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Timestamp: 2018-04-26 18:59:44+00:00

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LAG Düsseldorf, Urteil vom 28.04.2009, 17 Sa 1522/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 28.04.2009, 17 Sa 1522/08
Aktenzeichen: 17 Sa 1522/08
1. Verweisungen im Arbeitsvertrag auf eine Betriebsvereinbarung sind im Zweifel deklatorisch gemeint und begründen keinen eigenen individualvertraglichen Anspruch.
2. Auf Betriebsvereinbarungen finden nach § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB die Vorschriften der § 305ff. BGB keine Anwendung. Bindungsklauseln in Betriebsvereinbarungen unterliegen keiner Inhaltskontrolle. Dies gilt im Arbeitsvertrag bei einer Bezugnahme auf die Betriebsvereinbarung.
3. Die Unwirksamkeit einer Klausel in einer Betriebsvereinbarung führt nicht zur Unwirksamkeit aller Regelungen, soweit ohne Klausel eine sinnvolle und geschlossene Regelung verbleibt (hier verneint).
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 26.09.2008, 1 Ca 3987/08, Urteil
1 Ca 3987/08
Verkündet am 28. April 2009
des Herrn U. H., Zum T. 25, M.,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte G. u.a.,
T. straße 51, O.,
die J. Deut­sche J. bank AG , ver­tre­ten durch den Vor­stand Dr. H. C., X.-C.-Straße 1, E.,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte L. & W.,
H.-H.-Straße 8, E.,
hat die 17. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28.04.2009
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Jan­sen als Vor­sit­zen­den so­wie der eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin Cle­mens und der eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin Schmidt-We­fels
Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 26.09.2008 – 1 Ca 3987/08 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Ur­teil be­rich­tigt gemäß Be­schluss v. 07.08.2009. Düssel­dorf, den 07.08.2009 Will­ms, Re­gie­rungs­beschäftig­te als UdG
Die Par­tei­en strei­ten über den An­spruch des Klägers auf Zah­lung ei­ner va­ria­blen Vergütung für das Geschäfts­jahr 2007/2008.
Der Kläger war seit dem 01.08.1999 bei der Be­klag­ten, ei­ner über­re­gio­nal täti­gen Bank mit Sitz in E., auf­grund Ar­beits­ver­tra­ges vom 06.03.2001 beschäftigt. Der Kläger kündig­te das Ar­beits­verhält­nis un­ter Ein­hal­tung der ver­trag­li­chen Kündi­gungs­frist zum 30.06.2008. Auf­grund Ver­ein­ba­rung schied er be­reits zum 31.03.2006 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus.
Der Ar­beits­ver­trag hat u.a. fol­gen­den In­halt:
Ih­re Bezüge glie­dern sich wie folgt: Fest­ge­halt
13. Mo­nats­ge­halt
Va­ria­ble Er­folgs­vergütung (VE)
Die nach Be­en­di­gung ei­nes Geschäfts­jah­res von der Bank an Sie aus­zu­zah­len­de va­ria­ble Er­folgs­vergütung er­folgt gemäß der ent­spre­chen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf der Grund­la­ge ei­ner in­di­vi­du­ell fest­ge­leg­ten Ziel­größe (Ziel-VE). In Ih­rem Fal­le setz­ten wir für das ers­te vol­le Geschäfts­jahr Ih­rer Tätig­keit ei­ne Ziel-VE in Höhe von EUR 7.200,-- (in Wor­ten: Eu­ro Fünf­tau­send) brut­to fest. Bei ei­nem Ein­tritt im lau­fen­den Geschäfts­jahr er­folgt die Aus­zah­lung der VE zeit­an­tei­lig.
Ab­gel­tung/Aus­schluss
Mit der Zah­lung der ver­ein­bar­ten Bezüge ist die Leis­tung von Mehr­ar­beit ab­ge­gol­ten. Die Ab­tre­tung oder Verpfändung von Vergütungs­ansprüchen ist aus­ge­schlos­sen.“
In der Be­triebs­ver­ein­ba­rung „Va­ria­ble Er­folgs­vergütung“ vom 25.02.2001 (Bl. 11- 19 d. A.) heißt es u.a.:
Ei­ne Ist-VE kommt nicht zur Aus­zah­lung, wenn der Mit­ar­bei­ter un­terjährig durch Kündi­gung aus­schei­det oder bis zum Aus­zah­lungs­tag das Ar­beits­verhält­nis gekündigt wird. Bei Aus­tritt durch Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze oder Vor­ru­he­stand so­wie bei Mut­ter­schutz-/Er­zie­hungs­ur­laub und Er­werbs­unfähig­keit kommt die Ist-VE pro ra­ta tem­po­ris zur Aus­zah­lung“....
Der Kläger er­hielt jähr­lich Mit­tei­lun­gen über die Neu­fest­set­zung sei­ner Vergütung zu­letzt mit Schrei­ben vom 12.06.2007. Für das Geschäfts­jahr 2007/2008 wur­de ei­ne Ziel-VE von Eu­ro 16.000,00 brut­to fest­ge­legt.
Für das Geschäfts­jahr 2007/2008 be­gehr­te der Kläger ei­ne va­ria­ble Vergütung von 22.880,00 € brut­to. Dies lehn­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 29.05.2008 ab.
Mit der am 08.07.2008 beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge ver­folgt er sei­nen Zah­lungs­an­spruch wei­ter.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ihm ein durch Ar­beits­leis­tung ver­dien­ter Ent­gelt­be­stand­teil nicht durch § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­zo­gen wer­den könne. Der Teil der Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei we­gen Ver­s­toßes ge­gen den Ta­rif­ver­trag un­wirk­sam, je­den­falls un­bil­lig. Die Re­ge­lung sei auch über­ra­schend und be­nach­tei­li­ge ihn un­an­ge­mes­sen. Zu­dem ha­be die Be­klag­te die Ziel-VE auch an an­de­re aus­schei­den­de Mit­ar­bei­ter un­abhängig von der Ent­fall­klau­sel ge­zahlt.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 22.800.00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Die Be­klag­te hält ei­nen An­spruch des Klägers für nicht ge­ge­ben. Sie ver­weist auf die Aus­nah­me­re­ge­lun­gen in § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei ih­rer­seits wirk­sam und im Ar­beits­ver­trag nur de­kla­ra­to­risch in Be­zug ge­nom­men. Sie be­haup­tet, dass der Er­geb­nis­fak­tor we­gen des schlech­ten Er­geb­nis­ses nur auf 0,8 fest­ge­setzt wor­den sei, so dass dem Kläger al­len­falls 18.304,00 € zu stünden.
Mit Ur­teil vom 26.09.2008 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und im We­sent­li­chen aus­geführt, dass sich kein An­spruch aus dem Ar­beits­ver­trag her­lei­ten las­se. Im Ar­beits­ver­trag sei le­dig­lich de­kla­ra­to­risch auf die, die va­ria­ble Er­folgs­vergütung re­geln­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­wie­sen wor­den. Dies er­ge­be die Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges. Auf die Be­triebs­ver­ein­ba­rung könne der Kläger sei­nen An­spruch auch nicht stützen, da nach § 8 Abs. 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung kei­ne Aus­zah­lung statt­fin­de, wenn das Ar­beits­verhält­nis bis zum Aus­zah­lungs­tag gekündigt wer­de. Die Re­ge­lung sei nicht un­wirk­sam. Die Be­triebs­part­ner hätten in recht­lich zulässi­ger Wei­se zwei an­spruchs­be­gründen­de Vor­aus­set­zun­gen für den Zah­lungs­an­spruch ge­schaf­fen, von de­nen im Streit­fall ei­ne nicht erfüllt sei. Die Be­triebs­part­ner hätten auch ei­ne um­fas­sen­de Re­ge­lungs­kom­pe­tenz durch frei­wil­li­ge Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen Re­ge­lun­gen über den In­halt, den Ab­schluss und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen zu tref­fen. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ins­be­son­de­re de­ren § 8 ver­s­toße nicht ge­gen § 75 Be­trVG. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­las­te nicht die Be­leg­schaft son­dern begüns­ti­ge sie. Schon aus die­sem Grun­de ste­he es den Be­triebs­par­tei­en frei, zu ent­schei­den, un­ter wel­chen ge­nau­en Vor­aus­set­zun­gen die Begüns­ti­gung gewährt wer­den sol­le. Hier hätten die Par­tei­en die Ent­schei­dung ge­trof­fen, ei­ne zusätz­li­che frei­wil­li­ge Leis­tung nur dann zu gewähren, wenn ei­ne ent­spre­chen­de Be­triebs­treue ge­zeigt wer­de. Dies sei ein an­er­kann­ter Zweck. Die Re­ge­lung sei auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Art. 2,12 GG be­den­ken­frei. An­ge­sichts der Höhe der Son­der­zah­lung sei die Dau­er des zukünf­ti­gen Zeit­raums, in de­nen der Ar­beit­neh­mer sein Kündi­gungs­recht nicht ausüben dürfe, nicht zu be­an­stan­den. Es könne da­hin­ste­hen, ob ge­gen die Be­triebs­ver­ein­ba­rung un­ter dem
Ge­sichts­punkt der §§ 307 ff BGB Be­den­ken be­ste­hen, da Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen kei­ner In­halts­kon­trol­le un­ter­lie­gen. Der Hin­weis auf § 77 Abs. 3 Be­trVG führe nicht wei­ter, da ein Ver­s­toß zum ei­nen nicht dar­ge­legt wor­den sei und zum an­de­ren die Rechts­fol­ge ei­nes Ver­s­toßes die Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung sei und folg­lich der Kläger erst recht kei­nen An­spruch gel­tend ma­chen könne. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung könne nicht oh­ne die­se Klau­sel auf­recht­er­hal­ten blei­ben. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung wäre nicht oh­ne § 8 ab­ge­schlos­sen wor­den. Der Zweck der Re­ge­lung könn­te nicht er­reicht wer­den.
Der Kläger hat ge­gen das am 20.10.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil mit dem am 04.11.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz vom 29.10.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 12.01.2009 mit dem am 12.01.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz vom 12.01.2009 be­gründet.
Der Kläger ist der Auf­fas­sung, dass sich ein An­spruch be­reits aus dem Ar­beits­ver­trag er­ge­be. Es han­de­le sich in § 3 um ei­ne ei­genständi­ge Vergütungs­re­ge­lung. Die va­ria­ble Er­folgs­vergütung ste­he un­ter dem Be­griff „Vergütung“. So­dann heiße es, „ih­re Bezüge glie­dern sich wie folgt“. Sie sei da­mit nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut Teil ei­ner ge­glie­der­ten Vergütung. Hier­bei sei zu berück­sich­ti­gen, dass mit die­ser Vergütung, auch der Er­folgs­vergütung, die Leis­tung von Mehr­ar­beit ab­ge­gol­ten sein soll. Die­ses Er­geb­nis wer­de durch den Wort­laut der wei­te­ren Pas­sa­ge gestützt „da­nach ist die aus­zu­zah­len­de Vergütung gemäß der ent­spre­chen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu leis­ten“. Selbst wenn man dem nicht fol­ge, be­ste­he ein An­spruch, da die­se Re­ge­lung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung im Ar­beits­ver­trag ge­gen das AGB-Ge­setz ver­s­toße. Die Klau­sel in § 8 sei nicht nur un­an­ge­mes­sen, son­dern auch über­ra­schend. Ei­ne Un­an­ge­mes­sen­heit er­ge­be sich des­we­gen, weil das Geschäfts­jahr am 31.03. ei­nes Jah­res en­de, die Aus­zah­lung aber erst En­de Ju­li er­fol­ge. Bei der Kündi­gungs­frist für den Kläger von sechs Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de führe das da­zu, dass er bei
ei­nem Kündi­gungs­ent­schluss im Ju­li die va­ria­ble Er­folgs­vergütung für zwei Jah­re ver­lie­re. Ein An­spruch er­ge­be sich auch aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, da un­strei­tig an an­de­re aus­schei­den­de Ar­beit­neh­mer die leis­tungs­be­zo­ge­ne Vergütung ge­zahlt wor­den sei, ob­wohl die­se die Vor­aus­set­zun­gen der Ent­fall­klau­sel erfüllt hätten. § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­s­toße auch ge­gen § 75 Be­trVG. Bei der va­ria­blen Er­folgs­vergütung han­de­le es sich um ei­ne im ver­trag­li­chen Sy­nal­lag­ma ste­hen­de Leis­tung. Es han­de­le sich um Ent­gelt im en­ge­ren Sin­ne. Der Ent­zug ei­ner be­reits ver­dien­ten Vergütung stel­le ei­ne un­zulässi­ge Kündi­gungs­er­schwe­rung dar. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei auch un­bil­lig, wenn sie zwei Zie­le, Leis­tungs­lohn und Blei­bensprämie, die nichts mit­ein­an­der zu tun hätten, gleich­ran­gig mit­ein­an­der ver­knüpfe. Der vor­lie­gen­de Fall sei auch nicht mit den Fällen der Zah­lung ei­ner Gra­ti­fi­ka­ti­on, ei­ner Son­der­zah­lung oder ei­nes 13. Ge­hal­tes ver­gleich­bar. Letzt­lich ver­s­toße die Be­triebs­ver­ein­ba­rung auch ge­gen § 77 Abs. 3 Be­trVG. Bei den Ban­ken ge­be es ei­nen Ta­rif­ver­trag zur Leis­tung und/oder er­folgs­ori­en­tier­ter Vergütung. Da­nach müsse bei un­terjähri­gem Aus­tritt die Er­folgs­vergütung an­tei­lig aus­ge­gli­chen wer­den. Da­ge­gen ver­s­toße die Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Die in­so­weit be­ste­hen­de Teil­un­wirk­sam­keit führe nicht zur Un­wirk­sam­keit der ge­sam­ten Be­triebs­ver­ein­ba­rung, son­dern nur da­zu, dass die Re­ge­lung in § 8 nicht zur An­wen­dung kom­me.
die Be­klag­te un­ter Auf­he­bung des am 26.09 2008 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf (AZ.: 1 Ca 3987/08) zur Zah­lung von 22.880,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über den je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit an den Kläger zu ver­ur­tei­len.
Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und trägt vor, dass dem Kläger kein An­spruch auf die va­ria­ble Vergütung zu­ste­he. Der Ar­beits­ver­trag ent-
hal­te kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Zu­sa­ge ei­ner va­ria­blen Vergütung. § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges ver­wei­se nur de­kla­ra­to­risch auf die bei der Be­klag­ten exis­tie­ren­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Et­was an­de­res er­ge­be sich auch nicht aus der For­mu­lie­rung. Be­reits der Wort­laut spre­che dafür, dass die Ver­trags­par­tei­en ge­ra­de nicht ei­ne von der Be­triebs­ver­ein­ba­rung los­gelöste ei­genständi­ge Re­ge­lung schaf­fen woll­ten. An kei­ner Stel­le wer­de ein Wil­le er­kenn­bar, ei­nen ei­ge­nen ar­beits­ver­trag­li­chen An­spruch schaf­fen zu wol­len. Die Ver­wei­sung stel­le auch kei­nen Ver­s­toß ge­gen das AGB-Recht dar. Die Ver­wei­sung sei ein­deu­tig. Es er­ge­be sich auch kein An­spruch aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, da nach § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ei­ne Ist-VE nicht zur Aus­zah­lung kom­me, wenn der Mit­ar­bei­ter un­terjährig durch Kündi­gung aus­schei­den­de oder bis zum Aus­zah­lungs­tag das Ar­beits­verhält­nis gekündigt wer­de. Die­se Vor­aus­set­zung sei hier erfüllt. Es er­ge­be sich auch kei­ne Un­wirk­sam­keit von § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nach den Vor­schrif­ten der §§ 307 ff BGB, da die Vor­schrif­ten nach § 310 Abs. 4 S. 1 BGB auf Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht an­zu­wen­den sei­en. Der nur vor­zu­neh­men­den Rechts­kon­trol­le nach § 75 Be­trVG hal­te die Be­triebs­ver­ein­ba­rung stand. Stich­tags­klau­seln sei­en all­ge­mei­nen an­er­kannt. Der Ar­beit­ge­ber könne mit Jah­res­son­der­zah­lun­gen un­ter­schied­li­che Zwe­cke ver­fol­gen. Sie könne aus­sch­ließlich im Be­zugs­zeit­raum er­brach­te Ar­beits­leis­tung zusätz­lich ho­no­rie­ren. Sie könne aber auch ver­gan­gen­heits- und zu­kunfts­be­zo­ge­ne Ele­men­te mit­ein­an­der ver­knüpfen und die Be­loh­nung bis­he­ri­ger Be­triebs­treue be­zwe­cken und dem An­reiz künf­ti­ger Be­triebs­treue die­nen. Dies sei hier ge­ge­ben. Die Vor­aus­set­zung, dass der Ar­beit­neh­mer noch am Aus­zah­lungs­tag in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis ste­hen müsse, führe nicht zu ei­ner un­bil­li­gen Schlech­ter­stel­lung des Klägers. An­ge­sichts der Höhe der in Aus­sicht ge­stell­ten Son­der­zah­lung und der vor­aus­ge­setz­ten Bin­dungs­dau­er an das Ar­beits­verhält­nis sei kei­ne Un­an­ge­mes­sen­heit zu er­ken­nen. Es sei dem Kläger durch­aus zu­mut­bar ge­we­sen, le­dig­lich auf die Kündi­gungsmöglich­keit am 30.06. des Jah­res zu ver­zich­ten, um die va­ria­ble Vergütung zu er­hal­ten. Dar­in lie­ge kei­ne un­zulässi­ge Kündi­gungs­er­schwe­rung. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­inhal­te auch kei­nen un­zulässi­gen Ein­griff in den Ta­rif­ver­trag zur leis­tungs- und/oder er­folgs­ori­en­tier­ten va­ria­blen Vergütung für das pri­va­te und öffent­li­che Bank­ge­wer­be.
Zum ei­nen be­ste­he kei­ne Ta­rif­bin­dung und zum an­de­ren be­inhal­te die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ei­nen ab­wei­chen­den Re­ge­lungs­ge­gen­stand. Der Ta­rif­ver­trag re­ge­le, in­wie­weit das mo­nat­li­che Ta­rif­ge­halt va­ria­bi­li­siert wer­den könne. Für den mit der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­folg­ten Zweck feh­le je­de Ta­rifüblich­keit. Selbst wenn ein Ver­s­toß ge­gen den Ta­rif­vor­be­halt nach § 77 Abs. 3 Be­trVG vor­lie­ge, steht dem Kläger kein An­spruch zu. In die­sem Fall wäre die Be­triebs­ver­ein­ba­rung un­wirk­sam. Sie könne auch nicht oh­ne die Re­ge­lung in § 8 auf­recht er­hal­ten blei­ben, da die­se Leis­tung vor al­lem die Mo­ti­va­ti­on der Mit­ar­bei­ter fördern und ei­nen An­reiz für die künf­ti­ge Be­triebs­treue set­zen soll­te. Letzt­lich schei­de auch ein An­spruch aus ei­nem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz aus, da die Gewährung der va­ria­blen Er­folgs­vergütung nicht nur beim Kläger vom Vor­lie­gen der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung abhängig ge­macht würde. Un­abhängig da­von sei der An­spruch auch nicht in der Höhe be­gründet. Auf­grund des schlech­ten wirt­schaft­li­chen Er­geb­nis­ses der Be­klag­ten im ver­gan­ge­nen Geschäfts­jahr sei der Er­geb­nis­fak­tor auf 0,8 fest­ge­setzt wor­den. In­so­fern er­ge­be sich für den Kläger al­len­falls ei­ne va­ria­ble Vergütung von 18.304,00 €.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zu­grun­de­lie­gen­den Sach­ver­hal­tes so­wie des wi­der­strei­ten­den Sach­vor­trags und der un­ter­schied­li­chen Rechts­auf­fas­sun­gen der Par­tei­en wird ergänzend Be­zug ge­nom­men auf die in bei­den In­stan­zen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen so­wie Pro­to­kol­le der münd­li­chen Ver­hand­lun­gen und den Tat­be­stand des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.
Sie ist an sich statt­haft (§ 64 Abs. 1 ArbGG), nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig (§ 64 Abs. 2 Zif­fer b ArbGG) so­wie in ge­setz­li­cher Form und Frist ein­ge­legt i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, § 66 Abs. 1 Satz 1 und
Satz 2 ArbGG, § 519 Abs. 1 und Abs. 2 ZPO) und in­ner­halb der Frist (§ 66 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 ArbGG) ord­nungs­gemäß (§ 520 Abs. 3 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG) be­gründet wor­den.
II. Die Be­ru­fung des Klägers ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Der Kläger hat ge­gen die Be­klag­te kei­nen An­spruch auf Zah­lung der va­ria­blen Vergütung in Höhe von 23.880,00 € brut­to für das Geschäfts­jahr 2007/2008.
1. Der Kläger kann sei­nen An­spruch nicht auf den Ar­beits­ver­trag stützen. Der Ar­beits­ver­trag enthält kei­ne in­di­vi­du­el­le Zu­sa­ge auf Gewährung der va­ria­blen Vergütung.
a) Im Ar­beits­ver­trag ist zwar un­ter der Über­schrift Vergütung in § 3 ne­ben dem mo­nat­li­chen Fest­ge­halt, be­ste­hend aus dem mo­nat­li­chen Grund­ge­halt und der mo­nat­li­chen Zu­la­ge, das 13. Mo­nats­ge­halt und die va­ria­ble Er­folgs­vergütung (VE) auf­geführt. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt der Re­ge­lung aber kei­ne kon­klu­den­te ar­beits­ver­trag­li­che Zu­sa­ge in der Wei­se ent­nom­men, dass dem Kläger jähr­lich, un­abhängig von den Be­stim­mun­gen der zwi­schen der Be­klag­ten und dem Ge­samt­be­triebs­rat ver­ein­bar­ten Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­ne va­ria­ble Ver¬gütung zu­ste­hen soll­te.
aa) Dies er­gibt die Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges. Der In­halt von Wil­lens­erklärun­gen ist nach den §§ 133, 157 BGB ob­jek­tiv un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände des Ein­zel­fal­les nach der Sicht des Empfängers zu be­stim­men. Der in der aus­zu­le­gen­den Erklärung verkörper­te recht­lich maßgeb­li­che Wil­le ist zu er­mit­teln. Lässt sich da­bei ein übe­rein­stim­men­der Wil­le der Par­tei­en fest­stel­len, so ist die­ser al­lein maßgeb­lich, auch wenn er in ei­ner Ver­ein­ba­rung nur ei­nen un­voll­kom­me­nen oder gar kei­nen Aus­druck ge­fun­den hat. Das übe­rein­stim­mend Ge­woll­te hat Vor­rang vor dem in­so­weit falsch oder nicht aus­drück­lich Erklärten. Kann ei­ne sol­che Fest­stel­lung nicht ge­trof­fen wer­den, so sind die je­wei­li­gen Erklärun­gen der Ver­trags­par­tei­en je­weils aus der Sicht des Erklärungs-
empfängers so aus­zu­le­gen, wie er sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen durf­te und muss­te. Bei der Aus­le­gung sind al­le tatsächli­chen Be­gleit­umstände der Erklärung zu berück­sich­ti­gen, die für die Fra­ge von Be­deu­tung sein können, wel­chen Wil­len der Erklären­de bei sei­ner Erklärung ge­habt hat und wie die Erklärung von ih­rem Empfänger zu ver­ste­hen war, die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, das Ver­hal­ten der Par­tei­en vor und nach Ver­trags­schluss, der Zweck ei­ner Ab­ma­chung und die ge­ge­be­ne In­ter­es­sen­la­ge (BAG Ur­teil v. 03.05. 2006 - 10 AZR 310/05 - EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 18; BAG Ur­teil v. 24.09.2003 - 10 AZR 34/03 - NZA 2004, 149-152 = EzA BGB 2002 § 133 Nr. 3; BAG Ur­teil v. 26.09.2002 - 6 AZR 434/00 - EzA BBiG § 10 Nr. 6; BAG Ur­teil v. 12.06.2002 - 10 AZR 323/01 - EzA Be­trVG 1972 § 112 Nr. 110) .
bb) Enthält der Ver­trag all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen i.S.v. § 305 Abs. 1 BGB, die von der Be­klag­ten für ei­ne Viel­zahl von Verträgen gleich­lau­tend ver­wen­det und dem Ar­beit­neh­mer bei Ver­trags­schluss ge­stellt wur­den, so sind die­se nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständ­li­chen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu Grun­de zu le­gen ist (BAG Ur­teil v. 24.10.2007 - 10 AZR 825/06 - EzA BGB 2002 § 307 Nr. 26 m.w.N.; BAG Ur­teil v. 31.08.2005 - 5 AZR 50045/04 - AP Arb­ZG § 6 Nr.8). Maßge­bend sind die Verständ­nismöglich­kei­ten des ty­pi­scher­wei­se bei Verträgen der ge­re­gel­ten Art zu er­war­ten­den nicht rechts­kun­di­gen Ver­trags­part­ners. Der Ver­wen­der ist dem­gemäß ver­pflich­tet, die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners möglichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len; sie müssen so ge­stal­tet sein, dass der nicht rechts­kun­di­ge Durch­schnitts­ar­beit­neh­mer die be­nach­tei­li­gen­de Wir­kung oh­ne Ein­ho­lung von Rechts­rat er­ken­nen kann (Rei­ne­cke BB 2005, 378/379).
cc) Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze er­ge­ben sich we­der aus dem Wort­laut noch aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang und den Be­gleit­umständen aus­rei­chen­de An­halts­punk­te dafür, dass dem Kläger kon­sti­tu­tiv die va­ria­ble Vergütung zu­ge­sagt wer­den soll­te.
1) Bei der Re­ge­lung in § 3 „va­ria­ble Er­folgs­vergütung“ han­delt es sich al­ler­dings um ei­ne all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung i. S. d. § 305 Abs. 1 S.1 BGB. Auch Ver­trags­be­din­gun­gen die vor ih­rer Ver­wen­dung kol­lek­tiv­recht­lich aus­ge­han­delt wor­den sind, gehören da­zu (BAG Ur­teil v. 21.04.2007 - 6 AZR 622/06 – EzA § 113 In­sO Nr. 19 m.w.N.).
2) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG Ur­teil v. 12.03.2008 - 10 AZR 256/07 - NV; BAG Ur­teil v. 27.09.2000 - 7 AZR 390/99 EzA § 1 BeschFG 1985 Nr. 20 BAG 24.09.2003 - 10 AZR 34/03 - NZA 2004, 149-152 ; EzA BGB 2002 § 133 Nr. 3) sind Ver­wei­sun­gen im Ar­beits­ver­trag auf oh­ne­hin an­wend­ba­re ge­setz­li­che, ta­rif­li­che oder be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­schrif­ten im Zwei­fel de­kla­ra­to­risch ge­meint. Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en wol­len in der Re­gel durch die Ver­wei­sung auf oh­ne­hin gel­ten­de kol­lek­ti­ve Re­ge­lun­gen kei­nen ei­genständi­gen in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Gel­tungs­grund für die­se Re­ge­lun­gen schaf­fen. Sie brin­gen re­gelmäßig durch ei­ne sol­che Ver­wei­sung nur zum Aus­druck, dass nicht sämt­li­che für das Ar­beits­verhält­nis maßgeb­li­chen Be­stim­mun­gen im Text des Ar­beits­ver­trags wie­der­ge­ge­ben, son­dern darüber hin­aus in den ge­nann­ten kol­lek­ti­ven Ver­ein­ba­run­gen ent­hal­ten sind (BAG 18.11.2003 - 1 AZR 604/02 - BA­GE 108, 299, 302). Die Ver­wei­sungs­klau­sel stellt dann schon kein Rechts­geschäft dar. Ihr lie­gen kei­ne Wil­lens­erklärun­gen zu Grun­de, durch die Rechts­fol­gen be­wirkt wer­den sol­len. Es han­delt sich um ei­nen bloßen recht­li­chen Hin­weis (BAG 18.11.2003 - 1 AZR 604/02 – a.a.O.).
3) Es lie­gen kei­ne aus­rei­chen­den Umstände vor, die hier zu ei­ner an­dern Be­ur­tei­lung führen. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung fand auch oh­ne die Ver­wei­sung im Ar­beits­ver­trag auf den Kläger (vgl. § 1) An­wen­dung. Der Kläger war we­der
Aus­zu­bil­den­der, noch ist dar­ge­tan, dass er lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Be­trVG war. Er war auch nicht auf­grund ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges beschäftigt. Mit dem Ver­weis brin­gen die Par­tei­en auch hier folg­lich nur zum Aus­druck, dass nicht al­le für das Ar­beits­verhält­nis maßgeb­li­chen Be­stim­mun­gen im Ar­beits­ver­trag fest­ge­legt sind, son­dern auch die Re­ge­lun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur An­wen­dung kom­men.
4) So­weit der Kläger dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass die Ver­wei­sung un­klar und von ei­nem nicht rechts­kun­di­gen Ver­trags­part­ner nicht in dem Sin­ne zu ver­ste­hen sei, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Die va­ria­ble Er­folgs­vergütung ist zwar un­ter der Über­schrift Vergütung auf­geführt, dies reicht aber nicht aus, um von ei­ner kon­sti­tu­ti­ven Re­ge­lung aus­zu­ge­hen. Die Erwähnung in der va­ria­blen Er­folgs­vergütung un­ter § 3 Vergütung weist le­dig­lich dar­auf hin, dass die Vergütungs­ansprüche zu­sam­men­ge­fasst dar­ge­stellt wer­den soll­ten. Der Wort­laut der Re­ge­lung in § 3 enthält auch kei­nen Hin­weis auf ei­ne ei­genständi­ge Zu­sa­ge. Der Kläger meint, dass der Ge­brauch der For­mu­lie­rung „aus­zu­zah­len­de va­ria­ble Er­folgs­vergütung“ dafür spre­che, dass ihm ein ein­zel­ver­trag­li­cher An­spruch zu­ste­hen soll­te. Dem kann aber nicht ge­folgt wer­den. Die Wor­te können nicht iso­liert be­trach­tet wer­den, son­dern sind dem Zu­sam­men­hang zu­zu­ord­nen, in dem sie ste­hen. Der vollständi­ge Satz heißt, „die nach Be­en­di­gung ei­nes Geschäfts­jah­res von der Bank an Sie aus­zu­zah­len­de va­ria­ble Er­folgs­vergütung er­folgt gemäß der ent­spre­chen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf der Grund­la­ge ei­ner in­di­vi­du­ell fest­ge­leg­ten Ziel­größe (Ziel-VE)“. Der Ver­weis er­folgt nicht nur auf ein­zel­ne be­stimm­te Re­ge­lun­gen der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, wie et­wa die Grundsätze der Be­rech­nung der va­ria­blen Vergütung, son­dern er ist all­ge­mein und um­fas­send und be­zieht die ge­sam­te Be­triebs­ver­ein­ba­rung ein, „gemäß der ent­spre­chen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung“. Dies kann auch von ei­nem nicht rechts­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter nur da­hin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass sich die Aus­zah­lung und da­mit die Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch al­lein aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­ge­ben sol­len. Ein An­spruch auf die va­ria­ble Er­folgs­vergütung auf­grund der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung schei­det da­mit aus.
2. Der Kläger kann sei­nen An­spruch auch nicht auf die Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 20.02.2001 stützen. Die Be­ru­fungs­kam­mer folgt in­so­weit den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts.
a) Die Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­zah­lung der va­ria­blen Er­folgs­vergütung sind nicht erfüllt. Gemäß § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung kommt ei­ne Ist-VE nicht zur Aus­zah­lung, wenn der Mit­ar­bei­ter un­terjährig durch Kündi­gung aus­schei­det oder bis zum Aus­zah­lungs­tag das Ar­beits­verhält­nis gekündigt wird. Dies ist hier ge­ge­ben. Die va­ria­ble Vergütung wird im Ju­li des fol­gen­den Geschäfts­jah­res ge­zahlt. Zu die­sem Zeit­punkt war der Kläger be­reits aus­ge­schie­den. Er hat das Ar­beits­verhält­nis zum 30.06.2008 gekündigt und ist auf­grund Ver­ein­ba­rung so¬gar schon zum 31.03.2008 aus­ge­schie­den.
b) Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist auch nicht rechts­un­wirk­sam.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist § 8 Abs. 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht gemäß §§ 307 ff BGB un­wirk­sam. Nach § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB fin­den die Vor­schrif­ten der §§ 305 ff. BGB auf Ta­rif­verträge, Be­triebs- und Dienst­ver­ein­ba­run­gen kei­ne An­wen­dung. Nach § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB ste­hen sol­che Kol­lek­tiv­re­ge­lun­gen Rechts­vor­schrif­ten i.S.v. § 307 Abs. 3 BGB gleich. (BAG, Ur­teil v. 01.02.2006 - 5 AZR 187/05 - EzA BGB 2002 § 308 Nr. 1 m.w.N.). Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt gemäß § 77 Abs.3 Be­trVG un­mit­tel­bar und zwin­gend. Da­her un­ter­lie­gen auch in ei­ner Viel­zahl von Fällen for­mu­larmäßig ver­wen­de­te Klau­seln in Ar­beits­verträgen, die auf ei­ne sol­che Kol­lek­tiv­re­ge­lung Be­zug neh­men oder mit ihr übe­rein­stim­men und le­dig­lich de­ren ge­sam­ten In­halt wie­der­ge­ben, nicht der In­halts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB (BT-Drucks. 14/6857 S. 54; BAG Ur­teil v. 25.04.2007 - 6 AZR 622/06 - EzA § 113 In­sO Nr. 19; BAG Ur­teil v. 27.07. 2005 - 7 AZR 486/04 - BA­GE 115, 274; BAG Ur­teil v.12.09. 2006 - 9 AZR 675/05 - AP BGB § 611 Leh­rer, Do­zen­ten Nr. 176 = EzA BGB 2002 § 310 Nr. 4) . Bei den in § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB ge­nann­ten kol­lek­tiv­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen be­steht kein Bedürf­nis auf Schutz durch Re­ge­lun-
gen der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen. Es wird un­ter­stellt, dass die­se Schutz­funk­ti­on durch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bzw. Be­triebs­part­ner wahr­ge­nom­men wur­de (vor­lie­gend beim Ab­schluss des In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­plans BAG v. 25.04.2007 a.a.O.).
Et­was an­de­res kann gel­ten, wenn die Be­triebs­ver­ein­ba­rung nur auf Grund ei­ner Be­zug­nah­me im Ar­beits­ver­trag An­wen­dung fin­det (die Be­reichs­aus­nah­me des § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB gilt in die­sem Fall nicht, so Ri­char­di, Be­trVG 11.Auf­la­ge 2008 § 77 Rd­nr 134; Rieb­le /Schul RdA 2006, 339, 349 ff.). Dies ist hier aber nicht ge­ge­ben. Wie aus­geführt, han­delt es sich le­dig­lich um ei­ne de­kla­ra­to­ri­sche Ver­wei­sung. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung kommt auch oh­ne die Ver­wei­sung auf das Ar­beits­verhält­nis des Klägers zur An­wen­dung. Im Ar­beits­ver­trag wird zu­dem auf die ge­sam­te Be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­wie­sen.
c) Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung verstößt auch nicht we­gen § 75 Be­trVG.
aa) Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben, so­weit § 77 Abs. 3 Be­trVG nicht ein­greift, ei­ne um­fas­sen­de Kom­pe­tenz zur Re­ge­lung von for­mel­len und ma­te­ri­el­len Ar­beits­be­din­gun­gen BAG Ur­teil v. 19.02.2008 – 1 AZR 1004/06 - EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 26; BAG Ur­teil v. 12.12.2006 - 1 AZR 96/06 - , NZA 2007, 453; grund­le­gend BAG Ur­teil v. 07.11. 1989 - GS 3/85, NZA 1990, 816; auch BVerfG, 23.4. 1986, NJW 1987, 827; Fit­ting, Be­trVG, 24. Aufl. 2008, § 88 Rn. 1, 2). Bei der Aus­ge­stal­tung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung steht den Be­triebs­part­nern ein wei­te­rer Er­mes­sens­spiel­raum zu (BAG 19.02.08 a. a. O). Sie ha­ben die Grundsätze von Recht und Bil­lig­keit ins­be­son­de­re den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des § 75 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG zu be­ach­ten, dem wie­der­um der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG zu­grun­de liegt. Er zielt dar­auf ab, ei­ne Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten si­cher­zu­stel­len und ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Grup­pen­bil­dung aus­zu­sch­ließen. Da­bei verstößt ei­ne sach­ver­halts­be­zo­ge­ne Un­gleich­be­hand­lung erst dann ge­gen den Gleich­heits­satz, wenn sie willkürlich ist, weil sich ein vernünf­ti­ger Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung nicht fin­den lässt. Bei ei­ner per­so­nen­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung ist der Gleich­heits­satz be­reits dann ver­letzt,
wenn ei­ne Grup­pe von Nor­madres­sa­ten im Ver­gleich zu an­de­ren Nor­madres­sa­ten an­ders be­han­delt wird, ob­wohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass sie die un­glei­che Be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten. Die Übergänge zwi­schen sach­ver­halts­be­zo­ge­nen und per­so­nen­be­zo­ge­nen Dif­fe­ren­zie­run­gen sind bis­wei­len fließend. Ins­be­son­de­re kann ei­ne Un­gleich­be­hand­lung von Sach­ver­hal­ten mit­tel­bar ei­ne Un­gleich­be­hand­lung von Per­so­nen­grup­pen be­wir­ken (BAG Ur­teil v. 22.03.2005 - 1 AZR 49/04 -, EzA § 75 Be­trVG 2001 Nr. 2; BAG Ur­teil v. 27.05.2004 - 6 AZR 129/03 - EzA GG Art. 3 Nr. 101).
bb) Maßgeb­lich für das Vor­lie­gen ei­nes die Bil­dung un­ter­schied­li­cher Grup­pen recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds ist vor al­lem der mit der Re­ge­lung ver­folg­te Zweck (BAG Ur­teil v. 06. 11. 2007 - 1 AZR 960/06 - EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 25). Gewährt der Ar­beit­ge­ber auf Grund ei­ner abs­trak­ten Re­ge­lung ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung nach ei­nem er­kenn­bar ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip und legt er gemäß dem mit der Leis­tung ver­folg­ten Zweck die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für die Leis­tung fest, darf er ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer von der Leis­tung nur aus­neh­men, wenn dies sach­li­chen Kri­te­ri­en ent­spricht (vgl.; BAG Ur­teil v. 28.03.2007 -10 AZR 261/06 - EzA § 611 BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 21; BAG Ur­teil v. 27.05.2004 - 6 AZR 129/03 - BA­GE 111, 8). Bei frei­wil­li­gen Leis­tun­gen muss der Ar­beit­ge­ber des­halb die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen so ab­gren­zen, dass ein Teil der Ar­beit­neh­mer von der Vergüns­ti­gung nicht sach­wid­rig oder willkürlich aus­ge­schlos­sen wird (BAG Ur­teil v. 08.03. 1995 - 10 AZR 208/94 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 184 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 131). Ei­ne sach­frem­de Be­nach­tei­li­gung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer liegt nicht vor, wenn sich nach dem Zweck der Leis­tung Gründe er­ge­ben, die es un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände recht­fer­ti­gen, die­sen Ar­beit­neh­mern die den an­de­ren Ar­beit­neh­mern gewähr­te Leis­tung vor­zu­ent­hal­ten. Die Zweck­be­stim­mung ei­ner Son­der­zah­lung er­gibt sich vor­ran­gig aus den tatsächli­chen und recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, von de­ren Vor­lie­gen und Erfüllung die Leis­tung abhängig ge­macht wird (vgl. BAG Ur­teil v. 10.01.1991 - 6 AZR 205/89 - BA­GE 67, 1, 5). Die Be­zeich­nung ist nicht maßgeb­lich. Sie kann al­len­falls als ein zusätz­li­ches In­diz,
nicht je­doch als aus­schlag­ge­ben­des oder gar al­lei­ni­ges Merk­mal für ei­nen be­stimm­ten Zweck her­an­ge­zo­gen wer­den (BAG 13.06.1991 - 6 AZR 421/89 - EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 86).
cc) Mit Jah­res­son­der­zah­lun­gen können un­ter­schied­li­che Zwe­cke ver­bun­den wer­den. Die Son­der­zah­lung kann aus­sch­ließlich die im Be­zugs­zeit­raum er­brach­te Ar­beits­leis­tung zusätz­lich ho­no­rie­ren. Hat sie nur die­sen Zweck, ent­steht der An­spruch auf sie be­reits im Lau­fe des Be­zugs­zeit­raums ent­spre­chend der zurück­ge­leg­ten Zeit­dau­er und Ar­beits­leis­tung und wird le­dig­lich zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt ins­ge­samt fällig.
Die Son­der­leis­tung kann aber auch ver­gan­gen­heits- und zu­kunfts­be­zo­ge­ne Ele­men­te mit­ein­an­der ver­knüpfen und so­wohl die Be­loh­nung bis­he­ri­ger Diens­te und er­wie­se­ner Be­triebs­treue be­zwe­cken als auch als An­reiz für künf­ti­ge Be­triebs­treue die­nen (BAG Ur­teil v. 28.03.2007 - 10 AZR 261/06 - a. a. O; BAG Ur­teil v. 07.12.1989 - 6 AZR 324/88 - BA­GE 63, 385; 18.03. 1981 - 5 AZR 952/78 - EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 70). Bei sol­chen Son­der­vergütun­gen wird die Be­loh­nung künf­ti­ger Be­triebs­treue in der Re­gel da­durch si­cher­ge­stellt, dass der An­spruch auf die Son­der­zah­lung den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses über ei­nen Stich­tag hin­aus bis zum En­de ei­nes dem Ar­beit­neh­mer noch zu­mut­ba­ren Bin­dungs­zeit­raums vor­aus­setzt und der Ar­beit­neh­mer die Son­der­vergütung zurück­zu­zah­len hat, wenn das Ar­beits­verhält­nis vor Ab­lauf der Bin­dungs­dau­er en­det. Die Son­der­zah­lung darf da­von abhängig ge­macht wer­den, dass das Ar­beits­verhält­nis am Aus­zah­lungs­tag über­haupt noch oder noch un­gekündigt be­steht (BAG Ur­teil v. 04.05.1999 - 10 AZR 417/98 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 214 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 155; BAG Ur­teil v. 08.03.1995 - 10 AZR 208/94 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 184 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 131) .
dd) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist es auch grundsätz­lich möglich, dass der Ar­beit­ge­ber den An­spruch auf ei­ne frei­wil­li­ge
Son­der­zah­lung dar­an knüpft, dass das Ar­beits­verhält­nis über den Aus­zah­lungs­zeit­punkt hin­aus in­ner­halb ei­nes be­stimm­ten Zeit­rau­mes fort­be­steht, wo­bei für die zulässi­ge Bin­dungs­dau­er die Höhe der Son­der­zah­lung maßgeb­lich ist (BAG Ur­teil v. 28.03.2007 - 10 AZR 261/06 - a. a. O ; BAG Ur­teil v. 28.04. 2004 - 10 AZR 356/03 - BA­GE 110, 244; 21.05. 2003 - 10 AZR 390/02 - BA­GE 106, 159) . Sol­che Klau­seln sind selbst dann zulässig, wenn der Grund für die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor Ab­lauf der Bin­dungs­frist nicht in der Sphäre des Ar­beit­neh­mers liegt.
ee) Un­ter Berück­sich­ti­gung der oben dar­ge­stell­ten Grundsätze, die für ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Son­der­zah­lun­gen ent­wi­ckelt wor­den sind, kann im vor­lie­gen­den Fall kei­ne sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung des Klägers fest­ge­stellt wer­den.
1) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers erschöpft sich hier der Zweck der Zah­lung der va­ria­blen Er­folgs­vergütung nicht in der zusätz­li­chen Ho­no­rie­rung der ver­gan­ge­nen Ar­beits­leis­tung. Dies er­gibt sich un­zwei­fel­haft aus den Re­ge­lun­gen der Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen sind we­gen ih­res nor­ma­ti­ven Cha­rak­ters wie Ge­set­ze aus­zu­le­gen. (BAG Ur­teil v. 10.02.2009 - 1AZR 767/07 - ju­ris.de; BAG Ur­teil v. 26.08.2008.2008 - 1 AZR 346/07 - Rn. 21, NZA 2009, 161) . Aus­zu­ge­hen ist da­nach vom Wort­laut und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn. Ins­be­son­de­re bei un­be­stimm­tem Wort­sinn sind darüber hin­aus der wirk­li­che Wil­le der Be­triebs­par­tei­en und der von ih­nen be­ab­sich­tig­te Zweck der Re­ge­lung zu berück­sich­ti­gen, so­fern sie im Re­ge­lungs­werk ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben. Ab­zu­stel­len ist außer­dem auf den Ge­samt­zu­sam­men­hang der Re­ge­lung. Die­ser kann An­halts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Be­triebs­par­tei­en bie­ten. Blei­ben im Ein­zel­fall wei­ter­hin Zwei­fel, können die Ge­rich­te auf wei­te­re Kri­te­ri­en zurück­grei­fen, et­wa die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und die bis­he­ri­ge An­wen­dung der Re­ge­lung in der Pra­xis. Auch die Prak­ti­ka­bi­lität denk­ba­rer Aus­le­gungs­er­geb­nis­se ist zu berück­sich­ti­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­ner sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier-
ten, prak­tisch brauch­ba­ren und ge­set­zes­kon­for­men Re­ge­lung führt (BAG 13.12.2005 - 1 AZR 551/04 - EzA Be­trVG 2001 § 112 Nr. 16).
2) Aus­ge­hend von die­sen Aus­le­gungs­grundsätzen be­schränkt sich der Zweck der Leis­tung nicht nur auf die Ho­no­rie­rung der ver­gan­ge­nen Ar­beits­leis­tung. Die vor­lie­gen­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung enthält nicht nur Re­ge­lun­gen über die Be­wer­tung und Be­rech­nung der va­ria­blen Er­folgs­vergütung, son­dern auch die Vor­aus­set­zun­gen un­ter de­nen die IST-VE nicht zur Aus­zah­lung kommt. Die Vergütung wird, wie das Ar­beits­ge­richt zu Recht aus­geführt hat, an zwei an­spruchs­be­gründen­de Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpft. Ers­te Vor­aus­set­zung ist die Erfüllung der Ziel­vor­ga­be. Wei­te­re Vor­aus­set­zung ist, dass der Mit­ar­bei­ter we­der durch Kündi­gung un­terjährig aus­schei­det, noch dass das Ar­beits­verhält­nis vor dem Aus­zah­lungs­tag gekündigt wird. Aus der Re­ge­lung die­ser zwei­ten Vor­aus­set­zung er­gibt sich nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer of­fen­kun­dig, dass der Zweck der Leis­tung auch dar­in be­steht, künf­ti­ge Be­triebs­treue zu be­loh­nen. Wenn man der Auf­fas­sung des Klägers fol­gen würde, hätte die Re­ge­lung in § 8 kei­nen Sinn. Es kann aber nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Be­triebs­part­ner ei­ne Re­ge­lung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf­neh­men, die kei­ne Be­deu­tung ha­ben soll.
Der Zweck der va­ria­blen Er­folgs­vergütung, die Mit­ar­bei­ter an das Un­ter­neh­men auch für die Zu­kunft zu bin­den und zu mo­ti­vie­ren und da­mit künf­ti­ge Be­triebs­treue zu be­loh­nen, konn­te im Fal­le des aus­ge­schie­de­nen Klägers nicht mehr er­reicht wer­den. Der Kläger ist folg­lich nicht aus sach­frem­den Gründen von dem An­spruch auf Zah­lung der Er­folgs­vergütung aus­ge­schlos­sen wor­den.
3) Nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer ist die Stich­tags­re­ge­lung auch nicht in Be­zug auf die Bin­dungs­dau­er willkürlich und da­mit un­zulässig.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG Ur­teil v. 28.03.2007 - 10 AZR 261/06 - EzA § 611 BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 21 m.w.N.; vgl. LAG Rhein­land-Pfalz Ur­teil v. 24.04.2008 - 11 Sa 87/08 - ) dürfen mit Son­der­zah­lun­gen ver­bun­de­ne ein­zel­ver­trag­li­che Bin­dungs- und Rück­zah­lungs­klau­seln ei­nen Ar­beit­neh­mer nicht in un­zulässi­ger Wei­se in sei­ner Be­rufs­frei­heit
(Art. 12 Abs. 1 GG) be­hin­dern. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in­so­weit für ein­zel­ver­trag­li­che Reg­lun­gen Grenz­wer­te fest­ge­legt. Ei­ne am Jah­res­en­de ge­zahl­te Zu­wen­dung, die über 100,00 EUR, aber un­ter ei­nem Mo­nats­be­zug liegt, kann den Ar­beit­neh­mer da­nach bis zum 31.03. des Fol­ge­jah­res bin­den. Nur wenn die Zu­wen­dung ei­nen Mo­nats­be­zug er­reicht, ist ei­ne Bin­dung des Ar­beit­neh­mers über die­sen Ter­min hin­aus zulässig. Erhält ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Son­der­zah­lung, die ein zwei­fa­ches Mo­nats­ge­halt nicht er­reicht, so kann er durch ei­ne Rück­zah­lungs­klau­sel je­den­falls dann nicht über den 30.06. des fol­gen­den Jah­res ge­bun­den wer­den, wenn er bis da­hin meh­re­re Kündi­gungsmöglich­kei­ten hat­te (BAG, 24.10.2007 - 10 AZR 825/06 - AP Nr. 32 zu § 307 BGB m.w.N.). Für die Be­ur­tei­lung der Zulässig­keit ei­ner Bin­dungs­klau­sel sind folg­lich die Dau­er der Bin­dung, die Höhe der Son­der­zah­lung und auch das Aus­las­sen von Kündi­gungsmöglich­kei­ten von Be­deu­tung.
Da die Bin­dungs­klau­sel im vor­lie­gen­den Fall in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­hal­ten ist, kommt al­ler­dings, wie aus­geführt we­gen § 310 Abs. 4 S. 1 BGB, kei­ne In­halts­kon­trol­le gem. §§ 305 BGB zum Tra­gen. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG Ur­teil v. 09.12.1981 - 5 AZR 549/79 - EzA § 112 Be­trVG 1972 Nr. 24; BAG, Ur­teil vom 17.02.1981 - 1 AZR 290/78 - AP Nr. 11 zu § 112 Be­trVG 1972 m w. N.) un­ter­lie­gen Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht nur der Kon­trol­le zur Übe­rein­stim­mung mit Ver­fas­sung, Ge­set­zes­recht und gu­ten Sit­ten, son­dern auch der Bil­lig­keits­kon­trol­le, wie sie in § 75 Be­trVG be­schrie­ben ist. Maßstab der Kon­trol­le ist die Ver­pflich­tung der Be­triebs­or­ga­ne, dem Wohl des Be­trie­bes und sei­ner Ar­beit­neh­mer un­ter Berück­sich­ti­gung des Ge­mein­wohls zu die­nen. In­ner­halb die­ser Ver­pflich­tung ha­ben sie den bil­li­gen Aus­gleich zwi­schen den In­ter­es­sen der Be­leg­schaft und dem Be­trieb so­wie den Aus­gleich zwi­schen den ver­schie­de­nen Tei­len der Be­leg­schaft zu su­chen (BAG Ur­teil v. - 5 AZR 217/74- EzA § 77 Be­trVG 1972 Nr.1). Die ge­richt­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le be­zieht sich auf den In­halt der ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen selbst. Es geht dar­um, ob die von den Be­triebs­part­nern ver­ein­bar­te Re­ge­lung in sich der Bil­lig­keit ent­spricht
oder ob ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer oder Grup­pen von ih­nen in un­bil­li­ger Wei­se be­nach­tei­ligt wer­den (BAG 17.02.1981 -1 AZR 290/78 - AP Nr. 11 zu § 112 Be­trVG 1972; vgl. hier­zu auch Rolfs, Die In­halts­kon­trol­le ar­beits­recht­li­cher in­di­vi­du­al- und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen RdA 2006, 349, wo­nach ein un­ter­schied­li­cher Prüfungs­maßstab für Ta­rif­verträge und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht mit § 310 Abs. 4 S. 1 BGB zu ver­ein­ba­ren ist).
Dies ha­ben die Be­triebs­part­ner nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer mit der vor­lie­gen­den Re­ge­lung be­ach­tet, wo­bei da­hin­ste­hen kann, ob ein un­ter­schied­li­cher Prüfungs­maßstab für Ta­rif­verträge und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen mit § 310 Abs. 4 S. 1 BGB zu ver­ein­ba­ren ist. Das Geschäfts­jahr en­det bei der Be­klag­ten nach ih­rem un­be­strit­te­nen Vor­trag am 31.03. des Jah­res. Gemäß § 2 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung wird die Er­folgs­vergütung mit den Bezügen für den Mo­nat Ju­li aus­ge­zahlt. Der Kläger be­gehrt ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung von 22.880,00 €, die das mo­nat­li­che Grund­ge­halt um das Vier­fa­che und das Fix­ge­halt um das Drei­fa­che (3,7) über­schrei­tet. Selbst un­ter Zu­grun­de­le­gung des von der Be­klag­ten er­rech­ne­ten Be­tra­ges von 18.304,00 € brut­to er­gibt sich ein Be­trag in Höhe ei­nes 2,9 fa­chen Mo­nats­ge­halts. An­ge­sichts die­ser Höhe ist ei­ne Bin­dung nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer über den Ju­li (Aus­zah­lungs­mo­nat) des Fol­ge­jah­res hin­aus, nicht un­an­ge­mes­sen.
So­weit der Kläger dar­auf ver­weist, dass er bei ei­nem Kündi­gungs­ent­schluss im Ju­li ei­nes Jah­res an­ge­sichts der Re­ge­lung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung und der lan­gen Kündi­gungs­frist von sechs Mo­na­ten zum Quar­tal zwei Jah­re die va­ria­ble Er­folgs­vergütung ver­lie­re, hat die Be­klag­te dem zu­tref­fend ent­ge­gen­ge­hal­ten, dass der Kläger in der Zeit zwi­schen Ab­lauf des Be­zugs­zeit­raums und dem Aus­zah­lungs­ter­min le­dig­lich ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit am 30.06. des Jah­res aus­las­sen muss, um sei­nen An­spruch zu er­hal­ten. Dies ist nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer nicht zu be­an­stan­den. Im Übri­gen er­gibt sich die­se Bin­dung auf­grund der spe­zi­el­len Kündi­gungs­frist des Klägers. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt gemäß § 1 für al­le Ar­beit­neh­mer, mit Aus­nah­me von Aus­zu­bil­den­den, lei­ten­den An­ge­stell­ten und be­fris­tet Beschäftig­te, al­so auch für Ar­beit­neh­mer mit
kürze­rer, even­tu­ell ge­setz­li­cher Kündi­gungs­frist. Für die­se Per­so­nen er­gibt sich ein er­heb­lich kürze­rer Bin­dungs­zeit­raum.
Die ge­richt­li­che Kon­trol­le er­streckt sich ent­spre­chend der Na­tur der Be­triebs­ver­ein­ba­rung als kol­lek­ti­ver Re­ge­lung nur auf die Norm als sol­che (abs­trak­te Bil­lig­keits­kon­trol­le), nicht hin­ge­gen auf de­ren Aus­wir­kung auf die ein­zel­nen Ar­beits­verhält­nis­se (BAG Ur­teil v. 20.11.1987 - 2 AZR 284/86 - EzA § 620 BGB Al­ters­gren­ze Nr. 1; kon­kre­te Bil­lig­keits­kon­trol­le). Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ver­pflich­ten sich Be­triebs- und Be­leg­schafts­in­ter­es­sen zu ei­nem bil­li­gen Aus­gleich zu brin­gen. Auf ei­ne in­di­vi­du­el­le In­ter­es­sen­abwägung kommt es nicht an. Zu­dem sind Stich­tags­re­ge­lun­gen Aus­druck ei­ner ge­bo­te­nen pau­scha­lier­ten Be­trach­tung und aus Gründen der Prak­ti­ka­bi­lität un­ge­ach­tet der da­mit ver­bun­de­nen Härten zur Ab­gren­zung des begüns­tig­ten Per­so­nen­krei­ses ge­recht­fer­tigt, wenn sich die Wahl der Stich­tags­re­ge­lung am ge­ge­be­nen Sach­ver­halt ori­en­tiert und dem­nach ver­tret­bar ist (BAG Ur­teil v. 12.12.2007 - 10 AZR 24/07.-. EzA § 242 BGB 2002 Gleich­be­hand­lung Nr. 16 un­ter Hin­weis auf BAG, 25.06.2003 - 4 AZR 405/02 - EzA Art 3 GG Nr. 99). Die vor­lie­gen­de Re­ge­lung ist in­so­weit nicht zu be­an­stan­den. Das In­ter­es­se der Be­leg­schaft, ei­ne zusätz­li­che va­ria­ble Er­folgs­vergütung zu er­hal­ten und an­de­rer­seits das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers ei­nen An­reiz für zukünf­ti­ge Be­triebs­treue und Mo­ti­va­ti­on zu schaf­fen, ist mit der Stich­tags­re­ge­lung aus­rei­chend ab­ge­wo­gen. Es er­gibt sich auch kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung, weil mit den ver­ein­bar­ten Bezügen auch die Mehr­ar­beit ab­ge­gol­ten ist. Es darf nicht über­se­hen wer­den, dass der Kläger nach dem un­strei­ti­gen Vor­trag auch oh­ne die va­ria­ble Er­folgs­vergütung ei­ne über­ta­rif­li­che Vergütung erhält.
4) Da die je­wei­li­ge Stich­tags­re­ge­lung nur im Hin­blick auf die kon­kret ver­folg­te Er­folgs­vergütung ge­prüft wer­den kann, kann da­hin­ste­hen, ob dies auch in an­de­ren Ka­len­der­jah­ren gilt (LAG Rhein­land-Pfalz Ur­teil vom 24.04.2008 – 11 Sa 87/08- AE 2009, 42, ju­ris.de).
d) Der Kläger kann sich auch nicht Er­folg dar­auf be­ru­fen, dass § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­gen § 77 Abs. 3 S. 2 Be­trVG verstößt und die da­mit teil­un­wirk­sa­me Be­triebs­ver­ein­ba­rung oh­ne die Bin­dungs­re­ge­lung be­ste­hen bleibt. Selbst wenn man da­von aus­geht, dass die Re­ge­lung ge­gen § 77 Abs. 3 Be­trVG verstößt, führt das nicht zu ei­nem An­spruch des Klägers. Die in die­sem Fall teil­un­wirk­sa­me Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt nicht oh­ne die Re­ge­lung des § 8 wei­ter.
aa) Die Teil­un­wirk­sam­keit ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung hat die Un­wirk­sam­keit al­ler Re­ge­lun­gen zur Fol­ge, wenn der ver­blei­ben­de Teil oh­ne die un­wirk­sa­men Be­stim­mun­gen kei­ne sinn­vol­le und in sich ge­schlos­se­ne Re­ge­lung enthält (BAG Ur­teil v. 15.05.2001 - 1 ABR 39/00 - EzA § 87 Be­trVG 1972 Leis­tungs­lohn Nr. 18). Stellt sich da­ge­gen der ver­blei­ben­de Teil ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung als ei­ne wei­ter­hin sinn­vol­le und an­wend­ba­re Re­ge­lung dar, so kommt es für de­ren iso­lier­te Wei­ter­gel­tung auf ei­nen mögli­cher­wei­se ent­ge­gen­ste­hen­den Wil­len der Be­triebs­par­tei­en re­gelmäßig nicht an. Dies folgt aus dem Norm­cha­rak­ter ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, der es eben­so wie bei Ta­rif­verträgen und Ge­set­zen ge­bie­tet, im In­ter­es­se der Kon­ti­nuität und Rechts­beständig­keit ei­ner ge­setz­ten Ord­nung die­se so­weit auf­recht zu er­hal­ten, wie sie auch oh­ne den un­wirk­sa­men Teil ih­re Ord­nungs­funk­ti­on noch ent­fal­ten kann (GK-Be­trVG/Kreutz 8. Aufl. § 77 Rn. 61 m.w.N.).
bb) Nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer enthält die Be­triebs­ver­ein­ba­rung oh­ne die Stich­tags­klau­sel kei­ne sinn­vol­le und in sich ge­schlos­se­ne Re­ge­lung. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung hat ei­ne dop­pel­te Funk­ti­on. Die Be­triebs­part­ner woll­ten so­wohl die Mit­ar­bei­ter mo­ti­vie­ren, als auch ein An­reiz für zukünf­ti­ge Be­triebs­treue er­set­zen. Dies er­gibt sich un­zwei­fel­haft aus ih­rer Re­ge­lung in § 8. Dies er­gibt sich auch aus § 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, wo­nach sie kei­ne An­wen­dung fin­det auf Mit­ar­bei­ter mit be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen, de­ren An­stel­lung nicht auf Dau­er an­ge­legt ist. Oh­ne die Bin­dungs­klau­sel kann der von den Be­triebs­part­nern ver­folg­te Zweck nicht er­reicht wer­den. Der Zweck der zusätz­li­chen va­ria­blen Vergütung würde sich al­lein dar­auf be­schränken, in der Ver­gan­gen­heit ge­leis­te­te Ar­beit zu vergüten. Dies ent­sprach aber nicht dem Wil­len
der Be­triebs­part­ner. Es ver­bleibt al­so kei­ne in sich ge­schlos­se­ne, den vor­ge­ge­be­nen Zweck der Leis­tung berück­sich­ti­gen­de Re­ge­lung.
cc) Ei­ne un­wirk­sa­me Be­triebs­ver­ein­ba­rung führt auch nicht da­zu, dass der zulässi­ge In­halt ein­zel­ver­trag­lich gilt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist es zwar nicht aus­ge­schlos­sen, ei­ne un­wirk­sa­me Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­spre­chend § 140 BGB in ei­ne ver­trag­li­che Ein­heits­re­ge­lung (Ge­samt­zu­sa­ge oder gebündel­te Ver­trags­an­ge­bo­te) um­zu­deu­ten. Ei­ne sol­che Um­deu­tung kommt al­ler­dings nur in Be­tracht, wenn be­son­de­re Umstände die An­nah­me recht­fer­ti­gen, der Ar­beit­ge­ber ha­be sich un­abhängig von der Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf je­den Fall ver­pflich­ten wol­len, sei­nen Ar­beit­neh­mern die in die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen zu gewähren (BAG Ur¬teil v. 24.01.1996 - 1 AZR 597/95 - AP Be­trVG 1972 § 77 Ta­rif­vor­be­halt Nr. 8; BAG Ur­teil v. 05.03.1997 - 4 AZR 532/95 - AP Be­trVG 1972 § 77 Ta­rif­vor­be­halt Nr. 10; BAG Ur­teil v. 29.10.2002 - 1 AZR 573/01 - AP Be­trVG 1972 § 77 Ta­rif­vor­be­halt Nr. 18). Da­bei ist ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, dass sich der Ar­beit­ge­ber von ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung durch Kündi­gung je­der­zeit lösen kann, während ei­ne Ände­rung der Ar­beits­verträge, zu de­ren In­halt ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge wird, nur ein­ver­nehm­lich oder durch ge­richt­lich über­prüfba­re Ände­rungskündi­gung möglich ist. Ein hy­po­the­ti­scher Wil­le des Ar­beit­ge­bers, sich un­abhängig von der Wirk­sam­keit ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf Dau­er zu bin­den, kann da­her nur in Aus­nah­mefällen an­ge­nom­men wer­den (BAG Ur­teil v. 05.03.1997 - 4 AZR 532/95 - AP Be­trVG 1972 § 77 Ta­rif­vor­be­halt Nr.10). Sol­che Umstände sind hier nicht ge­ge­ben. Es kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass sich die Be­klag­te auf Dau­er an ei­ne Re­ge­lung bin­den woll­te, die nicht ih­rem Re­ge­lungs­zweck ent­spricht.
3. Der Kläger kann sich auch nicht mit Er­folg auf den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ru­fen. Er hat die Vor­aus­set­zun­gen für das Ein­grei­fen des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes nicht aus­rei­chend dar­ge­legt.
Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­bie­tet so­wohl die sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern in ver­gleich­ba­rer La­ge als auch die sach­frem­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Ar­beit­neh­mern in ei­ner be­stimm­ten Ord­nung. Ei­ne Grup­pen­bil­dung muss sach­li­chen Kri­te­ri­en ent­spre­chen. Sach­fremd ist ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung, wenn es für die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung kei­ne bil­li­gens­wer­ten Gründe gibt. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­bie­tet es dem Ar­beit­ge­ber, ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­neh­mer­grup­pen von ei­ner all­ge­mei­nen begüns­ti­gen­den Re­ge­lung willkürlich, das heißt oh­ne Vor­lie­gen sach­li­cher Gründe, aus­zu­neh­men. Liegt ein sach­li­cher Grund nicht vor, so kann der über­g­an­ge­ne Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen, nach Maßga­be der all­ge­mei­nen Re­ge­lung be­han­delt zu wer­den (BAG Ur­teil v. 15.11.1994 - 5 AZR 682/93 - NZA 1995, 939 f.).
Der Kläger hat nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­tan, dass die Be­klag­te bei an­de­ren Ar­beit­neh­mern die Stich­tags­klau­sel in § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht an­wen­det. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Be­klag­te ei­ne sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung des Klägers be­strit­ten hat, hätte der Kläger im Ein­zel­nen Tat­sa­chen vor­tra­gen und dar­le­gen müssen, aus de­nen sich ei­ne sach­frem­de Un­gleich­be­hand­lung er­gibt. In­so­weit fehlt es aber an ei­nem kon­kre­ten Vor­trag, der ei­ne recht­li­che Be­ur­tei­lung zulässt.
4. Der Kläger kann den An­spruch nicht auf ei­ne be­trieb­li­che Übung stützen. Von ei­ner be­trieb­li­chen Übung der Ar­beit­neh­mer ist trotz wie­der­holt ge­zahl­ter Leis­tun­gen dann nicht aus­zu­ge­hen, wenn der Ar­beit­ge­ber die Leis­tun­gen er­kenn­bar auf Grund ei­ner an­de­ren und sei es auch ei­ner tatsächlich nicht be­ste­hen­den Rechts­pflicht hat er­brin­gen wol­len (BAG Ur­teil v. 14.08.2001 - 1 AZR 619/00 - AP Be­trVG 1972 § 77 Nr. 85; BAG Ur­teil v. 18.11.2003 - 1 AZR 604/02 - AP Be­trVG 1972 § 77 Nach­wir­kung Nr. 15). Dies ist hier ge­ge­ben. Die Be­klag­te will er­kenn­bar nur im Rah­men der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ih­re Leis­tun­gen er­brin­gen. Der Kläger konn­te nicht da­von aus­ge­hen, dass sich die Be­klag­te un­abhängig vom Schick­sal der Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf un­be­grenz­te Zeit ver­pflich­ten woll­te.
III. Die Kos­ten des Rechts­streits hat der Kläger als un­ter­le­ge­ne Par­tei nach § 91 Abs. 1, § 97 Abs. 1 ZPO zu tra­gen.
IV. Die Kam­mer hat den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen und da­her gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 1 ArbGG für den Kläger die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­sen.
Schmidt-We­fels
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Pro­fes­sor Dr. L. & W.,
H.-H.-Straße 8, E. ,
wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 28.04.2009 - 17 Sa 1522/08 – wie folgt be­rich­tigt:
statt 22.800,00 € auf Sei­te 3 des Tat­be­stan­des im An­trag des Klägers und 23.880,00 € un­ter II. Sei­te 9 der Ent­schei­dungs-gründe heißt es in bei­den Fällen:
„22.880,00 €“.
Es han­delt sich um ei­nen Schreib­feh­ler und da­mit um ei­ne of­fen­sicht­li­che Un­rich­tig­keit, die von Amts we­gen gemäß § 319 ZPO zu be­rich­ti­gen war.
Düssel­dorf, den 07.08.2009
Der Vor­sit­zen­de der 17. Kam­mer
zur Übersicht 17 Sa 1522/08

References: § 310
 § 305
 § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 75
 Art. 2
 § 77
 § 8
 § 3
 § 8
 § 8
 § 75
 § 77
 § 8
 § 3
 § 8
 § 8
 § 310
 § 75
 § 77
 § 8
 § 64
 § 66
 § 519
 § 64
 § 3
 § 611
 § 133
 § 10
 § 112
 § 305
 § 307
 § 6
 § 3
 § 305
 § 113
 § 1
 § 133
 § 1
 § 5
 § 3
 § 3
 § 8
 § 8
 § 310
 § 310
 § 307
 § 308
 § 77
 § 113
 § 611
 § 310
 § 310
 § 310
 § 77
 § 75
 § 77
 § 112
 § 88
 § 75
 Art. 3
 § 75
 Art. 3
 § 112
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 112
 § 8
 § 611
 § 307
 § 310
 § 112
 § 112
 § 75
 § 77
 § 112
 § 310
 § 310
 § 2
 § 1
 § 620
 § 242
 § 8
 § 77
 § 77
 § 8
 § 87
 § 77
 § 8
 § 1
 § 140
 § 77
 § 77
 § 77
 § 77
 § 8
 § 77
 § 77
 § 91
 § 97
 § 72
 § 319