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Timestamp: 2018-04-22 06:55:26+00:00

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Glossar - Erklärungen
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Diese Buchstabenkombination steht für: lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, inter* und queer. Das Sternchen* (auch Gender-Star genannt) wird ebenso wie der Unterstrich_ (auch Gender- Gap genannt) als Platzhalter verwendet, um alle geschlechtlichen Identitäten über „männlich" und „weiblich" hinaus sichtbar zu machen.
Sie soll alle geschlechtlichen und nicht-heterosexuellen Identitäten abbilden. Früher sprach die Community in der Regel nur von „Lesben und Schwulen". Es wurde aber klar, dass diese Kategorien zu eng sind und mit dem Begriffspaar viele Menschen ausgeschlossen werden. Zunächst wurde also „Lesben und Schwule" ergänzt um „Bisexuelle und trans*Personen". Da die USA hier Vorreiter waren, lautete der neue Begriff „LGBT", also „lesbian, gay, bisexual, transsexual". Aber auch diese Abkürzung griff noch zu kurz, also wurden intergeschlechtliche und queere Menschen aufgenommen. Und weil es ziemlich lange dauert, all diese Worte auszusprechen, ist heutzutage von „LSBTIQ*" die Rede, wenn Menschen verschiedener geschlechtlicher und nicht-heterosexueller Identitäten gemeint sind.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, besser bekannt unter dem Namen Antidiskriminierungsgesetz, hat genau dies zum Ziel: Es soll dafür sorgen, dass alle Menschen gleich behandelt werden
– egal, woher sie kommen oder wie alt sie sind; ob oder an welchen Gott sie glauben; ob sie gehörlos sind oder im Rollstuhl sitzen; egal, welchem Geschlecht sie angehören oder wen sie lieben. Falls sie aus einem dieser Gründe diskriminiert – also z.B. nicht eingestellt, schlechter bezahlt oder belästigt werden – können sie dagegen klagen. Neben der Diskriminierung im Berufsleben soll das Gesetz auch verhindern, dass Menschen aufgrund von bestimmten Merkmalen benachteiligt werden. Wenn also z.B. eine Wohnungsbaugesellschaft grundsätzlich nicht an Migrant_innen vermietet oder eine private Krankenversicherung grundlos höhere Beiträge von Frauen verlangt, dann ist das ein Fall für das AGG. Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.
Letzteres ist ein Novum: Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, das 2006 verabschiedet wurde, haben Menschen zum ersten Mal die Möglichkeit, sich gegen Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Identität zu wehren. Zwar bestimmt auch das Grundgesetz in Artikel 3, dass niemand wegen der oben genannten Merkmale benachteiligt werden darf, aber ein Merkmal fehlt dabei: die sexuelle Identität.
Es handelt sich also in der Regel nicht um eine bewusste Entscheidung, auf Sex zu verzichten, wie sie z.B. katholische Priester mit dem Zölibat treffen, sondern um die Abwesenheit sexueller Erregung oder deren Ablehnung. Auch hier gibt es – wie so oft, wenn es um die sexuelle Identität geht – verschiedene Varianten. Manche asexuelle Menschen verlieben sich und möchten körperliche Nähe und Zärtlichkeit zu ihrem_r Partner_in, haben aber darüber hinaus keinerlei Bedürfnis nach Sexualität mit ihm_ihr. Anderen ist auch das Gefühl romantischer Liebe fremd. Auch die Art, ob und wie Asexuelle Erregung erleben, ist unterschiedlich. Manche empfinden generell keine oder kaum Erregung, andere masturbieren, ohne dass sich ihre Lust dabei auf einen anderen Menschen richtet. Wiederum andere empfinden Erregung, erleben sie aber nicht als angenehm. Weil Menschen, die offen mit ihrer Asexualität umgehen, häufig auf irritierte Reaktionen stoßen, haben Asexuelle 2001 in den USA das Asexual Visibility and Education Network (AVEN) gegründet. Es ist inzwischen zu einer weltweiten Community angewachsen – seit 2005 existiert auch eine deutsche Website – und soll Akzeptanz gegenüber asexuellen Lebensweisen schaffen. www.aven-info.de
Bisexuelle Menschen (nach der lateinischen Vorsilbe bi- = zwei) fühlen sich sexuell und/oder emotional zu Männern und Frauen hingezogen.
Nationaltorhüterin Nadine Angerer hat es so ausgedrückt: „Ich persönlich bin da offen, weil ich der Meinung bin, dass es nette Männer und nette Frauen gibt, und weil ich eine Festlegung generell total albern finde." Sigmund Freud stellte die These auf, dass im Grunde alle Menschen bisexuell seien, also die Fähigkeit besitzen, Männer wie Frauen zu lieben und/oder zu begehren. Bisexuelle sind vielen Vorurteilen ausgesetzt, sowohl von heterosexueller als auch von homosexueller Seite. Während Hetero- und auch Homosexualität meist mit Zuneigung, Liebe und Sexualität assoziiert werden, nehmen viele Menschen Bisexualität vor allem oder ausschließlich über die Sexualität wahr. Bisexuelle Menschen werden also oft übersexualisiert definiert oder dargestellt, auch wenn sie selbstverständlich ein ebenso komplexes Gefühlsleben wie Hetero- und Homosexuelle haben. Das führt dazu, dass viele sich nicht outen – aus Angst, nicht anerkannt, nicht ernstgenommen oder nur sexuell wahrgenommen zu werden.
Cisgender / Cissexualität
Cisgender (aus der lateinischen Vorsilbe cis- = "diesseits" und dem englischen gender = "Geschlecht" zusammengesetzt) ist das Gegenteil von Transgender (trans- = jenseits von, über ... hinaus). Cissexuell sind also Menschen, deren Geschlechtsidentität mit ihrem körperlichen Geschlecht übereinstimmt.
Den Ausdruck "Cissexualität" führte der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch 1991 ein. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass es Cissexuelle geben müsse, wenn es Transsexuelle gebe, und dass es keine Selbstverständlichkeit sei, dass Körpergeschlecht und Geschlechtsidentität zusammenfallen. Cis-Personen identifizieren sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
Coming-out heißt wörtlich „herauskommen" und meint den Schritt, mit seiner sexuellen Identität an die Öffentlichkeit zu gehen.
Der in Deutschland wohl berühmteste Coming-out-Satz stammt von Klaus Wowereit: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so!" sagte der Berliner Politiker, als er 2001 zum Bürgermeister-Kandidaten gewählt werden sollte. Vorher wollte Wowereit seine Homosexualität öffentlich machen und wählte dazu diesen selbstbewussten Ausspruch. „Ja, wir sind ein Paar!" erklärten die TV-Moderatorin Anne Will und die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel auf Nachfrage der Presse und beendeten damit 2007 die Heimlichkeit um ihre Beziehung. – Natürlich ist die Öffentlichkeit nicht immer so groß wie bei Prominenten wie Will oder Wowereit. Für die meisten Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Trans* ist es aber auch ein großer Schritt, „es" den Eltern, dem Freund_innen-Kreis oder dem kollegialen Umfeld zu sagen. Eine Entscheidung, die mitunter Mut erfordert. Bevor Menschen diesen Schritt nach außen gehen können, sollte zunächst das „innere Coming-out" abgeschlossen sein, also der Prozess, sich selbst zu erkennen und anzunehmen. Dieser Prozess kann als Jugendliche_r, aber auch erst im Erwachsenenalter stattfinden und durch Personen des Vertrauens unterstützt werden.
Im englischen Sprachraum kommen Menschen übrigens „out of the closet", also „aus dem Schrank". Dieser Schrank symbolisiert die Enge und das Eingesperrtsein in den Normen einer Gesellschaft, die Heterosexualität und das binäre Geschlechtermodell (Mann, Frau) oft als einzig mögliche Lebens- und Liebensmodelle betrachtet. Das Coming-out ist ein Prozess, den Menschen selbstbestimmt und in selbst gewählten Schritten gehen. Es ist nicht zu verwechseln mit dem Outing, das meist gegen ihren Willen von Dritten initiiert wird.
Community heißt Gemeinschaft – also eine Gruppe von Menschen, die sich in einer vergleichbaren oder ähnlichen Lebenssituation befinden.
In diesem Fall ist die Community also die Gruppe derjenigen, die aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität ähnliche Erfahrungen teilt und in diesem Zusammenhang aktiv ist. Zur Community gehört also das Beratungszentrum für Lesben und Schwule genauso wie das lesbische Volleyballteam, die Selbsthilfegruppe für trans*- oder inter*Menschen, der bisexuelle Stammtisch und das Schwule Museum. Also alle, die sich in irgendeiner Form zusammentun und handeln, um Selbstbewusstsein und Solidarität zu stärken – oder auch einfach gemeinsam Spaß zu haben. Im Gegensatz zu dem Begriff „Szene" wird mit dem Begriff „Community" das Zusammengehörigkeitsgefühl stärker betont.
Unter seiner Abkürzung CSD ist er mittlerweile wohl besser bekannt als unter seinem vollen Namen: Christopher Street Day.
Am 28. Juni 1969 setzten sich trans*Personen, Schwule und Lesben gegen eine Razzia der Polizei im Szene-Lokal „Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street zur Wehr. Lange hatten sie die brutale Polizeiwillkür ertragen – an diesem 28. Juni verbarrikadierten sie sich im „Stonewall Inn" und sperrten die Ordnungskräfte aus. Der mutige und spektakuläre Aufstand gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und trans*Personen ging um die Welt und machte die Christopher Street berühmt. Seither wird der Christopher Street Day in vielen Ländern mit Paraden und Straßenfesten gefeiert, um für Akzeptanz und Anerkennung zu demonstrieren und die eigene Lebens- und Liebesform mit Stolz (engl. Pride) zu zeigen.
Die Bezeichnung Christopher Street Day ist vor allem in Deutschland und der Schweiz üblich. In Österreich heißt es Regenbogenparade, in englischsprachigen und romanischen Ländern wird meist von Gay Pride, Pride Parades oder einfach Pride gesprochen. In Australien sind die Paraden mit der Karnevalstradition vermischt worden und heißen deswegen Mardi Gras.
Während sich in den 1980er Jahren gerade einmal ein paar Hundert Teilnehmer_innen in Metropolen wie Berlin oder Köln auf die Straße wagten, nehmen heute Zehntausende an den Demonstrationen und Paraden teil, die Hunderttausende Zuschauer_innen anziehen.
Während die CSDs in einigen Ländern Europas einen volksfestähnlichen Charakter haben und sich auch beim heterosexuellen Publikum großer Beliebtheit erfreuen, kämpfen Lesben, Schwule, Trans*, Inter* und Queers in manchen europäischen Ländern immer wieder gegen das Verbot ihrer Demonstrationen – und gegen massive Angriffe durch rechtsgerichtete, LSBTIQ*-feindliche Gruppierungen und Staatsmächte.
Eingetragene Lebenspartnerschaft / Ehe
Das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft trat im August 2001 in Kraft. Danach konnten zwei Menschen gleichen Geschlechts eine rechtlich verbindliche Partner_innenschaft auf Lebenszeit miteinander eingehen.
Das Lebenspartnerschaftsgesetz enthielt zunächst nur wenige eheliche Rechte, sondern vor allem die ehelichen Pflichten, wie z.B. die Versorgungspflicht. So durften zwar die „Verpartnerten" einen gemeinsamen Namen tragen und ein_e ausländische_r Partner_in erhielt ein Aufenthaltsrecht. Alle weiteren Rechte blieben ihnen aber verwehrt. Im Laufe der letzten Jahre wurde die Eingetragene Lebenspartnerschaft der heterosexuellen Ehe immer weiter angeglichen. Dazu trugen maßgeblich die Urteile des Bundesverfassungsgerichts bei, das die Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare – z.B. in der Hinterbliebenenversorgung, im Erbrecht, im Einkommenssteuerrecht und bei der Sukzessivadoption – für verfassungswidrig erklärt hat. Auch bei der Familiengründung gab es in der Eingetragenen Lebenspartnerschaft Ungleichheiten: Das volle Adoptionsrecht blieb gleichgeschlechtlichen Paaren verwehrt (siehe Regenbogenfamilie).
In einem Urteil des Verfassungsgerichtes im Jahr 2013 heißt es: „Unterschiede zwischen Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft, welche die ungleiche Ausgestaltung der Adoptionsmöglichkeiten rechtfertigen könnten, bestehen nicht." Trotz des Urteils des höchsten deutschen Gerichts wurde diese Diskriminierung zunächst nicht aufgehoben. Am 30. Juni 2017 wurde die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule im Bundestag beschlossen. Gleichgeschlechtliche Paare können ab Oktober 2017 in Deutschland heiraten und gemeinsam Kinder adoptieren. Nach wie vor bleibt eine Ungleichheit bestehen: Ein Kind, das durch Insemination in eine gleichgeschlechtliche Ehe geboren wird, gilt nicht automatisch als Kind beider Partner_innen.
In der deutschen Sprache gibt es schlicht keine Entsprechung für dieses englische Wort. Die bloße Übersetzung von „Gender" in „Geschlecht" reicht nicht aus.
Denn im Englischen gibt es zwei Begriffe für „Geschlecht", die etwas völlig verschiedenes meinen: „Sex" ist das biologische Geschlecht, das sich durch die Geschlechtsorgane definiert (und selbst diese Definition ist nicht immer eindeutig, siehe LSBTI*, Trans* und Inter*). Und Gender meint das „soziale Geschlecht", das sich unabhängig von körperlichen Merkmalen manifestieren kann. Das soziale Geschlecht muss also nicht dem biologischen Geschlecht entsprechen. Die Gender-Theorie geht davon aus, dass das Geschlechterverhalten nicht nur biologisch, sondern vor allem kulturell bedingt und daher erlernt ist. Welches Aussehen, welches Verhalten und welche Rolle eine Gesellschaft als „typisch männlich" oder „typisch weiblich" betrachtet und einfordert, kann demnach je nach Epoche und Lebensraum sehr unterschiedlich sein.
Die Geschlechtsidentität ist unabhängig vom Körper. Menschen, deren Körper der gesellschaftlichen Norm für eine bestimmte Geschlechtsidentität entsprechen, gehen häufig davon aus, dass beides automatisch zusammengehört (z.B. dass ein Mensch mit einem Körper, der von seinem Umfeld als "männlich" eingestuft wird, auch eine männliche Geschlechtsidentität hat). Die Art und Weise, wie ein Mensch seine Geschlechtsidentität lebt, kann variieren: Möchte ein biologischer Mann mit weiblicher Geschlechtsidentität durch eine Operation sein_ihr Geschlecht angleichen oder ohne eine solche Operation sein_ihr Frausein leben? Oder: Welchem Geschlecht fühlt sich ein intergeschlechtlicher Mensch zugehörig? Vielleicht keinem der beiden gesellschaftlich anerkannten, sondern einem anderen? (siehe Inter* / Intergeschlechtlichkeit)
Im Juni 2011 verabschiedete der Menschenrechtsrat der UNO eine Resolution, wonach niemand wegen seiner_ihrer Geschlechtsidentität (Gender Identity) verfolgt und diskriminiert werden darf. Das Recht auf die individuelle Geschlechtsidentität ist also ein Menschenrecht. Für viele Fachleute sind die Bezeichnungen „weiblich" und „männlich" nur zwei Pole auf einer breiten Skala geschlechtlicher Varianten.
Der griechische Begriff „hetero" bedeutet „verschieden" oder „ungleich" (im Gegensatz zu „homo" = gleich).
Heterosexuelle Menschen fühlen sich also von Menschen des ungleichen, also anderen Geschlechts angezogen. Soweit die sprachliche Herkunft. Wer in ein wenige Jahrzehnte altes Fremdwörterlexikon von 1990 schaut, entdeckt eine andere Definition: „normale Sexualität" steht dort unter dem Begriff „Heterosexualität", und entsprechend unter „heterosexuell": „normal sexuell". Lange Zeit galt Heterosexualität, also Sexualität zwischen Männern und Frauen, als Norm. Andere Formen der Sexualität wurden dagegen als Abweichung oder gar als Krankheit betrachtet. Diese Haltung wird „Heteronormativität" genannt. Sexuelle Identitäten sind allerdings – genau wie geschlechtliche Identitäten – vielfältig und gleichwertig. Bewertungen wie „normal" oder „unnormal" sind hier fehl am Platze, weil sie verletzen und diskriminieren (siehe normal / Normalität).
Homophobie / Homofeindlichkeit / Heterosexismus
Homophobie meint in der Regel alle negativen Einstellungen gegenüber Lesben und Schwulen, die sich in Vorurteilen und Abwertung, der Befürwortung von Diskriminierung bis hin zur Gewaltausübung äußern können.
Wissenschaftler_innen stellen sie in eine Reihe mit z.B. Rassismus, Sexismus oder Behindertenfeindlichkeit und sehen als Ursache dieser „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" eine Ideologie der gesellschaftlichen Ungleichwertigkeit. Die Wurzeln der jeweiligen Abwertung haben dabei meist eine lange gesellschaftlich verankerte Geschichte. Auch Sexual- und Geschlechtsrollennormen und religiöse Vorstellungen prägen die Einstellungen zu Homosexualität. Der Begriff Homophobie wird mittlerweile oft kritisch gesehen, weil es sich in den allermeisten Fällen nicht um eine pathologische Angst (Phobie) handelt. Immer öfter werden die Begriffe Homonegativität oder Homofeindlichkeit verwendet, um zu verdeutlichen, dass es sich um abwertende oder feindliche Einstellungen gegenüber Lesben und Schwulen handelt. Von einigen wird der Begriff Heterosexismus als noch passender empfunden, womit die Abwertung von nicht-heterosexueller Identität, Verhalten, Beziehung oder Gemeinschaft gemeint ist. Heterosexismus kann z.B. auch in der Politik oder gesellschaftlichen Strukturen eine Rolle spielen. Die International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans And Intersex Association (ILGA) macht die weltweit sehr unterschiedliche rechtliche Situation von LSBTIQ* u.a. auf digitalen Landkarten sichtbar: www.ilga.org.
Der griechische Begriff „homo" bedeutet „gleich" (im Gegensatz zu „hetero" = ungleich, verschieden).
Homosexuelle Menschen fühlen sich also von Menschen des gleichen Geschlechts angezogen. Der Begriff „Homosexualität" taucht erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auf, als sich – nach der Kirche und der Justiz – auch die Medizin und Psychiatrie mit der Liebe zwischen Frauen bzw. Männern zu befassen begann und sie pathologisierte. Von da an dauerte es noch ein Jahrhundert, bis Homosexualität in Deutschland offiziell nicht mehr als Krankheit oder Verbrechen betrachtet wurde: 1969 wurde der § 175 StGB, der sexuelle Beziehungen zwischen Männern unter Strafe stellte, erstmals abgeschwächt, aber erst 1994 vollständig gestrichen (siehe § 175 StGB / Homosexuellenverfolgung).
Erst 1992 entfernte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus der International Classification of Diseases (ICD), der internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten. Heute ist Homosexualität in Teilen der Welt als Lebens- und Liebensentwurf anerkannt. In anderen Teilen scheinen sich Vorurteile und Ablehnung gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen jedoch zu halten oder gar zu verstärken. Untersuchungen schätzen die Zahl der Menschen, die ausschließlich homosexuell leben, auf fünf bis sieben Prozent. Die Zahl derjenigen, die sich nicht ausschließlich, aber auch zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, scheint erheblich größer zu sein (siehe bisexuell; pansexuell).
„Inklusion" heißt „Einschluss". Im Umkehrschluss bedeutet das, niemanden auszuschließen.
Bei der Idee der Inklusion geht es also darum, dass jeder Mensch mit seinen Besonderheiten – seiner sexuellen Identität, seiner Behinderung oder seiner kulturellen Herkunft – ein vollwertiges und akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft ist. Ein- bzw. ausgeschlossen kann ein Mensch gleich mehrfach sein. So kann es z.B. passieren, dass ein türkischer oder türkischstämmiger schwuler Mann mehrfachdiskriminiert wird: als Türke oder türkischstämmiger Deutscher und als Schwuler. Eine Lesbe mit Behinderung kann auf gleich drei Ebenen ausgegrenzt sein: aufgrund ihres Geschlechts, aufgrund ihrer sexuellen Identität und aufgrund ihrer Behinderung. Inklusion bedeutet das Gegenteil davon: nämlich die Aufnahme jedes Menschen in seine_ihre Gemeinschaft(en). Und das setzt voraus, dass der gängige Begriff der Normalität im Sinne von Normensetzung außer Kraft gesetzt wird (siehe normal / Normalität). Normal ist Vielfalt. Und Vielfalt bereichert: Studien zeigen, dass z.B. die Leistung eines Unternehmens steigt, wenn dort bewusst Menschen mit unterschiedlichen Zugehörigkeiten angestellt werden (Diversity Management). Der Grund: Ein Team, in dem Menschen arbeiten, die verschiedene Erfahrungen und daraus folgende Kompetenzen mitbringen, kann Probleme effektiver lösen. Außerdem verbessert sich das Klima durch die Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt, was wiederum ebenfalls zu besseren Ergebnissen führt. Selbstverständlich darf es bei der Anerkennung von Vielfalt nicht nur um wirtschaftliche Aspekte gehen. Ziel sollte sein, die menschliche Vielfalt wertzuschätzen – einfach weil sie existiert.
Inter* bezeichnet Menschen, deren angeborene genetische, hormonelle oder körperliche Merkmale weder ausschließlich „männlich" noch ausschließlich „weiblich" sind.
Die Merkmale können gleichzeitig typisch für diese beiden oder nicht eindeutig für eines von diesen Geschlechtern sein. Das kann sich in den sekundären Geschlechtsmerkmalen (z.B. Muskelmasse, Haarverteilung, Brüste und Statur) zeigen oder in den primären Geschlechtsorganen (Fortpflanzungsorgane und Genitalien) und/oder in chromosomalen Strukturen und Hormonen.
Sehr problematisch ist, dass inter*Menschen nach wie vor pathologisiert werden, d.h. sie gelten als „krank" oder „abnorm". Immer noch unterliegen neugeborene Inter* geschlechtsverändernden Eingriffen ohne deren Einwilligung, da sie oftmals im Kindesalter vorgenommen werden. Eine medizinische Notwendigkeit besteht jedoch meist nicht, denn häufig sind inter*Personen völlig gesund. Sie können allerdings später schwer an den psychischen und physischen Folgen der ärztlichen Eingriffe leiden.
Das deutsche Personenstandsgesetz, wonach in der Geburtsurkunde „männlich" oder „weiblich" eingetragen werden musste, wurde Ende 2013 geändert. Seither wird der Geschlechtseintrag im Geburtenregister bei intergeschlechtlich geborenen Kindern offen gelassen, wenn Ärzt_innen das Geschlecht nicht „weiblich" oder „männlich" zuordnen können. Ein Verbot von medizinisch unnötigen operativen Eingriffen, die gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit verstoßen, wie es Menschrechtsaktivist_innen fordern, gibt es in Deutschland noch nicht.
Ursprünglich medizinischer Sammelbegriff, der betont, dass es bei der Ausbildung der menschlichen Geschlechtsmerkmale viele Zwischenstufen zwischen „weiblich" und „männlich" gibt.
Der Begriff Intersexualität wurde 1915/16 von dem Genetiker Richard Goldschmidt geprägt. 2006 wurde er im medizinischen Sprachgebrauch international durch DSD (engl.: disorders of sex development = Störung der geschlechtlichen Entwicklung) ersetzt. Er ist aber in vielen Zusammenhängen immer noch gebräuchlich. DSD suggeriert mit dem Begriff „Störung", dass einige Variationen menschlicher Körper „normaler" und somit wünschenswerter sind als andere. Körper, die diese Norm nicht erfüllen, gelten aus dieser Perspektive als „untypisch" oder „gestört".
Aber „intersexuell" wird von vielen intergeschlechtlichen Menschen auch als (neutrale) Selbstbezeichnung verwendet. Andere lehnen den Begriff allerdings ab, weil sie sich durch ihn pathologisiert fühlen. Inter*, Intergeschlechtlichkeit oder Zwischengeschlechtlichkeit werden manchmal auch lieber verwendet, weil sie nicht den Begriff „sex" enthalten – weshalb manche fälschlicherweise denken, es gehe bei Intersexualität um die sexuelle Identität (diese Verwechslung kommt auch bei transgeschlechtlichen Menschen vor, siehe transsexuell / Transsexualität).
Fachleuten zufolge kommen jedes Jahr in Deutschland rund 150 bis 340 Kinder auf die Welt, bei denen „weibliche" und „männliche" Geschlechtsmerkmale vorhanden sind. Laut Bundesregierung gibt es zwischen 8.000 und 10.000 intergeschlechtliche Menschen in Deutschland – Inter*-Verbände und -Gruppen schätzen die Zahl sogar ein Zehnfaches höher. Die UNO (United Nations Organization) beziffert den Anteil intergeschlechtlicher Menschen mit 0,05% bis 1,7% der Gesamtbevölkerung.
Inter*Menschen sind weltweit gesellschaftlich kaum sichtbar, denn Intergeschlechtlichkeit ist nach wie vor stark tabuisiert. Aus Angst vor Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung stehen viele inter*Personen nicht öffentlich zu ihrer Geschlechtlichkeit. Ist sie bekannt, sind intergeschlechtliche Menschen vielfachen Diskriminierungen ausgesetzt.
Namensgeberin der lesbischen Liebe ist die Insel Lesbos. Hier lebte die griechische Dichterin Sappho im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und beschrieb in ihren Gedichten die Liebe zwischen Frauen.
Zum ersten Mal politisch zu Wort meldeten sich lesbische Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwar saßen sie zwischen den Stühlen: der männlich dominierten Homosexuellenbewegung einerseits (siehe schwul / Schwuler) und der Frauenbewegung andererseits, die aus Angst vor noch mehr Anfeindungen keine offene Parteinahme für ihre lesbischen Aktivist_innen wagte. Dennoch protestierten einzelne Frauenrechtler_innen wie die Schriftstellerin Johanna Elberskirchen dagegen, dass der Homosexuelle als „Psychopath, als entartetes, demoralisiertes, minderwertiges Subjekt gebrandmarkt" wird.
In der Weimarer Republik organisierten sich Lesben vor allem in der Metropole Berlin in „Damenclubs" und publizieren eigene Lesbenzeitschriften. Die Nationalsozialisten zerstörten die lesbische Lebenswelt nachhaltig. Erst 1970 organisierten sich frauenliebende Frauen im Zuge der Frauen- und der Homosexuellenbewegung und nahmen den Kampf für ihre Rechte wieder auf. Seit einigen Jahren ist die Bezeichnung „Lesbe" sogar in die offizielle Nachrichtensprache eingegangen. Dennoch wird „Lesbe" in homophoben Kreisen nach wie vor als Schimpfwort verwendet.
Normal kommt von dem lateinischen „norma": Richtschnur, Maßstab, Regel, Vorschrift. Die Norm steht für allgemein anerkannte Standards in einer Gesellschaft.
Normen sind jedoch nicht in Stein gemeißelt, sondern verändern sich stetig: In den 1950er Jahren war etwa eine Frau in Hosen ein unerhörter Anblick, ein Mann mit Ohrring ein Skandal. Heute ist beides kein Thema mehr. Dass offen schwule Männer hohe politische Ämter bekleiden, wäre noch in den 1990ern undenkbar gewesen, genau wie eine lesbische TV-Moderatorin zur Hauptsendezeit. Was „normal" ist, ist also relativ und häufig dem Zeitgeist unterworfen. Nicht nur in Bezug auf die Geschlechterrollen (also was Menschen sein und tun dürfen), sondern auch auf die sexuelle Identität (also wer wen lieben darf), hat sich die Vorstellung von „Normalität" in unserer Gesellschaft stark verändert. Heute gilt in dieser Hinsicht vieles als „normal", was früher als „abartig" betrachtet und mit Ächtung, Ausgrenzung oder sogar Gefängnis (siehe § 175 StGB / Homosexuellenverfolgung) bestraft wurde. Folglich ist es vielversprechend, daran zu arbeiten, dass sich die gesellschaftlichen Normen weiter verändern – dass sich jeder Mensch in einer Normalität der Vielfalt wiederfinden kann (siehe Inklusion).
Pansexuelle Menschen lieben und begehren Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer Geschlechtsidentität. Pansexualität stellt damit das zweigeschlechtliche Modell infrage.
Pansexualität ist eine sexuelle Identität, die nicht auf Männer und Frauen begrenzt ist, sondern auch alle anderen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einschließt. Menschen sind demnach pansexuell, wenn für sie mit jedem Menschen, der als Person zu ihnen passt, Sexualität oder eine Beziehung grundsätzlich möglich ist – unabhängig davon, ob die betreffende Person sich als Mann, Frau, Inter*, Trans* oder anders definiert. Soweit die enge Definition.
Die weite Definition von Pansexualismus kann als Bewegung verstanden werden, die gegen ein vereinfachtes binäres Geschlechterverständnis strebt. Pansexuelle betrachten letztlich den Menschen an und für sich als zu liebendes und sexuell zu begehrendes Wesen – und lieben und begehren nicht in den Kategorien Mann, Frau, Inter* oder Trans*.
Queer ist ein offener Begriff, der alle einschließt, die mit ihrem Aussehen und / oder Verhalten heteronormativen Vorstellungen nicht entsprechen. „Queer" kann eine Theorie sein, kann praktisch gelebt werden und Personen oder Bewegungen können sich als „queer" bezeichnen.
Queer entwickelte sich aus einer Kritik an diskriminierenden Ausschlüssen, die auch und gerade in lesbischen und schwulen Communitys herrschten (und herrschen). Im Zusammenhang mit der AIDS-Hysterie versammelten sich Menschen, die in den lesbischen und schwulen Communitys sowie in der Gesamtgesellschaft diskriminiert wurden – aufgrund ihrer Hautfarbe, AIDS-Erkrankung, körperlichen Behinderung, trans*-Identität oder ihrer von dominanten Weiblichkeits- oder Männlichkeitsentwürfen abweichenden Identitäten.
„Queer" ist auch ein wissenschaftlich geprägter Begriff, der vor allem durch die US-amerikanische Wissenschaftlerin Judith Butler bekannt wurde. Ihre Queer Theorie gab der feministischen Kritik an der Heteronormativität in den 1990er Jahren einen Namen. Queeres Denken und Handeln fordern die Vorstellung heraus, es gäbe nur zwei Geschlechter, die einander entgegengesetzt charakterisiert seien und romantisch bzw. sexuell ausschließlich aufeinander bezogen seien. Eine weiter gehende Auslegung des Begriffs stellt grundsätzlich Normierungen und Kategorien in Frage und setzt sich kritisch mit Machtverhältnissen jenseits von Sexualität und Geschlecht auseinander (z.B. Behinderung, Rassismus, Klassismus). Ohne diesen herrschaftskritischen Gehalt wird das Wort oft auch als Überbegriff für LSBTI* verwendet.
Die Definition ist eigentlich ganz einfach: Eine Regenbogenfamilie ist eine Familie, die aus nicht-heterosexuellen Eltern und deren Kindern besteht.
Es gibt verschiedene Konstellationen, in denen Regenbogenkinder aufwachsen. Die häufigste Form ist ein Frauenpaar, das mit einem oder mehreren Kindern lebt. Diese Kinder stammen oft aus einer vorangegangenen heterosexuellen Beziehung einer oder beider Partner_innen, so dass manchmal auch der Vater der Kinder eine aktive Rolle in der Familie spielt. Immer öfter entscheiden sich Frauenpaare auch dafür, ein oder mehrere Kinder durch Insemination zu bekommen, also eine Samenspende (nicht zu verwechseln mit der „künstlichen Befruchtung" im Reagenzglas). Diese Spende kann von einer Samenbank stammen oder von einem privaten Samenspender. Auch dieser kann, je nach Wunsch und Vereinbarung, eine aktive Rolle als Vater übernehmen und damit Teil der Regenbogenfamilie sein.
Manchmal entscheiden sich je ein Frauen- und ein Männerpaar dafür, gemeinsam eine Familie zu gründen, der Begriff hierfür ist Queer-Family. Und natürlich leben auch Männerpaare als Eltern mit Kindern, die dann meist aus einer früheren heterosexuellen Beziehung stammen oder als Pflegekinder angenommen wurden. Für Frauen in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft ist der Zugang zu einer Samenbank und die ärztliche Durchführung einer künstlichen Insemination nicht geregelt. Allerdings gibt es in Deutschland Samenbanken und Ärzt_innen, die dies lesbischen Paaren trotzdem ermöglichen. Viele Paare planen aufgrund der rechtlichen Grauzone in Deutschland allerdings die Insemination im Ausland. Die enormen Kosten, die dadurch entstehen können, sind für viele eine Belastung und Teil der Diskriminierung. Schätzungen zufolge leben in Deutschland etwa 35.000 Kinder in Regenbogenfamilien. Deren rechtliche Situation hat sich inzwischen verbessert: Seit 2005 können eingetragene Lebenspartner_innen das vorhandene leibliche Kind des_der Partner_in im Rahmen der Stiefkindadoption adoptieren. Seit 2013 ist auch die Sukzessivadoption eines durch den_die Lebenspartner_in adoptierten Kindes möglich.
Die gemeinsame Adoption (Volladoption) wurde für homosexuelle Paare in Deutschland mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Eheöffnung im Oktober 2017 möglich. Ein Kind, das in die Ehe zweier Frauen hineingeboren wird, hat aber nicht automatisch zwei gesetzliche Mütter. Hierfür ist noch eine Änderung des Abstammungsrechts erforderlich – eine Gesetzeslücke, die es zum Schutz der Kinder noch zu schließen gilt.
Sie ist ein internationales Symbol für die Antidiskriminierungsbewegung von LSBTIQ* und ihren Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung.
Sie wurde 1978 in San Francisco von dem amerikanischen Künstler Gilbert Baker auf Wunsch schwuler Aktivisten entworfen, die auf der Suche nach einem positiven Symbol für ihre Aktionen waren. Die Regenbogenflagge hatte zunächst acht Streifen, wobei die acht Farben für Baker die Sexualität, das Leben, die Gesundheit, die Sonne, die Natur, die Kunst, die Harmonie und die Seele symbolisieren sollten. Als die Flagge in die Massenproduktion ging, wurden die Farben aus praktischen Gründen auf sechs reduziert.
Mit ihren Farben rot-orange-gelb-grünblau-violett gilt sie heute als Zeichen für die bunte Vielfalt der Communitys. Sie weht auf den Christopher Street Day-Demonstrationen, pappt als Aufkleber auf Autos und Fahrrädern oder in den Schaufenstern von Geschäften, die zeigen wollen, dass sie „gay friendly" sind und die Mitglieder der Communitys willkommen heißen.
Rosa Winkel / Schwarzer Winkel
Als KZ-Insassen waren Häftlinge mit dem Rosa Winkel auf der untersten Stufe der Lagerhierarchie und oft besonders schlimmen Demütigungen und Misshandlungen ausgesetzt. In den 1970er Jahren widmete die Schwulenbewegung den Rosa Winkel um, indem sie das Zeichen ihrer Unterdrückung bewusst trug – und machte es so zu einem stolzen Symbol für schwules Selbstbewusstsein. Homosexualität unter Frauen stand in Deutschland nie unter Strafe. In Einzelfällen wurden aber auch lesbische Frauen in Konzentrationslager eingeliefert und mit dem Schwarzen Winkel als „Asoziale" stigmatisiert oder als „Minderwertige" gekennzeichnet. Bei Frauen waren das in erster Linie ein den Nazis nicht genehmes Sexualverhalten wie uneheliche Mutterschaft, lesbische Beziehungen, „sittliche Verwahrlosung", „häufig wechselnde Geschlechtspartner" oder der Vorwurf, eine „pflichtvergessene" Mutter zu sein (siehe § 175 StGB Homosexuellenverfolgung).
Ein schwuler Mann ist homosexuell, sprich: gleichgeschlechtlich orientiert. Er liebt und begehrt also Männer.
Zudem beschreibt „Schwulsein" auch eine soziale, kulturelle und politische Identität, die sich in dem Zugehörigkeitsgefühl zu anderen Schwulen, sowie deren Gruppen und Initiativen ausdrückt (siehe Community). Zum ersten Mal organisierten sich schwule Männer Ende des 19. Jahrhunderts. Mit seinem 1897 gegründeten „Wissenschaftlich Humanitären Komitee" (WHK) kämpfte der Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld gegen die Pathologisierung und Kriminalisierung der Homosexualität (siehe § 175 StGB / Homosexuellenverfolgung) und erklärte: „Die Homosexualität ist weder Krankheit noch Entartung, noch Laster noch Verbrechen, sondern stellt ein Stück der Naturordnung dar." In der Weimarer Republik blühte nicht nur eine bunte schwule Subkultur, auch Organisationen wie der „Bund für Menschenrecht" setzten sich für Akzeptanz und die Abschaffung des § 175 StGB ein.
Der Nationalsozialismus bereitete der frühen Emanzipationsbewegung ein brutales Ende. Erst Anfang der 1970er Jahre formierte sich die Schwulenbewegung wieder neu. Ihre Erfolge werden zurückgeworfen, als Mitte der 1980er Jahre mit der zunächst als „Schwulenseuche" gebrandmarkten Immunschwächekrankheit AIDS die Diskriminierung wieder aufflammte. Aus dieser Bedrohung verstärkte die Schwulenbewegung ihren politischen Kampf für Akzeptanz und entwickelte Versorgungsstrukturen wie AIDS-Hilfen, Beratungsstellen und Arbeitsgemeinschaften. Weiterhin fordert sie gleiche Rechte, von denen bis heute bereits einige verwirklicht worden sind (siehe Eingetragene Lebenspartnerschaft / Ehe).
Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität sind die häufigsten sexuellen Orientierungen, wobei diese Grenzen nicht bei jedem Menschen klar gezogen werden können. Wie sich die sexuelle Orientierung entwickelt, ist nicht endgültig erforscht. Es herrscht aber in der Wissenschaft inzwischen weitgehend Konsens darüber, dass dabei sowohl die Veranlagung – also eine genetische oder anderweitig körperliche Disposition – eine Rolle spielt, als auch eine soziale Komponente. Die Sexualwissenschaft geht mehrheitlich davon aus, dass es sich um eine unabänderliche Prägung handelt. Je weniger eine Gesellschaft das Rollen- und Sexualverhalten normiert oder sanktioniert, desto eher ist es für Menschen denk-, fühl- und lebbar, ihre sexuelle Identität auch jenseits der mehrheitlichen Heterosexualität und der binären Geschlechtsrollen zu leben.
Trans* / Transgeschlechtlichkeit
Das Sternchen ist ein Platzhalter für alle Begriffe, die an die Vorsilbe „trans-" (lateinisch = jenseits von, über ... hinaus) angehängt werden können, um die verschiedenen geschlechtlichen Identitäten zu beschreiben: Transsexualität, Transgender, Transidentität, Transgeschlechtlichkeit und viele weitere.
Jede Identität kann in den unterschiedlichsten Ausprägungen auftreten – vom reinen Rollenwechsel durch Kleidung über den sozialen Wechsel der geschlechtlichen Rolle, der Einnahme von Hormonpräparaten, bis hin zu chirurgischen Eingriffen wie beispielsweise der Geschlechtsangleichung an das gefühlte Geschlecht. Trans* wird hierbei oft als Überbegriff verwendet, um die unterschiedlichen geschlechtlichen Ausprägungen und Identitäten in einem Begriff zusammenzufassen.
Als transgender werden Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsempfinden oder deren soziales Geschlecht (siehe Gender) ein anderes ist als ihr biologisches Geschlecht. Andere verwenden Transgender als Überbegriff, ähnlich oder in derselben Art wie Trans*.
Ein Mensch, der mit weiblichen Geschlechtsorganen auf die Welt kommt, aber sozial als Mann lebt, wird als Transgender bezeichnet. Dieser Geschlechtswechsel muss dabei aber nicht vollständig körperlich durch medizinische oder chirurgische Eingriffe vollzogen, sondern kann auch durch Verhalten, Gestus und Kleidung gelebt werden. Transmänner oder Transfrauen leben dagegen dauerhaft in ihrem Geschlecht, das in der Regel nicht ihrem biologischen Geschlecht entspricht. Je nachdem, ob Transmänner und -frauen ihren Geschlechtstransfer auch hormonell und / oder operativ umsetzen und wo sie sich im trans*-Spektrum verorten, bezeichnen sich einige auch als Frau-zu-Mann- oder Mann-zu-Frau-Transsexuelle_r (siehe transsexuell / Transsexualität). Einige verwenden den Begriff Transgender auch als Oberbegriff, um die Bandbreite der Ausprägungen darunter zu vereinen. Da jedoch transgender – im Gegensatz zu transsexuell – auch all diejenigen meint, die nicht den Weg einer operativen Geschlechtsanpassung gehen, wird er auch oft als Abgrenzungsbegriff zu Transsexualität verstanden.
Trans*phobie / Trans*feindlichkeit
Zur tief gesellschaftlich verankerten Abwehr und Abwertung von allem, was nicht den gängigen Geschlechtsrollen-Stereotypen entspricht, kommt bei Transfeindlichkeit womöglich eine tiefe Verunsicherung in Bezug auf die eigene (Geschlechts-)Rolle hinzu. In vielen Ländern der Welt sind trans*Menschen häufig Gewalt ausgesetzt und werden sogar ermordet. Das Projekt „Trans Respect versus Transphobia" führt Statistiken zu Gewalttaten und Morden sowie zur sozialen und rechtlichen Situation in verschiedenen Ländern und macht diese u.a. auf Landkarten sichtbar: www.transrespect.org.
Die Agentur für Grundrechte der Europäischen Union (FRA) kommt in ihrem Bericht zur Situation von Trans* in Europa 2014 zu erschreckenden Ergebnissen: 34 % aller trans*Menschen wurden innerhalb der letzten fünf Jahren Opfer von hassmotivierter Gewalt. Trans*Menschen beklagen in Deutschland auch einen höheren Anteil von hassmotivierter Belästigung: 26 % der befragten trans*Personen in Deutschland berichten von derartigen Übergriffen. Im EU-Schnitt sind es 22 %. Deshalb sind Aufklärung und Antidiskriminierungsarbeit ein sehr wichtiger Schritt auf dem Weg, trans*Menschen ein diskriminierungs- und gewaltfreies Leben in unserer Gesellschaft zu ermöglichen.
Transsexuelle sind Menschen, die ihr biologisches Geschlecht als falsch und sich selbst als zugehörig zu einem anderen Geschlecht empfinden.
Viele Transsexuelle haben den Wunsch, ihre körperlichen Geschlechtsmerkmale mit einer Operation so anzugleichen, wie es ihrem wahrgenommenen Geschlecht entspricht. Davor beginnen sie mit einer Hormontherapie, in der die selbst produzierten Hormone unterdrückt und die gewünschten, sogenannten „gegengeschlechtlichen Hormone" eingenommen werden, um so eine Vermännlichung (beispielsweise Stimmbruch und Bartwuchs) oder Verweiblichung (Hautbild, Brustwachstum, etc.) des Körpers zu erreichen. Weiterhin können sie aufgrund des deutschen Transsexuellengesetzes (TSG – seit 1981 in Kraft) ihren Vornamen sowie ihren Personenstand ändern lassen, was ihnen ermöglicht, das richtige Geschlecht sowie den für sie richtigen Namen in Geburtsurkunde, Reisepass und anderen Dokumenten wie Zeugnissen, Bankkarten usw. eintragen lassen zu können.
Seit es das Gesetz gibt, wurde es mehrfach durch Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts angepasst. So gilt heutzutage für die Anwendung des Gesetzes nicht mehr die Altersgrenze von 25 Jahren, Ehen, die vorher bestanden, müssen nicht mehr geschieden werden, die Anrede muss bereits nach der Vornamensänderung dem richtigen Geschlecht entsprechen. Darüber hinaus war bis 2010 die operative Geschlechtsangleichung zwingende Voraussetzung für die Personenstandsänderung. Das wurde von Aktivist_innen scharf kritisiert. Anfang 2011 erklärte das Bundesverfassungsgericht diesen Passus für verfassungswidrig. Es verstoße gegen das Recht auf Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit, wenn ein transsexuelle Menschen zu einem so schweren körperlichen Eingriff gezwungen würde.
Manche Menschen bevorzugen den Begriff Transgeschlechtlichkeit, da das „sexuell" in „transsexuell" viele denken lässt, es ginge um eine sexuelle Orientierung. Der Begriff„Geschlechtlichkeit" hebt dies auf. Bei Transsexualität / Transgeschlechtlichkeit geht es um die Zugehörigkeit zu einem anderen Geschlecht. Dementsprechend können transsexuelle Menschen sowohl hetero-, homo-, bi- oder pansexuell sein.
§ 175 StGB / Homosexuellenverfolgung
„Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängnis zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden."
So lautete der § 175, als er im Jahr 1871 erstmalig ins deutsche Strafgesetzbuch aufgenommen wurde. Es sollte fast 100 Jahre dauern, bis sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern in Deutschland nicht mehr unter Strafe standen. Erst zum 1. September 1969 wurde der Paragraph entschärft und Männer konnten Sex mit Männern ohne die Angst haben, dafür ins Gefängnis zu müssen. Allerdings hatte der Gesetzgeber für männliche Homosexualität höhere Schutzaltersgrenzen festgelegt. Endgültig gestrichen wurde der § 175 StGB erst 1994. Besonders radikal wurden homosexuelle Männer in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt. Rund 100.000 Männer wurden in sogenannten Rosa Listen von der Gestapo erfasst, 50.000 wurden nach dem § 175 StGB verurteilt, den die Nazis 1935 sogar verschärften. Nun galt bereits ein „begehrlicher Blick" als Straftat, so dass der Verfolgungswillkür keine Grenzen mehr gesetzt waren (siehe Rosa Winkel). Nach Kriegsende übernahm die Bundesrepublik das unverändert.
Nach jahrelangen Protesten der Schwulenbewegung kündigte das Bundeskabinett im März 2017 die Entschädigung für noch lebende Verurteilte nach § 175 StGB an. Am 23. Juni 2017 wurden alle Verurteilten, deren Sexualpartner mindestens 16 Jahre alt waren, von der Bundesregierung rehabilitiert. Weibliche Homosexualität fiel in Deutschland nie unter den § 175 StGB (wohl aber in Österreich), allerdings wurde die Ausdehnung des „Schwulenparagraphen" auf Frauen ernsthaft in Erwägung gezogen. Weil Frauen im NS-Männerstaat ohnehin eine untergeordnete Rolle spielten, wurde von der Ausdehnung abgesehen. Die Nazis verfolgten homosexuelle Frauen jedoch auch ohne Gesetz. Dokumente belegen, dass Nachbar_innen Frauenpaare bei der Gestapo denunzierten, die Leiterinnen sogenannter „Damenclubs" unter Vorwänden ins KZ gesteckt und lesbische Frauen auch ohne Rechtsgrundlage zu Gefängnisstrafen verurteilt oder zwangssterilisiert wurden. Heutzutage ist Homosexualität in rund 70 Ländern der Welt immer noch oder wieder verboten, in einigen Ländern steht darauf die Todesstrafe.

References: § 175
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