Source: https://www.ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&Dokumentnummer=JJT_20180717_OGH0002_0040OB00130_18Y0000_000&IncludeSelf=True
Timestamp: 2020-01-19 02:33:55+00:00

Document:
RIS - Rechtssätze und Entscheidungstext 4Ob130/18y - Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)
Rechtssatz für 1Ob307/52 1Ob763/54 3Ob...
RS0004372
1Ob307/52; 1Ob763/54; 3Ob304/56; 1Ob413/56; 1Ob95/57; 2Ob674/57; 1Ob955/54; 1Ob736/55; 3Ob567/56; 6Ob348/59; 3Ob440/60; 1Ob179/61; 7Ob94/72; 5Ob551/76; 4Ob581/76; 4Ob45/78; 3Ob121/81; 7Ob683/84; 3Ob1/87; 3Ob186/88; 9ObA201/89; 3Ob1093/91; 3Ob89/95; 3Ob2085/96f; 3Ob88/95; 1Ob10/98x; 3Ob377/97f; 8ObA169/00m; 3Ob50/02b; 3Ob134/04h; 3Ob176/06p; 9ObA41/07f; 3Ob12/11b; 9ObA62/12a; 8ObA58/12f; 2Ob261/12i; 9ObA57/13t; 1Ob27/18d; 4Ob130/18y; 8ObA41/18i
EO §354 IB1
EO §354 VA
EGZPO ArtXLII IDa
Die urteilsmäßige Verpflichtung zur Rechnungslegung ist erfüllt, wenn eine formell vollständige Rechnung gelegt wurde. Der darüber hinaus bestehende Anspruch auf vollständige und wahrheitsgemäße Rechnungslegung kann - abgesehen von der Möglichkeit der Klage auf Eidesleistung nach Art XLII EGZPO - prozessual nicht erzwungen werden, sondern berechtigt nur zur Erhebung von Schadenersatzansprüchen.
1 Ob 307/52
Entscheidungstext OGH 23.04.1952 1 Ob 307/52
Veröff: SZ 25/99
1 Ob 763/54
Entscheidungstext OGH 12.01.1955 1 Ob 763/54
3 Ob 304/56
Entscheidungstext OGH 18.07.1956 3 Ob 304/56
1 Ob 413/56
Entscheidungstext OGH 12.09.1956 1 Ob 413/56
Veröff: JBl 1957,361
1 Ob 95/57
Entscheidungstext OGH 27.02.1957 1 Ob 95/57
2 Ob 674/57
Entscheidungstext OGH 05.02.1958 2 Ob 674/57
1 Ob 955/54
Entscheidungstext OGH 12.01.1955 1 Ob 955/54
Ähnlich; Beisatz: Keine Überprüfung der materiellen Richtigkeit der Rechnung. (T1)
1 Ob 736/55
Entscheidungstext OGH 07.12.1955 1 Ob 736/55
3 Ob 567/56
Entscheidungstext OGH 05.12.1956 3 Ob 567/56
6 Ob 348/59
Entscheidungstext OGH 15.10.1959 6 Ob 348/59
3 Ob 440/60
Entscheidungstext OGH 21.12.1960 3 Ob 440/60
1 Ob 179/61
Entscheidungstext OGH 31.05.1961 1 Ob 179/61
7 Ob 94/72
Entscheidungstext OGH 10.05.1972 7 Ob 94/72
5 Ob 551/76
Entscheidungstext OGH 01.06.1976 5 Ob 551/76
Veröff: EvBl 1977/19 S 46 = SZ 49/73 = RZ 1977/51,106
4 Ob 581/76
Entscheidungstext OGH 16.11.1976 4 Ob 581/76
Auch; Veröff: EvBl 1977/151 S 322
4 Ob 45/78
Entscheidungstext OGH 13.06.1978 4 Ob 45/78
3 Ob 121/81
Entscheidungstext OGH 10.03.1982 3 Ob 121/81
7 Ob 683/84
Entscheidungstext OGH 30.07.1985 7 Ob 683/84
Veröff: RdW 1986,112
nur: Die urteilsmäßige Verpflichtung zur Rechnungslegung ist erfüllt, wenn eine formell vollständige Rechnung gelegt wurde. (T2) Veröff: JBl 1987,534
9 ObA 201/89
Entscheidungstext OGH 30.08.1989 9 ObA 201/89
nur T1; Beisatz: Der Kläger hat danach sein Begehren entsprechend einzuschränken (JBl 1957,361). (T3)
3 Ob 1093/91
Entscheidungstext OGH 18.12.1991 3 Ob 1093/91
3 Ob 89/95
Entscheidungstext OGH 30.08.1995 3 Ob 89/95
3 Ob 2085/96f
Entscheidungstext OGH 27.03.1996 3 Ob 2085/96f
nur T2; Beisatz: Das Exekutionsgericht hat bei Beurteilung der Frage, ob die verpflichtete Partei ordnungsgemäß Rechnung gelegt hat, nur festzustellen, ob sich die von ihr vorgelegten Urkunden als eine dem Exekutionstitel entsprechende Rechnung darstellen (so schon RdW 1996, 169). (T4) Veröff: SZ 69/226
1 Ob 10/98x
Entscheidungstext OGH 27.01.1998 1 Ob 10/98x
3 Ob 50/02b
Entscheidungstext OGH 30.08.2002 3 Ob 50/02b
3 Ob 176/06p
Entscheidungstext OGH 30.11.2006 3 Ob 176/06p
9 ObA 41/07f
Entscheidungstext OGH 09.05.2007 9 ObA 41/07f
9 ObA 62/12a
Entscheidungstext OGH 22.08.2012 9 ObA 62/12a
8 ObA 58/12f
Entscheidungstext OGH 04.03.2013 8 ObA 58/12f
Auch; nur: Der darüber hinaus bestehende Anspruch auf wahrheitsgemäße Rechnungslegung kann nicht erzwungen werden. (T5)
Beis wie T1; Beisatz: Auch wenn keine Überprüfung der materiellen Richtigkeit der Rechnung erfolgt, muss eine formell vollständige Rechnung grundsätzlich detailliert sein und darf sich nicht in der bloßen Angabe von Endziffern oder im Überlassen von Belegen erschöpfen. (T6)
Vgl; nur T2; Beisatz: Ob eine formell vollständige Rechnung gelegt wurde, ist eine Frage des jeweiligen Einzelfalls, die im Regelfall keine erhebliche Rechtsfrage iSd § 502 Abs 1 ZPO aufwirft. (T7)
ECLI:AT:OGH0002:1952:RS0004372
JJR_19520423_OGH0002_0010OB00307_5200000_001
Rechtssatz für 3Ob577/57 4Ob427/81 (4Ob...
RS0021397
3Ob577/57; 4Ob427/81 (4Ob428/81); 4Ob401/82; 4Ob316/85; 5Ob28/09t; 4Ob163/09p; 4Ob126/10y; 4Ob104/11i; 4Ob133/13g; 4Ob3/15t; 4Ob130/18y
ABGB §1152 H
MSchG §53 Abs1
PatG 1970 §152 Abs2
Die Bereicherung, die dem in seinem ausschließlichen Rechte Verletzten herauszugeben ist, besteht in den angemessenen Entgelt, das der Benutzer des Werkes für die Gestattung der Werknutzung hätte bezahlen müssen. Berechnung eines Architektenhonorars.
3 Ob 577/57
Entscheidungstext OGH 14.02.1958 3 Ob 577/57
Veröff: SZ 31/23
Auch; nur: Die Bereicherung, die dem in seinem ausschließlichen Rechte Verletzten herauszugeben ist, besteht in den angemessenen Entgelt, das der Benutzer des Werkes für die Gestattung der Werknutzung hätte bezahlen müssen. (T1)
Veröff: SZ 55/25 = ÖBl 1982,164
Ähnlich; Veröff: ÖBl 1983,150 = MR 1983 2,A/12
4 Ob 316/85
Entscheidungstext OGH 17.06.1986 4 Ob 316/85
Auch; Veröff: MR 1986 5,20 = RfR 1987,43 = GRURInt 1987,434
5 Ob 28/09t
Entscheidungstext OGH 07.07.2009 5 Ob 28/09t
Vgl; Beisatz: Der Anspruch nach § 86 Abs 1 UrhG stellt dogmatisch nur eine besondere Form eines Verwendungsanspruchs im Sinne des § 1041 ABGB dar. (T2)
Vgl auch; Beis wie T2; Beisatz: Neben § 86 Abs 1 UrhG etwa auch § 53 Abs 1 MSchG und § 150 Abs 1 PatentG 1970. (T3)
Vgl auch; Beisatz: Die Pflicht eines dritten, nicht zur Verwertung berechtigten Nutzers zur Zahlung eines angemessenen Entgelts hängt nicht davon ab, ob der Abgebildete tatsächlich der Verwertung des Bildes zugestimmt hätte, sondern ergibt sich aus dem Eingriff in die absolut geschützte Rechtsstellung des Urhebers. Allfällige Ansprüche des Abgebildeten bleiben davon unberührt. (T4) Beisatz: Hier: Unberechtigte Veröffentlichung von Porträtfotos einer „Schulfotografin“ in Printmedien. (T5)
Auch; Beis wie T4; Beisatz: Die immaterialgüterrechtlichen Ansprüche auf das angemessene Entgelt haben nach gesicherter Rechtsprechung und Lehre eine bereicherungsrechtliche Grundlage. (T6)
4 Ob 3/15t
Entscheidungstext OGH 22.09.2015 4 Ob 3/15t
Auch; Beis wie T6; Beisatz: Bei einem geplanten Zusammenwirken mehrerer Unternehmen bei der rechtswidrigen Nutzung eines Patents ist nach einem Eingriff eine auch bereicherungsrechtliche Haftung jedes einzelnen Unternehmens für das gesamte Entgelt anzunehmen. (T7)
ECLI:AT:OGH0002:1958:RS0021397
JJR_19580214_OGH0002_0030OB00577_5700000_001
Rechtssatz für 4Ob78/94 4Ob104/11i 4Ob...
RS0066874
4Ob78/94; 4Ob104/11i; 4Ob130/18y
MSchG §56
MuSchG 1990 §34
UrhG §87a
Zur Vorbereitung unter anderem eines Bereicherungsanspruchs kann nach der nunmehr geltenden Rechtslage bei einem Patenteingriff, bei einem Markeneingriff, bei einer Musterrechtsverletzung und in den im § 87a UrhG genannten Fällen sowohl bei einem Verstoß als auch bei rechtmäßiger Nutzung der im UrhG geregelten Ausschließlichkeitsrechte die Rechnungslegung verlangt werden, womit auch das Recht verbunden ist, deren Richtigkeit durch einen Sachverständigen prüfen zu lassen.
Vgl; Beisatz: Ordnet der Gesetzgeber ausdrücklich eine Rechnungslegungspflicht für bestimmte Fälle an, ohne auf „erhebliche Schwierigkeiten“ bei der Sachverhaltsermittlung durch den Berechtigten oder eine „Zumutbarkeit“ für den Verpflichteten abzustellen, ist der Anspruch nur bei rechtsmissbräuchlicher Geltendmachung zu verneinen. (T1)
ECLI:AT:OGH0002:1994:RS0066874
JJR_19941122_OGH0002_0040OB00078_9400000_001
Rechtssatz für 4Ob246/97y 4Ob243/01s 4...
RS0108478
4Ob246/97y; 4Ob243/01s; 4Ob119/04k; 3Ob222/06b; 4Ob133/07y; 17Ob40/08v; 4Ob163/09p; 4Ob104/11i; 4Ob133/13g; 4Ob130/18y
MSchG §53
PatG 1970 §150 Abs1
UrhG §86 Abs1
UWG §9 Abs4
Der Anspruch auf angemessenes Entgelt nach § 150 Abs 1 PatG ist ein aus dem § 1041 ABGB erwachsender Vergütungsanspruch für die ungerechtfertigte Verwendung eines Patentes. Die Höhe der Vergütung entspricht dem Wert der Nutzung des Patentes, also in der Regel einer angemessenen Lizenzgebühr.
4 Ob 246/97y
Entscheidungstext OGH 23.09.1997 4 Ob 246/97y
4 Ob 243/01s
Entscheidungstext OGH 16.10.2001 4 Ob 243/01s
Auch; Beisatz: Bei ihrer Bemessung sind die Grundsätze heranzuziehen, die für die Berechnung einer vertraglichen Lizenzgebühr entwickelt wurden. Dabei ist vor allem die allgemeine wirtschaftliche Bedeutung des Patents zu berücksichtigen und die Vorteile und Nachteile abzuwägen, die der Verletzer gegenüber einem Lizenznehmer hat. Diese Grundsätze müssen auch für die Bemessung eines angemessenen Entgelts nach § 56 MSchG gelten. (T1)
4 Ob 119/04k
Entscheidungstext OGH 08.06.2004 4 Ob 119/04k
Beis ähnlich wie T1; Beisatz: Hier: Markenverletzung. (T2)
nur: Der Anspruch auf angemessenes Entgelt nach § 150 Abs 1 PatG ist ein aus dem § 1041 ABGB erwachsender Vergütungsanspruch für die ungerechtfertigte Verwendung eines Patentes. (T3)
Vgl; Beisatz: Hier: Angemessenes Entgelt nach § 54 Abs 2 MSchG. (T4)
Vgl; Beisatz: Hier: Urheberrecht. (T5)
Vgl auch; Beisatz: Hier: § 86 UrhG. (T6)
Vgl auch; Beis wie T1; Beisatz: Die immaterialgüterrechtlichen Ansprüche auf das angemessene Entgelt haben nach gesicherter Rechtsprechung und Lehre eine bereicherungsrechtliche Grundlage. (T7)
Beisatz: Maßgebend ist, welche Nutzung tatsächlich erfolgt, weil auszuschließen ist, dass redliche und vernünftige Parteien ein Entgelt vereinbaren, das einen Nutzen abgilt, der gar nicht entstehen kann. (T8)
Beisatz: Für die Höhe des angemessenen Entgelts ist der Rechteinhaber behauptungs‑ und beweispflichtig. Die Behauptung alleine, ein Entgelt in einer gewissen Höhe sei angemessen, reicht dabei nicht aus. Gegebenenfalls ist das angemessene Entgelt nach § 273 ZPO zu schätzen. (T9)
Beisatz: Offen gelassen wird, ob die im Markenrecht entwickelten Grundsätze auch im Urheberrecht und für den Sonderfall gelten, dass kein Marktpreis für die unbefugt genutzten Rechte besteht. (T10)
ECLI:AT:OGH0002:1997:RS0108478
JJR_19970923_OGH0002_0040OB00246_97Y0000_001
Rechtssatz für 4Ob36/05f 3Ob222/06b 4O...
RS0120089
4Ob36/05f; 3Ob222/06b; 4Ob3/15t; 4Ob130/18y
Bei der Bemessung des angemessenen Entgelts ist darauf abzustellen, was redliche und vernünftige Parteien vereinbart hätten. Dabei ist maßgebend, welche Nutzung tatsächlich erfolgt, weil auszuschließen ist, dass redliche und vernünftige Parteien ein Entgelt vereinbaren, das einen Nutzen abgilt, der gar nicht entstehen kann.
4 Ob 36/05f
Entscheidungstext OGH 12.07.2005 4 Ob 36/05f
Veröff: SZ 2005/98
Auch; Beisatz: Bei einem geplanten Zusammenwirken mehrerer Unternehmen bei der rechtswidrigen Nutzung eines Patents ist nach einem Eingriff eine auch bereicherungsrechtliche Haftung jedes einzelnen Unternehmens für das gesamte Entgelt anzunehmen. (T1)
ECLI:AT:OGH0002:2005:RS0120089
JJR_20050712_OGH0002_0040OB00036_05F0000_001
Rechtssatz für 4Ob34/09t 4Ob104/11i 4O...
RS0124718
4Ob34/09t; 4Ob104/11i; 4Ob61/16y; 4Ob130/18y
4 Ob 61/16y
Entscheidungstext OGH 20.04.2016 4 Ob 61/16y
Veröff: SZ 2016/45
ECLI:AT:OGH0002:2009:RS0124718
JJR_20090512_OGH0002_0040OB00034_09T0000_003
Entscheidungstext 4Ob130/18y
ZIK 2019/134 S 110 - ZIK 2019,110
4Ob130/18y
Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch den Senatspräsidenten Dr. Vogel als Vorsitzenden und die Hofräte Dr. Schwarzenbacher, Hon.-Prof. Dr. Brenn, Dr. Rassi und MMag. Matzka als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei Mag. B***** H*****, Rechtsanwältin in Wien, als Treuhänderin über das Vermögen von M***** K***** (AZ ***** des Handelsgerichts Wien), vertreten durch Mag. Dr. Otto Ranzenhofer, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei H***** GmbH, *****, vertreten durch Dr. Holzmann Rechtsanwalts GmbH in Innsbruck, wegen Rechnungslegung (Streitwert 20.000 EUR) und Leistung (Stufenklage), über die außerordentliche Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht vom 30. April 2018, GZ 129 R 19/18i-30, den
M***** K***** ist Inhaber der beim österreichischen Patentamt registrierten Wortmarke „C*****“ deren Schutzumfang sich auf den Betrieb einer Bar und die Verpflegung von Gästen in Restaurants erstreckt.
Mit rechtskräftigem Teilurteil des Erstgerichts vom 14. Juni 2016 (im vorliegenden Verfahren) wurde es der Beklagten verboten, im geschäftlichen Verkehr die in Rede stehende Marke oder eine verwechselbar ähnliche Bezeichnung im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Bar (mit leicht bekleideten Tänzerinnen) oder mit der Ankündigung und der Durchführung von gleichartigen Dienstleistungen kennzeichenmäßig zu verwenden.
Mit Beschluss des Insolvenzgerichts vom 20. Juli 2016 (AZ *****) wurde über das Vermögen des Markeninhabers das Insolvenzverfahren eröffnet und die Klägerin zur Insolvenzverwalterin bestellt. Mit Beschluss des Insolvenzgerichts vom 3. August 2017 wurde der (angenommene) Sanierungsplan bestätigt; die Klägerin wurde für das vorliegende Verfahren zur Treuhänderin der Gläubiger bestellt. Mit Beschluss vom 11. Dezember 2017 wurde das Insolvenzverfahren schließlich aufgehoben.
Mit dem nunmehr vorliegenden Teilurteil erkannte das Erstgericht die Beklagte schuldig, der Klägerin über die im geschäftlichen Verkehr durch die Verwendung der geschützten Bezeichnung im Zusammenhang mit dem Betrieb ihrer Bar oder im Zusammenhang mit der Ankündigung und der Durchführung von gleichen Dienstleistungen seit 1. April 2012 erzielten Umsätze Rechnung durch Einsicht in diverse Unterlagen Rechnung zu legen und die Richtigkeit der gelegten Rechnung durch einen allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen aus dem Gebiet des Rechnungswesens prüfen zu lassen.
Das Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung. Zur Begründung führte es aus, dass das Rechnungslegungsbegehren (ab 1. 4. 2012 im Zusammenhang mit dem Barbetrieb oder gleichartigen Dienstleistungen bis 6. 3. 2017 – vgl ON 19) keine zeitlichen Einschränkungen (im Hinblick auf den von der Beklagten behaupteten Saisonbetrieb) erfordere, weiteres dass die (selbständigen) Tänzerinnen als Beauftragte in die Betriebsorganisation der Beklagten eingegliedert und dieser zuzuordnen seien und die Beklagte den freien Eintritt in ihre Bar als Annehmlichkeit und Inklusivleistung für die Gäste des Hotels beworben habe.
In ihrer außerordentlichen Revision zeigte die Beklagte keine erhebliche Rechtsfrage auf.
1. Die Klägerin hat das hier zu beurteilende Rechnungslegungsbegehren zur Bezifferung ihres Anspruchs auf das (doppelte) angemessene Entgelt gemäß § 53 MSchG erhoben. Dieser Anspruch ist ein Bereicherungsanspruch (RIS-Justiz RS0021397), wobei die Bereicherung in der Ersparnis der Lizenzgebühr besteht (RIS-Justiz RS0108478). Zur Bemessung dieses Anspruchs ist darauf abzustellen, was redliche und vernünftige Parteien vereinbart hätten (RIS-Justiz RS0120089).
Dass der Klägerin ein Anspruch auf das (doppelte) angemessene Entgelt nach Maßgabe des erzielten Umsatzes zusteht (zur Umsatzlizenz vgl 4 Ob 120/17a), stellt die Beklagte nicht in Frage.
2. Die Beklagte argumentiert zunächst, dass die Hotelnächtigungen nicht in die Umsatzberechnung einzubeziehen seien, weil der freie Eintritt in ihre Bar nur eine von insgesamt 17 Annehmlichkeiten für Hotelgäste und dieser Umstand für die Auswahl des Hotels nicht maßgebend sei.
Die Beklagte bestreitet nicht, den freien Eintritt in die Bar als Annehmlichkeit und Inklusivleistung für Hotelgäste angepriesen und damit die fremde Marke auch für die Bewerbung ihres Hotels ausgenützt zu haben. Da einem Unternehmen nicht unterstellt werden kann, eine unwirksame und nutzlose Werbung zu betreiben (RIS-Justiz RS0123292 [T5]), hält sich die Entscheidung der Vorinstanzen, die einen Nutzen der Beklagten aus der Zeichenverwendung nicht von vornherein verneint haben, im Rahmen der Rechtsprechung. In Wirklichkeit betrifft die Rüge der Beklagten die – typisch einzelfallgeprägte (vgl 4 Ob 3/15t) – Höhe des Prozentsatzes der Umsatzlizenz (4 Ob 133/13g), weshalb der Zahlungsanspruch dem Grunde nach und damit auch der Rechnungslegungsanspruch von den Vorinstanzen frei von Rechtsirrtum bejaht wurde (vgl RIS-Justiz RS0124718; 4 Ob 243/17i).
3. Die Beklagte bestreitet nicht, dass die Rechnungslegungspflicht grundsätzlich auch die Umsätze der (selbständigen) Tänzerinnen in ihrer Bar umfasst. Sie beruft sich allerdings darauf, dass sie die Auskünfte von den Tänzerinnen nur schwer bis gar nicht beschaffen könne.
Bei diesen Ausführungen übersieht die Beklagte, dass der in Rede stehende Rechnungslegungsanspruch auf einer gesetzlichen Grundlage (§ 55 MSchG iVm § 151 PatG) beruht. Ordnet der Gesetzgeber ausdrücklich eine Rechnungslegungspflicht für bestimmte Fälle an, ohne auf erhebliche Schwierigkeiten bei der Sachverhaltsermittlung durch den Berechtigten oder die Zumutbarkeit für den Verpflichteten abzustellen, so ist der Anspruch nur bei rechtsmissbräuchlicher Geltendmachung zu verneinen (RIS-Justiz RS0066874 [T1]). Derartiges ist weder ersichtlich noch hat sich die Beklagte darauf berufen.
4. Das weitere Argument der Beklagten, dass ihre Bar nur während der Skisaison (fünf Monate pro Jahr) geöffnet sei, betrifft die Richtigkeit bzw materielle Vollständigkeit der Rechnungslegung, deren Prüfung dem Sachverständigen vorbehalten ist (vgl RIS-Justiz RS0004372). Im Verfahren über die grundsätzliche Rechnungslegungspflicht ist diese Frage daher nicht zu prüfen.
5. Schließlich verweist die Beklagte darauf, dass mit Beschluss des Insolvenzgerichts vom 9. November 2016 die Schließung des Gastronomielokals des Markeninhabers angeordnet worden sei und in diesem Fall die Parteien kein Entgelt für die Markennutzung vereinbart hätten.
Dabei übersieht die Beklagte, dass aufgrund der Nichtakzessorietät des Markenrechts die Rechte an der Marke in der Insolvenz unabhängig vom schuldnerischen Unternehmen fortbestehen und das Recht, die Marke zu verwalten und Ansprüche aus einer Markenrechtsverletzung geltend zu machen, auf den Insolvenzverwalter übergeht (vgl OPM Om 10/02 = PBl 2003, 20). Davon abgesehen hat das Berufungsgericht unbeanstandet festgehalten, dass der (angenommene) Sanierungsplan des Markeninhabers rechtskräftig bestätigt und das Insolvenzverfahren aufgehoben wurde. Eine vom Insolvenzgericht bewilligte Schließung des schuldnerischen Unternehmens lässt das grundsätzliche Fortbetriebsrecht der Masse (bis zur Aufhebung des Insolvenzverfahrens) ebenso unberührt, wie eine Verfügung des Insolvenzverwalters über dieses Fortbetriebsrecht die Gewerbeberechtigung des Gewerbeinhabers unberührt lässt (siehe dazu 8 ObS 14/12k). Dies bedeutet, dass nach Bestätigung des Sanierungsplans und Aufhebung des Insolvenzverfahrens das Unternehmen vom Inhaber weiter betrieben werden kann.
6. Insgesamt gelingt es der Beklagten mit ihren Ausführungen nicht, eine erhebliche Rechtsfrage aufzuzeigen. Auch die geltend gemachten sekundären Feststellungsmängel liegen nicht vor. Die außerordentliche Revision war daher zurückzuweisen.
ECLI:AT:OGH0002:2018:0040OB00130.18Y.0717.000
JJT_20180717_OGH0002_0040OB00130_18Y0000_000

References: §354
 §354
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 § 502
 §1152
 §53
 §152
 OGH 
 OGH 
 OGH 
 § 86
 § 1041
 § 86
 § 53
 § 150
 OGH 
 §56
 §34
 §87
 § 87
 §53
 §150
 §86
 §9
 § 150
 § 1041
 OGH 
 OGH 
 § 56
 OGH 
 § 150
 § 1041
 § 54
 § 86
 § 273
 OGH 
 OGH 
 § 53
 § 151