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Timestamp: 2017-06-23 10:18:57+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: C-115/14
Mindestlohn, Vergaberecht
1. Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 31. März 2004 über die Ko­or­di­nie­rung der Ver­fah­ren zur Ver­ga­be öffent­li­cher Bau­aufträge, Lie­fer­aufträge und Dienst­leis­tungs­aufträge in der durch die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1251/2011 der Kom­mis­si­on vom 30. No­vem­ber 2011 geänder­ten Fas­sung ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er Rechts­vor­schrif­ten ei­ner re­gio­na­len Ein­heit ei­nes Mit­glied­staats wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen nicht ent­ge­gen­steht, nach de­nen sich Bie­ter und de­ren Nach­un­ter­neh­mer in ei­ner schrift­li­chen, ih­rem An­ge­bot bei­zufügen­den Erklärung ver­pflich­ten müssen, den Beschäftig­ten, die zur Ausführung von Leis­tun­gen, die Ge­gen­stand ei­nes öffent­li­chen Auf­trags sind, ein­ge­setzt wer­den sol­len, ei­nen in den be­tref­fen­den Rechts­vor­schrif­ten fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn zu zah­len. 2. Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 in der durch die Ver­ord­nung Nr. 1251/2011 geänder­ten Fas­sung ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er Rechts­vor­schrif­ten ei­ner re­gio­na­len Ein­heit ei­nes Mit­glied­staats wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen nicht ent­ge­gen­steht, die vor­se­hen, dass Bie­ter und de­ren Nach­un­ter­neh­mer von der Be­tei­li­gung an ei­nem Ver­fah­ren zur Ver­ga­be ei­nes öffent­li­chen Auf­trags aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn sie sich wei­gern, sich durch ei­ne schrift­li­che, ih­rem An­ge­bot bei­zufügen­de Erklärung zu ver­pflich­ten, den Beschäftig­ten, die zur Ausführung von Leis­tun­gen, die Ge­gen­stand des öffent­li­chen Auf­trags sind, ein­ge­setzt wer­den sol­len, ei­nen in den be­tref­fen­den Rechts­vor­schrif­ten fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn zu zah­len.
Oberlandesgericht Koblenz, Beschluss vom 19.02.2014, 1 Verg 8/13
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 56 AEUV in Ver­bin­dung mit Art.3 Abs.1 der Richt­li­nie 96/71/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 16. De­zem­ber 1996 über die Ent­sen­dung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen (ABl. 1997, L 18, S. 1) und Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 31. März 2004 über die Ko­or­di­nie­rung der Ver­fah­ren zur Ver­ga­be öffent­li­cher Bau­aufträge, Lie­fer­aufträge und Dienst­leis­tungs­aufträge (ABl. L 134, S. 114, be­rich­tigt im ABl. 2004, L 351, S. 44, und im ABl. 2008, L 198, S. 74) in der durch die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1251/2011 der Kom­mis­si­on vom 30. No­vem­ber 2011 (ABl. L 319, S. 43) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: Richt­li­nie 2004/18).
Art.3 („Ar­beits- und Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen“) der Richt­li­nie 96/71 be­stimmt in den Abs. 1 und 8: „(1) Die Mit­glied­staa­ten sor­gen dafür, dass un­abhängig von dem auf das je­wei­li­ge Ar­beits­verhält­nis an­wend­ba­ren Recht die in Ar­ti­kel 1 Ab­satz 1 ge­nann­ten Un­ter­neh­men den in ihr Ho­heits­ge­biet ent­sand­ten Ar­beit­neh­mern bezüglich der nach­ste­hen­den As­pek­te die Ar­beits- und Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen ga­ran­tie­ren, die in dem Mit­glied­staat, in des­sen Ho­heits­ge­biet die Ar­beits­leis­tung er­bracht wird,
In den Erwägungs­gründen 2, 33 und 34 der Richt­li­nie 2004/18 heißt es: „(2) Die Ver­ga­be von Auf­trägen in den Mit­glied­staa­ten auf Rech­nung des Staa­tes, der Ge­bietskörper­schaf­ten und an­de­rer Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts ist an die Ein­hal­tung der im Ver­trag nie­der­ge­leg­ten Grundsätze ge­bun­den, ins­be­son­de­re des Grund­sat­zes des frei­en Wa­ren­ver­kehrs, des Grund­sat­zes der Nie­der­las­sungs­frei­heit und des Grund­sat­zes der Dienst­leis­tungs­frei­heit so­wie der da­von ab­ge­lei­te­ten Grundsätze wie z. B. des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung, des Grund­sat­zes der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung, des Grund­sat­zes der ge­gen­sei­ti­gen An­er­ken­nung, des Grund­sat­zes der Verhält­nismäßig­keit und des Grund­sat­zes der Trans­pa­renz. Für öffent­li­che Auf­träge, die ei­nen be­stimm­ten Wert über­schrei­ten, emp­fiehlt sich in­des­sen die Aus­ar­bei­tung von auf die­sen Grundsätzen be­ru­hen­den Be­stim­mun­gen zur ge­mein­schaft­li­chen Ko­or­di­nie­rung der na­tio­na­len Ver­fah­ren für die Ver­ga­be sol­cher Auf­träge, um die Wirk­sam­keit die­ser Grundsätze und die Öff­nung des öffent­li­chen Be­schaf­fungs­we­sens für den Wett­be­werb zu ga­ran­tie­ren. Folg­lich soll­ten die­se Ko­or­di­nie­rungs­be­stim­mun­gen nach Maßga­be der ge­nann­ten Re­geln und Grundsätze so­wie gemäß den an­de­ren Be­stim­mun­gen des Ver­trags aus­ge­legt wer­den.
Gemäß Art. 7 Buchst. b ers­ter Ge­dan­ken­strich der Richt­li­nie 2004/18 gilt sie u. a. für öffent­li­che Dienst­leis­tungs­aufträge, de­ren Wert oh­ne Mehr­wert­steu­er 200 000 Eu­ro er­reicht oder über­schrei­tet, wenn es sich da­bei um Auf­träge han­delt, die von an­de­ren öffent­li­chen Auf­trag­ge­bern als den in An­hang IV der Richt­li­nie ge­nann­ten zen­tra­len Re­gie­rungs­behörden ver­ge­ben wer­den.
Art. 26 („Be­din­gun­gen für die Auf­trags­ausführung“) die­ser Richt­li­nie be­stimmt: „Die öffent­li­chen Auf­trag­ge­ber können zusätz­li­che Be­din­gun­gen für die Ausführung des Auf­trags vor­schrei­ben, so­fern die­se mit dem Ge­mein­schafts­recht ver­ein­bar sind und in der Be­kannt­ma­chung oder in den Ver­din­gungs­un­ter­la­gen an­ge­ge­ben wer­den. Die Be­din­gun­gen für die Ausführung ei­nes Auf­trags können ins­be­son­de­re so­zia­le und um­welt­be­zo­ge­ne As­pek­te be­tref­fen.“
Art. 27 („Ver­pflich­tun­gen im Zu­sam­men­hang mit Steu­ern, Um­welt­schutz, Ar­beits­schutz­vor­schrif­ten und Ar­beits­be­din­gun­gen“) der Richt­li­nie sieht vor: „(1) Ein öffent­li­cher Auf­trag­ge­ber kann in den Ver­din­gungs­un­ter­la­gen die Stel­le(n) an­ge­ben, bei der (de­nen) die Be­wer­ber oder Bie­ter die er­for­der­li­chen Auskünf­te … über ih­re Ver­pflich­tun­gen er­hal­ten, die sich aus den Vor­schrif­ten über Ar­beits­schutz und Ar­beits­be­din­gun­gen er­ge­ben können, die in dem Mit­glied­staat, in der Re­gi­on oder an dem Ort gel­ten, an dem die Leis­tun­gen zu er­brin­gen sind, und die während der Ausführung des Auf­trags auf die aus­geführ­ten Bau­aufträge oder die er­brach­ten Dienst­leis­tun­gen an­zu­wen­den sind; der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber kann auch durch ei­nen Mit­glied­staat zu die­ser An­ga­be ver­pflich­tet wer­den.
§ 97 Abs.4 des Ge­set­zes ge­gen Wett­be­werbs­be­schränkun­gen in der Fas­sung vom 26. Ju­ni 2013 (BGBl. I S. 1750), zu­letzt geändert durch Art. 5 des Ge­set­zes vom 21. Ju­li 2014 (BGBl. I S. 1066), be­stimmt: „Auf­träge wer­den an fach­kun­di­ge, leis­tungsfähi­ge so­wie ge­set­zes­treue und zu­verlässi­ge Un­ter­neh­men ver­ge­ben. Für die Auf­trags­ausführung können zusätz­li­che An­for­de­run­gen an Auf­trag­neh­mer ge­stellt wer­den, die ins­be­son­de­re so­zia­le, um­welt­be­zo­ge­ne oder in­no­va­ti­ve As­pek­te be­tref­fen, wenn sie im sach­li­chen Zu­sam­men­hang mit dem Auf­trags­ge­gen­stand ste­hen und sich aus der Leis­tungs­be­schrei­bung er­ge­ben. An­de­re oder wei­ter­ge­hen­de An­for­de­run­gen dürfen an Auf­trag­neh­mer nur ge­stellt wer­den, wenn dies durch Bun­des- oder Lan­des­ge­setz vor­ge­se­hen ist.“
In An­wen­dung des Ge­set­zes über zwin­gen­de Ar­beits­be­din­gun­gen bei grenzüber­schrei­ten­den Dienst­leis­tun­gen - Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz vom 26. Fe­bru­ar 1996 (BGBl. I S. 227, im Fol­gen­den: AEntG) wur­de am 29. No­vem­ber 2007 ein Ta­rif­ver­trag über die Fest­set­zung ei­nes Min­dest­lohns für die Bran­che der Post­dienst­leis­tun­gen ge­schlos­sen, der durch Ver­ord­nung vom 28. De­zem­ber 2007 für al­le Un­ter­neh­men die­ser Bran­che für all­ge­mein ver­bind­lich erklärt wur­de. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Ver­ord­nung je­doch mit Ur­teil vom 28. Ja­nu­ar 2010 für un­wirk­sam erklärt, so dass es zu der für den Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens maßge­ben­den Zeit für die Bran­che der Post­dienst­leis­tun­gen kei­nen Min­dest­lohn gab.
Das Ge­setz zur Re­ge­lung ei­nes all­ge­mei­nen Min­dest­lohns vom 11. Au­gust 2014 (BGBl. I S. 1348) sieht grundsätz­lich für al­le Ar­beit­neh­mer ab dem 1. Ja­nu­ar 2015 ei­nen An­spruch auf ei­nen Min­dest­b­rut­to­lohn von 8,50 Eu­ro pro St­un­de vor. Recht des Lan­des Rhein­land-Pfalz
§ 1 des rhein­land-pfälzi­schen Lan­des­ge­set­zes zur Gewähr­leis­tung von Ta­rif­treue und Min­des­tent­gelt bei öffent­li­chen Auf­trags­ver­ga­ben (Lan­des­ta­rif­treue­ge­setz) vom 1. De­zem­ber 2010 (im Fol­gen­den: LTTG) be­stimmt in Abs. 1: „Die­ses Ge­setz wirkt Ver­zer­run­gen im Wett­be­werb um öffent­li­che Auf­träge ent­ge­gen, die durch den Ein­satz von Nied­rig­lohn­kräften ent­ste­hen, und mil­dert Be­las­tun­gen für die so­zia­len Si­che­rungs­sys­te­me. Es be­stimmt zu die­sem Zweck, dass öffent­li­che Auf­trag­ge­ber öffent­li­che Auf­träge … nach Maßga­be die­ses Ge­set­zes nur an Un­ter­neh­men ver­ge­ben dürfen, die ih­ren Beschäftig­ten das in die­sem Ge­setz fest­ge­leg­te Min­des­tent­gelt be­zah­len und sich ta­rif­treu ver­hal­ten.“
§ 3 („Min­des­tent­gelt“) LTTG sieht in Abs. 1 vor: „So­weit nicht nach § 4 Ta­rif­treue ge­for­dert wer­den kann, dürfen öffent­li­che Auf­träge nur an Un­ter­neh­men ver­ge­ben wer­den, die sich bei An­ge­bots­ab­ga­be schrift­lich ver­pflich­ten, ih­ren Beschäftig­ten bei der Ausführung der Leis­tung ein Ent­gelt von min­des­tens 8,50 Eu­ro (brut­to) pro St­un­de zu zah­len (Min­des­tent­gelt) und Ände­run­gen des Min­des­tent­gelts … während der Ausführungs­lauf­zeit ge­genüber den Beschäftig­ten nach­zu­voll­zie­hen … Fehlt die Min­des­tent­gel­terklärung bei An­ge­bots­ab­ga­be und wird sie auch nach Auf­for­de­rung nicht vor­ge­legt, so ist das An­ge­bot von der Wer­tung aus­zu­sch­ließen. Hat die [zuständi­ge] Ser­vice­stel­le … Mus­ter zur Ab­ga­be von Min­des­tent­gel­terklärun­gen öffent­lich be­kannt ge­macht, können die­se ver­wen­det wer­den.“
Im An­schluss an den Er­lass der Ver­ord­nung der Re­gie­rung des Lan­des Rhein­land-Pfalz vom 11. De­zem­ber 2012 beträgt das Min­des­tent­gelt im Sin­ne von § 3 Abs. 1 LTTG nun­mehr 8,70 Eu­ro (brut­to) pro St­un­de.
§ 4 („Ta­rif­treue­pflicht“) LTTG lau­tet: „(1) Öffent­li­che Auf­träge, die vom Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) vom 20. April 2009 (BGBl. I S. 799) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung er­fasst wer­den, dürfen nur an Un­ter­neh­men ver­ge­ben wer­den, die sich bei An­ge­bots­ab­ga­be schrift­lich ver­pflich­ten, ih­ren Beschäftig­ten bei der Ausführung der Leis­tung ein Ent­gelt zu zah­len, das in Höhe und Mo­da­litäten min­des­tens den Vor­ga­ben des­je­ni­gen Ta­rif­ver­tra­ges ent­spricht, an den das Un­ter­neh­men auf­grund des [AEntG] ge­bun­den ist.
§ 5 („Nach­un­ter­neh­men“) LTTG sieht in Abs. 2 vor: „Im Fall der Ausführung ver­trag­lich über­nom­me­ner Leis­tun­gen durch Nach­un­ter­neh­mer hat das Un­ter­neh­men die Erfüllung der Ver­pflich­tun­gen nach den §§ 3 und 4 durch die Nach­un­ter­neh­mer si­cher­zu­stel­len und dem öffent­li­chen Auf­trag­ge­ber Min­des­tent­gelt- und Ta­rif­treue­erklärun­gen der Nach­un­ter­neh­men vor­zu­le­gen …“
Durch § 6 („Nach­wei­se und Kon­trol­len“) LTTG wer­den dem be­auf­trag­ten Un­ter­neh­men und den Nach­un­ter­neh­men be­stimm­te Ver­pflich­tun­gen auf­er­legt, die u. a. die Be­reit­hal­tung und die Vor­la­ge von Un­ter­la­gen und An­ga­ben be­tref­fen, an­hand de­ren der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber die Ein­hal­tung der durch das LTTG auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen kon­trol­lie­ren kann.
§ 7 („Sank­tio­nen“) LTTG be­stimmt: „(1) Um die Ein­hal­tung der Ver­pflich­tun­gen nach den §§ 3 bis 6 zu si­chern, hat der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber für je­den schuld­haf­ten Ver­s­toß ei­ne Ver­trags­stra­fe in Höhe von 1 v. H. des Auf­trags­wer­tes mit dem be­auf­trag­ten Un­ter­neh­men zu ver­ein­ba­ren; bei meh­re­ren Verstößen darf die Sum­me der Ver­trags­stra­fen 10 v. H. des Auf­trags­wer­tes nicht über­schrei­ten. Das be­auf­trag­te Un­ter­neh­men ist zur Zah­lung ei­ner Ver­trags­stra­fe nach Satz 1 auch für den Fall zu ver­pflich­ten, dass der Ver­s­toß durch ein Nach­un­ter­neh­men be­gan­gen wird und das be­auf­trag­te Un­ter­neh­men den Ver­s­toß kann­te oder ken­nen muss­te. Ist die ver­wirk­te Ver­trags­stra­fe un­verhält­nismäßig hoch, so kann sie von dem öffent­li­chen Auf­trag­ge­ber auf An­trag des be­auf­trag­ten Un­ter­neh­mens auf den an­ge­mes­se­nen Be­trag her­ab­ge­setzt wer­den …
Nach den An­ga­ben in der Vor­la­ge­ent­schei­dung schrieb die Stadt Land­au am 23. April 2013 ei­nen in zwei Lo­se auf­ge­teil­ten Auf­trag über die Post­dienst­leis­tun­gen die­ser Stadt uni­ons­weit im of­fe­nen Ver­fah­ren aus. Der Auf­trag be­zog sich ins­be­son­de­re auf den Ab­schluss ei­nes Rah­men­ver­trags über die Ab­ho­lung, Beförde­rung und Zu­stel­lung von Brie­fen, Päck­chen und Pa­ke­ten. Die Ver­trags­lauf­zeit be­trug zwei Jah­re, wo­bei die Auf­trag­ge­be­rin das Recht ha­ben soll­te, sie höchs­tens zwei­mal um je­weils ein Jahr zu verlängern.
In Ab­schnitt III.2.2 („Wirt­schaft­li­che und fi­nan­zi­el­le Leis­tungsfähig­keit“) der Ver­ga­be­be­kannt­ma­chung heißt es un­ter Nr. 4: „Der Auf­trag­neh­mer un­ter­wirft sich den Be­stim­mun­gen des [LTTG].“ 21
Während des im Aus­gangs­ver­fah­ren maßge­ben­den Zeit­raums gab es kei­nen Ta­rif­ver­trag über ei­nen Min­dest­lohn, an den die Un­ter­neh­men der Post­dienst­leis­tungs­bran­che nach dem AEntG ge­bun­den wa­ren. In die­sem Zeit­raum un­ter­la­gen die Un­ter­neh­men auch nicht der durch das Ge­setz zur Re­ge­lung ei­nes all­ge­mei­nen Min­dest­lohns vom 11. Au­gust 2014 ein­geführ­ten Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­nes all­ge­mei­nen Min­dest­lohns. 22
An­la­ge E 6 der Ver­ga­be­un­ter­la­gen für den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Auf­trag ent­hielt ei­ne „Mus­ter­erklärung nach § 3 Abs. 1 LTTG“. Sie soll­te es den Bie­tern ermögli­chen, mit ih­rem An­ge­bot ih­re ei­ge­ne Min­des­tent­gel­terklärung und die ih­rer Nach­un­ter­neh­mer vor­zu­le­gen. 23
Mit Schrei­ben vom 16. Mai 2013 mach­te Re­gio­Post gel­tend, dass die Min­des­tent­gel­terklärun­gen nach § 3 LTTG ver­ga­be­rechts­wid­rig sei­en. Sie fügte ih­rem frist­ge­recht ein­ge­reich­ten An­ge­bot von ihr selbst for­mu­lier­te Erklärun­gen der Nach­un­ter­neh­mer bei. Für sich selbst reich­te sie je­doch kei­ne Erklärung ein.
Mit E-Mail vom 25. Ju­ni 2013 gab die Stadt Land­au Re­gio­Post Ge­le­gen­heit, die Min­des­tent­gel­terklärun­gen nach § 3 LTTG bin­nen ei­ner Frist von 14 Ta­gen nach­zu­rei­chen. Zu­gleich kündig­te sie an, dass sie das An­ge­bot von Re­gio­Post aus­sch­ließen wer­de, falls die­se der Auf­for­de­rung nicht Fol­ge leis­te.
Mit Schrei­ben vom 27. Ju­ni 2013 wie­der­hol­te Re­gio­Post ih­re Rügen und kündig­te an, dass sie im Fall des Aus­schlus­ses ih­res An­ge­bots ei­ne Nach­prüfung ein­lei­ten wer­de.
Mit Schrei­ben vom 11. Ju­li 2013 teil­te die Stadt Land­au Re­gio­Post mit, dass ihr An­ge­bot auf­grund des Feh­lens der Min­des­tent­gel­terklärun­gen nach § 3 LTTG nicht ge­wer­tet wer­den könne. In die­sem Schrei­ben teil­te sie fer­ner mit, dass die Post­Con Deutsch­land GmbH den Zu­schlag für Los 1 des Auf­trags und die Deut­sche Post AG den Zu­schlag für Los 2 er­hal­ten ha­be.
Mit Be­schluss vom 23. Ok­to­ber 2013 wies die Ver­ga­be­kam­mer Rhein­land-Pfalz den von Re­gio­Post am 15. Ju­li 2013 ge­stell­ten Nach­prüfungs­an­trag u. a. mit der Be­gründung zurück, dass ihr An­trag we­gen des Feh­lens der von der öffent­li­chen Auf­trag­ge­be­rin zulässi­ger­wei­se ge­for­der­ten Min­des­tent­gel­terklärun­gen zu Recht aus­ge­schlos­sen wor­den sei.
Das mit der da­ge­gen ein­ge­leg­ten Be­schwer­de be­fass­te vor­le­gen­de Ge­richt ist der An­sicht, dass die Ent­schei­dung des Rechts­streits da­von abhänge, ob es § 3 LTTG un­an­ge­wen­det las­sen müsse, weil die­se Vor­schrift mit dem Uni­ons­recht un­ver­ein­bar sei.
Sei­nes Er­ach­tens enthält § 3 Abs. 1 LTTG ei­ne zusätz­li­che Be­din­gung für die Ausführung des Auf­trags, die nach Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 nur zulässig sei, wenn sie mit dem Uni­ons­recht ver­ein­bar sei.
Das vor­le­gen­de Ge­richt sieht sich aber auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs und ins­be­son­de­re des Ur­teils Rüffert (C-346/06, EU:C:2008:189) nicht in der La­ge, dies zu prüfen.
Es führt aus, der Um­stand, dass es sich bei Re­gio­Post um ein in Deutsch­land ansässi­ges Un­ter­neh­men han­de­le und die übri­gen Bie­ter ih­ren Sitz eben­falls im In­land hätten, ste­he ei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nicht ent­ge­gen, da die Fra­ge, ob ei­ne Be­stim­mung des na­tio­na­len Rechts we­gen ih­rer et­wai­gen Un­ver­ein­bar­keit mit dem Uni­ons­recht un­an­ge­wen­det blei­ben müsse, ei­ne Rechts­fra­ge sei, die sich un­abhängig von der Na­tio­na­lität der Be­tei­lig­ten am Ver­ga­be- oder Nach­prüfungs­ver­fah­ren stel­le.
Das Uni­ons­recht ste­he je­doch der An­wen­dung von § 3 Abs. 1 LTTG auf die­se Un­ter­neh­men nicht ent­ge­gen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für die An­wen­dung von Art.3 Abs.1 der Richt­li­nie 96/71 erfüllt sei­en. Dar­an bestünden aber Zwei­fel.
Zum ei­nen sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass § 3 Abs. 1 LTTG zwar ei­ne Rechts­vor­schrift sei, die die Höhe des Min­des­tent­gelts fest­le­ge, doch wer­de mit die­ser Be­stim­mung den Ar­beit­neh­mern nicht ga­ran­tiert, dass ihr Ar­beit­ge­ber das Min­des­tent­gelt zah­le. Sie ent­hal­te le­dig­lich ein Ver­bot für öffent­li­che Auf­trag­ge­ber, ei­nen öffent­li­chen Auf­trag an Bie­ter zu ver­ge­ben, die sich nicht zur Zah­lung des dar­in vor­ge­se­he­nen Min­des­tent­gelts an die zur Ausführung des frag­li­chen Auf­trags ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer ver­pflich­te­ten.
Zum an­de­ren be­zie­he sich die in § 3 Abs. 1 LTTG vor­ge­se­he­ne Min­des­tent­gelt­ver­pflich­tung nur auf die zur Ausführung des frag­li­chen öffent­li­chen Auf­trags ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer des Auf­trag­neh­mers. Ein zur Ausführung ei­nes pri­va­ten Auf­trags ein­ge­setz­ter Ar­beit­neh­mer sei des so­zia­len Schut­zes in­des nicht we­ni­ger würdig als ein Ar­beit­neh­mer, der zur Ausführung ei­nes öffent­li­chen Auf­trags ein­ge­setzt wer­de.
Das Ur­teil Rüffert (C-346/06, EU:C:2008:189) wer­de im deut­schen Schrift­tum teil­wei­se so ver­stan­den, dass Art.3 Abs.1 der Richt­li­nie 96/71 ei­ner Be­stim­mung wie § 3 Abs. 1 LTTG, die in ei­ner Rechts­vor­schrift ei­nen Min­dest­lohn­satz fest­le­ge, nicht ent­ge­gen­ste­he, auch wenn die­ser Satz nur im Rah­men der Ausführung öffent­li­cher Auf­träge ein­zu­hal­ten sei, da das Er­for­der­nis der All­ge­mein­ver­bind­lich­keit nur für Ta­rif­verträge und nicht für Rechts­vor­schrif­ten gel­te.
An der Rich­tig­keit die­ser Auf­fas­sung bestünden je­doch er­heb­li­che Zwei­fel. Was die Be­schränkung ei­ner Grund­frei­heit wie der des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs an­ge­he, wäre es un­lo­gisch, Art.3 Abs.1 der Richt­li­nie 96/71 da­hin aus­zu­le­gen, dass er die All­ge­mein­ver­bind­lich­keit von Ta­rif­verträgen, mit de­nen ein Min­dest­lohn fest­ge­setzt wer­de, un­ter Ein­be­zie­hung al­ler Ar­beit­neh­mer der be­tref­fen­den Bran­che und un­abhängig da­von ver­lan­ge, ob sie zur Ausführung öffent­li­cher oder pri­va­ter Auf­träge ein­ge­setzt würden, während der Gel­tungs­be­reich von Rechts­vor­schrif­ten, in de­nen ein Min­dest­lohn fest­ge­legt wer­de, auf die zur Ausführung öffent­li­cher Auf­träge ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer be­schränkt wer­den könne.
Würde man ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung wie § 3 Abs. 1 LTTG, die Bie­tern und de­ren Nach­un­ter­neh­mern die Ver­pflich­tung auf­er­le­ge, den zur Ausführung der Leis­tun­gen, die Ge­gen­stand ei­nes öffent­li­chen Auf­trags sei­en, ein­ge­setz­ten Beschäftig­ten ein Min­des­tent­gelt zu zah­len, als mit Art. 56 AEUV ver­ein­bar ein­stu­fen, würde sich die Fra­ge stel­len, ob die in der na­tio­na­len Be­stim­mung für den Fall ei­nes Ver­s­toßes ge­gen die­se Ver­pflich­tung vor­ge­se­he­ne Sank­ti­on, nämlich der Aus­schluss des Bie­ters von der Be­tei­li­gung am Ver­ga­be­ver­fah­ren, mit Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 ver­ein­bar sei.
Dies sei zwei­fel­haft, da § 3 Abs. 1 LTTG zwar ei­ne zusätz­li­che Be­din­gung für die Ausführung des Auf­trags im Sin­ne von Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 dar­stel­le, die Richt­li­nie aber nicht vor­se­he, dass ein Ver­s­toß ge­gen ei­ne sol­che zusätz­li­che Be­din­gung ein Grund für den Aus­schluss von der Be­tei­li­gung an der Auf­trags­ver­ga­be sei. Ein sol­cher Aus­schluss­grund wäre im Übri­gen schwer verständ­lich, da sich die Fra­ge, ob ein Bie­ter die zusätz­li­chen Be­din­gun­gen, zu de­nen er sich ver­pflich­tet ha­be, ein­hal­te, erst stel­le, nach­dem er den Zu­schlag er­hal­ten ha­be. Es han­de­le sich so­mit nicht um ein qua­li­ta­ti­ves Ver­ga­be­kri­te­ri­um, das den Aus­schluss ei­nes Bie­ters recht­fer­ti­gen könne.
Die Sank­ti­on des Aus­schlus­ses des An­ge­bots im Fall der Nicht­ein­hal­tung von § 3 Abs. 1 LTTG be­ru­he nicht auf ei­nem trif­ti­gen Grund, da die nach die­ser Be­stim­mung vor­ge­schrie­be­nen Ver­pflich­tungs­erklärun­gen nur de­kla­ra­to­ri­scher Na­tur sei­en.
Über­dies er­schei­ne die­se Sank­ti­on überflüssig, da im Rah­men ei­nes Ver­fah­rens zur Ver­ga­be ei­nes öffent­li­chen Auf­trags wie des im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den die in § 3 Abs. 1 LTTG vor­ge­schrie­be­ne Ver­pflich­tung zur Zah­lung des Min­des­tent­gelts zu den so­wohl in der Ver­ga­be­be­kannt­ma­chung als auch in den Ver­ga­be­un­ter­la­gen ent­hal­te­nen Ver­pflich­tun­gen gehöre, an die der Auf­trag­neh­mer, nach­dem er den Zu­schlag er­hal­ten ha­be, ver­trag­lich ge­bun­den sei und de­ren Ein­hal­tung die in § 7 Abs. 1 LTTG vor­ge­se­he­ne Ver­trags­stra­fe si­cher­stel­len sol­le.
Un­ter die­sen Umständen hat das Ober­lan­des­ge­richt Ko­blenz be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen: 1. Ist Art. 56 Abs. 1 AEUV in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 96/71 da­hin ge­hend aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die ei­nem öffent­li­chen Auf­trag­ge­ber zwin­gend vor­schreibt, nur Un­ter­neh­men zu be­auf­tra­gen, die und de­ren Nach­un­ter­neh­mer sich bei der An­ge­bots­ab­ga­be schrift­lich ver­pflich­ten, ih­ren mit der Auf­trags­ausführung be­fass­ten Mit­ar­bei­tern ei­nen nur für öffent­li­che, nicht aber pri­va­te Auf­träge staat­lich fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn zu zah­len, wenn es we­der ei­nen all­ge­mei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn noch ei­nen die po­ten­zi­el­len Auf­trag­neh­mer und even­tu­el­le Nach­un­ter­neh­mer bin­den­den all­ge­mein ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­trag gibt?
Die Stadt Land­au so­wie die deut­sche und die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung hal­ten die ers­te Fra­ge für un­zulässig und ma­chen gel­tend, wie das vor­le­gen­de Ge­richt bestätigt ha­be, feh­le je­der das Aus­gangs­ver­fah­ren kenn­zeich­nen­de grenzüber­schrei­ten­de Be­zug, da sämt­li­che Un­ter­neh­men, die sich am Ver­fah­ren zur Ver­ga­be des im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Auf­trags be­tei­ligt hätten, im Ho­heits­ge­biet des Mit­glied­staats (der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land) ansässig sei­en, dem der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber an­gehöre. Man­gels ei­nes grenzüber­schrei­ten­den Be­zugs sei der Ge­richts­hof nicht be­fugt, sich zur Ver­ein­bar­keit der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­me mit der Richt­li­nie 96/71 und/oder mit Art. 56 AEUV zu äußern. Aus ähn­li­chen Gründen hält die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung auch die zwei­te Fra­ge für un­zulässig.
Die­se Einwände sind zurück­zu­wei­sen.
Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Um­stand, dass ein na­tio­na­les Ge­richt ei­ne Vor­la­ge­fra­ge ih­rer Form nach un­ter Be­zug­nah­me auf be­stimm­te Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts for­mu­liert hat, den Ge­richts­hof nicht dar­an hin­dert, die­sem Ge­richt un­abhängig da­von, wor­auf es in sei­nen Fra­gen Be­zug ge­nom­men hat, al­le Aus­le­gungs­hin­wei­se zu ge­ben, die ihm bei der Ent­schei­dung der bei ihm anhängi­gen Rechts­sa­che von Nut­zen sein können. Der Ge­richts­hof hat in­so­weit aus dem ge­sam­ten vom na­tio­na­len Ge­richt ge­lie­fer­ten Ma­te­ri­al und ins­be­son­de­re aus der Be­gründung der Vor­la­ge­ent­schei­dung die­je­ni­gen Ele­men­te des Uni­ons­rechts her­aus­zu­ar­bei­ten, die in An­be­tracht des Ge­gen­stands des Rechts­streits ei­ner Aus­le­gung bedürfen (vgl. u. a. Ur­teil Vi­cop­lus u. a., C-307/09 bis C-309/09, EU:C:2011:64, Rn. 22).
In­so­weit ist, um dem vor­le­gen­den Ge­richt ei­ne sach­dien­li­che Ant­wort zu ge­ben, die ers­te Fra­ge in ers­ter Li­nie an­hand der spe­zi­ell ein­schlägi­gen uni­ons­recht­li­chen Be­stim­mung zu prüfen, nämlich Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18, auf den das vor­le­gen­de Ge­richt im Übri­gen im Rah­men sei­ner zwei­ten Fra­ge aus­drück­lich Be­zug nimmt (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Rüffert, C-346/06, EU:C:2008:189, Rn.18).
Aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten, ins­be­son­de­re dem Be­schluss der Ver­ga­be­kam­mer Rhein­land-Pfalz, auf den in Rn. 28 des vor­lie­gen­den Ur­teils Be­zug ge­nom­men wird, geht klar her­vor, dass die Richt­li­nie 2004/18 im Aus­gangs­ver­fah­ren an­wend­bar ist, da der Wert des in Re­de ste­hen­den öffent­li­chen Auf­trags weit über die ein­schlägi­ge Schwel­le für die An­wend­bar­keit die­ser Richt­li­nie, die zu der im Aus­gangs­ver­fah­ren maßge­ben­den Zeit 200 000 Eu­ro be­trug, hin­aus­geht.
Da vor­lie­gend die Richt­li­nie 2004/18 an­wend­bar ist - was im Übri­gen kei­ner der Be­tei­lig­ten, die schrift­li­che Erklärun­gen ein­ge­reicht oder an der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ge­richts­hof teil­ge­nom­men ha­ben, be­strit­ten hat -, ist ei­ne Fra­ge nach der Aus­le­gung ei­ner ih­rer Be­stim­mun­gen, hier ih­res Art. 26, zulässig, selbst wenn sie wie in der vor­lie­gen­den Rechts­sa­che im Rah­men ei­nes Rechts­streits ge­stellt wird, in dem kein Ele­ment über die Gren­zen ei­nes Mit­glied­staats hin­aus­weist.
Über­dies ist der Ge­richts­hof, auch wenn in der vor­lie­gen­den Rechts­sa­che kein Ele­ment des Rechts­streits über die Gren­zen ei­nes Mit­glied­staats hin­aus­weist, be­fugt, sich zu Art. 56 AEUV zu äußern, so­weit der in der ge­nann­ten Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Har­mo­ni­sie­rungs­grad dies zulässt.
Da der Wert des im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Auf­trags den ein­schlägi­gen Schwel­len­wert der Richt­li­nie klar über­schrei­tet, muss nämlich da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass an die­sem Auf­trag ein ge­wis­ses grenzüber­schrei­ten­des In­ter­es­se be­steht. Es kann so­mit nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass in an­de­ren Mit­glied­staa­ten als der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ansässi­ge Un­ter­neh­men nach der Veröffent­li­chung der Ver­ga­be­be­kannt­ma­chung an ei­ner Be­tei­li­gung in­ter­es­siert wa­ren, auch wenn sie sich aus Gründen, die in ih­rer Sphäre lie­gen, letzt­lich ge­gen ei­ne Be­tei­li­gung ent­schie­den ha­ben; zu die­sen Gründen könn­te bei be­stimm­ten Un­ter­neh­men, die ih­ren Sitz in Mit­glied­staa­ten ha­ben, in de­nen die Le­bens­hal­tungs­kos­ten und der gel­ten­de Min­dest­lohn deut­lich nied­ri­ger sind als im Land Rhein­land-Pfalz, auch die aus­drück­lich auf­ge­stell­te Ver­pflich­tung gehören, den dort vor­ge­schrie­be­nen Min­dest­lohn ein­zu­hal­ten.
Dar­aus folgt, dass die ers­te Fra­ge - da­hin ge­hend um­for­mu­liert, dass sie sich in ers­ter Li­nie auf die Aus­le­gung von Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 be­zieht - und die zwei­te Fra­ge zulässig sind. Zur Be­ant­wor­tung der Fra­gen
An­ge­sichts der vor­ste­hen­den Erwägun­gen zur Zulässig­keit des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens ist da­von aus­zu­ge­hen, dass das vor­le­gen­de Ge­richt mit sei­ner ers­ten Fra­ge wis­sen möch­te, ob Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er Rechts­vor­schrif­ten ei­ner re­gio­na­len Ein­heit ei­nes Mit­glied­staats wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, nach de­nen sich Bie­ter und de­ren Nach­un­ter­neh­mer in ei­ner schrift­li­chen, ih­rem An­ge­bot bei­zufügen­den Erklärung ver­pflich­ten müssen, den Beschäftig­ten, die zur Ausführung von Leis­tun­gen, die Ge­gen­stand ei­nes öffent­li­chen Auf­trags sind, ein­ge­setzt wer­den sol­len, ei­nen in den be­tref­fen­den Rechts­vor­schrif­ten fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn zu zah­len.
In­so­weit ist ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung wie § 3 LTTG, so­weit sie vor­sieht, dass sich je­der Bie­ter und Nach­un­ter­neh­mer ge­genüber dem öffent­li­chen Auf­trag­ge­ber ver­pflich­ten muss, den mit der Ausführung des be­tref­fen­den öffent­li­chen Auf­trags be­fass­ten Beschäftig­ten ei­nen ge­setz­lich fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn zu zah­len, als ei­ne „so­zia­le As­pek­te“ be­tref­fen­de „zusätz­li­che Be­din­gung für die Ausführung des Auf­trags“ im Sin­ne von Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 ein­zu­stu­fen.
Im vor­lie­gen­den Fall wur­de die­se zusätz­li­che Be­din­gung so­wohl in die Ver­ga­be­be­kannt­ma­chung als auch in die Ver­din­gungs­un­ter­la­gen auf­ge­nom­men, so dass das im letzt­ge­nann­ten Ar­ti­kel auf­ge­stell­te Ver­fah­rens­er­for­der­nis der Trans­pa­renz erfüllt ist.
Fer­ner er­gibt sich aus dem 33. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2004/18, dass ei­ne zusätz­li­che Be­din­gung für die Ausführung ei­nes Auf­trags nur dann mit dem Uni­ons­recht ver­ein­bar ist, wenn sie nicht un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar zu ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung führt. Es ist aber un­strei­tig, dass ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che die­se Vor­aus­set­zung erfüllt.
Zu­dem ist nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs ei­ne na­tio­na­le Maßnah­me, wenn sie in ei­nen Be­reich fällt, der auf Uni­ons­ebe­ne erschöpfend har­mo­ni­siert wur­de, an­hand der Be­stim­mun­gen die­ser Har­mo­ni­sie­rungs­maßnah­me und nicht an­hand des Primärrechts der Uni­on zu be­ur­tei­len (vgl. in die­sem Sin­ne u. a. Ur­tei­le Daim­ler­Ch­rys­ler, C-324/99, EU:C:2001:682, Rn. 32, Brze­ziński, C-313/05, EU:C:2007:33, Rn. 44, und Kom­mis­si­on/Un­garn, C-115/13, EU:C:2014:253, Rn. 38).
Nach dem Wort­laut von Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 können zusätz­li­che Be­din­gun­gen für die Ausführung des Auf­trags vor­ge­schrie­ben wer­den, „so­fern die­se mit dem Ge­mein­schafts­recht ver­ein­bar sind“.
Dar­aus er­gibt sich, dass die­se Richt­li­nie den Be­reich der zusätz­li­chen Be­din­gun­gen für die Ausführung von Auf­trägen nicht erschöpfend re­gelt, so dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Re­ge­lung an­hand des Primärrechts der Uni­on be­ur­teilt wer­den kann.
In An­be­tracht des­sen ist im Ein­klang mit dem 34. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2004/18 im Rah­men der Prüfung der Ver­ein­bar­keit der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Maßnah­me mit dem Uni­ons­recht zu klären, ob bei grenzüber­schrei­ten­den Sach­ver­hal­ten, bei de­nen Ar­beit­neh­mer ei­nes Mit­glied­staats in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat Dienst­leis­tun­gen zur Ausführung ei­nes öffent­li­chen Auf­trags er­brin­gen, die in der Richt­li­nie 96/71 ge­nann­ten Min­dest­be­din­gun­gen im Auf­nah­me­land in Be­zug auf die ent­sand­ten Ar­beit­neh­mer ein­ge­hal­ten wer­den.
Im vor­lie­gen­den Fall wirft das vor­le­gen­de Ge­richt die Fra­ge nach den Aus­wir­kun­gen der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen na­tio­na­len Maßnah­me auf außer­halb Deutsch­lands ansässi­ge Un­ter­neh­men auf, die an ei­ner Be­tei­li­gung am Ver­fah­ren zur Ver­ga­be des be­tref­fen­den öffent­li­chen Auf­trags in­ter­es­siert ge­we­sen sein und die Ent­sen­dung ih­rer Ar­beit­neh­mer nach Deutsch­land in Be­tracht ge­zo­gen ha­ben können, weil die­se Un­ter­neh­men we­gen des Er­for­der­nis­ses, sich zur Ein­hal­tung des nach dem LTTG vor­ge­schrie­be­nen Min­des­tent­gelts zu ver­pflich­ten, mögli­cher­wei­se von ei­ner sol­chen Be­tei­li­gung ab­ge­se­hen ha­ben. Da­her ist die­se na­tio­na­le Maßnah­me an­hand von Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 96/71 zu prüfen.
In­so­weit ist fest­zu­stel­len, dass ei­ne Vor­schrift wie § 3 LTTG als „Rechts­vor­schrift“ im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Un­terabs. 1 ers­ter Ge­dan­ken­strich der Richt­li­nie 96/71 ein­zu­stu­fen ist, die ei­nen „Min­dest­lohn­satz“ im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. c die­ser Richt­li­nie vor­sieht. Denn zum ei­nen wird, an­ders als beim Nie­dersäch­si­schen Lan­des­ver­ga­be­ge­setz, um das es in der Rechts­sa­che ging, in der das Ur­teil Rüffert (C-346/06, EU:C:2008:189) er­gan­gen ist, die­ser Min­dest­lohn­satz in § 3 LTTG selbst fest­ge­legt. Zum an­de­ren sa­hen in dem im Aus­gangs­ver­fah­ren maßge­ben­den Zeit­raum we­der das AEntG noch ei­ne an­de­re na­tio­na­le Re­ge­lung ei­nen nied­ri­ge­ren Lohn für die Bran­che der Post­dienst­leis­tun­gen vor.
Die­se Ein­stu­fung lässt sich auch nicht da­durch in Fra­ge stel­len, dass die be­tref­fen­de na­tio­na­le Maßnah­me auf öffent­li­che Auf­träge und nicht auf pri­va­te Auf­träge an­wend­bar ist, da die in Art. 3 Abs. 8 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 96/71 auf­ge­stell­te Vor­aus­set­zung der All­ge­mein­ver­bind­lich­keit nur für Ta­rif­verträge oder Schiedssprüche im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Un­terabs. 1 zwei­ter Ge­dan­ken­strich die­ser Richt­li­nie gilt.
Über­dies kann, da sich die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Maßnah­me in den Rah­men von Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 einfügt, der un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die Vor­ga­be ei­nes Min­dest­lohns bei öffent­li­chen Auf­trägen ge­stat­tet, nicht ge­for­dert wer­den, dass sich die Maßnah­me über die­sen spe­zi­el­len Be­reich hin­aus er­streckt und all­ge­mein für al­le Auf­träge ein­sch­ließlich pri­va­ter Auf­träge gilt.
Die Be­schränkung des Gel­tungs­be­reichs der na­tio­na­len Maßnah­me auf öffent­li­che Auf­träge ist nämlich die bloße Fol­ge des Um­stands, dass es für die­sen Be­reich spe­zi­el­le Re­geln des Uni­ons­rechts gibt, im kon­kre­ten Fall die der Richt­li­nie 2004/18.
Dem­nach er­laubt es Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 in Ver­bin­dung mit der Richt­li­nie 96/71 dem Auf­nahm­e­mit­glied­staat, im Rah­men der Ver­ga­be ei­nes öffent­li­chen Auf­trags ei­ne zwin­gen­de Be­stim­mung über das nach Art. 3 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 96/71 er­for­der­li­che Min­dest­maß an Schutz wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Vor­schrift vor­zu­se­hen, nach der Un­ter­neh­men mit Sitz in an­de­ren Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tet sind, ih­ren zur Ausführung die­ses öffent­li­chen Auf­trags in das Ge­biet des Auf­nahm­e­mit­glied­staats ent­sand­ten Ar­beit­neh­mern ei­nen Min­dest­lohn zu zah­len. Ei­ne sol­che Be­stim­mung gehört nämlich zu dem Schutz­ni­veau, das die­sen Ar­beit­neh­mern ga­ran­tiert wer­den muss (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil La­val un Part­ne­ri, C-341/05, EU:C:2007:809, Rn. 74, 80 und 81).
Die­se Aus­le­gung von Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 - die ins­be­son­de­re auf die Ver­wirk­li­chung des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs ab­zielt, der ei­ne der vom Ver­trag ga­ran­tier­ten Grund­frei­hei­ten ist - wird zu­dem durch ei­ne Be­trach­tung die­ser Be­stim­mung im Licht von Art. 56 AEUV bestätigt (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Rüffert, C-346/06, EU:C:2008:189, Rn. 36).
Aus dem zwei­ten Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2004/18 geht im Übri­gen her­vor, dass die in ihr ent­hal­te­nen Ko­or­di­nie­rungs­be­stim­mun­gen für öffent­li­che Auf­träge, die ei­nen be­stimm­ten Wert über­schrei­ten, nach Maßga­be der Re­geln und Grundsätze des Ver­trags, u. a. über den frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehr, aus­ge­legt wer­den müssen.
Der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs ist in­so­weit zu ent­neh­men, dass die durch na­tio­na­le Rechts­vor­schrif­ten Bie­tern und de­ren et­wai­gen Nach­un­ter­neh­mern, die in ei­nem Mit­glied­staat ansässig sind, bei dem es sich nicht um den Staat han­delt, dem der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber an­gehört, und in dem die Min­dest­lohnsätze nied­ri­ger sind, auf­er­leg­te Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­nes Min­des­tent­gelts ei­ne zusätz­li­che wirt­schaft­li­che Be­las­tung dar­stellt, die ge­eig­net ist, die Er­brin­gung ih­rer Leis­tun­gen im Auf­nahm­e­mit­glied­staat zu un­ter­bin­den, zu be­hin­dern oder we­ni­ger at­trak­tiv zu ma­chen. Ei­ne Maßnah­me wie die, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, kann da­her ei­ne Be­schränkung im Sin­ne von Art. 56 AEUV dar­stel­len (vgl. in die­sem Sin­ne u. a. Ur­teil Bun­des­dru­cke­rei, C-549/13, EU:C:2014:2235, Rn. 30).
Ei­ne sol­che na­tio­na­le Maßnah­me kann grundsätz­lich durch das Ziel des Ar­beit­neh­mer­schut­zes ge­recht­fer­tigt sein (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Bun­des­dru­cke­rei, C-549/13, EU:C:2014:2235, Rn. 31).
Wie das vor­le­gen­de Ge­richt aus­geführt hat, stellt sich je­doch die Fra­ge, ob den Rn. 38 bis 40 des Ur­teils Rüffert (C-346/06, EU:C:2008:189) zu ent­neh­men ist, dass von ei­ner sol­chen Recht­fer­ti­gung des­halb nicht aus­ge­gan­gen wer­den kann, weil das Min­des­tent­gelt, das § 3 Abs. 1 LTTG vor­schreibt, nur für öffent­li­che Auf­träge gilt und nicht für pri­va­te Auf­träge.
Dies ist zu ver­nei­nen.
Wie sich nämlich aus den Rn. 38 bis 40 des Ur­teils Rüffert (C-346/06, EU:C:2008:189) er­gibt, ist der Ge­richts­hof im Rah­men der Prüfung der in der Rechts­sa­che, in der die­ses Ur­teil er­gan­gen ist, frag­li­chen na­tio­na­len Maßnah­me im Hin­blick auf Art. 56 AEUV zwar zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass die­se Maßnah­me nicht durch das Ziel des Ar­beit­neh­mer­schut­zes ge­recht­fer­tigt sein konn­te, doch hat er sich da­bei auf be­stimm­te Merk­ma­le der Maßnah­me gestützt, durch die sie sich klar von der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Maßnah­me un­ter­schei­det.
So hat der Ge­richts­hof im Ur­teil Rüffert (C-346/06, EU:C:2008:189) dar­auf ab­ge­stellt, dass die Rechts­sa­che, in der die­ses Ur­teil er­gan­gen ist, ei­nen nur für die Bau­bran­che gel­ten­den Ta­rif­ver­trag be­traf, der sich nicht auf pri­va­te Auf­träge er­streck­te und nicht für all­ge­mein ver­bind­lich erklärt wor­den war. Über­dies hat der Ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der in die­sem Ta­rif­ver­trag fest­ge­leg­te Lohn­satz den für die be­tref­fen­de Bran­che nach dem AEntG gel­ten­den Min­dest­lohn­satz über­schritt.
Der durch die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­lohn­satz wird in ei­ner Rechts­vor­schrift fest­ge­legt, die als zwin­gen­de Be­stim­mung über ein Min­dest­maß an Schutz grundsätz­lich all­ge­mein und bran­chen­un­abhängig für die Ver­ga­be al­ler öffent­li­chen Auf­träge im Land Rhein­land-Pfalz gilt.
Darüber hin­aus gewährt die­se Rechts­vor­schrift ein Min­dest­maß an so­zia­lem Schutz, da in dem im Aus­gangs­ver­fah­ren maßge­ben­den Zeit­raum we­der das AEntG noch ei­ne an­de­re na­tio­na­le Re­ge­lung ei­nen nied­ri­ge­ren Min­dest­lohn für die Bran­che der Post­dienst­leis­tun­gen vor­sah.
Nach al­le­dem ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er Rechts­vor­schrif­ten ei­ner re­gio­na­len Ein­heit ei­nes Mit­glied­staats wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen nicht ent­ge­gen­steht, nach de­nen sich Bie­ter und de­ren Nach­un­ter­neh­mer in ei­ner schrift­li­chen, ih­rem An­ge­bot bei­zufügen­den Erklärung ver­pflich­ten müssen, den Beschäftig­ten, die zur Ausführung von Leis­tun­gen, die Ge­gen­stand ei­nes öffent­li­chen Auf­trags sind, ein­ge­setzt wer­den sol­len, ei­nen in den be­tref­fen­den Rechts­vor­schrif­ten fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn zu zah­len. Zur zwei­ten Fra­ge
Mit sei­ner zwei­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er Rechts­vor­schrif­ten ei­ner re­gio­na­len Ein­heit ei­nes Mit­glied­staats wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, die vor­se­hen, dass Bie­ter und de­ren Nach­un­ter­neh­mer von der Be­tei­li­gung an ei­nem Ver­fah­ren zur Ver­ga­be ei­nes öffent­li­chen Auf­trags aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn sie sich wei­gern, sich durch ei­ne schrift­li­che, ih­rem An­ge­bot bei­zufügen­de Erklärung zu ver­pflich­ten, den Beschäftig­ten, die zur Ausführung von Leis­tun­gen, die Ge­gen­stand des öffent­li­chen Auf­trags sind, ein­ge­setzt wer­den sol­len, ei­nen in den be­tref­fen­den Rechts­vor­schrif­ten fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn zu zah­len.
Der Ant­wort auf die ers­te Fra­ge ist zu ent­neh­men, dass Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er Rechts­vor­schrif­ten ei­ner re­gio­na­len Ein­heit ei­nes Mit­glied­staats wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen nicht ent­ge­gen­steht, nach de­nen sich Bie­ter und de­ren Nach­un­ter­neh­mer in ei­ner schrift­li­chen, ih­rem An­ge­bot bei­zufügen­den Erklärung ver­pflich­ten müssen, den Beschäftig­ten, die zur Ausführung von Leis­tun­gen, die Ge­gen­stand ei­nes öffent­li­chen Auf­trags sind, ein­ge­setzt wer­den sol­len, ei­nen in den be­tref­fen­den Rechts­vor­schrif­ten fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn zu zah­len.
§ 3 Abs. 1 LTTG sieht fer­ner vor, dass ein sol­ches An­ge­bot von der Be­wer­tung aus­ge­schlos­sen wird, wenn die ge­nann­te Erklärung bei An­ge­bots­ab­ga­be fehlt und auch nach Auf­for­de­rung nicht vor­ge­legt wird.
Des Wei­te­ren enthält § 7 LTTG ei­ne Sank­ti­ons­re­ge­lung für ver­schie­de­ne Fälle, in de­nen ei­ne sol­che schrift­li­che Ver­pflich­tungs­erklärung dem An­ge­bot bei­gefügt, aber bei der Ausführung des öffent­li­chen Auf­trags nicht ein­ge­hal­ten wur­de. Im Rah­men des Aus­gangs­ver­fah­rens, das den Aus­schluss ei­nes Bie­ters be­trifft, der sich ge­wei­gert hat, sei­nem An­ge­bot die Ver­pflich­tungs­erklärung bei­zufügen, ist die­se Re­ge­lung nicht ein­schlägig.
Im vor­lie­gen­den Fall wur­de Re­gio­Post von der Be­tei­li­gung am Ver­fah­ren zur Ver­ga­be des frag­li­chen öffent­li­chen Auf­trags aus­ge­schlos­sen, nach­dem sie sich ge­wei­gert hat­te, ein ord­nungs­gemäßes, ih­re schrift­li­che Erklärung, dass sie die Ver­pflich­tung zur Zah­lung des in § 3 Abs. 1 LTTG vor­ge­se­he­nen Min­des­tent­gelts ein­hal­ten wer­de, ent­hal­ten­des An­ge­bot ab­zu­ge­ben.
Der Aus­schluss von der Be­tei­li­gung an die­ser Auf­trags­ver­ga­be lässt sich in­des­sen nicht als Sank­ti­on qua­li­fi­zie­ren. Er ist le­dig­lich die Fol­ge des Versäum­nis­ses, dem An­ge­bot die nach § 3 Abs. 1 LTTG er­for­der­li­che schrift­li­che Ver­pflich­tungs­erklärung bei­zufügen. Die­ses Er­for­der­nis wird in äußerst trans­pa­ren­ter Wei­se in der be­tref­fen­den Ver­ga­be­be­kannt­ma­chung for­mu­liert und soll die Be­deu­tung der Ein­hal­tung ei­ner durch Art. 26 der Richt­li­nie 2004/18 aus­drück­lich zu­ge­las­se­nen zwin­gen­den Be­stim­mung über ein Min­dest­maß an Schutz von vorn­her­ein her­vor­he­ben.
Eben­so wie die­ser Ar­ti­kel dem Er­for­der­nis der Ab­ga­be ei­ner schrift­li­chen Erklärung über die Ein­hal­tung der ge­nann­ten Be­stim­mung nicht ent­ge­gen­steht, ge­stat­tet er da­her auch ei­nen sol­chen Aus­schluss.
Die Be­deu­tung der Ein­hal­tung die­ser zwin­gen­den Be­stim­mung über ein Min­dest­maß an Schutz er­gibt sich über­dies ex­pli­zit aus dem 34. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2004/18; dar­in heißt es nämlich, dass die Mit­glied­staa­ten die Nicht­ein­hal­tung der im ein­schlägi­gen na­tio­na­len Recht vor­ge­schrie­be­nen Ver­pflich­tun­gen als schwe­re Ver­feh­lung oder als De­likt be­trach­ten können, das die be­ruf­li­che Zu­verlässig­keit des Wirt­schafts­teil­neh­mers in Fra­ge stellt und des­sen Aus­schluss vom Ver­fah­ren zur Ver­ga­be ei­nes öffent­li­chen Auf­trags zur Fol­ge ha­ben kann.
Im Übri­gen ist der den Bie­tern und ge­ge­be­nen­falls de­ren Nach­un­ter­neh­mern durch die Ver­pflich­tung, ei­ne Erklärung über die Ein­hal­tung ei­nes Min­dest­lohns wie die in § 3 Abs. 1 LTTG vor­ge­se­he­ne bei­zufügen, auf­er­leg­te Zwang zu ver­nachlässi­gen, zu­mal sie sich dar­auf be­schränken können, vor­be­rei­te­te For­mu­la­re aus­zufüllen.
Die Er­for­der­lich­keit und An­ge­mes­sen­heit des Aus­schlus­ses ei­nes Wirt­schafts­teil­neh­mers von der Be­tei­li­gung an ei­nem Ver­fah­ren zur Ver­ga­be ei­nes öffent­li­chen Auf­trags, wie ihn § 3 Abs. 1 LTTG vor­sieht, er­gibt sich auch dar­aus, dass der Aus­schluss, wie die­se Be­stim­mung aus­drück­lich vor­sieht, nur dann er­fol­gen kann, wenn sich der be­tref­fen­de Wirt­schafts­teil­neh­mer, nach­dem er zur Ver­vollständi­gung sei­nes An­ge­bots durch Beifügung der ge­nann­ten Erklärung auf­ge­for­dert wur­de, wie im Aus­gangs­ver­fah­ren wei­gert, der Auf­for­de­rung nach­zu­kom­men.
Kos­ten 89
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References: Art. 26
 Art. 26
 Art. 56
 Art.3
 Art. 26

Art.3
 Art. 7

Art. 26

Art. 27

§ 97
 Art. 5

§ 1

§ 3
 § 4
 § 3

§ 4

§ 5
 § 6

§ 7
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 Art. 26
 § 3
 Art.3
 § 3
 § 3
 Art.3
 § 3
 Art.3
 § 3
 Art. 56
 Art. 26
 § 3
 Art. 26
 § 3
 § 3
 § 7
 Art. 56
 Art. 3
 Art. 56
 Art. 26
 Art. 26
 Art. 56
 Art. 26
 Art. 26
 § 3
 Art. 26
 Art. 26
 Art. 3
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 Art. 3
 Art. 3
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 Art. 26
 Art. 26
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 Art. 26
 Art. 56
 Art. 56
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 Art. 56
 Art. 26
 Art. 26
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§ 3
 § 7
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 Art. 26
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