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Timestamp: 2017-03-27 06:31:38+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 4 AZR 549/08 (A)
Arbeitsgericht Mannheim, Urteil vom 31.07.2007, 12 Ca 120/07
- 2 - Der Vier­te Se­nat möch­te von sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ab­wei­chen und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges, die den In­halt, den Ab­schluss und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen ord­nen, nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG in den je­wei­li­gen Ar­beits­verhält­nis­sen ei­nes Be­trie­bes un­mit­tel­bar gel­ten und die­se durch das Ta­rif­ver­trags­ge­setz vor­ge­se­he­ne Gel­tung nicht da­durch ver­drängt wird, dass für den Be­trieb kraft Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers nach § 3 Abs. 1 TVG mehr als ein Ta­rif­ver­trag gilt, für Ar­beits­verhält­nis­se der­sel­ben Art im Fal­le ei­ner Ta­rif­bin­dung ei­nes oder meh­re­rer Ar­beit­neh­mer al­ler­dings je­weils nur ein Ta­rif­ver­trag („Ta­rifp­lu­ra­lität“).
- 3 - Der Mar­bur­ger Bund hat­te 1994 mit der Deut­schen An­ge­stell­ten­ge­werk­schaft (DAG) ei­ne Ver­ein­ba­rung über ei­ne ta­rif­li­che Zu­sam­men­ar­beit ge­schlos­sen, in der die­se auch zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen be­vollmäch­tigt wur­de. Auf die­ser Grund­la­ge er­folg­ten auch Ta­rif­ab­schlüsse durch die Rechts­nach­fol­ge­rin der DAG, die Ge­werk­schaft ver.di. Im Ver­lauf der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen über den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) im Jah­re 2005 wi­der­rief der Mar­bur­ger Bund ge­genüber der Ge­werk­schaft ver.di die zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen er­teil­te Voll­macht und for­der­te zu­gleich die Ver­ei­ni­gung der Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände (VKA) zu Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen über ei­nen Ta­rif­ver­trag für Ärz­te auf. Der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst in der für den Be­reich der Ver­ei­ni­gung der Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände gel­ten­den Fas­sung (TVöD/VKA) wur­de ua. von der Ge­werk­schaft ver.di und der VKA nach Zu­gang des Wi­der­rufs der Voll­macht am 13. Sep­tem­ber 2005 un­ter­zeich­net und trat am 1. Ok­to­ber 2005 in Kraft. Der Mar­bur­ger Bund kündig­te den BAT zum 31. De­zem­ber 2005.
- 4 - Bund kraft un­mit­tel­ba­rer bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung an den BAT nach des­sen § 47 Abs. 2. Selbst wenn man ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers von ei­ner rechtmäßigen Über­lei­tung in den TVöD aus­ge­hen würde, sei sein An­spruch nach § 21 TVöD in Höhe von 552,40 Eu­ro, wie es die Be­klag­te hilfs­wei­se be­rech­net ha­be, be­gründet.
- 5 - I. Die Vor­in­stan­zen ha­ben dem Kläger den Auf­schlag zum Ur­laubs­ent­gelt­nach § 47 Abs. 2 BAT nach Auf­fas­sung des Se­nats zu Recht zu­ge­spro­chen. Der Kläger kann kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit an den BAT gemäß § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG für den in An­spruch ge­nom­men Er­ho­lungs­ur­laub ei­nen Ur­laub­s­auf­schlag nach § 47 Abs. 2 BAT in der ge­for­der­ten Höhe ver­lan­gen. Ei­ne Ver­drängung des zwi­schen den Par­tei­en un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­den BAT durch den TVöD als ei­nem spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­trag nach dem Grund­satz der Ta­rif­ein­heit kommt nicht in Be­tracht. Da­von ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­gan­gen.
- 6 - a) Das zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­ge Vor­brin­gen des Klägers zur Gel­tend­ma­chung sei­nes An­spru­ches konn­te vom Se­nat berück­sich­tigt wer­den.
- 7 - wört­lich, muss je­doch hin­rei­chend klar ge­sche­hen. Der An­spruchs­in­ha­ber muss un­miss­verständ­lich zum Aus­druck brin­gen, dass er In­ha­ber ei­ner be­stimm­ten For­de­rung ist und auf de­ren Erfüllung be­ste­hen wird (BAG 5. April 1995 - 5 AZR 961/93 - zu 2 b der Gründe, AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 130 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 111). Die Gel­tend­ma­chung nach § 70 Satz 1 BAT setzt vor­aus, dass der An­spruch sei­nem Grun­de nach hin­rei­chend deut­lich be­zeich­net und des­sen Höhe, dh. der Zeit­raum, für den er ver­folgt wird, mit der für den Schuld­ner not­wen­di­gen Klar­heit er­sicht­lich ge­macht wird. Der Sinn und Zweck der Re­ge­lung be­steht dar­in, dem Schuld­ner den be­haup­te­ten An­spruch so zu kenn­zeich­nen, dass er sich über In­halt und Um­fang klar wer­den kann und dem Gläubi­ger die Er­he­bung ei­ner for­mel­len Kla­ge zunächst er­spart wird. Des­halb müssen für den Ar­beit­ge­ber die Art des An­spruchs so­wie die Tat­sa­chen, auf die der An­spruch gestützt wird, er­kenn­bar sein. Ei­ne recht­li­che Be­gründung ist nicht er­for­der­lich (BAG 17. Mai 2001 - 8 AZR 366/00 - zu II 3 b der Gründe mwN, AP BAT-O § 70 Nr. 2 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 136).
- 8 - ...
- 9 - (2) Das ist für ei­ne Gel­tend­ma­chung zur Wah­rung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten aus­rei­chend. Grund und Höhe des An­spruchs sind da­bei mit der Be­nen­nung des maßge­ben­den Zeit­raums und der ge­for­der­ten Ur­laubs­vergütung hin­rei­chend deut­lich be­zeich­net. Die feh­len­de Ver­wen­dung des ta­rif­li­chen Be­griffs „Ur­laub­s­auf­schlag“ ist unschädlich. Der Be­klag­ten wur­de die­je­ni­ge Kennt­nis ver­mit­telt, die er­for­der­lich ist, um sich mit der Be­rech­ti­gung ei­nes be­stimm­ten An­spruchs aus­ein­an­der­set­zen zu können. Da der Kläger sich auf sei­ne im Vor­mo­nat De­zem­ber 2005 nicht aus­ge­zahl­te Ur­laubs­vergütung für den Ur­laub im Mo­nat Ok­to­ber 2005 be­zieht, ist er­kenn­bar, dass sich sein Ver­lan­gen auf den im Mo­nat De­zem­ber fällig ge­wor­de­nen Teil der Ur­laubs­vergütung, den nicht zur Aus­zah­lung ge­lang­ten Ur­laub­s­auf­schlag nach § 47 Abs. 2 BAT be­zieht. In die­sem Sin­ne hat die Be­klag­te be­reits die ähn­lich lau­ten­de E-Mail des Klägers vom 1. Ja­nu­ar 2006 ver­stan­den. Das zeigt ih­re Ant­wort vom 4. Ja­nu­ar 2006, in der sie selbst den Ur­laub­s­auf­schlag nennt.
- 10 - 2346; Gott­hardt/Beck NZA 2002, 876, 883; Röger NJW 2004, 1764, 1767; wohl auch ErfK/Preis § 218 BGB Rn. 62; aA Sch­mitt SAE 2001, 306, 306 f.; wie hier für die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung nach § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG: BAG 10. März 2009 - 1 ABR 93/07 - Rn. 29 ff., AP Be­trVG 1972 § 99 Nr. 127 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Nr. 12).
- 11 - aA Gott­hardt/Beck NZA 2002, 876, 883; Röger NJW 2004, 1764, 1765; die je­doch al­le ei­ne Aus­le­gung der die Schrift­form an­ord­nen­den Re­ge­lung für zulässig er­ach­ten). Dar­an hat die Ergänzung des § 126 BGB um § 126a und § 126b BGB durch das Ge­setz zur An­pas­sung der Form­vor­schrif­ten des Pri­vat­rechts und an­de­rer Vor­schrif­ten an den mo­der­nen Rechts­geschäfts­ver­kehr vom 13. Ju­li 2001 (BGBl. I S. 1542) nichts geändert (aA Röger NJW 2004, 1764, 1765). Auch die neu ein­gefügten §§ 126a, 126b BGB sind viel­mehr we­gen des fort­be­ste­hen­den Sach­zu­sam­men­hangs mit den Be­stim­mun­gen über Wil­lens­erklärun­gen und Rechts­geschäfte un­mit­tel­bar nur auf Wil­lens­erklärun­gen an­wend­bar. Für rechts­geschäftsähn­li­che Erklärun­gen gel­ten sie al­len­falls ent­spre­chend (BAG 10. März 2009 - 1 ABR 93/07 - Rn. 33, AP Be­trVG 1972 § 99 Nr. 127 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Nr. 12; 9. De­zem­ber 2008 - 1 ABR 79/07 - Rn. 27 ff., AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­grup­pie­rung Nr. 36 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Nr. 11; aA BGH 14. März 2006 - VI ZR 335/04 - zu II 1 a aa der Gründe, NJW 2006, 2482, al­ler­dings zur Gel­tend­ma­chung nach § 12 Abs. 3 VVG: Vor­schrif­ten über das Wirk­sam­wer­den von Wil­lens­erklärun­gen gel­ten ent­spre­chend).
- 12 - Ar­beits­verhält­nis durch Le­sen ei­ner text­li­chen Nach­richt ent­nom­men wer­den kann.
- 13 - des Erklären­den ge­nannt und der Ab­schluss der Erklärung durch Nach­bil­dung der Na­mens­un­ter­schrift oder an­ders er­kenn­bar ge­macht wer­den. Auf die­se Wei­se stellt § 126b BGB auch oh­ne das Er­for­der­nis ei­genhändi­ger Un­ter­zeich­nung si­cher, dass die Iden­titäts- und Vollständig­keits­funk­tio­nen ei­ner schrift­li­chen Erklärung ne­ben der oh­ne­hin ge­ge­be­nen Do­ku­men­ta­ti­ons­funk­ti­on ge­wahrt sind (BAG 9. De­zem­ber 2008 - 1 ABR 79/07 - Rn. 45, AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­grup­pie­rung Nr. 36 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Nr. 11).
- 14 - Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 19 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 5; 20. März 1991 - 4 AZR 455/90 - zu B II 2 a der Gründe, BA­GE 67, 330; s. auch BAG 14. Ju­ni 1989 - 4 AZR 200/89 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 16 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 4).
- 15 - hörig­keit - in al­ler Re­gel da­hin auf­zulösen, dass nach dem Grund­satz der Spe­zia­lität der dem Be­trieb räum­lich, be­trieb­lich, fach­lich und persönlich am nächs­ten ste­hen­de und des­halb den Ei­gen­ar­ten und Er­for­der­nis­sen des Be­triebs und der dar­in täti­gen Ar­beit­neh­mer am bes­ten Rech­nung tra­gen­de Ta­rif­ver­trag den an­de­ren Ta­rif­ver­trag ver­drängt (ausf. BAG 20. März 1991 - 4 AZR 455/90 - zu B II 2 a der Gründe, BA­GE 67, 330, 337; wei­ter­hin BAG 14. Ju­ni 1989 - 4 AZR 200/89 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 16 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 4; 5. Sep­tem­ber 1990 - 4 AZR 59/90 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 19 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 5). Der Grund­satz der Ta­rif­ein­heit be­sa­ge, „dass in je­dem Be­trieb grundsätz­lich für al­le in die­sem Be­trieb be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis­se nur ein Ta­rif­ver­trag an­zu­wen­den ist“ (so erst­mals BAG 29. März 1957 - 1 AZR 208/55 - BA­GE 4, 37, 40, al­ler­dings im Hin­blick auf die Auflösung ei­ner Ta­rif­kon­kur­renz; nach­fol­gend BAG 19. De­zem­ber 1958 - 1 AZR 55/58 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 6; den Grund­satz der Ta­rif­ein­heit im Hin­blick auf die Si­tua­ti­on ei­ner Ta­rif­kon­kur­renz erwähnt auch BAG 22. Fe­bru­ar 1957 - 1 AZR 536/55 - BA­GE 3, 351; s. wei­ter­hin BAG 29. No­vem­ber 1978 - 4 AZR 304/77 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 12 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 2).
- 16 - ne­ben­ein­an­der führe zu recht­li­chen und tatsächli­chen Un­zu­träglich­kei­ten, die durch den Grund­satz der Ta­rif­ein­heit ver­mie­den würden. Der be­triebs­ein­heit­li­che Vor­rang des spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­tra­ges ermögli­che „ei­ne recht­lich kla­re und tatsächlich prak­ti­ka­ble Lösung“. Zu­dem wer­de die pro­ble­ma­ti­sche, rein tatsächlich auch nicht im­mer durch­zuführen­de Ab­gren­zung zwi­schen In­halts-und Be­triebs­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges (§ 3 Abs. 1 und 2 TVG) ver­mie­den.
- 17 - Sal­je SAE 1993, 79 ff.; Lo­ritz ZTR 1993, 91, 98; Mer­ten BB 1993, 572 ff.; Wie­de­mann/Ar­nold ZTR 1994, 399, 402 ff.; Fenn FS Kis­sel 1994 S. 213 ff.; Reichold SAE 1995, 21 ff.; Wank Anm. zu BAG 26. Ja­nu­ar 1994 - 10 AZR 611/92 - EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 9; Koh­te SAE 1996, 14 ff.; Däubler NZA 1996, 225, 230; B. Gaul NZA 1998, 9, 15; Ha­nau RdA 1998, 65, 69 f.; Ja­cobs Ta­rif­ein­heit und Ta­rif­kon­kur­renz 1999 S. 334 ff.; ders. in Ja-cobs/Krau­se/Oet­ker Ta­rif­ver­trags­recht § 7 Rn. 228 ff.; ders. NZA 2008, 325 ff.; ders. FS Buch­ner 2009 S. 343, 343 f.; Waas Ta­rif­kon­kur­renz und Ta­rifp­lu­ra­lität 1999 S. 123 ff., 133 ff.; Wen­de­ling-Schröder Anm. zu LAG Nie­der­sach­sen 12. No­vem­ber 1999 - 3 Sa 780/99 - LA­GE TVG § 4 Ta­rifp­lu­ra­lität Nr. 3; Fran­zen RdA 2001, 1, 7 f.; Band Ta­rif­kon­kur­renz, Ta­rifp­lu­ra­lität und der Grund­satz der Ta­rif­ein­heit 2003 S. 84 ff., 119 ff.; Bay­reu­ther Ta­rif­au­to­no­mie als kol­lek­tiv aus­geübte Pri­vat­au­to­no­mie 2005 S. 370 ff.; ders. BB 2005, 2633, 2639 f.; s. auch ders. NZA 2006, 642, 644 f.; Lin­de­mann/Si­mon BB 2006, 1852, 1855 ff.; Har­wart Ta­rif­kol­li­si­on S. 318 ff.; Reichold RdA 2007, 321, 324 f.; ders. in Leh­mann Ta­rif­verträge der Zu­kunft 2008 S. 146 ff.; Lau­ten­schläger Der Grund­satz der Ta­rif­ein­heit bei Ta­rifp­lu­ra­lität nach dem Em­ploy­ment Re­la­ti­ons Act 1999 Aufl. 2009 S. 32 ff.; Za­chert Anm. zu BAG 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 784/07 - AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 66; Fran­zen ZfA 2009, 297, 305 ff.; Nie­be­ling/Gründel NZA 2009, 1003 ff.; Dei­nert NZA 2009, 1176 ff.; kri­tisch auch Schaub BB 1995, 2003, 2005; Fried­rich FS Schaub 1998 S. 183, 203; Ri­char­di FS Buch­ner 2009 S. 731, 736; je­den­falls bei so­ge­nann­ter ge-willkürter Ta­rifp­lu­ra­lität kri­tisch Bay­reu­ther in Leh­mann Ta­rif­verträge der Zu­kunft 2008 S. 130, 140 f.; ders. NZA 2007, 187 ff.; Schu­bert FS Wen­de­ling-Schröder 2009 S. 59, 76 f.; Schlie­mann Beil. zu NZA 24/2000 S. 24, 32; ders. FS Hro-ma­d­ka 2008 S. 359, 369 ff.; für Ta­rif­verträge zwi­schen Ge­werk­schaf­ten, die nicht sämt­lich dem DGB an­gehören abl. auch HWK/Hens­s­ler § 4 TVG Rn. 48 f.; den Grund­satz der Ta­rif­ein­heit bei Ta­rifp­lu­ra­lität da­ge­gen befürwor­tend Säcker/Oet­ker ZfA 1993, 1 ff.; Hein­ze/Ri­cken ZfA 2001, 159 ff.; Buch­ner BB 2003, 2121, 2122 ff.; kri­tisch noch ders. RdA 1997, 259, 267; Hromad­ka GD Hein­ze 2005 S. 383 ff.; wei­ter­hin Mey­er DB 2006, 1271 ff.; Wal­lisch FS Löwisch 2007 S. 429 ff., Feud­ner RdA 2008, 104 ff.; Kem­pen FS Hromad­ka 2008
- 18 - S. 177, 182 ff.; an­ders noch ders. NZA 2003, 415, 417; Gie­sen NZA 2009, 11 ff.; Koch Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­se des Bau­ge­wer­bes 2009 Rn. 203 ff.; Scholz FS Buch­ner 2009 S. 827, 828 ff.).
- 19 - ta­riffähi­gen Ko­ali­tio­nen im Rah­men ih­rer Ta­rif­zuständig­keit ge­schlos­sen wur­de, ent­fal­ten die Rechts­nor­men, die den In­halt, den Ab­schluss oder die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen ord­nen (§ 1 Abs. 1 TVG), un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung zwi­schen den bei­der­seits Ta­rif­ge­bun­de­nen, die un­ter den Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­tra­ges fal­len. Die Bin­dung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses an ei­nen Ta­rif­ver­trag nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG be­ruht da­bei auf pri­vat­au­to­no­men Ent­schei­dun­gen. Der In­halt und die ge­setz­lich an­ge­ord­ne­te Wir­kungs­wei­se des Ta­rif­ver­tra­ges er­lan­gen Le­gi­ti­ma­ti­on durch die freie Ent­schei­dung der Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber, Mit­glied ei­ner Ko­ali­ti­on zu wer­den (BAG 31. Ju­li 2002 - 7 AZR 140/01 - zu B I 1 der Gründe mwN, BA­GE 102, 65). Der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen und die da­mit be­wirk­te Norm­set­zung ist kol­lek­tiv aus­geübte Pri­vat­au­to­no­mie (BAG 18. Ju­li 2006 - 1 ABR 36/05 - Rn. 55, BA­GE 119, 103; 27. No­vem­ber 2002 - 7 AZR 414/01 - zu B I 3 a der Gründe mwN, AP BGB § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 1; 30. Au­gust 2000 - 4 AZR 563/99 - zu I 2 c der Gründe, BA­GE 95, 277; wei­ter­hin BAG 26. Au­gust 2009 - 4 AZR 294/08 - Rn. 30). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en und ih­re Mit­glie­der ha­ben da­durch ihr Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG wahr­ge­nom­men und Re­ge­lun­gen zu be­stimm­ten Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen ge­schaf­fen. Wer Mit­glied in der ta­rif­ver­trags­sch­ließen­den Ge­werk­schaft ist, will ins­be­son­de­re an den von die­ser in Ta­rif­verträgen ver­ein­bar­ten Min­dest­be­din­gun­gen teil­ha­ben.
- 20 - bb) Ei­ne Rechts­grund­la­ge, die ge­setz­lich an­ge­ord­ne­te Rechts­fol­ge ei­ner Ta­rif­ge­bun­den­heit der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en aus­zu­sch­ließen, ob­wohl de­ren ge­setz­li­che Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, be­steht nicht.
- 21 - rechts­kräfti­gen Klärung, wel­cher „spe­zi­el­le­re“ Ta­rif­ver­trag im Be­trieb gilt (zu den un­ter­schied­li­chen Maßstäben anläss­lich der Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung bei der Deut­schen Bahn AG im Jah­re 2007 s. nur die Nw. bei Fran­zen ZfA 2009, 297, 306, Fn. 53), be­ste­hen Un­si­cher­hei­ten über den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses (Fenn FS Kis­sel 1994 S. 213, 230 f.; Reu­ter JuS 1992, 150, 106 f.; Wen­de­ling-Schröder in Kem­pen/Za­chert TVG 4. Aufl. § 4 Rn. 164; eben­so Ja­cobs Ta­rif­ein­heit und Ta­rif­kon­kur­renz 1999 S. 390 f.; Fran­zen ZfA 2009, 297, 306).
- 22 - (a) Ei­ne Lücke im Ta­rif­ver­trags­ge­setz lässt sich nicht an­hand der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ta­rif­ver­trags­ge­set­zes be­gründen (statt vie­ler Fran­zen ZfA 2009, 297, 305; Ri­char­di FS Buch­ner 2009 S. 731, 736; Ha­nau/Ka­nia Anm. zu BAG 20. März 1991 - 4 AZR 455/90 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 20; so­wie ausf. Ja­cobs Ta­rif­ein­heit und Ta­rif­kon­kur­renz 1999 S. 64 ff.). Die An­nah­me, der Ge­setz­ge­ber ha­be ei­ne Ta­rifp­lu­ra­lität we­gen der Ent­wick­lung der Ge­werk­schaf­ten zu Ein­heits­ge­werk­schaf­ten als nicht re­ge­lungs­bedürf­tig an­ge­se­hen und ei­ne ab­wei­chen­de Ent­wick­lung nicht ge­se­hen (so Säcker/Oet­ker ZfA 1993, 1, 7 ff.; eben­so Hromad­ka NZA 2008, 384, 386), wes­halb man nicht da­von aus­ge­hen könne, er ha­be ei­ne Ta­rifp­lu­ra­lität durch § 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 TVG „ab­ge­seg­net“ (Säcker/Oet­ker ZfA 1993, 1, 8), lässt sich auf die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ta­rif­ver­trags­ge­set­zes nicht stützen.
- 23 - Jah­re 1945 ge­gründet wor­den war, der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund aber erst am 13. Ok­to­ber 1949, mit­hin mehr als ein hal­bes Jahr nach In­kraft­tre­ten des TVG. Da­mit war das an­geführ­te Ord­nungs­prin­zip der Ge­werk­schaf­ten be­reits auf die Möglich­keit von Ta­rifp­lu­ra­lität an­ge­legt (s. et­wa Schlie­mann FS Hro-ma­d­ka 2008 S. 359, 371).
- 24 - EzA BGB 2002 § 613a Nr. 110) er­for­dert die kon­gru­en­te Ta­rif­ge­bun­den­heit bei­der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en. Da­nach kann es durch ei­nen Be­triebsüber­gang zu ver­schie­de­nen im Be­trieb an­wend­ba­ren Ta­rif­verträgen kom­men. Ein Ord­nungs­prin­zip der be­trieb­li­chen Ta­rif­ein­heit steht dem nicht ent­ge­gen (BAG 21. Fe­bru­ar 2001 - 4 AZR 18/00 - zu B I 2 b ee [5] der Gründe, BA­GE 97, 107). Die Exis­tenz par­al­lel an­wend­ba­rer ta­rif­ver­trag­li­cher Re­ge­lungs­wer­ke in ei­nem Be­trieb wird da­durch an­er­kannt (s. da­zu auch Koh­te SAE 1996, 14, 17: Ko­exis­tenz als „ge­setz­li­ches Leit­bild“; ähn­lich Ka­nia DB 1996, 1921, 1923).
- 25 - BGH 14. De­zem­ber 2006 - IX ZR 92/05 - zu II 2 c bb [1] der Gründe, BGHZ 170, 187). Es muss ein­sich­tig ge­macht wer­den können, dass das ge­schrie­be­ne Ge­setz sei­ne Funk­ti­on, ein Rechts­pro­blem zu lösen, nicht mehr erfüllt (BVerfG 14. Fe­bru­ar 1973 - 1 BvR 112/65 - zu C IV 1 der Gründe mwN, aaO). Fra­gen der Zweckmäßig­keit, ins­be­son­de­re der Prak­ti­ka­bi­lität, können ei­ne ge­set­zes-über­stei­gen­de Rechts­fort­bil­dung grundsätz­lich nicht be­gründen (BAG 12. No­vem­ber 1992 - 8 AZR 157/92 - zu I 2 der Gründe, BA­GE 71, 355).
- 26 - Gründe, AP Be­trVG 1972 § 99 Nr. 102 = EzA Be­trVG 1972 § 99 Nr. 109). Auch rei­chen Zweckmäßig­keits­gründe oder das Ko­or­di­nie­rungs­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers al­lein nicht aus (Kraft RdA 1992, 161, 166; Ha­nau/Ka­nia Anm. zu BAG 20. März 1991 - 4 AZR 455/90 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 20; Reichold RdA 2007, 321, 324 f.; Wie­de­mann/Wank TVG § 4 Rn. 277). Ei­ne zweck­mäßige­re Hand­ha­bung ver­mag auch kein un­ab­weis­ba­res Ver­kehrs­bedürf­nis zu be­gründen.
- 27 - tra­ges im Verhält­nis zu ih­nen nor­ma­tiv gel­ten und wel­che Nor­men die­ses Ta­rif­ver­tra­ges, weil es sich um In­halts­nor­men han­delt, nicht oh­ne wei­te­res.
- 28 - sys­tems ein­tre­te. Al­lein ein als möglich an­ge­se­he­ner „Über­bie­tungs­wett­be­werb“ der Ge­werk­schaf­ten oder Funk­ti­ons­ver­lust der Frie­dens­pflicht bei nicht ab­ge­stimm­ten Ta­rif­ver­hand­lun­gen (Hromad­ka GD Hein­ze 2005, S. 384, 388; ähn­lich Mey­er DB 2006, 1271, 1272 f.; ders. NZA 2006, 1387, 1390; Ot­to FS Kon­zen 2006 S. 663 ff.; s. auch Sach­verständi­gen­rat zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung Jah­res­gut­ach­ten 2007/2008 [2007] S. 36 ff.) oder ei­ne befürch­te­te Ver­viel­fa­chung von Ar­beitskämp­fen (Gie­sen NZA 2009, 11, 15 f., 17; s. auch Feud­ner RdA 2008, 104, 105) sind kei­ne hin­rei­chen­den Ge­sichts­punk­te, die die Ver­drängung ei­nes gel­ten­den Ta­rif­ver­tra­ges im We­ge der ge­set­zesüber­stei­gen­den Rechts­fort­bil­dung le­gi­ti­mie­ren könn­ten.
- 29 - Buch­ner 2009 S. 342 ff.; Mey­er FS Adom­eit 2008 S. 459 ff.; von St­ein­au-St­einrück/Glanz NZA 2009, 113 ff.). Sie sind nicht ge­eig­net, die Auflösung ei­ner Ta­rifp­lu­ra­lität durch Ver­drängung der Re­ge­lun­gen ei­nes voll­wirk­sa­men Ta­rif­ver­tra­ges nach dem Grund­satz der Ta­rif­ein­heit zu recht­fer­ti­gen.
- 30 - könn­te, wäre ei­ne sol­che mit dem Grund­recht der Ko­ali­ti­ons­frei­heit nach Art. 9 Abs. 3 GG auch nicht zu ver­ein­ba­ren.
- 32 - setz­te; wei­ter­hin BVerfG 3. April 2001 - 1 BvL 32/97 - zu B 2 der Gründe, BVerfGE 103, 293, zur Re­ge­lung in § 10 BUrlG aF; so­wie BVerfG 10. Ja­nu­ar 1995 - 1 BvF 1/90 ua. - zu B II 1 c aa der Gründe, BVerfGE 92, 26, zu § 21 Abs. 4 Satz 3 FlRG; BAG 20. April 1999 - 1 ABR 72/98 - zu II 2 b bb der Gründe, BA­GE 91, 210). Durch die Ver­drängung ei­nes gel­ten­den Ta­rif­ver­tra­ges nach dem Grund­satz der Ta­rif­ein­heit wird in das durch das Ta­rif­ver­trags­ge­setz be­reits aus­ge­stal­te­te Grund­recht der Ko­ali­ti­ons­frei­heit (zur Aus­ge­stal­tung von Art. 9 Abs. 3 GG durch das TVG s. nur BVerfG 18. No­vem­ber 1954 - 1 BvR 629/52 - zu C 2 b aa der Gründe, BVerfGE 4, 96, 106; an­ders Hromad­ka NZA 2008, 384, 387; Buch­ner BB 2003, 2121, 2128; die bei­de le­dig­lich ei­ne Aus­ge­stal­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit an­neh­men), von dem die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en durch den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges be­reits Ge­brauch ge­macht ha­ben, der­ge­stalt ein­ge­grif­fen, dass die kon­kre­te Rechts­po­si­ti­on - die Gel­tung des Ta­rif­ver­tra­ges - nur auf­grund der Ko­ali­ti­ons­rechts­ausübung durch ei­ne an­de­re kon­kur­rie­ren­de Or­ga­ni­sa­ti­on wie­der ent­zo­gen wird (En­gels RdA 2008, 331, 334 f. mwN in Fn. 75; Bur­kicz­ak Grund­ge­setz und De­re­gu­lie­rung des Ta­rif­ver-trags­rechts 2006 S. 171, 253 ff.; Fran­zen ZfA 2009, 297, 304, 309; Ja­cobs Ta­rif­ein­heit und Ta­rif­kon­kur­renz 1999 S. 439).
- 33 - ver­sperrt wer­den (Wie­de­mann/Wank TVG § 4 Rn. 277), wo­durch auch die Ko­ali­ti­ons­be­stands­ga­ran­tie be­trof­fen wer­den kann. Denn die Er­hal­tung und der Aus­bau des Mit­glie­der­be­stan­des sind als be­stands­si­chern­de Maßnah­men vom Grund­recht der Ko­ali­ti­ons­frei­heit er­fasst (BVerfG 14. No­vem­ber 1995 - 1 BvR 601/92 - zu B I 1 der Gründe, BVerfGE 93, 352).
- 34 - ge­rech­te Aus­ge­stal­tung der Betäti­gungs­frei­heit zu sor­gen (BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - zu C I 2 a der Gründe, BVerfGE 84, 212).
- 35 - mit­glied­schaft­li­chen Struk­tur der Ko­ali­tio­nen nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG auf die un­mit­tel­bar Ta­rif­ge­bun­de­nen be­schränkt.
- 36 - oder ei­ne sol­che gar recht­lich vor­schrei­ben. Es kann des­halb of­fen­blei­ben, ob der ein­fa­che Ge­setz­ge­ber ei­ne Re­ge­lung über­haupt schaf­fen könn­te, die in ei­ner der­art weit rei­chen­den Wei­se in die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ko­ali­ti­ons­frei­heit ein­greift.
- 37 - und auf ei­nen Wett­be­werb zwi­schen ver­schie­de­nen Ko­ali­tio­nen an­ge­legt ist. Art. 9 Abs. 3 GG überlässt es den ta­riffähi­gen Ko­ali­tio­nen, in Ausübung ih­rer kol­lek­ti­ven Pri­vat­au­to­no­mie im Rah­men der Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen des Ta­rif­ver-trags­rechts au­to­nom durch Ta­rif­verträge die Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der zu re­geln. Die­ses Zurück­tre­ten des Staa­tes zu­guns­ten der Ta­rif­par­tei­en ge­winnt sei­nen Sinn eben­so sehr aus dem Ge­sichts­punkt, dass die un­mit­tel­bar Be­trof­fe­nen bes­ser wis­sen und bes­ser aus­han­deln können, was ih­ren bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen und dem ge­mein­sa­men In­ter­es­se ent­spricht, als der de­mo­kra­ti­sche Ge­setz­ge­ber, wie aus dem Zu­sam­men­hang mit dem für die Ge­stal­tung nicht öffent­lich-recht­li­cher Be­zie­hun­gen cha­rak­te­ris­ti­schen Prin­zip der Pri­vat­au­to­no­mie, im Grun­de al­so der Ent­schei­dung des Grund­ge­set­zes zu­guns­ten des frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Rechts­staats (BVerfG 27. Fe­bru­ar 1973 - 2 BvL 27/69 - zu B II 4 a der Gründe, BVerfGE 34, 307). Da­bei hat der Ge­setz­ge­ber den Ko­ali­tio­nen im Ta­rif­ver­trags-ge­setz das Mit­tel des Ta­rif­ver­tra­ges an die Hand ge­ge­ben, da­mit sie die von Art. 9 Abs. 3 GG in­ten­dier­te au­to­no­me Ord­nung des Ar­beits­le­bens ver­wirk­li­chen können (BVerfG 24. Mai 1977 - 2 BvL 11/74 - zu B II 1 b aa der Gründe, BVerfGE 44, 322).
- 38 - 629/52 - zu C 2 b bb, BVerfGE 4, 96), nicht aber ei­ne ver­fas­sungs­recht­lich ver­bind­li­che Vor­ga­be, die den Grund­satz der be­trieb­li­chen Ta­rif­ein­heit recht­fer­ti­gen könn­te. Die in Art. 9 Abs. 3 GG ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­te Ta­rif­au­to­no­mie ver­folgt den im öffent­li­chen In­ter­es­se lie­gen­den Zweck, dem von der staat­li­chen Rechts­set­zung aus­ge­spar­ten Raum des Ar­beits­le­bens im Ein­zel­nen durch Ta­rif­verträge „au­to­nom“ zu re­geln (oben un­ter [aa] mwN). Nur in­so­weit dient die Ko­ali­ti­ons­frei­heit der sinn­vol­len Ord­nung des Ar­beits­le­bens (BVerfG 1. März 1979 - 1 BvR 532/77 ua. - zu C IV 1 der Gründe, BVerfGE 50, 290; zu die­ser Recht­spre­chung des BVerfG s. auch Ri­char­di FS Buch­ner 2008 S. 731, 739 f.). Auf wel­chem We­ge die Ko­ali­tio­nen die ver­fas­sungs­recht­li­che Er­war­tung der sinn­vol­len Ord­nung des Ar­beits­le­bens ver­wirk­li­chen, ist im Rah­men der recht­li­chen Aus­ge­stal­tung des Ta­rif­ver­trags­we­sens ih­nen über­las­sen und for­dert von Ver­fas­sungs we­gen kei­ne be­triebs­ein­heit­li­chen Ta­rif­re­ge­lun­gen.
- 39 - auch hier nur hin­sicht­lich der Gel­tung von Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen (§ 4 Abs. 3 TVG).
- 40 - näher zu be­gründen, wird über­se­hen, dass Ta­rif­ein­heit kei­ne Funk­ti­ons­be­din­gung der Ta­rif­au­to­no­mie ist (ErfK/Die­te­rich 10. Aufl. Art. 9 GG Rn. 68a; Reichold RdA 2007, 321, 324; s. auch Ri­char­di FS Buch­ner 2009 S. 731, 740). Ei­ne Be­dro­hung des Be­stan­des der Ta­rif­verträge der Mehr­heits­ge­werk­schaf­ten, die Scholz anläss­lich des Ta­rif­kon­flikts bei der Deut­schen Bahn aus­ma­chen und dar­aus ei­nen „ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Kon­flikt“ auf der Ebe­ne der Ko­ali­ti­ons­rechts­ga­ran­tie fol­gern will (FS Buch­ner 2009 S. 827, 829), ist recht­statsächlich nicht er­kenn­bar. Auch sind kei­ne schwer über­wind­ba­ren Schwie­rig­kei­ten für die Ge­stal­tung des Ta­rif­rechts in Rich­tung auf Ta­rif­klar­heit und Rechts­si­cher­heit er­kenn­bar oder ab­seh­bar (da­zu BVerfG 18. No­vem­ber 1954 - 1 BvR 629/52 - zu C 2 b bb der Gründe, BVerfGE 4, 96), die die Ver­drängung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges nach dem Grund­satz der Ta­rif­ein­heit be­gründen könn­ten.
- 41 - den­sel­ben Re­ge­lungs­ge­gen­stand be­tref­fen, aus­ge­schlos­sen. Ar­beit­neh­mern, die an den bei der hier not­wen­di­gen Kol­li­si­ons­auflösung ver­dräng­ten Ta­rif­ver­trag ge­bun­den sind, bleibt auf­grund der Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers zu­min­dest der Schutz des ver­drängen­den Ta­rif­ver­tra­ges, auch wenn sie nicht Mit­glied der hier­an be­tei­lig­ten Ge­werk­schaft sind.
- 42 - klau­sel auf die­se Recht­spre­chung ver­traut, ist dies in mehr­fa­cher Hin­sicht oh­ne Be­deu­tung. Es ist be­reits nicht er­sicht­lich, in­wie­weit die Be­klag­te bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges am 12. März 2004 auf die­se erst später er­gan­ge­ne Ent­schei­dung ver­traut ha­ben will. Der Se­nat hat in der ge­nann­ten Ent­schei­dung ei­ne Ver­drängung des Güns­tig­keits­prin­zips zu­dem nur für den Fall an­ge­nom­men, dass bei­de kon­kur­rie­ren­den Ta­rif­verträge - Ver­bands­ta­rif­ver­trag zum ei­nen und Fir­men­ta­rif­ver­trag zum an­de­ren - auch ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­men wa­ren und von der­sel­ben Ge­werk­schaft ge­schlos­sen wur­den (23. März 2005 - 4 AZR 203/04 - zu I 1 b cc [2] der Gründe, aaO). Bei­de Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend nicht ge­ge­ben. Ab­ge­se­hen da­von reicht ei­ne ein­zel­ne höchst­ge­richt­li­che Ent­schei­dung nicht aus, die Gewährung von Ver­trau­ens­schutz zu be­gründen (BAG 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 765/06 - Rn. 32, SAE 2008, 365).
- 43 - li­che dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf den BAT und die ihn ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge ei­ner­seits und die nor­ma­ti­ve Gel­tung des BAT kraft un­mit­tel­ba­rer Ta­rif­ge­bun­den­heit an­de­rer­seits sind un­ter­schied­li­che Le­bens­sach­ver­hal­te und da­mit ver­schie­de­ne Streit­ge­genstände (BAG 11. Mai 2005 - 4 AZR 315/04 - aaO).
- 44 - b) Selbst wenn man mit dem Kläger da­von aus­geht, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten § 28 TVÜ-VKA ei­ner Be­rech­nung nach dem Re­fe-renz­prin­zip für die Zeit vor dem 1. Ok­to­ber 2005 nicht ent­ge­gen­steht, ist sein An­spruch nicht in der ge­for­der­ten Höhe be­gründet. Nach der Be­rech­nung der Be­klag­ten, die der Kläger auch als zu­tref­fend be­wer­tet hat, ergäbe sich in An­wen­dung des § 21 Abs. 1 Satz 2 TVöD nach den vom Kläger in den Mo­na­ten Ju­li 2005 bis Sep­tem­ber 2005 ge­leis­te­ten Be­reit­schafts­diens­ten le­dig­lich ein Ur­laub­s­auf­schlag iHv. 552,20 Eu­ro brut­to. Für die Be­rech­nung des Ent­gelt­fort-zah­lungs­be­tra­ges nach § 21 Abs. 1 Satz 2 TVöD können nicht die vom Kläger vor­ge­tra­ge­nen Be­reit­schafts­dienst­zei­ten für die Mo­na­te Ju­li 2005 bis Sep­tem­ber 2005 her­an­ge­zo­gen wer­den. Die­se Ent­gel­tab­rech­nun­gen für die frag­li­chen Mo­na­te ent­hal­ten nach § 36 Abs. 1 Un­ter­ab­schnitt 2 BAT nicht die in den je­wei­li­gen Ab­rech­nungs­mo­na­ten ge­leis­te­ten Be­reit­schafts­diens­te, son­dern die­je­ni­gen des je­wei­li­gen Vor­vor­mo­nats, um­fas­sen al­so den Zeit­raum Mai 2005 bis ein­sch­ließlich Ju­li 2005.
- 45 - „die­ser Fall“ ei­ne Ta­rifp­lu­ra­lität, die auf­grund der Gel­tung ei­nes all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­tra­ges nach § 5 Abs. 4 TVG und ei­nes Ver­bands­ta­rif­ver­tra­ges nach § 3 Abs. 1 TVG ent­stan­den ist. Der Zehn­te Se­nat be­zieht sich je­doch auf die all­ge­mei­nen Grundsätze des Vier­ten Se­nats zur Ta­rif­ein­heit. Der Zehn­te Se­nat geht in der ge­nann­ten Ent­schei­dung da­von aus, die „All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung des VTV be­wir­ke gemäß § 5 Abs. 4 TVG die Norm­ge­bun­den­heit des Klägers in glei­cher Wei­se wie ei­ne Ver­bands­mit­glied­schaft gemäß § 3 Abs. 1 TVG“ (25. Ju­li 2005 - 10 AZR 599/00 - zu II 3 e der Gründe, aaO). Des­halb kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, der Zehn­te Se­nat dif­fe­ren­zie­re bei der hier maßge­ben­den Rechts­fra­ge zwi­schen ei­ner durch All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung be­gründe­ten Ta­rif­gel­tung, zu der der er­ken­nen­de Se­nat sich nicht verhält, und ei­ner Ta­rif­gel­tung kraft Ko­ali­ti­ons­mit­glied­schaft gemäß § 3 Abs. 1 TVG. Die­se Rechts­auf­fas­sung hat der Zehn­te Se­nat in sei­ner Ent­schei­dung vom 18. Ok­to­ber 2006 für all­ge­mein­ver­bind­li­che Ta­rif­verträge außer­halb der ge­setz­li­chen Bin­dung nach § 1 Abs. 3 AEntG un­ter Be­zug­nah­me auf die ei­ge­ne und die Recht­spre­chung des Vier­ten Se­nats (BAG 25. Ju­li 2001 - 10 AZR 599/00 - aaO; 26. Ja­nu­ar 1994 - 10 AZR 611/92 - aaO; 24. Ja­nu­ar 1990 - 4 AZR 561/89 - aaO, mwN) bestätigt (- 10 AZR 576/05 - Rn. 31, 37, BA­GE 120, 1).
- 46 - (- 1 AZR 208/55 - BA­GE 4, 37, 38). Die­se Ausführun­gen wa­ren al­ler­dings nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich im Hin­blick auf die Auflösung ei­ner even­tu­el­len Ta­rifp­lu­ra­lität. Die erörter­te Möglich­keit, dass der all­ge­mein­ver­bind­li­che RTV Bau „auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en über­haupt kei­ne An­wen­dung fin­det“, setz­te nach den Ent­schei­dungs­gründen vor­aus, dass die Par­tei­en des Rechts­streits nicht nur an die­sen, son­dern auch ei­nen an­de­ren Ta­rif­ver­trag „persönlich ta­rif­ge­bun­den sind“. Das be­schreibt den Fall der Ta­rif­kon­kur­renz und nicht den­je­ni­gen der Ta­rifp­lu­ra­lität. In ei­ner wei­te­ren Ent­schei­dung war ei­ne Ta­rifp­lu­ra­lität nicht auf­zulösen (19. De­zem­ber 1958 - 1 AZR 55/58 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 6), so dass es an der er­for­der­li­chen Ent­schei­dungs-er­heb­lich­keit der Rechts­fra­ge fehlt. Das gilt auch für die Ent­schei­dun­gen des Ers­ten Se­nats vom 22. März 1994 (- 1 ABR 47/93 - zu B III 1 a der Gründe, EzA TVG § 4 Gel­tungs­be­reich Nr. 10) und vom 28. März 2006 (- 1 ABR 58/04 - zu B III 3 b bb [1] [a] der Gründe, BA­GE 117, 308).
- 47 - a) § 45 Abs. 4 ArbGG setzt vor­aus, dass ei­ne Fra­ge von grundsätz­li­cher Be­deu­tung vor­liegt und die Fort­bil­dung des Rechts oder die Si­che­rung ei­ner ein­heit­li­chen Recht­spre­chung die Vor­la­ge er­for­der­lich ma­chen.
- 48 - Se­nat zuständig (Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des Bun­des­ar­beits­ge­richts für das Geschäfts­jahr 2010 A. 1; eben­so für die Vor­jah­re). Des­halb ist ei­ne Vor­la­ge an den Großen Se­nat nicht ge­for­dert.
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References: § 3
 § 4
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 § 47
 § 21
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 § 70
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 § 4
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 § 218
 § 99
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 § 126
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 BGH 
 § 12
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 § 7
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 § 1
 § 4
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 § 620
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 Art. 9
 § 4
 § 4
 § 3
 § 613
 BGH 
 § 99
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 § 4
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 § 10
 § 21
 Art. 9
 § 4
 § 3
 § 4
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
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 § 28
 § 21
 § 21
 § 36
 § 5
 § 3
 § 5
 § 3
 § 3
 § 1
 § 4
 § 4
 § 45