Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=23.07.2015&Aktenzeichen=3%20StR%20633%2F14
Timestamp: 2019-02-22 15:28:27+00:00

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BGH, 23.07.2015 - 3 StR 633/14 - dejure.org
§ 225 StGB; § 224 StGB; § 13 StGB; § 323c StGB
(Schwere) Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen (schwere Gesundheitsbeschädigung; Hervorrufen der Folge bei Unterlassungstat; Möglichkeit der Abwendung der schweren Folge; Quälen; rohes Misshandeln; gefühllose Gesinnung; böswillige Vernachlässigung der Pflicht, für die schutzbedürftige Person zu sorgen; Vorsatz); unterlassene Hilfeleistung (Konkurrenzen)
§ 225 Abs. 3 StGB, § ... 395 Abs. 1 Nr. 3, § 400 Abs. 1 StPO, § 224 Abs. 1 Nr. 5, § 13 StGB, § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB, § 323c StGB, § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB, § 224 Abs. 1 Nr. 2 und 5 StGB, § 301 StPO, § 401 Abs. 3 Satz 1 StPO, § 225 Abs. 3 Nr. 1 und 2 StGB, § 225 Abs. 1 StGB, § 395 Abs. 1 bis 3 StPO, § 225 Abs. 1 Alternative 1 StGB
§ 13 StGB, § 225 Abs 1 Alt 3 StGB, § 225 Abs 3 StGB
Schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen: Tatbestandsmerkmal des Quälens und der böswilligen Verletzung der Fürsorgepflicht bei Unterlassen der notwendigen Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe durch die Mutter eines durch ihren Lebensgefährten schwerverletzten Säuglings
LG Krefeld, 22.08.2014 - 22 Ks 30/14
NStZ-RR 2015, 369
StV 2016, 432
Dabei erfordert die in Nummer 2 genannte erhebliche Entwicklungsschädigung in Anlehnung an § 171 StGB (§ 170d StGB aF), dass der normale Ablauf des körperlichen oder seelischen Entwicklungsprozesses dauernd oder nachhaltig gestört ist (BGH, Urteil vom 23. Juli 2015 - 3 StR 633/14, NStZ-RR 2015, 369, 370; BGH, Urteil vom 20. April 1982 - 1 StR 50/82, NStZ 1982, 328 f. zu § 170d StGB aF).
Handelt es sich um eine Unterlassungstat, so begründet der Täter die tatbestandlich vorausgesetzte konkrete Gefahr, wenn er deren Entstehen durch sein Eingreifen hätte abwenden können (BGH, Urteil vom 23. Juli 2015 aaO).
Rohes Misshandeln im Sinne des § 225 Abs. 1 StGB liegt dagegen vor, wenn der Täter einem anderen eine Körperverletzung aus gefühlloser Gesinnung zufügt, die sich in erheblichen Handlungsfolgen äußert (zum Ganzen: BGH, Urteil vom 23. Juli 2015 - 3 StR 633/14, NStZ-RR 2015, 369, 370 f.; Beschluss vom 25. Februar 2015 - 4 StR 11/15 jeweils mwN).
In subjektiver Hinsicht ist bezüglich der Verursachung der tatbestandlichen Gefahren des qualifizierten Falles (zumindest bedingter) Vorsatz erforderlich (BGH, Urteil vom 23.Juli 2015 -3 StR 633/14, BGHR StGB § 225 Abs. 3 Gefahr 1).
Ist dies der Fall, so kann Quälen auch durch Unterlassen begangen werden (vgl. BGH, Urteile vom 3. Juli 2003 - 4 StR 190/03, NStZ 2004, 94 f.; vom 23. Juli 2015 - 3 StR 633/14, BGHR StGB § 225 Abs. 1 Tathandlungen 1).
In subjektiver Hinsicht, in der bedingter Vorsatz genügt (BGH, Urteil vom 4. August 2015 - 1 StR 624/14, NStZ 2016, 95, 97), ist es erforderlich, dass der Täter den Vorsatz hat, dem Opfer erhebliche Schmerzen oder Leiden zuzufügen, die über die typischen Auswirkungen hinausgehen, die mit der aktuellen Körperverletzungshandlung verbunden sind (vgl. BGH, Beschluss vom 20. März 2012 - 4 StR 561/11, NStZ 2013, 466, 467 mwN; Urteil vom 23. Juli 2015 -3 StR 633/14, BGHR StGB § 225 Abs. 1 Tathandlungen 1).
Eine solche für die rohe Misshandlung notwendige gefühllose Gesinnung liegt nur vor, wenn der Täter bei der Misshandlung das notwendig als Hemmung wirkende Gefühl für das Leiden des Misshandelten verloren hat, das sich bei jedem menschlich und verständlich Denkenden eingestellt haben würde (BGH, Urteil vom 23. Juli 2015 - 3 StR 633/14, NStZ-RR 2015, 369, 371 und Beschluss vom 28. Februar 2007 - 5 StR 44/07, NStZ 2007, 405;… Stree/Sternberg-Lieben in Schönke/Schröder, StGB, 29. Aufl., § 225 Rn. 13).
Quälen im Sinne dieser Vorschrift bedeutet nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs das Verursachen länger andauernder oder sich wiederholender (erheblicher) Schmerzen oder Leiden körperlicher oder seelischer Art, die über die typischen Auswirkungen der festgestellten einzelnen Körperverletzungshandlungen hinausgehen (BGH, Urteil vom 23.07.2015, 3 StR 633/14).
BGH, 07.08.2018 - 4 StR 89/18
Misshandlung von Schutzbefohlenen (Begriff des rohen Misshandelns)
Eine gefühllose Gesinnung ist gegeben, wenn der Täter bei der Misshandlung das - notwendig als Hemmung wirkende - Gefühl für das Leiden des Misshandelten verloren hat, das sich bei jedem menschlich und verständlich Denkenden eingestellt haben würde (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 28. Februar 2007 - 5 StR 44/07, NStZ 2007, 405; Urteile vom 23. Juli 2015 - 3 StR 633/14, NStZ-RR 2015, 369; vom 21. März 2018 - 1 StR 404/17, NStZ-RR 2018, 209).

References: § 225
 § 224
 § 13
 § 323

§ 225
 § 400
 § 224
 § 13
 § 225
 § 323
 § 224
 § 224
 § 301
 § 401
 § 225
 § 225
 § 395
 § 225

§ 13
 § 225
 § 225
 § 171
 § 170
 § 225
 § 225
 § 225
 § 225
 § 225