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Timestamp: 2018-10-17 14:30:31+00:00

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Investition & Finanzierung - ppt herunterladen
Veröffentlicht von:Minna Drey Geändert vor über 4 Jahren
Präsentation zum Thema: "Investition & Finanzierung"— Präsentation transkript:
1 Investition & Finanzierung
2 Grundlegendes zur Finanzwirtschaft
Kapitel 1 Grundlegendes zur Finanzwirtschaft
3 Einführung in die Finanzierung
Was ist Finanzierung? Finanzierung behandelt die Gestaltung und Bewertung von Zahlungsströmen. Zahlungsströme bestehen aus Einzahlungen (erhöhen Geldbestand) Auszahlungen (senken Geldbestand) Relevant sind: Höhe der Zahlung Richtung der Zahlung Zeitpunkt der Zahlung
4 Einführung in die Finanzierung
Grundbegriffe Finanzierung (i.e.S.) Zahlungsreihe, die mit einer Einzahlung beginnt z.B. Kreditvergabe aus der Sicht des Schuldners Investition Zahlungsreihe, die mit einer Auszahlung beginnt z.B. Kreditvergabe aus der Sicht des Gläubigers
5 Relevanz des finanzwirtschaftlichen Bereichs
Einführung in die Finanzierung Relevanz des finanzwirtschaftlichen Bereichs MITTEL-VERWENDUNG MITTEL-AUFBRINGUNG WISSEN-SCHAFTLICHE DISZIPLIN WO IST FINANZIERUNG RELEVANT ? Strassenbau Bildung Landwirtschaft Infrastruktur, etc. Steueraufkommen Kreditaufnahmen Finanzwissenschaft In öffentlichen Haushalten Hausbau Autokauf Ausbildung, etc. Einkommen der Haushaltsmitglieder Kreditaufnahmen Personal Finance In privaten Haushalten Personalausgaben Produktionsmittel Fuhrpark Beteiligungen, etc. Eigenmittel Fremdmittel Betriebs-wirtschaftliche Finanzierungstheorie In Unternehmen
6 Einordnung der Finanzierung
Einführung in die Finanzierung Einordnung der Finanzierung BWL: VWL: „Investition u. Finanzierung“ Betriebswirtsch. Finanzierungstheorie Personal Finance Finanzanalyse Portfoliomanagement Finanzwissenschaft Kapitalmarktlehre Finanzökonomik
7 Güter- und finanzwirtschaftlicher Kreislauf
Einführung in die Finanzierung Güter- und finanzwirtschaftlicher Kreislauf Betriebliche Leistungserstellung (Produktion) Güterwirt-schaftlicher Bereich Güter-ströme Beschaffung Absatz Finanzwirt-schaftlicher Bereich Zahlungs-ströme Auszahlungen Einzahlungen Kapitalbindung (Investition) Kapitalfreisetzung (Desinvestition) aus fehlender Übereinstimmung resultiert Finanzierungsbedarf (Kapitalbedarf)
8 Einführung in die Finanzierung
Kapitalfluss Kapitalbeschaffung (Finanzierung) Einzahlung Kapitalverwendung (Investition) Auszahlung Geld Ware Kapitalfreisetzung (Desinvestition, Kapital- neubildung, Gewinn) Einzahlung Ware Geld Kapitalabfluss (Gewinnausschüttung, Kapitalrückzahlung, Verlust) Auszahlung Finanzmärkte Gütermärkte Finanzmärkte
9 Finanzwirtschaft und Rechnungswesen/1
Einführung in die Finanzierung Finanzwirtschaft und Rechnungswesen/1 Finanzwirtschaft: Entscheidungsvorbereitung zukunftsbezogen i.a. periodenunabhängige Erfolgsgrößen (z.B. Vermögenszuwachs) kleinste Einheit: Zahlungen Rechnungswesen (insbes. Buchhaltung): Dokumentation vergangenheitsorientiert periodenbezogene Erfolgsgrößen (z.B. Gewinn pro Jahr) kleinste Einheit: Buchungen 	Trotz teilweise gleicher Begriffe grundlegende Unterschiede zwischen Finanzwirtschaft und Rechnungswesen!
10 Finanzwirtschaft und Rechnungswesen/2
Einführung in die Finanzierung Finanzwirtschaft und Rechnungswesen/2 Anknüpfungspunkt: Aktiva Passiva Vermögen Anlagevermögen Umlaufvermögen Kapital Eigenkapital Fremdkapital  Kapitalverwendung =	Investition = Finanzierung  Kapitalbeschaffung
11 Moderne Sichtweise der Finanzwirtschaft/1
Einführung in die Finanzierung Moderne Sichtweise der Finanzwirtschaft/1 Entscheidungsträger verhalten sich rational haben bestimmte zeitliche Präferenzen für Konsumwünsche Ziel: Maximierung des (Konsum-)Nutzens Konsumstrom: Einzahlungen, die für Konsum zur Verfügung stehen Bewertung von Konsumströmen abhängig von Präferenzen des Entscheidungsträgers Finanzierung und Investition: Maßnahmen zur Anpassung von Konsumströmen an die Präferenzen der Entscheidungsträger
12 Moderne Sichtweise der Finanzwirtschaft/2
Einführung in die Finanzierung Moderne Sichtweise der Finanzwirtschaft/2 Kriterium zur Beurteilung von Investitionsprojekten: passen resultierende Zahlungs- und Konsumströme zu Konsumwünschen? bei Möglichkeit der Anlage bzw. Aufnahme beliebiger Geldbeträge zu einheitlichem Zinssatz: Berücksichtigung von individuellen Konsumwünschen nicht notwendig Investition vorteilhaft, wenn dadurch das (Netto-)Vermögen des Investors zunimmt
13 Moderne Sichtweise von Unternehmen
Einführung in die Finanzierung Moderne Sichtweise von Unternehmen Unternehmen steht in expliziten und impliziten Vertragsbeziehungen mit seinen Anspruchsgruppen (stakeholders) Unternehmen Manager und Arbeitnehmer Eigentümer Kreditgeber Lieferanten Kunden Öffentlichkeit / Staat
14 Finanzielle Ansprüche der stakeholder
Einführung in die Finanzierung Finanzielle Ansprüche der stakeholder Unternehmen Manager und Arbeitnehmer z.B. Gehälter, freiwillige Sozialleistungen Eigentümer z.B. Dividende, Gewinnbeteiligung Kreditgeber z.B. Zins- zahlungen Lieferanten z.B. Preise, Zahlungsmoral Kunden z.B. Zahlungs- bedingungen Öffentlichkeit / Staat z.B. Körperschaftsteuer
15 Ziele betrieblicher Finanzwirtschaft/1
Einführung in die Finanzierung Ziele betrieblicher Finanzwirtschaft/1 Ziele orientieren sich an Interessen und Durchsetzungsfähigkeit der Anspruchsgruppen Mögliche Ziele: Maximierung des Vermögens Rentabilität Existenzsicherung des Unternehmens Entscheidungsunabhängigkeit Arbeitszufriedenheit Verbraucherfreundlichkeit usw.
16 Ziele betrieblicher Finanzwirtschaft/2
Einführung in die Finanzierung Ziele betrieblicher Finanzwirtschaft/2 Ziele der relevanten Anspruchsgruppen Ziele der Eigenkapitalgeber Monetäre Ziele der Eigenkapitalgeber
17 Finanzwirtschaftliches Oberziel
Einführung in die Finanzierung Finanzwirtschaftliches Oberziel allgemeines Oberziel: Maximierung des Vermögens berücksichtigt explizit nur Interessen der Eigenkapitalgeber (kapitalorientierte Sichtweise) aber: essenzielle Grundlage für Ziele der anderen Anspruchsgruppen andere Ziele haben Charakter von Nebenzielen Aufgabe der Unternehmenspolitik ist es, auf Aus-gewogenheit zwischen Ober- und Nebenzielen zu achten
18 Nebenbedingung Liquidität
Einführung in die Finanzierung Nebenbedingung Liquidität Liquidität: Fähigkeit zur termin- und betragsgenauen Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen wesentliche Nebenbedingung zur Erreichung aller Ziele bei Nichteinhaltung: temporäre Illiquidität Unsicherheit Höhere Kapitalkosten Kreditsicherheiten permanente Illiquidität Ausgleich oder Konkurs
19 Aufgaben des Finanzmanagements
Einführung in die Finanzierung Aufgaben des Finanzmanagements Aktivmanagement (Asset Management) Strukturierung der Vermögensseite „Investitionsentscheidungen“ Passivmanagement (Liability Management) Strukturierung der Kapitalseite „Finanzierungsentscheidungen“ Informationsmanagement Dokumentationsfunktion, Investor Relations Risikomanagement Bewertung und Steuerung von Risikopositionen
20 Teilbereiche des Finanzmanagements
Einführung in die Finanzierung Teilbereiche des Finanzmanagements Informations- Management Inv.-Objekt Inv.-Volumen Inv.-Dauer Kapitalstruktur Kapitalvolumen Kapitalkosten Risiko- Management Investitionsentscheidungen Finanzierungsentscheidungen
21 Finanzierung als Unternehmensbereich
Einführung in die Finanzierung Finanzierung als Unternehmensbereich Bei Großunternehmen eigener Vorstandsbereich Finanzvorstand, Chief Financial Officer (CFO) Beispiel: Organigramm Vorstand Beschaffung Marketing Finanzen Personal/Organisation Treasury Finanzmittelbeschaffung Risikomanagement Finanzplanung Controlling Kostenrechnung Buchhaltung Steuerabteilung
22 Kapitel 2 Finanzinstitutionen
23 Rolle von Finanzinstitutionen
Direkte Finanzierung Kapital- nachfrager Direkte Finanzierung Finanz- institution Indirekte Finanzierung Finanzinstitution fungiert als Finanzintermediär Kapitalanbieter
24 Welche Finanzinstitutionen gibt es?
Banken Versicherungsgesellschaften und -makler Investmentfonds, Kapitalanlage-, und Beteiligungsgesellschaften Börsen Ratingagenturen Leasinggesellschaften Factoringgesellschaften usw.
25 Transformationsfunktionen
Finanzinstitutionen Transformationsfunktionen Bsp. Versicherungsgesellschaft: Losgrößentransformation Prämienzahlungen  Staatsanleihe Fristentransformation zeitlich unbestimmte Auszahlungen für Versicherungsleistungen  Laufzeit Staatsanleihe z.B. 10 Jahre Risikotransformation Versicherungsrisken Veranlagungsrisken
26 Art der gehandelten Waren
Börsen Grundlagen Art der gehandelten Waren Wertpapierbörsen: Aktien u.a. Wertpapiere Devisenbörsen: Forderungen auf ausländische Währungen Warenbörsen: Commodities Erfüllungszeitpunkt Kassabörsen Terminbörsen Organisation des Handels Präsenzbörsen Elektronische Börsen
27 Börsen Präsenzbörsen Elektronische Börsen Börsehandel/1
standortgebundener Parketthandel Kursmakler Auktionssystem kurze Handelszeiten persönliche Kontaktmöglichkeiten begrenzte Markt-	transparenz Elektronische Börsen standortungebundener Computerhandel institutionalisierte Liquiditätsanbieter (Market-Maker-System) lange Handelszeiten hoch entwickelte Kommunikationstechnik notwendig hohe Markttransparenz
28 Börsen börslich außerbörslich Börsehandel/2
an elektronischen Börsen (z.B. Xetra in Frankfurt und Wien) an Präsenzbörsen (z.B. New York Stock Exchange) außerbörslich ungeregelter Freiverkehr im Banksystem (Vor- und Nachbörse), OTC-Handel ungeregelter Freiverkehr außerhalb des Banksystems
29 Charakteristika des Börsehandels in Wien
Börsen Charakteristika des Börsehandels in Wien Vollelektronisches Handelssystem XETRA Elektronisches Orderbuch (matching) Institutionalisierte Liquiditätsanbieter (specialists) müssen 2/3 der Handelszeit mit verbindlichen Kursen im Markt sein Handelszeit derzeit Uhr
30 Börsezulassung und Marktsegmente
Börsen Börsezulassung und Marktsegmente Zulassungsverfahren nach BörseG Amtlicher Handel Geregelter Freiverkehr Dritter Markt Wertpapierkennung (ISIN) Einordnung in ein (liquiditätsorientiertes) Marktsegment Beginn des Handels
31 Voraussetzungen für Aktien im Amtlichen Handel
Börsen Voraussetzungen für Aktien im Amtlichen Handel Wirtschaftliche Voraussetzungen: Größe (ca. 40 Mio. Euro Umsatz) gute Ertragskraft Informationsbereitschaft Rechtliche Voraussetzungen: mindestens Stückaktien (Kurswert mind Euro) mindestens Stück im Streubesitz mindestens 3 Jahre Bestands-dauer, 1 Jahr als AG Börseprospekt Berichtswesen Jahresabschluss, Geschäfts-bericht Dividenden, Kapitalerhöhungen Quartalsberichte
32 Segmente für Aktienhandel an der Wiener Börse
Börsen Segmente für Aktienhandel an der Wiener Börse Prime Market: Fortlaufender Handel Umfassendere als die gesetzlich vorgeschriebenen Berichtspflichten, z.B. Quartalsberichte Internationale Rechnungslegung (GAAP, IAS) Berichtspflichten in englischer Sprache Ad-hoc-Publizität elektronisch General Market: General market continuous - Fließhandel General market auction - Auktionshandel
33 Börsen Indizes: Börsenindizes
bilden Kursentwicklungen eines gesamten Markts oder eines Teilmarkts ab gewichteter Durchschnitt der Kurse der im Index vertretenen Wertpapiere All-share-Indizes Auswahlindizes z.B. DAX, ATX, DJI, Nikkei Beispiel: DAX
34 Banken und Bankgeschäfte
Banken sind gesetzlich berechtigt, Bankgeschäfte zu betreiben: Einlagengeschäft Girogeschäft Kreditgeschäft Diskontgeschäft Depotgeschäft Handel mit Wertpapieren, Devisen/Valuten, Terminkontrakten Wertpapieremissionsgeschäft usw.
35 Banken Kreditgeschäft
Bank stellt dem Kreditnehmer Fremdkapital zu einem bestimmten Zinssatz zur Verfügung Voraussetzungen: Kreditfähigkeit Kreditwürdigkeit Jahresabschluss Unternehmens-planungs-rechnungen Befragung/Beobachtung Öffentliche Register Auskünfte Persönliche Kredit- würdigkeit Wirtschaftliche Kreditwürdigkeit Kreditwürdigkeitsprüfung Externe Auskünfte
36 Kreditzinssatz - Bestimmungsfaktoren
Banken Kreditzinssatz - Bestimmungsfaktoren Kreditwürdigkeitsprüfung Unterlegung mit Eigenkapital Kreditbearbeitung Zahlungsausfallsrisiko Besicherungsrisiko Terminrisiko Kreditrisiko Risikoloser Marktzinssatz
37 Ziel: erhöhte Stabilität des Finanzsystems Folgen für Unternehmen:
Banken Basel II Richtlinie der EU zur Regelung der Eigenkapitalunterlegung von Krediten in Banken bisher: Kredite an Unternehmen wurden in Banken pauschal mit 8% Eigenkapital unterlegt (Basler Akkord) Seit 2007: stärkere Differenzierung nach Kreditausfallsrisiko (Bonität) des Kreditnehmers Ziel: erhöhte Stabilität des Finanzsystems Folgen für Unternehmen: Notwendigkeit interner und externer Ratings risikoangepasstere Finanzierungskosten
38 Banken und Risiko Rechtliche Vorgaben
§ 21a BWG. (1) Die Ermittlung der Bemessungsgrundlage für das Kreditrisiko gemäß § 22 Abs. 2 nach dem auf internen Ratings basierenden Ansatz gemäß § 22b durch ein Kreditinstitut oder ein übergeordnetes Kreditinstitut für die Kreditinstitutsgruppe bedarf der Bewilligung der FMA. Die Bewilligung ist zu erteilen, wenn 1. die eingesetzten Systeme zur Steuerung und Beurteilung der Kreditrisiken sowie die daraus resultierenden Parameterschätzungen solide sind und ordnungsgemäß in das Risikomanagement, die Entscheidungsprozesse, den Kreditvergabeprozess, die kreditinstitutseigenen Verfahren zur Bewertung der Eigenkapitalausstattung gemäß § 39a sowie die internen Kontrollsysteme und das Berichtswesen eingebunden sind und dort eine wesentliche Rolle spielen;
39 Banken und Risiko Rechtliche Vorgaben
§ 21b BWG. (1) Die Anerkennung externer Rating-Agenturen für die Zwecke der Zuordnung von Forderungsbeträgen […] ist zu erteilen, wenn die Methodik für die Vergabe von Ratings die Voraussetzungen gemäß Z 1 bis 6 erfüllt und die Ratings gemäß Z 7 von den Nutzern als verlässlich anerkannt werden: 1. die Vergabe von Ratings erfolgt fundiert, systematisch und beständig; 2. die Methodik wird regelmäßig anhand historischer Erfahrungswerte bewertet und überprüft; 3. die vergebenen Ratings werden regelmäßig überprüft und bei Änderungen der finanziellen Situation des beurteilten Unternehmens angepasst; dabei hat die Überprüfung des Ratings nach jedem signifikanten Ereignis, mindestens aber einmal im Jahr zu erfolgen; 4. die Vergabe von Ratings ist transparent; insbesondere hat die anerkannte Rating-Agentur zu gewährleisten, dass die internen Grundsätze der angewandten Methodik öffentlich zugänglich sind, damit sich potentielle Nutzer ein Urteil über die angemessene Herleitung der Ratings bilden können;
40 Banken und Risiko Rechtliche Vorgaben § 21d BWG. (1) Die Berechnung des Mindesteigenmittelerfordernisses für das operationelle Risiko nach dem fortgeschrittenen Ansatz gemäß § 22l durch ein Kreditinstitut oder ein übergeordnetes Kreditinstitut für die Kreditinstitutsgruppe bedarf der Bewilligung der FMA. […] (2) Die qualitativen Anforderungen umfassen: 1. ein internes System zur Messung des operationellen Risikos, das eng in die täglichen Risikomanagementprozesse des Kreditinstitutes eingebunden ist; 2. eine unabhängige Risikomanagementfunktion für das operationelle Risiko;
41 Banken und Risiko Rechtliche Vorgaben § 21e BWG. (1) Die Berechnung des Mindesteigenmittelerfordernisses nach einem internen Modell ("Value at Risk-Modell") gemäß § 22p durch ein Kreditinstitut oder ein übergeordnetes Kreditinstitut für die Kreditinstitutsgruppe bedarf der Bewilligung der FMA. Die Bewilligung ist zu erteilen, wenn 1. das Modell ordnungsgemäß in das Risikoerfassungssystem des Kreditinstitutes eingebunden ist;
42 Banken und Risiko Rechtliche Vorgaben
§ 22 BWG. (1) Kreditinstitute und Kreditinstitutsgruppen haben jederzeit über anrechenbare Eigenmittel zumindest in Höhe der Summe der Beträge gemäß Z 1 bis Z 5 zu verfügen: 1. 8 vH der gemäß Abs. 2 ermittelten Bemessungsgrundlage für das Kreditrisiko; 2. das Mindesteigenmittelerfordernis für alle Risikoarten des Handelsbuchs gemäß § 22o Abs. 2; 3. das Mindesteigenmittelerfordernis für das Warenpositionsrisiko und das Fremdwährungsrisiko, einschließlich des Risikos aus Goldpositionen, jeweils für Positionen außerhalb des Handelsbuches; 4. das Mindesteigenmittelerfordernis für das operationelle Risiko gemäß § 22i; 5. gegebenenfalls zusätzliche Eigenmittelerfordernisse gemäß § 29 Abs. 4 und § 70 Abs. 4a. Die Ermittlung der Nettoposition innerhalb einer fremden Währung ist durch Aufrechnung von Positionen im und außerhalb des Handelsbuches zulässig.
43 Banken und Risiko Rechtliche Vorgaben
§ 22a BWG. (1) Kreditinstitute und Kreditinstitutsgruppen, die den Kreditrisiko-Standardansatz anwenden, haben zur Berechnung der Bemessungsgrundlage für das Kreditrisiko gemäß § 22 Abs. 2 die gemäß Abs. 2 und 3 ermittelten und einer Forderungsklasse gemäß Abs. 4 zugeordneten Forderungsbeträge mit ihrem jeweils zugeordneten Gewicht zu multiplizieren. (2) Der Forderungswert ist wie folgt zu bemessen: 1. Der Forderungswert eines Aktivpostens ist der um Wertberichtigungen gekürzte Buchwert; 2. der Forderungswert eines in Anlage 1 zu § 22 genannten außerbilanzmäßigen Geschäfts ist ein prozentualer Anteil seines Wertes, der von der Höhe des zugeordneten Kreditrisikos abhängt, und zwar bei Posten mit: a) hohem Kreditrisiko: 100 vH; b) mittlerem Kreditrisiko: 50 vH; c) unterdurchschnittlichem Kreditrisiko: 20 vH; d) niedrigem Kreditrisiko: 0 vH;
44 Banken und Risiko Rechtliche Vorgaben
§ 22l BWG. (1) Kreditinstitute und Kreditinstitutsgruppen können mit Bewilligung der FMA gemäß § 21d das Mindesteigenmittelerfordernis für das operationelle Risiko gemäß § 22i Abs. 1 anhand eines internen Modells (fortgeschrittener Messansatz) ermitteln. Die Bewilligung kann auch für andere geeignete Risiko mindernde Techniken als Versicherungsverträge erteilt werden, wobei Abs. 2 bis 4 in gleicher Weise anzuwenden sind. § 22p BWG. (1) Mit Bewilligung der FMA gemäß § 21e Abs. 1 können Kreditinstitute für die Ermittlung des Mindesteigenmittelerfordernisses gemäß § 22o Abs. 2 Z 1 bis 7 und Z 11 und 12 ein internes Modell ("value at risk") anwenden.  Verordnung der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) über die Solvabilität von Kreditinstituten (Solvabilitätsverordnung), BGBl. II Nr. 374/2006
45 Banken und Risiko Rechtliche Vorgaben
§ 2 Offenlegungsverordnung (FMA), BGBl. II Nr. 375/2006. Kreditinstitute haben für jede einzelne Risikokategorie, einschließlich der in den §§ 6 bis 15 genannten Risiken, die Risikomanagementziele und -leitlinien des Kreditinstituts gesondert offen zu legen. Dazu zählen: 1. Die Strategien und Verfahren für das Management dieser Risiken; 2. die Struktur und Organisation der relevanten Risikomanagementfunktionen; 3. der Umfang und die Art der Risikoberichts- und Risikomesssysteme und 4. die Leitlinien für Risikoabsicherung und -minderung und die Strategien und Verfahren zur Überwachung der laufenden Wirksamkeit der zur Risikoabsicherung und -minderung getroffenen Maßnahmen.
46 Banken & Risiko Rechtliche Vorgaben § 6, 2. Derivate-Risikoberechnungs- und Meldeverordnung, BGBl II 238/2005. (1) Wendet die Kapitalanlagegesellschaft zur Berechnung des mit den Derivaten verbundenen Risikos den VaR-Approach an, so hat sie für jedes Sondervermögen risikoadäquate Stresstests durchzuführen. Die Stresstests müssen risikoadäquat in das Risikomanagement für das Sondervermögen integriert sein und ihre Ergebnisse müssen bei den Anlageentscheidungen für das Sondervermögen angemessen berücksichtigt werden.
47 Banken Kreditsicherheiten
Sicherheiten schützen Kreditgeber vor den negativen Folgen eines Zahlungsausfalls Sicherheiten beeinflussen die Prämie für das Kreditrisiko Sachsicherheiten: Pfandrecht Hypothek Eigentumsvorbehalt Sicherungsabtretung Personalsicherheiten: Bürgschaft Garantie Patronatserklärung Schuldbeitritt
48 Beispiel 1: Kreditzins und Kreditsicherheiten
Banken Beispiel 1: Kreditzins und Kreditsicherheiten Fortsetzung zu Beispiel 35: Eine Bank gewährt einem Unternehmen mit Zahlungsausfallsrisiko von 3% einen Kredit (Kreditsumme , endfällige Tilgung nach einem Jahr). Der risikolose Zinssatz beträgt 6% p.a., der von der Bank errechnete Risikozuschlag 3,28 Prozentpunkte. Das Unternehmen bietet liquidierbare Sicherheiten in Höhe von an. Welchen Zinssatz bzw. Risikozuschlag sollte die Bank jetzt verlangen (unter Vernachlässigung der Zuschläge für Kreditbearbeitung und Eigen-kapitalunterlegung)? Lösung: Der neue Kreditzinssatz beträgt 8,25% p.a., der entsprechende Risiko-zuschlag 2,25 Prozentpunkte. Das entspricht einer Senkung des Aufschlags um mehr als 1%.
49 Wertpapieremissionsgeschäft
Finanzinstitutionen Wertpapieremissionsgeschäft Dienstleistungen einer Bank oder eines Bankenkon-sortiums bei der Ausgabe von Wertpapieren: Erarbeitung eines Emissionskonzepts Volumen, Segment, Börseplatz Emissionskurs und Emissionsverfahren Erstellung des Börsezulassungsprospekts Roadshows Entgegennahme von Zeichnungsaufträgen Zuteilung der Wertpapiere
50 Finanzinstitutionen Emissionsverfahren Festpreisverfahren
Festlegung des Emissionskurses im vorhinein, Underwriting durch Emissionsbank möglich Bezugsrechtshandel Vorteil: Emissionserlös fix Bookbuilding – Verfahren Elektronisches Orderbuch beim Bookrunner Vorteile: marktkonforme Kursfestlegung, intensivere Investor Relations Auktionsverfahren (bei Anleihen) Emissionskurs dient Feinabstimmung Zuteilung nach Meistausführungsprinzip
51 Sonstige Finanzinstitutionen
Versicherungsgesellschaften Kapitalanlagegesellschaften Venture Capital Firmen Finanzaufsichtsbehörden Anlagevermittler Kreditkartengesellschaften Ratingagenturen Factoringgesellschaften Leasinggesellschaften usw.
52 Internationale Ratingagenturen - z.B. S&P
Höchste Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko Hohe Zahlungswahrscheinlichkeit, geringes Ausfallsrisiko Angemessene Deckung von Zins und Tilgung, Risikoelemente Angemessene Deckung, jedoch mangelnder Schutz gegen wirtschaftliche Veränderungen Spekulativ, fortwährende Unsicherheit, mäßige Deckung Sehr spekulativ, hoch riskant, hohes Zahlungsausfallsrisiko Niedrigste Qualität, akute Gefahr des Zahlungsverzugs Zahlungsstörungen Vor Zahlungsunfähigkeit Bestehende Zahlungsunfähigkeit, sonstige Marktverletzungen Standard&Poor‘s Ratingsymbol Definition AAA AA A BBB BB B CCC CC C D
53 Factoring-Gesellschaft
Factoringgesellschaften Factoring 2. Forderungsverkauf Factoring-Gesellschaft Lieferant 3. Bevorschussung 5. Restbetrag Kunde 4. Inkasso 1. Lieferung und Forderung
54 Leasing- geber (z.B. Bank)
Leasinggesellschaften Leasing Lieferant Leasing- geber (z.B. Bank) 3. Bestellung und Bezahlung 4. Lieferung 1. Verhandlungen 2. Leasingvertrag 5. Leasingraten Leasing- nehmer (Kunde)
55 Modelle in der Finanzwirtschaft
Kapitel 3 Modelle in der Finanzwirtschaft
56 Handlungsmöglichkeiten
Modelle Planungsprozess Zielbildung Handlungsmöglichkeiten Vergleich Einsatz von Entscheidungsmodellen Entscheidung
57 1. Problemstellung in komplexer Realität
Modelle Wozu dienen Modelle? 1. Problemstellung in komplexer Realität 2. Modell als verein-fachtes Abbild der Realität Vereinfachung Modellfehler 3. Bearbeitung und Lösung der Problem-stellung im Modell 4. Rückschluss von der Modelllösung auf die Realität
58 Modelle Modelle: deskriptive Modelle: normative Modelle:
Arten von Modellen Modelle: deskriptive Modelle: Beschreibungsmodelle Prognosemodelle normative Modelle: Entscheidungsmodelle
59 Beschreibungsmodelle
Ziel: Beschreibung eines komplexen Sachverhalts Strukturen und Zusammenhänge erkennen Beispiele: Wie reagiert der Umsatz auf die eingesetzten Marketing-instrumente? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Einzahlungen, Auszahlungen und Liquidität?
60 Modelle Ziel: Voraussetzung: Beispiele: Prognosemodelle
Bestimmung von zukünftigen Werten wichtiger Größen bzw. deren Wahrscheinlichkeitsverteilungen Voraussetzung: Ausreichend genaues Beschreibungsmodell Beispiele: Welcher Umsatz ist im nächsten Monat zu erwarten, wenn in diesem Monat bestimmte Marketinginstrumente eingesetzt werden? Welche Einzahlungen und welche Liquidität sind im nächsten Monat zu erwarten, wenn in diesem Monat ein bestimmter Umsatz erzielt wurde?
61 Entscheidungsmodelle
Ziel: Ermittlung der – gemessen an einem bestimmten Kriterium – besten Entscheidungsalternative Voraussetzung: Beschreibungs- oder Prognosemodell Beispiel: Welche Investitionen sollten durchgeführt werden, um bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Liquidität das Nettovermögen zu maximieren? Wesentlich: Festlegung eines geeigneten Entscheidungskriteriums
62 Elemente eines Entscheidungsmodells
Modelle in der Finanzierung Elemente eines Entscheidungsmodells Aktionen (Handlungsalternativen) einander ausschließend vom Entscheidungsträger kontrollierbar (Umwelt-)Zustände vom Entscheidungsträger idR nicht beeinflussbar Wahrscheinlichkeiten objektive oder subjektive Wahrscheinlichkeiten für das Eintreffen der jeweiligen Umweltzustände Handlungskonsequenzen monetäre Folgen der Aktions-Zustands-Paare Entscheidungskriterium
63 Arten von Wahrscheinlichkeiten
Entscheidungsmodelle Arten von Wahrscheinlichkeiten Objektive Wahrscheinlichkeit: Grenzwert der relativen Häufigkeiten einer (unendlich) großen Zahl gleichgelagerter Fälle Subjektive Wahrscheinlichkeit: Grad der Überzeugung, welche eine Person vom Eintritt eines Ereignisses hat
64 Arten von Entscheidungen
Modelle Arten von Entscheidungen Entscheidung unter Sicherheit: eintretender Umweltzustand ist bekannt Risiko: Wahrscheinlichkeiten für Umweltzustände sind bekannt z.B. Roulette, Lotto Unsicherheit: Wahrscheinlichkeitsverteilung der Umweltzustände ist nicht bekannt z.B. Einführung eines neuen Produkts auf einem neuen Markt
65 Struktur des allgemeinen Entscheidungsmodells
Modelle Struktur des allgemeinen Entscheidungsmodells z1 z2 z3 … zn p1 p2 p3 … pn a1 x11 x12 x13 … x1n a2 x21 x22 x23 … x2n a3 x31 x32 x33 … x3n … … … … … am xm1 xm2 xm3 … xmn Aktionen (Handlungsalternativen): Umweltzustände: Wahrscheinlichkeiten: Handlungsfolgen: ai	i=1,2,…m zj	j=1,2,…n pj	j=1,2,…n xij	i=1,2,…m, j=1,2,...n
66 Beispiel 2: Entscheidungsmodell/1
Modelle Beispiel 2: Entscheidungsmodell/1 Sie planen in Aktien anzulegen, wobei 2 Unternehmen zur Auswahl stehen. Unternehmen A ist im IT-Sektor tätig, die Aktie gilt als riskant. Unternehmen B ist ein Industriekonzern, dessen Aktien langfristig stabile Kurssteigerungen versprechen. Als dritte Variante überlegen Sie, Ihr Geld gleichmäßig auf die beiden Aktien aufzuteilen. Bei einer Investition in Unternehmen A kann man bei günstiger Börsenlage mit einer Kurssteigerung von 50% innerhalb eines Jahres rechnen, bei ungünstiger Börsenlage verliert die Aktie allerdings 25% an Wert. Unternehmen B verspricht hingegen eine Kurssteigerung von 15% bei guter und 5% bei ungünstiger Börsenlage. Sie schätzen die Wahrscheinlichkeit für eine gute Börsenlage mit 70%, diejenige für eine schlechte Börsenlage mit 30% ein. Wie lautet das entsprechende Entscheidungsmodell?
67 Beispiel 2: Entscheidungsmodell/2
Modelle Beispiel 2: Entscheidungsmodell/2 Aufstellen des Entscheidungsmodells: Investition in Aktie A: usw. Umweltzustände Alternativen gute Börsenlage: z1 p1=0,7 Aktie A: a1 Aktie B: a2 10.000 3.000 ungünstige Börsenlage: z2 p2=0,3 -5.000 1.000 Aktie A & B: a3 6.500 -2.000
68 Modelle Kapitalmarkt:
Kapitalmarktmodell/1 Kapitalmarkt: realer Markt für Wertpapiere, oder Modell („theoretischer Markt“) Tausch von heutiger Zahlung gegen zukünftigen Zahlungsstrom mit den Merkmalen Breite zeitliche Struktur Laufzeit Unsicherheit
69 Modelle Kapitalmarktmodell/2 Kapitalgeber leistet heute Auszahlung
erhält zukünftigen Zahlungsstrom Käufer (Nachfrager) des Zahlungsstroms Kapitalanbieter Kapitalanlage Kapitalnehmer erhält heute Einzahlung leistet zukünftigen Zahlungsstrom Verkäufer (Anbieter) des Zahlungsstroms Kapitalnachfrager Kapitalbeschaffung
70 Modelle in der Finanzierung
Kapitalmarkt Am Kapitalmarkt erfolgt Handel mit Zahlungsströmen: Kapitalgeber: Käufer eines Zahlungsstroms Kapitalnehmer: Verkäufer eines Zahlungsstroms Kapitalgeber = Kapitalanbieter Kapitalnehmer= Kapitalnachfrager t=0 Auszahlung -100 t=0 Einzahlung +100 t=1 t=2 t=3 +35 t=1 t=2 t=3 -35 Zahlungsstrom
71 Modell des vollkommenen und vollständigen Kapitalmarkts:
Modelle Kapitalmarktmodell/3 Modell des vollkommenen und vollständigen Kapitalmarkts: vollkommener Kapitalmarkt: Preis für einen zukünftigen Zahlungsstrom ist für alle Markt-teilnehmer gleich Preis kann durch einzelne Marktteilnehmer nicht beeinflusst werden vollständiger Kapitalmarkt: jeder beliebige Zahlungsstrom kann gehandelt werden
72 gewichteter Durchschnitt der monetären Handlungsfolgen einer Aktion ai
Modelle Erwartungswert Erwartungswert: gewichteter Durchschnitt der monetären Handlungsfolgen einer Aktion ai Gewichte sind die Wahrscheinlichkeiten pj
73 Beispiel 3: Entscheidung unter Risiko/1
Modelle Beispiel 3: Entscheidung unter Risiko/1 Fortsetzung von Beispiel 1: Wie sollten Sie Ihr Geld anlegen (Aktien A, Aktien B oder beide), wenn Sie sich ausschließlich am Erwartungswert orientieren?
74 Beispiel 3: Entscheidung unter Risiko/2
Modelle Beispiel 3: Entscheidung unter Risiko/2 Berechnung der Erwartungswerte des Entscheidungsproblems Umweltzustände Alternativen gute Börsenlage: z1 p1=0,7 Aktie A: a1 Aktie B: a2 10.000 3.000 ungünstige Börsenlage: z2 p2=0,3 -5.000 1.000 Aktie A & B: a3 6.500 -2.000 Bei isolierter Betrachtung des Erwartungswertes ist es am günstigsten, ausschließlich in Unternehmen A zu investieren.
75 Elementare Finanzmathematik
Kapitel 4 Elementare Finanzmathematik
76 ein Euro heute ist mehr wert als ein Euro morgen Gründe dafür sind:
Finanzmathematik Grundlagen/1 wichtiger Grundsatz: ein Euro heute ist mehr wert als ein Euro morgen Gründe dafür sind: Zinsen Risiko Inflation Zahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten können daher nicht direkt miteinander verglichen werden.
77 Annahme: Zahlungen fallen jeweils am Ende einer Periode an
Finanzmathematik Grundlagen/2 Annahme: Zahlungen fallen jeweils am Ende einer Periode an t=0 t=1 t=2 t=3 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr -1.000 -130 +620 +860
78 Zinsenrechnung ermöglicht Vergleich von Zahlungen
Finanzmathematik Zinsenrechnung Zinsenrechnung ermöglicht Vergleich von Zahlungen Höhe der Zinsen abhängig von: vereinbartem Zinssatz Dauer der Kapitalüberlassung Art der Zinsberechnung Arten der Zinsberechnung unterscheiden sich durch: Behandlung der bisher angefallenen Zinsen Anzahl der Zinstermine pro Jahr (Länge der Zinsperiode) Zeitpunkt der Zinszahlung
79 Zusammengesetzte Verzinsung
Finanzmathematik Zusammengesetzte Verzinsung Zusammengesetzte (exponentielle) Verzinsung: Zinsen werden dem Kapital hinzugerechnet und weiter verzinst (Zinseszinsen): Allgemein:
80 Finanzmathematik Beispiel 4: Aufzinsen
Sie legen heute für 2 Jahre zu einem Zinssatz von 5% p.a. an. Wie hoch ist das Guthaben nach 2 Jahren ? Berechnung des Endwertes der Zahlung
81 Effektive Verzinsung (Rendite)
Finanzmathematik Effektive Verzinsung (Rendite) Effektivverzinsung (effektiver Jahreszinssatz, Rendite): jährlicher prozentueller Kapitalzuwachs bei jährlicher Verzinsung: ieff = inom = i bei unterjähriger Verzinsung: ieff  inom
82 Beispiel 5: Effektive Verzinsung
Finanzmathematik Beispiel 5: Effektive Verzinsung Ein Anleger investiert heute in einen Fonds. Drei Jahre später verkauft er seine Fondsanteile um Wie hoch ist die Rendite aus dieser Veranlagung? Lösung:
83 Zeitwerte und Äquivalenz
Finanzmathematik Zeitwerte und Äquivalenz t=0 Barwert K0 t Endwert KN t=N Zeitwert Ks t=s Aufzinsungsfaktoren ·(1+i) s ·(1+i) (N-s) Aufzinsen: Abzinsungsfaktoren ·(1+i) -s ·(1+i) -(N-s) Abzinsen: Zahlungen heißen äquivalent, wenn ihre auf einen gemeinsamen Zeitpunkt bezogenen Zeitwerte übereinstimmen.
84 Unterjährige Verzinsung/1
Finanzmathematik Unterjährige Verzinsung/1 Unterjährige Verzinsung: Zinsen werden mehrmals (m mal) pro Jahr verrechnet z.B. inom=4% p.a., vierteljährliche Verzinsung (m=4): 1% pro Quartal t=0 t t=1 t=1/2 t=1/4 t=3/4
85 Unterjährige Verzinsung/2
Finanzmathematik Unterjährige Verzinsung/2 Effektive Verzinsung: bei unterjähriger Verzinsung mit m Zinsterminen: Endwert und Barwert: bei unterjähriger Verzinsung mit m Zinsterminen:
86 Stetige Verzinsung (NICHT bankenüblich!)
Finanzmathematik Stetige Verzinsung (NICHT bankenüblich!) Stetige Verzinsung: unendlich viele Zinstermine, m   e=2, , Eulersche Zahl Endwert und Barwert: bei stetiger Verzinsung:
87 Finanzmathematik Beispiel 6: Endwerte
Wie hoch ist das Guthaben nach 2 Jahren bei jährlicher, unterjähriger (4 Zinstermine) und stetiger Verzinsung? Sie legen heute für 2 Jahre auf ein Sparbuch mit einem Zinssatz von 5% p.a. Berechnung des Endwertes der Zahlung
88 Finanzmathematik Beispiel 7: Barwerte
Sie wollen in 10 Jahren angespart haben, wobei Ihnen zur Veranlagung ein Sparbuch mit einem Zinssatz von 5% p.a. zur Verfügung steht. Welchen Betrag müssen Sie heute bei jährlicher, unterjähriger (4 Zinstermine) und stetiger Verzinsung auf dieses Sparbuch legen? Berechnung des Barwertes der Zahlung
89 Rente: periodisch anfallende Zahlungen
Finanzmathematik Rentenrechnung Rente: periodisch anfallende Zahlungen Annuität: Rente mit jährlichen konstanten Zahlungen Konstante Renten Steigende oder fallende Renten Rentenperiode = Zinsperiode Rentenperiode > Zinsperiode
90 Finanzmathematik Annuität/1 Rentenbarwert: Annuität: 1 2 t N-1 N -A K0
1 2 t N-1 N -A K0 ... Annuität: Rentenbarwert:
91 Interpretation der Annuität:
Finanzmathematik Annuität/2 Interpretation der Annuität: Konstanter Entnahmebetrag, um das Anfangskapital K0 (inklusive Zinsen) in N Jahren aufzubrauchen Unter Berücksichtigung von Zinsen und Zinseszinsen berechneter Durchschnitt des Anfangskapitals Konstanter Ansparbetrag, um nach N Jahren den Betrag KN=K0·qn zu erhalten
92 Finanzmathematik Beispiel 8: Annuität
Sie wollen jährlich einen konstanten Betrag auf ein Sparbuch mit einem Zinssatz von 5% p.a. legen und nach 10 Jahren einen Betrag von angespart haben. Wie hoch ist der jährlich notwendige Ansparbetrag bei jährlicher und bei unterjähriger (4 Zinstermine pro Jahr) Verzinsung? Abzinsen des Endwertes und Berechnung der jährlichen bzw. der unterjährigen Annuität
93 Finanzmathematik Ewige Rente: Ewige Rente
bei jährlicher Rente und jährlicher Verzinsung: Rentenbarwert: Rentenhöhe:
94 Beispiel 9: Aufzinsen, Zinsänderung/1
Finanzmathematik Beispiel 9: Aufzinsen, Zinsänderung/1 Sie legen am zu einem Zinssatz von 5% p.a. (2 Zinstermine pro Jahr) auf ein Sparbuch. Am und am heben Sie jeweils von diesem Sparbuch ab. Am wird der Zinssatz auf 4% p.a. (2 Zinstermine pro Jahr) reduziert. Über welches Endvermögen verfügen Sie am ?
95 Beispiel 9: Aufzinsen, Zinsänderung/2
Finanzmathematik Beispiel 9: Aufzinsen, Zinsänderung/2 Lösungsweg = 10.000 17.216 12.216 15.256 10.256 10.512 11.838
96 Beispiel 10: Anfangseinzahlung/1
Finanzmathematik Beispiel 10: Anfangseinzahlung/1 Sie wollen in 20 Jahren angespart haben. Die Bank garantiert Ihnen einen Zinssatz von 5% bei jährlicher Verzinsung. Welchen Betrag müssen Sie heute auf ein Sparbuch legen, wenn Sie jedes Jahr zusätzlich ansparen können, beginnend in einem Jahr, letztmalig nach 20 Jahren?
97 Beispiel 10: Anfangseinzahlung/2
Finanzmathematik Beispiel 10: Anfangseinzahlung/2 Lösungsweg 2.000 1 2 3 20 19 - Barwert Annuität 24.924 37.689 + Barwert Zielbetrag = Einzahlung in t=0 12.765
98 Beispiel 11: Kombiniertes Beispiel/1
Finanzmathematik Beispiel 11: Kombiniertes Beispiel/1 Sie legen heute auf ein Sparbuch mit einem Zinssatz von 5% p.a.. Zusätzlich wollen Sie über 20 Jahre hinweg jeweils am Jahresende einen konstanten Betrag auf dieses Sparbuch legen, sodass Sie ab dem 21. Jahr jeweils am Jahresende aus den Zinsen des angesparten Kapitals jährlich als ewige Rente entnehmen können. Wie hoch muss dieser jährliche Ansparbetrag bei jährlicher Verzinsung sein?
99 Beispiel 11: Kombiniertes Beispiel/2
Finanzmathematik Beispiel 11: Kombiniertes Beispiel/2 Lösungsweg 50.000 1 2 3 20 19 21 22 ... Barwert der ewigen Rente - Endwert der Veranlagung = Endwert des benötigten Ansparbetrags Barwert des Ansparbetrags 22.218 Annuität ...
100 Beispiel 11: Kombiniertes Beispiel/3
Finanzmathematik Beispiel 11: Kombiniertes Beispiel/3 Alternativer Lösungsweg 50.000 1 2 3 20 19 21 22 ... Barwert der ewigen Rente in t=0 -	Barwert der Veranlagung =	Barwert des Ansparbetrags 22.218 Annuität ...
101 Investitionsrechnung
Kapitel 5 Investitionsrechnung
102 Was bedeutet Investition?
Investitionsrechnung Was bedeutet Investition? Typische Definitionen: Verwendung finanzieller Mittel Maßnahmen zur zielgerichteten Nutzung von Kapital Umwandlung von flüssigen Mitteln in andere Formen von Vermögen (Kapitalbindung) Zahlungsreihe, die mit einer Auszahlung beginnt 1 2 3 -3.000 -1.300 2.200 2.600 t
103 Investitionsrechnung
Grundlagen Investitionsrechnung ist zahlungsorientiert Regelfall: Normal- oder reguläre Investitionen Kennzeichen: einmaliger Vorzeichenwechsel Investitionsrechnung dient der Beurteilung von Real- oder Finanzinvestitionen Investitionsrechnungen beurteilen: absolute Vorteilhaftigkeit relative Vorteilhaftigkeit optimale Investitionsdauer Programmentscheidungen
104 Investitionsrechnung
objekte Sachanlage- vermögen (Grundstücke, Maschinen, Rechte usw.) Finanzanlage- vermögen (Beteiligungen, langfristige Aus- leihungen usw.) Umlaufvermögen (Vorräte, Forderungen, Kassenreserven) Ausgaben für F&E, für gering- wertige aber dauerhafte Wirt- schaftsgüter usw. laufende Produktions-, Vertriebs- und Verwaltungs- ausgaben Umfang alternativer Investitions- begriffe Investitionen im engsten Sinn Investitionen im engen bilanzorientierten Sinn Investitionen im weiten bilanzorientierten Sinn Investitionen im erweiterten bilanzorientierten Sinn (einschließlich langfristiger “Off-Balance-Sheet” Investitionen) Investitionen im weitesten Sinn Quelle: Schierenbeck [Grundzüge 1995], S. 306
105 Investitionsrechnung
Investitionsarten Investition Sachinvestition Finanzinvestition Immaterielle Investition Erweiterungs- investition Ersatzinvestition identischer Ersatz Rationalisierungs- investition Quelle: Perridon/Steiner [Finanzwirtschaft 1995], S. 27 (leicht modifiziert)
106 Rechtlicher Schutz von Investitionen
Investitionsrechnung Rechtlicher Schutz von Investitionen § 454 UGB: Investitionsersatz zwischen Unternehmern (gilt für Verträge ab ) (1) Ein Unternehmer, der an einem vertikalen Vertriebsbindungssystem als gebundener Unternehmer im Sinne des § 30a KartG oder als selbständiger Handelsvertreter (§ 1 HVertrG) teilnimmt, hat bei Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem bindenden Unternehmer Anspruch auf Ersatz von Investitionen, die er nach dem Vertriebsbindungsvertrag für einen einheitlichen Vertrieb zu tätigen verpflichtet war, soweit sie bei der Vertragsbeendigung weder amortisiert noch angemessen verwertbar sind.
107 Rechtlicher Schutz von Investitionen
Investitionsrechnung Rechtlicher Schutz von Investitionen § 454 UGB: Investitionsersatz zwischen Unternehmern (gilt für Verträge ab ) (2) Der Anspruch besteht nicht, wenn a) der gebundene Unternehmer das Vertragsverhältnis gekündigt oder vorzeitig aufgelöst hat, es sei denn, dass dafür ein dem bindenden Unternehmer zurechenbarer wichtiger Grund vorlag, b) der bindende Unternehmer das Vertragsverhältnis aus einem dem gebundenen Unternehmer zurechenbaren wichtigen Grund gekündigt oder vorzeitig aufgelöst hat oder c) der gebundene Unternehmer gemäß einer Vereinbarung mit dem bindenden Unternehmer die Rechte und Pflichten, die er nach dem Vertrag hat, einem Dritten überbindet.
108 Rechtlicher Schutz von Investitionen
Investitionsrechnung Rechtlicher Schutz von Investitionen § 454 UGB: Investitionsersatz zwischen Unternehmern (gilt für Verträge ab ) (3) Der gebundene Unternehmer verliert den Anspruch, wenn er dem bindenden Unternehmer nicht innerhalb eines Jahres nach Beendigung des Vertragsverhältnisses mitgeteilt hat, dass er seine Rechte geltend macht. (4) Ansprüche nach Abs. 1 können zum Nachteil des gebundenen Unternehmers im Voraus durch Vereinbarung weder aufgehoben noch beschränkt werden. (5) Der Ausgleichsanspruch nach § 24 HVertrG bleibt von dieser Bestimmung unberührt. [gilt für die Zufuhr von neuen Kunden]
109 Investitionsrechenmodelle
Investitionsrechnung Investitionsrechenmodelle Investitionsrechnungsmodelle sind Entscheidungsmodelle Ziel des Investors: Vermögensmaximierung Zielkriterien: z.B. Kapitalwert, Rendite, Amortisationsdauer Problem: entsprechen die verwendeten Kriterien dem Ziel? Modellprämissen: Sicherheit konstanter Zinssatz vollständiger Kapitalmarkt: jeder Zahlungsstrom ist handelbar vollkommener Kapitalmarkt: Preise (bzw. Zinssätze) sind für alle Marktteilnehmer gleich
110 Statische und dynamische Verfahren/1
Investitionsrechnung Statische und dynamische Verfahren/1 Statische Verfahren: verwenden Daten aus Buchhaltung und Kostenrechnung Durchschnittsbetrachtung keine Berücksichtigung zeitlicher Unterschiede Vernachlässigung von Zinseffekten (zu) stark vereinfachte Modellwelt leichte Anwendbarkeit Dynamische Verfahren: zahlungsorientierte Größen exakte Erfassung aller mit dem Projekt verbundenen Zahlungen mehrperiodige Betrachtung Berücksichtigung zeitlicher Unterschiede durch finanzmathematische Methoden geeigneter Kalkulations-zinssatz notwendig
111 Statische und dynamische Verfahren/2
Investitionsrechnung Statische und dynamische Verfahren/2 Statische Verfahren: Kostenvergleichsrechnung Gewinnvergleichsrechnung Rentabilitätsrechnung statische Amortisations-rechnung, Payoff-Rechnung Dynamische Verfahren: Kapitalwertmethode Interne-Zinssatz-Methode Annuitätenmethode Dynamische Amortisations-rechnung
112 Statische Methoden Kostenvergleichsrechnung
Entscheidungskriterium: Periodenkosten (bei gleicher quantitativer und qualitativer Leistung der Investitionsalternativen) Stückkosten (bei unterschiedlicher quantitativer Leistung der Investitionsalternativen) Anwendung: Bewertung der relativen Vorteilhaftigkeit von Rationalisierungsinvestitionen ein Investitionsobjekt ist dann relativ vorteilhaft, wenn seine Kosten geringer sind als die der anderen zur Wahl stehenden Alternativen Quelle: Schierenbeck [Grundzüge 1995], S. 324ff.
113 Statische Methoden Gewinnvergleichsrechnung
Entscheidungskriterium: durchschnittlicher Gewinn (Saldo aus durchschnittlichen Erlösen und Kosten pro Periode) Anwendung: Bewertung der absoluten und relativen Vorteilhaftigkeit von Neu- und Erweiterungsinvestitionen ein Investitionsobjekt ist dann absolut vorteilhaft, wenn sein Gewinn größer als Null ist es ist relativ vorteilhaft, wenn sein Gewinn größer als der eines jeden anderen alternativen Objektes ist Quelle: Schierenbeck [Grundzüge 1995], S. 330f.
114 Statische Methoden Rentabilitätsrechnung
Entscheidungskriterium: Periodenrentabilität, ist eine Kennzahl, die aus dem Verhältnis einer Gewinngröße zu einer Kapitaleinsatzgröße gebildet wird: Anwendung: Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einzelner Investitionen sowie Vergleich der Vorteilhaftigkeit mehrerer Investitionsobjekte ein Investitionsobjekt ist absolut vorteilhaft, wenn seine Rentabilität höher als ein vorgegebener Grenzwert ist es ist relativ vorteilhaft, wenn seine Rentabilität größer ist als die eines jeden anderen alternativen Objektes Quelle: Schierenbeck [Grundzüge 1995], S. 331f.
115 Statische Methoden Return on Investment (ROI)
Umsatz Fertigungs- löhne + Fertigungs- material Deckungs- beitrag - + Gewinn plus Zinsen Variable Gemeinkosten Variable Kosten Umsatz- rentabilität - Produktion + : Verwaltung Fixkosten ohne Zinsen + Vertrieb ROI Umsatz x Lieferforderungen Umlauf- vermögen + : Vorräte Kapital- umschlag + Sonstiges Umlaufvermögen Kapital- einsatz + Sachanlage- vermögen Anlage- vermögen + Finanzanlage- vermögen Quelle: Lechner et. al. [Einführung 1996], S. 81
116 Statische Methoden Amortisationsrechnung
Entscheidungskriterium: Zeitdauer, die bis zur Wiedergewinnung der Anschaffungsausgaben aus den Einnahmeüberschüssen des Investitionsobjektes verstreicht (Amortisationsdauer) Anwendung: Aussagen anderer Investitionsrechenverfahren können ergänzt werden, da mit der Amortisationszeit ein zusätzlicher Beurteilungsmaßstab geliefert wird ein Investitionsobjekt ist absolut vorteilhaft, wenn seine Amortisationszeit geringer als ein vorgegebener Grenzwert ist es ist relativ vorteilhaft, wenn seine Amortisationszeit geringer als die eines jeden anderen alternativen Objektes ist Quelle: Schierenbeck [Grundzüge 1995], S. 333f.
117 Nachteile statischer Verfahren
Investitionsrechnung Nachteile statischer Verfahren Nachteile statischer Verfahren: Zielkriterien der Verfahren entsprechen nicht unbedingt den monetären Zielen des Investors (Fehlentscheidungen) Durchschnittsbetrachtung führt zu Ungenauigkeiten Vernachlässigung von Zinseszinseffekten ( allzu positive Beurteilung)
118 Kalkulationszinssatz
Investitionsrechnung Kalkulationszinssatz Kalkulationszinssatz bei dynamischen Verfahren: jener Zinssatz, zu dem Zahlungen des Projekts am (vollkommenen und vollständigen) Kapitalmarkt angelegt oder beschafft werden können Höhe abhängig vom Projektrisiko: Je riskanter ein Projekt, umso höher der „risikoadjustierte“ Kalkulationszinssatz („Risikozuschlag“) Opportunitätskosten: wieviel Ertrag bringt die beste alternative Geldanlage mit vergleichbarem Risiko?
119 Kapitalwertmethode Kapitalwert Kapitalwert: Summe aller diskontierten zukünftigen Zahlungen aus einer Investition unter Berücksichtigung der Anschaffungsauszahlung alle zukünftigen Zahlungen werden berücksichtigt (auch jene nach Ablauf der Nutzungsdauer) Kriterium: positiver Kapitalwert (absolute Vorteilhaftigkeit) maximaler Kapitalwert (relative Vorteilhaftigkeit)
120 Beispiel 12: Kapitalwertmethode - abs. Vorteilh./1
Von einem Investitionsprojekt A sind folgende Daten bekannt: 20.000 4 Jahre 4.000/Jahr 7/Stück 3/Stück 14/Stück Anschaffungsauszahlung Liquidationserlös Nutzungsdauer Versicherung Lohnauszahlungen Materialauszahlungen Erlös 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4. Jahr 8.000 8.500 Absatzprognosen: Kalkulationszinssatz: 4%
121 Beispiel 12: Kapitalwertmethode - abs. Vorteilh./2
Entscheiden Sie mit Hilfe der Kapitalwertmethode, ob Projekt A durchgeführt werden soll oder nicht und interpretieren Sie das Ergebnis! Berechnung des Kapitalwertes von A
122 Beispiel 12: Kapitalwertmethode - abs. Vorteilh./3
Einzahlungs-/Auszahlungstabelle Projekt A Zeit 1 2 3 4 Einzahlungen Auszahlungen 84.000 89.000 Summe der Zahlungen 28.000 30.000 50.000 Barwert 26.923 25.888 26.670 42.740 Kapitalwert (4%) 22.221 Anmerkung: die Einzahlung des Projektes im Zeitpunkt 4 enthält den Liquidationserlös. Der Kapitalwert ist positiv, das Projekt A ist daher (absolut) vorteilhaft.
123 Interpretation des Kapitalwerts/1
Kapitalwertmethode Interpretation des Kapitalwerts/1 „Sparbuch“: Endvermögen 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4. Jahr t=0 t=1 t=2 t=3 t=4 Projekt A: 50.000 30.000 28.000 31.496 30.285 31.200 22.221 KW (A):
124 Interpretation des Kapitalwerts/2
Kapitalwertmethode Interpretation des Kapitalwerts/2 Kapitalwert: Summe der Barwerte der mit dem Investitionsprojekt verbundenen Zahlungen Barwert des zusätzlichen Endvermögens, das durch die Investition erwirtschaftet wird Barwert der maximal möglichen Entnahmen während der Laufzeit, bei denen das Endvermögen nicht kleiner als bei Veranlagung zum Kalkulationszinssatz wird Barwert der maximal möglichen Reduktionen der Zahlungen, sodass das Projekt noch absolut vorteilhaft bleibt
125 Beispiel 13: Kapitalwertmethode - rel. Vorteilh./1
Als Alternative zu Projekt A könnte auch Projekt B mit einer Nutzungsdauer von 5 Jahren durchgeführt werden. Dabei ergäben sich folgende Ein- und Auszahlungen: Auszahlungen Einzahlungen Zeit 77.500 78.000 82.500 82.000 76.500 8.000 1 2 3 4 5 6 Welches der beiden Projekte soll realisiert werden?
126 Beispiel 13: Kapitalwertmethode - rel. Vorteilh./2
Zeit Einzahlungen Auszahlungen Summe der Zahlungen Barwert 1 2 3 4 Einzahlungs-/Auszahlungstabelle Projekt B 5 6 77.500 78.000 82.500 82.000 76.500 8.000 42.500 46.000 47.500 51.000 38.500 -8.000 40.865 42.530 42.227 43.595 31.644 -6.323 24.538 Projekt B ist - isoliert betrachtet - vorteilhaft.
127 Beispiel 13: Kapitalwertmethode - rel. Vorteilh./3
Projekt B hat einen höheren Kapitalwert als Projekt A. Nach der Kapitalwertmethode ist Projekt B daher (bei einmaliger Investition) vorzuziehen.
128 Vergleichbarkeit möglich trotz:
Kapitalwertmethode Projektvergleich/1 Vergleichbarkeit möglich trotz: unterschiedlicher Anschaffungsauszahlung  unterschiedlicher Laufzeit 4 Jahre  6 Jahre Bei vollkommenem und vollständigem Kapitalmarkt keine Korrekturen nötig! 	Wiederanlageprämisse: Kapital kann zum Kalkulationszinssatz angelegt und aufgenommen werden
129 Kapitalwertmethode Projektvergleich/2
Unterschiedliche Anschaffungsauszahlung: Investor besitzt , legt bei Auswahl von Projekt A den Differenzbetrag am Kapitalmarkt an  zusätzlicher Kapitalwert: 0 KW: 1 2 3 4 t 81.890 70.000 Investor besitzt , nimmt bei Auswahl von Projekt B den Differenzbetrag als Kredit auf  zusätzlicher Kapitalwert: 0 6 KW: 1 2 3 4 t 70.000 5
130 Kapitalwertmethode Projektvergleich/3 Unterschiedliche Laufzeit:
Investor legt das Endvermögen von Projekt A weitere zwei Jahre am Kapitalmarkt an und verlängert damit künstlich die Laufzeit  zusätzlicher Kapitalwert: 0 Kapitalmarkt: Endvermögen t=4 Endvermögen t=6 t=0 t=4 t=6 Projekt A: 25.995 22.221 KW (A):
131 Einmalige Investition
Methodenvergleich Einmalige Investition Einmalige Investition: Projekt A Projekt B Kapitalwertmethode
132 Annuitätenmethode Annuitätenmethode: Grundlagen/1
Spezialfall der Kapitalwertmethode Anwendung v.a. bei Auswahlentscheidungen bei identischer Reinvestition und unterschiedlicher Nutzungsdauer der Investitionsprojekte Umwandlung einer ungleichmäßig strukturierten Zahlungsreihe in eine Zahlungsreihe mit gleich großen Zahlungen (Annuitäten) = Periodisierung des Kapitalwertes dazu dient der Annuitätenfaktor:
133 Absolute Vorteilhaftigkeitsentscheidung:
Annuitätenmethode Grundlagen/2 Absolute Vorteilhaftigkeitsentscheidung: Kriterium: positive Annuität Relative Vorteilhaftigkeitsentscheidung: Kriterium: maximale Annuität Bei unterschiedlichen Nutzungsdauern der Projekte: Unterscheidung zwischen einmaliger Investition identischer Reinvestition
134 Beispiel 14: Annuitätenmethode - abs. Vorteilh.
Entscheiden Sie mit Hilfe der Annuitätenmethode, ob Projekt A durchgeführt werden soll oder nicht und interpretieren Sie das Ergebnis! Berechnung der Annuität von A KW(A) = Nutzungsdauer = 4 Jahre Die Annuität ist positiv, Projekt A ist daher absolut vorteilhaft.
135 Interpretation der Annuität
Annuitätenmethode Interpretation der Annuität Annuität: konstante Entnahme während einer bestimmten Zeitspanne N (hier im Beispiel die Nutzungsdauer), sodass der Kapitalwert der verbleibenden Zahlungen genau null beträgt Zahlungen A Entnahme Zahlungen neu 28.000 -6.122 21.878 30.000 23.878 50.000 43.878 t=0 t=1 t=2 t=3 t=4
136 Annuitätenmethode Beispiel 15: Annuitätenmethode - rel. Vorteilh., identische Reinvestition/1 Angenommen, die Investitionsprojekte A und B werden jeweils nach Ablauf der betrieblichen Nutzungsdauer erneut realisiert (Investitions-kette). Welches der beiden Projekte ist in diesem Fall vorzuziehen? Verwendung der Kapitalwertmethode: nach Ablauf der Nutzungsdauer erneute Investition keine Veranlagung am Kapitalmarkt zum Ausgleich der unterschiedlichen Nutzungsdauern/Laufzeiten 	Kapitalwerte der Einzelprojekte zum Vergleich nicht geeignet  Kapitalwerte der Investitionsketten (20 Jahre) berechnen
137 Annuitätenmethode Beispiel 15: Annuitätenmethode - rel. Vorteilh., identische Reinvestition/2 t 20 16 8 4 12 KWA 5 KWA 3 KWA 2 KWA 1 KWA 4 KWKette A analog:
138 Annuitätenmethode Beispiel 15: Annuitätenmethode - rel. Vorteilh., identische Reinvestition/3 Anstatt umständlicher Berechnung der Kettenkapitalwerte: Berechnung und Vergleich der Annuitäten  Annuitätenmethode Annuität der Investitionskette	= Annuität des Einzelprojekts Bei identischer Reinvestition sollte Projekt A realisiert werden: Sowohl der Kettenkapitalwert als auch die auf die Nutzungsdauer bezogene Annuität sind größer als bei Projekt B.
139 Identische Reinvestition
Methodenvergleich Identische Reinvestition Identische Reinvestition: Projekt A Projekt B Kapitalwertmethode (Investitionskette) Annuitätenmethode
140 Beispiel 16: Annuitätenmethode - rel. Vorteilh., einmalige Investition
Welches der beiden Projekte ist gemäß der Annuitätenmethode vorzuziehen, wenn beide Projekte jeweils nur einmal durchgeführt werden? Bei einmaliger Investition und unterschiedlicher Nutzungsdauer (oder Laufzeit): Veranlagung des Endvermögens am Kapitalmarkt zum Ausgleich der unterschiedlichen Nutzungsdauern (oder Laufzeiten) 	künstlich „verlängerte“ Nutzungsdauer (oder Laufzeit) von Projekt A 	verwenden dasselbe N im Annuitätenfaktor! Bei einmaliger Investition ist Projekt B vorzuziehen, da die mit dem ein-heitlichen Annuitätenfaktor berechnete Annuität größer ist als bei Projekt A.
141 Einmalige Investition
Methodenvergleich Einmalige Investition Einmalige Investition: Projekt A Projekt B Kapitalwertmethode Annuitätenmethode
142 Dynamische Amortisationsrechnung
Grundlagen Dynamische Amortisationsrechnung: ermittelt den Amortisationszeitpunkt des Projekts: Zeitpunkt, zu dem die Summe der Barwerte der Einzahlungen größer ist als die Summe der Barwerte der Auszahlungen Zahlungen werden nur bis zum Amortisationszeitpunkt berücksichtigt  wichtiger Kritikpunkt Kriterium: absolute Vorteilhaftigkeit: Amortisation relative Vorteilhaftigkeit: früherer Amortisationszeitpunkt
143 Beispiel 17: Dynamische Amortisationsrechnung
Entscheiden Sie sich zwischen den Projekten A und B mit Hilfe der dynamischen Amortisationsrechnung! Projekt A Projekt B Zeit Summe Zahlungen Barwert kum. Barwert Summe Zahlungen Barwert kum. Barwert 1 28.000 26.923 40.865 42.500 2 28.000 30.000 50.000 25.888 26.670 42.740 22.221 4 Jahre 5 Jahre 42.530 42.227 43.595 -738 46.000 47.500 51.000 31.644 30.861 38.500 3 4 5 6 -6.323 24.538 -8.000 N* Aufgrund der kürzeren Amortisationsdauer ist Projekt A vorzuziehen.
144 Einmalige Investition
Methodenvergleich Einmalige Investition Einmalige Investition: Projekt A Projekt B Kapitalwertmethode Annuitätenmethode Dynamische Amortisationsrechnung
145 Interne-Zinssatz-Methode
Interner Zinssatz: jener Zinssatz, bei dem der Kapitalwert einer Investition gleich null ist Interpretationsmöglichkeiten bei Investitionen: als Effektivverzinsung des gebundenen Kapitals (Rendite) bei Finanzierungen: als effektive Kapitalkosten als kritischer Zinssatz
146 Interpolationsverfahren
KW+ KW- i- i+ interner Zinssatz (exakt) interner Zinssatz (Interpolation) Fehler Kapitalwert Zinssatz Interne-Zinssatz-Methode Interpolationsverfahren
147 Berechnung des internen Zinssatzes
Interne-Zinssatz-Methode Berechnung des internen Zinssatzes händisch (eine Iteration des Näherungsverfahrens): am PC: z.B. mit MS Excel: Funktion IKV exakte Ermittlung bei zwei Zahlungen:
148 Beispiel 18: Interner Zinssatz bei 2 Zahlungen
Interne-Zinssatz-Methode Beispiel 18: Interner Zinssatz bei 2 Zahlungen Ein Investitionsprojekt mit der Anschaffungsauszahlung von liefert im Zeitpunkt t=5 eine Einzahlung von Wie hoch ist der effektive Zinssatz (die Rendite)?
149 freigesetztes Kapital
Interne-Zinssatz-Methode Interpretation/1 Entnahmen: konstanter Prozentsatz des gebundenen (noch nicht amortisierten) Kapitals 28.000 30.000 50.000 freigesetztes Kapital Entnahmen gebundenes Kapital Zeitpunkt 1 2 3 4 Zahlungen Projekt A Rendite 12.194 15.806 84.194 10.267 17.733 66.461 8.104 21.896 44.566 5.434 44.566 12,194%
150 Interne-Zinssatz-Methode
Interpretation/2 Interner Zinssatz: gibt an, wieviel Prozent des gebundenen Kapitals jeweils am Periodenende entnommen werden können, ohne die Amortisation der Anschaffungsauszahlung zu gefährden Effektivverzinsung des jeweils gebundenen Kapitals Kriterium: absolute Vorteilhaftigkeit: ieff > i relative Vorteilhaftigkeit: ieff maximal
151 Beispiel 19: Interne-Zinssatz-Methode
Beurteilen Sie die Projekte A und B mit Hilfe der Internen-Zinssatz-Methode, wenn eine Mindestverzinsung von 4% erreicht werden soll. Zeitpunkt 1 2 3 4 Zahlungen Projekt A 28.000 30.000 50.000 Rendite 12,194% 5 6 Zahlungen Projekt B 42.500 46.000 47.500 51.000 9,180% 38.500 -8.000 Isoliert betrachtet ist jede Alternative vorteilhaft (interner Zinssatz > Mindest-verzinsung von 4%), bei einer Auswahlentscheidung wird jene Alternative mit dem größten internen Zinssatz, also Alternative A, gewählt.
152 Einmalige Investition
Methodenvergleich Einmalige Investition Einmalige Investition: Projekt A Projekt B Kapitalwertmethode Annuitätenmethode Dynamische Amortisationsrechnung Interne-Zinssatz-Methode
153 Problem - Schneidende Kapitalwertfunktionen
Interne-Zinssatz-Methode Problem - Schneidende Kapitalwertfunktionen interner Zinssatz (B): 9,2% interner Zinssatz (A): 12,2% 4% 5,1%
154 Beispiel 20: Problem - mehrere interne Zinssätze
Interne-Zinssatz-Methode Beispiel 20: Problem - mehrere interne Zinssätze Zeit Zahlung t=0 -1.000 t=1 5.000 t=2 -6.000 Projekt 1 interne Zinssätze: 100% und 200%
155 Beispiel 21: Problem - kein interner Zinssatz
Interne-Zinssatz-Methode Beispiel 21: Problem - kein interner Zinssatz Zeit Zahlung t=0 -1.000 t=1 4.000 t=2 -6.000 Projekt 2 kein interner Zinssatz
156 Beispiel 22: Problem - negativer interner Zinssatz
Interne-Zinssatz-Methode Beispiel 22: Problem - negativer interner Zinssatz Zeit Zahlung t=0 -1.000 t=1 10.000 t=2 -6.000 Projekt 3 interne Zinssätze: -36% und 836%
157 Mängel der Internen-Zinssatz-Methode
Interne-Zinssatz-Methode Mängel der Internen-Zinssatz-Methode Wiederanlageprämisse: Wiederveranlagung der Zahlungen aus dem Projekt (bzw. Ausgleich der unterschiedlichen Kapitalbindungen beim Vergleich mehrerer Projekte) zum internen Zinssatz unterstellt Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt ieff > i: Wiederveranlagung zu ieff definitionsgemäß nicht möglich ieff < i: Wiederveranlagung zu ieff nicht sinnvoll beim Vergleich zweier Projekte: unterschiedliche Alternativen der Wiederveranlagung mögliche Fehlentscheidungen beim Vergleich mehrerer Projekte (schneidende Kapitalwertfunktionen) Nicht-Eindeutigkeit bei mehrfachem Vorzeichenwechsel
158 Zusammenhang der einzelnen Verfahren/1
Investitionsrechnung Zusammenhang der einzelnen Verfahren/1 Absolute Vorteilhaftigkeit: Kapitalwert- und Annuitätenmethode: selbe Schlussfolgerungen KW- und Interne-Zinssatz-Methode: bei Normalinvestitionen ebenfalls selbe Schlussfolgerungen bei Nicht-Normalinvestitionen Widersprüche möglich Präferenz für Kapitalwertmethode
159 Zusammenhang der einzelnen Verfahren/2
Investitionsrechnung Zusammenhang der einzelnen Verfahren/2 Relative Vorteilhaftigkeit: KW- und Annuitätenmethode: bei korrekter Anwendung keine Widersprüche KW- und Interne-Zinssatz-Methode: Widersprüche möglich KW-Methode ist aufgrund der realistischeren Wiederanlage-prämisse überlegen
160 Anwendung der einzelnen Verfahren/1
Investitionsrechnung Anwendung der einzelnen Verfahren/1 Kapitalwertmethode: bei Entscheidungen über die absolute Vorteilhaftigkeit eines Projekts bei Auswahlentscheidungen: bei einmaliger Investition bei identischer Reinvestition (Achtung: Investitionskette bei unterschiedlichen Nutzungsdauern)
161 Anwendung der einzelnen Verfahren/2
Investitionsrechnung Anwendung der einzelnen Verfahren/2 Annuitätenmethode: bei Entscheidungen über die absolute Vorteilhaftigkeit eines Projekts bei Auswahlentscheidungen: bei einmaliger Investition (Achtung: selber Annuitätenfaktor bei unterschiedlichen Nutzungsdauern!) bei identischer Reinvestition (Annuitäten auf jeweilige Nutzungsdauer beziehen) Interne-Zinssatz-Methode: nur bei Normalinvestitionen
162 Investitionen unter Risiko
Kapitel 6 Investitionen unter Risiko
163 Risiko und Risikoeinstellung
Modelle Risiko und Risikoeinstellung Risiko: Möglichkeit der positiven oder negativen Abweichung einer Handlungskonsequenz von ihrem Erwartungswert Risikoeinstellungen: Risikoneutralität: Risiko spielt keine Rolle Risikofreude: zunehmendes Risiko wird positiv beurteilt Risikoscheu: zunehmendes Risiko wird negativ beurteilt Risikoeinstellung eines Anlegers ist im allgemeinen von der Höhe des Kapitaleinsatzes abhängig Am Kapitalmarkt beobachtet man risikoscheues Verhalten der Anleger Subjektive Risikoeinstellung kann aus dem Sicherheitsäquivalent abgeleitet werden
164 Risikomanagement allgemein
Berücksichtigung von Risiko Risikomanagement allgemein Unter Risikomanagement versteht man die systematische Erfassung, Bewertung und Steuerung der unterschiedlichsten Risiken. Es ist ein Verfahren, das in verschiedensten Bereichen Anwendung findet, zum Beispiel bei Unternehmensrisiken Kreditrisiken Finanzanlagerisiken Umweltrisiken Versicherungstechnischen Risiken Technische Risiken
165 Risikomanagement allgemein
Berücksichtigung von Risiko Risikomanagement allgemein Risikomanagement umfasst: Festlegungen von Zielen auf Basis der Vision und Strategie der Organisation Definition von Werttreibern oder kritischen Erfolgsfaktoren zur Erreichung von Zielen Festlegung einer Risikomanagement-Strategie Identifikation von Risiken (im Finanzrisikomanagement mit „Exposure-Ermittlung” bezeichnet) Bewertung/Messung von Risiken Bewältigung von Risiken Steuerung Monitoring, also Früherkennung.
166 Berücksichtigung von Risiko
Erfassung von Risiken Die Identifikation von Risiken kann z. B. mittels Szenario-Technik, Expertenbefragungen (Delphi-Methode), Checklisten oder einfach durch offene und ehrliche Kommunikation erfolgen. Eine Möglichkeit für die Messung von Risiken sind Risikokennzahlen wie der Value at Risk (VaR). Eine Bewertung kann auch durch Expertenurteil erfolgen. Zur Darstellung kann eine Risikomatrix verwendet werden, die die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos seinen Folgen bzw. Schäden gegenüberstellt. Um die Auswirkung der einzelnen Risiken auf das Unternehmen darzustellen, ist eine Risikoaggregation erforderlich, die mittels Simulation den Gesamtrisikoumfang des z. B. Eigenkapitalbedarf zur Risikodeckung berechnet.
167 Berücksichtigung von Risiko
Steuerung von Risiken Grundsätzlich gibt es fünf unterschiedliche Risikosteuerungsstrategien: Risikovermeidung, z. B. durch Verzicht auf ein Geschäft oder Aufgabe eines Geschäftsfelds Risikoübertragung, -überwälzung z. B. auf Marktpartner (Outsourcing) oder Versicherungen Risikoverminderung, z. B. Risikodiversifikation Risikoakzeptanz, z. B. Kompensation durch Dotierung der Risikovorsorge Risikobeseitigung, z. B. durch Abstellen eines organisatorischen Mangels.
168 Berücksichtigung von Risiko
Rechtliche Vorgaben § 82 AktG. Der Vorstand hat dafür zu sorgen, daß ein Rechnungswesen und ein internes Kontrollsystem geführt werden, die den Anforderungen des Unternehmens entsprechen. § 22 GmbHG. (1) Die Geschäftsführer haben dafür zu sorgen, daß ein Rechnungswesen und ein internes Kontrollsystem geführt werden, die den Anforderungen des Unternehmens entsprechen.
169 Berücksichtigung von Risiko
Rechtliche Vorgaben § 243 UGB. (1) Im Lagebericht sind der Geschäftsverlauf, einschließlich des Geschäftsergebnisses, und die Lage des Unternehmens so darzustellen, dass ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermittelt wird, und die wesentlichen Risiken und Ungewissheiten, denen das Unternehmen ausgesetzt ist, zu beschreiben. (3) Der Lagebericht hat auch einzugehen auf 2. die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens;
170 Berücksichtigung von Risiko
Rechtliche Vorgaben § 267 UGB. (1) Im Konzernlagebericht sind der Geschäftsverlauf, einschließlich des Geschäftsergebnisses, und die Lage des Konzerns so darzustellen, dass ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermittelt wird, und die wesentlichen Risiken und Ungewissheiten, denen der Konzern ausgesetzt ist, zu beschreiben. (3) Der Konzernlagebericht hat auch einzugehen auf 4. die Verwendung von Finanzinstrumenten, sofern dies für die Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Bedeutung ist; diesfalls sind anzugeben a) die Risikomanagementziele und -methoden, einschließlich der Methoden zur Absicherung aller wichtigen Arten geplanter Transaktionen, die im Rahmen der Bilanzierung von Sicherungsgeschäften angewandt werden,
171 Rechtliche Vorgaben, Beispiel: Pensionskasse
Berücksichtigung von Risiko Rechtliche Vorgaben, Beispiel: Pensionskasse § 25 Pensionskassengesetz. (1) Der Vorstand der Pensionskasse hat dafür Sorge zu tragen, dass die Veranlagung des einer Veranlagungs- und Risikogemeinschaft zugeordneten Vermögens durch Personen erfolgt, die dafür fachlich geeignet sind und die insbesondere in den Bereichen Portfoliomanagement, Risikomanagement sowie Asset-Liability-Management eine entsprechende Berufserfahrung nachweisen können und dass angemessene technische Ressourcen für das Risikomanagement zur Verfügung stehen.
172 Rechtliche Vorgaben, Beispiel: Pensionskasse
Berücksichtigung von Risiko Rechtliche Vorgaben, Beispiel: Pensionskasse § 2 Risikomanagementverordnung-Pensionskassen (FMA), BGBl. II Nr. 360/2006. (1) Die Pensionskasse muss über ein Risikomanagement verfügen, das die Risiken der Vermögensveranlagung fortlaufend erfasst, misst und steuert. Dabei sind die Risikoprofile des gesamten Vermögens der Veranlagungs- und Risikogemeinschaft zu beachten. Die Pensionskasse hat sich bei der Auswahl der Risikomanagementmethoden an dem aktuellen Stand der Technik und Wissenschaft zu orientieren.
173 Rechtliche Vorgaben, Beispiel: Pensionskasse
Berücksichtigung von Risiko Rechtliche Vorgaben, Beispiel: Pensionskasse § 2 Risikomanagementverordnung-Pensionskassen (FMA), BGBl. II Nr. 360/2006. (2) Das Risikomanagement hat Strategien, Risikomanagementtechniken und interne Kontrollverfahren zu umfassen. Das Risikomanagement ist anhand eines Risikomanagementprozesses durchzuführen, der die 1. Risikopolitik, 2. Risikoidentifikation, 3. Risikoanalyse, 4. Risikobewertung, 5. Risikosteuerung, 6. Risikoüberwachung, 7. Risikodokumentation und 8. Berichtswesen beinhaltet.
174 Rechtliche Vorgaben, Beispiel: Investmentfonds
Berücksichtigung von Risiko Rechtliche Vorgaben, Beispiel: Investmentfonds § 21 InvFondsG. (2) Die Kapitalanlagegesellschaft hat ein Risikomanagementverfahren zu verwenden, das es ihr ermöglicht, das mit den Anlagepositionen verbundene Risiko sowie ihren jeweiligen Anteil am Gesamtrisikoprofil des Fondsvermögens jederzeit zu überwachen und zu messen.
175 Sicherheitsäquivalent und Risikoeinstellung
Berücksichtigung von Risiko Sicherheitsäquivalent und Risikoeinstellung -5.000 10.000 p=0,7 p=0,3 Wahrscheinlichkeit (p) Einzahlung (EZ) ? Sicherheitsäquivalent (SÄ) Indifferenz SÄ > E(EZ)  risikofreudig SÄ = E(EZ)  risikoneutral SÄ < E(EZ)  risikoscheu
176 Beispiel 23: Risikoeinstellung
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 23: Risikoeinstellung Eine Lotterie, die einen Einsatz von 150 erfordert, führt entweder zu einer Einzahlung von 200 (p=0,6) oder zu einer Einzahlung von 120. Welche Risikoeinstellung hat Investor A, der dieser Lotterie indifferent gegenübersteht? Lösung: Wegen Indifferenz: erforderlicher Einsatz = Sicherheitsäquivalent Investor A verhält sich daher risikoscheu.
177 Beispiel 24: Risiko und Sicherheitsäquivalent
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 24: Risiko und Sicherheitsäquivalent Ein Investitionsprojekt, das zum Zeitpunkt t=0 eine Auszahlung von 135 erfordert, bringt in t=1 entweder eine Einzahlung von 200 (p=0,6) oder 120, abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. Der risikolose Zinssatz liegt bei 6%. Sollte der oben beschriebene Investor A in das Projekt investieren? Lösung: Der Kapitalwert ist positiv, Investor A sollte in das Projekt investieren.
178 Beispiel 25: Risiko und Risikozuschlag
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 25: Risiko und Risikozuschlag Wie hoch ist der Risikozuschlag auf den risikolosen Zinssatz, mit dem Investor A implizit rechnet? Lösung: Investor A verwendet implizit einen risikoadjustierten Kalkulations-zinssatz von 18,7%, d.h. er rechnet mit einem Risikozuschlag von 12,7 Prozentpunkten auf den risikolosen Zinssatz.
179 Verschiedene Möglichkeiten
Berücksichtigung von Risiko Verschiedene Möglichkeiten Möglichkeiten zur Berücksichtigung des Risikos: Verwendung von Sicherheitsäquivalenten gemeinsam mit dem risikolosen Zinssatz Verwendung von Erwartungswerten gemeinsam mit einem risikoadjustierten Zinssatz (risikoloser Zins + Risikozuschlag)
180 Beispiel 26: Investitionsbeurteilung unter Risiko/1
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 26: Investitionsbeurteilung unter Risiko/1 Ein Investitionsprojekt mit einer Anschaffungsauszahlung von 320 und einer Nutzungsdauer von 3 Jahren bringt je nach wirtschaftlicher Entwicklung folgende Einzahlungen: Szenario 1 Szenario 2 t=1 160 120 t=2 180 140 t=3 150 110 p 0,8 0,2 Zusätzlich werden in jedem Jahr der Nutzungsdauer Auszahlungen in Höhe von 15 fällig. Der risikolose Zinssatz beträgt 5%, Investor B berücksichtigt das Risiko der Investition mit einem Risikozuschlag von 4%-punkten. Soll Investor B dieses Investitionsprojekt durchführen?
181 Beispiel 26: Investitionsbeurteilung unter Risiko/2
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 26: Investitionsbeurteilung unter Risiko/2 Lösung: Zeit AZ EZ Szen. 1 p=0,8 EZ Szen. 2 p=0,2 E(EZ) Summe Zahlungen Barwert 320 15 -320 137 157 127 -320,00 125,69 132,14 98,07 35,90 1 160 180 150 120 140 110 152 172 142 2 3 Kapitalwert (9%) Der Kapitalwert ist positiv, das Projekt ist daher vorteilhaft.
182 Value-at-Risk als Risikomaß
Berücksichtigung von Risiko Value-at-Risk als Risikomaß Der Begriff Value at Risk (VaR) bezeichnet ein Risikomaß, das angibt, welchen Wert der Verlust einer bestimmten Risikoposition (z. B. eines Portfolios von Wertpapieren) mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit und in einem gegebenen Zeithorizont nicht überschreitet. Ein Value at Risk von 10 Mio. EUR bei einer Haltedauer von 1 Tag und einem Konfidenzniveau von 97,5% bedeutet, dass der mögliche Verlust der betrachteten Risikoposition von einem Tag auf den nächsten mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,5% den Betrag von 10 Mio. EUR nicht überschreiten wird.
183 Portfoliotheorie nach Markowitz
Berücksichtigung von Risiko Portfoliotheorie nach Markowitz Harry Max Markowitz (* 24. August 1927 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer Ökonom. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Chicago sowie der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Im Rahmen seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit mathematischen Methoden auf dem Wertpapiermarkt. In der Folge entwickelte er Berechnungsmethoden für die Klassifikation von Portfolios (moderne Portfoliotheorie) und wurde 1990 für seine Theorie der Portfolio-Auswahl mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zusammen mit Merton H. Miller und William Sharpe ausgezeichnet.
184 Portfoliotheorie nach Markowitz
Berücksichtigung von Risiko Portfoliotheorie nach Markowitz Seine Portfoliotheorie von März 1952 basiert auf der Erkenntnis, dass Investoren durch geschickt bewerkstelligte Mischung risikobehafteter Wertpapiere (z. B. Aktien) ein damit zu tragendes Risiko von Extremverlusten im Vergleich zu einzelnen, isoliert gehaltenen Finanzanlagen bei vergleichbarer Renditeerwartung reduzieren können (Risikostreuung). Die Kernfrage der Portfoliotheorie lautet somit: Wie lässt sich das aus einer Vielzahl verschiedener Wertpapiergattungen bestehende optimale Portefeuille für einen rational handelnden Investor systematisch ermitteln?
185 Portfoliotheorie nach Markowitz
Berücksichtigung von Risiko Portfoliotheorie nach Markowitz Unter den vielen Möglichkeiten der Risikoerfassung greift die Portfoliotheorie auf ein Entscheidungsprinzip unter Unsicherheit zurück, das unter dem Namen μ/σ-Prinzip bekannt ist. Die Anwendung dieser Entscheidungsregel erfordert daher die eindeutige Charakterisierung eines jeden Wertpapiers durch zwei Parameter: einen "Gewinnwert", wie den Erwartungswert der Rendite μ, und eine Maßzahl für das "Risiko", wie die Standardabweichung σ (bzw. Varianz σ²).
186 Portfoliotheorie nach Markowitz
Berücksichtigung von Risiko Portfoliotheorie nach Markowitz Für den erwarteten Ertrag gilt dann: Der Portfolio-Erwartungswert ist die Summe der einzelnen Erwartungswerte, gewichtet nach dem Anteil am Portfolio. Für das Risiko gilt dann: Das Gesamtrisiko besteht aus den einzelnen Risiken (wenn i=j) und den sog. Kovarianzen, jeweils gewichtet nach den Anteilen. Die Kovarianz misst, wie stark sich zwei Werte in Abhängigkeit voneinander (in die gleiche oder entgegengesetzte Richtung) entwickeln. Nimmt man stochastische Unabhängigkeit, d.h. fehlende Korrelation, der Werte an, vereinfacht sich das Gesamtrisiko zur gewichteten Summe der Einzelrisiken:
187 Portfoliotheorie nach Markowitz
Berücksichtigung von Risiko Portfoliotheorie nach Markowitz Bei genügend unabhängigen Einzelwerten führt die Mischung zu einer Verringerung (!) des Gesamtrisikos des Portfolios gegenüber den Einzelwerten. Intuition: Typischerweise werden nicht alle Wertpapiere gleichzeitig dieselbe Wertentwicklung haben, sodass Verluste auf der einen Seite durch Gewinne anderer Werte ausgeglichen. (Diversifikationseffekt)
188 Beispiel 27: Portfoliotheorie nach Markowitz/1
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 27: Portfoliotheorie nach Markowitz/1 Gegeben seien zwei Wertpapiere X1 und X2 mit deren erwarteter Entwicklung: X X Daraus ergeben sich folgende Werte:
189 Beispiel 27: Portfoliotheorie nach Markowitz/2
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 27: Portfoliotheorie nach Markowitz/2 Nehmen wir an, die beiden Wertpapiere sind voneinander unabhängig. Der Investor, der sein Vermögen auf beide Papiere gleichmäßig verteilt, sieht sich daher folgender Situation gegenüber: +75 +50 +40 Y -15 -40 -50
190 Beispiel 28: Portfoliotheorie nach Markowitz
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 28: Portfoliotheorie nach Markowitz Der Investor möchte sein Risiko weiter verringern und teilt sein Vermögen im Verhältnis X1:X2=1:3 auf. Wie hoch ist das Gesamtrisiko? +62,5 +25 +10 Y -17,5 -20 -35
191 Beispiel 29: Portfoliooptimierung nach Markowitz/1
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 29: Portfoliooptimierung nach Markowitz/1 Bestimmen Sie das optimale (d.h. risikoärmste) Portfolio! Hinweis: Die Herleitung ist im allgemeinen Fall am leichtesten! Wir gehen also von einer „normalen“ Präferenzfunktion P mit Risikofaktor k, einem Anfangsvermögen w0, das zur Gänze auf zwei Wertpapiere aufgeteilt wird, aus.
192 Beispiel 29: Portfoliooptimierung nach Markowitz/2
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 29: Portfoliooptimierung nach Markowitz/2
193 Beispiel 29: Portfoliooptimierung nach Markowitz/3
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 29: Portfoliooptimierung nach Markowitz/3 Zur Vereinfachung normalisieren wir das Anfangsvermögen auf w0=1 und nutzen die Gleichheit der Erwartungswerte. Dadurch vereinfacht sich die Formel erheblich und sogar der Risikokoeffizient k fällt weg. Es liegt intuitiv auf der Hand, dass die Gewichtung der Risikoeinstellung bei gleichem Erwartungswert (!) nicht entscheidungserheblich ist, sondern lediglich das Verhältnis der Risiken zu einander.
194 Beispiel 29: Portfoliooptimierung nach Markowitz/4
Berücksichtigung von Risiko Beispiel 29: Portfoliooptimierung nach Markowitz/4 Für unsere Werte errechnet sich daher eine optimale Mischung von ca. X1:X2=1:9 mit einer Risikowert von 27,98. Beachte! Das optimale Portfolio hat ein geringeres Risiko als jedes (!) der beiden einzelnen Wertpapiere. Auch das erheblicher riskanter Wertpapier ist im optimalen Portfolio vertreten!
195 Kapitel 7 Finanzplanung
196 Aufgaben des Finanzplans
Kurzfristige Finanzplanung Aufgaben des Finanzplans Investitions- entscheidungen Finanzierungs- Finanzplanung Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit Synchronisation von Mittelverwendungs- und Mittelbeschaffungsseite zeitlich betragsmäßig währungsmäßig
197 Kurzfristige Finanzplanung
Grundsätze Zahlungsbezug Zukunftsbezug Budgetvollständigkeit Wirtschaftlichkeit Bruttoprinzip Budgeteinheit (Teil- und Gesamtbudgets) Budgetgenauigkeit Budgetperiodizität
198 Kurzfristige Finanzplanung
Grundstruktur Anfangsbestand an Zahlungsmitteln zu Beginn der Planungsperiode +	Planeinzahlungen der Planperiode -	Planauszahlungen der Planperiode =	Zahlungsmittelendbestand am Ende der Planungsperiode Sind Finanzierungsmaßnahmen zur Erhaltung der Liquidität notwendig? Einzahlungen vorziehen neue Mittel beschaffen Auszahlungen aufschieben usw.
199 Struktur eines Finanzplans
Kurzfristige Finanzplanung Struktur eines Finanzplans EUR Einzahlungen Liquiditätsengpässe Auszahlungen t
200 Beispiel 30: Liquidationsspektrum/1
Kurzfristige Finanzplanung Beispiel 30: Liquidationsspektrum/1 Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass 70% der Umsätze im selben Monat, 20% im nächsten und 8% im zweitfolgenden Monat zu einer Einzahlung werden. 2% der Umsätze sind uneinbringlich. Umsatz Februar Jänner Wie hoch sind die Einzahlungen im Jänner, Februar, März und April?
201 Beispiel 30: Liquidationsspektrum/2
Kurzfristige Finanzplanung Beispiel 30: Liquidationsspektrum/2 Lösung  Liquidationsspektrum = (0,7; 0,2; 0,08) Umsatz Jänner Februar 70.000 70% Jänner 8% März 8.000 70% April 12.000 8% 20.000 20% Februar 20% 30.000 38.000 70.000 Einzahlung 12.000
202 Beispiel 31: Finanzplan und kurzfr. Finanzierung/1
Kurzfristige Finanzplanung Beispiel 31: Finanzplan und kurzfr. Finanzierung/1 25.000 Jänner Februar März Auszahlungen Löhne/Gehälter Materialeinkäufe Miete Guthaben (Ende Dezember): LKW: (Bezahlung in 2 Raten im Februar und März) Kontokorrentkredit: Kreditlimit: Bereitstellungsprovision: 0,6% p.a. (zahlbar im März, Juni, Sept., Dez.) Sollzinsen: 8% p.a. (zahlbar monatlich im nachhinein) Überziehungsprovision: 2% p.a. (zusätzlich zu den Sollzinsen, zahlbar monatlich im Nachhinein)
203 Beispiel 31: Finanzplan und kurzfr. Finanzierung/2
Kurzfristige Finanzplanung Beispiel 31: Finanzplan und kurzfr. Finanzierung/2 Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass 60% der Umsätze im selben Monat, 20% im nächsten und 18% im zweitfolgenden Monat zu einer Einzahlung werden. 2% der Umsätze sind uneinbringlich. Liquidationsspektrum = (0,6;0,2;0,18) Jänner Februar März November Dezember Vorjahr Prognosen für die Planungsmonate Umsatz Erstellen Sie den Finanzplan für Jänner, Februar und März!
204 Beispiel 31: Finanzplan und kurzfr. Finanzierung/3
Kurzfristige Finanzplanung Beispiel 31: Finanzplan und kurzfr. Finanzierung/3 Lösung  Liquidationsspektrum = (0,6; 0,2; 0,18) Umsatz Nov Dez Jän Feb Mär 60% 20% 18% 18% 95.400 20% 18% 99.000 20% 60% 60% Mär Feb Jän Einzahlung
205 Beispiel 31: Finanzplan und kurzfr. Finanzierung/4
Kurzfristige Finanzplanung Beispiel 31: Finanzplan und kurzfr. Finanzierung/4 Finanzplan für das 1. Quartal Jänner Februar März Anfangsbestand 20.000 4.075 Einzahlungen von UmsatzNov. von UmsatzDez. von UmsatzJän. von UmsatzFeb. von UmsatzMär. 99.000 95.400 Summe Einzahlungen laufende Auszahlungen Löhne/Gehälter Materialeinkäufe Miete LKW 25.000 75.000 kurzfristige Finanzierung (Kontokorrentkredit) Bereitstellungsprovision Sollzinsen Überziehungsprovision 45 300 25 Summe Auszahlungen Zahlungsmittelendbestand 4.075 55.530 kurzfr. Finanzierungsbedarf 45.000 Bestand nach Finanzierung 4.075 55.530
206 Finanzierung: Begriffsabgrenzungen
Kapitel 8 Finanzierung: Begriffsabgrenzungen
207 Zahlungsreihe, die mit einer Einzahlung beginnt
Finanzierung Was ist Finanzierung? Definition: Zahlungsreihe, die mit einer Einzahlung beginnt 1 2 3 1.400 -400 -550 -650 t Aufgaben der Finanzierung: Ausgleich von asynchronen Ein- und Auszahlungen, damit betriebsnotwendige Investitionen durchführbar sind und Liquidität bzw. das finanzielle Gleichgewicht erhalten bleibt
208 Außen- und Innenfinanzierung
Außenfinanzierung (externe Finanzierung): Kapital wird dem Unternehmen von außen zugeführt Beteiligungsfinanzierung Eigenkapital Neue Eigentümer oder Kapitalerhöhung durch bestehende Eigentümer Kreditfinanzierung Fremdkapital Innenfinanzierung (interne Finanzierung): Liquide Mittel aus der betrieb- lichen Tätigkeit als finanzwirt- schaftlicher Überschuss z.B. Absatz von Produkten und Dienstleistungen z.B. Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögensgegenstände
209 Finanzierungsarten nach der Kapitalherkunft
Außenfinanzierung Innenfinanzierung Kredit- finanzierung Einlagen- bzw. Beteiligungs- finanzierung aus dem Umsatzprozeß aus Vermögens- umschichtungen Finanzierung aus Ab- schreibungen Finanzierung aus Gewinn (Selbst- finanzierung) Finanzierung aus Rück- stellungen Kapitalfrei- setzung im Anlage- vermögen Umlauf- Quelle: Lechner et. al. [Einführung 1996], S. 207f.
210 Finanzierungsarten nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber
Eigenfinanzierung Fremdfinanzierung Einlagen- bzw. Beteiligungs- finanzierung Finanzierung aus Gewinn (Selbst- finanzierung) Finanzierung aus Ab- schreibungen Finanzierung aus Rück- stellungen Kredit- finanzierung Außenfinanzierung Innenfinanzierung Quelle: Wöhe/Bilstein [Unternehmensfinanzierung 1991], S. 20 (modifiziert)
211 Spezifika von Finanzierungsmärkten
Informationsproblem (asymmetrische Information) zwischen Kapitalnachfrager und Kapitalanbieter über Bonität des Kapitalnachfragers Anreizproblem (Moral Hazard) Unsicherheit über Verhalten des Kapitalnachfragers unterschiedliche Finanzierungsverträge je nach Gestaltung der Informations- und Anreizbedingungen Finanzierungsmärkte sind unvollkommen unvollständig
212 Unterschiede der Kapitalarten
Finanzierung Unterschiede der Kapitalarten Kriterium Eigenkapital (z.B. Aktie) Fremdkapital (z.B. Kredit) Rechtliche Stellung Eigentümerstellung Gläubigerstellung Zahlungsanspruch Gewinn- und Verlustbeteiligung Tilgung und Zinsen, keine Erfolgsbeteiligung! Geschäftsführung idR ja (Mitsprache-, Stimm- und Kontrollrechte) nein Zeitliche Verfügbarkeit unbefristet idR befristet Haftung ja nein Liquiditäts-belastung nicht fix (nur bei Gewinnausschüttung) fix (Zinsen- und Kapitaldienst) Steuerbelastung Ausschüttung versteuerter Gewinne Zinsen steuerlich absetzbar
213 Finanzierung Kennzahlen Erhöhen der Eigenkapitalquote:
Zeichen für finanzielle Unabhängigkeit, Verbesserung der Bonität Erhöhen der Fremdkapitalquote: Zeichen für finanzielle Abhängigkeit, Verschlechterung der Bonität, Gefahr hoher Zinsbelastung Debitorenziel (Außenstandsdauer): durchschnittliche Anzahl von Tagen, in welchen Kunden ihre Forderungen begleichen. Sollte niedrig gehalten werden, da das Risiko der Insolvenz des Kunden getragen wird. Kreditorenziel (Lieferantenziel): durchschnittliche Anzahl von Tagen, bis das Unternehmen seine Rechnungen begleicht.
214 Beteiligungsfinanzierung
Kapitel 9 Beteiligungsfinanzierung
215 Spezifika der Beteiligungsfinanzierung
Kriterium Eigenkapital (z.B. Aktie) Rechtliche Stellung Eigentümerstellung Zahlungsanspruch Gewinn- und Verlustbeteiligung Geschäftsführung idR ja (Mitsprache-, Stimm- und Kontrollrechte) Zeitliche Verfügbarkeit unbefristet Haftung ja Liquiditäts-belastung nicht fix (nur bei Gewinnausschüttung) Steuerbelastung Ausschüttung versteuerter Gewinne
216 Funktionen von Beteiligungskapital
Beteiligungsfinanzierung Funktionen von Beteiligungskapital Finanzierung dauerhafte, unbefristete Kapitalbereitstellung Haftung nachrangiges Kapital bei Kapitalaufzehrung  Überschuldung  Konkurs Repräsentation Kreditwürdigkeit, Bonität Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen
217 Probleme der Beteiligungsfinanzierung in Österreich
Geringe Ausstattung mit Eigenkapital insgesamt ca. 30% Eigenkapitalquote Klein- und Mittelbetriebe: ca. 13% Großteil der Unternehmen in der Gesellschaftsform von GmbHs eingerichtet kein effektiver Zugang zu börsegehandelten Beteiligungsinstrumenten umfangreiche Kapitalbeschaffung bei vielen Gesellschaftsformen kaum möglich
218 Gesellschaftsformen und Beteiligungsfinanzierung
Art der Beteiligungsfinanzierung Einzelunternehmung Abhängigkeit vom Privatvermögen OG Erhöhung der Einlagen bzw. neue Gesellschafter KG wie bei OG GmbH Änderung des Gesellschaftsvertrags (Erhöhung des Stammkapitals) durch die Generalversammlung AG Satzungsänderung (Kapitalerhöhung) durch die Hauptversammlung
219 Kapitalerhöhung und –herabsetzung
Beteiligungsfinanzierung Kapitalerhöhung und –herabsetzung Kapitalgesellschaften können durch Änderung ihres Stammkapitals dem Unternehmen Geldmittel zuführen oder solche freisetzen. GmbH: Ordentliche Erhöhung des Stammkapitals (§ 52 GmbHG) In der Regel ¾-Mehrheitsbeschluss nötig (§ 50 GmbHG) Bisherige Gesellschafter haben Übernahme-Vorrecht. (NICHT mit Nachschüssen gem. §§ 72 ff GmbHG verwechseln!) Nominelle Kapitalerhöhung (Kapitalberichtigungsgesetz) Passivtausch: Gewinne werden in Stammkapital „umgebucht“) Ordentliche Herabsetzung des Stammkapitals (§ 54 GmbHG) Aufruf an Gläubiger, die Befriedigung bzw. Sicherstellung verlangen können. Vereinfachte Herabsetzung (§ 59 GmbHG) Bei sonst auszuweisendem Bilanzverlust, allerdings dürfen keine Auszahlungen an Gesellschafter erfolgen.
220 Begriffliche Bestimmung der Aktienarten
Beteiligungsfinanzierung Begriffliche Bestimmung der Aktienarten Aktien als Bruchteil des Grundkapitals Eine Aktie kann grundsätzlich eine Quoten- oder eine Nennbetragsaktie sein. In Österreich gibt es Nennbetragsaktien und Stückaktien, wobei beide Aktienarten nicht nebeneinander bestehen dürfen. Der Nennbetrag der Aktien hat auf mindestens einen Euro oder ein Vielfaches davon (vormals 100, 500, oder ein Vielfaches von ATS) zu lauten (§ 8 AktG). Jede Stückaktie ist am Grundkapital in gleichem Umfang beteiligt. Sie wird deshalb auch als unechte Quotenaktie bezeichnet.
221 Begriffliche Bestimmung der Aktienarten
Beteiligungsfinanzierung Begriffliche Bestimmung der Aktienarten Aktien als Mitgliedschaftsrecht Je nach den mit der Aktie eingeräumten Rechten ist zwischen Stammaktien und Vorzugsaktien zu unterscheiden. Stammaktien Sie gewähren die normalen Mitgliedschaftsrechte (Vermögensrechte, Verwaltungsrechte). Vorzugsaktien Sie gewähren Vorzüge gegenüber den Stammaktionären (z.B. besonderer Anspruch auf Dividende). Dafür kann bei Vorzugsaktien gemäß § 12 AktG das Stimmrecht ausgeschlossen werden.
222 Rechte eines (Stamm-)Aktionärs
Beteiligungsfinanzierung Rechte eines (Stamm-)Aktionärs Anspruch auf Bilanzgewinn (Dividende) gemäß Beschluss der Hauptversammlung (HV) Auskunftsrecht in der HV Stimmrecht in der HV Bezugsrecht bei Kapitalerhöhungen Anspruch auf Liquidationserlös
223 Beteiligungsfinanzierung
Vorzugsaktien räumen Sonderrechte (meist im Tausch gegen andere Rechte) ein am häufigsten: Dividendenvorzugsaktien berechtigen zum Bezug einer höheren Dividende im Vergleich zu Stammaktien Vorzugsaktionär verzichtet dafür auf Stimmrecht Sonderform: kumulative stimmrechtslose Vorzugsaktie Stimmrecht lebt bei Nichtbezahlung der Dividende nach zwei Jahren wieder auf
224 Begriffliche Bestimmung der Aktienarten
Beteiligungsfinanzierung Begriffliche Bestimmung der Aktienarten Aktien als Wertpapier Aktien können auf den Inhaber oder auf den Namen lauten. Sie bestimmen den Grad der Übertragbarkeit. In der Satzung wird geregelt, ob die Aktien auf den Inhaber oder den Namen ausgestellt werden. Inhaberaktien Die Ausgabe ist nur zulässig, wenn der Nennbetrag voll eingezahlt worden ist. Namensaktien Sie lauten auf den Namen des Aktionärs. Die Übertragung erfolgt durch Indossament und Übergabe. Der neue Eigentümer einer Namensaktie muss vom Vorstand der AG in ein Aktienbuch eingetragen werden. Besonders hervorzuheben sind die vinkulierten Namensaktien. Die Übertragung der vinkulierten Namensaktien ist an die Zustimmung der Gesellschaft gebunden. Dadurch kann die Gesellschaft Einfluss auf die Zusammensetzung des Aktionärskreises nehmen. Diesen dürfen aber auch Sonderrechte, wie z.B. die Bestellung eines Aufsichtsratsmitglieds, eingeräumt werden.
225 Beteiligungsfinanzierung
Aktienfinanzierung Aufbringung von Beteiligungskapital durch Emission von Aktien Erstemission (Going Public) Kapitalerhöhung Beschaffung von Eigenkapital durch Erhöhung des Grundkapitals im Anschluss an Emission Handel an der Börse möglich Initial Public Offering (IPO): Ersteinführung eines Unternehmens an der Börse
226 Motive für ein Going Public
Beteiligungsfinanzierung Motive für ein Going Public Durch Stückelung relativ geringes Einzelrisiko  Aufbringung hoher Volumina möglich leichte Handelbarkeit der Anteile erhöht deren Attraktivität bei Investoren Stärkung der Eigenkapitalbasis Verbesserung der Kreditwürdigkeit Steigerung des Bekanntheitsgrades Erschließung internationaler Finanzquellen möglich
227 Mögliche Argumente gegen Going Public
Beteiligungsfinanzierung Mögliche Argumente gegen Going Public Fremdeinfluss kann bestehende Machtverhältnisse (Mitsprachemöglichkeiten) verändern Publizitätspflichten hohe Emissionskosten und laufende Kosten der Börsenotierung
228 Kapitalerhöhung der AG
Beteiligungsfinanzierung Kapitalerhöhung der AG Im Allgemeinen werden folgende Formen der Kapitalerhöhung unterschieden: Ordentliche Kapitalerhöhung (K. gegen Einlagen) Bedingte Kapitalerhöhung Genehmigtes Kapital Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln (Kapitalberichtigung)
229 Beteiligungsfinanzierung
230 Ordentliche Kapitalerhöhung (§§149ff AktG)
Beteiligungsfinanzierung Ordentliche Kapitalerhöhung (§§149ff AktG) Die ordentliche Kapitalerhöhung erfolgt durch die Augabe neuer Aktien gegen Barzahlung oder Sacheinlage. Sie erfordert einen Beschluss der Hauptversammlung (3/4 Mehrheit) (§149 (1) AktG). Die bisherigen Aktionäre haben ein gesetzliches Bezugsrecht auf die neuen Aktien. Aufgaben des Bezugsrechts: 1) Aufrechthaltung des Vermögens der Altaktionäre (= Ausgleich der sog.“Vermögensverwässerung”) 2) Erhaltung und Sicherung der Stimmrechtverhältnisse (= Ausgleich der sog. “Kapitalanteilsverwässerung”), Die Formel zur Berechnung des (rechnerischen) Wertes des Bezugsrechtes lautet:
231 Bedingte Kapitalerhöhung (§§159ff AktG)
Beteiligungsfinanzierung Bedingte Kapitalerhöhung (§§159ff AktG) Die bedingte Kapitalerhöhung ist eine Sonderform und hat folgende Zwecke: - Sicherung von Umtausch- oder Bezugsrechten für die Gläubiger von Wandelanleihen - Vorbereitung von Fusionen Das Bezugsrecht der Altaktionäre wird dabei zwangsläufig ausgeschlossen. Der Nennbetrag des bedingten Kapitals darf nicht höher als die Hälfte des zur Zeit des Beschlusses über die bedingte Kapitalerhöhung vorhandenen Grundkapitals sein (§159 (3) AktG), weiters ist eine 3/4-Mehrheit der Hauptversammlung erforderlich.
232 Genehmigtes Kapital (§§169 AktG)
Beteiligungsfinanzierung Genehmigtes Kapital (§§169 AktG) Nach §169 AktG kann die Hauptversammlung den Vorstand für höchstens fünf Jahre ermächtigen, das Grundkapital bis zu einem bestimmten Nennbetrag (maximal die Hälfte des zur Zeit der Ermächtigung vorhandenen Grundkapitals) durch Ausgabe neuer Aktien gegen Einlagen zu erhöhen. Dieses Verfahren überwindet die Schwerfälligkeit der ordentlichen Kapitalerhöhung (große Anzahl von rechtlichen Vorschriften). Der Vorstand wird dadurch flexibler, er hat die Möglichkeit zur Ausnutzung einer günstigen Situation am Kapitalmarkt.
233 Beteiligungsfinanzierung
Kapitalberichtigung Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln ist ein Passivtausch; d.h. keine effektive Kapitalzufuhr. Bei der Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln vermindern sich die offenen Rücklagen und das Grundkapital erhöht sich um den gleichen Betrag.  Summe ( = EK ) bleibt unverändert ! Die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln ist nicht zur Beteiligungsfinanzierung zu zählen, da der Unternehmung dabei keine neuen Mittel zufließen, sondern nur Teile der im Wege der Innenfinanzierung gebildeten offenen Rücklagen durch Ausgabe von Zusatzaktien in dividendenberechtigtes Grundkapital umgewandelt werden. Motive für die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln können folgende sein: Erhöhung des Haftungsrahmens des Grundkapitals zur Verbesserung der Kreditfähigkeit Verringerung des Kurswertes der Aktien Senkung der optisch höheren Dividendensätze
234 Beteiligungsfinanzierung
Kapitalherabsetzung Nach §175 (1) und (4) AktG kann eine Herabsetzung des Grundkapitals nur mit einer Mehrheit beschlossen werden, die mindestens 3/4 des bei der Beschlussfassung vertretenen Grundkapitals umfasst. Das Grundkapital kann herabgesetzt werden durch Herabsetzung des Nennbetrages der Aktien durch Zusammenlegung der Aktien (ist nur zulässig, soweit der Mindest- Nennbetrag für Aktien (1 EUR) eingehalten werden kann). Zwecke dafür können sein: Anpassung an einen verringerten Geschäftsumfang Sanierung des Unternehmens Das Aktiengesetz unterscheidet 3 Formen der Kapitalherabsetzung: Ordentliche Kapitalherabsetzung (§§ 175ff AktG) Vereinfachte Kapitalherabsetung (§§ 182ff AktG) Kapitalherabsetzung durch Einziehung von Aktien (§§ 192ff AktG)
235 Beispiel 32: Bezugsverhältnis
Beteiligungsfinanzierung Beispiel 32: Bezugsverhältnis Die Aktien der FEP-AG notieren derzeit zu einem Kurs von je 48 € an der Börse. Durch die Ausgabe von jungen Aktien zum fixen Emissionskurs von 44 € soll zusätzliches Kapital für Investitionen beschafft werden. Welches Bezugsverhältnis sichert den derzeitigen Aktionären einen entsprechenden Anteil an jungen Aktien, sodass sie nach der Kapitalerhöhung denselben Stimmrechtsanteil wie vorher besitzen? Lösung: Das Bezugsverhältnis beträgt 5:1, d.h. für jeweils 5 Bezugsrechte kann eine junge Aktie erworben werden.
236 Beispiel 33: Bezugsrecht
Beteiligungsfinanzierung Beispiel 33: Bezugsrecht Fortsetzung zu Beispiel 48: Welcher Mischkurs ergibt sich nach der Kapitalerhöhung? Wie hoch ist der rechnerische Wert des Bezugsrechts? Lösung: Mischkurs: Wert des Bezugsrechts:
237 Bewertung mit Hilfe der Kapitalwertmethode:
Aktienbewertung Kapitalwertmethode Bewertung mit Hilfe der Kapitalwertmethode: Probleme: Prognose der Rückflussbeträge Wahl des Prognosehorizonts  Vereinfachende Annahmen: unendliche Lebensdauer der AG konstante Dividendenzahlungen  „Dividendenbarwertmodell“
238 Dividendenbarwertmodell
Aktienbewertung Dividendenbarwertmodell Bewertung mit Hilfe des Dividendenbarwertmodells:  zusätzliche vereinfachende Annahmen: gesamter Gewinn wird als Dividende ausgeschüttet (dadurch Unabhängigkeit von kurzfristiger Ausschüttungspolitik des Unternehmens) Gewinn wird als konstant angenommen  „Gewinnbarwertmodell“
239 Bewertung mit Hilfe des Gewinnbarwertmodells:
Aktienbewertung Gewinnbarwertmodell Bewertung mit Hilfe des Gewinnbarwertmodells:  zusätzliche Annahme: rechnerischer Wert der Aktie entspricht aktuellem Börsenkurs (d.h., die Aktie ist - gemäß dieses Modells - „korrekt bewertet“)  „KGV“
240 Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienbewertung Kurs-Gewinn-Verhältnis Kurs-Gewinn-Verhältnis: gibt an, wie oft der Gewinn pro Aktie im Kurs enthalten ist Vergleichswert zur Konkurrenz im Zeitablauf zum Gesamtmarkt je niedriger, desto „billiger“ ist die Aktie, je höher desto „teurer“ (aber: mit großer Vorsicht zu verwenden!!)  zusätzliche Annahme: Gewinn/Dividende ist nicht konstant, sondern wächst mit konstanter Rate (z.B. 3% pro Jahr)  „Constant Growth Model“/ „Gordon-Modell“
241 Bewertung mit Hilfe des Gordon-Modells:
Aktienbewertung Gordon-Modell Bewertung mit Hilfe des Gordon-Modells: Wichtig: Wachstumsrate muss zwingend kleiner sein als der Kalkulations-zinssatz ( ökonomische Begründung?)
242 Beispiel 34: Gewinnbarwertmodell
Aktienbewertung Beispiel 34: Gewinnbarwertmodell Für die BSP-AG liegt eine Gewinnprognose von 8 je Aktie für die nächsten Jahre vor. Es wird auf absehbare Zeit damit gerechnet, daß dieser Gewinn konstant bleibt. Der risikoadäquate Diskontierungszinssatz für die BSP-AG liegt bei 12%. Bewerten Sie diese Aktie mithilfe des Gewinnbarwertmodells! Nach dem Gewinnbarwertmodell hat die BSP-Aktie einen Wert von 66,67.
243 Beispiel 35: Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienbewertung Beispiel 35: Kurs-Gewinn-Verhältnis Die Aktie der BSP-AG notiert zur Zeit mit 65 an der Börse. Der jährliche Gewinn wird mit 5 prognostiziert. Die VGL-AG, die in derselben Branche wie die BSP-AG tätig ist, weist ein KGV von 19 auf. Wie hoch ist das KGV der BSP-Aktie? Welche Kauf- bzw. Verkaufs-empfehlungen lassen sich daraus (bei isolierter Betrachtungsweise) für einen Aktionär der BSP-AG ableiten, der eine Umschichtung zu VGL-Aktien überlegt ? Die BSP-Aktie ist günstiger bewertet als die VGL-Aktie. Der Aktionär sollte daher – wenn er sich ausschließlich am KGV orientiert – seine BSP-Aktien behalten und keine VGL-Aktien kaufen.
244 Beispiel 36: Gordon-Modell
Aktienbewertung Beispiel 36: Gordon-Modell Für die VGL-AG liegt eine Gewinnprognose von 8 je Aktie für das nächste Jahr vor. Es wird auf absehbare Zeit damit gerechnet, daß dieser Gewinn mit einer Rate von 3% pro Jahr wachsen wird. Der risikoadäquate Diskontierungszinssatz für die VGL-AG liegt bei 12%. Bewerten Sie diese Aktie mithilfe des Gordon-Modells! Nach dem Gordon-Modell hat die VGL-Aktie einen Wert von 88,89.
245 Kapitel 10 Fremdfinanzierung
246 Unterschiede der Kapitalarten
247 Horizontale Finanzierungsregeln
fordern Fristenkongruenz zwischen Kapitalbeschaffung und Kapitalverwendung: Goldene Finanzierungsregel Goldene Bilanzregel (engere Fassung) Goldene Bilanzregel (weitere Fassung) Quelle: Perridon/Steiner [Finanzwirtschaft 1995], S. 504ff.
248 Vertikale Finanzierungsregeln
beziehen sich auf die Gestaltung der Kapitalstruktur: Verschuldungsgrad Eigenkapitalquote Fremdkapitalquote Verschuldungskoeffizient Eine theoretisch begründbare allgemeingültige Aussage über das richtige Verhältnis von EK zu FK ist nicht möglich. In der Praxis wird ein Verhältnis von 1:1 für zweckmäßig erachtet. Quelle: Perridon/Steiner [Finanzwirtschaft 1995], S. 498ff.
249 Finanzierung Leverage-Effekt Der Leverage-Effekt besagt, daß mit steigender Fremdfinanzierung die Eigenkapitalrentabilität zunimmt, wenn die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapital-zins liegt (Hebelwirkung): E = Eigenkapital F = Fremdkapital r = Gesamtkapitalrentabilität re = Eigenkapitalrentabilität rf = Fremdkapitalrentabilität (Zinssatz für Fremdkapital) Quelle: Wöhe/Bilstein [Unternehmensfinanzierung 1991], S. 327
250 Spezifika der Kreditfinanzierung/1
Kriterium Fremdkapital (z.B. Kredit) Rechtliche Stellung Gläubigerstellung Zahlungsanspruch Tilgung und Zinsen, keine Erfolgsbeteiligung! Geschäftsführung nein Zeitliche Verfügbarkeit idR befristet Haftung nein Liquiditäts-belastung fix (Zinsen- und Kapitaldienst) Steuerbelastung Zinsen steuerlich absetzbar
251 Spezifika der Kreditfinanzierung/2
Bereitstellung von Fremdkapital durch externe Kapitalgeber oder Miteigentümer asymmetrische Informationsverteilung zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber Qualitätsunsicherheit Verhaltensunsicherheit (Moral Hazard) Kreditgeber setzt Maßnahmen zur Risikobegrenzung (v.a. bei langfristiger Kapitalüberlassung) Qualitätsunsicherheit: Kreditwürdigkeitsprüfung Verhaltensunsicherheit: Kreditvertrag und Kreditüberwachung
252 Klassifikation von Krediten
Kreditfinanzierung Klassifikation von Krediten kurz- und mittelfristig: Kontokorrentkredit Diskontkredit Lombardkredit Kundenanzahlung Lieferantenkredit langfristig: Darlehen (Klassische) Anleihe Nullkuponanleihe Gewinnschuldverschreibung Wandel- und Optionsanleihe
253 Kurzfristige Kreditfinanzierung
Kontokorrentkredit/1 Charakteristika: kein fixer Auszahlungsbetrag, sondern Vereinbarung eines Limits (Kreditrahmen), innerhalb dessen beliebige Beträge wiederholt Anspruch genommen werden können formell kurzfristig, de facto i.d.R unbefristet variable Verzinsung, zusätzliche Gebühren und Provisionen Kontoführungsgebühr Bereitstellungsprovision Basis: Kreditlimit Überziehungsprovision Basis: der das Kreditlimit übersteigende Kreditbetrag
254 Kurzfristige Kreditfinanzierung
Kontokorrentkredit/2 Vor- und Nachteile: ermöglicht kurzfristige Überbrückung von Liquiditätsengpässen Vorteilhaftigkeitsvergleich schwierig
255 Kurzfristige Kreditfinanzierung
Diskontkredit Voraussetzung: Unternehmen hat Forderung in Form eines Wechsels Ablauf: Prüfung der Diskontfähigkeit Verkauf des Wechsels an ein Kreditinstitut (Diskont) Auszahlung des Wechselbetrages nach Abzug von Zinsen an den Wechseleinreicher bei Nichtbezahlung durch Schuldner Rückgriff auf den Einreicher (Regress)
256 Ablauf eines Diskontkredits
Kurzfristige Kreditfinanzierung Ablauf eines Diskontkredits 2. Wechseldiskont Bank Lieferant 3. Gutschrift (5. Regress) 4. Wechseleinlösung 1. Lieferung und Wechsel Kunde
257 Beispiel 37: Kundenanzahlung
Kurzfristige Kreditfinanzierung Beispiel 37: Kundenanzahlung Ein Kaufvertrag enthält die Zahlungsbedingung „Rechnungsbetrag , davon 50% sofort, Rest in 4 Monaten fällig“. Ist diese Regelung für den Lieferanten günstig, wenn er bei einem Kalkulationszinssatz von 5% p.a. dem Kunden im Gegenzug für die Anzahlung einen Rabatt von 10% einräumen muß? Die Variante ohne Kundenanzahlung und ohne Rabatt ist für den Lieferanten günstiger, aber Problem der Vorfinanzierung und Risiko der Insolvenz.
258 Kurzfristige Kreditfinanzierung
Lieferantenkredit Charakteristika: freiwillige Kreditgewährung eines Lieferanten durch Zahlung auf Ziel Skonto  Zinssatz Absatzpolitisches Instrument Vor- und Nachteile: schnelle, bequeme Kreditgewährung ohne Kreditwürdigkeits-prüfung Entlastung der Kreditlinien bei Banken einfache Kreditsicherung (Eigentumsvorbehalt) effektive Kapitalkosten relativ hoch und nicht offensichtlich
259 Beispiel 38: Lieferantenkredit
Kurzfristige Kreditfinanzierung Beispiel 38: Lieferantenkredit Ein Unternehmen überlegt, folgenden Lieferantenkredit auszunützen: Rechnungsbetrag: Zahlung innerhalb von 30 Tagen oder innerhalb von 10 Tagen unter Abzug von 2% Skonto Wie hoch ist der effektive Zinssatz dieses Lieferantenkredits? Der effektive Jahreszins beträgt 44,59% p.a.!
260 Langfristige Kreditfinanzierung
Langfristiges Bankdarlehen Konditionen werden individuell zwischen Bank und Unternehmen ausgehandelt Gesellschafterdarlehen Darlehensbetrag zählt zum Fremdkapital, auch wenn der Darlehensgeber Gesellschafter des Unternehmens ist Anleihe Zerlegung in Teilschuldverschreibungen Vielzahl von Gläubigern hohe Liquidierbarkeit durch Börsenhandel
261 Bestandteile des Kreditvertrags
Darlehen Bestandteile des Kreditvertrags Kreditgeber und Kreditnehmer Kreditzweck z.B. Investitionskredit, Konsumkredit Kreditvolumen und Währung Darlehensnominale, entspricht idR dem Tilgungsbetrag Auszahlungsbetrag (Darlehensvaluta) Tilgungsform z.B. endfällig, konstante Tilgung, Annuitätentilgung, Freijahre Laufzeit Kreditkosten Kündigung Sicherheiten
262 Provisionen und Gebühren
Darlehen Kreditkosten Zinssatz risikoloser Zinssatz + Risikoprämie (spread) fix oder variabel (ohne/mit Referenzzinssatz, z.B. EURIBOR) vor- oder nachschüssig jährlich, halb- oder vierteljährlich Provisionen und Gebühren Bearbeitungsgebühr Kontoführungsgebühr evtl. Vertragserrichtungsgebühr
263 Beispiel 39: Risikoprämie
Darlehen Beispiel 39: Risikoprämie Eine Bank steht vor der Entscheidung, einem Unternehmen ein Darlehen in Höhe von zu gewähren. Die Rückzahlung inkl. Zinsen erfolgt nach einem Jahr. Der risikolose Zinssatz beträgt 6% p.a. Die Bank verhält sich risikoneutral und kalkuliert ein Zahlungs-ausfallsrisiko von 3%. Welche Risikoprämie und welchen Zinssatz wird sie verlangen? Zahlung in t=1 bei risikolosem Darlehen: trotz Zahlungsausfallsrisiko erwartete Verzinsung von 6%: Die Bank wird einen risikoadjustierten Zinssatz von 9,28% p.a. verlangen, die Risikoprämie beträgt damit 3,28 Prozentpunkte.
264 Tilgung am Laufzeitende (endfällige Tilgung)
Darlehen Tilgungsmodalitäten Annuitätentilgung Konstante Tilgung Tilgung am Laufzeitende (endfällige Tilgung) Freijahre: Jahre ohne Tilgungszahlung rückzahlungsfreie Jahre: Jahre ohne Zins- und Tilgungszahlung
265 Darlehen Annuitätentilgung
Gleich hohe Rückzahlungsraten (z.B. Annuitäten) Verhältnis zwischen Zins- und Tilgungsanteilen ändert sich während Laufzeit
266 Darlehen Konstante Tilgung
gleichbleibende Teilbeträge vom Kreditbetrag aufgrund sinkender Zinsbelastung sinkt die periodische Gesamtbelastung
267 Endfällige Tilgung, Tilgungsfreijahre
Darlehen Endfällige Tilgung, Tilgungsfreijahre Tilgung am Laufzeitende periodische Zinsen
268 Beispiel 40: Darlehen mit konstanter Tilgung/1
Konditionen: Darlehensbetrag: Laufzeit: 6 Jahre 1 Freijahr Nominalzinssatz: 9% p.a. Tilgungsform: konstante Tilgung Bearbeitungsgebühr: 1% vom Darlehensbetrag Kontoführungsgebühr: 100 pro Jahr Mit welchen Ein- und Auszahlungen haben Darlehensnehmer und Darlehensgeber zu rechnen?
269 Beispiel 40: Darlehen mit konstanter Tilgung/2
Darlehensnehmer: 1 3 2 4 5 6 Ein- zahlungen Auszahlungen Tilgung Zinsen sonst. AZ Summe Schuldenstand (Periodenende) Zeit Einzahlungs-/Auszahlungstabelle 60.000 600 59.400 60.000 5.400 100 -5.500 60.000 12.000 5.400 100 48.000 12.000 4.320 100 36.000 12.000 3.240 100 24.000 12.000 2.160 100 12.000 1.080 100
270 Beispiel 40: Darlehen mit konstanter Tilgung/3
Darlehensgeber: 1 3 2 4 5 6 Aus- zahlungen Einzahlungen Tilgung Zinsen sonst. EZ Summe Forderungsstand (Periodenende) Zeit Einzahlungs-/Auszahlungstabelle 60.000 600 60.000 5.400 100 5.500 60.000 12.000 5.400 100 17.500 48.000 12.000 4.320 100 16.420 36.000 12.000 3.240 100 15.340 24.000 12.000 2.160 100 14.260 12.000 12.000 1.080 100 13.180
271 Beispiel 40: Annuitätendarlehen/1
Konditionen: Darlehensbetrag: Laufzeit: 6 Jahre 1 Freijahr Nominalzinssatz: 9% p.a. Tilgungsform: Annuitätentilgung Bearbeitungsgebühr: 1% vom Darlehensbetrag Kontoführungsgebühr: 100 pro Jahr Mit welchen Ein- und Auszahlungen haben Darlehensnehmer und Darlehensgeber zu rechnen?
272 Beispiel 40: Annuitätendarlehen/2
Darlehensnehmer: 1 3 2 4 5 6 Ein- zahlungen Auszahlungen Tilgung Zinsen sonst. AZ Summe Schuldenstand (Periodenende) Zeit Einzahlungs-/Auszahlungstabelle 60.000 600 59.400 60.000 5.400 100 -5.500 60.000 10.026 5.400 100 49.974 10.928 4.498 100 39.047 11.911 3.515 100 27.135 12.983 2.443 100 14.152 14.152 1.274 100
273 Beispiel 40: Annuitätendarlehen/3
Darlehensgeber: Einzahlungs-/Auszahlungstabelle Zeit Aus- zahlungen Einzahlungen Summe Forderungsstand (Periodenende) Tilgung Zinsen sonst. EZ 60.000 600 60.000 1 5.400 100 5.500 60.000 2 10.026 5.400 100 15.526 49.974 3 10.928 4.498 100 15.526 39.047 4 11.911 3.515 100 15.526 27.135 5 12.983 2.443 100 15.526 14.152 6 14.152 1.274 100 15.526
274 Konsequenzen bei Änderungen während der Laufzeit
Darlehen Konsequenzen bei Änderungen während der Laufzeit Änderung der Laufzeit Änderung des Zinssatzes Tilgung wird nicht oder nur teilweise bezahlt Zinsen oder Kontoführungs-gebühr werden nicht oder nur teilweise bezahlt Darlehen mit konst. Tilgung Annuitätendarlehen neue Tilgung mit der Restschuld und der Restlaufzeit berechnen neue Annuität mit der Restschuld und der Restlaufzeit berechnen Zinsen mit neuem Zinssatz berechnen neue Annuität mit neuem Zinssatz, der Restlaufzeit und der Rest-schuld berechnen Schuld verringert sich um bezahlte Tilgung neue Tilgungszahlung mit ver-bleibender Restschuld berechnen Schuld verringert sich um bezahlte Tilgung neue Annuität mit der neuen Restschuld und der Restlaufzeit berechnen Schuld erhöht sich um nicht bezahlte Zinsen/Gebühren neue Tilgungszahlung mit der neuen Restschuld berechnen Schuld erhöht sich um nicht bezahlte Zinsen/Gebühren neue Annuität mit der neuen Restschuld und der Restlaufzeit berechnen
275 Beispiel 41: Veränderungen beim Darlehen mit konstanter Tilgung
im 3. Jahr erfolgt keine Tilgungszahlung im 4. Jahr werden nur bezahlt im 5. Jahr wird der Zinssatz auf 10% angehoben und die Gesamtlaufzeit auf 7 Jahre fixiert 1 3 2 4 5 6 7 Ein- zahlungen Auszahlungen Tilgung Zinsen sonst. AZ Summe Schuldenstand (Periodenende) Zeit Einzahlungs-/Auszahlungstabelle 5.400 -5.500 12.000 100 48.000 60.000 600 59.400 4.320 100 -4.420 48.000 3.120 100 -3.220 49.200 16.400 4.920 100 32.800 16.400 3.280 100 16.400 1.640 100
276 Beispiel 42: Veränderungen beim Annuitätendarlehen
im 3. Jahr erfolgt keine Tilgungszahlung im 4. Jahr werden nur bezahlt im 5. Jahr wird der Zinssatz auf 10% angehoben und die Gesamtlaufzeit auf 7 Jahre fixiert 1 3 2 4 5 6 7 Ein- zahlungen Auszahlungen Tilgung Zinsen sonst. AZ Summe Schuldenstand (Periodenende) Zeit Einzahlungs-/Auszahlungstabelle 5.400 -5.500 10.026 100 49.974 60.000 600 59.400 4.498 100 -4.598 49.974 3.472 100 -3.572 51.000 15.408 5.100 100 35.592 16.949 3.559 100 18.643 18.643 1.865 100
277 Kapitalwertfunktion einer Normalfinanzierung
Darlehen Kapitalwertfunktion einer Normalfinanzierung Kapitalwert Zinssatz interner Zinssatz
278 Beispiel 43: Berechnung des effektiven Zinssatzes
Darlehen Beispiel 43: Berechnung des effektiven Zinssatzes Fortsetzung zu Beispiel 36 - Darlehen mit konstanter Tilgung Wie groß ist der effektive Zinssatz für den Darlehensnehmer und den Darlehensgeber? Zeit Summe Zahlungen Darlehensnehmer Darlehensgeber 1 2 3 4 5 6 59.400 -5.500 5.500 17.500 16.420 15.340 14.260 13.180 Effektivzins 9,55%
279 Beispiel 44: Konditionen eines Darlehens festlegen
Fortsetzung zu Beispiel 36 - Darlehen mit konstanter Tilgung Wie hoch muss die Bearbeitungsgebühr sein, damit sich für den Darlehensgeber eine effektive Rendite von 10% ergibt? Der Kapitalwert muss unter Verwendung der vorgegebenen effektiven Rendite als Kalkulationszinssatz gleich 0 sein.
280 Instrument der langfristigen Fremdfinanzierung
Anleihe Charakteristika Instrument der langfristigen Fremdfinanzierung Zerlegung in Teilschuldverschreibungen mit Wertpapiercharakter Vielzahl von Gläubigern Häufig am Sekundärmarkt (z.B. Börse) gehandelt Leicht veräußerbar
281 Arten von Anleihen – nach Emittenten
Staats- (Bundes-)anleihen Kommunalanleihen Pfandbriefe Industrieanleihen Bank- und Sparkassenobligationen
282 Ausstattungsmerkmale/1
Anleihe Ausstattungsmerkmale/1 Laufzeit: idR 6-12 Jahre bei Industrieanleihen Währung: Heimatwährung oder Fremdwährungsanleihe Volumen und Stückelung: bei börsengehandelten Anleihen idR ab 50 Mio. € Stückelung meist € Tilgung: endfällig in Raten
283 Ausstattungsmerkmale/2
Anleihe Ausstattungsmerkmale/2 Zinssatz: fix (straight bond) variabel (floating rate note) Emissions- und Tilgungskurs: Disagio, Agio Kündigung Sicherheiten
284 Beispiel: Endfällige Kuponanleihe
285 Charakteristika der endfälligen Kuponanleihe
Endfällige Kuponanleihe: regelmäßige Zinszahlungen („Kupons“) während der Laufzeit Tilgung zur Gänze am Ende der Laufzeit
286 Endfällige Kuponanleihe - Sicht des Zeichners
287 Beispiel 45: Endfällige Kuponanleihe/1
Konditionen: Zeichnungsbetrag: Nominalzinssatz: 5% Emissionskurs: 89% Tilgungskurs: 100% Laufzeit: 4 Jahre Tilgungsform: Endfällige Kuponanleihe Einmalige Auszahlungen anlässlich des Kaufs: 400 Mit welchen Ein- und Auszahlungen hat der Zeichner dieser Anleihe (vor Abzug aller Steuern) zu rechnen?
288 Beispiel 45: Endfällige Kuponanleihe/2
Zeichner: Einzahlungs-/Auszahlungstabelle Zeit Einzahlungen Auszahlungen Summe Zahlungen Ford.stand (Periodenende) Tilgung Zinsen Kauf sonst. AZ 89.000 400 1 5.000 5.000 2 5.000 3 4 5.000
289 Charakteristika der Serienanleihe
Aufteilung des Nominales auf einzelne Serien Tilgungszahlung für eine Serie erfolgt nach deren „Auslosung“ regelmäßige Zinszahlungen während der Laufzeit einfache Vermeidung des Auslosungsrisikos: gleichmäßige Verteilung des Kapitals auf die einzelnen Serien
290 Serienanleihe - Sicht des Zeichners
291 Beispiel 46: Serienanleihe/1
Konditionen: Nominalbetrag: Emissionskurs: 97% Tilgungskurs: 100% Tilgungsform: Serienanleihe Nominalzinssatz: 6% p.a. Laufzeit: 5 Jahre Einmalige Auszahlungen anlässlich der Emission: Auszahlungen während der Laufzeit pro Jahr: Mit welchen Ein- und Auszahlungen hat der Emittent dieser Anleihe zu rechnen?
292 Beispiel 46: Serienanleihe/2
Emittent: 3 Einzahlungs-/Auszahlungstabelle Ein-zahlungen Auszahlungen Summe Zahlungen Schuldenstand (Periodenende) Tilgung Zinsen sonst. AZ Zeit 1 2 4 5 50.000 50.000 50.000 50.000 50.000
293 Beispiel 46: Serienanleihe/3
Zeichnungsbetrag: (gleichmäßig verteilt auf die einzelnen Serien) Kaufspesen (einmalig anlässlich des Kaufs): 500 Jährliche Depotgebühr: 100 Mit welchen Ein- und Auszahlungen hat der Zeichner dieser Anleihe (vor Abzug aller Steuern) zu rechnen?
294 Beispiel 46: Serienanleihe/4
Zeichner: Einzahlungs-/Auszahlungstabelle Zeit Einzahlungen Auszahlungen Summe Zahlungen Ford.stand (Periodenende) Tilgung Zinsen Kauf sonst. AZ 97.000 500 1 20.000 6.000 100 25.900 80.000 2 20.000 4.800 100 24.700 60.000 3 3.600 100 23.500 40.000 20.000 4 2.400 100 22.300 20.000 5 1.200 100 21.100 20.000
295 Beispiel 47: Berechnung des effektiven Zinssatzes/1
Anleihe Beispiel 47: Berechnung des effektiven Zinssatzes/1 Wie groß ist der effektive Zinssatz für den Emittenten und den Zeichner der Anleihe aus Beispiel 43, und wie lässt sich das Ergebnis interpretieren? Zeit Summe Zahlungen Emittent 1 2 3 4 5 Zeichner 25.900 24.700 23.500 22.300 21.100 Effektivzins 8,50% 6,81%
296 Beispiel 47: Berechnung des effektiven Zinssatzes/2
Anleihe Beispiel 47: Berechnung des effektiven Zinssatzes/2
297 Beispiel 48: Konditionen der Anleihe festlegen
Wie hoch muss der Emissionskurs der Anleihe sein, damit sich für den Zeichner eine effektive Rendite von 5,5% (vor Steuern) ergibt? Der Kapitalwert muss unter Verwendung der vorgegebenen effektiven Rendite als Kalkulationszinssatz gleich 0 sein.
298 Charakteristika von Nullkuponanleihen (Zerobonds)
Anleihen ohne laufende Zinszahlungen (Zinsthesau-rierung), der Ertrag ergibt sich aus der Differenz zwischen Emissions- und Tilgungskurs idR Emission mit hohem Disagio Tilgung am Laufzeitende Arten: echte Zerobonds (Abzinsungsanleihen) z.B. Pepsi Co 1981, Emissionskurs 67 1/4%, Tilgung 100% unechte Zerobonds (Aufzinsungsanleihen) z.B. Republik Österreich: Bundesschatzscheine
299 Nullkuponanleihe - Sicht des Zeichners
300 Beispiel: Nullkuponanleihe
South African Rand 7.5bn Zero Coupon Bonds due 2032 Hambros Bank Limited Rand Merchant Bank Limited Issue price 2.14 per cent. ESKOM Emission: 1997 Laufzeit: 35 Jahre
301 Vorteile von Nullkuponanleihen
Vorteile für Emittent: Liquiditätsvorteil niedrigere Druck- und Verwaltungskosten Vorteile für Zeichner: Entfall des Wiederanlagerisikos der Zinszahlungen Versteuerung der Kapitalerträge erst bei Tilgung
302 Beispiel 49: Nullkuponanleihe/1
Konditionen: Zeichnungsbetrag: Emissionskurs: 71% Tilgungskurs: 100% Laufzeit: 5 Jahre Tilgungsform: Nullkuponanleihe Einmalige Auszahlungen anlässlich des Kaufs: 100 Auszahlungen während der Laufzeit pro Jahr: 20 Mit welchen Ein- und Auszahlungen hat der Zeichner dieser Anleihe (vor Abzug aller Steuern) zu rechnen?
303 Beispiel 49: Nullkuponanleihe/2
Zeichner: Einzahlungs-/Auszahlungstabelle Zeit Einzahlungen Auszahlungen Summe Zahlungen Ford.stand (Periodenende) Tilgung Kauf sonst. AZ 35.500 100 50.000 1 20 -20 50.000 2 3 4 5 20 49.980 50.000
304 Charakteristika von Floating Rate Notes (FRN)
Anleihe Charakteristika von Floating Rate Notes (FRN) Floating Rate Note: Anleihe mit variablem Zinssatz Zinssatz wird periodisch zu sog. Roll-over-dates an Referenzzinssatz angepasst Anleihezinssatz = Referenzzinssatz + Spanne (Spread) evtl. Zinsobergrenzen (caps) oder Zinsuntergrenzen (floors) zahlreiche Finanzinnovationen z.B. Drop-Lock-Bonds
305 Zinsgestaltung bei Floating Rate Notes
Anleihe Zinsgestaltung bei Floating Rate Notes z.B. Zinsobergrenze (Cap-Floater): z.B. Drop-Lock-Bond: Cap t Zins Floor t Zins Zins FRN EURIBOR Zins FRN EURIBOR
306 Gewinnschuldverschreibung
Anleihe Gewinnschuldverschreibung Gewinnschuldverschreibung (participating bond): Anleiheform, bei der die Zinsen vom Gewinn des Unternehmenes abhängen: Zinsen werden nur dann gezahlt, wenn das Unternehmen einen Gewinn erwirtschaftet, oder neben einem fixen Grundzins besteht ein weiterer von der Dividende abhängiger Gewinnanspruch
307 Wandel- und Optionsanleihe
Wandelanleihe (convertible bond): besteht aus Anleihe mit dem Recht auf Umtausch der Anleihe in eine Aktie des emittierenden Unternehmens Anleihe geht nach dem Umtausch in Aktien unter Optionsanleihe (warrant bond): Besteht aus einer Anleihe mit einem (trennbaren und an der Börse handelbaren) Optionsrecht zum Bezug von Aktien des emittierenden Unternehmens Anleihe besteht nach Ausübung der Option weiter
308 Vorteile von Wandel- und Optionsanleihen
Vorteile für den Emittenten: Zusätzlicher Anreiz für Anleger durch Wandlungs- oder Optionsrecht Niedrigere Verzinsung Vereinbarung von Umtausch-kursen bzw. Ausübungs-preisen über den aktuellen Aktienkursen Vorteile für den Zeichner: zunächst nur Gläubiger-stellung (keine Haftung) feste Verzinsung keine Wandlungs- oder Ausübungsverpflichtung Teilnahme an späterer Kurssteigerung Hebelwirkung bei Optionsscheinen
309 Derivative Wertpapiere
Kapitel 11 Derivative Wertpapiere
310 Derivative Wertpapiere
Grundlagen Derivative (oder Derivate): Finanzinstrumente, deren Wert von der Wertentwicklung eines anderen Gutes (dem Basiswert, engl. underlying) abhängt. z.B. Forwards bzw. Futures und Optionen werden an Terminbörsen gehandelt
311 Kassamarkt und Terminmarkt
Derivative Wertpapiere Kassamarkt und Terminmarkt Kassamarkt: Handel mit realen Waren (Aktien, Anleihen, Rohstoffe, usw.) Lieferung und Bezahlung unmittelbar nach Geschäftsabschluss Terminmarkt: Vereinbarungen über zukünftige Käufe und Verkäufe Lieferung und Bezahlung vom Geschäftsabschluss zeitlich getrennt
312 Derivative Wertpapiere
Termingeschäfte Termingeschäfte: bedingte Termingeschäfte unbedingte Termingeschäfte Bedingte Termingeschäfte: einer der beiden Vertragsparteien kann am Fälligkeitstag wählen, ob das Geschäft durchgeführt wird oder nicht. z.B. Optionen Unbedingte Termingeschäfte: kein derartiges Wahlrecht z.B. Forwards, Futures
313 Forwards Forward: Ablauf: Grundlagen/1 unbedingtes Termingeschäft
zwei Vertragspartner treffen eine Vereinbarung über den Kauf einer bestimmten Menge (Kontraktgröße) eines Basiswertes mit Erfüllung zu einem zukünftigen Zeitpunkt Erfüllungszeitpunkt (Fälligkeitstag) und Erfüllungspreis (Basispreis) werden fixiert Forward hat im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses einen Wert von 0
314 Forwards Ablauf (Forts.): Grundlagen/2
Der Käufer (long position) verpflichtet sich, am Fälligkeitstag die vereinbarte Menge des Basiswertes abzunehmen und den Basispreis zu bezahlen. Der Verkäufer (short position) verpflichtet sich, am Fälligkeitstag die vereinbarte Menge des Basiswertes gegen Bezahlung des Basispreises zu liefern.
315 Forwards Grundlagen/3 Forward-Kontrakte werden individuell zwischen den Vertrags-partnern ausgehandelt. Vorteile: Vertragsbestandteile auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten z.B. Kontraktgröße, Laufzeit, Basiswert, ... Nachteile: Nicht-Handelbarkeit (mangelnde Fungibilität) Erfüllungsrisiko
316 Beispiel 50: Forward-Kontrakt/1
Forwards Beispiel 50: Forward-Kontrakt/1 Ein europäischer Lieferant erwartet Ende des Jahres den Eingang von 100 Mio. Yen. Um das Wechselkursrisiko auszuschalten, wird bereits heute (1. Juli) der Wechselkurs EUR/JPY fixiert. Dazu wird heute ein Forwardkontrakt über die Lieferung von 100 Mio. Yen per 31. Dezember verkauft. Der Terminkurs für den An- und Verkauf von Yen in 6 Monaten liegt bei 1 EUR = 129,3493 JPY. Am 31. Dezember liegt der Wechselkurs (spot rate) bei 1 EUR = 131,2680 JPY. Ist dem europäischen Unternehmen durch den Forwardkontrakt ein Gewinn oder ein Verlust entstanden?
317 Beispiel 50: Forward-Kontrakt/2
Forwards Beispiel 50: Forward-Kontrakt/2 Lösung: mit Forward-Kontrakt: forward rate ohne Forward-Kontrakt: spot rate Durch die frühzeitige Fixierung des Wechselkurses erhält das europäische Unternehmen für 100 Mio. JPY ca EUR, ohne Forward-Kontrakt wären es nur ca EUR gewesen. Dem Unternehmen ist durch den Forward-Kontrakt ein Vorteil entstanden!
318 Clearing (Ausschaltung des Erfüllungsrisikos) Fungibilität
Futures Grundlagen Merkmale von Futures: Standardisierung Clearing (Ausschaltung des Erfüllungsrisikos) Fungibilität Marking to Market Vielzahl von gängigen Basiswerten z.B. Währungen, Rohstoffe, Indizes Barabrechnung möglich ca. 95% aller Geschäfte vorzeitig glatt gestellt, d.h. führen nicht zur Lieferung
319 Futures Beispiel 51: Margin/1
Ein Investor geht am 14. Oktober folgendes Geschäft ein: Kauf ATX-Future (1 Kontrakt) Kurs: 1.500 Kontraktgröße: 10-facher Wert des Index Fälligkeitstag: dritter Freitag im Dezember Margin: 1.800 Am 15.Oktober steht der ATX-Future bei Welche Konsequenzen entstehen dadurch für den Investor?
320 Futures Beispiel 51: Margin/2 Lösung:
Kursveränderung mal Kontraktgröße ergibt die Veränderung auf dem Marginkonto: neuer Stand des Marginkontos: Da der geforderte Margin beträgt, könnte der Investor 500 von seinem Marginkonto abheben.
321 Beispiel 52: Hebeleffekt
Futures Beispiel 52: Hebeleffekt Fortsetzung Beispiel 55: Wir gehen davon aus, dass Indexstand und Futurekurs parallel verlaufen. Wie hoch ist der (prozentuelle) Gewinn des Investors aus dem Kursanstieg? Wie hoch ist der Hebeleffekt des Futures? Direktinvestition in den Index: Einsatz 1.500, Gewinn 50	 Rendite: 3,33%. Veränderung am Marginkonto Einsatz 1.800, Gewinn 500	 Rendite: 27,78% Hebeleffekt: 27,78 / 3,33 ~ 8. Lösung:
322 Beispiel 53: Spekulation mit Futures
Wie sieht das Gewinn/Verlust-Diagramm zu Beispiel 55 aus? G/V in Indexpunkten Futurekurs am 15. Oktober
323 Leerverkauf (short sale):
Futures Leerverkauf Leerverkauf (short sale): Verkauf von Papieren (z.B. Aktien), die einem nicht gehören Papiere werden dazu vom Besitzer ausgeborgt und müssen zum vereinbarten Zeitpunkt (wieder gekauft und) zurückgegeben werden Aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufkurs ergibt sich der Gewinn oder Verlust des Investors
324 Futures Hedging mit Futures
Hedging: Absicherung von bestehenden Wertpapierpositionen z.B. durch gegenläufige Entwicklung von Aktie long und Future short G/V in Indexpunkten Futurekurs Aktie long Future short
325 Futures Beispiel 54: Hedging
Ein Fondsmanager betreut einen Fonds, dessen Aktienanteil in Höhe von 1,5 Mio. EUR in seiner Zusammensetzung jener des ATX entspricht. Wie viele ATX-Futures (Kurs 1.500, Kontraktgröße 10) muss der Fonds-manager kaufen/verkaufen, um seinen Fonds gegen jegliche Kurs-veränderungen abzusichern (unter der Annahme, dass sich Index und Future im gleichen Ausmaß verändern, so genannte „naive Strategie“)? Lösung: Mit dem Verkauf von 100 Future-Kontrakten kann das Fondsvermögen gegen Kursänderungen abgesichert werden.
326 Ausnützen von Marktunvollkommenheiten
Futures Arbitrage Arbitrage: Ausnützen von Marktunvollkommenheiten Arbitrageure halten Kurs des Futures innerhalb einer relativ engen Bandbreite um ihren theoretischen Wert Cash-and-Carry-Modell Kauf aller Aktien eines Index sehr kostspielig Alternativinvestition in Futures (verläuft weitgehend parallel zum Index)
327 Cash-and-Carry Modell:
Futures Bewertung Cash-and-Carry Modell: Ziel: Besitz des Basiswertes im Fälligkeitszeitpunkt entweder Basiswert physisch erwerben und lagern erhebliche Lagerungs-, Zins- und Versicherungskosten oder Kauf des Futures Basiswert wird im Verfallszeitpunkt geliefert
328 Beispiel 55: Bewertung von Futures/1
Der Silberpreis liegt am 1. September bei 4,50 USD je Unze. An einer Terminbörse wird ein Silber-Future (Kontraktgröße 100 Unzen) gehandelt, der in einem Jahr ausläuft und bei 575 USD je Unze notiert. Zu Finanzierungszwecken kann Geld zu 5,25% p.a. aufgenommen werden. Weiters muss mit Lager- und Versicherungskosten von 0,25 USD pro Quartal und Unze gerechnet werden (zahlbar bei Entnahme vom Lager). Der Silber-Future steht bei einem Kurs von 575 USD. Gibt es eine Arbitragemöglichkeit?
329 Beispiel 55: Bewertung von Futures/2
Lösung: 100 Unzen Silber sofort kaufen und lagern:  arbitragefreier Futurekurs in t=0: 573,63 Arbitragemöglichkeit: in t=0:	Silber kaufen und lagern Future-Kontrakt shorten in t=1: Future-Kontrakt erfüllen und Silber um 575 verkaufen Arbitragegewinn (in t=1):
330 Optionen Motivation G/V ST Gewinn bei Kursanstieg
Verlust bei Kursverfall Gewinn bei Kursanstieg G/V ST kein Verlust bei Kursverfall begrenzter Verlust bei Kursverfall reduzierter Gewinn bei Kursanstieg
331 Optionen Definition/1 Der Besitzer (= Käufer, „long position“) einer Option hat das Recht, aber nicht die Pflicht, innerhalb einer bestimmten Frist (Amerikanische Option) bzw. zu einem festgelegten Zeitpunkt (Europäische Option) zu einem festgelegten Preis (Ausübungspreis, „strike price“) eine bestimmte Anzahl (Kontraktgröße) von Stücken eines Basiswertes („underlying“) (z.B. einer Aktie) zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option).
332 Optionen Definition/2 Der Stillhalter (= Schreiber, Verkäufer, „short position“) einer Option übernimmt die entgegengesetzte Position, d.h. er hat die Pflicht, im Fall einer Call-Option die vereinbarte Anzahl von Stücken des Basiswertes zu liefern, bzw. im Fall einer Put-Option abzunehmen, wenn der Besitzer der Option diese ausübt.
333 Optionen Definition/3 4 verschiedene Positionen: Call-Option
Put-Option Besitzer (long position) long call long put hat das Recht Stillhalter (short position) short call short put hat die Pflicht Recht des Besitzers zu kaufen Recht des Besitzers zu verkaufen
334 Gängige Basiswerte von Optionen
Aktien Indizes Devisen Zinsen Rohstoffe Waren sonstige Finanzinstrumente (z.B. andere Optionen, Futures, ...)
335 Beispiel 56: Vermögensänderung bei einer Call-Option
Optionen Beispiel 56: Vermögensänderung bei einer Call-Option Eine Call-Option auf eine Aktie mit Ausübungspreis 90 notiert heute bei 10. Stellen Sie die Vermögensänderung für den Käufer bzw. Verkäufer in Abhängigkeit vom Aktienkurs am Verfallstag graphisch dar. G/V ST Käufer Verkäufer
336 Call-Option aus der Sicht des Besitzers
Optionen Call-Option aus der Sicht des Besitzers ST G/V Ausübungspreis out of the money in the money at the money unbegrenzte Gewinnchance begrenztes Verlustrisiko
337 Call-Option aus der Sicht des Stillhalters
Optionen Call-Option aus der Sicht des Stillhalters Ausübungspreis G/V begrenzte Gewinnchance unbegrenztes Verlustrisiko ST
338 Beispiel 57: Vermögensänderung bei einer Put-Option
Optionen Beispiel 57: Vermögensänderung bei einer Put-Option Eine Put-Option auf eine Aktie mit Ausübungspreis 80 notiert heute bei 5. Stellen Sie die Vermögensänderung für den Käufer bzw. Verkäufer in Abhängigkeit vom Aktienkurs am Verfallstag graphisch dar. G/V ST Käufer Verkäufer
339 Put-Option aus der Sicht des Besitzers
Optionen Put-Option aus der Sicht des Besitzers Ausübungspreis G/V in the money out of the money at the money begrenzte Gewinnchance begrenztes Verlustrisiko ST
340 Put-Option aus der Sicht des Stillhalters
Optionen Put-Option aus der Sicht des Stillhalters Ausübungspreis G/V begrenzte Gewinnchance begrenztes Verlustrisiko ST
341 Einflussfaktoren auf den Optionspreis
Optionen Einflussfaktoren auf den Optionspreis Differenz zwischen Tageskurs und Ausübungspreis ITM, ATM oder OTM Restlaufzeit zum Verfallstag Volatilität Schwankungsbreite des Basiswertes Angebot und Nachfrage
342 Bestandteile des Optionspreises
Optionen Bestandteile des Optionspreises innerer Wert (intrinsic value) Differenz zwischen Tageskurs des Basiswertes und Ausübungspreis der Option, falls die sofortige Ausübung der Option vorteilhaft ist (in-the-money) Zeitwert (time value) der Teil des Optionspreises, der über den inneren Wert hinausgeht stellt den Optimismus bzw. die Erwartung über die zukünftige Kursentwicklung des Basiswertes dar geht mit der Restlaufzeit zum Verfallstag gegen null
343 OTC („over the counter“)
Optionen Handel mit Optionen OTC („over the counter“) maßgeschneiderte Verträge an der Börse: standardisierte Verträge Clearing-System: Garantie für Vertragserfüllung Margins: Hinterlegung von Sicherheiten Handlungsmöglichkeiten: Ausübung/Verfall von Optionen Glattstellung
344 Hedging: Absicherung von bestehenden Wertpapierpositionen
Optionen Anwendungsgebiete Hedging: Absicherung von bestehenden Wertpapierpositionen Spekulation: Hebeleffekt: relativ größere Kursausschläge bei der Option im Vergleich zum Basiswert Arbitrage: Ausnutzen von Preisunterschieden für identische Zahlungsströme
345 Beispiel 58: Einseitige Absicherung (Hedging) mit Optionen/1
Ein Anleger besitzt eine Aktie, die zum Kurs von 100 notiert. Der Anleger erwartet für die nächste Zeit fallende Kurse und möchte sich dagegen absichern, ohne die Chance auf mögliche Kurssteigerungen zu verlieren. Die Aktie soll jedoch nicht verkauft werden. An der Börse wird eine Put-Option auf diese Aktie gehandelt (Kontraktgröße 1), die bei einem Ausübungspreis von 100 bei 5 notiert. Wie kann sich der Anleger gegen Kursverluste absichern?
346 Beispiel 58: Einseitige Absicherung (Hedging) mit Optionen/2
G/V Option Aktie Gesamt ST
347 Beispiel 59: Vollständige Absicherung (Hedging) mit Optionen/1
Ein Anleger besitzt 100 Aktien, die derzeit zum Kurs von 100 notieren. Der Anleger nimmt an, dass die Aktie am nächsten Börsentag entweder auf 98 fällt oder auf 106 steigt. An der Börse wird eine Put-Option auf diese Aktie gehandelt (Kontraktgröße 1), die am nächsten Tag verfällt und bei einem Ausübungspreis von 102 bei 2,50 notiert. Der risikolose Zinssatz für eintägiges Anlegen bzw. Ausborgen von Geld liegt bei 4% p.a. (stetige Verzinsung). Der Anleger möchte seine Aktienposition gegen jegliche Kurs-schwankung absichern. Wie viele Optionen muss der Anleger kaufen/verkaufen, um sich gegen jegliche Kursschwankung abzusichern?
348 Beispiel 59: Vollständige Absicherung (Hedging) mit Optionen/2
Aktie Put 100 Stück Ausübungspreis: 102 Preis: 2,5 Kurs: 98 Kurs: 106 100 Aktien: + Wert der Puts:	( )·x - Preis der Puts inkl. Zinsen: 2,5·x·exp(id) 100 Aktien: + Wert der Puts:	0·x - Preis der Puts inkl. Zinsen: 2,5·x·exp(id) Der Anleger sollte 200 Put-Optionen kaufen.
349 Beispiel 59: Vollständige Absicherung (Hedging) mit Optionen/3
Aktie 100 Stück Kurs: 98 Kurs: 106 100 Aktien: 9.800 + Wert der Puts: ( )·200 = 800 - Preis der Puts inkl. Zi.: 500·exp(id) = 500,05 = Wert des Gesamtportfolios: ,95 100 Aktien: + Wert der Puts: 0·200 = 0 - Preis der Puts inkl. Zi.: 500,05 =	Wert des Gesamtportfolios: ,95
350 Beispiel 60: Arbitrage mit Optionen/1
Fortsetzung von Beispiel 57: Wenn die Put-Option korrekt bewertet ist, dann existiert keine Arbitragemöglichkeit. Wenn eine Arbitragemöglichkeit existiert, dann ist der derzeitige Preis der Put-Option entweder zu hoch oder zu niedrig. Ermöglicht der derzeitige Preis der Put-Option (2,50) Arbitrage? Wenn ja, ist der derzeitige Preis zu hoch oder zu niedrig?
351 Beispiel 60: Arbitrage mit Optionen/2
Lösung: Bei einem Zinssatz von 4% p.a. (stetige Verzinsung) erhält man für die eintägige Anlage von einen Tag später Beim ebenfalls risikolosen Portfolio erhält man hingegen ,95.  Arbitrage ist möglich! Wenn das Portfolio (100 Aktien long, 200 Puts long) am nächsten Tag ebenfalls einen Wert von ,10 hätte, wäre keine Arbitrage möglich: Der derzeitige Preis der Put-Option in Höhe von 2,50 ist zu niedrig. Bei einem Preis von 2,99 wäre keine Arbitrage möglich.
352 Spekulation: Aktie vs. Option
Optionen Spekulation: Aktie vs. Option 16. Juli 17. Juli Aktie EVN Aktie Aktie EVN Aktie Kurs: 1.611 Kurs: 1.639 Call Ausübungspreis: 1.650 Preis: 2,5 Preis: 6,5  entspricht einem Hebel von ca. 160/1,738 = 92
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Birkert Wertpapierhandelshaus AG Hauptversammlung am 18. August 2005.

References: § 21
 § 22
 § 22
 § 39

§ 21
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§ 22
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 § 29
 § 70

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 § 21
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 § 21
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 § 6
 § 454
 § 30
 § 454
 § 454
 § 24
 § 82
 § 22
 § 243
 § 267
 § 25
 § 2
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 § 21
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 §169
 §175