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Timestamp: 2019-09-16 02:20:40+00:00

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Verbrechen: Definition und Beispiele - Anwalt.org
Verbrechen und Vergehen: Welcher Unterschied besteht zwischen den Begriffen?
Das deutsche Strafrecht kennt ein breit gefächertes Spektrum verschiedener Straftaten, die sich nicht nur in ihren Tatbeständen und Voraussetzungen, sondern auch hinsichtlich des zu schützenden Rechtsgutes sowie des zu verhängenden Strafmaßes voneinander abgrenzen.
Dabei unterscheiden sich die Begriffe „Verbrechen“ und „Vergehen“ voneinander, obschon sie im alltäglichen Sprachgebrauch häufig miteinander verwechselt oder fälschlicherweise synonym, also gleichbedeutend, verwandt werden. Diesbezüglich stellt sich die Frage, was es mit den Begrifflichkeiten jeweils auf sich hat. Ist beispielsweise eine Körperverletzung ein Vergehen oder ein Verbrechen?
Im folgenden Ratgeber wollen wir Ihnen erläutern, worin der Unterschied zwischen einem Vergehen und einem Verbrechen besteht, welche gesetzlichen Regelungen hier greifen und ab wann eine Straftat als Verbrechen zu qualifizieren ist.
Definition von „Verbrechen“
Verbrechen oder Vergehen: wofür der Unterschied von Relevanz ist
Welche Arten von Verbrechen kennt das StGB?
StGB: § 12 definiert den Begriff des Verbrechens.
Von einem Verbrechen ist der Definition zufolge dann die Rede, wenn eine Straftat in ihrem Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder aber höher geahndet wird.
Hierin liegt der Unterschied zwischen einem Verbrechen und einem Vergehen. Letzteres meint indes Straftatbestände, deren Strafmaß unterhalb der zuvor beschriebenen Grenze liegt. Das Mindestmaß sieht hier eine Freiheitsstrafe unter einem Jahr oder eine Geldstrafe vor.
Freilich kann ein Vergehen auch höher bestraft werden, also mit einer Geldstrafe oder Freiheitstrafe unter einem Jahr. Es geht bei der Unterscheidung einzig um das Minimum einer zu verhängenden Strafe.
Gesetzlich verankert sind die Begriffe „Verbrechen und Vergehen“ in § 12 Strafgesetzbuch (kurz: StGB). In Absatz 3 der Norm ist ferner festgelegt, dass die Einteilung von etwaigen gesetzlich vorgesehenen Strafschärfungen oder Milderungen unberührt bleiben.
Beispiel: Raub im Sinne von § 249 Absatz 1 StGB ist im Mindestmaß mit einer Freiheitstrafe von einem Jahr bedroht und somit ein Verbrechen. Gemäß Absatz 2 des Paragraphen wird die Tat in einem minder schweren Fall mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Liegt ein solcher minder schwerer Fall vor, ändert dies nichts an der Einordnung des Raubes unter den Begriff „Verbrechen“.
Ein Kapitalverbrechen meint umgangssprachlich ein besonders schweres Verbrechen, welches mit dem Tode zu ahnden war. Es handelt sich hierbei um einen historischen Begriff.
Das Wort leitet sich von dem lateinischen Begriff „capitalis“ ab, was so viel bedeutet wie „den Kopf bzw. das Haupt betreffend“. In der heutigen Rechtswissenschaft hat der Begriff des Kapitalverbrechens indes keine Verwendung mehr.
Ein Verbrecher wird laut Definition mindestens mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bestraft.
Die Abgrenzung eines Vergehens von einem Verbrechen ist in Deutschland vielfacher Hinsicht von Belang. Ob beispielsweise der Tatbestand Diebstahl ein Vergehen oder ein Verbrechen ist, ist nicht bedeutungslos.
Zum einen wirkt sich die Einteilung unter die Begriffe auf die Frage nach der Strafbarkeit eines Tatversuchs aus. Gemäß § 23 Absatz 1 StGB ist der Versuch eines Vergehens nur strafbar, wenn dies gesetzlich ausdrücklich bestimmt wurde. Ein versuchtes Verbrechen ist hingegen immer strafbar.
Beispiel: Ein versuchter Hausfriedensbruch gemäß § 123 StGB ist nicht strafbar, da es sich hierbei um ein Vergehen handelt und der Versuch nicht ausdrücklich mit Strafe bedroht ist.
Des Weiteren ist die Differenzierung von Bedeutung für den Tatbestand der Bedrohung, gesetzlich normiert in § 241 StGB. Darin heißt es ausdrücklich, das nur die Bedrohung mit einem Verbrechen unter den Tatbestand zu fassen ist.
Überdies ist der Begriff des Verbrechens auch im Zusammenhang mit der Amtsfähigkeit, der Wählbarkeit und des Stimmrechts einer Person von Relevanz. Gemäß § 45 Absatz 1 StGB verliert nämlich derjenige die Fähigkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden und Rechte aus öffentlichen Wahlen zu erlangen, der eines Verbrechens wegen zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt wurde.
Auch im Bereich des Strafprozessrechts spielt die Kategorisierung in „Verbrechen und Vergehen“ eine Rolle. Zum einen ist hierbei derjenigen, dem ein Verbrechen zur Last gelegt wird, gemäß § 140 Absatz 1 Nummer 2 der Strafprozessordnung (kurz: StPO) stets ein Pflichtverteidiger beizuordnen.
Ist Diebstahl ein Verbrechen oder ein Vergehen?
Zum anderen ergibt sich auch für die Zuständigkeit der Amts- oder Landgerichte Unterschiedliches in Bezug auf Verbrechen und Vergehen. Gemäß § 74 Absatz 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes (kurz: GVG) sind die deutschen Strafkammern der Landgerichte im ersten Rechtszug zuständig für alle Verbrechen, die nicht zur Zuständigkeit des Amtsgerichts oder des Oberlandesgerichts gehören.
Auch die Möglichkeit, gegen eine Person im Wege des Strafbefehlsverfahrens vorzugehen, ist dem Strafprozessrecht zufolge nicht vorgesehen, sofern dieser ein Verbrechen zur Last gelegt wird. Dies ist § 407 Absatz 1 StPO zu entnehmen.
Das StGB normiert verschiedene Verbrechen, welche folgender Liste entnommen werden können, welche nicht abschließend ist.
Paragraph im StGB
Mindestrafmaß
§ 80 StGB Hochverrat 10 Jahre Freiheitsstrafe
§ 82 StGB Hochverrat gegen ein Land 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 83 StGB Vorbereitung eines hochverräterischen
Unternehmens gegen den Bund
§ 94 StGB Landesverrat 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 96 StGB Landesverräterische Ausspähung 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 100 StGB Friedensgefährdende Beziehungen 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 105 StGB Nötigung von Verfassungsorganen 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 129a StGB Bildung terroristischer Vereinigungen 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 146 StGB Geldfälschung 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 154 StGB Meineid 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 176a StGB Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern 1 Jahr oder 2 Jahre Freiheitsstrafe (je nach Tatvariante)
§ 177 StGB Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung 1, 2, 3 oder 5 Jahre Freiheitsstrafe (je nach Tatvariante)
§ 211 StGB Mord lebenslange Freiheitsstrafe
§ 212 StGB Totschlag 5 Jahre Freiheitsstrafe
§ 226 StGB Schwere Körperverletzung 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 234 StGB Menschenraub 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 239a StGB Erpresserischer Menschenraub 5 Jahre Freiheitsstrafe
§ 244a StGB Schwerer Bandendiebstahl 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 249 StGB Raub 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 250 StGB Schwerer Raub 3 oder 5 Jahre Freiheitsstrafe (je nach Tatvariante)
§ 252 StGB Räuberischer Diebstahl 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 306 StGB Brandstiftung 1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 308 StGB Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion 1 oder 2 Jahre Freiheitsstrafe (je nach Tatvariante)
§ 316a StGB Räuberischer Angriff auf Kraftfahrer 5 Jahre Freiheitsstrafe
§ 316c StGB Angriffe auf den Luft- und Seeverkehr 5 Jahre Freiheitsstrafe
§ 339 Rechtsbeugung 1 Jahr Freiheitsstrafe
Zu dem Punkt: Verbrechen oder Vergehen: wofür der Unterschied von Relevanz ist, sollten Sie noch die Einstellungsmöglichkeit nach Maßgabe des Opportunitätsprinzips gem. § 153 StPO hinzufügen. Denn auch diese ist eine bedeutende strafprozessuale Bedeutung.

References: § 12
 § 12
 § 249
 § 23
 § 123
 § 241
 § 45
 § 140
 § 74
 § 407

§ 80

§ 82

§ 83

§ 94

§ 96

§ 100

§ 105

§ 129

§ 146

§ 154

§ 176

§ 177

§ 211

§ 212

§ 226

§ 234

§ 239

§ 244

§ 249

§ 250

§ 252

§ 306

§ 308

§ 316

§ 316

§ 339
 § 153