Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/betriebsratswahl-und-die-bestellung-des-wahlvorstands-durch-das-arbeitsgericht-3168637?pk_campaign=feed&pk_kwd=betriebsratswahl-und-die-bestellung-des-wahlvorstands-durch-das-arbeitsgericht
Timestamp: 2020-03-31 23:01:32+00:00

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Soweit durch die betrieb­li­che Mit­be­stim­mung die Ver­trags­frei­heit und damit auch die Berufs­aus­übungs­frei­heit der Arbeit­neh­mer nach Art. 12 Abs. 1 GG betrof­fen ist, ist dies eben­falls durch die ange­führ­ten sach­ge­rech­ten und ver­nünf­ti­gen Erwä­gun­gen des Gemein­wohls gerecht­fer­tigt. Das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz dient dem Schutz und der Teil­ha­be der Arbeit­neh­mer im Arbeits­ver­hält­nis 26. Soweit dem ein­zel­nen Arbeit­neh­mer durch die Wahr­neh­mung von Mit­be­stim­mungs­rech­ten oder sons­ti­gen Befug­nis­sen des Betriebs­rats Beschrän­kun­gen, zB in sei­ner Ver­trags­frei­heit, auf­er­legt wer­den und dadurch in sei­ne Berufs­frei­heit ein­ge­grif­fen wird 27 ist dies grund­sätz­lich hin­zu­neh­men. Zwin­gen­de Rege­lun­gen des Arbeits­rechts schaf­fen erst den Rah­men, in dem die Arbeit­neh­mer ihre Grund­rech­te aus Art. 12 Abs. 1 GG unter ange­mes­se­nen Bedin­gun­gen ver­wirk­li­chen kön­nen. Sie recht­fer­ti­gen sich dar­aus, dass der Indi­vi­du­al­ar­beits­ver­trag viel­fach ein unzu­rei­chen­des Instru­ment zur Begrün­dung eines sozi­al ange­mes­se­nen Arbeits­ver­hält­nis­ses dar­stellt. Ein unzu­mut­ba­rer Grund­rechts­schutz "gegen sich selbst" liegt hier­in nicht 28. Vor unzu­mut­ba­ren Beein­träch­ti­gun­gen der Berufs­aus­übungs­frei­heit wer­den die Arbeit­neh­mer durch die nähe­re gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung der Mit­be­stim­mungs­rech­te und Befug­nis­se des Betriebs­rats hin­rei­chend geschützt. Inso­fern ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Betriebs­par­tei­en bei der Aus­übung ihrer Rege­lungs­kom­pe­tenz Bin­nen­schran­ken unter­lie­gen. Nach § 75 Abs. 1 Satz 1 BetrVG haben Arbeit­ge­ber und Betriebs­rat dar­über zu wachen, dass alle im Betrieb täti­gen Per­so­nen nach den Grund­sät­zen von Recht und Bil­lig­keit behan­delt wer­den. Die Betriebs­par­tei­en sind beim Abschluss von Betriebs­ver­ein­ba­run­gen gemäß § 75 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 BetrVG zur Wah­rung der grund­recht­lich geschütz­ten Frei­heits­rech­te ver­pflich­tet 29. Dazu gehört sowohl die durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te Berufs­frei­heit der Arbeit­neh­mer 30 als auch die durch Art. 14 Abs. 1 GG geschütz­te Eigen­tums­ga­ran­tie und die in Art. 2 Abs. 1 GG nor­mier­te all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit der betriebs­an­ge­hö­ri­gen Arbeit­neh­mer 31. Zu beach­ten ist auch der betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, dem wie­der­um der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG zugrun­de liegt. Die­ser ist Aus­druck des Gerech­tig­keits­ge­dan­kens im Grund­ge­setz und fun­da­men­ta­les Rechts­prin­zip 32. Er zielt dar­auf ab, eine Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten sicher­zu­stel­len und eine gleich­heits­wid­ri­ge Regel­bil­dung aus­zu­schlie­ßen 33. Die Ver­ein­bar­keit der von den Betriebs­par­tei­en getrof­fe­nen Rege­lun­gen mit höher­ran­gi­gem Recht ist gericht­lich in vol­lem Umfang über­prüf­bar. Ins­be­son­de­re die­se Prü­fung, die ein betrof­fe­ner Arbeit­neh­mer im Indi­vi­du­al­pro­zess her­bei­füh­ren kann, ver­hin­dert eine unge­recht­fer­tig­te oder unver­hält­nis­mä­ßi­ge Beschrän­kung indi­vi­du­al­recht­li­cher Rechts­po­si­tio­nen durch die Aus­übung der den Betriebs­par­tei­en ver­lie­he­nen kol­lek­ti­ven Rege­lungs­macht 34.
BAG 21.11.1975 – 1 ABR 12/​75, zu II 1 b der Grün­de[↩]
st. Rspr. seit BAG 4.12 1986 – 6 ABR 48/​85, zu II 4 b der Grün­de, BAGE 53, 385; vgl. zuletzt BAG 23.07.2014 – 7 ABR 23/​12, Rn. 31; zur Anfech­tung der Wahl der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter im Auf­sichts­rat BAG 17.05.2017 – 7 ABR 22/​15, Rn. 27, BAGE 159, 111[↩]
BAG 23.07.2014 – 7 ABR 23/​12 – aaO; 16.11.2005 – 7 ABR 9/​05, Rn. 16 mwN, BAGE 116, 205[↩]
LAG Bre­men 22.11.2016 – 1 TaBV 13/​16[↩]
BAG 15.02.1989 – 7 ABR 9/​88, zu B der Grün­de, BAGE 61, 125; 4.12 1986 – 6 ABR 48/​85, zu II 4 b der Grün­de, BAGE 53, 385[↩]
vgl. BAG 31.07.2014 – 2 AZR 505/​13, Rn. 22, BAGE 149, 1[↩]
Kreutz GK-BetrVG 11. Aufl. § 17 Rn. 56; DKKW/​Homburg 16. Aufl. § 17 Rn. 17[↩]
vgl. Kreutz GK-BetrVG 11. Aufl. § 17 Rn. 49; Thü­s­ing in Richar­di BetrVG 16. Aufl. § 17 Rn. 24[↩]
BAG 26.02.1992 – 7 ABR 37/​91, zu II 2 a der Grün­de, BAGE 70, 12[↩]
BAG 26.02.1992 – 7 ABR 37/​91, zu II 2 b der Grün­de, aaO; 19.03.1974 – 1 ABR 87/​73, zu II 4 der Grün­de[↩]
vgl. BAG 19.03.1974 – 1 ABR 87/​73, zu II 4 der Grün­de[↩]
dazu auch BAG 26.02.1992 – 7 ABR 37/​91, zu II 2 a der Grün­de, BAGE 70, 12[↩]
vgl. BAG 19.03.1974 – 1 ABR 87/​73 – aaO; 23.11.2016 – 7 ABR 13/​15, Rn.19[↩]
vgl. BAG 27.07.2011 – 7 ABR 61/​10, Rn. 33 mwN, BAGE 138, 377[↩]
aA Bonanni/​Hiebert ArbRB 2015, 282 ff.; zwei­felnd auch Löwisch BB 2006, 664 und Thü­s­ing in Richar­di BetrVG 16. Aufl. § 17 Rn. 30[↩]
vgl. nur Richar­di in Richar­di BetrVG 16. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 53 ff.; H/​W/​G/​N/​R/​H/​Rose BetrVG 10. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 50 ff.; aus­führ­lich Wie­se GK-BetrVG 11. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 50 ff.[↩]
vgl. BVerfG 1.03.1979 – 1 BvR 532/​77 ua., zu C III 1 a der Grün­de mwN, BVerfGE 50, 290[↩]
vgl. BVerfG 1.03.1979 – 1 BvR 532/​77 ua., zu C III 1 b bb der Grün­de, aaO zur Unter­neh­mens­mit­be­stim­mung; Wie­se GK-BetrVG 11. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 55[↩]
vgl. Wie­se GK-BetrVG 11. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 55[↩]
BVerfG 6.10.1987 – 1 BvR 1086/​82 ua., zu C III 2 der Grün­de, BVerfGE 77, 84[↩]
BVerfG 30.04.2015 – 1 BvR 2274/​12, Rn. 14[↩]
vgl. BVerfG 1.03.1979 – 1 BvR 532/​77 ua., zu C III 1 c der Grün­de, BVerfGE 50, 290 zur Unter­neh­mens­mit­be­stim­mung[↩]
Wie­se GK-BetrVG 11. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 55[↩]
vgl. BVerfG 30.04.2015 – 1 BvR 2274/​12, Rn. 17[↩]
vgl. BVerfG 1.03.1979 – 1 BvR 532/​77 ua., zu C III 3 a bb der Grün­de, BVerfGE 50, 290 zur Unter­neh­mens­mit­be­stim­mung[↩]
Wie­se GK-BetrVG 11. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 63[↩]
vgl. Wie­se GK-BetrVG 11. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 66[↩]
BVerfG 6.10.1987 – 1 BvR 1086/​82 ua., zu C V 1 b der Grün­de, BVerfGE 77, 84[↩]
BAG 21.02.2017 – 1 AZR 292/​15, Rn. 17, BAGE 158, 142[↩]
BAG 17.07.2012 – 1 AZR 476/​11, Rn. 36, BAGE 142, 294; 12.12 2006 – 1 AZR 96/​06, Rn. 23, BAGE 120, 308; 18.07.2006 – 1 AZR 578/​05, Rn. 34, BAGE 119, 122[↩]
vgl. BVerfG 31.05.1988 – 1 BvL 22/​85, zu C II 2 der Grün­de, BVerfGE 78, 232; BAG 22.03.2005 – 1 AZR 49/​04, zu 3 a der Grün­de, BAGE 114, 179[↩]
vgl. BAG 22.03.2005 – 1 AZR 49/​04 – aaO; 27.05.2004 – 6 AZR 129/​03, zu B II 3 b der Grün­de, BAGE 111, 8[↩]
BAG 12.12 2006 – 1 AZR 96/​06, Rn. 22, aaO[↩]
BVerfG 30.04.2015 – 1 BvR 2274/​12, Rn. 14 mwN[↩]
vgl. BAG 26.02.1992 – 7 ABR 37/​91, zu II 2 der Grün­de, BAGE 70, 12[↩]
BAG 10.11.2004 – 7 ABR 19/​04, zu B II der Grün­de, BAGE 112, 310[↩]
vgl. zur Par­tei­er­wei­te­rung im Revi­si­ons­ver­fah­ren BAG 13.04.1967 – 5 AZR 426/​66, zu 4 c der Grün­de; zur grund­sätz­li­chen Unzu­läs­sig­keit eines gewill­kür­ten Par­tei­wech­sels in der Revi­si­ons­in­stanz BGH 31.10.2012 – III ZR 204/​12, Rn. 12, BGHZ 195, 233; 7.07.2008 – II ZR 26/​07, Rn. 6[↩]
BAG 1.06.2011 – 7 ABR 138/​09, Rn. 26[↩]
zu den Vor­aus­set­zun­gen im Ein­zel­nen etwa BAG 1.06.2011 – 7 ABR 138/​09, Rn. 26 f.; 17.11.2010 – 7 ABR 123/​09, Rn. 17 mwN, BAGE 136, 200[↩]

References: Art. 12
 Art. 12
 § 75
 § 75
 Art. 12
 Art. 14
 Art. 2
 Art. 3
 § 17
 § 17
 § 17
 § 17
 § 17
 BGH