Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/ganswindt_faerberei_1889?p=342
Timestamp: 2019-04-18 18:41:14+00:00

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Die mit den zu färbenden Fasern, Garnen oder Stücken in der Färberei
vorzunehmenden Arbeiten kann man füglich in 3 Teile zerlegen und zwar in:
1. vorbereitende Arbeiten,
2. Hauptarbeiten,
Die vorbereitenden Arbeiten umfassen alle jene Operationen,
denen Fasern, Garne und Stücke unterworfen werden müssen, bevor sie zum
eigentlichen Färbeprozeß zugelassen werden können. Diese vorbereitenden
Arbeiten umfassen das Waschen, Trocknen und Bleichen.
Die Hauptarbeiten umschließen die Vorbereitung der Farbstoffe,
durch Zerkleinerung (Indigo), Extraktion (Farbhölzer), Lösen (Teerfarbstoffe),
die Herstellung der Farbbäder, das Beizen der Fasern, um sie zur Auf-
nahme des Farbstoffes tauglich zu machen, und das eigentliche Färben.
Die Vollendungsarbeiten umschließen das Spülen, Schönen, Trock-
nen, Mangeln, Dämpfen, Appretieren und event. Lüstrieren.
Fast eine jede dieser Arbeiten zerfällt wieder in verschiedene Einzel-
arbeiten, welche in den nachfolgenden Paragraphen ausführlich erörtert wer-
Die Operation des Waschens zerfällt naturgemäß in drei weitere Ar-
beiten: das Einweichen, das eigentliche Waschen und das Spülen.
Das Einweichen ist für alle Arten von Fasern, Garn und Stücke
das gleiche; es besteht im einfachen Hineinlegen in oder im Begießen mit
der Waschflüssigkeit, als welche entweder Wasser, Pottasche-, Soda- oder
Seifenlauge zu verstehen ist. Oft wird lediglich Wasser zum Einweichen
verwendet und der Alkalienzusatz erst beim eigentlichen Waschen in Anwen-
dung gebracht. Das Wasser selbst wird oft erwärmt, indem man heißen
Dampf in dasselbe leitet; ein eigentliches Kochen findet beim Einweichen
nicht statt. Das Einweichen geschieht in hölzernen Bottichen, Wannen oder
Kufen, seltener in Kesseln.
Das eigentliche Waschen ist eine mechanische Reinigung und kann
durch Reiben mit den Händen, durch Drücken, Pressen, Quetschen unter
Wasser oder Lauge, oder auch außerhalb der Flüssigkeit erfolgen, wenn die
Ware hinterher wieder in die Waschflüssigkeit getaucht wird. Das Cha-
rakteristische für den Waschprozeß ist die mechanische Reibung
und der gleichzeitige Druck. Neben dem mechanischen Reinigungsprozeß
läuft ein chemischer her, welcher durch die Alkalien, Pottasche, Soda, Seife
inauguriert wird und in seinen theoretischen Umrissen bereits § 106 be-
schrieben ist; er bezweckt die Befreiung des Fasermaterials von Schmutz,
Fett, Staub, und allen jenen Bestandteilen, welche demselben durch die Be-
handlung beim Verspinnen und Verweben zugesetzt werden (Oel, Stärke
u. dergl.); er bezweckt die gleichmäßige Aufweichung des Fasermaterials, um
ein gleichmäßiges Färben zu erreichen und den Fatalitäten einer fleckigen
oder gestreiften Ware von vornherein aus dem Wege zu gehen; er bezweckt
die Empfänglichmachung des Fasermaterials für die völlige Aufnahme von
Die mit den zu färbenden Faſern, Garnen oder Stücken in der Färberei
Die vorbereitenden Arbeiten umfaſſen alle jene Operationen,
denen Faſern, Garne und Stücke unterworfen werden müſſen, bevor ſie zum
eigentlichen Färbeprozeß zugelaſſen werden können. Dieſe vorbereitenden
Arbeiten umfaſſen das Waſchen, Trocknen und Bleichen.
Die Hauptarbeiten umſchließen die Vorbereitung der Farbſtoffe,
durch Zerkleinerung (Indigo), Extraktion (Farbhölzer), Löſen (Teerfarbſtoffe),
die Herſtellung der Farbbäder, das Beizen der Faſern, um ſie zur Auf-
nahme des Farbſtoffes tauglich zu machen, und das eigentliche Färben.
Die Vollendungsarbeiten umſchließen das Spülen, Schönen, Trock-
nen, Mangeln, Dämpfen, Appretieren und event. Lüſtrieren.
Faſt eine jede dieſer Arbeiten zerfällt wieder in verſchiedene Einzel-
§ 3. Das Waſchen.
Die Operation des Waſchens zerfällt naturgemäß in drei weitere Ar-
beiten: das Einweichen, das eigentliche Waſchen und das Spülen.
Das Einweichen iſt für alle Arten von Faſern, Garn und Stücke
das gleiche; es beſteht im einfachen Hineinlegen in oder im Begießen mit
der Waſchflüſſigkeit, als welche entweder Waſſer, Pottaſche-, Soda- oder
Seifenlauge zu verſtehen iſt. Oft wird lediglich Waſſer zum Einweichen
verwendet und der Alkalienzuſatz erſt beim eigentlichen Waſchen in Anwen-
dung gebracht. Das Waſſer ſelbſt wird oft erwärmt, indem man heißen
Dampf in dasſelbe leitet; ein eigentliches Kochen findet beim Einweichen
nicht ſtatt. Das Einweichen geſchieht in hölzernen Bottichen, Wannen oder
Kufen, ſeltener in Keſſeln.
Das eigentliche Waſchen iſt eine mechaniſche Reinigung und kann
durch Reiben mit den Händen, durch Drücken, Preſſen, Quetſchen unter
Waſſer oder Lauge, oder auch außerhalb der Flüſſigkeit erfolgen, wenn die
Ware hinterher wieder in die Waſchflüſſigkeit getaucht wird. Das Cha-
rakteriſtiſche für den Waſchprozeß iſt die mechaniſche Reibung
und der gleichzeitige Druck. Neben dem mechaniſchen Reinigungsprozeß
läuft ein chemiſcher her, welcher durch die Alkalien, Pottaſche, Soda, Seife
inauguriert wird und in ſeinen theoretiſchen Umriſſen bereits § 106 be-
ſchrieben iſt; er bezweckt die Befreiung des Faſermaterials von Schmutz,
Fett, Staub, und allen jenen Beſtandteilen, welche demſelben durch die Be-
handlung beim Verſpinnen und Verweben zugeſetzt werden (Oel, Stärke
u. dergl.); er bezweckt die gleichmäßige Aufweichung des Faſermaterials, um
oder geſtreiften Ware von vornherein aus dem Wege zu gehen; er bezweckt
die Empfänglichmachung des Faſermaterials für die völlige Aufnahme von
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[316/0342] § 2. Die Färbereiarbeiten im allgemeinen. Die mit den zu färbenden Faſern, Garnen oder Stücken in der Färberei vorzunehmenden Arbeiten kann man füglich in 3 Teile zerlegen und zwar in: 1. vorbereitende Arbeiten, 2. Hauptarbeiten, 3. Vollendungsarbeiten. Die vorbereitenden Arbeiten umfaſſen alle jene Operationen, denen Faſern, Garne und Stücke unterworfen werden müſſen, bevor ſie zum eigentlichen Färbeprozeß zugelaſſen werden können. Dieſe vorbereitenden Arbeiten umfaſſen das Waſchen, Trocknen und Bleichen. Die Hauptarbeiten umſchließen die Vorbereitung der Farbſtoffe, durch Zerkleinerung (Indigo), Extraktion (Farbhölzer), Löſen (Teerfarbſtoffe), die Herſtellung der Farbbäder, das Beizen der Faſern, um ſie zur Auf- nahme des Farbſtoffes tauglich zu machen, und das eigentliche Färben. Die Vollendungsarbeiten umſchließen das Spülen, Schönen, Trock- nen, Mangeln, Dämpfen, Appretieren und event. Lüſtrieren. Faſt eine jede dieſer Arbeiten zerfällt wieder in verſchiedene Einzel- arbeiten, welche in den nachfolgenden Paragraphen ausführlich erörtert wer- den ſollen. § 3. Das Waſchen. Die Operation des Waſchens zerfällt naturgemäß in drei weitere Ar- beiten: das Einweichen, das eigentliche Waſchen und das Spülen. Das Einweichen iſt für alle Arten von Faſern, Garn und Stücke das gleiche; es beſteht im einfachen Hineinlegen in oder im Begießen mit der Waſchflüſſigkeit, als welche entweder Waſſer, Pottaſche-, Soda- oder Seifenlauge zu verſtehen iſt. Oft wird lediglich Waſſer zum Einweichen verwendet und der Alkalienzuſatz erſt beim eigentlichen Waſchen in Anwen- dung gebracht. Das Waſſer ſelbſt wird oft erwärmt, indem man heißen Dampf in dasſelbe leitet; ein eigentliches Kochen findet beim Einweichen nicht ſtatt. Das Einweichen geſchieht in hölzernen Bottichen, Wannen oder Kufen, ſeltener in Keſſeln. Das eigentliche Waſchen iſt eine mechaniſche Reinigung und kann durch Reiben mit den Händen, durch Drücken, Preſſen, Quetſchen unter Waſſer oder Lauge, oder auch außerhalb der Flüſſigkeit erfolgen, wenn die Ware hinterher wieder in die Waſchflüſſigkeit getaucht wird. Das Cha- rakteriſtiſche für den Waſchprozeß iſt die mechaniſche Reibung und der gleichzeitige Druck. Neben dem mechaniſchen Reinigungsprozeß läuft ein chemiſcher her, welcher durch die Alkalien, Pottaſche, Soda, Seife inauguriert wird und in ſeinen theoretiſchen Umriſſen bereits § 106 be- ſchrieben iſt; er bezweckt die Befreiung des Faſermaterials von Schmutz, Fett, Staub, und allen jenen Beſtandteilen, welche demſelben durch die Be- handlung beim Verſpinnen und Verweben zugeſetzt werden (Oel, Stärke u. dergl.); er bezweckt die gleichmäßige Aufweichung des Faſermaterials, um ein gleichmäßiges Färben zu erreichen und den Fatalitäten einer fleckigen oder geſtreiften Ware von vornherein aus dem Wege zu gehen; er bezweckt die Empfänglichmachung des Faſermaterials für die völlige Aufnahme von
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Zitationshilfe: Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889, S. 316. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ganswindt_faerberei_1889/342>, abgerufen am 18.04.2019.

References: § 106

§ 3
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 § 2
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