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Timestamp: 2018-10-21 19:14:02+00:00

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Scheidungskosten - "Ein teurer Spass" | Bürgerratgeber
Start Familienrecht Scheidungskosten – “Ein teurer Spass”
Scheidungskosten | fotolia.com
Egal ob Sie sich einvernehmlich oder im Streit von Ihrem Partner scheiden lassen wollen – eine Scheidung ist teuer, denn selbst für die preiswerteste Variante benötigen Sie mindestens einen Rechtsanwalt. Hinzu kommen in jedem Fall Gerichtsgebühren und im schlechtesten Fall auch noch die Gebühren für den gegnerischen Anwalt. Auch die Folgekosten wie etwa Unterhaltsstreitigkeiten oder der Versorgungsausgleich erhöhen die Kosten einer Scheidung zusätzlich erheblich. Welche Kosten bei einer Scheidung auf Sie zu kommen und was Sie sonst noch alles im Hinterkopf haben sollten, erfahren Sie in unserem Artikel.
1 Der Streitwert = Gegenstandswert oder Verfahrenswert
2 Rechtsanwalts- und Gerichtskosten
2.1 Rechtsanwaltskosten
2.1.1 Außergerichtliche Beratung
2.1.2 Außergerichtliche Vertretung
2.1.3 Gerichtliche Vertretung
2.1.3.1 Folgesachen
2.1.3.1.1 Sonderfall Versorgungsausgleich
2.2 Gerichtskosten
2.2.1 Sachverständigenkosten
3 Wer trägt welche Kosten?
4 Kostenersparnis durch einvernehmliche Scheidung
5 Verfahrenskostenhilfe
Der Streitwert = Gegenstandswert oder Verfahrenswert
Wieviel eine Scheidung kostet, bemisst sich zunächst einmal anhand des sogenannten Streitwertes. Wie hoch dieser genau ist, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern muss immer im konkreten Einzelfall berechnet werden. Für die Berechnung des Streitwertes maßgeblich sind das Nettoeinkommen der Ehepartner, die Anzahl der unterhaltspflichtigen Kinder sowie das Vermögen des Ehepaares. Bei der Vermögensermittlung wird jedoch für jeden Ehepartner ein Freibetrag von 15.000 Euro und für jedes Kind in Höhe von 7.500 Euro freigelassen.
In der nachfolgenden Tabelle haben wir für Sie vier Beispiele durchgerechnet, an denen Sie sich orientieren können. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei den ermittelten Kosten um gerundete und vereinfachte Werte handelt und diese einen einzelfallbezogenen Kostenvoranschlag nicht ersetzen können.
Nettoeinkommen Mann 2.000 Euro 2.500 Euro 4.000 Euro 4.000 Euro
Nettoeinkommen Frau 1.500 Euro 0,00 Euro 2.500 Euro 2.500 Euro
Vermögen 10.000 Euro 10.000 Euro 50.000 Euro 300.000 Euro
Kinder 0 1 2 2
Gerichtskosten 500 Euro 450 Euro 2.350 Euro 3.050 Euro
Anwaltskosten 1.800 Euro 1.500 Euro 750 950
Scheidungskosten 2.300 Euro 1.950 Euro 3.100 4.000 Euro
Bitte beachten Sie, dass sowohl das Kindergeld, als auch das Elterngeld bei der Einkommensanrechnung mitberücksichtigt werden. Das Einkommen aus dem Hartz IV Bezug oder aus Leistungen der Grundsicherung und der Hilfe zum Lebensunterhalt werden hingegen nicht hinzugerechnet.
In jedem Scheidungsverfahren in Deutschland fallen sowohl Gerichtskosten, als auch Rechtsanwaltskosten an. Für die Höhe maßgeblich ist der o. g. Streitwert, auch Verfahrenswert genannt. Wie hoch die entsprechenden Gebühren, bei welchem Streitwert tatsächlich sind, können Sie den Anhängen (Tabellen) des RVG und FamGKG entnehmen. Was Sie sonst noch wissen müssen, erfahren Sie nachfolgend.
In Deutschland ist es auch in Scheidungsverfahren nicht üblich und auch gesetzlich grundsätzlich nicht zulässig, dass Rechtsanwälte Ihr Honorar beliebig “Frei Schnauze” festlegen können. Vielmehr gilt hier das Gesetz, genauer gesagt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Dieses unterscheidet zwischen den gerichtlichen und außergerichtlichen Tätigkeiten eines Rechtsanwalts. Eine Gebührenabweichung bei den gerichtlichen Tätigkeiten des Rechtsanwaltes ist hierbei unzulässig. In diesem Fall ist er an das RVG gebunden.
Bei den außergerichtlichen Tätigkeiten hingegen (Erstberatung/ Beratung) richten sich die Kosten grundsätzlich nach der Vereinbarung zwischen dem Rechtsanwalt und dem Mandanten, § 34 Abs. 1 S. 1 RVG.
Ist jedoch nichts vereinbart, so hat der Rechtsanwalt einen Vergütungsanspruch gem. § 612 Abs.2 BGB. Hierbei sind im Falle eines Verbrauchers die Kosten für eine Erstberatung auf den maximalen Betrag von 190 Euro + Mehrwertsteuer beschränkt, § 34 Abs.1 S. 3 RVG.
Ein Gutachten über die Rechtslage kostet Sie hingegen maximal 250,00 Euro + Mehrwertsteuer. Beachten Sie bitte, dass der Rechtsanwalt aber auch eine höhere oder auch niedrigere Vergütung mit Ihnen vertraglich vereinbaren kann. Unterlässt er aber eine solche Vereinbarung, so verbleibt es bei den zuvor genannten Beträgen.
Praxistipp: Fragen Sie den Anwalt vor Beginn des Erstberatungsgespräches, welche Kosten dafür entstehen. Beachten Sie bitte, dass Sie der Rechtsanwalt, von sich aus, grundsätzlich nicht über die Kosten der Erstberatung aufklären muss. Überlegen sie vor dem Erstberatungsgespräch genau, was sie alles wissen wollen. Machen Sie sich hierzu bei Bedarf Notizen.
Wenn nichts anderes vereinbart ist, ist die Gebühr für die Beratung auf eine Gebühr für eine Vertretung, die mit der Beratung zusammenhängt, anzurechnen, § 34 Abs.2 RVG.
Hinweis: Alles weitere zum Thema Rechtsanwaltskosten erfahren Sie hier: Rechtsanwaltskosten – “Darauf müssen Sie achten”
In den Fällen in denen der Rechtsanwalt in Vollmacht ein Schreiben für Sie verfasst oder auch einen Telefonanruf für Sie tätigt oder sich in sonstiger Art und Weise in Ihrem Auftrag mit Dritten auseinander setzt, vertritt er Sie nach außen. Auch in diesem Fall ist der Streitwert für die Höhe der Gebühren, die der Anwalt verlangen kann, maßgeblich. Ausnahmsweise richtet sich hierbei die Bemessung der Streitwerte nicht nach dem RVG, sondern nach dem FamGKG.
So beträgt beispielsweise der Streitwert bei Kindschaftssachen, z. B. Umgangsrecht oder Entziehung der elterlichen Sorge, 3.000 Euro, § 45 FamGKG.
Entsprechend seinem Arbeitsaufwand kann der Rechtsanwalt regelmäßig einen Gebührensatz von 1,5 geltend machen, Nummern 2300 ff. Vergütungsverzeichnis (VV) RVG. Hinzu kommt eine Einigungsgebühr zum gleichen Gebührensatz, sofern es zu einer außergerichlichen Einigung kommt.
Eine gerichtliche Vertretung kommt immer dann in Betracht, wenn eine außergerichtliche Beratung oder Vertretung nicht mehr genügt oder auch gescheitert ist. Im Scheidungsverfahren betrifft dies natürlich regelmäßig die Scheidung an sich. Sollte Sie der Rechtsanwalt gerichtlich vertreten, so fällt in aller Regel eine 1,3-fache Gebühr an. Hierbei ist eine evtl. angefallene Gebühr für die außergerichtliche Tätigkeit zu Hälfte anzurechnen. Hinzu kommt weiterhin eine 1,2-fache Termingebühr für die Teilnahme am Gerichtsverfahren.
Mit Folgesachen sind Umstände gemeint, die in Folge einer Scheidung gerichtlich geklärt werden müssen/ sollen, wie etwa der Versorgungsausgleich, Unterhalts- und Sorgerechtsfragen oder auch Auseinandersetzungen über den Hausrat und die gemeinsame Wohnung, § 137 Abs. 2 FamFG. Sollte Sie der Rechtsanwalt auch hier gerichtlich vertreten, so fällt wiederholt eine 1,3-fache Gebühr an. Hinzu kommt nochmals eine 1,2-fache Termingebühr für die Teilnahme am Gerichtsverfahren. Auch hier gilt der Streitwert als Bemessungsgrundlage.
Es empfiehlt sich daher Scheidung und Folgesachen zusammen zu verhandeln und zu entscheiden (Verbund), § 137 Abs. 1 FamFG. In diesem Fall werden die einzelnen Streitwerte zusammen gerechnet, was zu einer deutlichen Reduzierung der gesamten Verfahrenskosten führt.
Merke: Die Kosten für Folgesachen, welche außerhalb des Verbundes verhandelt werden, sind von demjenigen zu tragen, der das entsprechende Gerichtsverfahren verliert.
Sonderfall Versorgungsausgleich
Zuletzt können die Ehegatten Vereinbarungen über den Versorgungsausgleich schließen. Sie können ihn insbesondere ganz oder teilweise ausschließen. Das Familiengericht ist an die Vereinbarung gebunden, sofern sie wirksam und rechtsgültig ist, § 6 VersAusglG.
Hinweis: Alles weitere zum Thema Versorgungsausgleich erfahren Sie hier: Versorgungsausgleich – “Scheiden heisst teilen”
Die Höhe der Gerichtskosten bestimmt sich nach dem Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) und richtet sich nach dem Wert des Verfahrensgegenstands (Verfahrenswert), soweit nichts anderes bestimmt ist, § 3 FamGKG.
Der Verfahrenswert ist unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls, insbesondere des Umfangs und der Bedeutung der Sache und der Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Ehegatten, nach Ermessen zu bestimmen, § 43 FamGKG. Dies führt dazu, dass jedes Gericht den Streitwert selbst berechnen und festlegen kann. So ist es also möglich, dass ein Familiengericht in Hamburg, bei selben Verfahren, zu einem anderen Streitwert kommen würde, als ein Familiengericht in München.
Der Streitwert (Verfahrenswert) darf nicht unter 3.000 Euro und nicht über 1 Million Euro angenommen werden. Für die Einkommensverhältnisse ist das in drei Monaten erzielte Nettoeinkommen der Ehegatten einzusetzen.
Merke: Das Gericht setzt den Streitwert fest, nicht der Rechtsanwalt. Der Streitwert des Gerichts ist auch für den Rechtsanwalt verbindlich.
In einigen Fällen ordnet das Gericht einen Sachverständigen an, etwa wenn der Wert von Immobilien bestimmt werden muss. Derartige Kosten treiben die Kosten für eine Scheidung natürlich extrem in die Höhe.
In einem Scheidungsverfahren fallen sowohl Gerichtskosten, als auch Rechtsanwaltskosten an. Die Gerichtskosten werden hierbei in aller Regel zwischen den Eheleuten zu jeweils 50 % geteilt.
Sofern sich jeder Ehepartner einen eigenen Rechtsanwalt nimmt, so soll auch jeder für sich selber die dadurch entstehenden Rechtsanwaltskosten tragen. Sofern sich nur einer der Ehepartner einen Rechtsanwalt nimmt, so werden die Kosten dafür ebenfalls zu jeweils 50 % geteilt.
Kostenersparnis durch einvernehmliche Scheidung
Eine Scheidung kann teuer werden. Sofern jedoch beide Ehepartner mit einer einvernehmlichen Scheidung einverstanden sind, können Sie einiges an Geld sparen. In einem solchen Fall genügt es den gesetzlichen Anforderungen, wenn sich nur einer der Ehepartner einen Anwalt nimmt. Dieser kann sich dann mit beiden Eheleuten gemeinsam über das Scheidungsverfahren unterhalten und entsprechende Hinweise geben. Der nichtanwaltlich Vertretene braucht dem Scheidungsantrag in diesem Fall nur noch zustimmen oder, sofern er seine Meinung ändert, auch ablehnen.
Bitte beachten Sie, dass einige Gerichte die einvernehmliche Scheidung zum Anlass nehmen, den Streitwert um 1/4 zu senken, wodurch sich natürlich auch die Scheidungskosten reduzieren.
Wie die Prozesskostenhilfe, verfolgt auch die Verfahrenskostenhilfe den Zweck, dass einkommensschwache und vermögenslose Personen die Möglichkeit bekommen, sich gerichtlich zu wehren und somit zu ihrem guten Recht zu kommen. Wer sich also eine Scheidung einschließlich der Folgesachen nicht leisten kann, der kann Verfahrenskostenhilfe beantragen. Die Kosten für das Scheidungsverfahren an sich aber auch für das Verbundverfahren werden in dem Fall von der Staatskasse übernommen.
Die wesentlichen Vorschriften finden sich in den §§ 76, 77, 78 FamFG, wobei § 76 Abs.1 FamFG explizit auf die Anwendung der Regelungen der Prozesskostenhilfe verweist. Insofern gelten im Prinzip die gleichen Regelungen wie bei der Prozesskostenhilfe.
Praxistipp: Bei einer einvernehmlichen Scheidung sollte immer derjenige die Scheidung beantragen, der einen Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe hat (Sofern vorhanden natürlich). In diesem Fall muss der nicht anwaltlich Vertretene nur noch der Scheidung zustimmen. Die anwaltskosten werden in dem Fall nur von der Staatskasse übernommen. Die Gerichtsgebühren werden geteilt.
Hinweis: Alles weitere zum Thema Verfahrenskostenhilfe erfahren Sie hier: Prozesskostenhilfe | Verfahrenskostenhilfe
Bevor Sie die Erstberatung bei einem Rechtsanwalt in Anspruch nehmen, sollten Sie sich unbedingt zuvor zur Höhe der Beratungskosten beraten lassen. Lassen Sie sich genauso ausführlich über die von Ihnen zu tragenden Prozesskosten aufklären.
Mit einer einvernehmlichen Scheidung lässt sich viel Geld sparen.
Streiten Sie nicht, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Dies gilt insbesondere für die Folgesachen. Versuchen Sie sich gütlich zu einigen.
Für die Berechnung der Rechtsanwalts- und Gerichtskosten maßgeblich ist der Streitwert (Verfahrenswert oder auch Gegenstandswert genannt). Dieser wird ausschließlich vom jeweiligen Familiengericht bestimmt und ist auch für den Rechtsanwalt verbindlich.
Jeder Ehepartner bezahlt den von Ihm beauftragten Rechtsanwalt selbst. Bei einer einvernehmlichen Scheidung werden die Kosten des einzigen Rechtsanwaltes geteilt.
Die Gerichtskosten werden halbiert.
Die Höhe der Gerichtskosten sowie die Rechtsanwaltskosten für die gerichtliche Tätigkeit sind gesetzlich geregelt und nicht verhandelbar.
Letzte Überarbeitung am 20.12.2017
Verwendete Vorschriften: § 34 RVG, § 612 BGB, § 3 FamGKG, § 43 FamGKG, § 45 FamGKG, §§ 76, 77, 78 FamFG, § 137 FamFG, § 3 VersAusglG, § 6 VersAusglG, § 7 VersAusglG,
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References: § 34
 § 612
 § 34
 § 34
 § 45
 § 137
 § 137
 § 6
 § 3
 § 43
 § 76
 § 34
 § 612
 § 3
 § 43
 § 45
 § 137
 § 3
 § 6
 § 7