Source: https://www.berliner-mieterverein.de/recht/bgh/stillschweigende-verlaengerung-mietausfallschaden.htm
Timestamp: 2019-03-24 23:30:09+00:00

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Stillschweigende Verlängerung; Mietausfallschaden - BGH-Leitentscheid v. 24.1.2018 - XII ZR 120/16 - | Berliner Mieterverein e.V.
Mietrecht / BGH-Entscheidungen / Stillschweigende Verlängerung; Mietausfallschaden
Stillschweigende Verlängerung; Mietausfallschaden
a) Der die stillschweigende Verlängerung eines Mietverhältnisses nach Ablauf der Mietzeit hindernde Widerspruch kann konkludent, schon vor Beendigung des Mietverhältnisses und damit jedenfalls auch mit der Kündigung erklärt werden. Eine konkludente Widerspruchserklärung muss den Willen, die Fortsetzung des Vertrags abzulehnen, eindeutig zum Ausdruck bringen.
b) In einem Räumungsverlangen kann eine solche konkludente Widerspruchserklärung liegen.
BGH vom 24.1.2018 – XII ZR 120/16 –
Es ging um § 545 BGB und um den Fortsetzungswiderspruch in einem Gewerberaummietverhältnis.
Die Vermieterin schrieb am 28.1.2013: „Die angemahnte Miete mit Betriebskosten und Umsatzsteuer für Januar 2013, sowie eine Miete laut Vollstreckungsauftrag sind immer noch nicht eingegangen! Wir sprechen nun das Vermieter Pfandrecht, mit allem in Gebrauch befindlichen Gegenstände, aus und die fristlose Kündigung! Sie sollten uns die Räume in vertraglichen Zustand bis zum 30.01.2013 heraus geben!“
Und am 30.1.2013: „In Verbindung mit dem Schreiben Ihres Rechtsanwaltes sollten Sie uns einen solventen Nachmieter vorstellen! Uns sollten Sie ein Vermietungsschild gestatten! Wie schon Ihrem Anwalt per Fax mitgeteilt haften Sie vertragsgemäß zur Zeit bis zum 30.06.2015!“
Mit Schreiben vom 4.2.2013, das inhaltlich dem ersten Schreiben entsprach, wiederholte die Vermieterin die Kündigung und fügte Folgendes an: „Wir halten fest, dass Sie uns weder die Mieträume übergeben haben, noch Zusagen durch ihren Anwalt einhalten! Darüber hinaus haften Sie bis zur Neuvermietung mit, bis zum 30.06.2015!“
Der Mieter räumte zunächst nicht, erklärte aber seinerseits mit Schreiben vom 22.2.2013 die Kündigung zum 31.5.2013 und räumte am 3.6.2013. Die Vermieterin vermietete ab 15.3.2015 an einen neuen Mieter.
Das Berufungsgericht war der Auffassung, das Mietverhältnis habe sich im Anschluss an die außerordentliche Kündigung aufgrund fortgesetzten Mietgebrauchs ohne Erklärung eines entgegenstehenden Willens nach § 545 Satz 1 BGB auf unbestimmte Zeit verlängert. Dem folgte der BGH nicht:
Die Verlängerung durch stillschweigende Fortsetzung des Mietgebrauchs gemäß § 545 BGB könne grundsätzlich auch nach einer außerordentlichen fristlosen Kündigung erfolgen. Der gemäß § 545 Satz 1 Halbsatz 2 BGB die Verlängerung hindernde Widerspruch könne konkludent, schon vor Beendigung des Mietverhältnisses und damit jedenfalls auch mit der Kündigung erklärt werden. Eine konkludente Widerspruchserklärung müsse jedoch den Willen des Vermieters, die Fortsetzung des Vertrags abzulehnen, eindeutig zum Ausdruck bringen. Denn der Zweck der Vorschrift bestehe darin, Rechtsklarheit zwischen den Vertragsteilen darüber zu schaffen, ob der Vertrag fortbesteht oder nicht. Rechtsklarheit könne der Vermieter auch dadurch schaffen, dass er bereits in der Kündigungserklärung den Willen zum Ausdruck bringt, die Fortsetzung des Mietvertrags endgültig abzulehnen.
Nicht in jeder außerordentlichen Kündigung könne bereits eine Widerspruchserklärung gesehen werden. Die Entscheidung, ob eine außerordentliche Kündigung des Vermieters bereits die Erklärung beinhalte, die Fortsetzung des Vertrages abzulehnen, hänge vielmehr von den Umständen des Einzelfalls ab. Maßgebend seien das Gewicht der Kündigungsgründe und die Bedeutung, welche der Vermieter ihnen nach dem Inhalt der Erklärung beigemessen habe. In einem Räumungsverlangen könne ebenfalls eine solche konkludente Widerspruchserklärung liegen.
Hier habe die Vermieterin ihren der Verlängerung entgegenstehenden Willen fristgerecht mit der notwendigen Klarheit zum Ausdruck gebracht. Bereits das Kündigungsschreiben enthalte unbeschadet sprachlicher Mängel eine eindeutige Aufforderung zur Räumung binnen zwei Tagen und damit sogar eine ausdrückliche Fristsetzung. Dass die Vermieterin sich dabei der Formulierung „sollten“ bediente, nehme dieser Handlungsaufforderung nichts von ihrer Unmissverständlichkeit. Der Mieter konnte aus dem maßgeblichen objektiven Empfängerhorizont gemäß §§ 133, 157 BGB dieses Kündigungsschreiben nur dahin verstehen, dass die Vermieterin mit einer durch eine Weiternutzung bewirkten Vertragsverlängerung auf unbestimmte Zeit nicht einverstanden sein würde.
Auch habe die Vermieterin durch ihre unverzügliche schriftliche Reaktion auf das Unterbleiben der Räumung nochmals ihren der Verlängerung entgegenstehenden Willen eindeutig bekundet.

References: BGH 
 § 545
 § 545
 BGH 
 § 545
 § 545