Source: https://helmuts-fahrrad-seiten.de/forum/viewtopic.php?p=55101
Timestamp: 2020-07-07 05:38:05+00:00

Document:
Auch ohne Helm voller Anspruch auf Schadensersatz - Forum - Helmuts-Fahrrad-Seiten.de
Aktuelle Zeit: 07.07.2020, 07:38
Beitragvon Konkursus » 17.06.2014, 19:31
Spiegel Online hat geschrieben: http://www.spiegel.de/reise/deutschland ... 75619.html
Bei aller Freude: es geht um das Geschäft der Versicherungsgesellschaften und damit bezahlen wir den Leichtsinn der anderen über die Versicherungsprämien alle mit. Denn dass diese Entscheidung irgendwie in die versicherungsmathematischen Kalkulationen mit einfließt, dürfte ja klar sein.
Ko, dessen Tipp leider voll daneben lag.
Beitragvon Reisender » 18.06.2014, 21:57
Das Thema erfreut sich internationaler Aufmerksamkeit:
http://road.cc/content/news/121433-goin ... ourt-rules
Für mich eigentlich eine klare Sache, Helm ist freiwillig und damit alles ok!
Fahre ich Roller ist das Teil Pflicht, fahre ich Auto ist der Gurt auch da, wo er hin gehört. Wird Helm für das Radeln Pflicht, ok dann ist das eben so, fertig.
Ach jo, gestern hätte mich fast wieder ein ausfahrendes Auto aus einer Tankstelle abgeräumt auf dem Radweg - ohne Helm.
Beitragvon Speedmanager » 18.06.2014, 22:15
radfreunde hat geschrieben: Also fahrt besser mit Helm, nur zum Brötchen holen nicht unbedingt...
Ja, und darum ging es doch auch. Das man nicht schnell mal ins Auto springt, um zur Post zu fahren, weil das Helm herholen zu umständlich ist ...
Beitragvon Helmut » 19.06.2014, 00:14
Dazu sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork: „Wenn ein Radfahrer vollkommen unverschuldet Opfer eines Verkehrsunfalles wird, dann darf ihm niemand seine berechtigten Schadensersatzansprüche streitig machen – egal, ob mit oder ohne Helm gefahren wurde. Das ist die Quintessenz des BGH-Urteils. Der ADFC hat mit der verunglückten Radfahrerin für dieses Urteil gekämpft – und wir freuen uns, dass sie nach den Strapazen des fast zwei Jahre dauernden Rechtsstreits und der Bewältigung der schweren Unfallfolgen von höchster Instanz Recht bekommen hat.“
So sieht es der pressedienst-fahrrad:
http://www.pd-f.de/2014/06/18/8366_aus- ... intertuer/
Meine Meinung: Gut so. Ich möchte z.B. nicht für jede Fahrt zum Supermarkt oder Gassirunde einen Helm tragen müssen. Was hätten uns zudem die Versicherungen als nächstes Aufdrücken wollen, z. B. die Pflicht festes Schuhzeug beim Treppensteigen zu tragen? Nicht nur Radfahren ist gefährlich.
Zu der Frage, warum man auch nach meiner Überzeugung beim RR- und Cross-Fahren immer einen Helm tragen sollte: Weil es eine andere, viel gefährlichere Art des Radfahrens ist, als wenn man zum Einkaufen fährt. Ja, ich weiß, passieren kann immer etwas, aber das ist im Haushalt ja auch so.
Zuletzt geändert von Helmut am 19.06.2014, 00:39, insgesamt 2-mal geändert.
Beitragvon Knud » 19.06.2014, 00:33
Es gab leider auch undifferenzierte Kommentare, auf der Linie, dass man nun keinen Helm mehr tragen müsse. Schließlich schränke der die Freihiet ein. Da gäbe es aber noch ganz andere Dinge.
Bei den öffentlich-rechtlichen hat man es geschafft, die große Schutzwirkung von Helmen zu betonen und gleichzeitig das Urteil zu erklären. Und die Fußangel ist, dass in ein paar Jahren vielleicht so ein Urteil anders ausfällt, wenn der Helm üblich geworden ist.
Wie Juristen so sind, haben sie auch herausgestellt, wozu sie lieber nichts sagen. Über Sportradfahrer haben sie nicht geurteilt. Vielleicht käme anderes dabei heraus.
lenkerbruch
Registriert: 05.07.2010, 14:11
Beitragvon lenkerbruch » 19.06.2014, 08:57
Ein notwendiges und überfälliges Urteil. Auch Fußgänger und Autofahrer sterben oft an Kopfverletzungen - von ihnen hat noch kein Gericht das Tragen eines Helmes verlangt. Gerade Frauen finden es unzumutbar, für jede Fahrt zum Bäcker ihre Frisur zu ruinieren, da nehmen sie lieber das Auto. Meine sieht das jedenfalls so.
Ganz unabhängig davon bin ich persönlicher Verfechter des Helmtragens und fahre keinen Meter ohne. Vor drei Wochen hatte ich noch einen schweren Sturz, bei dem ich auch mit dem Kopf aufgekommen bin. Im Gegensatz zu Rippen und Schlüsselbein ist er heil geblieben.
Diese Entscheidung ist aber meine Privatsache, außer meine Kinder werde ich niemanden damit missionieren.
Wer sich liebt, der quält sich!
Beitragvon Heimfelder Dirk » 19.06.2014, 09:47
Knud hat geschrieben: Wie Juristen so sind, haben sie auch herausgestellt, wozu sie lieber nichts sagen. Über Sportradfahrer haben sie nicht geurteilt. Vielleicht käme anderes dabei heraus.
Diese "Randbemerkung" des BGH bietet erneut Angriffsflächen für weitere endlose Rechtsstreitigkeiten:
Was ist ein Sportradfahrer? Wie wird das definiert bzw. wer legt das fest? Ein wie auch immer konstruierter Ansatz, Radsportler als Geschädigte schlechter zu stellen, geht m. E. schon in Richtung Diskriminierung.
Ich bin ab sofort nie mehr aus sportlichen Gründen unterwegs sondern nutze, welches Rad auch immer, ausschließlich zur Fortbewegung.
Re: Auch ohne Helm voller Anspruch auf Schadensersatz
Beitragvon Heimfelder Dirk » 19.06.2014, 10:40
Konkursus hat geschrieben: Denn dass diese Entscheidung irgendwie in die versicherungsmathematischen Kalkulationen mit einfließt, dürfte ja klar sein.
Berichtige dich nur ungern, Ko, aber es ist genau anders herum: Dass der Haftpflichtversicherer den Schaden zu 100 % regulieren muss, war und ist in der Kalkulation eingerechnet. Hier hat der Versicherer einfach mal versucht, eine Mitschuld zu konstruieren. Bei Dauerschädigungen (Invalidität) geht es um lebenslange Rentenzahlungen, die gern auch einmalig als hohe Kapitalleistung abgefunden werden. Da kommen bei 20 % schon Beträge zusammen.
Wäre eine Mitschuld bestätigt worden, hätte es m. E. verheerende Signalwirkung auch für andere Lebenssituationen haben können: Ich kaufe mir einen neuen Wagen in einer Basisausstattung und jemand anderer nimmt mir die Vorfahrt. Bisher muss der Verursachen (dessen Versicherer) 100 % des Schadens übernehmen. Nach Bestand des Radhelmurteils des OLG käme ein Versicherer auf folgende Idee: Hätte der Heimfelder statt der Basisausstattung mit 4 Airbags das volle Programm mit 12 Airbags gekauft, wären seine Kopfverletzungen nicht so schlimm gewesen bzw. er wäre wohl gar nicht zum Invaliden geworden und verweigern eine Rentenzahlung vollständig.
Dieses Beispiel mag überzogen erscheinen, ist es aber nicht. Die Argumentation wäre die gleiche wie beim Helm: Es ist allgemein bekannt und belegt, mehr Airbags (Helm) = mehr Sicherheit, kauft man nicht alle Airbags (Helm) = Mitschuld.
Beitragvon VeloC » 19.06.2014, 11:38
Reisender hat geschrieben: Fahre ich Roller ist das Teil Pflicht,
Aber nur bei Wettkämpfen!
Ein Aspekt des Helmtragens beim Alltagsfahren ist in der Diskussion hier noch gar nicht erwähnt worden: Die vielfach auffallend rücksichtslosere Fahrweise von Autofahrern, wenn sie im Stadtverkehr auf Radfahrer mit Helm treffen. Kann sein, dass das Problem hier im Ruhrgebiet stärker ausgeprägt ist als in Hamburg, aber ich kann es aus eigener Erfahrung bestätigen.
Offenbar wird da bei vielen Autofahrern im Kopf ein merkwürdiger Schalter umgelegt: Sehen sie von hinten meine angegrauten unbehelmten Haare, läuft das Überholprogramm "Achtung, ältere Dame!" mit im Schnitt deutlich größerem Abstand und mehr Aufmerksamkeit. Aber wehe, ich trage Helm (und schlimmstenfalls noch Radkleidung). Was da im Kopf abläuft, kann ich nur vermuten, aber es dürfte ungefähr so aussehen: "Was bildet sich dieser Möchtegern-Jan-Ullrich ein, hier auf meiner Straße zu fahren?!". Und dann fühlen sie sich berechtigt, den Abstand zwischen ihrem rechten Außenspiegel und meinem linken Lenkerende auf bis zu 20 mm zu reduzieren und einen halben Meter vor meinem Vorderrad wieder einzuscheren.
Klingt zu krank, um wahr zu sein, ist es aber leider, und vor allem in der fahrradfreundlichen Stadt Essen viel zu häufig zu erleben. Wenn in der Online-Ausgabe unserer Regionalzeitung das Thema Radverkehr behandelt wird, findet man regelmäßig die Bestätigung dafür in nicht wenigen User-Kommentaren zu den entsprechenden Artikeln. Die schlimmsten davon werden netterweise zeitnah von der Moderation gelöscht. Da kriegt der Begriff "Hasskappe" gleich eine ganz neue Bedeutung.
Meine Wege zur Arbeit lege ich daher weiterhin im Dienste größerer Überlebenswahrscheinlichkeit ohne Helm zurück. Und aus demselben Grund trage ich bei meinen sportlichen Fahrten in der Freizeit abseits des Autoverkehrs immer einen Helm!
Beitragvon sportkopf » 19.06.2014, 11:44
ich kann nur nochmal die Aussage von Helmut eingangs bekräftigen: Beim Ausüben des Radsports kommt, im Gegensatz zum Alttagsradfahren, eine Obligenheit (jur.) hinzu, sich ausreichend zu schützen. Und hierzu zählt zweifelsohne das Helmtragen. Bei einem Rennrad-Sturz mit Kopfverletzungen ohne Helmschutz wird es immer ein Mitverschulden an den Kopfverletzungen geben.
Zum Urteil habe ich heute einen interessanten Artikel in der Stuttgarter Zeitung gefunden: Ein Auszug aus dem Artikel "Die Freiheit zur Unvernunft"
"..Dass ein Helm im Ernstfall vor Verletzungen schützen kann, in Einzelfällen vor furchtbarsten Verletzungen mit lebenslangen Folgen, ist unstrittig. Wer nach einem Sturz nicht mehr arbeiten kann, wer seine Steuerungsfähigkeit verloren hat, wer teilweise gelähmt ist, wird verfluchen, keinen Helm getragen zu haben. Und er wird sich nicht mit den Wahrscheinlichkeitsberechnungen befassen, wie viele und wie schwere Verletzungen Fahrradhelme insgesamt verhindern können. .." Der ganze Artikel:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... 9eb38.html
Wir haben in unserem Helmgeschäft das Thema permanent auf der Tagesordnung, haben vielfach auch Kunden, die mit nur wenig Lust einen Helm kaufen, ihn aber tragen werden. Aus Verantwortung sich selbst und der Familie gegenüber.
Beitragvon Grotefend » 19.06.2014, 13:44
Viele der hier mit Verve und auch Emotion vorgetragenen Meinungen gehen leider am Kern der Sache vorbei. Es ging nicht um Mitverschulden für den Zusammenstoß, sondern darum, wer für die Folgen seines Handelns haften muss. Insoweit bedaure ich die BGH-Entscheidung. Zwar bin auch ich generell dafür, dass "der Staat" sich allzu enger Regulierung alltäglicher Lebensumstände enthält, also auch nicht Vorschriften erlässt, wie sich der Einzelne zu kleiden hat.
Mag jeder selbst entscheiden, welches Risiko er einzugehen bereit ist. Dann aber bitte ich, auch selbst für die Folgen einzustehen und diese nicht anderen (in diesem Fall der Versichertengemeinschaft) anzulasten.
Beitragvon Carsten » 19.06.2014, 14:04
Grotefend hat geschrieben: Mag jeder selbst entscheiden, welches Risiko er einzugehen bereit ist. Dann aber bitte ich, auch selbst für die Folgen einzustehen und diese nicht anderen (in diesem Fall der Versichertengemeinschaft) anzulasten.
Das heißt, alle Raucher, Trinker, aus Faulheit Übergewichtigen etc. sollen auch selbst für die Folgekosten ihrer Laster aufkommen? Immerhin erhöhen sie ihr Krankheitsrisiko auf diversen Gebieten deutlich. In dem Fall könnte ich mich vielleicht sogar zu einer Helmpflicht überreden lassen.
Ansonsten kann ich mich nur dem Posting von Helmut weiter oben anschließen.
Helm auf - Helm hinüber
Beitragvon axiom 1 » 19.06.2014, 14:49
Ich bin im Winter beim ungeabsichtigten Befahren einer Eisplatte gestürzt. Das Tempo war gering ("fast aus dem Stand"). Ich habe mich zur Seite abgerollt, weil das Vorderrad plötzlich nicht mehr vor und unter mir war. Den seitlichen Aufschlag des Kopfes auf die Betonpiste der Panzerstrasse Höltigbaum habe ich zum Glück mit Helm erlebt, denn er war erstaunlich heftig. Den Helm habe ich vorsichtshalber in die ewigen Jagdgründe geschickt, aber eben einen heilen Kopf behalten. Eine Osteopathin hat anschließend 1,5 Stunden gebraucht, um meine Knochen wieder in die Ausgangslage zu bringen.
Bei Thomas / Sportkopf habe ich mir etwas neues von Uvex in schwarz geholt, wodurch mein Avatar nun etwas veraltet ist. Den Besuch bei Thomas kann ich nur empfehlen, große Auswahl, kompetente Beratung. Hier gehts zum neuen Helm: Sportkopf, Weiße Rose 3, 22359 Hamburg-Volksdorf, Tel. 64532424
Beitragvon CGB » 19.06.2014, 15:23
kescherbande hat geschrieben: Das heißt, alle Raucher, Trinker, aus Faulheit Übergewichtigen etc. sollen auch selbst für die Folgekosten ihrer Laster aufkommen?
Bin ich stark dafür !
Beitragvon Knud » 19.06.2014, 15:49
sportkopf hat geschrieben: Beim Ausüben des Radsports kommt, im Gegensatz zum Alttagsradfahren, eine Obligenheit (jur.) hinzu, sich ausreichend zu schützen. Und hierzu zählt zweifelsohne das Helmtragen. Bei einem Rennrad-Sturz mit Kopfverletzungen ohne Helmschutz wird es immer ein Mitverschulden an den Kopfverletzungen geben.
Warum ohne Zweifel? Ich halte es für vernünftig einen Helm zu tragen. Aber wo steht etwas von ausreichendem Schutz, wie ist der definiert? Du meinst ja anscheinend, dass das juristisch eindeutig sei.
Warum sollte ich weniger Schadensersatz bekommen oder mich anders (mehr) schützen müssen, als die anderen im Stadtverkehr? Nur weil ich auf einem Renner und nicht auf einem Tourenrad sitze?
Im Sinne des BGH Urteils erscheint es möglich, dass bei Rennen und Veranstaltungen wie RTF davon ausgegangen werden kann, dass Helmtragen allgemein anerkannt ist. Wie schon geschrieben, dieses Faß hat der BGH ausdrücklich und ohne Not aufgemacht.
Beitragvon Grotefend » 19.06.2014, 16:56
kescherbande hat geschrieben: Das heißt, alle Raucher, Trinker, aus Faulheit Übergewichtigen etc. sollen auch selbst für die Folgekosten ihrer Laster aufkommen? Immerhin erhöhen sie ihr Krankheitsrisiko auf diversen Gebieten deutlich.
Beitragvon sonja1 » 19.06.2014, 17:39
Knud hat geschrieben: Im Sinne des BGH Urteils erscheint es möglich, dass bei Rennen und Veranstaltungen wie RTF davon ausgegangen werden kann, das Helmtragen allgemein anerkannt ist. Wie schon geschrieben, dieses Faß hat der BGH ausdrücklich und ohne Not aufgemacht.
Das ("ohne Not") ist so nicht ganz richtig. 1. ist es so, daß es durchaus Gerichte gibt, die die Unterscheidung zwischen Rennradfahrer und Alltagsradfahrer (was ist immer das ist) vornehmen. 2. hat sich die Vorinstanz, also das OLG Schleswig ausdrücklich mit der Frage beschäftigt, ob diese Differenzierung notwendig bzw. sinnvoll ist. Das OLG Schleswig schreibt in seiner Entscheidung:
"Die Differenzierung zwischen den verschiedenen Arten von Radfahrern, die gleichsam am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, ist wegen der durch sie aufgeworfenen Abgrenzungsschwierigkeiten nachvollziehbaren Bedenken ausgesetzt (Kettler NZV 2007, 603). Schon angesichts des Umstandes, dass die technische Entwicklung bei modernen Tourenfahrrädern heute derart fortgeschritten ist, dass man auch, wenn es sich nicht um spezielle Renn- oder Geländeräder handelt, hohe Geschwindigkeiten erreichen und sein Fahrverhalten überaus flexibel gestalten kann, überzeugt diese Unterscheidung nicht."
Es ist nachvollziehbar, daß sich dann auch der BGH kurz dazu äußert, ob hier Unterscheidungen getroffen werden sollten. Ich persönlich finde es bedauerlich, wenn der BGH tatsächlich keine Hinweise darauf gegeben hat, ob er die Situation bei Rennradfahrern anders bewerten würde. Vielleicht ergeben sich ja doch kleine Hinweise, sobald das Urteil im Volltext vorliegt. Ich würde es dann, sobald es veröffentlicht ist, hier posten.
Beitragvon Ü40-Cyclist » 19.06.2014, 21:06
Unbestritten, solange es keine Helmpflicht gibt, kann man bei einem unverschuldeten Unfall eines Radfahrers nicht eine Mitschuld ansetzen und Schadensanforderungen abwälzen wollen. Letztendlich sind wir alle mündige Bürger und jeder ist, was das Helmtragen betrifft (noch) für sich selbst verantwortlich. Für mich gehört er zum Radfahren, wie das Fahrrad selbst. Außerdem bin ich als Familienvater auch Vorbild für meine Kinder und es wäre schwer zu argumentieren, ihnen den Helm vorzuschreiben und selber keinen zu tragen.
Für mich der entscheidende Punkt für das Tragen eines Helmes (Übertreibungen dienen der Verdeutlichung): Wenn man mit gespaltener Schädeldecke auf dem OP-Tisch liegt (stellt sich für mich die Frage nach der sitzenden Frisur nicht mehr, aber das sehen Frauen wahrscheinlich anders), ist der 100 % finanzielle Schadensersatz sicher wichtig, aber in dem Moment zweitrangig. Auch kann es Folgeschäden geben, die ein Verlust an Lebensqualität bedeuten können, die kein finanzieller Ausgleich beheben kann, wie das Beispiel der verunglückten Radfahrerin zeigt. Fahrradhelme werden keine Unfälle verhindern, genauso wenig wie Autogurte, Airbags, Leitplanken, verkehrsberuhigte Zonen etc., aber im besten Fall helfen sie mögliche Kopfverletzungen auf ein Minimum zu reduzieren oder sogar zu vermeiden.
Und mal ganz allgemein und unabhängig vom Radfahren für Leute die sagen: „Mir passiert das nicht.“, das haben unzählige Menschen vor euch auch behauptet und dann…..!
Re: Helm auf - Helm hinüber
Beitragvon Benotto » 19.06.2014, 22:17
axiom 1 hat geschrieben: Ich bin im Winter beim ungeabsichtigten Befahren einer Eisplatte gestürzt. Das Tempo war gering ("fast aus dem Stand"). Ich habe mich zur Seite abgerollt, weil das Vorderrad plötzlich nicht mehr vor und unter mir war. Den seitlichen Aufschlag des Kopfes auf die Betonpiste der Panzerstrasse Höltigbaum habe ich zum Glück mit Helm erlebt, denn er war erstaunlich heftig.
Das ein seitlicher Aufprall auf die Strasse nicht ohne ist, kann ich Bestätigen: Einen ähnlichen Sturz habe ich vor 10 Jahren ohne Helm erlebt. In einer Linkskurve verbremst. Fazit: Bewustlosigkeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens, eine Freifahrt zur Computertomogaphie, zum 3. Mal im Leben das linke Schlüsselbein gebrochen und eine gebrochene Rippe. 'Sternesehen'
Mir war auf meinem morgendlichen Arbeitsweg auf diesem Rad/Fußweg (keine Autos) noch nie jemand entgegengekommen. Der Weg ist ein kombinerter Rad und Fußweg, eine Hälfte Sand, die andere Hälfte Betonplatten. In der einzigen Kurve geht es etwas bergab, was dazu führt, dass bei Regen Teile des Sandweges über den Beton gespült werden. Genau hier kam mir nun ein Rad entgegen. An diesem Morgen kam ein Feuerwehrmann von der Nachtschicht. Als ich gebremst hab, brach das Vorderrad blitzartig aus.
In Hamburg dauert es ca. 8-10 min bis zum Eintreffen des Rettungswagens. Die Zeit fehlt in meiner Erinnerung. Wäre ich alleine ohne Zeugen gestürzt, hätte ich sicher noch länger bewusstlos gelegen.
Seitdem fahre ich nur noch mit Helm. Das nennt man Lernen auf die harte Tour.
P.S. Meinem Kopf ist nicht schlimmes passiert.
Beitragvon Helmut » 21.06.2014, 01:37
In Ländern, in denen die Helmpflicht gilt – Australien oder Neuseeland beispielsweise – fahren inzwischen weniger Menschen Rad. Da sterben dann statistisch gesehen weniger Menschen durch Kopfverletzungen, dafür mehr durch Folgen von Übergewicht.
http://www.deutschlandradiokultur.de/bg ... _id=289399
Ohne Helm und ohne Gurt, so stibt Kurt (oder so ähnlich)
Beitragvon Cyclocross » 30.06.2014, 17:38
Der Verein der Vereinsmeier, kurz ADFC genannt, ist das Zynischste, was ich je gesehen habe. Weil es statistisch angeblich nicht relevant ist, sollen die Radfahrer, die eigentlich ohne Probleme einen Unfall überleben würden, sterben. Zugegeben, die meisten Radfahrer ohne Helm gehören auch nicht mit dem Rad auf die Straße.
Jedes Leben ist zu schützen und wenn jemand meint, er könne ein Glücksspiel wagen, soll er es ohne die Unterstützung der Allgemeinheit tun! Warum soll man Rücksicht darauf nehmen, dass jemand meint, weil der ADFC es sagt, sind Helme sinnlos? Dieser Verein ist ein Sicherheitsrisiko! Am 18.02.13 hatte ich einen Unfall, der recht glimpflich abging, weil ich einen Helm trug. Wäre ich im ADFC gewesen, wäre ich heute nicht mehr in der Lage zu schreiben. Die Ärzte im Krankenhaus konnten es nicht begreifen, dass mir so wenig passiert war. Der Helm war nicht mehr zu gebrauchen, aber dafür war mir dort, wo er schützen sollte, auch nichts passiert.
Jeder, der sagt, dass ein Helm unsinnig ist, ist ein potentieller Mörder! Zumindest ist es Anstiftung zur Selbstverstümmelung und zum Selbstmord.
Ich war eigentlich gar nicht so schnell unterwegs, ca. 30 km/h, und trotzdem sorgten sich die Ärzte um meinen Kopf. Wer ohne Helm fährt, ist also ein potentieller Selbstmörder, der Folgeschäden in Kauf nimmt, wenn der Suizid in die Hose geht.
Mofas, die 25 km/h fahren, sind helmpflichtig. Rentnerräder mit ihren Elektromotoren, die genauso schnell sind, sind es nicht. Da stimmt doch was nicht. Moderne Fahrräder sind schneller als diese Slaffikisten, warum fährt man da oben ohne?
Es macht mir nichts aus, dass es Idioten gibt, die mich fragen, ob ich Angst davor hätte, dass mir der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Ich fahre keinen Meter ohne Helm.
Es gibt so unendlich viele "Fahrradfahrer", die nicht mal wissen, dass es Verkehrsregeln gibt. Solche Menschen sind in besonderer Gefahr. Warum dürfen die dann ohne Schutz fahren? Die Allgemeinheit zahlt ja.
Ich bin auch manchmal Autofahrer. Immer mit Gurt. Wenn ich mir Vorstelle, dass einer der Verkehrsidioten auf dem Fahrrad (nicht ein richtiger Fahrradfahrer!), mir vors Auto fährt und ich nicht rechtzeitig reagieren kann, ist es schon schlimm, aber wenn dieser Mensch nun stirbt, habe ich das mit mir abzumachen, auch wenn ich nach dem Gesetz keine Schuld hätte. Man könnte dann zwar von natürlicher Auslese sprechen, aber ich denke da anders. In der Regel könnte da ein Helm den Chaoten retten. Auch ein Chaot ist ein Mensch und damit kein Freiwild oder kein Ausreißer in der der ADFC-Statistik. Jeder soll nach seiner Fasson Selbstmord machen, aber bitte dabei keine anderen schädigen.
Beitragvon Carsten » 30.06.2014, 18:21
Es freut mich für dich, dass der Helm bei dir Schlimmeres verhindert hat. Trotzdem kann ich mich dem Rest deiner Ausführungen nicht anschließen. Nur weil der ADFC gegen eine allgemeine Helmpflicht ist, bestreitet er doch nirgendwo den Schutz, den ein Helm bietet. Er möchte nur jedem die Entscheidung, ob mit oder ohne Helm, selbst überlassen. Und das finde ich richtig. Wir sind alle erwachsene Menschen, die für sich selbst verantwortlich sind und somit auch durchaus in der Lage, so eine Entscheidung anhand einer individuellen Risikoeinschätzung selbst zu fällen. Für mich heißt das, auf dem Rennrad nie ohne Helm zu fahren, auf meinem kurzen Arbeitsweg aber ohne Helm unterwegs zu sein, es sei denn, Eis und Schnee sorgen für erhöhte Sturzgefahr.
Das eigentliche Problem liegt woanders, du hast es selbst schon angesprochen. Es gibt zu viele Fahrradfahrer, die sich nicht an Verkehrsregeln halten, sei es aus Unkenntnis oder absichtlich. Da wird bei Rot über Ampeln gebrettert, als wenn man unsterblich wäre. Dazu kommen dann noch die Autofahrer, die häufig so fahren, als ob es außer ihnen keine anderen Verkehrsteilnehmer gäbe. Wenn man da auf beiden Seiten zu etwas mehr Gefahrenbewusstsein und Rücksichtnahme kommt, wäre schon viel geholfen. Damit könnte man sicher einen Großteil der Unfälle ganz verhindern, anstatt nur ihre Folgen zu mindern. Ist aber natürlich nicht so leicht, wie einfach Helme für alle zu fordern.
Beitragvon Cyclocross » 30.06.2014, 23:00
Wie soll ein Fahrradchaot, der gar nicht weiß, was er tut, erkennen, dass er eine größere Überlebenschance hat, wenn ihm klargemacht wird, dass der Helm statistisch unsinnig ist? Die Lobbyarbeit für Helmmuffel bringt zwar ggf. Mitglieder, ist aber unverantwortlich.
Da ja nicht mehr so viele Autofahrer in Unfälle verwickelt sind, bei denen Gurt und Airbag in Aktion treten, könnte man diese Teile auch einsparen. Blödsinn! Man stelle sich nur vor, der ADAC würde das fordern.
Wenn der ADFC solchen gefährlichen Unfug von sich gibt, soll er auch dafür im Ernstfall zur Kasse gebeten werden. Aus meiner Sicht bleibt diese Haltung kriminell.
Warum sollen die, die sich nicht schützen, von den Überlebenden finanziert werden? Ich hoffe auf realistische neue Urteile.
Beitragvon Carsten » 01.07.2014, 00:05
Cyclocross hat geschrieben: Warum sollen die, die sich nicht schützen von den Überlebenden finanziert werden?
Siehe mein Posting vom 19.06.
ohne Helm und ohne Gurt, so stirbt Kurt
Beitragvon Cyclocross » 01.07.2014, 13:03
Es ist erschreckend, dass jetzt schon Gerichte grobe Fahrlässigkeit ignorieren und nur die armen Opfer sehen. Die Kosten für diese Extravaganzen sind nicht unbeträchtlich und mit dem erhöhten Risiko eines Segelfliegers vergleichbar, wobei letzterer viel sicherer lebt als der Radfahrer in der Stadt ohne Helm.
Ich habe terabyteweise GoPro-Filme, die, ohne dass ich es darauf anlegte, nicht ungeschnitten veröffentlicht werden dürften, weil auf jedem Radler meist ohne Helm, irgendwelche schweren Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung begehen. Das geht mit Geisterfahrten los und endet beim Überqueren eines Bahnübergangs mit geschlossenen Schranken. wer so etwas tut ist auch für die Notwenigkeit von Helmen nicht zu gewinnen.
Ganz krass ist es natürlich wenn ein lizensierter Rennfahrer meint, er müsse keinen Helm tragen,wenn er ein normales Fahrrad benutzt. Die Geschwindigkeit wird zwar etwas geriger sein, aber dem der elektrifizierten Rentnerräder noch weit überlegen. ist das ein Argument gegen einen Helm? Nein es ist ignorant und grob fahrlässig!

References: BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH