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Timestamp: 2019-10-15 08:59:00+00:00

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Rechtsanwaltsvergütungsgesetz & RVG-Tabelle - Anwalt.org
Rechtsanwaltsvergütungsgesetz: Überblick zur anwaltlichen Vergütung
Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz regelt die Berechnung der Gebühren von Anwälten.
Wer schon einmal in rechtliche Auseinandersetzungen geraten ist, der weiß, dass eine gütliche Einigung nicht immer gelingt. Nur zu oft sind die Fronten zwischen den Beteiligten derartig verhärtet, dass ein Rechtsanwalt zurate gezogen werden muss. Doch die Dienste eines Anwaltes sind stets mit Kosten verbunden.
Viele stellen sich bereits im Vorfeld die Frage, wonach sich die dabei anfallenden Kosten und Gebühren bemessen. Eine wichtige gesetzliche Grundlage ist in diesem Kontext das Gesetz über die Vergütung der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (kurz: Rechtsanwaltsvergütungsgesetz oder auch RVG). Anhand dieser „Gebührenordnung“ für Rechtsanwälte bemisst sich die Höhe des Honorars, sofern nicht eine sogenannte Vergütungsvereinbarung zwischen Mandant und Rechtsanwalt getroffen wird.
Im Folgenden wollen wir Ihnen einen Überblick über das Thema „Anwaltsvergütung und Rechtsanwaltsvergütungsgesetz“ geben: Welche Neuerungen traten mit den Erlass des RVG ein? Wie ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz aufgebaut? Was hat es mit der in Anlage 2 zum Rechtsanwaltsvergütungsgesetz angeführten Tabelle auf sich? Wie hoch sind die Kosten bei einer Erstberatung?
Hintergrund: Begründung des RVG
RVG-Gebühren: Was hat sich verändert?
Rechtsanwaltsvergütungsgesetz – Aufbau und Struktur
Wie hoch sind die einzelnen Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz?
Gebührenarten nach dem RVG
Rechtsanwaltsvergütungsgesetz: Grundlagen einer anwaltlichen Vergütung
RVG-Beratungsgebühr
Prozesskostenhilfe: Ab wann bekommen Sie Unterstützung?
Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz löste die Bundesrechts­anwaltsgebührenordnung ab.
Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ist am 1. Juli 2004 in Kraft getreten. Es ersetzte die zuvor in Deutschland geltende Bundesrechtsanwaltsgebührenordnung (kurz: BRAGO).
Der Gesetzgeber verfolgte dabei den Zweck, mit der Einführung des RVG, ein Gesetz zu schaffen, welches das Kosten- und Vergütungsrecht in der Bundesrepublik Deutschland vereinfachen und zudem für Mandanten transparenter machen sollte. Die Höhe der Anwaltsgebühren sollte sich dabei verstärkt am Umfang sowie am Schwierigkeitsgrad der jeweiligen anwaltlichen Tätigkeit bemessen.
Ferner war geplant, den Rechtsanwälten mit Inkrafttreten des RVG, einen Anreiz zu schaffen, vermehrt auf eine außergerichtliche und gütliche Streitbeilegung hinzuwirken. Dadurch sollte wiederum die erhöhte Arbeitsbelastung der Gerichte etwas eingedämmt werden.
Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz brachte gegenüber der ursprünglichen Rechtanwaltsgebührenordnung einige Neuerung mit sich: Zum einen wurden die Wertgebühren für außergerichtliche Streitbeilegungen angehoben. Den Anwälten sollte dadurch der bereits zuvor erwähnte Anreiz geboten werden, Angelegenheiten auch ohne einen gerichtlichen Prozess und die Inanspruchnahme richterlicher Dienste beizulegen.
Zum anderen ist die Vergütung von Anwälten bei einer Strafverteidigung oder im Falle einer Vertretung in bestimmten Bußgeldverfahren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz nunmehr eine höhere als nach der zuvor geltenden besagten Gebührenordnung der Rechtsanwälte.
Geringer fällt die Vergütung von Rechtsanwälten mit Inkrafttreten des RVG hingegen aus bei Beweisaufnahmen sowie im Falle einvernehmlicher Scheidungen.
Streitwerttabelle des RVG: Wie hoch fällt eine Gebühr aus?
Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz setzt sich im Grunde wie sein Vorläufer auch aus zwei Teilen zusammen:
Es besteht aus einem Gesetzestext, der wiederum in neun Abschnitte aufgeteilt ist, sowie einem Teil, in dem die Anlagen zum RVG enthalten sind.
Die Anlagen wiederum bestehen aus einem Vergütungsverzeichnis (kurz VV), welches im RVG als Anlage 1 normiert ist und einer Tabelle, in der die Höhe der jeweiligen Gebühren pro Gegenstandswert festgesetzt sind.
Der RVG-Gesetzestext untergliedert sich in die folgenden Abschnitte:
Abschnitt 1: Allgemeine Vorschriften zum Gebührensystem (§§ 1 – 12c)
Abschnitt 2: Gebührenvorschriften nach dem Gegenstandswert (§§ 13 – 15a)
Abschnitt 3: Angelegenheit – Wann handelt es sich um dieselbe und wann um verschiedene Angelegenheiten? (§§ 16 – 21)
Abschnitt 4: Gegenstandswert (§§22 – 33)
Abschnitt 5: Gebühren für außergerichtliche Beratung und Vertretung (§§ 34 – 36)
Abschnitt 6: Gerichtliches Verfahren vor den Verfassungsgerichten und dem EuGH (§§ 37 – 41a)
Abschnitt 7: Straf- und Bußgeldsachen sowie bestimmte sonstige Verfahren (§§ 42 – 43)
Abschnitt 8: Beigeordneter oder bestellter Rechtsanwalt, Beratungshilfe ( §§ 44 – 59a)
Abschnitt 9: Übergangs- und Schlussvorschriften (59b – 62)
Der Gesetzestext vom Rechtsanwaltsvergütungsgesetz umfasst die allgemeinen gebührenrechtlichen Vorschriften, das Vergütungsverzeichnis wiederum die einzelnen sogenannten Gebührentatbestände. Diese legen fest, welche Gebühr für welche Art von Tätigkeit anfällt. Je nachdem, welche konkrete Tätigkeit der Anwalt also verübt, fällt eine andere RVG-Gebühr an.
Beispiel: Beratungsgespräche, außergerichtliche Vertretung gegenüber Dritten, Besprechungen oder die Mitwirkung an einem Vergleich ziehen also jeweils unterschiedlich hohe Gebühren nach sich.
In Anlage 2 des RVG ist eine Tabelle enthalten, welche die jeweilige Gebühr für die einzelne Tätigkeit festsetzt.
Anhand der im RVG enthaltenen Gebührentabelle berechnet ein Rechtsanwalt die Kosten seiner Dienste.
Im Zivilprozess fällt für den ersten Rechtszug laut RVG eine sogenannte Verfahrensgebühr an. Nach der Rechtsanwaltsgebührentabelle in Anlage 1 wird diese auf einen Wert von 1,3 festgesetzt.
Für die Wahrnehmung eines Termins, in dem eine Partei oder ein Beteiligter nicht erschienen bzw. nicht ordnungsgemäß vertreten ist und lediglich ein Antrag auf Versäumnisurteil, Versäumnisentscheidung oder zur Prozess-, Verfahrens- oder Sachleitung gestellt wird, fällt eine Gebühr von 0.5 an.
Das Vergütungsverzeichnis besteht aus ingesamt sieben Teilen und ist wie folgt aufgebaut:
Teil 1: Regelungen über allgemeine Gebühren (insbesondere die Einigungsgebühr)
Teil 2: Regelungen über Gebühren für außergerichtliche Tätigkeiten einschließlich der Vertretung im Verwaltungsverfahren
Teil 3: Regelungen über die Vertretung in Zivilsachen, Verfahren der öffentlich-rechtlichen Gerichtsbarkeit, Verfahren nach dem Strafvollzugsgesetz auch in Verbindung mit § 92 Jugendgerichtsgesetz und ähnlichen Verfahren (Bedeutsam sind hier insbesondere die Termins- sowie die Verfahrensgebühr.)
Teil 4:Regelungen über Strafsachen
Teil 5: Regelungen über Bußgeldsachen
Teil 6: Regelungen über sonstige Verfahren
Teil 7: Regelungen über Auslagen
Wie hoch die jeweilige Gebühr ist, bemisst sich im Bereich des Zivil- und Verwaltungsrechts wiederum am sogenannten Gegenstandswert des Verfahrens. Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz gewährleistet dadurch, dass Mandate mit einem hohen Gegenstandswert finanziell den Arbeitsaufwand bei Mandaten mit geringerem Wert ausgleichen.
So ist der Gegenstandswert in einem Rechtsstreit um eine Waschmaschine beispielsweise weitaus geringer als der einer umfangreichen Räumungs- oder Kündigungsschutzklage oder der eines komplizierten Wirtschafts- oder Steuerprozesses.
Dem RVG ist in Anlage 2 eine weitere Tabelle zu entnehmen, aus welcher sich die jeweilige Gebührenhöhe der einzelnen Gegenstandswerte ergibt. Der folgende Ausschnitt aus Anlage 2 soll das Prinzip veranschaulichen:
500 ,00 45,00
1.000,00 80,00
1.500,00 115,00
2.000,00 150,00
3 000,00 201,00
4.000,00 252,00
5.000,00 303,00
6.000,00 354,00
7.000,00 405,00
8.000,00 456,00
Geht es also in einem Rechtsstreit um eine Waschmaschine im Wert von 250 Euro, so beläuft sich der Gegenstandswert auf einen Betrag „bis 500 Euro“, die einzelne Gebühr nach der RVG-Gebührentabelle beträgt also 45 Euro. Eine Verfahrensgebühr von 1,3 würde sich demnach auf einen Betrag von 58,50 Euro errechnen.
Der Gegenstandswert ist der monetäre Ausdruck eines Streitgegenstandes. Bei Prozessen wird stets vom sogenannten Streitwert gesprochen. Der Begriff „Gegenstandswert“ hingegen wird außerhalb eines gerichtlichen Verfahrens verwendet.
Bei einer reinen Zahlungsklage beläuft sich der Gebühren- bzw. Streitwert exakt auf den eingeklagten Geldbetrag.
Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz kennt zwei Berechnungsformen, anhand derer sich die Höhe der jeweiligen Gebühr bemisst. Die Rede ist von der Betrags- sowie der Satzungsgebühr.
Betragsgebühren werden, wie der Name schon sagt, in bestimmten Beträgen angegeben. Nach dieser Form wird überwiegend im Strafrecht und im Bereich des Sozialrechts abgerechnet.
Satzungsgebühren sind indes solche, die sich am jeweiligen Gegenstandswert des Verfahrens bemessen. Im Vergütungsverzeichnis ist dann wiederum ein bestimmter Satz festgelegt (Beispiel: eine 1,3 Gebühr), anhand derer sich dann der Betrag errechnet.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, nach denen eine anwaltliche Vergütung zu bemessen ist: Zum einen kann sich die Vergütung anhand der Gebühren aus dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ergeben oder aber zum anderen aus einer sogenannten Vergütungsvereinbarung zwischen Anwalt und Mandant.
Eine derartige Vergütungsvereinbarung ist grundsätzlich immer anstatt einer Abrechnung der gesetzlichen Gebühren möglich. Dabei sind dann allerdings bestimmte Vorschriften des RVG sowie der Bundesrechtsanwaltsordnung (kurz: BRAO) zu beachten.
Gemäß § 49b BRAO ist es beispielsweise nicht zulässig, geringere Gebühren zu vereinbaren bzw. zu fordern, als das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz vorsieht. Nur im Einzelfall darf der Anwalt besonderen Umständen des Mandanten durch Ermäßigung oder Erlass von Gebühren Rechnung tragen.
Ferner muss eine Vergütungsvereinbarung nach dem RVG einigen förmlichen Vorgaben entsprechen. Sie muss gemäß § 3a RVG stets in Schriftform gestaltet und zudem auch klar als Vergütungsvereinbarung oder in vergleichbarer Weise bezeichnet werden. Sie darf zudem nicht in der Vollmacht des Anwaltes mit enthalten sein, sondern muss ein textlich selbstständiges Dokument darstellen.
Vonnöten ist außerdem, dass die Vergütungsvereinbarung einen Hinweis darauf enthält, dass die gegnerische Partei, ein Verfahrensbeteiligter oder die Staatskasse, im Falle einer Kostenerstattung nicht mehr als die gesetzliche Vergütung erstatten muss.
Im Falle eines Verstoßes gegen das Formerfordernis aus § 3a RVG kann ein Rechtsanwalt keine höhere als die gesetzliche Vergütung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz verlangen. Dies ergibt sich aus § 4b RVG.
Rechtsanwaltsvergütungsgesetz: Eine Erstberatung darf höchstens 190 Euro zzgl. 19 % Umsatzsteuer kosten.
Viele Ratsuchende interessieren sich insbesondere dafür, ob nach dem RVG bei einer Erstberatung Kosten anfallen. Eine Erstberatungsgebühr fällt immer dann an, wenn sich ein Mandant zu einem erstmaligen Gespräch mit seinem Anwalt zusammenfindet. Nicht von Relevanz ist hierbei die Dauer des Gespräches sowie der Ort, an dem die Beratung stattfindet.
Im RVG ist mit Erstberatungsgebühr allerdings lediglich eine solche für mündliche Auskünfte gemeint. Sofern der Rechtsanwalt weitere Tätigkeiten vornimmt, wie beispielsweise Telefonate führt oder Schriftsätze aufsetzt, sieht die im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz enthaltene Anwaltsgebührentabelle bereits weitere Gebühren vor.
Die Höhe der Erstberatung darf sich maximal auf einen Betrag in Höhe von 190 Euro zuzüglich 19 % Umsatzsteuer belaufen. Gesetzlich ergibt sich dies aus § 34 Absatz 1 Satz 3 RVG.
Nicht jedermann ist in der Lage, die Gebühren nach dem RVG finanziell zu stemmen. Deshalb ist es sozialschwachen Personen unter bestimmten Voraussetzungen möglich, Prozesskostenhilfe in Anspruch zu nehmen.
Vonnöten ist ein entsprechender Antrag. Des Weiteren muss die Person wirtschaftlich bedürftig im Sinne der Zivilprozessordnung (kurz: ZPO) sein, die Bewilligung von Prozesskostenhilfe muss hinreichende Aussicht auf Erfolg haben und die Rechtsverfolgung darf nicht mutwillig sein.
Sind alle Voraussetzungen einer Prozesskostenhilfe gegeben, bleiben dem Betroffenen die Kosten nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz erspart.
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Hubert V. says
13. Juli 2019 at 8:51
ich habe eine Frage. Ich bin Ende 2018 aus meinem Unternehmen ausgeschieden und möchte im Nachhinein für meine 22 Järhige Tätigkeit, davon 13 Jahre als GF eine Provision als Abfindung, da die vereinbarte Provisionszahlung in Verbindung mit einem Immobilienprojekt formuliert wurde, was leider gescheitert ist. Mein “Wunsch” für die Provision beträgt mind. 250.000 Euro. Ich möchte hierzu im Vorfeld einen Anwalt einschalten, der mich hinsichtlich des mit meinem Arbeitgeber zu erstellenden Vereinbarung berät, jedoch in keinen kontakt mit meinem Arbeitgeber treten soll. Meine Frage: Muss ich auch in diesem Fall bereits meinen Anwalt nach den Anwaltvergütungsgesetz – Gegenstandswert vergüten oder kann das auch unter “Beratung” laufen. Muss die Art der Bezahlung im Vorfeld des Tätigwerdens meines Anwaltes besprochen und schriftlich fixiert werden? Danke und Grüße Hubert V.
18. Juli 2019 at 12:58
Hallo Hubert V.,
die Vergütung hängt auch davon ab, in welchem Umfang der Anwalt für Sie tätig wird. Außer zum Arbeitgeber können andere Kontaktaufnahmen notwendig sein oder werden. Fragen hinsichtlich der Vergütung können und sollten Sie in einem ersten Beratungsgespräch direkt mit dem Abwalt klären. Wir können keine Aussagen treffen, wie die Tätigkeit in ihrem Fall aussehen kann oder wird.

References: EuGH 
 § 92
 § 49
 § 3
 § 3
 § 4
 § 34