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Timestamp: 2016-12-05 18:36:51+00:00

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VPB 69.35
(Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 10. Dezember 2004
[exe 2004.2129])
Maturitätsprüfung. Plagiat als Maturaarbeit.
Art. 22 Abs. 2 Bst. c und
Art. 23 V über die schweizerische Maturitätsprüfung.
Beurteilung einer Maturaarbeit durch die von der Kandidatin oder dem Kandidaten
gewählte sachkundige Person kann nichts hinsichtlich der massgeblichen Qualität
der Arbeit abgeleitet werden. Die Examinatorengruppe bleibt in ihrem Urteil
frei (E. 5).
bei einer Maturitätsprüfung als Maturaarbeit ein Plagiat eingereicht, so ist es
nicht unangemessen, auch eine bereits erfolgreich absolvierte erste Teilprüfung
als nicht bestanden zu erklären (E. 6 und 7).
Examen de maturité.
Plagiat en guise de travail de maturité.
al. 2 let. c et art. 23 de l'O sur l'examen suisse de maturité.
- La qualité déterminante du travail de maturité
ne saurait en rien découler de l'évaluation erronée dudit travail par la personne,
choisie par la candidate ou le candidat, compétente dans le domaine traité. Le
groupe d'examinateurs n'en est pas lié dans son évaluation (consid. 5).
- Si, lors d'un examen de maturité, un plagiat
est remis en tant que travail de maturité, il n'est pas inopportun de déclarer
comme non réussi un premier examen partiel déjà passé avec succès
(consid. 6 et 7).
Plagio quale lavoro di maturità.
cpv. 2 lett. c e art. 23 dell'O sull'esame svizzero di maturità.
- Da una valutazione errata di un lavoro di
maturità, effettuata dalla persona esperta designata dalla candidata o dal candidato,
non può essere dedotto nulla circa la qualità determinante del lavoro. Il
gruppo di esaminatori resta libero nella propria valutazione (consid. 5).
- Se, in occasione di un esame di maturità, è
presentato un plagio quale esame di maturità, non è sproporzionato dichiarare
non superato anche un primo esame parziale sostenuto con successo
(consid. 6 e 7).
Sachverhalts:
A. Frau A.
(im Folgenden: Beschwerdeführerin) entschied sich im Hinblick auf die eidgenössische
Maturitätsprüfung für die Variante mit zwei Teilprüfungen. Der ersten
Teilprüfung unterzog sie sich im Herbst 2003 und absolvierte sie erfolgreich.
Mit der Anmeldung zur zweiten
Teilprüfung hatte die Beschwerdeführerin ihre Maturaarbeit einzureichen. Diese
hatte sie zum Thema «Schwarze Löcher» verfasst und mit schriftlicher Erklärung
vom 14. November 2003 als echt bestätigt. Sie erklärte dabei, dass sie die
Maturaarbeit persönlich erarbeitet habe, dass diese kein Plagiat darstelle und
dass sämtliche Zitate beziehungsweise Ideen, die nicht von ihr stammten, als
solche gekennzeichnet seien. Der von ihr für die Maturaarbeit ausgewählte
Betreuer, L., bewertete ihre Maturaarbeit als ausgezeichnet und leitete sie mit
seinem Bewertungsbericht an die Schweizerische Maturitätskommission weiter.
Beschwerdeführerin bestimmte Examinator im Frühjahr 2004 kurz vor der zweiten
Teilprüfung - die das Thema Maturaarbeit (mündlich) umfasste - die Maturaarbeit
der Beschwerdeführerin prüfte, stellte er aufgrund von Internet-Recherchen
fest, dass die Arbeit mit wenigen Ausnahmen dem Internet entnommen war, und
qualifizierte sie als Plagiat.
Mitteilung des Examinators verfügte die Schweizerische Maturitätskommission am
23. Februar 2004 nach Art. 23 der Verordnung über die schweizerische
Maturitätsprüfung vom 7. Dezember 1998 (SR 413.12, im Folgenden:
Maturitätsprüfungs-Verordnung), die Beschwerdeführerin von der Schweizerischen
Maturitätsprüfung Frühjahr 2004 zurückzuweisen, und erklärte die Prüfung ein
erstes Mal als nicht bestanden.
B. Gegen diese
Verfügung der Schweizerischen Maturitätskommission erhob Frau A. am
24. März 2004 Beschwerde beim Eidgenössischen Departement des Innern
(EDI). Sie beantragte, die von ihr eingereichte Maturaarbeit «Schwarze Löcher»
als formell und materiell ausreichende Maturaarbeit entgegenzunehmen und sie
umgehend, zu einem ausserordentlichen Termin, eventualiter zum nächsten ordentlichen Termin im August 2004, zur
zweiten Teilprüfung zuzulassen. Subeventualiter
sei ihr eine angemessene Frist zur Einreichung einer neuen Maturaarbeit
einzuräumen, und sie sei zum nächsten ordentlichen Termin im August 2004 zur
zweiten Teilprüfung zuzulassen. Im Weiteren beantragte die Beschwerdeführerin
Einsicht in den von der Schweizerischen Maturitätskommission zitierten
Expertenbericht.
Nachdem ihr Akteneinsicht gewährt
worden war, hielt die Beschwerdeführerin mit Replik vom 20. Mai 2004 an
ihren Beschwerdeanträgen fest und berief sich noch einmal auf den Bewertungsbericht
von L. Am 15. Juli 2004 präzisierte sie ihre Beschwerdeanträge: Der
nächste ordentliche Termin sei nun jener im Februar 2005, und die Frist für das
Ablegen der zweiten Teilprüfung müsse wegen des Ablaufs der in der Verordnung
gesetzten Jahresfrist (Art. 22 Abs. 2 Bst. d der Maturitätsprüfungs-Verordnung)
C. Mit Entscheid vom
20. August 2004 wies das EDI die Beschwerde ab.
Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 121 I 225) machte das EDI geltend, der
Anspruch auf rechtliches Gehör umfasse bei negativen Prüfungsentscheiden keine
vorgängige Akteneinsicht oder ein Recht auf vorgängige Stellungnahme zum
Die Maturaarbeit sei anlässlich
der Anmeldung zur zweiten Teilprüfung einzureichen, bei welcher sie dann auch
zu präsentieren sei. Bei der Anmeldung würden daher nur die formellen
Voraussetzungen geprüft, wogegen die materielle Überprüfung durch den
Examinator stattfinde, und zwar unabhängig vom Bewertungsbericht des Betreuers.
Es sei durchaus möglich und auch sinnvoll, dass die materielle Prüfung durch
den Examinator erst kurz vor der zweiten Teilprüfung stattfinde, weil dieser so
den Inhalt der Arbeit anlässlich der mündlichen Prüfung noch präsent habe.
Eine Verletzung der
Begründungspflicht liege nicht vor, weil der Begriff «Plagiat» die Begründung
bereits enthalte.
Ein Plagiat liege vor, wenn ein
fremdes Werk als eigenes oder Teil eines eigenen Werks vorgelegt werde. Dies
sei bei der Maturaarbeit der Beschwerdeführerin offensichtlich der Fall.
Lediglich das Glossar und das Inhaltsverzeichnis seien Eigenleistungen. Dass
der Betreuer seiner Verantwortung nicht nachgekommen sei und die Arbeit als
ausgezeichnet bewertet habe, sei für die Frage, ob ein Plagiat vorliege, ohne
Die Sanktion für Plagiate bei
Maturaarbeiten sei nach 22 Abs. 2 Bst. c und Art. 23 Abs. 1
der Maturitätsprüfungs-Verordnung die Zurückweisung des Kandidaten beziehungsweise
der Kandidatin und das Nichtbestehen der Prüfung, bei einer Teilprüfung das
Nichtbestehen der ganzen Prüfung, weil die Prüfung nur als Ganzes bestanden
Selbst bei genauer Quellenangabe
wäre die Maturaarbeit der Beschwerdeführerin im Übrigen nicht zu einer
Eigenleistung und damit zu einer qualitativ genügenden Maturaarbeit geworden.
D. Gegen diese
Verfügung erhob Frau A. am 22. September 2004 Beschwerde beim Bundesrat
und beantragte, die von ihr eingereichte Maturaarbeit «Schwarze Löcher» als
formell und materiell ausreichende Maturaarbeit entgegenzunehmen und sie unter
Verlängerung der Frist für deren Absolvierung zum nächsten ordentlichen Termin
zur zweiten Teilprüfung zuzulassen. Eventualiter
einzuräumen, und sie sei unter Verlängerung der dazu gesetzten Frist zum
nächsten ordentlichen Termin zur zweiten Teilprüfung zuzulassen. Die
Beschwerdeführerin erneuerte die gegenüber dem EDI erhobenen Rügen, welche sie
noch einmal begründete.
1.1. Nach Art. 29 der Maturitätsprüfungs-Verordnung können die Kandidaten
und Kandidatinnen gegen Verfügungen der Schweizerischen Maturitätskommission
beim EDI Beschwerde führen. Für das Beschwerdeverfahren finden die Bestimmungen
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
(VwVG, SR 172.021) Anwendung.
Nach Art. 99 Abs. 1
Bst. f des Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege vom
16. Dezember 1943 (OG, SR 173.110) ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde
gegen Verfügungen über das Ergebnis von Prüfungen nach dem Berufsbildungsgesetz
vom 13. Dezember 2002 (BBG, SR 412.10) sowie von andern
Fähigkeitsprüfungen ausgeschlossen.
Die angefochtene Verfügung des EDI
unterliegt daher nach Art. 5, 44 und 72 Bst. a VwVG der Beschwerde an
1.2. (…).
2. Gemäss Art. 49 VwVG kann
die Beschwerdeführerin mit der Verwaltungsbeschwerde die Verletzung von
Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, unrichtige
oder unvollständige Feststellung des Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit
des angefochtenen Entscheids rügen.
Examensleistungen auferlegt sich der Bundesrat - wie die Vorinstanz -
regelmässig Zurückhaltung und weicht nicht ohne Not von der Beurteilung der
Prüfungen durch Examinatoren und Experten ab. Er räumt der Verwaltungsbehörde
denselben Beurteilungsspielraum ein wie im Bereich von Fragen technischer Natur
(BGE 115 Ib 131 ff.). Der Bundesrat hebt in solchen Fällen einen Entscheid
nur auf, wenn zu hohe Anforderungen gestellt wurden oder die Arbeit des
Kandidaten im Rahmen korrekter Anforderungen offensichtlich unterbewertet
wurde. Dies entspricht der Praxis des Bundesgerichts in dieser Frage (BGE 106
Ia 1 ff., BGE 105 Ia 190 ff. und BGE 99 Ia 586 ff.).
Die dargelegte zurückhaltende
Überprüfung von Examensentscheiden rechtfertigt sich jedoch nur in Bezug auf
die Prüfungsleistungen selbst. Werden Verfahrensfehler gerügt oder geht es wie
hier um die Beurteilung von Rechtsfragen, muss die Beschwerdeinstanz ihre
Kognition voll ausschöpfen. Die Nichtausschöpfung der Kognition würde eine
Rechtsverweigerung darstellen (BGE 106 Ia 3; VPB 45.43; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern
1983, S. 70; Arthur Haefliger,
Alle Schweizer sind vor dem Gesetze gleich, Bern 1985, S. 147; Max Imboden/René Rhinow/Beat Krähenmann,
Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Basel/Frankfurt am Main 1990,
Nr. 80/B/I/Bst. f).
3.1. Mit der Maturitätsprüfung soll festgestellt werden, ob die Kandidatinnen
und Kandidaten die Hochschulreife erlangt haben (Art. 8 Abs. 1 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung).
Nach Art. 8 Abs. 2 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung setzt diese Hochschulreife voraus:
a. den sicheren Besitz der für die Sekundarstufe II grundlegenden Kenntnisse;
b. die Beherrschung einer Landessprache und grundlegende Kenntnisse in anderen nationalen und fremden Sprachen; die Fähigkeit, sich klar, treffend und einfühlsam zu äussern sowie den Reichtum und die Besonderheit der mit einer Sprache verbundenen Kultur zu erkennen;
c. geistige Offenheit, ein unabhängiges Urteil, eine entwickelte Intelligenz sowie Sensibilität in ethischen und musischen Belangen;
d. Einsicht in die Methodik wissenschaftlicher Arbeit, Übung im Abstrahieren sowie im logischen, intuitiven, analogen und vernetzten Denken;
e. die Fähigkeit, sich in der natürlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Umwelt zurechtzufinden und dies in Bezug auf die Gegenwart und die Vergangenheit, auf schweizerischer und internationaler Ebene;
f. Dialogfähigkeit sowie eine offene und kritische Haltung gegenüber Kommunikation und Information.
3.2. Nach Art. 4 der Maturitätsprüfungs-Verordnung
melden sich die Kandidatinnen und Kandidaten beim Bundesamt für Bildung
und Wissenschaft (im Folgenden: Bundesamt) zur Prüfung an, wobei sie unter anderem
eine Maturaarbeit einzureichen haben (Bst. f).
Die Einzelheiten der Maturaarbeit
regeln Art. 15 der Maturitätsprüfungs-Verordnung sowie die von der
Schweizerischen Maturitätskommission erlassenen Richtlinien[14] vom 7. Juni 2002 (im Folgenden: Richtlinien).
Nach Art. 15 Abs. 1 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung verfassen die Kandidaten und Kandidatinnen vor
der Anmeldung zur Prüfung persönlich eine grössere eigenständige Arbeit. Diese
Arbeit wird nach Abs. 2 im Rahmen der Maturitätsprüfung bewertet. Die
Ziele, die Kriterien und das Verfahren der Bewertung werden in den Richtlinien
näher dargestellt (Abs. 3 der Maturitätsprüfungs-Verordnung).
Gemäss Art. 20 Abs. 1 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung können die Kandidaten und Kandidatinnen nach
eigener Wahl die ganze Prüfung in einer einzigen Prüfungssession ablegen
(Gesamtprüfung) oder sie auf zwei Sessionen verteilen (Teilprüfungen). Werden
zwei Teilprüfungen abgelegt, umfasst die zweite Teilprüfung die Präsentation
der Maturaarbeit (Art. 20 Abs. 4 Bst. d der Maturitätsprüfungs-Verordnung).
Ergibt die Prüfung der
Anmeldeunterlagen, dass die Zulassungsbedingungen erfüllt sind, teilt das
Bundesamt dies dem Kandidaten oder der Kandidatin unter gleichzeitiger Angabe
unter anderem von Ort und Zeit der Prüfung schriftlich mit (Art. 5 der
Der Verfahrensablauf bei der
Maturaprüfung der Beschwerdeführerin entsprach dieser Regelung. Dass die
Examinatoren Maturaarbeiten erst kurz vor der Prüfung beziehungsweise der
zweiten Teilprüfung näher prüfen, um deren Inhalt anlässlich der Präsentation
durch den Kandidaten oder die Kandidatin noch präsent zu haben, erscheint als
sachgerecht und ist nicht zu beanstanden.
4.1. Ein Plagiat (lat. plagium, Menschenraub) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums beziehungsweise eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes; es ist abzugrenzen von Zitaten, mit welchen im wissenschaftlichen Bereich durch Quellenangabe - in begrenztem Umfang - auf den Urheber beziehungsweise die Urheberin verwiesen wird. (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Plagiat). Ein fremdes, zum Beispiel wissenschaftliches Werk, wird als eigenes Werk ausgegeben. Die Usurpation der Urheberschaft stellt einerseits eine Verletzung von Urheberrechten dar, andererseits auch unlauteren Wettbewerb (s. Denis Barrelet/Willy Egloff, Das neue Urheberrecht, Bern 2000, N. 14 zu Art. 9).
4.2. Prüfungsordnungen
aller Stufen sehen für das Vorlegen von Plagiaten Sanktionen vor (z. B.
Art. 20 des Statuts der Universität Bern vom 26. November 1997;
§ 19 der Promotionsordnung der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen
Fakultät der Universität Basel vom 16. Dezember 2003; Art. 20 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung über die
Zulassung zur Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne vom
8. Mai 1995, SR 414.110.422.3 und Art. 6a der
Allgemeinen Prüfungsordnung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich vom
8. Oktober 1996 [APrV ETHZ], SR
414.132.1).
schweizerische Maturitätsprüfung regelt unlauteres Verhalten bei der Prüfung in
Art. 23 (Sanktionen). Nach Abs. 1 haben das Mitbringen und die
Benützung unerlaubter Hilfsmittel sowie andere Unredlichkeiten die sofortige
Zurückweisung von der Prüfung zur Folge, und die Prüfung gilt als nicht
Der Beschwerdeführerin wurden die
Bestimmungen dieses Artikels vor der Prüfung - wie in Art. 23 Abs. 3
der Maturitätsprüfungs-Verordnung vorgeschrieben - bekannt gemacht. Sie hat
denn auch eine Erklärung unterzeichnet, in welcher sie bestätigte, dass ihre
Maturaarbeit kein Plagiat darstelle.
Die in Art. 23 der Maturitätsprüfungs-Verordnung
festgelegte Sanktion ist zwingend formuliert. Es sind keine Hinweise erkennbar,
dass diese Bestimmung entgegen deren Wortlauts eine blosse Kannvorschrift
4.3. Der für die Beurteilung der
Maturaarbeit «Schwarze Löcher» zuständige Examinator hat festgestellt, dass
diese zu einem überwiegenden Teil dem Internet entnommen ist. Im Einzelnen
haben der Examinator beziehungsweise die Instruktionsbehörde des Bundesrates
festgestellt[15]:
- dass der I. Abschnitt, Einführung (S. 3), fast wörtlich einem Text auf der Homepage von Andreas Müller über Schwarze Löcher entspricht (http://www.lsw.uni-heidelberg.de/users/amueller/);
- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 1. Historie der Schwarzen Löcher (S. 4-7), bei einigen Auslassungen, ebenfalls diesem Text von Andreas Müller über Schwarze Löcher entspricht;
- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 2. Was sind Schwarze Löcher? (S. 8), dem Text eines Referats von Martin Semmernegg entspricht (http://yourbestman.de/000/bnice/wurml/sl1.htm ); hinsichtlich der Bemerkung des Examinators, dass sich der Ursprung der letzten 12 Zeilen von S. 8 nicht nachweisen lasse, hat die Instruktionsbehörde des Bundesrates festgestellt, dass deren Inhalt ebenfalls dem Internet zu entnehmen ist, und zwar den ebenfalls im Literaturverzeichnis angeführten Seiten http://www.quarks.de/relativ/05.htm beziehungsweise http://www.usm.uni-muenchen.de/people/saglia/dm/galaxien/alldt/node65.html );
- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 3. Die Entstehung eines Schwarzen Lochs (S. 9), ebenfalls fast wörtlich dem zitierten Referat von Martin Semmernegg entspricht;
- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 4. Die drei Arten der Schwarzen Löcher (S. 10), der zitierten Seite http://www.quarks.de zu entnehmen ist;
- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 5. Die Relativitätstheorie im Zusammenhang mit Schwarzen Löchern (S. 11-13), wiederum, mit Auslassungen, fast wörtlich dem zitierten Text von Andreas Müller über Schwarze Löcher entspricht;
- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 6. Das Ende eines Schwarzen Lochs (S. 14) wörtlich dem zitierten Referat von Martin Semmernegg entspricht;
- dass der III. Abschnitt, Schlusswort (S. 15), mit Auslassungen, fast wörtlich dem zitierten Text von Andreas Müller über Schwarze Löcher entspricht;
- dass - wie die Instruktionsbehörde des Bundesrates festgestellt hat - auch die Texte des Glossars weitgehend dem Internet entnommen wurden, und zwar dem von Andreas Müller erstellten Glossar (Lexikon) über Schwarze Löcher (http://www.lsw.uni-heidelberg.de/users/amueller/lexdt.html#top);
- dass die einseitige Zusammenfassung (S. 21) aus Textpassagen der Einleitung, der Abschnitte II.2 und II.4 und des Schlussworts zusammengesetzt ist und
- dass demnach nur das Inhaltsverzeichnis und das Literaturverzeichnis individuell erarbeitet worden sind.
4.4. Aufgrund dieser
Sachverhaltsfeststellungen steht ausser Zweifel, dass die von der Beschwerdeführerin
eingereichte Maturaarbeit ein Plagiat darstellt.
Dass Plagiate wegen der Möglichkeiten des «Cut and Paste» ein ständiges Phänomen der heutigen «Wissensproduktion» darstellten (s. NZZ Nr. 258 vom 6. November 2001, S. 79 (http://www.nzz.ch/2001/11/06/hc/page-article7Q4QX.html), ist im Hinblick auf die Anforderungen, die für die Hochschulreife zu setzen sind, ohne Belang.
5. Die Maturaarbeit
der Beschwerdeführerin wurde von ihrem Betreuer als ausgezeichnet bewertet.
Aufgrund dieser Feststellung macht die Beschwerdeführerin geltend, ihre Arbeit
stelle formell und materiell eine genügende Maturaarbeit dar, so dass der
angefochtene Entscheid aufzuheben sei.
Das Institut des Betreuers bei
Maturaarbeiten ergibt sich aus den Richtlinien, wobei der die Maturaarbeit
betreffende Teil der Loseblattsammlung für die Kandidaten und Kandidatinnen in
einem Separatdruck zusammengefasst ist. Unter dem Abschnitt II.,
Verfahren, wird festgehalten, dass der Anmeldung zur zweiten Teilprüfung oder
zur Gesamtprüfung unter anderem der Bewertungsbericht einer in der gewählten
Thematik sachkompetenten Person beizulegen ist. Dieser Bericht ist auf dem
dafür vorgesehenen Formular nach vorgegebenen Beurteilungskriterien
(Abschnitt III.) abzugeben.
Die eingereichte Arbeit und der Bewertungsbericht
werden von der ad hoc gebildeten
Examinatorengruppe gelesen und beurteilt (Abschnitt III. der Richtlinien).
Da in den Richtlinien nichts
Näheres über die Bestellung dieser sachkompetenten Person gesagt wird, steht
deren Bestimmung - im Rahmen der Richtlinien - dem Kandidaten oder der
Kandidatin frei. Die Vorinstanz sieht in diesem Institut zutreffend in erster
Linie eine besondere Betreuung bei der Maturaarbeit, wobei der
Bewertungsbericht zudem eine Arbeitserleichterung für die Examinatoren
darstellt. Eine Mitwirkung an der für die Maturitätsprüfung massgeblichen
Beurteilung der Maturaarbeit kann darin jedenfalls nicht gesehen werden.
Aus einer fehlerhaften Beurteilung
einer Maturaarbeit durch die von der Kandidatin oder dem Kandidaten gewählte
sachkundige Person kann daher nichts hinsichtlich der massgeblichen Qualität
Beschwerdeführerin rügt die Unangemessenheit der in Art. 23 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung vorgesehenen Sanktion.
Nach Art. 8 Abs. 1 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung soll mit der Prüfung festgestellt werden, ob die
Kandidaten und Kandidatinnen die Hochschulreife erlangt haben (s. vorne
Aufgrund dieses Zwecks der
Maturitätsprüfung und der in den Richtlinien formulierten Bildungsziele,
welchen die Erstellung einer Maturaarbeit dient (Abschnitt I.), ergibt
sich ohne weiteres, dass die Rüge der Unangemessenheit haltlos ist. Die Vorlage
eines Plagiats entspricht diesen Zielen in keiner Weise.
7. Stellt aber die von der
Beschwerdeführerin eingereichte Maturaarbeit «Schwarze Löcher» ein Plagiat dar
- was von der massgeblichen Examinatorengruppe festgestellt wurde - und ist die
Zurückweisung des Kandidaten oder der Kandidatin sowie das Nichtbestehen der
ganzen Prüfung die zwingende Sanktion, so ergibt sich, dass die Beschwerde
vollumfänglich abzuweisen ist.
8. Nicht näher zu prüfen ist bei
diesem Ausgang des Verfahrens, ob die Maturaarbeit der Beschwerdeführerin bei
korrekter Quellenangabe eine genügende Eigenleistung enthalten hätte oder ob
sie dennoch eine materiell ungenügende Maturaarbeit dargestellt hätte, und
welches die entsprechenden Rechtsfolgen gewesen wären.
[14] http://www.sbf.admin.ch/htm/bildung/matur/richtlinien/einfuehrung-d.pdf
http://www.bbw.admin.ch/html/pages/bildung/matur/richtlinien/einfuehrung-d.pdf
[15] Anm. der VPB-Redaktion: Die Gültigkeit der Verweise auf nachfolgende
Internet-Ressourcen bezieht sich auf den Zeitpunkt der Entscheidfällung.

References: Art. 22

Art. 23
 art. 23
 art. 23
 Art. 23
 Art. 23
 Art. 29
 Art. 99
 Art. 5
 Art. 49
 BGE 
 BGE 
 Art. 8
 Art. 4
 Art. 15
 Art. 15
 Art. 20
 Art. 9

Art. 20

§ 19
 Art. 20
 Art. 6

Art. 23
 Art. 23
 Art. 23
 Art. 23
 Art. 8