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Timestamp: 2019-03-22 00:20:29+00:00

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BMF v. 08.09.2006 - — IV B 2 - S 2133 - 10/06 - NWB Datenbank
BMF, Schreiben v. 08.09.2006 - — IV B 2 - S 2133 - 10/06 —BStBl 2006 I S. 497
Unter Bezugnahme auf das Ergebnis der Erörterung mit den obersten Finanzbehörden der Länder nimmt das BMF zur Anwendung des § 5 Abs. 2a EStG in der Fassung des Steuerbereinigungsgesetzes 1999 vom 22. Dezember 1999 , BGBl I S. 2601, auf Fälle, in denen zwischen Schuldner und Gläubiger eine Rangrücktrittsvereinbarung abgeschlossen wurde, wie folgt Stellung:
1Bei einem einfachen Rangrücktritt vereinbaren Schuldner und Gläubiger, dass eine Rückzahlung der Verbindlichkeit nur dann zu erfolgen habe, wenn der Schuldner dazu aus zukünftigen Gewinnen, aus einem Liquidationsüberschuss oder aus anderem – freien – Vermögen künftig in der Lage ist und der Gläubiger mit seiner Forderung im Rang hinter alle anderen Gläubiger zurücktritt. Bei dieser Vereinbarung handelt es sich um einen Rangrücktritt, der mit einer Besserungsabrede verbunden wird.
2Bei einem qualifizierten Rangrücktritt erklärt der Gläubiger sinngemäß, er wolle wegen der Forderung erst nach Befriedigung sämtlicher anderer Gläubiger der Gesellschaft und – bis zur Abwendung der Krise – auch nicht vor, sondern nur zugleich mit den Einlagenrückgewähransprüchen der Gesellschafter berücksichtigt, also so behandelt werden, als handele es sich bei seiner Forderung um statutarisches Kapital (vgl. Urteil des BGH vom 8. Januar 2001, BGHZ S. 146, 264 - 280). Ziel der Vereinbarung eines qualifizierten Rangrücktritts ist, die Verbindlichkeit in der insolvenzrechtlichen Überschuldungsbilanz der Gesellschaft nicht auszuweisen.
3Eine Verbindlichkeit ist zu passivieren, wenn sie rechtlich entstanden und wirtschaftlich verursacht ist. Dagegen widerspricht es den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung, wenn ein Kaufmann Verbindlichkeiten in seiner Bilanz ausweist, obwohl mit einer Inanspruchnahme durch den Gläubiger mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu rechnen ist und die – rechtlich bestehende – Verpflichtung keine wirtschaftliche Belastung mehr darstellt ( BFH vom 22. November 1988, BStBl 1989 II S. 359). Allein die Tatsache, dass der Schuldner die Verbindlichkeit mangels ausreichenden Vermögens nicht oder nur teilweise tilgen kann, begründet noch keine Annahme einer fehlenden wirtschaftlichen Belastung ( BFH vom 9. Februar 1993, BStBl II S. 747).
4Die Vereinbarung eines einfachen oder eines qualifizierten Rangrücktritts hat keinen Einfluss auf die Bilanzierung der Verbindlichkeit. Im Gegensatz zu einem Forderungsverzicht mindert sich oder erlischt die Verbindlichkeit nicht. Diese wird weiterhin geschuldet und stellt für den Steuerpflichtigen eine wirtschaftliche Belastung dar; lediglich die Rangfolge der Tilgung ändert sich. Die Verbindlichkeit ist weiterhin als Fremdkapital in der (Steuer-)Bilanz der Gesellschaft auszuweisen.
5Gemäß § 5 Abs. 2a EStG darf weder eine Verbindlichkeit angesetzt noch eine Rückstellung gebildet werden, wenn die Verpflichtung nur zu erfüllen ist, soweit künftig Einnahmen oder Gewinne anfallen. Eine solche Verbindlichkeit oder Rückstellung darf erst angesetzt werden, wenn die Einnahmen oder Gewinne angefallen sind.
6Voraussetzung für die Anwendung des § 5 Abs. 2a EStG ist, dass zwischen dem Ansatz der Verbindlichkeit und Gewinnen und Einnahmen eine Abhängigkeit im Zahlungsjahr besteht. Haben Schuldner und Gläubiger eine Vereinbarung im Sinne der Rdnr. 1 (= einfacher Rangrücktritt) geschlossen, besteht die erforderliche Abhängigkeit zwischen Verbindlichkeit und Einnahmen oder Gewinnen nicht, so dass der Tatbestand des § 5 Abs. 2a EStG nicht erfüllt ist; die Verbindlichkeit ist zu passivieren. Fehlt dagegen eine Bezugnahme auf die Möglichkeit einer Tilgung auch aus sonstigem freien Vermögen, ist der Ansatz von Verbindlichkeiten oder Rückstellungen bei derartigen Vereinbarungen ausgeschlossen.
7Bei einer Vereinbarung im Sinne der Rdnr. 2 (qualifizierter Rangrücktritt) liegen die Voraussetzungen des § 5 Abs. 2a EStG nicht vor, weil eine Abhängigkeit zwischen Verbindlichkeit und Einnahmen oder Gewinnen nicht besteht, sondern die Begleichung der Verbindlichkeit zeitlich aufschiebend bedingt – bis zur Abwendung der Krise – verweigert werden kann.
8Die Aussagen des BFH im Urteil vom 10. November 2005 (BStBl II S. 2006 618) stehen dem nicht entgegen. Die Vereinbarung eines Rangrücktritts (ohne Besserungsabrede) erfüllt nicht die Tatbestandsvoraussetzungen des § 5 Abs. 2a EStG. Daher kann es in einem solchen Fall nicht auf eine ausdrückliche Bezugnahme auf die Möglichkeit der Tilgung auch aus einem Liquidationsüberschuss oder aus sonstigem freien Vermögen ankommen.
9Dieses Schreiben ist in allen offenen Fällen anzuwenden. Es ersetzt das BMF-Schreiben vom 18. August 2004 (BStBl I S. 850).
BMF, Schreiben v. 08.09.2006 - — IV B 2 - S 2133 - 10/06
OFD Magdeburg 29.1.2007 - S 1980
BayLfSt 23.10.2006 - S 1980
BayLfSt 20.9.2006 - S 2133
BMF 18.8.2004 - S 2133
FG Hamburg 12.10.2017 - 1 K 54/15
BFH 15.4.2015 - I R 44/14
FG Köln 26.3.2015 - 10 K 3777/09
BFH 30.11.2011 - I R 100/10
BFH 16.5.2007 - I R 36/06
BStBl 2006 I Seite 497
BB 2006 S. 2300 Nr. 42
BStBl I 2006 S. 497 Nr. 14
DB 2006 S. 2037 Nr. 38
DStR 2006 S. 1700 Nr. 38
EStB 2006 S. 370 Nr. 10
FR 2006 S. 947 Nr. 20
GmbH-StB 2006 S. 291 Nr. 10
GmbHR 2006 S. 1115 Nr. 20
KÖSDI 2006 S. 15265 Nr. 10
SJ 2006 S. 34 Nr. 19
StB 2006 S. 410 Nr. 11
StBW 2006 S. 9 Nr. 22
[AAAAC-03844]
NWB-Nachricht v. 08.07.2015, Bilanzierung | Keine Passivierung einer Verbindlichkeit bei Rangrücktritt (BFH)
NWB-Nachricht v. 18.07.2014, Bilanzierung | Passivierung einer Verbindlichkeit trotz Rangrücktritt (FG)
NWB-Nachricht v. 29.02.2012, Bilanzierung | Keine Passivierung bei sog. qualifiziertem Rangrücktritt (BFH)
Zwirner/Heyd/Zieglmaier, Sonderfragen zum Eigenkapital in der Handels- und Steuerbilanz, StuB S. 1
Hoffmann, Sonstiges freies Vermögen beim Rangrücktritt, StuB 11/2016 S. 405
Hoffmann, Bilanzierung des qualifizierten Rangrücktritts, StuB 8/2016 S. 285
Rätke, Beständigkeit und Wandel beim Rangrücktritt, StuB 20/2015 S. 771
Hoffmann, Rangrücktritt als steuerlicher Eigenkapitalgenerator, StuB 15/2015 S. 561
Broemel/Endert, Folgen eines Rangrücktritts in der Handels- und Steuerbilanz, BBK 8/2015 S. 357
Rätke, Gewinnerhöhung durch Rangrücktritt? - BFH erweckt § 5 Abs. 2a EStG zum Leben, StuB 9/2012 S. 338
EStH Einkommensteuer-Hinweise (2005) H 6.10
H 6.10 EStH
EStR 2005 R 6.10
BFH 22.8.2007 - X R 59/04
BFH 28.3.2007 - X R 15/04
BFH 6.3.2003 - XI R 52/01
BFH 22.9.1999 - XI R 46/98
BFH 8.12.1997 - GrS 1-2/95
BFH 26.6.1996 - XI R 41/95
BMF v. 08.09.2006 - — IV B 2 - S 2133 - 10/06 ablegen in?

References: § 5
 BGH 
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