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Timestamp: 2019-10-22 05:02:15+00:00

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BGH, 06.02.2007 - VI ZR 55/06 - dejure.org
https://dejure.org/2007,1623
BGH, 06.02.2007 - VI ZR 55/06 (https://dejure.org/2007,1623)
BGH, Entscheidung vom 06.02.2007 - VI ZR 55/06 (https://dejure.org/2007,1623)
BGH, Entscheidung vom 06. Februar 2007 - VI ZR 55/06 (https://dejure.org/2007,1623)
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BGB §§ 823 Abs. 1, 253; SGB VII § 105 Abs. 1
Erstreckung des Haftungsausschlusses nach § 105 Abs. 1 Sozialgesetzbuch Siebtes Buch (SGB VII) auf Schmerzensgeldansprüche von Angehörigen oder Hinterbliebenen eines Versicherten aufgrund sog. Schockschäden infolge eines Arbeitsunfalles des Versicherten; Zulässigkeit einer ...
Schockschäden von Angehörigen oder Hinterbliebenen - Schmerzensgeldansprüche - kein Haftungsausschluss nach § 105 Abs. 1 SGB VII
§ 105 Abs. 1 SGB VII
Schockschäden der Angehörigen wegen Arbeitsunfall - Haftungsausschluss
Haftung für Schockschäden naher Angehöriger, Einfluß des Mitverschuldens des Primärgeschädigten, keine Erstreckung des Haftungsausschlusses nach § 105 I SGB VII
BGB § 823 Abs. 1 § 253; SGB VII § 105 Abs. 1
§ 105 SGB VII findet auf sog. Schockschäden Dritter keine Anwendung
Sohn bei Arbeitsunfall getötet - Kann die Mutter vom schuldigen Kollegen Schmerzensgeld verlangen?
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 06.02.2007, Az.: VI ZR 55/06 (Sozialrechtlicher Haftungsausschluss und Schmerzensgeld wegen Schockschaden)" von RiLG Dr. Jan Luckey, LL.M., original erschienen in: SVR 2008, 21 - 22.
LG Offenburg, 30.09.2004 - 2 O 138/04
OLG Karlsruhe, 10.02.2006 - 14 U 174/04
NJW-RR 2007, 1395
MDR 2007, 953
NZV 2007, 453
FamRZ 2007, 901
VersR 2007, 803
a) Ein solcher Schadensersatzanspruch aus § 7 Abs. 1, § 11 Satz 2, § 18 Abs. 1 StVG, § 823 Abs. 1, § 253 BGB wäre zwar, obwohl die Klägerin einen Gesundheitsschaden nur mittelbar als (psychische) Folge des tödlichen (Verkehrs-)Unfalls ihrer Hündin erlitten haben will, ein eigener Schadensersatzanspruch wegen der Verletzung eines eigenen Rechtsguts (vgl. Senatsurteile vom 11. Mai 1971 - VI ZR 78/70, BGHZ 56, 163, 168; vom 13. Januar 1976 - VI ZR 58/74, VersR 1976, 539, 540 und vom 6. Februar 2007 - VI ZR 55/06, VersR 2007, 803 Rn. 10).
Deshalb setzt die Zurechnung psychischer Beeinträchtigungen wie Trauer und Schmerz nicht nur eine - hier zugunsten der Klägerin revisionsrechtlich zu unterstellende pathologisch fassbare - Gesundheitsbeschädigung voraus, sondern auch eine besondere personale Beziehung des solcherart "mittelbar" Geschädigten zu einem schwer verletzten oder getöteten Menschen (…vgl. Senatsurteile vom 11. Mai 1971 - VI ZR 78/70, aaO S. 170; vom 31. Januar 1984 - VI ZR 56/82, VersR 1984, 439; vom 12. November 1985 - VI ZR 103/84, VersR 1986, 240, 241;… vom 4. April 1989 - VI ZR 97/88, aaO;… vom 13. Januar 1976 - VI ZR 58/74, aaO und vom 6. Februar 2007 - VI ZR 55/06, Rn. 8, 10).
Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats können psychische Beeinträchtigungen wie Trauer und Schmerz beim Tod oder bei schweren Verletzungen naher Angehöriger, mögen sie auch für die körperliche Befindlichkeit medizinisch relevant sein, nur dann als Gesundheitsbeschädigung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB angesehen werden, wenn sie pathologisch fassbar sind und über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen hinausgehen, denen Hinterbliebene bei der Benachrichtigung von dem Unfall eines nahen Angehörigen oder dem Miterleben eines solchen Unfalls erfahrungsgemäß ausgesetzt sind (vgl. Senatsurteile vom 13. Januar 1976 - VI ZR 58/74, VersR 1976, 539, 540; vom 31. Januar 1984 - VI ZR 56/82, VersR 1984, 439; vom 4. April 1989 - VI ZR 97/88, VersR 1989, 853, 854; vom 6. Februar 2007 - VI ZR 55/06, VersR 2007, 803 Rn. 6, 10;… vom 20. März 2012 - VI ZR 114/11, VersR 2012, 634 Rn. 8 und vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, zVb; ablehnend: Staudinger/Schiemann, BGB, Neubearb.
Ein solcher Schadensersatzanspruch aus § 7 Abs. 1, § 11 Satz 2 StVG, § 823 Abs. 1, § 843 Abs. 1, § 253 BGB i.V.m. § 3 Nr. 1 PflVG in der hier anzuwendenden bis zum 31. Dezember 2007 geltenden Fassung wäre zwar ein eigener Schadensersatzanspruch wegen der Verletzung eines eigenen Rechtsguts (vgl. Senatsurteile vom 11. Mai 1971 - VI ZR 78/70, BGHZ 56, 163, 168;… vom 20. März 2012 - VI ZR 114/11, BGHZ 193, 34 Rn. 8; vom 13. Januar 1976 - VI ZR 58/74, VersR 1976, 539, 540 und vom 6. Februar 2007 - VI ZR 55/06, VersR 2007, 803 Rn. 10).
a) Eine Vermögensbeeinträchtigung ist dann ein Personenschaden, wenn sie durch die Verletzung oder Tötung eines Menschen verursacht wird; hierunter fällt nicht nur der immaterielle Schaden (Schmerzensgeld), sondern auch jeder mittelbare materielle Vermögensschaden als Folge der Körperverletzung (vgl. nur BGH, Versäumnisurteil vom 6. Februar 2007 - VI ZR 55/06, NJW-RR 2007, 1395 Rn. 8;… Urteil vom 12. Juni 2007 - VI ZR 70/06, VersR 2007, 1131 Rn. 11; BAG, NJW 1989, 2838; 2003, 1890; 2004, 3360, 3361 f; OLG Saarbrücken r + s 1999, 374, 375;… Geigel/Wellner, Der Haftpflichtprozess, 26. Aufl., § 31 Rn. 16;… Krasney in Becker/Burchardt/Krasney/Kruschinsky, Gesetzliche Unfallversicherung - SGB VII, Bd. 3, 13. Aufl., Stand September 2010, § 104, Rn. 17 f;… Waltermann in Eichenhofer/Wenner, Kommentar zum Sozialgesetzbuch VII, § 104 Rn. 17 f;… Rapp in LPK-SGB VII, 2. Aufl., § 104 Rn. 24).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs können psychische Beeinträchtigungen wie Trauer und Schmerz beim Tod oder bei schweren Verletzungen naher Angehöriger, mögen sie auch für die körperliche Befindlichkeit medizinisch relevant sein, nur dann als Gesundheitsbeschädigung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB angesehen werden, wenn sie pathologisch fassbar sind und über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen hinausgehen, denen Hinterbliebene bei der Benachrichtigung von dem Unfall eines nahen Angehörigen oder dem Miterleben eines solchen Unfalls erfahrungsgemäß ausgesetzt sind (vgl. BGH, Urteile vom 13. Januar 1976 - VI ZR 58/74, VersR 1976, 539, 540; vom 31. Januar 1984 - VI ZR 56/82, VersR 1984, 439; vom 4. April 1989 - VI ZR 97/88, VersR 1989, 853, 854; vom 6. Februar 2007 - VI ZR 55/06, VersR 2007, 803 Rn. 6, 10;… vom 20. März 2012 - VI ZR 114/11, VersR 2012, 634 Rn. 8; vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, VersR 2015, 501;… vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14 -, Rn. 9, NJW 2015, 2246).
Diese Gesundheitsbeschädigung kann dann ausgleichspflichtig sein, wenn sie über die Auswirkungen hinausgeht, die nahe Angehörige in dieser Situation des Verlustes erfahrungsgemäß erleiden müssen (vgl. grundlegend BGHZ 56, 163; zuletzt aufgegriffen in BGH VersR 2007, 803).
c) Nach einer neueren Entscheidung des BGH (VU v. 6. Februar 2007, VI ZR 55/06) soll der Haftungsausschluss nach § 105 Abs. 1 SGB VII allerdings nicht für Schmerzensgeldansprüche von Angehörigen oder Hinterbliebenen eines Versicherten aufgrund so genannter Schockschäden infolge eines Arbeitsunfalls des Versicherten gelten.
Zudem bedarf es einer besonderen personalen Beziehung des mittelbar Geschädigten zu dem Schwerverletzten oder getöteten Menschen, wofür das Vorliegen gegebene Eltern-Kind-Verhältnis genügt (vgl. BGH, NJW-RR 2007, 1395).
Unter Personenschäden im Sinne der §§ 104, 105 SGB VII fallen nämlich nicht nur immaterielle Schäden (Schmerzensgeld), sondern auch Vermögensbeeinträchtigungen wegen Verletzung oder Tötung des Versicherten (BAG…, Urteil vom 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 -, BAGE 103, 92 ff., juris Rn. 16; BGH, Versäumnisurteil vom 06. Februar 2007 - VI ZR 55/06 - NJW-RR 2007, 1395 ff., juris Rn. 8).
OLG Hamm, 28.08.2018 - 24 U 127/16
Unfall während der Fahrt eines Museumszuges
LG Osnabrück, 28.01.2014 - 10 O 2240/13
Landgericht verweist Schmerzensgeldprozess wegen tödlichem Arbeitsunfall in …

References: § 105
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 § 823
 § 253
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 § 843
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 § 31
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