Source: http://www.jura-schemata.de/kommunalrecht.htm
Timestamp: 2017-03-27 20:31:58+00:00

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Kommunalrecht, kommunale Selbstverwaltung, Satzung, Gemeinde, Kommunalaufsicht, Fachaufsicht, Kommunalverfassungsstreitverfahren, Bürgermeister
Grundlagen des Kommunalrecht Teil 1: verfassungsrechtliche Grundlagen
-> Gemeinden u. Kommunalverbände (Landkreise, Samtgemeinden)
-> NGO + NLO
A. Art. 28 II GG
- Schützt Abschaffung der Gemeinden insgesamt - aber nicht den Bestand einer einzelnen Gemeinde
- "örtliche Gemeinschaft" - Angelegenheiten (+) Daseinsvorsorge wie Strassen, Kultur, Wasserversorgung, Energieversorgung, Städtepartnerschaften
- "im Rahmen der Gesetze" - Gesetzesvorbehalt: Beschränkung des Selbstverwaltungsrechts
Kernbereich: Organisationshoheit, Personalhoheit, Finanzhoheit
B. Art. 57 NV Teil 2: Niedersächsische Kommunalverfassung
A. Aufgaben der Gemeinde:
§ 4 - eigener Wirkungskreis (Bsp.: Energie, Nahverkehr, Kultur, Sport, Erholung)
§ 5 - übertragener Wirkungskreis (Bsp.: Katastrophenschutz, Wohngeld)
B. Gemeindearten: §§ 10 I + II + III + 12 I
C. Gemeindeangehörige
Benutzung öffentlicher Einrichtungen, § 22 I
P.: Widmung
P.: Zulassungsgrenzen
P.: Zweistufentheorie
sonstige: § 22 a, c, e
Einwohnerrechte +
Wahlrecht, § 34 I, § 61 I
sonstige: § 22 a - f
§ 22 I +
-> Ehrenamtliche Tätigkeit: §§ 23 - 29
D. Kommunalwahl: § 32 ff. (Wahl des Rates)
E. Organe der Gemeinde
1. Rat, § 31 ff.
Rat ist die Volksvertretung auf kommunaler Ebene.
- Zusammensetzung: § 31 I
- Rechtsstellung der Ratsmitglieder: § 39
- Aufgaben des Rates: § 40
- Ratssitzungen: §§ 41, 44, 46-49 (Ablauf oft klausurrelevant!)
- Ausschüsse: §§ 51-53
2. Verwaltungsausschuss, §§ 56-60
Verwaltungsausschuss ist ein Organ der Gemeinde mit eigenem Aufgabenbereich.
Hauptaufgabe: Vorbereiten der Ratsbeschlüsse, § 57 I
Leiter der Verwaltung und repräsentativer Vertreter der Gemeinde.
- Wahl: § 61
- Aufgaben: §§ 62 4. Stadträte, § 81 I
"Minister" des Bürgermeisters - sie sind dem Bürgermeister unterstellt und haben spezielle Funktionen, Bsp.: Stadtrat für Finanzen (Stadtkämmerer) F. Außenvertretung der Gemeinde, § 63 I
Der Bürgermeister ist gesetzlicher Vertreter der Gemeinde.
BEACHTE: Entscheidend ist das Handeln im Außenverhältnis - nicht die Berechtigung im Innenverhältnis.
Bsp.: Firma X will bauen - Antrag bei Landkreis - Landkreis leitet an Gemeinde weiter, § 36 BauGB - Bürgermeister erklärt ohne Entscheidung des Rates das Einvernehmen = RF: (+) Gemeinde hat wirksam Einverständnis erklärt. Teil 3: Kommunale Rechtssetzung
A. Satzung, §§ 6 ff.
-> Satzung ist das typische Instrument eigenverantwortlicher Aufgabenerfüllung. Sie sind Rechtsvorschritten, die von der Gemeinde im Rahmen der ihr gesetzlich verliehenen Autonomie erlassen werden. I. VS: formelle und materielle Rechtmäßigkeit
a. Zuständigkeit: § 40 I Nr. 4 - Rat
- wirksamer Satzungsbeschluss unter Einhaltung der Anforderungen
- wichtige Paragraphenkette: §§ 39 III, 26, 6 IV
c. Form: § 6 III 1 2. materielle Rechtmäßigkeit
Bsp. §§ 1 III, 10 BauGB
b. kein Verstoß gegen Satzungsautonomie
c. kein Verstoß gegen höherrangiges Recht
Art. 28 II: "im Rahmen der Gesetze" -> Grundrechte?
d. Anschlusszwang und Benutzungszwang
§ 8 Nr. 2 - VS: • öffentliches Wohl dienende Einrichtungen
• dringendes öffentliches Bedürfnis
Eingriff in Art. 12 u. 14 gerechtfertigt?
e. Hauptsatzung, § 7 I
II. Rechtsfolgen:
- Verletzung von Verfahrensvorschriften und Formvorschriften: § 6 IV
bei Satzungen nach dem Baugesetzbuch: §§ 214, 215
- Verstöße gegen materielles Recht: Nichtigkeit der Satzung -> § 47 VI VwGO
B. Gerichtliche Kontrolle:
statthafte Klageart: Normenkontrollklage, § 47 VwGO
(Feststellungsklage nicht anwendbar, da § 47 dieser vorgeht)
Teil 4: Kommunalverbände
A. Landkreis
- Def.: § 1 NLO
- Aufgaben: § 2 NLO - Aufgaben von überörtlicher Bedeutung
- Organe: § 6 NLO
BEACHTE: Das meiste, was in der NGO über die Gemeinden geregelt ist, ist auf den Landkreis in der NLO übertragen (Kreistag = Rat, Landrat = Bürgermeister, Kreisausschuss = Verwaltungsausschuss) B. Samtgemeinde, §§ 67 ff. NGO
Zusammenschluss kleinerer Gemeinden für eine leistungsfähige Verwaltung, vgl. § 71 I.
Aufgaben: § 72 I
Teil 5: Wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden
- geregelt in §§ 108 ff.
P.: Zweistufentheorie: OB / WIE
- Voraussetzungen in § 108 I Nr. 1 - 3
- häufiges Klausurenproblem: §§ 108 ff. als Schutznorm?
Bsp.: Gemeinde eröffnet ein Reisebüro. Reisebüroinhaber R erhebt dagegen Unterlassungs-
klage (Klageart: allgemeine Leistungsklage)
-> § 108 = Schutz vor wirtschaftlicher Belästigung?
Art. (+) - Subsidiaritätsgrundsatz in § 108 I Nr. 3
- öffentlicher Zweck des Unternehmens in § 108 I Nr. 1
(-) - kein Schutz Privater vor staatlicher Konkurrenz - § 108 soll nur verhindern, dass Gemeinden sich finanziell übernehmen, vgl. § 82 II. [h.M.]
-> Verstoß gegen Art. 14 => (-) schützt weder Erwerbschancen noch Wettbewerbschancen ; auch kein Schutz vor Konkurrenz
-> Verstoß gg. Art. 12 I u. 2 I => garantieren zwar wirtschaftliche Betätigung, aber kein Schutz vor Konkurrenz durch öffentliche Hand.
Teil 6: Aufsicht über Gemeinden
Ermächtigungsgrundlage für Aufsicht: Art. 57 V
2 Arten: - Kommunalaufsicht (Aufgaben im eigenen Wirkungskreis, § 4)
-> nur Rechtmäßigkeitskontrolle
- Fachaufsicht (Aufgaben im übertragenen Wirkungskreis, § 5)
-> Recht- und Zweckmäßigkeitskontrolle
Aufgaben der Aufsicht: § 127 I
A. Kommunalaufsicht
- Aufsichtsbehörde: § 128
- Aufsichtsmittel:
Beachte: alle Aufsichtsmittel der Kommunalaufsicht sind Verwaltungsakte!
vorher ist die Behörde anzuhören, § 28 I VwVfG
(1) Unterrichtung, § 129
(2) Beanstandung, § 130 - Handeln der Gemeinde verletzt Gesetze
Widerspruch und Anfechtungsklage der Gemeinde haben aufschiebende Wirkung (§ 80 I 1 VwGO) -> außer: Anordnung der sofortigen Vollziehung (§ 80 II 1 Nr. 4 VwGO)
(3) Anordnung und Ersatzvornahme, § 131 - Gemeinde erfüllt Aufgaben und Pflichten schlecht oder gar nicht.
(4) Bestellung eines Beauftragten, § 132
-> härtestes Mittel - nur ultima ratio
(5) Genehmigung, § 133
Handeln der Gemeinde bedarf teilweise der Genehmigung
kreisfreie Städte, große
selbständige Städte
sonstige kreisangehörige
oberste KAB
obere KAB
KAB = Kommunalaufsichtsbehörde B. Fachaufsicht
- Aufsichtsbehörden: § 128 III 1
(1) Gesetze, § 127 III
(2) Unterrichtung, § 129 II
(3) Weisungen (unter Anwendung der Mittel aus § 129 ff.)
-> aber: kein Verwaltungsakt, nur innerdienstliche Weisung
oberste FAB
obere FAB
FAB = Fachaufsichtsbehörde
Teil 7: Rechtsschutz der Gemeinde
A. Zivilgerichte
Kommunen können klagen und verklagt werden.
Bsp.: Kauf eines defekten PC - Klage gegen Verkäufer vor Amtsgericht.
B. Verfassungsbeschwerde
(-) keine allgemeine Verfassungsbeschwerde möglich - Konfusionsargument
Bsp.: Klagen wegen Verletzung von Art. 14 gegen andere Gemeinde, die ein AKW bauen will. C. Kommunale Verfassungsbeschwerde
(+) bei Verletzung des Rechts auf Selbstbestimmung (Art. 28 II GG, Art. 57 I NV - Recht auf
kommunale Selbstverwaltung) D. Verwaltungsgerichte
-> Klagen gegen Aufsichtsbehörde • bei Maßnahmen der Kommunalaufsicht = VA -> Anf.- od. Verpfl.-Klage • bei Maßnahmen der Fachaufsicht = innerdienstliche Weisung -> (-) keine Klagemöglichkeit; Ausnahme: Recht auf Selbstbestimmung ( Recht auf kommunale Selbstverwaltung) verletzt -> Anfechtungsklage (Bsp.: Weisung, mehr Mitarbeiter einzustellen -> "Personalhoheit der Gemeinde") E. Normenkontrolle, § 47 VwGO, § 7 NVerwG
Streitgegenstand: Rechtsverordnung des Landes, kommunale Satzung, Geschäftsordnung des Rates - bei Normen die unter dem Rang eines Landesgesetzes stehen. Teil 8: Kommunalverfassungsstreitverfahren => Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Organen einer Gemeinde oder Kommune.
Organe: Rat, Verwaltungsausschuss, Bürgermeister
Organteile: Ratsmitglied od. Fraktion
Bsp.: Klage des Rates gegen Bürgermeister ; Ratsmitglied gegen Rat wegen Ausschluss Prüfung des Kommunalverfassungsstreitverfahren: I. Verwaltungsrechtsweg, § 40 VwGO
Streitgegenstand: Kommunalrecht - typischerweise öffentliches Recht
BEACHTE: Obwohl nur Innenrechtsbestimmungen betroffen sind, ist § 40 VwGO anwendbar. Innenrechte sollen wie subjektive Außenrechte gerichtlich überprüfbar sein. II. Zulässigkeit
1. Klageart [Hauptstreitpunkt bei Kommunalverfassungsstreitverfahren]
a. Klage sui generis -> nur, wenn sonstiger Rechtsschutz in VwGO nicht ausreicht
b. Anf.- od. Verpfl.- Klage -> (-) - Organe und Organteile sind keine Behörden
- Maßnahmen sind kein VA
c. allg. Leistungsklage -> (+) bei Anspruch auf Tun, Dulden od. Unterlassen
Bsp.: Klage auf Erlass eines Rauchverbots bei Sitzungen ; Ergänzung der Tages-
ordnung (§ 41 III 2) ; Einberufung des Rates (§ 41 III 3)
d. Feststellungsklage -> (+) bei Rechtsverhältnis (Rechtliche Beziehung zwischen zwei Rechtssubjekten)
Bsp.: Feststellung der Rechtswidrigkeit eines Beschlusses ; eines Ausschluss von der Sitzung (§ 44 II)
"unmittelbare Verletzung eigener Rechte des Klägers" - Verletzung von Organ- und Mitgliedschaftsrechten
3. Beteiligtenfähigkeit, § 62 Nr. 1 + 2 VwGO
4. Klagegegner: der betreffende Funktionsträger - nicht die Gemeinde an sich (so a.A.) III. Begründetheit
Die Begründetheitsprüfung richtet sich nach der einschlägigen Klageart.
IV. Vorläufiger Rechtsschutz: § 80 V VwGO (-)
§ 123 VwGO (+)
[Literatur: Sperl / Schlömer, Verwaltungsrecht Niedersachsen Besonderer Teil]
Suchwörter: Kommunalrecht, kommunale Selbstverwaltung, Satzung, Gemeinde, Kommunalaufsicht, Fachaufsicht, Kommunalverfassungsstreitverfahren, Bürgermeister Nachricht an Webmaster

References: Art. 28
 Art. 57

§ 4

§ 5
 § 22
 § 22
 § 34
 § 61
 § 22

§ 22
 § 32
 § 31
 § 31
 § 39
 § 40
 § 57
 § 61
 § 81
 § 63
 § 36
 § 40
 § 6

Art. 28

§ 8
 Art. 12
 § 7
 § 6
 § 47
 § 47
 § 47
 § 1
 § 2
 § 6
 § 71
 § 72
 § 108
 § 108
 § 108
 § 108
 § 108
 § 82
 Art. 14
 Art. 12
 Art. 57
 § 4
 § 5
 § 127
 § 128
 § 28
 § 129
 § 130
 § 131
 § 132
 § 133
 § 128
 § 127
 § 129
 § 129
 Art. 14
 Art. 57
 § 47
 § 7
 § 40
 § 40
sui generis
 § 62
 § 80

§ 123