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Timestamp: 2018-06-24 07:14:19+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 5 Sa 601/09
Schlag­worte: Arbeitszeitverringerung, Teilzeitanspruch, Teilzeit: Arbeitszeitverringerung
Akten­zeichen: 5 Sa 601/09
Ent­scheid­ungs­datum: 23.11.2009
Leit­sätze: Aus § 8 Tz­B­fG lässt kein An­spruch dar­auf her­lei­ten, die durch die Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit auf die Hälf­te ver­blei­ben­de Ar­beits­zeit in der Wei­se zu ver­tei­len, dass im Wech­sel ein Mo­nat ge­ar­bei­tet wird und ein Mo­nat ar­beits­frei ist.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bonn, 6 Ca 3217/08
5 Sa 601/09
6 Ca 3217/08
Verkündet am 23. No­vem­ber 2009
Küpper,
- Be­klag­te und be­ru­fungs­be­klag­tes Land -
hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14.09.2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Grie­se als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lucks und Bon­gard
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 24.03.2009 – 6 Ca 3217/08 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um die Ar­beits­platz­ge­stal­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin.
Die Kläge­rin ist bei der be­klag­ten Bun­des­re­pu­blik als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te in der Re­gis­tra­tur tätig. Ihr Mo­nats­ver­dienst beträgt rund 2.000,00 € brut­to.
Zu­letzt war die Kläge­rin als Re­gis­tra­to­rin ver­ant­wort­lich für das Re­fe­rat Bürger­ser­vice des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums in der Dienst­stel­le B. Ih­re Auf­ga­be be­steht in der Zu­ord­nung Viel­zahl re­gelmäßig ein­ge­hen­der An­fra­gen von Bürgern an das B zu den Geschäfts­ak­ten so­wie die Ver­wal­tung ei­ner Rei­he von Sach­ak­ten.
Bei der Kläge­rin wur­de vom Ver­sor­gungs­amt D mit Be­scheid vom 16.08.2007 rück­wir­kend zum 28.01.2005 ei­ne Schwer­be­hin­de­rung mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 70 % fest­ge­stellt. Die Kläge­rin lei­det u. a. an ei­ner post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungsstörung so­wie an De­pres­sio­nen, ei­ner Essstörung, Persönlich­keitsstörun­gen und ei­ner aus­ge­prägten Ago­ra­pho­bie.
Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 26.09.2008 (Bl. 5 f. d. A.) be­an­trag­te die Kläge­rin Teil­zeit­ar­beit, wo­bei die Teil­zeit­beschäfti­gung zunächst vom 01.01. bis zum 31.12.2009 aus­geübt und verlänger­bar ge­stal­tet sein soll­te. Hin­sicht­lich der Ver­tei­lung der auf die Hälf­te re­du­zier­ten Ar­beits­zeit stell­te die Kläge­rin fol­gen­de Al­ter­na­ti­ven zur Aus­wahl:
ei­nen Mo­nat ar­bei­ten, ei­nen Mo­nat frei im Wech­sel;
zwei Mo­na­te ar­bei­ten, zwei Mo­na­te frei im Wech­sel;
zwei Mo­na­te ar­bei­ten, ei­nen Mo­nat frei im Wech­sel;
drei Mo­na­te Ar­bei­ten, drei Mo­na­te frei im Wech­sel.
Die Kläge­rin stütz­te ihr Be­geh­ren auf § 8 Abs. 3 Tz­B­fG.
Die Be­klag­te gab dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 22.10.2008 (Bl. 7 d. A.) dem An­trag der Kläge­rin auf Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit auf die Hälf­te ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung statt, lehn­te aber die von der Kläge­rin vor­ge­schla­ge­ne Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit aus be­trieb­li­chen Gründen ab und schlug der Kläge­rin vor, die wöchent­li­che Ar­beits­zeit auf zwei­ein­halb Ta­ge pro Wo­che (und zwei­ein­halb Ta­ge frei) zu ver­tei­len.
Ihr Be­geh­ren stützt die Kläge­rin auf die ärzt­li­che Be­schei­ni­gung des Dr. S vom 23.10.2008 (Bl. 4 d. A.), wo­nach es aus ge­sund­heit­li­chen Gründen in­di­ziert sei, die Kläge­rin in Teil­zeit­ar­beit im Block­mo­dell zu beschäfti­gen, so­wie auf die ärzt­li­che Be­schei­ni­gung des Herrn Dr. S vom 19.02.2009 (Bl. 32 d. A.), in der u. a. aus­geführt wird, dass es für die psy­chi­sche Ent­las­tung der Ge­samt­persönlich­keit der Kläge­rin als äußerst hilf­reich er­schei­ne, ei­ne Ar­beits­zeit­ver­tei­lung in ei­nem sog. Block­mo­dell vor­zu­neh­men.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ei­ner Teil­zeittätig­keit der Kläge­rin die zwei Mo­na­te voll­zei­ti­ge Ar­beit und zwei Mo­na­te dienst­frei im Block­mo­dell be­gin­nend mit dem auf die Rechts­kraft die­ses Rechts­streits fol­gen­dem Mo­nat zu­zu­stim­men und die Kläge­rin ent­spre­chend zu beschäfti­gen;
2. hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung der Kläge­rin zu­zu­stim­men, die ent­we­der ei­nen Mo­nat ar­bei­ten oder ei­nen Mo­nat frei im Wech­sel, zwei Mo­na­te ar­bei­ten und zwei Mo­na­te frei im Wech­sel oder drei Mo­na­te ar­bei­ten und drei Mo­na­te frei im Wech­sel vor­se­he.
Die Be­klag­te hat sich dar­auf be­ru­fen, das von der Kläge­rin be­gehr­te Ar­beits­zeit­mo­dell würde zu ei­ner un­zu­mut­ba­ren Or­ga­ni­sa­ti­on und zu un­verhält­nismäßigen Auf­wen­dun­gen führen.
Durch Ur­teil vom 24.03.2009 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung dar­auf ab­ge­stellt, we­der aus § 8 Tz­B­fG noch aus § 81 SGB IX er­ge­be sich ein An­spruch auf die von der Kläge­rin gewünsch­te Ar­beits­zeit­ver­tei­lung.
Ge­gen die­ses Ur­teil hat die Kläge­rin form- und frist­ge­recht Be­ru­fung ein­le­gen und be­gründen las­sen.
Die Kläge­rin macht gel­tend, sie ha­be ei­nen An­spruch lei­dens­ge­rech­ter Beschäfti­gung. Die Trau­ma­er­kran­kung der Kläge­rin in­di­zie­re ei­ne ent­spre­chen­de Beschäfti­gung im Block­mo­dell. Denn die Kläge­rin benöti­ge we­gen ih­rer Er­kran­kung und Be­hin­de­rung länge­re Ar­beits­pau­sen, um sich zu er­ho­len. Die häufi­gen Fehl­zei­ten we­gen Ar­beits­unfähig­keit könn­ten so­mit ver­mie­den wer­den. Zu Un­recht sei das Ar­beits­ge­richt den Be­weis­an­trit­ten der Kläge­rin auf Ein­ho­lung ei­nes me­di­zi­ni­schen Sach­verständi­gen­gut­ach­tens und Zeu­gen­be­weis nicht nach­ge­gan­gen. Da­bei sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass es sich um ei­ne see­li­sche Er­kran­kung und Be­hin­de­rung han­de­le, de­ren Of­fen­ba­rung der Kläge­rin im Rah­men ih­res Par­tei­vor­tra­ges nur be­grenzt zu­mut­bar sei. Zu Un­recht sei das Ar­beits­ge­richt fer­ner da­von aus­ge­gan­gen, dass § 8 Abs. 1 Tz­B­fG nicht ein­schlägig ge­we­sen sei. Es sei fer­ner nicht nach­voll­zieh­bar, wes­halb es der Be­klag­ten nicht möglich sein sol­le, die Ar­beit so zu or­ga­ni­sie­ren, dass der Kläge­rin die be­gehr­te Block­beschäfti­gung ermöglicht wer­de. Es sei durch­aus möglich, ei­nen Mit­ar­bei­ter zu beschäfti­gen, der die Kläge­rin in den Block­pha­sen ver­tre­te.
die Be­klag­te un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 24.03.2009 – 6 Ca 3217/08 – zu ver­ur­tei­len,
1. ei­ner Teil­zeittätig­keit der Kläge­rin die zwei Mo­na­te voll­schich­ti­ge Ar­beit und zwei Mo­na­te dienst­frei im Block­mo­dell be­gin­nend mit dem auf die Rechts­kraft
die­ses Rechts­streits fol­gen­dem Mo­nat zu­zu­stim­men und die Kläge­rin hilfs­wei­se ent­spre­chend zu beschäfti­gen;
2. hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, ei­ner Teil­zeittätig­keit der Kläge­rin die ent­we­der ei­nen Mo­nat ar­bei­ten und ei­nen Mo­nat frei im Wech­sel, zwei Mo­na­te ar­bei­ten und zwei Mo­na­te frei im Wech­sel oder drei Mo­na­te ar­bei­ten und drei Mo­na­te frei im Wech­sel be­gin­nend mit dem auf die Rechts­kraft die­ses Rechts­streits fol­gen­dem Mo­nat zu­zu­stim­men und die Kläge­rin ent­spre­chend zu beschäfti­gen.
In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt am 14.09.2009 hat die Kläge­rin darüber hin­aus den Hilfs­an­trag ge­stellt, hilfs­wei­se die Teil­zeit­beschäfti­gung der Kläge­rin so zu ge­stal­ten, dass sie ab­wech­selnd ei­ne Wo­che ar­bei­tet und ei­ne Wo­che frei­ge­stellt ist.
die Be­ru­fung der Kläge­rin kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen.
Die Be­klag­te macht gel­tend, es läge ei­ne Ab­wei­chung der Streit­ge­genstände des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens zu dem vor­ge­richt­lich for­mu­lier­ten Be­geh­ren vor. Nach dem Schrei­ben vom 26.09.2008 sei ei­ne Teil­zeit­beschäfti­gung zunächst für die Beschäfti­gung vom 01.01. bis zum 31.12.2009 mit Verlänge­rungsmöglich­keit be­gehrt wor­den, während die Kläge­rin nun­mehr ein Block­mo­dell be­gin­nend mit dem auf die Rechts­kraft die­ses Rechts­streits fol­gen­den Mo­nat be­geh­re. Zu­dem sei der außer­ge­richt­lich ge­stell­te An­trag zu un­be­stimmt ge­we­sen, weil er als ei­ne Va­ri­an­te auf die Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit auf zwei Drit­tel vor­ge­se­hen ha­be. Ei­ne nachträgli­che Um­for­mu­lie­rung der Anträge die den Er­for­der­nis­sen des § 8 Tz­B­fG ent­spre­che, sei nicht möglich.
Un­ge­ach­tet des­sen könn­ten auch die jetzt ge­stell­ten Anträge nicht auf § 8 Tz­B­fG gestützt wer­den. Denn aus § 8 Tz­B­fG fol­ge nicht der An­spruch, für ein­zel­ne Beschäfti­gungs­zeiträume die Ar­beits­zeit auf null zu re­du­zie­ren.
Sch­ließlich könne der An­spruch auch nicht auf § 81 Abs. 5 S. 3 SGB IX gestützt wer­den, denn die Kläge­rin ha­be we­der in der ers­ten In­stanz noch in der Be­ru­fungs­be­gründung kon­kret Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die ei­nen sol­chen An­spruch recht­fer­ti­gen könn­ten.
We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.
Die zulässi­ge Be­ru­fung ist in der Sa­che nicht be­gründet.
We­der der Haupt­an­trag noch die Hilfs­anträge konn­ten Er­folg ha­ben.
Denn es man­gelt für al­le ge­stell­ten Anträge an ei­ner ge­setz­li­chen An­spruchs­grund­la­ge.
1. Ein An­spruch aus § 8 Abs. 1 Tz­B­fG be­steht nicht.
a) Da­bei spricht be­reits Durch­grei­fen­des für die Auf­fas­sung der Be­klag­ten, dass ein An­spruch be­reits des­halb nicht auf § 8 Tz­B­fG gestützt wer­den kann, weil der In­halt der vor­pro­zes­sua­len Gel­tend­ma­chung im Schrei­ben vom 26.09.2008 nicht mit dem im Pro­zess gel­tend ge­mach­ten Be­geh­ren übe­rein­stimmt. Im Schrei­ben vom 26.09.2008 wer­den als Va­ri­an­ten u. a. ge­genüber ge­stellt ei­ne Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung in der Wei­se, dass zwei Mo­na­te ge­ar­bei­tet und ein Mo­nat frei sein soll so­wie al­ter­na­tiv „zwei Mo­na­te Ar­bei­ten, zwei Mo­na­te frei im Wech­sel“. Da­mit wird u. a. zur Aus­wahl ge­stellt ei­ne Re­du­zie­rung auf zwei Drit­tel der bis­he­ri­gen Ar­beits­zeit oder ei­ne Re­du­zie­rung auf die Hälf­te der bis­he­ri­gen Ar­beits­zeit.
Da­von ab­wei­chend zielt der pro­zes­su­al er­ho­be­ne An­spruch al­lein auf ei­ne Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit auf die Hälf­te ab. Ein wei­te­rer Un­ter­schied be­steht dar­in, dass in der vor­pro­zes­sua­len Gel­tend­ma­chung ei­ne be­fris­te­te Teil­zeit­beschäfti­gung für die Zeit vom 01.01. bis zum 31.12.2009 ver­langt wird, die verlänger­bar sein soll, während pro­zes­su­al ei­ne un­be­fris­te­te Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung auf die Hälf­te be­gehrt wird.
Ein An­trag auf be­fris­te­te Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit ist aber kein An­trag im Sin­ne des § 8 Tz­B­fG (sie­he BAG Ur­teil vom 12.09.2006 – 9 AZR 686/06 -, NZA 2007, S. 253 ff.).
Schon aus die­sem Grund kann die Kläge­rin ih­ren An­spruch nicht auf § 8 Tz­B­fG stützen.
b) Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt den An­spruch auch dar­an schei­tern las­sen, dass § 8 Abs. 1 Tz­B­fG vor­aus­setzt, dass sich der Ver­rin­ge­rungs­wunsch im Rah­men des bis­her prak­ti­zier­ten Ar­beits­zeit­mo­dells be­wegt. In­so­weit ist im vor­lie­gen­den Fall das für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten­de Ta­rif­recht zu be­ach­ten. Auf­grund des auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den­den TVöD ist § 6 TVöD ein­schlägig. Nach § 6 TVöD ist für Voll­zeit­beschäftig­te ei­ne durch­schnitt­lich wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 39 St­un­den fest­ge­legt. Dies be­deu­tet, dass die Ar­beits­wo­che den Be­zugs­rah­men und zu­gleich die Gren­ze für die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit bil­det. Dies be­deu­tet, dass die – ver­rin­ger­te – Ar­beits­zeit in­ner­halb ei­ner Ar­beits­wo­che auch ab­wei­chend ver­teilt wer­den kann, an­de­rer­seits da­mit aber auch fest­ge­legt ist, dass in je­der Ar­beits­wo­che Ar­beits­stun­den zu leis­ten sind und ein Nul­lar­beits­zeit für Ar­beits­wo­chen nicht aus § 8 Tz­B­fG be­an­sprucht wer­den kann (eben­so LAG Düssel­dorf Ur­teil vom 17.05.2006 – 12 Sa 175/06 -).
Ei­ne Frei­stel­lung über ei­ne oder meh­re­re Wo­chen oder Mo­na­te lässt sich mit dem ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Mo­dell der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit, al­so der Ar­beit in je­der Ar­beits­wo­che, nicht in Übe­rein­stim­mung brin­gen.
2. Auch aus § 81 Abs. 5 SGB IX folgt der von der Kläge­rin in ih­ren Haupt- und Hilfs­anträgen gel­tend ge­mach­te An­spruch nicht.
a) Nach § 81 Abs. 5 S. 3 SGB IX ha­ben schwer­be­hin­der­te Men­schen ei­nen An­spruch auf Teil­zeit­beschäfti­gung, wenn die kürze­re Ar­beits­zeit we­gen der Art oder Schwe­re der Be­hin­de­rung not­wen­dig ist. Aus die­ser Vor­schrift kann sich da­mit ein An­spruch auf Re­du­zie­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit er­ge­ben. Ein An­spruch auf ei­ne kon­kre­te Ver­tei­lung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit ist hier­aus je­doch nicht un­mit­tel­bar ab­zu­lei­ten.
Da­bei steht ein An­spruch auf Re­du­zie­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit zwi­schen den Par­tei­en nicht im Streit. Denn die Be­klag­te hat sich be­reits in ih­rem Ant­wort­schrei­ben vom 22.10.2008 be­reit erklärt, die wöchent­li­che Ar­beits­zeit auf die Hälf­te ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung zu re­du­zie­ren.
b) Selbst wenn man des­wei­te­ren da­von aus­geht, dass aus § 81 Abs. 4 Nr. 4 SGB IX ein An­spruch auf der Be­hin­de­rung Rech­nung tra­gen­de Ver­tei­lung der re­du­zier­ten Ar­beits­zeit auf be­stimm­te Zeiträume fol­gen kann, ist im vor­lie­gen­den Fall fest­zu­hal­ten, dass es an den dafür not­wen­di­gen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen man­gelt.
Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die von der Kläge­rin ein­ge­reich­ten At­tes­te ei­nen sol­chen An­spruch nicht tra­gen. In dem At­test vom 23.10.2008 hieß es ursprüng­lich, dass aus ge­sund­heit­li­chen Gründen ei­ne Halb­tagstätig­keit in­di­ziert sei. Der Be­griff Halb­tagstätig­keit in je­nem At­test wur­de von dem be­han­deln­den Arzt dann hand­schrift­lich er­setzt durch die For­mu­lie­rung: „Teil­zeit­ar­beit im Block­mo­dell“. Aus der Ver­wen­dung des Wor­tes „in­di­ziert“ folgt zunächst, dass die fa­vo­ri­sier­te Lösung nicht als we­gen der Be­hin­de­rung not­wen­dig, son­dern le­dig­lich als wünschens­wert an­ge­se­hen wird. Ent­schei­dend ist, dass als in­di­zier­te Lösung „Teil­zeit­ar­beit im Block­mo­dell“ an­ge­ge­ben wird. Ei­ne sol­che Lösung schlösse aber auch das von der Be­klag­ten an­ge­bo­te­ne Mo­dell ein, in je­der Ar­beits­wo­che zwei­ein­halb Ta­ge zu ar­bei­ten und zwei­ein­halb Ta­ge ar­beits­frei zu ha­ben. Der Um­fang der Ar­beits-und Frei­zeit­blocks ist in dem At­test nicht an­ge­ge­ben und es ist nicht er­sicht­lich,
wes­halb aus me­di­zi­ni­schen Gründen ge­ra­de die von der Kläge­rin er­streb­te Blo­ck­ab­fol­ge die­je­ni­ge sein soll, die we­gen der Schwer­be­hin­de­rung ge­bo­ten wäre oder ärzt­li­cher­seits für ge­bo­ten ge­hal­ten wor­den wäre.
Das At­test vom 19.02.2009 (Bl. 32 d. A.) enthält ei­ne deut­li­che Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen dem Auf­ent­halt in be­stimm­ten Räum­lich­kei­ten und der Ar­beits­zeit­ver­tei­lung. Während der Auf­ent­halt in be­stimm­ten Räum­en (z. B. Aufzüge, fens­ter­lo­se Räume oder gar Kel­lerräume) als ein Um­stand be­zeich­net wird, der es der Kläge­rin unmöglich macht, ih­re Ar­beit zu leis­ten, wird die Ar­beits­zeit­ver­tei­lung in ei­nem sog. Block­mo­dell le­dig­lich als äußerst hilf­reich be­zeich­net.
Da­mit ist hin­sicht­lich der Räum­lich­kei­ten zwar dar­ge­tan, dass zwin­gen­de Grüne dür ei­ne be­stimm­te räum­li­che Ar­beits­platz­ge­stal­tung be­ste­hen. Dem­ge­genüber wird die Ar­beits­zeit­ver­tei­lung in ei­nem Block­mo­dell le­dig­lich als äußerst hilf­reich, aber eben nicht als ge­bo­ten be­zeich­net. Zu­dem lässt die all­ge­mei­ne For­mu­lie­rung Block­mo­dell wie­der­rum vie­le Möglich­kei­ten der block­wei­sen Ge­stal­tung der Teil­zeit­ar­beit zu, u. a. auch die­je­ni­ge, die die Be­klag­te der Kläge­rin an­ge­bo­ten hat (zwei­ein­halb Ta­ge ar­bei­ten, zwei­ein­halb Ta­ge frei).
Im Be­ru­fungs­ver­fah­ren hat die Kläge­rin kei­ne wei­te­ren Umstände vor­zu­tra­gen ver­mocht, die das er­streb­te Block­mo­dell zwin­gend er­ge­ben würden.
Da­bei kann ei­ne Re­du­zie­rung der Dar­le­gungs­last auf Sei­ten der Kläge­rin nicht des­halb an­ge­nom­men wer­den, weil im Fall der Kläge­rin ei­ne psy­chi­sche Er­kran­kung vor­liegt. Denn un­abhängig von der Art der Er­kran­kung und der dar­auf be­ru­hen­den Schwer­be­hin­de­rung be­darf es ei­ner kon­kre­ten Dar­le­gung, wes­halb die von der Kläge­rin be­gehr­te Lösung die un­ter dem Ge­sichts­punkt der Schwer­be­hin­de­rung al­lein in Be­tracht kom­men­de Lösung sein soll. Die dies­bezügli­che Dar­le­gungs­last kann auch nicht durch den Ver­weis auf ein ein­zu­ho­len­des ge­richt­li­ches Sach­verständi­gen­gut­ach­ten er­setzt wer­den, zu­mal die bis­her von der Kläge­rin vor­ge­leg­ten ärzt­li­chen At­tes­te – wie dar­ge­legt –
ge­ra­de ge­gen ei­ne Fo­kus­sie­rung auf Mo­nats- oder Wo­chen­block­mo­del­le spre­chen, son­dern die block­wei­se Ge­stal­tung der Ar­beits­zeit in­ner­halb je­der Ar­beits­wo­che möglich er­schei­nen las­sen.
Es man­gelt zu­dem dar­an, dass nicht nach­voll­zieh­bar dar­ge­tan ist, wie die Kläge­rin ge­ra­de bei lang dau­ern­den Ar­beits­pha­sen, die mit dem von der Kläge­rin in der Haupt­sa­che ver­bun­de­nen Mo­nats­block­mo­dell er­for­der­lich wären, im Hin­blick auf die da­mit ver­bun­de­ne Dau­er­ar­beits­be­las­tung oh­ne Ar­beits­un­ter­bre­chung für ei­nen Mo­nat bewälti­gen könn­te.
3. Die Be­ru­fung der Kläge­rin hat­te da­her kei­nen Er­folg und muss­te mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 Abs. 1 ZPO zurück­ge­wie­sen wer­den.
Die Re­vi­si­on konn­te nicht zu­ge­las­sen wer­den, da der Rechts­streit kei­ne rechts­grundsätz­li­che Be­deu­tung hat­te und auch kein Fall von Di­ver­genz vor­lag.
Hin­sicht­lich ei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72 a ArbGG Be­zug ge­nom­men.
Bon­gard
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 § 72