Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/unterbliebene-ad-hoc-mitteilungen-und-die-haftung-336026
Timestamp: 2020-02-25 12:36:36+00:00

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Unter­blie­be­ne Ad-hoc-Mit­tei­lun­gen und die Haf­tung | Rechtslupe
Unter­blie­be­ne Ad-hoc-Mit­tei­lun­gen und die Haf­tung
Mit einem Grund­satz­ur­teil hat der Bun­des­ge­richts­hof zu den Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen der Haf­tung wegen unter­las­se­ner Ad-hoc-Mit­tei­lun­gen nach § 37b WpHG Stel­lung genom­men. In § 37b WpHG ist der Scha­den­er­satz wegen unter­las­se­ner unver­züg­li­cher Ver­öf­fent­li­chung von Insi­der­infor­ma­tio­nen gere­gelt.
Die Klä­ge­rin begehrt in dem hier vor­lie­gen­den Fall aus abge­tre­te­nem Recht wegen des Erwerbs von Akti­en der Beklag­ten von die­ser Scha­dens­er­satz. Die Beklag­te ist ein Kre­dit­in­sti­tut, das mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men finan­ziert. Seit dem Jahr 2001 enga­gier­te sie sich unmit­tel­bar und mit­tel­bar über ande­re Gesell­schaf­ten auch auf dem Kapi­tal­markt für struk­tu­rier­te For­de­rungs­port­fo­li­en. Dazu gehör­ten auch sol­che Finanz­pro­duk­te, die sich auf For­de­run­gen aus dem US-Hypo­the­ken­markt bezo­gen. Seit Früh­jahr 2007 häuf­ten sich auf dem US-Hypo­the­ken­markt wegen der stark gestie­ge­nen Zin­sen, des all­ge­mei­nen Preis­ver­falls von Immo­bi­li­en und der sehr nied­ri­gen Kre­dit­ver­ga­be­stan­dards die Aus­fäl­le der in Form von struk­tu­rier­ten Wert­pa­pie­ren gehan­del­ten Immo­bi­li­en­kre­di­te. Mit­te Juli 2007 stuf­ten Rating­agen­tu­ren erst­mals sog. Sub­pri­mes (groß­zü­gig ver­ge­be­ne Hypo­the­ken­kre­di­te min­de­rer Qua­li­tät) wegen der erhöh­ten Aus­fall­ri­si­ken her­ab. Zum glei­chen Zeit­punkt san­ken die Prei­se für die durch die Beklag­te emit­tier­ten Anlei­hen und es gab Gerüch­te, die Beklag­te tref­fe mit Blick auf den US-Sub­prime-Markt ein sub­stan­ti­el­les Risi­ko. Da der Markt von einem höhe­ren Aus­fall­ri­si­ko aus­ging, wei­te­ten sich die Auf­schlä­ge auf die varia­ble Grund­ver­zin­sung der Beklag­ten, die sog. Bond Spreads. Zugleich stieg der Preis für sog. Kre­dit­aus­fall­ver­si­che­run­gen (CDS = Credit Default Swaps) auf die Beklag­te. Par­al­lel zu die­sen Vor­gän­gen fiel der Kurs der Aktie der Beklag­ten.
Um die auf­ge­kom­me­nen Gerüch­te aus­zu­räu­men und die Markt­si­tua­ti­on zu beru­hi­gen, ver­an­lass­te der dama­li­ge Vor­stands­vor­sit­zen­de der Beklag­ten – in Kennt­nis der oben genann­ten Umstän­de – am Frei­tag, dem 20. Juli 2007, die Her­aus­ga­be einer Pres­se­mit­tei­lung, in der nur eine gerin­ge Betrof­fen­heit der Beklag­ten durch US-Sub­pri­mes behaup­tet wur­de. Im Zusam­men­hang damit wur­de er spä­ter wegen vor­sätz­li­cher Markt­ma­ni­pu­la­ti­on gemäß § 20a Abs. 1 Nr. 1, § 38 Abs. 2, § 39 Abs. 2 Nr. 11 WpHG rechts­kräf­tig zu einer Frei­heits­stra­fe, deren Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wur­de, und zu einer Geld­stra­fe ver­ur­teilt.
Die Klä­ge­rin ver­langt von der Beklag­ten Erstat­tung des Kauf­prei­ses für die Akti­en Zug-um-Zug gegen deren Rück­über­tra­gung. Sie stützt sich dabei auf einen Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen fal­scher Anga­ben in der Pres­se­mit­tei­lung der Beklag­ten vom 20. Juli 2007. Die Kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen 1 erfolg­los geblie­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat ins­be­son­de­re Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 20a WpHG sowie aus § 37b WpHG geprüft und im Ergeb­nis ver­neint.
Nun ist das Urteil des Beru­fungs­ge­richts auf die von ihm zuge­las­se­ne Revi­si­on der Klä­ge­rin vom Bun­des­ge­richts­hof auf­ge­ho­ben und den Rechts­streit zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen wor­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Dezem­ber 2011 – XI ZR 51/​10
LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 30.06.2009 – 1 O 310/​08; OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 27.01.2010 – I‑15 U 230/​09[↩]
BankenhaftungKreditausfallversicherungSchadensersatzUS-Subprime-MarktWertpapiermarkt

References: § 37
 § 37
 § 20
 § 38
 § 39
 § 823
 § 20
 § 37