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Timestamp: 2019-12-12 01:59:51+00:00

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Göntje Rosenzweig: Familienrecht in Bildern - Elterliche Sorge und Umgang
Frau Dr. Göntje Rosenzweig ist Fachanwältin für Familienrecht und Mediatorin in Berlin. Sie ist zusätzlich seit 2012 als Lehrbeauftragte für Familienrecht und Kinder- und Jugendhilferecht an der Alice Salomon Hochschule in Berlin tätig.
Das vorliegende Buch bietet die Möglichkeit sich einmal anders als sonst üblich – nämlich mit visuellen Gestaltungsmethoden – in ein wichtiges Gebiet des Familienrechts – der elterlichen Sorge, §§ 1626 f BGB – einzuarbeiten. Das bedeutet, dass anstelle von langen Texten übersichtliche Grafiken entstanden sind, die jeweils wesentliche Inhalte vermitteln und meist von kurzen Texten unterstützt werden. Von daher eignet sich das Buch wohl in besonderem Maße für das Studium der Sozialen Arbeit.
Dabei muss sich der Leser zuerst einmal mit der Legende des Buches beschäftigen, da für die meisten relevanten Begriffe Piktogramme erfunden worden sind, die von Yadira Medina Hernandez gezeichnet wurden. Auf 13 Seiten finden sich so zum Beispiel kleine Bilder von Staat, Familiengericht, Jugendamt oder Vormund, aber auch von den Eltern und ihren Pflichten z.B. Bilder von Einigung/Konsens, Konflikt/fehlender Konsens, Unterhalt oder Beistand und Rücksichtnahme. So ergibt sich die Möglichkeit komplexe Zusammenhänge grafisch verständlich darzustellen. Aber es erfordert anfangs auch immer wieder einen Blick in die Legende, um die Piktogramme zu verstehen, da sich nicht jedes Bild von selbst erklärt.
Nach einer Einleitung (Kapitel 1) und einer Vorbemerkung (Kapitel 2), in der es um die Definition von Elternrechten und Kinderrechten nach dem Grundgesetz geht, kommt dann in Kapitel 3 in der Abbildung 1 mit den Grundrechten von Eltern und Kindern die Grundidee des Buches zur Anwendung. Unter der Überschrift: „Wichtige Grundrechte von Eltern und Kindern im Sorge- und Umgangsrecht“ findet sich ein Kreis in dem in vier Rechtecken jeweils ein Grundrecht mit dem jeweils entsprechenden Piktogramm angeordnet ist. Es sind dies: Schutz der Menschenwürde, Art. 1 Abs. 1 GG, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Art. 3 Abs. 2 GG, Allgemeines Persönlichkeitsrecht, Art. 2 Abs. 1 GG und Schutz von Ehe und Familie, Art. 6 GG. Der Kreis zeigt das Spannungsfeld, in dem sich die vier Grundrechte befinden. Diese Artikel des Grundgesetzes werden dann kurz in ihrer Bedeutung für die Kinder und Jugendlichen als eigene Rechte erläutert, um dann ausführlicher und mit verschiedenen Abbildungen die Elternrechte- und Pflichten des Art. 6 GG gegenüber den Kindern und dem Staat darzustellen. Dabei wird als Oberbegriff die „elterliche Verantwortung“ dem Kind gegenüber aus Art. 6 Abs. 2 GG abgeleitet und die Einflußnahme des Staates durch den Schutz aus Art 6 Abs. 1 GG einerseits und die Aufsicht (staatliches Wächteramt) aus Art. 6 Abs. 2 GG andererseits dargestellt. Dies wird durch die visuellen Gestaltungsmethoden übersichtlich und einsichtig.
Warum aber das Piktogramm für Eltern in Abbildung 2 zwei Elternköpfe zeigt, in Abbildung 3 nur einen Elternkopf – als Alleinerziehende – und in Abbildung 4 sowohl das Piktogramm mit den zwei Elternköpfen und das Piktogramm mit einem Elternkopf dazu zeigt, hat sich mir nicht erschlossen.
Mit Kapitel 4 beginnt das Kernthema dieses Buches: die elterliche Sorge. Dabei werden Sorgerechte und -pflichten (§§ 1626 ff. BGB) der elterliche Sorge zugeschrieben. Die elterliche Verantwortung umfasst neben der elterlichen Sorge auch die Umgangsrechte und -pflichten nach § 1684 BGB, die Unterhaltspflichten nach §§ 1601 ff. BGB und Beistand und Rücksicht nach § 1618a BGB.
Das absolute Recht der elterlichen Sorge gilt gegenüber jeder Person, Institution und gegenüber dem Staat, der nur im Rahmen seines Wächteramtes gegen den Willen der Eltern für das Kind tätig werden kann ( Art. 6 Abs. 2 GG, §§ 1666, 1666a BGB). In verschiedenen Abbildungen werden die Verwandtschaftsverhältnisse, die Entscheidungsrechte, der zeitliche Umfang der Sorgerechte (von der Geburt bis zur Volljährigkeit) und auch mögliche Veränderungen im Zeitablauf übersichtlich und leicht verständlich dargestellt. Abgerundet wird dies Kapitel mit dem Aufzeigen der Unterstützung des volljährigen, hilfebedürftigen Kindes.
Die Entstehung und Begründung der elterlichen Sorge in Kapitel 5 kann durch die verschiedenen Abbildungen besonders deutlich machen, welche Unterschiede zwischen der Ausübung der elterlichen Sorge von Ehepaaren oder Alleinerziehenden besteht. Und besonders die Wege zur gemeinsamen Sorge und auch deren Aufhebung bei unverheirateten Eltern – orientiert am Kindeswohl – werden sehr verständlich dargestellt.
In den Kapiteln 6 und 7 wird der Umfang der elterlichen Sorge dargestellt. Während die Autorin auf die Vermögenssorge nur kurz in einem knappen Absatz eingeht, wird die Personensorge mit ihren Teilbereichen in Bildern und mit ausführlicherem Text erläutert. Es wird nach §§ 1631 und 1631 a BGB die fünf Teilbereiche erklärt: Pflege und Gesundheitsfürsorge, Erziehung, Aufenthaltsbestimmung, Aufsicht, Ausbildung und Beruf. Dazu kommen noch „weitere Angelegenheiten“ wie Name des Kindes, Regelung des Umgangs und das Recht Leistungen nach dem SGB VIII zu beantragen.
Es wird jeweils ein guter Überblick gegeben, aber eine genauere und ausführlichere Beschreibung – z.B. beim wichtigen Thema der Aufsicht für Eltern und andere Aufsichtspflichtige – wäre gerade in dieser Darstellungsform sehr hilfreich.
In den weiteren Kapiteln 8 – 10 wird das Spannungsfeld in dem die unterschiedlichen Leitvorstellungen und die Einigungspflicht der Eltern samt der gerichtlichen Zuweisung von Entscheidungsbefugnissen knapp aber anschaulich dargestellt.
Dann folgt in den Kapiteln 11 und 12 ausführlicher die gemeinsame Sorge und die Entscheidungsbefugnisse getrenntlebender Eltern nach §§ 1687, 1687 a BGB.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in den Kapiteln 13 (Einschränkungen bei der Ausübung der elterlichen Sorge) – sehr kurz gehalten –, dem ausführlicheren Kapitel 14 zur Auflösung der gemeinsamen Sorge nach § 1671 Abs. 1 BGB, der Übertragung der Alleinsorge auf den Vater in Kapitel 15 und dem Ruhen der elterlichen Sorge im Kapitel 16, die alle jeweils sehr übersichtlich die Probleme in Text und Bild darstellen.
Sehr umfangreich, mit einer Fülle von gelungenen Abbildungen und ausführlichen Textbeiträgen, ist das Kapitel 17, welches die gerichtlichen Maßnahmen bei Kindeswohlgefährdung nach §§ 1666, 1666 a BGB umfasst. Hier wird besonders deutlich, wie ein Sachverhalt unterschiedlich einmal durch die Abbildungen oder durch den Text aufgenommen wird und wie sich beides durchaus sinnvoll ergänzen kann.
Mit einer Reihe wichtiger Unterpunkte werden die Tatbestandsvoraussetzungen der Kindeswohlgefährdung und dann die gerichtlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr dargestellt. Wobei – wenn auch kurz – die Gefährdung der wirtschaftlichen Belange des Kindes (die Vermögenssorge) nicht vergessen wird und zumindest auf weiterführende Literatur verwiesen wird.
Abgeschlossen wird das Thema elterliche Sorge im Kapitel 18, welches die Einschränkung und Beendigung der elterlichen Sorge samt deren Rechtsfolgen aufzeigt.
Eine Fülle von Streitigkeiten und gerichtlichen Verfahren ergeben sich beim Thema Umgang. Von daher widmet sich die Autorin im Kapitel 19 sehr sorgfältig dieser konfliktreichen Materie mit einer Reihe sehr hilfreichen Abbildungen und Texten.
Es werden die Umgangsberechtigten mit ihren jeweils unterschiedlichen Rechten und Pflichten bildlich und textlich dargestellt – also Eltern, der leibliche nicht rechtliche Vater, Großeltern, Geschwister und enge Bezugspersonen des Kindes. Und daneben auch der eigene Anspruch des Kindes auf Umgang mit seinen Eltern. Interessant ist die Differenzierung zwischen elterlicher Sorge und Umgangsrecht. Umgangsberechtigt und -verpflichtet sind auch Eltern, die nicht sorgeberechtigt sind – also auch bei Entzug oder Ruhen der elterlichen Sorge.
Hilfreich sind die Abbildungen für den laufenden Umgang, Ferien- und Feiertagsumgang und die jeweilige Umgangsgestaltung.
Gut verständlich – auch für Betroffene – sind die zahlreichen Regelungen für Umgangseinschränkungen oder für den Umgangsausschluss. Und auch was dann noch möglich ist – das Auskunftsrecht – wird verstehbar.
Insgesamt können sich hier – neben den Eltern – auch die anderen möglichen umgangsberechtigten Personen ohne juristisches Vorwissen informieren.
Im Kapitel 20 wird das Verfahren zur elterlichen Sorge und die wichtigsten Verfahrensgrundsätze des Familiengerichts dargestellt. Dabei werden die wichtigsten Begriffe geklärt wie Kindeswohl und Erziehungskompetenzen, sowie Kindeswohlkriterien wie Förderung, Kontinuität, Äußerungen des Kindes und der Kindeswille.
Abgerundet werden die Kapitel durch einen Anhang, in dem in sieben Punkten die wichtigsten Themen als Übersichten noch einmal kurz dargestellt werden:
Familiengerichtliche Maßnahmen,
Umgang zwischen Eltern und Kindern, U
mgangseinschränkungen,
Abstammung und
Ergänzt wird die Darstellung durch ein Stichwortverzeichnis, wo sich schnell alle wichtigen Begriffe finden lassen.
Das hochformatige (DIN A 4) als Ringbuch konzipierte Buch „Familienrecht in Bildern“ von Göntje Rosenzweig bietet eine gelungene Synthese von bildlicher und textlicher Darstellung wichtiger Themen der elterlichen Sorge und des Umgangrechts.
Besonders zu empfehlen ist dieses Buch Lehrenden und Studierenden der sozialen Arbeit. Wobei der Preis von knapp 35.- Euro für Studierende wohl zu hoch ist, da es ja von den vielfältigen Rechtsgebieten der sozialen Arbeit nur einen kleinen Ausschnitt bietet. Aber sicher werden zahlreiche Abbildungen und die gut strukturierten Zusammenfassungen demnächst in den Unterrichtsmaterialien zu finden sein.
Doch auch Mitarbeiter der Jugendämter oder auch Lehrende in der Erzieherausbildung können sich hier schnell und gründlich in die Thematik einarbeiten. Und betroffenen Eltern könnte eine Abbildung gerade ihrer Problematik sicher das Verständnis erleichtern.
Nils Volkersen. Rezension vom 07.11.2017 zu: Göntje Rosenzweig: Familienrecht in Bildern - Elterliche Sorge und Umgang. Visualisierte Darstellung des Sorge- und Umgangsrecht einschließlich des relevanten Familienverfahrensrechts. Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft (Köln) 2017. ISBN 978-3-8462-0698-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23381.php, Datum des Zugriffs 12.12.2019.

References: Art. 1
 Art. 3
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 § 1684
 § 1618
 Art. 6
 § 1671