Source: https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/11/27/fefe-und-der-kommunismus-im-kapitalismus/?like_comment=1085&_wpnonce=b324d17e24
Timestamp: 2020-05-29 11:37:15+00:00

Document:
Fefe und der Kommunismus im Kapitalismus – Scheidende Geister
Fefe träumt in seinem Blog vom bedingungslosen Grundeinkommen (BGE):
Beim Diskutieren über das bedingungslose Grundeinkommen habe ich mir das immer so zurecht gelegt, dass nur noch die Leute arbeiten müssen, die echt Bock drauf haben, und die anderen stehen nicht mehr im Weg.
Welche naive Weltsicht: Man stelle sich einfach vor, dass Fefe Recht hätte, und es arbeiteten nur noch die, die echt Bock hätten. Die Verwirklichung des Kommunismus im Kapitalismus.
Welche Krankenschwester, welcher Feuerwehrmann, welcher Busfahrer und welcher Altenpfleger hat „echt Bock“ auf die Nachtschichten? Welcher Bauer hat „echt Bock“, nachts um vier aufzustehen, um die Tiere zu füttern? Welcher Bäcker hat „echt Bock“ ab drei Uhr morgens Brötchen zu backen?
Ist das Problem von Krankenschwestern, Altenpflegern, Bauern und Bäckern wirklich, dass zu viele im Weg herumstehen, die nicht wirklich „Bock haben“?
Wer hat „echt Bock“ auf Wachschutz? Regale einräumen? Versandpakete packen? Putzen? Stahl kochen? Straßen bauen? Burger wenden bei McDonalds?
Wer arbeitet freiwillig auf Montage und lebt monatelang im Container?
Fefe beschreibt korrekt, was passieren würde, wenn ein BGE eingeführt werden würde: Die Menschen würden nur noch das machen, was ihnen Spaß macht oder was viel mehr Geld als das BGE einbringt, falls das in einem System, was Fefe vorschwebt, noch erlaubt ist.
Was ich nicht verstehe: Wenn Fefe weiß, was passieren würde wenn ein BGE eingeführt wird, warum sieht er die negativen Auswirkungen nicht, die das auf die Gesellschaft als Ganzes und auf ihn persönlich hätte?
Ist Fefe nicht klar, dass er von Menschen umgeben ist, die Dienstleistungen für ihn erbringen, die einen beschissenen Job haben und die mit einem BGE niemand mehr machen will?
Und als Nebeneffekt können jetzt viel mehr Leute Kunst machen.
Warum wäre das gut? Gibt es nichts Wichtigeres?
Aber das geht ja davon aus, dass Kunst keine Arbeit ist. Mir schwebte da jemand vor, der zuhause töpfert oder Bilder malt oder so.
Das ist es, was unsere Gesellschaft zusammen – und die Wirtschaft am Laufen hält. Bilder malen sichert nach Einführung des BGE unseren Wohlstand.
Aber die Kunst, die ich persönlich häufiger rezipiere, sind Künstler auf Tournee. Und da fiel mir vorhin auf, dass das ja sehr wohl Arbeit ist.
Vor allem werden für diese Art Kunst nicht nur der Künstler benötigt, sondern auch Leute, die Bühnen bauen, Security, Beleuchter und Bierverkäufer.
Aber die gibt es mit BGE nicht mehr, die töpfern gerade zu Hause.
Die müsste man erheblich besser bezahlen, damit sie noch arbeiten. Mit BGE würde diese Art von Kunst viel teurer werden. Viele würden sie sich nicht mehr leisten können. Zuallererst die, die vom BGE leben.
Was meint ihr, würde sowas noch stattfinden, wenn man ein bedingungsloses Grundeinkommen hätte? Würde dann noch jemand auf Tournee gehen und Konzerte geben?
Oder müsste man davon ausgehen, dass dann nur noch Konzerte stattfinden, die das Ego des Künstlers befriedigen?
Ich meine, lieber Fefe, dass du eine kindliche Weltsicht hast und nicht mal im Ansatz verstehst, wie die Kunst funktioniert, die du „rezipierst“, wenn du wirklich glaubst, dass es nur auf den Künstler ankommt und all die anderen notwendigen Dienstleister ignorierst.
Update: Ein Einsender merkt an, dass die größere Frage ist, ob man dann noch Bühnenmeister und Zeitungsausträger findet.
Es sind Menschen mit Verstand unter Fefes Lesern. Für Fefe scheint das eine neue Erkenntnis zu sein.
Und hier ein Ausschnitt aus einem besonders schönen Kommentar:
Nachdem mir mein Nachbar (ein ünauffälliger, netter Kerl) beimm x-ten Bier eröffnete, er würde an einem Roman schreiben, habe ich mich mal umgehört: Allein in meinem kleibürgerlichen Umfeld ist fast jeder zweite ein Dichter, Autor, Holzschnitzer, Maler auf meist (!) erstaunlich hohem Niveau. Mit Familie und Kindern fehlt einem nur meist die Zeit und das Geld, das weiter auszuleben.
Was haben wir von all den großartigen Künstlern „auf meist (!) erstaunlich hohem Niveau“, wenn wir nichts mehr zu Essen haben und kein Strom mehr aus der Steckdose kommt?
Kunst ist ein Luxus, den man erst genießen kann, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind.
Wenn es stimmt, was der Einsender schreibt, dann schmeißen viele Menschen – jedem zweiten fehlen Zeit und Geld, um das auszuleben, schätzt er – mit BGE ihre Jobs im „kleinbürgerlichen Umfeld“ hin und produzieren Kunst. Versteht Fefe nicht, was das bedeutet?
Fefe greift das Thema später in einem weiteren Beitrag wieder auf:
Zu meiner Frage nach Kunst in Zeiten des bedingungslosen Grundeinkommens war das Ergebnis praktisch einstimming. Alle fanden, dass das gut wäre für die Kunst.
Wenn jeder Zweite Kunst herstellen würde, gäbe es viel Kunst. Nur könnte niemand mehr die Auftritte von Künstlern ansehen, Bilder in Galerien betrachten oder Musik hören.
Zur Produktion einer CD gehört mehr als ein schöpferischer Akt des Künstlers. Worauf soll die Information gepresst werden, wenn niemand mehr Rohlinge herstellt?
Wie werden Musikdateien über das Internet verbreitet, wenn es keinen Strom gibt, weil die Arbeiter in den Kraftwerken zu Hause ein Bild malen, weil diejenigen die früher Windräder in Stand gehalten haben stattdessen die Gitarre in die Hand nehmen und ein paar Songs schreiben, weil die Elektriker in den Umspannwerken nach der Art tibetanischer Mönche meditieren?
Dann zitiert Fefe eine Einsendung, die er offensichtlich für besonders gut hält.
heute schreibst du zum bedingungslosen grundeinkommen und fragst deine leser nach ihrer meinung.
ich möchte dazu schreien: JA BITTE HER DAMIT! damit ich endlich aus dem zwang herauskomme mein brot verdienen zu müssen. was dieser einsender geschrieben hat kann ich nur bestätigen. in meinem umfeld gibt es ebenso viele kreative menschen, die sich nicht entwickeln können, weil sie ihr alltag, der zwang ihr brot zu verdienen mit jobs die sie aus der not ausüben, um nicht vom rest der gesellschaft als schmarotzer tituliert zu werden, auffrisst.
Fefe findet es besonders hervorhebenswert, wenn jemand auf die Frage „Möchtest du Geld geschenkt bekommen?“ mit „Ja“ antwortet.
ich arbeite im pflegeberuf und sehe, wie menschen täglich ohne menschlichkeit versorgt werden. gäbe es das grundeinkommen, kenne ich schon 2 kollegen, die kündigen würden und ihre arbeit ehrenamtlich weitermachen würden, weil ihnen dann nicht mehr von der leitung reingeredet werden könnte und sie sich den menschen menschlich nähern könnten.
Wenn die „Leitung“ nicht mehr hereinredet und die zwei Pfleger sich den Patienten „menschlich nähern“ würden, wie viele Patienten könnten sie noch versorgen?
Würden sie ehrenamtlich auch die Nachtschichten übernehmen? An Weihnachten? An Silvester?
Pflegebedürftige sind darauf angewiesen, zuverlässig jeden Tag richtig versorgt zu werden – und nicht wenn ein Ehrenamtler gerade mal Zeit und Lust hat, sich ihnen „menschlich zu nähern“. Es gibt bereits jetzt Fachkräftemangel in der Pflege.
Hat der Einsender, der selbst in der Pflege arbeitet, schon einmal einen Dekubitus (Achtung, der Link ist nichts für schwache Nerven) wegen falscher Lagerung gesehen? Was macht denn der Pflegebedürftige, wenn dafür niemand verantwortlich ist?
Nun könnte man Pflegefachkräften wie dem Einsender soviel bezahlen, dass es trotz BGE attraktiv ist, Demenzerkrankte zu füttern und alten Menschen die vollgeschissenen Windeln zu wechseln. Dann wird Pflege natürlich viel teurer. Die Beiträge zur Pflegeversicherung steigen stark an. Hinzu kommt, dass nur noch ein Bruchteil der Menschen Beiträge zu Pflegeversicherung zahlt – denn es gibt ja das BGE, Lohnarbeit verrichten nur noch diejenigen die das wollen. Diese Wenigen müssen für die explodierenden Kosten aufkommen.
Wer für fünf Pfennig Hirn hat, dem ist klar, dass das nicht funktioniet.
heute morgen habe ich in der straßenbahn mit einem handwerker gesprochen. er würde sein handwerk unentgeldlich weitermachen, aber nach seinen regeln und nicht nach den vorschriften seines chefs, um dem umsatz zu steigern, sondern den kunden zu helfen. es wurde ihm verboten an die kunden simple tricks weiterzugeben, weil das den umsatz schmälere.
Ich muss sagen: Genau so habe ich Handwerker kennengelernt, als selbstlose Menschenfreunde. Die Mehrheit von ihnen würde gern kostenlos körperlich anstrengende Arbeit für Fremde verrichten.
Warum gründet der Handwerker nicht seine eigene Firma, da könnte er frei von Ausbeutung arbeiten und kein Chef könnte ihm verbieten, „an die Kunden simple Tricks weiterzugeben“.
wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. dieser unmenschliche gedankenmüll steht dem grundeinkommen im weg.
Fefes Leser schwingt die Moralkeule. Ich möchte sie anders herum schwingen: Warum sollte jemand Fefes Leser ohne Gegenleistung Essen geben? Dazu schreibt er nichts. Kein Argument. Nur der erhobene Zeigefinger.
Was schulden andere Menschen dem Leser, dass sie ihn ohne Gegenleistung versorgen sollten?
nicht die menschen sind es, die keine werte mehr haben. dieses gesellschaftssystem erzieht den menschen die werte ab.
Oh ja, genau. Die Menschen werden perfekt geboren, es ist „dieses Gesellschaftssystem“ was sie verdirbt.
Gerade kleine Kinder sind bekanntermaßen die selbstlosesten Menschen die es gibt. Sie teilen immer gern und fühlen mit anderen mit.
Kinder werden aufgrund der Konvention in westlichen Gesellschaften erst dazu erzogen, auch mal abzugeben.
Der Mensch ist sich selbst der Nächste. Völlig unabhängig vom Gesellschaftssystem. Frag mal jemanden aus der Stadtbevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg, wie selbstlos die Bauern waren.
In einem weiteren Blogeintrag zitiert er wieder einen Einsender. Der schreibt:
Heißt also in Kurz: Jeder, der die Ameise und Grille-Fabel (eigentlich die Heuschrecke) nur in der Walt-Disney-Version kennt, ist bereits durch die us-amerikanische Wirtschaftplanung nach der Weltwirtschaftskrise kontaminiert. Der new deal hatte nämlich nur die Rettung der Marktwirtschaft zum Ziel
Ich konnte kaum noch atmen, so sehr musste ich lachen.
Die Markwirtschaft retten. Das ist so ein Witz.
Die Marktwirtschaft muss nicht gerettet werden. Sie ist der Zustand der ganz von allein eintritt. Alle anderen Wirtschaftsformen müssen mit Zwang und viel Aufwand künstlich am Leben gehalten werden.
In jeder regulierten Wirtschaft gibt es einen Schwarzmarkt. Je regulierter das Wirtschaftssystem, desto größer der Schwarzmarkt.
In einer Marktwirtschaft mit Steuern und Zöllen gibt es einen Schwarzmarkt für Produkte mit besonders hohen Steuern wie Alkohol und Zigaretten.
In einer Planwirtschaft gibt es einen Schwarzmarkt für praktisch alle Waren und Dienstleistungen zu Marktpreisen oder in ausländischen Währungen.
Der Schwarzmarkt ist Marktwirtschaft pur, nur Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
Niemand muss die Marktwirtschaft „retten“, es gibt sie in jedem Wirtschaftssystem, auch in den beschissenen.
Klug sind die beraten, die sie nur dort beschränken, wo es wirklich notwendig ist. In Marktwirtschaften wird häufig so viel erwirtschaftet, dass man es sich leisten kann auch Aussteiger durchzufüttern, die im Wald leben wollen.
Auch Fefe gibt – wie so viele BGE-Befürworter – keine Antwort auf die simple aber zentrale Frage: Wer macht die Jobs die keiner machen will? Die Jobs, für die man mit einem BGE irrational viel bezahlen müsste?
Es ist sogar noch schlimmer: Fefe und seinen Lesern scheint nicht einmal klar zu sein, dass das die zentrale Frage ist, für die man eine Antwort braucht, bevor wirtschaftliche Experimente unsere Gesellschaft zerstören.
An Fefe und seinen Einsendern sieht man klar wo viele Befürworter des BGE eigentlich hin wollen: Persönliche Alimentation.
Es gibt keinen Kommunismus im Kapitalismus.
Autor SiggiVeröffentlicht am 27. November 2017 27. November 2017 Katgeorien Gesellschaft
7 Kommentare zu „Fefe und der Kommunismus im Kapitalismus“
27. November 2017 um 10:54
Warum gründet der Handwerker nicht seine eigene Firma, da könnte er frei von Ausbeutung arbeiten …<
Nein, könnte er nicht. Grade Handwerk und Mittelstand werden vom Staat ausgebeutet und geplündert in einem Maße das es einer Vernichtungskampagne entspricht.
Die Finanzämter sind offenbar angewiesen , dem Mittelstand das Genick zu brechen, mit allen rechten und unrechten Methoden und aller Willkür, die ihnen zur Verfügung stehen. Offenbar sehr lustvoll zelebriert von linksindoktrinierten Beamten, die nie von produktiver, leistungsentlohnter Arbeit lebten.
Danisch hierzu:
http://www.danisch.de/blog/2017/11/26/warum-werbung-im-blog/
http://www.danisch.de/blog/2017/11/26/die-politische-besteuerung/
Das hat jetzt nichts mit des Bloggers naiver Weltsicht zu tun, ist aber ein flächendeckendes Problem.
In dem Zusammenhang ist es mir aber rätselhaft, wie ein derart naiver Mensch als Blogger solch eine Reichweite erzielen kann. Offenbar spricht die Naivität weite Teile der Bevölkerung an.
Ich denke mir hierzu: Lasst sie es durchziehen. Die Verwerfungen einer zusammenbrechenden Gesellschaft wird nach einigem Leid und Tod eine natürlich gewachsene , selbsttragende Struktur hervorbringen, wahrscheinlich auf recht niedrigem technischen Niveau. Ackerbau und Viehzucht an der frischen Luft ist gesund!
Dasselbe rate ich auch zum Feminismus. Lasst sie ihre feuchten Träume irgendwo ausleben, wo es niemand stört, wenn die letzte des Versuchprojektes draufgegangen ist, ist das Thema aus der Welt.
27. November 2017 um 12:48
Frage mich eh warum der am beschissen aussehendste blog – sowas ham wir so in den 80ern noch gebastelt – so viel Zulauf hat. Gibt wohl doch genug Deutsche, die Internet immer noch fuer Neuland halten.
27. November 2017 um 13:00
Worueber beschweren die Deppen bei Fefe sich. Praktisch haben wir doch schon ein BGE, wenn man sich gegenueber der Teilzeitschnullis in den Arbeitsaemtern geschickt genug verhaelt. Wir haben halt nicht die Voraussetzungen fuer ein BGE.
Die wichtigste Voraussetzung waere, dass die gesamte Produktion von allen Basis-Guetern und Basis-Dienstleistungen vollautomatisiert ist (und zwar so, dass da nicht mehr mal ein Mensch zur Wartung oder Reparatur der Maschinen hin muss). Vielleicht in 100-200 Jahren? Man muesste den BGE-Traeumern mal erklaeren, dass mit jedem Tag an dem sie die Haende in den Schoss legen und weiter herumschmarotzen, der Tag eines zukuenftig moeglichen BGE weiter in die Ferne rutscht. Das wollen die aber gar nicht verstehen, weil sie nur am Schmarotzen interessiert sind.
Pingback: Die gerade zu Hause töpfern (FF) – zweifelsfrau
Als freiberuflicher Autor kotzt mich diese Schlaraffenland-Vorstellung von Kunst, die offenbar nichts mit Arbeit zu tun hat, echt an.
https://alternativlos-aquarium.blogspot.de/2017/09/die-heimlichen-bedingungen-des.html
Pingback: Fefe will gute Argumente – Scheidende Geister
Neoliberaler Ellenbogenkrieger sagt:
23. März 2018 um 22:36
Was wir brauchen, sind nicht eierlose linksgrüngutmenschliche Wahnideen wie das BGE – die bekanntlich in der Menschheitsgeschichte immer nur nach Auschwitz, Kolyma und auf die Killing Fields geführt haben – sondern NEGATIVLÖHNE! Eine Arbeitsstunde sollte mindestens 50 Euro die Stunde kosten, bei gleichzeitig mit drakonischsten Mitteln durchgesetzter Arbeitspflicht! Wenn das Humankapital dann nach ein, zwei Wochen zahlungsunfähig ist: an die Wand mit dem Versager und PLAMM! PLAMM! PLAMM! Anschließend kann sich der Minder- bzw. Nichtsleister-Kadaver noch als Rohmaterial für Humanproteinkomprimat nützlich machen, der Kraftnahrung für die kognitive Elite des STANDORTES DEUTSCHLAND, härtest arbeitende Höchleistungsträger mit 250-Stunden-Woche, wie ich einer bin!
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