Source: http://nh-legal.de/koerperverletzungsdelikte/
Timestamp: 2020-05-28 00:07:26+00:00

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Körperverletzungsdelikte | NH Legal
Zu den Körperverletzungsdelikten zählen die Straftatbestände, die die Verletzung eines Menschen voraussetzen. Sie gehören zu den mit am häufigsten begangenen Straftaten in Deutschland. Geschütztes Rechtsgut der Körperverletzungsdelikte ist die körperliche Unversehrtheit und die Gesundheit des Menschen. Die Selbstverletzung ist jedoch straflos.
Den Grundtatbestand bildet die sogenannte „einfache Körperverletzung“ gem. § 223 StGB. Hiernach muss eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit geschädigt worden sein. Eine körperliche Misshandlung liegt bei jeder üblen und unangemessenen Behandlung vor, durch die das Opfer in seinem Wohlbefinden oder seiner körperlichen Unversehrtheit nicht unerheblich beeinträchtigt wird. Davon sind sämtliche Einwirkungen erfasst, die Schäden (z.B. Prellungen, Zerrungen, offene Wunden) oder Einbußen (z.B. Verlust von Zähnen) am Körper des Opfers verursachen.
Eine Gesundheitsschädigung setzt voraus, dass der Täter beim Opfer einen krankhaften Zustand zumindest vorrübergehend hervorruft oder steigert. Darunter fällt jede Form einer Erkrankung (z.B. Vergiftung, Infektion, Ansteckung) oder einer Verletzung. Ein Schmerzempfinden beim Opfer ist jedoch nicht erforderlich.
Diese Verletzungshandlungen muss der Täter bewusst und gewollt und somit vorsätzlich begangen haben. Sollte dies nicht der Fall sein, würde man eine fahrlässige Körperverletzung in Betracht ziehen.
Ob für die Körperverletzung ein Rechtfertigungsgrund i.S.e. Einwilligung nach § 228 StGB oder eine Notwehrsituation nach § 32 ff. StGB vorlag, kann ein Strafverteidiger abschätzen.
Die „einfache Körperverletzung“ wird nur aufgrund eines Strafantrages oder aufgrund des besonderen öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung, verfolgt. Nach § 223 Abs. 2 StGB steht auch der Versuch der Körperverletzung unter Strafe.
Die „gefährliche Körperverletzung“ nach § 224 StGB zählt in Abs. 1 Nr. 1-5 besondere Begehungsweisen mit erhöhter Gefährlichkeit abschließend auf. Der Unterschied zur einfachen Körperverletzung liegt darin, dass der Täter die Körperverletzung durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen (Nr. 1), mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs (Nr. 2), mittels eines hinterlistigen Überfalls (Nr. 3), mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich (Nr. 4) oder mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung (Nr. 5) begeht.
Besonderes Augenmerk ist jedoch auf die Tatbegehung mittels eines anderen gefährlichen Werkzeugs zu legen. Als gefährliches Werkzeug kommt grundsätzlich jeder Gegenstand in Betracht, der nach objektiver Beschaffenheit und maßgeblich nach Art der Verwendung im konkreten Einzelfall dazu geeignet ist, erhebliche Verletzungen bei dem Opfer zu verursachen. So kann der an sich harmlos wirkende Bleistift oder Kugelschreiben, dann zum tauglichen Tatmittel werden, wenn damit auf das Opfer eingestochen wird.
Die gefährliche Körperverletzung ist mit Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und bis zu zehn Jahren bedroht.
Neben der Verwirklichung der Körperverletzung, erfordert die schwere Körperverletzung den Eintritt und kausale Verursachung einer der in § 226 Abs. 1 Nr. 1-3 StGB genannten besonders schweren Folgen.
Als schwere Folge der Körperverletzung ist u.a. der Verlust des Sehvermögens auf einem Auge oder beiden Augen, das Gehör, das Sprechvermögen oder die Fortpflanzungsfähigkeit (Nr. 1), den Verlust eines wichtigen Gliedes des Körpers oder der dauernden Gebrauchsunfähigkeit (Nr. 2) oder eine dauernde Entstellung in erheblicher Weise oder der Verfall in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit oder Behinderung (Nr. 3), zu qualifizieren.
Bei diesem Delikt handelt es sich um ein Verbrechen, da das Gesetz im Mindestmaß eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr oder darüber vorsieht. Sollte einer der vorbezeichneten Folgen absichtlich / wissentlich verursacht worden sein, so ist die Strafe nicht unter drei Jahren.
Durch eine Körperverletzungshandlung, kann als schwere Folge der Tot eines Menschen eintreten, § 227 StGB. Hier stellt sich meist die Frage, ob der Täter die Möglichkeit des Todes hätte voraussehen können. Entscheidend ist, ob der Geschehensablauf zwischen Körperverletzung und der schweren Folge nicht außerhalb jeder Lebenserfahrung liegt und sich nicht nur als Verkettung außergewöhnlicher Umstände zeigt.
Hier spielt das Wissen und Wollen des Täter eine besondere Rolle. Mord und Totschlag liegen bei diesem Delikt nicht weit entfernt.
Die fahrlässige Körperverletzung, 229 StGB kann in den verschiedensten Lebenssituationen vorkommen. Hier ist lediglich der Eintritt einer Körperverletzung erforderlich. Auf die Schwere der Verletzungen kommt es nicht an.
Wie der Name es schon sagt, handelt es sich hierbei um eine fahrlässige Begehungsweise. Somit muss die Handlung, objektiv gegen eine Sorgfaltspflicht verstoßen, die gerade dem Schutz des beeinträchtigten Rechtsgut dient und dieser Pflichtverstoß eine Rechtsgutverletzung zur Folge hat, die der Handelnde nach seinen Kenntnissen und Fähigkeiten vorhersehen und vermeiden konnte.

References: § 223
 § 228
 § 32
 § 223
 § 224
 § 226
 § 227