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Timestamp: 2017-03-28 00:26:16+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 5 AZR 432/07
Prozessstandschaft, Vergütung
Der Ar­beit­neh­mer kann Vergütungs­ansprüche, die we­gen der Zah­lung von Ar­beits­lo­sen­geld auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit über­ge­gan­gen sind, im We­ge der ge­willkürten Pro­zess­stand­schaft für die Bun­des­agen­tur gel­tend ma­chen.
Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 23.05.2006, 2 Ca 2056/05
5 AZR 432/07 1 Sa 250/06 + 1 Sa 258/06 Lan­des­ar­beits­ge­richtBre­men Im Na­men des Vol­kes!
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19. März 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. - 2 - Dr. Mi­kosch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Laux so­wie die eh­ren-amt­li­chen Rich­ter Hin­richs und Heyn für Recht er­kannt:
Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis zum 31. Au­gust 2003. Der Kläger er­hob hier­ge­gen Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Ab dem 1. Sep­tem­ber 2003 be­zog er Ar­beits­lo­sen­geld bis zum 31. März 2004 in Höhe von ins­ge­samt - 3 - 6.973,19 Eu­ro. Mit Ur­teil vom 30. Au­gust 2004 stell­te das Ar­beits­ge­richt Bre­men rechts­kräftig fest, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung be­en­det wor­den ist.
Der Kläger hat, so­weit für die Re­vi­si­on noch von In­ter­es­se, be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit 6.973,19 Eu­ro zu zah­len.
1. Die Pro­zessführungs­be­fug­nis ist als Pro­zess­vor­aus­set­zung in je­der La­ge des Ver­fah­rens von Amts we­gen zu prüfen. Die ge­richt­li­che Gel­tend- - 4 - ma­chung ei­nes frem­den Rechts im ei­ge­nen Na­men ist ein an­er­kann­tes In­sti­tut des Pro­zess­rechts. Ne­ben der ge­setz­li­chen Pro­zess­stand­schaft wird von der ständi­gen Recht­spre­chung auch die Pro­zess­stand­schaft kraft Ermäch­ti­gung, die sog. ge­willkürte Pro­zess­stand­schaft, an­er­kannt. Sie setzt ne­ben der wirk­sa­men Ermäch­ti­gung durch den Be­rech­tig­ten ein ei­ge­nes schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Klägers vor­aus (BAG 19. März 2002 - 9 AZR 752/00 - BA­GE 100, 369, 375; BGH 15. Mai 2003 - IX ZR 218/02 - WM 2003, 1367). Wirk­sam­keit und Be­stand ei­ner Pro­zessführungs­ermäch­ti­gung rich­ten sich nach dem ma­te­ri­el­len Recht. Die Ermäch­ti­gung ist un­wirk­sam, wenn ei­ne Ab­tre­tung der gel­tend ge­mach­ten For­de­rung an den Kläger un­zulässig ist und ei­ne Ein­zie­hungs­ermäch­ti­gung dem Zweck des Ab­tre­tungs­ver­bots wi­der­spricht (BGH 2. De­zem­ber 2003 - VI ZR 243/02 - NJW-RR 2004, 595, 597 mwN). Sie kann nach Kla­ge­er­he­bung er­fol­gen und wirkt bei of­fen­ge­leg­ter Pro­zess­stand­schaft auf den Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung zurück. Ein ei­ge­nes rechts­schutzwürdi­ges In­ter­es­se liegt vor, wenn die Ent­schei­dung des Pro­zes­ses die ei­ge­ne Rechts­la­ge des Pro­zessführen­den güns­tig be­ein­flusst (BGH 3. April 2003 - IX ZR 287/99 - WM 2003, 969, 970).
b) Die Ermäch­ti­gung ist wirk­sam. Ihr ste­hen we­der ein Ab­tre­tungs­ver­bot noch so­zi­al­recht­li­che Ge­sichts­punk­te ent­ge­gen. Die Rück­ab­tre­tung des über­ge­gan­ge­nen Vergütungs­an­spruchs wur­de nicht durch Ver­ein­ba­rung aus­ge­schlos­sen und führt auch nicht zu ei­ner Verände­rung des In­halts des ar­beits­recht­li­chen An­spruchs (§ 399 BGB). Die Gleich­wohl­gewährung von Ar­beits- - 5 - lo­sen­geld nach § 143 Abs. 3 Satz 1 SGB III be­zweckt die Si­che­rung der Exis­tenz­grund­la­ge des Ver­si­cher­ten. Die Leis­tungs­gewährung er­folgt un-abhängig von dem Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses endgültig. Ei­ne Rück­for­de­rung des Ar­beits­lo­sen­gelds durch die Bun­des­agen­tur ist grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen (BSG 25. Ok­to­ber 1989 - 7 RAr 108/88 - SozR 2. Fol­ge 4100 § 117 AFG Nr. 26; 11. Ju­ni 1987 - 7 RAr 16/86 - NZA 1988, 330, 331). Le­dig­lich wenn der Ar­beit­ge­ber mit be­frei­en­der Wir­kung an den Ar­beit­neh­mer leis­tet und die Bun­des­agen­tur ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber die über­ge­gan­ge­ne For­de­rung nicht mehr durch­set­zen kann (vgl. §§ 412, 407 Abs. 1 BGB), er­laubt § 143 Abs. 3 Satz 2 SGB III, das Ar­beits­lo­sen­geld zurück­zu­for­dern.
- 6 - c) Ein ei­ge­nes recht­li­ches In­ter­es­se des Klägers an der Gel­tend­ma­chung der über­ge­gan­ge­nen For­de­rung liegt vor.
- 7 - lo­sen­geld bei er­neu­ter Ar­beits­lo­sig­keit und da­mit zu ei­ner Ver­bes­se­rung sei­ner Rechts­stel­lung (vgl. aus­drück­lich BSG 29. No­vem­ber 1988 - 11/7 RAr 79/87 -, BS­GE 64, 199, 200 f.). Dass das schutzwürdi­ge In­ter­es­se im Ver­lau­fe des Rechts­streits aus be­son­de­ren Gründen ent­fal­len ist, ist nicht er­sicht­lich und wird von der Be­klag­ten auch nicht ein­ge­wandt.
- 8 - a) Die Be­klag­te kann sich auf die Aus­schluss­fris­ten des § 21 Abs. 1 RTV nicht be­ru­fen, da sie ge­genüber dem Kläger mit Schrei­ben vom 2. De­zem­ber 2003 auf die Gel­tend­ma­chung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist ver­zich­tet hat, so­weit die Ansprüche an die­sem Tag noch nicht ver­fal­len wa­ren (vgl. schon BAG 22. De­zem­ber 1971 - 1 AZR 180/71 - BA­GE 24, 84, 89 f.). Der Sep­tem­ber­lohn wur­de nach § 3 Abs. 3 des Ar­beits­ver­trags Mit­te Ok­to­ber fällig und war des­halb am 2. De­zem­ber 2003 noch nicht ver­fal­len. Der Ver­zicht wirkt zu­guns­ten des Klägers auch in­so­weit, wie die Ansprüche auf die Bun­des­agen­tur über­ge­gan­gen sind und vom Kläger in Pro­zess­stand­schaft ein­ge­klagt wer­den.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 91, 92, 97 ZPO. Müller-Glöge Mi­kosch Laux
W. Hin­richs Heyn	m.hensche.de
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References: BGH 
 § 143
 § 117
 § 143
 § 21
 § 3