Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsrat_LAG-Baden-Wuerttemberg_4TaBV1-08.html
Timestamp: 2017-08-18 08:51:07+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 4 TaBV 1/08
Schlag­worte: Betriebsrat: Beschluss
Akten­zeichen: 4 TaBV 1/08
Ent­scheid­ungs­datum: 30.06.2008
Leit­sätze: Ein Be­triebs­rats­mit­glied ist bei der Be­schluss­fas­sung im Ver­fah­ren gemäß § 99 Be­trVG be­tref­fend die Ein­grup­pie­rung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers we­gen In­ter­es­sen­kol­li­si­on dann aus­ge­schlos­sen, wenn das Be­triebs­rats­mit­glied auf­grund ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung über die wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung frei­ge­stell­ter Be­triebs­rats­mit­glie­der in­di­rekt von ei­ner mögli­chen Höher­grup­pie­rung des an­de­ren Ar­beit­neh­mers pro­fi­tiert.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart
4 TaBV 1/08
6 BV 113/07 (ArbG Stutt­gart)
Iss­ler Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
1. Be­triebs­rat
2. T. GmbH
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Knoll
auf die Anhörung der Be­tei­lig­ten am 30.06.2008
1. Die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 11.10.2007 - 6 BV 113/07 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Be­tei­li­gungs­rech­te des Be­triebs­rats im Zu­sam­men­hang mit der Ver­set­zung/Ein­grup­pie­rung der Ar­beit­neh­me­rin J.
Der An­trag­stel­ler/Be­tei­lig­te Ziff. 1 (im Fol­gen­den: Be­triebs­rat) ist der in der Nie­der­las­sung Stutt-gart der An­trags­geg­ne­rin/Be­tei­lig­ten Ziff. 2 (im Fol­gen­den: Ar­beit­ge­be­rin) ge­bil­de­te Be­triebs­rat. Vor­sit­zen­de des Be­triebs­rats war bis zum 30.12.2007 Frau B.
Frau B. war ei­ne bei der T. AG be­ur­laub­te Be­am­tin, die bei der Ar­beit­ge­be­rin im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses beschäftigt wur­de. Frau B. war nach § 38 Be­trVG in vol­lem Um­fang von ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit frei­ge­stellt. Frau B. schied am 30.12.2007 bei der Ar­beit­ge­be­rin aus und trat als Be­am­tin am 01.01.2008 in den Vor­ru­he­stand ein.
Am 15.02.2007 schloss der Ge­samt­be­triebs­rat mit der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne frei­wil­li­ge Ge­samt­be-triebs­ver­ein­ba­rung zur Aus­ge­stal­tung der sich aus §§ 37, 38 und 78 Be­trVG er­ge­ben­den An-sprüche der Be­triebs­rats­mit­glie­der ab. § 4 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung lau­tet aus­zugs­wei-se wie folgt:
„(1) Für je­des voll frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glied sind 3 (drei) Ver­gleichs­per­so­nen zu be­nen­nen. Das an das frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glied zu zah­len­de Ent­gelt ori­en­tiert sich dy­na­misch ab dem Zeit­punkt der Be­nen­nung an dem je­wei­li­gen Ent­gelt der Ver­gleichs­per­so­nen im Sin­ne des § 3.
(4) So­fern ei­ne Ver­gleichs­per­son höher grup­piert wird, erhält das frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glied ei­ne mo­nat­li­che Zah­lung in Höhe von 50 % des Dif­fe­renz­be­tra­ges zwi­schen der Vergütungs­grup­pe, in die das Be­triebs­rats­mit­glied ein­grup­piert ist und des re­gelmäßigen Mo­nats­ent­gelts der Ver­gleichs­per­son.“
Ei­ne der für Frau B. be­nann­ten Ver­gleichs­per­so­nen war die Ar­beit­neh­me­rin J. Frau J. war auf der Grund­la­ge des zwi­schen der Ge­werk­schaft ver.di und der Ar­beit­ge­be­rin ab­ge­schlos­se­nen Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trags zu­letzt in die Vergütungs­grup­pe 7/4 ein­grup­piert. Auf­grund der ge-nann­ten Re­ge­lung er­hielt Frau B. ne­ben ih­rem mo­nat­li­chen Ge­halt in der Vergütungs­grup­pe 5/4 in Höhe von zu­letzt € 2.816,00 ei­ne mo­nat­li­che Zah­lung von zu­letzt € 430,49 (vgl. Abl. 23 der zu In­for­ma­ti­ons­zwe­cken bei­ge­zo­ge­nen Ak­te des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart 6 Ca 3820/07). In dem an­ge­ge­be­nen Ver­fah­ren hat­te Frau B. mit der Ar­beit­ge­be­rin darüber ge­strit­ten, ob sich die
Dif­fe­renz­zah­lung auf der Grund­la­ge der Vergütungs­ta­bel­le für die An­ge­stell­ten oder auf der­je-ni­gen für die be­ur­laub­ten Be­am­ten be­misst.
Mit Be­triebs­rats­vor­la­ge vom 13.04.2007 (Abl. 32) un­ter­rich­te­te die Ar­beit­ge­be­rin den Be­triebs­rat über die be­ab­sich­tig­te „Ver­set­zung/Beförde­rung“ von Frau J.. Frau J. war bis da­hin als Ver-triebs­ko­or­di­na­to­rin beschäftigt. Rück­wir­kend zum 22.02.2007 bat die Ar­beit­ge­be­rin um die Zu-stim­mung des Be­triebs­rats zur künf­ti­gen Beschäfti­gung als Team­lei­te­rin Ver­triebs­sup­port Pri-vat­kun­den. Bei der Ein­grup­pie­rung in die Vergütungs­grup­pe A 7/4 soll­te es aus­weis­lich der Be­triebs­rats­vor­la­ge auch nach der Ver­set­zung ver­blei­ben.
Mit Schrei­ben vom 16.04.2007 stimm­te der Be­triebs­rat der rück­wir­ken­den Ver­set­zung von Frau J. zu. Die Ein­grup­pie­rung in die Vergütungs­grup­pe 7/4 lehn­te der Be­triebs­rat ab. Dem Schrei­ben war ein Be­schluss des Be­triebs­rats vor­aus­ge­gan­gen, an dem Frau B. mit­ge­wirkt hat­te. Für die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung hin­sicht­lich der Ein­grup­pie­rung führ­te der Be­triebs­rat an, dass Frau J. in die Vergütungs­grup­pe 8/2 ein­zu­grup­pie­ren sei. Zur Ein­grup­pie­rung der Team­lei­ter Tech­nik hat­ten die Ar­beit­ge­be­rin und der Ge­samt­be­triebs­rat in § 6 ei­ner Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 11.08.2006 die Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen, dass die Ein­grup­pie­rung gemäß An­la­ge 1 zum ERTV T-Mo­bi­le in die Vergütungs­grup­pe 8 er­fol­ge. In ei­ner wei­te­ren Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 22.02.2007 hat­ten die Ar­beit­ge­be­rin und der Ge­samt­be­triebs­rat hin­sicht­lich der Team­lei­ter Ver­trieb ver­ein­bart, dass die Ein­grup­pie­rung gemäß An­la­ge 1 zum ERTV T-Mo­bi­le er­fol­ge, oh­ne dass ei­ne kon­kre­te Vergütungs­grup­pe an­ge­ge­ben wur­de. In sei­nem Schrei­ben vom 16.04.2007 ver­trat der Be­triebs­rat die Auf­fas­sung, dass die Be­schrei­bung der Tätig­kei­ten und der Ver­ant­wort­lich­kei­ten in den je­wei­li­gen An­la­gen 1 zu den ge­nann­ten Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen hin­sicht­lich des Team­lei­ters Ver­trieb und des Team­lei­ters Tech­nik iden­tisch sei­en.
Im An­schluss an das Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 13.04.2007 be­ließ es die Ar­beit­ge­be­rin bei der Ein­grup­pie­rung von Frau J. in die Vergütungs­grup­pe 7/4. Dar­auf­hin be­schloss der Be-triebs­rat am 21.05.2007 das vor­lie­gen­de Be­schluss­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten. Fer­ner wie­der­hol­te der Be­triebs­rat am 09.07.2007 in Ab­we­sen­heit von Frau B. die Be­schluss­fas­sung über die Ver-set­zung / Ein­grup­pie­rung von Frau J.
Mit sei­nem am 08.06.2007 ein­ge­gan­ge­nen An­trag be­gehr­te der Be­triebs­rat die Ein­grup­pie­rung von Frau J. in die Vergütungs­grup­pe 8/2, die Ein­ho­lung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats hier­zu und ggf. die Durchführung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens. Mit zwei Hilfs­anträgen be­gehr­te der Be­triebs­rat die Ein­ho­lung der Zu­stim­mung bzw. die Durchführung des Zu­stim-mungs­er­set­zungs­ver­fah­rens. Die Ar­beit­ge­be­rin trat sämt­li­chen Anträgen ent­ge­gen. Sie ver­wies
hier­bei ins­be­son­de­re dar­auf, dass die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de B. anläss­lich der Be­schluss­fas-sung über die „Ver­set­zung/Beförde­rung“ von Frau J. nach § 25 Be­trVG recht­lich ver­hin­dert ge-we­sen sei. We­gen der Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens wird auf den Sach­ver­halt des ge­foch­te­nen Be­schlus­ses ver­wie­sen.
Mit Be­schluss vom 11.10.2007 wies das Ar­beits­ge­richt die Anträge zurück. Zur Be­gründung führ­te das Ar­beits­ge­richt aus, der An­trag Ziff. 1 sei un­be­gründet, weil er im Er­geb­nis dar­auf ab­zie­le, die Ein­grup­pie­rung von Frau J. in die Vergütungs­grup­pe 7/4 auf­zu­he­ben, der Be­triebs­rat je­doch die Auf­he­bung ei­ner un­zu­tref­fen­den Ein­grup­pie­rung nicht ver­lan­gen könne. Der Hilfs­an­trag Ziff. 2 sei eben­falls un­be­gründet, weil die Ar­beit­ge­be­rin mit der Be­triebs­rats­vor­la­ge vom 13.04.2007 so­wohl die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ver­set­zung als auch die­je­ni­ge zur Ein­grup­pie­rung von Frau J. be­an­tragt ha­be. Der Hilfs­an­trag Ziff. 3 sei un­be­gründet, weil der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats ein feh­ler­haf­ter Be­schluss zu­grun­de lie­ge. Die Be-triebs­rats­vor­sit­zen­de B. sei we­gen In­ter­es­sen­kol­li­si­on ver­hin­dert ge­we­sen, an der Be­ra­tung und Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats be­tref­fend die Ein­grup­pie­rung von Frau J. teil­zu­neh­men. Ei­ne höhe­re Ein­grup­pie­rung von Frau J. ha­be un­mit­tel­bar Ein­fluss auf die Ge­halts­zu­sam­men­set­zung von Frau B. ge­habt, weil sich auf­grund der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung zu §§ 37, 38 und 78 Be­trVG hier­durch un­mit­tel­bar die Höhe des Zu­schlags­be­trags ände­re.
Ge­gen den ihm am 17.01.2008 zu­ge­stell­ten Be­schluss hat der Be­triebs­rat am 14.02.2008 Be-schwer­de ein­ge­legt und die­se am 14.03.2008 be­gründet. Er trägt vor, das Ar­beits­ge­richt sei zu Un­recht da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ar­beit­ge­be­rin mit ih­rem An­trag vom 13.04.2007 die Zu-stim­mung so­wohl zur Ver­set­zung als auch zur Ein­grup­pie­rung von Frau J. ein­ge­holt ha­be. Be-ab­sich­ti­ge der Ar­beit­ge­ber meh­re­re per­so­nel­le Maßnah­men in ei­nem Akt, so müsse er deut­lich ma­chen, dass er die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu je­der Maßnah­me be­geh­re. Selbst wenn man von ei­nem ord­nungs­gemäßen An­trag der Ar­beit­ge­be­rin aus­ge­he, ha­be der Be­triebs­rat ord­nungs­gemäß be­schlos­sen, die Zu­stim­mung zur Ein­grup­pie­rung nicht zu er­tei­len. Die Be-triebs­rats­vor­sit­zen­de B. sei recht­lich in der La­ge ge­we­sen, an der Be­triebs­rats­sit­zung vom 16.04.2007 teil­zu­neh­men. Hätte der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zur Ein­grup­pie­rung von Frau J. in die Vergütungs­grup­pe 7/4 er­teilt, so hätte dies kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Vergütung von Frau B. ge­habt. Die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ha­be eben­falls kei­nen recht­li­chen Vor­teil zu­guns­ten von Frau B. be­deu­tet. Ein recht­li­cher Vor­teil wäre erst dann ein­ge­tre­ten, wenn die Ar­beit­ge­be­rin die Zu­stim­mung zu ei­ner ge­plan­ten Höher­grup­pie­rung von Frau J. be­an­tragt hätte.
1. Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 11.10.2007, Az.: 6 BV 113/07, wird ab­geändert.
2. Es wird be­an­tragt, nach dem Schluss­an­trag des An­trag­stel­lers im Anhö-rungs­ter­min zu ent­schei­den.
Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt:
Die Be­schwer­de wird zurück­ge­wie­sen.
Sie trägt vor, der Haupt­an­trag sei un­zulässig, weil er dar­auf ge­rich­tet sei, ei­ne an­der­wei­ti­ge Ein­grup­pie­rung als von der Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­se­hen vor­zu­neh­men. Dies ent­spre­che in der Sa­che der Rückgängig­ma­chung der vor­ge­nom­me­nen Ein­grup­pie­rung. Die Be­triebs­rats­vor­la­ge vom 13.04.2007 ha­be ei­nen An­trag auf Zu­stim­mung so­wohl zur Ver­set­zung als auch zur Ein-grup­pie­rung be­inhal­tet. In die­sem Sin­ne ha­be der Be­triebs­rat den An­trag oh­ne wei­te­res ver-stan­den, wie sich aus sei­ner Stel­lung­nah­me er­ge­be. Die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de B. ha­be an der Be­schluss­fas­sung über die Ein­grup­pie­rung nicht mit­wir­ken dürfen, weil ei­ne höhe­re Ein­grup­pie-rung von Frau J. un­mit­tel­bar zu ei­ner Erhöhung der mo­nat­li­chen Vergütung von Frau B. geführt hätte. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­triebs­rats könne so­wohl ein zu­stim­men­der als auch ein ab­leh­nen­der Be­schluss des Be­triebs­rats be­deut­sam sein.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stands wird gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Pro­to­kol­le über die Anhö-rungs­ter­mi­ne ver­wie­sen.
Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist gemäß § 87 Abs. 1 ArbGG statt­haft. Sie ist auch - von der Be­schwer­de ge­gen den Haupt­an­trag ab­ge­se­hen - gemäß § 87 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit § 66 Abs. 1 ArbGG, § 89 Abs. 2 ArbGG in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Ge­gen­stand der Be­schwer­de sind der Haupt­an­trag und die bei­den Hilfs­anträge.
Hin­sicht­lich des Haupt­an­trags ist die Be­schwer­de be­reits un­zulässig. Nach § 89 Abs. 2 Satz 2 ArbGG muss die Be­schwer­de­be­gründung an­ge­ben, auf wel­che im ein­zel­nen an­zuführen­den Be­schwer­de­gründe so­wie auf wel­che neu­en Tat­sa­chen die Be­schwer­de gestützt wird. Da­mit for­dert das Ar­beits­ge­richts­ge­setz ei­ne ausführ­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung. Die Be­schwer­de­be­gründung muss deut­lich sa­gen, was sie ge­gen den an­ge­foch-te­nen Be­schluss ein­zu­wen­den hat, und zwar so, dass sich schon aus dem an­ge­foch­te­nen Be-schluss und der Be­schwer­de­be­gründung al­lein er­gibt, wel­che Ein­wen­dun­gen ge­gen die Ent-schei­dung des Ar­beits­ge­richts gel­tend ge­macht wer­den (BAG 31.10.1972 - 1 ABR 4/72 - AP ArbGG 1953 § 89 Nr. 7).
Die­sen An­for­de­run­gen genügt die Be­schwer­de­be­gründung hin­sicht­lich des Haupt­an­trags nicht. Das Ar­beits­ge­richt hat un­ter Ver­weis auf die ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge-richts zur Be­gründet­heit des Haupt­an­trags aus­geführt, die­ser zie­le im Er­geb­nis auf ei­ne Auf­he-bung der Ein­grup­pie­rung von Frau J. in die Vergütungs­grup­pe 7/4 ab. Die Auf­he­bung ei­ner un-zu­tref­fen­den Ein­grup­pie­rung könne der Be­triebs­rat je­doch nicht ver­lan­gen. Mit die­ser Ar­gu­men-ta­ti­on hat sich der Be­triebs­rat in der Be­schwer­de­be­gründung vom 14.03.2008 nicht be­fasst. Erst mit Schrift­satz vom 15.05.2008 hat er ei­ne auf den Haupt­an­trag zu­ge­schnit­te­ne Be­grün-dung nach­ge­scho­ben. Dies genügt den An­for­de­run­gen des § 89 Abs. 2 Satz 2 ArbGG nicht.
Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist - so­weit sie zulässig ist - un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend ent­schie­den, dass der Be­triebs­rat im Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG nicht ei­ne an­de­re Ein­grup­pie­rung der Ar­beit­neh­me­rin J. ver­lan­gen kann (da­zu 1.), die Ar­beit­ge­be­rin mit ih­rer Vor­la­ge vom 13.04.2007 auch die Zu­stim­mung zur Ein­grup­pie­rung von Frau J. ein­ge­holt
hat (da­zu 2.) und die Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats auf­grund recht­li­cher Ver­hin­de­rung der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den B. nich­tig war (da­zu 3.).
1. Der Haupt­an­trag wäre - hätte ein ord­nungs­gemäßer Be­schwer­de­an­griff vor­ge­le­gen - auch un­be­gründet ge­we­sen. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend ent­schie­den, dass der Be­triebs­rat im Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG kei­ne an­de­re Ein­grup­pie­rung des Ar­beit­neh­mers ver­lan­gen kann.
a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (seit dem Be­schluss vom 18.07.1978 - 1 ABR 43/75 - AP Be­trVG 1972 § 101 Nr. 1) ha­ben die Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG und § 99 Abs. 4 Be­trVG un­ter­schied­li­che Zwe­cke. Das Ver­fah­ren nach § 101 Be­trVG dient aus­sch­ließlich der Si­che­rung der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats. In die­sem Ver­fah­ren ist nicht zu prüfen, ob dem Be­triebs­rat ein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­recht zu­steht oder nicht. Die­se Fra­ge kann erst im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren nach § 99 Abs. 4 Be­trVG ge­prüft wer­den (BAG 18.07.1978, a.a.O.; BAG 21.11.1978 - 1 ABR 91/76 - und 22.03.1983 - 1 ABR 49/81 - AP Be­trVG 1972 Nr. 3 und 6).
Seit der Ent­schei­dung vom 22.03.1983 ver­tritt das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit über­zeu-gen­der Be­gründung zu­dem die Auf­fas­sung, dass der Be­triebs­rat im Ver­fah­ren nach § 101 Satz 1 Be­trVG vom Ar­beit­ge­ber nicht die „Auf­he­bung“ der Ein­grup­pie­rung ver­lan­gen kann. Das Ziel der Mit­be­stim­mungs­si­che­rung wird bei Ein­grup­pie­run­gen da­durch er­reicht, dass dem Ar­beit­ge­ber vom Ge­richt auf­ge­ge­ben wird, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats - so­fern noch nicht ge­sche­hen - zur Ein­grup­pie­rung ein­zu­ho­len und bei Ver­wei­ge­rung der Zu­stim­mung das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durch­zuführen (BAG 20.12.1988 - 1 ABR 68/87; BAG 18.06.1991 - 1 ABR 53/90 - AP Be­trVG 1972 § 99 Nr. 62 und 105; BAG 03.05.1994 - 1 ABR 58/93; BAG 26.10.2004 - 1 ABR 37/03 und BAG 12.12.2006 - 1 ABR 13/06 - AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­grup­pie­rung Nr. 2, 29 und 32). Im Mit­be­stim­mungs­si­che­rungs­ver­fah­ren geht es aus­sch­ließlich um die Be­sei­ti­gung ei­nes be­triebs­ver­fas­sungs­wid­ri­gen Zu­stan­des; hin­sicht­lich der Ein­grup­pie­rung ist das Ver­fah­ren „er­geb­nis­of­fen“. Der Be­triebs­rat be­sitzt kein Initia­tiv­recht im Hin­blick auf die zu­tref­fen­de Ein­grup­pie­rung in die gel­ten­de Vergütungs­ord­nung (BAG 18.06.1991, a.a.O.; BAG 03.05.1994, a.a.O.).
So­weit der Be­triebs­rat ein­wen­det, die strik­te Tren­nung von Mit­be­stim­mungs­si­che­rungs­ver­fah­ren und Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren führe zu ei­ner Ver­fah­rens­verzöge­rung,
so ist dies zwar zu­tref­fend. Der Ge­sichts­punkt der Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung kann aber des­we­gen kei­nen Aus­schlag ge­ben, weil das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz dem Be­triebs­rat kei­nen An­spruch auf „rich­ti­ge Ein­grup­pie­rung“ einräumt. Das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG be­schränkt sich dar­auf, dass der Ar­beit­ge­ber die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der von ihm für rich­tig ge­hal­te­nen Ein­grup­pie­rung ein­holt und im Fal­le der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung das Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durchführt.
2. Der ers­te Hilfs­an­trag des Be­triebs­rats ist un­be­gründet, weil die Ar­beit­ge­be­rin die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur be­ab­sich­tig­ten Ein­grup­pie­rung von Frau J. mit der Be­triebs­rats­vor­la­ge vom 13.04.2007 ein­ge­holt hat.
a) Will der Ar­beit­ge­ber die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu ei­ner der in § 99 Abs. 1 Be­trVG auf­geführ­ten Maßnah­me ein­ho­len, so muss er deut­lich ma­chen, um wel­che kon­kre­te per­so­nel­le Maßnah­men es geht. We­gen der in § 99 Abs. 3 Be­trVG ge­re­gel­ten Zu­stim­mungs­fik­ti­on muss für den Be­triebs­rat zwei­fels­frei zu ent­neh­men sein, zu wel­cher Maßnah­me der Ar­beit­ge­ber sei­ne Zu­stim­mung be­gehrt (Fit­ting, Be­trVG, 24. Auf­la­ge,
§ 99 Rz 186; Däubler, Be­trVG, 9. Auf­la­ge, § 99 Rz 126). Bei der Bit­te um Zu­stim­mung han­delt es sich um ei­ne je­den­falls rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung, auf die die Vor­schrif­ten über Wil­lens­erklärun­gen, d.h. auch die Vor­schrift des § 133 BGB ent­spre­chend an­wend­bar sind. Die Bit­te um Zu­stim­mung ist so­mit als emp­fangs­bedürf­ti­ge Erklärung so aus­zu­le­gen, wie sie der Erklärungs­empfänger nach Treu und Glau­ben un­ter Berück-sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen muss­te (vgl. auch Ri­char­di/Thüsing, Be­trVG, 10. Aufl., § 99 Rz. 156 und 169).
b) Im Streit­fall hat die Ar­beit­ge­be­rin die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats mit ei­nem For­mu­lar-schrei­ben vom 13.04.2007 ein­ge­holt. Die­ses Schrei­ben ist rein vom Wort­laut her be­trach­tet nicht ein­deu­tig. In der Be­triebs­rats­vor­la­ge wird die be­ab­sich­tig­te per­so­nel­le Ein­zel­maßnah­me mit „Ver­set­zung/Beförde­rung“ be­schrie­ben. Ein­deu­tig wäre die An­ga­be „Ver­set­zung und Ein­grup­pie­rung“ ge­we­sen. Die bei der Aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen­den Be­gleit­umstände er­ge­ben aber, dass die Ar­beit­ge­be­rin nicht nur die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ver­set­zung, son­dern auch die­je­ni­ge zur Ein­grup­pie­rung ein­ho­len woll­te. So hat die Ar­beit­ge­be­rin in der Be­triebs­rats­vor­la­ge die bis­he­ri­gen und künf­ti­gen Ar­beits­be­din­gun­gen un­ter der An­ga­be „neu/alt“ ge­genüber­ge­stellt. Die gel­ten­de und künf­ti­ge Ein­grup­pie­rung wird hier­bei aus­drück­lich an­ge­ge­ben. Wie sich aus der Re­ak­ti­on des Be­triebs­rats er­gibt, hat er die Vor­la­ge rich­ti­ger­wei­se da­hin­ge­hend aus­ge­legt,
dass sei­ne Zu­stim­mung zu zwei per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­men ein­ge­holt wer­den sol­le, nämlich ei­ner­seits zur Ver­set­zung und an­de­rer­seits zur Ein­grup­pie­rung in der neu­en Funk­ti­on. So ver­merk­te der Be­triebs­rat auf der Vor­la­ge vom 13.04.2007 hand­schrift­lich, dass zur Ein­stim­mung die Zu­stim­mung er­teilt, zur Ein­grup­pie­rung aber ver­wei­gert wer­de. Der Be­triebs­rat hat so­mit er­kannt, dass er, um die Zu­stim­mungs­fik­ti­on des § 99 Abs. 3 Be­trVG zu ver­mei­den, zu zwei per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­men Stel­lung neh­men müsse. Wenn dem Adres­sa­ten der Erklärung de­ren In­halt verständ­lich war, dann lässt sich nicht mehr ein­wen­den, der Ge­gen­stand der be­gehr­ten Zu­stim­mung sei nicht ein­deu­tig ge­we­sen.
3. Das Ar­beits­ge­richt hat schließlich zu­tref­fend ent­schie­den, dass auch der Hilfs­an­trag Ziff. 2 un­be­gründet ist. Da der Be­schluss des Be­triebs­rats vom 16.04.2007 über die Ver­wei­ge­rung der Zu­stim­mung zur Ein­grup­pie­rung nich­tig war, ist die Zu­stim­mungs­fik­ti­on des § 99 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG ein­ge­tre­ten. Der wie­der­ho­len­de Be­schluss des Be­triebs­rats vom 09.07.2007 konn­te den Man­gel nicht mehr hei­len.
a) Der Be­schluss des Be­triebs­rats vom 13.04.2007 ist nich­tig, weil er un­strei­tig un­ter der Be­tei­li­gung der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den Frau B. ge­fasst wur­de, Frau B. je­doch gemäß § 25 Be­trVG bei der Be­ra­tung und Be­schluss­fas­sung ver­hin­dert war.
aa) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist ein Be­triebs­rats­mit­glied von sei­ner Or­gantätig­keit bei Maßnah­men und Re­ge­lun­gen aus­ge­schlos­sen, die es in­di­vi­du­ell und un­mit­tel­bar be­tref­fen. Die­ser Grund­satz ist zwar im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz nicht aus­drück­lich ge­re­gelt. Er er­gibt sich aber aus dem all­ge­mei­nen Grund­satz, dass zur Ver­mei­dung von In­ter­es­sen­kol­li­sio­nen nie­mand „Rich­ter in ei­ge­ner Sa­che“ sein kann. In ei­ge­ner Sa­che ist ein Be­triebs­rats­mit­glied be­trof­fen, wenn ihn die frag­li­che Maßnah­me un­mit­tel­bar berührt.
Als „ei­ge­ne Sa­che“ in die­sem Sin­ne hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt an­ge­se­hen, wenn der Be­triebs­rat über ei­nen An­trag des Ar­beit­ge­bers auf Zu­stim­mung zur be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung des be­tref­fen­den Be­triebs­rats­mit­glieds zu ent­schei­den hat (BAG 26.08.1981 - 7 AZR 550/79 - und 23.08.1984 - 2 AZR 391/83 - AP Be­trVG 1972 § 103 Nr. 13 und 17). In ei­ge­ner Sa­che be­trof­fen ist ein Be­triebs­rats­mit­glied auch dann, wenn der Be­triebs­rat über die Zu­stim­mung zu des­sen Ab­grup­pie­rung zu ent­schei­den hat (BAG 03.08.1999 - 1 ABR 30/98 - AP Be­trVG 1972 § 25 Nr. 7). Nicht selbst be­trof­fen ist ein Be­triebs­rats­mit­glied hin­ge­gen dann, wenn der Ar­beit­ge­ber ei-
ne Kündi­gung von meh­re­ren Be­triebs­rats­mit­glie­dern we­gen gleich­ar­ti­ger Pflicht­ver­let­zung be­ab­sich­tigt und die Be­schluss­fas­sung nicht zur ei­ge­nen Kündi­gung, son­dern zu den Kündi­gun­gen der an­de­ren Be­triebs­rats­mit­glie­der er­folgt. Im letz­te­ren Fall ist zwar ein ge­wis­ser In­ter­es­sen­kon­flikt nicht zu ver­ken­nen. Er reicht je­doch für ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­trof­fen­heit nicht aus.
bb) Nach die­sen Grundsätzen ist im Streit­fall von ei­ner un­mit­tel­ba­ren und in­di­vi­du­el­len Be­trof­fen­heit der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den B. aus­zu­ge­hen, auch wenn das Ver­fah­ren nach § 99 Be­trVG nicht Frau B., son­dern die Ar­beit­neh­me­rin J. be­traf. Die un­mit­tel­ba­re und in­di­vi­du­el­le Be­trof­fen­heit er­gibt sich im vor­lie­gen­den Fall aus der Re­ge-lung in § 4 Abs. 1 und 4 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 15.02.2007. Nach Ab­satz 1 der Vor­schrift ori­en­tiert sich das an das frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glied zu zah­len­de Ent­gelt dy­na­misch an dem je­wei­li­gen Ent­gelt der Ver­gleichs­per­so­nen. Aus Ab­satz 4 folgt, dass sich die Höher­grup­pie­rung ei­ner für das be­tref­fen­de frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glied be­nann­ten Ver­gleichs­per­son au­to­ma­tisch, d.h. oh­ne ei­ne wei­te­re zwi­schen­ge­schal­te­te Ent­schei­dung zu­guns­ten des frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glied aus­wirkt. Nach der ge­nann­ten Re­ge­lung erhält das frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glied ei­ne mo­nat­li­che Zah­lung in Höhe von 50 % des Dif­fe­renz­be­tra­ges zwi­schen der Vergütungs­grup­pe, in die das Be­triebs­rats­mit­glied ein­grup­piert ist und des re­gelmäßigen Mo­nats­ent­gelts der Ver­gleichs­per­son, so­fern ei­ne Ver­gleichs­per­son höher­grup­piert wird. Im vor­lie­gen­den Fall wäre der zu zah­len­de Dif­fe­renz­be­trag zwar denk­bar ge­ring ge­we­sen. Nach dem übe­rein­stim­men­den Vor­brin­gen der Be­tei­lig­ten wäre das so­ge­nann­te Jah­res­ziel­ge­halt von Frau J. bei ei­ner Höher­grup­pie­rung in die Vergütungs­grup­pe 8/2 um € 35,50 jähr­lich an­ge­stie­gen. Die Höher­grup­pie­rung hätte sich zwar im wei­te­ren Ver­lauf stärker be­merk­bar ge­macht. We­gen des Aus­sch­ei-dens von Frau B. am 30.12.2007 be­schränk­te sich die fi­nan­zi­el­le Aus­wir­kung je­doch dar­auf, dass Frau B. 50 % des Dif­fe­renz­be­trags be­zo­gen auf den Zeit­raum vom 22.02. bis 30.12.2007, al­so rd. € 15,00 zusätz­lich er­hal­ten hätte.
Auf die Höhe der fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kung kann es in­des­sen nicht an­kom­men. Zwar ist ein­zuräum­en, dass der ge­rin­ge Be­trag von rund € 15,00 mut­maßlich das Ei­gen­in­ter­es­se von Frau B. nicht so stark in den Vor­der­grund hat rücken las­sen, dass zu befürch­ten war, Frau B. wer­de die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft nicht mehr ver­fol­gen. Auf ei­ne tatsächlich ein­ge­tre­te­ne In­ter­es­sen­kol­li­si­on kommt es aber nicht an. Es genügt be­reits die Möglich­keit ei­ner In­ter­es­sen­kol­li­si­on für ei­ne recht­li­che Ver­hin­de­rung. Schon aus ei­ge­nem In­ter­es­se muss der Be­triebs­rat dar­auf be­dacht sein, dass
be­reits der An­schein ver­mie­den wird, ein Be­triebs­rats­mit­glied un­ter­schei­de nicht sorgfältig ge­nug zwi­schen den ei­ge­nen In­ter­es­sen und den In­ter­es­sen der Be­leg­schaft. Je­de be­tragsmäßige Fest­set­zung ei­nes re­le­van­ten Vor­teils wäre willkürlich und würde dem Ge­bot ei­ner un­par­tei­ischen und un­abhängi­gen Amts­ausübung des Be­triebs­rats wi­der­spre­chen. Es kommt hin­zu, dass sich die fi­nan­zi­el­le Aus­wir­kung ei­ner mögli­chen Höher­grup­pie­rung von Frau J. auf das Ent­gelt von Frau B. auf­grund der kom­pli­zier­ten Vergütungs­struk­tu­ren des Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trags nicht auf ei-nen Blick über­se­hen ließ und im Zeit­punkt der Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats nicht ab­seh­bar war, ob der nach § 4 Abs. 4 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung zu zah­len­de Dif­fe­renz­be­trag auf der Grund­la­ge der Vergütungs­ta­bel­len für be­ur­laub­te Be­am­te oder der­je­ni­gen für An­ge­stell­te (für Frau B. güns­ti­ger) zu be­rech­nen sein würde (sie­he das Ver­fah­ren 6 Ca 3820/07).
cc) Die in der Be­schwer­de­be­gründung hier­ge­gen vor­ge­tra­ge­nen Ein­wen­dun­gen sind nicht tragfähig. Die vom Be­triebs­rat vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen ei­nem zu­stim­men­den und ab­leh­nen­den Be­schluss des Be­triebs­rats zur Ein­grup­pie­rung von Frau J. über­zeugt nicht. Es liegt zwar auf der Hand, dass ei­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ein­grup­pie­rung von Frau J. in die Vergütungs­grup­pe 7/4 kei­ne fi­nan­zi­el­len Vor­tei­le zu­guns­ten von Frau B. zur Fol­ge ge­habt hätte. Im Fal­le der hier vor­lie­gen­den Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung wur­de die Ar­beit­ge­be­rin aber vor die Al­ter­na­ti­ve ge­stellt, ob sie den Kon­flikt mit dem Be­triebs­rat aus­trägt, in­dem ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein­lei­tet wird, oder aber dem Kon­flikt aus dem Weg geht, in­dem die vom Be­triebs­rat befürwor­te­te Ein­grup­pie­rung ak­zep­tiert wird. Im zwei­ten Fall wä-re ein Vor­teil zu­guns­ten von Frau B. zwei­fel­los ein­ge­tre­ten. Selbst wenn die Ar­beit­ge­be­rin aber ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet hätte, wären - wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Be­schluss vom 03.08.1999 aus­geführt hat - die Ei­gen­in­ter­es­sen von Frau B. berührt ge­we­sen. Denn die Rich­tig­keit der Ein­grup­pie­rung von Frau J. wäre im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren über­prüft wor­den. Wäre die Ar­beit­ge­be­rin in die­sem Ver­fah­ren un­ter­le­gen, so hätte sich Frau J. und auf­grund des in der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­nen Au­to­ma­tis­mus auch Frau B. hier­auf be­ru­fen können. Dar­auf, wel­chen Be­schluss der Be­triebs­rat im kon­kre­ten Fall ge­trof­fen hat, kann es nicht an­kom­men. Denn das Ver­bot, Rich­ter in ei­ge­ner Sa­che zu sein, kann nur dann wirk­sam zur Gel­tung kom­men, wenn sich nur ei­ner der mögli­chen Be­schluss­in­hal­te vor­teil­haft zu­guns­ten des be­trof­fe­nen Be­triebs­rats-mit­glieds aus­wirkt.
b) Die späte­re Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats am 09.07.2007, die oh­ne die Be­tei­li­gung von Frau B. er­folg­te, konn­te den Man­gel des nich­ti­gen Be­triebs­rats­be­schlus­ses nicht mehr hei­len. Zwar kann ein nich­ti­ger Be­triebs­rats­be­schluss in be­stimm­ten Fall­ge­stal­tun­gen durch­aus ge­heilt wer­den (BAG 10.10.2007 - 7 ABR 51/06 - NZA 2008, 369). Im Streit­fall trat je­doch nach Ab­lauf der Wo­chen­frist des § 99 Abs. 3 Be­trVG die Zu­stim-mungs­fik­ti­on ein. Die Be­schluss­fas­sung vom 09.07.2007 kam da­her zu spät.
In die­sem Ver­fah­ren wer­den nach § 12 Abs. 5 ArbGG Kos­ten nicht er­ho­ben. Die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de be­ruht auf § 92 Abs. 1 Satz 2, § 72 Abs. 2 Ziff. 1 ArbGG.
1. Ge­gen die­sen Be­schluss kann der Be­tei­lig­te zu 1 schrift­lich Rechts­be­schwer­de ein­le­gen. Die Rechts­be­schwer­de muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Rechts­be­schwer-de­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem
2. Für die Be­tei­lig­te zu 2 ist ge­gen die­sen Be­schluss ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
gleich­zei­tig für den aus­ge­schie­de­nen
eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Knoll
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References: § 99
 § 38
 § 4
 § 3
 § 6
 § 25
 § 313
 § 87
 § 87
 § 66
 § 89
 § 89
 § 89
 § 89
 § 101
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 § 101
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 § 99
 § 101
 § 99
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 § 99
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 § 133
 § 99
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 § 25
 § 103
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 § 99
 § 4
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 § 99
 § 12
 § 92
 § 72