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07.01.2015 · IWW-Abrufnummer 174013
Bundesfinanzhof: Urteil vom 13.11.2014 – III R 18/14
Die hiergegen gerichtete Klage wies das Finanzgericht (FG) ab. Zur Begründung verwies es im Wesentlichen darauf, dass der Kläger nach Art. 14 Nr. 1 Buchst. a, Nr. 2 Buchst. b Ziff. i der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern ( VO Nr. 1408/71 ) --in der für den streitigen Zeitraum geltenden Fassung-- ausschließlich den polnischen Rechtsvorschriften unterfalle.
II. Die Familienkasse ... der Bundesagentur für Arbeit ist aufgrund eines Organisationsaktes (Beschluss des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit Nr. 21/2013 vom 18. April 2013 gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 11 des Finanzverwaltungsgesetzes , Amtliche Nachrichten der Bundesagentur für Arbeit, Ausgabe Mai 2013, S. 6 ff., Nr. 2.2 der Anlage 2) im Wege des gesetzlichen Parteiwechsels in die Beteiligtenstellung der Agentur für Arbeit ... - Familienkasse eingetreten (s. dazu Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 3. März 2011 V B 17/10 , BFH/NV 2011, 1105, unter II.A.). Das Rubrum wurde entsprechend angepasst.
a) Die Anwendung von Vorschriften der VO Nr. 1408/71 setzt zunächst voraus, dass u.a. deren persönlicher Geltungsbereich eröffnet ist. Nach Art. 2 Abs. 1 VO Nr. 1408/71 gilt die Verordnung u.a. für Arbeitnehmer und Selbständige, für welche die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten gelten oder galten, soweit sie Staatsangehörige eines Mitgliedstaats sind, sowie für deren Familienangehörige und Hinterbliebene. Zur Beantwortung der Frage, ob der Kläger insbesondere unter den Begriff des Arbeitnehmers fällt, hätte das FG zunächst gemäß der in Art. 1 Buchst. a VO Nr. 1408/71 enthaltenen Definition des Begriffes "Arbeitnehmer" Feststellungen zum Versichertenstatus treffen müssen (s. im Einzelnen Senatsurteil vom 4. August 2011 III R 55/08 , BFHE 234, 316, BStBl II 2013, 619, [BFH 04.08.2011 - III R 55/08] unter II.2.c).
Wie der Senat im Anschluss an die Entscheidungen des Gerichtshofs der Europ äischen Union (Urteil Bosmann, C-352/06, EU:C:2008:290, sowie Urteil Hudzinski, C-611/10, EU:C:2012:339; Beschluss Wawrzyniak, C-612/10, EU:C:2011:72) entschieden hat, entfalten die Zuständigkeitsregelungen der Art. 13 ff. VO Nr. 1408/71 keine Sperrwirkung gegenüber der Anwendung des nationalen Rechts (s. im Einzelnen z.B. Senatsurteil vom 16. Mai 2013 III R 8/11 , BFHE 241, 511, BStBl II 2013, 1040, [BFH 16.05.2013 - III R 8/11] Rz 12 ff., und vom 14. November 2013 III R 12/11 , BFH/NV 2014, 506, Rz 12 ff.).
bb) Im Falle der Anwendbarkeit des § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG wäre das FG im Grundsatz verpflichtet, eine eigene Entscheidung darüber zu treffen, ob für ein Kind ein Anspruch auf Gewährung von dem Kindergeld vergleichbaren Leistungen nach ausländischem Recht besteht (s. im Einzelnen Senatsurteile vom 13. Juni 2013 III R 63/11 , BFHE 242, 34, BStBl II 2014, 711, [BFH 13.06.2013 - III R 63/11] Rz 17 ff., und vom 13. Juni 2013 III R 10/11 , BFHE 241, 562, BStBl II 2014, 706, [BFH 13.06.2013 - III R 10/11] Rz 20 ff.).
3. Der Senat entscheidet mit Einverständnis der Beteiligten ohne mündliche Verhandlung ( § 90 Abs. 2 FGO i.V.m. § 121 Satz 1 FGO ).
Vorschriften§ 65 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG), Art. 14 Nr. 1 Buchst. a, Nr. 2 Buchst. b Ziff. i der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71, VO Nr. 1408/71, § 5 Abs. 1 Nr. 11 des Finanzverwaltungsgesetzes, § 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO), Art. 13 ff. VO Nr. 1408/71, Art. 2 Abs. 1 VO Nr. 1408/71, Art. 1 Buchst. a VO Nr. 1408/71, §§ 62 ff. EStG, §§ 62 f. EStG, § 62 Abs. 1 EStG, § 63 EStG, § 1 Abs. 3 EStG, § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, § 90 Abs. 2 FGO, § 121 Satz 1 FGO, § 143 Abs. 2 FGO

References: Art. 14
 § 5
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 13
 § 65
 § 90
 § 121
 Art. 14
 § 5
 § 126
 Art. 13
 Art. 2
 Art. 1
 § 62
 § 63
 § 1
 § 65
 § 90
 § 121
 § 143