Source: https://www.jusmeum.de/gesetz/hafenschausbv
Timestamp: 2020-01-21 21:12:40+00:00

Document:
HafenSchAusbV
Verordnung über die Berufsausbildung zum Hafenschiffer/zur Hafenschifferin
Auf Grund des § 4 Abs. 1 in Verbindung mit § 5 des Berufsbildungsgesetzes vom 23. März 2005 (BGBl. I S. 931) und in Verbindung mit § 1 des Zuständigkeitsanpassungsgesetzes vom 16. August 2002 (BGBl. I S. 3165) und dem Organisationserlass vom 22. November 2005 (BGBl. I S. 3197) verordnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung:
Der Ausbildungsberuf Hafenschiffer/Hafenschifferin wird staatlich anerkannt.
Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sollen so vermittelt werden, dass die Auszubildenden zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit im Sinne des § 1 Abs. 3 des Berufsbildungsgesetzes befähigt werden, die insbesondere selbstständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren sowie das Handeln im betrieblichen Gesamtzusammenhang einschließt. Die in Satz 1 beschriebene Befähigung ist auch in den Prüfungen nach den §§ 8 und 9 nachzuweisen.
Planen, Vorbereiten und Kontrollieren von Arbeitsabläufen, Arbeiten im Team,
Logistische Prozesse,
Führen von Hafenfahrzeugen im Einsatzgebiet,
Rechtliche Voraussetzungen des Schiffsbetriebes,
Kundenorientierung und qualitätssichernde Maßnahmen,
Pflege, Wartung und Instandhaltung, seemännische Arbeiten,
Verhalten bei besonderen Umständen, Havarien und Betriebsstörungen.
Die in § 4 genannten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (Ausbildungsberufsbild) sollen nach der in der Anlage enthaltenen Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Berufsausbildung (Ausbildungsrahmenplan) vermittelt werden. Eine von dem Ausbildungsrahmenplan abweichende sachliche und zeitliche Gliederung des Ausbildungsinhaltes ist insbesondere zulässig, soweit betriebspraktische Besonderheiten die Abweichung erfordern.
(2) Die Zwischenprüfung erstreckt sich auf die in der Anlage für die ersten 18 Monate aufgeführten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie auf den im Berufsschulunterricht entsprechend dem Rahmenlehrplan zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.
(3) Der Prüfling soll in insgesamt höchstens drei Stunden zwei praktische Arbeitsaufgaben durchführen und mit praxisüblichen Unterlagen dokumentieren sowie innerhalb dieser Zeit in insgesamt höchstens zehn Minuten hierüber ein Fachgespräch führen, das aus mehreren Gesprächsphasen bestehen kann. Für die praktischen Arbeitsaufgaben kommen insbesondere in Betracht:
Pflegen, Warten und Instandhalten von Wasserfahrzeugen und deren Ausrüstung und
Mitwirken beim Festmachen, Verholen und Führen von Wasserfahrzeugen.
In insgesamt höchstens 120 Minuten soll der Prüfling Aufgaben schriftlich bearbeiten, die sich auf die praktischen Arbeitsaufgaben beziehen. Durch die Durchführung der praktischen Arbeitsaufgaben, deren Dokumentation, das Fachgespräch und die Bearbeitung der schriftlichen Aufgaben soll der Prüfling zeigen, dass er Arbeitsschritte und Arbeitsmittel festlegen, technische Unterlagen sowie Informations- und Kommunikationssysteme nutzen, bei logistischen Prozessen mitwirken, Maßnahmen zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit, zum Umweltschutz, zur Qualitätssicherung und zur Kundenorientierung anwenden sowie seine Vorgehensweise begründen kann.
(2) Der Prüfling soll im praktischen Teil der Prüfung in insgesamt höchstens fünf Stunden eine Arbeitsaufgabe, die aus mehreren Teilen bestehen kann, durchführen und mit praxisüblichen Unterlagen dokumentieren sowie innerhalb dieser Zeit in insgesamt höchstens 20 Minuten hierüber ein Fachgespräch führen, das aus mehreren Gesprächsphasen bestehen kann. Für die Arbeitsaufgabe kommt insbesondere in Betracht:
Führen von Wasserfahrzeugen.
Durch die Durchführung der Arbeitsaufgabe, deren Dokumentation und das Fachgespräch soll der Prüfling zeigen, dass er Arbeitsabläufe ziel- und kundenorientiert unter Beachtung wirtschaftlicher, technischer, logistischer und rechtlicher Vorgaben selbstständig planen und durchführen, Arbeitsergebnisse kontrollieren sowie Maßnahmen zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit sowie zum Umweltschutz ergreifen sowie seine Vorgehensweise begründen kann. Des Weiteren soll der Prüfling zeigen, dass er Wasserfahrzeuge los-, festmachen und manövrieren, technische Einrichtungen bedienen, überwachen, pflegen und warten, seemännische Arbeiten ausführen sowie mit Rettungsmitteln und persönlicher Schutzausrüstung umgehen kann. Bei der Erstellung der Arbeitsaufgabe ist der betriebliche Bereich, in dem der Prüfling überwiegend ausgebildet wurde, zu berücksichtigen.
(3) Der Prüfling soll im schriftlichen Teil der Prüfung in den Prüfungsbereichen Nautik, Betriebstechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde geprüft werden. In den Prüfungsbereichen Nautik und Betriebstechnik sind insbesondere fachliche Probleme mit verknüpften informationstechnischen, technologischen und mathematischen Inhalten zu analysieren, zu bewerten und zu lösen. Dabei sollen Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz, Einsatz, Pflege und Wartung von technischen Einrichtungen und Anlagen sowie Kundenorientierung und qualitätssichernde Maßnahmen berücksichtigt werden. Den Prüfungsbereichen sind folgende Gebiete zugrunde zu legen:
im Prüfungsbereich Nautik:
rechtliche Vorschriften,
wasser- und hafenbauliche Anlagen,
Navigationshilfsmittel,
fachspezifische Kommunikation;
im Prüfungsbereich Betriebstechnik:
Manövriertechnik,
Betriebsstörungen,
seemännische Arbeiten,
Be- und Entladung,
Sicherheitsvorschriften;
allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge aus der Berufs- und Arbeitswelt, die sich auf praxisbezogene Fälle beziehen sollen.
(4) Für den schriftlichen Prüfungsteil ist von folgenden zeitlichen Höchstwerten auszugehen:
1. im Prüfungsbereich Nautik 120 Minuten,
2. im Prüfungsbereich Betriebstechnik 120 Minuten,
(5) Der schriftliche Teil der Prüfung ist auf Antrag des Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses in einzelnen Prüfungsbereichen durch eine mündliche Prüfung zu ergänzen, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für die mündlich geprüften Prüfungsbereiche sind das jeweilige bisherige Ergebnis und das entsprechende Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2 : 1 zu gewichten.
(6) Innerhalb des schriftlichen Prüfungsteils sind die Prüfungsbereiche wie folgt zu gewichten:
1. Prüfungsbereich Nautik 40 Prozent,
2. Prüfungsbereich Betriebstechnik 40 Prozent,
(7) Die Prüfung ist bestanden, wenn im praktischen Teil der Prüfung und im schriftlichen Teil der Prüfung jeweils mindestens ausreichende Leistungen erbracht wurden. In zwei der Prüfungsbereiche des schriftlichen Teils der Prüfung müssen mindestens ausreichende Leistungen, in dem weiteren Prüfungsbereich des schriftlichen Teils der Prüfung dürfen keine ungenügenden Leistungen erbracht worden sein.
§ 10 Nichtanwenden von Vorschriften
Die bisher festgelegten Berufsbilder, Berufsausbildungspläne und Prüfungsanforderungen für die Ausbildungsberufe Ewerführer/Ewerführerin und Hafenschiffer/Hafenschifferin sind vorbehaltlich des § 11 nicht mehr anzuwenden.
Berufsausbildungsverhältnisse, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bestehen, können unter Anrechung der bisher zurückgelegten Ausbildungszeit nach den Vorschriften dieser Verordnung fortgesetzt werden, wenn die Vertragsparteien dies vereinbaren.
Anlage (zu § 5)Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zum Hafenschiffer/zur Hafenschifferin
(Fundstelle: BGBl. I 2006, 209 - 212)
Lfd. Nr. Teil des Ausbildungsberufsbildes Zu vermittelnde Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten Zeitliche Richtwerte in Wochen
1.-18. Monat 19.-36. Monat
Grundfunktionen des ausbildenden Betriebes wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung erklären
Grundlagen, Aufgaben und Arbeitsweisen der betriebsverfassungs- oder personalvertretungsrechtlichen Organe des ausbildenden Betriebes beschreiben
(§ 4 Nr. 4) Zur Vermeidung betriebsbedingter Umweltbelastungen im beruflichen Einwirkungsbereich beitragen, insbesondere
5 Planen, Vorbereiten und Kontrollieren von Arbeitsabläufen, Arbeiten im Team
Arbeitsaufträge erfassen, Vorgaben auf Umsetzbarkeit prüfen
Arbeitsschritte vorbereiten und festlegen, Arbeitsmittel zusammenstellen
Arbeitsabläufe unter Berücksichtigung betrieblicher, rechtlicher, ökonomischer, ökologischer und terminlicher Vorgaben planen
Aufgaben im Team planen und umsetzen, Ergebnisse gemeinsam abstimmen und auswerten
Gespräche situationsgerecht führen, Konfliktlösungsmöglichkeiten anwenden
6 Information und Kommunikation
Arbeitsabläufe mit am Arbeitsprozess beteiligten Bereichen abstimmen, insbesondere Anweisungen geben und entgegennehmen
Grundlagen des Funkverkehrs anwenden
Informationen, auch in einer Fremdsprache, beschaffen, bewerten und nutzen
Vorschriften zum Datenschutz beachten
Daten erfassen, sichern und pflegen
Arbeitsaufgaben mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken bearbeiten
Sachverhalte darstellen, deutsche und englische Fachbegriffe anwenden; Auskünfte in Englisch erteilen
7 Logistische Prozesse
Organisation, Funktion und Bedeutung des Hafens im gesamtwirtschaftlichen Prozess erläutern
Betriebe der Hafenschifffahrt im logistischen Prozess mit vor- und nachgelagerten Dienstleistungen unterscheiden
Verwaltung des Hafens erläutern
Umschlagseinrichtungen hinsichtlich Funktion und Besonderheiten unterscheiden
An- und Auslieferpapiere für den Im- und Export sowie Begleitpapiere überprüfen
Ladungsarten, insbesondere Trockengüter, Tankladungen und Container unter Berücksichtigung ihrer Besonderheiten unterscheiden
Maßnahmen bei Ladungsschäden ergreifen
Wasserfahrzeuge unter Berücksichtigung des Einsatzes unterscheiden
bei logistischen Planungs- und Organisationsprozessen mitwirken, Informationsfluss sicherstellen, bei Abweichungen Maßnahmen ergreifen
8 Führen von Hafenfahrzeugen im Einsatzgebiet
(§ 4 Nr. 8)
Wasserfahrzeuge in Betrieb nehmen, losmachen, festmachen und verholen
Hafenfahrzeuge unter Beachtung einschlägiger Vorschriften steuern
Person-über-Bord-Manöver ausführen
An- und Ablegemanöver ohne Anhang planen und unter Aufsicht durchführen
Wasserstände und Strömungsverhältnisse ermitteln und berücksichtigen
Navigationshilfs- und Kommunikationsmittel bedienen
Gewässer im Einsatzgebiet mit ihren Kaistrecken und Landmarken sowie wasserbauliche Anlagen unterscheiden und beim Führen von Wasserfahrzeugen berücksichtigen
Sichtzeichen und Schallsignale von Fahrzeugen und Schifffahrtszeichen entsprechend der im Einsatzgebiet gültigen Rechtsvorschriften berücksichtigen und anwenden
Schlepp- oder Schubverbände zusammenstellen und koppeln
Koppelmanöver unter Aufsicht durchführen
An- und Ablegemanöver mit geschlepptem Anhang unter Aufsicht durchführen
Einfluss von Stabilität und Trimm auf das Manövrierverhalten von Hafenfahrzeugen berücksichtigen
Anlagen in Betrieb nehmen, bedienen und überwachen
9 Rechtliche Voraussetzungen des Schiffsbetriebes
(§ 4 Nr. 9)
Gültigkeit von Zulassungsdokumenten für den nautischen und technischen Betrieb beachten, bei fehlerhaften und ungültigen Unterlagen Maßnahmen ergreifen
Vorschriften für die Besetzung von Wasserfahrzeugen anwenden
Regelungen und Vorschriften, insbesondere für den Transport von Gütern und die Beförderung von Personen, anwenden
10 Kundenorientierung und qualitätssichernde Maßnahmen
(§ 4 Nr. 10)
Gespräche kundenorientiert führen
Kundenwünsche beachten
qualitätsbewusst handeln und zur Qualitätssicherung beitragen
zur kontinuierlichen Verbesserung von Arbeitsabläufen im eigenen Arbeitsbereich beitragen
11 Pflege, Wartung und Instandhaltung, seemännische Arbeiten
(§ 4 Nr. 11)
Betriebsmittel sowie Werk- und Hilfsstoffe einsetzen, Betriebsstoffe übernehmen
Konservierungs- und Reinigungsmittel einsetzen, Bestimmungen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes beachten
seemännische Gebrauchsknoten einsetzen
Arten und Eigenschaften von Draht- und Fasertauwerk unterscheiden, Tauwerk pflegen und spleißen
Rettungsmittel und technische Einrichtungen nach Vorschriften pflegen und warten
Arbeitsgeschirre unter Berücksichtigung einschlägiger Vorschriften einsetzen
12 Verhalten bei besonderen Umständen, Havarien und Betriebsstörungen
(§ 4 Nr. 12)
Rettungsmittel und persönliche Schutzausrüstungen verwenden
Störungen im Schiffsbetrieb erkennen und bewerten, Maßnahmen zur Beseitigung veranlassen und durchführen
Hilfs- und Sofortmaßnahmen in Notfällen, insbesondere bei Havarien und Bränden, ergreifen
verunglückte Personen retten und Maßnahmen der ersten Hilfe durchführen
2006, 206: BGBl I

References: § 4
 § 5
 § 1
 § 1
 § 4

§ 10
 § 11
 § 5