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Timestamp: 2020-06-05 05:39:24+00:00

Document:
Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 12. März 2002, Az.: 4a O 425/01
Aktenzeichen: 4a O 425/01
Die einstweilige Verfügung vom 7. Dezember 2001 wird aufrechter­halten.
Die Antragstellerin vertreibt Bekleidungsstücke, Stoffwaren, Schuhe, Kopfbe­deckungen und ähnliche Konsumartikel. Der Antragsgegner vertreibt unter der Firmenbezeichnung „X & X X" unter anderem Schals.
Die Antragstellerin ist eingetragene Inhaberin der am 8. Oktober 1996 ange­meldeten und am 21. Juni 1999 eingetragenen, nachfolgend wiedergegebe­nen Gemeinschaftsmarke Nr. X (Anlage ASt 2; nachfolgend: Verfü­gungsmarke). Die Veröffentlichung der Eintragung erfolgte am 23. August 1999. Das Warenverzeichnis der Verfügungsmarke umfasst unter anderem die Waren Bekleidungsstücke, Schuhwaren und Kopfbedeckungen.
Der Antragsgegner belieferte die X AG mit Schals, die ein Muster auf­weisen, weisen, wie es aus der Beschlussverfügung der Kammer vom 7. De­zember 2001 wiedergegebenen Abbildung ersichtlich ist.
Die Antragstellerin erlangte hiervon Kenntnis aufgrund einer Auskunft durch die X AG. Die Verfahrensbevollmächtigten der Antragstellerin forderten unter dem 9. November 2001 den Antragsgegner zum Einstellen des Ver­triebs dieses Schals sowie zur Abgabe einer Unterlassungserklärung unter Fristsetzung bis zum 17. November 2001 auf (Anlage ASt 8). Mit Schreiben vom 14. November 2001 bestritten die Verfahrensbevollmächtigten des An­tragsgegners eine Markenverletzung und teilten mit, dass der Antragsgegner vergleichsweise bereit sei, eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abzu­geben, wenn die Antragstellerin dem Antragsgegner eine Aufbrauchfrist von vier Monaten gewähren und auf Schadensersatz und Folgeansprüche ver­zichten würde. Am 15. November 2001 lehnten die Verfahrensbevollmäch­tigten der Antragstellerin telefonisch gegenüber den Verfahrensbevollmäch­tigten des Antragsgegners dieses Vergleichsangebot ab. Die Verfahrensbe­vollmächtigten des Antragsgegners wollten daraufhin erneut Rücksprache mit dem Antragsgegner nehmen und sich wieder melden. Mit Schreiben vom 19. November 2001 teilten die Verfahrensbevollmächtigten des Antragsgeg­ners mit, dass sie den Antragsgegner bislang nicht hätten erreichen können
und am darauffolgenden Tag eine Äußerung erfolgen werde (Anlage ASt 10). In der Folgezeit meldeten sich die Verfahrensbevollmächtigten des Antrags­gegners nicht und die Verfahrensbevollmächtigten der Antragstellerin erhiel­ten auf eine Nachfrage die Auskunft, der Antragsgegner habe noch nicht er­reicht werden können. Am 22. November 2001 setzten die Verfahrensbe­vollmächtigten der Antragstellerin den Verfahrensbevollmächtigten des An­tragsgegners eine letzte Frist zur Abgabe einer Unterlassungserklärung und Anerkennung der Folgeansprüche bis zum Folgetag. Am 23. November 2001 stellten die Verfahrensbevollmächtigten des Antragsgegners die Abgabe ei­ner Unterlassungserklärung im Laufe der Folgewoche in Aussicht. Als der Antragsgegner in der Woche vom 26. bis zum 30. November 2001 die Unterlassungsverpflichtungserklärung nicht abgab und auf telefonische Nachfrage der Verfahrensbevollmächtigten der Antragstellerin die Verfahrensbe­vollmächtigten des Antragsgegners am 3. Dezember 2001 mitteilten, dass er sich zur Abgabe der geforderten Erklärung nicht entschließen könne, setzten die Verfahrensbevollmächtigten diesbezüglich eine letzte Frist bis zum Fol­getag (Anlage ASt 11). Am Nachmittag des 4. Dezembers 2001 wurde die Abgabe einer Unterlassungsverpflichtungserklärung endgültig abgelehnt.
Auf einen beim Gericht am 6. Dezember 2001 eingegangenen Antrag der Antragstellerin hat die Kammer durch Beschluss vom 7. Dezember 2001 dem Antragsgegner im Wege der einstweiligen Verfügung untersagt, in der Euro­päischen Union Schals mit dem aus der in den Tenor der Beschlussverfü­gung aufgenommenen Abbildung ersichtlichen Muster anzubieten, in den Verkehr zu bringen oder zu diesen Zwecken zu besitzen, einzuführen oder auszuführen, und dem Antragsgegner aufgegeben, die auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in seinem Besitz oder Eigentum befindlichen, bezeichneten Schals an einen Gerichtsvollzieher herauszugeben und über deren Herkunft und Vertriebsweg Auskunft zu erteilen, sowie dem Antrags­gegner für jeden Fall der Zuwiderhandlung die gesetzlichen Ordnungsmitte! angedroht.
Hiergegen hat der Antragsgegner mit Schriftsatz vom 20. Dezember 2001 Widerspruch erhoben.
den Widerspruch des Antragsgegners vom 20. Dezember 2001 zu­rückzuweisen und die einstweilige Verfügung der Kammer zu bestäti­gen.
die einstweilige Verfügung vom 7. Dezember 2001 aufzuheben.
Der Antragsgegner macht insbesondere geltend, das Landgericht Düsseldorf sei örtlich unzuständig, weil er, der Antragsgegner, den angegriffenen Schal in seinem Geschäftsbetrieb in München an die X AG veräußert habe; dass die Schals auch in Düsseldorf veräußert würden, sei ihm nicht bekannt gewesen. Zudem fehle es am Verfügungsgrund, weil die Antragstellerin - wie der Antragsgegner in der mündlichen Verhandlung vom 19. Februar 2002 vorgetragen hat - bereits am 12. Oktober 2001 Kenntnis von der Belieferung der X AG durch ihn, den Antragsgegner, erlangt habe und der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung erst am 6. Dezember 2001, mithin nach Ablauf der üblichen Vier-Wochen-Frist gestellt worden sei; die Antrag­stellerin habe zudem mit der X AG bereits seit September 2001 wegen der angegriffenen Schals korrespondiert; ein von ihm, dem Antragsgegner, unterbreitetes Vergleichsangebot habe die Antragstellerin abgelehnt, so dass die Vergleichsverhandlungen als gescheitert hätten betrachtet werden müs­sen. Eine Rechtsgefährdung bestehe nicht, weil der X AG ein Vertrieb des angegriffenen Schals untersagt worden sei.
Im Übrigen fehle es auch am Verfügungsanspruch. Der Schutzbereich der Verfügungsmarke sei beschränkt auf die konkrete Wahl des Musters in der konkret geschützten Farbvariation. Denn Karomuster gebe es in Großbritan­nien und in den britisch beeinflussten Teilen in Kanada, Amerika und Austra­lien zu Tausenden in allen erdenklichen geometrischen und farblichen, sich mehr oder weniger stark ähnelnden Varianten. Jeder britische Clan habe sein eigenes buntkariertes Stoffmuster (Tartan) mit seinen Familienfarben. Der sog. „X" sei eines von diesen Tausenden Tartans. Die Unterscheidungskriterien zwischen den Tartans würden sich auf Kleinigkei­ten reduzieren. All diesen Tartans sei gemeinsam, dass sie insbesondere in Großbritannien, Kanada, Amerika und Australien einen regen Absatz in der Textilindustrie hätten und in Geometrischer wie farblicher Hinsicht teilweise
eine erhebliche Ähnlichkeit zu dem Tartan der Antragstellerin aufwiesen. Die begrenzte Variationsmöglichkeit innerhalb von Karomustern bedinge einen geringen Schutzbereich. Bereits die Eintragungsfähigkeit eines Stoffmusters sei daher verwunderlich. Jedenfalls fehle es an der Verwechslungsgefahr des angegriffenen Schals mit der Verfügungsmarke, weil das Muster des an­gegriffenen Schals farblich und in seiner geometrischen Gestaltung variiert worden sei. Die Verfügungsmarke schütze das Muster in den Farben Hell­braun (Hintergrundfarbe), Beige (Zwischenabstand zwischen den einzelnen schwarzen Streifen), Schwarz (Streifen), Weiß (Zwischenabstand an den Kreuzungen der schwarzen Streifen) und Rot (dünnes weiteres Karomuster) sowie ein bestimmtes geometrisches Muster mit einer bestimmten Anzahl und Zuordnungen von verschiedenen Quadraten, die durch rechtwinklig auf­einander treffende Streifen gebildet würden. Der angegriffene Schal weise im Gegensatz zu der Verfügungsmarke neben den jeweils drei parallel verlau­fenden schwarzen Streifen beige bzw. hellbeige Streifen auf. Weitere Qua­drate würden durch zwei parallel zueinander verlaufende rote Streifen gebil­det, während es bei der Verfügungsmarke nur einen roten Streifen gebe, auf den ein weiterer roter Streifen rechtwinklig treffe. Die Flächen zwischen den beige ausgebildeten Streifen weise ein helles Grau auf, die Flächen zwi­schen den hellbeigen Streifen weise hingegen einen fast schwarzen Farbton auf; demnach werde die Farbfolge gegenüber der Verfügungsmarke umge­kehrt gewählt Die Kreuzung der beigen und hellbeigen Streifen bildeten 16 weiße Quadrate und nicht wie bei der Verfügungsmarke nur 4 weiße Qua­drate. Auch die von der Antragstellerin angeführte besondere Kennzeich­nungskraft der Verfügungsmarke führe zu keinem anderen Ergebnis, zumal sie angesichts des momentanen Trends zum Karomuster abnehme. Der Schutzbereich der Verfügungsmarke sei des Weiteren durch die Hochwertigkeit der Produkte der Antragstellerin eingeschränkt. Hochwertige Produkte würden gerade im Modebereich erst nach intensiver Überlegung und nach fachkundiger Beratung gekauft unter Berücksichtigung der Herstelleranga­ben. Die von der Antragstellerin vertriebenen Schals mit der Gestaltung der Verfügungsmarke würden je nach Qualitätsausführung zum Preis von 429,00 DM angeboten, während der angegriffene Schal zum Preis von 39,90 DM veräußert werde. Die Herstellerbezeichnung variiere. Eine Irreführung der beteiligten Verkehrskreise werde durch beide Unterschiede ausgeschlossen. Die Tartans seien mit einem Familienwappen und damit einem Wahrzeichen vergleichbar. Nach ständiger Rechtsprechung fehle es bereits bei geringfügi-
gen Unterschieden an einer Verwechslungsgefahr. Die Verfügungsmarke wahre gegenüber Drittmarken selbst nur einen geringen Abstand, so dass ihr Schutzbereich entsprechend eng sei. Die Verfügungsmarke sei insbesondere dem Tartan des X Clans ähnlich.
Wegen des weiteren Sachvortrags beider Parteien wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.
Auf den Widerspruch des Antragsgegners gegen die einstweilige Verfügung vom 7. Dezember 2001 ist diese auf ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Dies führt zu ihrer Bestätigung, weil der auf ihren Erlass gerichtete Antrag zulässig und begründet ist.
Das angerufene Landgericht Düsseldorf ist örtlich zuständig gemäß § 125 g, S. 1 MarkenG i.V.m. § 32 ZPO. Entscheidend ist Insoweit, dass die vom An­tragsgegner nach seinem Vorbringen in München belieferte, aber bundesweit tätige X AG die angegriffenen Schals auch in Düsseldorf angeboten hat. Wie das Landgericht Düsseldorf bereits in der Entscheidung „Rohrver­zweigung'' vom 7. November 2000 (InstGE 2000, 154, 156) ausgeführt hat, hat derjenige, der Waren an jemanden liefert, von dem er weiß, dass dieser die Waren bundesweit anbietet und vertreibt, Kenntnis davon oder nimmt jedenfalls billigend in Kauf, dass durch diesen Abnehmer (Verteilstation) die Erzeugnisse bundesweit vertrieben werden (vgl. auch OLG Düsseldorf, GRUR 1959, 540; LG Düsseldorf, GRUR 1960, 95 - Hebetisch). In diesem Fall hat der Lieferant dafür einzustehen, sei es als mittelbarer Täter, weil dem „Verteiler" keine schuldhafte Schutzrechtsverletzung zur Last zu legen ist (so OLG Düsseldorf, GRUR 1959, 540; LG Düsseldorf, GRUR 1960, 95 - Hebe-
tisch), sei es als Mittäter oder sei es als Nebentäter, weil ohne seinen Tat­beitrag eine Belieferung der weiteren Abnehmer nicht möglich gewesen wä­re. In allen Fällen liegt eine unerlaubte Handlung des (Vor-) Lieferanten vor, so dass dieser überall dort in Anspruch genommen werden kann, wo die rechtsverletzende Ware von seinem Abnehmer vertrieben wird.
Verwechslungsgefahr für den angesprochenen Verkehrskreis kann sich ge­mäß Art. 9 Abs. 1 lit. b) GMV wegen der Identität oder Ähnlichkeit des ange­griffenen Zeichens mit der Marke und der Identität oder Ähnlichkeit der durch die Marke und das Zeichen gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen ergeben.
Nach der Auslegung von Art. 4 Abs. 1 lit. b MarkenRL durch die Rechtspre­chung des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaften (EuGH, GRUR 1998, 387, 389/390 - Säbel/Puma; GRUR Int. 1999, 734, 736 - Lloyd), die für die Auslegung der in Umsetzung dieser Richtlinienbestimmung erlassenen Vorschriften der §§ 9 Abs. 1 Nr. 2, 14 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG von maßgebli­cher Bedeutung ist (vgl. BGH, GRUR 2001, 164, 166 - Wintergarten) und auch für die Auslegung der gleichlautenden Bestimmung des Art. 9 Abs. 1 lit. b) GMV herangezogen werden kann, ist die Frage der Verwechslungsgefahr unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles umfassend zu beur­teilen. Hierzu gehören insbesondere der Bekanntheitsgrad der Marke im Markt, die gedankliche Verbindung, die das benutzte oder eingetragene Zei­chen zu ihr hervorrufen kann, sowie der Grad der Ähnlichkeit zwischen der
Marke und dem Zeichen und zwischen den damit gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen. Bei der umfassenden Beurteilung ist, wie der Ge­richtshof der Europäischen Gemeinschaften des Weiteren ausgeführt hat, hinsichtlich der Ähnlichkeit der Marken auf den Gesamteindruck abzustellen, den diese hervorrufen, wobei insbesondere die sie unterscheidenden und dominierenden (prägenden) Elemente zu berücksichtigen sind. Hierbei kommt es maßgebend darauf an, wie die Marke auf den Durchschnittsver­braucher der jeweils in Frage stehenden Waren wirkt. Darüber hinaus wird eine Wechselbeziehung zwischen den in Betracht kommenden Faktoren im­pliziert, insbesondere der Ähnlichkeit der Marken und der von ihnen erfassten Waren oder Dienstleistungen. So kann ein geringerer Grad der Ähnlich­keit der erfassten Waren oder Dienstleistungen durch einen höheren Grad der Ähnlichkeit der Marken ausgeglichen werden und umgekehrt (EuGH, GRUR 1998, 922, 923 Tz. 17 - CANON; GRUR Int. 1999, 734, 736 - Lloyd). Diese Auslegung der vorerwähnten Richtlinienbestimmung entspricht auch der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum Markengesetz (ständige Rspr., vgl. z.B. GRUR 2000, 608, 610 - ARD-1; GRUR 2000, 506, 508 -ATTACHE/TISSERAND; GRUR 2000, 886, 887 - Bayer/BeiChem; GRUR 2001, 158, 159/160 - Drei-Streifen-Kennzeichnung; GRUR 2001, 164, 165 -Wintergarten; GRUR 2001 , 507, 508 - EViAN/REVIAN).
Unter Zugrundelegung dieser Grundsätze bestellt zwischen der Verfü­gungsmarke und dem angegriffenen Schal eine Verwechslungsgefahr im rechtlichen Sinne.
Der Verfügungsmarke kommt von Hause aus Kennzeichnungskraft zu. Bild­zeichen, konkrete Farbzusammenstellungen und selbst konturlose Farben sind grundsätzlich geeignet, kennzeichnend zu wirken, indem sie dem Publi­kum die Herkunft der Ware anzeigen (vgl, BGHZ 140, 193, 195 - Farbmarke gelb/schwarz; BGH, GRUR 2001, 1154 - Farbmarke Violettfarben; WRP 2001, 1315, 1319 - Marlboro-Dach). Es gehört darüber hinaus zum allge­meinen Erfahrungswissen, dass Farben, wie z.B. jedem Autofahrer aufgrund der bekannten Hausfarben der Mineralölgesellschaften bekannt ist, jedenfalls in bestimmten Fällen deutlich schneller wahrgenommen werden als Text und Bild, sich dabei auch nicht als minder einprägsam erweisen ais letztere und
vor allem in besonderer Weise geeignet sind, die Aufmerksamkeit des Ver­brauchers zu erregen (BGH, WRP 2001, 1315,1319 - Marlboro-Dach).
die Grundfarbe des Musters, die insbesondere durch die farbliche Ge­staltung der jeweils vier kleineren Quadrate, die die größte Fläche der Struktur darstellen, gebildet wird, ist hellbraun;
die Flächen zwischen den dunkler ausgebildeten, schwarzen Streifen
sehen den schraffiert schwarz ausgebildeten schwarzen Streifen hell­braun erscheinen, und die Flächen der durch die Kreuzung der dun­kelschwarzen Streifen mit den schraffiert ausgebildeten schwarzen Streifen gebildeten vier kleinen Quadrate sind weiß.
Soweit der Antragsgegner offenbar geltend machen will, dass die Verfü­gungsmarke zu Unrecht eingetragen ist, kann er hiermit nicht gehört werden. Nach Art. 95 Abs. 1 GMV haben die Gemeinschaftsmarkengerichte grund­sätzlich von der Rechtsgültigkeit der Gemeinschaftsmarke auszugehen, weshalb sich der Beklagte im Verletzungsverfahren insbesondere nicht mit der Behauptung verteidigen kann, die Gemeinschaftsmarke sei nicht unter­scheidungskräftig oder freihaltebedürftig und daher löschungsreif. Nach Art. 95 Abs. 3 GMV kann der Beklagte im Verletzungsprozess nur die Einreden des Verfalls wegen Nichtbenutzung oder der Nichtigkeit der Gemeinschafts­marke wegen eines älteren Rechts erheben. Mit solchen Einreden verteidigt sich der Antragsgegner hier nicht.
Soweit es als zulässig angesehen wird, bei einer trotz absoluter Schutzhin­dernisse, insbesondere entgegen Art. 7 Abs. 1 lit. a) GMV eingetragenen Marke, bei der Verletzungsprüfung nur von einer Kennzeichnungskraft an der untersten Schwelle der Schutzfähigkeit auszugehen und die Marke als schwaches Zeichen zu behandeln (vgl. Ingerl/Rohnke, MarkenG 1998, § 14 Rdnr. 197), greift dieser Gesichtspunkt im Streitfall nicht durch. Denn die Kammer hat keinen Zweifel daran, dass die Verfügungsmarke nach Art. 4 GMV eintragungsfähig ist und ihrer Eintragung auch keine absoluten Eintra-
gungshindernisse nach Art. 7 GMV entgegenstehen. Insbesondere kommt der Verfügungsmarke, wie bereits ausgeführt, originäre Kennzeichnungskraft zu.
Der Schutzbereich der Verfügungsmarke ist entgegen der Ansicht des An­tragsgegners auch nicht deshalb begrenzt, weil es Karomuster in Großbri­tannien und in den britisch beeinflussten Teilen in Kanada, Amerika und Au­stralien „zu Tausenden in allen erdenklichen geometrischen und farblichen, sich mehr oder weniger stark ähnelnden Varianten" gibt. Der Antragsgegner hat insoweit vorgetragen, jeder britische Clan habe sein eigenes buntkarier­tes Stoffmuster (Tartan) mit seinen Familienfarben. Der sog. „X" sei eines von diesen Tausenden Tartans und die Unterscheidungskriterien zwischen den Tartans würden sich auf Kleinigkeiten reduzieren. Ei­ner Einschränkung der Unterscheidungskraft der Verfügungsmarke unter diesem Gesichtspunkt steht entgegen, dass die als Familienwappen genutz­ten Tartans der Allgemeinheit in weiten Teilen der Europäischen Union und insbesondere in Deutschland nicht als solche bekannt sind. Soweit der An­tragsgegner auf einen Auszug aus dem Internet verweist, lässt dieser einen gegenteiligen Schluss nicht zu. Im Übrigen werden Tartans auch nicht im Modebereich als Marke verwendet, wie es bei der Verfügungsmarke der Fall ist. Dadurch werden die Tartans von den angesprochenen Verkehrskreisen nicht als Herkunftshinweis auf einen Hersteller im Modesegment wahrge­nommen.
Die Kennzeichnungskraft der Verfügungsmarke ist auch nicht aufgrund von Drittzeichen geschwächt. Zwar kann die Kennzeichnungskraft einer Marke durch die Benutzung von Drittzeichen geschwächt sein. Eine solche Schwä­chung, die einen Ausnahmetatbestand darstellt, setzt jedoch voraus, dass die Drittzeichen im Bereich der gleichen oder eng benachbarten Branchen oder Waren und in einem Umfang in Erscheinung treten, der geeignet er­scheint, die erforderliche Gewöhnung des Verkehrs an die Existenz weiterer Kennzeichen im Ähnlichkeitsprinzip zu bewirken (vgl. BGH, GRUR 1982, 420 - BBC/DDC; GRUR 1990, 367 - alpi/Alba Moda; GRUR 1991, 472 - Germa­nia; GRUR 2001, 1161 - CompuNet/ComNet). Diese Voraussetzungen hat der Antragsgegner nicht dargelegt. Der Antragsgegner beruft sich insoweit lediglich pauschal darauf, dass es einen momentanen Trend zum Karomu­ster gebe. Soweit er in diesem Zusammenhang ferner auf einen von der X AG vertriebenen Schal mit einem aus der Anlage 6 ersicht­lichen Karomuster verweist, ergibt sich hieraus nichts anderes. Denn eine Schwächung der Kennzeichnungskraft kann sich nur aus der vom Markenin­haber geduldeten Benutzung markenverletzender Drittzeichen ergeben (vgl. Fezer, Markenrecht, 3. Auflage, § 14 MarkenG Rdnr. 307). Die Antragstelle­rin hat unbestritten vorgetragen, gegen den Vertrieb dieses Schals mit Erfolg rechtlich vorgegangen zu sein. Selbst wenn man annehmen wollte, dass die­se Benutzungsform nicht markenverletzend gewesen sei, könnte die Ver­wendung dieses einen Zeichens die Kennzeichnungskraft der Verfügungs­marke allein auch gar nicht mindern (vgl. hierzu BGH, GRUR 1999, 241, 243 - Lions; GRUR 1999, 586, 587 -White Lion; GRUR 1999, 733, 734 - LION DRIVER), Im Übrigen ist der Kammer aus verschiedenen Verfahren bekannt, dass die Antragstellerin konsequent gegen Verletzungen der Verfügungs­marke vorgeht.
Soweit sich der Antragsgegner auf die vielfältigen Karomuster der Familien­wappen stützen will, so zeigen die von ihm als Anlage 5 vorgelegten ent­sprechenden Abbildungen schließlich auch andere Farbgestaltungen und geometrische Muster als die Verfügungsmarke. Das von dem Antragsgegner diesbezüglich besonders hervorgehobene Tartan der Familie X, das der Antragsgegner als Anlage 3 eingereicht hat, weicht erheblich von der Verfügungsmarke ab, weil es eine einheitliche Gelbeinfärbung des Hinter­grunds zeigt, die von durch extrem breite schwarze Streifen und zusätzlichen roten Streifen gebildeten Quadrate überlagert ist Das so entstandene Ka­romuster wirkt aufgrund der Breite der schwarzen Streifen sehr flächig.
Eine Einschränkung des Schutzbereichs lässt sich auch nicht unter Hinweis auf die sog. Abstandslehre begründen. Nach der Abstandslehre reicht der Schutzbereich einer Marke gegenüber einem Kollisionszeichen nicht über den Abstand hinaus, den die Marke selbst von Drittmarken gewählt und ge­wahrt hat (BGH, GRUR 1952, 419, 420 - Gumax/Gumasoi; 1955, 415, 417 -Arctuvan/Artesan: 1955, 484, 486 - Luxor/Luxus; 1959, 420 - Opa!). Es wi­derspricht dem Wesen des Markenschutzes als einer Abgrenzung konkurrie­render Individualrechte sowohl hinsichtlich der Markeninhaber als auch ge­genüber der Allgemeinheit, wenn man dem Markeninhaber der prioritätsälter­en Marke einen Anspruch auf einen weitergehenden Abstand der Konkur­renzmarken von seiner Marke zugestehen wollte, als er selbst mit seiner
Marke von anderen Konkurrenzmarken gewahrt oder gewählt hat. Die Schwächung der Kennzeichnungskraft einer Marke beruht darauf, dass der Verkehr durch das Nebeneinander ähnlicher Marken genötigt wird, auch auf geringfügige Unterschiede zu achten, und dass unter dieser Voraussetzung schon geringe Unterschiede zum Ausschluss der Verwechslungsgefahr aus­reichen können, oder aber der Verkehr, dem auf einem Warengebiet eine Reihe ähnlicher Marken begegnen, aus der Ähnlichkeit noch nicht auf die Herkunft aus dem gleichen Betrieb schließt (BGH, 1955, 415, 417 - Arctuvan/Artesan; 1955, 484, 486 - Luxor/Luxus; 1955, 579 - Sunpearl l; 1956, 179 - Ettaier Klosterliqueur; 1967, 246, 248 - Vitapur; 1969, 690, 692 - Fa­ber). Dabei ist die wirkliche Auffassung des Verkehrs zu ermitteln. Maßge­bend ist zunächst, dass die der prioritätsälteren Marke ähnlichen Drittmarken in einem für den Verkehr beachtlichen Maße markenmäßig benutzt werden (BGH, 1952, 419, 420 - Gumax/Gumasol; 1955, 484 - Luxor/Luxus; 1955, 579, 581 - Sunpear! l; 1967, 246, 248 - Vitapur; 1973, 314, 315 - Gentry). Eine Verkehrsgewöhnung ist anzunehmen, wenn die ähnlichen Drittmarken auf Grund ihrer Benutzung im Verkehr eine gewisse Bedeutung und Markt­stärke erlangt haben (BGH, 1955, 484, 486 - Luxor/Luxus; 1955, 579, 581 -Sunpearl l; 1967, 246, 248 - Vitapur). Dies wird man annehmen können, wenn die ähnlichen Drittmarken eine gewisse Zeit fang im Verkehr gebraucht werden. Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht gegeben. Der An­tragsgegner hat überhaupt keine ähnliche, ältere Drittmarke aufgezeigt So­weit er auf die bereits angesprochenen Tartans verweist, ergibt sich aus sei­nem diesbezüglichen Vortrag bereits nicht hinreichend, dass diese im Ver­kehr weitgehend bekannt sind. Die Vorlage eines Auszuges aus dem internet ist insoweit nicht aussagekräftig. Darauf kommt es letztlich aber auch nicht an. Denn bei den Tartans handelt es sich nicht um Marken im Sinne der Gemeinschaftsmarkenverordnung oder des Markengesetzes, sondern um schottische Familienmuster.
Aufgrund umfangreicher, langjähriger Benutzung und einer hierdurch er­langten Bekanntheit kommt der Verfügungsmarke ferner eine gesteigerte Kennzeichnungskraft zu. Die Antragstellerin hat unbestritten vorgetragen, dass sie die Verfügungsmarke bereits seit den 20er Jahren für viele ihrer Produkte benutzt und sich weltweit als ihr Erkennungs- und Markenzeichen durchgesetzt hat. Eine Presseagentur hat für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland im Kalenderjahr 2000 eine Nennung der Antragstellerin in Ver-
Zwischen den Waren, für die die Verfügungsmarke eingetragen ist, und dem
angegriffenen Schal besteht in dem Segment „Bekleidungsgegenstände"
Warenidentität.
Die erforderliche Markenähnlichkeit ist ebenfalls gegeben, weil der angegrif­fene Schal keinen hinreichend großen Abstand zu der Verfügungsmarke hält. Dabei ist zu beachten, dass dem Verkehr erfahrungsgemäß besonders kennzeichnungskräftige, insbesondere bekannte Kennzeichnungen eher in der Erinnerung bleiben, und er daher solche Kennzeichen auch eher in einer anderen Kennzeichnung wiederzuerkennen glaubt. Demgemäß genießen derart besonders kennzeichnungskräftige oder sogar bekannte Marken grundsätzlich einen umfassenderen Schutz als Marken, deren Kennzeich­nungskraft geringer ist (vgl. BGH, GRUR 2001, 158, 159 - Drei-Streifen-Kennzeichnung; WRP 2001, 1315, 1320 - Marlboro-Dach).
Der angegriffene Schal weist ebenso wie die Verfügungsmarke ein aus Qua­draten gebildetes geometrisches Muster auf. Die Quadrate werden zum ei­nen durch jeweils drei parallel zueinander verlaufende und drei weitere zu ihnen rechtwinklig verlaufende schwarze Streifen und diese umlaufende vier beige bzw. hellbeige Streifen, und zum anderen durch jeweils zwei parallel zueinander verlaufende rote Streifen und zwei weiteren zu ihnen rechtwinklig verlaufende rote Streifen gebildet. Die durch die roten Streifen gebildeten Quadrate sind größer und verlaufen jeweils in einem um 45 Grad versetzten Winkel zu den durch die schwarzen Streifen gebildeten Quadrate. Die Kreu­zungspunkte der roten Streifen liegen in der geometrischen Mitte der durch die schwarzen bzw. beigen und hellbeigen Streifen gebildeten Quadrate und schaffen so innerhalb dieser Quadrate vier weitere, kleinere Quadrate. Das Muster des angegriffenen Schals unterscheidet sich demnach von der Verfü­gungsmarke durch die Ausbildung von vier beigen und vier hellbeigen Strei­fen, die die schwarz schraffierten Streifen umgeben. Durch die erhöhte An­zahl der Streifen werden bei der angegriffenen Marke insgesamt 16 kleine weiße Quadrate im Kreuzungsbereich der beigen und hellbeigen und schwarzen Streifen gebildet. Zudem bilden die jeweils zwei roten Streifen, die rechtwinklig auf zwei rote Streifen treffen, innerhalb der durch die beigen und hellbeigen Streifen gebildeten Streifen vier Quadrate aus.
Das Muster des angegriffenen Schals unterscheidet sich von der Verfü­gungsmarke des Weiteren in geringen Teilen seiner Farbgebung. Die schwarzen Streifen sind bei dem angegriffenen Schal einheitlich schraffiert ausgebildet, während die drei jeweils zusammengehörenden „schwarzen" Streifen bei der Verfügungsmarke dunkel schwarz oder schraffiert schwarz ausgebildet sind, so dass sich ein Schwarz in einem dunkleren und einem helleren Ton ergibt. Die unterschiedlichen Schwarztöne fallen dem Verbraucher jedoch nur bei genauer, eingehender Betrachtung auf, zu der der Ver­kehr nicht neigt. Der Grundton innerhalb der durch die schwarzen bzw. bei­gen und hellbeigen Streifen gebildeten Quadrate, die durch die roten Streifen nochmals unterteilt werden, ist bei dem angegriffenen Schal wie bei der Verfügungsmarke hellbraun. Die Quadrate im Kreuzungsbereich der längs und quer zueinander verlaufenden jeweils drei schwarzen Streifen und je­weils vier hellbeigen und beigen Streifen sind bei dem angegriffenen Schal wie bei der Verfügungsmarke weiß. Die Flächen zwischen den einen jeweils drei schwarzen Streifen sind farblich entsprechend den sie umgebenden bei-
gen und hellbeigen Streifen ausgebildet. Bei der Verfügungsmarke sind hin­gegen allein die Flächen zwischen den schwarz ausgebildeten Streifen dun­kelbeige bzw. hellbeige ausgebildet.
Diese farblichen und geometrischen Abweichungen stehen der Annahme einer Verwechslungsgefahr jedoch nicht entgegen. Der Gesamteindruck der Verfügungsmarke wird durch die geometrischen Formen und die sie bilden­den, im Vordergrund stehenden Farben bestimmt; im Vordergrund stehen die Farben Schwarz und Rot zur Bildung der Quadrate sowie die Farbe Hell­braun, die in heller werdenden Abstufungen bis zur Farbe Weiß verschiede­ne Flächen des Karomusters ausfüllt. Die bei dem angegriffenen Schal ge­gebene farbliche Abweichung hinsichtlich der schwarzen Streifen, die bei diesem einheitlich schraffiert ausgebildet sind, sowie die in beige oder hellbeige gehaltenen Streifen neben den schwarzen Streifen, führt angesichts der überwiegenden Übereinstimmungen und der gesteigerten Kennzeich­nungskraft der Verfügungsmarke sowie der gegebenen Warenidentität nicht aus dem Schutzbereich der Verfügungsmarke heraus. Die Verfügungsmarke wird insbesondere durch ihre geometrischen Formen geprägt, die durch das sich wiederholende Zusammenspiel der Grundfarben Schwarz, Rot und Braun entstehen, wobei insbesondere die Farbe Braun in verschiedenen Farbtönen wiederkehrt. Der einzelne Farbton tritt demgegenüber zurück. Bei der Verfügungsmarke steht das geometrische Muster aufgrund der Verwen­dung der Farben Schwarz und Rot im Vordergrund, das durch einen Braun­ton ergänzt wird. Dabei dominiert das durch die schwarzen Streifen gebildete geometrische Muster. Diese stehen aufgrund ihrer akzentuierten dunklen Farbgebung im Vordergrund. Dass neben den schwarzen Streifen noch wei­tere in Abstufung zu der hellbraunen Hintergrundfarbe gehaltene Streifen in Beige und Hellbeige angeordnet sind, wirkt sich auf diese Symmetrie nicht aus. Diese beigen bzw. hellbeigen Streifen wirken wie eine Umrandung und weniger als eigenständige Streifen. Bei den durch jeweils zwei rote Streifen gebildeten Quadrate steht für den angesprochenen Verkehrskreis im Vorder­grund, dass der Kreuzungsbereich der jeweils zwei roten Streifen wie bei der Verfügungsmarke in der geometrischen Mitte der durch die jeweils drei schwarzen Streifen gebildeten Quadrate liegt und dadurch die hellbraune Fläche unterteilt wird. Die jeweils parallel verlaufenden roten Streifen sind dicht zueinander angeordnet und erscheinen dadurch als eine Linienführung.
Der Verwechslungsgefahr steht auch nicht entgegen, dass unter der Verfü­gungsmarke relativ hochwertige Produkte vertrieben werden. Der Antrags­gegner hat insoweit vorgetragen, die von der Antragstellerin vertriebenen Schals mit der Gestaltung der Verfügungsmarke würden je nach Qualitäts­ausführung zum Preis von 429,00 DM angeboten, während der angegriffene Schal zum Preis von 39,90 DM veräußert werde. Die Herstellerbezeichnung zwischen der Verfügungsmarke und dem angegriffenen Schal variiere. Eine Irreführung der beteiligten Verkehrskreise werde durch beide Unterschiede ausgeschlossen. Dem kann jedoch nicht beigetreten werden. Abzustellen ist insoweit auf einen durchschnittlich informierten, aufmerksamen und verstän­digen Durchschnittsverbraucher der betreffenden Warenart (vgl. EuGH, GRUR Int. 1999, 734, 736 - Lloyd; GRUR 2000, 506, 508 -ATTACHE/TISSERAND; GRUR 2001, 158, 160 - Drei-Streifen-Kennzeichnung). Dessen Aufmerksamkeit kann je nach Art der in Frage ste­henden Waren unterschiedlich hoch sein (vgl. EuGH, GRUR Int. 1999, 734, 736 - Lloyd; GRUR 2000, 506, 508 - ATTACHE/TISSERAND; GRUR 2001, 158, 160 - Drei-Streifen-Kennzeichnung). Hiervon ausgehend wird bei Kon­sumartikeln des täglichen Massenbedarfs, die regelmäßig flüchtig nach der Marke gekauft werden, die Markenähnlichkeit eher anzunehmen sein, weil auf Unterschiede in den Markenbestandteilen weniger geachtet wird als bei hochpreisigen Produkten, die in der Regel erst nach längerfristiger Überle­gung und zumeist fachkundiger Beratung erworben werden (vgl. Fezer, a.a.O., § 14 MarkenG Rdnr. 153). Bei höherwertigen Produkten im Modebe­reich findet ein Kauf hingegen zwar regelmäßig erst nach Überlegung, aber nicht regelmäßig nach fachkundiger Beratung und unter Berücksichtigung der Herstellerangaben statt. Die hier angesprochenen Verkehrskreise sind Verbraucher, die modisch interessiert sind, und nicht ausschließlich diejeni­gen Kunden, die die eigenen Verkaufsstellen der Antragstellerin aufsuchen. Diese unterliegen bei dem festgestellten hohen Ähnlichkeitsgrad der Marken der Verwechslungsgefahr. Hinsichtlich dieser Durchschnittsverbraucher ist nämlich zu berücksichtigen, dass sie nur selten die Möglichkeit haben, die verschiedenen Zeichen unmittelbar miteinander zu vergleichen, und sie sich sonst auf das unvollkommene Bild verlassen müssen, das sie von ihnen im Gedächtnis behalten (vgl. EuGH, GRUR Int. 1999, 734, 736 - Lioyd; BGH, GRUR 2000, 506, 509 - ATTACHE/TISSERAND). Da der Verkehr die Zei­chen regelmäßig nicht gleichzeitig wahrnimmt und miteinander vergleicht, sondern seine Auffassung aufgrund seines Erinnerungsbildes gewinnt, ist
maßgeblich nicht so sehr auf die Unterschiede, als auf die Übereinstimmun­gen der Kollisionsmarken abzustellen. Denn im Erinnerungsbild treten erfah­rungsgemäß die übereinstimmenden Merkmale stärker hervor als die Unter­schiede (BGH, GRUR 2000, 506, 509 - ATTACHE/TISSERAND). Deshalb ist bei der Prüfung der Verwechslungsgefahr mehr auf die gegebenen Über­einstimmungen der zu vergleichenden Zeichen abzustellen als auf die Ab­weichungen (vgl. BGH, GRUR 1990, 450, 452 - St. Petersquelle; GRUR 1993, 972, 974 - Sana/Schosana; GRUR 1998, 924, 925 - Salvent/Salventerol; GRUR 1999, 735, 736 - MONOFLAM/ POLYFLAM; GRUR 2000, 506, 509 - ATTACHE/TISSERAND). Außerdem gilt auch der Erfahrungssatz, dass der Durchschnittsverbraucher eine Marke regelmäßig als Ganzes wahrnimmt und nicht : auf die verschiedenen Einzelheiten achtet (vgl. BGH, GRUR 2000, 506, 509 - ATTACHE/TISSERAND m.w.N).
Soweit der Antragsgegner darauf hinweist, dass die angegriffene Benut­zungsform mit einer „Herstellerbezeichnung" („X") versehen sei, steht dies der Annahme einer hinreichenden Zeichenähnlichkeit ebenfalls nicht entgegen. Zwar gilt der Grundsatz, dass bei der Beurteilung der zeichen­rechtlichen Verwechslungsgefahr auf den Gesamteindruck des jeweiligen Zeichens abzustellen ist (vgl. EuGH, GRUR 1998, 387, 389 Tz. 23 -Säbel/Puma; GRUR Int. 1999, 734, 736 - Lloyd). Dies beruht auf der Erwä­gung, dass markenrechtlicher Schutz von der Gestaltung der Marke auszu­gehen hat, wie sie eingetragen ist, und eine Ähnlichkeit mit einem angegrif­fenen Zeichen nur in dessen konkreter Verwendung festgestellt werden kann (vgl. z.B. BGH, GRUR 1996, 775, 776 - Sau Toft; GRUR 1998, 942 - ALKA-SELTZER; GRUR 1999, 233, 234 - RAUSCH/ELFi RAUCH). Der Schutz ei­nes aus einem zusammengesetzten Zeichen herausgelösten Elements ist dem Markenrecht fremd. Auch greift hier nicht der Erfahrungssatz, dass eine Herstellerangabe als Bestandteil einer Marke im Allgemeinen weitgehend in den Hintergrund tritt, weil der Verkehr die Waren meist nicht nach dem Na­men des Herstellers unterscheidet, sondern seine Aufmerksamkeit auf die sonstigen Merkmale markenmäßiger Kennzeichnung richtet (BGH, GRUR 1996, 404, 405 - Blendax Pep; GRUR 1996, 406, 407 - JUWEL; GRUR 1997, 897, 898 - IONOFIL; GRUR 1999, 925, 927 - Bisotherm-Stein; GRUR 1999, 927, 929 - COMPO-SANA; GRUR 1999, 942 - ALKA-SELTZER; GRUR 1999, 583, 585 - LORA Dl RECOARDO). Denn dieser Erfahrungssatz soll nach der Rechtsprechung des BGH auf dem - hier in Rede stehenden - Mo-
desektor nicht gelten, weil der Verkehr auf diesem Warengebiet aufgrundweitverbreiteter Übung daran gewöhnt sei, den Herkunftshinweis und dieWarenindividualisierung, die durch die Markierung bewirkt würden, insbe­sondere auch in dem Unternehmenskennzeichen zu sehen (vgl. BGH,: GRUR1996, 406, 407 - JUWEL; GRUR 1996, 774 - falkerun/LE RUN; GRUR 1998,1114, 1115 - ECCO II), Im Streitfall kann der einleitend angeführte, für Ge­samt- bzw. Kombinationszeichen geltende Grundsatz jedoch keine Anwen­-dung finden, weil der angesprochene Verkehr in dem angegriffenen, mit ei-­nem Etikett versehenen Schal kein Gesamtzeichen sehen wird. Vielmehrwird er aufgrund der Bekanntheit der Verfügungsmarke, welche er in demMuster des Antragsgegners wiedererkennt, in dem Schal einen eigenständigen Herkunftshinweis und damit eine separate Marke und in dem Etikett, sofern ihm dieses überhaupt auffällt, allenfalls eine Zweitmarke sehen. Selbst wenn man aber von dem eingangs genannten Grundsatz ausgehen wollte, ist hier zu beachten, dass dieser nicht ausschließt, dass einem ein­zelnen Bestandteil eines Zeichens eine besondere, das gesamte Zeichen prägende Kennzeichnungskraft beigemessen werden und deshalb bei Über­einstimmung der Bezeichnungen in dem prägenden Bestandteil die Gefahr einer Verwechslung der beiden Gesamtbezeichnungen zu bejahen sein kann (vgl. z.B. BGH, GRUR 1996, 198, 199 - Springende Raubkatze; GRUR 1996, 200, 201 - Innovadiclophlont; GRUR 1996, 404, 405 - Blendax Pep; GRUR
1997, 897, 898 - IONOFIL; GRUR 1999, 233, 234 - RAUSCH/ELFI RAUCH).Dies ist hier aufgrund der Bekanntheit der Verfügungsmarke, die der Ver-­braucher in dem angegriffenen Muster wiedererkennt, zu bejahen. Dem Ver-
braucher kommt es gerade auf das Muster an.
Ferner macht der Antragsgegner ohne Erfolg geltend, dass die Tartans mit einem Familienwappen und damit einem Wahrzeichen vergleichbar seien, so dass bereits geringfügige Abweichungen des Kollisionszeichens ausreichten, um eine Verwechslungsgefahr auszuschließen. Dieser Argumentation kann nicht beigetreten werden, weil es sich bei der Verfügungsmarke um kein Fa­milienwappen oder Wahrzeichen, sondern um eine Marke handelt, die durch umfangreiche Benutzung gesteigerte Unterscheidungskraft erlangt hat. Auch geht die Antragstellern aus der Verfügungsmarke hier nicht gegen die Be­nutzung eines (schottischen) Familienwappens vor.
Schließlich kann sich der Antragsgegner nicht mit Erfolg darauf berufen, dass ein Freihaltungsinteresse für Mitbewerber angesichts einer nur begrenzten Variationsmöglichkeit von karierten Stoffmustern bestehe. Dies steht der An­nahme einer Verwechslungsgefahr nicht entgegen, weil nicht ersichtlich ist, weshalb gerade an dem bekannten „X" oder an mit diesem verwechslungsfähigen Mustern ein Freihalteinteresse besteht. Der Antrags­gegner macht selbst geltend, dass es "Tausende von Karomustern" in allen erdenklichen geometrischen und farblichen Variationen gibt.
Die Antragstellerin hat gegen den Antragsgegner einen Anspruch auf Unter­lassung des Vertriebs des angegriffenen Schals gemäß Art. 98 i.V.m. Art. 9 Abs. 1 lit. b) GMV. Die erforderliche Gefahr, dass sich in Zukunft weitere Rechtsverletzungen wiederholen werden, ergibt sich daraus, dass der An­tragsgegner in der Vergangenheit im Rahmen seiner gewerblichen Tätigkeit die angegriffenen Schals jedenfalls an die X AG geliefert und die Ver­fügungsmarke dadurch verletzt hat.
Schließlich hat der Antragsgegner gegenüber der Antragstellern Auskunft in
Der erforderliche Verfügungsgrund ist gegeben. Zur Abwendung der Antrag­stellerin drohender wesentlicher Nachteile ist der Erlass der begehrten einst­weiligen Verfügung erforderlich, § 940 ZPO.
Nach der ständigen Rechtsprechung der Kammer wird der Verfügungsgrund in Kennzeichenstreitsachen nach der entsprechend anwendbaren Vorschrift des § 25 UWG vermutet. Die Anwendbarkeit der Vorschrift auf kennzeich­nungsrechtlichen Ansprüche war schon unter der Geltung des Warenzei­chengesetzes anerkannt; das MarkenG hat hieran nichts geändert (vgl. Fe­zer, a.a.O., § 14 MarkenG Rdnr. 550; Baumbach/Hefermehl, Wettbewerbs­recht, 20. Auflage 1998, § 25 UWG Rdnr. 5, jeweils m.w.N.). Im Übrigen be­stünde auch dann ein Verfügungsgrund im Sinne des § 940 ZPO, wenn man die Dringlichkeitsvermutung, einem Urteil des OLG Düsseldorf vom 27. Mai 1997 (20 U 38/97) folgend, nicht anwenden wollte. Denn bei der Verletzung gewerblicher Schutzrechte ist ein dem Antragsteller drohender wesentlicher Nachteil in der Regel schon darin zu sehen, dass der Unterlassungsanspruch für einen bestimmten Zeitraum faktisch verloren geht, wenn er nicht alsbald durchgesetzt werden kann. Wegen der Schwierigkeit, einen durch eine Schutzrechtsverletzung entstandenen Schaden belegen und beziffern zu können, ist der Schadensersatzanspruch hierfür regelmäßig nur ein unzu­länglicher Ersatz. Die Unterlassungsverfügung kann daher, wenn der Verfü­gungsanspruch glaubhaft gemacht ist, im Allgemeinen nur versagt werden, wenn ein dem Interesse des Antragstellers zumindest gleichwertiges Interes­se des Antragsgegners entgegensteht (vgl. z.B. Landgericht Düsseldorf, Ur­teil vom. 24. Juni 1997, 4 O 408/96, Entscheidungen 1997, 100 - Kennzei­chenrechtliche Dringlichkeitsvermutung).
Selbst wenn die Antragstellerin mit der X AG bereits seit September
2001 wegen der angegriffenen Schals korrespondiert hat, hat sie erst zu ei-­nem späteren Zeitpunkt aufgrund einer Auskunft der X AG Kenntnisdavon erlangt, dass diese die angegriffenen Schals von dem Antragsgegnererworben hat. Damit kann auf September 2001 als maßgeblicher Zeitpunktfür die Prüfung der Dringlichkeit nicht abgestellt werden. Soweit es nach demVortrag des Antragsgegners in der mündlichen Verhandlung vom 19. Februar
2002 zwei Schreiben der Kaufhof AG vom 12. Oktober 2001 bzw. 17. Okto-­ber 2001 gegeben hat, in denen sie mitteilt, Schals von der „Firma X" erworben zu haben, kann auf diesen Zeitpunkt ebenfalls nicht abge­-stellt werden. Da der Antragsgegner die vorliegend angegriffenen Schalsunter seiner Firmenbezeichnung „X & X" vertrieben hat, könnensich die genannten Schreiben nicht auf den streitgegenständlichen Schalbeziehen. Ob die Antragstellerin selbst, wie sie geltend macht, erst am 12.November 2001 durch ihre Verfahrensbevollmächtigten über den Sachver­halt und die Person des Antragsgegners informiert worden ist, und die Ver­fahrensbevollmächtigten mithin bereits zu einem früheren Zeitpunkt Kenntnisvon der Verletzung durch den Antragsgegner gehabt haben müssen, wassich die Antragstellerin zurechnen lassen musste, kann dahinstehen. DieAntragstellerin ist jedenfalls ab diesem Zeitpunkt nicht untätig geblieben,sondern blieb mit den Verfahrenbevollmächtigten des Antragsgegners imGespräch im Bestreben einer außergerichtlichen Einigung. Dass die dafürangesetzte Zeit unangemessen gewesen wäre, ist nicht ersichtlich, insbe­sondere weil der Antragsgegner hinsichtlich des angegriffenen Schals seineVergleichsbereitschaft bereits signalisiert hatte. Ein endgültiges Scheitern derVerhandlungen stand aus Sicht der Antragstellerin jedenfalls erst am 4. De­zember 2001 fest. Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung wurdesodann am 6. Dezember 2001 eingereicht. Darin liegt kein unangemessenesZuwarten.
Der Erlass der einstweiligen Verfügung ist schließlich auch unter Berücksich­tigung des Umstandes erforderlich, dass der X AG ein Vertrieb des angegriffenen Schals bereits untersagt worden ist. Denn dies hindert jeden­falls den Antragsgegner, der auf dem Standpunkt steht, der angegriffene Schal verletze die Verfügungsmarke nicht, nicht daran, diesen an andere Abnehmer zu liefern. Aufgrund des Umstandes, dass der Antragsgegner im Rahmen seiner geschäftlichen Tätigkeiten bereits die X AG mit der angegriffenen Benutzungsform beliefert hat, besteht die Gefahr, dass sich in Zukunft weitere Rechtsverletzungen wiederholen werden. Diese Wiederho­lungsgefahr hat der Antragsgegner nicht widerlegt
Der beim Gericht (Geschäftsstelle) am 12. März 2002 eingegangene, nicht nachgelassene Schriftsatz des Antragsgegners blieb bei der Entscheidung unberücksichtigt, § 296 a ZPO. Er gab - insbesondere im einstweiligen Ver­fügungsverfahren - auch keinen Anlass zur Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung, § 156 ZPO.
Eines Ausspruchs über die vorläufige Vollstreckbarkeit der Entscheidung zu­gunsten der Antragstellerin bedarf es nicht, weil sich diese aus der Natur der einstweiligen Verfügung ergibt. Das die einstweilige Verfügung bestätigende Urteil wirkt wie die ursprüngliche Beschlussverfügung und ist daher mit der Verkündung sofort vollstreckbar.
Fricke Dr. Benda Matz
Az: 4a O 425/01
https://www.admody.com/urteilsdatenbank/f78eb2de4283/LG-Duesseldorf_Urteil_vom_12-Maerz-2002_Az_4a-O-425-01
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05.06.2020 - 07:39 Uhr
LG Dortmund, Urteil vom 15. Januar 2016, Az.: 3 O 610/15 - BPatG, Beschluss vom 5. März 2009, Az.: 30 W (pat) 81/06 - OLG Hamm, Beschluss vom 16. Mai 2011, Az.: I-8 AktG 1/11 - VG Gelsenkirchen, Urteil vom 9. Juli 2008, Az.: 10 K 3447/03 - BPatG, Beschluss vom 19. Januar 2004, Az.: 25 W (pat) 45/02 - SG München, Urteil vom 15. April 2011, Az.: S 27 R 1644/10 - BGH, Beschluss vom 4. Juni 2014, Az.: AnwZ (Brfg) 6/14 - VG Arnsberg, Beschluss vom 11. Dezember 2006, Az.: 12 L 1146/06 - OLG Celle, Beschluss vom 14. Dezember 2009, Az.: 1 ARs 86/09 P - BGH, Beschluss vom 11. Mai 2000, Az.: X ZB 26/98

References: § 125
 § 32
 Art. 9
 Art. 4
 Art. 9
 Art. 95
 Art. 95
 Art. 7
 § 14
 Art. 4
 Art. 7
 § 14
 § 14
 BGH 
 Art. 98
 Art. 9
 § 940
 § 25
 § 14
 § 25
 § 940
 § 296
 § 156