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Timestamp: 2019-06-26 16:00:38+00:00

Document:
BVerwG, 10 C 13.07: Abschiebung, Bundesamt, Politische Verfolgung, Südkorea
Urteil des BVerwG vom 02.08.2007, 10 C 13.07
10 C 13.07
Abschiebung, Bundesamt, Politische Verfolgung, Südkorea
Abschiebung, Bundesamt, Politische Verfolgung, Südkorea, Ausreise, Aufenthaltserlaubnis, Asylbewerber, Drittstaat, Asylverfahren, Gefahr
BVerwG 10 C 13.07 (bisher: 1 C 17.06) VGH A 8 S 854/05
hat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 2. August 2007 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Mallmann, den Richter am Bundesverwaltungsgericht Richter, die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Beck, den Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Kraft und die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Fricke
Die Revision des Klägers gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 9. Januar 2006 wird zurückgewiesen.
1Der Kläger begehrt, die Beklagte zu der Feststellung zu verpflichten, dass die
Voraussetzungen für ein Abschiebungsverbot gemäß § 60 Abs. 7 Satz 1
AufenthG in Bezug auf Nordkorea vorliegen.
2Der 1962 geborene Kläger, ein Staatsangehöriger der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea), kam im November 1999 nach Deutschland und
beantragte hier Asyl. Das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer
Flüchtlinge - jetzt Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - (Bundesamt) lehnte
mit Bescheid vom 20. März 2000 den Antrag auf Anerkennung als Asylberechtigter und als Flüchtling ab, stellte fest, dass Abschiebungshindernisse
nach § 53 AuslG nicht vorliegen, und drohte dem Kläger die Abschiebung „in
sein Herkunftsland“ an. Das Bundesamt hielt die Staatsangehörigkeit des Klä-
gers für ungeklärt. In der Begründung des Bescheids wurde ausgeführt, aufgrund der Zweifel an der vom Kläger angegebenen Staatsangehörigkeit sei in
der Abschiebungsandrohung kein (konkreter) Zielstaat bestimmt worden; von
einer Abschiebung nach Nordkorea sei abzusehen; Nordkorea sei ein totalitärer
Staat, in dem zurzeit Hungersnot herrsche; daher sei es nicht angezeigt, eine
Abschiebungsandrohung in ein solches Land auszusprechen. Die vom Kläger
hiergegen erhobene Klage blieb ohne Erfolg. Das Verwaltungsgericht Stuttgart
verwies darauf, dass der Kläger nicht glaubhaft gemacht habe, dass er tatsächlich aus Nordkorea stamme; da das Bundesamt in seinem Ablehnungsbescheid
ausdrücklich von einer Abschiebung nach Nordkorea abgesehen habe, stünden
der Abschiebung des Klägers keine Abschiebungshindernisse gemäß § 53
AuslG entgegen.
3Im August 2002 stellte der Kläger einen Asylfolgeantrag. Das Bundesamt lehnte
es mit Bescheid vom 24. Oktober 2002 ab, ein weiteres Asylverfahren durchzuführen und seinen (ersten) Ablehnungsbescheid vom 20. März 2000 hinsichtlich der Feststellung zu § 53 AuslG abzuändern. Von einer erneuten Abschiebungsandrohung wurde gemäß § 71 Abs. 5 Satz 1 AsylVfG abgesehen. Auf die
dagegen erhobene Klage verpflichtete das Verwaltungsgericht Sigmaringen die
Beklagte zu der Feststellung, dass ein Abschiebungshindernis nach § 60 Abs. 7
AufenthG im Hinblick auf Nordkorea vorliegt. Den Bescheid des Bundesamts
hob das Verwaltungsgericht auf, soweit er dieser Verpflichtung entgegenstand.
Im Übrigen wies das Verwaltungsgericht die Klage ab. Zur Begründung führte
es aus, da der Kläger sich jederzeit freiwillig unter den Schutz der Republik
Korea (Südkorea) begeben könne, sei kein Raum für die Feststellung von Abschiebungsschutz nach § 60 Abs. 1 und 5 AufenthG i.V.m. Art. 3 EMRK. Dies
gelte aber nicht für § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG, der sich auf die Abschiebung
in einen konkreten Staat beziehe. Die Asylantragstellung des Klägers im westlichen Ausland werde in Nordkorea als politische Straftat angesehen und hart
4Auf die Berufung der Beklagten hat der Verwaltungsgerichtshof das Urteil des
Verwaltungsgerichts geändert und die Klage insgesamt abgewiesen. Zur Begründung hat er im Wesentlichen darauf verwiesen, dass das Verwaltungsge-
richt der Klage nicht hätte stattgeben dürfen, soweit der Kläger die Verpflichtung
der Beklagten zur Feststellung eines Abschiebungshindernisses nach § 60
Abs. 7 AufenthG im Hinblick auf Nordkorea begehrt. Denn er besitze als Staatsangehöriger von Nordkorea nach der völkerrechtlich anerkannten Praxis von
Südkorea zugleich dessen Staatsangehörigkeit, sei dort vor politischer Verfolgung sicher, werde in diesem Staat unter zumutbaren Bedingungen aufgenommen und könne dort ohne Existenzgefährdung leben. Angesichts des zumutbaren „Schutzangebots“ von Südkorea als dem Land seiner Staatsangehörigkeit habe der Kläger keinen Anspruch auf Schutz vor einer Abschiebung
nach Nordkorea gemäß § 60 Abs. 7 AufenthG.
5Mit seiner vom Senat zugelassenen Revision erhält der Kläger seinen Rechtsstandpunkt hinsichtlich § 60 Abs. 7 AufenthG aufrecht. Ohne die Feststellung
eines entsprechenden Abschiebungsverbots drohe ihm im Falle einer bisher
nicht ausgeschlossenen Abschiebung nach Nordkorea eine erhebliche konkrete
Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit.
6Die Revision des Klägers, über die der Senat im Einverständnis mit den Beteiligten ohne mündliche Verhandlung entscheidet (§ 101 Abs. 2 i.V.m. § 141
Satz 1 und § 125 Abs. 1 Satz 1 VwGO), ist nicht begründet. Die Entscheidung
des Berufungsgerichts stellt sich jedenfalls im Ergebnis als richtig dar (§ 137
Abs. 1 Nr. 1 und § 144 Abs. 4 VwGO).
7Gegenstand des Revisionsverfahrens ist ausschließlich das Verpflichtungsbegehren auf Feststellung eines Abschiebungsverbots gemäß § 60 Abs. 7 Satz 1
AufenthG in Bezug auf die Demokratische Volksrepublik Nordkorea. Das Berufungsgericht hat einen Anspruch des Klägers auf eine solche Feststellung
- ohne Prüfung der Voraussetzungen für ein Wiederaufgreifen des Verfahrens
und ohne Prüfung der Gefahrenlage in Nordkorea - allein mit der Begründung
verneint, dass der Kläger neben der nordkoreanischen auch die südkoreanische Staatsangehörigkeit besitze und deshalb nach Südkorea ausreisen könne,
wo ihm keinerlei Gefahren drohten. Dies ist mit Bundesrecht nicht vereinbar
(1.). Der Rechtsverstoß führt allerdings nicht zur Aufhebung des Berufungsurteils und Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht. Denn die Entscheidung erweist sich im Ergebnis als richtig, weil der Kläger unter den besonderen Umständen des Falles ausnahmsweise kein schutzwürdiges Interesse
daran hat, diesen Anspruch gerichtlich durchzusetzen (2.).
81. Zu Unrecht hat das Berufungsgericht bei seiner Entscheidung Grundsätze,
die das Bundesverwaltungsgericht zum asylrechtlichen (flüchtlingsrechtlichen)
Abschiebungsschutz entwickelt hat, ohne Weiteres auf den ausländerrechtlichen Abschiebungsschutz übertragen. Das Bundesverwaltungsgericht hat
mehrfach betont, dass asylrechtlicher Abschiebungsschutz nach § 60 Abs. 1
AufenthG und ausländerrechtlicher Abschiebungsschutz gemäß § 60 Abs. 2
bis 7 AufenthG hinsichtlich der Gewährung anderweitigen Schutzes in einem
Drittstaat unterschiedlich zu beurteilen sind, weil beide Schutzformen sowohl
verfahrensrechtlich als auch materiellrechtlich anders ausgestaltet sind.
9Über den asylrechtlichen Abschiebungsschutz nach § 60 Abs. 1 AufenthG kann
nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts grundsätzlich nur
einheitlich entschieden werden. Dabei sind sämtliche Staaten, deren Staatsangehörigkeit der Betroffene möglicherweise besitzt oder in denen er als Staatenloser seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, in die Prüfung einzubeziehen. Nur
wenn diese Staaten keinen Schutz gewähren, kommt nach dem Prinzip der
Subsidiarität des internationalen Schutzes eine Flüchtlingsanerkennung in Betracht. Korrespondierend mit der gesetzlichen Verpflichtung des Bundesamts
für Migration und Flüchtlinge (Bundesamt), eine entsprechende Feststellung zu
treffen, hat der Betroffene einen Anspruch auf eine derartige Entscheidung, und
zwar unabhängig davon, ob eine Abschiebung in den behaupteten Verfolgerstaat oder in einen anderen Staat beabsichtigt ist (vgl. etwa Urteile vom
8. Februar 2005 - BVerwG 1 C 29.03 - BVerwGE 122, 376 <380 f.> = Buchholz
402.242 § 60 Abs. 1 AufenthG Nr. 1 S. 5 f. sowie vom 12. April 2005 - BVerwG
1 C 3.04 - Buchholz a.a.O. Nr. 2; jeweils m.w.N.). Andererseits schließt namentlich die Möglichkeit, Schutz im Staat der (zweiten) Staatsangehörigkeit zu finden, einen Anspruch auf Abschiebungsschutz nach § 60 Abs. 1 AufenthG aus.
Ob dies auch für den Anspruch auf subsidiären Schutz nach Art. 15 ff. der
Richtlinie 2004/83/EG gilt, der die Gefahr eines ernsthaften Schadens im Herkunftsland, d.h. im Staat oder in den Staaten der Staatsangehörigkeit des Betroffenen (vgl. Art. 2 Buchst. e und k der Richtlinie) voraussetzt, kann hier
offenbleiben. Denn im vorliegenden Fall ist ein Anspruch auf subsidiären Schutz
nach der Richtlinie nicht im Streit, sondern lediglich der allein nach nationalem
Recht zu beurteilende subsidiäre Schutz nach § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG.
10Während über den asylrechtlichen Abschiebungsschutz nur einheitlich entschieden werden kann, ist über den ausländerrechtlichen Abschiebungsschutz
nach § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG in Bezug auf die einzelnen in Betracht kommenden Abschiebezielstaaten jeweils gesondert und ggf. mit unterschiedlichem
Ergebnis zu entscheiden. Von daher durfte das Berufungsgericht den Kläger
nicht darauf verweisen, dass er die ihm in Nordkorea drohenden Gefahren
durch eine - ihm mögliche und zumutbare - Ausreise nach Südkorea abwenden
könne. Zu Unrecht hat sich das Berufungsgericht für die Übertragung des asylrechtlichen Subsidiaritätsprinzips auf den ausländerrechtlichen Abschiebungsschutz auf die Entscheidung des früher für Asylsachen zuständig gewesenen
9. Senats des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. April 1997 - BVerwG 9 C
38.96 - (BVerwGE 104, 265 = Buchholz 402.240 § 53 AuslG Nr. 7) bezogen. In
dieser Entscheidung wurde lediglich ausgeführt, dass bei der Prüfung von subsidiären Abschiebungsschutz nach dem damals geltenden § 53 AuslG auch
eine etwaige Gefahrenminderung durch eine freiwillige Ausreise in den Zielstaat
(anstelle einer zwangsweisen Abschiebung in eben diesen Staat) in den Blick
zu nehmen sei. Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts lässt sich der
Entscheidung nicht entnehmen, dass die Gewährung von ausländerrechtlichem
Abschiebungsschutz auch entfällt, wenn eine Abschiebung oder eine freiwillige
Ausreise des Ausländers in einen Drittstaat möglich ist.
11Ein Anspruch des Klägers auf Feststellung eines Abschiebungsverbots nach
§ 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG in Bezug auf Nordkorea ist auch nicht deshalb von
vornherein ausgeschlossen, weil das Bundesamt dem Kläger eine Abschiebung
dorthin nicht angedroht hat und darüber hinaus in der Begründung seines Bescheides ausgeführt hat, dass diese wegen des totalitären Regimes in Nordkorea und der zurzeit dort herrschenden Hungersnot nicht in Betracht komme.
Grundsätzlich darf sich in einem Asylverfahren weder das Bundesamt noch ein
Gericht der Prüfung entziehen, ob ausländerrechtliche Abschiebungsverbote
nach § 60 Abs. 2 bis 7 AufenthG vorliegen. Dass das Bundesamt regelmäßig
von Amts wegen zu entsprechenden Feststellungen berechtigt und verpflichtet
ist, ergibt sich insbesondere aus § 31 Abs. 3 i.V.m. § 24 Abs. 2 AsylVfG. In § 31
Abs. 3 Satz 2 und Abs. 5 AsylVfG ist im Einzelnen geregelt, in welchen Fällen
ausnahmsweise von der Feststellung abgesehen werden kann. Auch in Fällen,
in denen wenig oder keine Aussicht besteht, den Ausländer in absehbarer Zeit
abschieben zu können, ist das Bundesamt ermächtigt und regelmäßig gehalten,
eine Feststellung zu § 60 Abs. 2 bis 7 AufenthG zu treffen und dem
Asylsuchenden damit die gerichtliche Überprüfung einer derartigen Feststellung
zu eröffnen. Dieser Feststellung kommt nach dem Inkrafttreten des Aufenthaltsgesetzes am 1. Januar 2005 insofern noch verstärkte Bedeutung zu, als
nach der seitdem geltenden Regelung des § 25 Abs. 3 Satz 1 AufenthG einem
Ausländer - vorbehaltlich der Ausschlussgründe nach Satz 2 - eine Aufenthaltserlaubnis (aus humanitären Gründen) erteilt werden soll, wenn die
Voraussetzungen für die Aussetzung der Abschiebung nach § 60 Abs. 2, 3, 5
oder 7 AufenthG vorliegen. Damit ist die Entscheidung des Bundesamts nicht
mehr nur für die Abschiebung des Ausländers, sondern nunmehr auch für seinen aufenthaltsrechtlichen Status von Bedeutung. Entsprechend zielt der Anspruch des Ausländers nicht mehr nur darauf, die gerichtliche Überprüfung der
Abschiebevoraussetzungen zu eröffnen, sondern zusätzlich darauf, die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis vorzubereiten. Der Gesetzgeber hat allerdings
nicht ausdrücklich geregelt, hinsichtlich welcher Staaten über das Vorliegen von
Abschiebungsverboten nach § 60 Abs. 7 AufenthG zu entscheiden ist. Der
Asylsuchende hat Anspruch auf die Feststellung eines derartigen Abschiebungsverbotes jedenfalls hinsichtlich der Staaten, für die das Bundesamt verpflichtet ist, eine solche Feststellung zu treffen, für die es eine ihm nachteilige
Feststellung bereits getroffen hat oder in die abgeschoben zu werden er aus
berechtigtem Anlass sonst befürchten muss (vgl. Urteil vom 4. Dezember 2001
- BVerwG 1 C 11.01 - BVerwGE 115, 267 <271 f.> = Buchholz 402.240 § 53
AuslG Nr. 52; vgl. auch Urteil vom 10. Juli 2003 - BVerwG 1 C 21.02 -
BVerwGE 118, 308 <311 f.> = Buchholz 402.240 § 50 AuslG Nr. 14).
12Im Falle des Klägers durfte das Bundesamt danach nicht von einer Feststellung
über das Vorliegen eines Abschiebungsverbots nach § 60 Abs. 7 Satz 1
AufenthG hinsichtlich Nordkoreas absehen. Denn nach den nicht mit Verfahrensrügen angegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts steht inzwischen fest, dass der Kläger aus Nordkorea stammt und die nordkoreanische
Staatsangehörigkeit besitzt. Hinsichtlich des Herkunftsstaats des Asylbewerbers ist das Bundesamt aber regelmäßig zur Prüfung und Feststellung eines
Abschiebungsverbots nach § 60 Abs. 7 AufenthG verpflichtet. Der Gesetzgeber
geht erkennbar davon aus, dass die Feststellung des Bundesamts sich in erster
Linie auf den Herkunftsstaat des Asylbewerbers beziehen soll, im Hinblick auf
den politische Verfolgung geltend gemacht wird und der sich bei Erfolglosigkeit
dieses Begehrens vorrangig als Zielstaat für eine Abschiebung anbietet. Dies
hat das Bundesverwaltungsgericht bereits mehrfach ausgeführt und näher begründet (vgl. etwa Urteil vom 4. Dezember 2001 - BVerwG 1 C 11.01 - a.a.O.).
Jedenfalls dann, wenn das Bundesamt - wie hier - auch keine Feststellung zu
§ 60 Abs. 7 AufenthG hinsichtlich eines anderen Staates getroffen hat, verdichtet sich die Verpflichtung auf das Herkunftsland. Korrespondierend mit der gesetzlichen Verpflichtung des Bundesamtes hat der Asylbewerber einen materiellrechtlichen Anspruch.
132. Der Senat kann allerdings davon absehen, das Verfahren zur Nachholung
der Feststellungen zu den Voraussetzungen des § 60 Abs. 7 Satz 1 hinsichtlich
Nordkoreas an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, weil das Berufungsurteil sich mit der Abweisung der Klage jedenfalls im Ergebnis als richtig erweist.
Denn unter den gegebenen Umständen hat der Kläger dennoch ausnahmsweise kein schutzwürdiges Interesse daran, seinen Anspruch auf Feststellung eines Abschiebungsverbots nach § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG in Bezug auf
Nordkorea gerichtlich durchzusetzen. Die begehrte Feststellung brächte ihm
nämlich keinerlei Vorteile. Eine Abschiebung nach Nordkorea hat der Kläger
nach den ausdrücklichen Ausführungen des Bundesamts im Ablehnungsbescheid nicht ernsthaft zu befürchten. Sein Vorbringen, eine Abschiebung nach
Nordkorea sei „nicht ausgeschlossen“, entbehrt jeglicher Grundlage. Auch hinsichtlich seines aufenthaltsrechtlichen Status würde eine (positive) Feststellung
seine Rechtsstellung nicht verbessern. Zwar würde er damit die (Regel-)Vor-
aussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis aus humanitären
Gründen nach § 25 Abs. 3 Satz 1 AufenthG erfüllen. Gemäß § 25 Abs. 3 Satz 2
AufenthG ist die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis jedoch ausgeschlossen,
wenn dem Ausländer die Ausreise in einen anderen Staat möglich und zumutbar ist. Nach den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts, die der
Kläger nicht mit Verfahrensrügen angegriffen hat und die den Senat deshalb
binden (§ 137 Abs. 2 VwGO), ist dem Kläger eine Ausreise nach Südkorea,
dessen Staatsangehörigkeit er ebenfalls besitzt, ohne Weiteres möglich und
zumutbar. Insofern hätte der Kläger mit der von ihm erstrebten Feststellung
nichts gewonnen. Der Senat betont in diesem Zusammenhang allerdings, dass
das Rechtsschutzinteresse im Hinblick auf § 25 Abs. 3 AufenthG im Wesentlichen nur deshalb zu verneinen ist, weil der Kläger eine doppelte Staatsangehörigkeit besitzt und ihm eine Ausreise in einen Staat seiner Staatsangehörigkeit
14Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO. Gerichtskosten werden gemäß § 83b AsylVfG nicht erhoben. Der Gegenstandswert ergibt sich aus
Ausländerrecht Asylrecht Fachpresse: ja
AufenthG § 25 Abs. 3, § 60 Abs. 7 AsylVfG § 31 Abs. 3
Urteil des 10. Senats vom 2. August 2007 - BVerwG 10 C 13.07 (bisher 1 C 17.06)
I. VG Sigmaringen vom 13.06.2005 - Az.: VG A 2 K 12479/02 - II. VGH Mannheim vom 09.01.2006 - Az.: VGH A 8 S 854/05 -

References: § 60
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 § 125
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