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Timestamp: 2019-03-26 07:21:46+00:00

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BAG, 15.12.2005 - 6 AZR 224/05 - dejure.org
Angemessenheit einer Ausbildungsvergütung; Funktionen einer Ausbildungsvergütung; Tarifverträge als Vergleichsmaßstab
Ausbildungsrecht: Azubi-Vergütung muss nur angemessen sein
Eine Ausbildungsvergütung ist angemessen, wenn sie sich an einem einschlägigen Tarifvertrag orientiert, weil dieser von den Tarifvertragsparteien ausgehandelt wird
ArbG Pforzheim, 08.09.2004 - 4 Ca 66/04
NZA 2007, 1392 (Ls.)
Sie soll den Auszubildenden und seine unterhaltsverpflichteten Eltern bei der Lebenshaltung finanziell unterstützen, die Heranbildung eines ausreichenden Nachwuchses an qualifizierten Fachkräften gewährleisten und die Leistungen des Auszubildenden in gewissem Umfang "entlohnen" (vgl. BT-Drucks. V/4260 S. 9; für die st. Rspr. BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - Rn. 11, AP BBiG § 10 Nr. 15 = EzA BBiG § 10 Nr. 11; 8. Mai 2003 - 6 AZR 191/02 - AP BBiG § 10 Nr. 14 = EzA BBiG § 10 Nr. 10, zu II 1 der Gründe).
Eine Ausbildungsvergütung, die sich an einem entsprechenden Tarifvertrag ausrichtet, gilt deswegen stets als angemessen (st. Rspr. vgl. BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - Rn. 11 f., AP BBiG § 10 Nr. 15 = EzA BBiG § 10 Nr. 11; 8. Mai 2003 - 6 AZR 191/02 - AP BBiG § 10 Nr. 14 = EzA BBiG § 10 Nr. 10, zu II 2 der Gründe).
Deshalb ist eine Ausbildungsvergütung, die sich an einem entsprechenden Tarifvertrag ausrichtet, stets angemessen (st. Rspr. vgl. BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - Rn. 11 f., AP BBiG § 10 Nr. 15 = EzA BBiG § 10 Nr. 11; 8. Mai 2003 - 6 AZR 191/02 - AP BBiG § 10 Nr. 14 = EzA BBiG § 10 Nr. 10, zu II 2 der Gründe).
vgl. BAG, Urteil vom 15. Dezember 2005, 6 AZR 224/05, juris Rdnr. 11 und Urteil vom 30. September 1998, 5 AZR 690/97, juris Rdnr. 17, jeweils m. w. Nw. aus der Rechtsprechung und unter Hinweis auf den schriftlichen Bericht des Ausschusses für Arbeit, BT-Drucks. V/4260 S. 9; vgl. auch Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom 26. März 1981, 5 C 50/80, juris Rdnr. 17.
vgl. zum Ganzen: BAG, Urteil vom 26. März 2013, 3 AZR 89/11, juris Rdnr. 11, sowie Urteil vom 22. Januar 2008, 9 AZR 999/06, juris Rdnr. 34, Urteil vom 15. Dezember 2005, 6 AZR 224/05, juris Rdnr. 12, und Urteil vom 30. September 1998, 5 AZR 690/97, juris Rdnr. 19.
vgl. BAG, Urteil vom 26. März 2013, 3 AZR 89/11, juris Rdnr. 12, und Urteil vom 15. Dezember 2005, 6 AZR 224/05, juris Rdnr. 13.
vgl. BAG, Urteil vom 26. März 2013, 3 AZR 89/11, a. a. O., und Urteil vom 15. Dezember 2005, 6 AZR 224/05, juris Rdnr. 12.
vgl. BAG, Urteil vom 26. März 2013, 3 AZR 89/11, juris Rdnr. 10 und 15, Urteil vom 15. Dezember 2005, 6 AZR 224/05, juris Rdnr. 11, und Urteil vom 30. September 1998, 5 AZR 690/97, juris Rdnr. 19.
Selbst wenn insoweit "einschlägig" nur solche Tarifverträge sein sollten, die in der fraglichen Region für den fraglichen Personenkreis zur Anwendung kommen, so wohl: BAG, Urteil vom 15. Dezember 2005, 6 AZR 224/05, a. a. O., Rdnr. 16; Herkert / Töltl, a. a. O., zu § 17 BBiG Rdnr. 8, stünde dies einer Bestimmung der angemessenen Höhe einer Ausbildungsvergütung für die Beigeladene unter Berücksichtigung der Vorgaben der Regelungen des TVAöD - BT BBiG und des TV-L BBiG nicht entgegen.
vgl. dazu BAG, Urteil vom 26. März 2013, 3 AZR 89/11, a. a. O., Rdnr. 13, und Urteil vom 15. Dezember 2005, 6 AZR 224/05, a. a. O., Rdnr. 16.
Diese sind nicht von Vertretern der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite ausgehandelt und bieten damit nicht die gleiche Gewähr für die angemessene Berücksichtigung der Interessen beider Seiten wie Tarifverträge (BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - Rn. 13, AP BBiG § 10 Nr. 15 = EzA BBiG § 10 Nr. 11) .
In diesem Fall kann auf die Empfehlungen der Kammern oder Handwerksinnungen zurückgegriffen werden (BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - Rn. 12, aaO) .
Entscheidend ist die fachliche Zuordnung des Ausbildungsbetriebs (vgl. BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - AP BBiG § 10 Nr. 15 = EzA BBiG § 10 Nr. 11) .
Gilt keine tarifliche Regelung, kann auf branchenübliche Sätze abgestellt oder eine der Verkehrsauffassung des betreffenden Bereichs entsprechende Vergütung zugrunde gelegt werden (vgl. BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - Rn. 12, AP BBiG § 10 Nr. 15 = EzA BBiG § 10 Nr. 11) .
Insoweit gilt nichts anderes als bei einem nicht tarifgebundenen Arbeitgeber, der dem Geltungsbereich eines Tarifvertrages unterfällt (dazu BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - Rn. 12 f., AP BBiG § 10 Nr. 15 = EzA BBiG § 10 Nr. 11) .
a) Eine angemessene Ausbildungsvergütung soll zum einen dem Auszubildenden bzw. dessen Eltern zur Durchführung der Berufsausbildung eine finanzielle Hilfe sein, zum anderen die Heranbildung eines ausreichenden Nachwuchses an qualifizierten Fachkräften gewährleisten und schließlich eine Entlohnung darstellen (BAG, Urt. v. 15.12.2005 ­ 6 AZR 224/05 -, zit. n. Juris, m.w.N.;… Sächsisches LAG, Urt. v. 30.09.2005 ­ 3 Sa 542/04 -, zit. n. Juris).
Eine einzelvertraglich vereinbarte Ausbildungsvergütung, die der Höhe nach einer entsprechenden tariflichen Ausbildungsvergütung entspricht, ist stets als angemessen anzusehen (std. BAG Rspr., siehe nur: BAG, Urt. v. 15.12.2005 ­ 6 AZR 224/05 -, a.a.O., m.w.N.).
Dabei sind die Empfehlungen nicht bindend zugrunde zu legen, sondern stellen nur ein Indiz für die Angemessenheit der Vergütung dar (BAG v. 15.12.2005, a.a.O.;… Leinemann/Taubert , a.a.O., Rz. 19).
a) Soweit der Beklagte meint, die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 15. Dezember 2005 (- 6 AZR 224/05 -) lasse es nicht zu, "Anhaltspunkte" aus nicht einschlägigen Tarifverträgen als Maßstab heranzuziehen, verkennt er, dass der Sechste Senat des Bundesarbeitsgerichts in dem Urteil darauf hingewiesen hat, dass im Falle des Fehlens einer tariflichen Regelung auf branchenübliche Sätze abgestellt oder eine der Verkehrsauffassung des betreffenden Industriezweigs entsprechende Vergütung zugrunde gelegt werden kann (BAG 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05 - Rn. 12) .
Angemessen ist die Ausbildungsvergütung nach der Rspr des BAG, wenn sie hilft, die Lebenshaltungskosten zu bestreiten, und zugleich eine Mindestentlohnung für die Leistungen des Auszubildenden darstellt (BAG, Urteil vom 15. Dezember 2005 - 6 AZR 224/05, AP Nr. 15 zu § 10 BBiG mwN).

References: § 10
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