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Timestamp: 2019-08-24 11:17:05+00:00

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Das Tank­la­ger und die TA Luft | Rechtslupe
Die Ver­ord­nung zur Begren­zung der Emis­sio­nen flüch­ti­ger orga­ni­scher Ver­bin­dun­gen beim Umfül­len und Lagern von Otto­kraft­stof­fen – 20. BIm­SchV – vom 27.05.19981 dient der Umset­zung der Richt­li­nie 94/​63/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 20.12.19942 zur Begren­zung der Emis­sio­nen flüch­ti­ger orga­ni­scher Ver­bin­dun­gen (VOC-Emis­sio­nen) bei der Lage­rung von Otto­kraft­stoff und sei­ner Ver­tei­lung von den Aus­lie­fe­rungs­la­gern bis zu den Tank­stel­len3.
Die Richt­li­nie 94/​63/​EG ver­folgt das Ziel, vom Otto­kraft­stoff stam­men­de VOC-Emis­sio­nen wesent­lich zu ver­rin­gern; eini­ge die­ser VOC-Emis­sio­nen wer­den als gif­tig, krebs­er­re­gend oder ange­bo­re­ne Miss­bil­dun­gen her­vor­ru­fend ein­ge­stuft4. Die 20. BIm­SchV sieht – eben­so wie die Richt­li­nie 94/​63/​EG und anders als etwa die vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 26. April 20075 behan­del­te 17. BIm­SchV und die TA Luft – kei­ne Emis­si­ons­grenz­wer­te für ein­zel­ne Stof­fe vor. Sie ent­hält viel­mehr eine all­ge­mein auf „Emis­sio­nen an Dämp­fen im Abgas“ bezo­ge­ne Grenz­wert­re­ge­lung in § 4 Abs.03. Dabei wer­den unter „Dämp­fen“ gemäß der mit der Defi­ni­ti­on in Art. 2 Buchst. b) der Richt­li­nie 94/​63/​EG über­ein­stim­men­den Rege­lung in § 2 Nr. 5 der 20. BIm­SchV „gas­för­mi­ge Ver­bin­dun­gen, die aus Otto­kraft­stoff ver­duns­ten“ ver­stan­den.
Nach § 4 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a) der 20. BIm­SchV dür­fen bei – wie hier – geneh­mi­gungs­be­dürf­ti­gen Anla­gen die Emis­sio­nen an Dämp­fen im Abgas eine Mas­sen­kon­zen­tra­ti­on von 0,15 g/​m3 nicht über­schrei­ten, soweit der Mas­sen­strom der Dämp­fe ins­ge­samt 3 Kilo­gramm je Stun­de oder mehr beträgt. Die­se Rege­lung knüpft an die sei­ner­zeit vor­han­de­ne Rege­lung in Nr.03.01.7 der TA Luft an. Der Grenz­wert von 0,15 g/​m³ kann von ein­stu­fi­gen, über­wie­gend jedoch zwei­stu­fi­gen Abgas­ein­rich­tun­gen ein­ge­hal­ten wer­den6.
Die Rege­lung in § 4 Abs. 3 Nr. 2 der 20. BIm­SchV schließt für die vom Anwen­dungs­be­reich der 20. BIm­SchV erfass­ten flüch­ti­gen orga­ni­schen Ver­bin­dun­gen (VOC), zu denen in ers­ter Linie die Koh­len­was­ser­stof­fe, mit­hin auch Ben­zol, gehö­ren, einen Rück­griff auf die Grenz­wer­te der TA Luft grund­sätz­lich aus. Dies folgt aus dem Rechts­norm­cha­rak­ter der Ver­ord­nung und wird auch in Nr. 1 Abs. 4 TA Luft klar­ge­stellt. Danach gel­ten die Anfor­de­run­gen der Nr. 5.1 bis 5.4 TA Luft nicht für geneh­mi­gungs­be­dürf­ti­ge Anla­gen, soweit in Rechts­ver­ord­nun­gen der Bun­des­re­gie­rung Anfor­de­run­gen zur Vor­sor­ge und zur Ermitt­lung von Emis­sio­nen an luft­ver­un­rei­ni­gen­den Stof­fen getrof­fen wer­den. Aus­weis­lich der Begrün­dung hier­zu gehen hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen zur Vor­sor­ge Rege­lun­gen in vor­han­de­nen und künf­ti­gen Rechts­ver­ord­nun­gen (z.B. 13., 17., 20., 30. und 31. BIm­SchV) vor, jedoch nur für sol­che Stof­fe und für sol­che Tätig­kei­ten, für die in den Rechts­ver­ord­nun­gen Rege­lun­gen getrof­fen wer­den. So ent­hal­te z.B. die 31. BIm­SchV ledig­lich Anfor­de­run­gen zur Begren­zung von orga­ni­schen Koh­len­was­ser­stof­fen, die­se aller­dings abschlie­ßend; ergän­zend gäl­ten somit hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen zur Begren­zung ande­rer Emis­sio­nen, z.B. von Staub oder Stick­stoff­oxi­den, die Anfor­de­run­gen der TA Luft7.
Abwei­chen­des folgt auch nicht aus § 10 der 20. BIm­SchV. Danach bleibt die Befug­nis der zustän­di­gen Behör­de, auf Grund des Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes ande­re oder wei­ter­ge­hen­de Anord­nun­gen zu tref­fen, unbe­rührt, soweit die Vor­schrif­ten der Richt­li­nie 94/​63/​EG und die Vor­schrif­ten über die Beför­de­rung gefähr­li­cher Güter nicht ent­ge­gen­ste­hen. Die­se Vor­schrift ent­hält – wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 26. April 20078 zu der weit­ge­hend gleich­lau­ten­den Rege­lung in § 20 der 17. BIm­SchV bereits ent­schie­den hat – kei­ne eigen­stän­di­ge Hand­lungs­er­mäch­ti­gung, son­dern stellt ledig­lich klar, dass die auf Rechts­grund­la­gen außer­halb der 20. BIm­SchV beru­hen­den Befug­nis­se der Behör­den durch die­se Ver­ord­nung nicht ver­drängt wer­den.
Ob auf § 10 der 20. BIm­SchV zurück­ge­grif­fen wer­den kann, wenn der in der Rechts­ver­ord­nung zugrun­de geleg­te Stand der Tech­nik offen­sicht­lich fort­ge­schrit­ten ist9, kann dahin­ste­hen, weil hier­von nach den nicht Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen im vor­lie­gen­den Fall nicht aus­zu­ge­hen ist. Gegen­tei­li­ges folgt nicht schon dar­aus, dass die TA Luft erst mehr als vier Jah­re nach der 20. BIm­SchV neu gefasst wor­den ist. Soweit sich die TA Luft in Nr. 1 Abs. 4 zum Anwen­dungs­vor­rang von Rechts­ver­ord­nun­gen der Bun­des­re­gie­rung über Anfor­de­run­gen zur Vor­sor­ge und zur Ermitt­lung von Emis­sio­nen an luft­ver­un­rei­ni­gen­den Stof­fen ver­hält, bezieht sich dies aus­weis­lich der Begrün­dung10 auch auf schon vor­han­de­ne Ver­ord­nun­gen. Die 20. BIm­SchV ist über­dies sowohl im zeit­li­chen Zusam­men­hang mit der Neu­fas­sung der TA Luft als auch danach geän­dert wor­den, ohne dass hier­von die Grenz­wer­te in § 4 Abs. 3 Nr. 2 der 20. BIm­SchV betrof­fen waren.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Juni 2012 – 7 B 62.11
BGBl I S. 1174, zuletzt geän­dert durch Ver­ord­nung vom 04.05.2009, BGBl I S. 1043↩
BR-Drucks 287/​98 S. 21↩
vgl. Erwä­gungs­grund Nr. 2↩
BVerwG, URteil vom 26.04. 2007 – 7 C 15.06, Buch­holz 406.25 § 48a BIm­SchG Nr. 2↩
BR-Drucks 287/​98 S. 26↩
BR-Drucks 1058/​01 S. 238; vgl. auch Hans­mann, in: Landmann/​Rohmer, Umwelt­recht, Bd. IV, Stand Dezem­ber 2011, Vorb. TA Luft Rn. 21↩
so Hans­mann, a.a.O. Rn. 21↩
BR-Drucks 1058/​01 S. 238↩

References: § 4
 Art. 2
 § 2
 § 4
 § 4
 § 10
 § 20
 § 10
 § 4
 § 48