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Timestamp: 2020-04-06 10:02:03+00:00

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Das Küstengewässer erstreckt sich entweder von der Küstenlinie oder der der Basislinie bis zur 12-Seemeilengrenze, an die sich die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) anschließt. Die deutsche AWZ in der Nordsee reicht bis zur Doggerbank und umfasst eine Fläche von insgesamt 28.550 km² (BSH, 2009). Die deutsche AWZ in der Ostsee ist sehr viel kleiner. Sie umfasst rund 4.500 km² (BSH, 2009). Das schleswig-holsteinische Küstengewässer der Nordsee nimmt eine Fläche von rund 7.000 km², das der Ostsee von rund 3.030 km² ein. Auf Grundlage des Artikel 12 Seerechtsübereinkommen wurde auch die Tiefwasserreede in der Deutschen Bucht 30 Kilometer westlich von Helgoland zum Bestandteil des Küstenmeeres erklärt.
Das Küstenmeer ist Teil des Staatsgebietes. Es unterliegt somit der gesamten nationalen Rechtsordnung. In der AWZ, die nicht zum Hoheitsgebiet eines Küstenstaates gehört, gilt dieses nur im Rahmen der völkerrechtlich zugewiesenen und funktional begrenzten souveränen Rechte und Hoheitsbefugnisse. Hierzu gehören unter anderem die Erforschung und Ausbeutung, die Bewirtschaftung und Erhaltung der lebenden und nicht lebenden natürlichen Ressourcen sowie wirtschaftliche Tätigkeiten wie die Energienutzung aus Wasser, Strömung und Wind sowie der Bau künstlicher Inseln und Anlagen. Hierzu gehört andererseits auch der Meeresumweltschutz. Die deutschen Küstengewässer sind Bestandteil der Küstenländer.
Plastikmüll beeinträchtigt die Meeresumwelt auf vielfältige Weise. Meerestiere können sich in Müllteilen verfangen (beispielsweise Baßtölpel in der Kolonie auf Helgoland), und sie können sie mit Nahrung verwechseln und verschlucken (beispielsweise Eissturmvögel). Müllteile können Meeresorganismen bedecken und sie ersticken oder töten. Müll in der Meeresumwelt wird von Touristen und Strandbesuchern als störend empfunden und er verursacht finanzielle Schäden in beträchtlicher Höhe, die durch die notwendigen Reinigungsaktionen sowie die Reparatur von Schäden, beispielsweise durch in Schiffsschrauben gefangenen Müll, entstehen. Der Einfluss von sehr kleinen Müllteilen, sogenanntem Mikromüll, auf die Meeresumwelt ist noch weitgehend unbekannt. Bei immer mehr Tierarten werden jedoch Mikroplastikteile im Magen nachgewiesen. Derartige Partikel sind inzwischen überall in der Meeresumwelt nachweisbar.
Die Entfernung von Müll ist größtenteils ökologisch nicht verträglich, da beim Fischen nach Müll in der Wassersäule auch Lebewesen mit gefangen werden. Der auf den Meeresboden absinkende Müll ist nicht effizient rückholbar, da großflächiges und mechanisches Sammeln zu einer Zerstörung des Lebensraums am Meeresboden führt. Umso wichtiger sind die Vermeidung land- wie seebasierter Einträge, die Substitution von Plastik bereits zu Beginn des Kreislaufes sowie eine diesbezügliche Bewusstseinsbildung.
Die Fischerei gehört zu den traditionellen Nutzungsformen im Meer, deren Erhalt ausdrückliches Ziel der Landesregierung ist. Sie wird im Rahmen der EU-Fischereipolitik (GFP) geregelt. Seit der Reform 2013 steht das Gebot der Nachhaltigkeit bei der GFP an erster Stelle. Bis 2020 sollen alle Bestände nach den Prinzipien des maximal nachhaltigen Dauerertrags bewirtschaftet werden. Dabei werden auch die Umweltauswirkungen der jeweiligen Fischerei betrachtet und bewertet.
Der Abbau von Sand und Kies erfolgt in der Nordsee und hier im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ausschließlich für Maßnahmen des Küstenschutzes (und in sehr geringem Umfang für die direkte Versorgung der nordfriesischen Inseln und Halligen). Im derzeitigen Bewilligungsfeld Westerland findet auf einer Fläche von 5,5 km² eine kontinuierliche Sandentnahme statt. Sie ist bis zum 31. Dezember 2030 befristet. In der Ostsee vor Schleswig-Holstein erfolgt kein Sand- und Kiesabbau.
Die Attraktivität des Meeres und seiner unmittelbaren Küste für den Tourismus sind hoch. Rund 80 Prozent der Übernachtungen in Schleswig-Holstein entfallen auf die Küstenregionen und Inseln des Landes.
Nach § 1 Absatz 2 EEG soll der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von rund 37,7 Prozent (erstes Halbjahr 2017) auf 40 bis 45 Prozent in 2025, auf 55 bis 60 Prozent in 2035 und auf mindestens 80 Prozent in 2050 (§ 1 Absatz 2 EEG) gesteigert werden. Damit geht auch Ausbau der Offshore Windkraftnutzung einher.
Diese entwickelt sich weitgehend außerhalb der Küstengewässer Schleswig-Holsteins innerhalb der AWZ. Nach § 4 Absatz 2 EEG sollen durch Windkraftanlagen auf See 6.500 MW im Jahr 2020 und 15.000 MW im Jahr 2030 erreicht sein.
Insgesamt sind in Deutschland 1.169 Offshore Windkraftanlagen mit einer Leistung von 5.387 MW (rund 5.400 MW) in Betrieb (997 Offshore Windkraftanlagen mit 4.695 MW in der Nordsee und 172 Offshore Windkraftanlagen mit 692 MW in der Ostsee). In Schleswig-Holstein sind über das Umspannwerk in Büttel 1.778 MW an das Netz angeschlossen.
Mit der Nutzung der Windenergie auf dem Meer sind Auswirkungen auf den Natur- und Artenschutz, die Schifffahrt sowie auf den Tourismus verbunden. Für die Avifauna können Nahrungs-, Brut- und Mausergebiete verloren gehen. Für Zugvögel können die Anlagen Hindernisse darstellen, die bei bestimmten Wetterlagen zu tödlichen Kollisionen führen können. Während der Errichtung der Anlagen werden durch Rammarbeiten der Gründungspfähle Schallemissionen erzeugt, die aufgrund ihrer Intensität in der Lage sind, marine Säuger (insbesondere Schweinswale und Seehunde) zu gefährden. Mit den festen Bauwerken entstehen zudem Havarierisiken, die sich auf die Küstengewässer auswirken können. Mit den Bauwerken im offenen Meer können weiterhin Beeinträchtigungen des freien Meereshorizontes verbunden sein. Aus Gründen des Naturschutzes, des Tourismus und der Schifffahrt ist eine Entwicklung von Offshore Windkraftanlagen küstennah, das heißt im Bereich der Küstengewässer der Nordsee ausgeschlossen worden (Drucksache 15/626 vom 21.12.2000). Im Küstengewässer der Ostsee ist über ein Raumordnungsverfahren aus dem Jahr 2003 die Offshore Windenergienutzung auf einer Fläche von 13,5 km² in der Mecklenburger Bucht (siehe Landesentwicklungsplan Schleswig-Holstein 2010, Ziffer 3.5.2 Absatz 16 Z) zugelassen worden.
Die im Offshorebereich errichteten Windkraftanlagen benötigen Anbindungsleitungen an das landseitige Stromnetz. In Büsum landen die Strom abführenden Kabelsysteme der Offshore Windparks, die vor der Westküste liegen, an. Hierzu gehören die Netzanbindungen der Offshore Windparks Amrumbank/ West, Nordsee/ Ost, Meerwind Süd und Meerwind Ost aus dem Cluster HelWin rund 30 Kilometer nordwestlich der Insel Helgoland sowie die Netzanbindungen der Offshore Windparks Butendiek, DanTysk, Sandbank und Nördlicher Grund aus dem Cluster SylWin rund 34 – 60 Kilometer westlich der Insel Sylt. Um die Auswirkungen für Natur und Umwelt sowie den Artenschutz durch das Verlegen von Stromkabeln, insbesondere im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, möglichst gering zu halten, werden die Strom abführenden Kabel der Offshore Windparks in einem Trassenkorridor an der 12-Seemeilengrenze zusammengefasst und unter Meidung der Schutzzone 1 sowie der Nullnutzungszone des Nationalparkes zum Anlandungspunkt in Neuenkoog, Büsum, geführt. Die Verlegungstiefe wird durch die Gewährleistung der Sicherheit des Schiffsverkehrs sowie unter Zugrundelegung des 2 Kelvin-Kriteriums, mit dem sichergestellt wird, dass sich die bodennahen Sedimente in 30 Zentimeter Tiefe nicht mehr als 2 Kelvin erwärmen, bestimmt.
Seit dem 26. November 2007 ist die „Richtlinie 2007/60/EG über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken“ (HWRL) der EU in Kraft. Ziel der Richtlinie ist es, einen Rahmen für die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken zur Verringerung der hochwasserbedingten nachteiligen Folgen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten zu schaffen.
Die HWRL verfolgt damit den Zweck, durch einen grenzübergreifend abgestimmten Hochwasserschutz in den Flussgebietseinheiten, inklusive der Küstengebiete, die Hochwasserrisiken zu reduzieren und die Hochwasservorsorge sowie das Risikomanagement zu verbessern.
Die ersten Hochwasserrisikomanagementpläne dienen im Rahmen bestehender Zuständigkeiten und rechtlicher Verpflichtungen als Grundlage für alle Planungen des Hochwasserrisikomanagements für den Umsetzungszeitraum von 2016 bis 2021.
Insgesamt steht das Hochwasserrisikomanagement in Wechselwirkung mit anderen EU-Richtlinien. Nach Vorgaben der Europäischen Kommission sind bei der Erarbeitung der Hochwasserrisikomanagementpläne weitere EU-Richtlinien zu beachten. Im Rahmen der Abstimmung wurden unter anderem auch die Ziele der FFH-Richtlinie berücksichtigt. Deshalb werden im Hinblick auf weitere umweltpolitische Ziele gemeinsame Synergien im Sinne eines „Win-Win“-Ansatzes genutzt, um eine effiziente und sinnvolle Nutzung von Ressourcen zu gewährleisten.
Die von Flusshochwasser und Küstenhochwasser bedrohten Gebiete sind in Abbildung 11: Hochwasserrisikogebiete: Fluss- und Küstenhochwasser dargestellt.
Durch Rechtsverordnung werden die innerhalb der Risikogebiete oder der nach § 73 Absatz 5 Satz 2 Nummer WHG zugeordneten Gebiete, mindestens die Gebiete, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist und die zur Hochwasserentlastung und Rückhaltung beanspruchten Gebiete, festgesetzt.
Im Planungsraum gibt es an der Stör, der Krückau, der Pinnau, der Alster, der Bille und der Trave durch Rechtsverordnung festgesetzte Überschwemmungsgebiete und darüber hinaus Überschwemmungsgebiete über die Legaldefinition.
Im Planungsraum leben zum Zeitpunkt des ersten Hochwasserrisikomanagements etwa 230.500 Menschen in 2.011 km2 potenziell signifikanten Küstenhochwasserrisikogebieten. Die von Flusshochwasser und Küstenhochwasser bedrohten Gebiete sind in Abbildung 11: Hochwasserrisikogebiete: Fluss- und Küstenhochwasser dargestellt (HW 200 (§§ 73, 74 WHG bzw. Art. 6 HWRL)).
Diese Gebiete werden unter anderem durch 192 Kilometer Landesschutzdeiche und 13 Kilometer Regionaldeiche vor Sturmfluten geschützt.
Deiche, Dämme und Vorlandarbeiten schützen Menschen, ihre Siedlungen und Wirtschaftsgüter vor Hochwasser und Sturmfluten. Dabei hat der Küstenschutz in der Abwägung Vorrang vor anderen Belangen. Auch im Nationalpark (Kapitel 4.2.2: Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Weltnaturerbe) gilt der Grundsatz, dass Maßnahmen des Küstenschutzes einschließlich der Vorlandsicherung nicht eingeschränkt werden. Die im „Generalplan Küstenschutz des Landes Schleswig-Holstein – Fortschreibung 2012, Kiel“ vorgesehenen Schutzmaßnahmen an der Festlandküste und den vorgelagerten Inseln und Halligen stellen den Schutz der Küsten vor Hochwasser und Sturmfluten sicher. Für den Bereich der Nordsee gilt gemäß der Wattenmeerstrategie 2100 (siehe in den Erläuterungen, Kapitel 4: Klimawandel) bereits heute darauf zu achten, dass Küstenschutzmaßnahmen einem Sedimentmangel im Wattenmeer keinen Vorschub leisten. Im Ausnahmefall kann es jedoch, auch aus naturschutzfachlicher Sicht, sinnvoll sein, das Material aus der Nähe der Maßnahme zu entnehmen, zum Beispiel, um die erforderlichen Transportstrecken signifikant zu verringern. In diesem Fall wäre die lokale Entnahme durch externe Sedimentzugabe an der Wattenmeer-Außenküste, wie in der Strategie empfohlen, zu kompensieren.
Maßnahmen des Küstenschutzes können auch dazu beitragen, küstennahe Niederungsflächen ökologisch aufzuwerten.
Der Klimawandel führt zu einem beschleunigten Meeresspiegelanstieg. Im fünften Klimabericht des UNO Klimagremiums IPCC (2013) werden Werte zwischen etwa 0,3 Meter und 0,9 Meter für den zu erwartenden Meeresspiegelanstieg für den Zeitraum zwischen 2000 bis 2100 angegeben. Es existieren jedoch Veröffentlichungen, die einen wesentlich höheren Meeresspiegelanstieg prognostizieren. Aktuelle Projektionen liegen zwischen etwa 0,5 Meter und 1,4 Meter bis zum Jahre 2100. In der Folge werden die Küsten und Küstenschutzanlagen künftig erhöhten hydrologischen Belastungen ausgesetzt sein.
Damit hat nicht nur der Betrag des möglichen Meeresspiegelanstieges, sondern insbesondere auch die Bandbreite der Projektionen zugenommen. Für das Land Schleswig-Holstein stellt diese Unschärfe eine erhebliche Herausforderung hinsichtlich einer vorsorglichen und gleichzeitig kosteneffizienten Küstenschutzstrategie dar. Um der Unsicherheit zu begegnen, hat Schleswig-Holstein ein neues Konzept für Deichverstärkungen entwickelt (MELUR, 2013). Wenn ein Landesschutzdeich den Sicherheitsstandards nicht mehr erfüllt und verstärkt werden muss, wird bei der Bemessung zunächst ein Klimazuschlag in Höhe von 0,5 Meter aufgeschlagen. Zusätzlich wird die Außenböschung des Deiches abgeflacht und die Deichkrone verbreitert. Dadurch wird eine Baureserve geschaffen. Wenn der Meeresspiegelanstieg höher als 0,5 Meter ausfällt, kann dem neuen Deich ohne größeren Aufwand eine so genannte Deichkappe aufgesetzt werden. In zwei Bauphasen kann auf diese Weise mit dem Konzept der „Klimadeiche“ einem Meeresspiegelanstieg von bis zu 1,5 Meter ohne Sicherheitsverluste für die Bevölkerung begegnet werden. Die für die Klimafolgenanpassungsmaßnahmen erforderlichen Flächen sind von neuen baulichen Anlagen freizuhalten. Entsprechend dürfen gemäß § 80 Absatz 1 Nummer 1 Landeswassergesetz Schleswig-Holstein (LWG) bauliche Anlagen in einer Entfernung bis zu 50 Metern landwärts vom Fußpunkt der Innenböschung von Landesschutzdeichen und bis zu 25 Metern vom Fußpunkt der Innenböschung von Regionaldeichen nicht errichtet oder wesentlich geändert werden.
Darüber hinaus muss infolge des Meeresspiegelanstiegs mittel- bis langfristig mit verstärktem Küstenabbruch gerechnet werden. Im Sinne der Küstensicherung ist ein Küstenstreifen von neuen Nutzungen freizuhalten, um somit zusätzliche Schäden infolge von Küstenabbruch zu verhindern. Entsprechend dürfen gemäß § 80 Absatz 1 Nummer 3 LWG bauliche Anlagen in einer Entfernung bis zu 150 Metern landwärts von der oberen Böschungskante eines Steilufers oder vom seewärtigen Fußpunkt einer Düne oder eines Strandwalls nicht errichtet oder wesentlich verändert werden.
Das Klima hat wesentliche Auswirkungen auf die natürliche Vegetation, die Verbreitung der Tier- und Pflanzenarten, die Gewässer, den Boden und seinen Wasserhaushalt. Das Klima in Schleswig-Holstein wird maßgeblich durch die Lage zwischen Nord- und Ostsee geprägt und ist als gemäßigtes, feucht-temperiertes, ozeanisches Klima zu bezeichnen. Dabei bestimmen im Westteil des Planungsraumes atlantische Luftmassen, die mit Westdrift aus den gemäßigten Breiten herangeführt werden, das ganzjährig wechselhafte Wettergeschehen. Der maritime Einfluss nimmt in östlicher Richtung ab. Der südöstliche und teils der östliche Teil des Planungsraums weisen ein kontinental geprägtes Klima auf. Dieses ist geprägt durch einen früheren Anstieg der Temperaturen im Frühjahr sowie einen rascheren Absinken dieser im Herbst. Deutlich wird dieser Unterschied auch am phänologischen Frühlingsbeginn. Dieser beginnt im Kreis Herzogtum Lauenburg beispielsweise zehn bis 14 Tage früher als an der Westküste.
Die Niederschlagsverteilung nimmt deutlich von Westen nach Osten ab. Es sind vergleichsweise große regionale Unterschiede in den durchschnittlichen Jahressummen5 festzustellen. Die höchsten Niederschläge werden im Raum Dithmarschen mit bis zu rund 940 Millimetern und bis über 1.000 Millimetern im Bereich der Steinburger Geest erreicht, was den Spitzenwert für Schleswig-Holstein darstellt. Die Niederschlagsmengen liegen in den Elbmarschen mit rund 800 Millimetern und im Bereich Lübeck und im Herzogtum Lauenburg mit rund 710 bis 740 Millimetern deutlich darunter. Die niedrigsten Werte werden an den Küsten Ostholsteins (rund 600 Millimeter) und auf der Insel Fehmarn mit rund 570 Millimetern gemessen. Damit gehen eine Abnahme der Wolkenbedeckung und eine höhere Sonnenscheindauer einher. Sie liegt zwischen 1.700 und 1.800 Stunden pro Jahr und macht diese Region zu dem sonnenreichsten Gebiet in Schleswig-Holstein. Ab Juli bis in den Winter hinein liegen die Temperaturen hier über den Landesmittelwerten, da die Ostsee als Wärmelieferant wirkt. Im Bereich der Marsch erreichen die Mitteltemperaturen im Januar plus 1,5 Grad Celsius. Im Bereich der Geest sinken sie auf 1,2 Grad Celsius und im südöstlichen Landesteil auf 0,9 Grad Celsius ab. Im Juli betragen sie an der Nordseeküste 17,3 Grad Celsius. Im Bereich des Hamburger Randgebietes steigen sie auf 17,5 Grad Celsius und erreichen auf Fehmarn 17,6 Grad Celsius.
Die Hauptwindrichtungen sind West und Südwest. Bei kontinentalem Wettereinfluss kann der Wind im Osten des Planungsraumes insbesondere im Winter und im Frühjahr auch längere Zeit aus östlichen Richtungen wehen. Windstille tritt im Planungsraum wie auch im gesamten Schleswig-Holstein, selten auf.
Diese beeinflussen Bildung, Abfluss oder auch Ansammlung von lokal entstehender Kaltluft, Windsystemen, Inversionen oder auch Nebelbildungen.
höhere Wärmeeinstrahlung, Speicherung und verzögerte Wärmeabgabe auf versiegelten Flächen insbesondere in Siedlungsschwerpunkten,
kleinräumige Land – See – Windsysteme in den Küstenbereichen bei Strahlungswetterlagen und in abgeschwächtem Maße im Uferbereich der größeren Binnengewässer
Ziel der internationalen Klimaschutzpolitik gegen den Klimawandel ist das „Zwei-Grad-Ziel“, also der Vorsatz, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen7. Ende 2015 wurde auf der UN-Klimakonferenz in Paris jedoch eine neue Vereinbarung festgelegt, die dieses Vorhaben weiter verschärfte. 195 Staaten unterzeichneten einen Klimavertrag, der das Ziel festsetzt, den Temperaturanstieg bereits bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen.
In den Jahren von 1951 bis 2010 hat sich die durchschnittliche Temperatur in Schleswig-Holstein im Jahresmittel um etwa 1,3 Grad Celsius erwärmt8. Im jahreszeitlichen Vergleich fällt die bisherige Erwärmung im Frühjahr und Winter am stärksten aus, wobei die winterliche Erwärmung nicht überall signifikant ist. Im Herbst ist die Erwärmung bisher am schwächsten.
Die Sonnenscheindauer hat in Norddeutschland in diesem Zeitraum leicht zugenommen. Für die Jahressummen des Niederschlages³ zeigt das Gebietsmittel für Schleswig-Holstein in den letzten Jahren einen ansteigenden Trend. Das höchste Flächenmittel für Schleswig-Holstein wurde 1998 mit 1.041 Millimetern (Liter/m²) ermittelt, während im Jahr 1959 mit 478 Millimetern der niedrigste Wert auftrat. Das 30-jährige Mittel für den Zeitraum von 1961 bis 1990 beträgt 788 Millimeter. Im Bezugszeitraum 1981 bis 2010 errechnet sich für Schleswig-Holstein ein Mittel von 823 Millimetern. Vor allem an der südöstlichen Ostseeküste Schleswig-Holsteins sind vergleichsweise geringere Jahresniederschlagssummen zu verzeichnen. Ein Band höherer Niederschläge zieht sich durch das mittlere Schleswig-Holstein.
Im Trend gibt es für das nördlichste Bundesland im Zeitraum 1881 bis 2014 einen Zuwachs in der Jahressumme von rund 120 Millimetern. Auf die Jahreszeiten bezogen tragen insbesondere der Winter und der Herbst zu dieser Zunahme bei, im Einzelnen etwa +55 Millimeter im Winter, +30 Millimeter im Herbst, +20 Millimeter im Sommer und +15 Millimeter im Frühjahr.
Auch wenn sich bei den bisher errechneten Trends und Prognosen für die Zukunft noch erhebliche Unsicherheiten zeigen, so ist nach dem derzeitigen Stand der Klimaforschung davon auszugehen, dass in allen drei Planungsräumen des Landes mittel- bis langfristig mit einer Veränderung des Klimas zu rechnen ist. Die gilt umso mehr, je deutlicher das weltweit gesteckte „Zwei-Grad-Ziel“ nicht erreicht werden kann. Der CO2- Ausstoß ist seit 1990 nahezu linear um 60 Prozent gestiegen. Damit wird es im Hinblick auf die möglichen Szenarien immer wahrscheinlicher, dass bis zum Jahr 2100 das „Worst-Case-Szenario“ eintreten wird. Das bedeutet für Schleswig-Holstein:
heftige Hitzewellen (häufiger Tage mit mehr als 30 Grad Celsius),
eine Zunahme der „Tropennächte“ (nachts wärmer als 20 Grad Celsius) sowie eine
Zunahme der Hitzewellen (mehr als drei Tage).
Abbildung 12: Temperaturveränderungen und Abbildung 13: Niederschlagsveränderungen zeigen jeweils die projizierten Veränderungen auf der Basis des mittleren Emissionsszenarios (IPCC Szenario A1B) gegenüber dem Basiszeitraum von 2010 (WETTREG, 2010)9. Demnach wird der Sommer im Projektionszeitraum 2021 bis 2050 um rund ein Grad Celsius wärmer. Aufgrund der geringen Fläche und der vergleichsweise geringen Höhenunterschiede in Schleswig-Holstein gibt es keine großen Temperaturunterschiede im Land. Bis 2100 ist eine deutliche Steigerung der Temperaturen zu erkennen. Im Norden sind die Temperaturen geringfügig niedriger als im Süden des Landes. Diese Muster ist auch im Winter erkennbar. Die Niederschläge nehmen im Projektionszeitraum 2071 bis 2100 im Sommer deutlich ab, am stärksten im Norden von Schleswig-Holstein, während sie im Winter stärker zunehmen. Auch hier zeigt sich eine Differenzierung. An der Ostseeküste und in einem Streifen auf der Linie Kiel - Hamburg zeigen die Grafiken der Abbildung 13: Niederschlagsveränderungen die deutlichsten Niederschlagsveränderungen.
Abbildung 12: Temperaturveränderungen (WETTREG 2010) (LLUR, 2010 auf Grundlage von Daten des Deutschen Wetterdienstes)
Abbildung 13: Niederschlagsveränderungen (WETTREG 2010) (LLUR, 2010 auf Grundlage von Daten des Deutschen Wetterdienstes)
Der zu erwartende Klimawandel wird zu Veränderungen in der Verbreitung und dem Vorkommen von Flora und Fauna sowie deren Lebensräumen führen. Aus den prognostizierten Veränderungen in der Niederschlagsverteilung werden sich Änderungen ergeben, die sich insbesondere auf Feuchtgebiete, die auf Gewässer oder bestimmte Grundwasserstände angewiesen sind, negativ auswirken können. Abnehmende Bodenfeuchte der obersten Bodenschicht und sinkende Grundwasserstände aufgrund verminderter Niederschläge im Sommer können dazu führen, dass einzelne Ökosysteme periodisch austrocknen. Auch Ökosysteme der trockenen Standorte wie Dünen und Magerwiesen werden ebenfalls Veränderungen in ihrer Artenzusammensetzung auf Grund der zu erwartenden zunehmenden Niederschläge erfahren.
Um auf Veränderungen reagieren zu können, ist die Mobilität sowie die Anpassungsfähigkeit der Arten und die Möglichkeit, sich als Population wieder neu zu etablieren, entscheidend. Es werden nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Lebensgemeinschaften betroffen sein. Der Verlust einzelner oder mehrerer Arten sowie die Einwanderung neuer Arten werden sich auf die Interaktionen von Lebensgemeinschaften auswirken.
Arten mit kleinen Populationsgrößen und geringem Ausbreitungspotenzial, Spezialisten und in ihrem Bestand gefährdete Arten könnten verstärkt betroffen sein. Die klimatischen Veränderungen können eine Beschleunigung ihres Rückgangs bewirken.
In der von der Bundesregierung bereits 2008 aufgelegten „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ (DAS) kommt dem Schutz des Bodens eine besondere Bedeutung zu. Böden nehmen Einfluss auf den Wasserhaushalt einer Landschaft, so dass dem Boden und seinem Wasserhaushalt eine Schlüsselfunktion zukommt. Weiterhin sind der Erhalt und die Stärkung von Anpassungsstrategien natürlicher Systeme übergeordnetes Ziel der DAS.
Ein Beitrag zur Reduzierung des atmosphärischen CO2-Anteils ist dessen Festlegung durch die pflanzliche Assimilation. Da insbesondere die Vegetation feuchter und nasser Standorte in der Lage ist verhältnismäßig große Mengen Kohlenstoff zu speichern, kommt der Erhaltung von Feuchtgebieten sowie der Wiederherstellung potenzieller Feuchtgebiete eine große Bedeutung zu. Als weitere Klimaschutzmaßnahme sind die Neuwaldbildung sowie der Erhalt und die funktionale Aufwertung des Knicknetzes anzusehen (siehe Kapitel 4.1.7: Klimaschutz und Klimafolgenanpassung).

References: § 1
 § 4
 § 73
 Art. 6
 § 80
 § 80