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Timestamp: 2017-05-25 20:30:45+00:00

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chapter 17 Raphael Kühner, Friedrich Blass, Ausführliche Grammatik der Griechischen Sprache
[*] 17. v in den Homerischen Gedichten.
In den Homerischen Gedichten, wie sie uns
überliefert sind, findet sich keine Spur von dem Zeichen des Digamma. Auch
erwähnen die alten Grammatiker Nichts von dem Gebrauche des Vau bei Homer.
Beide Umstände dürfen uns jedoch nicht befremden. Denn diese
ionisch verfassten Gedichte verloren das geschriebene und das gesprochene Digamma in
demselben Masse, wie der Dialekt es verlor, d. i. sehr früh; die
alexandrinischen Grammatiker hatten daher selbstverständlich nur Exemplare
ohne ϝ im Gebrauche und konnten somit auch Nichts
von dem Digamma bei Homer wissen.1) Dass aber Homer den Laut des Digamma
gekannt und angewendet hat, lässt sich jetzt schon von vorn herein daraus
vermuten, dass die Schwestersprachen diesen Laut besitzen, und daher
derselbe ohne Zweifel der Ursprache angehört hat, aus der die griechische
Sprache hervorgegangen ist. Hierzu treten aber noch thatsächliche
Erscheinungen in den Homerischen Gesängen, welche uns zu der Annahme dieses
Lautes in derselben nötigen. Wir bemerken vorweg, dass in der
Massenhaftigkeit der betr. Erscheinungen vor gewissen Wörtern das
Nötigende liegt, indem vereinzelt derartiges sich auch da findet, wo ein
Konsonant nicht gestanden haben kann, weswegen eben bei manchen, namentlich
selteneren Wörtern für Zweifel genug Raum bleibt. Erstens: die Wörtchen καί,
ἐπεί und alle Encliticae, die auf einen Diphthongen ausgehen, als:
οἱ, τοι, τευ, μοι u. s. w., in welchen Homer
überall, mit Ausnahme sehr weniger Stellen,2) vor einem Vokale den Diphthongen kurz gebraucht, haben denselben vor
einem digammierten Worte sowohl in der Hebung als in der Senkung lang.3) Il. k, 328 καί ϝοι ὄμοσσεν. m, 407 χάζετ᾽ ἐπεί ϝοι θυμὸς ἐϝέλπετο κῦδος
ἀρέσθαι. d, 17 πᾶσι φίλον καὶ ϝηδὺ γένοιτο.
x, 510 γυμνόν: ἀτάρ τοι ϝείματ᾽ ἐνὶ
μεγάροισι κέονται. a, 124 οὐδέ τί που
ϝίδμεν. s, 192 ἄλλου δ̓ οὔ τευ ϝοῖδα. b, 215 ἀλλ᾽ ὅτι ϝοι ϝείσαιτο. Ebenso
andere Wörter auf αι, οι u. s. f., gerade
auch in der Senkung des Verses: Il. w, 479 δεινὰς ἀνδροφόνους, αἵ ϝοι πολέας κτάνον υἷας.
Od. e, 106 τῶν ἀνδρῶν, οἳ
ϝάστυ πέρι Πριάμοιο μάχοντο. Zweitens: während die Verlängerung einer kurzen konsonantisch
auslautenden Endsilbe ausser vor der männlichen Cäsur des III.
Fusses nur sehr selten stattfindet, tritt sie öfter vor einem digammierten
Worte ein. Il. i, 284 γαμβρός
κέν ϝοι ἔοις. e, 836 χειρὶ πάλιν ϝερύσας᾿.
i, 56 οὐδὲ πάλιν ϝερέει.
— y, 298 ἀλλ᾽
αὐτοῦ τέρποιτο μένων: μέγα γάρ ϝοι ἔδωκεν. w,
583 νόσφιν ἀειράσας, ὡς μὴ Πρίαμος ϝίδοι υἱόν. g, 372 ὃς ϝοι ὑπ᾽ ἀνθερεῶνος. z, 351 ὃς ϝῄδη (besser ϝείδη). i,
147 πρὸς ϝοῖκον. In der Senkung findet die
Verlängerung nur vor dem Pron. ϝέο und vor
Formen der Wurzel ϝιδ statt, s. § 19.
Ferner: die Verlängerung einer kurzen vokalisch auslautenden Endsilbe vor
einem folgenden Vokale findet in der Senkung nie und in der Hebung höchst
selten, vor den digammierten Wörtern ἕο, ἕθεν,
οἷ, ὅς, ἑκυρός, ἰκέλη, ἰακή, ἰάχων hingegen an einigen
Stellen statt, als: ἀπὸ̂ ϝέο Il. e, 343, ἀπὸ̂ ϝέθεν z, 62, προτὶ̂ ϝοῖ f,
507, τό̂ ϝοι x, 307, πόσεῗ ϝῷ e, 71, θυγατέρᾶ ϝήν e,
371, ἐπίσταιτο̂ ϝῇσι φρεσίν c, 92,
οὐδὲ̂ ϝοὺς παῖδας b, 832, φίλε̂ ϝεκυρέ g, 172, ἀνδρὶ̂ ϝικέλη d,
86, γένετο̂ ἰαχή δ, 456.4) Drittens: die unerlaubten Hiatus5）
werden durch die digammierten Wörter aufgehoben. Il. ζ, 203 Fίσανδρον δέ ϝοι υἱὸν Ἄρης ἆτος
πολέμοιο. w, 778 ἄξετε νῦν, Τρῶες, ξύλα
ϝάστυδε, μηδέ τι θυμῷ. b, 803 πολλοὶ γὰρ
κατὰ ϝάστυ. z, 505 ἀνὰ ϝάστυ. b, 261 εἰ μὴ ἐγώ σε λαβὼν ἀπὸ μὲν φίλα
ϝείματα δύσω. a, 85 θαρσήσας μάλα ϝειπέ. b, 38 νήπιος, οὐδὲ τὰ ϝῄδη (ϝείδη), ἅ ῥα Ζεὺς μήδετο
ϝέργα. u, 122 δευέσθω, ἵνα ϝείδῃ.
Viertens: οὐ vor
einem Vokale statt οὐκ (οὐχ), nur bei dem Pron. der 3. Person. Il. b, 392 οὔ ϝοι. a,
114 οὔ ϝεθεν. w, 214 οὔ ϝε.
Fünftens: das syllabische Augment vor einem
Vokale zeigt das ϝ an, als: ἔαξε, d. i. ἔϝαξε, κατέϝαξε v.
ϝάγνυμι, ἔειπας d. i. ἔϝειπας, ἑέσσατο d. i. ἐϝέσσατο
v. ϝέν-νυμι; die Reduplikation im Pf. u. Plusq.,
als: ϝέϝολπα, ϝέϝοικε, ϝέϝοργα. Das ν ἐφελκυστικὸν fällt weg, als: δαῖέ ϝοι Il. e, 4, οἵ κέ ϝε i, 155, ἐνὼ
ϝιδέειν Il. ε, 475 (nicht ἐγών); die elisionsfähigen Vokale in
Kompositionen und bei Präpositionen erleiden keine Veränderung,
als: κακοϝεργός, θεοϝειδής, μενο εικής, κατὰ ϝάστυ, ἀνὰ
ϝάστυ (nie κατ᾽ ἄστυ, ἀν᾽ ἄστυ),
μετὰ ϝέθνος Il. h, 115, ἀπὸ ϝῆς Il. b, 292, ὑπόϝειξιν, ἐπιϝάνδανε u.
s. w.; statt ἀν- (α
privat.) tritt ἀ vor, als ἀεικής, ἀελπτέοντες, ἀαγής. Dass
auch mehrere Wörter, welche in unserem jetzigen Homerischen Texte mit einem
einfachen Konsonanten anlauten, zu Homers Zeit noch Digamma hinter demselben hatten,
werden wir § 19 sehen. Anmerk. Über das
Digamma bei Hesiod s. Rzach, hes. Untersuch. (Prag 1875); Fl. Jahrb., Suppl. VIII,
377; Flach, D. dial. Dig. b. Hesiod, Berl. 1876; über das Dig. in den
späteren epischen Dichtungen (Homer. Hymnen u. s. w.) Flach in Bezzenb.
Btr. II, 1 ff. 1 Vgl. Giese, Aeol. D. S.
169. — Es ist gleichwohl nicht unmöglich, dass schon alte
Grammatiker auf den Gedanken gekommen wären, dass die Fülle der
unerlaubten Hiate bei Homer wie bei Pindar, Epicharm u. a. Dichtern sich auf diese
Weise erkläre. Vgl. Dionys. A. R. I, 20: ἔθος
ἦν τοῖς ἀρχαίοις Ἕλλησιν ὡς τὰ πολλὰ προτιθέναι τῶν ὀνομάτων,
ὁπόσων αἱ ἀρχαὶ ἀπὸ φωνηέντων ἐγίνοντο, τὴν ο̂ῦ συλλαβὴν ἑνὶ
στοιχείῳ γραφομένην —, ὡς Fελένη καὶ ϝάναξ καὶ ϝοῖκος καὶ ϝαὴρ
καὶ πολλὰ τοιαῦτα.2 S. C.
J. A. Hoffmann, Quaestiones Homer. I, § 60. Hartel, Hom. Stud. II, 353
ff.3 S. Hoffmann II, cap. 2.4 Ebendas.
II., § 156 sqq.5 Über die erlaubten Hiatus s. C. J. A. Hoffmann, Quaestiones Homer.
II, § 46 sqq., § 66: Sunt autem, quae metrica versus heroici
ratione hiatum optime possint ferre, versus regiones tres: caesura trochaica pedis
tertii, finis pedis quarti, thesis (d. Ende des daktylischen) pedis primi.

References: § 19
 § 19
 § 60
 § 156
 § 46
 § 66