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Timestamp: 2018-03-24 21:27:24+00:00

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Sportrecht SoSe 2016: Tischvorlage 5
Veröffentlicht von Dr. jur. Burkhard Oexmann am 2016-05-09
Das Pferd im Sportrecht
01. Sportpferderecht (Überblick)
Kaufrecht (vor allem Gewährleistung)
Halterhaftung ex § 833 S. 1 BGB
Tierarzthaftung ex:
§§ 280 I 1, 634 Nr. 4 BGB
§§ 311 III 2, 241 II BGB
Leistungsprüfungsordnung (LPO) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)
Pferdemedikation und Pferdedoping.
02. Pferdekaufrecht
a) Divergenz zwischen Soll- und Ist-Beschaffenheit
Tierärztliche Kaufuntersuchung (klinisch und röntgenologisch) als kaufrechtliche Prophylaxe
Sachmangel des Pferdes analog § 90a S. 3 BGB
Röntgenleitfaden 2007 der Bundestierärztekammer (S. 2 in Kopie anbei)
BGH NJW 2007, 1351: Röntgenologische Normabweichung ohne klinische Relevanz
b) Nacherfüllung gem. § 439 I BGB
Prioritär gegenüber Minderungs- und Rücktrittsrecht
Aber: Stück- statt Gattungskauf
Emotionale Beziehung Käufer – Pferd
Keine Nacherfüllung, wenn die restitutio ad integrum unmöglich und/oder Folgekosten durch tierärztliche Metabehandlung nicht ausgeschlossen („Dackel-O-Bein“)
Oexmann, Zum Begriff des Sachmangels beim Pferdekauf, RdL 2007, 85-88 (Kopie anbei)
Oexmann, Aktuelle Entwicklungen des Pferdekaufrechts, RdL 2008, 113-116
c) Verbrauchsgüterkauf nach §§ 474 ff. BGB
Unternehmerbegriff ex § 14 BGB: Person, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäftes in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt
Grundsatzentscheidung des BGB vom 29.03.2006 (NJW 2006, 2250-2254): Systematisches Auftreten am Markt, Anlegung auf Dauer, unternehmerische Organisation, unerheblich eine Gewinnerzielungsabsicht
d) Kasuistisches Urteil
OLG Zweibrücken vom 30.04.2009 (4 U 103/08): Ponykauf, Beschreibung: Geritten und Turniererfolge; Rücktrittsklage abgewiesen, da Käufer keine Nacherfüllungsfrist gesetzt habe. Urteil bedenklich, da die emotionale Beziehung zwischen Käufer und Pony nicht aufgeklärt.
03. Pferdehalterhaftung (Kasuistik)
OLG Koblenz vom 16.03.2006 zu 5 U 1708/05 (VersR 2007, 407-408)
OLG Hamm vom 25.04.2006 zu 9 U 7/05
LG Erfurt vom 23.02.2007 zu 3 O 1529/06
LG Münster vom 01.06.2007 zu 16 O 558/06
OLG Frankfurt vom 25.02.2009 zu 4 U 210/08 (SpuRt 2009, 255-258)
BGH vom 30.04.2013 zu VI ZR 13/12.
04. Tierarzthaftung
a) Vertragliche Tierarzthaftung ex § 280 I 1 BGB i.V.m. § 276 II BGB. Der Tierarzt
schuldet dem Patienteneigentümer/Auftraggeber:
Aufklärung (nicht Selbstbestimmungsrecht des Patienten, sondern Integritätsinteresse des Pferdeeigentümers)
Art, Zeitpunkt und Umfang der Aufklärung
Drittbezogenheit der Kaufuntersuchung (§ 311 III 2 BGB; Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter)
b) Sieben Detailprobleme
BGH vom 17.03.2009 zu VI ZR 166/08 (Verletzung des TA bei Berufsausübung)
Dokumentation des Tierarztes
Sonderfall: Tierärztliche Pferdekaufuntersuchung
Zug-um-Zug-Verurteilung des Tierarztes.
05. Leistungsprüfungsordnung (LPO)
Aufgabe und Bedeutung der LPO (Auszug in Kopie anbei)
BGH vom 28.11.1994 (SpuRt 1995, 43-51; Kopie anbei): Disziplinargewalt der FN, Inhaltskontrolle sportlicher Regelwerke, Art und Umfang zivilrechtlicher Kontrolle verbandsrechtlicher Sanktionen
Rechtsordnung der FN ex §§ 900 ff. LPO; Schiedsgericht der Landeskommissionen, Großes Schiedsgericht der FN, Disziplinarkommission; verbandsrechtlicher Ausschluss der staatshoheitlichen Jurisdiktion.
a) Definition des Doping beim Pferd:
Pharmakologische und/oder mechanische Beeinflussung des körperlichen Wohlbefindens und/oder der physischen Leistungsfähigkeit des Pferdes im sportlichen Wettbewerb
Beispiele für dopingrelevante Methoden: Medikamente im Sinne des Arzneimittelgesetzes (AMG), Barren mittels Touchierstange, Beinschoner mit scharfkantigen Metallteilen auf der Innenseite
b) ADMR (Ausschnitt in Kopie anbei)
c) Liste der Substanzen sowie der verbotenen Methoden (Kopie anbei)
d) Besonders Problem: Art. 3.1 (Beweislast und Beweismaß); dazu die Definition des
BVerfG und BGH: „Eine Behauptung ist bewiesen, wenn das Gericht von seiner Wahrheit überzeugt ist, ohne dabei unerfüllbare Anforderungen zu stellen. Hierfür genügt, da eine absolute Gewissheit nicht zu erreichen und jede Möglichkeit des Gegenteils nicht auszuschließen ist, ein für das praktische Leben brauchbarer Grad von Gewissheit, der Zweifeln Schweigen gebietet, ohne sie völlig auszuschließen.
Sportrecht SoSe 2016: Tischvorlage 4
Veröffentlicht von Dr. Burkhard Oexmann am 2016-05-09
Verbandseigene Rechtsquellen im Sport (Entstehung, Anwendung und Kontrolle)
01. Art. 9 I GG:
„Prinzip freier sozialer Gruppenbildung“ (ständige Rspr. seit BVerfGE 100, 214 ff.).
02. Schutzgüter des Abwehrrechts ex Art. 9 I GG:
„Selbstbestimmung über die eigene Organisation, das Verfahren ihrer Willensbildung und die Führung der Geschäfte“ (BVerfGE 80, 244 ff.).
03. Ergo:
Art. 9 I GG garantiert die Selbstregelungsbefugnis (Autonomie) der Verbände/Vereine.
04. Kernstücke der Rechtssetzungsbefugnis:
Satzung („Grundgesetz des Vereins“)
Geschäftsordnung („Verwaltungsverfahrensgesetz“ intern + extern)
Spielordnung (= sportartspezifisches Regelwerk der Sportausübung)
Innenorganisation:
Normvollzugskontrolle
05. Schranken der vereinsautonomen Rechtssetzungsbefugnis:
zwingendes staatliches Recht hat Vorrang
Wertungskollisionen sind im Sinne staatlichen Rechts aufzulösen
Vereinsrecht hat Priorität, sofern staatliches Recht dispositiv.
06. Pyramidenstruktur und monistisches Prinzip:
Sportler ? Verein ? Landesverband ? Bundesverband ? Europäischer Verband ? Weltverband
Beispiel Fußball: Mats Hummels (Innenverteidiger) ? Ballsportverein Borrusia 09 e.V. ? westdeutscher Fußballverband e.V. ? deutscher Fußballverband e.V. ? UEFA = Vereinigung europäischer Fußballverbände ? FIFA = Weltfußballverband
Ein-Platz-Prinzip (monistisches Prinzip): Erfordernis der Einheitlichkeit der Spielregeln.
07. Normsetzungsbefugnis der Sportverbände:
Normsetzung und Normanwendung
Geltungsbereich des Vereins- und Verbandsrechts
a)unmittelbare Mitglieder
b)mittelbare Mitglieder (Bindung durch „Satzungsketten“)
c)Nichtmitglieder (Einzelvertrag, Lizenzvertrag, Regelanerkennungsvertrag, AGB)
08. Rechtliche Verknüpfung Sportler-Verband:
Kraft Mitgliedschaft des Sportlers im pyramidalen Sportverband (Ausnahme)
dynamische Verweisung im Regelwerk
qua Anerkenntnisvertrag (Athletenvereinbarung).
09. Regelungsinhalt vereinsautonomer Rechtssetzung an folgenden Beispielen der Turnierreiterei:
Satzung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (§§ 1 bis 14)
Regel 2 der Fußball-Regeln 2014/2015 des Deutschen Fußball-Bundes.
10. „Essentialia negotii“ vereinsautonomer Rechtssetzung:
mindestens sieben Mitglieder (§ 56 BGB)
entweder nichtwirtschaftliche Ausrichtung (§ 21 BGB) oder wirtschaftliche Ausrichtung (§ 22 BGB)
§§ 25, 71 BGB: Vereinssatzung und Satzungsänderung
Mindestinhalt der Satzung (§§ 57 I, 58 BGB): Zweck, Name, Sitz, Eintragungsregime, Eintritts- und Austrittsregeln, Mitgliedsbeitrag, Vorstand, Einberufung der Mitgliederversammlung
Sportartspezifische Spielregeln
fakultativ: Streitregime (Austragung etwaiger Streitigkeiten vor: a) Disziplinarausschuss, b) Schiedsgericht und/oder c) Staatsgerichtsbarkeit).
11. Rechtmäßigkeitsvoraussetzungen für sportverbandliche Normen:
Zustandekommen nach den Verbandsregeln
§ 71 BGB als Mindestvoraussetzung.
12. Verbands- und Schiedsgerichtsbarkeit im Sport:
a) Verbandsgerichtsbarkeit
b) Schiedsgerichtsbarkeit
c) formale Voraussetzungen für die Spruchkörper (Unabhängigkeit und Unpartei-
d) Befugnisse des Spruchkörpers
e) Ausschluss der staatshoheitlichen Gerichtsbarkeit
f) der Fall „Claudia Pechstein“ (als Anlage Urteil OLG München vom 15.01.2015).

References: § 833
 § 90

BGH 
 § 439
 § 14

BGH 
 § 280
 § 276

BGH 

BGH 
 Art. 3
 Art. 9
 Art. 9

Art. 9

§ 71