Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Beweisverwertungsverbot_LAG_Muenchen_3Sa800-07.html
Timestamp: 2018-04-22 02:41:19+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 3 Sa 800/07
Schlag­worte: Beweisverwertungsverbot
Akten­zeichen: 3 Sa 800/07
1. Der Ver­neh­mung ei­ner Zeu­gin, die ein Te­le­fon­gespräch oh­ne Wis­sen ei­nes der Gespräch­part­ner mit­gehört hat, steht grundsätz­lich ein aus Art.1 und 2 GG ab­ge­lei­te­tes Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot ent­ge­gen.
2. Ei­ne - an­ge­nom­me­ne oder tatsächlich be­ste­hen­de - "Be­weis­not" oder das In­ter­es­se , sich ein Be­weis­mit­tel für zi­vil­recht­li­che Ansprüche zu si­chern, rei­chen grundsätz­lich nicht aus, um die Ver­let­zung des Persönlich­keits­rechts des Gesprächs­part­ners zu recht­fer­ti­gen. Viel­mehr ist hierfür er­for­der­lich, dass sich die Be­weis­not zu ei­ner not­wehr­ar­ti­gen La­ge stei­gert.
3. Für ei­ne Par­tei­ver­neh­mung von Amts we­gen gem. § 448 ZPO genügt die bei ei­ner Par­tei in­fol­ge des Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bots be­ste­hen­de Be­weis­not al­lein nicht. Viel­mehr ist hierfür Vor­aus­set­zung, dass be­reits ein sog. An­fangs- oder An­be­weis er­bracht ist.
4. Dem An­spruch auf recht­li­ches Gehör gem. Art.103 GG und dem An­spruch auf ein fai­res Ver­fah­ren nach Art. 6 Abs.1 EM­RK ist genüge ge­tan, wenn die sich in Be­weis­not be­fin­den­de Par­tei in der münd­li­chen Ver­hand­lung an­we­send ist, sich zum Be­weisthe­ma und ggf. zum Er­geb­nis ei­ner durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me äußern kann und dies auch tut.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Regensburg
3 Sa 800/07
8 Ca 815/06 L
Ja­kob, ROS
Fa. p. AG & Co. KG,
hat die Drit­te Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. Ja­nu­ar 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ro­sen­fel­der so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Pe­ter Ram­bach und Se­ne­sio Schnei­der­bau­er-Schwend­ler für Recht er­kannt:
1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Re­gens­burg vom 12.07.2007 - 8 Ca 815/06 L - wird zurück­ge­wie­sen.
3. Die Re­vi­si­on wird für die Kläge­rin zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um die Rechts­wirk­sam­keit zwei­er or­dent­li­cher Ar­beit­ge­berkündi­gun­gen, um ei­nen hilfs­wei­se gel­tend ge­mach­ten An­spruch auf Wei­ter­beschäfti­gung, fer­ner um die von der Kläge­rin be­gehr­te Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch ei­ne Be­fris­tung und auch nicht durch an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände ge­en­det hat, son­dern un­be­fris­tet fort­be­steht, wei­ter­hin um Ansprüche auf Lohn­ab­rech­nung, Ab­gel­tung von Ur­laub und Ab­rech­nung so­wie Aus­zah­lung ei­nes Zeit­gut­ha­bens auf dem Ar­beits­zeit­kon­to der Kläge­rin.
Die Kläge­rin war auf­grund schrift­li­chen Ar­beits­ver­trags vom 23.02.2006 bei der Be­klag­ten, ei­nem Un­ter­neh­men, das ge­werbsmäßig Ar­beit­neh­merüber­las­sung be­treibt, seit dem Tag des Ar­beits­ver­trags­schlus­ses als Hel­fe­rin beschäftigt. Der bis 03.03.2006 be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag wur­de mit Ver­ein­ba­rung von die­sem Ta­ge bis 31.08.2006 verlängert. Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis zum ei­nen mit Schrei­ben vom 05.07.2006, der Kläge­rin am 07.07.2006 zu­ge­gan­gen, zum 20.07.2006 und zum an­de­ren hilfs­wei­se mit Schrei­ben vom 01.08.2006, der Kläge­rin
zu­ge­gan­gen am 02.08.2006, vor­sorg­lich zum 16.08.2006. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt vom 02.07.2007 stell­ten die Par­tei­en un­strei­tig, dass die or­dent­li­che Kündi­gung vom 05.07.2006 der Kläge­rin erst am 07.07.2006 zu­ge­gan­gen ist, so dass die Kündi­gung erst zum 21.07.2006 wir­ke. Die Kläge­rin er­litt am 03.07.2006 ei­nen We­ge­un­fall, auf­grund des­sen sie ar­beits­unfähig wur­de. Da­nach kam es zu ei­nem Te­le­fo­nat zwi­schen der Kläge­rin und der zuständi­gen Per­so­nal­dis­po­nen­tin, des­sen In­halt zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ist. Die Kläge­rin hat­te bis zum Be­ginn ih­rer Ar­beits­unfähig­keit zwei Ur­laubs­ta­ge ein­ge­bracht. Fer­ner hat­te die Kläge­rin im Zeit­punkt des von der Be­klag­ten an­ge­nom­me­nen En­des des Ar­beits­verhält­nis­ses auf ih­rem Ar­beits­zeit­kon­to ein Zeit­gut­ha­ben in strei­ti­ger Höhe. Die Be­klag­te glich die­ses Gut­ha­ben mit der Ab­rech­nung für Ju­li 2006 im Um­fang von 29,75 St­un­den aus.
Die Kläge­rin hat im ers­ten Rechts­zug vor­ge­bracht, die Kündi­gun­gen vom 05.07.2006 und vom 01.08.2006 sei­en sit­ten­wid­rig, weil die für sie zuständi­ge Per­so­nal­dis­po­nen­tin in dem nach dem We­ge­un­fall geführ­ten Te­le­fo­nat vom 06.07.2006 ihr ge­genüber nach An­zei­ge der Ar­beits­unfähig­keit geäußert ha­be, sie sol­le gleich­wohl in die Ar­beit kom­men und ih­re Ar­beits­leis­tung er­brin­gen, die of­fi­zi­el­le Krank­schrei­bung des Arz­tes in­ter­es­sie­re sie nicht, weil es dem Arzt egal sei, wenn sie trotz­dem ar­bei­te. Nach­dem die Kläge­rin die­ses il­le­ga­le An­sin­nen zurück­ge­wie­sen ha­be, ha­be die Per­so­nal­dis­po­nen­tin ge­sagt, sie - die Kläge­rin - müsse mit der Kündi­gung rech­nen. Die Kläge­rin meint des­halb, die Kündi­gung sei aus ver­werf­li­chen Mo­ti­ven er­folgt. Dies gel­te we­gen des en­gen zeit­li­chen Zu­sam­men­hangs auch für die zwei­te Kündi­gung vom 01.08.2006. Die Zeu­gin K. ha­be das ge­nann­te Te­le­fon­gespräch un­ge­wollt mit an­gehört, da die Kläge­rin das ihr nicht ver­trau­te Han­dy ih­res Ehe­gat­ten be­nutzt ha­be, das von die­sem auf ma­xi­ma­le Lautstärke ge­schal­tet ge­we­sen sei. Sie ha­be das Han­dy auch nicht zu die­sem Zweck weg­ge­hal­ten, son­dern sei von der plötz­li­chen Si­tua­ti­on und vom In­halt des Gesprächs auf­ge­regt ge­we­sen und ha­be gar nicht wahr­ge­nom­men, dass die Zeu­gin ha­be mithören können. Auch sei ihr nicht be­wusst ge­we­sen, dass das Te­le­fon über­durch­schnitt­lich laut ein­ge­stellt ge­we­sen sei. Erst nach dem Gespräch ha­be die Kläge­rin von der Zeu­gin er­fah­ren, dass die­se mit­gehört und sich über die „Frech­heit“ der Be­klag­ten geäußert ha­be. So­mit ha­be die Kläge­rin die Zeu­gin nicht mithören las­sen; viel­mehr ha­be die­se un­frei­wil­lig mit­gehört.
Die Kläge­rin bringt vor, auf­grund des en­gen Kon­tex­tes zu den sit­ten­wid­ri­gen Kündi­gun­gen wäre das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Wei­te­res verlängert wor­den, wenn nicht die Krank­heit der Kläge­rin da­zwi­schen­ge­tre­ten wäre. So­mit be­fin­de sie sich in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis.
Die Kläge­rin hat fer­ner vor­ge­tra­gen, nach Aus­gleich von 29,75 St­un­den Zeit­gut­ha­ben ver­blie­ben noch 15,45 St­un­den zu je Eu­ro 7,00, die von der Be­klag­ten ab­zu­gel­ten sei­en.
Sie hat des Wei­te­ren vor­ge­bracht, im Fal­le ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31.08.2006 er­ge­be sich auf­grund des ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Jah­res­ur­laubs von 24 Ar­beits­ta­gen und der Ein­brin­gung von zwei Ta­gen ein ver­blei­ben­der Ur­laubs­an­spruch von zehn Ta­gen, der ab­zu­gel­ten sei.
In Be­zug auf den Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch hat sich die Kläge­rin auf die Recht­spre­chung des Großen Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Be­schluss vom 27.02.1985 - GS 1/84) be­ru­fen.
Auch hat sie klar­ge­stellt, dass der auf das Feh­len an­de­rer Be­en­di­gungs­tat­bestände be­zo­ge­ne Fest­stel­lungs­an­trag ei­ne selbständi­ge all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge ge¬mäß § 256 ZPO sei. Sch­ließlich hat sie gel­tend ge­macht, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht le­dig­lich für die Zeit bis 21.07.2006, son­dern je­den­falls bis 31.08.2006 ab­zu­rech­nen sei. Die Kläge­rin hat be­an­tragt:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die or­dent­li­che Kündi­gung vom 05.07.2006, zu­ge­gan­gen am 07.07.2006, zum 21.07.2006 nicht auf­gelöst wor­den ist.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände en­det, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen über den 21.07.2006 hin­aus fort­be­steht.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die kläge­ri­sche Par­tei für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu Zif­fer 1. zu den im Ar­beits­ver­trag vom 23.02.2006 ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als weib­li­che Hel­fe­rin bis zu ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag wei­ter­zu­beschäfti­gen.
4. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en auch nicht durch die hilfs­wei­se mit Schrei­ben vom 01.08.2006 erklärte und am 02.08.2006 zu­ge­gan­ge­ne Kündi­gung be­en­det wor­den ist.
5. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin rest­li­che Lohn­ab­rech­nung zu er­tei­len für den Zeit­raum 21. bis 31. Ju­li 2006 und den sich hier­aus er­ge­ben­den Brut­to­be­trag an die Kläge­rin zuzüglich Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins seit 22.07.2006 aus­zu­be­zah­len.
6. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht durch Be­fris­tung mit Ab­lauf des 31.08.2006 ge­en­det hat, son­dern un­be­fris­tet über den 31.08.2006 hin­aus fort­be­steht.
7. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin Lohn­ab­rech­nung zu er­tei­len für den Mo­nat Au­gust 2006 und den sich hier­aus er­ge­ben­den Brut­to­be­trag an die Kläge­rin zuzüglich Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 21.09.2006 aus­zu­be­zah­len.
8. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin zehn Ur­laubs­ta­ge á sie­ben St­un­den zu Eu­ro 7,00, mit­hin Eu­ro 490,00 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit ab­zu­gel­ten und aus­zu­be­zah­len.
9. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, noch nicht ab­ge­rech­ne­tes und aus­ge­zahl­tes Zeit­kon­to in Höhe von rest­lich 15,45 St­un­den á Eu­ro 7,00 = Eu­ro 108,15 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit ab­zu­rech­nen und aus­zu­zah­len.
Sie hat vor­ge­tra­gen, die Kündi­gung vom 05.07.2006 sei un­ter Ein­hal­tung der ta­rif­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen er­folgt. Sie sei auch nicht sit­ten­wid­rig. Die Per­so­nal­dis­po­nen­tin ha­be im Te­le­fon­gespräch mit der Kläge­rin le­dig­lich mit­ge­teilt, der krank­heits­be­ding­te Aus­fall ge­ra­de zum jet­zi­gen Zeit­punkt sei si­cher­lich nicht un­be­dingt förder­lich. Es wäre si­cher­lich vor­teil­haft, wenn die Kläge­rin früher wie­der ein­satz­be­reit wäre, natürlich un­ter der Vor­aus­set­zung, dass sie wie­der vollständig ar­beitsfähig sei. Die­se Ent­schei­dung müsse al­ler­dings die Kläge­rin selbst tref­fen. Die Per­so­nal­dis­po­nen­tin ha­be nicht von der Kläge­rin ver­langt, ih­re Ar­beits­leis­tung un­ge­ach­tet der Ar­beits­unfähig­keit zu er­brin­gen. Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung sei be­trieb­lich ver­an­lasst ge­we­sen im Hin­blick auf die Wei­ge­rung der Kläge­rin, ei­ne an­de­re Schicht bei der Ent­lei­her­fir­ma zu über­neh­men und den an­sch­ließen­den länger­fris­ti­gen krank­heits­be­ding­ten Aus­fall, auf­grund des­sen die Ent­lei­her­fir­ma nicht mehr be­reit ge­we­sen sei, mit der Kläge­rin wei­ter zu­sam­men zu ar­bei­ten, viel­mehr ih­ren so­for­ti­gen Aus­tausch ge­for­dert ha­be. Des­halb ha­be die Be­klag­te kei­ne Grund­la­ge mehr für ei­ne wei­te­re ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit ge­se­hen und das Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb der Pro­be­zeit or­dent­lich gekündigt.
Die Be­klag­te hat be­an­stan­det, dass die Kläge­rin ih­ren Ur­laubs­an­spruch falsch be­rech­net ha­be.
Auch sei der Rest­lohn für Ju­li 2006 so­wie das Ar­beits­zeit­gut­ha­ben ord­nungs­gemäß ab­ge­rech­net bzw. aus­ge­zahlt wor­den. Im Übri­gen sei die ta­rif­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist nicht ein­ge­hal­ten. Hin­sicht­lich der von der Kläge­rin be­an­trag­ten Ver­neh­mung der Zeu­gin K. hat die Be­klag­te auf ein ih­rer An­sicht nach be­ste­hen­des Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot hin­ge­wie­sen.
Das Ar­beits­ge­richt Re­gens­burg hat mit En­dur­teil vom 12.07.2007 auf das hin­sicht­lich des un­strei­ti­gen Sach­ver­halts und des erst­in­stanz­li­chen strei­ti­gen Vor­trags der Par­tei­en im Übri­gen so­wie der Ein­zel­hei­ten der recht­li­chen Erwägun­gen des Erst­ge­richts ver­wie­sen wird, nach Be­weis­er­he­bung durch Zeu­gen­ein­ver­neh­mung - al­ler­dings
nicht der Zeu­gin K. - die Be­klag­te zur Zah­lung ei­ner Ur­laubs­ab­gel­tung in Höhe von Eu­ro 245,00 brut­to nebst Zin­sen ver­ur­teilt und die Kla­ge im Übri­gen ab­ge­wie­sen.
Es hat aus­geführt, der gel­tend ge­mach­te An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung sei in der zu­ge­spro­che­nen Höhe be­gründet, weil die Kläge­rin - aus­ge­hend von ei­nem Jah­res­ur­laub von 20 Werk­ta­gen - le­dig­lich ei­nen An­spruch auf Teil­ur­laub gemäß § 5 Abs. 2 BUrlG auf 4/12 ih­res Jah­res­ur­laubs, mit­hin auf­ge­run­det sie­ben Ta­ge ge­habt ha­be. Da sie zwei Ur­laubs­ta­ge ein­ge­bracht ha­be, sei­en noch fünf Ur­laubs­ta­ge zu je sie­ben St­un­den mit ei­nem St­un­den­satz von Eu­ro 7,00 ab­zu­gel­ten.
Die Kündi­gung vom 05.07.2006 ver­s­toße nicht ge­gen die gu­ten Sit­ten gemäß § 138 BGB, weil auf­grund der Ein­ver­nah­me der Zeu­gin­nen H. und I. fest­ste­he, dass die Per­so­nal­dis­po­nen­tin im Te­le­fo­nat mit der Kläge­rin zu kei­nem Zeit­punkt von die­ser ver­langt ha­be, sie sol­le trotz be­ste­hen­der Ar­beits­unfähig­keit ih­re Ar­beit bei der Ent-lei­her­fir­ma ver­rich­ten. Die von der Kläge­rin an­ge­bo­te­ne Zeu­gin K. sei nicht zu ver­neh­men ge­we­sen, weil das heim­li­che Mithören­las­sen von Te­le­fon­gesprächen zwi­schen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber im All­ge­mei­nen we­gen Ver­let­zung des Persönlich­keits­rechts nach Art. 1 und 2 GG un­zulässig sei. Der Grund­rechts­schutz des Gesprächs­part­ners hätte es je­den­falls er­for­dert, die­sen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass auf­grund ge­ge­be­ner tech­ni­scher Umstände ein Mithören des Te­le­fo­nats durch an­we­sen­de Drit­te nicht zu ver­hin­dern sei. Auch sei der Vor­trag der Kläge­rin nicht nach­voll­zieh­bar, dass das Han­dy auf ma­xi­ma­le Lautstärke ein­ge­stellt und dies der Kläge­rin während des Te­le­fo­nats nicht be­wusst ge­we­sen sei. So­weit die Kläge­rin vor­tra­ge, dass bei ei­ner In­for­ma­ti­on der Gesprächs­part­ne­rin, je­mand könne mithören, die­se auf die sit­ten- und ge­setz­wid­ri­gen und gleich­zei­tig kom­pri­mit­tie­ren­den Äußerun­gen ver­zich­tet hätte und die Kläge­rin da­durch in Be­weis­not für die tatsächli­chen Mo­ti­ve der Kündi­gung ge­ra­ten wäre, han­de­le es sich um ei­nen Zir­kel­schluss. Denn die Kläge­rin könne zum Zeit­punkt des Te­le­fo­nats nicht aus Be­weis­not ge­han­delt ha­ben, weil die ver­meint­lich sit­ten- und ge­setz­wid­ri­gen Äußerun­gen der Be­klag­ten zu die­sem Zeit­punkt noch gar nicht ge­fal­len ge­we­sen sei­en und die Kläge­rin noch gar kei­ne Kennt­nis vom Vor­lie­gen ei­ner Kündi­gung ge­habt ha­be. Ei­ne Ver­let­zung des Art. 6 Abs. 1 Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EM­RK) schei­de aus, da die Kläge­rin nicht ge­hin­dert ge­we­sen sei, die Gesprächs­part­ne­rin darüber zu in­for­mie­ren, dass sie je­man­den das Te­le­fo­nat mithören las­sen wol­le bzw. dass auf­grund tech­ni­scher
Ge­ge­ben­hei­ten ei­ne drit­te Per­son das Gespräch zwangsläufig mit anhören müsse. Die Be­weis­not sei so­mit von der Kläge­rin selbst ver­schul­det wor­den.
Auf­grund der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Ab­lauf des 21.07.2006 ha­be die Kläge­rin für die Zeit da­nach kei­ne Ansprüche auf Lohn­ab­rech­nung bzw. An­nah­me­ver­zugs­lohn. Eben­so we­nig ha­be sie An­spruch auf Be­zah­lung wei­te­rer 15,45 Ar­beits­stun­den gemäß § 611 Abs. 1 BGB, da sie nicht kon­kret vor­ge­tra­gen ha­be, an wel­chen Ta­gen zu wel­chen Ta­ges­zei­ten sie über die übli­che Ar­beits­zeit hin­aus tätig ge­wor­den sei und ob die Über­stun­den vom Ar­beit­ge­ber an­ge­ord­net oder zur Er­le­di­gung der ihr ob­lie­gen­den Ar­beit not­wen­dig und vom Ar­beit­ge­ber ge­bil­ligt oder ge­dul­det wor­den sei­en. Die Kläge­rin ha­be auch kei­nen An­spruch auf vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­rechts­streits nach den vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­wi­ckel­ten Grundsätzen, da die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nicht fest­ge­stellt wor­den sei.
Die Kläge­rin hat ge­gen das ihr am 13.08.2007 zu­ge­stell­te En­dur­teil vom 12.07.2007 mit ei­nem am 03.09.2007 beim Be­ru­fungs­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 12.10.2007 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
Sie ist der Auf­fas­sung, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts könne man­gels Ver­gleich­bar­keit mit der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 29.10.1997 (5 AZR 508/96) das Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot hier nicht grei­fen, weil es be­reits an der Rechts­wid­rig­keit der Er­lan­gung feh­le. Die Kläge­rin ha­be ge­ra­de nicht die Zeu­gin K. wis­sent- und wil­lent­lich mithören las­sen wol­len. Während in den vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­dach­ten Re­gelfällen das Mithören­las­sen nicht das ein­zig denk­ba­re Be­weis­mit­tel sei und da­her der Hin­weis auf das Mithören we­der zum Ver­lust jeg­li­cher Be­weismöglich­keit führe noch un­abänder­li­che Tat­sa­chen schaf­fe, wäre dies im vor­lie­gen­den Fall ge­ra­de­zu zwin­gen­de Fol­ge ge­we­sen. Es wäre le­bens­fremd an­zu­neh­men, dass die Per­so­nal­re­fe­ren­tin nach ei­nem Hin­weis auf das Mithören durch die Zeu­gin sich gleich­wohl in der sit­ten­wid­ri­gen Art und Wei­se geäußert hätte. Das sit­ten­wid­ri­ge Kündi­gungs­mo­tiv wäre al­so ein für al­le­mal im Dun­keln ge­blie­ben. Ge­ra­de in die­ser Kon­stel­la­ti­on ge­win­ne Art. 6 Abs. 1 EM­RK ent­schei­den­de Be­deu­tung. Das Prin­zip der Waf­fen­gleich­heit wäre in au­gen­schein­li­cher Wei­se ver­letzt, wenn man der
Kläge­rin ih­re wahr­lich ein­zi­ge Möglich­keit, das sit­ten­wid­ri­ge Vor­ge­hen und die sit­ten­wid­ri­ge Mo­ti­va­ti­on des Ar­beit­ge­bers zu be­wei­sen, neh­me.
Hin­sicht­lich der wei­te­ren Kla­ge­ansprüche, die vom Ar­beits­ge­richt kon­se­quen­ter­wei­se und fol­ge­rich­tig zurück­ge­wie­sen wor­den sei­en, wer­de um ei­nen aus­drück­li­chen Hin­weis ge­be­ten, so­fern das Ge­richt noch wei­te­re Dar­le­gun­gen und/oder recht­li­che Be­gründun­gen er­war­te.
Die Kläge­rin be­an­tragt, das Ur­teil des „Amts­ge­richts“ Re­gens­burg vom 02.07.2007 auf­zu­he­ben und ins­ge­samt „nach den in der I. In­stanz ge­stell­ten Schluss­anträgen der Kläge­rin“ zu er­ken­nen.
Fer­ner „be­an­tragt“ sie, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen.
Die Be­klag­te be­an­tragt, die Be­ru­fung als un­zulässig zu ver­wer­fen, hilfs­wei­se als un­be­gründet zurück­zu­wei­sen.
Sie meint, die Be­ru­fung sei be­reits un­zulässig, da es an ord­nungs­gemäßen Be­ru­fungs­anträgen feh­le.
Je­den­falls sei sie un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt ha­be die Kri­te­ri­en dar­ge­legt, wes­we­gen die Aus­sa­gen der ver­nom­me­nen Zeu­gin­nen glaub­haft und die Zeu­gin­nen glaubwürdig sei­en. Je­den­falls hätte die von der Ge­gen­sei­te ge­nann­te Zeu­gin K. für die Kläge­rin bes­ten­falls zu ei­nem „non li­quet“ geführt. Die Kläge­rin sei je­doch für die be­haup­te­te Sit­ten­wid­rig­keit be­weis­be­las­tet.
Die Be­klag­te meint, die Ausführun­gen der Kläge­rin zur Ver­wert­bar­keit von Aus­sa­gen auf­grund nicht mit­ge­teil­ten Mithörens sei­en nicht nach­voll­zieh­bar, was das Ar­beits­ge­richt zu Recht aus­geführt ha­be. Dies gel­te auch für den Vor­trag der Kläge­rin, ihr sei nicht be­wusst ge­we­sen, dass das - we­gen Schwerhörig­keit ih­res Man­nes auf ma­xi­ma­le Lautstärke ge­stell­te - Te­le­fon über­durch­schnitt­lich laut ge­stellt ge­we­sen sei.
Die Be­klag­te trägt vor, die Kläge­rin sei zu kei­nem Zeit­punkt auf­ge­for­dert wor­den,
wor­den. Dem­ent­spre­chend ha­be die Zeu­gin H. in ih­rer Ver­neh­mung nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass es bei dem Te­le­fon­gespräch um die Über­nah­me der Kläge­rin durch den Auf­trag­ge­ber der Be­klag­ten ge­gan­gen sei. Ge­eig­ne­te Ar­beit­neh­mer würden of­fen­sicht­lich di­rekt vom Auf­trag­ge­ber über­nom­men. Die Zeu­gin ha­be aus­geführt, die­se Über­nah­me sei gefähr­det, wenn die Kläge­rin länger krank sei. Die­sen Vor­trag ma­che sich die Be­klag­te zu Ei­gen.
So­weit die Kläge­rin vor­tra­ge, dass - ins­be­son­de­re we­gen Ar­beitsüber­las­tung von ei­nem wei­te­ren Be­gründungs­vor­trag ab­ge­se­hen wer­de - sei dem Un­ter­zeich­ner der Be­ru­fungs­be­gründung of­fen­sicht­lich die ent­spre­chen­de Ände­rung in der ZPO, mögli­cher­wei­se we­gen Ar­beitsüber­las­tung in der Kanz­lei, ent­gan­gen.
Hin­sicht­lich des sons­ti­gen Vor­trags der Par­tei­en im zwei­ten Rechts­zug wird auf die Schriftsätze der Kläge­rin vom 10.10.2007, der Be­klag­ten vom 14.11.2007 so­wie auf die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 17.01.2008 ver­wie­sen.
Die Be­ru­fung ist nur teil­wei­se zulässig. So­weit sie zulässig ist, ist sie un­be­gründet.
1. Die Be­ru­fung ist ins­ge­samt statt­haft und auch in der rech­ten Form und Frist ein­ge­legt (§ 64 Abs. 1 u. 2 ArbGG, § 64 Abs. 6 ArbGG i. V. m. § 519 ZPO, § 66 Abs. 1 ArbGG i. V. m. § 522 Abs. 1 Satz 1 ZPO).
2. Die Be­ru­fung ist je­doch un­zulässig, so­weit sie sich ge­gen die Ab­wei­sung des all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­tra­ges (Zif­fer 2. der erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Kla­ge­anträge), der Stu­fen­anträge auf Lohn­ab­rech­nung für 22. bis 31.07.2006 und für Au­gust 2006 (Zif­fern 5. und 7. der Kla­ge­anträge), des An­trags auf Ab­gel­tung von rest­li­chen 15,45 St­un­den in Höhe von Eu­ro 108,15 brut­to (Zif­fer 9.
der Kla­ge­anträge) und schließlich ge­gen die Teil­ab­wei­sung des An­spruchs auf Ur­laubs­ab­gel­tung wen­det. Denn in­so­weit fehlt jeg­li­che den Er­for­der­nis­sen der §§ 64 Abs. 6 ArbGG i. V. m. § 520 Abs. 3 Ziff. 2 - 4 ZPO ent­spre­chen­den Ausführun­gen. We­der ist er­sicht­lich, auf­grund wel­cher kon­kre­ter Umstände das an­ge­foch­te­ne Ur­teil in­so­weit feh­ler­haft sein soll, noch, ob und ggf. war­um Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Vollständig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen be­ste­hen könn­ten oder - ggf. - wel­che neu­en An­griffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel so­wie de­ren Zu­las­sung be­gründen­de Tat­sa­chen vor­ge­bracht wer­den.
Die Bit­te um ei­nen aus­drück­li­chen rich­ter­li­chen Hin­weis für den Fall, dass das Ge­richt in­so­weit noch wei­te­re Dar­le­gun­gen und/oder recht­li­che Be­gründun­gen er­war­te, ist un­be­hel­flich, weil sich die in­halt­li­chen An­for­de­run­gen an ei­ne Be­ru­fungs­be­gründung be­reits klar aus dem Ge­setz er­ge­ben und die Be­ru­fungs­be­gründung hin­sicht­lich der ge­nann­ten Streit­ge­genstände nicht ein­mal an­satz­wei­se die­sen Maßstäben genügt. Im Übri­gen muss die­sen Maßstäben be­reits bei Ab­lauf der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist Rech­nung ge­tra­gen sein. Ei­ne späte­re Nach­ho­lung ist nicht möglich.
Ob­wohl in der Be­ru­fungs­be­gründung kei­ne aus­drück­li­chen Ausführun­gen zur Ab­wei­sung des An­spruchs auf vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung, des ge­gen die vor­sorg­li­che Kündi­gung vom 01.08.2006 ge­rich­te­ten Kündi­gungs­schutz­an­tra­ges so­wie des Ent­fris­tungs­an­tra­ges ent­hal­ten sind, schei­tert die Zulässig­keit der Be­ru­fung in Be­zug auf die­se Streit­ge­genstände nicht an § 520 Abs. 3 ZPO. Denn aus dem An­griff ge­gen die Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung vom 01.08.2006 in Ver­bin­dung mit der Be­zug­nah­me auf den dies­bezügli­chen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag er­gibt sich, dass - und war­um - die Kläge­rin und Be­ru­fungsführe­rin das Erst­ur­teil in die­sem Punkt für rechts­feh­ler­haft hält. Das glei­che gilt in Be­zug auf den ge­gen die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges zum 31.08.2006 ge­rich­te­ten Fest­stel­lungs­an­trag und hin­sicht­lich des An­trags auf vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­rechts­streits.
In Be­zug auf die Stu­fen­anträge auf Ent­gel­tab­rech­nung und Zah­lung gilt dies nicht, weil sich auch bei Wirk­sam­keit be­reits der ers­ten Kündi­gung auf­grund von § 8 Abs. 1 EFZG ein An­spruch auf Fort­zah­lung des Ent­gelts über den Ab­lauf der Kündi­gungs­frist hin­aus und so­mit auch ein An­spruch auf Ent­gel­tab­rech­nung und Aus­zah­lung des sich dar­aus er­ge­ben­den Be­trags er­ge­ben kann.
So­weit die Be­ru­fung zulässig ist, ist sie un­be­gründet.
1. Dies gilt zunächst in Be­zug auf den ge­gen die Kündi­gung vom 05.07.2006 ge­rich­te­ten Kündi­gungs­schutz­an­trag. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist durch die­se Kündi­gung mit der - zu­tref­fen­den - Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen, die der Frist des ... ent­spricht und des­halb gemäß § 622 Abs. 4 Satz 2 BGB zulässi­ger­wei­se durch Zif­fern 3. und 4. des Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bart wer­den konn­te, mit Ab­lauf des 21.07.2006 be­en­det wor­den.
Da das Ar­beits­verhält­nis im Zeit­punkt der Kündi­gung noch nicht länger als sechs Mo­na­te be­stand, ist die ge­nann­te Kündi­gung nicht an den Er­for­der­nis­sen des § 1 KSchG zu mes­sen. Die­se Kündi­gung ist aber auch nicht sit­ten­wid­rig nach § 138 Abs. 1 BGB. Die in Be­zug auf die­sen außer­halb des All­ge­mei­nen Kündi­gungs­schut­zes nach dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz lie­gen­den Nich­tig­keits­grund dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­te Kläge­rin ist in­so­weit be­weisfällig ge­blie­ben. Die von ihr zum be­haup­te­ten In­halt der Äußerun­gen der Per­so-nal­dis­po­nen­tin im Te­le­fon­gespräch vom 06.07.2006 al­lein an­ge­bo­te­ne Zeu­gin K. war nicht zu ver­neh­men, da der Be­weis­er­he­bung ein Be­weis­ver­bot ent­ge­gen­stand und -steht. Ei­ne Par­tei­ver­neh­mung von Amts we­gen nach § 448 ZPO schei­det aus, weil - ab­ge­se­hen von dem Mithören des Gesprächs durch die Zeu­gin K. - nicht er­sicht­lich war - und ist - dass auf­grund kon­kre­ter Umstände bzw. In­di­zi­en ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit für die Rich­tig­keit der strei­ti­gen Be­haup­tung er­bracht war bzw. ist (vgl. Zöller/Gre­ger, ZPO, 25. Aufl., § 448 Rnr. 4 mit Recht­spre­chungs­nach­wei­sen).
Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht an­ge­nom­men, dass das heim­li­che Mithören­las­sen des ge­nann­ten Te­le­fon­gesprächs zu ei­nem Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot führt, weil das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht des Gesprächs­part­ners nach Art. 1 und 2 GG ent­ge­gen­steht. Dies gilt auch, wenn - wie hier - aus dienst­li­chem An­lass ein Gespräch mit dienst­li­chem In­halt zwi­schen Ar­beit­ge­be­rin und Ar­beit­neh­me­rin geführt wird. Die Be­klag­te muss­te nicht von vorn­her­ein da­mit rech­nen, dass ei­ne völlig un­be­tei­lig­te drit­te Per­son die­ses Gespräch mithört. In­so­weit wa­ren nicht nur das In­ter­es­se der Be­klag­ten an ei­nem Schutz des ge­spro­che­nen Worts zu berück­sich­ti­gen, son­dern auch ein gleich­ge­la­ger­tes und eher noch stärke­res In­ter­es­se Drit­ter - hier z. B. der Ent­lei­her­fir­ma -, wenn in dem Gespräch Vorgänge zur Spra­che ge­kom­men sein soll­ten, die die­se be­tref­fen.
Zu Un­recht be­zieht sich die Kläge­rin im zwei­ten Rechts­zug dar­auf, dass hier ei­ner der Aus­nah­mefälle vor­lie­ge, die in Ab­kehr vom grundsätz­lich be­ste­hen­den Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot, wie es das Bun­des­ar­beits­ge­richt an­neh­me (BAG 29.10.1997 - 5 AZR 508/96) ei­ne Ver­wer­tung des von der Zeu­gin K. ver­nom­me­nen Gesprächs­in­halts recht­fer­tig­ten, weil zum ei­nen kein be­wuss­tes und ge­woll­tes Mithören­las­sen vor­lie­ge und zum an­de­ren an­sons­ten der Kläge­rin die ein­zi­ge Möglich­keit, das sit­ten­wid­ri­ge Vor­ge­hen und die sit­ten­wid­ri­ge Mo­ti­va­ti­on der Ar­beit­ge­be­rin zu be­wei­sen, ge­nom­men sei.
Denn ei­ner­seits spielt es für den Gel­tungs­grund des Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bots - den grund­ge­setz­lich ver­an­ker­tem Schutz des ge­spro­che­nen Worts - kei­ne Rol­le, ob die­ses geschütz­te Wort vorsätz­lich oder ab­sicht­lich mit­gehört wur­de bzw. ob ein be­wuss­tes oder ver­se­hent­li­ches Mithören­las­sen vor­liegt. Das Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot ist kei­ne Sank­ti­on für un­red­li­ches bzw. un­lau­te­res Ver­hal­ten; sein Schutz­zweck greift un­abhängig von den Mo­ti­ven des­sen ein, der mithört oder mithören lässt.
Dass an­de­rer­seits durch das Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot der Kläge­rin das ein­zig denk­ba­re Be­weis­mit­tel ge­nom­men würde, trifft schon in der Sa­che nicht zu. Denn ei­ne Zeu­gen­ver­neh­mung ist in Fällen der vor­lie­gen­den Art nicht das
ein­zi­ge denk­ba­re Be­weis­mit­tel. In Be­tracht kommt auch ein An­trag auf Par­tei­ver­neh­mung des Geg­ners (§ 445 Abs. 1 ZPO) oder auf Ver­neh­mung der be­weis­pflich­ti­gen Par­tei - hier die Kläge­rin - mit Ein­verständ­nis der Ge­gen­par­tei (§ 447 ZPO), wo­bei das Ge­richt die Wei­ge­rung der Ge­gen­par­tei, sich ver­neh­men zu las­sen, durch­aus nach § 286 Abs. 1 ZPO be­weiswürdi­gend berück­sich­ti­gen kann. Ei­nen An­trag auf Par­tei­ver­neh­mung hat die Kläge­rin je­doch in bei­den Rechtszügen in Be­zug auf den In­halt der Erklärun­gen der Per­so­nal-dis­po­nen­tin im Te­le­fon­gespräch vom 06.07.2006 nicht ge­stellt. Ab­ge­se­hen da­von rei­chen we­der das all­ge­mei­ne In­ter­es­se an ei­ner funk­ti­onstüch­ti­gen Zi­vil­rechts­pfle­ge noch ei­ne sog. Be­weis­not oder das In­ter­es­se, sich ein Be­weis­mit­tel für zi­vil­recht­li­che Ansprüche zu si­chern, zur Über­win­dung des Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bots aus; viel­mehr muss sich die Be­weis­not zu ei­ner not­wehr­ar­ti­gen La­ge stei­gern - wie sie hier nicht vor­liegt (vgl. BVerfG 09.10.2002 - 1 BvR 1611/96 und 1 BvR 805/98; BGH 18.02.2003 - XI ZR 165/02).
Die An­nah­me ei­nes Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bots führt auch nicht zur Ver­let­zung des An­spruchs auf recht­li­ches Gehör nach Art. 103 GG oder des Rechts auf ein fai­res Ver­fah­ren nach Art. 6 Abs. 1 EM­RK.
Al­ler­dings ist für die Fall­ge­stal­tung, dass in ei­nem Zi­vil­pro­zess ei­ne Sei­te auf ei­nen ihr na­he­ste­hen­den Zeu­gen zurück­grei­fen kann, während die an­de­re Sei­te an ei­nem „Vier-Au­gen-Gespräch“ le­dig­lich al­lein be­tei­ligt war, an­er­kannt, dass es ge­bo­ten ist, die Par­tei nach § 448 ZPO oder § 141 ZPO an­zuhören. Es lie­ge sonst so­wohl ein Ver­s­toß ge­gen den An­spruch auf recht­li­ches Gehör gemäß Art. 103 GG (vgl. BAG 22.05.2007 - 3 AZN 1155/06) als auch ein Ver­s­toß ge­gen Art. 6 Abs. 1 EM­RK vor (BVerfG NJW 2001, 2531; BA­GE 100, 52; EGMR 27.10.1993 = NJW 95, 1413). Die­se Grundsätze sind auch auf ei­ne Fall­ge­stal­tung zu über­tra­gen, bei der ei­ne Par­tei ih­re Be­haup­tung über den In­halt ei­nes Gesprächs außer durch „Zeu­gen der Ge­gen­sei­te“ al­lein durch ih­re ei­ge­ne Ver­neh­mung führen kann. Denn die­ses ein­zi­ge ver­blei­ben­de Be­weis­mit­tel kann ihr nicht ver­wehrt wer­den. Viel­mehr be­darf es ei­nes Min­dest­maßes an recht­li­chem Gehör (vgl. BVerfG 21.02.2001 = NJW 01, 2531).
Die­sem Min­dest­maß ist hier je­doch genüge ge­tan, ob­wohl ei­ne Par­tei­ver­neh­mung von Amts we­gen nach § 448 ZPO un­ter­blie­ben ist, weil de­ren Vor­aus­set­zun­gen - Vor­lie­gen ei­nes sog. An­fangs­be­wei­ses - nicht ge­ge­ben sind (vgl. BAG 22.05.2007 - 3 AZN 1155/06, zu II. 2. c), bb) der Gründe). Denn die Kläge­rin war in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 02.07.2007 vor dem Ar­beits­ge¬richt an­we­send - auch während der Be­weis­auf­nah­me. Sie hat­te Ge­le­gen­heit, zum Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me Stel­lung zu neh­men (vgl. Sei­te 4, 5 der Sit­zungs­nie­der­schrift vom 02.07.2007) und hat vor al­lem auch selbst zum Kom­plex „Sit­ten­wid­rig­keit bzw. un­lau­te­re Mo­ti­ve der Kündi­gung“ Stel­lung ge­nom­men (vgl. Sei­te 5 der Sit­zungs­nie­der­schrift un­ten). Dies be­deu­tet aber, dass ihr das ge­bo­te­ne Min­dest­maß an recht­li­chem Gehör gewährt wur­de. Das Erst­ge­richt konn­te das persönli­che Vor­brin­gen der Kläge­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung im En­dur­teil würdi­gen. Dass es dies nicht im Sin­ne der Kläge­rin ge­tan hat, ist kei­ne Fra­ge der Ver­let­zung recht­li­chen Gehörs bzw. von Art. 6 Abs. 1 EM­RK, son­dern der frei­en Be­weiswürdi­gung nach § 286 Abs. 1 ZPO.
Nach al­lem hat das Erst­ge­richt im Er­geb­nis zu Recht an­ge­nom­men, die Kündi­gung vom 05.07.2006 schei­te­re nicht an ih­rer Sit­ten­wid­rig­keit gemäß § 138 Abs. 1 BGB. Die­ses Er­geb­nis ist we­der im Hin­blick auf Art. 103 GG noch in Be­zug auf Art. 6 Abs. 1 EM­RK zu be­an­stan­den.
2. Nach­dem das Ar­beits­verhält­nis be­reits durch die Kündi­gung vom 05.07.2006 be­en­det wur­de, schei­tert der ge­gen die wei­te­re Kündi­gung vom 01.08.2006 Kündi­gungs­schutz­an­trag dar­an, dass im Zeit­punkt des Ab­laufs der mit die­ser Kündi­gung in Gang ge­setz­ten Kündi­gungs­frist ein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en be­reits nicht mehr be­stand.
3. Das Glei­che gilt im Hin­blick auf den ge­gen die Wirk­sam­keit der zum 31.08.2006 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung ge­rich­te­ten Fest­stel­lungs­an­trag und für den An­trag auf vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­rechts­streits, des­sen Er­folg vor­aus­ge­setzt hätte, dass zu­min­dest die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gun­gen fest­ge­stellt wor­den wäre.
Die Kläge­rin hat nach § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten ih­res er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels und nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO die Kos­ten des ge­sam­ten Rechts­streits ein­sch­ließlich des ers­ten Rechts­zu­ges (in­so­weit fehlt im an­ge­foch­te­nen Ur­teil ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung) zu tra­gen.
Die Re­vi­si­on wird für die Kläge­rin we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che gemäß § 72 Abs. 2 Ziff. 1 ArbGG zu­ge­las­sen. In­so­weit wird auf die nach­fol­gen­de Rechts­mit­tel­be­leh­rung ver­wie­sen:
Ram­bach
Schnei­der­bau­er-Schwend­ler
Für den Gleich­laut der Aus­fer­ti­gung mit der Ur­schrift:
Der Ur­kunds­be­am­te der Geschäfts­stel­le
des Lan­des­ar­beits­ge­richts München
zur Übersicht 3 Sa 800/07

References: Art.1
 § 448
 Art.103
 Art. 6
 § 256
 § 5
 § 138
 Art. 1
 Art. 6
 § 611
 Art. 6
 § 64
 § 519
 § 66
 § 522
 § 520
 § 520
 § 8
 § 622
 § 1
 § 138
 § 448
 § 448
 Art. 1
 § 286
 BGH 
 Art. 103
 Art. 6
 § 448
 § 141
 Art. 103
 Art. 6
 EGMR 
 § 448
 Art. 6
 § 286
 § 138
 Art. 103
 Art. 6
 § 97
 § 91
 § 72