Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/nachehelicher-unterhalt-befristung-3132794
Timestamp: 2020-05-28 13:34:30+00:00

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Nachehelicher Unterhalt - und seine Befristung oder Herabsetzung | Rechtslupe
Die Kri­te­ri­en für die Bil­lig­keits­ab­wä­gung sind § 1578 b Abs. 1 Satz 2 und 3 BGB zu ent­neh­men. Danach ist neben der Dau­er der Ehe vor­ran­gig zu berück­sich­ti­gen, inwie­weit durch die Ehe Nach­tei­le im Hin­blick auf die Mög­lich­keit ein­ge­tre­ten sind, für den eige­nen Unter­halt zu sor­gen. Sol­che Nach­tei­le kön­nen sich vor allem aus der Dau­er der Pfle­ge und Erzie­hung eines gemein­schaft­li­chen Kin­des und aus der Gestal­tung von Haus­halts­füh­rung oder Erwerbs­tä­tig­keit wäh­rend der Ehe erge­ben. Ein ehe­be­ding­ter Nach­teil äußert sich in der Regel dar­in, dass der unter­halts­be­rech­tig­te Ehe­gat­te nach­ehe­lich nicht die Ein­künf­te erzielt, die er ohne Ehe und Kin­der­be­treu­ung erzie­len wür­de 1.
Die Abwä­gung aller für die Bil­lig­keits­ent­schei­dung nach § 1578 b BGB in Betracht kom­men­den Gesichts­punk­te ist Auf­ga­be des Tatrich­ters. Sie ist vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt aber dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob der Tatrich­ter die im Rah­men der Bil­lig­keits­prü­fung maß­ge­ben­den Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder für die Ein­ord­nung unter die­se Begrif­fe wesent­li­che Umstän­de unbe­rück­sich­tigt gelas­sen hat. Der recht­li­chen Über­prü­fung unter­liegt ins­be­son­de­re, ob der Tatrich­ter sich mit dem Ver­fah­rens­stoff und den Beweis­ergeb­nis­sen umfas­send und wider­spruchs­frei aus­ein­an­der­ge­setzt hat, sei­ne Wür­di­gung also voll­stän­dig und recht­lich mög­lich ist und nicht gegen Denk­ge­set­ze oder Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt 4.
Zwar kann über eine Unter­halts­be­fris­tung oder her­ab­set­zung erst dann abschlie­ßend ent­schie­den wer­den, wenn die Ver­hält­nis­se der Ehe­gat­ten wirt­schaft­lich ent­floch­ten sind und sich danach abschät­zen lässt, ob ehe­be­ding­te Nach­tei­le dau­er­haft bestehen oder nicht. Dem­entspre­chend hat es der Bun­des­ge­richts­hof im Ein­zel­fall gebil­ligt, wenn die Ent­schei­dung über eine Befris­tung und Her­ab­set­zung nach § 1578 b BGB inso­weit hin­aus­ge­scho­ben und einem spä­te­ren Abän­de­rungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten wur­de 5. Die Rechts­kraft einer Ent­schei­dung, die das spä­te­re Ein­grei­fen der Fol­gen des § 1578 b BGB offen lässt, schließt dann eine künf­ti­ge Abän­de­rung nicht aus. Dar­aus, dass eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung über die Fol­gen des § 1578 b BGB noch nicht mög­lich ist, folgt aber nicht, dass eine Ent­schei­dung dar­über voll­stän­dig zurück­ge­stellt wer­den darf. Viel­mehr muss das Gericht inso­weit ent­schei­den, als eine Ent­schei­dung auf­grund der gege­be­nen Sach­la­ge und der zuver­läs­sig vor­aus­seh­ba­ren Umstän­de mög­lich ist. Das gilt ins­be­son­de­re für eine bereits mög­li­che Ent­schei­dung über die Her­ab­set­zung nach § 1578 b Abs. 1 BGB. Die mate­ri­el­le Rechts­kraft einer sol­chen Ent­schei­dung und die mit ihr ver­bun­de­nen Prä­k­lu­si­ons­fol­gen gehen dann nur so weit, als die Ent­schei­dung eine abschlie­ßen­de Beur­tei­lung der gegen­wär­ti­gen Sach­la­ge und der zuver­läs­sig vor­aus­seh­ba­ren Umstän­de ent­hält. Eine auf die­ser Grund­la­ge ergan­ge­ne Ent­schei­dung schließt eine spä­te­re Abän­de­rung ins­be­son­de­re dann nicht aus, wenn zunächst bestehen­de ehe­be­ding­te Nach­tei­le spä­ter ganz oder teil­wei­se ent­fal­len soll­ten 6.
Bei Anle­gung die­ser Maß­stä­be durf­te das Gericht im vor­lie­gen­den Fall die Ent­schei­dung über eine Her­ab­set­zung des Unter­halts­an­spruchs nicht einem spä­te­ren Abän­de­rungs­ver­fah­ren über­las­sen.
Zwar ist das Ober­lan­des­ge­richt zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass eine Befris­tung des Unter­halts­an­spruchs der Ehe­frau im Hin­blick auf den fort­wir­ken­den ehe­be­ding­ten Nach­teil regel­mä­ßig aus­schei­det 7. Für den Aus­nah­me­fall einer Befris­tung trotz fort­be­stehen­der ehe­be­ding­ter Nach­tei­le ist nach den vom Ober­lan­des­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen kein Raum; er wird von der Rechts­be­schwer­de auch nicht gel­tend gemacht.
Etwas ande­res gilt hin­ge­gen für die Her­ab­set­zung des Unter­halts­an­spruchs gemäß § 1578 b Abs. 1 BGB nach Maß­ga­be der nach­ehe­li­chen Soli­da­ri­tät 8. Inso­weit durf­te das Ober­lan­des­ge­richt die Ent­schei­dung nicht einem spä­te­ren Abän­de­rungs­ver­fah­ren über­las­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt hat den ehe­be­ding­ten Nach­teil als Dif­fe­renz zwi­schen dem ange­mes­se­nen Lebens­be­darf der Ehe­frau im Sin­ne des § 1578 b Abs. 1 Satz 1 BGB und ihrem tat­säch­lich erziel­ten Ein­kom­men 9 für die Zeit ab Febru­ar 2017 mit monat­lich rund 506 € fest­ge­stellt. Dar­über hin­aus hat das Ober­lan­des­ge­richt unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls in recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se aus­ge­führt, dass ein Unter­halts­an­spruch nach den ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­sen für die Dau­er von acht Jah­ren und sodann für die Dau­er von vier Jah­ren ein Anspruch in Höhe des ehe­be­ding­ten Nach­teils zuzüg­lich der hal­ben Dif­fe­renz zum vol­len Unter­halt der Bil­lig­keit ent­spricht. Dass der auf Sei­ten der Ehe­frau ent­stan­de­ne ehe­be­ding­te Nach­teil sich im wei­te­ren Ver­lauf ver­rin­gern oder wie­der aus­ge­gli­chen wer­den könn­te, ist kein Grund, der­zeit von einer Ent­schei­dung über die Her­ab­set­zung des Unter­halts abzu­se­hen. Es wäre viel­mehr wider­sprüch­lich, dem Unter­halts­pflich­ti­gen eine Ent­schei­dung über die Her­ab­set­zung zu ver­sa­gen, nur weil sich die Sach­la­ge noch zu sei­nen Guns­ten ver­än­dern kann 10. Erge­ben sich nach­fol­gend hin­sicht­lich der Ein­künf­te der Ehe­frau wesent­li­che Ände­run­gen der Ver­hält­nis­se, so wird durch die Erst­ent­schei­dung eine Abän­de­rung des Unter­halts nicht aus­ge­schlos­sen.
BGH, Beschluss vom 08.06.2016 – XII ZB 84/​15 FamRZ 2016, 1345 Rn. 14 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 08.06.2016 – XII ZB 84/​15 FamRZ 2016, 1345 Rn. 15 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 08.06.2016 – XII ZB 84/​15 FamRZ 2016, 1345 Rn. 16 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 08.06.2016 – XII ZB 84/​15, FamRZ 2016, 1345 Rn. 17 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 27.05.2009 – XII ZR 78/​08, FamRZ 2009, 1300 Rn. 62 f.[↩]
BGH, Urteil in BGHZ 188, 50, FamRZ 2011, 454 Rn. 42 f. mwN[↩]
vgl. etwa BGH, Urteil vom 18.02.2015 – XII ZR 80/​13, FamRZ 2015, 824 Rn. 24 mwN[↩]
vgl. inso­weit Dose, FamRZ 2011, 1341, 1347[↩]
zur Berech­nung vgl. BGH, Beschluss vom 08.06.2016 – XII ZB 84/​15 FamRZ 2016, 1345 Rn.19 mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil in BGHZ 188, 50, FamRZ 2011, 454 Rn. 46[↩]
Befristeter Unterhaltehebedingte NachteileElementarunterhaltNachehelicher Unterhalten

References: § 1578
 § 1578
 § 1578
 § 1578
 § 1578
 § 1578
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