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Timestamp: 2019-06-20 21:23:51+00:00

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Guitarre-Schule 1802: III. Von der Benennung der Saiten und Plätze | Gitarrenlehre
Guitarre-Schule 1802: III. Von der Benennung der Saiten und Plätze
III. Kapitel. Von der Benennung der Saiten und Plätze.
§ 1. Ehe eine deutlichere Erklärung dieses Titels folgt, ist es nötig, eine bestimmte Erörterung des hier anzuführenden Gitarren-Systems zu geben, weil sonst eine Undeutlichkeit der Linien, Ziffern und Zeichen zu befürchten ist.
§ 2. Der bei den zu spielenden Noten angenommene Schlüssel ist der G- oder Violin-Schlüssel (Fig. 1). Diese fünf Linien (Fig. 2) enthalten die Noten, welche auf der Gitarre mit der rechten Hand angeschlagen werden sollen. Die sechs Linien (Fig. 3) stellen das Gitarren-System vor [Tabulatur] und bedeuten die 6 Saiten. Diese sechs Linien sollen bei jedem Beispiele, der Deutlichkeit wegen, stets durch eine Klammer [Akkolade - siehe Fig. 4] mit den 5 Linien eingeschlossen werden.
1te Anmerkung: Die Ziffern über den auf den fünf Linien befindlichen Noten zeigen die Fingersetzung auf dem Griffbrette an. Bei vollständigen Akkorden werden die Ziffern neben den Tönen stehen.[1]
2te Anmerkung: Die Ziffern auf den sechs Linien zeigen die Stufe oder den Bund auf der Saite an. Das Quadrat (◻) auf den Linien zeigt die leere Saite an.[2]
§ 3. Die Saiten heißen also: E, A, D, G, H und das kleine e (Chanterelle), wie Fig. 4 zeigt, und sind gleichlautend mit dem Zeichen (◻) [= 0] der sechs Linien in Fig. 5.
§ 4. Die Plätze auf dem Griffbrette sind von dem Verhältnis, dass durch das Fortschreiten der Finger der linken Hand [Greifhand] von einer Stufe zur anderen ein ganzer (unabhängiger) mit einem halben (abhängigen) Tone abwechselt. Fig. 6 erklärt dieses.
[Bezifferung über den Noten: 1 = Zeigefinger, 2 = Mittelfinger, 3 = Ringfinger, 4 = kleiner Finger]
3te Anmerkung: Das Fortschreiten der Töne auf der Chanterelle [hohe e-Saite] nach Fig. 6 gilt auch bei den übrigen Saiten. Die Stufen auf dem Griffbrette werden auf den 6 Saiten mit 1 bis 12 bemerkt.
4te Anmerkung: Zu diesen zum Teil schon angeführten und noch vorkommenden Beispielen (Figuren) bediene man sich der Tabula A, welche alle Töne, wie sie aufeinander folgen und abwechseln, darstellt. Tab. A:
§ 5. Man muss sich die erste Lage von Tönen auf dem Griffbrette bekannt machen, das heißt: man suche vorzüglich die Töne, welche auf den 3 oder 4 ersten Stufen (Bünden) befindlich sind.
5te Anmerkung: Der Übergang von einer leeren Saite zum ersten Bunde beträgt einen halben Ton, wie auch von einem Bunde der 4ten Stufe zur nächstfolgenden [leeren] Saite. Nur auf dem G [auf der G-Saite] wird die 3te Stufe genommen, weil von G bis zur leeren Saite H nur drei Stufen: gis, a und b sind.
6te Anmerkung: Steigt man in ganzen Tönen herauf, so lässt man nach jedem angeschlagenen Tone eine Stufe frei, worauf der halbe Ton ist.
§ 6. Das unter Fig. 7 angeführte Beispiel, von dem tiefen E bis zu der obersten Stufe e in ganzen Tönen herauf und herunter zu gehen, übe man im Anfange so oft, bis man die Töne auch außer der Reihe nennen kann. Die Schwierigkeiten, welche bei Zusammenstellung der Akkorde stattfinden, werden dann leichter überwunden.
[Die Fingersätze folgen sinngemäß dem Original (1 = Zeigefinger, 2 = Mittelfinger …). Ob sie eine damals übliche Spielpraxis widerspiegeln oder aber ob sich an einigen Stellen (z. B. in Takt 5) Fehler eingeschlichen haben, lässt sich nicht entscheiden.]
§ 7. Beim Heraufsteigen von einer Oktave zur anderen in ganzen [= leitereigene] Tönen findet man 5 ganze [Ganztonschritte] und 2 große halbe Töne [Halbtonschritte]. Das in Fig. 8 angeführte Beispiel ist der Deutlichkeit wegen auf allen 6 Saiten dargestellt, um die natürliche Tonfolge zu zeigen und die Plätze der ganzen Töne mit Weglassung der dazwischen befindlichen halben [= alterierte, leiterfremde] Töne kennen zu lernen. Was hier beim Aufsteigen der Töne stattfindet, das Nämliche ist auch bei dem Heruntersteigen anwendbar, jedoch nur bei den Dur-Tönen [Dur-Tonleitern], und es macht die Vorzeichnung der Kreuze und Bee (die Kenntnis der Versetzungszeichen setzt man voraus) einen Unterschied.
7te Anmerkung: Beim Heruntersteigen in Moll-Tönen ist zu merken, dass man die große oder die kleine Septime nehmen kann.
§ 8. Hat man die ganzen Töne sowohl nach als außer der Tonfolge so inne, dass man jeden Ton ohne vieles Suchen angeben kann, so übe man die folgenden Beispiele, gebe aber hier auf die richtige Fingersetzung sowohl auf dem Griffbrett als auf den Saiten mit der rechten Hand sorgfältig Acht.
8te Anmerkung: Die dabei befindlichen Ziffern sind in diesem Kap. § 2 ihrer Anwendung nach näher bestimmt.
§ 9. Einige dieser folgenden Beispiele gehören zwar mehr in das Kapitel von den Akkorden - allein da sie als Mittel dienen, den Inhalt dieses Kapitels in Rücksicht [Hinblick] der Plätze auf dem Griffbrette zu erklären, so werden sie hier angeführt.
§ 10. Fig. 9 zeigt das Herauf- und Heruntersteigen mit Abwechslung der ganzen und halben Töne.
§ 11. Fig. 10 zeigt die Plätze der Sekunden an.
9te Anmerkung: Hier kann man jeden Ton mit dem Finger der rechten Hand anschlagen, aber auch mit Zusammenbindung zweier Töne - durch das geschwinde Auflegen des folgenden Fingers auf den Ton der nämlichen Saite - die folgenden Töne bekommen. Das IV. Kap. § 6 beschreibt dies näher. Es kommt hierbei auf die Markierung der Noten an [Legatobogen].
§ 12. Fig. 11 gibt die Plätze der Terzen an in der C- und F-Tonleiter.
§ 13. Fig. 12 bestimmt die Entfernung der Quarten auf dem Griffbrett in der C-Tonleiter.
§ 14. Fig. 13 zeigt die Entfernung der Quinten auf dem Griffbrette in der C-Tonleiter.
10te Anmerkung: Die Quarten und Quinten (§ 13 u. 14) sind hier in gleicher Bewegung aufgestellt, weil diese als Plätze und Entfernungen der Töne, nicht aber als Gänge, folglich bloß wegen der Bekanntmachung der Plätze angeführt werden müssen.[3]
§ 15. Fig. 14 zeigt die Entfernungen der Sexten an.
§ 16. Fig. 15 zeigt die Plätze der Septimen an.
§ 17. Fig. 16 zeigt die Entfernung der Oktaven.
§ 18. Die hier gegebenen Beispiele sind in der natürlichen Tonfolge aufgestellt, denn es würde zu weitläufig sein, von jedem derselben auch die halben (abhängigen) Töne mit anzuführen. Indessen ist es sehr notwendig, auch diese auf ihren Plätzen zu kennen. Man nehme daher die Oktaven in ganzen und halben Tönen und gehen mit diesen in gleicher Entfernung fort wie in Fig. 17.
11te Anmerkung: Alle diese Beispiele sind zur sorgfältigsten Übung zu empfehlen, denn dadurch erhalten die Finger der rechten und linken Hand ertens eine Fertigkeit, die Töne außer der Reihe zu finden und anzuschlagen, zweitens eine Übung in Gängen, die dann bei Vorspielen und Handstücken sehr zu statten kommt.
12te Anmerkung: Auch übe man diese nicht allein in der Tonart C, sondern in allen Tonarten, sowohl Dur als Moll. Beim Anfange übe man vorzüglich die leichten Tonarten, als C, G, D, A, F, B dur und moll, weil diese Tonarten in den Stücken für die Gitarre am meisten vorkommen.
13te Anmerkung: Übrigens ist die Sorgfalt in richtiger Anwendung der Ziffern so wichtig, dass sie hier noch einmal empfohlen wird.
1 Für die Bezeichnung der Finger der Greifhand wurde eine heutzutage ungewöhnliche Bezifferung gewählt: 1 = Daumen, 2 = Zeigefinger usw. Um die Lesbarkeit zu verbessern, habe ich diese Zählart in die heutige überführt, also: 1 = Zeigefinger, 2 = Mittelfinger, 3 = Ringfinger, 4 = kleiner Finger. In seltenen Fällen (nur bei wenigen Akkordgriffen) wurde auch der Daumen zum Greifen verwendet - hierfür habe ich als Zeichen ein Kreuz (+) gesetzt.
2 Statt dieses Quadrats werde ich die heute übliche 0 (Null) in den Tabulaturen verwenden, um nicht gegriffene, also leere Saiten zu markieren.
3 Mehrere in gleicher Richtung steigende oder fallende Quarten oder Quinten widersprachen den damaligen Regeln des Tonsatzes bzw. der Melodieführung, daher diese Rechtfertigung.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8
 § 2

§ 9

§ 10

§ 11
 § 6

§ 12

§ 13

§ 14

§ 15

§ 16

§ 17

§ 18