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Timestamp: 2019-08-23 08:16:25+00:00

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BGH, 03.07.2008 - I ZB 87/06 - dejure.org
https://dejure.org/2008,936
BGH, 03.07.2008 - I ZB 87/06 (https://dejure.org/2008,936)
BGH, Entscheidung vom 03.07.2008 - I ZB 87/06 (https://dejure.org/2008,936)
BGH, Entscheidung vom 03. Juli 2008 - I ZB 87/06 (https://dejure.org/2008,936)
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Vollstreckbarkeit eines titulierten Anspruchs gegen eine Kindesmutter auf Benennung des biologischen Vaters im Wege des § 888 Zivilprozessordnung (ZPO); Allgemeines Persönlichkeitsrecht einer Kindesmutter als Vollstreckungshindernis i.S.d. § 888 Abs. 3 ZPO; Eingriff in die Grundrechte einer auskunftspflichtigen Kindesmutter durch eine Vollstreckung als nicht über die (rechtskräftige) Verurteilung hinausgehende Grundrechtsbetroffenheit
Kindesmutter - Nennung des Vaters des nichtehelichen Kindes
Vaterschaftsanfechtung - Nennung des biologischen Vaters
Nennung des leiblichen Vaters ggf, mit Erzwingungshaft
Vollstreckbarkeit d. Anspruchs auf Nennung d. Kindsvaters?
Familienrecht - Anspruch auf Nennung des Vaters des nichtehelichen Kindes
Kuckuckskinder: Gangart wird härter
Scheinvaterregress - Zwangshaft gegen die Kindesmutter bei Anspruch auf Nennung des Namens des biologischen Kindsvaters
Anspruch auf Namensnennung des Vaters mit Zwangshaft durchsetzbar - BGH: Kindesmutter ist auskunftspflichtig
Forderungsvollstreckung - Auskunft auf Nennung des leiblichen Vaters eines Kindes mit Zwangshaft durchsetzbar
Kurznachricht zu "Beraterhinweis zum Beschluss des BGH vom 03.07.2008, Az.: I ZB 87/06 (Haftbefehlserlass zur Benennung des biologischen Vaters)" von RA Dr. Lothar Müller, FAFamR, original erschienen in: FamRB 2008, 298 - 299.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Beschluss des BGH vom 03.07.2008, Az.: I ZB 87/06" von Prof. Dr. Martin Löhnig, original erschienen in: FamRZ 2008, 1753 - 1754.
LG Gera, 08.05.2006 - 3 O 1656/04
OLG Jena, 05.10.2006 - 9 W 269/06
NJW 2008, 2919
FamRZ 2008, 1751
Leitet sich der materiell-rechtliche Auskunftsanspruch aus einer zivilrechtlichen Generalklausel her, wie dies hier bei § 242 BGB der Fall ist, ist deswegen im Erkenntnisverfahren stets zu prüfen, ob die begehrte Auskunft in den unantastbaren Bereich des Persönlichkeitsrechts fällt und ob dem Anspruch Grundrechte der in Anspruch genommenen Beklagten entgegenstehen (BGH Beschluss vom 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 - FamRZ 2008, 1751 Rn. 13 f.).
Daher ist es ihr zumutbar, durch Angaben zur Person des mutmaßlichen Vaters an der Beseitigung der dem Scheinvater entstandenen Nachteile mitzuwirken (vgl. BGH Beschluss vom 3. Juli 2008 I ZB 87/06 - FamRZ 2008, 1751 Rn. 17).
Dass eine Verpflichtung zur Erteilung einer Auskunft, die nur aufgrund persönlichen Wissens des Auskunftspflichtigen gegeben werden kann, regelmäßig als unvertretbare Handlung nach § 888 ZPO vollstreckt wird, entspricht im Übrigen allgemeiner Auffassung (…vgl. Senatsbeschluss vom 26. Oktober 2011 - XII ZB 465/11 - FamRZ 2012, 24 Rn. 21; BGH Beschluss vom 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 - NJW 2008, 2919, 2920 zur Vollstreckung des Anspruchs auf Nennung des Namens des Kindesvaters; BGHZ 49, 11, 15 zur Auskunftspflicht des Konkursverwalters;… Wendl/Dose Das Unterhaltsrecht in der familienrichterlichen Praxis 9. Aufl. § 1 Rn. 1191).
In Bezug auf die Nennung des möglichen Erzeugers darf die Pflicht zur Erteilung der Auskunft nicht in den unantastbaren Bereich privater Lebensgestaltung eingreifen und das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Mutter nach Art. 2 Abs. 1 GG iVm Art. 1 Abs. 1 GG verletzen (…vgl. Senatsurteil BGHZ 191, 259 = FamRZ 2012, 200 Rn. 24 mwN; Senatsbeschluss BGHZ 196, 207 = FamRZ 2013, 939 Rn. 33 ff. und BGH Beschluss vom 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 - FamRZ 2008, 1751 Rn. 13 ff. [zur Vollstreckung]).
Eine offensichtlich unrichtige Auskunft stellt allerdings noch keine Erfüllung dar (BGH Beschluss vom 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 - FamRZ 2008, 1751 Rn. 23; vgl. BGHZ 148, 26, 36 = WM 2001, 1830, 1833 mwN).
Selbst wenn der Einwand der Unmöglichkeit aber gemäß §§ 120 Abs. 1 FamFG, 767 Abs. 2 ZPO ausgeschlossen sein sollte, hat das Vollstreckungsgericht zu prüfen, ob die (fortgesetzte) Zwangsvollstreckung im Einzelfall zu einem unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte der Mutter führen und sich aus diesem Grund als unzulässig erweisen kann (vgl. BGH Beschluss vom 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 - FamRZ 2008, 1751 Rn. 20).
Dieser Beschluss ist eigener Vollstreckungstitel iSv. § 794 Abs. 1 Nr. 3 ZPO für die Beitreibung des Zwangsgeldes und die Vollstreckung der Ersatzzwangshaft (vgl. BGH 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 - Rn. 8 mwN, NJW 2008).
Die Vollstreckung der Haft setzt demzufolge einen Haftbefehl voraus (§ 901 ZPO), für dessen Erlass gleichfalls das Prozessgericht zuständig ist (BGH 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 - aaO.).
c) Entgegen der Ansicht des Landesarbeitsgerichts fehlt der Vollstreckungsgläubigerin auch nicht das Rechtsschutzinteresse für den Erlass eines Haftbefehls, weil sein Erlass unverhältnismäßig wäre und damit gegen Grundrechte des Vollstreckungsschuldners verstieße (vgl. zum mangelnden Rechtsschutzinteresse in diesen Fällen: BGH 3. Juli 2008 -Rn. 11, I ZB 87/06 - NJW 2008, 2919).
Nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist dem Arbeitsgericht die tatsächliche Prüfung aufzugeben, ob zwischenzeitlich Gründe entstanden sind, die dem Erlass eines Haftbefehls entgegenstehen (vgl. BGH 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 - Rn. 24, NJW 2008, 2919).
Das stünde dem Erlass eines Haftbefehls entgegen (vgl. BGH 3. Juli 2008 - I ZB 87/06 Rn. 23 aaO.; 5. November 2004 - IXa ZB 32/04 - BGHZ 161, 67) und würde das vorliegende Verfahren erledigen.
Bei der durch die einstweilige Verfügung titulierten Verpflichtung der Schuldner, Auskunft zu erteilen, handelt es sich um die Verpflichtung zu einer Handlung, die im Sinne von § 888 Abs. 1 Satz 1 ZPO durch einen Dritten nicht vorgenommen werden kann und ausschließlich vom Willen der Schuldner abhängt, da die Auskunft nur aufgrund des persönlichen Wissens der Schuldner erteilt werden kann (vgl. BGH, Beschluss vom 3. Juli 2008 - I ZB 87/06, NJW 2008, 2919 Rn. 8).
Eine Zwangsmittelanordnung nach § 888 ZPO ist ein eigener Vollstreckungstitel im Sinne von § 794 Abs. 1 Nr. 3 ZPO, aus dem die Beitreibung des Zwangsgeldes und die Vollstreckung der (Ersatz-)Zwangshaft betrieben werden kann (BGH, Beschluss vom 3. Juli 2008 - I ZB 87/06, NJW 2008, 2919 Rn. 8 mwN).
Der Vollstreckungsbeschluss gemäß § 887 ZPO stellt nicht nur eine Maßnahme der Zwangsvollstreckung dar, sondern ist zugleich ein eigener Vollstreckungstitel im Sinne von § 794 Abs. 1 Nr. 3 ZPO hinsichtlich der Beitreibung der Vorauszahlung (vgl. BGH NJW 2008, 2919 f. - Rdnr. 8 zitiert nach Juris;… OLG Schleswig a.a.O., Rdnr. 53 zitiert nach Juris und Zöller-Stöber, a.a.O., § 887 ZPO, Rdnr. 11).
Dieser Beschluss ist Vollstreckungstitel im Sinne des § 794 Abs. 1 Nr. 3 ZPO für die nun erfolgende Vollstreckung der Ersatzzwangshaft im Wege eines Haftbefehls (vgl. BGH, Beschl. v. 3.7.2008 - I ZB 87/06 - NJW 2008, 2919;… Stöber in: Zöller, ZPO, 28. Aufl. 2010, § 888 Rdn. 13).
Was die Zumutbarkeit anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass es der Schuldnerin unbenommen ist, die die ihr mit der Haft drohende Belastung abzuwenden, indem sie ihrer Auskunftspflicht nachkommt (zu diesem Gesichtspunkt BGH, Beschl. v. 3.7.2008 - I ZB 87/06 - NJW 2008, 2919).
OLG Koblenz, 28.06.2017 - 9 UF 191/17
Erfüllung des Auskunftsanspruchs über den biologischen Vater bei unrichtiger …
OLG Köln, 02.08.2013 - 20 W 42/13
OLG Karlsruhe, 12.03.2010 - 2 WF 144/09
Entscheidung des Gerichts nach übereinstimmender Erledigungserklärung …

References: § 888
 § 888
 BGH 
 BGH 
 § 242
 BGH 
 § 888
 BGH 
 § 1
 Art. 2
 Art. 1
 BGH 
 BGH 
 § 794
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 888
 § 888
 § 794
 § 887
 § 794
 BGH 
 § 887
 § 794
 § 888