Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=6%20S%20947/12
Timestamp: 2019-10-19 11:18:29+00:00

Document:
Rechtsprechung: 6 S 947/12 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: VGH Baden-Württemberg, 11.09.2012
https://dejure.org/2012,28072
VGH Baden-Württemberg, 11.09.2012 - 6 S 947/12 (https://dejure.org/2012,28072)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 11.09.2012 - 6 S 947/12 (https://dejure.org/2012,28072)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 11. September 2012 - 6 S 947/12 (https://dejure.org/2012,28072)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2012,28072) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§ 18 GastG, § 9 GastV BW, § 11 GastV BW, § 1 GastG BW 2009, § 47 VwGO, TA Lärm
GastVO § 9
Beiden Tatbestandsmerkmalen ist gemeinsam, dass das Gemeinwohl jeweils einer Sperrzeitverkürzung, -verlängerung sowie -aufhebung nicht entgegenstehen darf (VGH Baden-Württemberg, Urteile vom 06.03.2018 a.a.O., vom 11.09.2012 - 6 S 947/12 - und vom 20.07.2000 - 14 S 237/99 -, jeweils juris).
Im Immissionsschutzrecht ist allgemein anerkannt, dass es für die Frage des zumutbaren Maßes von Geräuscheinwirkungen auf das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen und nicht auf die individuelle Einstellung eines besonders empfindlichen Dritten ankommt (vgl. BVerwG…, Urteil vom 7. Mai 1996 - 1 C 10.95 -, BVerwGE 101, 157 und juris, Rn. 28; VGH BW, Urteil vom 11. September 2012 - 6 S 947/12 -, juris, Rn. 25).
Es erscheint dem Senat durchaus zweifelhaft, bedarf hier allerdings keiner abschließenden Klärung, ob sich die Antragsgegnerin in formeller Hinsicht mit der Erteilung von gewissermaßen "kettenbefristeten" Sperrzeitverkürzungen bzw. -aufhebungen an eine Vielzahl wechselnder Gastronomen in dem hier betroffenen Ausgehbezirk über den Zeitraum mehrerer Jahrzehnte noch in (auch kommunalrechtlich) zulässiger Weise der Handlungsform der Ausnahmeerteilung durch Verwaltungsakt nach § 12 Satz 1 GastVO bedienen durfte, oder ob die hiermit faktisch erfolgte weitgehende Freigabe der Sperrstunde in dem genannten Bezirk nicht vielmehr - zu gegebener Zeit - den Erlass einer allgemeinen Sperrzeitverordnung nach § 11 GastVO bedingt hätte (und damit zugleich einen Beschluss des Gemeinderats, vgl. § 1 Abs. 5 GastVO i.V.m. § 44 Abs. 3 Satz 1, 2. Hs. GemO sowie die Urteile des Senats vom 11.09.2012 - 6 S 947/12 -, juris und vom 20.07.2000 - 14 S 237/99 -, NVwZ-RR 2001, 462 ).
Zum einen liegen auch hinsichtlich des angenommenen Beitrags der Gaststätte der Antragsteller zu der angenommenen unzumutbaren Gesamtlärmbelastung weder aktuelle Lärmmessungen noch sonst hinreichend belastbare Erkenntnisse der Antragsgegnerin zu der angenommen Häufung von lärmrelevanten Vorfällen vor (vgl. zum Erfordernis hinreichend belastbarer Feststellungen dafür, dass die für einen bestimmten Bereich bestehende oder zu erwartende Gesamtlärmbelastung den nach der TA-Lärm zulässigen Rahmen überschreitet, insbesondere das Urteil des Senats vom 11.09.2012 - 6 S 947/12 -, juris ).
Ferner sind bei der Frage der Zumutbarkeit der Lärmeinwirkung auch wertende Gesichtspunkte, wie die Herkömmlichkeit, die soziale Adäquanz und die allgemeine Akzeptanz, als Kriterien heranzuziehen (VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 11. September 2012 - 6 S 947/12 -, juris m.w.N.).
1. bei bestehenden Anlagen in der Regel eine Bestimmung der Geräuschimmissionen durch Messung vorschreibt, ergibt sich für die TA Lärm, die in Nr. 6.8 für die Ermittlung der Geräuschimmissionen auf den Anhang verweist, dass sie eine Ermittlung nicht nur durch Messung (Abschnitt A 3) sondern auch durch Prognose zulässt (Abschnitt A 2; vgl. OVG Berlin-Brandenburg, B. v. 21.8.2009 GewArch 2010, 166; VGH Baden-Württemberg, U. v. 11.9.2012 - 6 S 947/12 - juris).
Die Antragsbefugnis fehlt deshalb nur dann, wenn unter Zugrundelegung des Antragsvorbringens Rechte der Antragsteller offenkundig und eindeutig nach keiner Betrachtungsweise verletzt werden (BVerwG…, Beschluss vom 08.06.2011 - 4 BN 42.10 - BauR 2011, 1641, juris Rn. 3;… Urteil vom 24.09.1998 - 4 CN 2.98 - BVerwGE 107, 215, juris Rn. 8;… VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 17.07.2012 - 10 S 406/10 - juris Rn. 24; Urteil vom 11.11.2012 - 6 S 947/12 - juris Rn. 16).
Beiden Tatbestandsmerkmalen gemeinsam ist, dass das Gemeinwohl jeweils einer Sperrzeitverlängerung bzw. -verkürzung nicht entgegenstehen darf (vgl. VGH BW vom 11.9.2012 Az. 6 S 947/12 - juris -, VGH BW vom 20.7.2000 Az. 14 S 237/99 VBlBW 2001, 65; Hess. VGH vom 12.3.2012 Az. 8 B 2473/11.N - juris -).
Gründe für ein öffentliches Bedürfnis hinsichtlich der Verlängerung der Sperrzeit liegen vor, wenn die Ausnutzung der allgemeinen Sperrzeit nicht im Einklang mit der Rechtsordnung oder anderen von der Verwaltung zu wahrenden öffentlichen Belangen steht und insoweit dem Gemeinwohl zuwiderläuft (vgl. VGH BW vom 11.9.2012 a.a.O.; VGH BW vom 12.8.2008 Az. 6 S 1613/07 - juris - Saarl. OVG vom 29.8.2006 NVwZ-RR 2007, 598; BVerwG vom 7.5.1996 BVerwGE 101, 157).
Nichts anderes gilt hinsichtlich der zweiten Tatbestandsvariante des § 11 GastV, des Vorliegens besonderer örtlicher Verhältnisse, die insbesondere zum Schutz der betroffenen Anwohner eine Verlängerung der Sperrzeit ermöglichen (vgl. VGH BW vom 11.9.2012 a.a.O.;… VGH BW vom 12.8.2008 a.a.O.).
Sie ist anzunehmen, wenn die dem Betrieb der Gaststätte zurechenbaren Emissionen der Umgebung mit Rücksicht auf deren durch die Gebietsart und die konkreten tatsächlichen Verhältnisse bestimmten Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit nicht mehr zugemutet werden können, wobei es hinsichtlich des zumutbaren Maßes auf das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen und nicht auf die individuelle Einstellung eines besonders empfindlichen Dritten ankommt (vgl. VGH BW vom 11.9.2012 a.a.O.;… BVerwG vom 7.5.1996 a.a.O.).
Zu den Tatbestandsmerkmalen des "öffentlichen Bedürfnisses" sowie der "besonderen örtlichen Verhältnisse" in § 11 GastV BW vergleiche VGH Mannheim, Urteil vom 11.09.2012 - 6 S 947/12 -, juris.(Rn.27).
Denn bei der Verlängerung der Sperrzeit durch die hier angegriffene Rechtsverordnung handelt es sich um eine Regelung der durch Art. 12 Abs. 1 GG, Art. 19 Abs. 3 GG geschützten Berufsausübungsfreiheit der Antragstellerin, die die Ausübung ihres Gewerbes in ihrem zeitlichen Umfang betrifft (vgl. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 10.03.1995 - 14 S 779/94 -, VBlBW 1995, 474; Urteil vom 11.09.2012 - 6 S 947/12 -).
Für die TA-Lärm, die in Nr. 6.8 für die Ermittlung der Geräuschimmissionen auf den Anhang verweist, ergibt sich, dass sie eine Ermittlung nicht nur durch Messung (Abschnitt A3), sondern auch durch Prognose zulässt (Abschnitt A2; vgl. VGH Baden-Württemberg, U.v. 11.9.2012 - 6 S 947/12 - juris).
vgl. statt vieler VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 11.09.2012 - 6 S 947/12 -, m. w. N., juris.
VGH Baden-Württemberg, 11.09.2012 - 6 S 937/12, 6 S 947/12
https://dejure.org/2012,26840
VGH Baden-Württemberg, 11.09.2012 - 6 S 937/12, 6 S 947/12 (https://dejure.org/2012,26840)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 11.09.2012 - 6 S 937/12, 6 S 947/12 (https://dejure.org/2012,26840)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 11. September 2012 - 6 S 937/12, 6 S 947/12 (https://dejure.org/2012,26840)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2012,26840) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.

References: § 18
 § 9
 § 11
 § 1
 § 47
 § 9
 § 12
 § 11
 § 1
 § 44
 § 11
 § 11
 Art. 12
 Art. 19