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Timestamp: 2020-08-12 11:50:30+00:00

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Preisanpassungen - und die Transparenzanforderungen der Gas-Richtlinie | Energielupe
Die hier­durch im Tarif­kun­den­ver­trag ein­ge­tre­te­ne Rege­lungs­lü­cke ist im Wege einer gebo­te­nen ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 157, 133 BGB) dahin­ge­hend zu schlie­ßen, dass das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men berech­tigt ist, Kos­ten­stei­ge­run­gen sei­ner eige­nen (Bezugs)Kosten, soweit die­se nicht durch Kos­ten­sen­kun­gen in ande­ren Berei­chen aus­ge­gli­chen wer­den, an den Tarif­kun­den wei­ter­zu­ge­ben, und das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen. Der nach die­ser Maß­ga­be berech­tig­ter­wei­se erhöh­te Preis wird zum ver­ein­bar­ten Preis. Für eine zusätz­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le gemäß § 315 BGB ist des­halb kein Raum.
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te das kla­gen­de Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Stei­ge­run­gen sei­ner eige­nen Gas­be­zugs­kos­ten zum Anlass genom­men, die­se durch ent­spre­chen­de Preis­er­hö­hun­gen an die beklag­ten Tarif­kun­den wei­ter­zu­ge­ben. Die­se wider­spra­chen den Preis­er­hö­hun­gen und zahl­ten die Erhö­hungs­be­trä­ge nicht oder ledig­lich zu einem gerin­gen Teil. Mit ihren Kla­gen hat das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Zah­lung des rest­li­chen Ent­gelts für die von ihm erbrach­ten Erd­gas­lie­fe­run­gen begehrt. Die Kla­gen hat­te in den Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt [7] und dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf [8] Erfolg. Die vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf zuge­las­se­ne Gas­ver­sor­ge­rin des beklag­ten Gas­kun­den hat der Bun­des­ge­richts­hof nun eben­falls zurück­ge­wie­sen: zwar ste­he dem Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ein Recht zur Wei­ter­ga­be von (Bezugs)Kostensteigerungen nicht (mehr) aus § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, aber auf­grund einer gebo­te­nen ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 157, 133 BGB) des Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges der Par­tei­en zu:
Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat der Gas­ver­sor­ge­rin im Ergeb­nis zu Recht einen Anspruch aus § 433 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit dem Gas­lie­fe­rungs­ver­trag der Par­tei­en auf Zah­lung rest­li­chen Ent­gelts in Höhe von 813, 35 € nebst Zin­sen für die Gas­lie­fe­run­gen in den Abrech­nungs­jah­ren 2004 bis 2007 zuer­kannt und dem Beklag­ten (auch) hin­sicht­lich des über­ein­stim­mend in der Haupt­sa­che für erle­digt erklär­ten Teils der ursprüng­li­chen Kla­ge­for­de­rung die Kos­ten des Beru­fungs­ver­fah­rens auf­er­legt (§ 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO). Aller­dings war die Gas­ver­sor­ge­rin ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf im Rah­men des hier vor­lie­gen­den Tarif­kun­den­ver­trags nicht schon des­we­gen zu einer Erhö­hung des Arbeits­prei­ses berech­tigt, weil nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs dem – hier maß­geb­li­chen – § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ein nur den in die­ser Vor­schrift genann­ten Wirk­sam­keits­er­for­der­nis­sen unter­lie­gen­des gesetz­li­ches Recht ent­nom­men wor­den ist, die Prei­se ein­sei­tig nach bil­li­gem Ermes­sen zu ändern. Denn an der vor­be­zeich­ne­ten Recht­spre­chung kann nach dem auf Vor­la­ge des Bun­des­ge­richts­hofs ergan­ge­nen Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 23.10.2014 (EuGH, Urteil vom 23.10.2014 – C‑359/​11 und C‑400/​11, NJW 2015, 849 – Schulz und Egbring­hoff)) nicht fest­ge­hal­ten wer­den, da § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV nicht mit den Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG ver­ein­bar ist. Ein die­sen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen ent­spre­chen­des gesetz­li­ches Preis­än­de­rungs­recht des Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens im Tarif­kun­den­be­reich kann auch nicht aus einer richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV oder der die Grund­ver­sor­gung betref­fen­den Vor­schrif­ten des – der AVB­GasV zugrun­de­lie­gen­den – Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes her­ge­lei­tet wer­den, da eine sol­che Aus­le­gung über den erkenn­ba­ren Wil­len des (natio­na­len) Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­bers hin­aus­gin­ge. Eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung der Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG kommt im vor­lie­gen­den Fall eben­falls nicht in Betracht.
Jedoch ergibt sich aus einer gebo­te­nen ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 157, 133 BGB) des Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges der Par­tei­en, dass die Gas­ver­sor­ge­rin berech­tigt ist, Kos­ten­stei­ge­run­gen ihrer eige­nen (Bezugs)Kosten wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an den Beklag­ten wei­ter­zu­ge­ben, und sie ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen. Hier­von aus­ge­hend war die Gas­ver­sor­ge­rin zu den streit­ge­gen­ständ­li­chen Erhö­hun­gen des Arbeits­prei­ses berech­tigt und begeg­nen die­se, wie das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ohne Rechts­feh­ler fest­ge­stellt hat, auch der Höhe nach kei­nen Beden­ken.
Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat den Ener­gie­lie­fe­rungs­ver­trag der Par­tei­en – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Gas­ver­sor­ge­rin – rechts­feh­ler­frei als einen Tarif­kun­den­ver­trag (jetzt: Grund­ver­sor­gungs­ver­trag) ange­se­hen. Ver­geb­lich rügt die Gas­ver­sor­ge­rin, aus der von der Gas­ver­sor­ge­rin vor­ge­nom­me­nen Best­preis­ab­rech­nung fol­ge, dass es sich um einen Son­der­kun­den­ver­trag han­de­le.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt es für die Fra­ge, ob es sich bei öffent­lich bekannt gemach­ten Ver­trags­mus­tern und Prei­sen um Tarif- bezie­hungs­wei­se Grund­ver­sor­gungs­ver­trä­ge mit all­ge­mei­nen Tarif­prei­sen im Sin­ne von § 6 Abs. 1 des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes (EnWiG 1935) in der im Bun­des­ge­setz­blatt Teil III, Glie­de­rungs­num­mer 7521, ver­öf­fent­lich­ten berei­nig­ten Fas­sung, All­ge­mei­nen Tari­fen im Sin­ne von § 10 Abs. 1 des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes vom 24.04.1998 ( EnWG 1998) [9] oder All­ge­mei­nen Prei­sen im Sin­ne von § 36 Abs. 1 des Geset­zes über die Elek­tri­zi­täts- und Gas­ver­sor­gung (Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz – EnWG 2005) vom 07.07.2005 [10] han­delt, dar­auf an, ob das betref­fen­de Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Ver­sor­gung zu den öffent­lich bekannt gemach­ten Bedin­gun­gen und Prei­sen – aus der Sicht eines durch­schnitt­li­chen Abneh­mers – im Rah­men einer Ver­sor­gungs­pflicht nach den genann­ten Vor­schrif­ten oder unab­hän­gig davon im Rah­men der all­ge­mei­nen Ver­trags­frei­heit anbie­tet [11]. Ers­te­res ist hier nach den rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf der Fall.
Wie das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf eben­falls zutref­fend erkannt hat, steht es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs einem Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men – anders als die Gas­ver­sor­ge­rin meint – auch im Rah­men der Grund­ver­sor­gung frei, ver­schie­de­ne Tari­fe anzu­bie­ten, und zwar auch sol­che, bei denen – wie hier – die Tarif­ein­stu­fung auto­ma­tisch nach dem Prin­zip der Best­preis­ab­rech­nung erfolgt [12].
Mit ihrer dem­ge­gen­über ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, ein etwai­ges Tarif­kun­den­ver­hält­nis der Par­tei­en sei durch die Ankün­di­gung der Gas­ver­sor­ge­rin, eine Best­preis­ab­rech­nung vor­zu­neh­men, in ein (Norm)Sonderkundenverhältnis umge­wan­delt wor­den, ver­kennt die Gas­ver­sor­ge­rin zudem, dass ein Tarif­kun­den­ver­hält­nis nicht ohne wei­te­res durch ein­sei­ti­ge Erklä­rung des Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens in ein (Norm)Sonderkundenverhältnis umge­wan­delt wer­den kann [13]. Eine hier­für nach der vor­ste­hend genann­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs viel­mehr erfor­der­li­che aus­drück­li­che oder kon­klu­den­te Ver­trags­än­de­rung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf nicht fest­ge­stellt. Über­gan­ge­nen Sach­vor­trag zeigt die Gas­ver­sor­ge­rin inso­weit nicht auf.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat ein berech­tig­tes Inter­es­se (auch) von Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, Kos­ten­stei­ge­run­gen wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an ihre Kun­den wei­ter­zu­ge­ben, grund­sätz­lich aner­kannt [14]. Für den Tarif­kun­den­be­reich hat der Bun­des­ge­richts­hof bis zu sei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen in der Sache – VIII ZR 71/​10 [15] der – hier gemäß § 115 Abs. 2 Satz 3 EnWG 2005 und der Über­gangs­re­ge­lung in § 23 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den und die Ersatz­ver­sor­gung mit Gas aus dem Nie­der­druck­netz (Gas­grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nung – GasGVV) vom 26.10.2006 [16] maß­geb­li­chen – Vor­schrift des § 4 Abs. 1 und 2 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den vom 21.06.1979 [17] ent­nom­men, dass dem Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men das Recht zusteht, Prei­se nach bil­li­gem Ermes­sen (§ 315 BGB) zu ändern [18]. Wei­ter hat er aus die­ser Vor­schrift abge­lei­tet, dass den Gas­ver­sor­ger auf­grund der gesetz­li­chen Bin­dung des all­ge­mei­nen Tarifs an den Maß­stab der Bil­lig­keit zugleich die Rechts­pflicht trifft, bei einer Preis­än­de­rung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so und nach glei­chen Maß­stä­ben zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen [19].
In § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV war bestimmt, dass das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zu den jewei­li­gen all­ge­mei­nen Tari­fen und Bedin­gun­gen Gas zur Ver­fü­gung stellt und dass Ände­run­gen der all­ge­mei­nen Tari­fe und Bedin­gun­gen erst nach öffent­li­cher Bekannt­ga­be wirk­sam wer­den. Mit der Ein­fü­gung des Wor­tes „jewei­li­gen“ soll­te nach der Begrün­dung des Ver­ord­nungs­ge­bers [20] aus­drück­lich klar­ge­stellt wer­den, dass das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Mög­lich­keit hat, die all­ge­mei­nen Tari­fe durch öffent­li­che Bekannt­ga­be glei­tend, das heißt ohne Kün­di­gung, zu ändern. In der Begrün­dung zu § 4 AVB­GasV heißt es hier­zu [21]:
Dar­aus hat der Bun­des­ge­richts­hof her­ge­lei­tet, dass § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, auch wenn dar­in ein Preis­än­de­rungs­recht nicht aus­drück­lich kodi­fi­ziert ist, den Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men im Bereich der Ver­sor­gung von Tarif­kun­den ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht gewährt [22].
Die­se Vor­schrif­ten sind mit Wir­kung zum 8.11.2006 durch § 5 Abs. 2 GasGVV ersetzt wor­den, ohne dass sich dadurch in der Sache etwas ändern soll­te [23]. Nach § 6 Abs. 1 Satz 2 GasGVV ist der Grund­ver­sor­ger auch wei­ter­hin nur ver­pflich­tet, dem Kun­den zu den jewei­li­gen All­ge­mei­nen Prei­sen und Bedin­gun­gen Gas zur Ver­fü­gung zu stel­len. Ent­spre­chend geht § 17 Abs. 1 Satz 3 GasGVV davon aus, dass All­ge­mei­ne Prei­se für Gas auf einer ein­sei­ti­gen Leis­tungs­be­stim­mung durch den Ver­sor­ger beru­hen kön­nen, die der Kun­de nach § 315 BGB auf ihre Bil­lig­keit hin über­prü­fen las­sen kann [24].
Da die im Streit­fall maß­geb­li­che Rege­lung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB-GasV hin­sicht­lich Anlass, Vor­aus­set­zun­gen und Umfang des dem Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zuste­hen­den ein­sei­ti­gen Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts [25] kei­ne nähe­ren tat­be­stand­li­chen Kon­kre­ti­sie­run­gen ent­hält, hängt die Mög­lich­keit, die­ser Vor­schrift im Aus­le­gungs­we­ge ein wirk­sa­mes Preis­än­de­rungs­recht zu ent­neh­men, davon ab, ob sol­che tat­be­stand­li­chen Kon­kre­ti­sie­run­gen von Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A Buchst. b oder c der Richt­li­nie 2003/​55/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2003 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Erd­gas­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 98/​30/​EG [26] gefor­dert wer­den [27].
Der Uni­ons­ge­richts­hof hat die­se Fra­ge sowie die ihm durch Beschluss vom 29.06.2011 [28] vor­ge­leg­te, zu gemein­sa­mer Ent­schei­dung ver­bun­de­ne gleich­lau­ten­de Fra­ge zu § 4 Abs. 1 und 2 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung von Tarif­kun­den vom 21.06.1979 [29] bezie­hungs­wei­se zu § 5 Abs. 2 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den und die Ersatz­ver­sor­gung mit Elek­tri­zi­tät aus dem Nie­der­span­nungs­netz vom 26.10.2006 (Strom­grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nung – StromGVV) [16] und zu Art. 3 Abs. 5 Satz 3 bis 5 in Ver­bin­dung mit Anhang A Buchst. b oder c der Richt­li­nie 2003/​54/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2003 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Elek­tri­zi­täts­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 96/​92/​EG [30] mit Urteil vom 23.10.2014 [31] wie folgt beant­wor­tet:
Neben den in den bei­den Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­ge­richts­hofs genann­ten Richt­li­ni­en (Gas-Richt­li­nie und Strom-Richt­li­nie) fin­de hier – anders als in dem eben­falls auf Vor­la­ge des Bun­des­ge­richts­hofs [32] ergan­ge­nen, Gas­lie­fe­rungs­ver­trä­ge mit Son­der­kun­den betref­fen­den Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 21.03.2013 [33] – nicht auch die Richt­li­nie 93/​13/​EWG des Rates vom 05.04.1993 über miss­bräuch­li­che Klau­seln in Ver­brau­cher­ver­trä­gen (Klau­sel-Richt­li­nie) [34], Anwen­dung. Denn nach Art. 1 der Klau­sel-Richt­li­nie unter­lä­gen Ver­trags­klau­seln, die – wie hier – auf bin­den­den Rechts­vor­schrif­ten beruh­ten, nicht den Bestim­mun­gen die­ser Richt­li­nie.
Abs. 3 der Gas-Richt­li­nie und Art. 3 Abs. 5 der Strom-Richt­li­nie ent­hiel­ten die Bestim­mun­gen, die die Errei­chung des vor­ste­hend genann­ten Ziels ermög­lich­ten. Aus dem Wort­laut die­ser Vor­schrif­ten gehe her­vor, dass die Mit­glied­staa­ten geeig­ne­te Maß­nah­men zum Schutz der End­kun­den zu ergrei­fen und ins­be­son­de­re dafür Sor­ge zu tra­gen hät­ten, dass für schutz­be­dürf­ti­ge Kun­den ein ange­mes­se­ner Schutz bestehe. Da die Strom- und Gas­ver­sor­ger, wenn sie – wie hier – als Ver­sor­ger letz­ter Instanz han­del­ten, ver­pflich­tet sei­en, im Rah­men der durch die natio­na­len Rechts­vor­schrif­ten auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen mit allen Kun­den, die dar­um ersuch­ten und die dazu berech­tigt sei­en, zu den in die­sen Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Bedin­gun­gen Ver­trä­ge zu schlie­ßen, sei­en aller­dings die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen die­ser Ver­sor­ger inso­weit zu berück­sich­ti­gen, als sie sich die ande­re Ver­trags­par­tei nicht aus­su­chen und den Ver­trag nicht belie­big been­den könn­ten. Was zum ande­ren kon­kret die Rech­te der Kun­den betref­fe, müss­ten die Mit­glied­staa­ten nach den oben genann­ten Vor­schrif­ten der Richt­li­ni­en in Bezug auf die Trans­pa­renz der all­ge­mei­nen Ver­trags­be­din­gun­gen einen hohen Ver­brau­cher­schutz gewähr­leis­ten. Den Kun­den müs­se neben ihrem in Anhang A Buchst. b bei­der Richt­li­ni­en ver­an­ker­ten Recht, sich vom Lie­fer­ver­trag zu lösen, auch die Befug­nis erteilt wer­den, gegen Ände­run­gen der Lie­fer­prei­se vor­zu­ge­hen.
Aus­gangs­punkt für eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung oder Rechts­fort­bil­dung ist § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, der durch das vor­be­zeich­ne­te Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs und die sich dar­aus erge­ben­de Unver­ein­bar­keit mit den Trans­pa­renz­erfor­der­nis­sen der Gas-Richt­li­nie nicht unan­wend­bar gewor­den ist. Gemäß Art. 267 Abs. 1 Buchst. b AEUV ent­schei­det der Uni­ons­ge­richts­hof beim Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren ledig­lich über die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts [35], nicht hin­ge­gen über die Ver­ein­bar­keit natio­na­ler Rechts­nor­men mit den gemein­schafts­recht­li­chen Vor­schrif­ten und dem­zu­fol­ge auch nicht über die Fra­ge der mög­li­chen Unan­wend­bar­keit der betref­fen­den natio­na­len Rechts­nor­men wegen deren Uni­ons­rechts­wid­rig­keit [36].
Die natio­na­len Gerich­te sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs auf­grund des Umset­zungs­ge­bots gemäß Art. 288 Abs. 3 AEUV und des Grund­sat­zes der Gemein­schafts­treue gemäß Art. 4 Abs. 3 EUV ver­pflich­tet, die Aus­le­gung des natio­na­len Rechts unter vol­ler Aus­schöp­fung des Beur­tei­lungs­spiel­raums, den ihnen das natio­na­le Recht ein­räumt, soweit wie mög­lich am Wort­laut und Zweck der Richt­li­nie aus­zu­rich­ten, um das mit der Richt­li­nie ver­folg­te Ziel zu errei­chen [37].
Die­ser von der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs gepräg­te Grund­satz der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung ver­langt von den natio­na­len Gerich­ten mehr als eine blo­ße Aus­le­gung im enge­ren Sin­ne. Er erfor­dert auch, das natio­na­le Recht, wo dies nötig und mög­lich ist, richt­li­ni­en­kon­form fort­zu­bil­den [38]. Eine Rechts­fort­bil­dung setzt eine ver­deck­te Rege­lungs­lü­cke im Sin­ne einer plan­wid­ri­gen Unvoll­stän­dig­keit des Geset­zes vor­aus [39]. Eine sol­che ist etwa dann anzu­neh­men, wenn der Gesetz­ge­ber mit der von ihm geschaf­fe­nen Rege­lung eine Richt­li­nie umset­zen woll­te, hier­bei aber deren Inhalt miss­ver­stan­den hat [40].
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier indes nicht erfüllt. Eine richt­li­ni­en­kon­for­me Rechts­fort­bil­dung, die im Ergeb­nis dazu führ­te, die Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie in der Aus­le­gung, die die­se durch das oben genann­te Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 23.10.2014 gefun­den haben, in das natio­na­le Recht, hier nament­lich in § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, ergän­zend auf­zu­neh­men, wür­de die den Gerich­ten durch den Wil­len des natio­na­len Gesetz­ge­bers gezo­ge­nen Gren­zen der Aus­le­gung über­schrei­ten. Dies gilt erst recht, wenn die Ein­hal­tung die­ser Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen als Vor­aus­set­zung für die Wirk­sam­keit einer Preis­än­de­rung anzu­se­hen wäre [41].
Der Grund­satz der uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung des natio­na­len Rechts unter­liegt nach der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs bestimm­ten Schran­ken. So fin­det die Ver­pflich­tung des natio­na­len Rich­ters, bei der Aus­le­gung und Anwen­dung der ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten des inner­staat­li­chen Rechts den Inhalt einer Richt­li­nie her­an­zu­zie­hen, ihre Schran­ken in den all­ge­mei­nen Rechts­grund­sät­zen und darf nicht als Grund­la­ge für eine Aus­le­gung con­tra legem des natio­na­len Rechts die­nen [42].
Auch nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gilt der Grund­satz richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung nicht schran­ken­los. Er fin­det viel­mehr dort sei­ne Gren­ze, wo die natio­na­le Vor­schrift nicht richt­li­ni­en­kon­form aus­ge­legt wer­den könn­te, ohne dabei die Gren­zen der ver­fas­sungs­recht­li­chen Bin­dung des Rich­ters an das Gesetz zu spren­gen. Eine die Geset­zes­bin­dung des Rich­ters über­schrei­ten­de Aus­le­gung ist auch durch den Grund­satz der Uni­ons­treue nicht zu recht­fer­ti­gen [43].
Dies gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts glei­cher­ma­ßen und unab­hän­gig davon, ob das anzu­wen­den­de ein­fa­che natio­na­le Recht der Umset­zung einer Richt­li­nie der Euro­päi­schen Uni­on dient oder nicht. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der aus Art. 4 Abs. 3 EUV fol­gen­de Grund­satz der Uni­ons­treue alle mit­glied­staat­li­chen Stel­len, also auch Gerich­te, dazu ver­pflich­tet, die­je­ni­ge Aus­le­gung des natio­na­len Rechts zu wäh­len, die dem Inhalt einer EU-Richt­li­nie in der ihr vom Uni­ons­ge­richts­hof gege­be­nen Aus­le­gung ent­spricht. Denn die uni­ons­recht­li­che Pflicht zur richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung ver­pflich­tet das natio­na­le Gericht zwar, durch die Anwen­dung sei­ner Aus­le­gungs­me­tho­den ein richt­li­ni­en­kon­for­mes Ergeb­nis zu erzie­len. Aller­dings fin­det die Pflicht zur Ver­wirk­li­chung des Richt­li­ni­en­ziels im Aus­le­gungs­we­ge zugleich ihre Gren­zen an dem nach inner­staat­li­cher Rechts­tra­di­ti­on metho­disch Erlaub­ten. Ob und inwie­weit das inner­staat­li­che Recht eine ent­spre­chen­de richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung zulässt, kön­nen nur inner­staat­li­che Gerich­te beur­tei­len. Sowohl die Iden­ti­fi­zie­rung als auch die Wahr­neh­mung metho­di­scher Spiel­räu­me des natio­na­len Rechts obliegt – auch bei durch Richt­li­ni­en deter­mi­nier­tem natio­na­lem Recht – den natio­na­len Stel­len in den Gren­zen des Ver­fas­sungs­rechts [44].
Dem­entspre­chend hat auch der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den, dass eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung – eben­so wie die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung – vor­aus­setzt, dass durch eine sol­che Aus­le­gung der erkenn­ba­re Wil­le des Gesetz- oder Ver­ord­nungs­ge­bers nicht ver­än­dert wird, son­dern die Aus­le­gung sei­nem Wil­len (noch) ent­spricht [45].
Eine an Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie ange­pass­te Ände­rung der – hier anzu­wen­den­den – AVB­GasV durch den hier­zu gemäß § 11 Abs. 2 EnWG 1998 ermäch­tig­ten Ver­ord­nungs­ge­ber ist weder inner­halb der Umset­zungs­frist noch danach erfolgt. Eine dahin­ge­hen­de Auf­for­de­rung ist sei­tens des Gesetz­ge­bers auch nicht aus­ge­spro­chen wor­den. Viel­mehr sind Umset­zungs­be­stre­bun­gen erst­mals mit dem Gesetz­ent­wurf zur Neu­re­ge­lung des Ener­gie­wirt­schafts­rechts vom 14.10.2004 [46] erfolgt.
Gemäß § 1 Abs. 3 des am 13.07.2005 schließ­lich in Kraft getre­te­nen EnWG 2005 dien­te die­ses Gesetz unter ande­rem der Umset­zung und der Durch­füh­rung des Euro­päi­schen Gemein­schafts­rechts auf dem Gebiet der lei­tungs­ge­bun­de­nen Ener­gie­ver­sor­gung. In der all­ge­mei­nen Begrün­dung des dem EnWG 2005 zugrun­de lie­gen­den Gesetz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung zum Zwei­ten Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Ener­gie­wirt­schafts­rechts vom 14.10.2004 wird unter ande­rem aus­ge­führt, mit der Neu­fas­sung des EnWG wür­den die Strom-Richt­li­nie und die Gas-Richt­li­nie umge­setzt [47].
Jedoch soll­te aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung die Umset­zung der in Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie ent­hal­te­nen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen [27] ein­schließ­lich der Rech­te der Gas­kun­den, sich vom Lie­fer­ver­trag zu lösen und gegen Ände­run­gen der Lie­fer­prei­se vor­zu­ge­hen, nicht durch den Gesetz­ge­ber selbst erfol­gen, son­dern einer noch zu erlas­sen­den Rechts­ver­ord­nung über­las­sen blei­ben. Dies ergibt sich aus der Geset­zes­be­grün­dung zu §§ 36, 39 EnWG 2005.
„Die Vor­schrift dient der Umset­zung von Arti­kel 3 Abs. 3 Satz 1 und 2 der Elek­tri­zi­täts­richt­li­nie und Arti­kel 3 Abs. 1 [gemeint mög­li­cher­wei­se: Abs. 3] Satz 1 bis 3 der Gas­richt­li­nie. […]. Der Inhalt des Grund­ver­sor­gungs­ver­tra­ges kann nach § 39 durch Rechts­ver­ord­nung näher aus­ge­stal­tet wer­den. […].“ [48]
„[…] Absatz 2 […] ent­hält die Grund­la­ge für den Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen zur Rege­lung der Geschäfts­be­din­gun­gen der Grund­ver­sor­ger bei der Grund- oder Ersatz­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den. Die­se Bedin­gun­gen sind bis­her Teil der […] Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den (AVB­GasV) […]. Die Anhän­ge A der Elek­tri­zi­täts­richt­li­nie und der Gas­richt­li­nie wer­den für die Belie­fe­rung von Haus­halts­kun­den im Rah­men der Grund­ver­sor­gung durch Rechts­ver­ord­nun­gen nach Absatz 2 umge­setzt.“ [49]
„In den Grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nun­gen wer­den neben den not­wen­di­gen for­ma­len Anpas­sun­gen eine Viel­zahl bis­he­ri­ger Rege­lun­gen der AVBEltV und AVB­GasV geän­dert und eine Viel­zahl neu­er Rege­lun­gen vor­ge­se­hen, um die Rechts­stel­lung von Haus­halts­kun­den gegen­über Grund­ver­sor­gern wei­ter zu ver­bes­sern. Hier­zu zäh­len ins­be­son­de­re Ver­bes­se­run­gen der Mög­lich­kei­ten, den Ener­gie­lie­fe­ran­ten zu wech­seln, kun­den­freund­li­che­re Gestal­tun­gen von Fris­ten, Stär­kun­gen der Kun­den­schutz­rech­te, Ver­bes­se­run­gen der Trans­pa­renz und Klar­stel­lun­gen zur Anwend­bar­keit des § 315 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs.“ [50]
„[…] Im Inter­es­se der Haus­halts­kun­den wird der Grund­ver­sor­ger nach Absatz 2 Satz 1 zusätz­lich ver­pflich­tet, Ände­run­gen der All­ge­mei­nen Prei­se und der All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen jeweils nur zum Monats­be­ginn vor­zu­neh­men und min­des­tens sechs Wochen vor der beab­sich­tig­ten Ände­rung öffent­lich bekannt zu geben. Dar­über hin­aus wird der Grund­ver­sor­ger nach Absatz 2 Satz 2 erst­ma­lig ver­pflich­tet, die Ände­run­gen am Tage der öffent­li­chen Bekannt­ga­be auch auf sei­ner Inter­net­sei­te zu ver­öf­fent­li­chen. […]. Die Ergän­zun­gen der bis­he­ri­gen Rege­lung sol­len die Mög­lich­keit eines zügi­gen Lie­fe­ran­ten­wech­sels von Haus­halts­kun­den im Fal­le einer Ände­rung der All­ge­mei­nen Prei­se oder All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen ermög­li­chen.“ [51]
Einer Emp­feh­lung der Aus­schüs­se, in § 5 Abs. 2 Satz 1 GasGVV die Wör­ter „nach öffent­li­cher Bekannt­ga­be“ durch die Wör­ter „nach brief­li­cher Mit­tei­lung an den Kun­den“ zu erset­zen [52], ist der Bun­des­rat nicht gefolgt und hat zur Begrün­dung ange­führt [53]:
Der Bun­des­rat hat daher der Ver­ord­nung durch Beschluss vom 22.09.2006 unter ande­rem mit der Maß­ga­be zuge­stimmt, dass § 5 Abs. 2 Satz 2 GasGVV – bei unver­än­der­tem Satz 1 die­ses Absat­zes – wie folgt gefasst wird [54]:
In die­ser Fas­sung ist § 5 Abs. 2 GasGVV sodann erlas­sen wor­den [55].
Bei die­ser Sach­la­ge kommt eine zusätz­li­che Berück­sich­ti­gung der vom Uni­ons­ge­richts­hof dem Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie ent­nom­me­nen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen im Wege richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung oder Rechts­fort­bil­dung nicht in Betracht. Hier­an ändert auch der Umstand nichts, dass regel­mä­ßig von einem Wil­len des Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­bers zur richt­li­ni­en­treu­en Umset­zung aus­zu­ge­hen ist [56].
Denn im Ver­ord­nungs­ge­bungs­ver­fah­ren ist deut­lich gewor­den, dass zum einen dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se des Gas­kun­den im Hin­blick auf die Beson­der­hei­ten der Grund­ver­sor­gung und aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit Gren­zen gesetzt und zum ande­ren ein Bedürf­nis zur Trans­pa­renz nur hin­sicht­lich des Umfangs einer Preis­än­de­rung aner­kannt wer­den soll­ten. Die­se Sicht­wei­se ist erst nach Erlass der neu­en Gas-Richt­li­nie, der Richt­li­nie 2009/​73/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13.07.2009 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Erd­gas­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 2003/​55/​EG [Gas-Richt­li­nie] [57] auf­ge­ge­ben wor­den. Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat nun­mehr im Rah­men einer durch die Ver­ord­nung zur trans­pa­ren­ten Aus­wei­sung staat­lich gesetz­ter oder regu­lier­ter Preis­be­stand­tei­le in der Strom- und Gas­grund­ver­sor­gung vom 22.10.2014 [58] erfolg­ten Ände­rung der GasGVV (im Fol­gen­den: GasGVV 2014) eine Umset­zung der in der neu­en Gas-Richt­li­nie eben­falls ent­hal­te­nen, mit der Vor­gän­ger­richt­li­nie im Wesent­li­chen inhalts­glei­chen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen vor­ge­nom­men [59]. Hier­zu hat er § 5 Abs. 2 Satz 2 in der GasGVV 2014 um einen Halb­satz ergänzt, wonach der Gas­ver­sor­ger den Umfang, den Anlass und die Vor­aus­set­zun­gen der Ände­rung sowie den Hin­weis auf die Rech­te des Kun­den nach § 5 Abs. 3 GasGVV 2014 (unter ande­rem das Recht, den Ver­trag ohne Ein­hal­tung einer Kün­di­gungs­frist zum Zeit­punkt des Wirk­sam­wer­dens der Ände­run­gen zu kün­di­gen) und die Anga­ben nach § 2 Abs. 3 Satz 1 Nr. 7 GasGVV 2014 (Anga­ben zu den All­ge­mei­nen Prei­sen nach § 36 Abs. 1 EnWG) in über­sicht­li­cher Form anzu­ge­ben hat.
Nach der – die neue Gas-Richt­li­nie und die neue Strom-Richt­li­nie zu Anfang erwäh­nen­den – Begrün­dung des Ent­wurfs der vor­ge­nann­ten Ver­ord­nung vom 22.10.2014 zielt die­se dar­auf ab, für den grund­ver­sorg­ten Haus­halts­kun­den die Trans­pa­renz zu erhö­hen und ihn durch zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen bes­ser in die Lage zu ver­set­zen, die Zusam­men­set­zung und Ände­run­gen des all­ge­mei­nen Prei­ses zu bewer­ten. Hier­zu set­ze die neue Rege­lung auf den in der GasGVV bereits bestehen­den Infor­ma­ti­ons­pflich­ten auf und kon­kre­ti­sie­re die­se [60]. In der Ein­zel­be­grün­dung zu § 5 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 2 GasGVV 2014 heißt es:
„[…] Die Ein­fü­gung des neu­en § 5 Absatz 2 Satz 2 zwei­ter Halb­satz stellt inhalt­li­che Anfor­de­run­gen an die Infor­ma­tio­nen des Grund­ver­sor­gers nach § 5 Absatz 2 Satz 2 klar. Die Benen­nung des Umfangs einer Ände­rung ist bereits nach gel­ten­dem Recht not­wen­dig. Dane­ben sind Anlass und Vor­aus­set­zun­gen einer Ände­rung anzu­ge­ben. Als Vor­aus­set­zung in die­sem Sin­ne erscheint die jewei­li­ge Rechts­grund­la­ge einer Ände­rung. Der Kun­de erfährt auf die­se Wei­se den Rechts­grund einer Ände­rung und den Anlass, aus dem die recht­li­che Grund­la­ge von dem Grund­ver­sor­ger im kon­kre­ten Fall genutzt wird.“ [61]
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­ho­fes kann sich der Ein­zel­ne in all den Fäl­len, in denen die Bestim­mun­gen einer Richt­li­nie inhalt­lich unbe­dingt und hin­rei­chend genau sind, vor natio­na­len Gerich­ten gegen­über dem Staat auf die­se Bestim­mun­gen beru­fen, wenn die­ser die Richt­li­nie nicht frist­ge­mäß oder nur unzu­läng­lich in das natio­na­le Recht umge­setzt hat [62]. So kann sich der Ein­zel­ne auf unbe­ding­te und hin­rei­chend genaue Bestim­mun­gen einer Richt­li­nie auch gegen­über Orga­ni­sa­tio­nen oder Ein­rich­tun­gen – unab­hän­gig von ihrer Rechts­form – beru­fen, die dem Staat oder des­sen Auf­sicht unter­ste­hen oder mit beson­de­ren Rech­ten aus­ge­stat­tet sind, die über die­je­ni­gen hin­aus­ge­hen, die nach den Vor­schrif­ten für die Bezie­hun­gen zwi­schen Pri­vat­per­so­nen gel­ten [63].
Hin­ge­gen kann nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs eine Richt­li­nie in Fäl­len, in denen sich aus­schließ­lich Pri­va­te gegen­über­ste­hen, nicht selbst Ver­pflich­tun­gen für einen Ein­zel­nen begrün­den, so dass ihm gegen­über eine Beru­fung auf die Richt­li­nie als sol­che nicht mög­lich ist; sogar eine kla­re, genaue und unbe­ding­te Richt­li­ni­en­be­stim­mung, mit der dem Ein­zel­nen Rech­te gewährt oder Ver­pflich­tun­gen auf­er­legt wer­den sol­len, kann des­halb im Rah­men eines Rechts­streits, in dem sich aus­schließ­lich Pri­va­te gegen­über­ste­hen, nicht als sol­che Anwen­dung fin­den [64].
Nach die­sen Grund­sät­zen kommt eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung der Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen des Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie hier nicht in Betracht. Zwar ist die Gas-Richt­li­nie nicht frist­ge­mäß in natio­na­les Recht umge­setzt wor­den und ist eine sol­che Umset­zung auch nicht inner­halb des für den Streit­fall maß­geb­li­chen spä­te­ren Zeit­raums erfolgt, wobei dahin­ge­stellt blei­ben kann, ob die vor­ge­nann­ten Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Richt­li­nie inhalt­lich unbe­dingt und hin­rei­chend genau im Sin­ne der vor­ste­hend genann­ten Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs sind [65]. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat jedoch weder fest­ge­stellt noch ist sonst ersicht­lich, dass es sich bei der Gas­ver­sor­ge­rin um eine Orga­ni­sa­ti­on oder Ein­rich­tung im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs han­delt. Über­gan­ge­nen Tat­sa­chen­vor­trag zeigt die Gas­ver­sor­ge­rin inso­weit nicht auf.
Eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung setzt eine Rege­lungs­lü­cke, mit­hin eine plan­wid­ri­ge Unvoll­stän­dig­keit des Ver­tra­ges vor­aus. Die­se ist dadurch gekenn­zeich­net, dass die Par­tei­en mit der getrof­fe­nen Rege­lung ein bestimm­tes Ziel errei­chen woll­ten, dies aber wegen der Lücken­haf­tig­keit des Ver­ein­bar­ten nicht gelun­gen ist [66]. Die Lücke muss nicht von Anfang an bestan­den haben, sie kann auch infol­ge nach­träg­li­cher Umstän­de ein­ge­tre­ten sein [67].
So liegt der Fall hier. Der Rege­lungs­plan der Par­tei­en für den zwi­schen ihnen geschlos­se­nen Tarif­kun­den­ver­trag war durch die Rege­lun­gen der AVB­GasV bestimmt, wel­che kraft die­ser Rechts­ver­ord­nung zwin­gend Bestand­teil des Ver­sor­gungs­ver­tra­ges sind (§ 1 Abs. 1 Satz 2 AVB­GasV). Auf­grund der Beson­der­hei­ten der Grund­ver­sor­gung kommt dem Preis­än­de­rungs­recht des Gas­ver­sor­gers, wel­ches nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung dem § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ent­nom­men wur­de, grund­le­gen­de Bedeu­tung zu. Da § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV jedoch inso­weit nach den im Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 23.10.2014 [31] auf­ge­zeig­ten Maß­stä­ben als uni­ons­rechts­wid­rig anzu­se­hen ist und daher nicht (mehr) als Rechts­grund­la­ge eines Preis­än­de­rungs­rechts des Gas­ver­sor­gers in Betracht kommt, ist eine ver­deck­te plan­wid­ri­ge Ver­ord­nungs­lü­cke ein­ge­tre­ten, die aus den oben genann­ten Grün­den nicht durch eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung geschlos­sen wer­den kann.
Eine somit gebo­te­ne ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung hat sich nicht nur an dem hypo­the­ti­schen Par­tei­wil­len, son­dern auch an dem objek­ti­ven Maß­stab von Treu und Glau­ben zu ori­en­tie­ren und muss zu einer die bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen ange­mes­sen berück­sich­ti­gen­den Rege­lung füh­ren. Es geht daher dar­um zu ermit­teln, was die Par­tei­en bei einer ange­mes­se­nen, objek­tiv-gene­ra­li­sie­ren­den Abwä­gung ihrer Inter­es­sen nach Treu und Glau­ben red­li­cher­wei­se ver­ein­bart hät­ten, wenn sie bedacht hät­ten, dass die Wirk­sam­keit der ange­wen­de­ten Preis­än­de­rungs­be­stim­mung jeden­falls unsi­cher war [68].
Hät­ten die Par­tei­en bei Ver­trags­ab­schluss bedacht, dass die Ver­ein­bar­keit des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ent­nom­me­nen gesetz­li­chen Preis­än­de­rungs­rechts mit uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben zumin­dest unsi­cher ist, hät­ten sie bei ange­mes­se­ner Abwä­gung ihrer Inter­es­sen nach Treu und Glau­ben als red­li­che Ver­trags­part­ner eine – aller­dings auf die blo­ße Wei­ter­ga­be von (Bezugs) Kos­ten­stei­ge­run­gen begrenz­te – Mög­lich­keit des Grund­ver­sor­gers zur ein­sei­ti­gen Ände­rung des Tarifs ver­ein­bart. Die Lücke im Ver­trag ist dem­nach im Wege einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung gemäß §§ 157, 133 BGB in der Wei­se zu schlie­ßen, dass die Gas­ver­sor­ge­rin berech­tigt ist, Stei­ge­run­gen ihrer eige­nen (Bezugs)Kosten, soweit die­se nicht durch Kos­ten­sen­kun­gen in ande­ren Berei­chen aus­ge­gli­chen wer­den [69], wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an den Beklag­ten wei­ter­zu­ge­ben, und sie ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen.
Bei lang­fris­ti­gen Ver­trags­ver­hält­nis­sen, ins­be­son­de­re sol­chen, die auf Leis­tungs­aus­tausch gerich­tet sind, besteht ein aner­ken­nens­wer­tes Bedürf­nis, das bei Ver­trags­schluss bestehen­de Ver­hält­nis von Leis­tung und Gegen­leis­tung über die gesam­te Ver­trags­dau­er im Gleich­ge­wicht zu hal­ten [70].
Die­sem Gesichts­punkt kommt im Rah­men der Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den mit Gas beson­de­re Bedeu­tung zu. Denn gemäß § 36 Abs. 1 Satz 1 EnWG 2005 sind die Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men – wie bereits nach der Vor­gän­ger­re­ge­lung in § 10 Abs. 1 Satz 1 EnWG 1998 , soweit sie die Grund­ver­sor­gung durch­füh­ren, gesetz­lich ver­pflich­tet, zu den All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen und Prei­sen jeden Haus­halts­kun­den mit Gas zu ver­sor­gen. Hin­zu kommt, dass der somit einem Kon­tra­hie­rungs­zwang unter­lie­gen­de Grund­ver­sor­ger zur (ordent­li­chen) Kün­di­gung des Tarif­kun­den­ver­tra­ges (Grund­ver­sor­gungs­ver­tra­ges) nur in sehr ein­ge­schränk­tem Maße berech­tigt ist; ein sol­ches Kün­di­gungs­recht besteht nur, soweit eine Pflicht zur Grund­ver­sor­gung nach § 36 Abs. 1 Satz 2 EnWG 2005 nicht besteht [71]. Die Bedeu­tung der bei­den vor­ste­hend genann­ten Gesichts­punk­te für das wirt­schaft­li­che Inter­es­se des Grund­ver­sor­gers hat auch der Uni­ons­ge­richts­hof im Urteil vom 23.10.2014 (EuGH, Urteil vom 23.10.2014 – C‑359/​11 und C‑400/​11, aaO Rn. 44 – Schulz und Egbring­hoff)) her­vor­ge­ho­ben.
Ohne eine Berech­ti­gung des Grund­ver­sor­gers, Kos­ten­stei­ge­run­gen wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an den Kun­den wei­ter­zu­ge­ben, bestün­de ange­sichts des kon­ti­nu­ier­li­chen Anstiegs der Ener­gie­prei­se bei lang­fris­ti­gen Ver­sor­gungs­ver­trä­gen regel­mä­ßig ein gra­vie­ren­des, dem Äqui­va­lenz­prin­zip zuwi­der­lau­fen­des Ungleich­ge­wicht von Leis­tung und Gegen­leis­tung [72].
Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat des­halb, wie sich aus den oben wie­der­ge­ge­be­nen Mate­ria­li­en ergibt, bereits bei Erlass der AVB­GasV das Bestehen des – wenn auch nicht kodi­fi­zier­ten – Rechts des Grund­ver­sor­gers zur Wei­ter­ga­be von Kos­ten­stei­ge­run­gen als gege­ben vor­aus­ge­setzt; er hat an die­ser Annah­me auch im Rah­men der GasGVV fest­ge­hal­ten [73]. Ent­spre­chen­des gilt für den Gesetz­ge­ber des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes (§ 36 Abs. 1 EnWG 2005).
Eben­so wie der natio­na­le Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­ber bil­ligt auch der Uni­ons­ge­setz­ge­ber, wie aus den Rege­lun­gen der Gas-Richt­li­nie deut­lich wird, den Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men das Inter­es­se zu, Kos­ten­stei­ge­run­gen wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an die Kun­den wei­ter­zu­ge­ben [74]. Dem ent­spre­chend hat der Uni­ons­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 21.03.2013 (EuGH, Urteil vom 21.03.2013 – C‑92/​11, NJW 2013, 2253 Rn. 46 – RWE Ver­trieb AG)) aus­ge­führt, unter ande­rem aus Anhang A Buchst. b der Gas-Richt­li­nie erge­be sich, dass der Uni­ons­ge­setz­ge­ber im Rah­men von unbe­fris­te­ten Ver­trä­gen wie Gas­lie­fe­rungs­ver­trä­gen das Bestehen eines berech­tig­ten Inter­es­ses des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens an der Mög­lich­keit einer Ände­rung der Ent­gel­te für sei­ne Leis­tung aner­kannt habe [75].
Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, ist bei der im Rah­men der Erwä­gun­gen zur ergän­zen­den Aus­le­gung eines Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges vor­zu­neh­men­den Beur­tei­lung, wel­che Rege­lung als ange­mes­se­ner Inter­es­sen­aus­gleich anzu­se­hen ist, der mit dem Ener­gie­wirt­schafts­recht ver­folg­te, in § 1 EnWG 2005 und eben­so in den Vor­läu­fer­re­ge­lun­gen [76] ver­an­ker­te Zweck einer mög­lichst siche­ren und preis­güns­ti­gen Ener­gie­ver­sor­gung zu berück­sich­ti­gen.
Das Ziel der Preis­güns­tig­keit ist nicht nur auf die mög­lichst bil­li­ge Ener­gie­ver­sor­gung der End­kun­den aus­ge­rich­tet. Zu berück­sich­ti­gen sind zugleich die ins­be­son­de­re durch die Kos­ten­struk­tur gepräg­te indi­vi­du­el­le Leis­tungs­fä­hig­keit der Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men sowie die Not­wen­dig­keit, die Inves­ti­ti­ons­kraft und die Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft zu erhal­ten und ange­mes­se­ne Erträ­ge zu erwirt­schaf­ten. Inso­fern wur­de im Recht der Ener­gie­lie­fe­rung stets vor­aus­ge­setzt, dass die Mög­lich­keit des Ver­sor­gers besteht, Ände­run­gen der Bezugs­prei­se wei­ter­zu­ge­ben, ohne den mit dem Kun­den bestehen­den Ver­sor­gungs­ver­trag kün­di­gen zu müs­sen. Dass das Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Mög­lich­keit hat, Kos­ten­stei­ge­run­gen wei­ter­zu­ge­ben, dient dane­ben auch dem Zweck der Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Denn die­se betrifft nicht nur die tech­ni­sche Sicher­heit der Ener­gie­ver­sor­gung und die Sicher­stel­lung einer für die Ver­sor­gung der Abneh­mer stets aus­rei­chen­den Ener­gie­men­ge. Sie hat viel­mehr inso­weit auch einen öko­no­mi­schen Aspekt, als die nöti­gen Finanz­mit­tel für die Unter­hal­tung von Reser­ve­ka­pa­zi­tä­ten, für War­tungs­ar­bei­ten, Repa­ra­tu­ren, Erneue­rungs- und Ersatz­in­ves­ti­tio­nen bereit ste­hen müs­sen. Das wie­der­um setzt vor­aus, dass die­se Mit­tel durch aus­kömm­li­che Ver­sor­gungs­ent­gel­te erwirt­schaf­tet wer­den kön­nen [77].
Bei ange­mes­se­ner, objek­tiv­ge­ne­ra­li­sie­ren­der Abwä­gung ihrer Inter­es­sen hät­ten die Ver­trags­par­tei­en daher nach Treu und Glau­ben red­li­cher­wei­se ver­ein­bart, dass die Gas­ver­sor­ge­rin berech­tigt sein soll, Kos­ten­stei­ge­run­gen ihrer eige­nen (Bezugs)Kosten wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an den Beklag­ten wei­ter­zu­ge­ben, und sie ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen.
Der Gas­ver­sor­ge­rin steht somit infol­ge ergän­zen­der Ver­trags­aus­le­gung des Gas­lie­fe­rungs­ver­trags der Par­tei­en ein Preis­än­de­rungs­recht in dem oben genann­ten Umfang mit der Fol­ge zu, dass der berech­tig­ter­wei­se erhöh­te Preis zum ver­ein­bar­ten Preis wird. Gegen die bis zum 1.10.2004 – mit­hin vor dem hier ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum – erfolg­ten Ände­run­gen des Arbeits­prei­ses erhebt die Gas­ver­sor­ge­rin kei­ne Ein­wän­de.
Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat zutref­fend eine Schät­zung nach § 287 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO vor­ge­nom­men, ob die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Preis­er­hö­hun­gen auf (Bezugs)Kostensteigerungen beru­hen und ihnen kei­ne Ein­spa­run­gen in ande­ren Kos­ten­po­si­tio­nen gegen­über­ste­hen. Die hier­zu erfor­der­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen hat es durch Ver­neh­mung meh­re­rer sach­kun­di­ger Zeu­gen gewon­nen. Hier­bei han­del­te es sich um zwei mit der Prü­fung der vor­be­zeich­ne­ten Fra­gen befass­te (exter­ne) Wirt­schafts­prü­fer sowie um den Ver­kaufs­lei­ter der Gas­ver­sor­ge­rin.
Wenn das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf bereits auf die­ser Grund­la­ge im Rah­men des § 287 Abs. 2 ZPO, des­sen Vor­aus­set­zun­gen es zutref­fend bejaht hat, zu der Über­zeu­gung gelangt ist, dass die von der Gas­ver­sor­ge­rin vor­ge­tra­ge­nen Bezugs­kos­ten­stei­ge­run­gen tat­säch­lich in die­sem Umfang erfolgt sind und ihnen kei­ne Ein­spa­run­gen in ande­ren Kos­ten­po­si­tio­nen gegen­über­ste­hen, durf­te es rechts­feh­ler­frei davon abse­hen, auch noch den von der Gas­ver­sor­ge­rin zusätz­lich ange­bo­te­nen Sach­ver­stän­di­gen­be­weis zu erhe­ben.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Gas­ver­sor­ge­rin gilt für die von ihr – ohne nähe­re Bezeich­nung des Beweis­an­trags – gefor­der­te Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zum Zwe­cke des Gegen­be­wei­ses nichts ande­res.
Zwar darf nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ein Beweis­an­trag nicht des­halb abge­lehnt wer­den, weil das Gericht das Gegen­teil der behaup­te­ten Tat­sa­che bereits als erwie­sen ansieht [88]. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf durf­te hier indes im Rah­men des § 287 Abs. 2 ZPO von der Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zum Zwe­cke des Gegen­be­wei­ses abse­hen, da der Beklag­te die vor­be­zeich­ne­ten Anknüp­fungs­tat­sa­chen nicht qua­li­fi­ziert ange­grif­fen hat [89]. Das von der Gas­ver­sor­ge­rin inso­weit in Bezug genom­me­ne Vor­brin­gen des Beklag­ten in den Tat­sa­chen­in­stan­zen ist zudem nicht mit einem Antrag auf Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens unter­legt.
Soweit die Gas­ver­sor­ge­rin meint, rich­ti­ger­wei­se müs­se jede ein­zel­ne Tarif­er­hö­hung der Bil­lig­keit ent­spre­chen, kommt es hier­auf nicht ent­schei­dend an. Denn, wie oben unter – II 3 bereits aus­ge­führt, geht es im Streit­fall nicht um die Fra­ge der Bil­lig­keit der Preis­er­hö­hun­gen (§ 315 BGB), son­dern um die Preis­bil­dung im Rah­men einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung. Aus die­sem Grund bedarf auch der vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf auf­ge­zeig­te Mei­nungs­streit der Instanz­ge­rich­te, ob im Fal­le der Bean­stan­dung meh­re­rer Preis­er­hö­hun­gen jede Preis­er­hö­hung für sich genom­men – gege­be­nen­falls unter zusätz­li­cher Berück­sich­ti­gung nicht aus­ge­schöpf­ter Bezugs­kos­ten­stei­ge­run­gen frü­he­rer Erhö­hun­gen – an § 315 BGB zu mes­sen ist [90] oder ob eine Gesamt­be­trach­tung für einen bestimm­ten Zeit­raum – gege­be­nen­falls unter zusätz­li­cher Berück­sich­ti­gung der in nähe­rer Zukunft erwar­te­ten Preis­ent­wick- lung – vor­zu­neh­men ist [91], kei­ner Ent­schei­dung.
LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 28.01.2009 – 34 O (Kart) 112/​08[↩]
OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 13.04.2011 – VI2 U (Kart) 3/​09[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 31.07.2013 – VIII ZR 162/​09, aaO Rn. 27 ff., zur Umwand­lung eines (Norm)Sonderkundenvertrags in einen Tarif­kun­den­ver­trag; vgl. auch BGH, Urteil vom 09.02.2011 – VIII ZR 295/​09, aaO Rn. 22, 24[↩]
BGH, Beschluss vom 18.05.2011, ZIP 2011, 1620[↩]
BGBl. I S. 684 – AVBEltV[↩]
Form­vor­schrif­ten bei der Gas­­­preis-Erhö­hung Die GasGVV berück­sich­tigt die euro­pa­recht­li­chen Vor­schrif­ten nur unzu­rei­chend, wenn für den Fall der Gebüh­ren­er­hö­hung dar­in kei­ne Beleh­rung über das Kün­di­gungs­recht des Kun­den ent­hal­ten ist. Mit…

References: § 315
 § 4
 § 433
 § 4
 § 4
 § 4
 § 6
 § 10
 § 36
 § 115
 § 23
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 5
 § 6
 § 17
 § 315
 § 4
 Art. 3
 § 4
 § 5
 Art. 3
 Art. 1
 Art. 3
 § 4
 Art. 267
 Art. 288
 Art. 4
 § 4
 Art. 4
 Art. 3
 § 11
 § 1
 Art. 3
 § 39
 § 315
 § 5
 § 5
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 Art. 3
 § 5
 § 5
 § 2
 § 36
 § 5
 § 5
 § 5
 Art. 3
 § 4
 § 4
 § 4
 § 36
 § 10
 § 36
 § 1
 § 287
 § 287
 § 287
 § 287
 § 315