Source: https://www.cabinet-vigier.com/de/die-besteuerung-der-vermoegensverwaltenden-sci-im-deutsch-franzoesischen-kontext/
Timestamp: 2020-04-08 02:40:48+00:00

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Die Besteuerung der vermögensverwaltenden SCI im deutsch-französischen Kontext - Cabinet Vigier
Deutsche, die sich für den Erwerb einer Immobilie in Frankreich interessieren, sehen sich oftmals mit der Frage konfrontiert, ob die Gründung einer Privatimmobiliengesellschaft (sog. société civile immobilière, fortan kurz: SCI) Sinn macht.
Gerade wenn die Immobilie vermietet werden soll, ergeben sich interessante Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere in steuerrechtlicher Hinsicht. Die einschlägigen Bestimmungen des französischen Rechts alleine sind recht komplex und werden, wenn der Gesellschafter Steuerausländer mit Sitz in Deutschland ist, durch Aspekte der Doppelbesteuerung noch verkompliziert.
Der vorliegende Artikel verfolgt den Zweck, Klarheit in diese verschiedenen Aspekte der Besteuerung der französischen SCI zu bringen. Gegenstand sind im Wesentlichen die Fragen der Besteuerung der laufenden Einkünfte der SCI sowie der Besteuerung des Gewinns aus der Veräußerung der Immobilien der vermögensverwaltenden SCI bzw. ihrer Anteile. An ausgewählten Stellen wird auch auf die Behandlungen gewerblicher SCI eingegangen. Die Frage der Erbschafts- und Schenkungssteuerechtlichen Behandlung der SCI wird hingegen einem gesonderten Artikel vorbehalten.
Für die weitere Darstellung ist maßgeblich zwischen der sog. steuerlich transparenten SCI einerseits (nachfolgend I.) und der Körperschaftssteuerpflichtigen SCI andererseits (nachfolgend II.) zu unterscheiden:
I. Alternative: Der Regelfall der sog. steuerlich transluziden SCI (SCI translucide)
Ohne besondere Wahl der Besteuerungsart erfolgt keine Besteuerung der SCI selbst, vielmehr erfolgt die Besteuerung der Einkünfte auf der Ebene der Gesellschafter selbst (Art. 8 des französischen Steuergesetzbuchs „Code général des impôts, fortan kurz: CGI). Die Einkünfte werden von diesen, proportional zu ihren Anteilen an der Gesellschaft persönlich versteuert. Aus diesem Grund wird hier auch von einer transparenten bzw. nach französischer Terminologie genauer transluziden SCI gesprochen.
Die laufenden Einkünfte der transluziden SCI sind von den Gesellschaftern im Rahmen ihrer persönlichen Einkommenssteuer (impôts sur le revenu, fortan kurz: IR) zu versteuern und, je nach Tätigkeit der Gesellschaft, einer der folgenden vier Einkunftsarten zuzuordnen:
Die lediglich Vermögensverwaltende SCI mit Vermietungstätigkeit erzielt in der Regel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Dies allerdings nur, wenn es sich um unmöblierte Vermietung handelt. Das französische Steuerrecht qualifiziert nämlich die möblierte Vermietung stets als gewerbliche Tätigkeit (activité commerciale). Hier ist insbesondere Art. 206-2 CGI zu beachten, der bestimmt, dass wenn die Einkünfte der SCI zu mehr als 10% aus gewerblicher Tätigkeit resultieren, die SCI zwingend der Körperschaftssteuer (impôt sur les sociétés) unterliegt, mithin also die Wahlmöglichkeit zugunsten der Einkommenssteuer (IR) nicht besteht. Wer bei möblierter Vermietung der Gesellschaft daher die Einkommenssteuer wählen möchte, sollte sich gegebenenfalls Gedanken über die Gründung einer Familien-SARL (Gesellschaft mit beschränkter Haftung machen). Dort erlaubt das französische Recht nämlich die entsprechende Wahl, Art. 239 bis AA CGI.
Die nach den jeweils maßgebenden Regeln ermittelten Einkünfte unterliegen der französischen Einkommenssteuer mit einem progressiven Stufentarif bis 45%, gegebenenfalls zuzüglich sog. 3 % bzw. 4 % der sog. Sonderbeitrag auf hohe Einkommen (contribution exceptionnelle sur les hauts revenus) in Höhe von 15,5% (17,2% ab 2018).
Mit den Haushaltreformgesetzen von 2012 hat der französische Gesetzgeber nunmehr auch die Vermietungs- und Verpachtungseinkünfte von Steuerausländern der Sozialabgabepflicht unterworfen. Auch diese Einkünfte werden seit dem 01.01.2012 mit den Sozialabgaben in Höhe von 15,5% (17,2% ab 2018) belegt. (Loi 2012-958 vom 16.08.2012, art. 29; Art. L136-6-I-bis CSS).
Der Verkauf eines Gesellschafteranteils an der steuertransparenten SCI unterliegt in Frankreich denselben Bestimmungen wie der Verkauf der Immobilie durch die Gesellschaft selbst (Art. 8 bis 8ter, 150 U CGI), d.h. der oben dargestellten Besteuerung von Immobilienspekulationsgewinnen durch Privatleute (régime d’imposition des plus values immobilières des particuliers). Prinzipiell gilt dies allerdings nur, wenn die SCI auch tatsächlich eine sog. société à préponderance immobilière (SPPI, art. 726 CGI) darstellt. Dies ist der Fall, wenn ihre Aktiva zu mehr als der Hälfte aus in Frankreich belegenen Immobilien besteht. Besteuert wird dann auch hier der Wertzuwachs mit 19%, unter Berücksichtigung der Abschläge, die nach 30 Jahren Haltedauer zur Steuerfreiheit führen (Art. 150 U bis 150 VH CGI). Hinzu kommen die Sozialausgaben in Höhe von 15,5% (ab 2018: 17,2%).
Für Steuerausländer gilt: Auch hier gilt der (taux forfaitaire) iHv. 33,33 % bzw in Höhe von 19% für . EU-Ausländer (Art. 244 bis A CGI) nebst Sozialabgaben in Höhe von 15,5% bzw. ab 2018 : 17,2%. (Loi 2012-958 vom 16.08.2012, art. 29; Art. L136-7-I-bis CSS).
Auf Seiten des Erwerbers wird der Erwerb einer Immobilie in Frankreich in der Regel mit der Registersteuer (droits d’enregistrement) in Höhe von 5,81 % belastet, gleich ob es sich um den Erwerb einer gewerblich oder zu Wohnzwecken genutzten Immobilie handelt (Art. 683, 1594 D CGI). Der Steuersatz gilt gleichermaßen für den Fall, dass die SCI eine Immobilie von einem Dritten erwirbt oder ein Dritter eine Immobilie von einer SCI erwirbt.
Ferner löst die Einbringung einer Immobilie durch einen Gesellschafter in die transluzide SCI in der Regel keine Registersteuer aus (809 bis 810 bis CGI), wenn Sie als Gegenleistung für den Erwerb der Gesellschaftsanteile erfolgt. Allerdings unterliegt der einbringende Gesellschafter der Wertzuwachssteuer nach den allgemeinen Regeln (siehe oben).
d) Vermögenssteuer ISF(ab 2018: IFI)
Natürliche Personen, die über in Frankreich belegenes Vermögen verfügen, dessen Wert nach Abzug aller Verbindlichkeiten mehr als 1.300.000 € (neuer Schwellenwert ab 2012; 2011 betrug der Schwellenwert: 800.000) beträgt, haben in Frankreich grundsätzlich eine jährliche Vermögenssteuer (Impôt de solidarité sur la fortune; kurz: ISF) zu entrichten. Die Steuer beträgt vorerst (Stand 2017) im Ergebnis unter besonderer Berücksichtigung des sog. Sonderbeitrags zur Vermögenssteuer (CEF) zwischen 0,55 und 1,80 % des maßgeblichen Nettovermögens.
Anteile an transluziden Immobiliengesellschaften wie der SCI werden in Frankreich nach ähnlichen Grundsätzen der Vermögenssteuer (ISF) unterworfen, wie Anteile an einer Immobiliengesamthand (indivision), d.h. jeder Gesellschafter hat seinen Gesellschaftsanteil in die Vermögenssteuererklärung seines Haushaltes einzustellen.
Anders als bei der Immobiliengesamthand (indivision) maßgeblich ist hier aber nicht der Verkehrswert der Immobilie selbst, sondern der Verkehrswert des Gesellschaftsanteils als solcher. Für die Ermittlung des objektiven Verkehrswertes des Gesellschaftsanteils bei der lediglich vermögensverwaltenden SCI ist hierfür zunächst das Nettoaktivvermögen der Gesellschaft zu ermitteln. Dieses besteht in der Regel aus der Differenz zwischen Aktiva und Passiva der Gesellschaft. Hierbei bestehen die Aktiva aus der Summe der folgenden Positionen: Verkehrswert der von der Gesellschaft gehaltenen Immobilien, Werte anderer Güter im Eigentum der Gesellschaft zuzüglich sonstigem liquiden Vermögen und Forderungen der Gesellschaft. Als Passivposten anerkannt sind dem Grundsatz vor allem Darlehen, die die Gesellschaft zur Finanzierung ihres Gesellschaftsvermögens aufnimmt. Der Wert des Anteils eines Gesellschafters ermittelt sich dann proportional anhand der Relation dieses Anteils zu den gesamten Gesellschaftsanteilen bezogen auf den Gesamtwert. Bei einem Minderheitenanteil oder wenn die Satzung Verfügungsbeschränkungen in Hinblick auf die Veräußerung der Gesellschaftsanteile vorsieht ist ferner anerkannt, dass noch ein zusätzlicher Abschlag (décote) von etwa 5-15% vorgenommen werden kann.
Es kann daher festgehalten werden, dass Darlehen, die eine vermögensverwaltende SCI zur Finanzierung des Erwerbs ihres Immobilienvermögens aufnimmt, den für die ISF-Erklärung maßgeblichen Wert der Gesellschaftsanteile grundsätzlich mindert.
Der Gesetzgeber hat allerdings mit einer Gesetzesänderung von 2012 die Abzugsfähigkeit insoweit eingeschränkt, als dass Darlehen, die der SCI von Gesellschaftern, die Steuerausländer (non-résident) sind, aus Eigenmitteln zur Verfügung gestellt werden und die in den sog. laufenden Gesellschafterkonten (comptes courants d’associés) der SCI aufzuführen sind, bei der Ermittlung des Wertes des Gesellschaftanteils zum Zweck der Berechnung der der Vermögenssteuer (ISF) nicht als Wertminderungsposten berücksichtigt werden können (Art. 885 T ter des französischen Steuergesetzbuchs (CGI) idF. vom 29/07/2011).
Der Gesetzestext stellt ausdrücklich klar, dass hiervon nicht nur Darlehen umfasst sind, die der SCI von dem Steuerausländer-Gesellschafter unmittelbar gewährt werden, sondern auch solche, die mittelbar – das heißt durch Zwischenschaltung einer oder mehrerer Gesellschaften – zur Verfügung gestellt werden (créances détenues, directement ou par l’intermédiaire d’une ou plusieurs sociétés interposées). Damit ist ein bedeutendes Instrument der steuerlichen Strukturierung für Steuerausländer weggefallen.
Im Umkehrschluss dürften „Fremddarlehen“ – etwa solche, die der SCI durch Banken oder Dritte, zB. auch Familienangehörige oder deren Gesellschaften, die nicht Mitgesellschafter sind, bereitgestellt werden – durchaus weiterhin abzugsfähig sein. Weitere Kriterien der Abgrenzung sind allerdings weder dem Gesetz noch dem offiziellen Steueramtsblatt (BOFIP, insbesondere BOI-PAT-ISF-30-50-20-20140121 Randziffer 335 ff.) zu entnehmen. Gerichtsfeste Angaben zur näheren Ausgestaltung der Darlehen im Interesse ihrer Abzugsfähigkeit können daher nicht erteilt werden. Auch zu berücksichtigen, dass der Einsatz eines Fremddarlehens zur Steueroptimierung bei der SCI überhaupt nur dann Sinn macht, wenn die Kosten des Fremddarlehens niedriger sind, als die zu erwartende Steuer.
Ganz allgemein darf auch noch darauf hingewiesen werden, dass das französische Steuerrecht die Rechtsfigur des Gestaltungsmissbrauchs (abus de droit) kennt. Hiermit kann die Finanzverwaltung eigentlich zulässige steuerrechtliche Gestaltungen zu Fall bringen, wenn sie nachweist, dass die Gestaltung fiktiv ist und einzig und allein zu dem Zweck verwirklicht wurde, einen bestimmten Steuertatbestand zu umgehen, wobei die Steuerverwaltung die entsprechende Beweislast trifft.
Schließlich wird darauf hingewiesen, dass die französische Vermögenssteuer zum 01.01.2018 grundlegend reformiert wird. Dabei erfolgt eine Beschränkung auf die Besteuerung von Immobilienvermögen. Hierzu darf auf den nachfolgenden Artikel verwiesen werden:
Im Ergebnis sind all diese Vorschriften allerdings auch dann anwendbar, wenn eine in Deutschland ansässige Person Gesellschafter der steuertranszuziden SCI mit Immobilien in Frankreich ist:
a) Artikel 3 des deutsch-französischen Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerungen (fortan kurz: DBA Frankreich) weist das Besteuerungsrecht an (positiven und negativen) Einkünften aus unbeweglichem Vermögenausschließlich dem Belegenheitsstaat zu. Dies trifft insbesondere auf Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (Art. 3 Abs. 4 S. 1 DBA Frankreich) und auf die Gewinne aus der Veräußerung von unbeweglichem Vermögen zu (Art. 3 Abs. 4 S. 2 DBA Frankreich). Ferner gilt das Belegenheitsprinzip auch dann, wenn das unbewegliche Vermögen im Betriebsvermögen einer gewerblich geprägten SCI gehalten wird (Art. 3 Abs. 5 DBA Frankreich). Das Besteuerungsrecht steht daher unabhängig von der Existenz einer Betriebsstätte stets dem Belegenheitsstaat zu. Eine etwaige ausschließliche Besteuerung im Ansässigkeitsstaat ergibt sich lediglich auf gegebenenfalls auf Ebene der SCI anfallende Guthabenzinsen, z.B. aus der Anlage von Guthaben, wenn die entsprechenden Forderungen nicht zum Vermögen einer gewerblichen SCI mit Betriebsstätte in Frankreich gehören (Art. 10 DBA Frankreich).
Dies bedeutet zunächst, dass Steuern für die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie aus der Veräußerung des in Frankreich befindlichen Immobilienvermögens bzw. der Anteile der steuertransparenten SCI ausschließlich in Frankreich erhoben werden können – dies mithin auch, wenn der Gesellschafter seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Die so erzielten steuerfreien Einkünfte erhöhen folglich nicht die in Deutschland steuerbaren Einnahmen (sog. Freistellungsmethode).
Nach § 32b Abs. 1 S. 2 Nr. 3 EStG gilt allerdings weder der negative noch der positive Progressionsvorbehalt für Einkünfte aus der Vermietung oder Verpachtung von unbeweglichem Vermögen […], wenn diese in einem anderem Staat als in einem Drittstaat belegen sind”. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Liegt das vermietete Grundstück nicht in einem Drittstaat sondern in einem EU/EWR-Staat wie Frankreich, ist kein Progressionsvorbehalt zu beachten. Im Ergebnis können Verluste aus Vermietung und Verpachtung der französischen Immobilie heute im Rahmen der deutschen Einkommenssteuer weder im Rahmen der Verlustverrechnung, noch bei der Ermittlung Steuersatzes genutzt werden. Eine Besteuerung erfolgt ausschließlich in Frankreich. Gleiches gilt nach § 32b Abs. 1 S. 2 Nr. 1 und 2 EStG für Einkünfte aus einer französischen land- und forstwirtschaftlichen oder französischen passiven gewerblichen Betriebsstätte (iSv. § 2 Abs. 2 EStG) eines deutschen Unternehmens.
Weiterhin im Rahmen des deutschen Progressionsvorbehalts von Bedeutung bleiben können allerdings Einkünfte SCI oder aus den SCI-Anteilen durch den SCI-Gesellschafter, wenn sie Gewinne des Privatvermögens (private Veräußerungsgeschäfte im Sinn von § 23 EStG) oder Einkünfte aus einer aktiven gewerblichen Betriebsstätte eines deutschen Unternehmens in Frankreich darstellen. Der deutsche Progressionsvorbehalt läuft allerdings bei privaten Veräußerungsgeschäften leer, sofern die Einkünfte jenseits der Spekulationsfrist des § 23 EStG liegen.
Besteuerung der laufenden Einkünfte
Schüttet die Gesellschaft Gewinne an einen Steuerinländer-Gesellschafter aus, der eine natürliche Person ist, so unterliegen diese Dividenden auf Ebene der Gesellschafter einer Art Teileinkünfteverfahren (Art. 158 ff. CGI): Nur 60 % der Einkünfte sind zu versteuern. Diese unterliegen der französischen Einkommenssteuer mit dem bereits dargestellten progressiven Stufentarif (0%-45%+). Hinzu kommen Sozialabgaben iHv. 15,5% (ab 2018: 17,2%), die allerdings auf 100% der Dividendeneinkünfte erhoben werden – d.h. das Teileinkünfteverfahren gilt hier nicht. Ferner können zur Bildung der Steuerbemessungsgrundlage der Einkommenssteuer 5,1 % bezogen auf die Bruttodividende als Aufwendungen für Sozialabgaben abgezogen werden. Schüttet die Gesellschaft Gewinn an einen Anteilsinhaber aus, der selbst Körperschaftssteuerpflichtig ist, ist die Dividende grundsätzlich voll im Rahmen der laufenden Erträge zu versteuern. Eine Ausnahme bilden lediglich Gewinne, die an eine Muttergesellschaft ausgeschüttet werden (régime des socétés mères et filiales) – hier fällt lediglich eine Steuer auf 5 % des Ausschüttungsbetrages an.
Auf von französischen Gesellschaften ausgeschüttete Dividenden an Steuerausländer wird in Frankreich grundsätzlich eine Quellensteuer von 30% bzw. 21% für EU Bürger erhoben (Art. 119 bis-2 und 187 CGI), die über Abgeltungswirkung verfügt (Art. 199 quater A CGI). Bereits jetzt darf in Bezug auf eine etwaige Doppelbesteuerung auf die besondere Wirkung der Art. 9 Abs. 2 bzw. 3 und 7 des DBA Frankreich-Deutschland hingewiesen werden. Danach ist der französische Quellensteuersatz für Dividendenempfänger mit Steuersitz in Deutschland auf 15 % bzw. bei bestimmten Schachtelbeteiligungen auf 0% reduziert (siehe unten).
Fraglich ist, ob auf die von französischen Gesellschaften an Steuerausländer ausgeschüttete Dividenden auch den sog. Sozialabgaben iHv. 15,5% (ab 2018: 17,2%) unterliegen. Wie bereits dargestellt, zahlen seit dem 17.08.2012 auch Steuerausländer Sozialabgaben auf „Einkünfte aus in Frankeich belegenen Immobilien oder im Zusammenhang mit diesen Immobilien“ (Loi 2012-958 vom 16.08.2012, art. 29-I-a-1°; Art. L136-6-Ibis CSS; Art. 164 B-I-a CGI: « Les revenus d’immeubles sis en France ou de droits relatifs à ces immeubles »). Die Frage wird wohl zu bejahen sein. Zumindest sehen die allgemeinen Anweisungen der Finanzverwaltung vor, dass unter den Begriff „Einkünfte im Zusammenhang mit der Immobilie“ auch Einkünfte aus den Anteilen an Immobiliengesellschaften (…revenus provenant des droits immobiliers détenus par le contribuable, tels que … les actions ou parts de sociétés immobilières..) zu fassen sind (BOI-IR-DOMIC-10-10-20120912).
Die Gewinne aus der Veräußerung der Immobilie der SCI mit IS-Option werden im Jahr der Veräußerung bei der Ermittlung des Nettogewinns (bénéfice net) berücksichtigt, so dass sich für die Veräußerungsgewinne eine Besteuerung mit dem gewöhnlichen Körperschaftssteuersatz (2017) von 33,33 % bzw. von 15% bis zum Betrag von 38.120 EUR – dies ggfls. zuzüglich der Sozialabgabe iHv. 3,3% – ergibt.
Ferner können vom Veräußerungsgewinn vor Anwendung des Steuertarifs allerdings folgende Abschläge in Abhängigkeit zur Haltedauer gemacht werden: 2% bei Haltedauer von mindestens zwei Jahren und weniger als 4 Jahren, 4 % bei Haltedauer von mindestens 4 Jahren und weniger als 6 Jahren und 6% bei Haltedauer von mindestens 6 Jahren.
Behandlung von Steuerausländern: Grundsätzlich sind Mobilienveräußerungsgewinne von Steuerausländern aus dem Verkauf von Anteilen an französischen Gesellschaft nur dann als solche (Art. 150-O A CGI) in Frankreich steuerpflichtig, wenn der Anteil mehr als 25 % beträgt (Art. 244 bis B CGI). Äußerst beachtlich ist zudem, dass – wenn es sich um eine sog. SPPI (d.h. mehr als 50% der Aktiva der SCI besteht aus Immobilien, 244 bis A I-3-h CGI) handelt – bei Steuerausländern kein Unterschied danach gemacht wird, ob es sich um die Veräußerung von Anteilen an einer transluziden oder einer Körperschaftssteuerpflichtigen SCI handelt. Auch für letztere verweist das Gesetz (Art. 244 bis A II CGI) im Wesentlichen auf die Vorschriften der Besteuerung privater Immobilienveräußerungsgewinne (plus values immobilières), wenn der Verkäufer eine natürliche, der Einkommenssteuer unterliegende Person ist. Umfasst von dieser Verweisung sind insbesondere auch die Vorschriften, nach denen es zu Abschlägen in Abhängigkeit zur Haltedauer kommt (Art. 150 VC CGI). Bis 2012 galt hier der besondere Steuersatz (taux forfaitaire) iHv. 33,33 % bzw. in Höhe von 19% für EU-Ausländer (Art. 244 bis A CGI) nebst Sozialabgaben in Höhe von 15,5%. (Loi 2012-958 vom 16.08.2012, art. 29; Art. L136-7-I-bis CSS). Seit 2013 kommt gegebenenfalls noch die sog. “surtaxe immobilière” zwischen 2% und 6% hinzu.
Hinsichtlich der auf Seiten des Erwerbers anfallenden Registersteuern kann zunächst auf die Ausführungen im Rahmen der transluziden SCI verwiesen werden (Registersteuer für Immobilienerwerb 5,81%; Registersteuer für Erwerb eines Anteils an Immobiliengesellschaft 5,00 %).
Anders als bei der transluziden SCI löst die Einbringung einer Immobilie durch einen Gesellschafter, der selbst nicht der Körperschaftssteuer unterliegt, auf Seiten der SCI mit IS-Besteuerung die Registersteuer in Höhe 5% aus (809 bis 810 bis CGI). Auch hier unterliegt der einbringende Gesellschafter wiederum der Wertzuwachssteuer (siehe oben).
Hinsichtlich der sonstigen Steuern, die im Zusammenhang mit der körperschaftssteuerpflichtigen SCI anfallen (Mehrwertsteuer TVA, Grundsteuer TF, neue Gewerbesteuer CEF und Vermögenssteuer ISF) wird auf die Ausführungen im Rahmen der transluziden SCI verwiesen, die entsprechend anwendbar sind.
Aber auch wenn eine in Deutschland ansässige Person Gesellschafter der französischen SCI ist, die der IS-Steuer unterliegt, steht der Republik Frankreich als Belegenheitsstaat das ausschließliche Besteuerungsrecht in Bezug auf die laufenden Einkünfte der Gesellschaft selbst und in Bezug auf die Gewinne aus der Veräußerung von Immobilien der Gesellschaft. Die Vorschriften des DBA Frankreich-Deutschland, anfallen (Mehrwertsteuer TVA, Grundsteuer TF, neue Gewerbesteuer CEF und Vermögenssteuer die bereits oben im Rahmen der transluziden SCI genannt wurden, sind auch hier grundsätzlich anwendbar. Somit kommt es auch hier in Deutschland grundsätzlich zu einer Freistellung/span mit Progressionsvorbehalt (s. auch BMF, Schrb v. 16.04.2010, IV B 2 – S 1300/09/10003 Ziff. 4.1.4.1)
Es wurde bereits aufgezeigt, dass von französischen Gesellschaften ausgeschüttete Dividenden an Steuerausländer in Frankreich grundsätzlich eine Quellensteuer von 30 % bzw. 21% unterliegen (Art. 119 bis-2 CGI), die über Abgeltungswirkung verfügt (Art. 199 quater A CGI).
Durch Art. 9 Abs. 2 des DBA Deutschland-Frankreich ist dieser Quellensteuersatz auf 15 % reduziert bzw. bei bestimmten Schachtelbeteiligungen auf 0% (bei Ausschüttung von einer französischen Kapitalgesellschaft an eine in Deutschland ansässige Kapitalgesellschaft, die mindestens 10% am Gesellschaftskapital der französischen Gesellschaft hält). Zu beachten ist, dass der entsprechende Antrag zur reduzierten Besteuerung vor Auszahlung der Dividenden bei der französischen Finanzverwaltung zu stellen ist.
Die vorstehenden Ausführungen belegen die Komplexität der Besteuerung der SCI im deutsch-französischen Kontext. Allerdings eröffnen sich gerade in Anbetracht der verschärften Besteuerung von privaten Veräußerungsgewinnen im Rahmen der IR-Besteuerung interessante Alternativen durch Wahl der IS-Besteuerung. Hier gilt es im Einzelfall die etwaigen Konsequenzen beider Modelle einmal durchzurechnen. Einen gewissen Unsicherheitsfaktor für langfristige Investitionen stellt daneben allerdings die Tatsache dar, dass mit weiteren Änderungen der Gesetzgebung zu Lasten des Steuerzahlers zu rechnen ist.

References: Art. 206
 Art. 239
 art. 29
 art. 726
 art. 29
 § 32
 § 32
 § 2
 § 23
 § 23
 Art. 9
 art. 29
 Art. 164
 art. 29
 Art. 9