Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=StV%202001,%20691
Timestamp: 2018-01-24 03:48:12+00:00

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BVerfG, 20.09.2001 - 2 BvR 1144/01 - dejure.org
Verletzung von GG Art 2 Abs 2 S 2 iVm Art 104 Abs 1 S 1 durch Haftfortdauerbeschluss trotz nicht ordnungsgemäß verkündetem Haftbefehl
Verfassungsbeschwerde - Untersuchungshaft - Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft - Haftprüfung - Beschleunigungsgrundsatz - Haftbefehl
StPO § 121, § 122, § 201, § 115, § 115 Abs. 2, § 115 Abs. 3; GG Art. 103 Abs. 1, Art. 2 Abs. 2 Satz 2, Art. 104 Abs. 1 Satz 1
StPO §§ 115 121
AG Mönchengladbach, 14.12.2000 - 6 Gs 1932/00
AG Mönchengladbach, 21.05.2001 - 13 Ls/16 Js 1372/00
OLG Düsseldorf, 21.06.2001 - 2 Ws 156/01
AG Mönchengladbach, 11.07.2001 - 13 Ls/16 Js 1372/00
LG Mönchengladbach, 18.07.2001 - 12 Qs 220/01
OLG Düsseldorf, 19.07.2001 - 2 Ws 179/01
AG Mönchengladbach, 20.07.2001 - 13 Ls/16 Js 1372/00
NStZ 2002, 157
StV 2001, 691
Das Bundesverfassungsgericht hat bereits bejaht (Beschlüsse der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 30. September 1999 - 2 BvR 1775/99 -, StV 2000, S. 322 und der 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 20. September 2001 - 2 BvR 1144/01 -, StV 2001, S. 691 ), dass eine materiell-rechtliche und damit auch eine verfassungsrechtlich selbständige Überprüfung früherer Haftentscheidungen möglich und geboten ist, auch wenn spätere Haftentscheidungen vorliegen oder durch diese späteren Haftentscheidungen Verfahrens- und Verfassungsverstöße für die Zukunft beseitigt wurden.
Fehlt es an einer ordnungsgemäßen Verkündung des erweiterten Haftbefehls gemäß § 115 StPO, so darf er in einem Haftfortdauerbeschluss gemäß §§ 121, 122 StPO nicht berücksichtigt werden (BVerfG, Beschluss vom 20. September 2001 - 2 BvR 1144/01, NStZ 2002, 157, 158 mwN;… KK/Schultheis, StPO, 7. Aufl., § 121 Rn. 4, 25;… MeyerGoßner/Schmitt, StPO, 59. Aufl., § 115 Rn. 11;… MüKoStPO/Böhm, § 121 Rn. 11).
Insoweit ist auch zu beachten, dass - auch nachdem sich die Verdachtslage hinsichtlich einer mitgliedschaftlichen Betätigung im "ISIG" so verdichtet hatte, dass das Landgericht Frankfurt am Main von einem dringenden Tatverdacht ausgegangen war (Beschluss vom 15 16. Februar 2016) und die Sache noch am selben Tage dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main zur Entscheidung über die Übernahme vorgelegt hatte (Bd. VII, Bl. 1626 ff.) - keine Gelegenheit ergriffen wurde, den Haftbefehl vom 24. Februar 2015 der geänderten Erkenntnislage anzupassen und dem Angeklagten gemäß § 115 StPO zu verkünden (vgl. zur diesbezüglichen Schutzfunktion der Verkündung BVerfG, Beschluss vom 20. September 2001 - 2 BvR 1144/01, NStZ 2002, 157, 158;… KK/Graf, StPO, 7. Aufl., § 115 Rn. 1a;… MüKoStPO/Böhm/Werner, § 115 Rn. 3).
Wenngleich die Vorschrift des § 115 StPO ihrem Wortlaut nach nur auf den gerade erst ergriffenen und nicht auf den schon in Untersuchungshaft befindlichen Beschuldigten anwendbar ist, besteht weitgehend Einigkeit, dass § 115 StPO auf den erweiterten Haftbefehl entsprechend Anwendung findet ( BVerfG, NStZ 2002, S. 157; Senatsbeschl. v. 05.02.2009 - 3 Ws 39/09; Thüringer Oberlandesgericht, Beschl. v. 27.06.2008.
Bei dem erweiterten Haftbefehl handelt es sich in der Sache - jedenfalls im Umfang der Erweiterung - um einen neuen Haftbefehl, zu dem sich der Beschuldigte gegenüber dem für die Vernehmung nach § 115 StPO zuständigen Richter äußern können muss (BVerfG, NStZ 2002, S. 157).
Verstöße gegen die durch Art. 5 Abs. 1 Satz 2 LV gewährleisteten Voraussetzungen und Formen freiheitsbeschränkender Gesetze stellen daher stets auch eine Verletzung der Freiheit der Person dar (vgl. BVerfGE 58, 208 [220]; BVerfG [1. Kammer des 2. Senats], NStZ 2002, 157 [158]).
Wenngleich die Vorschrift des § 115 StPO ihrem Wortlaut nach nur auf den gerade erst ergriffenen und nicht auf den schon in Untersuchungshaft befindlichen Beschuldigten anwendbar ist, besteht weitgehend Einigkeit, dass § 115 StPO auf den erweiterten bzw. abgeänderten Haftbefehl entsprechend Anwendung findet ( BVerfG, NStZ 2002, S. 157; Senatsbeschl. v. 05.02.2009 - 3 Ws 39/09; Thüringer Oberlandesgericht, Beschl. v. 27.06.2008 - 1 Ws 240/08;… OLG Braunschweig, Beschl. v. 23.01.2007 - HEs 9 - 11/06;… OLG Stuttgart, NStZ 2006, S. 588;… OLG Hamburg, NStZ-RR 2003, S. 346;… OLG Hamm, NStZ-RR 1998, S. 277).
c) Der Haftbefehl vom 28. November 2014 genügte den inhaltlichen Anforderungen des § 114 Abs. 2 StPO und konnte nach dessen ordnungsgemäßer Verkündung (zum zwingenden Erfordernis derselben mit Blick auf Art. 104 Abs. 1 GG: BVerfG StV 2001, 691 m.w.N.) Grundlage für die ihn aufrechterhaltenden und erweiternden Haftfortdauerentscheidungen vom 22. Januar 2015, 15. Juni 2015 und vom 20. Januar 2016 sein.
OLG Oldenburg, 21.04.2006 - 1 Ws 233/06
Aufnahme eines Haftbefehls in das Hauptverhandlungsprotokoll: Aufhebung bei …
Art. 104 Abs. 1 GG verstärkt den in Art. 2 Abs. 2 Satz 3 GG enthaltenen Gesetzesvorbehalt, indem er neben der Forderung nach einem "förmlichen" freiheitsbeschränkenden Gesetz die Pflicht, dessen Formvorschriften zu beachten, zum Verfassungsgebot erhebt." (BVerfG NStZ 2002, 157).
Er ist zudem dem Angeklagten auch nicht verkündet worden, was für eine wirksame Haftanordnung bei der Inhaftnahme unerlässlich gewesen wäre, vgl. BVerfG NStZ 2002, 157.
Verstöße gegen die durch Art. 104 GG gewährleisteten Voraussetzungen und Formen freiheitsbeschränkender Gesetze stellen daher stets auch eine Verletzung der Freiheit der Person dar (BVerfGE 58, 208, 220, BVerfG StV 2001, 691, BVerfG BvR 2292/00 vom 16.7.2002), woraus zu folgern ist, dass es sich bei der Vorschrift des § 118 Abs. 5 StPO nicht nur um eine bloße Ordnungsvorschrift handelt.
Verstöße gegen die durch Art. 104 GG gewährleisteten Voraussetzungen und Formen freiheitsbeschränkender Gesetze stellen daher stets auch eine Verletzung der Freiheit der Person dar (vgl. BVerfG, StV 2001, 691 ff, 692 zur Rechtswidrigkeit der Freiheitsentziehung bei einem nicht ordnungsgemäß verkündeten Haftbefehl und zur fehlenden Berücksichtigungsfähigkeit eines nicht ordnungsgemäß verkündeten Haftbefehls für den Haftfortdauerbeschluss).
Verfassungsmäßigkeit der Haftfortdauer trotz Missachtung der Höchstfrist des § …
OLG Köln, 22.12.2003 - 2 Ws 684/03
Haftprüfung, Antrag, fehlendes Verhandlungskonzept
OLG Koblenz, 06.03.2003 - 4420 BL III 13/03
Ordnungsgemäße Verkündung eines erweiterten Haftbefehls; Haftprüfung
OLG Köln, 02.04.2002 - HEs 41/02
Haftbefehl, Verkündung
OLG Koblenz, 06.03.2003 - 4420 BL -III- 13/03
Haftprüfung, neuer Haftbefehl, Eröffnung, Verkündung
OLG Stuttgart, 14.07.2005 - 4 HEs 59/05
Untersuchungshaft: Sechsmonats-Prüfung bei nicht ordnungsgemäß verkündeter …
VerfGH Sachsen, 17.07.2014 - 40-IV-14
OLG Köln, 04.02.2003 - HEs 7/03
Haftbefehl; Verkündung

References: § 121
 § 122
 § 201
 § 115
 § 115
 § 115
 Art. 103
 Art. 2
 Art. 104
 § 115
 § 121
 § 115
 § 121
 § 115
 § 115
 § 115
 § 115
 § 115
 § 115
 Art. 5
 § 115
 § 115
 § 114
 Art. 104

Art. 104
 Art. 2
 Art. 104
 § 118
 Art. 104