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Timestamp: 2020-06-02 14:39:19+00:00

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BVerwG, 4 BN 10.14: Juristische Person, Subjektives Recht, Regionalplanung, Anfechtung
Urteil des BVerwG vom 14.05.2014, 4 BN 10.14
Aktenzeichen: 4 BN 10.14
Juristische Person, Subjektives Recht, Regionalplanung, Anfechtung
BVerwG 4 BN 10.14 VGH 8 S 3025/11
hat der 4. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 14. Mai 2014 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Rubel und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Gatz und Dr. Külpmann
2Der Antragsteller hält folgende Fragen für grundsätzlich klärungsbedürftig:
Erfordert die Antragsbefugnis bei der Anfechtung von Regionalplänen (bei Fehlen einer Festlegung von raumord-
nerischen Grundsätzen oder Zielen), dass der Antragsteller die Nutzung dieser Flächen selbst beabsichtigt und/oder dass sie in seinem Eigentum stehen?
3Auf alle Fragen lässt sich antworten, ohne dass es der Durchführung eines Revisionsverfahrens bedarf.
4Nach § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO kann einen Normenkontrollantrag jede natürliche oder juristische Person stellen, die geltend macht, durch die Rechtsvorschrift oder deren Anwendung in ihren Rechten verletzt zu sein oder in absehbarer Zeit verletzt zu werden. Der Verwaltungsgerichtshof ist der Ansicht, dass
sich weder aus Art. 14 Abs. 1 GG noch aus dem raumordnungsrechtlichen Abwägungsgebot eine Antragsbefugnis des Antragstellers ergebe. Auf Art. 14
Abs. 1 GG könne sich der Antragsteller nicht berufen, weil er nicht behauptet
habe, dass ihm die legale Nutzung seines Grundstücks aufgrund der regionalplanerischen Behandlung des Nachbargrundstücks als „weiße Fläche“ und der
Aufhebung der Darstellung des Grundstücks als Vorbehaltsgebiet für Landwirtschaft und Bodenschutz unmöglich werde. Das Abwägungsgebot helfe dem
Antragsteller ebenfalls nicht weiter, weil das von ihm geltend gemachte Interesse am Fortbestand der bisherigen raumplanerischen Festlegung kein Belang
sei, der in der Abwägung zu berücksichtigen gewesen wäre. Allein der Umstand, dass durch die Umplanung eine aus Sicht des Antragstellers unerwünschte kommunale Bauleitplanung mit Blick auf § 1 Abs. 4 BauGB gegebenenfalls erst ermöglicht werde, berühre seine Interessen noch nicht. Sollten
dem Antragsteller rechtlich beachtliche Belange zustehen, die gegen die Ermöglichung einer Wohnnutzung auf dem ehemaligen Vorbehaltsgebiet sprächen, wären diese bei der Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans
5Das Bundesverwaltungsgericht hat sich zu der Frage, ob und unter welchen
Voraussetzungen sich ein Antragsteller gegen eine Norm wenden kann, die
nachfolgenden selbständigen Rechtsakten den Weg bereitet, bereits geäußert.
Im Beschluss vom 18. Dezember 1987 - BVerwG 4 NB 1.87 - (Buchholz
406.401 § 15 BNatSchG Nr. 2 = NVwZ 1988, 728), in dem es um die Änderung
einer Landschaftsschutzverordnung ging, hat der Senat zu § 47 Abs. 2 Satz 1
VwGO a.F. entschieden, dass sich ein Nachteil, der nach damaliger Rechtslage
die Antragsbefugnis begründete, auch daraus ergeben kann, dass durch die zur
Prüfung gestellte Rechtsvorschrift der bestehende Landschaftsschutz für ein
dem Grundstück des Antragstellers benachbartes Gebiet (ganz oder teilweise)
zu dem Zweck aufgehoben wird, dort eine bestimmte bisher nicht zulässige
Nutzung (Anlegung eines Golfplatzes) zu ermöglichen. Im Beschluss vom
14. Februar 1991 - BVerwG 4 NB 25.89 - (Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 56 =
NVwZ 1991, 980) hat er ausgeführt, ob ein Nachteil durch einen Bebauungsplan möglich erscheine, richte sich danach, ob sich die geltend gemachte Beeinträchtigung subjektiver privater Interessen der angegriffenen Norm tatsächlich und rechtlich zuordnen lasse. Das sei der Fall, wenn zu erwarten sei, dass
die Norm, die den Gegenstand des Normenkontrollverfahrens bilde, eine weitere Rechtsvorschrift oder eine anderweitige behördliche Maßnahme nach sich
ziehe, die sich ihrerseits nachteilig auf geschützte Interessen des Betroffenen
auswirke. Diese Erwägung hat der Senat in seinem Beschluss vom 9. Juli 1992
- BVerwG 4 NB 39.91 - (Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 68 = NVwZ 1993, 470)
erweitert. Eine Antragsbefugnis sei auch gegeben, wenn die geltend gemachte
Beeinträchtigung subjektiver privater Interessen zwar endgültig erst als Folge
eines nachfolgenden eigenständigen Rechtsaktes drohe, dieser Rechtsakt jedoch in der vom Antragsteller angegriffenen Rechtsvorschrift als vom Normgeber geplante Folgemaßnahme bereits angelegt sei.
6In den Entscheidungen hat der Senat den Gedanken verfolgt, dass aus Gründen des angemessenen Rechtsschutzes einerseits, aber auch aus dem Allgemeinwohlgrund der Klärung der objektiven Rechtslage andererseits der von
einem zu erwartenden Rechtsakt Betroffene bereits den zeitlich vorangehenden
Plan solle angreifen können, wenn abzusehen sei, dass dieser Rechtsakt dem
Plan folgen werde (vgl. Beschluss vom 29. August 2000 - BVerwG 4 BN 40.00 -
Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 143 = NVwZ-RR 2001, 199).
7Nachdem § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO im Jahre 1996 geändert worden ist, hat
sich der Senat allerdings außer Stande gesehen, seine Rechtsprechung unverändert fortzuführen. Da nach geltendem Recht die Antragsbefugnis die Möglichkeit einer Rechtsverletzung durch die angegriffene Norm oder deren An-
wendung voraussetzt, kann eine prinzipale Normenkontrolle eines zeitlich vorgelagerten Plans nur erreichen, wer ein subjektives Recht darauf geltend machen kann, dass der Plangeber sein „negatives Betroffensein“ in einem privaten
Interesse zu berücksichtigen hat (vgl. Urteil vom 11. Dezember 2003 - BVerwG
4 CN 10.02 - BVerwGE 119, 312 <320>). Das bedeutet: Wenn und soweit das
zum notwendigen Abwägungsmaterial gehört, wird es von dem - vorliegend
durch § 3 Abs. 2 LplG und § 7 Abs. 7 Satz 3 ROG a.F. vermittelten - Recht auf
gerechte Abwägung erfasst, dessen mögliche Verletzung die Antragsbefugnis
begründet (vgl. Urteil vom 11. Dezember 2003 a.a.O. S. 322). Mit der Festlegung von „weißen Bereichen“ bringt die Regionalplanung zum Ausdruck, dass
nachfolgende Rechtsakte für sie unerheblich sind. Die Regionalplanung trifft zu
diesen Flächen also keine Aussage (Urteil vom 13. März 2003 - BVerwG 4 C
3.02 - Buchholz 406.11 § 35 BauGB Nr. 356 S. 96). Das Abwägungsgebot des
§ 3 Abs. 2 LplG und des § 7 Abs. 7 Satz 3 ROG a.F. erstreckt sich in diesem
Fall daher nicht auf die Bodennutzungskonflikte, die erst durch eine spätere
Bauleitplanung ausgelöst und durch das Abwägungsgebot in § 1 Abs. 7 BauGB
8Auf die nachfolgenden Fragen kommt es mithin nicht mehr an. Der Senat wirkt
aber darauf hin, dass das Interesse an der Abwehr planbedingter Folgemaßnahmen allerdings nicht nur dann beachtlich ist, wenn diese Maßnahmen den
Antragsteller schwer und unerträglich träfen. Abwägungsrelevant sind alle eigenen Belange, die mehr als geringwertig, nicht mit einem Makel behaftet und für
den Planer erkennbar sind (Urteil vom 24. September 1998 - BVerwG 4 CN
2.98 - BVerwGE 107, 215 <219>, Beschluss vom 9. November 1979 - BVerwG
4 N 1.78 u.a. - BVerwGE 59, 87 <102 f.>). Da das Abwägungsgebot drittschützend ist, ist die Antragsbefugnis auch nicht auf Antragsteller beschränkt, die
von den Festlegungen in einem Regionalplan unmittelbar betroffen sind. Mehr
ist verallgemeinernd nicht zu sagen.
9Die Revision ist auch dann nicht zuzulassen, wenn die Grundsatzrüge in eine
Verfahrensrüge (§ 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO) umgedeutet wird. Der Verwaltungs-
gerichtshof hat die Anforderungen an die Antragsbefugnis nicht überspannt.
Dies ergibt sich aus dem oben Gesagten.
4 BN 10.14
Juristische Person, Subjektives Recht, Regionalplanung, Anfechtung, Rechtsverletzung, Bebauungsplan, Normenkontrolle, Landwirtschaft, Eigentum, Behandlung

References: § 47
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