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Timestamp: 2019-10-18 13:40:53+00:00

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Amts­haf­tung für ent­gan­ge­ne Gehalts- und Ren­ten­an­sprü­che – und die Ein­kom­men­steu­er | Rechtslupe
Amtshaftung für entgangene Gehalts- und Rentenansprüche - und die Einkommensteuer
Eine Ent­schä­di­gung i.S. von § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG liegt auch dann vor, wenn eine Scha­dens­er­satz­leis­tung aus Amts­haf­tung als Sur­ro­gat für die durch eine rechts­wid­ri­ge Abbe­ru­fung als Bank­vor­stand ent­stan­de­nen Ver­dienst- und Betriebs­ren­ten­aus­fäl­le geleis­tet wird.
Nach § 24 Nr. 1 Buchst. a i.V.m. §§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4, 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 EStG gehö­ren zu den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit auch Ent­schä­di­gun­gen, die ‑wie im Streit­fall- "als Ersatz für ent­gan­ge­ne oder ent­ge­hen­de Ein­nah­men" gewährt wor­den sind.
Zah­lun­gen, die nicht an die Stel­le weg­ge­fal­le­ner Ein­nah­men tre­ten, son­dern bür­ger­lich-recht­lich Erfül­lungs­leis­tun­gen eines Schuld­ver­hält­nis­ses sind, gehö­ren nicht zu den Ent­schä­di­gun­gen. Um eine Ent­schä­di­gung han­delt es sich nur dann, wenn die bis­he­ri­ge Grund­la­ge für den Erfül­lungs­an­spruch weg­ge­fal­len ist und der an die Stel­le der bis­he­ri­gen Ein­nah­men getre­te­ne Ersatz­an­spruch auf einer neu­en Rechts- oder Bil­lig­keits­grund­la­ge beruht 1. Es reicht daher nicht aus, wenn die bis­he­ri­ge ver­trag­li­che Basis bestehen geblie­ben ist und sich nur Zah­lungs­mo­da­li­tä­ten geän­dert haben 2 oder die Ver­trags­par­tei­en den Ver­trag zwar ein­ver­nehm­lich been­den, aber sich noch zu Zah­lun­gen ver­pflich­ten, die bür­ger­lich-recht­lich Erfül­lungs­leis­tun­gen aus dem been­de­ten Rechts­ver­hält­nis dar­stel­len. Erfor­der­lich ist viel­mehr, dass der Steu­er­pflich­ti­ge durch den Weg­fall von Ein­nah­men einen Scha­den erlei­det, der durch die Zah­lung unmit­tel­bar aus­ge­gli­chen wer­den soll 3.
Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall war der auf der neu­en Rechts­grund­la­ge des gericht­li­chen Ver­gleichs (vgl. § 278 Abs. 6, § 794 Abs. 1 Nr. 1 ZPO) ver­ein­nahm­te Betrag als Ersatz für ent­gan­ge­ne oder ent­ge­hen­de Ein­nah­men gewährt wor­den. Denn nach dem Inhalt die­ses gericht­li­chen Ver­gleichs setzt er sich aus "ent­gan­ge­nen Gehalts­an­sprü­chen" sowie "ent­gan­ge­nen Ren­ten­an­sprü­chen" zusam­men. Infol­ge der auf dem rechts­wid­ri­gen Abbe­ru­fungs­ver­lan­gen beru­hen­den vor­zei­ti­gen Been­di­gung des Dienst­ver­tra­ges und unter­bun­de­nen Wei­ter­be­schäf­ti­gung als Bank­vor­stand ent­fie­len künf­ti­ge Ein­nah­men des Bank­vor­stands aus den Gehäl­tern und der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung, und die Zah­lung der Bank dien­te unmit­tel­bar dem Aus­gleich die­ses Scha­dens.
Die­se Zuwen­dun­gen wer­den durch § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit zuge­wie­sen, zu denen die weg­ge­fal­le­nen Ein­nah­men (Gehalt, betrieb­li­che Ren­te) 4 im Fal­le ihrer Erzie­lung gehört hät­ten. Dies gilt auch, wenn der Ersatz für die ent­ge­hen­den Ein­nah­men von einem Drit­ten gezahlt wird 5. Daher ist es uner­heb­lich, dass die Zuwen­dung nicht von dem ehe­ma­li­gen Arbeit­ge­ber, son­dern von der Auf­sichts­be­hör­de geleis­tet wur­de.
Nach die­sen Maß­stä­ben war die Scha­dens­er­satz­zah­lung der Auf­sichts­be­hör­de zutref­fend als steu­er­ba­re Ent­schä­di­gung i.S. von § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG zu behan­deln und der ermä­ßig­ten Besteue­rung nach § 34 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 2 i.V.m. § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG zu unter­wer­fen.
Die­se Wer­tung der Zuwen­dun­gen als Ent­schä­di­gun­gen i.S. des § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG ent­spricht auch den im Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 10.07.2008 6 dar­ge­stell­ten Rechts­grund­sät­zen.
In jener Ent­schei­dung wird danach unter­schie­den, ob eine Ent­schä­di­gung für die Been­di­gung eines lau­fen­den Ver­tra­ges mit der Kon­se­quenz eines ‑dann zu ent­schä­di­gen­den- Ver­dienst­aus­fal­les oder aber im Ein­zel­fall des­halb geleis­tet wur­de, weil wegen Nicht­ab­schlus­ses eines neu­en Ver­tra­ges kei­ne neue Ver­dienst­mög­lich­keit eröff­net wur­de; ledig­lich in der einen Aus­nah­me­fall dar­stel­len­den letzt­ge­nann­ten Alter­na­ti­ve ist § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG nicht anwend­bar. Jenes Ver­fah­ren bezog sich auf die Ver­ein­ba­rung einer Ent­schä­di­gung wäh­rend eines lau­fen­den befris­te­ten Dienst­ver­hält­nis­ses, die dafür geleis­tet wur­de, dass das Dienst­ver­hält­nis ver­trags­ge­mäß aus­lief und nicht ver­län­gert wur­de. Der dem Streit­fall zugrun­de lie­gen­de Sach­ver­halt ist jedoch mit jenem nicht ver­gleich­bar. Denn hier wer­den mit der Leis­tung der Bank kon­kret die Ver­dienst- und betrieb­li­chen Ren­ten­aus­fäl­le des Bank­vor­stands für den Zeit­raum nach frist­lo­ser Kün­di­gung und der unter­bun­de­nen Wei­ter­be­schäf­ti­gung als Bank­vor­stand ersetzt. Aus­weis­lich des gericht­li­chen Ver­gleichs wur­de der Betrag für ent­gan­ge­ne Gehalts­an­sprü­che sowie ent­gan­ge­ne Ren­ten­an­sprü­che geleis­tet. Die­sem Ver­gleich lag die Kla­ge­schrift des abbe­ru­fe­nen Bank­vor­stands zugrun­de. Nach die­ser soll­te der Bank­vor­stand über­nom­men wer­den. Eine Über­nah­me sei nur auf Grund des rechts­wid­ri­gen Abbe­ru­fungs­ver­lan­gens unter­blie­ben. Dem Bank­vor­stand sei die Über­nah­me münd­lich zuge­sagt wor­den; der rechts­ver­bind­li­che Bestel­lungs­akt sei nur noch eine "Form­sa­che" gewe­sen. Im Übri­gen sei der Bank­vor­stand nach der unter­blie­be­nen Über­nah­me nur auf­grund des Abbe­ru­fungs­ver­lan­gens gehin­dert gewe­sen, bei einer ande­ren Bank eine ver­gleich­ba­re Posi­ti­on zu erlan­gen. Hier­aus sei­en ihm monats­wei­se auf­ge­lis­te­te "Ver­dienst­aus­fall­schä­den" ent­stan­den und im Anschluß hier­an eine monat­li­che "Ren­te" aus einer zusätz­li­chen betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung ent­gan­gen. Somit stellt der im Streit­fall gegen­ständ­li­che Betrag bestim­mungs­ge­mäß den Ersatz für den Ver­dienst- und betrieb­li­chen Ren­ten­aus­fall des Bank­vor­stands dar. Die Ersatz­zah­lung ist auch nach den dar­ge­leg­ten Grund­sät­zen jenes BFH, Urteils 7 als Ent­schä­di­gung i.S. von § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG anzu­se­hen. Daher besteht kei­ne Diver­genz zu der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 8.
Die hin­sicht­lich der ent­gan­ge­nen Gehalts- und Ren­ten­an­sprü­che ver­ein­nahm­ten Zins­zah­lun­gen in Höhe von … EUR wur­den zutref­fend als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG erfasst 9.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Juli 2016 – IX R 33/​15
BFH, Urtei­le vom 21.09.1993 – IX R 32/​90, BFH/​NV 1994, 308; vom 09.07.2002 – IX R 29/​98, BFH/​NV 2003, 21[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 11.01.2005 – IX R 67/​02, BFH/​NV 2005, 1044; vom 16.09.2015 – III R 22/​14, BFH/​NV 2016, 26, Rz 18[↩]
z.B. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2003, 21; in BFH/​NV 2005, 1044, betref­fend Ent­schä­di­gung des Ver­mie­ters für die vor­zei­ti­ge Auf­he­bung eines Miet­ver­trags; vom 29.02.2012 – IX R 28/​11, BFHE 237, 56, BSt­Bl II 2012, 569, Rz 11; in BFH/​NV 2016, 26[↩]
dazu BFH, Beschluss vom 04.07.2005 – VI B 72/​04, BFH/​NV 2005, 1998[↩]
BFH, Urtei­le vom 21.01.2004 – XI R 40/​02, BFHE 205, 129, BSt­Bl II 2004, 716; vom 08.11.2007 – IV R 30/​06, BFH/​NV 2008, 546[↩]
BFH, Urteil vom 10.07.2008 – IX R 84/​07, BFH/​NV 2009, 130[↩]
in BFH/​NV 2009, 130, Rz 16[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 10.09.2003 – XI R 9/​02, BFHE 204, 65, BSt­Bl II 2004, 349; vom 06.07.2005 – XI R 46/​04, BFHE 210, 498, BSt­Bl II 2006, 55; vom 06.09.2006 – XI R 38/​04, BFH/​NV 2007, 408[↩]
BFH, Urtei­le vom 25.10.1994 – VIII R 79/​91, BFHE 175, 439, BSt­Bl II 1995, 121; vom 12.11.2013 – VIII R 36/​10, BFHE 243, 506, BSt­Bl II 2014, 168, Rz 34[↩]
AmtshaftungEntgangene Gehaltsansprücheentgangener Gewinn

References: § 24
 § 24
 § 278
 § 794
 § 24
 § 24
 § 34
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 § 20