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Timestamp: 2019-08-22 12:35:35+00:00

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EUR-Lex - 62007CJ0282 - EN - EUR-Lex
EUR-Lex - 62007CJ0282 - EN
Document 62007CJ0282
Urteil des Gerichtshofes (Vierte Kammer) vom 22. Dezember 2008.
Belgischer Staat - SPF Finances gegen Truck Center SA.
Ersuchen um Vorabentscheidung: Cour d’appel de Liège - Belgien.
Niederlassungsfreiheit - Art. 52 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Art. 43 EG) und 58 EG-Vertrag (jetzt Art. 48 EG) - Freier Kapitalverkehr - Art. 73 b und 73 d EG-Vertrag (jetzt Art. 56 EG und 58 EG) - Besteuerung juristischer Personen - Einkünfte aus Kapitalvermögen und beweglichen Gütern - Steuerabzug an der Quelle - Mobiliensteuervorabzug - Erhebung des Mobiliensteuervorabzugs auf die gebietsfremden Gesellschaften gezahlten Zinsen - Keine Erhebung des Mobiliensteuervorabzugs auf die gebietsansässigen Gesellschaften gezahlten Zinsen - Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung - Keine Beschränkung.
Rechtssache C-282/07.
Judgment of the Court (Fourth Chamber) of 22 December 2008.#Belgian State - SPF Finances v Truck Center SA.#Reference for a preliminary ruling: Cour d’appel de Liège - Belgium.#Freedom of establishment - Article 52 of the EC Treaty (now, following amendment, Article 43 EC) and Article 58 of the EC Treaty (now Article 48 EC) - Free movement of capital - Articles 73b and 73d of the EC Treaty (now Articles 56 EC and 58 EC respectively) - Taxation of legal persons - Income from capital and movable property - Retention of tax at source - Withholding tax- Charging of withholding tax on interest paid to non-resident companies - No charging of withholding tax on interest paid to resident companies - Double taxation convention - Restriction - None.#Case C-282/07.
European Court Reports 2008 I-10767
ECLI identifier: ECLI:EU:C:2008:762
B-05 Europäische Gemeinschaft (EWG/EG) / EWG/EG - Freier Kapital- und Zahlungsverkehr * Freier Kapital- und Zahlungsverkehr
Niederlande, Europäische Kommission, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Belgien, Portugal
*A9* Cour d'appel de Liège, 9e chambre, arrêt du 06/06/2007 (2006/RG/1004)
*P1* Cour d'appel de Liège, 9e chambre, arrêt du 19/05/2010 (2006/RG/1004 ; Nº d'ordre: 599 ; Répertoire nº 3422)
3. Sandrini, Marie: Le juge communautaire valide les retenues à la source dans l'Union européenne, Petites affiches. La Loi / Le Quotidien juridique 2009 nº 52 p.3-5
5. Galapero Flores, Rosa: Distinto tratamiento fiscal a efectos de práctica de retención en la fuente sobre rendimientos de capital mobiliario en función del carácter de residente o no de las sociedades implicadas (Comentario a la STJCE de 22 de diciembre 2008, État belge - SPF Finances/Truck Center SA, As. C-282/07), Noticias de la Unión Europea 2010 nº 305 p.99-104
1. Gnaedinger, Charles: Belgian Withholding Tax Treatment Doesn't Infringe EC Treaty, AG Says, Tax Notes International 2008 Vol. 52 nº 1 p.23-27
2. Mosbrucker, Anne-Laure: Modalités d'imposition des intérêts, Europe 2009 Février Comm. nº 74 p.26
4. Sheppard, Lee A.: ECJ Preserves Withholding, Tax Notes International 2009 p.115-119
Interprets 11992E052
Interprets 11992E058
Interprets 11992E073B
Interprets 11992E073D
11992E052: N 24 - 50 52
11992E058: N 24 - 50 52
11992E073B: N 1 20 21 24 51 52
11992E073D: N 1 20 21 52
11997E043: N 24
11997E048: N 24
11997E056: N 1
11997E058: N 1
11997E293-T2: N 22
61993CJ0279: N 37 38
61994CJ0055: N 33
61994CJ0080: N 37 - 39
61996CJ0264: N 31
61996CJ0336: N 22
61997CJ0307: N 22 23 31
62002CJ0442: N 33
62003CJ0376: N 22
62004CJ0196: N 25
62004CJ0265: N 22 23
62004CJ0374: N 22 31 32 36 37
62004CJ0470: N 22
62004CJ0524: N 25 51
62005CJ0170: N 22 23 31 32 39
62005CJ0298: N 25 33 51
62006CJ0284: N 32
Rechtssache C-282/07
État belge – SPF Finances
(Vorabentscheidungsersuchen der Cour d'appel de Liège)
„Niederlassungsfreiheit – Art. 52 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Art. 43 EG) und 58 EG-Vertrag (jetzt Art. 48 EG) – Freier Kapitalverkehr – Art. 73b und 73d EG-Vertrag (jetzt Art. 56 EG und 58 EG) – Besteuerung juristischer Personen – Einkünfte aus Kapitalvermögen und beweglichen Gütern – Steuerabzug an der Quelle – Mobiliensteuervorabzug – Erhebung des Mobiliensteuervorabzugs auf die gebietsfremden Gesellschaften gezahlten Zinsen – Keine Erhebung des Mobiliensteuervorabzugs auf die gebietsansässigen Gesellschaften gezahlten Zinsen – Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung – Keine Beschränkung“
Freizügigkeit – Niederlassungsfreiheit – Freier Kapitalverkehr – Steuerrecht – Körperschaftsteuer
(EG-Vertrag, Art. 52 [nach Änderung jetzt Art. 43 EG], Art. 58 [jetzt Art. 48 EG], Art. 73b und 73d [jetzt Art. 56 EG und 58 EG)
Die Art. 52 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Art. 43 EG), 58 EG-Vertrag (jetzt Art. 48 EG), 73b EG-Vertrag und 73d EG-Vertrag (jetzt Art. 56 EG und 58 EG) sind dahin auszulegen, dass sie einer Steuerregelung eines Mitgliedstaats nicht entgegenstehen, nach der die Steuer auf die von einer Gesellschaft mit Sitz in diesem Staat an eine Empfängergesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat gezahlten Zinsen an der Quelle einbehalten wird, während die Zinsen, die an eine Empfängergesellschaft mit Sitz im ersten Mitgliedstaat fließen, deren Einkünfte dort der Körperschaftsteuer unterliegen, von diesem Einbehalt freigestellt sind.
Die unterschiedliche Behandlung von Gesellschaften, denen Kapitalerträge zufließen, durch eine solche Steuerregelung, die in der Anwendung unterschiedlicher Besteuerungstechniken besteht, je nachdem, ob diese Gesellschaften ihren Sitz in dem betreffenden Mitgliedstaat oder in einem anderen Mitgliedstaat haben, betrifft nämlich Sachverhalte, die objektiv nicht miteinander vergleichbar sind. Erstens ist, wenn die zinszahlende und die zinsempfangende Gesellschaft ihren Sitz in dem betreffenden Mitgliedstaat haben, die Stellung dieses Staats eine andere als in dem Fall, in dem eine gebietsansässige Gesellschaft Zinsen an eine gebietsfremde Gesellschaft zahlt, weil der Mitgliedstaat im ersten Fall in seiner Eigenschaft als Sitzstaat der betroffenen Gesellschaften und im zweiten Fall als Quellenstaat hinsichtlich der Zinsen handelt. Zweitens führen die Zahlung von Zinsen durch eine gebietsansässige Gesellschaft an eine andere gebietsansässige Gesellschaft und die Zahlung von Zinsen durch eine gebietsansässige Gesellschaft an eine gebietsfremde Gesellschaft zu unterschiedlichen Besteuerungen, die auf verschiedenen Rechtsgrundlagen aufbauen. So werden zum einen die von einer gebietsansässigen Gesellschaft an eine andere gebietsansässige Gesellschaft gezahlten Zinsen von dem betreffenden Staat besteuert, weil sie bei der letztgenannten Gesellschaft wie deren andere Einkünfte auch der Körperschaftsteuer unterliegen. Zum anderen erfolgt der Einbehalt des Mobiliensteuervorabzugs an der Quelle gemäß der Befugnis, die sich dieser Staat und der andere Mitgliedstaat mit einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung bei der Aufteilung ihrer Steuerhoheit gegenseitig zugestanden haben. Diese unterschiedlichen Steuererhebungsmodalitäten sind somit die logische Folge der unterschiedlichen Besteuerung von gebietsansässigen und gebietsfremden Empfängergesellschaften. Schließlich spiegeln diese unterschiedlichen Erhebungstechniken die unterschiedliche Lage dieser Gesellschaften im Hinblick auf die Einziehung der Steuer wider, da die gebietsansässigen Gesellschaften unmittelbar der Kontrolle der Steuerverwaltung des betreffenden Mitgliedstaats unterliegen, was bei den gebietsfremden Empfängergesellschaften nicht der Fall ist, weil bei ihnen für die Steuereinziehung die Unterstützung der Steuerverwaltung ihres Sitzstaats erforderlich ist.
Die unterschiedliche Behandlung, die sich aus einer solchen Steuerregelung ergibt, verschafft außerdem den gebietsansässigen Empfängergesellschaften nicht unbedingt einen Vorteil, da zum einen diese Gesellschaften Körperschaftsteuervorauszahlungen leisten müssen und zum anderen der Satz des Mobiliensteuervorabzugs, der auf die an eine gebietsfremde Gesellschaft gezahlten Zinsen erhoben wird, deutlich niedriger ist als der Körperschaftsteuersatz, der auf die Einkünfte der zinsempfangenden gebietsansässigen Gesellschaften erhoben wird.
Unter diesen Umständen stellt die besagte unterschiedliche Behandlung weder eine Beschränkung der Niederlassungsfreiheit im Sinne des Art. 52 EG-Vertrag noch eine Beschränkung des Kapitalverkehrs im Sinne des Art. 73b EG-Vertrag dar.
(vgl. Randnrn. 41-52 und Tenor)
In der Rechtssache C‑282/07
betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht von der Cour d’appel de Liège (Belgien) mit Entscheidung vom 6. Juni 2007, beim Gerichtshof eingegangen am 13. Juni 2007, in dem Verfahren
– der Truck Center SA, vertreten durch X. Thiebaut und X. Pace, avocats,
– der belgischen Regierung, vertreten durch C. Pochet und J.‑C. Halleux als Bevollmächtigte,
– der französischen Regierung, vertreten durch J.‑C. Gracia als Bevollmächtigten,
– der niederländischen Regierung, vertreten durch C. M. Wissels und Y. de Vries als Bevollmächtigte,
– der portugiesischen Regierung, vertreten durch L. I. Fernandes und V. B. Guimarães als Bevollmächtigte,
– der Regierung des Vereinigten Königreichs, vertreten durch T. Harris als Bevollmächtigte im Beistand von K. Bacon, Barrister,
– der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch J.‑P. Keppenne und R. Lyal als Bevollmächtigte,
1 Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung der Art. 73b und 73d EG-Vertrag (jetzt Art. 56 EG und 58 EG).
2 Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen dem belgischen Staat und der in Belgien ansässigen Truck Center SA (vormals Truck Restaurant Habay, im Folgenden: Truck Center) über die Besteuerung von Zinsen, die diese Gesellschaft in den Jahren 1994 bis 1996 auf ein von der in Luxemburg ansässigen SA Wickler Finances (im Folgenden: Wickler Finances) gewährtes Darlehen schuldete.
„Der König kann unter Bedingungen und in Grenzen, die Er bestimmt, ganz oder teilweise von der Erhebung des Mobiliensteuervorabzugs auf Einkünfte aus Kapitalvermögen und beweglichen Gütern und auf verschiedene Einkünfte absehen, sofern es sich um Einkünfte handelt, die von Empfängern bezogen werden, deren Identität festgestellt werden kann, …“
„Die Zuerkennung oder Ausschüttung der Einkünfte in bar oder in Sachleistungen bewirkt die Fälligkeit des Mobiliensteuervorabzugs. Als Zuerkennung gilt insbesondere die Buchung eines Einkommens auf einem Konto, das zugunsten des Empfängers eröffnet ist, selbst wenn dieses Konto unverfügbar ist, sofern die Unverfügbarkeit auf einem ausdrücklichen oder stillschweigenden Einverständnis des Empfängers beruht. …“
6 Die Art. 105 bis 119 des Arrêté royal d’exécution du Code des impôts sur les revenus 1992 (Königliche Durchführungsverordnung zum Einkommensteuergesetzbuch 1992) vom 27. August 1993 (im Folgenden: AR/CIR 1992) regeln das ganze oder teilweise Absehen von der Erhebung des Mobiliensteuervorabzugs (an der Quelle einbehaltene Steuer auf Einkünfte aus beweglichem Vermögen).
7 Nach Art. 105 Nr. 3 Buchst. b AR/CIR 1992 gelten für die Zwecke der Anwendung dieser Artikel als „gewerbliche Anleger“ die inländischen Gesellschaften.
„§ 1. Zinsen, die aus einem Vertragsstaat stammen und einer im anderen Vertragsstaat ansässigen Person zuerkannt werden, können in dem anderen Staat besteuert werden.
2. Zinsen, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Gesellschaft einer im anderen Vertragsstaat ansässigen Gesellschaft zuerkennt, der unmittelbar oder mittelbar mindestens 25 vom Hundert der stimmberechtigten Anteile der erstgenannten Gesellschaft gehören.“
„§ 1. Bei Personen, die in Luxemburg ansässig sind, wird die Doppelbesteuerung wie folgt vermieden:
Verstoßen die Art. 105 Nr. 3 Buchst. b und 107 § 2 Nr. 9 des in Anwendung von Art. 266 CIR 1992 ergangenen AR/CIR 1992 in Verbindung mit Art. 23 des belgisch-luxemburgischen Abkommens dadurch gegen Art. 73 des Vertrags, dass sie, weil nach Art. 107 § 2 Nr. 9 vom Mobiliensteuervorabzug nur hinsichtlich der gebietsansässigen Gesellschaften zuerkannten Zinsen abgesehen wird, zum einen insbesondere bewirken, dass gebietsansässige Gesellschaften davon abgehalten werden, Kapital bei Gesellschaften mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat aufzunehmen, und zum anderen für Gesellschaften mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat ein Hindernis dafür darstellen, durch Vergabe von Darlehen Kapital in Gesellschaften mit Sitz in Belgien anzulegen?
21 Mit seiner Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob die Art. 73b und 73d EG-Vertrag einer Regelung eines Mitgliedstaats entgegenstehen, nach der die Steuer auf die von einer Gesellschaft mit Sitz in diesem Staat an eine Empfängergesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat gezahlten Zinsen an der Quelle einbehalten wird, während die an eine Empfängergesellschaft mit Sitz im ersten Mitgliedstaat gezahlten Zinsen von diesem Einbehalt freigestellt sind.
22 Eingangs ist daran zu erinnern, dass die Mitgliedstaaten in Ermangelung von Maßnahmen zur Vereinheitlichung oder zur gemeinschaftsrechtlichen Harmonisierung insbesondere nach Art. 293 zweiter Gedankenstrich EG befugt bleiben, namentlich zur Beseitigung der Doppelbesteuerung die Kriterien für die Aufteilung ihrer Steuerhoheit vertraglich oder einseitig festzulegen (vgl. Urteile vom 12. Mai 1998, Gilly, C‑336/96, Slg. 1998, I‑2793, Randnrn. 24 und 30, vom 21. September 1999, Saint-Gobain ZN, C‑307/97, Slg. 1999, I‑6161, Randnr. 57, vom 5. Juli 2005, D., C‑376/03, Slg. 2005, I‑5821, Randnr. 52, vom 19. Januar 2006, Bouanich, C‑265/04, Slg. 2006, I‑923, Randnr. 49, vom 7. September 2006, N, C‑470/04, Slg. 2006, I‑7409, Randnr. 44, vom 12. Dezember 2006, Test Claimants in Class IV of the ACT Group Litigation, C‑374/04, Slg. 2006, I‑11673, Randnr. 52, und vom 14. Dezember 2006, Denkavit Internationaal und Denkavit France, C‑170/05, Slg. 2006, I‑11949, Randnr. 43).
24 Unter diesen Umständen ist zu bestimmen, ob eine Regelung wie die im Ausgangsrechtsstreit in Rede stehende unter Art. 73b EG-Vertrag, der den freien Kapitalverkehr betrifft, oder unter die Art. 52 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Art. 43 EG) und 58 EG-Vertrag (jetzt Art. 48 EG), die die Niederlassungsfreiheit betreffen, fällt.
25 Hierzu ist daran zu erinnern, dass nach ständiger Rechtsprechung in den materiellen Anwendungsbereich der Bestimmungen über die Niederlassungsfreiheit die nationalen Vorschriften fallen, die anzuwenden sind, wenn ein Angehöriger des betreffenden Mitgliedstaats am Kapital einer Gesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat eine Beteiligung hält, die es ihm ermöglicht, einen sicheren Einfluss auf die Entscheidungen dieser Gesellschaft auszuüben und deren Tätigkeiten zu bestimmen (Urteile vom 12. September 2006, Cadbury Schweppes und Cadbury Schweppes Overseas, C‑196/04, Slg. 2006, I‑7995, Randnr. 31, vom 13. März 2007, Test Claimants in the Thin Cap Group Litigation, C‑524/04, Slg. 2007, I‑2107, Randnr. 27, und vom 6. Dezember 2007, Columbus Container Services, C‑298/05, Slg. 2007, I‑10451, Randnr. 29).
31 Mit der Niederlassungsfreiheit, die Art. 52 EG-Vertrag den Gemeinschaftsangehörigen zuerkennt und die ihnen die Aufnahme und Ausübung selbständiger Erwerbstätigkeiten sowie die Gründung und Leitung von Unternehmen unter den gleichen Bedingungen wie den im Mitgliedstaat der Niederlassung für dessen eigene Angehörige festgelegten erlaubt, ist gemäß Art. 58 EG-Vertrag für die nach den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats gegründeten Gesellschaften, die ihren satzungsmäßigen Sitz, ihre Hauptverwaltung oder ihre Hauptniederlassung innerhalb der Gemeinschaft haben, das Recht verbunden, ihre Tätigkeit in dem betreffenden Mitgliedstaat durch eine Tochtergesellschaft, Zweigniederlassung oder Agentur auszuüben (vgl. Urteil vom 16. Juli 1998, ICI, C‑264/96, Slg. 1998, I‑4695, Randnr. 20, sowie Urteile Saint-Gobain ZN, Randnr. 35, Cadbury Schweppes und Cadbury Schweppes Overseas, Randnr. 41, Test Claimants in Class IV of the ACT Group Litigation, Randnr. 42, sowie Denkavit Internationaal und Denkavit France, Randnr. 20).
32 Bei Gesellschaften dient der Sitz im Sinne des Art. 58 EG-Vertrag ebenso wie bei natürlichen Personen die Staatsangehörigkeit dazu, ihre Zugehörigkeit zur Rechtsordnung eines Staates zu bestimmen. Könnte der Mitgliedstaat der Ansässigkeit nach seinem Belieben eine ungleiche Behandlung allein deshalb vornehmen, weil sich der Sitz einer Gesellschaft in einem anderen Mitgliedstaat befindet, würde Art. 52 EG-Vertrag seines Sinnes entleert. Die Niederlassungsfreiheit will daher die Inländerbehandlung im Aufnahmemitgliedstaat sichern, indem sie jede Diskriminierung aufgrund des Sitzes der Gesellschaften verbietet (vgl. Urteile Test Claimants in Class IV of the ACT Group Litigation, Randnr. 43, Denkavit Internationaal und Denkavit France, Randnr. 22, und vom 26. Juni 2008, Burda, C‑284/06, Slg. 2008, I‑0000, Randnr. 77).
33 Außerdem sind nach ständiger Rechtsprechung als Beschränkungen der Niederlassungsfreiheit alle Maßnahmen anzusehen, die die Ausübung dieser Freiheit verbieten, behindern oder weniger attraktiv machen (vgl. Urteile vom 30. November 1995, Gebhard, C‑55/94, Slg. 1995, I‑4165, Randnr. 37, vom 5. Oktober 2004, CaixaBank France, C‑442/02, Slg. 2004, I‑8961, Randnr. 11, und Columbus Container Services, Randnr. 34).
37 Nach ständiger Rechtsprechung besteht eine Diskriminierung in der Anwendung unterschiedlicher Vorschriften auf vergleichbare Sachverhalte oder in der Anwendung derselben Vorschrift auf unterschiedliche Sachverhalte (vgl. Urteile vom 14. Februar 1995, Schumacker, C‑279/93, Slg. 1995, I‑225, Randnr. 30, vom 11. August 1995, Wielockx, C‑80/94, Slg. 1995, I‑2493, Randnr. 17, und Test Claimants in Class IV of the ACT Group Litigation, Randnr. 46).
51 Zum Vorliegen einer Beschränkung des Kapitalverkehrs im Sinne des Art. 73b EG-Vertrag genügt der Hinweis, dass die in der vorstehenden Randnummer gezogene Schlussfolgerung auch für die Vertragsbestimmungen über den freien Kapitalverkehr gilt (Urteile vom 12. Dezember 2006, Test Claimants in the FII Group Litigation, C‑446/04, Slg. 2006, I‑11753, Randnr. 60, und Columbus Container Services, Randnr. 56).
52 Nach alledem ist deshalb auf die Vorlagefrage zu antworten, dass die Art. 52, 58, 73b und 73d EG-Vertrag dahin auszulegen sind, dass sie einer Steuerregelung eines Mitgliedstaats wie der im Ausgangsrechtsstreit fraglichen nicht entgegenstehen, nach der die Steuer auf die von einer Gesellschaft mit Sitz in diesem Staat an eine Empfängergesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat gezahlten Zinsen an der Quelle einbehalten wird, während die Zinsen, die an eine Empfängergesellschaft mit Sitz im ersten Mitgliedstaat fließen, deren Einkünfte dort der Körperschaftsteuer unterliegen, von diesem Einbehalt freigestellt sind.
Die Art. 52 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Art. 43 EG), 58 EG-Vertrag (jetzt Art. 48 EG), 73b EG-Vertrag und 73d EG-Vertrag (jetzt Art. 56 EG und 58 EG) sind dahin auszulegen, dass sie einer Steuerregelung eines Mitgliedstaats wie der im Ausgangsrechtsstreit fraglichen nicht entgegenstehen, nach der die Steuer auf die von einer Gesellschaft mit Sitz in diesem Staat an eine Empfängergesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat gezahlten Zinsen an der Quelle einbehalten wird, während die Zinsen, die an eine Empfängergesellschaft mit Sitz im ersten Mitgliedstaat fließen, deren Einkünfte dort der Körperschaftsteuer unterliegen, von diesem Einbehalt freigestellt sind.

References: Art. 52
 Art. 43
 Art. 48
 Art. 73
 Art. 56
 Art. 52
 Art. 43
 Art. 48
 Art. 73
 Art. 56
 Art. 52
 Art. 43
 Art. 58
 Art. 48
 Art. 73
 Art. 56
 Art. 52
 Art. 43
 Art. 48
 Art. 56
 Art. 52
 Art. 73
 Art. 234
 Art. 73
 Art. 56
 Art. 105
 Art. 105
 Art. 105
 § 2
 Art. 266
 Art. 23
 Art. 73
 Art. 107
 § 2
 Art. 73
 Art. 293
 Art. 73
 Art. 52
 Art. 43
 Art. 48
 Art. 52
 Art. 58
 Art. 58
 Art. 52
 Art. 73
 Art. 52
 Art. 52
 Art. 43
 Art. 48
 Art. 56