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Timestamp: 2017-12-17 04:09:51+00:00

Document:
LAG Köln, Urteil vom 07.06.2011, 12 Sa 1530/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Köln, Ur­teil vom 07.06.2011, 12 Sa 1530/10
Aktenzeichen: 12 Sa 1530/10
1. Der Anspruch auf Abgeltung des bestehenden Urlaubs entsteht auch bei über das Arbeitsverhältnis hinaus andauernder Arbeitsunfähigkeit gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses und wird sofort fällig. Er ist nicht Surrogat des Urlaubsanspruchs, sondern reine Geldforderung und unterliegt damit wie andere Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis einzel- und tarifvertraglichen Ausschlussfristen.
2. Im Fall des Betriebsübergangs und der Unsicherheit des betroffenen Arbeitnehmers, ob er einen Widerspruch i. S. d. § 613 a Abs. 6 BGB erklären will, ist dieser bei Anwendbarkeit von Ausschlussfristenregelungen gehalten, mögliche Entgeltansprüche zur zunächst prophylaktischen Wahrung der Ausschlussfristen auch gegen den "alten" Arbeitgeber geltend zu machen.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 27.10.2010, 2 Ca 1492/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 12 Sa 1530/10
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 27.10.2010 – 2 Ca 1492/10 – wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nach mehrjähri­ger Krank­heit.
Der Kläger war seit dem 01.12.2005 bei der Be­klag­ten zu ei­nem mo­nat­li­chen Brut­to­mo­nats­ent­gelt von ca. 1520,00 EUR als Rei­ni­gungs­kraft beschäftigt. In den Mo­na­ten Sep­tem­ber 2005 bis Au­gust 2006 hat der Kläger ei­nen Ge­samt­b­rut­to­lohn von 18.532,38 EUR er­zielt.
Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­den die Ta­rif­verträge für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk
An­wen­dung. § 22 des Rah­men­ta­rif­ver­tra­ges für die ge­werb­li­chen Beschäftig­ten des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks vom 04.10.2003 (im Fol­gen­den : RTV) lau­tet:
"Al­le bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sol­che, die mit dem Ar­beits­verhält­nis in Ver­bin­dung ste­hen, ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb von 2 Mo­na­ten nach der Fällig­keit schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den.
Lehnt die Ge­gen­par­tei den An­spruch ab oder erklärt sie sich nicht in­ner­halb von 2 Wo­chen nach der Gel­tend­ma­chung des An­spruchs, so verfällt die­ser, wenn er nicht in­ner­halb von 2 Mo­na­ten nach der Ab­leh­nung oder dem Frist­ab­lauf ge­richt­lich gel­tend ge­macht wird."
Im Jahr 2006 er­krank­te der Kläger schwer und war in der Fol­ge­zeit durch­ge­hend ar­beits­unfähig krank. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te am 23.10.2009 auf­grund ar­beit­ge­ber­sei­ti­ger Kündi­gung.
Mit Schrei­ben vom 30.11.2009, wel­ches der Be­klag­ten am 02.12.2009 zu­ging, be­gehr­te der Kläger durch sei­ne Pro­zess­ver­tre­ter Ur­laubs­ab­gel­tung für den Ur­laub seit Be­ginn sei­ner Krank­heit. In die­sem Schrei­ben heißt es wört­lich:
"Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs steht un­se­rem Man­dan­ten der ge­sam­te Ur­laub aus den Vor­jah­ren seit Be­ginn sei­ner Er­kran­kung zu. Wir dürfen Sie bit­ten, dies­bezüglich ei­ne Ab­rech­nung zu er­tei­len und die Aus­zah­lung des Net­to­be­tra­ges vor­zu­neh­men."
Mit Schrei­ben vom 15.12.2009, wel­ches dem Kläger am 23.12.2009 zu­ging, lehn­te die Be­klag­te jeg­li­che Zah­lun­gen ab und ver­wies auf ei­nen Be­triebsüber­gang.
Mit Schrei­ben vom 23. 12. 2009 wi­der­sprach der Kläger ei­nem Be­triebsüber­gang und for­der­te die Be­klag­te noch­mals zur Ur­laubs­ab­gel­tung für die Jah­re 2006-2009 i.H.v. 5.612,16 € auf.
Mit sei­ner am 22.02.2010 beim Ar­beits­ge­richt Köln er­ho­be­nen Kla­ge be­gehrt der Kläger letzt­lich noch die Ab­gel­tung von 73 Ur­laubs­ta­gen (13 Ta­ge für 2006 und je­weils 20 für 2007-2009).
Der Kläger hat die An­sicht ver­tre­ten, der An­spruch sein nicht ver­fal­len, da die Ver­falls­fris­ten auf Ab­gel­tungs­ansprüche kei­ne An­wen­dung fin­den würden und zu­dem in dem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 15.12.2009 kei­ne Ab­leh­nung zu se­hen sei.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 5.318,05 € nebst Zin­sen i.H.v.5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 06.01.2010 zu zah­len.
Sie be­ruft sich auf die Ver­falls­frist des § 22 RTV.
Mit Ur­teil vom 27.10.2010 hat das Ar­beits­ge­richt Köln die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, dass der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung nach § 22 RTV ver­fal­len sei. Der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung un­ter­lie­ge als Geld­an­spruch den ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten. Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch sei am 23.10.2009 mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­stan­den. Mit dem am 2.12.2009 bei der Be­klag­ten ein­ge­gan­gen Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben ha­be der Kläger die 1. Stu­fe der
zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­frist ge­wahrt. Da sich die Be­klag­te hier­zu nicht bin­nen 2 Wo­chen, al­so bis zum 16.12.2009, erklärt hat­te, be­gann die 2. Stu­fe der Aus­schluss­frist zu lau­fen, die am 16.02.2010 en­de­te, so dass die Kla­ge am 22.02.2010 zu spät er­ho­ben wor­den sei.
Ge­gen das dem Kläger am 15.11.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die­ser am 15.12.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 17.01.2011, ei­nem Mon­tag, be­gründet.
Der Kläger ist der An­sicht, dass ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten auf den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nicht an­zu­wen­den sei­en. Die 1. Gel­tend­ma­chung vom 30.11.2009 sei ins Lee­re ge­gan­gen, da zu die­sem Zeit­punkt noch von ei­nem Be­triebsüber­gang aus­zu­ge­hen ge­we­sen sei. Erst durch den Wi­der­spruch vom 23.12.2009 sei das Ar­beits­verhält­nis wirk­sam be­en­det wor­den. Zu­dem ent­spre­che das Schrei­ben vom 30.11.2009 nicht den An­for­de­run­gen der Recht­spre­chung an ei­ne ord­nungs­gemäße Gel­tend­ma­chung. So­mit lie­ge die ers­te Gel­tend­ma­chung mit Schrei­ben vom 23. De­zem­ber vor, so dass die 2. Stu­fe mit der Kla­ge­er­he­bung ge­wahrt wor­den sei.
Der Kläger und Be­ru­fungskläger be­an­tragt,
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 27.10.2010, Az. 2 Ca 1492/10 ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn 5.318,05 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 06.01.2010 zu zah­len.
Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 27.10.2010 - 2 Ca 1492/10 -zurück­zu­wei­sen.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des wech­sel­sei­ti­gen Par­tei­vor­brin­gens wird auf die zur Ge­richts­ak­te ge­reich­ten Schriftsätze nebst An­la­gen, die zum Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­wor­den sind, Be­zug ge­nom­men.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ist zwar zulässig, weil sie statt­haft (§ 64 Abs. 1 und 2 ArbGG) so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den ist (§§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG, §§ 519, 520 ZPO).
II. In der Sa­che hat sie je­doch kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit zu­tref­fen­der Be­gründung ab­ge­wie­sen. Ein mögli­cher Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch des Klägers nach § 7 Abs. 4 BUrlG ist nach der an­wend­ba­ren Aus­schluss­frist des § 22 RTV Gebäude­ei­ni­ger­hand­werk ver­fal­len.
a. Die ta­rif­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist ist auf den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch an­wend­bar. Zwar hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die­se Fra­ge in der Ent­schei­dung vom 23.04.2009 (9 AZR 983/07, ju­ris, Rn. 77) aus­drück­lich of­fen ge­las­sen. Nach Verkündung der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt aber mit Ur­teil vom 09.08.2011 – 9 AZR 352/10-die An­wend­bar­keit von Ver­falls­fris­ten auf Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche an­ge­nom­men. Es hat hier­zu laut der bis­lang nur vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung aus­geführt, dass der An­spruch auf Ab­gel­tung des be­ste­hen­den Ur­laubs auch bei über das Ar­beits­verhält­nis hin­aus an­dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­steht und so­fort fällig wird. Er ist nicht Sur­ro­gat des Ur­laubs­an­spruchs, son­dern rei­ne Geld­for­de­rung und un­ter­liegt da­mit wie an­de­re Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ein­zel- und ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten. Das gilt auch für die Ab­gel­tung des nach § 13 Abs. 1 Satz 1 iVm. § 3 Abs. 1 BUrlG un­ab­ding­ba­ren ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs.
Das früher ge­gen die An­wend­bar­keit her­an­ge­zo­ge­ne Ar­gu­ment, ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten sei­en un­an­wend­bar, weil das Ge­setz in § 7 Abs. 3 und 4 BUrlG ei­genständi­ge Ver­fall­fris­ten für Ur­laubs­ansprüche und de­ren Sur­ro­ga­te, die Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche, vor­se­he (BAG, Urt. v. 20.01.2009 - 9 AZR 650/07), hat das BAG da­mit auf­ge­ge­ben. So hat es auch schon zu­vor er­kannt: "Der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung ent­steht mit dem En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses als rei­ner Geld­an­spruch" (BAG, Urt. v. 04.05.2010 - 9 AZR 183/09 Rn. 21 ff.). Ist nach die­ser neu­en Li­nie der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung ein rei­ner Geld­an­spruch, dann ist mit der Auf­ga­be der Sur­ro­gats­theo­rie zwin­gend kein Raum mehr für die An­wen­dung der auf Frei­stel­lung aus­ge­rich­te­ten Ver­fall- und Über­tra­gungs­re­geln, so dass die ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten An­wen­dung fin­den (so zu­letzt LAG Nie­der­sach­sen v. 14.12.2010 – 13 Sa 1050/10 – Re­vi­si­on ein­ge­legt un­ter 9 AZR 84/11; LAG Ber­lin Bran­den­burg v. 07.10.2010 - 2 Sa 1464/10 - Re­vi­si­on ein­ge­legt un­ter 9 AZR 727/10, zu­vor LAG München v. 24.06.2010 – 4 Sa 1029/09 – Re­vi­si­on ein­ge­legt un­ter 9 AZR 486/10 Rn. 29 nach Ju­ris m.w.N. aus Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur). Dies ver­kennt der Kläger, wenn er sich auf die Re­ge­lun­gen des § 7 Abs. 3 und 4 BUrlG be­ruft, die da­nach nur für den Ur­laubs­an­spruch gel­ten.
Die An­wen­dung der Aus­schluss­frist wi­der­spricht nicht der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­men­tes und des Ra­tes vom 04.11.2003. Nach dem Ur­teil des EuGH vom 20.01.2009 (C-350/06 und C-520/06 (Schultz-Hoff) – Rn. 43 nach Ju­ris) steht die Richt­li­nie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung nicht ent­ge­gen, die für die Ausübung des An­spruchs auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub Mo­da­litäten vor­sieht, die zum Ver­fall des Ur­laubs­an­spruchs nach En­de ei­nes Be­zugs­zeit­rau­mes oder Über­tra­gungs­zeit­rau­mes führen. Vor­aus­set­zung ist le­dig­lich, dass die Möglich­keit be­steht, dass der Ar­beit­neh­mer den ver­lie­he­nen An­spruch ausüben und durch­set­zen kann. Wenn der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses los­gelöst von der Durch­setz­bar­keit des Ur­laubs­an­spruchs als rei­ner Zah­lungs­an­spruch fällig wird, kann er vom Ar­beit­neh­mer gel­tend ge­macht und durch­ge­setzt wer­den. Die An­wen­dung der Aus­schluss­frist wi­der­spricht da­mit nicht Ge­mein­schafts­recht.
b. Es kann da­hin­ste­hen, in wel­chem Um­fang dem Kläger aus den Jah­ren 2006 – 2009 noch Ur­laub zu­stand, der ab­zu­gel­ten war. Die­ser Ab­gel­tungs­an­spruch war mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses am 23.10.2009 fällig. Je­den­falls wahrt die Kla­ge­er­he­bung am 22.02.2010 nicht die 2. Stu­fe der Aus­schluss­frist des § 22 RTV. Zu­tref­fend führt das Ar­beits­ge­richt hier­zu aus, dass mit dem am 2. 12. 2009 bei der Be­klag­ten ein­ge­gan­gen Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben vom 30.11.2010 der Kläger die 1. Stu­fe der zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­frist ge­wahrt ha­be. Da sich die Be­klag­te hier­zu nicht bin­nen 2 Wo­chen, al­so bis zum 16.12.2009, erklärt hat­te, be­gann die 2. Stu­fe der Aus­schluss­frist zu lau­fen, die am 16.02.2010 en­de­te, so dass die Kla­ge am 22.02.2010 zu spät er­ho­ben wor­den ist. Die hier­ge­gen vor­ge­brach­ten Ein­wen­dun­gen des Klägers grei­fen nicht durch:
aa. Es kommt in­so­weit für die Gel­tend­ma­chung nicht auf den Zeit­punkt des Wi­der­spruchs ge­gen den Be­triebsüber­gang son­dern auf den Zeit­punkt der Fällig­keit mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses am 23.10.2009 an. Der Zeit­punkt des Wi­der­spruchs kann auch im Fal­le ei­nes Be­triebsüber­gangs aus Gründen der Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit nicht ent­schei­dend sein. Dies gilt auch im Fal­le ei­nes erst später - bei feh­ler­haf­ter/un­ter­blie­be­ner Un­ter­rich­tung nach § 613 a Abs. 5 BGB bis zur Gren­ze der Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts weit nachträglich zulässig - erklärten Wi­der­spruchs hier­ge­gen, der ex tunc wirkt und das Ar­beits­verhält­nis mit dem al­ten Ar­beit­ge­ber un­ter­bre­chungs­los fort­setzt. Auch in die­sem Fall ist der Fällig­keits­zeit­punkt von Ansprüchen grundsätz­lich ob­jek­tiv zu be­stim­men, oh­ne dass es - außer­halb et­wa im Rah­men von § 242 BGB zu berück­sich­ti­gen­der Be­son­der­hei­ten - hier­bei auf sub­jek­ti­ve Kri­te­ri­en an­kommt (vgl. BAG, U. v. 13.02.2003, 8 AZR 236/02 Rn. 36 nach Ju­ris; BAG, v. 12.12.2000, 9 AZR 1/00; Rn. 49 nach Ju­ris). An­dern­falls könn­te der An­spruchsgläubi­ger - Ar­beit­neh­mer - durch ei­nen letzt­lich be­lie­big gewähl­ten Zeit­punkt, zu dem er sei­nen Wi­der­spruch ge­gen den er­folg­ten Be­triebsüber­gang erklären will, Aus­schluss­fris­ten für evtl. Nach­zah­lungs­ansprüche ge­gen
den al­ten Be­triebs­in­ha­ber wil­lent­lich be­ein­flus­sen und ent­ge­gen de­ren grundsätz­li­chen Sinn und Zweck, als­bald Klar­heit über et­wai­ge (Rest-)For­de­run­gen zu schaf­fen, dies be­ein­flus­sen. Im Fall des Be­triebsüber­gangs und der Un­si­cher­heit des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers, ob er ei­nen Wi­der­spruch i. S. d. § 613 a Abs. 6 BGB erklären will, ist die­ser bei An­wend­bar­keit von Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lun­gen ge­hal­ten, dann mögli­che Ent­gelt­ansprüche zur zunächst pro­phy­lak­ti­schen Wah­rung der Aus­schluss­fris­ten auch ge­gen den "al­ten" Ar­beit­ge­ber gel­tend zu ma­chen (LAG München v. 19.07.2010 – 4 Sa 311/10 – Rn. 34 nach Ju­ris). Dies er­gibt sich auch aus der ex-tunc-Wir­kung des Wi­der­spruchs. Dies gilt erst für recht für den vor­lie­gen­den Fall, wo der Kläger selbst bis zu dem Schrei­ben vom 23.12.2009 nicht von ei­nem Be­triebsüber­gang aus­ge­gan­gen sein will und die­sem un­verzüglich wi­der­spro­chen hat. Auf­grund des mögli­cher­wei­se vor­lie­gen­den Be­triebsüber­gangs war der Kläger da­mit zu kei­nem Zeit­punkt an der recht­zei­ti­gen Gel­tend­ma­chung ge­hin­dert, so dass ins­be­son­de­re auch kein Fall des § 242 BGB vor­liegt, nach dem die Be­ru­fung auf die Aus­schluss­frist treu­wid­rig ist, wenn der Schuld­ner durch sein Ver­hal­ten den Gläubi­ger von der Wah­rung der Aus­schluss­frist ab­ge­hal­ten hat (BAG, v. 12.12.2000, 9 AZR 1/00; Rn. 53 nach Ju­ris). In­so­weit kommt es nicht dar­auf an, dass den Kläger das Ab­leh­nungs­schrei­ben vom 15.12.2009 mit dem Hin­weis auf den Be­triebsüber­gang erst am 23.12.2009 er­reich­te, da es hier­auf für die 2. Stu­fe der Aus­schluss­frist nicht an­kam.
bb. Mit dem Schrei­ben vom 30.11.2010 liegt auch ei­ne wirk­sa­me Gel­tend­ma­chung im Sin­ne der ta­rif­ver­trag­li­chen Vor­schrift vor. Der Kläger kann sich nicht dar­auf be­ru­fen, erst­mals am 23.12.2009 den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch wirk­sam gel­tend ge­macht zu ha­ben, weil der An­spruch hier erst­mals be­zif­fert wor­den ist. Die ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten ha­ben den Sinn, möglichst zeit­nah das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen von Ansprüchen bei­der Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges fest­zu­stel­len. Der An­spruchs­geg­ner soll sich auf die aus Sicht des An­spruch­stel­lers noch of­fe­ne For­de­rung ein­stel­len. Wird ei­ne schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ge­for­dert, ist in dem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben ei­ne Be­zif­fe­rung der For­de­rung nicht er­for­der­lich, wenn dem Schuld­ner die Höhe der ge­gen ihn gel­tend ge­mach­ten For­de­rung be­kannt oder die­se oh­ne wei­te­res er­re­chen­bar ist und die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung er­kenn­bar da­von aus­geht. Dies ist be­son­ders bei Lohn- oder Lohn­fort­zah­lungs­ansprüchen re­gelmäßig der Fall. Hier ist der Ar­beit­ge­ber auf Grund sei­ner be­son­de­ren Sach­kennt­nis zur ge­nau­en Be­zif­fe­rung re­gelmäßig eher in der La­ge als der Ar­beit­neh­mer (BAG v. 26.02.2003¬5 AZR 223/03 – Rn. 30 nach Ju­ris). Glei­ches gilt für die Ur­laubs­ab­gel­tung, die sich an­hand der Vergütungs­ansprüche er­rech­net. In dem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben ist zu­dem der Zeit­raum, für den der Ur­laub ab­zu­gel­ten ist mit der Dau­er der Krank­heit des Klägers an­ge­ge­ben. Auch ist der Kläger er­kenn­bar da­von aus­ge­gan­gen, dass die For­de­rung be­kannt bzw. oh­ne wei­te­res er­re­chen­bar war, denn er hat die Be­klag­te zur Ab­rech­nung und Aus­zah­lung auf­ge­for­dert.
Vor die­sem Hin­ter­grund kommt es nicht dar­auf an, ob sich der Kläger über­haupt auf die Un­wirk­sam­keit der Gel­tend­ma­chung we­gen feh­len­der Spe­zi­fi­zie­rung be­ru­fen kann, da die­se An­for­de­run­gen er­kenn­bar dem Schutz des An­spruchs­geg­ners die­nen, der sich auf die Höhe der For­de­rung ein­stel­len können soll (BAG v. 20.06. 2002 – 8 AZR 488/01 – Rn. 60 nach Ju­ris).
cc. Es kommt schließlich nicht dar­auf an, ob in dem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 15.12.2009 ei­ne Ab­leh­nung im Sin­ne des § 22 RTV zu se­hen ist, da es hier­auf nicht an­kam. Die Frist zur Kla­ge­er­he­bung be­gann im vor­lie­gen­den Fall 14 Ta­ge nach der Gel­tend­ma­chung, da bis da­hin kei­ne Ab­leh­nung er­folgt war.
Die Re­vi­si­on war wie in den oben an­geführ­ten zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung noch nicht rechts­kräftig ab­ge­schlos­se­nen Ver­fah­ren gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 09.08.2011 -9 AZR 352/10- hätte hier­zu
kei­ne Ver­an­las­sung mehr be­stan­den.
Ka­nitz
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References: § 7
 § 613
 § 22
 § 22
 § 22
 § 7
 § 22
 § 7
 § 13
 § 3
 § 7
 § 7
 EuGH 
 § 22
 § 613
 § 242
 § 613
 § 242
 § 22
 § 72