tatsächliche Begebenheiten des Goldbergbaues rund um Steinheid bezog. Nach seinem Studium übte Kümpel den Beruf eines Lehrers aus. Von 1879 bis 1889 unterrichtete er an der Lauschaer Schule Mathematik. Danach war er bis 1910 Lehrer am Technikum in Hildburghausen. Am 18. Februar 1879 heiratete Constantin Kümpel Ottilie Eichhorn. Aus dieser Ehe stammen 3 Söhne und 3 Töchter. Zwei große Schicksalsschläge prägten in dieser Zeit sein weiteres Leben. Zunächst verlor er kurz hintereinander seine Töchter Else und Helene, die beide im Jahre 1906 an einer Lungeninfektion starben. Seine Frau konnte den Tod der beiden Töchter nie richtig verwinden. Sie starb am 05. Dezember 1909. Daraufhin verließ Kümpel Hildburghausen. Er heiratete ein knappes Jahr nach dem Tod seiner Frau in Leipzig - Paunsdorf Frau Helene Kern - Grützner. In Leipzig arbeitete Kümpel auch bis zu seiner Pensionierung als Lehrer. Interessant für sein Wirken in der Steinheider Region sind die Jahre vor seinem Umzug nach Leipzig, also etwa von 1900 bis 1910. In dieser Zeit befasste er sich neben seinen pädagogischen Aufgaben intensiv mit der lokalen Geschichte, der Geographie und der Geologie. Besonderes Augenmerk richtete Kümpel auf das Siedlungsgebiet der Kelten auf den Gleichbergen und auf das Gebiet des damaligen Schießplatzes, auch als Saarzipfel bekannt. Er griff den Gedanken des bekannten Alpenforschers Adolph Schaubach auf und regte den Bau eines Dreistromsteines an, dessen 100-jähriges Jubiläum wir heute feiern.
Wie Ludwig Hertel, der damalige Fürsteher des Rennsteigvereins, war auch Constantin Kümpel, ebenfalls Mitglied in diesem Verein, Verfechter der Fehrenbacher Werraquelltheorie, was beiden die Missgunst der Siegmundsburger Bürger einbrachte. Vielleicht auch ein Grund, weswegen die Siegmundsburger nicht so zahlreich zur Steinweihe erschienen sind, als das die Presse darzustellen versuchte. Trotzdem bringen derartige Dispute auf wissenschaftlicher Basis die Geschichtsforschung weiter. Indem man sich kritisch mit verschiedenen Auffassungen auseinander setzt, kommt man der Realität näher, erhält fundierte Erkenntnisse und sicherlich auch in absehbarer Zeit ein definitives Ergebnis. Wenn wir kritisch forschen, handeln wir sicher im Sinne eines Mannes wie Constantin Kümpel, dem Erbauer des Dreistromsteines.
Clemens Major wurde am 31. Dezember 1847 in Annaberg geboren. Nach dem Tod seines Vaters verbrachte er seine Jugend seit 1852 bei seiner Mutter Caroline Wilhelmine in Lichtenstein, Am Tuchermarkt 3. Clemens wurde durch die kunstfertige Krippenschnitzerei seines Onkels Karl Major stark beeinflusst. So war es kein Wunder, dass er frühzeitig begann, kleine Figuren aus Lindenholz zu schnitzen. Kartenbilder aus einem Atlas regten den 14-Jährigen an, ohne fremde Hilfe Wandkarten von Palästina zu zeichnen. Diese künstlerische Neigung hatte für ihn entscheidende Bedeutung für sein weiteres Leben. Er wurde dem Gerichtsamtmann Hecker in Lichtenstein und dem Stadtrichter Werner in Callnberg vorgestellt. Letzerer war so begeistert von den kartographischen kartographischen Talenten des jungen Major, dass er die Wandkarte und einen aus Lindenholz geschnitzten Knaben mit einer entsprechenden Empfehlung an das Sächsische Kultusministerium nach Dresden schickte.Major erhielt daraufhin unentgeltlich die Möglichkeit, die Realschule 1. Ordnung in Chemnitz zu besuchen. Aufgrund seiner außerordentlichen Begabung konnte er danach ein kostenloses Studium an der Akademie für bildende Künste in Dresden beim berühmten Bildhauer Prof. Ernst Hänel aufnehmen.
Ab 1872 arbeitete er 45 Jahre als Lehrer für Zeichnen und Modellieren an der Gewerbeschule in Sonneberg. Hier begann er für den Geographieunterricht Modelle zu gestalten. Als hervorragender Fachgeograph veröffentlichte er 1875 die "Deutschen Blätter für den erziehenden Unterricht".
Er hatte eine große Anzahl von Landkarten, die besonders das mitteldeutsche Gebiet darstellten, entworfen. Die Detailtreue und Genauigkeit machten sie zu Meisterwerken der Kartographie.
1913 wurde die 5-teilige Rennsteigkarte fertig, die im Auftrag des Rennsteigvereins 1896 e.V.seit 1910 entstand. Ihr folgte das ebenfalls 5-teilige Rennsteigprofil. Major wurde 1912 außerordentliches Mitglied des Rennsteigvereins, 1914 dann wurde er Ehrenmitglied.
Am 28. April 1930 starb Clemens Major in Sonneberg.
Nach ihm ist ein Gebietswanderweg rund um das Sonneberger Land benannt.
Nachruf auf Clemens Major im Mareile, dem Boten des Rennsteigvereins
Clemens Major im Jahre 1927 zu seinem 80. Geburtstag
Clemens Major 1917
Clemens Major 1925
Korrekturhinweise von Clemens Major zu seiner 5-teiligen Rennsteigkarte, ein Brief an den Lithographen vom 14. Juli 1913
Lehesten: Novenber 1920, Juni 1921
Besatzungsgeld (Alliierte Militärbehörde) 1944
Oberhof: Dezember 1919, Oktober 1921
Neuhaus am Rennweg: Gutscheine, Notgeld 1921
Gemeinde Blankenstein: August 1921
Gemeinde Steinheid: Notgeld 1920
Gemeinde Stützerbach: Gutscheine (preußischer Anteil) 1921
Gemeinde Stützerbach: Notgeld (ehemals Sachsen Weimar) 1921
Gemeinde Igelshieb: Notgeld 1921
Schmiedefeld am Rennsteig: Notgeld 1921
In der Stückelung 1x 10 Pfg., 1x 20 Pfg., 1x 25 Pfg., 2x 50 Pfg.. Die Vorderseite zeigt jeweils ein Wappen der Gemeinde, mit Elementen der für den Ort typischen Industrie. Die Rückseite der Notgeldscheine ist unterschiedlich gestaltet und gibt einen Einblick in Handwerk und Gewerbe der Gemeinde. Interessant für den Rennsteig ist die Abbildung der Rennsteigbahn auf den 20 und 25 Pfg. Scheinen.
01/60 Rennsteigleiter
Im Zuge des "Ganzjahreskonzept-Rennsteig" des Regionalverbundes sind derzeit 44 sogenannte Rennsteigleitern vorgesehen beziehungsweise bereits eingerichtet. Damit wird bezweckt, dass Ortschaften links und rechts in den Tallagen besser an den Höhenweg angebunden werden. Die Leitern erhalten ein einheitliches Logo, ein gelbes R auf weißem Spiegel und besonders gestaltete Wegweiser und Infotafeln.
Die besondere Hervorhebung von Zugangswegen zu einem Hauptwanderweg, ist keine thüringer Erfindung. Sie wird bereits erfolgreich beim Rothaarsteig genutzt, um die umliegenden Ortschaften mit ihren Sehenswürdigkeiten in das Erlebnis Fernwandern am Rothaarsteig mit einzubeziehen. Ähnlich wie beim Rennsteig wird hier auch eine gelbe Markierung verwendet, allerdings mit einem liegenden schwarzen R.
Auffällig ist, dass sowohl im äußersten westlichen und östlichen Rennsteigbereich keine Rennsteig-Leitern vorgesehen sind. Auch der bayerische Rennsteiganteil wurde nicht bedacht. Hier würden sich die Orte Tettau, Kleintettau und Ludwigsstadt, Lauenstein anbieten.
Folgende Rennsteigleitern laden ein, die nähere Umgebung des Höhenweges zu erkunden (in der Reihenfolge von Hörschel nach Blankenstein):
(1) Rennsteig-Leiter Eisenach
Start: Eisenach, Marienthal
Ziel: Rennsteig, Hohe Sonne
Höhenlage: 254 - 426 m
Dauer: 1 Stunde bis 2 Stunden
Begehbarkeit: ganzjährig, auf Wintersperre der Drachenschlucht achten
Parken: Großparkplatz Phantasie oder Sophienau, Ortsausgang Mariental Hohe Sonne an der B19 oder Hohe Sonne
(2) Rennsteig-Leiter Wilhelmsthal
Start: Wilhelmsthal B19
Höhenlage: 327 - 453 m
Dauer: 0,5 -1 Stunde
Parken: bei B19 Ortsausgang Wilhelmsthal, Jägerhof oder am Schloß Wilhelmsthal
(3) Rennsteig-Leiter Ruhla
Start: Ruhla, Mini-a-thür
Ziel: Rennsteig, Am Jubelhain
Höhenlage: 435 - 560 m
Dauer: 0,4 - 1 Stunde
Parken: Parkplatz am Mini-a-thür in Ruhla
(4) Rennsteig-Leiter Bad Liebenstein-Schweina-Steinbach
Start: Bad Liebenstein, Ortsteil Schweina
Ziel: Rennsteig, Schillerbuche
Höhenlage: 342 - 642 m
Parken: Parkplatz Altensteiner Höhle, Parkplatz Schillerbuche-Glasbach
(5) Rennsteig-Leiter Trusetal
Start: Trusetal, Wasserfall
Ziel: Rennsteig, Dreiherrenstein Am Großen Weißenberg
Höhenlage: 506 - 740 m
Dauer: 2,5 -3 Stunden
Parken: Wasserfall Trusetal, Dorfplatz Laudenbach, Hohe Klinge, begrenzt an der Waldbaude beim Dreiherrenstein (begrenzt, auf Wintersperre achten)
(6) Rennsteig-Leiter Brotterode
Start: Brotterode, Bad-Vilbeler-Platz
Ziel: Rennsteig, Brotteröder Hütte
Höhenlage: 580 - 720 m
Parken: Parkplatz Breite Wiese, Ratsstrasse und Parkplätze am Ortseingang Brotterode, Axdorf
(7) Rennsteig-Leiter Tabarz
Start: Wandertreff Tabarz
Ziel: Grenzwiese, Rennsteig
Höhenlage: 400 - 727 m
Parken: Theodor-Neubauer-Park, Lauchagrundstrasse, Grenzwiese (Kleiner Inselsberg)
(8) Rennsteig-Leiter Floh-Seligenthal-Schmalkalden
Start: Schmalkalden, Technisches Museum Neue Hütte
Ziel: Rennsteig, Ebertswiese
Höhenlage: 370 - 780 m
Technisches Museum Neue Hütte, Parkplatz Radausspanne, Festplatz Seligenthal, Parkplatz Ebertswiese
(9) Rennsteig-Leiter Friedrichroda
Start: Friedrichroda, Wandertreff
Ziel: Rennsteig, Prinz-Andreas-Eck
Höhenlage: 456 - 729 m
im Tal Herzogsweg, Innenstadt Friedrichroda, Sportbad Friedrichroda, Heuberghaus
(10) Rennsteig-Leiter Tambach-Dietharz-Georgenthal
Start: Georgenthal, Schlossplatz
Ziel: Rennsteig, Alte Ausspanne
Höhenlage: 380 - 742 m
Georgenthal: Am Kurpark (Schlaufweg), Tambacher Strasse, Haus des Gastes, Bahnhofstrasse, Rodebachmühle; Tambach-Dietharz: Tammichgrund, Festplatz Burgstallstrasse, Neue Ausspanne (z.Z. Bauarbeiten)
(11) Rennsteig-Leiter Rotterode
Start: Rotteröder Höhe
Ziel: Rennsteig, Neuhöfer Wiesen
Höhenlage: 594 - 844 m
Rotteroder Höhe
(12) Rennsteig-Leiter Steinbach-Hallenberg
Start: Steinbach-Hallenberg, Festplatz
Ziel: Rennsteig, Grenzadler
Höhenlage: 450 - 900 m
Dauer: 3,5 - 4,5 Stunden
(13) Rennsteig-Leiter Oberschönau
Ziel: Rennsteig, Gustav-Freytag-Stein
Höhenlage: 600 - 887 m
Parkplatz vor der Gemeinde, Hauptstrasse
(14) Rennsteig-Leiter Luisenthal
Start: Luisenthal, Wanderparkplatz
Ziel: Rennsteig, Oberhof
Höhenlage: 480 - 720 m
Barrierefrei: komplett
Kinderwagen geeignet: komplett
Wanderparkplatz Ohratalsperre Luisenthal
(15) Rennsteig-Leiter Zella-Mehlis
Start: Zella.Mehlis, Wanderparkplatz Lubenbach
Ziel: Rennsteig, Rondell
Wanderparkplatz Lubenbachtal, Rondell
(16) Rennsteig-Leiter Gehlberg
Start: Gehlberg, Parkplatz Museum
Ziel: Rennsteig, Schmücke
Höhenlage: 700 - 920 m
(17) Rennsteig-Leiter Suhl-Goldlauter-Heidersbach
Start: Suhl-Goldlauter-Heidersbach
Ziel: Rennsteig, Sommerbachskopf
Höhenlage: 600 - 925 m ü.NN
Am Stockmarplatz, Suhl-Goldlauter-Heidersbach
(18) Rennsteig-Leiter Schmiedefeld am Rennsteig
Start: Schmiedefeld am Rennsteig, Touristinformation
Ziel: Rennsteig, Bahnhof Rennsteig
Höhenlage: 640 - 770 m
Rennsteig Parkplatz, Bahnhof Rennsteig, Tourist Information Schmiedefeld a.R.
Rennsteigleiter Schmiedefeld, Bild: Manfred Kastner
Bahnhof Rennsteig, Bild: Ulrich Rüger
(19) Rennsteigleiter Ilmenau
Höhenlage: 525 - 911 m
(20) Rennsteig-Leiter Manebach
Start: Manebach
Höhenlage: 520 - 754 m
Bahnhof Manebach, Bahnhofstrasse, Mönchhof, Schmücke
(21) Rennsteig-Leiter Stützerbach
Start: Stützerbach, Haus des Gastes
Höhenlage: 590 - 747 m
Hüttenplatz, Glaswerk, Massenmühle
(22) Rennsteig-Leiter Frauenwald
Start: Frauenwald, Monument
Ziel: Allzunah, Alter Bahnhof
Höhenlage: 761 - 765 m
(23) Rennsteig-Leiter Langewiesen
Start: Langewiesen, Heinse-Haus
Ziel: Rennsteig, Großer Dreiherrenstein
Höhenlage: 443 - 811 m
Langewiesen Rathaus, Großer Dreiherrenstein
(24) Rennsteig-Leiter Schönbrunn
Start: Schönbrunn
Höhenlage: 450 - 822 m
Schönbrunn Parkplatz Schnetter Strasse, Großer Dreiherrenstein
(25) Rennsteig-Leiter Oehrenstock
Start: Oehrenstock, Sportplatz
Oehrenstock Sportplatz, Großer Dreiherrenstein
(26) Rennsteig-Leiter Großbreitenbach
Ziel: Rennsteig, Neustadt am Rennsteig
Höhenlage: 650 - 797 m
Parkplatz Ortseingang aus Richtung Ilmenau
(27) Rennsteig-Leiter Altenfeld
Start: Altenfeld am Bürgerhaus
Ziel: Rennsteig, Hoher Stock
Höhenlage: 600 - 761 m
Bürgerhaus, Haus des Gastes, Hoher Stock
(28) Rennsteig-Leiter Gießübel
Höhenlage: 588 - 759 m
(29) Rennsteig-Leiter Heubach
Start: Heubach
Ziel: Bergstation am Ersteberg (Skihang)
Höhenlage: 718 - 830 m
Sportplatz Heubach, Lindner Hotel, Masserberg
(30) Rennsteig-Leiter Schnett
Ziel: Bergstation Ersteberg (Skihang)
(31) Rennsteig-Leiter Fehrenbach
Start: Fehrenbach
Ziel: Rennsteig, Heidehütte, Dreiherrenstein Hohe Heide
Höhenlage: 588 - 818 m
Fehrenbach, Ortslage, Hinweise beachten
(32) Rennsteig-Leiter Waffenrod
Start: Waffenrod, Freizeitpark
Ziel: Rennsteig, Eisfelder Ausspanne
Höhenlage: 700 - 800 m
(33) Rennsteig-Leiter Sachsenbrunn
Start: Sachsenbrunn, Sophienau
Höhenlage: 509 - 748 m
Sophienau, Nähe Sportplatz
(34) Rennsteig-Leiter Katzhütte-Goldisthal-Scheibe-Alsbach
Start: Katzhütte, Herrenhaus
Ziel: Rennsteig, Limbach
Höhenlage: 435 - 825 m
Katzhütte Marktplatz oder Eisenwerkstraße, Limbach (kostenpflichtig)
(35) Rennsteig-Leiter Effelder-Rauenstein
Höhenlage: 575 - 751 m
Rauenstein: Am Bahnhof, Schaumberger Platz, Am Wasserbassin; Limbach (kostenpflichtig)
(36) Rennsteig-Leiter Steinach
Start: Steinach, Marktplatz
Höhenlage: 492 - 860 m
Steinach Marktplatz, Mittelstation Skiarena Silbersattel, Limbach (kostenpflichtig)
(37) Rennsteig-Leiter Mengersgereuth-Hämmern
Start: Mengersgereuth-Hämmern, Augustenthal
Höhenlage: 545 - 837 m
Augustenthal, Limbach (kostenpflichtig)
(38) Rennsteig-Leiter Oberweißbach
Start: Oberweißbach, Turmweg
Ziel: Rennsteig, Neuhaus am Rennweg
Höhenlage: 650 - 825 m
Oberweißbach Parkplatz Markt, Parkplatz Schule, Fröbelstrasse, Parkplatz Fröbelturm; Neuhaus am Rennweg in der Ortslage (teilweise kostenpflichtig)
(39) Rennsteig-Leiter Lauscha
Start: Lauscha
Ziel: Rennsteig, Ernstthal
Höhenlage: 625 - 777 m
Lauscha Hüttenplatz, Henriettenthal; Ernstthal Ortslage oder Wintersprtehrenmal
(40) Rennsteig-Leiter Lichte-Piesau-Schmiedefeld
Start: Schmiedefeld, Lichte
Ziel: Triniusblick, Nähe Brand
Höhenlage: 631 - 820 m
Tourismusbüro Lichtetal am Rennsteig, Gasthof am Brand
(41) Rennsteig-Leiter Gräfenthal
Start: Gräfenthal, Markt
Ziel: Rennsteig, Kalte Küche
Höhenlage: 400 - 725 m
(42) Rennsteig-Leiter Lehesten
Ziel: Rennsteig, Kreuzung Schönwappenweg
Höhenlage: 630 - 720 m
Stadtgebiet, Schieferpark, Ziegelhütte
(43) Rennsteig-Leiter Wurzbach
Start: Wurzbach, Marktplatz
Ziel: Rennsteig, Grumbach
Höhenlage: 530 - 698 m
Marktplatz, Parkplatz gegenüber Friedhof, Grumbach Friedhof, Silo
(44) Rennsteig-Leiter Bad Lobenstein
Start: Bad Lobenstein, Ardesia-Therme
Ziel: Rennsteig, Am Kulmberg
Höhenlage: 490 - 677 m
Ardesia-Therme, Parkflächen am Lemnitzbach, vor ehemaligem Steinbruch (außer Betrieb)
Im Grunde genommen ist die Wortwahl Rennsteigstein nicht korrekt, weil dieser Begriff alle am Rennsteig vorkommenden Steine, insbesondere auch die so genannten Markierungssteine mit dem berühmten weißen R einschließt, obwohl im eigentlichen Sinne aber die Grenzsteine gemeint sind. Wenn wir die Grenzsteine korrekt bezeichnen wollen, müssen wir von Rennsteiggrenzsteinen oder Länder- und Ämtergrenzsteinen sprechen. Arbeitsschritte der Erfassung und Sanierung Am Beginn einer sinnvollen Erfassung und Inventarisierung des Denkmales Rennsteig stehen zunächst organisatorische Aufgaben. Um gesicherte Ergebnisse zu erhalten, muss ich über folgende Punkte Klarheit verschaffen:
Der nächste Arbeitsschritt bestand in der Schaffung geeigneter Festpunkte im Landeskoordinatensystem, mit deren Hilfe anschließend das Rennsteiginventar mit einer entsprechenden Genauigkeit eingemessen wurde. In diesem Fall nutzten wir traditionelle Methoden wie Polygonierung oder polare Aufnahme, aber auch moderne GPS - Messmethoden kamen zum Einsatz. Beide Möglichkeiten wurden im Rahmen der Lehrausbildung eingesetzt, was bei den Auszubildenden auch großes Interesse weckte. Natürlich wurden auch bereits früher entstandene Katasterfestpunkte mit verwendet. Bei den Arbeiten zeigte sich, dass in unübersichtlichen Waldgebieten eine gute Sicherung der Punkte, sowie die Beachtung der jahreszeitlich bedingten Vegetationsunterschiede wichtig ist. Beachtet werden musste auch eine mögliche Verwendung der neu geschaffenen Punkte für eventuelle Folgemessungen. Nachdem alle Festpunkte kontrolliert worden sind, konnte mit der eigentlichen Vermessung der historischen Grenzsteine begonnen werden. Durch diese Hauptvermessung aller örtlich sichtbaren Steine wurden exakte Koordinatenwerte bestimmt. Bei der anschließenden Auswertung der Katasternachweise wurden die vorher ermittelten Koordinaten zur Bestimmung der Lage der noch fehlenden Steine benötigt. Je nachdem, wie „genau“ die Katasternachweise vorlagen, fielen auch die Suchergebnisse aus. Hier lag die „Trefferquote“ bei ca. 10 %, wobei sich dieser Wert sowohl auf das Auffinden von kompletten Steinen, als auch nur auf Sockelreste bezog. Weitere Hinweise auf den Verbleib der Steine waren durch Studium der zugänglichen Literatur und Archivunterlagen (Gemeinden, Forstämter, Kirchen, Vereine, Museen) zu erhalten. Oft konnten auch Anwohner wertvolle Hinweise geben. Über die wichtigsten Phasen dieser Arbeiten wurden Bilddokumente gefertigt und Abmarkungsprotokolle erstellt. Zum Abschluss erfolgte die fotografische Aufnahme des Inventars als komplettes Bilddokument. Die Auswertungsergebnisse wurden als Katalog zusammengefasst. Nachfolgend sind im Turnus von zwei Jahren Inventuren durchzuführen. Dabei ist auf Zustand und Vollständigkeit zu kontrollieren und zu protokollieren. Die Auswerteprotokolle sind den Denkmalschutzbehörden und den Katasterämtern zur Verfügung zu stellen. Nun mag der Eine oder Andere fragen, warum dieser Aufwand und welchen Nutzen hat er, bei all den vielen anderen täglichen Problemen, welche weit wichtiger erscheinen. Ein wichtigstes Gegenargument ist der gesetzlich geregelte Schutz des kulturellen Erbes. Mindestens genau so wichtig ist aber auch der ökonomische Aspekt des Tourismus. Gerade die Rennsteigregion lebt vom Fremdenverkehr und der damit verbundenen Wanderbewegung. Der Allgemeinzustand sowie sämtliche Bestandteile dieser Gesamtheit bilden den Rahmen für eine dringend notwendige - und funktionierende - Infrastruktur. Nicht ohne Grund sind die zahlreich vorhandenen Rennsteiggrenzsteine als Sinnbild auf vielen Darstellungen in Verbindung mit diesem Höhenweg anzutreffen. Eine fehlende Würdigung der Steine wäre äußerst fatal für den Bestand. Schnell wären sie dem Verlust durch Denkmalschänder oder rücksichtsloser ökonomischer Interessen preisgegeben. Dadurch leidet automatisch die Infrastruktur - und das soll verhindert werden.
Ausgehend von vorher beschriebenen Arbeitsschritten, war es erforderlich, bestimmte Grenzsteine zu sanieren. Je nach dem Grad der Beschädigung richtete sich auch der Umfang der Sanierungsmaßnahmen. Im einfachsten Fall werden die Steine am Originalstandort gerichtet. Das sind häufig Arbeiten, welche nach vorheriger Absprache mit den Katasterämtern und der Denkmalbehörde von interessierten Bürgern oder Vereinen ausgeführt werden können. Wenn ein vorhandener Stein zwar gerade steht, aber aus irgendeinen Grund vom Originalstandort versetzt wurde, wurde versucht nach Möglichkeit den Stein wieder am Originalstandort aufzustellen. War das aber aufgrund von zwischenzeitlichen Bebauungen nicht mehr möglich, erhielt der Stein einen sicheren Ausweichstandort. Liegende Steine wurden wieder aufgerichtet, nachdem der Standort geprüft wurde. Fehlende Steine wurden ausnahmsweise nur an exponierten Stellen ersetzt, um die Sicherheit über den Verlauf des Wanderweges „Rennsteig“ zu gewährleisten. Ersetzt wurde auch nur dann, wenn ein Stein zur Verfügung stand und dieser zweifelsfrei anhand historischer Aufzeichnungen rekonstruiert werden konnte. Abgebrochene Steine und in mehrere Teile zerbrochene Steine erforderten besondere Sorgfalt bei der beabsichtigten Sanierung. Folgende Technologie hatte sich dabei bewährt: Zunächst wurden die noch vorhandenen Teile des Steines sorgfältig gesäubert und vorerst trocken zusammengebaut. Dabei wurden die zusammengehörigen Bruchflächen mit gleicher Symbolik gekennzeichnet, um beim späteren Zusammenbau übersichtlicher arbeiten zu können. Der Sockel wurde am vorausberechneten oder bekannten Standort gerade und fest eingebaut, dazu wurden sogenannte „Lagersteine“ zum Verkeilen verwendet. Eine alte Steinsetzerweisheit besagt scherzend:
Wenn du einen Stein setzt, muss die Erde im Steinlager so verdichtet werden, dass hinterher welche fehlt, dann sitzt der Stein wirklich fest.
Bei der anschließenden Dübelung des Steines musste sehr sauber und korrekt gearbeitet werden. Beim Zusammensetzen der einzelnen Steinteile müssen diese genau zusammenpassen, nicht verrutschen oder verkanten. Es wurden ein bis zwei Stahldübel mit ca. 10 bis 15 cm Länge und einem Durchmesser von 12 mm verwendet (Bewehrungsstahl, geriffelt). Auch nach dem Einbringen der Bohrlöcher wurde mit den lose eingeführten Dübeln eine Passprobe durchgeführt. Geringfügige Verdrehungen konnten so noch durch eventuell größere Bohrlöcher ausgeglichen werden. Zur Befestigung der Dübel wurden Zweikomponentenepoxitharzkleber oder sogenannter Schnellreparaturzement verwendet. Die Dübelung erfolgte zuerst am Kopfteil des Steines. Nach der Aushärtung der Dübelmasse wurde die Mörtelfuge auf die gut gereinigte Bruchstelle des Sockelstückes aufgetragen (ca. 3 bis 5 mm stark). Das Bohrloch wurde zu 2 Drittel seiner Tiefe mit Dübelmasse gefüllt. Anschließend wurden beide Steinteile zusammengesetzt. Durch das hohe Eigengewicht der Steinteile war ein zusätzlicher Druck nicht erforderlich. Die Fugen wurden danach sauber verstrichen. Nach dem Aushärten erfolgte noch ein abschließendes Verschleifen der Bruchstellen und Überstände. Dabei sollte auf jedem Fall auf die vorhandene Steinstruktur Rücksicht genommen werden, damit das natürliche Aussehen erhalten bleibt. Tief sitzende Bruchstellen wurden unter der Erdoberfläche belassen. Bei Steinen mit besonderem Denkmalwert (Wappensteine) wurde auch das Umfeld des Steines gestaltet. Von einer Konservierung der Steine wird in diesem Zusammenhang abgeraten, da Langzeitversuche in Bezug auf das Gesamtalter der Steine nicht vorliegen und somit der Beweis einer positiven Wirkung der Konservierung nicht erbracht ist. Laborversuche können nicht den Schutzeffekt bringen, welchen sich der Sandstein im Laufe der Jahrhunderte auf natürliche Weise selbst aufgebaut hat. Der Beweis ist in der Örtlichkeit sichtbar. Sogar einige der ältesten Steine haben bis auf einige mechanische Beschädigungen noch ein sehr gutes Aussehen. Auch das Setzen von Steinattrappen an Stelle der Originalsteine wird abgelehnt. Historische Grenzsteine sind Zeitzeugen, die eine bestimmte Standortbindung haben und durch Steinsatzprotokolle einen gewissen gesetzlichen Schutz genießen. Durch die Einlagerung in Museen verliert der Standort des Steines an Bedeutung und wird automatisch vernachlässigt. Das Setzen eines Ersatzes kann darüber nicht hinwegtäuschen und würdigt den Katasternachweis nicht mit dem nötigen Respekt.
Die älteste zugängliche Untersuchung dieser Art stammt aus dem Jahre 1453. Im Zuge einer Grenzuntersuchung im Jahre 1548 wurde wahrscheinlich auch der Dreiherrenstein Hoher Lach in Igelshieb gesetzt. Die bis dahin als Grenzmarkierung dienende Buche (Schnebelichte Buche), kam in die Jahre und war offenbar als Grenz- oder Lachbaum nicht mehr dienlich. Der Dreiherrenstein trat an ihre Stelle. Wahrscheinlich haben auch beide Grenzzeichen einige Zeit nebeneinander bestanden, bevor der Baum der Witterung zum Opfer fiel. Die entsprechenden Nachweise sind in einem Amtsbuch des Rudolstädter Archives, welches im Jahre 1545 angelegt wurde zu finden. Eine Coburger Urkunde aus dem Jahre 1534 belegt, dass bereits 1530 an der gleichen Stelle ein Dreiherrenstein stand. Die beigelegte Zeichnung zeigt deutlich einen Grenzstein mit den gekreuzten sächsischen Kurschwertern. Quelle: Thüringisches Staatsarchiv Rudolstadt, Staatsarchiv Coburg
In der Folgezeit wurden diese Grenzuntersuchungen relativ regelmäßig durchgeführt. Die entsprechenden Protokolle befinden sich meistens in den zuständigen Thüringer Staatsarchiven oder in kleineren Regionalarchiven. Im Rahmen von sogenannten Flurbegehungen oder Flurumritten wurden bestehende Grenzzeichen markiert und besichtigt. Diese Zeremonien nahmen zum Teil den Charakter von Volksfesten an und werden in ländlichen Gegenden zuweilen heute noch durchgeführt. Am 02.10.1999 fand anlässlich des Abschlusses der Sanierungsarbeiten im Bereich Hoher Lach (Neuhaus am Rennweg) bis Saarzipfel (Siegmundsburg) eine solche Grenzbegehung statt. Unter dem Aspekt einer Inventur können auch die literarischen Erwähnungen der Grenzsteine gesehen werden, wie sie zum Beispiel Alexander Ziegler oder August Trinius in ihren Rennsteigabhandlungen beschreiben. Die Erwähnung der Grenzsteine in ihren Werken lässt den Schluss zu, dass die Steine zum damaligen Zeitpunkt vorhanden waren. Diese Tatsache ist besonders bei heute fehlenden Steinen interessant, lässt sich doch durch diese Vergleichsmöglichkeit der Zeitpunkt des Steinverlustes eingrenzen bzw. präzisieren. Neueren Datums sind die Erwähnungen der Rennsteiggrenzsteine in der Wanderliteratur des Rennsteigvereines bei Bühring und Hertel. Beide waren maßgeblich am Fortschritt der Rennsteigbewegung und damit auch der Grenzsteinforschung beteiligt. Aufbauend auf die Aussagen von Bühring und Hertel wurden die Folgeinventuren von Elisabeth Streller (1926/1933), Werner Messing (1964/ 69/74/79) und Günther Weiss (1966/67/72/73/76/77/84/85/88) bei den Arbeiten mit einbezogen. Leider wurde bei all diesen Inventuren der o.g. Katasternachweis außer Acht gelassen, so dass es zwangsläufig auch zu bestimmten Fehlinterpretationen kam. Trotzdem gelten diese drei Rennsteigfreunde als die aktivsten bei der Durchführung von Grenzsteininventuren. Die Unterlagen dieser Inventuren wurden durch Frau Hanna Weiss und Herrn Helmut Köllner zusammengestellt und zur Auswertung übergeben.
1. Abschnitt Hohe Tanne bis Schildwiese (nicht durchgängig) Grenzsteine Nr. 166, 166.1, 47 bis 39, 656 bis 632.1, 198, 197, 196, 134, 133, 122, 1212. Abschnitt Dreiherrenstein Hoher Lach bis Dreiherrenstein Am Saarzipfel Grenzsteine Nr. 1 bis 1823. Abschnitt Dreiherrenstein Am Saarzipfel bis Dreiherrenstein Hohe Heide Grenzsteine Nr. 1 bis 1034. Abschnitt Dreiherrenstein Hohe Heide bis Forstort Marienhäuschen Grenzsteine Nr. 206 bis 1; 4 bis 65. Abschnitt Mordfleck bis Suhler Ausspanne Grenzsteine Nr. 53 bis 85 (86)6. Abschnitt Zeller Läube (Dietzel – Geba - Stein) bis Kerngrundanfang (Gustav – Freytag - Stein) Grenzstein Nr. 16 bis 1; 50 bis 17. Abschnitt Kerngrundanfang (Gustav - Freytag-Stein) bis Dreiherrenstein Am Hangweg Grenzstein Nr. 170 bis 18. Abschnitt Dreiherrenstein Am Hangweg bis Heuberghaus Grenzstein Nr. 1 bis 529. Abschnitt Großer Jagdberg bis grenzende Am Kleinen Weißenberg, Einzelstücke bei Clausberg Grenzstein Nr. 97 bis 1; 35 bis 24; Einzelsteine bei Clausberg (Zugang Förthaer Stein - Clausberg, hinter Clausberg - Stedtfeld, Flur 8, Flur 12)
Die Gesamtlänge der Rennsteigabschnitte mit ehemaliger Grenzfunktion beträgt ca. 77,2 km (Rechenwert: 77 km, 206 m, 20 cm). Die Angaben wurden bei der Neuvermessung des Rennsteiges in den Jahren 2002 – 2003 ermittelt, Grenzsteinreihen, die den Rennsteig nur kreuzen, wurden nicht mit berücksichtigt. In der Zeit von 1513 bis 1976 wurden lt. Katasternachweis insgesamt 1007 Grenzsteine gesetzt, von denen heute noch 800 Steine (variabel) vorhanden sind.
Grenzabschnitt Geschichte:
Der Förster Günther Weiss fotografiert den Grenzstein im Rahmen einer von seinen zahlreichen Grenzstein-inventuren am Rennsteig Dreiherrenstein im hohen Gras, ca. 1970, Foto Günther Weiss
bei strömenden Regen wurde der Grenzstein mit Hilfe eines Kranes an seinem Originalstandort neu gesetzt 01. Oktober 1999
Entlang des Pläncknerschen Rennsteiges müssten nach Auswertung aller zugänglichen Katasterunterlagen 1007 historische Länder- und Ämtergrenzsteine stehen. Der tatsächlich vorhandene Bestand beläuft sich auf etwa 800 Grenzsteine. Die fehlenden Grenzsteine wurden entweder gestohlen oder wurden aufgrund der Urbanisierung der Region beseitigt. Hin und wieder kommt es vor, dass der eine oder andere Grenzstein nach intensiver Auswertung von vorhandenem Archivmaterial wieder gefunden, oder nach einer Kompletterfassung zerstört oder gestohlen wird. Aus diesem Grund beziffern wir die Anzahl der vorhandenen Grenzsteine auf etwa 800. Die gewonnenen Daten stammen aus meiner seit über 40 Jahren durchgeführten Recherchearbeit zu den historischen Grenzsteinen des Rennsteiges.
Die in zahlreichen Medien und im Internet genannte Zahl 1300 Grenzsteine ist somit falsch, selbst wenn die zahlreichen Forstgrenzsteine entlang des Rennsteiges mit hinzugerechnet werden. Die Zahl 1300 Grenzsteine stammt aus den 20-er und 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts und wurde im Mareile, dem Boten des Rennsteigvereins, im Zusammenhang mit damals durchgeführten Grenzsteininventuren in Umlauf gebracht.
Länge des Rennsteiges
Der Pläncknersche Rennsteig veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte ständig in seiner Länge. Die Gründe lagen in der Besiedlung der Region. Der Wegeverlauf musste geändert werden, was in den wenigsten Fällen offiziell, sondern meistens illegal erfolgte. Seit 1997 steht der Pläncknersche Rennsteig in seiner Sachgesamtheit unter Denkmalschutz. Eine Wegeänderung ist somit ohne entsprechende denkmalschutzrechtliche Genehmigung nicht mehr möglich.
Für die Berechnung von Wegelängen und für die Erfassung von Sachteilen des Rennsteiges sollten die Messwerte der amtlichen Neuvermessung des Rennsteiges im Jahre 2002 und 2003 durch Mitarbeiter des Thüringer Landesvermessungsamtes Erfurt in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Rennsteigverein e.V. Neustadt am Rennsteig verwendet werden. Die exakte Rechenlänge wurde mit 169 Kilometer, 293 Meter und 77 Zentimeter ermittelt. Gerundet sind das 169,3 km. Damit ist der Rennsteig insgesamt ca. 1 km länger als nach dem historischen Maß 168,3 km. Die Erfassung erfolgte bewusst nicht mit moderner Messtechnik, sondern mit Hilfe jener Methoden, die Vergleichswerte zu den historischen Messungen zulassen.
Für Genauigkeitsuntersuchungen wurden Teststrecken vergleichsweise mit dem elektrooptischen Steckenmess-gerät, mit dem Messband, mit GPS-Technik (aller Genauigkeitsstufen), mit dem Messrad, mit Lasergeräten und tachymetrisch gemessen. Dabei stellten wir fest, dass das Messrad auf den Teststrecken bereits bei glattem Untergrund (Asphalt) zwischen Hin- und Rückmessung erhebliche Differenzen im Meterbereich aufwies, die nicht kompensiert werden konnten. Aus diesen Gründen wurde auf das Messrad gänzlich verzichtet.
Im Verlauf des Plänknerschen Rennsteiges gibt es Grenzpunkte, an welchen in den vergangenen Jahrhunderten 3 Herrschaftsgebiete aneinander gestoßen sind. Diese Punkte wurden mit sogenannten Dreiherrensteinen markiert. Entlang des Rennsteiges gibt es insgesamt 9 solcher Dreiherrensteine. Die in der Literatur und im Internet verwendete Zahl 13 ist falsch, weil hierbei 4 Dreiherrensteine mit hinzu gerechnet wurden, die nicht am Rennsteig stehen.
Dreiherrensteine am Rennsteig (von Ost nach West)
Dreiherrenstein Hoher Lach
Dietzel-Geba-Stein
Gustav-Freytag-Stein
Dreiherrenstein Am Großen Weissenberg
Abseits stehende Dreiherrensteine, die bisher immer mit hinzu gerechnet wurden (von Ost nach West mit Abstand zum Rennsteig)
Dreiherrenstein Hohe Tanne (65 m)
Dreiherrenstein im Sperbersbach (10 km!)
Kleiner Dreiherrenstein (300 m)
Dreiherrenstein Am Glasbach (1 km)
Zuerst wurde der Schriftführer Hartenstein als geistiger Vater des Grußes genannt. Dieser verneinte aber in einer Stellungnahme im Mareile vom 05. Juli 1900 auf Seite 5, der geistige Vater dieses Scheusals zu sein. Er geht davon aus, dass der Gruß in den heißen Tagen des 02. bis 06. Juni entstanden ist. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte am 07. Juni 1900 auf einer Postkarte, die Josef Berta an Ludwig Hertel von der Wartburg schrieb:
Diesen Spruch lässt Berta einen Wartburgesel ausrufen, der seine Leistungen mit denen eines Renners vergleicht. Um nun endgültige Gewissheit über den Zeitpunkt der Entstehung des Rennerspruches zu erhalten, müssen wir in das Jahr 1930 gehen. Dort meldet sich der wirkliche Vater von "Gut Runst", Josef Berta, zu Wort:
So kam das Rennerhäuflein am Porphyr Trinii, der Schwalbenhauptwiese vorbei zur Teufelsbuche. Hier, auf der Bank unter dieser merkwürdigen Buche wurde der seltsam anmutende Rennergruß "Gut Runst" geprägt.
Soweit die Anmerkungen von Josef Berta im Mareile Nr. 5 vom 01. September 1930 auf Seite 136 – 137. Noch auf der Bank an der Teufelsbuche sprachen Hartenstein, Hertel und Berta über die Notwendigkeit eines einheitlichen Rennergrußes. Eben da betonte Hertel, dass "Kunst" nicht von "können", sondern von "kennen" abzuleiten ist. Darauf folgerte Berta logischerweise, dass man "Runst" von "rennen" ableiten kann.
Kunst kommt von kennen, Brunst kommt von brennen und Runst kommt von rennen.
1. Der Begriff Runs, Runs, Runst stammt aus dem Schwäbischen und wird dort mundartlich rons mit nasaliertem au gesprochen, daher oft auch Rauns geschrieben. Er bedeutet das Fließen des Wassers, Wasserrinne, Bachbett, Graben, auch Felsspalt, steiler Bergeinschnitt, auf dem Holz zu Tal befördert wird.
3. Übersetzung aus dem Englischen: to run = rennen, laufen Hier finden wir also die Querverbindung zu Laufen wieder, die in diesem Zusammenhang eigentlich auch Sinn macht.
Wanderlust war von Jugend auf meine Freude, doch war das Ziel meiner Wanderungen nicht das Getreibe großer Städte... sondern es war die großartige Einsamkeit hoher Berggipfel, die mich zu ihnen zog. (Ernst Adolf Schaubach: Die Deutschen Alpen. Jena Verlag Friedrich Frommann. 1847. Aus der Vorrede)
Ernst Adolf Schaubach wurde am 30. Januar 1800 in Meiningen geboren. Sein Vater, Johann Conrad Schaubach war ein bekannter Pädagoge. Seine Mutter, Ernestine Sophie, geb. Roitzsch, war die Tochter eines Pfarrers. 24 Tage vor der Geburt von Ernst Adolf starb dessen Bruder Eduard im Alter von 4 Jahren an den Blattern. Auch Ernst Adolf hatte gesundheitlich eine schwere Kindheit. So konnte er die Schule nur unregelmäßig besuchen und wurde schließlich von seinem Vater privat unterrichtet. Frühzeitig erkannte Schaubach sein Interesse für Geographie, Naturwissenschaften und Geschichte. Ab seinem 10. Lebensjahr stabilisierte sich aber seine Gesundheit. Schon während seiner Gymnasialzeit unternahm er ausgedehnte Wanderungen durch den Thüringer Wald, die Rhön, den Harz und durch das Fichtelgebirge. 1819 beendet Schaubach das Meininger Gymnasium als bester Schüler. Er hielt auch anlässlich der Entlassungsfeier am Gymnasium eine Rede in lateinischer Sprache zu Thema Religionsbegriff. So kam es auch, dass er von 1819 bis 1823 in Göttingen und Jena Religion studierte. Ab 1823 war er in Meiningen als Predigtamtscandidat tätig.
1846 wurde er zum Herzoglichen Professor ernannt, 1850, kurz vor seinem Tode, zum Direktor der Bürgerschule. Zwischen 1824 und 1847 unternahm er 10 Reisen durch die Tiroler Bergwelt. Diese wurde mit der Zeit seine zweite Heimat.
Seit 1833 war Schaubach mit Therese Friedericke Treiber verheiratet. Der Ehe entstammten ein Sohn und eine Tochter. Schaubach befasste sich neben seinen ausgedehnten geographischen Studien auch mit Malerei. So entstammen seiner Feder Zeichnungen mit Meininger Ansichten oder Impressionen von seinen Reisen in die Welt der Alpen. Nach einer Auflistung des Meininger Biografen Ferdinand Ortlepp malte Schaubach in den Alpen alleine 131 Aquarelle und 5 Panoramen. Um seine Verdienste bei der Erschließung der Alpen zu würdigen, wurde eine Hütte in der Ortler-Gruppe nach ihm benannt.
1. Der Dolmar, eine geographische Skizze mit einem Panorama und einer Übersichtskarte. Meiningen 1831. (Überarbeitung und Neuauflage von R. Koch 1880) 2. Übersicht des Herzogthums Sachsen - Meiningen nach seiner physischen Oberfläche im allgemeinen. (Archiv für die herzoglich Sachsen - Meiningische Landeskunde. Band 1, 2 Meiningen 1832-1834) 3. Die Nordsee - Mittelmeerbahn und der Main - Elbe-Kanal. Mit einer Eisenbahn- und Kanal - Karte von Deutschland. Hildburghausen 1845. 4. Die Deutschen Alpen. Ein Handbuch für Reisende durch Tirol, Oesterreich, Steiermark, Illyrien, Oberbaiern und die anstossenden Gebiete. 5 Bände. Jena 1845-1847 (1. Auflage).
Man könnte hier ein dreieckiges Haus bauen, von dessen dreiseitigem Dache das Wasser zum Rhein, zur Weser und zur Elbe hinabliefe. Wäre es nicht der Mühe wert, auf dem Saar einen massiven Dreistromstein zu errichten, welcher manchen mehr interessieren würde, als die Dreiherrensteine, denen man auf dem Thüringer Walde wohl öfters begegnet, als auf einem anderen Gebirge? Viele Wanderer würden dann an ihm verweilen und bereichert mit manchen Gedanken die heilige Stätte verlassen, bei der sie sonst gedankenlos vorübereilten.
Am 17. Oktober 1879 in Reichenbach bei Behringen geboren, gestorben am 14. Januar 1939 in Eisenach.
Sie konnte keinen Beruf erlernen, war aber trotzdem zuerst in Hildburghausen, später in Eisenach tätig. Mit der Pfingstrunst 1912 trat sie dem Rennsteigverein bei und wurde bald eines seiner aktivsten Mitglieder. Sie war Wanderer und Forscherin in einer Person, unermüdlich, ja schier unverwüstlich. Kein Wetter war ihr zu schlecht, kein Weg zu weit, keine Aufgabe zu schwer. Fast drei Jahrzehnte hindurch galt ihre vorbildliche Arbeit dem Rennsteigverein und der Erforschung der Rennsteige des deutschen Sprachgebietes. Von Ihr kann man wirklich sagen, dass sie ohne den Rennsteig nicht zu leben vermochte, dass sie immer wieder zu ihm zurückkehren und auf ihm wandern musste. Ein schweres Schicksal hatte ihr Wesen äußerlich hart und derb gemacht, umso weicher war ihr Herz, um so gütiger war ihr Gemüt.
Sie war eine von jenen selbständigen Frauen, für die der Kampf Lebenselement war. Ihre Tätigkeit im Rennsteigverein betraf u.a. die Mitarbeit bei der Herausgabe des Führer 1 und 2, bei der Bezeichnung des Sallmannshäuser Rennsteiges und später dessen Betreuung, die maßgebliche Beteiligung an der Erwanderung des Thüringen-Rhein-Höhenweges und des Germanischen Rennweges. Wo immer wir wandern, wo immer wir im Schrifttum und in den Akten des Rennsteigvereins blättern, überall können wir der segensreichen Arbeit der Altrennerin begegnen, auch als Mitbegründerin der Ski-Runst ebenso sicher wie auf Schusters Rappen. Das goldene Ski-Ehrenschildchen schmückte neben anderen zahlreichen Auszeichnungen ihre Brust. Sie war wie die Waldfrau Luise Gerbing ihrer Gesinnung und ihrem Wesen nach eine Königin des Rennsteiges. Elisabeth Strellers umfangreichstes Werk war die große Rennsteig-Grenzstein-Inventur, die sie 1934 vorlegte: ein Verzeichnis über 1315 Steine (Zahl ist in dieser Höhe nicht korrekt, Anmerk. des Autors) mit genauen Angaben zu Standort, Kompassrichtung, Wappen, Inschrift, Nummer und Verfassung jedes Steines.
Die damals dem Rennsteigverein übergebenen Unterlagen sind verloren gegangen und konnten bis heute nicht mehr aufgefunden werden.
Die Vorwanderung über den Germanischen Rennweg im August 1938, die sie führte, war ihre letzte Wanderfahrt. Sie starb am 14. Januar 1939 in Eisenach. An einem Stein des Glöckners ist ihr Name zur ewigen Erinnerung eingemeisselt.
Verewigt am Glöckner-Ehrenmal
immer im Dienste des Rennsteigvereins
1935, E.Streller ganz rechts hinten
1935, 2. von links, mit Hut
1935, Anmerkung: Die Runstfotos stammen aus dem Archiv des Rennsteigvereins und wurden von mir anhand der Photoplatten digitalisiert
einzige, noch vorhandene (bisher "gefunden" und archiviert im Rennsteigmuseum Neustadt am Rennsteig) Aufzeichnungen von Elisabeth Streller ihrer Erfassung der Grenzsteine am Rennsteig, hier vom Schönwappenweg, Dreiherrenstein am Kießlich bis Kurfürstenstein (Fotos: Manfred Kastner)
Was sind Tourentaler? Tourentaler sind Andenken gleichzeitig auch "Besuchsbeleg" und Sammelobjekt. Sie bestehen aus Holzscheiben, die beidseitig das Symbol des besuchten Reise-, Wanderzieles, Wanderweges oder Ereignisses abgebildet haben und einem daran anhängenden Sammelcoupon. Auf den Tourentalern sind Schlösser, Burgen, Berggipfel, Naturbesonderheiten, historische Städte, Schauhöhlen, u.v.m. abgebildet. Die Tourentaler sind fortlaufend durchnummeriert. Tourentaler, die ein Symbol vom ganzen Wanderweg abbilden, nennen wir Wanderweg-Tourentaler.
Das System freute sich nach kurzer Zeit großer Beliebtheit zwischen Touristen und verbreitete sich in 14 weitere europäische Länder. Sie bilden mit den Tourentalern Ihre individuelle Sammlung als Erinnerung an Orte, wo Sie schon mal waren, denn nur am jeweiligen Ort sind die Tourentaler zu erhalten!
Sie können Tourentaler auch in anderen europäischen Ländern sammeln. Mit Tourentaler-Sammeln haben Sie jede Menge Spaß und nebenbei nicht nur Ihre Heimat besser kennengelernt, sondern auch für Ihre Gesundheit etwas getan.
101 - Wilde Sau Tourist-Information, Markt 9, Eisenach, www.eisenach.info 102 - Großer Inselsberg Hotel und Gasthaus Kleiner Inselsberg, Am Rennsteig, Brotterode, www.kleiner-inselsberg.de
103 - Rennsteiggarten Rennsteiggarten, Am Pfanntalskopf 3, Oberhof, www.rennsteiggartenoberhof.deAparthotel, Oberhof, Eckardtskopf 1+3, www.aparthotel-oberhof.de

References: § 2

§ 13

§ 14
 § 12

§ 15

§ 29
 § 13
 § 18
 § 19
 § 11
 § 9
 § 9
 § 8
 § 15
 § 16
 § 16
 § 16
 § 20
 § 13
 § 13
 § 36
 § 19
 § 2
 § 2
 § 2
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 § 11
 § 13
 § 1

§ 1

§ 2

§ 3
 § 2

§ 4
 § 16

§ 5
 § 1