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Timestamp: 2020-04-02 00:54:11+00:00

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Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge – und die zen­tra­li­sier­ten Zustän­dig­kei­ten | Rechtslupe
Altersvorsorgezulage - und die zentralisierten Zuständigkeiten
Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge – und die zen­tra­li­sier­ten Zustän­dig­kei­ten
Die Über­tra­gung der Zustän­dig­keit zur Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge auf das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern und im Wege der Organ­lei­he auf die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund, Zen­tra­le Zula­gen­stel­le für Alters­ver­mö­gen begeg­net kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.
Die ZfA war die für den Erlass der Beschei­de zustän­di­ge Behör­de, da die Über­tra­gung der Zustän­dig­keit zur Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge auf das BZSt und im Wege der Organ­lei­he auf die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken begeg­net.
Es bestehen kei­ne durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen die Über­tra­gung der Auf­ga­be der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge auf das BZSt gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 18 Satz 1 FVG sowie die Durch­füh­rung der Ver­wal­tungs­auf­ga­ben durch die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund im Wege der Organ­lei­he gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 18 Satz 2 FVG.
Das BZSt ist eine Bun­des­ober­be­hör­de. Unter den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 87 Abs. 3 Satz 1 GG kann eine sol­che Behör­de errich­tet wer­den. Dem­entspre­chend kön­nen einer bestehen­den Bun­des­ober­be­hör­de auch neue Auf­ga­ben über­tra­gen wer­den, da dies eben­falls von Art. 87 Abs. 3 Satz 1 GG umfasst ist 1.
Nach der Recht­spre­chung des BVerfG ergibt sich aus dem Begriff der Bun­des­ober­be­hör­de, dass die­se nur für Auf­ga­ben errich­tet wer­den kann, die der Sache nach für das gan­ze Bun­des­ge­biet von einer Ober­be­hör­de ohne Mit­tel- und Unter­bau und ohne Inan­spruch­nah­me von Ver­wal­tungs­be­hör­den der Län­der ‑außer für rei­ne Amts­hil­fe- wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen 2. Die Auf­ga­be muss also ihren typi­schen Merk­ma­len nach zen­tral zu erfül­len sein 3, was bei der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­gen zwei­fels­frei gege­ben ist 4.
Die durch Art. 12 des Steu­er­än­de­rungs­ge­set­zes 2001 5 nor­mier­te Organ­lei­he zur Durch­füh­rung der dem BZSt über­tra­ge­nen Auf­ga­be der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge­ge­wäh­rung gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 18 Satz 2 FVG ist eben­falls zuläs­sig.
Zwar hat der Ver­wal­tungs­trä­ger, dem durch eine Kom­pe­tenz­norm des Grund­ge­set­zes Ver­wal­tungs­auf­ga­ben zuge­wie­sen wor­den sind, die­se Auf­ga­ben grund­sätz­lich durch eige­ne Ver­wal­tungs­ein­rich­tun­gen, also mit eige­nem Per­so­nal, eige­nen Sach­mit­teln und eige­ner Orga­ni­sa­ti­on wahr­zu­neh­men. Der Grund­satz eigen­ver­ant­wort­li­cher Auf­ga­ben­wahr­neh­mung schließt aber die Inan­spruch­nah­me der "Hil­fe" ‑auch soweit sie sich nicht auf eine blo­ße Amts­hil­fe im Ein­zel­fall beschränkt- nicht zustän­di­ger Ver­wal­tungs­trä­ger durch den zustän­di­gen Ver­wal­tungs­trä­ger nicht schlecht­hin aus, setzt ihr jedoch Gren­zen: Von dem Gebot, die Auf­ga­ben eigen­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men, darf nur wegen eines beson­de­ren sach­li­chen Grun­des abge­wi­chen wer­den 6. Daher kann nach der Recht­spre­chung des BVerfG die Her­an­zie­hung an sich unzu­stän­di­ger Ver­wal­tungs­ein­rich­tun­gen nur hin­sicht­lich einer eng umgrenz­ten Ver­wal­tungs­ma­te­rie in Betracht kom­men und ist an beson­de­re Vor­aus­set­zun­gen gebun­den 7.
Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs sind die­se Vor­ga­ben erfüllt. Es han­delt sich bei der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­gen um eine aus­ge­spro­chen eng umgrenz­te Ver­wal­tungs­ma­te­rie, ins­be­son­de­re in Rela­ti­on zu den ande­ren Auf­ga­ben des BZSt. Zudem gibt es im Ver­fah­ren der Alters­vor­sor­ge­zu­la­gen­ge­wäh­rung Beson­der­hei­ten, die es erlau­ben, die Auf­ga­ben mit­tels einer Organ­lei­he durch die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund erfül­len zu las­sen.
Es han­delt sich um ein Mas­sen­ver­fah­ren mit einer außer­or­dent­lich hohen Anzahl an zu bear­bei­ten­den Anträ­gen bei gleich­zei­ti­ger Gering­fü­gig­keit der Beträ­ge im Ein­zel­fall. Kenn­zeich­nend für die kon­kre­te Auf­ga­ben­er­fül­lung ist zunächst die umfas­sen­de Ein­be­zie­hung Drit­ter, näm­lich der Anbie­ter, die die von den Anle­gern aus­ge­füll­ten Zula­gen­an­trä­ge um wei­te­re Daten ergän­zen und als Daten­sät­ze der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund über­mit­teln müs­sen. Ande­res wesent­li­ches Merk­mal ist die weit­ge­hen­de Auto­ma­ti­sie­rung des gesam­ten Ver­fah­rens 8. Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund besitzt die bei der Ver­wal­tung der Ver­si­che­rungs- und Ren­ten­kon­ten not­wen­di­gen Erfah­run­gen sowohl in sach­li­cher als auch orga­ni­sa­to­ri­scher Hin­sicht und ver­fügt bereits selbst über einen gro­ßen Teil der Daten, die zum spä­te­ren Abgleich benö­tigt wer­den. Die gesetz­li­che und pri­va­te Alters­vor­sor­ge haben zudem mate­ri­el­le Schnitt­stel­len (vgl. z.B. die Fra­ge der Zula­gen­be­rech­ti­gung gemäß § 10a Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 1 EStG). Daher spre­chen auch ver­wal­tungs­prak­ti­sche und ‑öko­no­mi­sche Erwä­gun­gen 9, die es eben­falls zu berück­sich­ti­gen gilt, für die ver­fas­sungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit der Organ­lei­he gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 18 Satz 2 FVG.
Für die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund bedeu­tet die Über­tra­gung der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge zwar die Zuwei­sung einer sozi­al­ver­si­che­rungs­frem­den, nicht unter Art. 87 Abs. 2 GG fal­len­den Auf­ga­be. Dies ist aller­dings nicht aus­ge­schlos­sen und kann auf Art. 87 Abs. 3 Satz 1 Alter­na­ti­ve 2 GG gestützt wer­den, sofern die Gren­zen für die Zuwei­sung sach­ge­biets­frem­der Auf­ga­ben an Bun­des­be­hör­den ein­ge­hal­ten wer­den 10.
Danach kann einer bun­des­un­mit­tel­ba­ren Kör­per­schaft eine wei­te­re Ver­wal­tungs­auf­ga­be zuge­wie­sen wer­den, wenn sich der Bund für deren Wahr­neh­mung auf eine Kom­pe­tenz des Grund­ge­set­zes stüt­zen kann, die Auf­ga­be von Ver­fas­sungs wegen nicht einem bestimm­ten Ver­wal­tungs­trä­ger vor­be­hal­ten ist und die Zuwei­sung der neu­en Auf­ga­be das Geprä­ge der Behör­de wahrt 11.
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind in Bezug auf die Über­tra­gung der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge auf die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund erfüllt. Der Bund hat zwei­fels­frei die Mög­lich­keit, gemäß Art. 87 Abs. 3 Satz 1 Alter­na­ti­ve 2 GG eine neue bun­des­un­mit­tel­ba­re Kör­per­schaft zur Erfül­lung der Auf­ga­ben der Alters­vor­sor­ge zu schaf­fen; gemäß Art. 74 Abs. 1 Nr. 12 und Nr. 7 GG und Art. 105 Abs. 2 GG hat der Bund die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bung für die­se Mate­rie 12. Die Auf­ga­be ist von Ver­fas­sungs wegen kei­nem ande­ren Ver­wal­tungs­trä­ger zuge­wie­sen. Auch ändert sich dadurch, dass eine aus­ge­glie­der­te Abtei­lung Alters­vor­sor­ge­zu­la­gen gewährt, nichts an der maß­geb­li­chen Prä­gung der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund durch die Erfül­lung der Auf­ga­ben des Sechs­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch (SGB VI). Sie betreut zum einen die ihr gemäß § 127 Abs. 2 Nr. 1 SGB VI zuge­ord­ne­ten Ver­si­cher­ten, Rent­ner und Arbeit­ge­ber und ist zum ande­ren für die Ange­le­gen­hei­ten, die die gesam­te Ren­ten­ver­si­che­rung betref­fen, d.h. für Grund­satz- und Quer­schnitts­auf­ga­ben gemäß § 138 SGB VI, sowie für die gemein­sa­men Ange­le­gen­hei­ten der Trä­ger der Ren­ten­ver­si­che­rung zustän­dig 13.
eben­so Ibler in Maunz/​Dürig, Komm. z. GG, Art. 87 Rz 248; Jarass/​Pieroth, Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Kom­men­tar, 13. Aufl., Art. 87 Rz 14[↩]
BVerfG, Ent­schei­dung vom 24.07.1962 – 2 BvF 4/​61, 2 BvF 5/​61, 2 BvF 1/​62, 2 BvF 2/​62, BVerfGE 14, 197, unter B.II. 1.b aa[↩]
so auch Ibler in Maunz/​Dürig, a.a.O., Art. 87 Rz 245[↩]
eben­so Myßen, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 81 Rz A 49[↩]
vom 20.12 2001, BGBl I 2001, 3794[↩]
so BVerfG, Ent­schei­dun­gen vom 12.01.1983 – 2 BvL 23/​81, BVerfGE 63, 1, unter C.II. 3.c (4); und vom 20.12 2007 – 2 BvR 2433, 2434/​04, BVerfGE 119, 331, unter C.III. 1.d cc[↩]
BVerfG in BVerfGE 63, 1, unter C.II. 3.c (4), und in BVerfGE 119, 331, unter C.III. 1.d cc[↩]
vgl. hier­zu auch BFH, Urteil vom 22.10.2014 – X R 18/​14, BFHE 247, 312, BSt­Bl II 2015, 371, Rz 38 ff.[↩]
sie­he dazu auch Stos­berg, Deut­sche Ange­stell­ten­ver­si­che­rung 2002, 348, unter 3.[↩]
vgl. zu die­sen Gren­zen BVerfG, Beschluss vom 28.01.1998 – 2 BvF 3/​92, BVerfGE 97, 198 zur Über­tra­gung sach­ge­biets­frem­der Auf­ga­ben auf den Bun­des­grenz­schutz[↩]
so auch Ibler in Maunz/​Dürig, a.a.O., Art. 87 Rz 185; Bur­gi, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, 6. Aufl., Art. 87 Rz 63[↩]
sie­he auch BT-Drs. 14/​4595, 44[↩]
sie­he auch Kreikebohm/​Dünn, SGB VI, 4. Aufl., § 125 Rz 9 ff.[↩]

References: § 5
 § 5
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 12
 § 5
 § 10
 § 5
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 74
 Art. 105
 § 127
 § 138
 Art. 87
 Art. 87
 Art. 87
 § 81
 Art. 87
 Art. 87
 § 125