Source: http://szybalski.de/author/wernerszybalski-de/
Timestamp: 2019-08-25 12:41:40+00:00

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Werner Szybalski – Szybalski.de
Veröffentlicht am 28. Juni 2019 23. Juli 2019
„Wir waren auf Kreta und auch in Südtirol. Beides war uns viel zu heiß. Deshalb kommen wir seit rund 30 Jahren zum Faaker See in Kärnten“, erläuterte Brigitte Koch aus Berlin, die mit Ehemann Julius zum 25 Mal hintereinander in der gleichen Ferienwohnung in der Region Villach ihren dreiwöchigen Sommerurlaub verbringt. Langweilig sei es den Pensionären noch nie geworden: „Einerseits treffen wir immer wieder Urlaubsfreunde und andererseits bietet uns das Dreiländereck Österreich, Slowenien und Italien unzählige Möglichkeiten der Urlaubsgestaltung.“
Blick vom Balkon auf den Faaker See.
Der private Faaker See, ein Juwel in türkisblau, ist der südlichste der österreichischen Alpenseen. Über dem Badesee, auf dem nur muskel-, wind- und elektrobetriebene Wassergefährte zugelassen sind, thront der 2145 Meter hohe Mittagskogel. Die Ortschaften Egg, Drobollach, Faak, Finkenstein, Latschach und Oberaichwald liegen rund um das 2,2 Quadratkilometer große Gewässer, das von West nach Ost durch eine Bodenschwelle, die sich als Insel bis zu zwölf Meter über die Wasseroberfläche erhebt, in zwei Becken geteilt wird.
Neben den privaten Badestellen der Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze gibt es am Faaker See beliebte öffentliche Badeanstalten. „Wir könnten auch am zu den Ferienwohnungen gehörenden Strand gehen. Lieber sind wir aber im öffentlichen Bad, denn dort treffen wir Bekannte und haben einfach mehr Unterhaltung und Spaß. Zudem wird seit einigen Jahren kein Eintritt mehr verlangt“, verriet die Berlinerin Brigitte Koch.
Der Mittagskogel hilft bei der Kanutour durch das Schilf im Faaker See nur bedingt als Orientierungshilfe. [Foto: Nicole Demmer]
über Die Einheimischen sprechen liebevoll von ihren Everglades, wenn sie die Paddeltour durchs hohe Schilf am Abfluss des Faaker Sees sprechen. Dicht rückt der Pflanzenbewuchs an den schmalen Wasserweg heran, so dass es schon einiger Paddelkünste bedarf, um zum Beispiel dem Krokodil, natürlich nur in Form einer Luftmatratze, sicher ausweichen zu können. Vom See kommend lohnt sich am Badestrand des Campingplatzes ein Stärkung, denn zurück muss auch gegen die sanfte Strömung des Seebachs, der in die Gail fließt, gepaddelt werden.
Wassergymnastik mit Hannelore im ****Hotel Karnerhof am Faaker See.
Natürlich verlockt der keine 30 Meter tiefe Faaker See zum Baden. Martin Fleischer und seine Lebensgefährtin Saskia Oeinghaus haben die fünfstündige Anreise aus Regensburg an den See selbst für ein Brückenwochenende nicht gescheut und schon gar nicht bereut. „Ich habe vom Faaker See vor drei Wochen in einem Reisebericht der Mittelbayerischen Zeitung gelesen. Da wir sowohl aktiv sein wollen, aber auf Wellness nicht verzichten möchten, hat Martin im Internet gesucht“, erzählte Saskia Oeinghaus an der Strandbar des Hotels Karnerhof in Egg. „In dem Zeitungsartikel stand, dass man von der Sauna direkt in den See springen kann. Als ich dann dies Hotel im Netz wiederfand, gab es bei uns kein Halten mehr“, ergänzte Martin Fleischer.
Neben Schwimmen stand Mountainbiking, Joggen und Standby-Paddeln bei den aktiven Endvierzigern auf dem Programm. Nach Sauna, Whirlpool und Stranddrink auf dem großzügigem Hotelgelände waren beide Regensburger abends fit, um sich den kulinarischen Genüssen der Villacher Region zu widmen. Auch der ordentliche Schauer auf der Bergtour bremste die Begeisterung nicht. „Das gehört dazu, wenn man in den Alpen aktiv ist“, lachte Saskia Oeinghaus am Pool in der Nachmittagssonne, um sich mit einem Sprung ins Becken schon wieder nass zu machen.
Affen, Adler und gutes Essen erwartet Besucher an und auf der Burgruine Landskron.
Ein Katzensprung entfernt vom Faaker See liegt über dem Ausläufer des Ossiacher Sees die Burgruine Landskron. Auf dem Weg die Mautstraße hinauf – gute Wanderer können auch im Tal ihr Fahrzeug abstellen – sind zunächst die Affen los. Als die ersten 49 Japanmakaken, die im Wald am Affenberg in Kärnten nahezu heimische Bedingungen vorfinden, gerade eingezogen waren, sorgten sie für eine spektakuläre Marketingmaßnahme.
Die jüngste Bewohnerin des Japanmakaken-Wildparks, erst 14 Tage alt, ist meist noch fest in Mamas Fell eingekrallt.
Als die Affen 1996 einzogen, war der Zaun oben mit Elektrodraht gesichert. „Nachdem der erste Affe einen Kurzschluss ausgelöst hatte, kletterten alle raus und zogen runter ins Dorf“, berichtet die Führerin zu Beginn der 45-Minuten-Tour durch das artgerechte Freigehege mit heute 167 Japanmakaken: „Zu Fressen fanden sie in den Gärten genug. Einige machten sich zudem über den Gemüsestand eine Supermarktes her.“
Inzwischen ist der Wildpark mit einem für die Japanmakaken unüberwindbarem Plastikaufsatz versehen, so dass sich die Affen ganz auf ihr Leben im Wald und den regelmäßigen Besuch der Touristen konzentrieren können. Die Gruppe wächst von Jahr zu Jahr, so dass auch die Wildparkleitung immer wieder Neues für die Japanmakaken baut. Jüngst entstand ein Teich mit Seilen und Klettergerüst darüber. „Zumindest die Jüngeren gehen gern ins Wasser. Gute Schwimmer sind aber alle Japanmakaken.“
Von den Besuchern, die nicht füttern dürfen, lassen sich die Japanmakaken kaum stören. Den Jüngsten und den Leittieren sind die Führungen sogar ganz lieb, denn dann gibt es von der Tierpflegerin immer wieder Obst, Gemüse oder Kartoffeln.
Einen Parkplatz höher – im Schatten der Burgruine, in der Gäste wie die früheren Fürsten tafeln können – warten die heimischen Greifvögel auf Besucher. In der Adler-Arena auf der Burg Landskron können zahlreiche Greifvögel – vom Kolkraben über Wanderfalken und Gänsegeier bis zum Steinadler – in den geräumigen Volieren beobachtet werden. Höhepunkt für die Besucher der Landskron sind natürlich die rund 40-minütigen Flugvorführungen der Greifvögel. Mit dem spektakulären Sturzflug des Steinadlers, der sogar schon eine Hauptrolle in einem Film spielte, endet die eindrucksvolle Show.
Für Inhaber der Kärnten Card fällt übrigens der Eintritt weg. Nur die 3,50 Euro für die Mautstraße muss an der Landskron entrichtet werden. Sie kostet für eine Woche 41 Euro für Erwachsene und 25 Euro für Kinder. Insgesamt entfällt über hundert Mal der Eintritt bei Kärntens schönsten Ausflugszielen. Zudem gibt es Ermäßigungen bei den Bonuspartnern. Die Kärtnen Card ist gültig vom 5. April bis 27. Oktober. Wer länger bleibt kann auch eine Zwei- oder Fünf-Wochenkarte (ab 67 Euro beziehungsweise ermässigt 34 Euro) erwerben. Beim Ausleihen von Elektro-Fahrrädern gewährt „Kärnten rent e bike“ zudem zehn Prozent Rabatt.
Aber auch schon die Erlebnis-Card der Region Villach, die teilnehmende Gastgeber kostenfrei für ihre Gäste ausstellen, lohnt sich. Mit der Erlebnis-Card kann zwischen 29. April und 3. November zum Beispiel der Zitrusgarten kostenfrei besucht werden oder ohne Zahlung an geführten Wanderungen und der Stadtführung teilgenommen werden. Auch die Radbusse (sogar über die Grenze) können frei genutzt werden. Selbst zwei Abendstunden im Warmbad Villach (Kärnten Therme) sind kostenfrei.
Dieser Uhu verlässt für die Flugshow hoch über Villach gern seinen Zinnenturm – schließlich haben die Falkner immer etwas Leckeres für die Eule dabei.
Im Cafe oder dem Restaurant auf der Landskron kann nicht nur getafelt werden. Bei herrlichem Ausblick über den Ossiacher See, die Kärntner Alpen sowie die italienischen und slowenischen Gipfel und hinab auf die Regionshauptstadt Villach schmeckt der Espresso oder das Villacher Bier besonders gut. Zudem lassen sich die Paraglider, die seit 1961 hier niedergehen, gut beobachten. Die Könner unter ihnen proben Kunststücke, so dass dem Betrachter der Atem stockt. Dies dürfte auch den Tandemspringern so gehen, wenn sie erstmals mit einem erfahrenen Begleiter aus 4000 Meter Höhe der Burg Landskron entgegen rasen.
Für die Wanderer ist die Stärkung vor dem Abstieg nach Affentheater und Greifvogelschau sicherlich sogar notwendig. Die Autonutzer stärken sich aber auch, zumindest wenn sie noch einen Spaziergang durch die historische Villacher Altstadt vornehmen wollen.
Von der Draunbrücke zieht sich der mediterran angehauchte Hauptplatz hoch bis zur Stadtpfarrkirche St. Jakob. Die Shopingmeile lädt nicht nur um die Dreifaltigkeitssäule zum Verweilen ein.
Geführt durch Informationen über das kostenfreie WLAN-Netz „WiVi“ kann die zweitgrößte Stadt Kärntens individuell besichtigt werden. Erstmals erwähnt wurde „Pons Uillah“, das heutige Villach, im Jahr 878. Es ist aber nachgewiesen, dass schon die Römer die warmen Quellen Villachs nutzten. Auch wenn durch 52 Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg Lücken in den historischen Baubestand gerissen wurden, lohnt besonders ein Sparziergang über den Hauptplatz und seine rechts und links abgehenden Gässchen.
Zurück am Faaker See wird sich nach einem abendlichen Bad im See kräftig gestärkt, denn am nächsten Tag steht Klettern auf der Agenda.
Blick von der 724 Meter hohen Taborhöhe auf den Faaker See. Selbst bei Regenwetter eine schöne Aussicht. [Foto: Dieter Wacker]
Von der Unterkunft wird gemütlich auf die 724 Meter hohe Taborhöhe „HocHHinAuf“ gewandert. Oben wartet nicht nur ein atemraubender Blick auf den Faaker See und eine gemütliche Berghütte zum Einkehren sondern auch der Waldseilpark und der 3D-Bogenparcour. Feste Schuhe und bequeme Kleidung und 25 Euro (17 Euro für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren) reichen, um die weitläufige, sichere Anlage zu durchklettern. Anschließend können Gruppen ab fünf Personen sich noch im Scheiben- oder 3D-Bogenschießen messen, ehe in der Taborhütte Achkatzlspeck*, Gölbe Suppn*, Kasnudi* oder Wazan* aufgetischt werden.
Wem der Faaker See zu kalt ist, der springt einfach in einen der vier Pools des Karnerhofs.
Was sollten Urlauber am Faaker See unbedingt machen? „Wer nicht nur für ein langes Wochenende kommt, sollte zwingend einmal auf den Mittagskogel steigen“, empfahl Brigitte Koch mit einem Schmunzeln im Gesicht.
„Deshalb müssen wir ja auch jedes Jahr zurück zum Faaker See kommen“, erläuterte Ehemann Julius Koch: „Schließlich haben wir es bislang nur zur Hütte auf dem halben Weg geschafft, denn dann zwang uns ein Gewitter zur Umkehr.“ Sicherlich ein sehr guter Grund, Jahr für Jahr oder auch immer wieder zum Faaker See zu reisen.
Pfiati!*
* Übersetzungen aus dem Kärtner Dialekt: aufe = hinauf, Achkatzlspeck = dünn aufgeschnittener, fein durchzogener Speck, Gölbe Suppn = typische Villacher Kirchtagssuppe, Kasnudi = traditionelle gefüllt Teigtaschen, Wazan = Kärntner Hefeteiggebäck, Pfiati = Tschüss.
Chef der Europäischen Linken eröffnet Woche der Brüderlichkeit in Welbergen
Ochtrup. Als niemand mehr in die kleine „Alte Kirche Welbergen“ hereinkam, entschieden am späten Sonntagnachmittag die Organisatoren der Auftaktveranstaltung der Woche der Brüderlichkeit des Kulturforums Ochtrup, die Kirche zu wechseln. Zu groß war das Interesse der Menschen in nördlichen Münsterland daran, was Gregor Gysi, Bundestagsabgeordneter und Präsident der Europäischen Linken, zum Motto „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ zu sagen hatte.
Nur die Plätze der Ehrengäste waren in der Alten Kirche Welbergen eine halbe Stunde vor der Rede von Gregor Gysi noch frei. Kurzfristig wurde die Veranstaltung in die gegenüberliegende „neue“ und vor allem größere St. Dionysius-Kirche verlegt.
Ochtrups SPD-Bürgermeister Kai Hutzenlaub begrüßte das Publikum und den Berliner Gast, der zuvor von der Stadt als „Deutschlands wichtige Stimme des Ostens“ angekündigt worden war. Nach nur wenigen Worten räumte er den Platz am Mikro für Gregor Gysi.
Das Folkduo „Am Rhin“, Petra und Klaus Spellmeyer, rahmten die Auftaktveranstaltung musikalisch ein.
Obwohl die ersten Worte nur die wenigsten Zuhörer erreichten, gewann der prominente Gast durch seine charmante Art und die durch und durch versöhnlichen Worte schnell die Sympathie des überwiegend älteren Publikums. Nach dem dritten Mikrowechsel war der Berliner Politiker dann auch in der ganzen Kirche zu verstehen.
Zu Beginn unterstrich Gysi, der sein eigenes Zitat bemühte („Ich glaube nicht an Gott, aber ich fürchte eine gottlose Gesellschaft“ [, weil sie moralfrei wäre.]), um sein Verhältnis zur Religion zu verdeutlichen, dass er den wachsenden Antisemitismus in Deutschland und Europa gefährlich findet. Er müsse wie der Nationalismus und der Rassismus in und von der Gesellschaft entschlossen bekämpft werden.
Er brach aber auch eine Lanze für die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, denen nicht nur aber auch aus jüdischen, christlichen und muslimischen Motiven geholfen werden müsse. Damit leitete Gregor Gysi seinen politischen Teil ein, bei dem er verdeutlichte, dass „die Welt immer enger zusammenrücke“. Auch als Linker müsste er betonen: „Die Konzernchefs sind nicht an Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus interessiert – sie sind nämlich international aufgestellt.“ Dabei machte er am Beispiel der Arbeitnehmer deutlich, dass er keinesfalls ein Genosse der Bosse sei: „Die Gewerkschaften sind schon lange nicht mehr gleichberechtigt.“
Scharf grenzte Gregor Gysi sich von den populistischen und rechten Bewegungen in Europa ab: „Diese Leute von Orbán bis zu AfD wollen nicht die Globalisierung abschaffen, sondern sich nur deren Vorteile sichern. America first macht dies deutlich.“ Tatsächlich sei aber eine interventionistische Politik der reichen Länder notwendig. Gysi: „Im Libanon kommen auf 1000 Einwohner 164 Flüchtlinge – in Deutschland auf 1000 Einwohner zwölf.“ Er wusste auch, wie die Flüchtlingswelle von 2015 zu verhindern gewesen wäre: „Das Internet hat eines erreicht: Weltweit ist nun ein Vergleich des Lebensstandards möglich.“ Neben Kriegen, neben Hunger und Elend sei dies eine weitere entscheidende Fluchtursache. Hätte auch Deutschland den später geflüchteten Menschen schon deutlich früher in ihren Ländern geholfen, wäre der Lebensstandard gestiegen und die Fluchtursachen zumindest in großen Teilen entfallen. Was ab 2015 die öffentlichen Finanzen in Deutschland belaste, sei in der Summe um ein vielfaches höher, als wenn das Geld rechtzeitig für die Menschen in den heutigen Fluchtländern zur Verfügung gestellt worden wäre, erklärte der Bundestagsabgeordnete: „Wir müssen den Mut haben, Schaden frühzeitig abzuwehren.“
Dazu gehört für Gregor Gysi auch, wie er ja aus eigenem Erlebnis wisse, das Mauern nur dazu dienen, Menschen nicht rein – oder auch nicht raus – zu lassen. Doch irgendwann sei der Druck so groß, dass die Mauern einstürzten: „Mauern machen Probleme nur vorübergehend unsichtbar.“
Ein gewichtiges aktuelles Problem sieht der Rechtsanwalt im großen Exportüberschuss in Deutschland: „Wir sind schon wieder Exportweltmeister.“ Für eine gerechtere Welt und ein menschenwürdiges Leben für alle in Deutschland, müsse „dieser Überschuss Stück für Stück abgebaut werden“. Dazu beitragen würden höhere Renten und hohe Sozialleistungen, die gemeinsam den Exportüberschuss durch eine gesteigerte Binnennachfrage senken würden. Aber dazu sieht er den Willen nur bei seiner eigenen Partei. „Natürlich bin ich froh, dass die SPD zu bestimmten Werten zurückzukehren gedenkt“, so Gysi, der aber bezweifelte, dass die Sozialdemokraten sich in nächster Zeit zu einer wirklichen sozialen Politik durchringen könnten. Aber auch die Rechten böten keine tatsächliche Alternative. Trotzdem sei er dagegen, die AfD zu verbieten: „Das was wir tun müssen, ist das Interesse an ihnen durch eine geänderte Politik wieder abzubauen.“
Es sei schon verwunderlich, dass ausgerechnet er gegenüber einem Würdenträger der katholischen Kirche zum Verteidiger des Papstes geworden sei. „Kapitalismus tötet“, hatte Papst Franziskus – sehr zum Unverständnis eines Klostervorstehers – gesagt. „Als ich diesem verdeutlichte, was der Papst meinte, war er sprachlos. Die weltweite Nahrungsprduktion könnte alle Menschen zwei Mal ernähren, tatsächlich verhungern aber 18 Millionen Menschen im Jahr.“
Gysi erinnerte an den ersten Paragrafen des Grundgesetzes und mahnte die Achtung der Würde anderer an: „Wir dürfen die Kultur jeder Gesellschaft niemals unterschätzen.“ Dies gelte auch im Umgang mit dem Anderen: „Es ist entscheidend, welche Meinung wir von Menschen haben, die irgendwie anders sind.“ Schauten wir genau hin, würde deutlich, dass auch sie uns etwas zu geben haben. „Die soziale Frage ist eine Menschheitsfrage“, rief Gregor Gysi in die St. Dionysius-Kirche.
„Die Frage nach der Nationalität oder Religion eines Menschen ist für mich völlig überflüssig. Wichtig ist der Charakter und das, was dieser Mensch tut.“ Die Zuhörer in Welbergen bedankten sich bei Gregor Gysi mit langem Applaus und teilweise stehenden Ovationen.
Ochtrups Bürgermeister Kai Hutzenlaub und seine Tochter Marlen, seit Januar stellvertretene Vorsitzende des Jugendparlaments Ochtrup, freuten sich, dass Grgor Gysi in ihrer Gemeinde zu Gast war.
Zum Abschluss der Auftaktveranstaltung der 30. Woche der Brüderlichkeit des Kulturforums Ochtrup sprach traditionell ihr Vorsitzender Dr. Guido Dahl. Er legte den Schwerpunkt auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der verschiedenen Religionen.
Beeindruckender Protest in Ahaus / Dr. Harengerd erinnert an Fukushima
Ahaus. Weit über tausend Demonstranten – unterstützt durch 67 Traktoren – zogen am Samstagmittag (9. März) in Ahaus vom Bahnhof zum Rathaus, um gegen die Atommüllpolitik in Land und Bund zu demonstrieren. Auf 1000 Teilnehmer hatten die Organisatoren der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ gehofft. Schon bei der Auftaktkundgebung am Ahauser Bahnhof wurde diese Hoffnung erfüllt. Zwar wollte die Polizei nur 1000 Anti-AKW-Gegner gezählt haben, doch die Veranstalter gingen von bis zu 1400 Menschen bei der Aktion aus. Diese Zahl war angesichts des langen Demonstrationszuges sehr wahrscheinlich.
Zur Kundgebung vor dem Rathaus in Ahaus durften die 67 Trecker der Bauern aus dem Westmünsterland nicht mit – es hätte wegen der weit über 1000 Demonstranten auch gar kein Platz für die Zugmaschinen bei der zweiten Kundgebung gegeben.
Der Münsteraner Dr. Michael Harengerd, NRW-Landesvorstandsmitglied des BUND und in dem Gremium für den Atomausstieg verantwortlich, erinnerte bei der Auftaktkundgebung an die Katastophe vor acht Jahren im japanischen Fukushima und warb für einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie: „150 000 Menschen mussten damals die verseuchte Gegend verlassen. Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern haben dort seitdem um das 30-fache zugenommen. Das sind die wahren Konsequenzen der Nutzung der Atomkraft. Nur der Druck, den wir – auch heute hier in Ahaus – ausüben, kann etwas verändern.“
Noch in diesem Jahr soll aus dem Forschungsreaktors FRM II in Garching bei München erstmals ein Transport mit abgebrannten Brennelementen ins Zwischenlager Ahaus rollen.
Hartmut Liebermann, Sprecher der Ahauser BI, setzte sich am Bahnhof mit der bundesweiten Suche nach einem Atommüll-Endlager auseinander: „Dass Gorleben nicht geeignet ist, wissen wir seit mehr als 40 Jahren. Es muss nach Lösungen gesucht werden. Die Untersuchungen müssen jetzt beginnen, nicht erst zwei oder drei Jahre vor Ablauf der jeweiligen Genehmigungen.“
Dann nahm Liebermann die beiden Bundesministerinnen aus dem Münsterland ins Visier: „Die beiden kümmern sich einen Dreck darum, was im Münsterland passiert.“ Der starke Applaus der Demonstranten signalisierte klare Zustimmung. Allerdings waren die Münsteranerin Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, und die Ibbenbürenerin Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, beide nicht in Ahaus.
Den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie forderte Hartmut Liebermann, Sprecher der Ahauser BI, und seine zahlreichen Mitstreiter am Samstag.
Nach gut einer Stunde setzte sich der lange Demonstrationszug durch die Ahauser Innenstadt in Bewegung. Kurz vor der Abschlusskundgebung mussten die Landwirte ihre Trecker abstellen, denn durch die Masse der Teilnehmer wäre vor dem Rathaus in Ahaus schlichtweg kein Platz für die fast 70 Landmaschinen gewesen. Obwohl zum Ende des Zuges heftiger Regen einsetzte, harrten die Anti-AKW-Aktivisten aus. Landwirt Josef Wissing aus dem benachbarten Vreden stellte seinen Trecker ab und erklärte gegenüber der Münsterland-Zeitung: „Wenn ein Behälter aus Jülich hier in Ahaus undicht wird, dann ist das eine Katastrophe für die Landwirtschaft. Die Schweinepest ist ein Witz dagegen“.
Alt und jung wehrten sich in Ahaus gegen die Möglichkeit im Westmünsterland ein Atommüll-Endlager einzurichten.
Zum Abschluss sprach vor dem Rathaus auch die Ahauser Bürgermeisterin Karola Voß, die zuvor auch mitdemonstriert hatte: „Die Sorgen der Menschen vor Ort sind spürbar, aber Rat und Verwaltung können nur wenig tun“. Klischnasse Demonstranten, die Voß als „Glücksfall für Ahaus“ einschätzten, bejubelten die klaren Worte der in Sachen Atommüll auch auf das Protestieren beschränkten Handlungsmöglichkeit Bürgermeisterin.
Hubertus Zdebel (links) im Gespräch mit Demonstranten. (Foto: BI Ahaus / Facebook)
Auch der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Die Linke) war vor Ort: „Es ist und bleibt unverantwortlich, weiter mit dem Betrieb von AKWs Atommüll zu erzeugen, wenn deren langfristige Lagerung völlig ungelöst ist. Immer mehr Atommüll aus der gesamten Bundesrepublik und demnächst auch aus Frankreich und England soll nach Ahaus transportiert werden. Dabei läuft Mitte der 2030er Jahre die Genehmigung für die Zwischenlagerung in Ahaus aus. Ein Endlager für diesen Atommüll soll es aber frühestens 2050 geben, Experten sagen sogar erst 2080 oder noch später. Kein Wunder, wenn also die Sorge umgeht, Ahaus könnte zum Endlager werden.“
Am Nachmittag fuhren Traktoren und Busse mit Demonstranten zum vier Kilometer außerhalb der Ahauser Innenstadt gelegenen Atommüll-Zwischenlager. Schwarze Fahnen und gelbe Kreuze links und rechts auf den Feldern an der Schöppinger Straße (L 570) markierten schon die letzten hundert Meter vor den unerwünschten beiden Lagerhallen. Am Samstag kamen noch unzählige mahnende schwarze Fahnen hinzu.
Der mit der Veranstaltung sehr zufriedene BI-Sprecher Felix Ruwe rief zum Weitermachen auf: „Wir sollten alle wieder auf der Straße sein, wenn der Castor kommt.“
100 Jahre 100 Tage Eisner
Autor Gerhard Schepper (4.v.r.) bei den Proben seines Bühnenwerkes „Hundert Tage Eisner“ im Kleinen Bühnenboden.
„Die hundert Tage der Regierung Eisner haben mehr Ideen, mehr Freuden der Vernunft, mehr Belebung der Geister gebracht als die fünfzig Jahre vorher“, schrieb Heinrich Mann. Das Theaterstück „Hundert Tage Eisner“ von Gerhard Schepper wird am 21. Februar, dem hundertsten Todestag von Kurz Eisner, im Kleinen Bühnenboden als szenische Lesung uraufgeführt. Das Stück vermittelt einen Eindruck von den dicht gedrängten Ereignissen der Revolutionsjahre 1918/19 und von dem Mann, der so viel Anteil daran hatte, dass die Umwälzungen so durch und durch gutmütig verliefen, hierin vielleicht sogar einzigartig in der Weltgeschichte.
Für die Aufführung haben sich Profis und Laienschauspieler zusammengefunden, die ein besonderes Interesse an der Person Eisner und den damaligen Ereignissen verbindet. Es sind dies: Jürgen Brakowsky, Petra Grycova, Michael Köstens, Tashina Mende, Nadja von Lüpke, Gerhard Schepper und Anka Scheu. Regie führen Konrad Haller und Simone Lamski.
Kurt Eisner, der von der SPD zur USPD wechselte, erkannte als erster die Möglichkeit, den militaristischen Staat durch die Einbeziehung der Massen zu stürzen und wurde am 8. November 1918 zum ersten Ministerpräsidenten von Bayern gewählt. Sein entschlossenes Handeln beeinflusste die Revolution in Berlin entscheidend. Seine Idee, die Menschen durch einen Dualismus von Parlamenten und Räten unmittelbar an der Demokratie zu beteiligen, hat Vorbildcharakter bis auf den heutigen Tag. Ermordet wurde Eisner am 21. Februar 1919 von einem Mitglied der Thule-Gesellschaft, einer der ersten völkischen Vereinigungen, in der auch Adolf Hitler Mitglied war. Der Tat voraus ging eine wochenlange Hetze gegen Eisners sozialistische Ideen und gegen seine jüdische Herkunft. Die Ermordung des bayrischen Ministerpräsidenten stürzte Bayern ins Chaos und öffnete den Nationalsozialisten Tür und Tor. Die darauf folgende Konterrevolution brachte Mord und Totschlag. Das Stück ist sehr nah an den tatsächlichen historischen Ereignissen. Nahezu alle Aussagen der handelnden Personen wie zumBeispiel Eisner, Auer, Toller, Luxemburg, Liebknecht oder Mühsam sind authentisch. Der Autor ist in Süddeutschland geboren und lebt seit 35 Jahren in Münster.
Am 23.02. wird die Aufführung ergänzt durch den Dokumentarfilm von Klaus Stanjek: „Rote Räte – die bayrische Revolution aus der Sicht von Augenzeugen.“
Termine im Kleinen Bühnenboden: 21. und 22. Februar (jeweils 20 Uhr) und 23. Februar 19 Uhr (mit anschließender Filmvorführung: Rote Räte). Kartenvorbestellung: www.derkleinebuehnenboden.de
Veröffentlicht am 5. Februar 2019 15. Februar 2019
Pflegebündnis Münster organisiert sich
Missstände gehen zu Lasten der Patienten und Beschäftigten
Auch in Münster schließen sich Pflegerinnen und Pfleger sowie an einer Verbesserung der Situation in den verschiedenen Pflegebereichen interessierte Menschen zusammen. Am Sonntagnachmittag (3. Februar) trafen sich knapp 20 Personen im Odak an der Wolbecker Straße 1 zum 1. Pflegestammtisch.
Knapp 20 Pfleger*innen und Interessierte trafen sich im Odak zum ersten Pflegestammtisch.
„Wir wollen aus dem Stammtisch idealerweise ein Pflegebündnis entwickeln“, erklärte Mino Andriotis, einer der Initiatoren des Stammtisches. Er zeigte sich mit dem Zuspruch beim ersten Treffen zufrieden, zumal nicht nur einige Pfleger*innen sondern auch Interessenvertretungen unter anderem von den Kritischen Mediziner*innen und Aktive der lokalen Parteien erschienen waren.
„Wer als Pfleger tätig ist, muss ein sozialer Mensch sein“, stellte eine Mitarbeiterin einer münsterschen Klinik fest. Eine andere Teilnehmerin ergänzte: „In der aktuellen Situation für die in der Pflege Beschäftigten sei es allerdings schwierig bis nahezu unmöglich, die ethischen Grundsätze im Beruf auch umsetzen zu können.“
Bei der extremen Arbeitsbelastung – auch und gerade durch den Schichtdienst – bleibe wenig Freiraum, um sich zu organisieren, aber auch um an regelmäßigen Freizeitaktivitäten wie zum Beispiel Sport teilnehmen zu können. All dies vor dem Hintergrund, dass – auch in Münster – überall Planstellen nicht besetzt werden können, da es an Interessent*innen fehle.
Der Forderung eines Pflegers, der kommunalpolitisch in städtischen Gremien eingebunden ist, dass mehr Menschen den Gewerkschaften beitreten sollten, wurde zwar nicht widersprochen, aber deutlich gemacht, dass eine Vernetzung über die Gewerkschaften hinaus erforderlich sei. Gotwin Elges vom Einladungskreis betonte: „Gewerkschaften sind sicherlich nicht die alleinige Lösung. Die Betroffenen und die Pflegenden müssen auch zusammenkommen können.“
Damit brachte er eine Zielsetzung des angestrebten Pflegebündnisses in Münster auf den Punkt: Es muss mehr Lobbyarbeit sowohl für die Beschäftigten als auch für die betreuten Menschen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen geben.
Der nächste Pflegestammtisch findet am Sonntag, dem 24. Februar, um 15 Uhr erneut im Odak (Wolbecker Straße 1) statt. Dazu ist ein bestehendes Pfelgebündnis aus einer anderen Stadt zur Berichterstattung eingeladen.
Veröffentlicht am 29. Januar 2019 15. Februar 2019
Friede, Freude, Europawahl
Juso-Chef Kevin Kühnert beim SPD-Neujahrsempfang in der Friedenskapelle
Die Schlange vor dem Einlass zum Neujahrsempfang der SPD Münster vor der Friedenskapelle in der Loddenheide in Münster war beeindruckend. Eng standen die Zuhörer im randvoll gefüllten Veranstaltungsraum am Willy-Brandt-Weg 37 b, um den prominenten Rebell der Sozialdemokratie, den Vorsitzenden der Jungsozialisten, Kevin Kühnert, zu hören. Der Stargast des Abends gehörte beim Neujahrsempfang zu der Minderheit der jungen Menschen auf der Veranstaltung.
Bis in den Eingangsbereich der Friedenskapelle am Friedenspark standen die Gäste des SPD-Neujahrsempfangs, um dem Parteirebellen Kevin Kühnert, Vorsitzender der deutschen Jungsozialisten, zu lauschen.
Um es gleich vorweg zu klären – der Funke sprang nicht vom Podium auf das Publikum über. Verständlich, denn Kevin Kühnerts Rede war so sanft, dass weder Feuer noch Funkenflug entstehen konnten. Der Berliner Kommunalpolitiker und Mitarbeiter von Melanie Kühnemann, SPDlerin im Berliner Abgeordnetenhaus, eröffnete dafür den Europawahlkampf der Sozialdemokraten im Münsterland, deren Kandidatin, Sarah Weiser, zur Begrüßung neben Kühnert, Ratsfraktionschef Michael Jung und dem lokalen Parteivorsitzenden Robert von Olberg auf der Bühne stand .
Kevin Kühnert sprach frei und flüssig – viele Anwesende hätten sich aber eher klare Worte, auch zum Zustand der eigenen Partei gewünscht.
Die SPD Münster versteht sich selbst als eher linker Kreisverband innerhalb der SPD-Familie. Vielleicht hatten deshalb viele der anwesenden früheren Verantwortungsträger der Partei auch darauf gehofft, dass Kühnert ihnen das Gefühl aus den 70er Jahren wiedererweckt, als massenhaft die jungen Menschen in die SPD eintraten. Kühnert aber ließ diese Sehnsüchte und Hoffnungen der Altvorderen links liegen.
Er machte lieber deutlich, wie wichtig die Europawahl am 26. Mai sei. Selbst seine Aufforderung zur Wahl zu gehen, quittierten die Anwesenden mit freundlichem Applaus. Die Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft ist sicherlich auch notwendig, denn die SPD liegt aktuell bei nur 15 Prozent Zustimmung, was nicht nur 12,3 Prozent unter dem Wahlergebnis von 2014 läge, sondern auch sicher nur Platz drei hinter Union (35 %) und den Grünen (20 %) bedeuten würde. Kritische Anmerkungen zur aktuellen Lage der Partei unterließ der führende Kopf der GroKo-Gegner. Auch Bemerkungen zur nicht anwesenden Umweltministerin Svenja Schulze aus Münster, die in Berlin gerade versucht zu erklären, warum der elf Jahre alte SPD-Parteitagsbeschluss zur Einführung eines Tempolimit auf deutschen Autobahnen gerade nicht umgesetzt werden kann, unterließ Kühnert.
Dafür outete sich Kevin Kühnert als EU-Fan. Zwar sähe er auch Reformbedarf, doch viel mehr als zum Beispiel gleiche Mindeststeuersätze für Unternehmen in der ganzen Europäischen Union forderte er in Münster nicht. Verständnis zeigte er für die Perspektivlosigkeit junger Menschen insbesondere in den Mittelmeerstaaten der EU. Eine radikale sozialpolitische Forderung leitete er aber nicht daraus ab. Dafür verwies er aber auf die Jusos auf der SPD-Europawahlliste: „Eine Stimme für die SPD bei der Europawahl ist auch eine Stimme für Jusos im Europaparlament.“
Schließlich ging er noch auf eine der drängenden Zukunftsfragen ein und mahnte baldige und wirksame Entscheidungen an: „Man kann nicht mit dem Klima verhandeln.“
Kühnert forderte gleiche Mindeststeuersätze für Unternehmen in der EU.
Während die Kritik, insbesondere an der CSU, bezüglich der Unterstützung des umstrittenen Ministerpräsidenten von Ungarn, Viktor Orbán, noch moderat ausfiel, wurde er einmal scharf. Ohne die Partei Die Linke zu benennen, spottete Kühnert darüber, dass Ende Februar in Bonn ein Bundesparteitag noch klären müsse, ob die EU aus linker Sicht nicht vielleicht doch nur ein neoliberales Projekt sei.
Große Zustimmung erhielt Kühnerts Forderung nach Aufnahme von zusätzlichen Flüchtlingen in den Kommunen. Als Kommunalpolitiker in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg wisse er, dass in zahlreichen Städten Kapazitäten für die Flüchtlingsunterbringung hergerichtet, aber derzeit nicht belegt seien. Kommunen, die zusätzliche Flüchtlinge aufnähmen, sollten aus einem Fördertopf „Geld in doppelter Höhe“ der jeweiligen Ausgaben erhalten.
Sarah Weiser, Europakandidatin der SPD im Münsterland, und Kevin Kühnert stellten sich zum Abschluss des Bühnenprogramms den Fragen des SPD-Unterbezirksvorsitzenden Robert von Olberg (r.).
Die „Erneuerung der SPD mit jungen Menschen“ musste in der anschließenden Fragerunde Robert von Olberg stellen. Beide Jusos, Kühnert und Sarah Weiser, sahen diesen Prozess schon auf einem guten Wege.
Friede, Freude, Eierkuchen – nein, denn anschließend gab es Freigetränke und kleine Häppchen. Viele Gäste hatte aber genug gehört oder besser formuliert zu wenig erfahren, wie die SPD aus der existentiellen Krise raus kommen will. Sie gingen mit der positiven Erkenntnis, dass die SPD in Sachen Europawahl geschlossen ist.
Der § 219 a StGB muss weg!
Auch in Münster gingen am Samstag, 26. Januar, Menschen auf die Straße, damit der § 219 a StGB (Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft) endlich aus dem Strafgesetzbuch gestrichen wird. Gut 150 Frauen und Männer versammelten sich trotz widrigen Wetters mittags vor dem historischen Rathaus. Eingeladen hatte das Münsteraner Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung.
Der § 129a StGB verhindert eine sach- und fachgerechte Aufklärung potentieller Patientinnen und setzt Ärzt*innen bundesweit unter Druck, so dass – gerade Frauen aus nicht vermögenden Schichten – immer weniger Möglichkeiten finden, gut beraten den medizinischen Eingriff vornehmen zu lassen.
Der bundesweite Aktionstag mit rund 5000 Teilnehmern in verschiedenen Städten stand auch in Münster unter dem Motto „Jetzt erst recht! Körperliche und sexuelle Selbstbestimmung sind nicht verhandelbar.“ In Berlin waren laut taz bis zu 700 Menschen auf der Straße. In Bremen – wie in Münster – rund 150 Menschen. In Gießen zählte das Bündnis über 500 Teilnehmer*innen.
Auf dem prinzipalmarkt sprachen Gertrud Sparding (SPD), die grüne Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink, Johanna Wegmann, ehemaliges Vorstandsmitglied der Linken Münster, sowie Vertreterinnen von Pro Familia, den kritischen Mediziner*innen und natürlich vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung.
„Es gibt keinen Kompromiss – der § 219 a gehört abgeschafft“, verdeutlichte Christina Schmidt vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung in Münster: „Es ist unwürdig, Adressenlisten unter der Hand gereicht zu bekommen. Es ist unwürdig, Ärzt*innen nicht auswählen zu können. Es ist unwürdig, in eine nächste größere Stadt fahren zu müssen. Deshalb stellen wir uns gegen den § 219 a! Deshalb kämpfen wir für die Abschaffung des Informationsverbotes! Deshalb treten wir für eine niedrigschwellige Versorgung vor Ort ein! Die Betroffenen müssen das Recht und die Möglichkeit haben, vor Ort mit den ihnen vertrauten Ärzt*innen zu sprechen. Die Ärzt*innen müssen das Recht haben, sachlich über ihre Leistungen zu informieren, um eine freie Wahl zu ermöglichen – ohne Angst vor gerichtlichen Klagen. Respekt und Würde sind nicht verhandelbar.“
Diese drei unabhängigen Frauen hatten ihre klare Vorstellung aufgeschrieben.
Maria Klein-Schmeink bedauerte, dass im alten Bundestag trotz rot-rot-grüner Mehrheit und Unterstützung auch bei Liberalen es nicht gelungen war, den Paragrafen abzuschaffen: „Ich hatte auf mehr Mut bei den Abgeordneten gehofft.“ Sie rief die Teilnehmer*innen auf, weiter gemeinsam zu streiten – auch um den § 218 StGB (Schwangerschaftsabbruch).
Neben vielen anderen Teilnehmer*innen nahm auch die Sprecherin der Linken Münster, Katharina Geuking (rechts im Bild), am Samstag an der Fotoaktion, die zwischen den Redebeiträgen durchgeführt worden war, teil. Vor den Kameras wurde klar und deutlich Stellung bezogen: „Der § 219 a StGB muss weg! “

References: § 219
 § 219
 § 129
 § 219
 § 219
 § 218
 § 219