Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F03-03-2011-8C_978-2010
Timestamp: 2016-10-24 23:41:02+00:00

Document:
8C_978/2010 (03.03.2011)
8C_978/2010 � � Urteil vom 3. M�rz 2011
Unfallversicherung (unfall�hnliche K�rpersch�digung; Kausalzusammenhang),
Die 1964 geborene B.________ ist seit M�rz 1990 als Sachbearbeiterin bei X.________ angestellt und damit bei der Vaudoise Allgemeine Versicherungsgesellschaft (nachfolgend: Vaudoise) obligatorisch unfallversichert. Am 16. Oktober 2008 liess sie �ber ihren Arbeitgeber einen Unfall melden, bei dem sie sich am rechten Knie verletzt habe. Die Versicherte erkl�rte gegen�ber der Vaudoise, sie sei am 30. September 2008 beim "nordic walken" �ber einen Stein gestolpert und habe dabei einen Stich im rechten Knie versp�rt. W�hrend den nachfolgenden Tagen sei dieses stark angeschwollen. Am 3. Oktober suchte sie ihren Hausarzt, Dr. med. Z.________ auf, der sie zur weiteren orthop�dischen Behandlung an die Praxisklinik Y.________ AG �berwies. Eine MRI-Diagnostik vom 7. Oktober 2008 zeigte einen basisnahen Vertikalriss des medialen Meniskus im Hinterhorn des rechten Kniegelenkes und einen stumpfwinklig begrenzten lateralen Meniskus im Hinterhorn mit Subluxation gegen den Kapselapparat. Zudem fand sich ein Befund, welcher vereinbar mit einer vollst�ndigen Ruptur des vorderen Kreuzbandes war. Am 22. Januar 2009 unterzog sich B.________ am Spital W.________ einer arthroskopischen vorderen Kreuzbandrekonstrukion mit Teilmeniskektomie und Knorpelgl�ttung. Zudem wurde ein Gelenkk�rper entfernt. Mit Verf�gung vom 23. M�rz 2009 teilte die Vaudoise B.________ mit, sie erbringe f�r das Ereignis vom 30. September 2008 und dessen unmittelbare Folgen Versicherungsleistungen. Ab dem 26. November 2008 seien die Kniebeschwerden rechts nicht mehr auf dieses Ereignis zur�ckzuf�hren, weshalb die Leistungen ab 25. November 2008 eingestellt w�rden. Mit Entscheid vom 26. November 2009 wies die Unfallversicherung die sowohl von der Krankenversicherung der B.________, als auch von dieser selbst erhobenen Einsprachen ab.
Das Versicherungsgericht des Kantons Solothurn f�hrte eine Partei- und Zeugenbefragung durch und wies in der Folge die gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde ab (Entscheid vom 25. Oktober 2010).
B.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erheben und beantragen, in Aufhebung des kantonalen Entscheides seien ihr �ber den 25. November 2008 hinaus Versicherungsleistungen zu erbringen.
Die Vaudoise schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf Vernehmlassung.
Streitig und zu pr�fen ist die Leistungspflicht der Unfallversicherung f�r die ab 26. November 2008 geltend gemachten Beschwerden am rechten Knie.
Das kantonale Gericht hat die gesetzlichen Bestimmungen zum Unfallbegriff (Art. 4 ATSG) und zu den unfall�hnlichen K�rpersch�digungen (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV) zutreffend dargelegt. Hervorzuheben ist weiter, dass die Leistungspflicht des Unfallversicherers nebst anderem einen nat�rlichen (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181) und ad�quaten (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112) Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraussetzt. Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder �berhaupt erst manifest, entf�llt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die nat�rliche und ad�quate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsm�ssigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall fr�her oder sp�ter eingestellt h�tte (status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326, U 180/93 E. 3b).
3.1.�Das kantonale Gericht pr�fte vorerst die Frage, ob es sich beim Ereignis vom 30. September 2008 um einen Unfall, eine sogenannte unfall�hnliche K�rpersch�digung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV oder um keines von beiden handelte. Im angefochtenen Entscheid wird der Unfallbegriff bejaht, weil es sich bei den Verletzungen der Beschwerdef�hrerin - einer Kreuzbandl�sion und einem Meniskusriss - um unfall�hnliche K�rpersch�digungen handle. In der Folge pr�ft die Vorinstanz, ob die geltend gemachten Verletzungen unfallkausal seien und verneint dies gest�tzt auf die Ausf�hrungen des beratenden Arztes der Vaudoise, Dr. med. P.________, Spezialarzt f�r Orthop�dische Chirurgie FMH.
3.2.�Die Beschwerdef�hrerin bringt vor, der kantonale Entscheid sei in sich widerspr�chlich und schon aus diesem Grund aufzuheben. Insbesondere argumentiert sie aber damit, dass eine Kreuzbandruptur einen Gesundheitsschaden darstelle, der ausschliesslich eine traumatische Ursache in Form einer �usseren Krafteinwirkung haben k�nne, weshalb die Unfallversicherung auch dann Leistungen f�r diesen Schaden zu erbringen habe, wenn nicht feststehe, auf welches Ereignis konkrete die Sch�digung zur�ckzuf�hren sei. F�r die Leistungspflicht gen�ge, dass es sich um eine unfallbedingte Verletzung beziehungsweise um eine unfall�hnliche K�rperverletzung im Sinne von Art. 9 UVV handle.
Es steht fest und ist unbestritten, dass bei der Beschwerdef�hrerin mittels MRI vom 7. Oktober 2008 ein Vertikalriss des medialen Meniskus im Hinterhorn, eine zarte Rissbildung im stumpfwinkligen lateralen Meniskus und eine vollst�ndige vordere Kreuzbandruptur diagnostiziert wurden. Damit liegen Verletzungen gem�ss Art. 9 Abs. 2 UVV vor. Streitig ist, zu welchem Zeitpunkt diese L�sionen erfolgten und ob sie auf einen sch�digenden �usseren Faktor im Sinne der Rechtsprechung zur unfall�hnlichen K�rpersch�digung zur�ckzuf�hren und damit einem Unfall gleichgestellt sind.
4.1.�Bei unfall�hnlichen K�rpersch�digungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV m�ssen zur Begr�ndung der Leistungspflicht des Unfallversicherers mit Ausnahme der Ungew�hnlichkeit die �brigen Tatbestandsmerkmale des Unfalls erf�llt sein. Die sch�digende �ussere Einwirkung kann in einer k�rpereigenen Bewegung bestehen. Das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors ist indessen dann nicht erf�llt, wenn das erstmalige Auftreten der Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, auch wenn die versicherte Person diese zu beschreiben in der Lage ist. Gem�ss Rechtsprechung ist f�r die Bejahung eines �usseren auf den menschlichen K�rper sch�digend einwirkenden Faktors stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gef�hrdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz f�hrende T�tigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa f�r viele sportliche Bet�tigungen zutreffen kann (BGE 129 V 466 E. 4.2.2 S. 470).
4.2.�Aufgrund der inhaltlich �bereinstimmenden Aussagen der Beschwerdef�hrerin und der Zeugin Y.________ anl�sslich der am 24. August 2010 vom kantonalen Gericht durchgef�hrten Instruktionsverhandlung ist mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Versicherte beim Nordic Walking am 30. September 2008 stolperte, in der Folge am rechten Knie Schmerzen versp�rte und dieses anschwoll. Entgegen den Ausf�hrungen im angefochtenen Entscheid erf�llt das Ereignis den Unfallbegriff gem�ss Art. 4 ATSG nicht, da das reine Stolpern ohne Sturz beim sportlichen "Walken" in der freien Natur nicht als ungew�hnlich bezeichnet werden kann. Indessen handelt es sich beim Stolpern um ein �usseres Ereignis, das heisst um einen ausserhalb des K�rpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnf�lligen, eben unfall�hnlichen Vorfall (vgl. BGE 129 V 466 E.2.2 S. 467 und E. 4.1 S. 469 mit Hinweis auf Urteil S. vom 27. Juni 2001 U 127/00). Da sowohl Meniskusrisse als auch Bandl�sionen zu den in Art. 9 Abs. 2 lit. a - h UVV aufgef�hrten Listenverletzungen geh�ren, ist das Ereignis vom 30. September 2008 als unfall�hnliche K�rpersch�digung zu qualifizieren, falls sich die Beschwerdef�hrerin diese Verletzungen beim Stolpern zugezogen hat.
Zu pr�fen bleibt, ob die Kniebeschwerden ab dem 26. November 2008 noch in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang mit dem versicherten Ereignis standen. Dabei gilt es zwei Sachlagen zu unterscheiden. Vorerst obliegt es der Beschwerdef�hrerin mit dem Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit darzutun, dass sie sich am 30. September 2008 eine der in Art. 9 Abs. 2 UVV aufgelisteten Verletzungen zugezogen hat; konkret, dass die am 7. Oktober 2008 mittels MRI festgestellte und anl�sslich der Operation am 29. Januar 2009 verifizierte Kreuzbandruptur und die Risse am lateralen und am medialen Meniskus durch das Stolpern zumindest mitverursacht worden sind. Dies ist die Grundvoraussetzung daf�r, dass �berhaupt eine Leistungspflicht gem�ss UVG besteht. Gelingt dies, obliegt es der Unfallversicherung mit demselben Beweisgrad nachzuweisen, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt, hier dem 26. November 2008, der Status quo sine vel ante eingetreten ist (vgl. BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 f. mit Hinweisen).
5.1.�Massgebende Ursachen im Rahmen des nat�rlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst�nde, ohne deren Vorhandensein die gesundheitliche Beeintr�chtigung nicht oder nicht in gleicher Weise oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten w�re. Daher ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher St�rungen ist, sondern reicht es aus, dass das versicherte Ereignis zusammen mit anderen Faktoren f�r die Sch�digung verantwortlich ist. Mit anderen Worten ist der nat�rliche Kausalzusammenhang gegeben, sobald der Unfall nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche St�rung entfiele (conditio sine qua non; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 402 E. 4.3.1 S. 406 mit Hinweisen; SVR 2007 UV 28 S.94 E. 4.1 S.96).
5.2.�Die MRI-Untersuchung des rechten Knies vom 7. Oktober 2008 zeigte - neben einer leichten Arthrose im lateralen femorotibialen Gelenk und einem kleinvolumigen Gelenkerguss nebst einer leichten diffusen Synovitis als Ausdruck eines Reizgelenkes - einerseits haupts�chlich einen basisnahen Vertikalriss des medialen Meniskus im Hinterhorn und andererseits einen Befund, welcher mit einer vollst�ndigen Ruptur des vorderen Kreuzbandes vereinbar ist. Letzterer Befund wird als "alte" Kreuzbandruptur bezeichnet. Diese Einsch�tzung wird entgegen der nicht begr�ndeten Stellungnahme im Schreiben vom 20. April 2009 auch von Dr. med S.________ von der Klinik C.________ geteilt, h�lt dieser Arzt im Konsiliumsbericht vom 19. November 2008 doch fest, es handle sich um eine "wohl �ltere Kreuzbandruptur". W�re das Kreuzband am 30. September 2008 gerissen, w�re es auf den nur eine Woche sp�ter erstellten R�ntgenbildern irgendwo ersichtlich gewesen oder zumindest anl�sslich der Operation vom 22. Januar 2009 gefunden worden. Es steht damit nicht mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass sich die Beschwerdef�hrerin diesen (vollst�ndigen) Riss anl�sslich des Stolperns am 30. September 2008 zugezogen hat. Wie das kantonale Gericht in �bereinstimmung mit den Akten zudem �berzeugend festgestellt hat, liegen keine medizinischen Stellungnahmen vor, welche belegen, dass die Meniskusl�sionen auf das versicherte Ereignis zur�ckzuf�hren sind. Demgegen�ber f�hrt der Vertrauensarzt der Vaudoise nachvollziehbar aus, dass die von ihm direkt beurteilten Bilder zahlreiche radi�re L�sionen, aber keinen eindeutigen traumatischen Riss aufzeigten, was auf ein degeneratives Geschehen hinweise.
Damit steht nicht mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass sich die Beschwerdef�hrerin beim Stolpern �ber einen Stein oder eine Wurzel am 30. September 2008 eine der in Art. 9 Abs. 2 UVV aufgef�hrten Verletzungen zugezogen hat. Damit entf�llt eine Leistungspflicht der Unfallversicherung von Beginn weg. Es kann ihr dabei nicht schaden, dass sie bis zum 25. November 2008 Abkl�rungen �bernommen hatte.
Soweit die Beschwerdef�hrerin vorbringt, die Vaudoise sei selbst dann leistungspflichtig, wenn die Kreuzbandruptur bereits vor dem Ereignis vom 30. September 2008 bestanden habe, da sie seit dem 1. M�rz 1990 bei X.________ angestellt und damit obligatorisch gegen Unfall versichert sei, dringt sie nicht durch. Wie in E. 4 dargelegt, gen�gt es nicht, eine K�rpersch�digung gem�ss der in Art. 9 Abs. 2 UVV gef�hrten Liste zu erleiden, um einen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung zu begr�nden. Es bedarf dazu eines zumindest ungef�hr zu beschreibenden und zu konkretisierenden �usseren ("unfall�hnlichen") Ereignisses. Ein solches ist aber - ausser jenem vom 30. September 2008 - nicht dargetan, sodass sich weitere diesbez�gliche Er�rterungen er�brigen.
Luzern, 3. M�rz 2011

References: Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 4
 BGE 
 Art. 9
 Art. 9
 BGE 
 BGE 
 Art. 9
 Art. 9