Source: http://tauschring-nuernberg.de/GN2016-10.html
Timestamp: 2019-04-22 00:15:16+00:00

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Gib&Nimm aktuell 2016-10:
Neu: Seit November 2016 gibt es die
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Gib&Nimm aktuell 10/2016
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Wünsch dir was mit dem Tauschring!
Der Herbst ist da, das Jahr neigt sich dem Ende. Für den Tauschring kein Grund, träge zu werden. Wandel steht an.
Wir freuen uns über ein neues Spätstück-Team, das unsere geliebte Sonntagstradition weiterführen wird. Gleichzeitig verabschiede ich, Eva, mich hiermit leider schon wieder aus dem Redaktionsteam der G&N. Auch für mich steht Wandel an, und er bringt einen Wohnortwechsel mit sich.
Ich habe meine Aufgabe mit viel Herzblut und hoffentlich zu eurer aller Zufriedenheit erfüllt. Ich freue mich sehr, dass sich bereits eine Nachfolgerin gefunden hat. Karin Charlotte Melde (256) wird sicherlich genauso viel Freude an der Gestaltung unserer Mitgliederzeitschrift haben wie ich.
In dieser Online-Ausgabe findet ihr ein ausführliches Interview mit Margit über ihre Tauschring-Tätigkeit (in der Druckausgabe nur in Kurzform).
Außerdem haben wir ein taufrisches neues Mitglied, Claudia, dass sich euch vorstellen mag.
Wir freuen uns auch über einen weiteren klugen und ausführlichen Leserbrief von Günter, der vielleicht zu fruchtbaren Diskussionen anregen wird.
Euch viel Freude beim Lesen der folgenden Seiten und eine kuschelige Herbstzeit.
Unser neues Tauschring-Mitglied: Claudia
meine Name ist Claudia Mücke, ich bin 33 Jahre jung und wohne seit Mai wieder in Nürnberg. In meiner Freizeit zieht es mich oft hinaus in die Welt, daher verreise ich viel oder bin in der Natur beim Wandern, Fahrrad fahren oder Fotografieren anzutreffen.
Außerdem bin ich sehr an Kultur interessiert und gehe gerne ins Theater oder ins Museum. Und wenn ich mal nicht unterwegs bin, dann koche ich mir was Leckeres, lese ein gutes Buch oder schaue einen spannenden Film.
Dem Tauschring bin ich beigetreten, weil ich das Konzept des Gebens und Nehmens toll finde und das gerne unterstützen würde. Schöner Nebeneffekt sind die vielen neuen Kontakte, die man beim Tauschring knüpfen kann.
Jetzt fragt ihr Euch bestimmt, was ich denn anbiete und suche. Meine Angebote reichen von Kinder-, Hausaufgaben- oder Tierbetreuung über Bewerbercoaching und Hilfe im Umgang mit dem Smartphone bis hin zu jeglicher Unterstützung am PC (MS Office Programme).
Ich suche dafür Folgendes: Bei Bedarf eine handwerklich begabte Person, die mir z. B. eine Lampe oder Gardinenstangen in meiner Wohnung montiert, einen netten Menschen, der mir mit seinem PKW schwere Getränke (oder evtl. neue Möbelstücke) nach Hause transportiert (und mir vielleicht sogar beim Aufbau hilft), gelegentlich eine Friseurin/einen Friseur oder jemand, der mir meine Steuerklärung macht. Oft suche ich auch Gegenstände.
Ich freue mich auf rege Tauschgeschäfte und hoffe, die/den eine/n oder andere/n von Euch noch persönlich kennen zu lernen.
Ankündigung Jahresabschlussfeier
Am 11.12.2016 ab 15 Uhr soll unsere Jahresabschlussfeier stattfinden.
Dafür werden noch helfende Hände gebraucht und Angebote, wie zu Beispiel Plätzchen backen, bei der Dekoration zu helfen und evtl. mehr.
Es wäre schön, wenn ihr uns eure Hilfe für diese Feier anbieten würdet. Bitte meldet euch am besten bei Hubert Hütter.
Interview mit Margit Kern
Margit Kern (Foto: Margit Kern)
Margit Kern und ich verabreden uns auf halber Strecke, ganz demokratisch haben wir nach einem Ort gesucht, der unser beider Interessen entspricht. Beim Dampfnudelbäck in Johannis, auf einem roten Sofa und bei Saftschorle und Cappuchino begeben wir uns auf eine Reise in das Leben von Margit, dem Tauschring und dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE).
Dass uns diese Reiseschilderungen über Stunden forttragen würden, unter anderem nach draußen in einen Strandkorb, wer hätte das geahnt. Schnell wurde jedoch klar, der vorgefertigte Fragebogen für Tauschring-Interviews, der hatte erst mal Pause, denn diese Frau lässt sich nicht in ein Schema pressen.
Die Reise von Margit beginnt 1996. Ein Freund nimmt sie mit zu einem Tauschring-Treffen, damals in einem winzigen Raum in der Rothenburger Straße. Margits erster Gedanke war: „Was soll ich denn hier?“ Der soziale Aspekt war ihr weniger wichtig. Selbst im Verkauf tätig, verstand Margit, um was es im Tauschring geht. Ums Geben und Nehmen, das Angebot muss der Nachfrage entsprechen, sonst wird das nichts mit dem Tauschen. Sicher kann man Kuchen backen als Tauschsache anbieten, sagt Margit, aber kann man nur vom Kuchen backen so viele Stunden ansammeln, dass davon die monatliche Verwaltungsumlage beglichen wird und gleichzeitig so viele Stunden übrig bleiben, um den Tauschring-Handel aktiv zu gestalten?
Margit spricht aus, was anderen vielleicht so nicht bewusst ist. „Der Tauschring ist keine Auffangstation für soziale Interessen. Es geht ums Handeln. Nur wer regelmäßig gibt und nimmt, hält den Tauschring am Leben.“ Das Geld bleibt außen vor, egal welche Kenntnisse und welche Vermögensverhältnisse bei den Tauschring-Mitgliedern vorherrschen, es wird eine Stunde gegen eine Stunde getauscht.
Im Jahre 2006 wurde der Tauschring Nürnberg als offizieller Verein beim Amtsgericht eingetragen. Der Wunsch, eine größere Öffentlichkeit zu erreichen, das Interesse der Stadt Nürnberg am Geschehen des Tauschrings, das hat letztendlich dazu geführt, dass Margit zusammen u.a. mit Hildegard Hübner das Projekt angegangen ist. Die Hürden lagen hoch. Hatte der Tauschring das Zeug dazu, als Verein geführt zu werden? Dazu verteilte Margit an alle die in Arbeitsgruppen tätig waren, Zettel mit Fragen wie „Was ist Deine Aufgabe?“, „mit wem arbeitest du zusammen?“ Sie wollte so eine Transparenz in die Arbeitsbereiche bringen, doppelte Tätigkeiten sinnvoll bündeln. Sie wollte, dass alle 20 Mitglieder zusammen kommen und an einem Strick ziehen. Hubert Hütter sagte damals: „Das schaffst Du nie“. Doch, sie hatte es geschafft. Alle kamen zusammen, und alle bekamen Fäden in die Hand, Bindfäden, und sie spannten ein Netz, bei dem sich abzeichnete, wie intensiv die Kontakte untereinander tatsächlich sind.
Viel Arbeit steckte darin, den Verein beim Registergericht anzumelden, ja überhaupt die Voraussetzungen für einen eingetragenen Verein zu erfüllen. Dann die Termine beim Notar, beim Finanzamt, es musste zuerst ein Treuhandkonto angelegt werden, was dann in den registrierten Verein überführt wurde. Das war viel Recherche und viel Zeit, die Margit hier zusammen mit ihren Tauschring-Kolleginnen investierte. „Das schaffst Du nie“, von wegen!
Und diese Margit Kern vom Tauschring Nürnberg sagt nach wie vor über sich, dass die sozialen Kontakte beim Tauschring weniger zu einem aktiven Handeln beitragen. Ist sie denn unsozial? Weit gefehlt. Dieselbe Margit Kern engagiert sich seit langem für das jetzt in aller Munde stehende „Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)“.
Margit, der Tauschring, das BGE, wie passt das jetzt zusammen?
Das Eine hat nichts mit dem Anderen zu tun. Ein Tauschring braucht einen geschlossenen Kreis, um zu funktionieren und man ist abhängig davon, was es gibt oder gebraucht wird. Getauscht wurde schon immer, doch durch ein Zeitkonto bin ich nicht gebunden und kann auswählen, mit wem ich tausche, sofern jemand das sucht bzw. bietet, was ich brauche oder suche. Ein Tausch hat immer mit Geben und Nehmen zu tun.
Das Bedingungslose Grundeinkommen bekommt jede*r von der Wiege bis zur Bahre. Von uns ALLEN an uns ALLE. Es ist keine Bedingung daran geknüpft. Jede*r bekommt es, einfach weil er ein Mensch ist.
Fasziniert hat mich schon früh die Gemeinsame Ökonomie, die in den 80er Jahren boomte, wie z. B. in der Kommune Niederkaufungen, die seit 1986 und seit damals immer noch als intentionale Gemeinschaft zusammenwirkt. Jeder soll das machen, was er am Besten kann, das kommt in einer Kommune zum Ausdruck. Ich mache, was ich liebe und liebe, was ich mache. Diese Quintessenz ist auch beim BGE zu erwarten. Gemeinsam Erwirtschaftetes kommt in einem Topf, von dem sich jede/r nehmen kann, was er braucht.
Das hört sich toll an, (nur) das zu machen, was man liebt … .
Warum machen die Menschen in diesem Land das nicht einfach?
Ja, die meisten Menschen gehen jeden Tag zur Arbeit in dem Wissen, Geld verdienen zu müssen für das Haus, die Miete, den nächsten Autokauf, Kleidung für die Kinder, Essen usw. Es ist ein Hamsterrad. Dabei ist vielen noch nicht bewusst, dass immer mehr Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt werden. Eine Arbeitserleichterung durch Maschinen, das ist es, was sich unsere Großeltern wünschten. Heutzutage erleichtert die Maschine nicht nur die Arbeit, sie macht die menschliche Arbeitskraft überflüssig. Doch von was sollen Menschen leben, wenn von heute auf morgen ihr Arbeitsplatz zugunsten einer Maschine wegrationalisiert wird?
Dafür brauchen wir alle ein Existenz sicherndes, Kultur ermöglichendes Grundeinkommen. Bedingungslos! Derzeit werden Beträge zwischen 1.000 und 1.500 Euro pro Erwachsenen diskutiert. Nur so fallen der Druck und die Existenzangst weg, die Miete im nächsten Monat bezahlen zu können.
Anmerkung: Der Film Grundeinkommen. Ein Kulturimpuls von Enno Schmidt und Daniel Häni, Unternehmen Mitte in Basel, ist sehr anschaulich gemacht und ein Filmabend unter Freunden garantiert gute Gespräche zum Thema.
Über ein BGE wird bereits seit 30 Jahren in Belgien debattiert. Die Schweiz hat dieses Jahr im Rahmen eines Volksentscheides über die Einführung eines BGE abgestimmt, jedoch wurde dieses mit 78 Prozent abgelehnt.
Ich würde es so formulieren: Die Schweiz hat darüber abgestimmt und 22 % der Bevölkerung war dafür - was für ein Erfolg! Es fehlten 28+1% für ein Ja! Der Keim für das BGE ist jetzt bei den Bürgern wieder aktiv und dieser Keim wird wachsen. Wenn man bedenkt, dass die Schweiz für das Frauenwahlrecht vier mal abstimmen musste, sind 22% wirklich ein Erfolg.
In Deutschland haben wir noch nicht einmal die Möglichkeit eines Volksentscheides. Und damit sich das ändert, sammelt der Omnibus für Direkte Demokratie seit vielen Jahren Unterschriften.
Da sind jetzt die Schweiz und Belgien, wer macht sich denn hier in Deutschland für das BGE stark?
Es gibt ganz viele Initiativen und auch Einzelne, die sich dafür einsetzen. Dazu gibt es im Internet die Seite archiv-grundeinkommen.de, ein sorgsam geführtes Archiv mit vielen Informationen und Adressen. Auch empfehle ich folgende Seite: de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen.
Doch um einen Namen zu nennen: Im Jahre 2009 hatte eine Tagesmutter aus dem Greifswald, Susanne Wiest, beim Bundestag eine Petition für die Einführung des BGE übers Internet gestellt und soviel Zuspruch erhalten, dass der Server des Bundestages zusammenbrach. Es wurden 52.000 Befürworter gezählt, es waren aber weitaus mehr, jedoch ist bereits bei über 50.000 Unterschriften der Petitionsausschuss gefordert, den Petitionseinreicher persönlich anzuhören. Ich war an diesem 8. November 2010 bei der Anhörung in Berlin selbst dabei und hörte Susanne Wiest sprechen.
Wie war das damals in Berlin, ist das nicht ein berauschendes Gefühl, bei so einem Anlass Zeitzeugin zu sein?
Meine Güte, das war damals so aufregend. Ich war mit Freunden nach Berlin gefahren, um für das BGE auf die Straße zu gehen. Auch Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette „dm“, die Initiative Krönungswelle	und viele andere Initiativen waren dabei. Wir hatten Goldene Kronen im Gepäck, um die Menschen auf der Straße zu krönen. Die Kronen sind innen mit der Aussage von Michael Sennhauser versehen: „Wenn jeder sein eigener König ist, muss keiner der König des Anderen sein“. Der Souverän (= das Volk) sind ja wir Alle. Sein eigener König sein heißt eben auch, Verantwortung zu übernehmen und den veralteten Vaterstaat zu entlasten. Ein schönes Ritual, die Menschen daran zu erinnern, dass sie ihr eigener König sind.
Als ich ungläubig gucke, holt Margit aus ihrer Tasche einige goldene Papierkronen, die man mit einem einfachen Handgriff zusammensteckt.
Anmerkung: Das Team der Initiative Krönungswelle tourte im September 2009 mit dem Krönungswellen-Bus in 16 Tagen durch 20 Städte in Deutschland und der Schweiz.
Wir hatten also am 08.11.2010 in Berlin Stangen dabei, an denen diese Kronen so befestigt waren, dass wir diese einfach herunterziehen und an die Passanten verteilen konnten. Mit diesen Kronenhaltestangen begaben wir uns zum Bundestag. Das Sicherheitspersonal war total überfordert, so einen Ansturm hatten sie wahrscheinlich noch nie erlebt. Die Kronen mitsamt den Kronenhaltestangen mussten wir in leeren gläsernen Schaukästen vor der Tür lagern. Das war ein schönes Bild, goldene Kronen vieler Könige in Schaukästen vor dem Bundestag!
Reingelassen wurdet ihr jedoch, in das Bundestagsgebäude?
Ja, man musste sich Wochen vorher anmelden und die Plätze waren begrenzt. Dennoch sprengte die Anzahl der BGE-Befürworter den Zuschauerraum, so dass die ganze Menschenmenge in mehreren Räumen untergebracht werden musste..
Wie war das, Susanne Wiest sprechen zu hören?
Vor so einer Menge Menschen zu sprechen, etwas vorzutragen, bei dem Widerstand vorprogrammiert ist, da kann ich nur sagen, „Hut ab“ vor Susanne.
Souverän sprach sie vor „unseren Abgeordneten“, von denen mancher versuchte, sie durch provozierende Fragen einzuschüchtern. Sie hat durch ihre überlegten Antworten sehr deutlich gemacht, dass ein Politiker nur deshalb im Bundestag sitze, weil ein Bürger ihn gewählt habe. Dass ein Politiker für die Belange des Bürgers einzustehen habe und dafür vom Bürger bezahlt werde. Wer also muss sich nun vor wem rechtfertigen?
Susanne Wiest wollte mit ihrer Forderung nach einem BGE „allen Bürgern ein würdevolles Leben gewährleisten“ und vor allem die Diskussion um das Thema fördern. Unsere Volksvertreter haben das damals (noch) nicht verstanden.
Anmerkung: Laut Wikipedia wurde der Vorgang erst 2013 geschlossen mit dem Fazit, die Bundesregierung lehne ein Grundeinkommen ab mit der Begründung, die damit verbundene Umstrukturierung des Steuer-, Transfer- und Sozialversicherungssystems halte sie für falsch.
Das Volk und seine Vertreter müssen also auf anderen Wegen vom Nutzen des BGE überzeugt werden. Wäre ein Feldversuch der richtige Weg?
Oh ja, es gibt bereits mehrere Versuche, z.B. in Brasilien in Quantinga Velho, in Indien in Madhya Pradesh und in Namibia in dem Dorf Otjivero. Ich habe in Berlin eine Frau kennengelernt, die nach Nürnberg zog. Gemeinsam haben wir im Juli 2011 über Wochen in der Sebalduskirche neben der Wanderausstellung zu Otijvero und Quantingo Velho Filmabende, Vorträge und eine Podiumsdiskussion organisiert. Mit dabei waren Enno Schmidt, Susanne Wiest, Prof. Dr. Sascha Liebermann, Gerhard Gerhardinger und Renate Schmidt und so viele mehr.
Anmerkung: Im Internet finden wir weitere Informationen, wonach die Nicht-Regierungsorganisation GiveDirectly aus den USA mit dem Plan überrascht, eine groß angelegte Pilotstudie zum Grundeinkommen in einem Dutzend kenianischer Dörfer zu organisieren. Das Experiment soll noch 2016 im großen Stil beginnen: Diese Organisation wird 6.000 Menschen in Kenia ein monatliches Grundeinkommen zahlen, genug zum Überleben, für mindestens zehn Jahre. Bedingungen für die Empfänger: KEINE.
Margit, wie stellst Du Dir die Einführung eines BGE in Deutschland vor?
Die radikale Einführung des BGE halte ich für wenig sinnvoll. Es würde uns Menschen überfordern. Eine schrittweise Angleichung z.B. in 200 Euro Schritten pro Jahr baut Vertrauen in das neue System auf. Die Menschen wachsen hinein in die Sicherheit, dass auch morgen für Essen und ein Dach über dem Kopf gesorgt ist.
Und was würdest Du tun, wenn Du heute das BGE bekämst?
Tief durchatmen! Danke sagen, dass ich OHNE BEDINGUNG sein darf.
Ein großer Wunsch von mir wäre, Menschen in Altenheimen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben, am Besten, indem man mit diesen kleine Gärten in Form von Hochbeeten anlegt.
Dann würde ich auch gerne für ein oder zwei Jahre ins Ausland gehen, nach Ecuador, um bei der Erdbebenhilfe mitzuwirken. Oder Housesitting, das würde mir auch gefallen. Und Freunden in ihrem Laden helfen. Und zwar ohne einen Gedanken daran verschwenden zu müssen, wovon ich in dieser Zeit leben werde.
Margit, stelle Dir folgende Situation vor:
Es ist Samstag, zuerst gönne ich mir eine Massage, dann gehe ich zum Frisör, nachmittags genieße ich einen Eisbecher, abends bin ich im Biergarten und erwarte, dass mir die Bedienung auch nach einem langen Tag freundlich gesonnen ist, nicht zu vergessen, diejenigen, die anschließend noch an der Spüle stehen und die Stühle hochstellen, und der Taxifahrer, dessen Schicht erst so richtig anfängt, wenn ich längst auf der Couch vorm Fernseher alle Viere von mir strecke.
Würden denn all diese Dienstleister noch genau das an einem Samstag bis weit nach Mitternacht machen wollen, wenn auch sie Dank des BGEs zuhause auf dem Sofa liegen könnten?
Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen würden diejenigen das alles jedenfalls gerne machen, freiwillig und nicht so wie jetzt, unter Zwang. Der eine frisiert gerne, der andere massiert gerne, der nächste liebt es, für andere zu kochen und die Bedienung genießt die Stunden mit den Gästen. Wer das nicht gerne macht – sondern nur wegen des Geldes, meist mit dem Gefühl, für zu wenig Geld zu viel zu schuften, der wird unzufrieden und krank. Wie viel zufriedener wäre jemand, der dieser Tätigkeit wirklich gerne nachgeht. Der weiß, dass mit dem BGE für seine Miete und sein Essen gesorgt sei, der auf eine Tätigkeit auf Mindestlohnniveau nicht (mehr) angewiesen wäre.
Wie viel Druck würde dann ein unzufriedener Mitarbeiter auf das Unternehmen, ja auf seinen Chef ausüben, wenn die Arbeitsbedingungen dort schlecht wären. Würden dann nicht viele einfach ihre Stelle wechseln in der Hoffnung, einen besseren Ort zu finden, ihre durch das BGE gewonnene „freie Zeit“ zu verbringen? Dadurch würde sich in der Arbeitswelt doch etwas Gravierendes ändern. Der Mitarbeiter wird vom Sklaven zu seinem eigenen Herrn, er sucht sich selbst seinen Arbeitgeber aus.Wobei – das Wort Arbeitgeber ist eigentlich ganz falsch angewandt – ich gebe meine Arbeit an ein Unternehmen, somit bin ich Arbeit-Geber.
Was ist dann mit den Tätigkeiten, die keiner so richtig freiwillig macht, z.B. als Straßenbauarbeiter bei sengender Hitze draußen zu sein, oder den Müll wegräumen?
Weltweit findet eine regelrechte Versklavung der Menschen statt, die meisten merken das noch nicht einmal. Wie kann ich von einem anderen Menschen verlangen, meinen Dreck wegzuräumen! Wie arrogant. Oder wie jetzt bei sengender Hitze mitten auf der Autobahn stehen zu müssen, um Straßenbeläge zu erneuern.
Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass das jemand auch mit BGE aus Leidenschaft macht. Sicher würde diese Tätigkeiten auch weiterhin jemand machen. Dazu gibt es einige Umfragen. Solche Aufgaben müssen dann halt gut bezahlt werden. Arbeitsbedingungen und Gehälter werden dann auf Augenhöhe verhandelt. Das wäre ein echter Arbeitsmarkt! Und dann kämen ja noch die vielen Kleinunternehmer dazu, die etwas riskieren und ihre Ideen in die Gesellschaft einbringen würden.
Oder der Mensch erfindet noch mehr Maschinen, die ihm unliebsame Arbeiten abnehmen: die Firma VOLVO forscht bereits an einem roboterähnlichem Müllmann, in Nürnberg gibt es ja bereits die fahrerlose U-Bahn und in der Landwirtschaft werden nicht nur Samen von Radieschen vollautomatisch unter die Erde gebracht, ebenso werden diese Radieschen wieder von einer riesigen Erntemaschine aus der Erde geholt.
Wie aber soll das BGE finanziert werden?
Die Finanzierung ist gar keine Frage, wir haben bereits heute schon so viel Geld, dass wir über Nacht mit Millionen Euros Banken retten können. Die Frage ist, wollen wir das? Wie wollen wir hier in Zukunft miteinander leben? Gönnen wir uns das? Gönnen wir das auch unseren Nachbarn, auch dem, den ich nicht leiden kann? Hinzu kommt, dass wir 2/3 aller hergestellten Güter wegwerfen.
Dennoch gibt es kluge Köpfe, die sich mit der Finanzierung auseinander setzen. Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm, der sehr engagiert ist und fast täglich Vorträge zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen hält, schlägt eine Konsumsteuer vor. Dabei würden alle Steuern vor der Ladenkasse wegfallen und beim Kauf drauf kommen.
Es ist jedoch eher eine Frage des Willens als der Finanzierung.
Ja! Wer in diesem Land arbeitet, zahlt auf sein Gehalt hohe Steuern. Wer in diesem Land aus dem Niedriglohnsektor kommt und arbeitslos ist und derjenige, der als Langzeitarbeitsloser definiert wird, der bekommt einen Betrag, der Höhe nach zuviel zum Sterben, zu wenig für ein selbstbestimmtes Leben. Wer als Arbeitsloser nicht funktioniert, wird sanktioniert, also bestraft. Zuviel Arbeit und Unzufriedenheit im Beruf machen krank, keine Arbeit zu haben macht krank. Zu arbeiten, in der Gewissheit, zu wenig Geld zu bekommen und somit zwei oder drei Jobs annehmen zu MÜSSEN, macht auch krank. Keine Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen macht unzufrieden und krank. Das ganze Arbeitssystem in der BRD ist krank. Und total veraltet.
Und was ist mit denen, die jetzt schon nichts tun wollen.
Würden denn beim Bezug des BGE nicht noch mehr Menschen einfach zu Hause bleiben?
Wer sagt denn, das Menschen nichts tun wollen? Geht das überhaupt? Wir tun doch ständig etwas. Kinder groß ziehen, Eltern pflegen, Freunden helfen, ehrenamtliche Arbeit leisten. Übrigens wird 60 % der anfallenden Arbeit bei uns ehrenamtlich geleistet.
Und zuerst einmal muss man ja definieren, was überhaupt Arbeit ist! Was ist das überhaupt für ein schreckliches Wort! „Arbeit“ kommt von Mühsal und Plage, wer das wohl erfunden hat? Kein Naturvolk hat es in seinem Sprachschatz.
Viele Arbeitslosengeld-II-Empfänger leben am Existenzminimum. Ein BGE würde ihnen wieder eine Würde geben. Sie könnten ihren Alltag wie alle anderen gestalten, sich in die Gesellschaft einbringen, Veranstaltungen besuchen, ohne einen Nürnberg Pass vorzeigen zu müssen. Im Supermarkt einkaufen gehen, und nicht vor der Tafel oder der Suppenküche auf Essen zu warten. Wirtschaftlich gesehen gäben sie jeden Cent des BGE davon aus, das Geld würde die Wirtschaft ankurbeln, womöglich werden dadurch wieder mehr Arbeitsplätze geschaffen.
Der Mensch strotzt vor Tatendrang. Die einen suchen in einer sinnvollen Tätigkeit Anerkennung, andere wollen Menschen helfen, wieder andere lieben die Gesellschaft. Das motiviert uns, rauszugehen und unser Bestes zu geben.
Ein Mensch, der keine Lust auf Arbeit hat, hat diese Lust auch nicht, wenn er dafür bezahlt wird!
Das hört sich danach an, dass wir schnellstmöglich etwas ändern müssen.
Was meinst Du, wird das BGE auch in Deutschland kommen?
Das BGE wird kommen. Es ist nur die Frage, in welcher Höhe. Um uns Freiheit zu geben oder um uns zu versklaven? Wir - die Bürger - müssen das Thema schön bei uns behalten. Darüber sprechen und noch in uns wachsen lassen. „Es“ denken können.
Pünktlich zur Bundestagswahl 2017 ist das Bedingungslose Grundeinkommen auch wählbar:
buendnis-grundeinkommen.de/
Kurz in mich gekehrt träume ich bereits.. Mit dem BGE würde ich meine Arbeitsstelle in Nürnberg aufgeben. Zurück in meinem Heimatdorf eröffne ich einen Dorfladen, mit einem Cafè, vielleicht mit ein paar Gästezimmern. Es gibt in dieser 700 Seelengemeinde keinen Supermarkt, keinen Bäcker, keinen Zimmermann, keinen Bauernhof, keine Gaststätte mehr. Wohlgemerkt, das gab es früher alles mal.
Jetzt fahren die meisten in die Stadt zum Arbeiten. Abends sind sie dann zu müde, um noch etwas auf die Beine zu stellen. Das hat auch schon Ehen auseinander gehen lassen.
Für mich hieße das, Nürnberg ade, kein Pendeln mehr. Die Straße wird von mir weniger befahren, weniger Ausbesserungsarbeiten, kein Stau, kein Stress. Mein Dorfladen wird zur Kommunikationszentrale, die älteren Dorfbewohner könnten sich hier täglich treffen, ein Plausch und eine Berührung ersetzen den Arzt. Ach ja, einen Zahnarzt gab es früher auch mal im Dorf, und einen Fußballverein.
Chancen wären durchaus da, das Dorf wieder zu beleben. Aber mache ich das auch, wenn ich mit meinem Dorfladen am Existenzminimum leben muss? Weg mit dieser Frage, ich habe das BGE in Höhe von 1.500 Euro und freue mich, wenn die Kunden kommen, sorge mich aber auch nicht, wenn es heute weniger sind als gestern.
Ein würdevolleres Leben ..., um die Worte von Susanne Wiest zu wiederholen, nicht nur für mich, auch für alle anderen, denn das BGE würde JEDER Mensch bekommen.
Wie eingangs erwähnt, wechselten Margit und ich nicht nur Thema und Zeit, nein, auch den Ort: wir zogen beim Dampfnudelbäck irgendwann nach 20 Uhr um nach draußen, in einen Strandkorb. Ein weiterer Cappuchino hielt uns wach und warm, denn die Sonne war am Horiziont längst am Verschwinden.
Der Fragebogen für das Tauschring-Interview, richtig, links liegen gelassen hole ich ihn – Margits Aufforderung nachkommend – hervor. Das BGE – da kann man sich aber auch drin verlieren.
Mh, was mache ich jetzt nur mit dem BGE-Scheck in Höhe von 1.500 Euro, den Margit mir in die Hand gedrückt hat? Ob die Bank das merkt, dass er nicht echt ist?
Waltraud Kern-Schmidt – 767
Wozu Umlagestunden? - Machen wir es doch einfach so wie Mario Draghi von der Europäischen Zentralbank!!
Der Tauschring belastet das Zeitkonto seiner aktiven Mitglieder monatlich mit 0,75 Stunden – das sind die sog. Umlagestunden. Der Vorstand glaubt bis jetzt, dass er die braucht, um seinerseits Tauschgeschäfte bezahlen zu können. Im Grunde ist dies nicht notwendig. Denn der Tauschring kann es genauso machen wie Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank.
Mario Draghis Ziel ist es, den Banken mehr Geld zukommen zu lassen, damit diese mehr Kredite an Verbraucher und Unternehmer vergeben können. Was macht er deshalb seit Jahren? Er druckt Geld und kauft mit diesem Geld den Banken Anleihenpapiere ab. So kommt zusätzliches Geld in den Geldbeutel der Banken - Geld, von dem Draghi möchte, dass es die Banken ausgeben. Genauso kann es der Tauschring mit seinen Mitgliedern machen. Er verzichtet auf den Einzug von Umlagestunden; stattdessen druckt er Zeitgeld (Wortbildung wie Hartgeld, Papiergeld, Bargeld, Spielgeld, Wechselgeld). Wie geht das? Ganz einfach! Er schreibt für die Leistungen, die er von Tauschring-Mitgliedern bekommt, die entsprechenden Stunden auf deren Stundenkonto gut. Umlagestunden, um für den Verein ein eigenes Stundenkonto aufzubauen, sind nämlich im Grunde nicht nötig.
Dieses neue Verhalten des Tauschringvereins gegenüber seinen Mitgliedern bringt folgende Vorteile mit sich:
1) Ein Grund, in die ruhende Mitgliedschaft zu gehen, entfällt dann. Bisher konnte ein Mitglied den Abzug von Umlagestunden vermeiden, indem es in die ruhende Mitgliedschaft ging.
2) Der Tauschring-Verein kann dann bedenkenlos seine Mitglieder für verwaltungs- und werbungsbezogene Arbeiten für den Verein entlohnen, weil er sich nicht mehr fragen muss, ob er einen genügend großen Bestand an Umlagestunden zur Verfügung hat.
3) Der Verein kann – was die Bezahlung anbelangt – dann bedenkenlos seine Mitglieder zu innovativen und kreativen Leistungen für den Verein aufrufen. Damit gibt der Verein den Mitgliedern zusätzliche Möglichkeiten, sich Zeitgeld zu verdienen. Das wiederum bedeutet dann, dass mehr Zeitgeld in Umlauf kommen kann - dass also das Tauschringgeschäft im Verein an Volumen zunehmen kann.
Anmerkung der Redaktion zu dem Leserbrief von Günther.
Die Gedanken von Günter sind überlegenswert und wurden am 4.10.2016 im Koordinationstreffen diskutiert. Leider stand das Ergebnis bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Heinrich Haußmann hat bereits ein Konzept vorgestellt, dass in die gleiche Richtung geht und das hier demnächst ausführlich vorgestellt werden soll. Der Unterzeichner wird anlässlich der nächsten Mitgliederversammlung einen Antrag stellen, auf die Umlagestunden zu verzichten, weil sie vermutlich auch Ursache für die vielen ruhenden Mitglieder sein können. Ich habe mehrere Gespräche mit dem Tauschring Hamburg geführt, weil ich einem Mitglied des Tauschrings Hamburg eine Übernachtung in Nürnberg angeboten habe. Natürlich habe ich das vorher ordnungsgemäß mit Margit Kern abgestimmt, was jedes Mitglied unbedingt beachten muss.
Der Tauschring Hamburg nimmt als Umlagestunden lediglich 24 „Alibi-Minuten“ pro Jahr. Sie haben damit gute Erfahrungen gemacht. Die Vereinsvorsitzende hat mir gegenüber die Hamburger Regelungen so begründet, dass die zwangsläufigen höheren Minusstunden für die Vereinsarbeit unbedenklich sind, da die Zeitwährung anders als Geldwährung (also unsere Finanzen) durchaus anders behandelt werden kann. Wir müssen bei diesem neuen Denken sehen, dass ein sich anhäufendes Minus keinerlei negative Auswirkungen auf den Tauschring hat.
Ich möchte Günters Ausführungen in Punkt 2 seines Leserbriefes besonders unterstreichen, denn durch die Vergütung der Mitglieder für geleistete Arbeit für den Verein steht den Mitgliedern mehr Zeitgeld zur Verfügung, das sie für mehr Tauschgeschäfte ausgeben können. Zusätzlich haben sie die nicht mehr erhobenen neun Umlagestunden pro Jahr zur Verfügung, wenn das denn so beschlossen werden sollte.
Gute Idee, Günter und Danke dafür.
Mitgliederzeitung Die Gib&Nimm aktuell-Redaktion freut sich auf Unterstützung. Dies kann eine dauerhafte Mitarbeit als Autor*in und/oder Redakteur*in und/oder Korrekturleser*in und/oder Fotograf*in sein, aber auch punktuelle Unterstützung in all diesen Bereichen.
Genaueres erfahrt Ihr bei Interesse bei
Eva Hanson Tel. 0157 57322108,
An dieser Stelle möchte sich auch die Redaktion bei dem Spätstückteam um Hanni Finger für das über viele Jahre hinweg wundervoll und ideenreich organisierte Spätstück bedanken. Ihr habt das super gemacht, danke, danke.
Wir können an dieser Stelle nicht alle vollständig ausführen, die sich für den Tauschring über lange Zeit eingesetzt haben, aber einen möchten wir doch einmal besonders hervorheben:
Das ist unser lieber Hubert Hütter, der sehr viele Stunden für den Verein arbeitet und dafür fast keine Zeitstunden in Anspruch nimmt.

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