Source: https://www.hoheluft-magazin.de/2017/05/waehlt-basic-warum-wir-ein-grundeinkommen-fuer-alle-brauchen/?replytocom=80565
Timestamp: 2019-11-17 12:05:54+00:00

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Noch vier Monate bis zur Bundestagswahl. Soziale Gerechtigkeit, innere Sicherheit, Europa sind beherrschende Wahlkampfthemen. Was fehlt, das ist eine Idee. Eine große und zugleich handfeste Idee, die jeden angeht. Eine Idee, die etwas in Gang setzt – die uns träumen lässt. Von einer sorgenfreieren Existenz, von einer Freiheit, die niemand fürchten muss.
Diese Idee, so meinen wir, ist das bedingungslose Grundeinkommen. Noch ist es nur ein vielversprechendes Konzept, das unsere Gesellschaft zum Besseren verändern könnte. Das könnte und sollte sich schnell ändern.
Soziale Gerechtigkeit als solche ist kein geeignetes Wahlkampfthema. »Soziale Gerechtigkeit« – das kann alles oder nichts heißen. Es gibt ganz verschiedene Begriffe von Gerechtigkeit, die allesamt blass bleiben, solange sie sich nicht an einem Thema festmachen lassen.
Eine ernsthafte und engagierte Diskussion über das Grundeinkommen könnte nicht nur eine sehr konkrete Gerechtigkeitsdebatte initiieren, mit konkreten Folgen. Es könnte auch endlich den Anstoß liefern, sich darüber zu verständigen, wie wir in Zukunft leben wollen.
Genau das ist die Diskussion, die den Wahlkampf jetzt beleben muss. Ein erster Schritt wäre, das bedingungslose Grundeinkommen umzubenennen. Statt einer technokratischen Umschreibung schlagen wir vor: BASIC. Bedingungslos, Alternativ, Sozial, International, Cool. Mehr dazu lesen Sie in der Titelgeschichte unserer neuen Ausgabe, seit heute am Kiosk und im Onlineshop.
Rebekka Reinhard und Thomas Vašek
Schlagwort: Arbeit, BASIC, Grundeinkommen, Kiosk, Wahlkampf
Eine gängige Behauptung ist jene, dass bei einem bedingungslosen Grundeinkommen der so genannte „Sozialschmarotzer“ drohe, der „in der Hängematte liegend sich auf Kosten anderer ernähre“. Um diese Behauptung einer Vorstellung zuzuführen, zum Zwecke, eine bestimmte Wirkung hervorzurufen, wurde das Bild des Prolls geprägt, der unrasiert und in Trainingshose sich vor dem Flimmerkasten auf einer Sitzgarnitur räkle, mit Bier in der rechten Hand und Zigarette in der linken. Dem zufolge müsse der Mensch noch schäbiger als Al Bundy sein, denn dieser war immerhin als Schuhverkäufer erwerbstätig.
Dass diese Behauptung unbegründet ist, zeigen die Ergebnisse einer Feldstudie, die zwischen 1969 und 1982 durchgeführt wurde. Siehe
Weber, René (1991): „Existenzsicherung ohne Fürsorge? Die negative Einkommenssteuer in Theorie und Praxis“, Verlag Paul Haupt Bern, Stuttgart, Wien ISBN 3-258-04466-X, Kapitel 4 „Die wirtschaftlichen Experimente mit der negativen Einkommenssteuer in den USA – empirische Ergebnisse“, S. 45ff
Wer das Gespenst des „Sozialschmarotzers“ an die Wand malt, geht offensichtlich von der irrigen Annahme aus, dass er inmitten von Asketen lebe, denen eine Behausung, Essen und Trinken, also das Existenzminimum, vollauf genüge, um ein zufriedenes Leben zu führen. So dass sich die Frage aufdränge, ob da jener, der diese unbegründete Behauptung aufstelle, ein bedingungsloses Grundeinkommen erzeuge Sozialschmarotzer, entweder unzulässig von sich auf andere schließe, oder ob sich sein Bausch-und-Bogen-Urteil daraus nähre, dass ihm damit abhandenkäme, was er benötige, um sich selbst und anderen gegenüber höher darstellen zu können, als ihm zustehe:
Denn bis jetzt waren jene, denen ich begegnete, und die sich in der Hängematte auf Kosten anderer ernährten, statt einer Erwerbsarbeit nachzugehen, ausnahmslos solche, die ihr Geld an ihrer Stelle arbeiteten ließen. Und diese wären auf ein bedinungsloses Grundeinkommen gar nicht angewiesen.
Bryan Hayes sagt
Ein BGE erfordert ein Stehlen epischen Ausmaßes von denen, die arbeiten, die fleißig sind, zugunsten derer, die faul sind. Ein Extremfall wäre ein 25-jähriger, gut ausgebildeter, starker, junger Mann, der als BGE-Empfänger, faul in der Hängematte liegend, sich von fleißig arbeitenden Alleinerziehenden gebratene Tauben liefern lässt und diese dabei noch höhnisch auslacht, weil sie so dumm sind, zu arbeiten.
Im Ergebnis würde das BGE eine faschistische Unrechtsordnung errichten, eine Ständeordnung, in der eine Gruppe, die BGE-Empfänger, die anderen mit Waffengewalt ausbeutet und ausplündert, sie zu Sklaven macht. Neofeudalismus pur. Eine Raubgesindelunrechtsordnung.
Soso, Sie sind also von Asketen umringt, denen allesamt – Sie selbstverständlich davon ausgenommen – ein Existenzminimum vollauf genüge, um ein zufriedenes Leben zu führen.
Welchen Beruf üben Sie aus? Bei welcher Firma? Ich würde gerne Ihren Arbeitsplatz durch eine Maschine ersetzen wollen. Ich kann Ihnen versichern, das Projekt wird „in time, in budget, in quality“ abgeschlossen. Dann können Sie sich auf die Suche nach den „gebratenen Tauben“ begeben 🙂
Sie haben da etwas falsch verstanden. Das BGE bekommen ALLE, nicht nur die, die mit dem Existenzminimum zufrieden sind, sondern auch die, die arbeiten und die, die reich geboren sind und sowieso von der Arbeit Anderer leben. Das BGE befreit uns also von der aktuell herrschenden ( wie Sie es nennen) „Raubgesindelunrechtsordnug“. Deshalb ist Ihr Hasskomentar nicht nur völlig daneben, sondern auch das Dümmste, was ich je gelesen habe!
Nicht ich habe hier etwas falsch verstanden, sondern Sie haben offensichtlich nichts verstanden.
Deshalb nochmal: Ein BGE ist eine Raubgesindelunrechtsordnung deshalb, weil dazu ein extremes Ausrauben notwendig ist und zwar von den Fleißigen zu den Faulen.
Manuel Koppitz sagt
Das Bedingungslose Grundeinkommen wird bei der Bundestagswahl 2017 auf unseren Wahlzetteln stehen!
Die Partei „Bündnis Grundeinkommen“ macht das Bedingungslose Grundeinkommen wählbar!
Wir können jetzt Veränderung schaffen!
http://www.buendnis-grundeinkommen.de
M. Molli sagt
Mir fallen 1000 Gründe für ein Grundeinkommen ein, aber nicht ein einziger dagegen.
Dann sollten Sie mal anfangen sich mit der Thematik zu befassen und vor allem mit der Frage nach der Vereinbarkeit mit der Freiheitlichen Grundordnung, die u.a. ein fundamentales Diebstahlsverbot beinhaltet.
(Hinweis: Ein BGE wäre der größte, verbrecherische Raubzug aller Zeiten).
Zu „Freiheitlicher Grundordnung“, „fundamentalem Diebstahlsverbot“ und „größtem, verbrecherischen Raubzug aller Zeiten“ siehe:
http://www.algorithmics.is/wordpress/de/2017/07/28/ohne-die-grundlegenden-dinge/
Zudem ist es seltsam, wenn ein Mensch behauptet, er sei jenes Geldes beraubt worden, das er nachweislich gar nicht besitzt.
Daher verfüge ich als mündiger Bürger, dass meine nicht unerheblichen Steuerzahlungen vorrangig für die Bereitstellung eines BGE zu verwenden sind.
Zu Ihrer Beruhigung teile ich Ihnen mit, dass ich bei Verwirklichung des BGE dennoch weiterhin meiner Erwerbsarbeit nachgehen werde. Neben vielen weiteren Beweggründen, meine Erwerbsarbeit trotz BGE dennoch fortsetzen zu wollen, kommt nach Ihrer Einlassung noch ein weiterer Beweggrund hinzu: ich möchte nicht von skurrilen Personen die groteske Beschuldigung mir anhören, ich wäre einer jener, der sie jenes Geldes beraubt habe, das diese erklärtermaßen und nachweisbar gar nicht besaßen.
@be: Skurril sind hier höchstens Sie…
Ihr Link hat keinerlei Zusammenhang mit meinen Einlassungen; auch bezweifle ich den Wahrheitsgehalt.
Ihre Aussage „Zudem ist es seltsam, wenn ein Mensch behauptet, er sei jenes Geldes beraubt worden, das er nachweislich gar nicht besitzt.“ ist unverständlich, auch spreche ich von Raub in einem sehr allgemeinen Sinne, das ist nicht auf Geld beschränkt.
Sie können gar nicht darüber bestimmen, wofür ihre Steuergeldzahlung ausgegeben werden soll.
Vor allem aber haben Sie in keiner Weise meine Analyse widerlegt. Vielleicht fangen Sie zur Abwechslung ja Mal damit an, das zu versuchen (es wird Ihnen aber nicht gelingen), statt hier zu versuchen, durch Rabulistik und Obskurantismus zu glänzen.
Die Widerlegung einer Analyse setzt vorhandene Analyse voraus. Es war jedoch – auch bei genauer Lesart – keine aufzufinden.
Bei Durchsicht meiner Replik war auch kein Bestreben meinerseits feststellbar, die Menschen bewusst in Unwissenheit zu halten, ihr selbstständiges Denken zu verhindern, und sie an Übernatürliches glauben zu lassen. Ihr Vorwurf „Obskuantismus“ ist demnach haltlos.
Und Bezug nehmend zu Ihrem Eingeständnis, Sie könnten keinen Zusammenhang zwischen dem Inhalt des verlinkten Zitats und Ihrer Behauptung herstellen, wäre zu sagen, dass ich dazu völlig ungeeignet, um Sie aus dieser misslichen Situation herauszuholen.
Franz Sternbald sagt
E.V. sagt
Eine gute Idee, die wohl in der Praxis scheitern würde.
Es ist eine gute Idee jedoch gibt es in der Umsetzung noch zu viele Unklarheiten. dazu gehöhrt zumm Beispiel auch die Finanzierung des Projektes. Wenn dadurch die Mesnchen, welche nicht diese Gelder bekommen durch erhöhte Steuergelder zusätzlich belastet werden führt dies nicht zu einem positiven Augang. Dennoch sprechen viel Punkte für die Einführung eines solchen Grundeinkommens. Viele Berufe bei denen das Einkommen nicht gesichertz ist(z.B. Künstler) oder auch schritte zur unabhängigkeit werden attraktiver. Auch kann die Arbeitsmoral steigen, da man vom Gehalt absehen kann( man bekommt mit 1000 Euro im Monat genug geld um auch mit einem schlecht bezahlten Job überleben zu können) und sich mit dem befassen kann, wo man wirklich interessiert ist. Die Arbeitsmoral kann sich aber auch ins Negative Entwickeln. Mit dem Gedanken, warum man noch arbeiten sollte wenn man sowieso genug Geld bekommt um das Überleben zu sichern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Projekt großes Potential hat, es jedoch zu viele unklarheiten und möglicherweise negative Folgen gibt.
Wie wäre es mit folgender Betrachtung, die einen möglichen Finanzierungsvorschlag aus Steuergeldern skizziert. Als Arbeitstitel wäre „Arbeitsentzugssteuer“ denkbar:
Es gibt bekanntlich exakte Rechenmodelle, die exakt ermitteln, welcher Gewinn nach Amortisation daraus entsteht, dass ein Mensch durch eine Maschine ersetzt wird. Es gibt keine Veranlassung, diesen Zugewinn keiner Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht unterwerfen zu sollen, und zwar an jenem Standort, wo die Maschine steht. Bleibt doch damit für die Betriebe immer noch genügend Zugewinn übrig, um die Produkte billiger herstellen zu können, oder den Gewinn der Eigentümer zu erhöhen, je nach Gusto.
Das gleiche gilt für so genannte „Lohnveredelung“, die Verbrämung für „Lohndumping“. Auch hier gibt es exakte Rechenmodelle, welche den Zugewinn ermitteln, der daraus entsteht, dass eine Fertigung in einem Billiglohnland ausgeführt wird, und nicht vor Ort. Es gibt keine Veranlassung, diesen Zugewinn aus der Differenz der Löhne keiner Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht unterwerfen zu sollen, und zwar an jenem Standort, wohin das lohnveredelte Produkt geliefert. Bleibt doch damit für die Betriebe immer noch genügend Zugewinn übrig, um die Produkte billiger herstellen zu können, oder den Gewinn der Eigentümer zu erhöhen, je nach Gusto.
Es wäre daher kein Eingriff in die Handlungsfreiheit der Unternehmen, sondern nur die Besteuerung jenes Mehrgewinns, der aus Entzug menschlicher Arbeit mittels maschineller Arbeit, oder aus Ausnutzung billigerer Arbeitskräfte im Ausland erzielt. Denn beide Maßnahmen ersparen den Betrieben nicht nur die Löhne für die Fertigung, sondern entziehen auch dem Staat Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge, welche nun durch eine „Entzugssteuer“ kompensiert.
Da die Entscheidungsträger über den Staatshaushalt nach ideologischen Gesichtspunkten die Rangfolge der Bedarfe nach Gusto festlegen, statt sich am vorhandenen Mangel seines Souveräns zu orientieren, wäre erforderlich, dieser auf diese Art und Weise erhobenen Entzugssteuer eine Zweckbindung beizustellen, und zwar derart, dass diese Steuereinnahmen ausschließlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu verwenden sind.
Was spräche dagegen, den aufgezeigten Finanzierungsvorschlag einer Analyse zu unterziehen? Mit dem Gebrauch des Wortes „Analyse“ wird hier eine ganzheitliche, systematische Untersuchung bezeichnet, bei der das untersuchte Objekt zergliedert und in seine Bestandteile zerlegt wird, diese anschließend geordnet, untersucht und ausgewertet werden, wobei auch die Beziehungen der einzelnen Elemente und deren Integration zu berücksichtigen sind.
L. Müller sagt
Die Idee ansich klingt im ersten Moment wirklich gut und gerecht, wenn alle ein gewisses Grundeinkommen erhalten um ihre Existenz zu sichern. Jedoch zeigt sich bei weiterem Betrachten, dass diese Idee momentan in keiner Weise umgesetzt werden kann. Es spricht jedoch nichts dagegen dieses Sytem in verschiedenen Modellen bereits zu testen. Auch, wenn das nicht vollständig das Ergebnis zeigen kann, welches sich bei einem Staat zeigt, wo dann wirklich jeder das BGE erhält.
So kann man aber Schwächen dieser Idee erkennen und verbessern.
parasit1 sagt
Es wäre realistisch gesehen nicht möglich, ein solches Konzept sinnvoll umzusetzen. Abgesehen von den sogenannten „Sozialschmarotzern“, würde das System auch viele andere negative Aspekte für die Individuen der Gesellschaft mit sich bringen, besonders psychische Beeinträchtigungen durch Sinnesleere (zurückzuführen auf die Pflicht- und Ziellosigkeit). Außerdem würden sich die finanziellen Möglichkeiten eines jeden Menschen erhöhen und der Markt würde sich dem anpassen (das Geld würde seinen Wert verlieren).
Eine steile These, dass Entgeltarbeit aus nichtselbständiger Arbeit vor Sinnesleere bewahre, und außerhalb dieser nur Pflichtlosigkeit und Ziellosigkeit warte.
Könnte es sein, dass Sie bei einem Ochsen, der an einem Brunnen den lieben langen Tag im Kreis läuft, und durch diese Drehbewegung über ein Förderrad Wasser aus einem Schacht schöpft, psychische Beeinträchtigungen durch Sinnesleere befürchten, falls dieser selbst entscheiden dürfe, wozu er sonst noch nützlich sei?
Jeder Ochse würde sich, wenn er selbst entscheiden könnte, was er tut, zu seinen Artgenossen (auf eine Wiese oder whatever) stellen und nix tun, weil das ein Ochse nunmal im Naturzustand so macht, wenn er zur Arbeit nicht verpflichtet wird – genau wie der Mensch.
Genau wie der Mensch???
Wer wirklich nicht arbeiten will, kann schon heute von Sozialhilfe leben. Neu ist doch nur, die Bedingunglosigkeit und dass es das Grundeinkommen für alle gibt. Was ist denn so schlimm daran, wenn Menschen sich nicht mehr demütigen lassen müssen um leben zu können?
Jürgen Jakubeeit sagt
Es ist m. E. unwichtig, was man vom BGE hält. Dieser Staat wird gezwungen sein, seine Bürger bedingungslos zu ernähren, sie zu kleiden, ihnen ein Dach über dem Kopf zu bieten und für Bildung zu sorgen. Arbeitsplätze werden weiter abgebaut werden, denn Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft stehen sich absolut feindlich gegenüber. Arbeit wird weiter nach Asien verlagert, denn der Wert der Arbeit richtet sich nicht nach erzielten Leistung sondern nach dem Lebensstandard in der Region. Also ist das BGE das einzig mögliche Modell für Westeuropa. Steuern sind dann nur noch über den Konsum zu regeln. Und selbstverständlich wird derjenige der sich nicht der Askese verschreibt weiterhin arbeiten um eben mehr konsumieren zu können.
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