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Timestamp: 2016-09-30 03:12:59+00:00

Document:
6B_70/2015 (20.04.2016)
6B_70/2015 � � Urteil vom 20. April 2016
1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Z�rich,
vertreten durch Rechtsanw�ltin
lic. iur. Snezana Blickenstorfer,
Willk�r (Vergewaltigung, sexuelle N�tigung); Strafzumessung,
Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Z�rich, I. Strafkammer, vom 23. September 2014.
Die Staatsanwaltschaft erhob gegen X.________ unter anderem Anklage wegen mehrfacher Vergewaltigung, N�tigung, sexueller N�tigung und versuchter Vergewaltigung zu Lasten seiner damaligen Ehefrau A.________. Sie wirft ihm zusammengefasst vor, w�hrend der Ehe von Dezember 2006 bis M�rz 2007 regelm�ssig einmal am Wochenende gegen den Willen seiner damaligen Ehefrau den Geschlechtsverkehr mit ihr erzwungen zu haben. Er soll ihr mehrmals damit gedroht haben, den gemeinsamen Sohn zu entf�hren und ihr Gesicht zu verunstalten, falls sie ihn verlasse. Im M�rz 2010 - als sie bereits getrennt lebten - soll er sie gegen ihren Willen w�hrend einiger Minuten mit einem Vibrator vaginal penetriert haben und bei einem weiteren Vorfall mit zwei Fingern vaginal gegen ihren Willen in sie eingedrungen sein und anschliessend versucht haben, sie zu vergewaltigen. Hiervon habe er nur Abstand genommen, da der gemeinsame Sohn aufgewacht sei und nach seiner Mutter gerufen habe.
Weitere Strafverfahren wegen sexueller Handlungen mit Kindern zum Nachteil des gemeinsamen Sohnes, sexueller N�tigung, N�tigung, Vernachl�ssigung der Unterhaltspflicht (alles zum Nachteil von A.________) und Widerhandlung gegen das Ausl�ndergesetz wurden eingestellt.
Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte X.________ am 23. August 2013 wegen versuchter und mehrfacher vollendeter Vergewaltigung, sexueller N�tigung, mehrfacher N�tigung und weiterer Straftaten (T�tlichkeiten, Fahrens ohne Berechtigung und Verletzung von Verkehrsregeln) zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten und einer Busse von Fr. 300.-. Es verpflichtete ihn, A.________ eine Genugtuung von Fr. 10'000.- zu zahlen und wies deren Genugtuungsbegehren im Mehrbetrag ab.
X.________ erhob gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung. Die Staatsanwaltschaft erkl�rte hinsichtlich des Strafmasses Anschlussberufung. Mit Pr�sidialverf�gung vom 2. Mai 2014 wies die Verfahrensleitung des Obergerichts u.a die Beweisantr�ge von X.________ auf Erstellung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens und Einvernahme von A.________ ab. Das Obergericht des Kantons Z�rich verurteilte X.________ am 23. September 2014 wegen sexueller N�tigung, versuchter Vergewaltigung und mehrfacher N�tigung unter Ber�cksichtigung der nicht angefochtenen erstinstanzlichen Schuldspr�che zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten und einer Busse von Fr. 300. - als teilweise Zusatzstrafe zu einem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Z�rich-Sihl. Vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung sprach es ihn frei. Es verpflichtete ihn, A.________ eine Genugtuung von Fr. 3'000.- zu zahlen und wies die Genugtuungsforderung im Mehrbetrag ab.
X.________ f�hrt Beschwerde in Strafsachen und beantragt sinngem�ss, das obergerichtliche Urteil sei aufzuheben und an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Er sei von den Vorw�rfen der versuchten Vergewaltigung, der sexuellen N�tigung und der mehrfachen N�tigung freizusprechen. Er ersucht um aufschiebende Wirkung seiner Beschwerde.
Das Obergericht und die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Z�rich haben auf Vernehmlassungen verzichtet. A.________ schliesst auf Abweisung der Beschwerde und ersucht um unentgeltliche Rechtspflege.
1.1.�Der Beschwerdef�hrer r�gt eine Verletzung von Art. 182 und Art. 343 StPO und eine darauf beruhende willk�rliche Sachverhaltsfeststellung. Er habe mit der Berufungserkl�rung die Erstellung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens in Bezug auf die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 und deren pers�nliche Befragung anl�sslich der Berufungsverhandlung beantragt, was die Vorinstanz abgelehnt habe. Die Einholung eines Gutachtens sei erforderlich, da die Beschwerdegegnerin 2 ihn bereits in anderen Strafverfahren zu Unrecht belastet und viele strafrechtlich relevante Vorw�rfe erstmalig im Rahmen der staatsanwaltlichen Einvernahmen erhoben habe. Es gebe deutliche Anzeichen f�r Suggestiveffekte bei der staatsanwaltlichen Einvernahme und die ihm vorgeworfenen Handlungen l�gen lange zur�ck.
Obwohl es sich um eine klassische "Aussage gegen Aussage"-Situation handle und die Schuldspr�che einzig auf den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 beruhten, sei diese nie gerichtlich einvernommen worden. Die Videoaufzeichnungen der staatsanwaltlichen Befragungen k�nnten diesen Mangel nicht heilen. Sie erm�glichten zwar eine Einsch�tzung des Aussageverhaltens, jedoch nicht die unmittelbare Befragung der Beschwerdegegnerin 2 und die Beleuchtung von Widerspr�chen und Diskrepanzen durch das Gericht. Trotz klarer Hinweise auf Widerspr�chlichkeiten in den Aussagen bejahe die Vorinstanz deren Glaubhaftigkeit. Soweit sie �berhaupt darlege, warum sie die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 als lebensnah, detailreich, anschaulich und authentisch halte, begr�nde sie dies ausschliesslich mit Schilderungen von Umst�nden, die den Tatvorw�rfen vorausgingen, sich jedoch nicht auf das strafrechtliche Kerngeschehen bez�gen.
1.2.�Die Vorinstanz erw�gt, als Beweismittel l�gen die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 und des Beschwerdef�hrers vor. Zwar liege eine "Aussage gegen Aussage"-Konstellation vor, bei der ein pers�nlicher Eindruck der Parteien wichtig sei, jedoch ergebe sich aufgrund der Videobefragungen ein umfassender Eindruck des Aussageverhaltens der Beschwerdegegnerin 2, unabh�ngig davon, dass diese nicht pers�nlich durch das Gericht befragt worden ist. Den Ausf�hrungen des erstinstanzlichen Gerichts zur Glaubw�rdigkeit der Beschwerdegegnerin 2 sei zuzustimmen.
Der angeklagte Sachverhalt der mehrfachen N�tigung sei gest�tzt auf die vorstehenden Erw�gungen zur Glaubw�rdigkeit der Beschwerdegegnerin 2 und unter Verweis auf die zutreffenden Erw�gungen des Bezirksgerichts erstellt. Der Beschwerdef�hrer sei gest�ndig, einmal ge�ussert zu haben, den gemeinsamen Sohn (im Falle der Trennung) zu entf�hren. Es sei nicht ersichtlich, warum die Beschwerdegegnerin 2 die Drohung, er werde ihr Gesicht verunstalten, erfunden haben sollte. H�tte sie den Beschwerdef�hrer falsch belasten wollen, h�tte es gen�gt, ihn der (einmal) angedrohten Kindesentf�hrung zu beschuldigen. Der Beschwerdef�hrer habe einger�umt, nachvollziehen zu k�nnen, dass die Beschwerdegegnerin 2 aufgrund seiner �usserung Angst gehabt habe.
Entgegen der Auffassung des Bezirksgerichts seien die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 zum Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung w�hrend der Ehe (Dezember 2006 bis M�rz 2007) inkonstant und wiesen �berdies eine deutliche Aggravierungstendenz auf. In ihrer ersten Einvernahme habe die Beschwerdegegnerin 2 verneint, jemals gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr mit dem Beschwerdef�hrer gehabt zu haben. Er habe immer vorher aufgeh�rt, wenn sie den Geschlechtsverkehr nicht gewollt habe. In den folgenden Einvernahmen habe sie hingegen angegeben, der Beschwerdef�hrer habe sie teilweise geschlagen oder ihr mit Gewalt gedroht, wenn sie sich geweigert habe. Das unterschiedliche Aussageverhalten spreche gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin 2 den Geschlechtsverkehr jeweils einfach �ber sich habe ergehen lassen, auch wenn sie keine Lust darauf gehabt habe, so wie sie es zu Beginn des Strafverfahrens ausgesagt habe. Aufgrund der divergierenden und aggravierenden Aussagen best�nden erhebliche Zweifel, dass die Beschwerdegegnerin 2 sich mit gen�gender Deutlichkeit gegen die Ann�herungen des Beschwerdef�hrers zur Wehr gesetzt habe und f�r diesen erkennbar gewesen sei, dass sie keinen Geschlechtsverkehr wolle.
Hinsichtlich der sexuellen N�tigung und der versuchten Vergewaltigung k�nne auf die zutreffende Zusammenfassung der Aussagen des Beschwerdef�hrers und der Beschwerdegegnerin 2 durch das erstinstanzliche Gericht verwiesen werden. Es best�nde kein Anlass, an den authentischen Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 zu zweifeln. Dass sie die beiden �hnlich gelagerten F�lle der sexuellen N�tigung und der versuchten Vergewaltigung zun�chst durcheinander gebracht und dies auch einger�umt habe, spreche f�r die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Ihre Schilderungen seien detailreich, authentisch und glaubhaft, insbesondere wie es zur sexuellen N�tigung gekommen sei. Ebenso spreche f�r die Glaubhaftigkeit der Aussagen, dass die Beschwerdegegnerin 2 sich an Details erinnern k�nne, die der Tat voraus gegangen seien. Die eingeklagten Sachverhalte der sexuellen N�tigung und der versuchten Vergewaltigung seien gest�tzt auf die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 und mit der Vorinstanz erstellt.
1.3.�Das Rechtsmittelverfahren beruht auf den Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind (Art. 389 Abs. 1 StPO). Beweisabnahmen des erstinstanzlichen Gerichts werden im Rechtsmittelverfahren nur unter den in Art. 389 Abs. 2 StPO genannten Voraussetzungen wiederholt. Nach Abs. 3 der Vorschrift erhebt die Rechtsmittelinstanz von Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei die erforderlichen zus�tzlichen Beweise. Eine unmittelbare Beweisabnahme im Rechtsmittelverfahren hat gem�ss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO auch zu erfolgen, wenn eine solche im erstinstanzlichen Verfahren unterblieb oder unvollst�ndig war und die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels f�r die Urteilsf�llung notwendig erscheint. Der Wahrheits- und Untersuchungsgrundsatz gilt auch im Rechtsmittelverfahren (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteil 6B_430/2015 vom 15. Juni 2015 E. 2.2; je mit Hinweisen).
Die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels erscheint f�r die Urteilsf�llung als notwendig im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO, wenn sie den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann. Dies ist namentlich der Fall, wenn die Beweiskraft des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abh�ngt, der bei seiner Pr�sentation entsteht, beispielsweise wenn es in besonderem Masse auf den unmittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage ankommt, so etwa wenn Aussage gegen Aussage steht. Das Gericht verf�gt beim Entscheid �ber die Frage, ob die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO f�r die Urteilsf�llung notwendig erscheint, �ber einen Ermessensspielraum (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2; 6B_430/2015 vom 15. Juni 2015 E. 2.3.2; je mit Hinweisen).
1.4.1.�Die Vorinstanz verletzt Bundesrecht, indem sie den Antrag auf Einvernahme der Beschwerdegegnerin 2 abweist. In "Aussage gegen Aussage"-Situationen, in denen keine weiteren Sachbeweise oder Indizien vorliegen, ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung die unmittelbare Wahrnehmung der aussagenden Personen durch das Sachgericht grunds�tzlich unverzichtbar. Fehlt es an einer gerichtlichen Einvernahme, beruht die Aussagew�rdigung auf einer unvollst�ndigen Grundlage (vgl. BGE 140 IV 196 E. 4.4.1 - 4.4.3; 6B_98/2014 vom 30. September 2014 E. 3.8). Die Anschuldigungen der Beschwerdegegnerin 2 sind neben der Aussage des Beschwerdef�hrers das einzige Beweismittel in Bezug auf die schwerwiegenden Tatvorw�rfe der versuchten Vergewaltigung und der mehrfachen sexuellen N�tigung. Den sich widersprechenden Aussagen kommt hinsichtlich des Verfahrensausgangs entscheidende Bedeutung zu, weshalb die pers�nliche Einvernahme des Beschwerdef�hrers und der Beschwerdegegnerin 2 durch die Vorinstanz gem�ss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO notwendig ist.
1.4.2.�Die Videoaufzeichnungen der staatsanwaltlichen Einvernahmen k�nnen vorliegend die Befragung der Beschwerdegegnerin 2 durch die Vorinstanz nicht ersetzen respektive machen diese nicht verzichtbar. Zwar stellen auf Video aufgezeichnete Einvernahmen nicht per se ein ungen�gendes Beweismittel bei der Aussagew�rdigung dar, sondern k�nnen gen�gen, um sich ein hinreichendes Bild von der Glaubw�rdigkeit der Auskunftsperson oder des Zeugen respektive der Glaubhaftigkeit deren Aussagen zu verschaffen (vgl. Urteil 6B_430/2015 vom Juni 2015 E. 2.5.2 f.). Dies ist namentlich der Fall, wenn weitere Sachbeweise oder Indizien vorliegen und die einvernommene Person konstant und in sich logisch konsistent aussagt. Vorliegend wich die Beschwerdegegnerin 2 in der staatsanwaltlichen Einvernahme von ihren Aussagen anl�sslich der polizeilichen Befragungen und den in ihrer Strafanzeige gegen den Beschwerdef�hrer erhobenen Vorw�rfen ab und erhob weitergehende Anschuldigungen. Diese Unregelm�ssigkeiten hat auch die Vorinstanz ausgemacht und die von der Beschwerdegegnerin 2 erhobenen Anschuldigungen der mehrfachen Vergewaltigung als unglaubhaft erachtet. Die Erforderlichkeit der gerichtlichen Einvernahme ergibt sich aus den Abweichungen, Widerspr�chen und Weiterungen zu den fr�heren Einlassungen und nicht aufgrund der Form der Beweiserhebung mittels Videoaufzeichnung. Die Beurteilung der Glaubw�rdigkeit der Beschwerdegegnerin 2 und der Glaubhaftigkeit deren Aussagen h�ngt im entscheidenden Masse davon ab, ob sich die Unklarheiten plausibel erkl�ren oder nachvollziehbar aufl�sen lassen, was die pers�nliche Einvernahme durch die Vorinstanz erforderlich macht.
Den Videoaufzeichnungen kommt vorliegend zudem nur eine eingeschr�nkte Beweiskraft zu. Die Beschwerdegegnerin 2 hat die Tatvorw�rfe zu keinem Zeitpunkt frei und zusammenh�ngend geschildert bzw. schildern k�nnen. Sie antwortet (fast) ausschliesslich auf die Fragen der Staatsanwaltschaft und wurde regelm�ssig zwecks Protokollierung unterbrochen. Das in den Akten befindliche Einvernahmeprotokoll gibt auch nicht den Wortlaut ihrer Aussagen wieder, sondern deren diktierte Zusammenfassung durch die Staatsanwaltschaft. Umfang und Inhalt der vom Beschwerdef�hrer als widerspr�chlich ger�gten Aussagen sind nicht das Ergebnis einer eigenst�ndigen Schilderung durch die Beschwerdegegnerin 2, sondern beruhen in erster Linie auf der Art der (polizeilichen und) staatsanwaltlichen Befragung, insbesondere der mehrfachen Wiederholung und dem Insistieren auf Fragen, bevor die Antworten protokolliert wurden. Dies zeigt, dass die unmittelbare Befragung durch das jeweils erkennende Sachgericht in der Regel hilfreich und gerade in Aussage gegen Aussage-Konstellationen f�r die Urteilsfindung unerl�sslich ist. Eine pers�nliche Anh�rung der Beschwerdegegnerin 2 ist unerl�sslich und h�tte sich hinsichtlich s�mtlicher Anklagevorw�rfe aufgedr�ngt und zwar umso mehr, weil die Vorinstanz die von der Beschwerdegegnerin 2 erhobenen schwersten Vorw�rfe der mehrfachen Vergewaltigung als inkonstant erachtet und eine deutliche Aggravierungstendenz erkennt, die gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen spreche. Der Verweis auf die "zutreffenden Erw�gungen" des erstinstanzlichen Gerichts hinsichtlich der Vorw�rfe der sexuellen N�tigung kann die durch die Vorinstanz vorzunehmende eigene Beweisw�rdigung nicht ersetzen, da das Bezirksgericht eine gesamthafte W�rdigung s�mtlicher Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 zu allen Tatvorw�rfen vornimmt und diese auch hinsichtlich des am schwersten wiegenden Vorwurfs der mehrfachen Vergewaltigung, von dem die Vorinstanz den Beschwerdef�hrer freispricht, als glaubhaft erachtet.
Zudem �bersieht die Vorinstanz, dass die Beweisw�rdigung des Bezirksgericht seinerseits auf einer unvollst�ndigen Beweiserhebung basiert und es gem�ss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs.1 StPO im m�ndlichen Berufungsverfahren verpflichtet ist, im Vorverfahren und erstinstanzlichen Hauptverfahren ordnungsgem�ss erhobene Beweise nochmals zu erheben, sofern deren unmittelbare Kenntnis f�r die Urteilsf�llung notwendig erscheint. Die Berufung nach Art. 398 ff. StPO ist ein reformatorisches Rechtsmittel (BBl 2006 1318 Ziff. 2.9.3.3) und das Berufungsgericht verf�gt �ber umfassende Kognition in tats�chlicher und rechtlicher Hinsicht (vgl. Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO; Urteile 6B_497/2014 vom 6. M�rz 2015 E. 1.4; 6B_339/2014 vom 27. November 2014 E. 1.3, nicht publ. in: BGE 140 IV 145). Das Berufungsgericht kann sich nicht mit der �berpr�fung der Sachverhaltsfeststellungen und Rechtsanwendung des erstinstanzlichen Gerichts begn�gen. Ist jedoch die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels f�r die Urteilsf�llung notwendig, gilt dies sowohl f�r das erstinstanzliche als auch das Berufungsverfahren, denn die Beweiserhebung durch das Erstgericht kann die erforderliche unmittelbare Kenntnis des Berufungsgerichts nicht ersetzen.
1.4.3.�Auch der von der Vorinstanz zur Begr�ndung herangezogene Opferschutz vermag keinen Verzicht auf die gerichtliche Einvernahme der Beschwerdegegnerin 2 zu begr�nden. Art. 116 Abs. 1 StPO erm�glicht es den Strafbeh�rden - im Rahmen der gesetzlich zur Verf�gung stehenden M�glichkeiten - den Belangen der durch die Straftat vermeintlich Betroffenen Rechnung tragen. Allf�llige Opferschutzmassnahmen finden jedoch ihre Grenzen im Wahrheits- und Untersuchungsgrundsatz, der auch im Rechtsmittelverfahren gilt. Die prozessuale Stellung als Opfer nimmt die vom Gericht zu treffende materielle Entscheidung, welcher Sachverhalt sich tats�chlich abgespielt hat, nicht vorweg und kann sich nicht zu Ungunsten der beschuldigten Person (hier des Beschwerdef�hrers) auswirken. Auch kann die wiederholte Einvernahme eines "Opfers" im Vorverfahren nicht dazu f�hren, dass auf eine gerichtliche Einvernahme verzichtet werden muss, denn andernfalls k�nnten die Strafverfolgungsbeh�rden dar�ber entscheiden, welche Auskunftspersonen dem Gericht als Beweismittel zug�nglich sind.
1.4.4.�Da sich die Beschwerde als begr�ndet erweist, er�brigt es sich, die weiteren Sach- und Rechtsr�gen des Beschwerdef�hrers in Bezug auf die Sexualdelikte zu behandeln. Im Hinblick auf die zu wiederholende Berufungsverhandlung sei darauf hingewiesen, dass die Pr�fung der Glaubhaftigkeit von Beweisaussagen prim�r Sache der Gerichte ist und sich der Beizug eines Sachverst�ndigen f�r die Pr�fung der Aussagen in der Regel erst aufdr�ngt, wenn das Gericht aufgrund besonderer Umst�nde auf zus�tzliches medizinisches oder psychologisches Fachwissen angewiesen ist (BGE 129 I 49 E. 4 S. 57; 128 I 81 E. 2 S. 86 mit Hinweisen). Dass die Beschwerdegegnerin 2 in ihrer Erinnerungs- oder Wiedergabef�higkeit beeintr�chtigt und zur wahrheitsgem�ssen Aussage nicht f�hig gewesen w�re, macht der Beschwerdef�hrer nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich. Die Vorinstanz wird sich hier�ber anl�sslich der Berufungsverhandlung ein abschliessendes Bild machen k�nnen.
Was der Beschwerdef�hrer gegen die Sachverhaltsfeststellungen und den Schuldspruch wegen (einfacher) N�tigung vorbringt, erweist sich als unbegr�ndet, soweit die R�gen �berhaupt den Begr�ndungsanforderungen gem�ss Art. 42 Abs. 2, Art. 106 Abs. 2 BGG gen�gen. Er hat eingestanden, der Beschwerdegegnerin 2 mit der Entf�hrung des gemeinsamen Sohnes gedroht zu haben, falls diese ihn verlasse, und k�nne nachvollziehen, dass sie ver�ngstigt gewesen sei. Was, wenn nicht die Fortf�hrung der ehelichen Gemeinschaft, er mit der �usserung bezweckt haben will, zeigt der Beschwerdef�hrer nicht auf und ist auch nicht ersichtlich. Die vorinstanzliche Feststellung, die Beschwerdegegnerin 2 h�tte den Beschwerdef�hrer ohne Drohung fr�her verlassen, erweist sich aufgrund der insoweit konstanten Aussagen nicht als willk�rlich.
Die Beschwerde erweist sich teilweise als begr�ndet, so dass auf die R�gen gegen die Strafzumessung nicht einzugehen ist. Das Gesuch der anwaltlich vertretenen Beschwerdegegnerin 2 um unentgeltliche Rechtspflege ist mangels ausgewiesener Bed�rftigkeit abzuweisen (Art. 64 Abs. 1 BGG), soweit es nicht gegenstandslos wird. Der Beschwerdef�hrer und die Beschwerdegegnerin 2 werden im Umfang ihres Unterliegens kosten- und dem anderen gegen�ber entsch�digungspflichtig (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 2 BGG). Die der Beschwerdegegnerin 2 zustehende Entsch�digung wird von ihrer an den Beschwerdef�hrer zu zahlenden Entsch�digung in Abzug gebracht. Der Kanton Z�rich hat keine Kosten zu tragen und ist nicht zu entsch�digen (Art. 66 Abs. 4, Art. 68 Abs. 3 BGG).
Mit dem Entscheid in der Sache wird das Gesuch um die von Gesetzes wegen bei ausgesprochenen Freiheitsstrafen vorgesehene aufschiebende Wirkung (Art. 103 Abs. 2 lit. b BGG) gegenstandslos.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts des Kantons Z�rich vom 23. September 2014 aufgehoben und die Sache zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zur�ckgewiesen.
Das Gesuch der Beschwerdegegnerin 2 um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen, soweit es nicht gegenstandslos geworden ist.
Dem Beschwerdef�hrer werden Gerichtskosten von Fr. 400.- und der Beschwerdegegnerin 2 von Fr. 800.- auferlegt.
Der Beschwerdef�hrer ist f�r das bundesgerichtliche Verfahren vom Kanton Z�rich mit Fr. 1'200.- und von der Beschwerdegegnerin 2 mit Fr. 600.- zu entsch�digen.

References: Art. 182
 Art. 343
 Art. 389
 Art. 343
 Art. 405
 Art. 343
 Art. 343
 BGE 
 Art. 343
 Art. 405
 Art. 343
 Art. 405
 Art. 398
 Art. 398
 BGE 
 Art. 116
 Art. 42
 Art. 106
 Art. 68
 Art. 68