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Die internationale Rechtshilfe in Strafsachen. Wegleitung. 9. Auflage 2009 (Rechtsprechung Stand Mai 2010) - PDF
Die internationale Rechtshilfe in Strafsachen. Wegleitung. 9. Auflage 2009 (Rechtsprechung Stand Mai 2010)
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1 Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD Bundesamt für Justiz BJ Fachbereich Rechtshilfe 9. Auflage 2009 (Rechtsprechung Stand Mai 2010) Die internationale Rechtshilfe in Strafsachen Wegleitung
2 by Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe 9. Auflage 2009
3 BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Rechtshilfe, 3003 Bern; Telefax ; Telefon Inhaltsverzeichnis Seite 1 Einleitung Vorwort zur neunten Auflage Gegenstand Begriff der Rechtshilfe Rechtshilfe im weiten Sinn Akzessorische (kleine) Rechtshilfe Amtshilfe Polizeiliche Zusammenarbeit Unaufgeforderte Übermittlung von Informationen und Beweismitteln Vollstreckung von Strafentscheiden Auskünfte über ausländisches Strafrecht Rechtlicher Rahmen der Zusammenarbeit Völkerrecht Bundesrecht Kantonales Recht Grundsätze der Rechtshilfe Grundlagen der Zusammenarbeit Rechtsstaat Strafsache Zusammenhang mit der Schweiz Wesentliche schweizerische Interessen (Art. 1a IRSG) Ausschlussgründe der Rechtshilfe Verfahrensmängel (Art. 2 IRSG) Politische oder militärische Straftaten (Art. 3 Abs. 1 und 2 IRSG) Währungs-, handels- oder wirtschaftspolitische Straftat (Art. 3 Abs. 3 IRSG) Bagatellfälle (Art. 4 IRSG) Erlöschen des Strafanspruchs. Res iudicata (ne bis in idem) und Verjährung (Art. 5 IRSG) Rechtshilfe in Fiskalsachen Grundsätze Begriff des Fiskaldelikts Ausnahmen von der Verweigerung der Rechtshilfe in Fiskalsachen Zusammentreffen von Ausschluss und Zulässigkeit der Zusammenarbeit (Art. 6 IRSG) Gründe für die Verweigerung der Rechtshilfe Gegenrecht (Art. 8 IRSG)
4 2.5.2 Beidseitige Strafbarkeit Bestätigung (Art. 76 Bst. c IRSG) Grundsätze des Vollzugs der Rechtshilfe Vertrauensprinzip Günstigkeitsprinzip Prinzip der raschen Erledigung (Art. 17a IRSG) Verhältnismässigkeit und Umfang der Rechtshilfeleistung Spezialität der Rechtshilfe Allgemein Im schweizerischen Recht In der Praxis Rechtshilfe, Verfahren Übermittlungsweg, Form, Inhalt und Sprache des Rechtshilfersuchens Allgemeine Bemerkungen zu den Formvorschriften Übermittlungsweg Form und Inhalt des Rechtshilfeersuchens Sprache des Rechtshilfeersuchens Zuständige Behörden im Rechtshilfeverfahren Kantonale Behörden Leitkanton Bundesamt für Justiz (BJ) Andere Bundesbehörden Verfahren und Rechtsmittel Das Rechtshilfeverfahren in Strafsachen Legitimation zur Verfahrensteilnahme Rechtsmittel und Beschwerdegründe Besondere Verfahrensschritte Vorsorgliche Massnahmen Anwesenheit von ausländischen Prozessbeteiligten und selbständige Vornahme von Amtshandlungen Versiegelung Anwendung ausländischen Rechts bei der Ausführung der Ersuchen Herausgabe von Vermögenswerten Staatsvertragsrecht Schweizerische Gesetzgebung Herausgabe zu Beweiszwecken Herausgabe zur Rückerstattung oder Einziehung "Sharing" (Teilung) eingezogener Vermögenswerte Neue Instrumente der Zusammenarbeit Gemeinsame prozessuale Besonderheiten Einvernahme per Video- und Telefonkonferenz Telefonkontrolle und andere technische Überwachungsmassnahmen..75 2
5 3.6.4 Verdeckte Ermittlung Gemeinsame Ermittlungsgruppen Kosten der Rechtshilfe Zustellung von Gerichtsakten und Vorladungen Übermittlungswege und Zustellungsform Unmittelbare Zustellung per Post an den Empfänger Zustellung auf dem Rechtshilfeweg Zustellung auf diplomatischem Weg Zustellung durch die Schweizervertretung per Post an den Empfänger Vorladungen Zusammenarbeit mit den internationalen Gerichten Anhänge Summarische Bibliografie mit neuen Veröffentlichungen (ab 2000) Verzeichnis der geläufigsten Abkürzungen Rechtshilfeverfahren Unaufgeforderte Übermittlung von Beweismitteln und Informationen aus dem Geheimbereich. Wortlaut des Textes der Verwendungsbeschränkung Abgabe von Garantien durch ausländische Prozessbeteiligte im Rahmen von Artikel 65a IRSG
6 1 Einleitung 1.1 Vorwort zur neunten Auflage Seit der letzten Auflage der vorliegenden Wegleitung von 1998 sind zehn Jahre verstrichen. In dieser Zeit hat sich vieles verändert. Erstens die Technik: Infolge der Entwicklung des Internets und der Websites der Bundesverwaltung wird die Wegleitung künftig nur noch auf der Website des BJ 1 veröffentlicht; dies besitzt den Vorteil, dass sie regelmässig nachgeführt werden kann. Zweitens bildete die Wegleitung 1998 die einzige umfassende Publikation zur Frage der Rechtshilfe, was heute glücklicherweise nicht mehr zutrifft. Mittlerweile haben zahlreiche Werke und Kommentare einen wertvollen Beitrag zu diesem Bereich geleistet (s. Ziff. 6.1 S. 87.). Vor diesem Hintergrund verfolgt die vorliegende neunte Auflage vor allem den Anspruch, praktisch und benutzerfreundlich zu sein. Die Gliederung richtet sich nach dem Vorgehen des Anwenders der Rechtshilfe, der sich mit einem Rechtshilfeersuchen auf seinem Schreibtisch befasst. Schliesslich wird die Schweiz auf der Ebene des Staatsvertragsrechts bereits heute und auch künftig mit den Anwendungsmodalitäten neuer Zusammenarbeitsinstrumente konfrontiert, wie das Zweite Zusatzprotokoll zum Europäischen Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen (ZPII EUeR), das Betrugsbekämpfungsabkommen mit der EU oder das Schengener Durchführungsübereinkommen. Aus diesem Anlass sollen einige Denkanstösse vermittelt werden, um zu einer einheitlichen Praxis auf dem neuen Gebiet zu gelangen. Der Stand der Rechtsprechung wird bis zum 1. Mai 2009 berücksichtigt. Da die Entscheide des Bundesgerichts und des Bundesstrafgerichts im Internet veröffentlicht werden, werden hier nur die Grundsatzentscheidungen der Gerichte zitiert. Wir wünschen angenehmes Lesen! 1.2 Gegenstand Die vorliegende Wegleitung befasst sich überwiegend mit demjenigen Teil der internationalen Zusammenarbeit in Strafsachen, welcher "kleine", "akzessorische" oder "andere" Rechtshilfe genannt wird (vgl. nachfolgend Ziff , S. 5.). Sie enthält eine Zusammenfassung der wichtigsten Grundsätze (Begriff, Rechtsquellen, materielle Grundsätze, Übermittlungsweg, Zuständigkeit, Rechtsmittel, Form, Sprache, Zustellung von Gerichtsakten und Vorladungen). Behandelt werden sowohl schweizerische Ersuchen an das Ausland wie auch ausländische Ersuchen an die Schweiz. Der Text richtet sich in erster Linie an schweizerische Behörden, Anwälte und andere am Verfahren beteiligte Personen, kann aber auch ausländischen Amtsstellen und weiteren interessierten Kreisen von Nutzen sein. 1 4
7 Für die länderspezifischen praktischen Erfordernisse verweisen wir auf den "Praktischen Führer zur internationalen Rechtshilfe in Zivil - und Strafsachen 2 ", der für jedes Land die Rechtsgrundlagen aufführt und der Hinweise zu Übersetzungs- und Beglaubigungserfordernissen sowie zum Übermittlungsweg und zu weiteren allfälligen Besonderheiten enthält. 1.3 Begriff der Rechtshilfe Rechtshilfe im weiten Sinn Die internationale Rechtshilfe in Strafsachen umfasst alle Massnahmen, die ein Staat (ersuchter Staat) auf Anfrage eines anderen Staates (ersuchender Staat) zur Erleichterung der Verfolgung und Bestrafung von Straftaten im ersuchenden Staat ergreift. Die internationale Rechtshilfe in Strafsachen betrifft die zwischenstaatlichen Beziehungen; sie fällt daher unter das Völkerrecht, besitzt administrativen Charakter, auch wenn häufig Begriffe aus dem Strafrecht verwendet werden, und wird vorwiegend von den Strafverfolgungsbehörden umgesetzt. Das Bundesgesetz über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen gliedert die Materie in vier Teile: Auslieferung, andere Rechtshilfe 3, die stellvertretende Strafverfolgung und die Vollstreckung ausländischer Strafentscheide Akzessorische (kleine) Rechtshilfe Wenn im folgenden von "Rechtshilfe" gesprochen wird, so betrifft dies nur die "akzessorische", "kleine" oder "andere" Rechtshilfe im Sinne des dritten Teils des IRSG. Diese umfasst die Unterstützung der Rechtspflege des ersuchenden Staates, welche die Behörden des ersuchten Staates dadurch gewähren, dass sie auf ihrem Gebiete Prozessoder andere Amtshandlungen vornehmen und deren Ergebnis den ersuchenden ausländischen Behörden zur Verwendung in einem bestimmten Verfahren übermitteln. In diesem Sinne umfasst die Rechtshilfe namentlich die Befragung von Zeugen, Auskunftspersonen oder Beschuldigten, die Herausgabe oder Sicherstellung von Beweis- oder Schriftstücken, Hausdurchsuchung und Beschlagnahme, die Gegenüberstellung, die Herausgabe von Vermögenswerten und die Zustellung von Vorladungen, Urteilen und anderen Gerichtsakten 5 vgl. Ziff. 4, S. 81) Amtshilfe Grundsätzlich von Rechtshilfe zu unterscheiden ist der nicht in allen Ländern im gleichen Sinne verwendete Ausdruck der Amtshilfe (z.t. auch als Rechtshilfe in Verwaltungssachen oder administrative Rechtshilfe bezeichnet). Diese betrifft die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsbehörden. Die Amtshilfe hat in den letzten Jahren auf verschiedenen Gebieten stark zugenommen (Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Börsenaufsicht, in Zoll- und Steuerfragen). Die Abgrenzung kann immer weniger klar vorgenommen wer Auch "kleine" oder "akzessorische" Rechtshilfe genannt. 4 Vgl. Ziff S. 8 5 s. Art. 63 Abs. 1 bis 3 IRSG, Art. 25 IRSV sowie Art. 1 Ziff. 4 RVUS, 5
8 den, weil auch Verwaltungsbehörden teilweise mit Strafsachen zu tun haben und weil sie Zwangsmassnahmen ergreifen dürfen, um den Ersuchen der entsprechenden ausländischen Behörden Folge zu leisten 6 ; ihre Entscheidungen unterliegen der gerichtlichen Kontrolle 7. Soweit nötig wird im vorliegenden Text auf diese Besonderheiten hingewiesen werden Polizeiliche Zusammenarbeit Auch die Polizeizusammenarbeit hat im Rechtshilfegesetz eine Basis 8. Sie umfasst Massnahmen, die ohne Anwendung von prozessualem Zwang vorgenommen werden können, einschliesslich polizeiliche Befragung von Verfahrensbeteiligten oder Rückgabe von Vermögensmitteln ohne Anwendung prozessualer Zwangsmittel. Ausdrücklich ausgenommen ist die Herausgabe von Strafentscheidungen oder Strafakten. Die Abgrenzung zwischen polizeilicher Zusammenarbeit und Rechtshilfe variiert je nach internationalen Übereinkommen 9 und Ländern und erfordert bisweilen den Abschluss von "gemischten" Abkommen 10. Der Hauptunterschied zur Rechtshilfe besteht im Fehlen eines Rechtsmittelverfahrens zugunsten der Betroffenen und in der Tatsache, dass die beidseitige Strafbarkeit keine Anwendung findet. Die Polizeibehörden verkehren mit dem Ausland in der Regel durch Vermittlung der nationalen Interpol-Büros. In dringenden Fällen, in Fällen mit geringer Bedeutung, in Fällen von Übertretungen der Strassenverkehrsvorschriften oder im grenznachbarlichen Verkehr dürfen Ausnahmen gemacht werden 11. Im EU-Raum ist durch das Schengener Übereinkommen Bewegung in die Regeln der Polizeizusammenarbeit gekommen. Die Schweiz hatte insbesondere mit den Nachbarländern bereits bilaterale Abkommen im Polizeibereich abgeschlossen, um ein ähnliches Niveau der Zusammenarbeit zu erreichen 12. Dieser Standard und besonders die Anbindung der Schweiz an das Schengener Informationssystem (SIS) gilt seit dem Inkrafttre- 6 Vgl. zum Beispiel Artikel 15 und 24 des Abkommens über die Zusammenarbeit zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedern andererseits zur Bekämpfung von Betrug und sonstigen rechtswidrigen Handlungen, die ihre finanziellen Interessen beeinträchtigen (BBA, SR ). 7 Urs R. Behnisch, Internationale Amts- und Rechtshilfe im Steuerrecht Neue Tendenzen. Schweizer Treuhänder 2007/4 S Art. 351quinquies StGB, SR 311.0; Art. 75a IRSG. 9 Beispiel: Die grenzüberschreitenden Observationen werden im Schengener- Durchführungsübereinkommen unter polizeilicher Zusammenarbeit aufgeführt (Art. 42 und 43), fallen aber auch unter das Zweite Zusatzprotokoll zum Europäischen Übereinkommen über die Rechtshilfe. Die einfache Personenüberwachung auf öffentlichem Grund fällt indessen in die Zuständigkeit der polizeilichen Zusammenarbeit (ohne Zwangsmassnahmen). Die überwachte Person ist nicht legitimiert gegen die Übermittlung des Observationsberichts an die ersuchende Behörde ein Rechtsmittel zu ergreifen (TPF RR vom 17. November 2009, E. 2.3). 10 Beispiel: Zusatzprotokoll vom 28. Januar 2002 zum Abkommen vom 11. Mai 1998 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Französischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Justiz-, Polizei und Zollsachen (SR ). 11 Art. 35 Abs. 2 IRSV. 12 Vollständige Liste der Übereinkommen vgl. SR
9 ten des Schengener Durchführungsübereinkommens für die Schweiz am 12. Dezember 2008 mit allen Schengener Staaten Unaufgeforderte Übermittlung von Informationen und Beweismitteln Gegenstand Art. 67a IRSG enthält unter diesem Titel Regeln über die unaufgeforderte Übermittlung von Beweismitteln und Informationen, die im Rahmen eines schweizerischen Strafverfahrens erhoben wurden und die die schweizerische Strafverfolgungsbehörde an eine ausländische Partnerbehörde weitergeben möchte, wenn diese Übermittlung aus ihrer Sicht geeignet ist, ein Strafverfahren einzuleiten oder eine hängige Strafuntersuchung zu erleichtern. Es gibt kein Rechtsmittelverfahren zugunsten der von den übermittelten Informationen oder Beweismitteln betroffenen Personen Inhalt Im Rahmen von Art. 67a IRSG können alle sachdienlichen Informationen oder Beweismittel übermittelt werden, sofern sie nicht den Geheimbereich betreffen. Wenn der Geheimbereich betroffen ist (in der Praxis vor allem das Bankgeheimnis, aber auch das Fernmeldegeheimnis), dürfen lediglich Informationen, jedoch keine Beweismittel, unaufgefordert übermittelt werden. In der Praxis sollen gerade ausreichend Informationen übermittelt werden, um der ausländischen Justizbehörde zu erlauben, ein Rechtshilfeersuchen zu stellen, das die Kriterien des IRSG erfüllt 15. Bereits in diesem Stadium muss die Verwendung der Informationen Einschränkungen unterworfen werden, damit sie nicht in Verfahren genutzt werden, für welche die Rechtshilfe unzulässig ist 16. Die Schweiz übermittelt die entsprechenden Beweismittel nur an den ausländischen Staat, wenn dieser in einem Rechtshilfeersuchen deren Herausgabe beantragt. Jede unaufgeforderte Übermittlung ist in einem Protokoll 17 im schweizerischen Verfahren festzuhalten und als solche an die ausländische Behörde zu bezeichnen; diese Dokumente sind zudem dem BJ als Aufsichtsbehörde zur Kenntnis zu bringen Amtsblatt der EU Nr. L 239 vom 22/09/2000 S / Dieser Text ist nicht in der SR veröffentlicht (siehe IRH-Website: 14 BGE 125 II Zum Beispiel bei der Übermittlung von Bankinformationen: Gegenstand des schweizerischen Verfahrens, Beziehung zum ausländischen Staat, Standort des betroffenen Bankkontos, Inhaberschaft des Kontos, Aufforderung, ein Rechtshilfeersuchen zu stellen. 16 Vgl. Muster der Konferenz der Strafverfolgungsbehörden der Schweiz, Anhang Ziff. 6.5, S. 91. Die Möglichkeit, die unaufgeforderte Übermittlung mit Auflagen zu verknüpfen, ist derzeit im Staatsvertragsrecht die Regel (Art. 12 ZPII EUeR / SR ; Art. 18 Abs. 4 und 5 UNTOC / SR ). Sie ist auch im Rahmen des GwUe möglich (Art. 33 Abs. 3 GwUe / SR // BBl 1992 VI 8ff S.23). 17 Art. 67 Abs. 6 IRSG. 18 BGE 125 II E. 6 c und d S. 248/249. 7
10 Begrenzung Die von Art. 67a IRSG gebotene Möglichkeit ist mit Zurückhaltung anzuwenden, um nicht die Denunziation zu fördern und einen unkontrollierten Informationsfluss an das Ausland zu verhindern 19. Art. 67a IRSG orientiert sich an Artikel 10 des Europäischen Übereinkommens über Geldwäscherei von Art. 67a IRSG darf grundsätzlich nur so lange angewandt werden, wie das Strafverfahren in der Schweiz hängig ist 21. Zudem darf die unaufgeforderte Übermittlung nur Informationen oder Beweismittel betreffen, die nicht bereits Gegenstand eines Rechtshilfeersuchens bilden 22. Ferner ist zu betonen, dass die Übermittlung von Beweismitteln an einen Staat, mit dem die Schweiz keine staatsvertragliche Vereinbarung abgeschlossen hat, der Zustimmung des BJ bedarf Vollstreckung von Strafentscheiden Die Vollstreckung ausländischer Freiheitsstrafen in der Schweiz respektive schweizerischer Freiheitsstrafen im Ausland wird in anderen Unterlagen des Bundesamtes für Justiz behandelt. Die vorliegende Wegleitung widmet sich einzig bestimmten Fragen der Vollstreckung von anderen Entscheidungen, so namentlich bezüglich der Herausgabe oder Einziehung von Vermögenswerten (vgl. Ziff. 3.5, S. 64) Auskünfte über ausländisches Strafrecht Nicht unter akzessorische Rechtshilfe fällt die Beschaffung von Auskünften über ausländisches Straf- und Strafprozessrecht, die vom Zusatzprotokoll zum Europäischen Übereinkommen betreffend Auskünfte über ausländisches Recht erfasst wird 24. Diese Auskunftsbegehren gehören ebenfalls zum Zuständigkeitsbereich des Bundesamtes für Justiz. 19 Botschaft vom 29. März 1995, BBl 1995 III S. 1 ff., SR Art. 67a Abs. 2 IRSG erwähnt das "hängige Strafverfahren". 22 BGE 129 II 544 E Art. 67a Abs. 3 IRSG. 24 SR
11 1.4 Rechtlicher Rahmen der Zusammenarbeit Zur Ermittlung der für einen bestimmten Staat anwendbaren Rechtsgrundlage wird auf den "Rechtshilfeführer" auf der BJ-Website verwiesen Völkerrecht Vorbemerkungen Die Feststellung, Kriminelle hätten die Entwicklung der Technik (Verkehr, Kommunikation) und die höhere Mobilität von Kapital und Personen sofort für sich genutzt, um ihre illegalen Machenschaften exponentiell zu steigern, ist beinahe zu einem Gemeinplatz geworden. Die internationale Staatengemeinschaft hat mit dem Abschluss zahlreicher Übereinkommen reagiert, um den Veränderungen, die die neuen Kriminalitätsformen verlangen, Rechnung zu tragen und um die Strafverfolgungsbehörden mit neuen, leistungsfähigeren Instrumenten für die Zusammenarbeit auszustatten. Diese Arbeit wurde von mehreren unterschiedlichen Gremien unternommen 26 und mündete mehrheitlich eher in Abkommen über bestimmte Straftaten 27 als in Übereinkommen über die Zusammenarbeit generell 28. Die Schweiz hat im Übrigen mit den Nachbarländern und anderen weiter entfernten Staaten ein Netz von bilateralen Verträgen geknüpft, die z.t. den gleichen Gegenstand haben wie die multilateralen Übereinkommen. Deshalb ist in der Praxis nicht immer offensichtlich, ob bzw. gestützt auf welches Abkommen eine Massnahme der internationalen Rechtshilfe angeordnet werden kann. Wenn die Schweiz Partei eines Staatsvertrags oder internationalen Übereinkommens ist, sind die schweizerischen Behörden verpflichtet, gemäss den Bestimmungen dieser Abkommen Rechtshilfe zu leisten. Diese internationalen Abkommen lassen sich in die unten aufgeführten Kategorien einteilen Multilaterale Ebene Allgemeine Übereinkommen 29 Auf europäischer Ebene verwendet die Schweiz am häufigsten das Europäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die Rechtshilfe in Strafsachen (EUeR/SR ) 30. Dessen Bestimmungen werden durch das Zweite Zusatzprotokoll vom 8. November 2001 ergänzt (ZPII EUeR/SR ), das zwar moderne Instrumente für die Zusammenarbeit einführt, aber derzeit von weniger als der Hälfte der Unter Hauptsächlich Vereinte Nationen, Europarat, OECD, Europäische Union. 27 Liste in SR Gilt für die Verfolgung aller Straftaten ("all crimes approach"). 29 Liste in SR Das "alte" Übereinkommen bleibt ein Referenztext, auf den sich das Staatsvertragsrecht der Rechtshilfe immer noch bezieht. Die Europäische Union entwickelt gegenwärtig ein autonomes Rechtshilferecht (vgl. z.b. Artikel 48 Abs. 1 SDÜ, Präambel des Übereinkommens über die Rechtshilfe in Strafsachen zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union / Amtsblatt Nr. C 197 vom 12/07/2000 S ). 9
12 zeichnerstaaten ratifiziert wurde (Stand am ) 31. Neben dem Text dieser Übereinkommen sind auch die Erklärungen und Vorbehalte der Vertragsstaaten bezüglich gewisser Bestimmungen zu berücksichtigen (alle unter SR und aufgeführt) Übereinkommen zur Unterdrückung von bestimmten Verbrechen und Vergehen 32 Im Rahmen der UNO wurden mehrere Übereinkommen zu spezifischen Straftaten verabschiedet. In der Terrorismusbekämpfung z.b. wurden seit 1963 über 14 Übereinkommen abgeschlossen, die spezifische Bestimmungen über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen enthalten 33. Als jüngere Instrumente sind das Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität 34 und demnächst das Übereinkommen über die Korruptionsbekämpfung zu nennen 35. Unter den Instrumenten der UNO sind ferner das Römer Statut des Internationalen Strafgerichtshofs vom 17. Juli 1998 zu nennen, das den Internationalen Strafgerichtshof einrichtet (IStGH, siehe unten Ziff. 5, Seite 85). Auch der Europarat hat mehrere Übereinkommen über die internationale Zusammenarbeit in Strafsachen ausgearbeitet. In der Praxis am häufigsten verwendet wird das Übereinkommen vom 8. November 1990 über Geldwäscherei (GwUe/SR ). In jüngerer Vergangenheit wurden Übereinkommen über Korruptionsbekämpfung verabschiedet (SR ). Schliesslich ist auch das von der Schweiz 2006 ratifizierte Protokoll zur Änderung des Europäischen Übereinkommens zur Bekämpfung des Terrorismus zu nennen, das aber noch nicht in Kraft getreten ist, weil vorher alle Übereinkommensparteien zustimmen müssen, dass sie durch das Protokoll gebunden sind Marginale Rechtshilfebestimmungen Einige bilaterale oder multilaterale Abkommen, denen die Schweiz beigetreten ist, enthalten ebenfalls Bestimmungen über die gegenseitige Rechtshilfe in Strafsachen Bilaterale Ebene Multilaterale Übereinkommen werden häufig mit "Massenkonfektion" 37 verglichen, bilaterale Abkommen lassen sich eher "nach Mass schneidern". Der bilaterale Weg erlaubt es, 31 Das Erste Zusatzprotokoll vom erweitert die Zusammenarbeit in der Fiskalrechtshilfe. Der Bundesrat hatte in seiner Botschaft vom (BBl 1983 IV 121) die Ratifizierung beantragt, doch die Eidgenössischen Räte beschlossen am , den Bereich der Fiskalrechtshilfe auszuklammern. Da das Zusatzprotokoll durch diesen Beschluss praktisch seines Inhalts entleert wurde, verzichtete der Bundesrat schliesslich auf die Ratifizierung. 32 Liste unter SR Zuletzt das Internationale Übereinkommen vom 13. April 2005 zur Bekämpfung nuklearterroristischer Handlungen (SR ). 34 UNTOC vom 15. November 2000 (SR ). 35 Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption (UNCAC / BBl ), wird derzeit von der Schweiz ratifiziert. 36 Zum Beispiel die Internationalen Übereinkommen zur Unterdrückung des Mädchen-, Frauen- und Kinderhandels (SR ), Sklavereiabkommen (SR ), Abkommen zur Bekämpfung der Falschmünzerei (SR ), Übereinkommen über die Betäubungsmittel (SR ). 37 Angesichts der grossen Anzahl Staaten ist es schwieriger, neue Ideen oder zwingende Bestimmungen einzuführen (vgl. Art. 57 Abs. 3 Bst. a UNCAC als Ausnahme). 10
13 eine gezielte Rechtshilfe in Strafsachen mit einem entfernt liegenden Staat zu begründen und zu entwickeln oder mit einem Nachbarstaat enge Verbindungen zu knüpfen Allgemeine Verträge Die Schweiz hat auf bilateraler Ebene mehrere Rechtshilfeverträge abgeschlossen, zunächst mit den USA 38 und mit weiter entfernt liegenden Staaten 39 ; weitere sind in Vorbereitung 40. Ausserdem hat sie andere weniger detaillierte Abkommen mit dem Ziel abgeschlossen 41, eine gemeinsame Grundlage für die Zusammenarbeit zu gewährleisten. Die Schweiz hat mit ihren Nachbarstaaten günstige Formen der Zusammenarbeit in Zusatzverträgen zum EUeR geregelt. Solche Verträge wurden am 13. November 1969 mit Deutschland 42, 1972 mit Österreich 43, 1996 mit Frankreich 44 und 1998 schliesslich mit Italien 45 abgeschlossen. In diesen Vereinbarungen wurden schrittweise neue Bestimmungen eingeführt, um zum einen die Bearbeitung von Rechtshilfeersuchen zu vereinfachen und zu beschleunigen und zum anderen den Geltungsbereich der Rechtshilfe zwischen den Parteien auszuweiten Marginale Rechtshilfebestimmungen Einige Rechtshilfebestimmungen wurden mit dem Abschluss von Abkommen im Polizei- und/oder Zollbereich zwischen der Schweiz und ihren Nachbarstaaten eingeführt 46. Ausserdem enthalten bestimmte alte Auslieferungsverträge neben den spezifischen Bestimmungen über die Auslieferung auch Vorschriften zu "weiteren Rechtshilfemassnahmen" in Strafsachen (vgl. SR 0.3.). Der Rechtshilfeführer des BJ enthält nähere Angaben dazu Vom 25. Mai 1973 (SR : nachfolgend RVUS). Da dieser Vertrag vor dem IRSG bestand, erliess die Schweiz ein Ausführungsgesetz (SR ; nachfolgend BG-RVUS; vgl. Ziff , S. 14). Der Vertrag wurde durch verschiedene Briefwechsel ergänzt (namentlich jener vom 3. November 1993 betreffend Rechtshilfe in ergänzenden Verwaltungsverfahren bei strafbaren Handlungen im Zusammenhang mit dem Angebot, dem Kauf und Verkauf von Effekten und derivativen Finanzprodukten ("futures" und "options"); SR ) sowie durch das Memorandum of Understanding vom (BBl 1988 II 394). 39 Australien 1991 (SR ), Kanada 1993 (SR ), Ecuador 1997 (SR ), Peru 1997 (SR ), Hongkong 1999 (SR ), Ägypten 2000 (SR ), Philippinen 2002 (SR ), Mexiko 2005 (SR ) und Brasilien 2009 (SR ). 40 Insbesondere mit Argentinien und Kolumbien. 41 Z.B. in Form des Briefwechsels mit Indien im Jahr 1989 (der als eigentlicher Vertrag gilt und die Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten bildet / BGE 122 II 140 E. 2) oder die Gegenrechtserklärung mit Japan von SR SR SR SR Mit Frankreich 1998 (SR ), Deutschland 1999 (SR ), Österreich und Liechtenstein 1999 (SR )
14 1.4.2 Bundesrecht Bundesgesetz über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG) Inhalt Das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1), das die internationale Rechtshilfe gesamthaft regelt, ist am 1. Januar 1983 in Kraft getreten. Die in einigen Aufsehen erregenden Rechtshilfefällen als übermässig beurteilte Verfahrensdauer veranlasste den Bundesrat zu einer Teilrevision des IRSG 48 und anderer Bestimmungen des schweizerischen Rechtshilferechts 49. Die am 1. Februar 1997 in Kraft getretene Revision sollte vor allem die Dauer der Rechtshilfeverfahren verringern, aber auch neue Bestimmungen zur Stärkung der Befugnisse des BJ einführen 50, die Herausgabe von Vermögenswerten klar regeln 51 und die unaufgeforderte Übermittlung von Informationen ermöglichen 52. Das IRSG wurde anschliessend noch durch das Inkrafttreten der folgenden Erlasse geändert: 1. Januar 2002: Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs 53 (neue Befugnisse gemäss Art. 18a IRSG); 1. August 2004: Bundesgesetz über die Teilung eingezogener Vermögenswerte 54 (Vorbehalte zu Art. 74a Abs. 7 und 93 Abs. 2 IRSG); 1. Januar 2007: Revision des Schweizerischen Strafgesetzbuches 55 (beidseitige Strafbarkeit nicht erforderlich, wenn die Anwendung von Zwangsmassnahmen auf die Verfolgung von sexuellen Handlungen mit Unmündigen abzielt; Bst. b des neuen Abs. 2 von Art. 64 IRSG 56 ); 1. Januar 2007: Bundesgesetz über das Bundesverwaltungsgericht 57 (Änderung der Rechtsmittelwege und fristen; Art. 17, 23, 25, 26, 48, 55, 80e, 80f, 80g, 80i, 80p, 110b IRSG) 58 ; 5. Dezember 2008: Bundesgesetz über die polizeilichen Informationssysteme des Bundes 59 (Datenverwaltungssystem, neuer Art. 11a IRSG); 1. Februar 2009: Bundesgesetz zur Umsetzung der revidierten Empfehlungen der Groupe d'action financière 60 (neue Formulierung von Art. 3 Abs. 3 IRSG: neuer 48 Änderung vom 4. Oktober 1996 (AS ; BBl 1995 III 1). 49 Hauptsächlich IRSV, BG-RVUS. 50 Vgl. zum Beispiel Art. 79a IRSG. 51 Art. 74a IRSG. 52 Art. 67a IRSG. 53 SR SR AS 2006 III 3459 / Neue Verjährungsregelung siehe Anmerkungen zu Art. 5 Abs. 1 Bst. c und 13 IRSG. 57 SR AS 2006 II SR
15 Bst. b: umfassende Rechtshilfe (alle Teile des IRSG) bei qualifiziertem Abgabebetrug gemäss Art. 14 Abs. 4 VStrR). Das Rechtshilfegesetz wird durch die Verordnung des Bundesrates vom (SR , nachstehend IRSV 61 ) ergänzt; die IRSV enthält Ausführungsbestimmungen zu den Gesetzesartikeln. Da das Rechtshilfegesetz und die Ausführungsverordnung keinerlei strafrechtliche, sondern nur prozedurale Bestimmungen umfassen, ist das Prinzip der Nichtrückwirkung der Strafgesetze nicht anwendbar. Die Bestimmungen des Gesetzes und der Verordnung gelten demnach für alle zum Zeitpunkt ihres Inkrafttretens hängigen Verfahren Anwendungsbereich a) Mangels eines Vertrags Wenn kein Staatsvertrag besteht, legt das Rechtshilfegesetz ausschliesslich die Bedingungen fest, unter denen Rechtshilfe gewährt werden kann 63. Ein ausländischer Staat kann deshalb aus dem IRSG keinen Anspruch gegen die Schweiz auf Zusammenarbeit ableiten 64. b) Bei Vorliegen eines Vertrags Wenn ein Vertrag anwendbar ist, ist der Rechtshilferichter verpflichtet, die Rechtshilfe zu den in diesem Vertrag niedergelegten Bedingungen zu gewähren. Das IRSG ist nur insoweit anwendbar, als die geltenden Verträge nicht explizit oder implizit eine andere Lösung vorsehen 65. Gemäss dem Günstigkeitsprinzip ist das Rechtshilfegesetz anwendbar, wenn ein Staatsvertrag bestimmte Rechtshilfemassnahmen wie z.b. die Herausgabe des Erzeugnisses aus einer strafbaren Handlung (Art. 74a IRSG) oder Rechtshilfe bei qualifiziertem Abgabebetrug (Art. 3 Abs. 3, 2. Satz, IRSG) nicht vorsieht. Laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist in jedem Fall die für die Rechtshilfegewährung günstigste Vorschrift anzuwenden 66. Im gleichen Sinne kann die Schweiz die Rechtshilfe nicht aus Gründen ihres innerstaatlichen Rechts ablehnen, wenn diese Gründe nicht im Vertrag stehen, welcher sie mit dem ersuchenden Staat verbindet, oder wenn das fragliche Abkommen für die Rechtshilfe günstigere Regeln vorsieht 67. So können die Verjährung (Art. 5 Abs. 1 Bst. c IRSG) 68 und Bagatellfälle (Art. 4 IRSG) 69 nicht als Gründe angeführt werden, um den Parteien des EUeR, welches diese Ablehnungsgründe nicht kennt, die Unterstützung zu verweigern. 60 AS Inkrafttreten am ; Änderung am , Inkrafttreten am Art. 110a IRSG. 63 Z.B. BGE 129 II 453 (Bundesrepublik Äthiopien gegen BJ). 64 Art. 1 Abs. 4 IRSG. 65 Art. 1 Abs. 1 IRSG. 66 BGE 129 II 362 E. 1.1, BGE 123 II 134 E. 1a. 67 BGE 131 II 132 E BGE 117 Ib 53, Zimmermann op. cit. Nr. 669 S Zimmermann op. cit. Nr. 655 S
03.025 Botschaft betreffend das Zweite Zusatzprotokoll zum Europäischen Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen vom 26. März 2003 Sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren,

References: Art. 63
 Art. 25
 Art. 1
 Art. 351
 Art. 75
 Art. 35
 Art. 67
 Art. 67
 BGE 
 Art. 18
 Art. 67
 BGE 
 Art. 67
 Art. 67
 Art. 67
 Art. 67
 BGE 
 Art. 67
 Art. 57
 BGE 
 Art. 18
 Art. 74
 Art. 64
 Art. 17
 Art. 11
 Art. 3
 Art. 79
 Art. 74
 Art. 67
 Art. 5
 Art. 14
 Art. 110
 BGE 
 Art. 1
 Art. 1
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE