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Timestamp: 2017-03-26 13:02:29+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 8 AZR 18/10
Arbeitsgericht Chemnitz, Urteil vom 15.12.2008 - 10 Ca 1407/08LAG Sachsen, Urteil vom 20.08.2009 - 6 Sa 765/08
8 AZR 18/10 6 Sa 765/08 Säch­si­schesLan­des­ar­beits­ge­richt Im Na­men des Vol­kes!
hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 26. Mai 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des- - 2 - ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Um­fug und Brück­mann für Recht er­kannt:
Die Par­tei­en strei­ten über den Fort­be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses. Die Kläge­rin war seit dem 1. No­vem­ber 1992 bei der Deut­schen Bun­des­post, der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, beschäftigt.
- 3 - Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen nach dem Wech­sel rich­ten sich nach den Re­ge­lun­gen des mit ver.di ver­ein­bar­ten Um­set­zungs­ta­rif­ver­trags der V. Da­nach gilt für Voll­zeit-beschäftig­te in der V ei­ne Wo­chen­ar­beits­zeit von 38 St­un­den. Ihr Ge­halt, das Sie am Tag vor der Über­lei­tung zur V bei der DAG ha­ben, wird ent­spre­chend der Sys­te­ma­tik der Ta­rif­verträge NBBS mit Stand vom 29.02.2004 um­ge­rech­net, d.h., Sie er­hal­ten bei der V wie­der Ur­laubs­geld und Son­der­zu­wen­dung. Gleich­zei­tig wird Ihr Ge­halt bei ei­ner 38-St­un­den-Wo­che auf 91,25 % ab­ge­senkt.
- 4 - Mit An­walts­schrei­ben vom 28. April 2008 wi­der­sprach die Kläge­rin dann ge­genüber der Be­klag­ten dem Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses von die­ser auf die V zum 1. Sep­tem­ber 2007.
Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen über den 1. Sep­tem­ber 2007 hin­aus fort­be­steht.
Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie ver­tritt die An­sicht, der Wi­der­spruch der Kläge­rin sei ver­spätet. Die Un­ter­rich­tung über den Be­triebsüber­gang auf die V sei durch ihr Schrei­ben vom 26. Ju­li 2007 ord­nungs­gemäß er­folgt und ha­be die ein­mo­na­ti­ge Wi­der­spruchs­frist in Lauf ge­setzt. Je­den­falls ha­be die Kläge­rin ihr Recht zum Wi­der­spruch aber ver­wirkt. Das Zeit­mo­ment der Ver­wir­kung sei erfüllt, da die Kläge­rin ih­re Tätig­keit nach der Un­ter­rich­tung wi­der­spruchs­los über neun Mo­na­te für die V fort­ge­setzt ha­be. Auch das Um­stands­mo­ment sei ge­ge­ben, da die Kläge­rin mit Schrei­ben vom 13. Fe­bru­ar 2008 zunächst dem zeit­lich nach­fol­gen­den zwei­ten Be­triebsüber­gang von der V auf die A wi­der­spro­chen ha­be und erst zwei­ein­halb Mo­na­te später dem zeit­lich vor­ge­la­ger­ten ers­ten Be­triebsüber­gang von der Be­klag­ten auf die V. We­gen des zeit­lich vor­aus­ge­hen­den Wi­der­spruchs ge­gen
- 5 - den zeit­lich nach­fol­gen­den zwei­ten Be­triebsüber­gang sei bei der Be­klag­ten ein Ver­trau­en dar­auf be­gründet wor­den, dass die Kläge­rin dem ers­ten Be­triebsüber­gang nicht mehr wi­der­spre­chen wer­de.
- 6 - hätten recht­fer­ti­gen können. Ins­be­son­de­re ha­be die Kläge­rin nicht in ei­ner bei der Be­klag­ten im Hin­blick auf den Be­triebsüber­gang vom 1. Sep­tem­ber 2007 ver­trau­ens­be­gründen­den Form über ihr Ar­beits­verhält­nis dis­po­niert. Zwar ha­be die Kläge­rin dem zeit­lich nach­fol­gen­den zwei­ten Be­triebsüber­gang wi­der­spro­chen und hier­durch ei­nen er­neu­ten Ar­beit­ge­ber­wech­sel ver­hin­dert. Hier­aus ha­be aber die Be­klag­te nicht den Schluss zie­hen dürfen, die Kläge­rin bestäti­ge den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der V und ver­zich­te endgültig auf die ar­beits­ver­trag­li­che Bin­dung zu der Be­klag­ten. Auch die wi­der­spruchs­lo­se Wei­ter­ar­beit der Kläge­rin ab dem 1. Sep­tem­ber 2008 (rich­tig wohl: 1. Sep­tem­ber 2007) bei der V be­gründe kei­ne Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts.
- 7 - Zu der er­for­der­li­chen Un­ter­rich­tung über die recht­li­chen Fol­gen des Be­triebsüber­gangs für den Ar­beit­neh­mer nach § 613a Abs. 5 Nr. 3 BGB gehört ua. der Hin­weis auf das Haf­tungs­sys­tem, wel­ches sich aus dem Zu­sam­men­spiel der Re­ge­lun­gen in § 613a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 BGB er­gibt. Die ge­bo­te­ne In­for­ma­ti­on be­inhal­tet auch die Dar­stel­lung der be­grenz­ten ge­samt­schuld­ne­ri­schen Nach­haf­tung gemäß § 613a Abs. 2 BGB. Hier­nach haf­tet der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber ge­samt­schuld­ne­risch mit dem neu­en In­ha­ber für Ver­pflich­tun­gen nach § 613a Abs. 1 BGB, so­weit sie vor dem Zeit­punkt des Über­gangs ent­stan­den sind und vor Ab­lauf von ei­nem Jahr nach dem Über­gang fällig wer­den. Wer­den sol­che ent­stan­de­nen Ver­pflich­tun­gen erst nach dem Zeit­punkt des Über­gangs fällig, so haf­tet der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber für sie nur zeit­an­tei­lig.
- 8 - vor dem Be­triebsüber­gang ent­stan­den sind. Ent­schei­den­de Be­deu­tung in der gewähl­ten For­mu­lie­rung be­sitzt das Wort „auch“. „Auch“ kann ei­ner­seits ei­ne Haf­tung ne­ben der Be­klag­ten aus­drücken (nicht nur die Be­klag­te haf­tet, son­dern auch die V). An­de­rer­seits kann „auch“ statt­des­sen zum Aus­druck brin­gen, dass die V nicht nur für Ansprüche ab dem Be­triebsüber­gang, son­dern auch für älte­re Ansprüche (un­be­schränkt) haf­tet.
- 9 - den Ein­druck er­weckt ha­ben, er wol­le sein Recht nicht mehr gel­tend ma­chen, so dass der Ver­pflich­te­te sich dar­auf ein­stel­len durf­te, nicht mehr in An­spruch ge­nom­men zu wer­den (Um­stands­mo­ment). Hier­bei muss das Er­for­der­nis des Ver­trau­ens­schut­zes auf Sei­ten des Ver­pflich­te­ten das In­ter­es­se des Be­rech­tig­ten der­art über­wie­gen, dass ihm die Erfüllung des An­spruchs nicht mehr zu­zu­mu­ten ist.
aa) We­der die wi­der­spruchs­lo­se Wei­ter­ar­beit des Ar­beit­neh­mers beim Be­triebsüber­neh­mer (BAG 2. April 2009 - 8 AZR 318/07 - AP BGB § 613a Wi­der­spruch Nr. 8) noch et­wai­ge Ver­ein­ba­run­gen mit dem Be­triebs­er­wer­ber, durch die ein­zel­ne Ar­beits­be­din­gun­gen, et­wa die Art und der Um­fang der zu er­brin­gen­den Ar­beits­leis­tung oder die Höhe der Ar­beits­vergütung, geändert wer­den, stel­len Sach­ver­hal­te dar, durch die das Um­stands­mo­ment der Ver­wir­kung aus­gelöst ist. Im Ge­gen­satz hier­zu be­gründen Dis­po­si­tio­nen des Ar- - 10 - beit­neh­mers über den Be­stand sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses an sich das für die An­nah­me ei­ner Ver­wir­kung er­for­der­li­che Um­stands­mo­ment. Als Dis­po­si­tio­nen über den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses sind nur sol­che Ver­ein­ba­run­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­neh­mers an­zu­se­hen, durch die es zu ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kommt. Dies können ins­be­son­de­re der Ab­schluss ei­ner Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung mit dem Be­triebs­er­wer­ber oder die wi­der­spruchs­lo­se Hin­nah­me ei­ner vom Be­triebs­er­wer­ber aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung sein. Auch ei­ne Ver­ein­ba­rung mit dem Be­triebsüber­neh­mer, durch die das Ar­beits­verhält­nis auf ei­ne völlig neue recht­li­che Grund­la­ge ge­stellt wird, die nicht mehr als Fortführung des bis­he­ri­gen Ver­trags an­ge­se­hen wer­den kann, stellt ei­ne Dis­po­si­ti­on über das Ar­beits­verhält­nis dar (zB die Be­gründung ei­nes Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses; vgl. BAG 23. Ju­li 2009 - 8 AZR 357/08 - AP BGB § 613a Wi­der­spruch Nr. 10 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 113).
- 11 - durf­te, die Kläge­rin bestäti­ge mit die­sem den Be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der V und ver­zich­te endgültig auf ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Bin­dung zu der Be­klag­ten. Die Kläge­rin ist mit ih­rem Wi­der­spruch le­dig­lich ei­ner (wei­te­ren) Ände­rung ih­res Ver­trags­part­ners ent­ge­gen­ge­tre­ten, oh­ne hier­mit ei­ne Dis­po­si­ti­on oder Aus­sa­ge über den Ver­trags­part­ner so­wie den In­halt und den Be­stand ih­res zu die­sem Zeit­punkt be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses zu tref­fen. Sie hat nicht erklärt: „Ich will bei der V blei­ben“, son­dern: „Ich will nicht zur A wech­seln“.
- 12 - Aus­le­gung von Be­deu­tung ist, außer Be­tracht ge­las­sen wor­den ist (st. Rspr., vgl. BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 46/00 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Gaststätten Nr. 11 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 139). Dass dem Lan­des­ar­beits­ge­richt bei der Aus­le­gung des Wi­der­spruchs­schrei­bens sol­che Rechts­feh­ler un­ter­lau­fen sind, ist nicht er­sicht­lich.
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 § 1
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