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Timestamp: 2019-10-21 16:54:50+00:00

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BVerwG, 19.09.1986 - 4 C 8.84 - dejure.org
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BVerwG, 19.09.1986 - 4 C 8.84 (https://dejure.org/1986,19)
BVerwG, Entscheidung vom 19.09.1986 - 4 C 8.84 (https://dejure.org/1986,19)
BVerwG, Entscheidung vom 19. September 1986 - 4 C 8.84 (https://dejure.org/1986,19)
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Baurecht - Bebauungsplan - Befreiung - Nachbarschutz
Zum drittschützenden Charakter der Normen des öffentlichen Baurechts
Kriterien für eine drittschützende Wirkung baurechtlicher Normen; Nachbarschützende Wirkung von § 31 Abs. 2 BBauG im Rahmen der dort vorgeschriebenen "Würdigung nachbarlicher Interessen"; Rechtsverletzung des Nachbarn durch Befreiungen
VG Gelsenkirchen, 25.03.1981 - 10 K 2596/80
OVG Nordrhein-Westfalen, 04.07.1983 - 10 A 1492/81
NJW 1987, 1658 (Ls.)
NVwZ 1987, 409
DVBl 1987, 476
DÖV 1987, 296
DÖV 1987, 297
BauR 1987, 70
ZfBR 1987, 47
In seinem Urteil vom 19. September 1986 - BVerwG 4 C 8.84 - (Buchholz 406.19 Nachbarschutz Nr. 71 (S. 54, 56) = DVBl. 1987, 476 (477)) hat der Senat ausgeführt, daß es für den Drittschutz nicht darauf ankommen könne, ob die Norm ausdrücklich einen fest "abgrenzbaren Kreis der Betroffenen" benenne.
Es kommt darauf an, dass sich aus den individualisierenden Tatbestandsmerkmalen der Norm ein Personenkreis entnehmen lässt, der sich von der Allgemeinheit unterscheidet (Urteil vom 19. September 1986 - BVerwG 4 C 8.84 - Buchholz 406.19 Nachbarschutz Nr. 71 S. 56).
Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG gebietet im Denkmalschutzrecht ebenso wenig wie im Baurecht (Urteile vom 19. September 1986 - BVerwG 4 C 8.84 - Buchholz 406.19 Nachbarschutz Nr. 71 = BRS 46 Nr. 173 S. 398 f. und vom 23. August 1996 - BVerwG 4 C 13.94 - BVerwGE 101, 364 ), in jeder Hinsicht nachbarlichen Drittschutz vorzusehen.
Das bedeutet: Liegt bauplanerischen Festsetzungen - wie für Gebietsfestsetzungen typisch - eine Ausgleichsordnung zugrunde, kommt einer solchen Regelung nach ihrem objektiven Gehalt Schutzfunktion zugunsten des an dem Austauschverhältnis beteiligten und damit genügend bestimmten Kreises von Grundstückseigentümern zu (vgl. BVerwG, Urteil vom 19. September 1986 - BVerwG 4 C 8.84 - Buchholz 406.19 Nachbarschutz Nr. 71 = DVBl 1987, 476 = NVwZ 1987, 409).
Ob das eine oder das andere der Fall ist, läßt sich bei Fehlen einer ausdrücklichen Regelung zur drittschützenden Wirkung nur durch Auslegung von Sinn und Zweck der jeweils einschlägigen Norm ermitteln (vgl. Urteil vom 9. September 1986 BVerwG 4 C 8.84 Buchholz 406.19 Nachbarschutz Nr. 71).
Das Bundesverwaltungsgericht hat unter Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung durch Urteil vom 19. September 1986 (BVerwG 4 C 8.84 - Buchholz 406.19 Nachbarschutz Nr. 71 Baurecht 1987, 70 = DÖV 1987, 296 = DVBl 1987, 476 = NVwZ 1987, 409) entschieden, daß § 31 Abs. 2 BauGB mit dem Gebot der Würdigung nachbarlicher Interessen drittschützende Wirkung hat.
Mit seinem Urteil vom 19. September 1986 (a.a.O.) hat der Senat seine Rechtsprechung nun dahin gehend modifiziert, daß auch eine fehlerhafte Befreiung von einer nicht nachbarschützenden Festsetzung dem Nachbarn einen Abwehranspruch vermitteln kann, wenn nämlich die Behörde bei ihrer Ermessensentscheidung über die vom Bauherrn beantragte Befreiung nicht die gebotene Rücksicht auf die Interessen des Nachbarn genommen hat.
Zwar hat § 31 Abs. 2 BBauG mit dem Gebot der Würdigung nachbarlicher Interessen nach der Rechtsprechung des Senats drittschützende Wirkung (Urteil vom 19. September 1986 - BVerwG 4 C 8.84 - ZfBR 1987, 47).
Umgekehrt braucht derjenige, der die Befreiung in Anspruch nehmen will, um so weniger Rücksicht zu nehmen, je verständlicher und unabweisbarer die von ihm verfolgten Interessen sind (BVerwG, Urteil vom 19. September 1986, a.a.O.).
Maßgeblich ist vielmehr, daß sich aus individualisierenden Merkmalen des Genehmigungstatbestandes ein Personenkreis entnehmen läßt, der sich von der Allgemeinheit unterscheidet (BVerwG, Urteil vom 19. September 1986 - 4 C 8.84 - Buchholz 406.19 Nr. 71).
Das in § 4 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 18 und § 1 a Abs. 1 WHG für Erlaubnis und Bewilligung gleichermaßen verankerte Gebot, auf Belange anderer Rücksicht zu nehmen, vermittelt freilich ungeachtet seines objektivrechtlichen Geltungsanspruches Drittschutz nur insoweit, als die Belange eines anderen in einer qualifizierten und individualisierten Weise betroffen sind (vgl. z.B. BVerwGE 52, 122 [BVerwG 25.02.1977 - IV C 22/75]; zuletzt BVerwG, Urteil vom 19. September 1986, a.a.O.).
In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass § 31 Abs. 2 BauGB im Hinblick auf das darin enthaltene Gebot der Würdigung nachbarlicher Interessen drittschützende Wirkung hat und zwar unabhängig davon, ob die Festsetzungen im Bebauungsplan, die Gegenstand der Befreiung sind, ihrerseits drittschützend sind (vgl. nur BVerwG, Urteil vom 19. September 1986 - BVerwG 4 C 8.84 -, juris Rn. 15;… Beschluss vom 8. Juli 1998 - BVerwG 4 B 64.98 -, juris Rn. 5).
Drittschutz vermitteln dabei solche Vorschriften des öffentlichen Baurechts, die jedenfalls auch der Rücksichtnahme auf individuelle Interessen und deren Ausgleich untereinander dienen (BVerwG, Urteil vom 19. September 1986 - BVerwG 4 C 8.84 -, juris Rn. 11).
Ob und inwieweit Festsetzungen eines Bebauungsplans Drittschutz vermitteln, ist im Wege der Auslegung zu ermitteln (vgl. BVerwG, Urteil vom 19. September 1986 - BVerwG 4 C 8.84 -, juris Rn. 14).
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References: § 31

Art. 14
 § 31
 § 31
 § 4
 § 18
 § 1
 § 31
 § 179
 § 31
 § 34