Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_tarifliche-Kuendigungsfristen_BAG_2AZR21-07.html
Timestamp: 2020-03-30 15:27:35+00:00

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hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23. April 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Rost, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Bröhl und Schmitz-Scho­le­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Bartz und Dr. Grim­berg für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 5. De­zem­ber 2006 - 6 Sa 450/06 - wird auf Kos­ten des Klägers zurück­ge­wie­sen.
3.3. In Be­trie­ben/Be­triebsstätten mit in der Re­gel min­des­tens 20 Ar­beit­neh­mern (oh­ne Aus­zu­bil­den­de und mit­hel­fen­de Fa­mi­li­en­an­gehöri­ge) beträgt die Frist für ei­ne Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber bei ei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit von
Der Kläger hat, so­weit von In­ter­es­se, be­an­tragt,
fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 14. No­vem­ber 2005 nicht mit Wir­kung zum 31. De­zem­ber 2005, son­dern erst zum 30. Ju­ni 2006 auf­gelöst wor­den ist;
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 2.700,00 Eu­ro nebst fünf Pro­zent­punk­ten über dem gülti­gen Ba­sis­zins­satz aus dem dar­aus ge­schul­de­ten Net­to­be­trag seit dem
1. Fe­bru­ar 2006 zu be­zah­len.
A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die ta­rif­li­che Re­ge­lung der Kündi­gungs­fris­ten für wirk­sam ge­hal­ten. § 622 Abs. 4 BGB ent­hal­te kei­ne Ver­pflich­tung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, ei­ne be­stimm­te Re­ge­lung der Kündi­gungs­fris­ten zu tref­fen. Ei­ne Bin­dung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en an ei­ne - je­den­falls der heu­ti­gen Rechts­la­ge auch nicht ent­spre­chen­de - „Leit­idee des Ge­setz­ge­bers“ sei schwer prak­ti­ka­bel. Die ta­rif­li­che Re­ge­lung ver­s­toße un­ter Berück­sich­ti­gung der Einschätzungs­präro­ga­ti­ve der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht ge­gen Art. 3 GG. Es han­de­le sich um ei­ne dif­fe­ren­zier­te Re­ge­lung, die sich zulässi­ger­wei­se an der Be­triebs­größe ori­en­tie­re. Auch den Ar­beit­neh­mern die­ser klei­nen Be­trie­be blei­be ei­ne ge­genüber der Re­gel­frist verlänger­te Kündi­gungs­frist.
B. Dem stimmt der Se­nat im Er­geb­nis und weit­ge­hend auch in der Be­gründung zu. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Die Kündi­gung vom 14. No­vem­ber
2005 hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zum 31. De­zem­ber 2005 be­en­det. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Zah­lung von Vergütung für den Mo­nat Ja­nu­ar 2005.
- 2 AZR 220/91 -, in dem der Se­nat auf die­se Fra­ge nicht mehr zurück­ge­kom­men ist). Die amt­li­che Be­gründung (BT-Drucks. 12/4902) lässt es nicht an Klar­heit feh­len:
aa) Al­ler­dings wird die Auf­fas­sung ver­tre­ten, Ta­rif­verträge im Rah­men des § 622 Abs. 4 BGB müss­ten sich an die Ziel­set­zung des Ge­set­zes hal­ten, älte­re
Ar­beit­neh­mer durch länge­re Fris­ten stärker zu schützen (vgl. KR-Spil­ger 8. Aufl. § 622 BGB Rn. 214 mit wei­te­ren Nach­wei­sen, die sich aber fast durch­weg auf § 622 Abs. 3 BGB aF be­zie­hen; vgl. Er­man/Ha­nau BGB 9. Aufl. § 622 BGB aF Rn. 26 ei­ner­seits und Er­man/Bel­ling BGB (seit 10. Aufl.) § 622 BGB nF Rn. 12 f. an­de­rer­seits; Ca­na­ris Gedächt­nis­schrift Rolf Dietz S. 199, 215). Wenn auch die­se Fris­ten verkürzt wer­den könn­ten, so dürfe doch die Dif­fe­ren­zie­rung zu Guns­ten älte­rer Ar­beit­neh­mer nicht vollständig auf­ge­ge­ben wer­den.
(3) Da­ne­ben weist auch die Be­klag­te zu Recht dar­auf hin, dass bei Ta­rif­verträgen in den meis­ten Fällen an­ge­nom­men wer­den kann, ei­ne be­stimm­te Ein­zel­re­ge­lung ste­he im Zu­sam­men­hang ei­nes von annähernd gleich star­ken
Ge­gen­spie­lern aus­ge­han­del­ten Ge­bens und Neh­mens, könne al­so nicht oh­ne Wei­te­res für sich ge­nom­men mit ei­ner et­wa güns­ti­ge­ren ge­setz­li­chen Rechts­la­ge ver­gli­chen wer­den. In­so­weit weist die Be­klag­te auf nicht un­beträcht­li­che Vergütungs­be­stand­tei­le hin, auf die der Kläger oh­ne Gel­tung des Ta­rif­ver­trags kei­nen An­spruch ge­habt hätte.
Al­ters noch den der Be­triebs­zu­gehörig­keit ei­ne Ver­pflich­tung des Ge­setz­ge­bers zu un­ter­schied­li­chen Re­ge­lun­gen an­ge­nom­men.
bb) Zum an­dern knüpft die ta­rif­ver­trag­li­che Be­stim­mung der Kündi­gungs­fris­ten an die Be­triebs­größe an. Sie setzt vor­aus, dass Un­ter­neh­men mit ei­ner ge­rin­ge­ren Be­leg­schafts­zahl ty­pi­scher­wei­se auch ei­ne ge­rin­ge­re Wirt­schafts-kraft auf­wei­sen und we­ni­ger gut in der La­ge sind, et­wa kurz­fris­tig ein­tre­ten­de Auf­trags­ein­brüche auf­zu­fan­gen. Des­halb sol­len sie von den durch die länge­ren Kündi­gungs­fris­ten ver­ur­sach­ten Las­ten be­freit wer­den. Nur für sol­che Klein­be­trie­be ent­fal­len die länge­ren Kündi­gungs­fris­ten für länger beschäftig­te Ar­beit­neh­mer. Der Ge­setz­ge­ber hat, oh­ne dass dies vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt be­an­stan­det wor­den wäre, ver­schie­dent­lich Klein­be­trie­be begüns­tigt (vgl. zu § 128 AFG: BVerfG 23. Ja­nu­ar 1990 - 1 BvL 44/86, 1 BvL 48/87 - BVerfGE 81, 156; zum Steu­er­recht: BVerfG 7. No­vem­ber 2006 - 1 BvL 10/02 - BVerfGE 117, 1; vgl. im Übri­gen auch § 622 Abs. 5 BGB) und so­gar den vollständi­gen Weg­fall des ge­setz­li­chen ma­te­ri­el­len Kündi­gungs­schut­zes für Klein­be­trie­be und da­mit ei­ne we­sent­lich mas­si­ve­re Schwächung des so­zia­len Schut­zes für die be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer vor­ge­se­hen. Den­noch hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die­se Re­ge­lun­gen und § 23 KSchG un­be­an­stan­det ge­las­sen und auch kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung bei den Kündi­gungs­fris­ten als ge­bo­ten er­ach­tet
(27. Ja­nu­ar 1998 - 1 BvL 15/87 - BVerfGE 97, 169), son­dern auf den durch §§ 128, 242 BGB ver­mit­tel­ten Schutz in Klein­be­trie­ben hin­ge­wie­sen. Letz­te­rer ist hier in­des nicht be­trof­fen. Dass die Kündi­gung sit­ten- oder treu­wid­rig wäre, ist nicht gel­tend ge­macht.
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References: § 622
 Art. 3
 § 622
 § 622
 § 622
 § 622
 § 622
 § 128
 § 622
 § 23