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Timestamp: 2019-09-17 22:51:30+00:00

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Die Mög­lich­keit, das Ruhen des Ver­fah­rens anzu­ord­nen, folgt für den Steu­er­pro­zess aus § 155 FGO i.V.m. § 251 ZPO. § 251 ZPO eröff­net dem erken­nen­den Gericht ein Ermes­sen. Infol­ge­des­sen ist auch die Ent­schei­dung des Gerichts, eine bestehen­de Ver­fah­rens­ru­he zu been­den und das Ver­fah­ren fort­zu­set­zen, eine Ermes­sens­ent­schei­dung1.
Bei einer Ermes­sens­ent­schei­dung des Finanz­ge­richt, die mit der Beschwer­de ange­foch­ten wird, darf sich der BFH nicht auf die blo­ße Ermes­sens­kon­trol­le beschrän­ken. Er hat viel­mehr eige­nes Ermes­sen aus­zu­üben2.
Bei über­ein­stim­men­dem Antrag der Betei­lig­ten darf das Finanz­ge­richt das Ruhen des Ver­fah­rens anord­nen, wenn anzu­neh­men ist, dass dies aus wich­ti­gen Grün­den zweck­mä­ßig ist. Davon ist u.a. aus­zu­ge­hen, wenn durch eine bevor­ste­hen­de Ent­schei­dung eines Par­al­lel­falls eine För­de­rung des Ver­fah­rens zu erwar­ten ist3.
Ist in einem Beschluss über die Anord­nung des Ruhens des Ver­fah­rens nach § 155 FGO i.V.m. § 251 ZPO als End­zeit­punkt des Ruhens ein bestimm­tes Ereig­nis bezeich­net, so endet das Ruhen und der Beschluss ver­liert sei­ne Wir­kung, sobald die­ses Ereig­nis ein­tritt4.
Im vor­lie­gen­den Streit­fall hat das Finanz­ge­richt das Ruhen des Ver­fah­rens bis zur rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung in den bei­den beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gi­gen Ver­fah­ren ange­ord­net. Bei­de Ver­fah­ren waren im maß­geb­li­chen Zeit­punkt des ange­foch­te­nen Wie­der­auf­nah­me­be­schlus­ses beim Bun­des­fi­nanz­hof noch anhän­gig, sodass damit eine wesent­li­che Vor­aus­set­zung für die Auf­nah­me des Ver­fah­rens nicht gege­ben war. Auch hat­te zu die­sem Zeit­punkt kein Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter bean­tragt, das Ver­fah­ren wie­der auf­zu­neh­men (§ 155 FGO i.V.m. § 250 ZPO)5.
Das Gericht kann aber dar­über hin­aus das Ver­fah­ren auch dann wie­der auf­neh­men, wenn kei­ne wich­ti­gen Grün­de mehr vor­lie­gen, die das wei­te­re Ruhen zweck­mä­ßig erschei­nen las­sen6. So liegt der Fall hier. Denn der Bun­des­fi­nanz­hof hat in einem ande­ren Ver­fah­ren7 eine Ent­schei­dung zu der genann­ten Rechts­fra­ge getrof­fen. Damit lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen vor, die im Ruhens­be­schluss des Finanz­ge­richt als Begrün­dung für das Ruhen des Ver­fah­rens her­an­ge­zo­gen wor­den waren, näm­lich dass Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs Erkennt­nis­se für die im vor­lie­gen­den Kla­ge­ver­fah­ren zu tref­fen­de Ent­schei­dung brin­gen kön­nen. Dies gilt unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass lt. Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des Bun­des­fi­nanz­hofs seit 2012 vier Sena­tee für "Kin­der­geld (§§ 62 bis 78 EStG)" zustän­dig sind und die Rechts­fra­ge auch noch tat­säch­lich Gegen­stand wei­te­rer Revi­si­ons­ver­fah­ren bei ver­schie­de­nen BFH-Sena­ten im Zeit­punkt der Beschluss­fas­sung war8. Denn auch in die­sem Fall ist die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt, das Kla­ge­ver­fah­ren nun wei­ter zu betrei­ben, noch nicht ermes­sens­feh­ler­haft.
BFH, Ent­schei­dung vom 12.07.2011 – VI B 28/​11, BFH/​NV 2011, 1898, m.w.N. [↩]
Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 102 FGO Rz 26, m.w.N.; Berg­kem­per in HHSp, § 132 FGO Rz 21, m.w.N.; Drüen in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 102 FGO Rz 11 [↩]
Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 74 FGO Rz 22; Thür­mer in HHSp, § 74 FGO Rz 201 [↩]
BFH, Beschluss vom 09.08.2007 – III B 187/​06, BFH/​NV 2007, 2310 [↩]
Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 74 FGO Rz 22 [↩]
BFH, Urteil in BFHE 239, 327, BSt­Bl II 2013, 491 [↩]
s. BFH – III R 17/​11; – III R 63/​10; – III R 59/​11; – VI R 70/​11; – XI R 8/​12 [↩]

References: § 155
 § 251
 § 251
 § 155
 § 251
 § 250
 § 102
 § 132
 § 102
 § 74
 § 74
 § 74