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Timestamp: 2019-07-20 05:17:30+00:00

Document:
ArbG Reutlingen, Beschluss vom 18.01.2007, 2 BV 5/06 - HENSCHE Arbeitsrecht
ArbG Reut­lin­gen, Be­schluss vom 18.01.2007, 2 BV 5/06
Schlagworte: Betriebsrat: Mitbestimmungsrecht
Gericht: Arbeitsgericht Reutlingen
Aktenzeichen: 2 BV 5/06
Ar­beits­ge­richt Reut­lin­gen
Ak­ten­zei­chen: 2 BV 5106
1. Be­triebs­rat ###
hat das Ar­beits­ge­richt Reut­lin­gen - 2. Kam­mer - durch den Di­rek­tor des Ar­beits­ge­richts Schwäger­le d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Her­pich und d. eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Koch auf
die Anhörung d. Be­tei­lig­ten am 18.01.2007
Ih­nen sol­le ein Wie­der­ein­stieg in das Be­rufs­le­ben ermöglicht wer­den. Sie er­le­dig­ten Tätig­kei­ten, die über den nor­ma­len Ar­beits­be­darf hin­aus­gin­gen. Bei ih­rem Ein­satz han­de­le sich um ei­ne so­zi­al­recht­li­che Maßnah­me, die nicht zu ei­nem Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats führe. Aus­rei­chend sei es, wenn -wie un­strei­tig ge­sche­hen - der Be­triebs­rat darüber in­for­miert wor­den sei, dass Ein-Eu­ro-Job­ber im Un­ter­neh­men tätig sei­en. Ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG schei­de auch des­we­gen aus, weil zwar Vor­stel­lungs­gespräche mit den "Be­wer­bern" geführt würden, ei­ne Aus­wah­l­ent­schei­dung an­ge­sichts der so­zi­al­recht­li­chen Vor­ga­ben aber zu­min­dest ge­min­dert sei.
We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten wird auf den In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze und An­la­gen, die Ge­gen­stand des Anhörungs­ter­mins vor der Kam­mer wa­ren, so­wie auf die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten vom 17.10.2006 und 18.01.2007 ver­wie­sen.
2. Der An­trag ist auch be­gründet. Dem Be­triebs­rat steht ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 99 Be­trVG zu,
wenn der Ar­beit­ge­ber in sei­nem Be­trieb er­werbsfähi­ge Hil­fe­bedürf­ti­ge i.S.d. § 16 Abs.3 5.2 SGB II beschäftigt.
a. In dem Un­ter­neh­men des Ar­beit­ge­bers sind mehr als 20 wahl­be­rech­tig­te Ar­beit­neh­mer tätig. Der Ar­beit­ge­ber hat da­her nach § 99 Abs.1 Satz 1 Be­trVG vor je­der Ein­stel­lung die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats ein­zu­ho­len. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kommt es für den Be­griff der Ein­stel­lung i.S.d. § 99 Abs. 1 Be­trVG nicht ent­schei­dend auf das Rechts­verhält­nis an, in dem die im Be­trieb täti­gen Per­so­nen zum Ar­beit­ge­ber ste­hen. Viel­mehr löst die Ein­glie­de­rung die­ser Per­so­nen in den Be­trieb das Mit­be­stim­mungs­recht aus. Der Ar­beit­ge­ber muss (zu­min­dest) die für ein Ar­beits­verhält­nis ty­pi­schen Wei­sun­gen über den Ar­beits­ein­satz tref­fen. Das Ar­beits­verhält­nis der Per­so­nen kann auch zu ei­nem Drit­ten be­ste­hen (vgl. BAG AP Nr. 5 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung). Die An­wen­dung des § 99 Be­trVG kommt auch in Be­tracht, wenn die frag­li­chen Per­so­nen über­haupt nicht in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber ste­hen (für Selbständi­ge BAG AP Nr. 35 zu § 99 Be­trVG 1972; für Per­so­nen, die im Be­trieb ei­ne Aus­bil­dung er­hal­ten BAG AP Nr. 73 zu § 99 Be­trVG 1972) oder in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Dienst­verhält­nis ste­hen (für Zi­vil­dienst­leis­ten­de BAG AP Nr. 35 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung).
Der Be­triebs­rat hat nach § 99 Be­trVG bei ei­ner Ein­stel­lung un­abhängig da­von mit­zu­be­stim­men, in wel­chem zeit­li­chen Um­fang der Ein­zu­stel­len­de tätig wer­den soll. An­ders als § 95 Abs.3 Be­trVG für die Ver­set­zung enthält § 99 Be­trVG für die Ein­stel­lung kei­ne zeit­li­che Min­dest­gren­ze. Es bedürfen da­her auch Ein­stel­lun­gen für ei­ne kur­ze Zeit der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats (vgl. BAG AP Nr. 40 zu § 99 Be­trVG 1972). So­weit der Ar­beit­ge­ber dar­auf hin­weist, dass sich Rech­te und Pflich­ten der Ein-Eu­ro-Job­ber aus so­zi­al­recht­li­chen Re­geln ent­spre­chend der mit dem Grund­si­che­rungs­träger ge­schlos­se­nen Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung (§ 15 Abs.1 S.1 SGB II) oder ei­nem ei­ne Ver­ein­ba­rung er­set­zen­den Ver­wal­tungs­akt (§ 15 Abs.1 S.6 SGB II) er­ge­ben, steht auch die­ser Ge­sichts­punkt dem Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nicht ent­ge­gen. Der kon­kre­te Ein­satz ei­nes oder meh­re­rer Ein-Eu­ro-Job­ber un­ter­liegt gleich­wohl dem Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers. Der Ar­beit­ge­ber bleibt auch in sei­ner Ent­schei­dung frei, mit wel­chem "zu­ge­wie­se­nen" Ein-Eu­ro-Job­ber er ein Beschäfti­gungs­verhält­nis be­gründen will. So ist auch im Streit­fall zwi­schen den Be­tei­lig­ten un­strei­tig, dass der Ar­beit­ge­ber vor der Beschäfti­gung von Ein-Eu­ro-Job­bern Vor­stel­lungs­gespräche führt und auf die­se Wei­se die Möglich­keit zur Per­so­nal­aus­wahl hat. Die­se vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Per­so­nal­aus­wahl be­trifft aber die In­ter­es­sen der im Be­trieb vor­han­de­nen Ar­beit­neh­mer, de­ren Schutz das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 99 Be­trVG dient, wie sich aus § 99 Abs. 2 Nr. 3 und 6 Be­trVG er­gibt. Nach § 99 Abs.1 S.1 Be­trVG hat der Ar­beit­ge­ber ge­genüber dem Be­triebs­rat die vor­ge­schrie­be­nen In­for­ma­ti­ons- und Aus­kunfts­pflich­ten be­tref­fend die Per­son ei­nes je­den Ein-Eu­ro-Job­bers zu erfüllen so­wie un­ter Vor­la­ge der er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen in je­dem Ein­zel­fall Aus­kunft über die Aus­wir­kun­gen der Beschäfti­gung von Ein-Eu­ro-Job­bern auf Be­trieb und Be­leg­schaft zu ge­ben hat. Dem Mit­be­stim­mungs­recht steht da­her auch nicht ent­ge­gen, dass der Be­triebs­rat sich mit der Beschäfti­gung von Ein-Eu­ro-Job­bern grundsätz­lich ein­ver­stan­den erklärt hat und ei­ne ent­spre­chen­de po­si­ti­ve Stel­lung­nah­me ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber zur Vor­la­ge beim Grund­si­che­rungs­träger ab­ge­ge­ben hat (En­gels, NZA 2007, 8 <11>).
RECH­TS­MET­TEL­BE­LEH­RUNG
Schwäger­le
zur Übersicht 2 BV 5/06
07/02 Ar­beits­ge­richt Reut­lin­gen: Mit­be­stim­mung bei der Ein­stel­lung von Ein-Eu...
05.03.2007. Der Be­triebs­rat hat nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Reut­lin­gen bei der Ein­stel­lung von Ein-Eu­ro-Job­bern mit­zu­be­stim­men. Hier greift das Mit­be­stim­mungs­recht in ...

References: § 99
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