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Timestamp: 2017-09-24 08:55:29+00:00

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Geschäfts- oder Firmenwert nach HGB, EStG und IFRS / 2.2.1 Handelsrecht | Finance Office Professional | Finance | Haufe
Mit dem BilMoG wurde eine Aktivierungspflicht für den entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert eingeführt. Gesetzestechnisch erfolgte dies durch Integration des § 255 Abs. 4 Satz 1 HGB in den § 246 Abs. 1 Satz 4 HGB, der folgenden Wortlaut hat: "Der Unterschiedsbetrag, um den die für die Übernahme eines Unternehmens bewirkte Gegenleistung den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände des Unternehmens abzüglich der Schulden im Zeitpunkt der Übernahme übersteigt (entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert), gilt als zeitlich begrenzt nutzbarer Vermögensgegenstand." Da § 246 Abs. 1 Satz 1 HGB nur die Aktivierung von Vermögensgegenständen erlaubt, erhält durch § 246 Abs. 1 Satz 4 HGB der entgeltlich erworbene Geschäfts- oder Firmenwert den Status eines zeitlich begrenzt nutzbaren Vermögensgegenstandes.
Der entgeltlich erworbene Geschäfts- oder Firmenwert unterliegt den allgemeinen handelsrechtlichen Bewertungsvorschriften, d. h., er ist nach § 253 HGB planmäßig oder – sofern die entsprechenden Tatbestandsvoraussetzungen vorliegen – außerplanmäßig abzuschreiben. Grundlage der planmäßigen Abschreibung ist die individuelle Nutzungsdauer – wie sie sich im Zeitpunkt der Aktivierung voraussehen lässt. Eine Abschreibung über einen über fünf Jahre hinausgehenden Zeitraum, sofern sie innerhalb der individuellen betrieblichen Nutzungsdauer bleibt ist im Anhang anzugeben und nachvollziehbar zu begründen; die entsprechende Vorschrift ist § 285 Nr. 13 HGB. Das BilRUG geht jetzt von einer Standardnutzungsdauer von 10 Jahren aus. § 253 Abs. 3 HGB wird um folgenden Satz erweitert: "Kann in Ausnahmefällen die voraussichtliche Nutzungsdauer eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstands des Anlagevermögens nicht verlässlich geschätzt werden, sind planmäßige Abschreibungen auf die Herstellungskosten über einen Zeitraum von 10 Jahren vorzunehmen. Satz 3 findet auf einen entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert entsprechende Anwendung." Nach dem BilRUG ist also der derivative Geschäfts- oder Firmenwert über eine standardisierte Nutzungsdauer von 10 Jahren abzuschreiben, wenn die voraussichtliche Nutzungsdauer nicht verlässlich geschätzt werden kann. Ist die Schätzung der voraussichtlichen Nutzungsdauer möglich, ist das Zustandekommen der Nutzungsdauer zu erläutern. Der Zeitraum, über den die Abschreibung erfolgt, ist nach § 285 Nr. 13 HGB im Anhang und nach § 314 Abs. 1 Nr. 20 im Konzernanhang zu erläutern, also nicht nur wie bisher zu "begründen".
Die Gesetzesbegründung gibt folgende Anhaltspunkte für die Schätzung der individuellen betrieblichen Nutzungsdauer: die Art und die voraussichtliche Bestandsdauer des erworbenen Unternehmens, die Stabilität und Bestandsdauer der Branche des erworbenen Unternehmens, der Lebenszyklus der Produkte des erworbenen Unternehmens, die Auswirkungen von Veränderungen, die Absatz- und Beschaffungsmärkte sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf das erworbene Unternehmen, der Umfang der Erhaltungsaufwendungen, die erforderlich sind, um den erwarteten ökonomischen Nutzen des erworbenen Unternehmens zu realisieren, die laufzeitwichtigen Absatz- oder Beschaffungsverträge des erworbenen Unternehmens, die voraussichtliche Tätigkeit von wichtigen Mitarbeitern oder Mitarbeitergruppen für das erworbene Unternehmen, das erwartete Verhalten potenzieller Wettbewerber des erworbenen Unternehmens sowie die voraussichtliche Dauer der Beherrschung des erworbenen Unternehmens. In der Praxis werden folgende Angaben zu den Gründen gemacht, die eine Abschreibung über mehr als 5 Jahre rechtfertigen. – den geschäftswertbildenden Faktoren, immateriellen Werten und Technologien wird eine entsprechende Nutzungsdauer beigemessen (Produktionstechnologie, Know-how), – die Ertragsaussichten der übernommenen Kundenbeziehungen wirken sich über diesen Zeitraum aus, – Nachhaltigkeit der Kundenbeziehungen, – Nutzungsdauer wurde gemäß Planungsrechnung im Zeitpunkt der Einbringung des Firmenwerts festgelegt, – entspricht der erwarteten wirtschaftlichen Nutzungsdauer. Bei den beiden zuletzt aufgeführten Gründen ist es nach Keitz/Wenk/Jagosch fraglich, ob diese den Anforderung gem. § 285 Nr. 13 HGB entsprechen.
Wird auf den Geschäfts- oder Firmenwert eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen, so unterliegt diese Maßnahme nicht der Verpflichtung zur Wertaufholung; § 253 Abs. 5 Satz 2 HGB bestimmt in diesem Fall ausdrücklich ein Wertaufholungsverbot. Dem Verbot liegt die Überlegung zugrunde, dass eintretende Werterholungen eines Geschäfts- oder Firmenwertes nach einer außerplanmäßigen Abschreibung auf der Geschäfts- oder Betriebstätigkeit des Unternehmens beruhen, das den vorher abgeschriebenen Geschäfts- oder Firmenwert erworben hat. Eine Wertaufholung beruht nicht darauf, dass die Gründe der außerplanmäßigen Abschreibung zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr bestehen, vielmehr stellt die Wertaufholung eine (verbotene) Aktivierung eines selbst geschaffenen Geschäfts- oder Firmenwertes...

References: § 255
 § 246
 § 246
 § 246
 § 253
 § 285
 § 253
 § 285
 § 314
 § 285
 § 253