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Timestamp: 2019-05-27 07:08:14+00:00

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von Dustin Steinhöfel (Autor)
Masterarbeit 2013 135 Seiten
3.1 Demografische Entwicklung in Deutschland
3.1.1 Demografische Prognose
3.1.2 Gesundheitliche Situation
3.2 Pflegetätigkeit im Krankenhaus und der ambulanten Pflege
3.2.1 Pflegetätigkeit im Krankenhaus
3.2.2 Pflegetätigkeit in der ambulanten Pflege
3.3 Belastungen am Arbeitsplatz
3.3.1 Physische Belastungen im Arbeitsalltag
3.3.2 Psychische Belastungen im Arbeitsalltag
3.3.3 Motivation und Produktivität
3.4.1 Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)
3.4.2 Arbeitsschutz
3.4.3 Disability Management
3.4.4 Handlungskreislauf „Betriebliches Gesundheitsmanagement“
3.5 WAI – Der Arbeitsfähigkeitsindex
4.1 Forschungsfrage und Untersuchungshypothesen
4.2 Angaben zur Stichprobe
4.4 Untersuchungsablauf und Datenaufnahme
5.1 Deskriptive Datenanalyse der Ergebnisse
5.1.1 Ergebnisse: Allgemeine Angaben
5.1.2 Ergebnisse: Derzeitige Arbeitsfähigkeit
5.1.3 Ergebnisse: Arbeitsfähigkeit in Bezug auf körperliche und psychische Arbeitsanforderungen
5.1.4 Ergebnisse: Art und Anzahl der vom Arzt aktuell diagnostizierten Krankheiten
5.1.5 Ergebnisse: Beeinträchtigung der Arbeitsleistung durch Krankheiten
5.1.6 Ergebnisse: Krankenstand im vergangenen Jahr
5.1.7 Ergebnisse: Einschätzung der zukünftigen Arbeitsfähigkeit
5.1.8 Ergebnisse: Psychische Leistungsreserven
5.1.9 Ergebnisse: Zusätzliche Angaben
5.1.10 WAI – Work-Ability-Index
6.2 Interventionsmöglichkeiten für Pflegekräfte
6.2.1 Interventionsmaßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Erkrankungen
6.2.2 Interventionsmaßnahmen betrieblicher Stressprävention
6.3 Grenzen der Arbeit
9.3 Anhang
Anhang 2: F-Verteilung für ein Signifikanzniveau von 5%
„Die Gesundheit ist ein kostbares Gut, nur sie ist es eigentlich wert,
dass man dafür seine Zeit, seinen Schweiß, seine Arbeit und sein Geld,
ja sogar sein Leben einsetzt.“
In Zeiten des demografischen Wandels, einhergehend mit einer immer älter werdenden Bevölkerung, nehmen die Belastungen im Alltag ständig zu. Die Menschen werden immer älter und die Anzahl der Menschen die an Krankheiten leiden steigt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Mit der Zunahme an älteren Menschen vergrößert sich ebenfalls die Zahl der diagnostizierten Krankheiten, unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel-Skelett-Erkrankungen, aber auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout werden prognostiziert in den nächsten Jahren zunehmend an Gewicht gewinnen. Immer mehr Menschen benötigen medizinische und pflegerische Hilfe, ob im Krankenhaus oder durch die ambulante Pflege. Somit ist der Gesundheitssektor im Bereich der Prävention, Versorgung oder Rehabilitation, einer der am stärksten wachsenden Wirtschaftsbereiche in den nächsten Jahrzehnten.
Mit der Zunahme an Alterskrankheiten werden Krankenhäuser und Pflegedienste im Laufe der Zeit an die Grenzen ihrer Kapazitäten kommen. Auch die Belegschaft wird in Zeiten des demografischen Wandels immer älter werden. Mehr Arbeit, bei einer Reduktion der Fachkräfte in diesem Bereich, wirkt sich auch auf die Gesundheit der Angestellten aus. Die Tätigkeitsbereiche werden überstrapaziert und das Pflegepersonal wird immer größer werdenden Belastungen ausgesetzt, wie zum Beispiel schwere körperliche Arbeit oder enormer Zeitdruck belasten nicht nur Körper, sondern auch die Psyche der Mitarbeiter. Dies spiegelt sich in Fehlzeitenstatistiken und Krankenständen wieder. Daraus ergeben sich Handlungsansätze, welche darauf ausgerichtet sind, der, durch den demografischen Wandel, immer älter werdenden Belegschaft Möglichkeiten zu bieten, den Arbeitsalltag bei voller körperlicher und geistiger Gesundheit zu ermöglichen. Unternehmen sollten gewillt sein, dem entgegen zu gehen um auch weiterhin wirtschaftlich zu arbeiten, denn die Gesundheit der Mitarbeiter sollte an oberster Stelle stehen um ihnen ein angenehmes und besseres Arbeitsumfeld zu ermöglichen. Nur so ist zu realisieren, dass die Mitarbeiter ihre Tätigkeit bei voller Gesundheit und hoher Motivation bis ins hohe Alter ausüben können.
Die Tätigkeit des Pflegepersonals im Krankenhaus geht vor allem mit einer physischen, wie auch psychischen Belastung einher. Der steigende Druck spiegelt sich unweigerlich in der Produktivität der Angestellten wieder und wirkt sich letztendlich auf deren Motivation aus. Das Management einer Klinik sollte das Ziel haben, Produktivität und Motivation des Pflegepersonals zu erhalten um folglich wirtschaftlich zu arbeiten. Dabei ist es wichtig, die physischen und psychischen Belastungen zu verringern bzw. zu eliminieren um dem Pflegepersonal zu ermöglichen, bis ins hohe Alter der Berufung nachzugehen.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, physische und psychische Belastungen vom Pflegepersonal in Krankenhäusern und ambulanten Pflegediensten zu analysieren. Dabei werden Befragungen durchgeführt in denen Pflegekräfte subjektiv ihre Belastung im Arbeitsalltag wiedergeben. Auf Grundlage davon wird ergründet, inwieweit sich dies auf die Motivation und die Produktivität des Pflegepersonals auswirkt. Denn vor allem die Produktivität ist, je nach Ausprägung, ein wichtiges Indiz der Geschäftsführung dafür wie wirtschaftlich die Mitarbeiter arbeiten.
Interessant in diesem Hinblick ist die Analyse der Unterschiede zwischen unterschiedlichen Altersstrukturen und ob Pflegekräfte höheren Alters, wie gedacht, stärker belastet sind als jüngere Pflegekräfte. In diesem Zusammenhang ist eine Unterscheidung der Belastungen zwischen männlichem und weiblichem Pflegepersonal ein Thema. Zudem wird ein Schwerpunkt sein, etwaige Unterschiede zwischen der stationären, meist im Krankenhaus, und der ambulanten Pflege zu ergründen. Die Aufgaben in der stationären und ambulanten Pflege sind grundlegend gleich, jedoch gibt es erhebliche Unterschiede in der Strukturierung der Arbeit.
Auf Grundlage der Ergebnisse werden Interventionsmaßnahmen entwickelt, welche nachhaltig die körperliche und geistige Gesundheit der Angestellten in Pflegeberufen in Unternehmen fördern und sichern.
In diesem Kapitel wird auf den gegenwärtigen Kenntnisstand zu diesem Thema eingegangen. In diesem Zusammenhang wird die Demografie, deren Entwicklung in den nächsten Jahren und die gesundheitliche Situation in Deutschland aufgezeigt. Zudem wird die Arbeit in Krankenhäusern und der ambulanten Pflege dargestellt und in diesem Hinblick auf die Belastungen, physischer wie auch psychischer Natur, in diesem Berufsfeld eingegangen. Weiterführend für die Entwicklung von Interventionsmaßnahmen sind von Bedeutung die Begriffe „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (BGM), „Betriebliches Gesundheitsförderung“ (BGF) und auch „Arbeitsschutz“ zu erläutern und deren Inhalte darzustellen. Abschließend wird in Aussicht auf die Ergebnisse der Befragung grundlegend der „Work-Ability-Index“ (WAI) näher erläutert.
Laut der Weltbank leben in Deutschland derzeit rund 81.726.000 Einwohner (Stand: 2011). Schaut man sich die Entwicklung seit den 60er Jahren in Deutschland an so ist zu erkennen, dass die Bevölkerung seitdem um knapp 10.000.000 Einwohner zugenommen hat. Trotz des hohen Anstieges der Bevölkerungszahl in den letzten 50 Jahren ist zurzeit eine Verringerung der Einwohnerzahl zu verzeichnen. Um dies näher zu erläutern ist die Heranziehung der Geburten- und Sterberate in Deutschland vonnöten:
Abb. 1: Geburtenrate, brutto je 1000 Personen (Quelle: Weltbank)
Die Geburtenrate weist eine deutliche Verringerung der Geburtenzahlen seit 1960 auf.
Abb. 2: Sterberate, brutto je 1000 Personen (Quelle: Weltbank)
Die Sterberate liegt seit den 60er Jahren nahezu gleich hoch, jedoch ist seit 1985 eine leichte Abnahme der Sterberate zu verzeichnen.
Um die Veränderungen in der Demografie zu verstehen, müssen Sterbe- und Geburtenrate miteinander verglichen werden. Dabei ist zu erkennen, dass die Geburtenrate bis 1970 deutlich über der Sterberate lag. Erst ab 1970 sank die Geburtenrate unter bzw. gleich der Sterberate. Bis heute liegt die Sterberate über der Geburtenrate. Betrachtet man also ausschließlich Geburten- und Sterberate, ist zu erkennen, dass sich daraus ein negatives Bevölkerungswachstum ergibt.
Wie jedoch ist es möglich, dass, trotz Geburtenrückgang und erhöhter Sterberate, seit den 60er Jahren die Bevölkerung um knapp 10.000.000 Einwohner zugenommen hat.
Zum einen hat dies mit der erhöhten Geburtenrate zwischen 1960 und 1970 zu tun, jedoch auch zum Großteil an der immer älter werdenden Bevölkerung. Lag die Lebenserwartung 1960 bei Männern noch bei 66,48 Jahren und bei Frauen bei 71,72 Jahren so sind es im Jahr 2010 bei Männern bereits 77,70 Jahre und bei Frauen 82,74 Jahre (Quelle: Lebenserwartung.info). Die Bevölkerung wird immer älter und somit erhöht sich die Bevölkerungsanzahl trotz geringerer Geburtenraten im Bezug auf die Sterberate. Abbildung 3 veranschaulicht den Fakt der gestiegenen Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten in Deutschland noch einmal:
Abb. 3: Lebenserwartung in Jahren in Deutschland (Quelle: Weltbank)
Es ist deutlich zu erkennen, dass die Lebenserwartung im Durchschnitt um knapp 10 Jahre in den letzten 50 Jahren gestiegen ist. Wird die Bevölkerung jedoch immer älter, wie wirkt sich dies seit Mitte des letzten Jahrhunderts bis zur heutigen Zeit auf die Verteilung der Bevölkerung aus. Seit Anfang des letzten Jahrhunderts ist eine deutliche Veränderung der Bevölkerungsstruktur zu verzeichnen:
Abb. 4: Altersaufbau der Bevölkerung (Quelle: Destatis)
Anfang des letzten Jahrhunderts glich die Bevölkerungsstruktur vollkommen einer Pyramide. Der Großteil der Bevölkerung war jung und nur ein geringer Teil der Bevölkerung war im hohen Alter. Dies ist damit zu begründen, dass die Lebenserwartung Anfang des letzten Jahrhunderts relativ gering war. Mit der Zeit veränderte sich die „Bevölkerungspyramide“ in eine „Bevölkerungsglocke“. Wie bereits vorab dargestellt wird die Bevölkerung immer älter und dies spiegelt sich ebenfalls in der Bevölkerungsstruktur wieder. Die Anzahl der älteren Menschen nimmt immer mehr zu wohingegen sich der Anteil der jüngeren Bevölkerung innerhalb eines Jahrhunderts dezimierte. Im nachfolgenden Kapitel 3.1.1 wird die Entwicklung analysiert, die in Zukunft vonstatten geht, d.h. welche demografische Entwicklung wird Deutschland prognostiziert in den nächsten Jahrzehnten durchlaufen.
In den letzten Jahrzehnten reichte die Anzahl der geborenen Kinder nicht mehr aus um die Elterngeneration zu ersetzen. Die Sterberate liegt höher als die Geburtenrate. Interessant ist in diesem Kontext die Entwicklung der Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten. Unterschiedlichste Prognosen sagen eine weitere Änderung der demografischen Entwicklung voraus. Diese Veränderungen wirken sich auf unterschiedlichste Lebensbereiche aus, wie z.B. dem Arbeitsmarkt, das Bildungs- und Erziehungswesen, die Energie- und Wasserversorgung, dem Einzelhandel, aber auch dem Gesundheits- und Pflegesektor.
Die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung der statistischen Ämter ist die Grundlage der Beobachtung und Prognose in der Entwicklung von Geburten- und Sterbehäufigkeiten bis 2030 (vgl. DESTATIS, 2011, S. 6). Nachfolgend werden die Entwicklungen in den nächsten zwei Jahrzehnten dargestellt.
Im Jahr 2030 verringert sich die Bevölkerungszahl von knapp 82 Millionen Einwohnern auf 77 Millionen Einwohner. Dies entspricht einem Rückgang von circa 5,5% zur jetzigen Bevölkerungszahl. Dieser Rückgang ist am deutlichsten im Bereich der unter 20-jährigen zu erkennen. In 20 Jahren werden demzufolge voraussichtlich 17% weniger Personen unter 20 Jahren leben. Dies bedeutet, dass statt 15,6 Millionen im Jahr 2030 nur noch 12,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leben werden. Betrachtet man sich die folgende Abbildung wird dieser Fakt noch mehr verdeutlicht. Führt man die Grafik der Geburtenrate von Abb. 1 aus Kap. 3.1 fort, so ergibt sich folgende Veränderung der Geburtenrate bis 2030:
Abb. 5: Geburtenrate bis 2030 (Quelle: Destatis)
Es ist zu erkennen, dass die Geburtenrate bis 2030 weiterhin sinkt. Mit dieser Erkenntnis ist der Rückgang der Bevölkerung der unter 20-jährigen zu erklären. Betrachtet man nun analog dazu die Sterberate bis zum Jahr 2030, fällt auf, dass diese, nach dem Sterberatenrückgang zwischen 1995 bis 2005, wieder langsam steigt:
Abb. 6: Sterberate bis 2030 (Quelle: Destatis)
Somit wird die Sterberate ansteigen wohingegen die Geburtenrate sinkt. Resultat daraus ist die, wie bereits erläutert, die Verringerung der Bevölkerungszahl um fünf Millionen Einwohner bis 2030.
Die Veränderung der Demografie in Deutschland geht ebenso einher mit einer Erhöhung der Lebenserwartung der Neugeborenen bis 2030. Für die nächste Generation wird eine Lebenserwartung von 81,0 Jahren bei Jungen und 85,7 Jahre bei Mädchen prognostiziert.
Unter all diesen Umständen ergibt sich eine Verschiebung der Bevölkerungsstruktur, die in Tab. 1 dargestellt wird:
Tab. 1: Altersstruktur 2008 und 2030 (Quelle: Destatis)
Es wird auch hier ersichtlich, dass die Bevölkerung immer älter wird. Lediglich die Altersgruppe über 65 Jahre hat eine drastische Zunahme um 33 % auf 22,3 Millionen Einwohner in Deutschland. Grafisch lässt sich diese Veränderung wie folgt darstellen:
Abb. 7: Altersaufbau der Bevölkerung 2030 (Quelle: Destatis)
Die gestiegene Lebenserwartung, die erhöhte Sterberate und die sinkende Geburtenrate tragen dazu bei, dass der Altersaufbau im Jahr 2030 immer mehr einer „Glocke“ gleicht. Für die Prognose der demografischen Entwicklung bedeutet dies zusammenfassend, dass die Bevölkerung noch älter wird und die Verteilung der Bevölkerung zwischen jungen und älteren Einwohnern in keinem Verhältnis mehr steht. In Kap. 3.1.2 wird nun darstellt inwiefern sich dies auf die gesundheitliche Situation in Deutschland auswirkt.
Die gesundheitliche Situation in Deutschland verändert sich in den letzten Jahren nur zum Teil analog zur Veränderung der Demografie. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit steigen in Deutschland seit Beginn dieses Jahrtausends die Krankstände wieder allmählich an. Waren die Krankenstände seit 1970 stark rückläufig kommt es in letzter Zeit wieder zu einer Erhöhung dieser. Trotzdem befindet sich der Krankenstand zurzeit auf einem sehr niedrigen Niveau von 3,8% (Stand 2011). Zum Teil ist dies begründet mit einer teilweisen Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Verkürzung der Arbeitszeiten, realistischer jedoch ist die Annahme, dass viele Arbeitnehmer auf die Krankmeldung verzichten aus Sorge, den Arbeitsplatz zu verlieren (vgl. SOZIALPOLITIK-AKTUELL).
Analog zur demografischen Entwicklung verändert sich jedoch merklich die Zahl der Krankenhausaufenthalte und die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland. Die Fallzahlen der im Krankenhaus behandelten Patienten stiegen von 1990 bis 2010 um knapp 25%. Die durchschnittliche Bettenauslastung (- 8%), die aufgestellten Betten (- 24%), die Belegungstage (- 30%) und die durchschnittliche Verweildauer (- 43%) sanken seit 1990 (vgl. BÖLT/GRAF, 2012, S. 113):
Abb. 8: Entwicklung zentraler Indikatoren der Krankenhäuser (Quelle: Destatis)
Im Jahr 2008 wurden knapp 18 Millionen Krankenhausfälle registriert, was einem Anstieg um fast zwei Millionen Fälle im Bezug auf 1995 bedeutet. Zudem ist die Anzahl der Krankenhausfälle eng mit dem Alter der Patienten verknüpft. So ist ab dem Alter von 60 Jahren ein deutlicher Anstieg der Krankenhausfälle zu verzeichnen, welcher besonders drastisch bei den Männern zu verzeichnen ist. Dieser Anstieg potenziert sich mit höherem Alter. Somit fallen nahezu die Hälfte aller Krankenhausfälle auf Personen über 60 Jahre. Bis zum Jahr 2030 wird ein weiterer Anstieg der Krankenhausfälle um 1,4 Millionen bzw. + 8% prognostiziert. Dies sind Berechnungen auf Grundlage der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung und des Status-Quo-Szenarios des statistischen Bundesamtes (vgl. Auswirkungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftige im Bund und in den Ländern, DESTATIS, S. 7ff).
Durch die erhöhte Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung ist vor allem eine steigende Anzahl pflegebedürftiger Personen seit den letzten und in den nächsten Jahren zu verzeichnen. Im Dezember 2009 gab es nahezu 2,34 Millionen Pflegebedürftige Menschen in Deutschland. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen lag zu diesem Zeitpunkt bei den über 65 jährigen mit einem ungefähren Anteil von 83% und auch die Pflegebedürftigen über 85 Jahren nahmen einen Anteil von gut einem Drittel (35%) an der Gesamtzahl aller pflegebedürftigen Personen ein (vgl. Auswirkungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftige im Bund und in den Ländern, DESTATIS, S. 21). In diesem Hinblick muss auch die Art der Pflegebedürftigkeit unterschieden werden. Hierbei wird in 3 Stufen unterschieden. Die drei Stufen unterscheiden sich allein in der Zeit, die für die pflegebedürftigen Personen aufgebracht werden muss um bei deren Grundpflege (Körperpflege, Toilettengänge, Nahrungsaufnahme, Kleiden etc.) tätig zu sein und hauswirtschaftliche Tätigkeiten zu verrichten. Pflegestufe 1 beinhaltet dafür ein Zeitkontingent von mindestens 90 Minuten, bei Pflegestufe 2 sind es mindestens 180 Minuten und bei Pflegestufe 3 mindestens 300 Minuten. Diesen Hilfs- und Pflegebedarf sichert das § 14 des Sozialgesetzbuches XI (vgl. PFLEGESTUFE-INFO).
Betrachtet man nun Tab. 2 wird ersichtlich wie sich im Jahr 2009 die Anzahl der pflegebedürftigen Personen in Deutschland verteilte:
Tab. 2: Anzahl Pflegebedürftiger in Deutschland 2009 (Quelle: GBE)
Bereits 2009 war der Anteil der pflegebedürftigen Menschen sehr hoch. Jedoch wird diese Zahl weder sinken, noch stagnieren. In den nächsten Jahrzehnten wird die Anzahl Pflegebedürftiger regelrecht explodieren. Bereits im Jahr 2050, laut der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des statistischen Bundesamtes, wird sich die Zahl der pflegebedürftigen Personen mehr als verdoppelt haben. Die Ursache liegt zum Großteil im demografischen Wandel, wie in Kap. 3.1.1 bereits beschrieben. Da die Bevölkerung älter wird und auch eine höhere Lebenserwartung hat, nimmt zum einen die Anzahl der Krankheitsfälle und zum anderen die Länge der pflegerisch investierten Gesamtzeit zu. Vor allem Personen über 80 Jahren werden in den kommenden Jahren zunehmend pflegerisch bedürftig sein. Abbildung 9 stellt diesen Sachverhalt noch mal anschaulich dar:
Abb. 9: Pflegebedürftige Personen in Deutschland bis 2030
Wie sich die Tatsache immer höherer Patientenzahlen und einer Zunahme pflegerisch aufwendiger Personen auf die Arbeit im Krankenhaus und der ambulanten Pflege auswirkt, wird in den nachfolgenden Kapiteln dargestellt.
Deutschland vollzieht in den nächsten Jahrzehnten weiterhin einen demografischen Wandel. Die Bevölkerung hat eine immer höher werdende Lebenserwartung. Zudem sinken Geburtenraten und gleichzeitig bleiben die Sterberaten auf einem gleichbleibenden Niveau. Das Ergebnis ist eine immer älter werdende Bevölkerung die sich in der Altersstruktur widerspiegelt. Das Verhältnis älterer zu jüngerer Bevölkerung steht in keinem optimalen Verhältnis mehr.
Somit steigt die Anzahl der Krankenfälle durch diesen Wandel und auch die Zahl pflegebedürftiger Personen wird in den nächsten Jahrzehnten immens zunehmen.
In Deutschland arbeiten rund 4,8 Mio. Menschen im Gesundheitssystem. Es gibt 2.084 Krankenhäuser, 11.529 Pflegedienste und mehr als 10.000 Altenheime (Stand: 2009) in denen, laut statistischem Bundesamt, insgesamt 826.000 Gesundheits- und Krankenpfleger sowie 444.000 Altenpfleger und Altenpflegehelfer arbeiten. Hinzu kommt ein nicht zu verachtender Anteil von Gesundheits- und Krankenpflegehelfern in Höhe von 275.000 Arbeitnehmern, die den Krankenpflegern unterstützend zur Seite stehen. Da der Beruf des Krankenpflegers bzw. der Krankenschwestern immer noch eine weibliche Domäne ist, dominiert der Anteil der Frauen in diesem Berufsfeld mit 86,2% (Stand: 2010). Jedoch wird dieses Berufsfeld auch für männliche Erwerbstätige immer attraktiver und somit veränderte sich der prozentuale Anteil im Berufsfeld „Gesundheits- und Krankenpfleger“ in den letzten Jahren immer mehr zugunsten der Männer.
Der Pflegeberuf an sich ist im Gesundheitssystem eine boomende Branche. Die „Allensbacher Berufsprestige-Skala“ veröffentlichte 2005 die Auswertung einer Umfrage über das Ansehen von beruflichen Tätigkeiten in der Öffentlichkeit, bei der der Beruf der Krankenschwester und des Krankenpflegers mit 56% aller Befragten auf Platz 2 landete, kurz hinter dem Beruf des Arztes auf Platz 1 (71%). Erst dahinter kamen Berufe wie Polizist auf Platz 3 (40%) und zum Beispiel Rechtsanwalt auf Platz 7 mit nur 25% (vgl. KNÜPPEL, 2009, S. 7f).
Die Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der Kranken- und Altenpfleger werden nachfolgend genauer dargestellt. Diese orientieren sich in der Pflege im Krankenhaus, wie auch in der ambulanten Pflege, an den sogenannten AEDL’s. „Aktivitäten des täglichen Lebens“ nach Roper (ATL) wurden durch Monika Krohwinkel zwischen 1984 und 1991 zu den sogenannten AEDL’s („Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens“) weiterentwickelt. Krohmanns Weiterentwicklung gilt als Leitfaden für die qualitative und aktive Pflege (vgl. HELLMANN, 2006, S. 114f)
Da Patienten rund um die Uhr versorgt werden müssen, arbeiten Krankenschwestern und -pfleger ebenfalls rund um die Uhr in einem Schichtsystem. Dies beinhaltet den Tagdienst (Früh- und Spätschicht), Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste und auch Bereitschaftsdienste (vgl. BfA, 2006, S. 5).
Die Arbeitsbereiche der Gesundheitsfachkräfte beschränkt sich auf das Gesundheitswesen und beinhaltet Krankenhäuser, Arztpraxen, Gesundheitszentren und Krankentransporte. In diesen 4 möglichen Arbeitsbereichen gibt es mehrere mögliche Arbeitsorte in denen das Personal beschäftigt sein kann. Darunter zählen: Krankenstationen, Patientenzimmer, Untersuchungsräume, Operationssäle, Notfallaufnahme, Büro- und Sanitärräume (vgl. BfA, 2006, S. 4).
Die Gesundheitspfleger im Krankenhaus haben grundlegend folgende Kernkompetenzen:
- Tätigkeitsbereich „Behandlungspflege“
„Injektionen, Infusionen, Transfusionen und Blutentnahmen sind Tätigkeiten, die der Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden dienen.“ (zitiert nach DETTMEYER, 2001, S. 453)
Die Aufgaben der Krankenschwestern und –pfleger umfassen grundsätzlich die selbständige und geplante Krankenpflege. Zudem ist das Pflegepersonal verpflichtet den ärztlich angeordneten Maßnahmen der Diagnostik und Therapie nachzukommen. Diese Anordnungen erfolgen schriftlich und sollten ausschließlich an ausgebildete Krankenpflegepersonen (demnach Schüler nur unter Aufsicht) mit qualifizierten Kenntnissen weitergeleitet werden. Zu diesen Maßnahmen gehören Blutentnahmen, Stellen und Verabreichen von Infusionen und von Medikamenten/Injektionen. Zudem Wechsel von Verbänden und andere medizinische Vorgängen. Das Pflegepersonal hat zu prüfen ob durch die Wirkung des Medikamentes/der Infusion das persönliche Tätigwerden des Arztes vonnöten ist (vgl. DETTMEYER, 2001, S. 453).
- Tätigkeitsbereich „Körperpflege“
Unter der Körperpflege werden sämtliche Handlungen verstanden, die sich mit der Pflege der Haut, der Hautanhangsgebilde (Haare und Nägel) sowie der Mund- und Zahnpflege befassen. Das Ziel ist durch die hygienischen Maßnahmen Krankheiten zu vermeiden und die Gesundheit und das Wohlbefinden des Patienten zu steigern. Dies bedeutet für das gesundheitliche Pflegepersonal, dass dies zuständig ist für die Vor- und Nachbereitung der Utensilien zur Körperpflege und die Hilfe bei der Körperwaschung am Waschbecken. Einen größeren pflegerischen Aufwand nehmen Patienten in Anspruch, die durchaus überhaupt nicht mehr in der Lage sind Körperpflege in irgendeiner Art selbständig durchzuführen. Hierzu gehört die Ganzkörperwaschung im Bett, das Duschen oder Baden der Patienten und der Versuch sie zur Körperpflege zu aktivieren. Die Nachbereitung findet dann anhand der Dokumentation der geleisteten Pflegetätigkeit statt (vgl. OFFERMANNS/BERGMANN, 2010, S. 32).
- Tätigkeitsbereich „Ernährung“
Der Begriff „Ernährung“ bezeichnet nach der GBE (Gesundheitsberichterstattung des Landes) „die Gesamtheit der Vorgänge, durch die dem lebenden Organismus diejenigen Substanzen von außen zugeführt werden, die zur Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge notwendig sind“. Das Pflegepersonal hat hierbei die Aufgabe die Patienten in eine Position zu bringen, in der eine gute Nahrungsaufnahme möglich ist, meistens sitzend bis leicht liegend. Zudem muss die Nahrungsaufnahme überwacht werden. Bei Patienten, die der Nahrungsaufnahme nicht mehr selbstständig nachkommen können ist meist die Verabreichung von Sondenkost vonnöten. Das Ziel ist es trotzdem den Patienten, wenn möglich, zur selbstständigen Nahrungsaufnahme zu aktivieren. Wie schon bei der Körperpflege steht auch hier wieder die Dokumentation der geleisteten Tätigkeit am Patienten im Vordergrund um den Behandlungserfolg oder auch –misserfolg zu dokumentieren (vgl. OFFERMANNS/BERGMANN, 2010, S. 40).
- Tätigkeitsbereich „Ausscheidung“
Als Ausscheidungen wird, medizinisch und biologisch, die Abgabe von Stoffen vom Körperinneren an die Körperoberfläche definiert. Dies sind diverse Vorgänge des Stoffwechsels, auch Exkretion genannt, mit dabei entstehenden Produkten wie Kot und Urin. Patienten, die ihre Ausscheidungen nicht kontrollieren können, sozusagen eine sogenannte Inkontinenz entwickelt haben, brauchen eine intensivere Pflege als Personen, die selbstständig die Toilette benutzen können. Zu diesen Tätigkeiten zählen die Bereitstellung von Ausscheidungsutensilien, wie Inkontinenzmaterial (Windeln oder Vorlagen) oder eines Toilettenstuhles. Zudem muss den Patienten Hilfe gewährleistet werden bei der Anwendung der Utensilien, d.h. Anlegen des Inkontinenzmaterials oder Hilfe bei der Nutzung des Toilettenstuhls. In regelmäßigen Abständen wird ein Inkontinenzmaterialwechsel durchgeführt wobei die Patienten gesäubert werden müssen. Auch hier erfolgt wieder eine Dokumentation über die geleistete Tätigkeit (vgl. OFFERMANNS/BERGMANN, 2010, S. 40ff).
- Tätigkeitsbereich „Bewegung und Lagerung“
Die Lagerung bedeutet in der Krankenpflege, einen zumeist immobilen Patienten in eine bestimmte Lage zu bringen um Folgeschäden von Bettlägerigkeit und Immobilität wie z.B. Dekubitus zu vermeiden. Die Aufgabenbereiche der „Bewegung und Lagerung“ beinhalten eine direkte oder auch indirekte Beteiligung des Patienten. Hierzu zählen die Einweisung der Patienten im Umgang mit den Patientenbetten, die Mobilisationshilfe (meist durch einen Physiotherapeuten), die Unterstützung des Patienten beim Verlassen des Bettes, das Unterstützen beim An- und Auskleiden des Patienten und das Aktivieren zum selbständigen Ankleiden. Zudem müssen Patientenbett und deren Umgebung wie Nacht- und Kleiderschrank ständig sauber gehalten werden.
Die Lagerung der immobilen Patienten erfolgt in regelmäßigen Zeitabständen um Folgeschäden zu vermeiden. Die stetige Dokumentation der durchgeführten Lagerungen erfolgt auch hier (vgl. OFFERMANNS/BERGMANN, 2010, S. 44ff).
Die nachfolgenden Tätigkeiten seien nur erwähnt. Diese vollziehen sich während des Aufenthaltes des Patienten meistens ohne deren direkte Beteiligung: Pflegewagen aufrüsten und reinigen, Beschriftung der Patientenzimmer, Erfassung der Personalien des Patienten bei der Aufnahme, Austeilen von Fragebögen, Vorstellung des Patientenzimmers, Erklärung der Rufanlage und der Telefone, Informationen über die sichere Verwahrung der Wertgegenstände, Information des Patienten über den Stationsablauf, Hilfestellung beim ein- und ausräumen von Gegenständen wie Koffern und Entsorgung des pflegerischen Sachbedarfs aus dem Umfeld des Patientenplatzes (vgl. OFFERMANNS/BERGMANN, 2010, S. 48ff).
Somit sind die Aufgaben des Pflegepersonals im Krankenhaus klar gegliedert. Zum einen der pflegerische Teil, der die gesamte Pflege des Patienten beinhaltet und zudem die medizinische Versorgung mit allem was für den Genesungszustand des Patienten notwendig ist. Wie jedoch unterscheidet sich nun die Arbeit im Krankenhaus von der Arbeit der Gesundheitspflegekräfte in der ambulanten Pflege.
Grundlegend sind die Arbeitsaufgaben der Pflegekräfte im Krankenhaus gleichzustellen mit den Tätigkeiten der Pflegekräfte im ambulanten Bereich. Zum größten Teil, je nach Einsatzgebiet, sind Pflegefachkräfte im ambulanten Dienst ausgebildetes Pflegepersonal. Sie genossen demzufolge dieselbe Ausbildung wie eine Pflegefachkraft im Krankenhaus. Das Hauptaugenmerk in der ambulanten Pflege ist die Unterstützung und Stabilisierung häuslicher Pflegearrangements, einhergehend mit einer Verhinderung der Institutionalisierung der Pflegebedürftigen. Das bedeutet, durch die ambulante Pflege versucht man pflegebedürftigen Personen durch die Unterstützung zu Hause vor einen Umzug in eine Institution, wie z.B. in ein Altenpflegeheim oder Krankenhaus, möglichst zu bewahren. So sind viele Pflegebedürftige im ambulanten Bereich noch an ein gewisses Maß an Selbstständigkeit und Selbstbestimmung gebunden (vgl. BÜSCHER/HORN, 2010, S. 12). Somit differenziert sich die ambulante Pflege in dieser Hinsicht von der Pflege im Krankenhaus. Die ambulante Pflege ist eher im Sozialwesen angesiedelt, wohingegen die Arbeit der Pflegekräfte im Krankenhaus eher im Gesundheitswesen anzusehen ist (vgl. BfA, 2006, S. 4).
Wie bereits in vorherigen Kapiteln erwähnt, orientiert sich der Pflegezustand verbunden mit der zu investierenden Zeit an den drei Pflegestufen. Das Bundesministerium für Gesundheit kategorisiert folgende Leistungen, die in der ambulanten Pflege angeboten und durch das Pflegepersonal durchgeführt werden:
- Grundpflegerische Tätigkeiten, wie die Hilfestellung bei der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilisierung und bei immobilen Patienten auch die Lagerung.
- Häusliche Krankenpflege nach § 37 SGB V, welche zum Beispiel Medikamentengabe, Verbandswechsel oder Injektionen beinhaltet.
Exkurs zum § 37 SBG V
Das § 37 SGB V ist unterteilt in zwei Absätze und bestimmt die Richtlinien der ambulanten Pflege. Leistungen die der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung dienen, sind ausschließlich verordnungsfähig im Rahmen der Krankenhausvermeidungspflege nach § 37 Absatz 1 SGB V. Absatz 2 des § 37 SGB V dient dazu, dass der ambulante Pflegedienst als Zusatzleistung das Ziel der ärztlichen Behandlung sichert. Die Verordnungen sind vom Arzt auszustellen und werden von der Krankenkasse genehmigt oder abgelehnt (vgl. KVWL, 2010, S. 10)
Weitere Leistungen laut dem Bundesministerium für Gesundheit sind:
- Beratung, Unterstützung und Vermittlung der Pflegebedürftigen und Angehörigen, z.B. durch weiterführende Hilfsdienste wie Essensbelieferung und Krankentransporte.
- Hauswirtschaftliche Versorgung, wie z.B. einkaufen, reinigen der Wohnung und kochen.
Das Leistungsverzeichnis und somit auch die Tätigkeiten die ein ambulanter Pflegedienst verrichten darf, ist abhängig von der Verordnung vom Arzt und umfasst folgendes Leistungsverzeichnis eingeteilt in Leistungen der Grundpflege/hauswirtschaftlichen Versorgung und Leistungen der Behandlungspflege (vgl. KVWL, 2010, S. 11ff):
Leistungen der Grundpflege/hauswirtschaftlichen Versorgung
- Anleitung bei der Grundpflege in der Häuslichkeit
- Hilfe beim Ausscheiden und der Beseitigung von Urin, Stuhl, Schweiß, Sputum (Auswurf) und auch Mageninhalt
- Hilfe bei der Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, evtl. Verabreichung Sondennahrung
- Duschen, Baden, Waschen und/oder pflegen von Mund-, Zahn,- Lippen- und Haut, dazu zählen auch Augen, Ohren und Nase
- Rasur, Haar- und Nagelpflege
- Absaugen der oberen Luftwege
- Bedienung und Überwachung von Beatmungsgeräten
- Blasenspülungen
- Blutdruck- und Blutzuckermessungen
- Dekubitusbehandlungen
- Einlauf / Klistier / Klysma / digitale Enddarmausräumung
- Infusionen, i.v. (intravenös)
- Verabreichung und Hilfe bei Inhalationen
- Verabreichung von intravenösen (i.v.), intramuskulären (i.m.) oder subkutanen (s.c.) Injektionen
- Vergabe von ärztlich verordneten Medikamenten
Dies ist nur ein Auszug aus einem umfangreichen Leistungsverzeichnis der Kassenärztlichen Vereinigung, welches auf die Tätigkeit der Pflegekräfte in der ambulanten Pflege zugeschnitten ist. Es lässt jedoch erkennen, dass auch Pflegefachkräfte in der ambulanten Pflege Aufgaben zu bewältigen haben, die denen in der stationären Behandlung im Krankenhaus ebenbürtig sind. Und der Bedarf an pflegerischen Tätigkeiten im Krankenhaus in der ambulanten Pflege wird von Jahr zu Jahr größer.
Zwischen den Jahren 2005 und 2007 allein wurden 25.000 der 50.000 neu geschaffenen Stellen durch Pflegefachkräfte besetzt. Wie in den vorherigen Kapiteln ersichtlich steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in den nächsten Jahren rapide an. Um dem gerecht zu werden, müsste sich die Anzahl der Gesundheits-, Kranken- und Altenpfleger um genau diesen Prozentsatz ebenfalls erhöhen um qualifizierte Pflege leisten zu können. Dies entspräche einem Personalzuwachs von circa 1,5 Mio. Pflegekräften. Betrachtet man die nachfolgende Abbildung, wird ersichtlich, dass dieses Berufsfeld somit in den nächsten Jahren zum „Jobmotor“ der Bundesrepublik wird, da ein erheblicher Fachkräftemangel bereits und auch weiterhin besteht (vgl. KNÜPPEL, 2009, S. 5):
Abb. 10: Fachkräftemangel Pflegeberufe in Deutschland 2011
Durch den steigenden Bedarf an Pflegekräften, zugrunde gelegt durch die vermehrte Anzahl an pflegebedürftigen Personen und erhöhten Krankenhausfällen, können in den letzten Jahren die offenen Stellen nicht mehr durch genug Pflegepersonal ersetzt werden. Es fehlen neue Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegebereich (vgl. Bundesagentur für Arbeit, 2011, S. 15).
Somit steht Deutschland in den kommenden Jahrzehnten ein akuter Personalengpass im Gesundheits- und Pflegewesen bevor. Im Jahr 2020 fehlen demnach insgesamt 212.000 Vollzeitkräfte, 2030 sind es dann bereits 328.000. Das bedeutet, dass 18 Prozent aller benötigten Stellen nicht besetz werden können. Wohlgemerkt, im Jahr 2011 (siehe Abb. 10) waren es erst circa acht Prozent (vgl. DIE WELT, 2012).
Der „Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe“, kurz DBfK, befasst sich unter anderem mit diesem Thema. Sie betiteln den Zustand, der unter anderem die unzureichende Personalausstattung, den Dauerstress, die schlechte Bezahlung und physisch und psychisch krank machende Arbeitsbedingungen (in Kap. 3.3. näher erläutert) beinhaltet, als den zunehmenden Pflegekollaps. Dennoch scheint das Problem für die Verantwortlichen noch nicht allzu dringlich zu sein, da die Verantwortlichen noch kaum Handlungsbedarf sehen (vgl. TACKENBERG/KNÜPPEL/WAGNER, 2009, S. 5).
In Deutschland arbeiten rund 4,8 Mio. Menschen im Gesundheitssystem. Insgesamt 826.000 Gesundheits- und Krankenpfleger sowie 444.000 Altenpfleger und Altenpflegehelfer arbeiten in Krankenhäusern, Altenheimen, der ambulanten Pflege u.ä..
Die Tätigkeiten der Pflegefachkräfte sind grundlegend dieselben und variieren nur leicht in den gewissen Arbeitsbereichen. Hauptsächlich orientieren sich die Pflegekräfte an den Richtlinien der AEDL’s („Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens“) nach Krohmann. Hinzu kommt, dass Pflegekräfte vor allem im ambulanten Bereich an gesetzliche Vorschriften gebunden sind. In diesem Zusammenhang spielt das § 37 SGB V eine wichtige Rolle.
Da in den nächsten Jahren die Anzahl an Pflegebedürftigen zunimmt, ist in Deutschland bis 2030 ein Fachkräftemangel von knapp 330.000 Pflegefachkräften zu erwarten. Der „Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe“ betitelt diesen Zustand einhergehend mit anderen Faktoren als den immer mehr zunehmenden „Pflegekollaps“.
Körperliche und psychische Belastungen nehmen im Arbeitsalltag immer mehr an Bedeutung zu. Der 2012 veröffentlichte „Stressreport 2012“ zeigt auch, welches Gewicht die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz einnehmen. Der Begriff Burnout wurde in den letzten Jahren immer lauter und Arbeitskräfte erleben ihn in nahezu epidemischem Ausmaß. Dabei trifft dies Arbeitnehmer aller Ebenen. Die zunehmende Steigerung der Drucks, die Verunsicherung, die Unterbewertung und Entfremdung wirken sich zunehmend auf Körper und Psyche aus.
Im Bereich der Belastungen am Arbeitsplatz können zwei dominierende Modelle unterschieden werden, das Job-Demand-Control-Support-Modell von Karasek und Theorell aus dem Jahr 1990 und das Effort-Reward-Imbalance-Modell von Siegrist aus dem Jahr 1996. Dabei geht das Modell von Karasek und Theorell davon aus, dass Belastungen und negative gesundheitliche Folgen einhergehen mit geringen Tätigkeitsspielräumen, einer hohen Arbeitsintensität und fehlender sozialer Unterstützung im Arbeitsalltag. Das Modell von Siegrist beruht auf der sozialen Reziprozität, also der sozialen Gegenseitigkeit. Dabei wird die Erwerbstätigkeit als ein Tauschgeschäft angesehen, welches durch erbrachte Leistungen und damit einhergehenden erhaltende Belohnungen gekennzeichnet ist. Projiziert auf das Arbeitsumfeld beinhaltet dies berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, ein gutes Verhältnis zwischen Arbeit und Lohn, Sicherheit des Arbeitsplatzes und soziale Anerkennung. Entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Belohnung und Anforderung, so führt dies unweigerlich zu Fehlbeanspruchungen und somit zu Belastungen (vgl. BADURA/SCHRÖDER/KLOSE/MACCO, 2010, S. 120).
Die Belastungen am Arbeitsplatz gliedern sich nach DRUMM in sieben Problemfelder (vgl. DRUMM, 2008, S. 123f):
- Physische Belastungen am Arbeitsplatz(Funktion und Anordnung der Arbeitsmittel)
- Psychophysische Belastungen am Arbeitsplatz(Beanspruchung des Seh- und Hörvermögens durch zu starke Sicht- oder laute Geräuschkulisse)
- Physische Belastungen durch die Arbeitsmethode(Arbeitshaltung, Form und Gewicht von Arbeitsobjekten, aber auch Arbeits- und Pausenrhythmus)
- Psychische Belastungen durch die Arbeitsmethode(Anforderungen an die Konzentration, Genauigkeit und Informationserkennung/-verarbeitung)
- Psychophysische Belastungen durch die Arbeitsumgebung(Lärm, Klima, Staub, Gase, Licht oder Strahlung)
- Psychophysische Belastungen durch soziale Bedingungen der Arbeitsumgebung
- Psychophysische Belastungen durch die Organisation der Arbeit
Zur besseren Übersicht wird im Kontext dieser Arbeit allgemein auf physische und psychische Belastungen eingegangen, wobei jede der sieben Problemfelder nach DRUMM ebenfalls in unterschiedlich ausgeprägter Art wiederzufinden sein wird. In Kap. 3.3.1 und 3.3.2 werden Belastungen im Arbeitsalltag aus physischer und psychischer Sicht erläutert und auf die Arbeit in Pflegeberufen übertragen. Dabei ist vorab zu erwähnen, dass die jeweiligen Belastungen, ob physischer oder psychischer Natur, selten gekoppelt voneinander auftreten. Meist beeinflusst die eine Komponente immer die andere Komponente.
Das „Deutsche Institut für Normung“ (DIN) befasst sich damit Normen und Richtlinien in allen Wirtschaftsbereichen zu erstellen. Bereits der Präsident des Umweltbundesamtes Prof. Dr. Andreas Troge stellte 2005 fest: „Die Normung erwies sich als wichtiges Instrument des […] Gesundheitsschutzes“. Im Hinblick auf Belastungen während und bei der Arbeit existiert die DIN 6385. So sind die Auswirkungen von Belastungen im Organismus in Abhängigkeit von Eigenschaften und Fähigkeiten des einzelnen oder auch mehrerer Menschen als Beanspruchung definiert. Die Beanspruchung ist somit die Wirkung und Folge einer oder mehrerer Belastungen auf den Menschen und hängen von der Belastungshöhe, dem Alter, der Konstitution und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten ab. In diesem Zusammenhang sind physische Belastungen auf folgende Beanspruchungen zurückzuführen: körperlich anstrengende Tätigkeiten, ungünstige Umgebungsbelastungen und einseitige Körperbelastungen. Diese direkten Auswirkungen auf den Körper können zu negativen Beanspruchungen im Bereich des Muskel-Skelett-Systems führen. Bei Belastungen ist zudem die sogenannte Expositionszeit, also die Zeit, die ausdrückt wie häufig eine bestimmte Tätigkeit ausgeführt wird, von Bedeutung. Die Expositionszeit der Belastungen wird grundsätzlich in die tägliche, die wöchentliche oder in die Zeit gegliedert, die das komplette Berufsleben über besteht (vgl. TEN HOMPEL/SADOWSKY/BECK, 2011, S. 116).
Belastungen können auf dreierlei Arten kategorisiert werden: Muskel-Skelett-Belastungen, Herz-Kreislauf-Belastungen und biomechanische Belastungen. Die Muskel-Skelett-Belastungen und die Herz-Kreislauf-Belastungen bestehen meist analog zueinander. Folgende Ausführung im Bezug auf die Arbeitsform soll dies verdeutlichen (vgl. LUCZAK, 1998, S. 145):
- Leichte dynamische Arbeit
Hierbei sind hauptsächlich kleine oder lokal begrenzte Muskeln in Bewegung. Diese Muskeln ermüden bei höherer Belastung. Das Herz-Kreislauf-System zeigt hierbei keine spürbaren Beanspruchungsreaktionen. Somit ist nur ein geringer Teil der Muskulatur (< 1/7 der Gesamtmuskulatur) involviert und dies wirkt sich kaum auf das Herz-Kreislauf-System aus.
- Schwere dynamische Arbeit
Von schwerer dynamischer Arbeit spricht man, wenn regelmäßig über 1/7 der Gesamtmuskulatur im Einsatz ist. Hierbei werden gleichzeitig mehrere große Muskelgruppen gleichzeitig beansprucht. Bei einer hohen Belastung ist die Folge, dass es zu einem Versorgungsengpass durch die begrenzte Leistungskapazität des Herz-Kreislauf-Systems kommt. Bei hoher Belastung sind Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauf-System gleichermaßen hoch beansprucht.
Im Unterschied zur dynamischen Arbeit müssen die Muskeln auch bei unbewegten Körpern zur Erhaltung der Körperposition angespannt werden, z.B. bei erzwungenen Körperhaltungen. Diese Arbeitsform ist besonders unwirtschaftlich für den Körper, da aufgrund fehlender Bewegung die Muskulatur unzureichend durchblutet wird und der Muskel schneller ermüdet. Letzteres führt wiederum zu einer gesteigerten Kreislaufaktivität. Trotzdem ist die Herz-Kreislauf-Belastung geringer als bei dynamischer Arbeit.
Bei dynamischer Arbeit unter Belastung ist die Beanspruchung von Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauf-System potenziell gleich, wohingegen bei statischer Arbeit mehr Muskelbeanspruchung besteht bei geringerer Belastung des Herz-Kreislauf-Systems. Bei allen Aktivitäten ist jedoch festzustellen, dass muskuläre Belastung mit einer Herz-Kreislauf-Aktivität einhergeht.
Die dritte Art der Belastungen sind biomechanische Belastungen. Ihr kommt einer besonderen Bedeutung zu, da diese eine direkte Beanspruchung auf die Wirbelsäule sind (vgl. LUCZAK, 1998, S. 145). Bei der Erzeugung von inneren und äußeren Kräften, sowie bei der Durchführung von Arbeitsaufgaben entsteht diese Art von Belastungen. Diese biomechanischen Belastungen werden vor allem hervorgerufen bei Lasthandhabungsvorgängen. Unterschieden werden hierbei zwei Hauptbelastungen. Zum einen das Gehen mit/ohne Last und zum zweiten die Lasthandhabung. In diesem Zusammenhang sind folgende Einflussgrößen von Bedeutung: das Gewicht, die (Hebe-)Höhe, die Entfernung und die Körperdrehung bei der Lasthandhabung (vgl. TEN HOMPEL/SADOWSKY/BECK, 2011, S. 114).
Wie bereits erwähnt, ist immer die Höhe der Belastung von Bedeutung. Trotz alledem ist jeder Mensch unterschiedlich belastbar und so können aus Überbeanspruchungen des Organismus durch Belastungen gewisse Krankheitsbilder entstehen oder bestehende Krankheiten verschlimmern. Im Bereich der Muskel-Skelett-Erkrankungen sind dies Bandscheibenschäden (Protrusion oder Prolaps), Skoliose, Kyphose, Lordose, Osteoporose, Patella- und Kniegelenkserkrankungen und unter extremen Belastungen sogar Knochen- oder Wirbelbrüche. Gerade bei den Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Beschwerden des Bewegungsapparates ist dies zu erkennen. Im Jahr 2004 waren dies durchschnittlich 340 Arbeitsunfähigkeitstage pro 100 Pflichtmitglieder eine Krankenkasse (vgl. MEHRHOFF/SCHIAN, 2009, S. 121). Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems um nur einige zu nennen können Angina Pectoris, Schlaganfall, Arteriosklerose oder Herzrhythmusstörungen sein. Dabei muss jedoch zwischen Erkrankungen unterschieden werden, die hervorgerufen wurden durch bestimmte Überbelastungen oder Erkrankungen die zum Beispiel erblich bedingt sind oder durch mangelnde, also zu wenig, körperliche Beanspruchung, meist im privaten Bereich. Somit sind Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems durch Überbeanspruchung im Arbeitsalltag wesentlich wahrscheinlicher als während eines Arbeitstages an Diabetes mellitus zu erkranken.
Im Bereich der Pflegekräfte in Krankenhäusern und ambulanter Pflege ergeben sich ganz spezifische körperliche Beanspruchungen hervorgerufen durch sich immer wiederholende Belastungen.
Die Pflege ist keineswegs eine einfache, anspruchslose Arbeitstätigkeit, wie oft unterstellt. Sie lässt sich als Tätigkeit mit hohen Anforderungen bezeichnen, und dies vor allem auch in körperlicher Hinsicht. Neben einem modernen Fachwissen und spezifischen Fähigkeiten, verlangt die Pflege hauptsächlich auch körperliche Fähigkeiten wie etwa Geschicklichkeit, Ausdauer und Kraft. Im Bereich der Pflegetätigkeiten wurden häufig bereits Untersuchungen durchgeführt, die ein Hauptaugenmerk auf die Belastungen im Pflegealltag haben. Die Schwerpunkte der physischen/ergonomischen Belastungen im Tätigkeitsbereich der Pflege sind vor allem der Umgang mit toxischen, mutagenen und allergenen Stoffen. Zudem bestehen erhöhte Infektionsgefahren, Strahlenbelastungen im Bereich der Radiologie, Belastungen des Bewegungs- und Stützapparates und nicht zu verachten Stich- und Schnittverletzungen. Dabei sind motorische Erschwerungen und Regulationsüberforderungen durch mangelnde ergonomische Bedingungen die stärksten Belastungsquellen in der Pflegetätigkeit des Fachpersonals (vgl. GLASER/HÖGE, 2005, S. 7f).
1.Die „Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung“ (DGUV) kategorisiert im Bereich der Pflege drei der wichtigsten Belastungen, denen das Pflegepersonal ausgesetzt ist:
2.Rücken-, Knie- oder Schulterbeschwerden durch das Lagern und Betten oder bei der Unterstützung beim Aufstehen, Hinsetzen oder Hinlegen des Pflegebedürftigen.
3.Hautschädigungen durch die Arbeit im feuchten Milieu, z.B. beim Waschen des Pflegebedürftigen, bei Reinigungsarbeiten oder Desinfektionsmaßnahmen.Infektionsgefahren durch ansteckende Erkrankungen, an denen Patienten leiden, wie z.B. MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), Tuberkolose, Durchfallerkrankungen und Hepatitis B, wodurch auch u.U. Todesfälle eintreten können.
Dies zeigt, dass es im Bereich der Pflege Potenzial für Verbesserungen gibt, welche die Arbeitssituation der Pflegekräfte stabilisieren um deren Gesundheitszustand langwierig zu erhalten (vgl. GLASER/HÖGE, 2005, S. 69). Kapitel 3.4 beschäftigt sich mit diesen Analysen und Verbesserungen.
Wirkungszusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und psychischen Störungen sind in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Derzeit liegt die Annahme nahe, dass viele Erwerbstätige infolge steigender Anforderungen und zunehmender Belastung der Arbeit an Stress und psychischen Beschwerden leiden und daran erkranken (vgl. LOHMANN-HAISLAH, 2012, S. 7).
Dies zeigt die Auswertung der Techniker Krankenkasse von 2011. Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden. Ersichtlich ist dies an der Anzahl der Krankentage. Im Jahr 2010 löste die Diagnose „Depressive Episode“ erstmalig die Krankheiten der Diagnosen „Rückenschmerz“ und „Erkältung“ ab und übernahm den Spitzenplatz im Bezug auf die Fehltage. Psychische Störungen spielen eine große Rolle im Falle der Krankschreibungen, da Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen mit durchschnittlich 41 Krankheitstagen sehr lange dauern. Die Folgen sind enorme Produktionsausfälle für Unternehmen, sehr hohe Kosten für Krankenkassen und eine sehr lange Leidenszeit für Patienten.
Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) erstellte auf Grundlage der Fehlzeitenberichte der Krankenkassen im Jahr 2010 eine Übersicht über die Entwicklung der Krankentage beruhend auf psychischen Belastungen:
Abb. 11: Prozentuale Zunahme der Tage, die deutsche Arbeitnehmer aufgrund
psychischer Störungen am Arbeitsplatz fehlen (Quelle: BPtK)
Bei allen aufgeführten Krankenkassen ist eine prozentuale Zunahme der Arbeitsunfähigkeitstage um nahezu das Doppelte zu verzeichnen. Es ist ersichtlich, dass psychische Erkrankungen, meist hervorgerufen durch psychische Belastungen im Arbeitsalltag einen enormen Stellenwert haben. Es gibt einen Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und psychischen Erkrankungen, dahingehend sind genügend empirische Belege in Form von Untersuchungen vorhanden (vgl. LOHMANN-HAISLAH, 2012, S. 12).
Die „Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin“, kurz „BAuA“, veröffentlichte auf Grundlage einer empirischen Untersuchung im Jahr 2012 den „Stressreport Deutschland 2012“. Dieser Report unterteilt die psychischen Belastungen in drei Anforderungsbereiche:
- Anforderungen aus Arbeitsinhalt und –organisation
- Anforderungen aus der Arbeitszeitorganisation und
- Anforderungen aus der Beschäftigungssituation
Einleitend wird auf die Entstehung von psychischer Beanspruchung eingegangen und im Nachhinein werden die 3 Anforderungsbereiche näher erläutert.
Abb. 12: Wirkungskette psychischer Belastungen (Quelle: BAuA)
Belastungen können zu jedem Zeitpunkt bestehen, ob spürbar oder nicht. Abb. 12 zeigt den Verlauf bzw. die Ursache-Wirkungs-Kette. Entsteht eine Belastung oder eine größere Anforderung ist der Organismus gewillt diese Belastung zu minimieren oder sogar zu eliminieren. Dazu benutzt er Ressourcen oder Mittel um dies zu bewältigen. Erfolg dies im positiven Sinne, ist der Organismus sozusagen resistent gegen die Höhe dieser Belastung. Verstärkt sich die Belastung oder ist der Organismus nicht in der Lage diese Belastung zu reduzieren, machen sich im Falle von psychischer Belastung Beanspruchungsfolgen wie Stress bemerkbar. Besteht dieser Zustand dauerhaft, entstehen langfristige Beanspruchungsfolgen, unter anderem könnten dies Depressionen oder Burnout sein.
Wie bereits erwähnt wird nachfolgend auf die drei Anforderungsbereiche Arbeitsinhalt und –organisation, Arbeitszeitorganisation und Beschäftigungssituation eingegangen.
- Anforderungen aus Arbeitsinhalt und -organisation
LOHMANN-HAISLAH beschreibt den Stand der psychischen Arbeitsanforderungen mit folgenden, treffenden Schlagworten: „viel gleichzeitig, schnell und auf Termin, immer wieder neu, aber auch oft das Gleiche“. Anforderungen an den Arbeitsinhalt sind oft das Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit. In diesem Zusammenhang können folgende Beispiele genannt werden: verschiedene Arbeiten gleichzeitig betreuen, ein starker Termin- und Leistungsdruck, ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge oder auch Unterbrechungen der Arbeitsvorgänge. Dies sind nur einige Belastungen die im Bezug auf die Anforderungen aus Arbeitsinhalt und –organisation für den Organismus zu psychischen Beanspruchungen werden können (vgl. LOHMANN-HAISLAH, 2012, S. 34f).
9783656573975
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Pflegepersonal Krankenschwester Betriebliches Gesundheitsmanagement Belastungen

References: § 14
 § 37
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 § 37
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