Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bverwg/bverwg_4-B-29-07
Timestamp: 2019-11-14 21:08:38+00:00

Document:
BVerwG, 4 B 29.07: Einkaufszentrum, Werbung, Bestandteil, Rüge
Urteil des BVerwG vom 12.07.2007, 4 B 29.07
Aktenzeichen: 4 B 29.07
Einkaufszentrum, Werbung, Bestandteil, Rüge
BVerwG 4 B 29.07 OVG 1 KO 1127/03
hat der 4. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 12. Juli 2007 durch die Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Rojahn, Gatz und Dr. Jannasch
Die Beschwerde der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Thüringer Oberverwaltungsgerichts vom 17. April 2007 wird zurückgewiesen.
Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 374 266 € festgesetzt.
21. Die Revision ist nicht nach § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO zuzulassen. Der Revisionszulassungsgrund der Abweichung liegt nicht vor. Die Vorinstanz hat keinen
Rechtssatz aufgestellt, der einem Rechtssatz des Bundesverwaltungsgerichts
3Nach Ansicht des Berufungsgerichts ist ein Einkaufszentrum im Sinne des § 11
Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BauNVO anzunehmen, wenn Einzelhandelsbetriebe verschiedener Art und Größe räumlich konzentriert werden und die einzelnen Betriebe aus der Sicht der Kunden als aufeinander bezogen, als durch ein räumliches Konzept und durch Kooperation miteinander verbunden in Erscheinung
treten. Dies entspricht der Definition des Bundesverwaltungsgerichts im Urteil
vom 1. August 2002 - BVerwG 4 C 5.01 - (BVerwGE 117, 25 <34>). Entgegen
der Darstellung der Beschwerde hat das Berufungsgericht im Rahmen der
Subsumtion dem Begriff des Einkaufszentrums keinen davon abweichenden
Inhalt beigelegt. Es hat nämlich nicht allein darauf abgestellt, dass die geplanten Einzelhandelsbetriebe in den Gebäuden G 1 bis G 3 zusammengefasst
werden, sondern auch ins Feld geführt, dass die Gebäude durch einen gemeinsamen Verbindungsgang miteinander vernetzt werden sollen, in dem Mittelgebäude G 2 eine „räumliche Mitte“ für den gesamten Komplex geschaffen
werden soll und gemeinsame Stellplätze vorgesehen sind. Dass es den Charakter des zur Beurteilung gestellten Vorhabens als Einkaufszentrum nicht deshalb verneint hat, weil weder eine gemeinsame Verwaltung des Gewerbeparks
noch eine gemeinsame Werbung vorgesehen ist, bedeutet keine Abkehr von
den Entscheidungen des Senats vom 27. April 1990 - BVerwG 4 C 16.87 -
(BRS 50 Nr. 67) und vom 15. Februar 1995 - BVerwG 4 B 84.94 - (juris). In beiden Entscheidungen wird eine gemeinsame Werbung oder eine verbindende
Sammelbezeichnung als Beispiel dafür genannt, in welcher Weise sich die
Verbundenheit von Betrieben zu einem Einkaufszentrum dokumentieren kann.
Zwingende Voraussetzungen für ein Einkaufszentrum sind die Merkmale nicht.
4Die Beschwerde legt auch nicht dar, dass das Berufungsurteil von Rechtssätzen abweicht, die das Bundesverwaltungsgericht in seinen Entscheidungen
vom 23. Mai 1986 - BVerwG 4 C 34.85 - (BRS 46 Nr. 176), vom 11. Februar
1993 - BVerwG 4 C 15.92 - (BRS 55 Nr. 174) und vom 21. Juni 1996 - BVerwG
4 B 84.96 - (BRS 58 Nr. 83) formuliert hat. Die Beschwerde entnimmt den Entscheidungen zu den Tatbestandsmerkmalen „Art und Maß der baulichen Nutzung, Bauweise und zu überbauende Gründstücksfläche“ des § 34 Abs. 1
BauGB den Rechtssatz, dass es sich bei ihnen um städtebaulich relevante und
nicht um bauordnungsrechtliche Kriterien handelt. Die von ihr beanstandete
Würdigung des Berufungsgerichts, der westlich der Bundesstraße 4 gelegene
„Marktkauf“ sei nicht Teil der maßgebenden Umgebung, betrifft diese Tatbestandsmerkmale jedoch nicht. Sie ist im Rahmen der Prüfung erfolgt, ob der
Komplex des Marktkaufs Bestandteil der näheren Umgebung ist, in das sich
das geplante Vorhaben gemäß § 34 Abs. 1 BauGB nach Art und Maß der baulichen Nutzung, Bauweise und zu überbauende Gründstücksfläche einfügen
muss. Im Übrigen handelt es sich bei der vom Berufungsgericht herangezogenen „deutlich anderen Bau- und Nutzungsstruktur“ (UA S. 13) ersichtlich um ein
städtebauliches Kriterium.
52. Die Revision ist auch nicht nach § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO wegen Verfahrensmängeln zuzulassen. Die Rüge, das Gericht habe seine Pflicht zur Klärung
des Sachverhalts (§ 86 Abs. 1 VwGO) verletzt, genügt nicht den Anforderungen
des § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO. Die Beschwerde scheitert schon daran, dass
sie nicht darlegt, welche für geeignet und erforderlich gehaltenen Aufklärungsmaßnahmen das Berufungsgericht über die von ihm durchgeführte Ortsbesichtigung hinaus hätte ergreifen müssen. Ihr Vorbringen erschöpft sich in einer
Kritik an der vorinstanzlichen Beweiswürdigung. Damit ist ein Aufklärungsmangel nicht dargetan.
6Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2, § 159 Satz 2 VwGO und die
4 B 29.07
Einkaufszentrum, Werbung, Bestandteil, Rüge, Kritik, Gebäude, Konzept, Subsumtion, Begriff, Verwaltung

References: § 132
 § 11
 § 34
 § 34
 § 132
 § 133
 § 154
 § 159