Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WRP%201998,%20377
Timestamp: 2019-06-15 23:52:30+00:00

Document:
BGH, 06.11.1997 - I ZR 102/95 - dejure.org
https://dejure.org/1997,690
BGH, 06.11.1997 - I ZR 102/95 (https://dejure.org/1997,690)
BGH, Entscheidung vom 06.11.1997 - I ZR 102/95 (https://dejure.org/1997,690)
BGH, Entscheidung vom 06. November 1997 - I ZR 102/95 (https://dejure.org/1997,690)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1997,690) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Ergänzender wettbewerbsrechtlicher Leistungsschutz nach § 1 UWG - Wettbewerbliche Eigenart bei Trachtenmoden - Wettbewerbsrechtlicher Nachahmungsschutz für vorbekannte Stilmittel
"Trachtenjanker"; Voraussetzungen des wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutzes für die ausgefallene Gestaltung eines Erzeugnisses; Dauer des Schutzes von Modeneuheiten
NJW-RR 1998, 1048
MDR 1998, 612
GRUR 1998, 477
WRP 1998, 377
Anders als bei kurzlebigen Modeneuheiten besteht in einem solchen Fall ein einer zeitlichen Beschränkung nicht von vornherein unterworfener Nachahmungsschutz (vgl. BGH, Urt. v. 6.11.1997 - I ZR 102/95, GRUR 1998, 477, 478 = WRP 1998, 377 - Trachtenjanker;… vgl. auch BGH, Urt. v. 7.11.2002 - I ZR 64/00, GRUR 2003, 356, 358 = WRP 2003, 500 - Präzisionsmessgeräte;… Urt. v. 2.12.2004 - I ZR 30/02, GRUR 2005, 349, 352 = WRP 2005, 476 - Klemmbausteine III, zum Abdruck in BGHZ 161, 204 vorgesehen; Erdmann, FS für Vieregge, S. 197, 212;… Sambuc, Der UWG-Nachahmungsschutz Rdn. 238, 240).
bb) Das Berufungsgericht ist zu Recht davon ausgegangen, dass auch die als neu empfundene Kombination bekannter Gestaltungselemente eine wettbewerbliche Eigenart begründen kann (vgl. BGH, Urt. v. 6.11.1997 - I ZR 102/95, GRUR 1998, 477, 478 = WRP 1998, 377 - Trachtenjanker;… Urt. v. 15.9.2005 - I ZR 151/02, GRUR 2006, 79 Tz. 26 = WRP 2006, 75 - Jeans I).
Im rechtlichen Ansatz zutreffend ist das Berufungsgericht allerdings davon ausgegangen, daß die Übernahme einer Gestaltungsform, die nicht (mehr) unter Sonderrechtsschutz steht, nach § 1 UWG wettbewerbswidrig sein kann, wenn das Erzeugnis von wettbewerblicher Eigenart ist und besondere Umstände hinzutreten, die die Nachahmung unlauter erscheinen lassen (st. Rspr.;… vgl. BGH, Urt. v. 8.11.1984 - I ZR 128/82, GRUR 1985, 876, 877 = WRP 1985, 397 - Tchibo/Rolex;… Urt. v. 6.2.1986 - I ZR 243/83, GRUR 1986, 673, 675 = WRP 1986, 377 - Beschlagprogramm;… Urt. v. 22.6.1995 - I ZR 119/93, GRUR 1995, 581, 583 = WRP 1995, 908 - Silberdistel; Urt. v. 6.11.1997 - I ZR 102/95, GRUR 1998, 477, 478 = WRP 1998, 377 - Trachtenjanker;… für technische Erzeugnisse: BGH, Urt. v. 8.12.1999 - I ZR 101/97, GRUR 2000, 521, 523 = WRP 2000, 493 - Modulgerüst, m.w.N.).
Eine nach § 1 UWG unzulässige vermeidbare Herkunftstäuschung kann ebenfalls vorliegen, wenn der Verkehr bei dem nachgeahmten Produkt oder der nachgeahmten Kennzeichnung annimmt, es handele sich um eine Zweitmarke des Originalherstellers (vgl. BGH GRUR 1998, 477, 480 - Trachtenjanker) oder wenn er von geschäftlichen oder organisatorischen Beziehungen zwischen den beteiligten Unternehmen ausgeht (…vgl. BGH, Urt. v. 26.10.1962 - I ZR 21/61, GRUR 1963, 152, 156 - Rotaprint;… Urt. v. 4.1.1963 - Ib ZR 95/61, GRUR 1963, 423, 428 - coffeinfrei; GRUR 1977, 614, 616 - Gebäudefassade;… v. Gamm aaO Kap. 21 Rdn. 30 und 58;… Sambuc aaO Rdn. 100 und 601).
Der BGH verlangt in seiner Entscheidung "Trachtenjanker" für die herkunftshinweisende Funktion eines Modeerzeugnisses eine "besonders originelle Gestaltung" ( GRUR 98, 477, 478 ).
aa) Nach der Rechtsprechung des BGH zu § 1 UWG a. F. kann die Nachahmung saisonbedingter, wettbewerblich und ästhetisch eigenartiger Modeerzeugnisse unlauter sein, da es die Regeln des lauteren Wettbewerbs unter dem Gesichtspunkt der Absatzbehinderung verletzen kann, den Unternehmer, der unter Einsatz von Kosten und Ideen ein herausragendes, nur für begrenzte Zeit - überwiegend eine Saison - absetzbares Modell geschaffen hat, durch Nachahmung in dem jeweiligen Absatzzeitraum, um die ihm billigerweise zustehenden Früchte seiner Entwurfsarbeit zu bringen ( BGH GRUR 1973, 478, 480 - Modeneuheit; BGH GRUR 1984, 453 f - Hemdblusenkleid; BGH GRUR 1998, 477 ff. - Trachtenjanker ).
Wird auf Vorbekanntes zurückgegriffen, genügt es, wenn dieser Rückgriff etwa aufgrund der Kombination von überkommenen Merkmalen als eigenartig und neu empfunden wird ( BGH GRUR 1998, 477 ff. - Trachtenjanker; OLG München GRUR 1995, 275 (276) - Parka-Modell ).
Eine Höchstgrenze liegt jedoch gemäß den von dem BGH in der Entscheidung Trachtenjanker aufgestellten Grundsätzen bei 2 Jahren nach Markteinführung (BGH GRUR 1998, 477, 480 - Trachtenjanker).
Die Obergrenze von 2 Jahren hat der BGH ausdrücklich auch für ein ausgesprochen klassisches und generell zeitloses Bekleidungsstück wie einen Trachtenjanker bejaht (BGH GRUR 1998, 477, 480 - Trachtenjanker).
Daß die Klägerin diesen noch nicht namentlich benannt hatte, ist unschädlich; die Revision weist darauf zutreffend hin (vgl. BGH, Urt. v. 6. November 1997 - I ZR 102/95, WRP 1998, 377, 380 m.w.N.).
Er hätte durch Vorlage von konkreten Entgegenhaltungen darlegen müssen, inwieweit bei den beiden Regelwerken in der gestalterischen Konzeption und in der Wahl der Darstellungsmittel auf vorbekanntes Formengut zurückgegriffen worden ist (…vgl. BGH, Urt. v. 27.5.1981 - I ZR 102/79, GRUR 1981, 820, 822 - Stahlrohrstuhl II;… Urt. v. 24.1.1991 - I ZR 78/89, GRUR 1991, 531, 533 - Brown Girl I; BGHZ 112, 264, 273 - Betriebssystem; BGH, Urt. v. 6.11.1997 - I ZR 102/95, GRUR 1998, 477, 479 = WRP 1998, 377 - Trachtenjanker; BGHZ 139, 68, 76 - Stadtplanwerk).
Es ist Sache des Anspruchsgegners, darzutun und gegebenenfalls zu beweisen, dass die in Rede stehenden Merkmale einzeln oder auch in der fraglichen Verbindung bereits vorbekannt oder inzwischen üblich geworden sind (BGH, Urteil vom 06.11.1997 - I ZR 2102/95, GRUR 1998, 477 - Trachtenjanker;… Köhler in Köhler/Bornkamm, aaO, § 4 Rn. 3.78).
Dieser läßt jedoch bei seinem Sachvortrag weitgehend unberücksichtigt, daß der Einsatz bekannter Darstellungsmittel bei der Schaffung einer Karte nicht ausschließt, daß im Einzelfall durch die Art und Weise des Einsatzes dieser Mittel in der Gesamtschau ein schutzfähiges Werk entstanden sein kann und daß diesem nach dem Maß der schöpferischen Leistung im Einzelfall auch ein größerer Schutzumfang zukommen kann als sonst Werken dieser Art. Verteidigt sich der Beklagte mit dem Einwand, die Schutzfähigkeit entfalle oder der Schutzumfang sei eingeschränkt, weil der Urheber auf Vorbekanntes zurückgegriffen habe, so ist es seine Sache, durch Vorlage von konkreten Entgegenhaltungen darzulegen, inwieweit bei dem Stadtplanwerk in der gestalterischen Konzeption und in der Wahl der Darstellungsmittel auf vorbekanntes Formengut zurückgegriffen worden ist (vgl. BGHZ 112, 264, 273 - Betriebssystem;… BGH, Urt. v. 27.5.1981 - I ZR 102/79, GRUR 1981, 820, 822 - Stahlrohrstuhl II;… Urt. v. 24.1.1991 - I ZR 78/89, GRUR 1991, 531, 533 - Brown Girl I; Urt. v. 6.11.1997 - I ZR 102/95, WRP 1998, 377, 379 - Trachtenjanker).

References: § 1
 § 1
 § 1
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 1
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 4