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Timestamp: 2019-03-24 08:48:12+00:00

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[www.waldundklima.net] - LULUCF oder kurz: Senken
Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft im Kioto Protokoll und seinen Umsetzungen (LULUCF oder kurz: Senken)
Bereits in der Klimarahmenkonvention von 1992 wurden Senken definiert als Prozesse, Aktivitäten und Mechanismen, die Treibhausgase aus der Erdatmosphäre entfernen. LULUCF-Aktivitäten als Senken zu bezeichnen ist mithin eine Verengung des Begriffs und nur umgangssprachlich üblich.
Artikel 4.1(d) und 4.2(a) der Klimarahmenkonvention fordern bereits auch den Schutz und die Erhöhung der Kohlenstoffspeicher.
Im Kioto Protokoll wurde der Fokus auf die Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft gerichtet, nicht auf Kohlenstoffspeicher allgemein.
Im folgenden werden Besonderheiten, Probleme und Bestimmungen des KP und der nachfolgenden Umsetzung diskutiert.
1.) Besonderheiten und Probleme
Die Bestimmungen des Art. 3.1 KP sprechen klar von Reduktion der Emissionen. In gewissem Widerspruch dazu erlauben die Artikel 3.3 und 3.4, zur Erfüllung des in Art. 3.1 festgelegten Zieles die Eigenschaft der Pflanzen zu nutzen, durch Photosynthese CO2 aus der Luft in organische Kohlenstoffverbindungen umzuwandeln, diese in Wäldern und Böden einzubinden und somit kurz- oder langfristig der Atmosphäre CO2 zu entziehen. Konkret wurde in Art. 3.3 festgeschrieben, Aufforstungen und Wiederbewaldungen durch aktives menschliches Handeln auf Flächen, die 1990 nicht als Waldflächen ausgewiesen waren, als Maßnahme zur Minderung der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre zur Erreichung des Verpflichtungsziels eines Landes anzuerkennen. Selbstverständlich müssen damit auch "Emissionen" aus Entwaldungen angerechnet werden, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen wie die Festlegungen von Kohlenstoff in neu angelegten Wäldern.
In Art. 3.4 wurde offen gelassen, ob die Effekte zusätzlicher Maßnahmen in der Forstwirtschaft, der Land- und Weidewirtschaft wie Verlängerung der Rotationszeiten, Feuerschutz, vermindertes Pflügen u.a. auch zur Erfüllung der Minderungsverpflichtungen herangezogen werden dürfen.
Die Frage, ob LULUCF-Projekte auch im CDM zugelassen werden, blieb ebenso offen.
Diese Regelungen gefährden im Prinzip die Integrität des Kyoto-Protokolls, da die Senkenpotenziale weltweit so groß sind, dass das eigentliche Ziel von Kyoto - eine Reduktion der Emissionen, die nur durch Umsteuerung der Wirtschaft auf eine nachhaltige Entwicklung hin erreichbar wäre - verfehlt werden könnte. Darüber hinaus gibt es mit der Anrechnung von Kohlenstofffestlegungen eine Reihe weiterer Probleme wie den vorübergehenden Charakter der Kohlenstoffeinbindung (Feuer, Sturm; Waldsterben u.a.), wissenschaftliche Kenntnislücken, Schwierigkeiten bei der Berechnung der Menge festgelegten Kohlenstoffs und den Nachweis des direkten menschlichen Einflusses u.a..
Andererseits können LULUCF-Aktivitäten in der Tat dazu beitragen, den Anstieg der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre zu bremsen. Der Einschluss von Senkenaktivitäten war politische Voraussetzung, um die Zustimmung einiger wichtiger Vertragsparteien zum Protokoll in Kioto erreichen zu können.
Die oben genannten Probleme führten in den Verhandlungen in Bonn und Marrakesch (2001) dazu, dass eine Reihe von einschränkenden Bestimmungen für Art. 3.3 und 3.4 vorgesehen und Grundsätze vorgegeben wurden, die ein Unterlaufen des KP verhindern sollen.
2.) Leitprinzipien
Die Berücksichtigung von Senken soll auf fundierter Wissenschaft beruhen, zur Abschätzung und Berichterstattung der Aktivitäten sollen im Lauf der Zeit konsistente Methoden entwickelt werden. Die bloße Existenz von Kohlenstoffbeständen (Biomasse) soll nicht zur Anrechnung führen, die Aktivitäten sollen zur Förderung der Biodiversität und nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen beitragen. Die erneute Freisetzung von CO2 aus der Biomasse muss zeitnah berücksichtigt werden. Kohlenstofffestlegungen infolge des Düngeeffekts erhöhter CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre bzw. Stickstoffdepositionen sind nicht anzurechnen, ebenso wie die Auswirkungen von Aktivitäten vor 1990.
Über die Nettoemissionen jeden Stück Landes, das einmal unter die Regelungen von Artikel 3.3. oder 3.4 fiel, muss auch in allen folgenden Verpflichtungsperioden berichtet werden.
Berichtet werden muss über alle Kohlenstoffspeicher (Biomasse über und unter Grund, Streuauflage, Totholz und organischer Bodenkohlenstoff), außer wenn bewiesen werden kann, dass diese keine Quelle darstellen.
Bei der Definition von Wald, die sich eng an die Definition der Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization, FAO) anlehnt, muss sich jeder Vertragsstaat vor Beginn der 1.Verpflichtungsperiode festlegen auf einen Wert für
die Minimalfläche des Waldes im Bereich von 0,05 bis 1 ha,
die Kronenbedeckung der Waldfläche im Bereich von 10 bis 30 % und
die potenzielle Baumhöhe im Bereich von 2 bis 5 m.
Aufforstung ist die direkt durch den Menschen verursachte Umwandlung von Flächen in Wald, die in der Vergangenheit mindestens 50 Jahre anderweitig genutzt wurden.
Wiederaufforstung für die 1.Verpflichtungsperiode ist dagegen die direkt durch den Menschen verursachte Umwandlung von Flächen in Wald, die einmal bewaldet, aber am 31.12.1989 anderweitig genutzt waren.
Entwaldung ist jede dauerhafte, direkt durch den Menschen verursachte Umwandlung von Wald in anders genutzte Flächen.
Ödlandbegrünung (revegetation) ist der direkt durch den Menschen angelegte Bewuchs (mindestens 0,05 ha große Flächen), der nicht unter die Wald-Definition fällt.
Alle Praktiken zur Pflege und Nutzung der Forsten mit dem Ziel, seine ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen auf nachhaltige Art zu erfüllen sind als Waldbewirtschaftung definiert.
Unter Ackerlandbewirtschaftung sind alle Praktiken auf Flächen zu verstehen, auf denen landwirtschaftliche Pflanzen angebaut werden, auch wenn diese Flächen kurzfristig anderweitig genutzt werden.
Alle Maßnahmen auf Flächen, die für die Tierproduktion genutzt werden, fallen unter den Begriff Grünlandbewirtschaftung.
3.) Artikel 3.3
Dieser Artikel des KP sieht für Annex I-Parteien bindend vor, die Veränderung der Kohlenstoffvorräte infolge von Aufforstung, Wiederaufforstung und Entwaldung in voller Höhe in die Treibhausgasbilanz einzubeziehen.
Für die meisten Industrieländer resultiert aus der Anwendung dieses Artikels eine CO2-Quelle, selbst wenn die Aufforstungs/Wiederbewaldungsflächen die Entwaldungsflächen überwiegen. Das liegt daran, dass im Falle der Aufforstung/Wiederbewaldung nur die Kohlenstoffeinlagerung in den 5 Jahren der Verpflichtungsperiode angerechnet wird, während im Falle der Entwaldung in der Regel der Kohlenstoffgehalt eines ausgewachsenen Bestandes als Emission verbucht werden muss.
Für die 1. Verpflichtungsperiode sollen Abzüge, die aus der Waldernte resultieren, nicht größer sein als die für diese Flächen gewährten Zertifikate (Diese Regelung ist für Länder relevant, deren Zyklen der Waldernte sehr kurz sind [15 bis 20 Jahre]). Hier ist der Fall denkbar, dass für Aufforstungen⁄Wiederbewaldungen seit 01.01.2000 Gutschriften entsprechend dem Zuwachs vom 01.01.2008 bis beispielsweise 30.05.2010 gewährt werden. Diese Gutschriften umfassen aber nur den Zuwachs in dem oben genannten Teil der Verpflichtungsperiode. Wird am 31.05.2010 der Wald geerntet, müssten ohne die oben genannte Regelung Abzüge entsprechend des gesamten geernteten Holzes zur Anrechnung kommen.
4.) Artikel 3.4
Hierdurch wird die Anrechnung von Treibhausgasemissionen durch Quellen oder Festlegungen durch C-Speicherung in Folge von direkt durch den Menschen verursachter Ödlandbegrünung und⁄oder Bewirtschaftung von Forsten, Äckern und Weiden gestattet. Jeder Annex-I-Staat muss vor Beginn der Verpflichtungsperiode festlegen, ob und welche der oben genannten Aktivitäten in Anrechnung kommen sollen und muss zeigen, dass nur anthropogene Aktivitäten ab 1990 angerechnet werden.
Erlaubt ist die Anrechnung von Maßnahmen im Forst, einschließlich Gutschriften aus Forstprojekten der gemeinsamen Umsetzungen (JI), bis zu einer bestimmten, länderspezifischen Obergrenze (für Deutschland beträgt diese Obergrenze 1,24 Mio. t/Jahr; in der folgenden pdf-Datei sind die Obergrenzen für die Anrechenbarkeit von Gutschriften aus Waldbewirtschaftungsmaßnehmen nach Art. 3.4 für die weiteren Vertragsparteien aufgeführt: » Appendix Z). Diese Obergrenze wurde bestimmt, indem die gemeldeten Daten der Vertragsstaaten oder Daten der FAO mit einem Diskontfaktor von 85% multipliziert wurden. Insgesamt musste dieser Wert kleiner oder gleich 3% der Emissionen des Referenzjahres sein. Nationale Besonderheiten wurden ebenfalls beachtet. Dies heißt im Klartext, dass einigen Staaten, deren Ratifizierung für das Inkrafttreten des KP unabdingbar ist (Japan, Russland), Zugeständnisse in Form höherer Obergrenzen gemacht wurden.
Maßnahmen im Bereich der Acker- und Grünlandbewirtschaftung sowie der Ödlandbegrünung können auf der Basis einer Nettobilanzierung zwischen 1990 und dem Verpflichtungszeitraum als Klimaschutzmaßnahmen angerechnet werden.
Eine aus der Anwendung von Artikel 3.3 des Kioto-Protokolls resultierende Nettoemission (wie in Fußnote 5 beschrieben) darf durch die Anrechnung eines Teils des Zuwachses in bestehenden Wäldern ausgeglichen werden. Dieser "Verlustausgleich" wird pro Vertragspartei auf 9 Mio. t Kohlenstoff pro Jahr und Land begrenzt.
Die aus Senkenaktivitäten (Art. 3.3, Art 3.4 KP) resultierenden Gutschriften heißen Abbaueinheiten (Removal Units, RMU) und werden in t CO2-Äquivalenten gemessen.
5.) Artikel 12 (CDM)
Projekte im CDM sind auf Aufforstungs-⁄Wiederbewaldungsprojekte beschränkt. Die Gutschriften zu den AA eines Vertragsstaates dürfen 1 % der Emissionen des Basisjahres dieses Vertragsstaates nicht überschreiten.
Regelungen dazu wurden erst auf der 9.VSK beschlossen(Dokument FCCC⁄CP⁄2003⁄6⁄Add.2, Decision 19⁄CP.9).
Gutschriften aus solchen Projekten haben in jedem Fall temporären Charakter, die Projektteilnehmer können zwischen temporären Krediten(tCER) und Krediten(lCER), die erst am Ende der Kreditierungsperiode endgültig erlöschen, gewählt werden. Die Kreditierungsperiode kann zwischen einmalig 30 oder 3 mal 20 Jahren gewählt werden. Zur Bestimmung der Referenzentwicklung ("baseline") werden Methan und Lachgasemissionen nicht beachtet, sondern nur bei der Berechnung der durch das Projekt ereichten Kredite. Verlagerungseffekte ("leakage") werden nur berücksichtigt, wenn sie zu Emissionen führen. Die Projektteilnehmer sind zu einer zur Analyse der sozioökonomischen und Umweltauswirkungen verpflichtet. Im Falle einer signifikanten negativen Einwirkung ist nach Entscheidung des Gastlandes oder der Projektbeteiligten eine UVP⁄SVP durchzuführen.
Die vereinfachte der Regeln für kleine Aufforstungsprojekte (Kohlenstoffeinbindung nicht größer als 8 kt CO2 pro Jahr) wurden auf der 10.VSK verabschiedet. Vereinfachungen gibt es sowohl für die Erstellung des Projektdokumentes als auch die Baselineerstellung und das Monitoring. Es ist erlaubt, Projekte gebündelt zu behandeln, wenn sie gemeinsam die 8kt Obergrenze nicht überschreiten. Kleine Projekte zahlen einen verringerten Betrag zur Deckung der Verwaltungskosten des CDM und an den UNFCCC-Treuhandfonds.
6.) Berichterstattung
Eine genaue, transparente, vollständige, vergleichbare und konsistente Berichterstattung ist Voraussetzung für die Möglichkeit Kredite auszugeben zu dürfen.
Das IPCC hat im Jahre 2003 die Good Practise Guidance on Land use, Land use change and Forestry herausgegeben.
Auf dieser Grundlage wurden 2003 und 2004 auf den Vertragsstaatenkonferenzen die Berichtstabellen für die UNFCCC bzw. Kioto Berichterstattung entwickelt und verabschiedet.
Tabelle 2: Potenzielles Ausmaß der Senkenanrechnung (Mio. t Kohlenstoff⁄Jahr)
Art. 3.4 Waldbewirt- schaftung
Annex I (ohne USA)
19 bis 33
99 bis 114
Annex I (mit USA)
155 bis 174
Im CDM wird für den niedrigen Wert angenommen, dass die Länder im Übergang keine Senkenprojekte in Entwicklungsländern durchführen.

References: Art. 3
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3

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