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Timestamp: 2019-03-23 19:13:47+00:00

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Legionellenrisiken in Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern: -Anforderungen und Anlagenüberwachung nach 42. Bundesimmissionsschutzverordnung- | VDI Wissensforum
Legionellenrisiken in Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern: -Anforderungen und Anlagenüberwachung nach 42. Bundesimmissionsschutzverordnung-
Ziel der am 19.08.2017 in Kraft getretenen 42. BImSchV ist es, bundeseinheitlich die Hygienesicherheit von Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen sowie Nassabscheidern zu regeln. Das betrifft unmittelbar anwendbare technische und organisatorische Pflichten bei der Errichtung und dem Betrieb. Dabei wird der Stand der Technik eingefordert, der für Verdunstungskühlanlagen z.B. in der VDI 2047 Blatt 2 beschrieben ist.
Die Verordnung legt Anzeigepflichten der Anlagen an die Behörde sowie Instandhaltungs- und Untersuchungspflichten (z.B. auf Legionellen) fest. Weitere Verpflichtungen betreffen z. B. die Erstellung einer Gefährdungsanalyse sowie die regelmäßige Überwachung durch Sachverständige.
Was ist der Anlass für die 42. BImSchV?
Die Verordnung soll das Risiko einer Verbreitung von Legionellen aus den Anlagen minimieren. Gesundheitliche Risiken gehen einerseits für die an den Anlagen tätigen Arbeitnehmern aus. Das betrifft Risiken durch Krankheitserreger als auch chemische Substanzen, wie die eingesetzten Biozide (Desinfektionsmittel etc.). Das Arbeitsschutzrecht fordert daher für diese Tätigkeiten die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung und die Ableitung von Schutzmaßnahmen.
Neben den Arbeitnehmern sind Menschen, die sich in der Umgebung aufhalten, dem Infektionsrisiko bei Inhalation der abgegebenen Aerosole ausgesetzt. Das gilt nach aktuellem Kenntnisstand vor allem für Bakterien aus der Gruppe der Legionellen, die nachweislich noch in einigen Kilometern Entfernung von der Quelle zu Infektionen geführt haben. Diese Mikroorganismen können zur sogenannten Legionellose führen. Als leichte Verlaufsform, dem Pontiac-Fieber, zeigt diese Infektion Sommergrippe-ähnliche Symptome. Die schwere Verlaufsform der Legionellose in Form einer Lungenentzündung, der Legionärskrankheit, führt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in bis zu 15% der Fälle zu Tod.
Wo gilt die 42. BImSchV?
Sie gilt für die Errichtung, die Beschaffenheit und den Betrieb von
Kühltürmen und
in denen Wasser verrieselt oder versprüht wird oder anderweitig in Kontakt mit der Atmosphäre kommen.
Welche Anforderungen gelten für die Errichtung, die Beschaffenheit und den Betrieb?
Als grundsätzliche Anforderungen nach § 3 wird z. B. gefordert, dass:
Anlagen so auszulegen, zu errichten und zu betreiben sind, dass Verunreinigungen des Nutzwassers durch Mikroorganismen, insbesondere Legionellen vermieden werden.
Werkstoffe für die Wasserqualität und die verwendeten Betriebsstoffe geeignet sind.
Tropfenauswurf z. B. durch geeignete Tropfenabscheider effektiv minimiert wird
Vor der Inbetriebnahme oder der Wiederinbetriebnahme eine Gefährdungsbeurteilung für die Anlage erstellt werden muss
Anforderungen an den Anlagenbetrieb betreffen z. B. betriebsinterne Überprüfungen und Laboruntersuchungen des Nutzwassers (Kühlwasser, das mit der Atmosphäre in Kontakt kommt). So gilt für bestehende Anlagen, dass die erste regelmäßige Laboruntersuchung des Nutzwassers, z. B. auf Legionellen, bis zum 16. September 2017 durchzuführen ist.
Die Überschreitung der in der Verordnung festgelegten Prüfwerte und Maßnahmenwerte (s. Tabelle) für Legionellen im Nutzwasser ist mit konkreten Handlungspflichten für den Betreiber verbunden.
Prüfwert 3
So gilt bei einer Überschreitung der Prüfwerte 1 oder 2 für Legionellen in Verdunstungskühlanlagen und Nassabscheider, dass der Betreiber z. B.:
• unverzüglich eine zusätzliche Laboruntersuchung durchführen lässt.
• bei Bestätigung des Erstbefundes Untersuchungen zur Uraschenaufklärung durchführt und erforderliche Maßnahmen für einen ordnungsgemäßen Betrieb zu ergreift.
Bei Überschreitung der Maßnahmenwerte für Legionellen gelten weitergehende Maßnahmen sowie nach § 10 der Verordnung zudem eine Informationspflicht an die zuständige Behörde. Auch „Störungen des Betriebs“, die zu einer Vermehrung oder Ausbreitung von Legionellen führen können, verpflichten den Betreiber. Dann sind unverzüglich die Ursachen zu ermitteln und Maßnahmen zur Beseitigung zu ergreifen.
Gibt es eine Pflicht zur Anlagenüberwachung in der 42. BImSchV?
Die Anlagenüberwachung ist mit den Dokumentationspflichten im § 12 „Betriebstagebuch“ als auch den „Anzeigepflichten“ nach § 13 verankert. Letzterer ist am 19.08.2018 in Kraft getreten und konkretisiert die an den Betreiber gerichteten Meldepflichten an die zuständige Behörde. Diese haben über das Internetportal www.kavka.bund.de zu erfolgen.
Erstmals ist für diese Anlagen auch eine wiederkehrende Prüfung im Turnus von 5 Jahren verpflichtend. Nach § 14 muss dabei der ordnungsgemäße Anlagenbetrieb durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen oder eine akkreditierte Inspektionsstelle Typ A überprüft werden. Die erste Überprüfung ist abhängig vom Inbetriebnahmedatum der Anlage:
für Anlagen, die in Betrieb gegangen sind vor dem
Sowohl das Ziel als auch der Umfang dieser Überprüfung nach § 14 sind auslegungsbedürftig. So stellt sich die Frage nach den Konsequenzen für den Betreiber, sofern das Ergebnis der Überprüfung nicht mit dem Ziel korrespondiert? Was ist mit einer Beseitigungspflicht festgestellter Mängel und wer überprüft diese? Offenkundig gibt es hier noch zahlreiche Fragen, für die eine eindeutige Klärung aussteht.
Dem Verordnungstext ist ausschließlich zu entnehmen, dass der Betreiber den „ordnungsgemäßen Anlagenbetrieb“ überprüfen lassen muss. Der Begriff ist in der Verordnung nicht definiert. Lediglich in der Verordnungsbegründung wird dazu erläuternd ausgeführt; „Alle fünf Jahre sind eine Überprüfung hinsichtlich des Fortbestehens der baulichen Voraussetzungen sowie eine Überprüfung der Einhaltung der Anforderungen an den Betrieb vorzunehmen. Der Prüfumfang ergibt sich aus den Anforderungen der §§ 3 bis 13.“ Damit wird deutlich, dass die Überprüfung „bauliche und betriebliche Anforderungen“ umfasst. Das lässt sich auch aus dem Text „Die baulich-konstruktive Ausführung von Anlagen ist eine der grundlegenden Voraussetzungen für einen ordnungsgemäßen Betrieb.“ der Verordnungsbegründung ableiten.
Zusammenfassend lässt sich aus dem Verordnungstext und der Begründung ableiten, dass gemäß § 14 einerseits die betrieblichen Anforderungen überprüft werden müssen, wie
die Verwendung geeigneter Betriebsstoffe,
die Durchführung interner und externer Untersuchungen,
kritische Betriebszustände,
die Durchführung geeigneter Maßnahmen bei Überschreitung von Prüf- oder Maßnahmenwerten, oder
die Wahrnehmung der organisatorischen Pflichten und der Dokumentation.
Weiterhin gehört zur Überprüfung aber auch das Vorliegen der baulichen Voraussetzungen für den ordnungsgemäßen Betrieb, wie
die Eignung der Werkstoffe,
die Eignung der Tropfenabscheider,
mögliche Totzonen im System, oder
Vorkehrungen für regelmäßige Überprüfungen.
Insgesamt ergibt sich damit ein umfangreicher Überwachungsaufwand für die Anlagenüberprüfungen durch die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen und die Inspektionsstellen. Es bleibt abzuwarten wie mit den Ergebnissen der Überprüfungen von Seiten der Behörden umgegangen wird. Gleichzeitig ist zu hoffen, dass diese Anlagen auch bei erhöhten Sicherheitsanforderungen als eine ökonomische und energieeffiziente Alternative zu anderen Arten der Kältetechnik gesehen werden.
Geschäftsfeldleiter Anlagen- & Produktsicherheit
beide DMT GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der TÜV NORD GROUP
Kontakt: Christoph.Sinder@dmt-group.com

References: § 3
 § 10
 § 12
 § 13
 § 14
 § 14
 § 14