Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=30.10.2001&Aktenzeichen=VIII%20R%2029%2F00
Timestamp: 2019-10-15 05:28:51+00:00

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BFH, 30.10.2001 - VIII R 29/00 - dejure.org
https://dejure.org/2001,178
BFH, 30.10.2001 - VIII R 29/00 (https://dejure.org/2001,178)
BFH, Entscheidung vom 30.10.2001 - VIII R 29/00 (https://dejure.org/2001,178)
BFH, Entscheidung vom 30. Januar 2001 - VIII R 29/00 (https://dejure.org/2001,178)
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EStG §§ 9, 22 Nr. 1 Satz 1, Satz 3 Buchst. a
Überschusseinkünfte - Sonstige Einkünfte - Leibrente - Werbungskosten - Finanzierungskosten - Versicherungsvertrag
EStG §§ 9 22 Nr. 1 S. 1 3 lit. a
Kreditfinanzierte Rentenverträge - Abzug von Makler- und Vermittlungsgebühren
§§ 9, 22 EStG
Einkommensteuer; Makler- und Vermittlungsgebühren als Anschaffungsneben- oder Werbungskosten beim Erwerb von Rentenrechten
Voller Werbungskostenabzug der "Kreditvermittlungsgebühr"!
Kündigung der Lebensversicherung - Verluste zählen steuerlich nicht immer
Fremdfinanzierte Rente gegen Einmalbeitrag - Voller Werbungskostenabzug der "Kreditvermittlungsgebühr"!
Verluste bei Rückkauf von Lebensversicherungen nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG
Lebensversicherungen, die vor dem 1.1.2005 abgeschlossen wurden
BFHE 197, 114
NJW 2002, 1291
BB 2002, 498
DB 2002, 299
BStBl II 2006, 223
Mit seiner Revision rügt das FA, das FG habe die Grundsätze des Urteils des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00 (BFHE 197, 114) nicht beachtet.
Aufwendungen auf der Vermögensebene mindern im Bereich der Überschusseinkünfte nur nach Maßgabe der Sonderregelungen der §§ 17, 23 EStG, § 21 des Umwandlungssteuergesetzes (UmwStG) die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer (wegen der Einzelheiten und weiterer Nachweise vgl. BFH-Urteil in BFHE 197, 114, unter II.4.a b).
Dementsprechend sind weder bei den Einkünften aus Kapitalvermögen die Aufwendungen zum Erwerb der Kapitalanlage (BFH-Urteile vom 27. Juni 1989 VIII R 30/88, BFHE 157, 541, BStBl II 1989, 934;… vom 20. Juni 2000 VIII R 37/99, BFH/NV 2000, 1342, unter II.2.b, und vom 20. April 2004 VIII R 4/02, BFHE 205, 292, BStBl II 2004, 597) noch bei den sonstigen Einkünften aus Leibrenten die Aufwendungen zum Erwerb der Rentenanwartschaft sofort abziehbare Werbungskosten (BFH-Urteile vom 29. Juli 1986 IX R 206/84, BFHE 147, 176, BStBl II 1986, 747, unter 2.a b; vom 7. Februar 1990 X R 204/87, BFH/NV 1990, 762, und in BFHE 197, 114, unter II.4.b).
b) Vielmehr ist für die Entscheidung, welche Vorgänge der Vermögensebene zuzuordnen sind, der tatsächliche wirtschaftliche Gehalt der in Frage stehenden Leistung maßgeblich (BFH-Urteil in BFHE 197, 114, unter II.4.e aa).
Vielmehr steht für ihn die Erlangung eines lebenslangen, nach Ende der Tilgungsphase frei verfügbaren Rentenanspruchs im Vordergrund (vgl. dazu bereits BFH-Urteil in BFHE 197, 114, unter II.4.e cc); auf dieses Hauptziel heben auch die in den Werbe- und Informationsmaterialien der Anbieter enthaltenen Darstellungen ab.
Auch in der Entscheidung in BFHE 197, 114 (unter II.4.e cc) ist für einen vergleichbaren Fall bereits eine Schätzung anhand eines Prozentsatzes der Darlehenssumme in Erwägung gezogen worden.
Der VIII. Senat ist mittlerweile von seiner --insoweit ebenfalls nicht weiter begründeten-- Entscheidung, im Rahmen einer Überschussprognose eine Provision in Höhe von 3, 7 % des Darlehensbetrages in vollem Umfang als Werbungskosten anzusetzen (BFH-Urteil vom 9. Mai 2000 VIII R 77/97, BFHE 192, 445, BStBl II 2000, 660, unter A.I.3.b bb ccc), abgerückt (vgl. BFH-Urteil in BFHE 197, 114, unter II.4.c).
In vergleichbaren Fällen haben die Tatsachengerichte daher zu ermitteln, ob auch zwischen der finanzierenden Bank und dem Vermittler Vereinbarungen über die Zahlung von Vermittlungsprovisionen bestehen (so bereits BFH-Urteil in BFHE 197, 114, unter II.4.e bb).
Es gilt insoweit nichts anderes als etwa für typische Makler-, Gutachter- oder Beurkundungskosten (vgl. zu diesen BFH-Urteile vom 9. Oktober 1979 VIII R 67/77, BFHE 129, 132, BStBl II 1980, 116, unter 2.a der Gründe; vom 11. Oktober 1989 I R 12/87, BFHE 158, 390, BStBl II 1990, 89, unter II.4.a der Gründe;… vom 20. Juni 2000 VIII R 37/99, BFH/NV 2000, 1342; vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00, BFHE 197, 114, BStBl II 2006, 223; Blümich/Ehmcke, § 6 EStG Rz 257, m.w.N.; HHR/Stobbe, § 6 EStG Rz 293).
Soweit der Steuerpflichtige hingegen mit seinen Beiträgen einen "eigenen" Versicherungsanspruch erwirbt, der zu einer Ablaufleistung führt, die als Einmalbetrag nicht steuerbar wäre (Senatsurteil vom 15. Juni 2005 X R 64/01, BFHE 210, 281, DStR 2005, 1764), wird sich die Frage stellen, ob hier die Grundsätze der BFH-Rechtsprechung über die "Anschaffung von Rentenrechten" (z.B. BFH-Urteil vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00, BFHE 197, 114) durch die gesetzliche Anordnung einer "nachgelagerten Besteuerung" ausgeblendet werden können.
Hiernach sind Aufwendungen für den Erwerb von Rentenrechten weder als --vorweggenommene-- Werbungskosten sofort abziehbar noch können sie im Wege der Absetzungen für Abnutzung (AfA) berücksichtigt werden (BFH-Urteil vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00, BFHE 197, 114, BStBl II 2006, 223).
Dieser in erster Linie zur Beurteilung vertraglicher Vereinbarungen entwickelten Erkenntnis kommt allgemeine Bedeutung zu (vgl. BFH-Entscheidungen vom 22. Januar 1981 IV B 41/80, BFHE 132, 542, BStBl II 1981, 424;… vom 17. Oktober 1996 X B 163/96, BFH/NV 1997, 525;… vom 9. Oktober 1997 X B 51/97, BFH/NV 1998, 447; vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00, BFHE 197, 114, BStBl II 2006, 223, …und vom 9. Dezember 2002 VIII R 20/01, BFH/NV 2003, 601).
Es gilt insoweit nichts anderes als etwa für Makler-, Gutachter- oder Beurkundungskosten (vgl. zu diesen BFH-Urteile vom 9. Oktober 1979 VIII R 67/77, BFHE 129, 132, BStBl II 1980, 116, unter 2.a der Gründe; vom 11. Oktober 1989 I R 12/87, BFHE 158, 390, BStBl II 1990, 89, unter II.4.a der Gründe;… vom 20. Juni 2000 VIII R 37/99, BFH/NV 2000, 1342; vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00, BFHE 197, 114;… Blümich/Ehmcke, Einkommensteuergesetz, Körperschaftsteuergesetz, Gewerbesteuergesetz, § 6 EStG Rz. 257, m.w.N.;… Stobbe in Herrmann/Heuer/Raupach, a.a.O., § 6 EStG Anm. 293).
Für die Rechtslage vor Inkrafttreten des AltEinkG wurden Aufwendungen zwecks Erwerb oder Erhalt von Rentenrechten aus diesem Grunde nicht als Werbungskosten, sondern als Vorgänge der Vermögensebene betrachtet (…vgl. Senatsurteil vom 7. Februar 1990 X R 204/87, BFH/NV 1990, 762, für eine Abfindungszahlung im Rahmen eines Versorgungsausgleichs; BFH-Urteil vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00, BFHE 197, 114, BStBl II 2006, 223, unter II.4.b).
Ob die darüber hinausgehenden, auf die Überschussbeteiligung entfallenden Rentenzahlungsbeträge (im Streitjahr 2.761 DM monatlich), die je nach Ertragslage des Versicherers schwanken können, dem Grunde nach als Leibrente mit dem Ertragsanteil nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG zu erfassen sind (so Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 26.11.1998, BStBl I 1998, 1508) oder der Überschussanteil in nomineller Höhe als wiederkehrender Bezug gemäß § 22 Nr. 1 Satz 1 EStG zu besteuern ist, kann dahingestellt bleiben (offen BFH, Urteil vom 30.10.2001 VIII R 29/00, a.a.O.).
Im Streitfall kann angesichts der Höhe der Werbungskosten (siehe unter I. 2. b) bbb)) dahingestellt bleiben, ob in Fällen der garantierten Mindestrente mit Überschussbeteiligung - wie dem vorliegenden - die gesamte Versicherungsleistung als Leibrente mit ihrem Ertragsanteil (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG i.V.m. § 55 Abs. 2 EStDV ) anzusetzen ist (im Streitfall: 1.538.845 DM x 28% = 430.876,60 DM) oder die betragsmäßig nicht im Voraus bestimmten Überschussanteile in nomineller Höhe als wiederkehrende Bezüge (§ 22 Nr. 1 Satz 1 EStG ) zu erfassen sind (im Streitfall: 1.274.760 DM x 28% = 356.932,80 DM + 264.085 DM = 621.017,80 DM) oder ob - ggf. beschränkt auf die außerrechnungsmäßigen Zinsen - Kapitaleinkünfte nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG erzielt werden (vgl. BFH, Urteil vom 30.10.2001 VIII R 29/00, a.a.O.).
Finanzierungskosten (Schuldzinsen, Finanzierungsnebenkosten) sind auch dann in vollem Umfang als Werbungskosten bei den sonstigen Einkünften gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 EStG anzusetzen und damit zugleich in vollem Umfang in die Überschussprognose einzustellen, wenn die Versicherungsleistungen einen nichtsteuerbaren Kapitalrückzahlungsanteil enthalten (…vgl. BFH, Urteile vom 15. Dezember 1999 X R 23/95, a.a.O.; vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00, a.a.O.).
Demgemäß kann auch die Absicht des Steuerpflichtigen, mittels weiterer Anlageformen die Rentabilität der Gesamtheit der Kapitalanlagen zu erhalten oder zu steigern, nicht dazu führen, die Erträge aus anderen Anlagen in die Prognose für die Bestimmung der Einkünfteerzielungsabsicht einzubeziehen (vgl. BFH, Urteile vom 27.6.1989 VIII R 30/88, BStBl II, 934; vom 24.3.1992 VIII R 12/89, BFHE 168, 415 , BStBl II 1993, 18 ; vom 30.10.2001 VIII R 29/00, BFH/NV 2002, 268 ).
Die Finanzierungskosten sind stets in vollem Umfang bei der Überschussprognose zu berücksichtigen, obwohl die Versicherungsleistungen einen nichtsteuerbaren Kapitalrückzahlungsanteil enthalten (BFH v. 30.10.2001, BFH/NV 2002, 268 ).
Die unmittelbaren Aufwendungen (Einmalprämie oder laufende Beiträge) für den Erwerb von Rentenrechten können auch insoweit, als deren Erträge (ganz oder teilweise) der Besteuerung nach § 22 Nr. 1 Satz 1 oder Satz 3 Buchst. a EStG unterliegen, weder als sofort abziehbare (vorweggenommene) Werbungskosten noch als Absetzungen für Abnutzung Berücksichtigung finden (BFH-Urteil vom 30. Oktober 2001 VIII R 29/00, BFHE 197, 114, BFH/NV 2002, 268).
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