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Timestamp: 2020-08-12 04:50:19+00:00

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Todesfallleistung der Lebensversicherung - und die Entscheidung zum Versorgungsausgleich | Rechtslupe
Todesfallleistung der Lebensversicherung - und die Entscheidung zum Versorgungsausgleich
Hat der Ver­sor­gungs­trä­ger in sei­ner Aus­kunft gegen­über dem Fami­li­en­ge­richt von der Mög­lich­keit der Beschrän­kung des Risi­ko­schut­zes auf die Alters­ver­sor­gung unter Aus­schluss der Todes­fall­leis­tung gemäß § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Halb­satz 2 VersAus­glG Gebrauch gemacht, kann die­se Aus­kunft bei der Aus­le­gung des Tenors eines fami­li­en­ge­richt­li­chen Beschlus­ses, der kei­nen Tat­be­stand und kei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ent­hält, berück­sich­tigt wer­den.
Ein­schlä­gi­ge gesetz­li­che Rege­lun­gen für den Ver­sor­gungs­aus­gleich sind die §§ 10 und 11 VersAus­glG. Gemäß § 10 Abs. 1 VersAus­glG über­trägt das Fami­li­en­ge­richt für die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son zu Las­ten des Anrechts der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son ein Anrecht in Höhe des Aus­gleichs­werts bei dem Ver­sor­gungs­trä­ger, bei dem das Anrecht der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son besteht (inter­ne Tei­lung). Maß­geb­lich hier­für sind die Rege­lun­gen über das aus­zu­glei­chen­de und das zu über­tra­gen­de Anrecht (§ 10 Abs. 3 VersAus­glG), hier also die Bestim­mun­gen der Tei­lungs­ord­nung der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft. Gemäß § 11 Abs. 1 Satz 1 VersAus­glG muss die inter­ne Tei­lung die gleich­wer­ti­ge Teil­ha­be der Ehe­gat­ten an den in der Ehe­zeit erwor­be­nen Anrech­ten sicher­stel­len. Dies ist gewähr­leis­tet, wenn im Ver­gleich zum Anrecht der aus­gleichs­pflich­ti­gen Risi­ko­schutz Per­son gewährt wird (§ 11 der Abs. 1 Satz 2 glei­che Nr. 3 Halb­satz 1 VersAus­glG). Der Ver­sor­gungs­trä­ger kann den Risi­ko­schutz aller­dings auf eine Alters­ver­sor­gung beschrän­ken, wenn er für das nicht abge­si­cher­te Risi­ko einen zusätz­li­chen Aus­gleich bei der Alters­ver­sor­gung schafft (§ 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Halb­satz 2 VersAus­glG). Für das Anrecht der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son gel­ten die Rege­lun­gen über das Anrecht der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son ent­spre­chend, soweit nicht beson­de­re Rege­lun­gen für den Ver­sor­gungs­aus­gleich bestehen (§ 11 Abs. 2 VersAus­glG).
Wegen der rechts­ge­stal­ten­den Wir­kung der gericht­lich aus­ge­spro­che­nen inter­nen Tei­lung fällt den Gerich­ten die Auf­ga­be zu, die recht­li­che Ver­ein­bar­keit der nach § 10 Abs. 3 VersAus­glG her­an­zu­zie­hen­den unter­ge­setz­li­chen Ver­sor­gungsund Tei­lungs­ord­nung mit höher­ran­gi­gem Recht zu über­prü­fen [1], ins­be­son­de­re ob die­se Rege­lun­gen am Maß­stab des § 11 Abs. 1 VersAus­glG gemes­sen eine gleich­wer­ti­ge Teil­ha­be der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son gewähr­leis­ten [2]. Wenn die Vor­aus­set­zun­gen einer gleich­mä­ßi­gen Teil­ha­be nicht vor­lie­gen, darf das Gericht das Anrecht nicht nach Maß­ga­be der Ver­sor­gungs­re­ge­lung des Ver­sor­gungs­trä­gers aus­glei­chen [3]. Durch die obli­ga­to­ri­sche Bezug­nah­me auf die maß­geb­li­chen Ver­sor­gungsund Tei­lungs­re­ge­lun­gen in der Beschluss­for­mel bringt das Fami­li­en­ge­richt zum Aus­druck, dass es die Anfor­de­run­gen des § 11 Abs. 1 VersAus­glG geprüft und für erfüllt erach­tet hat [4].
uf die­ser Grund­la­ge hat der Bun­des­ge­richts­hof in zahl­rei­chen Ent­schei­dun­gen aus­ge­führt, die rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung der gericht­li­chen Ent­schei­dung bezüg­lich der Über­tra­gung eines Anre chts in Höhe des Aus­gleichs­werts erfor­de­re eine genaue Bezeich­nung der Art und der Höhe des für den Berech­tig­ten zu über­tra­gen­den Ver­sor­gungs­an­rechts. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist es daher bei der inter­nen Tei­lung gebo­ten, die maß­geb­li­chen Tei­lungsund Ver­sor­gungs­re­ge­lun­gen in der gericht­li­chen Ent­schei­dung kon­kret zu bezeich­nen, um damit den Inhalt des für den Aus­gleichs­be­rech­tig­ten bei dem Ver­sor­gungs­trä­ger geschaf­fe­nen Anrechts klar­zu­stel­len [5].
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft von der Mög­lich­keit der Beschrän­kung des Risi­ko­schut­zes auf die Alters­ver­sor­gung unter Aus­schluss der Todes­fall­leis­tung gemäß § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Halb­satz 2 VersAus­glG Gebrauch gemacht und hier­auf in ihrem Schrei­ben vom 31.08.2012 unter Bezug­nah­me auf die Tei­lungs­ord­nung gegen­über dem Fami­li­en­ge­richt aus­drück­lich hin­ge­wie­sen. Zugleich hat sie den Aus­gleichs­wert mit 8.536,57 € ermit­telt. Das Fami­li­en­ge­richt hat die­se Beschrän­kung des Risi­ko­schut­zes auf eine Alters­ver­sor­gung indes­sen nicht aus­drück­lich erwähnt, son­dern im Tenor des Schei­dungs­be­schlus­ses ledig­lich pau­schal ein Anrecht der Ehe­frau zuguns­ten des Ehe­man­nes in Höhe von 8.536,57 € auf die­sen über­tra­gen.
Eine Aus­le­gung des Beschlus­ses ergibt jedoch, dass die Beschrän­kung dort über­nom­men wor­den ist. Zu Unrecht hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf in der Vor­in­stanz allein auf den Wort­laut des Tenors abge­stellt und aus­ge­führt, die­sem las­se sich eine Beschrän­kung des Risi­ko­schut­zes auf die Alters­ver­sor­gung nicht ent­neh­men [6]. Zwar ist der Umfang der Rechts­kraft eines Urteils nach der stän­di­gen Rechtsp­re chung des Bun­des­ge­richts­hofs in ers­ter Linie der Urteils­for­mel zu ent­neh­men. Reicht die­se indes­sen allein nicht aus, den Umfang der Rechts­kraft zu bestim­men, sind zur Aus­le­gung aber auch Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­grün­de, erfor­der­li­chen­falls auch das Par­tei­vor­brin­gen, her­an­zu­zie­hen [7]. So liegt es hier. Der Beschluss des Fami­li­en­ge­richts ent­hält kei­nen Tat­be­stand und kei­ne Ent­schei­dungs­grün­de. Die Revi­si­on weist jedoch zu Recht dar­auf hin, dass das Fami­li­en­ge­richt indem es zuguns­ten des Ehe­man­nes ein Anrecht in Höhe von 8.536,57 € über­trug einen Aus­gleichs­wert bestimmt hat, der nach Maß­ga­be der Tei­lungs­ord­nung bereits eine Kom­pen­sa­ti­on für das weg­ge­fal­le­ne Risi­ko der Bei­trags­er­stat­tung im Todes­fall beinhal­ten soll. Aus dem Tenor lässt sich zwar ledig­lich ent­neh­men, dass im Wege der inter­nen Tei­lung zuguns­ten des Ehe­man­nes ein Anrecht in Höhe von 8.536,57 € zuzüg­lich der Hälf­te des ermit­tel­ten Ehe­zeit­an­teils des Anrechts auf Schlus­s­über­schuss­an­tei­le und Bewer­tungs­re­ser­ven, bezo­gen auf den 30.06.2012, über­tra­gen wird. Hier­mit hat das Fami­li­en­ge­richt aber genau den Betrag zugrun­de gelegt, den die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft in ihrem Schrei­ben an das Fami­li­en­ge­richt vom 31.08.2012 als Vor­schlag für den Aus­gleichs­wert genannt hat. Die­ser vom Fami­li­en­ge­richt über­nom­me­ne Wert kann nicht iso­liert gese­hen, son­dern muss im Zusam­men­hang mit der Ver­sor­gungs­aus­kunft der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft gewür­digt wer­den. Aus der Aus­kunft der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft ergibt sich, dass der Risi­ko­schutz auf eine rei­ne Alters­ver­sor­gung gemäß § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Halb­satz 2 VersAus­glG beschränkt wer­den soll­te. Anhalts­punk­te dafür, dass es sich bei dem von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft errech­ne­ten Aus­gleichs­wert von 8.536,57 € nicht um den maß­geb­li­chen Wert für die Alters­ver­sor­gung han­delt, bei dem für das nicht abge­si­cher­te Risi­ko des Todes­fall­schut­zes ein zusätz­li­cher Aus­gleich geschaf­fen wur­de, bestehen ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts nicht. Dies wird bestä­tigt durch Ziff. 5 der Tei­lungs­ord­nung, die bestimmt, dass die Erhö­hung gemäß § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Halb­satz 2 VersAus­glG bereits im Rah­men der Ermitt­lung des Aus­gleichs­werts erfolgt ist.
Es ist auch nicht ersicht­lich, dass das Fami­li­en­ge­richt die Ver­ein­bar­keit der vor­ge­leg­ten Tei­lungs­ord­nung der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft mit höher­ran­gi­gem Recht, hier §§ 10, 11 VersAus­glG, geprüft und mit der Nicht­er­wäh­nung der Rechts­grund­la­gen in der Beschluss­for­mel zum Aus­druck hät­te brin­gen wol­len, dass es die­se Rege­lun­gen des Ver­sor­gungs­trä­gers für unwirk­sam hält. Viel­mehr belegt die Über­nah­me des von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft in ihrer Aus­kunft genann­ten Aus­gleichs­werts das Gegen­teil.
Da die erfor­der­li­chen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen getrof­fen und wei­te­re Fest­stel­lun­gen nicht zu erwar­ten sind, kann der Bun­des­ge­richts­hof die erfor­der­li­che Aus­le­gung des Inhalts des Beschlus­ses des Fami­li­en­ge­richts selbst vor­neh­men [8]. Dies führt hier dazu, dass der Beschluss des Fami­li­en­ge­richts vom 13.03.2013 in Ver­bin­dung mit dem Schrei­ben der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft vom 31.08.2012 sowie der zugrun­de­lie­gen­den Tei­lungs­ord­nung eine Beschrän­kung des Risi­ko­schut­zes auf eine Alters­ver­sor­gung gemäß § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Halb­satz 2 VersAus­glG zum Gegen­stand hat.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Janu­ar 2020 – IV ZR 54/​19
BGH, Beschluss vom 25.02.2015 – XII ZB 364/​14, FamRZ 2015, 911 Rn. 11[↩]
BGH, Beschluss vom 07.03.2018 – XII ZB 408/​14, BGHZ 218, 44 Rn. 39[↩]
BGH, Beschluss vom 25.02.2015, aaO[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 07.03.2018, aaO; vom 26.01.2011 – XII ZB 504/​10, FamRZ 2011, 547 Rn. 25[↩]
vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 19.11.2014 – XII ZB 353/​12, FamRZ 2015, 313 Rn. 13; vom 17.09.2014 – XII ZB 178/​12, FamRZ 2014, 1982 Rn. 26; XII ZB 537/​12, NZFam 2014, 1040 Rn. 28; vom 25.06.2014 – XII ZB 568/​10, FamRZ 2014, 1534 Rn. 17 f.; vom 29.05.2013 – XII ZB 663/​11, FamRZ 2013, 1546 Rn. 10; vom 23.01.2013 – XII ZB 541/​12, FamRZ 2013, 611 Rn. 9; vom 26.01.2011 – XII ZB 504/​10, FamRZ 2011, 547 Rn. 24, 27[↩]
OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 12.02.2019 – I‑24 U 21/​18, VersR 2019, 903; zustim­mend Ada­mus, juris­PR­FamR 15/​2019 Anm. 4[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.07.2014 – I ZR 27/​13, GRUR 2015, 269 Rn.19; Zöller/​Vollkommer, ZPO 33. Aufl. Vor § 322 Rn. 31[↩]
zur Aus­le­gung durch das Revi­si­ons­ge­richt vgl. BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 12.12 1997 – V ZR 250/​96, NJW 1998, 1219 unter – II 3; Zöller/​Heßler, ZPO 33. Aufl. § 546 Rn. 10; fer­ner BGH, Urteil vom 14.12 2016 – IV ZR 527/​15, VersR 2017, 216 Rn. 16 zur Aus­le­gung von Kla­ge­an­trä­gen durch das Revi­si­ons­ge­richt[↩]
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References: § 11
 § 10
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 § 11
 § 322
 § 546