Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/vorsteuerabzug-fuer-gmbh-gruender-3106926?pk_campaign=feed&pk_kwd=vorsteuerabzug-fuer-gmbh-gruender
Timestamp: 2019-10-23 05:02:16+00:00

Document:
Vor­steu­er­ab­zug für GmbH-Grün­der | Rechtslupe
Wäh­rend das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf die­ser Ansicht noch folg­te 1, ver­nein­te der Bun­des­fi­nanz­hof nun den Anspruch des Grün­ders auf Vor­steu­er­ab­zug.
Der Grün­der ist auch nicht als Gesell­schaf­ter einer zu grün­den­den GmbH zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des EuGH ist der Gesell­schaf­ter nur dann Unter­neh­mer (Steu­er­pflich­ti­ger), wenn er ent­gelt­li­che Leis­tun­gen im Rah­men einer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit erbringt 2. Danach sind der blo­ße Erwerb und das blo­ße Hal­ten von Gesell­schafts­an­tei­len kei­ne wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten, die den Gesell­schaf­ter zum Steu­er­pflich­ti­gen (Unter­neh­mer) machen, da der blo­ße Erwerb von Betei­li­gun­gen an ande­ren Unter­neh­men kei­ne Nut­zung eines Gegen­stands zur nach­hal­ti­gen Erzie­lung von Ein­nah­men dar­stellt. Anders ist es nur, wenn die Betei­li­gung mit unmit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Ein­grif­fen in die Ver­wal­tung der Gesell­schaft ein­her­geht und es sich hier­bei um eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit gegen Ent­gelt han­delt.
Nach dem EuGH, Urteil vom 29.04.2004 – C‑137/​02 Fax­world 3 ist eine Vor­grün­dungs­ge­sell­schaft zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt. Die Vor­grün­dungs­ge­sell­schaft ist Steu­er­pflich­ti­ge, da sie die Ver­äu­ße­rung der von ihr erwor­be­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de auf die noch zu grün­den­de Akti­en­ge­sell­schaft bewirkt 4.
Damit die Vor­grün­dungs­ge­sell­schaft zudem "für die Zwe­cke ihrer besteu­er­ten Umsät­ze" (Art. 168 MwSt­Sys­tRL) 5 han­delt, reicht es aus, dass im Ver­hält­nis zwi­schen Vor­grün­dungs­ge­sell­schaft und Akti­en­ge­sell­schaft eine Geschäfts­ver­äu­ße­rung vor­liegt, auf­grund derer es zu einer Rechts­nach­fol­ge kommt (vgl. § 1 Abs. 1a Satz 3 UStG und Art.19 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL), so dass die "Vor­grün­dungs­ge­sell­schaft als Über­tra­gen­der die besteu­er­ten Umsät­ze des Begüns­tig­ten der Über­tra­gung, näm­lich der Akti­en­ge­sell­schaft, berück­sich­ti­gen" kann 6.
Im Urteil vom 01.03.2012 "Pol­ski Tra­wer­tyn" 7 hat der Uni­ons­ge­richts­hof zu einem "Inves­ti­ti­ons­um­satz", bei dem es sich um die Ein­brin­gung eines Grund­stücks in eine Gesell­schaft han­del­te, ent­schie­den, dass Art. 9, 168 und 169 MwSt­Sys­tRL einer natio­na­len Rege­lung ent­ge­gen­ste­hen, nach der weder die Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft noch die Gesell­schaft ein Recht auf Vor­steu­er­ab­zug für Inves­ti­ti­ons­kos­ten gel­tend machen dür­fen, die vor Grün­dung und Ein­tra­gung die­ser Gesell­schaft von den Gesell­schaf­tern für die Zwe­cke und im Hin­blick auf die wirt­schaft­li­che Tätig­keit der Gesell­schaft getra­gen wur­den.
Schließ­lich hat der EuGH im Urteil vom 13.03.2014 – C‑204/​13 Mal­burg 8 ent­schie­den, dass die unent­gelt­li­che Über­las­sung eines Man­dan­ten­stamms durch den Gesell­schaf­ter an sei­ne Gesell­schaft anders als die Ein­brin­gung eines Grund­stücks in eine Gesell­schaft nicht in den Anwen­dungs­be­reich der Steu­er fällt und auch kei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit ist 9. Nach dem Urteil des EuGH führt selbst der Neu­tra­li­täts­grund­satz nicht zu einer Aus­wei­tung des Anwen­dungs­be­reichs des Vor­steu­er­ab­zugs 10.
Maß­geb­lich ist viel­mehr, dass die vom Grün­der bezo­ge­nen Bera­tungs­leis­tun­gen ‑anders als die Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de in den EuGH, Urtei­len Fax­world 3 und Pol­ski Tra­wer­tyn 11 zugrun­de lie­gen­den Rechts­sa­chen- auch im Fall einer tat­säch­lich gegrün­de­ten GmbH nicht auf die GmbH über­trag­bar waren. Durch die vom Grün­der bezo­ge­nen Leis­tun­gen sind kei­ne auf eine GmbH über­trag­ba­ren Ver­mö­gens­wer­te ("Inves­ti­ti­ons­gü­ter") ent­stan­den.
Bestä­tigt wird dies durch das EuGH, Urteil Mal­burg 8, nach dem eine unent­gelt­li­che Nut­zungs­über­las­sung kein Recht auf Vor­steu­er­ab­zug des Gesell­schaf­ters begrün­det. Dies gilt auch für den­je­ni­gen, der eine Gesell­schafts­grün­dung zwar beab­sich­tigt, aber auf­grund des Schei­terns der Gesell­schafts­grün­dung nicht Gesell­schaf­ter wird.

References: EuGH 
 § 1
 Art.19
 Art. 9
 EuGH 
 EuGH