Source: https://www.flugrechte.eu/4861/leipzig-lanzarote-stunden-versp%C3%A4tung-wieviel-entsch%C3%A4digung
Timestamp: 2019-10-17 03:36:04+00:00

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DE 5454 von Leipzig nach Lanzarote mit über 14 Stunden Verspätung - wieviel Entschädigung? - FLUGGASTRECHTE
Unser Urlaub ist schonmal richtig schlecht gestartet. Wir sollten mit 2 Familien (insgesamt 10 Personen) von Leipzig nach Lanzarote mit Condor fliegen. Wir hatten uns eigentlich schon gefreut, dass wir mit Condor fliegen, weil wir dachten, dass Condor eine gute Fluggesellschaft ist.
Unser Flug DE5454 LEJ ACE von Leipzig nach Arrecife Lanzarote wurde aber verschoben. Am Flughafen haben die Condor Mitarbeiter einen Zettel verteilt, der bestätigt, dass die Flugverspätung zwei Gründe hatte: technischer Defekt und Crew Ruhezeit.
Können wir von Condor jetzt wirklich 400 EUR pro Person fordern? Im Flugzeug hatte ein Mann erzählt, dass uns das nach EU Recht zusteht. Wir haben im Internet auch gelesen, dass die Condor das zahlen müsste, aber oft nicht macht. Bei uns wären das ja 4000 EUR insgesamt. Das wäre fast der Gesamtpreis für eine Familie.
Müssen wir da was beachten? Muss Condor die Entschädigung auch zahlen, wenn ein technischer Defekt oder die Crew Ruhezeit die Verspätung verursacht haben?
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Gefragt 27, Nov 2015 in Reisevertragsrecht von Anonym
es ist durchaus sehr ärgerlich wenn der Urlaub mit einem solch unangenehmen Zwischenfall beginnt. Bei einer erheblichen Flugverspätung können sich durchaus Ansprüche aus der Europäischen Fluggastrechteverordnung gegen die Fluggesellschaft ergeben. Im vorliegenden Fall haben Sie Ihren Zielflughafen in Lanzarote mit einer Verspätung von über 14 Stunden erreicht. Bei einer solchen erheblichen Verspätung, ist bereits von einer Annullierung Ihres Fluges auszugehen. Dazu sind die folgenden Urteile relevant:
Folglich könnte Ihnen durchaus ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen zustehen. Die Höhe der Ausgleichszahlungen bemisst sich nach der Entfernung. In Ihrem Fall liegt zwischen dem Flughafen in Leipzig und dem Flughafen Arrecife Lanzarote eine Entfernung von 3.288,59 km vor. Somit würden Ihnen richtigerweise 400 Euro je Fluggast zustehen und insgesamt 4.000 Euro.
EuGH, Urteil vom 22.12.2008 - Az.: C 549/07 -(einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")
Bezüglich der Ruhezeiten der Crew gilt, dass in einem solchen Fall die Airline eine Ersatzcrew einsetzen muss oder nachweisen muss, dass ihr dies nicht möglich war. Vergleichen Sie dazu das Urteil vom AG Hannover, Az.: 426 C 12868/10 (einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki").
Somit kann Condor die Flugverspätung weder wegen des technischen Defekts, noch wegen der Ruhezeiten der Crew verweigern, da beides keinen außergewöhnlichen Umstand darstellt.
Beantwortet 28, Nov 2015 von Culigury (7,200 Punkte)
natürlich ist eine Flugzeitenverschiebung nie ein schöner Start in den wohlverdienten Urlaub. Tatsächlich haben Flugreisende unter bestimmten Umständen einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen, aber wohlmöglich auch andere Ansprüche.
Zunächst muss allerdings geklärt werden, ob Sie die Flüge im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben oder eben individuell.
Zunächst gehe ich auf die Ansprüche, für den Fall einer Individualreise, ein:
Demnach haben Sie gem. Art. 5 der Europäischen Fluggastrechte-VO 261/2004 tatsächlich einen Anspruch auf Ausgleichs- und Betreuungsleistungen gem. Art.7, 8 und 9.
Unbestritten liegt bei Ihnen eine erhebliche Verspätung vor. Somit kommen je nach Flugstrecke
- Ausgleichszahlungen in Höhe von 250 Euro bei einer Flugstrecke von weniger als 1.500 Kilometern
- Ausgleichszahlungen in Höhe von 400 Euro bei einer Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 Kilometern
- Ausgleichszahlungen in Höhe von 600 Euro bei einer Flugstrecke von mehr als 3.500 Kilometern
Sie haben schon richtig bemerkt, dass Sie pro Person 400 Euro verlangen können.
Dieser Anspruch könnte allerdings entfallen, da das unternehmen außergewöhnliche Umstände geltend macht.
„Solche Umstände können insbesondere bei politischer Instabilität, mit der Durchführung des betreffenden Fluges nicht zu vereinbarenden Wetterbedingungen, Sicherheitsrisiken, unerwarteten Flugsicherheitsmängeln und den Betrieb eines ausführenden Luftfahrtunternehmens beeinträchtigenden Streiks eintreten.“ – Erwägungsgrund 13 der VO 261/2004.
Fraglich ist nun, ob ein technischer Defekt unter einen solchen Umstand rechtlich zu sehen ist. In der Regel stellt ein technisches Problem jedoch keine Begründung dafür dar, keine Ausgleichszahlung leisten zu müssen. Nur in sehr wenigen Fällen, wie beispielsweise bei einem defekten Generator oder aus einem Vogelschlag resultierenden Defekt wich die Rechtsprechung in den letzten Jahren davon ab. Auch auf die Ruhezeit der Crew kann sich Condor in diesem Fall nicht beziehen. Condor muss dafür Sorge tragen, dass ein Flugzeug und sein Crew einsatzbereit ist. Die Airline muss auch dafür Sorgen, dass iim Notfall eine Ersatzcrew bereit steht. Fallen Crewmitglieder deswegen aus, weil sie ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten müssen, so ist auch das kein außergewöhnlicher Umstand.
Ihr Anspruch besteht also.
Zudem haben Sie aufgrund der langen Wartezeit am Flughafen auch einen Anspruch auf Betreuungsleisten gem. Art.8 und Art.9 der VO.
- Mahlzeiten und Erfrischungen in a
Beantwortet 29, Nov 2015 von NatalieS (15,230 Punkte)
Nun für den Fall, dass Sie eine Pauschalreise gebucht haben:
Da Ihre Reisepläne erheblich beeinträchtigt wurden, so räumt das BGB Ihnen in § 651 a ff. BGB weitere Rechte ein.
Durch die Verlegung des Fluges liegt ein Sachmangel im Sinne des § 651 c I BGB vor. Somit besteht für Sie die Möglichkeit gemäß § 651 d I , den Reisepreis zu mindern. Dazu müssen Sie allerdings den Mangel anzeigen. Zudem können Sie gem. § 651 c II 1 BGB vom Reiseveranstalter Abhilfe zu verlangen. Dazu müssten Sie gemäß § 651 c III 1 BGB eine Frist setzen. Hält der Reisveranstalter die Frist nicht ein, so kann der Reisende selbst Abhilfe schaffen und Ersatz der dazu erforderlichen Aufwendungen verlangen.
Ich würde Ihnen empfehlen sich direkt an die Airline zu wenden und wenn nötig, einen Anwalt für Reisrecht einzuschalten.
In Bezug auf Flugverspätungen ergibt sich ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen aus der Europäischen Fluggastrechte Verordnung. Ihr Flug hat sich um mehr als 14 Stunden verspätet. Bei so einer erheblichen Verspätung geht man von einer Annulierung aus.
BGH-Az.: X ZR 34/14 (einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")
Der Anspruch kann jedoch nur dann geltend gemacht werden, wenn Sie mit einer Verspätung an dem Zielflughafen landen. Das heißt, dass eine Verspätung beim Abflug keine Grundlage für eine Entschädigung darstellt. Maßgeblich ist lediglich die Verspätung bei der Ankunft am Zielflughafen.
EuGH, Urteil vom 26.02.2013, Az.: C-452/13 (einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")
Der EuGH hat klargestellt, dass eine Verspätung beim Abflug keine Voraussetzung für die Entschädigung ist. Es kommt also allein auf die Ankunftsverspätung am Zielflughafen an. Für den Ankunftszeitpunkt ist nach dem Urteil des EuGH das Öffnen einer Tür des Flugzeugs maßgebend, und nicht wie bisher von den Gerichten angenommen das Berühren des Bodens (Touch-Down) oder das Erreichen der Parkposition (on-block).
In Ihrem Fall kam das Flugzeug mit über 14 Stunden Verspätung an ihrem Zielflughafen Arrecife Lanzarote an. Sie haben also grundsätzlich einen Anspruch auf Ausgleichzahlung.
Die Entfernung von Leipzig nach Arrecife Lanzarote beträgt 3.292 Ihnen würden somit 400 EUR pro Fluggast zustehen.
Grund für die Verspätung war in Ihrem Fall zum einen ein technischer Defekt. Technische Defekte sind in der Regel keine außergewöhnlichen Umstände, die Fluggesellschaft wird also nicht von Ausgleichszahlungen befreit. Dies gilt selbst, wenn alle Wartungsarbeiten im Voraus ordnungsgemäß durchgeführt worden.
Der zweite Grund für die Verspätung war nach eigenen Angaben die Ruhezeit der Crew. Fraglich ist, ob die Ruhezeit der Crew einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne des Art.5 Abs. 3 der Europäischen Fluggastrechte Verordnung darstellt. Nach einem Urteil des Amtsgerichts Hannover (einfach zu finden bei Google unter Az.: 426 C 12868/10) steht den Passagieren eine Ausgleichszahlung zu, wenn sich ihr Flug dadurch verspätet, dass die Crew ihre Ruhezeit einhalten musste. Dies gilt sogar dann, wenn das Problem mit der Pause der Crew überhaupt erst dadurch auftrat, weil der vorangegangene Flug durch schlechtes Wetter verspätet war.
Ihrem Anspruch auf Ausgleichszahlung gem. Art. 7 der Europäischen Fluggastrechte Verordnung dürfte eigentlich nichts mehr im Wege stehen.
Beantwortet 22, Dez 2015 von Jendrik (11,080 Punkte)
die Ansprüche aus der europäischen Fluggastrechteverordnung müssen Sie gegenüber der Airline geltend machen - in Ihrem Falle gegenüber Condor.
Condor hat bereits zwei Gründe für die Verspätung genannt, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Dabei kann es sich jeweils um einen außergewöhnlichen Umstand handeln, der zum Ausschluss der Ausgleichszahlung führen würde.
2. Ruhezeit der Crew
Kommt es zu einer Verzögerung, so fängt die Dienstzeit der Crewmitglieder bereits an zu laufen. Bei einer großen Verzögerung kann es somit dazu kommen, dass die Dienstzeit einer Crew abgelaufen ist, ohne dass das Flugzeug abgehoben hat, geschweige denn den Zielflughafen erreicht hat. In einem solchen Fall kann sich die Luftfahrtgesellschaft nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen. Eine solche Verspätung kann verhindert werden, wenn die Airline eine Ersatzcrew bereit hält. Das Vorhalten einer Crew stellt eine zumutbare Maßnahme dar. Denn um zu vermeiden, dass jede auf dem Eintritt außergewöhnlicher Umstände beruhende Verspätung, sei sie auch geringfügig, zwangsläufig zur Annullierung oder Verspätung des Fluges führt, muss ein vernünftig handelndes Luftfahrtunternehmen seine Mittel rechtzeitig planen, um über eine gewisse Zeitreserve zu verfügen und den Flug möglichst bald nach dem Wegfall der außergewöhnlichen Umstände weiter durchführen zu können (vgl. LG Frankfurt, Urt. v. 02.09.2011, 2/24 S 47/11, leicht zu googeln unter "2/24 S 47/11 Reise-Recht-Wiki.de"; EuGH, Urt. v. 12.05.2011, C-294/10, "C-294/10 Reise-Recht-Wiki.de").
Bzgl. des technischen Defekts muss Condor genau vortragen, um was für einen Defekt es sich handelt, und warum dieser nicht vermeidbar gewesen ist, Auf einen außergewöhnlichen Umstand bzgl. der Ruhezeit der Crew kann sich Condor nicht berufen.
Reagiert die Airline nicht auf eine erste Kontaktaufnahme, so lohnt sich der Weg zu einem Fachanwalt für Reiserecht.
grundsätzlich besteht im Fall einer Verspätung des Fluges unter bestimmten Voraussetzungen nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung für einen betroffenen Reisenden die Möglichkeit von der Airline eine Ausgleichszahlung gem. Art. 7 VO zu verlangen. In dem von Ihnen geschilderten Fall wäre ein solcher Anspruch grundsätzlich von folgenden Voraussetzungen abhängig:
die Flugverspätung muss eine große Verspätung im Sinne des EuGH-Urteils Sturgeon darstellen, d.h. der Reisende muss mit einer Verspätung von mind. 3 Stunden am Zielort angekommen sein
die Airline darf gem. Art 5 Abs. 3 VO nicht nachweisen können, dass die Verspätung auf einen sogenannten außergewöhnlichen Umstand zurück geht, den sie auch dann nicht hätte vermeiden können, wenn sie alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hätte.
D.h. zunächst wäre es in ihrem Fall wichtig zu wissen, mit wie viel Verspätung Sie in Lanzarote angekommen sind. Liegt die Verspätung unter 3 Stunden scheidet ein Anspruch auf Ausgleichszahlung direkt aus.
Beträgt die Verspätung mind. 3 h, muss geklärt werden, ob sich die Airline gem. Art. 5 Abs. 3 VO entlasten kann oder nicht. In ihrem Fall wurde ein technischer Defekt und Crew-Ruhezeiten als Grund für die Verspätung angegeben. Dies ist zunächst äußerst pauschal und reicht insoweit nicht aus, um eine Entlastung der Airline herbeizuführen. Vielmehr müsste die Airline noch weitere Punkte darlegen und beweisen können.
So hat z.B. das AG Hannover in einem Urteil entschieden, dass eine Airline die sich bei notwendigen Crew-Ruhezeiten auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen will, darlegen muss, warum keine Ersatzcrew einsetzbar gewesen sei. (bei Google nachzulesen unter "426 C 12868/10 reise-recht-wiki.de")
Im Rahmen von technischen Problem hat z.B. der BGH entschieden, dass grundsätzlich nur solche Vorkommnisse als außergewöhnliche Umstände zu qualifizieren sind, die nicht Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit der Airline sind und daher von ihr tatsächlich nicht zu beherrschen sind (bei Googlesuche einzugeben " Xa ZR 76/07 reise-recht-wiki.de") Die meisten technischen Defekte, die an einem Flugzeug auftreten können, sind aber eben gerade Teil der normalen Tätigkeit und durchaus von der Airline zu beherrschen wie z.B. Austritt von Hydrauliköl, Defekt des Wetterradars, ein defekter Flow-Sensor oder eine defekte Kerosinpumpe.
Daher ist es in Ihrem Fall wichtig, die Airline darauf hinzuweisen, dass die pauschale Angabe eines technischen Defektes nicht zur Entlastung ausreicht. Vielmehr muss Sie genau Angaben dazu machen, was defekt war. Nur so kann man entscheiden, ob sich die Airline hier gem. Art. 5 Abs. 3 VO entlasten kann oder nicht.
Ist sie nicht in der Lage diesen Entlastungsbeweis zu führen, muss sie Ihnen eine Ausgleichszahlung gem. Art. 7 VO zahlen. Diese würde in Ihrem Fall 400 € pro Person betragen.

References: Art. 5
 Art.7
 Art.8
 Art.9
 § 651
 § 651
 § 651
 § 651
 § 651
 EuGH 
 EuGH 
 Art.5
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 5
 BGH 
 Art. 5
 Art. 7