Source: http://www.payer.de/bolivien2/bolivien0220.htm
Timestamp: 2017-07-26 16:36:39+00:00

Document:
Geschichte Boliviens von 1952 bis 1956
20. Von der Revolución 1952 bis 1956
Teil 2: Chronik Boliviens. -- 20. Von der Revolución 1952 bis 1956. -- Fassung
vom 2002-11-12. -- URL: http://www.payer.de/bolivien2/bolivien0220.htm.
Alfaro, Oscar <1921, San Lorenzo - 1963, La Paz>: El pájaro
"EL PAJARO REVOLUCIONARIO
- ¡Fusilen a todo pájaro!
Un pajarillo aterrado
Que aún tiene dentro del pico
- ¡Vas a morir por ratero!...
- ¡Si soy un pájaro honrado, De profesión carpintero, Que vivo de mi trabajo!
- ¿Y porqué robas mi trigo?
- Lo cobro por mi salario, Que Ud. se negó a pagarme Y aún me deben muchos granos. Y lo mismo está debiendo A los sapos hortelanos, A mi compadre el hornero Y al minero escarabajo, A las abejas obreras ¡Y a todos los que ha estafado! Usted hizo su riqueza Robando a los proletarios!...
- ¡Qué peligro!... ¡Un socialista! ¡A fusilarlo en el acto! ¡Preparen!... ¡apunten!... ¡¡¡fuego!!! Demonio... si hasta los pájaros En la América Latina Se hacen revolucionarios!..."
Zitiert in: Antología de la poesía
Boliviana / Yolanda Bedregal. -- 4. ed. -- Cochabamba [u.a.] : Los
Amigos del Libro, 1997. -- (Enciclopedia boliviana). -- ISBN
84-8370-185-5. -- S. 380]
In Wahlen siegt der MNR (Movimiento Nacionalista
Revolucionario) mit Victor Paz Estenssoro (1907 - 2001) (im Exil) als Kandidaten für die
Präsidentschaft.
Ergebnisse der Wahlen 1951
Victor Paz Estenssoro (1907, Tarija - 2001, Tarija) (MNR -- Movimento Nacional Revolucionario)
Gabriel Gonsálvez (PURS -- Partido Unión República Socialista)
Bernardino Bilbao Rioja (1895, Arampampa - 1983, La Paz) (FSB -- Falange Socialista Boliviana)
Guillermo Guitiérrez Vea-Murguía (Cia. Aramayo)(1912, La Paz - 1983, Argentinien) (ACB -- Acción Cívica Boliviana)
Tomás Manuel Elío Bustillos (1886, La Paz - 1971, La Paz) (PL -- Partido Liberal)
José Antonio Arze (1904, Cochabamba - 1955, Cochabamba) (PIR -- Partido de la Izquierda Revolucionaria)
Präsident Mamerto Urriolagoitia Harriague weigert sich, die Regierungsgewalt
an Estenssoro zu übergeben und übergibt sie statt dessen einer
Militärjunta von zehn Mitgliedern unter Führung von General Hugo Ballivián Rojas, die der Heereschef ernennt
1951-05-16 bis 1952-04-09
General Hugo Ballivián Rojas (1901, La Paz - 1993, La Paz) ist
rechtswidrig (de facto) Präsident
Abb.: Hugo Ballivián Rojas
Als erstes erklärt Ballivián den Ausnahmezustand und anulliert die Wahlen von 1951. Für März 1952 werden Wahlen angekündigt (die nie stattfanden).
Der MNR beginnt Zivilisten mit Waffen auszustatten und
organisiert einen Bürgerkrieg (La revolución).
Ergebnis des Bürgerkriegs:
490 Tote
ca. 1000 Verwundete
Abb.: Volksbewaffnung durch den MNR
[Bildquelle: Bolivia en el siglo XX : la formación de
la Bolivia contemporánea / Fernando Campero Prudencio (dirección). -- La Paz
: Harvard Club de Boivia, ©1999. -- ISBN 99905-0-018-5. -- Nach S. 304]
Abb.: Kaderstruktur des MNR
[Quelle der Abb.: Calderón G., Fernando ; Szmukler,
Alicia: La política en las calles : política, urbanización y desarollo.
-- La Paz : Plural, ©2000. -- ISBN 84-89891-64-8. -- S. 49]
Gründung des Ballet Oficial de la Academia Nacional de la Danza (heute: Ballet Oficial de Bolivia). [Webpräsenz:
http://www.bolivia.com/empresas/cultura/Ballet_Oficial/index.asp. -- Zugriff am 2002-11-12]
Abb.: Ballet Oficial de Bolivia 1929 - 1952
Entwicklung der US-Investitionen in Bolivien (in Millionen US$):
Wachstum des Bruttoinlandproduktes: 3%
Inflationsrate: 24,1%
Gründung der Bierbrauerei Cervecería Santa Cruz S.A.
Sie produziert unter der Aufsicht des Instituts für Biertechnologie, Berlin.
Madariaga, Salvador de <1886 - 1978 >: Bolívar. -- London : Hollis & Carter, 1952. -- 711 S. : Ill
Gekürzte Deutsche Übersetzung:
Madariaga, Salvador de <1886 - 1978>: Bolivar. -- Stuttgart : Deutsche Verlags-Anstalt, 1961. -- 542 S.
"Drei Elemente lassen sich bei diesen spanisch-amerikanischen Mythen und Archetypen unterscheiden. Da ist zunächst die Wiederkehr eines Kontinents, der nach drei Jahrhunderten seine Eroberer erobert. „Männer können ein Land nicht in Besitz nehmen, ohne dass jenes Land von ihnen Besitz ergreift." Über die Eingeborenen dem Lande aufgepfropft, werden die siegreichen Weißen besiegt von dem Saft der Neuen Welt, der durch den Stamm des Halbbluts in den weißen Wipfel steigt. Das war dreihundert Jahre lang ein unbewusster Vorgang. Als er gegen Ende des 18. Jahrhunderts ins Bewusstsein trat, konnte er nur als Protest gegen Spanien Ausdruck finden. So wurde aus der spanischen Krone, die bis dahin die Eingeborenen gegen die reichen Kreolen beschützt hatte, „der Tyrann", aus dem Kreolen, der bis dahin stolz darauf gewesen war, sich Spanier zu nennen, wurde „ein Amerikaner", und aus dem europäischen Spanier, der bis dahin durch Familienbande und gemeinsame Interessen dem Kreolen eng verbündet gewesen, wurde „der Eindringling".
Das zweite Element war die „philosophische" und „philanthropische" (nach unserer heutigen Ausdrucksweise die liberale und demokratische) Tendenz des französischen 18. Jahrhunderts, wie sie die Spanier selber nach Amerika mitgebracht hatten, und zwar nicht zuletzt die Beamten, Offiziere, Vizekönige und sogar mindestens ein Erzbischof. Diese Tendenz war republikanisch, egalitär und nannte sich selber nach 1812 gern liberal, ging jedoch auf Rousseau und den Absolutismus zurück, wenngleich auf einen Absolutismus, der vom König auf „das Volk" übergegangen war. Dieses Element passte mit dem ersten insoweit zusammen, als es darauf abzielte, die spanische Krone aus der Neuen Welt zu verdrängen; zugleich aber geriet es mit jenem in Widerstreit, weil seine egalitäre Tendenz dahin ging, den reichen Kreolen die Macht zu entreißen, deren Hoffnung es ja gerade gewesen war, dadurch noch mächtiger zu werden, dass sie die Herrschaft Madrids abschüttelten. Schließlich war da noch Napoleon. Er war einer der brillanten Einfälle, mit denen die Geschichte ihre sonst langweiligen Seiten immer wieder interessant macht. Napoleon war zugleich die Verleugnung und die krönende Errungenschaft der Französischen Revolution. Er war in der Tat Archetypus und Heros des Republikanertums. Niemand hat mehr Könige vom Thron gestürzt als er. Seine Münzen trugen die Inschrift: REPUBLIQUE FRANÇAISE, NAPOLEON EMPEREUR. Er war der Imperator, soll heißen der Führer einer Republik. Gewiss hat er sich selber gekrönt, aber mit einer Krone, die der Begeisterung des Volkes entsprang und mit der Tradition des Gottesgnadentums brach.
Die Beziehung zwischen dem Mythos Napoleons und dem Freiheitsmythos entspricht daher keineswegs dem, was uns eine oberflächliche und relativ neue Betrachtungsweise glauben machen möchte. Zu seiner Zeit wurde Napoleon nicht immer nur als der Tyrann gesehen, gegen dessen Untaten alle freiheitsliebenden Völker zu kämpfen hätten. Er war vielmehr der Erbe der Französischen Revolution, der Monarch aus dem Volke, die Verkörperung der absoluten Volkssouveränität, der Mann, der Könige vom Thron stieß und „das Volk" hinaufsetzte, der Sankt Georg, der das alte Regime erschlug.
Es gab also Raum genug, um die drei Elemente, die den Mythos und die Archetypen der spanisch-amerikanischen Befreiung bildeten, trotz aller Verschiedenheit miteinander in Einklang zu bringen. Aus einem Boden, der die Bevölkerung als sein eigen in Anspruch nahm, erwuchsen zwei kreolische Napoleone, die in sich die revolutionäre, königsfeindliche und volksabsolutistische Stoßkraft des neuen Regimes verkörperten. Die beiden Napoleone liehen der Bewegung für die Befreiung der Neuen Welt und für ein neuzeitliches Regime den Schwung ihres persönlichen Ehrgeizes. Dieser Ehrgeiz erweckte den Widerstand der liberalen, intellektuellen Schichten. Da aber San Martin und Bolívar beide nicht nur Archetypen, sondern auch Kinder ihrer Zeit waren, empfanden beide den Bruch, den dieser Widerstand in ihrer imperialen Laufbahn verursachte; ihre Volkstümlichkeit wurde davon kaum berührt. Dieser Umstand führt zu einem Missverhältnis zwischen den beiden geschichtlichen und den beiden mythischen Gestalten, wodurch, wie nun zu zeigen sein wird, das Studium der beiden großen Heldengestalten Südamerikas zu einer besonders heiklen und vielschichtigen Aufgabe wird.
Das hat noch einen weiteren Grund. Die beiden südamerikanischen Napoleone blieben ihrem Typus bis zuletzt treu: beide hatten ihr St. Helena. Buenos Aires hatte für San Martin so wenig mehr Verwendung wie Venezuela für Bolívar. Der Tod hat dem nördlichen Napoleon ein langes Exil erspart, wie es San Martin Jahre hindurch ertragen hat und das schmerzlicher war als die Verbannung durch einen Tyrannen; denn dieses Exil war ihm aus Gleichgültigkeit aufgezwungen worden. Diese Missachtung, die jedem der beiden spanisch-amerikanischen Napoleone durch sein Vaterland zuteil wurde, hat ihren Nachruhm gesichert. Buenos Aires und Caracas mussten das Unrecht, das sie ihren Helden zugefügt hatten, durch ein Jahrhundert der Heldenverehrung sühnen.
Hieraus erklärt sich die Hitzigkeit des Streites um die Frage der Monarchie. War Bolivar ein Monarchist? Hat er nach der Krone gestrebt? Kein Disput ruft zornigere Federn auf den Plan. Weshalb aber sollte Bolivars Ruhm geringer sein, wenn er ein Monarchist gewesen wäre und nach der Krone gestrebt hätte? Was ist denn überhaupt falsch an Monarchien, und worin irren sie, so dass sie neben Republiken nicht bestehen könnten? Die Energie, die immer noch darauf verwendet wird, Bolivar und selbst San Martin gegen jede „Anklage" monarchischer Haltung oder Bestrebung in Schutz zu nehmen, ist nichts als republikanische Empfindlichkeit vergangener Zeiten gegen die neomonarchistischen Tendenzen, die nun einmal in dem napoleonischen Typ beschlossen sind. Sie wird ganz unabhängig von historischer Objektivität wirksam.
Zum Schluss noch eines. Im Ergebnis erweist sich dieses Leben wie auch das Leben von San Martin als Paradoxon. Bei der Befreiung Spanisch-Amerikas hat niemand größeren Einfluss ausgeübt als Napoleon; denn sein Vorbild war es, das in San Martin und Bolivar den Ehrgeiz gestählt hat. Sein Angriff auf Spanien war es, der die spanische Krone zerstörte und damit die rechtlichen und traditionellen Bindungen zwischen den Königreichen in Übersee und Europa auflöste, und durch seinen Einmarsch in Spanien hinderte er es daran, mit Waffengewalt die Mehrheit zu stärken, die noch bis 1819 für die hispanische Union eintrat.
Dieses Paradoxon löst sich jedoch in eine Lehre auf: Die Befreiung Spanisch-Amerikas war eine der bedeutendsten Leistungen Napoleons, vielleicht die bedeutendste überhaupt. Nur hatte er sie niemals geplant.
Unser sind die Gedanken, nimmer ihre Frucht."
[a.a.O., Vorwort, S. 12 - 14]
In Bolivien leben 3.207 Deutsche.
Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland.
Die Brüder Fernando (1913 - 1983), Oscar (1915 - 1982) und Erwin Gasser Bowles (1916 - ) wandeln ihren 1943 gegründeten landwirtschaftlichen Betrieb in den Zuckerrohr-Industriekomplex La Bélgica um.
Abb.: Lage von La Belgica (©MS Encarta)
Ismael Escobar Vallejo gründet in 5200 m. über dem
Meer das Laboratorio de Física Cósmica de Chacaltaya, das sich zu
einem international anerkannten Zentrum kosmophysikalischer Forschung
entwickelt. [Webpräsenz: http://www.umsanet.edu.bo/fisica/invest.htm.
-- Zugriff am 2002-01-31] Abb.: Lage von Chacaltaya (©MS Encarta)
Abb.: Das Laboratorio (Bild: Payer, 2001-10)
Erste Nummer der katholischen Zeitung Presencia
(La Paz), die
zeitweise zur einflussreichsten Zeitung Boliviens wird. Die Zeitung stellt 2001 aus finanziellen Gründen ihr Erscheinen ein.
Abb.: Kopf der Erstausgabe
Gründung der Central Obrera Boliviana (COB) auf der Grundlage
der Tesis de Pulacayo (1946).
Abb.: Führungskader der COB, 1952
[Bildquelle: Cajias, Lupe: Juan Lechin : historia de
una leyenda. -- 3.ed. -- La Paz [u.a.] : Los Amigos del Libro, ©1994. -- ISBN
84-8370-206-1. -- S. 172]
Die COB ist bis heute -- immer noch auf Grundlage der
trotzkistischen Ideologie von 1946 -- eine der wichtigsten politischen und
sozialen Kräfte in Bolivien. Spezialität: Streiks und Ruinieren von
Abb.: COB-Streikmarsch, 1990er-Jahre
Milizen des MNR (Movimiento Nacionalista Revolucionario)
siegen in der Revolution.
Abb.: Stassenblockade durch MNR-Milizen, April, 1952
Abb.: Vorbeimarsch von MNR-Milizen, April 1952
[Bildquelle: Bolivia en el siglo XX : la
formación de la Bolivia contemporánea / Fernando Campero Prudencio (dirección).
-- La Paz : Harvard Club de Boivia, ©1999. -- ISBN 99905-0-018-5. -- Nach
S. 304]
1952-04-15 bis 1956-08-06
Rechtsanwalt Victor Paz Estenssoro (1907, Tarija - 2001, Tarija) ist
Abb.: Victor Paz Estenssoro Vizepräsident ist Hernán Siles Zuazo (1913, La Paz - 1996, Uruguay)
Abb.: Hernán Siles Zuazo
Abb.: Eine der Errungenschaften der Revolución: Bewaffnung der Bergarbeiter
[Bildquelle: Conversaciones con Vìctor Paz Estenssoro / Eduardo
Trigo O'Connor d'Arlach. -- [La Paz] : El País, 1999. -- S. 91]
Abb.: Empfang von V. Paz Estenssoro (1907 - 2001) in Cochabamba durch den Grupo de Honor y
Seguridad unter Lydia Gueiler Tejada (geb. 1921)
[Bildquelle: Crespo Rodas, Alfonso: Lydia : una mujer en
la historia. -- La Paz : Plural, ©1999. -- ISBN 84-89891-44-3. -- S. 92]
Viele Kritiker des MNR werden inhaftiert oder müssen ins Exil
fliehen. Beispielhaft sei der Journalist Alfredo Alexander Jordán (1901, La Paz -
1970, La Paz) genannt, der von 1952 - 1956 ins spanische Exil musste. Seine Tochter
berichtet 1977 darüber:"...Se habían producido continuas amenazas al periódico [Ultima Hora]. Se produjo una guerra de nervios. Las llamadas telefónicas misteriosamente orquestadas eran muy frecuentes. A veces eran de gentes que conocían los propósitos del Gobierno de encarcelar a mi padre. Directamente -esta es la verdad- ni el periódico ni mi padre habían sufrido vejación alguna. Vivíamos exclusivamente bajo la sospecha del terror y del acecho. /.../Mi padre molestaba al Gobierno. Molestaba su opinión porque era la voz libre de un hombre que influía en el pensamiento público. Todo el mundo sabia que mi padre en ULTIMA HORA no estaba comprometido con ningún partido político, sino que se debía al pueblo y a los intereses universales del país. Entonces, los suyos eran unos juicios que formaban criterio entre las gentes. Cualquier situación conflictíva que se creara en aquellos años de confusión y unilateralismo, recibía inmediatamente el contraste leal de Alfredo Alexander. Y los lectores lo sabían y los lectores buscaban la opinión de ULTIMA HORA. El control político montado por el gobierno se había convertido en un órgano de terror. Y en varios rincones de Bolivia funcionaban a tope los campos de concentración. Las persecuciones a los políticos opositores eran frecuentes. Y las amenazas veladas o explosivas a la prensa constituían capítulo de cualquier momento. El día en que todo esto se convirtió en la fórmula casi habitual de ejercer el poder, las páginas de ULTIMA HORA se convirtieron también en la acusación cotidiana contra el régimen que estaba desvirtuando las razones de una revolución que mi padre había recibido con sólida esperanza"
[Zitiert in: De la Quintana Condarco, Raúl <1946 - >; Duchén Condarco, Ramiro <1960 - >: Pasión por la palabra : el periodismo boliviano a través de sus protagonistas. -- La Paz, 1992. -- Depósito legal 4-1-759-92. -- S. 31. -- Dort Quellenangabe]
Zeitungen wie La Razón werden schon 1952 verboten.
"El MNR se convirtió en una gran academia de corrupción y en una enorme fábrica de nuevos ricos. Nunca antes había sido tan evidente que la inmoralidad era el mejor instrumento para conquistar el poder, para mantenerlo y para enriquecerse en su ejercicio. Desde entonces, el enriquecimiento ilícito ha sido el objetivo principal de golpistas y de demócratas, y la política se ha convertido en la más lucrativa de las profesiones."
[Peña Cazas, Waldo: Teoria y practica de la corrupción en
Bolivia y en el mundo. -- Cochabamba : Serrano, 1997. -- S. 109]
Mit Decreto Supremo 3059 richtet Präsident Paz Estenssoro eine
Kommission ein, die studieren soll, wie die Verstaatlichung der Minen geschehen
kann und soll.
Manuel Barrau (MNR)
Alberto Arce Quiroga (MNR)
Jorge Sánchez Peña (MNR)
Jaime Medina (MNR)
Armando Pinell (MNR)
Abel Pally (MNR)
Carlos Morales Guillén (MNR)
Jose Nuñez Rosales (unabhängig)
Jorge Zarco Krammer (unabhängig)
Hans Block (unabhängig)
Diese Kommission erabeitete ein zweibändiges Gutachten mit
fast 2100 Seiten. [Wichtige Auszüge aus diesem Gutachten: Bedregal
Gutiérrez, Guillermo: COMIBOL : una historia épica. -- La Paz : Fundo
Editorial de los Diputados, 1998. -- Depósito legal 4-1-1057-98. -- S.
121 - 177]
Abb.: José Nuñez Rosales übergibt das Gutachten an Präsident V. Paz
Estenssoro (rechts)
[Bildquelle: Bedregal Gutiérrez, Guillermo: COMIBOL :
una historia épica. -- La Paz : Fundo Editorial de los Diputados, 1998. --
Depósito legal 4-1-1057-98. -- Nach S. 188]
Auf dem Primer Congreso Boliviano de Sociología in La Paz
wird die Sociedad Boliviana de Sociología gegründet. Diese Gesellschaft
gründet die Oficia de Documentación Sociológica Boliviana (ODSSBO) mit
dem Ziel, alle diesbezüglichen Dokumente zu sammenl, zu verbreiten sowie
verlegerische und herausgeberische Tätigkeiten zu übernehmen.
Einführung des allgemeinen Wahlrechts anstelle des bisher gültigen qualifizierten Wahlrechts, das Analphabeten und niedre Einkommen von der Wahl ausschloss. Damit wurde die Masse der Indios erstmals wahlberechtigt.
Aus der Botschaft Paz Estenssoros an den Congreso:
„Mit dieser Maßnahme, einer der wichtigsten unter den zahlreichen, die während der letzten vier Jahre unsere nationale Physiognomie verändert haben, wurde das alte System beseitigt, nach dem ein qualifiziertes Wahlrecht die Eigenschaft des Staatsbürgers auf nicht mehr als 100.000 Personen in einem Lande mit 3,5 Millioneni. Einwohnern beschränkte":[Übersetzt in: Hector, Cary: Der Staatsstreich als Mittel der politischen Entwicklung in Südamerika : daargestellt am Beispiel Argentiniens u. Boliviens von 1930 bis 1955. -- Berlin : Colloquium, ©1964. -- (Bibliotheca ibero-americana ; Bd. 6). -- Zugleich: Dissertation, FU Berlin. -- S. 149]
Da man seine Ziele beim MNR in guten Händen sah, beschließt
der Partido de la Izquerda Revolucionaria (P.I.R.) sine Auflösung
Mit Decreto Supremo 02221 richtet die
"Revolutionsregierung" Gefängnisse unter Militärverwaltung
(Konzentrationslager) ein in
Corocuro (La Paz)
Uncía (Potosí)
Catavi (Potosí)
Curahuara de Carangas (Oruro)
In diese Gefängnisse kommen Oppositionelle und werden
schikaniert und gefoltert. In Catavi gibt es 1953 131 politische Gefangene, In
Curahuara 245 politische Gefangene.
Die "Revolutionsregierung" rechtfertigt ihre
Menschenverachtung mit der "violencia revolucionaria y antioligárquica",
die nötig sei, um die "Errungenschaften" der Revolución zu
In der Verletzung von Menschenrechten tun sich besonders
Federico Fortún (Minister)
Claudio San Román
Luis Gayán Contador
Emilio Arze Zapata
Juan Pepla
Adhemar Menacho
Abb.: Mineros, Pulacayo, 1952
Depósito legal 4-1-1057-98. -- Vor S. 1]
Präsident Paz Estenssoro unterschreibt in Catavi (Potosí)
das Dekret über die Verstaatlichung der Minen von Patiño, Hochschild
und Aramayo. Für die Verwaltung der Minen wird COMIBOL (Corporación
Minera de Bolivia) geschaffen.
Abb.: Gedenkbriefmarke: 25 Jahre COMIBOL, 1977
In seiner Ansprache sagt Präsident Paz Estenssoro:
"Hoy 31 de octubre de 1952 el Gobierno del MNR há
cumplido con su pueblo. Está mañana en el campo de María Barzola, húmedo
todavía de la sangre derramada en la masacre de Catavi, se ha firmado el
Decreto por el que se nacionalizan las minas de Patiño, Hochschild y Aramayo.
Las riquezas de Bolivia son ya de los bolivianos y la patria es dueña de su
destino. La voluntad popular ha sido histórica y legalmenta consegrada."
[Zitat in: Bedregal Gutiérrez, Guillermo: COMIBOL :
Aus der Begründung des Dekrets:
"Como consecuencia del alto valor comercial que adquirió el estaño
desde fines del siglo pasado, y de la posesión de los mejores yacimientos por Simón I. Patino, la Compañía Aramayo y Mauricio Hochschild, se produjo una concentración de riqueza en manos de éstos, desproporcionada con el nivel general de la economía del país.
Al no retornar al país, sino en mínima parte, el valor de las exportaciones mineras de las tres grandes empresas, se produjo un permanente drenaje de la riqueza nacional, tanto más grave, cuanto que por ser la industria minera esencialmente extractiva, está sujeta a inevitable agotamiento.
... la fuga de riquezas practicada durante veinticinco años y continuacia sin interrupción hasta nuestros días. Esa constante fuga de capitales hl determinado el empobrecimiento progresivo del país y anulado las posibi» lidades de creación y desarrollo de un mercado interno, con todas sus fu« tiestas consecuencias sobre la agricultura, la industria, el comercio y el tranisporte.
La subordinación del país a los intereses de los grandes empresarios mí» ñeros anquilosó el desarrollo agropecuario e industrial de riquísimas
zonas de nuestro territorio, ya que la preferencia en la importación de artículos extranjeros de consumo privó de todo incentivo a los productores nacionales... Las grandes empresas, sin tener en cuenta los superiores intereses del país, subordinaron el esfuerzo nacional a la exclusiva explotación de sus minas, impidiendo de manera sistemática toda otra actividad, hasta convertir a Bolivia en un simple campamento minero.
... en tanto que los potentados del estaño continuaban acumulando enormes fortunas en el exterior.
... porque la minería, principal fuente de riqueza nacional, estaba prácticamente eximida de cargas tributarias, al amparo del dominio incontrastable que ejerció sobre los poderes políticos.
Ante las necesidades fiscales cada vez más imperiosas y el despertar de la conciencia obrera, después de la masacre de Uncía en 1923, el Gobierno se vio obligado a dictar la primera ley de impuestos sobre utilidades mineras y las medidas iniciales de protección social.
... las empresas se internacionalizaron mediante la ficción de distribuir acciones entre ciudadanos de países poderosos, empujando así a Bolivia a la condición de semicolonia controlada por el imperialismo.
Para implantar y sostener, a lo largo de medio siglo, semejante régimen de explotación, los tres empresarios mineros lograron dominar, mediante el soborno, el halago o la intimidación, a los funcionarios de todos los poderes del Estado, a los dirigentes de los partidos políticos y a los órganos de publicidad y encargados de orientar a la opinión pública, persiguiendo y eliminando, cuando fue necesario, a quienes se resistieron a obedecerlos incondicionalmente.
Si algún Gobierno intentó poner límite a esa inescrupulosa intervención de las empresas en la vida pública de la Nación, éstas no vacilaron en organizar revoluciones, golpes de Estado y asonadas, alterando así el normal desarrollo democrático de la República.
El régimen de trabajo impuesto por las grandes empresas mineras es de tal naturaleza inhumano y opresivo, que el promedio de vida de los obreros ocupados en el interior de las minas es apenas de 27 años, como lo han comprobado investigadores internacionales del problema social boliviano.
Las demandas de aumento de salarios, las huelgas y otras manifestaciones colectivas originadas en el hambre y la desesperación de los trabajadores fueron reprimidas sistemáticamente con la persecución, los despidos en masa, la supresión de los servicios de agua y luz en las viviendas, el trabajo bajo vigilancia armada, las listas negras y, finalmente, las masacres periódicas e indiscriminadas de hombres, mujeres y niños, meticulosamente preparadas por las empresas y ejecutadas por los gobiernos a su servicio. Habiendo desaparecido así el motivo fundamental [su carácter de utilidad pública y beneficio colectivo] de las concesiones mineras en favor de aquellos particulares, el Estado tiene el derecho y el deber de revertirlas
a su dominio para hacer que, en el futuro, las riquezas extraídas del subsuelo sean de beneficio nacional y sirvan a los intereses de la colectividad.
El sacrificio, heroísmo y perseverancia de los trabajadores mineros en la lucha contra la oligarquía, han sido elementos decisivos para el triunfo de la Revolución Nacional.
Como factor principal en el proceso de la producción, el esfuerzo de los trabajadores en la explotación de las minas que pasan a poder del Estado debe merecer especial reconocimiento.
Así como se ha establecido la participación de los trabajadores en el manejo superior de la Corporación Minera de Bolivia
[COMIBOL] es de justicia otorgar la intervención y control de los obreros en la administración local de las minas nacionalizadas."
[Zitiert in: Geddes, Charles F.: Patiño : rey del estaño.
-- 2. ed. -- s.l., 1984. -- ISBN 84-499-6850-X. -- S. 321 - 323]
Am Tag der Verstaatlichung der Minen verfasst Walter
Fernández Calvimontes (1914, Uyuni - 1957, La Paz) folgendes Gedicht:
Clarin para el metal (En el día
de la nacionalización de las minas de Bolivia) "Habló Paz Estenssoro...!
y cayeron los brazos del Vellocino de Oro...
Alto color del Tiempo, denso sudor del Hombre, Minero en el Estaño, señor del Movimiento Nacionalista inscrito por láminas de cobre para escribir con Cristo el Nuevo Testamento del amor a la Patria, donde ahora ya recorre ntermitentemente la libertad del Viento......
Aramayo, Patino, Hochschild, el Triunvirato del whisky y las masacres... Por sus Carnicerías paseó su insomnio astuto la longitud del gato para alquilar al zorro la sangre de Bolivia...
Las negras bocaminas se tragaban pulmones con órdenes directas de Washington y Texas, en dura y angustiosa destilación de dólares y otras ramas anexas...
Mineros, compañeros del reto y la porfía, esto en algún momento tenía que haber sido.
Su sentido profundo,
lo dicen las Banderas que hoy rinden pleitesía
en verbo intransitivo
por este ejemplo auténtico que ha conmovido al Mundo.
Mineros de Bolivia, cuando sintió el Consorcio que el suelo y el subsuelo se iban de su cabaña, omo entre tres no existe legalmente el divorcio pretendió alzar el vuelo, sin saber que no vuelan el topo ni la araña.
Nacionalización de nuestras Minas...!
Acta de la Independencia Mineral.
Los mineros son látigos. Marcan el paso y vibran
con el santo y la seña del Himno Nacional.
¡Nacionalización de la Montaña...!
del Estaño y más luego del agro campesino.
Ya no más gente extraña,
ya no más catecúmeno importado,
ni pobre aventurero sin camino...
Estábamos lo mismo que un pueblo sin pecado,
pero con el pecado
de no poder ser dueños, ni dioses del Destino....
¡Nacionalización de nuestra Carne...!
vilmente escamoteada sin huella digital
por tres cínicos grandes...
CARNE que en bolsa negra y en forma de metal
hinchaban los velámenes
de los barcos piratas surtos en alta mar...
Demos gracias al Ande, gestor del Hemisferio,
porque al fin, el Estaño, barón de hegemonías,
lo mismo que un gran cóndor que estuvo en cautiverio
años, meses y días,
¡Ha vuelto y para siempre, a las manos del pueblo...!"
Quelle: Antología de poemas de la
revolución. -- La Paz : SPIC, 1954. -- S. 27f.
Es werden vier goldene Gedenkmünzen auf die Revolution
herausgegeben. Die Bildseiten tragen die Inschrift "Independencia
economica" und folgende Bildnisse.
Abb.: 3½ Gramm: Arbeiterkopf
Abb.: 7 Gramm: Bergmann
Abb.: 14 Gramm: Präsident Busch
Abb.: 35 Gramm: Präsident Villarroel
world coins). -- ISBN 0873493257. -- S. 82. -- {Wenn Sie HIER
Abb.: Bolivianische Mennoniten, 1990er-Jahre
[Bildquelle: Enciclopedia de Bolivia. -- Barcelona :
Oceano, 2000. -- ISBN 84-494-1428-8. -- S. 268]
Einwanderung von ca. 7000 Familien Mennoniten aus
Kanada, Mexiko und Belize und Ansiedlung im Nordosten und Süden von Santa
Cruz. Die Mennoniten bekommen in Übereinstimmung mit der staatlichen
Ansiedlungspolitik vom Instituto Nacional de Colonicación zu einem sehr
günstigen Preis ca. 200.000 Hektar Land. Sie erhalten auch rechtliche
Privilegien, um ihre Lebensweise beibehalten zu können, vor allem das Recht
auf eigene Schulen mit Mennonitendeutsch als Unterrichtssprache. Bis 1990
(neue Umweltgestzgebung) treiben die Mennoniten Raubbau mit dem Land
(rücksichtslose Abholzung und Extensivierung). Die Mennoniten entwickeln sich
bald zu den wichtigsten Sojanbauern und Exporteuren.
Wachstum des Bruttoinlandproduktes: -9,5% (Abnahme)
Inflationsrate: 101,5%
Der Chapare wird Kolonisationsgebiet mit staatlicher Förderung. An die colonos werden Parzellen zur temporären Nutzung (pisos ecológicos) verteilt. Als Wanderbauern verbringen sie die Zeit zwischen Aussaat und Ernte im Chapare, die übrige Zeit leben sie in ihren Heimatdörfern.
Schmalfilm von Jorge Ruiz:Vuelve Sebastián "cortometraje que en una reciente encuesta entre críticos, cineastas y otras personas vinculadas a la actividad fue elegido como la película más importante de la historia del cine boliviano.
Notable por su fidelidad visual a la cultura del pueblo chipaya, este documental muestra la dura vida de ese grupo étnico en vías de extinción, además de pintar con respetuosa emoción sus ancestrales costumbres. El mayor valor de "Vuelve Sebastián", reside sin embargo en el hecho de trascender su anécdota para convertirse en un verdadero llamado a volver a las raíces. Fue, por añadidura, el primer film boliviano en obtener un premio internacional, habiendo sido galardonado en el festival organizado por el SODRE (Montevideo)." [Quelle: http://www.bolivian.com/cine/1950.html.
Statistik der Diözese Santa Cruz:
Fläche: 100.000 km²
Einwohner: 207.000
Pfarreien: 28
Weltpriester: 15
Ordenspriester: 28, davon sind:
Jesuiten: 4
Franziskaner: 7
Claretiner: 3
Redemptoristen: 6
Maryknoller: 8
Ordensbrüder: 16, davon sind:
Jesuiten: 1
Franziskaner: 2
Redemptoristen: 2
Schulbrüder: 11
Ordensschwestern: 48
Jacobs, Matthias <C.SS.R.>: Wunderland Bolivien. -- Kreuzlingen : Missionshaus Bernrain, 1953. -- 350 S. : Ill. -- [Der Verfasser, ein Redemptoristenpater, war viele Jahre Missionar in Bolivien.]
"»Indio bruto«Die Geschichte der Inkas war in Erzählungen und Lieder gekleidet, die immer wieder bei den Sonnenfesten vorgesungen und vom ganzen Volke wiederholt wurden.
So war es vor vielen Jahren. Und heute sind Gedächtnis und Fassungsvermögen des Indianers völlig verrostet und abgestumpft.
In der Familie lernt das Kind nichts anderes als die üblichen Haus- und Feldarbeiten. Dazu noch den düstern Klassenhass gegen die weißen Bedrücker.
Bis zum Jahre 1905 gab es überhaupt keine Indianerschulen. Die ersten Wanderschulen wurden vom Unterrichtsminister Sarracho ins Leben gerufen. Erst im Jahre 1911 gründete die Regierung ein Seminar, um eigenes Lehrpersonal für die Indianer heranzubilden. Doch wurden nur wenige Gemeinden mit der Wohltat einer Schule beglückt.
Im Jahre 1925 bestieg ein Redemptorist den Bischofsstuhl von La Paz. Es war Mgr Sieffert, ein würdiger Sohn des tiefgläubigen Elsasses. Eine seiner ersten Sorgen galt der verwahrlosten Indianerjugend. Sein großzügiger Plan ging dahin, alle Pfarreien seiner ungeheuren Diözese mit guten Schulen und echt christlichen Lehrern zu versehen. Zu diesem Zwecke wurde eine großzügige Propaganda unternommen, die »Gran Cruzada nacional pro Indio«. Leider mussten die verheißungsvollen Pläne am hartnäckigen Widerstand der höheren Klassen und besonders der studierenden Jugend scheitern. Eine Rotte von verwegenen Lümmeln, die sich als Universitätsstudenten ausgaben und — mit seltenen Ausnahmen — ein ebenso unwissendes als gefährliches Element bildeten, zog unter wilden Protestrufen durch die Stadt, sammelte sich vor dem Bischofspalast und machte ihren gemeinen Gefühlen mit den Rufen Luft : »Nieder mit der Cruzada !... Nieder mit dem Bischof !... Nieder mit den Pfaffen !«
Die Polizei wollte einschreiten, um dem Unfug ein Ende zu machen. Doch der damalige Präsident Siles wehrte ab, als hätte er seine Freude daran. Dann zog die wilde Horde vor die Nuntiatur und vor das Kloster der Redemptoristen, wo das dämonische Treiben von neuem begann. Zu gleicher Zeit unterschrieb der gottlose Präsident ein Dekret, wonach die protestantischen Sekten ihre Schulen ungehemmt im ganzen Lande errichten durften... So geschehen in einem Lande, dessen Verfassung die katholische Religion als die offizielle Staatsreligion erklärt...
Die Redemptoristen gründeten später eine Anzahl Indianerschulen innerhalb der ausgedehnten Pfarrei Tupiza, die sie großenteils auf eigene Kosten unterhielten. Doch gingen dieselben schon nach wenigen Jahren ein wegen des erbitterten Widerstandes der Behörden.
Gottlob gibt es heute noch zahlreiche Schulen, die der Leitung von Franziskanern und Jesuiten unterstehen. Es sind die bekannten »Escuelas de Cristo«.
Alle größeren Indianerdörfer haben jetzt staatliche Schulen, die von Mestizen oder Indianern geleitet werden. Diese können selber nicht viel mehr als lesen und schreiben. Der Missionar kennt diese Schulen zur Genüge, denn öfters muss er sein Quartier darin aufschlagen. Es sind armselige, strohgedeckte Hütten mit niedriger Türe und einigen Löchern in den Wänden, durch die der kalte Wind bläst. Von Inneneinrichtung findet man kaum eine Spur : weder Tisch, noch Stuhl, noch Bank, noch Tafel... An den Seitenwänden, entlang läuft ein niedriges Mäuerlein, worauf die Schüler Platz nehmen. Schon von weitem hört man, wie sie im Chor buchstabieren. Fährt draußen ein Auto vor oder ist sonst ein ungewohntes Geräusch zu vernehmen, so rennen alle samt dem Lehrer vor die Türe, um gebührende Notiz von dem wichtigen Ereignis zu nehmen. Und wenn die Kinder aus der Schule kommen, können sie ungefähr so viel wie nichts. Redet man sie auf Spanisch an, so machen sie große Augen und bleiben die Antwort schuldig.
Als Lehrmaterial dienen ein paar alte, abgegriffene Bücher, die so aussehen, als seien sie seit Generationen im Gebrauch gewesen. Zur Zeit der Aussaat oder Ernte steht die Schule leer, weil die Kinder zu Hause helfen müssen. Auch zu normalen Zeiten kommt nur ein schwacher Prozentsatz zur Schule. Als ich die Schule von Querarani bei Oruro besuchte, traf ich die siebzehnjährige Lehrerin mit drei Kindern, die sich im Freien sonnten. Dennoch sind die Indianergemeinden stolz auf ihre Schulen. Ob die Kinder auch etwas lernen, das ist Nebensache.
Es ist schon eine erstaunliche Leistung für einen Indianer, wenn er überhaupt lesen und schreiben lernt. Dies wird erfordert, wenn er sich als gleichberechtigter Bürger an den Wahlen beteiligen will. Aber auch hier kann man ergötzliche Fälle erleben.
Da kommt ein junger Indianer auf ein Staatsbüro und behauptet, er könne zwar schreiben aber nicht lesen. Die Herren machen große Augen und drücken ihm einen Bleistift in die Hand. Der gute Mann kritzelt ein paar Striche aufs Papier und hält es den gescheiten Beamten vor die Nase : »Da lesen Sie !« — »Aber das kann doch kein Mensch lesen !... Das Gekritzel will ja gar nichts heißen !« — »Ich habe es ja gleich gesagt : ich kann schreiben, aber nicht lesen. Wenn Sie es nicht fertig bringen, wie soll ich es dann lesen können ? «
Nach alledem ist es nicht zu verwundern, wenn der Indianer seit 400 Jahren auf derselben Kulturstufe stehen geblieben ist. Im besten Falle wird er noch ein wenig in der Kaserne gedrillt.
Doch kann mau nicht sagen, dass er dumm ist. Seine Beobachtungsgabe ist erstaunlich und wird noch geschärft durch das angeborene Misstrauen gegen die Außenwelt. Berge und Täler, Wege und Flüsse, Tiere und Pflanzen kennt er wie kein zweiter.
Und da er viel über alles Erlebte nachdenkt, sammelt er einen reichen Schatz von Erinnerungen und Erfahrungen.
Würde der Indianer seine altvererbte Trägheit einmal gründlich abschütteln sowie auf Koka und Alkohol verzichten und seine unleugbaren Fähigkeiten zur Entfaltung bringen, so könnte er sich bald auf die Kulturstufe der höheren verdorbenen Rasse emporschwingen und brauchte nicht immer das Schimpfwort »dummer Indianer« zu hören.
Nur in vereinzelten Fällen hat er es so weit gebracht. Es ist aber nicht immer zu seinem Segen, denn er bildet sich dann leicht zu viel auf seine geringen Kenntnisse ein. Und er zieht in die Stadt, um als großer Herr zu leben. Seine Stammesgenossen vom Lande ignoriert er fortan. Nicht mit Unrecht sagt ein Sprichwort : »Indio letrado, indio renegado — Studierter Indianer verleugnet seine Rasse«. Und wenn er einem Bekannten vom Lande in der Stadt begegnet, jagt er ihn mit Fußtritten vom Bürgersteig hinab ..."
[a.a.O., S. 105 - 108]
Abb.: Musikanten [a.a.O, S. 154]
"SEELEN IN NOTDie Weißen und Mestizen sind großenteils nur Schein- und Namenchristen, die ab und zu eine Sonntagsmesse besuchen, eine Wallfahrt machen, einer Taufe oder Heirat beiwohnen, aber fast nie zu den Sakramenten gehen. Damit glauben sie ihren religiösen Pflichten genügt zu haben und einen schönen Platz im Himmel zu bekommen.
Beim Indianer ist der Glaube seiner Väter zwar tiefer eingewurzelt, aber leider mit einem starken Einschlag heidnischen Aberglaubens vermischt. Die Schuld daran liegt zum Teil in seiner groben Unwissenheit. Nur ab und zu sieht und hört er einen Priester und kann seine Kinder nur selten in eine echt katholische Schule schicken.
In einigen abgelegenen Tälern haben die Indianer noch ihre eigenen Religionslehrer, die sogenannten »Doctrineros«, die alljährlich vom zuständigen Pfarrer ernannt oder in ihrem Amte bestätigt werden. Gewöhnlich sind es ältere Männer. Zu Beginn der Fastenzeit laufen sie mit der Peitsche durch das Dorf, um alle Kinder und jungen Leute zusammenzutrommeln. So will es ein alter Brauch : alles muss mit Gewalt eingepaukt werden...
Das junge Volk versammelt sich vor dem Missionskreuz auf dem Dorfplatz, um die üblichen Gebete sowie die Gebote Gottes auswendig zu lernen. Da die meisten nicht lesen können, betet der Katechet vor und die übrigen wiederholen im Chor. Alles wird mit singender, schleppender Stimme hergesagt. Singend beten sie auch den Akt der Reue vor der Beicht, Ob sie aber verstehen, was sie herunterleiern, ist zu bezweifeln.
In der Karwoche ziehen sie gruppenweise zur Pfarrkirche, indem sie die Gebete singen. Der Katechet geht als Vorsänger an der Spitze. Die übrigen folgen ihm mit kleinen Holzkreuzen in den Händen und wiederholen Wort für Wort. Schon von weitem hört man sie kommen. Alle paar Schritte bleiben sie stehen und singen mit erneutem Eifer.
Viele kommen am Karfreitag nach Tupiza und verbringen die Nacht vor den verschlossenen Türen der Kirche, um am Karsamstag einen guten Platz zu erwischen und das Gloria der Auferstehung zu hören. An diesem Morgen füllt sich die Kirche mit Indianern, die auf dem Boden kauern mit einer Kerze in der Hand und der »Mi sä de Gloria — der Gloria-Messe« beiwohnen.
Mancherorts nehmen die Katecheten ihre Zuflucht zu einem wirksamen Anschauungsunterricht, den sie anhand der sogenannten Gebetstorten geben. Diese Torten sind aus Lehm gebacken und mit allerlei Figuren verziert, die den Heiland, die Gottesmutter und verschiedene Heiligen darstellen sollen. Die Kinder kauern im Kreise herum, während der Katechet den Sinn der einzelnen Figuren erklärt. Und wenn er nachher mit dem Stock auf eine derselben zeigt, müssen sie die richtige Antwort geben können. Diese Torten ersetzen in etwa den Bilderkatechismus.
Es ist sehr zu bedauern, dass die Kinder im Elternhaus kaum einen Schein religiöser Erziehung bekommen. Was wollen auch die unwissenden Eltern ihnen beibringen !... Im besten Fall zeigt die Mutter den Kleinen ein verstaubtes Heiligenbild und betet ein Vaterunser mit ihnen. Das Familiengebet ist den Indianern unbekannt — wie auch den allermeisten Weißen. Die arme Indianermutter ist ganz unfähig, ihren Kindern vom kleinen Jesulein zu erzählen oder von der lieben Himmelsmutter und vom heiligen Schutzengel, wie es jede christliche Mutter in Europa tut. Davon weiß sie selber nur blutwenig...
Darum besteht die allererste Aufgabe des Missionars darin, die unwissenden Indianer zu belehren und zu unterrichten. Hochtrabende Predigten sind hier wie überall ganz überflüssig. Zuerst müssen die guten Leute in den wichtigsten Glaubens- und Sittenlehren unterwiesen werden, um sie aus ihrer tiefen Unwissenheit herauszureißen.
Bei Gelegenheit einer Mission stellte sich ein sechzehnjähriges Mädchen vor. Der Pater fragte, ob es die erste hl. Kommunion gemacht habe. Es verstand nicht, was er damit meinte. Doch erklärte es, dass es »den Herrn empfangen wolle«. Dies ist nämlich der stehende Ausdruck für die hl. Kommunion, und man könnte es nicht schöner sagen.
Was die Kinder von ihren Eltern lernen, ist vor allem der Hass und das Misstrauen gegen die weißen Bedrücker. Dazu noch eine Reihe abergläubischer Riten und Gebräuche. Im übrigen wachsen sie wie die Tiere auf, ihren wilden Trieben frei und zügellos ausgesetzt. Diebstahl und Unzucht, das sind Laster, die sie von Jugend auf lernen, wie P. Housse mit Wehmut feststellt. Draußen bei ihren Herden treffen sich die jungen Leute nur zu leicht und finden ein günstiges Spielfeld für die erwachenden Leidenschaften. Daher kommt es, dass die Indianermädchen ihre schönste Krone längst verloren haben, bevor sie in die Ehe treten. Aber das gilt nicht als Schande, im Gegenteil, denn solche Geschöpfe sind mehr begehrt als jene, die noch etwas auf ihre Ehre halten. Und die Eltern schauen alledem schweigend zu...
Unschuld und Sittsamkeit sind daher seltene Tugenden, sowohl bei den Indianern als bei den Weißen und Mestizen. Von Kind auf sieht der Indianer alles und weiß alles. Das Schamgefühl hat keine Heimstätte in der Indianerhütte. Jung und Alt ist dagegen abgestumpft.
So verschlossen der Indianer für alles Edle und Schöne ist, umso empfänglicher ist er für alles Gemeine und Tierische. Das ist die bittere Feststellung, die der Missionar nach langjährigem Wirken machen muss.
Wir haben schon erwähnt, dass die Probeehe ein ungeschriebenes Gesetz ist. Das Volksgewissen betrachtet dieselbe als eine kluge Vorsichtsmaßregel...
Um sich von der religiösen Unwissenheit zu überzeugen, braucht man nur einige elementare Fragen zu stellen. Dann kann man folgende oder ähnliche Antworten bekommen :
»Gibt es einen Gott ?« — »Ich weiß es nicht.«
»Wieviele Götter gibt es ?« — »Dreizehn oder vierzehn.«
»Wo ist Gott ?« — »Ja, wo mag er sein !«
»Was ist die hl. Kommunion ?« — »La cruz alta — das große Kreuz.«
»Wohin kommen die Guten nach dem Tode ?« — »Auf den Friedhof.«
»Und die Bösen ?« — »Nach Moskau.«
Solche und ähnliche Antworten bekommt man zu hören. Es ist himmeltraurig. Doch darf man nicht verallgemeinern. Am traurigsten ist es jedoch, dass die einheimischen Pfarrer sich im allgemeinen wenig um die religiöse Erziehung der Indianer kümmern. Wenn der Missionar zur Osterzeit die Beichten der Rekruten in der Kaserne hört, muss er feststellen, dass viele die erste hl. Kommunion nicht gemacht haben, obschon sie aus Ortschaften stammen, wo ständig ein Pfarrer ist...
Und doch gibt es unter diesen verlassenen Menschenkindern manche Seele von gutem Willen. Oft braucht es nur ein Wort der Belehrung und Ermunterung, um sie für die Gnade zu erschließen.
Es war auf einer Mission. Bis spät in die Nacht waren die Patres in der Kirche beansprucht. Da kam ein altes Mütterlein, um die erste Beichte abzulegen. Auf die Frage, warum sie nicht früher gekommen sei, gestand sie treuherzig : »Tatay... du hast in der Predigt gesagt : es gibt eine Hölle, eine ewige Hölle... Ich will nicht in die Hölle kommen !« Zum erstenmal im Leben hatte sie davon gehört.
Auf einer ändern Mission kam ebenfalls ein uraltes, runzeliges Weiblein. Es handelte sich ebenfalls um die erste Beicht und Kommunion. Die Frau war überglücklich, als sie alles vom Herzen hatte. Noch lange betete sie vor dem Altar. Schon war die Kirche fast leer. Sie blieb noch, als ob sie noch etwas im Schilde führte. Endlich schlich sie auf den Missionar zu und fragte wie ein verschämtes Mädchen, ob sie ihm einen Kuss geben dürfe... Dieser gab ihr zu verstehen, es sei genug, wenn sie die geweihte Hand des Priesters küsse. Damit gab sie sich auch zufrieden. Dann holte sie ein paar Eier hervor und überreichte sie dem Beichtvater mit den Worten : »Regalitu, tatay — ein kleines Geschenk, mein lieber Vater.« So ist es noch Brauch in manchen Orten. Der Pater konnte die kleine Gabe nicht abschlagen. Getröstet ging die Alte nach Hause mit dem Frieden Gottes in der Seele und einem seligen Lächeln auf den Lippen. Die Engel Gottes mochten ihre helle Freude an der guten Seele haben — und der Missionar nicht minder...
In der Karwoche 1948 musste ich einen ähnlichen Fall erleben. Es war am Mittwoch. Dieser ist immer ein großer Beichttag, denn wer noch etwas auf sich hält, will am Gründonnerstag kommunizieren. Deshalb war großer Andrang vor dem einzigen Beichtstuhl. Da kam auch eine gute Frau, deren Lenze schwer zu zählen waren. Wie es Brauch ist bei den Indianern, zog sie den Vorhang beiseite und kniete zu meinen Füßen nieder. Ich neigte mich ein wenig, um besser zu verstehen. Ringsum stand ein Kreis von Leuten, die ebenfalls auf Beichtgelegenheit warteten. Kaum hatte ich die Lossprechung gebetet, da fühlte ich zwei Arme um den Hals und zwei feuchtwarme Küsse auf den Backen. Das war so schnell und unverhofft gekommen, dass ich nicht einmal abwehren konnte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als die «heilsame Buße« einzustecken und die Backen energisch abzuwischen. Das Mütterlein schob hochbeglückt davon, weil ihr alles so gut geglückt war. Sie hatte ja nur den Stellvertreter Gottes ehren wollen..."
[a.a.O., S. 248 - 253]
Der evangelikale Flugzeugmissionar Wally Herron (1910 - 1964) beginnt mit den sogenannten Jahreskonferenzen.
"Die Jahreskonferenzen gehörten zu den Höhepunkten der Arbeit in Magdalena. Wally erinnerte sich genau an die erste im Jahre 1953. Betrübt darüber, dass die örtliche fiesta gewöhnlich in eine Orgie der Trunkenheit ausartete, glaubte Wally, am Tag der Maria Magdalena etwas für die Gläubigen tun zu müssen. An einem solchen Tag lauerten überall Versuchungen. Wally hatte es erlebt, dass der Tag auch für einige seiner Leute in Trunkenheit und Unsittlichkeit endete. Von den Ranches und aus den Dörfern im ganzen Gebiet kamen die Menschen zur fiesta, und in Magdalena ging es eine Woche lang hoch her.
Abb.: Lage von Magdalena (©MS Encarta)
Konnte man nicht für die Gläubigen ein geistliches Fest organisieren? Das wäre eine gute Gelegenheit, Gastredner einzuladen und besondere Versammlungen anzusetzen. Die Mahlzeiten würde man gemeinsam einnehmen. Damit hatte man die Gläubigen in dieser Woche nicht nur sinnvoll beschäftigt, sondern konnte vielen Menschen aus den ländlichen Bezirken das Evangelium sagen, die es sonst vielleicht nie gehört hätten.
Die erste Konferenz in Magdalena organisierte Wally 1953. Arturo Arana, der vor seiner Bekehrung Heiligenbilder hergestellt hatte, wurde als Hauptredner eingeladen.. Er war damals eine der umstrittensten Gestalten im Lande. Da er zur vornehmen Gesellschaft Boliviens gehörte, ein ausgezeichneter Bildhauer und fanatischer Katholik war, erregte seine Bekehrung allgemein Aufsehen. Damals kam es noch vor, dass die Katholiken Protestanten steinigten.
Sie nannten sie Irrgläubige, Abtrünnige oder Teufel; und die Protestanten reagierten mit polemischen Predigten und veröffentlichten Schriften, in denen sie Irrlehren und unsittliches Verhalten von Katholiken anprangerten.
Arana fühlte sich von Anfang an berufen, die Irrtümer seiner früheren Religion zu widerlegen und tat das mit Genugtuung von einem Ende des Landes zum ändern. Hunderte von Menschen entschieden sich unter seiner Predigt für Christus. In Magdalena war er noch nie gewesen und nahm Wallys Einladung zur ersten Konferenz gern an.
Aranas Auftreten in Magdalena war eine Sensation. In der Stadt erfuhren es alle, dass er da war, und viele besuchten die Versammlungen aus reiner Neugierde. Man wollte den Protestanten nicht wohl — vor allem die frommen katholischen Frauen nicht —, aber das beunruhigte Wally nicht besonders. Brenzlig wurde es, als Arana in einer Predigt erzählte, dass er die Wimpern der Heiligen immer aus Hundehaaren hergestellt hatte. Aufgebrachte Katholiken behaupteten, nur mit Rücksicht auf Wally und Emily würde man ihn nicht aus der Stadt jagen. Wally sprach mit den richtigen Leuten, um Herr der Lage zu bleiben, und bat Arana freundlich, in seinen Äußerungen über den Katholizismus etwas zurückhaltender zu sein. Danach gab es keine Schwierigkeiten mehr, und die jährliche Konferenz wurde zu einem Ereignis, auf das man sich lange freute.
Meilenweit reisten die Gläubigen zu diesen Konferenzen. Cowboys kamen zu Pferde und brachten Felle wilder Tiere mit, die sie verkauften, um ihre Ausgaben zu bestreiten. Wohlhabendere Leute ließen sich von Wally von weither nach Magdalena fliegen. Andere paddelten mit ihren Familien in Einbaumkanus den Itonoma herauf.
Am Tage nach der eigentlichen fiesta besuchte Wally gewöhnlich die führenden Männer der Stadt, vom Bürgermeister angefangen, und lud sie zur Abendveranstaltung ein. Oft waren der Präfekt des Departements und andere hohe Gäste anwesend und wurden ebenfalls eingeladen. Dem Sinne nach, wenn auch nicht ganz so deutlich, sagte Wally zu ihnen: „Freunde, das ganze Jahr hindurch bin ich euch mit dem Flugzeug und auch sonst gefällig gewesen. Jet/t kassiere ich die Schuld. Wenn ihr es mit mir nicht verderben wollt, dann kommt heute Abend zur Versammlung." Magdalena war vermutlich der einzige Ort in ganz Bolivien, in dem fast alle wichtigen Leute wenigstens einmal im Jahr einen protestantischen Gottesdienst besuchten."
[Wagner, C. Peter ; McCullough, Joseph S.: Missionspilot im Urwald der Anden. -- Wuppertal : Aussaat, ©1967. -- Originaltitel: The condor of the jungle (1966). -- S. 121 - 123]
US-Außenminister John Foster Dulles (1888 - 1959; Außenminister 1953 - 1959) gibt eine außenpolitische Erklärung zur kompromisslosen Haltung der USA gegenüber kommunistischen Staaten ab.
"Die Bedrohung durch den KommunismusSie mögen nun fragen, wie wir denn wissen können, dass die Kommunisten tatsächlich versuchen, uns zu vernichten. Darauf ist zu antworten, dass ihre Führer dieses Ziel offen verkünden und es seit vielen Jahren gelehrt haben und dass alle ihre Handlungen dieser Lehre entsprechen. In den Vereinigten Staaten mussten sich unsere Gerichte mit dieser Frage befassen. Sie haben in jüngster Zeit - erst in der vergangenen Woche - festgestellt, dass die Kommunistische Partei in den Vereinigten Staaten Teil einer gewaltigen Verschwörung ist, die unsere Regierung durch Gewalt stürzen will.
Sie mögen nun fragen, ob es notwendig sei, diese Bedrohung so ernst zu nehmen. Darauf ist zu antworten, dass die Bedrohung einen todernsten Charakter hat. Präsident Eisenhower hat erst vor kurzem erklärt, dass die Vereinigten Staaten in größerer Gefahr schweben als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Jeder Amerikaner, der sich dieser Tatsache nicht bewusst ist, gleicht einem Soldaten, der auf seinem Posten schläft. Wir alle müssen uns ohne Ausnahme dieser Gefahr bewusst sein.
Unsere erklärten Feinde kontrollieren jetzt schon ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung. Hier hinter mir habe ich eine Landkarte, auf der das riesige Gebiet zu sehen ist, das sich von Kamtschatka in der Nähe Alaskas, von den nördlichen Inselgruppen Japans bis nach Deutschland, bis in die Mitte Europas erstreckt. Dieses Gebiet beherrschen die sowjetrussischen Kommunisten vollständig. In diesem Raum leben 800 Millionen Menschen, die gegenwärtig zu einer riesigen kampfkräftigen Einheit zusammengeschmolzen werden, hinter der eine Industrieproduktion und moderne Waffen einschließlich der Atombombe stehen.
Wenn man diesen 800-Millionen-Block mit unserer 150-Millionen-Bevölkerung vergleicht, dann bedeutet das ein Bevölkerungsverhältnis von sieben zu eins zu unseren Ungunsten, wenn wir allein stehen würden. Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg stand eine große Koalition an unserer Seite gegenüber den Despoten, so dass das Verhältnis im Menschenpotential damals sieben zu eins zu unseren Gunsten war. Es wäre nicht angenehm, einen Krieg erleben zu müssen, in dem das Verhältnis sieben zu eins gegen uns steht.
Weiter ist eine wichtige Tatsache, dass in diesem riesigen Gebiet in Asien und Europa, das unsere Gegner kontrollieren, alle Naturschätze vorhanden sind, die sie brauchen. Auf der anderen Seite sind wir weitgehend von überseeischen Gütern abhängig. So ist zum Beispiel unsere Stahlindustrie, die zweifellos von ausschlaggebender Bedeutung ist, in ihrer Friedens- und Kriegsproduktion in großem Ausmaß auf die Importe von Manganerzen aus Übersee angewiesen. Wenn wir also allein stünden, würde nicht nur das Verhältnis des Menschenpotentials außerordentlich ungünstig für uns liegen, sondern wir wären auch hinsichtlich der Produktion der Waffen, die wir benötigen, erheblich im Nachteil. Dies sind einige der Gründe, warum das vernünftige Selbstinteresse der Vereinigten Staaten verlangt, dass wir Freunde und Verbündete in der Welt haben müssen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt führen die sowjetischen Kommunisten eine Politik durch, die sie als Einkreisung bezeichnen. Das bedeutet, dass sie nach der Kontrolle verschiedener Gebiete um sich selbst und um uns herum streben, damit sie ihre Stärke ausbauen können und wir mehr und mehr abgeschnitten und isoliert werden. [...]
Zu Ende des Zweiten Weltkrieges, also vor rund sieben Jahren, beherrschten die kommunistischen Machthaber lediglich 200 Millionen Menschen, heute aber, wie ich bereits sagte, rund 800 Millionen. Sie sind mit aller Kraft bestrebt, noch weitere Gebiete der Welt ihrer Herrschaft zu unterwerfen.
Die Prinzipien der amerikanischem Außenpolitik
Nun, es ist ersichtlich, dass es viel Unruhe in der ganzen Welt gibt; ich habe auf einige der größten Unruheherde hingewiesen, aber es sind deren noch viel mehr vorhanden. Es gibt viele Gebiete, die gegenüber der von den Sowjets betriebenen politischen Kriegführung verwundbar sind. Wenn diese Gebiete verlorengingen, dann hätten die Sowjets ihre Einkreisung der Vereinigten Staaten im wesentlichen vervollständigt und wären zu dem von Stalin angekündigten entscheidenden Schlag gegen uns bereit, wobei die Chancen überwältigend zu ihren Gunsten ständen. [...]
Wir werden nicht versuchen, der sowjetischen Einkreisungsstrategie dadurch zu begegnen, dass wir von uns aus einen Krieg beginnen. Nehmen Sie das als sicher hin. [...]
Wir werden niemals einen Krieg beginnen, um unsere Ziele zu erreichen, sondern wir werden das Äußerste versuchen, um die Kriege, die gegenwärtig in der Welt geführt werden, zu beenden, insbesondere die Kriege in Korea und in Indochina. Diese Kriege dauern heute noch an, weil der Gegner der Ansicht ist, dass er aus der Fortsetzung dieser Kriege einen Vorteil ziehen kann. Ich bin der Überzeugung, dass Präsident Eisenhower Mittel und Wege finden wird, den Gegner in dieser Hinsicht zu einer Meinungsänderung zu bewegen, so dass auch er Frieden wünschen wird.
Das andere Ziel unserer Außenpolitik - und damit komme ich zu dem positiven Aspekt - muss darin bestehen, bei anderen Völkern eine solche Liebe zur Freiheit und eine derartige Achtung vor ihr zu erwecken, dass sie vom Despotismus, von der totalitären Diktatur der kommunistischen Welt niemals wirklich durchdrungen und absorbiert werden können. Die sowjetischen Kommunisten haben, wie ich ausführte, bisher sehr viele Menschen, rund 800 Millionen, unter ihre Herrschaft gebracht. Man weiß aber auch, dass es so etwas wie einen überladenen Magen gibt. Die Menschen werden nicht immer stärker, wenn sie mehr essen. Manchmal verschlingen sie mehr, als sie verdauen können, und dann werden sie schwächer anstatt stärker. [...]
Wir müssen unserem eigenen vernünftigen Selbstinteresse dadurch dienen, dass wir durch unsere Leistungen und unser Beispiel zeigen, wie gut die Freiheit und um wieviel sie dem Despotismus überlegen ist. Wer aber kann mit solchen Leistungen aufwarten und einen derartigen Beweis antreten? Das kann nur ein einziges Volk in der Welt, das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika. [...] Ich möchte unterstreichen, dass das Kernstück einer erfolgreichen Außenpolitik unser beispielhaftes Verhalten als Nation ist. Dies geht alle und jeden an, nicht nur die Diplomaten. Was die Regierung betrifft, so können Sie überzeugt sein, dass sie sich nicht einschüchtern, unterminieren oder unterjochen lassen wird. Unsere Nation muss als ein fester Felsen in einer sturmgepeitschten Welt stehen. Allen, die unter der kommunistischen Sklaverei leiden, und den ängstlichen und eingeschüchterten Völkern der Welt wollen wir zurufen: »Ihr könnt euch auf uns verlassen!« Zusammen mit den anderen freien Völkern der Welt können wir, darauf vertraue ich, einen ehrenhaften Frieden mit friedlichen Mitteln erreichen. [...]"
[Übersetzung: Reden und Dokumente des 20. Jahrhunderts : Chronik Handbuch. -- Gütersloh [u.a.] : Chronik, ©1996. -- ISBN 3-577-14514-5. -- S.299 - 301. -- Dort Quellenangabe]
Wie schon in seiner Inaugurationsrede von 1953-01-20 erhebt US-Präsident Dwight D. Eisenhower (1890 - 1969; US-Präsident 1953 - 1961) der Regierungserklärung vor dem Congress unmissverständlich Anspruch auf "the free world's leadership" (weltweite Führung) der USA. Befreundete Staaten sollen stärker unterstützt werden, gegen kjommunistische Länder soll ein unnachgiebiger Ton angeschlagen werden.
"destiny has laid upon our country the responsibility of the free world's leadership"
Dwight D. Eisenhower in seiner Inaugurationsrede. -- Der volle Text:
http://www.yale.edu/lawweb/avalon/presiden/inaug/eisen1.htm. -- Zugriff am 2002-03-31] 1953-02-04
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl (1894 - 1964) äußerte sich laut Tägliche Rundschau am 4. Februar in seiner einleitenden Rede zur Behandlung des Staatshaushaltplanes 1953 vor der Volkskammer zur Frage der Republikflucht wie folgt:
»In der letzten Zeit hat nun der Gegner seine psychologische Kriegführung so wie es im kalten Krieg von Amerika befohlen wurde, verstärkt. Am 26. Januar meldete die amerikanische Presse, Präsident Eisenhower habe dazu ein besonderes 'Amt für psychologische Kriegführung' geschaffen. So ist man zunächst zum Nervenkrieg in der gesamten westlichen Presse übergegangen. Tagtäglich überschlagen sich die Lügen und Verleumdungen. Aus Schwarz wird Weiß gemacht, aus Weiß Schwarz. Mögen die Lügen und Verleumdungen noch so plump sein, mögen sie am anderen Tage an der gleichen Stelle in das Gegenteil verkehrt sein, alles das hindert weder die gegnerische Westberliner und westliche Presse noch die verschiedenen westlichen Radiosender. Das Ziel dieser Arbeit besteht zweifellos darin, nicht ganz gefestigte Menschen bei uns unsicher zu machen, sie gegeneinander zu hetzen und einzuschüchtern. Der Gegner glaubt, dadurch bei uns Schaden anrichten zu können, das Vertrauen in unsere Arbeit zu erschüttern und unsere Aufbauarbeit zu schädigen.
Furchtsame Gemüter versucht man, zur Republikflucht zu veranlassen, um sie dann dort drüben ihrem Schicksal zu überlassen. Viele Rückkehrer berichten uns über den schandbaren Missbrauch, den man unter menschenunwürdigsten Umständen mit ihnen getrieben hat. Sie erhalten weder Arbeit noch ausreichende Unterstützungen und haben für Jahre hinaus keinerlei Aussicht auf die Gründung einer neuen Existenz. Die einzige Aussicht, die sich Ihnen bietet, besteht darin, als Arbeitsvieh und Kulturdünger nach Kanada und Bolivien verhandelt zu werden oder sich in die Reihen der jetzt schon vorhandenen 90 000 Todeskandidaten der Fremdenlegion einzugliedern. Adenauer ist so zynisch, für die Lösung des Flüchtlingsproblems am Sonntag in Berlin eine mehrjährige Tätigkeit junger Flüchtlingsbauern in Kanada oder Bolivien vorzuschlagen. Das ist die Zukunft und das Los, das Adenauer den kopflos aus der Deutschen Demokratischen Republik Flüchtenden bietet. Wer den Kriegshetzern glaubt, schneidet sich ins eigene Fleisch. Kein ordentlicher Mensch bei uns, der seiner Arbeit nachgeht und nach den gültigen Gesetzen lebt, hat etwas zu fürchten, er hat keinen Grund, sich der Trostlosigkeit eines völlig dunklen, ausweglosen Flüchtlingselends auszuliefern.
Täglich häufen sich bei uns die Briefe, in denen diese Flüchtlinge um die Rückkehr in die Deutsche Demokratische Republik nachsuchen. Die Regierung ist bereit solche Rückkehrer wiederaufzunehmen, die aus Kopflosigkeit ein Opfer der westlichen Hetze geworden sind und darum die Republik verlassen haben.
Von dieser Hetze wird genau so wenig übrigbleiben wie von einer anderen Seite der Zersetzungsarbeit. Man versucht nicht nur quantitätsmäßig, sondern auch qualitätsmäßig Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hinüberzulocken. Dabei versucht man durch geschickt gelenkte individuelle Manöver Wissenschaftler, Techniker, Forscher, Ärzte, Politiker, ja auch Mitglieder der Regierung aus der Front unseres Aufbaus herauszubrechen und sie durch Versprechungen und Drohungen, also mit Zuckerbrot und Peitsche nach dem Westen zu holen. Die Imperialisten verrechnen sich, wenn sie glauben, das Lager des Friedens, das heute bereits 800 Millionen Menschen zählt, durch solche Manöver erschüttern zu können.«
[Archiv der Gegenwart : Deutschland 1949 bis 1999. -- CD-Rom-Ausgabe. -- Berlin : Direktmedia, 2002. -- (Digitale Bibliothek ; Band 78). -- ISBN 3-89853-178-3. -- AdG Bd. 1, S. 891]
Per staatlichem Dekret wird das Instituto Cinematografico
Boliviano (I.C.B.) gegründet.
"Fue este el único intento de apoyo estatal al cine. Dirigido inicialmente por Waldo Cerruto, el I.C.B. debía servir de ente promotor al desarrollo cinematográfico nacional.
Lamentablemente, con el correr del tiempo fue abandonando ese objetivo inicial para reducirse a ser una agencia de propaganda gubernamental. Pese a ello, a lo largo de su existencia, el I.C.B. cumplió dos tareas fundamentales. En primer lugar, a través de varios cientos de documentales y noticieros dejó testimonio histórico de aquellos acontecimientos trascendentales. Todos los hechos básicos de la revolución nacional quedaron impresos en imágenes en movimiento. Por otra parte, en el Instituto confluyeron todos aquellos que luego habrían de ser protagonistas de la etapa más brillante de nuestro cine. El I.C.B. subsistió hasta 1968, cuando al ser creado Canal 7 empresa nacional de T.V., fue disuelto debiendo ceder todo su patrimonio a la nueva entidad." [Quelle: http://www.bolivian.com/cine/1950.html.
In der Sowjetunion stirbt der Massenmörder Josef Stalin (geb. 1879). Damit wird die Grundlage für die Entstalinisierung gelegt. In Bolivien allerdings gibt es weiterhin unbelehrbare Salonstalinisten.
Mit Ley de Reforma Agraria (Decreto ley No. 3464) wird
die Landreform beschlossen.
Die Präambel dieses Gesetzes lautet:
"DR. VÍCTOR PAZ ESTENSSORO Presidente Constitucional de
Que los Incas, en la época precolonial, no obstante el escaso
desarrollo de las fuerzas productivas! y la técnica rudimentaria que
caracteriza su régimen económico, aseguraron a su pueblo la satisfacción
de sus necesidades, conservando las formas de apropiación y cultivo
colectivo de la tierra, organizando una administración previsora y
regulando la producción y el consumo.
Que la conquista y la colonización española, sin eliminar por completo
las formas de producción del pasado indígena, dislocaron con violencia
la economía agraria del incario y la transformaron en una economía
predominantemente extractiva de minerales, determinando con ella la
depauperación de la masa
rigen y la opresión del trabajador nativo, bajo el régimen forzado de la
mita en el laboreo de las minas, -- particularmente en Potosí, -- y el
yanaconazgo en la agricultura y los obrajes;
Que, a pesar de la protección material y espiritual de las Leyes de
Indias, la raza indígena, por la imposición de un sistema semi-feudal,
con los repartimientos y encomiendas, fue injustamente despojada y
sometida a servidumbre personal y gratuita, planteándose, por vez primera,
el problema del indio y de la tierra, no como un problema racial o pedagógico,
sino, esencialmente social y económico.
Que al despojo, la esclavitud y la servidumbre, se agregó un agobiador
sistema tributario, de tal manera inhumano y degradante, que fue causa
principal de las sangrientas sublevaciones de Tupac Amaru, Julián Apaza y
los hermanos Katari, en su afán de reivindicar las tierras usurpadas y
liberar a la población nativa de las crueles exacciones de encomenderos,
recaudadores, corregidores y caciques.
Que en 1825 al proclamarse la República, los criollos feudales
desvirtuaron las aspiraciones político-económicos que impulsaron la
Guerra de la Independencia y en lugar de destruir la herencia colonial,
realizando una efectiva revolución nacional y democrática, consolidada
el proceso de concentración de la tierra en favor de algunos
latifundistas, y mantuvieron la condición servil, el atraso cultural y la
opresión política de la mayoría nacional, malogrando así las
posibilidades de un desarrollo ulterior sobre bases económico-capitales;
Que, finalmente, la penetración financiera del imperialismo, iniciada a
partir de la última década del pasado siglo, tampoco modificó la
estructura feudal-colonialista del sistema y la propiedad agraria y por el
contrario, la minería supeditó los intereses nacionales a los suyos
propios, convirtiendo el país en una semi-colonia monoproductora de
sustancias extractivas, en términos tales, que los ingentes recursos
provenientes de ella, en lugar de promover la industrialización del campo,
estrangularon, casi por completo, la tradicional economía de
autoabastecimiento agropecuario:
Que los poseedores feudales de la tierra, en estrecha alianza con el
consorcio minero existente hasta el 31 de octubre de 1952, al constituirse
en un freno para el desarrollo capitalista de la agricultura, al no
superar los procedimientos primitivos de producción, aplicando medios técnico-agrarios
modernos, al proscribir a la raza aborigen de la vida civilizada, y en fin,
al complicarse directa o indirectamente con los masacres periódicas de
obreros y campesinos, han demostrado su incapacidad para evolucionar dé
acuerdo a las necesidades históricas del país.
Que, en razón del desigual desarrollo de las fuerza,s productivas
nacionales, la constitución actual de una parte apreciable de la
propiedad rural en Bolivia, establecida a base del despojo indígena el
fraude legal y la exacción por medios administrativos, es injusta,
defectuosa, contradictoria e irracional;
Que los Arts. 6o. de la Ley de 13 de noviembre de 1886, 4o. de la Ley de
26 de octubre de 1905, 3o. de la Ley de 11 de septiembre de 1915 y 28 del
Decreto Reglamentario de 20 de junio de 1907, disponen expresamente la
nulidad de las adjudicaciones de tierras fiscales, que no hubieran
cumplido con las condiciones de población y cultivo.
Que, en ejecución de las mencionadas disposiciones legales,
especialmente del Decreto Supremo de 28 de diciembre de 1938, todas esas
tierras deben ser revertidas al dominio del Estado, para los fines de
colonización, inmigración y otros de necesidad y utilidad pública;
Que, por imperio del Art. 17 de la Constitución Política del Estado,
la propiedad para ser respetada debe cumplir una "función social".
Que, a su vez el Art. 107 de la misma Carta otorga el derecho de imponer
a la propiedad las modalidades que el interés público dictare, así como
el de 'planificar, regular y racionalizar su ejercicio;
Que, por los sistemas arcaicos empleados en su explotación y las formas
de servidumbre en el trabajo, la propiedad rural no ha cumplido su función
social y se ha convertido, más bien, en un obstáculo para el progreso
Que, la utilidad pública se halla determinada por la necesidad social
de habilitar las tierras para el cultivo, concediéndolas en favor de
quienes las trabajan.
Que, de conformidad con los datos arrojados por el Censo de 1950, se
comprueba que sólo el 4.50% aproximadamente, de la totalidad de los
propietarios rurales existentes en el país, retienen el 70% de la
propiedad agraria privada, con extensiones de 1.000 a 10.000 hectáreas,
bajo formas de explotación semi-feudal, demostrándose, así hasta qué
punto se concentró la tierra en pocas manos;
Que como consecuencia de esa injusta, desigual y defectuosa distribución
de la tierra y de las formas primitivas de trabajo, se evidencian los
bajos porcentajes de cultivo, con relación al área total poseída» de
Propiedades trabajadas por el propio operador
Propiedades trabajadas con ayuda de colonos, jornaleros, etc. 2.44%
Propiedades de comunidades indígenas
Que, en la tenencia y nueva estructuración de la tierra, se hace
necesario respetar la propiedad pequeña por constituir ésta un medio
esencial de vida para el trabajador campesino.
Que, asimismo, debe preservarse la propiedad mediana, cuya producción
sirve de base para el abastecimiento de las ciudades y las minas;
Que cómo resultado de la desigual tenencia de la tierra y del
defectuoso sistema de explotación que la caracteriza, Bolivia tiene
escasa producción agropecuaria, aun para la satisfacción de las
necesidades de abastecimiento interno, a cuya atención el Estado destina
aproximadamente un 35% de sus disponibilidades en divisas, que podría
invertirlas en otras urgentes necesidades.
Que la misma distribución injusta e irracional de la propiedad agraria
y la punible despreocupación de los gobiernos oligárgicos, que no
protegieron al trabajador campesino, provocaron la despoblación del agro
boliviano, cuya masa humana, imposibilitada de conseguir en el campo
medios adecuados de subsistencia, emigra constantemente, en busca de
trabajo a los asientos mineros, a los centros urbanos y a países
extranjeros, irrogando con ello, daños incalculables al interés demográfico
de la Nación y a la producción agrícola y ganadera;
Que tal situación no sólo es imputable a la insignificante economía
campesina, en el conjunto de la economía del país, sino también a la
incapacidad de ta les gobiernos que, olvidando los altos intereses
nacionales y por no vulnerar los privilegios del gamonalismo latifundista,
jamás legislaron un sistema racional de recatastración y tributación
Que el despojo de la propiedad indígena y el régimen de servidumbre
sostenido a lo largo de la vida republicana, se ha traducido, igualmente,
en el analfa-tismo de un 80% de la población adulta de Bolivia, en la
falta absoluta de educación técnica del productor campesino, y en el
desprecio-de las tradiciones artísticas, los valores del folklore
nacional y las calidades étnicas del trabajador nativo;
Que, por tal estado de servidumbre y consiguiente atraso e ignorancia,
la población aborigen de Bolivia, albergada en viviendas anti-higiénicas
y miserables, privada de asistencia médica, desnutrida y menoscabada en
el sentido espiritual y económico, registra pavorosas estadísticas de
morbilidad y mortalidad, como lo han demostrado numerosos investigadores
Que la Revolución Nacional, en su programa agrario, se propone
esencialmente, elevar los actuales niveles productivos del país,
transformar el sistema feudal de tenencia y explotación de la tierra,
imponiendo una justa redistribución entre los que trabajan, e incorporar
en la vida nacional a la población indígena, reivindicándola en su
jerarquía económica y en su condición humana;
Que, cumpliendo esos postulados, la Comisión de, Reforma Agraria,
creada por Decreto No 03301, e integrada con personas de diversos sectores
de opinión y de diferentes esferas de especialidad técnica, ha formulado,
al término de su tarea, las bases históricas, sociológicas, jurídicas,
económicas y administrativas de la Reforma;
Que el Movimiento Nacionalista Revolucionario -- expresión de las
grandes mayorías de obreros, campesinos y clase media -- cumpliendo su
programa de realizaciones históricas, de justicia social y liberación
económica y haciéndose eco de vigorosos pronunciamientos de Congresos y
Federaciones Universitarias, de Partidos Políticos de Izquierda y
sectores progresistas del Catolicismo, sobre este magno problema,
instituye el trabajo como fuente básica del Derecho, en los modos de
adquirir la propiedad de la tierra;
Que, de acuerdo con tales antecedentes, son objetivos fundamentales de
Proporcionar tierra labrantía a los campesinos que no la poseen, o
que la poseen muy escasa, siempre que la trabajen; expropiando, para
ello, las de latifundistas que las detentan con exceso o disfrutan de
una renta absoluta, no proveniente de su trabajo personal en el campo;
Restituir a las comunidades indígenas las tierras qua les fueron
usurpadas y cooperar en la modernización de sus cultivos; respetando
y aprovechando, en lo posible, sus tradiciones colectivistas;
Liberar a los trabajadores campesinos de su condición de siervos,
proscribiendo Iqs servicios y obligaciones personales gratuitos;
Estimular la mayor productividad y comercialización de la industria
agropecuaria, facilitando la inversión de nuevos capitales,
respetando a los agricultores pequeños y medianos, fomentando el
cooperativismo agrario, prestando ayuda técnica y abriendo
posibilidades de crédito;
Conservar los recursos naturales del territorio, adoptando las
medidas técnicas y científicas indispensables;
Promover corrientes de migración interna de la población rural,
ahora excesivamente) concentrada en la zona interandina, con objeto de
obtener una racional distribución humana, afirmar la unidad nacional
y vertebral económicamente al oriente con el occidente del territorio
Que la Reforma Agraria debe asegurarse mediante la aplicación de
sistemas administrativos científicos, en materias de planeamiento,
racionalización, organización, control superior y atribución precisa de
facultades esenciales a los órganos encargados de su ejecución;
Que, finalmente, el éxito de la Revolución Nacional, la liberación de
las fuerzas de producción agrícola, la consolidación de la democracia,
la unidad y la paz sociales, en el orden político y económico, dependen
fundamentalmente de la plena realización de la Reforma Agraria;
Con cargo de aprobación legislativa, Decreta:"
Das Folgende ist eine gute Zusammenfassung von Inhalt und Folgen des Gesetzes zur Landreform aus der sehr lesenswerten Dissertation von Magda von der Heydt-Coca::
"Das Gesetz zur AgrarreformDie Verordnung 03464, die am 2. August 1953 verkündet und zu Gesetzesrang erhoben wurde, schafft neue juristische Figuren für die Durchführung der Agrarreform: Die teilweise oder vollständige Enteignung des Bodens der feudalen Hazienda und die Dotation von Einzelparzellen an die colono-Bauern mit allen Rechten und Nutzungsansprüchen, die Inhalt des Privateigentums sind; die Konsolidierung der nicht enteigneten Ländereien zugunsten des Grundbesitzers; die Rückerstattung von Ländereien an die comunidades (indianische Dorfgemeinschaften), die einen Verlust nach 1900 nachweisen konnten; und die Schenkung von Boden im östlichen Tiefland an neue Siedler.
So, wie es abgefasst war, gab das Gesetz zur Agrarreform keine klaren Definitionen dessen, was reformiert werden sollte. Viele seiner Artikel, die im Präsens oder Futur abgefasst sind, bezogen sich auf Besitztümer, die zur Zeit der Verkündung des Gesetzes noch nicht bestanden, sondern erst durch die Reform entstehen sollten. Das Kriterium für die Enteignung des Bodens - Produktionsweise oder Grosse der Hazienda - wird nicht einheitlich definiert. Quantitativen Definitionen werden qualitative Inhalte gegeben.
Das Gesetz beginnt mit einer Aufzählung der Arten von Eigentümern, die vom Staat anerkannt werden. Da die so definierten Eigentümer bis dahin in Bolivien nicht existierten schließt man daraus, dass das Gesetz auf die Zukunft ausgerichtet ist. Genannt werden folgende Eigentümer:
Bauernstelle oder subfamiliäres Eigentum, nicht ausreichend für den Bedarf einer Familie (Art. 6).
Klein- oder Familieneigentum für Subsistenzwirtschaft (Art. 7).
Mittleres Eigentum. Obwohl seine Bezeichnung eine quantitative Definition annehmen lässt, qualifiziert das Gesetz diesen Besitztyp abgesehen von seiner Grosse noch als einen solchen, "der mit Hilfe von bezahlten Arbeitskräften oder technisch-mechanischen Mitteln bewirtschaftet wird, so dass der Hauptteil seiner Produktion für den Markt bestimmt ist." (Art. 8)
Besitz der comunidades indigenas.
Besitz landwirtschaftlicher Genossenschaften. Es wird sowohl der Besitz der für diese Zwecke gegründeten
Gesellschaften anerkannt, als auch der Besitz von Vereinigungen kleiner und mittlerer Eigentümer, die ihre Ländereien als Gesellschaftskapital angeben (Art. 10).
Landwirtschaftliches Unternehmen, gekennzeichnet durch "die Investition zusätzlichen Kapitals in großem Maßstab, das System der bezahlten Arbeit und die Anwendung moderner technischer Mittel; Ausnahmen von dieser letzten Bedingung werden in topographisch schwierigen Gebieten gemacht" (Art.11).
Viehzuchtfarm im Osten Boliviens in ihren verschiedenen Erscheinungen: kleiner, mittlerer und großer Viehzuchtbetrieb.
Um die Grosse der verschiedenen Arten von Eigentümern festzulegen, wird das Territorium Boliviens nach geographischen Zonen aufgeteilt, und es wird nur das wirtschaftlich bebaubaren Land berücksichtigt. So schwankt z. B. das "Kleineigentum" zwischen 4 ha in den geschlossenen bewässerten Tälern, die zu den fruchtbarsten Gebieten zählen, und 80 ha im Chacogebiet, das einer Savanne entspricht. Das "Mittlere Eigentum" schwankt von 24 ha Land für Weinberge, 50 ha in den Tälern (durch spätere Regelung auf 20 ha begrenzt), bis zu 600 ha im Chacogebiet. Dem "Landwirtschaftlichen Unternehmen" werden zwischen 400 ha im Gebiet des Titicacasees und 2000 ha im Osten Boliviens zuerkannt. Die oberste Grenze für die "Viehzuchtbetriebe" wird äußerst großzügig auf 50'000 ha Land festgelegt, und den Besitzern eine Frist von einem Jahr eingeräumt, um ihren darüber hinausgehenden Besitz an Privatpersonen oder Betriebe zu übertragen (Art. 22).
Für die Enteignung von Grund und Boden wurde kein einheitliches Kriterium verwendet. Wäre das feudalistische Produktionssystem als Kriterium benutzt worden, wie das die Politiker in ihrer revolutionären Rhetorik vorschlugen, "das Land dem, der es bebaut", so hätte man alle Besitztümer ohne Ausnahme enteignen müssen, da das colonato als Produktionssystem nicht nur für die Latifundien, sondern auch für die mittleren und sogar für die kleinen Besitztümer, die mit dem System der Teilpacht bearbeitet wurden, kennzeichnend war.
a) Das Latifundium
Die Artikel 30 und 34 der Verordnung 03464 betreffen das feudalistische Latifundium, obwohl es nicht ausdrücklich als solches aufgeführt wird, nicht dagegen das kapitalistische Latifundium, das in Bolivien bis zum Zeitpunkt der Verkündung nicht existierte.
In der Abfassung des Gesetzes gibt es keine ausdrückliche Abgrenzung zwischen feudalistischem und kapitalistischem Latifundium. Für das letztere werden später in der Agrarrechtsprechung die Begriffe "Fortschrittliches Latifundium" und "Landwirtschaftliches Unternehmen" eingeführt. Es entstehen Unklarheiten, weil dem Begriff des Latifundiums, der einen quantitativen Inhalt hat, andere qualitative Eigenschaften zugeschrieben werden. Das Gesetz wurde absichtlich zweideutig formuliert, um keine Zweifel an dem revolutionären Charakter der Agrarreform aufkommen zu lassen.
Gemäss Art. 35 wird für die Zwecke der Enteignung nicht als Latifundium angesehen "das Eigentum, in das der Eigentümer Kapital in Gestalt von Maschinen und modernen Anbaumethoden investiert hat, und das von ihm oder seinen nächsten Verwandten bearbeitet wird. In den Gebieten, in denen die Topographie der bebaubaren Erde den Einsatz von Maschinen verbietet, genügt die persönliche Arbeit des Eigentümers oder seiner Angehörigen" (Art. 35). Die so definierten Latifundien "werden auf die Dimensionen des Mittleren Eigentums reduziert, mit allen dem Mittleren Eigentümer zustehenden Rechten und Pflichten" (Art. 35).
Diese Art von kapitalistischem oder "fortschrittlichem" Latifundium existierte in Bolivien bis zum Zeitpunkt der Verkündung nicht. Dieser Artikel wurde als eine Art Sicherheitsventil geschaffen, das viele Latifundien retten sollte. Man wollte den feudalistischen Grundbesitzern eine letzte Möglichkeit geben, sich in landwirtschaftliche Unternehmer zu verwandeln.
Das Landwirtschaftliche Unternehmen, in Art. 36 charakterisiert als Betrieb, der das gemischte System von colonato und Lohnarbeit aufrechterhält, wird als nicht vom Gesetz betroffen erklärt, falls bewiesen wird, dass ein Teil zusätzlichen Kapitals investiert wurde, und zwar mindestens das Doppelte des Grundstückskapitals, und moderne Nutzungstechniken angewendet werden. Nach Art. 37 müssen jedoch die Leibeigenen dieser Landwirtschaftlichen Unternehmen mit Land mindestens von der Grosse der Parzelle, die sie bearbeitet hatten, (pegujales) ausgestattet werden.
Es wird nicht klar unterschieden zwischen dem "Fortschrittlichen Eigentum" aus Art. 8 und 11 und dem "Landwirtschaftlichen Unternehmen" aus Art. 35, ein Mangel, der durch die Gesetzesverordnung Nr. 03471 vom 27. August 1953 behoben werden sollte. Aus ihren Artikeln 75, 76 und 77 lässt sich schließen, dass das System der Lohnarbeit und die Technisierung kennzeichnend für das Landwirtschaftliche Unternehmen sind, während das Fortschrittliche Eigentum ein solches ist, bei dem hochentwickelte technische Mittel eingesetzt werden oder Kapitalinvestitionen nachgewiesen werden können.
Art. 76 ordnet an, dass das Fortschrittliche Eigentum auf die für das Mittleren Eigentum vorgeschriebene Grosse verkleinert wird, indem den Bauern ihre pegujales als Eigentum übertragen werden.
Beim "Landwirtschaftlichen Unternehmen", bei dem die Lohnarbeit vorherrscht, wird nur das Land übertragen, das die für diese Eigentumsart vorgeschriebenen Ausmaße überschreitet.
Mit diesen Artikeln, die sich auf das "Fortschrittliche Eigentum" und das "Landwirtschaftliche Unternehmen" beziehen, versuchte man, das Eigentum der Grundbesitzer zu retten, und diese gleichzeitig zu zwingen, ihr Eigentum sozial und technologisch zu modernisieren. Auf diese Weise wollte man einen Junker-Kapitalismus reproduzieren.
In der Praxis hing die ganze oder teilweise Enteignung der Latifundien von der revolutionären Kraft der Bauernschaft ab und vom wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss der Grundbesitzer bei den Parteifunktionären des MNR, nämlich den Richtern, Agronomen und Landvermessern, die auf Bestechung und mit Hilfe von Zeugenaussagen ein feudalistisches Latifundium als "Fortschrittliches Eigentum" oder sogar als "Landwirtschaftliches Unternehmen" einstufen ließen.
b) Das Mittlere Eigentum
Dieses Eigentum bleibt "im Prinzip" unangetastet, aber "ausnahmsweise" wird es teilenteignet, entsprechend der Grosse der Parzellen die die Bauern bearbeitet hatten (sayañas, pegujales). Diese Flächen werden den Bauern als unveräußerliches Eigentum gegeben, und sollten zugunsten des früheren Eigentümers wieder zusammengefügt werden, falls die Bauern in anderen Gebieten Land zugesprochen bekämen. Diese "vorüber gehende" Enteignung war in der Praxis endgültig, weil eine Übersiedelung der Bauern in andere Gebiete nie stattfand, so dass schließlich nur jenes Land zugunsten des Eigentümers zusammengefasst wurde, das für die Hazienda bearbeitet worden war.
Auf der Grundlage des Mittleren Eigentums der interandinischen Täler und der Land- und Viehwirtschaftlichen Unternehmen des Ostens sollte sich die kapitalistische Entwicklung in der Landwirtschaft durchsetzen.
Arturo Urquidi, einer der Mitverfasser des Reformgesetzes, erklärt:
Nach dem Willen des Gesetzgebers sollte das Mittlere Eigentum die Grundlage, die Hauptachse der Agrarwirtschaft des Landes bilden. Wenn also das 'Kleineigentum' dazu bestimmt ist, die Bedürfnisse der Bauernfamilie zu befriedigen, und das 'Landwirtschaftliche Unternehmen' seinerseits zum Ziel hat, einen Anbau nach industrieller Art in großem Maßstab hervorzubringen, so kommt es dem 'Mittleren Eigentum' zu, die Produktion zu diversifizieren und damit Städte und Dörfer mit Getreide, Kartoffeln, Früchten und Gemüse zu versorgen.
Das Gesetz zur Agrarreform wollte also, indem es das Mittlere Eigentum anerkannte, die Möglichkeit schaffen, dass sich in unserer Gesellschaft ein Menschenschlag entwickelt, der den Titel Landwirt zurecht trägt, d.h. ein gebildeter Mensch, der befähigt ist, die Errungenschaften von Wissenschaft und Technik für den Anbau anzuwenden und aus der Landwirtschaft den Hauptinhalt seiner Tätigkeiten zu machen.
Die Agrarreform wollte eben aus dem Mittleren Eigentümer eine Art nordamerikanischen Farmer machen, oder den sogenannten reichen Bauern anderer Länder, d.h. einen Landwirt, einen leistungsfähigen Farmer.
Es scheint, dass der Mitverfasser des Gesetzes, ein Marxist und Soziologieprofessor, in völliger Unkenntnis "unserer Gesellschaft" schreibt, in der der Landbesitzer ein reiner Städter ist, mit mehr Sinn für seine Rente als für die Produktion, und wo die Bearbeitung des Bodens dem Indianer überlassen wird, während die "Gebildeten" andere lukrativere Tätigkeiten bevorzugen. Er scheint nicht zu sehen, dass eine kapitalistische Entwicklung von anderen, von der Landwirtschaft unabhängigen Faktoren bestimmt wird, und von den Möglichkeiten eines abhängigen Landes.
Dieses Gesetz spiegelt den Wunsch des Bürgertums wieder, die feudalistischen Hazienden durch Metamorphose in "Landwirtschaftliche Betriebe" bzw. "Fortschrittliche Eigentümer" zu retten, und nur eine Modernisierung unter einem unklaren Entwicklungskonzept zu verfolgen.
c) Landwirtschaftliches Unternehmen und Viehzuchtfarm im Osten
Die Landgüter im Osten Boliviens genossen größere Privilegien als ihre Gegenstücke im Altiplano und den Tälern. Das Agrarproblem des Ostens war, wie wir in den vorgehenden Kapitel gesehen haben, anders als in den übrigen Gebieten der Republik. Die Arbeitskräfte waren rar, und wegen des Charakters des tropischen Anbaus wurden die Bauern bezahlt oder teilbezahlt, ohne dass dies eine Technifizierung zur Folge gehabt hätte. Außerdem hatten fast alle Landgüter Vieh, wodurch sie sich sowohl als Landwirtschaftliches Unternehmen als auch als Viehzuchtfarm ausweisen konnten, was zur Folge hatte, dass sie von der Enteignung praktisch ausgenommen waren.
In Art. 17 wird die Konzession oder Anerkennung eines land- oder viehwirtschaftlichen Betriebs davon abhängiggemacht dass (a) Land zur Verfügung steht und die Ansiedelung neuer Siedler nicht erschwert wird, und (b) zuvor das investierte oder in seine Nutzung zu investierende Kapital nachgewiesen wird.
Der Artikel drückt deutlich aus, dass es nicht nur um die Konsolidierung des vorhandenen Besitzes geht, sondern auch um neue Konzessionen, nachdem nachgewiesen wird, dass der Wille zum Investieren von Kapital vorhanden ist. So wurde die Kolonisierung mit kapitalistischen Unternehmern begünstigt
Das Landwirtschaftliche Unternehmen in diesem Gebiet wird nur dann berührt, wenn es größer als 1200 ha ist (Art. 40), allein mit der Auflage, seinen
Landarbeitern 100 ha für die Errichtung von Behausungen, und jedem eine Parzelle von höchstens einem ha zur Verfügung zu stellen.
Das Viehwirtschaftliche Unternehmen im Osten wird sehr großzügig definiert, wobei die Höchstgrenze bei 80'000 ha liegt. Dem Eigentümer wird eine Frist von einem Jahr ab Verkündung des Gesetzes eingeräumt, um darüber hinausgehende Ländereien seines Eigentums an Einzelpersonen oder Unternehmen zu übertragen; eine Frist, die dann noch bis 1956 erstreckt wird.
Landübereignung
Artikel 78 der Verordnung 03464 besagt, dass die Bauern, die feudalistischen Arbeits- und Ausbeutungsverhältnissen unterworfen waren, "mit der Verkündung dieser Verordnung zu Eigentümern der Parzellen gemacht werden, die sie zur Zeit besitzen."
Damit wurde die wirtschaftliche Grundlage der persönlichen Dienstleistungen abgeschafft. Der Artikel hatte jedoch nur für die Leibeigenen der Latifundien Geltung, während die der Mittleren Eigentümer nur eine provisorische Schenkung erhielten (Art. 33). Dieser Mangel wurde durch die spätere Regelung der Verordnung Nr. 03471 behoben, die in Art. 67 die pegujaleros der Mittleren Eigentümer definitiv zu Eigentümern ihrer Parzellen macht.
In allen Fällen werden 10% der Gesamtzuweisung für Kollektivnutzung abgetrennt, die zum Unterhalt der Schule dienen soll.
Die Bauern der kleinen Hazienden, die mit dem Teilpachtsystem arbeiteten, und die Bauern ohne pegujales, wie die arrimantes und die hutawawas, erhalten keine Zuweisungen und bleiben so am Rande der Agrarreform.
Obgleich die Agrarreform die große Mehrheit der Leibeigenen damit zu Eigentümern ihrer pegujales machte und sie von ihren Verpflichtungen gegenüber der Hazienda befreite, festigte sie doch für die Masse der Bauern das Minifundium in marginalem Land mit all seinen sozialen und ökonomischen Mängeln, ohne Land für eine spätere Verteilung entsprechend dem Wachstum der Bevölkerung als Reserve zu lassen.
Die Verteilung des Landes an die Bauern war außerdem extrem unterschiedlich, da die Grosse der pegujales von Ort zu Ort sehr verschieden war und innerhalb der Hazienda selbst in direkter Beziehung zu den geleisteten Diensten stand. Die so geplante Agrarreform brachte dem Bauern eine Hebung des Lebensstandards, die aber nur von kurzer Dauer war, und führte mit der Zeit zu einer Reproduktion der alten Strukturen zu einer Art Knechtschaft mit Landbesitz.
Rückerstattung des Bodens an die comunidades
Die Rückerstattung betrifft den seit 1900 den comunidades geraubten Boden, soweit diese ihre Rechte nachweisen konnten. In der Praxis kam es zu Konflikten zwischen den colonos der auf dem geraubten Boden entstandenen Hazienden und den comuneros, die in die Städte oder Minen abgewandert waren, und ihren recht-massigen Erben.
Art. 17 sieht die Konzessionierung oder Anerkennung des landwirtschaftlichen Unternehmens im Osten vor, wenn nur das investierte oder zu investierende Kapital nachgewiesen wird. Dies galt für die Personen, die Kapital hatten, und für die Grundbesitzer, die keine Rechtstitel besaßen.
Viele Güter im Osten waren während des Gummibooms entstanden, als der Staat auf riesige Flächen von Urwaldgebieten Nutzungsrechte für die Kautschukgewinnung an Privatpersonen oder Unternehmen vergab. Obwohl keine Eigentumsrechte gegeben wurden, verwandelten sich diese Ländereien de facto in Hazienden, als der Gummiboom Anfang des 20. Jahrhunderts zuende ging.
Für die Bauern aus dem Hochland und den Tälern, die kein Land hatten, und sich als Siedler im Osten niederlassen wollten, wurde die Zuweisung von 50 ha in Siedlungsgebieten autorisiert, unter der Bedingung, dass sie innerhalb von zwei Jahren auf dem Land zu arbeiten begannen (Art. 91).
Die Artikel 114-115 genehmigen Zuweisungen von Boden, die die Grenzen des Mittleren Eigentums nicht überschreiten, an Ausländer oder Bolivianer.
Die Enteignung der Grundbesitzer sollte nach dem Gesetz mit entsprechender Entschädigung durchgeführt werden. Diese sollte aufgrund des vom Eigentümer früher selbst angegebenen Katasterwertes berechnet und innerhalb von 25 Jahren ausbezahlt werden. Diese Anordnung war rein formell und wurde in der Praxis nie durchgeführt wegen der sehr niedrigen Katasterwerte und wegen der sich nach 1952 beschleunigenden Inflation, die den Wert der Entschädigung in eine lächerliche Summe verwandelte.
Zur Durchsetzung des Gesetzes bildete die Regierung den Nationalen Dienst für die Agrarreform, Servicio Nacional de Reforma Agraria (SNRA), mit Provinzgerichten und auf Provinzebene beweglichem Personal. Der SNRA setzt sich zusammen aus Juristen, Landvermessern, Topographen u.s.w. und einem Departamentsdirektor. Der Rat der Agrarreform, Consejo Nacional de Reforma Agraria (CNRA), in der Hauptstadt, stellt die zweite Instanz für die Revision der von den Agrarrichtern des SNRA gefällten Urteile dar. Das Ministerium für Bauernangelegenheiten, Ministerio de Asuntos Campesinos (MAC), und die Agrarberatung des Präsidenten werden zu zusätzlichen Instanzen, bis es zum endgültigen Urteil in den Angelegenheiten der Betroffenheit, Schenkung oder Konsolidierung kommt, (siehe Abb. Nr.2)
Der Prozess läuft im allgemeinen wie folgt ab: die Konsolidierungs- oder Enteignungsklage wird von den Provinzagrarrichter gebracht; theoretisch können die Bauern durch ihre Vertreter die Klage einlegen oder der Besitzer des Grundstückes, wenn dieser daran interessiert ist, sein Recht auf Konsolidierung einzuklagen.
In den ersten Jahren der Revolution, als die Grundbesitzer kaum Hoffnung hatten, Teile ihrer Besitztümer konsolidiert zu bekommen, weil die in Milizen organisierte Bauernschaft auch durch faktische Besetzungen von Haciendas politische Macht erlangt hatten, wurden die Klagen meistens vom Vertreter der Bauern, dem Generalsekretär der Gewerkschaft der Haciendas eingelegt.
Sobald die technischen Daten, die Ausmessung, die Auswertung des wirtschaftlich bebaubaren Bodens, die Kapitalgüter u.s.w. vom Topographen des SNRA nachgewiesen waren und die Anhörungen stattgefunden hatten, fällte der Richter ein Urteil. Dieses Urteil wurde an den Nationalen Rat für die Agrarreform überwiesen, wo es von der technischen und der juristischen Abteilung überprüft wurde. Anschließend kam es vor eine der Kammern des Rats, wo das Urteil vom Agrarrichter mittels richterlicher Verfügung bestätigt oder aufgehoben wurde. Als dritte Instanz kam es zum MAC, wo ein Team von Rechtsanwälten die Bestätigung oder Veränderung der richterlichen Verfügung vorschlug und den Entwurf für die endgültige Entscheidung verfasste, der wiederum an die letzte Instanz, die Agrarberatung des Präsidenten weitergeleitet wurde, der das Urteil endgültig bestätigte oder veränderte.
Nach diesem komplizierten Weg ging der Entwurf zurück an den MAC, wo ihn der Minister unterschrieb, und von dort an den CNRA der die endgültigen Rechtstitel verfasste.
Dieses umständliche Verfahren zog sich über Jahre hin. Die Kosten wurden zum großen Teil den interessierten Parteien berechnet, d.h. den armen indianischen Bauern, die außer den Kosten des Verfahrens die Rechtsanwaltshonorare, Stempelgebühren und Löhne für die Landvermesser bezahlen mussten. Dazu kamen die "nicht rechtlichen" Kosten, wie Schmiergelder und Bewirtung für die Richter und Techniker.
Nach Heath hatte der Bauer am Ende, nach sechs bis acht Jahren, ein Stück Land, für das er über 400 U.S. $ bezahlt hatte, das aber nur 80-100 U.S. $ wert war.
Nach offiziellen Angaben kostete die sogenannte "legale Phase" der Agrarreform, d.h. der Papierkrieg, den Staat die Summe von 1'897'978 U.S. $. Geteilt durch die Anzahl der bis 1963 verteilten Rechtstitel kostete jeder Titel 837,78 U.S. $.
Das Gesetz wurde ungenau und zweideutig abgefasst, um zu verschleiern, dass die Reform im Grunde der Bauernschaft nicht die Vorteile verschaffte, die die kleinbürgerlichen Demagogen verkündeten. Vielmehr ließ sie viele Hintertüren offen, die es ermöglichten, die Hazienda als betroffen oder nicht betroffen zu erklären.
Eine dieser Hintertüren war der Artikel 13 der Verordnung 03464, der besagt, dass "die Höchstausdehnung des Privateigentums unter Berücksichtigung nur der wirtschaftlich bebaubaren Flächen festgelegt wird". So wurde aus dem Landvermesser ein Richter der Agrarreform gemacht, dessen Urteil davon abhing, welche der streitenden Parteien, der Grundbesitzer oder der Bauer, die höhere Bestechungssumme bezahlt hatte. In Gebieten zum Beispiel, wo das Gesetz eine Höchstausdehnung von 150 ha für das Mittlere Eigentum vorschreibt, findet man häufig, dass der wirtschaftlich bebaubare Boden auf 150 ha oder gar weniger geschätzt wurde . Häufig war dies nur ein winziger Bruchteil der Gesamtfläche, sogar in den für ihre Fruchtbarkeit bekannten Tälern.
Eine weitere Hintertüre, die die Hazienden retten sollte, war der Artikel 35, demzufolge ein Gut von der Enteignung nicht betroffen war, wenn der Besitzer Kapital in Form von Maschinen oder modernen Anbautechniken investiert hatte, oder wenn er oder seine nächsten Angehörigen das Land selbst bearbeiteten. Eine ähnliche Möglichkeit bietet der Art. 36 mit den späteren Bestimmungen der Art. 75,76 und 77 der Verordnung 03471 für Güter im Osten, die zu Landwirtschaftlichen Unternehmen erklärt werden wenn Kapital investiert wurde, oder wenn sie mit bezahlter Arbeit genutzt werden, und dadurch nicht oder nur oberhalb der Grenzen des Mittleren Eigentums betroffen sind.
Solche Unternehmen gab es in Bolivien vor der Landreform nicht. Trotzdem waren die Grundbesitzer in der Lage, durch Zeugenaussagen ihre persönliche Arbeit oder durch Kauf irgendeiner Maschine eine Kapitalinvestition nachzuweisen, oder sie gaben ein Gutshaus als zusätzlich investiertes Kapital an.
Indem das Urteil über die Enteignung weitgehend von den Berichten der lokalen Agrarrichter und Landvermesser abhing, die sich dank ihrer Mitgliedschaft in der Regierungspartei in diese Ämter eingenistet hatten, wurde das Kleinbürgertum zum Schiedsrichter im Handel zwischen den beiden antagonistischen Klassen, der Bauernschaft und den Feudalherren. Diese Leute richteten damit ihre Aggressionen gegen die herrschende Klasse, ohne jedoch das Klassensystem ändern zu wollen. Sie konnten nun ihrem Ressentiment freien Lauf lassen und sich gleichzeitig mit den Bestechungsgeldern derer, die am meisten boten, zu bereichern.
Auf den höheren Entscheidungsebenen des Reformapparates wirkten Mitglieder der oberen Schichten des Kleinbürgertums, die durch ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung mehr den Grundbesitzern als den Indianern verbunden waren.
Not surprisingly, the influence of campesinos tended to be at the bottom, i.e., local and provincial levels, while landlords could generally maneuver more effectively at the top, i.e., departmental levels and especially La Paz.
Considering the complexity of the process and the extreme centralization of authority, it is little wonder that the simple Claim for confirmation requires at least two years, and that some cases have dragged on over a decade. Nearly 20 per cent of the dossiers which were iniciated have disappeared, one might expect even a higher rate of altrition since the defendent in the majority of cases would profit it if a dossier were destroyed or 'misplaced'. Oportunities for grafts (coima) and the exploitation of favoritism (personalismo) are rife; and members of this research team were frankly surprised that there was not more evidence of such abuses.
In den ersten Jahren der Revolution, als sich die Bauern in Milizen organisierten und Bodenbesetzungen durchführten, ohne rechtliche Überlegungen anzustellen, konnten die Richter nichts anderes tun, als die geschaffenen Tatsachen zu legalisieren, so dass die Landverteilung schneller und radikaler vor sich ging. Dies geschah vor allem im oberen Tal von Cochabamba, wo in Ucurena eine besonders revolutionäre und kämpferische Gewerkschaft herrschte, und ähnlich im Hochland von La Paz im Gebiet von Achacachi. Die relative Nähe oder Entfernung von diesen revolutionären Epizentren spielte bei der Anwendung des Gesetzes eine wichtige Rolle. Die von diesen Zentren weit entfernten Orte, wie Chuquisaca und Potosí, erreichte die Reform mit großer Verspätung und geringer Wirksamkeit, wobei es sogar Gebiete gab, in denen man nichts von der Agrarreform merkte die Bauern sich auf bestimmte Übereinkünfte mit den Grundbesitzern beschränkten.
Mit der Zeit nahm die Effektivität der Agrarreform ab, besonders seitdem die COB von der Regierung ausgeschlossen war, und nach dem Staatsstreich von General Barrientos schließlich entwickelt sich dieser Prozess zuungunsten der Bauern.
Angesichts des komplizierten und langwierigen gesetzlichen Verfahrens entschieden sich viele Bauern auch für direkte Verhandlungen mit dem Grundbesitzer, besonders in Gebieten, in denen es vor der Agrarreform nicht zu gewalttätigen Konfrontationen zwischen Bauern und Grundbesitzern gekommen war, und kauften ihnen ihre Parzellen ab. Dies war oft billiger und schneller als das Erlangen von Rechtstiteln vom CNRA, zumal auch die Grundbesitzer ihre Sache verloren sahen und daher zu Verhandlungen bereit waren. Dieses Vorgehen wurde von der Regierungspartei und einigen Gewerkschaftsführern als unrevolutionär heftig bekämpft."
[Heydt-Coca, Magda von der: Die bolivianische Revolution von 1952 : e. Analyse unter bes. Berücks. d. Agrarsektors Analyse. -- Köln : Pahl-Rugenstein, 1982. -- (Pahl-Rugenstein-Hochschulschriften Gesellschafts- und Naturwissenschaften ; 108 : Serie: Dritte Welt). -- Zugl.: Marburg, Univ., Diss., 1982. -- ISBN: 3-7609-5108-2. -- S. 149 - 165]
"Regionale BesonderheitenDie Verteilung des Landes an die Bauern war extrem ungleich, nicht nur wegen der unterschiedlichen Anwendung der Agrarreform in den verschiedenen Gebieten Boliviens, sondern auch innerhalb der Hazienden selbst.
Im Feudalsystem, das bis 1952 im Land herrschte, stand die Grosse der Parzellen, die die Bauern bebauten in direktem Zusammenhang mit den für die Hazienda geleisteten Diensten. Dieses System war ein nivellierender Faktor für die Bauernschaft, insofern, als der Überschuss, den ein Bauer über seine eigenen Bedürfnisse hinaus produzieren konnte, nicht von der Grosse seiner Parzelle abhing, sondern von dem Verhältnis, in dem er seine Zeit zwischen der Arbeit für sich selbst und der Arbeit für die Hazienda aufteilte.
Die colonos, die größere Parzellen besaßen, hatten gegenüber der Hazienda auch größere Verpflichtungen zu erfüllen und verfügten im Allgemeinen über größere Arbeitskraft. Die colonos mit kleineren Parzellen hatten auch weniger Verpflichtungen und gewöhnlich auch weniger Familienmitglieder zu ernähren.
Die feudale Produktionsweise, in der sich der Patron das Mehrprodukt der colonos aneignete, beließ alle in der gleichen ökonomischen Situation. Die ökonomischen Unterschiede, die hätten auftreten können, zeigten sich lediglich in einem besseren Ernährungsniveau, außerdem waren die Institutionen der "gegenseitigen Hilfe" für das Überleben der Gruppe und der schwächsten Mitglieder der Gemeinschaft verantwortlich.
Mit der Agrarreform, als der Bauer seine Parzelle in Privatbesitz übernahm und damit die ökonomische Basis der unterschiedlichen Renten aufgehoben wurde, nahm die ungleiche Landverteilung in den Hazienden selbst und in den verschiedenen Regionen wegen der unterschiedlichen Gesetzanwendung, der Fruchtbarkeit der Böden und der Entfernung zum Markt eine ökonomische Dimension an, mit dem Anschluss des Bauern an die Marktwirtschaft.
Die Differentialrente begann eine Rolle zu spielen und führte zur allmählichen ökonomischen Differenzierung der Bauernschaft.
Die ungünstigste Situation war zweifellos die der "utawawas"oder "arrimantes", d.i. der Bauern ohne Land. Ohne direkte Verbindung zu einer Hazienda blieben sie wie "Parias" praktisch von der Landreform ausgeschlossen. Nur in wenigen Fällen wurden ihnen Rechte bei der Landverteilung zuerkannt.
Das reale Ausmaß der ungleichen Landverteilung ist schwer zu bestimmen, da vollständiges statistisches Material fehlt. Die empirischen Untersuchungen verschiedener Autoren geben zwar ein fragmentarisches, aber dennoch ein Bild von der ungleichen Landverteilung in den Hazienden und den verschiedenen Gebieten Boliviens.
a) Der Altiplano
Auf dem Altiplano, wo das Land karg und der Bevölkerungsdruck groß ist, waren die Parzellen der Bauern vor der Agrarreform kleiner als im Südosten Boliviens, und obwohl es Unterschiede in der Grosse innerhalb der Hazienda gab, waren die Parzellen zur Schaffung eines Mehrproduktes immer noch viel zu klein.
In dieser Region gelang es der Agrarreform nicht, die Landkonzentration in den Latifundien vollständig zu durchbrechen, die vor der Reform als eine der größten im Lande galt, mit einigen Ausnahmen vor allem in der Region von Achacachi, um dem Titicacasee, wo die Bauerngewerkschaften ihre revolutionäre Schlagkraft demonstrierten.
In den meisten Fällen erhielten die Bauern nur ihre sayanas und aynokas, die sie vor der Agrarreform bearbeitet hatten, außerdem zusätzliches Land von minderer Qualität als Weideland zur kollektiven Nutzung. Die durchschnittliche Grosse , die eine Familie erhielt, schwankt zwischen 3 ha im fruchtbaren Einzugsgebiet des Titicacasees und 9 ha im zentralen Hochland mit seinen qualitativ schlechteren Böden.
Die Landverteilung innerhalb der Hazienda selbst war ungleich, und obwohl der relative Unterschied zwischen der kleinsten und größten Parzelle groß war, war sie in absoluten Werten doch sehr gering.
Nach W. Cárter lag der Größenunterschied der Parzellen der ärmsten und der reichsten sayaneros zwischen zehn zu eins in den ehemaligen Hazienden und zwischen fünf zu eins in den comunidades.
L. Ölen fand folgende Landverteilung auf vier ehemaligen Hazienden vor: "In Pillapi besitzt jede Familie nur 6 ha, in Yamani schwanken die Besitztümer zwischen 2 und 4 ha, in Otavi zwischen 2 und 10 ha und in Lecori zwischen 1 und 12 ha Land."
Im Allgemeinen wurde die Landverteilung so durchgeführt, dass jeder Bauer individuelle Parzellen in den verschiedenen aynokas zugeteilt bekam und ihre Grosse von der Kategorie der colono nach der Klassifizierung in erster, zweiter oder dritter Person abhängig wurde. So kam jede Familie in den Besitz kleiner Parzellen in unterschiedlichen Zonen, um ihre Ernährung zu diversifizieren.
For instance, in Ch'alle there are now four categories of persons with respect to access to land. Two of these categories existed prior to reform, two are new and include persons who did not have any land before. In every aynoka each of these has the following amount of land:
primera persona, 2000 square meters;
segunda persona 1500;
ercera persona, 1000; and cuarta persona, 500. This type of distribution is quite frequent and is often made by campesinos themselves in aynokas which have been declared "common lands" by the CNRA. In some rare cases, campesinos have gone so far to reallot aynoka plots annually to compénsate for populations increase.
In vielen Fällen ließ man jedoch bei der Landverteilung diese alte Tradition der Bauern, kleine Parzellen (kallpas) in verschiedenen klimatischen Zonen (aynokas) entfernt voneinander zu besitzen, um einerseits Ernterisiken zu vermeiden und andererseits durch eine Vielfalt von Produkten ihre Ernährung zu variieren, unbeachtet. Dem colono wurde nur eine Parzelle an einem einzigen Ort zugeteilt, entsprechend dem Art. 121 des Gesetzes 03464. Dieser Zusammenschluss der verschiedenen Grundstücke erfolgte, weil das Gesetz die fortschreitende Zersplitterung des Landes verhindern sollte, und außerdem durch die Bequemlichkeit der beauftragten Geometer, die die Landvermessungen ausführten. Oft sind die Bauern jedoch über diese gesetzliche Verfügung hinweggegangen und führten ihren Feldanbau nach der alten Tradition fort, die auf einer wirklichen Notwendigkeit beruht, solange sie ihre Subsistenzwirtschaft beibehalten.
Auf dem Altiplano, wo das Land karg, ohne Bewässerung und der Bevölkerungsdruck einer der höchsten im Lande ist, wurden den Bauern die marginalen Ländereien der Hazienden übergeben, ohne ein Reserveland vorzusehen, um das zukünftige Bevölkerungswachstum auszugleichen.
Dieser ausgeprägte Minifundismus auf dem Altiplano erlaubt nur das Überleben der von der Agrarreform am meisten begünstigten Bauern und schuf unter den ärmsten Bauernschichten ein enormes Arbeitskraftreservoir. Der Minifundismus wird sich mit der Zeit noch mehr verschärfen und ist eine Quelle sozialer Spannungen. Diese Situation, die in offizieller Sprache "Bevölkerungsexplosion" heißt, versucht man durch die Umsiedlung von Hochlandbauern in die Kolonisationsgebiete oder durch die Sterilisation der indianischen Frauen zu meistern.
b) Das Cochabamba-Tal
Cochabamba ist eines der Departements, in denen die Agrarreform mit größter Effektivität durchgeführt wurde. Besonders im oberen Tal, der Wiege der ersten Bauerngewerkschaft, erreichte die Bauernschaft einen hohen Grad der Politisierung und wurde zum revolutionären Zentrum des Landes.
Die Bauerngewerkschaften des oberen Tales besetzten die Hazienden mit Waffengewalt, ohne jegliche juristische Erwägung, und verteilten die gesamten Ländereien unter sich. Diese Tatsache, zusammen mit der Fruchtbarkeit des Bodens in den Tälern, machte die Bauern in diesem Gebiet zu den größten Nutznießern der Agrarreform in der ganzen Republik.
M. Sotomayor gibt in einer Studie über drei ehemaligen Hazienden im oberen Cochabambatal, die zu Latifundien erklärt und deren Boden unter den colonos aufgeteilt wurde, folgendes anschauliche Beispiel von der Landverteilung:
5 colonos erhielten 16 ha Land, davon 8 ha bebaubares
6 colonos erhielten12 ha Land, davon 7 ha bebaubares
3 colonos erhielten10 ha Land, davon 10 ha bebaubares
13 volljährige Söhne der colonos erhielten pro Kopf 7 ha, davon nur 3 ha bebaubares Land. Sie erhielten außerdem Weideland zur kollektiven Nutzung.
Die Durchschnittsfläche der individuell erhaltenen Parzellen lag nach offiziellen Statistiken im Departemento Cochabamba bei 5,7 ha je Begünstigtem.
Im unteren Cochabamba-Tal, das fruchtbaren Boden hat und von der wichtigen Strasse zu den Minenzentren durchzogen wird, bewirkte der große Bevölkerungsdruck eine Zersplitterung der Hazienden schon vor der Landreform, deswegen konnten viele Besitzer ihre Hazienden als "mittleres Eigentum" oder "landwirtschaftliches Unternehmen" konsolidieren, was außerdem von der Schwäche der Bauerngewerkschaften in diesem Gebiet abhing, die der regierungsfreundlichen Linie ihres Gewerkschaftsführers Siforoso Rivas folgten. Das wirkte sich auf die Grosse der erhaltenen Parzellen aus und führte zu einem ausgeprägten Minifundismus. Die durchschnitliche Grosse der von der Agrarrreform verteilten Parzellen ist 1,1 ha pro Begünstigtem für die Provinz Jordan und 2,4 ha für Quillacollo.
Im Cochabamba-Tal, wo man schätzt, dass durch die Agrarreform mehr als 8'000 Bauern Parzellen zugewiesen wurden, die kleiner als ein Hektar Land sind, widmete die Mehrheit der Bauern, wegen der unzureichenden Grosse ihrer Parzellen, 70% ihrer Zeit Aktivitäten außerhalb der Landwirtschaft, dennoch sind die erzielten Einkünfte so gering, dass sie davon nicht leben können.
c) Die Täler des Südens und Südostens
Die Täler im Süden und Südosten, die die Departements Chuquisaca und Teile von Potosi und Tarija umfassen, kennzeichnen sich durch die geringe Wirksamkeit der Bauerngewerkschaften und den Größenunterschied der zugewiesenen Parzellen an die Bauern.
Die Bauern dieses Gebietes, das sehr entfernt von den revolutionären Zentren von Cochabamba und La Paz ist, bewiesen selbst nach der Revolution keine politische Aktivität. Die Bauerngewerkschaften sind erst nach 1952 von fremden Elementen, meistens Minengewerkschaftlern, organisiert worden.
Den Großgrundbesitzern gelang es, den größten Teil ihres Landes zu retten, indem sie ihre Hazienden als "mittleres Eigentum" oder als "landwirtschaftliche Unternehmen" deklarieren ließen. Erasmus erhielt die Information, dass von 176 Mitgliedern der ehemaligen "Sociedad Rural de Chuquisaca" 102 ihre Besitztümer retten konnten, indem sie sie als "mittleres Eigentum" ausgaben.
Während die Gewerkschaften der revolutionären Zentren des Hochlands und Cochabambas Landbesetzungen mit Waffengewalt durchführten, geschah im Süden das Gegenteil: Die Großgrundbesitzer ermordeten fünf Bauerngewerkschaftler und blieben für ihre Verbrechen unbestraft.
Die fehlende aktive Beteiligung der Bauernschaft am Prozess der Agrarreform ist auf ihre ökonomische Differenzierung, die schon vor der Reform begonnen hatte, zurückzuführen, außerdem auf den geringen Bevölkerungsdruck auf dem Land, der dieses Gebiet in der republikanischen Epoche frei von indianischen Aufständen gehalten hatte. Die niedrige Bevölkerungszahl war die Folge der großen Dezimierung der Indios in der Kolonialzeit in den Minen von Potosi. Am Anfang gewährten die Großgrundbesitzer große Parzellen, um Arbeitskräfte anzulocken, aber seit dem 18. Jhdt. und noch mehr seit dem 19.Jhdt. begann die Bevölkerung anzuwachsen, und mit der steigenden Kopfzahl verkleinerten sich die Parzellen. Die colonos, die seit vielen Generationen große Parzellen besessen hatten nahmen ihrerseits wieder Unterpächter auf, "die arrimantes", unter den selben Bedingungen, die sie selbst von der Hazienda kannten. So vollzog sich eine Ausbeutung auf zwei Ebenen und eine Hierarchie entstand unter der Bauernschaft.
Records from this hacienda for the year 1855 list 51 tenants, only two of whom had subtenants together numbering 7, on their pareéis. By 1955, the year in wich agrarian reform affected this hacienda, the list of tenants had increased to 70 while the number of subtenants had grown to 157. So wie die Agrarreform geplant worden war, in der der Bauer zum Besitzer seiner Parzelle gemacht worden war, gab es nach der Reform Bauern, die viel besaßen und andere, die wenig oder gar nichts zu verteidigen hatten. Das minderte die Schlagkraft der Bauerngewerkschaften, besonders im Weingebiet von Chuquisaca, wo es vor der Reform Lohnarbeiter ohne Land gegeben hatte.
Die Unterschiede innerhalb der Bauernschaft in diesem Gebiet, die durch die Agrarreform aufrechterhalten wurden, hat die Arbeit von C. Erasmus quantitativ erfasst, die in der Tabelle Nr.10 dargestellt wird.
In den ehemaligen Latifundien von Zudanez, Azurduy und Tomina hatten die Großgrundbesitzer das Land vollständig unter den colonos aufgeteilt und nur Produktrente von ihnen verlangt, deswegen erhielten die Bauern sehr große Parzellen.
Dagegen wurden die Latifundien in der Provinz Belisario Boeto kaum von der Agrarreform betroffen. Siebzehn Jahre nach der Agrarreform besaßen 44,2 % der Bauernfamilien weniger als drei Hektar Land, 1,2% waren landlos, während dagegen zwei Großgrundbesitzer 20'000 ha Land besaßen, drei 10'000 ha, und sieben andere zwischen I'000 und 10'000 ha.
In den Weinbaugebieten des Südens, wo es vor der Reform eine lohnabhängige Arbeiterschaft mit wenig oder keinem Landbesitz gegeben hatte, waren die Bauern keineswegs die Nutzniesser der Agrarreform. Sie arbeiten dort unter den gleichen Bedingungen wie vorher, lediglich die "faena" wurde abgeschafft, d.h. die Gratisarbeit an Sonntagen.
d) Die Yungas von la Paz
Zwar hatte man in den Yungas das gleiche Haziendasystem wie im Hochland und den Tälern mit aymara-Leibeigenen, doch unterschieden sie sich von diesen Gebieten durch die Fülle an Land, den Mangel an Arbeitskraft und einer auf den Anbau tropischer Früchte spezialisierten, kommerziellen Landwirtschaft.
Die Agrarreform in den Yungas setzte sich nicht mit dem revolutionären Geist vom Cochabamba-Tal oder des Altiplanos durch, aber auch nicht so zögernd und träge, wie im Süden Boliviens.
Nach 1952 organisierten sich die Bauerngewerkschaften sehr schnell und ihr Kennzeichnen war der "oficialismo" d.h. sie unterstanden in den ersten Jahren nach der Revolution der absoluten Kontrolle des MNR und führten die Agrarreform auf gemäßigtem Kurs durch.
Der Kampf um das Land war nicht so hart wie in den anderen Teilen des Landes, da der Bevölkerungsdruck nicht so groß war. Im Gegensatz zu den Tälern und dem Hochland waren die Großgrundbesitzer hier ständig präsent auf ihren Hazienden oder wohnten in den umliegenden Dörfern. Sie hatten dadurch die Möglichkeit, den Reformprozess direkt zu beeinflussen, und ließen ihre Hazienden als "landwirtschaftliches Unternehmen" oder "mittleres Eigentum" erklären.
Die Bauern erhielten trotz der Konsolidierung zugunsten der Großgrundbesitzer mehr oder weniger große Parzellen. Die Parzellen überschritten jedoch nicht zehn Hektar Land.
Die von der Agrarreform eingeführten quantitativen Änderungen der Besitzverhältnisse sind also nicht so spektakulär, wie wir in diesem Kapitel gesehen haben. Sie riefen in den traditionellen Gebieten die Aufsplitterung des Landes in zahllose Minifunden hervor. Die Neuverteilung des Landes war aber hinreichend um qualitative Änderungen in der bolivianischen Gesellschaft zu bewirken, nämlich die Aufhebung des feudalen Frondienstes, was sich auf das Bewusstsein der Bauern positiv auswirkte."
In Santa Cruz erscheint die erste Nummer der Tageszeitung El Deber [Webpräsenz: http://www.eldeber.com.bo. -- Zugriff am 2002-20-09]. Die Zeitung erscheint 1953 bis 1959 und wieder ab 1965. 1953ff.
"Erst ab 1953, als mit der Agrarreform Land im Chapare verteilt wurde und die Landwirte mehr Handlungsfreiheit hatten, begannen sie mit dem Anbau von Coca aus den Yungas zu experimentieren. Aber auch mit anderen Sorten wurden Versuche angestellt, wie z.B. mit der sogenannten «wilden brasilianischen Coca» (Erythroxyilon angufugum Märt.), welche der bolivianische Botaniker Martín Cárdenas entdeckt hatte. Es wurden jedoch auch die beiden Sorten «kolumbianische Coca» (Erythroxylon novogranatense) und «Coca Trujillo» (Erythroxylon truxillense Rusby) benützt. Die letztere schien die besten Resultate zu zeigen, sowohl ihrer Anpassungsfähigkeit als auch ihres schnellen Wachstums wegen.
Gegen 1958 wurde versucht, Coca aus dem Chapare auf den traditionellen bolivianischen Markt zu bringen, jedoch ohne ermutigende Resultate. Die Bauern und besonders die Minenarbeiter—Gewohnheitskonsumenten der Yungas-Coca — lehnten das neue «Kochala»-Produkt [Kochala (Ketschuaausdruck): aus Cochabamba stammend] ab, obwohl es zu einem niedrigeren Preis angeboten wurde. Diese Tatsache hemmte die Cocaproduktion im Chapare, ohne sie jedoch ganz zu stoppen.
Schon in dieser Zeit wurden kleine, geheime Fabriken und Labors entdeckt, in denen Kokainsulfat hergestellt und Chlorhydrat des gleichen Alkaloids kristallisiert wurde. Fast alle dieser in den Anfängen steckenden Drogenproduktionszentren befanden sich in den Yungas von La Paz, wo die Produktion verhältnismäßig einfach war, wo es aber auch für die Polizei recht einfach war, sie ausfindig zu machen. Das erklärt auch den Fortbestand des Coca-Anbaus im Chapare: Die Kokain- Fabrikanten zogen in das Departement Santa Cruz, das mehr als 700 Kilometer von den Yungas, aber weniger als 200 Kilometer vom Chapare entfernt ist.
Obwohl wir später mit einer Fülle von Einzelheiten zu diesem Punkt aufwarten werden, muss an dieser Stelle schon gesagt sein, dass der Ursprung des Coca-Anbaus im Chapare sich ganz klar von demjenigen in den Yungas von La Paz unterscheidet. Da weder die gleiche botanische Sorte reproduziert, noch der einheimische Markt erobert werden konnte, war der Coca-Anbau von Anfang an, das heißt von 1955 an, durch die Kokain-Fabrikanten bestimmt. Es muss jedoch auch anerkannt werden, dass die Coca aus dem Chapare wegen ihres niedrigeren Preises bald in einigen ländlichen Gegenden des Landes, besonders im Cochabambatal, Anklang fand, obwohl die Coca aus den Yungas von La Paz von den Coca-Kauern immer als
»höhere Qualität« eingestuft wurde."
[Bascopé Aspiazu, René <1951, La Paz - 1984, La Paz>: Die weisse Ader : Coca und Kokain in Bolivien / Mit.einem Anhang von Joaquín Hinojosa. -- Zürich : Rotpunktverlag, ©1989. -- 136 S. : Ill. -- (Fracción mágica ; 15). -- ISBN 3-85869-047-3. -- Originaltitel: La veta blanca (1982). -- S. 38 - 40]
Vorstoß nach Paititi / Dokumentarfilm von Hans Ertl <1908, München - 2000, San Javier>. -- [Der Film schildert die Expedition zum Cerro Paititi in der Cordillera Real und die Entdeckung der dortigen Ruinen.]
Zur Expedition erschien 1956 ein Buch:
Ertl, Hans <1908, München - 2000, San Javier>: Paititi : Ein Spähtrupp in d. Vergangenheit d. Inkas im Rahmen d. Anden-Amazonas-Expedition 1954/55. -- München : Nymphenburger, 1956. -- 156 S. : Ill.
Wachstum des Bruttoinlandproduktes: 2,1%
Inflationsrate: 124,4%
Abb.: Lage der Okinawa-Siedlungen (©MS Encarta)
200 japanische Einwanderer roden 24000 Hektar Urwald uns
gründen die erste Colonia Okinawa. Bis 1962 folgen noch weitere solche
Siedlungen. 1998 sind die japanischen Bauern die viertgrößten
Sojaproduzenten Boliviens.
"Zu Gast bei den Japanern
Viele Wege und Pfade führen durch den Urwald, selbst wenn er aus der Vogelschau unbewohnt und menschenleer erscheint. Wer sich auf dem Boden dieses wogenden grünen Meeres zurechtfinden will, hat seine Wege gut zu kennen. Ein Verirren kommt zwar kaum in Frage. Aber sowohl zu Fuß als auch zu Pferd kann man sich ganz hübsch verrennen. Davon weiß wohl jeder Missionar ein Liedchen zu singen oder ein romantisches Geschichtchen zu erzählen; denn hierzulande kennt man keine Wegweiser. Der Einheimische weiß, woaus und woein. Ausflügler gibt es keine, und der Fremde muss sich eben seinen Weg erfragen.
Im Neuland der Japaner
Als sich im Jahre 1954 eine ganze Kolonie Ausländer auf einmal im Monte Grande niederließ, tauchte auch der erste Wegweiser auf. Genau auf halber Strecke von Puerto Céspedes nach Puerto Toledo, 50 Kilometer südlich von meinem Pfarrdorf El Fortín. In spanischen und japanischen Lettern geschrieben sollte er die Abzweigung zur neuen Kolonie Uruma angeben. Doch statt nach Uruma wies der Pfeil des Schildes genau in entgegengesetzte Richtung, zum Rio Grande, wohin gottlob von dieser Stelle aus nicht Weg noch Steg führte, so dass - trotz irreführenden Wegweisers — niemand die Richtung verfehlen konnte.
Mein Besuch bei den Japanern fiel in die Regenmonate, in die Zeit der großen Überschwemmung, als El Fortín Libertad und Madrecitas vom Wasser eingeschlossen waren. Jene Flutmulde, die das Wasser des Rio Grande aus dem Süden in mein Pfarrdorf leitet, breitet sich vor Uruma zu einem breiten Sumpf aus und der Weg führt mitten durch.
Gegen Abend langte ich mit meinem Begleiter vor dieser grauen Flut an, die sich hier quer durch den Wald wälzte, nordwärts in Richtung Madrecitas. Doch die einbrechende Nacht zwang uns, ungestüm draufloszureiten, mitten durch, wo wir den Weg vermuteten. Was andere zu Fuß oder auf schmächtigen Pferden fertigbrachten, muss auch uns mit unserem stolzen Schimmelpaar gelingen. Es gelang! Wir schafften es! Mochten auch Hose und Satteltaschen von Wasser triefen, als wir im Lager der schlitzäugigen Sonnensöhne eintrafen.
Wieder einmal betraten meine Füße Neuland. Diesmal sogar wirkliches Missionsland! Die japanischen Siedler waren erst vor wenigen Monaten aus ihrer alten Heimat im Fernen Osten abgereist und standen dem christlichen Glauben noch fremd gegenüber. Nur die Leitung und Verwaltung der Kolonie lag in Händen von katholischen Japanern, die schon seit Jahrzehnten in Bolivien ansässig waren. Dieser Umstand schien mir ein gutes Omen und der mögliche Schlüssel zum Erfolg zu sein.
Die Bewohner von Puerto Céspedes hatten mich bereits in diese Tatsache eingeweiht. Vor allem hatten sie mir eine gute Beziehung zum »Presidente« der Kolonie angeraten. Versteht sich, dass mein Weg vom Sumpf heraus direkt zu diesem Manne führte.
Beim Präsidenten der Kolonie
Nach einem flüchtigen Gruß an die ersten Japaner, war meine Frage: Wo wohnt der Präsident? Obgleich unter den Japanern von Uruma kaum ein spanisches Wort zu hören ist, verstanden doch alle sogleich meine Frage und wiesen mich in Richtung des äußersten, alleinstehenden Schuppens. In jener primitiven Hütte also sollte der Präsident wohnen? Ich schraubte meine Erwartungen sofort einige Stufen zurück. Hatte ich mir bisher einen herrschaftlichen Typ als Vorsteher dieser vierhundertköpfigen Kolonie erwartet, einen versierten Organisator, eine repräsentative Erscheinung mit einer dicken Export ä la Heuß oder Erhard im Munde, so erlebte ich nun gleich eine neue Überraschung: Als Präsident präsentierte sich mir ein unscheinbarer, schüchterner Japaner. In der Küche, beim Zubereiten des Abendessens, überraschte ich ihn. Die Hemdärmel hochgekrempelt, in einer Hand die Bratpfanne, in der anderen eine Gabel zum Umrühren der Speisen - so stellte sich mir der Präsident von Uruma vor.
Auch an den kommenden Tagen, wenn ich den Chef sprechen wollte, musste ich ihn fast immer in der Küche aufsuchen. Mit Büchern und Akten hatte er herzlich wenig zu tun. Repräsentative Verpflichtungen gab es anscheinend auch nicht zu erfüllen. So widmete er seine Aufmerksamkeit um so mehr dem leiblichen Wohl der Gäste, die sich in der Kolonie aufhielten. Zu seiner Anerkennung muss ich dankbarst gestehen: Was dem guten Präsidenten an äußerem Auftreten fehlte, das machte er durch sein leutseliges Wesen und sein herzliches Entgegenkommen reichlich wett. Er war ehrlich darum bemüht, dass es seinen Leuten an nichts fehlte, und dass jeder, der vorübergehend in Uruma zu tun hatte, sich dort wie zu Hause fühlen konnte.
Nach der Begrüßung des Chefs machte ich Bekanntschaft mit dem Sekretär der Siedlung. Auch er war ein alteingesessener, katholischer Japaner. Besonders herzlich empfing und begrüßte mich schließlich noch der Tropenarzt Dr. Torres, der zu dieser Zeit die Gesundheit der Japaner zu überwachen hatte.
Jose Akamini, der Leiter dieser japanischen Siedlung, wurde nicht müde, seiner Freude über meinen Besuch Ausdruck zu verleihen. Mit Stolz und Freude zugleich versicherte er mir: »Ich bin Katholik.« Als Beleg dieser Worte zeigte er mir ein kleines Kreuzchen, das er seit seinem Hochzeitstag, der zugleich sein Tauftag war, immer auf der Brust trug. Auf meine Frage, wie viele Katholiken es außer ihm noch in dieser Siedlung gäbe, antwortete er mir: »Wir sind alle Katholiken, alle, ohne Ausnahme.« Damit wollte er natürlich nicht sagen, dass all seine Landsleute schon getauft und praktizierende Christen seien, sondern nur seine eigene Absicht hervorheben, die ganze Kolonie dem katholischen Glauben zu gewinnen.
Wir feiern zum ersten Male Eucharistie
Bevor ich am nächsten Morgen die heilige Messe beginne, lasse ich durch den Siedlungsvorsteher erst noch in allen Räumen zum Gottesdienst einladen und schließlich auch noch die Glocke anschlagen, mit der sonst die Männer zu gemeinsamen Arbeiten und Versammlungen gerufen werden. Die Männer erscheinen fast vollzählig vor dem Altar. In der ersten Reihe sitzen der Präsident und sein Sekretär.
Der heiligen Messe schicke ich einige Worte voraus, die der Sekretär seinen Landsleuten in Japanisch wiedergibt: Zum ersten Mal feiert heute in Uruma ein katholischer Priester die heilige Messe. Der katholische Gottesdienst ist ein Opfer, das wir Gott im Himmel darbringen. Dieses Opfer ist überall auf der Welt dasselbe: In Südamerika dasselbe wie in Europa, in Uruma, eurer neuen Heimat, dasselbe wie in Japan, der alten Heimat, wo es ebenfalls Katholiken gibt. Dieser Hinweis, dass die katholische Kirche im Land der aufgehenden Sonne schon Fuß gefasst habe, nahmen sie mit besonderer Genugtuung auf, wie aus ihrer zustimmenden Bewegung zu entnehmen war.
Ich wies ferner auf die Äußerung eines führenden Japaners hin, eines Leiters der großen Umsiedlungsaktion, der erst vor wenigen Wochen bei Ankunft einer neuen Gruppe von Landsleuten erklärte hatte: Wir Japaner kommen in dieses gastliche Land nicht nur, um gute Bolivianer, sondern auch um stramme Katholiken zu werden. Auch zu dieser Bemerkung nickten die Japaner zustimmend mit dem Kopf. - Mit dieser kurzen Einleitung ließ ich es fürs erste bewenden und begann das heilige Opfer.
Während der heiligen Messe herrschte eine geradezu ungewöhnliche Stille und Ruhe um den Altar. Keiner der Zuhörer bewegte sich vom Fleck. Sie waren ganz Äug und Ohr für das neue, ungewohnte Geschehen, das sich ihnen darbot.
Nach der heiligen Messe versuchte ich einen kurzen Unterricht mit den anwesenden Männern. Außer den beiden Küchenmädchen des Präsidenten war kein einziges weibliches Wesen erschienen. Leider waren die spanischen Sprachkenntnisse meiner Zuhörer noch so gering, dass immer wieder der Dolmetscher aushelfen musste. Zum Glück konnten die meisten schon die spanischen Buchstaben lesen, und ich hatte zufällig eine große Anzahl kleiner Katechismen mitgebracht, so dass ich jedem von ihnen einen geschenkweise übergeben konnte. Auch meine Kalender mit dem Bild Unserer Lieben Frau von Fatima nahmen sie dankbarst entgegen.
An Hand des Katechismus übten wir zunächst das Kreuzzeichen ein, anschließend beteten wir mehrmals gemeinsam das Vaterunser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater. Den Abschluss bildete ein Marienlied, dessen Text ebenfalls im Katechismus stand: Salve, Salve cantaban ...
Am Abend versammelte sich das Männervolk nochmals zu einer kurzen Belehrung und Andacht. Diesmal beteten wir gemeinsam ein Geheimnis des Rosenkranzes. Auf Einladung des Präsidenten gingen wir sodann hinüber zum Waldrand, wo die ersten Toten der Kolonie ruhten. Auf jedem Grabhügel stand ein sauber geschnitztes Kreuz mit japanischer Inschrift. Zum erstenmal beteten nun die Japaner für ihre verstorbenen Angehörigen katholische Gebete. Da meine gelehrigen Schüler das »Salve, salve cantaban« schon sehr gut beherrschten, sangen wir dieses Muttergottes-Lied auch beim Gedenken für die Toten. Nachdem Gebet und Gesang verklungen waren, gab ich über alle Grabeshügel meinen priesterlichen Segen.
Niemand kennt den Virus der Zerstörung
Der nächste Morgen ist ein Sonntag. Nur wenige Männer weilen an diesem Tag in der Kolonie. Die meisten sind beim Morgengrauen zum Fischen an den Rio Grande geeilt. Bei der heiligen Messe gesellt sich diesmal zu den wenigen Männern eine stattliche Anzahl Frauen. Wiederum richte ich an meine Zuhörer einige Worte, und wiederum versuche ich den Leuten die ersten, wesentlichen Gebete beizubringen.
Über der ganzen Kolonie liegt an diesem Morgen eine eigentümliche, gedrückte Stimmung. In der Nacht hatte der Sanitäter den Arzt zu einer kranken Frau gerufen, bei der sich dieselben epidemischen Symptome zeigten wie bei den übrigen Japanern, die im Laufe der letzten Wochen in rascher Folge nacheinander verstorben waren. Schon in Puerto Céspedes wusste man mir einiges von dieser sonderbaren Krankheit zu erzählen. Auch Dr. Torres hatte mir bereits kurz nach meiner Ankunft näheren Aufschluss über diese Epidemie gegeben. Er nannte es ein Novum für die Medizin, was sich hier in Uruma zutrug: Die Leute erkranken an heftigen Kopfschmerzen. Der Puls beginnt schneller zu schlagen, immer schneller. Doch bei 120 und mehr Pulsschlägen pro Minute zeigt das Fieberthermometer nur 38 bis 39 Grad Fieber an. Erst wenn sich die Schmerzen vom Kopf in die Brust verlagern, wenn das Herz auf Hochtouren kommt und der Puls 160 Stöße pro Minute herunterhaspelt, wenn die Lungenflügel krampfhaft nach Luft schnappen, klettert auch die Fieberkurve hoch, doch nur in ganz seltenen Fällen bis 40 Grad. Bereits am zweiten Tag erreicht die Krankheit den kritischen Moment. Wer von den bisherigen Kranken den dritten Tag überstand, wurde gerettet und genas.
Als die ersten dieser epidemischen Fälle auftraten, schaffte man die Kranken noch bis Santa Cruz. Zwei Männer, die dort eine ärztliche Sonderbetreuung erfuhren und schließlich Heilung fanden, ließen ihre Frauen nachkommen. Während nun die beiden Patienten genasen, erkrankten ihre Frauen an der Epidemie und starben.
Als ein besonderes Kuriosum der Krankheit ist auch die Tatsache zu werten, dass ausschließlich Japaner von ihr befallen wurden, obgleich auch viele andere Leute - Weiße, Mestizen und Indios - in die Kolonie kamen und sich dort wochenlang aufhielten. Verschiedene Ärzte und Spezialisten waren in die Siedlung gerufen worden, um die Krankheit zu identifizieren und ihre Ursachen aufzudecken. Selbst aus den japanischen Kolonien Brasiliens rief man Ärzte herbei. Umsonst! Die Ärzte schickten Blutproben nach La Paz, um den Erreger festzustellen. Ohne Erfolg! Alle Befunde waren negativ. Man schickte Blutproben nach Sao Paulo und Buenos Aires. Umsonst! Man wandte sich schließlich an medizinische Institute der USA. Auch von dort kamen nur negative Antworten. Inzwischen griff die Epidemie immer weiter um sich. Über 100 Personen waren bis zu meinem Besuch erkrankt, elf waren gestorben, ohne dass der Krankheitserreger festgestellt werden konnte, ohne dass Aussicht bestand, dem Übel an seiner Wurzel beizukommen.
Die Umwohner der Kolonie in Puerto Céspedes und Puerto Toledo wussten natürlich ganz genau, wo der Krankheitskeim lag. Nur behauptete jeder von ihnen etwas anderes: Der Erreger kommt von den vielen Mäusen, die sich in den 100 Meter langen Strohhütten aufhalten und in allen Fugen und Ritzen nisten. Andere gaben den vielen Kaninchen die Schuld, die von den Japanern gezüchtet wurden. Wieder andere beschuldigten die vielen Hunde. Einer bestand darauf: Die Krankheit kommt von der unheimlichen Menge Fische, die diese Japaner vertilgen. Vielleicht fördert auch das viele Waten in Wasser und Sumpf die Seuche. Auch vom Essen trichinösen Schweinefleisches rumorten einige Alleswisser, die sich nie bis Uruma vorgewagt hatten.
Das herausfordernde Gemunkel der Umwohner führte in Uruma zum Todesurteil für die Mäuse. Die Stallhasen wurden dezimiert. Man rückte den Hunden zu Leibe. Man untersuchte und kontrollierte alle fleischliche Nahrung. Doch ohne Erfolg!
Es ist nicht zu leugnen, dass die hygienischen Verhältnisse aller Beschreibung spotteten. Daran konnte auch das Bemühen des Arztes nichts ändern. In drei strohgedeckten Baracken von etwa 100 Meter Länge waren über 400 Japaner untergebracht. Die Ursache der Epidemie lag sicher nicht an den vielen Kaninchen, die dort gemästet wurden. Aber vielleicht bestand einer der Gründe darin, dass die Menschen selbst wie Kaninchen zusammengepfercht wurden; denn damit war für die Epidemie der beste Nährboden geschaffen. Ein Kranker steckte den anderen an. Es war nur zu bewundern, dass zur Epidemie nicht eine Epidemie-Psychose kam. Sonst wäre nämlich die Kolonie schon nach den ersten Todesfällen aufgeflogen. Die gelbe Rasse reagiert anscheinend auch in dieser Hinsicht ganz anders als wir Weißen.
Als Dr. Torres an jenem Sonntagmorgen vom Besuch der kranken Frau zurückkam, machte selbst er einen bedrückten, niedergeschlagenen Eindruck. Er bezeichnete seine Patientin ganz unverhohlen als Todeskandidatin. Auf Grund der Erfahrung, die er in früheren Fällen gewonnen hatte, wusste er, dass sie kaum noch zu retten war.
Nach der heiligen Messe begleitete ich den Arzt zum Krankenlager der todgeweihten Japanerin. Die nächsten Angehörigen standen und saßen in geradezu apathischer, teilnahmsloser Weise umher. Fast schien es mir, dass auch sie die Hoffnung schon aufgegeben und ihre Gattin, bzw. Mutter abgeschrieben hatten. Der schlitzäugige Sanitäter gab der Kranken nochmals eine Injektion, obgleich der Arzt bereits die ersten Anzeichen der Auflösung feststellte und bisher sämtliche Arten von Medizinen nicht den geringsten Erfolg gezeigt hatten. Etwa eine Viertelstunde später, als wir uns zum Frühstück niederließen, brachte der Kolonie-Chef die Nachricht vom Verscheiden der Frau. Sie war das zwölfte Opfer der schrecklichen Epidemie, innerhalb weniger Wochen. Und noch wusste niemand, wie hoch der Tribut sein sollte, den die Krankheit fordern würde.
Die Flucht vor dem Tod
Bevor ich diese Kolonie verlasse, besuche ich nochmals den Friedhof. Mehrere Japaner sind damit beschäftigt, für ihre soeben verschiedene Landsmännin das Grab auszuheben. Wie mag es ihnen zumute gewesen sein! Wenige Monate erst wohnten sie in dieser neuen Heimat. Mit hohen Erwartungen waren sie von Okinawa abgereist. In Bolivien hofften sie ihr Leben und ihre Schaffenskraft voll entfalten zu können. Doch hier wartete der Tod auf sie. Ein volles Dutzend war nur zum Sterben nach Uruma gekommen.
Mit stoischer Ruhe und Gelassenheit haben sie bisher alles über sich ergehen lassen. Stumpf und ohne aufzubegehren haben sie ihr schweres Schicksal ertragen. Aber wie lange noch sollten diese Verhältnisse ertragbar sein und sollte dieses junge Volk dem Würg-Engel preisgegeben werden!
Der Untergang der Kolonie war nicht mehr aufzuhalten. Schon in den nächsten Tagen stieg die Zahl der Todesopfer weiter an. Dazu kam eine neue Überschwemmungskatastrophe, die den Zugang zur japanischen Siedlung fast unmöglich machte. Der Sumpf konnte schließlich nur noch schwimmend durchquert werden. War die Kolonie schon unter normalen Verhältnissen schwer erreichbar, so blieb sie nun von der Umwelt fast ganz abgeschnitten. Damit war das Schicksal der Kolonie endgültig besiegelt. Rasch nahten nun Ende und Auflösung Urumas. Etwa zwei Monate nach meinem Besuch erfuhr ich, dass alle Japaner auf die andere Seite des Rio Grande umgesiedelt wurden.
All meine Hoffnungen, die ich an diese Kolonie geknüpft hatte, waren damit zunichte. Mit Uruma verlor meine Pfarrei ihre größte Ansiedlung. Kein Dorf des Monte Grande konnte damals so viele Einwohner aufweisen wie die japanische Kolonie. Außerdem waren diese ersten 400 Siedler nur als Vorkommando und erster Anfang eines großen Siedlungsprojektes gedacht. Ihr Abzug bedeutete zum mindesten für Jahre das Ende aller Kolonisationsversuche innerhalb unseres Vikariates.
Erinnerungen an Uruma
Monate später kam der ehemalige Koloniearzt zu Malariastudien in mein Pfarrdorf. Wir frischten nochmals unsere Erinnerungen an Uruma auf. Wiederum galt unser Gespräch vor allem der seltsamen Epidemie, die zur Auflösung der Kolonie geführt hatte. Dr. Torres konnte es immer noch nicht fassen, dass trotz all seiner Bemühungen 18 Japaner der Epidemie erlagen und über 300 von ihr befallen wurden. Erst in den Wochen der Auflösung wurde von einer nordamerikanischen Ärztekommission in den Blutproben ein Virus gefunden. Leider viel zu spät; denn den Kranken und Sterbenden konnte nicht mehr geholfen werden. Dr. Torres hat in einer Fachzeitschrift alle Phasen und Symptome der Epidemie festgehalten, für den Fall, dass in späteren Jahren oder in anderen Gegenden die Krankheit neu auftrete.
Auch dem Ex-Präsidenten von Uruma bin ich später noch des öfteren begegnet. Wie ehedem, so schlägt er sich auch jetzt wieder auf eigene Faust durchs Leben, als armer unbeachteter Kolonist, der irgendwo seine Scholle bearbeitet. Auch von den übrigen Japanern, die vordem in meiner Pfarrei gewohnt haben und nun über den weiten Osten Boliviens verstreut leben, konnte ich später noch so manchen treffen. Einige von ihnen trugen bereits ein Silberkreuzchen auf der Brust. Eines der ehemaligen Küchenmädchen wusste mir sogar noch die Melodie des Marienliedes vorzusummen, so gut hatte sie es ihrem Gedächtnis eingeprägt.
Als ich bei späterer Gelegenheit wiederum den Süden meiner Pfarrei, entlang des Rio Grande, aufsuchte, stand der Wegweiser zur japanischen Kolonie noch immer an seiner Stelle. Irgend jemand hatte ihn inzwischen umgedreht. Die japanischen Schriftzeichen, die ohnehin niemand entziffern und verstehen konnte, standen nun auf dem Kopf. Doch der Pfeil zeigte jetzt in jene Richtung, wo einst Uruma lag."
[Bösl, Antonio Eduardo <OFM> <1925, Hirschau - 2000, Concepción>: Bolivien Report I : Erlebnisberichte und Situationsbilder aus einer Franziskaner-Mission in Boliviens Urwald. -- München : Franziskaner Missions-Verein in Bayern, [1976]. -- S. 109 - 116]
Einwanderung Deutsch sprechender Mennoniten aus dem paraguayanischen Chaco , aus Ostparaguay, aus den kanadischen Provinzen Sakatchewan, Manitoba und Alberta und aus Mexiko.
Gründung folgender Kolonien im Umkreis von Santa Cruz de la Sierra (mit Gründungsjahr und Einwohnerzahl 1972):
Tres Palmas (1954, 12 Einwohner, Chaco-Mennoniten)
Canadiense (1957, 4 Dörfer, 380 Einwohner, Chaco-Mennoniten)
Bergthal (1963; 4 Dörfer, 350 Einwohner, kanadische Mennoniten)
Reinland (1964; 5 Dörfer, 300 Einwohner, Chaco-Mennoniten, kanadische Mennoniten)
Riva Palacio (1967; 27 Dörfer, 2400 Einwohner, mexikanische Mennoniten)
Swift (1968, 6 Dörfer, 800 Einwohner, mexikanische Mennoniten)
Sommerfeld (1968; 2 Dörfer, 270 Einwohner, mexikanische Mennoniten)
Paurito (1968; 4 Dörfer, 500 Einwohner, mexikanische Mennoniten)
Las Piedras (1968,; 4 Dörfer, 600 Einwohner, kanadische Mennoniten).
Abb.: Lage von Paurito, Canadiense und Las Piedras (©MS Encarta)
Das evangelikale Summer Institute of Linguistics (SIL) = Instituto Lingüístico de Verano (ILV) [Webpräsenz:
http://www.sil.org/. -- Zugriff am 2002-20-09] beginnt seine Tätigkeit in Bolivien.
"Instituto Lingüístico de VeranoW. C. Mitchel, fundador en 1932 de los Wicliffe Bible Translators' creó en 1934 el 'Summer Institute of Linguistics' (SIL) o 'Instituto Lingüístico de Verano' (ILV) (1934) con la tarea específica de estudiar las lenguas indígenas como paso previo para la traducción de la Biblia, al servicio de instituciones del Protestantismo fundamentalista (p. ej. la 'South American Indian Mission o la 'Schweizer Indian Mission'). Llegó al país en 1954; el Gobierno lo reconoció en 1958 y le concedió personería jurídica en 1960. Construyó su centro de operaciones en la hermosa 'Isla de los Motacuses', en Tumi Chucua (cerca de Riberalta). Estudió la lengua de los Chácobo, Baure e Ignaciano; posteriormente se ocupó del Ese Ejja, Leco, Chimane, Itonama, Itenes, Takana y Cavineña; finalmente, de los Chipaya, Qhishwa, Yukí, etc.;
los resultados preliminares de la investigación lingüística aparecieron en las Notas Lingüísticas de Bolivia (12 nos. entre 1959 y 1983). También trabajó en programas de alfabetización, capacitación técnica, y adiestramiento de líderes indígenas; en 1985 había instalado postas sanitarias en 14 aldeas, con auxiliares de enfermería y promotores de salud, capacitado 53 maestros bilingües y 37 radiotécnicos. Su logro más importante fue la formación de líderes autóctonos; pero su cuestionada labor evangelizadora (que acabó en su expulsión) se caracterizó por una fuerte tendencia étnicamente desestructuradora. Al margen de sus propósitos religiosos, dejó una copiosa producción bibliográfica de unos 550 títulos, con la salvedad de que la parte 'informal' inédita (de importancia esencial para evaluar su labor) sólo circuló en círculos académicos y religiosos restringidos. Según su propia catalogación de 1995, alcanzó un total de 543 entradas, divididas en tres grupos: Publicaciones Vernaculares (131 entradas sobre 19 lenguas, incluidas el qhishwa central y el norteño, el aymara y el español); Bibliografía Técnica (121 obras generales y sobre 18 lenguas (incluido el qhishwa de Ayak'uchu, el español y el tzeltal o maya por su relación con el Chipaya); y Trabajos Inéditos (293 entradas, divididas en obras generales y sobre 18 lenguas, incluido el aymara y el qhishwa). En el Museo Nacional de Etnografía y Folclore está depositado un juego de microfichas con una parte importante de esos materiales."
[Luis Oporto Ordóñez. -- In: Diccionario histórico de Bolivia / redactado bajo la dirección de Josep M. Barnadas con la colaboración de Guillermo Calvo y Juan Ticlla. -- Sucre : Grupo de Estudios Históricos, ©2002. -- 2 Bde : 1152, 1217 S : 23 Karten. -- ISBN 84-8370-277-0. -- Bd. 1, S. 1089]
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Key, Mary R. 1960.
The phonemic pattern of Bolivian Chama
Prost, Gilbert R. 1960. Fonemas de la lengua chácobo. 1961
Liccardi, Millicent R. and Joseph E. Grimes. 1961. Entonación y fonemas del itonama. Key, Harold. 1961. "Phonotactics of Cayuvava." Priest, Perry N., Anne Priest, and Joseph E. Grimes. 1961. "Simultaneous orderings in Sirionó (Guaraní)." Rosbottom, Harry. 1961. "Different-level tense markers in Guaraní." 1962
Judy, Robert A. and Judith Judy. 1962. Fonemas del movima, con atención especial a la serie glotal. Judy, Robert A. and Judith Judy. 1962. Movima y castellano. Key, Harold. 1962.
Fonotácticas del cayuvava. Key, Mary R. 1962. "Gestures and responses: A preliminary study among some Indian tribes of Bolivia." Prost, Gilbert R. 1962. "Signaling of transitive and intransitive in Chacobo (Pano)." Van Wynen, Donald and Mabel Van Wynen, compilers. 1962. Tacana y castellano. Van Wynen, Donald and Mabel Van Wynen. 1962. Fonemas tacana y modelos de acentuación. Wyma, Richard and Lucille Wyma, compilers. 1962. Ese'ejja y castellano. 1963
Key, Harold. 1963.
Morphology of Cayuvava. Key, Mary R. 1963.
Comparative phonology of the Tacanan languages. Key, Mary R. 1963. "Music of the Sirionó (Guaranian)." Key, Mary R., compiler. 1963. Cavineña y castellano. 1964
Baptista, Priscilla M. and Ruth Wallin. 1964. Fonemas del baure, con atención especial a la supresión de la vocal. Jackson, Evangelyn. 1964. "Native toys of the Guarayu Indians." Key, Mary R. 1964. "Resin-glazed pottery in Bolivia." Key, Mary R. 1964. "Gestures and responses in some Indian tribes." Olson, Ronald D. 1964. "Mayan affinities with Chipaya of Bolivia I: Correspondences." Priest, Anne. 1964. "Method of naming among the Sirionó Indians." Shoemaker, Nola. 1964. "Toys of Chama (Ese'ejja) Indian children." 1965
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http://www.ethnologue.com/show_country_bibl.asp?name=Bolivia. -- Zugriff am 2002-10-09. -- Dort auch vollständige bibliographische Angaben]
Norden, Peter: Im Schatten der Anden : Bolivien gestern und heute. -- Zürich : Büchergilde Gutenberg, ©1957. -- 255 S. : Ill
Abb.: Koka kauender Indio (Abb. aus dem genannten Buch, S. 152)
Urquidi Gómez, Guillermo <1880, Cochabamba - 1958, Cochabamba>: Monografía del
departamento de Cochabamba. -- Cochabamba : Municipalidad, 1954. -- 366 S. :
Ill. -- [Zu allen natürlichen Gegebenheiten des Departamento Cochabamba]
"El suelo cochabambino
Cualquiera que sea el origen de la formación geológica de esta
parte de América, a cuyo respecto existen varias teorías, que ya se han
expuesto fragmentariamente en los capítulos precedentes, en cuanto a la
estructura del suelo cochabambino, todos los autores están conformes en
considerar que un magnifico aluvión compuesto de margas, arena fina y arcilla con
muy pocos guijarros, o sea el loess, constituye el suelo de la planicie de los
valles de Cochabamba, Sacaba, Cliza, Punata, parte de Arani y Tárala, talvez
Mizque, Caraza y Capinota, conteniendo muy poca caliza, bastantes fosfatos,
nitratos, sales de hierro y alumina; lo que explica la fertilidad del terreno, en
grado comparable con el tchernozam de la Rusia, o sean tlierras superficiales
de labor considerablemenle fértiles, y que en ciertas regiones conocidas con
el nombré de "maicas" en locuciones o morismas locales, son de exlraordinaria
feracidad." [a.a.O., S. 101]
Beginn des Baumwollanbaus im großen Maß in den
Ebenen. Nach einem Boom bis ca. 1975 geht der Baumwollanbau drastisch zurück.
Abb.: Potentielle Baumwollanbaugebiete Boliviens
[Vorlage der Karte: Romero Loza, José <1909 - >:
Algodón en Bolivia. -- 2. ed. -- Cochabamba [u.a.] : Los Amigos del Libro,
1978. -- Depósito legal 66/78. -- S. 30]
Der Servicio Agrícola Inamericano (SAI) errichtet in
Santa Cruz den ersten Landwirtschaftsmaschinenpool, diese
Maschinenpools werden entscheidend für die Entwicklung des Zuckerrohranbaus.
Gründung des Partido Social Cristiano (später: Partido Democrata Cristiano (PDC)):
Mario Eguivar
Hugo Escóbar
Wachstum des Bruttoinlandproduktes: 5,3%
Inflationsrate: 80%
Leytón Zamora, Raúl <1904, Villa Abecia - 2001, Sucre>: Placer : cuentos. -- La Paz : Canat, 1955. -- 247 S.. -- [Enthält folgende Erzählungen: lacer.--Matrimonios.--La mujer imposible.--Colegiales.--Navidad.--La diblada.--Indio,"bruto".--Fusilado.--Enajenada.--Perdidos.--La luz.--Se pervirtieron.--Mutilados.--La carpa de los aislados.]
"Leytón Z., Raúl
* 28.8.1904 in Cinti/Chuquisaca. Priester. Leyton nahm als Feldgeistlicher am Chaco-Krieg teil. Seine Erlebnisse verarbeitet er teilweise in dem erst 1956 erschienenen Erzählband Placer. Die bekannteste, auch ins Deutsche übertragene Erzählung ist ¡Indio bruto! Leyton schildert dort die Kriegserfahrungen eines Indio, der in eine ihm fremde Welt gerät. Des Spanischen unkundig, kann er sich nicht verständigen und wird von allen herumgestoßen. Er geht elend zugrunde, da er aus Unwissenheit Benzin trinkt. Beeindruckend ist Leytonss Einfühlungsvermögen in die Gefühlswelt des Indio und sein Appell zur Nächstenliebe, eine Konstante in seinen Schriften. In Alco Rancho (1966) erzählt er kleine Episoden aus den Armen- und Arbeitervierteln. Jede Geschichte ist durchdrungen von einer massiven Kritik an den Missständen des herrschenden sozialen Systems und von dem Bemühen, auf christlicher Basis Lösungen anzubieten."[Wolfgang Schupp. -- In: Autorenlexikon Lateinamerika / hrsgg. von Dieter Reichardt. -- Frankfurt : Suhrkamp, ©1992. -- ISBN 3518404857. -- S. 143. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]
Raúl Leytón Zamora: DER VERDAMMTE INDIO [¡Indio bruto!]
"Friedlich geht der Nachmittag auf dem Schlachtfeld im Chaco zu Ende. Kein Schuss durchbricht das Schweigen. Es herrscht Stille ...
Man sagt, dass die Augen ein Spiegelbild der Seele sind. Der Blick des Indio jedoch, der nachdenklich und verlassen in seinem Schützengraben die Stunden verbringt, ist voller Rätsel.
Was denkt er inmitten des Schweigens, das ihn umgibt? Wovon nährt sich sein Geist?
Er offenbart sich niemandem. Er misstraut der ganzen Welt, weil ihn alle schlecht behandeln.
Der Unteroffizier taucht neben ihm auf, spricht zu ihm; aber er versteht ihn nicht. Er befiehlt ihm etwas, und er macht das Gegenteil. Dann wieder findet er es besser, gar nichts zu tun. Der Unteroffizier wird wütend; er versetzt ihm einen Fußtritt und verschwindet fluchend in dem Verbindungsgraben.
»Wo bin ich?« fragt sich der Indio.
Im Chaco! Unendlich weit entfernt von seinen Feldern, von seinem traurigen rancho, von dem er nichts hört. Er bekommt keine Briefe. Wer sollte ihm auch schreiben? Noch nie war eine Bleistiftspitze in sein Haus gelangt.
Man hat ihm gesagt, dass dort vorne der Feind durch das Dickicht des Urwaldes dringen kann.
Was für ein Feind?
Der pila!
Und wer ist das? Warum ist er ein Feind? Er kann es sich nicht erklären. Er weiß nur, dass er ihn, wenn er auftaucht, töten muss, um nicht selber getötet zu werden.
Aber ... töten ... sterben ... Er bekommt Angst und beginnt zu zittern. Er betrachtet sein Gewehr, das auf einem Baumstumpf der Stellung liegt. Es ist das verhassteste Instrument, das er je gekannt hat. Es nimmt ihm die Sicht und vertreibt seine Gedanken. Seine Felder werden jetzt grün sein. Wer weiß, ob es in dieser Höhe jemals regnet.
Am liebsten würde er nach Hause zurückkehren, ganz allein weggehen ... in einem Monat, in einem Jahr, das spielt keine Rolle. Aber er kennt den Weg nicht. Er ist verloren, körperlich verloren. Der llano ist gewaltig, unendlich. Überall Dickicht, überall. Wenn es wenigstens einen Hügel, einige Felsen gäbe, um hinaufzuklettern, die Sierra zu überblicken und die Richtung ausfindig zu machen. Die anderen Soldaten haben stets coca und Wasser bei sich. Bei ihm hält alles nur einen Augenblick lang vor.
Manchmal rauchen sie auch oder trinken Schnaps. Sie bekommen Briefe und Pakete, sie lesen, sprechen, lachen, singen, fluchen, weinen. Er lacht nie. Einmal wollte er singen, aber die Stimme blieb ihm in der Kehle stecken. Er kann auch nicht weinen. Er hat nicht einmal das Recht, durch irgendeine Geste seinen Unwillen kundzutun. Er weiß nicht, wie er seinen Qualen freien Lauf lassen soll. Ganz allein empfindet er die Last seines Schmerzes, der größer ist als ein Berg.
Die Verpflegung wird an die Truppe ausgegeben.
Der Indio isst wie ein Tier. Essen ist seine einzige Befriedigung; er hat Freude am Essen. Als noch Frieden herrschte, aß er wenig, und das wenige genügte ihm. Seltsam, hier draußen an der Front isst er viel mehr und wird doch nicht satt. Des Nachts eröffnet der Feind das Feuer. Die Maschinengewehre lassen ihre nicht endenden Schüsse wie ein verrücktes Gelächter ertönen. Die Kanonen hallen wider, der Urwald zittert.
Der Indio kauert in dem Schützengraben. Er will überhaupt nicht wissen, was geschieht. Die Geschosse pfeifen über seinen Kopf, dringen in die zur Abwehr aufgestellten Baumstümpfe und kommen in der aufgewühlten Erde zur Ruhe. Der Lauf seines Gewehres zeigt gen Himmel, und er schießt in die Wolken ...
Die Müdigkeit ist stärker als er ... Er schläft ein ...
Jemand stolpert über seinen Körper! Das Feuergefecht ist noch immer lebhaft im Gange. Der Kampf erschüttert ihn ...
In der Dunkelheit der Nacht erkennt er ein Gewehr, das auf ihn gerichtet ist ... Ein pila! Nur einen Schritt von ihm entfernt! Welcher Schreck!
Man hat ihm gesagt, dass die pilas ihre Feinde köpfen, ihnen die Gliedmaßen zerstückeln und die Augen ausreißen . .. Der Unglückliche kniet nieder und hebt die Arme hoch . . .
Er spürt, dass man ihn an den Ohren fortzieht. Zwei kräftige Arme heben seinen eingeschlafenen Körper empor.
»Du verdammter Indio«, ertönt eine Stimme. Er erkennt sie. Es ist die Stimme des Unteroffiziers, der ihn hin- und herschüttelt und ihm befiehlt, zu schießen.
Eines guten Tages erfährt er, dass der Feldkaplan in der Stellung beim Oberbefehlshaber des Bataillons ist, um den Soldaten die Beichte abzunehmen.
Der tata! Ein Hoffnungsschimmer belebt die halb erstorbene Seele des Indio, aber plötzlich ist da wieder der Zweifel, das Misstrauen.
Vielleicht ist es gar nicht so unnütz, vielleicht kann ihn der Priester aus der Hölle holen, in der er lebt. Er wird ihm sagen, dass er krank ist, dass man ihn gewaltsam hierher gebracht hat ... Was kann er ihm sonst noch berichten? Dass sein Vieh verlassen zurückgeblieben ist und seine Felder brach daliegen, dass es niemanden gibt, der seine Saatfelder abernten kann.
Er scheint sich nicht an seine Eltern, seine Frau und seine kleinen Kinder zu erinnern. Er fühlt sich mehr der Erde und den Tieren, als seinesgleichen verbunden. Vielleicht weil ihm die Erde und die Tiere, im Gegensatz zu den Menschen, kein Leid zugefügt haben.
Er versucht es... und kommt verzweifelt zurück. Der Pater hat ihn nicht verstanden, oder konnte er seine gerechtfertigten Bitten nicht erfüllen? Er schlägt einen anderen Weg ein. Er wagt es, sich beim Regimentsarzt zu melden.
»Ingirmu is!« »Aber was hast du?«
Er spricht ein Wort aus, das sich ihm, wie durch ein Wunder, in das Gedächtnis eingegraben hat.
»Auitaminusis!«
Er hat Angst. Sein Körper ist ganz steif. »Auita minusis!« lispelt er kaum hörbar. »Ach so. Avitaminosis«, lobt der Arzt und lächelt. »Und was tut dir weh?«
»Pichu doili, cauiza, ispalda doili.«
Der Doktor lässt ihn, ohne ein Wort zu sagen, stehen. Er beginnt, einen anderen Kranken zu untersuchen. Der Indio bleibt unschlüssig stehen. Er lässt sich am Fuße eines Baumes nieder. Man schüttet das Essen in seinen Blechnapf. Er isst mit Appetit. Man gibt ihm noch mehr. Er isst gierig. Und wenn sie ihm zehnmal den Napf füllten, er würde ihn jedesmal leeren. Wenig später kommt ein Sanitäter auf ihn zu.
»Der Doktor hat gesagt, du sollst zu deiner Einheit zurückgehen. Du hast nur pilitis ...«
»Ingirmu is«, antwortet er und bleibt unbeweglich sitzen. Da kommen noch zwei andere Männer hinzu. »Also, machen wir uns auf den Weg.« Sie schütteln und schlagen ihn voller Gewalt. Der Indio bewegt sich nicht. »Ingirmu is!«
Sie entdecken eine Möglichkeit, ihn loszuwerden. Als es Zeit ist, das Abendessen auszuteilen, bekommt er nicht einmal einen Knochen.
»Er soll bei seiner Einheit essen!«
An der Front. Der Feind stößt kräftig vor. In einem Augenblick, da die Waffen schweigen, erhalten die Soldaten den Befehl, ihre Stellungen zu räumen; sie schleichen über die Pfade, sie erreichen den Felsweg. Dort wird reichlich Munition ausgegeben. Die Hitze ist entsetzlich, und der Durst grauenvoll. Sie müssen weitermarschieren. Zum Glück geht die Sonne schon unter.
Es geht das Gerücht um, dass die pilas die Wege abgeschnitten hätten, dass es keinerlei Verbindung mehr zu der Nachhut gäbe, dass eine ganze Division zurückgeblieben sei — man muss weiterlaufen, gleich wie, immer auf das Walddickicht zu — und dass, als Höhepunkt allen Unglücks, die Wasserstelle unter paraguayischem Feuerbeschuss läge.
Der Indio läuft, ohne nachzudenken, neben den anderen her. Er bemerkt nicht, wie ernst die Lage ist, in der sich alle befinden.
Sie gehen den Felsweg entlang. Sie stoßen auf das ehemalige Versorgungslager. Das dafür verantwortliche Personal war geflohen und hatte, da es wahrscheinlich nicht mehr genügend Fahrzeuge gab, ziemlich viele Lebensmittel zurückgelassen.
Eine gute Gelegenheit. Die Soldaten können sie nicht ungenutzt lassen. In den teils offenen, teils noch verschlossenen Säcken finden sie alles: Reis, Bohnen, Mais, Weizen, Schrot, Zucker ...
Der Indio, der die Ängste und Qualen des Lebens auf dem Lande kennt, versteht nicht, wie man so viele Sachen verschwenden kann.
Welchen Nutzen hat hingegen die Munition für ihn? Sie ist ein überflüssiges, lästiges Gewicht. Er wirft alle Patronen fort. Niemand hat es gesehen. Dann stopft er in den nun leeren Rucksack genügend Vorräte.
Weiter vorne legt die Truppe eine Ruhepause ein. Ein Soldat zündet ein Feuer an. Er hat Wasser. In seiner Blechbüchse bereitet er sein Essen vor. Der Glückliche! Aber dann kommt ein Leutnant mit seinem Feldposten vorbei und mahnt zur Eile. Man darf keine Zeit verlieren.
Sie gehen über ein Stoppelfeld. Dieses Gebiet liegt bereits im feindlichen Feuerbereich. Man muss sehr vorsichtig sein. Der Indio sieht, wie sich seine Gefährten ducken.
Plötzlich hageln Kugeln auf sie nieder. Hat man sie entdeckt? Alle werfen sich auf den Boden. Nur der Dummkopf bleibt unbeweglich und verblüfft stehen.
Dann schweigt die brudermörderische Musik. Vorsichtig gehen die Soldaten weiter. Einige kriechen sogar. Wieder wird das Feuer eröffnet. Einer fällt heulend vor Schmerzen nieder.
Erst jetzt legt sich der Indio hin, klammert sich an den Boden, kratzt die Erde auf. Wenn er sich nur eingraben könnte!
Er lässt mehrere Minuten verstreichen. Seine Gefährten sind nirgends mehr zu sehen. Sie haben sich alle davongeschlichen. Das Feuergeplänkel ist schon seit einer geraumen Weile verstummt. Aber der Feigling wagt es nicht, aufzustehen. Er bleibt liegen und schließt die Augen.
Er bemerkt, dass der Verwundete nicht mehr schreit. Er kriecht zu ihm hin. Er atmet noch. Er hebt seine Feldflasche hoch. Sie ist mit Blut und Erde verschmiert. Er bindet sie los, und dann beginnt der »Wortkarge vom altiflano«. maßlos zu trinken, bis zum letzten Tropfen.
Einige Männer kommen vorbei. Wenn das nun pilas sind! Nein, es sind Bolivianer. Der Indio schließt sich ihnen an.
Der Lärm eines gewaltigen Feuergefechts ertönt. Aber es ist weit entfernt.
Die Nacht ist klar. Es ist Vollmond. Sie erreichen den Rand des Waldes und verlieren sich im Dickicht. Sie marschieren, bis sie der Schlaf und die Müdigkeit überwältigen.
Bei Tagesanbruch weckt sie der Sergeant aus Santa Cruz und zwingt sie, weiterzugehen. Man muss befürchten, dass der Feind eilig darum bemüht ist, ihnen den Rückzug abzuschneiden.
Die Zweige und Dornen zerfetzen ihre Kleider.
Sie kommen auf einen engen, erst vor kurzem gehauenen Pfad. Sie folgen seinem Lauf.
Die Sonne steht hoch am Himmel. Sie brennt. Der Durst trocknet die Kehlen aus. Sie treffen viele Soldaten und auch mehrere Lastwagen. Viele bieten ihnen Geld an, um einige Schlucke von der begehrten Flüssigkeit trinken zu dürfen.
Die Pioniere sind trotz der Hitze gezwungen, den Weg ins Dickicht weiterzuhauen. Währenddessen ruhen sich die Offiziere und die Truppe aus.
Es heißt, man würde bald zu einer Wasserstelle kommen. Bei dieser Nachricht wollen alle Soldaten sofort weitergehen.
Aber es kommt der Befehl, dass sie hinter den schweren Fahrzeugen marschieren sollen. Die Angst vor dem Durst macht sie ungehorsam. Sie können nicht warten und stürzen davon.
Ein Offizier schreit: »Halt!«
Sie hören nicht auf ihn. Ein anderer springt mit dem Revolver in der Hand hinzu und befiehlt:
»Halbe Drehung, kehrt!«
Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als einige Caraguata-Pflanzen zu suchen, um aus ihren Wurzeln ein paar Tropfen ihrer geschmacklosen Flüssigkeit herauszupressen.
Die Lastwagen setzen sich wieder in Bewegung. Der Weg ist eng. Die Karosserien quietschen, fahren holpernd über die Baumstämme, verlieren ihre Ladung. Ein Wagen geht in Flammen auf, weil sein Motor, dessen Kühler kein Wasser mehr hat, überhitzt ist. Einige Reifen platzen, und da man nicht mehr mit Ersatzteilen rechnen kann, schleppen sich die Fahrzeuge weiter, so gut es eben geht.
Die Schwerverwundeten zittern bei jedem Stoß vor Schmerzen. Irgendeiner schreit und bittet die anderen, ihn doch endlich zu töten.
Der Indio hat das Gefühl, als wäre seine Zunge so hart wie ein Brett. Er atmet schwer. Seine Augen brennen. Er macht eine Bewegung, als wollte er etwas Spucke sammeln. Aber in seinem Mund und in seiner Kehle scheint nur Feuer zu sein.
Ein Soldat, ein Indio wie er, beginnt durchzudrehen. Er rast, tobt wie ein tollwütiger Hund mit weißem Schaum vor dem Mund und fällt dann erschöpft, von epileptischen Anfällen geschüttelt, lang auf den Boden.
Zwei Soldaten gehen achtlos über seinen Körper. Ein dritter fühlt sich noch kräftig genug, um ihm zu helfen. Er bindet ihm die Wolldecke los, wickelt ihn darin ein und lässt ihn im Schatten, am Fuße eines Baumes zurück.
Wieder ist einer am Ende seiner Kraft. Ohne ein Wort zu sagen, verlässt er die Gruppe. Er verliert sich im Dickicht . . . Alle hören den Schuss ganz in der Nähe. Einige laufen dorthin und stellen fest, dass er tot ist. Er hat Selbstmord begangen.
Der Indio zittert. Er weiß nicht mehr, ob er steht oder geht.
Er sieht, dass die anderen sich entfernen. Er schreit und ruft: »Auita! Auita!«
Einige Soldaten kommen an ihm vorbei. Einer tritt auf ihn zu. Er löst die Flasche, die an seinem Gürtel hängt, und gibt ihm etwas Wasser.
»Trink!«
Er kehrt zum Leben zurück. Er spricht mit seinem Retter, obwohl er bemerkt, dass dieser ihn nicht versteht. Er nimmt seine Kappe ab. Schwenkt sie in der Hand hin und her und streckt seine Arme aus. Schüchtern berührt er die Schultern des ändern — eine Karikatur von etwas sehr Bekanntem — und spürt zum erstenmal, dass seine Augen feucht werden, und sich mit Tränen füllen.
Nach unendlich vielen durchstandenen Mühen erreicht sein Regiment endlich das Fort ... Der Indio weiß nicht, um welches Fort es sich handelt. Es interessiert ihn auch nicht. Die Truppen von zwei anderen Divisionen sind ebenfalls da. Viele Soldaten haben das Glück, sich hier, nach langer Zeit, wiederzusehen. Sie erkennen sich, umarmen sich, berichten lebhaft von den Gefahren und Bitternissen des Soldatenlebens. Einige — die vielleicht den nahen Tod ahnen — sitzen lange eng zusammen und mischen ihre Tränen miteinander. Sie weinen ohne Scham.
Sein Bataillon ändert die Stellung. Zu Fuß legt die Truppe einen Marsch von ein ... zwei ... drei Tagen zurück. Drei langen Tagen. Als sie an einer estancia vorbeikommen, sieht er Ziegen, in ein Gehege gepfercht, hört er einige Hühner gackern. Ein Hund streicht, ohne zu bellen, an ihnen vorbei. Die Behausung aus senkrecht nebeneinanderstehenden trockenen Pfählen besitzt nicht einmal einen Stein zum Mahlen, nicht einmal eine armselige, rußige Scherbe. Auch das Dickicht hat sich nicht verändert. Es ist wie überall, dornig, trocken, hoffnungslos. Das kleine Stück Himmel, die drückende Hitze ... Trotz alledem empfindet der Indio, der unter Heimweh leidet, in seinem Innern eine gewisse Freude. Er denkt gewiss, dass er jetzt in ein Gebiet des Friedens, in seine Heimat kommt: zum altiplano und zu den Anden.
Endlich scheinen sich die Offiziere davon überzeugt zu haben, dass eine Rasse, die mehr als vier Jahrhunderte lang unter der erniedrigendsten Knechtschaft gelitten hat, für den Krieg untauglich ist.
Der Indio und alle anderen seinesgleichen tragen nun keine Gewehre mehr. Man hat sie gegen Pionierwerkzeuge ausgetauscht.
Sie legen Schützengräben an, fällen und verladen Baumstümpfe; sie hauen Wege, errichten Unterstände und Feldschanzen. Man bringt sie bald hier-, bald dorthin. Man gibt ihnen keine Kleidung, sie tragen nur Lumpen. An der Front ist wenigstens die Verpflegung besser oder zumindest ausreichend.
Die Moskitos saugen ihnen das Leben aus. Der Indio ist immer damit beschäftigt, sich ungeschickt die Füße, den Kopf und die Hände zu kratzen. Die Insektenstiche entzünden sich. Sein ganzer Körper wird zu einer einzigen Wunde. Der Sanitäter reibt ihn mit einer grünlichen Salbe ein.
Er verliert allmählich den Appetit. Aber der Durst bleibt. Er hat Durst, sobald er aufwacht, und kann ihn nie stillen, wieviel er auch trinkt.
Eines Tages, als sie unterwegs sind, kommen sie an einem Posten vorbei, an dem das Benzin an die Chauffeure ausgegeben wird. Aus einem großen Tank fallen ständig einige Tropfen in eine Blechbüchse.
»Was für klares Wasser!« denkt der unglückliche Indio. Er hält seinen schmutzigen Blechnapf hin, und fängt geduldig einige Tropfen auf.
Man warnt ihn davor, dass dies kein Wasser sei. Er aber glaubt, man wolle ihn belügen. »Vielleicht ist es Schnaps«, denkt er. Er setzt das Gefäß an seine Lippen. Ein kleiner Schluck ...
Die Flüssigkeit ist so stark und so bitter wie seine Leiden.
Die Soldaten von dem Posten lachen. Er sagt kein einziges Wort. Er schüttet den Rest der widerwärtigen Flüssigkeit ohne ein Zeichen der Gewalt oder des Zorn weg und geht fort.
Als sie einen Weg in das Dickicht hauen, kommen sie auf eine Lichtung.
Der Indio weiß nicht, was geschieht. Aber sein Gesicht brennt und seine Füße zittern. Was hat er gesehen?
Der Abhang eines Hügels! ... Ein Lama, das friedlich zwischen den Steinen und dem Stroh grast. Weiter unten ein kleiner Bach mit kristallklarem Wasser, das wie ein endloses Band dahinfließt.
Endlich Wasser! Er stürzt davon! Legt sich flach auf den Boden, um ohne Unterbrechung zu trinken. Aber welch bitterer Hohn! Das Wasser flieht vor seinen Lippen, und nur die harte, sonnenverbrannte Erde bleibt zurück.
Traurig steht er auf. Wieder sieht er klares Wasser — ein Meer voller Wasser, und wieder stürzt er davon, bis ihn seine Kameraden bestürzt festhalten.
Es ist eine Fata Morgana!
Der leidende Indio wurde in ein Krankenhaus an der Front gebracht.
Er ging hin und her, belästigte die Ärzte und die Kranken. Er sprach viel, ohne zu wissen, was er sagte.
Eines Morgens nahm er plötzlich die ganze Medizin, die er löffelweise zu sich nehmen sollte, auf einmal ein, ohne die Anweisung zu beachten. Er war besessen von dem Gedanken, trinken zu müssen. Die Kranken achteten genau auf ihre Rationen. »Der Verrückte«, so sagten sie, »versucht immer, alles ganz alleine zu trinken.«
Es war Nachmittag. — Erwachte er aus einem Traum? — Sicher war, dass man ihn an einem Baum festgebunden hatte. Er versuchte, sich zu bewegen, und spürte, dass sein ganzer Körper übel zugerichtet war. Was war, um Gottes willen, geschehen? Wahrscheinlich wurde er sich der traurigen Lage bewusst, in der er sich befand, denn nun begann er, abwechselnd zu weinen und zu singen, so wie es die Menschen seiner unterdrückten Rasse an den Gräbern ihrer Verwandten zu tun pflegen.
Als es dunkel wurde, band man ihn los.
Er konnte nicht essen. Er hatte keine Kraft dazu. Er legte sich, ohne sich zuzudecken, im Freien auf den Boden und suchte im Traum eine Erleichterung von seinen Leiden.
Aber in der Nacht kam ein stürmischer Südwind auf. Der Surazo kommt niemals allein: es begann zu regnen, und dann folgte eine Kälte, die bis auf die Knochen durchdrang.
Der Urwald ächzte. Einige Zelte flogen in die Luft. Mehrere Bäume wurden entwurzelt. Der Regen nahm zu. Der Donner, die Blitze und die Strahlen riefen eine noch größere Panik hervor, als die Geschosse der feindlichen Kanonen.
Der unglückliche Indio wachte zweifellos auf ... Sicher wollte er aufstehen und versuchte daher, sich zu bewegen, und als er sah, dass seine Glieder ihm nicht mehr gehorchten, wurde er — sich verzweifelt windend — sein eigener Henker. Am folgenden Tag fanden sie seinen Leichnam im Schlamm.
Der Anblick war erschreckend. Sein ganzes Gesicht war zerstört, die Augen standen weit offen. Die Kiefer waren fest aufeinandergepresst, und die Fäuste zusammengeklammert.
So beendete dieser traurige, unbekannte Soldat, der nicht einmal eine Erkennungsmarke trug, sein Leben. Sein verkrampfter Körper war eine Anklage, eine makabre Geste der Auflehnung gegen sein Vaterland, gegen die Menschen, gegen seine Brüder."
[Übersetzung: Bolivien / Auswahl und Übersetzung José A. Friedl Zapata. -- Tübingen [u.a.] : Erdmann, ©1973. -- (Moderne Erzähler der Welt ; Bd. 41). -- ISBN 3-7711-0770-9. -- S. 189 - 199]
Abb.: Yolanda Bedregal (um 1948)
Zum Tod des marxistisch-stalinistischen Soziologen und Gründers des Partido
de la Izquerda Revolucionaria (P.I.R.) José Antonio Arze (1904, Cochabamba - 1955, Cochabamba)
schreibt die Dichterin Yolanda Bedregal de Conitzer (1910, La Paz - 1999, La Paz)
("Yolanda de Bolivia") ein Gedicht, das mit folgenden Versen
"Pálida cúpula de vidrio era la fuente traslúcida, reluciente, luminosa por el ideal universal humano.Los ojos claros de mirar undívago parecían dos náufragos de dichas en la orilla de inútiles anhelos.
La boca de maestro resurrecta luchando contra el odio y la mentira, nos da lección de dignidad y vida.
El cuerpo le era chico a tanta angustia, a tanta sensación, a tanto escollo; y érale grande en el mezquino mundo.
[Zitiert in: Abecia López, Valentín: José Antonio
Arze y Arze : inventario. -- La Paz : Juventud, 1992. -- Depósito legal
4-1-559/92. -- S. 140f.]
In der Kolonie Okinawa (Santa Cruz) tritt von Japanern
eingeschleppt eine Fieberepedemie auf, die durch Arboviren hervorgerufen wird.
Gründung des Consejo Episcopal Latinoamericano (CELAM) [Webpräsenz: http://www.celam.org/. -- Zugriff am 2002-04-10] 1955
Beiträge zur Kenntnis der Insektenfauna Boliviens. -- München : Pfeiffer, 1955 - 1961. -- Erschienen in 16 Teilen. -- (Veröffentlichungen der Zoologischen Staatssammlung München ; Bd. 3 - )
Abbildungen aus Teil III: Coleoptera II: Erotylidae:
Abb.: Erotylus sericeus, Fundort Sarampiuni
Abb.: Erotylus forsteri, Fundort: Chapare
Abb.: Erotylus tricolor, kein bolivianischer Fundort angegeben
Abb.: Erotylus hortoni, Fundort: Chapare
Abb.: Homoeotelus marmoratus, Fundort: Chapare
Abb.: Mycotretus zischkai, Fundort Chapare
Abb.: Mycotretus ziczac serenus. Fundort. Rio Yacuma
Abb.: Mycotretus sexoculatus chaparensis. Fundort: Chapare
Abb.: Logo©
In La Paz wird die Deutsch-Bolivianische Industrie- und Handelskammer -- Cámara de Comercio e Industria Boliviano-Alemana gegründet. [Webpräsenz: http://www.ahkbol.com. -- Zugriff am 2002-04-18]
Die Regierung Paz Estenssoro billigt den neuen Código del
Petróleo, den in ihrem Auftrag die US Konsultingfirma Schuster and
Davenport ausgearbeitet haben. Er ist deshalb als Código Davenport
bekannt. Das neue Erdölgesetz ist eine Bankrotterklärung der bisherigen
"CÓDIGO DEL PETRÓLEO.
Víctor Paz Estenssoro, Presidente Constitucional de la República,
Que para superar las persistentes dificultades financieras que sufre el país y crear las condiciones necesarias para un amplio desarrollo de la economía nacional, es indispensable la explotación inmediata y en gran escala de nuestra riqueza petrolera;
que las inversiones iniciales de capital extranjero, en la industria del petróleo, por su cuantía, y la consiguiente exportación de este producto, contribuirán a solucionar la aguda escasez de divisas, causa fundamental del malestar económico de la Nación;
que la crónica deficiencia de los recursos fiscales, hace difícil al Estado cumplir plenamente sus finalidades esenciales en beneficio de la colectividad, lo cual puede también remediarse mediante la tributación de una vigorosa industria del petróleo;
que el desarrollo de la industria petrolera en gran magnitud y en breve plazo, significa un medio sustancial para escapar a nuestra condición de país monoproductor, proporcionándonos, al mismo tiempo los recursos para llevar a cabo los planes de incremento y diversificación de la economía nacional, lo que contribuirá a elevar el nivel de vida de los obreros y las gentes de clase media, brindándoles nuevas oportunidades de trabajo y progreso, que la economía raquítica y monoproductora del presente no puede proporcionarles;
que es injusto que las generaciones actuales de bolivianos vivan pobres y trabajosamente, mientras el país encierra riquezas potenciales que permanecen inexplotadas.
Que el establecimiento de una industria del petróleo, de gran magnitud y en breve plazo, exige enormes capitales ya que, por la naturaleza misma de esta industria, las inversiones iniciales deben ser cuantiosas, mayormente en un país como el nuestro, por las dificultades de transporte para alcanzar los centros de distribución internacional;
que Bolivia carece de capitales a consecuencia de la larga explotación semicolonial, organizada y mantenida por la fuerza, en acuerdo y provecho exclusivo de la oligarquía feudal-minera, que ha empobrecido a la Nación con el régimen semi-feudal en el trabajo de la tierra.
que Y.P.F.B., no obstante el éxito logrado en los últimos años, gracias al esfuerzo, la eficiencia y la dedicación de sus obreros, empleados, técnicos y directores, al producir petróleo para atender las necesidades nacionales y aún para exportar, en reducidos volúmenes, está restringido en su desenvolvimiento, por la imposibilidad estatal de proveerle de los capitales necesarios para explorar y explotar las extensas áreas potencialmente petrolíferas del país;
que como consecuencia de todos estos factores conjuntos, resulta imprescindible requerir del concurso del capital privado extranjero, para la explotación de nuestra riqueza petrolífera, en condiciones que contemplen, a la vez que sus legítimas expectativas de beneficio, los altos intereses de la Nación.
Que la legislación vigente sobre la materia, por ser anacrónica, no contempla la realidad presente ni prevé las medidas de protección nacional y de seguridad al capital privado por lo que se hace necesario dictar un nuevo Código del Petróleo, que contenga las más avanzadas normas jurídicas, económicas y técnicas aceptadas en el mundo sobre esta materia,
que al mismo tiempo, debe asegurarse el futuro progreso de la industria fiscal del petróleo, con la asignación a Y.P.F.B. de una zona suficiente
temente amplia para su constante y normal desenvolvimiento bajo las regulaciones de su actual Estatuto, facultándole operar también, en igualdad de condiciones, en las zonas abiertas a las empresas privadas;
que es indispensable tomar en cuenta las características de las distintas zonas geoeconómicas del territorio nacional para establecer disposiciones diferenciales adecuadas a cada una de ellas;
Por tanto, en Consejo de Ministros
DECRETA: Capítulo I.-Disposiciones generales:
Artículo 1°- Los yacimientos de petróleo, asfalto, gas natural y demás hidrocarburos, en cualquier estado que se encuentren dentro del territorio de la República, ya sea en la superficie o en el subsuelo, son del dominio directo, inalienable e imprescriptible de la Nación.
Artículo 2°- Se declara de utilidad pública todo lo relativo a exploración, explotación, refinación o manufactura o transformación de hidrocarburos, así como a su almacenaje y transporte por oleoductos u otras vías especiales; todo lo cual se regirá por este Código y su Reglamento, con preferente aplicación sobre otras disposiciones.
Artículo 3°- El derecho de explorar con carácter exclusivo y de explotar, refinar, almacenar y transportar hidrocarburos por oleoductos u otras vías especiales, podrá ejercer directamente por el Estado por medio de entidades autárquicas de carácter nacional, de sociedades mixtas u otorgarse tal derecho a personas naturales o jurídicas, mediante concesiones o contratos en sociedad celebrados entre el Estado y dichas personas.
Artículo 4°- En caso de que el Estado estableciera sociedades mixtas o celebrara contratos en sociedad con personas naturales o jurídicas, tales sociedades y contratistas deberán sujetarse como mínimo a las normas de este Código y su Reglamento, no pudiendo por tanto, y en ningún caso los impuestos y obligaciones consiguientes, ser menores e inferiores a los aquí establecidos."
Wachstum des Bruttoinlandproduktes: -5,9% (Abnahme)
Inflationsrate: 178,8%
Unter Leitung des Erziehungsministeriums beginnt die Campaña Nacional de Alfabetización. Ihr Ziel ist, alle erwachsenen Analphabeten zwischen dem 14. und 50. Lebensjahr zu alphabetisieren. Jeder gebildete Bürger zwischen 17 und 50 soll wenigstens einen Analphabeten unterrichten.
Ein Parteitag beschließt das Wiederaufleben des Partido de
la Izquerda Revolucionaria (P.I.R.), der sich 1952 selbst aufgelöst
Zu Teil 21: Von 1956 bis 1966

References: Art. 17
 Art. 107
 Art. 35
 Art. 36
 Art. 37
 Art. 8
 Art. 35

Art. 76
 Art. 17
 Art. 67

Art. 17
 Art. 36
 Art. 75
 Art. 121