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Erläuterungsbericht Änderung Eigenmittelverordnung (ERV) und Ausführungsbestimmungen - PDF
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1 Eidgenössisches Finanzdepartement EFD 24. Oktober 2011 Erläuterungsbericht Änderung Eigenmittelverordnung (ERV) und Ausführungsbestimmungen Anrechenbare und erforderliche Eigenmittel nach Basel III / internationaler Ansatz der Risikoverteilung Einsteinstrasse 2, 3003 Bern Tel. +41 (0) , Fax +41 (0) /
2 Inhaltsverzeichnis Kernpunkte: Die Schweizer Umsetzung des internationalen Regelwerks Der internationale Rahmen und die Schweizer Umsetzung Ziele und Adressaten der Revision Die wesentlichen Änderungen und Auswirkungen im Überblick Die Unterschiede zwischen Basel III und der Schweizer Umsetzung Der Schweizer Sonderfall Swiss finish in der bisherigen Umsetzung Die Folgen der Übernahme des internationalen Regelwerks Änderungen im Bereich Eigenmittelvorschriften Änderungen im Bereich Risikoverteilung Die Schweizer Umsetzung des internationalen Regelwerks Anrechenbare Eigenmittel unter Basel III Geltendes Recht und dessen Schwächen Übermässige Anrechnung von Kapitalinstrumenten minderer Qualität Ungenügende Qualität des bisherigen Kernkapitals hinsichtlich der Verlusttragung Keine Verlusttragung von Tier 2 Kapital unter einer Fortführungsoptik Fehlende Werthaltigkeit gewisser Aktiven Änderungen der ERV unter Basel III Übersicht Regelungen im neuen FINMA-RS 13/x Anrechenbare Eigenmittel Banken Übergangsregelungen Common Equity Tier 1 (CET1) als Herzstück des anrechenbaren Kernkapitals Vermutungsweise nur ein CET1-Kapitalinstrument pro Bank Gewinn des laufenden Geschäftsjahres Kapitalanteile von Minderheitsaktionären Hartes Kernkapital bei Nicht-AGs Dotationskapital bei Banken in der Rechtsform des öffentlichen Rechts (Art. 22 E-ERV) Gesellschaftskapital bei Personengesellschaften (Art. 23 E-ERV) Aktuelle Regelung / 2/87
3 Stossrichtung und Resultat der Abklärungen Vorschlag zur Neuregelung Konsequenzen Genossenschaftskapital Zusätzliches Kernkapital Partizipationskapital im AT Agio aus der Ausgabe von Instrumenten des zusätzlichen Kernkapitals Zusätzliches Kernkapital als Fremdkapital der Bank Verlusttragung des AT1-Kapitalinstruments Ergänzungskapital Verlusttragung im PONV PONV-Anforderungen nach Basel III Umsetzungsoptionen ERV fordert die vertragliche Umsetzung der Folgen im PONV Ziel der Verlusttragung im PONV Spezielles Übergangsregime für T2-Instrumente Forderungsverzicht Gegenstand Gründe für die Option des Forderungsverzichtes Dauernder oder teilweiser Forderungsverzicht Forderungsverzicht beschränkt auf einen Teil des Ausgabeentgelts Folgen des erfolgten Forderungsverzichtes Teilnahmepotential bei Erholung der Bank Problemstellung und Rechtfertigung für Partizipation Korrekturen generell Korrekturen von Aktiven Fortführung bestehender Korrekturen Immaterielle Werte (Art. 29 Bst. c E-ERV) Neue Korrekturen DTA, deren Realisierung von der Rentabilität abhängt (Art. 29 Bst. d E-ERV) Forderungen gegenüber Pensionsfonds (Art. 29 Bst. g E-ERV) Verbindlichkeiten gegenüber Pensionsfonds (FINMA-RS 13/x Rz ) Entwicklung in der Rechnungslegung bis zum Inkrafttreten Beteiligungen im Finanzbereich Unterscheidung nach Beteiligungshöhe Abzug nach Schwellenwerten Zu konsolidierende Finanzbeteiligungen im Rahmen der Einzelinstitutsbetrachtung (Art. 29 Bst. j E-ERV) / 3/87
4 Weitere Korrekturen mit Schwellenwert Schwellenwert-Abzüge betreffend andere Aktiven ausserhalb Finanzbeteiligungen (Art. 32a E-ERV) Schwellenwert 3-Abzüge (Art. 32b E-ERV) Neue Definition der Nettoposition (Art. 39a E-ERV) Freiwilliger CET1-Abzug Problemstellung Wahlrecht des CET1-Abzuges Unzulässigkeit der Finanzierung eigener Kapitalinstrumente Regelungsgegenstand des FINMA-RS 13/x Anrechenbare Eigenmittel Banken Rechtsvergleich E-ERV zu Basel III E-ERV zu Entwurf CRD IV (EU) Allgemeines zur Umsetzung von Basel III in der EU Wichtigste Abweichungen zu Basel III im Bereich des anrechenbaren Kapitals Mehrheitsbeteiligungen in Versicherungsgesellschaften (Art. 46 CRD IV) Möglichkeit der Teilkonsolidierung für regulatorische Zwecke (Art. 16 Abs. 2 CRD IV) Umschreibung des harten Kernkapitals Prudenzielle Filter Anerkennung von AT1-Instrumenten Abzüge für Beteiligungen im Finanzbereich auf Einzelinstitutsstufe (Art. 46 Abs. 2 CRD IV) Freiwillige Abzüge vom CET1 (Art. 33 Bst. k CRD IV) Credit Valuation Adjustments (Art. 154 Ziff. 11 CRD IV) Behandlung von Dividenden bei der Berücksichtigung von Interimsgewinnen im CET1 (Art. 24 Ziff. 2 Bst. b CRD IV) Sonstiges Zusammenfassung Erforderliche Eigenmittel unter Basel III Geltendes Recht und dessen Schwächen Änderungen der ERV und FINMA-RS unter Basel III Neudefinition des Umfangs erforderlicher Eigenmittel Höhere Unterlegung von Gegenparteirisiken Änderungen in der EPE-Modellmethode zur Berechnung der Kreditäquivalente Revidierte Standards für die Anerkennung von Sicherheiten Neue CVA-Eigenmittelanforderung (E-ERV Art. 41a, RS-08/19 Rz ) / 4/87
5 Höhere Risikogewichte für Engagements gegenüber Finanzintermediären beim auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRB) Eigenmittelunterlegung von Kontrakten, die über eine zentrale Gegenpartei abgewickelt werden (inklusive börsengehandelte Kontrakte) Risikogewichtung statt Kapitalabzug Verwendung externer Ratings Rechtsvergleich Angepasste Offenlegungsvorschriften Geänderte Risikoverteilungsvorschriften Geltendes Recht und dessen Schwächen Hauptunterschied beim Wechsel auf den internationalen Ansatz Änderungen der ERV und des FINMA-RS 08/ Obergrenze für die Gesamtheit der Klumpenrisiken (Art. 87 E-ERV) Gruppeninterne Positionen (Art. 89 E-ERV) Meldung von Klumpenrisiken (Art. 90 Abs. 2 E-ERV) Nicht abgewickelte Transaktionen (Art. 97 E-ERV) Verbundene Gegenparteien (Art. 100 E-ERV) Limiten (Art. 105 E-ERV gestrichen) Lombardkredite (Art. 107 E-ERV gestrichen) Obergrenze gegenüber Banken und Effektenhändlern (Art. 115a E-ERV) Ausnahmen von der Gesamtposition (Art. 114 Bst. e und f E-ERV) Besicherte Positionen (Art. 116 Abs. 1 Bst. c E-ERV) Anrechnung von Sicherheiten (Art. 118 Abs. 5 Ziff. 1 und 2 E-ERV) Eventualverpflichtungen und unwiderrufliche Zusagen (Art. 120 Abs. E-ERV) Rechtsvergleich Wirkungsanalyse Einleitung Schweizer Umsetzung des internationalen Regelwerks Änderung Mindestanforderungen Änderung der Mindestanforderungen für Kreditrisiken nach Kreditarten Eigenmittelsituation unter Basel III Mindestanforderungen und Puffer Eigenmittelsituation unter Basel III unter Berücksichtigung der FINMA-Vorgaben für zusätzliche Eigenmittel über den Mindestanforderungen Eigenmittelsituation Basel III - Grossbanken / 5/87
6 9.6 Geänderte Risikoverteilungsvorschriften Tiefere Limiten für Positionen gegenüber Banken und TBTF-Instituten Auswirkung der übrigen Änderungen Wirtschaftliche Auswirkungen von Basel III Ausgangslage und gängige Modelle zur Beurteilung der Regulierungsfolgen für die Schweiz Die Beurteilung der Regulierungsfolgen durch Financial Stability Board (FSB) und Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) Die Beurteilung der Regulierungsfolgen durch die Banken anhand des IIF-Modells Besonderheiten des Schweizer Kreditmarktes (Kreditvolumen und -versorgung) Unwägbarkeiten bei der Analyse Ergebnis Besonderheiten durch die spezielle TBTF-Regulierung für Grossbanken Übrige Änderungen der ERV und Ausführungsbestimmungen Änderungen der ERV Eigenmittelnachweis (Art. 13 ERV) Vereinfachte Anwendung (Art. 15 ERV) Parallelrechnung bei Verwendung von Modellverfahren (Art. 33c) Anerkennung von Ratingagenturen (neu Art. 5a ERV) Geänderte Definition des Retailportfolios (Anhang 4 Ziff. 1.1 ERV) Risikogewichtung für Wohnliegenschaften (Anhang 4 Ziff. 3.2 ERV) FINMA-RS 08/19 Kreditrisiken Banken Rz Ratings von Exportversicherungsagenturen IRB-Stresstesting und Involvierung der SNB FINMA-RS 08/20 Marktrisiken Banken Umsetzung weiterer Basel III Vorschriften in nächster Zukunft und andere Initiativen mit Einfluss auf Basel III Liquiditätsstandards und Leverage Ratio im Rahmen von Basel III Entwicklungen internationaler Rechnungslegungsstandards Glossar / 6/87
7 Kernpunkte: Die Schweizer Umsetzung des internationalen Regelwerks Auf internationaler und nationaler Ebene war der Grundkonsens nach der Finanzkrise von 2008/2009 klar: Es braucht strengere Eigenmittel-Vorschriften für die Bankenbranche. Unter der Führung der Gruppe der Zentralbankpräsidenten und Leiter der Bankenaufsicht (GHOS) und des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) wurde in den letzten drei Jahren das neue Regelwerk Basel III entworfen. Dieses verlangt von den Banken, dass sie deutlich mehr Eigenmittel halten, das zudem von besserer Qualität ist (Verlustabsorptions-Fähigkeit). Auf diesem internationalen Hintergrund sollen jetzt die Schweizer Vorschriften für die Ausstattung der Banken mit Eigenmitteln revidiert werden. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) will den internationalen Standard Basel III übernehmen und ihn ergänzen mit transparenten, spezifisch auf die Schweizer Verhältnisse abgestimmten Eigenmittelpuffern. Damit soll die bis jetzt geltende nationale Umsetzung des Standards Basel II samt seinen Zuschlägen, Discounts und sonstigen Spezialregeln ( Swiss finish ) ersetzt werden. Dieser Systemwechsel, der von einer Nationalen Arbeitsgruppe mit allen die betroffenen Institute vertretenden Verbänden erarbeitet wurde, bringt im Wesentlichen folgende Vorteile: Mehr Klarheit: Viele Zuschläge, Discounts oder Spezialregeln, die der Swiss finish seit seiner Einführung bei der nationalen Umsetzung von Basel I Ende der 1980er Jahre beinhaltete, werden abgelöst durch die klareren und einfachen internationalen Vorschriften. Höhere Eigenmittelanforderungen insgesamt: Neben den Mindestanforderungen und dem Eigenmittelpuffer nach Basel III sind nach FINMA-Richtlinien explizit zusätzliche Eigenmittel zu halten, deren Höhe sich nach risikoorientierten Grössen bemisst (Bilanzsumme, verwaltete Vermögen, privilegierte Einlagen und mindestens erforderliche Eigenmittel, vgl. das FINMA-Rundschreiben 11/2). Die prudenzielle Grundphilosophie, dass die Schweizer Eigenmittelregulierung über die internationalen Mindeststandards hinausgehen sollen, wird damit fortgeführt und noch verstärkt. Mehr Transparenz: Die höheren Eigenmittelanforderungen an Schweizer Institute werden nicht mehr selektiv und gegen aussen wenig sichtbar in den Schweizer Mindestanforderungen definiert (bisher Säule 1), sondern transparent in der Kategorie der zusätzlichen Eigenmittel ausgewiesen. Bessere Vergleichbarkeit: Die Kapitalquoten der Schweizer Institute werden direkt vergleichbar mit den international geltenden Standards. Damit muss die Einhaltung der Basler Mindeststandards gegenüber internationalen Überwachungsgremien nicht mehr gerechtfertigt werden, um die Einzelheiten der Schweizer Sonderlösung zu legitimieren. Höhere Zielgenauigkeit: Die neuen Vorschriften treffen die richtigen Institute. Die Banken werden in fünf grössen- und risikoorientierte Aufsichtskategorien eingeteilt. Je höher die Einteilung der Bank in diese Kategorien, umso grösser sind die zusätzlichen Eigenmittel-Vorschriften. Bessere Risiko-Kontrolle: Indem auch die Vorschriften zur Risikoverteilung für alle Institute an die internationalen Normen angeglichen werden, werden in Zukunft die Klumpenrisiken der einzelnen Institute weniger unterschätzt. Die Schweizer Umsetzung der neuen Eigenmittelvorschriften besteht einerseits aus den nach dem internationalen Regelwerk ermittelten Mindestanforderungen, dem Eigenmittelpuffer und dem antizyklischen Puffer ( Basel pur ) dies sind die internationalen Mindeststandards. Dazu kommen zusätzliche Eigenmittelanforderungen die die FINMA in Abhängigkeit von der Grösse der Bank erlässt (Schweizer Zuschläge). Die neuen Vorschriften sollen rasch, das heisst am in Kraft treten, mit den Übergangsfristen des internationalen Regelwerks. Die über 300 Banken in der Schweiz sind wegen ihrer heutigen Kapitalausstattung und ihren divergierenden Geschäftsmodellen jedoch in unterschiedlichem Ausmass betroffen: Die grössten Auswirkungen müssen die beiden Grossbanken gewärtigen, für die die Too-Big-To-Fail-Regulierungsvorlage weitere, noch strengere Vorschriften definiert. Vereinfacht gesagt wird relativ zu den Basler Mindeststandards von den grossen Instituten in Zukunft deutlich mehr / 7/87
8 Eigenkapital verlangt, mittelgrosse Banken brauchen im Durchschnitt etwas mehr Eigenmittel und kleinere Banken werden nicht oder nur marginal stärker belastet oder in einigen Fällen sogar entlastet. Die meisten Schweizer Institute verfügen bereits heute über genügend Eigenmittel von hoher Qualität, um die Schweizer Umsetzung der neuen, internationalen Eigenmittelvorschriften zu erfüllen. Die Umstellungskosten für die Institute bewegen sich gemäss Schätzungen auf einem bewältigbaren Niveau, wenn es in Bezug gesetzt wird zu den gesamten IT-Kosten und zu der Bedeutung der regulatorischen Neuerungen: Kleinere und mittlere Banken rechnen mit Kosten in der Grössenordnung bis CHF , die grossen Institute müssen mit einem tiefen einstelligen Millionenbetrag rechnen, sofern sie ihre Systeme nicht bereits umgestellt haben. Die volkswirtschaftlichen Folgen sind nach Einschätzung der FINMA ebenfalls gering. Durch die Anpassung der Mindesteigenmittelanforderungen an den internationalen Standard kann es zu Mehrbelastungen in gewissen Sektoren der Kreditwirtschaft kommen (v.a. landwirtschaftliche oder gewerbliche Bauten). Dagegen ist aufgrund von makroökonomischen Analysen nicht zu erwarten, dass es wegen der neuen Regeln zu einer generellen Kreditverknappung in der Schweiz kommen wird. Die Modellrechnungen der vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht beauftragten Macroeconomic Assessment Group (MAG) gehen von einem BIP-Rückgang von weniger als 0.2% maximal nach viereinhalb Jahren aus. Die Werte für die Schweiz dürften tiefer liegen, da die Schweiz zwar international eine sehr hohe Kreditinanspruchnahme pro Kopf der Bevölkerung aufweist. Der allergrösste Teil der Kreditinanspruchnahme geht jedoch auf die Hypothekenfinanzierung zurück. Das Volumen der direkt wachstumsrelevanten Kredite (z.b. für KMU) ist in der Schweiz deutlich tiefer als in den meisten anderen Ländern. Mit der hier vorgeschlagenen Revision der ERV und der entsprechenden FINMA-Ausführungsbestimmungen sind noch nicht alle Elemente des internationalen Basel-III-Regelwerks umgesetzt: Die Einführung einer (ungewichteten) Leverage Ratio und neuer Mindeststandards bezüglich Liquiditätsrisiken unterliegen noch vorgelagerten Beobachtungsperioden, um gegebenenfalls auftretende unbeabsichtigte Konsequenzen zu identifizieren. Entsprechende Revisionsvorlagen werden ab nächstem Jahr für die Schweizer Banken folgen. / 8/87
9 1 Der internationale Rahmen und die Schweizer Umsetzung Ein tragender Pfeiler der nach Schweizer Gesetz zu erfüllenden Voraussetzungen für die Ausübung von Tätigkeiten zugelassener Banken und Effektenhändler (im Weiteren Institute ) sind die Vorschriften über zu haltende Eigenmittel und die Anforderungen an die Risikoverteilung. Die Eigenmittelvorschriften definieren, wie viel Eigenmittel die Institute halten müssen, um Verlustrisiken aus ihrer Geschäftstätigkeit angemessen zu unterlegen. Mit einem Eigenmittelniveau, das über die Mindesteigenmittelanforderungen hinausgeht, soll erreicht werden, dass Institute auch bei substantiellen Verlusten nicht insolvent werden und hieraus gegebenenfalls weiterer Schaden entsteht. Die Risikoverteilungsvorschriften regeln, wie gross das Risiko eines Instituts gegenüber einzelnen Gegenparteien oder einer Gruppe verbundener Gegenparteien maximal sein darf. Damit soll verhindert werden, dass bei Ausfall eines grossen Kredits das Institut in Schieflage gerät und dadurch gegebenenfalls ein grosser Schaden entsteht. Wie in den meisten der Mitgliedsländer des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, dem inzwischen auch die G-20 Staaten angehören, hat sich auch das Schweizer Recht bei der bisherigen Umsetzung internationaler Vorschriften zu Eigenmitteln eng an die Richtlinien gehalten, wie sie der Basler Ausschuss mit den Regelwerken Basel I (1988) und Basel II (2004/6) vorgegeben hat. Basel II wurde in der Schweiz auf Anfang 2007 in Form der bundesrätlichen Verordnung über die Eigenmittel und Risikoverteilung für Banken und Effektenhändler (Eigenmittelverordnung, ERV) und in Form zugehöriger FINMA-Rundschreiben (FINMA-RS) als Ausführungsbestimmungen zur ERV in Schweizer Recht umgesetzt. Die bestehende schweizerische Umsetzung dieser Basler Mindeststandards basiert grundsätzlich auf den internationalen Mindeststandards, sie beinhaltet aber aus historischen Gründen bestimmte Abweichungen bei der Berechnung der Mindesteigenmittelanforderungen (v.a. höhere oder tiefere Risikogewichte für einzelne Kreditarten). Insgesamt bewirken diese Abweichungen, dass die Schweizer Mindesteigenmittelanforderungen über den internationalen Basler Mindeststandards liegen, auch um die Sicherheit des Finanzplatzes zu stärken. Diese Abweichungen haben sich unter dem Namen Swiss finish etabliert und werden gemeinhin mit strengeren Anforderungen assoziiert als die internationalen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht. Abweichungen nahm die schweizerische Umsetzung insbesondere dort vor, wo internationale Mindestvorschriften aus damaliger Sicht den nationalen Gegebenheiten nicht hinreichend oder nicht in hinreichender Differenziertheit Rechnung trugen. Um vor allem international tätigen Banken dennoch nicht die teilweise detaillierten und sehr spezifischen Abweichungen zum internationalen Mindeststandard aufzubürden, wurde in der Schweizer Umsetzung von Basel II der sog. internationale Standardansatz (SA-BIZ) parallel in die ERV aufgenommen. Dieser übernimmt im Wesentlichen die internationalen Anforderungen ohne Modifikationen, baut aber den Swiss finish in die Mindesteigenmittelanforderungen mit Hilfe von Multiplikatoren ein, und hebt somit die resultierende Eigenmittelanforderung im gleichen Ausmass an wie der Schweizer Standardansatz (SA-CH) inklusive Swiss finish. Sowohl die Vorschriften zur Eigenmittelunterlegung wie auch die Risikoverteilungsvorschriften haben seither bereits eine weitere Revision erfahren: Im Bereich der Eigenmittelunterlegung hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht rasch erste Lehren aus der Krise gezogen und die offensichtlichsten Regulierungsmängel im Bereich der Marktrisikovorschriften und des Regulierungsrahmens für Verbriefungsgeschäfte nachgebessert. Diese unter Basel 2.5 bekannten Änderungen traten in der Schweiz per Teilrevision der ERV und zugehöriger FINMA-RS am 1. Januar 2011 in Kraft. Parallel dazu hat der Basler Ausschuss auch eine umfassendere Evaluation von offensichtlichen Lücken, ergänzenden und nachbessernden Massnahmen zum Basel-II-Paket vorgenommen. Die Schlussfolgerungen aus diesem Prozess fanden Niederschlag in einem über insgesamt rund 3 Jahre entstandenen Sammelwerk von / 9/87
10 Massnahmen, bekannt als Basel III. Diese Arbeiten sind mit der Veröffentlichung eines neuen Regelwerks am 16. Dezember 2010 zu einem vorläufigen Abschluss 1 gekommen. Im Bereich der Risikoverteilungsvorschriften wurden in der Schweiz die EU-seitig per Juli 2009 in Kraft getretenen Änderungen mit derselben ERV-Teilrevision national vollzogen, in deren Rahmen auch Basel 2.5 in Schweizer Recht umgesetzt wurde. Allerdings widerspiegelte die am 1. Januar 2011 in Kraft getretene ERV-Teilrevision der Risikoverteilungsvorschriften nur Anpassungen am internationalen Ansatz der Risikoverteilung, der bei gut 40 der über 300 Institute in der Schweiz angewandt wird. Pendent geblieben ist seither die Revision des für die grosse Mehrzahl der Schweizer Institute relevanten Schweizer Ansatzes der Risikoverteilung, die für Anpassungen im Zuge der Umsetzung von Basel III aufgeschoben wurde. Die Änderungen und damit der Nachvollzug der EU-Regulierung für Institute, die bisher den Schweizer Ansatz für die Risikoverteilung angewendet haben, sind somit auch Bestandteil der vorliegenden Regulierungsänderungen. Der Kern der vorliegenden ERV-Revision ist die schweizerische Umsetzung all jener Massnahmen, die ohne weiteren Beobachtungsvorbehalt per 1. Januar 2013 in Kraft treten können, unter Berücksichtigung der international vorgegebenen Übergangsfristen. Es sind dies zusammenfassend die folgenden Basel-III-Massnahmen: Die regulatorisch anrechenbaren Eigenmittel wurden neu definiert mit Blick auf eine, gegenüber Basel II erhöhte Verlusttragfähigkeit. Damit soll sichergestellt werden, dass die Institute über genügend qualitativ gutes Kapital verfügen, um Verluste in Phasen aufzufangen, in denen die betriebliche Fortführung grundsätzlich nicht in Frage gestellt ist (sog. going concern ). Dies gilt namentlich für die beste Qualität der Eigenmittel, das harte Kernkapital (Common Equity Tier 1, CET1). Dies gilt aber auch für Kapitalinstrumente, die nicht Gesellschaftskapital darstellen und dennoch als zusätzliches Kernkapital anrechenbar sind. Letztlich wurden sogar die Anforderungen an das Ergänzungskapital angehoben, das nicht den Anspruch hat, aus Fortführungsoptik verlusttragend zu sein. Diese Neudefinitionen wirken sich als Verschärfung der Definition des Zählers der allgemein bekannten BIZ-Kapitalkennzahlen (BIS-Ratios) aus. In Bezug auf die erforderlichen Eigenmittel führen verschiedene Basel-III-Neuerungen zu einer Veränderung der Bestimmung der risikogewichteten Aktiven und damit zu einer Modifikation des Nenners der BIZ-Kapitalkennzahlen: Darunter fallen eine umfassendere Festlegung von Gegenparteirisiken (Ausfallrisiko bei Derivaten, Repo- und Wertpapierfinanzierungsgeschäften) und eine selektive Neubehandlung von Positionen via Risikogewichtung statt via Kapitalabzug wie bisher. Diese Neuerungen führen zu einer tendenziellen Erhöhung des Nenners, abhängig davon, wie umfassend ein Institut in den jeweiligen Geschäftsbereichen exponiert ist. Letztlich gehören zur internationalen Neudefinition der erforderlichen Eigenmittel aus verschiedenen Komponenten zusammengesetzte Puffer, deren Zweck es ist, in guten Zeiten oder in Zeiten übermässigem Kreditwachstums Kapital zu akkumulieren, das in schlechten Zeiten zur Verlusttragung frei gesetzt werden kann. Die Mindestanforderung an das Gesamtkapital ohne Berücksichtigung der Puffer bleibt bei Basel III im Umfang von 8% der risikogewichteten Aktiven (risk weighted assets, RWA). Die Anforderung an die qualitative Zusammensetzung des Kapitals wird jedoch erheblich erhöht. Dabei steht die neue Mindestanforderung für das harte Kernkapital im Zentrum, welches sich von 2% auf 4.5% der RWA erhöht. Zudem werden die Banken zu einem Eigenkapitalpuffer verpflichtet, um gegen künftige Stressphasen gewappnet zu sein. Damit steigen die Anforderungen für das harte Kernkapital auf 7% der RWA. Hinzu kommt ein makroprudenziell motiviertes, antizyklisches Kapitalpolster im Bereich von 0 2.5% der RWA, der ebenfalls ausschliesslich aus hartem Kernkapital CET1 besteht. Die gesamten 1 Einige Massnahmen wie die Liquiditätsstandards und die Höchstverschuldungsquote (Leverage Ratio) enthalten noch Beobachtungsperioden für die kommenden Jahre und sehen dabei auch die Möglichkeit für Nachbesserungen vor, falls sich unbeabsichtigte Konsequenzen zeigen sollten. Andere Massnahmen wie z.b. eine Überarbeitung des Regelwerks zur Behandlung von Verbriefungen, einschliesslich der darin vorgesehenen Verwendung externer Ratings, oder eine grundlegende Überarbeitung des Handelsbuches wurden vom Basler Ausschuss für die weiteren Jahre in Aussicht gestellt. / 10/87
11 Erfordernisse an hartem Kernkapital steigen also in Zeiten, zu denen der antizyklische Puffer seine volle Wirkung entfaltet, temporär auf bis zu 9.5% an. Bei den Umsetzungsarbeiten in Schweizer Recht verfolgte die FINMA das Ziel, die internationalen Mindestvorschriften und Kalibrierungen zu übernehmen, d.h. die Umsetzung im Bereich Eigenmittel und Risikoverteilungsvorschriften ohne Swiss finish zu verfolgen, um damit die schweizerische Gesetzgebung in diesen Bereichen den internationalen Vorgaben anzugleichen 2. Ausgenommen aus der vorliegenden Revision der ERV bleibt die Umsetzung der national besonderen Anforderungen für systemisch relevante Banken. Die Umsetzung des Too-big-to-fail -Pakets wird in einer separaten zeitlichen Planung erst in die ERV als 5. Titel eingefügt, wenn der dazu notwendige, zur Zeit laufende Gesetzgebungsprozess abgeschlossen ist. 2 Dazu kommen die spezifischen Schweizer Zuschläge, die je nach Grösse der Bank differieren. / 11/87
12 2 Ziele und Adressaten der Revision Die hier erläuterten Regulierungsänderungen entsprechen der nationalen Umsetzung der auf internationaler Ebene getroffenen Massnahmen, wie sie sich im Nachgang der Finanzkrise ab 2007 als zwingend zu schliessende Lücken in den geltenden Regulierungsbereichen offenbart haben. Von den vorliegenden Änderungen sind Banken und Effektenhändler betroffen, die dem Schweizer Gesetz unterstellt sind. Im Juli 2010 hat sich die Gruppe der Zentralbankpräsidenten und Leiter der Bankenaufsichtsinstanzen (GHOS) als Führungsorgan des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) auf die wichtigsten Ausgestaltungselemente des Reformpakets Basel III geeinigt und in ihrer Sitzung vom September 2010 die Kalibrierung und die Umsetzung der Massnahmen festgelegt. Das gesamte, Basel III umfassende Regelwerk wurde am 16. Dezember 2010 veröffentlicht 3 und am 1. Juni 2011 nochmals in einer leicht revidierten Version 4 bestätigt. Ziel dieses Revisionspakets ist es, offenkundige Lücken im Basel- II-Regelwerk zu schliessen und notwendige Verschärfungen anzubringen. Das als Basel III bekannte Regelwerk soll per in Kraft treten 5. Die wichtigsten Aspekte dieser Revision betreffen eine Neudefinition von anrechenbarem Kapital, die Einführung eines Eigenmittelpuffers als Bestandteil der erforderlichen Eigenmittel, Anpassungen bei der Berechnung von risikogewichteten Aktiven, die Einführung einer Höchstverschuldungsquote ( Leverage Ratio ) und die Einführung von Richtlinien in Bezug auf das Liquiditätsrisiko. Für die Umsetzung dieses Pakets wurden internationale Übergangsfristen vorgegeben. Einzelne Massnahmen sehen vor ihrem Einführungszeitpunkt Beobachtungsperioden vor, während denen allfällig unbeabsichtigte Konsequenzen erkannt und analysiert werden sollen. Bereits im Juli 2009, hat die Europäische Union ihre Richtlinie für Grosskredite (Risikoverteilung) revidiert. In Bezug auf die internationale Anlehnung stützt sich die Schweizer Regulierung in diesem Bereich auf die europäischen Vorgaben, weil der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hierzu bisher keine quantitativ verbindlichen und detaillierten Richtlinien erarbeitet hat. Ein erster Teil dieser europäischen Revision wurde in der Schweiz bereits mit der ERV-Teilrevision im Jahre 2010 nachvollzogen, ein zweiter Teil ist ebenfalls Bestandteil dieser vorliegenden Regulierungsänderungen. Die Schweizer Umsetzung dieser internationalen Revisionen findet primär in der Teilrevision der Verordnung über die Eigenmittel und Risikoverteilung (ERV) statt. Die Teilrevision der ERV und der zugehörigen Ausführungsbestimmungen in Form von Rundschreiben der FINMA (FINMA-RS) wird auch genutzt, um einige wenige Änderungen anzubringen, die nicht mit Basel-III-Vorgaben direkt zusammenhängen, sondern die sich als notwendig erwiesen aufgrund von anderen gesetzgeberischen Entwicklungen (z.b. neues FINMA-RS 12/1 Ratingagenturen ) oder aufgrund von anderen sachdienlichen Aktualisierungen (z.b. Änderungen der Bestimmungen zum Eigenmittelnachweis). Auf der Ebene der Ausführungsbestimmungen erfahren folgende Rundschreiben punktuelle Änderungen: FINMA- RS 08/19 Kreditrisiken Banken, FINMA-RS 08/20 Marktrisiken Banken, FINMA-RS 08/22 Offenlegung Banken und FINMA-RS 08/23 Risikoverteilung Banken. Zusätzlich enthält dieses Paket eine umfassende Teilrevision des FINMA-RS 08/34 Kernkapital Banken, welches nun FINMA-RS 13/x Anrechenbare Eigenmittel Banken heisst. 3 Basel III: A global regulatory framework for more resilient banks and banking systems und Basel III: International framework for liquidity risk measurement, standards and monitoring. 4 Basel III: A global regulatory framework for more resilient banks and banking systems - revised version, June 2011 : Diese Version präzisiert insbesondere die Richtlinien zur Eigenmittelunterlegung von Marktwertschwankungen des Gegenpartei-Kreditrisikos. 5 In der Schweiz soll Basel III gemäss den heute bekannten, international festgelegten Inkraftsetzungsterminen geplant und umgesetzt werden. Insbesondere sollen diese heute bekannten Einführungstermine in der Schweiz auch dann aufrecht erhalten bleiben, sollte der Basler Ausschuss einzelne Einführungstermine nachträglich verschieben. Dieser Grundsatz soll zumindest dann gelten, wenn allfällige Verschiebungen von Einführungsterminen nicht durch nachträgliche Änderungen der international gültigen Spezifikationen, die gegebenenfalls erneute Wirkungsstudien erforderten, sachgerecht zu begründen sind. / 12/87
13 Die Regulierungsänderungen wurden seit Frühjahr 2011 in einer gemischten nationalen Arbeitsgruppe erarbeitet. Darin vertreten waren: FINMA (Vorsitz), Schweizerische Nationalbank, Eidgenössisches Finanzdepartement, Schweizerische Bankiervereinigung, Treuhand-Kammer, Credit Suisse, Raiffeisen Schweiz Genossenschaft, RBA-Holding, Schweizer Verband unabhängiger Effektenhändler, UBS, Verband der Auslandsbanken in der Schweiz, Verband der Schweizerischen Kantonalbanken, Vereinigung Schweizerischer Handels- und Verwaltungsbanken, Vereinigung Schweizer Privatbanquiers. Diese Arbeitsgruppe entspricht in ihrer Zusammensetzung jener, die bereits für die Umsetzung von Basel II in die ERV und zugehöriger FINMA-RS konstituiert worden war. Die Revisionsvorlage ist das Ergebnis intensiver Arbeiten und Debatten über die vergangenen Monate. Naturgemäss kann sie nicht eine völlige Konsensposition aller in der nationalen Arbeitsgruppe Vertretenen darstellen. / 13/87
14 3 Die wesentlichen Änderungen und Auswirkungen im Überblick Inkrafttreten Die angepassten Regeln treten per 1. Januar 2013 in Kraft. Umsetzung der E-ERV nach Massgabe der internationalen Mindestvorschriften Generell wurde die Umsetzung von Basel III und die Fortführung der Revision zu den Risikoverteilungsvorschriften mit der Abschaffung des Swiss finish, wie er als schweizerisch spezifische Abweichungen des internationalen Basel-II-Standards bekannt ist, verknüpft. Im Durchschnitt bewirkten diese Abweichungen rund 7 8% höhere Eigenmittelanforderungen. Neu werden spezifisch schweizerische, zusätzliche Eigenmittel im Rahmen der Eigenmittelpuffer-Anforderungen geregelt, wie sie mit dem FINMA-RS 11/2 Eigenmittelpuffer und Kapitalplanung Banken per 1. Juli 2011 in Kraft getreten sind. Die Übergangsfrist läuft bis Ende Das FINMA-RS 11/2 ist nicht Gegenstand der Revisionslage, es wird unter Basel III grundsätzlich unverändert Bestand haben. Höhere Anforderungen für die regulatorische Anrechenbarkeit von Eigenmitteln Generell lässt sich festhalten, dass die strengeren Anforderungen an Qualität und Eigenschaften von regulatorisch anrechenbaren Kapitalinstrumenten eine der markantesten Verschärfungen von Basel III ist. Ziel ist es, unter einer Geschäfts-Fortführungsoptik nicht-verlusttragfähige Eigenschaften von bisher anerkannten Kapitalelementen zukünftig von der Anrechenbarkeit auszuschliessen. Dazu zählen zum Beispiel latente Steuerguthaben ( Deferred Tax Assets ) oder nachrangige Anleihen, die bisher als Eigenmittel anerkannt wurden. Die nach Qualitätskriterien geordneten drei Hauptkapitalbestandteile setzen erstens beim hochwertigsten harten Kernkapital (CET1) an. Die entsprechenden Kriterien sind in Art. 20 E-ERV festgelegt. Für die in der Schweiz vertretenen Gesellschaftsformen ausserhalb von Aktiengesellschaften wurde in der E-ERV eine sinngemässe Umsetzung dieser Kriterien gefunden. Zweitens muss auch das zusätzliche Kernkapital ( Additional Tier 1, kurz AT1, Art. 24 E-ERV) im drohenden Insolvenzfall Verlusttragfähigkeitskriterien erfüllen (Art. 26 E-ERV). Gleiches gilt auch drittens für das Ergänzungskapital ( Tier 2, kurz T2, Art. 27 E-ERV), das im Wesentlichen weiterhin aus nachrangigen Anleihen mit Endverfall besteht. Eine Reihe von Bestimmungen der ERV zu anrechenbaren Eigenmitteln sind in einem neuen FINMA-Rundschreiben geregelt (FINMA-RS 13/x Anrechenbare Eigenmittel Banken ), das einerseits die bestehenden Rz des FINMA-RS 08/34 Kernkapital Banken überträgt und andererseits neu technische Bestimmungen zum harten Kernkapital, zum Begriff Forderungsverzicht und teilweise zu den Spezialbestimmungen für Banken mit internationalem Rechnungslegungsstandard vollzieht. Der Wechsel auf diese strengere Definition anrechenbarer Eigenmittel wird mittels einer Reihe von Übergangsbestimmungen getragen, die in den Schlussbestimmungen des 6. Titels der E-ERV festgelegt sind. In der Schweiz verfügt eine überwältigende Mehrheit der Banken bereits heute über ein gutes Kapitalpolster, sowohl was die Höhe, wie auch was die Qualität der Eigenmittel betrifft. Dementsprechend dominieren Kapitalkennzahlen, die deutlich oberhalb kritischer Basel-III-Schwellenwerte liegen. Der Durchschnitt der ungewichteten CET1-Quoten der Banken in der Schweiz ist (ohne die beiden Grossbanken) mit 24% sehr hoch. Bei dieser Berechnung wurde zudem konservativ von einer RWA- Steigerung unter Basel III von 20% ausgegangen. Zusätzliche unter Basel III erforderliche Eigenmittel Basel III verlangt neue Mindestkapitalquoten, die Einführung eines über die Mindestanforderungen hinausgehenden Puffers und erweiterte bzw. neue Regeln im Kontext der Gegenparteirisiken. Die minimale Kapitalausstattung ist neu in Form dreier dauernd einzuhaltender Mindestkapitalquoten in Bezug auf die nach Risiko gewichteten Positionen formuliert (vgl. E-ERV Art. 33 Abs. 1 und 3 bis ). Es / 14/87
15 sind dies nach Basel III die CET1-Quote von 4.5%, die Tier-1-Quote von 6% und die Gesamtkapitalquote in Höhe von 8.0% der risikogewichteten Positionen. Während die Gesamtkapitalquote von 8.0% bereits ab gilt, gelten für die CET1- und Tier-1-Quote spezifische Übergangsbestimmungen. Die CET1-Quote muss % und %, die Tier-1-Quote muss % und % betragen (vgl. die Übergangsbestimmungen in E-ERV Art. 125f). Der zusätzliche Eigenmittelpuffer gemäss Basel III besteht aus einem Eigenmittelpuffer und einem antizyklischen Puffer. Gesetzgeberisch umgesetzt wird dies über die neuen Art. 33a und 33b E-ERV. Die beiden Puffer sind zusätzlich zu den absoluten und mit der Banklizenz verknüpften Mindestanforderungen (ausgedrückt durch die Kapitalquoten in E-ERV Art. 33 Abs. 3 bis ) zu erfüllen und in Form von hartem CET1-Kapital zu halten. Der Eigenmittelpuffer (Art. 33a E-ERV) beträgt 2.5% des Totals der risikogewichteten Positionen. Er wird ergänzt durch einen variablen, makroprudenziellen antizyklischen Puffer (Art. 33b E-ERV), mit dem die Widerstandsfähigkeit gegenüber Risiken verbessert werden soll, die in Verbindung mit übermässigem Kreditwachstum stehen. Basel III verlangt neu zusätzliche Eigenmittel für Risiken aus Garantieverpflichtungen gegenüber zentralen Gegenparteien sowie für Risiken möglicher Wertanpassungen aufgrund des Gegenpartei- Kreditrisikos von Derivaten (vgl. Bst. e und f von E-ERV Art. 33 Abs. 2). Neben Anpassungen bei der Berechnung von Kreditäquivalenten (FINMA-RS 08/19, Rz 102, 123.1, 148, 163) sind vor allem Institute mit grossen Beständen an bilateral abgewickelten Derivaten betroffen von den neuen Eigenmittelanforderungen in Sachen CVA ( Credit Valuation Adjustments ) bzgl. Wertanpassungen von Derivaten aufgrund des Gegenpartei-Risikos. Die CVA-Eigenmittelanforderungen werden in Art. 41a E-ERV und im FINMA-RS 08/19 Rz geregelt. Angepasste Offenlegungsvorschriften Die Anpassungen der Offenlegungsvorschriften sind nicht materiell, sondern vollziehen lediglich die Terminologie und die auszuweisenden Zahlen der Basel-III-Vorgaben und tragen dem Umstand Rechnung, dass der Schweizer Ansatz infolge Ersatz des Swiss finish nicht mehr zu rapportieren ist. Fortführung der weiteren Revision der Risikoverteilungsvorschriften Mit den in der E-ERV vollzogenen Anpassungen im Bereich Risikoverteilungsvorschriften unterstehen sämtliche Institute nun wieder einheitlichen Vorschriften bei der Behandlung von Klumpenrisiken. Die wichtigsten Änderungen im Bereich der Risikoverteilungsvorschriften umfassen Anpassungen im Bereich gruppeninterner Positionen und Klumpenrisiken gegenüber Banken und Effektenhändlern. Bezüglich Anpassungen im Bereich gruppeninterner Positionen ist die E-ERV mit dem neuen Absatz 1 bis des Art. 89 E-ERV kompatibel mit dem Vorhaben Umsetzung internationale [EU-]Standards. Nach diesen Standards können Intragroup-Exposures optional von der allgemeinen 25%-Limite ausgenommen werden. Hingegen beabsichtigt die FINMA, genau zu diesen Positionen von den Banken ein regelmässiges, umfassendes Reporting einzufordern, auf Basis dessen generelle Ausnahmen angemessen eingeschränkt werden können. Die ausserhalb von Basel III stehende Revision betreffend Klumpenrisikobegrenzung gegenüber systemisch relevanten Banken, wie sie neu in E-ERV Art. 115a geregelt wird, ist ein wichtiger Bestandteil der TBTF-Umsetzung. Sie gehört nicht in den dafür vorgesehenen Teil der besonderen Anforderungen für systemrelevante Banken, sondern ist durchaus in dieser E-ERV zu regeln, weil sie sich an kleinere und mittelgrosse Banken richtet und Vorgaben für Klumpenrisikolimiten bei Exposures gegenüber globalen systemrelevanten Banken macht. Übrige Änderungen Die wichtigsten übrigen, nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit Basel III stehenden Änderungen in Kurzform: Der Eigenmittelnachweis wird gemäss Art. 13 E-ERV auf Stufe Stammhaus und Gruppe neu innert sechs Wochen einzureichen sein. / 15/87
16 Bei Instituten, die ihre Eigenmittel auf Basis bewilligungspflichtiger Modellansätze berechnen, kann die FINMA gemäss Art. 33c E-ERV eine parallele Berechnung der Eigenmittelerfordernisse nach einem geeigneten Standardansatz verlangen. Die Anerkennung von Ratingagenturen wird neu im allgemeinen Teil zu den erforderlichen Eigenmitteln geregelt (Art. 35a E-ERV). Korrektur einer fehlerhaften Definition des Retailportfolios (Anhang 4, Ziff.1.1 E-ERV). Präzisierung des Begriffs Gruppe verbundener Gegenparteien (Art. 100 Abs. 4 E-ERV). / 16/87
17 4 Die Unterschiede zwischen Basel III und der Schweizer Umsetzung 4.1 Der Schweizer Sonderfall Swiss finish in der bisherigen Umsetzung Die Basler Mindeststandards (Basel I, II und jetzt III) stellen ein Rahmenkonzept dar, das namentlich die anrechenbaren und erforderlichen Eigenmittel für Banken im Sinne von Mindestanforderungen definiert. Diese Mindestanforderungen sind das Ergebnis eines auch politischen Prozesses und stellen entsprechend eine Art kleinsten gemeinsamen Nenner dar, auf den sich die Mitgliedsländer des Basler Ausschusses als Kompromiss geeinigt haben. Traditionell gehört dabei die Schweiz stets zu den Befürwortern von relativ hohen Eigenmittelstandards, die über den Basler Mindeststandards liegen. Dieses mehr als die Mindeststandards wird gemeinhin als Swiss finish bezeichnet. Entsprechend sah bereits die nationale Umsetzung von Basel I einige Abweichungen zur puristischen Umsetzung von Basel strikt nach den Basler Mindeststandards vor. Insgesamt bewirken diese Abweichungen bis heute, dass Banken nach Schweizer Recht höhere Eigenmittelmindestanforderungen zu erfüllen haben als nach Basler Mindeststandards. Zweitens ist der Swiss finish Ausfluss nationaler Gegebenheiten, die nicht oder nicht ausreichend in den internationalen Basler Mindeststandards reflektiert sind. Etwa die pauschalierte Eigenmittelunterlegung von Lombardkrediten oder die nach Belehnungsgrad differenzierte und unterschiedlich ausgestaltete Eigenmittelunterlegung von Industrie-, Büro- oder Landwirtschaftsliegenschaften in der Schweiz (grundpfandgesicherte Kredite). Drittens beinhaltet der Swiss finish auch konzeptionelle Unterschiede zum internationalen Regelwerk, etwa die differenzierte Eigenmittelunterlegung in Funktion der Restlaufzeit von Interbankforderungen statt in Funktion der Ursprungslaufzeit oder eine andere Bestimmung von Kreditäquivalenten für das Derivatgeschäft. 6 Der Swiss finish in seiner heutigen Form besteht mehrheitlich seit Ende der 1980er Jahre, als die Schweizer Regulierung im Bereich Eigenmittel und Risikoverteilung an Basel I sowie an die damaligen Basler Empfehlungen zu Grosskrediten und die entsprechende EU-Richtlinie angepasst wurde. Ein weiterer Swiss finish fand im Rahmen der Einführung der neuen Marktrisikoregulierung per Ende 1997 statt. Bei der Umsetzung von Basel II anno 2007 wurde der bestehende Swiss finish im den Bereichen Eigenmittelunterlegung und Risikoverteilung beibehalten. Dies war einerseits durch den Erhalt über den Basler Mindeststandards liegender Schweizer Eigenmittelstandards motiviert, andererseits durch eine möglichst kosteneffiziente, mit minimal notwendigen Systemanpassungen verbundene Umsetzung bei der nationalen Einführung von Basel II. Basel ist der internationale Referenzstandard für die Berechnung der BIZ-Kapitalkennzahlen, die international tätige Banken publizieren wie etwa der Tier-1-Ratio als Verhältnis von Kernkapital zu den risikogewichteten Positionen. Es ist der Standard auf dessen Basis die Eigenmittelsituation von Banken weltweit untereinander verglichen wird. Zur Vermeidung von Doppelrechnungen der Eigenmittelanforderungen aufgrund der oben erwähnten konzeptionellen Unterschiede wurden bei der nationalen Umsetzung von Basel II auf Wunsch der Banken zwei unterschiedliche Standardansätze eingeführt: der internationale Standardansatz (SA-BIZ) zur Berechnung der Anforderungen nach der Logik des internationalen Regelwerks und der Schweizer Standardansatz (SA-CH) zur Berechnung der Anforderungen nach der Logik, wie sie grundsätzlich bereits in der Schweizer Umsetzung von Basel I galt. Bestandteil des SA-BIZ sind hierbei bestimmte Multiplikatoren (vgl. heutige ERV Art. 64 und Art. 67), durch die die Eigenmittelanforderungen nach dem SA-BIZ auf das höhere Niveau unter dem SA- CH angehoben werden. Schätzungen zeigen, dass dieser Zuschlag durch den Swiss finish bei Schweizer Nicht-Grossbanken heute im Durchschnitt bei 7-8% liegt. Im bankspezifischen Einzelfall kann der Swiss finish bei wenigen negativen Prozentpunkten liegen (in diesen Fällen stellt der Swiss finish sogar eine Erleichterung ge- 6 Für weitere technische Ausführungen zum Swiss finish vergleiche man Abschnitt 8 von / 17/87
18 genüber dem internationalen Mindeststandard dar), typischerweise bewegt er sich jedoch bei bis zu 10%, in mehreren Fällen auch durchaus bis zu +20% und in Ausnahmefällen sogar deutlich darüber. Die strengere Schweizer Regulierung in Form von höheren Mindestanforderungen bzw. höheren risikogewichteten Positionen ( risk weighted assets, RWA) ist jedoch nicht unmittelbar ersichtlich und vergleichsweise schwer kommunizierbar weil stets präzisiert werden muss, nach welchem Standard die RWA berechnet wurden und weil man die zugrundeliegenden RWA-Berechnungsstandards kennen muss, um die verschärfte Schweizer Regulierung richtig würdigen zu können. Man könnte dies transparenter gestalten, indem die RWA entsprechend den Basler Mindeststandards berechnet werden und relativ zu diesen Standards strengere minimal einzuhaltende Kapitalquoten definiert werden. Also z.b. indem man statt einer Gesamtkapitalquote von minimal 8% nach Basler Mindeststandards beispielsweise minimal 9% nach Schweizer Standards fordert. Dies entspräche einer 12.5%-igen Verschärfung gegenüber den Basler Mindeststandards. Ein weiteres Argument für eine Übernahme des neuen internationalen Regelwerks Basel III ist die bessere internationale Anerkennung der Schweizer Bankenregulierung. So hat etwa die UK-FSA den SA-BIZ öffentlich 7 als EU-konform eingestuft, während dies für den SA-CH nicht der Fall ist (namentlich aufgrund der pauschalierten Eigenmittelunterlegung von Lombardkrediten). Schliesslich entwickeln sich die Basler Mindeststandards laufend weiter. Aufgrund der erwähnten konzeptionellen Unterschiede wird es zunehmend schwierig, Anpassungen an der bestehenden Schweizer Regulierung durchzuführen, ohne die Basler Mindeststandards zu verletzen. Das Paradebeispiel im Kontext von Basel III ist die später noch diskutierte CVA-Eigenmittelunterlegung (vgl. Abschnitt 6.2.2). Vereinfacht dargestellt entspricht diese einem bestimmten prozentualen Zuschlag auf dem Kreditäquivalent für Derivate. Nun folgt aber die SA-CH-Methodik zur Berechnung dieser Kreditäquivalente nicht der Logik von Basel und so kann die SA-CH-Berechnung im Endergebnis zu deutlich tieferen Kreditäquivalenten führen wobei dies von Bank zu Bank unterschiedlich ist. Um am Ende dieselben Eigenmittelanforderungen für Derivate zu erhalten, müsste man ergo die CVA-Eigenmittelanforderungen unter dem SA-CH anders kalibrieren/regulieren als nach dem internationalen Regelwerk, wobei die richtige Kalibrierung ein Problem für sich darstellt. Ein ähnliches Bild präsentiert sich im Bereich der Risikoverteilung, welche ebenfalls Vorschriften nach einem Schweizer Ansatz und einem internationalen Ansatz kennt. Überdies besteht beim Schweizer Ansatz eine konzeptionelle Schwachstelle: Für die Klumpenrisikoberechnung basiert er auf den Risikogewichten wie für die Eigenmittelunterlegung und unterschätzt ergo das Klumpenrisiko. Bei der Klumpenrisikobetrachtung ist vielmehr die Frage zu stellen, welche Folgen der Ausfall der grössten Forderungspositionen im Einzelfall hätte auch wenn diese für Eigenmittelzwecke, etwa aufgrund eines guten Ratings, mit einem tiefen Risikogewicht gewichtet wird. Auf der operativen Ebene gibt es Vereinfachungen für Prüfgesellschaften, SNB und FINMA, wenn nur noch ein Standardansatz unterhalten und gepflegt werden muss. Auslegungsfragen müssen nicht mehr aus den Perspektiven beider Standardansätze beurteilt und reguliert werden. Die Eigenmittelverordnung und die zugehörigen Ausführungsbestimmungen können entsprechend gestrafft werden (Deregulierung). Der Eigenmittelausweis, der auch im Lichte von Basel III zu revidieren sein wird, muss nicht mehr doppelt unterhalten werden(variante SA-CH vs. Variante SA-BIZ). Aus all diesen Gründen will die FINMA im Zuge der Umsetzung von Basel III die nationalen Regulierungen dem internationalen Regelwerk anpassen, sowohl im Bereich der Eigenmittelregulierung wie im Bereich der Risikoverteilungsvorschriften. Bei der Risikoverteilung beschränkte sich der Basler Ausschuss eher auf die Publikation von Grundsätzen und den wichtigsten quantitativen Vorgaben wie etwa die Obergrenze für Klumpenrisiken in Höhe von 25% der anrechenbaren Eigenmittel. Der Aus- 7 Vgl. https://fsahandbook.info/fsa/html/handbook/bipru/8/annex6 (Note 2: International standardised approach only. The treatment of Lombard loans is not equivalent and they must be treated under the FSA's rules.) / 18/87
19 schuss hat in diesem Bereich bis dato noch keine vergleichbar detaillierten Regeln publiziert wie für die Eigenmittelanforderungen. Auf der technischen Ebene dienen daher die einschlägigen Standards der EU zur Risikoverteilung als Richtschnur für die entsprechende Umsetzung der internationalen Standards in der Schweiz. In den Anhörungsentwürfen zur ERV und den zugehörigen FINMA-Rundschreiben sind die Ausführungen zum SA-CH und zum Schweizer Ansatz der Risikoverteilung gestrichen worden. Auf die entsprechenden Änderungen wird im folgenden Abschnitt näher eingegangen. Zur Umsetzung von Basel III notwendige Anpassungen werden in den Abschnitten 5 (anrechenbare Eigenmittel) und 6 (erforderliche Eigenmittel) dargestellt. Übrige Änderungen sind Gegenstand von Abschnitt Die Folgen der Übernahme des internationalen Regelwerks Der Swiss finish kennt einige Besonderheiten im Kontext anrechenbarer und erforderlicher Eigenmittel, die unter Basel pur wegfallen. Vereinfacht gesagt wurden alle Bestimmungen, die schweizerische Besonderheiten enthalten, aus der bestehenden Regulierung gestrichen bzw. bisher vom internationalen Regelwerk abweichende Regeln an dieses angepasst Änderungen im Bereich Eigenmittelvorschriften Im Bereich Eigenmittel bedeutet Basel pur den Wegfall folgender spezieller Regeln: Konsolidierungspflicht von Immobiliengesellschaften (vgl. aktuelle ERV Art. 4 Bst. c, Art. 6 Abs. 3) Höhere Gewichtung nicht gegenparteibezogener Risiken, inklusive die darin enthaltene Behandlung von via Beteiligungen an Immobiliengesellschaften indirekt gehaltenen Liegenschaften wie direkt gehaltene Liegenschaften (E-ERV Art. 67) SA-CH für Kreditrisiken (E-ERV Art. 38 Abs. 1 Bst. a) und damit verbundene vom internationalen Regelwerk abweichende Detailregeln wie auch im E-FINMA-RS 08/19 Kreditrisiken Banken definiert: Risikogewichtung von Positionen nach dem SA-CH (E-ERV Art. 53 sowie Anhänge 2, 4 und 5) Bestimmung der Kreditäquivalente für Ausserbilanzgeschäfte (E-ERV Anhang 1) und für Derivate nach der Marktwertmethode unter dem SA-CH (E-FINMA-RS 08/19 Rz 21, 22, 27 48) Behandlung von Lombardkrediten via Pauschalansatz (E-ERV Art. 60) Behandlung von Darlehens-, Repo- und repoähnlichen Geschäften (E-ERV Art. 61 Abs. 2) Reduktion der gewichteten Positionen bzw. der erforderlichen Eigenmittel in Abhängigkeit bestimmter unter den Passiven bilanzierter Wertberichtigungen und Rückstellungen (E- ERV Art. 62). Behandlung eigener Beteiligungs- und Schuldtitel (vgl. aktuelle ERV Art. 23 Abs. 2 und Art. 53 Abs. 5) Gestrichen wurden ebenfalls die mit Basel II im Kontext des SA-BIZ und des auf internen Ratings basierenden Ansatzes (IRB) eingeführte Multiplikatoren, mittels welcher über die Basler Mindeststandards hinausgehende Eigenmittelunterlegungssätze definiert wurden (E-ERV Art. 64 und Art. 65 Abs. 3). Im Bereich Marktrisikounterlegung wurden die über Basler Mindeststandards hinausgehenden Unterlegungssätze auf das Niveau von Basel pur angepasst sowie einige weitere Modifikationen vorgenommen. Spezifisch zu erwähnen sind die folgenden Bereiche im Marktrisiko-Standardansatz (ERV Art und FINMA-RS 08/20 Marktrisiken Banken ): / 19/87
20 Für die Berechnung der spezifischen Risiken von Zinsinstrumenten ist neu die Nettoposition pro Emission massgebend (E-ERV Art. 72 Abs. 1, E-FINMA-RS 08/20 Rz 93; vgl. Basel-II-Text 8 709(III)). Bis anhin war die Nettoposition pro Emittent massgebend, was grössere Netting- Möglichkeiten zuliess. Der anzuwendende Eigenmittelunterlegungssatz für Fremdwährungen und Gold beträgt neu 8% statt 10% (E-ERV Art. 74 und 75, E-FINMA-RS 08/20 Rz 143; vgl. Basel-II-Text 718(XLI)). Rohstoffpositionen, die nur der Bestandsfinanzierung dienen, können von der Berechnung des Rohstoffrisikos ausgeschlossen werden (E-FINMA-RS 08/20 Rz 150.1; vgl. Basel-II-Text 718(XLV), Fussnote 142). Um die Rohstoffpositionen für die Eigenmittelunterlegung zu berechnen, ist ein Netting innerhalb von Rohstoffgruppen nicht mehr gestattet. Ein Netting zwischen verschiedenen Rohstoffen ist nur noch zulässig, wenn die Rohstoffe bei der Lieferung untereinander austauschbar sind oder die Rohstoffe nahe Substitute sind und deren Preisentwicklung über mindestens 1 Jahr eine eindeutige Mindestkorrelation von 0.9 aufweist (E-FINMA-RS 08/20 Rz 152; vgl. Basel-II-Text 718(XLVII). Für die Berechnung der erforderlichen Eigenmittel für Rohstoffpositionen steht neben dem Vereinfachten Verfahren neu auch das Laufzeitbandverfahren zur Verfügung (E-ERV Art. 75 Abs. 2, E- FINMA-RS 08/20 Rz ; vgl. Basel-II-Text 718(XLIX) ff.). Letzteres lässt ein gewisses Netting von Spotpositionen und Positionen über verschiedene Laufzeiten zu. Im Bereich des Marktrisikomodellansatzes gab es folgende Änderung: Kapitalbeteiligungen in Hedge-Fonds müssen nach den Vorschriften für das Bankenbuch unterlegt werden (E-FINMA-RS 08/20 Rz 30). Strukturierte Produkte mit Hedge-Fonds-Underlyings können nur im Handelsbuch gehalten werden, wenn die Handelsbuchkriterien eingehalten werden. Damit entfällt die Möglichkeit für Banken, die den Marktrisiko-Modellansatz verwenden, einen Antrag für die Behandlung von Hedge-Fonds-Positionen im Handelsbuch zu stellen (mit Kompensation durch zusätzliche Eigenmittelmindestanforderungen basierend auf einem von der FINMA vorgegebenen Stresstest) Änderungen im Bereich Risikoverteilung Im Bereich der Risikoverteilungsvorschriften kommt es zu zwei hauptsächlichen Änderungen: Mit dem Übergang zum internationalen Regelwerk und der damit verbundenen Aufgabe des SA- CH wird der Schweizer Ansatz im Bereich der Risikoverteilung (2. Kapitel der E-ERV Art ) gestrichen. Das FINMA RS 08/23 Risikoverteilung Banken wird entsprechend nachgeführt. Diejenigen Änderungen in den Risikoverteilungsvorschriften der EU, dem Referenzstandard für den internationalen Ansatz, die in der Revision 2010 des internationalen Ansatzes ausgespart wurden, werden nun adressiert (siehe hierzu bereits den Erläuterungsbericht 9 zur Änderung der Eigenmittelverordnung 2010, S. 22): die Streichung der 800%-Obergrenze für die Gesamtheit der Klumpenrisiken nach Art. 87 ERV, die höheren Anforderungen an die Identifikation einer Gruppe verbundener Gegenparteien durch die neuen Bestimmungen Art. 100 Abs. 2 Bst. e und Abs. 5 E- ERV. Zudem wurden im Allgemeinen Teil Änderungen vorgenommen, insbesondere die Hervorhebung der Möglichkeit der generellen Beschränkung gruppeninterner Positionen durch den neu eingefügten Art. 8 Mit Basel-II-Text ist das folgende Dokument gemeint: International Convergence of Capital Measurement and Capital Standards A Revised Framework/Comprehensive Version vom Juni 2006 des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht. Vgl. 9 Vgl. / 20/87
Wie sicher sind unsere Ersparnisse? Wie gut ist der Bankenplatz Schweiz auf einen Fall Zypern" vorbereitet?
Jahresbericht des Verwaltungsratspräsidenten Wie sicher sind unsere Ersparnisse? Wie gut ist der Bankenplatz Schweiz auf einen Fall Zypern" vorbereitet? Max Lüscher-Marty VR-Präsident Raiffeisenbank Calanda

References: Art. 41
 Art. 5
 Art. 20
 Art. 24
 Art. 27
 Art. 33
 Art. 125
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 41
 Art. 89
 Art. 115
 Art. 13
 Art. 33
 Art. 64
 Art. 67
 Art. 4
 Art. 6
 Art. 67
 Art. 38
 Art. 53
 Art. 60
 Art. 61
 Art. 62
 Art. 23
 Art. 53
 Art. 64
 Art. 65
 Art. 72
 Art. 74
 Art. 75
 Art. 87
 Art. 100
 Art. 8