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Timestamp: 2020-04-08 09:41:51+00:00

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Ampel gelb im Forum für Verkehrsrecht
Re: Ampel gelb
Beitrag von Pünktchen » 30.04.18, 17:03
Hans Ulg hat geschrieben: Und dieser §
§3(2a) Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.
ist im Stadtverkehr ernsthaft bei Tempo 50 praktisch nie einhaltbar.
Naja, nicht überall sind ständig Kindern, hilfsbedürftigen oder älteren Menschen. BTW: Wann ist genau eine Person hilfsbedürftig und wann älter? Woran erkennt man das?
Wobei man auch den Verkehrsfluss nicht ohne triftigen Grund behindern darf:
§3 Abs II StVG: Ohne triftigen Grund dürfen Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern.
Den Verkehrsfluss behindert man schon, wenn man die zulässige Höchstgeschwindigkeit fährt.
Ein Automobilclub hat schon empfohlen, sich dem Verkehrsfluss anzupassen, auch wenn man ein Tempolimit überschreitet.
Beitrag von Pünktchen » 30.04.18, 17:17
ktown hat geschrieben: Eine Aufteilung der Kosten ist wohl nur dann realistisch, wenn der Hintermann auch mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einen Aufprall nicht hätte verhindern können.
Das ist i. d. R. gar nicht möglich. I. d. R. muss der Abstand so groß sein, dass es auch bei starkem Bremsen des Vordermanns zu keinem VU kommt. Wann man von dieser Regel abweisen darf, sagt die StVO leider nicht.
Aber auch der Vordermann darf nicht stark bremsen. Daher kann er schon eine Mitschuld haben. Wenn der geziehlt einen VU provoziert (was bei jedem 10 Unfall der Fall ist), meines Wissens auch die volle Haftung.
Im Übrigen ist der Vordermann (oder genauer der Halter des Fahrzeugs) schon aufgrund der Gefährdungshaftung nach §7 StVG haftbar. Warum das nicht konzequent durchgesetzt wird, verstehe ich auch nicht.
Beitrag von Etienne777 » 30.04.18, 19:42
Lichtsignal "Gelb" heißt vor der Ampel anhalten und auf das nächste Signal warten, wie das hier schon zutreffend geschrieben wurde. Angehalten werden muß aber bei "Gelb" nur dann, wenn das gefahrlos möglich ist. Ansonsten darf unter Beachtung des übrigen Verkehrs zügig weitergefahren werden.
Gefahrlos Anhalten bedeutet, man kann mit einer normalen "Betriebsbremsung" noch vor der Ampel anhalten. Gelänge das Anhalten vor der Ampel nur mit einer Vollbremsung, handelt es sich nicht mehr um ein gefahrlos mögliches Anhalten, entsprechend darf dann wie genannt weitergefahren und die Kreuzung zügig überquert werden.
Der Anhalteweg errechnet sich aus dem Reaktionsweg + dem Bremsweg. Bei Tempo 50 sieht es daher wie folgt aus: Reaktionszeit 1 Sekunde, in dieser Sekunde legt das Fahrzeug 13,89 m zurück, ohne daß gebremst wird. Sodann beginnt der Bremsvorgang, durchschnittlich legt man während des Bremsens auf trockener Fahrbahn etwa weitere 12,86 m zurück. Der Anhalteweg beträgt somit ca. 26,75 m. Ist man näher als diese Entfernung an der auf "Gelb" umschaltenden Ampel, ist es praktisch nicht möglich, noch vor selbiger anzuhalten. Also ist zügig durchzufahren.
Beitrag von Evariste » 30.04.18, 23:04
Altbauer hat geschrieben: Nun springt eine Ampel auf Gelb.
Herr A bremst und kommt vor der Ampel zum stehen.
Hinter sich hört er quietschende Bremsen.
Im Rückspiegel sieht er den wild gestikulierende Fahrer, der sich über das Bremsmanöver von Herrn A
Dieser Fahrer hat wahrscheinlich erwartet, dass Herr A, sobald er Gelb sieht, das Gaspedal durchtritt, um noch über die Ampel zu kommen, und war im Begriff, es ihm gleich zu tun. Damit dass jemand ernsthaft auf die Idee kommt, zu bremsen, _bevor_ die Ampel Rot zeigt, hat er wohl nicht gerechnet.
Hier bei mir um die Ecke gibt es eine Kreuzung, da kann man dieses Verhalten leider ziemlich häufig beobachten. Kurz bevor die Fußgängerampel auf Grün schaltet, manchmal auch gleichzeitig, rast irgend ein Irrer mit 80 Sachen noch schnell an einem vorbei. Erlaubt sind 50.
Naja, und das mit den Autos, die hinter einem herfahren, und zwar so nahe, dass man die Scheinwerfer nicht mehr sieht, kenne ich leider auch. (*) Für solche Fälle wünsche ich mir eine Leuchtschrift, wie die Polizei sie hat. Textvorschläge nehme ich gerne entgegen...
(*) Ich stelle normalerweise meinen Tempomat auf Höchstgeschwindigkeit + 10 km/h, wenn alles frei ist, vielen Zeitgenossen ist das aber immer noch nicht schnell genug.
Beitrag von Tom Ate » 02.05.18, 18:34
Gelb heißt, dass man anhalten muss
50 innerorts heißt, dass man höchtens 50 fahren darf
Es heißt nicht, noch schnell drüber und dass man die maximale zulässige Geschwindigkeit ausreizen muss
Vielleicht gibt es doch mehr ungeeignete Fahrer, als man bisher angenommen hat
Beitrag von Etienne777 » 02.05.18, 19:58
Tom Ate hat geschrieben: Gelb heißt, dass man anhalten muss
Richtig, Anhalten müssen setzt aber zwingend voraus, daß man auch Anhalten kann. Ist der Anhalteweg länger als die Distanz zur Ampel, geht es nun mal nicht. Physikalisch Unmögliches wird nicht verlangt.
Tom Ate hat geschrieben: 50 innerorts heißt, dass man höchtens 50 fahren darf
Tatsächlich? Da wäre ich nicht drauf gekommen.
Tom Ate hat geschrieben: Vielleicht gibt es doch mehr ungeeignete Fahrer, als man bisher angenommen hat
Das mag sein. Die übrigen wissen meist, was ein Anhalteweg ist und denen ist auch klar, daß man mit der Situation irgendwie umgehen muß, wenn es nicht möglich ist vor einer Ampel zu halten.
Beitrag von Tom Ate » 02.05.18, 20:12
Richtig, Anhalten müssen setzt aber zwingend voraus, daß man auch Anhalten kann. Ist der Anhalteweg länger als die Distanz zur Ampel, geht es nun mal nicht. Physikalisch Unmögliches wird nicht verlangt..
Deswegen ist auch erst ab Rotfahrt sanktioniert, was aber nicht heißt bei Gelb noch rüber.
Beitrag von ktown » 02.05.18, 22:29
Etienne777 hat geschrieben: Richtig, Anhalten müssen setzt aber zwingend voraus, daß man auch Anhalten kann.
Vollkommen richtig. Was der TE ja in seinem Sachverhalt auch so beschrieb
Altbauer hat geschrieben: Herr A bremst und kommt vor der Ampel zum stehen.
Beitrag von Etienne777 » 02.05.18, 22:31
Tom Ate hat geschrieben: ... was aber nicht heißt bei Gelb noch rüber.
Okay. Sagen wir 25 m Anhalteweg, Sie sind mit Tempo 50 unterwegs und gerade ca.10 m vor der Ampel, als diese auf "Gelb" umschaltet.
Beitrag von ktown » 02.05.18, 22:39
Mit 50km/h und 10 Meter zur Ampel bin ich bei einer üblichen Reaktionszeit schon ca. 3m weiter gefahren. Da die Gelbphase hier 3 sek. dauert und wir bei besagter Geschwindigkeit innerhalb 1 sek ca.14m gefahren bin, bin ich zum ende der Gelbphase schon längst aus dem Kreuzungsbereich wieder raus.
Aber alles Theorie, da der TE ja vor der Ampel stehen blieb.
Beitrag von Etienne777 » 03.05.18, 00:08
ktown hat geschrieben: Mit 50km/h und 10 Meter zur Ampel bin ich bei einer üblichen Reaktionszeit schon ca. 3m weiter gefahren.
Es ist nicht ganz so wenig, denn:
Reaktionszeit 1 Sekunde, in dieser Sekunde legt das Fahrzeug 13,89 m zurück
Beitrag von Froggel » 03.05.18, 08:17
Vielleicht ist seine übliche Reaktionszeit erheblich schneller als die anderer
Ich denke, er hat sich einfach vertippt, da er gleich darauf der einen Sekunde knapp 14m zugesteht
Es gibt im Übrigen online nette Spiele, mit denen sich die Reaktionszeit testen lässt. Vorausgesetzt, ich bin im Verkehr genauso aufmerksam wie bei diesem Spiel, komme ich immerhin auf eine durchschnittliche Zeit von 0,264 sek. Vielleicht sollten wir nur noch per Mausklick bremsen
Beitrag von ktown » 03.05.18, 09:40
Es ist letztlich egal, ob die Reaktionszeit korrekt ermittelt wurde. Ein halten vor der Haltelinie ist schlichtweg unmöglich und daher die Weiterfahrt erlaubt.
Beitrag von Altbauer » 03.05.18, 09:47
ktown hat geschrieben: Es ist letztlich egal, ob die Reaktionszeit korrekt ermittelt wurde. Ein halten vor der Haltelinie ist schlichtweg unmöglich und daher die Weiterfahrt erlaubt.
Die Diskussion entfernt sich m.E. ein wenig von der Eingangsfrage.
Die Fragestellung ist so zu verstehen, dass Herr A vor der Haltelinie zum stehen kommt.
Damit sind Spekulationen über den Anhalteweg hier nicht mehr notwendig.
Beitrag von Evariste » 03.05.18, 10:10
Altbauer hat geschrieben: Wer hätte Schuld gehabt, wenn es einen Auffahrunfall gegeben hätte?
... habe ich das hier gefunden.
Amtsgericht Hildesheim, Az: 47 C 119/08, Urteil vom 07.08.2008:
Unstreitig fuhr der Beklagte zu 1) auf das Fahrzeug des Klägers auf, als der Kläger sein Fahrzeug bei Umschalten der Wechsellichtzeichenanlage von Grün auf Gelb abbremste und anhielt. Bereits der „Beweis des ersten Anscheins“ spricht deshalb für ein Verschulden des Klägers (vgl. LG Landau, Urteil vom 31.08.2004, 1 S 109/04).
Der Beweis des ersten Anscheins ist nicht erschüttert worden. Zwar hat der Kläger, in der mündlichen Verhandlung als Partei angehört, angegeben, er habe durchaus kräftig gebremst, als er bemerkte, dass die Ampel für ihn von Grün auf Gelb umsprang. Doch muss ein Verkehrsteilnehmer jederzeit damit rechnen, dass ein Vorausfahrender plötzlich bremst: Gemäß § 4 Abs. 1 S. 1 StVO muss der Abstand von einem vorausfahrenden Fahrzeug in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter ihm gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Gerade vor Lichtzeichenanlagen ist jederzeit wegen der Möglichkeit eines Umschaltens der Anlage mit einem plötzlichen Abbremsen von Vorausfahrenden zu rechnen (vgl. LG Landau, Urteil vom 31.08.2004, 1 S 109/04; OLG Düsseldorf, DAR 1975, 303; KG Berlin, VM 1983, 13; Hentschel-König, Straßenverkehrsrecht, 39. Auflage München 2007, § 4 StVO Rn. 7, 11; Geigel-Zieres, Der Haftpflichtprozess, 25. Auflage München 2008, 27. Kap. Rn. 146). Es liegt mithin kein atypischer Geschehensablauf vor, der den Beweis des ersten Anscheins für ein Verschulden des Beklagten zu 1) entkräftet, zumal der Kläger – wie nachstehend näher dargelegt wird – nicht ohne zwingenden Grund stark abbremste (zur Erschütterung des Anscheinsbeweises bei grundlosem Abbremsen vgl. OLG Frankfurt, NJW 2007, 87).
Ein Fahrzeugführer darf sein Fahrzeug auch dann bei einem Wechsel der Lichtzeichen von Grün auf Gelb – durchaus heftig – abbremsen, wenn hinter ihm weitere Fahrzeuge fahren. Denn er darf sich darauf verlassen, dass sich die Führer hinter ihm fahrender Fahrzeuge ihrerseits an die Verkehrsregeln halten, also gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 StVO einen so großen Abstand zum Vorausfahrenden einhalten, dass auch bei plötzlichem Abbremsen des Vorausfahrendem wegen Umschaltens einer Wechsellichtanlage hinter diesem gehalten werden kann und es nicht zu einem Auffahrunfall kommt (Hentschel-König, Straßenverkehrsrecht, 39. Auflage München 2007, § 37 StVO Rn. 48).

References: §3

§3
 §7
 § 4
 § 4
 § 4
 § 37