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Timestamp: 2020-07-07 10:01:36+00:00

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Altersvorsorgezulage - und die alleinige Zuständigkeit des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg | Rechtslupe
Altersvorsorgezulage - und die alleinige Zuständigkeit des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg
Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge – und die allei­ni­ge Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg
Die allei­ni­ge erst­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg für Fra­gen der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge ver­letzt nicht den Anspruch des Zula­ge­be­rech­tig­ten auf effek­ti­ven Rechts­schutz.
Das Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ist das für Strei­tig­kei­ten wegen der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge zustän­di­ge Finanz­ge­richt.
Die sach­li­che Zustän­dig­keit der Finanz­ge­richts­bar­keit folgt aus § 33 Abs. 1 Nr. 4 FGO i.V.m. § 98 EStG, wonach für die öffent­lich-recht­li­chen Strei­tig­kei­ten über die auf Grund des Abschn. – XI des EStG erge­hen­den Ver­wal­tungs­ak­te der Finanz­rechts­weg gege­ben ist.
Die ört­li­che Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ergibt sich aus § 38 Abs. 1 FGO.
Nach die­ser Vor­schrift ist das Finanz­ge­richt zustän­dig, in des­sen Bezirk die Behör­de, gegen wel­che die Kla­ge gerich­tet ist, ihren Sitz hat. Die Kla­ge rich­tet sich gegen die Beschei­de und die Ein­spruchs­ent­schei­dung der ZfA. Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund ist die mit dem Zula­ge­ver­fah­ren beauf­trag­te "zen­tra­le Stel­le" i.S. des § 81 EStG und damit eine Finanz­be­hör­de gemäß § 6 Abs. 2 Nr. 7 der Abga­ben­ord­nung in der im Streit­jahr gül­ti­gen Fas­sung (AO), so dass sie und nicht das die Fach­auf­sicht gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 18 Satz 3 des Finanz­ver­wal­tungs­ge­set­zes (FVG) aus­üben­de BZSt die für die Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt ent­schei­den­de Behör­de ist [1]. Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund hat für die Ver­wal­tung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge in Bran­den­burg an der Havel eine Dienst­stel­le, die ZfA, errich­tet, die die ange­foch­te­nen Beschei­de erlas­sen hat. Ihren Behör­den­sitz hat die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund in Ber­lin. Da die Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg sowohl Ber­lin als auch Bran­den­burg umfasst (sie­he Art. 1 Abs. 1 Nr. 3 des Staats­ver­tra­ges über die Errich­tung gemein­sa­mer Fach­ober­ge­rich­te der Län­der Ber­lin und Bran­den­burg [2]), kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob im Streit­fall auf den Sitz der Dienst­stel­le oder den Behör­den­sitz abzu­stel­len ist [3].
Zwei­fel an der ört­li­chen Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg auf­grund von § 38 Abs. 1 FGO teilt der Bun­des­fi­nanz­hof nicht. Ins­be­son­de­re kommt eine Zustän­dig­keit des für sei­nen Wohn­sitz Kre­feld zustän­di­gen Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf gemäß § 38 Abs. 2 FGO nicht in Betracht. Weder das BZSt noch die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund sind ‑wie von § 38 Abs. 2 FGO gefor­dert- obers­te Finanz­be­hör­den. Die­se sind nur die in § 1 Nr. 1, § 2 Abs. 1 Nr. 1 FVG und § 6 Abs. 2 Nr. 1 AO genann­ten Finanz­be­hör­den [4].
Auf eine aus­drück­li­che Zustän­dig­keits­re­ge­lung, wie sie in § 38 Abs. 2a FGO für Ange­le­gen­hei­ten des Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleichs ‑bis zum 1.05.2016 befris­tet- geschaf­fen wur­de [5], hat der Gesetz­ge­ber für die Alters­vor­sor­ge­zu­la­gen­ver­fah­ren ver­zich­tet. Gera­de die spe­zi­el­le Zustän­dig­keits­zu­wei­sung des § 38 Abs. 2a FGO zeigt, dass dem Klä­ger in sei­ner Argu­men­ta­ti­on nicht gefolgt wer­den kann, eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 38 Abs. 2 FGO sei im Streit­fall des­halb nicht mög­lich, weil bei der Zuwei­sung der ört­li­chen Zustän­dig­keit in § 38 FGO die Kon­stel­la­ti­on der Aus­glie­de­rung von Kom­pe­ten­zen im Wege der Organ­lei­he nicht gese­hen wor­den sei. § 38 Abs. 2a FGO nor­miert einen Fall der Organ­lei­he.
Damit bleibt im Streit­fall die Grund­re­gel des § 38 Abs. 1 FGO mit der Fol­ge anwend­bar, dass die allei­ni­ge Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg für Strei­tig­kei­ten in Bezug auf die Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge gege­ben ist.
Es ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten, die in § 38 Abs. 1 FGO ent­hal­te­ne Grund­re­gel der Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt des Behör­den­sit­zes über die ‑dem Aspekt des orts­na­hen Rechts­schut­zes nur in Bezug auf die obers­ten Finanz­be­hör­den Rech­nung tra­gen­de- Aus­nah­me­re­ge­lung in § 38 Abs. 2 FGO hin­aus ein­zu­schrän­ken und neben der befris­te­ten Spe­zi­al­zu­wei­sung für Ange­le­gen­hei­ten des Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleichs eine wei­te­re beson­de­re Zuwei­sung für die Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge zu schaf­fen.
Der Rechts­weg, den Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG für (behaup­te­te) Rechts­ver­let­zun­gen durch die öffent­li­che Gewalt gewähr­leis­tet, bedarf der nor­ma­ti­ven Aus­ge­stal­tung. Dem Gesetz­ge­ber kommt dabei nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) eine wei­te Gestal­tungs­frei­heit zu. Ins­be­son­de­re gebührt ihm der Vor­rang, zwi­schen Erfor­der­nis­sen der Rechts­si­cher­heit und mög­li­chen Ein­bu­ßen an Chan­cen, mate­ria­le Gerech­tig­keit im Ein­zel­fall her­zu­stel­len, abzu­wä­gen. Die Aus­ge­stal­tung des Rechts­wegs muss dabei dem Schutz­zweck des Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG Genü­ge tun: Sie muss das Ziel die­ser Gewähr­leis­tung ‑den wir­kungs­vol­len Rechts­schutz- ver­fol­gen; sie muss hier­für zweck­ge­rich­tet, geeig­net und ange­mes­sen sowie für den Recht­su­chen­den zumut­bar sein, ins­be­son­de­re nicht unan­ge­mes­sen hohe ver­fah­rens­recht­li­che Hin­der­nis­se für den Zugang zum Gericht auf­stel­len [6].
Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die Auf­ga­be der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund zu über­tra­gen und damit als Kon­se­quenz die allei­ni­ge erst­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg zu begrün­den, nicht unver­hält­nis­mä­ßig. Die Zen­tra­li­sie­rung der Auf­ga­ben auf eine Bun­des­be­hör­de beruh­te auf einer aus­drück­li­chen For­de­rung des Bun­des­ra­tes im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren. Die­ser hat­te den ursprüng­li­chen Vor­schlag der Bun­des­re­gie­rung, den Voll­zug der Zula­gen­ge­wäh­rung den Finanz­äm­tern zu über­tra­gen, u.a. wegen der damit ver­bun­de­nen Per­so­nal­kos­ten abge­lehnt [7]. Die­sem Anlie­gen hat der Gesetz­ge­ber auf Vor­schlag des Ver­mitt­lungs­aus­schus­ses [8] Rech­nung getra­gen, indem er in § 81 EStG als zen­tra­le Stel­le die Bun­des­ver­si­che­rungs­an­stalt für Ange­stell­te (jetzt Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund) bestimm­te. Die zen­tra­li­sier­te Auf­ga­ben­er­fül­lung mit allen damit auch für den Rechts­schutz ver­bun­de­nen Kon­se­quen­zen war infol­ge­des­sen das Resul­tat eines poli­ti­schen Wil­lens­bil­dungs­pro­zes­ses und der Abwä­gung der unter­schied­li­chen Inter­es­sen durch die Gesetz­ge­bungs­or­ga­ne, die kei­ne Not­wen­dig­keit sahen, die Grund­re­gel des § 38 Abs. 1 FGO, die im Übri­gen auch für ande­re zen­tra­li­sier­te Auf­ga­ben u.a. des BZSt gilt, unter dem Aspekt des orts­na­hen Rechts­schut­zes zu durch­bre­chen.
Ob und inwie­weit eine ande­re Zustän­dig­keits­re­ge­lung für die Ver­fah­ren der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge wün­schens­wert wäre, ist eine rechts­po­li­ti­sche Fra­ge, die der Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu beant­wor­ten hat.
Dem Beden­ken des Klä­gers, einem effek­ti­ven Rechts­schutz wäre eher gedient, wenn meh­re­re Finanz­ge­richt für die Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge zustän­dig wären, kann im Übri­gen ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass sich die ande­ren Finanz­ge­richt im Rah­men der Ver­fah­ren wegen des zusätz­li­chen Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs gemäß § 10a EStG eben­falls mit oft deckungs­glei­chen Fra­ge­stel­lun­gen zu befas­sen haben, so dass inso­weit die vom Klä­ger gewünsch­te Plu­ra­li­tät der rich­ter­li­chen Ent­schei­dungs­fin­dung auch bei der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge in einem hin­rei­chen­den Maße gege­ben ist.
In Bezug auf die geo­gra­phi­sche Lage des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in Cott­bus, die es vie­len Steu­er­pflich­ti­gen ‑wie der Klä­ger anmerkt- erschwert, an der münd­li­chen Ver­hand­lung teil­zu­neh­men, ver­weist der Bun­des­fi­nanz­hof auf § 91a FGO, wonach die Mög­lich­keit einer münd­li­chen Ver­hand­lung unter Ein­be­zie­hung einer Video­kon­fe­renz besteht.
so auch Schmies­zek in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 5 FVG Rz 146; Seer in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 5 FVG Rz 17; von Wedel­städt in Beermann/​Gosch, FVG § 5 Rz 24.8; Myßen/​Obermair, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 98 Rz B 11[↩]
vom 26.04.2004, GVBl. Ber­lin 2004, 380[↩]
den Behör­den­sitz zugrun­de legend FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 13.06.2007 – 7 K 5216/​05 B, EFG 2007, 1690; eben­so Myßen/​Obermair, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 98 Rz B 11; unklar Kil­lat-Rist­haus in Herrmann/​Heuer/​Raupach HHR, § 98 EStG Rz 2: Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Bran­den­burg[↩]
so auch BFH, Beschluss vom 25.03.1993 – I S 4/​93, BFH/​NV 1993, 676, unter II. 3.b[↩]
vgl. zu den Hin­ter­grün­den Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 38 FGO Rz 4[↩]
so Beschluss des BVerfG vom 20.04.1982 2 BvL 26/​81, BVerfGE 60, 253, unter C.I. 2.b[↩]
sie­he die Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes zum Alters­ver­mö­gens­ge­setz, BT-Drs. 14/​5068, Anla­ge 2 Rz 5[↩]
sie­he BT-Drs. 14/​5970, 5[↩]

References: § 33
 § 98
 § 38
 § 81
 § 6
 § 5
 Art. 1
 § 38
 § 38
 § 38
 § 1
 § 2
 § 6
 § 38
 § 38
 § 38
 § 38
 § 38
 § 38
 § 38
 § 38
 Art.19
 Art.19
 § 81
 § 38
 § 10
 § 91
 § 5
 § 5
 § 5
 § 98
 § 98
 § 98
 § 38