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Timestamp: 2019-08-20 20:24:58+00:00

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Die Außenhaftung in der GmbH | Hausarbeiten publizieren
Strukturen und Voraussetzungen
I. Inhaltsverzeichnis 1
2 Grundlagen einer GmbH
2.1 Strukturen einer GmbH
2.2 Grundlegende Haftungsverhältnisse der GmbH
3 Die Außenhaftung in der GmbH - Voraussetzungen und Strukturen
3.1 Begriffsklärung: Außenhaftung
3.2 Voraussetzungen für die Außenhaftung
3.3 Grundlegende Strukturen der Außenhaftung
3.4 Haftungsfreistellung und Versicherung
4.1 Rechtscheinhaftung
4.2 Produkthaftung
4.3 Nichtabführung von Steuern und Sozialabgaben
4.4 Insolvenzverschleppungshaftung
4.5 Verschulden bei Vertragsschluss
Abb. 1: Eigene Darstellung - Die 4 W's der Außenhaftung
Abb. 2: Kompetenzgefüge in der GmbH
Abb. 3: Eigene Darstellung - Vier-Stufiges Prüfschema für Haftungstatbestand
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der "Außenhaftung in der GmbH", wobei insbesondere die Voraussetzungen und Strukturen dieser Form der Haftung hervorgehoben werden sollen. Allgemein betrachtet ist die Haftungsthematik ein breitgefächertes und komplexes Thema, welches sich durch alle Rechtsformen der unternehmerischen Landschaft zieht. Ich fokussiere innerhalb dieser Ausarbeitung lediglich die Rechtsform der GmbH und die damit verbundene Besonderheit der "beschränkten Haftung". Eigentlich eine Rechtsform, welche die Komplexität der Haftungsthematik "beschränken" müsste. Bei einer Außenhaftung wird der Verantwortliche für sein Verschulden persönlich und unbeschränkt haftbar gemacht. Aus dem Begriff der "persönlichen unbeschränkten Haftung" und dem Begriff der "Gesellschaft mit beschränkten Haftung" ergeben sich keine kongruenten Charakteristika der GmbH. Vielmehr bildet sich dabei ein Widerspruch zum System einer Kapitalgesellschaft. Es wird durch den "Schutzmantel" der GmbH auf das Privatvermögen der Mitglieder einer Gesellschaft hineingegriffen, wobei entsprechende Haftungsgrundsätze der GmbH außer Kraft gesetzt werden. Die Thematik der Haftung in der GmbH reflektiert ein irreführendes, komplexes und vielschichtiges Thema. Eine Vielzahl von Risiken existieren im Innenverhältnis sowie auch im Außenverhältnis der Gesellschaft und bilden somit ein "Minenfeld" für den Geschäftsführer, welcher sämtliche Risiken zu vermeiden hat. Durch die Wahl einer Rechtsform mit beschränkter Haftung fühlt sich eine große Anzahl von Unternehmensgründern und Geschäftsführern auf der sicheren Seite, da hier anscheinend nur "beschränkt gehaftet" wird. Grundsätzlich entspricht diese Tatsache auch der Realität, doch sie schützt nicht vor einer Vielzahl von Haftungstatbeständen, die diesen Schutzmechanismus außer Kraft setzen und die "Schuldigen" unter Anvisierung des Privatvermögens zur Rechenschaft ziehen. Dies gilt für das Innenverhältnis sowie auch für das Außenverhältnis. So kann der Geschäftsführer gegenüber der Gesellschaft und auch gegenüber außenstehenden Dritten unbeschränkt und persönlich haftbar gemacht werden. Die einstige Sicherheit der Sphärentrennung einer GmbH verwandelt sich dann gegebenenfalls zu einer existenzbedrohenden Falle. Gerade die Unachtsamkeit, das Unwissen oder gar Vorsatz der Geschäftsführer haben in der Vergangenheit die Haftungsthematik in den Medien und der Öffentlichkeit stark verbreitet und es zu einem gesellschaftsrelevanten Thema werden lassen. Das Thema "Missmanagement" ist spätestens seit dem Arcandor-Fall für Jedermann ein Begriff. Aber auch die unzähligen anderen Fälle in Deutschland zeigen uns ganz deutlich, dass die "bedingungslose" beschränkte Haftung nur ein weit verbreitetes Vorurteil ist.
Die Zielsetzung dieser Arbeit umfasst eine detaillierte Darstellung der Außenhaftung in der GmbH. Dabei werde ich insbesondere auf die Rolle des Geschäftsführers eingehen, da dieser durch seine Geschäftsleitungsbefugnisse und Vertretungsmacht einer großen Bandbreite an Gefahren ausgesetzt ist. Das Thema der Arbeit lässt sich der allgemeinen Haftungsthematik einer GmbH zuordnen, wobei im späteren Verlauf meiner Ausarbeitung ein Fokus auf die Außenhaftung gelegt wird. Dieser Schwerpunkt wird wiederrum in diverse Aspekte aufgeteilt und erläutert. Dabei richtet sich mein Hauptaugenmerk auf die Voraussetzungen und die allgemeinen Strukturen dieser Haftungsform.
Am Schluss soll der Leser ein tiefergehendes Verständnis bezüglich der Außenhaftung in der GmbH erhalten. Die Haftung soll nicht als ein statisches System, sondern eher in einer differenzierten Art und Weise betrachtet werden (Innen- und Außenhaftung, Durchgriffshaftung). Die beschränkte Haftung einer GmbH ist lediglich unter idealen Voraussetzungen garantiert. Ich möchte das Verständnis für diesen Sachverhalt schärfen und den Leser auf die besonderen Ausnahmen und Risiken innerhalb der gesellschaftsrechtlichen Haftungsthematik aufmerksam machen. Die Irrtümer, dass die Organe der Gesellschaft unantastbar sind, sollen mit dieser Arbeit ausgeräumt und die Sensibilisierung für gefährliche Situationen gesteigert werden. Dabei konzentrieren wir uns lediglich auf das Außenverhältnis, d.h. auf die Außenhaftung der GmbH.
Zunächst einmal werde ich im Grundlagenteil das notwendige Fundament für das vorliegende Thema aufbauen. Dabei gehe ich insbesondere unter Punkt 2.1 auf die Strukturen der GmbH ein. Es sollen die grundlegenden Eigenschaften dieser spezifischen Gesellschaftsform geklärt und somit die Voraussetzung für das Verständnis bezüglich der nachfolgenden Punkte erleichtert werden. Die Organisation, das Kompetenzgefüge, die Stellung der Organe zueinander und entsprechende Gesetzesgrundlagen werden hierbei behandelt. Anschließend soll unter Punkt 2.2 das Thema der allgemeinen Haftungsverhältnisse in der GmbH geklärt werden. Dabei sollen zunächst die Grundlagen und Grundsätze der Haftung einer GmbH angesprochen und näher beschrieben werden. Diese Haftungssystematik wird durch besondere Haftungstatbestände durchbrochen. Also ist es von essentieller Bedeutung, mit diesem Segment der Haftung zu beginnen. Anschließend werde ich auf die Ausnahmen, welche die beschränkte Haftung aushebeln, näher eingehen. Dabei sind besonders die Innen - und Außenhaftung angesprochen. Ich werde beide Haftungsformen thematisch anschneiden und daraufhin die Außenhaftung von der Innenhaftung abgrenzen. Dies führt uns zugleich zum Hauptteil dieser Arbeit: Der Außenhaftung in der GmbH.
Nach einer kurzen Erläuterung bezüglich der Außenhaftung, werde ich meinen Schwerpunkt auf die Voraussetzungen für die persönliche Haftung des Geschäftsführers gegenüber Dritten und der Allgemeinheit verlagern. Dabei werde ich ein vierteiliges Prüfschema aufstellen und die einzelnen Aspekte näher erläutern und erweitern. Daraufhin gehe ich auf die grundlegenden Strukturen der Außenhaftung in der GmbH ein. Hierbei dienen uns die 4 W's als roter Faden durch den Punkt 3.3. Es werden folgende Fragen gestellt und beantwortet:
- Wer haftet? (Schädiger) / Wer sind die Kläger? (Geschädigte)
- Warum wird gehaftet? (Gründe)
- Welche Gesetzesgrundlagen dienen dabei? (Gesetze) · Wie wird gehaftet? (Verlauf/ Charakteristik)
Eine Zusammenfassung des Verlaufs der Untersuchung hinsichtlich der Struktur kann man anhand Abb. 1 ableiten.
[Abb. 1: Eigene Darstellung - Die 4 W's der Außenhaftung]
Abschließend für die Arbeit werde ich unter Punkt 4 einige signifikante Fallgruppen fokussieren und auf Voraussetzungen für die Außenhaftung und die Struktur untersuchen.
Dabei handelt es sich um die Rechtscheinhaftung, Produkthaftung, Insolvenzverschleppungshaftung, um die Haftung aus vorvertraglicher Schuld und die Nicht-Abführung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.
Die Abkürzung GmbH steht für "Gesellschaft mit beschränkter Haftung". Aus dem Begriff dieser Rechtsform, kann man schon folgende Eigenschaften ableiten: Zum einen handelt es sich dabei um eine Gesellschaft und zum anderen liegt eine beschränkte Haftung vor. Zunächst möchte ich auf den Begriff "Gesellschaft" eingehen: Dabei handelt es sich um einen Personenzusammenschluss von einer oder mehrerer Personen, privatrechtlicher Art, der durch einen Vertrag begründet ist und einem gemeinsamen Zweck dient. Der gemeinsame Zweck ist dabei ein entscheidender Aspekt des Gesellschaftsbegriffs. Die Gründung einer Gesellschaft erfolgt unter dem Vorhaben ein Unternehmen zu betreiben. Die Gesellschafter finden somit zweckmäßig zusammen, um gemeinsam einen Beruf auszuüben.
Die Gesellschaften lassen in einem wirtschaftlichen Kontext zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften unterscheiden.1 Die GmbH lässt sich den Kapitalgesellschaften zuordnen.2 Kapitalgesellschaften lassen sich wiederum den Körperschaften zuordnen. Dabei handelt es sich um Vereinigungen, bei welchen die Verwirklichung eines Zieles nicht an den Gründern oder sonstigen relevanten Personen gekoppelt ist. Die Verwirklichung besteht demnach unabhängig von den Mitgliedern der Kapitalgesellschaft. Diese können natürliche oder juristische Personen sein.3 Die Rechtsgrundlage der Gesellschaft mit beschränkten Haftung lässt sich im GmbHG wiederfinden.4 Ein weiteres bestimmendes Charakteristikum der GmbH ist die Tatsache, dass es sich dabei um eine juristische Person handelt.5 Diese entsprechende Eigenschaft konstituiert sich aus § 13 (1) GmbHG. Demnach erhält die GmbH folgende Eigenschaften: Sie kann Träger von Rechten und Pflichten sein, Eigentum erwerben und vor Gericht aktiv oder passiv legitimiert sein. Die GmbH hat also eine eigene Rechtspersönlichkeit, wobei sie im Handlungs- und Haftungsbereich eine Rechtsstellung wie eine natürliche Person einnimmt. Durch diese Tatsache kann sie im rechtlichen und wirtschaftlichen Verkehr selbstständig auftreten und Inhaber von eigenen Rechten sein sowie auch Vertragspartei werden.6
Auch die Haftung wird in § 13 (2) GmbHG geregelt: "Für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftet den Gläubigern derselben nur das Gesellschaftsvermögen". Dieser Satz begründet die beschränkte Haftung dieser Rechtsform.
Ein weiteres wichtiges und für diese Arbeit fundamentales Charakteristikum einer GmbH ist das sogenannte Stammkapital, welches gleichzeitig Eigenkapital und Haftungskapital darstellt. Dabei handelt es sich zudem um das zuvor erwähnte Gesellschaftsvermögen. Bei der Gründung einer GmbH verpflichten sich die Gesellschafter, eine bestimmte Summe an Eigenkapital aufzubringen (Kapitalaufbringung) und diese Summe auch fortwährend zu erhalten bzw. nicht zu unterschreiten (Kapitalerhaltung).7 Der Mindestumfang des Stammkapitals muss 25.000 Euro betragen. Dieses setzt sich aus den Stammeinlagen der Gesellschafter zusammen, welche mindestens 25% des Stammkapitals (100 Euro) betragen müssen.8 Dieser Sachverhalt ist in § 5 (1) GmbHG geregelt. Die Einlagepflicht wird in § 14 GmbHG geregelt und § 30 (1) legt grundsätzliches zur Kapitalerhaltung fest: "Das zur Erhaltung des Stammkapitals erforderliche Vermögen der Gesellschaft darf an die Gesellschafter nicht ausgezahlt werden." Demnach muss die Mindestsumme von 25.000 Euro Stammkapital jederzeit zur Verfügung stehen und unter Umständen als Haftungskapital fungieren. In Abschnitt 2.2 "Grundlegende Haftungsverhältnisse in der GmbH" werde ich noch einmal genauer auf dieses Charakteristikum der GmbH eingehen.
Schlussendlich möchte ich in diesem Abschnitt noch einmal auf die Organisation und das Kompetenzgefüge einer GmbH eingehen, da dieses für das Verständnis der Haftungsthematik maßgebend ist. Die GmbH besteht aus 3 Organen:
Die Gesellschafterversammlung, dem Geschäftsführer und dem Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat wird in besonderen Fällen gebildet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn eine bestimmte Branchenzugehörigkeit vorliegt oder eine bestimmte Größe des Unternehmens (Mitarbeiterzahl > 500) erreicht wird.9 Die Bildung des Aufsichtsrates kann jedoch auch auf freiwilliger Basis erfolgen, falls die zuvor erwähnten besonderen Fälle nicht eintreten.10 Der Aufsichtsrat wird in dieser Arbeit hinsichtlich der Haftungsthematik keine signifikante Rolle mehr spielen und kann deshalb vernachlässigt werden.
Die Gesellschafter können natürliche oder juristische Personen sein. Sie sind Gründer einer Gesellschaft, in unserem Fall der GmbH, können aber auch im Nachhinein der Gesellschaft beitreten. Sie stellen der Gesellschaft durch ihre Stammeinlagen das notwendige Kapital (Stammkapital) in einem Akt der Kapitalaufbringung.11 Die Gesellschafter bilden gemeinsam die Gesellschafterversammlung. Sie besitzen das Stimmrecht, Teilnahme- und Rederecht auf dieser Versammlung. Auch haben sie das Einsichts- und Auskunftsrecht bezüglich der Angelegenheiten der GmbH und das Weisungsrecht gegenüber dem Geschäftsführer. Weiterhin besitzen die Gesellschafter den Anspruch auf Gewinn.12 Die Rechte der Gesellschafter leiten sich aus dem Gesellschaftsvertrag und §§ 45 & 46 (1-8) GmbHG ab. Auf die Rechte des Gesellschafters folgen jedoch auch Pflichten wie z.B. die Pflicht auf Übernahme der Stammeinlage und diverse Treuepflichten, wozu auch das Wettbewerbsverbot gehört.13 Die Gesellschafterversammlung als Organ ist jedoch strikt von den Gesellschaftern abzugrenzen. Es handelt sich dabei um das oberste Willensbildungsorgan der GmbH, welches in allen Angelegenheiten die Entscheidungsmacht besitzt. Die Versammlung bestellt, kontrolliert und beruft bei Bedarf den Geschäftsführer ab. Zudem besitzt die Gesellschafterversammlung diverse Weisungsbefugnisse hinsichtlich des Geschäftsführers.14 Die Einberufung erfolgt durch den Geschäftsführer (§ 49 GmbHG) oder in gewissen Fällen auch durch den Willen der Gesellschafter (§ 50 GmbHG). Die Beschlussfassung ist der Effekt, welcher aus dem Prozess der Willensbildung der Gesellschafter innerhalb der Gesellschafterversammlung erfolgt.15 Dieses Kompetenzgefüge wird aus Abb. 2 ersichtlich.
[Abb. 2: Kompetenzgefüge in der GmbH]16
Schließlich möchte ich auf die Position bzw. auf das Organ des Geschäftsführers eingehen, wobei diese eine Schlüsselrolle für die vorliegende Arbeit innehält. Die Notwendigkeit eines oder mehrerer Geschäftsführer in der GmbH wird von § 6 (1) vorgeschrieben. Zudem bestimmt § 6 (2) GmbHG, dass es sich dabei um eine natürliche und unbeschränkt geschäftsfähige Person handeln muss.
Die GmbH als eine juristische Person ist ohne den Geschäftsführer nicht handlungsfähig. Dies gilt sowohl für den rechtlichen als auch für den wirtschaftlichen Verkehr. Der Geschäftsführer tritt in seiner Aufgabe als Vertretungsorgan nach außen hin auf. Die Vertretungsbefugnis geht aus § 35 (1) GmbHG hervor. Das Vertretungsorgan kann von einem gesellschaftsfremden Dritten oder von einem Gesellschafter besetzt werden. In beiden Fällen ist ein Anstellungsvertrag zwingend notwendig, denn allein die Gesellschafterstellung führt nicht automatisch zu einer Berechtigung der Geschäftsführung.17 Das Anstellungsverhältnis spiegelt die Position des Leistungs- und Vertretungsorgans zu der Gesellschaft wieder. Hieraus lässt sich die persönliche Rechtsbeziehung des Geschäftsführers gegenüber der GmbH ableiten. Die organschaftliche Vertretungsmacht konstituiert sich aus § 35 (1) GmbHG, was den Geschäftsführer erst nach außen agieren lässt. Die Vertretungsmacht ist für das Außenverhältnis nicht beschränkt und kann auch nicht eingeschränkt werden.18 Hier gilt aber besondere Vorsicht, da sich der Geschäftsführer bei Verschulden schadensersatzpflichtig machen kann, wenn er nach außen hin wirksam, im Innenverhältnis jedoch gegen die Weisungen und Bestimmungen der Gesellschafterversammlung agiert. Der Wille und das Interesse der Gesellschafter bilden also die Grenzen für das scheinbar "autonome Handeln" des Geschäftsführers.19 Die Berechtigung und Verpflichtung, die GmbH zu vertreten und die Geschäfte zu führen, führt unmittelbar zu weiteren Pflichten, welche sich direkt aus der Organstellung und dem Anstellungsvertrag ergeben. Der Geschäftsführer muss unter anderem den Gesellschaftszweck aktiv verfolgen, wirtschaftliche Chancen nutzen, Risiken vermeiden, der Treuepflicht nachkommen und die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns verfolgen. Zudem muss er die Insolvenzantragspflicht rechtzeitig beachten (§ 64 GmbHG). Verstoße gegen die Pflichten eines Geschäftsführers führen zu einer, für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, ungewöhnlichen Problematik: Der Haftung im Innen- und Außenverhältnis bzw. der Innen- und Außenhaftung.20
2.2 Grundlegende Haftungsverhältnisse in der GmbH
Bevor wir auf die Außenhaftung und der damit zusammenhängenden Aspekte wie Voraussetzungen und Struktur eingehen können, müssen im Vorfeld gesellschaftsrechtliche Grundlagen im Hinblick auf die Haftung einer GmbH klären. In diesem Abschnitt werde ich also detailliert auf das Thema "Haftung" in der GmbH eingehen. Auf dieser Thematik baut sich der Rest der Arbeit auf, wobei aber ein Schwerpunkt auf die Außenhaftung gelegt wird.
Aus dem Begriff "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" lässt sich die Besonderheit und gleichzeitig der Vorzug einer GmbH herleiten: Die auf das Gesellschaftsvermögen beschränkte Haftung. Damit unterscheidet sich die Haftung bei der GmbH (Kapitalgesellschaft) zu den jeweiligen Formen der Personengesellschaften, welche der persönlichen unbeschränkten Haftung unterliegen.21 Dieser Sachverhalt ist auf die Ausgestaltung der GmbH als juristische Person gem. § 13 (1-2) GmbHG zurückzuführen, was zu einer Haftungstrennung und der entsprechenden Beschränkung des Haftungsumfangs von 25.000 Euro führt.22 Vereinfacht gesagt: Die Gläubiger können sich prinzipiell nur aus dem Vermögen der juristischen Person befriedigen, nicht aber aus dem Privatvermögen der Mitglieder der Gesellschaft.23
Die beschränkte Haftung ist eine Folge der strengen Kapitalaufbringungs- und - erhaltungsvorschriften, die sich aus §§ 14 und 30 GmbHG ergeben. Jegliche Verbindlichkeiten, welche auf rechtsgeschäftlicher Basis oder gesetzlicher Schuldgrund beruhen, müssen stets durch den entsprechenden Haftungsfond abgedeckt werden. Die Existenz des Haftungsfonds bzw. des Stammkapitals rechtfertigt überhaupt die Existenz der beschränkten Haftung einer GmbH. Dem zufolge sind Gesellschafter und Geschäftsführer grundsätzlich von der Haftung befreit.24 Unter den Grundsätzen der Haftung wird besonders das Trennungsprinzip für diesen Sachverhalt hervorgehoben. Dabei handelt es sich um die Trennung der Sphären der Gesellschaft selbst und der Mitglieder der Gesellschaft.25
Es findet also eine Unterscheidung zwischen dem Gesellschaftsvermögen und dem Privatvermögen statt, wodurch die persönliche unbeschränkte Haftung der Gesellschafter und Geschäftsführer mit deren Privatvermögen ausgeschlossen wird.26 Um dieses Prinzip deutlich zu machen, kann man als Beispiel den Trennungsgrundsatz der Sphären aus einem steuerrechtlichen Blickwinkel betrachten, wobei die Gesellschafter nicht für die Steuerverbindlichkeiten der GmbH haften, sondern einzig für ihre persönlichen Steuerschulden. Dasselbe Prinzip gilt auch für den Rückstand der Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen. In beiden Fällen kann aber unter bestimmten Bedingungen der Geschäftsführer durch eine Haftungserweiterung zur Verantwortung gezogen zu werden.27 Diese und diverse andere Tatbestände wären unter die Außenhaftung zu verbuchen, auf welche ich mich im Nachhinein konzentrieren werde.
Der Begriff "Haftung" impliziert das Rechtsverhältnis zwischen einem Geschädigten und dem Schädiger und konstituiert das Fundament für einen Schadensersatz. Rechtsgrundlagen finden sich im Zivilrecht, Strafrecht sowie auch in sonstigen spezifischen Gesetzen (z.B. GmbHG) wieder.28 Eine Haftung setzt grundsätzlich ein Verschulden voraus, wobei es sich um ein zurechenbares und rechtwidriges Verhalten handelt, durch welchen ein Schaden entstanden ist. Das Verhalten kann entweder auf Grundlage von Vorsatz oder Fahrlässigkeit erfolgen. Die Verantwortlichkeit des Schuldners bzw. des Schädigers bezüglich des Vorsatzes und der Fahrlässigkeit wird in § 276 (2-3) BGB geregelt: "Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt." und "Die Haftung wegen Vorsatzes kann dem Schuldner nicht im Voraus erlassen werden."
Die Art, der Inhalt und der Umfang der Schadensersatzleistung sind im BGB geregelt. Dabei handelt es sich um § 249 BGB, welcher auf alle Schadensersatzansprüche angewendet werden kann. Eine Schadensersatzleistung soll nach § 249 BGB alle entstandenen Nachteile ausgleichen. Es besteht nach deutschem Recht kein strafender Charakter, wobei auch die Größe des Verschuldens nicht maßgebend für die Höhe der Schadensersatzforderung ist.29
1 Vgl. Blaesse, Dietrich (Hrsg.) (Herne/Berlin, 2003): Gesellschaftsrecht S. 23 & S. 26
2 Vgl. BWL24.Net: Was ist eine GmbH? URL: http://www.bwl24.net/blog/2009/09/27/was-ist-eine-gmbh/ Zugriff: 26.06.2011
3 Vgl. Hirte, Heribert (Hrsg.) (Hamburg, 2003): Kapitalgesellschaftsrecht S. 1 - S. 2
4 Vgl. Meier, Harald (Hrsg.) (Herne, 2010): Unternehmensführung S. 192
5 Vgl. Thommen, Jean-Paul/ Achleitner, Ann-Kristin (Hrsg.) (Wiesbaden, 2006): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre S. 75
6 Vgl. Blaesse, Dietrich (Hrsg.) (Herne/Berlin, 2003): Gesellschaftsrecht S. 25 7
7 Vgl. Hirte, Heribert (Hrsg.) (Hamburg, 2003): Kapitalgesellschaftsrecht S. 1
8 Vgl. Meier, Harald (Hrsg.) (Herne, 2010): Unternehmensführung S. 192
9 Vgl. Thommen, Jean-Paul/ Achleitner, Ann-Kristin (Hrsg.) (Wiesbaden, 2006): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre S. 75 & S. 79 - S. 80
10 Vgl. Jula, Rocco (Hrsg.) (Heidelberg, 2000): Der GmbH-Gesellschafter S. 6 8
11 Vgl. Wirtschaftslexikon24: Gesellschafter URL: http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/gesellschafter/gesellschafter.htm Zugriff: 27.06.2011
12 Vgl. Jula, Rocco (Hrsg.) (Heidelberg, 2000): Der GmbH-Gesellschafter S. 3
13 Vgl. Blaesse, Dietrich (Hrsg.) (Herne/Berlin, 2003): Gesellschaftsrecht S. 189 - S. 191
14 Vgl. Jula, Rocco (Hrsg.) (Heidelberg, 2000): Der GmbH-Gesellschafter S. 2 - S. 3
15 Vgl. Goette, Wulf (Hrsg.) (München,2002): Die GmbH S. 206 - S. 207 & S. 213
16 Vgl. Jula, Rocco (Hrsg.) (Heidelberg, 2000): Der GmbH-Gesellschafter S. 3 9
17 Vgl. Blaesse, Dietrich (Hrsg.) (Herne/Berlin, 2003): Gesellschaftsrecht S. 153 & S. 170
18 Vgl. Goette, Wulf (Hrsg.) (München,2002): Die GmbH S. 258 & S. 236
19 Vgl. Blaesse, Dietrich (Hrsg.) (Herne/Berlin, 2003): Gesellschaftsrecht S. 172 - S. 173 & S. 175
20 Vgl. Hirte, Heribert (Hrsg.) (Hamburg, 2003): Kapitalgesellschaftsrecht S. 76 - S. 79 & S. 84 10
21 Vgl. Thommen, Jean-Paul/ Achleitner, Ann-Kristin (Hrsg.) (Wiesbaden, 2006): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre S. 71
22 Vgl. Blaesse, Dietrich (Hrsg.) (Herne/Berlin, 2003): Gesellschaftsrecht S. 148 - S. 149
23 Vgl. Jula, Rocco (Hrsg.) (Heidelberg, 2000): Der GmbH-Gesellschafter S. 4
24 Vgl. Grünwald, Michael (Hrsg.) (Baden-Baden, 1999):
Die deliktische Außenhaftung des GmbH-Geschäftsführers für Organisationsdefizite S. 29
25 Vgl. Hirte, Heribert (Hrsg.) (Hamburg, 2003): Kapitalgesellschaftsrecht S. 3 11
26 Vgl. Grünwald, Michael (Hrsg.) (Baden-Baden, 1999):
27 Vgl. Jula, Rocco (Hrsg.) (Heidelberg, 2000): Der GmbH-Gesellschafter S. 4
28 Vgl. Top Tarif: Was ist Haftung? URL: http://www.toptarif.de/kfz-versicherung/kfz-lexikon/haftung Zugriff: 27.06.2011
29 Vgl. Schiffer, Jan/ Rödl, Christian/ Rott, Eberhard (Hrsg.) (Herne/Berlin, 2004): Haftungsgefahren im Unternehmen S. 8 & S. 12
V192139
9783656170976
9783656171188
GmbH Haftung Außenhaftung Betriebswirtschaft Geschäftsführer D&O-Versicherung Kapitalerhaltung Produkthaftung Rechtscheinhaftung Insolvenzverschleppungshaftung
Bartosz Mazur (Autor), 2011, Die Außenhaftung in der GmbH, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192139
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References: § 13
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 § 5
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 § 30
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 § 35
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 § 13
 § 276
 § 249
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