Source: http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/104073.html
Timestamp: 2017-09-23 18:07:07+00:00

Document:
Sklaverei in der Antike und die Sichtweise Senecas in seinem 47. Brief | Hausarbeiten publizieren
1. Aspekte zur Forschung und die geschichtliche Einordnung der Sklaverei
2. Antike Sklaverei
2.1 Entstehung der antiken Sklaverei
2.2 Herkunft der Sklaven
2.3 Funktion, Bedeutung und Wesen der Sklaverei
2.4 Rechtliche Stellung der Sklaven
2.5 Aspekt der Freilassungen
2.6 Lebensbedingungen und Behandlung der Sklaven
2.6.1 Erziehungsmethoden der Herren und Beispiele der Diskriminierung von Sklaven
2.6.2 Sklaven in der Stadt
2.6.2.1 Im wirtschaftlichen Bereich
2.6.2.2 Im geistigen Bereich
2.6.3 Sklaven auf dem Land
2.7 Widerstandsformen
2.7.1 Aspekt der Sklavenkriege
2.7.2 Andere Formen des Widerstandes
2.8 Religion und Kulte der Sklaven
2.9 Untergang der Sklaverei
2.9.1 Einfluss des Christentums
2.9.2 Mentalität der Bevölkerung und der Aspekt der Gesetzgebung
2.9.3 Wirtschaftliche Gründe
3. Die Sichtweise Senecas in seinem 47.Brief
3.1 Sklaverei zur Zeit Senecas
3.2 Sichtweise Senecas anhand seines 47.Briefes
4. Einfluss und Bedeutung des Briefes für die Antike und darüberhinaus
Die Sklaverei der antiken Welt beschäftigte schon viele Forscher und Historiker seit dem 18. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt begann die Aufklärung und die damit verbundene Entdeckung der Idee der Freiheit. In Diskussionen legten sie die unterschiedlichen Aspekte und Gesichtspunkte der antiken Sklaverei dar. Deren verschiedene Formen prägten schon die Gesellschaften vom alten Orient bis hin zu den hellenistischen Staaten und wirkten in das römische Reich hinein. Bei der geschichtlichen Einordnung kann man von einer stufenartigen Abfolge der antiken Sklaverei, der Leibeigenschaft im Mittelalter und der modernen Lohnarbeit sprechen. In Rom entwickelte sie sich etwa im 3.Jahrhundert v. Chr. und existierte dort lange Zeit bis ins 9.Jahrhundert hinein. Um aber nun genaue, objektive Erkenntnisse über sie zu gewinnen, darf man sie nicht von unserer Sicht aus verurteilen sondern muss die geschichtliche Distanz einhalten und die entsprechenden Umstände berücksichtigen. Es herrscht jedoch Einigkeit, dass sie durch ihre Komplexität und Vielfalt eine grundlegende Struktur für die Antike darstellte, auch wenn sie in den einzelnen Epochen und Gebieten eine unterschiedliche Bedeutung erfährt.
Die Entstehung und die verschiedenen Formen der Sklavenarbeit gehen tief auf die Ursprünge der Menschheit zurück. Sie tritt immer dort auf, wo sich Macht und Reichtum nur auf einen kleinen Teil der Bevölkerung beschränkt. Eine weitere Vorraussetzung liegt in dem Überangebot an Arbeit, durch das schließlich zusätzliche Arbeitskräfte notwendig sind. Mit Gewalt besorgte sich die herrschende Schicht diese und setzte sie für ihre eigenen Zweck ein. Das einseitige Gewaltenverhältnis wurde gesetzlich von ihnen legalisiert, was die Grundlage für Machtmissbrauch und für die Ausbeutung der Sklaven legte. Solche Zwangsarbeiten konnten nun verschiedene Formen annehmen, z.B. Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft, Frondienst, Klientelwesen oder Kaufsklaverei. Sklaverei stellt dabei die schlimmste Art der Unterdrückung dar. In der Antike wurde aber natürlich niemals freie Lohnarbeit vollkommen abgeschafft, sondern existierte nebenher immer weiter.
Damit sich aber aus der abhängigen Lohnarbeit ein fest etabliertes institutionelles System der Sklaverei entwickeln konnte, so dass die Antike sogar die umstrittene Bezeichnung der Sklavenhaltergesellschaft erhalten hat, bedarf es aber noch anderer Bedingungen. Der Übergang dazu erfolgte selbstverständlich nicht sofort, sondern vollzog sich langsam und auf verschiedenen Ebenen der Gesellschaft. Wichtige Gründe waren der hohe Arbeitskräftebedarf, da ein Strukturwandel zur großflächiger Landwirtschaft einsetzte, und der Mangel an abhängigen Lohnarbeitern innerhalb der Gesellschaft. Bei der Sklaverei, die in Griechenland im 6. Jahrhundert v.Chr., in Rom etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. entstand, trafen diese beiden Bedingungen zu. Nachdem die zuerst besitzlosen Bauern ihre persönliche Freiheit und ihren Besitzanspruch auf das Land gewonnen hatten, verschafften sie sich damit auch das Bürgerrecht und die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Polis. Diese fortschreitende Emanzipation der Klienten hatte aber zur Folge, dass dadurch der herrschenden Schicht diese älteren Formen von Zwangsarbeit nicht mehr zur Verfügung standen. Daher sahen sie sich dazu genötigt, Arbeitskräfte außerhalb der Gesellschaft herbeizuziehen. Bauern und Handwerker konnten sie nicht anstellen, da freie Bürger kaum freiwillig zugunsten eines anderen Mannes arbeiten würden. Aufgrund der rechtlichen Stellung der Unfreien bot die Sklaverei außerdem für den Skavenbesitzer erhebliche Vorteile, auf die ich später noch eingehen werde. Auf den parzellierten Großgrundbesitz konnte somit der Bedarf an Arbeitskräften nur mit Hilfe von Sklaven gedeckt werden. Dabei gingen sie allmählich dazu über, Sklavenarbeit in immer größer werdendem Maße, auch in der Stadt einzusetzen. Hierfür waren auch das große Angebot an Sklaven, das ihnen zur Verfügung stand, verantwortlich.
Die wichtigste Bezugsquelle von Sklaven stellten die Kriegsgefangenen dar, die durch ständige Kriege und Eroberungen in Afrika, Griechenland und Kleinasien erbeutet wurden. Man darf aber auf keinen Fall davon ausgehen, dass dies etwa der Grund oder den Zweck für diese Kriege darstellte. Vielmehr handelte es sich dabei um eine Art politische Bestrafung und Abschreckung. Vor allem die Expansion des römischen Reichs in den hellenistischen Osten seit dem 3. Jahrhundert v.Chr. brachte hunderttausende Kriegsgefangene als Sklaven in den Westen nach Italien und die römischen Provinzen, wo die Latifundienwirtschaft einen zunehmenden Bedarf an Sklaven erzeugte. Auch während der punischen Kriege fanden zahlreiche dieser Massenversklavungen statt. Bei der ersten von ihnen im Jahr 242 v. Chr., nach der Eroberung von Ariginent, wurden 25000 Menschen versklavt und nach Italien verkauft. Die Auswirkung des großen Angebots zeigt sich unter anderem an den niedrigen Marktpreisen für Sklaven. Der Zusammenhang zwischen der Blütezeit der Sklaverei, also die späte Republik bzw. frühe Kaiserzeit, und der enormen territorialen Ausdehnung, die Rom etwa zur gleichen Zeit besaß, ist darauf zurückzuführen. Bei den Griechen bildete die Hauptquelle für den Nachschub an Sklaven die Kriegsgefangenen, die bei den Kriegen mit den Barbaren im Osten und Nordosten gewonnen wurden. Die Möglichkeit des Massenerwerbs von Sklaven stellte ein entscheidendes Element zur Entstehung, Aufrechterhaltung und Verbreitung der Sklaverei in der römischen Gesellschaft dar. Sie bildete die Grundlage für Großgrundbesitz.
Durch organisierten Menschenraub, einem einträglichem Geschäft, das die Seeräuber betrieben, verschaffte man sich ebenfalls Sklaven. Einige von ihnen stammten auch aus den unterentwickelten Zonen und den Randgebieten des Mittelmeers. Die Herkunft der Sklaven war den Händlern egal. Nur wenn der Betroffene nachweisen konnte, dass er ein freier Bürger ist, wurde er wieder freigelassen. Dies fiel aber den meisten sehr schwer.
Teilweise kam es sogar vor, dass Kinder von ihren Eltern in die Sklaverei verkauft wurden oder aus einer Notlage heraus ausgesetzt wurden. Die Rolle der Schuldknechtschaft bei der verschuldete Nichtrömer in die Abhängigkeit gerieten, spielte dagegen nur eine geringe Rolle und verlor seit Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. an Bedeutung.
Eine besondere Quelle aber stellten Geburten aus Sklavenfamilien dar. Im Gegensatz zu anderen Methoden des Sklavenerwerbs war es hier möglich, Sklavenkinder „vernae“ früh auszubilden und zu spezialisieren. Da diese auch nie die Freiheit kannten, war es leichter, sie in die Hausgemeinschaft zu integrieren.
Die Legitimation für Sklaverei, die die gesetzliche Erlaubnis für diese Art von Freiheitsberaubung bedeutete, war in Rom einfach durchzusetzen. Es handelte sich größtenteils um besiegte Feinde Roms, die als Barbaren betrachtet wurden. Im „jus gentium“ wurde die Gültigkeit von Versklavungen anerkannt und als natürlich gegeben angesehen.
2.3 Bedeutung, Funktion und Wesen der Sklaverei
Genauso unterschiedlich wie ihre Herkunft war, wurden die Sklaven auch auf ganz verschiedenen Gebieten eingesetzt, so zum Beispiel am römischen Kaiserhof, als Silberbergwerkssklaven in Laureion, als Palastsklaven oder als Staatspolizisten in Athen. Daraus resultiert auch die Komplexität und Vielfalt der antiken Sklaverei. Friedrich Engels stellte ihre Bedeutung für die Antike und darüber hinaus folgendermaßen dar: „Ohne Sklaverei kein griechischer Staat, keine griechische Kunst und Wissenschaft; ohne Sklaverei kein Römerreich, ohne die Grundlage des Griechentums und des Römerreichs aber auch kein modernes Europa.“1 Ohne die Sklaverei wäre also das Wirtschaftssystem, die sozialen Verhältnisse, Staatsverwaltung und das geistige Leben in der Antike undenkbar gewesen. Während freie Bürger in landwirtschaftlichen und städtischen Kleinbetrieben dominierten, herrschten die Sklaven in großen Produktionsbetrieben sowohl auf dem Land als auch in der Stadt vor. Sie bildeten folglich die Haupteinnahmequelle der herrschenden Schicht und erwirtschafteten den größten Teil ihres Einkommens. Ohne Sklavenarbeit wäre somit jeglicher Fortschritt sowohl wirtschaftlich als auch in kultureller Hinsicht kaum möglich gewesen. Die Oberschicht interessierte sich zwar für Erwerb und Konsum von Gütern, überließ die Handarbeit und ihre Produktion aber der Unterschicht, also den Lohnarbeitern und den Sklaven. Der Umfang der Sklaverei wird besonders deutlich, wenn man einige Zahlenbeispiele betrachtet. Nach ungefähren Schätzungen bestanden 30 % bis 35 % der Bevölkerung in Athen über einen langen Zeitraum hinweg aus Sklaven. Zur Kaiserzeit besaß zum Beispiel ein Präfekt allein in seinem Stadthaus 400 Sklaven.2
Durch die freie Bevölkerung allein wäre die Expansion der Gewerbebetriebe und die Bewirtschaftung der eroberten Gebiete kaum möglich gewesen. Auch für die Latifundienwirtschaft waren große Mengen zusätzlicher Arbeitskräfte nötig, da die Zahl der freien Lohnarbeiter allein nicht ausreichte. Eine bedeutende Rolle spielte sie in der Agrarwirtschaft der römischen Kaiserzeit in Italien und Hispanien. Dort konnte der Bedarf an Kleinpächtern auf den Großgrundbesitzen nur mit Sklaven gedeckt werden. Auch in der großflächigen Weidewirtschaft wurden sie in großer Zahl eingesetzt. Weibliche Sklaven dagegen, die Konkubinen genannt wurden, verrichteten meist häusliche Arbeiten. Paradoxerweise gehörten Sklaven aber selbst zum Machtapparat der Unterdrücker. So wurden sie für Aufgaben herangezogen, die der Herrschaftssicherung und der Aufrechterhaltung der bestehenden gesellschaftlichen und politischen Ordnung dienten. Im klassischen Athen beispielsweise wurden 300 skythische Bogenschützen nach dem Sieg über die Perser gekauft und auf dem Marktplatz und Areopag als Polizeiwachen eingesetzt. Ebenso waren kaiserliche Sklaven in der staatlichen Verwaltung tätig oder wurden Vertrauensmänner einzelner Sklavenhalter, wie Aufseher oder Verwalter. Sklaven bildeten außerdem den Großteil derer, die unfreiwillig an den Gladiatorenkämpfen teilnahmen. Dabei füllten täglich 1200-1500 Tote die Zirkusarenen, wo die grausamen Spiele zur Unterhaltung der Bevölkerung stattfanden. Bei den punischen Kriegen und anderen Gefechten, wie für die Schlacht von Marathon, wurden als Notmaßnahme ebenfalls Sklaven eingesetzt. Ihre Bewaffnung und Rekrutierung wurde schließlich vor allem in Bürgerkriegen unerlässlich. Kriegsgefangene ,die den gefährlichsten Teil darstellten, wurden dort eingesetzt, wo eine harte und effiziente Überwachung gewährleistet war, wie zum Beispiel Gladiatorenschulen, Arbeiten in Bergwerken, auf Landgütern oder im Bereich des Häuser- und Straßenbaus. Normalerweise gab es keine Berufe, die dem Sklaven vorbehalten blieb. Er verrichtete nicht nur niedrige Arbeiten, sondern erzog als Pädagoge auch den Sohn seines Herrn, leitete als Geschäftsführer große Unternehmen oder war als Arzt tätig. Außerdem stellte im Privathaushalt eine hohe Zahl an Sklaven für den Herrn gesellschaftliches Ansehen dar. Daher fungierten Sklaven nicht selten als Prestigeobjekt, das den Reichtum und Luxus seiner Besitzer in der Gesellschaft demonstrieren soll.
Immer jedoch besaß der Sklave die Eigenschaft, dass er einen anderen Menschen diente. Durch seine Stellung als Eigentum besaßen Sklavenbesitzer den Vorteil, dass sie größere Gewalt über sie hatten. Sie konnten durch ihre größere Handlungsfreiheit ihre Sklaven flexibler einsetzen und sich unerwünschter Arbeitskräfte entledigen, da schnell Ersatz parat war. So bildeten die gewaltsame Freiheitsberaubung von Unschuldigen, ihre legitimierte Unterwerfung und Herabsetzung zu Privateigentum wichtige Wesenszüge der Sklaverei.
Aufgrund der unterschiedlichen Einsatzgebiete bildeten die Sklaven demzufolge keine eigene Klasse oder Schicht. Ihr einziges gemeinsames Merkmal lag in ihrer rechtliche Stellung innerhalb der Gesellschaft. Nach dieser wurden sie als Besitzgegenstand „res“ ebenso wie Tiere und Geräte bezeichnet. Trotz menschlicher Qualitäten galten sie als Eigentum „dominium“ anderer Menschen. So definierte Aristoteles einen Sklaven als einen Menschen, der seiner Natur nach nicht sich selbst, sondern einen anderem gehört und somit ein dem Handeln dienendes Werkzeug ist.3 Dementsprechend galt der Tod oder die Verletzung eines Sklaven als Sachschaden. Die Folgen waren der Verlust der gesamten Kontrolle über seine Arbeit, seiner Person und seiner persönlichen Lebensgestaltung. Er geriet damit in völlige Abhängigkeit zu seinem Herrn. Wegen des fehlenden Rechtsschutzes waren die Sklaven auch vor Missbrauch jeglicher Art nicht geschützt. Generell besaßen sie weder politische noch bürgerliche Rechte, durften nicht an den Volksversammlungen teilnehmen und keine Wahlämter innehaben. Dies geschah ohne zeitliche Begrenzung und wurde daher ebenso auf die Kinder und Enkel übertragen. Es war aber durchaus möglich, dass Sklaven ein Vermögen „peculium“ aufbauen konnten. Die Erlaubnis einer rechtlich anerkannten Eheschließung wurde ihnen zwar verwehrt, jedoch konnten sie eine ehe- ähnliche Gemeinschaft „contubernium“ eingehen, soweit dies vom Sklavenbesitzer gewährt wurde. Der Herr war aber wiederrum in der Lage, eine solche Familienbindung zu widerrufen und die Familie durch Verkauf auseinanderzureißen. Diese Praxis wurde später im Sinne der Humanität verboten. Der Unterschied zwischen einem Freien und einem Sklaven bestand also im Grunde darin, dass dieser im Gegensatz zum Freien für alle Vergehen körperlich haftete. So wurden öffentliche oder private körperliche Züchtigungen nur gegenüber Sklaven angewendet, wobei Ausnahmen wie im Falle eines Hochverrates eines Soldaten möglich waren.
Da der Sklave nun keine juristische Person darstellte, war der Herr für die Vergehen seines Sklaven verantwortlich .Dabei war es unerheblich, ob er es selbst veranlasst hat oder nichts davon wusste. Dies nannten die Römer Noxalhaftung. Das bedeutete, dass jemand Ansprüche gegenüber seinem Herrn erheben konnte im Falle einer Verletztung oder Beschädigung, die von einem Sklaven, seinem in Besitz befindlichen Sohn oder von einem seiner Tiere verursacht wird.4 Diese Vorschrift entstand schon zu einem frühen Zeitpunkt und wurde im Zwölftafelgesetz festgehalten. Der Staat hingegen konnte jedoch keinen Bürger, der keine verbrecherische Absicht hatte, bestrafen oder einen Sklaven, weil dies ja eine Beschädigung von Eigentum darstellte. Für dessen Schutz war der Staat verantwortlich. Die Lösung des Problems lag nun darin, dass der Sklave dem Herrn zur Bestrafung übergeben wurde. Der Herr konnte diesen schließlich in Arbeitskasernen, den sogenannten „ergastulum“ ,gefangen halten und trotzdem seine Arbeitskraft weiter ausbeuten.
Eine Besonderheit stellte die Tatsache dar, dass Sklaven nur unter Folter vor Gericht aussagen durften, wobei Ausnahmefälle vor allem im Handelsrecht vorkamen. Über die Häufigkeit der Anwendung dieser Praxis können aber keine genauen Angaben gemacht werden.
Die Minderwertigkeit und Diskriminierung der Sklaven in Bezug auf ihre rechtliche Stellung wird auch in der Lex Aquilla deutlich. Darin wird festgelegt, dass bei widerrechtlicher Tötung eines fremden Sklaven, Sklavin oder einem vierfüßigen Tier dem Besitzer soviel Geld zu ersetzen ist, wie in jenem Jahr der Höchstpreis davon war. Hierbei kommt auch die Gleichstellung mit dem Tier zum Ausdruck. Diese Entrechtung ging sogar soweit, dass die Ermordung eines Sklaven durch seinen Herrn, das auf das Tötungsrecht des Vaters gegenüber seinem Sohn basiert, erst unter Kaiser Konstantin unter Strafe gestellt wurde.
Durch Freilassungen jedoch, die von Sklavenbesitzern oft als Anreiz für größere Leistungen angeboten wurden, erhielt der Sklave, wenn auch meistens nur teilweise, seine Freiheit zurück. In Rom bekam er daraufhin einen Teil des Bürgerrechts. Der Sklave konnte den Herrn manchmal selbst dazu bewegen, ihn freizulassen, er konnte sich selbst freikaufen oder sich durch einen Dritten freikaufen lassen. Ein wichtiger Grund für einen Herrn seinen Sklaven freizulassen, konnte, außer aus Dankbarkeit für dessen Dienste, darin liegen, dass er sich der Pflicht der Altersfürsorge entziehen wollte. In der Wirtschaft, im Staat und im kulturellen Leben konnten ein Sklave danach leichter und effektiver handeln. Zugleich aber blieben sie durch rechtliche und moralische Bindungen vom Patronus, der Schutzgewalt über sie ausübte, abhängig.
Diesem waren sie als „clientes“ außerdem Zahlungen schuldig. Einem gesellschaftlichen Aufstieg stand nach einer Freilassung nichts mehr im Weg. Nun bestand weiter die Möglichkeit zur Gründung einer Familie. Alle Kinder, die nach einer Freilassung geboren wurden, waren frei. Diejenigen jedoch, die davor zur Welt kamen, blieben Sklaven. So mussten die Eltern oft die schwere Last auf sich nehmen, ihre Kinder in Gefangenschaft zurücklassen zu müssen. Auch versicherte Columella, der etwa im 1.Jahrhundert n.Chr. lebte, er habe gewöhnlich eine Sklavin von der Arbeit freigestellt, wenn sie Mutter dreier Kinder war und ihr bei der Geburt noch weiterer Kinder die Freiheit geschenkt.5 Söhne solcher Freigelassenen erfuhren zwar Kränkungen und Beleidigungen von der Bevölkerung, eine Generation später jedoch waren sie schließlich völlig in der Gesellschaft integriert. Dafür war bei ihnen, im Gegensatz zu den Sklaven in Amerika, von entscheidendem Vorteil, dass sie sich kaum durch ihre Hautfarbe von den anderen unterschieden. Teilweise kam es aber vor, dass solche ehemaligen Sklaven nun ihrerseits die eigenen Unfreien mit übermäßiger Brutalität behandelten, um ihre eigene Herkunft zu verleugnen.
2.6.1 Erziehungsmethoden der Herren und Beispiele zur Diskriminierung der Sklaven
Diese rechtliche Stellung und das Ausgeliefertsein an den Herrn lässt bereits Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen und die Behandlung der Sklaven zu. Dabei muss aber die soziale Hierarchie innerhalb der Sklaverei und die individuelle Einstellung des Herrn gegenüber dem Umgang mit seinen Sklaven berücksichtigt werden. Einem tüchtigen Sklaven, der durch angepasstes Verhalten und guter Führung glänzte, wurden Belohnungen wie Genehmigung einer Familiengründung, berufliche Aufstiegsmöglichkeiten oder der wohl stärkste Reiz, die Freilassung, in Aussicht gestellt. Letzteres war das Ziel eines jeden Sklaven und die Hoffnung darauf machte für viele ihr Schicksal erträglich. Generell war die Wahrscheinlichkeit hoch, im Laufe des Lebens als Sklave einmal freigelassen zu werden. Die Methode der Sklavenbesitzer war also bewusst und planmäßig. Einerseits boten sie ihnen bei guter Leistung bestimmte Privilegien an, andererseits drohte aber auch eine grausame und harte Bestrafung bei Faulheit, Aufsässigkeit oder Rebellion, wie etwa die zu einem späteren Zeitpunkt verbotene Kastration eines Sklaven. Dies kann man als ein allgemein gültiges Kennzeichen der Sklaverei betrachten.
Man kann sich nun Vorstellungen darüber machen, welche große psychische Belastung das ständige Wissen um den möglichen Verkauf und das Bewusstsein um die Unfreiheit für den Einzelnen bedeutete. Hinzu kommt noch, dass der Herr über sie aufgrund ihrer rechtlichen Stellung uneingeschränkt verfügen konnte, auch in sexueller Hinsicht. Dies stellte ebenfalls eine schwere seelische Last dar. Der sexuelle Missbrauch und die Befriedigung des Herrn oder der Herrin durch einen Diener oder Dienerin war sehr gebräuchlich in der damaligen Welt. Seneca formulierte dies so: „Unkeuschheit ist für den Freigeborenen ein Verbrechen, für den Sklaven ein Zwang und eine Pflicht für den Freigelassenen.“6 Auch Trimalchio gibt darüber Auskunft, wie er auf Befehl hin seine Herrin befriedigt hat. Für einige konnte dies aber sicherlich auch Aufstiegschancen zu Reichtum und Macht bedeuten. Beispielsweise war es möglich, dass eine Konkubine dadurch zur Ehefrau des Herrn aufstieg oder ein Sklave als Miterbe beteiligt wurde
Eine weitere gebräuchliche Methode zur Herabsetzung ihrer Menschenwürde war, dass man seine männlichen Sklaven, egal welches Alter sie hatten, als „pais“ im Griechischen, oder „puer“ im Lateinischen, anredete. Diese Bezeichnung als Junge verletzte den Sklaven innerlich zutiefst und wurde weitgehend gehasst. Es bedarf auch keiner weiteren Erklärung, wie sehr ein Sklave eines brutalen Herrn unter dessen Gefühls- und Wutausbrüchen, den Willkürmaßnahmen, Schikanen und Erniedrigungen und der alltäglichen Verletzung seiner Menschenwürde leiden konnte. Die Bloß- und zur Schaustellung auf dem Sklavenmarkt, bei der der Unfreie eine Tafel mit Angabe seiner Nationalität, Krankheiten und anderer Mängel um den Hals trug, musste er ebenso ertragen wie Prügel, Fußtritte oder Essensentzug. Überschritten jedoch die Grausamkeiten ein gewisses Maß, schritt der Staat ein und ermahnte den Sklavenbesitzer, entsprechend einem Gesetz aus dem 2.Jahrhundert n. Chr.
Im Leben eines städtischen Sklaven gab es aber auch andere, positivere Seiten. Ein persönliches und intimes Verhältnis zum Herrn konnten die Rechts- und Standesschranken durchbrechen und ein fast freundschaftliches und vertrauliches Zusammenleben schaffen. So kamen es vor, wenn auch sehr selten, dass treue Sklaven ihrem Herrn dass Leben retteten. Eine gute Behandlung des Unfreien bot dem Sklavenbesitzer auch größere Vorteile, da dieser dann eine bessere Leistung erbrachte. Durch den Verlust einer Arbeitskraft aufgrund von Überforderung, Flucht oder Tod des Sklaven schädigte sich der Sklavenbesitzer somit nur selber. Besonders wirtschaftlich schwachgestellte Sklavenbesitzern benötigten jede Arbeitskraft. Dagegen fiel es jedoch einem wohlhabenden, mit einer großen Anzahl an Sklaven ausgestatteten Herrn leicht Ersatz zu beschaffen.
2.6.2.1 Im Bereich der Wirtschaft
Eine gesonderte Gruppe der städtischen Sklaven bildeten die sogenannten selbständig Wirtschaftenden. Oft lebten sie besser als freie Lohnarbeiter und waren nur noch formal dem Herrn unterworfen. So leiteten sie selbständig ein eigenes Geschäft oder eine Werkstatt, konnten Geschäfte im eigenen Namen abschließen und hatten die Möglichkeit, in einer ehe - ähnlichen Gemeinschaft mit Frau und Kindern zusammenzuleben. Genauso wie freie Männer, mit denen sie ihren Arbeitsalltag teilten, besaßen auch sie ein Vermögen und verwalteten dieses selber. Außerdem wurden sie oft auch am Gewinn beteiligt, was ihr Leistungsstreben förderte. Jedoch mussten sie noch eine vertragliche Rente an ihren Herrn zahlen. Teilweise wurden sie an andere Arbeitgeber verliehen, von dem sie einen Lohn wie ihre freien Kollegen erhielten. Dieses Gehalt zog aber ihr Herr ein. So arbeiteten Freie und Sklaven unbefangen zusammen, wie etwa beim Tempelbau. Im Gegensatz zu freien Lohnarbeitern brauchte sich ein Unfreier auch keine Gedanken um die Sicherheit oder die Dauerhaftigkeit seiner Arbeit zu machen, soweit er einen anständigen Herrn hatte. Es kam daher vor, dass Freilassungen von solchen sozial bessergestellten und angesehenen Sklaven oft keine Auswirkungen auf ihre Lebensverhältnisse darstellte. Dennoch hofften viele von ihnen auf Freiheit und Wohlstand. Ihre Selbständigkeit brachte auch für den Sklavenbesitzer Vorteile mit sich, so dass er durch besser qualifizierte und unabhängig arbeitende Sklaven im eigenen Geschäft, Werkstatt, Praxis, Bank oder Schule höhere Gewinne erzielte. Rein äußerlich bestanden ebensowenig Unterschiede zwischen einem Sklaven und einem freien Mann. Einzig das Tragen der Toga, das den römischen Vollbürger kennzeichnete, wurde ihnen verwehrt.
Sklaven waren demnach völlig in ihrer Arbeitswelt integriert und hatten sogar Zutritt zu Kulten und Freizeitaktivitäten. Teilweise lebten sie im Überfluss und führten ein Luxusleben. So verschaffte sich der Sklave Musicus, der Finanzbeamter des Kaisers Tiberius und eine treue Vertrauensperson von diesem, selbst 16 Sklaven, die unter ihm dienten. Von manchen wurde es sogar zur Gewohnheit, sich mit Würfelspielen, Kneipen oder Bordellen die Zeit zu vertreiben. Tatsächlich blieben aber die von ihrer Heimat brutal entwurzelten Sklaven generell in ethnischer und kultureller Hinsicht dennoch immer Fremde und wurden daher nie völlig in der Gesellschaftlich aufgenommen .Für den Staat hatten das den Vorteil, dass wenig Gefahr zur Soidarisierung mit Regimegegnern in der eigenen Bevölkerung bestand. Man glaubt, dass diese gesellschaftliche Ausgrenzung auf die Angst vor Racheakten und auf die damalige Ausländerfeindlichkeit zurückzuführen ist.
Eine weitere Kategorie an Sklaven stellen die intellektuell begabten Menschen dar. Ein erstaunlich großer Anteil unter der Elite der geistigen Welt in der Antike, bestand aus Sklaven oder ehemaligen Sklaven, so zum Beispiel der Dichter Livius, der Grammatiker Lutacius Daphnis oder der Historiker Epicadus. Auch unter Philosophen, Ärzten, Rhetorikern, Architekten, Anwälten, Ingenieuren und Bankiers befanden sich Sklaven. Die meisten von ihnen stammten aus dem griechischen Osten, wo sie bereits als freie Bürger eine Ausbildung in ihrem jeweiligen Spezialgebiet erhalten hatten, bevor sie nach Rom kamen. Dort herrschte starke Nachfrage nach diesen griechisch-sprechenden, gebildeten Sklaven. Wohlhabende Sklavenbesitzer benutzten sie, um ihre eigenen Interessen in bestimmten elitären Berufssparten zu sichern und durchzusetzen. So übernahmen die Sklaven auch die Pflichten des Herrn in Politik und Staatsverwaltung . Dagegen versuchten die Sklaven selber, ihr Schicksal und die Härte des Sklavendaseins durch intellektuelle Leistungen zu überwinden und zu vergessen. Bei Ärzten war der Anteil von Sklaven und Freigelassenen sogar mehr als zehnmal so hoch gegenüber denen der Freigeborenen. Viele von ihnen waren auch als Privatlehrer tätig. Zwischen einem Sklaven, der als solcher im Haushalt diente, und seinem Schützling entstand oft ein ganz persönliches und enges Verhältnis zueinander, obwohl dieser später natürlich auch sein Herr werden konnte. Vor allem durch die geistige Ausbildung der Sklaven stand ihnen nun die Möglichkeit offen, großen Einfluss und Macht zu gewinnen, besonders in kultureller Hinsicht. In größeren Häusern stellte man sogar einen eigenen „paedagogus puerorum“ zur Ausbildung der Dienerschaft an. Ihre Bildung benutzten sie aber nicht, um durch eine gewaltsame Revolution das System zu stürzen. Ihre Leistungen wurden vielmehr von ihren Herren, die der Oberschicht angehörten, anerkannt und ihnen dafür nach einiger Zeit die Freiheit geschenkt. Dadurch wurde die Gefahr des Widerstandes herabgesetzt, da sich ohne eine geistige Führung keine großen Sklavenerhebungen entwickeln konnten. Vom Leistungsdenken geprägt, dass ihnen die Freiheit verschaffen konnte, gingen die Sklaven sogar dazu über, die geltende soziale Ordnung zu übernehmen und das System zu unterstützen.
Während in der Stadt nun Freilassungen häufig vorkamen, war dies auf dem Land eher selten. Das ist aber nur ein Aspekt des starken Kontrastes zwischen den priviligierten, städtischen Unfreien und den stark Unterdrückten auf dem Lande. Dieses sogenannte Stadt-Land-Gefälle ist ein wichtiges Strukturelement der antiken Sklaverei. Ihm liegen die unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen des Herrn zugrunde. In der Stadt benötigte dieser eher selbständige, fleißige und kluge Mitarbeiter, während auf dem Lande, wo der Großteil der Sklaven arbeitete, besonders die körperliche Kraft zählte. Dort erwartete die Sklaven harte Arbeit und grausame Bestrafung. Wenn sie nicht arbeitswillig waren, wurden sie im Arbeitshaus, dem sogenannten „egastulum“, eingesperrt. Diese hatten eine ähnliche Funktion wie Gefängnisse. Solche, die der Flucht verdächtigt waren, arbeitsscheu oder aufsässig waren, legte man in ihrer Freizeit in Ketten. Zwar erließ Kaiser Hadrian ein Gesetz zur Schließung der Arbeitshäuser, jedoch befand man sich über dessen Einhaltung noch im Unklaren. Auch in Bergwerken hatten die Sklaven unter den harten Lebensbedingungen zu leiden und starben häufig nach einiger Zeit. Apuleius berichtete über unfreie Arbeiter in einer Mehlmühle folgendes: „Die ganze Haut mit blauen Striemen gezeichnet...so angezogen, dass die Knochen durch die Lumpen zu sehen waren! Die Stirn gezeichnet, der Kopf halb rasiert, die Füße beringt... von Geisterblesse entstellt, die Lieder von Qualm und Dunst in der Stockfinsternis entzündet bis zur Trübung des Augenlichts;“7 Ländliche Sklaven waren daher auch schnell bereit, sich für einen Bürgerkrieg oder für die Sklavenaufstände rekrutieren zu lassen im Gegensatz zu denen in der Stadt. Dabei spielte es keine Rolle, auf welcher Seite sie standen, da keine die Sklaverei abschaffen wollte. Viele der Sklaven versuchten so aus der Sklaverei und ihrem persönlichen Schicksal zu entkommen und sich durch Plünderungen zu rächen. Zu diesem Zweck schlossen sie sich zu kleinen Räuberbanden zusammen, was aber, wenn sie entdeckt wurden, grausame Bestrafungen nach sich zog. In der Weidewirtschaft dagegen waren die oftmals zum eigenen Schutz vor Räubern und wilden Tieren bewaffneten Hirtensklaven ziemlich unabhängig von ihren Herren und hatten kaum Kontakt mit diesem. Jedoch mussten sie sich teilweise selber um ihre Nahrung und Kleidung kümmern. Diesbezüglich nahmen die Herren gewisse Sicherheitsrisiken in Kauf.
Die dargestellten schlechten Lebensbedingungen und gleichzeitige Vernachlässigung der Aufsichtspflicht begünstigten nun sicherlich die Sklavenkriege. Eine Besonderheit von diesen war, dass sie alle in einem äußerst kurzem Zeitraum auftraten, etwa von 140 bis 70 v. Chr., der Schlussphase der römischen Republik und dem gleichzeitigen Höhepunkt der Sklaverei. Vor allem Sizilien und Italien wurden von diesen Kriegen betroffen. Aber auch andere Gründe sind dafür verantwortlich. Die Versklavung so großer Menschenmassen und die gleichzeitige politische und gesellschaftliche Krise, in der sich der Staat befand waren ebenso ausschlaggebend. Nur eine solche Instabiliät des eigenen Systems konnte sie ermöglichen. Eine weitere Voraussetzungen lag darin, dass viele von den Sklaven aus denselben Gebieten, nämlich Syrien und Kleinasien, stammten, was eine Solidarisierung zwischen ihnen erleichterte. Darunter waren auch gebildete Unfreie, so dass eine geistige Führung des Aufstandes möglich war. Auch religiöse und nationale Motive spielten dabei eine Rolle. Die Ziele der Aufstände aber waren nicht die völlige Abschaffung der Sklaverei, sondern die Erlangung der individuellen Freiheit und das Ändern des persönlichen Schicksals. Sie wollten nur die Umkehrung der geltenden Herrschaftsverhältnisse erreichen, und nicht etwa die Institution an sich bekämpfen. Ein System ohne Sklavenarbeit war für sie ebenso undenkbar wie für den Rest der Gesellschaft. Im Vordergrund standen eher Rache an ihren Herren und die Rückkehr in ihre Heimat. Die Zahl der daran teilnehmenden Unfreien war dabei im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nur sehr gering. Selbst die Stadtsklaven lehnten ein Bündnis mit den Hirtensklaven ab, da diese auf legalem Weg die Freiheit erreichen wollten. Hierfür sind die unterschiedlichen Lebenssituationen verantwortlich. Von den drei großen Sklavenkriegen war daher kein einziger erfolgreich. Der zuerst erfolgreich erscheinende letzte Aufstand unter Führung des bekannten Gladiatorenkämpfers Spartakus, der ca. 120000 Anhänger um sich versammelte, wurde 71 v. Chr. niedergeschlagen. Als Bestrafung und als Abschreckung für die anderen wurden danach entlang der Straße von Capua nach Rom 6000 gekreuzigte Sklaven aufgestellt.
Eine weitere Möglichkeit der Sklaverei zu entkommen, war natürlich auch die Flucht. Das Tragen von Ketten, Metallkragen und Sklavenmarken sollten dies erschweren und verhindern. Gelang einem Sklaven trotzdem die Flucht, so setzte der Herr meist alles daran, ihn wieder einzufangen. Dabei waren das Befragen von Orakeln, Ausschreiben von öffentlichen Belohnungen oder die Einbeziehung der öffentlichen Behörden übliche Methoden. Manchmal wurden sogar professionelle Sklavenfänger „fugativii“ von Sklavenbesitzern eingesetzt. Außerdem ergab sich für einen flüchtigen Sklaven das Problem, dass er nur schwer Zuflucht fand. Es stand nämlich unter Strafe, diesem Unterschlupf zu bieten. Besonders Schäfern und Sklaven in der Landwirtschaft bot sich zudem die Gelegenheit, sich in unzugänglichen Gebieten zurückzuziehen und kleinen Räuberbanden anzuschließen. Solche geächtete Gruppen, denen auch Freie angehörten, kamen ziemlich häufig vor. Genaue Angaben, wieviel Sklaven sich nun tatsächlich darunter befanden, lassen sich aber nur schwer machen.
Wenige Belege gibt es auch über Sabotageakte, wie Brandstiftung oder Diebstähle, was darauf schließen lässt, dass dies nur selten vorkam. Die Ermordung eines Herrn durch einen Sklaven bildete ebenfalls nur eine Ausnahmeerscheinung. So wurde überliefert, dass der Stadtpräfekt Pedanius Secundus in seinem Schlafgemach von einem seiner Sklaven ermordet wurde. Nach altem Brauch wurden alle 400 Sklaven, die unter seinem Dach lebten, daraufhin exekutiert. Selbst nach Protesten der Plebs, vollstreckte der Senat nach einer Sitzung das Urteil.8 Die Auflehnung des Volkes, die zwar keine Gesetzesänderung wollte, aber dennoch die Ungerechtigkeit dieser Entscheidung fühlte, lässt sich wohl dadurch klären, dass viele von ihnen ihre alltägliche Arbeit und ihr Leben mit ihnen teilten. Das harte Vorgehen gegen jede Art von gewaltsamen Übergriffen auf den Herrn durch einen Sklaven ist eine Folge der ständigen Angst der Oberschicht vor Racheakten.
Die Mehrheit der Sklaven aber nahm ihr Schicksal mehr oder weniger bereitwillig hin und zeigte kaum eine Form von Widerstand. Dabei wäre es jedoch falsch, dies als Beweis für eine milde Behandlung der Sklaven zu sehen.
Zum Selbstbewusstsein der Sklaven trug vor allem auch ihre Religion bei. Dabei existierten aber keine eigenen Sklavengottheiten oder Kulte. Sie übernahmen die Religionen ihrer Herren, wobei sie jedoch bestimmte römische Götter bevorzugten, wie Fortuna oder Silvanus, denen sie Opfer darbrachten. Viele von ihnen legten sogar ihre eigenen Kulte zugunsten der Herrenreligion ab. Der Eintritt in solche kultischen Vereinigungen in der Kaiserzeit diente in erster Linie dazu, dass die Sklaven dort ihre Anerkennung in der Gemeinschaft fanden, die ihnen ansonsten verwehrt blieb. Auf diese Art kompensierten sie das Gefühl der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Sie schlossen sich Religionen an, die unter anderem auch dem Herscherkult dienten, und passten sich damit der Umgebung und den geltenden Werten der Gesellschaft an. Das Christentum hatte aufgrund der Grundsätze ihrer Lehre besonders viele Anhänger unter ihnen. Sie vertrat die Aufassung, vor Christus gäbe es keine Unterschiede zwischen Freien und Unfreien. Dort besaßen Sklaven auch die dieselben Rechte wie Freie und erhielten nach ihrem Tod ebenso wie diese ein heiliges Grab. Sie machte die rechtliche Stellung der Sklaven unbedeutend, da alle Gläubigen frei sind.
2.9. Untergang der Sklaverei
Durch die Verbreitung und Entwicklung des Christentums zur Staatsreligion der Spätantike ab dem 4. Jahrhundert, wurden gleichzeitig andere Religionen verdrängt. In demselben Zeitraum erfolgte eine allmähliche Abschwächung der Sklaverei. So nahmen die privaten Freilassungen von christlichen Sklavenbesitzern ,die damit ein gutes Werk vollbringen wollten, ständig zu. So gilt das Christentum als einer der Hauptantriebe für das Zurückgehen der Sklaverei. Dennoch lag ein wichtiges Kennzeichen dieser Religion darin, dass sie sich niemals um staatliche Belange oder Institutionen, eingeschlossen der Sklaverei, kümmerte. Sie widmete sich nur dem inneren und geistigen Bereich des Menschen. Die Folge war, dass das Christentum zu keinem Zeitpunkt die Abschaffung der Sklaverei forderte. Ihr Hauptinteresse lag darin, das Wesen der Nächstenliebe und die Bindung an Gott dem Menschen näherzubringen. Dies wirkte sich positiv auf den Umgang mit Sklaven aus und verbesserten ihre Lebensbedingungen, da sie von ihren Herren humaner behandelt wurden. So hat man zwar die Sklaverei als geltende soziale Ordnung hingenommen, gleichzeitig trat man aber auch für eine geistige Verbundenheit zwischen Sklaven und Herrn ein.
2.9.2 Aspekt der Gesetzgebung und Mentalität der Bevölkerung
Selbst unter christlichen Kaisern wurde daher die Sklaverei niemals gesetzlich abgeschafft. Deren Gesetzgebung diente vorrangig der humanen Behandlung und dem Schutz der Sklaven vor den Herrn. Die Ausdehnung des Asylrechts im 2. Jahrhundert n. Chr und die strafrechtliche Verfolgung des Sklavenbesitzers bei übermäßiger Brutalität gehörten zu den entscheidenden humanitären Gesetzen dieser Zeit. Später erließ Kaiser Konstantin 315 n. Chr. ein Gesetz, nachdem Sklaven nicht mehr im Gesicht, sondern an anderen Körperteilen gebrandmarkt werden sollen.9 325 n. Chr. verbot er die Trennung von Sklavenfamilien in Sardinien Alle diese Maßnahmen und Gesetze richteten sich aber keineswegs gegen die Sklaverei an sich oder änderten die rechtliche Stellung des Sklaven als Eigentum. Es fällt auch schwer zu beurteilen, inwieweit diese Gesetze nun tatsächlich eingehalten wurden.
Diese Einstellung entsprach ebenfalls der vorherrschenden Meinung unter der Bevölkerung. Die Sklaverei sollte als Einrichtung geschützt werden, jedoch traten die Römer ebenso für eine humane Behandlung der Sklaven ein. Die Tendenz zu einer immer stärker werdenden „humanitas“ gegenüber den Sklaven setzte etwa im 2. Jahrhundert ein. Die Freilassungen nahmen seitdem immer stärker zu, so dass sogar gesetzliche Einschränkungen zu Beginn der Kaiserzeit nötig waren. Ebenso verurteilten viele Gelehrte, darunter auch Publius, Epiktet und Dion, die Sklaverei nicht, sondern betrachteten sie als natürliche Einrichtung. Manche hielten bestimmte Völker, etwa die Syrer, sogar für dazu geboren, um anderen zu dienen. Sie vertraten die Meinung, dass es nicht auf den rechtlichen Status ankomme, sondern auf die innere Einstellung. Wenn diese richtig ist, kann auch ein Sklave frei sein. Daher war auch eine Abschaffung der Sklaverei nicht erforderlich.
Es bestand also nie die Absicht, die Sklaverei gesetzlich zu beseitigen. Der Grund hierfür ist, dass sie so selbstverständlich geworden war, dass der Gesellschaft in der Antike nie die Ungerechtigkeit der Einrichtung bewusst geworden ist. Für das allmähliche Verschwinden der Sklaverei und deren Ersetzung durch anderen Formen von abhängiger Arbeit, waren daher vor allem wirtschaftliche und politische Gründe verantwortlich. Nachdem die Eroberungskriege etwa 14 n. Chr. beendet wurden, versiegte auch eine wichtige Quelle des Sklavennachschubs. Dennoch brachten Menschenraub, Bürgerkriege und Geburten aus Sklavenfamilien genug unfreie Menschen hervor. Erst im 2. Jahrhundert setzte die Krise ein. Vor allem germanische Kriegsgefangene wurden in der Landwirtschaft nun als abhängige, aber juristisch dennoch halbfreie Menschen eingesetzt. Teile des Großgrundbesitzes wurden an sie verpachtet, wofür sie an den Herrn Zahlungen leisten mussten. Dieses System des Kolonats verbreitete sich immer stärker. Dabei ist noch unklar, inwieweit die wirtschaftliche Rentabilität und Produktionssteigerung eine Rolle gespielt haben. Durch den Verlust des Stimmrechts der Bauern und die steigende Besteuerung des Landes, die für viele eine schwere finanzielle Belastung bedeutete, gerieten zusätzlich Bauern, Pächter und Landarbeiter in die Abhängigkeit und erlangten damit den Status der Unfreiheit. Die formalen Unterschiede zwischen den verschiedenen Kategorien abhängiger Landbewohner verschwanden allmählich. So wurden im 2. Jahrhundert n. Chr. die „humiliores“, also die niedrigeren Bevölkerungsschichten, durch ein Gesetz zu Sklaven zurückgestuft. Die Gesellschaft wurde in Besitzende und Besitzlose gespalten. Es setzte sozusagen ein Nivellierungsprozess ein, der die Sklaven und die unteren Bevölkerungsschichten abhängiger Arbeiter sowohl rechtlich als auch faktisch aneinander anglich. Der Niedergang der Sklaverei setzte etwa im 4. Jahrhundert ein. Dabei wurden in den Städten Sklaven durch rechtsgebundene Freie und auf dem Land durch die halbfreien Menschen des Kolonats ersetzt. Durch die Völkerwanderung bedingt, stieg zwar die Anzahl der Sklaven nochmals im 5., 6., und 7. Jahrhundert an, aber ihr Niedergang war nicht mehr aufzuhalten. Voll entwickelt ist die Feudalherrschaft, die nun den Platz der Sklaverei einnahm, erst im 9. Jahrhundert gewesen.
Sichtweise Senecas in seinem 47.Brief
Sklaverei zur Zeit Senecas
Zur Lebzeit Senecas ( )ist bereits einer leichter Rückgang der Sklaverei zu beobachten. Die großen Sklavenaufstände und Eroberungskriege waren zwar nach dem Tod Augustus vorüber, auf den Märkten machte man aber immer noch große Umsätze mit ihnen. Freilassungen von Sklaven stiegen dennoch stark an, was auf eine Tendenz zur Humanität gegenüber Sklaven zurückzuführen ist. Diese Entwicklung ist nicht nur dem Einfluss des Christentums sondern auch der Verbreitung der stoischen Philosophie zu verdanken. Beide Gesinnungen versuchten allerdings nicht die rechtlich Stellung des Sklaven als Eigentum gesetzlich zu ändern. Ihr Absicht lag darin, einen freundschaftlichen Umgang der Herren gegenüber ihren Sklaven zu erreichen. Durch diesen Mentalitätswandel bedingt wurde der Sklave nun nicht mehr Sache sondern als Mensch betrachtet und auch entsprechend behandelt, was oft zu Freilassungen führte. Das dies auch das Ziel der Stoiker war möchte ich nun an einem Werk veranschaulichen, das von einem ihrer berühmtesten Vertreter stammt.
3.2 Sichtweise Senecas anhand seines 47. Briefes
Seneca fordert in seinem 47. Brief, der geprägt ist von seiner stoischen Philosophie ebenfalls keine direkte Abschaffung der Sklaverei. Er stellt darin die Frage nach dem richtigen Verhältnis zwischen Sklaven und Herrn. Somit ist er jedoch der einzige römische Schriftsteller, der sich sogar mehrmals diesem Thema überhaupt zuwendet. Dies belegt wieder, wie selbstverständlich die Sklaverei damals war. In seinem Brief nun wird ein streitähnliches Zwiegespräch zwischen einem Lehrer und seinem Schüler, der gleichzeitig sein Freund ist, dargestellt. Es entwickelt sich schließlich zu einer Abhandlung über die Behandlung von Sklaven. Das Leitmotiv, das sich über den gesamten Brief spannt, ist die cena. Sie steht stellvertretend für das menschliche Beisammensein.
Am Anfang des Briefes wird dem Einwand „es sind Sklaven“ gleich viermal widersprochen, wobei mit den Antworten Sklaven und freie Menschen immer näher zusammen rücken. Er begründet dies damit, dass alle, Freie als Unfreie, dem Schicksal in gleicher Weise ausgeliefert sind. Auch ein Freier kann durch unglückliche Umstände in die Sklaverei gelangen, wie er mit Beispielen in Paragraph 10 begründet. Dies ist auch ein wesentlicher Punkt in der stoischen Ethik. Ihr zufolge ist jeder Mensch durch das unabänderliche Schicksal, das die oberste Instanz bildet, und der Außenwelt determiniert. Für Seneca stellt daher das Wichtigste für den Menschen seine innere Freiheit dar, die den einzigen Bereich darstellt, der den äußeren Einflüssen entzogen bleibt. Nur in dieser innere Haltung der Dinge gegenüber findet er eine völlige Entscheidungsfreiheit. Daher verurteilt er auch die Verhaltensweisen eines harten und hochmütigen Herrn wie er sie in § 2 bis § 9 darstellt, da man selbst unverschuldet in die Abhängigkeit geraten kann. Die äußerst harten Umgangsformen, wie etwa Schläge oder der sexuelle Mißbrauch eines Sklaven, und die Verdammung des Sklaven zu den geschilderten verabscheuungswürdigen Aufgaben haben nur unnötig zur Folge, dass gegenseitige Feindschaft anstatt Freundschaft aufgebaut wird. Die Solidarität eines Sklaven erreicht man dagegen mit der sozialen Einbeziehung des Sklaven in das Gespräch und in die Gemeinschaft.
Ein weiteres Argument, auf das Seneca in seinem Brief in § 10 verweist, ist die Gleichheit der Menschheit. Nach dem Menschenbild der Stoa ist die schöpferische Urkraft, der Logos, in allen Dingen der Erde. Da nun jeder von den Menschen etwas Göttliches in sich trägt und daher auch Vernunft besitzt, folgt nun, dass alle Menschen gleich sind. Der Herr soll den Sklaven aber nicht nur als herkunftsgleich oder edel betrachten, sondern daraus seine Konsequenzen ziehen. Dementsprechend fordert Seneca, den Sklaven als Menschen zu betrachten und auch so zu behandeln. Dafür gebraucht er den Begriff „humanitas“. Es stellt eines seiner obersten Lehrziele in seiner Philosophie dar. Der Herr sollte sich in die Lage des Sklaven hineinversetzen und daraus die Entscheidung für sein Handeln ableiten. So stellt er in § 13 die Forderung auf, mit seinem Sklaven freundlich und gesellig umzugehen. Für Seneca darf ein Mensch nicht nach seiner sozialen und rechtlichen Stellung oder nach seiner Arbeit beurteilt werden. Als einziges Kriterium dabei darf der Charakter des Menschen dienen. Denn nur für diesen, so seine Begründung, ist der Mensch selbst verantwortlich. Mit einem Beispiel untermalt er dies. Es wäre dumm ein Pferd, dass man kaufen will, nicht nach seiner Leistung sondern nach dem Sattel, den es trägt, zu beurteilen. Alles andere wird ihm vom Schicksal und der Außenwelt auferlegt und er entzieht sich seinem Einflussbereich. Daher kann sich auch ein Sklave, dessen rechtliche Stellung nun unbedeutend ist, durch einen vertraulichen und freundschaftlichen Umgang zu einem Freund des Herrn entwickeln. Der Herr wandelt sich somit im Laufe des Briefes vom hochmütigen Tyrannen zum „contubernalis“ und schließlich zum „amicus“.
Nun lässt Seneca die Meinungsunterschiedlichkeiten am Anfang wieder aufbrechen. Es stellt sich heraus, dass sich auch der Herr wie jeder Mensch unbewusst in die Abhängigkeit und Sklaverei der Begierden, wie Habgier oder Lust, begibt. Diese freiwillige Unterwerfung bewertet er als viel tiefgreifender und schlimmer als die unverschuldete Unfreiheit des Sklaven 10. Damit setzt er die Überlegenheit und Erhabenheit des Sklavenbesitzers herab und stellt ihn sogar moralisch gesehen unter den Sklaven. Die Apathie, also die Freiheit von diesen „affectus“ und vollkommene Leidenschaftslosigkeit, stellt die Idealform der Stoa dar. Die wahre Freiheit liegt nach ihr in der inneren Lösung der weltlichen Dinge überhaupt. So steht es zwar jedem frei Geld und Reichtum zu besitzen, jedoch muss man bereit sein sich jederzeit von diesem wieder zu trennen. Besonders der Furcht, sowohl vor dem Tod als auch vor den Göttern, und der Hoffnung unterliegen aller, wobei diese dadurch eine gesonderte Bedeutung übernehmen. Nur der Weise ist furchtlos und damit wirklich frei. Dadurch lässt sich nun auch begründen, warum Seneca keine völlige Abschaffung der Sklaverei fordert. Es besteht keine Notwendigkeit dafür, da nur die innere Freiheit entscheidend ist. Die wahre Freiheit kann somit auch ein Sklave durch seine innere Haltung gegenüber den äußeren Dingen erreichen. So kann ein Freier Sklave sein und ein Sklave frei. Dadurch überträgt er den rechtlich definierten Freiheitsbegriff der Gesellschaft auf den moralischen und sittlichen Bereich im Inneren des Individuums.
Schließlich beschreibt er, wie das richtige Verhältnis zwischen Herr und Sklave sein soll. Dabei zieht er eine Parallele zu dem Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Es lautet: „verehren sollen sie dich lieber als fürchten“11 Es handelt sich demzufolge um eine wechselseitige Beziehung, die auf Güte von Seiten des Herrn und auf die Ehrerbietung seitens des Sklaven basiert. Seneca unterlegt dies mit der Anwendung auf Einzelbeispielen, wie etwa den Verzicht auf Schläge. Als Gegensatz dazu tritt zuletzt die Schreckensherrschaft der brutalen „reges“ auf, die ihren Dienern Leid und Unrecht zufügen. Derartige Sklavenbesitzer werden immer gehasst werden anstatt dass sie Anerkennung und Ehrerbietung von den Sklaven durch ihre Gutmütigkeit empfangen.
Seneca hielt in seinem Werk die geistigen Ströme und humane Einstellungen seiner Zeitgenossen sowie seine eigene Gesinnung schriftlich fest. Er rief sie somit ins Bewusstsein der Gesellschaft. Die praktische Anwendung dieses dargestellten Denkens der Menschlichkeit auf den römischen Alltag, ist die große Leistung, die Seneca verbracht hat. Sein Einfluss auf die Gesetzgebung und auf die Verbesserung im Sklavenrecht sind allerdings nur sehr schwer nachzuweisen, da die meisten Neuerungen in dem Bereich nicht zu dessen Lebzeit durchgesetzt wurden. Erst im 2. Jahrhundert, wo sein Einfluss bereits erloschen war, traten Änderungen auf. Seine Denkweise zog er auch in die stoische Philosophie mit hinein, wodurch er dieser zu höherem Ansehen verhalf. Als einziger seiner Zeit sprach er so die Forderung nach einem milden Umgang mit Sklaven deutlich aus. Dabei erkennt man seine Ehrlichkeit und seine Aufrichtigkeit. Diese moralische Werte konnten so auch auf die Nachkommen übermittelt werden und dort ihre Wirkung entfalten.
1 Gern erfahre ich von den Menschen, die von dir kommen, dass du freundschaftlich zusammen mit deinen Sklaven lebst, das entspricht deiner Klugheit und deiner Bildung. „Sklaven sind sie.“ - Nein, Hausgenossen. „Sklaven sind sie.“ - Nein, Freunde von geringem Rang. „Sklaven sind sie.“ - Nein, Mitsklaven, wenn du bedenkst, dass dem Schicksal ebensoviel dem einen wie dem anderen erlaubt ist. 2 Daher lache ich über diejenigen die, die es für entehrend halten, mit ihrem Sklaven zusammen zu speisen: warum außer weil eine sehr hochmütige Gewohnheit den Herrn bei der Mahlzeit mit einer Schar stehender Sklaven umgibt? Es isst jener mehr, als er fassen kann, und mit einer ungeheuerlichen Gier belastet er seinen überdehnten Magen - und entwöhnten bereits die Pflicht des Magens-, so dass er unter größerer Mühe alles wieder hervorwürgt, als er es eingeführt hat. 3 Hingegen den unglückseligen Sklaven ist es nicht einmal gestattet die Lippen zu bewegen um zu sprechen. Mit einer Rute unterdrückt man jedes Murmeln, und nicht einmal unbeabsichtigte Laute sind von Schlägen ausgenommen: Husten, Niesen, Schluckauf: Mit schwerer Strafe sühnt man es, wenn das Schweigen von irgendeinem Wort unterbrochen wird; die ganze Nacht stehen sie nüchtern und stumm da. 4 So kommt es, dass die über ihren Herrn reden, denen in Gegenwart des Herrn nicht erlaubt ist zu sprechen. Hingegen jene, die nicht nur in Gegenwart der Herrn, sondern mit ihnen selbst Gespräch führten, deren Mund nicht zugenäht wurde, waren bereit, für den Herrn den Nacken und drohende Gefahr auf ihr Haupt abzulenken: auf den Gastmählern sprachen sie, aber unter der Folter schwiegen sie. 5 Schließlich brüstete man sich mit einem Sprichwort von derselben Anmaßung, soviele Feinde gebe es wie Sklaven: wir haben sie nicht zu Feinden, sondern machen sie dazu. Andere Grausamkeiten, Unmenschlichkeiten indessen übergehe ich, dass wir sie nicht einmal wie Menschen behandeln, sondern wie Lasttiere missbrauchen, dass - wenn wir uns zu Tisch gelegt haben - einer den Auswurf wegwischt, ein anderer die Hinterlassenschaft der Trunkenen, unter das Sofa gebückt, ausliest. 6 Einer zerlegt kostbares Geflügel: durch Brust und Keulen mit sicheren Schnitten die kundige Hand führend, schneidet er Portionen zurecht, der Unglückliche, der allein dazu lebt, Geflügel elegant zu zerlegen - elender ist, wer das um des Genusses willen lehrt, als wer es aus Notwendigkeit lernt. 7 Einanderer, der Mundschenk, nach Weiberart gekleidet, ringt mit seinem Alter: er kann dem Knabenalter nicht entfliehen, er wird zurückgeholt, bereits in wehrdienstfähiger Verfassung, von glatter Haut, da die Körperhaare abgeschabt und völlig ausgerissen sind, wacht er die ganze Nacht, die er zwischen der Trunkenheit des Herrn und dessen Geschlechtslust teilt, und ist im Schlafzimmer Mann, auf dem Gastmahl Knabe. 8 Ein anderer , dem die Beurteilung der Gäste übertragen ist , steht da, unglücklich, und beobachtet, wen Schmeichelei und Unmäßigkeit entweder des Schlundes oder der Zunge empfiehlt für den morgigen Tag. Füge die Einkäufer hinzu, die wissen, welcher Geschmack einer Speise ihn anregt, welcher Anblick ihn erfreut, durch welche Neuigkeit er bei Übelkeit wieder auf die Beine gebracht werden kann, was er vollends gerade bei Übersättigung ablehnt, worauf er an diesem Tag Appetit hat. Mit diesen Menschen zu speisen erträgt er nicht, und er hält es für Minderung seiner Bedeutung, sich an denselben Tisch zusammen mit seinem Sklaven zu begeben. Götter! Wieviele von ihnen hat er zu Herren! 9 Wie vor der Schwelle des Callistus sein Herr stand, sah ich, und wie er, der ihm das Täfelchen angeheftet hatte, der ihm unter die unbrauchbaren Sklaven eingeteilt hatte, während andere eintraten, abgewiesen wurde: jener Sklave hat ihm Dank abgestattet und unter die erste Gruppe versetzt, an der seine Stimme der Auktionator erprobt: auch er hat ihn seinerseits zurückgewiesen, auch er hat ihn für seines Hauses unwürdig erklärt. Der Herr hat den Callistus verkauft: aber wieviel ist für den Herrn Callistus wert! 10 Bedenke bitte, dass der, den du deinen Sklaven nennst, aus denselben Samen entstanden ist, sich am selben Himmel erfreut, gleich atmet, gleich lebt, gleich stirbt! So kannst du ihn als frei geboren ansehen wie er dich als Sklaven. Nach der Niederlage des Varius hat viele von vornehmer Herkunft, den Rang des Senators als Ergebnis des Kriegsdienstes erwartend, das Schicksal zu Boden getreten, den einen von ihnen hat es zum Hirten, den anderen zum Hüter einer Hütte gemacht: verachte nun einen Menschen mit diesen Schicksal, in das du, während du ihn verachtest selbst geraten kannst 11 ich will mich nicht auf ein riesiges Thema einlassen und über den Umgang mit Sklaven sprechen, gegenüber denen wir uns überaus hochmütig, grausam, verachtungsvoll verhalten. Folgendendes ist dennoch der Kern meiner Lehre: so lege mit einem Menschen von niedrigerem Rang, wie du willst , dass mit dir einer von höherem Rang leben soll. Sooft dir in den Sinn kommt, was dir gegenüber deinem Sklaven freisteht, komme dir in den Sinn, dass ebenso viel dir gegenüber deinem Herrn freisteht. 12 Du sagst „aber ich habe keinen Herrn.“ - ein gutes Alter hast du: vielleicht wirst du einen haben. Du weißt nicht, in welchem Alter Hecuba Sklavin geworden ist, in welchem Kroisos, in welchem des Dareios Mutter, in welchem Platon, in welchem Diogenes? 13 Lebe mit deinem Sklaven milde, auch umgänglich und gewähre ihm Zugang zum Gespräch, zur Beratung, zur Mahlzeit. An dieser Stelle wird mir die ganze Schar der Anspruchsvollen zurufen: „Nichts ist niedriger als das, nichts schimpflicher.“ Dieselben Menschen werde ich dabei antreffen, wie sie die Hand fremder Sklaven küssen. 14 Nicht einmal das seht ihr, wie alle Gehässigkeit unsere Vorfahren den Herren, alle Kränkung den Sklaven abgenommen haben? Den Herrn haben sie Hausvater genannt, die Sklaven, was auch im Mimus bis heute andauert, Hausgenossen. Sie haben einen Festtag festgesetzt, nicht, damit allein an ihm die Herren mit den Sklaven speisten, sondern jedenfalls Ämter im Hause auszuüben, Recht zu sprechen haben sie ihnen gestattet und sind der Meinung gewesen, das Haus sei ein Staat im Kleinen. 15 „Was also? Alle Sklaven werde ich an meinen Tisch setzten?“ - Eben so wenig wie alle Freien. Du irrst, wenn du meinst, ich werde einige als von gleichsam zu schmutziger Beschäftigung zurückweisen, denke zum Beispiel an diesen Maultiertreiber oder jenen Rinderhirten: Nicht nach ihren Diensten werde ich sie einschätzen, sondern nach ihrem Charakter. Jeder gibt sich dem Charakter, die Dienstleistungen weist ihnen der Zufall zu. Manche mögen mit dir speisen, weil sie es wert sind, manche, auf dass sie es seien: wenn nämlich etwas an ihnen, aufgrund ihres schmutzigen Umganges, sklavenhaft ist, wird es das Zusammensein mit gebildeteren Menschen vertreiben. 16 Es besteht kein Anlass, mein Lucilius, dass du deinen Freund nur auf dem Forum und in der Kurie suchst: versuche und erprobe. Wie töricht ist der, der ein Pferd kaufen will, und nicht es selbst genau betrachtet, sondern seine Decke und Zügel, so ist der sehr töricht, der einen Menschen nach seiner Kleidung oder Situation, die uns wie ein Kleidungsstück umgibt, einschätzt. 17 „Sklave ist er.“ - Aber vielleicht frei in der Seele. „Sklave ist er.“ - Das wird ihm schaden? Zeig, wer es nicht ist: einer ist Sklave seiner Sinnlichkeit, ein anderer seiner Habsucht, ein anderer seines Ehrgeizes, alle der Hoffnung, alle der Furcht. Ich werde eine ehemaligen Konsul vorweisen, Sklave eines alten Weibes, vorweisen werde ich einen Reichen, einer jungen Sklavin, Sklave, ich werde sehr vornehme junge Männer zeigen als Sklaven von Schauspielern: keine Sklaverei ist schimpflicher als die aus eigenem Willen. Darum gibt es keinen Grund, dass dich diese Hochmütigen davon abschrecken dürfen, dich freundlich deinen Sklaven zu zeigen und umgänglich, obwohl höher an Rang: verehren sollen sie dich lieber als fürchten. 18 Einer wird sagen, ich riefe nun die Sklaven zur Freiheit und stieße die Herren aus ihrer Stellung, weil ich gesagt habe: sie sollen ihren Herrn lieber verehren als fürchten. Er hat gesagt „so, das heißt ja geradezu? Sie sollen ihn verehren wie Abhängige, wie Besucher?“ - Wer das gesagt hat, wird vergessen, dass für einen Herrn nicht zuwenig ist, was dem Gott genügt. Wer verehrt wird, wird auch geliebt: liebe kann sich nicht mit Furcht mischen. 19 Am richtigsten handelst du, meine ich, dass du nicht gefürchtet werden willst von deinen Sklaven, dass du nur mit Worten strafst: mit Schlägen mahnt man das nicht zur Sprache fähige Vieh. Uns verletzt auch nicht, was immer unseren Unmut erregt: aber unsere Verwöhntheit zwingt uns in rasenden Zorn zu geraten, so dass, was immer nicht nach unserem Willen geht, Zorn hervorruft 20 Die Haltung von Tyrannen haben wir angenommen: denn auch jene, ihre eigene Kraft und fremde Schwäche vergessend, schäumen so, wüten so, als ob sie ein Unrecht erlitten hätten, vor dessen Gefahr sie die Höhe ihrer Stellung vollkommen sicher macht. Und das wissen sie durchaus, aber nach einer Gelegenheit zu schaden suchen sie mit ihrer Klage; sie haben ein Unrecht erlitten, um eines tun zu können 21 Länger will ich dich nicht aufhalten; du hast nämlich keine Ermahnung nötig. Diese Eigenschaft hat außer dem übrigen ein guter Charakter, er ist einverstanden mit sich, er ist von Bestand: unzuverlässig ist die Boshaftigkeit, oft verändert sie sich, nicht zum Besseren, sondern zum anderen. Leb wohl.
Rosenbach M. ( Hrsg. ), An Lucilius - Briefe 1-69, Philosophische Schriften Band 3, Darmstadt, 1974
Finley M.I., Die Sklaverei in der Antike, Verlag C.H. Beck München, München, 1981
Vogt Joseph, Sklaverei und Humanität, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden, 1983 2
Alföldy Geza, Antike Sklaverei - Widersprüche, Sonderformen, Grundstrukturen, Buchner, Bamberg, 1988
Weeber Karl - Wilhelm, Alltag im alten Rom: ein Lexikon, Artemis Winkler, Düsseldorf, 2000 5
Heinen Heinz, Aspekte der Sklaverei in der Römischen Welt, in: GWU 28, 1977
Lauffer Siegfried, Die Sklaverei in der griechisch - römischen Welt, in: Gymnasium 68, 1961
Bütler Hans - Peter, Schweizer Hans Jörg, Seneca im Unterricht, F. H. Kerle Verlag, Heidelberg, 1974
Richter W., Interpretation des 47. Briefes von Seneca, in: Gymnasium 65, 1958
Ich erkläre hiermit, dass ich die vorgelegte Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die im Literaturverzeichnis angegebenen Quellen und Hilfsmittel benützt habe.
1 Finley M.I, Die Sklaverei in der Antike (S.12, Z.24-27)
2 Finley M.I, Die Sklaverei in der Antike (S. 95 f.)
3 Alfödy Geza, Antike Sklaverei
4 Finley M.I, s.o.(S.117)
5 Finley M.I., s.o.(S.158)
6 Finley M.I., s.o.(S.115, Z.7-9)
7 Weeber Karl-Wilhelm, Alltag im alten Rom (S.330,links unten)
8 Weeber Karl-Wilhelm, s.o. (S.329)
9 Finley M.I., s.o. (S.155)
10 vgl. §17 in der Übersetzung
11 Rosenbach M., An Lucilius-Briefe 1-69 ( S.373, §18 Z.5 )
V104073
Sklaverei Antike Sichtweise Senecas Brief Latein
Bettina Seidl, 2001, Sklaverei in der Antike und die Sichtweise Senecas in seinem 47. Brief, München, GRIN Verlag, http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/104073.html

References: § 2
 § 9
 § 10
 § 13
 §17
 §18