Source: https://www.steinburg.de/kreisverwaltung/informationen-der-fachaemter/amt-fuer-umweltschutz/naturschutz/schutzgebiete-u-geschuetzte-objekte/naturschutzgebiete/herrenmoor-bei-kleve.html
Timestamp: 2020-04-08 23:58:49+00:00

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Herrenmoor bei Kleve - Naturschutzgebiete | Kreis Steinburg
Der nördliche Rand des Herrenmoores wird geprägt durch den Nuttelner Heidberg (hier in Blüte)
Das Naturschutzgebiet Herrenmoor bei Kleve liegt am Rand der Elbmarsch im Übergangsbereich zur Geest. Es wird im Norden von den Ortschaften Kleve und Nutteln, im Westen von Vaalermoor, im Osten von Moorhusen und im Süden von Neuendorf-Sachsenbande eingerahmt. Es ist ein Hochmoorrest, der sich einst von Heiligenstedten bis zum Kudensee (Dithmarschen) erstreckte. In seinem Kerngebiet haben sich hochwertige und artenreiche Hochmoorreste erhalten.
Die Entstehung dieses Moorgürtels hängt eng mit den seit der letzten Eiszeit eingetretenen Veränderungen der Nordseeküste und der Elbmündung zusammen. Durch das Abschmelzen der Eismassen stieg der Meeresspiegel um über 100 m an und das Land hob sich durch Entlastung an. Durch den Tideeinfluss und Sturmfluten lagerten sich Sedimente in den flussnahen Gebieten ab und es bildeten sich Küsten, Strandwälle und Nehrungen aus, die das Hinterland von den regelmäßigen Fluten abtrennten. Die binnenliegenden Seen versumpften langsam, so dass sich zunächst große, nährstoffreiche Niedermoorbereiche ausbildeten. Durch weiterhin hohe Niederschläge, dem Zufuhr von Grundwasser sowie dem Abfluss von Oberflächenwasser von der Geest wuchs der Torfkörper aus den grundwasserbeeinflussten Bereichen heraus und entwickelte sich zu einem umfangreichen Hochmoorgürtel.
Das in alten Urkunden auch als „Großes Moor“ bezeichnete Gebiet wurde lange Zeit nicht in die Bedeichung mit einbezogen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde in das Moor stark eingegriffen, indem man mit der Entwässerung begann, den Schwarztorf zur Gewinnung von Brennmaterial abbaute und über die Auen und Flüsse abtransportierte. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte eine stärkere Besiedelung ein, mit der die Entwässerung und Kultivierung des Moores intensiviert wurde. Südwestlich der Dörfer Nutteln und Vaale entstand auf dem Moor eine Kolonie von Ansiedlern, die am 16.6.1857 zur Gründung der Gemeinde Vaalermoor führte.
Das „Herrenmoor bei Kleve“ ist das älteste Moornaturschutzgebiet im Kreis Steinburg. Eine Kernfläche von 13 ha wurde bereits 1938 als Schutzgebiet ausgewiesen. Durch Ankauf des Kreises und der Stiftung Naturschutz ist das Naturschutzgebiet mittlerweile auf 213 ha angewachsen. Im Rahmen des kohärenten europäischen Netzes „Natura 2000“ ist das Herrenmoor als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) an die EU gemeldet worden.
Viele der in der Roten Liste SH geführten Pflanzen (Sonnentau, Hochmoorknabenkraut, Moorlilie, Moosbeere, Krähenbeere, Glockenheide, div. Hochmoormoose, u. v. m.) sind auf selten gewordene Standorte spezialisiert. Das Hochmoor ist ein solcher Lebensraum, der durch Trockenlegung und Kultivierung im letzten Jahrhundert als Wuchsstätte für Spezialisten fast verloren gegangen ist. Um das Überleben dieser Arten im Herrenmoor zu sichern, wurden auf den Naturschutzflächen verschiedene Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt.
Moorknabenkraut
Diese Entwicklungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass der Moorfrosch in den vielen kleinen Wasserflächen wieder anzutreffen ist. Vermehrt werden Kreuzottern beim Sonnen auf den aufgewärmten Betonwegen oder auf warmen, sandigen Flächen angetroffen. Die Sumpfeule findet in den Hochmoorflächen ebenso wie die Bekassine wieder ein Bruthabitat. Vermehrt können auch Neuntöter, Braunkehlchen oder im Winter Schwärme von Stieglitzen bei der Nahrungssuche beobachtet werden.
Ziel der Renaturierung ist der Rückhalt des Niederschlagwassers, um das Hochmoor mit seinem Torfkörper und der moortypischen Vegetation in seinem Bestand nachhaltig zu erhalten. Das dem Hochmoorkern umgebene Moorgrünland wurde zusätzlich als Pufferzone vom Naturschutz gesichert, um die Nährstoffarmut im Schutzgebiet zu sichern. Auch diese Flächen sind in den letzten Jahren vorsichtig vernässt worden. Hier haben sich inzwischen die ersten moortypischen Pflanzen wie Wollgräser, Torfmoose und verschiedene Seggenarten wieder angesiedelt.
Die Renaturierung der Hochmoore ist die Voraussetzung , um auch der heimischen Pflanzenvielfalt und der an sie angepassten Insektenwelt sowie anderen Kleintieren ein Überleben zu bieten.
Jungpflanzen 2 Jahre nach dem Plaggen
Das „Herrenmoor bei Kleve“ kann über Gemeindewege von Nuttelner Vierth aus zu Fuß umrundet werden. Die Wege sind tlw. mit dem Rad befahrbar. Ein Informationsfaltblatt mit Wegführung und Aussichtspunkten ist bei der UNB (Fr. Wegner) erhältlich. Leider wurde die Eisenbahnbrücke von Kleve „Achtern Barg“ zum Nuttelner Vierth/Nuttelner Heidehügel abgebaut und aus Kostengründen kein Ersatz geschaffen.
Diese langsam einsetzende Moorentwicklung ist auf der Nuttelner Moorseite, wo ein kleiner Eichenbohlenweg in die Moorgrünlandflächen hinein führt, mittlerweile für den Besucher erlebbar.
Ein Faltblatt mit Angaben zum Herrenmoor ist bei der Unteren Naturschutzbehörde (Ansprechpartnerin: Dipl. Ing. agr. U. Wegner, Tel.: 04821-69 317) erhältlich.
Landesverordnung über das Naturschutzgebiet "Herrenmoor bei Kleve" vom 19.12.1995
(2) Das Naturschutzgebiet wird mit der Bezeichnung "Herrenmoor bei Kleve" unter Nummer 19 in das bei der Ministerin für Natur und Umwelt als oberste Naturschutzbehörde geführte Verzeichnis der Naturschutzgebiete eingetragen.
(1) Das Naturschutzgebiet ist rund 215 ha groß und umfaßt die zentralen Moorflächen des Herrenmoores, angrenzende Grünlandbereiche sowie Teile des Klevhanges. Die im Ostteil verlaufende Trasse der Bahnstrecke ist nicht Teil des Naturschutzgebietes. In der dieser Verordnung als Anlage beigefügten Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25000 ist die Grenze des Naturschutzgebietes schwarz punktiert dargestellt.
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in den Abgrenzungskarten, Blatt 1 bis 4, im Maßstab 1 : 5000 rot eingetragen. Sie verläuft auf der dem Gebiet zugewandten Seite der roten Linie. Die Ausfertigung der Karten ist bei der Ministerin für Natur und Umwelt, Oberste Naturschutzbehörde, 24149 Kiel, verwahrt. Die Karten sind Bestandteile dieser Verordnung.
1. Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei
- Oberste Jagdbehörde -
2. Landrat des Kreises Steinburg
3. Amtsvorsteher des
a) Amtes Itzehoe-Land
b) Amtes Schenefeld
a) im gemeinschaftlichem Eigentum des Kreises Steinburg und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein,
b) im Eigentum der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und
c) im Eigentum der Gemeinde Nutteln
befindlichen Grünlandflächen nach Maßgabe der Empfehlungen des Landesamtes für Naturschutz und Landschaftspflege;
a) das Grünland umzubrechen oder die Flächenentwässerung durch Dränung oder Gräben zu intensivieren und
b) nach dem 1. Januar 2001 Pflanzenschutzmittel auszubringen;
a) die ordnungsgemäße Ausübung des Jagdschutzes im Sinne des Abschnittes VI und des § 22a des Bundesjagdgesetzes in Verbindung mit den §§ 21 und 22 des Landesjagdgesetzes auf den Flächen des Kreises Steinburg und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, die einen Eigenjagdbezirk bilden, sowie die Ausübung des Jagdrechtes im Sinne des § 1 des Bundesjagdgesetzes auf Schalenwild auf diesen Flächen; nicht zulässig ist es, geschlossene Hochsitze zu errichten oder Fütterungseinrichtungen zu errichten oder zu betreiben oder Wildäcker anzulegen;
b) die ordnungsgemäße Ausübung des Jagdrechtes im Sinne des § 1 des Bundesjagdgesetzes auf den übrigen Flächen; nicht zulässig ist es, geschlossene Hochsitze zu errichten oder Fütterungseinrichtungen zu errichten oder zu betreiben oder Wildäcker anzulegen;
a) der jeweiligen Grundstücke durch die Grundstücksbesitzer oder deren Beauftragte zur Wahrnehmung berechtigter Interessen;
(2) Die Jagdbehörde kann im Einvernehmen mit dem Landesamt für Naturschutz und Landespflege Ausnahmen von den einschränkenden Regelungen des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 13 und § 5 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. a im Einzelfall zulassen, wenn hierdurch der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird.
§ 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Leitungen jedweder Art verlegt, Masten, Einfriedigungen oder Einzäunungen errichtet oder bestehende Einrichtungen oder Anlagen dieser Art wesentlich ändert;
§ 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 11 die Lebensräume der Pflanzen und Tiere und ihre Ökosysteme beseitigt oder nachteilig verändert, insbesondere durch chemische Stoffe oder mechanische Maßnahmen;
(2) Gleichzeitig tritt die Landesverordnung über das Naturschutzgebiet "Herrenmoor bei Kleve" vom 23. Dezember 1985 (GVOBl. Schl.-H. 1986 S. 35), zuletzt geändert durch Landesverordnung vom 30. November 1994 (GVOBl. Schl.-H. S. 527), außer Kraft.
Kiel, 19. Dezember 1995
Die Ministerin für Natur und Umwelt

References: § 22
 § 1
 § 1
 § 4
 § 5

§ 4

§ 4