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Timestamp: 2020-01-29 04:38:21+00:00

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Anfor­de­run­gen an die Rech­nung für den Vor­steu­er­ab­zug | Rechtslupe
Anfor­de­run­gen an die Rech­nung für den Vor­steu­er­ab­zug
Zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt ist nur, wer eine Rech­nung im Sin­ne der §§ 14, 14a UStG besitzt, in der u.a. der Umfang und die Art der sons­ti­gen Leis­tung ange­ge­ben ist. Sol­che Leis­tungs­be­schrei­bun­gen hält der Gesetz­ge­ber für erfor­der­lich, um die Erhe­bung der Umsatz­steu­er und ihre Über­prü­fung durch die Finanz­ver­wal­tung zu sichern. Zur Iden­ti­fi­zie­rung einer abge­rech­ne­ten Leis­tung (§ 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 5 UStG) kön­nen ande­re Geschäfts­un­ter­la­gen her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn das Abrech­nungs­do­ku­ment selbst dar­auf ver­weist und die­se ein­deu­tig bezeich­net 1. Die in Bezug genom­me­nen Geschäfts­un­ter­la­gen müs­sen der Rech­nung nicht bei­gefügt sein.
In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te der Klä­ger Rech­nun­gen erhal­ten, die zur Beschrei­bung der ihm gegen­über erbrach­ten Dienst­leis­tung aus­drück­lich auf bestimm­te Ver­trags­un­ter­la­gen ver­wie­sen. Die­se Ver­trags­un­ter­la­gen waren den Rech­nun­gen aller­dings nicht bei­gefügt. Das Finanz­amt ver­sag­te den Abzug der Vor­steu­er­be­trä­ge, das Finanz­ge­richt bestä­tig­te die­se Ent­schei­dung. Nach sei­ner Ansicht fehl­te es in den Rech­nun­gen an einer hin­rei­chen­den Leis­tungs­be­schrei­bung für die erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen. Dar­an ände­re auch die Bezug­nah­me auf bestimm­te Ver­trags­un­ter­la­gen nichts, weil die­se Unter­la­gen den Rech­nun­gen nicht bei­gefügt wor­den sei­en.
Die­ser Ansicht folg­te der Bun­des­fi­nanz­hof nicht. Eine Rech­nung muss Anga­ben tat­säch­li­cher Art ent­hal­ten, wel­che die Iden­ti­fi­zie­rung der abge­rech­ne­ten Leis­tun­gen ermög­licht. Zur Iden­ti­fi­zie­rung der abge­rech­ne­ten Leis­tung kön­nen ande­re Geschäfts­un­ter­la­gen her­an­ge­zo­gen wer­den. Vor­aus­set­zung ist dabei ledig­lich, dass die Rech­nung selbst auf die­se ande­ren Unter­la­gen ver­weist und ein­deu­tig bezeich­net. Sol­che Ver­trags­un­ter­la­gen müs­sen zwar exis­tent, aber den Rech­nun­gen nicht bei­gefügt sein. Das Finanz­amt muss daher ord­nungs­ge­mäß in Bezug genom­me­ne Ver­trags­un­ter­la­gen bei der Über­prü­fung der Leis­tungs­be­schrei­bung berück­sich­ti­gen.
Der Unter­neh­mer kann nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von ande­ren Unter­neh­mern für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er­be­trä­ge abzie­hen. Der Vor­steu­er­ab­zug setzt nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 UStG vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach den §§ 14, 14a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt.
Die dem Unter­neh­mer erteil­te Rech­nung muss den Anfor­de­run­gen des § 14 Abs. 4 UStG ent­spre­chen 2. Eine zum Vor­steu­er­ab­zug berech­ti­gen­de Rech­nung hat daher nach § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 5 UStG Anga­ben über den Umfang und die Art der sons­ti­gen Leis­tung zu ent­hal­ten.
Uni­ons­recht­li­che Grund­la­ge die­ser Vor­schrift ist für das Streit­jahr Art. 22 Abs. 3 Buchst. b sechs­ter Gedan­ken­strich der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG 3 i.d.F. der Richt­li­nie 2001/​115/​EG des Rates vom 20.12 2001 zur Ände­rung der Richt­li­nie 77/​388/​EWG mit dem Ziel der Ver­ein­fa­chung, Moder­ni­sie­rung und Har­mo­ni­sie­rung der mehr­wert­steu­er­li­chen Anfor­de­run­gen an die Rech­nungstel­lung (Rech­nungs-Richt­li­nie). Hier­nach muss­ten aus­ge­stell­te Rech­nun­gen für Mehr­wert­steu­er­zwe­cke u.a. "die Men­ge und die Art der gelie­fer­ten Gegen­stän­de oder den Umfang und die Art der erbrach­ten Dienst­leis­tung" ent­hal­ten.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung muss die Rech­nung Anga­ben tat­säch­li­cher Art ent­hal­ten, wel­che die Iden­ti­fi­zie­rung der abge­rech­ne­ten Leis­tung ermög­li­chen. Der Auf­wand zur Iden­ti­fi­zie­rung der Leis­tung muss dahin­ge­hend begrenzt sein, dass die Rech­nungs­an­ga­ben eine ein­deu­ti­ge und leicht nach­prüf­ba­re Fest­stel­lung der Leis­tung, über die abge­rech­net wor­den ist, ermög­li­chen. Was zur Erfül­lung die­ser Vor­aus­set­zung erfor­der­lich ist, rich­tet sich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls (z.B. BFH, Urtei­le vom 10.11.1994 – V R 45/​93, BFHE 176, 472, BSt­Bl II 1995, 395, unter II. 2.a; vom 08.10.2008 – V R 59/​07, BFHE 222, 189, BSt­Bl II 2009, 218, unter II. 2.a). Zur Iden­ti­fi­zie­rung der abge­rech­ne­ten Leis­tung kön­nen ande­re Geschäfts­un­ter­la­gen her­an­ge­zo­gen wer­den. Vor­aus­set­zung ist dabei, dass das Abrech­nungs­do­ku­ment selbst auf die ande­ren Geschäfts­un­ter­la­gen ver­weist und die in Bezug genom­me­nen Unter­la­gen ein­deu­tig bezeich­net 4.
Im Streit­fall ent­hal­ten die Rech­nun­gen hin­rei­chen­de Anga­ben zum Umfang der von der – C‑GmbH abge­rech­ne­ten Leis­tun­gen. In bei­den Rech­nun­gen wird jeweils die Leis­tung für den Per­so­nal­ein­satz für eine bestimm­te Anzahl von Tagen inner­halb eines bestimm­ten Monats unter Anga­be des Tages­sat­zes für eine Per­son abge­rech­net 5.
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist es aus­rei­chend, wenn die Rech­nung auf die in Bezug genom­me­nen Geschäfts­un­ter­la­gen ver­weist und die­se Unter­la­gen ‑für Zwe­cke der Iden­ti­fi­zie­rung- ein­deu­tig bezeich­net sind 6. Sie müs­sen der Rech­nung hin­ge­gen nicht bei­gefügt sein. Bestä­tigt wird dies durch § 31 Abs. 3 Satz 2 USt­DV. Danach muss eine in Bezug genom­me­ne ande­re Geschäfts­un­ter­la­ge beim Rech­nungs­aus­stel­ler und beim Rech­nungs­emp­fän­ger ledig­lich "vor­han­den" sein. Dies setzt kei­ne phy­si­sche Ver­bin­dung mit der Rech­nung als Urkun­de vor­aus.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Janu­ar 14 – V R 28/​13
Vor­steu­er­ab­zug – und sei­ne Ver­sa­gung bei Schein­rech­nun­gen Für die Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zugs trägt die Finanz­be­hör­de die objek­ti­ve Fest­stel­lungs­last zunächst dann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge tat­säch­lich eine Leis­tung von einem Unter­neh­mer bezo­gen hat und…
Anfor­de­run­gen an Rech­nun­gen für einen Vor­steu­er­ab­zug – die… Feh­len die für den Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG erfor­der­li­chen Rech­nungs­an­ga­ben oder sind sie unzu­tref­fend, besteht für den Leis­tungs­emp­fän­ger…
Unbe­rech­tig­ter Umsatz­steu­er­aus­weis in unvoll­stän­di­ger… Der unbe­rech­tig­te Aus­weis von Umsatz­steu­er in einer Rech­nung kann – ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs – auch dann zur Umsatz­steu­er­schuld des Rech­nungs­aus­stel­lers füh­ren, wenn…
Bestä­ti­gung der Recht­spre­chung: BFH, Urteil vom 10.11.1994 – V R 45/​93, BFHE 176, 472, BSt­Bl II 1995, 395, unter II. 2.c bb[↩]
BFH, Urteil vom 02.09.2010 – V R 55/​09, BFHE 231, 332, BSt­Bl II 2011, 235, unter II. 2.[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 176, 472, BSt­Bl II 1995, 395, unter II. 2.c bb; in BFHE 222, 189, BSt­Bl II 2009, 218, unter II. 2.b[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 08.05.2013 – C‑271/​12, Petro­ma Trans­ports SA, UR 2013, 591, unter Rdnrn. 32 und 35 f.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 176, 472, BSt­Bl II 1995, 395, unter II. 2.c bb; in BFHE 222, 189, BSt­Bl II 2009, 218, unter II. 2.b[↩]

References: § 15
 § 15
 § 14
 § 14
 Art. 22
 § 31
 § 15