Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=22.04.1997&Aktenzeichen=XI%20ZR%20191/96
Timestamp: 2019-07-17 08:12:00+00:00

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BGH, 22.04.1997 - XI ZR 191/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,277
BGH, 22.04.1997 - XI ZR 191/96 (https://dejure.org/1997,277)
BGH, Entscheidung vom 22.04.1997 - XI ZR 191/96 (https://dejure.org/1997,277)
BGH, Entscheidung vom 22. April 1997 - XI ZR 191/96 (https://dejure.org/1997,277)
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"World Trading System"
§ 138 BGB, Sittenwidrigkeit eines Pyramidenspiels, Schneeballsystem, (hier nicht) § 817 S. 2 BGB, (nicht) § 762 Abs. 1 Satz 2 BGB
Anforderungen an die Nichtigkeit von Gewinnspielen - Voraussetzungen für einen Verstoßes gegen die guten Sitten - Begriff des "Schneeballprinzips"
Sittenwidrigkeit von Gewinnspielen nach dem Schnellballprinzip
Zivilrecht; Sittenwidrigkeit von Gewinnspielen nach dem Schneeballsystem
Sittenwidrigkeit von Schneeballsystemen
NJW 1997, 2314
MDR 1997, 720
VersR 1998, 374
WM 1997, 1212
BB 1997, 2393
DB 1997, 2267
Die Vereinbarung des "Schenkkreises" war, da auf ein Schneeballsystem gerichtet, sittenwidrig und damit nichtig (§ 138 Abs. 1 BGB; vgl. BGH, Urteil vom 22. April 1997 - XI ZR 191/96 - NJW 1997, 2314, 2315).
Das "Spiel" zielte allein darauf ab, zugunsten einiger weniger "Mitspieler" leichtgläubige und unerfahrene Personen auszunutzen und sie zur Zahlung des "Einsatzes" zu bewegen (vgl. BGH, Urteil vom 22. April 1997 aaO).
b) Der vorstehenden, § 817 Satz 2 BGB einschränkenden Wertung steht nicht entgegen, dass das aufgrund eines Spiels Geleistete gemäß § 762 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht zurückgefordert werden kann (vgl. BGH, Urteil vom 22. April 1997 aaO).
Dabei kann offen bleiben, ob das Anlagemodell der Beklagten und ihrer Rechtsvorgängerinnen tatsächlich Elemente eines Schneeballsystems aufweist (s. dazu BGH, Urt. v. 22. April 1997 - XI ZR 191/96, ZIP 1997, 1110), ob jedenfalls nur ein so geringer Teil der Anlegergelder investiert wird, daß ein Gewinn der Anleger unwahrscheinlich, ein Verlust dagegen wahrscheinlich ist.
Soweit der Bundesgerichtshof im Zusammenhang mit einem Schneeballsystem abgeschlossene Verträge ihres Inhalts wegen als sittenwidrig und nichtig beurteilt hat, lag den Entscheidungen ein Schneeballsystem nach Art einer Pyramide zugrunde, bei dem den Geschädigten erkennbar war, dass sie einen Gewinn nur durch die Beteiligung weiterer Anleger erzielen konnten (vgl. BGH, Urteil vom 22. Mai 1978 - III ZR 153/76, WM 1978, 875, 877; vom 22. April 1997 - XI ZR 191/96, NJW 1997, 2314, 2315;… vom 21. Juni 2012 - III ZR 291/11, NJW 2012, 3366 Rn. 19 mwN).
Ein solches System verstößt bereits an sich gegen die guten Sitten (vgl. BGH, NJW 1997, S. 2314;… OLG Celle NJW 1996, S. 2660;… OLGR Celle 2000, S. 255;… OLG Frankfurt/Main OLGR Frankfurt 2000, S. 143;… OLG Bamberg NJW-RR 2002, S. 1393).
Der Bundesgerichtshof hat allerdings das Bewusstsein der Sittenwidrigkeit in dem von ihm entschiedenen Fall eines vergleichbaren Spielkreises (BGH, NJW 1997, S. 2314) unter Hinweis auf das undurchsichtig gestaltete Spielsystem verneint, weil der Kläger des dortigen Rechtsstreits über die Risiken und Verlustgefahren weitgehend im Unklaren gelassen worden war und die Gestaltung des Spiels die Kenntnis der Teilnehmer von den Zusammenhängen erschwert habe.
Die Teilnahme an einem solchen Schneeballsystem ist wegen Sittenwidrigkeit nichtig, § 138 BGB (BGH, Urteil vom 22.04.1997 - XI ZR 191/96, ZIP 1997, 1110).
Die Sittenwidrigkeit von derartigen Schenkkreisen, die nach dem Modell des Schneeballsystems - auch Pyramidensystem genannt - vollzogen werden, ist allgemein anerkannt (…vgl. BGH, Urt. v. 10.11.2005 - III ZR 72/05, NJW 2006, S. 45; BGH, Urt. v. 22.04.1997 - XI ZR 191/96, NJW 1997, S. 2314, 2315;… OLG Köln, Urt. v. 06.05.2005 - 20 U 129/04, NJW 2005, S. 3290).
Mit dieser Einschätzung sieht sich die Kammer auch nicht im Widerspruch zu einer früheren Entscheidung des Bundesgerichtshofes zu einem Schneeballsystem ("WTS"); bei der dieser keine Anhaltspunkte für grobe Fahrlässigkeit des Leistenden in Bezug auf die Sittenwidrigkeit des Systems erkannt hat (BGH v. 22.04.1997 - XI ZR 191/96 - NJW 1997, 2314).
LG Karlsruhe, 28.04.2006 - 9 S 374/05
Etwas anderes ergibt sich entgegen der Auffassung der Beklagten auch nicht aus der Entscheidung des BGH vom 22.04.1997 (NJW 1997, 2314).
Zwar sind nach gefestigter höchstrichterlicher Rechtsprechung die Eingehung derartiger Spielverträge wie sie vorliegend der Herzkreis vorsieht, nichtig, so dass das einbezahlte Geld nach § 812 Abs. 1 S. 1 BGB zurückgefordert werden kann (BGH NJW 2006, 45; NJW 1997, 2314) und die Verteidigung der Beklagten damit keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bot.
LG Kleve, 11.12.2008 - 6 S 140/08
Bereicherungsanspruch bei Schenkkreisen nach dme Schneeballsystem; Beginn und …
AG Altenkirchen, 27.05.2004 - 71 C 28/04
OLG Zweibrücken, 24.03.2004 - 4 W 22/04
Prozesskostenhilfe: Versagung des beim Landgericht gestellten Antrags wegen …
LG Köln, 13.04.2006 - 24 S 37/05
LG Freiburg, 09.09.2004 - 2 O 176/04
LG Bonn, 05.10.2006 - 15 O 171/06
Anspruch auf Rückzahlung von im Rahmen einer Schenkbörse gezahlten Geldes; …
LG Bonn, 05.04.2007 - 6 S 378/06
Schenkung, Beweis für Leistung
LG Bonn, 23.06.2005 - 6 S 220/04
Das Pyramidenspiel Herzkreis ist sittenwidrig, Ausschluss des …
LG Verden, 18.06.1997 - 2 S 103/97
Rückzahlungsanspruch bezüglich der auf der Grundlage des im Progressionssystem …
AG Gütersloh, 21.11.2003 - 14 C 553/03
OLG Frankfurt, 02.03.2000 - 3 U 40/99
LG Bielefeld, 24.01.2007 - 20 S 125/06
LG Freiburg, 05.08.2004 - 2 O 176/04
Vereinbarkeit eines so genannten Schenkkreises mit den guten Sitten
AG Rheinbach, 15.02.2005 - 10 C 201/04

References: § 138
 § 817
 § 762
 § 817
 § 762
 § 138
 BGH 
 § 812