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Timestamp: 2019-11-17 00:46:31+00:00

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Kin­der­geld und Arbeit in den Nie­der­lan­den | Rechtslupe
Kin­der­geld und Arbeit in den Nie­der­lan­den
Ein Anspruch auf Kin­der­geld kann auch bei zwei Arbeits­stel­len gege­ben sein, wenn sich je eine Arbeitstel­le im Inn­land und eine im Aus­land (im ent­schie­de­nen Fall in den Nie­der­lan­den) befin­det.
Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Köln ist die­ser Kin­der­geld­an­spruch nicht auf­grund von gemein­schafts­recht­li­chen Vorschrif­ten der EU aus­ge­schlos­sen.
Es besteht zwar auf­grund der Beschäf­ti­gung der Klä­ge­rin in den Nie­der­lan­den dem Grun­de nach ein wei­te­rer Kin­der­geld­an­spruch für ihre min­der­jäh­ri­gen Kin­der in den Nie­der­lan­den 1. Bestehen sowohl im Wohn­land, das in die­sem Fall Deutsch­land ist, als auch im Beschäf­ti­gungs­land, das in die­sem Fall die Nie­der­lan­de sind, Ansprü­che auf Fami­li­en­leis­tun­gen, ist nach den Bestim­mun­gen der Ver­ord­nung EWG 1408/​71 und der Ver­ord­nung EWG 574/​72 zu ent­schei­den, wel­che Leis­tung vor­ran­gig ist 2.
In den Art. 13 ff. der für den Streit­zeit­raum noch maß­ge­ben­den VO Nr. 1408/​71 wird be­stimmt, wel­che Rechts­vor­schrif­ten auf inner­halb der Gemein­schaft (jetzt: Uni­on) zu- und abwan­dern­de Erwerbs­tä­ti­ge anzu­wen­den sind. Die Art. 13 ff. der VO Nr. 1408/​71 bezwe­cken u.a., dass die Betrof­fe­nen grund­sätz­lich dem Sys­tem der sozia­len Sicher­heit nur eines ein­zi­gen Mit­glied­staa­tes unter­lie­gen, so dass die Kumu­lie­rung anwend­ba­rer Rechts­vor­schrif­ten und die Schwie­rig­kei­ten, die sich dar­aus erge­ben kön­nen, ver­mieden wer­den. Die­ser Grund­satz kommt ins­be­son­de­re in Art. 13 Abs. 1, Abs. 2 Buchst. a der VO Nr. 1408/​71 zum Aus­druck; danach unter­liegt eine Per­son, die im Ge­biet eines Mit­glied­staa­tes abhän­gig beschäf­tigt ist, den Rechts­vor­schrif­ten die­ses Staa­tes, und zwar auch dann, wenn sie im Gebiet eines ande­ren Mit­glied­staa­tes wohnt 3. Eine Durch­bre­chung des Vor­rangs des Beschäf­ti­gungs­staa­tes zu­gunsten des Wohn­staa­tes tritt aller­dings u.a. gemäß Art. 14 Nr. 2 Buchst. b, i) VO 1408/​71 ein, wenn eine Per­son in zwei Mit­glied­staa­ten im Lohn- oder Gehalts­ver­hält­nis beschäf­tigt ist.
Die Art. 72 ff. der VO 1408/​71 ent­hal­ten Rege­lun­gen spe­zi­ell zu den Fami­li­en­leis­tun­gen: Art. 73 VO 1408/​71 sieht dazu vor, dass Selb­stän­di­ge und Arbeit­neh­mer in dem Be­schäftigungsstaat, des­sen Rechts­vor­schrif­ten sie unter­lie­gen, Fami­li­en­leis­tun­gen auch für die­je­ni­gen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen bekom­men, die in einem ande­ren Land leben. Die­se Norm begrün­det unter ande­rem für Grenz­gän­ger aus­drück­lich die Ansprü­che auf Fami­li­en­leis­tun­gen im Beschäf­ti­gungs­land und kon­kre­ti­siert damit das Beschäf­ti­gungs­land­prin­zip. Das gegen­sei­ti­ge Ver­hält­nis der Ansprü­che des Grenz­gän­gers einer­seits im Beschäf­ti­gungs­land und ande­rer­seits im Wohn­land rich­tet sich aber (wei­ter­hin) nach der Grund­satz­re­ge­lung des Art. 13 Abs. 2 Buchst. a VO 1408/​71, der dem Anspruch im Beschäf­ti­gungs­land den Vor­rang ein­räumt.
Art. 76 VO 1408/​71 ent­hält die „Prio­ri­täts­re­geln für den Fall der Kumu­lie­rung von An­sprüchen auf Fami­li­en­leis­tun­gen …". Er regelt, dass die Ansprü­che u.a. nach Art. 73 VO 1408/​71 inso­weit ruhen, wie Fami­li­en­leis­tun­gen auf­grund der Aus­übung einer Er­werbstätigkeit auch im Wohn­sitz­staat vor­ge­se­hen sind; ein Anspruch auf einen über­schießenden Betrag der Fami­li­en­leis­tung in dem Beschäf­ti­gungs­staat, der nicht Wohn­sitzstaat ist, bleibt gege­be­nen­falls bestehen. Die Vor­schrift betrifft also nur Fäl­le, in de­nen ver­schie­de­ne Ansprü­che auf­grund einer Beschäf­ti­gung kumu­lie­ren 4.
Art. 10 VO 574/​72 ent­hält über Art. 76 VO 1408/​71 hin­aus Vor­schrif­ten für das Zu­sammentreffen von Ansprü­chen auf Fami­li­en­leis­tun­gen oder -bei­hil­fen für Arbeit­neh­mer und Selb­stän­di­ge unter ande­rem für den Fall, in dem der Erwerb eines Anspruchs nicht von einer Beschäf­ti­gung abhängt. Art. 10 Abs. 1a VO 574/​72 regelt, dass der Anspruch auf Leis­tun­gen eines Mit­glied­staa­tes, der nicht von einer Beschäf­ti­gung, selb­stän­di­gen Tätig­keit oder Ver­si­che­rung abhän­gig ist, aus­ge­setzt wird, wenn und soweit Fami­li­en­leis­tun­gen gleich­zei­tig allein auf­grund inner­staat­li­cher Rechts­vor­schrif­ten eines ande­ren Mit­glied­staa­tes oder nach den Art. 73 f., Art. 77 f. VO 1408/​71 geschul­det wer­den.
Nach dem Ver­ständ­nis des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts regelt Art. 10 Abs. 1a VO 574/​72 aller­dings nur den Fall, dass ein Anspruchs­be­rech­tig­ter einen Anspruch in sei­nem Beschäf­ti­gungs­land hat, wäh­rend ein ande­rer Anspruchs­be­rech­tig­ter (insbeson­dere der ande­re Eltern­teil) für den­sel­ben Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen einen Anspruch in dem Wohn­land der Fami­lie hat. Die Vor­schrift soll aus­ge­schlos­sen sein für den Grenz­gän­ger selbst, weil die­ser nach dem vor­ran­gi­gen Grund­satz des Art. 13 VO 1408/​71 allein den Vor­schrif­ten des Beschäf­ti­gungs­lan­des unter­lie­ge. Da für ihn selbst im Wohn­land kein Anspruch unab­hän­gig von sei­ner Beschäf­ti­gung ent­ste­he, trä­fen in sei­ner Per­son auch nicht meh­re­re Ansprü­che zusam­men, so dass dem Grenz­gän­ger selbst ins­be­son­de­re kein Anspruch auf ein Dif­fe­renz­kin­der­geld im Wohn­land zuste­he 5.
Aus­ge­hend von die­ser Recht­la­ge ist fest­zu­stel­len, dass die Beklag­te zunächst zutref­fend davon aus­geht, dass im Streit­fall die Vor­schrift des Art. 13 Abs. 2 Buchst.a VO 1408/​71 ein­schlä­gig ist: Das Finanz­ge­richt geht dabei nach dem Akten­in­halt davon aus, dass die Klä­ge­rin im strei­ti­gen Zeit­raum in den Nie­der­lan­den sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig be­schäftigt war und es sich bei der zusätz­li­chen Beschäf­ti­gung in Deutsch­land ledig­lich um eine gering­fü­gi­ge und nicht der Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht unter­fal­len­den Tätig­keit gehan­delt hat. Denn aus den von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Gehalts­be­schei­ni­gun­gen der F neder­land ergibt sich, dass jeweils „sov. Ver­ze­ke­rings-pre­mies“ ein­be­hal­ten wur­den. Zudem spre­chen die Aus­zah­lungs­be­trä­ge zwi­schen rund 650 € und rund 1.000 € monat­lich eben­so hier­für, wie die von der Klä­ge­rin erwähn­te Wochen­ar­beits­zeit von 37 Stun­den laut Arbeits­ver­trag.
Umge­kehrt ver­mag das Gericht nicht zu erken­nen, dass die Klä­ge­rin dane­ben eben­falls in Deutsch­land sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig tätig gewor­den wäre, so dass ein Vor­rang des Wohn­staats gemäß Art. 14 Nr. 2 Buchst. b, i) VO 1408/​71 gäl­te. Denn die Beschei­nigungen des Fri­seur­sa­lons H betref­fen bereits nicht den hier strei­ti­gen Zeit­raum; ledig­lich die Beschei­ni­gung vom 1.1.2004 bis 31.8.2004 ist für den Streit­fall rele­vant. Die­se weist für den beschei­nig­ten Zeit­raum al­lerdings nur ein Brut­to­ar­beits­ent­gelt in Höhe von 2.551 € aus, so dass davon aus­ge­gan­gen wer­den muss, dass es sich inso­weit um eine gering­fü­gi­ge Be­schäftigung gehan­delt hat. In die­ses Bild passt, dass die Beschei­ni­gung des Friseursa­lons H vom .… Novem­ber 2007, die offen­sicht­lich für Zwe­cke des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens ange­for­dert wor­den war und wohl dem Nach­weis einer inlän­di­schen Beschäf­ti­gung die­nen soll­te, die der Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht unter­liegt, kei­ne Anga­ben zur Fra­ge ent­hält, ob ein Ver­si­che­rungs­pflicht­ver­hält­nis zur Bun­des­agen­tur für Arbeit besteht. Ent­spre­chend hat auch die Klä­ge­rin vor­ge­tra­gen, sie habe u.a. auch in Deutsch­land bis Juni 2006 auf 400 €-Basis gear­bei­tet. Ange­sichts des­sen geht das Finanz­ge­richt davon aus, dass es sich auch bei der Tätig­keit für die Freie K-Schu­le in J ledig­lich um eine gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung gehan­delt hat; hier­auf deu­tet auch die Höhe der Fest­ver­gü­tung laut Gehalts­mit­tei­lung der Frei­en K‑Schule für Mai 2006 hin.
Eine gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung ist indes kei­ne Tätig­keit eines Arbeit­neh­mers i.S. der VO 1408/​71 und begrün­det daher kei­ne nicht­selb­stän­di­ge Tätig­keit i.S. der Ver­ord­nung. Arbeit­neh­mer oder Selb­stän­di­ger ist nach den Begriffs­be­stim­mun­gen in Art. 1 VO 1408/​71 näm­lich nur jede Per­son, die gegen ein Risi­ko oder gegen meh­re­re Risi­ken, die von den Zwei­gen eines Sys­tems der sozia­len Sicher­heit für Arbeit­neh­mer oder Selb­stän­di­ge oder einem Son­der­sys­tem für Beam­te erfasst wer­den, pflicht­ver­si­chert oder frei­wil­lig wei­ter­ver­si­chert wer­den. Durch eine gering­fü­gi­ge Tätig­keit wer­den die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt, weil sie nach sozi­al­recht­li­chen Vor­schrif­ten weder zu ei­ner Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, noch zu einer Pflicht­versicherung für den Fall der Arbeits­lo­sig­keit führt 6. Dass der inlän­dische Arbeit­ge­ber der Klä­ge­rin trotz der ledig­lich gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gung den­noch pau­scha­le Beträ­ge zur Ren­ten­ver­si­che­rung abge­führt hat, ändert dar­an nichts, weil dies allei­ne kein Sozi­al­ver­si­che­rungs­ver­hält­nis begrün­det 7.
Ist des­we­gen zwar im Grund­satz die Auf­fas­sung des Beklag­ten zutref­fend, dass der Kin­der­geld­an­spruch der Klä­ge­rin in Deutsch­land gemäß Art. 13 Abs. 2 Buchst.a VO 1408/​71 aus­ge­schlos­sen ist, weil danach allein zustän­di­ger Mit­glied­staat die Nieder­lande sind und die­se Tat­sa­che die Anwen­dung deut­scher Rechts­nor­men aus­schließt, gilt dies aber nach Auf­fas­sung des Gerichts jeden­falls in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art, in denen sich der ursprüng­lich Kin­der­geld­be­rech­tig­te dem Ver­lust sei­nes deut­schen Kin­dergeldanspruchs dadurch aus­ge­setzt sieht, dass er eine Tätig­keit in einem ande­ren Mit­glied­staat auf­nimmt, nicht unein­ge­schränkt. Denn dies wür­de zu einer Gel­tung der Art. 13 ff. VO 1408/​71 in einer Abso­lut­heit füh­ren, die unter Berück­sich­ti­gung der neue­ren Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs – EuGH – nicht halt­bar ist:
Der Euro­päi­sche Gerichts­hof hat in der Rechts­sa­che Bos­mann 8 eine solch abso­lu­te Gel­tung des Art. 13 Abs. 2 Buchst. a VO 1408/​71 negiert. Dort ging es um eine in Deutsch­land woh­nen­de Arbeit­neh­me­rin, die einer Beschäf­ti­gung in den Nie­der­lan­den nach­ging und dort wegen des Alters ihrer Kin­der kein nie­der­län­di­sches Kin­der­geld mehr erhielt. Hier­zu hat­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof ent­schie­den, dass die Bestim­mun­gen der VO 1408/​71 im Licht des Art. 42 EG-Ver­trag aus­zu­le­gen sei­en, der die Frei­zü­gig­keit der Arbeit­neh­mer erleich­tern sol­le und u.a. impli­zie­re, dass Wan­der­ar­beit­neh­mer nicht des­halb Ansprü­che auf Leis­tun­gen der sozia­len Sicher­heit ver­lie­ren oder gerin­ge­re Leis­tun­gen erhal­ten dürf­ten, weil sie das ihnen vom EG-Ver­­­trag ver­lie­he­ne Recht auf Frei­zü­gig­keit aus­ge­übt hät­ten. Ange­sichts des­sen sei fest­zu­stel­len, dass unter den Umstän­den des Aus­gangs­ver­fah­rens dem Wohn­sitz­mit­glied­staat nicht die Befug­nis abge­spro­chen wer­den kön­ne, den in sei­nem Gebiet wohn­haf­ten Per­so­nen Fami­li­en­bei­hil­fen zu gewäh­ren. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof hat sich in der Ent­schei­dung auch mit der Argu­men­ta­ti­on der Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten aus­ein­an­der­ge­setzt, die auf der Grund­la­ge von Art. 10 Abs. 1 Buchst. a VO 574/​72 in einem Fall wie dem von Frau Bos­mann Arti­kel 13 Abs. 2 Buchst. a VO 1408/​71 als aus­ge­schlos­sen betrach­ten woll­te. Hier­zu hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof fest­ge­stellt, dass eine Anwen­dung von Art. 10 Abs. 1 Buchst. a VO 574/​72 nicht in Betracht kom­me, weil im Fall von Frau Bos­mann es an einem Zusam­mentreffen von Ansprü­chen von Fami­li­en­leis­tun­gen feh­le, weil auf­grund des Alters der Kin­der der Klä­ge­rin kein Anspruch auf Kin­der­geld in den Nie­der­lan­den bestan­den habe.
Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs hält es das Finanz­ge­richt in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art für ange­zeigt, Art. 10 Abs. 1 Buchst. a der VO 574/​72 anzuwen­den, um Rechts­ver­lus­te der Klä­ge­rin im Inland, die sonst allei­ne durch die Auf­nah­me der Beschäf­ti­gung in den Nie­der­lan­den ein­trä­ten, ent­ge­gen­zu­wir­ken. Nach die­ser Vor­schrift ruht der Anspruch auf Fami­li­en­leis­tun­gen oder ‑bei­hil­fen, die nach den Rechts­vorschriften eines Mit­glied­staats geschul­det wer­den, nach denen – wie in Deutsch­land – der Erwerb eines Anspruchs auf die­se Leis­tun­gen oder Bei­hil­fen nicht von einer Ver­sicherung, Beschäf­ti­gung oder selb­stän­di­gen Tätig­keit abhän­gig ist, wenn wäh­rend des­sel­ben Zeit­raums für das­sel­be Fami­li­en­mit­glied Leis­tun­gen allein auf­grund der in­nerstaatlichen Rechts­vor­schrif­ten eines ande­ren Mit­glied­staats oder nach Arti­kel 74, 75, 77 oder 78 der VO (1408/​71) geschul­det wer­den (hier: Nie­der­lan­de), bis zur Höhe die­ser geschul­de­ten Leis­tun­gen.
Dies bedeu­tet in den Fäl­len, in denen Deutsch­land der Wohn­staat ist, dass der Kin­der­geld­an­spruch nur ruht, soweit in dem Beschäf­ti­gungs­staat für das­sel­be Kind Kin­der­geld gewährt wird. Wer­den sol­che Leis­tun­gen im Beschäf­ti­gungs­staat bean­tragt und in einer Höhe gewährt, die unter dem deut­schen Kin­der­geld lie­gen, führt dies im Ergeb­nis dazu, dass der deut­sche Kin­der­geld­an­spruch teil­wei­se – näm­lich in Höhe des Dif­fe­renz­kin­der­gelds – bestehen bleibt.
Soweit das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf zu die­ser Fra­ge eine ande­re Auf­fas­sung ver­tritt 9, ver­mag das Finaz­ge­richt Köln dem nicht zu fol­gen. Soweit es hier­zu aus­führt, dass Art. 10 VO 574/​72 nur Fäl­le beträ­fen, in denen „ande­re Per­so­nen Anspruch auf Kin­der­geld gel­tend machen, weil der Ehe­gat­te des in Deutsch­land Kin­der­geld­be­rech­tig­ten im Aus­land arbei­tet und des­halb der Anspruch des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten ruht“, stützt sich die­se Auf­fas­sung auf den o.g. Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 10.
Bei­de Ent­schei­dun­gen konn­ten aber natur­gemäß das Bos­mann-Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs nicht berück­sich­ti­gen und ent­hal­ten des­we­gen auch kei­ne Erwä­gun­gen zu der Fra­ge, ob es bei aus­schließ­li­cher Anwen­dung der Vor­schriften der Art. 13 ff. VO 1408/​71 im Ergeb­nis hin­zu­neh­men ist, dass die Auf­nah­me einer Beschäf­ti­gung in einem ande­ren Mit­glied­staat dazu führt, dass im Wohn­staat der Anspruch auf Kin­der­geld weg­fällt und der Wan­der­ar­beit­neh­mer des­we­gen gar kein oder nur ein gerin­ge­res Kin­der­geld erhält. Da genau dies nach dem Bos­mann-Urteil mit der Frei­zü­gig­keits­re­ge­lung laut EG- bzw. EU-Ver­trag unver­ein­bar ist, hält das Finanz­ge­richt Köln die Auf­fas­sun­gen der Finanz­ge­rich­te Müns­ter und Nie­der­sach­sen für zutref­fend, die unter Anwen­dung des Art. 10 VO 574/​72 den Anspruch auf Dif­fe­renz­kin­der­geld des Wander­arbeitnehmers selbst beja­hen 11.
Ist des­we­gen im Streit­fall zu Guns­ten der Klä­ge­rin die Vor­schrift des Art. 10 VO 574/​72 anwend­bar, weil dem Grun­de nach eine Kumu­lie­rung von Kin­der­geld­an­sprü­chen so­wohl nach nie­der­län­di­schem Recht als auch nach deut­schem Recht vor­liegt, wobei Art. 13 Abs. 2 Buchst. a VO 1408/​71 das deut­sche Recht nicht aus­schließt, steht dem Kla­geerfolg auch nicht ent­ge­gen, dass die Klä­ge­rin in den Nie­der­lan­den – aus wel­chen Grün­den auch immer – kei­nen Kin­der­geld­an­trag gestellt hat­te.
Die Fra­ge, ob im unmit­tel­ba­ren Gel­tungs­be­reich des Art. 10 VO 574/​72 ein feh­len­der Antrag im Beschäf­ti­gungs­land dem Kin­der­geld­an­spruch im Wohn­land ent­ge­gen­steht, war Gegen­stand einer EuGH-Vor­la­ge des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 30. Okto­ber 2008 (BFH – III R 92/​07, BFHE 223, 358, BSt­Bl II 2009, 923)). Im dort zugrun­de­lie­gen­den Fall hat­te die in Deutsch­land wohn­haf­te Klä­ge­rin für ihre in Deutsch­land leben­den Kin­der das Kinder­geld bean­tragt. Die­sen Antrag hat­te die Fami­li­en­kas­se abge­lehnt, weil die Klä­ge­rin im Inland kei­ner Tätig­keit i.S. der VO 1408/​71 nach­ging und ihr ehe­ma­li­ger Ehe­mann in der Schweiz arbei­te­te, dort die ihm nach Schwei­zer Recht zuste­hen­den Familienleis­tungen aber nicht bean­trag­te, um – wie die Klä­ge­rin vor­trug – ihr zu scha­den. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te hier­zu fest­ge­stellt, dass der dor­ti­gen Klä­ge­rin nach dem Wort­laut des anzuwen­denden Art. 10 Buchst. a VO 574/​72 in Deutsch­land das vol­le Kin­der­geld zuste­he. Der Anspruch auf Kin­der­geld im Wohn­land ruhe nur, soweit im Beschäf­ti­gungs­land Fami­lienleistungen geschul­det wür­den. Geschul­det wür­den Fami­li­en­leis­tun­gen aber nur, wenn alle Vor­aus­set­zun­gen für deren Aus­zah­lung erfüllt sei­en. Dazu gehö­re, dass der Anspruchs­be­rech­tig­te bei antrags­ab­hän­gi­gen Leis­tun­gen einen Antrag stel­le. Da der Vater die ihm in der Schweiz zuste­hen­den, einen Antrag erfor­dern­den Familienleistun­gen aber nicht bean­tragt habe, schul­de­te ihm die Schweiz kei­ne Fami­li­en­leis­tun­gen. Zwei­fel­haft sei aber, ob in Fäl­len, in denen die im Beschäf­ti­gungs­land vor­ge­se­he­nen Fami­li­en­leis­tun­gen nicht bean­tragt wür­den, Art. 76 Abs. 2 VO 1408/​71 ent­spre­chend anzu­wen­den sei. Die­se Fra­ge sei umstrit­ten.
Mit dem Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom 14. Okto­ber 2010 12 hat der Gerichts­hof ent­schie­den, Art. 76 VO 1408/​71 und Art. 10 VO 574/​72 sei­en dahin auszu­legen, dass ein nicht von einer Ver­si­che­rung, Beschäf­ti­gung oder selb­stän­di­gen Tätig­keit abhän­gi­ger Anspruch auf Leis­tun­gen nach dem Recht eines Mit­glied­staats, in dem ein Eltern­teil mit den Kin­dern, für die die­se Leis­tun­gen gewährt wür­den, wohnt, nicht teil­wei­se aus­ge­setzt wer­den dür­fe, wenn, wie im dor­ti­gen Aus­gangs­ver­fah­ren, der frü­here Ehe­gat­te, der der ande­re Eltern­teil der Kin­der sei, grund­sätz­lich – ent­we­der allein auf­grund der inner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten des Staa­tes, in dem er einer Beschäf­tigung nach­ge­he, oder nach Art. 73 der VO 1408/​71 einen Anspruch auf Familienleis­tungen nach den Rechts­vor­schrif­ten die­ses Staa­tes habe, die­se fak­tisch aber nicht be­ziehe, weil er kei­nen ent­spre­chen­den Antrag gestellt habe.
Das Finanz­ge­richt Köln hält die­se Ent­schei­dung für zutref­fend und in dem hier zu ent­schei­den­den Fall für voll anwend­bar. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die vom Euro­päi­schen Gerichts­hof gewähl­te Teno­rierung auf die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des dor­ti­gen Streit­fal­les zuge­schnit­ten ist. Das Finanz­ge­richt ver­mag dar­aus ins­be­son­de­re nicht zu schlie­ßen, dass mit die­ser Ent­schei­dung ledig­lich die dort zugrun­de­lie­gen­de Sach­ver­halts­ge­stal­tung als Ein­zel­fall be­troffen sein soll­te. Denn die Urteils­be­grün­dung ist sehr viel gene­rel­ler und lässt erken­nen, dass die Grund­sät­ze des Urteils über den dort ent­schie­de­nen Fall hin­aus Gel­tung bean­spru­chen; der Euro­päi­sche Gerichts­hof hat in den Tz. 51 ff aus­ge­führt, Art. 10 VO 574/​72 rege­le, wie sich im Übri­gen sowohl aus sei­ner Über­schrift als auch aus sei­nem Wort­laut erge­be, nur Fäl­le des Zusam­men­tref­fens von Ansprü­chen auf Fami­li­en­leis­tun­gen, die auf­trä­ten, wenn die­se Leis­tun­gen unab­hän­gig von Ver­si­che­rungs- oder Beschäftigungsvorausset­zungen im Wohn­mit­glied­staat des Kin­des und zugleich ent­we­der allein auf­grund der in­nerstaatlichen Rechts­vor­schrif­ten eines ande­ren Mit­glied­staats oder nach u. a. Art. 73 VO 1408/​71 im Beschäf­ti­gungs­mit­glied­staat geschul­det wür­den.
Für die Annah­me, dass in einem bestimm­ten Fall eine sol­che Kumu­lie­rung vor­lie­ge, genü­ge es z. B. nicht, dass der­ar­ti­ge Leis­tun­gen in dem Mit­glied­staat, in dem das Kind woh­ne, geschul­det wür­den und zugleich in einem ande­ren Mit­glied­staat, in dem ein Eltern­teil die­ses Kin­des arbei­te, ledig­lich geschul­det wer­den könn­ten. Aus der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs ergä­be sich näm­lich, dass Fami­li­en­leis­tun­gen nur dann als nach den Rechts­vor­schrif­ten eines Mit­glied­staats geschul­det gel­ten könn­ten, wenn das Recht die­ses Staa­tes dem Fami­lienangehörigen, der dort arbei­te, einen Anspruch auf Gewäh­rung von Leis­tun­gen ver­lei­he. Der Betrof­fe­ne müs­se folg­lich alle in den inter­nen Rechts­vor­schrif­ten die­ses Staa­tes auf­ge­stell­ten – for­mel­len und mate­ri­el­len – Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen erfül­len, zu denen gege­be­nen­falls auch die Vor­aus­set­zung gehö­ren kön­ne, dass ein Antrag auf Gewäh­rung die­ser Leis­tun­gen gestellt wer­de.
In die­sem Zusam­men­hang sei zu beach­ten, dass der Gerichts­hof in ver­schie­de­nen frü­he­ren Urtei­len es für die Beant­wor­tung der Fra­gen in den betref­fen­den Ver­fah­ren für uner­heb­lich befun­den habe, aus wel­chen Grün­den kein Antrag gestellt wor­den sei. Es sei daher davon aus­zu­ge­hen, dass der Anspruch auf Fami­li­en­leis­tun­gen, die nach den Rechts­vor­schrif­ten eines Mit­glied­staats geschul­det wür­den, nach denen – wie bei § 62 EStG – der Erwerb des Anspruchs auf die­se Leis­tun­gen nicht von einer Ver­si­che­rung, Beschäf­ti­gung oder selb­stän­di­gen Tä­tigkeit abhän­gig sei, nicht nach Art. 10 Abs. 1 Buchst. a VO 574/​72 ruhe, wenn die Leis­tun­gen in dem ande­ren Mit­glied­staat des­halb nicht gezahlt wor­den sei­en, weil nicht alle in den Rechts­vor­schrif­ten die­ses Mit­glied­staats auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen für den tat­säch­lich Bezug die­ser Leis­tun­gen, ein­schließ­lich einer vor­he­ri­gen Antrag­stel­lung, erfüllt sei­en. Zwar sei, wie die Fami­li­en­kas­se vor­tra­ge, Art. 76 VO 1408/​71 in der da­mals gel­ten­den Fas­sung, auf die sich die­se frü­he­ren Urtei­le des Euro­päi­schen Gerichts­hofs bezo­gen hät­ten, nach der für jene Rechts­sa­chen maß­ge­ben­den Zeit geän­dert und ein Abs. 2 auf­ge­nom­men wor­den, der es dem Beschäf­ti­gungs­mit­glied­staat ermög­li­chen sol­le, den Anspruch auf Fami­li­en­leis­tun­gen ruhen zu las­sen, wenn im Wohn­mit­glied­staat kein Antrag auf Leis­tungs­ge­wäh­rung gestellt wor­den sei und die­ser Mit­glied­staat folg­lich kei­ne Zah­lung geleis­tet habe.
Die­ser Umstand neh­me den frü­he­ren Ent­schei­dun­gen des Gerichts­hofs aber nicht ihre Bedeu­tung. Dar­über hin­aus erge­be sich aus der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs, dass die uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten zur Koor­di­nie­rung der innerstaatli­chen Rechts­vor­schrif­ten über die sozia­le Sicher­heit ins­be­son­de­re in Anbe­tracht der mit ihnen ver­folg­ten Zie­le – vor­be­halt­lich aus­drück­lich vor­ge­se­he­ner, die­sen Zie­len ent­spre­chen­der Aus­nah­men – so anzu­wen­den sei­en, dass sie dem Wan­de­r­er­werbs­tä­ti­gen oder den ihm gegen­über Berech­tig­ten nicht Leis­tun­gen aberken­nen, die allein nach dem Recht eines Mit­glied­staats gewährt wür­den. Dar­aus fol­ge, dass es die­sen Zie­len wider­sprä­che, eine Anti­ku­mu­lie­rungs­vor­schrift wie Art. 10 VO 574/​72 so aus­zu­le­gen, dass tat­säch­lich nur ein Betrag gewährt wer­de, der nied­ri­ger sei als die ein­zel­nen Leis­tun­gen für sich genom­men.
Ergibt sich damit aus die­sen Ent­schei­dungs­grün­den wie­der­um der Grund­satz des Euro­päi­schen Gerichts­hofs, dass die Vor­schrif­ten der VO 1408/​71 und VO 574/​72 nicht dem Zweck die­nen, im Fal­le der Auf­nah­me einer Beschäf­ti­gung in einem ande­ren Mit­glied­staat Kin­der­geld­an­sprü­che im Wohn­land aus­zu­schlie­ßen, trifft die­ser Gesichts­punkt im Streit­fall voll­ständig zu. Des­we­gen kann auch der feh­len­de Kin­der­geld­an­trag der Klä­ge­rin in den Nie­der­lan­den nicht dazu füh­ren, dass ihr deut­scher Kin­der­geld­an­spruch sus­pen­diert wird.
Im Ergeb­nis bestärkt sieht sich das Finanz­ge­richt in sei­ner Auf­fas­sung durch den Vor­trag der Klä­ge­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung, das Sozi­al­ge­richt habe ihr gera­ten, die nie­derländische Tätig­keit auf­zu­ge­ben, um den deut­schen Kin­der­geld­an­spruch zu erhal­ten. Denn dies erhellt, dass in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art die Anwen­dung des Art. 13 Abs. 2 Buchst. a VO 1408/​71 in der von der Beklag­ten voll­zo­ge­nen Form zu einem Freizügig­keitshemmnis führt, das mit den Grund­frei­hei­ten des EG- bzw. EU-Ver­trags unver­ein­bar ist.
Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 26.Juli 2011 – 8 K 1744/​08
Kin­der­geld und Arbeit in den Nie­der­lan­den Ein Anspruch auf Kin­der­geld kann auch bei zwei Arbeits­stel­len gege­ben sein, wenn sich je eine Arbeitstel­le im Inn­land und eine im Aus­land (im ent­schie­de­nen Fall…
vergl. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 18.12.2009 3 K 3986/​08 Kg, EFG 2010, 651, dort Rz. 31; vergl. auch Inter­net­auf­tritt der Socia­le Ver­ze­ke­rings­bank[↩]
EuGH-Vor­la­ge des BFH vom 30.10.2010, III R 92/​07, BFH/​NV 2009, 456[↩]
vergl. dazu EuGH-Vor­la­ge des BFH vom 21.10.2010, III R 5/​09, BFHE 231, 183, HFR 2011, 313[↩]
BVerfG, Be­schluss vom 08.06.2004 – 2 BvL 5/​00, BVerfGE 110, 412, HFR 2004, 1139[↩]
BVerfG, Beschluss vom 08.06.2004 – 2 BvL 5/​00, BVerfGE 110, 412, HFR 2004, 1139[↩]
vergl. dazu EuGH-Vor­la­ge des BFH vom 30.10.2008 – III R 92/​07, BFHE 223, 358, BSt­Bl II 2009, 923[↩]
vergl. BFH, Urteil vom 21.02.2008 – III R 79/​03, BFHE 220, 439, BSt­Bl II 2009, 916[↩]
EuGH, Urteil vom 20.05.2008 – C- 352/​06, DSt­RE 2009, 1251[↩]
FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 30.08.2010 7 – K 4726/​09 Kg[↩]
BVerfG, Beschluss vom 08.06.2004 – 2 BvL 5/​00, BVerfGE 110, 412, HFR 2004, 1139 und dem die­ser Ent­schei­dung fol­gen­den BFH-Urteil vom 24. März 2006 – III R 41/​05, BFHE 212, 551, BSt­Bl II 2008, 369[↩]
FG Müns­ter, Urteil vom 30.04.2009 – 11 K 998/​06 kg, EFG 2009, 1658 unter Beru­fung auf das EuGH-Urteil vom 07.06.2005 – C – 543/​03 (Dodl); Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 21.12.2010 – 12 K 414/​08, wonach wegen des Bos­mann-Urteils Art. 13 VO 1408/​71 nicht unein­ge­schränkt gilt[↩]
EuGH, Urteil vom 14.10.2010 – C‑16/​09, Schwem­mer, Fam­RZ 2010, 2049[↩]
Arbeit im AuslandArbeitsortKindergeldKindergeldberechtigung

References: Art. 13
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 14
 Art. 72
 Art. 73
 Art. 13

Art. 76
 Art. 73

Art. 10
 Art. 76
 Art. 10
 Art. 73
 Art. 77
 Art. 10
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 14
 Art. 1
 Art. 13
 Art. 13
 EuGH 
 Art. 13
 Art. 42
 Art. 10
 Art. 10
 Art. 10
 Art. 10
 Art. 13
 Art. 10
 Art. 10
 Art. 13
 Art. 10
 Art. 10
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 10
 Art. 73
 Art. 10
 Art. 73
 § 62
 Art. 10
 Art. 76
 Art. 10
 Art. 13
 Art. 13