Source: http://www.juralit.com/2017/12/14/ein-jahresbestseller-zum-strafrecht/
Timestamp: 2019-03-19 15:04:13+00:00

Document:
München: C.H.Beck, 2018, LXV, 2743 S. In Leinen, 92 Euro
Dr. Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am BGH a.D.; Honorarprofessor an der Universität Würzburg.
Der Tradionskommentar wurde von Otto Schwarz begründet, von Eduard Dreher weitergeführt und bis zur 49. Auflage von Herbert Tröndle kommentiert. Ab der 50. Auflage wurde daraus “Der Fischer”, dessen Verfasser der in der “Breite” mutmasslich bekannteste Strafrechtler Deutschland ist. Dieser Kommentar hat - als “Ein-Personen-Unternehmen” - seit der 50. Auflage immer stärkere Akzente gesetzt und bildet die gesamte Entwicklung im deutschen Strafrecht kritisch ab. Er ist das entscheidende Referenzwerk der Praxis für das StGB und seine Nebengesetze.
Die Darstellung des Vorsitzenden Richters ab BGH a.D. orientiert sich zwar als Praxiskommentar überwiegend an der Rechtsprechung des BGH, versteht sich aber nicht als unkritisch. Bei nicht gefestigter Judikatur entwickelt der Kommentar praktikable Lösungsvorschläge und scheut bisweilen auch vor rechtspolitischer Kritik nicht zurück. In keinem Falle wird die “herrschende Meinung” kritiklos abgebildet. Es geht vielmehr um einen systematischen Überblick über den aktuellen Stand der höchstrichterlichen Rechtsprechung und wissenschaftlichen Diskussion dazu, die hier erschöpfend ausgewertet wird. Das Werk ist das absolute Standardwerk zum StGB und wird von allen deutschen Gerichten verwendet. Die Rechtsprechung wird vollständig ausgewertet.
Der Kommentar erscheint jährlich. Dies ist inzwischen unumgänglich. Die Vorauflage erschien vor etwa einem Jahr. In diesem einen Jahr wurden 15 Änderungsgesetze zum StGB oder mit Relevanz für das StGB erlassen. Seit Ende des Jahres 2015 waren 150 Gesetzesänderungen zu verzeichnen. Die nunmehr bereits 65. Auflage dieses Kommentars hat den Gesetzesstand vom 01.11.2017 und ist daher extrem aktuell, zumal neue Gesetze in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten sind.
Die 15 Änderungsgesetze haben 90 Normen des StGB eingefügt, neu gefasst, aufgehoben oder diese sind - teilweise mehrfach - geändert worden. Die 65. Auflage berücksichtigt vollständig die Rechtsprechung und Gesetzgebung für den Zeitraum November 2016 bis November 2017. Die Änderungen betreffen folgende Bereiche:
Gesetz zur Änderung des Völkerstrafgesetzbuches vom 22.12.2016 mit Änderungen der §§ 5, 80a, 138 StGB sowie der Aufhebung des § 80 StGB
Gesetz zur Verbesserung des Schutzes gegen Nachstellungen gem. § 238 StGB
die am 1.7.2017 in Kraft getretenen Änderungen durch das Gesetz zur Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung. Die Materie wird in dem Abschnitt der §§ 73 - 74f StGB vollständig neu geregelt und wurde völlig neu kommentiert
Umfassend verarbeitet sind außerdem hunderte neuer Entscheidungen der vergangenen 12 Monate, von denen einige überaus brisant sind.
Wenig überraschend wird die Reform der §§ 73 - 76 a StGB bereits im Ausgangspunkt kritisiert, weil es sich bei Einziehung und Verfall zwar “um eine Säule der Kriminalitätsbekämpfung” (so die Gesetzesbegründung) handelt, aber polizeirechtliche Kategorien und materielles Strafrecht ohne hinreichende Abgrenzungen ineinander übergehen und es sich insoweit um die Folgen von Straftaten handelt. Die Erweiterungen der Möglichkeiten der Einziehung und des Verfalls - unter Einschluss der einem Arrest ähnlichen Sicherungseinziehung in § 74b StGB - sind sehr weitreichend und werden im Detail untersucht.
Intensiv eingegangen wird auch auf die Änderungen beim Fahrverbot nach § 44 StGB. Die Ereignisse im deutschen Fussball in den vergangenen Jahren, die Manipulationen von Spielen geführt haben und die dort herrschenden Verhältnisse haben den Gesetzgeber auf den Plan gerufen, der in §§ 265 c - e StGB eine umfassende strafrechtliche Regulation des Bereichs des Sportwettbetruges vorgenommen hat und dabei erstmals den Beruf des Trainers in § 265 c Abs. 6 StGB legaldefiniert hat. Die Kommentierung attestiert § 265 c StGB eine Zwitterstellung zwischen Korruptions- und Betrugskriminalität, die von erheblichen Widersprüchen gekennzeichnet ist, allein schon weil sie als abstraktes Vermögens-Gefährdungsdelikt konzipiert ist. Die bereits im Vorfeld erfolgte Kritik wird intensiv aufgegriffen, zumal der Bezug zu den Sportwetten nur unvollkommen geregelt ist. Die Kommentierung sieht § 265 d StGB zutreffend nicht als Tatbestand des Vermögensstrafrechts an. Diese Regelungen werden möglicherweise schon bald wieder geändert werden.
Herausragende kommentiert werden etwa auch die neuen Vorschriften gegen illegale Autorennen in §§ 315 d- 315 f StGB, die ersichtlich die Funktion haben, Strafbarkeitslücken zu schließen und als konkretes Gefährdungsdelikt ausgestaltet sind. § 315 d StGB betrifft verbotene Kraftfahrzeugrennen, in Reaktion auf einige Urteile nach dem Tod unbeteiligter Passanten. Die Kommentierung begrüsst diese Regelung, da die Ahndung als bloße Ordnungswidrigkeit nach §§ 29 I, 49 II StVO a.F. nicht mehr ausreichend war.
Bereits berücksichtigt ist das Gesetz zur Neuregelung des Schutzes von Geheimnissen bei der Mitwirkung Dritter an der berufsausübung schweigepflichtiger Personen mit Änderungen der §§ 68 a, 203, 204 und 309 StGB. Die der Kommentierung vorgeschaltete Übersicht über die Änderungen des StGB sind nach wie vor äußerst hilfreich.
Ein Kommentar kann wohl kaum besser verfasst werden wie dieser Kommentar. Der Kommentar begleitet die Entwicklung des deutschen Strafrechts kritisch, aktuell und praxisnah, so dass jede Auflage ein Gewinn für die Nutzer ist.

References: BGH 
 BGH 
 § 80
 § 238
 § 74
 § 44
 § 265
 § 265
 § 265
 § 315