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Timestamp: 2017-05-26 05:28:07+00:00

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Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 469. Die Erzählung von Mahakanha (Mahahanha-Jātaka) [1]
„Der Schwarze, Schwarze“ §A. Dies erzählte der Meister mit Beziehung auf seinen Wandel zum Heile der Welt. Eines Tages nämlich saßen die Mönche in der Lehrhalle und sprachen untereinander folgendermaßen: „Freund, der Meister ist zum Glück für viele Leute gekommen; er hat sein behagliches Dasein aufgegeben und wandelt nur zum Heile der Welt. Nachdem er den Gipfel der völligen Erleuchtung erlangt, nahm er Almosenschale und Obergewand und legte einen Weg von achtzehn Yojanas zurück, um bei den fünf edlen Theras das Rad der Lehre in Bewegung zu setzen; nachdem er ihnen dann am fünften Tage der Monatshälfte das Anattalakkhana-Sutta verkündigt hatte, brachte er sie alle zur Heiligkeit. Darauf ging er nach Uruvela, zeigte dort den Jatilas vierthalbtausend [dreitausendfünfhundert] Wunder und veranlasste sie dadurch zur Aufnahme in den Orden; auf dem Geiersberge hielt er die
Feuerpredigt und brachte dadurch die tausend Jatilas zur Heiligkeit. Dem großen Kassapa ging er drei Gavutas [7] entgegen und erteilte ihm nach drei Ermahnungen die Weihe. Allein legte er nach dem Mahle einen Weg von fünfundvierzig Yojanas zurück und brachte den Pukkusa, einen Sohn aus sehr guter Familie, zur Frucht der Nichtrückkehr; dem Mahakapina ging er zweitausend Yojanas entgegen und brachte ihn zur Heiligkeit. Allein legte er nach dem Mahle einen Weg von dreißig Yojanas zurück und brachte sogleich den rohen und grausamen Angulimala zur Erlangung der Heiligkeit; ebenso legte er einen Weg von dreißig Yojanas zurück, bewirkte die Bekehrung des Alavaka und rettete so dem Prinzen das Leben. Im Himmel der Dreiunddreißig weilte er drei Monate lang und vermittelte achthundert Millionen Gottheiten das völlige Verständnis der Lehre; nach dem Brahmahimmel begab er sich, zerstörte den falschen Glauben des
Bakabrahma [Vgl. Jātaka 405] und verhalf dadurch zehntausend Brahmas
[11] zur Heiligkeit. Jahr für Jahr zieht er in drei Provinzen umher und vermittelt den Menschen, die die Fähigkeit dazu besitzen, die Zufluchten [12], die Gebote und die Früchte der Wege [13]; auch für die Nagas, Supannas [14] u. dgl. wirkt er wohltätig auf verschiedene Weise.“ So priesen sie den mit den zehn Kräften Ausgestatteten wegen seiner Tugend, für das Heil der Welt zu wirken. — Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er weiter: „Kein Wunder ist es, ihr Mönche, dass ich jetzt, wo ich die völlige Erleuchtung erlangt habe, zum Heile der Welt wandle; auch früher schon zur Zeit, da ich noch von den Lüsten beseelt war, wandelte ich zum Heile der Welt.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Ehedem herrschte in Benares zur Zeit, da Kassapa der völlig Erleuchtete war [15], ein König namens Usīnara. Als aber der völlig erleuchtete Kassapa, der durch die Verkündigung der vier Wahrheiten viel Volks von seinen Banden befreit und so die Stadt des Nirvana mit Bewohnern angefüllt hatte, zum völligen Nirvana eingegangen, ging seine Lehre nach Ablauf einer langen Zeit zurück. Die Mönche erwarben sich ihren Unterhalt durch die einundzwanzig Arten des unrechten Erwerbs [16]; sie pflogen Verkehr mit den Nonnen und bekamen Söhne und Töchter. Die Mönche ließen ab von den Mönchsregeln, die Nonnen von den Nonnenregeln, die Laienbrüder von den Regeln für die Laienbrüder, die Laienschwestern von den Regeln für die Laienschwestern. Immer mehr Menschen wandten sich den zehn Wegen des Unrechts [17] zu und betätigten diese; alle Gestorbenen kamen in die Höllen.
Er machte darauf den Göttersohn Mātali [Indras Wagenlenker] zu einem großen schwarzen Hunde mit vier Hauern so groß wie ein Bananenbaum, furchtbar anzusehen durch Strahlen, die von allen Seiten von ihm ausgingen [20], von so schrecklicher Gestalt, dass den schwangeren Frauen schon bei seinem Anblick die Leibesfrucht entfiel [21], von der Größe eines edlen Pferdes [22], schwarz von Farbe. Diesen band er an einen fünffachen Riemen fest, schmückte ihn mit einem roten Kranze und nahm selbst das Ende des Riemens in die Hand. Er selbst zog zwei gelbe Gewänder an, band sich die Haare hinter den Kopf und schmückte sich auch mit einem roten Kranze; dann nahm er einen großen Bogen, der mit einer korallenfarbigen Sehne bespannt war, und drehte einen Jagdspieß, an dessen Ende ein Diamant war, auf der Spitze des Nagels. So nahm er das Aussehen eines Jägers an und stieg ein Yojana von der Stadt entfernt auf die Erde herab. Hier rief er dreimal: „Die Welt geht unter, die Welt geht unter“, und erschreckte dadurch die Menschen. Als er in die Nähe der Stadt kam, stieß er wieder diesen Ruf aus.
Da die Menschen den Hund sahen, gingen sie in die Stadt hinein und meldeten dem Könige diesen Vorfall. Der König ließ rasch die Tore der Stadt schließen; Gott Sakka aber übersprang die achtzehn Ellen hohe Mauer und betrat mit seinem Hunde die Stadt. Voll Furcht und Schrecken liefen die Menschen in ihre Häuser und schlossen die Türen. Der große Schwarze lief auf alle Leute zu, die er sah, und erschreckte sie; so kam er vor den Palast des Königs. Im Hofe des königlichen Palastes liefen die Menschen aus Angst davon, eilten in den königlichen Palast selbst und schlossen das Tor. Auch der König Usinara nahm seinen Harem mit sich und stieg auf den Söller hinauf. Darauf hob der große Schwarze die Vorderfüße auf, stellte sie auf das Tor und stieß ein lautes Gebell aus. Der Schall von seinem Bellen drang nach unten bis in die Avīci-Hölle, nach oben bis in den höchsten Himmel [23]; das ganze Weltsystem war ganz von dem Geräusch erfüllt. Der Schrei des König Punnaka im Punnaka-Jātaka [Vidhurapandita-Jātaka], der Schrei des Nagakönigs Sudassana im Bhuridatta-Jātaka [Jātaka 543] und dieser Schrei in diesem Mahakanha-Jātaka: diese drei Schreie waren die lautesten auf dem Jambu-Erdteil. — Die Bewohner der Stadt wurden mit Furcht und Schrecken erfüllt und kein einziger getraute sich, mit Gott Sakka zu reden.
§2. „Er wird wohl nicht des Wildes wegen gekommen sein, Usinara; um Menschenleben zu vernichten,
§3. „Mönche, die Schale in der Hand, geschoren, in der Mönchsgewandung
sie werden ackern mit den Pflügen; dann wird der Schwarze losgelassen.
§4. Die Nonnen, die die Welt verließen, geschoren, in dem Nonnenkleide
§5. Mönche mit langhängenden Lippen, mit schlechten Zähnen, schmutz'gem Kopfe, die gehen, um Schulden einzutreiben; dann wird der Schwarze losgelassen.
§6. Brahmanen, die die Veden kennen, die heil'gen Verse, Opferbräuche, werden des Lohnes wegen opfern;
§7. Die hochbetagten Eltern auch, wenn ihre Jugend ist geschwunden,
nähren sie nicht, obwohl sie können; dann wird der Schwarze losgelassen [26].
§8. Zu ihren hochbetagten Eltern, wenn ihre Jugend ist geschwunden,
sagen die Leute: ‘Ihr seid töricht’; dann wird der Schwarze losgelassen.
§9. Des Lehrers Frau, des Freundes Gattin, des Onkels Weib, des Vaters Schwester, wenn weltlich man verkehrt mit ihnen, dann wird der Schwarze losgelassen.
§10. Wenn, Schwert und Schild in ihrer Hand, zu Waffen greifen die Brahmanen,
§11. Wenn Witwensöhne weiß von Haut, mit starkem Arm, geschickt im Bösen [27], die Freundschaft später brechen werden [28], dann wird der Schwarze losgelassen.
die nicht ans Wohl der Menschen denken, wenn diese auf der Erde wandeln,
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon wandelte ich zum Heile der Menschen“, und verband hierauf das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war Mātali Ānanda, Gott Sakka aber war ich.“
[7] Über dies Maß vgl. Jātaka 466 Anm. 7. [Ein Gavuta ist der vierte Teil eines Yojana, umfasst also etwa 5 Kilometer.]
[16] Vgl. die Vorgeschichte zu Jātaka 179. [Als für Mönche unzulässige Erwerbstätigkeiten werden genannt: ärztliche Tätigkeit, Botendienste, Besorgen von Aufträgen, Läuferdienste, gegenseitiges Almosen Geben.]
[17] Nämlich: (1.) Mord, (2.) Diebstahl, (3.) Hurerei, (4.) Lüge, (5.) Verleumdung, (6.) unfreundliche Rede, (7.) leichtsinnige Rede, (8.) Habsucht, (9.) Hass, (10.) falscher Glaube.
[26] Diese Strophe steht mit kleinen Abweichungen auch im vorigen Jātaka 468 Strophe 8 sowie im Sutta-Nipata I.6 Strophe 98 und I.7 Strophe 124.

References: §2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10

§11