Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/einkuenfte-einer-auslaendischen-gesellschaft-und-die-bindungswirkung-eines-feststellungsbescheids-3145486
Timestamp: 2019-10-15 19:26:45+00:00

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Ein­künf­te einer aus­län­di­schen Gesell­schaft – und die Bin­dungs­wir­kung eines Fest­stel­lungs­be­scheids | Rechtslupe
Dem BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2007, 99 ist ent­ge­gen der Ansicht der Gesell­schaf­te­rin nichts Abwei­chen­des zu ent­neh­men. Soweit es dort heißt, dass "die vor­ste­hen­den Grund­sät­ze … auf alle Fäl­le anzu­wen­den (sind), in denen die Ein­kom­men- oder Kör­per­schaft­steu­er nicht bestands­kräf­tig fest­ge­setzt ist", ist schon nicht ersicht­lich, dass eine Aus­nah­me zu § 182 Abs. 1 AO for­mu­liert wer­den soll­te; auch könn­te eine sol­che Aus­sa­ge die Gerich­te nicht bin­den.
Dass das natio­na­le Ver­fah­rens­recht kei­ne Mög­lich­keit vor­sieht, belas­ten­de Ver­wal­tungs­ak­te, deren (Uni­ons-)Rechts­wid­rig­keit sich nach dem Ein­tritt der rechts­si­cher­heits­be­grün­den­den Bestands­kraft durch ein Gerichts­ur­teil her­aus­stellt, zu ändern bzw. zurück­zu­neh­men, begrün­det kei­nen Ver­stoß gegen Uni­ons­recht 21. Dem steht das EuGH-Urteil "Klaus­ner Holz Nie­der­sach­sen" 22 nicht ent­ge­gen. Zwar hat der EuGH in die­sem Fall dahin erkannt, dass eine natio­na­le Rechts­vor­schrift über die Wir­kung der Rechts­kraft von gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen, wel­che die natio­na­len Gerich­te dar­an hin­de­re, sämt­li­che Kon­se­quen­zen aus einem Ver­stoß gegen Art. 108 Abs. 3 Satz 3 AEUV zu zie­hen, mit dem Effek­ti­vi­täts­grund­satz unver­ein­bar sei 23. Dies lässt sich jedoch auf die Rege­lun­gen des § 18 Abs. 1 Satz 3 AStG i.V.m. § 182 Abs. 1 Satz 1 AO nicht über­tra­gen. Die vom EuGH beschrie­be­ne beson­de­re "Gefah­ren­la­ge" für die Durch­set­zung des Uni­ons­rechts (z.B. Umge­hungs­ge­fahr durch das Zusam­men­wir­ken der Ver­trags­part­ner; Aus­höh­lung der Zustän­dig­keit der Kom­mis­si­on für die Beur­tei­lung von Ver­stö­ßen gegen Art. 107 Abs. 1 AEUV) liegt hier erkenn­bar nicht vor.
z.B. BFH, Urtei­le vom 06.02.1985 – I R 11/​83, BFHE 143, 340, BSt­Bl II 1985, 410; vom 20.04.1988 – I R 41/​82, BFHE 153, 530, BSt­Bl II 1988, 868[↩]
BFH, Urtei­le vom 15.03.1995 – I R 14/​94, BFHE 177, 263, BSt­Bl II 1995, 502; vom 02.07.1997 – I R 32/​95, BFHE 183, 496, BSt­Bl II 1998, 176; s.a. Hendricks/​Engler in Flick/​Wassermeyer/​Baumhoff/​Schönfeld, Außen­steu­er­recht, § 18 AStG Rz 130; Blümich/​Vogt, § 18 AStG Rz 8; Creed in Haa­se, AStG/​DBA, 3. Aufl., § 18 AStG Rz 7[↩]
BFH, Urteil vom 26.04.2017 – I R 84/​15, BFHE 258, 310, BSt­Bl II 2018, 492; s.a. BFH, Urteil vom 22.06.2006 – IV R 31, 32/​05, BFHE 214, 239, BSt­Bl II 2007, 687[↩]
s. BFH, Urteil vom 21.10.2009 – I R 114/​08, BFHE 227, 64, BSt­Bl II 2010, 774 – dort Rz 25 ff. des juris-Nach­wei­ses; BFH, Beschluss vom 12.10.2016 – I R 80/​14, BFHE 256, 223, BSt­Bl II 2017, 615; BFH, Urteil vom 13.06.2018 – I R 94/​15, BFHE 262, 79[↩]
Gesetz vom 20.12 2007, BGBl I 2007, 3150, BSt­Bl I 2008, 218[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 227, 64, BSt­Bl II 2010, 774; vom 18.12 2013 – I R 71/​10, BFHE 244, 331, BSt­Bl II 2015, 361; vom 19.07.2017 – I R 87/​15, BFHE 259, 435 – "gel­tungs­er­hal­ten­de Reduk­ti­on"[↩]
damit im Grund­satz über­ein­stim­mend: BMF, Schrei­ben vom 08.01.2007, BSt­Bl I 2007, 99, aller­dings zwi­schen­zeit­lich auf­ge­ho­ben durch BMF, Schrei­ben vom 23.04.2010, BSt­Bl I 2010, 391; s. aber auch BMF, Schrei­ben vom 04.11.2016 – IV B 5‑S 1351/​07/​10001, amt­lich nicht ver­öf­fent­licht, aber aus­zugs­wei­se mit­ge­teilt von Schön­feld, Inter­na­tio­na­les Steu­er­recht 2017, 949, 950[↩]
BFH, Urteil vom 02.12 2015 – I R 13/​14, BFHE 253, 5, BSt­Bl II 2016, 927[↩]
z.B. BFH, Urteil vom 21.01.2015 – X R 40/​12, BFHE 248, 485, BSt­Bl II 2016, 117; s.a. Streinz, eben­da, Rz 53; Eng­lisch, eben­da, Rz 12.47[↩]
z.B. BFH, Urteil vom 16.09.2010 – V R 57/​09, BFHE 230, 504, BSt­Bl II 2011, 151; Streinz, eben­da, Rz 54; Eng­lisch, eben­da, und zu den Fris­ten aus­drück­lich Rz 12.48[↩]

References: § 182
 EuGH 
 Art. 108
 § 18
 § 182
 EuGH 
 Art. 107
 § 18
 § 18
 § 18