Source: https://haus-st-josef.de/angebote/
Timestamp: 2019-08-19 23:24:52+00:00

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Die Struktur unserer Einrichtung im Süden Schleswig-Holsteins ermöglicht es, Kinder und Jugendliche sehr individuell zu fördern. Hier haben wir grundlegende Informationen zu unseren vielfältigen Angeboten des Wohnens, Lernens, Arbeitens und der Freizeitgestaltung in der stationären und ambulanten Kinder- und Jugendhilfe zusammengestellt.
Die Einrichtung für Kinder- und Jugendhilfe im Süden Schleswig-Holsteins
Das Kinder- und Jugendhaus St. Josef ist die größte Einrichtung dieser Art im Kreis Stormarn nördlich von Hamburg. Über 170 festangestellte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sorgen für den Schutz, das Wohl und die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.
In den stationären Wohngruppen leben jeweils acht bis zehn Kinder und Jugendliche zusammen. Die Erzieherteams bestehen in der Regel aus Frauen und Männern, die im Schichtdienst 24 Stunden zur Verfügung stehen. Zu ihnen zählen Erzieherinnen und Erzieher, Diplom-Sozialpädagogen, Sozialpädagogische Assistenten, Gesundheits- und Krankenpfleger, Ergotherapeuten und Heilerziehungspfleger.
Die Größe der Einrichtung ermöglicht es, die Kinder und Jugendlichen durch zahlreiche Zusatzangebote zu fördern. Im schulischen Bereich sind es individuelle schulbegleitende Hilfen. Sie werden zum Teil in den benachbarten Schulen und auch auf dem Gelände der Einrichtung für diejenigen organisiert, die aus unterschiedlichsten Gründen vorübergehend nicht am Unterricht in einer Regelschule teilnehmen. Zusätzlich werden Nachhilfeunterricht und eine regelmäßige Betreuung an Computerarbeitsplätzen angeboten. Für die Freizeit gibt es die Möglichkeit zur Teilnahme an Sportangeboten innerhalb und außerhalb der Einrichtung, einen Freizeitraum, ein großes Freizeitgelände von 25.000 Quadratmetern für Spiel- und Sportaktivitäten und regelmäßige Ausflüge. Die Angebote werden zum Teil von einem eigens hierfür eingesetzten Freizeitpädagogen organisiert. Alle Gruppen haben mindestens einmal im Jahr die Möglichkeit zu einer mehrtägigen Ferienfahrt.
Die Einrichtung ist geprägt von dem großen Haupthaus im Wendum 4 in Bad Oldesloe. In über 115 Jahren haben sich Erziehungsstile, familiäre Lebensverhältnisse und gesellschaftliche Anforderungen radikal gewandelt. Auf diese Entwicklungen wurde durch Veränderungen in der Konzeption und im pädagogischen Handeln bis auf den heutigen Tag stets aktuell reagiert. In den vergangenen Jahren wurden immer mehr differenzierte und individualisierte Angebote entwickelt, die auf die persönliche Situation des einzelnen Kindes und Jugendlichen abgestimmt sind.
Über viele Jahrzehnte ist das Kinder- und Jugendhaus St. Josef von Katholischen Ordensschwestern geleitet worden. Dem Gedanken der christlichen Nächstenliebe fühlt sich auch das heutige Leitungsteam verpflichtet. Im Jahre 2006 hat die Diplom-Psychologin Birgit Brauer die Gesamtleitung übernommen. Mit ihr arbeiten Stefan Götting als Erziehungsleiter und in den Aufgabenfeldern Inobhutnahme, Intensiv- und Heilpädagogik verantwortliche Bereichsleitungen im Leitungsteam zusammen.
Durch die Größe und örtliche Lage der Einrichtung liegt es nahe, dem Bedarf des Kreises Stormarn und den umliegenden Kreisen zu entsprechen. Es sind Leistungsvereinbarungen mit dem Kreis Stormarn in Bezug auf die Haupangebote abgeschlossen. Zusätzlich gibt es eine Kooperation als Sozialraumträger mit der Stadt Norderstedt mit ergänzenden Leistungsvereinbarungen.
Wir sind erweitert regional orientiert und uns liegt sehr an einer engen und guten Zusammenarbeit mit „unseren“ Jugendämtern Stormarn und Norderstedt, den Nachbarjugendämtern in Segeberg, Lübeck, Eutin, Ratzeburg und Rendsburg sowie den Jugendämtern der Stadt Hamburg. Wir stellen uns dabei auf die unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen und Verfahrensabläufe der Kreise ein.
Es findet ein regelmäßiger Austausch mit den Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen in den Jugendämtern über Entwicklungen, aktuelle Bedarfslagen und Vorstellungen statt und gemeinsam werden neue Formate für zeitgemäße Hilfen entwickelt. Gerne konzipieren wir im Bedarfsfall auch ein ganz individuelles Angebot, wenn ein dringender Bedarf deutlich wird. Dennoch behalten wir uns in allen Gruppen eine Aufnahmeentscheidung im Einzelfall vor.
Bei der Aufnahme wird geprüft, welche Wohngruppe zu dem jungen Menschen passt. Hierbei sind die Gruppenkonzepte sowie das Alter und das Geschlecht des Kindes oder Jugendlichen entscheidend. Mit den Modulen und ergänzenden Leistungen kann im Verlauf der Hilfe auf veränderte Bedarfslagen reagiert werden, ohne den jungen Menschen aus seinen vertrauten Bezügen zu nehmen.
nach §§ 27/41 in Verbindung mit 34/35a SGB VIII
Alle Wohngruppen werden von einer Gruppenleitung, unterstützt durch eine stellv. Gruppenleitung, geführt. Ein Team besteht aus mindestens 5,2 Erziehern oder Erzieherinnen bei einer Belegungszahl von zehn Plätzen. In vielen Gruppen haben wir den Betreuungsschlüssel erhöht, weil wir glauben, dass der Erfolg unserer Arbeit zentral von der Beziehungsqualität, der Kompetenz und der Verfügbarkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abhängt.
Sozialpädagogische Assistenten und Assistentinnen, Hauswirtschaftskräfte, Quereinsteiger in berufsbegleitender Ausbildung, engagierte Freiwillige im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder im Bundesfreiwilligendienst (Bufd) können die Teams ergänzen.
Die Teams in den Wohngruppen bieten eine 24-Stunden-Betreuung an sieben Wochentagen und sollen den Charakter eines „Zuhauses“ bieten. Üblicherweise finden 14-tägig Beurlaubungen der Kinder und Jugendlichen in den elterlichen Haushalt statt.
In allen Wohngruppen besteht das Angebot, die Betreuung auch in Form einer 5-Tage-Maßnahme durchzuführen. Dieses Sonderkonzept, bei dem die Kinder und Jugendlichen jedes Wochenende und die Schulferien bei den Eltern verbringen, kann bei Aufnahme oder in den Monaten und Wochen vor einer Entlassung pädagogisch sinnvoll sein, um Einstiegs- oder Rückführungsprozesse zu gestalten. Das 5-Tage-Konzept ist auch als durchgängige Betreuungsform nutzbar, wenn die familiären Strukturen in ihrer bestehenden Form entlastet, aber erhalten werden sollen.
STANDARDWOHNGRUPPEN
Als Standardwohngruppen bezeichnen wir die Wohnbereiche, die für alle Kinder und Jugendlichen offen sind. Sie arbeiten gemischtgeschlechtlich und bieten keine themenspezifische Pädagogik an. Die Standardwohngruppen haben unterschiedliche Altersschwerpunkte:
für Kleinkinder und Schulkinder im Alter von 0 bis 12 Jahren in Doppel- und Dreibettzimmern (10 Plätze).
für Schulkinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 16 Jahre überwiegend im Einzelzimmer (9 Plätze).
Außenwohngruppe in Bad Oldesloe
Don Bosco-Gruppe
für Jugendliche ab 14 Jahren in Einzelzimmern (8 Plätze).
Diese Gruppe wohnt in Zentrumsnähe von Bad Oldesloe in einer hübsch renovierten Villa. Altersbedingt arbeitet die Gruppe im Wesentlichen an der Verselbständigung der Jugendlichen. Es gibt dafür zwei besondere Verselbständigungszimmer mit Pantryküche.
THEMENSPEZIFISCHE WOHNGRUPPEN
Zusätzlich zu den beschriebenen Standardwohngruppen gibt es themenspezifische Wohngruppen, die einen besonderen pädagogischen Schwerpunkt bieten:
Einzelhaus auf dem Gelände am Haupthaus
Geschlechtsspezifische Wohngruppe für Mädchen ab 14 Jahren in Einzelzimmern (9 Plätze).
Die Franziskus-Gruppe ist ein Schutz- und Entwicklungsraum für Mädchen. In dieser Wohngruppe arbeiten nur Frauen. Geschlechtsspezifische Aspekte der Erziehung, das Leben mit psychischen Erkrankungen und die Verselbständigung der Mädchen stehen hier besonders im Fokus. Zur Verselbständigung gibt es ein integriertes Apartment.
Geschlechtsspezifische Wohngruppe für Jungen ab 6 Jahren bis ins Jugendalter mit Zimmern, überwiegend mit Doppelbelegung (10 Plätze).
Die Gruppe wohnt im Zentrum von Bad Oldesloe in einer Doppelhaushälfte. Regelmäßig werden hier auch integrativ Jungen mit heilpädagogischem Bedarf bei Lernbehinderungen oder Traumatisierung aufgenommen. Das Erzieherteam besteht aus Männern und Frauen.
Heilpädagogisch orientierte koedukative und altersgemischte Wohngruppe von 6- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen, die überwiegend in Einzelzimmern wohnen (8 Plätze).
Das Team der Hildegard-Gruppe besteht aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die auch für das heilpädagogische Modul tätig sind. Durch diese Fachkompetenz eignet sich die Wohngruppe insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Bindungsstörungen und anderen Formen von Traumatisierung.
Außenwohngruppe in Mühlenrade bei Trittau
Tiergestützt und verhaltenstherapeutisch orientierte Intensiv-Wohngruppe für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren, die in Einzelzimmern und in einem Verselbständigungsbereich wohnen (10 Plätze).
Auf dem Theresienhof arbeitet ein multiprofessionelles Team mit delinquenten Jugendlichen. Ein erhöhter Betreuungsschlüssel ermöglicht eine dichte Begleitung und Steuerung im Alltag, mehr Einzelbetreuung und ein längeres Aushalten zur Überwindung von Krisen. Der Hof als Lebens- und Arbeitsraum bietet Alltagsstruktur und körperliche Arbeit. Anti-Gewalt-Training, Kraftsport, Hip-Hop-Projekt und Holzwerkstatt erweitern die pädagogischen Möglichkeiten. Die Erfahrung im Umgang, der Pflege und des Reitens der zum Hof gehörenden Pferde werden pädagogisch und therapeutisch genutzt. Pädagogische Wochenenden mit Körpererfahrung, Workshops und Entspannung dienen der Kompetenzerweiterung der überwiegend männlichen Bewohner.
Module für besonderen oder erhöhten individuellen Bedarf
Für alle Wohngruppenangebote halten wir als ergänzende Leistung zwei Module vor. Diese Module ermöglichen verstärkte Eins-zu-eins-Betreuungen, besondere Gruppenangebote, Möglichkeiten für Auszeiten bei Krisen, intensivpädagogische Maßnahmen, erlebnispädagogische Aktionen, Exkursionen sowie Unterstützung durch Trauma- oder Familientherapie mit externen Therapeuten.
Mit diesem Modul reagieren wir auf abweichendes Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen und einem daraus resultierenden erhöhten Betreuungsbedarf. Ziel ist es, einen Verbleib in der bestehenden Wohngruppe zu ermöglichen. Das Kind oder der/die Jugendliche wird zu einem neuen Entwicklungsschritt seiner/ihrer Beziehungsfähigkeit geführt, der ein ausreichend angepasstes Sozialverhalten im Gruppenverband ermöglicht. Das Modul ist auf sechs Monate angelegt und kann verlängert werden, wenn eine zielführende Entwicklung erkennbar ist.
erlebnispädagogische Intensiv- und Auszeitwochenenden
Agility-Sportangebote
Familientherapie (extern)
erweiterte Elternarbeit durch systemische Beratung (intern)
erweiterte Bezugszeit (Eins-zu-eins-Betreuung)
Das Modul wird durch eine Reha-Pädagogin mit dem fachlichen Schwerpunkt Psychologie geleitet und in der Hilfeplanung koordiniert.
Heilpädagogisches Modul
Das Heilpädagogische Modul umfasst Angebote zur emotionalen Stabilisierung von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte Verhaltensweisen entwickelt haben, mit denen sie ihre soziale Reifung, ihre Persönlichkeitsentwicklung und somit ihre Integration in die Gesellschaft gefährden. Das Modul bietet verlässliche Strukturen über therapeutische und heilpädagogische Angebote, die für die Kinder und Jugendlichen individuell in Wochenplänen zusammengestellt werden. Interne und externe Hilfsmöglichkeiten werden dabei fachlich koordiniert und ausgewertet.
Das Modul wird durch eine Reha-Pädagogin mit dem fachlichen Schwerpunkt Heilpädagogik geleitet und in der Hilfeplanung koordiniert.
Angebote an der Schnittstelle von stationärer und ambulanter Hilfe
Zur Unterstützung von Rückführungsprozessen kann es sinnvoll sein, wenn der Bezugsbetreuer/die Bezugsbetreuerin den Familien in einer Übergangszeit in Form ambulanter Hilfe nach § 30 SGB VIII zur Verfügung steht. Diese Leistung kann bei Bedarf angeboten werden.
Individualisierte ambulante Hilfen
In besonderen Einzelfällen, bei denen stationäre und ambulante Hilfen möglich sind, in denen der Hilfebedarf aber nicht geklärt ist und eine Inobhutnahme als ungeeignet erscheint, kann Begleitung angeboten werden. Hierfür entwickeln wir mit dem ASD im Rahmen des § 31 SGB VIII auch ambulante Hilfen mit individualisiertem Profil zur Vermeidung oder Vorbereitung stationärer Hilfen.
Ambulante Hilfen in der Verselbständigung
Eine besondere Form der Betreuung benötigen junge Menschen, die altersbedingt verselbständigt werden müssen. Die fürsorgende Haltung der Wohngruppenerziehung wandelt sich zu einer Begleitung in der Selbstverantwortungsübernahme durch den jungen Menschen.
Über den klassischen Rahmen der Wohngruppe hinaus wurden in über 20 Jahren ergänzende stationäre und ambulante Hilfen entwickelt, die heute zu unserem festen Regelangebot zählen. So betreuen wir Jugendliche ab 16 Jahren und junge Erwachsene nach §§ 27/41 i.V.m. §§ 30, 34 und 35a SGB VIII in Wohngemeinschaften, in „Trainingswohnungen“ innerhalb und außerhalb unserer Einrichtung oder im eigenen Wohnraum.
Dem Verselbständigungsbereich steht ein Team aus erfahrenen Erzieherinnen und Erziehern mit ergänzenden Qualifikationen zur Verfügung. Dieses Team wird von einem Sozialpädagogen oder einer Sozialpädagogin geleitet. Der Verselbständigungsprozess wird dabei als fließender Übergang von stationärer zu ambulanter Hilfe angestrebt, bei dem die Bezugserzieherin oder der Bezugserzieher als Halt und Orientierung gebende Begleitung in diesem kritischen biografischen Moment an der Seite der jungen Menschen steht.
In Bad Oldesloe gibt es ein gut ausgebautes, bedarfsdeckendes Netz an Nachsorge- und Folgemaßnahmen für junge Erwachsene in besonderen Lebenslagen, die teilweise in enger Kooperation mit dem Kinder- und Jugendhaus St. Josef organisiert sind.
Dabei handelt es sich um eine „sonstige betreute Wohnform“ vom Typ einer Wohngemeinschaft für Jugendliche ab 16 Jahren (6 Plätze).
Außenwohngruppe „Königstraße“
Eine „sonstige betreute Wohnform“ mit ambulanter Betreuung (Wohngemeinschafts-Charakter) für Jugendliche ab 16 Jahren (6 Plätze).
Ambulante Betreuung in hausinternen Apartments (2 Plätze), Trainingswohnungen (3 Plätze), einer Trainings-Wohngemeinschaft (2 Plätze) oder eigenem Wohnraum.
Betreutes Einzelwohnen im „Immenhof“ (Norderstedt-Glashütte)
Ambulant betreute Trainings-Wohngemeinschaft (2 Plätze) im Rahmen eines Verselbständigungskonzeptes für den Sozialraum.
Flexibler Wohnverbund
Im Flexiblen Wohnverbund können bis zu 18 Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenssituationen in zwei Wohngruppen aufgenommen werden. Zu solchen besonderen Lebenssituationen zählen vor allem die Inobhutnahme, aber auch Situationen, in denen ein besonderer Hilfebedarf festgestellt wird. Dann sind flexible Wege in der Betreuung oder Hilfen im Übergang gefragt.
Im flexiblen Wohnverbund werden daher Hilfen im Rahmen der Inobhutnahme gem. § 42 SGB VIII und HzE gem. § 34 SGB VIII in einer Wohngruppenform angeboten.
Bei Inobhutnahmen findet ein Clearing statt, um mit den Betroffenen und dem Jugendamt zu erarbeiten, welche Perspektiven es für die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien geben kann.
Inobhutnahme und individuelle Angebote für Kinder nach §§ 34/35a SGB VIII (8 Plätze).
Inobhutnahme und individuelle Angebote für Jugendliche nach §§ 34/35a SGB VIII (9 Plätze).
Raphael-Gruppe (in Planung)
Stationäre Wohngruppe insbesondere für junge Menschen und Familien mit Migrationshintergrund §§ 34/35a SGB VIII (9 Plätze).
Mutter-Vater-Kind-Bereich
(gem. § 19 SGB VIII oder über § 53ff SGB XII)
Das Angebot richtet sich an alleinerziehende Mütter oder Väter mit ihren unter 6-jährigen Kindern. Die Elternteile bewohnen in der Regel mit ihrem Kind ein Zimmer mit eigenem Bad und Dusche. Sie verfügen über einen eigenen Lebensmittel- und Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche. Die Elternteile lernen unter Anleitung und Begleitung, für ihre Kinder allumfassend zur sorgen. Dazu wird mit ihnen an der Perspektive eines Lebens im eigenen Wohnraum und zur Integration in den Arbeitsmarkt gearbeitet.
Mutter-Vater-Kind-Wohngruppe (5 + 5 Plätze);
Apartments zur Vorbereitung des Auszugs (5 + 5 Plätze).
Gruppenübergreifende Angebote und ergänzende Leistungen
In einer großen, zentral organisierten Einrichtung sind Wege und Lösungen möglich, die in dezentralen Einrichtungen nicht möglich sind. So wurden Maßnahmen und Projekte entwickelt, die gruppenübergreifend allen Kindern und Jugendlichen zugutekommen. Einige Angebote und Projekte, die vorgehalten werden, sind über den Tagessatz der Entgeltvereinbarung finanziert. Die Entwicklung neuer Projekte hat aber auch zu verbindlichen Angeboten geführt, die mit ergänzenden Leistungsvereinbarungen hinterlegt sind.
Aus dem im Jahr 2000 begonnen Schulprojekt haben sich im Laufe der Jahre unabhängige Beschulungs- und Schulunterstützungsangebote entwickelt.
Die Auffangklasse betreut Schülerinnen und Schüler während der Inobhutnahme, bei Clearingprozessen oder unklarem Förderbedarf. Dafür stehen ein Klassenraum (Lernwerkstatt) und eine Holzwerkstatt zur Verfügung. Hier arbeiten zurzeit wöchentlich eine Lehrkraft mit 14 Unterrichtsstunden und ein Handwerksmeister mit 25 Stunden Hand in Hand, um den Schülerinnen und Schülern eine fördernde Alltagstruktur zu geben, ihre Schulmotivation zu beleben und sie individuell zu bilden.
In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jugendamt sowie dem Schulamt bieten wir für Kinder und Jugendliche mit erheblichen Schulschwierigkeiten ein Schultraining an. Das Schultraining ist eine besondere Beschulungsmaßnahme für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I. Ein Team aus einer Lehrkraft für Erziehungshilfe, einer Regelschullehrkraft und einer sozialpädagogischen Fachkraft unterrichtet eine Kleinklasse mit maximal fünf Schülern in Doppelbesetzung. Der Unterricht wird in den Räumen der Schule am Kurpark erteilt und hat die Reintegration an eine Regelschule zum Ziel. Die Schülerinnen und Schüler weisen in der Regel einen erhöhten Förderbedarf im Bereich Emotion und Sozialverhalten auf.
Als weitere schulische Maßnahme unterstützen wir durch eine zusätzliche Schulassistenz die Integration von Schülerinnen und Schülern in der nahe gelegenen Klaus-Groth-Schule (Grundschule).
Unter dem Arbeitsbegriff Lerninsel helfen wir unseren Grundschulkindern an den Schulvormittagen. So werden die Lehrkräfte präventiv und interventiv unterstützt und es wird damit zu einem Gelingen der schulischen Inklusion vor Ort beigetragen.
Eine besondere Form der Unterstützung von Schulkindern bieten wir mit der schulischen Integrationshilfe in Form von Schulbegleitung. Aus einem Pool von pädagogischen und heilpädagogischen Fachkräften setzen wir erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, um Schülerinnen und Schülern mit einem besonderen Förderbedarf über eine Eins-zu-eins-Begleitung die Teilnahme am Schulunterricht zu ermöglichen. Durch die Anleitung der Wohngruppenleitungen, gemeinsame Teambesprechungen und den engen Austausch mit den Lehrkräften wird für die einzelne Schülerin/den einzelnen Schüler erarbeitet, wie eine Teilhabe am Schulalltag bestmöglich gelingen kann.
Zur Förderung der Ausbildungsreife wurde der Lebensbereich Haus & Garten entwickelt. Auf der Grundlage hauswirtschaftlicher Tätigkeiten wird eine Aktivierungs- und Tagesstrukturmaßnahme angeboten. Dieses Angebot findet an drei Vormittagen pro Woche für jeweils drei Stunden statt und wird von einer Hauswirtschaftsmeisterin angeleitet. Das Angebot wird häufig für Mütter aus dem Mutter-Kind-Bereich zur Vorbereitung des Einstiegs in eine Erwerbstätigkeit genutzt (§ 19 Abs. 2 SGB VIII). Es dient aber auch jugendlichen Bewohnern und Bewohnerinnen, deren Schulpflicht beendet ist und die aufgrund psychischer Beeinträchtigung nicht über das SGB III gefördert werden.
Seit dem Jahr 2000 verfügt das Kinder- und Jugendhaus St. Josef über ein gruppenübergreifendes Freizeitprojekt. Ein Freizeitpädagoge bietet hier verschiedene bedarfsorientierte, aber auch regelmäßige Angebote an. In den Sommermonaten sind es vorrangig erlebnisorientierte Angebote in der Natur, in den Wintermonaten eher Freizeitaktivitäten in unserem Jugendfreizeitraum mit Spielen, Tischfußball, Tischtennis, Computer, Musikanlage und anderem Material. Von Kanufahrten über Radtouren, Nachtwanderungen und Tischtennisturniere, Städtebesichtigungen und andere Aktivitäten bis hin zu festen Angeboten wie Schwimmgruppe, Filmprojekt oder Kreativwerkstatt reicht das vielfältige Angebot.
Das Freizeitprojekt ist ein „Schonraum“, der bereichernd und anregend wirken soll. Es hilft, alltagstrukturierende Angebote kennenzulernen. Konflikte in den Gruppen können hier für eine Zeit ruhen und manches Mal findet sich hier auch ein neutraler Ansprechpartner für ganz individuelle Probleme.
Seit 2002 bieten wir regelmäßig Karate-Angebote und Kurse für Kinder und Jugendliche in unserer Einrichtung an. Der Karatelehrer integriert die Kinder und Jugendlichen in die bestehenden Gruppen einer von ihm geleiteten Karateschule und reflektiert regelmäßig gemeinsam mit uns deren Entwicklung. Wir verstehen das Angebot als „therapeutisches Karate“. Unsere Erfahrung ist, dass viele Kinder und Jugendliche sehr positiv auf das Angebot ansprechen. Sie lernen sich besser zu behaupten, sich durchzusetzen, Kompromisse zu finden, gewaltfrei Auseinandersetzungen zu führen und angemessen Position zu beziehen. Die Entwicklung eines gesunden Körperbewusstseins und die körperliche Aktivität sind wichtige Bestandteile des Lebens in unserer Einrichtung.
Der Musikraum bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre musikalische Begabung auszuleben und Instrumente kennenzulernen. Wichtig ist hier die sich auf freiwilliger Basis entwickelnde Gruppenstruktur, in der alle gern gesehen sind und in der jede und jeder, ob vorgebildet oder nicht, eine angemessene Funktion übernehmen kann. Abhängig von Personal- und Bewohnerstruktur finden sich immer wieder Formationen, die ihr Können bei Festen externen und internen Gästen präsentieren. Die Freude an der Musik, an Rhythmus und dem eigenen Körper als Instrument hält lange vor und wir beobachten, dass viele Kinder und Jugendliche dabei schrittweise auch auditive Schwächen abbauen.
In der Kreativwerkstatt wird regelmäßig gebastelt, gewerkelt und gemalt. Bewohnerinnen und Bewohner können sich hier an Werkstoffen erfahren und kreative Ideen umsetzen. Die Förderung von Fantasie und Kreativität ist besonders wichtig für die Kinder und Jugendlichen, um eigene Fähigkeiten zu erkennen und individuelle Ziele zu entwickeln. Sie können hier lernen, dass sie durch die eigene Aktivität etwas verändern können und dass Kreativität guttut. Die Entwicklung von Fein- und Grobmotorik ist für viele Bewohnerinnen und Bewohner hilfreich, weil es Selbstbewusstsein schafft, insbesondere wenn sie in diesen Bereichen bisher wenig Förderung erfahren haben.
In der Aula können verschiedene Angebote zur Freizeitgestaltung genutzt werden. Hier stehen ein Billardtisch, Kicker- und Air-Hockey-Spielgeräte zur Verfügung, die von den Gruppen flexibel genutzt werden können. Hier können Tischtennisturniere ausgetragen, psychomotorische Projekte durchgeführt und Feste gefeiert werden.
Der Computerraum bietet die Möglichkeit, an sechs Arbeitsplätzen unter Aufsicht und begleitet zu lernen, zu arbeiten oder zu chatten. Hier werden Kinder und Jugendliche an die sinnvolle Nutzung dieser Arbeitsmittel herangeführt.
Das Haupthaus ist umgeben von einem großen, eingewachsenen Außengelände. Es gibt einen Fußball- und Basketballplatz, einen Platz für Beachvolleyball, einen Spielplatz mit Seilbahn, Kletter- und Schaukelmöglichkeiten, Höhlen und Bäume (vorwiegend Obstbäume) und viele Nischen zum Verstecken. Ferner haben wir einen Kleinkinderbereich mit großer Sandkiste und kindgerechten Klettergeräten. Mit dazu gehören eine Wiese zum Toben und Spielen und ein Kleintierhaus, in dem die Kinder und Jugendlichen Kaninchen oder Meerschweinchen halten können. Ein Bauwagen dient den Jugendlichen als Treffpunkt und Rückzugsort. Schließlich gibt es noch ein kleines „Wäldchen“ zum Spielen sowie einen Nutzgarten, in dem Blumen und Gemüse angepflanzt werden können.
Auch die Außenwohngruppen nutzen die Angebote des Haupthauses, wobei auch an den Standorten der Außenwohngruppen hinreichend Platz vorhanden ist und Gartenflächen zur Verfügung stehen.
Wir glauben, dass Kinder und Jugendliche Platz brauchen, Platz für Ruhe, für Bewegung, für Gemeinschaft und für die Entwicklung neuer Ideen. Wir können unseren Kindern und Jugendlichen diesen Platz bieten und achten sehr auf die Pflege, die Entwicklung und den Erhalt dieser kinder- und jugendfreundlichen Umgebung.
Gruppenabende und Kinder- und Jugendparlament
Die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen an Entscheidungsprozessen, die ihr Lebensumfeld betreffen, entspricht unserer dialogischen Haltung in der pädagogischen Arbeit.
Seit 2012 sind die Partizipationsrechte der Kinder und Jugendlichen in einer gemeinsam erarbeiteten Verfassung geregelt, die von allen Wohngruppenleiterinnen und -leitern unterschrieben wurde. An regelmäßigen Gruppenabenden, in der Kinderversammlung und dem 14-tägig tagenden Jugendparlament besprechen die Kinder und Jugendlichen ihre Themen unter sich und mit den Erzieherinnen und Erziehern.
Das Jugendparlament setzt sich aus einer gewählten Vertreterin oder einem gewählten Vertreter aus jeder Gruppe zusammen. Diese Vertreterin bzw. dieser Vertreter wird für ein halbes Jahr gewählt und soll die Interessen der Gruppe vertreten. Es werden aktuelle Anliegen besprochen, Projekte entwickelt und Veränderungen demokratisch „erkämpft“. Die Sprecher des Jugendparlaments haben ein Anhörungsrecht im Gremium für Qualitätssicherung, zu dem sie einmal pro Halbjahr eingeladen werden. Eine von den Kindern und Jugendlichen gewählte Erzieherin oder ein gewählter Erzieher und der Freizeitpädagoge bzw. die Freizeitpädagogin stehen dem Jugendparlament unterstützend zur Seite.

References: § 30
 § 31
 § 42
 § 34
 § 19
 § 53