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Timestamp: 2019-07-18 04:44:07+00:00

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Unterwerfung im Rekordtempo
Der SPIEGEL bleibt sich treu
Noch ist gar nicht klar, worin die Revision eigentlich besteht. Auch fehlt noch die Zustimmung der MPK, der Bundesregierung und der anderen deutschsprachigen Staaten. Enttäuscht muß man aber nicht sein. Der SPIEGEL hat schon mehrmals sein Wort gebrochen.
1999 begründete er sein Einknicken mit der falschen Behauptung, die KMK hätte noch einiges Anstößige aus dem Regelwerk entfernt. In Wirklichkeit hatte sie kein Jota geändert. Diesmal will der SPIEGEL wohl auf Wunsch von Bertelsmann allen anderen vorauseilen. Die ausdrücklich erklärte vollständige Unterwerfung ist immer noch ehrlicher als das Duckmäuserische der bisherigen Praxis: Man hatte sich zwar nicht getraut, auf die eigentlich bevorzugte Rechtschreibung umzustellen, wagte aber doch – ein Muster an Zivilcourage! – ein paar Abweichungen von der Reform, z. B. „recht haben“ und „rauh“ (woraus nun wohl wieder „rau“ werden wird).
Der Sieg über den SPIEGEL muß für Zehetmair eine besondere Genugtuung sein. Zehetmair hatte ja die ganzen Jahre über angenommen, der SPIEGEL erscheine wie die FAZ in rückumgestellter Rechtschreibung, und nun haben ihm die Verantwortlichen zugesichert, die Rats-Orthographie ohne Wenn und Aber zu übernehmen. Wenn ich zeichnen könnte, würde ich den zufrieden schmunzelnden Vorsitzenden abbilden, dem Stefan Aust die Füße küßt. Das würde Zehetmairs Triumphgefühl genau zum Ausdruck bringen.
Kommentare zu »Unterwerfung im Rekordtempo«
Kommentar von j.k., verfaßt am 12.03.2006 um 08.04 Uhr
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Seine Kolumne hat sich nur mit dem "Denglish" befaßt, nicht mit der Rechtschreibreform. Auch sonst steht in der Zeitung überhaupt nichts von der Umstellung.
Kommentar von j.k., verfaßt am 11.03.2006 um 18.12 Uhr
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Morgen wird Peter Hahne in der BamS bei seiner wöchentlichen Kolumne das Thema "deutsche Sprache" aufgreifen! Ich weiß nicht genau, was das werden wird, aber sicher hat es was mit der Rückkehr Springers zur Reformschreibung zu tun, und da Hahne bekanntlich reformiert schreibt, dürfen wir uns auf was gefaßt machen...
Kommentar von Klaus Malorny, verfaßt am 09.03.2006 um 15.01 Uhr
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Man kann sich ja auch mit fremdsprachiger Literatur beschäftigen, was noch den Nebeneffekt hat, daß man dort seine Kenntnisse verbessern kann. Als Informatiker bin ich in der glücklicheren Lage, englische Fachliteratur lesen zu können; sie ist zudem umfangreicher, aktueller und besser. Software kommt bei mir auch nur noch in Englisch ins Haus (auch im Büro). Deutsche Lieferanten von englischem Windows & Co sind nicht allzu schwer zu finden. Linux wird meist sowieso multilingual ausgeliefert.
Kommentar von Bardioc, verfaßt am 09.03.2006 um 14.49 Uhr
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j.k.,
leider werden wir alle gezwungen, reformiert zu lesen, und viele werden dies auch in Frage stellen, spätestens wenn sie über ein auseinandergerissenes Wort stolpern. Der Genuß beim Lesen eines Romans leidet doch sehr darunter. Deswegen der Spruch:
Reformierte Literatur ist wie Reisbrei mit Reißnägeln drin!
Man könnte die Reform als Abkehr vom flüssigen Deutsch ansehen. Leider wird den Schülern heutzutage durch die Reform dieses flüssige Deutsch vorenthalten. Soweit ich es mitbekommen habe, müssen die Schüler heute sehr viel mehr Rechtschreibregeln büffeln als ich zu meiner Schulzeit. Aber diese Regeln wird man, wenn man nicht sehr intensiv damit arbeitet, sehr bald wieder vergessen. Deshalb dürfte es gerade für Schüler leicht sein, trotz Reformschriebs in der Schule die gute Rechtschreibung zu erlernen: Es genügt, viele Romane in klassischer Rechtschreibung zu lesen, z. B. ältere Perry Rhodan-Romane. Die liegen bei vielen Leuten noch irgendwo rum. Frag einfach mal bei Freunden oder Bekannten, die dürften sie einen gerne ausleihen. Zu empfehen wäre auch Ren Dhark, ebenfalls eine Science fiction-Romanserie. Man muß ja nicht sein Taschengeld für Hefte in Reformschrieb verschwenden.
Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 09.03.2006 um 14.22 Uhr
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Naturam furca expellas...
Wir alle, ob guten Mutes oder ein wenig verzagt, wissen nicht, wohin die Reise geht. Jeder kann triftige Argumente für seine Hoffnung oder Befürchtung vorbringen. Wir sollten das Tagesgeschehen nicht überbewerten, weder unter dem einen noch unter dem andere Aspekt. Vor allem müssen wir der Sprache selbst vertrauen. Es gibt offenbar ihr innewohnende Gesetzmäßigkeiten, die in einer langen Entwicklung zum Stand vor der gewaltsamen Zerstörung durch die Reform geführt haben. Da war keine Planung nötig oder am Werke. Ich bin überzeugt, daß diese Enwicklungslinie sich fortsetzen wird, wenn auch zur Zeit unter erschwerten Umständen. Inzwischen dürfen und müssen wir aber nicht untätig bleiben. Aufklärung, Benennung des Schlechten und der dafür Verantwortlichen, Beispiel durch gute Praxis - das ist unser Teil.
Kommentar von j.k., verfaßt am 09.03.2006 um 14.12 Uhr
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Bardioc,
Sie haben damit recht: Der Leser entscheidet letztlich. Jedoch ist es und wird es so bleiben, daß der Leser sowohl reformiert als auch "alt" liest, ohne ersteres in Frage zu stellen.
Sehr geehrter Herr Ickler,
Sie haben damit auch recht. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Glück dabei, Verlage zu finden, die die Beschlüsse einer breiten Öffentlichkeit bekanntmachen.
Kommentar von Bardioc, verfaßt am 09.03.2006 um 13.34 Uhr
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Oder eine Veröffentlichung nur in Englisch.
Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.03.2006 um 13.31 Uhr
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Ob jetzt weiterhin keine Texte von lebenden deutschspracigen Dichtern, die der Verhunzung durch reformierte Rechtschreibung nicht zustimmen, in Schulbüchern abgedruckt werden dürfen? Das wäre ein fortdauernder Skandal.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 09.03.2006 um 13.05 Uhr
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Die Schärfe des Urheberrechts ist solange gut, wie es nicht zum Bumerang wird. Im Fall der wissenschaftlichen Veröffentlichung mag z.B. die einzige praktikable Alternative die Nichtveröffentlichung sein.
Kommentar von Ballistol, verfaßt am 09.03.2006 um 13.05 Uhr
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In Österreich, vermutlich auch in der BRD, muß man seine Rechte im Zivilweg einfordern. Das heißt in der Praxis, daß die Verlage einem ein husten können. In Österreich gibt es keine einzige Rechtsschutzversicherung, die das abdeckt, man trägt das Risiko also selbst.
Die Verwertungsgesellschaften sehen sich unzuständig, die GVU in Hamburg konzentriert sich nur auf Pornofilme, die Staatsanwaltschaft beantwortet Anzeigen nach dem UrhR mit dem Hinweis auf ihre Unzuständigkeit.
Wer prozessiert, riskiert nicht nur, vom Beklagten keinen Auftrag mehr zu bekommen. Im Land der Packlwirtschaft sprechen sich solche Dinge schnell herum, z. B. im Foyer des Zeitschriftenverbands, auf den von stets denselben Medienvertretern besuchten Pressekonferenzen oder auch in den wenigen Presseclubs.
Ein freier Mitarbeiter einer großen österreichischen Zeitung hat einmal jemandem rechtlich Druck gemacht, der einen seiner Texte im Internet neu veröffentlicht hatte. Der Täter intervenierte daraufhin bei der Chefredaktion. Daraufhin bekam der Kollege keine Aufträge mehr, das wurde redaktionsintern per Memo verfügt.
Ein Ausweg kann sein, selbst das Ruder in die Hand zu nehmen: als Redakteur, als Herausgeber oder als Verleger.
Kommentar von Bardioc, verfaßt am 09.03.2006 um 12.18 Uhr
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Vielen Dank, Herr Glück, für die promte Einstellung der Gesetzestexte!
Das deutsche Gesetz scheint mir restriktiver als das österreichische zu sein.
Bundesrepublik Deutschland / Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz)
§ 1: Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes.
§ 2 (2): Werke im Sinne dieses Gesetzes sind nur persönliche geistige Schöpfungen.
§ 7: Urheber ist der Schöpfer des Werkes.
§ 12 (1): Der Urheber hat das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu veröffentlichen ist.
§ 14: Der Urheber hat das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden.
§ 23: Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden. (...)
Besonders wichtig scheint mir auch §12(1) zu sein, da er auch festlegt, daß der Urheber bestimmen kann, WIE sein Werk zu veröffentlichen ist.
Republik Österreich / Bundesgesetz über das Urheberrecht an Werken der Literatur und der Kunst und über verwandte Schutzrechte, BGBl. 1936/111 idF. BGBl. I 1998/25 (UrhG-Nov 1997)
§ 10. (1) Urheber eines Werkes ist, wer es geschaffen hat.
§ 21. (1) Wird ein Werk auf eine Art, die es der Öffentlichkeit zugänglich macht, benutzt oder zum Zweck der Verbreitung vervielfältigt, so dürfen auch von dem zu einer solchen Werknutzung Berechtigten an dem Werke selbst, an dessen Titel oder an der Urheberbezeichnung keine Kürzungen, Zusätze oder andere Änderungen vorgenommen werden, soweit nicht der Urheber einwilligt oder das Gesetz die Änderung zuläßt. Zulässig sind insbesondere Änderungen, die der Urheber dem zur Benutzung des Werkes Berechtigten nach den im redlichen Verkehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuchen nicht untersagen kann, namentlich Änderungen, die durch die Art oder den Zweck der erlaubten Werknutzung gefordert werden.
Hier scheint es generell die Möglichkeit zu geben, daß der österreichische Staat per Gesetz Änderungen druchführen oder zumindest als geboten erscheinen lassen kann. Allerdings sehe ich auch hier keinen Zwang zu einer Änderung.
Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 09.03.2006 um 12.02 Uhr
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Kommentar von Bardioc, verfaßt am 09.03.2006 um 11.39 Uhr
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Zum Beitrag von Glasreiniger am 09.03.2006 um 09:09 Uhr
>>... Das Recht, richtig zu schreiben,<<
Was ''richtig'' ist, hängt von den jeweils zugrundeliegenden Konventionen und deren internen Widerspruchsfreiheit ab. In der klassischen Rechtschreibung konnte man -- bezüglich dieser Konvention -- richtig schreiben. Es wären sicher auch andere in sich widerspruchsfreie Rechtschreibkonventionen denkbar, bezüglich denen man einen Text
''richtig'' wiedergeben kann. Die Reformschreibung ist aber in sich widersprüchlich, hier kann es kein ''richtig'' geben.
>>... existiert nur noch dort, wo es nichts nützt, nämlich im privaten Bereich. Zeitungen verfälschen Leserbriefe, wissenschaftliche Veröffentlichungen werden umredigiert, etc., ohne daß es eine wirksame Handhabe dagegen gibt. Einzig und allein ein paar prominente Schriftsteller können sich noch durchsetzen. Die Mehrzahl der Literatur auch im belletristischen Bereich besteht aus Übersetzungen, also Auftragsarbeiten, wo der Verlach am längeren Hebel sitzt.<<
Wäre nicht das Urheberschutzgesetz eine Handhabe gegen die Verfälschung zumindest von wissenschaftlichen Veröffentlichungen?
Letztlich sitzen die Leser am längeren Hebel. Würde keine reformierte belletristische Literatur gekauft, so könnte sich der Reformschrieb langfristig nicht durchsetzen. So kaufe ich mir, seit Perry Rhodan in einer Hausorthographie erscheint, keine solchen Heftchen mehr. Ich gebe auch keine 20 Euro und mehr für ein reformiert geschriebenes Harry Potter-Buch aus. Reformierte Literatur ist wie Reisbrei mit Reißnägeln drin!
Auch wenn Lehrer die Reformschreibung unterrichten müssen, kann man sie zwingen, sich einen Reformduden anzuschaffen?
Die Formulierung ''ein Recht haben auf'' wird häufig verwendet, ich frage mich dabei aber ab und zu, wo denn dieses Recht jeweils verbrieft ist, d.h. in welchem Gesetzbuch und in welchem Paragraphen.
Haben speziell die Kultusminister ein Recht darauf, ''ihr Gesicht zu wahren'' nachdem sie einer ganzen Sprachgemeinschaft falsche Schreibweisen vorgeschrieben haben?
>>Es kommt überhaupt nicht auf das Recht, richtig zu schreiben, an. Es geht um das Recht, Richtiges zu lesen.<<
Ihre Formulierung, lieber Glasreiniger, ''das Recht, Richtiges zu lesen'', ist nicht eindeutig. Man könnte das auch auf den Inhalt beziehen, nicht nur auf die Rechtschreibkonvention. Rechtschreibung ist zum Teil Konvention, zum Teil gehen Erfahrungen ein, z. B. daß Wörter mit ß leichter oder besser zu lesen sind, daß drei gleiche Konsonanten hintereinander unschön wirken und, besonders wenn es welche ohne Ober- und Unterlängen sind, auch schwer zu lesen sind. Es sollte also um das Recht gehen, in einer sinnvollen und allgemein anerkannten -- besser einer allgemein anerkannt sinnvollen -- Rechtschreibkonvention geschriebene Texte lesen zu dürfen. Dies sollte doch eigentlich selbstverständlich sein, dazu sollte es keines verbrieften Rechts bedürfen.
Natürlich kann man sich darüber streiten, was sinnvoll ist, deshalb die eingeschobene Präzisierung. Kultur ist letztlich eine Konvention, die sich über viele Jahrhunderte entwickelt und verfeinert hat. Leider ist es in einem ''modernen Rechtsstaat'' so, daß alles, was nicht per Gesetz vorgeschrieben ist, den Machenschaften von Reformern ausgesetzt ist. Wird es geändert, so gilt dies zuerst mal als fortschrittlich. Die Mächtigen dürften auch ein Interesse daran haben, daß ihre Bürger dies so sehen, daß der Maßstab der Kultur und der Tradition wegfällt, da ein derartig präpariertes Volk besser an die Bedürfnisse der Machthaber angepaßt werden kann.
Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2006 um 11.39 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3255
Was mir dringend notwendig scheint, ist eine öffentliche Diskussion über die Empfehlungen. Sie sind weitgehend unbekannt. Wenigstens die Punkte, die ich in meinem Kommentar erwähne, müßten in einem etwa ganzseitigen Artikel der größeren Zeitungen bekanntgemacht werden. Das wäre ein gewisser Ersatz für die bisher vermißte Öffentlichkeit des Verfahrens. Im Jahre 1901 geschah alles im hellsten Licht, es gibt Protokolle, die man heute noch nachlesen kann, auch war die dreitägige Konferenz bestens vorbereitet - und von was für Leuten! Es gab auch Diskussionen und nicht nur zufriedene Gesichter, aber niemand versuchte, die Öffentlichkeit zu belügen wie heute, Schüler als Geiseln zu nehmen und den Zeitungsleuten das Blaue vom Himmel zu erzählen. Ganz abgesehen von der sprachlichen Qualität des Projekts, die natürlich den Hauptunterschied ausmacht, denn wenn das heutige Machwerk nicht so miserabel wäre, brauchte man auch niemanden zu belügen und zu vergewaltigen.
Kommentar von jms, verfaßt am 09.03.2006 um 11.17 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3254
Die Rechtschreibreform ist faktisch tot. Übrig bleiben wird zunächst nur der Name und das Etikett. Dazu gehören vor allem die ss- und Drillingsschreibung sowie einige häufig strapazierte Wörter wie "Tipp", "zurzeit" und "aufwändig", wobei letzteres am schnellsten in der Versenkung verschwinden wird.
Man muß weiterhin beharrlich auf die Mangelhaftigkeit solcher Schreibungen hinweisen und die Vorzüge der bewährten Schreibweisen für den Leser herausstellen. Dann wird das Etikett mit der Zeit nahezu restlos verschwinden.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 09.03.2006 um 10.38 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3253
Was nützt die Einklagbarkeit, wenn die Vollstreckbarkeit fehlt? Das Recht auf richtige Lektüre ist im Einzelfall vollstreckbar, nämlich im Buchladen.
Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 09.03.2006 um 10.27 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3251
Lieber Herr Metz,
auch ich habe den Gedanken, daß sich nach der großen Friedensfanfare keiner mehr um die Sache scheren wird. Zahllose "alte" Schreibungen werden dann fröhliche Urstände feiern. Wir werden es erleben.
Die Reformer sonnen sich in ihrem Etappensieg. Gönnen wir es ihnen für den Moment, sie haben dafür viel getan und unglaublich viel verloren. Ihr Anliegen hatte und hat gleichwohl nicht den Rang von der Erfindung des Hochdeutschen. Das war nötig und zweckmäßig, und dafür lohnte sich auch umzulernen. Auch wenn das meißnische Oberdeutsch nur eine regionale Variante unter vielen ist, war es ein schlüssiges Konzept, als Adelung, der wirklich Format in diesen Dingen hatte, sie mit seinem Wörterbuch zum Standard der klassischen Epoche machte.
Die Rechtschreibreform ist dagegen kläglich und unnötig. Klein zu schreiben, ist nichts vernünftiges. Großschreibung ist kein Herrschaftsinstrument. Das ist alles ideologischer Quatsch. Coca Cola ist ein Herrschaftsinstrument. Die Weltbank ist eins. Die Sommerzeit ist eins. Aber sicher nicht die Großschreibung von "Apfel". Überhaupt hat man der GEW in den letzten Jahrzehnten viel zuviel Mist durchgehen lassen. Aber das führt zu weit.
Die Kriegsmetaphorik, lieber Herr Schäfer, finde ich gar nicht unangebracht, denn hier haben wir sehr gute Lehrbücher, beim Wettbewerb jedoch nicht. Wir können Strategie und Taktik entwickeln und anwenden. Es gibt eine ganze Reihe davon, die für unser Anliegen dienlich sein kann.
Um auf den Teilerfolg der Reformer zurückzukommen: Sie freuen sich und zechen ein bißchen und schlafen dann ein. Und während der große Rechtschreibfrieden wie ein flirrender Spätsommertag über dem Land hängen wird, werden unbemerkt und leise von allen Seiten, aus allen Ecken und Löchern wieder normale Schreibweisen einsickern. Warten wir es ab, in zehn, fünfzehn Jahren wird das meiste wieder wie vorher sein. Denn auch wenn die Schüler von heute die Leser von morgen sein werden, sind wir es, die morgen noch da sein werden, und überwiegend in den oberen Positionen.
Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 09.03.2006 um 10.25 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3250
Das Recht, Richtiges zu lesen, ist nicht einklagbar. Richtig schreiben zu dürfen dagegen schon. Viele scheinen nicht zu wissen, daß sie dieses Recht haben, daher muß es irgendwie bekannt gemacht werden, fehlendes Selbstbewußtsein muß gefördert werden. Jeder muß wissen: wenn du klassisch schreibst, kann dir keiner was wollen. Nichts könnte hier natürlich besser absichern als ein höchstrichterliches Urteil.
Im Anschluß an das Ahrens-Urteil müßte das Recht auch an den Schulen durchgesetzt werden können, und das hatte Fam. Ahrens ja eigentlich gewollt. Dann ist reformiertes Schreiben nicht mehr lehrbar.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 09.03.2006 um 10.08 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3249
Ich bleibe lieber bei meiner pointierten Formulierung. Aus dem Recht auf rechtschreiblich richtigen Lesestoff folgt nämlich a fortiori eine Pflicht zum rechten Schreiben.
Kommentar von R. M., verfaßt am 09.03.2006 um 10.04 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3248
Sind nicht ein fertigstellen, ein auseinandersetzen und ein heute abend in einem Text im Zweifel höher zu veranschlagen als ein Dutzend daß zusammen?
Man muß die sprachliche und die politische Ebene unterscheiden. Im Hinblick auf die Sprachrichtigkeit wiegt das dass nicht schwer. Aber die politische Durchsetzung der Reform besteht einzig darin, daß alle dass schreiben. Deshalb ist der übrige Inhalt der Reform weitgehend austauschbar.
Es kommt überhaupt nicht auf das Recht, richtig zu schreiben, an. Es geht um das Recht, Richtiges zu lesen.
Gut beobachtet, überhaupt nicht ist allerdings eine Übertreibung.
Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 09.03.2006 um 09.36 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3246
Ich denke wie Herr Schäbler, daß es auf der Seite der sich ohne Not und Zwang Unterwerfenden die kindliche, schülerhafte Angst ist, allein dazustehen, nicht mehr anerkannt oder gar geliebt zu werden. Das hält auch ein Erwachsener nicht so leicht aus. Aber das ganze Leben besteht zu einem großen und unausweichlichen Teil darin, "Federn zu lassen, um neue zu bekommen, damit wir endlich flügge werden." (H.E. Troje, dessen gelehrte und zutiefst menschenfreundliche Schriften ich nur wärmstens empfehlen kann). - Auf seiten der Mächtigen aber kann es eine Art Probelauf sein, wie ja auch schon gesagt wurde: " Wenn wir schon diese, vergleichsweise harmlose, Reform nicht durchziehen können..." Als nächstes kommt der Einsatz der Bundeswehr gegen das eigene Volk.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 09.03.2006 um 09.09 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3245
Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen: Das Recht, richtig zu schreiben, existiert nur noch dort, wo es nichts nützt, nämlich im privaten Bereich. Zeitungen verfälschen Leserbriefe, wissenschaftliche Veröffentlichungen werden umredigiert, etc., ohne daß es eine wirksame Handhabe dagegen gibt. Einzig und allein ein paar prominente Schriftsteller können sich noch durchsetzen. Die Mehrzahl der Literatur auch im belletristischen Bereich besteht aus Übersetzungen, also Auftragsarbeiten, wo der Verlach am längeren Hebel sitzt.
Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 09.03.2006 um 08.59 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3244
Das Recht, nicht reformiert zu schreiben, wurde immer wieder beschwichtigend von den Betreibern zugestanden! Und die Reform ist kein Gesetz! Einzig den Schülern wurde das Recht aberkannt, so zu schreiben, wie es 100 Jahre der Brauch war, und das geht nicht an, das muß vom Tisch. Die Lehrer sind echt gekniffen, sie müssen auf Dauer alt und neu kennen und auseinanderhalten können! Jetzt haben sie die Anweisung: wenn neu-falsch, dann Rotstift. Sie müssen aber gesagt kriegen: wenn alt-richtig, dann kein Rotstift, sonst juristische Konsequenzen. Der Elternverein hat ja wohl vor, das zu erreichen.
Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.03.2006 um 08.53 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3242
Lieber Herr Schaefer (Schäfer?), mit Ihrer Kritik an einem allzu aggressiven Diskussionsstil sprechen Sie mir aus der Seele. Mein Sprachgebrauch, im gewöhnlichen Leben wie in diesem Forum, ist nicht sonderlich kriegerisch. Die Metapher vom Frieden und vom Friedensvertrag stammt nicht von mir. Ich habe sie aufgegriffen, um denen, die sie in diesen Tagen mit verklärtem Gesichtsausdruck benutzen, klarzumachen, warum die schöne Rechnung aus meiner Sicht nicht aufgehen kann, jedenfalls nicht mit dem, was nun auf dem Tisch der Ministerpräsidenten liegt. – Aber das soll’s jetzt auch gewesen sein. Wir sollten tatsächlich unsere Nasen wieder ins neue Regelwerk stecken. Wohlan!
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 09.03.2006 um 08.35 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3241
Wenn der Filius tatsächlich exzellent formulieren könnte, könnte er das auch für sein Recht auf richtige Schreibung.
Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 09.03.2006 um 08.18 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3240
"Immer diese Kleingläubigen!"
Das Erfolgsgeheimnis der Reformbetreiber ist sehr einfach. Sie bedienen sich des gleichen Strickmusters, das schon die christlichen Apologeten angewandt haben.
Deren Praxis bestand darin, hinter den Sünden und der Dummheit der Menschheit herzuschnüffeln, Angst zu erzeugen und dann ihre verderblichen Eier abzulegen.
Lehrer haben Angst, daß der Dienstherr böse wird! Zeitungen haben Angst, daß sie die Abfahrt des Sensationszugs verpassen. Eltern haben Angst, daß ihre Kinder schlechte Noten bekommen, wenn sie nicht bei der Zwangsnormierung behilflich sind.
Neulich berichtete mein Schwager, daß er die Zulassungsarbeit seines Sohnes korrigieren müsse. Ich solle nicht böse sein, wenn er gemeinsam mit seiner Frau ... nun ja ich wisse wohl schon „was“ ... Und es wäre ja wohl äußerst dumm, wenn sein Filius wegen der Rechtschreibung eine schlechtere Note bekäme, wo er doch ansonsten exzellent formulieren könne ...
Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 09.03.2006 um 07.22 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3238
Wie kann es den Schulministern gelingen, ein Volk von freien, erwachsenen Schreibern zu folgsamen Schülern zu machen? Und wieso gerade auf diesem Gebiet? Wer kümmert sich denn sonst noch nach seiner Schulentlassung um das, was dort erzählt wird? Auf welche spezifische Disposition könne die Machthaber setzen? - Der Inhalt der Reform ist lächerlich, aber die Umstände...
Kommentar von j.k., verfaßt am 09.03.2006 um 06.52 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3237
Im übrigen, weil das hier behauptet worden ist: Wenn wir jetzt das ß komplett abschaffen, ist es leichter, zu Adelung zurückzukehren, als wenn wir die Heyseschreibung beibehalten, so habe ich dieses Statement verstanden.
Jedoch stimme ich dem überhaupt nicht zu! Ich bin sogar der Meinung, daß das Volk Gefallen an dem fehlenden ß fände und es dann überhaupt nicht mehr einführen wollen würde. Eine Rückkehr zu Adelung wäre jedenfalls unmöglich, wenn das ß wegfällt.
Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2006 um 05.42 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3235
Weil es leicht übersehen werden kann, erlaube ich mir den Hinweis, daß ich meinen Tagebucheintrag "Viel Spaß mit den neuen Regeln" schon mehrmals erneuert und erweitert habe, und ich bitte bei dieser Gelegenheit um weitere Hinweise zur Sache. Meiner Ansicht nach ist es jetzt am wichtigsten, durch Arbeit am Gegenstand die Grundlagen für weitere Aufklärung der Öffentlichkeit und der Entscheidungsträger zu schaffen. Man muß bedenken, daß der Inhalt der Empfehlungen kaum bekannt, geschweige denn begriffen ist. Wer sich auch nur eine halbe Stunde damit beschäftigt, blickt in einen Abgrund von Verworrenheit und versteht um so weniger, wie so etwas ausgerechnet jetzt als Lösung verkauft werden kann. Wir wissen ja nun hinreichend sicher, daß Zehetmair alle über den Tisch gezogen hat, wie die KMK es wollte, aber wir müssen dem auch etwas entgegensetzen, und zwar mit der uns eigenen Sachlichkeit und unanfechtbaren Sachkenntnis.
Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 09.03.2006 um 01.49 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3234
Werter Herr Metz, so sehr ich Ihnen im Prinzip zustimme, vor allem dem letzten Satz, ist mir die Sprache Ihrer Dienstagsgedanken doch ein wenig zu martialisch. Gerade als Reformgegner sollte man statt der Kampfes- und Kriegsmetaphern meines Erachtens besser gelassen die des Wettbewerbes verwenden.
Die Kultusminister haben die Existenz zweier Orthographien anerkannt (obwohl es dank der Verwerfungen, welche die Reform angerichtet hat, noch wesentlich mehr sind). Auf die legitime Existenz der herkömmlichen Orthographie zu pochen und den Wettbewerb um die bessere Lösung zu fordern, muß nun das Ziel sein. Das schließt den Anspruch auf Vermittlung dieser Orthographie an den Schulen durchaus ein, in welcher Form auch immer. Wenn es den Deutschsprachigen gelingt, unter diesen Voraussetzungen wieder einen gemeinsamen Nenner zu finden, wäre viel gewonnen. Nur muß eben der Wettbewerb auch wirklich zugelassen werden. Dann herrschen weder Krieg, noch muß man Frieden schließen. Stellt sich nur die Frage, wer für fairen Wettbewerb sorgen soll. Ein neu- und ausgeglichen besetzter Rechtschreibrat? Wer weiß.
Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.03.2006 um 00.39 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3233
Dienstagsgedanken eines Nichtanonymen (nachgereicht)
Wie realistisch ist es, daß die Kompromistschreibung, die die KMK jetzt beschlossen hat – übrigens „vorbehaltlich der Zustimmung der Ministerpräsidentenkonferenz“, was gern (warum wohl?) vergessen und auch in der penetranten Duden-Werbung unterschlagen wird –, in ihrer jetzigen Form Bestand hat? Selbst wenn sämtliche Medien sie übernähmen, selbst wenn alle Schriftsteller sich „auf sie verpflichten“ ließen, selbst wenn jene 100 Millionen sich dazu bekennen würden – sie ist ein völlig amorphes Etwas, das erst noch geformt werden will. Die Notwendigkeit zu weiteren Änderungen wird sich, wie nach 1996, ganz profan aus der Schreibpraxis ergeben, dessen bin ich sicher. Wer kann heute schon genau sagen, welche Probleme das zusammengeschusterte Paragraphenwerk für Schreibende, die sich danach richten wollen oder müssen, bereithält? Zu einer halbwegs schlüssigen und überzeugenden Einheitsorthographie werden wir erst dann wieder gelangen, wenn der Kampf zwischen gewachsener Tradition und am Grünen Tisch ersonnener Neologik entschieden ist. Dieser Kampf tobt heftig, und zwar mitten im revidierten Regelwerk! Nur scheinen das jene, die ohne Arg die Parole von der „Rückkehr“ von Springer & Co. zur Reformschreibung nachplappern, nicht mitbekommen zu haben. Dabei sollte man sich nicht lange mit irgendwelchen Prozentrechnungen aufhalten. Sind nicht ein fertigstellen, ein auseinandersetzen und ein heute abend in einem Text im Zweifel höher zu veranschlagen als ein Dutzend daß zusammen?
Noch steht ein „Friedensschluß“ nicht auf der Tagesordnung. Ein Papier, in dem die Kriegsparteien ihre jeweiligen Gebietsansprüche nur noch einmal bekräftigen, kann kein Friedensvertrag sein, auch wenn es aus Opportunitätsgründen öffentlich so genannt wird.
Wenn in anderthalb oder zwei Jahren der diät lebende Tolpatsch ohne großen Bahnhof aus dem Exil zurückkehren wird – unter dem gleichgültigen Lächeln der Reformer, von den Medien kaum beachtet, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt –, wird die politisch korrekte Antwort auf die Frage „Und wer hat für diese Rückkehr unbeirrt gestritten?“ lauten: „Das läßt/lässt sich heute nicht mehr so genau sagen.“ Mit dem Eintreten für die klassische Rechtschreibung kann man keinen Blumentopf gewinnen, das muß jedem klar sein. Aber wer will schon einen Blumentopf gewinnen?
Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 08.03.2006 um 23.49 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3232
Werter Herr Faupel, es kann außer Feigheit auch noch andere Gründe geben, seine Identität nicht zu offenbaren. - Nicht wahr, Herr Lachenmann?
Kommentar von Bernhard Berlinger, verfaßt am 08.03.2006 um 23.29 Uhr
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Hallo Herr Faupel,
sie haben Glaskopf vergessen, ich meine Glaswand... na diesen Glasreiniger halt, diesen undurchsichtigen. Milchglas wahrscheinlich.
B. Berlinger
Kommentar von Bernhard Berlinger, verfaßt am 08.03.2006 um 23.25 Uhr
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Wie schnell doch eine Diskussion auf Neben- oder Abstellgleise geraten kann. Es ist immer wieder eine spannende Erfahrung.
Kommentar von Reiner Faupel, verfaßt am 08.03.2006 um 22.58 Uhr
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Eure Beiträge auf diesem Forum, Ihr Kratzbaums, Germanists etc., sind meist wunderbar zu lesen, weil glänzend begründet und formuliert. Nur, warum mauert Ihr Euch ein auf Eurer Seite und vermummt Euch dazu im Elfenbeinturm mit Pseudonymen? Feigheit ist das, werte Rechtschreibfreunde, eine Feigheit, die vom selben Wesen ist wie die der Döpfners, Austs etc.. Auf öffentliche Foren gehört Ihr, wie es der Spiritus rector dieser Seite Euch vormacht, und das, wie er, mit offenem Visier!
PS. Allgemein ein wenig mehr Sorgfalt auf die Vermeidung von Tippfehlern zu legen, wäre dem jeweiligen Anliegen, d.h. unserer Sache nicht abträglich.
Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.03.2006 um 22.53 Uhr
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Als Anschauungsobjekt für ein Buch ganz ohne ß eignet sich z.B. die "Neue Zürcher Evangelien-Synopse" aus dem "Theologischen Verlag Zürich".
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 08.03.2006 um 22.28 Uhr
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Der Weg von der Schweizer Schreibung zu einem *nützlichen* Gebrauch des ß ist wesentlich einfacher als von der Heyse-Schreibung.
Kommentar von R. M., verfaßt am 08.03.2006 um 22.22 Uhr
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Die Schweizer Schreibung funktioniert gut; zahllose Bücher sind, vor allem zwischen 1850 und 1950, in dieser Schreibung in Deutschland gedruckt worden, auch die Pamphlete Nietzsches und z. B. das Berliner Tageblatt zwischen den Weltkriegen. Aus der Schweiz sind keine gravierenden Probleme bekannt, wohingegen die Einführung der Heyseschen Schreibung zu erheblicher Verwirrung geführt hat, unter anderem offenbar bei Herrn Berlinger.
Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 08.03.2006 um 20.24 Uhr
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R.M. schrieb: Daß sich die Schweizer Schreibung mittelfristig gegen Heyse durchsetzen wird, ist ziemlich wahrscheinlich. Es wäre kein Schaden.
Bezieht sich der zweite Satz nur auf den Vergleich zwischen Schweizer und Heyse-Schreibung?
Kommentar von Bernhard Berlinger, verfaßt am 08.03.2006 um 19.53 Uhr
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"Rußland wurde nach Adelung immer so geschrieben, Herr Berlinger"
Hallo R.M.,
Adelung ist mir egal. Russland ist Russland und nicht Rußland.
Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 08.03.2006 um 19.45 Uhr
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Hier noch das korrekte (und vollständige) Nietzschezitat (das mußte ich jetzt einfach mal zusammenschreiben):
Wer unter Menschen nicht verschmachten will, muß lernen, aus allen Gläsern zu trinken, und wer unter Menschen rein bleiben will, muß versteh'n, sich auch mit schmutzigem Wasser zu waschen.
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900, dt. Altphilologe und Philosoph)
Kommentar von j.k., verfaßt am 08.03.2006 um 19.44 Uhr
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Dafür hätte das Verschwinden des ß den grossen Nachteil, dass das ß weg wäre ( logisch, nicht ;-) )?
Wenn das ß einmal weg ist, wird es nicht mehr wiederkehren, das ist der grosse Nachteil daran. Und dass dann die "Masse" und die "Maße", die "Buße" und die "Busse" usw. nicht mehr zu unterscheiden sind, muss ich ja wohl nicht extra sagen. Von der generellen Hässlichkeit der kompletten ss-Schreibung anstelle des ß muss ich ja gar nicht mehr anfangen. Weißrußland ist, wenn schon nicht so, dann doch als Weißrussland weit schöner denn als Weissrussland.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 08.03.2006 um 19.31 Uhr
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Das Verschwinden des ß aus dem Reformschrieb hätte den Vorteil, daß man die bewährte Rechtschreibung leichter erkennen könnte.
Kommentar von j.k., verfaßt am 08.03.2006 um 19.01 Uhr
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Ich hoffe doch nicht, daß es ernsthaft so weit kommen wird, daß das ß ganz verschwinden wird, das wäre ja noch schlimmer als dieser Heysemist.
Kommentar von R. M., verfaßt am 08.03.2006 um 18.47 Uhr
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Es kann auch andersherum gehen. Bei der Berliner und anderen schlechtschreibenden Blättern liefere ich immer orthographisch neutrale Texte, habe aber auch erleben müssen, daß mir ein eigentümlicherweise zerrissen wurde in eigentümlicher und Weise. Wird sich die GZS in absehbarer Zeit wieder normalisieren? Wohl kaum. In § 36 ist die Beliebigkeit festgeschrieben, § 34 wird niemand verstehen und anwenden können. Stattdessen werden die Schulen Sonderschichten fahren, um den Schülern den bedeutenden Unterschied zwischen eislaufen und Ski laufen zu erläutern, wie schon vor 1996.
Rußland wurde nach Adelung immer so geschrieben, Herr Berlinger. Daß sich die Schweizer Schreibung mittelfristig gegen Heyse durchsetzen wird, ist ziemlich wahrscheinlich. Es wäre kein Schaden.
Kommentar von Bernhard Berlinger, verfaßt am 08.03.2006 um 18.46 Uhr
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Nein, Herr Glasreiniger, jetzt argumentieren Sie wie die Reformer. Sie dürfen Alkohol in Maßen trinken, aber nicht in Massen. Diese Unterscheidung muss sein, die Diskussion sollten wir nicht wieder beginnen. Die Schweizer schreiben "ss", weil sie wegen ihrer Vielsprachigkeit allerlei Satzzeichen an ihren mechanischen Schreibmaschinen unterbringen mussten und schlicht keinen Platz mehr hatten für das "ß".
Ich meinte, wie von Frau Pfeiffer-Stolz angesprochen, die Heysesche Schreibweise, also Fluss und Fuß, Russland und Fesseln, aber in Maßen. Diese erscheint mir sogar sinnvoll, seit in den 80er Jahren aus "Russland" "Rußland" geworden ist (ich glaube, der "Stern" hat damit angefangen), obwohl in Russland nicht allzuviel verrußt ist, sondern dort Russen wohnen. Ganz so logisch und klar, wie wir das manchmal verklären, sind die bewährten Formen auch nicht immer gewesen.
Bleiben wir ansonsten bei den bewährten Schreibweisen, schreiben also zusammen, was zusammengehört, dann merkt das wirklich kein Mensch. Die Leute sind verunsichert und dankbar um jede richtig erscheinende Schreibweise. Ich weiß, ärgerlich sind Schreibweisen wie "im Wesentlichen". Ich versuche, sie zu vermeiden oder zu umgehen.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 08.03.2006 um 18.23 Uhr
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Zu Herrn Berlingers Vorschlag: Konsequenter wäre es, gleich die Schweizer Schreibweise anzuwenden. Das geht dann "vollmechanisch".
Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 08.03.2006 um 18.22 Uhr
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Wie der Fisch im Wasser
Ich habe neulich schon einmal den Begriff "Partisan" ins Spiel gebracht, als es um die Frage ging, wie jeder einzelne sich, ohne großen Schaden zu nehmen, durch das Gestrüpp der Reformschreibung schlängeln könnte. Herr Berlinger bestätigt mich in meiner Auffassung, daß man sich durchmogeln muß und kann. Wen interessiert es denn wirklich, ob ich die neue Schreibe beherrsche? Doch nicht einmal den korrigierenden Lehrer, der selbst froh ist, seine Kraft und Zeit nicht für etwas so Läppisches vergeuden zu müssen. MItr einem ss ab und zu, vielleicht noch drei gleichen Konsonanten kann es sein Bewenden haben. Ganz aus dem Schneider ist man mit "Stängel" oder "Gämse", aber das sieht ja schon nach Streber aus... Also mit Nietzsche gesprochen: Wer unter Menschen rein bleiben will, muß lernen, sich auch mit schmutzigem Wasser zu waschen. (Oder so ähnlich)
Kommentar von J.S., verfaßt am 08.03.2006 um 17.16 Uhr
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Herr Berlinger meint wahrscheinlich, alles wie gewohnt zu schreiben und nur die Heyse-Schreibung zu übernehmen. So habe ich es bei Auftraggebern, die Reformschreibung wollen, auch immer problemlos gehandhabt. Auch die Zehetmair-Eisenberg-Schreibung wird darauf hinauslaufen. Also: 10 Jahre Gedöns wegen der Wiedereinführung einer ss-Schreibung aus grauer Vorzeit. So verpufft die großartige "Rechtschreibreform" als Treppenwitz der Sprachgeschichte.
Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 08.03.2006 um 16.30 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3200
An Bernhard Berlinger
Ich habe eine Frage: Schreiben Sie denn die übrigen s-Laute nach Adelung? "muß" oder "bewußt" oder "Fluß"? Das wäre natürlich schon ein Gag. Ich habe ähnliche Texte schon gelesen, in denen nur "dass" zu lesen war, sonst aber bewährte Rechtschreibung.
Teilen Sie uns doch mit, wie das klappt!
Kommentar von Bernhard Berlinger, verfaßt am 08.03.2006 um 15.56 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3195
ein Hinweis an alle, die beruflich schreiben müssen: Schreiben Sie doch einfach "dass" statt "daß" und bleiben Sie ansonsten bei den bewährten Schreibweisen und Zeichensetzungen. Bei dem derzeitigen Durcheinander weiß ja eh' keiner, was richtig und was falsch ist.
So machen wir das hier im Verlag. Ich gebe zu, es ist nicht ganz befriedigend, aber so führen wir die bewährte Rechtschreibung durch die Hintertür wieder ein.
Kommentar von j.k., verfaßt am 08.03.2006 um 06.51 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3183
Frau Pfeiffer-Stolz,
mal ganz ehrlich: Wie stellen SIE sich denn vor, daß die Reform noch aufgehalten werden kann? Irgend etwas muß passieren, was die letzten zehn Jahre nicht gewirkt hat, und es muß etwas Wahrscheinliches sein. Denn zu sagen: "Wenn das passiert ..." ist ja nur Träumerei ohne wirkliche Chancen.
Kommentar von R. M., verfaßt am 08.03.2006 um 00.29 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3181
Die Vorstellung, daß 70% der Reform zurückgenommen seien, ist in der Tat eine Fiktion. Mehr als 90% der von der Reform betroffenen Schreibungen betreffen die Auflösung von ß in ss. Im übrigen hat der Rat eigentlich nur den § 34 nochmals umgeschrieben; die Umformulierungen in § 36 und andernorts sind quantitativ und qualitativ unerheblich. Der neue § 34 generiert einige unübliche Zusammenschreibungen (abhandenkommen, beiseitestellen), konserviert einige unübliche Getrenntschreibungen (spazieren gehen) und schafft im übrigen erweiterte Toleranzzonen -- und erheblichen Nachschlagebedarf. Auch die konservativste Auslegung der Zehetmairschen Rechtschreibung wird zu mehr als 95% mit der Urreform übereinstimmen. In der jW habe ich prognostiziert, daß es für die Leser der Bild nicht zu erkennen sein werde, ob ihre Zeitung zu den Regeln von 2004 oder zu denen von 2006 zurückkehrt. Für die meisten Leser der F.A.Z. wird der Unterschied aber auch nicht erkennbar sein. Erkennbar ist nur die Kapitulation.
Kommentar von Klaus Malorny, verfaßt am 07.03.2006 um 22.31 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3173
»Die Reformschreibung wird sich selbst auffressen. Man kann täglich beobachten, wie die Rechtschreibkünste allüberall verfallen. [...] Der Jammer ist zwar zu verstehen, aber er ist unproduktiv. Die Sprache selbst wird den Sieg davontragen.«
Wir warten die Selbstzerstörung der Reform einfach »ganz unaufgeregt« ab, nicht wahr? ;-)
Kommentar von Lost, verfaßt am 07.03.2006 um 22.18 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3171
Offenbar ist auch die FAZ zum Kompromiß bereit.
Kommentar von j.b., verfaßt am 07.03.2006 um 20.56 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3164
zu j.k.
Man muß registrieren, daß die letzte Änderung der Reformschreibung eine Rücknahme von 70 % (um eine fiktive Zahl zu nennen) der Urreform darstellt. Diese 70 % wurden wegen nachgewiesenen und von den Reformern selber eingestandenen Schwachsinns zurückgenommen. Das sollte man einmal registrieren. Deshalb werden es die Reformer auch sehr schwer haben, die restlichen 30 % als Geniestreich zu verkaufen. Ich sehe die Dinge optimistischer.
Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 07.03.2006 um 20.15 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3163
Hallo j.k.,
notenrelvant dürfte eine "abweichende" Rechtschreibung nur im Fach Deutsch sein. Mehrfaches "daß" gilt als Wiederholungsfehler. Außerdem wird ja die Rechtschreibung eher gering bewertet.
Kommentar von jms, verfaßt am 07.03.2006 um 20.13 Uhr
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Zur Feier des Tages: Sollten wir nicht Herrn Prof. Ickler zum Bundesverdienstkreuz vorschlagen? Ob er es bei seiner Bescheidenheit erstrebt, sei ja dahingestellt, aber daß er sich um die deutsche Sprache verdient gemacht hat, ist ja unbestritten. Und unserem Anliegen hilft es auch;-)
Zum Procedere (aus Wikipedia):
[i]Vorschlagsrecht
Jeder kann die Auszeichnung eines anderen anregen. Dabei wendet er sich an die Staatskanzlei des Bundeslandes, in dem der Vorgeschlagene seinen Wohnsitz hat. Lebt die Person im Ausland oder ist sie Ausländer, so ist das Auswärtige Amt für den Vorschlag zuständig. Die Auszeichnung eines Mitarbeiters einer Bundesbehörde kann beim zuständigen Bundesminister angeregt werden. Die jeweilige Protokollabteilung hat die Aufgabe, die Angaben zu prüfen, bevor sie an die Ordenskanzlei im Bundespräsidialamt weitergeleitet wird. In der Praxis machen bislang vor allem Behörden, Institutionen, Wirtschafts- und Sportverbände Vorschläge.[/i]
PS: In spätestens 10 Jahren wird das maßgebliche Standardwerk zur deutschen Rechtschreibung - und zwar allgemein anerkannt! - nicht mehr der DUDEN sein, sondern der ICKLER, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 07.03.2006 um 20.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3161
"An sich keine schlechte Idee, jedoch handelt es sich zum größten Teil um eine Privatschule (60 % davon ist privat), und daher können die von mir verlangen zu schreiben, wie sie wollen. Und wenn ich nach Ihrem Verlangen "Fuß" in dieser Form schreiben müßte: "Fuhs", könnte ich auch nichts dagegen machen, schließlich zwingt mich ja niemand, auf ihre Schule zu gehen."
Letzteres ist richtig, und wenn Sie dort gezwungen werden, schlechtes Deutsch zu schreiben, können Sie die Schule wieder verlassen, wegen mangelnder Qualität. Sie sind, wenn ich mal so sagen darf, zahlender Kunde, und der Kunde ist König.
Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 07.03.2006 um 19.56 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3160
Lieber j.k., an Ihrer Stelle würde ich es mit einem Experiment versuchen: Das Heyse-"ss", aber sonst normal schreiben. Wurde auch schon von einem meiner Kollegen erfolgreich getestet, dessen Chef Neuschrieb wünschte.
Wichtig ist jetzt mehr denn je, seinem eigenen Sprachempfinden zu folgen, und Wörter groß resp. getrennt zu schreiben, wenn sich das demgemäß so gehört. Und Kommata zu setzen, wenn der Satz es erfordert.
Bei der F.A.Z. kennt jeder die vergleichende Wörterliste der FDS?
Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 07.03.2006 um 19.56 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3159
weshalb so bitter? Die Reformschreibung wird sich selbst auffressen. Man kann täglich beobachten, wie die Rechtschreibkünste allüberall verfallen. Beispiel Großschreibung. Aus einer Einladung der Druckereivereinigung Düren: "Am Besten kommen Alle und somit bitte auch Du!"
Aus Leipzig (Buchmesse) erhielt ich heute einen Brief "mit freundlichen Grüssen". Die Worttrümmer begegnen einem über all und jeder zeit (jeder Zeit). Diese Rechtschreibung ist außerdem nicht grammatisch seriös darstellbar - ein Blick in Wörterbücher genügt. Glauben wir wirklich, daß sich das halten kann? Über kurz oder lang wird der ganze Blödsinn verschwinden, auch wenn er verordnet ist. Man wird sich nach Einheitlichkeit sehnen, die so nicht herstellbar ist. Im Moment sind wir aber noch auf dem Weg der Zerstörung, das ist traurig, aber wahr.
So bleibe ich trotz allem optimistisch und bin ohne Ungeduld sicher, daß auch die s-Schreibung ihre Anziehungskraft verlieren wird, sobald noch mehr Schulabgänger sich in der Unlernbarkeit verheddern und die Lehrer sich nicht mehr zu helfen wissen.
Der Jammer ist zwar zu verstehen, aber er ist unproduktiv. Die Sprache selbst wird den Sieg davontragen.
Kommentar von Fungizid, verfaßt am 07.03.2006 um 19.53 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3158
Während der Rest der Klasse Fehler wie "Intellens", "drann" oder "Kartofel" schreibt, sollte sich j.k. jedes "daß" erhobenen Hauptes als Fehler anstreichen lassen. Das adelt, und wenn er so schlau ist, wie wir glauben, liegt er bei Tests damit ohnehin noch im oberen Leistungsdrittel.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 19.51 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3157
Herr Lachenmann,
geholfen hat's uns alles die letzten zehn Jahre nichts. Sie war schon vor zehn Jahren verhaßt, zwar noch nicht verwässert, aber schlecht trotzdem, und, und, und.
@ Germanist:
An sich keine schlechte Idee, jedoch handelt es sich zum größten Teil um eine Privatschule (60 % davon ist privat), und daher können die von mir verlangen zu schreiben, wie sie wollen. Und wenn ich nach Ihrem Verlangen "Fuß" in dieser Form schreiben müßte: "Fuhs", könnte ich auch nichts dagegen machen, schließlich zwingt mich ja niemand, auf ihre Schule zu gehen. Jedoch, Germanist, können Sie von mir erwarten, daß ich natürlich immer, wenn sich die Gelegenheit bietet, unsinnige Schreibungen ankreiden werde - machen muß ich sie leider trotzdem.
Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 07.03.2006 um 19.47 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3156
Was für ein Quatsch... das muß ich mal so sagen...
@JK: *Natürlich* kann man in der Schule so... und hinterher/nebenbei ganz anders schreiben... und das sollte einem intelligenten Menschen keine Probleme und kaum Aufwand bereiten. Ich kann auch in "alt" und in "neu" schreiben (auch, wenn ich "alt" inzwischen definitiv bevorzuge).
Gerade durch die Beschäftigung mit der RSR habe ich sehr viel über die deutsche Sprache gelernt, was mir die Schule niemals hatte geben können.
Also bleibt mir dazu nur noch zu sagen: Wer in der Schule mit Neuschrieb verblödet wird und dieses selbst nicht merkt, der wird hinterher kaum ein Hemingway werden = ein Konkurrent weniger ;-)
Springer... FAZ... was soll es...
Wie JMS schon richtig bemerkte... Zeitungen sind das Altpapier von morgen! Was zählt, sind die "guten" Bücher... und somit ist die bewährte Rechtschreibung noch lange nicht tot. Tot ist sie erst, wenn kein Buch mehr in ihr gedruckt wird.
Und den Lesern ist es herzlich egal, ob ein Buch neu oder alt orthographiert ist... (abgesehen von "jungen Eltern" vielleicht ;-) ... folglich wird es so schnell kein Neuschrieb-Diktat für Autoren geben. Zumindest nicht für Autoren, die dauerhaftes Papier mit Worten füllen wollen.
Und eines ist gewiß... die nächste Reform der Reform wird kommen...
Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 07.03.2006 um 19.43 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3155
j.k., wenn es Ihnen ernst ist, legen Sie jeder schriftlichen Arbeit eine Kopie des Urteils des OVG Lüneburg bei und bitten höflich um Korrektur nach herkömmlicher Orthographie, Sie können auch "üblich" schreiben. Drohen Sie im Falle der Benachteiligung mit juristischen Schritten. Ich hätte das jedenfalls so gemacht, Sturkopf, der ich nunmal bin. So etwas fürchtet jeder Schulleiter wie der Teufel das Weihwasser! Die Risikoabwägung überlasse ich Ihnen.
Und was die Berufsausbildung angeht, so würde ich mir keine Sorgen machen. In vielen Betrieben ist wenig bis gar nichts von der Reform angekommen. Die haben andere Sorgen. Und bei IHK-Prüfungen verfahren Sie wie bei Schularbeiten.
Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 07.03.2006 um 19.41 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3153
Wir haben überhaupt nicht verloren! Egal, wie sich Springer und FAZ jetzt verhalten werden, die Rechtschreibreform ist von Grund auf verwässert, diskreditiert, wird in der Öffentlichkeit bereits in der Werbung und in Karikaturen lächerlich gemacht und fristet ihr Leben in stark beschädigter Form selbst nach dem Urteil der für sie politisch Verantwortlichen bestenfalls als in der jetzigen Form gerade noch hinnehmbar.
Bezeichnend ist doch die Aussage von Hans Zehetmair im Rheinischen Merkur vom 16.2.2006: Er räumt ein, die jetzt empfohlenen Regeln enthielten »manchen Kompromiss, der vielleicht für die Sprache nicht das Beste ist.« Man muß sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Unsere Schulen sollen Rechtschreibregeln unterrichten, die »vielleicht für unsere Sprache nicht das Beste« sind! Und er fügt hinzu: »Kultusminister sollten dieses heiße Pflaster nicht länger betreten, als es unbedingt zum Abschluß sein muß« (Rheinischer Merkur, 16.2.2006). Viele Aussagen anderer Politiker gehen in dieselbe Richtung: Die Reform ist inhaltlich mißlungen und ein politischer Mißerfolg, deshalb müssen wir, die Politiker, sie möglichst schnell loswerden, und dabei sollen uns die Medien gefälligst helfen.
Dieser Offenbarungseid, ein Eingeständnis des Scheiterns, des Verlorenhabens, ist in erster Linie der der Reform innewohnenden Untauglichkeit zu verdanken, ihrer vorprogrammierten Lebensunfähigkeit, aber natürlich auch denjenigen, die sie unermüdlich kritisiert haben – sagen wir meinetwegen: »uns«.
Und in Anbetracht der Mächte und Verhältnisse, mit denen »wir« es zu tun haben, können »wir« uns auf die Schultern klopfen und in gesellig-fröhlicher Runde ein Bier trinken. Von »unserer« Seite ausgerechnet hier ein Scheitern oder Verlieren lauthals zu beklagen, ist zum einen sachlich verfehlt, zum andern undankbar gegen die glücklichen Ereignisse, die wir trotz immer wieder aussichtslos erscheinender Situationen wiederholt erlebt haben – und nicht zuletzt nervt es ganz beträchtlich.
Wie haben wir es im Kindergottesdienst so schön gelernt: Immer wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Das kommt schon. Aber das Gejammere muß aufhören. Oder im stillen Kämmerlein stattfinden.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 19.27 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3152
Herr Schaefer, das sagen Sie leicht. Ab nächstem Jahr MUSS ich in meiner neuen, halbprivaten Schule reformiert schreiben, das wurde uns von Anfang an gesagt. Ich MUSS es tun, und die Berufsausbildung lasse ich mir sicher nicht verderben.
Und es wird auf Dauer zu kompliziert, in der Schule so zu schreiben und anderweitig anders.
Daher werde ich zwangsläufig ab nächstem Schuljahr auf reformierte Schreibung umstellen müssen.
Daher kann ich nicht sagen: "So einen Quatsch schreibe ich nicht!", weil ich den Quatsch schreiben muß.
Das Jammern mag nichts nützen, der Widerstand aber auch nicht (mehr).
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 19.24 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3151
Ich, der ich seit meinem ersten Schultag diesem Mist von Reform ausgesetzt bin, setze mich seit nunmehr zwei Jahren für die "alte" Rechtschreibung ein, wo ich nur kann.
Aber ich weiß, wann der Kampf verloren ist. Und jetzt, nach zehn Jahren, ist es so weit.
Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 07.03.2006 um 19.22 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3150
Werter j.k., jammern nützt nichts. Seien Sie selbstbewußt, und sagen klipp und klar: "So einen Quatsch schreibe ich nicht!" Und wenn das nicht hilft, seien Sie subversiv. Es gibt genügend Gelegenheiten, das morsche RSR-Gebäude zu erodieren. So viel ist ja auch nicht mehr übrig davon, zu viel gewiß, aber der Verfall schreitet fort.
Ich selbst hatte mit der Rückumstellung der Springer-Presse 2004 gar nicht mehr gerechnet. Insofern fällt für mich, wenn es denn wahr ist, ein Bonus weg. Mehr nicht.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 18.58 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3148
"Wenn sich die sprachbewußten ..."
Wenn, wenn, wenn. Wenn heute ein Meteorit auf die Erde trifft, müssen wir uns um Rechtschreibung nicht mehr kümmern ;-).
Zur Zeit sieht es nicht so aus, daß es so selbstbewußte Autoren und Schriftsteller auch in fünf, in zehn Jahren noch geben wird.
Und die toten Schriftsteller werden ohnehin verschandelt, so Goethe: Letztens habe ich eine Goetheedition mit seinen besten Werken gesehen - reformiert!
Kommentar von jms, verfaßt am 07.03.2006 um 18.54 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3147
Mal ein anderer Gedanke: In Anbetracht der Informationsflut erweist sich Rechtschreibung auch als nützliches Selektionsinstrument.
Die FAZ bietet im Vergleich mit anderen Tageszeitungen wohl die seriösesten und am besten recherchierten und geschriebenen Artikel, es ist schön, sie in einer guten Orthographie lesen zu können. Ansonsten ist ohnehin nichts so uninteressant wie die Tageszeitung von gestern.
Spiegel, Stern, Focus und andere Zeitschriften sind nebensächlich und dienen vor allem dem Zeitvertreib. Zum Lesen eignen sie sich weniger, es reicht, sie durchzublättern und zu überfliegen. Wer sie ignoriert, spart wertvolle Zeit.
Wirklich entscheidend sind Bücher, und zwar die guten und wichtigen Bücher. Sie haben größere Bedeutung, da sie über Jahre und Jahrzehnte hinaus wirken und prägender sind als alles andere, was gedruckt wird.
Die deutschen belletristischen Schriftsteller werden zumeist in bewährter Orthographie publiziert. Bei Sachbüchern erlebt man die angenehme Überraschung, daß viele lesenswerte Bücher ebenfalls in bewährter Rechtschreibung vefaßt sind. Ausländische Autoren und ihre Verleger bzw. Übersetzer sind erfreulicherweise auch oftmals sensibel und lehnen die reformierten Schreibweisen ab. Darin sollte man sie bestärken.
Problematisch verhält es sich leider mit Kinder- und Jugendbüchern sowie mit den Schulbüchern. Hier muß man darauf bauen, daß aufgeklärte Eltern zu vermitteln wissen, warum in ihnen eine amtlich verkorkste Rechtschreibung vorzufinden ist. Und daß man in der Schule eben immer noch in erster Linie für die Schule und nicht für das Leben lernt.
Wörterbücher wie Duden und Wahrig kann man getrost vergessen. Sie sind so schlecht, daß sie jedes Jahr überholt werden müssen. Die Anschaffung lohnt sich nicht.
Fazit: Wenn sich die sprachbewußten Autoren, Journalisten, Verleger und vor allem Leser nicht beirren lassen, wird die klassische Orthographie weiterhin ein Merkmal guter Bücher bleiben und eine Orientierung für rechtes Schreiben sein.
Dadurch wird die Erosion der "Rechtschreibreform" unweigerlich fortschreiten.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 07.03.2006 um 18.33 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3146
Lieber j.k.,
Ihre Ungeduld ist eine Begleiterscheinung Ihrer Jugend. Trotzdem kann immer alles anders kommen. Als ich im Mai1989 (nach der gefälschten Kommunalwahl) meinem republikgeflohenen Kollegen Dresdner Herkunft erklärte, daß es die Sowjetunion in 5 Jahren nicht mehr gäbe, hat er mich auch für spinnert erklärt. Nun verlebt er seinen Ruhestand wieder in Dresden.
Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 07.03.2006 um 18.26 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3145
Lieber Herr Markner, ich stimme Ihnen darin gern zu. Ich stimme Ihnen auch in Ihrer Auffassung zu, daß Redaktion etwas mit Stringenz (und daher Kürzungen) zu tun hat. Ich sage aber dazu, daß ich mich nach so einer Aufforderung wie der mit dem Flennen nicht mehr weiter im Forum äußern würde.
Sie selbst sind doch ein Streiter erlesener Höflichkeit.
Zudem: "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden." (Rosa Luxemburg)
Vielleicht hat j.k. recht, vielleicht nicht, das ist nicht der Punkt. Wichtiger ist für mich, daß es unserem Anliegen gut tut, wenn Leute wie er unsere Realitätswahrnehmung stimulieren.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 18.20 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3144
Ich habe sowohl der "BILD" als auch der "Bild am Sonntag" eine E-Mail geschrieben, in der ich mein Bedauern über ihren Entschluß ausdrücke. Wir werden in den nächsten Tagen sehen, was es mit der "Welt" auf sich hat.
Trotzdem bleibt es wie es ist: Wir haben verloren.
Kommentar von Markus Fischer, verfaßt am 07.03.2006 um 17.58 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3143
Was stimmt denn nun im Hause Springer?
Ein Anruf beim Leserdienst der Welt erbrachte die Aussage, daß man sich erkundigen wolle und mich zurückrufen werde.
Gesagt, getan, schnell kam der Rückruf: es erging dann die Aussage, daß man ganz bestimmt bei der bisherigen Praxis bleiben würde, also sich nicht der Reform der Rechtschreibreform anschließt. (!)
Natürlich sind wir kein Kampfsportverein. Aber man muß neben gediegener wissenschaftlicher Arbeit auch einmal einen Leserbrief schreiben, bei der Redaktion anrufen, nachfragen, argumentieren, wenn nötig, protestieren, und nicht vergessen zu sagen, daß man dann im Schadensfalle das Abonnement leider kündigen würde.
Alles mit dem gebotenen Takt, aber deutlich in der Sache.
Jeder so, wie er es kann.
Kommentar von R. M., verfaßt am 07.03.2006 um 17.44 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3142
Mit Verlaub, aber es ist kein wertvoller Beitrag zu einer »wirklich tragfähigen Strategie«, wenn ein »j.k.« zehnmal in zwei Stunden schreibt, es sei alles verloren und die »alte Rechtschreibung« tot.
Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 07.03.2006 um 17.34 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3141
Genau das meinte ich mit meinem Beitrag neun Minuten nach dem von Herrn Markner. Volle Zustimmung.
Kommentar von Arndt Brünner, verfaßt am 07.03.2006 um 17.29 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3140
Ihren Optimismus in Ehren, Herr kratzbaum, Herr Wrase und Herr Markner, aber ich sehe ebenso schwarz wie j.k. Ich weiß nicht, welches Wunder oder welchen deum ex machina Sie (und ja auch Herr Ickler) noch erwarten -- aber etwas in der Art müßte es wohl schon sein.
j.k. ist übrigens bislang durch sehr fundierte und interessante Beiträge in diesem Forum aufgefallen, die vor allem deswegen bemerkenswert und wertvoll sind, weil er/sie noch auf der Schule ist. Mir geht er/sie jedenfalls keineswegs auf die Nerven. Ich finde es den ansonsten hier eingeforderten Umgangsformen auch unangemessen, ihn/sie aufzufordern, woanders "weiterzuflennen".
Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.03.2006 um 17.20 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3139
Den meisten Leuten, auch den jüngeren, ist die Rechtschreibreform inzwischen sowas von merde-egal; die überwiegende Meinung ist: "reformiert ist so wie ich schreibe".
Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 07.03.2006 um 17.18 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3138
Natürlich ist die Ankündigung der Springer-AG für uns ein Rückschlag. Auch unseren laufenden Klagen fällt man damit in den Rücken. Aber ein Hinweis, daß damit die Akzeptanz der Neuschreibung, wie sie vom Bundesverfassungsgericht vorausgesetzt wurde, zugenommen habe, kann daraus zweifelsfrei nicht entnommen werden. Im Gegenteil, es wird deutlich, daß solche Entscheidungen außerhalb des Bereiches allgemeiner Akzeptanz gefällt werden.
Das ungewöhnlich triumphierende Grinsen von Zehetmair und Erdsiek-Rave bei der Vorstellung der Schrumpfreform, die vorauseilende, bestellte Stimme der „gesellschaftlichen Kräfte“ in Gestalt von Frau GEW-Demmer, man werde nur zustimmen, wenn der Springerkonzern etc. mitmache, und dessen Ankündigung schon vier Tage nach dem Kultusministerbeschluß, das alles zeigt, daß die Fäden gezogen wurden, lange bevor das Volk etwas ahnte.
Wichtig ist: die Erosion der „Rechtschreibreform“ ist weiter fortgeschritten. Hätte denn jemand, der an ihren plötzlichen Zusammenbruch geglaubt hat, erwarten dürfen, daß sie auch durch ihre innere Zersetzung so schnell an Kraft verliert? Dennoch sind jetzt nicht nur Worte, sondern vor allem Taten und wirksame Klagen gefragt und dies auch auf weniger bedachten Pfaden.
Kommentar von Fungizid, verfaßt am 07.03.2006 um 17.17 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3137
Ja, Kratzbaum, richtig. Aber die Gefahr besteht, daß unerfreuliche Reste dieses Leichnams bleiben werden.
Andererseits kann man jetzt immer die Frage stellen: Welche Reform meinen Sie? Wie reformiert genau wollen Sie's haben? Nach welchem Regelwerk?
Der Debatten in Korrektoraten wird kein Ende mehr sein.
Derweil unsere Katzen an H5N1 verenden...
Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 07.03.2006 um 16.57 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3136
Die reformierte Schreibung löst sich von innen her auf, das ist doch mit Händen zu greifen. Wer die 10 Jahre unvoreingenommen überblickt, muß, gleich ob Befürworter oder Kritiker, einfach diese Tendenz erkennen. Der jüngste "Sieg" ist doch nur eine weitere Verlängerung des Absterbens. - Die Gegner und Kritiker müssen ihre ganze Kraft darauf verwenden, unermüdlich die Schwächen, die Impraktikabilität und schließlich - mit Blick auf die Schüler - die Unlernbarkeit und Fehlerträchtigkeit nachzuweisen.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 16.53 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3135
Dann hoffen wir aber, daß die Rechtschreibreform nicht so langlebig sein wird wie das Römische Reich.
Und ich bin nicht nur auf eine Sache fixiert. Ich sehe, daß
- das Volk langsam aber sicher die Reform annimmt (ob sie sie mag oder nicht, spielt keine Rolle, annehmen tut sie sie trotzdem);
- die Jugend bekommt von Anfang an die Reform eingetrichtert und wird sicherlich nicht in 20 Jahren mal zum Schluß kommen, daß etwas, das sie nie kennengelernt haben, besser ist als das, was sie seit 20 Jahren schreiben;
- das Gros der Zeitungsverlage schreibt nun (bald) wieder reformiert, somit bekommen die Deutschen, die ohnehin keinen großen Widerstandswillen gegen die Reform haben, täglich zu lesen, wie man "richtig schreibt";
Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.03.2006 um 16.22 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3134
"j. k." und andere beklagen nun den Endsieg der Rechtschreibreform. Was soll das? Ich stelle fest, daß sie vollkommen auf die Erzeugnisse der Presse fixiert sind, insbesondere auf Tageszeitungen. Als gäbe es sonst keine maßgeblichen, gewichtigen Texte. Das ist dieselbe Einäugigkeit wie bei denen, die die Reform "im Interesse einer einheitlichen Rechtschreibung" durchpeitschen wollen und diese damit zerstören.
Es gibt viele Beispiele für scheinbare Siege und Erfolge. Niemand konnte sich je vorstellen, daß etwa das Römische Reich untergeht. Und, was ist davon geblieben? Andere Reiche oder Systeme mit scheinbar absoluter Macht waren wesentlich kurzlebiger.
Oder ein anderes Beispiel: Viele Frauen in der Welt werden gegen ihren Willen verheiratet. Zunächst empfindet eine solche Frau die Ehe als absolute Niederlage, als Vernichtung ihrer Würde, als Schicksal, in das sie sich fügen muß. Eine solche Ehe ist jedoch nicht besonders haltbar. Wie sie ausgeht, hängt unter anderem von ihrem Willen ab. Wir sind nun zu einem gewissen Grad mit der Rechtschreibreform zwangsverheiratet worden. Das ist kein Grund, von einer stabilen Ehe auszugehen, oder? Sie fängt ja schon gut an: Wir dürfen fremdgehen, sooft wir lustig sind.
Kommentar von Lost, verfaßt am 07.03.2006 um 15.42 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3131
FAZ Online meldet heute:
"07. März 2006 Die Axel Springer AG kehrt von der bewährten Rechtschreibung wieder ab, zu der der Verlag 2004 übergegangen war. Anlaß der Umstellung sei der Beschluß der Kultusministerkonferenz vom 2. März, die Rechtschreibreform entsprechend der Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung verbindlich zu ändern, teilte Springer am Dienstag in Berlin mit. [...]"
Anmerkung: In der FAZ ist immer von der "bewährten" Rechtschreibung die Rede. Warum überlegen die Damen und Herren in Frankfurt also so lange, wenn sie doch auf eine "bewährte" Rechtschreibung zurückgreifen können?!?
Kommentar von Ruth Salber-Buchmüller, verfaßt am 07.03.2006 um 15.40 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3130
Das Karlsruher Urteil sieht die Akzeptanz in der Bevölkerung als Grundlage für die Umsetzung der RSR vor. Warum wird und wurde das aus den Augen verloren?
Als zweiten möglichen Pfeil im Köcher kann ich nur noch die FAZ sehen.
Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 07.03.2006 um 15.25 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3128
ich empfinde es ähnlich und finde es nicht gerade schlecht, daß dies mal hier artikuliert wird.
Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt. Klar, wenn alles ganz ausweglos erscheint, kann doch noch eine Lösung kommen.
Wir müssen jetzt aus dem Keller raus und mal die Leichen zählen. Und dann in aller Besonnenheit eine wirklich tragfähige Strategie entwerfen. Gegenseitige Diskreditierung halte ich persönlich nicht für den besten Weg.
Kommentar von R. M., verfaßt am 07.03.2006 um 15.16 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3127
Es wiederholt sich der Vorgang von 1999, als die deutschsprachige Presse auch wider besseres Wissen umgestellt hat. Inzwischen ist das Wissen um die Untauglichkeit der staatlich verordneten Schreibung sogar noch weiter verbreitet als damals.
Werter j.k., es wäre vielleicht nicht schlecht, wenn Sie woanders weiterflennten; ich bin mir sicher, Sie gehen nicht nur mir auf die Nerven.
Kommentar von jms, verfaßt am 07.03.2006 um 15.13 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3126
@ j.k. Wir müssen uns eingestehn: Trotz der besseren Argumente haben wir den Kampf verloren.
Nicht trotz, sondern wegen der besseren Argumente. Die Politiker und andere Reformbetreiber wollen doch nicht zugeben, daß sie unrecht haben. Nur um sich keine Blöße zu geben, peitschen sie den Schwachsinn durch.
Pessimismus ist trotzdem nicht angebracht. Irgendwann werden intelligente junge Leute die Vorzüge der "alten Rechtschreibung" wiederentdecken. Dann werden die restlichen Unsinnigkeiten des Reformtorsos auch noch verschwinden. Es braucht halt weiter unbeirrte Aufklärung und Geduld. Bei der BILD-Zeitung hatte man ohnehin das ungute Gefühl, Beifall aus der falschen Ecke zu bekommen.
Es wäre jetzt aber Zeit, daß die Schriftsteller sich zu Wort melden. Und zwar deutlich.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 15.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3125
Das würde wirken - aber es wird nicht geschehen. Die Leute werden die "BILD" auch weiterhin kaufen.
Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.03.2006 um 14.53 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3124
Ein Monat Kaufenthaltung und Abbonementsunterbrechung könnte etwas bewirken, besonders wenn alle Abbonementskündigungen mit der gleichen Begründung erfolgen. Es müßte aber vorher ein ganz bestimmter Zeitraum von allen verabredet und gleichzeitig eingehalten werden, damit es richtig wehtut.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 14.39 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3123
Nun ist die meistgelesene Zeitschrift, die "BILD", bald wieder in reformierter Schreibung. Wenn das kein großer, alles entscheidender Rückschlag für uns ist, dann weiß ich auch nicht.
Was wollen wir denn noch tun? Auf Vernunft hoffen? Da können wir aber hoffen, bis wir schwarz werden.
Wir haben nun einen großen Verlag verloren, und welchen Trumpf haben wir noch? Keinen, so ist es.
Der Wille des Volkes hat die letzten zehn Jahre einen Dreck gegolten, und er wird auch künftig nichts gelten in bezug auf die Reform. Die neue Generation, meine Generation, lernt von kleinauf die neue Schreibung und wendet sie auch künftig an. Auch diejenigen Jugendlichen, die gegen die Reform sind, werden trotzdem reformiert schreiben.
Die Schriftsteller und Menschen, die "alt" schreiben, sterben bald aus, die junge, reformfreudige Generation kommt nach.
Wir haben nichts mehr in der Hand, absolut nichts mehr.
Kommentar von j.f., verfaßt am 07.03.2006 um 14.29 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3122
@ j.k. am 07.03.2006, 14:23 Uhr
Gar nichts ist verloren. Wenn in den Alpen eine Lawine niedergeht, braucht man sich im Flachland nicht gleich auf den Boden zu werfen.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 14.23 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3121
Springer kehrt zurück, so wie ich es erwartet hatte... Damit wäre unser Vorhaben gescheitert, die alte Rechtschreibung ist nun endgültig, unwiderbringlich verstorben. Da helfen uns alle Argumente, alle Fakten, alle Urteile und auch der Wille des Volkes überhaupt nichts.
Und auch die Tatsache, daß außerhalb der Schule jeder schreibt, wie es ihm beliebt, ändert daran nichts - das hat es in den letzten zehn Jahren nicht getan, das wird es jetzt nicht tun.
Wir müssen uns eingestehn: Trotz der besseren Argumente haben wir den Kampf verloren.
Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 07.03.2006 um 12.55 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3120
"Lost" ist voll und ganz zuzustimmen. Die Sache ist um so enttäuschender, weil sich gerade in den letzten Tagen auch in "reformierten" Zeitungen die Stimmen mehrten, die an der sogenannten Reform fast kein gutes Haar mehr ließen. Das wäre die ideale Gelegenheit gewesen, alle Vernünftigen mit ins Boot zu holen und das "gräuliche" Reformungeheuer endgültig über Bord zu kippen und in den Tiefen des Meeres versinken zu lassen.
Kommentar von Lost, verfaßt am 07.03.2006 um 11.57 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3118
Sollten sich die Springer-Zeitungen der Reformschreibung unterwerfen, werde ich "Die Welt", die ich bisher gelegentlich gelesen habe, gar nicht mehr kaufen. Es ist für mich, abgesehen von der Tatsache, daß die Rechtschreibreform (erwartungsgemäß) ihre bildungs- und gesellschaftspolitischen Ziele verfehlt hat, unerträglich, daß die Politik den Menschen ihren Sprachgebrauch vorschreiben möchte. Hinzu kommt, daß es sich bei der Reform nicht mehr nur um einen Versuch der präskriptiven Sprachnormierung handelt. Viele Politiker haben inzwischen ja zugegeben, daß an der Reform nur noch "aus Staatsräson" festgehalten werde. Damit ist die Rechtschreibreform ein Akt geworden, der erneut die maßlose Arroganz der politischen Klasse beweist. Daß sich der Springer-Verlag zu einem Vollstrecker der Pläne von Sprachfuschern und unfähigen Kultuspolitikern wie Doris Ahnen macht, ist sehr erschütternd.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 07.03.2006 um 11.42 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3117
Soeben meldet der Spiegel die Unterwerfung des Axel-Springer-Verlachs.
Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 07.03.2006 um 11.35 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3115
Es wäre einfacher, wenn Herr Müller uns darlegen würde, ob er uns die Vorzüge der Reformschreibung oder die des Schnauzehaltens anpreisen möchte.
Kommentar von Michael Schuchardt, verfaßt am 07.03.2006 um 11.16 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3114
das Zitat von Herrn Glück haben Sie ja wohl bewußt aus dem Zusammenhang gerissen. Wenn man den ersten Satz nicht kennt, versteht man es nämlich nicht richtig.
Es müßte Ihnen doch aufgefallen sein, daß in diesem Forum, neben einigen Unsachlichkeiten, eine Fülle von Beispielen für das Mißglücken dieser Rechtschreibregeln zu finden ist. Für mich jedenfalls, einen interessierten Laien, sind die Beiträge sehr lehrreich.
Wie wäre es mit folgendem Vergleich, Herr Müller:
Während des Studiums fragte ein Professor zu Beginn der Vorlesung die Rechenergebnisse der Hausübung ab. Manchmal gab es unterschiedliche Ergebnisse. Da pflegte er zu fragen: "Wollen wir abstimmen, wer recht hat?"
Noch darf jeder gegen diese Reform schreiben, wenn ihm danach zumute ist, auch wenn unsere Politiker es nicht wollen. Ich freue mich, daß es auch getan wird.
Merke: Volksabstimmungen scheuen unsere Politiker wie der Teufel das Weihwasser.
Kommentar von Fungizid, verfaßt am 07.03.2006 um 11.09 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3111
Verehrter Herr Müller,
Ihre Ansicht kann ich sehr gut nachvollziehen, aber das läßt sich eben da wie dort konstatieren.
Wir aktiven Rechtschreibreformkritiker sind eine Minderheit. Aber die aktiven Reformdurchdrücker sind auch eine. Die Frage ist, was sich nun durchsetzen wird. Dies entscheidet der allgemeine Schreibgebrauch.
Wie einige Disputanden festgestellt haben, liegen die besseren Argumente bei uns, sowohl in Hinsicht auf die Begründung, warum diese Reform scheitern sollte, als auch in Hinsicht auf die Ursachen, die zu ihrem Scheitern führen werden.
Damit unterscheidet sich unsere Bunkermentalität von derjenigen der Schavans und Gütherts dadurch, daß wir für unsere Siegesgewißheit echte Argumente ins Feld führen können, während sich die anderen nur mit der ewigen Wiederholung von Dogmen begnügen. Das stimmt mich sehr zuversichtlich.
Ich bin ein großer Freund des Perspektivenwechsels und danke Ihnen für Ihren Hinweis. Sicher empfinden es einige andere Forumsteilnehmer genauso wie ich.
Kommentar von Red., verfaßt am 07.03.2006 um 11.05 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3110
An der Vertiefung unsinniger historischer Analogiebildungen sind wir hier nicht interessiert.
Kommentar von Thomas Müller, verfaßt am 07.03.2006 um 10.46 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3109
Zitat Alexander Glück:
"Es ist ganz genauso wie bei den Durchhalteparolen im Zweiten Weltkrieg. Da standen die russischen Truppen schon in Wandlitz, und im Bunker wurde noch immer von der Wendung des Schicksals geredet."
Genau diese Mentalität sehe ich hier im Forum. Es gibt ein klares Feindbild (Die dummen Reformer), die allerdings nach Lage der Dinge schon mindestens in Wandlitz, wenn nicht schon Unter den Linden sind. Hier im Forum wird aber weiter verbittert der Endsieg der alten Rechtschreibung propagiert. Wenn man sich da mal nicht täuscht....
Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 07.03.2006 um 09.27 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3107
daß sich diese Erkenntnis bei den Reformern findet, habe ich nicht geschrieben und konnte ich auch noch nicht feststellen.
Kommentar von j.k., verfaßt am 07.03.2006 um 06.49 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3105
Herr Glück,
Sie haben mit Ihrer kompletten Ausführung völlig recht, leider wird uns diese Erkenntnis, die sich durchaus auch bei den Reformern findet, wie Sie ja schrieben, nichts nützen.
Herr Wrase,
ich kann es nicht verstehen, wie bei 90 % Ablehnung durch die Bevölkerung in einem demokratischen Staat trotzdem etwas durchgesetzt werden kann. Jedoch sehen wir, daß es durchgesetzt wird und auch weiterhin durchgesetzt wird. Die 90 % helfen uns genausowenig wie die paar Zeitungsverlage, die NOCH "alt" schreiben.
Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.03.2006 um 16.57 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3099
Bei rund 90 Prozent Ablehnung der Rechtschreibreform in der Bevölkerung muß man recht wirr eingestellt sein, um von einem Sieg der Reform zu reden, nur weil die meisten Zeitungen sich auf diesen Blödsinn verpflichten lassen.
Kommentar von jms, verfaßt am 06.03.2006 um 16.32 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3098
Man muß auch die Eifersucht der Zeitungen auf die FAZ berücksichtigen, die ja rechtzeitig die richtige Konsequenz gezogen hat. Es ist wahrlich kein Ruhmesblatt der deutschen Presse, daß sie sich ins eigene Handwerkszeug pfuschen ließ. Ganz zu schweigen von der Ignoranz gegenüber ihren Lesern. Eigene Fehler und gar den Makel des Mitläufertums aber zuzugeben, dazu bedürfte es Charaktereigenschaften, über die auch Verleger und Journalisten (wie wohl die meisten Menschen) nur in den seltensten Fällen verfügen.
Kommentar von Die Welt, 6. 3. 2006, Leserbriefe, verfaßt am 06.03.2006 um 15.41 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3096
. . . Die WELT wäre gut beraten, sich nicht der Reform der Reform anzuschließen. Christian F. Langewische, Lübeck
. . . Meine Bitte an die WELT: Bleiben Sie bei der bewährten Schreibweise. Dieser faule Kompromiß ist sicher noch nicht das Amen in der Kirche. Dr. Jörg Hackeschmidt, Berlin
[Weiter so! Red.]
Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 06.03.2006 um 14.52 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3095
Lieber Herr Eversberg,
Wer jetzt weiter auf Reformkurs bleibt, spekuliert darauf, daß es die zweite, die größere Blamage nicht geben wird.
Es ist ganz genauso wie bei den Durchhalteparolen im Zweiten Weltkrieg. Da standen die russischen Truppen schon in Wandlitz, und im Bunker wurde noch immer von der Wendung des Schicksals geredet.
Neulich sagte ein Abgeordneter im Bundestag, dessen Name mir leider entfallen ist, man müsse das durchziehen, auch wenn man erkannt hat, daß es falsch ist. Nach Hitler, Holocaust und Weltkrieg darf soetwas in Deutschland einfach nicht mehr gesagt werden!
Auch wenn man die RSR keineswegs mit diesem Krieg auf eine Ebene stellen kann, bleibt doch die Erkenntnis, daß man sehr viel Schaden hätte verhindern können, wenn bereits 1942 mit dem Durchhalten ein Ende gewesen wäre. Und so auch jetzt.
Und in der DDR ging es auch typisch deutsch zu: Steinalte Dogmatiker hielten an der reinen Lehre fest, an dieser blauen Betonwand MEW, und machten die Rechnung ohne "die da draußen".
Aber dieses Weitermarschieren, bis alles in Scherben fällt, das liegt unserem Völkchen eben im Blut. Zuviel Wagner, zuwenig Mozart – doch der gehört musikalisch ohnehin eher zu Italien...
Die Reform hatte mehr als eine faire Chance. Sie hat fünfmal versagt. Das reicht. Spätestens jetzt gehört dieser Dreck in den Müll!
Kommentar von j.k., verfaßt am 06.03.2006 um 13.55 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3094
Aber, sehr geehrter Herr Eversberg, seien wir mal ehrlich: Ein Urteil zu unseren Gunsten wird nichts ändern. Wie oft hat denn der Bundestag, das Bundesverfassungsgericht etc. schon zu unseren Gunsten gesprochen/geurteilt? Und hat es uns je etwas genützt?
Im übrigen warte ich jeden Tag auf eine Verlautbarung von Springer, wie sie künftig verfahren werden. Ich bin gespannt, jedoch sehr pessimistisch.
Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 06.03.2006 um 13.50 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3093
Reformtreue Medien haben nur die Wahl zwischen zwei Blamagen, einer ziemlich großen (bei Rückzug jetzt) und einer sehr großen (bei Abwarten des unvermeidlichen Endes der Reform). Sehr viele ahnen das anscheinend, wenn man sich die rezenten Kommentare anschaut. Kommt das Ende durch ein Urteil, kann man sich als Opfer von Rattenfängern darstellen, aber schmeichelhaft ist das ja auch nicht.
Kommentar von Fungizid, verfaßt am 06.03.2006 um 13.14 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=441#3092
Zehetmair ist kein römischer Feldherr, und Aust ist nicht Vercingetorix. Von Unterwerfung kann bei Sachwaltern dieses Zuschnitts keine Rede sein. Ein Triumph über Augstein, das wäre etwas gewesen, aber Aust ist nur ein Buchhaltertyp, der im Leben kaum mehr als einmal einigermaßen investigativ gearbeitet hat ("Der Baader-Meinhof-Komplex"). Dazu gehört es, daß er ehrlich froh über die erreichte Stellung ist, und dies gebiert Loyalität zum Gutsherrn.

References: § 1

§ 2

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§ 12

§ 14

§ 23
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§ 10

§ 21
 § 36
 § 34
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