Source: http://jdemjanjuk.blogspot.com/2013/09/
Timestamp: 2018-07-19 07:20:31+00:00

Document:
John Demjanjuk: September 2013
Sind die Ärzte schuld an seinem Tod? Die 88-jährige Witwe Demjanjuks klagt die Mediziner an. Sie lehnt die von der Staatsanwaltschaft Rosenheim (AZ: 402 Js 16380/12) beauftragten Gutachter als offensichtlich befangen ab:
gegen Dr. S. u.a.
nehme ich Bezug auf die Verfügung der Staatsanwaltschaft Traunstein vom 27.8.2013 sowie das Ergänzungsgutachten der Sachverständigen vom 10.7.2012.
Folgende Gutachter werden von den Anzeigeerstattern wegen offensichtlicher Befangenheit abgelehnt:
1. Prof. Dr. med. A.
2. Dr. med. V.
3. Dr. med. R.
B e w e i s: Dienstliche Äußerung der abgelehnten Sachverständigen
Das Gutachten sowie das Ergänzungsgutachten stellen aus der Sicht der Anzeigeerstatter in erschreckender Weise umfassend die medizinischen und juristischen Wahrheiten, Grundsätze und wissenschaftlichen Erkenntnisse geradezu
Beide Gutachten sind mit den medizinischen und juristischen Erfahrungs- und Denkgesetzen
unvereinbar und objektiv ungeeignet.
Die gutachterlichen Äußerungen der Sachverständigen sind objektiv sachwillkürlich im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und liegen außerhalb des medizinisch und juristisch Vertretbaren.
Der Gutachterauftrag
Der Gutachterauftrag lautete:
„1. Entsprach die Behandlung des verstorbenen Herrn Demjanjuk mit Novalgin angesichts seiner Vorerkrankungen den Regeln der ärztlichen Kunst? In diesem Zusammenhang bitte ich aus den übergebenen Krankenunterlagen festzustellen, wer seit wann Herrn Demjanjuk mit Novalgin behandelte.
2. Falls die Behandlung mit Novalgin nicht den Regeln der ärztlichen Kunst entsprach, bitte ich aus wissenschaftlicher Sicht Stellung zu nehmen zu folgender Frage:
War die Behandlung mit Novalgin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kausal für den Todeseintritt?“
Die Antworten im Ergänzungsgutachten vom 10.7.2013
Die Antworten im Ergänzungsgutachten lauten:
1. Blatt 516:
Gemäß Fachinformation entsprach die Behandlung mit Metamizol bei „Störungen der Knochenmarkfunktion“ oder „Erkrankungen der Hämatopoese“ wie im Fall von Herrn Demjanjuk nicht dem Zulassungsstatus.
Es handelt sich, wie im Gutachten dargelegt, um einen sogenannten „off lable use“. In diesem Fall muss der behandelnde Arzt eine besondere Sorgfaltspflicht walten lassen. Diese ist in der elektronischen Patientenkartei von Dr. Selmayr dokumentiert durch regelmäßige Arzt-Patienten-Kontakte in Verbindung mit regelmäßigen und in adäquaten Intervallen durchgeführten Blutbildkontrollen. Diese waren das am besten geeignete Mittel, mögliche Metamizol-Nebenwirkungen auf das Blutbild, insbesondere eine Verschlechterung der absoluten Zahl an neutrophilen Granulotzyten im peripheren Blut, erkennen zu können.
2. Blatt 517:
In der individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung bei medizinisch zweifelsfrei indizierter analgestischer Therapie war die Behandlung mit Metamizol unter Berücksichtigung aller genannten Teilaspekte auch
außerhalb der formalen Zulassung eine klinisch vertretbare Wahl.
3. Blatt 517:
Die im Gutachtenauftrag aufgegebene Frage war derart formuliert, ob die Metamizol-Behandlung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ursächlich für den Todeseintritt des verstorbenen John Demjanjuk angesehen werden darf. Dies gilt es klar zu verneinen.
4. Blatt 514:
Es wird sich in Blatt 384 der Akte auf die Stellungnahme der Ärztekommission der Bundesärztekammer bezogen, infolge auch auf seine Aktualisierung. Formal betrachtet, haben die Stellungnahmen der Bundesärztekammer und die der Arzneimittelkommission der BÄK informativ – empfehlenden Charakter, es handelt sich hier jedoch nicht um eine Richt- oder Leitlinie. Relevant ist hier die für das jeweilige Medikament vorliegende Fachinformation. Hierunter versteht man ein zusammenfassend detailliertes Werk, das von der zuständigen Behörde in der Europäischen Union oder für Deutschland dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) genehmigt werden muss. Diese Fachinformation wurde neben entsprechender Fachliteratur als Grundlage im Gutachten für das verwendete Medikament Metamizol verwendet.
5. Blatt 350:
Grundsätzlich steht also ein großes Spektrum analgetischer Substanzen zur Verfügung. Der schmerztherapeutisch tätige Arzt steht im vorliegenden Casus vor einem Dilemma: Metamizol ist formal nicht zur Schmerzbehandlung zugelassen. Die Kontraindikation leitet sich aber wie oben ausführlich dargestellt primär aus dem Agranulozytose-Risiko her, deren Folgen möglicherweise bei vorbestehender Knochenmarkserkrankung wie einem myelodysplastischen Syndrom schwerwiegender ausfallen könnte. Somit ist in diesem Punkt im konkreten Casus sicherlich viel eher von einer relativen als von einer absoluten Kontraindikation zu sprechen.
6. Blatt 351:
Als Fazit soll herausgearbeitet werden, dass kein Schmerzmittel im vorliegenden Casus ohne absolute oder relative Kontraindikation hätte verabreicht werden können.
Die wahren Voraussetzungen eines zulässigen „off lable use“
entsprechend den Regeln der ärztlichen Kunst
1. Die Gutachter bezeichnen die Stellungnahmen der Ärztekommission der Bundesärztekammer als „informativ empfehlend“.
Nach den Empfehlungen der Bundesärztekammer kam hier im Falle Demjanjuk
der Einsatz von Metamizol von vorne herein nicht in Frage und widersprach in krassester Weise den Regeln der ärztlichen Kunst.
2. Die Gutachter entlasten die Beschuldigten mit dem objektiv unwahren Hinweis, die Empfehlungen der Bundesärztekammer seien nur informativ empfehlend.
Dies ist mit der Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte Stand 2011
schlechterdings unvereinbar.
§ 13 Abs. 1 der ärztlichen Berufsordnung lautet:
Bei speziellen medizinischen Maßnahmen oder Verfahren, die ethische Probleme aufwerfen und zu denen die Ärztekammer Empfehlungen zur Indikationsstellung und zur Ausführung festgelegt hat, haben Ärztinnen und Ärzte die Empfehlungen zu beachten.
§ 8 der Berufsordnung lautet:
Zur Behandlung bedürfen Ärztinnen und Ärzte der Einwilligung der Patientin oder des Patienten. Der Einwilligung hat grundsätzlich die erforderliche Aufklärung im persönlichen Gespräch vorauszugehen. Die Aufklärung hat der Patientin oder des Patienten insbesondere vor operativen Eingriffen Bedeutung und Tragweite der Behandlung einschließlich Behandlungsalternativen und die mit ihnen verbundenen Risiken in verständlicher und angemessener Weise zu verdeutlichen. Insbesondere vor diagnostischen und operativen Eigriffen ist soweit möglich eine ausreichende Bedenkzeit vor der weiteren Behandlung zu gewährleisten. Je weniger eine Maßnahme medizinisch geboten und je größer ihre Tragweite ist, umso ausführlicher und eindrücklicher sind Patientinnen oder Patienten über erreichbare Ergebnisse und Risiken aufzuklären.
§ 10 Abs. 1 der Berufsordnung lautet:
Ärztinnen und Ärzte haben über die in Ausübung ihres Berufs gemachten Feststellungen und getroffenen Maßnahmen die erforderlichen Aufzeichnungen zu machen. Diese sind nicht nur gedächtnisstützend für die Ärztin oder den Arzt, sie dienen auch dem Interesse der Patientin oder des Patienten an einer ordnungsgemäßen Dokumentation.
Bereits auf der Grundlage der ärztlichen Berufsordnung steht fest, dass den Empfehlungen der Bundesärztekammer, wie sie im diesseitigen Schriftsatz Blatt 384 mitgeteilt wurden, von Seiten der Ärzte zwingend nachzukommen war.
3. Soweit die Gutachter behaupten, nicht die Bundesärztekammer, sondern allein die Feststellungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte seien maßgebend, verschweigen die Gutachter, dass gerade dieses Institut sich in vollem Umfange den Empfehlungen der Bundesärztekammer angeschlossen hat.
So heißt es in der pharmazeutischen Zeitung online vom 5.6.2009:
Die steigenden Verordnungszahlen des verschreibungspflichtigen Schmerzmittels Metamizol haben zu einer Zunahme von schwerwiegenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen geführt. Dies nimmt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zum Anlass, bei Ärzten die enge Indikationsstellung und die Beachtung der Warnhinweise anzumahnen. So ist Metamizol ausschließlich zur Behandlung starker Schmerzen zugelassen, falls andere analgetische Maßnahmen nicht greifen. Ebenfalls darf es nur bei hohem Fieber angewendet werden, wenn andere Maßnahmen keine Wirksamkeit zeigen. Eine mögliche Nebenwirkung der Behandlung ist die Entwicklung einer Agranulozytose, die tödlich enden kann. Das Risiko dafür steigt mit der Dauer der Anwendung. Daher sollte das Medikament nur kurzfristig angewendet werden. Zudem kann der Arzneistoff tödliche hypotensive Reaktionen auslösen. Da das Risiko bei parenteraler Applikation erhöht ist, ist eine parenterale Gabe nur zugelassen, wenn eine orale oder rektale Gabe nicht möglich ist.
Der Bericht in der pharmazeutischen Zeitung online wird in der Anlage überreicht und zum Inhalt des diesseitigen Vortrages gemacht.
4. Im Ergänzungsgutachten heißt es, Blatt 516 / Blatt 517:
Die Gründe für den Wechsel der Schmerzmedikamente von niedrig-potenten Opioiden (wie Tramadol) auf Metamizol lassen sich anhand der vorgelegten Dokumente nicht eruieren. Finanzielle Erwägungen dürften bei heute durchschnittlichen Tagestherapiekosten von ca. 1,12 EURO bei 4 x täglich 500 mg Metamizol und von ca. 0,67 EURO bei dem etwas billigeren Tramadol mit 100 mg 2 x täglich keine Rolle gespielt haben. Es wurde von den Gutachtern auch nicht behauptet, dass die Behandlung mit Metamizol die allein richtige und / oder beste Behandlungsoption gewesen sei. Vielmehr wurde die Verordnung im Kontext der Komorbiditäten und anderer möglicher Analgetika analysiert und bewertet (Abschnitt II.4.8).
In diesem Abschnitt des Gutachtens vom 8.11.2012 behaupten die abgelehnten Gutachter der objektiven Wahrheit zuwider, dass im Falle Demjanjuk kein Schmerzmittel ohne absolute oder relative Kontraindikation hätte verabreicht werden können.
Die Gutachter beschuldigen damit objektiv die beamteten Ärzte der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim, dem Verstorbenen ohne sein Einverständnis und ohne jede Aufklärung im Rahmen der gebotenen Schmerztherapie Tramadol bzw. niedrig potente Opioide verabreicht zu haben, obwohl diese absolut oder relativ kontraindiziert gewesen seien.
Diese Behauptung ist in jeder Beziehung unvertretbar. Die Gutachter widerlegen sich unverzüglich selbst:
Sie räumen nämlich ein, dass die niedrig potenten Opioide zugelassene Schmerzmittel sind. Auf Seite 32 des Gutachtens, Blatt 350 der Ermittlungsakte behaupten sie hingegen unverständlicherweise:
Metamizol ist formal nicht zur Schmerzbehandlung zugelassen.
Die Gutachter verschweigen, dass Tramadol bzw. niedrig-potente Opioide trotz Vorliegens einer Knochenmarkserkrankung angewandt werden darf, während die Anwendung von Metamizol ausdrücklich vom Hersteller verboten wird.
Sie verschweigen, dass das Risiko und die Kontraindikation von Metamizol nicht nur im Agranulozytose-Risiko besteht, sondern entsprechend der bereits zitierten Äußerung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte weitere tödliche Risiken enthält, die sich im Falle Demjanjuk sicher verwirklicht haben.
Die Gutachter verschweigen, dass die Risiken der Verabreichung von Metamizol tödliche Risiken darstellen, die Risiken der Verabreichung von niedrig potenten Opioiden jedoch gerade nicht. Die Risiken der niedrig potenten Opioide werden von den Gutachtern nämlich auf Blatt 351 / Blatt 33 des Gutachtens, wie folgt beschrieben:
Neben Atemdepression, Kreislauf-Dysregulation, häufig gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Darmträgheit bis hin zur Obstipation (Verstopfung) und (vor allem in der ersten Therapiephase) zentralnervösen Symptomen wie Müdigkeit, Benommenheit und Einbußen in der Reaktionszeit können sie über Leberstoffwechselwege Interaktionen mit anderen Medikamenten hervorrufen. Auch hier sind in den entsprechenden Fachinformationen Warnhinweise für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und generell für „alte“ Menschen aufgeführt, die eine Dosismodifikation zu bedenken geben und vor einem unkritischen Einsatz warnen.
Es ist offensichtlich, dass die Inkaufnahme solcher Nebenwirkungen bei niedrig potenten Opioiden keinen Vergleich mit der Inkaufnahme von tödlichen Risiken bei Einnahme von Metamizol aushalten kann.
Die drei befangenen Gutachter behaupten, John Demjanjuk wäre es zumutbar gewesen, die tödlichen Risiken der Einnahme von Metamizol in Kauf zu nehmen, um Übelkeit und Erbrechen, Darmträgheit und Verstopfung bei Einnahme von Tramadol zu vermeiden.
Dies ist nicht hinnehmbar und widerspricht jedweder medizinischen und juristischen Regel.
Es kommt hinzu, dass offensichtlich der verstorbene Herr Demjanjuk die Schmerztherapie mit Tramadol, die ohne jeden dokumentierten Grund auf Metamizol umgestellt wurde, vertrug und dabei über zwei Jahre in der JVA keine nennenswerten Nebenwirkungen hatte. Diese seit über zwei Jahren angewandte Schmerztherapie entsprach den Regeln der ärztlichen Kunst und den juristischen Grenzen ärztlichen Handelns. Hingegen war die Schmerzbehandlung mit Metamizol eine Behandlung mit einem nicht zugelassenen und angesichts der Knochenmarkerkrankung verbotenen Arzneimittel, wobei die Behandlung tödliche Risiken barg.
5. Es ist medizinisch gesicherte Erkenntnis und Standard, dass die Anwendung von Tramadol als Schmerzmittel bei John Demjanjuk weder relativ noch absolut kontraindiziert war. In den Hinweisen bei Wikipedia.de. wikipedia.org/wiki/Tramandol wird keinerlei Kontraindikation, weder eine relative noch eine absolute beschrieben. Die Nebenwirkungen werden wie folgt angegeben:
Nebenwirkungen wie Schwitzen, Sedierung und Verwirrtheit können auftreten, ebenso wie Schläfrigkeit und verschwommene Sicht. In therapeutischer Dosierung hat Tramadol wegen seiner geringen m-Selektivität keinen beachtenswerten Einfluss auf die Atmung und den Pulmunalateriendruck. Häufig wird eine starke Übelkeit beobachtet, sowohl bei oraler Gabe als auch bei zu schneller Injektion. Blutdruck und Pulsfrequenz werden kaum beeinflusst. Von Krampfanfällen wurde berichtet, insbesondere bei Gabe von Dosen oberhalb der therapeutischen Dosis.
Die Behauptung der abgelehnten Gutachter, die Vergabe von Tramadol an den verstorbenen John Demjanjuk sei relativ oder absolut kontraindiziert gewesen, ist objektiv eine
medizinische Unwahrheit.
6. Die abgelehnten Gutachter behaupten, die Vergabe von Metamizol sei im vorliegenden Fall nach den Regeln des „off lable use“ zu beurteilen. Die Vergabe von Metamizol im konkreten Falle sei allenfalls relativ kontraindiziert, keinesfalls absolut kontraindiziert.
Auch diese Behauptungen sind objektiv
allesamt medizinische und juristische Unwahrheiten.
Unter www.arzneistoffe.net/Metamizol.html heißt es:
Arzneistoffe von A bis Z / Metamizol unter dem Stichwort Gegenanzeigen (Kontraindikationen)
Im Folgenden sind absolute Gegenanzeigen (Situationen, in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen, in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. …
Störungen der Knochenmarkfunktion (z. B. nach Behandlung mit Zytostatika, die bei Krebsleiden gegeben werden) oder Erkrankungen des hämatopoetischen Systems (Erkrankungen der Blutbildung)
Als relative Gegenanzeigen werden aufgeführt:
Patienten mit erhöhtem Risiko für anaphylaktoide Reaktionen, z.B. allergisch bedingtem Asthma, bronchiale, chronische Urtikaria, Alkoholintoleranz, Farbstoff- und / oder Konservierungsmittelintoleranz
Erkrankungen, die mit einer Verminderung der Anzahl der weißen Blutkörperchen einhergehen
Die Unterlage wird in der Anlage überreicht und zum Inhalt des diesseitigen Vortrages gemacht.
Medizinisch und juristisch steht somit fest, dass die Vergabe von Metamizol bei der Vorerkrankung des verstorbenen John Demjanjuk absolut kontraindiziert war. Die absolute Kontraindikation von Metamizol ergibt sich jedoch nicht nur aus dem Stand der medizinischen Wissenschaft, sondern direkt auch aus dem Beipackzettel des Herstellers. Es wird aus diesem (Blatt 218 der Ermittlungsakten) erneut wie folgt zitiert:
Novaminsulfon-ratiopharm darf NICHT eingenommen werden
wenn bei Ihnen Erkrankungen der Blutbildung (Erkrankungen des hämatopoetischen Systems) vorliegen …
Damit steht gleichzeitig fest:
Der von den Gutachtern behauptete „off lable use“ lag im vorliegenden Fall überhaupt nicht vor.
Ganz im Gegenteil, es lag und liegt vor ein Fall, den die angelsächsische und amerikanische medizinische Wissenschaft als
„kontra-indicated use“
qualifizieren. Im Deutschsprachigen medizinisch wissenschaftlichen Bereich muss insofern von
bestimmungswidrigen Gebrauch bzw. nicht etabliertem kontra-lable-use gesprochen werden.
Dass der Einsatz vom Metamizol mit seinen keinesfalls nur auf die Agranulozytose beschränkten tödlichen Risiken über einen in keinem Fall erlaubten monatelangen Zeitraum von weit mehr als 6 Monaten in hohen Dosen eine schwere Körperverletzung mit lebensgefährlicher Behandlung durch die beschuldigten Ärzte war, daran kann kein vernünftiger medizinischer und juristischer Zweifel bestehen.
Fehlendes Einverständnis und fehlende Aufklärung des Patienten
Die Gutachter verschweigen sowohl in ihrem Hauptgutachten als auch in ihrem Ergänzungsgutachten Folgendes:
1. Bei jedem Medikament, welches kontraindiziert ist oder nicht zugelassen ist zur Behandlung, muss der Patienten umfassend über die mit der Einnahme des Medikamentes verbundenen Risiken aufgeklärt werden. Dies ist nicht geschehen.
2. Der Patient muss sich mit der Behandlung mit dem kontraindizierten und nicht zugelassenen Arzneimittel ausdrücklich einverstanden erklären. Ein Einverständnis von Herrn John Demjanjuk hat zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.
Die fehlende Aufklärung und das fehlende Einverständnis des Patienten führen ausweislich der Berufsordnung für Ärztinnen und Ärzte dazu, dass die Verabreichung und Verschreibung von Metamizol im vorliegenden Fall mit den Regeln der ärztlichen Kunst unvereinbar war. Einverständnis und Aufklärung des Patienten gehören zu den unverzichtbaren Vorbedingungen dafür, dass ein Medikament entsprechend den Regeln der ärztlichen Kunst verabreicht wird.
Liegen Einverständnis und Aufklärung nicht vor, ist es dem Arzt generell, ohne Wenn und Aber untersagt, das Medikament einzusetzen. Juristisch wirkt sich das fehlende Einverständnis bzw. die fehlende Aufklärung des Patienten bei Verabreichung des verbotenen Arzneimittels als Körperverletzung in der Form der schweren Körperverletzung aus. Metamizol ist ein Medikament, welches bei vorbestehender Knochenmarkerkrankung tödliche Risiken in sich birgt.
Es handelt sich um eine das Leben gefährdende Behandlung. Für § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB reicht es aus, dass die Art der Behandlung nach den Umständen des Einzelfalles generell dazu geeignet ist, das Leben zu gefährden. Die Gefahr muss sich nicht realisiert haben. Ein Gefährdungserfolg muss nicht eingetreten sein.
Der Tatbestand des § 224 StGB ist daher unzweifelhaft erfüllt. Die monatelange Verabreichung eines absolut kontraindizierten Medikamentes entgegen den Verboten des Herstellers unter Inkaufnahme der mit der Einnahme des Medikamentes verbundenen tödlichen Risiken erfüllt darüber hinaus bei Eintritt des Todes den Tatbestand des § 212 StGB, es sei denn, eine andere Todesursache liegt vor und ist bewiesen.
Voraussetzung für den Einsatz von Metamizol unter Beachtung der Regeln der ärztlichen Kunst war neben der Aufklärung und dem Einverständnis zwingend die medizinische Alternativlosigkeit zur Behandlung mit Metamizol. Die Behandlung mit Metamizol musste medizinisch wissenschaftlich die einzige noch denkbare und allein noch zur Verfügung stehende „letzte“ medizinische Möglichkeit der Schmerzbehandlung sein. Dies ist Grundvoraussetzung für den Off lable use eines Medikamentes, Alternativen dürfen nicht zur Verfügung stehen.
Dass im vorliegenden Fall Alternativen zur Verfügung standen, räumen die befangenen Gutachter selbst ein. Im Hauptgutachten müssen sie sogar gestehen, dass die Behandlung mit Tramadol keine tödlichen Risiken in sich barg. Im Ergänzungsgutachten müssen sie eingestehen, dass die JVA und die Ärzte der JVA die Schmerztherapie über zwei Jahre lang mit Tramadol betrieben haben.
Sie müssen eingestehen, dass es keinen Grund für einen Wechsel der Schmerztherapie durch Umstellung von Tramadol auf Metamizol gegeben hat und kein solcher Grund in irgendeiner Weise in den Arztunterlagen oder sonst dokumentiert ist.
Die medizinische Konsequenz ist, dass fehlendes Einverständnis, fehlende Aufklärung und das Vorliegen alternativer Behandlungsformen im Rahmen der erforderlichen Schmerztherapie den Einsatz von Metamizol
als im konkreten Fall unvertretbar und außerhalb der medizinischen Regeln stehend machte, dass aus dem gleichen Grunde juristisch vom Vorliegen einer schweren Körperverletzung des Herrn Demjanjuk durch die behandelnden Ärzte und seine Tötung zwingend auszugehen ist.
1A PHARMA BTA 20 St.
hat o-bauchbeschwerden, meint galle, möchte nochmal mcp gtt
Die medizinische Unvertretbarkeit der im Gutachten niedergelegten Auffassungen
Die Gutachter verlassen den Bereich medizinscher Vertretbarkeit, wenn sie die Hinweise der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft als nur informativ empfehlend abtun. Die Hinweise der Arzneimittelkommission im Rheinischen Ärzteblatt Juli 2009 werden wie folgt zitiert:
„Metamizol – lebensbedrohliche Reaktionen
Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) erinnert daran, dass Metamizol, syn. Novaminsulfon, (Novalgin, viele Generika), nur zugelassen ist zur Behandlung starker Schmerzen und von hohem Fieber,
wenn andere Maßnahmen kontraindiziert oder wirkungslos sind.
Neben dem bekannten zwar seltenen, aber lebensbedrohlichen unerwünschten Hämatologischen Wirkungen (wie Agranulozytose) kann insbesondere bei parenteraler Gabe ein nicht allergisch bedingter Blutdruckabfall bis hin zu einem lebensbedrohlichen Schock auftreten. Die AkdÄ berichtet über einen solchen Fall bei einem 64-jährigen Patienten, der fatal endete. Insbesondere bei schwerer KHK oder relevanten Stenosen hirnversorgender Gefäße darf Metamizol nur unter sorgfältiger Überwachung hämodynamischer Parameter eingesetzt werden. Sowohl die AkdÄ als auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weisen auf die bekannten Risiken von Metamizol hin und empfehlen unter Beachtung der Indikationen nur eine kurzfristige Anwendung und eine langsame parenterale Applikation unter ärztlicher Überwachung.
AkdÄ und BfArM sehen den hohen Anstieg der Verordnungen von Metamizol mit Sorge und vermuten vermehrte Verordnungen des Analgetikums zulasten der gesetzlichen Krankenkassen wegen dessen Verordnungsfähigkeit als rezeptpflichtiges Arzneimittel.“
Der Hinweis im Rheinischen Ärzteblatt von Juli 2009 wird in der weiteren Anlage überreicht und zum Gegenstand des diesseitigen Vortrages gemacht.
Angesichts des Textes der Warnungen der Arzneimittelkommission und der Warnungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ist der Beweis erbracht, dass die Behauptung, die Klinikärzte und Dr. Selmayr hätten sich nicht an die informativ-empfehlenden Erkenntnisse der Fachgremien halten brauchen,
unverantwortlich und unvertretbar ist.
BSG Urteil vom 19.3.2002
Schließlich ist auf das Urteil des Bundessozialgerichts vom 19.3.2002, AZ: B 1 KR 37/00 R hinzuweisen, in dem die Ausnahmen für den off lable use wie folgt zusammengefasst sind:
Schwerwiegende Erkrankung und
keine andere Therapie verfügbar und
begründete Aussicht auf einen Behandlungserfolgt (aufgrund der Datenlage)
Davon könne ausgegangen werden, wenn die Zulassung beantragt und Phase III veröffentlicht mit den Ergebnissen einer klinisch relevanten Wirksamkeit oder eines Nutzens bei vertretbaren Risiken oder Erkenntnisse veröffentlicht mit zuverlässigen Aussagen über Qualität und Wirksamkeit, aufgrund deren in den einschlägigen Fachkreisen Konsens über den voraussichtlichen Nutzen besteht.
Keine dieser vom Bundessozialgericht aufgestellten Bedingungen für einen „off lable use“ sind im vorliegenden Fall gegeben, wenn man
entgegen der Tatsache des „kontra lable use“ zugunsten der Beschuldigten von einem „off lable use“ ausgehen wollte.
Bestimmungswidriger verbotener Gebrauch von Metamizol
Es besteht zusammengefasst kein Zweifel an der Befangenheit der Gutachter, die sowohl die absolute Kontraindikation von Metamizol im vorliegenden Fall als auch den vorliegend gegebenen bestimmungswidrigen Gebrauch im Rahmen eines kontra lable use verschweigen und die Behauptung aufstellen, es handele sich im vorliegenden Fall um einen
mehr oder minder harmlosen und klinisch vertretbaren „off lable use“.
Dass Metamizol in einer Vielzahl von Ländern absolut verboten ist und gar nicht auf dem Markt ist, hat seine guten Gründe, wie der vorliegende Fall in
erschreckender Deutlichkeit zeigt.
Dass die für den Tod von John Demjanjuk verantwortlichen Mediziner seit nunmehr fast 1 ½ Jahren nicht angeklagt sind, dass darüber hinaus offensichtlich befangene Sachverständige als Gutachter eingesetzt und auch noch zu einem Ergänzungsgutachten aufgefordert werden, ist nicht mehr nachvollziehbar.
Die Staatsanwaltschaft wird ersucht, den Einsatz von Novalgin in quantitativer und qualitativer Hinsicht im Arbeitsbereich der 3 Gutachter zu erforschen und zu überprüfen, ob gleichgelagerte Fälle im Bereich des Arbeitsbereiches der 3 Gutachter vorgekommen sind bzw. ob gleichartige Fälle von den Gutachtern in der hier beanstandeten Weise mit Novalgin behandelt wurden.
Dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die deutsche Ärzteschaft und die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft Ärztinnen und Ärzte in ganz Deutschland inzwischen massiv davor warnen, Metamizol außerhalb der engen Indikationsstellung und außerhalb der Warnhinweise zu verschreiben, dass dies in aller Öffentlichkeit geschieht, ist ein einmaliger und hochgradig beunruhigender Umstand. Die Aufforderung der beiden Institutionen, Metamizol nur unter strenger Beachtung der Indikationen kurzfristig anzuwenden, beweist, dass offensichtlich in ganz Deutschland ein
massiver Missbrauch bzw. massiver bestimmungswidriger Gebrauch von Novalgin
verbreitet ist und Metamizol ohne Rücksicht auf die Risiken für Patienten und deren Gesundheit eingesetzt wird.
Den Anzeigeerstattern ist kein anderes Medikament bekannt, welches nicht nur in einem Großteil der Erde absolut verboten ist, sondern vor dessen off lable use insbesondere in Deutschland so eindringlich gewarnt und der ausschließliche lable use angemahnt wird. Die Anzeigeerstatter befürchten, dass auch im Bereich der Universitätsklinik der Gutachter ein bestimmungswidriger Einsatz von Metamizol „kontra-indicated“ und außerhalb des lable use und außerhalb der engen Indikationsstellung und gegen die ausdrücklichen Warnhinweise erfolgt ist und erfolgt. Die Anzeigeerstatter befürchten, dass angesichts des offensichtlich in der Bundesrepublik weit verbreiteten Missbrauchs dieses Medikamentes die von der Staatsanwaltschaft Traunstein angesetzten Gutachter nichts anderes als in
eigener Sache gegutachtet haben.
Die Antragsteller haben deshalb zu Recht und immer wieder die Begutachtung durch ausländische und neutrale Gutachter gefordert. Die von den Gutachtern vertretenen objektiv abwegigen medizinischen Auffassungen belegen die Richtigkeit der Forderung der Anzeigeerstatter.
Gutachter aus Deutschland, deren maßgebliche Institutionen wegen des massiven Missbrauchs von Metamizol dringende Mahnungen und Warnungen veröffentlichen, müssen von vorne herein als Gutachter ausscheiden.
Sie verteidigen nichts anderes als eine verbotene Praxis.
Die Angst vor dem medizinischen Skandal nach dem justiziellen
Skandal im Fall Demjanjuk
Der Fall Demjanjuk und das Verfahren vor dem Landgericht München ist weltweit bekannt.
Über den Prozessverlauf wurde in fast allen Ländern der Erde berichtet, weit mehr als hundert Journalisten aus aller Welt verfolgten zu Beginn den Prozess. Inzwischen ist zu befürchten, dass dieser angeblich letzte große NS-Prozess wohl als einer der größten Justizskandale in der Bundesrepublik Deutschland eingestuft werden muss. Es ist aber nicht nur der Justizskandal, nach Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens ist es - ganz offensichtlich - zu einem medizinischen Skandal gekommen, indem das akademische Lehrkrankenhaus Klinikum Harlaching und ein Facharzt für Allgemeinmedizin eines bedeutsamen Altersheimes in Bayern Herrn Demjanjuk eine Medizin verschrieben und verabreicht haben, die absolut kontraindiziert zu einer seiner Erkrankungen war und daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Tod des Verstorbenen verursacht hat. Hinzu kommt ein massives Versagen des Pflegedienstes und des medizinisch verantwortlichen Arztes ab dem 6.3.2012. Die Anzeigeerstatter befürchten, dass die Gutachter diesen medizinischen Skandal nicht aufdecken wollen, nicht nur, um ihre Kollegen zu schützen, sondern auch, um den angeblich guten Ruf der deutschen Medizin zu schützen und um zu verhindern, dass bekannt wird, dass ein medizinischer Skandal den in die Bundesrepublik zu Unrecht zwangsdeportierten und gegen Recht und Gesetz verfolgten John Demjanjuk getroffen und zu seinem Tode geführt hat. Die Gutachter verharmlosen objektiv die Verschreibung und die Vergabe von Metamizol über Monate in hohen Dosen und Überdosen in einer so erschreckenden Weise, dass man entweder davon ausgehen müsste, die dringlichen Warnungen der Ärztekommission der Deutschen Ärzteschaft und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte seien absurd und von keinerlei Sachverstand geprägt. Trotz absoluter Kontraindikation des mit tödlichen Risiken für John Demjanjuk behafteten Metamizols erklären sie den Einsatz von Metamizol gegen alle wissenschaftliche Erkenntnis und gegen alle medizinischen Warnungen und Hinweise der für die deutsche Ärzteschaft verbindlich sprechenden Institutionen
für klinisch und somit sachlich vertretbar.
Diese Erklärungen sind so unverantwortlich und so falsch sowie medizinisch unvertretbar, dass die Befürchtung der Anzeigeerstatter gerechtfertigt ist. Der medizinische Skandal im Fall Demjanjuk geht weit über den medizinischen Skandal im Falle Mollath hinaus.
Eingestellt von Andrej Busch um 21.9.13 Keine Kommentare:

References: § 13

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 § 212