Source: https://de.linkfang.org/wiki/Medizinischer_Dienst_der_Krankenversicherung
Timestamp: 2020-07-04 12:29:08+00:00

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﻿ Medizinischer Dienst der Krankenversicherung - de.LinkFang.org
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische und pflegefachliche Beratungs- und Begutachtungsdienst für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Im gesetzlichen Auftrag unterstützt er die Kranken- und Pflegekassen in medizinischen und pflegerischen Fragen. In Deutschland gibt es 15 eigenständige MDK, die nach Bundesländern organisiert sind. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) koordiniert und fördert die bundesweite Zusammenarbeit der MDK zum Beispiel über Richtlinien für eine einheitliche Begutachtung.
1 Die Rolle der MDK im Gesundheitswesen
2 Aufgaben und Leistungen der Medizinischen Dienste
2.1 Aufgaben für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
2.1.1 Begutachtungen für die Krankenversicherung
2.1.2 Beratung in grundsätzlichen Fragen der medizinischen Versorgung
2.2 Aufgaben für die soziale Pflegeversicherung
2.2.1 Neue Pflegebegutachtung seit 2017
2.3 Kontrollfunktion
2.4 Widerspruch gegen MDK-Gutachten
2.5 Geltende Richtlinien (DIN ISO 9001) des MDK/GKV
2.5.1 MDK-Pflege-Qualitätsprüfungen
2.5.1.1 Qualitätsprüfungs-Richtlinien
2.5.1.2 Reform der Qualitätsprüfung und -darstellung
2.5.2 Beratung der Landesverbände der Pflegekassen
3 Gliederung und Organisation der Medizinischen Dienste
3.1 Die MDK-Gemeinschaft
3.2 Organe des MDK
3.3 Finanzierung des MDK
Die Rolle der MDK im Gesundheitswesen
Das Solidaritätsprinzip soll ein leistungsstarkes und sicheres Gesundheitssystem in Deutschland ermöglichen. Die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen haben die Verantwortung, die Beitragseinnahmen in die bestmögliche Versorgung ihrer Versicherten zu investieren. Dazu handeln sie mit Ärzten und anderen Leistungserbringern Verträge aus. Die Leistungen müssen gemäß § 12 Abs. 1 SGB V in jedem Einzelfall „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein. Dies gilt auch für die soziale Pflegeversicherung, die pflegebedürftige Menschen mit solidarisch finanzierten Mitteln unterstützt (§ 1 SGB XI). Die Beratung und Begutachtung des MDK (Medizinische Dienst der Krankenversicherung) soll sicherstellen, dass die Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung allen Versicherten nach objektiven, medizinischen Kriterien und zu gleichen Bedingungen zugutekommen.
Das Sozialgesetz garantiert die fachliche Unabhängigkeit des MDK. Die Gutachter begutachten im Auftrag der Kranken- und Pflegekassen. In ihrer medizinischen und pflegerischen Bewertung sind sie gemäß § 275 Abs. 5 SGB V unabhängig und ausschließlich ihrem ärztlichen und pflegefachlichen Gewissen unterworfen. Sie sind nicht dazu berechtigt, in die ärztliche Behandlung einzugreifen. Die Gutachter sind an den aktuellen Stand der Wissenschaft und sozialrechtliche Vorgaben gebunden.
Grundlage für die Begutachtung sind die Begutachtungsrichtlinien. Diese konkretisieren gesetzliche Vorgaben, damit die Begutachtungen bundesweit nach einheitlichen Regeln erfolgen. Erarbeitet werden die Begutachtungsrichtlinien im engen Zusammenwirken zwischen GKV-Spitzenverband und MDK-Gemeinschaft. Die Richtlinien werden vom GKV-Spitzenverband beschlossen und – sofern gesetzlich vorgesehen – vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) genehmigt.
Aufgaben für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Der MDK berät die gesetzlichen Kassen in allgemeinen Grundsatzfragen und führt Einzelfallbegutachtungen durch. Die Aufgaben des MDK für die Krankenversicherung sind in § 275 SGB V geregelt.
Der MDK wirkt daran mit, dass die Versicherten Leistungen erhalten, die dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechen und gleichzeitig wirtschaftlich vertretbar sind. Versicherte sollen entsprechend ihrem Bedarf versorgt werden. Die Ressourcen sollen für Leistungen verwendet werden, deren evidenzbasierter Nutzen und Qualität nachgewiesen ist. Es sollen einerseits medizinisch notwendige Behandlungen gewährleistet werden, andererseits unnötige oder sogar schädliche Eingriffe vermieden werden. Deshalb sind die Krankenkassen verpflichtet, in gesetzlich bestimmten Fällen oder wenn es die Erkrankung bzw. der Krankheitsverlauf des Versicherten erfordert, eine gutachterliche Stellungnahme des Medizinischen Dienstes einzuholen. Diese beziehen sich zum Beispiel auf Fragen der Krankenkasse zur:
Notwendigkeit, Art, Umfang und Dauer von Rehabilitationsleistungen
Verordnung von Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmittel
Notwendigkeit und Dauer einer Krankenhausbehandlung sowie zur Abrechnung einer Krankenhausbehandlung
Die Medizinischen Dienste gaben im Jahre 2017 insgesamt 5.778.000 sozialmedizinische Stellungnahmen für die gesetzlichen Krankenkassen ab.[1]
Die Stellungnahmen bezogen sich auf:
Krankenhausabrechnungsprüfungen 2.773.000
Arbeitsunfähigkeit 1.221.000
Leistungen zur Rehabilitation 549.000
Hilfsmittel 333.000
Häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfen, Spezialisierte ambulante Palliativversorgung 244.000
Vorsorgeleistungen 150.000
Neue oder unkonventionelle Untersuchungs- und Behandlungsmethoden: 125.000
Heilmittel 93.000
Psychotherapeutische Leistungen 37.000
Zahnmedizinische Leistungen 15.000
Behandlungsfehler 14.000
Sonstige Anlässe 224.000
Gesamt 5.778.000
Beratung in grundsätzlichen Fragen der medizinischen Versorgung
Die MDK beraten die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Verbände in grundsätzlichen Fragen der medizinischen Versorgung sowie bei der Gestaltung der Leistungs- und Versorgungsstrukturen. Hierzu gehören unter anderem:
die Beratung in Fragen der Krankenhausplanung
Außerdem unterstützt der Medizinische Dienst die Krankenkassen bei Vertragsverhandlungen mit den Krankenhausgesellschaften, Kassenärztlichen Vereinigungen sowie anderen Leistungserbringern. An den Beratungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) nehmen Experten der Medizinischen Dienste teil und unterstützen die Seite der Sozialversicherung.
Aufgaben für die soziale Pflegeversicherung
Die Aufgaben des MDK für die soziale Pflegeversicherung sind in § 18 , sowie den §§ 114ff. SGB XI geregelt. Im Auftrag der Pflegekassen stellt der MDK fest, ob ein Versicherter pflegebedürftig ist. Darüber hinaus berät der MDK die Pflegekassen in grundsätzlichen Fragen der pflegerischen Versorgung.
Die Medizinischen Dienste führten im Jahre 2017 insgesamt 2.423.000 sozialmedizinische Empfehlungen für die Pflegeversicherung durch.[2]
Begutachtungen zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit: 1.886.000 Empfehlungen
Pflegebegutachtungen mit verkürzter Begutachtungsfrist und Begutachtungen von Anträgen auf Betreuungsleistungen: 254.000 Empfehlungen
Sonstige sozialmedizinische Empfehlungen für die SPV (Pflegehilfsmittel, Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen, teilstationäre Pflege/Kurzzeitpflege bei bereits bestehenden Pflegebedürftigkeit): 283.000 Empfehlungen
Neue Pflegebegutachtung seit 2017
Mit dem Pflegestärkungsgesetz II wurde zum 1. Januar 2017 der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff in die Pflegeversicherung eingeführt.[3][4] Dadurch veränderte sich das Begutachtungsverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit grundlegend – Maßstab ist heute der Grad der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen.[4] Bei der Begutachtung kommt es nicht mehr darauf an, festzustellen, wie viele Minuten Hilfebedarf ein Mensch beim Waschen und Anziehen oder bei der Nahrungsaufnahme hat. Im Mittelpunkt steht jetzt die Frage, wie selbstständig der Mensch bei der Bewältigung seines Alltags ist – was kann er und was kann er nicht mehr bzw. wobei braucht er wie viel Hilfe? Dazu werden seine Fähigkeiten umfassend in allen Lebensbereichen begutachtet: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und Belastungen, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.
Bei der Begutachtung von Pflegebedürftigkeit zu Hause oder im Pflegeheim
prüft der MDK das Vorliegen der Voraussetzungen für Pflegebedürftigkeit
empfiehlt er einen Pflegegrad
schlägt er Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation vor
gibt er Empfehlungen über die Art und den Umfang von Pflegeleistungen ab
formuliert er Hinweise zu einem individuellen Pflegeplan
Die Grundlage für die Begutachtung bilden Begutachtungsrichtlinien, die seit der Pflegereform online frei zugänglich sind, so dass der pflegende Angehörige sich über die Formalia der heimischen Befragung firm machen kann.
Auch wird seit der Reformierung dem Pflegenden eine ausführliche Dokumentation der umfassenden Frageserien zugesandt, die sich im Punktesystem nach Wichtung summieren, so dass seit 2017 auch eine Kontrollfunktion für den Pflegenden besteht.
Dank des online komplett verfügbaren Fragenkatalogs kann verifiziert werden, inwieweit der Gutachter dezidierte und realistische Angaben zur Pflegebedürftigkeit erhoben hat.
In der Regel wird nicht der gesamte Fragenkatalog vom Gutachter durchgegangen, sondern er stellt - insbesondere bei der Begutachtung von demenziellen Erkrankungen - stichpunktartig meist nur die Fragen nach dem Alter, Werdegang, gestrigen Mittagessen und dem Datum.
Des Weiteren werden vom Gutachter 1–2 aktuelle Fragen zu Anwesenden sowie zur Kognition der "Prüfsituation" gestellt und in das Gutachten aufgenommen, wobei sich hieraus Widerspruchsmöglichkeiten ergeben.
Wenn beispielsweise der Demenzerkrankte Anwesende (meist die pflegeleistende Person) sowie (möglichst) einen Zeugen nicht erkennt, kann nicht im Gutachten angekreuzt werden, er habe keine kognititiven Probleme.
Häufig widersprechen sich die über den Patienten erhobenen Befunde mit den zugewiesenen Punkten der Bewertungsskala.
Beispiele für gutachterliche Fehleinschätzungen:[5]
Der beginnend Demenzkranke neigt zu illusorischer Fehleinschätzung seiner Kompetenzen, die der Gutachter für scheinbar als real einstuft.
So wurde zum Beispiel einer auf Gehhilfe angewiesenen 84-Jährigen ihre Fabulationen, dass sie den Garten umgrabe, abgenommen und jedwede Pflegestufe verweigert.
Bei Demenzerkrankten sind durch aufmerksamen Überprüfens der Gutachten stets andere Widersprüche erkennbar, die aus einer fehlerhaften Punktevergabe im Gutachten resultieren.
Widerspruch gegen MDK-Gutachten
Dank der downloadbaren Auswertung der Begutachtung sollte dem Gutachter zum MDK-Besuchstermin bereits ein komplett und wahrheitstreu ausgefülltes Gutachten übergeben werden, auf das man sich in einem Widerspruch berufen kann.
Zuvorderst sollte im Widerspruch an den MDK die Diskrepanz erörtert werden, die sich schleichend zwischen Realität und "Fake" bzw. fehlerhafter Einschätzung des Gutachters trollt.
Es sollten systematisch alle vergebenen Punkte kommentiert werden und nach Möglichkeit versucht werden, eine krankheitsspezifische Erläuterung in der deutschen Ausgabe des ICD, dem DIMDI zu finden.
Eine neue (vorweggenommene) Punktevergabe empfiehlt sich keineswegs, die Nennung von Zeugen (Pflegedienst oder Verwandte/Nachbarn/Freunde) oder Ärzten für das demenzspezifische Verhalten des Patienten hingegen stärkt die Aussagekraft.
Meist dauert die Begutachtung nur wenige Minuten statt der angekündigten Stunden und die Gutachter ziehen ihre (testierenden) Resultate vermutlich aus dem Gesamteindruck des zu Begutachtenden.
Seitdem jedoch seit 2017 nicht nur die körperlichen Gebrechen Punkte augmentieren, sondern auch die demenziellen Alterserkrankungen zur Bewertung der Pflegebedürftigkeit beitragen, bedürfte es vermehrt einschlägig geschulter Gutachter.
["Vermutlich überfordern auch die diagnostisch nur deskriptiv und schwer zu erfassenden Symptome einer Demenz die kognitiven Kompetenzen einiger Gutachter, da zuvor nur körperliche und "faßbare" Gebrechen einen Pflegestatus definierten?"]
Ein Widerspruch gegen eine Pflegeeinstufung sollte wahr und wissensfundiert erfolgen: für eine maximale Korrektur in nächsthöhere Pflegestufe(n) erfolgen.
Neben Wikipedias Alzheimer` in Traktaten sollten Kompendien der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sowie aktuelle medizinische Wissendatenbanken, wie die ICD11 oder gegebenenfalls das NCBI zu Rate gezogen werden.
Geltende Richtlinien (DIN ISO 9001) des MDK/GKV
Insbesondere seien die geltenden Begutachtungsrichtlinien nach DIN ISO 9001 des MDK erwähnt, auf die man sich in jedweder Mitteilung an den MDK stützen sollte.
Sie konkretisieren die allgemeinen Vorgaben des Pflegeversicherungsgesetzes, damit die Begutachtungen bundesweit nach einheitlichen Regeln erfolgen. Die Richtlinien müssen vom GKV-Spitzenverband erlassen und vom BMG genehmigt werden. Die aktuell geltenden Begutachtungsrichtlinien wurden in engem Zusammenwirken des GKV-Spitzenverbandes und des MDS mit den Medizinischen Diensten und den Verbänden der Pflegekassen auf Bundesebene erarbeitet. Dabei wurden Vertreter der Betroffenen und der jeweils zuständigen Bundesministerien einbezogen.
Die Medizinischen Dienste führten im Jahre 2017 insgesamt 1.886.000 Begutachtungen[6] zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit für die Pflegeversicherung durch. Die Begutachtungen betrafen Antragsteller auf ambulante Pflege (81,9 %), auf vollstationäre Pflege (15,3 %) und auf Pflegeleistungen in vollstationären Einrichtungen der Behindertenhilfe (2,8 %).
Ergebnisse aller Pflegebegutachtungen nach neuem Verfahren im Jahr 2017:[7]
Pflegegrad 1: 17,3 %
Pflegegrad 2: 29,1 %
Pflegegrad 3: 22,3 %
Pflegegrad 4: 12,9 %
Pflegegrad 5: 5,8 %
nicht pflegebedürftig: 12,7 %
MDK-Pflege-Qualitätsprüfungen
Pflege muss sich an den individuellen Bedürfnissen der pflegedürftigen Menschen orientieren und auf Basis medizinisch-pflegerischer Standards erfolgen. Um die Einhaltung dieser Standards sicherzustellen, wird die Qualität der Pflege einmal im Jahr in allen ambulanten Pflegediensten und allen Pflegeheimen geprüft (Regelprüfung). Außerdem können Prüfungen aus bestimmten Anlässen – dies sind meist Beschwerden – erfolgen (Anlassprüfung). 90 Prozent der Prüfungen führen die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) durch, 10 Prozent der Prüfdienst der privaten Krankenversicherung (PKV-Prüfdienst). Neben der Qualität der Pflege ist bei ambulanten Pflegediensten die Abrechnungsprüfung verpflichtender Inhalt der Qualitätsprüfungen.
Den Auftrag für eine Prüfung erhält der MDK von den Landesverbänden der Pflegekassen. Die Prüfungen in Pflegeheimen werden nicht angekündigt. Die Prüfungen von ambulanten Pflegediensten müssen aus organisatorischen Gründen am Vortag angekündigt werden. Die Prüfung beinhaltet die Beratung der Pflegeeinrichtungen mit dem Ziel, Qualitätsmängeln vorzubeugen sowie die Eigenverantwortung der Pflegeeinrichtungen und ihrer Träger für die Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität zu stärken.
Der MDK hat 2017 11.200 stationäre Pflegeeinrichtungen und 10.500 ambulante Pflegedienste geprüft.[8]
Für ein einheitliches Vorgehen bei den Prüfungen sorgen die Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR) bzw. die Qualitätsprüfungs-Richtlinie Häusliche Krankenpflege (QPR-HKP). Diese Richtlinien werden fachlich vom MDS – unter Beteiligung der MDK – erarbeitet und durch den GKV-Spitzenverband erlassen. Die Richtlinien müssen vom Bundesministerium für Gesundheit genehmigt werden.
Reform der Qualitätsprüfung und -darstellung
Seit dem Jahr 2009 wird die Qualität von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen in Form von Noten zwischen „sehr gut“ und „mangelhaft“ bewertet. Die Grundlage für diese Bewertung bildet die jährliche MDK-Qualitätsprüfung eines ambulanten Pflegedienstes oder Pflegeheimes. Auf dieser Basis erstellen die Pflegekassen für jede Pflegeeinrichtung einen Transparenzbericht und veröffentlichen diesen im Internet. Der Bericht enthält eine Gesamtnote der Einrichtung, Noten für verschiedene Pflegebereiche und die Ergebnisse einzelner Prüfkriterien. Welche Kriterien in den Transparenzbericht einfließen und veröffentlicht werden und wie die Noten berechnet werden, haben der GKV-Spitzenverband, die überörtlichen Sozialhilfeträger und die kommunalen Spitzenverbände mit den Verbänden der Leistungserbringer in Transparenzvereinbarungen festgelegt.
Die Darstellung der Pflegequalität in Pflegenoten ist in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten, weil Qualitätsmängel der Einrichtungen für Verbraucher nicht klar erkennbar sind. Deshalb hat der Gesetzgeber 2016 mit dem Pflegestärkungsgesetz II den Qualitätsausschuss Pflege eingerichtet und beauftragt, durch wissenschaftliche Projekte neue Prüfverfahren sowie eine Alternative zur bisherigen Pflegenotendarstellung zu entwickeln. Auf dieser Basis wurde ein neues Prüfsystem festgelegt. Die Prüfungen von vollstationären Altenpflegeeinrichtungen nach dem neuen Prüfsystem sollen ab 1. Oktober 2019 beginnen. Dies sieht das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) vor, das der Bundestag am 9. November 2018 beschlossen hat.[9]
Der MDK berät die Pflegekassen in den Bundesländern bei der Weiterentwicklung des pflegerischen Versorgungsangebots. Beispielsweise geht es um die Entwicklung spezieller Wohnformen für Menschen mit Altersdemenz. Ferner ist der MDK an der Gestaltung von Rahmenverträgen für eine wirtschaftliche und wirksame pflegerische Versorgung beteiligt. Er wirkt auf kommunaler Ebene in den Pflegekonferenzen mit. Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft nach § 20 HeimG kooperiert er mit der jeweiligen Heimaufsichtsbehörde der Länder.
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung ist eine Gemeinschaftseinrichtung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen und in jedem Bundesland als eigenständige Arbeitsgemeinschaft organisiert. Die Medizinischen Dienste von Berlin und Brandenburg haben zum MDK Berlin-Brandenburg fusioniert, die Medizinischen Dienste von Hamburg und Schleswig-Holstein zum MDK Nord. In Nordrhein-Westfalen gibt es den MDK Nordrhein und den MDK Westfalen-Lippe. Es gibt insgesamt 15 MDK. In den alten Bundesländern sind die MDK mit Ausnahme Berlins rechtsfähige Körperschaften des öffentlichen Rechts, in den neuen Bundesländern sind die Medizinischen Dienste als eingetragene Vereine, also in einer privatrechtlichen Rechtsform organisiert. Der MDK unterliegt der staatlichen Aufsicht (§ 281 Abs. 3 SGB V).
Die 15 MDK und der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der gesetzlichen Krankenkassen (MDS) bilden die MDK-Gemeinschaft. Sie kooperieren fachlich eng miteinander.
Auf Bundesebene koordiniert und fördert der MDS gemäß § 282 Abs. 2 SGB V die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der MDK in medizinischen und organisatorischen Fragen. Ziel ist es, die Begutachtung und Beratung nach bundesweit einheitlichen Kriterien sicherzustellen. Darüber hinaus organisiert der MDS ein bundesweites Fortbildungsprogramm für die Gutachter der MDK.
Die Krankenkassen und ihre Verbände haben in speziellen Versorgungsbereichen und zu Querschnittsaufgaben großen Bedarf an Systemberatung. Hierfür stellen Kompetenz-Centren systematische Grundlagen und wissenschaftliche Beratung für das Krankenkassen-System bereit. Gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband hat die MDK-Gemeinschaft vier Kompetenz-Centren eingerichtet, die jeweils bei einem MDK angesiedelt sind:
das Kompetenz-Centrum Geriatrie (KCG)
das Kompetenz-Centrum Onkologie (KCO)
das Kompetenz-Centrum Psychiatrie/Psychotherapie (KCPP)
das Kompetenz-Centrum Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement (KCQ)
Zusätzlich gibt es sechs länderübergreifend arbeitende Sozialmedizinische Expertengruppen (SEG). Sie fördern den Informationsaustausch innerhalb der MDK-Gemeinschaft und stellen medizinisches und pflegerisches Fachwissen für zentrale Beratungs- und Begutachtungsfelder des MDK bereit.
Organe des MDK
Die Organe eines MDK sind der Verwaltungsrat und die Geschäftsführerin oder der Geschäftsführer. Die Mitglieder des Verwaltungsrates werden von den Verwaltungsräten der Krankenkassenverbände benannt. Der Verwaltungsrat beschließt die Satzung, legt die Richtlinien für die Arbeit des MDK fest, stellt den Haushaltsplan fest und wählt die Geschäftsführerin bzw. den Geschäftsführer. Die Geschäftsführung vertritt den MDK gerichtlich und außergerichtlich.
Der MDK wird nach § 281 Abs. 1 SGB V durch eine Umlage und nicht nach Einzelaufträgen der Kranken- und Pflegekassen finanziert. Damit soll sichergestellt werden, dass der MDK ergebnis- und erfolgsunabhängig begutachtet und berät. Die Umlage richtet sich nach der Anzahl der Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung in dem jeweiligen Bundesland bzw. im Einzugsgebiet des MDK. Krankenkassen und Pflegekassen tragen die Umlage jeweils zur Hälfte. Im Jahr 2017 bezahlten die Krankenversicherung und die Pflegeversicherung insgesamt 803 Mio. Euro für den MDK. Dies entsprach einem Anteil von 0,18 Prozent an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung bzw. einem Anteil von 1,09 Prozent an der Gesamtausgaben der sozialen Pflegeversicherung.
Beim MDK arbeiten Fachleute aus allen Bereichen des Gesundheitswesens, darunter Ärzte, Pflegefachkräfte, Medizintechniker oder Pharmazeuten. Gutachter des MDK nehmen regelmäßig an praxisgerechten Fort- und Weiterbildungen teil. Damit werden ein qualitativ hoher Standard und eine Begutachtung nach bundesweit einheitlichen Kriterien gewährleistet.
Bei den MDK waren Ende 2017 insgesamt 9.369 Mitarbeiter beschäftigt. Das entspricht 8.373 Vollzeitstellen.[10]
Die Mitarbeiterstruktur gliedert sich in:
Ärzte 2.299 2.038
Pflegefachliche Gutachter 3.220 2.925
Heil- und Gesundheitsberufe 74 70
Kodierfachkräfte 371 340
Assistenzpersonal Gutachten 2.612 2.272
Verwaltungspersonal 793 793
www.mdk.de – Bundesweites MDK-Portal mit Informationen zur Arbeit des Medizinischen Dienstes sowie Links zu allen MDK
www.mds-ev.de – Internetseite des MDS
↑ Sozialmedizinische Empfehlungen des MDK für die Krankenversicherung. (PDF) Abgerufen am 10. Dezember 2018.
↑ Versichertenbezogene Beratungen und Begutachtungen für die Pflegeversicherung im Jahr 2017. Abgerufen am 10. Dezember 2018.
↑ Das neue Begutachtungsinstrument. Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V., abgerufen am 10. Dezember 2018.
↑ a b Pflegebedürftigkeit. In: bundesgesundheitsministerium.de. Bundesministerium für Gesundheit, 26. Juni 2018, abgerufen am 17. Dezember 2018.
↑ Sabine Puttins: Tatort: Pflegemafia + MDK. In: https://frankfutt.de/. Sabine Puttins, 17. März 2017, abgerufen am 23. April 2020.
↑ MDK-Pflegebegutachtungen 2017 nach beantragter Leistung. Abgerufen am 10. Dezember 2018.
↑ MDK-Pflegebegutachtungen 2017 Ergebnisse der Pflegebegutachtungen nach dem neuen Begutachtungsverfahren. Abgerufen am 10. Dezember 2018.
↑ MDK-Pflege-Qualitätsprüfungen. (PDF) Abgerufen am 10. Dezember 2018.
↑ Beschluss Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG). (PDF) In: bundesgesundheitsministerium.de. Bundesministerium für Gesundheit, 9. November 2018, abgerufen am 17. Dezember 2018.
↑ Personal der Medizinischen Dienste 2017. (PDF) Abgerufen am 10. Dezember 2018.
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4228735-2 (OGND , AKS )
Kategorien: Deutsche Organisation (Gesundheitswesen) | Medizinische Qualitätssicherung | Gesetzliche Krankenversicherung
Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (Autoren [Versionsgeschichte]) Lizenz: CC-by-sa-3.0
Stand der Informationen: 05.05.2020 06:45:38 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.

References: § 12
 § 275
 § 275
 § 18
 § 20
 § 282
 § 281