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Timestamp: 2019-05-24 03:05:51+00:00

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Handy-Parken; entfernen vom Fahrzeug vor Erhalt der "Bestätigungs-SMS" - Findok Internet
Bescheidbeschwerde – Einzel – Erkenntnis des BFG vom 23.04.2019, RV/7501053/2018
Handy-Parken; entfernen vom Fahrzeug vor Erhalt der "Bestätigungs-SMS"
Das Bundesfinanzgericht hat durch die Richterin Ri über die Beschwerde des Bf, AdrBf, gegen das Erkenntnis der Stadt Wien, Magistratsabteilung 67, vom 8. November 2018, MA67/GZ, wegen einer Verwaltungsübertretung gemäß § 5 Abs. 2 Wiener Parkometerabgabeverordnung in Verbindung mit § 4 Abs. 1 Wiener Parkometergesetz 2006, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 10. April 2019 im Beisein des Schriftführers SF, zu Recht erkannt:
I) Gemäß § 50 VwGVG wird der Beschwerde insoweit Folge gegeben, als die verhängte Geldstrafe von 60,00 Euro auf 48,00 Euro und die für den Fall der Uneinbringlichkeit festgesetzte Ersatzfreiheitsstrafe von 14 Stunden auf 10 Stunden herabgesetzt wird.
III) Als Vollstreckungsbehörde wird gemäß § 25 Abs. 2 BFGG der Magistrat der Stadt Wien bestimmt. Der Beitrag zu den Kosten des behördlichen Verfahrens (10 Euro) ist zusammen mit der Geldstrafe (48 Euro), insgesamt somit in Höhe von 58,00 Euro an den Magistrat der Stadt Wien zu entrichten.
Der Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung 67, erkannte den Beschwerdeführer (Bf.) mit Straferkenntnis vom 08.11.2018 schuldig, er habe das mehrspurige Kraftfahrzeug mit dem behördlichen Kennzeichen Kennz am 03.08.2018 um 09:41 Uhr in 1020 Wien, yyy, in einer gebührenpflichtigen Kurzparkzone abgestellt gehabt, ohne dieses bei Beginn des Abstellens mit einem gültig entwerteten Parkschein gekennzeichnet oder einen elektronischen Parkschein aktiviert zu haben.
Wegen Verletzung des § 5 Abs. 2 Parkometerabgabeverordnung verhängte die belangte Behörde gemäß § 4 Abs. 1 Parkometergesetz über den Bf. eine Geldstrafe von 60,00 Euro(Ersatzfreiheitsstrafe: 14 Stunden) und schrieb gemäß § 64 Abs. 2 VStG einen Verfahrenskostenbeitrag in Höhe von 10,00 Euro vor.
In seinem Einspruch gegen die zunächst ergangene Strafverfügung vom 02.10.2018 führte der Bf. lediglich aus, er erhebe Einspruch gegen die gegenständliche Strafverfügung.
Am 18.10.2018 erging eine Aufforderung zur Rechtfertigung bezüglich des Sachverhaltes: "Abstellen des Fahrzeuges, ohne für seine Kennzeichnung mit einem für den Beanstandungszeitpunkt gültigen Parkschein gesorgt zu haben".
Der Bf. gab daraufhin unter Anführung einer Mobil- und Referenznummer bekannt, dass nach interner Abklärung laut m-parking (Auszug beigelegt) am 03.08.2018 um 09:41 Uhr für das gegenständliche KFZ ein 15-Minuten-Gratisparkschein für den Zeitraum 09:41 Uhr bis 09:56 Uhr gebucht worden sei. Daher sei die Parkometerabgabe nicht fahrlässig verkürzt worden.
In der Begründung des nunmehr angefochtenen Straferkenntnisses nahm es die belangte Behörde als erwiesen an, dass das vom Bf. gelenkte Kraftfahrzeug mit dem behördlichen Kennzeichen Kennz am 03.08.2018 um 09:41 Uhr in 1020 Wien, yyy, im Bereich der gebührenpflichtigen Kurzparkzone abgestellt war, ohne dass die Parkometerabgabe entrichtet worden war.
Zur Begründung wurde nach Wiedergabe des Sachverhaltes Folgendes ausgeführt:
"Dagegen erhoben Sie Einspruch. Anlässlich der Aufforderung zur Rechtfertigung vom 18.10.2018 gaben Sie an, dass Sie mittels m-parking einen elektronischen Parkschein aktivierten. Dieser scheine mit der Nummer Nr auf. Beweis wurde durch Einsichtnahme in die Organstrafverfügung samt Fotos, die Zulassungsdaten, Ihren Einspruch sowie die Transaktionsübersicht für das Kennzeichen Kennz aktivierten Parkscheine erhoben.
Wie der Transaktionsübersicht zu entnehmen ist, wurde um 9:41 Uhr ein elektronischer 15-Minuten-Parkschein mit der Nummer Nr gebucht.
§ 7 Abs. 1 der Kontrolleinrichtungenverordnung zufolge haben Abgabepflichtige, die ein
mehrspuriges Kraftfahrzeug in einer Kurzparkzone abstellen, dafür zu sorgen, dass während der Dauer seiner Abstellung ein elektronischer Parkschein aktiviert ist.
Ihr Vorbringen, dass Sie mittels Mobiltelefon einen Parkschein entwertet haben, ist insofern richtig, als dass die Entwertung eines elektronischen Parkscheins mit der Nummer Nr um 9:41 Uhr erfolgt ist.
Wird die Abstellanmeldung durch das elektronische System bestätigt, gilt die Abgabe als
entrichtet oder darf das mehrspurige Kraftfahrzeug für einen fünfzehn Minuten nicht
übersteigenden Zeitraum abgestellt werden (§ 7 Abs. 2 und 3 der
Kontrolleinrichtungenverordnung).
Erst mit der Bestätigungs-SMS ist ein gültiger Parkschein vorhanden. Gegenständlich haben Sie die Bestätigungs-SMS um 9:41 Uhr erhalten.
Ebenfalls um 9:41 Uhr ist die Beanstandung durch den Meldungsleger erfolgt.
Bemerkt wird hierzu, dass die Zeitangaben des Kontrollorgans schon deshalb glaubwürdig sind, weil den Kontrollorganen elektronische Überwachungsgeräte (sog. PDA's) zur Verfügung stehen, welche die zum Beanstandungszeitpunkt aktuelle Uhrzeit über einen Server beziehen und vorgeben.
Auch der Verwaltungsgerichtshof hat in seinem Erkenntnis vom 26.01.1998, 96/17/0354,
ausführlich dargelegt, dass die Parkometerabgabe unverzüglich nach dem Abstellen des
Fahrzeuges zu entrichten ist und dass ein Lenker, der sich, ohne diese Pflicht zu erfüllen, vom abgestellten Fahrzeug entfernt, damit bereits den Tatbestand der Abgabenverkürzung verwirklicht.
Da Sie auch nicht einmal behauptet haben, das anzeigelegende Organ beim Fahrzeug
angetroffen zu haben, ist davon auszugehen, dass Sie sich bereits vom Fahrzeug entfernt
haben und kann somit auch keine Rede davon sein, dass die Abgabe unverzüglich nach dem Abstellen entrichtet wurde. Da der mittels "Handyparkscheins" angegebene Abstellbeginn unrichtig war, wurde die Parkometerabgabe verkürzt.
Die ordnungsgemäße Entrichtung der Parkometerabgabe wird durch das Kontrollorgan vor Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt kontrolliert und ist die nachträgliche Entrichtung - wie hier der Fall gewesen - gesetzlich nicht vorgesehen. Damit ist hier Tatbestandsmäßigkeit gegeben.
Verhältnissen zum Zeitpunkt der Tat nicht fähig gewesen wären, die objektiv gebotene Sorgfalt einzuhalten oder den von Ihnen verursachten Erfolg vorauszusehen, oder dass Ihnen rechtmäßiges Verhalten in der konkreten Situation unzumutbar gewesen wäre. Sie haben daher durch die Verletzung der für Sie bestehenden und Ihnen auch zumutbaren Sorgfaltspflicht, somit fahrlässig, die Abgabe verkürzt.
Grundlage für die Bemessung der Strafe sind die Bedeutung des strafrechtiich geschützten Rechtsgutes und die Intensität seiner Beeinträchtigung durch die Tat. Im ordentlichen Verfahren (§§ 40 bis 46) sind überdies die nach dem Zweck der Strafdrohung in Betracht kommenden Erschwerungs- und Milderungsgründe, soweit sie nicht schon die Strafdrohung bestimmen, gegeneinander abzuwägen. Auf das Ausmaß des Verschuldens ist besonders Bedacht zu nehmen. Unter Berücksichtigung der Eigenart des Verwaltungsstrafrechtes sind die §§ 32 bis 35 des Strafgesetzbuches sinngemäß anzuwenden. Die Einkommens- und Vermögensverhältnisse und allfällige Sorgepflichten des Beschuldigten sind bei der Bemessung von Geldstrafen zu berücksichtigen.
einzustufende öffentliche lnteresse an der ordnungsgemäßen und fristgerechten Entrichtung der Parkometerabgabe, weshalb der objektive Unrechtsgehalt der Tat an sich nicht als geringfügig angesehen werden kann (vgl. VwGH 23.3.1998, Zl. 97/17/0201).
Sie haben keine Angaben über lhre Einkommens- und Vermögensverhältnisse und allfällige Sorgepflichten gemacht. Die Strafbemessung erfolgte daher auf der Grundlage durchschnittlich angenommener wirtschaftlicher Verhältnisse. Über Sorgepflichten war nichts bekannt.
Vormerkungen nach dem (Wiener) Parkometergesetz 2006 aktenkundig sind.
Mit der gegenständlichen frist- und formgerechten Beschwerde vom 05.12.2018 beantragt der Bf. die Einstellung des Verfahrens und führte dazu Folgendes aus:
"Sehr geehrte Behörde, ich, xxx, wohnhaft in AdrBf, lege heute, am 05.12.2018, in vierwöchiger Frist Beschwerde bei der MA 67 zum Straferkenntnis MA67/GZ vom 08.11.2018 ein.
Begründung der Rechtswidrigkeit: Im Straferkenntnis vom 08.11.2018 wird nun ein geänderter Vorwurf im identen Verfahren zitiert, als in der ersten Strafverfügung vom
02.10.2018 und der Aufforderung zur Rechtfertigung vom 18.10.2018 textlich begründet war. Da im Straferkenntnis erstmals dieser geänderte Vorwurf auftaucht, konnte ich dazu keine adäquate Stellungnahme einbringen. Die vorgelegten Fotos als Beweise im Verfahren enthalten keine Datums- oder Uhrzeitangaben, wann sie gemacht wurden. Daher kann ich keine Kausalität und keinen Sachverhalt für einen Beweis daraus entnehmen. Auch dass keine Person/kein Lenker am Teilausschnittsfoto des KFZ sichtbar ist und dies als weiterer Beweis heran gezogen wurde, dass sich der Lenker nicht im oder um den KFZ Bereich befand, ist meiner Meinung nach nicht schlüssig und kann auch nicht angenommen werden. Des weiteren wird behauptet, dass ich das Fahrzeug an besagtem Tag und Uhrzeit an dem Ort abgestellt gehabt hätte, was ich nie bestätigt oder kund getan habe. Im Gegenteil wird in meinem Schreiben auf den Umstand hingewiesen, dass ich nach interner Abklärung bestätigen kann, dass das betreffende Fahrzeug um 9h41 an diesem Tag dort abgestellt wurde. Da keine Lenkererhebung durchgeführt wurde, kann die Behörde nicht automatisch von einem Delikt und einer Verurteilung des Zulassungsbesitzers ausgehen. Ihrer Begründung, dass die Kontrollzeit des Kontrollorgans durch eine Serverzeit glaubwürdig ist, wird entgegen gehalten, dass auch die Bestätigungszeit für die entrichtete Abgabe der Parkgebühr ebenfalls von einem zentralen, in behördlichem Auftrag stehenden Server glaubwürdig bestätigt wird. Die korrekte Abgabe der Parkgebühr um 9h41 wurde damit amtlich bestätigt. Ihre Behauptung "Da der mittels Handyparkscheins angegebene Abstellbeginn unrichtig war, wurde die Parkometerabgabe verkürzt" ist unschlüssig und unbelegt. Die Parkscheinlösungsbestätigung um 9h41 lässt dagegen den kausalen Schluss zu, dass der Abstellbeginn um 9h41 erfolgte. Auch eine Entfernung vom Fahrzeug vor der Bestätigungs-SMS um 9h41 kann, wieder nach Rückfrage, nicht bestätigt werden. Begehren: Ich begehre daher, auf Basis obiger Fakten und Argumente, die ersatzlose Einstellung des Verfahrens. Sollte das Verfahren nicht ersatzlos eingestellt werden, so beantrage ich, dass eine öffentliche, mündliche Verhandlung durchgeführt wird, um
meine Unschuld zu beweisen."
In der Folge wurde dem Bf. gegenüber ein mit 07.01.2019 datierter Vorhalt nachstehnden Inhalts erlassen:
"Erstmals in Ihrer Beschwerde vom 05.12.2018 bringen Sie vor, Sie seien nicht der Lenker des Fahrzeuges gewesen.
Sie werden daher gebeten, innerhalb einer Frist von drei Wochen ab Zustellung dieses Schreibens durch geeignete Unterlagen bzw. Beweisanträge den Nachweis zu erbringen, dass nicht Sie es waren, der das Kraftfahrzeug mit dem behördlichen Kennzeichen Kennz am 03.08.2018 um 09:41 Uhr an dem im Straferkenntnis vom 08.11.2018 näher umschriebenen Ort abgestellt hat."
Der Vorhalt wurde dem Bf. nachweislich am 09.01.2019 zugestellt und blieb unbeantwortet.
In der am 10.04.2019 durchgeführten mündlichen Verhandlung ergänzte der Bf. sein Beschwerdevorbringen wie folgt:
"Ich verweise auf den Inhalt meiner Beschwerde wonach ich die Parkgebühr unverzüglich bezahlt habe. Wer Lenker zum Tatzeitpunkt war, ich oder mein Sohn, kann ich nicht gesichert sagen. Gebucht habe jedenfalls ich den Parkschein von meinem Handy."
"Warum haben Sie diese Informationen nicht bereits der belangten Behörde mitgeteilt?"
"Ich habe mich geärgert wie über mich "darübergefahren" wurde. Man hat mir einfach vorgeworfen, die Parkometerabgabe verkürzt zu haben, ohne dieses zu hinterfragen und dazu kommt dass ich um 09:41 Uhr den Parkschein per Handy gebucht habe und die Rückmeldung in der selben Minute erfolgt ist. Die Kontrolle duch die Meldungslegerin kann also nur innerhalb weniger Sekunden vor der Beanstandung erfolgt sein oder auch nachher. Aus diesem Grund erscheint mir auch die Bestrafung überschießend."
"Seit wann haben Sie den Führerschein und wie lange und wie oft fahren Sie schon in Wien Auto ?":
"Führerschein habe ich seit 1978. In Wien fahre ich unterschiedlich oft, im Sommer mehr und im Winter weniger."
"Wie hoch ist in etwa ihr monatliches Einkommen?"
"Ich habe ein durchschnittliches mittleres Einkommen, Sorgepflichten für vier Kinder zwischen 10 und 18 Jahren und eine Unterhaltsleistung für die geschiedene Frau."
Auf den Hinweis der Richterin , ein Zulassungsbesitzer sei, gemäß § 2 Wiener Parkometergesetz, dazu verpflichtet der MA 67 darüber Auskunft zu erteilen, wem er das Fahrzeug überlassen hat und ein Verstoß gegen § 2 Parkometergesetz sei mit einer Geldstrafe bis zu € 365,00 zu ahnden, replizierte der Bf., nie zur Erteilung einer Lenkerauskunft aufgefordert worden zu sein, und auch nicht zu hundert Prozent sagen zu können, ob sein Sohn oder er gefahren sei. Eine andere Person habe es sicher nicht gewesen sein können.
Die als Zeugin zur mündlichen Verhandlung geladene Meldungslegerin Ml gab nach Befragen der Richterin, ob sie sich an den verfahrensgegenständlichen Vorfall erinnern könne, an:
"Ich kann ich mich nicht erinnern. Der Vorfall ist schon beinahe über ein halbes Jahr her."
Die nachstehenden Fragen der Richterin beantwortete die Zeugin wie folgt.
"Es wird Ihnen nun die von Ihnen am Tatort aufgenommene Ablichtung des verfahrensgegenständlichen KFZ gezeigt. Erinnern Sie sich nun an diesen Vorfall?"
"Ich kenne zwar die Örtlichkeit, kann mich aber konkret nicht an die Beanstandung erinnern."
"Könnten Sie sich, bezüglich Ihrer Meldungslegung, geirrt haben?"
"Da ich am Tatort keinen Parkschein an der Windschutzscheibe des streitverfangenen PKW's gesehen habe und das PDA keine Buchung angzeigt hat und ich beim Fahrzeug keine Person gesehen habe gehe ich davon aus, dass ich richtig gehandelt habe."
Die Fragen des Bf: 1)" Hätte es sein können, dass Ihnen im Falle, dass Ihre Kontrolle zehn Sekunden später erfolgt wäre, eine Rückmeldung über die Bestätigung über die Buchung auf Ihrem PDA zugekommen wäre? und 2) "Greift Ihr PDA System auf die selbe Server Applikation wie meine Handy Anmeldung zurück?""
beantwortete die Meldungslegerin: 1)"Wesentlich für mich ist, dass im Zeitpunkt der Kontrolle keine Rückmeldung erfolgt ist. Ob danach eine Rückmeldung erfolgt ist für meine Meldungslegung unwesentlich und ich befasse mich daher auch nicht damit und 2)"Nein, könnte es gar nicht, es gibt ja mehrere Applikationen."
Das mehrspurige Kraftfahrzeug mit dem behördlichen Kennzeichen Kennz war am 03.08.2018 um 09:41 Uhr in der gebührenpflichtigen Kurzparkzone in 1020 Wien, yyy, abgestellt. Der Bf. ist Zulassungsbesitzer des des streitverfangenen PKW's. Laut Übersicht Handy-Parken (Akt Seite 17) buchte der Bf.,als Zulassungsbesitzer des gegenständlichen Fahrzeuges, einen elektronischen 15-Minuten-Gratisparkschein um 09:41 Uhr. Die Beanstandung durch das Parkraumüberwachungsorgan erfolgte ebenfalls um 09:41 Uhr. Zum Zeitpunkt der Abfrage durch das Kontrollorgan war der elektronische Parkschein im Parkraumüberwachungssystem noch nicht registriert und es befand sich niemand beim PKW.
Die Kontrollorgane der Parkraumüberwachungsgruppe der Landespolizeidirektion Wien (Meldungsleger) haben die Abgabenentrichtung in den linearen und flächendeckenden Kurzparkzonen zu überprüfen, indem sie kontrollieren, ob für die abgestellten Kfz die angeordneten Kontrollmaßnahmen (entwerteter Parkschein oder elektronische Bestätigung der Abgabenentrichtung) erfüllt bzw. das "Parkpickerl" usw. ordnungsgemäß angebracht sind.
Im Zuge einer Beanstandung wird die zu dem Zeitpunkt aktuelle Uhrzeit über einen Server bezogen und vorgegeben. Somit ist ein händisches Eingreifen oder ein Fehler durch den Mitarbeiter ausgeschlossen.
Die Organstrafverfügung wird zum Abfragezeitpunkt des Meldungslegers mit der Serverzeit ausgestellt, wohingegen der elektronische Parkschein am Server erst zu einem späteren Zeitpunkt erfasst und bestätigt wird. Die Server werden permanent synchronisiert und der hierfür erforderliche Prozess laufend überwacht. Im Fall einer Störung des Systems erfolgt eine Meldung an den Meldungsleger.
Im vorliegenden Beschwerdefall wurde der elektronische Parkschein in derselben Minute aktiviert, in der die Beanstandung durch das Kontrollorgan der Parkraumüberwachung in der hier in Rede stehenden Kurzparkzone in 1020 Wien, yyy, vorgenommen wurde.
Der Bf. bestreitet eine fahrlässige Verkürzung der Parkometerabgabe begangen zu haben, denn es sei zum Beanstandungszeitpunkt um 09:41 Uhr ein elektronischer Parkschein gebucht gewesen, was durch den Parkscheinkauf (Übersicht HandyParken) bewiesen sei.
Für das Bundesfinanzgericht gibt es keinen Grund, den Angaben des behördlichen Parkraumüberwachungsorganes in der Anzeige nicht zu folgen, zumal einerseits kein Grund einsichtig ist, weshalb dieses wahrheitswidrige Angaben machen hätte sollen und andererseits sich aus dem Akt kein Anhaltspunkt dafür ergibt, dass sie den Bf. durch ihre Angaben wahrheitswidrig belasten hätte wollen (vgl. VwGH 2.3.1994, 93/03/0203). Im Übrigen unterliegt ein behördliches Organ aufgrund des von ihm abgelegten Diensteides der Wahrheitspflicht, sodass dieses im Fall der Verletzung dieser Pflicht straf- und dienstrechtliche Sanktionen treffen würden.
Die Meldungslegerin hat bei der Einvernahme in der mündlichen Verhandlung einen sicheren und kompetenten Eindruck gemacht. Sie hat widerspruchsfrei, schlüssig und nachvollziehbar dargelegt, dass sie am Tatort keinen Parkschein an der Windschutzscheibe des streitverfangenen PKW's gesehen hat und das PDA keine Buchung angezeigt hat und sie beim Fahrzeug keine Person gesehen hat.
Auch der Bf. hat nicht behauptet, das meldungslegende Organ beim Fahrzeug angetroffen zu haben und bringt in seiner Beschwerde dazu lediglich vor, "auch dass keine Person/kein Lenker am Teilausschnittsfoto des KFZ sichtbar ist und dies als weiterer Beweis heran gezogen wurde, dass sich der Lenker nicht im oder um den KFZ Bereich befand, ist meiner Meinung nach nicht schlüssig und kann auch nicht angenommen werden."
Dazu ist anzumerken, dass die gesamte Amtshandlung des Meldungslegers (Nachschau nach Parkscheinen, Umrundung des Fahrzeuges, Eingabe der KFZ Daten, Abfrage im System, Abwarten der Rückmeldung des Systems, Drücken des Beanstandungsknopfes am PDA Gerät, Eingabe des Tatortes, der Ordnungsnummer und des Deliktcodes, Ausdrucken der Beanstandung, Verpacken und Anbringen am Fahrzeug und letztlich die Anfertigung von Fotos), die eine bestimmte Zeit in Anspruch nimmt, dem Bf. nicht verborgen geblieben sein konnte, wenn er sich nicht von seinem Fahrzeug entfernt hat, bevor er die Bestätigung der Abstellanmeldung erhalten hat.
Zum Beschwerdevorbringen, da keine Lenkererhebung durchgeführt wurde "kann die Behörde nicht automatisch von einem Delikt und einer Verurteilung des Zulassungsbesitzers ausgehen", wird auf § 5 Abs. 2 der Wiener Parkometerabgabeverordnung verwiesen, wonach der Lenker, der Besitzer und der Zulassungsbesitzer zur ungeteilten Hand zur Entrichtung der Parkometerabgabe verpflichtet sind. Im gegenständlichen Fall wurde die (verspätete) Parkscheinbuchung vom Zulassungsbesitzer (Bf.) selbst via Handy vorgenommen und dieser Vorgang in der mündlichen Verhandlung vom Bf. bestätigt, indem er ausführte "gebucht habe jedenfalls ich den Parkschein von meinem Handy".
Im vorliegenden Fall ist die belangte Behörde von durchschnittlichen Einkommens- und Vermögensverhältnissen und keinen Sorgepflichten ausgegangen, weil der Bf. diesbezüglich keine Angaben gemacht hat. Erstmals in der mündlichen Verhandlung bringt der Bf. vor ein durchschnittliches mittleres Einkommen zu haben, Sorgepflichten für vier Kinder (zwischen 10 und 18 Jahren) zu haben und Unterhaltsleistung für die geschiedene Frau zu leisten.
Unter Bedachtnahme auf diese Milderungsgründe war die verhängte Geldstrafe angesichts des bis 365,00 Euro reichenden Strafrahmens auf 48,00 Euro, und die für den Fall der Uneinbringlichkeit festgesetzte Ersatzfreiheitsstrafe auf 10 Stunden herabzusetzen.
ECLI:AT:BFG:2019:RV.7501053.2018
Findok-Nr: 123324.1, aufgenommen am: 10.05.2019 09:40:29, Dokument-ID: 6a0cb6fb-3e29-4b23-8c3a-b68268ab7b1b, Segment-ID: 24b1a3bc-d8f0-45be-a90e-e0ae024ba5ed

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