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Timestamp: 2020-05-28 16:05:11+00:00

Document:
Streitjahre: 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016
Aktenzeichen: VII R 24/18
ECLI: ECLI:DE:BFH:2019:U.221019.VIIR24.18.0
Normen: § 124 Abs 1 S 2 AO, § 236 AO, § 238 AO, § 2 Abs 1 Nr 1 Buchst b EnergieStG, § 49 EnergieStG, § 53 EnergieStG, Art 14 Abs 1 Buchst a EGRL 96/2003, Art 15 Abs 1 S 1 EGRL 9/2008, Art 19 Abs 2 EGRL 9/2008, Art 22 Abs 1 EGRL 9/2008
Zitiervorschlag: BFH, Urteil vom 22. Oktober 2019 – VII R 24/18 –, BFHE nn
1. Ein Zinsbescheid über Prozesszinsen enthält nicht zugleich eine stillschweigende Ablehnung weiterer Zinsen, insbesondere auf unionsrechtlicher Grundlage(Rn.15).
2. Sieht eine Richtlinie eine obligatorische Steuerbefreiung vor, die der Mitgliedstaat nicht rechtzeitig in nationales Recht umgesetzt hat, und kann sich der Steuerpflichtige deshalb unmittelbar auf die entsprechende Richtlinienbestimmung berufen, stehen ihm nach den unionsrechtlichen Grundsätzen Zinsen auf den Entlastungsbetrag zu, wenn der Mitgliedstaat anfänglich dessen Auszahlung verweigert(Rn.22).
3. Der Behörde steht eine angemessene Frist für die Bearbeitung des --vollständigen-- Entlastungsantrags zu, die bei der Zinsberechnung zu berücksichtigten ist(Rn.26).
4. In Fällen der Energiesteuerentlastung beginnt der Zinslauf 4 Monate und 10 Arbeitstage nach Eingang des vollständigen Entlastungsantrags(Rn.28) (Rn.30).
1. Zu LS 2: Im Streitfall geht es um die unionsrechtswidrige Nichtgewährung einer obligatorischen Steuerbefreiung: Der Klägerin stand aufgrund einer unmittelbaren Anwendung von Art. 14 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 2003/96/EG zur Restrukturierung der gemeinschaftlichen Rahmenvorschriften zur Besteuerung von Energieerzeugnissen und elektrischem Strom (EnergieStRL) ein Anspruch auf die Vergütung der Energiesteuer zu, weil die Bundesrepublik Deutschland diese Regelung nicht fristgerecht in deutsches Recht umgesetzt hatte. Abgrenzung zu Fällen, in denen es um eine unionsrechtswidrige Erhebung einer Abgabe geht(Rn.21) (Rn.22).
2. Zu LS 3 und LS 4: Mangels ausdrücklicher gesetzlicher Regelung orientiert der Senat sich zur Bestimmung dieser Bearbeitungsfrist an den unionsrechtlichen Regelungen in der Richtlinie 2008/9/EG(Rn.27).
vorgehend FG Düsseldorf, 13. Juni 2018, Az: 4 K 1304/17 AO, Urteil
Vergleiche BFH, 5. Dezember 2017, Az: VII B 85/17
Vergleiche FG Düsseldorf, 9. Dezember 2015, Az: 4 K 625/15 VE
Vergleiche BFH, 22. September 2015, Az: VII R 32/14
Vergleiche EuGH, 24. Oktober 2013, Az: C-431/12
Vergleiche EuGH, 18. April 2013, Az: C-565/11
Vergleiche EuGH, 27. September 2012, Az: C-113/10
Vergleiche EuGH, 19. Juli 2012, Az: C-591/10
Vergleiche EuGH, 12. Mai 2011, Az: C-107/10
Vergleiche BFH, 4. Juni 2008, Az: I R 72/07
Vergleiche BFH, 6. Mai 2008, Az: VII R 10/07
Vergleiche BFH, 24. August 2005, Az: II R 16/02
Vergleiche EuGH, 8. März 2001, Az: C-397/98
Vergleiche BFH, 30. November 1999, Az: IX R 57/98
Vergleiche BFH, 12. Juni 1997, Az: I R 72/96
Vergleiche BFH, 29. April 1997, Az: VII R 91/96
Vergleiche BFH, 27. November 1996, Az: X R 20/95
Vergleiche BFH, 18. Juli 1994, Az: X R 33/91
Zugunsten der Klägerin werden weitere, nach § 238 der Abgabenordnung zu berechnende Zinsen auf den Erstattungsbetrag von 68.834,75 € für den Zeitraum vom 10.12.2011 bis zum 25.02.2015 festgesetzt.

References: § 124
 § 236
 § 238
 § 2
 § 49
 § 53
 Art. 14
 § 238