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Timestamp: 2019-08-24 11:15:58+00:00

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Vor­aus­set­zung für das Merk­zei­chen „G” | Rechtslupe
Vor­aus­set­zung für das Merk­zei­chen „G”
Bis zum 31.12.2008 waren die „Anhalts­punk­te für die ärzt­li­che Gut­ach­ter­tä­tig­keit im sozia­len Ent­schä­di­gungs­recht und nach dem Schwer­be­hin­der­ten­recht“ (Teil 2 SGB IX), Aus­ga­be 2008 (AHP) her­an­zu­zie­hen1. Die AHP besa­ßen zwar kei­ne Norm­qua­li­tät, weil sie weder auf einem Gesetz noch auf einer Ver­ord­nung oder auch nur auf Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten beruh­ten. Sie waren viel­mehr als anti­zi­pier­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten anzu­se­hen, die in der Pra­xis wie Richt­li­ni­en für die ärzt­li­che Gut­ach­ter­tä­tig­keit wirk­ten, und des­halb norm­ähn­li­che Aus­wir­kun­gen hat­ten. Auch waren sie im Inter­es­se einer gleich­mä­ßi­gen Rechts­an­wen­dung wie unter­ge­setz­li­che Nor­men von den Gerich­ten anzu­wen­den2.
Aller­dings kann sich der Beklag­te hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen für die Fest­stel­lung des Merk­zei­chens „G“ nicht auf die VG (Teil D 1) beru­fen. Eine gesetz­li­che Ermäch­ti­gung für den Ver­ord­nungs­ge­ber, die Grund­sät­ze für die nach dem Schwer­be­hin­der­ten­recht zu beur­tei­len­den Nach­teils­aus­glei­che durch Ver­ord­nung regeln zu kön­nen, ent­hal­ten weder § 30 Abs. 17 BVG (jetzt: Abs. 16), der nicht auf die im Schwer­be­hin­der­ten­recht im SGB IX gere­gel­ten Nach­teils­aus­glei­che ver­weist3, noch ande­re Rege­lun­gen des BVG. Eine Rechts­grund­la­ge zum Erlass einer Ver­ord­nung über Nach­teils­aus­glei­che ist auch nicht in den ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten des SGB IX vor­han­den. Die Rege­lun­gen der VG zum Nach­teils­aus­gleich G sind damit man­gels ent­spre­chen­der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge rechts­wid­rig. Dies ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg4. Rechts­grund­la­ge sind daher allein die genann­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen und die hier­zu in stän­di­ger Recht­spre­chung anzu­wen­den­den Grund­sät­ze.
Das Tat­be­stands­merk­mal der im Orts­ver­kehr übli­cher­wei­se noch zu Fuß zurück­ge­leg­ten Weg­stre­cke des § 146 Abs. 1 Satz 1 SGB IX umfasst nach stän­di­ger Recht­spre­chung der Sozi­al­ge­rich­te5 die Bewäl­ti­gung von Weg­stre­cken von zwei km in einer hal­ben Stun­de ohne Berück­sich­ti­gung von geo­gra­phi­schen Beson­der­hei­ten im Ein­zel­fall. Sowohl die Geset­zes­ma­te­ria­li­en zur gleich­lau­ten­den Vor­gän­ger­vor­schrift des § 58 Abs. 1 Satz 1 SchwbG 1979 als auch die AHP 1983 (Sei­te 123, 127f’) ent­hiel­ten kei­ne Fest­le­gung zur Kon­kre­ti­sie­rung des Begriffs der im Orts­ver­kehr übli­chen Weg­stre­cke. Die­se Fest­le­gung geht auf eine in der Ver­wal­tungs- und Gerichts­pra­xis gegrif­fe­ne Grö­ße von zwei km zurück, die als all­ge­mei­ne Tat­sa­che, wel­che zur all­ge­mein­gül­ti­gen Aus­le­gung der genann­ten Geset­zes­vor­schrift her­an­ge­zo­gen wur­de, durch ver­schie­de­ne Stu­di­en6 bestä­tigt wor­den ist. Der außer­dem hin­zu­kom­men­de Zeit­fak­tor ent­hält den in stän­di­ger Recht­spre­chung bestä­tig­ten Ansatz einer gerin­ge­ren Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit als die von fünf bis sechs km pro Stun­de zu erwar­ten­de Geh­ge­schwin­dig­keit rüs­ti­ger Wan­de­rer, da im Orts­ver­kehr in der Ver­gleichs­grup­pe auch lang­sam Gehen­de, die noch nicht so erheb­lich behin­dert sind wie die Schwer­be­hin­der­ten, denen das Recht auf unent­gelt­li­che Beför­de­rung zukommt, zu berück­sich­ti­gen sind7. Anhalts­punk­te dafür, dass infol­ge des Zeit­ab­laufs sich die Tat­sa­chen­grund­la­ge geän­dert haben könn­te, hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt nicht.Daher legt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt in stän­di­ger Recht­spre­chung8 die­se Erkennt­nis­se wei­ter der Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals der orts­üb­li­chen Weg­stre­cken i.S.v. § 146 Abs. 1 SGB IX zugrun­de, auch wenn die ent­spre­chen­den Rege­lun­gen der VG zu dem Nach­teils­aus­gleich „G“ unwirk­sam sind, wie oben aus­ge­führt9.
Danach bedarf es kei­ner Ent­schei­dung, zu der Fra­ge, ob psy­chi­sche Erkran­kun­gen (gene­rell) geeig­net sind, die Vor­aus­set­zun­gen für die Zuer­ken­nung des Merk­zei­chens „G“ zu begrün­den10.
Anhö­rungs­rü­ge – und die Sub­si­dia­ri­tät der… Die Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG) erfor­dert, dass der Beschwer­de­füh­rer den Rechts­weg nicht nur for­mell, son­dern in der gehö­ri­gen Wei­se unter Nut­zung der gege­be­nen Mög­lich­kei­ten,…
Der gehör­lo­se Betreu­te – und die Kos­ten eines… Die Kos­ten für die Hin­zu­zie­hung eines Gebär­den­dol­met­schers für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit einem gehör­lo­sen Betreu­ten sind mit der Pau­schal­ver­gü­tung nach §§ 4, 5 VBVG abge­gol­ten. Der Berufs­be­treu­er kann daher die Bei­ord­nung…
Die kon­kret in Bezug genom­me­ne Anla­ge – und ihre… Gerich­te sind nicht ver­pflich­tet, umfang­rei­che unge­ord­ne­te Anla­gen­kon­vo­lu­te von sich aus durch­zu­ar­bei­ten, um so die erho­be­nen Ansprü­che zu kon­kre­ti­sie­ren. Nimmt der Klä­ger zur Sub­stan­ti­ie­rung sei­nes Anspruchs aller­dings auf eine aus sich…
Vor­aus­set­zung für das Merk­zei­chen „G” Auch wenn die ent­spre­chen­den Rege­lun­gen der Ver­sor­gungs­me­di­zi­ni­schen Grund­sät­ze (VG) zu dem Nach­teils­aus­gleich „G“ unwirk­sam sind, gel­ten wei­ter­hin zur Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals der orts­üb­li­chen Weg­stre­cken i.S.v. § 146 Abs. 1 SGB…
Der gut­gläu­bi­ge Erwerb eines Wohn­mo­bils Kommt es im Rah­men eines Wohn­mo­bil­kaufs wegen ver­schie­de­ner Auf­fäl­lig­kei­ten bei der Anbah­nung und Durch­füh­rung des Kauf­ver­tra­ges zu Zwei­feln an der ver­meint­li­chen Berech­ti­gung des Ver­käu­fers, ist ein gut­gläu­bi­ger Erwerb nicht mehr…
BSG, Urteil vom 23.06.1993 – 9/​9a RVs 1/​91, BSGE 72, 285; BSG, Urteil vom 09.04.1997 – 9 RVs 4/​95, SozR 3 – 3870 § 4 Nr. 19; BSG, Urteil vom 18.09.2003 – B 9 SB 3/​02 R, BSGE 190, 205; BSG, Urteil vom 29.08.1990 – 9a/​9 RVs 7/​89, BSG SozR 3 – 3870 § 4 Nr. 1↩
vgl. BSGE 72, 285, 286; BSG SozR 3 – 3870 a.a.O.↩
vgl. Dau, juris­PR-SozR 4/​2009↩
vgl. LSG Baden-Württ., Urtei­le vom 23.07.2010 – L 8 SB 3119/​08, vom 14.08.2009 – L 8 SB 1691/​08, vom 04.11.2010 – L 6 SB 2556/​09; offen las­send Urteil vom 17.07.2012 – L 3 SB 523/​12↩
grund­le­gend BSG Urt. vom 10.12.1987 – 9a RVs 11/​87, SozR 3870 § 60 Nr. 2; BSG Urteil vom 13.08.1997 – 9 RVS 1/​96, SozR 3 – 3870 § 60 Nr. 2↩
vgl. die Nach­wei­se in BSG Urt. vom 10.12.1987 a.a.O.↩
vgl. BSG Urteil vom 10.12.1987, a.a.O.↩
vgl. zuletzt LSG Baden-Württ., Urteil vom 20.04.2012 – L 8 SB 5315/​11↩
eben­so LSG Baden-Württ., Urtei­le vom 17.07.2012 a.a.O. und vom 04.11.2010 a.a.O.↩
ver­nei­nend LSG Baden-Würt­tem­berg Beschluss vom 12.10.2011 – 6 SB 3032/​11↩

References: § 30
 § 146
 § 58
 § 146
 § 146
 § 4
 § 4
 § 60
 § 60