Source: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/inspektorat/Arbeitsstaetten_Arbeitsplaetze/Elektrische_Anlagen/Sicherer_Zustand_und_Verwendung_elektrischer_Anlagen_und_Betriebsmittel
Timestamp: 2019-12-13 16:20:11+00:00

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Sicherer Zustand und Verwendung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel
Sichere elektrische Anlagen und Geräte schützen nicht nur Leben und Gesundheit von Menschen, sondern auch wertvolle betriebliche Ressourcen.
Bestimmungen dazu enthält die Elektroschutzverordnung 2012 (ESV 2012).
Bestimmungen zu elektrischen Betriebsmitteln, die in explosionsfähigen Atmosphären Verwendung finden, enthält die Verordnung explosionsfähige Atmosphären (VEXAT).
Einführungserlass zur ESV 2012
Elektrotechnische Normen sind beim Österreichischen Verband für Elektrotechnik (ÖVE) oder bei Austrian Standards erhältlich.
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen sich stets in sicherem Zustand befinden, Mängel müssen unverzüglich behoben werden.
Wenn die Betriebsverhältnisse eine unverzügliche Mängelbehebung nicht zulassen, sind bis zur Mängelbehebung Maßnahmen zu treffen, die den Schutz der ArbeitnehmerInnen gewährleisten, und die betroffenen ArbeitnehmerInnen sind über die Gefahren und die getroffenen Schutzmaßnahmen zu informieren.
Falls von Anlagen oder Betriebsmitteln eine elektrische Gefahr ausgeht, dürfen diese nicht verwendet werden.
Es dürfen nur solche elektrischen Anlagen und Betriebsmittel verwendet werden, die im Hinblick auf Betriebsart und Umgebungseinflüsse den jeweiligen betrieblichen und örtlichen Anforderungen entsprechen und auftretenden Beanspruchungen (z. B. Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und elektrische, mechanische oder chemische Beanspruchung) sicher widerstehen können.
§ 2 ESV 2012
Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen haben dafür zu sorgen, dass Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen vor Benutzung der Arbeitsmittel prüfen, ob diese offenkundige Mängel aufweisen.
§ 35 Abs. 3 Z 1 ASchG
Elektrische Anlagen müssen nach dem aktuellen Stand der Technik errichtet werden, den für Niederspannungsanlagen insbesondere die Normenreihe ÖVE/ÖNORM E 8001 darstellt. Folglich ist ein dreistufiges Sicherheitskonzept, bestehend aus Basisschutz, Fehlerschutz und, falls erforderlich, Zusatzschutz zu realisieren. Altanlagen müssen zumindest dem technischen Sicherheitsstandard zum Zeitpunkt ihrer Errichtung entsprechen, sind jedoch nach wesentlichen Erweiterungen oder Änderungen an die aktuellen Sicherheitsvorschriften anzupassen.
Falls in einer Arbeitsstätte die Steckdosen einer elektrische Altanlage noch nicht mittels Zusatzschutz in Form einer in die Anlage fest eingebaute Fehlerstrom-Schutzeinrichtung mit einem Nennfehlerstrom von max. 0,03 A geschützt sind, müssen ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel der Schutzklasse I, die in der Arbeitsstätte verwendet werden, einer wiederkehrenden Prüfung unterzogen werden.
§ 9 Abs. 1 Z 2 ESV 2012
Auf Baustellen (und ab 1. 3. 2013 auch auf auswärtigen Arbeitsstellen) dürfen vom Arbeitgeber oder von der Arbeitgeberin zur Verfügung gestellten, elektrisch betriebenen Arbeitsmittel an Steckdosen einer bestehenden Hausinstallation nur verwendet werden, wenn gesichert ist, dass die betreffende Steckdose mit einem Fehlerstrom-Schutzschalter (FI) mit einem Nennfehlerstrom von max. 0,03 A geschützt ist. Dies kann durch Verwendung eines Adapters oder Verteilers mit integriertem FI erreicht werden.
§ 5 Z 3 ESV 2012
Dieser Abschnitt enthält Bestimmungen für ein sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen oder in der Nähe von spannungsführenden Teilen.
Der Inhalt basiert auf dem Stand der Technik, insbesondere auf der ÖVE/ÖNORM EN 50110-1.
Darüber, was ein elektrotechnischer Laie über den sicheren Umgang mit Elektrizität wissen sollte, gibt die Broschüre 'M 420 - Sicherer Umgang mit Elektrizität' der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) Auskunft.
Arbeiten an elektrischen Anlagen im spannungsfreien Zustand
Solche Arbeiten dürfen nur von Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen oder zumindest unter deren Aufsicht durchgeführt werden. Es darf nur gearbeitet werden, wenn die 5 Sicherheitsregeln eingehalten sind:
Erden und Kurzschließen jedenfalls in Hochspannungsanlagen und auch in anderen Anlagen, wenn in diesen die Gefahr besteht, dass die Anlage unter Spannung gesetzt wird,
§ 12 ESV 2012
Solche Arbeiten dürfen nur von Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen durchgeführt werden, die eine entsprechende Spezialausbildung erhalten haben. Weiters sind schriftliche Arbeitsanweisungen zu erstellen. Auf die Spezialausbildung bzw. die schriftlichen Arbeitsanweisungen kann verzichtet werden, wenn die Gefahrenbeurteilung ergibt, dass trotzdem sicher gearbeitet werden kann.
Bei Brand- oder Explosionsgefahr darf nicht unter Spannung gearbeitet werden. Abhängig von der Witterung sind die Arbeiten einzuschränken oder einzustellen.
Arbeitsmittel und persönliche Schutzausrüstung sind in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten.
§ 13 ESV 2012
Eine gefährlich Annäherung an unter Spannung stehende Teile, in deren Nähe gearbeitet wird, ist durch Schutzvorrichtungen (Abdeckung, Kapselung, isolierende Umhüllung) oder, wenn dies nicht möglich ist, durch das Einhalten eines Sicherheitsabstands zu vermeiden.
Der Sicherheitsabstand ist abhängig von
Art und Umstände der Arbeiten (Platzbedarf),
Ausbildung und Kenntnisse der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen,
den verwendeten Arbeitsmitteln, Materialien und Ausrüstungen, wobei auch deren mögliche Bewegungen zu berücksichtigen sind.
Für elektrotechnische Laien ist grundsätzlich nur ein Abstand als sicher anzusehen, der größer ist als die Annäherungszone. In die Gefahrenzone darf keinesfalls eingedrungen werden.
Um festgelegte Sicherheitsabstände sicher einhalten zu können, dürfen nur Arbeitsmittel verwendet werden, die entsprechende Abmessungen nicht überschreiten. Weiters sind technische Maßnahmen zu treffen, wie Prallseile, Abschrankungen und Dreh-, Höhen- oder Auslegerbegrenzungen von Maschinen, oder organisatorische Maßnahmen, wie z. B. Warneinrichtungen.
Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind über die notwendigen Sicherheitsabstände eingehend zu informieren.
Bodenarbeiten in elektrischen Freiluftanlagen
§ 14 ESV 2012
Zur Gewährleistung des sicheren Zustands sind elektrische Anlagen und Betriebsmittel Prüfungen zu unterziehen.
Elektrische Anlagen sind nach ihrer Errichtung, Instandsetzung und nach wesentlichen Änderungen oder Erweiterungen zu prüfen, ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel nach Änderung oder Instandsetzung.
zehn Jahre in Bereichen, in denen die Anlagen und die Betriebsmittel nur sehr geringen Belastungen ausgesetzt sind, wie z. B. in Büros oder in Handels- oder Dienstleistungsbetrieben, in denen keine außergewöhnliche Beanspruchung gegeben ist,
drei Jahre in Bereichen mit Explosionsgefahr,
ein Jahr auf Baustellen, in Bereichen mit Explosionsgefahr und zusätzlich zumindest einer außergewöhnlichen Beanspruchung, und in Bereichen der obertägigen Förderung von mineralischen Rohstoffen,
sechs Monate bei Untertagebauarbeiten und im Untertagebergbau.
Feuchtigkeit und Nässe,
Temperaturen unter -20°C oder über +40°C,
korrosive Stoffe,
zusätzliche Witterungseinflüsse,
Staub durch Arbeitsvorgänge.
Die Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel in explosionsgefährdeten Bereichen regelt die Verordnung explosionsfähige Atmosphären - VEXAT.
Arbeitsstätten müssen mit Blitzschutzanlagen ausgestattet sein, wenn eine Gefährdung durch Blitzschlag oder dessen Folgen besteht. Das gilt auch für Baustellen, falls die Ausführung einer Blitzschutzanlage technisch möglich ist. Näheres dazu, insbesondere zur Bestimmung, ob und welcher Blitzschutz notwendig ist, enthält die ÖVE/ÖNORM EN 62305-3.
Blitzschlaggefährdete Arbeitsmittel sind mit Vorrichtungen auszustatten, die eine sichere Ableitung von elektrischen Ladungen in den Erdboden gewährleisten.
ArbeitgeberInnen haben dafür zu sorgen, dass Blitzschutzanlagen in regelmäßigen Zeitabständen von Elektrofachkräften mit entsprechenden Kenntnissen auf ihren ordnungsgemäßen Zustand überprüft und festgestellte Mängel unverzüglich behoben werden. Die Zeitabstände der Überprüfungen betragen allgemein längstens drei Jahre, davon abweichend bei der Verwendung von explosionsgefährlichen, hochentzündlichen oder größeren Mengen von leichtentzündlichen Arbeitsstoffen längstens ein Jahr.
Die Befunde über die letzten beiden Überprüfungen der Blitzschutzanlage sind in der Arbeitsstätte aufzubewahren.
§ 15 ESV 2012
Kontrollen sind von entsprechend unterwiesenen Personen durchzuführen.
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen für den Fehler- oder Zusatzschutz sind in den von den Herstellern oder Herstellerinnen angegebenen Intervallen mittels Prüftaste zu testen. Wenn keine solchen Intervalle angegeben sind, ist ein Test zumindest halbjährlich durchzuführen.
Auf Baustellen müssen elektrische Anlagen und Betriebsmittel wöchentlich auf offensichtliche Mängel kontrolliert werden.
Bei Untertagebauarbeiten sind zu kontrollieren:
wöchentlich die Funktion von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen durch Betätigen der Prüftaste, der Einrichtungen zur Erfassung von Erdschlüssen, der Einrichtungen zur Überwachung des Schutzleiters und des Isolationswiderstandes, der Notbeleuchtungen sowie der Einrichtungen zur Notabschaltung,
monatlich die Funktion von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit geeigneten Messgeräten.
Über obige Kontrollen unter Tage sind Vormerke zu führen, die zumindest das Datum, Namen und Unterschrift der kontrollierenden Person enthalten.
§ 7 Abs. 3 u. 4 ESV 2012

References: § 2

§ 35

§ 9

§ 5

§ 12

§ 13

§ 14

§ 15

§ 7