Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=25.10.1990&Aktenzeichen=4%20StR%20371/90
Timestamp: 2019-05-25 04:20:47+00:00

Document:
BGH, 25.10.1990 - 4 StR 371/90 - dejure.org
https://dejure.org/1990,1124
BGH, 25.10.1990 - 4 StR 371/90 (https://dejure.org/1990,1124)
BGH, Entscheidung vom 25.10.1990 - 4 StR 371/90 (https://dejure.org/1990,1124)
BGH, Entscheidung vom 25. Januar 1990 - 4 StR 371/90 (https://dejure.org/1990,1124)
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§§ 211, 26, 16 StGB, Abgrenzung error in persona - aberratio ictus bei Irrtum des Vordermanns, Rahmen der Vorhersehbarkeit beim Hintermann (Anstifter)
Veranlassung einer anderen Person zur Tötung - Irrtum des Täters über die Person des Opfers - Folgen eines Irrtums des Täters für die Strafbarkeit des Anstifters - Rechtliche Verknüpfung von Täterschaft und Teilnahme - Strafrechtliche Haftung des Anstifters im Falle des Abweichens der Haupttat von dessen Vorstellungsbild - Zurechenbarkeit von Vorsatz im Falle des "Nichtwünschens" des Tatverlaufs durch den Angeklagten - Zurechnung der Abweichungen vom vorgestellten Verlauf des Geschehens
Erhebliche Minderung der Steuerungsfähigkeit bei der Begehung von Taten; Einsichtsfähigkeit bezüglich des Unrechts von Straftaten; Einengung der Vorstellungswelt eines Angeklagten
Hoferben
Rose-Rosahl II
StGB (1975) § 15, § 26
Hoferbenfall: Irrtum über die Person des Mordopfers wirkt sich nicht auf die Strafbarkeit von Täter und Anstifter aus
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 25.10.1990, Az.: 4 StR 371/90 (Strafbarkeit des Anstifters bei Personenverwechslung des Täters)" von WissAss. Dr. Michael Kubiciel, original erschienen in: JA 2005, 699 - 700.
BGHSt 37, 214
NJW 1991, 933
NStZ 1991, 123
StV 1991, 155 LS
JR 1992, 293
BGH, 07.10.1997 - 1 StR 635/96
Sprengfalle - §§ 211, 22, 16 StGB, Abgrenzung aberratio ictus - error in persona …
Die Unbeachtlichkeit der Personenverwechslung für den Vorsatz des Täters hatte der Bundesgerichtshof bisher zwar nur für Fälle zu beurteilen, bei denen der Täter sein Opfer unmittelbar gesehen und angegriffen, sich jedoch über dessen Identität geirrt hatte (BGHSt 11, 268, 270; 37, 214, 216) [BGH 25.10.1990 - 4 StR 371/90].
Der beiläufigen Bemerkung des 4. Strafsenats in BGHSt 37, 214, 216 [BGH 25.10.1990 - 4 StR 371/90] ist nichts anderes zu entnehmen (krit. dazu Küpper JR 1992, 294, 295;… Roxin in LK 11. Aufl. § 26 Rdn. 94); soweit dort von der Wahrnehmung des Opfers durch den Täter gesprochen wird, ist damit auch der Fall der mittelbaren optischen Wahrnehmung gemeint.
Diese Rechtsfolge für einen Anstifter hat der Bundesgerichtshof bereits entschieden (BGHSt 37, 214, 218 f. [BGH 25.10.1990 - 4 StR 371/90]; hierzu Geppert Jura 1992, 163 ff.; Küpper JR 1992, 294 ff.; J. Müller MDR 1991, 830 f.; Puppe NStZ 1991, 124 ff. [BGH 25.10.1990 - 4 StR 371/90];… Schlehofer GA 1992, 307 ff.; Stratenwerth in FS für Baumann, 1992, 57 ff.; Streng JuS 1991, 910 f.; Weßlau ZStW 104 [1992], 105 ff.; abl.
Bemmann in FS für Stree/Wessels, 1993, 397 ff.; Roxin JZ 1991, 680 f. [BGH 25.10.1990 - 4 StR 371/90] und in FS für Spendel, 1992, 289 ff.).
Das Landgericht hat indes rechtsirrtümlich die Grundsätze der Zurechnung bei einer Personenverwechslung im Verhältnis vom Haupttäter zum Anstifter herangezogen (zur Unbeachtlichkeit des Irrtums bei der Anstiftung, solange die Verwechslung des Opfers durch den Angestifteten innerhalb der Grenzen des nach allgemeiner Lebenserfahrung Voraussehbaren liegt, siehe BGH, Urteil vom 25. Oktober 1990 - 4 StR 371/90, BGHSt 37, 214, 217 ff. (sogenannter "Hoferbenfall") unter Hinweis auf das nachgenannte Urteil vom 23. Januar 1958).
aa) Der Irrtum des Handelnden über die Person des Angegriffenen ist auch für den Mittäter unbeachtlich (BGH, Urteil vom 23. Januar 1958 - 4 StR 613/57, BGHSt 11, 268, 270 ff. (sogenannter "VerfolgerFall"); zustimmend etwa Puppe, ZIS 2007, 234, 243 ff.; dies., NStZ 1991, 124; Küper, Versuchsbeginn und Mittäterschaft, S. 36, 38 f.;… MüKoStGB/Joecks, 3. Aufl., § 25 Rn. 248 f.; Streng, JuS 1991, 910, 916; Schröder, JR 1958, 427 f.;… Jescheck, GA 1959, 65, 73 f.).
Weil Zurechnungsgrundlage der Tatplan ist, ist das Vorhersehbarkeitskriterium nicht heranzuziehen, das in Fällen eines Irrtums des Angestifteten zu beachten ist (dazu BGH, Urteil vom 25. Oktober 1990 - 4 StR 371/90, BGHSt 37, 214, 217 ff.).
KG, 21.06.2004 - 1 Ss 120/04
Für die Anstiftung prägend ist das Wecken des Tatentschlusses beim Täter (…vgl. Tröndle/Fischer StGB, 51. Aufl., § 26 Rdnr. 3 m.w.N.), durch welches der Anstifter das geschützte Rechtsgut durch seine Einwirkung auf den Täter mittelbar angreift (vgl. BGHSt 37, 214, 217).

References: § 15
 § 26
 BGH 
 § 26
 § 25
 § 26