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Timestamp: 2019-02-20 07:43:27+00:00

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Hutter - Kirche - evangelischer-glaube.de
Leonhard Hutter über Predigtamt und Kirche:
Sechzehnter Artikel. Von dem heil. Predigtamt und dem Kirchenregiment.
1. Ist's auch erlaubt, nach dem heil. Predigtamte zu streben?
Es ist kein Hindernis vorhanden, dass man nach dem heil. Amte strebe, und seine Dienste der Kirche anbiete. Denn „so Jemand ein Bischofsamt begehret, der begehret ein köstliches Werk,“ 1 Tim. 3,1. Aber dass einer selbst laufe, ist nicht erlaubt; und dies geschieht, wenn Jemand sich selbst eindringet, und mit mancherlei Künsten, List, und Bestechungen die Berufung erzwinget. Über solche klagt der Herr selbst beim Propheten: „Ich sandte sie nicht, doch liefen sie; ich redete nicht zu ihnen, doch weissagten sie.“ Jerem. 23,21.
2. Zu welchem Zwecke ist das Predigtamt eingesetzt?
„Den Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakrament gegeben, dadurch er, als durch Mittel, den heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo und wann er will, in denen, so das Evangelium hören, wirket.“ Augsb. Conf. Art. 5. S. 41 ff.
+ 3. Kann denn der heilige Geist nicht ohne Wort dem Menschen zu Teil werden?
Nein: denn diesen Irrtum hat die Kirche schon längst an den Wiedertäufern ver-dammt, welche lehren, dass wir ohne das leibliche Wort des Evangelii den heiligen Geist durch eigene Bereitung, Gedanken und Werke erlangen. Ebend.
+ 4. Wie vielfach ist das Wort, mit welchem es das Predigtamt zu tun hat?
Die ganze heilige Schrift muss in diese zwei Hauptteile geteilt werden: in das Gesetz und das Evangelium. Das Evangelium gibt die Verheißungen von der Gnade, von der Vergebung der Sünden, der Rechtfertigung und dem ewigen Leben um Christi willen, wenn er im Glauben ergriffen wird. Das Gesetz aber begreift in sich vornehmlich die zehn Gebote, und verlangt unsere Werke und Vollkommenheit. (S. 107) Apolog. Art. 2. S. 126. „Die ganze heilige Schrift, beide altes und neues Testaments, wird in die zwei Stück geteilt, und lehrt diese zwei Stück, nämlich Gesetz und göttliche Verheißungen. Denn an etlichen Orten hält sie uns für das Gesetz, an etlichen beut sie Gnade an durch die herrlichen Ver-heißungen von Christo, als wenn im alten Testament die Schrift verheißet den zukünftigen Christum, und beut ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Ge-rechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an, oder im neuen Testament, wenn Christus, seit dem er kommen ist auf Erden, im Evangelio verheißet Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben.“
5. Von wem ist das Predigtamt eingesetzt?
Gewiss nicht von Menschen, sondern von Gott selbst; nach dem Zeugnis Christi, Joh. 20,21: „Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch!“ Matth. 28,19 und 20 sendet Christus selbst seine Jünger und spricht: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geistes; und lehret sie halten Alles, was ich euch befohlen habe.“ Marc. 16,15. „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur.“
+ 6. Darf man sich des Predigtamts bedienen, welches von bösen und un-frommen Dienern verwaltet wird?
Wenn du unter bösen Dienern solche verstehest, deren Wandel zwar unrein, und deren Leben durch ein Laster oder Schandtat befleckt ist, deren Lehre aber rein und richtig ist, dann glaube ich ganz gewiss, dass man sich ihres Dienstes bedienen dürfe, und dass ihr Amt wirksam sei: verwerfe deshalb den Irrtum der Donatisten, welche leugneten, dass man sich des Amtes böser Diener in der Kirche bedienen dürfe, und dass das Amt derselben unnütz und unwirksam sei. Augsb. Conf. Art. 8. S. 43. „Item, wiewohl die Christliche Kirche eigentlich nichts anders ist, denn die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch, dieweil in diesem Leben viel falscher Christen und Heuchler sein, auch öffentliche Sünder unter den Frommen bleiben, so sind die Sakrament gleichwohl kräftig, obschon die Priester, dadurch sie gereicht werden, nicht fromm sind, wie denn Christus selbst anzeigt: Auf dem Stuhl Mosi sitzen die Pharisäer etc. (Matth. 23,2). Derohalben werden die Donatisten und alle andre verdammt, so anders halten.“ (S. 108)
+ 7. Was ist aber von solchen Predigern zu halten, die falsche Lehre führen?
Deren Amt, behaupte ich, muss man fliehen. Matth. 7,15: „Sehet euch vor, vor den falschen Propheten.“ Joh. 10,5. „Einem Fremden folgen die Schafe Christi nicht, sondern fliehen von ihm.“ Gal. 1,9. „So Jemand euch Evangelium prediget, anders, denn das ihr empfangen habt, der sei verflucht.“
+ 8. Wer darf das Evangelium predigen und die Sakramente verwalten?
„Niemand soll in der Kirchen öffentlich lehren oder predigen, oder Sakrament reichen, ohne ordentlichen Beruf.“ Augsb. Conf. Art. 14. S. 45 und 46.
9. Wie vielfach ist die Berufung zum Predigtamt?
Sie ist eine zwiefache: einmal eine unmittelbare, wie die Berufung der Propheten und Apostel war, welche von Gott selbst ohne Mittel geschehen ist, und mit den Propheten und Aposteln aufgehört hat: dann ist sie eine mittelbare, wie sie jetzt geschieht durch die Kirche, welche besteht aus der Obrigkeit, den Kirchen-dienern, und den übrigen Zuhörern, welche gewöhnlich das Volk oder die Laien genannt werden.
+ 10. Also gehört die Berufung der Prediger der ganzen Kirche an?
Ja, und zwar nach der apostolischen Praxis. Denn da dem Verräter Judas ein Nachfolger gewählt werden sollte, so geschah dies nicht von den Aposteln allein, sondern von der ganzen versammelten Menge der Gläubigen, Apost. Gesch. 1,21. Ebenso wurden die sieben Diakonen von dem Volke gewählt und vor die Apostel zur Bestätigung gestellt, Apost. Gesch. 6,5.
+ 11. Was ist daher ein Prediger?
Er ist eine auf göttlichen Befehl, durch die Kirche ordentlich berufene Person, welche das Wort Gottes rein lehren, und die Sakramente nach der Einsetzung Christi verwalten soll. (S. 109)
Ja; denn ich halte es weder mit den Epikurischen, gottlosen Weltkindern, welche träumen, dass sich Gott nicht um die menschlichen Angelegenheiten bekümme-re, noch mit andern Klüglingen und Spöttern, welche sagen, die ganze Welt sei die Kirche Gottes, und auf gottlose Weise faseln, dass ein jeder in seinem Glauben und seiner Religion könne selig werden. Auch träume ich mir keinen Platonischen Staat, sondern behaupte, dass eine Kirche wahrhaftiglich sei und bleibe, nämlich einige wahrhaft Gläubige und Gerechte, welche durch die ganze Erde zerstreut sind. Apolog. Art. 4. S. 247. „Und wir reden nicht von einer erdichteten Kirchen, die nirgend zu finden sei, sondern wir sagen und wissen fürwahr, dass diese Kirche, darinne Heiligen leben, wahrhaftig auf Erden ist und bleibet, nämlich dass etliche Gottes-Kinder sind hin und wieder in aller Welt, in allerlei Königreichen, Inseln, Ländern, Städten, vom Aufgang der Sonnen bis zum Niedergang, die Christum und das Evangelium recht erkannt haben.“
Eigentlich heißt es nichts Anderes, als eine Versammlung. In unserm Apostoli-schen Symbolum aber wird es erklärt durch „Gemeinschaft der Heiligen,“ d. i. eine solche Gemeine, in welcher sich Heilige befinden, Eine Gemeine der Heiligen, oder noch bezeichnender, Eine Heilige Gemeine, nicht aber, eine Gemeinschaft der Heiligen. S. Gr. Katech. 3. Artik. S. 722.
Sie sind zwar Glieder der Kirche nach der äußeren Gemeinschaft der Zeichen der Kirche, das ist, des Wortes, des Bekenntnisses und der Sakramente, besonders wenn sie nicht exkommuniziert sind. Weil aber die wahre Kirche nicht allein stehet in Gesellschaft äußerlicher Zeichen, wie andere Staatsverfassun-gen; sondern weil sie fürnehmlich stehet in Gemeinschaft des Glaubens und Heiligen Geistes, in Rücksicht welcher Gemeinschaft diese (S. 111) Kirche allein der Leib Christi genannt wird: so sind diejenigen, in welchen Christus nicht wirkt, auch keine Glieder Christi, und also auch nicht Glieder der wahren Kirche. S. Apolog. Art. 4. S. 240 ff.
Ja; denn weil die wahre Kirche das Reich Christi ist, unterschieden vom Reiche des Teufels, es aber gewiss ist, dass die Gottlosen in der Gewalt des Teufels und Glieder seines Reiches sind, wie Paulus lehret, wenn er Eph. 2,2 sagt, dass der Teufel kräftig regiere in den Kindern des Unglaubens: so folgt hieraus mit Ge-wissheit, dass die Gottlosen, weil sie dem Reiche des Teufels angehören, keine Glieder der wahren Kirche sind. Apolog. Art. 4. S. 245.
Ja, wenn man die wahre Kirche betrachtet dem Orte und Zustande nach: denn in dieser Rücksicht wird sie unterschieden in die triumphierende, welche die Auser-wählten Gottes, die schon im ewigen Leben sind, in sich begreifet; und in die streitende Kirche, welche die Auserwählten umfasst, die annoch auf dieser Erde unter der Fahne Christi, gegen den Teufel, die Welt und das Fleisch streiten. Dr. Hunnius.
Ja; und dies geht ja schon aus dem Obigen hervor. Denn in Betrachtung der äußeren Gemeinschaft der Zeichen und Gebräuche der Kirche, wird die streitende Kirche, sichtbar genannt, und umfasst alle die, welche sich in der Gemeine der Berufenen befinden, seien sie fromm oder gottlos, erwählt oder verworfen. Aber wenn man die Kirche betrachtet, wiefern sie die Gemeinschaft des Glaubens und Heiligen Geistes ist, welcher in den Herzen der Gläubigen wohnt, sofern wird sie unsichtbar genannt und die eigentliche Kirche der Aus-erwählten. Apolog. Art. 4. S. 240.
+ 11. Kann denn vielleicht die sichtbare Kirche wieder in Unterabtheilungen ge-bracht werden?
Ja, sie kann eingeteilt werden in Partikular- oder Ortskirche, und in allgemeine oder katholische Kirche. Eine Partiku- (S. 112) lar-Kirche ist die, welche sich nur an einem gewissen Orte befindet: allgemeine oder katholische Kirche diejenige, welche durch den ganzen Erdkreis zerstreut ist, und alle die Menschen in sich befasst, welche durch das Wort und die Sakramente zu dem Reiche Christi be-rufen werden. Ebend. S. 242.
Nein; sondern sie wird auch katholisch genannt in Rücksicht der Einheit in dem Glauben und der Religion; aber so, dass diejenigen „katholische Kirche“ genannt werden, welche, ob sie gleich durch die ganze Erde hin und her zerstreut leben, doch in der Lehre des Evangeliums übereinstimmen, denselben Christum, den-selben heiligen Geist, dieselben Sakramente, denselben Glauben, und dieselbe reine und unverfälschte Religion haben, mögen nun die Zeremonien verschieden sein, oder nicht. Ebend.
Du schließest ganz recht: denn zur wahren Einheit der Kirche ist die Überein-stimmung in der Lehre des Evangeliums, und in der Verwaltung der Sakramente hinreichend, doch so, dass alle, welche durch das Band des Glaubens und heiligen Geistes verbunden sind, in dieser Einheit begriffen werden. Ebend. S. 253.
* 17. Es sei. Aber aus der Heiligkeit der Kirche wird doch dies Andere hervor-gehen, nämlich dass sie nicht irren kann?
Man muss allerdings behaupten, dass die Kirche, nämlich die ganze und allge-meine oder katholische, nicht irren könne. Denn diese hat die untrügliche Ver-heißung von dem heiligen Geiste, der sie einführen werde in alle Wahrheit, Joh. 46,13. Ferner ist ihr verheißen, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden, Matth. 16,18; und dass sie eine Säule und Stütze der Wahrheit sein werde, 1 Tim. 3,15. Aber, was diese oder jene Partikular-Kirche, ja was den größten Teil derselben betrifft, so kann sie irren, und hat sehr oft auf erstaunliche Weise geirrt, wie dies das Beispiel der Kirche zur Zeit der Sündflut, zur Zeit des Propheten Elias, der Geburt Christi und zur Zeit des Arianismus lehrt, welcher die ganze Kirche im Morgenlande durchdrang.

References: Art. 5
 Art. 2
 Art. 8
 Art. 14
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 4