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Timestamp: 2018-07-17 03:45:04+00:00

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Neue Rheinische Zeitung – nn_nrhz129ii_1848.txt.xml
No 129. Köln, Sonntag den 29. Oktober. 1848. Zweite Ausgabe.
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@facs 0653
[ 102 ] Wien, 22. Okt.
Der Eindruck, den das Manifest aus Olmütz auf die Bevölkerung macht, ist nicht der Art, daß dadurch die Wunde geheilt würde, welche die Dynastie sich geschlagen. Die darin ausgesprochene Nothwendigkeit militärischer Maßregeln steht in direktem Gegensatze mit dem Willen der Bevölkerung und des Reichstages, und läßt, da Windischgrätz, Wiens erbittertster Feind, zum Ober-Kommandanten aller die Stadt cernirenden Truppen (etwa 43,000 Mann) ernannt ist, Statt Versöhnung zu bewirken, die Kluft nur größer werden. In dem übrigen Inhalte des Manifestes sieht man nur die gewöhnlichen Redensarten, womit der konstitutionnelle Absolutismus die Bourgeoisie und Dummheit ködert. Unter den „an den Gräueln des Aufstandes nicht betheiligten Staatsbürgern“ sind, wie man sich sagt, nur die entflohenen Geldpilse, Aristokraten und Büreaukraten verstanden, eine Ueberzeugung, welche eine wahre Versöhnung nur unmöglicher macht. Dennoch ist dies Manifest nur ein Minimum, welches dem Einflusse Wessenberg's gelungen sein soll, nachdem die den Kaiser umgebenden Militärdespoten ihm unter dem 16. Okt. eins abgedrungen, worin sich die maßloseste Wuth der Camarilla ausspricht, und welches, wie ich höre, unter die Wien belagernden Banditenschaaren vertheilt worden ist. En attendant haben wir zur Züchtigung den vollständigsten Belagerungszustand, wie ihn kein Feind je ausgeübt hat. Mord, Plünderung, Zerstörung, Brand, Unterdrückung aller Posten und Behinderung jeder Zufuhr sind die Koerzitiv-Mittel der Rinaldino's, Diavolo's und Schinderhannese, die uns vor den Thoren blutdurstig umzingeln. Ich sage Ihnen, die Bestien der Wüste sind humane Engel im Vergleich zu diesen, alle Banditenkünste überbietenden k. k. Kriegshenkern. In Auersperg's Lager zu Ingersdorf soll übrigens die Unzufriedenheit der Truppen überhand nehmen, es kommen täglich Deserteure in die Stadt, welche dies berichten. Die deutschen Grenadiere sollen in Folge dessen entwaffnet worden sein, nachdem sie einen Kampf mit dem Regiment Rassau (Polen) bestanden hatten. Ich bin der vollständigsten Ueberzeugung, und diese theile ich nicht allein, daß im Falle eines ernstlichen Verhältnisses mit dem Volke von Wien, ein sehr bedeutender Theil des Militärs zu uns übertreten würde. Dieselbe Besorgniß herrscht auch in den verschiedenen Lagern. Hätten wir Kavallerie, so könnten darum erfolgreiche Ausfälle gemacht werden, von denen das sogen. Proletariat und die akademische Legion kaum länger mehr zurückzuhalten sind. Auch die Ungarn, über deren Ankunft man immer noch nichts Sicheres weiß, sollen Mangel leiden an der Kavallerie. Unterdessen fürchten die Generale nichts so sehr, als die Legion und das bewaffnete Proletariat. Sie scheinen zu ahnden, daß ihre wahre Vernichtung von dorther kommt, weil nur in den Schaaren der akademischen Legion und der Arbeiter eine Freiheit, eine Entschlossenheit, ein verwegener Muth leben, die Armeen besiegen. Darum ist auch ein eigentlicher Friedensschluß mit der Camarilla so lange unmöglich, als die Legion mit dem Proletariat unter den Waffen steht, und diese zu entwaffnen, dürfte selbst mit der List der Bourgeoisie noch schwieriger sein, als der Sieg über das Militär. Wir sind daher, wie Sie sehen, noch lange nicht am Ende des Kampfes. Schon jetzt verweigern die Arbeiter, wie ich Ihnen bereits geschrieben, den Schwur auf das Disziplinargesetz der mobilen Garde, weil darin von konstitutionnellem Thron gesprochen wird. Das Volk sieht immer mehr ein, daß der Reichstag von vornhinein die ganze Sache verpfuscht hat, weil er es am 7. nicht hat fortarbeiten lassen. Nur unsere Bourgeoisblätter sind zu feige und niederträchtig, dies erkennen zu wollen. Während der ersten 8 Tage der Gefahr brachten diese, anfangs fast ganz verschwundenen Blätter neue Aufsätze, die eben so gut in Rußland, China oder Hindostan hätten gedruckt werden können. Die berüchtigsten Redakteure entflohen mit dem Adel und der feigen Geldbourgeoisie von dannen, senden aber jetzt aus ihren sichern Asylen Betheuerungen in ihre Organe, daß sie sich nur aus patriotischen Gründen hinwegbegeben hätten. Eine solche Betheuerung enthält z. B. der gestrige „Freimüthige“ über den nach Pesth entflohenen Präsidenten des demokratischen Vereins, und Hauptharangeurs in gefahrlosen Stunden ‒ Taufenau.
Der Verkehr ist in der innern Stadt und auch in den Vorstädten, bis zu den Linien, wo alles kriegerisch dasteht, so ziemlich wieder hergestellt; die Thore sollen wieder geöffnet und die Barrikaden vom Oberkommando nur strategisch, nicht volkswillkürlich erbaut werden.
Wie verlautet, soll in Olmütz auf den Kaiser geschossen, aber nur der Kronprinz Franz Joseph getroffen worden sein. ‒ Wie wenig der Kaiser die politischen Vorgänge in seinem Reiche kapirt, möge Ihnen ein on dit beweisen. Als ihm der Tod seines Freundes Lamberg gemeldet wurde, soll er gefragt haben, warum er denn in das unruhige Land gegangen sei. Er wußte also nicht, daß er ihn selber hingeschickt hatte, weiß vielleicht gar nicht, daß Ungarn ein Theil seines Reiches ist. ‒ Die Fürsten Windischgrätz und Felix Schwarzenberg sind während der Nacht in Klosterneuburg angekommen. ‒ Damit Sie sehen, wie wenig ich mich in meinem Urtheil über die demokratische Presse Wiens irre, sende ich Ihnen ein Pröbchen, welches uns heute der Redakteur des „Freimüthigen“ liefert. Jellachich hat ihn erkauft. Tuvora befindet sich in Jellachich's Lager und wird ihm alle diejenigen Journalisten bezeichnen, welche gemordet werden müssen.
Erklärung von Josef Tuvora.
Die Ereignisse, welche in Wien stattfanden und deren Gipfelpunkt noch immer nicht erreicht zu sein scheint, veranlassen mich, feierlich Verwahrung gegen jede mir irgendwie zugemuthete Theilnahme an selben einzulegen. Wohl weiß ich, daß mein Name öfter in Verbindung mit der demokratischen Partei genannt wurde; allein der öffentlichen Meinung von Wien ist es auch bekannt, daß ich mich seit mehr als vier Monaten ziemlich auffallend, seit sechs Wochen aber ganz und gar von dem ins Bodenlose ausgearteten Treiben dieser Partei zurückgezogen habe, Am allerwenigsten konnte ich es daher über mich gewinnen, die ritterliche und glänzende Erscheinung des Banus Jellachich anzugreifen; mit Hochachtung und gerechtem Staunen folgte ich den Schritten dieses Mannes, der so plötzlich der Vertrauensmann von Millionen geworden war. Das plump ausgeheckte Märchen, er sei der Träger einer furchtbaren antikonstitutionellen Reaktion, konnte bei mir, der ich die Triebfeder des Wiener Radikalismus genau kannte, am wenigsten Glauben finden. Und so beschloß ich denn bei mir treu und fest, mich an die große, von ihm vertretene Partei anzuschließen und niemals und unter keiner Bedingung vor ihr zu lassen. Ich thue diesen Schritt nicht ohne große Opfer, nicht zurückschreckend vor dem Verluste einer angenehmen materiellen Existenz. Allein ich thue es um der guten und gerechten Sache, um der heiligen Interessen der Ordnung, der wahren Freiheit, des Menschenrechtes und der Menschenwürde willen, die an jenen Männern schändlich mit Füßen getreten wurde. Es sei mir nun noch verstattet, einige Betrachtungen über den jetzigen Stand der Dinge zu machen. Der Streich, welchen die radikale Partei führte, war ein Verzweifelungsstreich; sie wird ihn schwer und bitter büßen. Wollte sie das Feuer der einigen deutschen Republik in Wien entzünden, so dürfte sie sich arg verrechnet haben, weil die Völker Deutschlands besonnen sind, weil sie die ruhige und geregelte Entfaltung ihrer Zustände dem wirren, licht-und planlosen Treiben der Anarchie vorziehen. Der edle Deutsche kann keines Mannes, keiner Partei Freund sein, die frevelnd ihre Hände in Blut taucht und mit der gräßlichen Brandfackel des Bürgerkrieges ihre Tendenzen illustrirt. Andererseits ward durch die Schauderthaten des unvergeßlichen 6. October selbst den besonnenen Republikanern ein sehr schlechter Dienst erwiesen. Welche Macht immer in Deutschland gebiete, niemals und unter keiner Bedingung kann es ihr gleichgiltig sein, daß durch das Schwert der Gewalt-und Blutthat der Verbindung, wodurch die zahlreichen osteuropäischen Volksstämme mit den Interessen des westlichen Europas zusammenhängen, zerrissen werde ‒ und das geschah, das thaten dieselben Männer, welche sich als Männer, welche sich als Vertreter des reinen Deutschlands gerirten! Glauben sie vielleicht, der Gesammtmonarchie durch ihr schnödes, die Freiheit der Regierung und des Reichstages untergrabendes Benehmen zu imponieren? Glaubten sie 38 Millionen Menschen durch ihr sie volo. sic jubeo zu bestimmen? Meint die Aula, die Diktatur an sich reißen zu können, und fürchtet sie nicht, erdrückt zu werden von dem gewaltigen Rückschläge, der naturnothwendig in den Provinzen erfolgen mußte? Ist es gedenkbar, daß Böhmen, Tirol, Steiermark, Illyrien, Mähren, Galizien, je von den Wiener Terroristen sich einschüchtern und knechten lassen werden? Nimmermehr!
Der 6. October hat also nicht die friedliche Entwickelung irgend eines Problems angebahnt; sein blutiges Morgenroth wird nicht durch den Schimmer einer Idee verklärt; es ist ein reiches Machwerk, eine durch ungarisch-italienisches Geld angezettelte Intrigue, eine plumpe Falle, welche gewissenlose Verschwörer dem leichtsinnigen, leichtgläubigen Volke legten, um es gleichfalls zu Verbrechen zu bilden und den politischen Selbstmord der Stadt Wien zu bewirken. Ja, Wien hat dem magyarischen Gauner Kossuth zu Gefallen Hand an sich selbst, an seine Größr, an seine Würde und Bestimmungen gelegt. Wenn irgend ein Mensch irgend eine Partei, irgend eine Nation sich über die ungarische Politik des gefallenen Ministeriums zu beklagen hatte, so war sicherlich Wien nicht in diesem Falle. Damit das Magyarenthum seine bevorzugte Stellung im Osten ausschließend ausbeute, damit er den Verband mit der Gesammtmonarchie, folglich auch deren Kraft und Bestand beharrlich negiren, damit es nächstens durch Zollschranken sich absondern könne, um sich auf eigenem Boden eine selbstständige Industrie zu schaffen, damit es fortwährend seinen plumpen Tyrannenfuß auf den Nacken harmloser Nationen setzen könne: deshalb mußte Wien in eine Stätte blutigen Gräuels u. der Verwüstung verwandelt werden. Welche Verblendung, welche politische Unreife! Und eine Bevölkerung, die solchem Wahnsinne sich hingeben konnte, ward von ihren Schmeichlern für mündig, für politisch gereift und gebildet, zur Demokratie im vollsten Umfange des Wortes befähigt erklärt. Demokratie ist Selbstbeherrschung des Volkes. Selbstbeherrschung ist aber in allen Fällen eine schwierige Kunst und kann bloß in der Schule ernster Erfahrungen erlernt werden. Von dieser Erkenntniß geleitet, erklärte ich mich in dem letzten Artikel, welchen ich vor mehreren Wochen für ein Wiener Blatt geschrieben, nicht für sofortige unbedingte Demokratie, sondern für die demokratische Heranbildung der österreichischen Völker. Habe ich früher in Diesem oder Jenem geirrt, so freue ich mich jetzt des reinen Bewußtseins, zu den letzten furchtbaren Ereignissen nicht nur nichts beigetragen, sondern selbst abwehrend gewirkt zu haben, bis der Strom des Unheils die Ufer überstieg und die Worte des Dichters abermals zur Wahrheit machte:
„Das ist der Fluch der bösen That,
Daß sie fortzeugend Böses muß gebären!:“
B … am 11. Oktober 1848.
J. Tuvora.
‒ Reichstagssitzung. Eröffnung 11 3/4 Uhr.
Präsident Smolka zeigt an, er habe eine Zuschrift von der Reichskommission erhalten, worin dieselbe mittheilt, daß sie auf dem Wege nach Wien bei Behörden und sonst über die Vorgänge vom 6. und 7. Okt. Erkundigungen eingezogen und sich in Folge dessen nach Ollmütz zum Hoflager begeben habe. (Allgemeines, entrüstetes Erstaunen.) Bis zu ihrer Rückkehr möge der Reichstag jedes Zusammentreffen mit der bewaffneten Macht zu vermeiden suchen. Kreins (also ganz nahe bei Wien), 21. Okt. 1848. Eine ähnliche Zuschrift sei dem Finanzminister zugekommen und dem Druck bereits übergeben worden.
Umlauft beantragt, das Präsidium möge an die Kommission ein Schreiben richten, worin gesagt werde, daß ihre bei Wiener Flüchtlingen eingezogenen Nachrichten über die Lage der Hauptstadt von dem Reichstage nicht als anthentisch betrachtet, von ihm daher auch nicht anerkannt werden könnten, so lange die Reichskommissarien sich nicht in der Hauptstadt selbst persönlich davon überzeugt hätten.
Präsident verliest eine Adresse der Bürger-Nationalgarden und Studenten von Grätz, worin dieselben verlangen, daß für die Deserteure aus Steiermark sofort eine Neuwahl ausgeschrieben werde.
Schriftführer Kavelkabo verliest die seit dem 6. Okt. eingelaufenen Eingaben.
Gscheize: Ich bin mit Umlaufts Antrag einverstanden, bin jedoch der Ansicht, daß man nur einen der Kommissäre hierher verlange und den andern in Ollmütz lasse. So wird sich die Sache rascher beenden lassen,
Schuselka: Ich gebe zu, daß Umlaufts Gründe stichhaltig sind, allein es ist der Würde des Reichstags nicht angemessen, eine warnende Stimme an diese Kommission ergehen zu lassen. Wir müssen es vielmehr diesen Kommissarien selbst überlassen, ob sie sich mit Nachrichten auf ihrer Mission begnügen wollen, die sie beim Pferdewechsel über uns eingesammelt haben. Ich bin Mitglied des Frankfurter Parlaments gewesen und weiß, wie es damit steht; ich muß das Benehmen seiner Abgesandten uns gegenüber unbegreiflich, würdelos nennen. (Allseitiges Bravo).
Einer: Zur Tagesordnung!
Präsident: Wird der Ruf zur Tagesordnung angenommen? (Alle Abgeordnete ohne Ausnahme erheben sich unter allgemeinem Beifallruf). Die Frankfurter Impertinenz wird Augen machen, daß man über sie zur Tagesordnung übergeht. Ich hätte vor Freude mich augenblicklich mit dem Reichstage aussöhnen mögen.
Schuselka als Berichterstatter des permanenten Ausschusses: Seit gestern ist im permanenten Ausschusse nur wenig vorgekommen. Die Ereignisse werden jetzt an andern Orten und von andern Männern geleitet. Aus Bielietz sind uns 200 Fl. zugekommen. Das Schicksal der Bilitzer (Schlesien) Garden wird in dem Folgenden dargestellt und verdient bekannt zu werden.
Von den Bielitzer Garden in Wien.
Die Militäroperationen gegen Wien haben die schon längst auf einen günstigen Moment wartenden, wahrhaft deutschgesinnten Bewohner der Provinz Schlesien aufgeboten, um die schroffe Wand zu vernichten, die das Militär, eingehend in die Idee einer rachgierigen alle Freiheit vernichtenden Partei ‒ aufführen will.
Frei und unaufgefordert entschlossen sich demnach die biedern Nationalgarden von Bielitz, der äußersten Gränzstadt Deutschlands, tief durchdrungen von Freiheit und rein demokratischem Sinne, ihren eigenen Heerd zu verlassen, und zur Konstatirung der Errungenschaften von März und Mai ihr Blut und Leben hinzugeben. Schön und rühmlich war das Vorhaben, schmählich und entwürdigend das Resultat.
Angekommen im Bahnhofe zu Prerau zwang das Militär die blos mit Untergewehr versehenen Garden zum Aussteigen und Ablegen der obbenannten Waffen. Einsehend, daß Gewalt gegen Uebermacht und Rohheit nur die schlimmsten Folgen nach sich ziehen und doch nicht zum Zwecke führen würde, Überdies bauend auf den Rechtssinn der Offiziere vom Regiment Emil, unterzogen sich selbe dem Befehl und sahen voll Befremden in das wilde Treiben der kampfgierigen Massen.
Doch kaum hatten die Offiziere durch Abnahme der Waffen freien Spielraum, als der dort garnisonirende Major die gemeinsten Ausdrücke gebrauchte, die Garden hergelaufenes Gesindel schalt und seinen Gemeinheiten durch Feuern in die Garden Kraft verleihen wollte.
Ja noch mehr; selbst die persönliche Freiheit jedes Einzelnen der Garden war in Zweifel gesetzt, als Einer das Wort nahm und den Major ersuchte, unbewaffnete Alle fortziehen zu lassen. Der Major verweigerte es mit den Worten: „In einem so wichtigen Moment, wie der jetzige, muß er selbst die persönliche Freiheit Aller angreifen.“
Obwohl zurückgehalten wagten es von 200 doch 15, worunter ein Garde aus Bialar, Namens Broudnoik und drei Akademiker verkleidet als Maschinenbauer, Kondukteure, Ofenheizer etc. die Reise zu unternehen, um wenigstens die Kunde treu und wahr den wackern Wienern zu überbringen, und ihre schwachen Kräfte eifrig dem Dienste für die Freiheit zu widmen.
Aus Linz sind 120 junge Männer angekommen. Sie fuhren mit dem Dampfboote, mußten dasselbe aber schon in Mölk verlassen, weil man ihnen gesteckt hatte, daß Befehl gegeben sei, das Boot bei seiner Vorbeifahrt an Krems in den Grund zu schießen. (Zischen). Die jungen bewaffneten Kämpfer haben sich darauf zu Fuß von Mölk bis Wien über Gebirge und unwegsames Land, nicht ohne Gefahr, von dem Militär betroffen zu werden, durchgearbeitet. (Bravo.) Es haben sich Gerüchte verbreitet, als sei Minister Hornbostel gefangen auf den Spielberg abgeführt worden; diese Gerüchte sind einem Briefe zufolge, den ich von Hornbostel selbst erhalten habe, unwahr. Er befindet sich zurückgezogen in Oberöstreich. ‒ Das Comite zur Unterstützung armer Gewerbtreibender hat, wie es hieß, seine Thätigkeit nicht eingestellt, sondern ist jetzt thätiger als jemals.
Es werden eine große Menge anonymer Zuschriften an den Reichstag, an den Ausschuß und an einzelne Mitglieder eingeschickt, welche die entsetzlichsten Drohungen enthalten, die mit der Freiheit im grellsten Widerspruch stehen. Wir erklären offen, daß wir diese Zuschriften nicht berücksichtigen, dem Reichstage also auch nicht verlesen können. (halblautes, verzagtes Bravo). Der größere Theil dieser Drohbriefe beschäftigt sich mit der ungarischen Frage; man macht uns Vorwürfe, daß wir die Ungarn nicht zu Hülfe gerufen haben. ‒ Wir mußten uns indessen auf dem gesetzlichen Boden halten und durften mit dem Kaiser keinen Krieg beginnen. Unsere That würde gewiß nicht zum Ruhm und Heile Wiens ausgefallen sein. Es ist zu bedauren, daß ein großer Theil (also doch!) der Bevölkerung nur den nächsten Augenblick im Auge hat. Durch ein plötzliches Luftmachen hätten wir wohl für Stunden und Tage die Wiederherstellung der gesetzlichen Freiheit errungen, aber nicht für Dauer. Das wichtigste Ereigniß der Nacht ist folgendes. Eine Deputation des Gemeinderaths ist im Ausschusse erschienen und erklärte, daß ihre an den Kaiser abgeschickte Deputation nicht vorgelassen, sondern an den Minister Wessenberg gewiesen worden sei. (Zischen.)
Die vom Gemeinderathe der Stadt Wien an Se. Majestät abgesandte Deputation ist gestern Abends um 8 Uhr ohne in einer Audienz empfangen worden zu sein, mit folgendem schriftlich mitgebrachten Bescheide zurückgekehrt:
Die Adresse des löblichen Gemeinderathes der Stadt Wien ist Ihrer Majestät vorgelegt worden, da sie aber Bitten enthält, in welche Allerhöchst Dieselben unter gegenwärtigen Umständen nicht eingehen kann, so habe ich [0654] den Auftrag erhalten, der Deputation kund zu geben, daß nunmehr alle Anträge und Vorschläge in Beziehung auf die Herstellung der gesetzlichen Ordnung in Wien an den Ober-Befehlshaber der Armee, Fürsten Windischgrätz gerichtet werden müssen, welcher in dieser Hinsicht mit den nöthigen Vollmachten versehen ist. (Bedeutendes Zischen).
Uebrigens darf ich hoffen, daß durch die Kundmachung vom 19. d. Mts. den billigen Wünschen der Wiener Bürger in allen wesentlichen Punkten entsprochen worden ist. (Zischen)
Ollmütz, den 20. Oktober 1848.
Der Minister-Präsident:
Vom Gemeinderathe der Stadt Wien.
Wir mußten durch diese Nachricht um so schmerzlicher betroffen werden; als wir gerade auf diese Deputation große Hoffnungen gesetzt hatten, indem Männer aus dem angesehensten Bürgerstande, die sich bei keiner Unruhe noch betheiligt hatten (allerdings gute Empfehlung), sich in der Deputation befunden haben. ‒ Wir erfahren dadurch zum zweiten Male, daß Fürst Windischgrätz auf den Schauplatz getreten ist. Zuerst theilte uns Auersperg mit, daß Windischgrätz seit dem 16. Oct. bekanntlich Oberbefehlshaber der Truppen geworden. Offiziel ist uns darüber keine Nachricht zugekommen. Die Ernennung muß sich also auf das Manifest vom 16. Oct. stützen, welches die öffentlichen Blätter heute enthalten (Zischen) und welches Windischgrätz eine unbegränzte Vollmacht giebt. Da wir Volks- und keine Kabinetspolitik treiben (Bravo), so dürfen wir kein Hehl daraus machen, daß wir das Manifest vom 16ten kennen, daß wir erfahren, daß es im Lager verbreitet worden ist und die Offiziere sich wundern, daß es in Wien nicht bekannt gemacht worden ist. (Das hat wahrscheinlich Krauß im Einverständnisse mit Wessenberg verhindert; das Manifest ist ja bloß zur Aufstachelung der Soldatenmeute.) Wir können das Manifest als offiziell nicht anerkennen und müssen daher auch die Sendung des Windischgrätz offiziell nicht ignoriren. Wir haben indessen überlegt, ob wir uns an ihn nicht mit der Frage wenden sollen, worauf er sein Mandat gründe. Die Majorität des Ausschusses hat sich dagegen ausgesprochen, weil die Würde des Reichstags es nicht erlaube, den Windischgrätz aufzusuchen. Wir haben dies aber dem Gemeinderathe überlassen können, weil ihm die Mission des Windischgrätz offiziell kundgegeben worden ist. ‒ Wir haben den Minister Krauß in die Berathung gezogen, und von ihm gehört, er wisse nichts von einer Vollmacht des Windischgrätz, wolle aber bei Wessenberg anfragen. Uebrigens habe die Vollmacht auf dem konstitutionellen Wege nur von dem ganzen Ministerium ausgehen können. ‒ Der Ausschuß habe gefragt, welche friedlichen Maßregeln das Ministerium erfolglos bereits ergriffen habe, um schon jetzt zu militärischen schreiten zu dürfen? Alle friedlichen Maßregeln hätten aber erst erschöpft werden müssen, bevor man zu diesem Aeußersten hätte greifen dürfen. Der Ausschuß sei von der Nothwendigkeit der Maßregel um so weniger überzeugt, als der Reichstag fortwährend die friedliche Ausgleichung versucht habe. ‒ Wir müssen durch das Ministerium und so es nöthig ist, auch noch durch den Reichstag in Olmütz begreiflich machen (schöne Aussicht!), daß erst die friedlichen Maßregeln genommen werden müssen, weil Se. Majestät' der Kaiser sich fortwährend ja auf seine konstitutionelle Eigenschaft beruft. (Ab.)
Das Protokoll wird verlesen. Die Galerien entfernen sich; ich auch.
@facs 0654
Mitbürger! Ein Plakat, gezeichnet „Fürst zu Windischgrätz, Feldmarschall“ ist heute an den Straßenecken auf kurze Zeit gesehen worden. Der hohe Reichstag, getreu seiner Aufgabe: das konstitutionelle Wohl der Völker zu vertreten, hat das Mandat des Fürsten Windischgrätz mit dem angedrohten Belagerungszustande und dem daran sich knüpfenden Standrechte für ungesetzlich, folglich für ungültig erklärt Wir müssen erwarten, ob der Ausspruch der, aus unserer freien Wahl hervorgegangenen Vertreter und Gesetzgeber von dem Minister Herrn Wessenberg zu Ollmütz und von dem Herrn Fürsten Windischgrätz respektirt werden wird.
Mitbürger! Noch ist der Kampf nicht unvermeidlich, noch ist eine friedliche Lösung der Dinge möglich; aber das Wohl unserer schönen Stadt, die Zukunft seiner Bewohner vom absterbenden Greise bis zum bewußtlosen Kinde, unsere Freiheiten erfordern doppelte Wachsamkeit, verdoppelten Eifer.
Jetzt erst trete ich in den Mittelpunkt meines Auftrages: die Stadt Wien sammt Umgebung in Vertheidigungszustand zu setzen. Mitbürger! Es werden die größten und umfassendsten Maßregeln genommen werden. Jedes Zaudern, jede Halbheit fällt hinweg. Sie wäre unser offenbares Verderben. Was nur meine aufrichtige Friedensliebe Versöhnliches an die Hand gab, ist von allen unsern Körperschaften versucht worden. Blickt auf das Beispiel der heldenmüthigen Bewohner von Budapest! Männer, Frauen, Kinder, aller Alter und Geschlechter, haben gezeigt, wie man zwischen Morgen und Abend Wälle baut.
Haupt-Quartier Schwarzenberg-Palais, am 22. Oktober 1848.
Messenhauser, prov. Ober-Commandant.
[ 102 ] Wien, 23. Okt.
Reichstagssitzung vom 22. Okt. 4 1/2 Uhr. Präsid. Smolka zeigt an, daß der Berichterstatter des permanenten Ausschusses eine wichtige Mittheilung zu machen habe und fordert denselben auf.
Schuselka: Der Ausschuß hat durch den Gemeinderath die Mittheilung erhalten, daß der Fürst zu Windischgrätz ihm 1000 Exemplare eines Manifestes zur Veröffentlichung zugesendet habe, durch welches Wien und dessen Umgebung in Belagerungszustand erklärt und das Standrecht verkündet wird. (Zischen.) Das Manifest lautet:
Von seiner Majestät dem Kaiser beauftragt, und mit allen Vollmachten ausgerüstet, um dem in Wien dermalen herrschenden gesetzlosen Zustande (Zischen) ohne Zeitverlust ein Ziel zu setzen, rechne ich auf den aufrichtigsten und kräftigen Beistand aller wohlgesinnten Einwohner.
Bewohner Wiens! Eure Stadt ist befleckt worden durch Gräuelthaten, welche die Brust eines jeden Ehrenmannes mit Entsetzen erfüllen. Sie ist noch in diesem Augenblicke in der Gewalt einer kleinen, aber verwegenen, vor keiner Schandthat zurückschaudernden Faktion (Zischen). Euer Leben, Euer Eigenthum ist preisgegeben der Willkür einer handvoll Verbrecher (Zischen). Ermannt Euch, folgt dem Rufe der Pflicht und der Vernunft! Ihr werdet in mir den Willen und die Kraft finden, Euch aus ihrer Gewalt zu befreien und Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.
Um diesen Zweck zu erreichen, werden hiemit die Stadt, die Vorstädte und ihre Umgebung in Belagerungszustand erklärt, sämmtliche Civilbehörden unter die Militärautorität gestellt, und gegen die Uebertreter meiner Verfügungen das Standrecht verkündigt (Zischen).
Alle Wohlgesinnten mögen sich beruhigen. Die Sicherheit der Personen und des Eigenthums zu schirmen, wird meine vorzügliche Sorge sein. Dagegen aber werden die Widerspenstigen der ganzen Strenge der Militärgesetze verfallen.
Lundenburg, den 20. Oktober 1848.
Fürst zu Windischgrätz, Feldmarschall. (Zischen)
Auf Ansuchen des Gemeinderaths, wie er sich in Beziehung auf die von Windischgrätz gemachte Anforderung zu verhalten habe, hat der Ausschuß nach reiflicher Ueberlegung beschlossen, den konstitutionell-gesetzlichen Boden auch jetzt noch festzuhalten. Danach aber dürfe der Belagerungszustand nicht willkürlich, sondern nur im gesetzlichen Wege verfügt werden. Dieser Weg sei unbeachtet geblieben, obwohl das kais. Manifest vom 19. Okt. verheiße, daß alle konstitutionelle Freiheiten unangetastet bleiben und die Verhandlungen des Reichstags ungestört stattfinden sollen. Der Belagerungszustand stehe also mit diesem Manifeste in Widerspruch. ‒ Militärische Maßregeln dürfen nur dann genommen werden, wenn alle friedlichen vorher erschöpft worden sind und selbst dann darf mit dem äußersten nicht begonnen werden. An dem Sitze des Reichstags kann der Belagerungszustand nur in dem Felle erklärt werden, wenn die Reichsversammlung selbst denselben beschlossen hat. Dazu hat der Reichstag in casu concreto aber keine Veranlassung gefunden. ‒ Der Minister Kraus hat uns erklärt, daß ihm von dem Belagerungszustande offiziell (!) nichts bekannt sei. (Je crois bicn) Hiernach hat der Ausschuß folgendes beantragt:
In Betracht, daß die Herstellung der Ruhe und Ordnung, wo sie wirklich gefährdet sein sollten, nur den ordentlichen konstitutionellen Behörden zukommt, und nur auf ihre Requisition das Militär einschreiten darf;
in Betracht, daß nach wiederholtem Ausspruche des Reichstags und des Gemeinderaths die bestehende Aufregung in Wien nur durch die drohenden Truppenmassen unterhalten wird;
in Betracht endlich, daß das kaiserliche Wort vom 19. d. M. die ungeschmälerte Aufrechthaltung aller errungenen Freiheiten, so wie ganz besonders die freie Berathung des Reichstages neuerdings gewährleistete:
erklärt der Reichstag die vom Feldmarschall Fürsten Windischgrätz angedrohten Maßregeln des Belagerungszustandes und Standrechtes für ungesetzlich.
Von diesem Beschlusse ist Minister Wessenberg und Feldmarschall Fürst Windischgrätz sogleich durch Eilboten in Kenntniß zu setzen.
Für diesen Antrag erhoben sich mit Ausnahme von zwei Abgeordneten alle andere. (Rauschendes Bravo der Galerien, das Volk scheint dadurch mit dem Reichstag etwas versöhnt worden zu sein.)
Sitzung des Reichstags vom 23. Oktbr. Eröffnet durch Präsident Smolka um 10 3/4 Uhr.
Präsident verliest zwei Schreiben der Abgeordneten Ambrosch und Löhner, worin dieselben anzeigen, daß sie krank geworden seien und deshalb der Sitzung nicht beiwohnen könnten. Ebenso verliest er ein Schreiben des Exministers Bach, worin derselbe die Frechheit hat, der Versammlung anzuzeigen, daß er als Abgeordneter nächstens wieder zu erscheinen beabsichtige. Das Schreiben ist, wenn ich richtig verstanden habe, aus Ostran, 17. Okt. datirt. (Erstaunen.)
Die eingegangenen Petitionen werden rubrikmäßig vorgelesen. Es befindet sich darunter eine anonyme der Geistlichen in Oberöstreich (die freisinnigste Provinz) um Aufhebung des Cölibats. Hierauf wird das Protokoll der gestrigen Morgensitzung vorgelesen und nun beginnt der unvermeidliche
Schuselka als Berichterstatter des permanenten Ausschusses: Wir haben abermals Geldbeiträge erhalten. Von Seite der Journalisten sind uns 123 fl. zugekommen; die Gemeinde Mölk hat 187, andere Gemeinden haben 79 fl. eingesendet. Wir haben die eingegangenen Summen an die Nationalgarde und akademische Legion vertheilt. (Warum nicht auch unter die mobile Garde?) Darauf verliest er eine Proklamation aus Insbruck an die Tyroler, die, da sie ein plumpes Machwerk der ultramontanen Jesuitenpartei ist, von der Versammlung unter Heiterkeit und Zischen angehört wird. Ihr Zweck geht dahin, den Landtag Tirols nach Insbruck einzuberufen. Unterzeichnet ist Benz, k. k. Vicepräsident.
Schuselka: Der Ausschuß hat sich nur insofern mit dieser Proklamation beschäftigt, als dieselbe aus eigener Machtvollkommenheit und ohne Dazwischenkunft des Ministeriums für Tyrol einen Landtag einberuft und hat demnach beschlossen, das Ministerium aufzufordern, diese Einberufung für unzuläßig zu erklären.
Gleispach, ein steiermarkischer Graf und Busenfreund Stadions, jetzt dessen Remplacant und Spion: Es ist noch nicht konstatirt, ob nicht Tyrol wie Steiermark, das Recht hat, Landtage aus eigener Machtvollkommenheit einzuberufen und es liegt also keine Veranlassung vor, Tyrol dies Recht hier zu nehmen. (Befremden,)
Prato: Ich trete dem Antrag des Ausschusses bei. Der Landtag zu Insbruck war von Anfang an ungesetzlich, weil erst nach Regelung der Differenzen zwischen dem deutschen und italienischen Tyrol ein solcher Landtag berufen werden durfte.
Turko: Die Einberufung eines Landtags wurde im Juni vom Ministerium bewilligt; die Italiener haben jedoch gleich anfangs wider diesen Landtag protestirt und kein Italiener ist nach Inspruck gegangen, weil der Landtag ganz nach dem alten System aus Grafen, Pfaffen u. s. w. zusammengesetzt worden war. (Bravo.) Das Volk sollte darin nicht repräsentirt werden, nur die Bureaukratie, der Adel und die Pfaffen sollten Beschlüsse fassen. Die Italiener, welche die Hälfte von Tyrols Bevölkerung ausmachen, haben in Inspruck nicht zu tagen; ihre Interessen und ihre Sympathien sind von denen Insprucks verschieden. Wir sind von Nordtyrol aus allzeit geknechtet worden und werden keiner Freiheit theilhaftig werden, solange wir mit Nordtyrol zusammen bleiben müssen. Wenn von Tyrol die Rede ist, so möge die Versammlung immer zwischen Nord- und Südtyrol unterscheiden. Die Abgeordneten aus Nordtyrol haben diese Versammlung pflichtwidrig nach dem 6. Oktober verlassen. (Allgemeiner, nachhaltiger Beifall.)
Maffei redet in demselben Sinne, nur weniger gewandt wie Turko.
Pillersdorff: Ich trete dem Antrag des Ausschusses vollkommen bei. (Bravo.) Der Landtag in Tyrol kann nur durch den Kaiser berufen werden, und seine dermalige Einberufung erscheint demnach illegal.
Borrosch: Solange dieser Reichstag tagt, ist jede andere unter was immer für Vorwänden berufene oder fortgesetzte Provinziallandtagssitzung ein Verrath an der Völkerfreiheit. ‒ Es geht uns darum auch gar nichts an, ob der Landtag von Tyrol ein Recht hat, sich selbst zu berufen oder nicht. Wer da behauptet, wie es die vorgelesene Proklamation thut, der Reichstag tage unter der Anarchie, ist entweder ein Dummkopf, der unsere Verhältnisse weder kennt noch begreift, oder er ist ein Verräther. (Bedeutend anhaltendes Bravo und Applaudiren.)
Pillersdorff berichtigt einige Beschuldigungen Borrosch's in Betreff seiner Wirksamkeit als Minister bei Einberufung der Provinziallandtage und angeblicher Hintanhaltung der Wahlen zum Reichstage, indem er behauptet, wider die Einberufung der Provinziallandtage als Minister protestirt zu haben. Damals sei durchaus nichts geschehen, was den Provinziallandtagen Geltung habe verschaffen können. (Bravo.)
Schuselka tadelt, sonst der Ansicht Borrosch's beistimmend dessen Ausdruck „Verrath am Vaterlande“, indem man höchstens nur von einer Auflehnung wider die Einberufung des Reichstags sprechen könne.
198 Abgeordnete sind anwesend; der Antrag des Ausschusses wird angenommen.
Das Protokoll der gestrigen Abendsitzung wird vorgetragen und angenommen.
Schuselka: Als Gegenstück zur Insprucker Proklamation ist eine in italienischer Sprache abgefaßte Adresse der italinischen Kreise Tyrols, Trient und Roveredo eingelaufen. Dieselbe ist vom 15. Oct., mit 40 Unterschriften bedeckt und wird, da sie durchaus konstitutionell-demokratisch gehalten ist, unter bedeutendem Beifalle vorgetragen.
Präsident- Der Abgeordnete Podlewski hat folgenden Antrag eingereicht: Da seit 5 Tagen keine Post aus Galizien eingetroffen ist, so wolle der Reichstag die Minister Krauß und Wessenberg (!) auffordern, den Feldmarschall Windischgrätz zu ersuchen, die gestörte Postverbindung ungesäumt wieder frei zu geben und das Briefgeheimniß zu achten. (Bravo.)
Umlauft will den Ausdruck „strengstens zu untersagen.“
Goldmark: Unser Beschluß ist nur dem Krauß, nicht auch dem Minister Wessenberg, dem die Versammlung kein Vertrauen mehr schenken kann, zuzustellen.
Borrosch: Goldmark's Bemerkung ist antikonstitutionell; nicht diese Kammer ernennt Minister, oder erkennt sie an, sondern nur die Krone. So lange dieselbe einen Minister behält, hat kein einzelner Abgeordneter das Recht, dawider aufzutreten. Dies ist unser Boden. Der Kaiser allein wird das von uns beantragte volksthümliche Ministerium ernennen. Man wird uns im Angesichte Europa's nicht die Schmach anthun, durch physische Gewalt uns entgegenzutreten. (!!) Nur wenn die Kammer einen vom Ministerium eingebrachten Gesetzvorschlag verwirft, hat sie demselben ihr Mißtrauen zu erkennen zugeben. Ich beantrage daher nur energische Erklärung und strenge Untersuchung des Falls ohne alle persönliche Bezeichnungen.
Goldmark sucht seinen Antrag abermals zu rechtfertigen.
Schuselka: Ich kann mich dem Antrage Goldmark's nur anschließen. Es handelt sich lediglich darum, auf dem kürzesten Wege zum Ziele zu gelangen. Die Sendungen des Ministers Krauß werden von dem Militär noch respektirt. (Sehr verdächtig.) Die konstitutionellen Sophismen Borrosch's führen hier zu nichts; übrigens muß es jedem Abgeordneten frei stehen, hier zu reden, was er will, und es war überflüssig, ihm deßhalb eine staatsrechtliche Lektion zu geben.
Pillersdorf: Wir werden besser thun, uns im Allgemeinen an das Ministerium zu wenden, ohne einen Minister zu nennen. Demungeachtet erscheint mir Goldmark's Mißtrauensvotum vollständig begründet (Erstaunen und ungemeiner Beifall. Pillersdorf ist persönlich mit Wessenberg befreundet.), weil nicht leicht ein Minister den Monarchen so blosgestellt hat, als es Wessenberg gethan. (Wiederholter ungeheurer Beifall.)
Borkowski: Ich bin der Ansicht Borrosch's, weil die Versammlung in ihrem Beschlusse von gestern Abend (verliest die Stelle) den Minister Wessenberg erst wieder anerkannt hat.
Zimmer: Mag sein, allein wir bezeichnen darin gleichzeitig aber auch die von Wessenberg getroffene Maßregel als eine ungesetzliche, ja wir werden denselben deßhalb in Anklagestand versetzen.
Fedorowicz: Durch das Ausbleiben jeder Nachricht von uns müssen unsere Familien über unser Schicksal in der größten Angst und Besorgniß schweben. Es ist zweifelhaft, ob die hiesige Post oder aber das Militär unsere Briefe zurückhält und das Briefgeheimniß nicht achtet. Ich stelle daher das Amendement, das Ministerium aufzufordern, Schritte gleichzeitig bei den Civil- und Militärbehörden zu thun.
Der Antrag Borrosch's wird angenommen; ebenso ein Zusatz Pillersdorf's, „das in Wien befindliche Ministerium“ u. s. w. ‒ Tagesordnung: Gesetz über die Sicherheit der Abgeordneten.
Schuselka: Ich bin gegen die Berathung des Gesetzes, weil es nichts nutzt, wenn die eine oder die andere Gewalt siegt. Wir wollen mit unserer Person alle Verantwortlichkeit tragen, und ich beantrage daher, daß das Gesetz von der Tagesordnung gestrichen werde.
Pillersdorff: Lassen wir uns durch die Verhältnisse nicht beirren, die Tagesordnung zu berathen. Die Versammlung hat durch ihr Benehmen zur Genüge bewiesen, daß sie sich nicht von der Furcht beherrschen läßt.(?)
Goldmark: Dies ist auch meine Ansicht, nur muß ich wünschen, daß die Berathung sehr schleunig geschehe, damit wir unsern Beschluß alsbald nach Olmütz senden und dessen Sanktionirung einholen können. Auf diese Weise werden wir den dortigen Herrn am besten auf den Zahn fühlen.
Borrosch: Weil uns in diesem Augenblicke die Reaktion stärker bedroht als die Anarchie, so ist es Ehrensache, das Gesetz jetzt nicht zu berathen. (Humoristisch-bitter.) Eine Erprobung, ob wir die Sanktion erlangen, ist eine uns selbst zugefügte Schmach. Solange ich hier stehe, muß ich unbedingt glauben können, daß unsere Beschlüsse sanktionirt werden müssen. (Beifall.)
Wienkowski für Pillersdorff: Wir haben uns vor Allem den Truppen gegenüber zu schirmen.
Schuselka: Das Mandat des Volks muß unser einziger Schutz sein, es ist daher kleinlich, ein Schutzgesetz zu erlassen; in diesem Augenblick, wo ein gesetzlicher Zustand schon besteht, sieht es aus, wie Furcht. Ich erwarte von einem solchen Gesetz keinen praktischen Erfolg, und das Gefühl politischer Naivetät darf uns nicht leiten. (Schuselka und die Versammlung stehen zwischen zwei Feuer, Windischgrätz und die Popularität; sie stürzen sich doch lieber wieder in die letzte.)
Goldmark: Ich bin immer aufrichtig in der Politik gewesen, habe niemals Furcht gezeigt, mein Blut rollt rascher als das meines Herrn Kollegen u. s. w.
Brestl: Das Gesetz bleibe auf der Tagesordnung, wir müssen uns von den äußern Ereignissen gar nicht bestimmen lassen; wir bedürfen namentlich dem Volk gegenüber kein Gesetz, müssen aber Vorsorge treffen, daß die Abgeordneten, welche in den Reichstag zurückkehren wollen, dies mit Sicherheit können.
Kavalkabo: Es ist mir gleichgültig, ob das Gesetz jetzt diskutirt wird; ich habe jedoch die Ueberzeugung, daß jetzt nicht der Augenblick da ist, dasselbe zu berathen.
Das Gesetz wird von der Tagesordnung gestrichen.
Schuselka: Bis auf ruhigere Zeiten.
Borrosch: Bis auf's Unbestimmte. (Heiterkeit.)
Umlauft: Ich beantrage über diese Zusätze die Tagesordnung. Angenommen. Schluß 1 Uhr.
[ 121 ] Wien, 23. Okt.
Gestern trafen etwas über 100 Tyroler Scharfschützen hier ein und verhießen einen bedeutenden Nachzug, angeblich 60 Kompagnien, jede zu 200 Mann. Wenn sie nur schon da wären! Ich hörte einen dieser reich mit Bändern geschmückten Leute sagen, sie hätten dem Kaiser bei seiner ersten Flucht aus Wien wohl geglaubt, diesmal aber hätten sie den Braten gerochen. ‒ Das standrechtliche Belagerungs-Manifest des Wendischkrätze ist von unbekannten Händen in einigen Exemplaren gestern Abend an wenig Stellen angeheftet gewesen, sogleich indessen abgerissen worden. Dadurch ist es dem großen Publikum unbekannt geblieben, bis es durch die Verhandlung im Reichstage kund wurde und allgemeine Indignation hervorbrachte. Heute erschienen davon aus der Offizin von Lell einige angeblich zum ewigen Angedenken gemachte Nachdrücke. Windischgrätz wird bei etwaiger Uebergabe der Stadt natürlich nicht verfehlen, die allgemeine Publikation des Manifest's auf die durch seine Handlanger geschehene Anheftung desselben zu unterstellen. Wie in diesem Falle die Rache dieses Wütherich's sein wird, das bedarf keiner Worte, um so weniger, als nach dessen Behauptung der eigentliche Mensch erst mit dem Baron beginnt und sämmtliche Barone aus der Stadt entflohen sind.
Der heutige Tag war ein sehr kriegerischer. Seit 10 Uhr am Morgen bis jetzt (6 Uhr) donnern die Kanonen und das Kleingewehrfeuer an der Nußdorfer und Taborlinie. Die Vorstädte Rossau und Lichtenthal sind dadurch in Alarm versetzt worden, keineswegs aber der übrige Theil der Stadt. Dadurch wird die [0655] Verwirrung und Abspannung des Volkes vermieden. Ueberhaup sind die getroffenen Vertheidigungsmaßregeln allem Anschein nach vortrefflich und widerstandskräftig. Wir werden daher sehen, ob Windischgrätz so leichtes Spiel haben wird. Der heutige Kampf begann an der ersten Stelle dadurch, daß Grenadiere zu den unsern übergetreten sind, und von dem Militär dabei durch Schüsse verfolgt wurden. Einer der Grenadiere erhielt einen Schuß von hinten durch den Kopf, daß er todt hinstürzte; ein Arbeiter eilte unter dem fortwährenden Kugelregen des Militärs zu ihm, ergriff die Leiche und brachte sie glücklich zu den Unsrigen. So rettete er sie vor der verstümmelnden Rache der Soldaten-Meute. Nun aber entspann sich ein hitziges Feuern, durch welches das Militär, da es keine gehörige Deckung hatte, sehr gelitten haben soll, weil die Unsrigen sich hinter den Häusern verstecken konnten. Deshalb warf der Feind mit Brandraketen, von denen einige in der Vorstadt Lichtenthal gezündet haben sollen. Auch viele Häuser Döblings sollen stark beschädigt worden und in Brand gerathen sein. Der Kampf am Tabor wurde lediglich durch die Verwegenheit der Legion und mobilen Garde veranlaßt, welche die kühnsten Plänkeleien unternehmen.
Man spricht vom Uebergang einer ganzen Batterie zu den Unsrigen. Das Militär schoß wüthend nach, allein die Uebergetretenen wendeten ihre Kanonen und feuerten auf ihre frühern Kameraden. ‒ Vom Stephansthurme bemerkte man heute Nachmittag einen starken Rauch in Auserspergs Lager und hörte auch dort Geschützesdonner. Es heißt, das Militär sei untereinander im Kampfe. Windischgrätz soll 15,000 Mann nach dieser Seite hin dirigirt haben. Ebenso heißt es, daß die ungarische Armee die Nachhut Jellachich,s bei Fischamend angegriffen habe; man erzählte mir von Blessirten, die von dorthin nach Wien zu transportirt worden. So viel ist gewiß, daß Jellachich, obwohl die Verschanzungen bei der Spinnerei am Kreuze noch fortwährend vermehrt werden, sich gegen die Schwechat hinzieht, die Ungarn müssen ihm also im Rücken sein.
Robert Blum hielt heute eine Rede in der Aula; ich war nicht zugegen, weil ich die bedrohten Punkte besucht habe. ‒ Alle kaiserlichen Pferde sind aus den Ställen der Burg zur Bespannung des Geschützes genommen worden; das Volk ist gutes Muths und und brennt vor Kampfbegierde.
Der Reichstag und seine einzelnen Mitglieder befinden sich unter dem Doppelschwert des Damokles. Von der einen Seite Windischgrätz, der sie zu Verbrechern macht, von der andern das Volk, das ein ähnliches Gelüste trägt, weil es einsieht, daß nur die Zögerungen und Verhinderungen des Reichstags die Schuld tragen, wenn die Camarilla ein so gewaltiges Heer unter den Mauern Wiens zusammenzubringen vermocht hat. Hätte der Reichstag am 7. das Volk von Wien gewähren lassen und durch sein blödsinniges Benehmen die Ungarn nicht vor den Kopf gestoßen, oder gar noch acht Millionen bewilligt, aus denen jetzt unsere Feinde unterhalten werden, so würde das Volk von Wien längst gesiegt haben.
Gestern Abend erschien, wie es heißt, ein Plakat, worin gesagt wird, daß die Manifeste des Kaisers mit Füßen getreten zu werden verdienen.
Wie es mit uns steht, mögen sie noch aus Nachstehendem erkennen: Zur Beruhigung der Zaghaften mag es dienen, daß die Stadt in vollkommenem Vertheidigungszustande ist, daß selbst eine Belagerung Einen Monat hindurch, ohne weitern Zuzug von Lebensmitteln und Streitkräften, ausgehalten werden kann, daß alle strategisch wichtigen Punkte an den Außenplätzen gut besetzt und das Oberkommando auf jeden Ueberfall gefaßt ist. Die Hülfe der Ungarn würde wohl das Vertheidigungswerk erleichtern, ist aber nicht so dringend nothwendig, daß wir, falls dieselbe ausbliebe, irgend welche Gefahr zu befürchten hätten. Bedenkt man, daß die ganze belagernde Truppenmacht, wie wir aus sehr verläßlicher Quelle wissen, nicht über 50,000 Mann beträgt, deren größerer Theil nicht geneigt ist, gegen Wien zu kämpfen; bedenkt man ferner, daß täglich aus den Provinzen trotz aller Gefahr neue Zuzüge, so wie die besten Nachrichten von deren Antheil an unserm Kampfe hiehergelangen, so kann man über den Ausgang der jetzigen Zustände kaum mehr in Zweifel sein.
Aus dem Studenten-Comite.
@facs 0655
Es wird berichtet, daß ein Wirthshaus in Nußdorf heute Nacht ganz demolirt wurde, weil man entdeckt hat, daß der Wirth im Lager im Einverständniß und in Korrespondenz stand.
Drei Männer erscheinen und bringen der Legion einen Gruß von 50 Münchnern, die gestern zum Beistande für Wien gekommen sind. Werden mit Jubel empfangen.
Der Frankfurter Deputirte Robert Blum erbietet sich, dem Comite in der Leitung der Vertheidigungsmaßregeln zur Disposition zu stehen. Es wird eine eigene Vertheidigungskommission niedergesetzt ‒ nach Wunsch des Oberkommandanten ‒ der Robert Blum beigegeben wird.
Ein Steyermarker meldet, daß er aus ziemlich sicherer Quelle erfahren habe, daß in Kroatien der Landsturm organisirt und die steyerische Gränze bereits überschüttet werde.
Das Comite beschließt eine Inspizirung der verschiedenen Linien vornehmen zu lassen, um die Stärke der Bewachung daselbst kennen zu lernen. Es werden zu diesem Zwecke Comitemitglieder beauftragt, an den Linien diese Inspizirung vorzunehmen. Die rückkehrenden Inspizienten berichten, daß die Taborlinie sehr schwach, die Hernalserlinie zwar von zwei Kanonen, aber fast von keiner Mannschaft besetzt sei. An der Matzleinsdorfer-, Belvedere- und Favoriten-Linie hielt die tapfere Wiedner Garde immer zu 3 Kompagnieen bei jeder Linie Wache. Von den übrigen Linien ist noch kein Bericht zurück. Diese Meldungen werden sogleich dem Oberkommando bekannt gemacht. ‒ Das Comitemitglied, welches sich zur Nußdorfer Linie hätte verfügen sollen, kommt zurück und meldet, daß er auf dem Wege dorthin von reitenden Ordonanzen berichtet worden sei, daß dort ein Angriff erfolgt und bereits mit Kanonen gefeuert werde. Die dortige Garde fordere Aushülfe mit Leuten und Munition. Es wurde dies bereits dem Oberkommando gemeldet.
Es kommen mehrere Berichte ein vom Kampfe an der Nußdorfer Linie. Zwei Legionäre, die bei Beginn desselben am Orte waren, berichten, daß von feindlicher Seite in der Frühe mit Plänkeln angefangen, worauf von der Garde mit starkem Gewehrfeuer geantwortet wurde. Dann erst schoß das Militär mit Kartätschen. Ein anderer Berichterstatter meldet, daß Grenadiere vom Ludwig-Regiment übergegangen seien, deren Zahl erst auf ein ganzes Bataillon, dann auf 80 angegeben wird. Auf Antrag Fogelhubers wird ein Comitemitglied mit einem Mediziner zur Nußdorfer Linie geschickt, um zu untersuchen, ob sich unter den übergegangenen Grenadieren Verwundete befänden, weil dieses allein das sicherste Zeichen, daß der Uebergang nicht eine List sei.
Das Comite beschließt, nachzuforschen, ob die Gesandtschaften wirklich schon alle Wien verlassen haben. Hr. Hofer und Friedmann werden mit dieser Kommission beauftragt. Sie kehren mit dem Berichte zurück, daß kein Gesandter mehr in Wien sei.
Ein Nationalgardist zeigt an, daß ein kranker Soldat, der übergegangen war, ins Militärhospital transportirt worden wäre. Er macht auf die Gefahr aufmerksam, die für diesen Soldaten bei einer Wendung der Dinge erfolgen könnte. Wird dem Oberkommando gemeldet.
Es wird berichtet, daß in Salzburg ein Aufstand ausgebrochen wäre, indem die Salzburger zu Baiern übertreten wollen.
Ein polnischer Soldat wird von Garden eingebracht, der aussagt, daß 30 seiner Kameraden, weil sie nicht auf's Volk schießen wollten, zu 40 Stockprügeln verurtheilt wurden, sie machten sich daher vereinzelt auf die Flucht, er sei nun der erste hier angekommen. Wird zu den übrigen Soldaten in die Salzgrießkaserne geführt.
Ein Legionär bringt eine Kopeke, und meldet, daß sieben Fässer voll russischen Geldes aufgefangen wurden und durch die Mariahilfer Linie eben eingeführt und auf die Universität gebracht werden.
Ein Holsteiner bietet seine Dienste an, er sagt, er habe in dem letzten Kriege in seinem Vaterlande im Freikorps als Offizier gedient, und sei besonders im Barrikadenbau bewandert. Wird dem Oberkommando der akademischen Legion zugewiesen.
[ 102 ] Wien, 24. Okt.
In Eile Folgendes: Die Haltung des Volks ist wunderbar. Wir gehen alle dem Tod oder Siege entgegen. Seit den Tagen der Gefahr war die Stimmung der Stadt nie so entschieden muthig, so ganz und gar jede Gefahr verachtend, wie heute. Der Reichstags-Beschluß, die Haltung des Gemeinderathes, die besonnenen und dennoch entschiedenen Maßregeln des Nationalgarde-Oberkommandanten haben alle, selbst die zaghaftesten Herzen mit Muth erfüllt. Die Stadt wird sich bis zum letzten Manne vertheidigen, denn wir stehen auf dem Boden des Gesetzes und des Rechtes. Windischgrätz und Wessenburg sind auf dem Rechtsboden als Verräther aus der heiligen Sache des Volkes vom Volke und seinen Vertretern erklärt worden. Ein donnerndes Hoch dem Reichstage, dem Gemeinderathe, dem Nationalgarde-Ober-Commando, und dem muthigen Volke Wiens!
Von den hiesigen Gesandschaften sind die Französische Englische und Belgische nicht abgereist.
Einem Nationalgarde-Hauptmann, der als Parlamentär in Begleitung eines Studenten und eines Municipalgarden das feindliche Lager verließ, wurden vom Feinde Schüsse nachgesendet, und sodann angegriffen. Dem Municipalgarden wurde das Pferd unter dem Leibe erschossen, der Student erreichte die Linien; und der Hauptmann fehlt uns zur Stunde. So wird das Kriegs- und Völkerrecht geachtet!
Eine Lancier-Eskadron hat sich gebildet, welche in der Leopoldstädter Kavallerie-Kaserne einquartirt ist. Die Pferde wurden aus den Stallungen der ungarischen Nobelgarde genommen. ‒ Die Bespannung unserer Kanonen bilden zumeist die stolzen, gutgenährten Pferde aus den kaiserlichen Stallungen, die früher in goldglänzenden Geschirren, goldglänzende Wagen zogen, vor denen in Liebe die Bewohner Wiens die Hüte zogen!
Gestern Mittag gab es bei Florisdorf am linken Donauufer ein trauriges, den Feind gar nicht ehrendes Ereigniß. Während unsere Vorposten mit den feindlichen unter weißer Flagge parlamentirten, fielen aus der Au zwei Kartätschenschüsse, wovon der erste ein Häuflein der unsrigen, die friedlich beisammen standen, trafen. Hauptmann Karolus von der akademischen Legion wurde die Kniescheibe zerschmettert, so daß ihm sein Bein amputirt werden mußte, Lieutenant Nowosad aus der Gratzer Nationalgarde wurde der Schenkel zerschmettert. Ein Schütze vom Mobilen-Corps blieb auf dem Platze. Das war nicht blos ein feindliches, sondern ein möderisches Verfahren.
Jellachich's Position hat sich gestern geändert. Sein linker Flügel schwankte von Wien ab gegen die anrückenden Ungarn. Die Kanonen haben dieselbe Richtung genommen. Daß unsererseits ebenfalls Vorkehrungen zur Ergreifung der Offensive getroffen werden, versteht sich von selbst. Jellachich's Absicht scheint es zu sein, den Ungarn eine Schlacht zu bieten. Die Ungarn wollen jedoch in Wien einrücken, um dann gemeinschaftlich mit uns die gemeinsamen Feinde zu bekämpfen. Dies sind auch die nächsten Ursachen, weßhalb die Ungarn noch nicht vor den Thoren oder in den Mauern Wiens stehen.
In der Zuschrift des Windischgrätz an unseren Gemeinderath gab er den Vätern der Stadt 24 Stunden Zeit seinen Befehlen nachzukommen; in 48 Stunden würden sonst die Folgen ihrer Widersetzlichkeit unfehlbar eintreten. Der Gemeinderath hat dieses Schreiben mit würdiger Mißachtung angenommen.
150 Tyroler Schützen, kernhaftes Gebirgsvolk, haben sich zu uns durchgeschlagen. Die grünen Federbüsche in der Armee mögen zittern. Der Landsturm ist in den meisten Theilen Tyrols organisirt. Die Bewegung bei den Tyrolern hat einen weiteren Ausgangspunkt. Sie sagen: „Geht die Freiheit in Oesterreich durch den Fall Wiens verloren, so schlagen wir uns zu Baiern.“
Ein schöner Anblick bietet sich den Beschauern der Türkenschanze dar. Dort hängen zwei Grenadiere und ein Arbeiter. Die Humanität macht Fortschritte im k. k. Lager. Gott erhalte die Herren Offiziere!
Sechs Chevauxlegers gingen zu uns über. Ihr Entweichen wurde bemerkt, und andere 6 Mann von derselben Escadron ihnen nachgesendet. Schon waren sie ihnen auf den Fersen, schon konnten die Volksfreunde den Hufschlag nahe hinter sich hören, da riefen die Nachreitenden: „Eilt! wir reiten mit Euch!“ und so kamen alle zwölf unversehrt bei uns an.
Als die Deputation der Nationalgarden Wiens bei ihrer Anwesenheit in Lundenburg den Fürsten Windischgrätz auf das gemäßigtere Manifest des Kaisers vom 19. aufmerksam zu machen wagte, erklärte Herr Windischgrätz: er kenne kein Manifest vom 19.
(11 Uhr Vormittags.) An der Nußdorfer Linie ist Militär zu uns übergegangen. Man schießt ihnen mit Kartätschen nach.
(12 Uhr Mittags.) Weiße Rauchwolken steigen vom Stefansthurme empor. Es scheint das Zeichen zu sein, daß die Ungarn heranrücken.
Die fremden in Wien sich befindenden Gesandten und bevollmächtigten Minister haben gestern von der Staatskanzlei die Mittheilung erhalten, die Stadt wäre in Belagerungszustand versetzt und, da die Ereignisse unmöglich vorausberechnet werden können, werde ihnen gerathen, die Stadt zu verlassen. Der französische Minister geht nach Böslau, der englische und russische Gesandte werden in Hitzing wohnen; sie verlassen Wien nicht aus persönlicher Furcht, sondern um für jeden Fall ihren Regierungen gegenüber jeder Verantwortlichkeit enthoben zu sein.
Der „Neuen Rheinischen Zeitung“ sind die erwarteten Briefe und Blätter nicht zugegangen.
[ !!! ] Frankfurt, 27. Oktober.
Tagesordnung. Fortsetzung (und hoffentlich Schluß) der Debatte über die § §. 2 bis 4 des Entwurfs der Verfassung. ‒
Präsident zeigt den Austritt eines Abgeordneten für Tyrol an, darauf geht man einmal (Wunder!) ohne Weiteres zur Tagesordnung über.
Wurm soll sprechen (ist noch nicht da). Höfken soll sprechen (ist noch nicht da). Es ist ja erst 3/4 10 Uhr. Die Diskussion geht also weiter mit:
Riehl (Dr: juris aus Wien) welcher für den Entwurf der Verfassung spricht. Große Unruhe ‒ Theilnahmlosigkeit. Und wenn der Redner ein Gott wäre, Neues könnte er in dieser Debatte nicht mehr bringen, sie ist zum Ekel erschöpft Aber wie der wiener Reichstags im praktischen Zögern, so sind unsere Vertreter im theoretischen unverwüstlich. ‒ Nach dieser ersten heutigen Rede erhebt sich sogleich der Schlußruf. Der Schluß wird abermals verworfen. Die Diskussion muß erst zu Bassermann kommen.
Maifeld aus Oesterreich gegen den Entwurf. Spricht für sein Amendement. Statt §. 2 und 3 will er: „Deutsche Länder dürfen mit nichtdeutschen Ländern nur in der Art zu einem Staate verbunden sein, daß die für ganz Deutschland gelten den gesetzlichen Bestimmungen in solchen deutschen Ländern durch ihren Verband mit nicht deutschen Ländern durchaus keine Modifikation erleiden dürfen. ‒ Protestirt gegen alle Anträge, welche bloß ein völkerrechtliches Bündniß mit Oesterreich wollen, protestirt entschieden gegen Heinrich von Gagern's Amendement. Auch ist er gegen alle Anträge, welche bloß zusehen wollen, wir sind ja, sagt er, eine konstituirende, nicht eine zusehende Versammlung.
Wedekind (der jetzt angekommen ist) will nun das Wort haben. Die Versammlung beschließt es ihm zu geben, zuvor aber will man Wurm hören. ‒
Wurm aus Hamburg (dessen Rede die bedeutendste; ich gebe die Hauptpunkte. ‒ Tiefe Stille und allgemeine Aufmerksamkeit, nur durch Beifall unterbrochen.) Wurm spricht natürlich für den Entwurf. „Meine Herren, stimmen Sie einfach für die § §. 2 und 3, wie der Entwurf sie bietet, ohne alle Zusätze. Ich traue mir nicht zu, die Geschicke der österreichischen Monarchie vorauszusagen, aber entweder zerfällt die österreichische Monarchie, oder sie ist annoch lebensfähig. In jedem der beiden Fälle können wir die §.§. des Entwurfs annehmen.
Wenn Oesterreich zerfällt, werden unsere paar Paragraphen es nicht retten, ‒ sie werden nicht (wie Gagern gestern behauptete) in das brennende Gebäude noch einen Fackelbrand schleudern. Wenn diese Paragraphen das im Stande sind ‒ dann wäre Oesterreich schon zerfallen. Für den zweiten Fall, daß Oesterreich noch lebensfähig. Sollen wir dann die Initiative der Trennung Deutsch-Oesterreichs von Deutschland ergreifen? ‒ Auch wird §. 1 unserer Verfassung aufgehoben, wenn wir 2 und 3 anders annehmen, als der Entwurf sie gibt. ‒ Preußen (das Ministerium Eichmann) setzt voraus, daß wir in unserem Verfassungswerk nur Personalunionen werden fortbestehen lassen.
Deutsch-Oesterreich nicht durch, mehr mit Deutschland verbinden, als durch ein völkerrechtliches Bündniß ‒ heißt das deutsche Element daselbst aufgeben. Von Oesterreichs (d. h. der nicht deutschen Provinzen) Sympathien für Deutschland, zumal von Ungarns und Kossuths Sympathien dafür, halte ich sehr wenig. Die Ungarn wollen den Schwerpunkt der österreichischen Monarchie von Wien nach Buda-Pest verlegen. Schon Gentz hatte 1806 diese Idee.
Unsere erste Sendung ist, das deutsche Element in Oesterreich zu stärken. Wenn unsere österreichischen Abgeordneten (was zu fürchten, wenn sie anders beschließen als der Entwurf) aus der Paulskirche fortgehen müßten, sie würden dennoch wiederkehren, es sind ja unsre Brüder. Soll dies geschehen, sollen sie fort müssen, so mag man wenigstens dort (in Oesterreich) die Initiative dazu ergreifen. Wir müssen es Oesterreich überlassen, seine Rolle selbst zu finden, nicht aber ihm eine Rolle zuweisen, die gar keine ist. Vertrauen wir der österreichischen Jugend, sie hat sich dieses Vertrauens werth gezeigt, und ihr gehört die Zukunft.
(Rauschendes und langanhaltendes Bravo links, linkes Centrum und Gallerien).
Gegen den Willen der Rechten und des rechten Centrums (zum Theil) wird die Debatte, dieser 4tägige Wettkampf zwischen schwarz-gelb und schwarz-roth-gold unter Bravo links geschlossen.
Mehrere namentliche Abstimmungen werden angemeldet.
Riesser (Vicepräsident) spricht unter Beifall für den Entwurf als Berichterstatter, und bekämpft alle Amendements. Unsre Paragraphen sind nur der Ausdruck einer inneren Nothwendigkeit, und eine Folge von der Geschichte Oesterreichs, sagt Riesser. Gagern's Amendement bringe eine formelle Abänderung in die Berathungen. Selbst wenn unser Beschluß (nach § 2 und 3) faktisch in Widerspruch mit dem Willen Oesterreichs geriethe, würde ich ihn nicht bereuen, und er würde keineswegs für uns eine Schande sein.
(Langes Bravo links und linkes Centrum, welches offenbar durch Wurm's Rede entschieden mit der Linken stimmt).
Simson (Vicepräsident) will nun noch über § 4 diskutiren lassen, um den Enthusiasmus des linken Centrums zu kühlen. Das Centrum schreit abstimmen.
Rösler von Oels: Die Abstimmung der §§ 2 und 3 muß vor der Diskussion über 4 vorgenommen werden, die Spannung ist auf den höchsten Punkt gestiegen und es ist nicht mehr Fremdartiges in diese Frage zu mischen. (Viele Stimmen: Abstimmen!)
Die Versammlung beschließt die Abstimmung.
Linke und linkes Centrum stehen wie ein Mann auf. Gegen den Wunsch des Präsidenten (Simson) geht man also zur Abstimmung.
Daß sich eine große und heftige Formdebatte erhebt, können Sie sich denken. Es sprechen darin Rösler, Berger, v. Vinke (sehr erbittert), v. Mühlfeld, Wiegard, Plathner, Rösler (von Oels), Uhland (zieht seinen Antrag zu Gunsten der Paragraphen des Ausschusses zurück. (Bravo!) Er will damit der Rechten ein gutes Beispiel geben), Venedey.
Simson (Vicepräsident) will per Gewalt Gagern's Antrag zuerst haben. Die Versammlung beschließt die Reihenfolge der Abstimmungen nach Simson vorzunehmen. (Linke und Rechte blieben hierbei sitzen ‒ sie werden Hrn. Simson kaum wieder wählen).
Die Anträge werden zur Unterstützung gebracht.
Jahn's Antrag lautet: Zu § 2 hinzuzufügen „unbeschadet der ewigen Einigung zu Schutz und Trutz mit zugewandten Landen und Reichen.“
Die ganze Versammlung lacht.
Die meisten Anträge werden theils gar nicht, theils nur sehr schwach unterstützt.
Berger beantragt eventuell namentliche Abstimmung für alle Anträge. (Die ganze Linke unterstützt ihn).
Die Abstimmung über v. Gagern's Antrag soll demnächst zuerst beginnen
Gagern hat mittlerweile an der Stimmung der Versammlung gemerkt, daß sein „kühner Griff“ mißlingt, er erhebt sich daher und zieht mit einigen rührenden Worten seinen Antrag vorläufig zurück (in meliorem fortunam!)
Sommaruga dito. Ein präjudizieller Antrag des Grafen Keller (schwarz-gelb) wird mit kolossaler Majorität verworfen.
Jetzt soll die Abstimmung über § 2 und 3 des Entwurfs beginnen.
Simson verkündet, daß seiner Ansicht nach die Abstimmung über 2 und 3, die Abstimmung anderer Zusätze nicht ausschließt.
Wichmann will namentliche Abstimmung über § 2 und 3 mit Ausschließung aller Zusätze. (Bravo links.)
Vinke und Schwerin sind der Ansicht Wichmann's. Beseler und Soiron dagegen.
Die Versammlung beschließt mit der auffallendsten Majorität nach dem Willen der Linken und Wichmann's gegen Simson.
Simson (der unparteiische Morgenländer aus Gagern's Schule) will die Majorität nicht erkennen; er will durch Stimmzettel abstimmen.
Die Abstimmung durch Stimmzettel kann nicht stattfinden, weil (Gelächter) keine Stimmzettel da sind.
In nochmaliger gewöhnlicher Abstimmung bringt es Simson durch die langweiligsten Machinationen dahin, daß obiger Beschluß abgeändert wird. Man beschließt nach Annahme (oder Ablehnung) der Paragraphen noch über die modifizirenden Anträge abzustimmen.
Endlich kommt man zur namentlichen Abstimmung über § 2. Derselbe lautet:
„Kein Theil des deutschen Reiches darf mit nichtdeutschen Ländern zu einem Staate vereinigt werden.“
Er wird mit 340 Stimmen gegen 76 Stimmen angenommen.
Herr Clemens aus Bonn stimmte nicht. (Gelächter.) Der Präsident v. Gagern stimmte mit Nein. Sein Bruder Max mit Ja. (Links: Bravo!)
Folgt die namentliche Abstimmung über den Zusatz des Minoritäts-Erachtens:
„Insofern die eigenthümlichen Verhältnisse Oesterreichs die Ausführung dieses § 2 und der daraus abgeleiteten Paragraphen hinsichtlich desselben nicht zulassen, soll die angestrebte Einheit und Macht Deutschlands im größtmöglichen Maße durch den innigsten Anschluß Oesterreichs an Deutschland im Wege des völkerrechtlichen Bündnisses zwischen der Reichsgewalt und der österreichischen Regierung erzielt werden.“ (Mühlfeld etc.)
Dieser Zusatz wird mit 375 Stimmen gegen 38 verworfen. (Bravo!)
Ein Amendement von Kaiser:
„Die Verhältnisse Oesterreichs bleiben der definitiven Anordnung vorbehalten,“ wird mit 318 Stimmen gegen 104 verworfen.
§ 3: „Hat ein deutsches Land mit einem nichtdeutschen Lande dasselbe Staatsoberhaupt, so ist das Verhältniß zwischen beiden Ländern nach den Grundsätzen der reinen Personalunion zu ordnen.“
Die Stimmzettel sind mittlerweile angelangt. Statt namentlicher Abstimmung wird deshalb durch weiße und blaue Stimmzettel der § 3 mit 316 Stimmen gegen 90 angenommen. (Bravo!)
Präsident: Das Resultat der Abstimmung ist also die einfache Annahme der Paragraphen des Entwurfs. (Langes Bravo links, Centren und Gallerien).
Folgen 4 Erklärungen, resp. Protestationen gegen die Annahme dieser Paragraphen und Abstimmungen von v. Goltz, Aichelburg, Beda Weber, Kagerbauer, Kürsinger, Dieringer, Osterrath etc., wie Sie sehen, eine schöne Ansammlung von schwarz-gelb, was heut eine entschiedene Niederlage erlitten hat.
Präsident theilt mit, daß der Ausschuß zur Begutachtung der einzuleitenden Untersuchung gegen die Redakteure der Reichstagszeitung (Blum, Günther) den Bericht zum Druck vorlegt.
„Die Erlaubniß zur Untersuchung zu ertheilen.“
Schluß der Sitzung gegen 4 Uhr. Nächste Sitzung Montag.
Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung des Verfassungsentwurfs.
@facs 0656
Den 25. Okt. 1848.
(24.) Joh. Jos. S. v. Joh. Nicol. Brochhausen, Maler, Rheing.
Agnes, T. v. Anton Engels, Schneider, Apostelnstr. ‒ Anna Barb., T. v. Engelb. Schloemer, Schuster, Hochpfortenbüchel. ‒ Brig, T. v. G. Köhnen, Tabakarb., gr. Spitzeng. ‒ Elisab., T. v. Hub. Crefeld, Schiffer, Catharinenge. ‒ Joh. Ludw., S. v, J. Franz Heinr. Cilles, Faßb., Marienpl. ‒ Veron, T. v. Franz Wilh. Bachem, Kleiderm., Sterneng. ‒ Elisab., T. v. Adam Ohlig, Maurer, Spulmansg. ‒ Joh, Hub., S. v. Joh. Veith, Schlosserm., Butterm. ‒ Christina, T. v. Peter Jos. Opladen, Tagl., Eigelstein. ‒ Friedr., S. v. Friedr. Klein, Zuckerarb., Maximinenstr. ‒ Wilh. Hub. u. Rosa Wilhelm., Zwill. v. Aug. Hub. Hunzinger, chirurg. Instrumentenm., Heumarkt. ‒ Ein unehel. Mädchen.
Joh. Moll, 1 J. 2 M. alt, Friesenstr. ‒ Anna Zurgilgen, 10 M. alt, Löhrg ‒ Cäcil. Pütz, 5 T alt, Hahnenw. ‒ Wilh. Laas, 6 M. alt, Löweng. ‒ Zwei unehel. Knaben.
(24.) Wilh. Jos. Engels, Fruchtmesser, Wittwer, und Anna Gertr. Füser, Wittwe Hagen, beide v. hier.
Joh. Nicol. Curnelle, Omnibus-Kondukteur, Wittwer, v. Weism[unleserlicher Text], und Agnes Roth, v. hier. ‒ Joh. Adam Wilh. Holzhäusser, Schuster, Wittwer, v. Goldbach, und Cathar. Lisetta Köhnen, v. Oberwinter. ‒ Rob. Krause, Sekretär bei der köln. Feuer-Versicherungs-Gesellschaft, v. Rawicz, und Anna Margar. W[unleserlicher Text]lbert, gesch. Neumann, v. Andernach. ‒ Heinr. Münzr, Zimmerges., und Corn. Bluhm, beide v. hier. ‒ Jos. Casp. Finkendei, Zuckerarbeiter, v. Welver, und Elisab. Stammel, v. hier. ‒ Joh. Jos. Pütz, Tagl., v. Bornheim, und Magdal. Lengsdorff, v. hier. Joh. Roster, Cigarrenm., und Cath. Schneider, beide v. hier. ‒ Heinr. Ludw. Hasselbach, Maurer und Steinh., v. Falkenstein, und Joh. Cathar Wichterich, v. hier. ‒ Pet Jacob Koch, Landw.-Feldw., Wittwer, v. Eupen, und Anna Maria Marx, v. Waldorf. ‒ Peter Führer, Schuster, v. Bonn, und Anna Sib. Esser, Wittwe Brüllen, v. Königswinter. ‒ Peter Baclain, Blaufarber, und Anna Maria Peck, beide von hier. ‒ Franz Beckers, Schlosser, v. hier, u. Anna Marg Bertram, v. Berrendorf. ‒ Joh. Jacob, Landmann, Maurermeister, v. Gadern, und Louise Carol. Loobes von Wesel.
Feuer-Versicherungs-Gesellschaft Colonia.
Die unterzeichnete Haupt-Agentur beehrt sich bekannt zu machen, daß die Agentur zu Bensberg eingezogen und die Vollmachr des bisherigen Agenten, Herrn Geometer Niedenhofen, erloschen ist, sowie daß die Geschäfte in den Bezirken der Bürgermeistereien Deutz, Bensberg, Wahn, Gladbach, Overath, Heumar und Rösrath bis auf Weiteres, direkt durch die Haupt-Agentur wahrgenommen werden.
Köln, 24. Oktober 1848.
Die Haupt-Agentur zu Köln: Kalle.
Nach Rio-Janeiro das Schiff „Independance“ Kapt. Vandersteen. Abfahrt 1. Dezember,
Nach Rio-Janeiro das Schiff „Belgique“ Kapt. Vent Abfahrt 1. Januar 1849.
Das amerikanische Post-Dampfschiff Hermann, Capt. E. Crabtree, wird am 15. November von der Weser nach New-York zurückkehren.
Passagepreis nach New-York in 1. Kajüte Ld'or 195
Passagepreis nach New-York in 2. Kajüte Ld'or 100
Passagepreis nach Southampton in 1. Kajüte 25
Für Kinder und Domestiken von Passagieren der ersten Kajüte die Hälfte.
Güterfracht 25 und 35 Dollars mit 5 pCt. Primage für 40 Cub.-Fuß.
In Ladung nach Antwerpen, Gent etc.
Kapt. J. H. Disch.
Schiff: „Nur nicht ängstlich.“
Auskunft über Fracht etc. ertheilen Scheidtweiler und Abels.
Der Arbeiter-Verein und die demokratische Partei in Frechen wählte ihren Mitbürger J. Wallraf zum Abgeordneten für den Demokraten-Kongreß in Berlin, und ist derselbe bereits gestern Abend dorthin abgereist. Es gereicht diese Sendung dem vorgedachten kräftigen Vereine jedenfalls zur besonderen Anerkennung, und es wäre zu wünschen, daß dieselbe jetzt noch in recht vielen derartigen Vereinen Nachahmung finden würde. Wir haben das Vertrauen zu unserem Deputirten Wallraf, daß er in allen Fällen das Seine zu unserm allgemeinen Wohle nach allen Kräften beitragen und nicht wie unser Landtagsabgeordneter Elkemann, der bei der Sendung nach Berlin gleichsam verschwunden zu sein scheint, nur höchstens den Beobachter daselbst abgeben werde.
Viele Bürger von Frechen.
Vom 24. September ab fahren die Dampfschiffe jeden Dienstag, Freitag und Sonntag Morgens 7 Uhr von Köln nach Düsseldorf, Wesel, Emmerich, Arnheim, Doesborgh, Zütphen, Deventer, Zwolle, Kampen und Amsterdam.
Münster-Hammer Eisenbahn.
Fahrplan für die Winter-Periode vom 15. Oktober 1848 bis auf weitere Bekanntmachung.
Durch neue Sendungen von Wolle und Seide so wie aller übrigen Artikeln, welche in das Gebiet der modernsten Tapisserie gehören, ist unser Lager auf das vollkommenste und geschmackvollste assortirt, so daß wir im Stande sind allen Anforderungen zu genügen. Wir werden dies um so mehr können, indem wir durch den Ausverkauf vieler Artikel, die wir nicht mehr fahren wollen, größere Aufmerksamkeit dieser Branche widmen können.
Jules Van Eeten, geschworner Schiffsmäkler in Antwerpen. Bureau zur Beförderung deutscher Auswanderer nach Amerika.
Das schöne amerikanische dreimastige Schiff „Peter Hattrick“ Kapitän Rockwell. Derselbe nimmt Zwischendecks- und Kajüts-Passagiere, bietet eine gute Gelegenheit für Passagiere dar, welche die Ueberfahrt in der 2. Kajüte zu machen wünschen, woselbst er Raum für 40 à 50 Personen hat, und ist zu diesem Zwecke mit allen wünschenswerthen Einrichtungen versehen. Wegen der Zwischendecks-Passagiere beliebe man sich an die Herren Strecker, Klein und Stöck zu wenden; wegen Kajüte-Passagieren an Van den Bergh fi's, beeidigter Schiffsmakler.
oudswaard, Dir., d. Z. Sekretär.
Das von Sr. erzbischöflichen Gnaden, Johannes v. Geissel angeordnete Gebet, mit einem Anhange:
Gebet und Anliegen in der jetzt so hart bedrängten Zeit und Kriegsgefahren.
Die zweite Cajüte ist für diese Reise besetzt. Näheres bei C. A. Heineken et Comp. in Bremen, Agenten der Oc. Steam Rav. Comp.
Billig Kost und Wohnung kleine Budengasse Nr. 2 ‒.
Montag den 30. Oktober:
„Donna Anna“ Fr. Eiserich-Leonof, als Gast.
Mit Dienstag den 31. Oktober beginnt die erste [unleserlicher Text]speudu-Vorstellung der Aktien-Karten; die verehrlichen Theaterfreunde, welche noch wünschen, an diesem Abonnement Theil zu nehmen, werden ersucht, ihre Anmeldungen in der Theater-Kasse bis dahin zu machen, wo die Liste zur Einzeichnung offen liegt.

References: in casu
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