Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=08.08.1986&Aktenzeichen=VI%20R%2028/84
Timestamp: 2020-02-24 18:38:19+00:00

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BFH, 08.08.1986 - VI R 28/84 - dejure.org
https://dejure.org/1986,970
BFH, 08.08.1986 - VI R 28/84 (https://dejure.org/1986,970)
BFH, Entscheidung vom 08.08.1986 - VI R 28/84 (https://dejure.org/1986,970)
BFH, Entscheidung vom 08. August 1986 - VI R 28/84 (https://dejure.org/1986,970)
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EStG 1979 § 24 Nr. 1b, § 34 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 2 und Abs. 3
Ermäßigter Steuersatz - Entschädigung - Flugbegleiterin - Stewardeß - Optionsrecht - Abfindung
Tarifvertraglich zustehende Abfindungen an Flugbegleiter wegen Ausscheidens aus dem Arbeitsverhältnis sind Entschädigungen i. S. des § 24 Nr. 1b EStG
Entschädigungszahlungen i.S.d. § 24 Nr. 1 Buchst. b EStG
BFHE 147, 370
BB 1986, 2110
BStBl II 1987, 106
Er setzt jedenfalls - insoweit allgemein für die Nr. 1 Buchst. a bis c des § 24 EStG - voraus, daß der Steuerpflichtige infolge einer Beeinträchtigung einen Schaden erlitten hat und die Zahlung unmittelbar dazu bestimmt ist, diesen Schaden auszugleichen (Urteile des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 20. Juli 1978 IV R 43/74, BFHE 125, 271, 277, BStBl II 1979, 9; vom 8. August 1986 VI R 28/84, BFHE 147, 370, 373, BStBl II 1987, 106;… vgl. Schmidt / Seeger, Einkommensteuergesetz, Kommentar, 10. Aufl., § 24 Anm. 3, m. w. N.).
Für die Anwendung des § 24 Nr. 1 Buchst. b EStG ist nicht erforderlich, daß dem Steuerpflichtigen Einnahmen "entgehen" bzw. "entgangen sind" und deswegen "ersetzt" werden; die Tatbestandsmerkmale des nicht unerheblichen Drucks und/oder der neuen Rechts- oder Billigkeitsgrundlage können aus dem Gesetzeswortlaut nicht hergeleitet werden (BFH-Urteile in BFHE 147, 370, 373 f., BStBl II 1987, 106; in BFHE 149, 182, 184, BStBl II 1987, 386).
Nach dem Urteil in BFHE 147, 370, BStBl IIi 1987, 106 ("Flugbegleiterinnen-Fall"), auf den sich das FG bezieht, setzt § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG voraus, daß ein schadensauslösendes Ereignis unmittelbar zum Wegfall von Einnahmen geführt hat, während der entgoltene Schaden i. S. der Nr. 1 Buchst. b die wirtschaftliche Folge einer vom Steuerpflichtigen getroffenen Entscheidung ist (…vgl. Schmidt / Seeger, a. a. O., 10. Aufl. 1991, § 24 Anm. 6).
Der Vertragspartner zahlt die Entschädigung deswegen "für" die Aufgabe oder Nichtausübung der Tätigkeit, weil er an diesen Unterlassungen ein erhebliches Interesse hat (vgl. Urteil in BFHE 147, 370, 374, BStBl II 1987, 106).
Der vom FG übersehene Unterschied zum "Flugbegleiterinnen-Fall" (BFHE 147, 370, BStBl II 1987, 106) liegt darin, daß es dem Arbeitgeber dort darauf ankam, diejenigen Flugbegleiterinnen, die ein bestimmtes Lebensalter erreicht hatten, dazu zu bewegen, den auf unbestimmte Zeit geschlossenen Vertrag nicht mehr fortzusetzen; Zweck des Abfindungsangebots war es, beiderseits zu erfüllende Ansprüche aus einem Arbeitsverhältnis nicht mehr entstehen zu lassen.
Der Begriff der Entschädigung in § 24 Nr. 1 EStG umfaßt in seiner allgemeinen für alle Fallgruppen (Buchst. a bis c) maßgeblichen Bedeutung Zahlungen, die eine finanzielle Einbuße ausgleichen, die ein Steuerpflichtiger infolge einer Beeinträchtigung seiner Rechtsgüter erlitten oder zu erwarten hat (vgl. BFH-Urteile vom 8. August 1986 VI R 28/84, BFHE 147, 370, BStBl II 1987, 106; BFHE 149, 182, 184, BStBl II 1987, 386).
Auch eine Abfindung, mit der der Arbeitgeber bezweckt, den Arbeitnehmer zur Kündigung zu bewegen, kann eine Entschädigung in diesem Sinne sein (BFH-Urteil vom 8. August 1986 VI R 28/84, BStBl II 1987, 106 ).
Der Senat hatte zur Illustration seiner Auffassung sinngemäß weiter erläutert (unter II.2.b), es komme darauf an, ob die Zahlung ihre Rechtsgrundlage in der Erfüllung des Vertrags habe oder --wie in der Entscheidung des BFH vom 8. August 1986 VI R 28/84 (BFHE 147, 370, BStBl II 1987, 106)-- der Vertragspartner zur Beendigung des Vertrags bewogen werden solle, mit der Folge, dass beiderseitige Erfüllungsansprüche gar nicht mehr entstünden.
Weitere Voraussetzung für die Annahme einer Entschädigung nach § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG ist, dass der Steuerpflichtigen bei Abschluss der zugrundeliegenden Vereinbarung unter einem nicht unerheblichen rechtlichen, wirtschaftlichen oder tatsächlichen Druck gehandelt hat, sich also in einer nicht von ihm, sondern von dem Leistenden herbeigeführten Zwangslage befand (vgl. BFH-Urteile vom 24. August 2000, IV R 42/99, BStBl. II 2003, 67;vom 8. August 1986, VI R 28/84, BStBl. II 1987, 106;… Schmidt, EStG, 26. Auflage, § 24 Rn. 6 m.w.N.).
Aus diesem Grund wird mit dem Geldbetrag auch kein "konkreter Schaden" abgedeckt (vgl. auch BFH-Urteil vom 8. August 1986 VI R 28/84, BFHE 147, 370, BStBl II 1987, 106).
Bei einem Arbeitnehmer - wie im Streitfall der Klägerin - setzt dies voraus, dass der Arbeitgeber (Vertragspartner) die Entschädigung deswegen "für" die Aufgabe oder Nichtausübung der Tätigkeit zahlt, weil er an diesen Unterlassungen ein erhebliches Interesse hat (vgl. BFH-Urteile vom 8.August 1986 VI R 28/84, BFHE 147, 370, 373, BStBl II 1987, 106 …und vom 27. November 1991 X R 10/91, BFH/NV 1992, 455).
Wie der Senat im Urteil vom 8. August 1986 VI R 28/84 (BFHE 147, 370, BStBl II 1987, 106) ausgeführt hat, setzt der in § 24 Nr. 1 EStG verwandte Entschädigungsbegriff in seiner allgemeinen, für die Nr. 1 Buchst. a-c des § 24 EStG gleichmäßig geltenden Bedeutung voraus, daß der Steuerpflichtige infolge einer Beeinträchtigung der durch die einzelnen Vorschriften geschützten Güter einen finanziellen Schaden erlitten hat und die Zahlung unmittelbar dazu bestimmt ist, diesen Schaden auszugleichen.
Die Frage, ob im Rahmen des § 24 Nr. 1b EStG eine neue Rechts- oder Billigkeitsgrundlage notwendig ist, blieb im Urteil des Senats in BFHE 147, 370, BStBl II 1987, 106 unbeantwortet.
BFH, 08.08.1986 - VI R 197/83
Steuerliche Bewertung von Abfindungszahlungen
BFH, 08.08.1986 - VI R 126/84
BFH, 08.08.1986 - VI R 22/84
BFH, 08.08.1986 - VI R 125/85

References: § 24
 § 34
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
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