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Timestamp: 2017-09-21 04:48:34+00:00

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91 Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Juristischen Fakultät der Universität Regensburg vorgelegt von Kathrin Greve Erstberichterstatter:
Control Council for Germany, Allied Control Council Law No. 10, Official Gazette, 31.1.1946, S. 50-52, abgedruckt in: Morris, Scharf, Rwanda, Bd. 2, S. 494-496. Art. II Abs. 1 lautet: „Each of the following acts is recognized as a crime: (…) c. Crimes against Humanity. Atrocities and offenses, including but not limited to murder, extermination, enslavement, deportation, imprisonment, torture, rape, or other inhumane acts committed against any civilian population, or persecutions on political, racial, or religious grounds whether or not in violation of the domestic laws of the country where perpetrated.” (Hervorhebung der Verfasserin.) S. o. S. 333.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, § 538 Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, §§ 523-535 zitiert Nuremberg Indictment und Nuremberg Judgment, abgedruckt in: Trial of the Major War Criminals before the International Military Tribunal, Bd. 1, S. 27-92, 51 f., 62, 66, Bd. 3, S. 45-476, Bd. 22, S. 411-589, 470, 477 f., 480 f., 486-491.
Slavery may exist even without torture. Slaves may be well fed, well clothed, and comfortably housed, but they are still slaves if without lawful process they are deprived of their freedom by forceful constraint. We might eliminate all proof of illtreatment, overlook the starvation, beatings, and other barbarous acts, but the admitted fact of slavery - compulsory uncompensated labor - would still remain. There is no such thing as benevolent slavery. Involuntary servitude, even if tempered by humane treatment, is still slavery.2873 Eine weitere Grundlage für die Definition der Strafkammer waren Urteile des EuGMR, 2874 wobei sie betonte, weder EKMR, noch EuGMR hätten bisher einen dem ihr vorliegenden
auch nur entfernt ähnlichen Fall zu entscheiden gehabt.2875 Die Strafkammer erarbeitete folgende Definition für Versklavung:
1. Die Ausübung irgendeines der oder aller Befugnisse, die mit dem Eigentum an einer Person zusammenhängen
2. Vorsatz bezüglich der Ausübung dieser Befugnisse.2876 Diese Definition, obwohl weiter als den im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg verhandelten Fällen, werde durch die Arbeit der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen gestützt. 2877 Demnach umfassen Hinweise auf Versklavung Elemente der Kontrolle und des Eigentums, die Beschränkung oder Kontrolle der Autonomie einer Person, ihrer Wahlmöglichkeit oder Bewegungsfreiheit, und oft das Schaffen von Gewinn für Täter bzw. Täterin. Einwilligung oder freier Wille des Opfers fehlen. Einwilligung ist oft unmöglich oder irrelevant, z.B. wegen der Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderer Formen der Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, § 525 zitiert US v Oswald Pohl and Others, Opinion and Judgment of the United States Military Tribunal II, 3.11.1947, Case No. 4, abgedruckt in:Trials of War Criminals Before the Nuernberg Military Tribunals under Control Council Law No 10, Bd. 5/2, S. 958-1273, 970. Die Anwendbarkeit dieser Passage auf Art. 5 c ICTY wurde durch die Rechtsmittelkammer bestätigt, s. Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Appeals Chamber, Judgment, 12. Juni 2002, IT-96-23-A & IT-96-23/1-A, § 123.
S. auch US v Friedrich Flick and Others, Opinion and Judgment of the US Military Tribunal IV, Case No. 5, 22 December 1947, abgedruckt in:Trials of War Criminals Before the Nuernberg Military Tribunals under Control Council Law No 10, Bd. 6/2, S. 1187-1223; 1196-1202.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, § 534.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, § 540: “(…) the actus reus of the violation is the exercise of any or all of the powers attaching to the right of ownership over a person. The mens rea of the violation consists in the intentional exercise of such powers” (Übersetzung der Verfasserin), bestätigt in Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Appeals Chamber, Judgment, 12. Juni 2002, IT-96-23-A & IT-96-23/1-A, § 124, s. auch Van Dijk, van Hoof, European Convention on Human Rights, S. 334.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, § 541.
Nötigung; wegen der Angst vor Gewalt, wegen Täuschung oder falscher Versprechungen;
wegen Machtmissbrauchs; wegen der prekären Situation des Opfers; wegen Haft oder Gefangenschaft, psychologischen Drucks oder sozioökonomischer Bedingungen. Weitere Hinweise auf Versklavung sind Ausbeutung, die Erpressung von Zwangsarbeit oder -diensten, oft ohne Entschädigung und oft, wenn auch nicht notwendigerweise, unter physischen Härten; Sex, Prostitution und Menschenhandel. 2878 Die Rechtsmittelkammer stimmte den Erwägungen der Strafkammer zu Versklavung grundsätzlich zu und bestätigte insbesondere die Definition,2879 wies aber darauf hin, dass das Recht kein Eigentum an Personen kenne und dass der Formulierung in Art. 1 des Übereinkommens betreffend die Sklaverei von 1926, „eine Person, an der eines bzw. jedes der Befugnisse ausgeübt wird, die einen Ausfluss des Eigentumsrechts darstellen“, der Vorzug zu geben sei. 2880 Der „Erwerb“ oder „Verkauf“ einer Person gegen finanzielle oder anderweitige Entschädigung sei keine Bedingung für Versklavung, aber beides seien Hauptbeispiele für die Ausübung von Eigentumsrechten an einer Person.2881 Beide Kammern betrachteten die Verbrechen Vergewaltigung (Art. 5 g ICTY) und Versklavung (Art. 5 c ICTY) als voneinander getrennt.2882 b. Bewertung der erarbeiteten Definition Die Definition sexueller Sklaverei hätte auch auf die in Omarska festgehaltenen Frauen angewandt werden können. Dies geschah nicht - die Strafkammer verurteilte die sexuelle Gewalt gegen diese Frauen und den Umstand, dass sie im Lager putzen mussten, als Verfolgung gemäß Art. 5 h ICTY2883 - obwohl die Lage der etwa 35 Frauen der der Frauen und Mädchen im Fall Kunarac und andere ähnelt.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, § 542, bestätigt in Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Appeals Chamber, Judgment,
12. Juni 2002, IT-96-23-A & IT-96-23/1-A, §GO 117.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Appeals Chamber, Judgment, 12. Juni 2002, IT-96-23-A & IT-96-23/1-A, § 124.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Appeals Chamber, Judgment, 12. Juni 2002, IT-96-23-A & IT-96-23/1-A, § 118.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, § 542.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Appeals Chamber, Judgment, 12. Juni 2002, IT-96-23-A & IT-06-23/1-A, § 186: “That the appellants also forced their captives to endure rape as an especially odious form of their domestic servitude does not merge the two convictions. As the Appeals Chamber has previously explained in its discussion of enslavement, it finds that enslavement, even if based on sexual exploitation, is a distinct offence from that of rape.” S. 269-270, 350-351.
Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen zu modernen Formen der Sklaverei, Gay McDougall, geht in ihrer Definition ebenfalls von der Konvention von 1926 aus. Demnach definiert „Sklaverei“ den Status oder die Lebensumstände einer Person, an der eines bzw.
jedes der mit dem Eigentumsrecht verbundenen Befugnisse ausgeübt werden, was auch sexuelle Verfügbarkeit durch Vergewaltigung oder andere Formen sexueller Gewalt erfasse. 2884 Sexuelle Sklaverei betreffe auch die meisten Formen der Nötigung zur Prostitution.2885 Allgemein schienen in bewaffneten Konflikten die meisten Sachverhalte, die die Voraussetzungen der Nötigung zur Prostitution erfüllten, auch sexuelle Sklaverei darzustellen und somit passender und einfacher als Sklaverei charakterisiert und angeklagt werden zu können. 2886 Dies entspricht dem Ergebnis der Strafkammer.
Abgesehen vom völkervertragsrechtlichen Verbot sei Sklaverei aber auch eine Norm des ius cogens und demnach völkergewohnheitsrechtlich verboten. Das Verbrechen der Sklaverei erfordere keine Involvierung einer Regierung oder eines Staates und stelle ein internationales Verbrechen dar, egal, ob sie von Privatpersonen oder Angehörigen des öffentlichen Dienstes begangen werde.2887 Auch darin liegt eine Übereinstimmung mit der Entscheidung im Fall Kunarac und andere.
Weiterhin findet sich auch Zustimmung für das Konzept der psychischen Unmöglichkeit für die Mädchen und Frauen, den Ort ihrer Gefangenschaft zu verlassen, selbst, als sie einen Schlüssel erhielten. Die Strafkammer folgte den Ausführungen der Zeuginnen, sie hätten im besetzten Foca nirgendwohin gehen und sich vor den Angeklagten verstecken können. 2888 Nach Ansicht McDougalls darf die bloße Fähigkeit einer Person, sich unter erheblichen Risiken aus einer Situation zu befreien, in der sie als Sklavin gehalten wurde, nicht so interpretiert werden, als habe nie Sklaverei vorgelegen. In allen Fällen müsse die Bewertung der durch die versklavte Person empfundene Angst und Bedrohung genderbewusst sein. Insbesondere gelte dies dann, wenn das Opfer sich innerhalb eines bewaffneten Konfliktes befinde und als Mitglied der gegnerischen Gruppe identifiziert wurde.2889 McDougall, Final Report, 22.6.1998, UN Doc. E/CN.4/Sub.2/1998/13, § 27 (slavery: “the status or condition of a person over whom any or all of the powers attaching to the right of ownership are exercised, including sexual access through rape or other forms of sexual violence”); dies., Update, 6.6.2000, UN Doc.
E/CN.4/Sub.2/2000/21, §§ 46-50.
McDougall, Final Report, 22.6.1998, UN Doc. E/CN.4/Sub.2/1998/13, § 31.
McDougall, Final Report, 22.6.1998, UN Doc. E/CN.4/Sub.2/1998/13, § 33.
McDougall, Final Report, 22.6.1998, UN Doc. E/CN.4/Sub.2/1998/13, § 28.
Prosecutor v. Dragoljub Kunarac and Others, Trial Chamber II, Judgment, 22. Februar 2001, IT-96-23-T & IT-96-23/1-T, §§ 740, 750.
McDougall, Final Report, 22.6.1998, UN Doc. E/CN.4/Sub.2/1998/13, § 29; dies., Update, 6.6.2000, UN Doc. E/CN.4/Sub.2/2000/21, § 50.
Auch Indizien für die Behandlung einer anderen Person als Eigentum oder für die völlige Kontrolle über deren Leben können sich unter Umständen aus der spezifischen Zwangslage eines Krieges ergeben, insbesondere, wenn das Opfer gegen seinen Willen in ein Kriegsgebiet verbracht wurde, um dort Dienstleistungen zu erbringen, die nach den Genfer Konventionen nicht erlaubt sind.2890 IV. Konkurrenzen Auch bei der Verurteilung sexueller Gewalt ergibt sich ein Konkurrenzverhältnis verschiedener Tatbestände des ICTY- bzw. ICTR-Statuts, das im Folgenden im Zusammenhang analysiert werden soll.

References: § 538
 § 525
 Art. 5
 § 123
 § 534
 § 540
 § 124
 § 541
 Art. 1
 Art. 5
 § 542
 § 124
 § 118
 § 542
 § 186
 § 27
 § 31
 § 33
 § 28
 § 29
 § 50