Source: https://www.reiserecht.ch/reiseleistungen/konzert-oper-theater-sportveranstaltung
Timestamp: 2018-05-24 11:31:54+00:00

Document:
Konzert / Oper / Theater / Sportveranstaltung › Reiserecht
Nicht selten sind Darbietungen wie Konzerte, Opern-, Theater- bzw. Musical-Aufführungen und Sportanlässe Teil weiterer touristischer Leistungen (Hin- und Rückflug, Übernachtung und womöglich Verpflegung).
Nicht nur die juristisch schwierige Einordnung solcher künstlicher und sportlicher Leistungen (Erfolgshaftung oder nur Sorgfaltsgewähr?), sondern auch die Unterstellung unter das konsumentenschutz-motivierte Pauschalreisegesetz (PRG).
Die folgende Auslegeordnung soll etwas Klarheit in die jeweiligen Aspekte bringen:
Konzert = Musikveranstaltung vor einer eigens zu diesem Zweck versammelten Hörerschaft, deren Präsenz zum sozialen Ereignis wird
Oper = Vertonung einer dramatischen Dichtung, die von einem (kostümierten und / oder maskierten) Sängerensemble aufgeführt wird, welches von einem Orchester, einem Chor und einem Ballettensemble begleitet wird
Theater = Szenische Darstellung des inneren und äußeren Geschehens als künstlerische Kommunikation zwischen Darstellern und dem Publikum
Sportveranstaltung =
OR 363 ff. Werkvertrag / Auf- bzw. Vorführung)
OR 253 ff. (Mietrecht / Sitzfläche)
OR 394 ff. (Auftragsrecht / Sicherheit), insbesondere OR 398 Abs. 2 i.V.m. OR 97 ff.
PRG 1 ff. (Pauschalreiserecht / bei vorhandenen Voraussetzungen / Konsumentenschutz)
nach werkvertraglichen Regeln mit Erfolgshaftung oder
nach Auftragsrecht mit blosser Sorgfaltshaftung?
Unterschiedliche Rechtsfolgen Auftrag + Werkvertrag | werk-vertrag.ch
siehe auch nachfolgend „Rechtsnatur“
Pauschalreise-Unterstellung
Weitere touristische Leistung neben der Darbietung
siehe Pauschalreiserecht-Definition
Rechtsnatur umstritten
Innominatkontrakt mixti iuris (vgl. WIEDE ANDREAS, a.a.O., S. 145 / Rz 503)
Jahrzehnte lang wurde der „Vorstellungsbesuchsvertrag“ unter den Werkvertrag subsumiert
vgl. BGE 80 II 34 Erw. 3a
letztmals bestätigt in BGE 109 II 38
offengelassen in BGE 112 II 46
(Aus-)Wirkungen
Im Falle der Qualifikation als Werkvertrag besteht für den Veranstalter eine Erfolgshaftung, ganz im Gegensatz auftragsrechtlichen Sorgfaltsgewähr
Gewisse Lehrmeinungen
lehnen einen rein unkörperlichen Arbeitserfolg ohne Vergegenständlichung des Werkergebnisses (ohne Datenträgeraufzeichnung) mangels Werkeigenschaft ab
wollen solche Werkergebnisse dem Auftragsrecht (nur Sorgfaltshaftung) unterstellen, sofern kein Vertrag sui generis angenommen werde
FELLMANN WALTER, a.a.O., N 330 zu OR 394, fordert gar, dass das Werkergebnis, verkörpert auf einem Datenträger, verwertbar sein muss
Ob und inwieweit die dogmatische Auseinandersetzung reale rechtliche Auswirkungen zeitigt, bleibt in der Regel fraglich, da die Qualität der Darbietung sich selten messen und noch weniger beweisen lässt (siehe unter „Gewährleistung / Haftung“, unten)
Motive / Ziele
Den Zuschauer bzw. Zuhörer können verschiedenste Motive zur Teilnahme am konkreten Anlass bewegen wie
Starke Verbreitung, nicht nur als Teil eines touristischen Ferienvorhabens, sondern auch als Freizeitvergnügen
Kur-Konzert
Jazz-Konzert (oft in Clubatmosphäre)
Events von Sinfonieorchestern
Sommerkonzertreihe der Last Night of the Proms
Sprechtheater bzw. Schauspiel (Tragödie oder Komödie)
Oper (siehe oben)
Operette (populäres Musiktheater „niederen Genres“)
Musical (Gesamtkunstwerk sowohl literarischer als auch musiktheatralischer Art)
Sportveranstaltungen / Meisterschaften
Badmintonwettbewerb‎
Baseballwettbewerb‎
Basketballwettbewerb‎
Billardturnier‎
Cricketwettbewerb‎
Dartwettbewerb‎
Duathlonwettbewerb‎
Fechtwettbewerb‎
Footballwettbewerb‎
Fussballwettbewerb‎
Fünfkampfwettbewerb
Wettbewerb im Gewichtheben‎
Golfturnier‎
Handballwettbewerb‎
Hockeysportwettbewerb‎
Inlineskating-Wettbewerb‎
Kampfsportwettbewerb‎
Kletterwettbewerb‎
Kugelstosswettbewerb
Leichtathletikwettbewerb‎
Luftfahrtwettbewerb
Pferdespringen / Military
Schiesssportwettbewerb
Volleyball-Wettbewerb
Wassersportwettbewerb
Wintersportwettbewerb
Auf- bzw. Vorführung
Werkvertragliches Element (hauptsächlichstes Element)
Zuweisung des (vereinbarten) Sitzplatzes
Mietrechtliches Element
Sorge für die Zuschauer bzw. Zuhörer
Auftragsrechtliches Element
Garantenpflicht bei Grossanlässen, meist sich aus öffentlicher Bewilligung ergebend
Aktuelle Vertragsbezeichnung
Frühere Vertragsbezeichnung
Vorstellungsbesuchervertrag, so das BGer in BGE 80 II 34 Erw. 3a
Mit der aktuellen Lehre ist von einem Innominatkontrakt mixti iuris auszugehen, für den die Regeln je nach mangelhafter Teilleistung anzuwenden sind (siehe „Grundlagen“ und „Elemente“)
Die kulturellen, wissenschaftlichen oder Veranstaltungen sind – wie oben unter „Rechtsnatur“ erwähnt – der Erfolgshaftung unterworfen, weshalb die Veranstaltungsteilnehmer nicht nur Anspruch auf ein sorgfältiges Tätigwerden der Musiker, Sänger, Schauspieler usw. haben, sondern ein Recht auf Leistungserfolg besitzen
Voraussetzungen | werk-vertrag.ch
Vorstellungsqualität
Oft fehlende Garantiefähigkeit
Keine Messbarkeit (subjektives Empfinden)
Die Dauer der Darbietung ist zeitlich messbar, nur sind viele Veranstaltungsdauern anlass- oder witterungsabhängig (Abbruch Skispringen wegen zu viel Wind oder schlechter Witterung etc.)
Keine Nachbesserbarkeit wegen online-Veranstaltung
Rügeobliegenheit des enttäuschten bzw. in seinen Rechten verletzten Besuchers
Der Besucher müsste das Werk sofort prüfen und zur Vermeidung der Verwirkungsfolge den Werkmangel sofort rügen (vgl. OR 367 + OR 370 f., vgl. FELLMANN WALTER, a.a.O., N 329 zu OR 394), was ihm gerade bei Massenveranstaltungen weder sachlich noch rechtlich selten möglich ist
Eine nachträgliche Einschätzung bzw. Beweisbarkeit des Misserfolgs dürfte nur bei Aufzeichnung der Darbietung möglich sein und diesfalls noch Einschränkungen ergeben (kein umfassendes Bildmaterial, Tonwiedergabe nicht Echtton usw.)
WIEDE ANDREAS, Reiserecht – Schweizer Handbuch zu den Verträgen über Reiseleistungen, Zürich / Basel / Genf 2014, 145 f., Rz 503
KREPPER PETER, Handbuch Tourismusrecht, 2. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2014, 139
FELLMANN WALTER, Berner Kommentar, Bd. VI: Obligationenrecht, 2. Abteilung: Die einzelnen Vertragsverhältnisse, 4. Teilband: Der einfache Auftrag (Art. 394 – 406 OR), Bern 1992, N 321, N 327 + N 330 zu OR 394
HUEGENIN CLAIRE / RUSCH ARNOLD F., Kommentar zu Gastaufnahme- und Freizeitverträge (Vorbemerkungen zu Art. 184 ff. OR), in: AMSTUTZ MARC / BREITSCHMID PETER / FURRER ANDREAS / GIRSBERGER DANIEL / HUGUENIN CLAIRE / MÜLLER-CHEN MARKUS / ROBERTO VITO / RUMO-JUNGO ALEXANDRA / SCHNYDER ANTON K. / TRÜEB HANS RUDOLF (Hrsg.), Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, N 13 m.w.H.
GAUCH PETER, Der Werkvertrag, 5. Auflage, Zürich 2011, N 45 f.
FRANK RICHARD, Bundesgesetz über Pauschalreisen vom 18. Juni 1993, Kurzkommentar, Zürich 1994, S. 23
BGE 112 II 41 + 46
BGE 109 II 34 + 38
BGE 80 II 26 ff.
Zum Zuschauervertrag (Vorstellungsbesuchsvertrag)
NEUHOFF HANS, Konzertpublika, Sozialstruktur, Mentalitäten, Geschmacksprofile
Konzertpublika, Sozialstruktur, Mentalitäten, Geschmacksprofile | miz.org
Liste von Opern | de.wikipedia.org
Liste von Sängerinnen und Sängern klassischer Musik | de.wikipedia.org
Opernführer | de.wikipedia.org
Opera Guide | opera-guide.ch
Theaterschweiz | theaterschweiz.ch
Volkstheater | volkstheater.ch
SwissTopSport | swisstopsport.ch

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
sui generis
 BGer 
 BGE 
 Art. 184

BGE 

BGE 

BGE