Source: http://www.caselaw.de/document?di=488d180e-e6cb-430b-a9d5-5193673e5d7a
Timestamp: 2020-05-27 12:23:03+00:00

Document:
BUNDESGERICHTSHOF StR 67/20 BESCHLUSS vom 21. April 2020 in der Strafsache gegen wegen Vergewaltigung u.a.
ECLI:DE:BGH:2020:210420B4STR67.20.1 Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 21. April 2020 gemäß § 349 Abs. 2 StPO beschlossen:
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bochum vom 18. Juni 2019 wird als unbegründet verworfen.
Es wird davon abgesehen, dem Beschwerdeführer die Kosten und Auslagen des Revisionsverfahrens aufzuerlegen; jedoch hat er die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen schuldig gesprochen, gegen ihn einen Dauerarrest von vier Wochen verhängt und eine Anordnung hinsichtlich der Einziehung seines Mobiltelefons getroffen. Mit seiner Revision rügt der Angeklagte „die Verletzung formellen und materiellen Rechts“. Das Rechtsmittel ist unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).
1. Das schriftliche Urteil wurde wirksam zugestellt und die Revisionsbegründungsfrist mit der Zustellung in Gang gesetzt.
2. Zu dem Rechtsmittel des Angeklagten K.
hat der Generalbundesanwalt in seiner Zuschrift ausgeführt:
„…Die Revision ist zulässig (§ 344 Abs. 1 StPO); die Anfechtungsbeschränkung gemäß § 55 Abs. 1 JGG greift hier nicht ein.
Werden im angefochtenen Urteil lediglich Erziehungsmaßregeln oder Zuchtmittel angeordnet, stellt es zwar gemäß § 55 Abs. 1 JGG ein unzulässiges Ziel der Anfechtung dar, wenn nur die Auswahl der Maßnahmen angefochten wird, die Anordnung anderer oder weiterer Erziehungsmaßnahmen oder Zuchtmittel erreicht werden soll oder das Rechtsmittel sich gegen den Umfang der angeordneten Maßnahmen wendet, wobei es auch einen unzulässigen Angriff gegen den Umfang der Maßnahmen bedeutet, wenn mit dem Rechtsmittel nicht nur ein geringeres Ausmaß, sondern ein gänzliches Absehen davon erreicht werden soll. Wegen dieser sachlichen Beschränkung der Anfechtungsmöglichkeit, nach der die Anfechtung nur darauf gestützt werden kann, dass die Schuldfrage rechtlich oder tatsächlich falsch beantwortet oder die Sanktion selbst rechtswidrig ist, muss das Anfechtungsziel so eindeutig mitgeteilt werden, dass die Verfolgung eines unzulässigen Ziels sicher ausgeschlossen werden kann (st. Rspr., vgl. BGH, Beschlüsse vom 10. Juli 2013 – 1 StR 278/13, BGHR StPO § 344 Abs. 1 Antrag 6; vom 22. Oktober 2013 – 3 StR 323/13 [insow. in NStZ-RR 2014, 11 nicht abgedr.] und vom 17. September 2017 – 5 StR 407/17; Meyer-Goßner/Schmitt StPO, 62. Aufl., § 344 Rn. 3a).
Hier hat das Landgericht neben dem Zuchtmittel des Jugendarrests (§ 13 Abs. 2 Nr. 3 JGG) allerdings auch eine Einziehungsentscheidung gemäß § 74 Abs.1, § 74f Abs. 1 StGB getroffen. Nach ihrem eindeutigen Wortlaut („lediglich“) ist die Beschränkungsvorschrift des § 55 Abs. 1 Satz 1 JGG deshalb vorliegend nicht einschlägig. Damit entfällt das Erfordernis der eindeutigen Benennung eines danach zulässigen Angriffsziels; die Erhebung der allgemeinen Sachrüge genügt.
Die Revision ist allerdings unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO. Die Verfahrensrüge ist nicht zulässig erhoben worden (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO). Die Überprüfung des Urteils auf die Sachrüge deckt keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten auf…“
3. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 74, 109 Abs. 2 JGG, § 473 Abs. 1 Satz 2 StPO.
3 55 JGG
1 13 JGG

References: § 349
 § 55
 § 55
 § 344
 § 344
 § 74
 § 74
 § 55
 § 349
 § 473