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Timestamp: 2019-10-19 12:56:14+00:00

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Anhänger | Fahrrad-Wiki | FANDOM powered by Wikia
Lesenswert, Fahrradtechnik, Verkehrsrecht
Vorschriften in Deutschland Bearbeiten
Personenbeförderung in Fahrradanhängern nach § 21 StVO Bearbeiten
Anhänger dürfen nach § 32a StVZO nicht hinter Kraftfahrzeugen zur Personenbeförderung eingesetzt werden; Fahrräder gelten als Fahrzeuge, nicht als Kraftfahrzeuge, und fallen deshalb nicht unter dieses Verbot. Seit dem 01.09.2009 ist die Beförderung in Fahrrad-Anhängern durch § 21 Abs. 3 StVO explizit erlaubt und zugleich auf maximal zwei Kinder im Anhänger beschränkt worden.
Lastenanhänger dürfen nicht zur Personenbeförderung eingesetzt werden (§ 21 Abs. 2 Satz 4 StVO).
Auf Fahrrädern und in Fahrrad-Anhängern dürfen Kinder unter 7 Jahren von mindestens 16-Jährigen befördert werden; behinderte Kinder können auch über das "vollendete 7. Lebensjahr" hinaus mitgenommen werden. Für die Beförderung von Kindern unter drei Jahren sind Sicherheitsgurte erforderlich (§ 21 Abs. 1b Satz 1 StVO: "In Fahrzeugen ..."). Helme sind nicht vorgeschrieben (§ 21a Abs. 2 StVO), wegen Rückenlehne oder Kopfstütze nicht ohne Verrenkung zu tragen und wegen Schutzes durch die Fahrgastzelle nicht nötig. Die übrigen Auflagen des § 21 StVO zu Sitzen und Speichenabdeckung (Schutz gegen Eingriff) werden durch handelsübliche Kinderanhänger erfüllt.
Abmessungen nach § 32 StVZO Bearbeiten
Maße von Fahrzeugen sind in § 32 StVZO festgelegt. Für Fahrräder und ihre Anhänger werden keine expliziten Angaben gemacht, sodass die Maße für Fahrradanhänger jenen für Kraftfahrzeuge, Krafträder und ihren Anhängern entsprechen:
Breite max. 1,0 m wie bei Krafträdern nach § 32 Abs. 1 Nr. 3 StVZO
Höhe max. 4,0 m wie bei Kfz und ihren Anhängern nach § 32 Abs. 2 Satz 1 StVZO
Länge max. 12,0 m wie bei Kfz und ihren Anhängern nach § 32 Abs. 3 Nr.1 StVZO
Es gab Bestrebungen, Maße für Fahrradanhänger weiter einzuschränken, und es gibt Ansichten, dass die maximal zulässige Breite 2,55m sei und sich an Kfz und ihren Anhänger orientiere, weil Fahrräder keine Krafträder sind.
Beleuchtung und Reflektoren nach § 67 und 67a StVZO Bearbeiten
"Lichttechnische Einrichtungen an Fahrrädern" werden in § 67 StVZO beschrieben und wurden sinngemäß für Fahrradanhänger angewandt, bis für Anhänger eine eigene Vorschrift § 67a StVZO geschaffen wurde. Als Lichttechnische EInrichtungen gelten Leuchten, aber auch Leuchtstoffe und rückstrahlende Mittel. Vorschriften für die Beleuchtung von Kfz-Anhängern können nur angewandt werden, wenn sie den in § 67 und 67a StVZO aufgelisteten Leuchten und Reflektoren nicht widersprechen, so sind die dreieckigen roten Reflektoren von Kfz-Anhängern an Fahrradanhängern nicht zulässig. Alle Leuchten müssen Dauerlichter sein, Blinklichter sind nicht zulässig (TA4, Anlage zu § 22a StVZO), ausgenommen Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker).
Fahrradanhänger müssen laut § 67a (2) StVZO nach hinten
mindestens ein rotes Schlusslicht auf der linken Seite, falls der Anhänger breiter als 60cm oder das Fahrradrücklicht zu mehr als 50% verdeckt ist,
zwei rote Großflächenrückstrahler, die mit dem Buchstaben Z gekennzeichnet und maximal 20 cm von den Außenkanten entfernt angebracht sind,
zeigen. Anhänger jeder Breite dürfen rechts ein zweites Rücklicht zeigen, Anhänger unter 60 cm Breite dürfen ein Rücklicht mittig zeigen. Die Rücklichter und roten Reflektoren dürfen in einem Gehäuse zusammengefasst sein (z.B. 2 Rücklichter mit Großflächenrückstrahler). Der abgebildete Croozer 737 darf seine Beleuchtung weiterhin führen, da er vor dem 01.01.2018 in Verkehr gebracht wurde, aber sie entspricht nicht den Anforderungen an Anhänger, die nach dem 01.01.2018 in Verkehr gebracht werden.
Nach vorn müssen Fahradanhänger nach §67a (2) Nr. 1 StVZO
ab 60 cm Breite weiße, nicht-dreieckige Reflektoren haben, die nicht weiter als 20 cm von der Außenkante entfernt sind,
ab 100 cm Breite zusätzlich ein weißes Licht auf der linken Seite zeigen.
Batterielichter sind üblich und seit der Änderung von § 67 Abs. 1 StVZO im April 2012 auch zulässig. In Verbindung mit LED-Leuchten reicht die elektrische Leistung von Nabendynamos ohne merklichen Helligkeitsverlust beim LED-Scheinwerfer, um die Anhängerbeleuchtung zusätzlich vom Nabendynamo zu versorgen.
Alle Anhänger müssen nach § 67a (2) Nr. 3 StVZO zur Seite entweder
weiße, ununterbrochene Reflexringe (Reflexreifen) oder
weiße Speichenreflektoren an jeder Speiche oder
mindestens zwei um 180° versetzte, gelbe Speichenreflektoren zeigen (bei mehr als zwei sind sie gleichmäßig zu verteilen).
Zu Reflexstreifen im Verdeck werden in § 67 und 67a StVZO keine Vorgaben gemacht, verboten werden sie allerdings auch nicht.
Andere Vorschriften, vermeintliche Vorschriften Bearbeiten
Es gibt eine Reihe von Ratgebern, die auf andere oder vermeintliche Vorschriften verweisen. Obwohl sie Sinnvolles enthalten können, sind sie oft unverbindlich oder nur für bestimmte Gruppen wie Hersteller verbindlich, z.B. DIN-Normen, weil sie den Stand der Technik in Form von Bemessungsvorgaben widerspiegeln.
Zu den vermeintlichen Vorschriften gehört die Fahrradausrüstungsverordnung (FAusrüstV), die die StVZO ergänzen sollte. Die FAusrüstV ist jedoch vom Bundesrat abgelehnt worden und nicht in Kraft getreten.[1]
Ebenfalls dazu gehört die Veröffentlichung "Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern"[2] des Bundesverkehrsministeriums im Verkehrsblatt 22/99, Seite 703ff., die Herstellern eine Richtlinie für Aufbau und Ausrüstung geben sollte; sie enthält Angaben u.a. zu Anhängerbremsen, die den Eindruck erwecken, dass sie vorgeschrieben seien, oder zu Beleuchtung und Abmessungen, die der StVZO widersprechen. Dieses Merkblatt ist keine Rechtsverordnung, sondern eine Empfehlung, die vom TÜV mitentwickelt wurde und in die FAusrüstV einfließen sollte. Sämtliche Änderungen der StVZO seit 1999 griffen Inhalte der FAusüstV nicht auf, sodass deren Inhalt als irrelevant anzusehen ist.
Kinderanhänger Bearbeiten
Unter Kinderanhänger werden hier Fahrradanhänger zur Beförderung von Kindern ohne deren Mitwirkung verstanden. Mit Tretmöglichkeit werden sie hier als Tandemanhänger bezeichnet.
Nach einer Untersuchung[3] des Allianz Zentrums für Technik aus dem Jahr 1996 werden Kinder in Spezial-Anhängern hinter Fahrrädern am sichersten befördert; verglichen wurde mit Beförderung auf Kindersitzen vor und hinter dem Radfahrer. Die Bundesanstalt für Straßenwesen BASt kam zusammen mit dem RWTÜV 1998 zu demselben Ergebnis.[4]
Der ADAC untersuchte 2010 neun Kinderanhänger[5] anhand von sieben unterschiedlichen Prüfkriterien und bewertete davon einen mit gut und je vier mit befriedigend oder ausreichend. Gewichtete Kriterien dieses Tests sind Fahren (35%), Komfort fürs Kind (20%), Handhabung (20%), Sicherheit (15%), Haltbarkeit (5%) und Schadstoffe (5%). Unter "Methodik & Hintergrund" werden Abwertungsmechanismen beschrieben, deren Einfluss auf das Ergebnis der einzelnen Kriterien und das Gesamtergebnis vage bleibt. So wird ein Modell wegen des Kriteriums Schadstoffe (5%) in der Gesamtnote um 2 Stufen schlechter bewertet, als die rechnerische Gewichtung der Kriterien zulässt.
Zweispurige Kinderanhänger Bearbeiten
Die meisten Kinderanhänger sind zweispurig, sie haben eine Achse mit zwei nebeneinander laufenden Rädern, die sie vor Kippen im Stand beim Ein- und Aussteigen schützen. Fahrend können zweispurige Anhänger umkippen, wenn sie ungleich beladen, zu schnell in Kurven gefahren werden oder mit einem Rad über Hindernisse rumpeln. Zweisitzer können die Maximal-Breite von einem Meter erreichen und sind gleichmäßig beladen weniger kippempfindlich als schmalere Einsitzer. Federung und Dämpfung verringern die Neigung zum Umkippen infolge von Unebenheiten, wenn sie gut abgestimmt sind; jedenfalls erhöhen sie den Komfort für die Insassen um den Preis höherer Anstrengung für den Radfahrer.
Kinderanhänger sind als Ein- oder Zweisitzer von zahlreichen Anbietern und Herstellern im Handel: Blue Bird, Burley, Croozer, Kid Car, Kiddy Van, Kindercar, Kool-Stop, Leggero, Lokari, Monz, Profex, Thule (vormals Chariot), Tout Terrain, Weber, Winther ...
Einspurige Kinderanhänger Bearbeiten
Es gibt wenige einspurige Kinderanhänger für Fahrten abseits von befestigten Wegen (Tout Terrain SingleTrailer, Eigenbauten). Einspurige Anhänger können prinzipbedingt während der Fahrt nicht umkippen, weil es die Verbindung mit dem Fahrrad nicht zulässt. Sie sind dafür je nach Ständer beim Ein- und Aussteigen eventuell heikler als zweispurige zu handhaben. Einspurige Kinderanhänger sind durchweg Einsitzer und schmaler als zweispurige Einsitzer. Es werden Hochdeichseln (SingleTrailer) und Tiefdeichseln (Eigenbauten) verwendet.
Sicherheitseinrichtungen bei Kinderanhängern Bearbeiten
Eingangs erwähnt wurden Sicherheitseinrichtungen, die durch die StVO vorgeschrieben sind:
Sicherheitsgurte, sonst Beförderungsverbot für Kinder unter 3 Jahren (§ 21 Abs. 1b Satz 1 StVO: "In Fahrzeugen ...");
Speichenabdeckung (§21 Abs. 3 StVO);
Sitze (§21 Abs. 2 StVO: "Das Stehen während der Fahrt ist verboten...").
Andere Sicherheitseinrichtungen sind nicht offensichtlich:
die Fahrgastzelle bietet Schutz bei Anprall und Überschlag;
das Einstiegsnetz bietet Schutz vor Insekten und Steinschlag durch das Hinterrad;
die linke Deichsel begünstigt Ausstieg nach rechts, zum Straßenrand.
Das Nezu ist die meist unterschätzte Sicherheitseinrichtung und soll immer geschlossen sein, denn das Hinterrad wirbelt stets Staub, Sand, Steinchen und anderen Dreck auf, die ohne Netz den Kindern direkt ins Gesicht fliegen – Insekten gehen weit seltener ins Auge.
Tandemanhänger Bearbeiten
Tandemanhänger sind "halbierte Fahrräder", die an ein Fahrrad gekoppelt werden und Platz für ein oder zwei Kinder bieten. Anders als im Kinderanhänger kann mitgetreten werden und muss wachgeblieben werden. Die meisten Modelle ähneln einem Upright mit Sattel und Lenkstange, aber ohne Vorderrad. Es gibt auch einem Liegerad ähnliche mit Sessel (Weehoo iGo Turbo, iGo Two), die müden Kindern Halt geben. Tandemanhänger werden i.d.R. mit Hochdeichseln angekoppelt.
Tandemstange Bearbeiten
Tandemstangen erlauben, ein Kinderfahrrad an ein Fahrrad zu kuppeln und wie einen Tandemanhänger zu ziehen. Das Vorderrad des abgeschleppten Kinderrads wird angehoben und festgestellt. Vorteile gegenüber einem Tandemanhänger sind größere Flexibilität und geringere Kapitalbindung.
Diese Abschleppstangen werden an der Satteltütze befestigt und gleichen Hochdeichseln. Es gibt ein Modell mit Tiefdeichsel, das FollowMe.
Tandemstange und Tandemanhänger haben den Nachteil, dass sie nicht gleichzeitig mit einem Kinderanhänger an ein Fahrrad angehängt werden können. Wann immer mit erschöpften Kindern zu rechnen ist, die sich während der Fahrt erholen sollen, taugen diese Lösungen nicht.
Hundeanhänger Bearbeiten
Fahrradanhänger für Hunde, kurz Hundeanhänger, entsprechen den Bedürfnissen von Hunden nach ebener Liegefläche, die Kinderanhänger nicht haben, und Schutz vor Witterung, Steinschlag, Herausschleudern, was offene Lastanhänger nicht bieten. Es können Hunde bis 40kg transportiert werden. Im Gegensatz zu anderen Lastenanhängern haben Hundeanhänger eine Befestigungsmöglichkeit, die einen Hund wie ein Sitzgurt sichert oder als Kurzleine dessen Bewegungsspielraum einschränkt.
Lastenanhänger Bearbeiten
Der klassische Fahrradanhänger ist ein zweispuriger, einachsiger Lastenanhänger mit offenem Kasten und Hochdeichsel, die als Handkarren-Griff dient. Neben dem Handkarren gibt es Konstruktionen mit nur einem Rad, die vom Fahrrad aufrecht gehalten werden, oder mit zwei Achsen, die wie ein dreirädiger Lkw-Anhänger anmuten.
Zweispurige Lastenanhänger Bearbeiten
Gewöhnliche zweispurige Anhänger haben große Zuladungen von 40 kg als Anhänger bis 100 kg als Handkarren. Sie schieben bei flott gefahrenen Kurven etwas seitlich über die Räder, sodass die Reifen stärker verschleissen, außerdem besteht die Gefahr des Umkippens durch ungünstigen, hohen Schwerpunkt oder Überfahren von Hindernissen wie Bordsteinkanten oder Rillen. Anhänger mit Hochdeichsel können beim Bremsen das Hinterrad soweit entlasten, dass es wegrutscht; bei Tiefdeichseln findet diese Entlastung nicht statt, aber beim Bremsen können Querkräfte an der Hinterradnabe eingeleitet werden, die das Hinterrad ebenso wegrutschen lassen.
Eigenbauten, Anbieter und Hersteller sind zahlreich, in willkürlicher Auswahl: Bike-Trolly.de, Burley, Carry Freedom, Croozer, Hinterher.com, Radical design, Roland, Winther ...
Zweiachsige Lastenanhänger Bearbeiten
In Freiburg wurde für Marktbeschicker ein zweiachsiger Lastenanhänger namens Carla Cargo entworfen, der ein lenkbares Vorderrad wie ein Fahrrad hat, aber statt des Lenkers eine Hochdeichsel mit Auflaufeinrichtung. Die zweite Achse ist ein zweispuriges Radpaar wie bei zuvor beschriebenen Anhängern. Die Zuladung der Carla Cargo ist mit 250kg angegeben, sodass die Anhänger mit einer Auflaufbremse ausgerüstet sind. Eine Unterstützung mit Nabenmotor ist optional erhältlich; das Gespann wird dann als Pedelec (250W, max. 25 km/h) mit Anhänger eingestuft. Ein Anhänger dieser Bauart kann in Bonn ausgeliehen werden; der Anhänger Bolle ist Gemeingut.
Ein weiterer Schwerlastanhänger ähnlicher Bauart ist der Roland Heavy Duty, der ebenfalls eine Auflaufbremse und bei 40kg Leergewicht eine Zuladung von 110kg hat; als Handwagen sind es sogar 260kg Zuladung. Der Heavy Duty hat eine eigene Bauart der Kupplung, Tiefdeichsel mit Kugelkupplung hinter dem Hinterrad.
Einspurige Lastenanhänger Bearbeiten
Der bekannteste einspurige Anhänger ist vermutlich der B.o.B. Yak, aber es hat schon Jahrzehnte früher den Goëland 51 (Möwe) von Louis Moire gegeben.
Einspurige Anhänger zeichnen sich dadurch aus, dass sie so schmal wie ein Fahrrad sind, sich mit ihm in die Kurve legen, auch auf schmalen Pfaden (single trails) folgen. Gegenüber zweispurigen Anhängern ist ihr Leergewicht niedriger und verschleißt der Reifen weniger. Dafür ist ihre Zuladung ist deutlich niedriger und beträgt je nach Modell 15 bis 35 kg. Verbreitet sind korbartige Laderäume (Aevon, B.o.B. Yak und Ibex, TW-Bents Convenience I und Partner I) und ebene Ladeflächen (Weber Monoporter, beez), während Koffer oder Packtaschen (B.o.B. Coz, Extrawheel, Turtle Tow, Kool Mule) seltener sind.
Einradanhänger sind weniger verbreitet als zweispurige Anhänger, dennoch sind über zwanzig Modelle konstruiert und vertrieben worden, der größere Teil ist nicht mehr im Handel erhältlich. Vor allem der abgebildete TWBents Convenience I wird unter verschiedenen Namen vertrieben (Variationen bei Farbe, Tasche). Anbieter oder Hersteller waren oder sind in willkürlicher Auswahl: Aevon, beez, B.o.B., Extrawheel, Hartje, Kool, Oxtail, Profex, TW-Bents, Weber, Yakima
Besondere Transportaufgaben Bearbeiten
Lange oder sperrige Dinge lassen sich auf dem Fahrrad mit etwas Einfallsreichtum transportieren.
Ein Kinderrad kann kopfüber auf einem Einradanhänger mit Kiste verzurrt werden, um eine schmale Silhouette zu erhalten. Der "Abschleppwagen" hat sich auf Ausflügen mehrerer Familien mit Kindern bewährt, die unterwegs erschöpft waren und sich in einem der Kinderanhänger erholten.
Der Transport von langen Gegenständen mit dem Fahrrad führt in der Regel zum Schieben, weil sie auf dem Lenker und Sattel abgelegt werden. Leichtere Gegenstände können auch auch an das Oberrohr gebunden oder hochkant in Satteltaschen gesteckt werden, sofern sie oben zusammengebunden und gut am Gepäckträger festgezurrt werden. Nachteilig sind langer Hecküberhang, eingeschränkter Lenkereinschlag wegen Kabeln vor dem Steuerrohr und breitbeiniges Treten wegen verdickten Oberrohrs oder der nach oben wanderende Schwerpunkt und das Trägheitsmoment der Ladung. Für den Transport von mäßig schwerem Langgut bleibt nur ein Anhänger zu wählen, um die skizzierten Nachteile zu vermeiden.
Anhänger sind meist nicht länger als einen oder anderthalb Meter über alles, die Nutzfläche ist kürzer. Wenn das Langgut selbsttragend ist, kann man sich mit einem Dolly behelfen, der statt des Anhängers das Laufrad aufnimmt. Die Ladung wird auf den Anhänger mit Ratschengurten niedergebunden, der dann als Kupplung und vorderes Auflager dient, und der Dolly unter der Ladung verzurrt, wo er als hinteres Auflager dient. Dieser Dolly wurde aus einem quadratischen Aluprofil 20*20*1,5 von 2 m Länge, Schloßschrauben mit Hutmuttern und zwei kurzen Stücken L-Profil für die Ausfallenden angefertigt und kostete weniger als 20 Euro. Beleuchtung für eine Nachtfahrt erfolgt mit Batterieleuchten.
Verbindung und Handhabung Bearbeiten
Deichseln und Kupplungssysteme Bearbeiten
Anhänger und Fahrrad werden mit einer Deichsel und Kupplung verbunden. Bei den Deichseln wird zwischen Hochdeichsel mit Kupplung an Sattelrohr oder -stütze und Tiefdeichsel mit Kupplung an Hinterachse oder Ausfallenden unterschieden. Beide Bauarten kommen bei ein- und zweispurigen Anhängern vor.
Die Kupplungen von zweispurigen Anhängern haben drei Freiheitsgrade wie ein Kugelgelenk. Bei Tiefdeichseln gibt es wenigstens vier Kupplungssysteme: Kugel-Pfanne (Croozer, Chariot), Vierkant (Croozer) oder Rohr mit Gummi-Feder-Element, Bajonett mit Gelenk (Weber), senkrechter Bolzen mit Gummielement (Burley). Bei Hochdeichseln zweispuriger Anhänger wird meist Kugel und Pfanne wie bei Kfz verwendet. Je weniger Spiel die Kupplung hat und je kleinräumiger das Gelenk ist, desto besser fährt sich das Gespann. Ein Gummi-Feder-Element kann lästige Längsstöße bei unrundem Tritt oder Lastwechseln verursachen.
Kinderanhänger werden fast ausschließlich mit Tiefdeichseln im Bereich des linken Ausfallendes vom Hinterrad ans Fahrrad gekuppelt. Ausnahme ist der einspurige Kinderanhänger von Tout Terrain mit einer Hochdeichsel. Bei Lastenanhängern ist keine Bauart bezogen auf die Modellvielfalt so dominant.
Die Kupplungen von einspurigen Anhängern unterscheiden sich von denen zweispuriger Anhänger, denn sie haben nur zwei statt drei Freiheitsgraden ("Achsen"), die bei Tiefdeichseln räumlich getrennt sind:
um die Querachse drehbar, um Rampen und Absätze zu überfahren, meist im Bereich der Hinterachse,
um die Hochachse drehbar, um Kurven zu fahren, meist hinter dem Hinterrad.
Um die Längsachse sind diese Kupplungen steif, da sie den Anhänger aufrecht halten müssen. Deshalb sind die Tiefdeichseln gegabelt und die Kupplungen beidseitig an Hinterachse oder Ausfallenden angeordnet. Diese Kupplungen sind nicht für zweispurige Anhänger geeignet; gleichwohl gab es als längst verschwundene Kuriosität den TW-Bents Convenience II, bei dem genau das versucht wurde.
Auch bei einspurigen Anhängern gibt es Hochdeichseln mit Befestigung am Sattelrohr (Aevon, Oxtail, Tout Terrain). So liegt der Schwerpunkt des Anhängers (mit Kind oder Ladung) nahe oder unterhalb der Linie Kupplung-Reifenaufstandspunkt und das aufrechthaltende Moment um die Längsachse ist kleiner als bei einer Tiefdeichsel, wo der Schwerpunkt deutlich oberhalb der Verbindungslinie läge. Es gibt mehr einspurige Modelle mit Tiefdeichseln und beidseitiger Befestigung an Hinterachse oder Ausfallenden als mit Hochdeichseln.
Einradanhänger abstellen und rangieren Bearbeiten
Fahrräder mit einspurigen Anhängern sind schlechter als zweispurige Anhänger abzustellen und zu beladen. Einradanhänger mit Tiefdeichseln haben die Eigenart, auf die Seite zu kippen, dabei das Gespann zu knicken und das Fahrrad wegzudrehen; je stärker bis der Knick zwischen Fahrrad und Anhänger ist, desto stärker ist die Tendenz zum Umkippen, weil das Stützmoment an der Hinterachse des Fahrrades stark zunimmt. Der große Abstand von Hoch- zur Querachse der Deichsel oder der Hebel zum Einbeinständer begünstigen das Wegdrehen des Fahrrads und Kippen des Anhängers. Bei Hochdeichseln wird eher das Fahrrad umgeworfen, weil die Abstützung hoch über dem Ständer erfolgt, sodass die Anhänger aufrecht vorne aufsetzen und vom stürzenden Fahrrad weitergerissen werden. Bei Anhängern mit eigenem Ständer (Profex Nepal) besteht das Problem nicht. Man kann den Effekt ausnutzen, um das Gespann sicher abzustellen. Ein beladener Anhänger kann jedoch durch Geradestellen des Gespanns kaum aufgerichtet werden. Man muss ihn an der Hochachse anheben, weil das aufrichtende Moment an der Hinterachse zu groß würde.
Es besteht die Gefahr, Achse oder Schnellspanner zu verbiegen oder zu zerreißen. Hilfe gegen Kippen bieten ein Gummiband von Deichsel oder Vorderkante des Laderaums zum Gepäckträger, Anlehnen an feste Gegenstände oder eine festgestellte Vorderradbremse (Gummi- oder Klettband, Wäscheklammer).
Beim Fahren ohne enge Wendemanöver bleibt der Knick so gering, dass der Anhänger sicher aufrecht hinterher fährt. Bei engen Rangiermanövern kann man dem Umkippen des Anhängers entgegenwirken, indem man Fahrrad und Anhänger nach innen drückt. Dabei wirkt jedoch ein großes Stützmoment auf die Achse, sodass wieder die Gefahr des Verbiegens besteht.
Bremsverhalten Bearbeiten
Bei Hochdeichseln kann während starken Bremsens das Hinterrad entlastet werden, dass es wegrutscht oder gar angehoben wird. Ungünstige Beladung mit negativer Stützlast begünstigt den Effekt.
Bei Tiefdeichseln findet diese Entlastung nicht statt, jedoch kann beim Bremsen in Kurven (geknicktes Gespann) das Hinterrad seitlich weggeschoben werden, die Hinterradbremse sollte vorsichtig dosiert und die Vorderradbremse hauptsächlich benutzt werden. Im Winter sind Spikes zu empfehlen.
"Tuning" Bearbeiten
Bei der Benutzung eines Croozer 737 zeigten sich schnell kleine Unzulänglichkeiten im alltäglichen Betrieb, die einfach abzustellen sind und deren beispielhafte Umsetzung auf andere Modelle übertragbar ist.
Schutzbleche Bearbeiten
Freistehende Räder von (schmalen, einsitzigen) Anhängern spritzen den Radfahrer hinterrücks voll. Wer gegen den Kotstreifen Schutzbleche am Fahrrad hat, wird Steckbleche am Anhänger montieren wollen.
Beim Croozer 737 können die Plastikkappen am Ende der Stoßstange durchbohrt werden, um die Befestigungswinkel für Steckbleche anzuschrauben. Man braucht zwei Sätze Steckbleche. Wer ein MTB hat, montiert die beiden langen am Fahrrad und die beiden kurzen am Anhänger.
Gummi-Feder-Gelenk Bearbeiten
Das Gummi-Feder-Element der Kupplung rostet sehr schnell. Schneller ist ein Stück Fahrradschlauch darübergezogen und Fett eingespritzt, die Kupplung muss dazu abgeschraubt werden. Bei Wahl des Fetts ist auf Verträglichkeit mit der Gummiseele zu achten.
Rücklichtkabel Bearbeiten
Wie bei der Anhängerbeleuchtung erwähnt, können Nabendynamos LED-Scheinwerfer und zwei Rücklichter versorgen. Dazu muss am Fahrrad eine Buchse installiert werden; man nehme entweder Cinch-Stecker (kontaktsicher, zierlich), Kfz-Bordspannungsstecker (keine Kontaktprobleme, handschuhtauglich) oder andere, sicher haltende. Am Anhänger muss ebenfalls eine Buchse installiert werden, wenn der Anhänger ohne Deichsel als Buggy oder Jogger benutzt werden soll.
Die Deichsel erhält ein Kabel mit zwei Steckern. Weil Kinder auch über die Deichsel steigen, empfiehlt es sich, das Kabel auf der Unterseite zu führen. Im Bereich der Kupplungen wird es oft gebogen, deshalb ist in diesem Beispiel eine Verstärkung aus PVC-Schlauch über die zweiadrige Leitung gezogen. Zwischen den Bögen wurde ein Aluröhrchen verwendet, weil Reifen und Kanten das vormals umgewickelte Kabel beschädigten. Anbohren zur innenliegenden Kabelführung wird i.d.R. von den Herstellern verboten: "Deichsel bei Beschädigung austauschen!". Deshalb wurden auch schwarze, UV-stabile Kabelbinder zum Fixieren verwendet. Dasselbe Prinzip wurde auch bei dem abgebildeten einspurigen Anhänger angewandt, jedoch das Kabel im Rahmen verlegt, da zwei Bohrungen vorhanden waren.
Rücklicht Bearbeiten
Das Rücklicht wurde beim Croozer 737 mit stromführenden Bügeln aus Lochblechstreifen am Verdeck befestigt, das mit einer Plastikscheibe (15 cm x 25 cm) unterlegt ist, die zwischen Verdeck und Rahmenrohren klemmt. Das Kabel wurde im Anhänger an Rahmenrohren geführt und mit Kabelbindern fixiert. Die Verbindung zum Rücklicht erfolgte mit Ringösen an den Schrauben auf der Verdeckinnenseite, weil die Kontaktierung des Rücklichts so geändert wurde, dass beide Schrauben stromführend sind. Der Anhänger bleibt faltbar, das Verdeck hat nur zwei Löcher à 5 mm ø zur Schraubendurchführung und das Rücklicht wackelt wegen der Plastikscheibe nicht am Verdeck.
Beim Croozer bis 2012 hat der Bolzen des Klappsplints 6,5 mm Durchmesser. Passend dazu gibt es ein Bügelschloss von ABUS oder Burg Wächter, wie auf einem Foto hier zu sehen. Mit Schlössern an der Kupplung und an der Deichselaufnahme ist der Anhänger immer am Rad angeschlossen.
Ständer Bearbeiten
Der Croozer kratzt nach dem Abkuppeln vorne direkt auf dem Boden. An der rechten, unbenutzten Deichselaufhängung kann man ein ca. 80 mm langes Vierkantrohr aus Stahl, Alu oder Plastik mit 32 mm Kantenlänge einsetzen und mit einem Klappsplint oder Schraube sichern.
Steckachse Bearbeiten
Bei Croozern 535, 737, Kid for x haben die Steckachsen manchmal sehr viel Spiel in den Rahmenbuchsen, sodass die Räder schlackern und die Reifen schneller verschleißen. Eine "Quick&Dirty"-Abhilfe war, einen Streifen Plastik aus einer Dokumentenhülle zu schneiden, ein- bis anderthalb mal um die Achse zu wickeln und einzustecken. Die Breite des Streifens ergibt sich aus Abstand von radseitigem Bund (Anschlag) und Arretierungskugel, die Länge aus dem Spiel und der nötigen Umschlingung (π∙d∙Umschlingungen). Diese Plastikstreifen verschleißen, aber waren für 1000km oder ein Jahr gut. Eine Alternative wäre, auf das freie Ende der Steckachse ein Gewinde zu schneiden und von innen mit einer Bundmutter zu verschrauben; aber dann sind die Räder nicht mehr schnell abzunehmen.
Bilder im Wiki zum Thema Anhänger
„Fahrradanhänger“
Peter de Leuw zu Fahrradanhängern
Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern (PDF)
Fotos von Fahrradanhängern bei Wikimedia
Anhänger nach Herstellern und Zweck, mit vielen Detail-Informationen (englisch)
Zusammenstellung von Testberichten und Tipps zur Auswahl von Philipp Steinweber (hundert media), Rosenheim
ADAC Test Fahrrad-Anhänger
Zusammenstellung von Testberichten und Tipps zur Auswahl von Sami Nagata, Wien
Lastenanhänger Carla Cargo
Lastenanhänger "Bolle" in Bonn, Gemeingut
↑ Drucksache des Bundesrats zur Ablehnung der FAusrüstV
↑ Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern
↑ Allianz Zentrum für Technik: Kindertransport mit dem Fahrrad - Im Spezialanhänger am sichersten
↑ Bundesanstalt für Straßenwesen und RWTÜV Fahrzeug GmbH: Untersuchungen über die Sicherheit des Transportes von Kindern auf Fahrrädern und in Fahrradanhängern, BASt-Info 8/99 und Berichte der BASt, Heft F 25, 1998
↑ ADAC-Test von Kinderanhängern, 2010
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References: § 21
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 § 67
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