Source: https://www.gabler-hendel.de/opfer-eines-phishing-geworden/
Timestamp: 2020-01-24 22:37:01+00:00

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Phishing-Angriff | Rechtsanwälte Gabler & Hendel
Was ist Phishing und wie schützen Sie sich davor?
Zunächst, was ist Phishing?
Was kann ich tun, wenn ich Geld verloren habe?
Was besagt der Gesetzes-Paragraph § 675u BGB was bedeutet das konkret?
Wie lange dauert es, bis ich mein Geld wiederhabe?
Wie kann ich mir mein Geld zurückholen?
Vorgehen mit Rechtsanwalt
Im Folgen Artikel erklären wir Ihnen was Phishing ist, wie Sie sich davor schützen und was Sie im schlimmsten Fall tun müssen.
Phishing ist ein erfundenes Wort, zusammengesetzt aus „Password“ und „Fishing“. Es steht dabei für das Stehlen von Zugangsdaten bzw. Passwörtern. Das Phishing läuft dabei nicht immer gleich ab.
Die bekanntesten Formen sind Trojaner, welche sich auf Ihrem Computer befinden und die eingegebenen Zugangsdaten für Ihr Bankkonto beispielsweise über eine sogenannte Keylogger-Software abgreifen. Dabei zeichnet diese Software jede Tastatureingabe auf Ihrem Computer auf und übermittelt diese an den Angreifer. Eine neuere, immer weiter umgreifende Variante ist die Erlangung von SIM-Karten eines Mobile-TAN-Benutzers. Jüngst hatten wir einen besonders dreisten Fall in unserer Kanzlei. Dabei haben sich Angreifer das bevorstehende Osterfest zu Nutze gemacht und haben sich in einem Handyshop neue SIM-Karten ausstellen lassen. Dabei handelte es sich jedoch um eine SIM-Karte mit der Telefonnummer des künftigen Opfers. Hiermit war es den Angreifern möglich, die Mobile-TANs von der Bank direkt auf ihr eigenes Handy zu empfangen. Mit diesen TANs konnten dann die Angreifer das Konto unserer Mandantschaft plündern.
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Niemals Zugangsdaten zu seinem Bankkonto verraten – auch nicht an Bankmitarbeiter
Einen E-Mail-Anbieter mit einer zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen. Dieser sollte auch einen Malware-, Spam und Phishing-Filter verwenden.
Vorsicht bei Drittanbieter Bank-Apps oder Bank-Programmen. Hier sollte genau geschaut werden, wer hinter dieser Software steht.
Bevor man auf URLs in einer Mail klickt, sollte diese in den Browser per Copy&Paste kopiert werden um zu schauen, wohin diese führt. Oft versucht eine solche URL Daten zu entlocken oder versucht einen Trojaner herunterzuladen.
Stets darauf achten, dass bei einem Login auf einem Online-Formular https und kein http verwendet wird.
Seinen Virenschutz stets aktuell halten und darauf achten, dass ein Malware-Scanner integriert ist.
In diesem Fall hilft der § 675u BGB. Er schützt Bankkunden vor unautorisierten Zahlungsvorgängen.
675u Haftung des Zahlungsdienstleisters für nicht autorisierte Zahlungsvorgänge
Nach § 675u BGB hat der Bankkunde, dessen Konto mit einem Zahlungsbetrag belastet wurde, den er nicht autorisiert hat einen Erstattungsanspruch gegen seine Bank. Neben dem § 675u kommen hierbei auch die § 675x Abs. 1 u. Abs. 2 sowie § 675y Abs. 1 u. Abs. 2 BGB zum Zuge. Nach § 675u Satz 2 BGB ist Ihre Bank verpflichtet Ihnen den Betrag zu erstatten, der nicht-autorisiert von Ihrem Konto abgebucht wurde. Dies hat auch der BGH in seinem Urteil BGH ZIP 2017, 2292 bestätigt. Dabei führt der Erstattungsanspruch aus § 675u zur Kontoberichtigung. Diese ist sodann valutagerecht durchzuführen.
§ 675u Satz 3 BGB, der durch die Umsetzung der Zahlungsdiensterichtlinie 2015 neu eingeführt wurde, bestimmt, dass die Gutschrift auf Ihrem Bankkonto grundsätzlich an dem darauffolgenden Geschäftstag, nachdem Sie diese Kontobewegungen angezeigt haben erstattet wird. In der Theorie verläuft damit dieser Zahlungserstattungsanspruch sehr schnell. In der Praxis haben wir jedoch leider erfahren müssen, das Schreiben der betrogenen Kunden zumeist sehr schleppend, manchmal aber auch überhaupt nicht bearbeitet werden.
Zunächst sollten Sie entscheiden, ob Sie einen Rechtsanwalt beauftragen wollen oder ob Sie dies auf eigene Faust versuchen. Insbesondere wenn Sie eine Rechtschutzversicherung haben oder es sich um einen großen Geldbetrag handelt, sollten Sie auf jeden Fall einen Rechtsanwalt konsultieren.
Vorgehen ohne Rechtsanwalt:
Sollten Sie keinen Rechtsanwalt beauftragen wollen, so können Sie das folgende Schema nutzen:
Strafanzeige (zumeist gegen Unbekannt) bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft erstatten. Gehen Sie hierzu einfach auf eine Polizeistation oder zur Staatsanwaltschaft und tragen Sie Ihren Sachverhalt vor. Wichtig:lassen Sie sich eine Kopie Ihrer Strafanzeige geben!
Schreiben Sie unverzüglich Ihre Bank an und teilen Sie den Sachverhalt mit. Das Anschreiben sollte unbedingt per Einschreiben oder per Fax erfolgen um einen Zugang bei der Bank nachweisen zu können. Ein solches Anschreiben könnte etwa wie folgt aussehen:
Ich melde mich bei Ihnen aufgrund nicht autorisierter Kontobewegungen meines Bankkontos.
Im Zeitraum (vermutlich) zwischen DATUM bis DATUM haben sich unbekannte Dritte Zugang zu meinem Bankkonto verschafft.
Dies geschah dadurch: Sachverhaltsschilderung (sofern bekannt).
Sollte der Sachverhalt nicht bekannt sein, schreiben Sie einfach:
Wie dies geschah, ist mir nicht bekannt.
Die Täter haben dabei mehrere Überweisungen getätigt, welche ich nicht autorisiert habe. Insgesamt ist dabei ein Schaden in Höhe von SUMME €entstanden. Eine Aufstellung der Kontobewegungen vom fraglichen Zeitraum finden Sie anbei. Diesen Sachverhalt habe ich auch der Polizei/Staatsanwaltschaft gemeldet und Strafanzeige erstattet (Strafanzeige in Kopie).
Da diese Zahlungen nachweislich nicht durch mich autorisiert waren, habe ich Sie unverzüglich aufzufordern, den noch verbleibenden Restschaden in Höhe von
bis zum DATUM (nehmen Sie 1 Werktag),
also auf den Eingang dieses Schreibens folgenden Geschäftstag gem. § 675u S. 3 BGB
Der guten Ordnung halber darf darauf hingewiesen werden, dass ich meinen PC stets mit Aktualisierungen versorge, einen Malware Scanner (Benennung des Malware Scanners) und ein Antivirenprogramm (Benennung des Antivirenprogramms) benutze.
Ob sich die Täter Zugang zu meinem Rechner (zusätzlich) verschaffen konnte, ist bis dato unklar. Ich habe jedenfalls die nach dem Stand der Technik verfügbaren Mittel eingesetzt um einen Missbrauch zu verhindern.
Sollten Sie einen Rechtsanwalt beauftragen wollen, so erhöhen Sie den Druck auf die Bank erheblich. Viele Banken reagieren (leider) erst auf einem anwaltlichen Briefkopf.
Unser Vorgehen ist, dass wir schnellstmöglich eine Strafanzeige gegen unbekannt erstatten und sofort im Anschluss Ihre Bank kontaktieren und diese darauf hinweisen, dass Ihr Bankkonto Opfer eines Phishings geworden ist und unter Beilegung der erstatteten Strafanzeige die Bank auffordern Ihr Konto zu berichtigen. Eine Gutschrift erfolgt dann in der Regel innerhalb der nächsten 2-4 Wochen.
Ich war bereits bei der Polizei
Sofern Sie bereits das Phishing bei der Polizei angezeigt haben, sollten Sie dennoch unverzüglich Ihren Rechtsanwalt kontaktieren. Dieser überprüft die gestellte Strafanzeige. Leider kommt es auch manchmal vor, dass die Polizei Ihnen mitteilt, dass Sie nichts weitermachen müssen und nur noch hoffen können, dass Ihr Geld vielleicht irgendwann einmal wiederkommt. Dies ist definitiv falsch! Sie haben sehr gute Chancen Ihr Geld zurück zu bekommen. Verlassen Sie sich bitte in gar keinem Fall darauf, dass über die Ermittlungen der Polizei auch die Bank Kenntnis hiervon erlangt und Ihnen selbstständig das Geld zurücküberweisen wird.
Generell muss man einen räumlichen und Sachlichen Anwendungsbereich erfüllen. Maßgeblich für die Frage nach der Anwendbarkeit deutschen Zahlungsdiensterechts bleiben die §§ 675 d, 675 e BGB.
675 d VI BGB enthält dazu einen komplizierten Regel-Ausnahme-Katalog. Er lässt eine Unterteilung in drei Gruppen zu:
Sind die Zahlungsdienstleister von Zahler und Zahlungsempfänger im EWR belegen und erfolgt die Zahlung in EWR-Währung, so gelangen die zahlungsdiensterechtlichen Vorschriften (wie bisher) stets zur Anwendung.
Umgekehrt sind sie niemals anwendbar, wenn keiner der beteiligten Zahlungsdienstleister im EWR sitzt.
Neu ist die dritte Fallgruppe, bei der mindestens ein beteiligter Zahlungsdienstleister außerhalb des EWR ansässig ist oder die Zahlung in Drittstaatenwährung erfolgt. Hier gilt das Zahlungsdiensterecht, soweit die Transaktion innerhalb des EWR abgewickelt wird.
Allerdings sind eine ganze Reihe von Einschränkungen und Rückausnahmen über den gesamten Untertitel des BGB verteilt.
Wichtig: Es ist vollkommen unerheblich, ob das Bankkonto des betroffenen über ein Online-Banking Angriff, mit einer gestohlenen Kreditkarte/EC-Karte, mit einem manipulierten Bankautomat etc. „abgeräumt“ wird. Entscheidend ist (ganz grob gesagt) nur, dass diese Zahlung nicht autorisiert war.
Es lohnt sich in jedem Fall bei einem Phishing-Angriff tätig zu werden!
Wenn Sie eine Fragen zum Phishing haben, steht Ihnen unser Rechtsanwalt Stephan Hendel für sämtliche Fragen zur Verfügung.

References: § 675
 § 675
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 § 675
 BGH 
 BGH 
 § 675

§ 675
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