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Timestamp: 2017-02-21 05:20:18+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 17 Sa 1410/10
Diskriminierung: Alter, Diskriminierung: Bewerbung, Altersdiskriminierung, Diskriminierung: Entschädigung
Ein ab­ge­lehn­ter Be­wer­ber um ei­ne Stel­le kann ei­ne Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG nur for­dern, wenn er für die Stel­le ob­jek­tiv ge­eig­net war und ein an­de­rer Be­wer­ber ein­ge­stellt wor­den ist.
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 6.05.2010, 54 Ca 19216/09
Verkündet am 10.11.2010 Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 17 Sa 1410/10
54 Ca 19216/09Ar­beits­ge­richt Ber­lin Z., JHSals Ur­kunds­be­am­ter/in der Geschäfts­stel­le Im Na­men des Vol­kes Ur­teil
pp hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 17. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 10. No­vem­ber 2010durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt D. als Vor­sit­zen­derso­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr W. und Herr D.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 06.05.2010 - 54 Ca 19216/09 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen. II. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen. D. W. W. G.D.
Der Kläger for­dert von der Be­klag­ten ei­ne Entschädi­gung we­gen Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung.
Die Be­klag­te schrieb un­ter dem 22. Ju­ni 2009 Stel­len für „Net Ent­wick­ler“ und „SQL Da­ten­bank­ent­wick­ler“ aus, wo­bei „zwei frei­be­ruf­li­che Mit­ar­bei­ter … zwi­schen 25 und 35 Jah­ren“ ge­sucht wur­den. Der am ….. 1956 ge­bo­re­ne Kläger be­warb sich er­folg­los auf ei­ne die­ser Stel­len. Die Be­klag­te sah letzt­lich von ei­ner Ein­stel­lung von Mit­ar­bei­tern ab. Mit sei­ner Kla­ge hat der Kläger die Be­klag­te auf Zah­lung ei­ner Entschädi­gung in Höhe von 26.400,00 EUR in An­spruch ge­nom­men, weil die Be­klag­te ihn we­gen sei­nes Al­ters dis­kri­mi­niert ha­be. Die Be­klag­te ist der Kla­ge ent­ge­gen­ge­tre­ten. Von der wei­te­ren Dar­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Sach­ver­halts wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se­hen. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge durch ein am 6. Mai 2010 verkünde­tes Ur­teil ab­ge­wie­sen. Es könne nicht an­ge­nom­men wer­den, dass der Kläger für die aus­ge­schrie­be­nen Stel­len ob­jek­tiv ge­eig­net ge­we­sen sei; dies ste­he dem Entschädi­gungs­an­spruch ent­ge­gen. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen. Ge­gen die­ses ihm am 23. Ju­ni 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 30. Ju­ni 2010 ein­ge­leg­te und in­ner­halb der verlänger­ten Be­ru­fungs­be­gründungs­frist be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers. Der Kläger hält sei­ne Kla­ge un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Sach­vor­trags wei­ter­hin für be­gründet. Er ha­be ent­ge­gen der An­nah­me des Ar­beits­ge­richts die Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen erfüllt. Dass es nicht zu ei­ner Stel­len­be­set­zung ge­kom­men sei, hält der Kläger für un­er­heb­lich.
die Be­klag­te un­ter Ände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 6. Mai 2010 – 54 Ca 19216/09 – zu ver­ur­tei­len, an ihn 26.400,00 EUR zu zah­len.
die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Sie ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf den In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze vom 23. Sep­tem­ber und 28. Ok­to­ber 2010 Be­zug ge­nom­men. Ent­schei­dungs­gründe
Die Be­ru­fung ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Dem Kläger steht ein An­spruch auf Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG nicht zu.
1. Beschäftig­te können nach § 15 Abs. 2 AGG we­gen ih­res Scha­dens, der nicht Vermögens­scha­den ist, ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld for­dern, wenn sie we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des – z.B. we­gen ih­res Al­ters – be­nach­tei­ligt wer­den (§ 7 Abs. 1 AGG); da­bei gel­ten Be­wer­ber für ein Beschäfti­gungs­verhält­nis als Beschäftig­te (§ 6 Abs. 1 Satz 2 AGG). Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung ist gemäß § 3 Abs. 1 AGG ge­ge­ben, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. Geht es um die Be­set­zung ei­ner Stel­le, kommt
ei­ne Be­nach­tei­li­gung ei­nes ab­ge­lehn­ten Be­wer­bers nur in Be­tracht, wenn er ob­jek­tiv für die Stel­le ge­eig­net ge­we­sen wäre (BAG, Ur­teil vom 18. März 2010 – 8 AZR 1044/08 – NZA 2010, 1129 ff.); fehlt es an ei­ner ob­jek­ti­ven Eig­nung des Be­wer­bers, be­fin­det er sich nicht in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on mit dem Be­wer­ber, der den Vor­zug er­hal­ten hat. Fer­ner muss die Stel­le tatsächlich be­setzt wor­den sein. Dass ei­ne Stel­len­be­schrei­bung ge­gen ei­nen oder meh­re­re der in § 1 AGG ge­nann­ten Gründe verstößt, be­deu­tet für sich ge­nom­men noch nicht, dass ein ab­ge­lehn­ter Be­wer­ber we­gen die­ser Gründe auch be­nach­tei­ligt wur­de. Hierfür ist es viel­mehr er­for­der­lich, dass ein an­de­rer Be­wer­ber ein­ge­stellt wur­de und da­mit den Vor­zug ge­genüber dem ab­ge­lehn­ten Be­wer­ber er­hal­ten hat. Denn nur dann erfährt der ab­ge­lehn­te Be­wer­ber ei­ne ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung als ei­ne an­de­re Per­son.
2. Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze er­weist sich die Kla­ge schon des­halb als un­be­gründet, weil die zunächst aus­ge­schrie­be­nen Stel­len von der Be­klag­ten nicht be­setzt wor­den sind. Es kann da­her da­hin­ste­hen, ob der Kläger – wie von ihm in der Be­ru­fungs­in­stanz im Ein­zel­nen ge­schil­dert – für die Stel­len ob­jek­tiv ge­eig­net ge­we­sen ist. Auch ist es oh­ne Be­deu­tung, dass die er­folg­te Stel­len­aus­schrei­bung, die nur Be­wer­ber im Al­ter von 25 bis 35 Jah­ren an­spre­chen soll­te, bei ei­ner Be­set­zung der Stel­le aus­rei­chend auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG hin­ge­deu­tet hätte. Denn der Kläger hat kei­ne schlech­te­re Be­hand­lung als die übri­gen Be­wer­ber er­fah­ren, die eben­falls nicht ein­ge­stellt wor­den sind.
3. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set-zun­gen für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on la­gen nicht vor.
Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Der Kläger wird auf die Möglich­keit hin­ge­wie­sen, die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on durch selbständi­ge Be­schwer­de (§ 72 a ArbGG) an­zu­fech­ten.
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References: § 15
 § 69
 § 15
 § 15
 § 1
 § 3
 § 1
 § 1
 § 7
 § 97