Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=19.11.2003&Aktenzeichen=5%20S%202726/02
Timestamp: 2019-10-16 20:57:11+00:00

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VGH Baden-Württemberg, 19.11.2003 - 5 S 2726/02 - dejure.org
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VGH Baden-Württemberg, 19.11.2003 - 5 S 2726/02 (https://dejure.org/2003,1057)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 19.11.2003 - 5 S 2726/02 (https://dejure.org/2003,1057)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 19. November 2003 - 5 S 2726/02 (https://dejure.org/2003,1057)
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§ 50 BauO BW, § 4 Abs 3 Nr 2 BauNVO, § 31 Abs 1 BauGB
Klageänderung, Baugenehmigung, verfahrensfreie Verfahren, Mobilfunksendeanlage, allgemeines Wohngebiet, Ausnahme, Befreiung
Baurechtliche Zulässigkeit einer Mobilfunksendeanlage; Anspruch auf Erteilung einer Baugenehmigung ; Verfahrensfreiheit für Antennen einschließlich der Masten bis 10 m Höhe und zugehöriger Versorgungsanlagen bis 10 cbm Brutto-Rauminhalt; Genehmigungsfreiheit von ...
Antragsänderung und Klageänderung, Verfahrensfreiheit, Abweichung, Ausnahme, Befreiung, Baunutzungsverordnung - Klageänderung, Baugenehmigung, verfahrensfreie Verfahren, Mobilfunksendeanlage, allgemeines Wohngebiet, Ausnahme, Befreiung
Verfahrensfreiheit von Mobilfunksendeanlagen
Kleine Mobilfunksendeanlagen sind als nicht störende Gewerbebetriebe im allgemeinen Wohngebiet zulässig! (IBR 2004, 1023)
VG Karlsruhe, 10.06.2002 - 9 K 1804/00
ESVGH 54, 129
VBlBW 2004, 141
VBlBW 2004, 284
DVBl 2004, 391 (Ls.)
DÖV 2004, 306
BauR 2004, 1498 (Ls.)
BauR 2004, 1909
ZfBR 2004, 284
Gibt es keine städtebaulichen Gründe, die gegen die Zulassung eines Vorhabens im Wege einer Ausnahme sprechen könnten, bleibt aber für eine ablehnende Ermessensentscheidung kein Raum (VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.11.2003 - 5 S 2726/02 - ZfBR 2004, 284).
Bauplanungsrechtlich relevant sind außerdem störende optische Auswirkungen, insbesondere wenn die im allgemeinen Wohngebiet zu gewährleistende Wohnruhe gestört wird (vgl. zum Ganzen VG Augsburg…, Urteil vom 10.06.2015 - Au 4 K 15.168 -, juris Rn. 22 und außerdem BVerwG, Beschluss vom 10.07.2006 - 4 B 45.06 -, juris; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris Rn. 30 und 37;… Stock, in: Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, Baugesetzbuch, 125. EL Mai 2017, § 4 BauNVO Rn. 73).
Ein Vorhaben ist nicht ausnahmefähig, wenn es gegen (sonstige) bauplanungsrechtliche Vorschriften verstößt, insbesondere, wenn es nach § 15 Abs. 1 BauNVO unzulässig ist (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris Rn. 35 und 36; VG Ansbach…, Urteil vom 13.01.2010 - AN 9 K 09.01032 -, juris Rn. 22).
Nach dieser Vorschrift, der auch die Zulassung eines Vorhabens im Wege einer Ausnahme nach § 31 Abs. 1 BauGB unterliegt (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris Rn. 35), sind die in den §§ 2 bis 14 BauNVO ausgeführten baulichen und sonstigen Anlagen im Einzelfall unzulässig, wenn sie nach Anzahl, Lage, Umfang oder Zweckbestimmung der Eigenart des Baugebiets widersprechen (vgl. § 15 Abs. 1 Satz 1 BauNVO).
Da das Ermessen dem Zweck der Ermächtigung entsprechend auszuüben ist (vgl. Art. 40 LVwVfG), kommen nur städtebauliche Gründe als Ermessenserwägungen in Betracht (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris Rn. 40 und 41 und Söfker, in: Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, Baugesetzbuch, 126. EL August 2017, § 31 BauGB Rn. 26).
Schließlich genügt für die Versagung einer Ausnahme nicht jede städtebauliche Erwägung (vgl. zum Ganzen VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris 40).
Es kann im Ergebnis offenbleiben, ob die so nachgeschobenen Ermessenserwägungen noch berücksichtig werden können, wofür einiges spricht (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris 38), da der im Rahmen der Verpflichtungsklage maßgebliche Zeitpunkt für die Beurteilung der Sach- und Rechtslage im Grundsatz der der (letzten) mündlichen Verhandlung ist und das Rechtsschutzziel der Klägerin in der Neubescheidung ihres Bauantrags mit der Chance einer für sie günstigen Ermessensausübung liegt (…vgl. Gerhardt, in: Schoch/Schneider/Bier, Verwaltungsgerichtsordnung, 32. EL Oktober 2016, § 113 Rn. 74).
vgl. BVerwG, Urteile vom 25. Januar 2007 - 4 C 1.06 - BVerwGE 128, 118 = BRS 71 Nr. 169 = juris Rn. 10, und vom 6. Oktober 1989 - 4 C 14.87 -, BVerwGE 82, 343 = BRS 49 Nr. 188 = juris Rn. 12, Bay. VGH, Urteile vom 15. Dezember 2010 - 2 B 9.2419 -, BRS 76 Nr. 73 = juris Rn. 24, und vom 7. Oktober 2010 - 2 B 09.1287 -, BRS 76 Nr. 74 = juris Rn. 41; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 19. November 2003 - 5 S 2726/02 -, BRS 66 Nr. 75 = juris Rn. 35.
Siehe auch: VGH Bad.-Württ., Urteil vom 19. November 2003 - 5 S 2726/02 -, BRS 66 Nr. 75 = juris Rn. 40.
Zwar wäre wohl die Voraussetzung erfüllt, dass der Nutzungscharakter des Baugebiets durch die Ausnahme nicht in einer seiner gesetzlichen Typik widersprechenden Weise verändert wird (vgl. dazu VGH Baden-Württemberg…, Beschluss vom 23.05.2011 - 8 S 978/11 -, juris, Rn. 9; Urteil vom 19. November 2003 - 5 S 2726/02 - VBlBW 2004, 141 = juris, Rn. 40), da nur ein Grundstück betroffen wäre, das aufgrund der Bebauung mit einem Parkhaus ohnehin nicht für anderweitige Nutzungen zur Verfügung steht.
Als Ermessenserwägungen sind Planänderungsabsichten vielmehr nur beachtlich, wenn sie ernsthaft und hinreichend konkret sind (VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris, Rn. 40).
Diese Änderung ist zu berücksichtigen, weil maßgeblicher Zeitpunkt für die erhobene Feststellungsklage derjenige der mündlichen Verhandlung ist (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. November 2003 - 5 S 2726/02 -, VBlBW 2004, 141; VG Karlsruhe, Urteil vom 21. April 2004 -10 K 2980/03 -).
Mobilfunkanlagen der vorliegenden Art und Größe sind nicht störende Gewerbebetriebe (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. November 2003, a.a.O.).
Nicht nur sind in einen Mischgebiet ebenso wie in einem Dorfgebiet nicht störende Gewerbebetriebe zulässig, vielmehr sind Mobilfunkanlagen als nicht störende Gewerbebetriebe - ggf. nach Erteilung einer Ausnahme oder Befreiung - sogar in einem allgemeinen oder reinen Wohngebiet regelmäßig zulässig (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. November 2003, a.a.O.; VG Karlsruhe…, Urteil vom 21. April 2004, a.a.O.; Nds. OVG, Beschl. v. 6. Dezember 2004 -1 ME 256/04 -, Nds. VBI 2005, 132).
Negative Beeinträchtigungen wie insbesondere nachteilige Lärm- oder ähnliche Immissionseinwirkungen sind mit dem Vorhaben nicht verbunden (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. November 2003, a.a.O.;… Nds. OVG, Beschl. v. 6. Dezember 2004 a.a.O.).
Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung und Technik kann nicht von einer Gesundheitsgefährdung ausgegangen werden, sofern durch eine Standortbescheinigung -hier: vom 21. Mai 2002 - der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post nachgewiesen ist, dass die Personenschutzgrenzwerte der 26. BlmschV eingehalten werden (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. November 2003, a.a.O.; BVerfG, Beschluss vom 8. Dezember 2004 - 1 BvR 1238/04 -, NVwZ-RR 2005, 227).
Dass nicht selten die subjektive Befindlichkeit von Bewohnern durch die Errichtung einer Mobilfunksendeanlage in ihrem Wohngebiet gestört ist, ändert am derzeit fehlenden Nachweis der Unverträglichkeit solcher Anlagen mit dem Gebietscharakter eines allgemeinen Wohngebiets nichts (VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19. November 2003, a.a.O.).
Die Einordnung von Mobilfunkbasisstation als Haupt- bzw. Nebenanlagen ist umstritten (vgl. z.B. HessVGH vom 29.7.1999 BRS 62 Nr. 63; vom 6.12.2004 ZfBR 2005, 278; OVG NRW vom 6.5.2005 Az. 10 B 2622/04; NdsOVG vom 6.12.2004 ZfBR 2005, 281; VGH BW vom 19.11.2003 ZfBR 2004, 284).
Mit der in jüngerer Zeit ergangenen obergerichtlichen Rechtsprechung (vgl. insbesondere VGH BW vom 19.11.2003 DÖV 2004, 306; OVG NRW vom 9.1.2004 Az. 7 B 2482/03) ist des Weiteren davon auszugehen, dass es sich bei einer Anlage wie der vorliegenden um einen nicht störenden Gewerbebetrieb im Sinne dieser Vorschrift handelt.
Störend in allgemeinen Wohngebieten sind Mobilfunkanlagen auch nicht deshalb, weil sie den Gebietscharakter nicht wahren und eine gebietstypische Unruhe in das Gebiet bringen (vgl. VGH BW vom 19.11.2003, a.a.O.).
Denn selbst wenn man davon ausgehen sollte, dass die optischen Wirkungen von Mobilfunkanlagen städtebaulich relevante Beeinträchtigungen erzeugen können - hierfür sprechen insbesondere die möglichen Regelungen zur Höhe baulicher Anlagen (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 BauGB) und zu den überbaubaren Grundstücksflächen (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 BauGB, § 23 BauNVO 1962) -, ergibt sich daraus nicht, dass derartige Anlagen generell in allgemeinen Wohngebieten optisch störend wären (VGH BW vom 19.11.2003, a.a.O.).
Entscheidend ist, dass bei der Ermessensentscheidung der Gemeinde nach § 31 Abs. 1 BauGB nur städtebauliche Gründe berücksichtigt werden dürfen (VGH BW vom 19.11.2003, a.a.O.).
Die von der Klägerin insoweit angeführte Rechtsprechung für den Zeitpunkt der letzten Behördenentscheidung (…VGH Bad.-Württ., Urt. v. 25.09.2003 - 8 S 1790/03 -) bezieht sich auf eine Abbruchverfügung und ist deshalb vorliegend nicht einschlägig (vgl. zur Anwendbarkeit des neuen Rechts bei Verpflichtungsklagen VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -).
Ist das Vorhaben mithin verfahrensfrei, kann die Klägerin in erster Linie die Feststellung begehren, dass die Anlage zulässig ist, hilfsweise die Verpflichtung zur Erteilung einer notwendigen Befreiung (auch dazu - allerdings mit hilfsweiser Verpflichtungsklage auf Ausnahmeerteilung - VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.11.2003, a.a.O.).
Die Vorschrift ist in der Fassung anzuwenden, die bei Aufstellung des Bebauungsplans galt (vgl. BVerwG, Beschl.v. 01.11.1999, VBlBW 2000, S.146; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.11.2003, a.a.O.).
Aus § 3 Abs. 3 BauNVO ergibt sich aber, dass damit gewerbliche Nutzungen - um eine solche handelt es sich bei Mobilfunkanlagen nach einhelliger ständiger Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte (vgl. nur VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.11.2003, a.a.O., m.w.N.) - keineswegs ausnahmslos unvereinbar sind.
Vor diesem Hintergrund ist das Ermessen des Beklagten auf Null reduziert und er daher zur Erteilung der Befreiung verpflichtet (…ebenso OVG Koblenz, Urt. v. 07.08.2003, VG Koblenz, Urt. v. 08.10.2002, VG Stuttgart, Urt. v. 23.09.2003, VG Freiburg, Urt. v. 15.10.2003, jeweils a.a.O. zur Befreiung; ebenso auch VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.11.2003, a.a.O., zur Erteilung einer Ausnahme;… a.A. OVG Münster, Urt. v. 08.10.2003, a.a.O., jedoch zu einer anderen Anlagenart).
Ausfertigung (Bebauungsplan); Faktisches Mischgebiet; Wettvermittlungsstelle; …
Diesem kann ein Trading-Down-Effekt - als ein Umstand, der einen Widerspruch zur Eigenart des Baugebiets im Sinne des § 15 Abs. 1 Satz 1 BauNVO begründet - nur dann entgegengehalten werden, wenn dieser tatsächlich bereits eingetreten ist und durch die Zulassung des Vorhabens verstärkt würde oder wenn die Zulassung des Vorhabens jedenfalls nachweislich einen Trading-Down-Effekt einleitete (…OVG NRW, Urt. v. 25.03.2014 - 2 A 2679/12 -, juris Rn. 118; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris Rn. 40).
Eine Versagung kommt demnach nur in Betracht, wenn die Gemeinde hierfür beachtliche städtebauliche Gründe anführen kann (VGH Bad.-Württ., Urt. v. 19.11.2003 - 5 S 2726/02 -, juris Rn. 40 f.;… Urt. v. 31.01.1997 - 8 S 3167/96 -, juris Rn. 22;… Bayer. VGH, Urt. v. 15.12.2010 - 2 B 09.2419 -, juris Rn. 39;… VG Karlsruhe, Urt. v. 22.03.2018 - 9 K 2588/15 -, juris;… Dürr, in: Brügelmann, BauGB, Bd. 2, 75. EGL 2010, § 31 Rn. 20 ff.).
So kann eine Ausnahme gerade dann ermessensfehlerfrei versagt werden, wenn durch sie - wie hier - eine Entwicklung eingeleitet würde, die zu einer Beeinträchtigung der Eigenart des Baugebiets führen könnte (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2003, DÖV 2004, 306 und Schrödter/Rieger a.a.O., § 31 Rn. 14).
VG Schwerin, 20.12.2012 - 2 A 1577/10
Nutzungsänderung von Wohnhaus zu Beherbergungsbetrieb im faktischen reinen …
VG München, 24.03.2009 - M 1 K 08.5265
Ausnahmsweise Zulassung eines Einzelhandelsbetriebs im eingeschränkten …
VG Düsseldorf, 13.10.2011 - 4 K 6124/10
Ausnahmefähigkeit eines Spielhallenbetriebes nach § 31 Abs. 1 BauGB; Entstehen …
VG Düsseldorf, 13.10.2011 - 4 K 3672/10
VGH Bayern, 05.12.2012 - 1 ZB 11.2688
Vorbescheid für Spielhalle im Gewerbegebiet; Verpflichtung zur Erteilung einer …
VG München, 29.09.2011 - M 11 K 10.5783
Große Spielothek; Gewerbegebiet
VG München, 18.04.2013 - M 11 K 11.5077
Spielotheken mit zwei Spielcentern (je 12 Spielgeräte bei je ca. 145 qm Fläche) …
VG München, 12.10.2010 - M 1 K 10.2367
Spielhalle im Gewerbegebiet; ausnahmsweise Zulassung; Ermessensreduzierung auf …

References: § 50
 § 4
 § 31
 § 4
 § 15
 § 31
 § 15
 Art. 40
 § 31
 § 113
 § 23
 § 31
 § 3
 § 15
 § 31
 § 31
 § 31