Source: https://digi.bib.uni-mannheim.de/periodika/reichsanzeiger/ocr/film/tesseract-4.0.0-20181201/022-9903/0249.hocr
Timestamp: 2020-02-24 09:20:04+00:00

Document:
1834 / 112 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung)
1834 / 112 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff
Befehl ftehenden Macht eingcrückt. Die Freude der Einwohner is nicht zu beschreiben. Eine Menge derselben eilt, sich unter unsere Fahnen zu stellen. Bourmont (der Sohn) hat den Befehl in der Provinz (Alemtejo) an Lemos Stelle. Er marschirte gesiern auf Serpa mit etwa 600 Mann, die er aus Evora gezogen, und mit welchen sih ein Theil der Garnison von Moura vereinigen soll, die, wie ih hôre, aus 700 Mann von allen Trupyen-Gattungen be- besteht. Fch hatte einige Tage hier bleiben wollen, allein in Folge von Bourmonts Bewegung breche ich morgen nah der Guadtana bei Serpa hin auf. Beja, den 23. Mäârz.//
— Die Times enthält folgende ‘Privat-Korrespondenz aus Porto vom 31. März: „„Admiral Napier besebte am 26sten d. M. Caminha mit 500 Mann. Am folgenden Tage zog er mit 400 Mann nach Viana, in welchen Ort er unter dem Ju- bel der Einwohner einrückte und sih der Forts und des Schlos- ses bemächtigte; 150 Milizen stießen zu ihm. Von da wollte er nah Ponte de Lima aufbrehen. Auch soll er Valença de Minho mit 7009 Mann besest haben. — General Torres, twel- cher den Befehl zu Porto fährt, ist mit 4 Regimentern Jnfan- terie, 4 Bataillonen Milizen, 280 Reitern und 10 Kanonen nach der Provinz Minho aufgebrochen. Das Corps schlug die Rich- tung nah S. Tirso ein, wo die Miguelisten ihre sämmtli- chen Streitkräfte nördlich vom Douro versammelt hatten, mit Ausnahme eines kleinen Corps zu Basto und einer Guerilla zu Braga. Als General Torres am 26sten d. zu S. Tirso eintraf, hatten die Miguelisten sich nach Guima- raes zuruckgezogen. Mach einiger Rast ging es weiter über Basto nah Guimaraes, welche Stadt General Torres am 27sten d. M. Abends beseßte. Jn Guimaraes haben sich bereits zwei Frei; willigen-Bataillone gebildet. Am folgenden Tage oaing es wei- ter gegen den Feind, in der Absicht, zugleich die zu Braga ste- hende Guerilla unter Reimundo zu umzingeln. Diese, aus Geist- lichen und Bauern bestehend, hatten sich bereits zurückgezogen und aufgeldset. Braga ist von 2000 Pedroisten beselzt worden. Diese Stadt war von einem großen Theile ihrer Cinwohner ver- lassen, und nur ein Mönch war dort zurückgeblieben. Die Be- saßung zog sich Über Carvalho d’Este nach Chaves S Auch der Miguelistische Brigadier Cardozo hat sih in Oliveira d’Aze- meis mit 700 Mann nach Amarante gezogen. Ueberall wurden die Constitutionnellen von den Einwohnern mit Enthusiasmus empfan- gen und betrugen sich mit der besten Mannszucht. Vorgestern stan- den die Miguelisten zu Amarante, und General Torres vermuth- lich am Ufer des Tamega. VBalrcellos, Esposende und Villa do Conde hatten sih für die Königin erklärt. Die Provinz Minho muß nunmehr von Feinden gesäubert seyn, und auch in Traz os Montes herrscht große Gährung. Der früher von dort nach Spanien entkommene General Jorge d’Avilez befindet sich jeßt zu Alcañizas und hat sechs Contos de Reis erhalten, um in der leGtgedachten Provinz, wo es gänzlih an Truppen fehlt, ein Freiwilligen - Corps zu organisiren. Ein Dampfschiff hat wieder Truppen nach Porto gebracht und soll noch mehrere, nebst dem Herzoge von Terceira, von Lissabon hierher bringen.“
In einem von der Times mitgetheilten Schreiben aus Li #þ- sabon vom 27sten März heißt es: „Nachdem Bernardo de Sa am 23sten d. Beja genommen hatte, schickte er sich an, ein feind- liches Corps bei Serpa, 600 Mann sarf, zu denen noch 700 aus Moura stoßen sollten, anzugreifen und zu zerstreuen. Um diese Bewegung zu unterstüßen, bildete sich eine Kolonne zu Setubal, wo 200 Reiter und eine Abtheilung Belgier erwartet wurden. Die ganze Gegend westlich von Leiria und Aldea Gal- lega muß nunmehr frei seyn. Die Miguelisten befestigten Coim- bra. Der dortige Juiz de Fora is am 13. d. M. aus einem Fen- ster von unbekannter Hand erschossen worden. — Graf Almer pas- sirté am 14. d. M. durch Coimbra nach Santarem, indem er zum Meigueliftischen Befehlshaber in Alemtejo ernannt worden ist. — Am 22sten d. M. traf Baron Soure, Sohn des Miguelistischen
General - Lieutenants Gaspar Terxeira (Vizconde de Pezo da”
Regoa), in Lissabon ein, um wegen einer Amnestie für sich und seine Familie zu unterhandeln. Seine Anträge wurden ange- nommen und ihm sogar ein Kommando auf dem Wege nach Coimbra ertheilt. Dies ist von großer Wichtigkeit, da sein Va- ter einer der größten Grund-Eigenthümer in Traz os Montes ist, — Am 18ten v. M. kam Don Carlos durch Lamego.
SUvlesi
Konstantinopel, 18. März. (Allgemeine Zeitung.) Man ist nun \o weit in den Unterhandlungen über den soge- nannten Dardanellen - Vertrag gckommen, daß eine Art von di- plomatischem Waffenstillstand von allen Seiten anerkannt ward, w0o- bei bis zur Erhebung neuer Reclamationen jeder die Stellung inne behält, die er zeither zu behaupten wußte. Eine förmliche Versiän- digung fand noch nicht statt, man sieht sich noch immer mit eifer- süchtigen Augen an, und denkt im Laufe der Zeit nach Umständen den bei der Pforte errungenen Einfluß zu verstärken, oder de- ren verlorenes Vertrauen wieder zu gewinnen. Natürlich wird nun dem Sultan von den fremden Botschaftern und diploma- tischen Agenten auf eine auffallende Weise die Cour gemacht, was ihm allerdings gefällt, und ihn um so mehr mit einem Systeme befreundet, als er früher keinesweges verzogen, fon- dern seit der Griechischen Jnsurrection vom Auslande mit wenig Zuvorkommenheit behandelt ward, ja häufig die bittersten Wahr- heiten hdôren mußte, die, wie das Sprüchwort lehrt, weh thun. Man sieht, wie bei so manchen Europäischen Höfen, die sÜße- sten Schmeicheleien vershwenden, selbst Jntriguen anspinnen, um Sr. Hoheit ein freundliches Wort oder ein Lächeln abzuge- winnen. Man verlegt sich auch auf Lobgedichte, und manche Feder, die eigentlich für die ernsthaftesten Ausarbeitungen be- rufen ist, úbt sich in Alexandrinern, um dem großen Herrscher des Orients Weihrauch zu streuen; man gesellt die Künste Apol- lo’s der verfeinerten Diplomatie bei, damit nichts fehle, was das Herz bestehen, den Sultan für sih gewinnen kann. Wahr- haft komische Scenen fallen in diesem Konflikte hödfischen Wett- streites vor, die den Türken wohl nicht entgehen mögen, und ihre Geringschäßung für die Franken vermehren müssen. Das geschmeidige Wesen unserer Diplomaten sticht schon stark genug von der ernsten und schwerfälligen Haltung der Muselmänner ab; wie wird der Kontrast erst fühlbar, wenn der Höfling den Diplomaten zu ersezen hat! Man wird bei den bevorstehenden Festlichkeiten, womit die Rückkehr Achmed Pascha's begangen werden soll, davon neue Proben erhalten, denn so sehr die Pforte und der russische Geschäftsträger Ursache haben, mit dem Ausgange von dessen Mission in Petersburg zufrieden zu seyn, jo wenig dürften der Französische und Englishe Botschaf- ter sih daruber freuen. Dennoch werden sie nicht umhin fônnen, dem Empfange Achmeds beizuwohnen, und an den Feierlichkeiten Theil ju nehmen. Mittelst eines Hattische- riffs ist die nahe Rückkehr jenes Botschafters verkündet worden, der von Petersburg seinen Weg durch die Fürstenthümer genom- men hat, um die Huldigungen der Bojaren zu empfangen, und sie zur Ergebenheit für den Sultan zu ermahnen. Dasselbe Kai- serliche Rescript zeigt auch die bevorstehende Räumung der Für-
- Verleihung der Würde eines Markgrafen mit der Nordmark
lebte alle Gemüther, und so verschieden die Stände waren, de-
stenthämer von den Russischen Truppen an, die bis Ende dieses Monats vollendet seyn solle. Diese Angelegenheit, welche der Pforte sehr am Herzen lag, wäre also geregelt. Eben so sind die Hindernisse beseitigt, welche der Annahme eines Griechischen Bevollmächtigten entgegen standen, und zu deren Hebung alle hier akkreditirten Agenten der großen Mächte ohne den minde- sten Rückhalt mitgewirkt haben. Der Griechische Bevollmäch- tigte, Hr. Zographos, ist hier eingetroffen. Er stieg in einem eigens gemietheten Hause in Pera ab, und wird näch- )stens seine Antritts - Audienz - beim Sultan haben. Die Nachrichten, die uns aus Griechenland zukommen, sind befriedigend. Hingegen bietet Kandien ein Bild des Jammers dar, und Niemand begreift, wie die Mächte, welche so groß- müthig das Schicksal der übrigen Griechen beherzigten, die Un- glücklichen Kandioten einem Systeme der Verfolgung preisge- ben lassen, wovon die neue Geschichte kaum ein Beispiel liefert. Allerdings haben sich Lord Ponsonby und Admiral Roussin nach Alexandrien gewendet und Mehmed Ali die dringendsten Vor- stellungen gemacht, damit er menschlih handle, die Klagen der Kandioten anhöre und sie nicht zur höchsten Verzweiflung treibe. Auch hat der Vice-König sehr gütig darauf geantwortet und den Vortrag der beiden Botschafter zu berücksichtigen versprochen ; allein die Greuel-Scenen dauern in Kandien fort, und scheinen nicht eher eingestellt werden zu sollen, als bis all? Opfer gefal- len sind, die der Jngrimm Mehmed Ali's zur Súhnung aus- ersehen hat. Wer mag nun den guten Diensten der beiden Botjchafter vielen Dank wissen, so lange sie von solchen Erfol- gen begleitet sind? Herr Bois le Comte, Französischer Lega- tions-Secretair, welcher in Alexandrien war, joll die Sache der Kandioten mit Wärme vertreten haben: er schmeichelt sich, daß ohne Verzug Befehle ergehen werden, um die Bedrückungen ab- zustellen, welche in Kandien die Unruhen hervorgerufen. Herr Bois le Comte ist über Bucharest nach Paris abgereist.
T EN T:
Berlin, 21. April. Die Stadt Stendal beging am 15ten d. M. die 700jährige Jubelfeier der Belehnung Albrecht des Bären mit der Nordmark. „Wenn der Kurstaat Branden- burg‘, so berichtet man von dort, „der Mittelpunkt der Preu- ßischen Monarchie ist, so muß uns Preußen der Gründer der Brandenburgischen Macht, Albrecht der Bär, das größte Jn- teresse einflôßen, und eben so muß der Tag, an welchem er unter
belehnt wurde, zu den denkwürdigsten der vaterländischen Ge- schichte gehören, da diese Markgrafschaft seinen späteren Erobe- rungen und Erwerbungen, namentlich seiner zehn Jahre nach- her errungenen Herrschaft der Markgrafschaft von Brandenburg, zur Basis diente. Und da der gefeierte Gründer des Thrones, der nun schon sieben Jahrhunderte hindurch gestanden , der ita Laufe der Zeit, wenn auch von manchen Stürmen bedroht, den- noch, unter dem Schuße des Allmächtigen, immer mehr an Festigkeit, Erhabenheit und Glanz gewonnen hat, und an dessen Stufen jeßt 13 Millionen glücklicher Unterthanen ihrem erhabe- nen Herrscher den Tribut unbegränzter Liebe und Verehrung darbringen, seinen ersten Siß und seinen ersten Wirkungskreis in der Altmark hatte, so mußte der 15. April insbesondere dem Altmärker ein hochwichtiger Tag seyn. Dies fühlten die Bür- ger unserer Stadt denn auch, und wünschten daher, den Tag festlich zu begehen. Ein Mittagsmahl wurde im Lokal des Gasthofes zum schwarzen Adler veranstaltet, an welhem, außer den Bür- gern, ihren Vorstehern und den städtischen Beamten, auch die Militair - und Civil-Behörden Antheil nahmen. Frohsinn be-
nen die Theilnehmer angehörten, Alle verband und einte der gemeinschaftliche Zweck der Feier, das gemeinsame Gefühl des Patriotiómus”, der dankbaren Liebe und treuen Anhänglichkeit an die Person unseres allverehrten Königs zu einem harmoni- schen Ganzen. Jhm galc der erste Toast, ausgebracht von dem Bürgermeister von Voß, und alle Anwejende stimmten begeiste- rungsvoll ein in den frommen Wunsch, daß der Himmel ihn seinen beglückten Unterthanen noch recht lange erhalten möchte. Hierauf erhob sich auf die Aufforderung des Landraths, Grafen von Fbenpliß , der Subrektor Müller und brachte mit einem gelungenen Jmpromptu dem Hause Askanien ein Lebehoch. Meh- rere andere Toasts folgten. So herrschte denn Freude in der ganzen Versammlung. Aber wo sich das Herz der Freude ge- öffnet hat, da fühlt es auch das Verlangen, wohlzuthun und den Hülfsbedürftigen an seinem Glücke Theil nehmen zu lassen ; und so veranstaltete der Apotheker Treu eine Saminlung zum Besten der Wittwen und Waisen, deren Versorger unlängst bei ihren Berufs - Arbeiten in dem Kohlen -Schachte bei Achen ihren Tod fanden. Mit erneuerter Liebe zu König und Vaterland kehrte gewiß Jeder der Theilnehmer am Abende des Festtages zu den Seinigen zurück.“ Meteorologische Beobachtung. 1834. Morgens | Nachmitt. | Abends | Nach einmaliger
20. April. | 6 Uhr. 2 lhr. 19 Uhr. j Beobacitung.
Luftdruck.. [340,1 3 "Par. 339, 1 2 Par.|337, 6 6 ’ParÍQuelwärme 6,4 R. Luftwärme |+ 5,3 ® R.|-+13,8 ® R-|4- 9,2 ® Vi ewärme 7,5 09 Thaupunkt |4+ 3,2° R. B Al R.
— 0/,9° R.4+ 0,4 ° R
Durfisättg.| 84 pCt. | 30 pCt. 48 pCt. Bodenwärme 7,9 ® N. Se be | Kie | ibe sum que 50. Wolkenzuo | a E — Niederscchlag 0.
Berliner Dos Den 21. April 1834. Amtl. Fonds- und Geld - Cours - Zettel. (Preufs. Cour.) Zj Brief Geld Z/TBrief Gel.
St. - Schuld - Sch. | 4 | 99 | 984 JGrosshz. Pos. do. 4 [102 — Pr. Engl. Anl. 18.| 5 [1034 | — fJOstpr. Pfandbr. | 4 | — | 995 Pr. Engl. Anl. 22.| 5 | — | — f[Pomm. do. 4 [106 — Pr. Engl. Obl. 30.| 4 | 941 | 936 JKur- u. Neum. do.| 4 |106Ì | — Prüm.Sch.d.Seeh.|— | 552 | 551 fSchlesische do.| 4 | — [105% Kurm. Obl. m. I. C| 4 | 981 | 972 [Rkst.C.d.K.- u. N.|— | 677 | —
Neum Int. Sch. do.| 4 | 98 | 971 [Z.-Sch.d. K. u. N.|— | 67Ï | —
Berl. Stadt - Obl. | 4 | 99 —
Königsb. do. 4 | 98 — Holl. vyollw. Duk.|— | 174 | — Elbing. do. 4z| — | 97 Neue do.| —,| — | 185 Danz. do. in Th.|—| 37 | — |Friedrichsd’or . .|—| 13Ï | 137 Westpr. Pfandbr.| 4 [1004 | — ftDisconto . .... — 3:44
Amasterdanm, 16 April. Niederl. wirkl. Schuld 50. 52 do. 962; Ausgesetzte Schuld —.
Kanz- Bill, 225. 410 Amort. 894, 318 727. Oesterr. 965. Preuss. Främien-Scheine 97, Russ. (v. 41831) 957. 58 Span. 6217. 385 41i-
Antwerpen, 15. April, Span. 58 62x. 38 41. etall. 995. Neap. 873. St. Petersburg, 12. April.
Hamb. 3 Mon. 93. #4. Lond. 3 Mon. 10%. #4. Silb. - Ryb
3983. Kop. 58 Inseript. 95.
Wien, 416. April.
58 Met. 975. 42 87Ï. Loose zu 100 Fl. 202.
Koöontalihe SchMausp! ele.
Dienstag, 22. April. Im Schauspielhause: König Enzío,
historisches Trauerspiel in 5 Abtheilungen, von E. Raupach. Zu dieser Vorstellung bleiben die bereits gekauften, mit Sonnabend bezeichneten Schauspielhaus-Billets gültig, auch wer, den die dazu noch zu verkaufenden Billets ebenfalls mit Sonn; abend bezeichnet seyn. Sonata odtiVes Theater: Dienstag, 22. April. Zum erstenmale: Das Taschenbu Drama in 3 Akten, von Ko6ebue. (Hr. Engelbrecht, vom stän dischen Theater zu Lemberg: Eduard von Mildau, als dritt Gastrolle.) Hierauf: Vorstellung des 12jährigen Burton (iy Englischer Sprache): Neun in Eins! Posse mit Gesang in 1 Aft Personen: Der alte Beason, Henry Heéedgley, eine Bay rische Fliegel-Wedel-Verkäuferin, ein Kutscher, Demoiselle Be son, ein Französischer Barbier, die alte Beason, Paul Pry, da junge Burton. Sämmltliche Charaktere werden von dem jungen Burton ql lein dargeselit.
#* 2 ck à ¿b E A C Lv
Paris, 15. April.
X amrihten.
Y : Auch die Pairs - Kammtêr begab si gestern gegen 2 Uhr auf den Vorschlag ihres Präsidenten mq den Tuilericen, um dem Könige ihre R allen Maß:
regeln, die zur Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung etw noch erforderlich seyn möchten, anzubieten. (Die bei diejer Ge legenheit von dem Baron Pasquier gehaltene Anrede, so wie die Antwort des Königs, werden wir morgen mittheilen.)
Der Präsident der Deputirten-Kammer war gestern vot 288 Mitgliedern der Kammer in die Tuilerieen begleitet wor den. Unter ihnen bemerkte man die Herren Odilon - Barrot, Pagès, Gauthier de Rumilly, Coulmann, Merilhou u. Andere, Nachdem fich die Deputirten-Kammer wieder entfernt, kame die Herren Vivien, Gillon uud Legrand in die Tuilerieen und bedaguerten, nicht zur rechten Zeit gekommen zu seyn. Genetal Pelet hat schriftlich sein Bedauern darüber ausgedrückt, bei der Ceremonie. nicht gegenwärtig gewesen zu seyn.
Obgleich sih im Verlauf des gestrigen Tages feine Symptome von ferneren Ruhestörungen zeigten, o blieben doch starke Truppen - Corps auf den Quais, dem Grèys Plabe und den dem Schauplaß der Unruhen zunächst gelegenen Boulevards aufgestellt, und zahlreiche Patrouillen durchzogen in der verflossenen Nacht die Straßen. Die Nacht ging ruhig vorúber, und heute sind die Steinseßer damit beschäftigt, die Straßen, in denen das Steinpflaster zur Errichtung der Barth kaden aufgerissen worden war, wieder zu pflastern. Die hies gen Zeitungen find mit Details über die Vorfälle vom 13ten o O D reib Pes Sl e Das erzählt nun ebenfalls, daß in der Straße St. Martin auf dit Prinzen geschossen und ein Pflasterstein aus einem Hause alf sie herabgeschleudert worden sey. Bei diesem Anblick stürzten sih die Jnfanterie-Pelotons, welche die Prinzen begleiteten, in die Häujer, woraus die Schüsse gefallen, und ließen mehrere mit den Waffen in der Hand angetroffene Aufrührer über die Klinge springen. Man schäßt die Anzahl der in diesen Häusern gefal lenen Empörer Auf 42. — Der Capitain Kersosi wurde in dem Augen- bli verhaftet, als er eben Befehle an die Sectionairs der Ge sellschaft der Menschenrechte ertheilte; er wollte sich noch mit seinen Waffen vertheidigen; allein schon war er in den Händen der Gerechtigkeit. — Jn den Barrikaden fand man Fahnen mit einem Flor umhüllt; sie haben ebenfalls die drei Farben, abet anders geordnet, wie bei der National-Fahne. Das Weiß, Blau, Roth ist horizontal gestellt; sie tragen die Junschrift: „Gesell schaft der Rechte des Menschen und des Bürgers, 6. Bezirk, 2, Stadtviertel.“ Das Losungswort der Aufrührer war: „„republl kanische Revolution.‘
Die Regierung hat Nachrichten aus Lyon vom 12. Abends durch Stafette erhalten. Dieser Tag war noch blutig, aber ênt scheidend. Die Empörer, aus allen ihren Stellungen verjagt suchten Zuflucht in 3 oder 4 Kirchen, unter andern auch in die Kathedrale, die man belagern mußte. Alle diejenigen, welche si in dieselben eingeschlossen, sind umgekommen. Man schäßt iht Zahl auf mehr als 200. Weit der heutigen Post erwartet man nähere Details Úber diese traurigen Tage.
Es scheint außer allem Zweifel, daß zu St. Etienne ein Versuch gemacht worden, sich der dortigen Waffen-Manufaktur zu hemächtigenz; er scheiterte, nachdem der Kampf um dieselbe 2 Stunden gedauert. :
Das Journal de Pavts berichtet: ¡Die in Pationl energisch besiegte Anarchie ist zugleich aufallen Punkten Frankrei, wo Komplotte geschmiedet und verbrecherische Absichten gehegt wul/ den, besiegt worden. Jn Lyon sind alle Communicationen der herge|tellr, und Ordnung und Ruhe sind vier unheilvolen und betrúbten Tagen nachgefolgt. — Jn St. Etienne wurde dit Waffen-Manufaktur von den Aufwieglern blokirt; einige Bar faden wurden am ilten gebildet; ein Gewehrfeuer entspann sich. Allein die Truppen und die Gendarmerie stellten ml cinem bewunderungswürdigen Eifer in wenigen Stunden alle Communicationen wieder her und gaben dieser Stadt die, einen Augenblick compromittirte Ordnung und Ruhe zurück. — In Auxerre, Dijon, Macon, Chalons, Nevers ist die Ruhe, ung achtet oer von den Anarchisten verbreiteten unheilvollen Nach! richten, nicht einen einzizen Augenblick gestört worden, V!f Verkündung von der völligen Niederlage der Jnjurgenten in Lyon hat eine lebhafte Freude verursaht und alle Hoffnungen der Unruhestifter vereitelt.“
— Heute {loß 5proc. Rente pr. compt. 104. 20. lin cour, 104. 35. 3ptoc. pr. compt. 78. -——. fin cour. 78. 15. pro Neap. pr. compt. 94. 80. fin cour. 94. 95. 5proc. Span. 662. 3proc. do. 405. 5proc. Belg. 977. 5proc. Röm. 955.
Frankfurt a. M., 18. April. Oesterr. 5proc. Metall. 98% 981. proc. 882. 883. 2proc. 522. 1proc. 234. Br. Banb/ Aktien 1508. 1506. Part. - Obl. 139. 1382. Loose zu 100 G. 2063. Br. Holl, 5proc. Obl. von 1832 94,8. 94%. Poln. L: 621, —. Preuß. Präm. - Sch. 543. 541. 4proc. Anl. 922, G. Sproc. Span. Rente 624. 622. 3proc. do. perp. 414. 417.
“Redacteur Cottel. R s : Gedruckt hei A. W. Hay!
Bank - Actien 1239. Part. Obl. 1371
_Preußische Staats-:
Se. Majestät der König haben dem General-Major von ¿(eist, bisherigen Commandeur der 9ten Infanterie-Brigade, ven Bude Adler - Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub zu ver-
‘uht. ‘Des Königs Majestät haben dem Land- und Stadtgerichts- Direktor Hödpner in Stolp zum Geheimen Justiz-Rath zu er- ‘ennen, auch das desfallsige Patent Allerhöchst zu vollziehen
geruht. E i Im Bezirke der Königl. Regierung
© ¡u Breslau ist der Kandidat der Theologie, Weymann, “um Prediger der evangelischen Gemeinde zu Ölbendorf berusen orden.
Zeitungs-NachriGhten. Ausland.
Paris, 15. April. Die gestrige Sigung der Pairs- Kammer erdffnete der Minister der auswärtigen Ange- legenheiten, indem er der Versammlung die nachstehende Mircheilung Über die Unr hen in der Hauptstadt machte : „Nach- dam mir kürzlich erst die traurige Pflicht oblag, die Kammer von dem in Kenntniß zu schen, was sih in der zweiten Stadt des Königreichs zugetragen, habe ih heute die Genugthuung, ihr melden zu können, daß in Lyon das Gesehß gesiegt hat. Die Gusurgenten, in allen ihren S E befinden \ch in volllommener Aufldsung. as die Ereignisse betrifst, deren Schauplaß die Hauptstadt gewesen, so erinnere ih die Kammer in der Kürze daran, daß man uns eine Schlacht ver- prochen hatte, und daß man nur Mordthaten begangen hat. Sogar die Person des Kronprinzen ist bedroht gewesen; mch- tere Offiziere der National-Garde und der Linie haben bei Er- fállung ihrer Pflicht das Leben verloren. Jch lasse mich 1 iht in nähere Details* ein, da sie mir nur noch unvoll- ommen bekannt sind; ih muß aber jezt schon der Kam- her sagen, daß die National-Garde und die Linien - Truppen in Eifer und Hingebung für die verfassungsmäßige Monarchie jewetteifert haden, daß der National-Charakter sich durch die edel- núthigsten Handlungen im schönsten Lichte gezeigt hat; daß aber urch den traurigsten Kontrast derselbe National :- Charakter in der Person jener Rasenden herabgewürdigt worden ist, indem dieselben, aufgeregt durch die unseligen Lehrsäße, welche man seit \) langer Zeit verbreitet, versucht haben, die Hauptstadt densel- hen Greueln preiszugeben, deren sürchterlicher Schauplaß Lyon ge- esen ist, Unter diesen ernsten Umständen, m. H., bérathschlagt die Regierung über die Maßregeln, welche ste den Kammern vor- ulegen hat (Sensation); je ernster aber die Umstände sind, im so mehr wird es der Kammer in ihrer hohen Weisheit ein- leuchten, daß die Regierung jenen Maßregeln alle die Ruhe und Meberlegung zuwenden muß, welche der Zustand des Landes er- fordert.’ — Die Kammer begab sich hierauf (wie bereits gestern ‘emeldet worden) in corpore nach den Tuilerieen, wo der Ba- ron Pasquier folgende Anvede an den König hielt : „Sire, Die Pairs-Kammer hat einstimmig das Bedürfniß “empfanoen, Ew. Majestär bei einer so ernsten Gelegenheit den Ausdruck ihrer unveränderlihen Anhänglichkeit zu erneuern. Schon mehr als ein Mal hatte die Verirrung der Factionen hr diese Pflicht auferlegt. Wenn der Fanatismus derselben noch icht erschdpft ist, wenn ihre verbrecherishen Bestrebungen neuer- ‘dings ans Lichr gekommen sind, so bezeigt wenigstens ihre frucht- ose und bluigierige Wildheit mehr als jemals ihre Öhnmacht. Was dieselben auch versuchen mdgen, Sire, sie werden nie we- der den bürgerlichen Muth der National-Garde, noch den un- rschrockenen Eifer der Armee, noch die feste Anhänglichkeit der großen Staats-Kdrper , und besonders nicht die der Pairs-Kam- Mer ermúden, die ein so tiefes Gefúhl der Vaterlandsliebe und Mer gesellschaftlichen Pflicht an Ew. Majestät knüpft.“ j Der König antwortete: „Die Pairs-Kammer hat Mir hiervon in allen Krisen, Nele wir zu bestehen gehabt, Beweise gegeben. Diese letzte is eine große Lehre für alle Diejenigen, die so oft die verbre- Merische Kühnheit gehabt haben, die schmerzlichen Auftritte, de- len Zeugen wir gewesen, zu erneuern, Dem Muthe und der Uédaucr unserer tapfern Armee und unserer braven National- ade verdanken wir es wiederum, von den Gefahren, die uns bedrohten, befreit zu seyn; sie haben sih dessen, was Frankreich von ihnen erwartete, würdig gezeiat; Jch habe sie mit Meiner Lanzen Macht unterFüßzt, und Jch hege die Zuversicht, daß durch hre Mitwirkung und unter dem Beistande der Nation unsere istitutionen vor jeder Beeinträchtigung gesichert seyn werden. Dieser Schritt der Pairs-Kammer wird- die Stärke der Regie- Ung noch vermehren , eine Stärke, die in einer Zeit so noth- Vendig ist, wo die Factionen sih auf alle Weise bewegen und
euern, welche wir in diesem Augenblicke beklagen. Aber diese ffnung wird zu Schanden gemacht, und die Erwartung Frank- 0s wird nicht getäuscht werden. Jch bin tief gerührt von Pen Gesinnungen, welche die Pairs-Kammer für Meine Person n den Tag legt, und Jch wünsche, daß sie immer auf diejeni- en rechnen möge, welche Jch für sie hege, und die recht auf- richtig sind.“
Vei Man hat bemerkt, daß Herr Dupin, als er der Kammer E A Anrede an den König vorlas, in der Stelle: „so wie unse- 8 redlichen Mitwirkung zu allen geseßlichen Maßregeln‘, das ort geseßlich ganz besonders betonte.
Das Journal des Débats giebt (wie oben der Minister)
D S taa
llemals die strafbare Hoffnung verlieren, die Kalamitäten zu er- |
Dietstag deg L April
Bt E T A T P
F T A A0 V
zu verstehen, daß besondere Maßregeln ergriffen werden müß- ten, indem es am Schlusse eines längern Artikels Über die statt- gehabten Unruhen sagt: „Man kann sich nicht verhehlen, wo der Grund dieser periodischen und gewaltthätigen Ruhestörungen liegt. Es ist hier nicht der Ort, darauf einzugehen. Die großen Staats-Gewalten werden sich damit LefbAgen. Wir wollen nur das Eine sagen, daß es darauf ankommt, die Freiheit, die Civilisation und die National-Würde vor jenen Gefahren und Verbrechen zu s{üßen. Es ertdnt der allgemeine Ruf, einem so unerträglichen Zustande entrissen zu werden. Und man kann ch nicht darüber täuschen, welche Fehler uns in denselben ver- se6t haben, welche Verlockungen, welche Ausschweisungen, welche heimliche oder eingestandene Theilnahme die dffentliche Ruhe so oft gefährdet haben. Jndem wir es zugaben , daß sich eine der National: Regierung feindliche Macht im Staate errichten durfte, shwächten wir sie. Diesem Uebel mússen wir endlich abhelfen, dürfen aber dabei nicht vergessen, daß das Wort National- Regierung den Thron, die Kammern, den Wahlkörper und die dffentlichen Freiheiten in sich schließt.‘
Herr Armand Marrast, Haupt-Redacteur der Tribune, hat folgendes Schreiben in die hiesigen Dlätter einrücken lassen: „Wenn ich nur meine persdnlichen Gefühle berücksichtigte, \#o würde ih das Publikum nicht von den Attentaten der dffentli- chen Gewalt gegen die Tribune unterhalten. Aber in dem Jn- teresse der Freiheit selbst ist die Unterdrückung eines Journals, das man vergebens durch 96 Prozesse zu tôdten versucht hatte, eine sehr ernste Thatsache. Jch weiß nicht, wie die Presse diese Fructidorische Brutalität aufnehmen wird; aber sehr wohl erkenne ich die ganze Bedeutung eines solchen Vorganges. Dadurch allein schon, daß man sich der feindseligsten Övposition bemeistern konnte, hat man die gefälligste Opposition bedroht. Die Zeit wird lehren, von welcher Seite der Angriff geschah. Heute liegt uns die Sache noch zu nahe, und die Gemüther sind zu verblendet. Jch ver- lange von Jhrer Gefälligke(t nur, das Publikum davon zu un- terrihten, daß, nahdem man in unsern Bureaus auf's Gera- thewohl alle Personen, die sih daselbst befanden, verhaftet, und Alles, sogar die Banden der Adressen versiegelt, 1nan gestern auch die Pressen des Herrn Mie unter Siegel gelegt, und ihn selbst ins Gefängniß geschickft hat, wo sich sein Associé, Herr Rivail, bereits befand. Herr Sarrut is in seiner Wohnung, wo er beim Vorübergehn eintrat, hinterlistig verhaftet worden. Aller dieser Verfolgungen zum Troß würde ich die Herausgabe der Tribune fortgeseßt haben, wenn ich einen Drucker hätte finden können. Seit zwei Tagen sind aber alle Schritte, welche ih in dieser Beziehung habe thun lassen, vergebens gewesen. Jch habe keinen Drueker gefunden, der auch nur eine kurze Anzeige an unsere Abonnenten mit dem Titel: „die Tribune“/ hätte drucken wollen. Es ist eine jener Wohlthaten des Monopols, daß sogar kein bürgerlicher Muth mehr bei den80 patentirten Druckern in der Haupt- stadt der civilisirten Welt vorhanden ist. Jch hoffe, m. H., daß Sie füh- len werden, wie wichtig es für mich ist, es zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß wir nur darum die Bresche verlassen haben, weil es uns physisch unmöglich war, das Gefecht weiter fortzu- seßen. Niemals habe ich meinestheils mehr Vertrauen zu un- sern Grundsäben gehabt, mehr Glauben in unsere Sache geseßt, als seit den lezten Tagen, wo die Regierung alle Hülfsquellen einer großen Armee und alle Gewalcthätigkeiten der Willkür gntwickelt hat, um einen so kleinlichen Sieg zu erringen.
(gez.) Armand Marra s.“
Die Verordnung in Bezug auf Herrn Mie lautet folgen- dermaßen: „Der Minister, Staats-Secretair des -Jnnern, in Betracht, daß der Herr Mie, Drueker, überführt worden ist, den Gesezen und Reglements in Betreff des Bücherdrukens zu- wider gehandelt zu haben, und daß er sich dieserhalb Vorurthei- lungen zugezogen hat; nach Einsicht des Artikels 12 des Ge- sezes vom 21. Oktober 1814 verordnet: Art. 1. Das Druk- fer-Patent des Herrn“ Mie wird zurückgenommen. Art, 2. Es wird ihm untersagt, irgend einen Gebrauch von seinen Pressen zu machen, die nôthigenfalls versiegelt werden sollen. Art. 3.
| Der Polizei-Präfekt ist mit der Vollziehung der gegenwärtigen
Verordnung beauftragt. Cg) She
Paris, 16. April. Der König hat heute Herrn Chapuis, den Obersten der ten Legion der National-Garde, der am lten einen Schuß im Arm erhielt, mit einem Besuche beehrt.
Herr Baillot, der Sohu des Deputirten, ist an der erhal: tcnen Wunde gestorben.
Der National bemerkt in Bezug auf den gegen den Her- ¿og von Orleans gerichteten Mord - Versuch: „Wir haben von diesem angeblichen Mord - Versuch als von einer lächerlichen Er- findung sprechen hdren; könnten wir doch dasselbe von der Nie- dermeßzelung der 96 Aufrührer sagen !“/
In einem Hause in der Straße Transnonain , worin sich einige Jusurgenten hartnäckig vertheidigt hatten, wurden, nach- dem die Truppen eingedrungen waren, die Einwohner sämmtlich niedergemetelt, sogar Weiber und Kinder wurden nicht verschont. Die Zeitungen führen Namen, Alter und Stand der Getdödte- ten an; man findet darunter ein Kind von 5 Jahren.
In der Pairs-Kammer wurden gestern die Berathungen über den Geseß-Entwurf wegen der Stellung der Offiziere der Land- und See-Macht bis zum 8ten Artikel fortgesezt. Jm | Laufe derselben Überreichte der Großsiegelbewahrer dem Präsidenten nachstehende Königl. Verordnung :
Ludwig Philipp. Nach Einsicht des 28sten Artikels der Verfassungs-Urkunde, der die Verbrechen des Hochverraths und des Angriffs auf die Sicherheit des Staats vor die Pairs-Kammer verz | weist; in Betracht, daß auf mehreren Punkten des Landes und na- | mentlich zu Lyon am 9. und 10. April u. f.; zu St. Etienne am 41. und 12. April u. f. und zu Paris an den Tagen des 13. und 14. April Attentate gegen die Sicherheit des Staates verübt worden, deren Urheber, sie mögen nun ein- zeln, oder in Folge eines Bündnisses gehandelt haben, von dem Pairshofe zu ermitteln oder zu bestrafen sind; haben Wir verordnet und verordnen hiermit: Art. 1. Der Pairshof wird htermit zusammenberufen. Die von Paris abwesenden Pairs sind
gehalten, sîch unverzüglich hier einzufinden, wenn anders ste keinen
E S T T T T E Ä
rechtlichen Behinderungs-Grund anzugeben haben. Art. 2. Dieser Fustizhof soll sofort Über diejenigen Fndividuen richten, die als An- stifter, Beförderer oder Mitschuldige der oberwähnten Attentate ver- haftet worden, oder noch vechaftet werden möchten. Art. 3. Der=« selbe hat sih, was die Insicairung des Prozesses betrifft, an dicjeni- en Formen zu halten, die bisher von ihm beobachtet worden sind. Art. 4. Unser General-Profurator beim hiesigen Königl. Gerichts- hofe, Herr Martin (Deputirter des Departements des Nordens)- wird die Functionen eines General-Profurators beim Pairshofe ver- richten und die Herren Chegaray, Unser Prokurator beim Tridunale ecster Fnstanz zu Lyon, und Franck-Carré, Substitut unseres Gene- ral -Proturatoxs beim hiesigen Königl. Gerichtshofe, werden thm assisticen. Art. 5. Der Archivarius der Pairs- Kammer und sein Adiunft sollen als Gerichts- Schreiber fungiren. Art. 6. Unser Großsiegelbewahrer is mit der Vollziehung der gegenwärtigen Verordnung beauftragt. Gegeben zu Paris, 15. April 41834. (Gez.) Ludwig Philipp. (Contrasign.) C. Persil.
Nachdem der Präsident der Versammlung angekündigt hatte, daß sie sih, dieser Verordnung gemäß, am folgenden Tage Mit- tags 12 Uhr als Justizhof zu constituiren habe, und daß die Session geheim seyn werde, wurde die Sißung aufgehoben.
In der Deputirten-Kammer wurden gestern drei neue Gesegz-Entwürfe eingebracht. Der erste, den Herr Persil mit- theilte, enthält die Bestimmung, daß Jeder, der unbefugter Weise im Besiße von Waffen oder Krigs-Munition is, sofort vor Ge- riht geladen und mit einer einmonatlihen bis zweijährigen Haft, so wie mit einer Geldbuße von 16 bis 1000 Fr. belegt, fer- ner, daß Jeder, der bei einem Volks-Aufstande. mit bewassne- ter Hand ergriffen wird, insofern er von denselben noch feinen Gebrauch gemacht, B 5 bis 10jähriger Zwangs - Ar- beit, in so fern er aber bereits davon Gebrauch gemacht, zum Tode verurtheilt werden, endlih, daß Jeder, der unbewafsnet bei der Errichtung von Barrikaden, Verschanzun- gen u. }. w. behülflih gewesen, eine 5 bis 10jährige Gefängniß- strafe erleiden soll. Die beiden anderen Geseß-Entwürfe legte der Kriegs-Minister mit einer Rede vor, in welcher er zu beweisen sih bemúhte, daß es unter den obwaltenden Umständen unmöglich sey, die Armee mit dem 1. April d. J. von 360,000 auf 336,400 Mann zu reduciren.. Er verlangte demnach, daß die Kammer zur Aufrechthaltung jenes Bestandes nicht bloß für das laufende Jahr einen Nachshuß von 14,014,000 Fr. bewillige, fondern ihm zugleih auf sein Budget für 1835 eine Erhöhung von 22,448,000 Fr. gewähre.
Auf die in der vorgestrigen Sißung der Deputirten - Kam- mer abgegebene Erklärung des Herrn Köchlin, in welcher dieser Deputirte behauptete, daß man ihm lügenhafterweise Aeußerun- gen über eine Insurrection in Befort in den Mund gelegt habe, erwiedert der Messager: „Wir unsererseits sind von einer großen Anzahl Deputirter zu der Erklärung ermächtigt, daß jene lúgenhaften Thatsachen wirklich von Herrn Köchlin erzählt wor- den sind, daß mehrere ehrenwerthe Deputirte sie aus seinem Munde vernommen und den Journalen mitgetheilt haben, und daß es wirklich Herr Köchlin war, der ein Exemplar der repu- blikanischen Proclamation der Unteroffiziere des 52sten Regi- ments gezeigt hat. Dies Alles ist mehr als 100 Deputirten persónlich- bekannt, und wir sind Úberzeugt, daß dieselben unsere Aussagen nöthigenfalls bestätigen werden.“
Herr Marchand Dubreuil, Präfekt des Depts. des Ain, der sich, ungeachtet des an alle Präfekten erlassenen Befehls, sich unverzüg- lih auf ihre Posten zu begeben, noch in Paris aufhielt, wurde vorgestern Adend von einer Patrouille als ein Verdächtiger ver- haftet. Nach geschehener Anzeige an den Minister des Jnnern befahl dieser zwar, ihn sogleich frei zu lassen, sandte ihm aber zu gleicher Zeit scine Entlassung zu. Herr Marchand Dubreuil, der nur einige Tage lánger ln Paris geblieben war, um sich zu verheirathen, gerieth Über diese Verfügung des Ministers so in Verzweiflung, daß er sich erschoß. ;
Die der Regierung früher zugegangenen telegraphischen De- peschen, worin gemeldet wurde, daß am 13ten bereits Alles in Lyon beendigt gewesen sey, erweisen sich jet als fal\ch. Der Moniteur enthält folgenden Bericht vom 15ten d. M.: „Die Regierung hat heute zweimal telegraphische Depeschen aus. Lyon erhalten. Gestern Abend ist Alles vollständig beendigt gewesen. Die beständigen Gefechte, welche man liefern mußte, die Besez- zung der Vorstädte durch die Aufrührer, haben es verhindert, daß die Mittheilungen so häufig und so ausführlich waren, als man es wohl hätte wünschen können. Am Sonnabend den 12ten d. waren die Vorstadt la Guillotière und die vorzüglich- sten Stadt-Viertel von den Empdrern befreit, Diese Nachricht fam am Sonntag in Paris an. Es waren blutige Gesechte in der Sankt - Johannis - Kirche und auf mehreren wichtigen Punkten geliefert worden; man hoffte, daß dies -der Schluß jenes unheilvollen Kampfes gewesen seyn würde. Jndessen fuhs- ren die Aufrührer, welche vermuthlich durch falsche Nachrichten aufgeregt waren, fort, sich in Fourvières und in der Rothkreuz- Vorstadt zu schlagen. Sonntag den 13ten {lug man sich in Fourvières, Casati und in St. Georges. Am Montag den láten, also gestern, haben die Truppen St. Georges und die Rothkreuz- Vorstadt besebt. Lyon und die Vorstädte sind jeßt ganz in die Gewalt der Behörden und der Geseke zurückgekehrt. So haben also fünf Tage lang beständige Gefechte gegen einen Feind startge- habt, der, ohne viel Gefahr für sich selbst, unsern tapfern Soldaien viel Schaden zufügen konnte. Diese haben mit bewundernswür- diger Hingebung und Muth ihre Pflicht erfülle. Die Gene- rale haben eine Vorsicht und eine Festigkeit entwickelt , die über alles Lob erhaben sind. Der Präfekt hat auf edle Weise ihre Anstrengungen getheilt. Unglücklicherweise ist das Blut in Strdômen geflossen, und die durch das shwere Geschüß angerich- teten materiellen Verwüstungen sind bedeutend. Das sind die Früchte der unsinnigen Lehren, welche seit drei Jahren gepre- digt werden. Glücklicherweise können wir indeß melden, daß die Seiden - Arbeiter , deren Sache man, zu vertheidigen vorgab, keinen großen Antheil an den Unruhen genommen haben. Bes sonders sind es politische Aufwiegler und eine ziemlich bedeus tende Anzahl Fremder gewesen, welche an diesen traurigen Ta- gen die Vauptrollen gespielt haben. Die Aufrührer hatten dig
l A y i Ä p 18ck Y L
wt ra 7 O R E I AGr
“tr, R E R E AGA
S» 4 E S R E E V E
ar: O E O O E A A S ZE E Df P S L R ri
S E R A E
E R S R B D E E a5

References: Art. 1
 Art. 3
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 4
 Art. 5
 Art. 6