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Timestamp: 2019-08-25 14:00:17+00:00

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Paracelsus Magazin / Naturheilverfahren / Organon §248 – §249
Organon §248 – §249
18. Die Anwendung der Mittel
Zu dieser Absicht wird die Arznei-Auflösung 1) vor jedem Male Einnehmen (mit etwa 8, 10, 12 Schüttel-Schlägen der Flasche) von Neuem potenziert, wovon man den Kranken Einen, oder (steigend) mehrere Kaffee- oder Thee-Löffelchen einnehmen läßt, in langwierigen Krankheiten täglich, oder jeden zweiten Tag, in acuten aber, alle 6, 4, 3, 2 Stunden, in den dringendsten Fällen, alle Stunden und öfter. So kann in chronischen Krankheiten, jede richtig homöopathisch gewählte Arznei, selbst die, an sich von langer Wirkungs-Dauer, in täglicher Wiederholung Monate lang eingenommen werden, mit steigendem Erfolge. Ist aber die Auflösung (in 7, 8, oder in 14, 15 Tagen) verbraucht, so muß zu der folgenden Auflösung derselben Arznei – wenn ihr Gebrauch noch angezeigt ist – ein, oder (obwohl selten) mehre Kügelchen von einem andern (höhern) Potenz-Grade genommen werden, womit man so lange fortfährt, als der Kranke noch immer mehr Besserung davon spürt, ohne eine oder die andre, nie im Leben gehabte bedeutende Beschwerde davon zu erleiden. Denn wenn dieß sich ereignet, wenn der Rest der Krankheit in einer Gruppe abgeänderter Symptome erscheint, dann muß eine andre, jetzt mehr homöopathisch angemessene Arznei, an der Stelle der letztern gewählt, aber auch in ebenso wiederholten Gaben angewendet werden; doch nur auf gedachte Weise, das ist, nie ohne die Auflösung, bei jedesmaliger Gabe, durch gehörig starkes Schütteln um etwas zu modificiren, – in ihrem Potenz-Grade abzuändern, und so um etwas zu erhöhen. Zeigen sich hingegen bei fast täglicher Wiederholung der völlig homöopathisch passenden Arznei, zu Ende der Cur einer chronischen Krankheit, sogenannte (§. 161.) homöopathische Verschlim- merungen, so daß der Rest der Krankheits-Symptome sich wieder etwas zu erhöhen scheint (indem die, der ursprünglichen Krankheit so ähnliche Arznei-Krankheit, nun fast noch allein laut wird), dann müssen die Gaben entweder noch mehr verkleinert, und auch in längern Zeiträumen wiederholt, oder auch wohl mehrere Tage ganz ausgesetzt werden, um zu sehen, ob die Genesung keiner arzneilichen Hülfe mehr bedürfe, wo dann auch diese, bloß vom Ueberfluß der homöopathischen Arznei herrührende Schein-Symptome ebenfalls bald von selbst verschwinden und ungetrübte Gesundheit zurück lassen. Bedient man sich zur Cur bloß eines Fläschchens, (etwa Ein Quentchen verdünnten Weingeistes enthaltend, worin ein Kügelchen von der Arznei durch Schütteln aufgelöst sich befindet) worin täglich, oder alle 2, 3, 4 Tage gerochen werden soll, so muß auch dieses vor dem jedesmaligen Riechen 8, 10 Mal stark geschüttelt worden sein.
1) In 40, 30, 20, 15 oder 8 Eßlöffeln Wasser mit Zusatz von etwas Weingeist oder einem Stücke Holzkohle, um die Auflösung unverdorben zu erhalten. Nimmt man Holzkohle, so lässt man sie an einem Faden in der Flasche hängen, und zieht sie jedes mal nur heraus, wenn die Flasche geschüttelt werden soll. Die Auflösung des Arznei-Kügelchens (denn mehr als Ein Kügelchen braucht man von einer gehörig dynamisierten Arznei selten dazu) in einer sehr großen Menge Wassers, kann man dadurch ersetzen, dass man von einer Auflösung z. B. in nur 7, 8 Esslöffeln Wassers, nach vorgängigem, starkem Schütteln der FIasche einen Esslöffel in ein Trinkglas Wasser (von etwa 8, 10 Esslöffel Inhalt) gießt, letzteres mehrmals stark umrührt und dem Kranken hiervon die bestimmte Gabe eingibt. Wenn der Kranke ungewöhnlich erregbar und empfindlich ist, so nimmt man aus dem, so stark umgerührten Glase, einen Tee- oder Kaffee-Löffel voll, den man in ein zweites Trinkglas Wasser stark einrührt, um davon dem Kranken einen Kaffeelöffel (oder etwas mehr) einzugeben. Es gibt Kranke von so hoher Erregbarkeit, dass man für sie ein drittes oder viertes Trinkglas zu gehöriger Verdünnung der Arznei-Auflösung, auf ähnliche Weise bereitet, anzuwenden nötig hat. Jeden Tag nach dem Einnehmen schüttet man das so bereitete Trinkglas (oder die mehreren) weg, um es jeden Tag von Neuem zu bereiten. Das Streukügelchen in hoher Potenz wird am besten in einem Pülverchen zerquetscht, was ein paar Gran Milch-Zucker enthält, welches der Kranke dann nur in die, zur Auflösung bestimmte FIasche, zu schütten braucht, um es in der bestimmten Menge Wasser aufzulösen.
Wir müssen das Medikament mit frischem Wasser in der erforderlichen Potenz mischen und den Patienten bitten, ein paar Schlucke zu trinken. Bei längeren Krankheiten und je nach Notwendigkeit muss das Medikament täglich oder einmal in zwei Tagen genommen werden. Bei akuten Krankheiten kann der Zeitraum zwischen zwei Gaben zwischen zwei und sechs Stunden liegen. Bei fast allen akuten Krankheiten kann eine Gabe einmal pro Stunde oder häufiger erfolgen. Bei chronischen Krankheiten kann eine tägliche Gabe mit steigender Potenz über Monate gemeinsam mit dem Mittel erfolgen, auch wenn das Mittel seine Wirkung über einen längeren Zeitraum entfaltet. Wenn das Mittel innerhalb einer Woche bis 15 Tage ausgereizt sein sollte, sollte dasselbe Mittel beim nächsten Mal in einer höheren Potenz zubereitet und mit Wasser gegeben werden. Wenn die Mittel auf diese Weise bis zur Heilung gegeben werden, werden keine weiteren Symptome aufkommen. Danach soll auf der Basis der Gesamtheit der verbleibenden Symptome das Mittel gewählt und auf dieselbe Weise angewendet werden. Dadurch steigt die Potenz jeder Gabe leicht. Möglich ist eine Verschlimmerung der Symptome vor der vollständigen Heilung einer chronischen Krankheit. Dann sollte sofort dasselbe Mittel in höherer Potenz gegeben werden. Auch sollte der Zeitraum zwischen zwei Gaben erhöht werden. Wenn während dieses Prozesses alle Symptome verschwinden, ist die Heilung vollständig. Auch alle Symptome des Mittels, die vorher schlimmer geworden waren, verschwinden. Jetzt sollte die letzte Gabe in einem kleinen Schluck Alkohol aufbewahrt und geschüttelt werden. Der Geruch davon sollte alle drei oder vier Tage gegeben werden. Bei jedem Riechen sollte die Flasche geschüttelt werden.
Jede für den Krankheits-Fall verordnete Arznei, welche im Verlaufe ihrer Wirkung neue, der zu heilenden Krankheit nicht eigenthümliche und zwar beschwerliche Symptome hervorbringt, ist nicht vermögend wahre Besserung zu erzeugen 1) und nicht für homöopathisch gewählt zu halten; sie muß daher sobald als möglich, entweder wenn diese Verschlimmerung bedeutend war, erst durch ein Antidot zum Theil ausgelöscht werden 2), ehe man das, genauer nach Wirkungs-Aehnlichkeit gewählte, nächste Mittel giebt, oder bei nicht allzu heftigen widrigen Symptomen muß letzteres sogleich gereicht werden, um die Stelle jenes unrichtig gewählten zu ersetzen.
Da nach allen Erfahrungen, fast keine Gabe einer hoch potenzierten, spezifisch passenden, homöopathischen Arznei bereitet werden kann, welche zur Hervorbringung einer deutlichen Besserung in der angemessenen Krankheit zu klein wäre (§. 161., 279.), so würde man zweckwidrig und schädlich handeln, wenn man, wie von der bisherigen Kurmethode geschieht, bei Nicht-Besserung, oder kleiner Verschlimmerung, dieselbe Arznei, in dem Wahne, dass sie ihrer geringen Menge (ihrer allzu kleinen Gabe) wegen nicht habe dienlich sein können, wiederholen oder sie wohl gar noch verstärken wollte. Jede VerschIimmerung durch neue Symptome – wenn in der Geistes- und Körper-Diät nichts Böses vorgefallen ist – beweiset stets nur Unangemessenheit der vorigen Arznei in diesem Krankheitsfalle, deutet aber nie auf Schwäche der Gabe.
Dem wohl unterrichteten und gewissenhaft behutsamen Arzt, kann nie der Fall vorkommen, dass er nötig hätte, ein Antidot in seiner Praxis zu geben, wenn er, wie er soll, in der kleinst möglichen Gabe seine wohl gewählte Arznei zu brauchen anfängt; eine eben so kleine Gabe der besser ausgewählten bringt alles wieder in Ordnung.
Wenn das Mittel dabei ist, seine Wirkung zu entfalten, zeigen sämtliche neu auftretenden Symptome, die mit der Krankheit nichts zu tun haben, an, dass das gegebene Medikament nicht homöopathischer Art ist und dem Patienten überhaupt keine wirkliche Verbesserung bringt. Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt eine solch schwierige Situation entsteht und die Verschlimmerung gravierend ist, sollte sofort ein Gegenmittel gegeben werden. Nachdem der sehr schlimme Zustand sich etwas gebessert hat, sollte ein weiteres homöopathisches Mittel gegeben werden oder wenn die schlimmen Leiden nicht sehr heftig sind, kann sofort und ohne Warten ein homöopathisches Mittel gegeben werden.

References: §248
 §249
 §248
 §249
 §248
 §249