Source: http://www.nationale-naturlandschaften.de/nationalparks/wissensbeitraege/
Timestamp: 2019-01-17 15:07:24+00:00

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Nationalparks › Nationale Naturlandschaften
Die Ausweisung eines Nationalparks erfolgt in Deutschland durch die Bundesländer im Benehmen mit dem Bundesumweltministerium. Dabei sind die in § 24 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) genannten Vorgaben einzuhalten. Das Verfahren der Ausweisung beginnt regelmäßig mit der Prüfung, ob ein geeignetes Gebiet vorhanden ist, das den inhaltlichen Vorgaben des BNatSchG entspricht. Dabei sind im Wesentlichen die Naturnähe, die Flächengröße, das Eigentum, die Beeinträchtigung durch Infrastruktur und das Entwicklungspotenzial des ausgewählten Gebiets von besonderer Bedeutung. Nationalparks bilden ein besonderes Netzwerk und repräsentieren die für Deutschland bedeutenden Großlandschaften und Ökosysteme. Die im § 24 BNatSchG unbestimmten Rechtsbegriffe der Großräumigkeit und des Schutzes der freien natürlichen Dynamik wurden durch die Qualitätskriterien für Nationalparks in Deutschland konkretisiert. Demnach soll die Mindestgröße für Nationalparks 10.000 Hektar und der Raum für natürliche Dynamik nach einer Übergangszeit von maximal 30 Jahren 75 Prozent der Fläche betragen. Ist ein Gebiet zum Beispiel durch die Vorarbeit einer Nationalparkinitiative identifiziert, wird ein breiter Dialog in der zukünftigen Nationalparkregion geführt, um die lokale Bevölkerung in den Entstehungsprozess des Parks einzubinden. Weiterhin dient der Prozess dazu, Strukturen zu entwickeln, die eine entsprechende Beteiligung und Mitbestimmung der Region bei der Entwicklung des Nationalparks sicherstellen. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, dass der Nationalpark nicht nur seine vorrangige Naturschutzaufgabe, sondern auch seine Aufgaben im Bereich der Umweltbildung, des Naturerlebens und der Regionalentwicklung erfüllen kann. Am Ende dieses meist mehrjährigen Prozesses steht die Erarbeitung eines Nationalparkgesetzes oder einer Rechtsverordnung zur Einrichtung des Nationalparks, die durch die Landesparlamente nach Herstellung des Benehmens mit dem Bundesumweltministerium zu beschließen sind.
Ausweisung, BNatschG und Bundesnaturschutzgesetz
Die Geschichte der Nationalparks beginnt im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort wurde 1872 mit dem Yellowstone National Park der weltweit erste Nationalpark gegründet, um die herausragende Schönheit dieser Naturlandschaft für alle Menschen zu bewahren. Diesem ersten amerikanischen Nationalpark folgten bald weitere, die – wie zum Beispiel der Yosemite National Park in Kalifornien – internationale Bekanntheit erlangten und zum Anziehungspunkt für Menschen aus der ganzen Welt wurden. Von den Vereinigten Staaten aus verbreitete sich die Idee der Nationalparks schnell auch in andere von den Europäern neuzeitlich besiedelte Teile der Welt. So wurden im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts beeindruckende Naturlandschaften erstmalig auch in Australien (1879), Kanada (1885) und Neuseeland (1887) als Nationalparks unter Schutz gestellt. In Europa erfolgten die ersten Nationalparkgründungen in Schweden. Das Königreich wies 1909 als erstes europäisches Land neun Nationalparks aus. Von der Bergwelt Lapplands über die Schäreninsel Ängsö bis hin zur historischen mittelschwedischen Kulturlandschaft Garphyttan waren diese Gebiete in ihrer Größe, geografischen Lage und Landschaft sehr unterschiedlich und dennoch den Schweden gleichermaßen schützenswert. Zwischen den beiden Weltkriegen schlossen sich weitere Länder, darunter die Schweiz, Spanien, Polen, Italien und die Niederlande, mit eigenen Nationalparkausweisungen an. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts fasste die Idee in Europa weiter Fuß, sodass es bis heute in beinahe jedem europäischen Land Nationalparks gibt. In Deutschland wurden die ersten Überlegungen zur Gründung von Nationalparks bereits Ende des 19. Jahrhunderts angestellt und immer wieder aufgegriffen. So wurde die Schaffung eines Nationalparks im Bayerischen Wald vom Beginn des 20. Jahrhunderts an immer wieder diskutiert. Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bis Mitte der 1960er-Jahre eine Initiative aus Kommunen, Umweltverbänden, Politikern und Naturschützern eine erneute Diskussion um den Nationalpark Bayerischer Wald in Gang brachte, die letztlich zu einer Entscheidung für den Nationalpark führte. 1970 schließlich wurde nach Beschluss des Bayerischen Landtags der Nationalpark Bayerischer Wald als erster deutscher Nationalpark ausgewiesen. Dies war der Startpunkt für eine Entwicklung, die bis heute anhält. Bereits 1978 folgte der Alpen-Nationalpark Berchtesgaden. Mitte der 1980er-Jahre kamen die beiden Nationalparks Niedersächsisches und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer dazu, die 1990 durch den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer ergänzt wurden. Heute ist das Wattenmeer sogar UNESCO-Weltnaturerbe. Mit der deutschen Wiedervereinigung erhielt auch die Familie der Nationalparks neuen Zuwachs. Am 22. September 1990 beschloss die letzte – demokratisch gewählte – Regierung der DDR in ihrer abschließenden Sitzung ein Nationalparkprogramm, durch das die Nationalparks Jasmund, Vorpommersche Boddenlandschaft, Hochharz, Sächsische Schweiz und der Müritz-Nationalpark entstanden. Sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern wurden in den 1990er-Jahren weitere Nationalparks ausgewiesen – im niedersächsischen Harz, im Unteren Odertal und im Hainich – sowie bestehende Gebiete zum Teil erweitert. 2004 folgten die Nationalparks Kellerwald-Edersee und Eifel. 2014 konnte der Nationalpark Schwarzwald und schließlich 2015 mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald das bis dato jüngste Mitglied in die Nationalparkfamilie aufgenommen werden. Durch die Fusion der beiden Harz-Nationalparks sind so zum heutigen Tage 16 herausragende Naturlandschaften als Nationalparks in Deutschland unter Schutz gestellt.
Europa, Geschichte, International und IUCN
Bereits bei der Gründung des ersten Nationalparks Yellowstone 1872 entstand die Idee der Mehrfachaufgabenstellung von Nationalparks. Natürlich standen der Schutz und die dauerhafte Erhaltung einer einzigartigen Landschaft in ihrer Ursprünglichkeit an erster Stelle. Aber auch die Schönheit und Erhabenheit, die erst dadurch erfahren werden kann, dass Menschen sie betrachten, machte die Nationalparklandschaft so populär. Folgerichtig sollte der Nationalpark Yellowstone daher gleichzeitig zur Freude der damals lebenden Menschen und künftiger Generationen geschützt sein. Diese bipolare Aufgabenstellung von Nationalparks hat sich bis heute erhalten und weiterentwickelt: Zum einen sind Nationalparks ein Naturschutzprojekt mit besonderer Zielstellung. Sie schützen die Natur, so wie sie ist und sich selbst entwickelt, ohne dass Menschen steuernd oder regulierend in Naturvorgänge eingreifen. Alle nur möglichen Vorgänge in der Natur werden als das begriffen, was sie sind – natürliche Ereignisse. Die Einteilung in gute oder schlechte Entwicklungen, das Bezeichnen von Arten als Nützlinge oder Schädlinge, ja die Begriffe Nutzen, Schaden oder gar Katastrophe existieren in der Betrachtung der Lebensvorgänge in einem Nationalpark nicht. Nationalparks erlauben uns daher einen Einblick in die „Werkstatt“ der Natur und geben uns die seltene Möglichkeit, von den Naturprozessen zu lernen. Zum anderen sollen Nationalparks im Rahmen dieses Naturschutzzwecks ihren Besucherinnen und Besuchern das Erleben einer einzigartigen, vom Menschen nicht gesteuerten und gelenkten Natur ermöglichen. Dieses Erleben von natürlicher Schönheit, Ästhetik, Kraft, Vitalität und Gewalt, das sich so stark vom Erleben gepflegter Kulturlandschaften unterscheidet, wird durch die Parkverwaltungen mit gezielten Angeboten der Umweltbildung unterstützt. Diese sprechen einerseits die emotionale Seite der Menschen an und dienen andererseits auch der Wissensvermittlung über die Lebensvorgänge in unserer natürlichen Umwelt, gestützt durch die Forschungstätigkeiten im Nationalpark. Die in diesem Aufgabenspektrum steckenden Möglichkeiten eines ökologisch vertretbaren sanften Tourismus machen Nationalparks zu Motoren einer regionalen Wirtschafts- und Strukturentwicklung.
IUCN, Nationalparkidee und Schutzgebietskategorie
Die Idee der Nationalparks ist global. Auf der ganzen Welt gibt es heute Nationalparks, die Natur und Artenvielfalt schützen, ihre Schönheit aber auch den Menschen zugänglich machen wollen. Manche dieser Nationalparks geben dem Schutz von Arten und Lebensräumen ein starkes Gewicht, während andere eher touristische Aspekte in den Vordergrund rücken. Welche Schutzvorschriften in einem Nationalpark gelten, ist also in verschiedenen Ländern der Erde sehr unterschiedlich. Nach der Schutzgebietskategorisierung der Internationalen Union zum Schutz der Natur (IUCN) hat ein Schutzgebiet der Kategorie II „Nationalpark“ als vorrangiges Ziel den „Schutz der natürlichen biologischen Vielfalt zusammen mit der ihr zugrunde liegenden ökologischen Struktur und den unterstützenden ökologischen Prozessen sowie Förderung von Bildung und Erholung“. Alle deutschen Nationalparks verfolgen dieses Ziel und sind folglich als Schutzgebiete der Kategorie II an die IUCN gemeldet. Insgesamt gibt es auf der Welt knapp 4000 von der IUCN offiziell anerkannte Nationalparks der Kategorie II. Da viele Schutzgebiete, die als Nationalparks bezeichnet werden, aber aufgrund abweichender vordergründiger (Schutz-)Ziele eine andere oder gar keine Kategorie der IUCN erfüllen, dürfte die tatsächliche Zahl der „Nationalpark“ genannten Schutzgebiete viel höher sein. Beispielsweise sind alle britischen Nationalparks bei der IUCN als Kategorie V „Geschützte Landschaft“ geführt, die andere Schutzziele verfolgt als die Kategorie II „Nationalparks“. In der folgenden Betrachtung der Nationalparks in der Welt werden daher nur solche Nationalparks betrachtet, die als IUCN-Kategorie II „Nationalparks” geführt werden (Liste der Schutzgebiete der Vereinten Nationen, Stand 2003). Demnach gibt es auf der Erde 4.413.142 km² terrestrischer und mariner Fläche, die als Nationalpark geschützt sind, insgesamt sind dies 23,5 Prozent der gesamten Schutzgebietsfläche. Die Verteilung der Nationalparks auf der Erde ist recht uneinheitlich. Während es in Nordamerika 1.362 Nationalparks gibt, die mit 1.670.465 km² 36,7 Prozent der Fläche aller Schutzgebiete in diesem Erdteil ausmachen, hat Europa (ohne Türkei, Russland, Moldawien, dem Baltikum und der Ukraine) eine vergleichsweise geringe Anzahl von 273 Nationalparks, die eine Fläche von 98.165 km² bedecken. Insgesamt ist die Verteilung der Nationalparks in den verschiedenen geografischen Regionen der Erde wie folgt: Nordamerika: 1.362 Nationalparks, insgesamt 1.670.465 km² Karibik: 88 Nationalparks, insgesamt 27.101 km² Zentralamerika: 88 Nationalparks, insgesamt 28.595 km² Südamerika: 393 Nationalparks, insgesamt 694.917 km² Australien und Neuseeland: 640 Nationalparks, insgesamt 294.937 km² Pazifische Inseln: 20 Nationalparks, insgesamt 5536 km² Südostasien: 254 Nationalparks, insgesamt 213.698 km² Südasien: 139 Nationalparks, insgesamt 68.840 km² Ostasien: 99 Nationalparks, insgesamt 455.688 km² Nördliches Eurasien: 66 Nationalparks, insgesamt 126.989 km² Europa: 273 Nationalparks, insgesamt 98.165 km² Nordafrika und Naher Osten: 72 Nationalparks, insgesamt 215.852 km² West- und Zentralafrika: 94 Nationalparks, insgesamt 367.754 km² Östliches und südliches Afrika: 217 Nationalparks, insgesamt 504.692 km² Antarktische Region: 3 Nationalparks, insgesamt 146 km²
IUCN, Schutzgebietskategorie und Weltweit
1970 wurde mit dem Nationalpark Bayerischer Wald der erste Nationalpark in Deutschland eingerichtet, zu Beginn des Jahres 2015 mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald der 16. und bis dato jüngste Nationalpark. Nationalparks in Deutschland werden durch die Bundesländer im Benehmen mit dem Bund ausgewiesen. Rechtsgrundlage ist § 24 des Bundesnaturschutzgesetzes, das die Standards der Internationalen Union zum Schutz der Natur (IUCN) für Schutzgebiete der Kategorie II „Nationalpark“ als Grundlage einer Ausweisung als nationales Recht normiert. Für die Nationalparks in Europa gilt dabei das 1997 von der World Commission on Protected Areas (WCPA) eingeführte Konzept eines Entwicklungsnationalparks. Dieses sieht vor, dass nach spätestens 30 Jahren 75 Prozent der Nationalparkfläche frei von steuernden menschlichen Maßnahmen dem Prozessschutz zu überlassen sind. Zu jedem Nationalpark finden Sie einen Steckbrief unter nationale-naturlandschaften.de/nationalparks/gebiete/
Deutschland, Evaluierung und Nationalparks
Nationalparks verfolgen sowohl in Bezug auf die Definition der Internationalen Union zum Schutz der Natur (IUCN) als auch im Sinne der nationalen Gesetzgebung einen eigenständigen und wichtigen Bildungsauftrag. Aufgrund der naturschutzfachlichen Aufgabenstellung der Nationalparks, nämlich dem Schutz natürlicher dynamischer Prozesse, unterscheidet sich die Umweltbildung in Nationalparks deutlich von der ausgeübten Praxis der Umweltbildung in genutzten Kulturlandschaften. Die Natur- und Umweltbildung entstand aus der Erkenntnis, dass die natürlichen Lebensgrundlagen gefährdet sind. Umso mehr man über die Ursachen und die natürlichen Zusammenhänge weiß – so war zumindest die Hoffnung –, desto eher würde die Gesellschaft ihren Umgang mit der Natur überdenken und sich anders verhalten. Umweltbildung hat sich bislang vornehmlich auf die Vermittlung von Fakten und Wissen konzentriert. Dieser Weg der reinen Wissensvermittlung ist jedoch weitgehend gescheitert. Umweltbildung in Form der Wildnisbildung in Nationalparks legt heute den eindeutigen Schwerpunkt auf das Verhältnis des Menschen zu einer sich frei entwickelnden Natur, dem damit möglichen Erleben von Wildnis und den daraus entstehenden Beziehungen und Gefühlen von Menschen mit dieser freien Natur, ihrer Schönheit und manchmal auch erschreckenden Unberechenbarkeit, die wir in unserer kulturellen Tradition geschützter und gepflegter Kulturlandschaft zunächst als Katastrophe wahrnehmen. Wildnisbildung als Bildung für nachhaltige Entwicklung in Nationalparks hat das Ziel, die Sensibilisierung für diese andersartige Welt einer von Menschen unabhängigen Natur zu fördern und den Wert des „Ungenutzten“ für Menschen, Tier- und Pflanzenwelt emotional wie rational zu begreifen und zu verstehen. Diese Natur ist dabei als schützenswert und mit allen Sinnen zu erleben. In allen deutschen Nationalparks gibt es daher entsprechende Bildungskonzepte und Bildungsangebote, die es den Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, eine individuelle Beziehung zur Wildnis in Nationalparks aufzubauen und ihren eigenständigen Wert zu verstehen.
Bildung, Engagement und Freiwillige
Nationalparks können grundsätzlich wie alle Bereiche der freien Natur zum Zweck der Erholung ungehindert betreten werden. Deutsche Nationalparks sind nicht eingezäunt, es gibt höchstens Wildgatter, die aber durch Tore den Besucherinnen und Besuchern offen stehen und es wird auch kein Eintrittsgeld verlangt. Aufgrund des Schutzzwecks eines Nationalparks kann das freie Betretungsrecht in Teilen des Nationalparks allerdings eingeschränkt werden. Gründe für die Einschränkung des Betretungsrechts durch ein Wegegebot sind zum Beispiel der Schutz sehr störungsempfindlicher Tierarten, der Schutz trittempfindlicher Vegetation vor einem zu intensiven Begehen durch den Menschen. Die Einschränkungen können zum Beispiel durch zeitlich beschränkte Wegegebote zur Brutzeit seltener, gefährdeter Vögel oder zum Schutz von Brutvogelkolonien und ebenso zu den Zeiten der Geburt und Aufzucht von anderen geschützten Tierarten gelten. Auch der Schutz des Menschen selbst vor konkreten Gefahren in der freien Natur, beispielweise durch herabstürzende Äste, oder in sehr schwierigem Gelände wie etwa an der Kreideküste Jasmund, am Wattenmeer oder in den Felsregionen der Sächsischen Schweiz kann zu einem Wegegebot führen. In den deutschen Nationalparks gibt es daher – je nach Gefährdungsgrad von Tieren oder Pflanzen, nach Besucherzahlen in empfindlichen Gebietsbereichen und nach natürlichen Gefährdungen – entweder gar kein Wegegebot, ein auf Teilflächen beschränktes Wegegebot oder ein vollständiges Wegegebot.
Betretung, Bundesnaturschutzgesetz und Nationalparkplan
In Deutschland wurden noch nie Grundstücke enteignet, um einen Nationalpark zu realisieren. Die Enteignung von Grundstücken ist in Artikel 14 des Grundgesetzes geregelt. Zunächst wird die Freiheit des Eigentums garantiert, im Weiteren aber auch der Grundsatz, dass Eigentum verpflichtet, festgehalten. Enteignung darf nur zum Wohle der Allgemeinheit und gegen entsprechende Entschädigung auf Grundlage eines Gesetzes durchgeführt werden. Enteignungen finden im Wesentlichen zur Realisierung öffentlicher Infrastruktureinrichtungen statt, sofern eine einvernehmliche Lösung über Kauf oder Tausch von Grundstücken nicht gelungen ist. Auch das Bundesnaturschutzgesetz sieht in § 68 die Möglichkeit der Enteignung für Zwecke des Naturschutzes und der Landschaftspflege vor, wenn deren Ziele in anderer Weise nicht zu erreichen sind. Die Regelungen einer Enteignung für Naturschutzzwecke sind in den Landesnaturschutzgesetzen entsprechend den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes zu finden. Während Enteignungen (teilweise sogar in Kombination mit Umsiedlungen von Kommunen) im Zusammenhang mit Straßenbau oder Braunkohle-Tagebau schon häufiger vorkamen, sind sie für Naturschutzvorhaben die absolute Ausnahme.
Bundesnaturschutzgesetz und Enteignung
In deutschen Nationalparks ist sowohl See- wie auch Binnenfischerei möglich. Das Sportfischen (Angeln) auf Binnengewässern ist in der Regel nicht erlaubt. In den Wattenmeer-Nationalparks ist Fischerei grundsätzlich erlaubt. Verschiedene Schutzzonen, aber auch freiwillige Vereinbarungen mit Fischern sollen die Fischerei möglichst naturverträglich gestalten. Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sind auf einer Fläche von etwa 3 Prozent jegliche Ressourcennutzung und somit auch jegliche Fischerei verboten. Dieses nutzungsfreie Gebiet liegt südlich des Hindenburgdamms und dient auch der Forschung. Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sind Zonen ausgewiesen, in denen Schiff- und Bootsfahrt und auch das Angeln untersagt bzw. eingeschränkt sind. Auch in den Fischschonbezirken gilt ein ganzjähriges Angelverbot. In den Binnenseen des Nationalparks Berchtesgaden dürfen bestimmte traditionelle Nutzungsformen fortgesetzt werden. Dazu zählt auch die Berufsfischerei auf dem Königssee. Hobbysportlern hingegen ist das Angeln nicht erlaubt.
Fischerei und Wattenmeer
In einem Nationalpark muss langfristig sichergestellt werden, dass die hier geltenden Naturschutzziele verfolgt werden. Um das zu gewährleisten, sollte die Gebietsfläche möglichst vollständig in öffentlicher Hand sein, um aufwändige Vereinbarungen mit privaten Flächenbesitzern zu vermeiden. Liegen mehrere private Flächen im Nationalparkgebiet und konnte vorab keine Kaufvereinbarung geschlossen werden, kann ein Flurbereinigungsverfahren beantragt werden, mit denen der ländliche Grundbesitz neu geordnet wird. Das Verfahren muss von der örtlichen unteren Flurbereinigungsbehörde eingeleitet werden, die in den einzelnen Bundesländern an unterschiedlicher Stelle angesiedelt ist. Das Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) sieht fünf verschiedene Verfahren vor, die sich in ihrem Umfang unterscheiden: Regelflurbereinigung, Vereinfachtes Flurbereinigungsverfahren, Unternehmensflurbereinigung, Beschleunigtes Zusammenlegungsverfahren sowie Freiwilliger Landtausch. Je nach Verfahrensart können wenige, aber auch über zehn Jahre bis zur Planfeststellung vergehen. Im Verfahren werden alle Flächeneigentümer einbezogen und durch ein Wertermittlungsverfahren wird sichergestellt, dass es zu keinen Benachteiligungen kommt. Bei nur wenigen Betroffenen bieten sich Verfahren ohne Flurbereinigungsplan an: Der Freiwillige Landtausch (§ 103a ff FlurbG) schließt auch die Möglichkeit ein, bei Flächen- oder Wertunterschieden einen finanziellen Ausgleich zu vereinbaren. Da es sich bei der Flurbereinigung um ein aufwändiges und mehrjähriges Verfahren handelt, sollte sich bezüglich der Durchführbarkeit und der Verfahrensart vorab mit der zuständigen Flurbereinigungsbehörde in Verbindung gesetzt werden.
In Nationalparks findet grundsätzlich keine stoffliche Nutzung von Naturgütern statt. Im Rahmen von Managementmaßnahmen (zum Beispiel Borkenkäfermanagement oder Waldumbaumaßnahmen) gefällte Bäume sollen soweit als möglich in der Natur belassen werden. Zur Sicherstellung des mit der jeweiligen Maßnahme beabsichtigten Zwecks kann es erforderlich sein, die eingeschlagenen Bäume abzutransportieren und zu verwerten. Dies unterscheidet diese Maßnahme von den Zielen der pflegenden Waldbewirtschaftung und der damit verbundenen Holzernte, die aus forstwirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Gründen durchgeführt wird. Sofern es eine lokale Tradition der örtlichen Bevölkerung darstellt, kann auch das Sammeln von Leseholz (z. B. als Brennholz) entsprechend den forst- und waldgesetzlichen Regelungen der Länder in der Managementzone eines Nationalparks zulässig sein. Auch an Hofstellen gebundene Forstrechte genießen – wie etwa im Nationalpark Bayerischer Wald – Bestandsschutz.
Bayerischer Wald, Brennholz, Bundesnaturschutzgesetz, Holznutzung, Nationalparkregion und Nutzung
Das Sammeln von Pilzen und Beeren ist im Bundesnaturschutzgesetz § 39 geregelt. Nach Absatz 3 darf jedermann Früchte des Waldes und Pilze für den eigenen Gebrauch in kleinen Mengen sammeln, sofern ein Gebiet nicht einem Betretungsverbot unterliegt. Nach Absatz 4 ist das gewerbsmäßige Sammeln von Waldfrüchten nicht zulässig bzw. bedarf der Erlaubnis der zuständigen Naturschutzbehörde und des Eigentümers. Zu diesen grundsätzlichen Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes kommen noch die spezifischen Regelungen der jeweiligen Landesnaturschutzgesetze und für Nationalparks die Regelungen der Nationalparkgesetze bzw. -verordnungen. Demnach ist das Sammeln von Beeren und Pilzen in kleinen Mengen ausschließlich für den eigenen Gebrauch auch in Nationalparks grundsätzlich zulässig. Es kann auf der Fläche des Parks räumlich und zeitlich eingeschränkt sein, wenn aus Gründen des Schutzes gefährdeter Arten Wegegebote bestehen. Unbeschadet davon ist das Sammeln geschützter und gefährdeter Arten wie Trüffeln, Grünlingen, Kaiserlingen oder Königs- und Sommerröhrlingen auch in den Nationalparks verboten.
BNatschG, Bundesnaturschutzgesetz, Nutzung und Sammeln
In einigen Nationalparks gibt es Trinkwasserversorgungsanlagen, die aus der Zeit vor der Ausweisung des Nationalparks stammen. Alle diese Anlagen genießen Bestandsschutz, sie dürfen trotz der generellen Zielsetzung einer Beendigung menschlicher Nutzung von Naturgütern im Nationalparkgebiet weiter bestehen bleiben. Dies schließt auch die Verbesserung der vorhandenen Anlagen ein. Eine Neuanlage von Einrichtungen zur Trinkwasserversorgung nach Gründung eines Nationalparks ist jedoch nicht zulässig.
Fahrradfahren, Reiten
Fahrradfahren und Reiten ist in den Nationalparks nur auf eigens dafür ausgewiesenen Wegen gestattet. Dies dient zum einen der notwendigen Trennung von Fußgängern, insbesondere durch spezielle Wege für Familien mit Kindern, zum anderen ermöglicht es eine gezielte Lenkung des Fahrrad- und Reitverkehrs. Aufgrund ihrer raschen Fortbewegung und der damit verbundenen höheren Geräuschentwicklung können diese beiden Arten des Erlebens der Naturschönheiten zu einer höheren Belastung führen als der reine Fußgängerverkehr, da die rasche Beweglichkeit mit Rad und Pferd länger dauernde Aufenthalte bis in die späten Abendstunden in abgelegenen Gebieten der Parks ermöglicht und damit störend auf empfindliche Tierarten einwirkt. Zudem stellen Rad- und Reitwege einen größeren Eingriff in die Natur dar als Pfade für Fußgänger. Zur Minimierung der negativen Folgen und zur Optimierung der besonderen Anforderungen an Rad- und Reitwege werden diese in enger Abstimmung mit Kommunen, Tourismus und Rad- bzw. Reitvereinen konzipiert und angelegt. Die Dichte eines Rad- und Reitwegenetzes im Nationalpark ist in besonderem Maße von der Erfüllung seines Schutzauftrags abhängig.
Nationalparkplan, Radsport und Sport
Sonstige sportliche Nutzung
Zum Auftrag eines Nationalparks gehört, dass die Natur des Parks für jedermann erlebbar ist. Dies schließt grundsätzlich rein sportliche Aktivitäten, die nicht vorrangig das Erleben der Natur zum Inhalt haben, von der Ausübung dieser Sportart in einem Nationalpark aus. Natürlich ist niemand daran gehindert, bestehende Wanderwege in einem Nationalpark als seine Joggingstrecke oder die ausgewiesenen Fahrradwege mit dem Mountainbike zu nutzen. Anders sieht es dagegen mit Paragliding, Motorsport, motorisiertem Wassersport, der Nutzung von Snowmobilen oder intensiver Ausübung des Klettersports aus. Diese beispielhaft genannten „Eventsportarten“ sind in einem Nationalpark entweder grundsätzlich verboten oder unterliegen einem strengen Reglement. Notwendige Einschränkungen werden grundsätzlich mit den betroffenen Nutzergruppen vereinbart, damit der schwierige Spagat gelingen kann, das Schutzziel des Nationalparks nicht zu gefährden, die Tier und Pflanzenwelt sowie die Erholungssuchenden in der Natur des Nationalparks nicht zu stören und andererseits das, was für Natur und Erholungssuchende tragbar ist, auch zu ermöglichen. Hier sind alle Beteiligten gefordert, immer wieder zu prüfen, ob mit vereinbarten Regelungen das erstrebte Ziel erreicht wird und ob vereinbarte Restriktionen und zurückhaltende Nutzung auch von allen Gruppen beachtet werden.
Nationalparks haben die Aufgabe, ihren Besucherinnen und Besuchern das Erlebnis ihrer einzigartigen Natur zu ermöglichen und ihnen ein entsprechendes Angebot an Umweltbildung zu geben. Dazu ist in allen terrestrischen Nationalparks ein gut geplantes, der Natur angepasstes Wanderwegenetz – vorwiegend aus schmalen Steigen und getrennt von Rad- und Reitwegen – erarbeitet und im Gelände markiert worden. Grundprinzip ist, dass alle Naturschönheiten des Gebiets erlebbar sind, aber durch eine entsprechende Lenkung der Besucherströme mithilfe von markierten Wanderwegen Sorge getragen ist, dass die Belastung oder gar Zerstörung der geschützten Natur vermieden wird. Wandern auf schmalen Steigen ist die angemessenste Form des Naturerlebnisses in einem Nationalpark. Sie ermöglicht den unmittelbaren Kontakt mit der durchwanderten Wildnis und lässt Natur mit allen Sinnen erleben.
Wassersportarten sind vor allem für die Küstennationalparks der Nord- und Ostsee von Bedeutung. Hier sind an den traditionellen Urlaubsorten die Strände für Badegäste ohne jede zusätzliche Einschränkung nutzbar. Allerdings gibt es in allen Küstennationalparks Uferbereiche, Inseln und Sandbänke, die zum Schutz vor allem der Brutvogelarten oder zur Sicherstellung von ungestörten Rast- und Nahrungsplätzen von Zugvögeln vom Wassersport ausgenommen sind. Dies gilt in besonderem Maße für die Verwendung von motorisierten Fahrzeugen oder für die Modesportart Kitesurfen. Beides kann an unpassenden Orten zu einer erheblichen Störung von brütenden Vogelarten oder im Ruhebereich von Seehunden führen.
Der Begriff „Jagd“ umfasst das Recht, wild lebende Tiere zu hegen, zu jagen und sich anzueignen. Im Gegensatz zur traditionellen Jagd spielen beim Wildtiermanagement in einem Nationalpark der wirtschaftliche Aspekt, herkömmliche Trophäenjagd, die klassische Hege oder die Regulation der Wildtierbestände zur Erreichung waldbaulicher Ziele keine Rolle. Die Regulierung der Wildtierbestände findet vornehmlich zum Schutz der den Nationalpark umgebenden Kulturlandschaft statt. Dabei werden Wildtiere und ihre Lebensräume in Anlehnung an natürliche Mechanismen gemanagt. In den Kriterien der Internationalen Union zum Schutz der Natur (IUCN) finden sich keine direkten Aussagen zur Jagd. In der Regel wird in den nutzungsfreien Kernzonen auf ein Management des Wildbestands verzichtet, da der Einfluss der pflanzen- (Herbivoren) und fleischfressenden Tiere (Carnivoren) auf die Entwicklung des Schutzgebiets selbstverständlicher Teil des Grundprinzips „Natur Natur sein lassen“ ist. Die im Vergleich zu anderen Erdteilen relativ geringe Größe der deutschen Nationalparks, ihre Einbettung in eine intensiv genutzte Kulturlandschaft und die Unvollständigkeit der Artenausstattung ihrer Ökosysteme kann es unter sehr genau definierten Voraussetzungen erforderlich machen, dass ein Wildtiermanagement durchgeführt wird. Im Wesentlichen gibt es dafür drei Gründe: Der Schutzzweck des Nationalparks kann nicht erreicht werden. Der Schutz der den Park umgebenden Kulturlandschaft erfordert ein Wildtiermanagement. Die Bekämpfung von Tierseuchen macht ein Wildtiermanagement notwendig. Das Wildtiermanagement in Nationalparks beschränkt sich dabei auf die Bestandsregulierung von Huftieren. Bei Beutegreifern wird kein Wildtiermanagement durchgeführt. Die Zielsetzung für die deutschen Entwicklungsnationalparks ist, dass nach spätestens 30 Jahren das Wildtiermanagement – sofern notwendig – ausschließlich außerhalb der mindestens 75 Prozent großen Kern- oder Prozessschutzzone durchgeführt wird. Die Durchführung soll durch Personal des Nationalparks getätigt werden, das für diese Aufgabe ausgebildet ist. Ungeklärt ist allerdings die Frage, wie mit den Körpern der erlegten Tiere verfahren wird, die unter natürlichen Verhältnissen eine wesentliche Nahrungsgrundlage für Aasfresser und damit für die Artenvielfalt darstellen. Eine Belassung der Tierkörper in der Natur ist derzeit nur in Ausnahmefällen möglich. Eine Übersicht (Stand: 2012) zu den regulierten Arten, den Jagdmethoden sowie zeitlichen und räumlichen Beschränkungen in den einzelnen Nationalparks bietet der Tagungsbericht „Wildbestandsregulierung in deutschen Nationalparks“ von EUROPARC Deutschland e. V. Auch für die Nationalparks Schwarzwald und Hunsrück-Hochwald, die in dieser Liste noch nicht enthalten sind, ist die Erstellung eines Konzepts zur Regulierung der Wildtierbestände vorgesehen.
Evaluierung, Jagd, Wildmanagement und Wildtierregulierung
Wildtiere sind, ebenso wie Pflanzen, Pilze, Böden, Regen, Schnee, Dürre, Feuer, Erosion, Neulandbildung und viele andere Komponenten, selbstverständliche, natürliche Wirkungsgrößen, die durch die Zufälligkeit ihres Auftretens und die Intensität ihres Wirkens das Entwicklungsgeschehen in der Natur steuern. Entsprechend dem Schutzziel von Nationalparks, die vom Menschen unbeeinflusste und ungesteuerte dynamische Entwicklung der Ökosysteme zu gewährleisten, sind die Wildtiere unersetzliche und wichtige Teile der natürlichen Prozesse. Soweit in der Naturausstattung der in den Nationalparks geschützten Landschaften, bedingt durch die frühere Landnutzung, wichtige Tierarten fehlen, kann es auch zum Aufgabenbereich der Nationalparks gehören, die Artenvielfalt wieder zu vervollständigen, wenn eine natürliche Zuwanderung nicht möglich ist. Dies geschieht durch Auswilderungsprogramme, die mit dem Umfeld des Nationalparks abgestimmt sind.
Jagd, Nationalparkplan, Nationalparks, Wildmanagement, Wildtiere und Wildtierregulierung
Landwirtschaftliche Nutzungen, die eine Ertragsmaximierung verfolgen, sollten in einem Nationalpark nicht mehr stattfinden und sind lediglich in der Anfangszeit, etwa aufgrund von Altrechten, möglich. Landwirtschaftliche Maßnahmen im Sinne von Pflegemaßnahmen können hingegen auch langfristig, jedoch auf maximal 25 % der Nationalparkfläche, durchgeführt werden, um beispielsweise wertvolle Offenlandbereiche zu erhalten. Landwirtschaftliche Nutzungen im Nationalpark sollten dem Schutzzweck nicht entgegenstehen und nur auf einem untergeordneten Flächenanteil stattfinden. Daher sollten landwirtschaftliche Nutzungen, die diesen Anspruch nicht erfüllen, zum nächstmöglichen Zeitpunkt eingestellt werden. Der Ausschluss wirtschaftlicher Nutzungen ist zwar in allen Nationalparks rechtlich geregelt, es existieren jedoch zum Teil weitreichende Ausnahmeregelungen. Diese betreffen insbesondere traditionelle landwirtschaftliche Nutzungen, die einen Bestandsschutz genießen und bereits vor der Gründung des Nationalparks ausgeübt wurden. Insbesondere Weiderechte werden in Nationalparks in Anspruch genommen. Darüber hinaus spielt in Einzelfällen auch der Schutz von Deichanlagen sowie angrenzender landwirtschaftlicher Flächen (insbesondere aus Akzeptanzgründen) eine Rolle. Zur Pflege naturschutzfachlich wertvoller Bereiche werden geringe Flächenanteile beweidet (zum Beispiel auf Almen und Magerrasen) oder gemäht (so etwa historische artenreiche Extensivwiesen). Ackerbau ist kaum mit dem Schutzzweck eines Nationalparks vereinbar. Landwirtschaftliche Nutzungen können in ihrer Summe eine hohe Belastung für die Nationalparks darstellen. Entsprechend bemühen sich fast alle Nationalparkverwaltungen, private Rechte zur landwirtschaftlichen Nutzung abzubauen. Das allerdings stellt sich in der Praxis als langwieriges und schweres Unterfangen dar und kann Auswirkungen auf die Akzeptanz des Nationalparks in der Region haben. Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, dass sich die meisten deutschen Nationalparks als sogenannte Entwicklungsnationalparks verstehen. Demnach sollte innerhalb von 30 Jahren nach Gründung ein Anteil von mindestens 75 Prozent der Fläche vollständig aus der (nicht nur landwirtschaftlichen) Nutzung genommen worden sein.
Ackerbau, Beweidung, Landwirtschaft, Mahd und Management
In ihrer Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) aus dem Jahr 2007 betonte die damalige Bundesregierung die zentrale Bedeutung der Ausweisung von Schutzgebieten sowie deren Vernetzung für die Bewahrung der biologischen Vielfalt. Die NBS wurde bis heute von allen Landesregierungen bestätigt. Zu den Visionen der NBS gehört unter anderem, bis 2020 auf 2 Prozent der Landesfläche Wildnis entstehen zu lassen und auf 5 Prozent der Waldfläche natürliche Waldentwicklung zu ermöglichen. Unter den zahlreichen konkreten Handlungsempfehlungen für die Länder und Kommunen zur Umsetzung der NBS wird auch die Ausweisung neuer Nationalparks genannt. Alle aktuell im Bundestag vertretenen Parteien versprachen in ihren Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2013 eine verstärkte Umsetzung der NBS bzw. eine intensivere Unterstützung des Bundesprogramms Biologische Vielfalt, das seit 2011 die Verwirklichung der NBS unterstützt. In ihrem Koalitionsvertrag bekannte sich auch die aktuelle Bundesregierung zur Umsetzung der NBS und explizit zu den Zielen der Wildnis- und Waldentwicklung, jedoch ohne die Ausweisung oder Erweiterung von Nationalparks explizit als Maßnahme zu nennen. Allerdings enthält der Vertrag das in den Wahlprogrammen von SPD, Linken und Grünen formulierte Vorhaben, das Nationale Naturerbe um mindestens 30.000 Hektar zu erweitern. Auf Landesebene äußern sich die Parteien konkreter in Bezug auf die Einrichtung von Nationalparks. Zur Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg enthielten mehrere Wahlprogramme die Forderung nach einer Prüfung (CDU) bzw. Einrichtung (SPD, Grüne) eines Großschutzgebiets im Schwarzwald. Die Linke forderte konkret die Ausweisung eines ersten Nationalparks in Baden-Württemberg. Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen wurde schließlich vereinbart, die Einrichtung eines Nationalparks anzustreben. 2014 wurde der Nationalpark Schwarzwald eröffnet. Auch in den Koalitionsverträgen der beiden Landesregierungen Rheinland-Pfalz und Saarland, die im Jahr 2015 gemeinsam den Nationalpark Hunsrück-Hochwald ausgewiesen haben, war der Wunsch nach einem Nationalpark enthalten. Gemäß des Koalitionsvertrags der nordrhein-westfälischen Landesregierung soll die Einrichtung eines Nationalparks Senne-Egge/Teutoburger Wald weiter vorangebracht werden.
Biologische Vielfalt, Koalitionsvertrag, National und Politik
Nationalparks und rechte Ideologie
Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden zahlreiche gesetzliche Neuregelungen zum Naturschutz erlassen, allen voran das Reichsnaturschutzgesetz (1935), das zumindest auf dem Papier einen enormen Fortschritt für den deutschen Naturschutz darstellte. Hier wurden vier Schutzgebietskategorien (unter anderem Naturschutzgebiete und Landschaftsschutzgebiete) definiert, Nationalparks gehörten jedoch nicht dazu. Bis 1940 wurden mehr als 800 Naturschutzgebiete und über 50.000 Naturdenkmale ausgewiesen. Im Allgemeinen fanden die umfangreichen naturschutzrechtlichen Vorgaben beim NS-Regime jedoch kaum Beachtung und wurden militärischen Zwecken sowie der Intensivierung der Landnutzung und dem Ausbau der Industrie untergeordnet. Der aktuellen Naturbewusstseinsstudie von BMUB und BfN (2013) zufolge schreibt heute eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung dem Naturschutz im Allgemeinen sowie der Einrichtung von Wildnisgebieten und Nationalparks im Speziellen einen hohen Wert zu. Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und auch parteiunabhängige rechtsextremistische Gruppen versuchen daher, diesen Bereich als Handlungsfeld und damit als Möglichkeit zu nutzen, um ihre antidemokratischen und völkischen Ansichten in unverfänglichem Zusammenhang zu platzieren. So nehmen beispielsweise alle aktuell relevanten Parteien des rechtsextremen Spektrums in ihren Parteiprogrammen Stellung zum Thema Umweltpolitik. Die NPD, die auf ihrer Webseite dem „Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen [...] oberste Priorität“ einräumt, stellt in ihrem Parteiprogramm allerdings die These auf, dass „Umweltschutz grundsätzlich nicht getrennt von der kulturellen Entwicklung gesehen werden“ könne, da es sich bei „deutschen Landschaften“ um „Kulturlandschaften“ handele. Dementsprechend beschäftigt sich das Kapitel unter der Überschrift „Landwirtschaft und Naturschutz“ im Wesentlichen mit dem Thema Landwirtschaft. Ebenso beziehen sich auch die umweltpolitischen Passagen in den Programmen der Parteien Deutsche Volksunion, Die Republikaner und Bürgerbewegung pro Nordrhein-Westfalen ausschließlich auf den anthropogen geprägten Teil der deutschen Landschaften. Aussagen zu Naturschutz- oder gar Wildnisgebieten fehlen hier gänzlich. Lediglich „Die Rechte“ fordert eine freie Entwicklung der Natur auf 5 Prozent der Waldfläche Deutschlands, „damit Urwälder entstehen, die seltenen Tieren und Pflanzen eine Heimat geben können“. Zentrales Medium, über das Rechtsextremisten ihre Ansichten zu Natur- und Umweltschutz verbreiten, ist das Magazin „Umwelt & Aktiv“. Darin werden ökologische Themen mit germanischen Mythen, heidnischen Bräuchen und fremdenfeindlichen Äußerungen kombiniert. Sowohl im Trägerverein als auch in der Redaktion des Magazins sind zahlreiche NPD-Mitglieder und -Funktionäre tätig. Der bayerische Verfassungsschutz bezeichnet „Umwelt & Aktiv“ daher als „NPD-Tarnzeitschrift“. Abgesehen von einer kurzen Notiz aus dem Jahr 2010, in der es um die hohe Kohlenstoff-Speicherkapazität naturnaher Wälder geht, welche für die Ausweisung eines Nationalparks im Steigerwald spreche, finden sich hier jedoch keine Beiträge zu Nationalparks. In aktuellen Debatten um Nationalparkausweisungen sind rechtsextreme Parteien bisher nicht in Erscheinung getreten. Allerdings bringt sich die NPD sowohl auf kommunal- und regional- als auch auf landespolitischer Ebene zu anderen umweltpolitischen Themen ein. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbesserung des Tierschutzes (vor allem Protest gegen die Massentierhaltung und das Schächten), der Ablehnung grüner Gentechnik sowie der Förderung des Bio-Landbaus und des Verkaufs regionaler Lebensmittel. Außerdem wurden bereits zahlreiche Versuche lokaler NPD-Strukturen und parteiunabhängiger rechtsextremer Kräfte dokumentiert, umweltpolitische Initiativen (beispielsweise Protestbewegungen gegen Castor-Transporte, Mülldeponien oder Kraftwerke) gezielt zu unterwandern. Auf einer Fachtagung des Bundesverbands Beruflicher Naturschutz (BBN) im März 2013 beschäftigten sich Vertreter des beruflichen Naturschutzes mit den Ausprägungen rechtsextremistischen Engagements im Naturschutz, den historischen Hintergründen sowie möglichen Gegenstrategien. Im Anschluss an die Tagung erarbeitete der BBN allgemeine Handlungsempfehlungen an das Berufsfeld „Naturschutz“. Dazu gehören die Einrichtung eines bundesweiten Informations- und Kommunikationsportals zum Thema „Rechtsextremismus und Naturschutz“, regelmäßige Veranstaltungen zur Bewusstseinsschärfung von aktiven Naturschützerinnen und -schützern sowie die Einführung von Modulen in der Aus- und Weiterbildung von Naturschutzakteuren, die die Sach- und Personengeschichte des Naturschutzes zum Inhalt haben sollen. Konkrete Vorschläge, wie Vereine Unterwanderungsversuchen rechtsextremer Kräfte begegnen können (Analyse der Situation, Mobilisierung von Unterstützern, juristische Handlungsmöglichkeiten), fasst Ohse (2013) zusammen: In diesem Dokument findet sich auch ein Beitrag von Olschewski (2013), der Vorschläge zum Umgang mit Rechtsextremisten in kommunalen Parlamenten darlegt. Eine Broschüre der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz informiert zudem über Aussagen rechtsextremer Organisationen zu Naturschutzthemen, analysiert deren eigentlichen politischen Inhalte und bietet die passenden Gegenargumente.
Kommune, Rechsextremisten, Rechtsextremismus und Umweltschutz
Zur Förderung der Entwicklung eines Nationalparks und seiner Einbindung in der Region ist es von Vorteil, sowohl Bürger und lokale Entscheidungsträger in Nationalparkgremien einzubeziehen als auch eine Vertretung der Nationalparkverwaltung in regionalen politischen und gesellschaftlichen Gremien zu etablieren. In den meisten Nationalparks existieren eigene Beiräte oder Kuratorien, die teilweise aber anders benannt sind. Ein Teil der Nationalparks verfügt außerdem über einen kommunalen Beirat, der im Fall des Nationalparks Eifel sogar ein Vetorecht bei wichtigen Planungen besitzt. In den Nationalparks Bayerischer Wald, Berchtesgaden, Harz, Hunsrück-Hochwald, Schwarzwald und Kellerwald-Edersee werden die Verwaltungen zudem durch wissenschaftliche Beiräte unterstützt. Alle Nationalparkverwaltungen beteiligen sich an Planungen und Entscheidungen im Umfeld des Parks, einerseits als Träger öffentlicher Belange, die aus verfahrensrechtlichen Gründen einbezogen werden müssen, und andererseits durch Mitarbeit in verschiedensten Gremien. Dazu gehören beispielsweise Arbeitsgruppen der Anliegergemeinden, Tourismus- und Zweckverbände sowie LEADER-Trägervereine (LEADER = Liaison entre actions de développement de l'économie rurale, ein Förderprogramm der Europäischen Union zur Entwicklung ländlicher Regionen). Allerdings geht mit diesem Engagement nicht immer eine ausreichende Berücksichtigung der Nationalparkinteressen einher, die Verwaltungen stuften ihre Einflussmöglichkeiten bei der Evaluierung der deutschen Nationalparks 2009–2012 eher als „gering“ bis „mittel“ ein.
EUROPARC Deutschland e.V., Management, Nationalparkplan, Nationalparks und Regionalplanung
Eines der wichtigsten internationalen Naturschutzabkommen ist das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD). Das Abkommen, auch Biodiversitätskonvention genannt, wurde 1992 in Rio de Janeiro verabschiedet und bis zum Mai 2012 von 193 Staaten (inkl. EU) unterzeichnet. Die Biodiversitätskonvention verfolgt drei Hauptziele: die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile sowie die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile. Die Biodiversitätskonvention hat unmittelbare Auswirkungen auf die Nationalparks und alle anderen Schutzgebiete in Deutschland. Nicht nur hat sich die Bundesrepublik mit der Unterzeichnung verpflichtet, „nationale Strategien, Pläne oder Programme zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt“ zu entwickeln bzw. anzupassen. In Artikel 8 Absatz a der Konvention heißt es auch: „Jede Vertragspartei wird, soweit möglich und sofern angebracht, ein System von Schutzgebieten oder Gebieten, in denen besondere Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt notwendig sind, einrichten.“ Damit ist die Ausweisung von Schutzgebieten erklärtes Ziel der Biodiversitätskonvention. Auch die meisten anderen Artikel der Konvention sind für Nationalparks relevant, darunter beispielsweise der Auftrag zur überregionalen und internationalen Zusammenarbeit und der Auftrag zur Förderung der Aufklärung und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung. Mit der Unterzeichnung der Konvention hat sich Deutschland verpflichtet, alle Aufträge und Vereinbarungen umzusetzen und über den Fortschritt der Umsetzung Bericht zu erstatten. Wichtige Vorgaben zur Berichtspflicht über die Effektivität des Schutzgebietsmanagements und damit zur Erreichung der Ziele der Biodiversitätskonvention wurden auf internationaler Ebene auch durch die IUCN-Resolutionen 3.047 „Evaluierung der Managementeffektivität“ und 3.048 „ IUCN-Richtlinien für Managementkategorien“ auf dem World Conservation Congress im November 2004 formuliert. Seit der Verabschiedung der Biodiversitätskonvention 1992 treffen sich die Vertretungen der teilnehmenden Staaten regelmäßig zur Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, kurz COP). Die COP ist das entscheidende Organ der CBD. Sie evaluiert die Fortschritte, die bei der Umsetzung der Konvention gemacht worden sind, identifiziert Prioritäten, verabschiedet Arbeitspläne und Programme und kann gegebenenfalls auch über Änderungen des Konventionstexts entscheiden. Außerdem kann sie Arbeitsgruppen oder Beratergremien berufen. Die Beschlüsse der bis Ende 2014 zwölf Vertragsstaatenkonferenzen haben zum Teil erhebliche Relevanz für die Nationalparks in Deutschland. So wurden beispielsweise thematische Programme jeweils zur biologischen Vielfalt der Wälder, Binnengewässer, Küsten und Gebirge verabschiedet, die jeweils Ziele und Handlungsempfehlungen zur Erhaltung dieser biologischen Vielfalt enthalten. Auf der COP 7, die 2004 in Kuala Lumpur stattfand, wurde sogar ein eigenes Schutzgebietsprogramm zur CBD verabschiedet. Es besteht aus vier Programmelementen: Direktmaßnahmen im Bereich Planung, Auswahl, Einrichtung, Stärkung und Management von Schutzgebietssystemen und Einzelgebieten; Verwaltungsführung (Governance), Beteiligung, Gerechtigkeit und Aufteilung der Vorteile; Förderliche Tätigkeiten; Standards, Bewertung und Monitoring, denen jeweils Ziele zugeordnet sind. Diese schlagen einen weiten Bogen von der Einrichtung von Schutzgebietssystemen über Vernetzung, Verbesserung von Planung und Management, Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Festlegung von Mindeststandards. Das Programm enthält außerdem einen Katalog von Vorschlägen zu Tätigkeiten, die zur Erreichung der Ziele führen sollen. Ein Überblick über die Umsetzung der Ziele des CBD-Schutzgebietsprogramms in Deutschland findet sich in der Publikation „Nationale Naturlandschaften und Biodiversität – Vielfalt macht stark!". Als Meilenstein kann auch der auf der COP 6 verabschiedete „Strategische Plan für die Biodiversitätskonvention“ bezeichnet werden. Dieser verfolgte die ambitionierte Mission, bis zum Jahr 2010 eine signifikante Reduzierung der momentanen Verlustrate der Artenvielfalt auf globaler, regionaler und nationaler Ebene zu erreichen. Dazu wurden vier strategische Ziele definiert, die auf der folgenden COP 7 noch weiter ausdifferenziert und ergänzt wurden. Obwohl der „Strategische Plan“ wichtige Impulse gab, konnte der Verlust der Artenvielfalt bis 2010 nicht aufgehalten werden. Deshalb wurde auf der COP 10 im selben Jahr ein neuer „Strategischer Plan 2011–2020“ verabschiedet, der bis heute Gültigkeit besitzt. Unter der Prämisse, den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, enthält dieser Plan fünf strategische Ziele mit 20 konkreten Teilzielen, die die gesamte Bandbreite der Biodiversitätskonvention abdecken, die sogenannten Aichi-Biodiversitätsziele. Relevant für die Entwicklung der Nationalparks in Deutschland sind dabei unter anderem: Teilziel 5: Bis 2020 ist der Verlust aller natürlichen Habitate, inklusive der Wälder, zumindest halbiert und wo möglich nahezu annulliert; Degradation und Fragmentierung sind erheblich reduziert. Teilziel 11: Bis 2020 sind mindestens 17 Prozent der terrestrischen Oberfläche und der Binnengewässer sowie 10 Prozent der marinen Oberfläche, insbesondere Flächen von besonderer Bedeutung für die Artenvielfalt und für Ökosystemdienstleistungen, durch effektiv und fair verwaltete, ökologisch repräsentative und gut vernetzte Systeme von Schutzgebieten und andere effektive flächenbasierte Schutzmaßnahmen geschützt und in die umgebenden weiteren Landschaften und Meeresgebiete integriert. Teilziel 12: Bis 2020 ist das Aussterben (bereits) bekannter bedrohter Arten aufgehalten, und der Schutzstatus dieser Arten, insbesondere von solchen, deren Bestand stark zurückgeht, wurde nachhaltig verbessert. Teilziel 15: Bis 2020 sind die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen und der Beitrag der biologischen Vielfalt zur Kohlenstoffspeicherung durch Schutz und Restauration verbessert, inklusive der Restauration von mindestens 15 Prozent der degradierten Ökosysteme; dadurch wird ein Beitrag geleistet zur Minimierung des Klimawandels, zur Adaptation und zur Bekämpfung der Desertifikation. Auf der COP 11, die 2012 im indischen Hyderabad stattfand wurde nochmals dazu aufgerufen, größere Anstrengungen zur Erreichung der Aichi-Biodiversitätsziele zu unternehmen. Auch ein Set von Indikatoren wurde bereitgestellt, um die Fortschritte im Hinblick auf dieses Ziel zu messen. Darüber hinaus wurden finanzielle Zielstellungen festgelegt, die auch die Verabschiedung von nationalen Finanzplänen zur Biodiversität bis 2015 beinhalten. Auf einem von EUROPARC Deutschland e. V. geleiteten Side Event der Konferenz wurde außerdem die erstmalige Evaluierung der deutschen Nationalparks als ein mögliches Modell für die Überprüfung der Managementeffektivität von Schutzgebieten vorgestellt.
Im Mai 2011 wurde von der Europäischen Union eine gemeinsame Biodiversitätsstrategie verabschiedet. Der folgende Text stammt aus dem Bericht der EU-Kommission vom 3. Mai 2011 an das Europäische Parlament, „Lebensversicherung und Naturkapital: Eine Biodiversitätsstrategie der EU für das Jahr 2020“: „Der internationale Auftrag: Das Mandat der internationalen Staatengemeinschaft Die zehnte Konferenz der Vertragsparteien (Conference of the Parties, COP 10) zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD), die 2010 in Nagoya stattgefunden hat, resultierte in der Verabschiedung eines globalen Strategieplans für die biologischen Vielfalt 2011–2020 (Strategic Plan for Biodiversity 2011–2020), in der Annahme des Protokolls von Nagoya über den Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile (ABS-Protokoll) sowie in einer Strategie zur Mobilisierung von Mitteln zum Schutz der globalen Biodiversität. Die Biodiversitätsstrategie der EU für 2020 wird beiden Mandaten gerecht und bringt die EU auf den richtigen Weg, ihren eigenen Biodiversitätszielen und ihren globalen Verpflichtungen nachzukommen. Die europäische Vision 2050 und das Ziel 2020: Die Vision für 2050 Schutz, Wertbestimmung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der von ihr erbrachten Dienstleistungen – des Naturkapitals – der Europäischen Union aufgrund des Eigenwerts der biologischen Vielfalt und ihres fundamentalen Beitrags zum Wohlergehen der Menschen und zum wirtschaftlichen Wohlstand, um katastrophale Veränderungen, die durch den Verlust der biologischen Vielfalt verursacht werden, abwenden zu können. Das Ziel für 2020 Aufhalten des Verlustes an biologischer Vielfalt und der Verschlechterung der Ökosystemdienstleistungen in der EU und deren weitestmögliche Wiederherstellung bei gleichzeitiger Erhöhung des Beitrags der Europäischen Union zur Verhinderung des Verlustes an biologischer Vielfalt weltweit.“ Für die Entwicklung der Nationalparks sind von den insgesamt sechs strategischen Zielen der EU-Biodiversitätsstrategie die Ziele 1 und 2 von besonderer Bedeutung: „Einzelziel 1 Aufhalten der Verschlechterung des Zustands aller unter das europäische Naturschutzrecht fallenden Arten und Lebensräume und Erreichen einer signifikanten und messbaren Verbesserung dieses Zustands, damit bis 2020 gemessen an den aktuellen Bewertungen i) 100 Prozent mehr Lebensraumbewertungen und 50 Prozent mehr Artenbewertungen (Habitat-Richtlinie) einen verbesserten Erhaltungszustand und ii) 50 Prozent mehr Artenbewertungen (Vogelschutz-Richtlinie) einen stabilen oder verbesserten Zustand zeigen. Einzelziel 2 Bis 2020 Erhaltung von Ökosystemen und Ökosystemdienstleistungen und deren Verbesserung durch grüne Infrastrukturen sowie Wiederherstellung von mindestens 15 Prozent der verschlechterten Ökosysteme.“
Biodiversitätsstrategie und EU-Strategie
Eine weltweit anerkannte und gültige Kategorisierung von Schutzgebieten wurde von der Internationalen Union zum Schutz der Natur (IUCN) entwickelt. Sie richtet sich nach den Managementzielen eines Schutzgebiets und seinen besonderen Merkmalen. Als Grundlage für die Klassifizierung und Meldung von Schutzgebieten haben sich die „IUCN-Managementkategorien für Schutzgebiete“ auf der ganzen Welt etabliert und wurden als Gesamtrahmen für die Kategorisierung von Schutzgebieten durch die Biodiversitätskonvention (CBD) anerkannt. Für Europa ist auch die im Jahr 2000 veröffentlichte Interpretation der IUCN-Managementkategorien für Europa von Bedeutung. Nationalparks werden von der IUCN als Kategorie II geführt und sind mit bestimmten Zielen und Merkmalen verbunden. In den „Richtlinien für die Anwendung der IUCN-Managementkategorien für Schutzgebiete“, der deutschen Übersetzung der von der IUCN 2008 herausgegebenen englischen Originalpublikation, werden Schutzgebiete der Kategorie II wie folgt definiert: „Schutzgebiete der Kategorie II sind zur Sicherung großräumiger ökologischer Prozesse ausgewiesene, großflächige natürliche oder naturnahe Gebiete oder Landschaften samt ihrer typischen Arten- und Ökosystemausstattung, die auch eine Basis für umwelt- und kulturverträgliche geistig-seelische Erfahrungen und Forschungsmöglichkeiten bieten sowie Bildungs-, Erholungs- und Besucherangebote machen.“ Vorrangiges Managementziel in diesen Gebieten ist der „Schutz der natürlichen biologischen Vielfalt zusammen mit der ihr zugrunde liegenden ökologischen Struktur und den unterstützenden ökologischen Prozessen sowie Förderung von Bildung und Erholung.“ Weitere Ziele bestehen in der Erhaltung und dem Schutz von Lebensräumen, Prozessen, genetischen Ressourcen und Populationen heimischer Arten, in der Besucherlenkung, der Unterstützung der lokalen Wirtschaft durch Tourismus und der Berücksichtigung der Belange indigener Völker (eine ausführliche Beschreibung aller Ziele und Merkmale findet sich in der oben genannten Publikation). Schutzgebiete der Kategorie II „Nationalparks“ unterscheiden sich von anderen Schutzgebieten vor allem durch einen Fokus auf den Schutz von natürlichen Prozessen, die dort im Unterschied zu kleineren Schutzgebieten oder Kulturlandschaften großräumig und ungestört ablaufen können. Für die Ausweisung als Kategorie II nach IUCN soll das vorrangige Managementziel für mindestens drei Viertel der Schutzgebietsfläche gelten. Auf 25 Prozent der Fläche dürfen auch andere Zwecke verfolgt werden, solange sie mit dem vorrangigen Ziel für das gesamte Schutzgebiet vereinbar sind. In Deutschland sind nach Stand 2015 alle Nationalparks als Kategorie II bei der IUCN gemeldet, auch wenn noch nicht alle von ihnen sämtliche Anforderungen dieser Kategorie erfüllen. Sie gelten somit als sogenannte Entwicklungsnationalparks. Als erstem Nationalpark in Deutschland wurde dem Nationalpark Kellerwald-Edersee 2010 das Zertifikat „Erfüllung der Kriterien für Nationalparks und Einstufung als Nationalpark der Kategorie II der IUCN-Richtlinien“ verliehen.
IUCN, Richtlinien und Schutzgebietskategorie
Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD), 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) beschlossen, verpflichtet in völkerrechtlich verbindlicher Form die Vertragsstaaten in Artikel 6, dass „jede Vertragspartei (…) nationale Strategien, Pläne oder Programme zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt entwickeln oder zu diesem Zweck ihre bestehenden Strategien, Pläne und Programme anpassen“ muss. Mit der am 7. November 2007 durch das Bundeskabinett beschlossenen Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) erfüllt die Bundesrepublik Deutschland Artikel 6 der CBD. Die NBS umfasst 330 Qualitäts- und Handlungsziele, die zu einer Vielzahl biodiversitätsrelevanter Themen konkretisiert wurden. Darunter befinden sich auch Ziele, die Nationalparks betreffen. Dazu gehören: Natürliche Entwicklung auf 5 Prozent der Waldfläche Erhaltung großräumiger, unzerschnittener Waldgebiete Erhaltung und Entwicklung der natürlichen und naturnahen Waldgesellschaften Besonderer Schutz alter Waldstandorte und Erhaltung sowie möglichst Vermehrung der Waldflächen mit traditionellen naturschutzfachlich bedeutsamen Nutzungsformen bis 2020 Klarere Fassung der Grundsätze einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Gesetz bis 2010 Zertifizierung von 80 Prozent der Waldfläche nach hochwertigen ökologischen Standards bis 2010 Ausgeglichenes Verhältnis zwischen Waldverjüngung und Wildbesatz bis 2020 Wildnis auf 2 Prozent der Landesfläche bis 2020 Repräsentatives und funktionsfähiges System vernetzter Biotope auf 10 Prozent der Landesfläche bis 2010 Das Aktionsfeld „Artenschutz und genetische Vielfalt“ der NBS stellt zudem die zentrale Bedeutung der Ausweisung von Schutzgebieten und deren Vernetzung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt heraus: „Die Artenvielfalt und die genetische Vielfalt wild lebender Pflanzen- und Tierarten wird insbesondere durch den Schutz ihrer Habitate und Lebensräume erhalten. Bei der Erhaltung reproduktionsfähiger Populationen spielen der Biotopverbund und Schutzgebietsnetze eine zentrale Rolle.“ Im Aktionsfeld „Biotopverbund und Schutzgebietsnetze“ wird die „Ausweisung neuer Nationalparke“ ausdrücklich als Maßnahme zur Umsetzung der Handlungsziele festgelegt. Der Koalitionsvertrag 2013–2017 der Bundesregierung hat die Umsetzung der NBS ausdrücklich bekräftigt: „Wir wollen den Naturreichtum und die Artenvielfalt unserer Heimat bewahren. Die nationale Biodiversitätsstrategie wird umgesetzt.“ Natürliche Waldentwicklung auf 5 Prozent der Waldfläche (= 1 Prozent der Waldfläche im öffentlichen Eigentum) und 2 Prozent Wildnis sind dabei eigenständige Ziele mit teilweisen Überschneidungsbereichen. Nach derzeitigem Stand (2014) sind in Deutschland 213.145 Hektar Wald, das entspricht 1,9 Prozent der Waldfläche, dauerhaft als Wald mit natürlicher Entwicklung geschützt.
Biodiversitätsstrategie, CBD, National und NBS
Infrastruktur für Besucherinnen und Besucher
Die Infrastruktur in einem Nationalpark sollte dem Naturraum und Schutzzweck angemessen angelegt und gleichzeitig attraktiv und besucherorientiert sein. Das bedeutet, dass die Bereiche mit Prozessschutz oder besonders empfindlichen Ökosystemen vor Besuchseinrichtungen verschont bleiben sollten, da es sonst zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen kann. Besuchermagnete sind beispielsweise Radwege, Kanustrecken, Informationszentren und -stellen, Aussichtspunkte, Baumwipfelpfade, historische Bauwerke, Wildtiergehege oder Beobachtungsstationen. Wander- und Radwege sollten parkspezifisch einheitlich und sichtbar, aber dezent mit Wegemarkierungen, Schildern und Hinweistafeln ausgewiesen werden und an das überregionale Wegenetz angebunden sein. Nationalparks befinden sich meist in ländlichen peripheren Gebieten. Problematisch gestaltet sich deshalb in manchen Fällen die Erreichbarkeit der Parks bzw. ihrer wichtigsten Anziehungspunkte durch den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). So wird man bei der Planung der Infrastruktur möglicherweise mit folgenden Herausforderungen konfrontiert: niedrige Taktung der bestehenden ÖPNV-Linien kaum regulärer ÖPNV an Feiertagen und am Wochenende Aufteilung einer Nationalparkregion in mehrere Verkehrsverbunde Für die touristische Erschließung einer Nationalparkregion ist eine überregionale Lösung wichtig, die einen unkomplizierten Wechsel zwischen Verkehrsverbunden und Tarifzonen ermöglicht, da Wanderer sich nicht an administrativen Grenzen oder an Grenzen von Verkehrsverbunden und Tarifzonen orientieren können. Wird ein Nationalpark in einer Region eingerichtet, bieten Besucherströme die Chance, Fahrgastpotenziale zu generieren, die die Versorgung mit ÖPNV-Leistungen auch für die einheimische Bevölkerung verbessern und stärken können. Deshalb werden durch die Einrichtung eines Nationalparks die Mobilitätsangebote sowie die touristischen Infrastrukturen in der Regel verbessert. Beispielhaft ist die Lösung im Nationalpark Bayerischer Wald, in dem mit der Gästekarte des Beherbergungsbetriebs eine kostenfreie Benutzung des ÖPNV möglich ist. So sind die meisten deutschen Nationalparks gut mit der Bahn zu erreichen. Tipps zur Anreise und zur Fortbewegung in den Schutzgebieten sowie Infos zu den Höhepunkten der Nationalparks bietet „Fahrtziel Natur“, eine Kooperation von BUND, NABU und VCD mit der Deutschen Bahn. Mit dabei sind zwölf der 16 Nationalparks (Stand: 2015): Bayerischer Wald, Berchtesgaden, Harz, Sächsische Schweiz, Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Hamburgisches Wattenmeer, Niedersächsisches Wattenmeer, Hainich, Eifel, Jasmund, Eifel sowie der Müritz-Nationalpark.
Infrastruktur und Qualitätskriterien
Die Nationalen Naturlandschaften sind die Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks in Deutschland. Das Programm „Partner der Nationalen Naturlandschaften“ führt unterschiedliche Branchen wie etwa Hotellerie, Gastronomie, Mobilität, Handwerk, Lebensmittelverarbeitung, Landwirtschaft oder Bildung in einer Nationalen Naturlandschaft in einer Partnerinitiative zusammen und organisiert den fachlichen Austausch bundesweit. Dabei geht es immer wieder darum, innovative Ansätze nachhaltigen Wirtschaftens zu diskutieren und Umsetzungsoptionen auszuloten. So werden bundesweit nicht nur der fachliche Austausch, sondern auch Kooperationen und Netzwerke der Partner gefördert, die sich alle mit den Zielen der Nationalen Naturlandschaften identifizieren. Zur Qualitätssicherung wurden für die Partnerinitiativen bundesweite Mindeststandards festgelegt sowie Mindestkriterien für die Kategorienkataloge verabschiedet. Zudem wurde ein einheitliches Partner-Logo etabliert, das von den meisten Partnerinitiativen als Alleinstellungsmerkmal für die Vermarktung ihrer Produkte genutzt wird. Aufgrund der vielen Vorteile wächst das Programm seit seinen Anfängen im Jahr 2003 stetig. 2017 beteiligten sich insgesamt über 1.400 Partnerbetriebe aus 31 Nationalen Naturlandschaften an dem Partnerprogramm, darunter die Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Niedersächsisches Wattenmeer, Sächsische Schweiz, Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund, Kellerwald-Edersee, Hainich, Unteres Odertal, Harz, Bayerischer Wald, Eifel, Hunsrück-Hochwald, Schwarzwald und der Müritz-Nationalpark. Neben dem stetigen Zuwachs an Partnerinitiativen hat sich auch die Branchenverteilung im Partnerprogramm gewandelt. Waren es ursprünglich vorwiegend Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe, so verfügt die Initiative heute über ein breites Spektrum an Branchen (Verkehrsbetriebe, Bildungs- und Informationseinrichtungen, Natur- und Landschaftsführer sowie Erzeuger und Anbieter regionaler Produkte). Generell haben die Partnerbetriebe einen direkten geografischen oder wirtschaftlichen Bezug, erfüllen hohe Qualitäts- und Umweltstandards und fungieren als Multiplikatoren der Schutzgebiets-Idee in ihren Regionen. Die teilnehmenden Betriebe haben durch die Zusammenarbeit mit den Nationalen Naturlandschaften die Möglichkeit, sich von der Masse ihrer Mitbewerber abzuheben, da diese Kooperation eine exklusive Auszeichnung und ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal darstellt. Gäste bzw. Kunden erfahren eine individuelle Betreuung im Schutzgebiet mit vielseitiger Information, darüber hinaus werden ihnen hohe Qualitäts- und Umweltstandards geboten. Dies wirkt sich auch auf die Zufriedenheit der Gäste bzw. Kunden aus, die nach einem Besuch wertvolle Werbeträger für die Region sein können. Eine Umfrage unter den Partnerinitiativen im Jahr 2013 ergab, dass auch zukünftig neue Gewerbe hinzukommen sollen. Mit der kontinuierlichen Etablierung des Partnerprogramms wurden auch die Kriterien und Mindeststandards stetig weiterentwickelt. Eine Stärkung des öffentlichen Auftritts wurde durch eine gemeinsame Außendarstellung (Messen, Internet, Newsletter, Postkarten etc.) im Corporate Design der Nationalen Naturlandschaften realisiert. Die Durchführung eines gemeinsamen bundesweiten Dialogforums konnte 2012 erstmalig im Nationalpark Kellerwald-Edersee zum Thema „Ein Netzwerk für Tourismus und Natur“ verwirklicht werden. Im Jahr 2014 wurde die Reihe mit dem Themenschwerpunkt „Wie kann eine touristische Produktentwicklung erfolgreich gestaltet werden?“ im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg erfolgreich mit Mitteln von BMU und BfN weitergeführt. Die Dialogforen dienen einem bundesweiten Austausch der Partnerbetriebe und geben ihnen wichtige neue Impulse für ihre Arbeit. www.natioanle-naturlandschaften.de/partner
Nationale Naturlandschaften, Partner-Initiativen und Partnerinitiativen
Naturkundliche Bildung und Naturerlebnisse sind in Nationalparks ausdrücklich erwünscht, sofern sie den vorrangigen Schutzzweck eines möglichst ungestörten Ablaufs der Naturvorgänge auf überwiegender Fläche nicht gefährden (BNatSchG 2010, § 24, Abs. 2). Hieraus ergeben sich spezifische Bedingungen für Ausmaß, Gestalt und Charakter des Tourismus in Nationalparks. Der „naturorientierte Tourismus“ erlangt durch seine wachsende Nachfrage eine zunehmende Bedeutung innerhalb der Tourismusbranche. „Ein gestiegenes Umweltbewusstsein sowie ein wachsendes Interesse der Reisenden an der Natur haben zu dieser Entwicklung beigetragen.“ Insbesondere im Bereich des naturorientierten Tourismus sollten die gastronomischen Leistungen „dem Anspruch von Regionalität, Saisonalität und Ökologie gerecht werden“. Daher unterstützen die Nationalparkverwaltungen in ihren Gebieten einen naturorientierten Tourismus – in nahezu allen Nationalparks gibt es Partnerbetriebe –, der die Naturressourcen schont und die Naturerfahrung fördert. Naturerlebnis- und Bildungsangebote (Veranstaltungen, Führungen, Wanderungen) sowie Infrastruktureinrichtungen (Lehrpfade, Aussichtstürme, Informationszentren etc.) führen Menschen aller Altersgruppen an die Besonderheiten der Nationalparks heran. Einige der Angebote haben sich zu Besuchermagneten mit zum Teil überregionaler Bedeutsamkeit entwickelt, dazu gehören beispielsweise die Baumwipfelpfade in den Nationalparks Hainich und Bayerischer Wald oder der „Wildnis-Trail“ im Nationalpark Eifel. Die Angebote sind gut nachgefragt, viele sind ausgebucht und die Gäste sind fast durchweg sehr zufrieden, was die hohe Zahl von „Wiederholungsbesuchern“ belegt.
Naturschutzfinanzierung, Tourismus und Tourismusentwicklung
In allen Nationalparks ist das Erleben unberührter Natur auf einem umfangreichen, markierten Wegenetz uneingeschränkt möglich. Zudem stehen sie allesamt der Öffentlichkeit offen und kosten keinen Eintritt. Besucherinnen und Besucher werden über Orientierungs- und Leitsysteme zu den Attraktionen des Nationalparks hin- und von sensiblen Bereichen weggeführt. Dafür bestehen in den meisten Nationalparks Wegegebote oder Betretungsverbote in unterschiedlichem Umfang. Während die Besucher in einigen Parks gebeten sind, die markierten Wege nicht zu verlassen, gelten andernorts lediglich in der Kernzone Betretungsverbote, teilweise nur zeitweilig. Zwei Nationalparks sind uneingeschränkt begehbar: Berchtesgaden und Hainich. Bei einer hohen Wegedichte können daraus mitunter erhebliche Belastungen für die Natur resultieren. Hohe Besucherzahlen, häufig frequentierte Wege und Parkplätze oder intensiver (teils unerlaubter) Pkw-Individual- oder Bootsverkehr bergen Störpotenziale für die Pflanzen- und Tierwelt. An Feiertagen und in Urlaubszeiten sind einige Nationalparks, wie beispielsweise Sächsische Schweiz, Harz, Jasmund und Berchtesgaden, touristisch besonders stark beansprucht. Damit der Wildnis-Charakter eines Nationalparks wahrgenommen werden kann, darf die Besucherdichte auch auf besonders beliebten Wegen nicht zu hoch sein. Denn „Touristen sind immer die anderen!“. Mit einfachen planerischen „Tricks“ kann die Kapazität eines Gebiets erhöht werden. Beispielsweise wurden der „Wildnis-Trail“ in der Eifel und der „Seelensteig“ im Bayerischen Wald in nur eine Richtung ausgeschildert. Durch den Umstand, dass den Besuchern so kaum jemand entgegenkommt, wird der Eindruck vermittelt, es seien wesentlich weniger Leute unterwegs, als dies tatsächlich der Fall ist.
Evaluierung, Monitoring, touristische Ressource und Wegeplanung
1975 gründeten 22 Natur- und Umweltschützer den Bund für Natur- und Umweltschutz Deutschland, 1977 erfolgte die Umbenennung in Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Mit über 469.000 Mitgliedern und Förderern gehört er heute zu den größten Umweltverbänden Deutschlands. Die Bundesgeschäftsstelle des BUND befindet sich in Berlin, außerdem gibt es Landesverbände in allen 16 Bundesländern – der bayerische Landesverband trägt den Namen Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN Bayern) – und die Jugendorganisation BUNDjugend. Der BUND ist der deutsche Vertreter im internationalen Umweltschutznetzwerk Friends of the Earth und Mitglied im Deutschen Naturschutzring. Der BUND setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland ein. Zu den Zielen, denen er sich widmet, gehören unter anderem eine umweltfreundliche Land- und Forstwirtschaft, gesunde Lebensmittel, Klimaschutz, Ausbau regenerativer Energien, Artenschutz sowie der Schutz ökologisch wertvoller Flächen und Landschaften. Der BN Bayern war bereits an der Gründung des ersten deutschen Nationalparks im Bayerischen Wald maßgeblich beteiligt. Der BUND engagiert sich seit seiner Gründung für die Einrichtung weiterer Nationalparks, zuletzt erfolgreich im Schwarzwald. Der BUND fordert verstärkt die Ausweisung eines Nationalparks mit großen naturnahen Buchenwaldflächen, beispielsweise im Steigerwald, Thüringer Wald und in Ostwestfalen (Senne/Egge/Teutoburgerwald).
BUND und Umweltbund
Als Dachverband der Nationalen Naturlandschaften verleiht EUROPARC Deutschland e. V. (EUROPARC) den deutschen Nationalparks, Biosphärenreservaten, Naturparks und Wildnisgebieten eine gemeinsame Stimme. Bereits 1973 rief der Hamburger Kaufmann Dr. h. c. Toepfer die Föderation der Natur- und Nationalparks (FNNPE, heute EUROPARC Federation) ins Leben. Als erste Sektion der EUROPARC Federation wurde 1991 EUROPARC Deutschland e. V. als Dachverband der Nationalen Naturlandschaften gegründet. Mitglieder von EUROPARC sind die Nationalparks, Biosphärenreservate und ein Teil der Naturparks sowie Nichtregierungsorganisationen (NGOs) aus dem Natur- und Umweltschutzbereich. Der ehrenamtliche Vorstand setzt sich aus je einem Mitglied aller vier Bereiche zusammen. EUROPARC ist Träger unterschiedlicher eigener Projekte. Unter Einbindung der Mitglieder entwickeln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Geschäftsstelle Vorhaben, die in den einzelnen Gebieten ihre Umsetzung finden. Vor Ort werden damit wichtige Anregungen gegeben, deren Übertragbarkeit im Verbund wertvolle Synergien erzeugt. Aufgabe von EUROPARC ist es, in den Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks unterstützend zu wirken. Die praxisnahen Projekte leisten hier einen wertvollen Beitrag. Expertise aus Projekten außerhalb der Nationalen Naturlandschaften bringt EUROPARC in seine Verbandsarbeit mit ein. Darüber hinaus kommen in themen- und schutzgebietsbezogenen Arbeitsgruppen unter dem Dach von EUROPARC Fachleute und Interessierte aus Nationalparks, Naturparks, Biosphärenreservaten, Wildnisgebieten und den NGOs zusammen, um im Interesse der Nationalen Naturlandschaften Positionen abzustimmen und Projekte zu realisieren. Der Verband finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, über Projektförderungen und Partner aus der Wirtschaft.
Im Jahr 1971 brach eine kleine Gruppe von Friedensaktivisten der Organisation „Don’t Make a Wave Committee“ mit einem Fischkutter von der Küste Alaskas zur Aleuten-Insel Amchitka auf, um dort einen US-amerikanischen Atomtest zu verhindern. Die Aktion mit dem Namen „Greenpeace“ wurde zwar durch die US Coast Guard unterbunden, es fanden jedoch keine weiteren Atomtests vor Amchitka mehr statt. 1972 wurde die Organisation in Greenpeace Foundation umbenannt. In den folgenden Jahren entstanden weltweit 15 bis 20 Greenpeace-Gruppen, 1979 wurden sie unter dem Namen Greenpeace International zusammengefasst. Mittlerweile ist Greenpeace in über 40 Ländern vertreten. Der deutsche Ableger Greenpeace e. V. wurde 1980 gegründet und ist heute in Hamburg ansässig. Rund 580.000 Fördermitglieder machen Greenpeace e. V. zur größten Umweltschutzorganisation Deutschlands. Greenpeace macht auf Umweltprobleme – insbesondere auf solche mit globaler Relevanz – aufmerksam, engagiert sich für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen aller Lebewesen und setzt sich für Verbraucherinteressen ein. Das Themenspektrum reicht vom Schutz der biologischen Vielfalt und ihrer Lebensräume über den Einsatz für erneuerbare Energien und eine ökologische, sozial verträgliche Marktwirtschaft bis zur Bekämpfung von Umweltverschmutzung durch Atommüll, giftige Industrieabfälle und Treibhausgase. Ein zentraler Bestandteil der Arbeit von Greenpeace sind gewaltfreie direkte Aktionen, um öffentlichkeitswirksam auf Missstände aufmerksam zu machen. Als Befürworter des Schutzes von Urwäldern und naturnahen Wäldern unterstützt Greenpeace das Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung, bis 2020 den Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung auf 5 Prozent der Waldfläche zu erhöhen. Die Organisation setzte sich im Kellerwald mit einer Kampagne gegen Holzeinschlag und für die Ausweisung eines Nationalparks ein und machte sich für die Einrichtung des Nationalparks Schwarzwald stark. Zum Schutz der deutschen Rotbuchenwälder sieht Greenpeace Potenzial für weitere Schutzgebiete in den Waldgebieten Pfälzer Wald, Spessart, Steigerwald, Ammergebirge, Stechlinsee, Taunus, Solling, Teutoburger Wald und Thüringer Wald.
Im Anschluss an eine internationale Konferenz in Fontainebleau (Frankreich) wurde 1948 die Nichtregierungsorganisation International Union for the Protection of Nature gegründet. 1956 erfolgte die Umbenennung in International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN). Ihr Hauptsitz befindet sich in Gland in der Schweiz, daneben gibt es weitere Niederlassungen in 45 Ländern. Mit über 1.200 Mitgliedsorganisationen (85 Staaten, 122 Regierungsorganisationen, 106 internationale und 886 nationale Nichtregierungsorganisationen sowie 47 assoziierte Organisationen) und knapp 11.000 freiwillig mitarbeitenden Wissenschaftlern und Experten aus etwa 160 Staaten (Stand: September 2014) ist sie die größte internationale Naturschutzorganisation. Mitglieder aus Deutschland sind das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das Bundesamt für Naturschutz (BfN), die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz), 20 Nichtregierungsorganisationen (darunter auch die EUROPARC Federation und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt) sowie eine assoziierte Organisation. Laut ihrer Satzung hat es sich die IUCN zur Aufgabe gemacht, „Gesellschaften weltweit zu beeinflussen, zu ermutigen und zu unterstützen, die Unversehrtheit und Vielfalt der Natur zu erhalten und sicherzustellen, dass jeglicher Gebrauch natürlicher Ressourcen gerecht und ökologisch nachhaltig erfolgt“. Um Naturschutz und Nachhaltigkeit sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene zu unterstützen, setzt sie auf die Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen, Projekte zum nachhaltigen Umgang mit biologischer Vielfalt und natürlichen Ressourcen, Lobbyarbeit und die Beratung von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen. Zu den Aktivitäten der IUCN gehören unter anderem ein alle vier Jahre stattfindender Weltnaturschutzkongress (gleichzeitig Generalversammlung der Mitglieder), die Herausgabe der Roten Liste gefährdeter Arten und die Beratung des Welterbe-Komitees im Bereich des Naturerbes. Alle zehn Jahre lädt die IUCN zum World Parks Congress ein, um die Strategie zur Naturschutzarbeit in Schutzgebieten für die nächste Dekade festzulegen. 1978 veröffentlichte die IUCN ein System zur Einteilung aller Schutzgebiete der Erde in Kategorien, die anhand von Schutz- und Managementzielen definiert sind. Das System wurde 1994 noch einmal überarbeitet. Die sechs Kategorien stellen zwar keine Hierarchie dar, es ist jedoch ein grober Zusammenhang zwischen aufsteigender Kategoriennummer und abnehmendem Einfluss des Menschen im Gebiet erkennbar. Nationalparks entsprechen der Kategorie II. Zur Anerkennung müssen sie eine Reihe von Kriterien erfüllen. Die Arbeit der IUCN teilt sich in 14 themenbasierte Programme auf, darunter Schutzgebiete, Wasser, Waldschutz, Arten, Umweltrecht und Ökosystemmanagement. In sechs Kommissionen erarbeiten ehrenamtliche Fachleute wissenschaftliche Grundlagen und Handlungsempfehlungen. Im Rahmen des Schutzgebietsprogramms ist die World Commission on Protected Areas (WCPA) tätig, die mit über 1.700 Mitgliedern aus 140 Staaten das weltweit größte Netzwerk aus Schutzgebietsexpertinnen und -experten darstellt. Sie setzt sich unter anderem durch die Beratung und Unterstützung von Entscheidungsträgern und Schutzgebietsmanagern, die Entwicklung von nachhaltigen Finanzierungstrategien, die Einbindung des Wissens indigener Volksgruppen sowie durch Öffentlichkeitsarbeit für die Entstehung und das effektive Management eines weltweiten Schutzgebietssystems ein.
Lokale Vereine und Fördervereine
Häufig sind Bürgerinitiativen und ehrenamtliches Engagement der Ausgangspunkt und die Basis einer Nationalparkgründung. Meist als Verein organisiert, bereiten sie den Nährboden für ein ordentliches Ausweisungsverfahren, indem sie für Akzeptanz der Nationalparkidee werben und ggf. politischen Druck ausüben. Informationsmaterialien, vielfältige Medienbeiträge und öffentliche Veranstaltungen (wie etwa Bürgerversammlungen, Führungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen) werden meist ehrenamtlich von den Fördervereinen oder Freundeskreisen angeboten. Gleichzeitig bringen sie sich bisweilen auch durch Vorschläge zur Umsetzung des Nationalparks und zur Regionalentwicklung aktiv in die Planung ein. Nachdem der Nationalpark eingerichtet ist, haben die Vereine zahlreiche Möglichkeiten, sich weiterhin für dessen Belange zu engagieren. Neben der Fortführung der Aktivitäten zur Information und Akzeptanzsteigerung (geführte Wanderungen und Exkursionen, Programme für Kinder- und Jugendgruppen, Herausgabe von Informations- und Umweltbildungsmaterial, Medienpräsenz, Vorträge etc.) können dies beispielsweise der Einsatz für Naturschutzprojekte, die Teilnahme an wissenschaftlichen Untersuchungen, die Schulung von Freiwilligen, die Unterstützung der Nationalparkverwaltung (etwa bei Veranstaltungen), das Werben von Spendern und Sponsoren für den Nationalpark oder die Ausrichtung kultureller Veranstaltungen mit Bezug zum Nationalpark (Ausstellungen, Filmfestivals, Benefizkonzerte etc.) sein. Da Vereine zudem privatrechtlich organisiert sind, ist es ihnen möglich, Fördermittel einzuwerben und Förderprojekte umzusetzen. Die aktiven Mitglieder kommen meist aus der Nationalparkregion und engagieren sich ehrenamtlich für den Verein. In einigen Fällen beschäftigen die Vereine auch hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Passive und Fördermitglieder können aber auch aus anderen Regionen kommen. Im Folgenden sind einige Vereine aufgeführt, die sich – in unterschiedlichem Umfang und auch auf unterschiedliche Art und Weise – für die positive Außenwirkung und Entwicklung deutscher Nationalparks einsetzen: Bayerischer Wald Pro-Nationalpark Freyung-Grafenau e. V. http://www.pro-nationalpark.de Pro Nationalpark zur Förderung des Zwieseler Winkels e. V. http://www.pronat-zwiesel.de Kultur- und Förderkreis Nationalpark Bayerischer Wald e. V. http://www.woidwejd.de Berchtesgaden Verein der Freunde des Nationalparks Berchtesgaden e. V. http://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de/01_nationalpark/08_foerderverein/index.htm Eifel Förderverein Nationalpark Eifel e. V. http://www.foerderverein-nationalpark-eifel.de Hainich Gesellschaft zur Entwicklung des Nationalparks Hainich e. V. http://www.nationalpark-hainich.de/informieren/foerderverein-gen.html Harz Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz e. V. http://www.gfn-harz.de Hunsrück-Hochwald Freundeskreis Nationalpark Hunsrück e. V. http://www.freundeskreisnationalparkhunsrueck.de Jasmund Verein der Freunde und Förderer des Nationalparks Jasmund e. V. Kellerwald-Edersee Förderverein für den Nationalpark Kellerwald-Edersee e. V. http://www.foerderverein-nationalpark-kellerwald.de Müritz Förderverein Müritz-Nationalpark e. V. www.mueritz-nationalpark.de/foerderverein Niedersächsisches Wattenmeer Förderverein Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer e. V. www.nationalpark-wattenmeer.de/niedersächsisches-wattenmeer/kooperation/förderverein Sächsische Schweiz Freunde des Nationalparks Sächsische Schweiz e. V. http://www.nationalparkfreunde.info Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e. V. http://www.schutzstation-wattenmeer.de Schwarzwald Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald https://pro-nationalpark-schwarzwald.de Unteres Odertal Förderverein Nationalpark Unteres Odertal e. V. http://www.mlul.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.389375.de Vorpommersche Boddenlandschaft Förderverein Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft e. V. http://www.bodden-nationalpark.de keinem Nationalpark zugeordnet Engagement an Nord- und Ostseeküste und im Großraum Hamburg Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e. V. http://www.jordsand.eu
Deutschlands Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks sind seit 2005 unter der Dachmarke „Nationale Naturlandschaften“ vereint. Seit 2016 gehören auch Wildnisgebiete dazu. Damit verdeutlichen die Großschutzgebiete ihre gemeinsamen Ziele zum Schutz von Natur und biologischer Vielfalt. Sie stehen für die Erhaltung besonders schützenswerter Landschaften und damit für einen Teil unseres natürlichen und kulturellen Erbes. Die Dachmarke bietet den Nationalen Naturlandschaften die Möglichkeit, über ein einheitliches Erscheinungsbild gemeinsame Kommunikationswege zu eröffnen und einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Durch eine Vielfalt an Farbvarianten hat dabei jede Nationale Naturlandschaft einen individuellen „Auftritt mit dem Punkt“. Somit bietet die Dachmarke eine Plattform, auf der sich die Naturschönheiten gleichwertig in ihrer Vielfalt präsentieren können, ohne die Besonderheit einzelner Gebiete zu beschneiden. Weit über 100 Nationale Naturlandschaften gibt es in Deutschland – vom Wattenmeer über mitteldeutsche Flusslandschaften bis zu den Alpen. Träger der Dachmarke „Nationale Naturlandschaften“ ist die Dachorganisation der Nationalparks, Naturparks, Biosphärenreservate und Wildnisgebiete, EUROPARC Deutschland e. V. Die Entwicklung der Dachmarke wurde maßgeblich unterstützt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sowie die Länder Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen.
Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) wurde 1899 unter dem Namen „Bund für Vogelschutz“ gegründet. Ziel des Bundes war es damals, die einheimische Vogelwelt durch die Schaffung von Nisthilfen, Fütterung im Winter und Aufklärung der Bevölkerung zu schützen. Heute setzen sich mehr als 520.000 Mitglieder und Förderer des NABU national und international für Mensch und Natur ein. Zum einen widmen sie sich der Lösung ökologischer Schlüsselprobleme wie der Sicherung der biologischen Vielfalt, einer naturverträglichen Landnutzung, dem schonenden Umgang mit Ressourcen und einem effektiven Klimaschutz. Darüber hinaus bildet die Verbesserung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Natur- und Umweltschutzarbeit ein wichtiges Handlungsfeld des NABU. Dazu gehören die gesellschaftliche Anerkennung und gesetzliche Förderung von Freiwilligenarbeit, eine ökologisch und sozial verträgliche Globalisierung, die Entwicklung und Vernetzung ländlicher Regionen sowie eine konsequente, vorsorgende Umweltpolitik. Der Sitz des NABU-Bundesverbands ist in Berlin. Daneben existieren Landesverbände in 15 Bundesländern (in Bayern ist der Landesbund für Vogelschutz der Partnerverband des NABU) und zwei vom NABU-Bundesverband betriebene wissenschaftliche Institute. Die Naturschutzjugend (NAJU), die Jugendorganisation des NABU, ist mit rund 60.000 Mitgliedern die größte im Naturschutz aktive Jugendorganisation Deutschlands. Der NABU ist die deutsche Partnerorganisation von BirdLife International und Mitglied im Deutschen Naturschutzring sowie bei der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources. 1990 unterstützten viele später im NABU aktive Bürgerinnen und Bürger die Umsetzung eines Nationalparkprogramms der DDR. In den darauffolgenden Jahren setzte sich der NABU intensiv für die Ausweisung neuer Nationalparks an Oder und Elbe sowie im Hainich ein. Auch in der jüngsten Vergangenheit warb der NABU für die Einrichtung weiterer Nationalparks, so etwa mit einer Resolution zum Nationalpark Schwarzwald und mit einem gemeinsam mit dem BUND ausgearbeiteten Elf-Punkte-Forderungskatalog nach internationalen Kriterien zur Nationalparkausweisung im Hunsrück.
Die Stiftung World Wide Fund For Nature (WWF) ist eine internationale Naturschutzorganisation mit Sitz im schweizerischen Gland. Sie wurde 1961 als World Wildlife Fund von Wissenschaftlern, Politikern und Geschäftsleuten in der Schweiz ins Leben gerufen, um gegen die Zerstörung der Umwelt vorzugehen. Der Fokus lag damals auf dem Schutz einzelner gefährdeter Arten. In den darauffolgenden Jahren entstanden weltweit weitere Sektionen, unter anderem 1963 der WWF Deutschland, welcher heute in Berlin ansässig ist und derzeit rund 454.000 Mitglieder zählt. Aufgrund einer stetigen Ausweitung des Aufgabenspektrums erfolgte 1986 die Umbenennung in World Wildlife Fund For Nature. Der WWF ist Mitglied der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources und engagiert sich in mehr als 100 Ländern für die Bewahrung der biologischen Vielfalt und der natürlichen Umwelt, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, die Verringerung von Umweltverschmutzung sowie ein nachhaltiges Konsumverhalten. Die Schwerpunkte liegen auf der Erhaltung gefährdeter Ökosysteme, der Ausweisung von Schutzgebieten und dem Schutz gefährdeter Arten. Weitere Arbeitsfelder sind Klimaschutz und Landwirtschaft. Der WWF sieht in der Ausweisung von Nationalparks eine wichtige Voraussetzung für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und ihrer Erhaltung für kommende Generationen. Demnach können neue Nationalparks einen großen Beitrag zum Erreichen des 2 %-Wildnis-Ziels der Bundesregierung leisten. Der WWF machte sich 2013 für den Nationalpark Schwarzwald stark und fordert die Ausweisung von Nationalparks im Steigerwald sowie in der Nord- und Ostsee.
Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Zur Einrichtung eines Zoologischen Gartens in Frankfurt am Main wurde 1858 eine Aktiengesellschaft ins Leben gerufen, die bis zum Ersten Weltkrieg die Betreibergesellschaft des Zoos blieb. Der Einnahmenrückgang während des Krieges führte jedoch zum Bankrott der Gesellschaft, daraufhin ging der Zoo 1915 vollständig in städtische Trägerschaft über. Viele Freunde des Zoos, die ihn auch nach der Auflösung der Aktiengesellschaft weiterhin unterstützt hatten, fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder regelmäßig zusammen und spendeten für den Wiederaufbau. Aus dem Kreis dieser Förderer erwuchs 1950 die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens e. V., die wenige Jahre später ihren noch heute gültigen Namen Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e. V. erhielt. 1945 übernahm Prof. Dr. Bernhard Grzimek die Leitung des Frankfurter Zoos. Während mehrerer Afrikaaufenthalte erkannte er die Gefahr, dass die dortigen Wildtierbestände ohne Schutzmaßnahmen zusammenbrechen würden. Daraufhin verlagerte die ZGF ihren Arbeitsschwerpunkt auf den Naturschutz, wofür Bernhard Grzimek das Sonderkonto „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“ einrichtete, in das über viele Jahrzehnte die Spenden zahlreicher Zuschauerinnen und Zuschauer seiner Fernsehsendung „Ein Platz für Tiere“ flossen. Seit 2001 ist das Kapital der ZGF in der Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“ festgelegt und damit die Naturschutzarbeit des Vereins dauerhaft finanziell abgesichert. Der Sitz der ZGF ist nach wie vor in Frankfurt am Main. Sie ist Mitglied der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources und im Deutschen Naturschutzring. Die Projekte der ZGF sind darauf ausgerichtet, die biologische Vielfalt in bedeutenden Ökosystemen der Erde zu bewahren. Dabei liegt der Fokus vor allem auf großen, zusammenhängenden, naturnahen und nutzungsfreien Gebieten, sogenannten Wildnisgebieten. Traditionell fördert die ZGF schwerpunktmäßig Projekte in Ostafrika, die von einem Regionalbüro in Tansania aus geleitet werden. Darüber hinaus gibt es Projekte in Europa, Südamerika und Südostasien. Aufgrund ihres Bestrebens, ausgedehnte Wildnisgebiete zu schützen, unterstützt die ZGF weltweit zahlreiche Nationalparkverwaltungen und setzt sich für die Einrichtung neuer sowie die Ausweitung bestehender Nationalparks ein. Dies gilt in besonderem Maß auch für Deutschland, wo die ZGF mit der Initiative „Wildnis in Deutschland“ zum Erreichen des Ziels der Bundesregierung beitragen möchte, bis 2020 auf 2 Prozent der Fläche Deutschlands eine ungestörte Entwicklung und die Entstehung von Wildnis zuzulassen. Im Jahr 2013 engagierte sich die ZGF für die Nationalparkprojekte im Schwarzwald und im Hunsrück, unter anderem durch die Förderung der Vereinsgründung des Freundeskreis Nationalpark Hunsrück e. V.
Die Entwicklung der Wälder wird durch natürliche Ereignisse gesteuert, die gemeinhin auch als „Katastrophen“ wahrgenommen werden können. Diese Ereignisse können aus der Lebensgemeinschaft des Waldes selbst kommen oder von außen auf ihn einwirken, also endogenen oder exogenen Ursprungs sein. Sie können darüber hinaus biotischer oder abiotischer Natur sein. Stürme, Schnee- und Eisbruch, Lawinenstriche, Dürre, Überflutungen in Auwäldern und Feuer zählen zu den wesentlichen äußeren und abiotischen Störungen, die das Leben der Wälder beeinflussen und verändern. Zu den aus den Waldökosystemen selbst entstehenden „Störungen“ zählen vor allem Massenvermehrungen von Insekten wie zum Beispiel des Fichtenborkenkäfers, aber auch die Nutzung von Pflanzen und Pflanzenbestandteilen durch die unterschiedlichsten Pflanzenfresser (Herbivoren). Deren Raum- und Nahrungsnutzung wird wiederum gesteuert durch die Anwesenheit von Fleischfressern (Carnivoren). In bewirtschafteten Wäldern gelten alle diese natürlichen „Störungen“ der Waldentwicklung als Gefahr und Katastrophe aufgrund der teilweise massiven Beeinträchtigung oder Veränderung der Holzproduktion, auf die das wirtschaftliche Handeln von Waldbesitzern ausgerichtet ist. Was diese „Störungen“ für nicht bewirtschaftete Wälder als multivariable Steuerungselemente bedeuten, haben wir allerdings durch die vollständige wirtschaftliche Nutzung unserer Wälder verlernt. Nationalparks bieten daher sowohl Waldeigentümern als auch Förstern und an ursprünglicher Natur interessierten Menschen die Gelegenheit, zu erleben und zu lernen, wie Wälder sich in einem Netzwerk unterschiedlichster Waldentwicklungsphasen selbst steuern und entwickeln. Aus diesem Erleben der natürlichen Vorgänge kann erfahren werden, dass es Katastrophen in der Natur nicht gibt, sondern nur Ereignisse, die den Verlauf der Dinge immer wieder beeinflussen und verändern und damit Garanten biologischer Vielfalt sind. Zu „Katastrophen“ werden solche Ereignisse nur durch die Bedrohung der vom Menschen geschaffenen Werte oder durch die Gefährdung wirtschaftlicher Interessen.
Borkenkäferbefall, Katastrophen, Totholz und Windwurf
Zum Cluster Forst und Holz werden folgende Wirtschaftsbereiche gezählt: Forstwirtschaft, das Holz bearbeitende Gewerbe, das Holz verarbeitende Gewerbe, Holzverarbeitung im Baugewerbe, das Papiergewerbe, das Verlags- und Druckereiwesen sowie der Holzhandel. In diesen Wirtschaftsbereichen haben 2006 1,2 Millionen Beschäftigte 168 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet. Nach Umsatz (36 Prozent) und Beschäftigtenzahl (38 Prozent) ist das Verlags- und Druckereigewerbe der größte Wirtschaftsbereich im Cluster. Die Forstwirtschaft selbst spielt mit 2 Prozent Umsatzanteil und 8 Prozent Anteil an der Beschäftigtenzahl nur eine untergeordnete Rolle. Im Cluster Forst und Holz wurden 2006 3,4 Prozent des Umsatzes der gesamten deutschen Volkswirtschaft erarbeitet
Cluster, Clusterstudie, Forst und Holz
Soweit in Waldnationalparks im Entwicklungszeitraum von 30 Jahren Waldumbaumaßnahmen erforderlich sind oder verbriefte Nutzungsrechte der lokalen Bevölkerung dauerhaft aus der permanenten Managementzone befriedigt werden müssen, soll dies nach den Grundsätzen naturnaher Waldwirtschaft geschehen. Naturnahe Waldwirtschaft versteht den Wald als dauerhaftes, vielgestaltiges Ökosystem, dessen Selbststeuerungskräfte zur Erzeugung des Rohstoffs Holz, aber auch zur Sicherstellung der ökologischen und sozialen Funktionen der Wälder genutzt werden. Die konsequente Anwendung des Plenterprinzips bildet dabei die zentrale Handlungsoption. Der entstehende Waldaufbau kann als einzeln-, trupp-, gruppen- und horstweise gemischter ungleichaltriger Wald beschrieben werden. Die Anwendung naturnaher Waldwirtschaft in einem Nationalpark ist ein seltener Ausnahmefall für die in einem Entwicklungsnationalpark zulässigen und notwendigen Waldumbaumaßnahmen und kann die Nutzungsaufgabe und die damit zusammenhängenden ablaufenden Prozesse nicht ersetzen. Naturnahe Waldwirtschaft ist aber neben den großen Schutzgebieten der Nationalparks und den Trittsteinbiotopen der Naturwaldreservate der dritte wichtige Baustein eines modernen zukunftsweisenden Integrationsmodells ökologisch verantwortbarer Waldnutzung.
Naturgemäß, Naturschutz, Wald und Waldwirtschaft
Die Verbände der Holz- und Forstwirtschaft lehnen weitere Nationalparkausweisungen ab. Begründet wird dies im Wesentlichen mit einem vermeintlichen Zusammenbrechen der Rohstoffversorgung, dem Verlust von Arbeitsplätzen, dem Zugrundegehen der Wälder, die ohne pflegende Maßnahmen nicht existieren könnten, und dem Eingriff in das Eigentumsrecht der Waldbesitzer. Nationalparks werden auf Flächen eingerichtet, die sich im Eigentum der öffentlichen Hand befinden, daher wird kein Eigentumsrecht von privaten Landeigentümern verletzt. Der Bundesverband der Säge- und Holzindustrie behauptet in seinen Diskussionsbeiträgen zu geplanten Nationalparks immer wieder, dass ein Nationalpark der Natur und der Artenvielfalt schade, klimaschädlich sei und die Entwicklung einer Region behindere, obwohl dies in mehreren Untersuchungen widerlegt wurde. Selbstverständlich kommt in der Auseinandersetzung um neue Nationalparks auch das Arbeitsplatz-Argument ins Spiel. So wurde beispielsweise bei der Diskussion um den Nationalpark im Hunsrück die nicht mehr nutzbaren Kubikmeter Holz auf die Zahl der Gesamtarbeitsplätze des Clusters Forst und Holz bezogen und daraus der Verlust errechnet. Nicht berücksichtigt wurde dabei, dass im Cluster Forst und Holz Rheinland Pfalz die Arbeitsplätze im Bereich Papier und Druckgewerbe völlig unabhängig vom Holzaufkommen in Rheinland-Pfalz sind. Mit ihrer konsequenten Verweigerungshaltung gegen neue Nationalparks negieren die Verbände der Forst- und Holzwirtschaft nicht nur die erklärten Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie, deren Umsetzung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbart wurde, sondern verabschieden sich auch von dem auf dem ersten Deutschen Waldgipfel vereinbarten Generationenvertrag zur Waldbewirtschaftung: Hier wurde – von den Verbänden mitgetragen und unterzeichnet – der Konsens erzielt, 5 % der deutschen Wälder aus der Bewirtschaftung zu nehmen.
Forst, Holz, Holzwirtschaft und Papierwirtschaft
Wälder sind multivariable, zufallsgesteuerte Sukzessionsmosaike. Das bedeutet, dass Wälder eine nahezu unendliche Vielfalt an unterschiedlichen Ausprägungen ihrer Entwicklungsstadien – vom Verjüngungsstadium über das Heranwachsen und Reifen bis zu Altern und Zerfall – aufweisen. Dadurch entsteht auf der Fläche ein sich dauerhaft veränderndes dynamisches Mosaik, das durch die gegebene permanente Anwesenheit vielfältigster Lebensräume die jeweilige waldtypische Artenvielfalt sichert. Die Wälder in den deutschen Nationalparks sind ehemals bewirtschaftete Wälder und haben durch das wirtschaftliche Handeln des Menschen, das auf eine Produktion des wertvollen nachwachsenden Rohstoffs Holz ausgerichtet war, eine mehr oder weniger starke Veränderung ihrer ursprünglichen Artenausstattung und Strukturen erfahren. Dies ist grundsätzlich als Teil ihrer Entwicklungsgeschichte zu akzeptieren und kein Hinderungsgrund, diese Wälder wieder unter Nationalparkschutz dem freien Wirken der Natur zu überlassen. Im Managementplan können in konkret beschriebenen Ausnahmefällen für den Entwicklungszeitraum von maximal 30 Jahren Waldumbaumaßnahmen geplant werden, die im Sinne einer Renaturierung verloren gegangene ursprüngliche Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften wieder in das Gebiet einbringen. Waldumbaumaßnahmen beschränken sich damit auf die Wiedereinbringung der verschwundenen ursprünglichen Arten, die dann in ihrer weiteren Entwicklung wiederum der ausschließlichen Steuerung durch die natürlichen Wirkungskräfte überlassen werden. Waldumbaumaßnahmen sind kein Kampf gegen gebietsfremde Baumarten oder solche, die heute über das ursprüngliche Maß hinaus eine Waldgesellschaft dominieren. Wälder in Nationalparks werden als einzigartige Naturerscheinungen geschützt und dienen keinem wirtschaftlichen Zweck, insbesondere nicht der Holzproduktion. Alle waldbaulichen und forstwirtschaftlichen Maßnahmen wie zielgerichtete Verjüngung nach Verjüngungszielen, Mischwuchsregelung, Durchforstung und Qualitätsauslese finden daher in Nationalparkwäldern nicht statt.
Bundeswaldinventur, Wald und Waldentwicklung
Wildkatze, Luchs und Schwarzstorch – wie viele andere Tiere und Pflanzen gehören sie zu den bedrohten Tierarten, die als Symbolträger für die Rolle der Nationalparks im Artenschutz gelten. Die charismatischen Arten sind jedoch meist „Mittel zum Zweck“, denn der eigentliche Schutzzweck der Nationalparks ist in erster Linie die Erhaltung des Reichtums an verschiedenen Ökosystemen mit ihren natürlich ablaufenden Prozessen. Hierdurch ergibt sich gleichzeitig der Schutz spezialisierter und meist bedrohter Arten, die in einer durch den Menschen geformten Kulturlandschaft durch Zerschneidung der Lebensräume, fehlende natürliche Strukturen oder Übernutzung nicht überleben können. Der Schutz natürlicher Prozesse im Nationalpark bietet bedrohten Arten, die eine Störung durch den Menschen nicht tolerieren können, einen geeigneten Lebensraum. Ein Beispiel hierfür sind die intakten Moore im Nationalpark Harz, die eine Vielzahl seltener Pflanzen- und Tierarten beherbergen, darunter beispielsweise die Blasenbinse. Auch Wälder, die durch eine natürliche Dynamik geprägt sind (hervorgerufen durch Windwurf und andere Kalamitäten), liefern durch inhomogene Strukturen ökologische Nischen für bedrohte Arten wie das Auerhuhn. Habitate für bestimmte gefährdete Arten können in ausreichendem Maße lediglich in unbewirtschafteten Wäldern oder anderen Ökosystemen mit natürlicher Dynamik bereitgestellt werden (zum Beispiel Totholz, Baumhöhlen). So wurden im Nationalpark Bayerischer Wald signifikant höhere Artenzahlen bei Flechten sowie höhere Pilz- und Käferzahlen in totholzreichen Schutzwäldern (Prozessschutz- und Entwicklungswälder) ermittelt als im regulären Wirtschaftswald – darunter bedeutende Vorkommen vom Aussterben bedrohter Urwaldreliktarten. In einer natürlichen Dynamik sind Lebensräume gleichzeitig in unterschiedlichen Entwicklungsstadien vorhanden und so ist stets auch eine Vielzahl an Nischen für Spezialisten geboten. Im Nationalpark Unteres Odertal etwa entstehen durch die natürliche Gewässerdynamik der Oder Altarme, Schlammbänke und temporäre Wasserkörper, die Lebensgrundlage für gefährdete Tier- und Pflanzenarten wie Fischotter, Wachtelkönig und gemeine Krebsschere sind. Insgesamt sind in der „Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands“ von 2009 über 3.800 Tierarten und über 5.500 Pflanzenarten aufgeführt, die in ihrem Bestand gefährdet sind oder zumindest auf der Vorwarnliste stehen. Bezüglich der in Deutschland vorkommenden Biotoptypen sind laut Bundesamt für Naturschutz 72 Prozent als gefährdet einzustufen. Dabei hängen der Schwund von Lebensräumen einerseits und bedrohte Arten andererseits unmittelbar zusammen: Im Fall der Laufkäferarten beispielsweise, von denen viele auf totholzreiche Wälder angewiesen sind, werden in der Roten Liste von insgesamt 85 erfassten Arten 36 (also 42 Prozent) den Kategorien 0 bis 3 (= ausgestoben bis gefährdet) oder R (= extrem selten) zugeordnet. Mit zehn bestätigten xylobionten Urwaldrelikt-Käferarten etwa im Nationalpark Bayerischer Wald leistet dieser einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser seltenen Arten und ihrer Lebensräume.
Artenschutz, Artenvielfalt, Biodiversität und Rote Liste
Biodiversität, oder biologische Vielfalt, hat viele Gesichter. Der Begriff setzt sich zusammen aus bios (griechisch, = Leben) und diversitas (lateinisch, = Verschiedenheit) und bezeichnet die gesamte Vielfalt an Leben auf der Erde. Nach der Definition der Convention on Biological Diversity (CBD) umfasst Biodiversität „die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die Vielfalt der Ökosysteme“. Häufig beziehen sich Bewertungen von Ökosystemen lediglich auf den Artenreichtum oder die Artenvielfalt des Gebiets und nicht auf Biodiversität, bei der die Vielfalt der Ökosysteme und die genetische Vielfalt ebenfalls betrachtet werden müssten. Je nach Lebensraum ist jedoch eine äußerst differenzierte Betrachtung der bloßen Artenzahlen notwendig. So sind saure Buchenwälder, wie sie beispielsweise im Nationalpark Kellerwald-Edersee vorkommen, in naturnahem Zustand eher artenarm, weisen dafür aber charakteristische Arten auf, die speziell an das besondere Ökosystem angepasst sind. Auf bewirtschafteten Flächen findet man hingegen meist Generalisten mit einer breiten Toleranz für verschiedene Lebensräume. Durch ihre geringen Ansprüche und schnelle Anpassungsfähigkeit an ihren Lebensraum sind sie häufig und in fast allen Ökosystemen vertreten. Sie gehören somit nicht zum natürlichen Arteninventar der sauren Buchenwälder. Der Schutzzweck von Nationalparks ist in erster Linie die Erhaltung natürlicher oder naturnaher Ökosysteme, in denen ökologische Prozesse frei von direkten Eingriffen des Menschen stattfinden. Denn in ungenutzten Wäldern kommen andere Arten und Artengruppen vor als in Wirtschaftswäldern. So kann eine Nutzungsaufgabe auch dazu führen, dass bestimmte Arten in dem betreffenden Wald zurückgehen oder gar verschwinden. Dabei handelt es sich aber in der Regel um ohnehin häufig vorkommende Arten, denen großflächige Nutzwälder als potenzieller Lebensraum weiterhin zur Verfügung stehen. Nationalparks bieten hingegen Arten Lebensräume, die es sonst in unserer intensiv genutzten Landschaft nicht mehr gibt. In Prozessschutz- und Entwicklungswäldern konnten im Vergleich zum regulären Wirtschaftswald signifikant höhere Artenzahlen bei Flechten, Pilzen und Käfern nachgewiesen werden. Durch die natürlichen Prozesse lassen sich ursprüngliche Artengemeinschaften und Urwaldreliktarten finden, hauptsächlich xylobionte Käferarten, die in bewirtschafteten Wäldern aufgrund der vielzähligen anthropogenen Störungen und wegen des Mangels an Totholz nicht vorkommen. Die durch den Borkenkäfer ermöglichte Naturwaldentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald hat so beispielsweise zur Erhaltung seltener Käfer- oder Pilzarten beigetragen, die auf Totholz im Wald angewiesen sind. Auch in der Bundeswaldinventur II von 2001/2002 wird die Rolle von Totholz betont und als ein Mittel zur Steigerung der biologischen Vielfalt in Wäldern betrachtet. In der internationalen Biodiversitätskonvention (CBD) von 1992, in der EU-Biodiversitätsstrategie, in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (2007) sowie in den länderspezifischen Biodiversitätsstrategien ist das Hauptziel verfasst, die biologische Vielfalt zu erhalten. Nationalparks als letzte Refugien für spezialisierte Arten und bedrohte Lebensräume tragen dazu bei, die vereinbarten Ziele zu erreichen.
Artenvielfalt, Biodiversität und Biologische Vielfalt
Wälder erfüllen zwei wichtige Klimafunktionen: Erstens sind sie ein gigantischer Kohlenstoffspeicher und zweitens funktionieren vor allem große, zusammenhängende Waldflächen wie riesige Klimaanlagen. Die Bäume setzen die auf ihre Kronen einstrahlende Sonnenenergie in Wasserdampf um, der einen kühlenden Effekt auf die Atmosphäre hat. Zudem wird ein Teil der Sonnenenergie zur Photosynthese genutzt und über den Holzaufbau gespeichert. In den Wäldern junger Nationalparks wird im Vergleich zu anderen Ökosystemen und auch im Vergleich zu Wirtschaftswäldern besonders viel Kohlenstoff aufgenommen. Diese Aufbauphase dauert in der Regel mehr als 100 Jahre. Ein Nutzungsverzicht in deutschen Wäldern führt zum stärksten Biomassezuwachs und damit zur höchsten Speicherleistung. Ist die anfängliche Phase des Vorratsaufbaus abgeschlossen, tritt ein Gleichgewichtszustand ein, bei dem sich Biomasseauf- und -abbau die Waage halten. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob Urwälder in Mitteleuropa fortan noch eine Senkenwirkung aufweisen, also weiterhin Kohlenstoff aufnehmen, oder ob sie den Kohlenstoff lediglich speichern, also den einmal fixierten Kohlenstoff binden, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Summe keinen weiteren Kohlenstoff mehr aufnehmen können. Eine in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlichte, umfassende Literatur- und Datenbankauswertung zeigt jedoch, dass Wälder auch langfristig Kohlenstoffsenken darstellen und weiterhin Kohlenstoff im Boden binden. Aktuelle Forschungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie belegen diese Annahme. Ein Großteil der im Ökosystem Wald gebundenen Kohlenstoffmenge ist demnach in Auflagehumus, Mineralboden und Wurzeln enthalten und wird auch noch in sehr alten Wäldern dort eingelagert. Ein Beispiel aus Thüringen zeigt entsprechende Ergebnisse: Hier wurden ein bewirtschafteter Buchenwald (Leinefelde) und ein unbewirtschafteter Bereich des Nationalparks Hainich bezüglich ihres Netto-Ökosystemaustauschs an Kohlenstoff verglichen. Beide Wälder haben eine ähnliche Senkenwirkung. Werden naturferne Wälder (wie etwa Fichtenreinbestände) aus der Nutzung genommen, können Kalamitäten auftreten und der Wald kurzfristig zur Kohlenstoffquelle werden. Zum einen ist dieser Umstand allerdings der zuvor stattgefundenen Bewirtschaftungsweise geschuldet und kann grundsätzlich nicht dem Managementkonzept eines Nationalparks zulasten gelegt werden. Zum anderen ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass der Verrottungsprozess bei Fichten ausgesprochen langsam ist und ein Großteil des Kohlenstoffs auch in den Boden eingebaut wird. Schließlich nehmen die schnell aufwachsenden jungen Bäume erneut Kohlenstoff auf. In den Wäldern Deutschlands wächst bislang mehr Holz nach, als genutzt wird. Das heißt, dass der Holzvorrat mit durchschnittlich 336 m³ pro Hektar sehr groß ist. Gemäß der Bundeswaldinventur 2013 nimmt Deutschland damit eine Spitzenposition im Vergleich zu anderen Ländern Europas ein. Ein Nutzungsverzicht auf deutschen Waldflächen hat somit nicht zur Folge, dass andere Forstflächen übernutzt werden oder gar Primärwälder Sibiriens, Nordamerikas und der Tropen zusätzlich durch den deutschen Holzbedarf belastet werden müssten. Außerdem bilden lange Nutzungskaskaden nachwachsender Rohstoffe (beispielsweise langlebige Möbel), effizienterer Ressourceneinsatz und geringerer Ressourcenverbrauch Möglichkeiten, den Nutzungsdruck zusätzlich zu reduzieren. Das erlaubt den Schutz von Kohlenstoffvorräten auf naturschutzfachlich besonders interessanten Flächen ohne Verlagerungseffekte. Hinzu kommt, dass es sich bei den Flächen, die im Rahmen einer Nationalparkausweisung langfristig tatsächlich aus der Nutzung fallen, gemessen an Deutschlands Gesamtholzvorrat, um kaum darstellbare Anteile handelt. Durch die Kohlenstoffbindung in den Urwäldern von morgen ist demnach eine größere Klimaschutzwirkung zu erwarten als durch den Ersatz von fossilen Energieträgern mit Holz aus abgelegenen Winkeln eines Nationalparks. Schließlich kommt hinzu, dass durch die Ausweisung eines Nationalparks und der damit zusammenhängenden Förderung des Tourismus von indirekten positiven Klimaschutzeffekten auszugehen ist. Zum Beispiel wird in der Regel für das zunehmende Besucheraufkommen die örtliche Infrastruktur ausgebaut. Nicht quantifizierbar, aber sicher vorhanden sind in diesem Zusammenhang CO2-Einsparungen, die durch den Ausbau des ÖPNV-Netzes möglich sind. Außerdem wird es zahlreiche Menschen geben, die ihren Urlaub des Nationalparks wegen in der Region verbringen, anstatt ins Flugzeug zu steigen.
carbon, Global, Klimaschutz, Kohlenstoff, Kohlenstoffspeicher und Potenzial
Klassischer Naturschutz sieht in der Regel Pflegemaßnahmen vor, die bestehende Biotope erhalten und somit Lebensraum für bestimmte Arten bieten können. Der Ansatz, einen bestimmten Entwicklungszustand zu konservieren oder Maßnahmen zum Schutz einzelner Arten durchzuführen, ist in Nationalparks die Ausnahmesituation. Pflegende Maßnahmen des klassischen Naturschutzes bedürfen in Nationalparks einer besonderen Begründung und der Darstellung der Maßnahmen im Managementplan. Üblicherweise sind bestimmte Zonen ausgewiesen, in denen Maßnahmen des Arten- und Biotopschutzes dauerhaft durchgeführt werden. Diese „Managementzonen“ dürfen maximal 25 % der Gesamtfläche ausmachen und bieten Raum, um Arten von höchster Seltenheit und Gefährdungsstufe oder traditionelle Kulturlandschaftselemente auch in Nationalparks dauerhaft zu erhalten. So werden beispielsweise im Nationalpark Bayerischer Wald die früheren Weideflächen, die sogenannten Schachten, dauerhaft offen gehalten. Auch im Nationalpark Berchtesgaden zählt die Beibehaltung der traditionellen bäuerlichen Almwirtschaft zu den im Nationalpark zulässigen Managementaufgaben.
Management, Nationalparkplan und Pflege
Der Schutzzweck eines Nationalparks ist in § 24 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) beschrieben: „(1) Nationalparke sind rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete, die großräumig, weitgehend unzerschnitten und von besonderer Eigenart sind, in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen und sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet. (2) Nationalparke haben zum Ziel, in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten. Soweit es der Schutzzweck erlaubt, sollen Nationalparke auch der wissenschaftlichen Umweltbeobachtung, der naturkundlichen Bildung und dem Naturerlebnis der Bevölkerung dienen. (3) Nationalparke sind unter Berücksichtigung ihres besonderen Schutzzwecks sowie der durch die Großräumigkeit und Besiedlung gebotenen Ausnahmen wie Naturschutzgebiete zu schützen. (…)“ Diese Schutzbestimmung entspricht den internationalen Definitionen der Internationalen Union zum Schutz der Natur (IUCN) für Nationalparks. Die unbestimmten Rechtsbegriffe „großräumig“ und „überwiegender Teil ihres Gebietes“ wurden durch die Qualitätskriterien für Nationalparks in Deutschland 2008 mit „mindestens 10.000 ha“ und „75 Prozent als Prozessschutzzone“ konkretisiert und werden so als Bewertungsmerkmal vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) bei neuen Nationalparkprojekten angewendet. Damit ist klargestellt, dass Naturschutz in einem Nationalpark nicht dem klassischen, pflegend konservierenden Artenschutz entspricht, sondern den großräumigen Lebensraumschutz in Form des Prozessschutzes zum Ziel hat. Die in einem Nationalpark geschützten Lebensräume sollen sich möglichst frei von menschlicher Einflussnahme entwickeln und dabei die gesamte ökosystemtypische biologische Vielfalt entfalten.
Bundesnaturschutzgesetz, IUCN und Schutzauftrag
Der Begriff „Wildnis“ wird sehr vielfältig verwendet. Wildnis im Zusammenhang mit großen Gebieten, um die es im Falle von Nationalparks geht, wird oft mit fernen, schwer zugänglichen Gegenden in Verbindung gebracht. Diese erwecken, wie etwa der Amazonasregenwald, den Eindruck, frei von menschlichem Einfluss zu sein. In Mitteleuropa können dieser Vorstellung von Wildnis höchstens noch die Hochgebirge ansatzweise entsprechen. In Deutschland kann großflächige Wildnis nur als „Sekundärwildnis“, „aus der Kultur heraus“ entstehen, d. h. mehr oder weniger naturnahe Kulturlandschaften können aus der Nutzung genommen, als Nationalparks geschützt und fortan als Wildnis wahrgenommen werden. In diesem Zusammenhang ist insbesondere das Konzept des Prozessschutzes von Bedeutung, in dessen Mittelpunkt die „Dynamik des Naturgeschehens“ steht. Durch Prozessschutz werden natürliche Abläufe geschützt und somit „ungestörte Entwicklungsbedingungen für Arten und Lebensräume ermöglicht“. In den Kernzonen der Nationalparks sind daher steuernde Eingriffe nicht zulässig. In den Entwicklungszonen oder Zonen mit temporärem Management sind steuernde Eingriffe wie beispielsweise die Jagd oder vorbereitende Maßnahmen wie ein Waldumbau in Abhängigkeit von den Gegebenheiten jeweils sorgfältig zu diskutieren und zu entscheiden. Wildnis entwickelt sich in Nationalparks als Ergebnis des konsequenten Prozessschutzes. „Natur Natur sein lassen“ beschreibt diesen Weg, der Natur wieder ihre Freiheit zu schenken, sich nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten zu entwickeln, nicht nach einem von Menschen vorgedachten oder geplanten Ziel. Der Begriff „Wildnis“ kann nicht wissenschaftlich definiert werden. Er beschreibt die für jeden Menschen individuelle persönliche Beziehung zu einer nicht reglementierten Natur. Wildnis vermittelt eine Erfahrung von Schönheit, Kraft, Vitalität und Lebensfülle einer Natur, die für den Menschen gleichzeitig natürliche Umwelt und Grundlage seiner eigenen Existenz ist. Die in der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) verwendete Definition lautet: „Wildnisgebiete i. S. der NBS sind ausreichend große, (weitgehend) unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, die dazu dienen, einen vom Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten.“ Auch in den alten Kulturlandschaften der deutschen Nationalparks ist die Natur imstande, nach Aufgabe jeder menschlichen Steuerung und Nutzung Wildnis neu entstehen zu lassen. Wildnis ist damit eine große Herausforderung, uns von den gewohnten Bildern einer gepflegten und genutzten Landschaft zu lösen und die alten Klischees einer vermeintlich unaufgeräumten, „verwilderten“ und damit wertlosen Landschaft, die amtlich einst mit dem Begriff „Unland“ bezeichnet wurde, hinter uns zu lassen. Die ungesteuerte freie Entwicklung der Natur, immer wieder neu und überraschend, geprägt von natürlichen Ereignissen, die wir gemeinhin als Störungen oder gar Katastrophen (zum Beispiel Lawinen, Windwurf, Borkenkäferbefall) bezeichnen, ist eine für uns in Deutschland neue Erfahrung, da unsere ursprüngliche Wildnis bis auf wenige rudimentäre Kleinflächen verschwunden ist. Alles ist wichtig in der Wildnis – nützlich oder schädlich, positiv oder negativ gibt es nicht. Als Menschen sind wir eingeladen, an der Freiheit allen Lebens in der in den Nationalparks entstehenden Wildnis teilzunehmen, als gerne gesehener Gast. Wildnis gibt uns einen ungeschminkten Einblick in das Leben um uns, zeigt uns ursprüngliche Schönheit in großen Naturereignissen und öffnet unsere Sinne für die unendlich vielfältige Anmut der oft unbeachteten kleinen Mitgeschöpfe. Sie lässt uns die Ethik Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ besser verstehen, dass wir selbst nur „Leben sind, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. „Nimm nichts mit als deine Eindrücke, hinterlasse nichts als deine Fußabdrücke“ ist ein wichtiger Leitsatz für unsere Besuche in dieser Wildnis Nationalpark.
Dynamik-Konzept, Wald, Wasser und Wildnis
Ein Nationalpark löst durch die Erstellung seiner Einrichtungen und Infrastruktur in der Fläche des Gebiets nicht nur direkte Investitionen des Landes aus, sondern führt auch zu zahlreichen und umfangreichen zusätzlichen Fördermaßnahmen in der Nationalparkregion. Beispielhaft wird hier die Entwicklung im Umfeld des ersten und ältesten Nationalparks Bayerischer Wald dargestellt: Der Freistaat Bayern hat in der Nationalparkregion Landkreis Freyung-Grafenau seit 1970 in 599 Fällen regionale Wirtschafts- und Tourismusförderung mit einen Volumen von 296 Millionen Euro aufgelegt, dazu kommen noch jährlich 200 000 Euro Sondermittel für den ÖPNV der Nationalparkregion. Der Erfolg dieser Investitionen ist an der Entwicklung des Tourismus im Landkreis Freyung-Grafenau von 1970 bis 2008 abzulesen: Die Übernachtungszahlen haben sich fast verdoppelt (plus 96,9 %) und zeigen damit eine deutlich höhere Steigerungsrate als in den Nationalpark-freien Landkreisen.
Bayerischer Wald und Investitionen
Nationalparks in Deutschland sind Aufgabe der Länder. Daher erhalten die Nationalparks ihr jährliches Budget im Rahmen der durch die Landesparlamente verabschiedeten Haushalte durch die jeweils zuständigen Finanzministerien. Im Durchschnitt belaufen sich die jährlichen Ausgaben eines Nationalparks in Deutschland auf fünf bis sechs Millionen Euro, sind aber je nach Größe des Nationalparks und Mitarbeiterzahl unterschiedlich. Dabei hat der Nationalpark Bayerischer Wald das höchste Budget aller deutschen Nationalparks, dies ist durch seine Geschichte (Gründung des Altparks im Landkreis Freyung-Grafenau, Erweiterung 1997 in den Landkreis Regen mit kompletter Ausstattung) bedingt. So betrug sein Budget im Jahre 2013 14,15 Millionen Euro. Den größten Teil nahmen mit 8,85 Millionen Euro die Personalausgaben für die rund 200 beim Nationalpark beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Die Sachmittel umfassten 4,163 Millionen Euro, Baumaßnahmen, Zuweisungen und Investitionen 1,137 Millionen Euro. Im Durchschnitt des letzten Jahrzehnts lag das Budget des Nationalparks Bayerischer Wald bei rund zwölf Millionen Euro, davon hatten Personalkosten einen Anteil von rund 7,8 Millionen Euro. Der Nationalpark Berchtesgaden hatte ein Budget von rund 7,7 Millionen Euro, davon 2,8 Millionen Euro für Personal.
Bayerischer Wald, Berchtesgaden und Kosten
Unter Opportunitätskosten versteht man entgangene Erlöse, die dadurch entstehen, dass vorhandene Möglichkeiten zur Nutzung von Ressourcen nicht wahrgenommen werden. Für den Nationalpark Bayerischer Wald wurden in Studien von Marius Mayer und Hubert Job die regionalwirtschaftlichen Opportunitätskosten, d.h. die entgangene Wertschöpfung einer alternativen Landnutzung des Gebiets des heutigen Nationalparks Bayerischer Wald, in Form von forstwirtschaftlicher Nutzung samt Weiterverarbeitung in der Sägeindustrie im Vergleich zum Naturtourismus untersucht. Laut der Dissertation von Marius Mayer „Kosten und Nutzen des Nationalparks Bayerischer Wald“ belaufen sich die Opportunitätskosten auf eine Bandbreite von 4,98 bis 10,76 Millionen Euro pro Jahr, je nach angenommenen Holzmengen, die auf dem Nationalparkgebiet nachhaltig zu ernten wären (150.000 bis 175.000 Festmeter), unterstellten Rundholzpreisen (40 bis 80 Euro/ Festmeter), variablen Schnittholzpreisen (120 bis 200 Euro/m3) sowie der sägestrukturbedingten Wertschöpfungsquote. Vergleicht man diese Opportunitätskosten mit der Wertschöpfungsleistung des Nationalpark-induzierten Tourismus von jährlich 13,5 Millionen Euro, ist festzuhalten, dass (jeweils auf der ersten Wertschöpfungsstufe) der Nationalparktourismus fast immer mehr Wertschöpfung generiert. Aus regionalwirtschaftlichem Blickwinkel ist dies umso mehr gegeben, da die Gewinne staatlicher Forstbetriebe fast sämtlich aus der Region abfließen und nicht in weiteren Wirkungsrunden regional als zusätzliche Kapitalinputs wirken. Zudem wird nur etwas mehr als ein Drittel des in der Region geschlagenen Holzes auch dort weiterverarbeitet. Demzufolge erscheint die Landnutzung „Nationalpark mit strengem Naturschutz“ als ökonomisch vorteilhafte Variante – zumal intangible Nutzenkomponenten des Nationalparks Bayerischer Wald in dieser Analyse nicht berücksichtigt wurden.
Bayerischer Wald, Kosten, Nutzen und Opportunitätskosten
Die doppelte Aufgabe der Nationalparks, nämlich Naturschutz und Naturerlebnis, führt im Bereich des Tourismus zu zahlreichen regionalwirtschaftlichen Effekten. Nicht nur die Beherbergungsbetriebe profitieren vom Image eines Nationalparks, sondern über die Kaskadenwirkung profitieren auch zahlreiche Unternehmen und Betriebe einer Region von den durch Nationalparks ausgelösten positiven Effekten. In der im Jahr 2009 erstellten Studie „Regionalökonomische Effekte des Tourismus in deutschen Nationalparken“ werden diese ausführlich dargestellt. Für fünf deutsche Nationalparks wurde in dieser Studie die Bedeutung des Tourismus für die jeweilige regionale Wirtschaft bestimmt und mittels einer Hochrechnung abgeschätzt, wie sich die Gesamtsituation bundesweit darstellt. Demnach besuchen pro Jahr ca. 50,9 Millionen Menschen die – zum Zeitpunkt der Studie 14 – deutschen Nationalparks und bewirken damit einen Bruttoumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Einkommensäquivalent von etwas mehr als 69.000 Personen, die vom Tourismus in Nationalparks abhängig sind. 20,6 % der Besucherinnen und Besucher sind „Nationalparktouristen im engeren Sinne“. Für sie ist das Schutzgebiet ein wichtiger Grund für den Aufenthalt in der Region. Die von Nationalparks ausgehenden positiven wirtschaftlichen Effekte durch den Tourismus sind auch für die politische Diskussion über die Akzeptanz dieses Flächeninstruments sowie die Förderung strukturschwacher Räume von Bedeutung.
Ökonomie, Regionalwirtschaft und Tourismus

References: § 24
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 § 68
 § 39
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