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Timestamp: 2020-01-23 16:18:29+00:00

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Das Finanz­ge­richt – und die Sach­auf­klä­rungs­pflicht zum aus­län­di­schen Recht | Rechtslupe
Das Finanzgericht - und die Sachaufklärungspflicht zum ausländischen Recht
Das Finanz­ge­richt – und die Sach­auf­klä­rungs­pflicht zum aus­län­di­schen Recht
Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht gemäß § 76 Abs. 1 FGO erfor­dert, dass das Finanz­ge­richt Tat­sa­chen und Beweis­mit­teln nach­geht, die sich ihm in Anbe­tracht der Umstän­de des Ein­zel­falls hät­ten auf­drän­gen müs­sen. Es darf sub­stan­ti­ier­te Beweis­an­trä­ge, die den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt betref­fen, grund­sätz­lich weder ableh­nen noch über­ge­hen.
Da die Sach­auf­klä­rungs­pflicht dazu dient, die Spruch­rei­fe der Kla­ge her­bei­zu­füh­ren, hat das Gericht jedoch nur das auf­zu­klä­ren, was aus sei­ner Sicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist 1.
Bei Aus­lands­sach­ver­hal­ten ist zudem zu beach­ten, dass sich aus § 76 Abs. 1 Satz 4 FGO i.V.m. § 90 Abs. 2 AO nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs eine erhöh­te Mit­wir­kungs­pflicht der Steu­er­pflich­ti­gen ergibt 2.
Für eine Beschwer­de­be­grün­dung, in der eine Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts und damit ein Ver­fah­rens­man­gel i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO gerügt wird, erfor­dert dies, dass der Beschwer­de­füh­rer dar­legt, sei­nen abga­be­recht­li­chen Mit­wir­kungs­pflich­ten genügt zu haben 3. Denn aus § 90 Abs. 2 AO folgt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH ins­be­son­de­re die Pflicht der Steu­er­pflich­ti­gen, im Rah­men ihrer recht­li­chen und tat­säch­li­chen Mög­lich­kei­ten (§ 90 Abs. 2 Satz 2 AO) den Sach­ver­halt auf­zu­klä­ren, Beweis­mit­tel zu beschaf­fen (§ 90 Abs. 2 Satz 1 AO) und ggf. bereits Beweis­vor­sor­ge zu tref­fen (§ 90 Abs. 2 Satz 4 AO).
Gemes­sen dar­an kam in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof beur­teil­ten Fall eine Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht durch das Finanz­ge­richt nicht in Betracht:
Vor­lie­gend geht es nicht um die Anwen­dung aus­län­di­schen Rechts, wel­ches das Finanz­ge­richt gemäß § 155 FGO i.V.m. § 293 der Zivil­pro­zess­ord­nung von Amts wegen zu ermit­teln hat 4. Es geht viel­mehr dar­um, dass die Steu­er­pflich­ti­gen die Berück­sich­ti­gung von Auf­wen­dun­gen für eine Putz­hil­fe sowie eine Hil­fe zur Gar­ten­pfle­ge in ihrem in Frank­reich bele­ge­nen Haus­halt nach § 35a EStG begeh­ren und mei­nen, sie hät­ten mit­tels der vor­ge­leg­ten fran­zö­si­schen "Atte­sta­ti­ons Fis­ca­les" die unba­re Zah­lung für die in Anspruch genom­me­nen Dienst­leis­tun­gen nach­ge­wie­sen, wäh­rend das Finanz­ge­richt die Kla­ge man­gels Vor­la­ge bank­mä­ßi­ger Zah­lungs­nach­wei­se (Kon­to­aus­zü­ge über die Abbu­chun­gen) abge­wie­sen hat. Die Klä­ger räu­men selbst ein, dass sich aus den vor­ge­leg­ten Beschei­ni­gun­gen eine Zah­lung per Ver­rech­nungs­scheck nicht erge­be. Dies sei jedoch uner­heb­lich, da die­se Art der Zah­lung in Frank­reich üblich und zudem Vor­aus­set­zung für den Erhalt der "Atte­sta­ti­on Fis­ca­le" sei und sich somit der gefor­der­te Zah­lungs­nach­weis indi­rekt aus den Beschei­ni­gun­gen erge­be. Das Finanz­ge­richt hat die Fra­gen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Steu­er­be­schei­ni­gun­gen nach fran­zö­si­schem Recht aus­ge­stellt wer­den sowie wel­che Zah­lungs­ge­wohn­hei­ten in Frank­reich üblich sind, jedoch nicht als ent­schei­dungs­er­heb­lich ange­se­hen, da im Fal­le der behaup­te­ten Zah­lung per Ver­rech­nungs­scheck mit­tels Kon­to­aus­zü­gen über die Abbu­chun­gen ein ent­spre­chen­der bank­mä­ßi­ger Zah­lungs­nach­weis hät­te erbracht wer­den kön­nen. Dass dies im Streit­fall nicht mög­lich war, machen die Klä­ger nicht gel­tend. Inso­fern müs­sen sie sich ent­ge­gen­hal­ten las­sen, die vom Gesetz als for­mel­le Vor­aus­set­zung der Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG gefor­der­te bank­mä­ßi­ge Doku­men­ta­ti­on des Zah­lungs­vor­gangs nicht erbracht zu haben.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2016 – VI B 50/​16
Öffent­li­che Zustel­lung – und der unbe­kann­te Auf­ent­halts­ort Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine öffent­li­che Zustel­lung gemäß § 185 Nr. 1 ZPO nur dann zuläs­sig, wenn der Auf­ent­halts­ort des Betrof­fe­nen unbe­kannt ist.…
u.a. BFH, Beschluss vom 23.09.2009 – IV B 133/​08, BFH/​NV 2010, 52, unter 2.a, m.w.N.[↩]
z.B. BFH, Beschluss vom 05.08.2011 – III B 144/​10, BFH/​NV 2011, 1915[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 03.04.2007 – VIII B 60/​06, BFH/​NV 2007, 1341[↩]
s. BFH, Urteil vom 13.06.2013 – III R 63/​11, BFHE 242, 34, BSt­Bl II 2014, 711[↩]
FinanzgerichtsverfahrenSachaufklärungspflichtSachverständigengutachten

References: § 76
 § 76
 § 90
 § 115
 § 90
 § 155
 § 293
 § 35
 § 35
 § 185