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Timestamp: 2016-12-08 04:25:30+00:00

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1 Nr VV Grundgebühr Nr. Gebührentatbestand Gebühr oder Satz der Gebühr nach 13 oder 49 RVG Wahlanwalt gerichtlich bestellter oder beigeordneter Rechtsanwalt 4100 Grundgebühr 40,00 bis 360,00 160,00 (1) Die Gebühr entsteht neben der Verfahrensgebühr für die erstmalige Einarbeitung in den Rechtsfall nur einmal, unabhängig davon, in welchem Verfahrensabschnitt sie erfolgt. (2) Eine wegen derselben Tat oder Handlung bereits entstandene Gebühr 5100 ist anzurechnen. Übersicht Rdn. Rdn. A. Überblick c) Katalog der erfassten Tätigkeiten/ B. Kommentierung Abgeltungsbereich I. Abgeltungsbereich der Grundgebühr (Anm. 1) aa) Abgrenzung zur Verfahrensgebühr Persönlicher Geltungsbereich bb) Konkreter Abgeltungsbereich 31 a) Allgemeines d) Begriff des»rechtsfalls« b) Grundgebühr im Strafvollstreckungsverfahren 3. Grundgebühr in mehreren Verfahren a) Grundgebühr bei Verbindung c) Grundgebühr im Wiederaufnahmeverfahren von Verfahren b) Grundgebühr bei Abtrennung d) Grundgebühr im sog. isolierten von Verfahren Adhäsionsverfahren c) Grundgebühr bei Zurückverweisung e) Grundgebühr für den»terminsvertreter« d) Grundgebühr und Wiederaufnahmeverfahren 2. Sachlicher Abgeltungsbereich a) Einmaligkeit der Gebühr Übergang BRAGO/RVG aa) Verfahrensstadium Gebührenhöhe bb) Personenbezogen»einmalig«17 a) Allgemeines cc) Grundgebühr nach Einzeltätigkeit b) Bemessung der Wahlanwaltsgebühr b) Entstehen der Gebühr II. Anrechnung anderer Gebühren (Anm. 2) 59 Literatur:, Die neue Grundgebühr der Nr VV RVG-E, RVGreport 2004, 53; ders., Abrechnungsbeispiele zum RVG Grundgebühr und Vorbereitendes Verfahren, RVGreport 2004, 292; ders., Die anwaltliche Vergütung im Strafbefehlsverfahren, RVGreport 2008, 201; ders., Die Grundgebühr in Straf- und Bußgeldverfahren, RVGreport 2009, 361; ders., Abrechnung der Tätigkeiten des Terminsvertreters im Strafverfahren, RVGprofessionell 2010, 153; ders., Persönlicher Geltungsbereich des Teils 4 VV RVG, eine Bestandsaufnahme der Rechtsprechung, RVGreport 2011, 85; ders., Der Abgeltungsbereich der Grundgebühr in Straf- und Bußgeldverfahren, RENOpraxis 2011, 102; ders., News aus Berlin Was bringt das 2. Kostenrechtsmodernisierungsgesetz gebührenrechtlich Neues in Straf- und Bußgeldsachen, StRR 2012, 14 = VRR 2012, 16; ders., Zweites Kostenrechtsmodernisierungsgesetz. Das ist neu in Straf- und Bußgeldsachen, RVGprofessionell 2011, 12; ders., Anhebung der Anwaltsvergütung in Sicht, RVGreport 2012, 42; ders., Was ist nach dem 2. KostRMoG neu bei der Abrechnung im Straf-/Bußgeldverfahren?, VRR 2013, 287 = StRR 2013, 284; ders., Die 20 wichtigsten Änderungen in Straf- und Bußgeldsachen, RVGprofessionell Sonderheft 8/2013, 30; ders., Die 9 wichtigsten Änderungen in Straf- und Bußgeldsachen durch das 2. KostRMoG, VA 2013, 158; ders., Neuerungen für die Abrechnung im Straf-/Bußgeldverfahren nach dem 2. KostRMoG, RVGreport 2013, 330; ders., Die wichtigsten Änderungen und Neuerungen für die Abrechnung im Straf-/Bußgeldverfahren durch das 2. KostRMoG, StraFo 2013, 397; ders., Die Grundgebühr im Straf- und Bußgeldverfahren, RVGreport 2014, 42; 9422 Grundgebühr Nr VV Hansens, Grundgebühr für den Verteidiger bei vorheriger BRAGO-Tätigkeit, JurBüro 2005, 238; Kotz, Eine Lanze für den Underdog Zur Vergütungslage des bestellten Terminsvertreters in Strafsachen, StraFo 2008, 412; Lissner, Eine Betrachtung der»üblichen«strafverteidigergebühren unter Berücksichtigung von 14 RVG aus der Sicht eines Rechtspflegers, RVGreport 2013, 166; Madert, Entsteht eine Grundgebühr, wenn die Tätigkeit des Verteidigers in der ersten Instanz nach der BRAGO und seine Tätigkeit in der Rechtsmittelinstanz nach dem RVG abzurechnen ist?, AGS 2005, 239; Meyer, Gebühren des nach 408b StPO bestellten Verteidigers, JurBüro 2005, 186; N. Schneider, Neue Grundgebühr in Straf- und Bußgeldsachen, RVGprofessionell 2005, 119; ders., Grundgebühr auch bei vorangegangener Einzeltätigkeit, RENOpraxis 2007, 82; ders., Straf- und Bußgeldsachen, AnwBl. 2013, 286; N. Schneider/ Thiel, Ausblick auf das Zweite Kostenrechtsmodernisierungsgesetz Die Neuerungen in Strafsachen, AGS 2012, 105; vgl. auch die Hinweise bei Vorbem. 4 VV vor Rdn. 1 und bei Vorbem. 4.1 VV vor Rdn. 1. A. Überblick Nr VV sieht für die erstmalige Einarbeitung des Verteidigers/Rechtsanwalts eine (besondere) Grundgebühr vor. Eine entsprechende Regelung enthielt die BRAGO früher nicht. Die heute von der Grundgebühr abgegoltenen Tätigkeiten (vgl. dazu unten Rdn. 25 ff.) wurden durch die Gebühr des 83 BRAGO mitabgegolten. 1 Das RVG kennt nur in Teil 4 VV und Teil 5 VV eine Grundgebühr. Diese entsteht also nur in Straf- und Bußgeldsachen und nach Nr VV außerdem noch in Verfahren nach Teil 6 Abschnitt 2 VV. B. Kommentierung I. Abgeltungsbereich der Grundgebühr (Anm. 1) Die Grundgebühr steht dem Rechtsanwalt für die (erstmalige) Einarbeitung in den Rechtsfall zu. Durch das 2. KostRMoG v (BGBl. 2013, S. 2586) ist jetzt ausdrücklich klargestellt, dass die Grundgebühr (immer) neben der jeweiligen Verfahrensgebühr entsteht. Mit ihr wird der (besondere) Arbeitsaufwand abgegolten, der einmalig mit der Übernahme des Mandats entsteht (vgl. dazu Rdn. 25 ff.). Die Abgrenzung des Abgeltungsbereichs der Grundgebühr zur Verfahrensgebühr ist nicht einfach und war in Rechtsprechung und Literatur umstritten (vgl. auch dazu die Rdn. 25 ff.; allgemein auch, RVGreport 2009, 361 und RENOpraxis 2011, 102). Die damit zusammenhängenden Fragen sind durch das 2. KostRMoG jetzt weitgehend geklärt (vgl. dazu auch, StraFo 2013, 397 und RVGreport 2013, 330). 1. Persönlicher Geltungsbereich a) Allgemeines Die Grundgebühr steht sowohl dem Wahlanwalt als auch dem Pflichtverteidiger sowie auch dem sonstigen Vertreter oder Beistand eines Verfahrensbeteiligten zu (vgl. dazu Vorbem. 4 VV RVG Rdn. 5 ff.). Das gilt insbesondere auch für den Zeugenbeistand, wenn man davon ausgeht, dass er nach Teil 4 Abschnitt 1 VV abrechnet (vgl. dazu Vorbem. 4.1 VV RVG Rdn. 6 ff. und auch OLG Dresden, NJW 2009, 455 = StraFo 2009, 42 = AGS 2008, 126 = RVGreport 2008, 264), und zwar auch dann, wenn der Rechtsanwalt zuvor bereits als Verteidiger des Zeugen tätig gewesen ist (vgl. die Nachw. bei Vorbem. 4.1 VV RVG Rdn. 19). Der Rechtsanwalt muss aber in einer dieser Funktionen tätig werden. Das ergibt sich eindeutig aus der Stellung in Teil 4 Abschnitt 1 VV, der nur die Gebühren des Verteidigers regelt. Der Rechtsanwalt, der nur mit einer Einzeltätigkeit (Teil 4 Abschnitt 3 VV) beauftragt ist, erhält die Grundgebühr nicht (OLG Düsseldorf, AGS 2009, 14 = MDR 2009, 654 = AnwBl. 2009, 312; OLG Köln, AGS 2007, 452 = RVGreport 2007, 306 = NStZ-RR 2007, 287; OLG Schleswig, SchlHA 2007, 278; Gerold/Schmidt/, VV Vorb. 4.3 Rn. 10; AnwKomm-RVG/N. Schneider, VV Vorb. 4.3 Rn. 36)3 b) Grundgebühr im Strafvollstreckungsverfahren Wird der Rechtsanwalt erst im Strafvollstreckungsverfahren mit der Verteidigung beauftragt, erhält er seine Vergütung nach Teil 4 Abschnitt 2 VV (OLG Schleswig, StV 2006, 206 = RVGreport 2005, 70 = JurBüro 200, 252). Dort ist eine Grundgebühr nicht ausdrücklich vorgesehen. Die Systematik des VV verbietet den analogen Rückgriff auf die Grundgebühr nach Nr VV (KG, NStZ-RR 2009, 31 = JurBüro 2009, 83 = RVGreport 2008, 463 = StRR 2009, 156; OLG Schleswig, a. a. O.; LG Berlin, AGS 2007, 562 = StRR 2007, 280; s. auch Vorbem. 4.2 VV RVG Rdn. 30). Diese ist nämlich in Teil 4 Abschnitt 1 VV geregelt. Dieser Teil erfasst nur die Vergütung des Verteidigers, Beistandes oder Vertreters im gerichtlichen Verfahren einschließlich des Wiederaufnahmeverfahrens und im Ermittlungsverfahren (vgl. BT-Drucks. 15/1971, S. 221) und nicht auch die Vergütung im Strafvollstreckungsverfahren. Die ist gesondert in Teil 4 Abschnitt 2 VV geregelt. Der Zeitpunkt der Beauftragung des Rechtsanwalts muss aber bei der Bemessung der konkreten Verfahrensgebühr in der Strafvollstreckung (Nrn ff. VV) berücksichtigt werden. Der Rechtsanwalt, der den Verurteilten nicht im Erkenntnisverfahren vertreten hat und sich daher stärker in das Verfahren einarbeiten muss, erhält daher eine höhere Gebühr als derjenige, der den Verurteilten von Anfang an vertreten hat (vgl. Nr VV RVG Rdn. 23 ff.). c) Grundgebühr im Wiederaufnahmeverfahren Nach der ausdrücklichen Regelung in Vorbem VV entsteht eine Grundgebühr auch nicht im Wiederaufnahmeverfahren (OLG Köln, NStZ 2006, 410). Für den Rechtsanwalt, der sich nach (erfolgreicher) Wiederaufnahme erstmals im wiederaufgenommenen Verfahren einarbeitet, entsteht allerdings die Grundgebühr, nicht hingegen für den Verteidiger, der den Mandanten bereits im Ausgangsverfahren vertreten hat (LG Dresden, RVGreport 2013, 60; vgl. auch unten Rdn. 42 ff.). d) Grundgebühr im sog. isolierten Adhäsionsverfahren Ist der Rechtsanwalt nur mit der Abwehr oder Verfolgung von vermögensrechtlichen Ansprüchen im Adhäsionsverfahren beauftragt, wird er in einem sog. isolierten Adhäsionsverfahren tätig. Nach Vorbem Abs. 2 VV erhält er dann die Gebühren nach den Nrn VV. Er erhält daneben keine weiteren Gebühren aus Teil 4 Abschnitt 1 VV. Das folgt einmal aus dem eindeutigen Wortlaut der Vorbem Abs. 2 VV. Das folgt zudem aus der allgemeinen Systematik des RVG. Denn bei der Gebühr Nr VV handelt es sich um eine»zusätzliche Gebühr«. Es wird also davon ausgegangen, dass der Rechtsanwalt sowohl im eigentlichen Strafverfahren als auch im Adhäsionsverfahren tätig geworden ist. Das ist aber nicht der Fall, wenn er nur im sog. isolierten Adhäsionsverfahren tätig war. In dem Fall stehen ihm dann auch nur die Gebühren nach Nr f. VV zu, was in der Vorbem. 4.3, Abs. 2 VV ausdrücklich klargestellt wird. Es entstehen keine sonstigen Rahmengebühren, insbesondere also auch nicht die Grundgebühr Nr VV (LG Meiningen, AGS 2013, 330; AGkompakt 2013, 1, 5). e) Grundgebühr für den»terminsvertreter«die Gebühr steht nur dem Verteidiger bzw. einem der sonst in Vorbem. 4 Abs. 1 VV genannten Vertreter von Verfahrensbeteiligten (vgl. dazu Vorbem. 4 VV RVG Rdn. 5 ff.) zu. Das ergibt sich zweifelsfrei aus der Stellung der Gebühr in Abschnitt 1, der die»gebühren des Verteidigers«regelt (vgl. auch Rdn. 3). Für die Vertretung des Verteidigers gilt: Überträgt der Verteidiger einem anderen Rechtsanwalt lediglich die (Einzel-) Vertretung des Angeklagten, z. B. in der Hauptverhandlung, steht diesem keine Grundgebühr zu. Er erhält dann für diese Einzeltätigkeit vielmehr nur die Verfahrensgebühr nach Nr Nr. 4 VV. Der Verteidiger erhält hingegen (s)eine Grundgebühr. Etwas anderes gilt, wenn der Rechtsanwalt, dem die Vertretung in der Hauptverhandlung übertragen wird, unter Beachtung von 137 StPO auch zum Verteidiger bestellt wird, was i. d. R. der Fall sein wird, da dem Rechtsanwalt grds. der volle Verteidigungsauftrag erteilt und nicht nur eine Einzeltätigkeit übertragen wird (KG, NStZ-RR 2005, 327 = JurBüro 2005, 9444 Grundgebühr Nr VV 536 = AGS 2006, 177; OLG Celle, StraFo 2006, 471; OLG Hamm, RVGreport 2006, 230). Auch dieser Rechtsanwalt rechnet dann nach Teil 4 Abschnitt 1 VV ab (vgl. Vorbem. 4.1 VV RVG Rdn. 23). Er erhält dann ebenfalls die Grundgebühr, denn auch er muss sich in den Rechtsfall einarbeiten (so zutreffend OLG Bamberg, NStZ-RR 2011, 223 [LS] = StRR 2011, 167 [LS]; OLG Düsseldorf, StRR 2009, 157; OLG Hamm, RVGreport 2006, 230; OLG Jena, Ws 318/10, JurionRS 2010, 37049; OLG Karlsruhe, StraFo 2008, 349 = NJW 2008, 2935 = JurBüro 2008, 586 = RVGreport 2009, 19 = StRR 2009, 119; OLG München, NStZ-RR 2009, 32 = RVGprofessionell 2009, 32 = StRR 2009, 120; c Ws 2/14, JurionRS 2014, 11461; OLG Schleswig, SchlHA 2010, 269 [Dö/Dr]; LG Kleve, AGS 2012, 64 = StRR 2012, 159 = RVGreport 2012, 31 = RVGprofessionell 2011, 206; LG Koblenz, StraFo 2007, 175; Gerold/Schmidt/, VV 4100, 4101 Rn. 5;, RVGreport 2011, 85, 87; Kotz, StraFo 2008, 412; a. A. KG, NStZ-RR 2005, 327 = JurBüro 2005, 536 = AGS 2006, 177 m. Anm. N. Schneider; RVGreport 2007, 108; StraFo 2008, 349 = AGS 2008, 387 m. abl. Anm. N. Schneider = StRR 2008, 358 m. abl. Anm. ; RVGreport 2011, 260 = StRR 2011, 281 m. Anm. = NStZ-RR 2011, 295 = JurBüro 2011, 479; OLG Brandenburg, RVGprofessionell 2010, 83; OLG Bremen, Ws 119/09, JurionRS 2009, 37521; OLG Celle, StraFo 2006, 471 = RVGreport 2007, 71; OLG Dresden, Ws 155/07; OLG Hamm, RVGreport 2007, 108; OLG Koblenz, JurBüro2005, 199; RVGreport 2013, 17 = JurBüro 2013, 84; RVGreport 2013, 17 = JurBüro 2013, 84 = StRR 2013, 304; OLG Köln, AGS 2006, 452 = RVGreport 2007, 306; LG Düsseldorf, RVGprofessionell 2008, 53 = StRR 2008, 159; LG Köln, Qs 343/10, JurionRS 2011, 31479; Hartmann, KostG, Nr VV RVG Rn. 2). Es entsteht nicht etwa nur die Terminsgebühr (so aber die vorstehende Rspr.; wie hier auch Volpert, VRR 2005, 320 in der Anm. zu KG, StV 2006, 206). Das gilt auch, wenn der Rechtsanwalt in einem Termin (nur) durch einen anderen Verteidiger abgelöst wird (LG Koblenz, a. a. O.). Im Fall der (teilweisen) Beiordnung/Bestellung des Rechtsanwalts als Beistand oder Pflichtverteidiger gilt nichts anderes, da auch dieser»terminsvertreter«voller Verteidiger i. S. v. Teil 4 Abschnitt 1 VV ist (OLG Düsseldorf, OLG Karlsruhe, OLG München, jew. a. a. O.). Dass der Vertretene nicht auch (noch einmal) eine Grundgebühr erhalten hätte, ist unerheblich (s. auch Rdn. 14 ff.; a. A. offenbar KG, a. a. O.; OLG Bremen, Ws 119/09, JurionRS 2009, 37521; OLG Celle, NStZ-RR 2009, 158 [LS] = RVGreport 2009, 226). Das rechtfertigt sich auch nicht mit einem Hinweis auf 5. Denn der anstelle des (verhinderten) Pflichtverteidigers beigeordnete Rechtsanwalt ist nicht Vertreter i. S. d. Vorschrift, sondern eigenständiger voller Verteidiger i. S. d. Vorbem. 4 Abs. 1 VV. In dem Zusammenhang ist allerdings inzwischen die Frage, ob der Pflichtverteidiger»vertreten«werden kann, streitig geworden. Sie ist nach wie vor zu verneinen (vgl. dazu, EV, Rn ff. m. w. N.). Beispiel: Das AG hat dem Beschuldigten B den R als Pflichtverteidiger beigeordnet. Vor Beginn der zweitägigen Hauptverhandlung teilt der mit, er sei am 1. Hauptverhandlungstag verhindert, Rechtsanwalt R 2 werde für ihn erscheinen. Im Hauptverhandlungstermin wird R 2 für die Dauer der Abwesenheit von R als Pflichtverteidiger beigeordnet. Welche gesetzlichen Gebühren kann R 2 abrechnen? (Fallgestaltung nach OLG Düsseldorf, OLG Karlsruhe, OLG München, jew. a. a. O.). Der R 2 kann als gesetzliche Gebühren geltend machen: Grundgebühr Nr VV, Verfahrensgebühr Nr VV, Terminsgebühr Nr Ziff. 2 VV, Postentgeltpauschale Nr VV. Nach der Klarstellung des Verhältnisses von Grundgebühr/Verfahrensgebühr in der Nr VV (vgl. Rdn. 25 ff.) entstehen auch in diesen Fällen immer Grundgebühr und Verfahrensgebühr5 Hinweis Teilweise wird in der Rechtsprechung in diesen Fällen auch auf den Einzelfall abgestellt (vgl. OLG Hamm, RVGreport 2009, 309 = RVGprofessionell 2009, 157 = StRR 2009, 438). Danach soll es darauf ankommen, ob der Terminsvertreter an einem vollwertigen Hauptverhandlungstermin teilgenommen und eine umfassende Tätigkeit als Verteidiger entfaltet hat, die nach ihrer Bedeutung und dem tatsächlich geleisteten Aufwand einer Terminswahrnehmung durch den ordentlichen Pflichtverteidiger gleichsteht; ist das der Fall, wird dem Terminsvertreter ein Anspruch auf sämtliche im Einzelfall verwirklichten Gebührentatbestände des Teil 4 Abschnitt 1 VV zugestanden, also auch auf die Grundgebühr (vgl. OLG Hamm, a. a. O.). Noch einen anderen Weg geht das OLG Stuttgart (AGS 2011, 224 = StraFo 2011, 198 = RVGreport 2011, 141 = StRR 2011, 442): Nach seiner Auffassung richtet sich die Frage, ob der»terminsvertreter«zum Vertreter i. S. v. 5 oder zum weiteren Verteidiger bestellt worden ist, nach dem Wortlaut der Bestellungsverfügung und den weiteren Umständen. Es spreche»die Bestellung von Rechtsanwalt X. für den heutigen Sitzungstag«für den Status als weiterer Pflichtverteidiger. Dafür spreche auch, wenn sich der»terminsvertreter«in diese Sache habe einweisen lassen müssen und er ein Plädoyer gehalten habe. Folge sei dann, dass neben der Terminsgebühr auch die Grundgebühr entstehe. Lediglich eine Vertretung des eigentlichen Pflichtverteidigers liege hingegen im Zweifel vor, wenn z. B. der zunächst bestellte Verteidiger nur teilweise im Hauptverhandlungstermin verhindert sei und die Beweiserhebung weitgehend einen Mitangeklagten betreffe, es sich um einen»schiebetermin«handle, an dem lediglich Registerauszüge oder Urteile aus früheren Verfahren verlesen werden (OLG Stuttgart, a. a. O.; ähnlich OLG Rostock, RVGreport 2012, 186). 2. Sachlicher Abgeltungsbereich a) Einmaligkeit der Gebühr aa) Verfahrensstadium Nach Nr Anm. 1 VV entsteht die Grundgebühr im Verfahren nur einmal. Das gilt selbstverständlich auch, wenn der Rechtsanwalt zunächst als Wahlanwalt tätig ist und dann als Pflichtverteidiger beigeordnet wird. Für ihn als Pflichtverteidiger entsteht dann die Grundgebühr nicht noch einmal, er kann sie aber über 48 Abs. 6 Satz 1 als gesetzliche Gebühr geltend machen (OLG Frankfurt am Main, NJW 2005, 377 = StV 2005, 76 = RVGreport 2005, 28; Hartung/Schons/ Enders/Hartung, Nr. 4100, 4101 VV Rn. 10; vgl. auch 48 Abs. 6 Rdn. 7 ff.). Das Entstehen ist jedoch ausdrücklich unabhängig davon, in welchem Verfahrensstadium die Einarbeitung erfolgt»in jeder Lage des Verfahrens«(OLG Frankfurt am Main, a. a. O.; zum ggf. doppelten Anfall der Grundgebühr, wenn der Rechtsanwalt zunächst als Verteidiger und dann [in einem anderen] Verfahren als Nebenklägervertreter tätig ist Teil A: Angelegenheiten [ 3 15 ff.], Rdn. 110). Beispiel 1: Dem Beschuldigten wird ein Diebstahl zur Last gelegt. Er verteidigt sich beim AG zunächst selbst. Seinen (späteren) Verteidiger Rechtsanwalt R sucht er erst auf, nachdem er vom AG verurteilt worden ist, um ihn mit seiner Verteidigung zu beauftragen. Rechtsanwalt R legt zunächst Berufung ein. R erhält, obwohl er im Berufungsverfahren erstmals mit der Sache befasst ist, eine Grundgebühr nach Nr VV. Entsprechendes gilt, wenn später ein anderer Rechtsanwalt mit der Einlegung und Begründung der Revision gegen das landgerichtliche Urteil beauftragt wird. Auch er erhält, obwohl er erst im Revisionsverfahren beauftragt wird, eine Grundgebühr nach Nr VV (OLG Frankfurt am Main, NJW 2005, 377 = StV 2005, 76 = RVGreport 2005, 28). 9466 Grundgebühr Nr VV Beispiel 2: Dem Beschuldigten wird ein Diebstahl zur Last gelegt. Er sucht sofort Rechtsanwalt R auf und beauftragt ihn mit seiner Verteidigung. Rechtsanwalt R führt später auch das Berufungs- und das Revisionsverfahren. R erhält nur einmal eine Grundgebühr nach Nr VV, obwohl er für den Beschuldigten in mehreren Verfahrensabschnitten tätig geworden ist. Etwas anderes folgt nicht daraus, dass der R für den B in verschiedenen Angelegenheiten vorbereitendes Verfahren, gerichtliches Verfahren 1. Instanz, Berufungs- und Revisionsverfahren tätig geworden ist und nach 15 an sich in jeder dieser Angelegenheiten die Grundgebühr entstehen könnte. Die Anm. 1 zu Nr VV legt in Abweichung davon ausdrücklich fest, dass die Grundgebühr nur einmal entsteht (s. auch OLG Köln, AGS 2007, 451 m. abl. Anm. N. Schneider = JurBüro 2007, 484 = RVGreport 2007, 425). bb) Personenbezogen»einmalig«Die Beschränkung»nur einmal«in der Anm. 1 ist allein personenbezogen zu verstehen, sie ist nicht verfahrensbezogen mit der Folge, dass die Grundgebühr im Verfahren überhaupt nur einmal entstehen könnte. Das bedeutet, dass die Grundgebühr im Verfahren so oft entstehen kann, wie sich unterschiedliche Verteidiger in die Sache einarbeiten (a. A. offenbar KG, NStZ-RR 2005, 327 = JurBüro 2005, 536 = AGS 2006, 177; RVGreport 2007, 108, jew. betreffend»terminvertreter«; OLG Celle, RVGreport 2007, 71; OLG Hamm, RVGreport 2006, 230 = AGS 2007, 37; RVGreport 2007, 108; LG Kleve, AGS 2012, 64 = StRR 2012, 159 = RVGreport 2012, 31 = RVGprofessionell 2011, 206; s. auch oben Rdn. 8 ff.). Die Formulierung»nur einmal«war wegen der Regelung in 17 Nr. 1 (früher 15 Abs. 2 Satz 2 a. F.) erforderlich, da der Rechtsanwalt danach sonst in jedem Rechtszug eine Grundgebühr hätte fordern können (vgl. auch noch unten Rdn. 44). Beispiel 1: Dem Beschuldigten B wird ein Diebstahl zur Last gelegt. Er wird beim AG von Rechtsanwalt R 1 verteidigt. Nachdem B vom AG verurteilt worden ist, beauftragt er R 2 mit der Einlegung und Durchführung des Berufungsverfahrens. Die Berufung hat keinen Erfolg. B sucht sich nun noch einen weiteren Verteidiger R 3, der ihn im Revisionsverfahren vertritt. Sowohl R 1, als auch R 2 und auch R 3 erhalten jeweils die Grundgebühr, da diese nicht verfahrensbezogen nur einmal entsteht, sondern personenbezogen (s. auch Rdn. 17). Die Grundgebühr entsteht allerdings in der Person desselben Verteidigers dann mehrmals, wenn ein Fall des 15 Abs. 5 Satz 2 vorliegt, wenn also ein erledigtes Strafverfahren nach Ablauf von zwei Kalenderjahren wieder aufgenommen wird (so auch AnwKomm-RVG/N. Schneider, VV Rn. 12 [nach Sinn und Zweck des 15 Abs. 5 Satz 2]; vgl. aber LG München I, RVGreport 2013, 346 = AGS 2013, 406 = StRR 2013, 311 = RVGprofessionell 2013, 137). Die Frage, ob die Grundgebühr Nr VV überhaupt entstanden ist, darf nicht was häufig in der Rechtsprechung aber leider der Fall ist mit der Frage verwechselt werden, ob der Angeklagte nach einem Anwaltswechsel die bei mehreren von ihm beauftragten Verteidigern entstandenen Grundgebühren erstattet verlangen kann. Das ist nur der Fall, wenn der Anwaltswechsel notwendig i. S. d. 464a Abs. 2 StPO, 91 Abs. 2 ZPO gewesen ist. Nach 91 Abs. 2 Satz 2 ZPO sind die Kosten mehrerer Rechtsanwälte nämlich nur insoweit zu erstatten, als sie die Kosten eines Rechtsanwalts nicht übersteigen oder als in der Person des Rechtsanwalts ein Wechsel eintreten musste (vgl. Teil A: Kostenfestsetzung und Erstattung in Strafsachen, Rdn ff. m. w. N.)7 Beispiel: Beispiel (nach LG Kleve, AGS 2012, 64 = StRR 2012, 159 = RVGreport 2012, 31 = RVGprofessionell 2011, 206): Der Angeklagte A wird vom AG wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wird. Auf seine Berufung wird das Urteil dahin gehend abgeändert, dass die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Es ergeht eine für den Angeklagten positive Kostengrundentscheidung. Beim AG ist der Angeklagte von Rechtsanwalt P als Pflichtverteidiger vertreten worden, im Berufungsverfahren trat ausschließlich Rechtsanwalt W als Wahlverteidiger auf, die Beiordnung des Rechtsanwalts P hat das LG zurückgenommen. Im Kostenfestsetzungsverfahren hat das AG für Rechtsanwalt W u. a. die Grundgebühr nicht festgesetzt. Es ist sowohl bei Rechtsanwalt P als auch bei Rechtsanwalt W eine Grundgebühr Nr VV entstanden (s. Rdn. 17). Bei dieser Fallgestaltung kann die Festsetzung der Grundgebühr (auch) für Rechtsanwalt W aber nur verlangt werden, wenn in der Person des Verteidigers ein Wechsel eintreten musste, dessen Ursache nicht in der Sphäre des Angeklagten gelegen hat (LG Kleve, a. a. O.; vgl. Teil A: Kostenfestsetzung und Erstattung in Strafsachen, Rdn ff.). cc) Grundgebühr nach Einzeltätigkeit Diskutiert worden ist (vgl. N. Schneider, RENOpraxis 2007, 82), ob die Grundgebühr auch (noch) entsteht, wenn dem Rechtsanwalt zunächst nur eine Einzeltätigkeit übertragen war, er dann aber später den vollen Verteidigungsauftrag erhält (vgl. das Beispiel bei N. Schneider, a. a. O.: Zunächst nur Auftrag, die Einlassung des Beschuldigten abzugeben, nachdem daraufhin das Verfahren nicht eingestellt wird, erhält der Rechtsanwalt dann denn vollen Verteidigungsauftrag). Mit N. Schneider (a. a. O.) war schon vor der Klarstellung in Nr VV durch das 2. KostRMoG davon auszugehen, dass auch in dem Fall die Grundgebühr Nr VV entsteht. Zwar ist der Rechtsanwalt teilweise bereits erstmalig eingearbeitet, es sind jedoch für den vollen Verteidigungsauftrag weitere/darüber hinausgehende Einarbeitungstätigkeiten erforderlich. Das gilt nach der aufgenommenen Klarstellung»neben der Verfahrensgebühr«erst recht. Zudem würde, wenn man eine Grundgebühr nicht gewähren würde, bei der nach Vorbem. 4.3 Abs. 4 VV erforderlichen Anrechnung der für die Einzeltätigkeit verdienten Gebühr Nr Nr. 2 VV auch der darin enthaltene Anteil für die Einarbeitung in die Einzeltätigkeit (vgl. Nr VV RVG Rdn. 15) angerechnet, ohne dass der Rechtsanwalt dafür als Verteidiger überhaupt Gebühren verdienen würde. Letzteres wird vermieden, wenn der Rechtsanwalt auch die Grundgebühr verdient und damit die Anrechnung der Gebühr für die Einzeltätigkeit (Vorbem. 4.3 Abs. 4 VV) auf Grund- und Verfahrensgebühr erfolgt (s. auch N. Schneider, a. a. O.). b) Entstehen der Gebühr Voraussetzung für das Entstehen der Gebühr ist die»übernahme«des (Voll-) Mandats (so auch die Gesetzesbegründung, vgl. dazu BT-Drucks. 15/1971, S. 222).»Übernahme des Mandats«meint beim Wahlverteidiger den Abschluss eines Vergütungsvertrages. Beim bestellten oder beim sonst beigeordneten Rechtsanwalt wird der Vertragsabschluss durch die Beiordnung durch das Gericht, z. B. als Pflichtverteidiger nach 140 StPO, oder die sonstige Beiordnung ersetzt. Das hat zur Folge, dass die Grundgebühr auch bei dem nach 408b StPO als Pflichtverteidiger beigeordneten Rechtsanwalt entsteht (OLG Düsseldorf, StraFo 2008, 441 = JurBüro 2008, 587 = AGS 2008, 343 = RVGreport 2008, 351; OLG Köln, AGS 2009, 481 = StV 2010, 68 = NStZ-RR 2010, 31; OLG Oldenburg, StraFo 2010, 430 = AGS 2010, 491 = RVGreport 2011, 24 = VRR 2010, 39; s. auch Teil A: Strafbefehlsverfahren, Abrechnung, Rdn ff.). 9488 Grundgebühr Nr VV Kommt es nicht zum Vertragsschluss/zur Mandatsübernahme bzw. wird der Rechtsanwalt nicht beigeordnet/bestellt, erhält der Rechtsanwalt keine Gebühren nach Teil 4 VV. Damit entsteht dann auch keine Grundgebühr. Wird in diesen Fällen was allerdings selten sein dürfte ausdrücklich oder konkludent ein Beratungsauftrag erteilt, kommt eine Gebühr nach 34 in Betracht (vgl. Teil A: Beratung/Gutachten Allgemeines [ 34], Rdn. 381 ff.). Wann der Rechtsanwalt das Mandat übernimmt, ist unerheblich. Auch dann, wenn er als zufällig im Saal anwesender Rechtsanwalt erst im Hauptverhandlungstermin zum (Pflicht-) Verteidiger bestellt und schon am Ende des ersten Hauptverhandlungstages das Urteil verkündet und Rechtsmittelverzicht erklärt wird, steht dem Verteidiger eine Grundgebühr zu. Auch dieser Verteidiger hat sich einarbeiten müssen, wie kurz die Einarbeitungszeit auch gewesen sein mag und wie gering der Aufwand. Die Frage der Einarbeitung ist unabhängig davon, wann der Verteidiger beauftragt/ bestellt wird (a. A. OLG Koblenz, AGS 2005, 158 = JurBüro 2005, 199; AG Koblenz, RVGreport 2004, 469 = AGS 2004, 448 für die Beiordnung in der Hauptverhandlung im Strafbefehlsverfahren m. jeweils abl. Anm. von Hansens und Schneider; vgl. auch Meyer, JurBüro 2005, 186). Entsprechendes gilt für die»ablösung«eines Rechtsanwalts im Termin durch einen anderen (LG Koblenz, StraFo 2007, 175). Die Gebühr entsteht neben der jeweiligen Verfahrensgebühr mit der ersten Tätigkeit, die der Verteidiger nach Übernahme des Mandats für den Mandanten erbringt. I. d. R. wird das das erste Informationsgespräch und/oder ein Akteneinsichtsgesuch sein. Auf die»wertigkeit«dieser Tätigkeit kommt es nicht an. Es reichen also auch die Einarbeitung vorbereitende Tätigkeiten (a. A. zum alten Recht AG Koblenz, NStZ-RR 2006, 288; AG Andernach, AGS 2012, 234; vgl. auch unten Rdn. 35). c) Katalog der erfassten Tätigkeiten/Abgeltungsbereich aa) Abgrenzung zur Verfahrensgebühr In Rechtsprechung und Literatur war die Abgrenzung des Abgeltungsbereichs der Grundgebühr zur Verfahrensgebühr umstritten. Z. T. ist davon ausgegangen worden (vgl. AG Tiergarten, AGS 2009, 322 = RVGreport 2009, 385 = StRR 2009, 237; AnwKomm/N. Schneider, [6. Aufl.], VV Vorb. 4 Rn. 22; Hartung/Schons/Enders/Hartung, Nrn. 4100, 4101 VV Rn. 9), dass für den Rechtsanwalt, der sich in einen Strafrechts- (oder OWi-) Fall einarbeitet, nicht nur die Grundgebühr, sondern zugleich daneben immer auch die Verfahrensgebühr als Betriebsgebühr entsteht (s. auch noch N. Schneider, RVGprofessionell 2005, 119). Dies war m. E. unzutreffend, da von der Auffassung übersehen wurde, dass die Grundgebühr einen eigenen Abgeltungsbereich hat (vgl. dazu BT-Drucks. 15/1971, S. 222; so zutreffend [zum alten Recht] auch KG, AGS 2009, 271 = RVGreport 2009, 186 = StRR 2009, 239 = RVGprofessionell 2009, 138; OLG Köln, AGS 2007, 451 m. abl. Anm. N. Schneider = JurBüro 2007, 484 = RVGreport 2007, 425; OLG München, c Ws 2/14, JurionRS 2014, 11461; LG Aurich, AGS 2011, 593 = StRR 2011, 443 = VRR 2011, 440 = RVGreport 2011, 464; s. auch, RVGreport 2009, 361; Gerold/Schmidt/, VV 4100, 4101 Rn. 9). Nach der Aufnahme der klarstellenden Ergänzung»neben der Verfahrensgebühr«in die Anm. 1 zur Nr VV durch das 2. KostRMoG v (BGBl. 2013, S. 2586) ist dieser Streit jetzt aber erledigt (s. auch, RVGreport 2012, 42; ders.; StRR 2012, 14 = VRR 2012, 16; RVGprofessionell 2012, 12; ders., VRR 2013, 287 = StRR 2013, 284; ders., RVGprofessionell Sonderheft 8/2013, 30; ders., VA 2013, 158; ders., RVGreport 2013, 330; ders., RVGreport 2014, 42; Gerold/Schmidt/, VV 4100, 4101 Rn. 9; N. Schneider/Thiel, AGS 2012, 105; N. Schneider, AnwBl. 2013, 286, 289; N. Schneider/Thiel, 3 Rn ff.). Nach der Gesetzesbegründung (vgl. BR-Drucks. 517/12, S. 439 = BT-Drucks. 17/11471, S. 281) entsteht mit der ersten Tätigkeit des Rechtsanwalts für den Mandanten in jedem (gerichtlichen) Verfahren eine Verfahrensgebühr als Ausgangsgebühr. Durch sie wird bereits die Information als Bestandteil des»betreibens des9 Geschäfts«entgolten (vgl. die Formulierung in Vorb. 4 Abs. 2 VV»einschließlich der Information«). Außerdem entsteht daneben immer auch eine Grundgebühr Nr VV. Diese honoriert den zusätzlichen Aufwand, der für die erstmalige Einarbeitung anfällt. Die Grundgebühr Nr VV hat also den»charakter einer Zusatzgebühr, die den Rahmen der Verfahrensgebühr erweitert«(br-drucks. 517/12, S. 439 = BT-Drucks. 17/11471, S. 281). Sie ist damit ihrem Charakter nach eine besondere Verfahrensgebühr, die das Betreiben des Geschäfts in Form von vom Rechtsanwalt erbrachten besonderen Einarbeitungstätigkeiten honoriert Die Gebührenreferenten der Rechtsanwaltskammern gehen davon aus, dass die Änderung in Nr VV lediglich eine Klarstellung ist und damit auf jeden Fall auch in»altfällen«anwendung finden soll (vgl. RVGreport 2013, 260; vgl. auch Teil A: Übergangsvorschriften [ 60 f.], Rdn ff.). Diese gesetzliche Klarstellung/Änderung hat aber nichts daran geändert, dass die Grundgebühr einen eigenen Abgeltungsbereich (vgl. dazu Rdn. 32 ff.) hat und auch nach der Klarstellung durch das 2. KostRMoG behalten hat, was durch die Begründung zur Neuregelung (vgl. dazu BR-Drucks. 517/12 S. 439 = BT-Drucks. 17/11471, S. 281) noch deutlicher wird als in der Vergangenheit (Gerold/Schmidt/, VV 4100, 4101 Rn. 9). Das wiederum hat Auswirkungen auf die Bemessung der Grundgebühr und vor allem auf die Bemessung der daneben anfallenden jeweiligen Verfahrensgebühr (so auch N. Schneider, AnwBl. 2013, 286, 289; N. Schneider/Thiel AGS 2012, 105, 108; N. Schneider/Thiel 3 Rn ff.;, StraFo 2013, 397; ders., RVGreport 2013, 330; ders., RVGreport 2014, 42). Denn die Tätigkeiten, die vom Abgeltungsbereich der Grundgebühr erfasst werden, können bei der Bemessung der Verfahrensgebühr nicht (noch einmal) herangezogen werden. In der Praxis wird das i. d. R. aber nun dann deutlich werden, wenn das Mandat noch in der Einarbeitungsphase endet. Denn dann wird im Zweifel der zusätzliche Aufwand durch die Einarbeitung, der von der Nr VV abgegolten wird, überwiegen und dazu führen, dass die Verfahrensgebühr unter Berücksichtigung der Kriterien des 14 Abs. 1 geringer zu bemessen ist als bei einer Mandatsbeendigung in späteren Verfahrensphasen. Die Auswirkungen auf die Bemessung können auch noch in denjenigen Fällen Bedeutung erlangen, in denen im Fall der Verbindung die Verbindung erfolgt, bevor der Abgeltungsbereich der Grundgebühr verlassen ist. Als Faustregel wird man davon ausgehen können, dass die Verfahrensgebühr umso geringer ist, je früher das Mandat endet (s. auch Gerold/Schmidt/, VV 4100, 4101 Rn. 9; N. Schneider/Thiel, AGS 12, 105, 108; N. Schneider/Thiel, 3 Rn ff.; StraFo 2013, 397; ders., RVGreport 2013, 330). Im Übrigen ist im Zweifel der Abgeltungsbereich der Grundgebühr schnell überschritten und werden die dann (noch) erbrachten Tätigkeiten von der jeweils auch entstehenden Verfahrensgebühr erfasst (s. auch zur alten Rechtslage, RVGreport 2009, 385 in der Anm. zu AG Tiergarten, AGS 2009, 322 = RVGreport 2009, 385 = StRR 2009, 237; ders., RENOpraxis 2011, 102 ff.). Beispiel: Der Beschuldigte B ruft bei Rechtsanwalt R an und teilt mit, dass gegen ihn ein Strafverfahren anhängig sein soll. Er bittet R, ihn zu verteidigen. R sagt das zu und fordert den B auf, einen Vorschuss von 500,00 zu zahlen. Inzwischen werde er Akteneinsicht beantragen. Nach erfolgter Akteneinsicht werde ein Besprechungstermin vereinbart werden. B überlegt sich dann jedoch, lieber einen ihm auch empfohlenen Spezialisten zu beauftragen. Er meldet sich deshalb am anderen Tag bei R und kündigt das Mandat. R, der bis dahin lediglich einen Akteneinsichts- 95010 Grundgebühr Nr VV antrag gestellt hat, überlegt nun, wie er bei der Abrechnung die Grundgebühr Nr VV und die Verfahrensgebühr Nr VV bemisst. Diese Konstellation ist einer der wenigen Fälle, in denen die oben dargestellten Auswirkungen bei der Bemessung der Gebühren (vgl. Rdn. 25) zum Tragen kommen. R hat hier noch nicht mehr als einen ersten Akteneinsichtsantrag erbracht. Der gehört aber noch zu den Einarbeitungstätigkeiten, die von der Grundgebühr abgegolten werden (vgl. dazu Rdn. 32 ff.). Das bedeutet, dass damit für den Abgeltungsbereich der Verfahrensgebühr Nr VV keine Tätigkeiten, die darüber abzurechnen wären, zur Verfügung stehen. Daher wird diese je nach der Bedeutung des Verfahrens, den Einkommens- und Vermögensverhältnissen des B wahrscheinlich im unteren Rahmenbereich anzusetzen sein. Ggf. ist sogar nur die Mindestgebühr entstanden. bb) Konkreter Abgeltungsbereich Die Grundgebühr hat einen eigenen Abgeltungsbereich (so schon zum früheren Recht KG, RVGreport 2009, 186 = StRR 2009, 239 m. zust. Anm. = RVGprofessionell 2009, 138; OLG Köln, AGS 2007, 451 m. abl. Anm. N. Schneider = JurBüro 2007, 484 = RVGreport 2007, 425; OLG München, c Ws 2/14, JurionRS 2014, 11461; LG Aurich, AGS 2011, 593 = RVGreport 2011, 464 = StRR 2011, 443 = VRR 2011, 440; AG Tiergarten, StRR 2009, 237 m. abl. Anm. = AGS 2009, 322; N. Schneider/Thiel, AGS 2012, 105, 108; s. auch die Gesetzesbegründung zum RVG in BT-Drucks. 15/1971 S. 281 und zum 2. KostRMoG in BR-Drucks. 517/12, S. 439 = BT-Drucks. 17/11471, S. 281 und, RVGreport 2009, 361; unzutreffend, allerdings ohne Begründung, a. A. Baumgärtel/Hergenröder/Houben, Nr VV Rn. 9). Für den Abgeltungsbereich der Grundgebühr gilt im Einzelnen: Mit der Grundgebühr wird nach Anm. 1 abgegolten der mit/bei/nach der Übernahme des Mandates einmalig bei der erstmaligen Einarbeitung in den Rechtsfall entstehende zusätzliche Arbeitsaufwand (so die Gesetzesbegründung zum RVG in BT-Drucks. 15/1971 S. 222 und zum 2. KostRMoG in BR-Drucks. 517/12, S. 439 = BT-Drucks. 17/11471, S. 281; LG Aurich, AGS 2011, 593 = RVGreport 2011, 464 RVGprofessionell 2011, 188 = StRR 2011, 443 = VRR 2011, 440). Das ist zunächst das meist nicht sehr lange erste Gespräch mit dem Mandanten (vgl. BT-Drucks. 15/1971, S. 222 zu Nr VV). Von der Grundgebühr abgegolten wird aber nur das erste Gespräch des Rechtsanwalts mit seinem Mandanten, in dem dieser im Zweifel nur pauschal und überschlägig beraten wird. Weitere sich anschließende Gespräche, die z. B. dem konkreten Aufbau einer Verteidigungsstrategie dienen, werden nicht mehr von der Grundgebühr, sondern von der daneben auch entstehenden Verfahrensgebühr abgegolten (LG Braunschweig, StraFo 2010, 513 = RVGreport 2010, 422 = StRR 2011, 39 = VRR 2010, 359, das davon ausgeht, dass die ausführliche Erörterung der Sach- und Rechtslage mit dem Mandanten nicht mehr von der Grundgebühr, sondern von der Verfahrensgebühr erfasst wird; LG Düsseldorf, XII Qs 40/06, und XX-31/05, jeweils AG Neuss, AGS 2008, 598; vgl. zur ähnlichen Abgrenzung bei einer»erstberatung«nach 20 BRAGO in Familiensachen AG Augsburg, AGS 1999, 132 m. Anm. Madert). Von der Grundgebühr abgegolten wird auch die Einarbeitung vorbereitende Tätigkeiten, wie z. B. ein Akteneinsichtsgesuch (a. A. AG Koblenz, NStZ-RR 2006, 288). Abgegolten wird von der Gebühr auch die (erste) Beschaffung der erforderlichen Informationen (BT-Drucks. 15/1971, S. 222 zu Nr VV;, RVGreport 2009, 361; Gerold/Schmidt/, VV 4100, 4101 Rn. 10). Auch hier ist nach Sinn und Zweck der Vorschrift nur die erste Informationsbeschaffung gemeint. Unter Informationsbeschaffung sind alle Tätigkeiten des Rechtsanwalts zu verstehen, die darauf gerichtet sind, ihm über das Gespräch mit dem Mandanten hinaus Informationen zu dem an ihn angetragenen Rechtsfall zu verschaffen, die notwendig sind für die ordnungsgemäße Erstbearbeitung des Rechtsfalls. Dazu gehört, wenn das Mandat von einem Dritten angetragen wird, ggf. auch die Beschaffung einer Besuchserlaubnis, um den ggf. inhaftierten Mandanten in der JVA besuchen zu können. Zu diesen Tätigkeiten zählt insbesondere eine erste Akteneinsicht nach 147 StPO (OLG Hamm, StraFo 2005, 130 = Rpfleger 2005, 214 = AGS 2005, 117 = RVGreport 2005, 68; OLG Jena, StV 2006, 202 = StraFo 2005, 172 = AGS 2005,11 = RVGreport 2005, 103; LG Dessau-Roßlau, JurBüro 2009, 427 [für OWi-Verfahren]). Weitere, im Verlauf sich anschließender Verfahrensabschnitte durchgeführte Akteneinsichten werden nicht mehr von der Grundgebühr, sondern von der jeweiligen Verfahrensgebühr des vorbereitenden oder des gerichtlichen Verfahrens abgegolten (s. auch Rdn. 52 ff.). Darüber hinaus werden (nur) sämtliche übrigen Tätigkeiten, die zusätzlicher Aufwand für die erstmalige Einarbeitung sind und in (unmittelbarem) zeitlichen Zusammenhang mit der Übernahme des Mandats anfallen, von der Grundgebühr erfasst. Das können Telefonate mit Familienangehörigen des Mandanten oder der Polizei bzw. der Staatsanwaltschaft sein, um nach dem Stand der Ermittlungen zu fragen. Im gerichtlichen Verfahren kann das ein Anruf oder eine Anfrage beim Gericht sein, um sich dort nach dem Sachstand zu erkundigen. Besteht dieser nahe zeitliche Zusammenhang nicht mehr und/oder handelt es sich auch nicht mehr um zusätzlichen/besonderen Aufwand für die erstmalige Einarbeitung, werden die insoweit erbrachten Tätigkeiten nicht mehr vom Abgeltungsbereich der Grundgebühr erfasst. Der ist dann überschritten und die Tätigkeiten unterfallen dem der daneben immer entstehenden Verfahrensgebühr. Das ist z. B. für alle Tätigkeiten anzunehmen, die über die erste Einarbeitung und Informationsbeschaffung hinausgehen und nicht mehr Bestandteil der ersten Einarbeitung in einen (Straf-) Rechtsfall sind, sondern auf der ersten Einarbeitung aufbauen. Diese Tätigkeiten sind dann»betreiben des Geschäfts«jenseits des Geltungsbereichs der Grundgebühr (OLG München, c Ws 2/14, JurionRS 2014, [für zweites Gespräch]; LG Aurich, AGS 2011, 593 = StRR 2011, 443 = VRR 2011, 440 = RVGreport 2011, 464; AG Tiergarten, AGS 2009, 322 = RVGreport 2009, 385 = StRR 2009, 237). Das gilt auch für Gespräche, die z. B. dem konkreten Aufbau einer Verteidigungsstrategie dienen (OLG München, a. a. O.; LG Braunschweig, StraFo 2010, 513 = RVGreport 2010, 422 = StRR 2011, 39 = VRR 2010, 35) oder für das eingehende Studium der Verfahrensakten (LG Neuruppin, Qs 4/12, JurionRS 2012, 26794), das ggf. die Abgabe einer Einlassung vorbereitet (LG Aurich, AGS 2011, 593 = StRR 2011, 443 = VRR 2011, 440 = RVGreport 2011, 464). Das gilt vor allem auch für den Antrag des Verteidigers, als Pflichtverteidiger bestellt zu werden (so zutreffend AG Tiergarten, a. a. O.; a. A., allerdings ohne nähere Begründung, OLG Köln, AGS 2007, 451 m. abl. Anm. N. Schneider = JurBüro 2007, 484 = RVGreport 2007, 425). Dieser Antrag ist, worauf das AG Tiergarten (a. a. O.) zutreffend hinweist, erst möglich/sinnvoll, wenn der Verteidiger den Akteninhalt zur Kenntnis genommen, mit seinem Mandanten besprochen und dessen Darstellung der Geschehnisse dem Akteninhalt gegenübergestellt hat. Erst dann kann er unter Berücksichtigung seiner rechtlichen Würdigung der Ermittlungsergebnisse und der möglichen Einlassung des Angeklagten einen entsprechenden Antrag stellen. Entsprechendes gilt bei einem Verbindungsantrag des Verteidigers. Auch der setzt eine (beendete) Einarbeitung in den Verfahrensstoff voraus. Ebenso ist die Tätigkeit im Haftprüfungsverfahren zur Vorbereitung der Vertretung im Haftprüfungstermin eine über die grundsätzliche Einarbeitung in das Verfahren hinausgehende Tätigkeit des Verteidigers dar (LG Hamburg, JurBüro 2010, 302; so inzidenter auch KG, AGS 2009, 271 = RVGreport 2009, 186 = StRR 2009, 239 = RVGprofessionell 2009, 138). Als Faustregel gilt danach: Alle die Tätigkeiten des Verteidigers, die auf einer ersten Einarbeitung aufbauen, werden nicht mehr vom Abgeltungsbereich der Grundgebühr erfasst (vgl. LG Aurich, AGS 2011, 593 = StRR 2011, 443 = VRR 2011, 440 = RVGreport 2011, 464 für Abgabe einer Einlassung). d) Begriff des»rechtsfalls«den Begriff»Rechtsfall«kannte die BRAGO nicht. Er ist in Nr Anm. 1 VV vom RVG 2004 neu eingeführt. Mit dieser (neuen) Begrifflichkeit sollten jedoch neben dem Begriff der»angelegenheit«in 15 und dem der»tat«oder»handlung«in Anm. 2 keine neue/weitere geschaffen werden. 95212 Grundgebühr Nr VV Entscheidend für die Eingrenzung des Begriffs des»rechtfalls«ist der strafrechtliche Vorwurf, der dem Auftraggeber gemacht wird, und wie er von den Strafverfolgungsbehörden verfahrensmäßig behandelt wird (KG, StRR 2011, 359 = RVGreport 2012, 456 für den vergleichbaren Fall mehrerer Rehabilitierungsverfahren nach dem StrRehaG; LG Braunschweig, VRR 2010, 359 = RVGreport 2010, 422 = StRR 2011, 39 = StraFo 2010, 513; LG Hamburg, AGS 2008, 545; AG Tiergarten, AGS 2010, 132 = RVGreport 2010, 18 = VRR 2010, 120 = StRR 2010, 120; zum Begriff s. auch Gerold/Schmidt/, VV 4100, 4101 Rn. 13;, RVGreport 2009, 361 und RENOpraxis 2011, 102). Deshalb kann ein Rechtsfall verschiedene (Tat-) Vorwürfe zum Gegenstand haben. Beispiel 1: Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, einen Pkw entwendet und mit diesem anschließend alkoholisiert gefahren zu sein. Wegen dieser beiden Vorwürfe wird gegen den Beschuldigten ein Ermittlungsverfahren betrieben. Es handelt sich um einen Rechtsfall i. S. d. Nr VV, sodass nur eine Grundgebühr entsteht, wenn der Beschuldigte einen Rechtsanwalt mit seiner Verteidigung beauftragt. Beispiel 2: Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, einen Pkw entwendet zu haben. Außerdem soll er mit diesem alkoholisiert gefahren sein, was jedoch erst später bekannt wird. Wegen dieser beiden Vorwürfe sind gegen den Beschuldigten dann (zunächst) zwei Ermittlungsverfahren anhängig. Es handelt sich um zwei Rechtsfälle/Verfahren i. S. d. Nr VV, sodass auch in jedem Verfahren eine Grundgebühr entsteht, wenn der Beschuldigte seinen Rechtsanwalt mit seiner Verteidigung beauftragt (LG Hamburg, AGS 2008, 545 [und zwar auch dann, wenn die beiden Taten zufällig am gleichen Tag begangen werden]; AG Tiergarten, AGS 2010, 132 = RVGreport 2010, 18 = VRR 2010, 120 = StRR 2010, 120). Dass diese Verfahren ggf. später verbunden werden, hat auf die (entstandene) Grundgebühr keinen Einfluss (mehr) (s. dazu Rdn. 42; LG Hamburg und AG Tiergarten, jew. a. a. O.). Es gilt die allgemeine Grundregel, dass die Verbindung auf bereits entstandene Gebühren keinen Einfluss hat (vgl. auch Teil A: Verbindung von Verfahren, Rdn ff.). Beispiel 3: Ausgangslage wie im Beispiel 2: Die Polizei gibt die Ermittlungsverfahren an die Staatsanwaltschaft ab, die sie zu einem Verfahren verbindet. Erst danach sucht der Beschuldigte einen Rechtsanwalt auf. Es handelt sich hier wieder nur um einen Rechtsfall i. S. d. Nr VV, sodass auch nur eine Grundgebühr entsteht (s. auch Rdn. 42). Beispiel 4: Rechtsanwalt R war in einem BTM-Verfahren als Verteidiger des Angeklagten tätig. Nach dessen Verurteilung wird der Angeklagte in anderen Verfahren als Zeuge gehört. Ihm wird R als Zeugenbeistand beigeordnet. Er fragt, ob er auch insoweit eine Grundgebühr Nr VV abrechnen kann. Um einen anderen Rechtsfall handelt es sich auch, wenn der Rechtsanwalt als Zeugenbeistand für einen Mandanten tätig wird, für den er zuvor bereits als Verteidiger tätig gewesen ist: Es entsteht dann in der Angelegenheit»Zeugenbeistand«neben der Verfahrensgebühr (noch einmal) eine Grundgebühr (OLG Düsseldorf, StRR 2008, 78 = RVGreport 2008, 182; OLG Hamm, StraFo 2008, 45 = JurBüro 2008, 83 = StRR 2008, 79 = RVGreport 2008, 108 = AGS 2008, 124 = RVGprofessionell 2008, 51; OLG Koblenz, RVGreport 2006, 430 = JurBüro 2005, 589 = AGS 2005, 504 = StraFo 2005, 526; LG München I, KLs 247 Js /05,13 Beispiel 5 (nach KG, JurBüro 2013, 362 = RVGreport 2013, 271 ): Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, am innerhalb weniger Minuten im Zustand verminderter oder aufgehobener Schuldfähigkeit wahllos drei Straßenpassanten angegriffen und verletzt sowie gegen seine anschließende Festnahme durch die herbeigerufenen Polizeibeamten Widerstand geleistet zu haben. Bei der Polizeibehörde werden für die einzelnen Straftaten und Geschädigten jeweils gesonderte Strafanzeigen mit getrennten Vorgangsnummern gefertigt, die Ermittlungen werden aber zusammengefasst durch einen Sachbearbeiter geführt, der für alle in Betracht kommenden Delikte einen gemeinsamen Abschlussbericht fertigt und die Sache als Sammelvorgang unter dem Geschäftszeichen mit einer Auflistung der als Untervorgänge bezeichneten Strafanzeigen an die Staatsanwaltschaft abgibt. Der Beschuldigte wird zur polizeilichen Vernehmung am unter jeder Vorgangsnummer durch gesonderte Schreiben mit Angaben zu dem jeweiligen Tatvorwurf geladen. Rechtsanwalt R meldet sich zu jedem Vorgang mit gesondertem Schriftsatz als Verteidiger. Bei der Staatsanwaltschaft wird der Vorgang (aus statistischen Gründen), zunächst unter vier Aktenzeichen (13 Js 6104/10, 13 Js 6074/10, 13 Js 6084/10 und 13 Js 6094/10) eingetragen. Bearbeitet wird es von Anfang an nur unter dem Aktenzeichen 13 Js 6104/10. Das KG (KG, JurBüro 2013, 362 = RVGreport 2014, 271) ist von nur einem Rechtsfall und nur einer Angelegenheit, einem Sammelvorgang, ausgegangen. Gegenstand der Ermittlungen sei von Anfang an ein einheitlicher Lebenssachverhalt gewesen. Die Sicht erscheint bei dem mitgeteilten Sachverhalt grds. vertretbar, man kann es aber auch anders sehen (vgl. dazu Teil A: Angelegenheiten [ 15 ff.], Rdn. 99) Als Faustregel ist festzuhalten: Jedes von den Strafverfolgungsbehörden betriebene Ermittlungsverfahren ist ein eigenständiger Rechtsfall i. S. d. Nr VV, solange die Verfahren nicht miteinander verbunden sind (KG, StRR 2011, 359 = RVGreport 2012, 456; Ws 2/12, JurionRS 2012, 36739; LG Braunschweig, StraFo 2010, 513 = RVGreport 2010, 422 = StRR 2011, 39 = VRR 2010, 359; AG Braunschweig, RVGreport 2010, 69 = RVGprofessionell 2010, 59 = StRR 2010, 200 = VRR 2010, 39). Selbstständige Ermittlungsverfahren führen auch dann (noch) zu mehreren Rechtsfällen i. S. d. Nr VV, wenn sie in einem Aktenband geführt werden (KG, StRR 2011, 359 = RVGreport 2012, 456; ähnlich für Sammelverfahren KG, JurBüro 2013, 362). Es handelt sich allerdings um denselben Rechtsfall, wenn die bereits erhobene Anklage zurückgenommen und dann bei einem anderen Gericht (neu) erhoben wird (OLG Köln, AGS 2010, 175 = JurBüro 2010, 362; m. E. keine Frage des»rechtsfalls«, sondern es handelt sich um dieselbe Angelegenheit i. S. d. 15 ff., sodass 15 Abs. 2 eingreift). 3. Grundgebühr in mehreren Verfahren a) Grundgebühr bei Verbindung von Verfahren Werden mehrere Verfahren miteinander verbunden, erhält der Rechtsanwalt nach den allgemeinen Regeln bis zur Verbindung für jedes Verfahren gesonderte Gebühren, da jedes Verfahren eine eigene Angelegenheit i. S. d. 15 darstellt. Die Verbindung hat keinen Einfluss auf bis dahin entstandene Gebühren (vgl. zu allem, RVGreport 2008, 405; ders., RVGprofessionell 2012, 189; s. auch Teil A: Verbindung von Verfahren, Rdn. 2068). Beispiel: Dem Beschuldigten werden in einem Verfahren ein Diebstahl und in einem weiteren Verfahren eine Trunkenheitsfahrt zur Last gelegt. Er beauftragt Rechtsanwalt R mit seiner Verteidigung. Vom AG werden die Verfahren später zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidung verbunden. 95414 Grundgebühr Nr VV Rechtsanwalt R erhält in den Ausgangsverfahren jeweils eine Grundgebühr nach Nr VV. Die spätere Verbindung hat darauf keinen Einfluss. In dem verbundenen Verfahren erhält er aber nicht noch eine weitere dritte Grundgebühr. Denn insoweit erbringt er keine»erstmalige Einarbeitung in den Rechtsfall«i. S. d. Nr Anm. 1 VV mehr. Der dem verbundenen Verfahren zugrunde liegende Rechtsfall setzt sich nämlich aus den Rechtsfällen der Ursprungsverfahren zusammen. In diese hat sich Rechtsanwalt R aber bereits erstmalig eingearbeitet, was durch jeweils eine Gebühr nach Nr VV abgegolten wird (vgl. auch LG Braunschweig, StraFo 2010, 513 = RVGreport 2010, 422 = StRR 2011, 39 = VRR 2010, 359; LG Hamburg, AGS 2008, 545; AG Braunschweig, RVGreport 2010, 69 = RVGprofessionell 2010, 59 = StRR 2010, 200 = VRR 2010, 39; AG Tiergarten, AGS 2010, 132 = RVGreport 2010, 18 = VRR 2010, 120 = StRR 2010, 120). b) Grundgebühr bei Abtrennung von Verfahren Wird ein Verfahren in mehrere selbstständige Verfahren getrennt, so liegen ab der Trennung verschiedene Angelegenheiten i. S. d. 15 vor. Das hat grds. zur Folge, dass der Rechtsanwalt in jedem Verfahren eigenständige Gebühren erhält. Allerdings gilt das im Zweifel nicht auch für die Grundgebühr (zu allem, RVGreport 2008, 444; ders., RVGprofessionell 2012, 213; s. auch Teil A: Trennung von Verfahren, Rdn. 1895). Beispiel: Dem Beschuldigten wird in einem Verfahren sowohl ein Diebstahl als auch eine Trunkenheitsfahrt zur Last gelegt. Es wird wegen beider Taten Anklage erhoben. Er beauftragt Rechtsanwalt R mit seiner Verteidigung. Vom AG wird später das Verfahren wegen der Trunkenheitsfahrt abgetrennt. Rechtsanwalt R erhält für das Ausgangsverfahren eine Grundgebühr nach Nr VV. Nach Trennung des Verfahrens erhält er für das abgetrennte Verfahren nicht noch eine weitere Grundgebühr, da er sich in diesem Verfahren nicht mehr erstmalig in den»rechtsfall«diebstahl einarbeiten muss (OLG Stuttgart, AGS 2010, 292 = RVGprofessionell 2010, 119). Die Einarbeitung ist bereits in dem Verfahren, das beide Vorwürfe zum Gegenstand hatte, erfolgt. Etwas anderes kann gelten, wenn die Verfahren noch vor oder während der Einarbeitung durch den Rechtsanwalt getrennt werden. Dann ist noch keine (abschließende) Einarbeitung erfolgt, der von der Grundgebühr honorierte Tätigkeitsbereich (vgl. oben Rdn. 25 ff.) ggf. noch nicht verlassen (AnwKomm-RVG/N. Schneider, VV Rn. 13). Etwas anderes muss m. E. gelten, wenn es sich um verschiedene Angelegenheiten handelt und der Rechtsanwalt/Verteidiger unterschiedliche Einarbeitungstätigkeiten erbringt. Das ist z. B. für den Rechtsanwalt anerkannt, der zunächst als Verteidiger für den Angeklagten tätig war und dann nach dessen rechtskräftiger Verurteilung für den Angeklagten, der nun in anderen Verfahren als Zeuge vernommen wird, als Zeugenbeistand tätig ist (vgl. dazu Vorbem. 4.1 VV RVG Rdn. 19 m. w. N.). Das dürfte aber auch gelten, wenn der Rechtsanwalt zunächst Verteidiger war und dann nach Abtrennung des Verfahrens nun ggf. als Nebenklägervertreter für einen der früheren Angeklagten auftritt. Beispiel: Rechtsanwalt R vertritt die F im Verfahren wegen einer gefährlichen Körperverletzung zum Nachteil ihres Ex-Mannes M. M ist im gleichen Verfahren wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung zulasten der F angeklagt. Die beiden Verfahren werden getrennt und nach Trennung der Verfahren ist R im Verfahren gegen den Ex-Mann M als Nebenklägervertreter der F tätig. Frage: Kann er noch einmal die Grundgebühr abrechnen?15 Die Frage ist bislang in der Rechtsprechung noch nicht entschieden. M.E. kann man hier die Argumentation der Obergerichte in den Fällen, in denen der Verteidiger nach rechtskräftigem Abschluss des Verfahrens des dann in anderen Verfahren als Zeuge vernommenen Angeklagten tätig ist, anführen. Da wird von unterschiedlichen Angelegenheiten und davon ausgegangen, dass die Einarbeitung in ein Verfahren als Verteidiger eine andere ist als die als Zeugenbeistand (vgl. OLG Düsseldorf, RVGreport 2008, 182 = StRR 2008, 78; OLG Hamm, StraFo 2008, 45 = RVGreport 2008, 108 = JurBüro 2008, 83 = StRR 2008, 79; dazu OLG Koblenz, RVGreport 2006, 232 = AGS 2006, 598 = NStZ-RR 2006, 254; OLG Köln, AGS 2008, 128 = StraFo 2008, 223 = StRR 2008, 439; OLG München, AGS 2008, 120; LG Dresden, AGS 2008, 120; LG München, KLs 247 Js /05). 48 c) Grundgebühr bei Zurückverweisung Wird das Verfahren vom übergeordneten Rechtsmittelgericht zurückverwiesen, ist das Verfahren vor dem untergeordneten Gericht ein neuer Rechtszug. Die Gebühren entstehen dort also erneut (vgl. Teil A: Zurückverweisung [ 21], Rdn. 2407;, RVGreport 2009, 8; ders., RVGprofessionell 2013, 50). Für die Grundgebühr gilt das aber nicht uneingeschränkt. Diese entsteht»für die erstmalige Einarbeitung in den Rechtsfall nur einmal...«. Das bedeutet, dass der Rechtsanwalt, der den Angeklagten schon im Ausgangsverfahren verteidigt hat, nach Zurückverweisung nicht noch einmal eine Grundgebühr erhält (s. auch das Beispiel bei Teil A: Zurückverweisung [ 21], Rdn. 2417). Er muss sich nicht (noch einmal) in die Sache einarbeiten (KG, RVGreport 2005, 343 = AGS 2005, 449 m. Anm. Madert). Die Grundgebühr erhält in diesen Fällen also nur der Rechtsanwalt, der nach Zurückverweisung ggf. neu vom Angeklagten beauftragt worden ist, da er sich erstmalig neu in die Sache einarbeiten muss (zur Wiederaufnahme s. Vorbem VV RVG Rdn. 3). Beispiel: Der Angeklagte ist vom LG wegen Betruges verurteilt worden. Bis zu Beendigung des ersten Rechtszuges ist er von Rechtsanwalt R 1 vertreten worden. Da er mit dessen Verteidigung nicht zufrieden war, beauftragt er für das Revisionsverfahren Rechtsanwalt R 2, der Spezialist in Revisionssachen ist. Der BGH hebt das landgerichtliche Urteil auf und verweist das Verfahren an das LG zurück. Der Angeklagte beauftragt nun noch Rechtsanwalt R 3 mit seiner weiteren Verteidigung. R 1 erhält für das Ausgangsverfahren eine Grundgebühr nach Nr VV. Auch R 2 erhält eine Grundgebühr nach Nr VV, da es für deren Entstehen nicht darauf ankommt, wann der Verteidiger sich erstmalig in den Rechtsfall einarbeitet. Schließlich erhält auch Rechtsanwalt R 3 eine Grundgebühr nach Nr VV, da er den Angeklagten im Ursprungsverfahren nicht vertreten hat. 49 d) Grundgebühr und Wiederaufnahmeverfahren Für den Anfall der Grundgebühr Nr VV in Zusammenhang mit Wiederaufnahmeverfahren gilt: Im Wiederaufnahmeverfahren selbst entsteht nach der ausdrücklichen Regelung in Vorbem VV keine Grundgebühr. Ist das Wiederaufnahmeverfahren erfolgreich und wird das Verfahren wieder aufgenommen, ist das wieder aufgenommene Verfahren eine eigene Angelegenheit ( 17 Nr. 13). In diesem erhält der Rechtsanwalt, der den Verurteilten im vorangegangenen Verfahren verteidigt hat, aber keine Grundgebühr, da er sich nicht (noch einmal) in den Rechtsfall einarbeiten muss (LG Dresden, RVGreport 2013, 60 = StRR 2013, 306). Etwas anderes gilt, wenn ein Fall des 15 Abs. 5 Satz 2 vorliegt (vgl. Vorbem VV RVG Rdn. 3; AnwKomm-RVG/N. Schneider, VV , Rn. 62). 95616 Grundgebühr Nr VV Wird der Angeklagte im wieder aufgenommenen Verfahren von einem anderen/neuen Verteidiger vertreten, erhält dieser auf jeden Fall die Grundgebühr. Der Rechtsanwalt, der im wieder aufgenommenen Verfahren bislang nicht tätig war, muss sich in die Sache einarbeiten und kann dafür die Grundgebühr geltend machen (wie hier auch Hartung/Schons/Enders/Hartung, Nr. 4100, 4101 VV Rn. 13; MAH Vergütungsrecht/Hellwig, 23 Rn. 138). 4. Übergang BRAGO/RVG Schwierigkeiten im Hinblick auf das Entstehen der Grundgebühr hatten sich im Zusammenhang mit dem Übergang von der BRAGO zum RVG am ergeben (wegen der Einzelh. Teil A: Übergangsvorschriften [ 60 f.], Rdn. 1956). Insoweit gilt: Die Rechtsprechung ist davon ausgegangen, dass die Grundgebühr nicht entsteht, wenn die erste Instanz bereits vor dem beendet war, die Zurückverweisung aber erst nach dem erfolgt ist (KG, RVGreport 2005, 343 = AGS 2005, 449; a. A. OLG Frankfurt am Main, StV 2005, 76 = AGS 2005, 69 = NStZ 2005, 469 [zur Vermeidung einer ansonsten entstehenden unüberschaubaren Gemengelage]; Madert, AGS 2005, 239). Auch dann, wenn der Rechtsanwalt vor dem als Wahlanwalt tätig gewesen ist, seine Beiordnung aber erst nach dem Stichtag erfolgte, ist ihm nach wohl zutreffender Ansicht die Grundgebühr nicht gewährt worden. Er hat zu RVG Zeiten eine diese Gebühr auslösende Tätigkeit nicht erbracht (KG, RVGreport 2005, 343; OLG Bamberg, RVGreport 2005, 260 = AGS 2005, 401 m. Anm. Madert; OLG Hamm, RVGreport 2006, 101 = AGS 2006, 229; LG Koblenz, RVGreport 2005, 351 = AGS 2005, 396 m. zust. Anm. Schneider; Jungbauer, JurBüro 2005, 32; Schneider, AGS 2005, 240; a. A. OLG Frankfurt am Main, StV 2005, 76; Madert, AGS 2005, 239). 5. Gebührenhöhe a) Allgemeines Der Wahlanwalt erhält eine Betragsrahmengebühr i. H. v. 40,00 360,00. Die Mittelgebühr beträgt 200,00. Der Betragsrahmen ist unabhängig von der Ordnung des Gerichts, bei dem der»rechtsfall«, in den sich der Rechtsanwalt einarbeitet, später ggf. anhängig wird bzw. bei dem er bereits anhängig ist. Eine dem 84 Abs. 3 BRAGO vergleichbare Regelung sieht das RVG nicht mehr vor. Das führt anders als bei der Bestimmung des Gebührenrahmens bei einer Gebühr nach 84 Abs. 1 BRAGO zu einer recht einfachen Handhabung der Gebühr. Der Pflichtverteidiger erhält einen Festbetrag i. H. v. 160,00. Vertritt der Rechtsanwalt mehrere Auftraggeber, wie z. B. mehrere Nebenkläger, kommt eine Erhöhung nach dem Wortlaut der Nr VV nicht in Betracht. Die Erhöhung der Grundgebühr ist danach nicht vorgesehen. Es erhöht sich nur die Verfahrensgebühr. Geht man allerdings davon aus, dass die Grundgebühr ihrem Charakter nach eine besondere Verfahrensgebühr ist, die das Betreiben des Geschäfts in Form von vom Rechtsanwalt erbrachten besonderen Einarbeitungstätigkeiten honoriert (vgl. oben Rdn. 26), dann lässt sich die Anwendung der Nr VV vertreten. b) Bemessung der Wahlanwaltsgebühr Bei der Bemessung der Höhe der Gebühr sind über 14 Abs. 1 die Besonderheiten des jeweiligen Einzelfalls zu berücksichtigen (vgl. dazu BT-Drucks. 15/1971, S. 222 zu Nr VV; allgemein zur Gebührenbemessung Teil A: Rahmengebühren [ 14], Rdn ff.; Lissner, RVGreport 2013, 166, 167). Die Höhe der Gebühr ist also vor allem abhängig von den vom Rechtsanwalt erbrachten Tätigkeiten, insbesondere also von der Dauer des ersten Gesprächs, das er mit dem Mandanten geführt hat. Ein Erstgespräch von fünf Stunden liegt erheblich über dem Durchschnitt (aller Strafverfahren) (OLG Saarbrücken, RVGreport 2014, 103 [für Wirtschaftsstrafverfahren]). Insofern17 wird zudem der Umfang der Vorwürfe, die dem Mandanten gemacht werden, ebenso von Belang sein wie die Schwierigkeit der Sache. Beides hat nämlich im Zweifel Einfluss auf die Dauer des Gesprächs. So hat z. B. das OLG Hamm (RVGprofessionell 2010, 120) einem Verteidiger, der nach 2-stündiger Vorbereitung auf das Erstgespräch, dass dann 3 1/2 Stunden gedauert hat, die Höchstgebühr von (damals) 300,00 gewährt (ähnlich LG Dresden, Qs 20/06, Auch die Bedeutung der Angelegenheit ist von Belang. So handelt es sich z. B. beim Vorwurf des unerlaubten Entfernens vom Unfallort ( 142 StGB) um eine durchschnittliche Straftat, was unter Berücksichtigung eines konkreten Aktenumfangs und -inhalts von 31 Seiten bei Akteneinsicht den Ansatz der Mittelgebühr rechtfertigt (AG Nürnberg, Cs 705 Js 69713/11, JurionRS 2012, 26065) Zu beachten ist, dass zur Bemessung der Grundgebühr nur die dem Abgeltungsbereich der Grundgebühr unterfallenden Tätigkeiten herangezogen werden. Alle anderen Tätigkeiten sind bei der Bemessung der daneben entstehenden Verfahrensgebühr zu berücksichtigen (zum Verhältnis Grundgebühr/Verfahrensgebühr s. oben Rdn. 32 ff.). Zur konkreten Bemessung der Grundgebühr wird auf die bei den Literaturhinweisen aufgeführten Rechtsprechungsübersichten zu 14verwiesen. Erhebliche Bedeutung hat der Umfang der Akten, in die der Rechtsanwalt zur erstmaligen Einarbeitung Einsicht genommen hat. Darauf wird in der Gesetzesbegründung ausdrücklich abgestellt (vgl. dazu BT-Drucks. 15/1971, S. 281). Je umfangreicher die Akten sind, desto höher wird die Grundgebühr ausfallen müssen. Das OLG Düsseldorf (RVGreport 2011, 57 = StRR 2011, 119) hat die Grundgebühr auf nach altem Recht - 250,00 angehoben bei einem Aktenumfang von ca Seiten, zahlreichen Straftaten und mehreren Beschuldigten. Das LG Kiel ( Qs 67/12, JurionRS 2013, 10068) gewährt eine leicht über die Mittelgebühr erhöhte Grundgebühr bei einem Aktenumfang von 157 Seiten bei Übernahme des Mandats durch den Verteidiger in einem späteren amtsgerichtlichen Verfahren. Das LG Koblenz sieht einen Aktenumfang von 167 Blatt bis zum Beginn der Hauptverhandlung in einem amtsgerichtlichen Körperverletzungsverfahren als jedenfalls durchschnittlich an (LG Koblenz, Qs 1/14, JurionRs 2014, 11851).Das LG Meiningen (JurBüro 2011, 642) geht in einem einfachen Privatklageverfahren mit einem Aktenumfang von nur 30 Blatt von einer Grundgebühr von damals 100,00 aus. Das OLG Stuttgart (RVGreport 2014, 66 = RVGprofessionell 2014, 24) erhöht die Grundgebühr um die Hälfte der Differenz zwischen Mittelgebühr und Höchstgebühr in einem Schwurgerichtsverfahren mit rund 600 Blatt Akten und schwieriger Sachlage (Aussage-gegen-Aussage-Konstellation). Auch der Zeitpunkt bzw. das Verfahrensstadium, zu dem bzw. in dem der Rechtsanwalt beauftragt wird, kann auf die Höhe der konkreten Grundgebühr Auswirkungen haben. Je später im Verfahren der Rechtsanwalt mandatiert wird, desto umfangreicher ist der Verfahrensstoff, in den er sich einarbeiten muss (vgl. auch AnwKomm-RVG/N. Schneider, VV Rn. 24). Je früher er beauftragt wird, umso dünner sind i. d. R. die Akten (vgl. OLG Hamm, AGS 2013, 254 = (teilweise) StRR 2012, 438 = RVGreport 2013, 71). Reicht der Betragsrahmen wegen des erheblichen Umfangs der Akten nicht mehr aus, um die erste Akteneinsicht und die übrigen Tätigkeiten in diesem Verfahrensabschnitt angemessen zu entlohnen, muss ggf. eine Pauschgebühr nach den 42, 51 beantragt werden (vgl. dazu z. B. OLG Düsseldorf, RVGreport 2013, 228). Einen Anhaltspunkt, wann dies der Fall sein kann, gibt die Rechtsprechung der OLG zur Bedeutung des Aktenumfangs im Rahmen des 99 BRAGO (vgl. dazu 51 Rdn. 109). Die Frage der Ordnung des Gerichts hat bei der Bemessung der konkreten Gebühr keine Bedeutung (ausdrücklich AG Pirna, StRR 2009, 323 [LS] = VRR 2009, 323 [LS], das eine»amtsgerichtsgebühr«ablehnt; s. auch KG, StV 2006, 198 = AGS 2006, 278 = RVGreport 2007, 180; OLG 95818 Grundgebühr Nr VV Saarbrücken, RVGreport 2014, 103; OLG Stuttgart, RVGreport 2014, 66 = RVGprofessionell 2014, 24; LG Hamburg, Qs 60/11, JurionRS 2012, 13672; LG Karlsruhe, Qs 26/05, AnwKomm-RVG/N. Schneider, VV , Rn. 23; Gerold/Schmidt/, VV 4100, 4101 Rn. 23). Das folgt aus der Gesetzesbegründung, die ausdrücklich darauf abstellt, dass der von der Grundgebühr honorierte Arbeitsaufwand des Rechtsanwalts weitgehend unabhängig von der (späteren) Gerichtszuständigkeit ist (BT-Drucks. 15/1971, S. 222). Die Ordnung des Gerichts kann daher allenfalls mittelbar dadurch Bedeutung erlangen, dass i. d. R. z. B. Schwurgerichtsverfahren schwieriger sind als amtsgerichtliche Verfahren und damit die Schwierigkeit der anwaltlichen Tätigkeit als Bemessungskriterium ein anderes Gewicht erhält (so wohl auch KG, LG Hamburg und LG Karlsruhe, jew. a. a. O.). Der Gesetzgeber ist 2004 bei Schaffung der neuen Gebühr davon ausgegangen, dass der vorgegebene Betragsrahmen genügend Raum zur Berücksichtigung der Besonderheiten des jeweiligen Einzelfalls bietet (vgl. dazu BT-Drucks. 15/1971, S. 222). Dies trifft allerdings nur bedingt zu. Insbesondere in Verfahren mit umfangreiche(re)n Akten und/oder schwierigem Sachverhalt, wie er bei den Gerichten höherer Ordnung i. d. R. vorliegt, wird die Informationsbeschaffung zu erheblich größerem Zeitaufwand führen als z. B. bei den AG. Hier wird also die Grundgebühr mit dem auch nach der Anhebung durch das 2. KostRMoG nur geringen Rahmen von 40,00 360,00 die anwaltliche Tätigkeit nur teilweise angemessen entlohnen können. Deshalb muss in diesen Verfahren auf jeden Fall ein Ausgleich dadurch erreicht werden, dass der Gebührenrahmen ausgeschöpft wird. Reicht auch das noch nicht aus, muss der Wahlanwalt die Feststellung einer Pauschgebühr nach 42 beantragen, der Pflichtverteidiger muss nach 51 vorgehen. Ggf. ist der jeweilige Antrag auf den Verfahrensabschnitt»Grundgebühr«zu beschränken (zur Zulässigkeit eines beschränkten Antrags s. 42 Rn. 10 bzw. 51 Rn. 31 ff.). II. Anrechnung anderer Gebühren (Anm. 2) Ist wegen derselben Tat oder Handlung, die Gegenstand der erstmaligen Einarbeitung im Strafverfahren gewesen ist, bereits ein OWi-Verfahren geführt worden und ist insoweit bereits eine Grundgebühr nach Nr VV entstanden, wird diese nach Nr Anm. 2 VV auf die nach Nr VV entstehende Grundgebühr für das Strafverfahren angerechnet (zur Anrechnung allgemein s. Teil A: Anrechnung von Gebühren [ 15a], Rdn. 174). Für den Begriff»derselben Tat oder Handlung«gilt der prozessuale Tatbegriff des 264 StPO (vgl. dazu Meyer-Goßner, 264 Rn. 1 ff. m. w. N.). Entscheidend ist also, dass das OWi-Verfahren wegen desselben einheitlichen geschichtlichen Vorgangs geführt worden ist. Beispiel: Der Beschuldigte hat falsch überholt. Deswegen wird ein Bußgeldverfahren gegen ihn bei der Verwaltungsbehörde geführt. Durch das falsche Überholen ist es zu einem Verkehrsunfall gekommen. Nach dem Unfall hat sich der Beschuldigte unerlaubt vom Unfallort entfernt. Da dies zunächst nicht bekannt war, wird zunächst nur ein OWi-Verfahren geführt. Nach bekannt werden des unerlaubten Entfernens wird das Verfahren von der Bußgeldbehörde gem. 41 OWiG an die StA abgegeben. Diese führt das Verfahren nun auch wegen eines Verstoßes gegen 142 StGB. Rechtsanwalt R verteidigt den Betroffenen/Beschuldigten sowohl im OWi-Verfahren als auch im sich anschließenden Strafverfahren. Er erhält zwar über eine entsprechende Anwendung von 17 Nr. 10b sowohl für das OWi-Verfahren als auch für das Strafverfahren eine Grundgebühr (vgl. dazu auch Vorbem. 5 VV RVG Rdn. 10). Auf die im Strafverfahren entstandene Grundgebühr nach Nr VV wird jedoch die Grundgebühr des OWi-Verfahrens nach Nr VV angerechnet. Beide Verfahren werden wegen»derselben Tat«i. S. d. 264 StPO betrieben (s. das Beispiel bei Vorbem. 5 VV RVG Rdn. 41)19 61 Betreffen Bußgeldverfahren und Strafverfahren unterschiedliche Taten oder Handlungen, entstehen die Grundgebühren nach Nr VV und Nr VV gesondert. Eine Anrechnung findet nicht statt. Es ist auch unerheblich, in welcher Reihenfolge Straf- und Bußgeldverfahren betrieben werden (AnwKomm-RVG/N. Schneider, VV Rn. 26 ff.; vgl. auch Nr VV RVG Rdn. 7 ff.). 960 Mehr anzeigen
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References: BGH 
 Art. 41
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