Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gelb-319175
Timestamp: 2020-04-06 08:17:21+00:00

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Gelb | Rechtslupe
Abs­trak­ten Farb­mar­ken fehlt im All­ge­mei­nen die erfor­der­li­che Unter­schei­dungs­kraft i.S. von § 8 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG. Ob beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, die gleich­wohl die Annah­me recht­fer­ti­gen, die kon­tur­lo­se Farb­mar­ke sei unter­schei­dungs­kräf­tig, ist anhand einer umfas­sen­den Prü­fung sämt­li­cher rele­van­ten Umstän­de vor­zu­neh­men. In die­sem Rah­men ist die Fra­ge, ob die Mar­ke für eine sehr beschränk­te Anzahl von Waren oder Dienst­leis­tun­gen ange­mel­det und der maß­geb­li­che Markt sehr spe­zi­fisch ist, nur ein – wenn auch gewich­ti­ges – Kri­te­ri­um für die Beur­tei­lung der Unter­schei­dungs­kraft.
Unter­schei­dungs­kraft i.S. des § 8 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG ist die einer Mar­ke inne­woh­nen­de (kon­kre­te) Eig­nung, vom Ver­kehr als Unter­schei­dungs­mit­tel auf­ge­fasst zu wer­den, das die in Rede ste­hen­den Waren oder Dienst­leis­tun­gen als von einem bestimm­ten Unter­neh­men stam­mend kenn­zeich­net und die­se Waren oder Dienst­leis­tun­gen somit von den­je­ni­gen ande­rer Unter­neh­men unter­schei­det. Denn die Haupt­funk­ti­on der Mar­ke besteht dar­in, die Ursprungs­iden­ti­tät der gekenn­zeich­ne­ten Waren oder Dienst­leis­tun­gen zu gewähr­leis­ten. Da allein das Feh­len jeg­li­cher Unter­schei­dungs­kraft ein Ein­tra­gungs­hin­der­nis begrün­det, ist ein groß­zü­gi­ger Maß­stab anzu­le­gen, so dass jede auch noch so gerin­ge Unter­schei­dungs­kraft genügt, um das Schutz­hin­der­nis zu über­win­den 1. Die­se Grund­sät­ze fin­den auch bei abs­trak­ten Farb­mar­ken Anwen­dung, bei denen kein stren­ge­rer Maß­stab anzu­le­gen ist als bei ande­ren Mar­ken­for­men 2. Aller­dings ist bei bestimm­ten Mar­ken­ka­te­go­ri­en zu beach­ten, dass sie vom Ver­kehr nicht not­wen­dig in glei­cher Wei­se wahr­ge­nom­men wer­den wie eine her­kömm­li­che Wort- oder Bild­mar­ke, die ein geson­der­tes Zei­chen dar­stellt und vom Erschei­nungs­bild der gekenn­zeich­ne­ten Ware unab­hän­gig ist. Häu­fig schlie­ßen Ver­brau­cher aus der Form der Ware oder ihrer Ver­pa­ckung oder aus der Far­be eines Pro­dukts nicht auf die Her­kunft der Ware aus einem bestimm­ten Unter­neh­men 3. Zudem ist bei abs­trak­ten Farb­mar­ken auch im Rah­men der Prü­fung des Schutz­hin­der­nis­ses man­geln­der Unter­schei­dungs­kraft das All­ge­mein­in­ter­es­se an der frei­en Ver­füg­bar­keit der Far­ben für die ande­ren Wirt­schafts­teil­neh­mer zu berück­sich­ti­gen 4.
Dem­entspre­chend ist bei abs­trak­ten Farb­mar­ken auch bei Zugrun­de­le­gung des beschrie­be­nen groß­zü­gi­gen Prü­fungs­maß­stabs davon aus­zu­ge­hen, dass sol­chen Mar­ken im All­ge­mei­nen die erfor­der­li­che Unter­schei­dungs­kraft im Sin­ne von § 8 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG fehlt. Bei abs­trak­ten Farb­mar­ken ist des­halb regel­mä­ßig zu prü­fen, ob beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, die gleich­wohl die Annah­me recht­fer­ti­gen, die ange­mel­de­te Mar­ke sei unter­schei­dungs­kräf­tig. Die­se Beur­tei­lung erfor­dert eine umfas­sen­de Prü­fung des Ver­kehrs­ver­ständ­nis­ses bei der Wahr­neh­mung der Far­be auf dem in Rede ste­hen­den Waren- oder Dienst­leis­tungs­sek­tor und des Inter­es­ses der All­ge­mein­heit an der frei­en Ver­füg­bar­keit der bean­spruch­ten Far­be. Von Bedeu­tung für die Beur­tei­lung des Schutz­hin­der­nis­ses man­geln­der Unter­schei­dungs­kraft ist in die­sem Zusam­men­hang auch, ob die Ein­tra­gung der Far­be für eine Viel­zahl von Waren oder Dienst­leis­tun­gen oder eine bestimm­te Grup­pe von Waren oder Dienst­leis­tun­gen bean­tragt wor­den ist. Beson­de­re Umstän­de, bei deren Vor­lie­gen eine abs­trak­te Farb­mar­ke über Unter­schei­dungs­kraft ver­fü­gen kann, kön­nen ins­be­son­de­re dann gege­ben sein, wenn die Zahl der Waren oder Dienst­leis­tun­gen, für die die Mar­ke ange­mel­det ist, sehr gering und der maß­geb­li­che Markt sehr spe­zi­fisch ist 5.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Novem­ber 2009 – I ZB 76/​08 ("Far­be gelb")
vgl. BGH, Beschluss vom 24.04.2008 – I ZB 21/​06, GRUR 2008, 1093 Tz. 13 = WRP 2008, 1428 – Mar­le­ne-Diet­rich-Bild­nis I; Beschluss vom 04.12.2008 – I ZB 48/​08, GRUR 2009, 778 Tz. 11 = WRP 2009, 813 – Will­kom­men im Leben[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 21.10.2004 – C‑447/​02, Slg. 2004, I‑10107 = GRUR Int. 2005, 227 Tz. 78 – Far­be Oran­ge[↩]
EuGH, Urteil vom 07.10.2004 – C‑136/​02, Slg. 2004, I‑9165 = GRUR Int. 2005, 135 Tz. 30 – Mag Lite; Urteil vom 06.05.2003 – C‑104/​01, Slg. 2003, I‑3793 = GRUR 2003, 604 Tz. 65 = WRP 2003, 735 – Liber­tel; Urteil vom 24.06.2004 – C‑49/​02, Slg. 2004, I‑6129 = GRUR 2004, 858 Tz. 38 f. – Hei­del­ber­ger Bau­che­mie; EuGH GRUR Int. 2005, 227 Tz. 78 – Far­be Oran­ge[↩]
vgl. EuGH GRUR 2003, 604 Tz. 60 – Liber­tel; GRUR 2004, 858 Tz. 41 – Hei­del­ber­ger Bau­che­mie[↩]
vgl. EuGH GRUR 2003, 604 Tz. 71 – Liber­tel; GRUR Int. 2005, 227 Tz. 79 – Far­be Oran­ge[↩]

References: § 8
 § 8
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 EuGH 
 EuGH 
 EuGH