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Timestamp: 2019-11-12 18:16:12+00:00

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Zur Berücksichtigung von aperiodischen und außergewöhnlichen Größen im EVA-Konzept und beim DCF-Verfahren
1.2 Zum Inhalt von aperiodischen und außergewöhnlichen Größen
2. Aperiodischen und außerplanmäßigen Größen im Jahresabschluss
2.1 Erfolgsspaltung nach HGB und im betriebswirtschaftlichen Sinn
2.2 Erfolgsspaltung nach IFRS
2.3 Vergleich der Erfolgskonzeptionen
3. Aperiodischen und außerplanmäßigen Größen im EVA-Konzept und
beim DCF-Modell
3.1 Berücksichtigung im EVA-Konzept
3.2 Berücksichtigung beim DCF-Verfahren
Abb. 1: Ergebnisquellenanalyse
Abb. 2: Ermittlung des Economic Value Added
Abb. 3: Ermittlung des Eigenkapitalwertes nach dem Entity-Ansatz
Abb. 4: Ermittlung des FCF nach dem WACC-Ansatz durch die direkte Methode
Die Bedeutung dieses Zitats lässt sich auch die Bilanzwelt, genauer gesagt auf die Analyse von Jahresabschlüssen, übertragen. Denn auch hier erhält der Jahresabschluss erst durch die Berücksichtigung von außergewöhnlichen Größen seinen „gesamten Wert“. Wie groß die Bedeutung von außergewöhnlichen Größen für den Jahresabschluss ist zeigen vor allem auch die Änderungen, die das im Juni 2013 verabschiedete und im Juli 2015 in Kraft getretene Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz (BilRUG) mit sich brachte.[1] Vor BilRUG mussten mittelgroße und große Kapitalgesellschaften (vgl. Definition § 267 Abs. 2 und 3 HGB) außerordentliche Erträge und Aufwendungen, die außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit anfielen, sogar in einem gesonderten Posten innerhalb der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ausweisen und zusätzlich deren Betrag und Art im Anhang erläutern (§§ 276, 277 Abs. 4 HGB a.F.).
Durch das BilRUG entfällt nun der Ausweis eines „außerordentlichen Ergebnisses“ in der GuV, wodurch eine Annäherung an die International Financial Reporting Standards (IFRS) erreicht wird, die schon gänzlich auf den Ausweis dieses Postens in der GuV verzichten.[2] Die bereits vor BilRUG bestehende Erläuterungspflicht der außerordentlichen Größen im Anhang wird dabei an eine andere Stelle des Anhangs verschoben.[3] Im Anhang sind nun „jeweils der Betrag und die Art der einzelnen Erträge und Aufwendungen von außergewöhnlicher Größenordnung oder außergewöhnlicher Bedeutung, soweit die Beträge nicht von untergeordneter Bedeutung sind“ (§ 285 Nr. 31 HGB) sowie „eine Erläuterung der einzelnen Erträge und Aufwendungen hinsichtlich ihres Betrags und ihrer Art, die einem anderen Geschäftsjahr zuzurechnen sind, soweit die Beträge nicht von untergeordneter Bedeutung sind“ (§ 285 Nr. 32 HGB), anzugeben. Diese neue Erläuterungspflicht gilt gemäß § 288 Abs. 1 HGB hinsichtlich § 285 Nr. 31 HGB für alle Kapitalgesellschaften und hinsichtlich § 285 Nr. 32 HGB nur für große Kapitalgesellschaften. Die neue Angabe im Anhang ist mit dem weggefallenen Ausweis in der GuV jedoch nicht identisch, da sich diese weitestgehend auf außergewöhnliche und aperiodische und nicht, wie vor BilRUG, nur auf außerordentliche Sachverhalte bezieht. Da die Inhalte der beiden Begriffe nicht identisch sind (vgl. Kapitel 1.2), kann es daher auch zu Differenzen zwischen den Beträgen, die vor BilRUG in der GuV und nach BilRUG im Anhang angegeben werden, kommen.[4] Das BilRUG führt letztendlich zu einer Ausweitung der Berichtsberichtspflicht.[5] Der Wegfall des Ausweises eines außerordentlichen Ergebnisses durch das BilRUG untergräbt somit nicht die Bedeutung von außergewöhnlichen Größen auf den Jahresabschluss, sondern behandelt sie nur anders und fordert eine detailliertere Auswertung des Anhangs.
Im Zuge des BilRUG hat sich auch die Definition der Umsatzerlöse geändert, was weitreichende Konsequenzen für die Behandlung von außergewöhnlichen und aperiodischen Größen im Jahresabschluss hat. Gemäß § 277 Abs. 1 HGB haben alle Kapitalgesellschaften in Zukunft sämtliche „[…]Erlöse aus dem Verkauf, der Vermietung oder Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen […]“ (§ 277 Abs. 1 HGB) als Umsatzerlöse zu erfassen. Vor BilRUG waren dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit nur diejenigen Erträge und Aufwendungen zuzuordnen, die typisch für den Geschäftsbereich des Unternehmens waren.[6] Nach BilRUG werden nun auch Erlöse als Umsatzerlöse deklariert werden, die untypisch für den Unternehmensbereich sind, wie z.B. die Erlöse aus Vermietung und Verpachtung von Werkswohnungen, die vor BilRUG den sonstigen betrieblichen Erträgen zuzuordnen gewesen wären. Folglich entfällt nach HGB eine Differenzierung zwischen geschäftstypischen und –untypischen Erträge durch das BilRUG.[7] Diese Änderung findet auch in der veränderten GuV ihren Niederschlag, da nun kein getrennter Ausweis des „Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ von dem „außerordentlichen Ergebnis“ verlangt wird, wodurch sich wesentliche Folgen u.a. auch für die Jahresabschlusskennzahlen ergeben.[8]
Bevor auf die Behandlung von außergewöhnlichen und aperiodischen Größen im Jahresabschluss sowie im EVA bzw. beim DCF-Verfahren eingegangen wird, werden zunächst die Inhalte der Begriffe abgrenzt. Kapitel 2 erklärt anschließend die Vorgehensweise der Behandlung der aperiodischen und außergewöhnlichen Größen im Jahresabschluss. Nach einer kurzen Einführung in die erfolgswirtschaftliche Analyse, wird die Erfolgsspaltungskonzeption nach HGB und im betriebswirtschaftlichen Sinn erläutert. Anschließend wird dann im Kapitel 2.2 gesondert auf die Erfolgsspaltung nach IFRS eingegangen und in Kapitel 2.3 die Unterschiedlichkeiten der Erfolgsspaltungskonzeptionen nach HGB und IFRS nochmal explizit dargestellt. Kapitel 3 erklärt, nach einer kurzen Beschreibung des Economic Value Added-(EVA)-Konzepts und des Discounted Cashflow (DCF)-Verfahrens, wie außergewöhnliche und aperiodische Größen bei diesen beiden wertorientierten Kennzahlenkonzepten berücksichtigt werden und baut dabei den Kenntnissen die im Kapitel 2 gewonnen wurden, auf.
Nachfolgend werden komprimiert die Inhalte der Begriffe außerordentlich, außergewöhnlich und aperiodisch thematisiert. Welche Erträge und Aufwendungen als außerordentlich einzustufen sind, lag bereits vor BilRUG im Ermessen des Bilanzierenden. Der Begriff erfuhr jedoch im Laufe der Jahre eine immer engere Abgrenzung. Vor dem in Kraft treten des Bilanzrichtlinien-Gesetz (BiRiLiG) beispielsweise, mussten Erträge und Aufwendungen nur von einmaliger Natur sein oder als periodenfremd gelten, um als außerordentlich zu gelten. Folglich wurden früher z.B. auch Buchgewinne und –verluste aus Anlageverkäufen als außerordentlich eingestuft. Durch das BiRiLiG kam es dann zu einer ersten engeren Abgrenzung des Begriffs. Demnach wurden nur noch Erträge und Aufwendungen als außerordentlich klassifiziert, die außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit anfielen und von wesentlicher Bedeutung waren.[9] Demzufolge galten alle unternehmensfremden und sehr selten auftretende Erträge und Aufwendungen, die nicht im gewöhnlichen Geschäftsbetrieb anfielen, wie bspw. Schäden durch eine Naturkatastrophe oder Verschmelzungsgewinne bzw. –verluste, als außerordentlich.[10] Periodenfremde Erträge und Aufwendungen hingegen sind seit BiRiLiG nur noch dann als außerordentlich einzustufen, wenn sie zugleich außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit anfallen und einen außerordentlichen Charakter aufweisen.[11]
Auch nach BilRUG gibt es immer noch keine einheitliche Definition bzw. Abgrenzung der Begriffe von Gesetzeswegen, so dass für den Bilanzierenden weiterhin erhebliche Ermessens- und Interpretationsspielräume entstehen, die eine genaue Auswertung des Anhangs und eine entsprechende Aufbereitung der GuV durch die betriebswirtschaftliche Erfolgsspaltung erfordern.[12] Anhang 1 führt bezüglich der Voraussetzungen Gesetzesbegründungen an, die Erträge und Aufwendungen erfüllen müssen um von „außergewöhnlicher Größenordnung oder außergewöhnlicher Bedeutung“ (§ 285 Nr. 31 HGB) zu sein. Die Definition von außerordentlichen Erträge und Aufwendung gemäß § 277 Abs. 4 HGB orientierte sich bereits schon vor BilRUG an der angelsächsischen Interpretation. Demzufolge wurden diese Positionen als außerordentlich bezeichnet sofern sie ungewöhnlich („unusual nature“) und selten („frequent“) sind, d.h. wenn sie außerhalb der normalen Geschäftstätigkeit oder rein zufällig anfielen und mit einer Wiederholung nicht zu rechnen war.[13] Durch BilRUG kam es dann letztendlich zu einer totalen Abkehr des Begriffs außerordentlich. Wie essenziell die Abkehr von diesem Begriff ist, zeigt auch die englische Sprachfassung der Richtlinie, die nicht mehr den Begriff „extraordinary“ sondern nur noch „exceptional“ verwendet.[14] Folglich wird aus Differenzierungsgründen in der folgenden Arbeit an Stelle des gesetzlich geprägten Begriffs außerordentlich, der Begriff außergewöhnlich verwendet, der unter Umständen auch aperiodische Bestandteile beinhaltet, sofern diese von außergewöhnlicher Bedeutung sind und außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit anfallen. Beispiele für Ereignisse die außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit anfallen, sind im Anhang 2 aufgelistet. Beispiele für periodenfremde bzw. aperiodische Aufwendungen und Erträge repräsentiert Anhang 3.
Die erfolgswirtschaftliche Analyse ist neben der finanzwirtschaftlichen Analyse ein Teil der Jahresabschluss- bzw. Bilanzanalyse, die dem Leser mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren ermöglicht, eine fundierte Kenntnis über die Nachhaltigkeit der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens gemäß § 264 Abs. 2 S. 1 HGB zu erlangen. Eine Übersicht über die Teilbereiche der Analyse ist in Anhang 4 dargestellt. Die finanzwirtschaftliche Analyse untersucht dabei hauptsächlich mittels einer Investitions-, Finanzierungs- und Liquiditätsanalyse die Liquidität eines Unternehmens. Ziel der erfolgswirtschaftlichen Analyse hingegen ist es, Informationen aus der GuV abzuleiten, um so die Ertragskraft und das zukünftige Erfolgspotenzial eines Unternehmens abschätzen zu können und die Gewinnentstehung zu erforschen.[15] Als ertragsfähig erweist sich ein Unternehmen, wenn dieses dauerhaft bzw. nachhaltig im Stande ist Gewinne zu erzielen.[16] Weitere Bestandteile der erfolgswirtschaftlichen Analyse sind die Rentabilitätsanalyse und die Aufwandsstrukturanalyse, auf die in der nachfolgenden Arbeit jedoch nicht weiter eingegangen wird.[17]
Als Kernstück der hier untersuchten erfolgswirtschaftlichen Analyse ist die Erfolgs- bzw. Ergebnisspaltung zu nennen, die neben der Ergebnissegmentierung eine Unterkategorie der Ergebnisquellenanalyse darstellt und der strukturellen Ergebnisanalyse zuzuordnen ist, vgl. Abb. 1:[18]
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Coenenberg et al. (2016b), S. 1125.
Da die außergewöhnlichen und aperiodischen Größen in der Erfolgsspaltung behandelt werden, wird diese in der folgenden Arbeit detaillierte erläutert. Um das zukünftige Erfolgspotenzial ermitteln zu können, muss dafür zunächst eine Brücke zur vergangenheitsorientierte Jahresabschlussrechnung mit Hilfe einer Ergebnisquellenanalyse geschlagen werden.[19] Diese Analyse ermöglicht es, die im aktuellen Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag enthaltenen nachhaltigen Beträge, die auch zukünftig erwirtschaftet werden können, zu identifizieren.[20] Seit BilRUG entfällt die handelsrechtliche Aufspaltung des Jahresergebnisses in ein „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ und ein „außerordentliches Ergebnis“. Die betriebswirtschaftliche Erfolgskonzeption dagegen, trennt für bilanzanalytische Zwecke dennoch das ordentliche Ergebnis, bestehend aus Betriebs- und Finanzergebnis, vom „außerordentlichen im betriebswirtschaftlichen Sinne“ bzw. „außergewöhnlichen Ergebnis“.[21] Gleiches gilt in Bezug auf die IFRS Rechnungslegung, wonach gemäß IAS 1.87 sogar ein Verbot des Ausweises eines außerordentlichen Ergebnisses vorliegt. Um mögliche Begriffsverwirrungen zu verhindern, sollte erwähnt werden, dass es sich bei dem Begriff „außerordentliches Ergebnis im betriebswirtschaftlichen Sinne“ nicht um das vor BilRUG in der GuV ausgewiesene „außerordentliche Ergebnis“ handelt, das nur in sehr seltenen Fällen zum Tragen kam, sondern das Ergebnis gemeint ist, welches im Sinne der betriebswirtschaftlichen Erfolgsspaltung für bilanzanalytische Zwecke gebildet wird. Als Synonym wird in der nachfolgenden Arbeit der Begriff „außergewöhnliches Ergebnis“ verwendet.
Die Basis der Erfolgsspaltung bildet unabhängig von der zugrunde gelegten Rechnungslegung die GuV. Im Gegensatz zu dem detaillierteren Gliederungsschema der GuV gemäß § 275 HGB, müssen nach IFRS-Rechnungslegung nur die Mindestanforderungen gemäß IAS 1.82 bei der Gestaltung der GuV angewendet werden. Anhang 5 zeigt die thematische Gliederung der GuV jeweils nach dem Gemeinkostenverfahren (GKV) gemäß § 275 Abs. 2 HGB und dem Umsatzkostenverfahren (UKV) gemäß § 275 Abs. 3 HGB.
Nach BilRUG unterteilt sich das Gesamtergebnis vor Steuern durch die Erfolgsspaltung nach HGB nur noch in die Ergebniskategorien „ordentliches Betriebsergebnis“ und „Finanzergebnis“. Mit der im Anhang 6 abgebildeten Darstellung, wird zwar die Zusammensetzung des Ergebnisses im Hinblick auf Betriebszugehörigkeit deutlich, das Abgrenzungskriterium der Regelmäßigkeit wird dabei aber außer Acht gelassen.[22]
Die betriebswirtschaftliche Erfolgsspaltung hingegen hat es sich zum Ziel gemacht, ein Ergebnis zu ermitteln, welches bei gleichbleibenden Bedingung eine bessere Beurteilung und Abschätzung des Erfolgspotentials des Unternehmens ermöglicht. Dafür werden die Erfolgskomponenten des Jahresergebnisses möglichst präzise in nachhaltige prognosefähige, d.h. auch in der Zukunft zu erwartende und in nicht-nachhaltige Bestandteile aufgeteilt.[23] Bei der betriebswirtschaftlichen Erfolgsspaltung erfolgt die Aufteilung des Jahreserfolges folglich nicht nur gemäß des Kriteriums der Betriebszugehörigkeit, in ein Betriebsergebnis und ein Finanzergebnis wie bei der Erfolgsspaltung nach HGB, sondern auch gemäß des Kriteriums der Regelmäßigkeit.[24] Durch die Aufgliederung nach dem Kriterium der Regelmäßigkeit kommt es zu einer Differenzierung in ordentliche, regelmäßige und planbare sowie aperiodische, unregelmäßige nicht planbare Erfolgsbestandteile.[25] Das dadurch gewonnene nachhaltige Ergebnis kann dann auch als Basis für Planungen und Unternehmensbewertungen herangezogen werden (vgl. dazu Kapitel 3).
Der Unterschied zwischen der Erfolgsspaltung nach HGB und im betriebswirtschaftlichen Sinn besteht also folglich in dem Ausweis eines „außergewöhnlichen Ergebnisses“, welches nach BilRUG nur noch im Zuge der betriebswirtschaftlichen Erfolgsspaltung ausgewiesen wird.[26] Durch die Neudefinition der Umsatzerlöse und die Abschaffung des Begriffs außerordentlich fungieren die Posten der sonstige betriebliche Aufwendungen und Erträge als Sammelposten für jegliche regelmäßige und unregelmäßige Erfolgskomponenten, so dass das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit nur schwer als nachhaltige Ergebnisgröße deklariert werden kann.[27] Die Aufschlüsselung der Sammelposten in regelmäßige und unregelmäßige Komponenten wird erst unter Zuhilfenahme von Informationen aus der Bilanz und dem Anhang möglich.[28]
Die nicht-nachhaltigen Bestandteile des Jahresergebnisses können dabei in vier Kategorien (Bewertungs-, Liquidationserfolge, sonstige periodenfremde Erfolge oder nicht nachhaltige Komponenten) eingeteilt werden, die zunächst dem außergewöhnlichen Ergebnis zuzuweisen sind. Falls im Nachhinein doch ein nachhaltiger Charakter festgestellt werden kann, sind diese dann dem Betriebs- bzw. Finanzergebnis zuzuordnen.[29] Die periodenfremden Aufwendungen und Erträge, die nicht zugleich außergewöhnlich sind, sind gemäß § 285 Nr. 32 HGB im Anhang zu erläutern – was jedoch nach § 288 HGB nur für große Kapitalgesellschaften verpflichtend ist. Bewertungs- und Liquidationserfolge sind nur dann aus dem Betriebsergebnis zu eliminieren sofern sie nicht regelmäßig anfallen.[30] Unter Bewertungserfolgen sind z.B. außerplanmäßige Abschreibungen im Anlagevermögen sowie Rückstellungsauflösungen, sofern sie nicht regelmäßig anfallen, zu verstehen.[31] Da für die Bewertung des Anlagevermögens das Vorsichtsprinzip gilt, liegt die Wertuntergrenze teilweise im Ermessen des Bilanzierenden, wodurch Raum für bilanzpolitische Bewertungsmaßnahmen geschaffen wird.[32] Des Weiteren sind dem außergewöhnlichen Ergebnis auch Liquidationserfolge, wie Erfolge und Verluste aus dem Abgang langfristiger materieller, immaterieller oder finanzieller Vermögenswerte bzw. Schulden, nach IFRS auch Erfolge aus aufgegebenen Geschäftsbereichen, zuzuordnen. Ebenso enthalten sind periodenfremde Erfolge, wie z.B. Aufstockungen von Pensionsrückstellungen wegen einer nachträglichen Zusageerhöhung, sowie sonstige unregelmäßige Erfolge.[33] Anhang 7 zeigt eine mögliche Gliederung des außergewöhnlichen Ergebnisses.
Zusammenfassend kann man festhalten, dass die betriebswirtschaftliche Erfolgsspaltung in zwei Schritten abläuft. Zuerst werden die außergewöhnlichen Komponenten vom ordentlichen Ergebnis abgespalten, um die Nachhaltigkeit des Erfolgs zu untersuchen und anschließend der Finanzerfolg vom operativen bzw. betrieblichen Ergebnis getrennt.[34]
Um einen Gesamtüberblick der Erfolgsspaltung zu erhalten, werden auch noch kurz die Bestandteile des „ordentliche Betriebsergebnisses“ und des „Finanzergebnisses“ thematisiert. Das ordentliche Betriebsergebnis, wie es im Anhang 8 jeweils nach Anwendung des GKV und UKV dargestellt ist, beinhaltet die regelmäßig im normalen Geschäftsbetrieb anfallenden Aufwendungen und Erträge und stellt den nachhaltigen Betriebserfolg dar. Das ordentliche betriebsfremde Ergebnis (=Finanzergebnis) umfasst v.a. Erträge aus Kapitalanlagen und –verflechtungen von denen die dazugehörigen Aufwendungen subtrahiert werden (vgl. dazu Anhang 9).[35] Das Finanzergebnis nach HGB enthält dabei Komponenten, die bei der betriebswirtschaftlichen Erfolgsspaltung zu isolieren sind. Als Beispiel sind, aufgrund eines (Teil-)Gewinnabführungsvertrags abgeführte Gewinne zu nennen, da es sich dabei nicht um Aufwendungen der Gesellschaft sondern um eine Gewinnverwendung handelt.[36]
Obwohl im vorangehenden Teil bereits vereinzelt auf die unterschiedliche Behandlung der Erfolgsspaltung eingegangen wurde, soll nachfolgend ein detaillierterer Überblick über die Behandlung von aperiodischen und außergewöhnlichen Größen im Jahresabschluss mittels der Erfolgsspaltung nach IFRS gegeben werden. Ausgangspunkt für die Erfolgsspaltung ist ebenfalls die GuV, die, wie bereits erwähnt, nur die Mindestanforderungen nach IAS 1.82 erfüllen muss. Es ist dabei allerdings festzustellen, dass deutsche Unternehmen die ihre Abschlüsse nach IFRS aufstellen, ihre GuV-Gliederung und Aufgliederung der Bilanzpositionen, oftmals dem HGB-Schemata angepasst haben.[37] Im Gegensatz zu der Erfolgsspaltung nach HGB, bei der grundsätzlich alle eingehenden Wertänderungen in der GuV erfasst sind, gibt es nach IFRS neben den GuV-wirksamen Bestandteilen des Jahresergebnisses auch eine GuV-neutrale Erfassung von gewissen Wertänderungen, wie z.B. die Wertveränderungen aus der (Neu-)Bewertung der Sachanlagen. Das Gesamtergebnis nach IFRS unterteilt sich folglich in zwei Teilergebnisse, den Saldo aus GuV-wirksamen Erträgen und Aufwendungen (profit or loss) und den Saldo der GuV-neutralen Wertänderungen (other comprehensive income).[38]
Ähnlich wie das BilRUG führte das im Jahr 2003 veröffentlichte Improvement Project, zu wesentlichen Änderungen an der GuV-Gliederung, durch die eine Ergebnisspaltung in Betriebsergebnis, Finanzergebnis und außerordentliches Ergebnis entfiel. Gemäß IAS 1.87 gilt seit dem ein Verbot für den Ausweis eines außerordentlichen Ergebnisses. Der Ausweis eines Ergebnisses für aufgegebene Geschäftsbereiche („discontinued operations“) ist jedoch nach IFRS 5.33 verpflichtend aufzustellen.[39] Innerhalb dieses Postens werden jegliche Ergebniskomponenten ausgewiesen, von denen sich das Unternehmen trennen möchte oder bereits schon getrennt hat, so dass dem Bilanzleser die Möglichkeit eingeräumt wird, die wesentlichen unregelmäßigen Komponenten von den endenden Geschäftsvorgängen zu separieren. Da gemäß HGB ein solcher Ausweis nicht existiert, sind die endenden Geschäftsvorgänge Bestandteil des unregelmäßigen betrieblichen oder betriebsfremden Ergebnisses.[40]
Das Ergebnis „from continuing operations“ besteht hauptsächlich aus betrieblichen sowie aus betriebsfremden Erfolgskomponenten, kann aber dennoch aperiodische Beträge umfassen, die nicht oder nur schwer prognostizierbar sind. Diese gilt es dann zu isolieren, um ein nachhaltiges betriebliches Ergebnis ermitteln zu können.[41] Eine exakt definierte Untergliederung des Ergebnisses i.S. der Erfolgsspaltung existiert jedoch nicht.[42]
Die in der betriebswirtschaftlichen Erfolgsspaltung nach der GuV dargestellten Überlegungen finden auch in der IFRS-Rechnungslegung ihre entsprechende Anwendung. Die Gliederungsschemata des ordentlichen Betriebsergebnisses nach GKV und UKV i.S. der IFRS sind in Anhang 10 dargestellt. Wie auch bei der Erfolgsspaltung im betriebswirtschaftlichen Sinn erweist sich bei IFRS die exakte Aufteilung der Posten „sonstigen Erträge und Aufwendungen“ ebenfalls als problematisch, da auch sie als Sammelposten für sämtliche Erfolgsbestandteile dienen. Sofern sie aperiodische Eigenschaften, Liquidations- und/oder Bewertungserfolge beinhalten, sind sie bilanzanalytisch dem aperiodischen Ergebnis zuzuweisen.[43] Die Aufgliederung der Sammelposten wird wieder unter Zuhilfenahme der Angaben im Anhang („notes“), der einen integralen Bestandteil des IFRS-Abschlusses darstellt, ermöglicht. Ergänzend zu erwähnen ist, dass nach IFRS-Rechnungslegung eine bedeutend umfangreichere Angabe- und Erläuterungspflicht als nach HGB besteht. Durch die erweiterten handelsrechtlichen Angabevorschriften, die seit dem in Kraft treten des BilRUG erforderlich sind, wird jedoch eine Annäherung an die umfangreichen Pflichtangaben des IFRS-Anhangs erreicht.[44]
Für die IFRS-Rechnungslegung ist v.a. die zunehmende Bewertung von Vermögenswerten und Schulden zum fair value charakterisierend, wobei die entstehenden Wertänderungen Erfolgskomponenten darstellen, die sowohl im Eigenkapital als auch in der GuV als Erträge bzw. Aufwendungen erfasst werden. Eine klare Feststellung ob diese Größen von regelmäßiger oder unregelmäßiger Natur sind, ist meist schwierig. Sie deshalb pauschal als außerordentliche Größe zu interpretieren wäre aber dennoch keine sachgemäße Lösung. Nichtsdestotrotz sollten sie aufgrund ihres unregelmäßigen Charakters isoliert dargestellt werden.[45]
Nachdem die regelmäßigen Erfolgskomponenten von den unregelmäßig auftretenden mit Hilfe der Angabepflicht in IAS 1.97 getrennt wurden, können diese anschließend gemäß der in IAS 1.98 genannten Musterbeispiele, entweder dem aperiodisch betrieblichen oder dem aperiodisch betriebsfremden Ergebnis zugewiesen werden. Gemäß IAS 1.97 sind alle unregelmäßigen Komponenten explizit auszuweisen sofern sie wesentlich sind.[46] Die Bestandteile der beiden Ergebnisse sind im Anhang 11 abgebildet. Dem aperiodisch betrieblichen Ergebnis sind bspw. Aufwendungen zuzurechnen, die unregelmäßig anfallen, aber dennoch aus der betrieblichen Tätigkeit des Unternehmens stammen, wie z.B. außerplanmäßige Abschreibungen der Vorräte oder Sachanlagen sowie die Wertaufholung dieser außerplanmäßigen Abschreibung (vgl. IAS 1.98 für weitere Beispiele).[47] Der Begriff „Finanzierungsaufwendungen“ wird zwar nach IFRS nicht explizit definiert, Anhang 12 stellt aber dennoch eine mögliche Aufgliederung der Posten dar, die als Hauptbestandteile des Finanzergebnisses angesehen werden können. Nicht nur im Betriebsergebnis, sondern auch im Finanzergebnis sind aperiodische Größen zu finden, die dann in einem aperiodisch betriebsfremden Ergebnis isoliert dargestellt werden. Als Beispiele dafür lassen sich in der GuV auftretende fair value-Änderungen von Finanzinstrumenten anführen.[48]
Um eine weitreichende Vergleichbarkeit zu gewährleisten, ist es im Hinblick auf eine umfassendere Erfolgskonzeption sinnvoll, auch die GuV-neutralen Erfolge bei der weiteren Analyse des Erfolgspotenzials miteinzubinden. Dies wäre z.B. durch die Bildung eines aperiodisch GuV-neutralen betrieblichen Ergebnisses denkbar.[49]
Vergleicht man nun die beiden Erfolgskonzeptionen des HGB und IFRS miteinander so lassen sich einige Unterschiede bezüglich der zwischenbetrieblichen Vergleichbarkeit von Unternehmen, feststellen. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass bei Abschlüssen nach IFRS auch GuV-neutrale Wertänderungen auf außergewöhnliche Einflüsse untersucht werden müssen. Ein weiterer Unterschied liegt in dem, bereits angesprochenen, unterschiedlichen Detaillierungsgrad der GuV-Gliederung, wodurch ein zwischenbetrieblicher Vergleich erschwert wird. Es lässt sich jedoch feststellen, dass sich die IFRS-Bilanzierungspraxis bei deutschen Konzernen an das detaillierte Gliederungsschema nach § 275 HGB als Best-Practice-Regel angepasst hat.[50]
Das erläuterte Konzept der Erfolgsspaltung führt in der praktischen Anwendung jedoch zu einigen Problemen. Zu erwähnen sind einerseits die Abgrenzungsprobleme zwischen dem ordentlichen Betriebsergebnis und dem Finanzergebnis und andererseits die Schwierigkeit der Klassifizierung von Aufwendungen und Erträgen als außergewöhnlich.[51]
[1] Vgl. BT-Drucks. 23/15, S. 1.
[2] Vgl. Heesen / Gruber (2016), S. 40 f.; vgl. auch BT-Drucks. 18/5356, S. 83.
[3] Vgl. BT-Drucks. 23/15, S. 76.
[4] Vgl. Heesen / Gruber (2016), S. 41.
[5] Vgl. Hufnagel / Burgfeld-Schächer (2016), S. 207.
[6] Vgl. BT-Drucks. 23/15, S. 76.
[7] Vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1127.
[8] Vgl. Heesen / Gruber (2016), S. 35.
[9] Vgl. Adler et al. (1992), S. 26.
[10] Vgl. Coenenberg et al. (2016a), S. 438.
[11] Vgl. Adler et al. (1992), S. 26.
[12] Vgl. Schiffers / Theile (2016), S. 353.
[13] Statement of Standard Accounting Practice (SSAP) No. 6: The Institute of Chartered Accountants in England and Wales. „Extraordinary items, for the purposes of this Statement, are those items, which derive from events or transactions outside the ordinary activities of the Business and which are both material and expected not to recur regularly. They do not include items which, though exceptional on account of size and incidence (and which may therefore require separate disclosure), derive from the ordinary activities of the Business. Neither do they include prior year items because they relate to a prior year.”
[14] Vgl. BT-Drucks. 18/5256, S. 83.
[15] Vgl. Coenenberg et al. (2016a), S. 570.
[16] Vgl. Gräfer et al. (2012), S. 27.
[17] Vgl. Coenenberg et al. (2016a), S. 581.
[18] Vgl. Lachnit (2004), S. 179; vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1125.
[19] Vgl. Coenenberg et al. (2016a), S. 581.
[20] Vgl. Baetge et al. (2004), S. 335.
[21] Vgl. Coenenberg et al. (2016a), S. 584 f.
[22] Vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1126 f.
[23] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 243 f.
[24] Vgl. Baetge et al. (2012a), S. 593.
[25] Vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1136.
[26] Vgl. Brösel (2017), S. 227.
[27] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 252.
[28] Vgl. Bitz et al. (2014), S. 626.
[29] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 266 f.
[30] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 271 f.
[31] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 266.
[32] Vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1131 f.
[33] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 266 f.
[34] Vgl. Burger et al. (2010), S. 366; vgl. auch Botta (1994), S. 38.
[35] Vgl. Steger (2017), S. 18 ff.
[36] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 275.
[37] Vgl. Burger et al. (2004), S. 359.
[38] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 252 f.
[39] Vgl. Coenenberg et al. (2005), S. 437; vgl. Zülich (2004), S. 153.
[40] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 267 f.
[41] Vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1132 f.
[42] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 255.
[43] Vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1135.
[44] Vgl. Kirsch (2013), S. 2.
[45] Vgl. Coenenberg et al. (2005), S. 437.
[46] Vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1135.
[47] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 256.
[48] Vgl. Baetge et al. (2012a), S. 652.
[49] Vgl. Coenenberg et al. (2016b), S. 1141.
[50] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 264.
[51] Vgl. Küting / Weber (2015), S. 279.
V379783
9783668569959
9783668569966
berücksichtigung, größen, eva-konzept, dcf-verfahren
Anonym, 2017, Zur Berücksichtigung von aperiodischen und außergewöhnlichen Größen im EVA-Konzept und beim DCF-Verfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379783
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 § 275
 § 275
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