Source: https://issuu.com/unternehmen/docs/unternehmen_2011-01
Timestamp: 2019-03-24 12:11:40+00:00

Document:
[unternehmen!] by Unternehmerverbandsgruppe e.V. - Issuu
Konjunktur	Seite 11
Von Fingernägeln und Perücken
Gute Geschäfte, knappe Fachkräfte
Was ein Unternehmen den Mitarbeitern vorschreiben darf
Qualifizierung ist eines der zentralen Themen 2011 Nr. 1_2011 | Jahrgang 11 | Zeitung des Unternehmerverbandes
ährend ich dies schreibe, stehe ich noch unter dem Eindruck der Ereignisse in Japan: die Gewalt einer unberechenbaren Natur und der tragische Triumph des Faktischen über das, was wir uns als das technisch Mögliche ausgedacht haben. Ich will nicht über die Sicherheit der Kernkraft in Deutschland spekulieren. Als Unternehmer weiß ich aber um die stets vorhandenen, wenn auch um Größenordnungen unterschiedlichen Risiken einer jeglichen industriellen Installation. Aber wir erlebten gerade eine Informationspolitik, die sehr zögerlich und lange verharmlosend war. Japans Ministerpräsident wurde – als bereits zwei Reaktorgebäude in Trümmern lagen – mit der Botschaft vor die Kameras geschickt, die Lage sei unter Kontrolle. Kein Wunder, dass er am nächsten Tag empört ins Hauptquartier des Betreibers stürmte und lautstark Rechenschaft vom Management verlangte. Auch wenn Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt nun meint, er habe Verständnis für eine zurückhaltende Informationspolitik, denn man „müsse nicht alles sagen, was man weiß“: Wir leben im Zeitalter von Internet, Twitter und Facebook. Was verschwiegen wird, kommt über kurz oder lang meist doch ans Licht. Das Informationsbedürfnis der Gesellschaft kann man letztlich nur mit sachlichen Informationen befriedigen. Für Politiker und Unternehmer gilt das Gleiche: Für sie ist Genauigkeit, Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit Pflicht. Und zwar nicht erst in der Krise, sondern schon im Vorfeld, wenn Risiko und Nutzen auch öffentlich abgewogen werden. Als ich mit Kolleginnen und Kollegen die Initiative „Zukunft durch Industrie“ gründete, war uns dies ein zentrales Anliegen. Natürlich wünschen wir uns mehr Akzeptanz in der Bevölkerung für die Industrieunternehmen als Grundlage unseres Wohlstandes. Aber wir sind uns sehr bewusst, dass Fehler in der Kommunikation – etwa in der Frage, ob Gefahren von Industrieprozessen ausgehen – nicht im Nachhinein geheilt werden können. Deshalb haben Sie mein Wort: Wir stehen für den offenen Dialog. Fortschritt lässt sich auf Dauer nur sichern, wenn Sie Ja dazu sagen. Michael J. Walter Vorstandsvorsitzender Unternehmer­verbandsgruppe
Diplomatie, Recycling und Erschließung neuer Vorkommen sollen Rohstoffe sichern Interviews mit den Experten Professor Hans-Joachim Kümpel und Michael Theurer
ie EU-Kommission hat ein Strategiepapier vorgelegt, das die hohe Abhängigkeit der Industrie in der Gemeinschaft von Rohstoff-Importen vermindern soll. Brüssel setzt dabei auf drei Säulen: Neben einer forcierten Förderung in der EU selbst gehört dazu die „Rohstoffdiplomatie“ sowie verstärktes Recycling. Vor allem afrikanische Entwicklungsländer sollen beim Abbau von Rohstoffen Hilfe bekommen. Dem Beispiel vor allem der USA und Chinas folgend will sich Europa per Handelsabkommen Zugang zu wichtigen Vorkommen sichern. 14 Rohstoffe werden als „kritisch“ eingestuft: Antimon, Beryllium, Kobalt, Flussspat, Gallium, Germanium, Graphit, Indium, Magnesium, Niob, Metalle der Platingruppe, seltene Erden, Tantal und Wolfram. Prognosen zufolge wird sich bis zum Jahr 2030 die Nachfrage nach einigen dieser Rohstoffe mehr als verdreifachen. Die wichtigsten neuen Technologien, welche die Nachfrage in die Höhe treiben, sind bei Antimon Kondensatoren, bei Kobalt die Lithium-Ionen-Batterien und synthetische Treibstoffe, bei Gallium Dünnschichtphotovoltaikmodule, integrierte Schaltkreise und weiße Leuchtdioden, bei Indium Bildschirme und Dünnschichtphotovoltaikmodule, bei Platin Brenn-
Dass auf den Weltmärkten immer weniger Anbieter die Preise und die Produktions- und AusSachsen steckt Indium – noch fuhrquoten bestimmen, hat nicht lohnt sich der Abbau nicht allein mit den Vorkommen zu tun. (Foto: dpa) Oft genug geht es um die Wirtschaftlichkeit der Förderung: In Niedriglohnländern lassen sich (noch) Rohstoffe zu Konditionen gewinnen, denen gegenüber Lagerstätten in Hochlohnländern nicht konkurrenzfähig ausgebeutet werden können. Das Ergebnis ist oft Konzen­tration: Bei Eisenerz etwa kontrollieren drei Anbieter 70 Prozent des internationalen Handels und setzen drastische Preisforderungen durch. Darüber hinaus sind viele Rohstoff-Lagerstätten in wenigen Ländern konzentriert – und das nicht immer in den politisch stabilsten: In Zentralafrika etwa heizt das Metall Tantal – es wird in Kondensatoren verwendet – bekanntlich Bürgerkriege an. Das für die Herstellung von Bildschirmen unentbehrliche Indium wird vor allem aus Zinkerz stoffzellen und Katalysatoren, bei seit Jahren große Gefahren in der der Welt sehr aktiv. Es geht hierbei gewonnen, wobei China der größPalladium Katalysatoren und von einer wachsenden Zahl von also um staatliche Interventionen, te Produzent mit fast 60 Prozent Meerwasserentsalzung, bei Niob Ländern betriebenen Rohstoffsi- die das Funktionieren der Roh- ist. Niob findet sich fast ausschließMikrokondensatoren und Eisenle- cherungspolitik: Industrienationen stoffmärkte beeinträchtigen und lich in Brasilien, Chrom in Kasachsgierungen, bei Neodym Dauerma- und Schwellenländer kaufen sys- den Wettbewerb verzerren. Die tan. Der Rohstoffhunger der Indusgnete und Lasertechnologie und tematisch Lagerstätten in anderen EU-Strategie könnte man auch als trienationen und Schwellenländern bei Tantal Mikrokondensatoren Ländern auf, um ihre künftige Ver- Eingeständnis verstehen, dass der führt dazu, dass einige Metalle seit sorgung abzusichern. Besonders freie Wettbewerb versagt und nun der Jahrtausendwende Preissteigeund Medizintechnik. Der Bundesverband der Deut- China ist auf dem afrikanischen besagte „Rohstoffdiplomatie“ verschen Industrie (BDI) sieht bereits Kontinent und in anderen Teilen stärkt zum Zuge kommt. Fortsetzung Seite 2 In diesem Mineralklumpen aus
Lange Nacht der Industrie Am 20. Oktober öffnen Betriebe ihre Werkstore
as spannende Innenleben moderner Industrie bleibt vielen Bürgerinnen und Bürgern verborgen. Dabei geht unser Wohlstand mit einer nachhaltigen industriellen Entwicklung einher und hängt von der Akzeptanz in der Bevölkerung ab. Daher wollen Unternehmen ihre Werkstore öffnen und mit der Bevölkerung auf Tuchfühlung gehen, um in einer „Langen Nacht der Industrie“ am 20. Oktober 2011 von 18 bis 22.30 Uhr industrielle Fertigung begreifbar zu machen. An diesem Abend fahren von vielen Sammelpunkten der gesamten
Region an Rhein und Ruhr Busse jeweils zwei Unternehmen an. Dort können die Teilnehmer einen Blick hinter die Kulissen werfen – bei Werksführungen, Vorträgen und Gesprächen mit Unternehmensvertretern. Die „Lange Nacht der Industrie“ ist von der Gesellschaftsinitiative „Zukunft durch Industrie e. V.“ initiiert, in der sich Unternehmen, Organisationen, Verbände und Privatpersonen zusammengeschlossen haben – eines der Gründungsmitglieder ist die Unternehmerverbandsgruppe. Die Initiative versteht sich als Dialogplattform
für die Zukunft der Industriegesellschaft. Unterstützt wird die „Lange Nacht der Industrie“ von den IHKs Düsseldorf, Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg, Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, Mittlerer Niederrhein und Wuppertal-Solingen-Remscheid sowie den Unternehmerverbänden. Interessierte Unternehmen können sich beim Unternehmerverband bzw. den jeweiligen IHKs über Einzelheiten informieren. Für die Öffentlichkeit wird – wenn der Veranstaltungsplan steht – eine eigene Webseite eingerichtet.
Nie langweilig: Ein Blick hinter die Kulissen der Industrie
Gut geknetet
Exakt gerechnet
Beschichten, Drucken, Lackieren, Trocknen, Laminieren, Kaschieren, Prägen, Glätten, Wickeln, Konfektionieren – auf den Anlagen der Bocholter Herbert Olbrich GmbH & Co. KG werden Materialien Schritt für Schritt am laufenden Band bearbeitet und veredelt.
Bei Brabender in Duisburg beschäftigt man sich seit über 80 Jahren mit der Qualität von Lebensmitteln – und seit einigen Jahrzehnten auch mit Kunst­ stoffen. Mit den Hightech-Geräten wird beispielsweise im Voraus gemessen, wie gut ein Brotteig wird.
5,3 Millionen Rechnungen schreibt die PVS Privatärztliche VerechungsStelle in Mülheim Jahr für Jahr. Auf das Knowhow im Forderungsmanagement sowie bei Finanzdienstleistungsprodukten setzen Ärzte & Co., aber zunehmend auch andere Berufsstände.
Fortsetzung von Seite 1 rungen von mehreren Hundert Prozent aufweisen. Hinzu kommt, dass wichtige Rohstoffe oft nur als Nebenprodukte bei der Gewinnung von Massenerzen anfallen – besagtes Indium etwa oder auch Gallium und Germanium. Werden Minen wegen erschöpfter Hauptvorkommen geschlossen, versiegt auch der Nachschub an seltenen Elementen. Wenn die Wirtschaft – in diesem Fall der BDI – Bundesregierung und EU-Kommission auffordert, „für geeignete politische Rahmenbedingungen Sorge zu tragen, um den politischen Beschränkungen der Rohstoffsicherheit entgegenzuwirken und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Unternehmen ihren Rohstoffbezug selbstständig sicherstellen können“, dann zeigt sich darin die Sorge, Europa könne im Rennen um die Rohstoffquellen den Anschluss verpassen. In letzter Konsequenz berührt dies geostrategische Aspekte: Die Sicherstellung der begrenzten Ressourcen an Erdöl bestimmt ohnehin seit Jahrzehnten etwa die Nahostpolitik der westlichen Großmächte. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler trat zurück, nachdem seiner Äußerung, die militärischen Einsätze der Bundeswehr dienten „auch dem Schutz freier Handelswege“, massive Ablehnung entgegengeschlagen war. Die Forderung hingegen nach einer „europäischen Geostrategie, in der militärische, ökonomische und institutionelle Fähigkeiten zusammengeführt werden“, findet sich sogar im ansonsten unverfänglichen Internetportal der Bundeszentrale für politische Bildung. Zweifellos trägt neben staatlichen geopolitischen Interventionen sowie der Kombination aus steigender Nachfrage und begrenzter Vorkommen auch die Spekulation an den Rohstoffbörsen ihren Teil zur Lage bei. Frankreich drängt in der EU darauf, die unter dem Eindruck der Finanzkrise entwickelten Instrumente auf diesen Sektor zu übertragen. Der Vorsitzende des Ausschusses für Rohstoffpolitik im
Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, warnt jedoch davor, die EU-Initiative mit anderen Anliegen zu vermengen: „Wir sind dagegen, dass Bausteine aus der Finanzmarktregulierung Bestandteil der EU-Rohstoffinitiative werden.“ Die Rohstoffkrise hat allerdings auch ihre guten Seiten: Zum einen sucht die Industrie mit Hochdruck nach Ersatz für rare Elemente. Die Indiumvorräte – ohne sie gibt es derzeit keine Touchscreens – reichen angeblich nur noch ein Jahrzehnt. Bis dahin muss ein Substitut gefunden sein. Zum anderen zwingt die Knappheit zu einem Ressourcen schonenden Umgang mit Rohstoffen und zu noch stärkeren Anstrengungen beim Recycling. Auch dazu will die EU politische Verfahren entwickeln. Ohne die Erschließung neuer Lagerstätten schließlich – auch der im Augenblick noch unwirtschaftlichen, ohne Innovationen und „Urban Mining“ – müssten wir uns von einigen Zukunftstechnologien verabschieden. Das gilt für heutige Anwendungen in der Solar- und Windenergie ebenso wie für die Telekommunikation. Der Ausbau des Glasfasernetzes hängt z. B. am Halbmetall Germanium, mit dem die Fasern beschichtet werden. Die weltweite Produktion jedoch liegt weit unter dem prognostizierten Bedarf. Die Verfügbarkeit von Rohstoffen ist nicht allein das Ergebnis ergiebiger Lagerstätten. Sie ist – ebenso wie bei Erdöl und Gas – inzwischen ein Werkzeug der internationalen Politik. Kein Wunder also, dass sich der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, kürzlich mit Wirtschaftsvertretern und Experten zum Thema Rohstoffstrategie im Vorfeld einer schwergewichtigen Tagung traf: auf der Münchener Sicherheitskonferenz, bei der es vorrangig um Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik geht. Rainer Rehbein
5 Milliarden Handys sind weltweit wonnen werden – aus einer Tonne in Gebrauch, 1,3 Milliarden werden Erz nur fünf Gramm. Im Elektrojährlich neu produziert. Im Inneren schrott vom Computer bis zur eines Handys stecken über 20 Me- Waschmaschine stecken hochtalle: Aluminium, Eisen, Kupfer, Ni- wertige Rohstoffe. Nach Angaben ckel und Zink sowie Gold und Sil- des Recycling-Konzerns Remonber, Palladium, Indium, Europium dis kann aus zehn Tonnen Elektround Tantal. schrott eine Tonne Kupfer gewonAus einer Tonne recycelter Han- nen werden. Um die gleiche Menge dys können 350 Gramm Gold ge- im Bergbau zu gewinnen, müssten
rad etwa benötigt für seine Permanent-Magneten bis zu einer Tonne Seltene Erden. 97 Prozent aller Seltenen Erden werden in China gefördert. Diesen Vorteil spielt Peking aus: Seit 2005 weden die Ausfuhren gedrosselt – im zweiten Halbjahr 2010 allein um 72 Prozent. Und die Exportzölle wurden auf bis zu 25 Prozent angehoben. Kommentar Pekings: „Seltene Erden sind für China kein Mittel zum Schachern und Feilschen.“ Man habe die Produktionsbeschränkung aus umweltpolitischen Gründen eingeführt. Einst führende Ausfuhrnationen wie die USA und Australien sind in die Bedeutungslosigkeit zurückgefallen, weil sie seit den 90er Jahren die Minen aus Kostengründen geschlossen und damit auch das Know-how der komplizierten Trennungstechnologien verloren haben.
500 Tonnen Geröll bewegt werden. ungelöst sind. Der größte Teil der Jeder Bundesbürger verbraucht Rohstoff-„Vorkommen“ steckt jetäglich zwischen 40 und 50 Kilo- doch in Gebäuden und Infrastrukgramm Rohstoffe – vom Beton bis turen. Eine Forderung ist daher die zum Edelmetall. Diese Schätze zu Einführung eines entsprechenden heben, ist Aufgabe des „Urban Bau-Passes: Bauherren sollen im Mining“. Es geht auch um die Er- Vorhinein genau dokumentieren, schließung bestehender Depo- was sie verwenden, damit diese nien, wenn auch die dabei zu er- Materialien später systematisch zuwartenden Umweltprobleme noch rückgewonnen werden können.
Interview mit Prof. Hans-Joachim Kümpel (BGR)
nterview mit Prof. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover: [unternehmen!]: Seit kurzem wird darüber debattiert, dass es einen Fachkräftemangel bei den Geowissenschaftlern gibt, dass also hierzulande nicht mehr ausreichend Wissenschaftler zur Verfügung stehen, um die Erschließung neuer Rohstoffquellen – nicht einmal im Inland – sicher zu stellen. Sehen Sie dieses Problem auch – und was wäre die Lösung? prof. Hans-Joachim Kümpel: In der Tat ist bei uns die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber auf offene Stellen mitunter recht niedrig. Die BGR musste in den letzten Jahren einzelne Stellen auch mehrfach ausschreiben, weil sich zunächst keine geeigneten Personen gefunden haben. Verständlicherweise ist auch die Industrie vermehrt auf der Suche nach guten Absolventen der Geofächer. Abhilfe kann hier nur schaffen, dass Abiturientinnen und Abiturienten wieder häufiger Fächer wie Geologie, Geophysik, Mineralogie oder Geowissenschaften studieren und das äußerst spannende und vielfältige Studiengebiet für sich entdecken. Hier müs-
sen wir unsere Werbemaßnahmen vielleicht noch verstärken. An den bundesweit etwa 15 ausbildenden Hochschulen dürfen zudem die in der Vergangenheit oft schon merklich reduzierten Ausstattungen an Personal und Lehrmittel nicht weiter geschmälert werden, um die benötigte Qualität in der Ausbildung nicht zu gefährden. [u!]: Wie sieht es überhaupt mit Lagerstätten in Deutschland aus? Gibt es ergiebige Rohstoffvorkommen, die sich – vielleicht unter anderen wirtschaftlichen Überlegungen als bisher – erschließen lassen? Kümpel: Das ist gut möglich. Deutschland verfügt z. T. über große Vorkommen vor allem von Steinen, Erden, Kalisalz, einigen Industriemineralen und Braunkohle, die bereits seit langem wirtschaftlich abgebaut werden. Das Potenzial an Metallen und sog. „High-Tech-Rohstoffen“ ist in Deutschland hingegen gering. Vor dem Hintergrund der steigenden Rohstoffnachfrage und der damit verbundenen Preissteigerungen werden diese Vorkommen in Deutschland aber nach und nach einer erneuten Bewertung unterzogen. Es kann durchaus sein, dass ein Abbau einiger dieser Vorkom-
men in der Zukunft wirtschaftlich sein könnte. Der Fokus richtet sich hier zurzeit auf Metallvorkommen, z. B. im Gebiet des Erzgebirges. Deutschland ist zwar ein Land mit relativ großer geologischer Vielfalt, aber unbekannte Lägerstatten von Bedeutung sind nicht zu erwarten, da die geologische Erkundung in Deutschland weit fortgeschritten ist. [u!]: Welche Rolle wird die im Oktober 2010 gegründete Deutsche Rohstoffagentur DERA spielen? Und welche direkte Unterstützung für die Industrie bieten Sie an? Kümpel: Die DERA wird für Wirtschaft und Politik die Schnittstelle und zentrale Informationsplattform zu Fragen der Rohstoffversorgung sein und leistet einiges
hierzu bereits heute. Ihre Einrichtung gehört zu einer Reihe von Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung sich für eine nachhaltige Rohstoffsicherung in Deutschland einsetzt und die Teil der Rohstoffstrategie ist, die ebenfalls im Oktober letzten Jahres vorgelegt wurde. Die Kernkompetenz der DERA ist die Bewertung der Verfügbarkeit von nichterneuerbaren mineralischen und Energierohstoffen. Sie betreibt ein umfassendes Rohstoff-Informationssystem, bietet Serviceleistungen für die deutsche Wirtschaft an, leistet fachliche Unterstützung zu spezifischen Rohstoffförderprogrammen des Bundes, lobt einen Preis für Rohstoffeffizienz aus, führt rohstoffbezogene Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit und im Vorfeld der Industrie durch und beteiligt sich – basierend auf langjährigen internationalen Kooperationen der BGR – am Aufbau rohstoffwirtschaftlicher Partnerschaften mit ausgewählten Ländern. Besonders hohen Nutzen durch die Arbeit der DERA werden kleine und mittelständische Unternehmen haben, die sich eigene umfangreiche Recherchen zur Verfügbarkeit von Rohstoffen nicht leisten können.
Interview mit Michael Theurer (Europäisches Parlament)
Seltene Erden Die Seltenen Erden sind eine Gruppe von 17 Metallen, darunter Lanthan, Europium und Neodym. Meist kommen sie am selben Standort, im selben Gestein vor. Sie werden in kleinen Mengen verwendet, sind aber unverzichtbar für die Herstellung von Computern und Monitoren, DVD-Spielern, Akkus, Halbleitern, Handys, Rüstungsgütern und Windturbinen. Autozulieferer nutzen sie zur Herstellung von Elektromotoren. Die größten Verbraucher sind China, Japan und die USA. Anders als der Name vermuten lässt, sind die 17 Elemente in ansehnlichen Mengen vorhanden. In Australien lagern 5,4 Millionen Tonnen, in den USA 13, in Russland 19 und in China 36 Millionen Tonnen. Sieben Prozent der Vorkommen befinden sich auf dem Gebiet der EU, werden jedoch aus Wirtschaftlichkeitsgründen bisher nicht genutzt. Verbraucht werden weltweit rund 125.000 Tonnen jährlich, für 2015 wird eine Verdoppelung prognostiziert. Gerade Umwelttechnologien führen zu stark steigendem Bedarf: Ein getriebeloses Wind-
Recycling und „Urban Mining”
ichael Theurer, Experte für Rohstoffstrategie und handelspolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament, im Interview mit [unternehmen!]: [unternehmen!]: Sind Sie zufrieden mit dem neuen Strategiepapier der EU zur Rohstoffversorgung? Michael Theurer: Die vor der Veröffentlichung erhoffte und von vielen Mitgliedsstaaten geforderte Nachbesserung der Rohstoff-Strategie ist leider nicht erfolgt. Statt konkrete Maßnahmen zu nennen, präsentierte die Kommission einen oberflächlichen Überblick zum Thema Rohstoffe. Bei der Frage, wie die Versorgung der Europäischen Industrie mit seltenen Mineralien künftig gesichert werden soll, fehlen überzeugende Lösungen. Darüber hinaus ist die Vermischung der Bereiche Industrie- und Agrarrohstoffe nicht sinnvoll. Agrarrohstoffe und die Verbindung zu Finanzmärkten verdrängt, worum wir uns eigentlich kümmern müssen: die Gewährleistung von Rohstoffsicherheit für die europäische Industrie und damit deren Wettbewerbsfähigkeit. [u!]: Was sollte die EU bzw. die Europäische Kommission zur sichereren Rohstoffversorgung in der Gemeinschaft tun? Theurer: Neben der Formulierung einer kohärenten umfassenden europäischen Rohstoffstrategie sollte die Europäische Kommissi-
on, ähnlich dem Markzugangsausschuss, ein Forum schaffen, in dem die verschiedenen betroffenen Generaldirektionen der Kommission, Mitgliedsstaaten, Europäisches Parlament und Industrie zusammenkommen. Dieser Ausschuss sollte einen abgestimmten, konkreten und umfassenden Aktionsplan erarbeiten, der aufzeigt, wie die Sicherung von Rohstoffen mit allen zur Verfügung stehenden Mittel gewährleistet werden kann. Rohstoffsicherheit ist ein klassisches Querschnittsthema und so müssen wir es behandeln. Im besten Falle schließt ein solches Forum auch nationale Organisationen mit ein. Neben vielen einzelnen nationalen Rohstoffagenturen sollten wir unsere Kräfte in einem europäischen Institut für Rohstoffe bündeln. Klar ist, dass einzelne Mitgliedsstaaten nicht genug Gewicht gegen Schwergewichte wie China aufbringen. [u!]: Sie fordern eine „härtere Gangart“ der Europäer gegenüber China in der Frage des Zugangs zu
den Seltenen Erden – bis hin zum Stopp des Technologieexports. Was macht Sie so sicher, dass die EU in dieser Auseinandersetzung mit der neuen Wirtschaftsgroßmacht nicht den Kürzeren zieht? Theurer: Die Volksrepublik China ist seit 2001 nicht zuletzt durch die Unterstützung der EU Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) geworden und hat sich damit dem Abbau bestimmter Zollrestriktionen, besonders im Bereich von Rohstoffen, verschrieben. Dass die EU, gemeinsam mit Mexiko und den USA, nun ein WTO-Streitschlichtungsverfahren beantragt hat, wird Konsequenzen haben. Die EU ist schließlich Chinas wichtigster Handelspartner. Im Jahr 2010 exportierte China Waren im Wert von über 200 Milliarden Euro und Dienstleistungen im Wert von knapp 13 Milliarden Euro in die EU. Falls das WTO-Verfahren zu Chinas Exportrestriktionen keine Früchte trägt, sollte die EU ein Verbot des Technologieexports erlassen. Um die internationalen Rohstoffvorkommnisse, die damit verbundenen Handelsströme und Handelshemmnisse wirklich transparent zu machen, bräuchte man zusätzlich eine unabhängige Organisation, die dies beobachtetet, eine Art ‘Global Raw Materials Watch’. Die Erfahrung zeigt, dass China auf öffentlichen Druck reagiert. [u!]: Sind wir nicht selber schuld, wenn wir uns von Rohstoffprodu-
zenten wie China erpressen lassen – denn die westliche Welt baut ja ihre vorhandenen Ressourcen noch nicht bzw. nicht mehr ab und hat lange auf die kostengünstigere Belieferung durch China und andere Staaten gesetzt? Theurer: Es geht hier nicht darum, Schuld zuzuweisen. Es gab in der Vergangenheit Gründe dafür, warum wir Rohstoffe aus anderen Ländern importiert haben, statt heimische Vorkommnisse abzubauen. Es geht jetzt jedoch darum, einerseits bestehende Vorkommnisse neu zu evaluieren, Recycling zu verbessern und nach technologischen Alternativen für bestimmte Rohstoffe zu forschen. [u!]: Um nur eine Quelle zu zitieren, sagt das britische Verteidigungsministerium eine starke Konkurrenz zwischen den Großmächten um Ressourcen voraus: „Das Gerangel um Energie, Bodenschätze und fruchtbares Land wird voraussichtlich mit größerer Heftigkeit stattfinden.“ Was könnte eine europäische Rohstoffstrategie dazu beitragen, solche Konflikte nicht in militärische ausarten zu lassen? Theurer: Indem die europäische Rohstoffstrategie andere politische und technische Alternativen aufzeigt, wie Rohstoffsicherheit für unsere europäische Industrie gewährleistet wird, könnte sie einen großen Teil dazu beitragen, dass Konflikte nicht ausarten.
„Wir denken in Systemen“ Bocholter Herbert Olbrich GmbH & Co. KG ist erfolgreich im Maschinen- und Anlagenbau
in bisschen „made on Olbrich“ dürften viele von uns zu Hause haben: Klebeband, Tapete, PVC-Fußbodenbelag oder Medikal-Tapes. Für die Herstellung dieser und anderer bahnenförmiger Produkte baut die Herbert Olbrich GmbH & Co. KG in Bocholt die passenden Maschinen und Anlagen. Die Tochtergesellschaft R+S Technik in Maintal bei Offenbach ist für automobile Anwendungen zuständig: Auf R+S-Anlagen entstehen zum Beispiel Instrumententafeln, Hutablagen oder Kofferraumauskleidungen. Die beiden Geschäftsbereiche – Converting und Automotive – haben ihre Wurzeln in der Firmengeschichte: Nach dem Krieg aus dem sowjetisch besetzten Thüringen geflohen, kam Herbert Olbrich 1948 nach Bocholt und lernte dort Werner Borgers sen. kennen – im von der Textilindustrie geprägten Westmünsterland ein bekannter Unternehmer, dessen Produkte vor allem als Polstermaterial bereits damals in der Automobilindustrie zum Einsatz kamen. Zunächst für die Reparatur des kriegszerstörten Maschinenparks von Borgers angestellt, gründete Olbrich nur rund ein Jahr später ein eigenes Unternehmen für Tapeten-Maschinen – die Nähe zu seinem Freund Werner Borgers sen., der ihm auch den Großteil des Startkapitals zur Verfügung stellte, blieb jedoch bestehen. Bis heute gehört die Herbert
Olbrich GmbH & Co. KG mit ihren insgesamt 700 Mitarbeitern zur familiengeführten Borgers-Gruppe, die weltweit mit rund 5.000 Mitarbeitern einen Brutto-Umsatz von einer halben Milliarde Euro erzielt. Dass Olbrich über Jahrzehnte hinweg bei seinen Wurzeln geblieben ist und sich zugleich technologisch immer weiter entwickelt hat, „ist ein Erfolgsfaktor“ – wie sich die beiden Geschäftsführer, Dr. Stephan Funke (Vertrieb, Finanzen und Verwaltung) und Rolf Langkamp (Technik und Produktion), einig sind. „Wir haben unser Know-how und unsere Technik-Kompetenz auf artverwandte Branchen übertragen und waren dort dann häufig Vorreiter.“ Als Beispiel nennt Langkamp, der seit 1986 im Bocholter Unternehmen tätig ist, die weltweit erste Bahnanlage, auf der vier Meter breiter PVC-Fußbodenbelag hergestellt werden konnte. Die große Hallen ausfüllenden Olbrich-Anlagen ziehen vorne das Grundmaterial ein, das im Innern der Maschinen Schritt für Schritt mit unterschiedlichen Technologien bearbeitet und veredelt wird: Beschichten, Drucken, Lackieren, Trocknen, Laminieren, Kaschieren, Prägen, Glätten, Wickeln, Konfektionieren. „Wir denken in Systemen“, ist der Leitgedanke des Unternehmens, das ein jährliches Geschäftsvolumen von etwa 75 Millionen Euro verzeichnet.
Die Geschäftsführer Dr. Stephan Funke und Rolf Langkamp
Im neuen Olbrich-Technikum ist der Kunde hautnah dabei, wenn anhand seines Labor-Musters das AnlagenLayout zur industriellen Herstellung seiner Produkte entwickelt wird (Fotos: Olbrich)
Um dem Hochtechnologie-Anspruch gerecht zu werden, wurde am Stammsitz an der Teutonenstraße jüngst eine Technikumsanlage fertig gestellt. Die Komplexität der Anlage erschließt sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick: Vorbei am zentralen Bedienpult läuft man erst einmal einige Meter an verschlossenen blauen Türen entlang – nur ahnend, dass dahinter anspruchsvolle Arbeitsschritte erfolgen. Dann gelangt man zum „Herz“ der Anlage, wo sich eine Komponente an die nächste reiht, teils nur erreichbar über Leitern und Stiegen. „Das Technikum ist unsere Visitenkarte“, erläutert Dr. Funke. „Hier zeigen wir unseren Kunden, wie ihr manuell hergestelltes Labor-Produkt – sagen wir ein Stück fein beschichtete Folie – industriell gefertigt werden kann“, ergänzt Langkamp. Keine Schnittstellenverluste, eine individuell konfigurierte Lösung, direkt ein Ergebnis zum Anfassen – für den
Geschäftsführer liegen die Vorteile auf der Hand. Nicht nur im Technikum, sondern auch in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Hause ist hohe Fachkompetenz gefragt – einen Mangel an Fachkräften gibt es derzeit noch nicht. „Wir tun aber auch viel dafür“, berichtet Langkamp: 61 der 415 Mitarbeiter am Standort Bocholt sind Auszubildende in den Berufen Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Elektroniker oder Industriekaufleute. Zu den Auszubildenden gehören auch 16 angehende Bachelors of Engineering im Bereich Mechatronik, die bei Olbrich ein duales Studium absolvieren, also die Hochschul-Lehre kombiniert mit einer gewerblich-technischen Ausbildung. „Ich selbst habe ein duales Studium bereits in den 1980er-Jahren gemacht“, erzählt Langkamp, der nach einem langjährigen Auslands­einsatz – er baute einen Olbrich-Produktions-
standort in Tschechien auf – 2006 als Technischer Leiter nach Bocholt zurückkehrte und seit 2010 Geschäftsführer ist. Eine weitere Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel ist Olbrichs Engagement an der hiesigen Fachhochschule. „Wir sind Mitglied des Fördervereins und geben Entwicklungsprojekte, z. B. in Form von Bachelor-Arbeiten oder Konstruktionsaufträgen, an die Hochschule.“ Während Olbrich bei der Hochtechnologie klar auf den Standort Deutschland setzt, wurden handarbeits-intensive Tätigkeiten vermehrt nach Tschechien verlagert: „Wir stehen im knallharten globalen Wettbewerb auch mit Firmen aus Low-Cost-Countries; diesen gegenüber haben wir zwar einen Technologievorsprung, der allein aber nicht genügt. Auch wir müssen für einen vernünftigen Kostenmix sorgen, um bestehen zu können“, verdeutlicht Funke. Mit dem Standort in Osteuropa habe man
alles richtig gemacht: während die Technik in der eigenen Hand blieb, hat man dringend benötigte Kapazitäten aufgebaut. „Das hat unseren Wettbewerbsvorteil gesichert“, so Rolf Langkamp. Für die Zukunft sieht sich Olbrich gut gerüstet: „Wir haben ein gewisses Know-how, das wir nicht sprunghaft sondern evolutionär auf angrenzende Gebiete übertragen und weiterentwickeln wollen“, untermauert Dr. Stephan Funke die bisherige Strategie. Auch er ist ein „Eigengewächs“ der Unternehmensgruppe, lernte bei Borgers zunächst Industriekaufmann. Nach dem Studium der BWL promovierte er und hatte anschließend Führungspositionen bei Babcock und in der Maschinenbausparte von MAN inne. Vor einem knappen Jahr ist er in die Borgers-Gruppe zurückgekehrt. Neue Anwendungen für Olbrich-Maschinen sehen die beiden Geschäftsführer unter anderem in der Folienveredlungs-Branche: „Zwar möchte ich hier keine Geheimnisse verraten, aber Feinst-Beschichtungen z. B. für Displayfolien sind ein Trend“, sagt Langkamp. „Wir sind kein Produktentwickler, wir rüsten uns aber für künftige Entwicklungen, die wir dann auch mit einem gewissen Vorsprung mitgehen wollen. Unser Ziel ist es, als Technologieführer in allen unseren Tätigkeitsbereichen marktführend zu agieren“, blicken Rolf Langkamp und Dr. Stephan Funke ebenso optimistisch wie selbstbewusst voraus. Jennifer Middelkamp
Info Herbert Olbrich GmbH & Co. KG Teutonenstraße 2-10 46495 Bocholt 02871 283-0 www.olbrich.com
Europipe und iSAM kooperieren mit Hochschule
Grillo erneut gewählt
Amendt folgt Becker an der Akademie Klausenhof
wei Mülheimer Mitgliedsunternehmen haben Kooperationsverträge mit der Hochschule Ruhr West (HRW) geschlossen. Zum einen bietet die EUROPIPE GmbH den Studierenden der Studiengänge Maschinenbau und Elektrotechnik eine zusätzliche Chance: Sie können sich qualifizieren, indem sie neben ihrer theoretischen Ausbildung praktische Erfahrungen bei EUROPIPE sammeln. Die verstärkte Zusammenarbeit umfasst den Einsatz von Praktikanten, Bachelor- und Masterkandidaten und Werkstudenten sowie speziell zugeschnittene Ausbildungs- und Lehrangebote. Hans-Werner Gauer, EUROPIPE Geschäftsführer Finanzen und Administration, und Dr. Michael Gräf, Vorsitzender der EUROPIPE Geschäftsführung: „Durch diese Kooperation erkennen wir frühzeitig engagierte Nachwuchskräfte, die für unser anspruchsvolles Produkt in einem internationalen Markt unerlässlich sind.“ Gegenstand der Kooperation mit der iSAM AG, Gesellschaft für angewandte Kybernetik, ist ein
praxisorientiertes Studium im Bachelor-Studiengang „Angewandte Informatik“ mit dem Abschluss Bachelor of Science am Campus Bottrop. Ab dem Wintersemester 2011/2012 kann sich ein Auszubildender der Mülheimer Firma bewerben. An der HRW absolviert der Auszubildende das theoretische Studium, während iSAM den Praxisbezug beisteuert. Die iSAM AG schließt einen Ausbildungsvertrag ab und sorgt für eine Vergütung. Das Thema der Bachelorarbeit wird durch iSAM in Absprache mit der HRW gestellt. „Wir schätzen an dieser Art Ausbildung die hervorragende Grundlagenvermittlung durch die Hochschule Ruhr West, wir steuern die Praxis bei. Gleichzeitig lernen wir einen potenziellen Mitarbeiter kennen, können ihn an uns binden – wir investieren selbst in Bildung und treten dem Fachkräftemangel entgegen“, so Bernd Jotzo, bei iSAM verantwortlich für die Bereiche Personal und Finanzen. www.europipe.com www.isam-ag.de
er Vorstand der WirtschaftsVereinigung Metalle wählte den Präsidenten des Branchenverbandes der Nichteisen(NE)Metallindustrie, Ulrich Grillo, einstimmig in eine dritte Amtszeit. Der Vorstandsvorsitzende der Grillo-Werke AG, Vorsitzende des BDI-Rohstoffausschusses und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Unternehmerverbandes der Metallindustrie Ruhr-Niederrhein, steht seit 2006 an der Spitze des Dachverbandes der NE-Metallindustrie. Grillo will sich in der vor ihm liegenden Amtszeit von zwei Jahren um die Stärkung des Industrielandes Deutschland kümmern. Die Themen Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Energieeffizienz und insbesondere die Rohstoffund Energieversorgungssicherheit sind entscheidend für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der metallerzeugenden und -bearbeitenden Unternehmen und der gesamten energieund wertschöpfungsintensiven Grundstoffindustrie. www.grillo.de
as Weseler Unternehmen Clyde Bergemann erhielt aus Australien einen Auftrag im Wert von 9 Millionen AUD – umgerechnet fast 6,5 Millionen Euro – über die Konstruktion, Lieferung und Installation von vier Gewebefiltern zur Rauchgasreinigung sowie eine darauf abgestimmte Flug­ entaschungsanlage. „Dieser Auftragsgewinn bestätigt unsere Strategie, mit einem weltweiten Netzwerk eine kunden­ individuelle und technisch abgestimmte Lösung aus verschiedenen Einzelkompetenzen anzubieten, die Kraftwerksbetreibern dazu verhilft, strenge Umweltauflagen einzuhalten“, sagt dazu Franz Bartels, President & CEO der Clyde Bergemann Power Group. Auch in Südamerika hat das Unternehmen seine Präsenz verstärkt: Clyde Bergemann hat kürzlich eine neue Niederlassung in Kolumbien für den dort wachsenden lokalen Kraftwerksmarkt gegründet. www.cbw.de
nde März 2011 ist der langjährige Direktor und Geschäftsführer der Akademie Klausenhof Dr. Alois Becker feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden. Der bisherige stellvertretende ­Direktor, Dr. Hans Amendt, tritt seine Nachfolge an. Neben seinem Engagement in zahlreichen Gremien in den Bereichen Bildung und Kirche war Dr. Becker von der Gründung im Jahr 1998 bis 2005 im Vorstand des Unternehmerverbandes Soziale Dienste und Bildung aktiv und hat mit seinem Einsatz und seinen Ideen einen wichtigen Teil zu der erfolgreichen Entwicklung des Verbandes beigetragen. Der Abschied Beckers von der Spitze der Akademie Klausenhof hatte auch zur Folge, dass die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Berufliche Bildung einen neuen Vorstand wählen musste. Vorsitzender ist nun Ulrich Vollmer, Bundessekretär des Kolpingwerkes. Er löste Dr. Becker ab, der nach insgesamt 16-jähriger Amtszeit nicht mehr kandidierte. Hans
Dr. Alois Becker (links) und Dr. Hans Amendt
Amendt als sein Nachfolger an der Akademie Klausenhof wurde zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft gewählt, in der die großen Träger und Akteure wie etwa das Kolpingwerk, der deutsche Caritasverband, die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Jugendsozialarbeit oder das katholische Büro vertreten sind. Hauptziel ist es, Informationen auszutauschen, sich politisch für die Berufliche Bildung einzusetzen und Kontakte zu den relevanten Akteuren der Arbeitsmarktpolitik herzustellen. www.akademie-klausenhof.de
ob Brötchenteig oder plastikmasse: Qualität wird mit Brabender gemessen Duisburger Traditionsunternehmen beliefert die chemische wie die Nahrungsmittel-Industrie
ehmen wir einmal an, Sie bereiten gerade den sonntäglichen Kuchen vor. Wie wäre es mit einem Biskuitteig aus Eiern, Zucker und natürlich Mehl? Wir schlagen das Eigelb in einer Plastikschüssel mit dem Zucker schaumig, geben das Mehl hinzu und heben das mit dem Mixer steif geschlagene Eiweiß darunter. Wenn Sie bis hierher gekommen sind, haben Sie bereits mehrere Produkte in der Hand gehabt, für die das Duisburger Traditionsunternehmen Brabender eine ausschlaggebende Bedeutung hat. Zunächst das Mehl, dann die Schüssel und auch das Plastikgehäuse des Handmixers. Vielleicht hat sogar der Gummifuß der Schüssel, der verhindert, dass sie über die Küchenplatte wandert, vom Knowhow aus dem Stadtteil Wanheimerort profitiert. Als Carl Wilhelm Brabender 1923 das Unternehmen gründete, war von alldem noch nicht die Rede, sondern man widmete sich der Reparatur von Elektromotoren und Transformatoren. Doch schon 1927 stellte die Firma die ersten jener Spezial-, Mess- und Prüfgeräte für die Mühlen- und Nahrungsmittelindustrie her, die den Weltruf begründen sollten. Denn wie lässt sich eigentlich die Qualität von Mehl präzise bestimmen? Und zwar so, dass sich der Firmenslogan „Qualität ist messbar“ erfüllt? Dazu muss man wissen, dass der Bäcker „starkes“, „schwaches“ und „mittleres“ Mehl kennt. Das hat nichts mit den auf den Tüten aufgedruckten Zahlen – etwa Type 405 – zu tun, die nur angeben, wie hell oder dunkel bzw. mineralreich das gemahlene Getreide ist. Als stark wird ein Mehl bezeichnet, das zu einem elastischen, sehr dehnbaren Teig verarbeitet werden kann sowie beim Gären und Backen gut aufgeht. Andere Mehle wiederum gehen schwächer auf und ergeben im Endprodukt – etwa Keksen – ein kleineres Volumen. Was vom Müller kommt, ist von Land zu Land und von Sommer zu Sommer unterschiedlich. Die Franzosen, die diese phantastischen Croissants und Pâtisserien herstellen, verwenden meist „schwaches“ Mehl, ihre deutschen Nachbarn eher das „starke“. Jede Backwa-
Ein moderner Extruder – Hightech aus Duisburg
Blick in das Versuchslabor bei Brabender (Fotos: Brabender)
re benötigt ihr individuelles Mehl, sonst gibt es matschigen Kuchen oder pappige Brötchen. Die Mühlenbetriebe stehen vor der Aufgabe, das aus vielen Quellen stammende Rohprodukt zum idealen Mehl zu mischen. Und die Großbäckerei mit ihrem millionenfachen Ausstoß an Brot, Brötchen und Kuchen will wissen, ob sie ihren Qualitätsanspruch tagtäglich erfüllen kann. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist, wie sich der Teig beim Kneten und Strecken verhält. Das wollte Brabender nicht länger dem manuellen Herumprobieren überlassen und entsann ein Gerät, dessen aktuelle High-Tech-Variante keine Ähnlichkeit mehr mit jenem hat, das er Ende der 20er Jahre auf den Markt brachte und das heute noch im Labor an der Kulturstraße steht. Eine handelsübliche Waage verband er mit einem Motor, der einen auf 30° C temperierten Kneter antreibt. In diesem Dynamometer warten sigmaförmige Schaufeln auf den Teig. Hinein kommen heute wie damals 300 Gramm Mehl. Damals wurde mittels Bürette eine definierte Menge Wasser zugeführt. Der Teig wird im Kneter mit seiner speziellen und bis heute stets gleich gebliebenen Geometrie analog einem Kneter in der Bäckerei durchgewalkt.
Der zähe Teig versucht quasi, den Motor rückwärts laufen zu lassen und stemmt sich gegen die Knetschaufeln. Ganz am Anfang war es noch eine mechanische Vorrichtung, die den Ausschlag des Dynamometers auf einem von C. W. Brabender entwickelten Papierschreiber als zeitliche Messkurve aufzeichnete. Heute erledigen das elektronische Steuerungen, Sensoren und Software – die Wasserdosierung erfolgt computergesteuert. Übrigens liefert Brabender zu jedem Gerät und für jeden der Verwendungszwecke die im eigenen Haus entwickelte Software gleich mit. Der „Farinograph“ bekam bald ein zweites Gerät zur Seite gestellt, den „Extensographen“. Der misst die Dehnfähigkeit eines Teiges. Hier wird das Mehl mit einer Salzlösung vermischt und eine genau bestimmte Zeit lang mit ebenso präzise eingehaltener Temperatur verknetet. Der Teig wird entnommen und in Ballen geteilt. Die Teigstücke werden wie auch in der Bäckerei zu Kugeln geformt und zu Zylindern gerollt. Diese kommen in spezielle Halteschalen und werden in einem integrierten Gärkabinett bei 30° C dreimal 45 Minuten belassen. Anschließend hängt der Tester den Teigzylinder in eine Vorrichtung, die den Teig bis zum Zerreißen dehnt. Die dafür aufgewendete Kraft wird gemessen und auf dem PC ausgewertet. Eigentlich sind die Vorgänge beim Farinographen und Extensographen viel komplizierter, als hier beschrieben werden kann. Denn die Ergebnisse zeigen sich in Messkurven, die nur der Fachmann deuten kann und die etwa darin münden, dass das „rheologische Optimum“ eines Teiges bestimmt wird – ein Begriff aus jenem Wissenschaftsbereich, der sich mit Verformungs- und Fließverhalten von Stoffen beschäftigt. Nicht zu vergessen: Die Kneteigenschaften und die „Energieaufnahme“ eines Teiges wird international gemessen in Brabender-Einheiten natürlich. Damit ist schon einmal die Hälfte des Geschäftsvolumens bei Brabender umschrieben: Die Entwicklung und Herstellung von Geräten zum Testen von Lebensmitteln. Die andere Hälfte fand ihren Anfang, als die drei Geschäftsführer in den Unternehmen unter dem Dach der Holding noch gar nicht auf der Welt
und schön gelb sind. Sei das Ob- seit über einem halben Jahrhunjekt der Neugierde nun aus Weizen dert eine Tochterfirma in den USA gemacht oder aus Kartoffeln, han- und eine Repräsentanz in Moskau. delt es sich um Käse, Schokolade In der Sparte der Lebensmitteltechoder um Kaugummi: Hauptsache, nologie hat das Unternehmen weltes lässt sich erst kneten und später weit einen Marktanteil von rund essen – den Rest erledigt Braben- 60 Prozent (in Deutschland sogar der. Immer öfter übrigens auch für 80 Prozent), im Chemiesektor teilt man sich 80 Prozent des Marktes die pharmazeutische Industrie. Wer die Produktpalette aber auf mit einem Mitbewerber. Vor den die beschriebenen drei Geräte re- Kopierkünsten und der wachsenduzieren wollte, täte dem Erfin- den Leistungsfähigkeit der chinesidergeist bei Brabender und dem schen Industrie hat Peter Kuhnert 20-köpfigen Entwicklerteam Un- keine Angst: „Wir haben mit unserecht: Rund herum ist eine riesige ren Messgeräten noch einen deutliPalette von Apparaturen entstan- chen technischen Vorsprung – dieden, die in der Forschung, Ent- sen Abstand müssen wir aber auch wicklung und industriellen Pro- in der Zukunft halten.“ Allerdings, duktion ihren Dienst verrichten. so geben er und sein Kollege VierDa gibt es etwa im Lebensmittel- tel zu, ist in bestimmten Segmenbereich die Reiniger und Sortierer ten – etwa dem Weizenmarkt – kein für Getreide und Hülsenfrüchte. Wachstum mehr zu erwarten. Die Dazu Trockenschränke, mit denen Geräte halten einfach zu lange. der Gewichtsverlust (Wasserge- Daher lassen sich die Brabenderwaren. Diplom-Ingenieur Michael halt) von Mehl wie von Kunst- Ingenieure immer neue AnwenViertel und sein Kollege, Diplom- stoffen gemessen wird. Außerdem dungsgebiete einfallen. Betriebswirt Peter Kuhnert, in der Mühlen für den Laborbedarf, se18 Millionen Euro Jahresumsatz Brabender GmbH und Co. KG kundenschnelle NIR-Analysege- erwirtschaftet die Unternehmenssowie Diplom-Ingenieur Carsten räte für Mehle und andere Stoffe, gruppe mit ihren 174 MitarbeiterinStratmann (gemeinsam mit Kuh- Geräte zur Messung der Klebkraft nen und Mitarbeitern. So mancher nert) in der Brabender Messtechnik von Stärken, zur Bestimmung der davon ist weltweit als ServicetechGmbH & Co. KG sind nämlich 46 Enzymaktivitäten in Backmischun- niker von Brüssel bis Shanghai ungen, diverse Kneter und Mixer für terwegs. Fremdsprachen sind daher bzw. 45 Jahre jung. Schon 1936 entstand aus dem verschiedenste Materialien sowie ein Teil des internen FortbildungsMehl knetenden Farinographen z. B. den „Maturographen“, der so programms. Die straffen Umstrukder Kunststoff knetende „Plasto- etwas wie ein Hightech-Backlabor turierungen, die das Führungstrio graph“, ein Prüfgerät für plastische ist und mit Sensoren jede kleinste auf den Weg gebracht hat, machen Massen aller Art. Und natürlich Entwicklungsstufe eines Teiges auf sich auch äußerlich bemerkbar. Ein endete diese Entwicklung in einer dem Weg zum Brot aufzeichnet. So Teil der Firmengebäude wird saniert, Reihe von Geräten, mit denen sich lässt sich mit Mischungsverhältnis- überall werden Flachbildschirme testen und messen lässt, was im Rohzustand ähnlich zäh und elastisch ist wie ein Brotteig: die Kunststoffe. Die sogenannten Polymere und Elastomere werden z. B. auch in definiert beheizte Extruder gefüllt – das sind Zylinder, in denen sich, je nach Gerätetyp, eine oder zwei lange Knetschnecken wie in einem großen Fleischwolf drehen, die diversen Zutaten zum Plastikbrei kneten und durch Düsen herauspressen. Druck, Drehmoment und Temperaturentwicklung werden in jedem Stadium gemessen und mittels PC aufgezeichnet. So können die Nutzer mit kleinen Materialmengen – im Schnitt ein bis 25 Kilo – sowie Farb- und Zusatzstoffen experimentieren und bei Temperaturen bis über 300 Grad Carsten Stratmann, Michael Viertel und Peter Kuhnert (v. l. n. r.) die idealen Mischungsverhältnisse für den jeweiligen Zweck her- sen zwischen Mehl, Zucker, Hefe angebracht, um Mitarbeiter und ausfinden, ehe der Kunststoff-Mix und anderen Zutaten jonglieren. Kunden über aktuelle EntwicklunMit wieder anderen Geräten gen auf dem Laufenden zu halten. in die Serienproduktion geht – und vielleicht besagte Rührschale für können Kleinserien von SchläuWenn man Michael Viertel fragt, den Kuchen daraus wird. Letzt- chen, Rohren und Folien hergestellt wohin die Reise gehen soll, sagt er: lich nennt sich das, was gemessen werden. Und der Bereich Messtech- „Wir nehmen uns vor, den Umsatz wird, wie beim Brotteig eine Dreh- nik liefert noch seine Entwicklun- in den nächsten zehn Jahren zu vergen hinzu, mit denen im Handum- doppeln und dabei zugleich unsere momentkurve. Übrigens sind, wie sich erahnen drehen Feuchtigkeit in Materialien Qualitätsmarktführerschaft zu belässt, der moderne Plastograph und gemessen oder die Abriebfestigkeit wahren.“ Es geht aber auch darum, seine Gerätekollegen keineswegs von Gummimischungen für Reifen die internen Prozessabläufe zu opallein auf Kunststoffe spezialisiert. getestet wird. Wo so viel Genauig- timieren und zu einer „lean proEbenso lassen sich Mischungen für keit am Werke ist, verwundert es duction“ zu gelangen. Man könnte Reifen testen, Keramikmassen und nicht, dass man an der Kulturstraße auch sagen, Brabender wird derzeit alles andere, was die Gummi- und Originale der Brabender Messgerä- durchgeknetet – und darin kennen te, des „Ur-Kilogramms“ und des sie sich schließlich aus. Kautschukindustrie so herstellt. Ähnliches gilt für die Welt der „Ur-Meters“ hütet, mit deren Hilfe Rainer Rehbein Teigmessgeräte. Auch hier kom- alle Instrumente vor der Ausliefemen inzwischen die Extruder zum rung kalibriert werden. Info Dies alles wird in die ganze Welt Einsatz. Ohne schon die großen Produktionsanlagen anwerfen zu ausgeführt. Die Exportquote der müssen, lässt sich mit kleinen Ma- beiden Standbeine Nahrung und Brabender® GmbH & Co. KG Kulturstraße 51–55 terialmengen testen, ob die Flips- Kunststoff beträgt satte 85 Prozent. 47055 Duisburg mischung geeignet ist, die Fül- Deutschland ist jedoch – neben 0203 7788-0 lung des Snacks auch schön cremig China – weiterhin die umsatzwww.brabender.com wird oder die Nudeln so perfekt, stärkste Region. Brabender-Vertredass sie nach acht Minuten bissfest tungen gibt es in 90 Ländern, dazu
pVS schreibt 5,3 Millionen Rechnungen pro Jahr Privatärztliche VerrechnungsStelle findet und bindet Mitarbeiter durch Familienfreundlichkeit
eutschland in den 1920er-Jahren: Landwirte lassen sich ihre verkauften Produkte und Ärzte ihre Behandlungen durch rund 100 Buchungsstellen verrechnen. Im Jahr 2011 sind es noch 15, die im klassischen Outsourcing AbrechnungsDienstleistungen für Ärzte erbringen. Damals wie heute ist eine von ihnen die PVS rhein-ruhr GmbH mit Sitz in Mülheim. 5,3 Millionen Rechnungen, die das Logo mit den zwei blauen Pfeilen zieren, gehen Jahr für Jahr aus den Druckmaschinen in Mülheim. 900 Millionen Euro Fremdhonorar verwaltet die PVS auf diese Weise. „Wir sind Mittler zwischen Privatpatienten – zehn Prozent aller Deutschen sind privat versichert – Ärzten und Kostenträgern“, sagt Peter Scholich, Geschäftsführer der PVS. Und konkretisiert das schnell und pointiert: „Wir schreiben Rechnungen – und machen das ganze Arbeitspaket danach.“ Das Forderungsmanagement ist kein leichtes Geschäft. „Wussten Sie, dass zehn Millionen Deutsche pro Jahr um-
ziehen?“, fragt Scholich; Sterbefälle und Erbenermittlung erschwerten die Abwicklung zusätzlich. Und dann ist da noch die Rechnung an sich. Anhand der Krankenakten werden Gebührenziffern ermittelt. „Aus OP-Berichten, die mit lateinischen Fachbegriffen gespickt sind, müssen wir beispielsweise den genauen Schnittverlauf herauslesen und gebührenrechtlich richtig interpretieren“, schildert der Geschäftsführer, der deshalb in Mülheim drei Ärzte beschäftigt. „Als Geschäftsführer haften wir für jede einzelne unserer Rechnungen“, verdeutlicht Scholich und fügt schmunzelnd hinzu: „Einige Kunden finden, dass wir päpstlicher als der Papst sind, wenn wir zu einem Vorgang gleich mehrmals nachfragen. Aber das genau ist unser Anspruch – und unsere Lebensversicherung zugleich.“ Peter Scholich, von Haus aus Fachanwalt für Sozialrecht und seit 1993 im Unternehmen tätig, hat in der Geschäftsführung seit einem guten Jahr Verstärkung durch Dr. Harro Herffs. Der junge Rechtsanwalt war bereits an einigen PVS-Standorten in Deutschland tätig, zuletzt in Bremen. Herffs’ Leitgedanke: „Von mir aus muss in keinem Krankenhaus ein Schreibtisch für die Abrechnung stehen.“ Das medizinische Fachpersonal solle sich aufs Behandeln und Versorgen, nicht aufs Verwalten konzentrieren. Zu den 7.000 Kunden in Deutschland, die sich von administrativen Tätigkeiten entlasten lassen, zählen neben Kliniken niedergelassene und Chef-Ärzte, Heilpraktiker, Zahnärzte und Phy-
siotherapeuten. Aber auch ande- dem Dach der PVS holding als eire Berufsstände will die PVS aktiv gene Gesellschaften aufgestellt sein. angehen, z. B. Steuerberater, Archi- „Damit schließen wir bald die Neutekten oder Rechtsanwälte. So gibt strukturierung des Konzerns ab“, es mittlerweile die Tochter PVS ra, erläutert Scholich. Die „PVS-Familie“ beschäf„die ein Quantensprung für uns tigt deutschlandweit 590 Mitarbeiter an elf Standorten. Viele von ihnen sind im eigenen Haus ausgebildet worden – etwa als Bürokaufleute, Kaufleute im Gesundheitswesen, IT-Kaufleute „und seit neuestem auch als Koch für unser Betriebsrestaurant“, zählt Scholich auf. An sie werden hohe Anforderungen gestellt: Neben den gebührenrechtlichen Kompetenzen wird die Einhaltung des Datenschutzes groß geschrieben – die PVS hat einen eigenen Fahrdienst, der die Patientenakten sicher vom BehandDr. Harro Herffs ler zum Verrechner bringt. Früh hat das Mülheimer Unternehmen erwar“, wie Scholich rückblickend kannt, dass es mit Familienfreundwertet. Weitere Tochter-Unterneh- lichkeit gute Mitarbeiter findet und men fußen auf dem Know-how im bindet. So wurden z. B. Plätze in Forderungsmanagement sowie bei einem benachbarten Kindergarten Finanzdienstleistungsprodukten: angemietet. Ein Grund für das MülPVS berlin-brandenburg, PVS pria, heimer Bündnis für Familie – dem PVS medis AG sowie PVS 4you. Kuratorium gehört der UnternehDiese jüngste Gründung ist bera- merverband an – die PVS als „Fatend tätig – etwa bei Praxisabläu- milienfreundlicher Betrieb“ ausfen, Dokumentation, Organisation zuzeichnen. „Wir haben über 90 und Abrechnung. Alle Tochter-Un- Prozent Mitarbeiterinnen. Sie wolternehmen werden zukünftig unter len wir nach der Elternzeit mög-
Top-Ingenieurabsolvent trifft Hidden Champion
Hafen-Chef im Dialog W
Headzoom.com: Personal-Rekrutierung per Video-Interview
ährend „Fachkräftemangel“ für viele Unternehmer das „Un-Wort“ des Jahres 2011 werden könnte, gibt dieser der Geschäftsidee von Dr. Thomas Reichel möglicherweise den entscheidenden Schub: Auf „Headzoom.com“ bringt der Duisburger deutschlandweit ausgewählte, überdurchschnittlich gute Studierende aus Ingenieurfachrichtungen mit den vielfach zitierten „Hidden Champions“ zusammen, also den eher unbekannten, aber hoch-technologischen und -spezialisierten Mittelständlern. Das Besondere: Die Personalleiter lernen den Nachwuchs nicht nur durch eine herkömmliche Bewerbungsmappe auf dem Papier kennen, sondern durch ein VideoInterview. „Auf einen Klick und in wenigen Minuten erhält man so einen persönlichen Eindruck vom Bewerber – bei Personalentscheidungen spielt das Bauchgefühl ja eine wichtige Rolle“, weiß Reichel, der vor seiner Selbstständigkeit langjährig Erfahrungen im Personalmanagement sammelte. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern das gleiche Problem: Sowohl vom Renom-
mee als auch vom Lohnniveau her können sie mit den großen Konzernen im Kampf um die besten Köpfe nicht mithalten. „Dabei haben Mittelständler Berufseinsteigern eine Menge zu bieten: Verantwortung von Beginn an, Aufstiegsmöglichkeiten oder Auslandseinsätze“, meint Dr. Thomas Reichel. Beiden Seiten – den jungen wie den Hidden Champions – ermöglicht die audio-visuelle Plattform „interessante Entdeckungen“, „kluge gezielte Gespräche“, „die Stecknadel im Heuhaufen zu finden“ oder „dem Zufall auf die Sprünge zu helfen“, wie Reichel verspricht. Während die Studierenden die Videobewerbung geschenkt bekommen, zahlen die Unternehmen einen Festbetrag für den Zugang zum Videoportal. „Rechnet man andere Maßnahmen wie Anzeigen in Zeitungen oder die Präsenz auf Uni-Messen gegen, lohnt sich das schnell“, meint Reichel, der nach dem Studium der Politik, Soziologie und Jura promovierte und dann als Personalleiter im Handel, in der Finanzbranche und im Maschinenbau tätig war. Nach 17 Jahren als Angestellter machte er sich 2005 als Headhunter selbstständig – wobei ihm viel an
seiner Berufsehre liegt. „Einige wenige ‚Kopfjäger‘ haben nicht gerade zu einem ehrwürdigen Ansehen unserer Branche beigetragen“, bemängelt der heute 49-Jährige. Sein Anspruch lautet: Manufaktur. Oder niederrheinisch ausgedrückt: „Pott und Deckel müssen passen.“ Ob das Konzept von Headzoom. com aufgeht, steht und fällt mit der Qualität der Bewerber. Derzeit akquiriert Dr. Thomas Reichel die jeweils 50 Prozent Jahrgangsbesten. „Insbesondere der Ingenieur-Nachwuchs hat eine gesunde Skepsis gegenüber allzu offensiver Werbung“, so der Geschäftsführer. Doch holt er die jungen Menschen an einem entscheidenden Punkt ab: „Im letzten Jahr des Studiums geht es um entscheidende Prüfungen, die Abschlussarbeiten. Hier haben die Studierenden viel im Kopf – die Suche nach potenziellen ArbeitgeInfo Headzoom.com GmbH Fliederweg 17 47198 Duisburg 02066 502154 www.headzoom.com
lichst schnell wieder in den Beruf ge“, prognostiziert Scholich. Sein eingliedern, um dem Prozess der Modell: Beide Anbieter – sowohl die gesetzlichen De-Qualifizierung zu begegnen“, GEMEINSAM BESSER. Krankenkassen als erläutert Scholich. Das bringt laut auch die privaten – öffnen sich für Herffs zwar eine hohe Teilzeitquo- beide Patientengruppen. Die jeweite mit sich, trage aber wesentlich ligen Leistungskataloge enthalten zum Erfolg des Unternehmens bei, die Grundversorgung, viele Bereiweil das Know-how gesichert bleibt. che werden aber über ZusatzversiEin eigener Betriebskindergarten cherungen abgedeckt. „Es ist zwar steht allerdings nicht zur Debatte: unpopulär, aber todsicher: Mit dem „Zwei Bedarfsermittlungen führten derzeitigen Beitragsvolumen sind zu dem Ergebnis, dass unsere Mit- viele Leistungen schon bald nicht arbeiterinnen ihre Kinder lieber da mehr zu bezahlen.“ Als Unsicherunterbringen, wo sie wohnen.“ Da heitsfaktor sehen Scholich und viele Köpfe auch viel Platz benöti- Herffs die Politik. „Die Gesundgen – Home-Office ist aufgrund des heitspolitik ist unvorhersehbar. Wir Datenschutzes nicht erste Wahl – erkennen keine Struktur, im Prinzip hat die PVS Gebäude in der Nach- können wir nur kurzfristig planen“, bemängelt Scholich. Nichtsdestobarschaft angemietet. Eine Parallele zu 1927, dem trotz schaut er optimistisch nach Gründungsjahr der PVS, zeich- vorne: „Wir stellen uns den Verännet sich übrigens ab: Schon damals derungen des Marktes – und wolwurden alle Gesundheitskosten len weiterhin immer einen Schritt über ein und die gleiche Verrech- voraus sein.“ Jennifer Middelkamp nungsstelle abgewickelt. Scholich ist sich sicher: „Die kassenärztlichen und privaten Systeme werden Info sich innerhalb der nächsten zehn bis zwölf Jahre angleichen.“ Laut Scholich können die demografiebePVS rhein-ruhr GmbH Remscheider Str. 16 dingt weniger und älter werdenden 45481 Mülheim Menschen den Generationenver0208 4847-0 trag des Gesundheitssystems nicht www.pvs-rr.de mehr erfüllen. „So führt der Finanzdruck automatisch zur Strukturfra-
bern steht da nicht an erster Stelle.“ Statt Unternehmens- und Stellenrecherche drehe die Videobewerbung den Spieß um, dass sich nämlich die Unternehmen gezielt um die junge Elite bewerben. 50 Partner-Unternehmen und rund 100 Ingenieur-Absolventen will Reichel in diesem Jahr für seine Plattform gewinnen. Die Geschäftsidee von Reichel baut auf einem Videoportal auf, das er zunächst für das Outplacement von Spitzenkräften entwickelte. „Motor dafür war und ist die Zeitknappheit – welcher Personalchef kann sich für jede Stellenbesetzung schon ausreichend Zeit nehmen?“, fragte sich Reichel, der dem Bewerbungsprozess durch das Audio-Visuelle – sozusagen als Bypass – mehr Tempo, mehr Kontakte und mehr Optionen verleiht. Sowohl am Anfang als auch am Ende steht die Erkenntnis, dass Angebot und Nachfrage nicht per Text zusammengebracht werden. „Prüfungsnoten, Zeugnisse, Papier – das liefert doch nicht das, was einen Menschen ausmacht“, resümiert Reichel. Jennifer Middelkamp
ieder einmal lud die duisport-Gruppe Abiturienten zu dem vom Initativkreis Ruhr (IR) in jedem Jahr veranstalteten „Dialog mit der Jugend“ ein. Bei Vorbereitungsbesuchen an den Schulen wurden bereits Informationen über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der duisport-Gruppe und dem Bereich Logistik vermittelt. Rund 80 Schülerinnen und Schüler aus Bochum, Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr lernten dann den Duisburger Hafen per Bus kennen. Höhepunkt war die anschließende Schiffsfahrt mit dem Vorstandsvorsitzenden der duisport-Gruppe: Erich Staake, seit Januar Co-Moderator des Initiativkreises Ruhr, beantwortete bereitwillig Fragen rund um seinen beruflichen Alltag und das Thema Logistik.
Bereits zum vierten Mal ruft die Bundesvereinigung der Logistik (BVL) e. V. zum „Tag der Logistik“ auf. Am 14. April 2011 präsentiert sich auch der Duisburger Hafen als wichtiger Wirtschaftsstandort für die Region und als „Gateway to Europe“. Unternehmen öffnen ihre Türen und duisport – Duisburger Hafen AG lädt dazu ein, „Hafen live – auf den Wegen des weltgrößten Binnenhafens “ zu erleben. Die Busse fahren an Umschlaghallen, modernen Distributionszentren und Europas größtem Containerkran vorbei. Es werden Einblicke in die Vielfältigkeit logistischer Dienstleistungen von der Verpackungs- bis zur Automobillogistik und Informationen rund um die Geschichte und Bedeutung des Hafens gegeben. Nähere Informationen gibt es auf www.tag-derlogistik.de.
Erich Staake freute sich über den Besuch der Schüler (Foto: duisport)
Q:marketing – eben keine Agentur wie die meisten anderen Den Kunden wird die gesamte Medienkette aus einer Hand erschlossen
er ein Fan der Star-Trek-Saga ist, dem könnte das Q im Firmennamen der Mülheimer Q:marketing Aktiengesellschaft bekannt vorkommen. In der Tat haben diese fiktiven Wesen aus einem anderen Raum-Zeit-Kontinuum, welche die Menschheit begleiten, dem Unternehmen den Namen gegeben. Q:marketing begleitet nämlich seine Kunden durch die neuen Welten des Marketings. Etwa so, wie in einer der TV-Folgen eines dieser Wesen den Baum anstieß, unter dem Isaac Newton saß. Der Rest ist Schulwissen: Ein Apfel fiel dem jungen Wissenschaftler auf den Kopf und brachte ihn dazu, die Gesetze der Schwerkraft zu entdecken. Wenn sich das Mülheimer Team um seine Kunden kümmert, sorgt es aber auch dafür, dass denen nicht vor lauter moderner Technik das spätere Schicksal des britischen Forschers droht: der Nervenzusammenbruch. Das geht, indem für komplexe Aufgaben einfache Lösungen gefunden werden, die den Kunden in die Lage versetzen, die auf ihn zugeschnittenen Marketingund Vertriebsmodule mit geringem Personalaufwand selbstständig zu steuern. Was Q:marketing von den meisten anderen Agenturen unterscheidet, lässt sich aus der Geschichte des Unternehmens ableiten. Ursprünglich hatten sich sieben eigenständige Unternehmen mit unterschiedlicher Ausrichtung lediglich unter einem Dach zusammengefunden. Da die Synergieeffekte immer offensichtlicher wurden, schlossen sich im Jahr 2000 die Partner zu einer Aktiengesellschaft mit fünf Anteilseignern zusammen. Drei von ihnen bilden zugleich den Vorstand der AG: Hanns-Peter Windfeder ist für die Beratung zuständig, sein Bruder Christian für die Umsetzung und Jürgen Dworak für das Projektmanagement. Der breite Wissens- und Erfahrungsmix Info Q:marketing Aktiengesellschaft Düsseldorfer Straße 193 45481 Mülheim an der Ruhr 0208 3015-0 www.Qmarketing.de
stets „das Denken und Sehen“. Die burgbestellung – und sogar das Spart nicht an den Leuten oder am Budget – geht einfach hin und Situation beim Kunden wird genau passende Abrechnungssystem. Das gesamte Potenzial ist damit macht mehr Geschäft!“ analysiert. Alle Schwachstellen und Nicht nur für die Kunden, zu Stärken müssen aufgedeckt wer- aber noch nicht ausgeschöpft. Zur den, ehe ein neues Dachkonzept hohen Schule des Marketings im denen neben vielen „klassischen“ als „roter Faden“ Einzug hält, an Internet-Zeitalter gehört beispiels- Mittelständlern auch Branchendem sich die Entscheidungen dann weise die Einrichtung eines Clubs riesen wie die Deutsche Telekom, ausrichten. Und es geht durchaus für die Kunden, der ihnen Zusatz- die WAZ-Mediengruppe, HewlettPackard oder – seit immerhin schon 15 Jahren – die Buderus Heiztechnik gehören, zahlen sich der ökonomische Realitätssinn und die Kreativität der Mülheimer aus. Von der Finanz- und Wirtschaftskrise beispielsweise war Q:marketing so gut wie nicht betroffen. Das macht sich auch am stabilen Beschäftigungsstand bemerkbar: 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werkeln in allen vier Stockwerken der ehemaligen Lederfabrik Möllenberg an der Düsseldorfer Straße 193 an Konzepten, Grafikentwürfen und Computerprogrammen. Hinzu kommt eine Reihe freier Mitarbeiter, die projektbezogen eingebunden werden. Aufgeteilt ist das Ganze in fünf Abteilungen, die sich um Beratung und Kontakt, Kreation, Produktion (Druckvorstufe und Druck), neue Medien und Media (dahinter verbirgt sich beispielsweise die Anzeigenschaltung) kümmern. 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beherbergt das alte Mülheimer Fabrikgebäude (Fotos: Q:marketing) Ein paar Mitarbeiter mehr könnmit der neuen digitalen Welt ver- nicht darum, einfach mehr Geld in leistungen bis hin zu Events und ten es durchaus sein, doch klagt knüpft, sondern die ganze Palette Vertrieb und Marketing zu stecken. Reiseveranstaltungen anbietet. Hanns-Peter Windfeder darüber, an verwandten Dienstleistungen Windfeder: „Die Unternehmen be- Hanns-Peter Windfeder: „Das ist dass „gute Programmierer zu verangeboten – vom Corporate Design nötigen in der Regel kein größeres nicht allein ein Projekt der Kunden- nünftigen Konditionen kaum zu über die Unternehmenskommu- Budget, sondern müssen es ledig- bindung, sondern immer zugleich bekommen sind“. Man ist eben ein nikation und die Datenbankpro- lich auf ihre wichtigsten Zielgrup- auch ein Arbeitssteuerungspro- zwar hochmodernes, aber ebengrammierung bis hin zum Dialog- pen verschieben.“ Dworak fügt zess.“ Und er fügt hinzu: „Eigent- so bodenständiges Unternehmen hinzu, dass die Q:marketing-Lö- lich entwickeln wir Systeme, die in Mülheim an der Ruhr und sitzt marketing. Wie aber sieht das in der Praxis sungen darauf ausgerichtet sind, einerseits die Qualität und die Kos- nicht in einem Glaspalast wie in aus? Nehmen wir den typischen dass die Kunden „so effektiv wie teneffizienz erhöhen und anderer- den Werbe-Hochburgen Hamburg, Fall, dass wie in vielen Unterneh- möglich arbeiten und mit mög- seits dazu führen, dass der Kunde Berlin oder Düsseldorf. Dafür versteht sich Q:marketing men Marketing und Vertrieb ge- lichst wenigen Leuten möglichst gar keine Agenturen mehr einschalten muss, um hier eine App entwi- jedoch als Familienunternehmen. trennt arbeiten. Hanns-Peter Wind- viel selbst machen.“ Eine Lösung kann beispielswei- ckeln oder dort eine Printvorlage Dass die drei Vorstände sämtlich feder formuliert es so: „Weiß der Vertrieb eigentlich, was das Mar- se darin bestehen, dass die gesam- entwerfen zu lassen. Wir verbinden Mittvierziger sowie Väter sind und keting beabsichtigt? Weiß das Mar- te Produktpalette eines Unterneh- all das idealerweise in einem einzi- von daher Verständnis für die Doppelbelastung aus Familie und Beruf keting, was der Vertrieb benötigt? mens in einen Datenpool einfließt, gen Produkt.“ Überhaupt ist „Verbinden“ die haben, „führt zwar nicht dazu, dass Wissen beide, was die Kunden wol- aus dem sich alle Vertriebspartner len?“ Diese Fragen deuten schon an, und Händler bedienen können. Mit am häufigsten benutzte Vokabel bei wir ein Arbeitszeitmodell haben dass am Anfang des Engagements einem reinen Katalog hat das aber Q:marketing. „Warum“, fragt Dwo- oder einen Wickelraum, aber dafür von Q:marketing nicht selten die nur noch wenig zu tun, denn eben rak, „muss ein Unternehmen einen Teilzeitjobs anbieten und immer Aufgabe steht, die verschiedenen jener Datenpool ist das Tor zur wei- Geschäftsbericht UND eine Image- Wege finden, wenn es zwischen „Player“ eines Unternehmens dazu ten Welt des Marketings. Er lie- broschüre herausgeben – lässt sich Job und Kindererziehung Konflikte zu bringen, ohne Eifersüchteleien fert zugleich Apps für iPads und das nicht viel besser zu einem Pro- gibt.“ Überhaupt, so formulieren es und Kompetenzstreitigkeiten mit- Smartphones, fertige – aber den- dukt verbinden?“ Wobei wir auto- die beiden Windfeders und Dwoeinander zu kommunizieren und in noch individualisierbare – Anzei- matisch wieder beim Thema Geld rak unisono, ist „Vorbild sein für gen für die Printmedien, Vorlagen sparen sind. Hanns-Peter Wind- uns das wichtigste Führungsinstruder Folge besser zu kooperieren. Vor dem Handeln steht für die für Plakate sowie Anleitungen für feder: „Einer der wichtigsten Rat- ment.“ Das geht so weit, dass die Mülheimer Marketingexperten Aktionstage – einschließlich Hüpf- schläge für unsere Kunden ist: einstige Unternehmensgründung – von der Unternehmensberatung über Marketing und Vertrieb bis hin zu Computergrafik, App-Programmierung und dem klassischen Printbereich – führt dazu, dass „die gesamte Medienkette geschlossen werden kann“. Dabei wird also nicht nur das klassische Marketing
Edeka paschmann: Cupsieger und generationenfreundlich D
as Edeka-Center Paschmann an der Mannesmannallee in Mülheim hat die nationale Endausscheidung des Edeka-Supercups 2010 gewonnen. Anonyme Tester nahmen dafür alle deutschen Märkte der Einkaufsgemeinschaft genau unter die Lupe. Sie bewerteten nicht nur den Gesamteindruck und wie gepflegt die Berufskleidung ist, sondern auch die Kundenfreundlichkeit oder wie gut die Frischeabteilungen geführt werden. Mit ihrem außer-
gewöhnlichen Service und einer Menge kreativer Ideen konnte der „Essthetik-Markt“ am Heifeskamp kräftig Punkte sammeln und als Sieger durchs Ziel gehen. Kurz darauf erhielt der Markt eine zweite ehrenvolle Auszeichnung verliehen, nämlich das Zertifikat des Einzelhandelsverbandes Ruhr für generationenfreundliches Einkaufen. Auf unserem Bild freuen sich (von links) Hartmut Buhren (Vor-
stand Einzelhandelsverband), Marc Heistermann (Hauptgeschäftsführer Einzelhandelsverband), Inhaber Heinz Wilhelm Paschmann, Prokurist Markus Trenkner, Marktleiter Daniel Jahnke sowie der ehemalige Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, Theodor Damann, anlässlich der Preisverleihung im „Essthetik-Markt“ über das Zertfikat „Ausgezeichnet Generationenfreundlich“. (Foto: Rehbein)
als Vorbild herhält, wenn es darum geht, den Weg von Mitarbeitern in die eigene Selbstständigkeit zu unterstützen und zu begleiten. Diese sind darauf gut vorbereitet, weil hohes Engagement bei gleichzeitig größtmöglichen Freiheiten sowie Eigenverantwortlichkeit ohnehin zu den Tugenden gehören, die in der Agentur gefordert und gefördert werden. Das beginnt bereits in der Ausbildung, die einen hohen Stellenwert bei Q:marketing besitzt. Stolz sind die Vorstände darauf, dass „unsere Auszubildenden immer wieder als Landes- und Bundessieger aus den Abschlussprüfungen hervorgehen.“ Um auf das geheimnisvolle Wesen Q zurück zu kommen: Ihm gelingt immer wieder dank seiner fast unbegrenzten Fähigkeiten das scheinbar Unmögliche. Insofern dürfte der „Flug in unendliche Weiten“ der Mülheimer Enterprise-Crew noch mit vielen weiteren spannenden Episoden aufwarten können. Rainer Rehbein
ZUKUNFTSREGIoN RHEIN-RUHR
Interdisziplinäres Wissenschaftler-Team forscht an grünem Energiespeicher Saubere Energie aus dem Bergwerk
ie Speicherung von umweltfreundlichem Strom ist nach wie vor ein großes Problem. Solaroder Windenergie sind stark vom Sonnen- oder Windaufkommen abhängig. In sonnenverdeckten oder windstillen Zeiten können Versorgungsengpässe entstehen; ebenso kann es zu einem Energieüberschuss bei starker Sonne und starkem Wind kommen, was dann im Verteilernetz zu weiteren Problemen führen kann. Eine vielversprechende Lösung für das Stromspeicherproblem ist durch die interdisziplinäre Arbeit von Wissenschaftlern aus dem Ruhrgebiet in Sicht. Die Wissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Ulrich Schreiber, Prof. Dr. André Niemann und Prof. Dr. Eugen Perau verfolgen gemeinsam mit Prof. Dr. Hermann-Josef Wagner von der Ruhr-Universität Bochum ein neues Konzept bei der Speicherung von umweltfreundlichem Strom. „Wir haben das Prinzip der Pumpspeicherwerke auf die Gegebenheiten im Ruhrgebiet übertragen“, sagt Dr. Ulrich Schreiber, Professor für Geologie an der Universität DuisburgEssen.
mit möglichst steilem Relief.“ Doch vielfach sind die Möglichkeiten bereits ausgeschöpft. Bis auf Norwegen, wo allerdings die Entfernung zu den Stromabnehmern ein Problem darstellt. Ganz anders stellt sich die Situation der Unterflurpumpspeicherwerke (UPW) dar, an denen die Wissenschaftler forschen. Das Konzept (siehe auch Infokasten/Abbildung) folgt der Grundidee, dass die nicht mehr genutzten stabilen Hohlräume des Bergbaus als Wasserreservoire dienen sollen. Genau wie bei den klassischen Pumpspeicherwerken wird das Wasser durch Rohrsysteme in die Tiefe geleitet und nach dem Turbinendurchgang in den Stollen gespeichert. Die Hebung des Wassers erfolgt dann, wenn es ein Überangebot an Strom gibt. Unterflurpumpspeicherwerke sind ein in sich geschlossenes, gekapseltes System ohne Kontakt zum Grundwasser. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der benötigte Platz ist durch die unterirdischen, nicht mehr genutzten Hohlräume vorhanden und auch die Stromkonsumenten befinden sich im Ballungsraum Ruhrgebiet in unmittelbarer Nähe; Transportverluste werden so gemindert.
chere Variante bereitet offene Tagebaulöcher für ein UPW vor. Bereits während der Abbauphase bis auf 400 Meter Tiefe ließen sich speziell konfigurierte Rohrsysteme verlegen oder Hohlräume bauen, die schrittweise mit Turbinen in Zuleitungsfallrohren ausgestattet werden. Abschließend würden dann die Überdeckung mit Abraummaterial und die Einrichtung des Oberbeckens folgen. Selbst in Küstennähe kann man das gleiche Prinzip realisieren, sofern in diesen Regionen ein steiles Relief zum Meeresbecken ausgebildet ist. Reizvoll ist die Entwicklung solcher Systeme dort, wo eine hohe Stromgewinnung über Photovoltaik möglich ist, wie am Roten Meer oder an den Küsten des Mittelmeers. Weites Interesse am innovativen Ansatz
„Neu an unserem Ansatz ist, dass die Becken ebenerdig oder unterirdisch angelegt sind und dass für das Gefälle kein Gebirge benötigt wird“, erklärt Professor Niemann. Nicht nur Wirtschaft und Industrie zeigen großes Interesse an der findigen Entwicklung der Wissenschaftler aus dem Ruhrgebiet. Auch aus Regionalkonzepte Kreisen der Politik erreichen das Ausweitung auf Tagebau für Ökostromspeicher Forscherteam Anfragen. „Insgeund Küsten samt können wir von einem erfreuKonventionelle Pumpspeicherwerke funktionieren so: Wasser wird Prof. Schreiber: „Wir haben auch lichen Interesse an unserer Arbeit aus Stauseen zu Zeiten, in denen schon weiter gedacht und darü- sprechen“, berichten die Forscher. ein Spitzenbedarf an Strom besteht ber hinaus zwei Modelle entwidurch Turbinen in tieferliegende ckelt, die auf ähnlichen Prinzipien Nächste Schritte Becken geleitet, Bei einem Überan- beruhen.“ So sind zum Beispiel nach den Jetzt gilt es, die technischen Rahgebot konventioneller oder regenerativer Energie wird das Wasser Überlegungen der Forscher die menbedingungen weiter zu erfaswieder in das Oberbecken zurück Flächen des Braunkohletagebaus sen, zu bewerten und zu berechnen. gepumpt – bis der nächste Bedarf ebenfalls attraktiv. „Hier könnte Daraus ergeben sich genauere Aneintritt. Diese Anlagen brauchen man sogar während des laufenden gaben für mögliche Einsatzgebiegroße Höhenunterschiede und viel Kohleabbaus die Abraumhalden te. Im Blick haben sie dabei zudem Platz. Geologe Ulrich Schreiber: für ein Pumpspeicherwerk um- die Wirtschaftlichkeit der Unter„Deswegen gibt es sie hauptsächlich rüsten“, begeistert sich Professor flurpumpspeicherwerke – wobei in Gebirgen, also in Landschaften Perau. Diese bautechnisch einfa- immer auch die globale Perspekti-
Aus Speicherbecken über Tage wird Wasser über ein Rohrsystem auf in über 1.000 Metern Tiefe installierte Turbinen geleitet. Das Wasser fließt in große Rohre oder in geschlossene Stollen unter Tage. Dieses gekapselte System nimmt das einströmende Wasser auf und ist geleert der eigentliche Speicher. Mit Strom aus regenerativen Quellen wird das Wasser wieder gehoben. Dieses bereits vielfach eingesetzte Prinzip der Pumpspeicherkraftwerke hat hier als Novum die Ausnutzung der verfügbar gemachten Hohlräume in der Tiefe. Es müssen neben dem Einbau der Turbinen und der Rohrleitungen oberflächig Staubecken gebaut und die existierenden Hohlräume unter Tage für Fließprozesse ausgelegt werden. Hinzu kommt ein Be- und Entlüftungssystem, das die Luftabgabe und -aufnahme während der Fließprozesse des Wassers regelt. ve eine Rolle spielt. Neben so konkreten technischen Fragen wie nach dem idealen Rohrsystem oder der Verhinderung von Strudelbildungen bei der Befüllung werden wirtschaftliche und politische Probleme der UPW genauer unter die Lupe genommen. „Diese Themen erfordern Kooperationen mit Industrieunternehmen“, sagt Prof. André Niemann.
Info Universität Duisburg-Essen
Ganzheitliches Konzept mit Visionen Die Ganzheitlichkeit des Konzeptes ist den Forschern besonders wichtig. In 1.000 Metern Tiefe ist zum Beispiel das Wasser über 40˚C warm – eine zusätzlich nutzbare Energiequelle. Über Wärmetauscher ließe sich ein Großteil der Wärmeenergie des Gruben- und Grundwassers erschließen, mit der preiswert und umweltfreundlich Gebäude geheizt werden können. Das Gesamtkonzept ist so flexibel, dass sich die weiteren energetischen Potenziale ehemaliger Bergwerke und Tagebaue, wie zum Beispiel die Grubengas- und Luftstromverwertung oder die Vergasung von Biomasse, einfach integrieren lassen. Sie alle könnte man je nach Standort kombinieren. „Mit etwas Glück gibt es ja vielleicht infolgedessen auch irgendwann Thermalbäder im Ruhrgebiet“, so Prof. Schreiber. Irgendwie ein schönes Zukunftsbild.
Prof. Dr. rer. nat. Ulrich Schreiber Geologie 0201 183-3100 ulrich.schreiber@uni-due.de Prof. Dr.-Ing. Eugen Perau Geotechnik 0201 183-2858 eugen.perau@uni-due.de Prof. Dr.-Ing. André Niemann Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft 0201 183-2225 andre.niemann@uni-due.de Ruhr-Universität Bochum Prof. Dr.-Ing. H.-J. Wagner Lehrstuhl für Energiesysteme und Energiewirtschaft 0234 32-28044 lee@lee.rub.de
Universität Duisburg-Essen Science Support Centre – SSC Oliver Locker-Grütjen, Leiter Science Support Centre 0201 183-3669 o.locker-gruetjen@uni-due.de www.uni-due.de/ssc
Forschungszentrum als Ansprechpartner
Siegerentwürfe für Neubauten der Hochschule in Mülheim und Bottrop
as Forschungszentrum der Hochschule Rhein-Waal am Standort Kleve hat Mitte des Jahres 2010 seinen Betrieb aufgenommen und kommt bereits nach der kurzen Zeit diversen Aufgaben nach. „Wir sehen uns als Ansprechpartner für die regionale Wirtschaft. Dies bedeutet, dass sich Unternehmen bei Forschungsvorhaben an uns wenden können, um Kooperationsmöglichkeiten abzustimmen“, erläutert Dr. Gerhard Heusipp, Leiter des Forschungszentrums: „Bis heute haben wir bereits zahlreiche Gespräche mit Unternehmern Info Hochschule Rhein-Waal Dr. Gerhard Heusipp 02821 80673-116 gerhard.heusipp@hochschule-rhein-waal.de www.hochschule-rhein-waal.de
geführt, was für ein reges Interesse der Wirtschaft an einer Zusammenarbeit mit der Hochschule spricht.“ Zum Aufgabengebiet gehört außerdem die Einwerbung von Drittmitteln für Forschungsvorhaben. Aktuell arbeitet das Forschungszentrum an dem INTERREG IV A-Projekt „Leisure Valley – Grün genießen“ und leistet wissenschaftliche Begleitung bei dem von Haus Freudenberg initiiertem EU-Projekt „Auch wir arbeiten in Europa!“. Für die Zukunft wird insbesondere anwendungsnahe Forschung im MINT-Bereich angestrebt. Außerdem soll im Rahmen der Gemeinschaftsoffensive „Zukunft durch Innovation.NRW“ Ende 2011 ein ZdI-Zentrum am Standort Kleve zur Förderung des ingenieur- und naturwissenschaftlichen Nachwuchses aufgebaut werden.
Campus erhält ein Gesicht m Anschluss an den zweistufigen Wettbewerb um den künftigen Campus der Hochschule Ruhr West am Standort Mülheim an der Ruhr haben sich die drei Preisträger noch einmal miteinander gemessen. Sieger ist das Architekturbüro HPP HentrichPetschnigg & Partner mit ASTOC Architects & Planners und Winter Ingenieure sowie Planergruppe GmbH Oberhausen. „Der Entwurf greift die städtebaulichen Vorgaben optimal auf und bietet beste Voraussetzungen für Lehre und Forschung”, freut sich Prof. Dr. Eberhard Menzel, Präsident der Hochschule. Flexibilität und offene Kommunikationsflächen sind wesentliche Aspekte. Der Campus entsteht für 100 Millionen Euro an der Duisburger Straße auf einer 43.000 m2 großen Brachfläche. Auch der Siegerentwurf für den Neubau am zweiten Standort
Bottrop steht fest. Er stammt von der Arbeitsgemeinschaft h4a Gessert + Randecker + Legner Architekten und Vögele Architekten mit Kaufer + Passer und Planergruppe Oberhausen. Voraussichtlich wird die Hochschule den Neubau für 22 Millionen Euro ab Herbst 2013 beziehen können. Das Preisgericht lobte an dem Siegerentwurf, dass der Zuschnitt der Räume flexible Nutzungen ermöglicht. Architektonisch reagiert er durch die Gliederung in einzelne schmale Finger besonders gut auf die umliegende kleinteilige Bebauung. Info Hochschule Ruhr West Mellinghofer Straße 55 45473 Mülheim an der Ruhr 0208 882 54 -0 www.hochschule-ruhr-west.de So wird der Mülheimer HRW-Campus einmal aussehen (Grafik: HRW)
SERIE: poSTLEITZAHL – DIE WIRTSCHAFTSSTANDoRTE IN NRW
Mülheim an der Ruhr – gut leben, arbeiten ... ... und neuerdings auch studieren
. . . 6 454
tadt am Fluss, grüne Stadt, Gründer- und Unternehmerstadt, „Stadt der Millionäre“, attraktive Wohnstadt: Viele Eigenschaften werden Mülheim an der Ruhr regelmäßig zugeschrieben. Manche treffen voll zu, andere weniger, einige haben sich im Laufe der Jahre verändert. Mit drei Worten lässt sich Mülheim aktuell wohl am treffendsten beschreiben: Gut leben, arbeiten und (neuerdings auch) studieren. Wer die Stadt gar nicht oder nur ein wenig kennt, denkt vor allem an den Fluss, den sie im Namen trägt. Mit über 50 Prozent Grün- und Waldflächen zieht Mülheim viele an, die gern zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet leben wollen. Der Stadt ist es gelungen, sich als herausragender Wohnstandort zu positionieren. So fragte kürzlich auch eine große deutsche Boulevardzeitung: „Was ist das Wohlfühl-Geheimnis von Mülheim?“ Was die Zeitung so verwunderte: Während in allen kreisfreien Ruhrgebietsstädten die Einwohnerzahlen zurückgehen, gewann Mülheim im Vergleich zu 2009 Neubürger im dreistelligen Bereich hinzu. Erfolgreichster Wirtschaftsstandort im Ruhrgebiet
Info Wirtschaftsförderung Mülheim & Business GmbH Jürgen Schnitzmeier 0208 484850 j.schnitzmeier@muelheim-business.de
Investor Kondor Wessels ist an der Ruhrpromenade auf dem Baufeld I tätig
Wirtschaftlich zeichnet sich der Standort durch einen guten Branchenmix aus: Knapp 38 Prozent der Beschäftigten sind im Dienstleistungsgewerbe tätig, 34 Prozent im produzierenden Gewerbe und 28 Prozent im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe. Diese Mischung führt dazu, dass Mülheim laut Städte-Ranking von Wirtschafts-Woche, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und IW Consult GmbH seit Jahren der erfolgreichste Wirtschaftsstandort im Ruhrgebiet ist. Die Studie kommt u. a. zu dem Ergebnis, dass die Wirtschaftskraft in den vergangenen fünf Jahren in keiner deutschen Stadt so gestiegen ist wie in der Stadt am Fluss. Um den Unternehmen vor Ort einen bestmöglichen Service und Beratung zu liefern, hat sich Mülheim als zweite Stadt im Ruhrgebiet 2009 Die in der GFR ansässige Crenetic GmbH wurde unlängst beim Deutschen Entwicklerpreis ausgezeichnet
200 m² zum Kauf und zur Miete. Die Wohnungen können bei Bedarf miteinander verbunden werden. Etwa zwei Drittel der Wohnungen verfügen über Ruhrblick mit Süd- oder Westausrichtung. Des Weiteren sind Büro- und Gewerbeflächen in einer Größenordnung von ca. 70 bis 1.000 m² geplant. Darüber hinaus sollen am Hafenbecken noch gastronomische Einheiten entstehen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf 35 Mio. Euro. Eine Projektentwicklungsgemeinschaft, bestehend aus der Mülheimer Wohnungsbau (MWB), der Heine Baugesellschaft AG und der Immobilienberatung Hoffmeister, hat im vergangenen Jahr den Zuschlag für das Baufeld II zwischen dem neuen Hafenbecken und der der ehemaligen Bahnlinie erhalten.
erfolgreich um die Zertifizierung mit dem RAL-Gütezeichen „Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung“ beworben: Seitdem werden hier alle Anforderungen der Unternehmen an die Stadtverwaltung und die Wirtschaftsförderung – vom Bauantrag bis zur Rechnungsbezahlung – auf der Basis eines TÜV-zertifizierten Unternehmensservice unbürokratisch und schnell erfüllt. Hochschule Ruhr West Seit 2009 ist Mülheim nun auch Hochschulstadt: Die Hochschule Ruhr West (HRW) mit ihren Standorten in Mülheim und Bottrop hat im zweiten Jahr ihres Bestehens ein beeindruckendes Wachstum erreicht und liegt mit einer Studierendenzahl von über 300 über den Erwartungen. Insgesamt sind derzeit rund 80 Personen an der HRW beschäftigt. Der Neubau wird in Mülheim an der Duisburger Stra-
ße entstehen. Derzeit ist die Hochschule in Interimsgebäuden im Siemens Technopark untergebracht. Studieninteressierte können sich für die Studiengänge Maschinenbau, Betriebswirtschaftslehre und Elektrotechnik (alle in MH) sowie Wirtschaftsingenieurwesen-Energiesysteme und Angewandte Informatik (beide BOT) bewerben. Zum Sommersemester 2011 startet zudem in Mülheim der Masterstudiengang „Modellierung technischer Systeme“. Der Förderverein der HRW hat mittlerweile 60 Mitglieder, vornehmlich technisch orientierte Unternehmen aus dem westlichen Ruhrgebiet. Der Förderverein ist das Bindeglied zu den Unternehmen, bietet den Studierenden u. a. Unternehmensbesuche und hilft der HRW, durch Marketingmaßnahmen den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Games Factory Ruhr In den vergangenen Jahren hat sich in Mülheim eine kleine, innovative Kreativszene entwickelt: In der Stadt am Fluss arbeiten in der Kul-
tur- und Kreativwirtschaft rund 3.000 Beschäftigte in 440 Unternehmen und erwirtschaften einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro. Einen Schwerpunkt bildet der Bereich Games. Das Kompetenzzentrum Games Factory Ruhr an der Kreuzstraße gilt als einzigartiger und zukunftsweisender Standort für Spiele-Entwickler und Zulieferer der Spieleproduktion. In direkter Innenstadtlage bietet die Immobilie auf drei Etagen rund 2.000 m2 Fläche für Unternehmen der Gamesbranche: Hier werden humorvolle Fantasy-Spiele mit Liebe zum Detail umgesetzt, es entstehen
Existenzgründern und Jungunternehmen sowie etablierten Unternehmen ein Dach zur Weiterentwicklung bietet. Ebenfalls in dem Haus untergebracht ist das Gründer- und Unternehmermuseum (GUM). In dem 2008 eröffneten „Flurmuseum“ werden die Erfolgsgeschichten Mülheimer Gründerväter anschaulich vorgestellt. Ruhrbania – Stadt ans Wasser Mülheim an die Ruhr! So lautet der Slogan des dezentralen Stadtentwicklungsprojekts Ruhrbania. Das Kernprojekt von Ruhrbania, die
Mülheim an der Ruhr in Zahlen Einwohner (31.12.2010) . . . . . 168.754 Sozversicherungspflichtige Beschäftigte (30.06.2009) . . . . 54.693 Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (2008) . . . . . 34.790 € Kaufkraft/Einwohner (2010) 21.036 € Arbeitslosenquote (12/2010) . . . 8,9 %
Fläche gesamt . . . . . . . . . 9.129 ha Wald/Grünanlagen . . . . . . 25,5 % Wasserflächen . . . . . . . . . . . 2,2 % Landwirt./gärt. Flächen . . . 23,1 % Gebäude u. Freiflächen . . . 32,2 % Verkehrsflächen. . . . . . . . . 13,5 % Sonstige . . . . . . . . . . . . . . . 3,4 %
digitale Produktionen von Werbe- Ruhrpromenade, umfasst insgefilmen und Sounddesigner zaubern samt vier Baufelder direkt an der mithilfe neuester Technik die aben- Ruhr. Auf einer Länge von 500 Meteuerlichsten Klänge hervor. tern rückt nun die Innenstadt an Darüber hinaus bündelt die „Game Development Initiative Ruhr (GDI.Ruhr)“ mit Sitz in der Games Factory die vorhandenen Aktivitäten der Spiele-Branche in der Metropole Ruhr zu einem Games-Cluster. Ziel ist es, die Spiele-Branche des gesamten Ruhrgebiets durch Vernetzung und Kooperation zu unterstützen.
Das HAUS DER WIRTSCHAFT ist ein attraktiver Ort der Begegnung für Unternehmer
Die Projektgesellschaft trägt den Namen „ruhr 12.0 Projektgesellschaft mbH & Co. KG“ – die Zahl 12.0 gibt an, wie viele Kilometer auf der Ruhr es noch von dem Baufeld bis zur Einmündung in den Rhein sind. In den vier Etagen zuzüglich Staffelgeschoss sollen Wohnungen (70 bis 170 m2; Eigentum und Mietwohnungen), Büros, zwei Gastronomien (à 800 m2) und ein Café (200 m2) verwirklicht werden. In einer Tiefgarage werden 130 Stellplätze zur Verfügung stehen. Der
HAUS DER WIRTSCHAFT Das HAUS DER WIRTSCHAFT mit angeschlossenem Gründerzentrum, in dem auch die Wirtschaftsförderung Mülheim & Business GmbH und der Unternehmerverband Mülheimer Wirtschaft ihren Sitz haben, besteht nun seit fünf Jahren. Es ist von Anfang an eine begehrte Unternehmensadresse gewesen, die
den Fluss: Auf dem Baufeld I realisiert Kondor Wessels 95 Wohnungen in einer Größenordnung von ca. 60–
Baubeginn ist für Anfang 2012 geplant, die Fertigstellung für Ende 2013. Daniela Städter
Wie die Gedächtnisleistung gesteigert werden kann, erklärt Bestseller-Autor Oliver Geisselhart im Interview.
Ob Mitarbeiter Überstunden leisten dürfen oder müssen, erklären wir in „10 Fragen und Antworten“.
Politik | Recht Unternehmensführung Personalwirtschaft 1_2011
www.unternehmerverband.org 9
Alles sauber und ordentlich? LAG Köln: Vorgaben zum Äußeren von Mitarbeitern weitgehend unbedenklich
ngewaschene oder besonders bunte Haare, ein ungepflegtes Äußeres, lange oder äußerst bunte Fingernägel, auffällige Piercings, unpassende Kleidung – ein solches Erscheinungsbild wünscht sich nicht jeder Chef bei seinen Mitarbeitern. Besondere Bedeutung hat die Thematik aber bei Mitarbeitern, die im direkten Kundenkontakt stehen und letztlich mit ihrem Auftreten die Firma repräsentieren. Um so beachtlicher, dass gerichtliche Entscheidungen zu Vorschriften des Arbeitgebers oder der Betriebsparteien rund um das Erscheinungsbild der Arbeitnehmer bislang kaum ergangen sind. Diese Lücke hat das Landesarbeitsgericht Köln mit Beschluss vom 18.08.2010 umfangreich geschlossen. Streitgegenstand war eine Betriebsvereinbarung für Kontrolleure von Fluggästen, die regelmäßig Umgang mit Passagieren haben. Es ging um eine Zusatzregelung zu der vom Arbeitgeber gestellten Dienstkleidung. Zurecht führte das Gericht aus, dass auch im Rahmen einer Betriebsvereinbarung die Betriebsparteien – Arbeitgeber und Betriebsrat – die grundrechtlich geschützten Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter zu beachten haben. Soweit sie Regelungen treffen, welche in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter eingreifen, müssen diese verhältnismäßig sein. Bei der anschließenden Überprüfung einzelner Vorgaben hatte das Gericht allerdings keine Bedenken an der Zulässigkeit der Regelung, dass „Haare immer sauber, niemals ungewaschen oder fettig wirkend“ zu tragen sind. Auch „eine gründliche Komplettrasur bei Dienstantritt“ könne gefordert werden, alternativ „ein gepflegter
Bei der Länge der Fingernägel redet der Arbeitgeber mit, bei der Farbe nicht (Foto: iStock)
Bart“. Solche Vorgaben seien geeignet und auch erforderlich, ein vernünftiges, angemessenes Erscheinungsbild zu gewährleisten. Diese Regelungen würden für die Mitarbeiter auch keine außergewöhnlichen Maßnahmen bedeuten, sondern letztlich das widerspiegeln, was den normalen und allgemein üblichen Umgangsformen solcher Menschen entspricht, die beruflich im engen Kundenkontakt stehen. Regelungen hingegen, die für Haarfärbungen „natürlich wirkende Farben“ vorschreiben, oder auch das Tragen von künstlichen Haaren und Einflechtungen verbieten, würden über das Ziel hinaus schießen und seien auch zu unbestimmt. Einfühlsam wurde im Rahmen einer Interessenabwä-
gung insbesondere beim Tragen von Haarteilen die mögliche Verletzung der Selbstwertgefühle der unter verminderter Haarpracht leidenden Mitarbeiter berücksichtigt. Solche Vorgaben könnten – wie im Übrigen auch Vorgaben zu bestimmten Frisuren – nicht mit dem Zweck eines einheitlichen Erscheinungsbildes gerechtfertigt werden. Auch über die Länge und Farbe von Fingernägeln hat das LAG Köln differenziert geurteilt. So wurde die Möglichkeit einer Verletzungsgefahr der Passagiere beim Tragen zu langer Fingernägel durch die Kontrolleure erkannt und das Verbot, Fingernägel nicht über „0,5 cm über der Fingerkuppe“ zu tragen als erforderlich und angemessen eingestuft. Ein anders-
artiges modisches Interesse von Mitarbeiterinnen müsse diesem Verletzungspotenzial gegenüber zurücktreten. Anderes soll für die Einfarbigkeit der Fingernägel gelten. Ein einheitliches Erscheinungsbild könne nämlich durch entsprechende einheitliche Dienstkleidung ausreichend bewirkt werden. Eine Vorschrift über die Einfarbigkeit der Fingernägel sei hier – ähnlich wie bei der Haarfarbe – offensichtlich bedeutungslos. Soweit der Arbeitgeber Dienstkleidung stellt, kommt das LAG zu einer etwas überraschenden Feststellung: Der Arbeitgeber könne dann auch vorschreiben, dass die Mitarbeiter unter dieser Dienstkleidung Unterwäsche (BH´s, Bustiers, Unterhemden etc.) tragen müssen. Insoweit stand es für das Gericht außer Frage, dass durch das Tragen von Unterwäsche die im Eigentum des Arbeitgebers stehende Dienstkleidung geschützt und weniger schnell abgetragen werde. Auch das Durchscheinen von Unterwäsche könne durch weitere Vorgaben konkretisiert werden. So sei die Vorgabe zulässig, dass Unterwäsche „in Weiß oder in Hautfarbe ohne Muster/Beschriftungen/Emblem etc.“ zu tragen sei bzw. „anders farbige Unterwäsche in keiner Form durchscheinen“ dürfe. Eine erhebliche Einschränkung des Persönlichkeitsrechts der Mitarbeiter konnte das Gericht bei solchen Vorgaben nicht erkennen. Gleichfalls unbedenklich sei auch eine Regelung zum grundsätzlichen Tragen von Feinstrumpfhosen oder Socken, die weder Muster noch Nähte und Laufmaschen aufweisen dürfen. Zu Körpergerüchen konnte das LAG leider keine Stellung beziehen, da hierzu in der streitentscheiden-
den Betriebsvereinbarung keine Regelung getroffen war. Da aber eine gründliche Rasur oder gewaschene Haare vor Dienstantritt nach Ansicht des LAG verlangt werden können, ist der Weg zum vorgeschriebenen täglichen Duschen und Zähneputzen wohl nicht mehr weit. Zusammenfassend hat das LAG Köln damit den Weg freigemacht für umfangreiche Regelungen zum äußeren Erscheinungsbild von Mitarbeitern. Die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer treten danach in Fällen zurück, in denen dies einem ordentlichen Erscheinungsbild bei Kundenkontakt geschuldet erscheint. Aber auch der Schutz der Kunden kann hier noch weitreichende Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht zulassen, gleiches gilt für den Schutz der vom Arbeitgeber gestellten Kleidung. Bereits im Jahre 2002 hat das LAG Köln (Sa 990/01) entschieden, dass das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates aus § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG nicht die Kompetenz begründet, die Frage zu regeln, wer in welchem Umfang die Kosten der Reinigung und Instandhaltung einer vom Arbeitgeber eingeführten und in seinem Eigentum verbleibenden sogenannten Image-Kleidung zu tragen hat (im Anschluss an BAG Urteil vom 01.12.1992, 1 AZR 260/92). Die Pflicht zur Kostentragung der Reinigungskosten liegt grundsätzlich beim Arbeitgeber. Soll die Reinigung von den Arbeitnehmern vorgenommen werden, bedarf es eines angemessenen Kostenausgleiches zugunsten der Arbeitnehmer. RA Monika Guder
Tarifvertrag Zeitarbeit abgeschlossen Unternehmerverband Industrieservice schafft wettbewerbsfähige Entgeltstruktur
ang und hart waren die Verhandlungen um den Tarifvertrag Zeitarbeit, die der Unternehmerverband Industrieservice mit der IG BAU geführt hat. Nun ist der Abschluss mit einem Meilenstein erfolgt: Die aus Unternehmenssicht dringend benötigte, strukturelle Anpassung ist vorgenommen worden. Die festgelegten Konditionen bewegen sich auf der Basis des Niveaus der ebenfalls in der Branche bekannten Tarifverträge der Verbände iGZ (Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e. V.) und BZA (Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen e. V.). Der Unternehmerverband Industrieservice unterzeichnete im März gemeinsam mit der Gewerkschaft den neuen Entgelt-Rahmen-
tarifvertrag und die neue Entgelttabelle Zeitarbeit. Beide gelten bundesweit ab 1. Januar 2011. Der Entgeltrahmentarifvertrag gilt mindestens bis zum 31. Dezember 2013, hinsichtlich der Entgelthöhe gilt die Vereinbarung bis zum 31. Oktober 2013. Das neue Tarifwerk kann von den im Unternehmerverband Industrieservice organisierten Firmen angewendet werden. Diese sind im Bereich Industrieservice, Instandhaltung und Arbeitnehmerüberlassung tätig; Schwerpunkte sind Anlagenplanung, Montage, Wartung von Maschinen, Logistik sowie Reinigung. „Mit einer ‚Konzernklausel‘ und einer fairen Anpassung des Entgeltniveaus halten wir mit den politischen Entscheidungen des Ge-
setzgebers Schritt, der die Rechte insbesondere von Zeitarbeitnehmern stärken will. Zugleich schaffen wir für unsere Mitglieder die dringend benötigte Planungssicherheit“, erläutert der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, Wolfgang Schmitz, der der arbeitgeberseitige Verhandlungsführer in der Tarifkommission war. In den Gesprächen mit der Gewerkschaft galt es, den veränderten Marktbedingungen gerecht zu werden, denen Industrie-Dienstleister heute ausgesetzt sind: Sie reparieren, halten instand, reinigen und versorgen Produktionsbetriebe – und sind, wie im Krisenjahr 2009, damit das erste Glied in der Kette, das unter dem Abschwung der Auftraggeber leidet. „Hinzu kommt die Arbeitneh-
merfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit ab Mai dieses Jahres, die eine wachsende Konkurrenz aus Osteuropa insbesondere für Industrie-Dienstleister bedeuten“, weiß Schmitz. Der Unternehmerverband begrüßt grundsätzlich, dass im Zuge der Hartz IV-Verhandlungen auch ein Mindestlohn für die Zeitarbeit beschlossen wurde. Damit gilt eine Lohnuntergrenze auch für in Deutschland Info Wolfgang Schmitz 0203 99367-106 schmitz@unternehmerverband.org Peter Wieseler 0203 99367-263 wieseler@unternehmerverband.org
eingesetzte ausländische Zeitarbeitnehmer, die ab Mai 2011 auf den deutschen Arbeitsmarkt drängen werden. „Die Setzung dieser Lohnuntergrenze muss unbedingt den Tarifvertragsparteien vorbehalten bleiben“, warnt Schmitz. Das Tarifwerk des Unternehmerverbandes Industrieservice erfüllt den Mindestlohn. Das neue Tarifwerk für die Zeitarbeitsbranche ergänzt den bundesweit gültigen Flächentarifvertrag des Unternehmerverbandes Industrieservice. Dieser läuft ebenfalls bis Ende 2013 und gewährleistet durch seine ausgewogene Struktur die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und zugleich ein hohes Qualitäts- und Serviceniveau der Dienstleistungen. Jennifer Middelkamp
ft wird Politikern vorgeworfen, um den heißen Brei herumzureden. Klare Worte finden sie ausnahmsweise und seit vielen Jahren wiederkehrend in der Diskussion um Hartz IV – und lösen entsprechenden, bundesweiten Aufruhr aus: „Wer arbeiten kann, aber nicht will, der kann nicht mit Solidarität rechnen. Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft!“ (Gerhard Schröder, SPD, 2001), „Wer Hartz IV erhält, darf nicht nur herumgammeln, sondern muss dafür etwas als Gegenleistung erbringen. Und wenn er nur drei, vier Stunden etwas tut.“ (Volker Kauder, CDU, 2006), „Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.“ (Kurt Beck, SPD, 2006) oder „Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.“ (Phillipp Mißfelder, JU, 2009). In der Debatte um Hartz IV – da die Verfassungskonformität auch nach dem aktuellen Kompromiss zweifelhaft ist, wird uns das Thema noch länger begleiten – würde ich mir drei klare Worte wünschen: „Arbeit statt Armut“. Wichtigstes Ziel, unabhängig von Parteipolitik und Polemik, ist doch, dass die Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren! Der Unternehmerverband fordert deshalb die konsequente Ausrichtung auf Arbeitsaufnahme und dass leistungsfeindliche Zuschläge abgeschafft, Geringqualifizierte besser aktiviert sowie eine leistungsfähige Verwaltung gewährleistet werden. Die Fürsorgeleistung Arbeitslosengeld II darf nicht als Ausdruck von Armut diskreditiert werden. Hartz IV ist vielmehr ein gewaltiger Solidarakt, mit dem die Steuerzahler erwerbsfähige Menschen, die öffentlicher Hilfe bedürfen, Jahr für Jahr mit vielen Milliarden Euro unterstützen. Als konstruktiv empfinde ich das beschlossene Bildungspaket für Kinder und Jugendliche. Wir haben großes Interesse an der Förderung von Kindern und Jugendlichen – sie sind unsere Fachkräfte der Zukunft. Allerdings muss man, um Missbrauch zu vermeiden, die Förderung soweit wie möglich durch Sachleistungen sichern. Wolfgang Schmitz Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes
Arbeitskreise Schule/Wirtschaft wieder unterwegs
Schüler tüfteln an Sensoren
Vor ort für Ausbildung begeistern Bergemann, kurz: CB, nicht nur Weltmarkt-, sondern auch Technologieführer. Rogmann stellte einen Wasserlanzenbläser vor, der die Feuerraumreinigung von Kraftwerkskesseln revolutionierte. Der Personalleiter ist laufend auf der Clyde Bergemann GmbH, Wesel Suche nach Fachkräften, die CB auch durch die eigene Ausbildung Die Funken sprühen im Takt, wenn erhält: Zerspanungs-, Konstrukder Schweißautomat die zuvor aus- tions- und Industriemechaniker gestanzten Metallbleche als so ge- heißen die Lehrberufe, aber auch nannte Rippen an Rohre anbringt. Technische Zeichner oder BüroWie dieses Bauteil später in Wär- kaufleute. „Gute Noten sind nicht metauschern verwendet wird, er- alles“, verriet Rogmann. So könne Wilhelm Franken führte durch die Produktion (Fotos: Middelkamp) fuhren rund 30 Lehrer bei einer potenzieller Nachwuchs LeisBetriebserkundung des Weseler tungsbereitschaft, Zuverlässigkeit zunächst Produkte und Arbeitspro- „Das Fach Wirtschaft in der Schule Unternehmens Clyde Bergmann und technisches Geschick auch bei zesse vorgestellt wurden, sprach muss – wenn überhaupt vorhanGmbH. Für die Ausbildung vor einem Schülerpraktikum unter Be- die Unternehmerfamilie über die den – mit Leben gefüllt werden: Ort in Wesel warb Thorsten Rog- weis stellen. Anforderungen an Auszubildende. Gehen Sie mit Ihren Schülern in mann, Leiter Personal & Recht bei Wilhelm Franken überraschte: „Für die Unternehmen, brechen Sie die mich zählen nicht nur die Noten – Theorie konkret auf die Praxis in Clyde Bergemann, der die Lehrer FRANKEN APPARATEBAU zunächst durch die neuen Produk- GmbH, Oberhausen ein Hauptschüler ist ebenso will- kleinen Betrieben vor Ort heruntionshallen an der Emmelsumer kommen wie ein Gymnasiast. ter. Schüler brauchen einen EinStraße führte. Hier werden Maschi- Gleich die ganze Familie Fran- Wichtig ist: Der Jugendliche muss blick in das Berufsleben, bevor sie nen und Systeme für die Reinigung ken – neben Geschäftsführer Wil- zu uns passen – und das finden wir in dieses starten.“ von Heiz- und Reaktionsflächen in helm auch Ehefrau Gabriele und in intensiven Gesprächen mit dem Kraftwerken sowie Abfall- und Bio- Sohn Sebastian – empfingen rund Bewerber heraus, nicht bei einem RHEINKRAFT INTERNATIONAL masseverbrennungsanlagen herge- 20 Lehrer aus Oberhausen. Nach- Einstellungstest.“ Fünf bis sechs GmbH, Duisburg stellt. In diesem Bereich ist Clyde dem bei einem Betriebsrundgang Auszubildende stellt der Anlagenbauer pro Jahr ein – Bürokaufleu- Unter dem Schwerpunktthema te, Konstruktionsmechaniker und „Handel und Wandel – Chancen Technische Zeichner. „Bei letzterem für den Nachwuchs“ erkundeten haben wir aber im zweiten Jahr in Duisburger Lehrer die Rheinkraft Folge nicht ausreichend gute Be- International GmbH, die mit 360 werber, so dass wir die Stelle bis- Mitarbeitern, 250 Trucks und 270 lang noch nicht besetzen konnten“, Trailern an bundesweit 17 Standbedauerte Franken. Seit fast 50 Jah- orten tätig ist. Die Pädagogen erren und mit 90 Mitarbeitern bie- fuhren, was hinter den Rolltotet Franken seinen Kunden ein in- ren des Stahl-Logistikers passiert; tegriertes Leistungssystem, das die außerdem lernten sie die Anforkomplette Abwicklung vom Engi- derungen an den Nachwuchs neering über die Fertigung bis zur kennen, die zu Kaufleuten für Montage der Anlagen und Rohr- Spedition und Logistikdienstleisleitungen umfasst. Mit Nachdruck tung sowie zu Fachkräften für Lagab Wilhelm Franken den Lehrern gerlogistik ausgebildet werden. einen Wunsch mit auf den Weg: Jennifer Middelkamp Thorsten Rogmann (hinten rechts) mit Lehrern aus dem Kreis Wesel esel, Oberhausen und Duisburg – in diesen Städten machten sich die Arbeitskreise Schule/Wirtschaft in den ersten Monaten des Jahres wieder auf Betriebserkundung.
implify your life – so lautet eine der Aufgaben zum Thema Sensorik beim diesjährigen SchülerLehrer-Wettbewerb „Innovative Technologien bewegen Europa“. Beim Auftakt des internationalen Wettbewerbs, der bei den PROBAT-Werken in Emmerich stattfand, stellten die 13 SchülerTeams ihre ersten Ideen vor, wie sie alltägliche Prozesse neu durchdenken und strukturieren wollen – eben mithilfe moderner Sensoren, die optisch oder magnetisch bzw. mit Temperatur, Druck oder Schall arbeiten. Der Wettbewerb wird von vier mittelständischen Betrieben – neben der PROBATWERKE von Gimborn Maschinenfabrik GmbH von der Lenord, Bauer & Co. GmbH (Oberhausen), Clyde Bergemann GmbH (Wesel) und Grunewald Werkzeuge & Formen GmbH & Co. KG (Bocholt) – sowie vom Verein „Science on stage Deutschland e. V.“
organisiert und vom Unternehmerverband unterstützt. Derzeit läuft die „heiße“ Phase des Wettbewerbs, bei der die Schüler aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Ungarn und den Niederlanden ein funktionierendes Modell anfertigen, das die naturwissenschaftliche Aufgabe in experimenteller Vorführung löst. Am 13. Mai 2011 werden die Ergebnisse auf Englisch bei der zentralen Abschlussveranstaltung in der Bocholter Werkhalle von Grunewald präsentiert und prämiert. Hierzu sind interessierte Besucher – z. B. Lehrer und Schüler, die im Jahr 2012 teilnehmen wollen – herzlich eingeladen. Jennifer Middelkamp Info Elisabeth Schulte 0203 99367-125 www.science-on-stage.de
Wettbewerbsauftakt bei den PROBAT-Werken: Im Kaffeemuseum bestaunten Schüler und Lehrer die Röstmaschinen (Foto: PROBAT)
Infos über Schülerfirmen / Reuter verabschiedet
150 Unternehmen mit von der partie
Lehrer mal ganz „JUNIoR“ und 80 Lehrer aus Duisburg, Mülheim, Oberhausen, dem Kreis Wesel und der Region Bocholt kamen zum Informationsnachmittag „Schülerfirmen-Gründung leicht gemacht: das Schulprojekt JUNIOR – Schüler erleben Wirtschaft“ in das HAUS DER UNTERNEHMER. Eingeladen hatte der Unternehmerverband, der den direkten Draht zu den Lehrern regelmäßig über seine fünf Arbeitskreise Schule/Wirtschaft knüpft. Vorgestellt wurde die Schülerfirma JUNIOR, ein Projekt, das vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln seit 17 Jahren in NRW organisiert wird. Das Projekt JUNIOR führt Schüler an unternehmerisches Denken und Handeln heran. Denn bei der Gründung der eigenen Firma werden sie spielerisch an Finanzplanung, Produktion bzw. Dienstleistung und Vertrieb herangeführt – im Hintergrund unterstützt vom professionellen JUNIOR-Team. Ihre Schülerfirma „JuPreSenT“ präsentierten Hartwig Henze als Pädagoge und seine Schüler Nina-Teresa Leson sowie Janis Weidemann vom Berufskolleg am Wasserturm in Bocholt. Die Firma bietet Dienstleistungen für Senioren an – sei es Einkaufen oder Vorlesen oder den Rollstuhl durch den Garten schie-
Elisabeth Schulte mit Wolfgang Reuter (rechts) und Wolfgang Streuff (Foto: Becker)
ben. Besonders dabei gelernt haben sie, im Team zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und die Bedeutung von Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit. Im Rahmen dieser Informationsveranstaltung wurde auch Wolfgang Reuter verabschiedet. Fünf Jahre lang war er der Vorsitzende des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft Duisburg; diese Zeit endete nun, da er als Schulamtsdirektor in Pension gegangen ist. Als Nachfolger – sowohl für den Duisbur-
ger als auch für den Mülheimer Arbeitskreis Schule/Wirtschaft des Unternehmerverbandes – wurde Wolfgang Streuff als neuer Vorsitzender vorgestellt. Er folgt Reuter im Schulamt für die Stadt Duisburg und ist zudem für Mülheim zuständig. Unter dem Vorsitz von Wolfgang Reuter erkundete der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft Duisburg rund 20 Unternehmen zu Themen wie Mittelstand innovativ, MINTBerufe oder Handel und Wandel. Elisabeth Schulte vom Unterneh-
merverband würdigte die Arbeit Reuters. „Sie haben dem Arbeitskreis immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden und dem Unternehmerverband darüber hinaus geholfen, die vertiefte Berufsorientierung für zahlreiche Schüler in Duisburg durchzuführen.“ Schulte freut sich, dass Wolfgang Reuter sein Engagement und seine Erfahrung trotz des wohlverdienten Ruhestandes als Seniorexperte für Schulleiter-Coachings einsetzen wird.
.500 Duisburger, 540 Mülheimer, 980 Oberhausener sowie 1.500 Schüler aus dem Kreis Wesel – sie kamen im vergangenen Jahr in den Genuss der „Vertieften Berufsorientierung“. Sie hatten also nicht nur Deutsch, Mathe & Co. auf ihrem Stundenplan, sondern auch Berufetage, Workshops mit Ausbildern, Betriebserkundungen oder Berufe-Parcours. Möglich machten dies die wirtschaftsbezogenen Schulprojekte im Rahmen der „Vertieften Berufsorientierung“, die der Unternehmerverband durchführt und die Agenturen für Arbeit in der jeweiligen Region gemeinsam mit den teilnehmenden Schulen finanzieren. Auf großes Engagement konnte der Unternehmerverband bei den Firmen setzen; insgesamt 150 Betriebe machten mit – vom Metallunternehmen über den Handwerksbetrieb bis zum Dienstleister waren die Branchen bunt gemischt. In diesem Jahr wird das Projekt in den drei Städten bzw. dem Kreis Wesel fortgeführt. Beispielhaft für die vielen Aktionen seien zwei in Wesel genannt: eine viertägige Projektwoche und ein Assessment-Center. Fragen wie „Was kommt nach dem Schulabschluss?“ oder „Wie be-
reitet man sich richtig auf ein Bewerbungsgespräch vor?“ sorgten an der Konrad-Duden-Realschule in Wesel für Gesprächsstoff zwischen Schülern und Fachleuten. 70 Neuntklässler nahmen an einer viertägigen Projektwoche teil. Nach der Theorie erstellten die jungen Leuten zu Hause eine Bewerbung, die dann gemeinsam durchgegangen und verbessert wurde. „Schließlich sollen die Schüler gut vorbereitet sein, wenn sie die ‚Schutzzone‘ Schule verlassen und den Ernst des Lebens kennen lernen“, so Projektleiterin Daniela Koch. Sie hatte auch ein Assessment-Center für Schüler der Realschule Wesel-Mitte organisiert. Jennifer Middelkamp
Info Duisburg Helga Kleinkorres 0203 6082-222 Oberhausen/Mülheim Thomas Löhr 0208 825-2006 Kreis Wesel Daniela Koch 0203 6082-230
Unternehmer befürchten Fachkräfte-Verknappung Jahres-Pressegespräche des Unternehmerverbandes in der Region
orkrisenniveau noch nicht erreicht, Beschäftigungssaldo deutlich im Plus, Kurzarbeit weiter stark zurückgefahren – das sind die Kernaussagen, die der Unternehmerverband aus seiner jüngsten Blitzumfrage ziehen kann. Fast 250 Firmen an Rhein und Ruhr und im Westmünsterland, die zusammen rund 60.000 Mitarbeiter beschäftigen, beteiligten sich an der Konjunktur-Umfrage. Diese wird zweimal im Jahr von „arbeitgeber ruhr“ durchgeführt. Die Umfrageergebnisse stellte der Unternehmerverband nach dem Auftakt in Mülheim nun bei fünf weiteren Jahres-Pressegesprächen in Oberhausen, Dinslaken, Wesel, Bocholt und Duisburg vor. Unternehmer aus dortigen Unternehmen komplettierten das Podium und berichteten aus der unternehmerischen Praxis. So bestätigte Bodo Schauries, Geschäftsführer der Metallwerk Dinslaken GmbH & Co. KG, die Trendaussage der Konjunkturumfrage, dass die Unternehmen aufgrund der Ergebnisse einen optimistischen Blick auf das Jahr 2011
werfen, aber keineswegs euphorisch sind. „Nach der Krise steigt der Auftragseingang, die Konjunktur zieht deutlich an. Ich erwarte ein gutes Jahr.“ Kritisch sieht Schauries, ob er künftig alle Stellen in seinem 70-Mann-Unternehmen, das sich mit Zink-Recycling beschäftigt, besetzen kann. „Bei den Auszubildenden bekommen wir genug gute Bewerbungen rein, aber zum Beispiel bei qualifizierten Fachkräften im technischen und kaufmännischen Bereich erhalten wir viel zu wenige.“ Weil Dinslaken eben nicht München, Frankfurt oder Stuttgart ist, wirbt er für sein Unternehmen als solches, „das Bewerbern Perspektiven und Verantwortung bietet“. Auch in Bocholt war die drohende Fachkräfteverknappung ein wichtiges Thema, als sich die örtliche Presse bei der Spaleck Oberflächentechnik GmbH & Co. KG traf. Deren Geschäftsführer Alwin Keiten-Schmitz setzt in seinem Betrieb, in dem 70 Mitarbeiter Maschinen u. a. für die Münzindustrie herstellen, ganzheitlich an: „Junge Leute
in der Unternehmerverbandsgruppe, Heinz Lison, Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schmitz, SiemensStandortleiter Dr. Lutz Wolkers sowie Brabender-Geschäftsführer Peter Kuhnert den Fragen der Journalisten. In der Halbmillionen-Stadt blicken die Betriebe positiv in die Zukunft: Jedes fünfte Unternehmen will mehr Arbeitskräfte einstellen – und jedes zehnte die Zahl der Auszubildenden anheben. Aber auch hier macht der Fachkräftemangel Sorgen. Ein Mittel dagegen, so Wolkers, ist die Familienfreundlichkeit. Siemens hat daher beispielsweise einen Betriebskindergarten eröffnet. Wolfgang Schmitz regte ein „Bündnis für Familienfreundlichkeit“ in Duisburg an – dem Beispiel anderer Städte Alwin Keiten-Schmitz (Mitte) von Spaleck Oberflächentechnik war in Bocholt Gastgeber des Jahres-Pressegefolgend. Heinz Lison appellierte an sprächs, mit dabei: Jürgen Paschold (links) und Martin Jonetzko vom Unternehmerverband (Foto: Middelkamp) die Wirtschaft, verstärkt ältere Mitlernen wir über Praktika ken- jetzt, die Qualifizierung von jun- ten-Schmitz festgestellt – und un- arbeiter einzustellen, weil hier ein nen, die nicht selten in eine Aus- gen Gesellen zu organisieren, um terstrich damit die Notwendigkeit, großes, gut ausgebildete Potenzial bildung münden. Aber wir haben diese für eine Schlüsselposition sich z. B. von den Demografie-Be- brach liege. Sorgen macht ihm hinauch einen Blick auf unsere älte- einarbeiten zu können, weil der ratern des Unternehmerverbandes gegen die viel zu hohe Zahl junger Menschen ohne Schulabschluss. ren Mitarbeiter, deren Know-how jetzige Spezialist in einigen Jahren beraten zu lassen. Jennifer Middelkamp/ In Duisburg stellten sich der gesichert werden muss.“ So be- in Rente gehe. „Die Not ist aber Rainer Rehbein ginne man beispielsweise bereits noch nicht groß genug“, hat Kei- Sprecher der regionalen Wirtschaft
MetallRente seit zehn Jahren erfolgreich D
ie MetallRente feiert nach zehn Jahren eine mit über 18.000 Kundenunternehmen, mehr als 350.000 Verträgen und einem Beitragsvolumen von über zwei Milliarden Euro eine äußerst positive Bilanz. Die Entwicklung im Jahr 2010 bestätigt dabei den anhaltenden Erfolg von MetallRente auf dem schwierigen Markt der Altersvor-
sorge. „Uns vertrauen Arbeitnehmer und Unternehmen. Im Zeichen der Finanzkrise ist dieses Vertrauen in MetallRente als Versorgungswerk sogar gewachsen“, erklärte MetallRente-Geschäftsführer Heribert Karch. Fast 40.000 neue Verträge wurden abgeschlossen und rund 1.900 Unternehmen für die betriebliche Altersversorgung mit Metall-
Rente gewonnen. Das Versorgungswerk verzeichnet über 39 Millionen Euro an Neubeiträgen; das ist ein Zuwachs von 13 Prozent. Die gebuchten Bruttobeiträge erhöhten sich auf 361 Millionen Euro. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser verwies im Rückblick auf die Vorteile von MetallRente für alle Beteiligten: „Zusammen mit
der IG Metall haben wir bereits vor zehn Jahren auf den demografischen Wandel reagiert und gemeinsam ein Versorgungswerk für die kapitalgedeckte Altersvorsorge aufgebaut. Dank des Versorgungswerks profitieren die Mitarbeiter und die Unternehmen unserer Branche von günstigen Konditionen und dem geringen Verwaltungsaufwand.“
IGM-Chef Berthold Huber würdigte die Rolle des Versorgungswerks: „Eine gemeinsame Einrichtung mit dem Arbeitgeberverband war in unseren Branchen ein Novum. Der Erfolg gibt uns Recht. Wir brauchen Institutionen wie unser Versorgungswerk, um der Gefahr zunehmender Altersarmut wirksam zu begegnen.“
Monika Guder 0203 99367-123 guder@unternehmerverband.org www.metallrente.de
Sicherheit beim Auslandseinsatz von Mitarbeitern Interview mit Achim Heuser / ExpatSafe Congress im Mai in Düsseldorf
rdbeben in Japan, Krieg in Afghanistan, Terroranschläge in Russland, politischer Ausnahmezustand in Ägypten – wie sicher sind angesichts dieser Entwicklungen Auslandseinsätze von Mitarbeitern? [unternehmen!] sprach mit Rechtsanwalt Achim Heuser (Rechtsanwälte HEUSER & COLLEGEN, Duisburg), der Fachmann für Fragen des globalen Mitarbeitereinsatzes ist. Er ist Hauptsponsor und Initiator des im Mai 2011 stattfindenden „ExpatSafe Congress“ in Düsseldorf. [unternehmen!]: Was können Unternehmen tun, um Auslandseinsätze ihrer Beschäftigten sicherer zu machen? Achim Heuser: Unternehmen können sich gezielt über die Einsatzorte ihrer Mitarbeiter informieren, die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes oder anderer seriöser Anbieter beachten, die u. a. auch Terrorismus und Kidnapping-Gefahren überwachen. Die Überwachung ist vor allen Dingen zum Zeitpunkt der Ausreise, während des Auslandsaufenthaltes und bei Dienstreisen in Krisengebiete von großer Bedeutung. Es besteht eine Fürsorgepflicht und eine Erwartungshaltung der Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen, dass derartige
Informationen vorgehalten werden. Die Mitarbeiter unterstellen, dass das Unternehmen entscheidet, ob sie reisen, das Land verlassen oder bleiben. Es ist oftmals sehr schwer, eine Entscheidung zu treffen, zumal die Beurteilung der Lage aus der sicheren Distanz erfolgt. [u!]: Welche Themen und Fragen sollten erste Priorität bei Personalleitern haben? Heuser: In erster Linie muss die körperliche Sicherheit des Mitarbeiters und seiner Familie gewährleistet sein. Im Zeitalter der Terrorismusgefahr und der politischen Unruhen ist das eine neue Betrachtungsweise. Denn eine körperliche Sicherheit war bisher zumindest gedanklich nie in Frage gestellt worden. Heute spielen Evakuierungspläne, sichere und schnelle Ausreisemöglichkeiten und die Versicherung solcher Risiken eine erhebliche Rolle. Man weiß heute auch, dass die angemessene Berücksichtigung von familiären Interessen ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Der Partner sucht vielleicht eine Beschäftigung, die Kinder müssen in der Schule oder dem Kindergarten ausgebildet werden. Das verursacht Kosten. Selbstverständlich ist die kulturelle Integration des Mitarbeiters und seiner Familie in die neue
Arbeits- und Freizeitumgebung ein wichtiger Schritt, um das beträchtliche Investment abzusichern. Sie ist zeitkritisch und wird in ihrer Bedeutung oftmals unterschätzt. [u!]: Welche weiteren Bereiche sollten vor dem Auslandseinsatz geklärt sein? Heuser: Die juristische Absicherung des Mitarbeiters ist im Zeitalter von Compliance ein mehrfach zu beachtender Aspekt. Ein ausverhandeltes Vertragswerk sollte zusammen mit einer gehörigen Aufklärung über sozialversicherungsrechtliche und steuerliche Auswirkungen des Auslandsaufenthaltes erstellt werden. Nicht zu vergessen ist ein rechtsbeständiges Visum. Vielfach werden Touristenvisa zur Einreise von Expats verwendet. Das ist ein folgenschwerer Rechtsverstoß. [u!]: Wann ist es sinnvoller, einen Mitarbeiter vor Ort zu rekrutieren anstelle der Entsendung eines eigenen? Heuser: Diese Entscheidung ist einerseits von Kostenüberlegungen getrieben und andererseits von kulturellen Aspekten wie z. B. der Landessprache. In einigen Fällen spielen auch strategische Ansätze eine Rolle. Die Erfahrung zeigt, dass die so genannten Locals preiswerter sind als
die Expats. Locals haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie die Sprache Ihres Landes sprechen und mit seiner Kultur vertraut sind. Expats kennen dagegen ihr Unternehmen, seine Produkte und Prozesse. [u!]: Was macht man, wenn der Ernstfall – z. B. eine Entführung – eintritt? Heuser: Für Krisensituationen im Ausland ist ein Notfallplan ratsam. Wer muss informiert, wer benachrichtigt werden? Naturgemäß fehlt eine Routine im Umgang mit solchen Krisensituationen. In vielen Fällen sind die besonders qualifizierten Einsatzgruppen des Bundeskriminalamtes zuständig. [u!]: Am 19. und 20. Mai wird der ExpatSafe Congress am Flughafen Düsseldorf veranstaltet. Unser Unternehmerverband ist Partner.
ExpatSafe Congress Der ExpatSafe Congress findet am 19. und 20. Mai 2011 in Düsseldorf statt. Mitglieder der Unternehmerverbandsgruppe erhalten auf die Teilnahmegebühr zehn Prozent Ermäßigung. www.expatsafecongress.com
Wie sieht das Konzept des Kongresses aus? Heuser: Der Congress ist in vier Kernmodule gegliedert, die den Besuchern hochkarätige Informationen präsentieren: eine eintägige, englischsprachige Conference mit Experten aus fünf Ländern, Workshops mit aktuellen Themenschwerpunkten sowie eine Ausstellung, die die Besucher für das Thema Sicherheit im Ausland sensibilisiert. In den Länderforen werden Experten ihre Erfahrungen auf dem Gebiet „Global Mobility“ an die Besucher weitergeben. Ziel ist es, einen umfangreichen Erfahrungsund Wissensaustausch zu erreichen. [u!]: Welche Workshops und Fachvorträge wird es geben? Heuser: Das Spektrum der Vorträge reicht von der Neuausrichtung der Organisation der internationalen Personalarbeit über optimierte Anreiz- und Versorgungssysteme bis hin zur Freizügigkeit, die innerhalb von Europa am 1. Mai 2011 eine neue Dimension erreichen soll. Ein Berater des Bundeskriminalamtes wird über Gefahren und Verhalten im Ernstfall einer Entführung berichten. Ein wichtiger Komplex wird sich mit interkulturellen Fragestellungen und Ansprüchen befassen. Der Ein-
Achim Heuser, Hauptsponsor ExpatSafe
Heike Altmann, Veranstalterin ExpatSafe Congress
kauf von externen Dienstleistungen wird vorgestellt. [u!]: An wen richtet sich der ExpatSafe Congress? Heuser: Der ExpatSafe Congress richtet sich an Vorstände, Geschäftsführer, die ihre Unternehmen globalisieren, an Personalverantwortliche, die Mitarbeiter international einsetzen, sowie Sicherheitsbeauftrage und Einkäufer. Das Interview führte Jennifer Middelkamp.
Business Breaks in Duisburg Termine 5. April 2011 Die sichere Wohnung, das sichere Büro – dem Einbrecher keine Chance 3. Mai 2011 Bürger pro Bürger – die Vereinigung proDUISBURG e. V. 7. Juni 2011 Lehrstellen-Marketing: Wie finde ich den richtigen Azubi? 5. Juli 2011 Elektromobilität in Duisburg Anmeldung: Tel. 0203 6082-226, bb@haus-der-unternehmer.de
as haben Einbrecher, bürgerschaftliche Vereinigungen, Azubis und Elektromobile gemeinsam? Sie alle sind Themen beim Business Break im HAUS DER UNTERNEHMER, der immer am ersten Dienstag des Monats um 7.30 Uhr beginnt. Am 5. April wird Uwe Gärntner von der Duisburger Kriminalpolizei gemeinsam mit Vertretern der Firmen Kadelka & Hermes, Wieland & Jarasch und Protectfolie Sicherheitstechnik vorstellen. Der Vortrag steht unter dem Motto „Die sichere Wohnung, das sichere Büro – dem Einbrecher keine Chance“. Am 3. Mai heißt der Referent Hermann Kewitz. Der Vorstandsvorsitzender des proDUISBURG e. V. wird unter der Überschrift
Tag der offenen Tür rege besucht
„Bürger pro Bürger“ über die 1910 gegründete, bürgerschaftliche Vereinigung referieren. Am 7. Juni 2011 heißt die Leitfrage „Wie finde ich den richtigen Azubi?“ Über das Thema Lehrstellen-Marketing wird Helga Kleinkorres vom Unternehmerverband berichten. Fest steht auch schon der Termin am 5. Juli 2011: Ramon Proske, Marketingleiter der Stadtwerke Duisburg, spricht zum Thema: „Elektromobilität in Duisburg: Darauf fährt das Klima ab e2 mobil.“ Rund 25 Unternehmer und Geschäftsleute kommen regelmäßig zu früher Morgenstunde zusammen, um zu netzwerken und ein reichhaltiges Frühstück zu genießen. Die Teilnahme kostet 16,50 Euro pro Person.
eim Tag der Offenen Tür am 20. März nutzten rund 500 Gäste die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des alten Offizierskasinos der britischen Rheinarmee zu werfen. Neben Unternehmern und Kunden waren auch Duisburger aus der direkten Nachbarschaft und darüber hinaus der Einladung gefolgt, um das denkmalgeschützte HAUS DER UNTERNEHMER bei einer Führung kennen zu lernen. Vom einladenden Foyer ging es vorbei an der großzügigen Ter- Auch künftige Hochzeitspaare waren unter den Besuchern (Foto: Basol) rasse durch den festlich zu unterschiedlichen Themen einge- renovierten Weinkeller mit edlen sucher einig und hatten nach den deckten Lichtsaal, das stilvolle Tropfen aus 20 Anbaugebieten. vielen neuen Eindrücken die GeRestaurant, das gemütliche Ka- „Was es hier für wunderschöne legenheit, bei Kaffee und Kuchen minzimmer, die urige Bar und Räumlichkeiten gibt, haben wir gar vielleicht schon die nächste private Club-Lounge sowie den frisch nicht gewusst“, waren sich die Be- Feier zu planen.
Netzwerk in.DU feierte Jubiläum D
as in.DU-Netzwerk – hier haben sich Duisburger Unternehmerinnen zusammengeschlossen – feierte im Februar im HAUS DER UNTERNEHMER sein vierjähriges Bestehen. Ziel von „in. DU“ ist es, Duisburgerinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung so zu vernetzen, dass untereinander Kooperationen oder konkrete Aufträge entstehen. Das Netzwerk richtet sich an erfahrene Unternehmerinnen, Freibe-
ruflerinnen und angestellte Frau- Der nächste Termin im HAUS DER en in leitenden Positionen, die in UNTERNEHMER ist das UnterDuisburg tätig sind. Jeden letz- nehmerinnenfrühstück am Mittten Mittwoch im Monat treffen sie woch, 27. April 2011, 8.30 Uhr. sich zum Auftakt des Arbeitstages beim Business-Frühstück. Die Info Teilnehmerinnen knüpfen Kontakte, loten Geschäfte miteinander aus oder nutzen den Treff, um den eiGfW Duisburg genen Bekanntheitsgrad zu erhö0203 3639-350 nawrot@gfw-duisburg.de hen. Neben Kurzpräsentationen stehen auch externe Termine oder Exkursionen auf dem Programm. ANZEIGE
Volles HAUS DER UNTERNEHMER: Rund 50 Unternehmerinnen netzwerken hier regelmäßig (Foto: Middelkamp)
Kulinarische Highlights Das HAUS DER UNTERNEHMER lädt ein
Ein gut sortiertes Programm.
Faiir,r proffessiionell und eiinffallsreiich
Lobbe Industrieservice versorgt Stahlproduzenten, Energiewirtschaft, Chemieunternehmen und die Ölindustrie mit umfangreichen Dienstleistungen. Jeder Kunde aus diesen Branchen hat sein individuelles Profil. Daraus ergeben sich vielfältige Anforderungen an uns. Das ist unsere Motivation.
dabei immer wieder ein Stück selbst neu zu erfinden, unsere Stärke.
Wir verstehen uns als fairer, professioneller und einfallsreicher Partner. Mit sicherem Gespür legen wir dar, wie wirtschaftliche Lösungen effizient und zeitsparend gestaltet werden können. Das ist unsere Aufgabe. Und sich
Wasserhochdruckstrahlen Chemische Industriereinigung Rohrleitungs- und Stahlbau Kraftwerkservice Schadstoffsanierung Abfallmanagement Altlastensanierung Grundwasserreinigung
Das ist unser Programm.
Lobbe Industrieservice GmbH & Co KG · Stenglingser Weg 4-12· D-58642 Iserlohn T lefon 0 23 74 - 504- 0 · Fax 0 23 74 - 504 - 280 · info@lobbe.de · www.lobbe.de Te
leich zwei kulinarische High- sowie Blattsalate mit Vinaigretlights hat das HAUS DER te- und Joghurtdressing. Die warUNTERNEHMER in nächster men Speisen sind Rührei mit friZeit zu bieten: ein reichhaltiges schen Kräutern, Grillspeck (Bacon), Brunchbuffet am Ostersonntag Nürnberger Rostbratwürstchen, sowie „Surf & Turf“ vom Grill Grilltomate sowie als Hauptgerichte „Senner Filettopf“, also Tranchen Anfang Juli. vom Schweinefilet in Käserahmsauce mit frischen Champignons, Osterbrunch Frühlingsgemüse mit Sauce BearLos geht es am Ostersonntag, naise und Kartoffelgratin sowie 24. April 2011, ab 10:30 Uhr mit Filet von der Lachsforelle in Koeinem schmackhaften Brunch- rianderbutter gebraten an einer buffet. Dieses enthält an kalten Krebssauce mit Basmatireis. Als Speisen Bircher Müsli, Obstsa- Dessert Joghurt-Limetten-Tiramisu. lat mit Früchten der Saison, Räu- Kaffee, Tee und Softgetränke sind cherlachs mit Sahnemeerrettich, im Preis inbegriffen. Hausgebeizten Graved Lachs mit Senf-Dillsauce, Wacholdergeräu- Surf & Turf chertes Filet von der Bachforelle, Thunfischsalat, Saftigen Metzger- Am Samstag, 9. Juli, heißt es dann: Kochschinken und Edelsalami Sommerzeit ist Grillzeit! Ab 19 im Aufschnitt, Käseauswahl, To- Uhr stellen wir – bei schönem Wetmate-Mozzarella mit Pesto, Ho- ter auf unserer Terrasse – ein „Surf nigmelone mit Parmaschinken, & Turf“-Buffet bereit. Surf & Turf Schinkenröllchen mit Spargel heißt die Spezialität, die sich besonders in Nordamerika großer Beliebtheit erfreut, und zugleich das Beste vom Land und aus dem Meer bietet. An kalten Speisen servieren wir Ihnen Krautsalat mit Mandarinenfilet und Würfel von Fetakäse, Meeresfrüchtesalat in Gurkenvinaigrette, Cocktail von Tiefseeshrimps in Orangencreme, Tatar von Thunfisch mit Wasabi Guacamole, Salat von Kirschtomaten in roter Zwiebelvinaigrette, Gebeizten Wildlachs mit Salat von grünem Spargel in Dilldressing sowie eine Variation von Antipasti: BalsamicoschaBrunch am ostersonntag: lotten, Paprika, Aubergine, Olipreis pro person 24,50 Euro, ven. An warmen Speisen genießen Kinder (6-12 Jahre) 12,50 Euro
„Surf & Turf“, 9. Juli 2011: preis pro person 39,50 Euro, Kinder (6-12 Jahre) 19,50 Euro
Sie Steaks vom Jungschweinfilet mit Rahmpfifferlingen, Argentinisches Roastbeef im Aufschnitt, Pfeffersauce, Café de Paris-Sauce, Kerbelbutter, Scampis in Olivenöl gebraten mit Aioli, Filet von der Lachsforelle auf Lauchsahne, Oliven-Tomaten-Paprika-Pfanne, Pilzpfanne mit Sauce Bearnaise, Schmorkartoffeln in Thymian, Sauercreme-Kartoffelauflauf sowie Kartoffelecken. Zum Dessert gibt es frische Erdbeeren auf Zuckerbiskuit mit Cassissabayone, Rhabarber-Vanille-Schichtspeise mit Aprikosensauce, Schokoladen-Panna-Cotta mit Minzpesto sowie eine Auswahl von erlesenen Käsesorten mit Obst gespießt. Getränke sind im Preis nicht inbegriffen. Reservierung Andrea J. Rösner 0203 6082-200 veranstaltung@haus-der-unternehmer.de
Kopf oder Zettel? Interview über eine Methode, mit der man seine Gedächtnis-Leistung steigern kann
alten Sie Ihre Reden ohne Spickzettel? Merken Sie sich leicht Gesichter und Namen? Haben Sie jederzeit das richtige Argument parat? Wenn nicht, können Sie das innerhalb weniger Stunden lernen: nicht durch mühsames Auswendiglernen, sondern durch die Steigerung der Leistung Ihres Gehirns. Das verspricht Oliver Geisselhart, der als „Deutschlands Gedächtnistrainer Nr. 1“ gilt. [unternehmen!] unterhielt sich mit dem BestsellerAutor über seine Methode, die er bei einem Seminar im HAUS DER UNTERNEHMER am 27. September 2011 vermitteln wird. [unternehmen!]: Sie fordern Ihre Zuhörer – das sind ja nicht selten Führungskräfte – auf, zu „Gedächtnis-Benutzern“ zu werden. Ist das nicht ein wenig vermessen? oliver Geisselhart: Wir sind Gedächtnis-Besitzer: Wir haben zwar nur eins, das aber ziemlich gut funktioniert, eigentlich perfekt ist. Die Menschen wissen es nicht richtig zu benutzen – was übrigens auch nicht in der Schule vermittelt wird. Unser Gedächtnis muss nicht besser werden, wir müssen es nur richtig benutzen. [u!]: Wie funktioniert die „Geisselhart-Technik“? Geisselhart: Über Bilder. Unser Gehirn merkt sich Dinge, die wir mit Bildern verknüpfen, sehr viel besser, weil beide Gehirnhälften –
die linke für das Logische und die rechte für das Kreative und Emotionale – beteiligt sind. Nehmen wir ein klassisches Beispiel: Vokabeln auswendig lernen. Cubare ist lateinisch und heißt liegen. Verknüpfen wir das Wort mit den Bildern „Kuh“ und „Bahre“, liegt das Bild auf der Hand: Die Kuh liegt auf der Bahre. Der Trick ist: Egal von welcher Seite ich mich nähere: Die Verknüpfung mit einem Bild hilft, sich das Wort und seine Übersetzung zu merken. [u!]: Und das lernt man innerhalb weniger Stunden? Geisselhart: Eindeutig: Ja! Ich sehe mich als Fahrlehrer fürs Gedächtnis: Sie bekommen nach wenigen Stunden von mir den Führerschein – aber die Praxis erlangen Sie nur durch Übung und das Meistern schwieriger Situationen wie große Kreuzungen, Rush-hour, paralleles Musikhören oder Telefonieren. Wenn Sie mit meiner Methode beispielsweise Ihre erste freie Rede halten, fahren Sie vielleicht erst einmal zweigleisig: Das Grundgerüst steht durch eine festgelegte Reihe von Bildern in Ihrem Kopf, wichtige Zahlen und Fakten schreiben Sie zur Sicherheit aber noch einmal auf. Sie werden sehen: Sie wachsen an der Erfahrung, entwickeln sich weiter. Dafür braucht man ein wenig Geduld. Der größte Knackpunkt ist: Man muss es tun! Im Seminar erlebt jeder, dass er es kann. Jetzt heißt es
Oliver Geisselhart (Foto: Thomas Luhe)
nur noch: Am Ball bleiben! [u!]: Gibt es einen einfachen Trick, um sich Namen und Gesichter zu merken? Geisselhart: Denken Sie sich zu jedem Namen kreative Bilder oder eine möglichst verrückte Geschichte aus: Bei meinem Namen stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass eine Domina mit einer Leder-Geißel hart auf mich einschlägt, bei „Eisenhower“, dass jemand mit
der Eisenstange auf den ehemaligen Präsidenten einhaut, bei „Reagan“, dass er im Regen steht, oder bei Ihnen, liebe Frau Middelkamp, dass Sie „in the middle of the Campingplatz“ stehen. Das funktioniert bei Namen wie Becker, Fuchs oder Wolff natürlich leichter als bei „Czeminsky“ – hier braucht man ein wenig Geduld und ein bisschen Übung. Meine Botschaft ist: Wir müssen schlicht wieder lernen,
Geisselhart: Generell jeden: den Verkäufer, der sich seine Verkaufsargumente merken möchte, die Hausfrau mit ihrem Einkaufszettel, den Studenten mit seinen Prüfungsaufgaben und den Unternehmer mit seinen zehn wichtigsten Fakten und Zielen zum eigenen Betrieb. Nicht zu unterschätzen ist die Methode auch für Eltern, die ihren Kindern beim Lernen helfen möchten. Ich verspreche Ihnen: Sie können 50 bis 100 Vokabeln pro Stunde lernen. Das Interview führte Jennifer Middelkamp.
27. September 2011 „Kopf oder Zettel – ein unvergesslicher Nachmittag mit ‚Deutschlands Gedächtnistrainer Nr. 1‘ Oliver Geisselhart“ heißt das Seminar, das am Dienstag, 27. September 2011, in der Zeit von 14 bis 17:30 Uhr im HAUS DER UNTERNEHMER stattfindet. Die Teilnahmegebühr beträgt 230,00 Euro (ermäßigt: 195,00 Euro für Mitglieder des Unternehmerverbandes). Infos und Anmeldung: Heike Schulte ter Hardt Telefon: 0203 6082-204 www.haus-der-unternehmer.de
Seminarangebot 2011 Dienstag, 5. April, 14-18 Uhr Einführung eines Compliance Managements Prof. Dr. jur. Holger Linderhaus, Linderhaus Stabreit Langen Rechtsanwälte Düsseldorf 350,00* | 440,00 Euro
in Bildern zu denken. Haben Sie schon einmal mit einem Kind Memory gespielt? Kinder im Vorschulalter gewinnen immer. Uns ist angeboren, in Bildern zu denken. Erst in der Schule wird uns das bildhafte Denken ab- und das logische angewöhnt. Ein Siebtklässler spielt danach Memory nach dem Erwachsenen-Prinzip: 3 runter und 2 rechts, da liegt das Motiv Soundso. Und das funktioniert selten. [u!]: Was erwartet die Teilnehmer des Seminars im HAUS DER UNTERNEHMER? Geisselhart: Nach dem Seminar kann man sich einiges besser merken: Tagesplan, To-Do-Liste, Namen, Gesichter, Fachbegriffe, Redemanuskripte – das Spektrum ist groß. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass die Kreativität spürbar steigt und auch das Selbstbewusstsein. Jeder kennt die Situation: Ich treffe bei einer Veranstaltung nach längerer Zeit auf Personen, die mich zwar mit Namen ansprechen, ich kann das aber nicht. Das ist peinlich. Wenn man hingegen Namen von Kunden, Geschäftspartnern und Kollegen kennt, erzeugt das eine ungemeine Bindung. Wir werden beim Seminar eine Menge Übungen machen und Beispiele hören. Damit man wieder Spaß daran hat, neue Menschen kennen zu lernen. [u!]: Wen sprechen Sie mit Ihrem Workshop an?
Dienstag, 3. Mai, 13-17 Uhr Die Arbeitsvertragsklausel Rechtsanwalt Peter Wieseler, Unternehmerverband 208,00* | 350,00 Euro
Donnerstag, 19. Mai, und Freitag, 20. Mai, 9-17 Uhr Rhetorik und Konfliktmanagement für Ausbilder Helga Kleinkorres, HAUS DER UNTERNEHMER GmbH 670,00* | 780,00 Euro
Donnerstag, 5. Mai, 14-17 Uhr optimierung der produktion Mittwoch, 6. April, 9-17 Uhr Nando Spitznas und Jürgen Paschold, Dienstag, 24. Mai, 13-17 Uhr Mini- und Aushilfsjobs ERA-Leistungsbeurteilung Unternehmerverband (Geringfügig Beschäftigte) als effektives 220,00* | 280,00 Euro Bernd Dondrup, bkk futur Führungsinstrument 280,00* | 350,00 Euro Helga Kleinkorres, HAUS DER Freitag, 6. Mai, 9-17 Uhr UNTERNEHMER GmbH personal-Controlling Donnerstag, 26. Mai, 9-17 Uhr 370,00* | 460,00 Euro in prozessen mit Schwierige Mitarbeitergespräche hohem und geringem Donnerstag, 7. April, 9-17 Uhr Helga Kleinkorres, HAUS DER Automatisierungsgrad Grundlagen des Arbeitsrechts für Rechtsanwalt Dr. Gerald Marimón, UNTERNEHMER GmbH den kaufmännischen, techni370,00* | 460,00 Euro Anwaltspraxis Marimón schen und gewerblichen Bereich 370,00* | 460,00 Euro Rechtsanwältin Heike Zeitel, Mittwoch, 1. Juni, 9-17 Uhr Unternehmerverband Bilanzen lesen, interpretieren Montag, 9. Mai, 9-17 Uhr 370,00* | 460,und kommunizieren „Kleines Controlling“ Thomas Leibrecht, Geschäftsführer für „nichtkaufmännische“ Dienstag, 12. April, 09:30-17 Uhr Leibrecht Consulting München Führungskräfte Tarifverträge Metall NRW II 370,00* | 460,00 Euro Thomas Leibrecht, Geschäftsführer Max Breick, Bildungswerk Leibrecht Consulting München der nrw-Wirtschaft Mittwoch, 8. Juni, 9-16:30 Uhr 370,00* | 460,00 Euro 240,00 Euro (für Mitglieder und Sachbezüge im LohnsteuerNichtmitglieder) und Umsatzsteuerrecht Donnerstag, 12. Mai, 9-17 Uhr Selbstorganisation Dipl.-Finanzwirtin Bärbel Küch und Mittwoch, 13. April 2011, 9-17 Uhr und Zeitmanagement Hans-Jürgen Bathe, Fachhochschule Die betriebswirtschaftliche Bärbel Schnurbusch, für Finanzen, Nordkirchen Auswertung (BWA) UPB Schnurbusch & Partner 370,00* | 460,00 Euro Thomas Leibrecht, Geschäftsführer 370,00* | 460,00 Euro Leibrecht Consulting München Donnerstag, 16. Juni, 13:30-17 Uhr 370,00* | 460,00 Euro Freitag, 13. Mai, 9-16:30 Uhr Die optimierung des Innergemeinschaftlicher WarenNettolohnes und die arbeitsDonnerstag, 14. April, 9-17 Uhr und Dienstleistungsverkehr rechtlichen Aspekte Das BilanzrechtmoderHans-Jürgen Bathe, Fachhochschule Diplom-Finanzwirtin Bärbel Küch nisierungsgesetz/BilMoG für Finanzen, Nordkirchen 280,00* | 350,00 Euro 370,00* | 460,00 Euro Dirk Veldkamp, Wirtschaftsprüfer | Mittwoch, 29. Juni, 9-17 Uhr Steuerberater PKF FASSELT personalentwicklung im Jahr 2011 SCHLAGE Partnerschaft, Wirtschafts- Mittwoch, 18. Mai, 9-17 Uhr Das produkthaftungsgesetz Bärbel Schnurbusch, prüfungsgesellschaft SteuerberaRechtsanwalt Lars Hirschel, Bochum UPB Schnurbusch & Partner tungsgesellschaft, Duisburg 370,00* | 460,00 Euro 370,00* | 460,00 Euro 370,00* | 460,00 Euro
Donnerstag, 30. Juni, 10-17 Uhr Die Grundlagen des Betriebsverfassungsgesetzes Rechtsanwalt Erhan Köse, Unternehmerverband 330,00* | 410,00 Euro Donnerstag, 7. Juli und Freitag, 8. Juli Betriebswirtschaft für Techniker und Juristen Prof. Dr. Franca Ruhwedel, Hochschule für Ökonomie und Management (FOM), Essen 680,00* | 790,00 Euro Kosten: *Der reduzierte Preis gilt nur für Mitglieder des Unternehmerverbandes. Alle Preise zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer.
Info Heike Schulte ter Hardt 0203 6082-204 schulteterhardt@haus-der-unternehmer.de www.haus-der-unternehmer.de
Sie referieren am 6. Mai im HAUS DER UNTERNEHMER zum Thema Personalcontrolling. Warum ist das Thema so wichtig in den Unternehmen? Aktuell wird viel über die Gewinnung und Bindung von Fachkräften diskutiert. Engagement und Loyalität steigen, wenn die Mitarbeiter die Personalsteuerung als zeitgemäß, kompetent und effizient wahrnehmen. Hier kann man viel falsch machen. Innere Kündigung ist ein weiteres Phänomen unsere Zeit. Das Aussteuern der Belegschaft, also das Personalcontrolling bleibt bei allen Erfordernissen an die Wirtschaftlichkeit nicht am Zahlenwerk stehen. Das Menschenwerk gewinnt Bedeutung, dazu zählen zahlreiche Maßnahmen und Methoden, die mit Blick auf gestiegene Anforderungen beim Einsatz von Personal bewusst ausgewählt werden müssen.
Diese Entwicklung zu begleiten und systematisch und nachhaltig mit den Rückmeldungen aus dem Mitarbeiterkreis umzugehen, ist die Herausforderung. Sensorik und Sensibilität für Vorboten und Frühindikatoren können ein entscheidender Vorteil gegenüber konventionellen Führungs- und Steuerungssystemen sein. Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess mit Mitarbeitereinbeziehung kann entscheidende Wettbewerbsvorteile in punkto Prozessverbesserung, Was sind – kurz gesagt – Qualität und Risikofrüherkennung die wichtigsten Hinweise bringen, wenn er systematisch gefür Unternehmen? Unternehmer, ihre Führungs- managt und gesteuert wird. kräfte und die Personalexperten gemeinsam sollten ein Au- An wen richtet sich das Seminar? Geschäftsführer, Personalleigenmerk auf die Zahlen haben. Jede wirtschaftliche Mess- oder ter, Mitarbeiter in leitenden FunkKennzahl steht aber als Ergeb- tionen und Praktiker des Personalnis am Ende einer Entwicklung. controllings.
Arbeitsrechts-Spots Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung Nach dem Berufsbildungsgesetz könnte ein unbefristetes Arbeitsverhältnis begründet werden, soweit ein Auszubildender im Anschluss an das Berufsausbildungsverhältnis ohne eine entsprechende ausdrückliche Vereinbarung weiter beschäftigt wird. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts liegt eine „Weiterbeschäftigung“ in dem Sinne vor, wenn der Auszubildende an dem der rechtlichen Beendigung des Ausbildungsverhältnisses folgenden Arbeitstag erscheint und auf Weisung oder
mit Wissen und Willen des Ausbil- Menschen finden zwar grundsätzdenden bzw. eines Vertreters tätig lich auch auf gleichgestellte behinwird. (EK) derte Menschen Anwendung. Doch dies gilt nicht für den Zusatzurlaub nach § 125 SGB IX. (EK) Kein Zusatzurlaub für Gleichgestellte Nach § 125 SGB IX haben SchwerbeBetriebsratstätigkeit im hinderte einen Anspruch auf einen Arbeitszeugnis bezahlten zusätzlichen Urlaub von Der Arbeitnehmer hat einen Anfünf Arbeitstagen im Urlaubsjahr. spruch auf die Erteilung eines ArDas Gesetz geht dabei von der 5-Ta- beitszeugnisses, soweit das Arge-Woche aus, sodass die Anzahl beitsverhältnis beendet wird. Das der zusätzlichen Urlaubstage sich Zeugnis soll dabei dem beruflibei einer Abweichung entsprechend chen Fortkommen des Arbeitneherhöhen oder verringern kann. Die mers dienen und vollständig sein. besonderen arbeitsrechtlichen Re- Es muss wohlwollend formugelungen für schwerbehinderte liert sein und inhaltlich der Wahr-
heit entsprechen, wobei die Wortwahl im Ermessen des Ausstellers liegt. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist der Arbeitgeber im Rahmen des Grundsatzes der Zeugniswahrheit und des Gebotes der Zeugnisklarheit in der Formulierung des Zeugnisses frei, solange es nichts Falsches enthält. Nicht mitzuteilen ist die Mitgliedschaft im Betriebsrat, wobei hingegen die Freistellung als Betriebsratsmitglied wohl nach der Rechtsprechung anzugeben ist, wenn sie zu einer längeren Unterbrechung geführt hat und der Arbeitnehmer aufgrund dessen die
durchschnittlichen Anforderungen handelt, sondern für den ganzen an seinen Beruf nicht mehr erbrin- Betrieb bzw. für eine Gruppe begen könnte. (EK) stimmt werden. (EK) Gleichbehandlungsgrundsatz Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) soll Diskriminierungen wegen bestimmter Eigenschaften verhindern. Unabhängig davon ist auch der allgemeine arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz zu beachten. Demnach ist der Arbeitgeber grundsätzlich zur Gleichbehandlung verpflichtet, soweit bestimmte „Regeln“ nicht mit den einzelnen Arbeitnehmern individuell ausge-
Einmalzahlungen beim Ruhen Einmalzahlungen mit reinem Entgeltcharakter können grundsätzlich für die Monate, in denen das Arbeitsverhältnis ruht (z. B. bei Inanspruchnahme von Elternzeit, unbezahlte Pflegezeit, Wehrdienst), entsprechend um 1/12 gekürzt werden. Die Möglichkeit der Kürzung ergibt sich aus dem Entgeltcharakter, sodass eine fehlende ausdrückliche vertragliche Regelung unschädlich sein dürfte. (EK)
10 Fragen und Antworten zum Thema ... Überstunden bzw. Mehrarbeit 1
Was versteht man unter „Überstunden“ bzw. unter „Mehrarbeit“?
Als Überstunden werden die Stunden bezeichnet, die die durch Einzelarbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag festgelegte regelmäßige Arbeitszeit überschreiten. Eng mit dem Überstundenbegriff ist derjenige der Mehrarbeit verwandt. Als Mehrarbeit wird die über die gesetzlich zulässige Arbeitszeit hinausgehende Arbeit verstanden, mithin diejenige Zeit, die die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit von acht Stunden (unter Berücksichtigung zulässiger Abweichungen nach § 7 ArbZG) überschreitet. Häufig wird jedoch zwischen beiden Begriffen nicht klar getrennt.
Hat ein Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, Überstunden leisten zu dürfen?
Grundsätzlich gibt es keinen entsprechenden Anspruch des Arbeitnehmers. Wenn jedoch der Arbeitgeber einzelne Arbeitnehmer ohne sachlichen Grund von der Ableistung von Überstunden/Mehrarbeit ausschließt, während diese für vergleichbare Arbeitnehmer angeordnet oder angenommen wird, liegt ein Verstoß gegen den arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz vor. Der arbeitswillige Arbeitnehmer, der zu Unrecht nicht zu den Überstunden / zur Mehrarbeit herangezogen worden ist, kann unter dem Gesichtspunkt des Annahmeverzuges für die – tatsächlich nicht geleisteten – Arbeitsstunden die Vergütung verlangen (Hessisches LAG, 8 Sa 1122/00).
Hat umgekehrt der Arbeitgeber einen Anspruch darauf, dass seine Arbeitnehmer Überstunden leisten?
Grundsätzlich gibt es diesbezüglich keinen Anspruch des Arbeitgebers – es sei denn, dass kollektivrechtlich oder individualrechtlich vereinbart ist,
dass Überstunden zu leisten sind. Ohne eine entsprechende Vereinbarung ist der Arbeitnehmer nicht verpflichtet, Überstunden zu leisten. Er könnte also beispielsweise nicht abgemahnt werden, weil er sich weigert, Überstunden zu leisten bzw. bei einer beharrlichen Verweigerung derselben nicht (ggf. fristlos) gekündigt werden, da kein Fehlverhalten vorliegt.
Was gilt, wenn der Arbeitgeber zur Anordnung von Überstunden berechtigt ist?
Gemäß § 612 Abs. 1 BGB gilt eine Vergütung als stillschweigend vereinbart, wenn die Dienstleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist. Behält sich der Arbeitgeber die Möglichkeit vor, Überstunden anordnen zu können, so sind die von ihm angeordneten und vom Arbeitnehmer geleisteten Überstunden zu vergüten, und zwar grundsätzlich mit der üblichen Vergütung (vereinbarter Stundenlohn; falls ein Tarifvertrag zur Anwendung kommt, tariflicher Stundenlohn ggf. mit Zuschlägen). Problematisch können bereits die Fälle sein, in denen der Arbeitgeber Überstunden der Arbeitnehmer billigend geduldet hat. Damit Streit zwischen den Arbeitsvertragsparteien möglichst vermieden wird, sollte im Arbeitsvertrag ausdrücklich geregelt werden, dass nur vom Arbeitgeber angeordnete Überstunden bezahlt werden.
Sind Pauschalierungsabreden zulässig?
Abreden, nach denen „erforderliche Überstunden mit dem Monatsentgelt abgegolten sind“ (sog. Pauschalierungsabreden), sind bei leitenden Angestellten eher die Regel als die Ausnahme. Da bei diesem Personenkreis üblicherweise hohe Gehälter gezahlt werden, ist in diesen Fällen eine Pauschalierungsabrede zulässig. Bei den „Normalarbeitsverhältnissen“ ist jedoch zu beachten, dass sich der Umfang der zu
leistenden Überstunden, die mit dem „pauschalierten Entgelt“ zu leisten und abgegolten sind, deutlich aus dem Arbeitsvertrag ergeben muss. Der Arbeitnehmer muss genau erkennen können, in welchem Verhältnis seine Leistung zur Gegenleistung des Arbeitgebers steht. Das BAG (5 AZR 517/09) sagt hierzu: „Eine die pauschale Vergütung von Mehrarbeit regelnde Klausel ist nur dann klar und verständlich, wenn sich aus dem Arbeitsvertrag selbst ergibt, welche Arbeitsleistungen von ihr erfasst werden sollen. Anderenfalls ließe sich nicht erkennen, ab wann ein Anspruch auf zusätzliche Vergütung besteht. Der Umfang der Leistungspflicht muss so bestimmt oder zumindest durch die konkrete Begrenzung der Anordnungsbefugnis hinsichtlich des Umfangs der zu leistenden Überstunden so bestimmbar sein, dass der Arbeitnehmer bereits bei Vertragsabschluss erkennen kann, was ggf. „auf ihn zukommt“ und welche Leistung er für die vereinbarte Vergütung maximal erbringen muss.“
Worauf sollte man bei Pauschalierungsabreden noch achten?
Bei Pauschalierungsabreden bzgl. des Monatslohnes ist bei Arbeitnehmern in „unteren Entgeltgruppen“ bzw. bei solchen, die nur einen geringen Stundenlohn erzielen, zusätzlich darauf zu achten, dass das Tarifentgelt bzw. ggf. ein geltender Mindestlohn nicht unterschritten wird.
Welche Risiken bestehen auf der Arbeitgeberseite, wenn die Pauschalierungsabrede unwirksam ist?
Der Arbeitgeber hat in diesen Fällen das Risiko, dass er die angeordneten bzw. „billigend geduldeten“ Überstunden zusätzlich bezahlen muss – und zwar entweder im Rahmen der tariflichen oder ggf. arbeitsvertraglich vereinbarten Verfallfristen oder aber sogar, wenn solche auf das Arbeitsverhältnis keine Anwendung finden oder diese unwirksam sein sollten, im Rahmen der gesetzlichen Verjährungsfristen (3 Jahre, beginnend mit dem Schluss des Jahres, §§ 195 ff. BGB).
Wer trägt in einem Streitfall die Darlegungs- und Beweislast?
Grundsätzlich trägt derjenige die Darlegungs- und Beweislast, der den entsprechenden Anspruch geltend macht. Wenn ein Arbeitnehmer also von seinem Arbeitgeber die Bezahlung von Überstunden verlangt, so hat er darzulegen und zu beweisen, dass, wann und in welchem Umfang diese vom Arbeitgeber angeordnet oder auch nur billigend entgegengenommen und von ihm, dem Arbeitnehmer, geleistet worden sind. Für den Arbeitgeber insbesondere problematisch sind aber diejenigen Fälle, in denen es gerade nicht um Tatsachen-, sondern um reine Rechtsfragen geht, wie zum Beispiel bei der unwirksamen Pauschalierungsabrede.
Was ist bezüglich der Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats zu beachten?
Nach der sogenannten „Theorie der Wirksamkeitsvoraussetzung“ ist die Mitbestimmung des Betriebsrates Wirksamkeitsvoraussetzung für jede der Mitbestimmung gemäß § 87 BetrVG unterliegenden
Maßnahme des Arbeitgebers. Eine ohne Mitwirkung des Betriebsrats durchgeführte Maßnahme ist unwirksam, diese kann auch nicht im Nachhinein durch Genehmigung des Betriebsrats Wirksamkeit erlangen. Gemäß § 87 Abs. 1 Ziff. 3 BetrVG hat der Betriebsrat u. a. bei der vorübergehenden Verlängerung der betriebsüblichen Arbeitszeit mitzubestimmen. Der Mitbestimmung unterliegt die Anordnung, ob, von wem, in welchem Umfang und zu welchen Zeiten Überstunden zu leisten sind. Es kommt dabei nicht darauf an, wie viele Arbeitnehmer von der Anordnung betroffen sind. Daher kann auch die Anordnung für einen einzigen Arbeitnehmer das Mitbestimmungsrecht auslösen, wenn ein kollektiver Bezug gegeben ist. Duldet der Arbeitgeber, dass Überstunden geleistet werden, indem er sie entgegennimmt und bezahlt, wird ebenfalls das Mitbestimmungsrecht ausgelöst. Beteiligt also der Arbeitgeber den Betriebsrat nicht oder nicht ordnungsgemäß, ist die Anordnung von Überstunden den Arbeitnehmern gegenüber unwirksam. Diese brauchen einer entsprechenden Anordnung des Arbeitgebers daher nicht Folge zu leisten.
Was ist bei besonders geschützten Arbeitnehmern zu beachten?
Schwerbehinderte und diesen gleichgestellte behinderte Menschen können auf ihr Verlangen von Mehrarbeit freigestellt werden (§ 124 SGB IX). Aus der Vorschrift ergibt sich kein Verbot der Mehrarbeit, sondern nur ein Anspruch auf Befreiung von der Mehrarbeit. Mehrarbeit im Sinne dieser Vorschrift ist die über die normale gesetzliche Arbeitszeit (§ 3 S. 1 ArbZG) hinaus geleistete Arbeit, nicht aber über die individuelle Arbeitszeit des Schwerbehinderten/ Gleichgestellten hinausgehende tägliche Arbeitszeit. Werdende und stillende Mütter dürfen u. a. nicht mit Mehrarbeit beschäftigt werden (§ 8 Abs. 1 MuSchG), wobei im Gesetz selbst geregelt ist, was als Mehrarbeit im Sinne des MuSchG zu verstehen ist. § 8 Abs. 2 MuSchG enthält eine eigenständige mutterschutzrechtliche Definition der Mehrarbeit. Mehrarbeit ist grundsätzlich untersagt, wenn sie 8,5 Stunden täglich oder 90 Stunden in der Doppelwoche überschreitet (bei Frauen über 18 Jahren, § 8 Abs. 2 Ziff. 2 MuSchG). Das Beschäftigungsverbot ist zwingend und wird auch durch ein Einverständnis der Arbeitnehmerin mit darüber hinausgehender Mehrarbeit nicht beseitigt. Das JArbSchG enthält zwar keine ausdrücklichen Regelungen zur Mehrarbeit, doch ergeben sich durch die Regelungen der §§ 8 ff. JArbSchG zur Arbeitszeit bzw. zu deren Beschränkung im „Umkehrschluss“ die Begrenzungen, innerhalb derer Mehrarbeit erlaubt ist bzw. sein kann. Bei minderjährigen werdenden Müttern sind zusätzlich die Beschränkungen des MuSchG zu beachten (§ 8 Abs. 2 Ziff. 1 MuSchG).
Info Heike Zeitel Rechtsanwältin 0203 99367-122 zeitel@unternehmerverband.org
ARBEITS- UND SoZIALRECHT | MITGLIEDSUNTERNEHMEN
Ein plädoyer für mehr Selbstbestimmung
Leitfaden für Geschäftsführer und Personalleiter
Lebenshilfe Dortmund setzt auf betreutes Wohnen
verfassung, Mitbestimmung, Restrukturierungen“ der Siemens AG. Zielsetzung dieses Leitfadens ist es, einen Überblick über das gesamte Deutsche Arbeitsrecht zu schaffen und sich dabei auf die Grundzüge zu konzentrieren. Alle Themenbereiche werden in der Form von Übersichten und Checklisten (fast 100 an der Zahl) in 13 Abschnitten mit zahlreichen Unterkapiteln und 15 Anhängen behandelt. Themen sind nicht nur das Individualund Kollektivarbeitsrecht, vielmehr befinden sich im Anhang auch kurze Ausflüge ins Lohnsteuer- und Gesellschaftsrecht zu Unternehmensformen und Übersichten zu aushangpflichtigen Arbeitnehmer-Schutzvorschriften und zu Straf- und Ordnungswidrigkeittatbeständen im Arbeitsrecht. Weil die Ausrichtung an der aktuellen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts erfolgt, ist es ein unbedingt empfehlenswertes Werk für den Praktiker im Unternehmen, aber auch für diejenigen Führungskräfte, die sich nicht täglich hauptberuflich mit den Fallstricken des Arbeitsrechts auseinandersetzen müssen. RA Peter Wirtz, Fachanwalt für Steuerund Arbeitsrecht
Arbeitsrecht – Leitfaden für alle Führungskräfte 8. Auflage
Hr sg .: So w ka M ET und / Sch AL ie fe LN r RW
Dü sse ldo rfe r
s handelt sich nicht um ein mehrtausendseitiges Handbuch für den Arbeitsrechtler, sondern vielmehr um ein DINA4-Skript mit einer aktuellen Übersicht über das gesamte Arbeitsrecht für alle Führungskräfte – nicht nur für Personalverantwortliche – zu einem Top-Preis. Die Herausgeber erheben den Anspruch „aus Arbeitgebersicht die wichtigsten Probleme anhand zahlreicher Beispiele, Musterformulierungen und Checklisten zu behandeln – zuverlässig und kompakt“. Dies ist uneingeschränkt auch mit der im November 2010 erschienenen Neuauflage wieder gelungen. Herausgeber der Düsseldorfer Schriftenreihe sind die Rechtsanwälte Hans-Harald Sowka, Geschäftsführer der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen, und Prof. Dr. Bernd Schiefer von unternehmer NRW sowie der Verband der Metall- und Elektroindustrie NRW, was eine hohe Objektivität der arbeitsrechtlichen Darstellungen gewährleistet. Der Autor selbst ist ehrenamtlicher Richter am Bundesarbeitsgericht sowie Vorsitzender des Siemens Konzern-/Gesamtsprecherausschusses der leitenden Angestellten und Mitglied im paritätisch besetzten Aufsichtsrat der Siemens AG (formal also Arbeitnehmervertreter). U. a. ist
Dr. Rainer Sieg Arbeitsrecht für Führungskräfte Düsseldorfer Schriftenreihe 8. Auflage 2010 ISBN Nr. 978-932719-44-9 187 Seiten 37,80 Euro Bestellung beim Verband der Metall- und Elektroindustrie NRW Fax: 0211 45 73-231 www.duesseldorfer-schriftenreihe.de er Mitautor des Buches „Unternehmensumstrukturierung aus arbeitsrechtlicher Sicht“ – siehe Rezension in [unternehmen!] 3/2010 oder zu finden im Internet unter www.unternehmerverband.org. Er kommt also aus der langjährigen arbeitsrechtlichen Praxis, u. a. leitete er die Abteilung „Betriebs-
Arbeitsrecht einmal ganz anders Entscheidungshilfen für „Nicht-Juristen“
n der Düsseldorfer Schriftenreihe, herausgegeben auch vom Verband der Metall- und Elektroindustrie NRW, haben Rechtsanwalt Hans-Harald Sowka und sein ebenfalls im Vereinigten Industrieverband von Düren, Jülich, Euskirchen tätiger Kollege Karsten Kieper ein kleines Werk veröffentlicht, das den Anspruch erhebt, hauptsächlich Geschäftsführern von Unternehmen Grundlagen und Handlungshinweise zur Verfügung zu stellen, damit sie ein Gefühl dafür entwickeln können, welche Weichenstellung für den Erfolg ihres „Goldene Regeln“ Unternehmens wichtig ist. Hindes Arbeitsrechts weise zur Personalpolitik und zum Hans-Harald Sowka Umgang mit dem Betriebsrat seien und Karsten Kieper – so die Autoren – ebenso wichtig. Es ist eben kein Handbuch für den 1. Auflage 2011 täglich in der Personalarbeit VerVerlagsgesellschaft Sowka und antwortlichen, sondern gedacht als Dr. Schiefer OHG, Düsseldorfer Hilfestellung für die letztentscheiSchriftenreihe denden Führungskräfte. ISBN 978-3-932719-48-6 In vier größeren Abschnitten 69,- Euro mit acht bis 17 Unterpunkten wer134 Seiten den jeweils mit nur ein bis vier Seiten, ohne zu sehr in Details überzugehen, insgesamt 40 Themenfelder dargestellt: u. a. Sonder- Potenziale, Demografische Enttarifvertrag / Sanierungstarifver- wicklung, Anrechnung übertariflitrag, Flucht aus der Tarifbindung cher Zulagen, Mitarbeiterkontrolle, – ohne Tarifbindung (OT), Wettbe- Schwerbehinderte oder Betriebswerbsverbot und Karenzentschä- übergang. Auch Verhaltensweisen digung, Arbeitszeitgestaltung und für den Fall eines Arbeitskampfes
werden auf vier Seiten aufgezeigt. Es gibt fünf Unterkapitel zum Thema Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Auf 31 Seiten wird eine kompakte Darstellung des Betriebsverfassungsrechts und des Umgangs der Betriebsparteien, der Betriebsratswahlen, der Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates bis hin zur Einigungsstelle und Interessenausgleich / Sozialplan bei Betriebsänderungen kurz und knapp abgebildet. Dieses Büchlein ist speziell für Nicht-Juristen verfasst und vermittelt allgemeine Grundkenntnisse des Arbeitsrechtes und stellt eine gute Einführung in die wesentlichen Rechtsbegriffe und Grundsätze dar. Es verfügt über ein klares und umfangreiches Inhalts-, allerdings leider über kein Stichwortverzeichnis. Was vielleicht fehlt, ist eine nützliche Übersicht über die wichtigsten Fristen und Termine im Arbeitsrecht. Das Buch ist mühelos lesbar und führt schnell und ohne Umschweife in die jeweilige Materie hinein. Leseproben findet man auf der Seite www.duesseldorfer-schriftenreihe.de unter „Aktualisierungsservice“. RA Peter Wirtz, Fachanwalt für Steuerund Arbeitsrecht
rüher musste Andreas Schwohnke Mauern einreißen – und zwar solche von Eltern, die ihre Kinder mit Behinderung nicht aus dem „geschützten Raum“ Wohnstätte entlassen wollten. Heute würde der Geschäftsführer der Lebenshilfe Dortmund am liebsten selbst Wände bauen – und zwar solche, die Menschen mit Behinderung ein (barrierefreies) Zuhause bieten. „Wir möchten Wohnformen anbieten – egal ob stationär oder ambulant betreut –, die adäquat zum Menschen das richtige Umfeld bieten und untereinander durchlässig für Wechsel sind.“ Das Leben für Menschen mit Behinderung und deren Familien hat sich stark verändert, was die Geschichte der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Dortmund e. V. belegt: 1976 wurde der Verein als Eltern-Initiative gegründet, mit dem Ziel, dass behinderte Kinder in die Schule gehen dürfen. Heute gibt es eine UN-Konvention, nach der ein Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht besteht. So positiv Andreas Schwohnke die Entwicklung im Umgang mit Behinderten sieht, so unterliegt das Wohl seiner Kunden auch finanziellen Zwängen. „Wir stehen vor der Herausforderung, bei begrenzten bzw. knapper werdenden Mitteln gute Angebote zu machen.“ So gehe etwa die Politik des Landschaftsverbandes, der Geld für die Betreuung von Behinderten bereitstellt, in Richtung: weniger stationär. „Unser Ziel war es immer, unseren Kunden in der ‚freien Wildbahn‘ ein möglichst normales Leben zu bieten und sie entsprechend ihren Fähigkeiten zu fördern.“ Die junge Elterngeneration unterstützt diesen Ansatz, der auf Eigenständigkeit und Selbstbestimmung setzt. Die Kehrseite ist, dass das ehrenamtliche Engagement der Eltern zurückgeht, „weil wir kein Selbsthilfeverein mehr sind, sondern ein Dienstleistungsunternehmen“. Das bringt die Dortmunder in das Dilemma, mehr bieten zu müssen, aber weniger freiwillige Hände zur Verfügung zu haben. Auf neue Füße hat sich die Le-
benshilfe deshalb satzungsrechtlich gestellt: Statt eines ehrenamtlichen gibt es seit 2010 einen hauptamtlichen Vorstand mit zwei Geschäftsführern. Die Arbeit von Schwohnke und seinem Stellvertreter Krystian Waletzko kontrolliert der Aufsichtsrat, in dem sich viele ehemalige Vorstandsmitglieder engagieren. Schwohnke ist über diese Entwicklung froh, denn immerhin beläuft sich das Geschäftsvolumen des Unternehmens, das 235 Mitarbeiter beschäftigt, auf jährlich sieben Millionen Euro. Unter dem Dach des Vereins, dem über 200 Eltern, Freunde und Förderer angehören, haben sich zwei gemeinnützige GmbHs gegründet: die Lebenshilfe Ambulante Dienste und das Förderzentrum Lebenshilfe. Zu den Angeboten der Ambulanten Dienste gehören Familienunterstützung, ambulant betreutes Wohnen, ambulante Erziehungshilfe, Pflegedienste, Ferienfreizeiten und Sportangebote: „Mehrere hundert Familien betreuen wir so – angefangen bei Erziehungsproblemen, bei denen uns das Jugendamt einschaltet, bis zu Betreuungsangeboten, damit Eltern von Behinderten auch einmal Zeit für sich haben.“ Ein besonderes Angebot ist der Ferienspaß, eine Ganztagsbetreuung in den Osterferien und in drei Wochen der Sommerferien. Schwohnke: „Wie soll man als Berufstätiger ein Kind mit Behinderung betreuen, wenn es zwölf Wochen Ferien im Jahr hat, man selbst aber nur 30 Tage?“ Im Förderzentrum werden zudem rund 160 Kinder stundenweise gefördert und therapiert. „Das machen wir mit Ergo-, Sprach- und Physio-Therapie
sowie mit Heilpädagogischer Förderung“, erläutert der Sozialwissenschaftler, der seit 1995 bei der Lebenshilfe tätig ist. Und dann sind da noch die zwei Wohnstätten für fast 60 Erwachsene, die in Werkstätten arbeiten, teils aber auch schon Rentner sind. „Ihnen bieten wir eine Tagesstruktur.“ Für die vielfältigen Angebote ist Schwohnke auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. „Wir arbeiten mit Menschen – was immer von der Motivation der Mitarbeiter lebt. Deshalb ist Personalentwicklung ein wichtiges Thema.“ Er ist stolz auf ein strukturiertes Coaching: „Wenn aus Kollegen Führungspersönlichkeiten werden, verläuft der Rollenwechsel nicht immer reibungslos. Konflikte sind das eine, Reflexion des eigenen Auftretens das andere. Hier haben wir gute Erfahrungen mit Coachings gemacht.“ Einem guten Betriebsklima dienen auch die Mitarbeiter-Zeitung „Lilly“, die zu einer öffentlichen Zeitung ausgebaut wird, sowie Betriebsausflüge und von Mitarbeitern organisierte Veranstaltungen. Dennoch werden Fachkräfte knapp – weniger im pädagogischen als im pflegerischen Bereich. „Dabei ist der Beruf so erfüllend“, wundert sich der Geschäftsführer: „Man fördert die Potenziale der Menschen, man entwickelt Perspektiven mit ihnen.“ Mit Blick in die Zukunft ist sich Andreas Schwohnke sicher, dass der Bereich „ambulant betreutes Wohnen“ am stärksten wächst: „Leider fehlen dafür behindertengerechte Wohnungen, die auch noch gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen sind.“ Hier sei der Markt träge; und wenn Wohnraum geschaffen wird, dann zunächst für die Zielgruppe Senioren und nicht für Menschen mit Behinderung. Jennifer Middelkamp Info Lebenshilfe Dortmund e. V. Brüderweg 22-24 44135 Dortmund 0231 13889-0 www.lebenshilfe-dortmund.de
Unter dem Motto „Eingehakt“ gestalteten Menschen mit Behinderung bei der Lebenshilfe Dortmund so genannte „Zechenhaken“ (Fotos: Lebenshilfe Dortmund)
unternehmerverband regional
Mülheim muss sein Profil schärfen
Neue Mitglieder Unternehmerverband Dienstleistungen
Science Slams belebten das Katerfrühstück im Haus der Wirtschaft
WISAG Industrietechnischer Service GmbH & Co. KG technische Reinigung, Schlosserund Elektrikerarbeiten, Arbeitnehmerüberlassung, Fluid Management
er Aschermittwoch ist ja traditionell auf der politischen Bühne jener Tag, an dem mit Kritik an den Gegenspielern nicht gespart wird. Wer sich an diesem 9. März auf Einladung des Unternehmerverbandes Mülheimer Wirtschaft zum „Katerfrühstück“ einfand, mochte Ähnliches erwartet haben, wurde jedoch positiv enttäuscht. Statt Tadel gab es vom Vorstandsvorsitzenden Hanns-Peter Windfeder eher Anregungen dafür, wie sich die Stadt künftig im Wettbewerb der Kommunen aufstellen sollte. Und auch für Heiterkeit war gesorgt, denn zugleich fand der erste Mülheimer „Science Slam“ statt. Rund 90 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Freunde und Partner des Verbandes – darunter Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld – hatten nach den tollen Tagen den Weg in den Lichthof des Hauses der Wirtschaft an der Wiesenstraße gefunden. Zunächst stärkten sich alle am Büfett, das dem Gebot der Stunde entsprechend reichlich mit Rollmops und Hering aufgewertet war. Dazu, um den Kater zu mildern, viel Kaffee und vitaminreiche Säfte. Hanns-Peter Windfeder legte im Anschluss den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf die Frage, als was sich Mülheim an der Ruhr denn eigentlich verstehe. Es schwirren nämlich die unterschiedlichsten Prädikate herum: Stadt am Fluss, Gründerstadt, Stadt im Grünen, Stadt der Wissenschaft oder Wohnstadt und so manches mehr. Das führte den Marketing-Experten zunächst zu einem Ausflug in die Welt der Automobilwerbung, bei dem er die Slogans der Kfz-Hersteller unter die Lupe nahm und darlegen konnte, welche dieser „Claims“ präzise einerseits die Produktpalette widerspiegeln und andererseits die Sicht der Kunden auf „Ihre“ Marke treffen – und welche nichtssagend und banal sind.
www.unternehmerverbanddienstleistungen.org Unternehmerverband Soziale Dienste und Bildung PIA Dienstleistungszentrum Arbeit gGmbH Förderung der beruflichen Bildung, Eingliederung arbeitsloser oder von Arbeitslosigkeit bedrohter, schwer vermittelbarer Menschen, Beratung, Betreuung und psychologische Unterstützung der o. g. Zielgruppen
Hanns-Peter Windfeder und die drei Science Slammer Ulrich Rehmes, Daniel Weimar und Sebastian Bartoschek (v.l.) (Foto: Becker)
Zurück zu Mülheim: Von diesen Beispielen ausgehend ist Windfeders Resümee, dass die Stadt zwar sowohl grün als auch gründerstark und vieles mehr ist – die Vielfalt der Qualitäten aber für eine klare Positionierung hinderlich ist. Seine Forderung lautet daher, dass die Stadt und ihre Akteure – und dazu gehört auch der Unternehmerverband – das Profil der Stadt schärfen müssen. Nötig sei eine baldige Debatte darüber, mit welchen Stärken man vor allem punkten wolle, wenn es um die Gewinnung neuer Mitbürger und nicht zuletzt auch neuer Unternehmen am Standort geht. Was auf die Rede des Vorstandsvorsitzenden folgte, haben die Mülheimerinnen und Mülheimer zum ersten Mal erlebt: Drei so genannte Science Slammer hatten jeweils genau zehn Minuten Zeit, um ihr wissenschaftliches For-
schungsgebiet sowohl allgemein verständlich als auch humorvoll dem Publikum zu vermitteln. Solche Science Slams, bei denen sich Studenten und Jung-Wissenschaftler messen, finden mittlerweile in 22 deutschen Städten regelmäßig statt. Alle drei Teilnehmer hatten mit ihren Vorträgen bereits bundesweit Aufmerksamkeit in den Medien erregt. Der Diplom-Kaufmann Daniel Weimar beispielsweise – mittlerweile wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Duisburg-Essen – beschäftigt sich seit Jahren mit der ökonomischen Bewertung von Fußballvereinen. Auf der Bühne machte er daraus einen kurzweiligen Vortrag, bei dem die Frisur eines Stürmers ebenso großen mathematischen Einfluss auf den Verkaufswert hat wie die Zahl der Freundinnen eines Torwarts.
Jahresauftakt in Wesel
Ihm folgte Ulrich Rehmes, der nach seinem Sportstudium in Münster nun als Referendar ins Berufsleben eingestiegen ist. Er hat Kommilitonen verkabelt und sie anstrengende Kraftübungen machen lassen. Anschließend brachte er sie mit Hilfe einer „Lach-Yoga“Therapeutin in den Zustand ausgelassener Heiterkeit und verglich die Messergebnisse. Sein Resümee: Lachen beansprucht zwar viele Muskeln – einen Waschbrettbauch bekommt man davon allerdings nicht. Den Abschluss machte Sebastian Bartoschek. Der Diplom-Psychologe und Journalist schreibt seine Doktorarbeit über Verschwörungstheorien und führte die schmunzelnden Zuhörer auf eine Parforcetour quer durch alle möglichen absurden, aber von Millionen geteilten Vermutungen: etwa dass Paul McCartney seit Jahr-
zehnten tot ist, Elvis Presley hingegen lebt. Von reptilienartigen Aliens mitten unter uns bis zu hin zu dämonischen Zeichen auf unseren Personalausweisen – wie seine Forschungen zeigen, sind die Anhänger solcher Theorien meist ganz normale Mitmenschen wie du und ich. Hanns-Peter Windfeder jedenfalls wünscht sich eine Fortsetzung des Science Slams im nächsten Jahr – dann hoffentlich unter Mitwirkung der Hochschule Ruhr West und der beiden Mülheimer Max-Planck-Institute. Rainer Rehbein Info Kerstin Einert-Pieper 0208 30068-14 einert-pieper@unternehmerverband.org
Bildung in Bocholt J
unge Leute mit Interesse an einer Aufstiegsfortbildung, gestandene Mitarbeiter, die sich speziell qualifizieren möchten, oder Personalchefs, die einen SeminarAnbieter suchen: Das Publikum auf der 6. Weiterbildungsbörse in Bocholt war bunt gemischt. Neben dem Stand des Unternehmerverbandes Soziale Dienste und Bildung informierten Mitgliedsunternehmen wie die Akademie Klausenhof, die EWIBO sowie die Berufsbildungsstätte Westmünsterland über ihre An-
gebote. Auch das Weiterbildungsprogramm der HAUS DER UNTERNEHMER GmbH war präsent: Besonders Seminare zu Personalführung, Betriebswirtschaft sowie Sozialversicherungs- und Steuerrecht stießen auf Interesse. Jennifer Middelkamp Info Jürgen Paschold 02871 23698-11 paschold@unternehmerverband.org
Diskutierten über Fachkräfteknappheit: die Kreis Weseler Mitgliedsunternehmen (Foto: Middelkamp)
er Fachkräftemangel und die vertreter zum Austausch getroffen. wirtschaftliche Situation im Übereinstimmend berichteten sie „Jahr nach der Krise“ stand im Mit- von der abnehmenden Qualität und telpunkt der Jahresauftakt-Veran- Quantität von Bewerbern – wo früstaltung für die Kreis Weseler Mit- her mehrere hundert Bewerbungen gliedsunternehmen. Im Landhaus eingegangen waren, sind es heute Freesmann hatten sich 15 Firmen- nur noch eine Handvoll. Auch von überzogenen Gehaltsforderungen von Fachkräften berichteten einige Info Firmenvertreter – 20 Prozent über dem üblichen Gehaltsgefüge sei eher Martin Jonetzko die Regel als die Ausnahme. Auf0203 99367-121 grund des noch „günstigen“ Verhältjonetzko@unternehmerverband.org nisses von zwei Bewerbern auf eine Ausbildungsstelle – das meldete die
Arbeitsagentur aktuell – zeichnet sich bei den Unternehmern in der Nachwuchsrekrutierung noch kein Engpass ab. Geplant wurden beim Treffen auch die Aktivitäten des laufenden Jahres: Neben Unternehmertreffen in Mitgliedsunternehmen wurden Besuche regionaler Highlights vorgeschlagen, z. B. eine Grubenfahrt. Im Kreis Wesel sind dem Unternehmerverband 50 Betriebe mit ca. 5.000 Beschäftigten angeschlossen; der Schwerpunkt liegt in Dinslaken. Jennifer Middelkamp
PIA Stadtdienste gGmbH Förderung der Umwelt. Maßnahmen zum Zweck der beruflichen und sozialen Integration von Menschen mit Behinderung und aus sozial ungerechten Verhältnissen Villa Kunterbunt e. V. Kindergarten Stella Vitalis Seniorenzentrum Haan GmbH Pflegeeinrichtung Stella Vitalis Seniorenzentrum Bochum GmbH Pflegeeinrichtung www.unternehmerverbandsoziale-dienste-und-bildung.org Unternehmerverband Ruhr-Niederrhein Headzoom.com GmbH Recruiting und Outplacement Bechtle GmbH & Co. KG IT-Produkte, IT-Handel, Dienstleistungen im Bereich IT, Outsourcing/Managed Services www.unternehmerverbandruhr-niederrhein.org
Impressum Herausgeber: Unternehmerverbandsgruppe e. V. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schmitz Düsseldorfer Landstr. 7 47249 Duisburg Telefon 0203 99367–0 Telefax 0203 355714 uv@unternehmerverband.org Chefredakteur (v.i.S.d.P.): Rainer Rehbein rehbein@unternehmerverband.org Redaktion: Rainer Rehbein, Jennifer Middelkamp, Dorthe Becker Düsseldorfer Landstr. 7, 47249 Duisburg Telefon 0203 6082–205 Gestaltung, Layout: BELAU Werbung Duisburg/Essen Telefon 0201 2447703, info@belau.biz Anzeigen: cantaloop GmbH Duisburg Telefon 0203 2990–47 info@cantaloop.de Druck: Druck- und Verlagszentrum GmbH, Hagen Auflage: 16.000, Nachdruck nur mit aus­drücklicher Genehmigung des Herausgebers
Jürgen Paschold am Stand des Verbandes (Foto: Middelkamp)
1/2011 – Zeitung des Unternehmerverbandes

References: § 87
 § 125
 § 125
 § 7
 § 612
 § 87
 § 87
 § 8
 § 8