Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=09.08.2002&Aktenzeichen=VI%20R%2041/96
Timestamp: 2019-09-22 06:52:31+00:00

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BFH, 09.08.2002 - VI R 41/96 - dejure.org
https://dejure.org/2002,1541
BFH, 09.08.2002 - VI R 41/96 (https://dejure.org/2002,1541)
BFH, Entscheidung vom 09.08.2002 - VI R 41/96 (https://dejure.org/2002,1541)
BFH, Entscheidung vom 09. August 2002 - VI R 41/96 (https://dejure.org/2002,1541)
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EStG § 42d; AO 1977 § 191 Abs. 1
Lohnsteuer-Hinterziehung - Begründungspflicht des Finanzamtes hinsichtlich einer Ermessensentscheidung - Ausübung und Darstellung des Auswahlermessens - Haftung des Arbeitgebers nach § 42d EStG
EStG § 42d; AO (1977) § 191 Abs. 1
Haftung - Die Ermessensausübung bei der Inanspruchnahme als Haftungsschuldner
Begründung Ermessensausübung, Entschließungs- Auswahlermessen, Haftung für Steuerschulden, Vollstreckung
§ 191 AO; § 42d EStG
Abgabenordnung; Zusammentreffen einer Arbeitgeberhaftung und der Haftung eines Dritten
BFHE 200, 200
BB 2003, 940
DB 2003, 318
BStBl II 2003, 160
Sie beziehen sich im Wesentlichen auf die Gründe der Vorentscheidung und tragen ergänzend vor, nach der Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 9. August 2002 VI R 41/96 (BFHE 200, 200, BStBl II 2003, 160) müsse die Finanzbehörde in Haftungsfällen spätestens in der Einspruchsentscheidung die Gründe ihrer Entscheidung abschließend darstellen.
Vielmehr haftet sie gemäß § 44 Abs. 1 AO 1977 zusammen mit den in Anspruch genommenen Klägern gegenüber der Finanzbehörde als Gesamtschuldnerin (vgl. BFH-Urteil in BFHE 200, 200, BStBl II 2003, 160).
§ 191 Abs. 1 AO 1977 als eine allgemeine den Erlass von Haftungsbescheiden regelnde Verfahrensvorschrift betrifft nämlich alle Haftungsvorschriften, wobei unter den einzelnen Haftungstatbeständen grundsätzlich keine Rangordnung besteht (BFH-Urteil in BFHE 200, 200, BStBl II 2003, 160, m.w.N.).
Dies reicht als Begründung für die Auswahlentscheidung, die im außergerichtlichen Vorverfahren nachgeholt werden kann (§ 126 Abs. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung --AO--; z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 9. August 2002 VI R 41/96, BFHE 200, 200, BStBl II 2003, 160; Kruse in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 191 AO Rz 108, m.w.N.), aus.
Es ging vielmehr um die Inanspruchnahme eines oder mehrerer Geschäftsführer gemäß §§ 69, 34 bzw. 35 AO (Senatsurteile vom 11. März 2004 VII R 52/02, BFHE 205, 14, BStBl II 2004, 579;… vom 30. Juni 1995 VII R 87/94, BFH/NV 1996, 3;… in BFH/NV 1991, 283;… vom 24. November 1987 VII R 82/84, BFH/NV 1988, 206;… Beschluss vom 19. Juli 1988 VII B 39/88, BFH/NV 1989, 145), um die Erwerberhaftung nach § 75 AO neben der Geschäftsführerhaftung nach § 69 AO (…Senatsurteil vom 22. September 1992 VII R 73, 74/91, BFH/NV 1993, 215) und um die Arbeitgeberhaftung nach § 42d des Einkommensteuergesetzes neben der Geschäftsführerhaftung wegen Lohnsteuerhinterziehung (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 9. August 2002 VI R 41/96, BFHE 200, 200, BStBl II 2003, 160).
cc) Es kann danach auf sich beruhen, ob dem vom Kläger angeführten BFH-Urteil vom 9. August 2002 VI R 41/96 (BFHE 200, 200, BStBl II 2003, 160) der von ihm formulierte abstrakte Rechtssatz zugrunde liegt.
Aufgrund Beschlusses des damaligen Berichterstatters des Senats vom 17.04.2001 wurde im Hinblick auf das seinerzeit beim BFH unter dem Aktenzeichen VI R 41/96 anhängige Revisionsverfahren das Ruhen des Klageverfahrens (Aktenzeichen: 15 K 2553/98) angeordnet.
Es ist zwar zutreffend, dass die Finanzbehörde bei einer auf § 42d EStG gestützten Haftungsinanspruchnahme des Arbeitgebers eines lohnsteuerpflichtigen Arbeitnehmers ihr Auswahlermessen auch dahingehend auszuüben verpflichtet ist, ob neben der Arbeitgeberhaftung noch die Haftung einer dritten Person etwa nach den Vorschriften der §§ 69 - 77 AO in Betracht kommt (BFH-Urteil vom 9. August 2002 VI R 41/96, BStBl II 2003, 160).
Die Voraussetzungen für eine Haftungsinanspruchnahme des gesetzlichen Vertreters nach §§ 69, 34 AO liegen damit dem Grunde nach vor (s. zur vergleichbaren Ermessenslage bei der Haftung des Arbeitgebers für Lohnsteuer nach § 42d EStG und des Geschäftsführers nach §§ 69, 34 AO BFH-Urteil vom 9. August 2002 VI R 41/96, BStBl II 2003, 160).
Soweit der Kläger in Bezug auf die Ausführungen des FG zur Ermessensausübung durch das FA eine Abweichung von der ständigen Rechtsprechung des BFH (u.a. von den BFH-Entscheidungen vom 3. Februar 1981 VII R 86/78, BFHE 133, 1, BStBl II 1981, 493;… vom 23. Oktober 1990 VII S 22/90, BFH/NV 1991, 500; vom 11. März 2004 VII R 52/02, BFHE 205, 14, BStBl II 2004, 579;… vom 22. September 1992 VII R 73-74/91, BFH/NV 1993, 215;… vom 7. April 1992 VII R 104/90, BFH/NV 1993, 213, und vom 9. August 2002 VI R 41/96, BFHE 200, 200, BStBl II 2003, 160) behauptet, liegt eine solche Divergenz nicht vor.
Hierbei müssen die bei Ausübung des Verwaltungsermessens angestellten Erwägungen - die Abwägung des Für und Wider der Inanspruchnahme des Haftungsschuldners - aus der Entscheidung selbst erkennbar sein (BFH-Urteil vom 09.08.2002 VI R 41/96, BStBl II 2003, 160).
Die Entscheidung des FA über die Inanspruchnahme eines Arbeitgebers als Haftungsschuldner für Lohnsteuer ist eine Ermessensentscheidung, die vom Gericht nur daraufhin überprüft werden darf, ob die gesetzlichen Grenzen des Ermessens überschritten oder von dem Ermessen in einer dem Zweck der Ermächtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht worden ist (§ 102 FGO und § 5 der Abgabenordnung --AO 1977-- i.V.m. § 42d Abs. 3 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes; z.B. BFH-Urteil vom 9. August 2002 VI R 41/96, BFHE 200, 200, BStBl II 2003, 160).
Hierbei müssen die bei der Ausübung des Verwaltungsermessens angestellten Erwägungen - die Abwägung des Für und Wider der Inanspruchnahme des Haftungsschuldners - aus der Entscheidung selbst erkennbar sein (BFH-Urteil vom 09. August 2002 VI R 41/96, m.w.N.).

References: § 42
 § 191
 § 42
 § 42
 § 191

§ 191
 § 42
 § 44

§ 191
 § 191
 § 75
 § 69
 § 42
 § 42
 § 42
 § 5
 § 42