Source: http://www.wahlen-in-deutschland.de/wvaAbstimmungsgebiete.htm
Timestamp: 2017-04-30 14:40:38+00:00

Document:
Volksabstimmungen gemäß Vertrag von Versailles
Volksabstimmungen gemδί Vertrag von Versailles
Ergebnisse der Volksabstimmungen gemδί Vertrag von Versailles und des Volksentscheids όber die Zuordnung der oberschlesischen Gebiete
innerhalb des Deutschen Reiches
Gόltig
Ungόltig
Ungόltig %
Fόr den Verbleib
Fόr die
Angliederung an Polen bzw. Dδnemark
Art. 109 Nr. 3 (Schleswig-Holstein, Zone I)
>91,8
Art. 109 Nr. 4 (Schleswig-Holstein, Zone II)
>89,9
Art. 94, 96 (Provinz Ostpreuίen)
>87,9
Art. 94, 96 (Provinz Westpreuίen)
>86,6
Art. 88 (Provinz Niederschlesien)
Art. 88 (Provinz Oberschlesien)
>97,2
bei Preuίen<br>(Nein-Stimmen)
Fόr ein eigenes
Land<br>(Ja-Stimmen)
Zuordnung Oberschlesiens
Erlδuterungen Nach Art. 88, 94, 96 und 109 Vertrag von Versailles (VvV) war der Verbleib der in diesen Artikeln genannten Gebiete beim Deutschen Reich oder deren Angliederung an
Dδnemark (Art. 109) bzw. Polen (Art. 88, 94, 96) durch das Ergebnis von Volksabstimmungen in diesen Gebieten zu entscheiden. Die Regelungen zum Verlauf dieser
Abstimmungen und zur nachherigen Grenzziehungen sahen folgendes vor: -Ost- und Westpreuίische Abstimmungsgebiete (Art. 94, 96 VvV): Art. 95, 97 VvV regelten fόr diese Gebiete das Verfahren. Danach wurde fόr jedes dieser beiden Gebiete ein internationaler Ausschuss eingesetzt. Dieser bestand aus
fόnf von den alliierten und assoziierten Hauptmδchten des VvV eingesetzten Vertretern. Er entschied mit der Mehrheit seiner Stimmen. Er stellte die Ergebnisse der
Abstimmungen auf Gemeinde-Ebene fest und unterbreitete "unter Berόcksichtigung sowohl des durch die Abstimmung kundgegebenen Willens der Einwohner als auch
der geographischen und wirtschaftlichen Lage der Ortschaften in dieser Gegend" gegenόber diesen Mδchten einen Vorschlag zur Grenzziehung. Der bei weitem grφίte
Teil dieser Gebiete verblieb beim Deutschen Reich. -Oberschlesische Abstimmungsgebiete (Art. 88 VvV): Fόr dieses Gebiet regelte eine Anlage zu Art. 88 VvV (Anl. 88) das Verfahren. Fόr dieses Gebiet wurde ein internationaler Ausschuss von vier Vertretern eingesetzt.
Frankreich, Groίbritannien, Italien und die Vereinigten Staaten von Amerika entsandten je ein Mitglied in diesen Ausschusses (§2 Anl. 88). Er fasste seine Beschlόsse
mit der Mehrheit seiner Stimmen (§3 Anl. 88). Nach Beendigung der Abstimmung teilte der Ausschuss den alliierten und assoziierten Hauptmδchten des VvV die
Anzahl der in jeder Gemeinde abgegebenen Stimmen mit und sollte "gleichzeitig einen eingehenden Bericht όber die Wahlhandlung sowie einen Vorschlag όber die Linie ein[reichen - VS], die in Oberschlesien unter Berόcksichtigung sowohl der Willenskundgebung der Einwohner als auch der geographischen und wirtschaftlichen
Lage der Ortschaften als Grenze Deutschlands angenommen werden soll."(§5 Anl. 88). Das Abstimmungsergebnis war "gemeindeweise, und zwar nach der
Stimmenmehrheit in jeder Gemeinde" festzustellen (§4 Anl. 88). Die Abstimmung in Oberschlesien am 20.3.1921 ergab im gesamten Abstimmungsgebiet eine Mehrheit
von knapp 60% fόr den Verbleib im Deutschen Reich. Allerdings hatte in etlichen lδndlichen Gemeinden im Sόdosten und Osten des Gebiets eine Mehrheit fόr die
Angliederung an Polen gestimmt. Innerhalb dieser Gegenden lagen jedoch auch Stδdte, deren Einwohner mehrheitlich fόr den Verbleib beim Deutschen Reich gestimmt
hatten, insbesondere die bevφlkerungsreichen Industriestδdte Kattowitz und Kφnigshόtte. Die deutsche Reichsregierung unter Kanzler Joseph Wirth forderte nun den
Verbleib ganz Oberschlesiens beim Deutschen Reich. Der VvV war nach Schulze (1982: S.232) hinsichtlich der Zuordnung des Gebiets zum Deutschen Reich bzw.
Polen als Ganzes oder nach Gemeinden nicht eindeutig. Eine Teilung des Gebietes nach den Ergebnissen auf Gemeinde-Ebene schloί er jedoch insbesondere nicht
aus. Die Alliierten όberwiesen die Lφsung dieser Zuordnungsfrage anstelle eines Votums durch den internationalen Ausschuss an den Vφlkerbund. Dort wurde fόr diese
Frage ein Unterausschuss aus Vertretern Belgien, Brasiliens, Chiles und Spaniens gebildet. Dieser Unterausschuss schlug in seinem Bericht an den Vφlkerbundsrat
eine Grenzziehung zwischen den Gebieten mit mehrheitlicher Entscheidung fόr den Verbleib beim Deutschen Reich im Norden und den Gebieten mit mehrheitlicher
Entscheidung fόr die Angliederung an Polen im Osten und Sόdosten vor. Dabei nahm er es in Kauf, dass Gemeinden, die mehrheitlich fόr den Verbleib im Deutschen
Reich abgestimmt hatten und die φstlich bzw. sόdφstlich dieser Linie lagen, an Polen angegliedert wurden. Der Vφlkerbundsrat akzeptierte diesen Vorschlag am
14.10.1921 und das Gebiet wurde entsprechend geteilt. Die Regierung Wirth trat daraufhin zurόck. In dem Teil Oberschlesiens, der beim Deutschen Reich verblieb, fand
schlieίlich am 3.9.1922 ein Volksentscheid darόber statt, ob dieses Gebiet beim Land Preuίen verbleiben oder ein eigenes Land innerhalb des Deutschen Reiches bilden sollte.
Dieser Volksentscheid ging zugunsten des Verbleibs bei Preuίen aus.
-Schleswigsches Abstimmungsgebiet (Art.109 VvV): Art. 109 VvV sah schlieίlich fόr ein dort bezeichnetes Gebiet im Norden der preuίischen Provinz Schleswig-Holstein eine Entscheidung όber den Verbleib dieses
Gebiets beim Deutschen Reich oder όber die Angliederung an Dδnemark durch Volksabstimmung vor. Nach Art.109 Nr. 1 VvV wurde diese Abstimmung durch einen internationalen
Ausschuss aus fόnf Mitgliedern geleitet. Drei dieser Mitgleider wurden von den alliierten und assoziierten Hauptmδchten des VvV entsandt und je einer sollte von der schwedischen
und von der norwegischen Regierung entsandt werden. Der Auschuss entschied mit der Mehrheit seiner Stimmen. Die Abstimmung wurde in zwei Schritten durchgefόhrt.
Zunδchst wurde in dem in Art.109 Nr.3 VvV festgelegten nφrdlichen Teil dieses Gebiets (der sog. "Zone I") am 10.2.1920 abgestimmt. Als Abstimmungsergebnis galt
nach dieser Regelung eine Mehrheit fόr den Verbleib im Deutschen Reich oder die Angliederung an Dδnemark in der gesamten Zone I. Die Ergebnisse etwa auf
Gemeinde-Ebene waren irrelevant. Jedoch ergab sich in der gesamten Zone I und auf Ebene der fόnf betroffenen Kreise (Apenrade, Hadersleben und Sonderburg sowie Teile der Kreise Flensburg-Land und Tondern)
je eine Mehrheit fόr die Angliederung an Dδnemark, sodass die Gebiete in Zone I nach der Abstimmung Dδnemark angegliedert wurden.
In einem zweiten Schritt wurde gemδί Art.109 Nr.4 VvV in dem dort festgelegten sόdlichen Teil dieses Abstimmungsgebiets (der sog. "Zone II") fόnf Wochen nach der Abstimmung in Zone I am
14.3.1920 abgestimmt. Diese Zone umfasste den Kreis Flensburg-Stadt und Teile der Kreise Flensburg-Land, Husum und Tondern. Nach der Regelung des VvV waren fόr den Verbleib beim Deutschen Reich bzw. die
Angliederung an Dδnemark hier die Mehrheiten auf Gemeinde-Ebene ausschlaggebend. Trotz einer Mehrheit fόr den Verbleib im Deutschen
Reich in der gesamten Zone II und auf Ebene der betroffenen Kreise wurden laut Plankammer des Preuίischen Statistischen Landesamtes so "mehrere Ortschaften", also Gemeinden, an Dδnemark
angegliedert, wδhrend der bei weitem grφίte Teil der Zone II beim Deutschen Reich verblieb.
Von den Regelungen der Vertrags von Versailles betroffene Gebiete im Einzelnen: -Art. 88 (Abstimmung όber den Verbleib im Deutschen Reich oder eine Angliederung an Polen): preuίische Provinz Niederschlesien: Kreis (Kr.) Namslau des Regierungsbezirks (Rb.) Breslau preuίische Provinz Oberschlesien: Kreise Beuthen-Land, Beuthen-Stadt, Cosel, Gleiwitz-Stadt, Groί-Strelitz, Hindenburg, Kattowitz-Land, Kattowitz-Stadt, Kφnigshόtte,
Kreuzburg, Leobschόtz, Lublinitz, Neustadt (teils), Oppeln-Land, Oppeln-Stadt, Pleί, Ratibor-Land (teils), Ratibor-Stadt, Rosenberg, Rybnik, Tarnowitz, Tost-Gleiwitz
-Art. 94, 96 (Abstimmung όber den Verbleib im Deutschen Reich oder eine Angliederung an Polen): preuίische Provinz Ostpreuίen: Kr. Oletzko des Rb. Gumbinnen und Kreise Allenstein-Land, Allenstein-Stadt, Johannisburg, Lφtzen, Lyck, Neidenburg (teils),
Ortelsburg, Osterode, Rφssel, Sensburg des Rb. Allenstein preuίische Provinz Westpreuίen: Kr. Marienburg des Rb. Danzig und Kreise Marienwerder, Rosenberg, Stuhm des Rb. Marienwerder -Art.109 (Abstimmung όber den Verbleib im Deutschen Reich oder eine Angliederung an Dδnemark): Zone I: Kreise Apenrade, Flensburg-Land (teils), Hadersleben, Sonderburg, Tondern (teils) des Rb. Schleswig der preuίischen Provinz Schleswig-Holstein
Zone II: Kreise Flensburg-Land (teils), Flensburg-Stadt, Husum (teils), Tondern (teils) des Rb. Schleswig der preuίischen Provinz Schleswig-Holstein
-Oberschlesische Gebiete: Gebiete in Oberschlesien, die nach der Teilung Oberschlesiens 1921 beim Deutschen Reich verblieben.
Abgegeben, Ungόltig: sofern durch "." markiert keine Informationen vorhanden
Quellen: Abstimmungen nach dem Vertrag von Versailles: Plankammer des Preuίischen Statistischen Landesamts (Bearb.) 1922: Die von Preuίen abgetretenen Gebiete. Berlin: Verlag des Preuίischen Statistischen Landesamtes. S.229-231.
Abstimmung όber den Zuordnung der beim Deutschen Reich verbleibenden oberschlesischen Gebiete: Statistisches Reichsamt (Bearb.) 1923: Anhang: Ergebnis der Abstimmung in Oberschlesien am 3. September 1922; in: Dass. (Bearb.): Die Wahlen zum Reichstag am
6. Juni 1920 Heft IV. Statistik des Deutschen Reiches, Bd.291 IV. Berlin: Verlag von Puttkamer & Mόhlbrecht. S.27-28.
Grundlage der Angaben in o.a. Quellen zurόck.
Erlδuterungen zum Parteiensystem und zu seiner Darstellung auf dieser Webseite
Abkόrzungsverzeichnis
άbersicht Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik 1918-1933

References: Art. 109

Art. 109

Art. 94

Art. 94

Art. 88

Art. 88
 Art. 88
 Art. 95
 Art. 88
 Art. 109
 Art.109
 Art.109
 Art.109