Source: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html
Timestamp: 2016-08-30 14:54:40+00:00

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StartseiteInfektionsschutzRKI-Ratgeber für ÄrzteWindpocken, Herpes zoster (Gürtelrose)
Letzte Aktualisierung der Abschnitte Infektionsweg, Dauer der Ansteckungsfähigkeit, Impfempfehlungen der STIKO, Maßnahmen bei Einzelerkrankungen unter stationären Bedingungen sowie redaktionelle Anpassungen von März 2016. Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 46/2000.
Varizellen sind weltweit verbreitet. In Deutschland sind sie unter den Infektionskrankheiten am häufigsten, die prinzipiell durch Impfung vermeidbar sind. Maternale Antikörper werden zwar übertragen, der sogenannte Nestschutz Neugeborener hält jedoch nur wenige Monate an.
Der Herpes zoster stellt keine exogene Neuinfektion, sondern ein endogenes Rezidiv dar und kann sich nur bei Individuen mit einer früheren VZV-Infektion ausbilden. Der in den Spinal- bzw. Hirnnervenganglien des Organismus persistierende Erreger führt dann bei einer Reaktivierung zum Herpes zoster. Vorwiegend tritt er bei immungeschwächten bzw. älteren Personen auf, wird aber auch spontan bei Immunkompetenten und jüngeren Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen beobachtet. Herpes zoster kann auch bei Personen auftreten, die mit einem Lebendimpfstoff gegen Varizellen geimpft wurden. Geimpfte Kinder erkranken jedoch 3 - 12-mal seltener an Herpes zoster (Weinmann S, et al. 2013; Civen R, et al. 2009).
Die Ansteckungsfähigkeit der Varizellen beginnt 1 - 2 Tage vor Auftreten des Exanthems und endet mit dem vollständigen Verkrusten aller bläschenförmigen Effloreszenzen, in der Regel 5 - 7 Tage nach Exanthembeginn. Patienten mit Zoster sind vom Auftreten des Exanthems bis zur vollständigen Verkrustung der Bläschen, in der Regel 5 - 7 Tage nach Exanthembeginn, ansteckungsfähig. Diagnostik
seronegative Frauen mit Kinderwunschseronegative Patienten vor geplanter immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation,empfängliche Patienten mit schwerer Neurodermitis, empfängliche Personen mit engem Kontakt zu den unter Punkt 2. und 3. Genannten,seronegatives Personal im Gesundheitsdienst, insbesondere in den Bereichen Pädiatrie, Onkologie, Gynäkologie/Geburtshilfe, Intensivmedizin und im Bereich der Betreuung von Immundefizienten sowie bei Neueinstellungen in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter.
Ein attenuierter Lebendimpfstoff gegen Herpes zoster für Personen ab 50 Jahre ist in Deutschland zugelassen und verfügbar.
Unter stationären Bedingungen sollen Patienten mit Varizellen-Primärinfektion für die Dauer der Ansteckungsfähigkeit in einem Einzelzimmer mit Vorraum isoliert werden. Das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung, bestehend aus Schutzkittel, Einmalhandschuhen und einer FFP2-Atemschutzmaske, ist bei Betreten des Patientenzimmers erforderlich. Bei Herpes zoster erfolgt die Übertragung über direkten oder indirekten Kontakt mit dem Bläscheninhalt. Bei strenger Einhaltung der Basishygiene und bei kooperativen Patienten kann durch eine vollständige Abdeckung der Läsionen die Übertragungswahrscheinlichkeit reduziert werden. Die Kommission für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene (KRINKO) empfiehlt zur „Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten“ auch für Patienten mit Herpes zoster eine Isolierung im Einzelzimmer bis zur vollständigen Verkrustung aller Läsionen. Wenn eine Einzelzimmerisolierung nicht möglich ist, kann nach individueller Risikoabwägung eine gemeinsame Unterbringung mit Patienten mit dokumentierter Immunität gegen VZV erwogen werden.
sehr geringe Infektionsdosis, hohes Risiko für schwere Verläufe von Windpocken bei immunsupprimierten Patienten, Schwangeren, Neugeborenen, aber auch bei nicht-immunen Erwachsenen mit zunehmendem Alter, ein möglicherweise steigender Anteil von nicht-immunen Erwachsenen in der Allgemeinbevölkerung.
Desinfektionsmaßnahmen Zur Desinfektion sind Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit anzuwenden, mit dem Wirkungsbereich begrenzt viruzid (wirksam gegen behüllte Viren) oder viruzid. Geeignete Mittel enthalten die Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren (RKI-Liste) und die Desinfektionsmittel-Liste des Verbundes für Angewandte Hygiene (VAH-Liste). Bei behördlich angeordneten Desinfektionsmaßnahmen ist die RKI-Liste heranzuziehen.
Gemäß § 34 Abs. 1 IfSG dürfen Personen, die an Windpocken erkrankt oder dessen verdächtig sind, keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist. In Gemeinschaftseinrichtungen Betreute, die an Windpocken erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden Räume nicht betreten, Einrichtungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht benutzen und an Veranstaltungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist. Die zuständige Behörde kann im Einvernehmen mit dem Gesundheitsamt für die in § 33 genannten Einrichtungen Ausnahmen von den genannten Verboten zulassen, wenn Maßnahmen durchgeführt werden oder wurden, mit denen eine Übertragung der aufgeführten Erkrankung verhütet werden kann.
ungeimpfte Schwangere ohne Varizellenanamnese,immunkompromittierte Patienten mit unsicherer oder fehlender Varizellen-Immunität,Neugeborene, deren Mutter 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung an Varizellen erkrankte.Frühgeborene ab der 28. SSW, deren Mütter keine Immunität aufweisen, nach Exposition in der Neonatalperiode,Frühgeborene, die vor der 28. SSW geboren wurden, nach Exposition in der Neonatalperiode, unabhängig vom Immunitätsstatus der Mutter.
Dem Gesundheitsamt wird gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an Varizellen sowie gemäß § 7 Abs. 1 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von Varizella-zoster-Virus, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet. Darüber hinaus können allgemeine nicht erreger- oder krankheitsspezifische Meldepflichten bestehen (siehe Falldefinitionen des RKI > Kapitel „Struktur der Falldefinitionen“ > „Gesetzliche Grundlage“). Die Meldungen müssen dem Gesundheitsamt spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis vorliegen. Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen (gem. § 33 IfSG) haben gemäß § 34 Abs. 6 IfSG das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich zu benachrichtigen, wenn in ihrer Einrichtung betreute oder betreuende Personen an Windpocken erkrankt oder dessen verdächtig sind.
Tel.: 030 18754 – 3452
Kontakt: E-Mail Beratung zur Spezialdiagnostik
Ansprechpartner: Prof. Dr. Andreas Sauerbrei
Tel.: 03641 9395 - 700/ - 736
Fax: 03641 9395 - 702
E-Mail: virologie@med.uni-jena.de, andreas.sauerbrei@med.uni-jena.de
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Erregersteckbrief Windpocken / Gürtelrose (in verschiedenen Sprachen) Ausgewählte Literaturquellen
Civen R, Chaves SS, Jumaan A, et al.: The incidence and clinical characteristics of herpes zoster among children and adolescents after implementation of varicella vaccination. Pediatr Infect Dis J 2009; 28:954–9DGPI-Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen: mit 163 Tabellen. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI)/Red.-Kollegium. 6. vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart, New York, Thieme, 2013, S. 582-588Harrisons Innere Medizin. Dt. Ausg. der 17. Aufl. Hrsg. der dt. Ausg. M. Dietel et al. ABW Wiss.-Verl. GmbH, 2009, S. 11369–1373Heymann D (ed): Control of Communicable Diseases Manual. American Public Health Association 2008; S. 109–116Hope-Simpson RE: Herpes zoster in general practice. Postherpetic neuralgia. J R Coll Gen Pract 1975; 25:571Robert Koch-Institut (RKI): Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Evaluation der Varizellen-Impfempfehlung durch die STIKO. Epid Bull 2013; 1:1-5Robert Koch-Institut (RKI): Mitteilung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut: Hinweise und Erläuterungen zu den Empfehlungen der STIKO vom Juli 2009. Epid Bull 2009 (1); 33:341–342 Robert Koch-Institut (RKI): Mitteilung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut - Impfung gegen Varizellen im Kindesalter: Empfehlung einer zweiten Varizellenimpfung - Empfehlung und Begründung. Epid Bull 2009 (2); 32:328-336Robert Koch-Institut (RKI): Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut: Hinweise zu Impfungen für Patienten mit Immundefizienz. Epid Bull 2005; 39 SonderdruckRobert Koch-Institut (RKI): Begründung der STIKO für eine allgemeine Varizellenimpfung. Epid Bull 2004; 49:421–423Sauerbrei A, Wutzler P: Fetales Varizellensyndrom. Monatsschr Kinderheilkd 2003; 151: 209–213Sauerbrei A: Windpocken (Varizellen). In: S2k-Leitlinie Labordiagnostik schwangerschafts-relevanter Virusinfektionen. Berlin, Heidelberg, Springer 2014, S. 95-110Weinmann S, Chun C, Schmid DS, et al: Incidence and clinical characteristics of herpes zoster among children in the varicella vaccine era, 2005-2009. J Infect Dis. 2013 Dec 1; 208(11):1859-68
Hinweise zur Reihe "RKI-Ratgeber für Ärzte" richten Sie bitte an das Robert Koch-Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Dr. med. Markus Kirchner (Tel.: 030 18754 – 3312; E-Mail: Kontaktformular) oder an die Redaktion des Epidemiologischen Bulletins (Kontaktformular).
Stand: 30.03.2016nach oben

References: § 34
 § 33
 § 6
 § 7
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