Source: https://haushundhirschblog.wordpress.com/2012/01/
Timestamp: 2017-04-29 03:35:11+00:00

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Januar | 2012 | haushundhirschblog
31. Januar 2012 § 12 Kommentare
31. Januar 2012 § 10 Kommentare
Text und Bild: Dieter Motzel
30. Januar 2012 § 10 Kommentare
Dieter Motzel - Drucktisch, 1997, Mischtechnik
30. Januar 2012 § 15 Kommentare
Die Frau saß in dem einzigen Café des Flughafengebäudes an einem kleinen runden Tisch und rührte mit dem Löffel in ihrem Teeglas. Der Tee war längst kalt geworden. Am frühen Morgen war sie nach einer kurzen schlaflosen Nacht aufgestanden, hatte geduscht, die dunkelgraue Bluse, das hellgraue Kostüm angezogen und später einen Kaffee auf ihr Zimmer bestellt. Dann hatte sie sich auf das Bett gesetzt, fröstelnd, eine Zigarette geraucht und an eine Zeit gedacht, die nie wieder zurückkommen würde. Sie hatte sich im Spiegel ihrer neuen Frisur mit der neuen Haarfarbe vergewissert. Das Haar war jetzt viel heller als sonst, und der Kurzhaarschnitt hatte sowohl ihr Gesicht als auch ihre gesamte Erscheinung vollkommen verändert. Sie war sich nicht sicher, ob die anderen ihre Veränderung ebenso deutlich wahrnehmen würden. Deshalb nahm sie das dunkelgrüne Seidentuch aus dem Koffer, verschloss ihn wieder, steckte das Tuch in ihre Handtasche. Bezahlte die Hotelrechnung, rief ein Taxi und ließ sich zum Flughafen fahren.
Hier hatte sie sich diesen Platz gesucht, von dem aus sie nur warten musste. Er kannte sie nicht, hatte sie vermutlich noch nie gesehen, das hatten die anderen ihr versichert. Dagegen waren ihr sämtliche seiner Gewohnheiten bekannt: wie wusste, was er am liebsten aß, las und verschenkte. Sie wusste wer ihm nahe stand, hatte gelesen, stundenlang in den dicken Akten, wem er misstraute, zu welchen Frauen er Kontakt pflegte und welchen Wein er bevorzugte. Dass er Vögel hasste, welche Länder er bereist hatte. Sie wusste von den Sprachen, die er beherrschte und konnte sagen, zu welchen Anlässen er welches Aftershave in seinem grauen Gesicht auftrug. Jetzt sah sie ihn. Wie er sich aus einer Gruppe ähnlich gekleideter und geschäftig wirkender Männer löste, an einem Zeitungsständer kurz stehen blieb, ohne etwas genauer zu betrachten.
30. Januar 2012 § 12 Kommentare
29. Januar 2012 § 14 Kommentare
Dieter Motzel - Stilleben mit gedachter Tasse, 1998, Mischtechnik
29. Januar 2012 § 9 Kommentare
Der Krieg hatte Breschen in die Stadt geschlagen, die sichtbaren wurden mit neuem Mauerwerk versehen, die unsichtbaren waren nicht aufzufüllen. Lücken blieben, sichtbar und unsichtbar. Vergessen war nichts, aber hinter der beschwerlichen Alltagsarbeit war es gut verpackt, eingelagert. Ein westlicher Wind, der durch das Land wehte, verschaffte der Stadt wieder Luft zum atmen. Er strömte durch die Durchlässe, in denen einmal Häuser gestanden hatten, strich über Brachen, erkundete neues Gelände und auch dort, wo das alte Mauerwerk unbeschadet die Feuerstürme überstanden hatte, wehte er durch die Straßen. Er war auch in dem kleinen Hinterhof zu spüren, in dem die Taube immer noch an ihrem Frühstück pickte. Die kahlen Verästelungen der Birke, die sich aus der kleinen Wiese emporreckte, bewegten sich im Wind. Die Sonne verwandelte den Raureif in kleine glitzernde Tropfen. Das unfreundliche Bellen eines Hundes brachte die Taube nicht aus ihrer Ruhe. Sehr sorgsam untersuchte sie den Boden, vermutlich ein Grund, weshalb sie so gut genährt war. Sie war der Nase schon ziemlich nahe gekommen, als sich aus der Augenbraue ein Wassertropfen löste. Er bahnte den Weg für ein kleines Rinnsal, das sich über die Nasenwurzel abwärts in Richtung des Mundes bewegte.
Die Passgiere, die zielstrebig über die kleine Gangway in die Empfangshalle strebten, waren ausschließlich männlich. Als wären sie einem Kleidungscode verpflichtet, trugen sie fast alle graue Mäntel, entweder über ihren Anzügen oder über dem Arm gefaltet. In der Hand hielten sie Aktentaschen oder kleine Koffer. Braun oder Schwarz, manche so neu, dass man das Leder noch riechen konnte. Gegerbte Haut. Andere trugen alte Taschen, speckig und glänzend. Sie rochen nach Verlust und nicht mehr nach Leder.
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References: § 12
 § 10
 § 10
 § 15
 § 12
 § 14
 § 9