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Das Demokratie-Verständnis der Verfassung mit besonderem Blick auf Fragen der Technikgestaltung - PDF
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1 Das Demokratie-Verständnis der Verfassung mit besonderem Blick auf Fragen der Technikgestaltung Alexander Roßnagel Technikgestaltung demokratisieren!? Workshop Partizipatives Privacy by Design Wissenschaftliches Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung der Universität Kassel Kassel, 6. Oktober 2016
2 Letzte normative Grundlage Demokratie als Grundlage der Verfassung Verfassungsgebende Gewalt des Volkes: Demokratie erzeugt Verfassung als Grundlage der gesamten Rechtsordnung und letzte Begründung für Geltung von Recht Demokratie als Konstituens des Staates Selbstbestimmung als Grundlage der Konstituierung eines Staates und der Begründung von Staatsgewalt Gehorsamspflicht durch Selbstbindung Konsens in westlichen Gesellschaften Seit den großen Revolutionen ist demokratische Selbstbestimmung die einzige Legitimation für Staat und Recht
3 Verfassung der Demokratie Verfassung als Grundlage der Demokratie Art. 20 I GG: Staatsfundamentalnorm: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Repräsentative Demokratie Art. 20 II GG: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. Grundrechtsbindung und Staatsidentität Art. 20 III und 79 III GG: Begrenzung demokratischen Selbstbestimmung durch Grundrechte und Identität der Bundesrepublik Widerstandsrecht Art. 20 IV: Recht zum Widerstand gegen Beseitigung dieser Ordnung
4 Demokratie als Form der Rechtssetzung Demokratie als Grundlage staatlichen Handelns Konstituierung von Organen (personelle Legitimität) Erhebung und Ausgabe von Steuern Erlass verbindlicher Regeln (sachliche Legitimität) Rechtssetzung Art. 20 III GG: Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. Gesetzgeber Bundestag und Bundesrat aufgrund ihrer demokratischen Wahl Mehrheitsprinzip: Geltungsgrund: Selbstbindung der Mehrheit des Volkes
5 Direkte und indirekte Demokratie Direkte Demokratie Art. 29 II 1 GG: Maßnahmen zur Neugliederung des Bundesgebietes ergehen durch Bundesgesetz, das der Bestätigung durch Volksentscheid bedarf. Demokratisches Defizit von Entscheidungen der Exekutive Demokratische Legitimation fraglich, wenn sehr lange Kette der personellen Legitimation geringe sachliche Legitimation durch Ausfüllungsbedürftige Vorgaben (unbestimmte Rechtsbegriffe, Ermessen) für lebenswichtige Entscheidungen Indirekte Demokratie durch Öffentlichkeitsbeteiligung Möglichkeiten der Information und der Stellungnahme, Petitionen, Öffentlichkeit Einflussnahme auf Gesetzgeber und Exekutive durch lebendige Demokratie
6 Verfassung als Orientierung Normative Grundlage des Zusammenlebens Rechte von Individuen und von Gruppen Ausgleich widerstreitender Rechte Berücksichtigung des Allgemeininteresses Verfassung als Zielsystem Verfassung enthält Ziele der gesellschaftlichen Ordnung und Entwicklung, die das Handeln der Gesellschaft steuern sollen. Konsens über Ziele Im Gegensatz zu politischen und moralischen Zielen besteht ein Konsens über die Ziele der Verfassung. Diese sind daher verbindlich und durch gesellschaftliches Handeln durchzusetzen
7 Technikfolgen Technik verändert das gesellschaftliche Zusammenleben Durchsetzung von Interessen und Veränderung von Strukturen Beeinflussung des Handelns anderer (Macht) Einfluss auf Allgemeininteressen und ihre Durchsetzungschancen Wirkung der Technik Technik verändert die Verwirklichungsbedingungen rechtlicher Ziele und beeinflusst den Inhalt von Gesetzen stärker als der Gesetzgeber Legitimation? Ohne demokratische Legitimation und Berücksichtigung von Allgemeininteressen Verfolgung individueller ökonomischer Interessen, Pfadabhängigkeiten Marktentscheidungen, ohne Bewusstsein der gesellschaftlichen Folgen
8 Technikregulierung Aufgaben von Demokratie und Recht Demokratische Selbstbestimmung der gesellschaftlichen Entwicklung Schutz der Grundrechte Schutz von Demokratie, Rechts- und Sozialstaat Rahmensetzung der Technikentwicklung Wenn Technik die Entwicklung der Gesellschaft beeinflusst, müssen Demokratie und Recht die Technikentwicklung beeinflussen Chancen und Risiken erkennen (Technikfolgenanalyse) Relevante Technikfunktionen erkennen und Vorgaben setzen (beschränkte Technikneutralität) Einfluss auf Technikgestaltung Anreize für verfassungsverträgliche Technikgestaltung
9 Verfassungsverträgliche Technikgestaltung Technik an den Zielen der Verfassung orientieren Kollektive Selbstbestimmung ermöglichen Verwirklichungsbedingungen von Grundrechten verbessern Durchsetzung von Allgemeininteressen stärken Sozial- und Rechtsstaat gewährleisten Demokratische Entscheidungen ermöglichen Rechtstexte Methode (KORA) Vierstufiger Prozess der Konkretisierung abstrakter rechtlicher Vorgaben rechtliche Anforderungen für Anwendungsbereich rechtliche Kriterien für Technikunterstützung technische Gestaltungsziele für Technikfunktionen technische Gestaltungsvorschläge für angewendete Technik in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Juristen und Informatikern Rechtliche Anforderungen Rechtliche Kriterien Technische Ziele Technische Gestaltungsvorschläge
10 Partizipative Technikgestaltung Dynamische Entwicklung mit immer neuen Herausforderungen Partizipation Öffentlichkeitsbeteiligung Repräsentative Vertretung von Interessen (Beiratsmodell) Anwendungsbereich Technik im öffentlichen Interesse Technik mit Auswirkungen auf öffentliche Interessen Legitimation aus Demokratie Konkretisierung verfassungsrechtlicher Ziele (verfasst) Konkretisierung des Allgemeininteresses (nicht verfasst) Technikfolgenabschätzung (Chancen und Risiken für verfassungsrechtliche Ziele und Allgemeininteresse)
Für die Kinder-Uni gibt es blaue und rote Ausweise. Wenn ihr auf einem Ausweis alle vier Stempel habt, bekommt ihr am Ende ein Diplom.
Kemptener Kinder-Uni am 27.4.2006 Warum nicht jeder alles darf Alles, was Recht ist! Prof. Dr. Claus Loos, Fachhochschule Kempten Übersicht: 1. Warum brauchen wir Gesetze? 2. Wer macht sie? 3. Warum halten
Bestimmung der Rechtsform einer Bundesfernstraßengesellschaft
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References: Art. 20
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