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Timestamp: 2019-07-15 22:26:41+00:00

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Orientierung für die Pastoral der Zigeuner – Kathpedia
Orientierung für die Pastoral der Zigeuner
für eine Pastoral der Zigeuner
(Offizieller Text: People on the Move N° 100 [Suppl.], April 2006)
3 I. KAPITEL: Nicht so gut bekannte Völker, oft ausgegrenzt
3.1 Ein langer Weg
3.2 Die Ablehnung: Gegensätze von Kulturen
3.3 Eine besondere Mentalität
3.4 Eine große Veränderung
3.5 Eine Realität, die anfragt
4 II. KAPITEL: Die Sorge der Kirche
4.1 Der Bund Gottes und das Unterwegssein der Menschen
4.2 Das Leben unterwegs und die christliche Perspektive
4.3 =Die Katholizität der Kirche und die Pastoral für die Zigeuner
5 III. KAPITEL: Evangelisierung und Inkulturation
5.1 Eine auf Inkulturation gerichtete Evangelisierung
5.2 Reinigung, Erhebung und Vollendung der Kultur der Zigeuner in Christus
5.3 Kulturelle Interaktion
6 IV. KAPITEL: Evangelisierung und menschliche Förderung
6.1 Die Einheit der Menschheitsfamilie
6.2 Die menschlichen und bürgerlichen Rechte der Zigeuner
6.3 Eine besondere Minderheit unter den Minderheiten
6.4 Bedingungen für eine vollständige Entwicklung
6.5 Die christliche Sicht der Förderung
7 V. KAPITEL: Besondere Aspekte der Pastoral für die Zigeuner
7.1 Spezifische Aspekte der Zigeunerseelsorge
7.2 Annäherung und Arten der Kommunikation
7.3 Die sakramentale Seelsorge
7.4 Die Wallfahrten
7.5 Die Herausforderungen an die Zigeunerseelsorge
7.5.1 Übergang von Verdächtigungen zum Vertrauen
7.5.2 Von den verschiedenen Glaubensausdrűcken zum Glauben
7.5.3 Kirchlichkeit, Ökumene und inter-religiöser Dialog
7.5.4 Die Säkularisierung
8 VI. Kapitel: Die Strukturen und Mitarbeiter in der Pastoral
8.1 Der Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs
8.2 Die Bischofskonferenzen und die entsprechenden hierarchischen Strukturen der katholischen Ostkirchen
8.3 Die Bischöfe und die Zigeunerseelsorge
8.4 Mögliche seelsorgerische Strukturen mit Personaljurisdiktion
8.5 Der Bischöfliche Promotor
8.6 Die nationale Leitung
8.7 Die Kaplaneien/Missionen
8.8 Die Kapläne/Missionare
8.9 Die Mitarbeiter in der Pastoral im Dienste der Zigeuner-Gemeinden
8.10 Die Brückengemeinden
8.11 Zigeuner als Mitarbeiter in der Pastoral
9 ZUM ABSCHLUSS UNSER WUNSCH
10 Siglen und Abkürzungen
Mit der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus,[1] übertrug Johannes Paul II. dem Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs die Aufgabe “sich dafür einzusetzen, dass in den Ortskirchen eine angemessene und wirksame spirituelle Betreuung angeboten wird, falls nötig auch mit zweckmäßigen Pastoralstrukturen und zwar für die Flüchtlinge und Vertriebenen, für die Migranten, die Nomaden und für die Zirkusleute". Die Kirche ist also der Ansicht, dass die Zigeuner eine spezifische Seelsorge brauchen, die auf ihre Evangelisierung und menschliche Förderung hinzielt.
Wenn wir – was die Ausführung dieser Aufgabe betrifft, – nur die jüngste Vergangenheit betrachten, wollen wir an den V. Weltkongress über Zigeuner-Seelsorge[2] erinnern, der 2003 in Budapest stattgefunden hat und von unserem Dikasterium organisiert worden war. Er war eine Gelegenheit, die theologischen und ekklesiologischen Aspekte dieses Amtes zu erweitern und zu vertiefen. Nach diesem Kongress sind die Lineamenta des hier vorgestellten Dokumentes durch die Hände von Fachleuten gegangen, einschließlich auch einiger Zigeuner, Mitarbeiter in der Pastoral, Bischöfe und natürlich auch unsere Mitglieder und Konsultoren haben sie durchgesehen. Zum Schluss haben auch die verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie den Text lesen und ihre Bemerkungen machen können, um so diese spezifische Pastoral in einen erweiterten Rahmen der universellen Aufgabe der Kirche zu stellen.
Schon seit dem Anfang der Aufgabe der Neuevangelisierung war es klar, dass man diese Orientierungen brauchte. Doch nur jetzt ist die Zeit für diese Veröffentlichung reif. Das Dokument wendet sich jedoch nicht nur an diejenigen – Zigeuner und Nicht-Zigeuner –, die mit diesem spezifischen Gebiet befasst sind, sondern auch an die ganze Kirche (vgl. Orientierungen 4).
Andererseits möchten wir daran erinnern, dass es viele Zeichen einer positiven Entwicklung in der traditionellen Lebens- und Denkart der Zigeuner gibt, wie der wachsende Wunsch, sich zu bilden, eine Berufsausbildung zu erlangen, das größere soziale und politische Bewusstsein, was sich in der Gründung von Vereinigungen und auch politischen Parteien ausdrückt, und in einigen Ländern im Mitmachen in den örtlichen und nationalen Verwaltungen. Auch die steigende Zahl der Frauen im sozialen und zivilen Leben, die größere Zahl der Berufungen zum Ständigen Diakonat, zum Priester, zum religiösen Leben, usw., sind Ausdruck dieser Wandlung. Hier ist es tröstend, an den Beitrag zur sozialen Förderung und zur spezifischen Seelsorge zu denken, der in den letzten Jahrzehnten von der Katholischen Kirche, besonders dank der Anregungen Pauls VI. und Johannes Pauls II. geleistet wurde. Gewiss kann man von einem gemeinschaftlichen Stolz sprechen, der die Zigeuner erfüllte, als sie am 4. Mai l997 der Seligsprechung von Ceferino Jiménez Malla,[3] dem spanischen Märtyrer beiwohnen konnten, dem ersten Zigeuner in der Geschichte der Kirche, der zur Ehre der Altäre erhoben wurde (ebd. 21).
“Von der Geburt bis zum Tod ist die Situation eines jeden Individuums die des homo viator“[4]– das bekräftigte der Diener Gottes Johannes Paul II. –, und es ist gleichsam ein bildlicher Ausdruck der Lebensart der Zigeuner. Und trotzdem herrscht Gleichgültigkeit und Widerstand ihnen gegenüber. Es geht von den gewöhnlichen Vorurteilen zu Zeichen der Ablehnung, und bei denen, die davon Zeugen sind, entsteht meist keinerlei Reaktion oder Zurechtweisung. Dies hat zu unbeschreiblichen Leiden geführt und war Anlass zu Verfolgungen, besonders im vorigen Jahrhundert. Diese Situation sollte die Gewissen aufrütteln und Solidarität für diese Bevölkerung wecken. Die Kirche anerkennt ihr Recht auf eine eigene Identität, und sie setzt sich für eine größere Gerechtigkeit ihnen gegenüber ein, indem sie selbst der Kultur und der gesunden Traditionen Achtung entgegenbringt. Rechte und Pflichten sind jedoch eng miteinander verbunden, und so haben auch die Zigeuner den anderen Völkern gegenüber Pflichten zu beachten.
Diese Orientierungen sind Ausdruck der Sorge der Kirche für die Zigeuner, die eine spezifische Seelsorge brauchen, eine Seelsorge, die ihre Kultur achtet, die aber vom österlichen Geheimnis des Todes und der Auferstehung durchdrungen sein muss. Das gilt im Übringen für alle Kulturen. Die universelle Geschichte der Evangelisierung stellt klar heraus, dass die Verbreitung der christlichen Botschaft immer mit einem Prozess der Läuterung der Kulturen einherging, gleich einer notwenigen Erhebung. Eine uneingeschränkte Verteidigung aller Ausdrücke der Zigeuner-Kultur ohne die erforderliche Unterscheidung und die entsprechende evangelische Beurteilung ist nicht von Hilfe. Läuterung aber heißt nicht Unterhöhlung, sondern eine gewisse Integration mit der umgebenden Kultur: es geht hier um einen interkulturellen Prozess (ebd. 39). So führt also die Versöhnung und die Vereinigung zwischen Zigeunern und Nicht-Zigeunern zu einer legitimen kulturellen Wechselbeziehung.
Das Wort Gottes wird leichter aufgenommen, wenn Personen es verkünden, die ihrer täglichen Lebenssituation Solidarität gezeigt haben. Es ist wichtig, dass die Katechese einen Dialog vorsieht, der es den Zigeunern ermöglicht, darzulegen, wie sie ihr Verhältnis mit Gott empfinden und leben. Deshalb sollten liturgische Texte, die Bibel, Gebetbücher in die Sprache übersetzt werden, die von den verschiedenen ethnischen Volksgruppen in den einzelnen Regionen benutzt wird. Ähnlich kann auch die Musik – die von den Zigeunern geschätzt und ausgeführt wird – ein äußerst wertvoller Beitrag für die Seelsorge sein, die also gefördert und in den Treffen wie in den liturgischen Feiern entwickelt werden sollte. Dasselbe gilt auch für die audiovisuellen Mittel der modernen Technik (ebd. 60 und 61).
Bedenkt man endlich auch die Gefahr – was leider durch bedauerliche Begebenheiten bestätigt wird – dass die Zigeuner Opfer der Sekten werden, so gibt das Dokument der Überzeugung Ausdruck, dass die neuen kirchlichen Bewegungen eine besondere Rolle in dieser spezifischen Pastoral übernehmen könnten. Mit ihrem ausgeprägter Gemeinschaftssinn und ihrer Offenheit, ihrer Bereitschaft und der besonderen Herzlichkeit könnten sie in der Tat konkrete Aufnahme bieten und auch die Evangelisierung fördern. In diesem Sinn können die katholischen Zigeuner-Vereinigungen – die nationalen wie auch die internationalen – eine besondere Rolle übernehmen, jedoch unter Wahrung eines konstanten Kontaktes und enger Verbindung mit den Ortsgeistlichen und dem Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs (ebd. 77 und 78).
1. Die Mission, mit der Christus die Kirche beauftragt hat, richtet sich an „alle Menschen und Völker“, „um sie durch das Zeugnis des Lebens, die Verkündigung, die Sakramente und die übrigen Mitteilungsweisen der Gnade zum Glauben, zur Freiheit und zum Frieden Christi zu führen“ (AG5). Diese Universalität der Mission drängt die Kirche dazu, auch die geographisch am weitesten entfernt liegenden Völker zu erreichen und sich auch um jene zu kümmern, die, obwohl sie in Ländern mit alter christlicher Tradition leben, das Evangelium noch nicht angenommen oder nur teilweise empfangen haben oder die jedenfalls noch nicht vollständig Teil der kirchlichen Gemeinschaft geworden sind.
3. Aus der praktizierten pastoralen Aktion und aus dem Austausch von Erfahrungen und Ideen, hat sich schließlich eine Gesamtheit von Haltungen und zu erreichenden Zielen, von Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt und von Mitteln, die erforderlich sind, herausgeschält, die zusammen ein instrumentum laboris ergeben, das der Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und die Menschen unterwegs redigiert hat. Zu diesem Arbeitsinstrument sind Meinungen und Beiträge vonseiten verschiedener Personen, die in der Seelsorge und für die Evangelisierung des Zigeunervolkes tätig sind, erbeten worden, die den Text entschieden bereichert und auch verändert haben. Nach einer letzten langen Sondierung haben wir die endgültige Fassung in Angriff genommen, wobei wir auch kirchlichen Instanzen, die nicht unmittelbar beteiligt sind, Rechnung getragen haben, um so die Seelsorge für die Zigeuner in einem möglichst weit gefassten Rahmen innerhalb der universellen Mission der Kirche in angemessener Weise einzuordnen.
Es wendet sich also nicht nur an die Seelsorger und die in einer spezifischen Pastoral Tätigen, sondern zugleich an die ganze christliche Gemeinschaft – die in diesem Zusammenhang nicht gleichgültig bleiben darf – sowie an die Zigeuner selbst. Da der Weg der vollen Gemeinschaft zwischen Zigeunern und Nichtzigeunern eben erst begonnen hat oder sogar in vielen Ländern erst noch eingeschlagen werden muss, ist von allen eine große Umkehr in den Herzen und im Geiste, aber auch in den Einstellungen erforderlich: dieses ist der wichtigste Antrieb zu einer solchen Gemeinschaft, im Bewußtsein, dass an der Wurzel jeder Situation, in der Zurückweisung und Ungerechtigkeit zum Tragen kommen, die schmerzhafte Realität der Sünde zu finden ist.
I. KAPITEL: Nicht so gut bekannte Völker, oft ausgegrenzt
7. Die Zigeuner sind ein „Volk in Bewegung“, deren Weltanschauung ihren Ursprung in der Nomadenkultur hat. Aus einer Situation der Sesshaftigkeit heraus ist diese Art, die Welt zu betrachten, in ihren Grundlagen schwer zu begreifen . Die Welt der Zigeuner bewegt sich in großen Zügen noch immer entlang der mündlichen Tradition; ihre Kultur ist nicht schriftlich überliefert und es gibt keine Erinnerungen an ihre Wanderungen. Die Gefahr besteht, dass man sie zu der klassischen Kategorie der Migranten zählt, zu denen sie jedoch nicht gehören. Die Zeugnisse über ihre Herkunft und ihre Wanderungen kommen von außerhalb und sind fragmentarisch, und nur in jüngster Zeit sind die Zigeuner Objekt von Studien geworden. Ihre weit in die Geschichte zurückreichende Abneigung gegen Volkszählungen – die so oft das Vorspiel von Deportationen waren – und die dagegen systematische Feststellung, dass auch die sesshaft gewordenen Zigeuner in der Regel in ihrer Eigenschaft als Zigeuner von den Volkszählungen ausgeschlossen sind, machen es schwierig, Angaben zu ihrer Anzahl und ihrer geographischen Verteilung zu machen.
15. Die Religiosität ist ebenfalls von großer Bedeutung für die Identität dieser Völker. Ihre Beziehung zu Gott wird als selbstverständlich betrachtet und äußert sich in einer gefühlsbetonten und unmittelbaren Beziehung zum Allmächtigen, der für das Familienleben sorgt und es schützt, insbesondere in den schmerzvollen und beunruhigenden Momenten des Lebens. Diese Religiosität wird gewohnheitsmäßig mit eingebracht in die meist verbreitetste Religion oder Konfession des Landes, in dem die Zigeuner leben, sei dies nun die lutherische, die reformierte, die katholische, die orthodoxe, die moslemische oder eine andere Religion, oft ohne allzu sehr nach den Unterschieden zwischen ihnen zu fragen.
II. KAPITEL: Die Sorge der Kirche
21. Man darf jedoch nicht vergessen, dass seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts es seitens der Seelsorger eine zunehmende Annäherung an die Zigeuner gegeben hat, wobei in einigen Ländern eine systematische Pastoral für dieses Volk entwickelt wurde. Das Zweite Vatikanische Konzil hat darüber hinaus die Bischöfe aufgerufen„ihre Sorge besonders jenen Gläubigen zu widmen, die wegen ihrer besonderen Lebensbedingungen aus der allgemeinen ordentlichen Hirtensorge der Pfarrer nicht hinreichend Nutzen ziehen können oder sie vollständig entbehren“ (CD 18). Und unter diesen Gläubigen werden auch „die Nomaden“ genannt. Ein derartiges besonderes Interesse wurde von Papst Paul VI. bekräftigt, als er sich anlässlich des berühmten, bereits erwähnten Treffens in Pomezia an die Zigeuner wandte und bestätigte: „Ihr seid im Herzen der Kirche“! Die christliche Würde unter ihren Lebensbedingungen hat dann eine besondere Anerkennung gefunden durch die Seligsprechung von Zeferino Giménez Malla, (1861-1936), "El Pelé“ genannt, einem spanischen Zigeuner, der zur Nomadengruppe der Kaló gehört.
Vor diesem Hintergrund des Wanderns kommt die Bestätigung des Bundes Gottes mit seinem Volk auf dem Berg Sinai. Er wird von nun an dargestellt durch die Lade, die die Symbole des Bundes enthält, die Bundeslade, die sich mit dem Volk bewegt und es auf seinem Weg in das Verheißene Land begleitet. Unter diesen Bedingungen finden die Israeliten in jedem Fall, auch wenn Hunger und Durst sie befallen, auch wenn Feindschaft und Zurückweisung vonseiten der sie umgebenden Völker sie treffen, den Schutz Gottes und sie werden sein auserwähltes Volk sein. Daran wird man sich immer erinnern und in den Psalmen wird es mit den Worten besungen: „Gott, als du deinem Volk voranzogst, als du die Wüste durchschrittest, da bebte die Erde, da ergossen sich die Himmel vor Gott, vor Gott, dem Herrn vom Sinai, vor Israels Gott“ (Ps 68,8-9). Die Sehnsucht nach jener Zeit, die die Seele Israels geprägt hat wird für immer in der Folgezeit in lebendiger Erinnerung behalten und an sie wird in den Pilgerfahrten erinnert, die die Juden in jene Stadt machen sollten, in deren Tempel die Bundeslade aufbewahrt wurde.
24. Die Wanderung ist zudem ein Wesenszug in der Einstellung aller Menschen in ihrer Beziehung zu Gott. Den Psalmen zufolge ist der Mensch „ohne Tadel“, der „seine Vorschriften befolgt“, der „auf seinen Wegen geht“ (Ps 119,1-3), „im Haus meiner Pilgerschaft“ (Ps 119,54): „Der makellos lebt“ (Ps 15,2) wird erfahren, dass Gott „sein Verlangen stillt“ und ihn „auf rechten Pfaden leitet“ (Ps 23,3). In diesem Sinne erinnert auch Paulus daran, dass „wir fern vom Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind“ (2 Kor 5,6).
=Die Katholizität der Kirche und die Pastoral für die Zigeuner
29. Daraus müsste ein besonderer Eifer der Kirche in der Fürsorge für diese Bevölkerung folgen. Als besondere Gruppe des pilgernden Gottesvolkes verdienen sie tatsächlich ein besonderes pastorales Verhalten und eine Anerkennung ihrer Werte. Aber darüber hinaus wird die Pastoral als ein Erfordernis, das der Katholizität der Kirche und ihrer Mission innewohnt, angerufen und gefordert. Mit Christus nämlich, von dem sie ausgeht, verschwindet jede Art der Diskriminierung. Er „ist unser Friede, er der aus beiden ein einziges Volk gemacht hat, indem er die trennende Wand der Feindschaft niedergerissen hat, ... um in sich aus den beiden einen einzigen, neuen Menschen zu schaffen. Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet“ (vgl. Eph 2,14-16).
32. Eine solche Verwurzelung der Katholizität macht aus jeder möglichen Form der Diskriminierung bei der Ausübung ihrer Mission einen Verrat der eigenen kirchlichen Identität. Auf den Spuren ihres Gründers – dem Gesandten Gottes, der kam „um den Armen eine gute Nachricht zu bringen; um den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht; um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen“ (Lk 4,18-19) – sucht die Kirche also geeignetere Mittel, um den Zigeunern das Evangelium auf lebendige und kraftvolle Weise zu verkünden. Es handelt sich um eine neue Evangelisierung, zu der uns der Heilige Vater Johannes Paul II. immer wieder aufgefordert hat.
III. KAPITEL: Evangelisierung und Inkulturation
35. Damit die Erlösung den ganzen Menschen erreicht, darf die Evangelisierung sicher die Aspekte der Kultur, der Sprache, der Traditionen, der Kunst und so weiter, die die Menschen und die Völker in ihrer Ganzheit ausmachen, nicht ausklammern. Wenn die Kirche oder das Gottesvolk sie dagegen berücksichtigt, entzieht es „nichts dem zeitlichen Wohl irgendeines Volkes. Vielmehr fördert und übernimmt es Anlagen, Fähigkeiten und Sitten der Völker, soweit sie gut sind. Bei dieser Übernahme reinigt, kräftigt und hebt es sie aber auch“ (LG 13). Der im eigentlichen Sinne katholische Geist der Evangelisierung führt zudem zu einer gegenseitigen Bereicherung, denn „Kraft dieser Katholizität bringen die einzelnen Teile ihre eigenen Gaben den übrigen Teilen und der ganzen Kirche hinzu, so dass das Ganze und die einzelnen Teile zunehmen aus allen, die Gemeinschaft miteinander halten und zur Fülle in Einheit zusammenwirken“ (LG 13).
Man muss der Tatsache Rechnung tragen, dass die normale und territoriale Struktur der Kirche für die Seelsorge es dieser Bevölkerung in der Regel nicht gestattet, sich wirkungsvoll und auf Dauer in das kirchliche Leben und die kirchliche Gemeinschaft einzufügen. Aus diesem Grunde ist ein sorgfältiges Abwägen nötig, um ein gerechtes Gleichgewicht in der Anpassung der ordentlichen Grundlagen der Seelsorge an die Besonderheiten zu finden, die jede einzelne Situation erfordert.
IV. KAPITEL: Evangelisierung und menschliche Förderung
48. Die Aufgabe, die es zu lösen gilt, damit die Zigeuner, die besonders verwundbar sind, sich selbst als Mitglieder der Menschenfamilie betrachten und als solche akzeptiert werden, ist groß und dringlich. Zum wahren und dauerhaften Frieden, der sie als Wiederspiegelung der “göttlichen Familie“ (der Allerheiligsten Dreifaltigkeit) kennzeichnen sollte, gelangt man nur im Rahmen von Gerechtigkeit und Entwicklung. Unter der Zigeunerbevölkerung soll also die Würde gewahrt und ihre kollektive Identität geschützt werden, und ihre Initiativen sollten in Richtung auf diese Entwicklung gefördert[9] und ihre Rechte verteidigt werden.
V. KAPITEL: Besondere Aspekte der Pastoral für die Zigeuner
60. Das Wort Gottes, das den Zigeunern in den verschiedenen Bereichen der pastoralen Tätigkeit verkündet wird, wird von ihnen eher aufgenommen, wenn es von jemandem verkündet wird, der sich ganz konkret solidarisch mit ihnen und mit den Ereignissen in ihrem Leben gezeigt hat. Im konkreten Bereich der Katechese erweist es sich zudem als wichtig, einen Dialog vorzusehen, der den Zigeunern die Möglichkeit bietet, darzustellen wie sie Gott wahrnehmen und wie sie ihre Beziehung zu Gott leben. Die gelebten Situationen sagen oft mehr als ein Übermaß an Ideen, zwischen denen sie Gefahr laufen, sich zu verlieren.
61. Darüber hinaus muss man die Zweckmäßigkeit abwägen, vielleicht Texte der Liturgie, der Bibel oder auch Gebetbücher in eine Sprache zu übersetzen, die von den verschiedenen Volksgruppen in den einzelnen Regionen benutzt wird. Ähnlich ist die Benutzung der Musik – die von den Zigeunern so sehr geschätzt und oft ausgeführt wird –, bei den seelsorgerischen Treffen und in den liturgischen Feiern ein wertvoller Beitrag, den man fördern und weiter entwickeln sollte. Da die Zigeuner über ein außerordentlich stark ausgeprägtes visuelles Gedächtnis verfügen, kann didaktisches Material auf Papier und als Video, mit einprägsamen Fotos und in der ganzen Vielfalt, wie die neuen Technologien sie ermöglichen, eine wertvolle Hilfe bieten, vielleicht sogar unverzichtbar sein, wenn sie der Mentalität der Zigeuner entsprechend angepasst sind.
62. Die Bitte um die Sakramente vonseiten der Familien reiht sich ein in den Rahmen der wechselseitigen Beziehung zwischen Kirche und Zigeuner. Die Zigeuner wenden sich meistens an den Rašaj (Priester) oder an die Arbeitsgruppe der Pfarrgemeinde, die sich ihnen gegenüber offen und aufnahmebereit gezeigt haben, zweifelsohne auch deswegen, weil sie mit ihren Mitgliedern auch schmerzhafte und gefahrvolle Erlebnisse geteilt hat. Bevor man jedoch eine übereilte Antwort gibt, muss man sich Klarheit verschaffen über die Art der Beziehung, die zwischen der Zigeuner-Familie und der örtlichen christlichen Gemeinde besteht. Diese Einschätzung ist wichtig, um festzustellen, ob die Bitte aufrichtig ist und das muss seinen Niederschlag finden in der Vorbereitung auf das Sakrament und seine Verleihung.
66. Quelle und Höhepunkt der Gemeinschaft in Christus und mit der Kirche ist die Eucharistie, Gedächtnis des Todes und der Auferstehung des Herrn, Sakrament dessen Bedeutung noch nicht in seiner ganzen Fülle von den Zigeunern erkannt wird. Es findet jedoch einen wichtigen Niederschlag in der Tradition einiger Zigeunergruppen, die heiligen Mahle betreffend, die im allgemeinen zu Ehren der heiligen Beschützer der Familien oder für den Frieden der Verstorbenen gehalten werden. Hierbei lobt man Gott für die erhaltene Gnade und man teilt das Mahl, zuerst das Brot und den Wein, die oft vom Familienoberhaupt der Gastfamilie gesegnet werden. Diese Mahlgemeinschaft, in der die Zigeuner ihre Zugehörigkeit zur eigenen Gemeinde bestätigen kann durchdrungen werden durch einen ständigen Bezug auf Gott, Quelle aller Güter, die dem Leben Sinn und Wert geben. So wird dies ein Ausgangspunkt für eine progressive Einführung in die christliche Gemeinde, die im Gebet versammelt ist. Das geschieht vor allem in der eucharistischen Liturgie, wo das Sakrament kundgetan und gefeiert werden kann, als Teilhabe am selben Brot des Lebens, am Tisch des Herrn, in der Begegnung mit dem österlichen Geheimnis, gefeiert in der Eucharistie, im Gedächtnis an Christus, der sich für uns hingegeben hat. Wir erwidern es, indem wir uns selbst Gott hingeben und uns dem Nächsten in Liebe schenken.
68. Im Hinblick auf die Eheschließung ist zu beachten, dass sie fest in der Kultur und der Tradition der Zigeuner verankert ist, wobei das Ritual in den Gruppen, denen sie jeweils angehören unterschiedlich ist, die Substanz aber gleich bleibt. Vor der Gemeinschaft, die die Gültigkeit dieser Vereinigung anerkennt, übernehmen die beiden Partner alle ehelichen Rechte und Pflichten als dauerhaften status wodurch die ethischen und natürlichen Werte – Freiheit, Treue, Unauflöslichkeit und Fruchtbarkeit – im Wesentlichen gewährleitstet sind. Die eheliche Vereinigung wird hier als ganz und gar verschieden von einer einfachen sexuellen Union verstanden und bedeutet daher ein außerordentliches Ereignis, dass sich der katholischen Auffassung der Ehe annähert, weshalb es für die Getauften eine wichtige Grundlage des künftigen Sakramentes ist, dessen “Form“ von der Kirche verlangt wird. Die Familie, Herz und Fundament der Kultur und der sozialen Struktur der Zigeuner, erneuert im Sakrament, wird fruchtbares Erdreich für die Bildung kleiner christlicher Gemeinschaften im Hinblick auf die stufenweise und volle Teilnahme am Leben der Kirche in der Verschiedenheit der Charismen und Ämter.
Die Anwesenheit von Geistlichen, Ordensleuten und Laien, die für einige Tage mit ihnen leben, bietet zudem die Möglichkeit zu einer Reihe von unterschiedlichen Versammlungen und Gesprächen, bei denen die Zigeuner das Wort ergreifen und ihren Glauben bezeugen, der sich aus dem gemeinsamen Evangelium speist. Bei diesen Gelegenheiten bieten sich ebenfalls Möglichkeiten zu Kontakten zu den gağé, die häufig das negative Bild der Zigeuner in der öffentlichen Meinung positiv verändern und verallgemeinernde Vorurteile über sie zerstören.
74. Die Tatsache, sich mit Liebe und mit dem Wunsch, die Frohe Botschaft zu verkünden, bei den Zigeunern vorstellt, ist allein nicht ausreichend, um zwischen ihnen und einem Träger der Pastoral, der gağó ist, ein Vertrauensverhältnis zu schaffen, denn die Geschichte hat ihr Gewicht und nach so viel erlittenem Unrecht, bleibt die Zigeuner-Bevölkerung misstrauisch gegenüber den Initiativen, mit denen – wer auch immer – in ihre Welt einzudringen versucht. Diese erste Haltung kann nur durch konkrete Beweise der Solidarität überwunden werden oder, vielleicht, indem man ihr Leben mit ihnen teilt.
Jede Bezeugung und jeder Akt gegenseitiger Vergebung bestärken dann das Vertrauen und die Solidarität, wodurch sie den Aufbau positiver Beziehungen zwischen den Zigeunern und den gağé fördern. Hier mögen die Worte Gehör finden, die Johannes Paul II., am 12. März 2000 an die Gläubigen richtete, als er um Vergebung auch für die Verfehlungen bat, welche die Söhne und Töchter der Kirche im Laufe der Geschichte den Zigeunern angetan haben.[10]
Von den verschiedenen Glaubensausdrűcken zum Glauben
75. So wie auch bei den gağé gibt es viele Zigeuner, die getauft, aber nicht evangelisiert sind. Allein „der Glaube an Gott“ reicht nach der Sicht des christlichen Glaubens nicht aus, denn man muss zu einer aufrichtigen Aufnahme Jesu Christi und seiner Botschaft bei sich gelangen. Der Übergang von Religiosität zum Glauben kann unter Umständen eingeleitet werden durch eine Art Katechumenenkurs, der die Getauften erneut zu der freudigen Begegnung mit der Person des Herrn führt.
Diese Bemühungen um eine Reife im Glauben sollte die abwegige Leichtgläubigkeit, die häufig zur Ausübung der Chiromantie und ganz allgemein zum Aberglauben führt, ausmerzen. Ebenso müssen falsche Überzeugungen über die Bedeutung der Liturgie überwunden werden. Vor diesem Hintergrund sollten Bitten um die Sakramente, die von falschen und nicht vollständigen Absichten geleitet werden auf das richtige Gleis zurückgeführt werden; dies gilt zum Beispiel für den Wunsch nach körperlichem Wohlbefinden des Kindes.
76. Ein reifer Glaube ist auch ein kirchlicher Glaube, der fest verankert im Schoße der Kirche gelebt wird. Während der Kontakt mit Mitgliedern anderer christlicher Konfessionen und anderer Religionen eine Gelegenheit zur Bereicherung darstellen könnte, ist ein Wechsel der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche und christlichen Gemeinde sicher dem Wachsen des Glaubens nicht förderlich, weil zwischen diesen und der katholischen Kirche wichtige Verschiedenheiten, nicht nur geschichtlicher, soziologischer, psychologischer und kultureller Natur, sondern vor allem in der Auslegungen der offenbarten Wahrheit bestehen (vgl. UR 19). So sollte auch vermieden werden, gleichzeitig zwei oder mehr Kirchen zu besuchen, was eine anormale Spaltung zwischen dem Glaube und seiner Feier im Gottesdienst bedeuten würde.
77. Darüber hinaus muss man sorgfältig unterscheiden zwischen den christlichen Konfessionen, den Sekten und den „neuen religiösen Bewegungen“. Letztere können unter Umständen für die angeborene Religiosität der Zigeuner sehr anziehend sein – manchmal sogar mit Methoden, die von nicht evangelischer Proselytenmacherei durchdrungen sind –, aber sie bilden keine echte kirchliche Realität. Man muss daher alles tun, um zu verhindern, dass die Zigeuner den Sekten in die Falle gehen.
78. Eine besondere Rolle könnte daher in dieser spezifischen Pastoral den neuen kirchlichen Bewegungen zukommen, die der Heilige Geist ins Leben ruft. Mit einem Gespür für die Dimension der Gemeinschaft, für die Öffnung und die Bereitschaft ihrer Mitglieder und die ihnen eigene Herzlichkeit, könnten sie tatsächlich einen konkreten Ort für die „emotionale“ Ausdrucksform der Religiosität der Zigeuner bieten und zugleich in einer wechselseitigen Beziehung ihre bessere Evangelisierung fördern.
In jedem Fall wäre es nutzbringend, eine besondere Form der Seelsorge für die Zigeuner zu schaffen, einen Raum für die internationalen und/oder nationalen Katholischen Vereinigungen, die jedoch je nach den Umständen mit dem Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, mit den Ortskirchen oder der nationalen Direktion, die sich mit den Nomaden befasst, in einer ständigen Beziehung der Communion und der Zusammenarbeit stehen.
VI. Kapitel: Die Strukturen und Mitarbeiter in der Pastoral
80. Unbeschadet des absoluten Vorrangs der Nächstenliebe, die in den Menschen und in den Institutionen den Wunsch weckt, für jeden einzelnen Menschen und jede Gemeinschaft, auch die der Zigeuner, die volle Gemeinschaft mit Christus zu befürworten, müssen wir also überlegen, welches die geeigneten Strukturen sind, um die Pastoral dort einzuleiten, wo sie noch nicht begonnen hat oder auch für eine Verbesserung der Pastoral für die Zigeuner zu sorgen. Eingedenk der Tatsache, dass wir einer komplexen und vielgestaltigen Realität gegenüber stehen und dass die Situation in den einzelnen Teilkirchen auch sehr unterschiedlich ist, müssen die allgemeinen Kriterien, die wir im Folgenden darlegen, den konkreten lokalen Umständen mit den geeigneten Maßnahmen angepasst werden. Darüber hinaus ist zu unterscheiden zwischen dem, was auf lokaler Ebene durchgeführt wird und dem, was sich über eine ganze Nation oder Region oder gar auf die universelle Kirche erstreckt, auch wenn dabei die entsprechende Koordination und die erforderliche hierarchische Communio sehr gepflegt werden muss.
81. Papst Johannes Paul II. hat in der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus,[11] vom 28. Juni 1988, dem Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs die Aufgabe anvertraut „die pastorale Sorge der Kirche auf die besonderen Bedürfnisse derjenigen zu wenden, die ihr Heimatland verlassen haben, oder kein Heimatland haben; gleichzeitig bemüht er sich, mit der nötigen Aufmerksamkeit die Fragen zu verfolgen, die mit dieser Problematik verbunden sind“ (Art. 149). Er „setzt sich dafür ein, dass in den Ortskirchen eine angemessene und wirksame spirituelle Betreuung angeboten wird, falls nötig auch mit zweckmäßigen Pastoral-Strukturen, und zwar für die Flüchtlinge und Vertriebenen, für die Migranten, die Nomaden und für die Zirkusleute“ (Art.150 § 1). Dieses Dikasterium ist daher ein neuer Ausdruck der Fürsorge, die die Kirche in den vergangenen Jahrzehnten durch die Schaffung aufeinanderfolgender Organe und Büros stets bewiesen hat, die im Innern der Römischen Kurie tätig waren.
82. Die konkrete Durchsetzung des ihm anvertrauten Auftrags erfolgt in der täglichen Arbeit der Belebung, Förderung und Koordinierung der Pastoral, wie auch durch die Anwesenheit bei den verschiedenen Tätigkeiten des Apostolats der Nomaden. Der Päpstliche Rat wendet sich also an die Bischofskonferenzen, an die entsprechenden hierarchischen Strukturen der katholischen Ostkirchen – unter voller Beachtung der Kompetenz der entsprechenden Kongregation – und an die regionalen und kontinentalen Verbände sowie auch an einzelne Bistümer/Eparchien, um zu der konkreten Umsetzung dieser Seelsorge anzuregen. Um zudem die Verbreitung und den Austausch von konkreten Erfahrungen in den einzelnen Teilkirchen zu fördern, organisiert das Dikasterium selbst internationale Kongresse, Treffen und Seminare und nimmt soweit möglich auch an jenen teil, die andere Institutionen einberufen. Darüber hinaus unterhält er Kontakte mit verschiedenen internationalen Einrichtungen, die sich der menschlichen Förderung und der Seelsorge der Nomaden widmen.
86. Als Bewahrer der Communio schlechthin müssen sich also die Bischöfe konkret darum bemühen, die Einheit und die Identität der Zigeuner zu schützen, wie auch die Einheit zwischen ihnen und der autochthonen kirchlichen Identität. Wenn sie ihre Identität nicht respektiert, könnte die Teilkirche nämlich nicht einmal ihre eigene wahre Einheit aufbauen. Desgleichen ist es ein Bedürfnis der kirchlichen Gemeinschaft, dass die Zigeuner die Ortskirche, in der sie sich aufhalten, als die ihrige betrachten. So werden also die Priester dieses Gefühl zu stimulieren versuchen. Ein praktischer Ausdruck dieser kirchlichen Communio ist bestimmt der aufrichtige und echte Dialog zwischen den verschiedenen autochthonen fest bestehenden Gemeinden und den Zigeunern. Es ist wiederum Aufgabe der Bischöfe diese Kommunikation eben unter voller Beachtung der Werte und der Kultur und der Identität jedes einzelnen zu fördern und zu erleichtern.
87. Die Besonderheit der Pastoral für die Zigeuner ist derart, dass die Teilkirche oder Ortskirche sich außer Stande sieht und nicht über die Möglichkeiten verfügt – vor allem, weil geeignete Seelsorger fehlen –, um ihr gerecht zu werden. Es muss daher auch an die Möglichkeit gedacht werden, eine Leitung auf inter-diözesaner oder nationaler/synodaler Ebene zu schaffen, die der Bischofskonferenz oder der entsprechenden hierarchischen Struktur der katholischen Ostkirchen unterstellt ist und die sich im weitesten Sinne des Wortes mit der angemessenen Verteilung der Mittel befasst, mit der Vorbereitung der in der Seelsorge Tätigen, der Koordinierung der Beziehungen zu ähnlichen Einrichtungen in anderen Ländern usw. Zu diesem Zweck könnte eine pastorale Leitungseinheit, nützlich oder sogar notwendig sein, welche die Arbeit und die Bedingungen, unter denen die Kapläne und die anderen Seelsorger arbeiten, aufmerksam verfolgt, ungeschadet der Gewalt der Diözesanbischöfe.
89. Es ist notwendig, dass innerhalb der in Frage kommenden Bischofskonferenzen oder der entsprechenden hierarchischen Strukturen der katholischen Ostkirchen ein “Bischof Promotor“ für die Pastoral der Zigeuner ernannt wird. Es wäre wünschenswert, dass dieser über Seelsorgeerfahrungen bei dieser Bevölkerung verfügt, jedenfalls muss er über eine ausreichende persönliche Bildung verfügen, um die Besonderheit der Welt der Zigeuner zu durchdringen und zu verstehen, da diese nicht mit dem übereinstimmt, was über sie allgemein gesagt und angenommen wird. Selbstverständlich muss der Bischöfliche Promotor engen Kontakt mit der nationalen Arbeitsgruppe unterhalten und er wird die Sichtweise der universellen Kirche in Bezug auf die Ortskirche des Landes, in dem die Zigeuner leben, dort einbringen, um so angesichts ihrer fließenden Beziehung zu der Gesellschaft und der Kirche die allgemeine Dimension bewusst zu machen. Er muss sich den Zigeunern gegenüber als ganz besonders aufmerksam erweisen und die Tätigkeit der Kapläne und der Pfarrer zu ihren Gunsten unterstützen. Es ist außerdem notwendig, die Bischöfe über die Anwesenheit der Zigeuner in ihren Diözesen/Eparchien zu informieren – und umgekehrt – und sie vielleicht darum zu bitten, einen Geistlichen, eine Ordensfrau oder einen Laien frei zu stellen, eine Person also, die den Auftrag erhält, die Sorge um die Evangelisierung der Zigeuner wach zu halten. In jenen Ländern, in denen die Zigeuner-Bevölkerung zahlreich und weiter anwachsend ist, muss es eine vorrangige Aufgabe sein, auf nationaler/synodaler, regionaler Ebene, oder im Bereich einer spezifischen Kirche sui iuris eine Struktur für die Pastoral zu schaffen oder die bereits bestehende zu verstärken.
91. Der National-Direktor oder ein Gleichrangiger ermutigt die Schaffung – wenn dies nötig ist – von regionalen Arbeitsgruppen, um die gemeinsamen Erfahrungen mit den Zigeunern zu analysieren, sei es im Hinblick auf größere Gerechtigkeit ihnen gegenüber wie auch im Hinblick auf die Qualität und die Kontinuität des religiösen Beistandes und der Katechese. Es werden darum jährliche Zusammenkünfte zur Ausbildung der Kapläne, der Ordensleute und der Laien vorgeschlagen. Man muss auch Zeiträume organisieren, in denen man bei Zigeuner-Familien und Zigeuner-Gemeinden lebt, um von innen her ihre Mentalität, das ganze Netz ihrer Beziehungen, die relative Armut, die vorhandenen Qualitäten und Mängel zu verstehen. Dies ist oft eine schwierige Erfahrung, aber sie ist notwendig und bereichert. Entsprechend kann die Nationalleitung oder eine ihr gleichbedeutende Einrichtung die Schaffung von „Glaubensschulen“ für die Zigeuner-Paare und Zigeuner-Familien unterstützen, die berufen sind in konkreterer Form zur christlichen Animierung in ihren Gemeinden beizutragen.
93. Für die Ausübung der spezifischen Seelsorge der Zigeunern ist eine besondere Vorbereitung nötig, die von dem bischöflichen Promotor geleitet wird und sich an die nationale oder ähnliche Direktion richtet, in Zusammenarbeit mit den Diözesan/Eparchial-Bischöfen. Für diese Aufgabe der Ausbildung der Geistlichen für die Welt der Zigeuner ist eine nationale oder gleichbedeutende Arbeitsgruppe erforderlich, die gut vorbereitet und effizient ist. In jeder Diözese sollte es eine Anzahl von Kaplänen geben, die proportional ist zu der Anwesenheit der Zigeunerbevölkerung in loco.
Die Pastoral für die Zigeuner sieht natürlich auch die Beteiligung der Ortspfarrer vor, die nicht die gesamte Last der apostolischen Arbeit auf die Schultern der Kapläne/Missionare dieser spezifischen Pastoral abwälzen dürfen. Zwischen ihnen und den Pfarrern muss sich jedoch ein intensiver Synergismus und ein Geist der Zusammenarbeit entwickeln. Es ist Aufgabe der Pfarrer die Aufmerksamkeit der Pfarrgemeinde auf die Zigeuner zu lenken und sich bei ihrem Dienst an ihnen vom Kaplan/Missionar helfen zu lassen, wie es in diesem Paragraph dargestellt ist.
Empfohlen wird daher, die territoriale und die personelle Seelsorge aufeinander abzustimmen. Und es ist erwünscht, dass Pfarrer und Kapläne/Missionare, die mit dieser Seelsorge betraut sind, einen der Arbeit förderlichen Dialog suchen und unterhalten. Ebenso ist es wichtig, dass in den Seminaren und den Ausbildungsstätten für die Ordensleute in den betroffenen Ländern zumindest einige Grundlagen der Pastoral für die Zigeuner vermittelt werden.
95. Das Dekret der Päpstlichen Kommission für Wanderung und Tourismus, vom 19. März 1982, bringt eine Aufzählung von sieben besonderen Vollmachten, welche den Seelsorgern einiger Gruppen von Gläubigen verliehen wurden. Unter ihnen stehen auch die Nomadenseelsorger (Vollmachten, die sich auch auf den Priester ausdehnt, der in Abwesenheit oder Verhinderung des Seelsorgers als sein Vertreter ernannt wurde).
Es muss berücksichtigt werden, dass, als dieses Dekret erlassen wurde, außer dem Codex des kanonischen Rechts von 1917, die Instruktion De pastorali migratorum cura der Kongregation für die Bischöfe in Kraft war, herausgegeben am 22. August 1969, wo die Nr. 36, § 2 vorsah, dass das Ernennungsreskript des Seelsorgers von der Kongregation ausgestellt wird.
Um jedenfalls die Vollmachten der Kapläne, die sich der Zigeunerseelsorge annehmen zu berücksichtigen, muss man sich nicht nur die Disziplin des neuen Codex von 1983 und den der CCEO hinsichtlich der einzelnen Materien, auf die sich die Vollmacht bezieht vor Augen halten, sondern vor allem die Tatsache, dass die Kapläne vom zuständigen Ortsordinarius/Hierarchen ernannt werden, wie zum Beispiel gemäß Canon 565 (CIC) und Canon 585 (CCEO). So beziehen sich also die Vollmachten auf eine gewisse Diözese/Eparchie, mit Ausnahme der Vollmacht, die Beichte zu hören, die normaler Weise ubique terrarum gegeben ist.[14]
Es bliebe also alleine noch die Vollmacht, das Allerheiligste in einem Wohnwagen aufzubewahren, wenn auch hier die Anordnungen des Can. 934 dem Ortsordinarius viel größere Handlungsvollmacht einräumt, als Can. 1265 des Codex von 1917 vorsah. Jedenfalls kann der Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs unter gewissen Bedingungen solchen Indulz gewähren.
Die Mitarbeiter in der Pastoral im Dienste der Zigeuner-Gemeinden
97. Was die Bildung angeht, so ist im allgemeinen daran zu erinnern, dass ein Pastoral- Mitarbeiter, der dauerhafte seelsorgerische Verbindungen mit Zigeuner-Familien unterhält, von der territorialen Gemeinde nicht ohne Weiteres anerkannt wird, während es auch wahr ist, dass er nicht immer direkt von den Zigeunern selbst akzeptiert wird. Deshalb muss er seine Kontakte verstärken, um ihre Geschichte und ihre Situationen kennen zu lernen. Es ist außerdem wichtig, das Beziehungsnetz innerhalb eines Zigeuner-Bezirks oder auf einem Stellplatz zu kennen.
99. Aus einer solchen, gut angelegten Pastoral müssten als natürliches Ergebnis, in den Reihen der Zigeuner ein „Protagonismus“ erstehen. Sie müssen zu Aposteln ihrer selbst werden. Auch auf diese Weise fänden dann die Worte von Papst Paul VI. Erfüllung, der – allerdings in einem anderen Zusammenhang – feststellte: „Das christliche 'Mysterium' muss im Geiste eures Volkes heranreifen, damit seine ursprüngliche Stimme heller und freier in den harmonischen Chor der Stimmen der universellen Kirche mit einstimmt“.[15]
Im Allgemeinen ziehen die Laien aus dem Volk der Zigeuner, die in der Pastoral tätig sind, eine nicht definitive und erneuerbare Aufgabe vor, denn ihr Leben hängt stärker als das anderer Menschen von den Wechselfällen des Lebens ab. Wenn zum Beispiel die Armut einiger Familienmitglieder unerträglich wird, ist es ihnen unmöglich ihrer Verantwortung nachzukommen, denn die Dringlichkeit der Überlebensfrage erfordert ihren ganzen Einsatz. Darüber hinaus kann die geringe Aufnahmebereitschaft dieser Umwelt dazu führen, dass der Laie, wenn er als einer von den gağé gesandten angesehen wird, ihn dazu veranlassen kann, auf seinen Dienst zu verzichten, denn seine Tätigkeit könnte sonst dazu führen, dass er aus seiner Ursprungsgemeinde ausgeschlossen wird.
100. Die Ausbildung von Laien-Zigeunern für pastorale Aufgaben ist jedoch unbedingt vorrangig und verpflichtend für die Zukunft der Kirche. Es ist keine einfache Aufgabe, denn sie setzt immer eine persönliche Beziehung zu einem Priester, einer Ordensfrau oder einem Laien voraus, die gewohnheitsmäßig in Kontakt mit einer oder mehreren Zigeuner-Familien leben, denen die Bereitschaft und die Großzügigkeit zum Beispiel einer Person oder eines in ihrer Umgebung beliebten Paar aufgefallen ist, deren Einfluss spürbar ist. Doch darf dieses Paares nicht ausgebildet werden, indem man es von der Familie trennt. Deren Reaktionen und deren Bewusstwerdungsprozess müssen stattdessen kontinuierlich beobachtet werden. Die Ausbildung muss gemeinsam mit andern Personen oder Paaren aus den Reihen der Zigeuner erfolgen, die der Einladung gefolgt sind.
102. Es ist zu hoffen, dass diese Orientierungen dem Wunsch vieler entsprechen, die in ihrem Dienst zugunsten der Nomaden, die unsere Brüder und Schwestern sind, immer wirksamere pastorale Anweisungen zu erhalten wünschen. Für die Kirche bedeutet die Aufnahme der Zigeuner bestimmt eine Herausforderung. Die fast überall verbreitete Anwesenheit der Nomaden ist für uns zugleich eine ständige Aufforderung, unsere irdische Pilgerfahrt im Glauben zu leben, Nächstenliebe und christliche Communio zu praktizieren, um jede Gleichgültigkeit und Feindseligkeit ihnen gegenüber zu überwinden. In seinem Apostolischen Schreiben Nuovo Millennio Ineunte hat uns Papst Johannes Paul II. in der Tat dazu aufgefordert, „eine Spiritualität der Communio“[16] zu fördern, was vor allem bedeutet, die Freuden und die Leiden des andern zu teilen, seine Wünsche zu erahnen und sich der Bedürfnisse eines jeden anzunehmen, um ihm schließlich eine echte und wahre Freundschaft anzubieten.[17]
Rom, am Sitz des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs,
am 8. Dezember 2005, am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens.
↑ Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Pastor bonus, Art. 150, § 1: AAS LXXX (1988), 899.
↑ V. Weltkongress über die Zigeuner-Seelsorge, in People on the Move, Dezember 2003, Nr. 93, Supplement.
↑ Vgl. Romualdo Rodrigo, OAR, Gypsy Saint Ceferino Jiménez Malla (1861-1936), Rome 1997.
↑ Johannes Paul II., Bulle zur Festlegung des Großen Jubiläums 2000 Incarnationis mysterium (29. November 1998), Nr. 7: AAS XCI (1999), 135.
↑ Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio (7. Dezember 1990), Nr. 58: AAS LXXXIII (1991), 306.
↑ Vgl. Paul VI., Ansprache, 26. September 1965: Lehren Pauls VI., III (1965), 490-495.
↑ St. Augustinus, De civitate Dei, XVIII, 51,2: PL 41, 614.
↑ Johannes Paul II., Rede an die Teilnehmer des III. Internationalen Kongresses über Zigeuner-Seelsorge, am 9.11.1989: Lehren Johannes Paul II. XII, 2 (1989), 1195.
↑ Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer am II. Kongress über Nomaden-Seelsorge,16.9.1980: “On the Move” X (1980) Nr. 31, 28-30.
↑ Vgl. L’Osservatore Romano (Deutsche Ausgabe), 17 März 2000, Nr. 11, 6.
↑ AAS LXXX (1988), 841-934.
↑ Vgl. auch Kongregation für die Glaubenslehre, Brief an die Bischöfe der Katholischen Kirche über einige Aspekte der Kirche, verstanden als Communio, Nr 8-9: AAS LXXXV (1993), 842-844.
↑ Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis (7. Dezember 1965) Nr. 10: AAS LVIII (1966), 1007-1008 und Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes (7. Dezember 1965) Nr. 20, Note 4: AAS LVIII (1966), 971 und Nr. 27, Note 28: ebd. 979. Analog siehe Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in America (6. November 1999) Nr. 65, Note 237: AAS XCI (1999), 800 und Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Europa (28. Juni 2003) Nr. 103, Note 106: AAS XCV (2003), 707. Vgl. CIC Can. 294-297.
↑ Zum Unterschied zu der Situation, die mit dem Codex vom 1917 bestand, werden heute viele der im Dekret vom 19. März 1982 aufgeführten Vollmachten, jedem Priester vom Ortsbischof erteilt: Die Vollmacht, an Wochentagen zwei und an den Feiertagen drei Heilige Messen zu feiern (CIC Can. 905 § 2); die Möglichkeit, am Gründonnerstag, nachmittags eine Heilige Messe für die Gläubigen zu feiern, die nicht an der Messe in Cena Domini (Römisches Messbuch) teilnehmen können. Die Vollmacht, überall die Beichte abzunehmen (CIC Can. 566 § 1, 967 § 2) und jene das Sakrament der Firmung zu spenden (CIC Can. 884 § 1). Was die Vollmacht betrifft im sakramentalen Forum von den nicht erklärten Zensuren latae sententiae zu absolvieren, die nicht dem Apostolischen Stuhl vorbehalten sind, so erscheint sie nicht so bedeutend, weil es sich um eine Vollmacht handelt, die laut CIC Can. 1355 § 2 und CCEO Can. 1420 § 1 in die ordentliche Vollstreckungsvollmacht des Bischofs/Hierarchen fällt und somit, kraft CIC Can. 137 § 1 und CCEO Can. 988 § 1 auf Dritte übertragen werden kann. Was nun die entsprechenden Normen betrifft, die in der katholischen Ostkirche zu befolgen sind, so sind diese aus den vergleichbaren Satzungen des CCEO und dem besonderen Recht der einzelnen Kirchen sui iuris abzuleiten.
↑ Paul VI., Ansprache an die Bischöfe Afrikas, 31. Juli 1969: AAS LXI (1969), 577.
↑ Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben zum Abschluss des Großen Jubiläums des Jahres 2000 Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), Nr. 43: AAS XCIII (2001), 297; vgl. V. Weltkongress der Zigeunerseelsorge über das genannte Thema: People on the Move XXXV (2003) Nr. 93, Supplement.
↑ Vgl. Johannes Paul II., ebd.
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References: § 1
 § 2
 Art. 150
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