Source: https://www.sbv-wahl.de/de/wichtige-vorbereitungen-der-wahl.html
Timestamp: 2020-07-02 22:55:39+00:00

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Wichtige Vorbereitungen d...
» Wahlzeitpunkt: Muss die nächste SBV-Wahl im Herbst 2018 stattfinden?
Die nächsten SBV-Wahlen stehen 2018 zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November an. Aber nicht in allen Betrieben!
Betriebe ohne Schwerbehindertenvertretung:
Hat ein Betrieb keine SBV, erfüllt aber die Wahlvoraussetzungen, dann kann sofort und jederzeit eine SBV-Wahl eingeleitet werden. Das Gleiche gilt für Betriebe, deren SBV samt aller Stellvertreter zum Beispiel durch Rücktritt oder Renteneintritt nicht mehr vorhanden ist.
Betriebe mit „frischer“ Schwerbehindertenvertretung:
Betriebe, in denen die amtierende SBV am 1. Oktober 2018 noch kein Jahr im Amt ist, wählen erst im Herbst 2022 wieder regelmäßig. Die Amtszeit ist ausnahmsweise länger als vier Jahre. Grund hierfür: Der Aufwand für Neuwahlen soll nicht unverhältnismäßig oft anfallen. Außerdem braucht eine SBV ausreichend Zeit, um in ihrem Amt sinnvoll aktiv zu werden.
Betriebe, in denen die SBV amtierende SBV am 1. Oktober 2018 schon ein Jahr oder länger im Amt ist, wählen im Herbst 2018 wieder regelmäßig. Die Amtszeit ist ausnahmsweise kürzer als vier Jahre.
Zum Nachschlagen im Gesetz:
§ 94 Abs. 5 SGB IX (ab 2018: § 177 Abs. 5 SGB IX) regelt den Wahlzeitpunkt
» Wahlvoraussetzungen: Müssen die für die SBV-Wahl erforderlichen fünf Schwerbehinderten im selben Betrieb arbeiten?
Die Durchführung einer SBV-Wahl erfordert fünf schwerbehinderte oder gleichgestellte Beschäftigte in einem Betrieb. Bei weniger als fünf Schwerbehinderten können Betriebe für die Wahl mit räumlich nahe liegenden Betrieben des Arbeitgebers zusammengefasst werden.
Betrieb A mit drei Schwerbehinderten + Betrieb B mit zwei Schwerbehinderten = fünf.
Betrieb A mit drei Schwerbehinderten + Betrieb B mit sechs = über fünf.
Soweit, so einfach. Aber Achtung:
Ein Arbeitgeber könnte auch auf folgende Idee kommen:
Betrieb A mit drei Schwerbehinderten + Betrieb B mit sechs + Betrieb C mit acht = über fünf.
Dann hätten alle drei Betriebe eine gemeinsame SBV. Wer genau hinsieht, merkt, dass eigentlich zwei der drei Betriebe schon für sich allein die Mindestzahl von fünf erfüllen. Damit sind die Voraussetzungen für ganze zwei örtliche SBVs gegeben. Passen Sie deshalb auf und lassen Sie nur eine Zusammenfassung von drei + sechs oder drei + acht zu. Zwei SBVs sind besser als eine!
Der Arbeitgeber entscheidet über die Zusammenfassung. Ihn müssen Sie überzeugen! Ihr bestes Argument: Weniger Kosten. Denn ohne Zusammenfassung fehlt eine örtliche SBV. In einem solchen Fall übernimmt regelmäßig die Gesamt-SBV automatisch kraft Gesetzes die örtliche Vertretung in diesen „SBV-losen“ Betrieben. Sie muss jedes Mal von weiter her anreisen und das kostet viel mehr Zeit und Geld im Vergleich zu einer (für zusammengefasste Betriebe gewählten) örtlichen SBV. Eine Zusammenfassung spart also Geld!
§ 94 Abs. 1 SGB IX (ab 2018: § 177 Abs. 1 SGB IX) regelt die Zusammenfassung von Betrieben zum Zweck der Wahl
§ 97 Abs. 6 SGB IX (ab 2018: § 180 Abs. 6 SGB IX) regelt die örtliche Zuständigkeit der Gesamt-SBV für Betriebe ohne eigene SBV
» Wahlverfahren: Wie unterscheiden sich das vereinfachte und das förmliche Wahlverfahren?
Wie so oft im Leben geht es einfach aber auch kompliziert. So auch bei der Wahl der Schwerbehindertenvertretung. Es gibt nämlich zwei verschiedene Wahlverfahren: Das vereinfachte und das förmliche.
Im vereinfachten Verfahren geht es wirklich ganz unkompliziert zu: Alle Wahlberechtigten treffen sich auf einer Wahlversammlung, machen dort ihre Wahlvorschläge, geben ihre Stimme ab und das war es (fast) auch schon – sehr vereinfacht ausgedrückt. Das funktioniert aber nur, wenn die Zahl und örtliche Verteilung der Wahlberechtigten überschaubar ist. Deshalb ist das vereinfachte Wahlverfahren nur anzuwenden, wenn weniger als 50 Wahlberechtigte vorhanden sind und der Betrieb nicht aus räumlich weit auseinander liegenden Teilen besteht.
In allen anderen Fällen ist im förmlichen Verfahren zu wählen. Sprich: Wenn im Betrieb 50 oder mehr Wahlberechtigte beschäftigt werden oder – bei weniger als 50 – der Betrieb aus weit auseinander liegenden Teilen besteht. In dieser Konstellation kann man nicht einfach mal schnell zusammen kommen. Damit auch hier jeder Wahlberechtigte alle notwendigen Informationen zum Ablauf der Wahl und den Wahlbewerbern erlangen kann, verlangt der Gesetzgeber mehr bürokratischen Aufwand bei der Vorbereitung und Durchführung der Wahl. Dazu gehört zum Beispiel der Aushang eines Wahlausschreibens, feste Vorgaben für die Form der Wahlvorschläge und viele Fristen. Zuständig ist hierfür der Wahlvorstand, welcher ganz zu Beginn des förmlichen Verfahrens bestellt wird.
Zwischen dem förmlichen und dem vereinfachten Wahlverfahren besteht kein Wahlrecht. Wird zum Beispiel fälschlicherweise im vereinfachten Wahlverfahren gewählt, so ist diese Wahl anfechtbar.
§ 94 Abs. 6 Satz 3 SGB IX (ab 2018: § 177 Abs. 6 SGB IX) regelt die Anwendung der Wahlverfahren
§§ 1 ff. SchwbVWO* regeln das förmliche Wahlverfahren
§§ 18 ff. SchwbVWO* regeln das vereinfachte Wahlverfahren
*SchwbVWO = Wahlordnung Schwerbehindertenvertretungen
» Wahlvorstand: Ist für die SBV-Wahl immer ein Wahlvorstand zu bestellen?
Anders als bei den Betriebsratswahlen gibt es bei der Wahl der Schwerbehindertenvertretung nicht immer einen Wahlvorstand.
Konkret wird bei der SBV-Wahl nur im förmlichen Wahlverfahren ein dreiköpfiger Wahlvorstand bestellt, der die Wahl vorbereitet und durchführt.
Im vereinfachten Wahlverfahren bereitet derjenige die Wahl vor, der sie initiiert hat. Das ist regelmäßig die amtierende SBV. Existiert keine SBV, so können drei Wahlberechtigte, der Betriebsrat oder das Integrationsamt die Wahl einleiten.
§ 1 SchwbVWO* regelt die Bestellung des Wahlvorstands im förmlichen Wahlverfahren
§ 19 SchwbVWO* regelt die Vorbereitung des vereinfachten Wahlverfahrens
» Förmliches Verfahren: Hat JEDES Mitglied des Wahlvorstands einen eigenen Schulungsanspruch?
Der Arbeitgeber hat bei der SBV-Wahl die Kosten zu tragen, die für eine ordnungsgemäße Durchführung der Wahl notwendig sind einschließlich der Kosten für eine erforderliche Schulung von Wahlvorstandsmitgliedern.
Das ergibt sich aus § 177 Abs. 6 Satz 2 SGB IX (früher § 94 SGB IX), der auf die entsprechenden Vorschriften zur Betriebsrats- bzw. Personalratswahl verweist, also in Verbindung mit
- § 20 Abs. 3 BetrVG in der Privatwirtschaft bzw.
- § 24 Abs. 2 Satz 1 BPersVG im öffentlichen Dienst bzw. die entsprechende Vorschrift im jeweiligen Landespersonalvertretungsrecht.
Wegen der gesetzlichen Verweisung im SGB IX auf die Wahlkosten-Vorschriften zur Betriebsrats- bzw. Personalratswahl können dazu ergangene Gerichtsentscheidungen und Fachartikel sinngemäß herangezogen werden.
Ob die Teilnahme an einer Schulungsveranstaltung für ein Mitglied des Wahlvorstands erforderlich ist, ist am konkreten Wissensstand des einzelnen Wahlvorstandsmitglieds im Hinblick auf die zur ordnungsgemäßen Durchführung der Wahl notwendigen Kenntnisse zu messen (so z.B. BAG vom 07.06.1984 – 6 AZR 3/82).
Einigkeit besteht überwiegend, dass diese Erforderlichkeit und damit ein Schulungsanspruch bei jedem erstmals bestellten Mitglied des Wahlvorstands gegeben ist, ohne dass das Fehlen von Kenntnissen im Einzelnen dargelegt werden müsste (so auch oben genannte BAG-Entscheidung). Denn die SBV-Wahl folgt ganz eigenen Regeln wie bereits die Existenz einer eigenen Wahlordnung, der SchwbVWO, zeigt. Die Beachtung der Wahlvorschriften ist für eine wirksame Wahl von außerordentlicher Bedeutung und nur wer diese besonderen Regeln ausreichend kennt, kann diese im Sinne einer ordnungsgemäßen Wahl einhalten.
Bei Mitgliedern des Wahlvorstands, die das Amt bereits einmal inne hatten, gilt es die Erforderlichkeit einer Wahlschulung konkret darzulegen; also zu begründen, warum das Wissen zu den Wahlvorschriften nicht ausreicht und somit eine ordnungsgemäße Durchführung der Wahl gefährdet ist. Dabei gilt zu beachten, dass die einschlägigen Wahlvorschriften für juristische Laien außerordentlich kompliziert sind, deren korrekte Anwendung einen sehr hohen Informationsstand erfordert und auch früher vorhandene Kenntnisse nach mehrjährigem Nicht-Nutzen erst wieder erworben werden müssen.
Eine Schulung von Mitgliedern des Wahlvorstands ist nicht deshalb entbehrlich, weil eines der Mitglieder bereits ausreichende Kenntnisse über das Wahlverfahren hat. Dies widerspräche dem Grundsatz, dass jedes Wahlvorstandsmitglied sein Amt unabhängig und eigenverantwortlich ausübt (so z.B. LAG Hamburg vom 14.03.2012 – H 6 Sa 116/11). Jedes stimmberechtigte Mitglied des Wahlvorstands ist durch die Ausübung des eigenen Stimmrechts für die ordnungsgemäße Durchführung der Wahl verantwortlich und benötigt folgerichtig auch entsprechende Wahlkenntnisse.
Den Beschluss zur Schulung der Wahlvorstandsmitglieder fasst der Wahlvorstand (nicht die Schwerbehindertenvertretung). Diese Rechtsauffassung gründet darauf, dass der Wahlvorstand ab dem Moment seiner Bestellung ein völlig eigenständiges Gremium ist. Alle wahl-spezifischen Fragen sind alleine durch den Wahlvorstand zu klären, vgl. § 2 Abs. 1 Satz 1 SchwbVWO. Alle Entscheidungen im Zuge der Wahl trifft der Wahlvorstand per Beschluss, vgl. § 2 Abs. 2 Satz 1 SchwbVWO.
» Zusammensetzung der SBV: Wie viele Stellvertreter werden benötigt?
Eine Vertrauensperson und wenigstens ein stellvertretendes Mitglied werden bei einer SBV-Wahl gewählt. „Wenigstens“ heißt, dass es auch mehr sein dürfen, also mehr als ein Stellvertreter. Doch wie viele sind das?
Im vereinfachten Verfahren beschließt die Wahlversammlung mit einfacher Stimmenmehrheit über die Zahl der zu wählenden Stellvertreter.
Im förmlichen Verfahren bestimmt der Wahlvorstand – möglichst in seiner ersten Sitzung – darüber, wie viele Stellvertreter gewählt werden sollen. Diese Frage muss er mit der amtierenden SBV, dem Betriebsrat und dem Arbeitgeber erörtern, ist aber nicht an deren Stellungnahmen gebunden.
Die Zahl der Stellvertreter sollte sich nach der Anzahl der Wahlberechtigten richten. In der Regel sind zwei Stellvertreter sinnvoll, bei größeren Betrieben unter Umständen sogar mehr. Letztlich kommt es darauf an, dass bei zeitweiliger Verhinderung der Vertrauensperson stets ein Stellvertreter zur Verfügung steht, der im Interesse der Schwerbehinderten tätig werden kann.
§ 94 Abs. 1 Satz 1 SGB IX (ab 2018: § 177 Abs. 1 Satz 1 SGB IX) regelt die Wahl von mindestens einem Stellvertreter
§ 2 Abs. 4 bzw. § 20 Abs. 2 Satz 1 SchwbVWO* regelt die Bestimmung der Stellvertreterzahl im förmlichen bzw. vereinfachten Wahlverfahren
» Passives Wahlrecht: Wer ist wählbar?
Ein weit verbreiteter Irrglaube: Nur (Schwer-)Behinderte seien in die Schwerbehindertenvertretung wählbar – das stimmt nicht! Ein Kandidat muss grundsätzlich „nur“:
- am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben
- dem Betrieb seit sechs Monaten angehören und
- in den Betriebsrat wählbar sein, so dass zum Beispiel leitende Angestellte ausscheiden.
Außerdem: Auch Betriebsräte dürfen für die SBV kandidieren. Ein solches Doppelamt ist erlaubt.
§ 94 Abs. 3 SGB IX (ab 2018: § 177 Abs. 3 SGB IX) regelt die Wählbarkeit bei SBV-Wahlen
§ 8 BetrVG regelt die Wählbarkeit bei Betriebsratswahlen
» Kandidatenmangel: In unserem Betrieb möchte niemand Stellvertreter der Vertrauensperson sein. Was können wir tun?
Das Problem: Es gibt eine/n Willige/n als Kandidat/in für das Amt der Vertrauensperson, aber für den Stellvertreterposten findet sich einfach niemand. Was jetzt?
Im vereinfachten Verfahren werden die Wahlvorschläge direkt auf der Wahlversammlung abgegeben und im Anschluss wird gleich gewählt. Gibt es keinen gültigen Wahlvorschlag für den Stellvertreter, dann ist das Ergebnis ganz einfach: Dieser Posten bleibt schlichtweg unbesetzt. Auf die Wahl der Vertrauensperson hat das keinerlei Einfluss. Denn diese kann auch ohne Stellvertreter existieren.
Geht im förmlichen Verfahren innerhalb der normalen Einreichungsfrist (= zwei Wochen seit dem Erlass des Wahlausschreibens) kein gültiger Wahlvorschlag für das Amt des Stellvertreters ein, so hat der Wahlvorstand zunächst eine Nachfrist von einer Woche für die Einreichung von Stellvertreter-Vorschlägen zu setzen. Hilft auch das nichts, bleibt hier ebenfalls der Stellvertreterposten einfach unbesetzt.
Eine Vertrauensperson ohne Stellvertreter ist jedoch kein optimaler Dauerzustand. Denn spätestens während des Jahresurlaubs der Vertrauensperson wären die schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen im Betrieb ohne SBV-Unterstützung. Deshalb gilt es, weiter nach Willigen für den Stellvertreterposten zu suchen. Denn: Es ist möglich, nur den Stellvertreter in einer Nachwahl zu wählen.
Achtung: Eine solche Nachwahl ist nur erlaubt, wenn noch gar kein Stellvertreter gewählt wurde (oder keiner mehr existiert). Die Amtszeit dieses „Nachgewählten“ dauert dann noch genauso lange an wie die der amtierenden Vertrauensperson (deshalb macht der Aufwand für eine Nachwahl keinen Sinn zu einem Zeitpunkt, zu dem es bis zur nächsten SBV-Neuwahl ohnehin nicht mehr lange hin ist).
Sind mehrere Stellvertreterposten vorgesehen (z.B. zwei), aber zu wenige Bewerber dafür vorhanden (z.B. nur einer), dann werden einfach weniger Stellvertreter gewählt als ursprünglich vorgesehen. Eine Nachwahl von weiteren Stellvertretern ist hier allerdings nicht möglich! Denn diese ist eben nur erlaubt, wenn es gar keinen Stellvertreter (mehr) gibt.
§ 7 Abs. 3 SchwbVWO regelt die Setzung einer Nachfrist für Stellvertreter-Wahlvorschläge
§ 17 bzw. 21 SchwbVWO regelt die Nachwahl des stellvertretenden Mitglieds im förmlichen bzw. vereinfachten Wahlverfahren
» Kandidatengewinnung
Welche Argumente sprechen für eine Kandidatur bei der Wahl der Schwerbehindertenvertretung?
Warum sollte ich für die SBV kandidieren? Die Antworten auf diese Frage sind so vielfältig wie die Bewerber selbst. Ein guter erster Schritt, um andere zu überzeugen: Überlegen, warum man selbst kandidiert hat oder was die positiven Seiten dieses Amtes sind. Hier ein paar Originalaussagen amtierender SchwerbehindertenvertreterInnen:
- Es ist eine sinnvolle Aufgabe, die interessant und spannend zugleich ist.
- Das selbstständige Arbeiten.
- Kolleginnen und Kollegen helfen zu können, die Unterstützung brauchen.
- Der Umgang mit Menschen.
- Soziales Engagement lässt sich hier auch beruflich vereinbaren.
- Die Vielseitigkeit des Amtes.
Denkbar wären auch Gründe wie:
- Der Blick hinter die betrieblichen Kulissen.
- Veränderungen mit gestalten zu können.
Und wenn das noch nicht reicht, um willige Kandidaten zu finden, dann bleibt immer noch der Hinweis auf den besonderen Kündigungsschutz als betrieblicher Interessenvertreter.
Wie bringen wir die guten Gründe für eine Kandidatur unter die Belegschaft?
Kandidaten für das SBV-Amt gewinnt man nur, indem man die Belegschaft über den Sinn und Zweck der SBV-Arbeit und die anstehende Wahl aufklärt. Bevor der Wahltermin vor der Tür steht, sollten alle Wahlorganisatoren sich fragen: Ist den möglichen Wahlbewerbern klar, warum es wichtig und sinnvoll ist, eine Schwerbehindertenvertretung zu haben? Sind die Kandidatinnen und Kandidaten ausreichend über den Ablauf und den Zeitpunkt der Wahl informiert?
Es gibt viele Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit und Wahlwerbung, zum Beispiel: Verteilen von Flugblättern, Beiträge in der Mitarbeiterzeitschrift, Aushänge und Wahlplakate am schwarzen Brett oder an den sonst dafür vorgesehenen Flächen, Veröffentlichung von Wahl-Informationen im Intranet, Versandt von E-Mails mit wichtigen Informationen und Terminen zur SBV-Wahl.
Vorsicht: Der Arbeitgeber darf festlegen, wo plakatieren erlaubt ist, muss aber gleichzeitig ausreichende Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Er bestimmt auch, in wieweit das betriebliche E-Mail-System und das Intranet zur Wahlwerbung genutzt werden dürfen. Tipp: Vorher das Einverständnis des Arbeitgebers einholen. Der Arbeitgeber darf die Wahlwerbung aber nicht behindern. Er darf die Werbung ausnahmsweise verbieten, wenn diese gegen gesetzliche Bestimmungen oder arbeitsvertragliche Pflichten verstößt. Unzulässig sind immer sachlich unrichtige oder beleidigende Äußerungen.
Oft sind die einfachen Dinge doch die besten. Darum ruhig mal bei den Kollegen vorbeischauen und mögliche Kandidaten anfragen, ob sie sich als Vertrauensperson zur Wahl stellen möchten. Für bereits entschlossene Kandidaten ist die persönliche Vorstellung eine gute Möglichkeit, sich bei den Kollegen bekannt zu machen und für Stimmen zu werben. Mein Rat: Vor Verlassen des Arbeitsplatzes unbedingt den unmittelbaren Vorgesetzten informieren.
Als noch amtierende SBV können Sie die letzte Schwerbehindertenversammlung vor der SBV-Wahl nutzen, um ihre Arbeitserfolge in der vergangenen Wahlperiode aufzuzeigen. So klären Sie die Wahlberechtigten über die Aufgaben und die Bedeutung der SBV-Arbeit auf und motivieren diese gleichzeitig zur Stimmabgabe und Kandidatur. Auch eine Betriebsratssitzung kurz vor der SBV-Wahl lässt sich nutzen, um die SBV-Wahl bekannt zu machen und für Kandidaten zu werben. Denn auch Betriebsräte können für das Amt als Vertrauensperson kandidieren.
Übrigens: Zulässig ist Wahlwerbung während der Pausen sowie vor und nach der Arbeitszeit. Während der Arbeitszeit kann der Arbeitgeber Wahlwerbung untersagen, wenn dadurch eine mehr als nur unerhebliche Beeinträchtigung des Betriebsablaufs eintritt. Die Kosten für die Wahlwerbung darf der Arbeitgeber wegen seiner Verpflichtung zur Neutralität nicht übernehmen.
» Aktives Wahlrecht: Wer ist wahlberechtigt?
„Wahlberechtigt sind alle in dem Betrieb beschäftigten schwerbehinderten Menschen,“ sagt das Gesetz zur SBV-Wahl. Soweit nicht sonderlich spannend, denn darauf wären wir alle von ganz allein gekommen. Viel interessanter ist, was nicht im Gesetz geschrieben steht oder sich zwischen den Zeilen versteckt.
In dem Wörtchen „beschäftigt“ versteckt sich die Tatsache, dass auch schwerbehinderte leitende Angestellte bei der SBV-Wahl wahlberechtigt sind. Denn anders als bei der Betriebsratswahl müssen die Wahlberechtigten nicht zwingend Arbeitnehmer im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes sein.
„Beschäftigt“ meint auch, dass Wahlberechtigte am Wahltag tatsächlich (noch) im Betrieb beschäftigt sein müssen. So sind zum Beispiel Kolleginnen und Kollegen in der Freistellungsphase der Altersteilzeit nicht wahlberechtigt. Sie haben den Betrieb endgültig verlassen und deshalb kein berechtigtes Interesse mehr an der Bildung einer SBV. Ein solches und damit ein Wahlrecht haben dagegen schwerbehinderte Mitarbeiter in der Elternzeit, weil bei ihnen die Wiederaufnahme der Arbeit in Aussicht steht.
Nichts geschrieben steht im Gesetz bei der Wahlberechtigung zu Alter, Dauer oder Art der Beschäftigung. Sprich: Wahlberechtigt sind beispielsweise auch Schwerbehinderte, die
- noch nicht volljährig sind oder
- erst einen Tag vor der Wahl eingestellt wurden oder
- in Teilzeit oder als 450-Euro-Kraft arbeiten.
Auch zur Wahlberechtigung von Gleichgestellten ist nichts direkt geregelt. Sie werden bei der SBV-Wahl immer ganz selbstverständlich dazu gezählt, aber selten mit einer eindeutigen Begründung. Wer es genau wissen will, muss ein wenig im Gesetz blättern: § 68 Abs. 3 SGB IX (ab 2018: § 151 Abs. 3 SGB IX) klärt schließlich darüber auf, dass für Gleichgestellte im Wesentlichen die gleichen besonderen Regelungen gelten wie für Schwerbehinderte. Dazu gehört auch das Wahlrecht bei der SBV-Wahl.
§ 94 Abs. 2 SGB IX (ab 2018: § 177 Abs. 2 SGB IX) regelt das aktive Wahlrecht
§ 68 Abs. 3 SGB IX (ab 2018: § 151 Abs. 3 SGB IX) stellt Gleichgestellte den Schwerbehinderten im SGB IX weitestgehend gleich
§ 5 BetrVG besagt, dass leitende Angestellte keine Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes sind
» Wahlbeteiligung: Wie motiviere ich die schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Mitarbeiter zur Wahl?
Wer die Wahlbeteiligung erhöhen will, der muss bei der Frage „Warum soll ich wählen gehen?“ mit griffigen Argumenten aufwarten können, wie:
... weil nur eine mit vielen Wählerstimmen unterstützte SBV vom Arbeitgeber wirklich ernst genommen wird.
... weil es heutzutage immer schwieriger wird, allein gegen Vorurteile anzukommen und für sich selbst einzutreten. Die SBV kann sich für alle Belange der Behinderten stark machen, ohne negative Konsequenzen für sich selbst befürchten zu müssen.
... weil es gar nicht immer so einfach ist, beim Ausfüllen von Anträgen nichts falsch zu machen und den Weg durch das „Behördenlabyrinth“ zu finden. Hier steht die SBV beratend und helfend zur Seite.
... weil es beim Thema Krankheit und Behinderung um vertrauliche Angelegenheiten geht, die man nicht mit jedermann erörtern will. Deshalb gilt es, einen vertrauensvollen und durchsetzungsstarken SBV-Kandidaten mit der eigenen Stimme zu unterstützen.
Übrigens: Das Gesetz schreibt für die Wahl der Schwerbehindertenvertretung keine Mindestwahlbeteiligung vor. Die Wahl ist also auch gültig, wenn nur ein sehr geringer Anteil der Wahlberechtigten seine Stimme abgibt.

References: § 94
 § 177

§ 94
 § 177

§ 97
 § 180

§ 94
 § 177

§ 1

§ 19
 § 177
 § 94
 § 20
 § 24
 § 2
 § 2

§ 94
 § 177

§ 2
 § 20

§ 94
 § 177

§ 8

§ 7

§ 17
 § 68
 § 151

§ 94
 § 177

§ 68
 § 151

§ 5