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Timestamp: 2017-03-24 17:50:40+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 7 Sa 532/15
Befristung: Missbrauch, Befristung: Sachgrund, Befristung: Kettenbefristung, Kettenbefristung
Es stellt ei­nen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch dar, wenn der Ar­beit­ge­ber bei ei­nem nach § 14 Abs.1 S.2 Nr.1 Tz­B­fG be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ei­ne weit hin­ter dem pro­gnos­ti­zier­ten Mehr­be­darfs­zeit­raum zurück­blei­ben­de Be­fris­tungs­dau­er wählt (hier höchs­tens 20 % des mehrjähri­gen Zeit­raums mit Beschäfti­gungs­mehr­be­darf), um sich die Möglich­keit of­fen zu hal­ten, das Per­so­nal – un­abhängig von ei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Er­pro­bung – un­ter Leis­tungs­ge­sichts­punk­ten be­lie­big aus­tau­schen zu können.
Arbeitsgericht Köln, 14 Ca 6837/14
Te­nor: Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 24.03.2015 in Sachen14 Ca 6837/14 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Be­klag­te ist der Auf­fas­sung, dass die mit Verlänge­rungs­ver­trag vom 10.12.2013 vor­ge­nom­me­ne streit­ge­genständ­li­che Be­fris­tung desAr­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en auf den 31.08.2014 durch den Be­fris­tungs­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG sach­lich ge­recht­fer­tigt sei. Dies ha­be das Ar­beits­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung zu Un­recht of­fen ge­las­sen. Un­strei­tig ha­be die Auf­le­gung des Fonds Heim­er­zie­hung ei­nen vorüber­ge­hend erhöhten Beschäfti­gungs­be­darf her­vor­ge­ru­fen, der je­doch nur bis zum En­de der Fonds-Lauf­zeit am 31.12.2016 (be­tref­fend die B D ), bzw. 31.12.2017 (be­tref­fend die ehe­ma­li­ge D ) zeit­lich be­grenzt sei. Die Be­fris­tungs­dau­er müsse mit der Dau­er des erhöhten Beschäfti­gungs­be­darfs nicht übe­rein­stim­men, son­dern könne auch hin­ter die­ser zurück­blei­ben, z. B. um sich die Möglich­keit ei­nes späte­ren Per­so­nal­aus­tauschs of­fen zu hal­ten. Zwar sei zum Zeit­punkt der Be­fris­tungs­verlänge­rung ein ge­ne­rell stei­gen­der Per­so­nal­be­darf ein­ge­plant ge­we­sen. Dem ha­be je­doch die Über­nah­me von 10 Aus­zu­bil­den­den des Aus­bil­dungs­jahr­gangs 2011 zum Ju­li 2014 ge­genüber ge­stan­den. So­weit darüber hin­aus in der Geschäfts­stel­le Fonds Heim­er­zie­hung Ar­beits­verträge von be­fris­tet Beschäftig­ten verlängert wor­den sei­en, sei die Aus­wahl nach Eig­nung, Leis­tung und Befähi­gung er­folgt.
Die Be­klag­te wen­det sich fer­ner da­ge­gen, dass das Ar­beits­ge­richt in der streit­ge­genständ­li­chen Be­fris­tung ei­nen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch ge­se­hen ha­be. Das Ar­beits­ge­richt ha­be da­bei die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch feh­ler­haftan­ge­wen­det. So ha­be das Bun­des­ar­beits­ge­richt bei ei­ner Be­fris­tungs­ge­samt­dau­er von 7 Jah­ren und 9 Mo­na­ten bei ei­ner drei­ma­li­gen Be­fris­tungs­verlänge­rung noch kei­nen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch fest­stel­len können. Auch lie­ge kein Fall vor, in de­nen ei­ne Viel­zahl sehr kurz­fris­ti­ger ta­ge- oder wo­chen­wei­ser Be­fris­tung an­ein­an­der­ge­reiht wor­den sei­en.
Die Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin be­an­tragt nun­mehr, das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 24.03.2015, Ak­ten­zei­chen 14 Ca 6837/14, ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Die Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt, die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen. Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, dass das Ar­beits­ge­richt Köln zu Recht dar­auf ab­ge­stellt ha­be, dass die ver­ein­bar­te Be­fris­tungs­dau­er 2,65 bzw. 3,5 Jah­re hin­ter der Lauf­zeit der bei­den Fonds Heim­er­zie­hung zurück­blei­be und die Be­klag­te nicht kon­kret vor­ge­tra­gen ha­be, wie sich die Ein­stel­lungs­ver­pflich­tung von Aus­zu­bil­den­den auf den Beschäfti­gungs­be­darf aus­wir­ke und wel­che Pro­gno­se der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zu­grun­de ge­le­gen ha­be. Fer­ner ha­be das Ar­beits­ge­richt zu Recht bemängelt, dass es am kon­kre­ten Vor­trag zu den ge­ge­be­nen­falls während der Fonds­lauf­zeit un­ter­schied­li­chen per­so­nel­len Be­dar­fen ge­fehlt ha­be.
Das Ar­beits­ge­richt ha­be zu­tref­fend auch ei­nen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch in der strei­ti­gen Be­fris­tung ge­se­hen. Da­bei ha­be es ge­ra­de nicht auf die Ge­samt­dau­er und die An­zahl der be­fris­te­ten Verträge ab­ge­stellt, son­dern auf die wei­te­ren Umstände des Ein­zel­falls. Die­se sei­en vor­lie­gend da­durch ge­prägt, dass die Be­klag­te den ver­meint­li­chen Be­fris­tungs­grund des erhöhten Beschäfti­gungs­be­darfs da­zu miss­braucht ha­be, das Kündi­gungs­schutz­ge­setz zu um­ge­hen und sich durch die weit hin­ter dem erhöhten Beschäfti­gungs­be­darf zurück­blei­ben­deBe­fris­tungs­dau­er ei­nen Per­so­nal­aus­tausch un­ter ver­meint­li­chen Eig­nungs- und Leis­tungs­ge­sichts­punk­ten zu ermögli­chen.
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 24.03.2015 ist zulässig. Die Be­ru­fung ist gemäß § 64 Abs. 2 c) ArbGG statt­haft. Sie wur­de auch nach Maßga­be der in § 66 Abs. 1 ArbGG ent­hal­te­nen Re­geln form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet.
b. Grund­la­ge für die Recht­spre­chung des BAG zur Ver­tre­tungs­be­fris­tung war die Über­le­gung, dass es der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dungs­frei­heit des Ar­beit­ge­bers über­las­sen blei­ben müss­te, ob der Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­ka­pa­zität ei­nes vorüber­ge­hend aus­fal­len­den Ar­beit­neh­mers über­haupt durch ei­ne Ver­tre­tungs­kraft kom­pen­sie­ren will oder ob er sich z. B. dafür ent­schei­den will, den Aus­fall durch die noch vor­han­de­nen Ar­beits­kräfte auf­zu­fan­gen und da­bei ge­ge­be­nen­falls in Kauf zu neh­men, dass die Er­le­di­gung von Ar­beits­auf­ga­ben länger dau­ert oder be­stimm­te Ar­beits­auf­ga­ben vorüber­ge­hend nicht aus­geführt wer­den. Kon­se­quenz aus die­ser Über­le­gung ist, dass es dem Un­ter­neh­mer dann auch frei­ge­stellt sein müss­te, den vorüber­ge­hen­den Ar­beits­aus­fall ei­nes Mit­ar­bei­ters nur teil­wei­se, al­so für ei­nen Teil des Aus­fall­zeit­raums, durch ei­nen Ver­tre­ter ab­zu­de­cken (Nach­wei­se bei APS-Back­haus, § 14 Tz­B­fG Rd­nr. 48, 332). c. Über­tra­gen auf den Be­fris­tungs­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Zif­fer 1 Tz­B­fG be­deu­tet dies, dass auch ein Un­ter­neh­mer, auf des­sen Be­trieb – z. B. auf Grund äußerer Ein­flüsse – ein erhöhter Beschäfti­gungs­be­darf zu­kommt, sich da­zu ent­schei­den kann, die­sen erhöhten Beschäfti­gungs­be­darf nicht durch ei­ne zeit­lich be­fris­te­te Erhöhung der An­zahl von Ar­beits­kräften auf­zu­fan­gen, son­dern in Kauf zu neh­men, dass eben Ar­beits­auf­ga­ben lie­gen blei­ben oder de­ren Er­le­di­gung länger dau­ert. Kon­se­quenz hier­aus wäre wie­der­um, dass auch im Fal­le des Be­fris­tungs­grun­des des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG der Ar­beit­ge­ber die Ent­schei­dung tref­fen kann, den vorüber­ge­hend erhöhten Beschäfti­gungs­be­darf nur für ei­nen Teil­zeit­raum sei­ner er­war­te­ten Dau­er durch die Beschäfti­gung zusätz­li­cher, mit be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen aus­ge­stat­te­ter Ar­beits­kräfte auf­zu­fan­gen. (Nur) in die­ser Hin­sicht er­scheint die Sach­la­ge bei den Ver­tre­tungs­gründen der §§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und 3 Tz­B­fG ver­gleich­bar. d. Auch mit Hil­fe die­ser Über­le­gun­gen ver­mag die Be­klag­te je­doch die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges der Kläge­rin auf den 31.08.2014 nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG nicht zu recht­fer­ti­gen.
III. Die Kos­ten­fol­ge er­gibt sich aus § 97 I ZPO. Ein ge­setz­li­cher Grund für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on ist nicht er­kenn­bar. Im Hin­blick auf die eu­ro­pa­rechts­kon­for­me Aus­le­gung des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG war auch ei­ne Vor­la­ge des Rechts­streits an den Eu­ropäischen Ge­richts­hof nicht an­ge­zeigt.
RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein wei­te­res Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird vor­sorg­lich auf § 72a ArbGG ver­wie­sen.	m.hensche.de
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References: § 14
 § 14
 § 64
 § 66
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 97
 § 14
 § 72