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Timestamp: 2019-07-19 04:34:17+00:00

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Trau dich, Wasser tut nicht weh. Eine Handreichung für Erzieher im ... | Hausarbeiten publizieren
Trau dich, Wasser tut nicht weh. Eine Handreichung für Erzieher im Kindergarten
Über die Bedeutung der Wassersicherheit und die Grundlagen der Wassergewöhung für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren
1 Die Begriffsklärung
1.1 Die Wassergewöhnung
1.2 Die Wasserbewältigung
1.3 Die Wassersicherheit
1.4 Die Schwimmfähigkeit
2 Die aktuellen Zahlen zur Schwimmfähigkeit von Kindern
3 Die Motorik und ihr Entwicklungsverlauf bei Kindern
3.1 Die Bedeutung der Motorik
3.2 Die motorische Entwicklung von Kindern
3.3 Die sensiblen Phasen bei der Entwicklung von schwimmerischen Fähigkeiten
4 Die Bedeutung des Schwimmenlernens für die Kinder
4.1 Das Schwimmen als Schutz vor dem Ertrinken
4.2 Das Schwimmen als Fördermöglichkeit kindlicher Fähigkeiten
4.3 Das Schwimmenlernen als Mittel zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben
5 Die Vielfältigkeit der Arbeitsfelder des Erziehers
5.1 Der Bereich der Kindertagespflege
5.2 Die Jugendarbeit
5.3 Die Heil- und Sonderpädagogik
6 Die rechtlichen Grundlagen
6.1 Die Aufsichtspflicht
6.2 Die Verkehrssicherungspflicht
6.3 Die Aufsichts- und Verkehrssicherungspflicht in Bädern
6.4 Die weiteren rechtlichen Grundlagen
7 Die Rolle des Erziehers im Kindergarten
7.1 Die idealen Voraussetzungen für die Wassergewöhnung
7.2 Die Aufgaben des Erziehers bei der Wassergewöhnung von Kindern
7.3 Die Aufgaben des Erziehers im Umgang mit Eltern
7.4 Die Grenzen des Erziehers
8 Die Schlussbetrachtung
Eine Handreichung für den Erzieher im Kindergarten über die Bedeutung der Wassersicherheit und der Vermittlung von Grundlagen zur Wassergewöhnung für Kinder von vier bis sechs Jahren.
Beim Schiffbruch ist es zu spät, schwimmen zu lernen.1
Das Element Wasser hat für mich schon seit meiner Kindheit eine große Bedeutung. Zunächst widmete ich mich dem Leistungssport Schwimmen und übernahm später die Trainerassistenz für kleinere Schwimmgruppen.
Meine erste Ausbildung schloss ich später als Fachangestellte für Bäderbetriebe ab. Doch während meiner beruflichen Tätigkeit bemerkte ich, dass nur sehr wenige Kinder und Jugendliche sicher schwimmen können. Außerdem stellte ich fest, dass der Anteil an Kindern, die durch das eine Jahr Schulschwimmen wassersicherer geworden waren, nur sehr gering ist.
Ein Bericht der DLRG, über die forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 zum Thema Schwimmfähigkeit, bestätigt meine Beobachtungen. Die Umfrage gibt an, dass fast 60% der zehnjährigen Kinder keine sicheren Schwimmer seien und somit im Ernstfall nicht in der Lage wären, sich selbst aus einer Gefahrensituation zu retten.1
Mit meinen Beobachtungen im Hinterkopf begann ich meine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und stellte mit Bedauern fest, dass auf das Schwimmenlernen an sich und die Bedeutung der Wassersicherheit für die Entwicklung der Kinder gar nicht eingegangen wurde.
Ich bin mir dennoch sicher, dass es ein sehr wichtiges Thema ist und aus diesem Grund stelle ich mir immer noch die Frage: „Was kann ich tun, um die Familien, also sowohl die Kinder, als auch deren Eltern, bei dem Prozess des Schwimmenlernens zu unterstützen?“
Es ist mir selbstverständlich, dass ich mir diese Frage aus Sicht einer Erzieherin und nicht aus Sicht einer Fachangestellten für Bäderbetriebe stellen muss, damit diese Facharbeit auch für andere Erzieherinnen und Erzieher2 von Nutzen sein kann. Doch auch genau da liegt der Neuigkeitswert meiner Arbeit, denn die Literatur, die man aktuell zu diesem Thema finden kann, ist entweder für Fachangestellte für Bäderbetriebe und Trainer des Bereiches Schwimmen ausgelegt oder widmet sich in Form von Kinderbüchern der Angstbekämpfung in Bezug auf Wasser im Allgemeinen.
Doch warum ist es überhaupt von Bedeutung für den Erzieher? Das Schwimmen wird doch ohnehin nicht in Kindertagesstätten gelehrt! Nun ich denke aber, dass bereits da der Fehler liegt. Kinder sollten so früh wie möglich Schwimmen lernen, um erst gar keine Angst vor dem Wasser aufzubauen, um die komplexen Bewegungsabläufe frühzeitig zu verinnerlichen und der Gefahr des Ertrinkens schnellstmöglich entgegenzuwirken. Außerdem lernte ich innerhalb meiner Ausbildung zur Erzieherin, dass es meine Aufgabe ist, alle Bildungs- bzw. Lernzielbereiche abzudecken und ganzheitlich, also mit allen Sinnen, zu fördern. Diese Grundannahme endet bei mir nicht vor der Wassersicherheit, sondern schließt diese mit ein.
Der Neuigkeitswert meiner Facharbeit liegt also darin, dass ich mich mit den Grundlagen der Wassergewöhnung und deren Relevanz für den Erzieher im Kindergarten für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren auseinandersetze.
In meiner Facharbeit möchte ich daher zunächst erst einmal erläutern, was genau unter den Begriffen Wassersicherheit und Wassergewöhnung zu verstehen ist und wo die Unterschiede liegen. Anschließend widme ich mich der Frage, ob sich die tatsächliche Wassersicherheit im Vergleich von 2010 zu jetzt verändert hat und begebe mich darüber hinaus auf Ursachensuche bezüglich der Gründe für diese Veränderung.
Als dritten und vierten Punkt setze ich mich mit den Fragen auseinander, welche Bedeutung das Schwimmenlernen für die Kinder hat und ob es einen passenden Zeitpunkt in der Entwicklung eines Kindes gibt, um das Schwimmen zu erlernen. Die Punkte fünf, sechs und sieben wiederum befassen sich mit der Vielfältigkeit des Arbeitsfeldes eines Erziehers und dessen Berührungspunkte mit dem Wasser, rechtlichen Grundlagen und der Rolle des Erziehers bei der Wassergewöhnung im Kindergarten. Dabei interessiert mich, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, was Aufgaben des Erziehers sind und sein können, und wo die Grenzen seines Handelns liegen und liegen können.
Im Anhang meiner Facharbeit möchte ich konkrete Vorschläge geben, was bei der Wassergewöhnung zu beachten ist und Angebote und Hilfsmittel empfehlen. Darüber hinaus werde ich Hinweise für die Elternarbeit geben, mögliche Kontaktadressen für den Raum Chemnitz aufzeigen und Informationsmaterial für Erzieher und für die Weitergabe an Eltern zusammenstellen, damit Erzieher handlungsfähig bleiben, wenn Eltern fragen, was sie tun können, um ihre Kinder zu unterstützen.
Das Ziel meiner Facharbeit ist es also das Element Wasser und damit einhergehend die Grundlagen der Wassergewöhnung und die Bedeutung von Wassersicherheit für die Kinder näher an Erzieher heranzubringen und verständlich zu machen.
Darüber hinaus setze ich mir als Ziel über rechtliche Grundlagen aufzuklären, um so mögliche Berührungsängste der Erzieher abbauen zu können, damit diese handlungsfähig bleiben und Ängste bei Kindern und Eltern minimieren können.
Häufig wird der Begriff „Schwimmenkönnen“ mit dem „Seepferdchen“-Abzeichen gleichgesetzt. Zum besseren Verständnis und zur leichteren Differenzierung werden im Folgenden deshalb die Begriffe „Wassergewöhnung“, „Wasserbewältigung“, „Wassersicherheit“ und „Schwimmfähigkeit“ definiert und auf das Arbeitsfeld des Erziehers transponiert. Das Wissen, über die Verschiedenheit der genannten Begriffe, hilft dem Erzieher Aufgaben besser abzugrenzen und Missverständnisse zwischen Kindern, Eltern und gegebenenfalls externen Fachkräften zu vermeiden.
Unter dem Begriff Wassergewöhnung verstehen Experten zum einen „die grundlegende Auseinandersetzung mit dem Element Wasser inklusive des Öffnens der Augen unter Wasser, des Gleitens, des Atmens und des Sprungs ins Wasser1 “ und zum Anderen „das sichere Bewegen im stehtiefen Wasser inklusive des Heraufholens eines Gegenstandes“2.
Bei genauerer Betrachtung der Definition, hinsichtlich der Relevanz für den Erzieher, ist die „grundlegende Auseinandersetzung mit dem Element Wasser“ entdeckbar. Eine Aufgabe des Erziehers ist es also, die Kinder an das Element Wasser heranzuführen und Berührungsängste abzubauen. Ziel sollte dabei eine alltagsbegleitende Unterstützung der Kinder sein, welche beispielsweise durch Angebote am und im Wasser, kleine und größere Experimente oder der spielerischen Umsetzung von Fantasie- und Bewegungsgeschichten ermöglicht werden kann. Weiterführendes Material befindet sich im Anhang. unter den Kapiteln 5.1, 5.2 und 5.3.
Der Begriff Wasserbewältigung definiert die Erlangung des „Seepferdchen“-Abzeichens. Die Wasserbewältigung ist als Vorstufe zur Schwimmfähigkeit zu verstehen und beinhaltet das Fortbewegen im Wasser über eine Strecke von 25 Metern.4 Selbstverständlich ist es nicht die Aufgabe des Erziehers, dem Kind das Schwimmen zu lernen, doch ähnlich anderer Entwicklungsaufgaben, kann der Erzieher auch hier unterstützen, um dem Kind die Bewältigung der Aufgabe zu erleichtern. Beispiele hierfür wären die Steigerung der Selbstkompetenz der Kinder oder, dem Abbau von Ängsten.
Die Wassersicherheit kann über den Wassersicherheits-Check ermittelt werden und umfasst die „minimale Selbstrettungskompetenz“. Diese Kompetenz bedeutet, dass eine Person, nach beispielsweise einem Sturz ins Wasser, in der Lage ist, sich selbstständig ans Ufer zu retten. Der Wassersicherheits-Check umfasst eine Rolle vorwärts vom Rand ins Wasser, das Überwasserhalten über einen Zeitraum von einer Minute, das Schwimmen von 50 Metern und das selbstständige Herausklettern über den Beckenrand.1
Der Begriff Schwimmfähigkeit ist mit dem allgemein verwendeten „Schwimmen können“ zu vergleichen. In Deutschland gilt ein Kind als schwimmfähig, wenn es das Jugendschwimmabzeichen in Bronze erlangt hat. Personen, die das Jugendschwimmabzeichen in Bronze abgelegt haben, können 200 Meter in höchstens 15 Minuten schwimmen, einen Kopfsprung ins Wasser machen und einen Gegenstand aus zwei Metern Wassertiefe heraufholen. Zudem besitzen sie Kenntnisse über Baderegeln und Gefahren am und im Wasser.2
In den vergangenen Jahren bemerkte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) eine Veränderung der prozentualen Schwimmfähigkeit von Kindern im Alter von zehn Jahren. Im Jahr 2009 führte die DLRG eine Schulumfrage durch. Diese ergab, dass 64% der befragten Eltern ihr Kind als sicheren Schwimmer einschätzen würden. Die Eltern gaben weiterhin an, dass 43% der Kinder durch sie selbst schwimmen gelernt haben und bei 21% der Kinder die Schule als Ausbildungsort diente. Zudem ergab die Umfrage, dass 30% der Kinder vor dem sechsten Lebensjahr, 55% der Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren und zehn% der Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren das Schwimmen erlernten.
2010 ergab eine forsa-Umfrage zur Schwimmfähigkeit, dass nur etwa 40% der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen besitzen und damit als schwimmfähig bezeichnet werden können. Etwa 74% der Grundschüler konnten das Frühschwimmerabzeichen „Seepferdchen“ nachweisen.3
Im Jahr 2017 wiederholte die DLRG die forsa-Umfrage und kam zu dem Ergebnis, dass immer noch nur 40% der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen besitzen. Die Befragung der Eltern ergab zudem, dass 77% der Kinder das „Seepferdchen“ besäßen. Fachkräfte, Sportwissenschaftler und Ausbilder sind sich jedoch einig, dass das „Seepferdchen“-Abzeichen im Ernstfall nicht ausreicht.
Die Gründe für die niedrige Rate an schwimmfähigen Kindern sind vielseitig. Sicherlich verschoben sich die Interessen und Prioritäten der einzelnen Familien aufgrund des großen alternativen Freizeitangebotes ein Stück und auch die Zuwanderung von Kindern mit Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren, aus Ländern ohne expliziten Schwimmunterricht im Bildungssystem, spielt sicherlich eine gewisse Rolle.
Der Hauptgrund für dieses Ergebnis liegt jedoch am immer weniger stattfindenden Schwimmunterricht in Grundschulen und dem verstärkten Abriss von Lehrschwimmhallen. Viele Schulen bieten, häufig aus Lehrermangel oder fehlenden Schwimmhallen, gar keinen Schwimmunterricht mehr an. Diese Tatsache führt dazu, dass ein Schwimmkurs zur freiwilligen Entscheidung der Eltern wird und zum Teil auch zum unerreichbaren Luxusgut, welches für einkommensschwächere Familien nicht finanzierbar ist.1
Die Aufgabe des Erziehers ist es daher, dieses Defizit zu erkennen und die Kinder frühestmöglich zu fördern. Es genügt nicht, den Förderauftrag für das Schwimmenlernen an die Lehrer der Grundschulen abzugeben, da die Lern- und Entwicklungschancen für Kinder bei früher beginnender Förderung viel besser sind. Zur Förderung der Kinder zählt es ebenso, die Eltern über Möglichkeiten der Finanzierbarkeit aufzuklären und gegebenenfalls Kontaktadressen anzubieten, um so überhaupt Bildungschancen einzuräumen. Näheres dazu befindet sich im Anhang unter Kapitel 2.2 und 2.3.
Zunächst stellt sich vielleicht die Frage, was genau Motorik eigentlich bedeutet: Unter Motorik ist die Gesamtheit aller Bewegungsabläufe eines Organismus zu verstehen, welche zentral vom Gehirn gesteuert werden. Die Motorik wird dabei in Fein- und Grobmotorik unterschieden. Bewegungen von Rumpf, Bauch, Becken, Schultern, Armen und Beinen zählen zur Grobmotorik und Bewegungen der Finger, Zehen und des Gesichtes zählen zur Feinmotorik.2 Zu den motorischen Grundeigenschaften zählen die konditionellen Fähigkeiten, diese beinhalten die Ausdauer, die Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit, sowie die koordinativen Fähigkeiten. Hierzu zählen Schnelligkeit, Beweglichkeit und die Koordination.3
Die Motorik ist bei jedem Menschen für seine Gesamtentwicklung wichtig und dient als Grundlage für alle Tätigkeiten und Bewegungen. Beispiele dafür sind das Schreiben, Sprechen, Basteln, Malen oder Musizieren. Darüber hinaus ermöglicht sie einem Menschen Beweglichkeit, die Beherrschung des Körpers und somit die Erlangung eines Körpergefühls und die Erforschung und Erkundung der Umwelt und damit das Sammeln neuer Erfahrungen. Motorik ermöglicht weiterhin Sprache und den nonverbalen Ausdruck einer Meinung durch Mimik und Gestik sowie die Entfaltung der Wahrnehmung, des Denkens und des Sozialverhaltens, durch beispielsweise die Kontaktaufnahme zu anderen Menschen.1
Wie in allen Funktionsbereichen, gibt es auch in der motorischen Entwicklung eines Kindes Entwicklungsstände, die regelhaft erreicht werden und deshalb zu einem bestimmten Lebensalter erwartet werden können.
3.2.1 Das erste Lebensjahr
Neugeborene verfügen über eine Reihe von Reflexen. Zudem führen sie unkoordinierte Bewegungen, wie das Strampeln, aus. Als Reflex wird eine ererbte und immer gleich ablaufende, automatische Reaktion auf einen Reiz bezeichnet. Neugeborene besitzen unter anderem einen Atmungsreflex, einen Saugreflex und einen Greifreflex.2 Kinder im ersten Lebensjahr erleben in der Regel eine Zeit der intensivsten Bewegungsreifung. Sie lernen das Sitzen, das Stehen und das Gehen und entwickeln erste gesteuerte und koordinierte Bewegungen, wie die Auge-Hand-Koordination, die sich zum Greifen entwickelt.3
3.2.2 Die frühe und späte Kindheit
In der frühen Kindheit, also vom zweiten bis zum sechsten Lebensjahr, spielt die Erlangung und Erhaltung des Gleichgewichts eine große Rolle. Das Kind erlernt in dieser Zeit Bewegungsformen wie das Laufen, Treppensteigen und Hüpfen und sensumotorische Leistungen, also bewusst gesteuerte Bewegungen, die durch Sinneseindrücke und Wahrnehmungen ausgelöst werden, differenzieren sich weiter aus. Das Kind lernt in dieser Zeit beispielsweise das selbstständige Essen, sich allein anzuziehen und zu malen.
Kinder, die sich in der späten Kindheit und damit im Alter von sechs bis zehn Jahren befinden, gewinnen in ihren motorischen Fähigkeiten zunehmend an Sicherheit. Die Reaktionsgeschwindigkeit steigt und die Koordinationsfähigkeit verfeinert sich. Als bedeutendste motorische Entwicklung gilt in diesem Alter das Schreiben. Ab dem siebten Lebensjahr etwa gilt die motorische Entwicklung als abgeschlossen.1
3.2.3 Das Jugendalter
Das Jugendalter beginnt etwa mit dem zehnten Lebensjahr und endet mit dem Erwachsenwerden. In diesem Alter kann man bei den Jugendlichen eine erhebliche Zunahme der Muskelkraft beobachten. Außerdem wird in diesem Alter sichtbar, dass sich geschlechtertypische Unterschiede ausdifferenzieren. Diese sind unter anderem auf den Körperbau und den Bau der Körperorgane zurückzuführen, aber auch die Rolle von Mann und Frau in der Gesellschlaft spielt dabei eine Rolle. In diesem Alter ist es zudem wichtig, Bewegung und Sport positiv zu verknüpfen, um die Freude an Bewegung auch für das spätere Leben erhalten zu können.2
Wie bei allen Lern- und Entwicklungsaufgaben gibt es auch für das Erlernen und Festigen schwimmerischer Fertigkeiten sensible Phasen, in denen bestimmte Abläufe leichter, schneller und besser erlernt werden können. Als sensible Phasen werden dabei Zeitfenster bezeichnet, in denen ein Kind für bestimmte Lernerfahrungen besonders zugänglich ist und aus diesem Grund besonders gut und schnell lernen kann. Eine Grafik über diese Phasen speziell für den Bereich des Schwimmens findet sich Anhang unter Kapitel 1.
3.3.1 Das erste bis dritte Lebensjahr
Vom dritten bis zwölften Lebensmonat, also während des Säuglingsalters, eignen sich die Kinder erste koordinierte Bewegungen an und im Kleinkindalter, also vom ersten bis dritten Lebensjahr, bauen die Kinder diese Bewegungen weiter aus und vervielfältigen ihre Bewegungsformen. Schwerpunkt in beiden Phasen sollte es daher sein, den Kindern ein angenehmes Klima zu schaffen, um das Explorationsverhalten zu fördern und eine motorisch anregende Umgebung zu schaffen. In diesem Alter bietet es sich an, Kindern immer wieder die Möglichkeit zu geben, Wasser zu erfühlen. Ein Planschen in der Badewanne oder das gemeinsame Spiel mit Wasserspielzeug kann dabei helfen, die abweichende Beschaffenheit von Wasser kennenzulernen und durch Spiel und Spaß Ängste ab- beziehungsweise gar nicht erst aufzubauen.1 Weiterführende Informationen dazu findet sich im Angang unter Kapitel 8.
3.3.2 Das dritte bis siebte Lebensjahr
Kinder im Alter vom dritten bis zum siebten Lebensjahr befinden sich in der Phase der Vervollkommnung vielfältiger Bewegungsformen und der Aneignung erster Bewegungskombinationen. Im Klartext bedeutet das: Kinder im Vorschulalter sind jung genug, um spielend leicht viele Bewegungsformen zu erlernen und alt genug, um komplexe Bewegungskombinationen, wie der gleichzeitigen Bewegung von Armen und Beinen und dem bewussten rhythmischen Atmen, zu erlernen. Daraus ergibt sich auch, dass diese Altersspanne prädestiniert dafür ist, dem Schwimmenlernen eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Zu keinem anderen Zeitpunkt lernen die Kinder leichter das Schwimmen, als jetzt. Die Aufgabe des Erziehers ist es deshalb spielerische Anreize zu schaffen und Kontakt zum Element Wasser herzustellen. So können bei warmem Wetter beispielsweise Spiele wie „Ballontreten“ im Garten durchgeführt werden oder ein Wasserschlauch als Regenmacher genutzt werden, die „Schwamm-Staffel“ gespielt werden und das Matschen mit Farben und Wasser im Waschraum ermöglicht werden. Ausführliche Erklärungen zu den Spielideen finden sich im Anhang unter Kapitel 5.1.2
3.3.3 Das siebte bis zehnte Lebensjahr
Im frühen Schulkindalter, also im siebten bis zehnten Lebensjahr eines Kindes, befindet sich das Kind in einer Phase, in der es schnell motorische Fortschritte macht. Der Phase wird außerdem eine hohe motorische Lernfähigkeit zugeschrieben. Das Kind befindet sich in diesem Alter in einer sensiblen Phase für Beweglichkeit. Diese Phase der Entwicklung bietet eine gute Möglichkeit, um erlernte Abläufe zu festigen und zu vertiefen. Es ist daher möglich auf das erlernte Basiswissen, also das Seepferdchen-Abzeichen, aufzubauen und auf den Stand der Wassersicherheit oder sogar Schwimmfähigkeit zu erweitern.
Häufig beginnen Kinder aber erst in diesem Alter das Element Wasser, im Rahmen des Schwimmunterrichts an Schulen, zu entdecken und verpassen so einen Teil der Bildungschance die sich ihnen eigentlich bietet. Sei es aus mangelnden finanziellen Möglichkeiten, Desinteresse der Eltern oder schlichtweg Unwissenheit, Fakt ist jedoch, dass bis dahin schon wertvolle Zeit verloren gegangen war, die nur durch Mehrarbeit wieder aufgeholt werden kann. Da das nicht sein muss, ist es deshalb auch die Aufgabe des Erziehers, die Eltern für das Thema Schwimmenlernen zu sensibilisieren, um dem Kind so ein optimales Lernumfeld zu schaffen. Als Erzieher in einem Hort kann es zudem eine mögliche Aufgabe werden, die Kinder zum Schwimmunterricht zu begleiten, um so die Chance auf Bildung trotz Lehrermangel zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit der Pädagogen zum Wohle des Kindes sollte dabei selbstverständlich sein. Weiterführende Informationen für die Arbeit mit Eltern und dem Team finden sich im Anhang unter Kapitel 3 und 4.1
3.3.4 Das zehnte bis zwanzigste Lebensjahr
Im späten Schulkindalter und der Pubertät, also dem zehnten bis circa zwanzigsten Lebensjahr befindet sich das Kind beziehungsweise der Jugendliche in der Phase, in der es die beste motorische Lernfähigkeit besitzt. Zudem ist dieses Lebensalter von großen Wachstumsschüben gekennzeichnet und von einer schwankenden Motivationslage geprägt. Da es hier nicht darum gehen soll, die Kinder und Jugendlichen vom Leistungssport zu überzeugen, sollte der Schwerpunkt in diesem Alter eher darauf ausgerichtet werden, die Freude zu vermitteln, die man im kühlen Nass erleben kann und seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Wenn Kinder dies erleben können, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch von selbst Angebote im und am Wasser, bis ins Erwachsenenalter hinein, nutzen wollen, wesentlich höher.
Damit Jugendliche dies aber frei und vor allem ungezwungen tun können, ist das Stichwort Beteiligung hier von großer Bedeutung. Aufgabe des Erziehers ist es daher, verschiedene Vorschläge zu unterbreiten und gegebenenfalls bei der Organisation und Koordination dieser Angebote zu unterstützen. Die Entscheidungsfreiheit sollte jedoch auf jeden Fall bei den Jugendlichen liegen. Mögliche Vorschläge können beispielsweise ein Besuch im Schwimm- oder Freibad sein, die Veranstaltung einer Wasserbombenschlacht oder anderer Spiele mit Wasserbomben und weitere Ausflüge, wie eine Kanutour, ein Floßbau oder Wasserski. Im Anhang finden sich dazu praktische Hinweise für einen Ausflug ins Bad und weitere mögliche Ausflugsziele unter Kapitel 6 und 7.
Die Forsa-Umfragen (Kapitel 2 des Hauptteils) ergaben, dass aktuell nur 40% der Grundschüler als schwimmfähig zählen. Diese Zahl lässt vermuten, dass dem Prozess des Schwimmenlernens nicht mehr die Bedeutung beigemessen wird, wie es vielleicht vor ein paar Jahren noch der Fall war. Auf jeden Fall lässt es aber die Frage zu, ob das Schwimmenlernen überhaupt noch wichtig für Kinder ist, und wenn ja, warum überhaupt. Dieser Frage soll das Kapitel auf den Grund gehen.
Der erste und zugleich vermutlich wichtigste Grund für Kinder, das Schwimmen zu lernen, ist das Schwimmenkönnen als Präventionsmaßnahme vor dem Tod durch Ertrinken zu betrachten. Die Unfallstatistik der DLRG aus den vergangenen Jahren ergab, dass 2011 22 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 – 15 Jahren, und in den beiden darauffolgenden Jahren 18 und 34 Kinder und Jugendliche ertrunken sind. Mit einem entsprechenden Heranführen an das Element Wasser und dessen Bewältigung und dem Festigen der Fähigkeiten durch entsprechendes Üben wäre der eine oder andere Badetod vermutlich vermeidbar gewesen. Eine traurige und unterschätze Wahrheit ist nämlich, dass ein 15 bis 20 cm tiefes Kinder-Planschbecken bereits genug Gefahrenpotential bieten kann, damit ein Kind ertrinkt.1
Kinder und Jugendliche haben durch das „nasse Medium“ Wasser die Möglichkeit, einmalige Sinnes-, Umwelt- und Bewegungserfahrungen, zu sammeln, da das Einwirken von Dichte, Auftrieb, Wiederstand und Temperatur vollkommen anders wahrgenommen werden können, als an Land und so Erfahrungen wie das Gleiten, Schweben, Tauchen, Auftreiben und Absinken möglich machen. Eine Auseinandersetzung mit dem Wasser hilft also bei der Verbesserung motorischer Fähigkeiten und des eigenen Körpergefühls.
Darüber hinaus zählt das Baden zu den gesellschaftlich relevantesten Freizeit- und Vergnügungsaktivitäten und auch Sportarten wie Paddeln und Rudern, Surfen, Segeln oder Trendsportarten wie Wasserski und Stand-Up-Paddling setzen die Fähigkeit des Schwimmenkönnens voraus. Nicht Schwimmen zu können bedeutet also auch weniger mit Gleichaltrigen sozial interagieren zu können. Das Schwimmen fördert somit also auch soziale und damit inbegriffen kommunikative Fähigkeiten.2
Die Bewältigung des Wassers, also die Erlangung des Seepferdchens, fördert die Selbstständigkeit der Kinder. Da der Ausbau der Selbstständigkeit als Entwicklungsaufgabe bei Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren gesehen wird, kann das Erlernen schwimmerischer Grundfertigkeiten bei der Bewältigung dieser Entwicklungsaufgabe helfen. Sobald die Kinder in der Lage sind, sich selbstständig im Wasser fortzubewegen, ist es für Kinder nicht mehr überlebensnotwendig, dass die Eltern sie ununterbrochen im Auge behalten. Somit können sie dem Kind mehr Freiraum und Platz für eigene Ideen ermöglichen.
Da das Arbeitsfeld eines Erziehers weit über die Tagesbetreuung in einer Kindertagesstätte hinausgeht, widmet sich dieser Abschnitt der Bedeutung der Wassergewöhnung und der Begegnung mit Wasser im Allgemeinen. Jeder der genannten Arbeitsbereiche verbindet unterschiedliche Aufgaben und Anforderungen an den Erzieher. Diese Vielschichtigkeit macht dieses Arbeitsfeld so interessant. Jeder Erzieher, ganz egal in welchem Arbeitsbereich er letztlich arbeitet, kann jedoch an den Punkt stoßen, dass Fragen zur Wassersicherheit der Kinder und Jugendlichen oder den rechtlichen Grundlagen für Erzieher relevant werden und da bereits im Kapitel zwei festgestellt wurde, dass der Anteil an schwimmfähigen Kindern und Jugendlichen auch im höheren Alter eher gering ausfällt, geht dieser Abschnitt zumindest kurz auch auf mögliche Berührungspunkte mit anderen Arbeitsfeldern des Erziehers ein. Viele der folgenden Angebotsformen lassen sich aber immer auch in gleicher oder leicht veränderter Weise auf den KiTa-Alltag umwandeln. Sei es der Schwimmbadbesuch mit Jugendlichen eines Jugendclubs oder bei Angeboten zur Wassergewöhnung für Kinder einer Kindertagesstätte - Berührungspunkte sind vorhanden.
Im Bereich der Kindertagespflege können Erzieher neben der Betreuung in Kinderkrippe und Kindergarten, auch in Horteinrichtungen oder als Tagesmutter arbeiten. Die Aufgaben eines Erziehers liegen hier, neben der eingangs genannten Betreuung der Kinder, darin, die Kinder zu beaufsichtigen, zu erziehen und Möglichkeiten zur Bildung einzuräumen.
Für die Wassergewöhnung bedeutet das, dass eine reizreiche Umgebung eingerichtet werden sollten, die die Kinder neugierig macht und Lust schafft, sich auszuprobieren. Im Klartext: Die Aufgabe des Erziehers ist es, mit all seiner Kreativität das Element Wasser interessant zu machen, um so auch mögliche Ängste abbauen zu können. Darüber hinaus darf der Erzieher jedoch nicht vergessen, über mögliche, damit einhergehende, Gefahren kindgerecht aufzuklären. Praktisch ließe sich die kreative Auseinandersetzung mit Wasser beispielsweise durch verschiedene Experimente zu Themen wie Auftrieb, Oberflächenspannung und Dichte (Anhang Kapitel 5.3) und eine kindgerechte Auseinandersetzung mit möglichen Gefahren findet sich beispielsweise in den Baderegeln wieder. (Anhang Kapitel 2.4) Baderegeln gibt es selbstverständlich auch in Form von Piktogrammen, damit sie für alle Altersgruppen und Menschen jeder Nation verständlich sind und bleiben.
Einen weiteren großen Arbeitsbereich stellt die Jugendarbeit dar. Neben der offenen Jugendarbeit, also beispielsweise der Begegnung von Kindern und Jugendlichen in Jugendclubs, gibt es hier auch Formen der teilstationären und stationären Jugendarbeit. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und der Unterstützung der Familien bieten sich hier andere Aufgaben und Möglichkeiten im Hinblick auf die Wassergewöhnung und Wassersicherheit, als es beispielsweise in der Hortarbeit mit gleichaltrigen Kindern der Fall wäre. Um Formen der Auseinandersetzung mit dem Element Wasser in der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu finden, muss ein Erzieher auch in diesem Arbeitsfeld nicht lang suchen. Bei 30 Grad im Schatten ist ein Besuch im Freibad beispielsweise eine willkommene Abwechslung. Eine Checkliste, was für einen solchen Ausflug beachtet werden sollte, befindet sich im Anhang unter Kapitel 7.1. Aber auch das Aufstellen eines Pools im Garten der Einrichtung kann bereits für die nötige Abkühlung und den Spaß der Kinder sorgen. (Anhang Kapitel 8.5) Berührungspunkte mit dem Element Wasser sind also auch in diesem Arbeitsfeld dort zu finden, wo man sie schafft. Die teilstationäre und stationäre Jugendarbeit kann unter Umständen sogar noch tiefer eingreifen, da je nach Alter der Kinder durchaus auch das Begleiten zu Schwimmkursen oder das Durchführen von sogenannten Trockenübungen zu Hause Teil der Arbeit eines Erziehers sein kann. Diese Übungen sind dann jedoch nicht selbstgerichtet durchzuführen, sondern in Absprache mit Schwimmtrainern oder ähnlichen externen Fachkräften umzusetzen. Zur Erinnerung: Die oberste Aufgabe in diesem Arbeitsfeld ist die Verbesserung der familiären Ausgangssituation beziehungsweise die Rückführung in die Ursprungsfamilie.1 Daher kann ein möglicher Ansatzpunkt sein, dass der Erzieher den Eltern die Bedeutung des Schwimmenlernens näherbringt und so eine Brücke schlägt, um sie zu animieren, selbst mit ihrem Kind das Schwimmen zu üben. So können das Verantwortungsbewusstsein und somit elterliche Kompetenzen gestärkt werden. Je nach Einzelfall sollte daher individuell abgewogen werden, welche Maßnahmen notwendig, welche angemessen und welche vielleicht empfehlenswert wären.
Das dritte große Arbeitsfeld eines Erziehers ist die Heil- und Sonderpädagogik. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt hier auf der Betreuung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit geistiger, seelischer oder körperlicher Beeinträchtigung. Häufig werden hierfür Zusatzqualifikationen, wie beispielsweise die Heilpädagogische Zusatzqualifikation, benötigt.2
Ähnlich der anderen Arbeitsfelder, ist auch bei diesem eine differenziertere Betrachtung des Alters und der Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen notwendig. Eine pauschale Antwort, welche Angebote durchgeführt werden können, ist daher nicht möglich. Die Vielfalt der Möglichkeiten orientiert sich jedoch an den bereits genannten Angeboten und dem individuellen Entwicklungsstand des Kindes beziehungsweise Jugendlichen.
Was viele Menschen nicht wissen: Viele Schwimmhallen auch individuelle Schwimmkurse für Kinder und Jugendliche mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung anbieten. Es lohnt sich daher auf jeden Fall den Kontakt zu Schwimmhallen zu suchen, wenn ein Schwimmkurs beziehungsweise zumindest der Kontakt mit dem Element Wasser in Betracht gezogen wird.
Um über mögliche pädagogische Maßnahmen sprechen zu können, ist es zunächst wichtig abzuklären, welche relevanten rechtlichen Grundlagen und Empfehlungen beachtet werden sollten. Eine Zusammenfassung der nachfolgenden Inhalte befindet sich in Form von Informationsmaterial im Anhang unter Kapitel 2.1.
Die Aufsichtspflicht, und eine mögliche Vernachlässigung dieser, sind vermutlich die Themengebiete eines Erziehers, die mit der größten Angst behaftetet sind. Umso wichtiger ist es deshalb, sich vor der Durchführung von Angeboten, die bei unzureichender Vorbereitung und Sorgfalt eine Gefahr für das Wohl von Kindern darstellen können, zu informieren und zu wissen, auf welche Dinge Erzieher besonders achten müssen.
6.1.1 Die Gesetzesgrundlage
Die Aufsichtspflicht ist in §1631 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches niedergeschrieben und Teil der Personensorge.
„Sie umfasst das Recht und die Pflicht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen.“1
Ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom 24.03.2009 sieht dabei Folgendes vor:
„Als erste Faustregel gilt, […] dass sich der Maßstab der Aufsichtspflicht daran bemisst, was ein verständiger Aufsichtspflichtiger nach vernünftigen Anforderungen im konkreten Fall unternehmen [muss], um Schädigungen Dritter durch das Kind [oder des Kindes] zu verhindern.“
Weiterhin wird diese Faustregel durch eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes Dresden mit dem Urteil vom 04.12.1996 bekräftigt:
„[…] den Aufsichtspflichtigen ist ein gewisser Freiraum für vertretbare pädagogische Maßnahmen zu belassen.“1
Diese Urteile verdeutlichen, dass niemand eine lückenlose Überwachung der Kinder fordert. Vielmehr geht es offensichtlich darum, seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen und Situationen realistisch zu überprüfen und einzuschätzen.
Der Gesetzgeber vermeidet dabei eine konkrete Anleitung, was für eine perfekte Erfüllung der Aufsichtspflicht getan werden muss. Dies liegt vor Allem darin begründet, dass die Vielzahl an möglichen Situationen eine konkrete und eindeutige Einschätzung seitens des Gesetzgebers gar nicht zulassen.2
6.1.2 Die Art und der Umfang der Aufsichtspflicht
Informationen darüber, wie Art und Umfang der Aufsichtspflicht eingeschätzt werden können, gibt es allerdings schon. Um das Verhältnis von Vermeidung von Schäden durch das und an dem Kind und der Möglichkeit der Selbstständigkeit eines Kindes austarieren zu können, sollen folgende Kriterien in die Erwägungen einbezogen werden:3
1. Die Persönlichkeit des Kindes, der Entwicklungsstand und die geistige und seelische Reife: Selbsterklärend ist, dass ältere Kinder weniger Aufsicht benötigen als jüngere, da sie Gefahren besser einschätzen können. Darüber hinaus ist es jedoch auch wichtig, dass ein Erzieher seine zu betreuenden Kinder bezüglich des Charakters einschätzen kann und anhand des typischerweise gezeigten Verhaltens weiß, welches Kind eine stärkere Beaufsichtigung benötigt und welches verantwortungsbewusst genug handelt, um eine beobachtungsarme Zeit zu ermöglichen.
2. Das Gruppenverhalten beziehungsweise die Gruppendynamik: Neigt die Gruppe häufig zu Streit oder befindet sie sich womöglich gerade in der Findungsphase, sollte ein Erzieher wachsamer sein, als bei Gruppen, die gut harmonieren und sich lange kennen.
3. Die Gefährlichkeit der Aktivität, die mit den Kindern unternommen wird: Ein Ausflug ins Schwimmbad stellt beispielsweise eine Aktivität dar, die auf jeden Fall einer strengeren Aufsicht und intensiveren Planungsphase bedarf und bei der klare Absprachen mit Kindern, Eltern und dem Team getroffen werden müssen. Nur wenn alle offenen Fragen geklärt wurden, können alle Beteiligten solch einen Ausflug positiv erleben. Um diese Planungsphase zu erleichtern, befindet sich im Anhang eine Checkliste mit relevanten Fragen, die im Vorfeld geklärt werden sollten.
4. Die örtlichen Bedingungen: Dass die Kindertagesstätte so abgesichert ist, dass eine offensichtliche Gefährdung der Kinder ausgeschlossen werden kann, ist logisch. Speziell bei Ausflügen, wie beispielsweise auch ins Schwimmbad, ist es teilweise aber ratsam im Vorfeld zu prüfen, ob die örtlichen Bedingungen kindgerecht und sicher sind oder einer erhöhten Aufmerksamkeit bedürfen. Hilfreich ist dieses Wissen für die Planung bezüglich benötigter Mitarbeiter und unterstützender Eltern.
5. Die Gruppengröße: Bei Angeboten mit, am und im Wasser sollte ein Erzieher immer besonders genau prüfen, welche Gruppengröße für das Angebot ratsam ist. Für Ausflüge ins Bad sollte eine kleine Gruppe, immer von mindestens zwei Erziehern begleitet werden. Bei größeren Gruppen sind auch mehr Aufsichtspersonen hinzuzuziehen. Eine Unterstützung durch Eltern ist dabei eine Möglichkeit. Etwa drei Kinder pro Erzieher/ Begleitperson ist dabei eine Faustregel, nach der sich gerichtet werden kann.
6. Die Zumutbarkeit: Eine lückenlose Überwachung ist weder für den Erzieher, noch für die zu beaufsichtigenden Kinder zumutbar. Kinder benötigen Freiräume und Rückzugsorte an denen sie sich, auch unbeobachtet, ausprobieren können. Als Faustregel gilt dabei, dass Kinder in einem maximalen zeitlichen Abstand von 15 Minuten aufgesucht werden sollen und sich somit von ihrem Wohlergehen überzeugt werden soll. Bei jüngeren Kindern ist dieser Zeitraum entsprechend zu verkürzen.1
Die Verkehrssicherungspflicht sieht vor, dass jeder Mensch, der in seinem Verantwortungsbereich eine Gefahrenquelle schafft, dafür Sorge tragen muss, dass Dritte nicht zu Schaden kommen können. Der Gesetzgeber fordert dabei lediglich, was ein umsichtiger Erwachsener tun sollte, um das Wohl eines Menschen zu schützen. Bemerkt ein Erzieher beispielsweise ein defektes Spielgerät, ist es seine Aufgabe, dieses abzusperren und den Defekt zu melden. Führt ein Erzieher Angebote und Aktivitäten durch, die das normale Maß an Gefahr übersteigen, Beispiele dafür wären die Verbrühungsgefahr bei Kochangeboten oder die Gefahr des Ertrinkens bei Angeboten am und im Wasser, ist es seine Aufgabe, Maßnahmen zu ergreifen, die dieser Gefahr entgegenwirken und auf deren Umsetzung zu achten. Eine mögliche Umsetzung dieser Maßnahmen wären mit Blick auf Wasserangebote das Anlegen von Schwimmhilfsmitteln oder das Aufstellen und Umsetzen von klaren Regeln, wie beispielsweise von Baderegeln.1
Sicherlich ist es beruhigend zu wissen, dass die Aufsichtspflicht bei einem Ausflug ins Schwimm- oder Freibad nicht allein beim Erzieher liegt. Verständlicherweise wird er auch nicht von seiner Pflicht entbunden, aber darum geht es auch nicht. Im Schwimm- oder Freibad bekommt der Erzieher vielmehr kompetente und fachkundige Partner an die Seite, die ihm bei der Erfüllung seiner Aufsichtspflicht unterstützen und zur Beantwortung von Fragen bereitstehen.
Auch Schwimmbadbetreiber und ihr Personal haben eine Aufsichts- und Verkehrssicherungspflicht zu erfüllen. Als rechtliche Grundlage gilt hierbei das Merkblatt 94.05 „Betrieb von Bädern“. Dieses Merkblatt wurde in der Vergangenheit bereits häufiger als Grundlage für Urteilsbegründungen hergenommen und hat daher im Bäderwesen bindenden Charakter. Aus diesem Merkblatt ergibt sich für Badbetreiber eine Pflicht zur Gefahrenabwehr und eine Präventionspflicht. Darüber hinaus umfasst das Merkblatt die Pflicht zur Haftung im Schadensfall, wenn keine ausreichende Sicherung vorgenommen wurde.
Der größte Schwerpunkt des Merkblattes ist aber die Pflicht zur Wasseraufsicht. Dabei geht das Merkblatt darauf ein, welche Anforderungen an qualifiziertes Badpersonal gestellt werden und in welchem Umfang Wasseraufsicht durchgeführt werden muss, um als ausreichend zu gelten.
Als Faustregel gilt dabei, dass die Aufsicht lückenlos sein muss und durch geeignetes Personal durchzuführen ist. Sie darf kurzzeitig, beispielsweise für technische Kontrollgänge, an Hilfspersonen abgegeben werden.2
Für Erzieher bedeutet das im Klartext:
1. Der Erzieher muss die Aufsicht der zu betreuenden Kinder nicht allein bewältigen und darf Unterstützung durch das Badpersonal anfordern. Er ist jedoch nicht von seiner Pflicht zur Aufsicht entbunden.
2. Das Badpersonal muss immer erreichbar sein und darf nicht einfach verschwinden. Vor allem bei Kindergruppen ist es üblich, dass ein Schwimmmeister ein Verlassen des Beckens vermeidet und kurz Bescheid gibt, wo er zu finden ist, wenn ein Verlassen des Beckens dennoch unvermeidbar ist.
3. Unter lückenloser Überwachung wird im Fachkreis Bäderwesen ein Auffinden von Verunfallten binnen drei Minuten und die unbedingte Vermeidung dieses Unfalls verstanden. Das bedeutet, dass ein Erzieher das Badpersonal um regelmäßige Rundgänge ums Becken bitten darf, um diese Vermeidung von Unfällen zu erreichen.
Grundsätzlich gilt jedoch, dass auch das Badpersonal Unfälle vermeiden möchte und die Aufmerksamkeit bei Kindern daher von Natur aus höher ist. Fühlt sich ein Erzieher in einer Situation unsicher oder hat offene Fragen, ist es immer eine gute Idee diese Fragen direkt an das Personal zu richten. Diese Menschen sind Experten in ihrem Gebiet und helfen gern aus.1
Natürlich greifen auch noch viele weitere Gesetze und Empfehlungen, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würden. Mit einzelnen, relevanten Gesetzen befasst sich der nachfolgende Abschnitt noch einmal genauer.
6.4.1 Die gesetzliche Unfallversicherung
Sollte es im Alltag einmal zu einem Unfall kommen, sind alle Unfallbeteiligten und deren Helfer gesetzlich unfallversichert. Im Schadensfall haftet diese Unfallversicherung sofort und kommt für alle entstehenden Behandlungskosten auf. Sollte sich im Nachgang herausstellen, dass ein Unfall grob fahrlässig oder vorsätzlich begangen wurde, kann die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten vom Verursacher zurückfordern. Für den Alltag bedeutet das aber auch, dass Unfälle passieren dürfen und der Staat für den Ausgleich des Schadens sorgt. Das bedeutet übrigens auch, dass Eltern, die beispielsweise Ausflüge begleiten, gesetzlich unfallversichert sind.2
6.4.2 Kinder- und Jugendhilfegesetz und sächsisches KiTa-Gesetz
Die Inhalte dieser beiden Gesetze und der Inhalt des sächsischen Bildungsplans sollten jedem Erzieher geläufig sein. Aus diesem Grund ist dieser Abschnitt nur ein kurzer Abriss darüber.
Zur Erinnerung: § 1 Absatz 1 des SGB VIII sieht vor, dass jeder junge Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit hat.3
Der sächsische Bildungsplan wiederum gibt eine Übersicht über die Grundlagen der pädagogischen Arbeit und die Inhalte der einzelnen Bildungsbereiche. Der Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit sollte auf der Durchführung von Bildungsangeboten und der Vernetzung aller Bildungsbereiche für eine ganzheitliche Förderung liegen.1 Und das sächsische KiTa-Gesetz besagt laut §1 Absatz 1 folgendes:
„Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege begleiten, unterstützen und ergänzen die Bildung und Erziehung des Kindes in der Familie. Sie bieten dem Kind vielfältige Erlebnis- und Erfahrungsmöglichkeiten über den Familienrahmen hinaus.“2
Nimmt man die Inhalte dieser Texte, ergibt sich für jeden Erzieher die Pflicht, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen und Lern- und Bildungserfahrungen anzuregen. Für Angebote am und im Wasser bedeutet das, dass mögliche Berührungsängste des Erziehers die Lernerfahrungen der Kinder und Jugendlichen nicht ausbremsen dürfen. Die Angst vor einer potentiellen Gefahr kann sonst dazu führen, dass Kindern eine ganzheitliche Erfahrung der Welt verwehrt bleibt.
Im Zusammenhang mit dem Thema Wassergewöhnung für Kinder kann es sein, dass der Erzieher innerhalb kürzester Zeit viele Rollen einnimmt. Alles in allem ist er jedoch immer ein Vorbild und sollte sich seiner Reaktionen stets bewusst sein. Die Rollen des Erziehers können sich dabei von einem Berater für Eltern, über einen professionellen Begleiter und Unterstützer für externe Fachkräfte und Kollegen, bis hin zu einem Anleiter und Ermutiger für die Kinder erstrecken. Die Rolle des Erziehers kann aber auch die des Aufpassers beinhalten, der ausbremst oder verbietet und aufklärt, um Unfälle und Verletzungen zu vermeiden. Da die geforderte Rolle je nach gegebener Situation eine andere ist, schauen wir zunächst darauf, wie die perfekte Ausgangssituation aussehen müsste, um die Kinder und andere am Entwicklungsprozess beteiligte Personen bestmöglich zu begleiten.
Es gibt ein paar Voraussetzungen, die das Ziel der Wassergewöhnung von Kindern im Kindergarten ungemein erleichtern. Dieses Kapitel befasst sich deshalb mit dem Idealbild. Grundvoraussetzung sollte zunächst eine, nicht länger als zwei Jahre zurückliegende, Schulung in der Ersten Hilfe sein. Idealerweise sind die Kinder aber auch schon in Kontakt mit einer kindgerechten Schulung der Ersten Hilfe gekommen, sodass vorherrschende Ängste abgebaut werden konnten und die Kinder den Mut aufbringen können, Hilfe anzufordern, wenn sie gebraucht wird. Vor allem im Umgang mit dem Element Wasser können Berührungsängste von Natur aus größer sein, sodass eine Vorbereitung der Kinder sinnvoll ist.
Es sollte mindestens ein Erzieher der Einrichtung einen aktuellen Rettungsschwimmerschein besitzen, um im Ernstfall rettungsfähig zu sein. Idealerweise ist auch dieser nicht älter als zwei Jahre. Alternativ wurden die Kenntnisse und Fähigkeiten regelmäßig aufgefrischt. Zudem sollte der Schein mindestens als Abzeichen der Kategorie Silber abgelegt worden. Kontaktadressen, wo Rettungsschwimmabzeichen abgelegt werden können, befinden sich im Anhang unter Kapitel 2.2 und 2.3. Zum Idealbild zählt auch, dass Angebote mit kleinen Gruppen durchgeführt werden können. Es sollte immer ausreichend Personal vorhanden sein, sodass der Erzieher Angebote am Wasser mit wenigen Kindern durchführen kann und alle Kinder jederzeit im Blick hat. Eine Gruppengröße für Angebote von drei bis sechs Kindern ist dabei ideal. Zudem sollten die Ausflüge ins Schwimmbad von mindestens zwei Erziehern begleitet werden. Besser ist es jedoch, wenn zusätzlich weitere Erzieher oder Eltern den Ausflug unterstützen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass eine höhere Anzahl an Aufsichtspersonen auch die Sicherheit der Kinder erhöht.
Idealerweise befindet sich natürlich auch ein Schwimm- oder Freibad im näheren Umfeld der Einrichtung, sodass eine Zusammenarbeit möglich ist. Wünschenswert ist außerdem ausreichend Platz und Material in der Einrichtung, um Angebote vor Ort durchführen zu können. Zu den perfekten Voraussetzungen zählt zu guter Letzt der Faktor Zeit. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Element Wasser entwickeln sich verständlicherweise nicht beim ersten Kontakt. Daher sollte der Erzieher Geduld beweisen und sich bei auftretenden Ängsten einfühlsam zeigen. Nichts ist fataler, als Kinder unter Angst zu irgendwelchen Aufgaben zu zwingen. Selbst wenn es unter guter Absicht geschieht, bleibt es für das Kind ein angstbehaftetes Erlebnis. Besser ist es, das Kind immer wieder zu Lernerfahrungen einzuladen und bei auftretenden Ängsten, diese ernst zu nehmen, denn auch bei Angeboten am Wasser gilt, dass jedes Kind individuell ist und handelt und selbstverständlich auch im Rahmen von Angeboten am, im und mit Wasser selbst entscheiden kann und darf, was es machen möchte. Im Anhang (Kapitel 9) finden sich weitere Informationen zum Thema Angst.
Im Umgang mit Kindern sollte sich der Erzieher immer im Klaren darüber sein, dass er eine Vorbildwirkung auf die Kinder hat und jederzeit Modell sein kann. Aus diesem Grund sind negative Kommentare über Wasser vielleicht menschlich, aber nicht immer zielführend.
Besser ist es, einen neugierigen und offenen Umgang, auch mit diesem Element, zu pflegen. Eine Aufgabe des Erziehers ist es, die Neugier der Kinder zu wecken, um sie so schrittweise an das Element Wasser heranzuführen. Dabei muss sich der Erzieher aber auch der reellen Gefahren bewusst sein und die Kinder über diese aufklären, ohne dabei durch Übertreibungen oder Verallgemeinerungen zusätzliche Ängste zu schüren.
Haben Kinder durch das Elternhaus noch keine nennenswerten Erfahrungen mit Wasser, über das abendliche Waschen hinausgehend, gemacht, sind erste Berührungsängste beim Kontakt eher die Regel, als die Ausnahme. Häufig wuchsen diese Kinder zu Hause mit Sätzen wie „Wasser ist gefährlich.“ oder „Da wurde ich reingeschubst/ untergetaucht und hatte voll Angst.“ und „Wasser ist der Horror für mich.“ auf. Aus diesen Sätzen lernen die Kinder, das Wasser etwas Schlechtes ist. Ein sensibler Umgang mit Geduld und Empathie sind daher besonders wichtig und fast noch wertvoller, als der Kontakt mit Wasser selbst, da die Kinder so lernen können, dass ihre Sorgen und Ängste ernst genommen werden. Eine Hilfestellung zum Umgang mit den kindlichen Ängsten können Bilderbücher, Fantasiegeschichten und Lieder sein. Eine Auswahl dazu befindet sich im Anhang unter Kapitel 8.
Trotz allem sollten die Kinder durch den Erzieher immer wieder ermutigt werden, verschiedene Dinge einfach auszuprobieren, da es ganz klar auch zur Aufgabe des Erziehers gehört, die Kinder ganzheitlich zu fördern und dabei alle Bildungsbereiche in die Lernerfahrungen einzubeziehen. Ein spielerischer Umgang durch Themenkreise, Wasserspiele oder einem Matschraum können dabei helfen, die kindliche Neugier zu wecken und neue Erfahrungen zu sammeln.1
Im Umgang mit den Eltern wird es mitunter zur immer wiederkehrenden Aufgabe, die Eltern dafür zu sensibilisieren, dass die Erlangung von Wassersicherheit ein Thema von großer Bedeutung ist. Wurden die Eltern diesbezüglich erreicht, kann es mitunter die nächste Aufgabe sein, den Eltern Kontaktadressen zu geben und sie so an entsprechende Fachkräfte weiterzuleiten. Für den Raum Chemnitz befinden sich im Anhang (Kapitel 2.2 und 2.3) Kontaktadressen und Ansprechpartner. Im Rahmen der Beziehungspartnerschaft sind Transparenz und Zusammenarbeit mit den Eltern aber ebenso wichtig. Aus diesem Grund sollte es für den Erzieher eine Aufgabe sein, über stattgefundene und geplante Angebote zu informieren und zur Zusammenarbeit anzuregen. Möglicherweise haben Eltern Ideen, die umgesetzt werden können oder sind bereit, einen regelmäßig stattfindenden Besuch im Schwimmbad zu begleiten, um ihn überhaupt erst möglich zu machen. Häufig freuen sich Eltern darüber, wenn externe Schwimmkurse innerhalb der Betreuungszeit stattfinden können und die Erzieher die Kinder zum Bad begleiten, da es die meist ohnehin knappe Zeit am Nachmittag etwas entlastet und Eltern so mehr freie Zeit mit ihren Kindern zur Verfügung haben. Um solche Wünsche herauszufinden, ist Kommunikation das Stichwort. Diese kann in Form von Tür- und Angelgesprächen stattfinden. Aber auch im Rahmen von Beratungs- oder Entwicklungsgesprächen kann dieses Thema aufgegriffen werden. Im Anhang finden sich deshalb einige Informationen zu den genannten Gesprächsformen und ihren möglichen Inhalten. Die wahrscheinlich häufigste Gesprächsform im Zusammenhang mit diesem Thema ist jedoch der Elternabend. Empfehlenswert ist es, zu Beginn des Vorschuljahres einen thematischen Elternabend durchzuführen oder zumindest einen Teil eines stattfindenden Elternabends auf das Thema Wassersicherheit und Wassergewöhnung zu verwenden, um die Eltern zu sensibilisieren. In diesem Zusammenhang kann der Erzieher auf das Schwimmenlernen als Mittel zum Ausbau der Selbstständigkeit der Kinder aufmerksam machen und darüber hinaus auf die Bedeutung der Wassersicherheit für die Kinder hinweisen. Einen möglichen thematischen Leitfaden für einen solchen Elternabend befinden sich im Anhang unter Kapitel 4.
Allen Hilfestellungen und Hinweisen zum Trotz, kann es natürlich immer passieren, dass ein Erzieher an seine eigenen, oder an von außen auferlegte, Grenzen stößt. Wichtig ist es, die Grenzen des eigenen Handelns zu kennen und zu akzeptieren, um so im richtigen Moment auf externe Unterstützungsmöglichkeiten zurückzugreifen und verweisen zu können. Zunächst ist es wichtig, dass sich der Erzieher der Tatsache bewusst ist, dass er „nur“ Erzieher und weder Bäderfachkraft, Schwimmtrainer noch Lehrkraft ist. Theoretisch ist dieser Umstand sicherlich vollkommen logisch. Im Detail jedoch ist es eben nicht die Aufgabe des Erziehers, den Kindern das Schwimmen zu lernen und Grundtechniken zu vermitteln. Für diese Aufgabe gibt es externe Fachkräfte. Aufgaben des Erziehers können daher die Vermittlung zu diesen Fachkräften oder die begleitende Unterstützung bei der Bewältigung dieser Lernaufgabe sein. Die bewusste Abgrenzung hilft, die Professionalität aufrecht zu erhalten und baut den Druck ab, Inhalte vermitteln zu müssen, die man, aus mangelnden Fachkenntnissen, gar nicht vermitteln kann. Damit diese Abgrenzung gelingt, sind Absprachen allerdings besonders wichtig.
Die Abgrenzung ist so wichtig, da sie dabei helfen kann, bestehende Ängste des Erziehers aufgrund eines Erwartungsdrucks, abzubauen. Auch andere Ängste eines Erziehers können eine klare Grenze sein. Es ist durchaus verständlich, wenn beispielsweise die Sorge um Aufsichtspflichtverletzungen Ängste in einem Erzieher auslösen. Wichtig ist nur, dass ein Erzieher mit diesen Ängsten nicht allein bleibt und das offene Gespräch zu seinem Team sucht. Da, wo ein Team über Probleme und Sorgen spricht, dort können auch Lösungen gefunden werden. Wenn zum Beispiel die Lösung bei Personalmangel darin liegt, dass auf einzelne Angebote, wie ein Besuch des Schwimmbades, verzichtet wird, dann zeigt das einen pflichtbewussten und professionellen Umgang mit der Situation und ist kein Ausdruck von Inkompetenz.
Grenzen können ebenso von außen auf den Erzieher einwirken. Sei es, weil Eltern eine Zusammenarbeit verweigern oder weil es kein öffentliches Bad im näheren Umkreis der Einrichtung gibt. In diesen Fällen gilt es, die gegeben Situationen anzunehmen und darüber hinaus Angebote zu wählen, die innerhalb der Grenzen umsetzbar sind. Das führt unter Umständen dazu, dass einzelne Angebote nicht durchführbar sind, aber um mit den Kindern ein Buch zu betrachten oder ein Spiel im Garten der Einrichtung zu spielen, bedarf es mitunter nicht viel, sodass eine Vielzahl von Angeboten trotzdem innerhalb der Grenzen liegen können. Hierbei darf sich jeder Erzieher gern auf das Zitat Götz Werners besinnen. Er sagte: „Wer etwas will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.“
1 DLRG (2017)
2 Es sind stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermaßen gemeint; aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird im Folgenden nur die männliche Form verwendet.
1 Dr. G. Schlesinger
2 DSLV (2016), S. 7
3 DSLV (2016), S. 5
1 DSLV (2016), S. 4
2 DSLV (2016), S. 5
3 DLRG (2010)
2 Hobmair (2013), S. 252
3 Glatz, Moritz, Wendel (2011), S. 19
1 Hobmair (2013), S. 252
2 Hobmair (2013), S. 253
3 Hobmair (2013), S. 254
1 Hobmair (2013), S. 254
2 Hobmair (2013), S. 254
1 Glatz, Moritz, Wendel (2011), S. 13
2 Glatz, Moritz, Wendel (2011), S. 13
1 DSLV (2016), S. 3
2 DSLV (2016), S. 3
1 SGB VIII, §34
2 Kindergartenexperte (2008)
1 Textor, Martin R. (1998), S. 32 - 34
1 Ihlenfeld, Lars; Klaus, Holger (2014), S. 64
2 Ihlenfeld, Lars; Klaus, Holger (2014), S. 64
3 Ihlenfeld, Lars; Klaus, Holger (2014), S. 65
1 Textor, Martin R. ((1998), S. 32 - 34
1 Ihlenfeld, Lars; Klaus, Holger (2014), S. 69
2 BFB (2017), Blatt 1
1 BFB (2017), Blatt 2f
2 Ihlenfeld, Lars; Klaus, Holger (2014), S. 70
3 SGB VIII, § 1
1 Sächsisches Staatsministerium für Kultus und Sport (2011)
2 SächsKitaG (2009) § 1
DPFA Akademien Gruppe GmbH (Fachschule für Sozialwesen)
Franziska Kirmse (Autor)
V463422
9783668968318
9783668968325
Diese Facharbeit bietet einen sehr hohen Neuigkeitswert, da es keinerlei vergleichbare Literatur für den Erzieher gibt. Bei der Erstellung nutzte ich vorrangig Fachliteratur aus den Fachbereichen Bäderwesen und Schwimmen und wandte Wissen aus der Ausbildung zur Erzieherin an. Die Facharbeit zeichnet ein sehr hoher Praxisanteil von knapp 60 Seiten im Anhang aus ohne dabei den fachlichen Aspekt im Hauptteil aus den Augen zu verlieren.
Erzieher Wassergewöhnung Wassersicherheit Kindergarten Handreichung
Franziska Kirmse (Autor), 2019, Trau dich, Wasser tut nicht weh. Eine Handreichung für Erzieher im Kindergarten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/463422
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References: §1631
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 §34
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