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Timestamp: 2017-12-14 18:56:54+00:00

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Unterschiede und Veränderungen im Sportunterricht durch die ... | Diplomarbeiten24.de
Empirische Untersuchung an einer Sekundarschule in Magdeburg
1. Theorie Asyl, Migration und Integration
1.1 Asyl
1.4 Zusammenfassung wesentlicher Informationen
2. Integration durch Sport
2.2 Potential des Sportes
2.3 Integration im Schulsport
3.1 Theoretische Grundlagen des Untersuchungsdesign
3.1.2 Methode der Datenerhebung
3.1.3 Methode der Datenauswertung
3.2 Theorie der Durchführung
3.2.1 Erstellung des Interviewleitfadens
3.2.2 Durchführung des Interviews
3.2.3 Auswertung des Interviews
5.1 Zusammenfassung und Darstellung der Ergebnisse
Abb. 1. Asylanträge von 1980 bis 2016
Abb. 2. Höchster Allgemeiner Schulabschluss nach Migrationshintergrund und Geschlecht 9
Abb. 3. Systemintegration und die vier Dimensionen der Sozialintegration 12
Das deutsche Bildungswesen unterläuft tagtäglich vielen Veränderungen. Die Bundesländer versuchen durch ständige Modernisierungen den strukturellen Wandel einzuschätzen und auf ihn zu reagieren um eine bestmögliche Bildung zu erreichen. Die Herausforderung seit 2013 mit der Flüchtlingssituation sind dennoch ein Unikum, auf welches sich nur schwer vorbereiten lässt. Die gesetzten Strukturen in den Bildungseinrichtungen und die bestehenden Curricular sind nicht auf die Zuströme von nicht deutschsprachigen Schülern ausgerichtet und verlangen viel improvisatorisches Verhalten von allen Beteiligten. Die Lehrkräfte, welche die neuen Schüler in ihre bestehenden Klassen integrieren müssen oder in neuen Klassenverbänden platzieren, stehen seitdem vor großen Herausforderungen. Als Prämisse besteht die Integration der Schüler in die Gesellschaft und in den normalen Schulalltag. Einen Teilbeitrag zur Integration wird dabei auch dem Sport zugeschrieben. Sport verbindet die Menschen und lässt durch prominente Beispiele an einen integrativen Effekt glauben. Doch bis zu einer vollständigen Integration bedarf es viel Zeit.
Kann man die Flüchtlingskinder im Sportunterricht nun mit den gleichen Zielen und Erwartungen wie deutsche Kinder konfrontieren, oder muss die Lehrperson ihren Unterricht in Flüchtlingskinderklassen grundlegend anders gestalten?
Diese Arbeit untersucht die auftretenden Veränderungen und Unterschiede im Schulsport durch die aktuelle Flüchtlingssituation. Welche sprachlichen, gesellschaftlichen und religiösen Hürden im Schulsport auftreten und wie diese durch die Lehrkraft gelöst werden. Welche Kompromisse zwischen den Schülern, Eltern, Lehrkräften und der Schule werden gefunden um einen reibungslosen Ablauf des Unterrichts zu gewährleisten. Die empirische Einzeluntersuchung wurde mittels eines problemdifferenzierten Interviews durchgeführt. Die Schule des Interviewpartners zeichnet sich durch eine hohe Aufnahmebereitschaft von schulpflichtigen Asylbewerbern aus und ist durch ihre langjährige Erfahrung in dieser Thematik gut für die Untersuchung geeignet. Das Interview mit der Lehrkraft ermöglicht einen direkten Einblick in den Schulalltag, welcher durch offizielle Berichte oder Statistiken nicht erreicht wird.
Die Arbeit gliedert sich in 4 Abschnitte, welche an dieser Stelle vorgestellt werden.
Im ersten Abschnitt der Arbeit wird die notwendige Theorie über Asyl, Migration und Integration vermittelt um die aktuelle Flüchtlingssituation einschätzen zu können. Die Theorie eine Begriffserklärung, einen historischen Abriss und die aktuelle Situation in Deutschland. Sie wird durch eine Zusammenfassung der wesentlichen Elemente ergänzt.
Im zweiten Abschnitt der Arbeit wird auf einen Teilbereich der Integration eingegangen. Die Betrachtung bezieht sich hierbei nun auf die Integration durch den Sport. Es wird untersucht, welche Möglichkeiten der Sport als Integrationshilfe bietet und welche Grenzen dabei auftauchen. Der Schulsport wird mit seiner Wirkung auf die Integration besonders beachtet. Es werden Problemfelder dargestellt mit denen sich Lehrkräfte beschäftigen müssen um ihren Unterricht Integrationsfördernd zu gestalten.
Im dritten Abschnitt der Arbeit steht die theoretische Auseinandersetzung des Interviews. Es wird die Vorgehensweise der empirischen Untersuchung beschrieben. Des Weiteren werden die Möglichkeiten der Ausführung, die Methoden und Theorien, und die Beweggründe des Einsatzes der ausgewählten Elemente der Untersuchung dargestellt. Der Interviewleitfaden, welcher für das Interview grundlegend ist, wird ebenfalls abgebildet.
Im vierten Abschnitt der Arbeit befindet sich die Auswertung und Interpretation des Interviews. Das Interview wird durch eine Auswertungsmethode nach Lamnek bearbeitet. Die wesentlichen Unterschiede im Schulsport werden entsprechend dem Interviewleitfaden ausgewertet und die erkennbaren Unterschiede zwischen Migrationsklassen und normalen Schulklassen dargestellt.
Am Schluss der Arbeit werden in einem Resümee die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst. Das Interview befindet sich im Anhang in der transkribierten Version.
Die empirische Untersuchung bildet den Fall einer Einzelfallstudie ab und ist in ihrer Interpretation der Schüler auf die Aussagen meines Interviewpartners zurückzuführen. Es handelt sich dabei um eine subjektive Sichtweise, welche nicht zu überprüfen ist und nur bedingte Allgemeingültigkeit besitzt. Für eine Allgemeingültige und repräsentative Stichprobe müsste die Anzahl an durchgeführten Interviews an einer Schule erhöht und eine Vielzahl an weiteren Schulen besucht werden.
Die Begrifflichkeiten, Asyl, Migration und Integration werden sehr oft verwechselt, obgleich sie einfach und stark zu unterscheiden sind. Im Folgenden werden die Begriffe inhaltlich klar voneinander getrennt und es wird auf ihre spezifischen Merkmale hingewiesen. Es findet eine Begriffserklärung statt und es werden die für Deutschland geltenden Regeln, Formen und Theorien von Asyl, Migration und Integration dargestellt.
In Deutschland ist der Begriff Asyl, unteranderem mit der Aufnahme zum Schutz für Verfolgte, beschrieben. Eine Begriffserklärung lässt sich am besten durch die Voraussetzung für Asyl erläutern. Die Grundlage für die Anerkennung von Asyl (nach Art.16 a GG und §3 Abs. 14 AsylG[1] ), ist in der Genfer Flüchtlingskonvention geklärt. In diesem Abkommen kommen zurzeit 145 Staaten über die Rechtstellung von Flüchtlingen überein. Auch wenn die Konvention Interpretationsspielräume bezüglich von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts offen lässt, ist sie in den restlichen Aussagen sehr deutlich (vgl. UNHCR, 2011, S. 2).
Sie legt fest, dass Personen „aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe außerhalb des Herkunftslandes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie hat oder in dem sie als Staatenloser gelebt hat und dessen Schutz vor dieser Verfolgung sie nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen der Furcht vor Verfolgung nicht in Anspruch nehmen will.“ (UNCHR, 1951, S.6)
Sind die Passagen auf einen Asylsuchenden zutreffend, so hat die Person ein Anrecht auf die Akzeptierung eines Asylantrages. Es kann somit jede Person, die sich außerhalb ihres Landes befindet einen Asylantrag stellen. Für die Genehmigung des Antrages wird nach der Genfer Flüchtlingskonvention entschieden, ob einer dieser Punkte eine Genehmigung zulässt.
Wer ein Aufenthaltsrecht bei Inanspruchnahme von Asyl erhalten möchte, wird in eine der folgenden Kategorien einordnet. Als erste und häufigste Art von Asyl gibt es den Asylsuchenden. Asylsuchende verlassen aus eigenen Antrieb ihr Heimatland um in einem anderem Land Schutz zu finden. Sie müssen sich einer individuellen Prüfung durch das zuständige Amt, dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration, in Deutschland unterziehen. Hier werden die Kriterien der Genfer Flüchtlingskonvention geprüft (vgl. AsylG, 2016, §3). Bei Akzeptanz der Gründe erfolgt die Anerkennung und Aufnahme mit einem Asylstatus nach Art. 16 a des Grundgesetzes.
Da die Größe eines Zustroms mitunter nicht eingeschätzt und auch unterschätzt werden kann, gibt es für größere Flüchtlingsströme zur Vereinfachung der Antragsgenehmigung, die Kontingentflüchtlinge. Bei dieser Art wird der Asylstatus in Deutschland vom Innenminister festgelegt und für eine bestimmte Anzahl von Personen ermöglicht. Die Anzahl kann individuell auf die Situation des Landes fixiert und verändert werden. In der Nation muss dabei die Bevölkerung oder eine Bevölkerungsgruppe in einer humanitären Notsituation sein, dann ist ein Aufenthalt mit Zustimmung der zuständigen Behörde, ohne weitere individuelle Prüfung zulässig. (vgl. Art.16 a GG)
Sollten die ersten beiden Varianten nicht möglich oder unzutreffend sein, gilt der Flüchtende als geduldeter Asylbewerber. Hierbei ist der Asylantrag abgelehnt und damit keine nach der Genfer Flüchtlingskonvention festgelegte Notsituation festgestellt. Konsequenz aus der Ablehnung des Asylantrages ist dann eine Abschiebung in das Heimatland (vgl. AsylG, 2016, §30). Die geduldeten Asylbewerber werden bis zu ihrer Abschiebung in einem Asylbewerberheim untergebracht, bis die Abschiebung erfolgt. Zwei weitere Möglichkeiten einen vergleichbaren Status wie den Asylstatus zu erhalten, ist der subsidiäre Schutz und die Erhaltung eines Abschiebeverbotes. Der subsidiäre Schutz ist für diejenigen, die in ihrem Heimatland die Todesstrafe, Folter oder Gefahr durch einen bewaffneten Konflikt droht. Sie hätten kein Anrecht auf Asyl, deswegen erhalten sie einen vorübergehenden Schutz (AsylG, 2016, §4). Diesen Schutz erhalten die Personen so lange, bis nicht mehr von einer unmittelbaren Gefahr ausgegangen wird. (vgl. AsylG, 2016, §4)
Die zweite Möglichkeit ist ein Abschiebeverbot. Dieses findet Anwendung, wenn ein Antrag auf Asyl nicht anerkannt und dadurch abgelehnt wird, gibt es in bestimmten Situationen auch eine Feststellung eines Abschiebeverbotes. Das hat zur Folge, dass die abgelehnte Person aus humanitären Gründen nicht in ihr Heimatland zurückkehren kann. Um als Flüchtling einen solchen Status zu erhalten, müssen Beweise für eine Notsituation nachgewiesen werden, als Beispiel kann man Erpresserbriefe oder Todesdrohungen werten. (vgl. AsylG, 2016, §29a)
Ist der Aufenthaltszeitraum eines Asylanten überschritten, erlischt das Recht auf Asyl und es muss Asylfolgeantrag gestellt werden, sofern die Person nicht in ihr Ursprungsland zurück kann. Für die Asylfolgeanträge werden dieselben Umstände auf ihre Aktualität überprüft und nach der Genfer Flüchtlingskonvention entschieden. (vgl. AsylG, 2016, §71) Die folgende Grafik zeigt eine Übersicht über die Asylantragszahlen von 1985 bis 2016.
In Deutschland entwickelte sich die Anzahl an Asylanträgen immer sehr unterschiedlich, wobei bis 1980 keine schlagartigen Anstiege zu verzeichnen waren. Die Antragszahlen schwankten im mittleren vierstelligen Bereich (vgl. BAMF, 2016, S. 3). Eine Ausnahme bildet die Niederschlagung des Ungarnaufstandes 1956 und des "Prager Frühlings" 1968 (vgl. Karner, 2008, S. 68). Deutschland hat keine Nachbarstaaten, außer der bis 1990 noch bestehenden deutschen demokratischen Republik, welche starke politische Spannungen zeigen und dadurch ihre Bürger in eine Notsituation drängen. Auch sind Naturgewalten im mitteleuropäischen Raum eher eine Besonderheit. Somit ist Deutschland von direkten Zuströmen aus dem Nachbarländern wenig betroffen. In der Betrachtung nach 1990 liegt die Gesamtanzahl von Flüchtlingen, die nach Deutschland gekommen sind, bei 5,3 Millionen Menschen. Nach steigenden Zugangszahlen bis 1992, in der 438191 Menschen einen Asylantrag stellten, fiel die Anzahl an Anträgen bis zum Jahr 2008 auf 28018 zurück. Im Jahr 2015 wurde wieder ein Höchststand festgestellt, welcher nur im Jahr 2016 mit 745545 Asylanträgen übertroffen werden konnte, davon 23175 Folgeanträge. (vgl. BAMF, 2016, S. 3)
Für eine gerechte Aufteilung der Flüchtlinge zwischen den Bundesländern sorgt der Königsteiner Schlüssel. Die Verteilung ist gedacht um die Belastung nicht auf einzelne Bundesländer zu konzentrieren, sondern für eine gerechte Aufteilung zu sorgen (vgl. AsylG, 2016, § 45 Absatz 1 Satz 2). Der Anteil richtet sich zwei Drittel nach dem Steueraufkommen und ein Drittel nach der Bevölkerungszahl des Bundeslandes. So ergibt sich für das Jahr 2016, dass Nordrhein-Westfalen (21,14%), Bayern (15,53%) und Baden-Württemberg (12,97%), fast die Hälfte aller Flüchtlinge aufnehmen musste. Sachsen-Anhalt liegt mit 2,8% weit dahinter. (vgl. Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, 2016)
Die reelle Situation weicht nur geringfügig von der im Königsteiner Schlüssel festgelegten Quote ab. 19484 Flüchtlinge wurden im Jahr 2016 Sachsen-Anhalt zugeteilt, das entspricht einer Quote von 2,7% (vgl. BAMF, 2016, S. 7).
Die Demografie in Deutschland deutet auf ein Problem in naher Zukunft in der Altersstruktur hin. Gerade zu gegenläufig ist die derzeitige Zuwanderung. Im Jahr 2016 sind 59,7 % aller Asylerstanträge auf Personen zurückzuführen, die unter 25 Jahre alt sind. Betrachtet man Personen bis 40 Jahre, so sind es sogar 89,7% (vgl. Statista, 2017). Unter den Flüchtlingen sind unterproportional wenig Frauen, sie stellen 34,3% der Gesamtantragstellerzahl und somit deutlich weniger als der männliche Anteil von 65,7% (vgl. Statista, 2017). Die Gründe für den hohen männlichen Anteil sind wohl der gewünschte Familiennachzug um eine sichere Flucht für den Rest ihrer Familie zu gewährleisten. Bei alleiniger Flucht laufen Frauen aus ihrem Krisenland oft Gefahr ein Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen zu werden.
Die aktuelle Debatte über Asylbewerber wurde vor 2013 über die Migration geführt und war sonst das bestimmendeThema. Die beiden Begriffe Asyl und Migration sind sich recht ähnlich und werden meistens im selben Kontext miteinander verwendet. Sind aber grundverschieden.
Flüchtlinge bzw. Asylanten können keine Migranten werden, die Trennlinie ist dabei sehr strikt. Wenn die Person einen Asylantrag gestellt hat, dann erhält sie den Status als Asylant. Stellt die schutzsuchende Person einen Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung und wird diese akzeptiert, dann gilt sie als Migrant. Somit muss die Person bei einem Wechselwunsch, den Kriterien der der gewünschten Aufenthaltsform entsprechen. Die Unterscheidungen der Migration in Deutschland werden vom zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge festgelegt und bestimmt. Im weiteren Verlauf wird der Begriff Migration, die Migrationsgesetze und die Aufenthaltsformen vorgestellt und erläutert.
Eine Definition für den Begriff Migration liefert das Statistische Bundesamt: „Alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugewanderten sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“ (Statistisches Bundesamt 2010, S.6).
Es wird also ein abgeschlossener Wanderungsprozess beschrieben, wodurch der Gewanderte seine Heimat dauerhaft oder für einen längeren Zeitraum verlassen hat und sich in dem neuen Land niederlässt. Die Ursache für das Verlassen des Heimatlandes muss nicht bestimmt werden und kann sowohl aus Flucht oder aus eigenen Antrieb geschehen. (vgl. Matzner, 2013, S.23).
Der Migration liegen Gesetzmäßigkeiten zugrunde, auch wenn natürlich jede Migration ihre individuellen Begründungen und Ursachen besitzt. So entsteht ein Migrationsgesetz, welches bis heute seine Gültigkeit hat. (vgl. Ravenstein1972: 83ff.)
1) Migration ist ein Prozess, der sich schrittweise vollzieht
2) Migration über kurze Distanzen sind am häufigsten
3) Migration löst Gegenmigration aus, die aber die Abwanderungsverluste nicht ersetzen kann
4) Städte wachsen auf Kosten ländlicher Regionen
5) Frauen wandern häufiger als Männer über kurze Distanzen
6) Industrialisierung fördert die Migration; dies bedeutet Fortschritt, Sesshaftigkeit dagegen Stagnation
Nach diesen Gesetzmäßigkeiten finden auf der ganzen Welt jeden Tag Migrationen statt, diese müssen nicht unbedingt über Landesgrenzen hinaus passieren, sondern sind auch von Land in die Stadt oder andersherum möglich. Auf den Gesetzmäßigkeiten aufbauend wurde auch die Push- und Pull Methode entwickelt. Sie besagt, „dass die Migrationshäufigkeit mit der Entfernung eines potenziellen Wanderungszieles abnimmt.“ (Oswald, 2007, S. 71). Somit müssten die direkten Nachbarländer immer die größte Anziehungskraft besitzen. Das trifft aber nicht immer zu und lässt Kritik an der Theorie aufkommen. So gerät die Push und Pull Methode ins ad absurdum, wenn die Reisekosten durch die im Zielland gesetzte monetäre Grundausstattung die Kosten wieder aufhebt, so wie es sich für viele Länder der Welt in der europäischen Union darstellt. (vgl. Oswald, 2007, S. 71 ff.)
Im weiteren Verlauf werden nur Migrationen über eine Landesgrenze betrachtet.
Die Anerkennung in einen Migrationsstatus in Deutschland bedarf der Zulassung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Bei der Überprüfung und Zulassung für einen Migrationsstatus wird unterschieden zwischen Arbeitsmigration, Migration von Familienangehörigen und Migration ethnischer Minderheiten. Die Arbeitsmigration wurde in den letzten Jahrzehnten sehr stark eingeschränkt und ist nur noch für Personen mit einem gültigen Arbeitsvertrag oder durch Ausnahmeregelungen für hochqualifizierte möglich. (vgl. Bundesministerium des Innern, 2016)
In Zeiten des Wirtschaftswunders in den 1950 Jahren bzw. in guter Wirtschaftslage war die Situation eine ganz andere. Viele Arbeitsplätze konnten nicht besetzt werden und zu diesem Zweck wurden aus Nachbar- und/oder aus Staaten außerhalb der Europäischen Union Arbeitskräfte zum besetzten der offenen Stellen genutzt (vgl. Imkamp, 2012, S. 7-8). Die Arbeitsmigranten haben für die Zeit ihres Arbeitsvertrages eine befristete Aufenthaltsgenehmigung bekommen, welche bei Verlängerung bzw. längerer Beschäftigung durch eine dauerhafte ersetzt werden konnte. Arbeitsmigranten verlassen somit ihr Heimatland aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit und werden in ihrem neuen Land mit Beschäftigungsverhältnis sesshaft. (vgl. Han, 2005, S. 86 ff.)
Die Migration von Familienangehörigen ist sehr stark mit der Arbeitsmigration verbunden, es wird auch als Familiennachzug bezeichnet. Ein Familiennachzug setzt einen sogenannten Pioniermigranten voraus, der sich in ein fremdes Land begeben hat, um eine temporäre Arbeit aufzunehmen, welche sich aber zu einer dauerhaften Arbeit entwickelt hat. Um die Familie nicht auseinanderzureißen, wird ein Familiennachzug ermöglicht, um eine Entfremdung zu verhindern. (vgl. Han, 2005, S. 12-16)
Die Migration von ethnischen Minderheiten findet statt, wenn eine Minderheit innerhalb eines Landes aufgrund von geschichtlichen Vorkommnissen nicht mehr als ein homogenes Gesellschaftsteil zu sehen ist und auch nicht als solches in der Gesellschaft aufgenommen und wahr genommen wird. Sie stehen somit außerhalb und fühlen sich meistens nicht mehr wohl an ihrem Lebensort. Ein nicht beträchtlicher Teil sind aber auch Personen, die während eines Krieges ihr Land verlassen haben und nun wieder in ihr Heimatland zurück möchten. (vgl. Oswald I., 2007, S.77)
Für die Integration der Migranten wurde von der Politik nicht viel unternommen. Im Jahr 2005 legte die Bundespolitik zum ersten Mal ein Gesetzentwurf „Gesetz zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung und zur Regelung des Aufenthalts und der Integration von Unionsbürgern und Ausländern“ vor, dort inbegriffen war eine Förderung zur Integration von Migranten (vgl. Zuwanderungsgesetz[2], 2005). Der fehlende Wille zur Integrierungsförderung zeigt sich in der Schulabschlussstatistik, wo deutliche Unterschiede zwischen Deutschen und Ausländern festgestellt werden (vgl. Integrationsreport, 2008, S. 47 ff.).
In der Folgenden Grafik wird der höchste allgemeine Schulabschluss nach Migrationshintergrund und Geschlecht dargestellt. Sie legt die Unterschiede und die Dringlichkeit von Integrationsprogrammen offen.
Schüler ohne Migrationshintergrund erreichen mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Abschluss der zu einer Fachhochschule oder Hochschule qualifiziert, während bei Schülern mit Migrationshintergrund die höhere Wahrscheinlichkeit bei einem Schulabgang ohne einen Abschluss liegt (vgl. Abbildung 2). Mit dem Schulabschluss eng verknüpft ist das Armutsrisiko welches bei Migranten auch höher ausfällt (vgl. Chancenspiegel, 2017, S. 7). Die aktuelle und bisherigen PISA Studien zeigen ein sehr ähnliches Bild. In keinem anderem Industriestaat ist die Herkunft der Schüler so entscheidend über den späteren beruflichen Werdegang und die schulische Bildung wie in Deutschland (vgl. Chancenspiegel, 2017, S.359 ff.). Um ähnliche oder gleiche Chancen für die Schüler zu erhalten, muss viel für die Integration der verschiedenen Bevölkerungsteile unternommen werden. Was genau eine Integration ist und wie eine Integration bei einem Akteur verläuft, wird im nächsten Abschnitt erläutert.
Der Begriff der Integration kann für viele Themenbereiche genutzt werden. In der Soziologie spricht man von der Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder einer Gruppe zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit (vgl. Duden, 2006). Es geht dabei um die Eingliederung von individuellen Einzelpersonen in eine heterogene Gesellschaft.
Sich integriert zu verhalten ist nur eine Möglichkeit sich in einer Gesellschaft zu bewegen. Jede Person muss für sich selbst entscheiden ob und in welchem Maße sie in einer Gesellschaft oder einem Gesellschaftsteil dazugehörig sein möchte, aber auch die Gesellschaft muss eine Eingliederungsbereitschaft besitzen. In frühen Publikationen wurde der Begriff der Integration nicht verwendet, sondern der der Assimilation. Es kann auch als Synonym verwendet werden, aber bedeutet nicht exakt das Selbe. Wird von der Assimilation gesprochen wird nur eine Anpassung an eine bestimmte Kultur verstanden, nicht wie bei der Integration die Eingliederung in die Teilbereiche einer Gesellschaft (vgl. Lamnek, 1989, S. 271-277). Auch die Theorien und Modelle der frühen Forschung sind eng mit dem Begriff der Assimilation verbunden. Das erste Modell war von der Chicago School und war als Generationsmodell gedacht. Die erste Generation sollte sich akkomodieren (Akkuluration), also sich an die neuen Lebensumstände gewöhnen. Dieser Prozess sollte erst in der dritten Genration vollständig durch eine Assimilierung abgeschlossen sein (vgl. Oswald, 2007, S. 93-95). Danach folgte eine Reihe von verschiedenen Formen und Verbesserungen, welche im Laufe der Zeit durch wiederum neue Theorien ersetzt wurden. Differenzierte Integrationsmodelle wurden in den 1970er und in den 1980er Jahren von Hartmut Esser und H.-J. Hoffmann-Nowotny entwickelt, sie nahmen den Migrationsverlauf und die Migrationsmotive als Vorbild für ihre Theorien (vgl. Oswald, 2007, S. 110 ff.).
Die Theorie von Harmut Esser bildet für aktuelle Integrationsdiskussionen die Grundlage und ist im deutschen Sprachraum ein oft zitiertes Werk. In den aktuellen Theorien wird bei der Integration wird zwischen der Systemintegration und der sozialen Integration unterschieden (vgl. Esser, 2000, S. 6-7). Die Unterschiede werden im folgenden Satz deutlich: „Während beim Problem der sozialen Integration die geordnete und konfliktgeladene Beziehung der Handelnden eines Sozialsystems zu Debatte stehen, dreht es sich beim Problem der Systemintegration um die geordneten oder konfliktgeladenen Beziehungen zwischen den Teilen eines sozialen Systems“ (Lockwood, 1970).
Systemintegration bezieht sich also auf die Integration des Systems einer Gesellschaft als Ganzheit, die Sozialintegration dagegen auf die Integration der Personen „in“ das System hinein. Die Systemintegration ist der Zusammenhalt eines sozialen Systems, sie wird ohne Motive und Absichten von den individuellen Personen gebildet und geschieht ohne Beachtung des Individuums. Bei der sozialen Integration findet eine Beachtung der Motive und Absichten statt. Soziale Integration ist somit vielfältiger und individueller. Dennoch kann es keine soziale Integration ohne eine Systemintegration geben, andersherum ist es aber möglich. (Esser, 2000, S. 268 ff.)
Einen Schritt weiter als die Integration ist die Inklusion, hier werden die Personen nicht nur ein angepasster Teil der Gesellschaft, sondern haben die Werte und Normen als ihre übernommen und unterscheiden sich nicht von dem Rest der Gesellschaft. Sie haben uneingeschränkten Zugriff auf Teile der Gesellschaft. (vgl. Esser, 2000, S. 233)
Die Integrationstheorie von Hartmut Esser bietet mit seiner Theorie einen guten Einblick in die Komplexität einer Integration in eine Gesellschaft, denn selbst für kleine Schritte in die Integration bedarf es viel Mut, Einsatz und Geduld. Sein Ansatz zur erklärenden Sozialtheorie findet im Umfang seiner Arbeiten wenig Vergleichbares und wird somit oft als Grundlage für Integrationsforschung verwendet (vgl. Kneer, 2006). Für einen Migranten setzt Esser voraus, dass ein Zusammenbruch seiner bisherigen sozialen Kontakte stattfindet und er somit desozialisiert ist. Eine Eingliederung in die Gesellschaft ist somit Grundvoraussetzung für eine Integration. Die von David Lockwood dargestellte Unterscheidung zwischen der Systemintegration und der sozialen Integration, nimmt Hartmut Esser auf und sieht sie als Grundlage für die weitere Beschreibung. Hartmut Esser gibt bei der sozialen Integration 4 Dimensionen an welche bei „sozialem Einbezug der Akteure in eine Gesellschaft“ (Esser, 2000, S. 271) zu unterscheiden sind: Kulturation, Plazierung, Interaktion, Identifikation. (Teubert, 2010)
Abbildung 3: Systemintegration und die vier Dimensionen der Sozialintegration (Soziologie: spezielle Grundlagen, Hartmut Esser, 2000, S. 279
Die Folgende Abbildung zeigt eine Übersicht der Integrationstheorie von Hartmut Esser und zeigt ihre Verbindungen und Verzweigungen der Integration. Im weiteren Verlauf werden die einzelnen Unterpunkte der sozialen Integration erläutert.
- Kulturation bedeutet, dass die Akteure das für ein „sinnhaftes, verständliches und erfolgreiches Agieren und Interagieren“ (Esser, 2000, S. 272) nötige Wissen und bestimmte Kompetenzen besitzen. Sie kommen also mit den wichtigsten Grundlagen durch den gesellschaftlichen Alltag und haben die Normen und die „sozialen Drehbücher“ (Esser, 2000, S. 272) in ihren Alltag übertragen. Sie können soziale Positionen übernehmen, sind in der Gesellschaft angesehen und in beruflicher Sicht stehen sie mit einer guten monetären Vergütung in Verbindung. (vgl. Esser, 2000, S. 272)
- Plazierung kann man als eine Art Hilfestellung betrachten, es wird als „die Besetzung einer bestimmten gesellschaftlichen Position durch einen Akteur“ (Esser, 2000, S. 272) verstanden. Das soziale System ist dabei schon ausgebaut und der Akteur wird in die für ihn vorgesehene Position platziert. Durch die Plazierung soll der Akteur wichtige Kompetenzen erlernen und den Einstieg so erleichtert bekommen. Beispiele für eine Plazierung können der Besuch einer Bildungseinrichtung oder die Bereitstellung einer Wohnung sein. Für eine berufliche Plazierung ist der individuelle Bildungsgrad entscheidend. (vgl. Esser, 2000, S. 272)
- Interaktion beschreibt die von Akteuren übertragende Information, die sich „wechselseitig über Wissen und Symbole aneinander orientieren und so über ihr Handeln, Relationen bilden“ (Esser, 2000, S. 273). Es wird also das soziale Netzwerk des Akteurs beschrieben, hier kann das Wissen durch die sozialen Kontakte weitergereicht und vermehrt werden. Die Netzwerke können natürlich unterschiedliche Dimensionen annehmen, auf die die einzelnen Akteure zugreifen können, wodurch es zu Wissensunterschieden kommen kann. Weiterhin ermöglicht die soziale Interaktion den Erwerb von sogenannten „kulturellem Kapital als bestimmten, nur in Interaktionen erwerbbaren und nutzbaren Fertigkeiten“ (Esser, 2000, S. 274). Als Vorrausetzung für die Interaktion wird eine gelungene Kulturation und/oder Plazierung gesehen. (vgl. Esser, 2000, S. 274)
- Die Identifikation zeigt beim Akteur mit einem sozialen System „dann jene besondere Einstellung, in der er sich und das soziale Gebilde als eine Einheit sieht und mit ihm „identisch wird“ (Esser, 2000, S. 274). Der Akteur sieht sich dann mit dem sozialen System als „Ganzheit“ bzw. als Kollektiv (vgl. Esser, 2000, S. 275). Am einfachsten zu beschreiben ist dieses als Nationalstolz oder einer Fangruppierung. Sie fühlen sich der sozialen Gruppe durch ihre Einstellungen und Werte verbunden. Das bedeutet, dass die Akteure sich mit ihrem neuen Land verbunden fühlen müssen, auch wenn sie noch keine längere Zeit darin verbracht haben.
Nur zwischen diesen Dimensionen zu unterscheiden erscheint nicht sinnvoll, sie sind voneinander abhängig und bedingen einander und können meistens auch nicht einzelnd zur Phänomenbeschreibung verwendet werden. Die Integration funktioniert in der Praxis nicht, wie es in der Theorie abgebildet ist und lässt somit keine starren Theoriegebilde zu. Die Dimensionen sind zur Orientierung und Einordnung der Integration geeignet. Ebenso gilt dieses auch in der Unterscheidung zwischen der Systemintegration und der sozialen Integration. Es handelt sich nicht um „gänzlich verschiedene Typen der Integration“ (Esser, 2000, S. 279), sondern im Fall der Integration um ein „aggregiertes Ergebnis“ (Esser, 2000, S. 279). (vgl. Esser, 2000, S. 272-279)
Das Asylrecht ist eines der Grundrechte in Deutschland (Artikel 16 A, GG) und ist durch die Anerkennung der Genfer Flüchtlingskonvention in 145 Staaten in der Welt ein wichtiges Menschenrecht geworden. Die Konvention legt fest, ab welchem Zeitpunkt eine Person die sich auf der Flucht befindet ein Anrecht auf Asyl besitzt und ihnen dadurch Schutz bietet. In Deutschland nehmen die Asylanträge seit 2013 zu und werden somit zu einem wichtigen und beherrschenden Themengebiet in der deutschen Republik. In den letzten 3 Jahren haben so viele Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt (1.425.028 Asylanträge) wie kumuliert in den 13 Jahren zuvor (1.367.497 Asylanträge) (vgl. BAMF, 2016, S. 3). Um diese große Masse an Menschen aufzunehmen, muss die Politik viele finanzielle Mittel freigeben und für Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen. Unterschieden wird bei einem genehmigten Asylantrag in Asylant, Kontingentflüchtling und subsidiären Schutz. Ist der Antrag auf Asyl abgelehnt, droht der Person die Abschiebung in sein Heimatland. Der männliche Anteil der Asylbewerber liegt bei 65,7% aller Antragssteller und die Hauptherkunftsländer sind Syrien, Afghanistan und der Irak (vgl. BAMF, 2016). Eine weitere Möglichkeit des legalen Aufenthalts in Deutschland bietet die Migration. Hier entscheidet die Person aber nicht aus der Not, sondern aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen das Land zu verlassen und in einem neuen das Leben fortzusetzen.
Migration beschreibt also einen Wanderungsprozess, wodurch eine Person in einem für neuen Land sesshaft wird. Die Migration erfolgt nach Gesetzmäßigkeiten und ist meistens eine Folge von Ungleichheit in einem Wirtschaftsraum, sie muss nicht über eine Landesgrenze erfolgen (vgl. Ravenstein1972, 83ff.). In Deutschland wird bei der Migration unterschieden in Arbeitsmigration, Migration von Familienangehörigen und Migration ethnischer Minderheiten (vgl. Han, 2005, S. 86 ff.). Die deutsche Geschichte ist in der Nachkriegsgeschichte sehr stark von der Arbeitsmigration geprägt. Die deutsche Politik hatte für eine lange Zeit die Nachkommen der Migranten nicht im Blick und verweigerte sich vieler Maßnahmen für eine integrativere Bildungs- und Sozialpolitik. Deutschland hat ähnlich wie die meisten europäischen Staaten einen nicht unerheblichen Anteil an Migranten, welcher zu beachten ist und auch einer Förderung und Integration bedarf. Die Integration der betroffenen Personen in die Gesellschaft ist von fundamentaler Bedeutung, da die Bildung von Parallelgesellschaften und die Bestärkung von Ressentiments drohen.
Die Integration einer Person in eine Gesellschaft bedeutet, dass die Person sich selbstständig in Integrationsprozesse eingliedern kann und dadurch ein Teil der Gesellschaft wird. Sie besteht in den Prozessen der Eingliederung gegenüber individuellen Einzelpersonen in eine heterogene Gesellschaft (vgl. Esser, 2000, S. 233). Unterschieden wird hierbei zwischen der Systemintegration und der sozialen Integration. Eine oft verwendete Theorie für die soziale Integration ist die Theorie von Hartmut Esser. Er beschreibt den Eingliederungsprozess durch einzelne Stufen (Kulturation, Plazierung, Interaktion und Identifikation) welche jede Person in der Integration durchlaufen kann. Die einzelnen Stufen sind nicht unabhängig voneinander und bedingen in individueller Weise einander (vgl. Esser, 2000, S. 272-279)
Ein Hilfsmittel welches in der theoretischen und oberflächlichen Betrachtung keinen Einfluss nimmt, kann der Sport sein. Untersuchungen, Aussagen und Idole des Sports versuchen dem Sport eine positive Wirkung für eine Integration zuzusagen. Im folgenden Kapitel werden die Effekte durch den Sport aufgezeigt und welche Einflüsse regelmäßige sportliche Aktivitäten auf die Integration haben.
Bei der „Integration durch Sport“ handelt es sich um eine Theorie, in der Menschen mit Migrationshintergrund, Migranten und Asylanten durch eine sportliche Betätigung besser in die Gesellschaft integriert werden sollen. Der Begriff wurde durch den deutschen Olympischen Sportbund geprägt, welcher im Sommer 1989 unter dem Namen „Sport für alle – Sport mit Aussiedlern“ ein Programm mit Integrationsmaßnahmen entwickelte und so schon früh die Chancen auf Integration sah (vgl. DOSB, 2014, S. 13). Den Begriff Integration durch den Sport kann man aus zwei Sichtweisen betrachten. Der erste Blickwinkel ist die, „bloße Teilnahme und Teilhabe am Sport“ (Kleindienst-Cachay, 2007, S. 14), wohingegen es im anderen Blickwinkel um Integration durch den Sport geht. Es sollen über die sportliche Betätigung hinaus Prozesse angestoßen werden, wodurch es den Personen ermöglicht wird, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, ihn zu festigen und sich so sukzessive mit dieser Gesellschaft zu identifizieren (vgl. Kleindienst-Cachay, 2007, S. 14). Erwartet wird, dass Flüchtlings- und Migrationskinder durch den Umgang mit anderen Schülern einen vermehrten wechselseitigen Kontakt pflegen und dieser Kontakt in eine andere Kultur und in Normen einweist, für die dann Verständnis und Akzeptanz aufgebracht werden kann. Sport alleine und der entstehende soziale Kontakt reicht natürlich nicht aus um eine Integration zu gewährleisten, aber Sport kann ein wichtiger Baustein dafür sein. (vgl. Kleindienst-Cachay, 2007, S. 14)
Die Bausteine für eine gelungene Integration können größer und kleiner ausfallen und helfen in vielfältiger Weise. Verbesserungen durch den Sport auf die persönliche Entwicklung und der Integration werden gesehen in:
- Sprachlicher Aspekt der Integration: verbesserte Sprachkompetenzen durch vermehrte Kontakte mit Deutschen.
- Sozialer Aspekt der Integration: häufigere Freizeitkontakte mit Deutschen
- Struktureller Aspekt der Integration: höhere Bildungsabschlüsse und damit bessere Zugangschancen zum Arbeitsmarkt.
- Personaler Aspekt der Integration: Zufriedenheit im Leben in Deutschland durch verbesserte soziale Anerkennung u.a. durch Erfolge im Sport.
- Identifikatorischer Aspekt der Integration: Lebensmittelpunkt ist Deutschland, aufgrund der verbesserten Lebenschancen und der sozialen Anerkennung.
(Kleindienst-Cachay, 2007, S. 16)
In einer Studie zu der Thematik wurden Schüler mit Migrationshintergrund untersucht und befragt wie weit sich Sport auf ihr Leben auswirkt(Mutz, 2011). Das Ergebnis wurde in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe welche regelmäßigen Sport treibt und eine Gruppe die keinen regelmäßigen Sport treibt. In der Analyse stellte sich heraus, dass die sportlichen Schüler mit Migrationshintergrund sich mehr Leistung in der Schule zutrauen als Schüler die keiner regelmäßigen sportlichen Betätigung nachgehen. Sie „verfügen so über eine höhere Selbstwirksamkeit“(Mutz, 2011, S. 260) im Leben. Ähnlich verhält es sich auch bei der Anstrengungsbereitschaft der Schüler. Die Schüler, welche regelmäßig Sport treiben, stellen sich selbst einer höheren Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft aus und fühlen sie sich beliebter, als die Schüler, die nicht regelmäßig sportlich aktiv sind. Die positiven Seiten sind nicht zu verkennen, da sie wichtige Aspekte der Integration enthalten. Die Potentiale sind für den Sport als Betrag zur Integration vorhanden und müssen nur noch genutzt werden. Die Untersuchungen betreffen häufig den organisierten Sport, im nächsten Abschnitt wird eine kurze Betrachtung aus der Sicht des Schulsports dargestellt. (Mutz, 2011, S. 260)
Für den Schulsport gelten ähnliche Verhaltens- und Wirkungsweisen wie für den Vereinssport, außer dass es durch den Schulsport zu einer Zuspitzung kommen kann. Die Potentiale des Sportes können ebenso genutzt werden und finden auch hier ihre Anwendung. Die Schüler sind verpflichtet den Schulsport zu besuchen und nehmen an allen Sportsituationen teil (vgl. Teubert, 2010, S. 206). Gerade für Personen mit Flucht- oder Migrationshintergrund kann der Sport eine Chance darstellen. Der Schulsport kann gerade für leistungsschwächere Schüler förderlich sein, da sie durch gute und erfolgreiche Leistungen beim Sport eine positive Einstellung gegenüber der Schule erhalten können und sich dadurch ihr Selbstwertgefühl positiv entwickeln kann (vgl. Mutz, 2011, S. 259). Weitere positive Voraussetzungen stellt der Schulsport durch die Bildung von sozialen Systemen, indem die Schüler sich nicht in ihren gewohnten Gruppen bewegen können und mit anderen Schülern direkt in Kontakt kommen. Dieser Effekt kann durch ein entsprechendes Einwirken der Lehrkraft noch verstärkt werden, indem gezielt bestimmte Personen miteinander agieren müssen.
Großes Potential wird in Arbeitsgemeinschaften gesehen, im weiteren Verlauf AGs genannt, sie sorgen für einen besonderen Zugang zu den Schülern. In Sport-AGs lassen sich viele integrative Ideen umsetzen und werden gerade für sozioökonomisch und kulturell benachteiligte Familien überproportional häufig genutzt. Für Schüler mit Migrationshintergrund sind die schulischen AGs von besonderer Bedeutung, da sie dort die deutsche Sprache besser erlernen und ihre sozialen Kontakte zu deutschen Mitschülern ausbauen können. So lässt es sich auch gut erklären, dass Schüler mit einem Migrationshintergrund häufiger an schulischen AGs teilnehmen, als ihre deutschen Mitschüler. (vgl. Burrmann U. M., 2010, S. 255-256)
Eine erhöhte Teilnahme von Mädchen im Schulsport bzw. in Schul-AGs lässt sich gegenüber dem organiserten Sport auch verzeichnen (vgl. Burrmann U. M., 2010, S. 256). Als Gründe für die erhöhte Bereitschaft, wird das bekannte Umfeld und das Vertrauen gegenüber der Schuleinrichtung gesehen (Vosgerau, 2009, S. 13 ff.). Die Eltern und weiblichen Schülerinnen haben ein besseres Gefühl bei der Teilnahme an Sport-AGs, da der Wettkampfgedanke und das Gewinnen nicht immer eine entscheidene Rolle spielt. Doch sollten die AGs auch eine zielgerichtete Ausrichtung haben, die eine Förderung der Integration zulässt.
Für den Schulsport kann auch die Vernachlässigung von sportlichen Aktivitäten außerhalb der Schule zu einem nicht geringen Faktor für den Sportunterricht werden. Sind die Schüler aktiv in ihrer Freizeit und haben dadurch soziale Kontakte, können sie dieses auch in den Sportalltag in der Schule übernehmen und haben dadurch einen Vorteil gegenüber ihren Mitschülern. Für den schulischen Alltag lassen sich viele Hürden der Integration „legitimieren“ (Braun, 2011, S. 103), da die Schule nicht mit Freizeitvergnügen und Zeitvertreib in Verbindung gebracht wird, sondern durch die klaren schulischen Regeln und die staatliche Rechtsprechung eine annehmbare Sportsituation aufweisen. (vgl. Braun, 2011, S. 100 ff.)
Die Chancen für eine gelungene Integration allein durch den Sport sind sehr gering und spielen eine „untergeordnete“(Mutz, 2011, S. 262) Rolle. Durch eine sportliche Karriere wäre ein solcher Schritt möglich, aber dieses ist nur einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung vergönnt. So kann festgestellt werden, dass Sport einen Teilbeitrag zur Integration leisten kann und wichtige soziale Kontakte und Integrationsmöglichkeiten bereithält, doch darf nicht vergessen werden, dass Sport keine „Bildungsabschlüsse und auch keine Arbeitsplätze“ (Kleindienst-Cachay, 2007, S. 15) vergeben kann. Durch den Schulsport werden auf spielerische Art Werte und Normen vermittelt, wodurch die Schüler sich besser in der Gesellschaft zurechtfinden und weniger auf Ablehnung stoßen. Die Akzeptanz und Bereitschaft für ein freiwilliges Engagement kann durch sportliches Interesse steigen und dadurch auch eine positive Reputation für die Person entstehen. Das Engagement kann auch in Sportvereinen übertragen werden und dort viele positive Effekte bewirken. (vgl. DOSB, 2014, S. 8)
[1] In der Fassung der Bekanntmachung vom 02.09.2008 (BGBl. I S. 1798)
zuletzt geändert durch Gesetz vom 04.11.2016 (BGBl. I S. 2460) m.W.v. 10.11.2016
[2] In der Fassung der Bekanntmachung des Gesetzes vom 2. Juni 1993 (BGBl. IS. 829) zuletzt geändert durch den am 1. Januar 2009 in Kraft tretenden Artikel 2 Abs. 6 des Gesetzes vom19. Februar 2007 (BGBl. I S. 122).
Hendrik Thomsen (Autor)
V367880
9783668462793
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Flüchtlinge Asylanten Sportunterricht Integration Inklusion Schulesport Asyl Flüchtlingsstrom
Hendrik Thomsen (Autor), 2017, Unterschiede und Veränderungen im Sportunterricht durch die Flüchtlingsströme in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.diplomarbeiten24.de/document/367880
Die Sozialstruktur der Asylbewerber in Deutschland. Eine Analyse zu...

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