Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Nordrhein-Westfalen&Datum=23.11.2010&Aktenzeichen=5%20A%202288/09
Timestamp: 2020-07-04 15:58:33+00:00

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OVG Nordrhein-Westfalen, 23.11.2010 - 5 A 2288/09 - dejure.org
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OVG Nordrhein-Westfalen, 23.11.2010 - 5 A 2288/09 (https://dejure.org/2010,2358)
OVG Nordrhein-Westfalen, Entscheidung vom 23.11.2010 - 5 A 2288/09 (https://dejure.org/2010,2358)
OVG Nordrhein-Westfalen, Entscheidung vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 (https://dejure.org/2010,2358)
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VersammlG 12 a; VersammlG 19 a; GG Art. 8; GG Art. 2 i.V.m. 1 ;
Videoüberwachung informationelle Selbstbestimmung
Durchgängige Videobeobachtung durch permanente Übertragung von Bildern in einen polizeilichen Einsatzwagen einer friedlichen Versammlung von etwa 40 bis 70 Teilnehmern; Verfassungsrechtliche Relevanz des Richtens einer aufnahmebereiten Kamera auf Demonstrationsteilnehmer ...
Art. 8 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG; § 12a, § 19a VersammlG
Polizeiliche Videobeobachtung einer friedlichen Versammlung unzulässig
Polizeiliche Videobeobachtung einer friedlichen Versammlung rechtswidrig
spiegel.de (Pressebericht, 29.11.2010)
Gericht untersagt Polizei-Videoüberwachung
Polizeiliche Videobeobachtung einer friedlichen Versammlung rechtswidrig - Kameraübertragung ist geeignet Gefühl des Überwachtwerdens und damit verbundene Unsicherheiten und Einschüchterungseffekte zu erzeugen
DVBl 2011, 175
vgl. OVG NRW, Beschluss vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 -, juris Rn. 4, unter Hinweis auf BVerfG, Beschluss vom 14. Mai 1985 - 1 BvR 233/81, 1 BvR 341/81 -, juris Rn. 70 - Brokdorf -, wonach der staatsfreie unreglementierte Charakter einer Demonstration nicht durch "exzessive Oberservationen und Registrierungen" verändert werden darf; siehe aber auch Bay. VGH, Urteil vom 15. Juli 2008 - 10 BV 07.2143 -, jurisRn.
vgl. BVerfG, Einstweilige Anordnung vom 17. Februar 2009 - 1 BvR 2492/08 - m.w.N., BVerfGE 122, 342, zitiert nach juris; OVG NRW, Beschluss vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 -, www.nrwe.de und juris; Kniesel in: Dietel / Gintzel / Kniesel, Versammlungsgesetze, 17. Auflage § 12a, Rdnr. 9 m.w.N.
vgl. OVG NRW Beschluss vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 - mit umfangreichen weiteren Nachweisen, www.nrwe.de und juris.
Soweit das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in seinem vom Beklagten angeführten Beschluss vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 - (…vgl. juris, Rn. 3 f.) einen Eingriff in die Versammlungsfreiheit bei einer intensiven, länger andauernden und nicht nur flüchtigen Beobachtung durch eine Kameraübertragung eines unmittelbar vorausfahrenden Polizeifahrzeugs bejaht, bei bloßen Übersichtsaufnahmen zur Lenkung eines Polizeieinsatzes namentlich bei Großdemonstrationen hingegen verneint, ist fraglich, ob dieser Unterscheidung zu folgen ist.
vgl. OVG NRW, Beschluss vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 -, juris, Rn. 3.
vgl. OVG NRW, Urteil vom 17. September 2019- 15 A 4753/18 -, juris Rn. 65, Beschluss vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 -, juris Rn. 4, unter Hinweis auf BVerfG, Beschluss vom 14. Mai 1985- 1 BvR 233/81, 1 BvR 341/81 -, juris Rn. 70 - Brokdorf -, wonach der staatsfreie unreglementierte Charakter einer Demonstration nicht durch "exzessive Oberservationen und Registrierungen" verändert werden darf; kritisch zu Übersichtsaufnahmen auch Koranyi/Singelnstein, NJW 2011, 124, 126.
Daher verletzt auch das Richten einer aufnahmebereiten Kamera auf Demonstrationsteilnehmer nebst Übertragung der Bilder auf einen Monitor Versammlungsteilnehmer in ihrem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit (so auch OVG Münster, Beschl. v. 23.11.2010 - 5 A 2288/09 - juris;… VG Berlin, Urt. v. 26.04.2012 - VG 1 K 818.09 -, juris).
Soweit ersichtlich, gibt es bislang höchstrichterliche Rechtsprechung zur Frage der Zulässigkeit einer anlasslosen Übersichtsaufzeichnung von Versammlungen (BVerfG, Beschl. v. 17.02.2009 - 1 BvR 2492/08 - juris) sowie obergerichtliche Rechtsprechung zur Frage der Beobachtung und Übertragung von Bildern in Echtzeit im sog. Kamera-Monitor-Prinzip (OVG NRW, Beschl. v. 23.11.2010 - 5 A 2288/09 - juris).
vgl. OVG NRW, Urteil vom 17. September 2019 - 15 A 4753/18 -, juris Rn. 65, Beschluss vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 -, juris Rn. 4, unter Hinweis auf BVerfG, Beschluss vom 14. Mai 1985 - 1 BvR 233/81, 1 BvR 341/81 -, juris Rn. 70 - Brokdorf -, wonach der staatsfreie unreglementierte Charakter einer Demonstration nicht durch "exzessive Oberservationen und Registrierungen" verändert werden darf; kritisch zu Übersichtsaufnahmen auch Koranyi/Singelnstein, NJW 2011, 124, 126.
Er ergibt sich auch nicht aus der geltend gemachten Divergenz des angegriffenen Urteils zum Beschluss des 5. Senats des beschließenden Gerichts vom 23. November 2010 - 5 A 2288/09 -, juris Rn. 4, dessen Aussage zur Zulässigkeit von bloßen Übersichtsaufnahmen der beschließende Senat - wie unter 1. zitiert - in seinem Urteil vom 17. September 2019 - 15 A 4753/18 -, juris Rn. 65, aufgegriffen hat.
Denn der Einsatz von Beobachtungstechnik vermag (möglicherweise) bei den potentiellen Demonstrationsteilnehmern das Gefühl des Überwachtwerdens mit den damit verbundenen Unsicherheiten und Einschüchterungseffekten zu erzeugen (vgl. OVG NRW, Beschl. v. 23.11.2010 - 5 A 2288/09 -, juris zur Videobeobachtung einer Versammlung;… siehe auch OVG Rheinland-Pfalz, Urt. v. 05.02.2015 - 7 A 10683/14 -, DVBl. 2015, 583).
Das Grundrecht der Klägerin auf informationelle Selbstbestimmung (vgl. OVG NRW, Beschl. v. 23.11.2010 - 5 A 2288/09 -, juris;… VG A-Stadt, Urt. v. 05.07.2010 - 1 K 905.09 -, NVwZ 2010, 1442 = juris) wäre nur betroffen, wenn sie auf einem Lichtbild auch erkennbar wäre.

References: Art. 8
 Art. 2

Art. 8
 Art. 2
 Art. 1
 § 12
 § 19
 § 12