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Timestamp: 2020-08-11 07:39:43+00:00

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Gemäß § 40 Abs. 1 SGB I ent­ste­hen Ansprü­che auf Sozi­al­leis­tun­gen, sobald ihre im Gesetz oder auf Grund eines Geset­zes bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen. Eine Ren­te wird grund­sätz­lich nach § 99 SGB VI von dem Kalen­der­mo­nat an geleis­tet, zu des­sen Beginn die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen für die Ren­te erfüllt sind, sofern die Ren­te bis zum Ende des drit­ten Kalen­der­mo­nats nach Ablauf des Monats bean­tragt wur­de, in dem die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen erfüllt waren. Bei einer Erwerbs­min­de­rungs­ren­te ist gemäß § 43 SGB VI Vor­aus­set­zung, dass eine teil­wei­se oder vol­le Erwerbs­min­de­rung sowie beson­de­re ver­si­che­rungs­recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen [3]. Auf­grund der Son­der­re­ge­lung des § 101 Abs. 1 SGB VI wer­den befris­te­te Ren­ten, wie z.B. eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te, nicht vor Beginn des sieb­ten Kalen­der­mo­nats nach Ein­tritt der Erwerbs­min­de­rung geleis­tet. Ob mit die­ser Vor­schrift der Beginn und damit das Ent­ste­hen der Ren­te modi­fi­ziert wird [4] oder es sich ledig­lich um eine Fäl­lig­keits­re­ge­lung i.S. des § 41 SGB I han­delt [5] kann dahin­ste­hen, da nach bei­den Auf­fas­sun­gen das Jahr des Beginns der Erwerbs­min­de­rungs­ren­te der Klä­ge­rin das Jahr 2003 ist. Der Zeit­punkt des erst­ma­li­gen Zuflus­ses einer Ren­ten­zah­lung ist dem­ge­gen­über für den „Ren­ten­be­ginn“ i.S. des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG irrele­vant [6].
Die Neu­fas­sung des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG ist trotz des recht­lich im Jahr 2003 lie­gen­den Ren­ten­be­ginns auf die im Jah­re 2005 nach­ge­zahl­ten Ren­ten der Klä­ge­rin anwend­bar. § 52 Abs. 1 Satz 1 EStG i.d.F. des Alt­Ein­kG bestimmt, dass „die­se Fas­sung des Geset­zes erst­mals für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2005 anzu­wen­den“ ist, soweit in den fol­gen­den Absät­zen nichts ande­res bestimmt ist.
§ 52 Abs. 1 EStG in der für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2005 gel­ten­den Fas­sung ist –im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Klä­ger und des FG– nicht im Wege einer teleo­lo­gi­schen Aus­le­gung so zu redu­zie­ren, dass Nach­zah­lun­gen von Ren­ten –dazu gehö­ren sowohl Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten als auch Alters­ren­ten–, die bis zum 31.12. 2004 ent­stan­den und erst ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2005 aus­ge­zahlt wor­den sind, nach der bis­he­ri­gen Sys­te­ma­tik besteu­ert wer­den.
Durch § 52 Abs. 1 EStG wird der Sys­tem­wech­sel der Ren­ten­be­steue­rung zum 01.01.2005 zeit­lich fest­ge­schrie­ben. Ab die­sem Zeit­punkt, der im Übri­gen durch das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 6. März 2002 [8] vor­ge­ge­ben war, woll­te der Gesetz­ge­ber mit dem Alt­Ein­kG eine „steu­er­rechts­sys­te­ma­tisch schlüs­si­ge und fol­ge­rich­ti­ge Behand­lung von Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen und Alters­be­zü­gen“ errei­chen [9]. Der Stu­fen­plan zur Ver­wirk­li­chung der nach­ge­la­ger­ten Besteue­rung der Alters­ren­ten­be­zü­ge sah vor, dass gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG Leib­ren­ten und ande­re Leis­tun­gen aus der sog. Basis­ver­sor­gung, die im Jahr 2005 begin­nen bzw. bereits in zuvor lie­gen­den Jah­ren begon­nen haben, zu 50 % in die Bemes­sungs­grund­la­ge der Ein­kom­men­steu­er ein­ge­hen. Der steu­er­ba­re Anteil der Ren­te für jeden neu hin­zu­kom­men­den Rent­ner­jahr­gang (Kohor­te) steigt kon­ti­nu­ier­lich, so dass erst­ma­lig für die „Rent­ner­ko­hor­te“ des Jah­res 2040 die Leib­ren­te in vol­ler Höhe steu­er­pflich­tig sein wird. Der sich erge­ben­de steu­er­frei blei­ben­de Teil der Jah­res­brut­to­ren­te (d.h. der Unter­schieds­be­trag zwi­schen dem Jah­res­be­trag der Ren­te und dem der Besteue­rung unter­lie­gen­den Anteil der Ren­te) wird für jeden Steu­er­pflich­ti­gen auf die Dau­er des Ren­ten­be­zugs fest­ge­schrie­ben (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Sät­ze 4 und 5 EStG).
Die­se ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­ze zugrun­de gelegt ist bei der Gesamt­ab­wä­gung der Inter­es­sen auf Sei­ten der Klä­ger zu berück­sich­ti­gen, dass die gemäß §§ 43, 99 und 101 Abs. 1 SGB VI i.V.m. § 40 SGB I im Jahr 2003 ent­stan­de­ne Erwerbs­min­de­rungs­ren­te eine unter Gel­tung des alten Ein­kom­men­steu­er­rechts erwor­be­ne Rechts­po­si­ti­on dar­stellt. Es han­delt sich damit nicht mehr ledig­lich um eine ver­trau­ens­recht­lich nicht beson­ders geschütz­te Erwar­tung, z.B. von künf­ti­gen Ren­ten­ein­nah­men. Viel­mehr ist bereits ein „Ver­mö­gens­be­stand im grund­recht­lich geschütz­ten Ver­fü­gungs­be­reich“ kon­kret vor­han­den [17]. Die­se kon­kret ver­fes­tig­te Ver­mö­gens­po­si­ti­on wird durch die Anwen­dung der Neu­re­ge­lung der Ren­ten­be­steue­rung erheb­lich ent­wer­tet, da die Ren­ten­zah­lun­gen für 2003 und 2004 nicht mehr mit einem Ertrags­an­teil von 4 %, son­dern einem Besteue­rungs­an­teil von 50 % besteu­ert wer­den. Die nach­träg­li­che Ent­wer­tung der bereits im Jahr 2003 ver­fes­tig­ten Rechts­po­si­ti­on der Klä­ge­rin durch die Ein­be­zie­hung der Nach­zah­lun­gen frü­her ent­stan­de­ner Ren­ten in die Neu­re­ge­lung des Alt­Ein­kG führt zu einem erhöh­ten gesetz­ge­be­ri­schen Recht­fer­ti­gungs­be­darf [17]. Hier­für rei­chen die Grün­de, die die gene­rel­le Ein­be­zie­hung bereits lau­fen­der Ren­ten in die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung recht­fer­ti­gen, allein noch nicht aus.
Hin­zu kommt, dass selbst nach Auf­fas­sung des FG Nach­zah­lun­gen einer Erwerbs­min­de­rungs­ren­te für Zeit­räu­me bis zum 31.12. 2004, die erst ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2005 aus­ge­zahlt wer­den, nur dann der bis­he­ri­gen Sys­te­ma­tik der Ren­ten­be­steue­rung zu unter­wer­fen sind, „wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die Zah­lung der Ren­te so recht­zei­tig bean­tragt hat, dass eine Zah­lung bis zum 31.12.2004 hät­te erfol­gen müs­sen“. Die­se Ein­schrän­kung, die dem Bil­lig­keits­ge­dan­ken ent­springt, wür­de aber dazu füh­ren, dass die Finanz­ver­wal­tung das Ver­fah­ren der Ren­ten­an­trag­stel­lung zu über­prü­fen und zu bewer­ten hät­te, um im Ein­zel­fall zu ent­schei­den, ob es bei der Besteue­rung mit dem Besteue­rungs­an­teil gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG ver­bleibt oder ob aus­nahms­wei­se der Ertrags­an­teil der Ren­te der Besteue­rung zugrun­de zu legen ist.
sie­he auch Rist­haus in Herrmann/​Heuer/​Raupach –HHR–, § 22 EStG Rz 288[↩]

References: § 40
 § 99
 § 43
 § 101
 § 41
 § 22
 § 22
 § 52

§ 52
 § 52
 § 22
 § 40
 § 22
 § 22