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Timestamp: 2019-10-21 21:06:12+00:00

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Regis­trier­zu­las­sun­gen – und die Kraft­fahr­zeug­steu­er | Rechtslupe
Registrierzulassungen - und die Kraftfahrzeugsteuer
Regis­trier­zu­las­sun­gen – und die Kraft­fahr­zeug­steu­er
Die Kraft­fahr­zeug­steu­er ent­steht auch dann, wenn ein Fahr­zeug für einen Tag zuge­las­sen und zugleich antrags­ge­mäß wie­der abge­mel­det wird. Eine Abstem­pe­lung von Kenn­zei­chen war ‑bei Zulas­sung im Juli 2008- für die Zulas­sung und damit auch die Kraft­fahr­zeug­steu­er ent­behr­lich.
Die Kraft­fahr­zeug­steu­er ist gemäß § 3 Abs. 1 der Abga­ben­ord­nung (AO) eine Steu­er 1 und nicht, wie die Auto­händ­le­rin meint, eine Gebühr oder ein Bei­trag. Ihr unter­liegt nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 7 Nr. 1 Kraft­StG das "Hal­ten von inlän­di­schen Fahr­zeu­gen zum Ver­kehr auf öffent­li­chen Stra­ßen". Ein Fahr­zeug wird gehal­ten, wenn es nach der FZV "zum Ver­kehr zuge­las­sen" wor­den ist 2. Steu­er­schuld­ner ist die Per­son, auf die das Fahr­zeug zum Ver­kehr zuge­las­sen ist (§ 7 Nr. 1 Kraft­StG).
Das tat­säch­li­che Befah­ren einer öffent­li­chen Stra­ße ist dafür ent­behr­lich, denn der Hal­ter hat mit der Zulas­sung das Recht erlangt, das Fahr­zeug "auf öffent­li­chen Stra­ßen … in Betrieb" zu set­zen (§ 3 Abs. 1 FZV). Das Fahr­zeug wird daher auch dann gehal­ten, wenn von dem durch die Zulas­sung ein­ge­räum­ten Recht, es auf öffent­li­chen Stra­ßen in Betrieb zu set­zen, kein Gebrauch gemacht wird oder wenn es trotz der Zulas­sung im Stra­ßen­ver­kehr nicht genutzt wer­den darf 3. An die­ses Recht knüpft das Gesetz die Steu­er 4.
Der Bun­des­fi­nanz­hof kann offen las­sen, ob und inwie­weit die Zulas­sung als Grund­la­gen­be­scheid wirkt oder Tat­be­stands­wir­kung ent­fal­tet, denn die gegen die Recht­mä­ßig­keit der Zulas­sung vor­ge­tra­ge­nen Ein­wän­de der Auto­händ­le­rin grei­fen nicht durch. Der Tat­be­stand des § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG ist im Streit­fall erfüllt, da die Zulas­sungs­be­hör­de das Fahr­zeug der Auto­händ­le­rin auf deren Antrag am 21.07.2008 ord­nungs­ge­mäß zum Stra­ßen­ver­kehr zuge­las­sen hat und die Auto­händ­le­rin damit berech­tigt war, das ange­mel­de­te Fahr­zeug zum Ver­kehr auf öffent­li­chen Stra­ßen i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG zu nut­zen. Dies allein ist maß­geb­lich für die Besteue­rung. Die Steu­er­pflicht ent­fällt weder, weil eine sog. Regis­trier­zu­las­sung vor­ge­nom­men wur­de, noch war die Zulas­sung nich­tig.
Der Begriff "Regis­trier­zu­las­sung" wird im Kraft­StG und der FZV nicht ver­wen­det. Er bezeich­net typi­scher­wei­se Tages­zu­las­sun­gen, die der Beschaf­fung deut­scher Zulas­sungs­do­ku­men­te für impor­tier­te Gebraucht­fahr­zeu­ge die­nen. Die FZV ent­hält kei­ne Son­der­re­ge­lung für Regis­trier­zu­las­sun­gen und das Kraft­StG sieht für sie auch kei­ne Aus­nah­men vor; Regis­trier­zu­las­sun­gen sind Zulas­sun­gen i.S. der FZV und des § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG. Eine "Tei­lung" der Zulas­sung mit dem Ziel, dem Fahr­zeug zwar eine Zulas­sungs­be­schei­ni­gung und einen Hal­ter zu ver­schaf­fen, dabei jedoch die Kraft­fahr­zeug­steu­er­pflicht zu ver­mei­den, fin­det im Zulas­sungs­recht und im Kraft­fahr­zeug­steu­er­recht kei­ne Grund­la­ge 5.
Regis­trier­zu­las­sun­gen im vor­ge­nann­ten Sin­ne sind nicht nich­tig. Ein Ver­wal­tungs­akt ist nich­tig, soweit er an einem beson­ders schwer­wie­gen­den Feh­ler lei­det und dies bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung aller in Betracht kom­men­den Umstän­de offen­sicht­lich ist oder der schrift­lich erlas­sen wor­den ist, die erlas­sen­de Behör­de aber nicht erken­nen lässt, der nur durch die Aus­hän­di­gung einer Urkun­de erlas­sen wer­den kann, aber die­ser Form nicht genügt, von einer Behör­de ohne Ermäch­ti­gung außer­halb ihrer Zustän­dig­keit erlas­sen wur­de, aus tat­säch­li­chen Grün­den von nie­man­dem aus­ge­führt wer­den kann, die Bege­hung einer rechts­wid­ri­gen Tat ver­langt, die einen Straf- oder Buß­geld­tat­be­stand ver­wirk­licht, oder der gegen die guten Sit­ten ver­stößt (§ 44 des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes für Baden-Würt­tem­berg in der Fas­sung vom 12.04.2005 ‑LVwVfG-; eben­so § 44 des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes). Für all das ist vor­lie­gend nichts ersicht­lich. Tat­säch­lich kam es der Behör­de und der Auto­händ­le­rin auf die durch die Zulas­sung bewirk­te Rechts­fol­ge der Regis­trie­rung des aus­län­di­schen Fahr­zeugs in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land an.
Auch bei Außer­be­trieb­set­zun­gen von Fahr­zeu­gen mit Sai­son­kenn­zei­chen vor Beginn des Betriebs­zeit­raums ‑was hier nicht zutrifft- han­delt es sich ent­ge­gen der vom Regie­rungs­prä­si­di­um ver­tre­te­nen Auf­fas­sung nicht um Schein­zu­las­sun­gen 6.
Etwai­ge Rechts­feh­ler des Zulas­sungs­ver­fah­rens wären für den Tat­be­stand des Hal­tens i.S. des § 1 Abs. 1 Kraft­StG und damit die Ent­ste­hung der Kraft­fahr­zeug­steu­er nicht von Bedeu­tung 7.
Uner­heb­lich ist auch, ob für das Fahr­zeug Kenn­zei­chen mit einem amt­li­chen Dienst­stem­pel abge­stem­pelt und der Auto­händ­le­rin aus­ge­hän­digt wur­den, denn nach dama­li­ger Rechts­la­ge erfolg­te "die Zulas­sung durch Zutei­lung eines Kenn­zei­chens und Aus­fer­ti­gung einer Zulas­sungs­be­schei­ni­gung" (§ 3 Abs. 1 Satz 3 FZV in der vom 01.03.2007 bis 24.07.2009 gel­ten­den Fas­sung). Sie bedurf­te mit­hin kei­ner Abstem­pe­lung des Kenn­zei­chens. Die etwai­ge Abstem­pe­lung der Kenn­zei­chen ver­kör­per­te ledig­lich die Erklä­rung der Zulas­sungs­stel­le, dass sie das Fahr­zeug unter die­sem Kenn­zei­chen für einen bestimm­ten Hal­ter zuge­las­sen habe; sie war somit nur eine Erklä­rung über die erfolg­te Zulas­sung 8.
Ob die Kraft­fahr­zeug­steu­er auch nach gegen­wär­ti­ger Rechts­la­ge ohne Abstem­pe­lung der Kenn­zei­chen­schil­der ent­ste­hen wür­de, obwohl die Zulas­sung nach der aktu­el­len Fas­sung des § 3 Abs. 1 Satz 3 FZV durch "Zutei­lung eines Kenn­zei­chens, Abstem­pe­lung der Kenn­zei­chen­schil­der und Aus­fer­ti­gung einer Zulas­sungs­be­schei­ni­gung" erfolgt, braucht der Bun­des­fi­nanz­hof hier nicht zu ent­schei­den.
Die hier erfolg­te Zutei­lung eines Kenn­zei­chens genüg­te somit für die Zulas­sung, obwohl ohne vor­schrifts­ge­rech­te Anbrin­gung eines abge­stem­pel­ten und beleuch­te­ten Kenn­zei­chen­schil­des das Kraft­fahr­zeug auf öffent­li­chen Stra­ßen nicht in Betrieb genom­men wer­den darf (§ 10 Abs. 12 FZV). Denn die Steu­er­pflicht besteht ‑wie aus­ge­führt- auch in dem Zeit­raum, in dem der Fahr­zeug­hal­ter tat­säch­lich oder recht­lich zeit­wei­lig gehin­dert ist, das Fahr­zeug im Stra­ßen­ver­kehr zu nut­zen; solan­ge es für den Ver­kehr auf öffent­li­chen Stra­ßen zuge­las­sen ist, han­delt es sich um ein "Hal­ten" i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG 9. Maß­ge­bend und aus­rei­chend dafür ist die Aus­fer­ti­gung einer Zulas­sungs­be­schei­ni­gung gemäß §§ 11, 12 FZV 7.
Die Revi­si­on wäre im Übri­gen ohne Wei­te­res unbe­grün­det, wenn durch den nicht ange­foch­te­nen Zulas­sungs­be­scheid bin­dend fest­ge­stellt wäre, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug am 21.07.2008 auf die Auto­händ­le­rin zuge­las­sen war und die­se des­halb das Fahr­zeug i.S. des § 1 Abs. 1 i.V.m. § 7 Nr. 1 Kraft­StG gehal­ten hat, oder wenn die Zulas­sung als rechts­ge­stal­ten­der res­sort­frem­der Ver­wal­tungs­akt eine ent­spre­chen­de Tat­be­stands­wir­kung ent­fal­tet. Das braucht der Bun­des­fi­nanz­hof vor­lie­gend jedoch nicht zu ent­schei­den.
Beden­ken gegen die Berech­nung der Steu­er bestehen nicht; sie ist ins­be­son­de­re gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG für den Min­dest­zeit­raum von einem Monat in unstrei­ti­ger Höhe fest­ge­setzt wor­den 10.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juni 2018 – III R 26/​16
Regis­trier­zu­las­sun­gen – und die Kraft­fahr­zeug­steu­er Die Kraft­fahr­zeug­steu­er ent­steht auch dann, wenn ein Fahr­zeug für einen Tag zuge­las­sen und zugleich antrags­ge­mäß wie­der abge­mel­det wird. Eine Abstem­pe­lung von Kenn­zei­chen war ‑bei Zulas­sung…
Werns­mann in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 3 AO Rz 393[↩]
BFH, Urteil vom 18.04.2012 – II R 32/​10, BFHE 240, 413, BSt­Bl II 2013, 516; BFH, Beschluss vom 20.04.2006 – VII B 332/​05, BFH/​NV 2006, 1519[↩]
BFH, Urteil in BFHE 240, 413, BSt­Bl II 2013, 516; FG Müns­ter, Urteil vom 24.01.2012 13 K 1071/​09 Kfz, EFG 2012, 1393[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 240, 413, BSt­Bl II 2013, 516; vom 07.03.1984 – II R 40/​80, BFHE 140, 480, BSt­Bl II 1984, 459[↩]
Zens in: Lippross/​Seibel, Basis­kom­men­tar Steu­er­recht, 108. Lie­fe­rung 06.2018, § 1 Kraft­StG Rz 7[↩]
BFH, Urteil in BFHE 240, 413, BSt­Bl II 2013, 516[↩]
Zens in: Lippross/​Seibel, a.a.O., § 1 Kraft­StG Rz 7[↩][↩]
Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 21.09.1999 4 StR 71/​99, BGHSt 45, 197, Rz 14; FG Müns­ter in EFG 2012, 1393[↩]
BFH, Urteil in BFHE 240, 413, BSt­Bl II 2013, 516, Rz 14[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 240, 413, BSt­Bl II 2013, 516, Rz 16 ff.[↩]
Kfz-SteuerKfz-ZulassungKraftfahrzeugsteuerRegistrierzulassungen

References: § 3
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 § 44
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 § 5
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