Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=14.12.2006&Aktenzeichen=IX%20ZR%20194%2F05
Timestamp: 2019-04-18 19:35:24+00:00

Document:
BGH, 14.12.2006 - IX ZR 194/05 - dejure.org
InsO §§ 84, 95 Abs. 1, § 96 Abs. 1 Nr. 3; BGB §§ 387 ff, 730, 738
Behandlung des Auseinandersetzungsguthabens eines GbR-Gesellschafters in der Insolvenz
Aufrechnung hinsichtlich einer gesellschaftsrechtlich gebotenen Verrechnung im Wege der Kontenangleichung; Gläubigerbenachteiligung durch Vereinbarung einer Lösungsklausel im Gesellschaftsvertrag; Vorrang einer innergesellschaftlichen Abrechnung
Keine Insolvenzanfechtung bei Verrechnung von Forderungen eines insolvenzbedingt ausgeschiedenen ARGE-Gesellschafters in der Auseinandersetzungsbilanz
Zur insolvenzrechtlichen Behandlung der Rechnungen des in Insolvenz gefallenen BGB-Gesellschafters einer ARGE, die nach dem Gesellschaftsvertrag im Wege der Kontenangleichung zu verrechnen sind; Zugriff des Insolvenzverwalters nur auf ein etwaiges Auseinandersetzungsguthaben des Schuldners
Verrechnung im Wege der Angleichung der Konten der Gesellschafter in der Insolvenz der Gesellschaft; Rechtsfolgen der Auflösung der Gesellschaft wegen Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen eines Gesellschafters
Gesellschaftsrechtliche Verrechnung in der Insolvenz
InsO §§ 96, 84, 95; BGB §§ 387, 730, 738
Bau-Arbeitsgemeinschaft; Insolvenzanfechtung; Vorrang der gesellschaftsrechtlichen Auseinandersetzung
Keine Insolvenzanfechtung innerhalb der ARGE-Auseinandersetzung! (IBR 2007, 135)
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 14.12.2006, Az.: IX ZR 194/05 (Zulässigkeit der gesellschaftsrechtlichen Verrechnung durch Kontenangleichung bei insolvenzbedingtem Ausscheiden)" von PräsLG Prof. Dr. Michael Huber, original erschienen in: NZI 2007, 224 - 225.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 14.12.2006, Az.: IX ZR 194/05 (Insolventes ARGE-Mitglied - Verrechnung bei Ausscheiden)" von RAin Islode Wölfing-Hamm, original erschienen in: NJW 2007, 1070.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 14.12.2006, Az.: IX ZR 194/05 (Keine Insolvenzanfechtung bei Verrechnung von Forderungen eines insolvenzbedingt ausgeschiedenen ARGE-Gesellschafters)" von RA Jörn H. Linnertz, FA SteuerR, original erschienen in: ZfIR 2007, 645 - 647.
BGHZ 170, 205
BGHZ 170, 206
NJW 2007, 1067
ZIP 2007, 383
MDR 2007, 740
NZBau 2007, 238
NZI 2007, 222
WM 2007, 409
DB 2007, 452
BauR 2007, 703
NZG 2007, 342
Eine Beeinträchtigung des Wahlrechts ist mit einer vertraglichen Lösungsklausel jedoch dann nicht verbunden, wenn diese sich eng an eine gesetzliche Lösungsmöglichkeit anlehnt (vgl. BGH, Urteil vom 14. Dezember 2006 - IX ZR 194/05, BGHZ 170, 206 Rn. 11;… Urteil vom 15. November 2012 - IX ZR 169/11, BGHZ 195, 348 Rn. 13).
Die Vorschrift findet auch auf die Herstellung von Verrechnungslagen Anwendung (BGH, Urt. v. 14. Dezember 2006 - IX ZR 194/05, NZI 2007, 222, 223).
Dies gilt nur dann nicht, wenn die Vereinbarung einer gesetzlich vorgesehenen Lösungsmöglichkeit entspricht (vgl. BGH, Urteil vom 14. Dezember 2006 - IX ZR 194/05, BGHZ 170, 206 Rn. 11).
Denn diese Vorschriften setzen voraus, dass selbständige, wechselseitige Forderungen bestehen (BGH, Urteil vom 14. Dezember 2006 - IX ZR 194/05, BGHZ 170, 206 Rn. 9).
Die Befugnis des Gläubigers zur Aufrechnung werde deshalb nur dann unbeschadet der Insolvenzeröffnung nicht angetastet, wenn dieser vor der Eröffnung darauf "vertrauen" durfte, dass die Durchsetzung seiner Forderung mit Rücksicht auf das Entstehen einer Aufrechnungslage keine Schwierigkeiten bereiten werde (BGH-Urteil vom 14. Dezember 2006 IX ZR 194/05, BGHZ 170, 206).
Die Vorausabtretung dieser Forderungen scheiterte mithin an der weiterwirkenden Kontokorrentbindung (vgl. BGHZ 58, 257, 260 ; 70, 86, 92 ; 73, 259, 263 unter I. 3.; 170, 206, 213 Rn. 19).
Die Kontokorrentabrede zwischen der Schuldnerin und der Beklagten erlosch erst nach den §§ 115, 116 InsO mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens (vgl. BGHZ 70, 86, 93 ; 157, 350, 356 a.E. f; 170, 206, 213 Rn. 19).
a) Durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erlischt nach § 115 Abs. 1, § 116 Satz 1 InsO der Girovertrag (so schon BGHZ 70, 86, 93; 74, 253, 254 zur Konkursordnung), sofern er bis dahin noch nicht gekündigt worden ist (BGHZ 170, 206, 213 Rn. 19).
Dies gilt ebenso bei der Verrechnung (…BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 - IX ZR 98/03, ZIP 2004, 620, 621; v. 14. Dezember 2006 - IX ZR 194/05, NZI 2007, 222, 223, z.V.b. in BGHZ).
LG Berlin, 01.06.2007 - 103 O 153/06

References: § 96
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 115
 § 116