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Timestamp: 2020-07-10 03:43:35+00:00

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Beweiskraft tatbestandlicher Feststellungen | Rechtslupe
Beweiskraft tatbestandlicher Feststellungen
Beweis­kraft tat­be­stand­li­cher Fest­stel­lun­gen
In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist aner­kannt, dass dem Tat­be­stand kei­ne Beweis­kraft zukommt, wenn und soweit er Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten auf­weist [1].
Sol­che Män­gel müs­sen sich aller­dings aus dem Urteil selbst erge­ben [2].
Die­sem Erfor­der­nis ist genügt, wenn ein Wider­spruch zwi­schen den tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen und einem kon­kret in Bezug genom­me­nen schrift­sätz­li­chen Vor­brin­gen einer Par­tei besteht [3].
Las­sen sich die Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten dage­gen nur durch Rück­griff auf – gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO all­ge­mein in Bezug genom­me­ne – vor­be­rei­ten­de Schrift­sät­ze dar­stel­len, bleibt es bei der Beweis­wir­kung des § 314 ZPO und dem Grund­satz, dass der durch den Tat­be­stand des Urteils erbrach­te Beweis nur durch das Sit­zungs­pro­to­koll ent­kräf­tet wer­den kann [4].
Die Beweis­kraft der tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen wird auch nicht durch das Sit­zungs­pro­to­koll ent­kräf­tet. Unter Sit­zungs­pro­to­koll in die­sem Sin­ne ist nur das Pro­to­koll über die Ver­hand­lung zu ver­ste­hen, auf Grund derer das Urteil ergan­gen ist [5]; durch den wider­spre­chen­den Inhalt eines frü­he­ren Sit­zungs­pro­to­kolls wird die Beweis­kraft des Tat­be­stands nicht ent­kräf­tet [6].
Etwas ande­res kann nur dann gel­ten, wenn ein im Tat­be­stand auf­ge­führ­tes Vor­brin­gen aus­drück­lich einem bestimm­ten Ver­hand­lungs­ter­min zuge­ord­net wird und die­se Fest­stel­lung dem Pro­to­koll über die­se Sit­zung wider­spricht [7].
Eine etwai­ge Unrich­tig­keit tat­be­stand­li­cher Dar­stel­lun­gen im Beru­fungs­ur­teil kann nur im Berich­ti­gungs­ver­fah­ren nach § 320 ZPO beho­ben wer­den. Eine Ver­fah­rens­rüge nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO kommt zur Rich­tig­stel­lung eines der­ar­ti­gen Man­gels nicht in Betracht [8].
vgl. BGH, Urtei­le vom 02.02.1999 – VI ZR 25/​98, BGHZ 140, 335, 339; vom 12.05.2015 – VI ZR 102/​14, z.V.b.; BGH, Urtei­le vom 08.11.2007 – I ZR 99/​05, NJW-RR 2008, 1566, 1567; vom 22.06.2011 – IV ZR 225/​10, BGHZ 190, 120 Rn. 7; vom 15.07.2011 – V ZR 277/​10, VersR 2012, 1265 Rn. 12; Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 314 Rn. 5; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 30. Aufl., § 314 Rn. 6[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.05.2015 – VI ZR 102/​14; Zöller/​Vollkommer, aaO, § 314 Rn. 6; Prütting/​Gehrlein/​Thole, aaO, Rn. 9; Hk-ZPO/­Sa­en­ger, 6. Aufl., § 314 Rn. 11[↩]
TatbestandUrteilZivilprozess

References: § 313
 § 314
 § 320
 § 551
 § 314
 § 314
 § 314
 § 314