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Timestamp: 2018-08-15 01:52:44+00:00

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BU 2015: Leistung der Berufsunfähigkeitsversicherung bei Arbeitsunfähigkeit (AU)
Wie wir bereits im Artikel "Warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung unbedingt notwendig ist" aufgezeigt haben, wurde zum 01.01.2001 mit dem Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit für alle ab dem 02.01.1961 Geborenen die bisherige Regelung der Berufsunfähigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung durch die sog. Erwerbsminderung ersetzt.
Die Neueinführung der Erwerbsminderungsrente hatte zur Folge, dass derjeinige, der seinen Beruf nach einer schweren Krankheit oder Unfall nicht mehr ausüben kann, uneingeschränkt auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden kann. Die bisherige Lebensstellung (der erlernte Beruf und das bis dato erzielte Einkommen) spielen bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente keine Rolle mehr. Damit stellt sich die Frage, wie man im Falle eines dauerhaften Einkommensverlustes durch eine längere Krankheit oder Unfall für die laufenden Kosten weiterhin aufkommen kann.
Da es aufgrund der Gesetzesänderung mehr als fraglich ist, ob man überhaupt die Vorausssetzungen für den Bezug der Erwerbsminderungsrente erfüllt und die Erwerbsminderungsrente selbst aufgrund der geringen Höhe zum Leben nicht ausreichend ist, ist die private Vorsorge mit Hilfe der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) unbedingt notwendig!
Keinen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung haben:
Personen, die die zuvor genannte Wartezeit von 5 Jahren nicht erfüllen
Berufsanfänger in den ersten 5 Jahren
Hausfrauen, Schüler und Studenten
Ähnliche Regelung der Dienstunfähigkeit (DU) für Beamte auf Widerruf sowie Beamte auf Probe
Selbständige ohne Einzahlung und Erfüllung der Wartezeiten der gesetzlichen Rentenversicherung
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) 2015
In Folge des Wettbewerbs in der Berufsunfähigskeitsversicherung (BU) – meist geführt über die immer stärkere Differenzierung der Berufsgruppen – ist eine wesentliche Leistungsverbesserung hervorzuheben:
Immer mehr Lebensversicherer folgen der Condor Lebensversicherung, die bereits seit 1999 auch dann eine Berufsunfähigskeitsrente bezahlt, wenn der Versicherungsnehmer nicht berufsunfähig, aber mindestens 6 Monate ununterbrochen arbeitsunfähig ist.
Die Ergänzung der Berufsunfähigskeitsversicherung um Leistungen im Falle der Arbeitsunfähigkeit (AU) ist aus mehreren Gründen sinnvoll:
Während die BU-Prüfung im Leistungsfall ein sehr zeitaufwendiger Prozess ist, werden AU-Leistungen bereits nach 6 Monaten ununterbrochener Krankschreibung fällig
Bei einem BU-Schutz mit integrierter AU-Klausel wird eine Berufsunfähigskeitsrente auch dann bezahlt, wenn der BU-Mindestgrad von 50 % nicht erreicht ist
Übersicht der Berufsunfähigkeitsversicherungen mit Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit (AU)
Gegenwärtig bieten 9 Lebensversicherer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit Absicherung der Arbeitsunfähigkeit (AU) an, wobei die AU entweder fest in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) verankert ist oder als optionaler, zusätzlicher Baustein gewählt werden kann.
Auf folgende Leistungsmerkmale und Feinheiten der AU-Klauseln sollte geachtet werden:
Maximale Leistungsdauer bei Arbeitsunfähigkeit (AU)?
Höhe der BU-Rente bei Arbeitsunfähigkeit (AU) in Prozent der vereinbarten BU-Rente?
Befund: Wer stellt die Arbeitsunfähigkeit (AU) fest?
Muss ein BU-Antrag für den Bezug von AU-Leistungen gestellt werden?
Prognosezeitraum für einen Leistungsanspruch bei Arbeitsunfähigkeit (AU)?
Ist die AU-Klausel sowohl für Arbeitnehmer, Beamte und Selbständige gültig?
Welcher Nachweis wird für die Anerkennung der Arbeitsunfähigkeit (AU) gefordert – Gelber Schein oder Bescheinigung nach § 5 EntgFG ?
Wiedereingliederung: Ist gemäß den AVB's eine Wiedereingliederung (Hamburger Modell i.V.m. § 28 SGB IX bzw. § 74 SGB V) schädlich für eine bestehende Arbeitsunfähigkeit – sprich wird die AU durch eine Wiedereingliederung unterbrochen bzw. beendet?
Berufsunfähigkeitsversicherungen mit Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit (Stand: 15.04.2015)
AU-Leistung nach1)
AU-Höhe2)
Dauer3)
Befund4)
BU-Antrag5)
Nachweis6)7)
Bezug EntgFG
Wiederein-gliederung8)
§ 163 VGG9)
Vertrag10)
Allianz SBU Plus 6 Monaten 100 % 18 Monate Facharzt Ja Ja xx) nicht geregelt Nein Fix
Alte Leipziger SecurAL 4 Monaten11) 100 % 24 Monate Facharzt Nein Ja x) schadet nicht Nein Option
Condor SBU Comfort 6 Monaten 100 % unbegrenzt Arzt Ja Nein schadet nicht Nein Fix
Continentale SBU Premium 6 Monaten 100 % 18 Monate Facharzt in D Ja Nein nicht geregelt Nein Option
Generali SBU 6 Monaten 100 % 18 Monate Facharzt Ja Ja xx) nicht geregelt Nein Fix
Gothaer SBU Premium 6 Monaten 100 % 18 Monate Facharzt in D Ja Ja x) nicht geregelt Nein Fix
LV 1871 Golden BU 6 Monaten 100 % 18 Monate Facharzt Nein Ja x) schadet nicht Nein Option
Nürnberger SBU Premium 6 Monaten 30 % 18 Monate Facharzt in D Nein Ja x) nicht geregelt Nein Fix
VWB SBU 6 Monaten 100 % 18 Monate Facharzt Ja Ja xx) schadet nicht Nein Option
Quellen: Allg. Versicherungsbedingungen (AVB), eigene Recherche
1) Nach wie vielen Monaten ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit (AU) ist der früheste Leistungsbezug möglich?
2) Höhe der AU-Rente in Prozent der vereinbarten BU-Rente
3) Maximale Leistungsdauer der AU-Rente während der Dauer des gesamten (!) BU-Vetrages, d.h. wer z.B. drei Mal für 8 Monate krank geschrieben war, erhält anschließend keine Leistungen mehr aufgrund Arbeitsunfähigkeit (AU). Hier setzt wieder die reguläre BU-Prüfung ein!
"Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit erbringen wir für maximal 18 Monate. Wenn die versicherte Person mehrfach arbeitsunfähig ist, ist die Leistungsdauer wegen Arbeitsunfähigkeit für alle eintretenden Arbeitsunfähigkeiten zusammen auf 18 Monate beschränkt"
4) Wer muss die Arbeitsunfähigkeit (AU) für einen Rentenbezug feststellen?
5) Ist ein BU-Antrag für den Bezug der AU-Rente zu stellen?
6) Nimmt der geforderte Nachweis für die Anerkennung der Arbeitsunfähigkeit (AU) Bezug auf § 5 EntgFG ?
7) Alle Versicherer, die als Nachweis sich auf § 5 EntgFG beziehen, leisten mit der AU-Klausel juristisch gesehen nur für Arbeitnehmer, da der Gesetzestext sich ausdrücklich auf diese bezieht – sofern nicht in irgendeiner Form eine Klarstellung vorgenommen wird. Auch wenn einzelne Versicherer in der Leistungspraxis hiervon abweichen, kann dies in obiger Tabelle nicht berücksichtigt werden, da kein Rechtsanspruch besteht. Vor Gericht sind ausschließlich die allg. Versicherungsbedingungen (AVB) bindend.
8) Ist gemäß den zugrundeliegenden AVB's eine Wiedereingliederung (Hamburger Modell i.V.m. § 28 SGB IX bzw. § 74 SGB V) schädlich für eine bestehende Arbeitsunfähigkeit, sprich wird die AU durch eine Wiedereingliederung unterbrochen bzw. beendet?
9) Verzichtet der Versicherer auf die Anwendung des § 163 VVG?
Der Versicherer hat mit § 163 VVG das Recht, die Bruttobeiträge anzupassen, wenn sich der Leistungsbedarf nicht nur vorübergehend und nicht vorhersehbar gegenüber den Rechnungsgrundlagen der vereinbarten Prämie geändert hat
10) Ist die AU-Klausel fester Vertragsbestandteil der Allgemeinen Versicherungsbedingungen oder ein optionaler, zusätzlich wählbarer Baustein
11) Alte Leipziger: 4 Monate ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit zzgl. Prognose des Facharztes, dass AU voraussichtlich noch 2 weitere Monate andauern wird
12) Gothaer: AVB mit Klarstellung bzgl. der Krankschreibung – AU-Bescheingung nach § 5 EntgFG (Entgeltfortzhalungsgesetz) gilt nicht nur für Arbeitnehmer (gemäß dem Gesetzestext), sondern auch für Selbständige, mitarbeitende Betriebsinhaber und Beamte
x) AU-Nachweis mit Bezug auf § 5 EntgFG mit Klarstellung des anspruchsberechtigten Personenkreises
xx) AU-Nachweis mit Bezug auf § 5 EntgFG ohne Klarstellung des anspruchsberechtigten Personenkreises
Eine Übersicht der verwendeten AVB-Formulierungen zur Klarstellung des anspruchsbrechtigten Personenkreises finden Sie unter auf dem Aufklappmenü "AU-Nachweis mit Bezug auf § 5 EntgFG | Formulierungen in den AVB".
Übersicht der Zahlbeiträge (zu zahlender Beitrag)
Die Bewertung der Leistungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist ohne die Angabe des zu zahlenden Beitrages nicht sonderlich sinnvoll.
Nachfolgend finden Sie eine Beitragsübersicht der untersuchten BU-Tarife inkl. Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit (AU) für folgenden Musterkunden:
Kunde: Nichtraucher, ledig
Beruf: Diplom-Kaufmann (Akademiker)
100 % Bürotätigkeit
Eintrittsalter: 30 Jahre
versicherte BU-Rente 1.500 Euro mtl.
Übersicht der Brutto- und Nettobeiträge (Stand: 27.04.2015)
(Diplom-Kaufmann, Alter: 30 Jahre, Laufzeit bis 67 Jahre, 1.500 Euro mtl BU-Rente)
Netto-Beitrag
in Euro1)
Brutto-Beitrag
Allianz SBU Plus A+ 63,96 76,14
Alte Leipziger SecurAL 1++ 67,57 93,85
Condor SBU Comfort 1a 70,49 100,69
Continentale SBU Premium2) nicht ausgewiesen 69,54 115,90
Generali SBU3) 1 81,28 143,10
Gothaer SBU Premium 1+ 59,80 86,80
LV 1871 Golden BU nicht ausgewiesen 66,23 122,64
Nürnberger SBU Premium4) 1 84,34 125,89
VWB SBU 1++ 67,38 116,17
Quellen: Eigene Berechnungen
1) Netto-Beitrag: Die Leistungen aus den Überschüssen zur Beitragsverrechnung sind nicht garantiert
2) Continentale: Das Plus-Paket enthält die Mitversicherung eines Pflege-Sofortkapitals in Höhe von 6 BU-Renten
3) Generali: Der Tarif enthält die Mitversicherung einer erhöhten BU-Rente infolge von Pflegebedürftigkeit
4) Nürnberger: Der Tarif enthält die Mitversicherung einer zusätzlichen lebenslangen Pflegerente in Höhe der BU-Rente bei Pflegebedürftigkeit während der Versicherungsdauer
5) LV 1871: Die BU-Rente wird lebenslang weitergezahlt, wenn bei Ablauf der Versicherungsdauer der Berufsunfähigkeitsversicherung (mindestens Endalter: 60) die versicherte Person pflegebedürftig ist und die Pflegebedürftigkeit innerhalb der vorausgegangenen 10 Jahre ununterbrochen bestanden hat
(1) Stiftung Warentest: FINANZtest 10/2013 Erwerbsminderungsrente - So setzen Sie Ihren Anspruch durch
(2) Stiftung Warentest: FINANZtest 09/2013 Berufsunfähigkeitsversicherung - Welcher Vertrag passt zu mir?
(3) Stiftung Warentest: FINANZtest 07/2013 Berufsunfähigkeitsversicherung - 75 Angebote im Test
(4) Stiftung Warentest: FINANZtest 12/2012 Themenpaket Berufsunfähigkeitsversicherung
(5) Stiftung Warentest: FINANZtest 07/2012 Berufsunfähigkeitsversicherung - Alternative Policen sind besser als nichts
(6) Stiftung Warentest: FINANZtest 03/2012 Berufsunfähigkeitsversicherung - Top-Schutz für Azubis und Studenten
(7) Stiftung Warentest: FINANZtest 07/2011 Berufsunfähigkeitsversicherung - Die besten Angebote im Test
Definition Berufsunfähigkeit (BU)
Eine gebräuchliche Klausel der Versicherer zur Definition der Berufsunfähigkeit (BU) lautet:
(1) Wird die versicherte Person während der Versicherungsdauer zu mindestens 50 % berufsunfähig, so erbringen wir folgende Versicherungsleistungen:
Volle Befreiung von der Beitragszahlungspflicht für die Berufsunfähigkeitsversicherung
Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente über die vertraglich vereinbarte Leistungsdauer
(2) Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich länger als sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, auszuüben.
Definition Arbeitsunfähigkeit (AU)
Neu hinzugekommen ist bei einigen Versicherern die AU-Klausel, wonach auch dann eine Berufsunfähigskeitsrente bezahlt wird, wenn der Versicherungsnehmer nicht berufsunfähig, aber mindestens 6 Monate ununterbrochen arbeitsunfähig ist.
Zwei gebräuchliche Klauseln lauten:
(a) ... "Wir leisten auch – gegebenenfalls nach Ablauf einer vereinbarten Karenzzeit, siehe § 1 Ziffer 5 – rückwirkend von Beginn einer Arbeitsunfähigkeit an, wenn die Arbeitsunfähigkeit tatsächlich mindestens 6 Monate andauert. Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person auf Grund von Krankheit, die ärztlich nachzuweisen ist, Ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit nicht mehr ausführen kann.
Ein Anspruch auf die vereinbarten Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit besteht auch dann, wenn eine Berufsunfähigkeit endgültig nicht festgestellt werden kann. Die vereinbarte Leistung wird dann solange erbracht, wie die Arbeitsunfähigkeit vorliegt (vergleiche § 14 Ziffer 7). Erkennen wir unsere
Leistungspflicht aufgrund vorliegender Berufsunfähigkeit an, so endet die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit und die vereinbarten Leistungen werden aufgrund der bestehenden Berufsunfähigkeit fortgesetzt."
(b) ... "Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bedingungen liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls ihre zuletzt vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit ausgeübte Tätigkeit nicht oder nur unter der Gefahr der Verschlimmerung der Erkrankung oder Verletzung ausführen kann.
Werden während der vertraglichen Versicherungsdauer der Berufsunfähigkeitsversicherung Leistungen wegen Berufsunfähigkeit verlangt und war die versicherte Person sechs Monate ununterbrochen fachärztlich bescheinigt arbeitsunfähig, erbringen wir die folgenden Versicherungsleistungen:
Volle Befreiung von der Beitragszahlungspflicht und
Volle Zahlung einer Rente in Höhe der versicherten Berufsunfähigkeitsrente"
Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Auswertung
1) Nur bei folgenden Lebensversicherern ist für den Bezug einer AU-Rente im Leistungsfalle kein zeitraubender BU-Antrag zu stellen:
2) Nur bei folgenden Lebensversicherern führt eine Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell nicht zu einer AU-Unterbrechung (gemäß den AVB):
3) Nur folgende Lebensversicherer akzeptieren den "Gelben Schein" als Nachweis der Arbeitsunfähigkeit (AU):
4) Nur folgende Lebensversicherer, die einen AU-Nachweis nach § 5 EntgFG verlangen, erweitern per Definition in den AVB den gültigen Personenkreis:
5) Nur folgende Lebensversicherer leisten mehrfach sowie zeitlich unbegrenzt bei Arbeitsunfähigkeit (AU) während der gesamten Laufzeit des BU-Vertrages
6) Verzicht auf § 163 VVG
Auffällig ist, dass alle Anbieter dazu übergegangen sind nicht mehr auf den § 163 VVG zu verzichten
Während früher einige Versicherer wie Allianz, Alte Leipziger und Condor auf eine Beitragsanpassung nach § 163 VVG verzichteten, ist aktuell keiner der obigen Versicherer hierzu mehr bereit. Dies ist mit Sicherheit den aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten geschuldet (Stichwort: Niedrigzinsen).
AU-Nachweis mit Bezug auf § 5 EntgFG | Formulierungen in den AVB
Nachfolgend eine Übersicht der verschiedenen Formulierungen der Lebensversicherer bei den geforderten Nachweisen für eine Arbeitsunfähigkeit (AU - mit oder ohne Bezug auf den § 5 EntgFG.
AVB-Formulierung für die geforderten AU-Nachweise bei Bezug auf den § 5 EntgFG (Stand: 15.04.2015)
Versicherer AU-Nachweis
Bezug § 5 EntFG Klarstellung v. § 5 EntgFG AVB-Formulierung
Allianz Ja Nein Als krankgeschrieben im Sinne dieser Versicherungsbedingungen gilt die versicherte Person, wenn uns auf die versicherte Person ausgestellte ärztliche Bescheinigungen eingereicht werden, wie sie in § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) vorgesehen sind
Alte Leipziger Ja Ja Die ärztlichen Bescheinigungen für die Arbeitsunfähigkeit müssen der Form entsprechen, wie sie in § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (AU-Bescheinigung) oder den Vorschriften für die Geltendmachung von Krankentagegeld bei den privaten Krankenversicherungen vorgesehen sind
Condor Nein -- Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person auf Grund von Krankheit, die ärztlich nachzuweisen ist, Ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit nicht mehr ausführen kann
Continentale Nein -- Wenn Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit verlangt werden, müssen uns unverzüglich … auf die versicherte Person ausgestellte fachärztliche Bescheinigungen eingereicht werden
Generali Ja Nein Berufsunfähigkeit infolge von Arbeitsunfähigkeit ... liegt vor, wenn die versicherte Person eine auf sie ausgestellte ärztliche Bescheinigung einreicht, die den Anforderungen des § 5 EntgFG entspricht und die Arbeitsunfähigkeit mind. 6 Monate ununterbrochen besteht bzw. bestanden hat
Gothaer Ja Ja Als krankgeschrieben ... gilt die versicherte Person, wenn uns auf die versicherte Person ausgestellte ärztliche Bescheinigungen eingereicht werden, wie sie nach den Regelungen in § 5 EntgFG vorgesehen sind. Davon muss mindestens eine Bescheinigung von einem Facharzt der entsprechenden Fachrichtung ausgestellt worden sein. Diese Regelungen gelten sinngemäß für den Nachweis der Arbeitsunfähigkeit bei Selbstständigen, mitarbeitenden Betriebsinhabern und Beamten.
LV 1871 Ja Ja
Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bedingungen liegt vor, wenn für die versicherte Person für einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens sechs Monaten Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen gemäß § 4 Abs. 1 bis 3 ausgestellt wurden.
Zur Beantragung von Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit sind uns unverzüglich ... die folgenden Unterlagen einzureichen:
a) Für Personen, für die ein gesetzlicher Anspruch auf Entgeltfortzahlung, ein Anspruch auf Krankengeld oder eine Anzeigepflicht der Arbeitsunfähigkeit gegenüber der Agentur für Arbeit besteht, Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen entsprechend der Deutschland gültigen gesetzlichen Bestimmungen und Richtlinien der Krankenkassen
b) Für andere Personen (z.B. Selbständige ohne gesetzlichen Krankengeldanspruch oder nicht erwerbstätige Personen) entsprechende privatärztliche Atteste, wie etwa Bescheinigungen zur Beantragung von Krankentagegeld, Dienstunfähigkeitsbescheinigungen oder Bescheinigungen zur Beurlaubung vom Unterricht aus gesundheitlichen Gründen
Nürnberger Ja Ja Werden Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit verlangt, so sind unverzüglich von in Deutschland praktizierenden Ärzten auf die versicherte Person ausgestellte Bescheinigungen nach § 5 EntgFG oder gleichwertige ärztliche Atteste, die die Arbeitsunfähigkeit nachweisen, einzureichen. Davon muss mindestens eine Bescheinigung von einem Facharzt der entsprechenden Fachrichtung ausgestellt worden sein. Die Bescheinigungen müssen die Diagnose enthalten.
VWB Ja Nein Als arbeitsunfähig im Sinne dieser Bedingungen gilt die versicherte Person, wenn auf die versicherte Person für einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens 6 Monaten ärztliche Bescheinigungen ausgestellt wurden, wie sie in § 5 EntgFG vorgesehen sind. Davon muss mindestens eine Bescheinigung von einem Facharzt ausgestellt worden sein.
Folgen der unterschiedlichen Definitionen der Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit (BU) für GKV- bzw. PKV-Versicherte
Folgen der unterschiedlichen Definitionen der Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit (BU) früher GKV- bzw. PKV-Versicherte
Ferner ist auf die Folgen der unterschiedlichen Definitionen der Arbeitsunfähigkeit, Erwerbsminderung und Berufsunfähigkeit (BU) bei einer Mitgliedschaft in der GKV oder PKV hinzuweisen:
a) Mitglieder gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
Gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer haben bei einer Arbeitsunfähigkeit einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für maximal 6 Wochen. Nach Ablauf der Entgeltfortzahlung haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse mit einer Höchstdauer von maximal 78 Wochen für ein- und dieselbe Erkrankung innerhalb von 3 Jahren.
Die Höhe des Krankengeldes beträgt dabei 70 Prozent des regelmäßigen beitragspflichtigen Brutto-Arbeitsentgelts vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit (§ 47 SGB V), jedoch maximal 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts. Damit beträgt das max. Krankengeld nicht mehr als 70 Prozent der sog. Beitragsbemessungsgrenze.
Gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer, die aufgrund einer Erkrankung länger als 78 Wochen krankgeschrieben sind, müssen im Anschluss an das Krankengeld einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen.
b) Mitglieder privaten Krankenversicherung (PKV)
Arbeitnehmer mit einer privaten Krankenversicherung (PKV) wird das Krankentagegeld generell unbegrenzt erstattet. Allerdings findet sich in den Allg. Versicherungsbedingungen der Krankentagegeldversicherung (MB/KT 2009) in § 15 unter "Sonstige Beendigungsgründe" meist folgender Passus:
"b) mit Eintritt der Berufsunfähigkeit. Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit mehr als 50 % erwerbsunfähig ist. Besteht jedoch zu diesem Zeitpunkt in einem bereits eingetretenen Versicherungsfall Arbeitsunfähigkeit, so endet das Versicherungsverhältnis nicht vor dem Zeitpunkt, bis zu dem der Versicherer seine im Tarif aufgeführten Leistungen für diese Arbeitsunfähigkeit zu erbringen hat, spätestens aber drei Monate nach Eintritt der Berufsunfähigkeit;"
Private Krankenversicherer können die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall mit Eintritt der Berufsunfähigkeit einstellen, d.h. der entsprechende Tarif der Lohnfortzahlung wird seitens des Versicherers gekündigt. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass auch ein Lebensversicherer (bei dem hoffentlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung besteht) die Berufsunfähigkeit bzw. die BU-Definition des privaten Krankenversicherers bzw. der beurteilenden Ärzte anerkennt.
Aus besagten Gründen ist es daher für privat Krankenversicherte empfehlenswert eine Berufsunfähigkeitsversicherung innerhalb derselben Versicherungsgruppe abzuschliesen, um Streitigkeiten bzgl. unterschiedlicher BU-Defintionen zu vermeiden.
(1) Wikipedia: Berufsunfähigkeit, Stand: 11. März 2015, abgerufen am 23.03.2015
(2) Wikipedia: Berufsunfähigkeitsversicherung, Stand: 24. Februar 2015, abgerufen am 23.03.2015
(3) Wikipedia: Verminderte Erwerbsfähigkeit, Stand: 23. Februar 2015, abgerufen am 23.03.2015
(4) Wikipedia: Arbeitsunfähigkeit, Stand: 05. März 2013, abgerufen am 23.03.2015
(5) Wikipedia: Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Stand: 09. Januar 2015, abgerufen am 23.03.2015
(6) Wikipedia: Krankengeld, Stand: 09. März 2015, abgerufen am 23.03.2015
(7) Bundesministerium der Justiz (BMJ): Entgeltfortzahlungsgesetz – § 5 EntgFG – Anzeige und Nachweispflichten
(8) Bundesministerium für Arbeits und Soziales (BMAS): Stufenweise Wiedereingliederung – Hamburger Modell
(9) Bundesministerium der Justiz (BMJ): § 74 SGB V – Stufenweise Wiedereingliederung

References: § 5
 § 28
 § 74

§ 163
 § 5
 § 5
 § 28
 § 74
 § 163
 § 163
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 1
 § 14
 § 5
 § 163
 § 163
 § 163
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 4
 § 5
 § 5
 § 15
 § 5
 § 74