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Timestamp: 2017-04-23 15:43:44+00:00

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Prof. Dr. Oliver Bruestle, Brüstle, Bruestle,Universität Bonn, Embryonen, Stammlinien, Forschung,embryonale Stammzellen,
Oliver Brüstle gegen
Greenpeace e.V. erlässt
Urteil 1 Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung der Richtlinie 98/44/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. Juli 1998 über den rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen (ABl. L 213, S. 13, im Folgenden: Richtlinie).
Rechtlicher Rahmen Die Europäische Union und/oder die Mitgliedstaaten bindende Übereinkommen 3 Art. 27 des Übereinkommens über handelsbezogene Aspekte der Rechte am geistigen Eigentum, wiedergegeben im Anhang 1 C des Übereinkommens zur Errichtung der Welthandelsorganisation (WTO), unterzeichnet am 15. April 1994 in Marrakesch und angenommen durch den Beschluss 94/800/EG des Rates vom 22. Dezember 1994 über den Abschluss der Übereinkünfte im Rahmen der multilateralen Verhandlungen der Uruguay-Runde (1986–1994) im Namen der Europäischen Gemeinschaft in Bezug auf die in ihre Zuständigkeiten fallenden Bereiche (ABl. L 336, S. 1), bestimmt:
„Artikel 1 (1) Die Mitgliedstaaten schützen biotechnologische Erfindungen durch das nationale Patentrecht. Sie passen ihr nationales Patentrecht erforderlichenfalls an, um den Bestimmungen dieser Richtlinie Rechnung zu tragen.
Artikel 6 (1) Erfindungen, deren gewerbliche Verwertung gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstoßen würde, sind von der Patentierbarkeit ausgenommen[;] dieser Verstoß kann nicht allein daraus hergeleitet werden, dass die Verwertung durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften verboten ist.
Nationales Recht 8 § 2 des Patentgesetzes in seiner zur Umsetzung von Art. 6 der Richtlinie geänderten Fassung (BGBl. 2005 I S. 2521, im Folgenden: PatG) lautet: „(1) Für Erfindungen, deren gewerbliche Verwertung gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstoßen würde, werden keine Patente erteilt; ein solcher Verstoß kann nicht allein aus der Tatsache hergeleitet werden, dass die Verwertung durch Gesetz oder Verwaltungsvorschrift verboten ist. (2) Insbesondere werden Patente nicht erteilt für
„(1) Das Patent wird widerrufen (§ 61), wenn sich ergibt, dass 1. der Gegenstand des Patents nach den §§ 1 bis 5 nicht patentfähig ist,
1. zur Überzeugung der Genehmigungsbehörde feststeht, dass a) die embryonalen Stammzellen in Übereinstimmung mit der Rechtslage im Herkunftsland dort vor dem 1. Mai 2007 gewonnen wurden und in Kultur gehalten werden oder im Anschluss daran kryokonserviert gelagert werden (embryonale Stammzell-Linie),
c) für die Überlassung der Embryonen zur Stammzellgewinnung kein Entgelt oder sonstiger geldwerter Vorteil gewährt oder versprochen wurde und 2. der Einfuhr oder Verwendung der embryonalen Stammzellen sonstige gesetzliche Vorschriften, insbesondere solche des [ESchG], nicht entgegenstehen.
Ausgangsverfahren und Vorlagefragen 15 Herr Brüstle ist Inhaber eines am 19. Dezember 1997 angemeldeten deutschen Patents, das isolierte und gereinigte neurale Vorläuferzellen, Verfahren zu ihrer Herstellung aus embryonalen Stammzellen und ihre Verwendung zur Therapie von neuralen Defekten betrifft.
Zu den Vorlagefragen Zur ersten Frage 24 Mit seiner ersten Frage ersucht das vorlegende Gericht den Gerichtshof um Auslegung des Begriffs des menschlichen Embryos im Sinne und für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie, d. h. einzig und allein, um festzustellen, wie weit das in dieser Bestimmung vorgesehene Patentierungsverbot reicht.
– Es ist Sache des nationalen Gerichts, im Licht der technischen Entwicklung festzustellen, ob eine Stammzelle, die von einem menschlichen Embryo im Stadium der Blastozyste gewonnen wird, einen „menschlichen Embryo“ im Sinne von Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie darstellt. Zur zweiten Frage 39 Mit seiner zweiten Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob der Begriff „Verwendung von menschlichen Embryonen zu industriellen oder kommerziellen Zwecken“ im Sinne von Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie auch die Verwendung zu Zwecken der wissenschaftlichen Forschung umfasst.
Zur dritten Frage 47 Mit seiner dritten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob eine Erfindung, obwohl sie selbst nicht die Verwendung menschlicher Embryonen zum Gegenstand hat, von der Patentierung ausgeschlossen ist, weil sie ein Erzeugnis betrifft, dessen Herstellung die vorhergehende Zerstörung menschlicher Embryonen erfordert, oder sich auf ein Verfahren bezieht, für das ein durch Zerstörung menschlicher Embryonen gewonnenes Ausgangsmaterial benötigt wird.
48 Die Frage stellt sich in einem Fall, in dem es um die Patentierbarkeit einer Erfindung geht, die die Herstellung neuraler Vorläuferzellen betrifft und die Verwendung von Stammzellen voraussetzt, die aus einem menschlichen Embryo im Blastozystenstadium gewonnen werden. Den beim Gerichtshof eingereichten Erklärungen ist zu entnehmen, dass die Entnahme einer Stammzelle aus einem menschlichen Embryo im Blastozystenstadium die Zerstörung dieses Embryos nach sich zieht. 49 Aus denselben Gründen wie denen, die in den Randnrn. 32 bis 35 des vorliegenden Urteils aufgeführt sind, ist daher eine Erfindung – selbst wenn die Patentansprüche nicht die Verwendung menschlicher Embryonen betreffen – als von der Patentierung ausgeschlossen anzusehen, wenn die Verwertung der Erfindung die Zerstörung menschlicher Embryonen erfordert. Auch in diesem Fall liegt eine Verwendung menschlicher Embryonen im Sinne von Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie vor. Dass diese Zerstörung gegebenenfalls in einem Stadium erfolgt, das weit vor der Verwertung der Erfindung liegt, wie im Fall der Herstellung embryonaler Stammzellen aus einer Stammzell‑Linie, die nur durch die Zerstörung menschlicher Embryonen aufgebaut werden konnte, ist insoweit ohne Bedeutung.
Kosten 53 Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
1. Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie 98/44/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. Juli 1998 über den rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen ist wie folgt auszulegen: – Jede menschliche Eizelle vom Stadium ihrer Befruchtung an, jede unbefruchtete menschliche Eizelle, in die ein Zellkern aus einer ausgereiften menschlichen Zelle transplantiert worden ist, und jede unbefruchtete menschliche Eizelle, die durch Parthenogenese zur Teilung und Weiterentwicklung angeregt worden ist, ist ein „menschlicher Embryo“. – Es ist Sache des nationalen Gerichts, im Licht der technischen Entwicklung festzustellen, ob eine Stammzelle, die von einem menschlichen Embryo im Stadium der Blastozyste gewonnen wird, einen „menschlichen Embryo“ im Sinne von Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie 98/44 darstellt. 2. Der Ausschluss von der Patentierung nach Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie 98/44, der die Verwendung menschlicher Embryonen zu industriellen oder kommerziellen Zwecken betrifft, bezieht sich auch auf die Verwendung zu Zwecken der wissenschaftlichen Forschung, und nur die Verwendung zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken, die auf den menschlichen Embryo zu dessen Nutzen anwendbar ist, kann Gegenstand eines Patents sein. 3. Eine Erfindung ist nach Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie 98/44 von der Patentierung ausgeschlossen, wenn die technische Lehre, die Gegenstand des Patentantrags ist, die vorhergehende Zerstörung menschlicher Embryonen oder deren Verwendung als Ausgangsmaterial erfordert, in welchem Stadium auch immer die Zerstörung oder die betreffende Verwendung erfolgt, selbst wenn in der Beschreibung der beanspruchten technischen Lehre die Verwendung menschlicher Embryonen nicht erwähnt wird. Unterschriften
Dokumente über das Strafverfahren
"Beleidigung von Prof. Dr. Oliver Brüstle" Institut für Rekonstuktive Neurobiologie Life & Brain Center
Direktor: Herr Prof. Dr. Oliver Brüstle
Tel.: +49 (0)228 6885 500 Fax: +49 (0)228 6885 501 E-Mail: r.neuro@uni-bonn.de BVerfG Lehnt Verfassungsbeschwerde ab
Vorführungsbefehl zum Strafantritt
Schreiben Martin Humer an das Landgericht Mannheim
Beschluß Oberlandesgericht Karlsruhe
Revision RA Lennartz
Urteil Landgericht Mannheim
Urteil Amtsgericht Weinheim
Kardinal vergleicht britisches Embryonengesetz mit Nazi-Experimenten
Antrag auf Ladung der Zeugen:
Zustellung des Strafbefehls
Schreiben an StA Mannheim
Zusendung der Akten
Universität Bonn erstattet Strafanzeige
Wissenschaftler greifen Bischof Fürst an
Grund der Anzeige:
Verteidigung der Aussage von Bischof Fürst
Heiße "Ware" aus Israel
Stammzellen aus Israel für deutschen Wissenschaftler
Die Zelle im Blick
Verhandlung des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe beginnt Streitbarer Forscher
Stammzell-Patente - (Chronik)
1995 beantragt Brüstle Patent
In der Nazi-Zeit führte der KZ Arzt Josef Mengele im Vernichtungslager Auschwitz medizinische Forschungsarbeiten durch. Ziel seines Handelns und Mordens war eine Habilitation, zu der es aber nie kam und
auch die Absicht hatte, daß die Gesamtbevölkerung von seinen Forschungsergebnissen Nutzen haben sollte.
In der demokratischen Bundesrepublik Deutschland führt Prof. Dr. Oliver Brüstle in der Universitätsklinik Bonn Forschungsarbeiten an sogenannten "embryonalen Stammzellen" Forschungsarbeiten durch.
"Embryonale Stammzellen" werden von ungeborenen Kindern
gewonnen, die vorher ermordet wurden. Auch Prof. Brüstle möchte seine Forschungsergebnisse
dem Wohle der Gesamtbevölkerung zur Verfügung stellen.
2003 war sogar Israel für Prof. Oliver Brüstle ein Lieferant von "embryonalen Stammzellen" gewesen. Diese "embryonalen Stammzellen" stammten von in Israel ermordeten ungeborenen Kindern, die dann für viele Euros nach Deutschland verkauft wurden. Das was der KZ-Arzt Mengele vor 65 Jahren tat, war nach heutiger Auffassung ein grausames Verbrechen,...keine Frage!
Wie werden aber die Geschichtsschreiber in 65 Jahren
über die heutige Forschungsarbeit von
Prof. Oliver Brüstle urteilen?
Heiligt der Zweck die Mittel oder
"Christlich-Soziale Arbeitsgemeinschaft
Ich danke Herrn Martin Humer von der "CSA" in Österreich,
daß er durch die Bezahlung der Geld-Strafe eine 30-tägige Haftstrafe abgewendet hat.
ist erschütternd:
- 65 Jahre nach Auschwitz wird wieder mit "Menschenmaterial" experimentiert
- Meinungsäußerung hierzu wird bestraft
- Das Bundesverfassungsgericht nimmt die Verfassungsbeschwerde nicht an.
(Diese Herren haben noch Freiheiten und "dürfen" das)
Diese Entscheidung ist unanfechtbar!!!
Frage an die Verfassungs-Richter
der 1. Kammer:
Vizepräsident Prof. Dr. Kirchhof
BVR Prof.
ldg hier als pdf-Dokument
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olg-ka
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Cestarostr. 2 79469 Weinheim
Fax: 06201/2909928
Ehret-Straße 11
übermittelt per Fax: 06201/982 – 233
Betreff: AZ: 1 Cs 503 Js 5034/08 AK 206/08
Hier: Antrag Grüß Gott!
Ich bestätige den Eingang Ihrer Ladung zur Gerichtsverhandlung am 12. Nov. 2008 8.00 Uhr im Saal 6 in Weinheim.
Da ich mittellos bin und keinen Anwalt beauftragen kann, der mich vor Gericht vertritt, muß ich meine Verteidigung selbst vornehmen, es sei denn, das Gericht stellt mir einen Anwalt zur Verfügung.
Ich beantrage, den Kläger Prof. Dr. Oliver Brüstle, Universität Bonn Tel.: 0228/6885-500 zu laden, zur Klärung der Frage, den Tatbestand der persönlichen Beleidigung zu konkretisieren.
Ich beantrage, Bischof Gebhard Fürst, Eugen-Bolz-Platz 4 72108 Rottenburg a.N. zu laden.
Der Bischof hat in kurzer Form öffentlich erklärt: „…auch die Nationalsozialisten hätten Menschenversuche mit der Begründung gerechtfertigt, hiermit die Heilungschancen anderer Menschen zu verbessern (Sonntag Aktuell vom 9.12.2007 sowie FAZ vom 10.12.2007)
Es ist notwendig, daß Bischof Fürst vor Gericht seine Meinung noch ausführlicher darlegt. Die Anwesenheit beider Personen ist wichtig.
Ich beantrage, das hohe Gericht möge die Ladung der genannten Personen umgehend veranlassen.
ag-lad
Klaus Günter Annen Cestarostr. 2 69469 Weinheim
z. Hd. Herrn Staatsanwalt Grossmann
übermittelt per Fax: 0621/292-7530
Betreff: AZ: 503 Js 5034/08
Hier: Ihr Schreiben vom 7.5.2008
Grüß Gott, Herr Staatsanwalt Grossmann!
Herzlichen Dank für die Übersendung der Schriftstücke aus obigem Akt.
Es lag nicht in meiner/unserer Absicht, Herrn Prof. Brüstle durch die Aussendung der Pressemeldung vom 18.12.2007 zu beleidigen.
Aus dem Text unserer Pressemeldung und den übersandten Unterlagen vermag ich aber nicht zu erkennen, durch welchen Wortlaut genau sich Prof. Brüstle beleidigt sieht.
Der Forscher Oliver Brüstle und Greenpeace streiten über ein Patent auf Stammzellen - Nun soll der Europäische Gerichtshof entscheiden
Es waren große Hoffnungen, die der Bonner Wissenschaftler Oliver Brüstle mit seinen Forschungsarbeiten geweckt hatte. Ihm war es gelungen, aus menschlichen Stammzellen die Vorläufer von Nervenzellen zu gewinnen. Vielleicht, so spekulierte Brüstle, könnten diese Zellen eines Tages genutzt werden, um bislang unheilbare Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer zu behandeln. Dabei geht es nicht nur um eine stetig wachsende Zahl von Patienten, denen geholfen werden könnte, sondern möglicherweise auch um viel Geld. Brüstle ließ sich also sein Verfahren patentieren.
Das war Ende der Neunzigerjahre - und der Beginn eines langen Rechtsstreits, der jetzt vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe seine Fortsetzung gefunden hat. Brüstle hatte das Verfahren bei einem Forschungsaufenthalt in den USA entwickelt und nach seiner Rückkehr an die Universität Bonn beim Deutschen Patentamt einen Antrag eingereicht, diese Methode schützen zu lassen. Unter der Nummer DE 19756864 erhielt er ein Jahr später das Patent für das Verfahren zur Herstellung "in unbegrenzter Menge" und die Verwendung "zur Therapie von neuralen Defekten".
Die Umweltorganisation Greenpeace witterte einen Präzedenzfall und reichte im Oktober 2004 Klage gegen das Patent ein. Sie begründete ihren Einwand unter anderem mit einem Verstoß gegen die "guten Sitten". Um die Nervenzellen zu erzeugen, müssten zuvor embryonale Stammzellen gewonnen werden. Und zur Herstellung eben dieser Zellen müssten Embryonen in einem sehr frühen Stadium ihrer Entwicklung getötet werden. Dies aber verbiete das deutsche Embryonenschutzgesetz. Greenpeace warnte, das Patent ermögliche ei-ne kommerzielle Nutzbarmachung menschlicher Embryonen und schließe zudem auch das Klonen menschlicher Embryonen mit ein. Ein Vorwurf, den Brüstle stets zurückgewiesen hat.
Letztlich geht es in der Auseinandersetzung um die Frage, wo die ethischen Grenzen der Patentierbarkeit liegen. Das Europäische Patentübereinkommen von 1973 verbietet die Patentierung von "Erfindungen, deren Veröffentlichung oder Verwertung gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstoßen würde". Die Europäische Biopatentrichtlinie von 1998, die den Schutz biotechnologischer Erfindungen regelt, schließt unter anderem die Patentierung von Verfahren aus, die dazu dienen, Menschen zu klonen oder Embryonen für industrielle oder kommerzielle Zwecke zu nutzen. Auf eben diese Punkte beruft sich Greenpeace in seiner Klage gegen das Brüstle-Patent. Das Bundespatentgericht folgte in seiner Entscheidung im Jahr 2006 der Greenpeace-Argumentation. Es schränkte die Verwendung des Patents erheblich ein. So sollte Brüstle nicht mit Zellen arbeiten dürfen, für die zuvor ein Embryo vernichtet worden war. Dieses Verbot sollte auch Zelllinien betreffen, die legal aus dem Ausland nach Deutschland importiert wurden - so wie es das Stammzellengesetz deutschen Wissenschaftlern erlaubt. Gegen diese Entscheidung des Bundespatentgerichts legte Brüstle Berufung ein.
Nun also musste sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall auseinandersetzen. Nach Ansicht des Vorsitzenden Richters des BGH-Patentsenats, Peter Meier-Beck, verstößt Brüstle nicht gegen die in Deutschland geltenden Gesetze. Es müsse daher grundsätzlich geklärt werden, ob ein Patent für Ergebnisse von Forschungen verweigert werden könne, die gesetzlich erlaubt seien. Der Streit zwischen Brüstle und Greenpeace berühre Fragen der europäischen Biopatentrichtlinie, sagte Meier-Beck zu Beginn der Verhandlung. Am Ende verkündeten die Richter dann auch, den Fall an den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zu übergeben.
Dabei ist auf den ersten Blick eigentlich ganz klar, was unter Patentschutz gestellt werden darf. Voraussetzung für die Erteilung eines Patents sind Neuheit, erfinderische Tätigkeit und gewerbliche Anwendbarkeit. Die Glühbirne ist dafür ein klassisches Beispiel. Doch der rasante Fortschritt in Medizin und Biotechnologie setzt das geltende Patentrecht zunehmend unter Druck. So lassen sich Biopatente oft nicht so exakt beschreiben wie eine technische Erfindung. Unklarheiten gibt es auch bei der Übertragung des Patentrechts auf den Bereich der Tier- und Pflanzenzüchtung. So dürfen Tier- und Pflanzensorten nicht patentiert werden, wohl aber die technischen Verfahren zur Züchtung. Schon 1843 wurde in Finnland ein Hefepilz und damit erstmals biologisches Material unter Schutz gestellt. 1873 erhielt der französische Mikrobiologe Louis Pasteur ein US-amerikanisches Patent auf die "Verbesserung auf die Herstellung von Bier und Hefe". 1980 erlaubte das oberste US-Gericht die Patentierung eines gentechnisch veränderten Bakteriums, das Erdöl abbaut. Spätestens seit diesem Zeitpunkt streiten Politik, Wirtschaft, Verbände und besorgte Bürger, wie weit der Patentschutz auf Leben gehen darf.
Quelle: Welt-online 13.11.2009
Streitbarer Forscher
Über diesen Wissenschaftler lässt sich vieles sagen, nur eines bestimmt nicht: dass er feige ist. Oliver Brüstle geht keinem Streit aus dem Weg. Und immer geht es um wegweisende Entscheidungen, die der Pionier der deutschen Stammzellforschung erzwingt. Mit Verve verteidigt der freundliche Schwabe seine Position, das Leuchten aus seinen grauen Augen kann dann schon mal verschwinden. Stammzell-Streit: EU-Gericht soll entscheiden
Mit seinem Wunsch, an embryonalen Stammzellen mit öffentlichen Mitteln zu forschen, löste der Neurobiologe von der Universität Bonn 2000 eine hitzige Debatte in Deutschland aus. Leidenschaftlich wurde gestritten, ob menschliche Embryonen für Forschungszwecke genutzt werden dürfen. Die Heftigkeit der Debatte habe er nicht erwartet, sagte der vierfache Vater später. Er und seine Familie erhielten Todesdrohungen. Dabei wollte der heute 47 Jahre alte Mediziner nur die Forschung fortsetzen, die er in den USA begonnen und an der Uni Bonn erfolgreich fortgesetzt hatte. Damals habe er schon daran gedacht, in die USA zurückzukehren. Doch er blieb.
Auch beim Patentstreit vor dem Bundesgerichtshof ist es für den Forscher wieder um eine Grundsatzentscheidung gegangen. Eines ist sicher: Brüstle wird auch weiterhin nicht lockerlassen, beseelt davon, Alzheimer- und Parkinson-Patienten zu helfen. Sein Beruf ist für ihn Berufung.(ang)
Quelle: Hamburger Abendblatt, 13.11.2009
Verhandlung des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe beginnt Im Verfahren vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geht es um ein Stammzellenpatent des Bonner Forschers Oliver Brüstle aus dem Jahr 1999. Darin wird die Transplantation von Hirnzellen zur Therapie von Krankheiten rechtlich geschützt. Im Verfahren vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geht es um ein Stammzellenpatent des Bonner Forschers Oliver Brüstle aus dem Jahr 1999. Darin wird die Transplantation von Hirnzellen zur Therapie von Krankheiten rechtlich geschützt. Verwendet werden sollen sogenannte neurale Vorläuferzellen, die aus embryonalen Stammzellen hergestellt werden.
Die Forschung mit embryonalen Stammzellen ist in Deutschland unter strengen Voraussetzungen erlaubt. Verwendet werden dürfen dafür nur aus dem Ausland importierte Stammzellen, die bis zu einem bestimmten Stichtag gewonnen worden sind. Erst im Mai 2008 war dieser Stichtag im Stammzellengesetz vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mai 2007 verschoben worden. Ungeachtet der gesetzlichen Erlaubnis für die zugrundeliegende Forschung hat das Bundespatentgericht Brüstles Patent teilweise aufgehoben.
Das Gericht sah einen Verstoß gegen die öffentliche Ordnung darin, dass für die patentierte Verwendung embryonaler Stammzellen früher einmal Embryonen zerstört werden mussten. Zudem genieße die Forschung einen stärkeren grundrechtlichen Schutz als die wirtschaftliche Verwertung der Forschungsergebnisse. Das Europäische Patentamt hatte in einem vergleichbaren Fall im November 2008 ebenfalls entschieden, dass Verfahren nicht patentiert werden dürfen, wenn sie zwangsläufig mit der Zerstörung von Embryonen einhergehen
Quelle: Stern. 12.11.2009
Nach Meinung des schottischen Kardinals Keith O'Brien sind die Folgen des geplanten britischen Embryonengesetzes mit den Experimenten der Nazis vergleichbar. Der Erzbischof von Edinburgh fordert Premierminister Gordon Brown in einem offenen Brief auf, umstrittene Teile des Gesetzes zu ändern. Das berichtete heute die BBC. Es geht um die Schaffung von Mensch-Tier-Embryos sowie die Erlaubnis, Zellmaterial ohne Zustimmung der Spender zum Klonen zu benutzen. - In Deutschland sowie in britischen Kirchenkreisen gibt es scharfe Kritik. Das Gesetz soll im britischen Oberhaus diskutiert werden. (KNA 29.10.2008)
Orginal - Zitat von Bischof Fürst: „Die katholische Kirche bleibt aus guten Gründen bei ihrer Position: Auch embryonale Menschen dürfen zum Zwecke einer erhofften besseren Heilung anderer Menschen nicht getötet werden.“ Die Forschung sei frei, so Fürst, aber die Freiheit der Forschung sei nicht grenzenlos.
„Sie hat ethische Grenzen.“ Schon einmal, nämlich während der Nazizeit, seien in Deutschland Menschenversuche gemacht worden mit der Begründung, man könne damit die Heilungschancen anderer Menschen verbessern. Zu diesem Zwecke seien in Auschwitz Menschenversuche gemacht worden.
(aus "Sonntag Aktuell, 9.12.2007) Zeitungsausschnitt als pdf-Datei Die Zelle im Blick
Nerven- und Stützzellen für Gehirn und Rückenmark zu züchten – das ist das Ziel, das Prof. Oliver Brüstle vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn mit Hilfe von embryonalen Stammzellen aus Israel verfolgt. Ein reger Kontakt entstand auf Initiative des früheren NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement.
Netzwerke bilden – das ist für Stammzellforscher nicht nur wichtig, um wissenschaftliche Methoden zu vergleichen oder gegenseitig Daten und Forscher auszutauschen. Das „Network of Networks“, das in diesem Jahr auf Initiative des kanadischen Stammzellnetzwerks entstand, soll auch ein „Konsortium sein, das Position bezieht“, sagt Prof. Oliver Brüstle vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn. „Gemeinsam bekommen wir eine andere Autorität, die internationale Vernetzung hat Legitimationscharakter.“ Mit im Boot neben Nordrhein-Westfalen: Stammzell-Netzwerke aus Israel, Kanada, Norwegen, Schottland, den USA und Australien. Die „Stammzellbewegung, diese Welle, die da entstanden ist“, wie Prof. Brüstle sich ausdrückt, trug vor drei Jahren zwei Länder auf ihrer Schaumkrone vor sich her: Israel und Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt den Neurobiologen Brüstle und seinen Kollegen, den Gynäkologen Joseph Itskovitz vom Technion in Haifa. Der damalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement hatte einen engen Kontakt zwischen den Laboratorien geknüpft und auf diese Weise den Boden dafür bereitet, dass ein deutscher Forscher erstmals Stammzellen von Embryonen (ES-Zellen) importieren durfte. „Clement hat das Bewusstsein für die Bedeutung des sensiblen Themas Stammzellforschung bis hin zur Verabschiedung des Stammzellgesetzes durch den Deutschen Bundestag gefördert“, sagt Brüstle, dessen Antrag auf Forschung an embryonalen Stammzellen aus Israel Ende 2002 vom Berliner Robert-Koch-Institut genehmigt wurde. Der enge Kontakt mit dem Technion in Haifa war laut Brüstle eine wichtige Voraussetzung für die reibungslose Etablierung von humanen embryonalen Stammzellkulturen in Bonn. „Diese Zellkultursysteme sind außerordentlich empfindlich und komplex“ erklärt der Neurowissenschaftler. Richtig behandelt seien sie jedoch uneingeschränkt vermehrbar und pluripotent, das heißt, dass sie sich in alle möglichen Gewebezellen verwandeln können. „Wir ergänzen uns gegenseitig. In Haifa wird daran gearbeitet, aus ES-Zellen Herzmuskelzellen und Insulin-bildende Zellen zu gewinnen; in Bonn sind wir spezialisiert auf das Nervensystem“, so beschreibt Prof. Brüstle die unterschiedlichen Schwerpunkte der Forscher. Darüber hinaus haben die Bonner auf ES-Zellen abgestimmte Gentransfermethoden etabliert, von denen nun auch die israelischen Partner profitieren können. Inzwischen hat das Bonner Institut Kontakte mit weiteren israelischen Stammzellforschern aufgenommen. Einer davon ist Professor Nissim Benvenisty aus Jerusalem, der mit den Bonner Wissenschaftlern Partner in einem Projektantrag an die Europäische Union zum Thema humane embryonale Stammzellen ist. Quelle: http://www.wz.nrw.de/magazin/artikel.asp?nr=566&ausgabe=2005/1&titel=Die%5EZelle%5Eim%5EBlick&magname=
Heiße Ware aus Israel
Drei Deutsche Forscher hoffen auf grünes Licht aus dem Bundestag für den Import embryonaler Stammzellen
Ein Anruf aus dem Zentrum für künstliche Befruchtung stellt den ruhigen Alltag im Stammzell-Labor auf den Kopf. Doktorandin Michal Amit lässt alles stehen und liegen. Eilt vom Forschungslabor im Zentralgebäude des Rambam Medical Center in Haifa, Israel, zwei Häuser weiter in die Frauenklinik. Frische Zellen aus einer eben erfolgten Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle stehen für sie zum Abholen bereit. Mit Einverständnis des Spenderpaars.
Hektisch schwirren zwei Laborantinnen unterdessen durch die Gänge und bereiten Nährlösungen für die zu erwartende Sendung vor. Sie soll nicht erst eingefroren werden, sondern sofort der Forschung dienen – eine Praxis, die in Deutschland undenkbar wäre. Amit kehrt nach einer Stunde zurück. Stolz trägt sie die kostbaren Embryonen zum Mikroskop. „Sie sind perfekt“, schwärmt die junge Frau beim Blick durchs Okular.
Einen wenige Stunden alten Embryo für die Stammzellenforschung zu nutzen wäre selbst in Israel ein Novum. Amits Chef Joseph Itskovitz-Eldor bestreitet später vehement, dergleichen zu praktizieren. „Üblicherweise verwenden wir eingefrorene Eizellen, die von Eltern nach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) freigegeben sind.“ Mangel an Spendern habe er nicht. In Israel kommen allein 25 IVF-Zentren auf sechs Millionen Einwohner – in Deutschland rund 60 auf 82 Millionen.
Drei Förderanträge zur Forschung an embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) liegen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nach FOCUS-Informationen inzwischen vor. Das deutsche Embryonenschutzgesetz verbietet Wissenschaftlern hierzulande die ersten Arbeitsschritte zur Isolierung von Stammzellen. Neben der prominenten Figur im Stammzellen-Schach, dem Bonner Neuropathologen Oliver Brüstle, wollen zwei weitere Forscher Stammzellen importieren.
Nirgendwo spaltet jedoch die Frage nach der ES-Zellenforschung Ethiker, Philosophen, Forscher und Parteien wie in Deutschland. Steht der Schutz der Embryonen über deren verheißungsvollen Heilpotenzialen? Am kommenden Mittwoch soll vorerst Ruhe einkehren: Der Bundestag wird über die Frage des Imports bestehender ES-Linien entscheiden. Und über die weitere Laufbahn der drei Antragsteller:
Dem Neuropathologen Brüstle gelang bereits vor drei Jahren, aus Mäuse-ES-Zellen Nervenzellen zu züchten. Therapien mit humanen ES-Zellen für Multiple-Sklerose- oder Parkinson-Patienten wären denkbar. Brüstle will Zellen aus dem Labor von Itskovitz importieren. Sein Antrag liegt seit anderthalb Jahren auf Eis.
Der Münchner Herzspezialist Wolfgang-Michael Franz hatte schon im Jahr 2000 bei der US-Firma WiCell Stammzellen bestellt, die inzwischen in einem Forschungslabor der Ludwig-Maximilians-Universität als Gefriergut lagern. Es sei, so Franz, „nur konsequent, dass ich Ende Dezember einen entsprechenden DFG-Antrag gestellt habe“. Im Mausmodell hat Franz mit einem speziellen Reinigungsverfahren zuckende Herzmuskelzellen aus einer ES-Linie isoliert. Ihn interessiert ebenso das Material von Itskovitz.
Virusexperte Ulrich Martin von der Medizinischen Hochschule Hannover besuchte vergangene Woche seinen Kooperationspartner Nissim Benvenisty in der Hebrew University in Jerusalem – unweit der Knesset, dem israelischen Parlament, das der Stammzellenforschung schon längst ihren Segen gab. Benvenisty gelang, wovon sonst alle nur reden: Er entdeckte acht Wachstumsfaktoren, die die Weiterentwicklung menschlicher Stammzellen in Herz-, Leber- oder Hautzellen steuern. „Ich möchte an der Herstellung der Herzmuskelzellen mitwirken und mein Wissen als Virusexperte einbringen“, erklärt Martin.
Zellen aus dem Heiligen Land. Die Wissenschaftler interessieren sich besonders für Zelllinien, die der Gynäkologe und Stammzellenexperte Itskovitz und seine Doktorandin Amit im Rambam-Center in Haifa entwickelt haben. Unter Amits Händen gediehen schon die weltweit ersten humanen embryonalen Stammzellen im Labor. James Thomson von der Universität Wisconsin, USA, hatte sie 1998 gezüchtet und ihr anvertraut. Gemeinsam mit ihrem Doktorvater Itskovitz und Thomson kreierte sie weitere Zelllinien. Im Brutkasten in Haifa lagern heute Milliarden von ES-Zellen. „Ich kann die Aufregung der Deutschen einfach nicht nachvollziehen“, sagt sie kopfschüttelnd.
Nach jüdischem Glauben wird dem Embryo erst mit dem 40. Tag nach der Befruchtung Leben eingehaucht. Michel Revel, Präsident der Bioethik-Kommission der israelischen Akademie der Wissenschaften, stellt klar: „Wir halten es für ethisch vertretbar, mit Embryonen zu arbeiten.“
72 embryonale Stammzelllinien – jeweils aus einem Embryo gezüchtet – sind von Forschern weltweit bisher hergestellt worden. Die Linien von Joseph Itskovitz, so behauptet er selbst, seien billiger und besser als die der Konkurrenz. Als sich im vergangenen Jahr die amerikanische Gesundheitsbehörde (NIH) anschickte, nur Fördermittel zur Forschung an bereits erfassten Linien zu vergeben, meldeten flugs viele Labors auch unfertige Arbeiten an. „Etliche der Zellen waren kaum aus der Blastozyste isoliert und schon gemeldet“, kommentiert Itskovitz und schätzt, dass nur ein Dutzend der 72 es Wert seien, damit zu arbeiten.
Ein Tumor im Mäusebein ist der ultimative Qualitäts-Check für ES-Zellen. Er verrät den Wissenschaftlern beizeiten, ob die Stammzellen sich wie beabsichtigt in alle Arten von Zellen weiterentwickeln. „Ich injiziere menschliche ES-Zellen in die Maus und warte einen Monat“, beschreibt Amit trocken. Weil Stammzellen dazu neigen, Tumoren zu bilden – eines der zahlreichen ungelösten Probleme -, wächst ein zentimeterdicker Krebs heran. Erkennt Amit später im Schnitt durch den Tumor unterschiedliches menschliches Gewebe in Form von Haut-, Nerven- oder Muskelstrukturen, sind die ES-Zellen in Ordnung.
Die Zellen aktiv zu halten ist ein kompliziertes Unterfangen. Die Kolonien lagern bei Nissim Benvenisty in Jerusalem in einem Brutschrank bei einer konstanten Temperatur von 37 Grad Celsius, fünf Prozent Kohlendioxid in der Luft und einer Luftfeuchtigkeit von 76 Prozent. Jeden Tag versorgt seine Doktorandin Maya Schuldiner die Zellen mit einem mysteriösen, rosarot schimmernden Cocktail aus Glukose, Vitamin B6 und Dulbeccos Modified Eagle Medium sowie weiteren geheimen Rezepturen. Jeden fünften Tag bettet sie die Zellen auf eine neue Schicht so genannter Mäuse-Feederzellen um. „Menschliche ES-Zellen können sich nicht allein ernähren, die Mäusezellen helfen ihnen“, erklärt Schuldiner.
Der Clou in Nissim Benvenistys Werkstatt aber sind ausgewählte Wachstumsfaktoren, mit denen er die Ausbildung bestimmter Zellen gezielt zu steuern versucht. Gentechnisch eingebrachte, fluoreszierende Marker helfen ihm, die gewünschten Zellen zu erkennen. So hat er inzwischen zwölf Zellarten aus dem Haufen der Stammzellen isoliert; Neurone etwa, die eines Tages Demenzpatienten heilen könnten, oder unter dem Mikroskop sichtbar rhythmisch pumpende Herzmuskelzellen für Infarktpatienten. Auch sein Kollege Itskovitz ist fleißig dabei, Zelllinien zu entwickeln – Insulin produzierende Zellen, Herz- und Blutzellen.
Verseuchte Zelllinien. „All diese Wunderwerke sind jedoch für eine Therapie am Menschen völlig ungeeignet“, gibt Benvenisty offen zu. Erstens mischen sich etwa unter die pumpenden Herzzellen zu 40 Prozent andere Zelltypen. Zum Zweiten provozieren die Zellen bei Patienten ähnlich wie Transplantate eine Abstoßungsreaktion.
Und überdies sind sie durch die Fütterungszellen der Mäuse verunreinigt. „Retroviren der Mäuse-Feederzellen können menschliche Zellen infizieren“, fürchtet der Hannoveraner Virenexperte Martin, der Benvenisty gern bei der Lösung des Problems helfen würde. Sollte der Bundestag am Mittwoch seine Forschung nicht gestatten, „werden wir diejenigen Untersuchungen, welche Arbeiten mit ES-Zellen erfordern, direkt in Benvenistys Labor in Jerusalem durchführen“, kündigt Martin an.
Eine Universal-Zelllinie ist der Traum von Itskovitz und Benvenisty. Sie soll frei von Viren sein und gentechnisch so verändert, dass jedermann sie ohne Abstoßungsreaktion verträgt. Zudem soll sie alle für eine Therapie benötigten Zelltypen bilden können.
„Ob Universalzelle, Organzucht, therapeutisches Klonen – jeder hat seine eigenen Visionen in der Arbeit mit ES-Zellen“, unterstreicht der Münchner Herzspezialist Franz. Die Vielfalt an Forschung und Forschern erst mache einen sinnvollen therapeutischen Einsatz von Stammzellen langfristig möglich. Franz gibt den Parlamentariern mit auf den Weg: „Wir sollen Leben schützen und Leben kranker Menschen erhalten. Darum müssen wir uns an der Stammzellforschung aktiv beteiligen.“
Vom Embryo bis zur schlagenden Herzzelle
In israelischen Labors ist die Arbeit mit Stammzellen Routine. Spektakulär sind Versuche, spezielle Zellen wie Herzmuskelzellen zur Therapie nach einem Infarkt zu züchten.
Wenige Stunden Alter Embryo – Der Embryo darf im Labor etwa sechs Tage lang bis zu einer Größe von 100 bis 200 Zellen reifen
Sechster Tag – Blastozyste Im Inneren der Zellkugel stecken Stammzellen, die 270 Zellarten entwickeln können
Stammzellenhaufen H-6-2 – Die isolierten Stammzellen verdoppeln sich in der Kulturschale alle zwei Tage
Auslese per Fluoreszenz – Gentechnisch markierte Stammzellen zeigen leuchtend an, ob sie der gewünschte Zelltyp sind
Pumpende Herzmuskelzellen
Nervengeflecht aus Stamm-Zellen – Wachstumsfaktoren unterstützen die gezielte Bildung menschlicher Zelltypen: Herzmuskelzellen, die rhythmisch schlagen, oder ein verästeltes Nervengeflecht
Zellexport von Jerusalem nach Hannover
Virusexperte Ulrich Martin, Medizinische Hochschule Hannover, will auf jeden Fall mit Benvenisty forschen
In Jerusalem zeigt Nissim Benvenisty seine Sammlung embryonaler Stammzellen. Er würde Teile davon gern nach Deutschland verschicken
Zellexport – von Haifa nach Bonn
Joseph Itskovitz und Oliver Brüstle wollen ihr Know-how in Kooperationen zusammenbringen und Therapeutika aus embryonalen Stammzellen entwickeln.
Im 13. Stock des Rambam Medical Center in Haifa bewahrt Gynäkologe Joseph Itskovitz Milliarden von Stammzellen auf
Bei Mäusen bewies Neuropathologe Oliver Brüstle aus Bonn bereits, dass er ein Stammzellenexperte für Neuronen ist Quelle. Focus-Online, 28.1.2002
Bonner Genforscher darf embryonale Stammzellen
aus Israel importieren
Die Zellen aus dem Labor des israelischen Gynäkologen Joseph Itskovitz in Haifa sollen in den nächsten Tagen nach Deutschland transportiert werden
Deutsche Forscher dürfen erstmals Stammzellen von Embryonen einführen. Das Robert-Koch-Institut in Berlin (RKI) erteilte dem Neurobiologen Oliver Brüstle von der Universität Bonn die dafür erforderliche Genehmigung. Brüstle, der das lange erwartete Fax aus Berlin schon am Freitag erhalten hatte, will bereits Anfang Januar mit den Forschungsarbeiten beginnen.
Die Zellen aus dem Labor des israelischen Gynäkologen Joseph Itskovitz in Haifa sollen in den nächsten Tagen nach Deutschland transportiert werden. Das Stammzellengesetz erlaubt nur die Forschung an embryonalen Stammzellen, die vor 2002 im Ausland erzeugt wurden.
„Ich bin sehr erleichtert und froh, dass es noch in diesem Jahr geklappt hat“, so Brüstle. Den Antrag auf den Import der israelischen Zellen hatte der Forscher bereits im August 2000 gestellt. Dem RKI liegen drei weitere Anträge auf Stammzellenimport vor, die aber nicht mehr dieses Jahr beschieden würden. Gestern wurde bekannt, dass der Virusexperte Ulrich Martin von der Medizinischen Hochschule in Hannover, der wie Brüstle Stammzellen aus Israel importieren wollte, den entsprechenden Antrag beim RKI zurückgezogen hat. Die Versuche würden in Israel gemacht.
Bereits vor dem In-Kraft-Treten des Stammzellengesetzes am 1. Juli 2002 hatten Forscher in der damals herrschenden rechtlichen Grauzone menschliche embryonale Stammzellen nach Deutschland geholt – darunter der Kölner Spezialist Jürgen Hescheler. Seine Versuche waren aber seinerzeit misslungen.
Brüstle sagte, er wolle die Embryonalen Stammzellen (ES) zunächst in unreifer Form vermehren und so genannte Differenzierungsprotokolle anfertigen. Ziel sei es, aus den ES Nerven- und Stützzellen für Gehirn und Rückenmark zu züchten, die später möglicherweise zur Therapie von Parkinson und ähnlichen Krankheiten verwendet werden könnten.
Für die Stammzellenforschung in Bonn hatte sich Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement eingesetzt, der im Frühjahr noch als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident das Labor von Itskovitz in Haifa besucht hatte. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn begrüßte gestern die Importgenehmigung für embryonale Stammzellen.
Quelle: Welt-online, 24.12.2002 Was man aus Kurzschlüssen lernen kann
(SZ vom 11.06.2001) - Kurz vor dem Durchdrehen ist sie, wie sie selber sagt, und das schon morgens um viertel nach zehn. Verzweifelt hält die Sekretärin Christine Ahlemeyer die Terminmappe über den Kopf, bevor sie wieder ans Telefon geht und dem Anrufer gelassen erklärt, dass er jetzt der hundertachtzigste sei, der ein Interview haben möchte. Bild vergrößern Oliver Brüstle und Otmar Wiestler wollen embryonale Stammzellen nach Deutschland importieren. (© ) Auch vor ihrem Schreibtisch im Vorzimmer des Professors Otmar Wiestler hat sich eine Warteschlange gebildet. "Darf ich aufbauen", fragt ein Fernsehmann, der einen Scheinwerfer schon in der Hand hält. Nein, der Chef muss vorher noch das Büro Clement zurückrufen. Der Mann, der alles ausgelöst hat
Clement, Wolfgang Clement. Er ist der Mann, der alles ausgelöst hat. Der gemeinsamen Mission mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten nach Israel haben Professor Otmar Wiestler und sein Kollege Oliver Brüstle den Belagerungszustand zu verdanken. Von Israel aus hatte Clement in James Bond- Manier verkündet, die Bonner Forscher wollten mit einer Hochschule in Haifa kooperieren und Stammzellen importieren, die dort aus menschlichen Embryonen hergestellt wurden. Am selben Tag debattierte der Bundestag über Grenzen der Gentechnik. Viele witterten eine Missachtung des Parlaments, andere sprachen von verrückten Forschern, die rücksichtslos ihre Karriere verfolgten. Sogar eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Embryonenschutzgesetz liegt vor, obwohl der Import legal wäre. Clement rudert vor und zurück, die Forscher sind zum Spielball der Politik geworden und fühlen sich zu Unrecht in die Rolle der bösen Buben aus Bonn gedrängt.
Gehirne auf der Krawatte
Verrückt wirken die beiden Bonner keineswegs. Otmar Wiestler ist 44, Oliver Brüstle 38Jahre alt, seit zwölf Jahren arbeiten sie zusammen. Wiestler kommt aus Freiburg, Brüstle aus Biberach. Beide sind mit zahlreichen Kindern gesegnet, der eine mit sechs, der andere mit vieren. Beide tragen weiße Kittel mit der Aufschrift "Universitätskliniken Bonn" und blaue Krawatten, auf denen Gehirne abgebildet sind. Stellt man beiden nacheinander die gleichen Fragen, hat man oft das Gefühl, sie hätten sogar den gleichen Text gelernt. Ein "bemerkenswert harmonisches Gespann", sagt Wiestler. Gallionsfiguren eines umstrittenen Forschungszweigs
Die Ursachen dafür, dass die zwei nun zu Gallionsfiguren eines umstrittenen Forschungszweigs geworden sind, liegen weiter zurück als die Reise nach Israel. Spuren finden sich im Flur des Instituts für Neuropathologie, das in einem Waschbeton-Bau auf dem Bonner Venusberg untergebracht ist. Dort hängt ein Poster mit Fotos von Schneelandschaften, in die offenbar jemand dünne Strohhalme und ein paar Steinchen eingestreut hat. Jedenfalls könnte man das meinen, wenn man nicht darüber aufgeklärt wird, dass es sich um Aufnahmen von Rattenhirnen handelt. Behobene Kurzschlüsse
Buchstäblich blank liegende Nerven sind zu sehen: wegen eines Gen-Defekts fehlt den Nervenkabeln die Isolierung. Es kommt zu Kurzschlüssen, wie man sie von Krankheiten wie Multipler Sklerose kennt. Brüstle hat solche Kurzschlüsse behoben und damit wohl als erster bewiesen, dass sich mit Stammzellen aus Mäuse-Embryonen Zellmaterial für Transplantationen gewinnen lassen könnte. Das war 1998. Fast zeitgleich wurde aus den USA eine andere Sensation gemeldet: Der Amerikaner James Thomson vermehrte Stammzellen aus Embryonen des Menschen im Labor - nach 15Jahren wissenschaftlicher Schwerstarbeit. "Beides zusammen hat bei uns den Gedanken geweckt, zu versuchen, was im Tierexperiment gelungen ist, auf menschliche Zellen zu übertragen", sagt Wiestler. Der Professor mit dem blassen Gesicht eines Mannes, der viel arbeitet, sitzt in einem schmucklos eingerichteten Büro: blaugrauer Teppichboden, auf dem ein Metallkoffer und gleich drei Taschen herumliegen, hellgraue Wandschränke, die bis unter die Decke reichen. Atemberaubend ist nur der Ausblick. Hier sitzt man so weit oben, dass man bis zum Drachenfels im Siebengebirge schauen kann. Bedächtig spricht Wiestler über seine Pläne. "Aus nüchtern wissenschaftlicher Sicht" - das hört man oft aus seinem Mund. Nüchtern wissenschaftlich betrachtet ist es keineswegs sicher, dass menschliche Zellen halten, was Mauszellen versprechen. Schritt für Schritt müsse man das prüfen, sagt Wiestler. Erst müsse man sehen, ob sich auch Stammzellen aus menschlichen Embryonen im Labor zu Nervenzellen spezialisieren lassen. Dann müsse man testen, ob man damit wieder kranke Tiere heilen kann. Und erst danach, in drei bis fünf Jahren vielleicht, ließe sich an Studien mit Patienten denken.
Erstes Votum der DFG positiv
Dazu muss man Stammzellen, wie man sie in den USA ober in Israel aus menschlichen Embryonen gezüchtet hat, aber importieren. Sind sie im Land, wird jeder Schritt durch das Bonner Institut für Wissenschaft und Ethik überwacht. Auch ein erstes, allgemeines Votum der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), bei der die Bonner vor rund einem Jahr Geld beantragt haben, war positiv. Und endgültig zugestimmt hat auch die Ethikkommission der Universität. "Mehr Kontrollen kann man nicht machen", meint Wiestler. Was aber ist, bei allem Forscher-Ehrgeiz, das Motiv, sich ein so umstrittenes Feld auszusuchen? "Mein Antrieb ist einfach", sagt Wiestler: "Neuropathologen arbeiten auf einem Gebiet, auf dem sie häufig mit leeren Händen da stehen." Mit der Stammzellforschung könnte sich erstmals ein Fenster öffnen - für die Behandlung von Multipler Sklerose, Epilepsie oder der Parkinsonschen Krankheit. Besondere Verpflichtung gegenüber den Patienten
Den Patienten gegenüber habe man da eine besondere Verpflichtung, sagt Wiestler. Andererseits kritisiert er die "wildesten Heilsversprechen", die kursierten. Unverantwortlich findet er es etwa, bei Zelltherapien Alzheimer zu erwähnen, diese Krankheit sei dafür viel zu komplex. Ebenso wenig geht es nach seinen Worten um Organe. Und trotzdem: "Es wäre falsch, umgekehrt durch Schreckensvisionen das Verbotsschild an die Tür zu hängen." Krebsforschung - keine Stammzellforschung
Noch hängen an den Türen der Bonner Labors andere Schilder: "Krebsforschung - keine Stamzellforschung!", ist auf Zetteln zu lesen, mit denen sich einige Forscher vor neugierigen Journalisten schützen. Irgendwie erinnern die Türen mit den in Augenhöhe angebrachten Glasfensterchen an Zookäfige. In der Nähe macht Oliver Brüstle eine Vorführung. Anders als Wiestler, der Chef des Instituts, arbeitet der Privatdozent Brüstle noch selbst im Labor. Als eigentlicher Stammzellen-Experte soll er einen Lehrstuhl für Rekonstruktive Neurobiologie übernehmen, den die gemeinnützige Hertie- Stiftung finanzieren will. Brüstle gilt als ehrgeizig, ein bisschen auch als schwäbischer "Schaffe-schaffe-Häuslebaue-Typ". Mit seinen runden Wangen hat er etwas Bubenhaftes, wenngleich einige graue Haare auf dem Kopf keine Einzelgänger mehr sind. Vorführung mit Mäusezellen
"Das Gefährlichste für die Zellen ist Sprechen", beginnt Brüstle seine Vorführung. Selbst an den Mäusezellen, die hier meist bei 37 Grad Celsius im Brutschrank lagern, geht die öffentliche Aufregung nicht spurlos vorüber. Bei Vorführungen wurden mehrfach Zellkulturen kontaminiert - durch Keime, die auf den Atemwegen von Besuchern sitzen und beim Sprechen den Sprung in die Kulturschale schafften. Trotzdem verzichtet Brüstle nicht auf seine Show, zieht Latexhandschuhe an und reibt sie mit Desinfektionsmittel ein. Eine Kollegin reicht ihm Glasschälchen aus dem Brutschrank, die man unter dem Mikroskop anschauen darf. Mal schwimmen in rötlicher Flüssigkeit einzelne Zellhaufen, mal ist der Boden der Kulturschale dicht von einer Art Griesschicht bedeckt: verschiedene Stadien eines Versuchs, bei dem embryonale Stammzellen vermehrt und dann zu Nervenzellen spezialisiert werden. Brüstle weiß um die Macht solcher Bilder: Wenn jemand mal gesehen hat, dass hier "nur mit Zellhaufen" gearbeitet wird und nicht mit ganzen Embryonen, sollte er diese Forschung leichter akzeptieren. Keine Arbeit an menschlichen Embryonalzellen auf breiter Front
Nun stammen die Vorführzellen aber von Mäusen. Was, wenn sie aus menschlichen Embryonen hergestellt wären? Zunächst einmal fände er es nicht gut, wenn auf breiter Front an solchen Zellen gearbeitet würde, sagt Brüstle: "Bevor man sich auf das Terrain vorwagt, müssen zunächst alle Hausaufgaben im Tierversuch gemacht sein." Auch kämen Zellen aus menschlichen Embryonen nur für Experimente infrage, die etwa mit erwachsenen Stammzellen nicht möglich seien. Erwachsene Stammzellen - viele hoffen, dass mit ihnen der Konflikt zwischen den Interessen der Ärzte und dem Schutz des Embryos zu lösen ist. Denn sie lassen sich aus Blut- oder Gewebeproben Erwachsener gewinnen. Bisher aber ist es viel schwieriger, sie zu vermehren und zu gewünschten Zellen weiter zu züchten. Zweigleisig müsse man daher mit beiden Typen forschen, meint Otmar Wiestler. Die Untersuchungen an embryonalen Stammzellen seien ein Zwischenschritt, um die Arbeit mit den erwachsenen Zellen voranzubringen. Überzählige, ohnehin dem Tode geweihte Embryos
Viel zu düster wird nach seinen Worten die Vision gezeichnet, "es liefe alles auf Verbrauch von Embryonen in großer Zahl hinaus". Auch beim Import gehe es nur um Stammzellen, die keine Embryonen mehr sind; die man in Israel aus "überzähligen, ohnehin dem Tode geweihten" Embryonen aus der künstlichen Befruchtung gewonnen habe. Zudem gibt es für ihn im Moment keinen Anlass, zahlreiche weitere Zelllinien herzustellen, da sich die Stammzellen fast beliebig vermehren lassen. "Und wir hatten nie das Anliegen, selbst Embryonen zu opfern", verteidigt sich Wiestler. Bei Oliver Brüstle hört sich das freilich etwas anders an. Er ist nicht so sicher, dass Stammzellen aus Embryonen nur ein Zwischenschritt sind. Wenn man mit ihnen Erfolg habe, müsse man bald überlegen, das Embryonenschutzgesetz zu ändern und sie selbst herzustellen, sagt er. Zu sehr werde man sonst abhängig von ausländischen Lieferanten, müsse zu viele Rechte an den Forschungsergebnissen abtreten. Auch Brüstle ist indes nicht frei von ethischen Konflikten. Im Gegenteil: Er ist der Religiösere, erfährt man in seinem Office, wie er sein Büro in einer Mischung aus weltmännischem Englisch und breitem Schwäbischen nennt. Das Office ist spartanisch: kein Bild an der Wand, Waschbecken in der Ecke, Mikroskop auf dem Tisch - ein zum Büro umfunktionierter Laborraum. Ein religiöser Mensch Geht es um religiöse Fragen, dann verliert Oliver Brüstle den souveränen Gestus eines Mannes, der genau weiß, was er sagt. Er ist katholisch, und die gültige Lehrmeinung dieser Kirche ist kaum zu vereinbaren mit seiner Arbeit. Natürlich gebe es da einen Konflikt, räumt er ein. Aber er hofft, dass "eines Tages Positionen gefunden werden, in denen sich die Kirchen den neuen Entwicklungen anschließen können, ohne ihre Grundsätze über Bord zu werfen". Schon heute finden die beiden Bonner Forscher lobende Worte für die Kirchen. "Ich akzeptiere den honorigen Standpunkt der katholischen Kirche", sagt Wiestler. Die Schutzwürdigkeit auch des frühen Lebens sei dort eben das Allerhöchste, wenngleich es nicht sein Standpunkt ist. Selbstverständlich ist auch für ihn der Embryo in höchstem Maße schutzwürdig. Dennoch will er die Debatte "lieber nicht auf die weltanschauliche Ebene heben, sondern auch die dringenden Anliegen von Patienten berücksichtigen und nach fachlichen Kriterien abwägen". Ganz nüchtern. Beklagenswerte politische Motivation
Gerade seit der folgenreichen Israelreise ist die Debatte aber alles andere als nüchtern. Einerseits freuen sich die Forscher über Rückendeckung von Politikern. Andererseits sieht Wiestler "beklagenswerte politische Motivationen". Wobei auffällt, dass die Ärzte selbst schon reden wie Politiker. Bei Wiestler klingt das so: "Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass ein Land wie Deutschland sich von einer der vielversprechendsten Entwicklungen in der Medizin per Forschungsverbot abkoppelt." Immerhin sind auch viele andere Wissenschaftler an dieser Forschung interessiert, Wiestler und Brüstle fühlen sich von ihnen allerdings ein wenig allein gelassen - und bleiben trotzdem optimistisch. Auf einer der Labor-Türen im Institut ist auf einem Plakat ein Ausspruch von Victor Hugo zu lesen: "Einer Invasion von Armeen lässt sich widerstehen, nicht aber einer Idee, deren Zeit gekommen ist."
Quelle: Süddeutsche.de,11.06.2001
Stammzellen aus Israel für deutschen Wissenschaftler Brüstle arbeitet mit Kulturen aus Israel, die er in Deutschland nicht gewinnen könnte "Ich habe damals zusammen mit einer anderen Doktorandin sehr mitgezittert, wann endlich die Entscheidung des Robert-Koch-Instituts fällt, dass wir die Zellen importieren dürfen", erinnert sich Stefanie Terstegge. "Und als es dann endlich so weit war, war das sehr passend zur Weihnachtszeit und das schönste Weihnachtsgeschenk für uns. Wir sind uns dann in die Arme gefallen, mit Sekt angestoßen und uns sehr darüber gefreut, dass unsere Arbeit an dem Projekt nun endlich losgehen kann."
Im Dezember 2002 erhielt der Bonner Neurobiologe Prof. Oliver Brüstle die Genehmigung des Berliner Robert-Koch-Instituts, embryonale Stammzellen aus Israel zu importieren. Die Zellen stammen aus dem Labor des israelischen Gynäkologen Joseph Itskovitz in Haifa. "In der Universität Bonn werden sich sehr ernstzunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse ansammeln", sagte seinerzeit Itskovitz. In seinem Labor wurden bereits seit Jahren die Stammzellen gezüchtet.
Die Stammzellen im Inkubator im 13. Stock des Rambam-Krankenhauses in Haifa, das zur Technischen Universität der nordisraelischen Stadt gehört, stammen von überzähligen Embryonen. Sie entstanden bei künstlichen Befruchtungen und sie wurden eingefroren, nachdem der Mutter bereits mehrere Embryonen eingepflanzt worden waren. "Zum Beispiel: Ein Paar hat schon drei Kinder, die Eheleute sind fünfzig Jahre alt und möchten keine weiteren Nachkommen. Sie wollen aber auch nicht, dass ihre Embryonen für alle Ewigkeit auf irgendeiner Abteilung eingefroren bleiben", erklärt Michal Amit, Doktorandin bei Itskovitz.
Erst nach der Erlaubnis der Eltern würden diese Embryonen statt zur Vernichtung für die Forschung freigegeben. "Im Judentum gilt ein Embryo, der nicht in die Gebärmutter aufgenommen wurde, noch nicht als Mensch", sagt Itskovitz. Dies sei einer der Gründe, warum die Forschung an embryonalen Stammzellen (ES) in Israel weitaus weniger Einschränkungen unterliege als in Deutschland.
Hier zu Lande dürfen nach dem Stammzellgesetz keine eigenen embryonalen Stammzellen erzeugt, sondern nur importiert werden und auch nur solche Zellen, die vor Januar 2002 entstanden sind. Dafür sind ein positives Votum der Ethik-Kommission des RKI und eine schriftliche Genehmigung des Instituts notwendig."Wir sind in Deutschland gesetzlich verpflichtet, mit embryonalen Stammzelllinien zu arbeiten, die vor 2002 gewonnen wurden", schildert Terstegge. "Wenn Zellen so lange in Kultur sind, dann kommt es häufig vor, dass die genetische Veränderungen entwickeln. Dies kann dazu führen, dass wir Probleme in unserer Kultur bekommen und dadurch um ein halbes Jahr oder mehrere Monate in unserer Arbeit zurückgeworfen werden." Derweil arbeite die Konkurrenz im Ausland weiter.
"Wissenschaftler in Europa, mit denen wir kooperieren, arbeiten natürlich mit neueren Zellinien, und das ist natürlich sehr ärgerlich, dass wir uns an solchen Projekten nicht beteiligen dürfen, weil wir uns strafbar machten würden. Andererseits werden solche Projekte aber auch mit deutschen Geldern gefördert."
Itskovitz hat auf Grund der deutschen Geschichte Verständnis für das strenge Verfahren, freut sich jetzt nach eigenen Worten um so mehr für seinen Kollegen Brüstle. Brüstle hatte über Jahre mit ansehen müssen, wie seine Kollegen aus dem Ausland ihre Forschungen vorantrieben, während ihm durch die deutsche Rechtslage die Hände gebunden waren. Dennoch sieht er seine eigenen Aussichten positiv: "Das Gebiet ist so groß, dass allen Beteiligten viele Wege offen stehen. Die Stammzellforschung wird ganze Generationen von Wissenschaftlern mit Aufgaben versorgen," sagte er.
Der Neurobiologe hat die Stammzellen aus Israel zunächst in unreifer Form vermehrt, um sie später zu Nerven- und Stützzellen des Gehirns und Rückenmarks ausreifen lassen. Embryonale Stammzellen haben die Fähigkeit, sich in etwa 200 unterschiedliche Arten menschlicher Zellen zu differenzieren. Weltweit setzen Forscher deshalb in sie große Erwartungen: Sie hoffen unter anderem, eines Tages Krankheiten wie Diabetes heilen zu können.
Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte noch als Regierungschef von Nordrhein-Westfalen das Potenzial erkannt und im Frühjahr Itskovitz in dessen Labor in Haifa besucht. Der Israeli warnte davor, auf Schnellschüsse bei der Forschung zu hoffen. Frühestens in fünf Jahren halte er eine klinische Anwendbarkeit von Versuchsergebnissen in der ES-Forschung für möglich. Aber auch dieser Zeitrahmen sei nur Spekulation, betonte der Frauenarzt.
Quelle: http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/bstuecke/105126/index.html
Eine Stammzelle ist eine Art Ursprungszelle, die sich unbegrenzt vermehren und alle Zelltypen des Körpers bilden kann (zum Beispiel Muskelzelle, Nervenzelle, Blutzelle). Diese Fähigkeit der Stammzellen bezeichnet man als Pluripotenz. Ein eigenständiger Organismus kann aus ihnen jedoch nicht mehr entstehen. Nur Zellen von sehr frühen Embryonen sind totipotent, das heißt, dass sich aus jeder einzelnen Zelle dieses Embryos durch Teilung ein eigenständiges Lebewesen entwickeln kann. In der Natur geschieht dies spontan, wenn sich ein Embryo zu so genannten eineiigen Zwillingen teilt. Stammzellen finden sich in Embryonen, Föten und wurden bislang auch in 20 Organen des menschlichen Körpers nachgewiesen (zum Beispiel im Knochenmark). Mit Hilfe von Nährlösungen lassen sich aus Stammzellen im Labor bestimmte Zelltypen züchten. Noch gibt es allerdings kein Verfahren, mit dem sich die Stammzellen wie gewünscht in ihrer Entwicklung dirigieren lassen. Je nach Herkunftsort der Stammzellen unterschiedet man embryonale (aus dem Embryo), fetale (aus dem Fötus) und adulte (von Säuglingen, Kindern, Erwachsenen) Stammzellen. Embryonale Stammzellen Embryonale Stammzellen werden aus dem Inneren von wenige Tage alten Embryonen entnommen. Zur Zeit gibt es drei Möglichkeiten, embryonale Stammzellen zu gewinnen: 1. Aus Embryonen, die bei einer künstlichen Befruchtung gewonnen werden, aber nicht mehr für eine Schwangerschaft benötigt werden ("überzählige Embryonen") Nach einer in vitro Fertilisation, das heißt der Verschmelzung von Ei und Samenzelle im Reagenzglas, entsteht eine Zelle, die sich in rascher Folge teilt. Bis zum Acht-Zell-Stadium verfügen die Zellen über die so genannte Totipotenz (siehe oben). Aus diesem Zellverband entwickelt sich dann die Blastozyste, aus deren innerer Zellmasse am vierten Entwicklungstag die pluripotenten embryonalen Stammzellen für die Forschung gewonnen werden können. (Abb. 2) 2. Aus abgetriebenen Föten Stammzellen können auch aus fünf- bis neunwöchigen abgetriebenen Föten gewonnen werden. Diese sogenannten fetalen Stammzellen sind Vorläufer der Ei- bzw. Samenzellen. Man bezeichnet sie daher als primordiale Keimzellen, die im Labor zu embryonalen Keimzellen weiterentwickelt werden. Sie sind pluripotent (siehe oben) und unterscheiden sich nicht von den embryonalen Stammzellen, die aus einer Blastozyste gewonnen werden. (Abb. 2)
Abb 2: Gewinnung von ES-Zellen aus Blastozysten und Föten (Quelle: http://www.bats.ch/
publications/stammzellreport/04.htm)
3. Durch "therapeutisches Klonen" (Zellkerntransfer) Das therapeutische Klonen soll dabei helfen, für Patienten Ersatzgewebe wie Herzmuskelzellen oder Nervenzellen aus körpereigenem Material herzustellen. Dafür wird eine gespendete Eizelle entkernt und mit dem genetischen Material (dem Kern) einer Körperzelle des Patienten, z.B. einer Hautzelle, angefüllt. Der Zellkern der Körperzelle wird durch Übertragung in eine Eizelle reprogrammiert, das heißt in eine Art Urzustand versetzt. Hierbei entsteht eine neue totipotente Zelle, die sich analog einer befruchteten Eizelle zur Blastozyste entwickeln kann. Aus der inneren Zellmasse der Blastozyste können die pluripotenten Stammzellen entnommen werden. Diese Methode wurde auch beim Klonschaf Dolly angewandt. Wissenschaftler glauben, dass die Qualität der Stammzellen, die auf diese Art gewonnen werden, am besten sei. Darüber hinaus birgt das Klonverfahren den Vorteil, dass das mit der Körperzelle eines Patienten gewonnene Material mit dem Patienten genetisch identisch ist und deshalb später nicht abgestoßen wird. (Abb. 3) Abb 3: Gewinnung von ES-Zellen aus Blastozysten und Föten
(Quelle:http://www.bats.ch/publications/stammzellreport/04.htm)
Adulte Stammzellen Adulte Stammzellen sind teilungsfähige Zellen, die in bislang 20 Organen des Körpers, beispielsweise im Knochenmark, im Blut und im Gehirn, nachgewiesen wurden und dort lebenslänglich vorhanden sind. Sie haben die Aufgabe, die unterschiedlichsten Arten von Ersatzzellen zu bilden. Auch das Nabelschnurblut von Neugeborenen enthält adulte Stammzellen. Was unterscheidet embryonale von adulten Stammzellen? Adulte Stammzellen haben nach dem gegenwärtigen Forschungsstand gegenüber fetalen und embryonalen Stammzellen ein reduziertes Entwicklungspotential. Aber auch sie können mithilfe von Wachstumsfaktoren im Labor dazu angeregt werden, sich in einen spezialisierten Zelltyp zu entwickeln. Im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen ist ihre Vermehrbarkeit limitiert und ihre Lebensdauer somit begrenzt. Ihr unbestreitbarer Vorteil liegt darin, dass sie dem Patienten entnommen werden können. Dadurch gibt es später keine Abstoßungsreaktionen. Ethische Probleme treten bei der Gewinnung von adulten Stammzellen nicht auf. Problematik bei der Gewinnung embryonaler Stammzellen Sowohl beim Klonen als auch bei der Gewinnung von Stammzellen aus "überzähligen Embryonen" werden die verwendeten Embryonen zerstört. Daher sind diese Methoden in Deutschland durch das Embryonen-schutzgesetz verboten. Nur die Erzeugung embryonaler Stammzellen aus abgetrieben Föten ist unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Präimplantationsdiagnostik (PID) Die PID ist ein diagnostisches Verfahren zur Untersuchung der Embryonen auf genetisch bedingte Erbkrankheiten. Voraussetzung für diese Untersuchung ist die in vitro-Fertilisation, da diese Methode nur in vitro (in der Kulturschale) angewandt werden kann. Dazu werden dem frühen Embryo im Vier-Acht-Zellstadium ein bis zwei Zellen mittels einer Biopsie entnommen. Diese werden anschließend im Labor auf genetische Fehler untersucht (beispielsweise auf das Down-Syndrom und die Bluterkrankheit). Die Untersuchung, bei der auch das Geschlecht bestimmt werden kann, dauert nur wenige Stunden, so dass anschließend der für gesund befundene Embryo in den Uterus der Frau transferiert werden kann. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass die Abtreibung eines kranken Embryos verhindert werden kann, da der Defekt vor der Einpflanzung festgestellt wird. Jedoch besteht die Gefahr, dass der Embryo bei der Entnahme der Zellen beschädigt wird. Die PID an frühen Embryonen im Vier-Acht-Zellstadium (so genannte totipotente Zellen, siehe oben) ist in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Gentherapie Wenn ein Gendefekt die Ursache einer Krankheit ist, so ist mit konventionellen Therapieformen eine wirkliche Heilung nicht möglich. Das heißt für viele Patienten, dass sie ein Leben lang Medikamente nehmen müssen. Seit den 70er Jahren wird an der direkten Therapie der Gene, das heißt dem Ersatz des defekten Gens durch ein gesundes, geforscht. Man unterscheidet zwei Arten der Gentherapie, die somatische und die Keimbahn-Gentherapie. In der Testphase befindet sich derzeit nur die somatische Gentherapie. Dabei werden veränderte Gene in betroffene Organe oder Körperzellen eingeschleust. Bei der Keimbahntherapie wird ein künstlich verändertes Gen in die Eizelle oder in Spermien eingebracht. Die genetische Veränderung wird dadurch auf die Nachkommen übertragen. Die Keimbahntherapie ist in den meisten Ländern beim Menschen verboten und mit Haftstrafen belegt. Quell:
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/themen_dokumentationen/stammzellen/was_sind_stammzellen.html
Stammzell-Patente - die Chronik im Überblick
Das Europäische Parlament erlässt die Patentrichtlinie 98/44, die kommerzielle Verwertung menschlicher Embryonen wird verboten.
Das Deutsche Patentamt erteilt Oliver Brüstle ein Patent auf menschliche Stammzellen.
Die Firma Geron erhält in England ein Patent auf frühe menschliche Embryonen.
Die Einspruchsabteilung des Europäischen Patentamtes (EPA) widerruft das Patent der Universität Edinburgh in wichtigen Teilen.
20.10.2004 Greenpeace klagt am Bundespatentgericht gegen das Patent von Brüstle.
Das EPA widerruft das US-Patent auf tiefgekühlte menschliche Embryonen.
05.12.2006 Das Bundespatentgericht schränkt das Patent von Oliver Brüstle ein.
25.11.2008 Das EPA erklärt, dass menschliche embryonale Stammzellen nicht patentiert werden dürfen.(HA)
Quelle: Hamburger Abendblatt 13.11.2009
1995 beantragte Brüstle
beim Deutschen Patentamt in München ein Patent auf eine Methode, mit der embryonale Stammzellen in Vorläufer von Nervenzellen umgewandelt werden können. 1999 wurde ihm das Patent erteilt. Zuvor hatte der Neurobiologe eine Studie vorgestellt. Sie schilderte, wie es ihm gelungen war, aus embryonalen Stammzellen von Mäusen spezielle Hirnzellen zu gewinnen. Mit diesen Zellen reparierte er das Gehirn von Ratten, die an einem der multiplen Sklerose ähnlichen Erbleiden litten. Oliver Brüstle, auch wissenschaftlicher Direktor der Bonner Biotech-Firma "Life&Brain", will auf gleichem Weg später Menschen helfen, deren Gehirne durch Alzheimer oder Parkinson zerstört werden. Doch Greenpeace sah in diesem Patent einen gefährlichen Präzedenzfall und zog vor das Bundespatentgericht in München. "Es ging uns weniger um das strittige Thema Stammzellenforschung, sondern vielmehr um die grundsätzliche Frage, ob der Mensch, in diesem Fall menschliche Embryonen, patentierbar und damit kommerzialisierbar ist. Also um die Frage, ob wirtschaftliche Interessen über ethische Grundwerte gestellt werden", so Barbara Kamradt von Greenpeace. Unterstützung bekamen die Umweltschützer von Dr. Ingrid Schneider, Hamburger Expertin für Technikfolgenabschätzung in der Medizin. Sie warnte damals, dass "eine grundsätzliche Entscheidung darüber getroffen wird, ob menschliche embryonale Stammzellen und Verfahren, damit etwas herzustellen, in Deutschland patentierbar sind oder nicht patentierbar sind". Greenpeace war vor dem Bundespatentgericht erfolgreich. Die Münchner Richter erklärten das Patent für nichtig, soweit es Zellen umfasst, die aus embryonalen Stammzellen von menschlichen Embryonen gewonnen werden. Das Gericht sah einen Verstoß gegen die öffentliche Ordnung darin, dass für die patentierte Verwendung embryonaler Stammzellen früher einmal Embryonen zerstört werden mussten. In Deutschland erteilte Patente dürfen keinen kommerziellen Anreiz zur Zerstörung menschlicher Embryonen bieten.
Auch das Europäische Patentamt entschied 2008 in einem vergleichbaren Fall, dass Verfahren nicht patentiert werden dürfen, wenn sie zwangsläufig mit der Zerstörung von Embryonen einhergehen. Forschung ja, wirtschaftliche Verwertung nein - so die Gerichte. Ob diese Haltung auch vom Europäischen Gerichtshof bestätigt wird? 6.7.1998:

References: Art. 27
 § 2
 Art. 6
 Art. 6
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