Source: http://agsp.de/html/d53.html
Timestamp: 2018-06-18 03:25:32+00:00

Document:
An die Bezirksämter von Berlin
Entwurf (Stand: November 2002)
Vorbemerkung: Die hier erstmalig veröffentlichte Überarbeitung des Entwurfs der Berliner Pflegekindervorschriften wurde wiederum von einer Kommission erarbeitet, in der weder betroffene Pflegeeltern noch die zuständigen Pflegekinderdienste der Jugendämter mitwirken durften. Dementsprechend enthält sie keinerlei Verbesserungen. Wir haben die Änderungen farblich markiert. In Punkt 10.2 fällt eine besonders dreiste Ergänzung auf, die die Jugendämter auffordert, die Pflegeeltern zu Verträgen zu nötigen, mit denen diese ihre eigene Abwertung besiegeln würden.
Wir warten weiter auf die erste offizielle Stellungnahme der Berliner Senatsverwaltung zur hier dokumentierten Kritik der Pflegeeltern und Experten!
(2) Für diese Form der Hilfe zur Erziehung kommen Kinder und Jugendliche in Betracht, deren Verbleib in der Herkunftsfamilie vorübergehend oder auf Dauer nicht angezeigt ist und für deren Entwicklung das Leben in einem familiären Lebenszusammenhang notwendig und förderlich ist. Auch für behinderte Kinder und Jugendliche mit einem erweiterten Förderbedarf aufgrund von besonderen Erziehungsschwierigkeiten, Störungen oder Behinderungen ist diese Hilfeform geeignet. Dieses Leistungsangebot richtet sich insbesondere an jüngere Kinder. Besondere Merkmale sind verlässliche Bezugspersonen in einem überschaubaren und kontinuierlichen Familienverband. Die enge personale elternähnliche Beziehung zwischen Kind und Erziehungsperson und die daraus resultierende Bindungsdynamik unterscheidet die Vollzeitpflege von anderen Formen der Fremdunterbringung.
(3) Das Ziel dieser Hilfe zur Erziehung wird im Einzelfall durch die Hilfeplanung (§ 36 SGB VIII) festgelegt. Danach kann es sich um eine vorübergehende oder eine auf Dauer angelegte Hilfeleistung handeln. Die Rückkehrmöglichkeit zu den Herkunftseltern ist vorrangig zu prüfen. Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Herkunftsfamilie und Pflegefamilie ist anzustreben und stellt hohe Anforderungen an die Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft von Erziehungsperson und Herkunftseltern. Die Förderung des Kontaktes zu den Herkunftseltern ist Bestandteil der Hilfe unabhängig davon, ob die Hilfe in Vollzeitpflege auf eine Rückkehr des Kindes oder einen Verbleib in der Pflegefamilie zielt. Die Herkunftseltern sind, soweit es das Kindeswohl zuläßt, in den Entwicklungsprozess einzubinden.
(4) Zur Regelleistung können erweiterte Anforderungen an die Erziehungsleistung auch kurzfristig hinzutreten. Diese sind durch einen - ggf. zeitlich begrenzten - erweiterten Förderbedarf des Kindes auf Basis der Diagnostik im Rahmen der Hilfeplanung begründet (auch i.V.m. § 35a SGB VIII oder § 39 BSHG).
(5) In einer Vollzeitpflegefamilie leben in der Regel nicht mehr als drei Pflegekinder. Die Hilfeplanung hat ggf. den Zusammenhalt von Geschwisterkindern zu berücksichtigen. Mischformen mit Erziehungsstellen nach § 34 SGB VIII sind nicht möglich. (Anm.: Punkt 4 und 5 in der Reihenfolge getauscht.)
3.Ziele und Aufgaben
3.1. Vollzeitpflege
(1) Vollzeitpflege ist bestimmt für Kinder und Jugendliche, bei denen die Erziehung in ihrer Herkunftsfamilie nicht ausreichend gewährleistet ist und andere Hilfen zur Erziehung nicht geeignet sind. Ziel ist die soziale Integration des in seiner Entwicklung beeinträchtigten Pflegekindes in einen familiären Rahmen, die Förderung der kindlichen Entwicklung sowie die Sicherung der Beziehungskontinuität zu seiner Herkunftsfamilie unter Berücksichtigung seines individuellen Hilfebedarfs. Der Erziehungshilfebedarf des Kindes oder Jugendlichen ist oftmals verbunden mit einer Entwicklungsverzögerung/-störung, mit der Erfahrung von Trennung und/oder Traumatisierung.
(2) Die Hilfe zur Erziehung in einer Vollzeitpflegefamilie soll das Aufwachsen in einer familialen Lebensform bei befristetem oder langfristigem Ausfall der Herkunftsfamilie gewährleisten. Sie wird beendet bei Rückkehr in die Herkunftsfamilie, bei Einsetzen einer anderen Jugendhilfeleistung bzw. bei Verselbständigung des jungen Menschen.
(3) Die Fortsetzung der Hilfe bei Eintritt der Volljährigkeit. bedarf der besonderen Prüfung und Hilfeplanung.
(4) Grundlegende Anforderungen an die Erziehungsperson zur Bewältigung der Erziehungsleistung umfassen:
erzieherische Kompetenz und Erfahrung (Grundwissen zu kindlichen Entwicklungsprozessen, Ressourcenorientierung, Gewährleistung der Versorgung),
Beziehungs- und Bindungsfähigkeit (Wahrnehmung der Bedürfnisse im Beziehungsdreieck Kind-Herkunftsfamilie-Erziehungsperson, auch der eigenen Bedürfnisse),
(5) Voraussetzung für die Aufnahme eines Pflegekindes ist eine Qualifikation, die in einem Lehrgang an der Berliner Pflegeelternschule erworben wird. Darüber hinaus nimmt die Erziehungsperson regelmäßig an Supervision, Fortbildung und Beratung teil.
(6) Die Erziehungsperson versorgt das Kind oder den Jugendlichen in seinen Grundbedürfnissen unter Berücksichtigung des individuellen Entwicklungsbedarfs. Sie stabilisiert und fördert das Selbsthilfepotenzial des Kindes oder Jugendlichen sowie seine geistige und körperliche Entwicklung. Sie fördert seine schulische und soziale Integration. Im Rahmen ihrer Betreuung sichert die Erziehungsperson die entwicklungsfördernde Beziehungskontinuität zwischen Kind und Herkunftsfamilie. Für diese Leistung stellt sie einen ausreichenden Zeitrahmen und die Grundversorgung und Betreuung des Kindes/Jugendlichen zur Verfügung. (Anm.: Reihenfolge geändert)
(7) Die Erziehungsperson/Pflegefamilie muss über ausreichenden Wohnraum mit einer kindgerechten, altersgemäßen Ausstattung verfügen. Mit Erbringung dieser Leistung sollte keine finanzielle Abhängigkeit entstehen.
3.2. Vollzeitpflege mit erweitertem Förderbedarf des Kindes/Jugendlichen
(1) Vollzeitpflege mit erweitertem Förderbedarf des Kindes/Jugendlichen ist dann gegeben, wenn über den regulären Erziehungshilfebedarf hinaus Erziehungsschwierigkeiten und Entwicklungsstörungen ggf. in Zusammenhang mit einer Behinderung vorliegen. Die Feststellung oder der Nachweis einer (drohenden) Behinderung gemäß § 35 a SGB VIII oder § 39 BSHG begründet allein nicht einen erweiterten Förderbedarf.
(2) Durch besondere Beeinträchtigungen/Erziehungsschwierigkeiten beim Kind sind erweiterte Anforderungen an die Erziehungsleistung gestellt. Daher sind ausgeprägte persönliche und soziale Kompetenzen der Erziehungsperson erforderlich. Die erweiterten Anforderungen an die Erziehungsperson über die beschriebenen Kompetenzen hinaus umfassen zur Bewältigung dieser Erziehungsleistung:
Empathiefähigkeit (das Kind so zu akzeptieren, wie es ist; Vertrauen ermöglichen),
besondere Belastbarkeit (emotionale und psychische Stabilität, Ausgeglichenheit, Sicherheit im Umgang mit Nähe und Distanz, Bindungsaufbau und Trennungsbewältigung),
Erkennen eigener Leistungsgrenzen (Hilfe/Entlastung annehmen können),
Kooperations- und Lernbereitschaft (Kommunikations-, Kritikfähigkeit, Flexibilität),
(3) Die Anforderungen an die Erziehungsleistung sind dem "Leitfaden zur Ermittlung des erweiterten Förderbedarfs bei Vollzeitpflege (§ 33 SGB VIII)" (s. Anlage 1) zu entnehmen. Er ist Grundlage für Hilfeplanung und Diagnostik. Ein weiterer Leitfaden dient der Feststellung der Eignung und Auswahl (Anforderungsprofil) von Pflegeeltern (s. Anlage 2).
(4) Die Erziehungsperson unterstützt und fördert die Entwicklung des Pflegekindes und gewährleistet im Rahmen der Hilfeplanung ggf. die Einleitung und Unterstützung notwendiger besonderer pädagogischer und ggf. psychologischer/therapeutischer Hilfen für das Kind.
(5) Es dürfen ein Pflegekind, in Ausnahmefällen maximal zwei Pflegekinder mit erweitertem Förderbedarf in einer entsprechend qualifizierten Pflegefamilie aufgenommen werden. Geschwister von Pflegekindern sind vorrangig in die Hilfeplanung einzubeziehen. .
3.3. Befristete Vollzeitpflege
(1) Die befristete Vollzeitpflegestelle ist für Pflegekinder vorgesehen, deren Erziehung und Betreuung für einen überschaubaren Zeitraum von der Herkunftsfamilie nicht sichergestellt werden kann, deren Rückkehr aber aufgrund der vorliegenden familiären Situation wahrscheinlich ist. Ziel ist die Sicherung der Erziehung und Versorgung des Kindes bei gleichzeitigem Erhalt des sozialen Umfeldes und des Kontaktes zur Herkunftsfamilie.
(4) Die befristete Vollzeitpflegestelle umfasst grundsätzlich nur ein entsprechendes Pflegekind. Es ist zu prüfen, ob in der Pflegestelle mehr als zwei Pflegekinder insgesamt betreut werden können. Ausnahmen, auch unter Berücksichtigung von Geschwistern, sind im Rahmen der Hilfeplanung zu entscheiden.
(5) Die Erziehungsperson muss in der Lage sein, Kinder in dieser belastenden Lebenssituation im Spannungsfeld zwischen Bindung und Trennung stützend zu begleiten. Die zu klärende Rückkehroption erfordert in der Regel engen Kontakt zur Herkunftsfamilie, ggf. Begleitung des Kindes bei der Wiedereingliederung in seine Familie oder die Unterstützung bei einem Wechsel in eine dauerhafte Unterbringungsform.
4. Örtliche Zuständigkeit (Berlin und außerhalb)
(1) Bei Aufnahme eines Pflegekindes aus einem anderen Bundesland oder bei Unterbringung in einem anderen Bundesland sind die Regelungen der §§ 86 (1) bis (6) und 89 a SGB VIII zu berücksichtigen.
(2) Bei Unterbringung eines Berliner Pflegekindes in Vollzeitpflege (§ 33 SGB VIII) in einem der Berliner Bezirke findet der § 86 Abs. 6 SGB VIII keine Anwendung. Das nach § 86 (1) bis (5) zuständige Jugendamt (sog. Herkunftselternjugendamt) hat die Zuständigkeit für den gesamten Zeitraum der Unterbringung.
(3) Das Jugendamt, in dessen Einzugsbereich sich die Pflegefamilie befindet (sog. Pflegestellenjugendamt) übernimmt die Vermittlung, Prüfung und Betreuung der Pflegestelle. Hierfür erfolgt keine Kostenerstattung. Die Betreuung einer Pflegefamilie durch das Herkunftselternjugendamt in einem anderen Bezirk ist nicht möglich.
(4) Übernimmt ein Träger der freien Jugendhilfe die Vermittlung und Betreuung einer Pflegestelle, so schließt das Herkunftselternjugendamt mit dem Träger der freien Jugendhilfe einen Vertrag über die an ihn übertragenen Aufgaben, einschließlich der hiermit verbundenen Kosten.
(8) Aufsicht und Qualitätssicherung der freien Träger obliegt dem Landesjugendamt.
5. Hilfeplanung
Entscheidung über die geeignete und notwendige Hilfe einschließlich Prognoseentscheidung über die Hilfeperspektive,
Feststellung des erweiterten Förderbedarfs in Verbindung mit dem Fachdiagnostischen Dienst (entsprechend des Leitfadens "Standards für Diagnostik und Indikation zur Ermittlung des erweiterten Förderbedarfs bei Vollzeitpflege” (Anlage 1),
Prüfung der Passfähigkeit von Kind/Jugendlichem und Erziehungsperson/Pflege- familie (s. Leitfaden zur Feststellung der Eignung und Auswahl von Pflegeeltern) in Kooperation mit dem Pflegestellenjugendamt,
Abschluss der Pflegeverträge
diagnostische Stellungnahme zur Ermittlung bzw. Prüfung des erweiterten Förderbedarfs,
(3) Das Herkunftsjugendamt legt im Hilfeplan - zusammen mit allen Beteiligten - Inhalt, Umfang und Dauer der notwendigen Leistungen, sowie die Intervalle der Hilfeplanüberprüfung halbjährlich bis jährlich fest. Die mit der Hilfe kurz-, mittel- und langfristig angestrebten Ziele und die damit verbundene Zeitdauer werden im Hilfeplan aufgenommen.
(4) Die Begleitung des Hilfeprozesses durch Jugendamt und freien Träger erfolgt unter besonderer Berücksichtigung der Rückkehrmöglichkeit des Kindes oder Jugendlichen in seine Herkunftsfamilie innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens, bezogen auf den Entwicklungsstand des Kindes und die Entwicklungsmöglichkeit der Herkunftsfamilie. Wird im Verlauf des Entscheidungsprozesses schon frühzeitig erkennbar, dass eine Rückkehr des Kindes auszuschließen ist, muss die Sicherung des dauerhaften Lebensortes im Vordergrund stehen.
(5) Die Beratung und Unterstützung der Herkunftsfamilie sowie die Begleitung und Beratung der Erziehungsperson wird im Hilfeplan ebenfalls sichergestellt. Vereinbarungen bezüglich der Zusammenarbeit zwischen Pflegeeltern und leiblichen Eltern/ Herkunftsfamilie sowie Absprachen zu Häufigkeit und Ausgestaltung von Besuchskontakten sind im Interesse einer positiven Entwicklung des Kindes zu treffen.
5.1 . Verfahren zur Feststellung eines erweiterten Förderbedarfs in Vollzeitpflege
(1) Wird im Verlauf des Hilfeplanverfahrens bzw. im Verlauf eines bereits bestehenden Pflegeverhältnisses ein erweiterter Förderbedarf des Kindes oder des Jugendlichen vermutet, ist von dem Pflegestellenjugendamt immer eine diagnostische Stellungnahme einzuholen.
(2) In Abstimmung mit dem für die Hilfeplanung federführenden Herkunftsjugendamt beauftragt das Pflegestellenjugendamt seinen fachdiagnostischen Dienst (EFB, KJPD) eine Stellungnahme zur Ermittlung bzw. Prüfung des erweiterten Förderbedarfs zu erstellen. Grundlage bildet der “Leitfaden zur Ermittlung des erweiterten Förderbedarfs bei Vollzeitpflege” (Anlage 1).
(3) Die gutachterliche Stellungnahme wird innerhalb einer Frist von 4 Wochen gewährleistet. Wird dieser Auftrag an einn externen Gutachter übergeben, bleibt d er bezirkliche Fachdienst für die Einhaltung der vereinbarten Standards sowie für das gesamte Verfahren verantwortlich.
(4) Der ASD/Pflegekinderdienst legt zusammen mit allen Beteiligten im Hilfeplan Inhalt, Umfang und Dauer der notwendigen Leistungen sowie die Intervalle der Hilfeplanüberprüfung, ggf. mit Einbeziehung des fachdiagnostischen Dienstes fest. Besteht nach Ablauf des festgelegten Zeitrahmens der erweiterte Förderbedarf weiterhin oder ist dies zu vermuten, ist eine aktuelle fachdiagnostische Stellungnahme einzuholen. In begründeten Einzelfällen, wenn nach allen fachlichen Einschätzungen keine wesentlichen Änderungen in einem absehbaren Zeitraum zu erwarten sind, kann von der regelmäßigen gutachterlichen Überprüfung im Rahmen der Fortschreibung des Hilfeplans abgesehen werden. Diese Entscheidung wird im Hilfeplan dokumentiert
6. Eignung von Pflegestellen/Erziehungspersonen
(1) Als Pflegestellen kommen unterschiedliche Familienformen in Betracht. Dazu zählen auch unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare, Alleinstehende. Im Einzelfall ist die Pflegestelle nach dem Alter, Entwicklungsstand, der aktuellen Lebenssituation, der emotionalen-sozialen Bindung des Kindes oder Jugendlichen und der voraussichtlichen Dauer der Unterbringung zu bewerten. Die Erziehungspersonen, die ein ausländisches Pflegekind aufnehmen will, muss der jeweiligen kulturellen Prägung gegenüber aufgeschlossen sein.
(2) Die Erziehungsperson muss eine Qualifikation durch die Teilnahme an einer Pflegeelternschule nachweisen.
(3) Eine Teilzeitbeschäftigung der Erziehungsperson (max. 15-20 Wochenstunden) ist möglich. Der Umfang der Erwerbstätigkeit ist mit den Erziehungszielen des Hilfeplans abzustimmen.
(4) Pflegeverhältnisse sind in der Regel so zu vermitteln, dass sie zur Vollendung des 63. Lebensjahres der Erziehungsperson beendet sind.
6.1. Prüfung der Eignung
(1) Die Eignung der Erziehungsperson wird durch den ASD/Pflegekinderdienst festgestellt. Der zuständige Fachdienst berät die Bewerber/-innen, bespricht die Beweggründe, ein Kind oder einen Jugendlichen in Vollzeitpflege aufzunehmen, informiert über die grundlegenden Anforderungen, die an die Erziehungsleistung gestellt werden, und überprüft diese anhand des „Leitfadens zur Feststellung der Eignung und Auswahl von Erziehungspersonen/Pflegeeltern in Vollzeitpflege",
(2) Zur Vorbereitung, auch Auswahl und Überprüfung von Pflegeelternbewerbern/-innen kann das Jugendamt einen anerkannten Träger der freien Jugendhilfe beauftragen.
(5) Die Haushalts- und Wirtschaftsführung der Erziehungsperson/Pflegeeltern soll gewährleisten, dass .diese für ihren Lebensunterhalt nicht auf Leistungen angewiesen sind, die für den Lebensbedarf des Kindes oder Jugendlichen bestimmt sind.
(1) Das Pflegestellenjugendamt berät und unterstützt die Erziehungsperson/Pflegeeltern von der Vorbereitung bis zur Beendigung der Hilfe in Vollzeitpflege in Abstimmung mit dem für die Hilfeplanung zuständigen Jugendamt. Die Beratung und Betreuung der Pflegefamilie sowie die Fortbildung der Erziehungsperson kann Trägem der freien Jugendhilfe übertragen werden. Die Unterstützung und Begleitung der Pflegefamilie umfasst:
(1) Das Pflegestellenjugendamt entscheidet nach den Anforderungen über die Erfüllung der Voraussetzungen der Pflegestellenbewerber/-innen. Es schließt zum Zeitpunkt der Aufnahme eines Kindes in eine Pflegestelle den entsprechenden Pflegevertrag ab. Der Pflegevertrag ist zivilrechtlich.
(2) Im Pflegevertrag sind die Dauer des Pflegeverhältnisses, einschließlich der Bestimmungen zur Kündigung oder sonstigen Beendigung des Pflegevertrages sowie die Mitwirkung bei der Hilfeplanung und seiner Fortschreibung während der gesamten Dauer des Pflegeverhältnisses niederzulegen. Darüber hinaus wird in einer entsprechenden Vereinbarung mit den leiblichen Eltern der Umfang der Übertragung der Personensorge an die Erziehungsperson (Entscheidungs- und Vertretungsbefugnisse in Angelegenheiten des täglichen Lebens (§ 1688 BGB) und die Verabredungen zum Umgang mit der Herkunftsfamilie geregelt. Diese Vereinbarung ist als Anlage dem Pflegevertrag beizufügen.
(3) Dem Pflegevertrag wird ebenfalls der aktuelle Teil Zielvereinbarung und Fortschreibung des Hilfeplans als Anlage beigefügt.
9 . Materielle Leistungen
(1) Die materiellen Leistungen für die Hilfe zur Erziehung in Vollzeitpflege werden auf Grundlage des § 39 SGB VIII gewährt. Sie setzen sich zusammen aus der Pauschale für den Lebensunterhalt, Erziehungsgeld und Beihilfen.
(2) Die Höhe der Pauschalen für den laufenden Unterhalt, für einmalige Beihilfen und Zuschüsse sowie für die Erziehung bestimmt sich nach den Familienpflegegeldvor-schriften (AV-UE Vollzeitpflege) in der jeweils geltenden Fassung. Einmalige Beihilfen richten sich nach dem im Beschluss der Kostensatzkommission für den Jugendhilfebereich verabschiedeten Katalog der Nebenkosten (Teil A und Teil B) gemäß § 39 SGB VIII in der jeweils aktuellen Fassung.
(3) Durch das Erziehungsgeld werden die Kosten der Erziehung abgegolten. Weitere Einzelheiten sind in den Ausführungsvorschriften über laufende Leistungen zum Unterhalt und zur Erziehung (AV-UE Vollzeltpflege) geregelt.
(4) Auf das Erziehungsgeld nicht anzurechnen sind Leistungen (z.B. nach dem Pflegegesetz - SGB IX), welche die Erziehungsperson erlangt, weil der junge Mensch, den sie im Rahmen der Hilfe zur Erziehung betreut, behindert ist .
(6) Bei Unterbringungen im Laufe eines Monats sind die Leistungen zum Unterhalt und das Erziehungsgeld für den entsprechenden Teil des Monats zu zahlen.
(7) Endet ein Pflegeverhältnis im Laufe eines Monats, so ist die Zahlung der Pauschale für den Lebensunterhalt und des Erziehungsgeldes zum Ende des Monats einzustellen.
(8) Bei vorübergehender Abwesenheit des Kindes oder Jugendlichen von der Pflegestelle (z.B. aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes, aber auch bei seinem vorübergehenden Fernbleiben) sind die Leistungen zum Unterhalt und das Erziehungsgeld für längstens sechs Wochen weiter zu gewähren.
(10) Die Erziehungsperson hat Anspruch auf Übernahme der Kosten für Supervision. Die Höhe der Kosten richtet sich nach den jeweils geltenden Festsetzungen für die Leistungen nach §§ 27 ff SGB VIII im Rahmen des § 78 a SGB VIII. Umfang und Dauer werden im Rahmen der Hilfeplanung festgelegt und fortgeschrieben. Der Umfang beträgt maximal 2 Stunden monatlich.
(1) Die Umstellung der Finanzierung erfolgt zeitgleich mit Inkraftsetzen der neuen Ausführungsvorschriften über laufende Leistungen zum Unterhalt und zur Erziehung in Vollzeitpflege (AV- UE Vollzeitpflege).
(2) Im Rahmen der Fortschreibung der Hilfeplanung sind alle bestehenden Pflegeverhältnisse hinsichtlich des erzieherischen Bedarfs nach Art, Dauer und ggf. erweitertem Förderbedarf zu überprüfen. Der Pflegevertrag ist dem Ergebnis anzupassen.
(3) Bei Pflegeverhältnissen ohne erweiterten Förderbedarf wird das Erziehungsgeld (neu) nach Hilfeplanüberprüfung und Anpassung des Pflegevertrages stufenweise angehoben. Die Erziehungsperson erhält im 1. Jahr das Erziehungsgeld (neu) in Höhe von von 300 Euro monatlich, im 2. Jahr 400 Euro monatlich und im 3. Jahr 450 Euro monatlich. Sofern die Hilfeplanüberprüfung einer heilpädagogischen Vollzeitpflege (alt) die Fortsetzung des erweiterten Förderbedarfs nicht rechtfertigt, gilt diese Regelung entsprechend, d.h. die Erziehungsperson erhält sofort 450 Euro Erziehungsgeld monatlich.
(4) Bei der Heilpädagogischen Vollzeitpflege (alt), wird nach Hilfeplanüberprüfung, die den erweiterten Förderbedarf bestätigt, das Erziehungsgeld (neu) in 3 Stufen auf 700 Euro monatlich (450 Euro Sockel + 250 Euro Zusatzleistung) abgesenkt: Die Leistung beträgt im .1. Jahr 900 Euro (450 Euro Sockel + 450 Euro Zusatzleistung), im 2. Jahr 800 Euro (450 Euro Sockel + 350 Euro) und im 3. Jahr 700 Euro (450 Euro Sockel + 250 Euro Zusatzleistung) monatlich.
(5) Pflegeverhältnisse ohne erweiterten Förderbedarf in Verbindung mit sog. Großpflegestellen (alt) sind nach Maßgabe der Hilfeplanung zu beenden oder umzuwandeln. Dabei hat die Wahrung von Beziehungskontinuität zum Wohl des Pflegekindes Vorrang.
(6) Pflegeverhältnisse ohne erweiterten Förderbedarf in Verbindung mit sog. Kurzpflegestellen (alt) sind im Rahmen der Hilfeplanung zu beenden oder in geeignete Formen der Vollzeitpflege bzw. in andere Hilfeformen zu überführen.
(7) Heilpädagogische Tagespflege (alt nach § 32 Satz 2 SGB VIII) ist keine Leistung der Hilfe zur Erziehung. Sie ist mit der Überprüfung des Hilfeplans in die Tagespflege nach § 23 SGB VIII (i.V. mit § 17 Abs. 1 Nr. 3 KitaG) zu überführen. Näheres regelt die neue Ausführungsvorschrift zu laufenden Leistungen zum Unterhalt und zur Erziehung in Tagespflege (AV - UE Tagespflege, § 23 SGB VIII i.V.m. § 17 KitaG)
11 . Heranziehung zu den Kosten der Hilfe zur Erziehung in Vollzeitpflege
Die Heranziehung zu den Kosten bestimmt sich nach den maßgeblichen . Regelungen des SGB VIII i.V. m. dazu erlassenen Ausführungsvorschriften in der jeweils geltenden Fassung.
Diese Ausführungsvorschriften treten am ... 2003 zeitgleich mit den Ausführungsvorschriften über laufende Leistungen zum Unterhalt und zur Erziehung in Vollzeit-pflege (AV - UE Vollzeitpflege) in Kraft. Sie ersetzen die Ausführungsvorschriften über die Unterbringung von Minderjährigen in Pflegestellen (Pflegekindervorschriften AV-PKV) vom 13. November 1984 (DBI. IV S. 101).

References: § 35
 § 39
 § 34
 § 35
 § 39
 § 86
 § 86
 § 39
 § 39
 § 78
 § 32
 § 23
 § 17
 § 23
 § 17