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Timestamp: 2017-01-20 19:57:03+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: EuGH, Urteil vom 22.11.2005, C–144/04 (Mangold)
EuGH, Ur­teil vom 22.11.2005, C–144/04 (Man­gold)
15.12.2005. Die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Be­schäf­ti­gung und Be­ruf ver­bie­tet (im Un­ter­schied zu den bis­he­ri­gen An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­ni­en der EU) erst­mals auch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von Ar­beit­neh­mern we­gen ih­res Al­ters. Da be­ste­hen­de ar­beits­recht­li­che Ge­set­ze und Ta­rif­ver­trä­ge aber in vie­len De­tail­re­ge­lun­gen an das Le­bens­al­ter von Ar­beit­neh­mern an­knüp­fen (z.B. bei Kün­di­gungs­fris­ten, bei Un­künd­bar­keits­vor­schrif­ten, bei der Hö­he von So­zi­al­plan­leis­tun­gen, bei der vom (Dienst-)Al­ter ab­hän­gi­gen Hö­her­grup­pie­rung usw.), ent­hält die Richt­li­nie 2000/78/EG ei­ne gan­ze Rei­he von Aus­nah­men, d.h. sie er­laubt aus­drück­lich Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters in ei­ner Rei­he von Aus­nah­me­fäl­len.
Ist die Herausnahme von älteren Arbeitnehmern aus der gesetzlichen Befristungskontrolle altersdiskriminierend?
Ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters ist un­ter an­de­rem zulässig (und ist dann kei­ne ver­bo­te­ne „Dis­kri­mi­nie­rung“), wenn sie zur Er­rei­chung ei­nes „le­gi­ti­men Zie­les“ not­wen­dig sind. Art.6 Abs.1 der Richt­li­nie 2000/78/EG lau­tet:
Un­ge­ach­tet die­ser aus der Richt­li­nie seit ih­rem Er­laß am 27.11.2000 bis spätes­tens zum 02.12.2006 zu be­werk­stel­li­gen­den Um­set­zung er­wei­ter­te der deut­sche Ge­setz­ge­ber durch das „Ers­te Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt“, vom 23.12.2002, die Möglich­keit ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit älte­ren Ar­beit­neh­mern, und zwar durch ei­ne am 01.01.2003 in Kraft tre­ten­de und „pro­be­hal­ber“ bis zum 31.12.2006 gel­ten­de Ergänzung von § 14 Abs.3 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG). Nach die­ser Fas­sung des Tz­B­fG galt, daß die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges kei­nes sach­li­chen Grun­des be­durf­te, wenn der Ar­beit­neh­mer bei Be­ginn des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses das 52. Le­bens­jahr voll­endet hat­te und zu ei­nem vor­her­ge­hen­den un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber kein en­ger sach­li­cher Zu­sam­men­hang be­stand (§ 14 Abs.3 Satz 1, 4 Tz­B­fG). Der mitt­ler­wei­le wie­der geänder­te Wort­laut des § 14 Abs.3 Tz­B­fG in der vom 01.01.2003 bis zum 31.12.2006 gel­ten­den Fas­sung des Ge­set­zes lau­te­te:
Der Streitfall: Gewerkschaftsnahe Juristen legen dem Arbeitsgericht einen nach der 52er-Regelung befristeten Arbeitsvertrag vor
EuGH: Die 52er-Regelung verstößt gegen das europarechtliche Verbot der Altersdiskriminierung
2.) Ein zwei­tes Ar­gu­ment setzt sich mit dem o.g. Pro­blem aus­ein­an­der, daß Deutsch­land mit der Um­set­zung der 2000/78/EG bis zum 02.12.2006 Zeit hat­te, so daß zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung des EuGH (22.11.2005) die Um­set­zungs­frist noch nicht ab­ge­lau­fen war. In die­sem Zu­sam­men­hang ver­weist der EuGH ein­mal dar­auf, daß er be­reits in der Ver­gan­gen­heit ent­schie­den ha­be, daß zur Um­set­zung ei­ner Richt­li­nie ver­pflich­te­te Mit­glied­staa­ten während der Um­set­zungs­frist kei­ne Vor­schrif­ten er­las­sen dürfen, die ge­eig­net sind, die Er­rei­chung des in die­ser Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Zie­les ernst­lich in Fra­ge zu stel­len. Ei­ne sol­che Eig­nung von § 14 Abs.3 Satz 1, 4 Tz­B­fG wird im vor­lie­gen­den Fall be­jaht.
Hier­zu heißt es in der Ent­schei­dung (Rn.74), es sei „zu be­ach­ten, dass der Grund­satz der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf nicht in der Richt­li­nie 2000/78 selbst ver­an­kert ist. Nach ih­rem Ar­ti­kel 1 be­zweckt die­se Richt­li­nie nämlich le­dig­lich >die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung<, wo­bei das grundsätz­li­che Ver­bot die­ser For­men der Dis­kri­mi­nie­rung, wie sich aus der ers­ten und der vier­ten Be­gründungs­erwägung der Richt­li­nie er­gibt, sei­nen Ur­sprung in ver­schie­de­nen völker­recht­li­chen Verträgen und den ge­mein­sa­men Ver­fas­sungs­tra­di­tio­nen der Mit­glied­staa­ten hat.“

References: Art.6
 § 14
 § 14
 EuGH 
 EuGH 
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