Source: http://palikanon.de/khuddaka/jataka/j438.htm
Timestamp: 2018-01-21 06:58:39+00:00

Document:
438 Tittira-Jataka
438. Die Erzählung von dem Rebhuhn (Tittira-Jataka)
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf den Mordversuch des Devadatta. —
§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, unterrichtete ein weitberühmter Lehrer zu Benares fünfhundert junge Brahmanen in der Wissenschaft. Da dachte er: „Solange ich hier weile, bin ich gehindert; auch bei den jungen Brahmanen bleibt das Wissen nicht haften. Ich will in eine Waldgegend des Himalaya ziehen, dort wohnen und unterrichten.“ Er sagte es seinen Schülern, ließ sie Sesamkörner, Reiskörner, Öl u. dgl. mitnehmen und zog in den Wald. Unweit von der Straße erbaute er sich eine Laubhütte und nahm dort Wohnung. Auch die jungen Brahmanen errichteten sich ein jeder seine Laubhütte. Die Verwandten der Jünglinge schickten Reis und andere Nahrungsmittel dorthin; auch die Bewohner des Landes dachten: „Der weitberühmte Lehrer wohnt im Walde an dem und dem Orte und lässt dort die Wissenschaft erlernen“, und sie brachten ihm ebenfalls Nahrungsmittel. Diejenigen, die in diese Wildnis kamen, spendeten Gaben und ein Mann schenkte ihnen, damit sie Milch trinken könnten, eine Kuh mit ihrem Kalbe.
§1. „Der dir die Jungen aufgefressen,
§2. „Ein blut'ger Mörder ist der Mann,
§3. Wenn ungenügsam ist ein Mann,
man könnt' ihn nicht befriedigen [4].“
§4. „Warum kommst du, Subahu [5], voller Eile
§5. „Das Rebhuhn, das dein Freund war, dieses gute,
§6. „Was ist es, das der Mann hier sonst begangen,
§7. „Kalinga-Land durchzog er, Handel treibend,
§8. Die Vögel fing er, maß die Pfosten ab [6],
Augen verdarb er [7], gab das Frommsein auf;
verbrannt sind ihm die Hände von Almosen [8].
§9. Dies, hört' ich, sind die Taten, die er früher
die Kuh er tötet', — warum nicht das Rebhuhn?“
§A2. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, war Devadatta auch früher schon auf meine Ermordung bedacht.“
§C. Dann verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war der Asket Devadatta, die Rieseneidechse war Kisagotami, der Tiger war Mogallāna, der Löwe Sāriputta, der weitberühmte Lehrer war Kassapa, das weise Rebhuhn aber war ich.“
[1] Vgl. „Leben des Buddha“, S. 172-180.
[2] Aus dem Auswendiglernen der Veden bestand die ganze Wissenschaft
[3] Die Lesart ist zweifelhaft. Vielleicht hat Morris recht, der „nigantho“ liest, also „ein nackter Asket“.
[4] Dies ist auch die Strophe des Jataka 72.
[5] Auf Deutsch: „der Starkarmige“.
[6] Gemeint sind die Pfosten, an denen die gefangenen Elefanten angebunden werden.
[7] Er gab sich als Arzt aus und machte dadurch seine Patienten blind.
[8] Er nahm die Almosenspeise zu gierig entgegen, solange sie noch heiß war.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9