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Timestamp: 2019-11-15 15:17:04+00:00

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Außerordentliche Kündigung - Entgeltfortzahlungskosten - häufige Kurzerkrankungen - Referenzzeitraum für Gesundheitsprognose
2 AZR 6/18
BGB § 626 / EFZG § 3 / SGB IX § 2 Abs. 1 / SGB IX § 178 Abs. 2 n.F. / SGB IX § 95 Abs. 2 a.F. / AGG § 3 / AGG § 7 / RL 2000/78/EG / TV-L § 34 Abs. 2 Satz 1
1. Bei einer Kündigung, die auf häufige Kurzerkrankungen gestützt wird, ist zur Erstellung der Gesundheitsprognose - vorbehaltlich des Vorliegens besonderer Umstände des Einzelfalls - regelmäßig ein Referenzzeitraum von drei Jahren vor Zugang der Kündigung bzw. vor Einleitung des Verfahrens zur Beteiligung einer bestehenden Arbeitnehmervertretung zugrunde zu legen (Rn. 23).
2. Eine außerordentliche Kündigung mit notwendiger Auslauffrist eines ordentlich unkündbaren Arbeitsverhältnisses kann gerechtfertigt sein, wenn aufgrund der zu erwartenden Entgeltfortzahlungskosten ein gravierendes Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung besteht. Wann dies der Fall ist, hängt von den Voraussetzungen und der Ausgestaltung des dem Arbeitnehmer eingeräumten tariflichen Sonderkündigungsschutzes ab (Rn. 38).
3. Unter Geltung einer tariflichen Regelung wie derjenigen in § 34 II 1 TV-L ist eine Äquivalenzstörung, die - vorbehaltlich einer umfassenden Interessenabwägung - einen wichtigen Grund zur außerordentlichen Kündigung mit notwendiger Auslauffrist bilden kann, anzunehmen, wenn damit zu rechnen ist, der Arbeitgeber werde für mehr als ein Drittel der jährlichen Arbeitstage Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall leisten müssen (Rn. 39).
4. In dieser Auslegung verstoßen § 34 II 1 TV-L, § 626 I BGB in Bezug auf Fälle, in denen die häufigen Kurzerkrankungen auf eine Behinderung des Arbeitnehmers zurückzuführen sind, nicht gegen die Vorgaben der Richtlinie 2000/78/EG. Mit der Möglichkeit zur außerordentlichen Kündigung mit Auslauffrist im Fall einer gravierenden, den Kernbereich des Arbeitsverhältnis betreffenden Äquivalenzstörung verfolgen die Tarifvertragsparteien und der nationale Gesetzgeber in verhältnismäßiger Weise ein rechtmäßiges Ziel im Sinne von Art. 2 II Buchst. b (i) der Richtlinie (Rn. 41).
ArbG Bonn, Urteil vom 22.12.2016 - 3 Ca 1769/16
LAG Köln, Urteil vom 13. Juli 2017 - 7 Sa 121/17
R/R7864
Außergewöhnliche Belastungen /
Betriebliche Beeinträchtigung /
Betriebsablaufstörung /
körperliche Belastung /
Referenzperiode /
Informationsstand: 15.11.2018

References: § 626
 § 3
 § 2
 § 178
 § 95
 § 3
 § 7
 § 34
 § 34
 § 34
 § 626
 Art. 2