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Timestamp: 2016-12-03 21:47:40+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 5 AZR 975/13
1. Der An­spruch auf Vergütung we­gen An­nah­me­ver­zugs (§ 611 Abs. 1, § 615 Satz 1 BGB) setzt ein erfüll­ba­res, dh. tatsächlich durchführ­ba­res Ar­beits­verhält­nis vor­aus. Ein rück­wir­kend be­gründe­tes Ar­beits­verhält­nis genügt dem für die Ver­gan­gen­heit nicht.
2. Der Ar­beit­ge­ber ist ver­ant­wort­lich iSv. § 326 Abs. 2 Satz 1 Alt. 1 BGB, wenn er den Um­stand, der zur Unmöglich­keit der Ar­beits­leis­tung geführt hat, al­lein oder weit über­wie­gend zu ver­tre­ten hat (§§ 276, 278 BGB).
Arbeitsgericht Ludwigshafen am Rhein, Urteil vom 25.4.2013 - 8 Ca 102/13Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 2.9.2013 - 5 Sa 233/13
5 AZR 975/13 5 Sa 233/13Lan­des­ar­beits­ge­richtRhein­land-Pfalz Im Na­men des Vol­kes!
Verkündet am 19. Au­gust 2015
- 2 - 1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 2. Sep­tem­ber 2013 - 5 Sa 233/13 - auf­ge­ho­ben.
Die Par­tei­en strei­ten über rückständi­ges Ar­beits­ent­gelt. Die Kläge­rin war seit No­vem­ber 1970 bei der Be­klag­ten beschäftigt. Anläss­lich der Aus­glie­de­rung ei­nes Geschäfts­be­reichs aus der B AG schloss die Be­klag­te mit dem Be­triebs­rat ei­ne Ver­ein­ba­rung über „Rah­men­be­din­gun­gen für in das Joint­ven­ture B/S über­tre­ten­de B AG-Mit­ar­bei­ter“ (im Fol­gen­den RJV 1986), in der ua. ge­re­gelt ist:
- 3 - "So­fern Sie von dem ge­nann­ten Ver­schmel­zungs­vor­ha­ben er­fasst sind und für Sie die Joint-Ven­ture-Re­ge­lung vom 04.12.1986 an­wend­bar ist, bleibt bei Vor­lie­gen der ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen ei­ne nach Maßga­be von Zif­fer 15 der Joint-Ven­ture-Re­ge­lung et­wa be­gründe­te Rechts­po­si­ti­on von dem Ver­schmel­zungs­vor­ha­ben un­berührt.“
- 4 - Im No­vem­ber 2009 klag­te die Kläge­rin auf Beschäfti­gung, hilfs­wei­se auf Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten, das An­ge­bot der Kläge­rin auf Wie­der­ein­stel­lung ab dem 1. Ok­to­ber 2009 als kaufmänni­sche An­ge­stell­te/Ver­triebs­as­sis­ten­tin bis 31. Mai 2010 zu den bei der B SE übli­chen Ar­beits­be­din­gun­gen mit ei­ner Jah­res­vergütung iHv. 64.400,00 Eu­ro brut­to un­ter An­rech­nung ei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit seit 1. No­vem­ber 1970 an­zu­neh­men.
- 5 - Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Bei ei­nem rück­wir­kend be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis könne kein Vergütungs­an­spruch we­gen An­nah­me­ver­zugs ent­ste­hen. Die Be­klag­te ha­be sich nicht schuld­haft ver­hal­ten. Sie ha­be sich we­gen der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts im Jahr 2005 in ei­nem un­ver­meid­ba­ren Rechts­irr­tum be­fun­den.
- 7 - tet ist (BAG 12. Sep­tem­ber 1985 - 2 AZR 324/84 - zu B II 1 der Gründe). Des-halb setzt der An­spruch aus § 611 Abs. 1, § 615 Satz 1 BGB ein erfüll­ba­res, dh. tatsächlich durchführ­ba­res Ar­beits­verhält­nis vor­aus. Dem genügt ein rück­wir­kend be­gründe­tes Ar­beits­verhält­nis nicht.
Der An­wen­dungs­be­reich von § 326 Abs. 2 BGB um­fasst sämt­li­che ge­gen­sei­ti­gen Verträge und fin­det da­mit auch auf Ar­beits­verträge An­wen­dung (BAG 24. No­vem­ber 1960 - 5 AZR 545/59 - zu 4 der Gründe, BA­GE 10, 202 zur Vorgänger­re­ge­lung des § 324 Abs. 1 BGB aF). Der Ar­beit­neh­mer behält den Lohn­an­spruch, wenn der Ar­beit­ge­ber die Unmöglich­keit der Ar­beits­leis­tung zu ver­ant­wor­ten hat (BAG 13. Ju­ni 2007 - 5 AZR 564/06 - Rn. 40, BA­GE 123, 98). - 8 - b) Die Be­klag­te ist für die Unmöglich­keit der Ar­beits­leis­tung nicht ver­ant­wort­lich. Sie be­fand sich in ei­nem un­ver­meid­ba­ren Rechts­irr­tum. Ihr Irr­tum be­ruh­te nicht auf Fahrlässig­keit, wie sich aus dem vom Be­ru­fungs­ge­richt ab-schließend fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt er­gibt.
- 9 - (1) An ei­nen un­ver­meid­ba­ren Rechts­irr­tum sind stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len. Der Gel­tungs­an­spruch des Rechts er­for­dert im Grund­satz, dass der Schuld­ner das Ri­si­ko ei­nes Rechts­irr­tums selbst trägt und es nicht dem Gläubi­ger überbürden kann (BAG 16. Sep­tem­ber 2008 - 9 AZR 781/07 - Rn. 47, BA­GE 127, 353). Be­ruht die Un­ge­wiss­heit über die Schuld auf recht­li­chen Zwei­feln des Schuld­ners (sog. Rechts­irr­tum), ist die­ser ent­schuld­bar, wenn die Rechts­la­ge ob­jek­tiv zwei­fel­haft ist und der Schuld­ner sie sorgfältig ge­prüft hat. Es müssen ge­wich­ti­ge An­halts­punk­te für die Rich­tig­keit der ver­tre­te­nen Rechts­mei­nung spre­chen. Da­bei genügt die Be­ru­fung auf ei­ne güns­ti­ge An­sicht im Schrift­tum nicht, wohl aber die Be­ru­fung auf die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung (BAG 13. Mai 1998 - 7 AZR 297/97 - zu V 1 der Gründe), ins­be­son­de­re wenn ihr ein zu­min­dest ähn­li­cher Sach­ver­halt zu­grun­de liegt (BAG 3. De­zem­ber 2002 - 9 AZR 481/01 - zu A III 3 der Gründe, BA­GE 104, 45).
(2) Die Be­klag­te durf­te sich in ih­rer Rechts­mei­nung auf das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 19. Ok­to­ber 2005 stützen. Die­sem lag ein sehr ähn­li­cher Sach­ver­halt zu­grun­de. Auch dort wur­de ein Be­triebs­teil der Be­klag­ten in ei­ne neu zu gründen­de Ge­sell­schaft aus­ge­glie­dert mit der Fol­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs. Eben­so wur­de ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­sen, die ne­ben ei­ner ver­gleich­ba­ren Rück­kehr­zu­sa­ge ei­nen in wei­ten Tei­len ähn­lich lau­ten­den In­halt auf­wies. Die da­ma­li­ge Kla­ge auf Ar­beits­ver­trags­ab­schluss hat- - 10 - te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt kei­nen Er­folg, nach­dem die da­ma­li­ge Kläge­rin nach Be­triebsübergängen ih­ren Ar­beits­platz erst außer­halb des Kon­zern­ver­bunds ver­lo­ren hat­te. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­nein­te die Gel­tung der Zu­sa­ge für ei­nen nicht mehr kon­zern­zu­gehöri­gen Ar­beits­platz nach Aus­le­gung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Die Rück­kehr­zu­sa­ge ste­he un­ter dem un­ge­schrie­be­nen Vor­be­halt der wei­te­ren Kon­zern­zu­gehörig­keit (BAG 19. Ok­to­ber 2005 - 7 AZR 32/05 - Rn. 21).
- 11 - III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 Abs. 1 ZPO. Müller-Glöge Biebl Volk
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References: § 615
 § 326
 § 611
 § 615
 § 326
 § 324
 § 91