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Timestamp: 2016-10-25 05:06:29+00:00

Document:
8C_867/2009 (17.03.2010)
8C_867/2009
B._________.
Die 1979 geborene B._________ arbeitete als Polygraphin bei der C.________ AG und war daher bei den Winterthur Versicherungen (nunmehr AXA Versicherungen AG; nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Sie meldete am 19. Oktober 2006 einen Bagatellunfall. Gem�ss erstem Arztzeugnis hatte B._________ am 9. Oktober 2006 bei Umzugsarbeiten ruckartig eine B�cherkiste nach rechts oben gehoben, wobei diese schwerer gewesen sei als vorg�ngig angenommen. Die Versicherte habe dabei eine Art Explosivger�usch geh�rt und an der rechten Schulter Schmerzen versp�rt. Beim Ger�teturnen k�nne sie seither gewisse Bewegungen und �bungsteile nur unter Schmerzen oder gar nicht mehr ausf�hren. Im Fragebogen der Unfallversicherung schilderte B._________ am 8. November 2006 - mit Ausnahme einer rechts/links-Verwechslung - den Hergang des Ereignisses identisch. Dr. med. L._________, allgemeine Medizin FMH, stellte die Diagnose einer Zerrung der Schulterblattfixatoren rechts bei einer klinisch unauff�lligen Rotatorenmanschette. Dr. med. S._________, Oberarzt Orthop�die an der Klinik X.________, welchem B._________ wegen persistierenden Beschwerden zugewiesen worden war, stellte die Diagnose eines posttraumatischen subacromialen Impingementsyndroms an der rechten Schulter und eines klinischen Verdachts auf eine assoziierte craniale Limbusl�sion (SLAP-L�sion). Mit Schreiben vom 1. Februar 2007 informierte die AXA B._________, dass es sich beim Ereignis vom 9. Oktober 2006 weder um einen Unfall im Rechtssinne noch um eine unfall�hnliche K�rpersch�digung gehandelt habe, weshalb sie keine Versicherungsleistungen erbringen k�nne. Daraufhin erg�nzte die Versicherte mit Eingabe vom 19. Februar 2007, am Vortag des bereits geschilderten Ereignisses sei sie �ber einen Treppenabsatz gestolpert, einen Sturz habe sie mit dem rechten Arm am Gel�nder noch knapp abfangen k�nnen. Beim Aufst�tzen habe sie einen kurzen heftigen Schmerz im rechten Schulterbereich versp�rt, sich am n�chsten Morgen aber wieder fit gef�hlt. Mit Verf�gung vom 5. Juni 2007 bekr�ftigte die AXA die Abweisung des Leistungsanspruchs. Daran hielt sie auch auf Einsprache der Krankenversicherung der B._________, der Helsana Versicherungen AG (Helsana), hin fest (Entscheid vom 26. Januar 2009).
Die von der Helsana hiegegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 10. September 2009 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beantragt die Helsana, die AXA habe unter Aufhebung des Einsprache- und des kantonalen Gerichtsentscheids die gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen.
W�hrend die AXA auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichten B._________ und das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).
Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen �ber den Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung im Allgemeinen (Art. 6 Abs. 1 UVG) und den Unfallbegriff (Art. 4 ATSG) sowie die Rechtsprechung zum Unfallbegriffsmerkmal der Ungew�hnlichkeit des �usseren Faktors (BGE 134 V 72, 130 V 117) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt bez�glich des Begriffs der unfall�hnlichen K�rpersch�digungen, die auch ohne ungew�hnliche �ussere Einwirkung Unf�llen gleichgestellt sind (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung Art. 9 Abs. 2 UVV), wobei am Erfordernis des �usseren Faktors festzuhalten ist (BGE 129 V 466; Urteil 8C_532/2007 vom 9. Juni 2008 E. 5, aufgef�hrt in SZS 2009 S. 153 f.). Richtig wiedergegeben hat die Vorinstanz auch die Grunds�tze �ber die Untersuchungsmaxime (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG; BGE 130 V 64 E. 5.2.5 S. 68 f.; RKUV 2004 Nr. U 515 S. 418 E. 2.2.3 [U 64/02]), den Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125) sowie der Beweismaxime der "Aussage der ersten Stunde", die eine im Rahmen der freien Beweisw�rdigung (Art. 61 lit. c ATSG) zu ber�cksichtigende Entscheidungshilfe darstellt (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47; RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546 [U 236/03]). Darauf wird verwiesen.
Streitig ist, ob das Ereignis vom 9. Oktober 2006 eine unfall�hnliche K�rpersch�digung darstellt.
3.1 Mit Schadenmeldung vom 19. Oktober 2006 liess die Versicherte mitteilen, sie habe sich beim Heben einer B�cherkiste die Schulter verrenkt. Sie habe im Moment des Ereignisses einen starken Schmerz versp�rt, der im Laufe des Nachmittags etwas nachgelassen habe. Danach h�tten die Schmerzen aber wieder kontinuierlich zugenommen, weshalb ein Arztbesuch unabwendbar geworden sei. Auf detaillierte Nachfrage der Unfallversicherung hin gab sie an, die Kiste habe ungef�hr 15 kg gewogen. Zudem erg�nzte die Versicherte, sie habe die B�cher etwas ruckartig vom Boden �ber Kreuz nach links auf eine Treppenstufe gestellt. Das kantonale Gericht hat das geschilderte Ereignis mit dem Heben eines bepackten ca. 20 kg schweren Koffers verglichen und mit dem Hinweis auf ein Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2009 (8C_656/2008 E. 3.3) das Vorliegen eines unfall�hnlichen Vorfalls verneint.
3.2 Bei unfall�hnlichen K�rpersch�digungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV m�ssen zur Begr�ndung der Leistungspflicht des Unfallversicherers - wie das kantonale Gericht zutreffend dargelegt hat - mit Ausnahme der Ungew�hnlichkeit die �brigen Tatbestandsmerkmale des Unfalls erf�llt sein. Besondere Bedeutung kommt hierbei der Voraussetzung des �usseren Ereignisses zu, d.h. eines ausserhalb des K�rpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnf�lligen, eben unfall�hnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 E. 2.2 S. 467). Die sch�digende �ussere Einwirkung kann in einer k�rpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 E. 4.1 S. 468 mit Hinweisen). Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein �usserer (sch�digender) Faktor im Sinne der Rechtsprechung, weshalb dieser nicht gegeben ist, wenn die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (BGE 129 V 466 E. 4.2.1 S. 469). Nicht erf�llt ist das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors auch, wenn das erstmalige Auftreten der Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist. Vielmehr ist gem�ss Rechtsprechung f�r die Bejahung eines �usseren auf den menschlichen K�rper sch�digend einwirkenden Faktors stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gef�hrdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz f�hrende T�tigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa f�r viele sportliche Bet�tigungen zutreffen kann. Der �ussere Faktor mit erheblichem Sch�digungspotenzial ist sodann auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des K�rpers, insbesondere seiner Gliedmassen, gleichkommt. Deswegen fallen einschiessende Schmerzen als Symptome einer Sch�digung nach Art. 9 Abs. 2 UVV ausser Betracht, wenn sie allein bei der Vornahme einer allt�glichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass hiezu ein davon unterscheidbares �usseres Moment hineinspielt. Die physiologische Beanspruchung des Skelettes, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und B�nder stellt keinen �usseren Faktor dar, dem ein zwar nicht ungew�hnliches, jedoch gegen�ber dem normalen Gebrauch der K�rperteile gesteigertes Gef�hrdungspotenzial innewohnen muss (BGE 129 V 466 E. 4.2.2 S. 470). Erforderlich f�r die Bejahung eines �usseren Faktors ist demzufolge ein gesteigertes Sch�digungspotenzial, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der allt�glichen Lebensverrichtung f�hrenden Faktors (BGE 129 V 466 E. 4.3 S. 471).
3.3 Die Beschwerde f�hrende Helsana stellt sich auf den Standpunkt, die beim ungew�hnlichen Hebevorgang - ruckartig und �ber Kreuz - aufgetretene Krafteinwirkung im Schulterbereich stelle eine gesteigerte Gefahrenlage und damit ein sinnf�lliges, unfall�hnliches Ereignis dar.
Im Urteil U 148/04 vom 2. Dezember 2004 E. 2.3 hatte das fr�here Eidgen�ssische Versicherungsgericht das Anheben und anschliessendes Abdrehen einer ca. 20 kg schweren Waage durch einen Mann zu beurteilen; es hat erkannt, dass von einer im Rahmen der �blichen Arbeit und unter normalen Bedingungen erfolgten Bewegung auszugehen sei, sodass der �ussere Faktor infolge fehlendem gesteigertem Sch�digungspotenzial und somit ein unfall�hnliches Ereignis zu verneinen seien. Im Urteil 8C_656/2008 vom 13. Februar 2009 E. 3.3 hat das Bundesgericht entschieden, beim Heben eines bepackten ca. 20 kg schweren Koffers durch eine Frau sei ein �usserer Faktor rechtsprechungsgem�ss zu verneinen; es fehle an einem gesteigerten Sch�digungspotenzial. Zum selben Schluss kam das Bundesgericht auch im Urteil 8C_696/2009 vom 12. November 2009 E. 6.2, als es zu entscheiden hatte, ob ein beim Ausziehen eines 25 bis 30 kg schweren Rucksackes erlittener Sehnenriss als unfall�hnliche K�rpersch�digung zu qualifizieren sei.
Davon kann auch vorliegend nicht ausgegangen werden. Im Anheben einer Kiste mit etwas Schwung liegt nichts Programmwidriges. Vielmehr geh�rt dies zum nat�rlichen Ablauf, um ein Gewicht zu verschieben. Es kann nicht von einer unkontrollierten Bewegung gesprochen werden, wollte die Versicherte die B�cher doch bewusst verstellen. Da aber das Auftreten von Schmerzen als solches - wie oben dargelegt - kein �usserer sch�digender Faktor ist und dem Heben einer Kiste mit einem Gewicht von 15 kg kein generell gesteigertes Gef�hrdungspotenzial zugesprochen werden kann, fehlt es, wie die Vorinstanz richtig erkannte, an einer Leistungsvoraussetzung f�r eine Sch�digung gem�ss Art. 9 UVV. Bei dieser Sachlage muss daher nicht weiter gepr�ft werden, ob es sich bei den bei der Versicherten diagnostizierten Beschwerden um solche der Liste gem�ss Art. 9 Abs. 2 UVV handelt.

References: Art. 95
 Art. 105
 Art. 9
 Art. 61
 BGE 
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9