Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=14.03.2002&Aktenzeichen=I%20ZR%20279/99
Timestamp: 2019-05-20 15:56:00+00:00

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BGH, 14.03.2002 - I ZR 279/99 - dejure.org
https://dejure.org/2002,34
BGH, 14.03.2002 - I ZR 279/99 (https://dejure.org/2002,34)
BGH, Entscheidung vom 14.03.2002 - I ZR 279/99 (https://dejure.org/2002,34)
BGH, Entscheidung vom 14. März 2002 - I ZR 279/99 (https://dejure.org/2002,34)
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Sportwette - Inländische Behörde - Sittenwidrigkeit - Unlauterer Wettbewerb - Beantragte Erlaubnis - Rechtswidrige Versagung
Zur Veranstaltung von Sportwetten ohne eine von einer inländischen Behörde erteilte Erlaubnis
"Sportwetten"; Veranstaltung ohne Erlaubnis
Sittenwidrigkeit trotz rechtswidriger Versagung der Erlaubnis
Zusammenfassung von "Wettbewerbswidrige Sportwettenangebote auch bei rechtswidriger Versagung einer Genehmigung? - Zugleich eine Anmerkung zu OLG Köln ZUM 2006, 648 und BGH NJW 2002, 2175" von Wiss. Mit. Daniel Kendziur, original erschienen in: ZUM 2007, 193 - 200.
Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 1 ; Strafgesetzbuch, § 284 ; Grundgesetz, Art. 12 ; Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 1 ; Sportwettengesetz des Landes Nordrhein-Westfalen, § 1
NJW 2002, 2175
MDR 2002, 1082
GRUR 2002, 636
WM 2002, 1464
Soweit der früheren Senatsrechtsprechung eine im Hinblick auf die Anwendbarkeit des § 284 StGB abweichende wettbewerbsrechtliche Beurteilung entnommen werden könnte (vgl. BGHZ 158, 343, 352 - Schöner Wetten; BGH, Urt. v. 14.3.2002 - I ZR 279/99, GRUR 2002, 636, 637 = WRP 2002, 688 - Sportwetten), wird daran nicht festgehalten.
Diese gegen die unerlaubte Veranstaltung von Glücksspielen gerichtete Strafvorschrift ist eine wettbewerbsbezogene Norm, die auch dem Schutz der Verbraucher dient (vgl. BGH, Urt. v. 14.3.2002 - I ZR 279/99, GRUR 2002, 636, 637 = WRP 2002, 688 - Sportwetten; OLG Hamburg MMR 2002, 471, 473 mit Anm. Bahr; Fritzemeyer/Rinderle, CR 2003, 599, 600 ff.; vgl. weiter OVG Münster NVwZ-RR 2003, 351, 352; Dietlein/Woesler, K&R 2003, 458, 461 f.; a.A. LG München I NJW 2004, 171, 172).
Selbst wenn die landesrechtlichen Vorschriften über die Erteilung einer behördlichen Erlaubnis zur Veranstaltung von Glücksspielen nicht mit Art. 46 und 49 EG vereinbar sein sollten (vgl. dazu auch BVerwG NJW 2001, 2648, 2650; BayOblG NJW 2004, 1057, 1058), wäre deshalb die Veranstaltung von Glücksspielen im Internet für inländische Teilnehmer nicht erlaubnisfrei zulässig (vgl. BGH GRUR 2002, 636, 637 - Sportwetten; a.A. - in einem Eilverfahren - VGH Kassel GewArch 2004, 153).
Davon ausgehend, ist deshalb derjenige Anbieter von Sportwetten, der in der Vergangenheit - wie der Angeklagte - nicht zunächst den Verwaltungsrechtsweg beschritten hat, um eine behördliche Erlaubnis im Sinne von § 284 StGB zu beantragen (vgl. BGH (Z) NJW 2002, 2175, 2176), nicht nach dieser Strafvorschrift strafbar, wenn die fehlende Erlaubnis auf einem Rechtszustand beruht, der seinerseits die Rechte des Betreibers von Glücksspielen in verfassungswidriger Weise verletzt.
Vielmehr dürfen Sportwetten im Freistaat Bayern grundsätzlich nur mit einer bayerischen Erlaubnis angeboten werden (so auch u.a. VG München vom 10.5.2006 Az. M 22 S 06.1513 und vom 11.5.2006 Az. M 22 S 06.1473 ; VG Bayreuth vom 27.4.2006 Az. B 1 S 06.283 ; OLG Köln vom 21.4.2006 Az. 6 U 145/05 ; VG Gelsenkirchen vom 29.5.2006 Az. 7 L 701/06 ; OVG Magdeburg vom 4.5.2006 Az. 1 M 476/05 ; VG Münster vom 2.6.2006 Az. 9 L 379/06 ; OVG NRW vom 13.12.2002 Az. 4 B 1844/02 und Az. 4 B 2124/02 GewArch 2003, 162 und 164, OVG NRW vom 13.11.2003 Az. 4 B 1897/03 ; BayVGH vom 21.12.2004 Az. 24 Cs 04.1101 ; Nds. OVG vom 17.3.2005 Az. 11 ME 369/03 GewArch 2005, 282 (284); BGH vom 14.3.2002 Az. I ZR 279/99 NJW 2002, 2175 (2176); BGH vom 1.4.2004 Az. I ZR 317/01 NJW 2004, 2158 (2160); Hecker/Schmitt, Zur Strafbarkeit des privaten Anbietens von Sportwetten, ZfWG 2006, 59 (63)).
Danach ist ein ausländischer Unternehmer nicht auf seinen eigenen Geschäftssitz beschränkt, sondern entfaltet seine Tätigkeit als Veranstalter überall dort, wo er dem Publikum Gelegenheit bietet, sich an den vom ihm veranstalteten Wetten zu beteiligen (…VG München, a.a.O. mit Verweis auf BayVGH vom 29.9.2004 Az. 24 BV 03.3162 GewArch 2005, 78 ; HessVGH vom 27.10.2004 Az. 11 TG 2096/04 GewArch 2005, 17 ; vgl. auch BGH vom 14.3.2002 I ZR 279/99 NJW 2002, 2175 ).
Daraus ergibt sich, dass ein ausländischer Buchmacher bereits dann in Deutschland Sportwetten veranstaltet, wenn er sich in Deutschland eines Vermittlungsbüros bedient (vgl. OVG NRW vom 13.12.2002 Az. 4 B 1844/02 GewArch 2003, 162 (163) mit Verweis auf BGH vom 14.3.2002 Az. 1 ZR 279/99 NJW 2002, 2175 u. m.w.N.).
Insoweit schließt sich die erkennende Kammer der Auffassung der 22. Kammer des Bayerischen Verwaltungsgerichts München vom 10.5.2006 Az. M 22 S 06.1513 und 11.5.2006 Az. M 22 S 06.1473 (so auch OLG Köln vom 21.4.2006 Az. 6 U 145/05 ; VG Bayreuth vom 27.4.2006 Az. B 1 S 06.283 , BGH vom 14.3.2002 Az. I ZR 279/99 NJW 2002, 2175 ; BGH vom 1.4.2004 I ZR 317/01 GewArch 2004, 336 (337); a.A. VG Minden vom 26.5.2006 Az. 3 L 241/06 ; Kretschmer, a.a.O. S. 56; Redeker/Sellner/Dahs & Widmaier, a.a.O.) an.
Eine Europarechtswidrigkeit des Sportwettenmonopols und der Versagung des Erlaubnis zur Sportwettenveranstaltung an private Anbieter ist für die Anwendbarkeit des § 284 StGB mit dem dort normierten Erlaubnisvorbehalt demzufolge ohne Bedeutung (…Hecker/Schmitt, a.a.O. (65); vgl. a. BGH vom 14.3.2002 Az. I ZR 279/99 NJW 2002, 2175 (2176)).
Nach der wohl herrschenden Ansicht wird bereits dann i.S.v. § 284 StGB ein Glücksspiel veranstaltet, wenn der Abschluss entsprechender Verträge angeboten wird ( BGH vom 14.3.2002 Az. I ZR 279/99 NJW 2002, 2175 ; OLG Hamm vom 5.12.2002 Az. 4 U 121/02 ; VG Ansbach vom 14.8.2003 Az. 5 K 03.00443 ).
Die Möglichkeit einer Erlaubnis für private Sportwettveranstalter und Vermittler kann ohne weitere Rechtfertigung nicht kategorisch, wie es der Beklagte im gegenständlichen Bescheid tut, ausgeschlossen werden (vgl. auch BGH vom 14.3.2002, Az. I ZR 279/99 NJW 2002, 2175 (2176), der für den Fall einer Europarechtswidrigkeit des Sportwettenmonopols eine solche Konsequenz ins Feld führt) .
Der BGH hat bereits im Urteil vom 14.3.2002 (Az. I ZR 279/99 NJW 2002, 2175 (2176)) ausgeführt, dass sich selbst dann, wenn die im Sportwettengesetz enthaltenen Regelungen in Nordrhein-Westfalen mit dem EG-Vertrag nicht vereinbar wären, wohl lediglich ein Anspruch darauf ergeben würde, dass ein gestellter Zulassungsantrag nicht aus Gründen abgelehnt werde, die mit dem Gemeinschaftsrecht nicht vereinbar seien.
Demzufolge sind sowohl in der neueren höchstrichterlichen verwaltungsrechtlichen (…BVerwG aaO) als auch zivilrechtlichen Rechtsprechung (BGH, Urt. v. 14. März 2002- I ZR 279/99 = NJW 2002, 2175) Sportwetten zu festen Gewinnquoten als Glücksspiele im Sinne des § 284 StGB qualifiziert worden.
Sportwetten zu festen Quoten als Glücksspiel im Sinne des § 284 StGB ein (BGH vom 1.4.2004 NJW 2004, 2158; vom 14.3.2002 NJW 2002, 2175 m.w.N.).
Auch wenn der Abschluss des Spielvertrages erst durch die Annahme des Wettangebots durch die S*******GmbH G*** zustande kommt, mithin die Klägerin selbst nicht Vertragspartei ist, schafft sie organisatorische Bedingungen dafür, dass durch die von ihr bereitgehaltenen Spielpläne und die Weiterleitung des Wettangebots der Abschluss von Spielverträgen tatsächlich möglich wird (so BGH vom 14.3.2002, NJW 2002, 2175; vom 1.4.2004, NJW 2004, 2158).
Das rechtswidrige Vorenthalten führt nicht dazu, dass das Veranstalten des Glücksspiels deswegen ohne behördliche Erlaubnis zulässig wäre (ebenso BGH vom 14.3.2002, a.a.O., S. 2176).
Denn das Wesen dieser Wetten besteht darin, dass die Entscheidung über Gewinn und Verlust nach den Spielbedingungen und den Verhältnissen, unter denen sie gewöhnlich betrieben werden, nicht wesentlich von den Fähigkeiten, Kenntnissen und der Aufmerksamkeit der durchschnittlichen Spieler abhängt, sondern jedenfalls hauptsächlich von dem ihrer Einwirkungsmöglichkeit entzogenen Zufall (vgl. BGH, Urt. v. 14. März 2002 - I ZR 279/99 - Sportwetten;… BVerwG, Urt. v. 28. März 2001 - 6 C 2.01).
Die Erlaubnis muss von der für das jeweilige Bundesland zuständigen Behörde erteilt worden sein; es genügt nicht, dass der Veranstalter eine Erlaubnis seines Heimatstaates besitzt (…BGH, Urt. v. 1. April 2004 - I ZR 317/01 - Schöner Wetten; Urt. v. 14. März 2002 - I ZR 279/99 Sportwetten; OVG Lüneburg, Beschl. v. 17. März 2005 - 11 ME 369/03;… Hefermehl/Köhler/Bornkamm, 25. Auf. § 4 Rn. 11.178;… MünchKommUWG/ Schaffert § 4 Nr. 11 Rn. 343).
Eine solche Werbung ist auch dann nicht ohne Erlaubnis zulässig, wenn eine Erlaubnis unter Verletzung der Grundrechte versagt worden ist (BGH, Urt. v. 14. März 2002 - I ZR 279/99 - Sportwetten).
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die Strafvorschrift des § 284 StGB als solche nicht gegen die durch Art. 46 und 49 EG gewährleisteten Grundfreiheiten der Niederlassungsfreiheit und der Dienstleistungsfreiheit verstoße (…Urt. v. 1. April 2004, I ZR 317/01 - Schöner Wetten; Urt. v. 14. März 2002 - I ZR 279/99 - Sportwetten).
Die Rechtslage, die dem Verbot zugrunde lag, war durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Urteile vom 11. Oktober 2001 - I ZR 172/99 - Sportwetten-Genehmigung, vom 14. März 2002 - I ZR 279/99 - Sportwetten - und vom 1. April 2004 - I ZR 317/01 - Schöner Wetten), des Oberlandesgerichts Köln (…Urt. v. 21. April 2006 - 6 U 145/06), des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 21. Juni 2006 - 6 C 19/06) des OVG Lüneburg (Beschl. v. 17. März 2005 - 11 ME 369/03) und weiterer Oberverwaltungsgerichte (siehe die Fundstellen im Schriftsatz der Klägerin vom 15. Januar 2007, Seite 6) im Wesentlichen geklärt, auch soweit es um die Auswirkungen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 28. März 2006 geht.
OLG Köln, 31.03.2004 - 6 U 135/03
Konkurrierende Klagen in EU-Mitgliedsländern zwischen deutscher Lottogesellschaft …
OLG Köln, 31.03.2004 - 6 U 158/03
Restitutionsklage nach neuer EUGH-Entscheidung
Veranstaltung von Sportwetten zu festen Gewinnquoten als verbotene Glücksspiele; …
LG Bonn, 30.03.2006 - 14 O 37/06
VG Gelsenkirchen, 20.08.2002 - 7 L 1709/02

References: BGH 
 § 1
 § 284
 Art. 12
 § 1
 § 1
 § 284
 Art. 46
 BGH 
 § 284
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 284
 BGH 
 § 284
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 284
 § 284
 BGH 
 BGH 
 § 4
 § 4
 § 284
 Art. 46