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Timestamp: 2020-01-18 20:11:59+00:00

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Steuerpflicht bei Wohnsitzwechsel, Ehefrau bleibt in D
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18.07.2008 16:32 |
ich bin derzeit wohnhaft (steuerpflichtig) in Deutschland. Verheiratet, keine Kinder. Sehr gerne würde ich aus beruflichen( steuerlichen) Gründen einen Wohnsitz Wechsel entweder nach Groß Britannien oder Italien vornehmen. Nur sehr ungerne würde ich aber das Leben in D komplett aufgeben da ich hier sozial und familiär sehr eingebunden bin. Auch meine Frau würde lieber in D bleiben. Durch meine Selbstständigkeit bin ich in der glücklichen Lage mir meine Zeit 100% frei einzuteilen. Nun zu meiner Frage. Gibt es eine realistische Chance zB ein Büro/Wohnung in GB anzumieten, meinen Wohnsitz nach dort zu verlagern (mit entsprechender Steuerpflicht) und meine Frau (und evtl. Nachwuchs) könnten hier in D bleiben. Mir ist selbstverständlich bekannt, dass ich mehr als die Hälfte des Jahres in entsprechendem Land verbringen müsste, was kein Problem wäre.
Wohnsitz Wohnsitz Aufenthalt
Diese Antwort ist vom 18.07.2008 und möglicherweise veraltet. Stellen Sie jetzt Ihre aktuelle Frage und bekommen Sie eine rechtsverbindliche Antwort von einem Rechtsanwalt.
§ 1 Absatz 1 Satz 1 Einkommensteuergesetz (EStG) ist in der Bundesrepublik Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, wer einen Wohnsitz (hier zu § 8 AO) oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt (hierzu § 9 AO) hat. Solange Sie in der Bundesrepublik eine Wohnung unterhalten – egal ob Sie eine weitere im Ausland unterhalten – bleiben Sie hier unbeschränkt steuerpflichtig. Wie lange Sie sich pro Jahr in der Bundesrepublik aufhalten spielt nur für den gewöhnlichen Aufenthalt nach § 9 AO eine Rolle. Für den Wohnsitz nach § 8 AO ist dies hingegen grundsätzlich nicht maßgeblich.
Auch dass Ihre Ehefrau (sowie ggf. Nachwuchs) in der Bundesrepublik Deutschland wohnhaft bleibt, führt dazu, dass Sie weiterhin über einen inländischen Wohnsitz verfügen und mithin unbeschränkt steuerpflichtig bleiben. Gemäß Anwendungserlass zur AO (AEAO) zu § 8 Nr. 1 Satz 2 hat ein Ehegatte, der nicht dauernd getrennt lebt, seinen Wohnsitz grundsätzlich dort, wo seine Familie lebt (so auch BFH-Urteil vom 22.04.1994, Az. III R 22/92).
Wenn Sie nun auch in dem ausländischen Staat einen Wohnsitz begründen, werden Sie höchst wahrscheinlich auch in diesem Staat unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Dass es hierdurch zu einer Doppelbesteuerung kommt, wird in der Regel durch ein zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem ausländischen Staat bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) verhindert.
Mit dem Vereinigten Königreich besteht ein solches Abkommen. Nach Art. XI Absatz 1 DBA-GB werden Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit nur in dem Staat versteuert, in dem diese Einkünfte erzielt werden. Erzielen Sie Ihre Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit zukünftig nur noch in GB, sind diese Einkünfte auch nur dort zu versteuern. Erzielen Sie in Deutschland keine weiteren Einkünfte, bleibt es somit ausschließlich bei der Besteuerung in GB, auch wenn Sie in der Bundesrepublik aufgrund Ihres Wohnsitzes weiterhin unbeschränkt steuerpflichtig bleiben.
Wenn Sie eine gemeinsame Veranlagung zur Einkommensteuer mit Ihrer Ehegattin wünschen, müssen Sie dies entweder in Deutschland (für eine gemeinsame Veranlagung in Deutschland) oder in GB (für eine gemeinsame Veranlagung in GB) beantragen. Ich weiße Sie in diesem Zusammenhang auf die Entscheidung des EuGH vom 25.01.2007, Az. C-329/05 hin.
Abschließend möchte ich Ihnen nahelegen, dass, wenn Sie sich tatsächlich dafür entscheiden, Einkünfte ausschließlich im Ausland besteuern zu lassen, Sie sich vorbereitend umfassend von einem Steuerberater bei Ihnen vor Ort beraten lassen.
(1) 1Natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.2Zum Inland im Sinne dieses Gesetzes gehört auch der der Bundesrepublik Deutschland zustehende Anteil am Festlandsockel, soweit dort Naturschätze des Meeresgrundes und des Meeresuntergrundes erforscht oder ausgebeutet werden oder dieser der Energieerzeugung unter Nutzung erneuerbarer Energien dient.
sowie zu ihrem Haushalt gehörende Angehörige, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder keine Einkünfte oder nur Einkünfte beziehen, die ausschließlich im Inland einkommensteuerpflichtig sind.2Dies gilt nur für natürliche Personen, die in dem Staat, in dem sie ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, lediglich in einem der beschränkten Einkommensteuerpflicht ähnlichen Umfang zu einer Steuer vom Einkommen herangezogen werden.
(3) 1Auf Antrag werden auch natürliche Personen als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt, die im Inland weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, soweit sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 haben.2Dies gilt nur, wenn ihre Einkünfte im Kalenderjahr mindestens zu 90 Prozent der deutschen Einkommensteuer unterliegen oder die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Einkünfte den Grundfreibetrag nach § 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 nicht übersteigen; dieser Betrag ist zu kürzen, soweit es nach den Verhältnissen im Wohnsitzstaat des Steuerpflichtigen notwendig und angemessen ist.3Inländische Einkünfte, die nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung nur der Höhe nach beschränkt besteuert werden dürfen, gelten hierbei als nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegend.4Unberücksichtigt bleiben bei der Ermittlung der Einkünfte nach Satz 2 nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegende Einkünfte, die im Ausland nicht besteuert werden, soweit vergleichbare Einkünfte im Inland steuerfrei sind.5Weitere Voraussetzung ist, dass die Höhe der nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Einkünfte durch eine Bescheinigung der zuständigen ausländischen Steuerbehörde nachgewiesen wird.6Der Steuerabzug nach § 50a EStG ist ungeachtet der Sätze 1 bis 4 vorzunehmen.
§ 8 AO - Wohnsitz
§ 9 AO - Gewöhnlicher Aufenthalt

References: § 1
 § 8
 § 9
 § 9
 § 8
 § 8
 EuGH 
 § 49
 § 32
 § 50

§ 8

§ 9