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Timestamp: 2017-06-23 15:38:32+00:00

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Erbschaftssteuer Praxisfälle II - Testament
Erbschaftssteuer Praxisfälle II	Erbschaftssteuer Praxisfälle II
Teil I der Praxisfälle finden Sie hier. Bei der Bewertung von Erbschaft und Schenkung kommen die §§ 10 bis 13c ErbSG und die Regelungen aus dem Bewertungsgesetzt (BewG) zum Tragen. Der Wert des Erbschaftsvermögens ist zum Zeitpunkt des Entstehens der Erbschaftssteuer festzustellen. Dies geht aus § 11 ErbSG hervor. Vereinzelt müssen Sachverständige zur Bewertung der Erbschaft hinzugezogen werden, wenn sich bedeutende Unternehmen in der Erbmasse befinden.
Bei Grundstücken und Immobilien wird der gemeine Wert, welcher auch als Verkehrswert bezeichnet wird, angesetzt. Dies ist der Preis, welcher im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen ist. Dabei wird nach Vergleichsobjekten geschaut, welche in ähnlicher Lage sind und gleichzeitig einen ähnlichen Immobilientyp vom Grundriss, Zimmer, Größe und Alter sind. Sind die Objekte vergleichbar und liegt die letzte Transaktion nicht zu lange zurück, stellt dieser Verkaufspreis eine gute Grundlage zur Wertermittlung nach dem Vergleichswertverfahren dar. Weiterhin wird zwischen unbebauten Grundstücken, bebauten Grundstücken und Mietshäusern und Geschäftsgrundstücken unterschieden.
Bei unbebauten Grundstücken wird auf der Grundlage der Grundstücksgröße, welche in qm angegeben ist, der Bodenrichtwert aus §§ 145, 179 BewG mit 20 Prozent multipliziert. Der Bodenrichtwert ist beim Gutachterausschuss der jeweiligen Kommune zu erfragen.
Bei bebauten Grundstücken wird zwischen Ein- und Zweifamilienhäusern, Eigentumswohnungen und Mietshäusern und Geschäftshäuser unterschieden. Ein- und Zweifamilienhäuser und Eigentumswohnungen werden nach dem Vergleichswertverfahren bewertet, welches eingangs beschrieben wurde. Grundstückswert und Gebäudewert werden mit einer Wertzahl multipliziert, welche vom Gutachterausschuss der jeweiligen Kommune zur Verfügung gestellt wird. Damit wird nach § 191 BewG der steuerliche Wert festgestellt. Sollte ein niedrigerer Verkehrswert durch einen Sachverständigen nachgewiesen werden, beispielsweise aufgrund besonderer Eigenschaften des Grundstückes oder der Immobilie, dann ist dieser Wert zu berücksichtigen.
Mietshäuser und Geschäftsgrundstücke werden mit dem Ertragswertverfahren bewertet. Dabei wird die Jahresmiete mit 12,5 multipliziert, was ein feststehender Wert ist. Anschließend der Bodenwert addiert und die Altersminderung der Gebäude, welche als Abschreibung bezeichnet wird, abgezogen. Hierzu gibt es Abschreibungstabellen, welche zu nutzen sind. Außerdem ist je nach Baujahr ein unterschiedlicher Prozentsatz als Abschreibung anzusetzen. Als Ergebnis wird der Wert des Grundvermögens errechnet.
Es ist ferner zu berücksichtigen, dass für Immobilien Verschonungsregeln gelten. Wohngebäude sind mit 90 Prozent des Wertes anzusetzen. Damit kann eine Verschonung in Höhe von 10 Prozent genutzt werden, welche sich aus § 13 c Abs. 1 ErbStG ergibt. Bei einer gemeinsam genutzte Immobilie können Ehepartner und eingetragene Lebenspartner aus § 13 Abs. 1 Nr. 4b ErbStG Vergünstigungen erfahren. Dabei gilt als Voraussetzung, dass eine Selbstnutzung der Immobilie durch die Erben vorliegt. Sollte innerhalb von 10 Jahren die Selbstnutzung aufgegeben werden, entfällt die Steuerbefreiung. Diese Verschonungsregel ist besonders interessant, wenn die persönlichen Freibeträge im Rahmen einer Erbschaft nicht ausreichen, um die Immobilie abzudecken. Dann kann auf diese Weise die Immobilie zusätzlich, unter der Voraussetzung der Selbstnutzung, steuerfrei vererbt werden. Bei Kindern und Enkeln ist zusätzlich zur Verschonungsregel zu beachten, dass die maximale Wohnfläche auf 200 qm begrenzt ist. Somit können Immobilien steuerfrei vererbt werden, welche die zulässige Wohnfläche in Höhe von 200 qm nicht überschreiten. Näheres hierzu regelt der § 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG.
Beispiel: Der Erblasser Tom, Vater einer Tochter namens Emily, hinterlässt dieser ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 200 qm Wohnfläche im Gegenwert in Höhe von EUR 500.000,00. Weiterhin existiert ein Sparguthaben in Höhe von EUR 200.000,00 und ein Wertpapierdepot in Höhe von EUR 100.000,00 und ein Porsche mit einem Restwert von EUR 40.000,00. Die Beerdigungskosten betrugen EUR 10.000,00 und auf der Immobilie ist eine Grundschuld in Höhe von EUR 20.000,00 eingetragen.
Verkauf der Immobilie + EUR 500.000,00
Sparguthaben + EUR 200.000,00
Wertpapierdepot + EUR 100.000,00
Porsche 0 EUR 40.000,00 (Hausrat nach § 13 I 1a ErbStG)
Nachlassverbindlichkeiten – EUR 30.000,00
Summe: = EUR 770.000,00
persönl. Freibetrag – EUR 400.000,00
steuerpflichtig = EUR 370.000,00
15% Steuerklasse I EUR 55.500,00
Eigennutzung der Immobilie 0 EUR 500.000,00
Summe: = EUR 270.000,00
steuerpflichtig = EUR 0,00
Für den Fall, dass Betriebsvermögen vererbt wird, erfolgt die Bewertung nach dem Verkehrswert. Einzelunternehmen, Praxen und Freiberufler werden wegen der familiären Bindung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren bewertet. Grundlage hierfür ist der § 200 BewG. Dabei wird der durchschnittliche Jahresertragswert der letzten drei Jahre mit einer Pauschale in Höhe von 30% abgezogen und mit dem Kapitalisierungszins multipliziert. Es ist möglich, einen geringeren Verkehrswert durch einen Sachverständigen nachweisen zu lassen. Börsennotierte Unternehmen werden anhand ihres Börsenkurses bewertet.
Für einen wirtschaftlichen Unternehmensübergang gibt es § 13 a I ErbStG. Dieser Paragraph ermöglicht einen Verschonungsabschlag in Höhe von 85 Prozent. Dieser wird dann gewährt, wenn das Unternehmensvermögen 5 Jahre beibehalten wird und die jährliche Lohnsumme nicht stark unterschritten wird. Diese Regelung soll die Kontinuität des Unternehmens und Arbeitsplätze sicherstellen. Klein- und Kleinstunternehmen erhalten zum Schutz eine Freigrenze in Höhe von EUR 150.000,00 nach § 13a II ErbStG. Wenn 15 Prozent des Betriebsvermögens mehr als EUR 150.000,00 betragen, halbiert sich die Freigrenze. Bei einem Unternehmenswert von mehr als EUR 450.000,00 entfällt die Freigrenze.
Weiterhin wird eine Verschonungsoption von 100 Prozent angeboten. Um diese zu erhalten, muss das Unternehmen die bisherige Lohnsumme für 10 Jahre komplett einhalten, also den Betrieb erfolgreich weiterführen.
Die Bewertung von Land- und forstwirtschaftlichen Betrieben setzt sich aus dem Verkehrswert und dem Ertragswert zusammen. Die §§ 140 ff. BewG und die Verschonungsregelung nach § 13 a ErbStG bilden die Grundlage.
Weiterhin gilt für Hausrat, Schmuck und Uhren ein gemeiner Wert, der Verkehrswert. Aktien werden entsprechend dem Kurswertwert aus § 12 II ErbStG zum Zeitpunkt des Erbfalls bewertet.
Personenunternehmen und GmbH Anteile werden grundsätzlich nach Ihrem Verkehrswert bewertet. Wenn keine zeitnahen Verkaufswerte von gleichwertigen Unternehmen vorliegen, erfolgt die Bewertung anhand betriebswirtschaftlichen Verfahren zur Unternehmensbewertung.
Sonstige Kapitalforderungen sind grundsätzlich zu ihrem Nennwert zu bewerten. Noch nicht fällige Lebensversicherungen werden mit 2/3 der eingezahlten Prämien oder mit dem Rückkaufswert bewertet.
Ebenfalls zum Nennwert zu bewerten sind Schulden des Erblassers, welche die zu versteuernde Erbmasse mindern, ebenso wie Beerdigungskosten.
Bei Steuerfreibeträgen ist es wichtig zu wissen, dass diese nur einmal alle 10 Jahre geltend gemacht werden können. Im Falle von Schenkungen ist die 10 Jahresfrist von großer Bedeutung, da sich hiermit langfristig große Vermögen steuerfrei übertragen lassen. Bei einer guten Planung des Übergangs des Vermögens fallen somit im Idealfall keine Steuern an.

References: § 11
 § 191
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 200
 § 13
 § 13
 § 13
 § 12