Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=10.05.2016&Aktenzeichen=VIII%20ZR%20214/15
Timestamp: 2020-07-07 16:55:02+00:00

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BGH, 10.05.2016 - VIII ZR 214/15 - dejure.org
https://dejure.org/2016,12328
BGH, 10.05.2016 - VIII ZR 214/15 (https://dejure.org/2016,12328)
BGH, Entscheidung vom 10.05.2016 - VIII ZR 214/15 (https://dejure.org/2016,12328)
BGH, Entscheidung vom 10. Mai 2016 - VIII ZR 214/15 (https://dejure.org/2016,12328)
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§ 280 Abs 1 BGB, § 573 Abs 2 Nr 2 BGB
Wohnraummiete: Vorgetäuschte Eigenbedarfskündigung bei bestehender Verkaufsabsicht
Kündigung des Mietvertrags wegen Eigenbedarfs des Vermieters als vorgeschoben aufgrund von Verkaufsabsichten
Vorgeschobener Eigenbedarf für Strohmann bei Verkaufsabsichten
BGB § 573 Abs. 2 Nr. 2; BGB § 280 Abs. 1
Mietrecht: Vorgeschobener Eigenbedarf durch zwischengeschobenen Mieter
Schadensersatz wegen vorgeschobener Eigenbedarfskündigung - und der Räumungsvergleich
Mietrecht - Vorgeschobener Eigenbedarf, wenn die Eigenbedarfsperson auszugswillig ist
Zum Schadensersatz wegen vorgeschobener Eigenbedarfskündigung
Vorgetäuschter Eigenbedarf bei Verkaufsabsicht
Eigenbedarfskündigung unberechtigt - Kann ich Schadensersatz verlangen?
Vorgeschobene Eigenbedarfskündigung bei bestehender Verkaufsabsicht - Vermietung an Eigenbedarfsperson unerheblich
Kurze Zwischennutzung durch Angehörigen schließt vorgetäuschten Eigenbedarf nicht aus (IMR 2016, 271)
AG Koblenz, 18.03.2015 - 151 C 2579/13
LG Koblenz, 21.08.2015 - 6 S 117/15
NJW 2016, 3439
NJW-RR 2016, 982
ZMR 2016, 611
Vielmehr können sich Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der entscheidungserheblichen Feststellungen im Sinne von § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO, anders als das Berufungsgericht offenbar gemeint hat, auch aus der Möglichkeit unterschiedlicher Bewertungen der erstinstanzlichen Beweisaufnahme ergeben (…vgl. BGH, Urteile vom 9. März 2005 - VIII ZR 266/03, aaO S. 316 f.;… vom 21. Juni 2016 - VI ZR 403/14, aaO;… vom 29. Juni 2016 - VIII ZR 191/15, NJW 2016, 3015 Rn. 26; Beschluss vom 10. Mai 2016 - VIII ZR 214/15, aaO Rn. 16; jeweils mwN).
Der Verzichtswille darf nicht vermutet werden, sondern muss - unter Berücksichtigung sämtlicher Begleitumstände - unmissverständlich sein (st. Rspr.;… BGH, Urteile vom 15. Juli 2016 - V ZR 168/15, WM 2016, 2344 Rn. 35, insoweit in BGHZ nicht abgedruckt;… vom 10. Juni 2015 - VIII ZR 99/14, NJW 2015, 2324 Rn. 19;… vom 22. April 2015 - IV ZR 504/14, juris Rn. 15;… vom 18. September 2012 - II ZR 178/10, WM 2012, 2231 Rn. 22;… vom 26. Oktober 2009 - II ZR 222/08, NJW 2010, 64 Rn. 18;… vom 21. November 2006 - VI ZR 76/06, NJW 2007, 368 Rn. 9;… Beschlüsse vom 14. Februar 2017 - VI ZB 24/16, NJW 2017, 1887 Rn. 13; vom 10. Mai 2016 - VIII ZR 214/15, NJW-RR 2016, 982 Rn. 14; jeweils mwN).
Dagegen ist Vortrag in zweiter Instanz dann nicht neu, wenn ein bereits schlüssiges Vorbringen aus erster Instanz durch weitere Tatsachenbehauptungen zusätzlich konkretisiert, verdeutlicht oder erläutert wird (st. Rspr.;… vgl. BGH, Urteile vom 15. Juli 2004 - VI ZR 199/03, aaO;… vom 21. Dezember 2011 - VIII ZR 166/11, NJW-RR 2012, 341 Rn. 15;… vom 19. Februar 2016 - V ZR 216/14, NJW 2016, 2315 Rn. 27; Beschluss vom 10. Mai 2016 - VIII ZR 214/15, WuM 2016, 426 Rn. 18; jeweils mwN).
Solche Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der entscheidungserheblichen Feststellungen im Sinne von § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO, können sich auch aus der Möglichkeit unterschiedlicher Bewertungen der erstinstanzlichen Beweisaufnahme ergeben (vgl. BGH…, Beschluss vom 11. Oktober 2016 - VIII ZR 300/15 -, Rn. 24;… BGH Urt. vom 21. Juni 2016 - VI ZR 403/14;… vom 29. Juni 2016 - VIII ZR 191/15, NJW 2016, 3015 Rn. 26; Beschluss vom 10. Mai 2016 - VIII ZR 214/15, aaO Rn. 16; BGH, Urteil vom 12. März 2004 - V ZR 257/03, BGHZ 158, 269, 278 f.; jeweils mwN, alle zit. nach juris).
Dies gilt auch dann, wenn die von dem Vermieter benannte Eigenbedarfsperson nach Abschluss durchgeführter Sanierungsmaßnahmen ohne Schwierigkeiten wieder auszuziehen würde, um dem Vermieter eine Neuvermietung an Dritte (bei ggf. erheblich gesteigerter Miete) zu ermöglichen (jeweils im Anschluss an BGH, Beschluss vom 10.5.2016 - VIII ZR 214/15, NJW-RR 2016, 982 = NZM 2016, 718).
Eine Kündigung wegen Eigenbedarfs kann aber auch dann vorgeschoben sein, wenn ein Vermieter seit Längerem Verkaufsabsichten hegt und der von ihm benannten Eigenbedarfsperson den Wohnraum in der - dieser möglicherweise nicht offenbarten - Erwartung zur Miete überlässt, diese im Falle eines doch noch gelingenden gewinnbringenden Verkaufs ohne Schwierigkeiten zum Auszug bewegen zu können (BGH NJW-RR 2016, 982 = NZM 2016, 718).
Vielmehr können sich - die Bindungswirkung des § 529 I Nr. 1 ZPO aufhebende - Zweifel an der Richtigkeit und Vollständigkeit der erstinstanzlichen Feststellungen auch aus der Möglichkeit unterschiedlicher Wertungen, also insbesondere daraus ergeben, dass das Berufungsgericht das Ergebnis einer erstinstanzlichen Beweisaufnahme auf Grund konkreter Anhaltspunkte anders würdigt als die Vorinstanz (vgl. BGH, NZM 2016, 718, beck-online unter Rn. 16).
Bei der Berufungsinstanz handelt es sich auch nach Inkrafttreten des Zivilprozessreformgesetzes um eine zweite - wenn auch eingeschränkte - Tatsacheninstanz, deren Aufgabe in der Gewinnung einer "fehlerfreien und überzeugenden" und damit "richtigen" Entscheidung des Einzelfalls, besteht (…vgl. BGH, NJW 2016, 713, Rn. 7 m.w.N.; BGH, NZM 2016, 718, beck-online unter Rn. 16).

References: § 280
 § 573
 § 573
 § 280
 § 529
 § 529
 BGH 
 § 529