Source: https://www.ihre-vorsorge.de/expertenforum/archiv/detail/flexirente-hinzuverdienst-1.html
Timestamp: 2020-08-06 21:55:55+00:00

Document:
Flexirente - Hinzuverdienst | Ihre Vorsorge
Flexirente - Hinzuverdienst
ich werde nächstes Jahr im Alter von 63 Jahren die vorzeitige Rente mit Abschlägen von 9,9% erhalten. Als nebenberuflich Selbständiger ist mir klar, dass ich mit schwankenden Gewinnen zwischen 8.000€ und 10.000€ im Jahr die Hinzuverdienstgrenze von 6.300€/Jahr überschreite und daher Abzüge von der Rente in Kauf nehmen muss. Bei z.B. 9.300€/Jahr wären dies 100€/Monat weniger Rente.
Nun soll es aber wohl auch die Möglichkeit geben, von vorneherein nur eine Teilrente zu beantragen, so dass die Hinzuverdienstgrenze höher ausfällt.
Worin liegt der Sinn dieser Variante bzw. gibt es Unterschiede (Vor- oder Nachteile) gegenüber der "normalen" Version?
Zusatzfrage: Was passiert eigentlich (in beiden Varianten) mit den nicht in Anspruch genommenen Anteilen (bzw. den Abzügen)? Wirken sich diese bei Erreichen der Regelaltersgrenze als Steigerung aus? Falls ja, wie kann man diesen Effekt ausrechnen?
Na, dann unterstellen wir mal, Sie sind im am 1. Januar 1955 geboren und wollen ab JAN 2018 die Altersrente für langjährige Versicherte beziehen. Diese beträgt vor Abschlag von 9,9 % monatlich 1109,87 € und nach Abschlag mit 9,9 % noch 1000,00 €. Infolge Hinzuverdienst von 9300 € gibt das dann noch eine Teilrente in Höhe von 900,00 € (aber nur, wenn der höchste Entgeltpunktwert in den letzten 15 Kalenderjahren mindestens 0,5631 beträgt). Das ist dann eine Teilrente von 90 %.
Läge der Hinzuverdienst sogar bei 12300 €, wäre die Teilrente bei dem vorgenannten Mindestwert von 0,5631 übrigens nicht nur weitere 100 € niedriger, sie würde nur noch 650,22 €, also 65,02 % betragen. Nur bei höherem Mindestwert in den letzten 15 Kalenderjahren würde das anders aussehen.
Übrigens: Sollten Sie später geboren sein und die Rente deshalb später im Kalenderjahr 2018 beginnen, z.B. erst ab APR mit demselben Hinzuverdienst bis zum Ende des Kalenderjahres, wäre die Monatsrente 977,50 €, die Teilrente also 97,75 %
Ob Sie von vornherein eine Teilrente mit dem bestimmten Prozentsatz beantragen oder lediglich den Hinzuverdienst angeben, ist belanglos. Die Wahl des Teilrentenprozentsatzes mag allenfalls den Vorteil haben, dass man seinen Hinzuverdienst kennt (wenn er denn vom RV-Träger dafür mitgeteilt wird). Als Selbständiger werden Sie so oder so nicht den genauen Betrag treffen. Der Hinzuverdienst wird nach Vorlage des Steuerbescheides für 2018 vermutlich erst 2019 oder 2020 überprüft.
Nicht in Anspruch genommene Entgeltpunkte (Rententeile, die nicht ausgezahlt wurden) werden nach Erreichen der Regelaltersgrenze berücksichtigt.
Von den eigentlichen 35,7679 Entgeltpunkten (für die Rente von 1109,87 €) wurden mit 63+ nur 32,2269 (Rente von 1000 € nach Abschlag) persönliche Entgeltpunkte berücksichtigt. Wegen der 90%-igen Teilrente wurden davon aber nur 29,0042 Entgeltpunkte (Teilrente von 900,00 €) tatsächlich in Anspruch genommen. Die nicht in Anspruch genommenen 6,7637 (35,7679 – 29,0042) Entgeltpunkte werden nach der Regelaltersgrenze die bis dahin gezahlte Teilrente erhöhen.
Vielen Dank für die ausführliche und nachvollziehbare Antwort.
Etwas gestutzt habe ich zunächst über die Anmerkung "wenn der höchste Entgeltpunktwert in den letzten 15 Kalenderjahren mindestens 0,5631 beträgt". Aber dies ist dann wohl die Deckelung, die dafür sorgt, dass Rente und Hinzuverdienst nicht mehr als das höchste Einkommen der letzten 15 Jahre ausmachen. Ist bei mir kein Problem. Da komme ich auf keinen Fall dran.
Bei einer Rente von 1000 € und dem genannten Wert von 0,5631 setzt die 100 %-ige Anrechnung bereits bei einem Monatsverdienst von 775,37 € ein, d.h. jeder Euro mehr an Hinzuverdienst mindert die Rente um diesen Euro.
Mit dem genannten Wert von 0,5631 werden aber auf eine Rente von z.B. 1200 € bereits 250,00 € angerechnet. Jeder Monatsverdienst von mehr also 525 € ergibt bereits eine 100 % Anrechnung.
Richtig: Je höher der Wert aus den besten 15 Kalenderjahren desto höher fällt die Teilrente aus.
05.09.2017, 07:11
Ob Sie von vornherein eine Teilrente mit dem bestimmten Prozentsatz beantragen oder lediglich den Hinzuverdienst angeben, ist belanglos.
das stimmt so ganz leider nicht!
Wenn Sie eine Teilrente in einem bestimmten %-Satz wählen, müssen Sie den entsprechenden Hinzuverdienst natürlich einhalten.
Wenn Sie ihn nicht einhalten, wird die zu viel gezahlte Rente zurückgefordert. Halten Sie ihn ein, erhalten Sie lediglich eine Mitteilung, dass quasi alles okay ist.
Geben Sie jedoch einen Hinzuverdienst (Prognose) an, wird die entsprechende Teilrente errechnet. Halten Sie den Hinzuverdienst nicht ein, wird die zu viel gezahlten Rente auch hier zurückgefordert.
Liegen Sie jedoch unter dem prognostizierten Hinzuverdienst erhalten Sie die zu wenig gezahlte Rente nachgezahlt.
Wenn bei einem vorher gewählten Prozentsatz der folgende Hinzuverdienst unterschritten wird, wird die Rente auch nachgezahlt, oder etwa nicht? Also doch belanglos?!
Der letzte Satz aus meinem Beispiel mit der Erhöhung um 6,7637 Entgeltpunkte ist natürlich falsch. Richtig ist Folgendes:
Bei einer vorzeitigen Rente mit 9,9 % Abschlag ohne Hinzuverdienst, werden alle 35,7679 Entgeltpunkte in Anspruch genommen. Wegen des besonders langen Rentenbezugs aber nur in einer Rente aus 32,2269 persönlichen Entgeltpunkten (= 35,7679 *0,901) wirksam, und zwar auch über die Regelaltersgrenze hinaus. Mit Hinzuverdienst beträgt die 90%-ige Teilrente nur 900 € (aus 29,0042 persönlichen Entgeltpunkten), dies entspricht einer Inanspruchnahme von (29,0042 / 0,901 = hochgewertet) 32,1911 Entgeltpunkten. Richtig muss es deshalb heißen: Nach der Regelaltersgrenze wird die bis dahin gezahlte Teilrente aus 29,0042 persönlichen Entgeltpunkten um die nicht in Anspruch genommenen 3,5768 (35,7679 – 32,1911) Entgeltpunkte erhöht, also aus 32,5810 persönlichen Entgeltpunkten geleistet.
Ich empfehle ein Studium des § 77 SGB VI und der Arbeitsanweisung dazu, insbesondere des Beispiels 16 (Erhöhung des Zugangsfaktors bei stufenloser Anrechnung von Hinzuverdienst (Rechtslage ab 01.07.2017).
http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_77R10
Tut mir leid, dass ich Verwirrung geschafft habe. Und viel Spaß beim Studium wünscht
[quote=283229Wenn bei einem vorher gewählten Prozentsatz der folgende Hinzuverdienst unterschritten wird, wird die Rente auch nachgezahlt, oder etwa nicht? Also doch belanglos?![/quote]
eben nicht, deshalb ja auch nicht belanglos!!!
... Richtig: Je höher der Wert aus den besten 15 Kalenderjahren desto höher fällt die Teilrente aus.
Schön wäre es ... es sind aber die 15 *letzten* Kalenderjahre und nicht die besten ... das wäre vielleicht ein Ding, wenn man sich das Beste aus dem Erwerbsleben heraussuchen dürfte ...
mein senf dazu ;)
Ja natürlich, das beste aus den letzten 15 Kalenderjahren!
[quote=283229Wenn bei einem vorher gewählten Prozentsatz der folgende Hinzuverdienst unterschritten wird, wird die Rente auch nachgezahlt, oder etwa nicht? Also doch belanglos?!
eben nicht, deshalb ja auch nicht belanglos!!![/quote]
Wenn ich Sie richtig interpretiere, sagen Sie, dass bei einem vorher gewählten Prozentsatz, wenn der anschließende Hinzuverdienst unterschritten wird, keine Nachzahlung erfolgt, bei einer Überschreitung aber eine Rückzahlung gefordert wird? Das kann ich unter welchen §§ nachlesen?
05.09.2017, 15:29
die frei wählbare Teilrente ist in § 42 (2) SGB VI geregelt:
"Eine unabhängig vom Hinzuverdienst gewählte Teilrente beträgt mindestens 10 Prozent der Vollrente. Sie kann höchstens in der Höhe in Anspruch genommen werden, die sich nach Anwendung von § 34 Absatz 3 ergibt."
Hierbei wird keine Prognose abgefragt und demnach auch keine sog. "Spitzabrechnung" mit Nachzahlung nach § 34 SGB VI gemacht.
Dass die zuviel gezahlte Rente zurückgefordert wird, ergibt sich auch § 42 (2) Satz 2, dass die Teilrente nur in der Höhe in Anspruch genommen werden kann, die dem jeweils zulässigen Hinzuverdienst entspricht...
Nach den Erkenntnissen der letzten Beiträge/Kommentare muss ich dann aber noch einmal auf eine meiner Ausgangsfragen zurückommen:
Worin liegt denn der Sinn der Variante "Teilrente"? Ich kann hier keinerlei Vorteil gegenüber der Variante mit "Prognose und Spitzabrechnung" erkennen.
Ich denke auch das jährliche Nachweisen und Überprüfen der Hinzuverdienste wird man sich ja in beiden Varianten nicht ersparen können. Wozu gibt es dann also die beiden Varianten?
06.09.2017, 09:47
wenn Sie ab Rentenbeginn eine Altersrente beziehen, können Sie diese Altersrente entweder als Vollrente oder als Teilrente beziehen. Sie können bereits ab Rentenbeginn nur eine Teilrente in Anspruch nehmen. Die Teilrente wird aber nur dann ausgezahlt, wenn sie mindestens 10 % der Vollrente, ggfs. unter Berücksichtigung Ihres Einkommens aus der selbständigen Tätigkeit, beträgt.
Die Hinzuverdienstgrenze ist bei beiden Varianten, Teil- oder Vollrente, gleich. Bei der Teilrente gibt es keine höhere Hinzuverdienstgrenze.
Wenn Sie eine Vollrente beziehen und die Jahreshinzuverdienstgrenze von 6.300,- EUR brutto überschreiten, müssen Sie 40% des überschreitenden Betrages im Folgejahr zurückzahlen.
Der Gedanke der Teilrente ist, dass Verwaltungsverfahren zu vereinfachen. Sie müssen zwar jedes Jahr der Rentenversicherung mitteilen, wie hoch Ihr Hinzuverdienst ist, die Rentenversicherung überprüft, ob die Hinzuverdienstgrenze eingehalten wurde und zahlt Ihnen weiterhin ggf. die von Ihnen gewünschte Teilrente aus.
Bei beiden Arten der Auszahlung Ihrer Altersrente, müssen Sie jedes Jahr auch eine Prognose für das kommende Jahr abgeben.
Wenn es sich dann herausstellt, dass Ihr tatsächlicher Gewinn höher ist als Ihre Prognose, der Zahlbetrag Ihrer Teilrente sich trotzdem nicht ändert, bleibt es bei dem bisherigen Zahlbetrag.
Falls Sie sich entscheiden, ab Rentenbeginn nur Teilrente zu beziehen, dann müssen nicht immer einen Teil Ihres Gewinnes zu Seite legen, damit im Folgejahr die Überzahlung von Ihnen wieder erstattet werden kann.
Die nicht in Anspruch genommenen Entgeltpunkte, bei Bezug einer Teilrente, werden ab Bezug einer Altersvollrente mit dem, zu diesem Zeitpunkt gültigen Zugangsfaktor, dann bewertet und Ihnen ausgezahlt.
Wählen Sie von Rentenbeginn an die Vollrente, nehmen Sie von Anfang an alle Ansprüche wahr. Es erfolgt nur eine Kürzung des Zahlbetrages, aber nicht der Entgeltpunkte, die Grundlage für die Altersvollrente sein werden.
Den Rentenanspruch, den Sie während des Bezuges der Altersvollrente erwirtschaften, wird dann ab dem 01.07. des Folgejahres Ihnen zusätzlich, zu Ihrem bereits bestehenden Rentenanspruch, ggfs. gemindert um einen Abschlag, ausgezahlt.
Als erste Berechnungshilfe ist folgender LINK beigefügt:
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/5_Services/02_online_dienste/03_online_rechner_nutzen/flexirentenrechner/Berechnungshilfen_Flexirente_node.html
Auf jeden Fall ist es empfehlenswert, ein ausführliches Beratungsgespräch in der, für Sie, nächsten Auskunfts- und Beratungsstelle wahrzunehmen, damit alle Varianten besprochen werden können.
DAS kann ich nun nicht wirklich glauben. Das entspricht auch nicht dem, was der in Ihrem oben angegebnen Link aufgeführte Rechner als Ergebnis liefert. Und damit würde die Teilrente dann auch wirklich gar keinen Sinn mehr machen!
Der Gedanke der Teilrente ist, dass Verwaltungsverfahren zu vereinfachen.
Eine Vereinfachung kann ich nicht erkennen. Zumindest nicht für den Rentner.
Stellt also die Behandlung der Entgeltpunkte doch einen Unterschied zwischen Vollrente (vermindert um angerechneten Hinzuverdienst) und einer Teilrente dar?
Danke für die Erläuterungen und Gruß, Hubert
Lehrling jr.
Auch mit größtem Bemühen steht fest: Rechtsanweisung zu §77 und Flexirente kann wohl kaum einer fehlerfrei runterrechnen geschweige den erklären... ich glaube: wird in der Praxis sehr fehlerträchtig! :-/

References: § 77
 § 42
 § 34
 § 34
 § 42
 §77