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Timestamp: 2019-03-21 18:30:01+00:00

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Bilanzrechtsreformgesetz | Neue Regeln für den Jahresabschluss
01.03.2005 | Bilanzrechtsreformgesetz
Neue Regeln für den Jahresabschluss
Ab 2005 muss eine Reihe von Konzernen ihren Abschluss nach IAS/IFRS aufstellen. Darüber hinaus sind einige wichtige Regelungen des HGB geändert worden. Der Beitrag erläutert die Auswirkungen des am 9.12.04 in Kraft getretenen Bilanzrechtsreformgesetzes und listet die Änderungen tabellarisch auf.
Eine Unterteilung in kleine, mittlere und große Kapitalgesellschaften erfolgt laut HGB nach Schwellenwerte: Dem Umsatz, der Bilanzsumme und der Beschäftigungsanzahl. Die nächst höhere Klasse wird jeweils erreicht, wenn zwei dieser Kriterien überschritten werden. Dies zieht zusätzliche Erläuterungen im Jahresabschluss sowie Veröffentlichungspflichten nach sich. Die Werte für Umsatz und Bilanzsumme erhöhen sich für nach 2003 beginnende Geschäftsjahre deutlich. Folglich müssen weniger Kapitalgesellschaften erhöhte gesetzliche Anforderungen für den Einzel- (§ 267 HGB) und den Konzernabschluss (§ 293 HGB) erfüllen. Werden die Werte in zwei aufeinander folgenden Jahren überschritten, entfallen die Erleichterungen und Befreiungen.
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2. IFRS-Abschluss
Das Bilanzrecht ist bereits seit 1987 Europarecht. Das HGB setzt dies jedoch nur in nationales Recht um. Mit Beginn 2005 werden die IFRS erstmalig gemäß § 315a HGB für Unternehmen zur Pflicht, die einen Konzernabschluss erstellen müssen und deren Wertpapiere an einer Börse innerhalb der EU notieren. Konzerne ohne Börsenbezug sowie große Kapitalgesellschaften für ihren Einzelabschluss haben ein Wahlrecht. In diesem Fall müssen die Unternehmen zweigleisig fahren, denn für die Steuer und die Ausschüttung ist weiterhin eine Bilanz nach HGB erforderlich. Für die Veröffentlichung kann die nach IFRS erstellte Bilanz verwendet werden (§ 325 Abs. 2a HGB).
Die Unterschiede zwischen IFRS und HGB liegen in der Bilanzierung und derBewertung sowie bei der GuV. So sind Aktivierungswahlrechte etwa beim Firmenwert jetzt ausweispflichtig, Passivierungswahlrechte dürfen nicht in Anspruch genommen werden. Laut HGB richtet sich der Ansatz nach den steuerlichen Abschreibungen, diese Maßgeblichkeit kennt IFRS nicht, so dass sich hier höhere Bilanzansätze ergeben. Das altbekannte Niederstwertprinzip wird durch eine Neubewertung ersetzt, wonach auch höhere Stichtagszeitwerte möglich sind. Eine solche Wertzuschreibung erfolgt gegen das Eigenkapital, hat also keine Ergebnisauswirkung. Bei selbst erstellten Wirtschaftsgütern wird der Gewinn laut HGB erst mit Fertigstellung realisiert, künftig erfolgt dies bereits nach Leistungsfortschritt. Wertpapiere, die vor Fälligkeit veräußert werden, sind jetzt mit dem Stichtagswert anzusetzen, der auch über den Anschaffungskosten liegen kann. Darüber hinaus werden Bilanz und GuV anders dargestellt, was einem enormen Anpassungsaufwand entspricht.
Im Anhang sind künftig auch unabhängig von EU-Recht zusätzliche Pflichtangaben auszuweisen. Das gilt etwa für die Honorare des Abschlussprüfers, die nach Leistungsarten aufzuschlüsseln sind. Derivative Finanzprodukte wie Hedge Fonds, Währungs- und Zinsabsicherungen müssen jeweils in Art, Umfang und Zeitwert einzeln aufgelistet werden. Gleiches gilt für alle Finanzanlagen, die in der Bilanz über dem Zeitwert angesetzt sind. Damit sollen versteckte Risiken transparenter werden. Der Lagebericht muss nunmehr eine Analyse von Geschäftsverlauf und Lage der Firma nach finanziellen Leistungsmerkmalen wie Kapitalausstattung, Liquidität oder Ergebnisentwicklung umfassen. Die Prognose muss Chancen und Risiken erläutern und beurteilen. Das gilt insbesondere für die Absicherung von Währungs-, Ausfall- oder Preisänderungsrisiken. Solche umfassenden Beurteilungen waren bislang lediglich bei Aktiengesellschaften erforderlich.
Beachten Sie: Die erweiterten Erläuterungen gelten bereits für den Abschluss 2004, und zwar auch für mittelgroße Kapitalgesellschaften. Um die Darstellung realitätsnah und nachvollziehbar vornehmen zu können, wird die Einrichtung eines Risikomanagements unerlässlich.
Bislang war es Konzernen nicht erlaubt, Töchter mit fremder Tätigkeit bei der Konsolidierung einzubeziehen (§ 295 HGB). Dieses Verbot wird ab 2005 gestrichen. Diese Firmen sind dann erstmalig zu berücksichtigen.
Hinsichtlich der Bestellung des Abschlussprüfers werden erhöhte Anforderungen an dessen Unabhängigkeit geknüpft. Er darf
nicht an den Buchhaltungs- und Abschlussarbeiten mitwirken,
keine versicherungsmathematischen Bewertungen erbringen,
nicht verantwortlich an internen Revisionen teilnehmen und
keine Finanzdienste oder Leitungsaufgaben leisten.
Nimmt das Unternehmen die Börse in Anspruch, darf der Wirtschaftsprüfer nach § 319a HGB maximal 15 v.H. seiner Einnahmen aus diesem Mandat erzielen und nicht bei den Steuererklärungen behilflich sein. Alle sieben Jahre muss der Prüfer wechseln, allerdings darf die Rotation innerhalb der gleichen Gesellschaft erfolgen.
Neu ist auch gemäß § 312a HBG eine Offenlegungspflicht des Prüfberichts im Falle von Eröffnung oder Ablehnung einer Insolvenz. Gläubiger und Gesellschafter können Einsicht in die letzten drei Jahre nehmen oder dies durch einen Wirtschaftsprüfer erledigen lassen.
Überblick über die Änderungen des Bilanzrechtsreformgesetzes
im HGB
§ 267 (1)
Erhöhung der Schwellenwerte bei Umsatz und Bilanzsumme für kleine und mittlere Kapitalgesellschaften.
§ 285 S. 1 Nr. 17
Angaben im Anhang zu den an Abschlussprüfer gezahlten Honoraren. Dies betrifft kapitalmarktorientierte Unternehmen.
§ 285 S. 1 Nr. 18
Art, Umfang und Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten sind im Anhang zu erläutern.
Kleine Kapitalgesellschaften brauchen die Angaben zu Honoraren und Finanzderivaten nicht vorzunehmen.
§ 289 (1) u. 315 (1)
Erweiterung des Lageberichts um die Analyse von Geschäftsverlauf, bedeutsamen finanziellen Indikatoren sowie Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung.
§ 289 (2) u. 315 (2)
Berichterstattung über den Einsatz von Finanzinstrumenten mit Verweis auf Risikomanagement und Absicherungsmethoden.
§ 289 (3)
Informationen über Umwelt- und Arbeitnehmerbelange.
Aufgehoben. Der befreiende Konzernabschluss nach international anerkannten Rechnungslegungsvorschriften entfällt.
§ 293 (1)
Größenabhängige Befreiung von der Pflicht zur Erstellung eines Konzernabschlusses.
Aufgehoben. Das Verbot, Töchter mit abweichender Tätigkeit einzubeziehen, gilt nicht mehr.
§ 297 (1)
Vorschrift zu den Inhalten des Konzernabschlusses trennt nicht mehr zwischen kapitalmarktorientierten und sonstigen Unternehmen.
§ 314 (1) Nr. 9
Ausweis der Honorare im Konzernanhang für die Abschlussprüfung bei kapitalmarktorientierten Unternehmen.
§ 314 (1) Nr. 10 u. 11
Ausweis im Anhang zum Ansatz derivativer Finanzinstrumente sowie nicht vorgenommene Abschreibungen auf Finanzanlagen.
§ 315a (1)
Wahlrecht zur Aufstellung nach IFRS.
§ 315a (2)
Pflicht zur Konzernaufstellung nach IFRS, wenn die Zulassung zum Börsenhandel erstmals beantragt worden ist.
325 (2a)
Große Kapitalgesellschaften können den HGB-Abschluss nach den Vorschriften von IFRS veröffentlichen.
Fazit: Risiken sollen bereits vorab stärker transparent werden und Wirtschaftsprüfer nicht auf Lebenszeit dasselbe Unternehmen betreuen. Darüber hinaus erfolgt eine Anpassung der Rechnungslegung an den internationalen Standard. Für die Unternehmen selber ergibt sich in der Regel ein Mehraufwand bei Dokumentation und Aufstellung der Bilanzen. Dafür gelingt es Anlegern künftig einfacher, Bilanzen aus verschiedenen Ländern miteinander zu vergleichen.
Quelle: Ausgabe 03 / 2005 | Seite 60 | ID 85998
14.03.2017 · Rechnungslegung
Jahresabschlusserstellung nach HGB und IFRS: Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

References: § 315
 § 319
 § 312

§ 267

§ 285

§ 285

§ 289

§ 289

§ 289

§ 293

§ 297

§ 314

§ 314

§ 315

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