Source: http://www.hensche.de/Kuendigungserklaerungsfrist_Schwerbehinderung_Laenge_der_Kuendigungserklaerungsfrist_bei_Kuendigung_eines_Mitarbeiters_mit_Schwerbehinderung_BAG_2AZR429-10-u.html
Timestamp: 2018-01-24 07:51:08+00:00

Document:
3 Sa 684/08
24. No­vem­ber 2011
hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. No­vem­ber 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Kreft, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Schmitz-Scho­le­mann,
die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ber­ger so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Ves­per und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Schipp für Recht er­kannt:
durch­zuführen­den fachärzt­li­chen neu­ro­lo­gi­schen Be­gut­ach­tung ein­zu­fin­den. Auch die­sen und späte­re Un­ter­su­chungs­ter­mi­ne nahm der Kläger nicht wahr.
Der Be­klag­te fass­te dar­auf­hin den Ent­schluss, das Ar­beits­verhält­nis zu kündi­gen. Mit ge­trenn­ten Schrei­ben vom 22. Fe­bru­ar 2006 be­an­trag­te er beim In­te­gra­ti­ons­amt und beim Re­gie­rungs­präsi­di­um - als der gemäß § 18 Abs. 1 Satz 3 BErzGG zuständi­gen Stel­le - die Zu­stim­mung zu ei­ner außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en. Der gleich­zei­tig be­tei­lig­te Per­so­nal­rat erklärte am 27. Fe­bru­ar 2006, er neh­me die außer­or­dent­li­che Kündi­gung zur Kennt­nis und stim­me ei­ner vor­sorg­li­chen or­dent­li­chen Kündi­gung zu. Mit Be­scheid vom 7. März 2006, der dem Be­klag­ten am 9. März 2006 zu­ge­stellt wur­de, erklärte das In­te­gra­ti­ons­amt sei­ne Zu­stim­mung zur Kündi­gung. Mit Be­scheid vom 23. Mai 2006, der dem Be­klag­ten am Vor­mit­tag des glei­chen Ta­ges zu­ging, stimm­te auch das Re­gie­rungs­präsi­di­um
der Kündi­gung zu. Noch mit Schrei­ben vom 23. Mai 2006, das dem Kläger um die Mit­tags­zeit die­ses Ta­ges zu­ging, kündig­te der Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en frist­los, hilfs­wei­se frist­ge­recht zum 30. Sep­tem­ber 2006.
4. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, ihm 23 Ur­laubs­ta­ge aus dem Jahr 2006 zu gewähren;
5. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 2.139,62 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. April 2007 zu zah­len;
Sep­tem­ber 2006 An­nah­me­ver­zugs­vergütung iHv. 7.700,76 Eu­ro brut­to abzüglich 3.004,20 Eu­ro net­to nebst Zin­sen zu­er­kannt und den Be­klag­ten ver­ur­teilt, hierüber Ab­rech­nung zu er­tei­len. Im Übri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Be­ru­fung des Klägers in­so­weit statt­ge­ge­ben, als es die Ab­fin­dung auf 11.000,00 Eu­ro brut­to fest­ge­setzt und den Be­klag­ten ver­ur­teilt hat, an den Kläger für die Zeit vom 1. Ju­li 2006 bis zum 30. Sep­tem­ber 2006 wei­te­re 271,17 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen zu zah­len. Auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten hat es die Kla­ge auf Er­tei­lung ei­ner Ab­rech­nung ab­ge­wie­sen. Mit der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt - be­schränkt auf die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses und die vom Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses über den 30. Sep­tem­ber 2006 hin­aus abhängi­gen Ansprüche - zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Be­geh­ren auf Ab­wei­sung des Auflösungs­an­trags und Ein­grup­pie­rung, sei­ne Vergütungs- und Ur­laubs­ansprüche ein­sch­ließlich der Hilfs­anträge und sei­ne Anträge auf Er­tei­lung von Ab­rech­nun­gen un­verändert wei­ter.
Die Re­vi­si­on hat kei­nen Er­folg. So­weit zulässig, ist sie un­be­gründet.
A. Die Re­vi­si­on ist teil­wei­se un­zulässig. Sie ist für ei­nen Teil der vom Kläger wei­ter­ver­folg­ten Anträge nicht zu­ge­las­sen wor­den und ist in die­sem Um­fang nicht statt­haft.
dem 1. Ok­to­ber 2006 be­zie­hen, und nicht sol­che Ansprüche, die ei­ne Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30. Sep­tem­ber 2006 ge­ra­de vor­aus­set­zen. Et­was an­de­res er­gibt sich auch nicht aus den Gründen des Be­schlus­ses. Die dor­ti­gen Ausführun­gen, im Fal­le ei­ner statt­ge­ben­den Ent­schei­dung über den Auflösungs­an­trag wäre wei­ter in Be­tracht ge­kom­men, „dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt die von der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses abhängi­gen und mit den Anträgen zu (...) er­ho­be­nen Ansprüche teil­wei­se nicht ab­ge­wie­sen hätte“, sind - wie das Wort „teil­wei­se“ deut­lich macht - im Zu­sam­men­hang mit der sich aus dem Te­nor er­ge­ben­den Be­schränkung der Zu­las­sung zu se­hen und grei­fen die­se auf.
Das Auflösungs­be­geh­ren des Be­klag­ten schei­tert auch nicht dar­an, dass die Kündi­gung noch aus an­de­ren Gründen un­wirk­sam wäre.
b) Ein an­de­rer Un­wirk­sam­keits­grund liegt nicht vor.
aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, der Be­klag­te ha­be den Per­so­nal­rat vor Aus­spruch der Kündi­gung ord­nungs­gemäß nach § 77 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. i HPVG be­tei­ligt. Die­se Würdi­gung, die vom Kläger nicht mehr an­ge­grif­fen wird, lässt kei­nen Rechts­feh­ler er­ken­nen. Der Be­klag­te hat den Per­so­nal­rat mit Schrei­ben vom 22. Fe­bru­ar 2006 über die für sei­nen Kündi­gungs­ent­schluss maßge­ben­den Gründe ein­ge­hend un­ter­rich­tet. Der Per­so­nal­rat hat der or­dent­li­chen Kündi­gung aus­drück­lich zu­ge­stimmt. Unschädlich ist, dass im Zeit­punkt der Per­so­nal­rats­be­tei­li­gung die Anträge des Be­klag­ten auf Zu­stim­mung zur Kündi­gung nach § 85 ff. SGB IX und auf Erklärung der Zulässig­keit nach § 18 Abs. 1 Satz 3 BErzGG noch nicht be­schie­den wa­ren. Dem
Ar­beit­ge­ber steht es grundsätz­lich frei, den An­trag auf Zu­stim­mung zur Kündi­gung ei­nes Schwer­be­hin­der­ten bei dem In­te­gra­ti­ons­amt schon vor oder während oder erst nach der Be­triebs­rats- bzw. Per­so­nal­rats­be­tei­li­gung zu stel­len (BAG 11. Mai 2000 - 2 AZR 276/99 - zu II 2 b cc der Gründe, BA­GE 94, 313; 18. Mai 1994 - 2 AZR 626/93 - zu B II 2 a der Gründe mwN, AP BPers­VG § 108 Nr. 3 = EzA BGB § 611 Ab­mah­nung Nr. 31). Er ist auch nicht ver­pflich­tet, dem Per­so­nal­rat das Vor­lie­gen der Zu­stim­mung vor Aus­spruch der Kündi­gung an­zu­zei­gen. Für die Zulässig­keits­erklärung nach § 18 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 BErzGG gilt nichts an­de­res. Ei­ner Wie­der­ho­lung der Per­so­nal­rats­be­tei­li­gung hätte es nur be­durft, wenn sich die Grund­la­gen, auf die der Ar­beit­ge­ber sei­nen Kündi­gungs­ent­schluss un­mit­tel­bar stützt, vor Aus­spruch der Kündi­gung we­sent­lich verändert hätten (BAG 20. Ja­nu­ar 2000 - 2 AZR 378/99 - zu B II 2 der Gründe mwN, BA­GE 93, 255). Ein sol­cher Fall liegt nicht vor.
cc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist die Kündi­gung auch nicht we­gen Versäum­ung der Frist des § 88 Abs. 3 SGB IX nach § 85 SGB IX iVm. § 134 BGB un­wirk­sam.
(1) Dem Kläger stand im Kündi­gungs­zeit­punkt der be­son­de­re Kündi­gungs­schutz aus § 85 ff. SGB IX zu. Er war mit ei­nem Grad von 70 als schwer­be­hin­der­ter Mensch an­er­kannt.
16. Ok­to­ber 1991 - 2 AZR 332/91 - zu B II 2 a der Gründe, aaO; 17. Fe­bru­ar 1982 - 7 AZR 846/79 - zu I 2 b der Gründe, BA­GE 38, 42). Ei­ne Wie­der­ein­set­zung in den vor­he­ri­gen Stand kommt selbst bei schuld­lo­ser Frist­versäum­nis nicht in Be­tracht (ErfK/Rolfs 12. Aufl. § 88 SGB IX Rn. 3; Lam­pe GK-SGB IX Stand Au­gust 2008 § 88 Rn. 76; Kos­sens/von der Hei­de/Maaß SGB IX 3. Aufl. § 88 Rn. 14).
gungsmöglich­keit soll gewähr­leis­ten, dass der schwer­be­hin­der­te Mensch nicht über länge­re Zeit hin­weg im Un­ge­wis­sen darüber bleibt, ob es zur Kündi­gung kommt oder nicht. Ins­be­son­de­re soll ver­hin­dert wer­den, dass der Ar­beit­ge­ber gleich­sam „auf Vor­rat” die behörd­li­che Zu­stim­mung er­wirkt, um künf­tig oh­ne die­ses Hin­der­nis kündi­gen und da­durch ggf. Druck auf den be­hin­der­ten Men­schen ausüben zu können (vgl. Lam­pe GK-SGB IX § 88 Rn. 71 mwN). Dar­an hat sich durch die Er­set­zung von § 17 Abs. 3 SchwbG durch § 88 Abs. 3 SGB IX nichts geändert (BAG 8. No­vem­ber 2007 - 2 AZR 425/06 - Rn. 23, AP KSchG 1969 § 1 Per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung Nr. 30 = EzA SGB IX § 88 Nr. 1). Un­abhängig da­von stellt die Kündi­gungs­erklärungs­frist si­cher, dass der vom In­te­gra­ti­ons­amt fest­ge­stell­te und sei­ner Ent­schei­dung zu­grun­de ge­leg­te Sach­ver­halt auch wirk­lich die Grund­la­ge der Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers bil­det und die­ser Be­zug nicht durch Zeit­ab­lauf ver­lo­ren geht (BAG 8. No­vem­ber 2007 - 2 AZR 425/06 - Rn. 24 aaO mwN).
hat und die Zu­stim­mung bei förm­li­chem Frist­ab­lauf noch nicht er­teilt ist. Vom Ar­beit­ge­ber würde an­de­ren­falls Unmögli­ches ver­langt. Be­darf der Ar­beit­ge­ber - ku­mu­la­tiv - der Zu­stim­mung der Behörde und des Be­triebs­rats, genügt es - so gleich­falls die bis­he­ri­ge Se­nats­recht­spre­chung -, wenn die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats un­verzüglich nach behörd­li­cher Zu­stim­mung ein­ge­lei­tet wird.
(dd) Die sach­ge­rech­te Lösung liegt - in ent­spre­chen­der An­wen­dung von § 91 Abs. 2 und Abs. 5 SGB IX und in Übe­rein­stim­mung mit der Recht­spre­chung zum Zu­sam­men­tref­fen ei­nes Zu­stim­mungs­er­for­der­nis­ses nach §§ 85, 91 SGB IX und ei­nes sol­chen nach § 103 Abs. 1 Be­trVG - dar­in, dass der Ar­beit­ge­ber die er­for­der­li­che wei­te­re behörd­li­che Zu­stim­mung - hier nach § 18 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 BErzGG - bis zum Ab­lauf der Mo­nats­frist des § 88 Abs. 3 SGB IX be­an­tra­gen kann. Wird ei­nem sol­chen An­trag erst außer­halb der Mo­nats­frist ent­spro­chen, wird der Frist­ab­lauf ver­scho­ben und bleibt die Kündi­gung auf­grund der be­reits er­teil­ten Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts zulässig.
Hat der Ar­beit­ge­ber durch ein ent­spre­chen­des Vor­ge­hen dar­auf hin­ge­wirkt, sein Be­en­di­gungs­in­ter­es­se als­bald ver­wirk­li­chen zu können, darf es ihm nicht zum Nach­teil ge­rei­chen, wenn die behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen zeit­lich so weit aus­ein­an­der­fal­len, dass ihm die Ein­hal­tung der Mo­nats­frist des § 88 Abs. 3 SGB IX aus tatsächli­chen Gründen nicht möglich ist. Aus den­sel­ben Gründen kann der Ar­beit­ge­ber auch nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, das An­trags­ver­fah­ren nach §§ 85 bis 89 SGB IX - selbst mit der Chan­ce auf zügi­ge gleich­lau­ten­de Zweit­be­schei­dung - ggf. zu wie­der­ho­len.
An die Auflösungs­gründe sind des­halb stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len (BAG 24. März 2011 - 2 AZR 674/09 - Rn. 20, EzA KSchG § 9 nF Nr. 62; 23. Fe­bru­ar 2010 - 2 AZR 554/08 - Rn. 22, AP KSchG 1969 § 9 Nr. 61 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 58). Maßgeb­li­cher Be­ur­tei­lungs­zeit­punkt ist der­je­ni­ge der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Be­ru­fungs­ge­richt (BAG 8. Ok­to­ber 2009 - 2 AZR 682/08 - Rn. 14 mwN, AP KSchG 1969 § 9 Nr. 65 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 57). Von die­sem Stand­punkt aus ist zu fra­gen, ob in der Zu­kunft ei­ne den Be­triebs­zwe­cken dien­li­che wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit zu er­war­ten ist (BAG 10. Ju­li 2008 - 2 AZR 1111/06 - Rn. 43, AP KSchG 1969 § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 181 = EzA KSchG § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 163).
c) Die Würdi­gung, ob nach die­sen Maßstäben im Ein­zel­fall die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­recht­fer­tigt ist, ob­liegt in ers­ter Li­nie dem Tat­sa­chen­ge­richt. Das Re­vi­si­ons­ge­richt kann aber nach­prüfen, ob das Be­ru­fungs­ge­richt die Vor­aus­set­zun­gen für den Auflösungs­an­trag ver­kannt und bei Prüfung der vor­ge­tra­ge­nen Auflösungs­gründe al­le we­sent­li­chen Umstände vollständig und wi­der­spruchs­frei berück­sich­tigt und gewürdigt hat (BAG 23. Fe­bru­ar 2010 - 2 AZR 554/08 - Rn. 33, AP KSchG 1969 § 9 Nr. 61 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 58; 8. Ok­to­ber 2009 - 2 AZR 682/08 - Rn. 16, AP KSchG 1969 § 9 Rn. 65 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 57). Dem hält die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts stand.
aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, das Verhält­nis zwi­schen dem Kläger und sei­nen Kol­le­gen und Vor­ge­setz­ten sei dau­er­haft zerrüttet. Dafür spre­che zum ei­nen die Stel­lung­nah­me des Per­so­nal­rats vom 27. Fe­bru­ar 2006, zum an­de­ren die des Lei­ters des Sach­ge­biets Schlos­se­rei vom 27. Fe­bru­ar 2006. Die­ser sei ei­ne er­heb­li­che Ver­un­si­che­rung im Um­gang mit dem Kläger zu ent­neh­men. So ha­be es der Sach­ge­biets­lei­ter trotz ei­ner von ihm als Ei­genmäch­tig­keit be­wer­te­ten Ma­te­ri­a­l­ent­nah­me ver­mie­den, den Kläger hier­auf an­zu­spre­chen, um nicht Ge­fahr zu lau­fen, dass die­ser später un­ter un­zu­tref­fen­der Dar­stel­lung des Sach­ver­halts be­haup­te, er sei an sei­ner Ar­beit ge­hin­dert wor­den. Die Be­ein­träch­ti­gun­gen ei­nes ge­deih­li­chen be­trieb­li­chen Mit­ein­an­ders sei­en - so die Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts - über­wie­gend auf das Ver­hal­ten des Klägers zurück­zuführen. Die Maßnah­men, die vom Be­klag­ten an­ge­sichts von Zwei­feln an der un­ein­ge­schränk­ten Ein­setz­bar­keit des Klägers er­grif­fen wor­den sei­en, ha­be die­ser so­wohl vor­pro­zes­su­al als auch im Ver­lauf des Ver­fah­rens aus­sch­ließlich als ge­gen ihn persönlich ge­rich­te­te An­fein­dun­gen ge­se­hen, ge­tra­gen von der Ab­sicht, ihn aus­zu­gren­zen. Die Zwei­fel an ei­ner vol­len Ein­satzfähig­keit des Klägers sei­en hin­ge­gen erst nach ei­ner gro­ben Fehl­leis­tung bei Ver­drah­tungs­ar­bei­ten En­de 2002/An­fang 2003 ent­stan­den. Die­ser Feh­ler sei An­lass für die be­triebsärzt­li­che Emp­feh­lung ge­we­sen, ihn vor­erst nicht mit gefähr­li­chen Tätig­kei­ten, wie Ar­bei­ten mit Strom, zu beschäfti­gen. Nach dem Er­geb­nis ei­ner Be­weis­auf­nah­me ste­he zu­dem fest, dass der Kläger anläss­lich sei­ner Fehl­leis­tung ge­genüber ei­nem Vor­ge­setz­ten geäußert ha­be, er ha­be un­fall­be­dingt Pro­ble­me, sich be­stimm­te Din­ge zu mer­ken. Außer­dem ha­be der Kläger kei­ne hin­rei­chen­de Be­reit­schaft zur Ko­ope­ra­ti­on bei den von dem Be­klag­ten un­ter­nom­me­nen Ver­su­chen ge­zeigt, sei­ne Ein­satzfähig­keit me­di­zi­nisch klären zu las­sen. Er ha­be zu­min­dest in zwei Fällen un­ent­schul­digt Un­ter­su­chungs­ter­mi­ne versäumt. Sein Ver­hal­ten ha­be er erst un­ter dem Druck ei­nes beim Re­gie­rungs­präsi­di­um ein­ge­lei­te­ten - frühe­ren - Zu­stim­mungs­ver­fah­rens nach § 18 BErzGG geändert. Darüber hin­aus ha­be er sich ge­genüber ei­ner Vor­ge­setz­ten ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Wort­wahl be­dient. Dem Kläger feh­le die Ein­sichtsfähig­keit oder -be­reit­schaft, die ei­ge­nen er­heb­li­chen An­tei­le am Ein­tritt der Störun­gen zu er­ken­nen. Er ver­hal­te sich wi­der-
sprüchlich, wenn er dem Be­klag­ten ei­ner­seits vor­wer­fe, sei­nen Pflich­ten in Be­zug auf die Beschäfti­gung schwer­be­hin­der­ter Men­schen nicht nach­zu­kom­men, an­de­rer­seits gel­tend ma­che, durch ge­ra­de dar­auf be­ru­hen­de Vor­sichts­maßnah­men schi­ka­niert, aus­ge­grenzt und dis­kri­mi­niert zu wer­den. Ei­ne Be­rei­ni­gung die­ser Kon­flik­te für die Zu­kunft sei nicht zu er­war­ten.
(2) Die Rüge des Klägers, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be bei sei­ner Würdi­gung ent­schei­dungs­er­heb­li­ches Vor­brin­gen über­g­an­gen, ist - ih­re Zulässig­keit un­ter­stellt - un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat das tatsächli­che Vor­brin­gen
des Klägers, das die Re­vi­si­ons­be­gründung in die­sem Zu­sam­men­hang anführt, im Tat­be­stand sei­nes Ur­teils dar­ge­stellt; hier­auf hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt gemäß § 69 Abs. 3 ArbGG Be­zug ge­nom­men und es sei­ner Be­ru­fungs­ent­schei­dung zu­grun­de ge­legt. So­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Rah­men sei­ner recht­li­chen Be­wer­tung nicht auf al­le Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens ein­ge­gan­gen ist, be­deu­tet dies nicht, dass es sie bei sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung außer Acht ge­las­sen hätte. Hierfür bedürf­te es be­son­de­rer An­halts­punk­te (vgl. BVerfG 31. März 2006 - 1 BvR 2444/04 - zu III 1 der Gründe, BVerfGK 7, 485, vgl. auch BAG 22. März 2005 - 1 ABN 1/05 - zu II 3 a der Gründe, BA­GE 114, 157), die nicht zu er­ken­nen sind. Das gilt um­so mehr, als es dem Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht dar­auf an­kam, ob die ge­gen die Un­ter­su­chung er­ho­be­nen Be­den­ken sach­lich be­rech­tigt wa­ren. Es hat aus der Art und Wei­se, wie der Kläger sei­ne Einwände vor­ge­bracht hat, und aus der Tat­sa­che, dass er dem Be­klag­ten kein At­test darüber vor­ge­legt hat, ei­ne Un­ter­su­chung sei der­zeit me­di­zi­nisch un­tun­lich, auf ein Feh­len der Be­reit­schaft ge­schlos­sen, bei der Prüfung sei­ner Ein­satzfähig­keit zu ko­ope­rie­ren.
we­nig sub­stan­ti­iert ist die in das Zeug­nis ei­ner Mit­ar­bei­te­rin des Re­gie­rungs­präsi­di­ums ge­stell­te Be­haup­tung des Klägers, er sei „von An­fang an“ zu ei­ner fachärzt­li­chen Un­ter­su­chung be­reit ge­we­sen und ha­be ei­nen von der Behörde vor­ge­schla­ge­nen Gut­ach­ter „so­fort ak­zep­tiert“.
III. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag ist dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len. Er ist auf ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung für die Dau­er des Rechts­streits ge­rich­tet. Die­ser ist mit der Ent­schei­dung über die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses rechts­kräftig ab­ge­schlos­sen.
Ves­per
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References: § 18
 § 77
 § 85
 § 18
 § 108
 § 611
 § 18
 § 88
 § 85
 § 134
 § 85
 § 88
 § 88
 § 88
 § 88
 § 17
 § 88
 § 1
 § 88
 § 91
 § 103
 § 18
 § 88
 § 88
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 1
 § 1
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 18
 § 69