Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=JZ%201987,%20877
Timestamp: 2019-03-19 19:59:09+00:00

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BGH, 10.02.1987 - VI ZR 68/86 - dejure.org
Unterschenkelamputation nach Verletzung am Schienbein - Fehlerhafte ärztliche Behandlung als Ursache der Amputation - Fascien-Spaltung als therapeutische Konsequenz aus einem Tibialis-anterior-Syndrom - Mitverantwortlichkeit des Chefarzts der chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses - Geltendmachung von auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gerichteten Ansprüchen - Maßgeblichkeit des damaligen medizinischen Wissensstands und Erkenntnisstands - Ursachenzusammenhang zwischen Behandlungsfehler und eingetretenem Körperschaden
Zum Umfang ärztlicher Sorgfaltspflichten
Kurznachricht zu "Unter die Lupe genommen - der Sachverständigenbeweis im Arzthaftungsprozess" von Irem Scholz, original erschienen in: VersR 2016, 625 - 641.
NJW 1987, 1479
MDR 1987, 656
VersR 1987, 686
JZ 1987, 877
Entscheidend ist, ob das Unterlassen der Untersuchung mit dem Gallenwegendoskop eine Abweichung vom Standard eines Facharztes bedeutet hat (vgl. Senatsurteil vom 10. Februar 1987 - VI ZR 68/86 - VersR 1987, 686, 687 m.w.N.).
Diese bestimmt sich weitgehend nach dem medizinischen Standard des jeweiligen Fachgebietes (vgl. Senatsurteil vom 10. Februar 1987 - VI ZR 68/86 - VersR 1987, 686 mit Anmerkung von Deutsch NJW 1987, 1480 [BGH 10.02.1987 - VI ZR 68/86]).
Besitzt jemand besondere persönliche Fähigkeiten, die ihn auf einem bestimmten Gebiet als Spezialisten erscheinen lassen, so kann von ihm eine das durchschnittliche Maß übersteigende Sorgfalt verlangt werden (vgl. Senatsurteil vom 10. Februar 1987 - VI ZR 68/86 - VersR 1987, 686, 687;… Steffen, aaO, Rdn. 411).
a) Zugunsten der Klägerin kann davon ausgegangen werden, dass der Kapitän im Hinblick auf die gebotene Rücksichtnahme auf das Schiff, seine Besatzung und die Ladung sowie die anderen Teilnehmer am Schifffahrtsverkehr verpflichtet war, die Verwendung des für die MS "C. " zwar nicht vorgeschriebenen, aber dort installierten Alarmsystems anzuordnen und zu überwachen (vgl. BGH, Urt. v. 10.2.1987 - VI ZR 68/86, NJW 1987, 1479, 1480;… BGB-RGRK/Steffen, 12. Aufl., § 823 Rdn. 411;… MünchKomm.BGB/Grundmann, 4. Aufl., Bd. 2a, § 276 Rdn. 56;… Staudinger/Löwisch, BGB, Bearb. 2004, § 276 Rdn. 30; zur entsprechenden Praxis der Seeämter vgl. die Nachweise bei Ramming, TranspR 2004, 439, 446 Fn. 31 i.V. mit 443 Fn. 22).
Das Berufungsgericht hat nicht beachtet, daß ein Arzt auch seine speziellen Erkenntnisse zu Gunsten des Patienten einzusetzen hat (vgl. Senatsurteil vom 10. Februar 1987 VI ZR 68/86 VersR 1987, 686, 687; OLG Oldenburg VersR 1989, 402 mit Nichtannahmebeschluß des Senats vom 13. Dezember 1988 VI ZR 169/88).
Bei einer Visite von Patienten ist es Pflicht des Chefarztes, sich über die vorgenommenen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen informieren zu lassen und die notwendigen fachärztlichen Entscheidungen zu treffen (im Anschluss an BGH, Urteil vom 10.02.1987, NJW 1987, S. 1479 f.).
Gegenüber der sich noch in der Weiterbildung zur Fachärztin befindlichen Klägerin hatte sich der Chefarzt als für die Ausbildung, Anleitung und Überwachung verantwortlicher Arzt darum zu kümmern, ob ihre Maßnahmen den medizinischen Erfahrungen und Kenntnissen eines Facharztes entsprachen (BGH, Urteil vom 10.02.1987, NJW 1987, S. 1479 f).
Der Facharzt in der ambulanten wie in der stationären Krankenbetreuung wird am objektiven Facharzt-Standard gemessen (BGH NJW 1996, 779; 1987, 1479).
Ein Krankenhauspatient hat, wie der Bundesgerichtshof wiederholt entschieden hat, aufgrund der Übernahme der Behandlung durch das Krankenhaus einen Anspruch auf eine ärztliche Behandlung, die dem Stand eines erfahrenen Facharztes entspricht (…BGH, Urt. v. 21.11.1995 - VI ZR 341/94 -, juris Rdnr. 8; Urt. v. 10.02.1987 - VI ZR 68/86 -, juris Rdnr. 11).
Er hatte seine bessere medizinische Kenntnis und Erfahrung als Chefarzt einzusetzen, sofern dies nach der konkreten Situation notwendig und erfolgversprechend war (vgl. BGH, NJW 1987, 1479 ).
Das aus den Beklagten zu 2. und 3. bestehende Operationsteam hatte auch die zur Durchführung der Ureterolithotomie erforderliche Qualifikation, so dass die Grundsätze des Behandlungsfehlers bei Anfängeroperationen (insbesondere Umkehr der Beweislast vgl. hierzu BGH, NJW 1984, 655 sowie BGH, NJW 1987, 1479 ) nicht eingreifen.
Sie ist verpflichtet, sich zu informieren, bevor sie sich erklärt (vgl. BGH vom 15.11.1989 -VIII ZR 46/89- MDR 1990, 333) und hat dabei nicht nur eigene Unterlagen zu prüfen (vgl. BGH vom 10.02.1987 -VI ZR 68/86- MDR 1987, 656), sondern sich ggf. auch weiter zu erkundigen (…vgl. BGH vom 15.11.1989 aaO.; OLG Celle vom 16.09.1996 -9 W 110/96- NJW-RR 1997, 290).

References: § 823
 § 276
 § 276
 BGH 
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