Source: https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/schulrecht/rs/1997-2017/2009_17.html
Timestamp: 2020-01-21 02:21:37+00:00

Document:
Katalog verbindlicher Maßnahmen im Bereich Information, Beratung, Orientierung der 7. und 8. Schulstufe
Außer Kraft gesetzt am 10. September 2012, ersetzt durch Rundschreiben Nr. 17/2012
Geschäftszahl: BMUKK-36.300/0079-I/Päd.Ang./2009
SachbearbeiterIn: Mag. Augustin Kern
Abteilung: I/Päd.Ang.
augustin.kern@bmukk.gv.at
T +43 1 53120-4272
F +43 1 53120 814272
Inhalt: Neue Regelung: Katalog verbindlicher Maßnahmen im Bereich Information, Beratung, Orientierung der 7. und 8. Schulstufe
Gesetzliche Grundlage: SchOG § 39 Abs.1a (AHS); § 16 Abs.1, Zi. 2 (Hauptschule); § 22 und 23 Abs. 1 (Allgemeine Sonderschule); SchUG, § 18 Abs. 13; SchUG § 19 Abs. 2; BGBl. II, Nr. 133 und 134/2000 i.d.F. BGBl. II, Nr. 283/2003 (Hauptschule und AHS); BGBl. II, Nr. 137 bzw. 290/2008 (Allgemeine Sonderschule)
Geltung: Ab Schuljahr 2009/10 unbefristet
Rundschreiben Nr. 17/2009
Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf - Grundsätzliches und wichtige Voraussetzungen:
Gut reflektierte Entscheidungen erweitern die Handlungsspielräume von Mädchen und Buben und erhöhen die Chancen auf Erfolg. Grundkompetenzen, wie die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Informationsrecherche- und -bewertung sowie Entscheidungsfähigkeit, können anhand gut begleiteter erster Bildungs- und Berufsentscheidungsprozesse erworben und gefestigt werden. Es ist Aufgabe und Verantwortung jeder Schule, diese Lern- und Entwicklungsprozesse zu unterstützen und zu begleiten.
Weiters müssen an der Schule – wie gesetzlich bzw. in den entsprechenden Verordnungen vorgesehen – entsprechend qualifizierte Schülerberater/innen mit Abschluss der dafür vorgesehenen Zusatzqualifikationen (nun PH-Lehrgang lt. Rundschreiben Nr. 15/2008) in vollem Umfang tätig sein.
REGELUNG: Katalog verbindlicher Maßnahmen in der 7. und 8. Schulstufe im Bereich Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf
Die folgenden Maßnahmen dienen den Lern- und Entwicklungsprozessen der Schülerinnen und Schüler, stärken deren Entscheidungskompetenzen für die weitere Berufs- und Bildungswahl und sind daher an allen Schulen umzusetzen:
Schulleiter/innen haben in Wahrnehmung Ihrer Gesamtverantwortung für die Unterrichts- und Erziehungsarbeit für die Umsetzung einer wirksamen Begleitung an der Schule Sorge zu tragen. Dabei ist ein standortbezogenes Umsetzungskonzept anzustreben und den Schulpartnern zu kommunizieren. Auf die wichtige Rolle der Eltern bei Bildungs- und Berufsentscheidungen sollte dabei Bedacht genommen werden. Einige Eckpunkte, die v. a. das prozesshafte Zustandekommen der Entscheidungen und das Zusammenwirken aller Maßnahmen betreffen, werden in diesem Katalog festgelegt.
Im Regelunterricht durch die Förderung von Grundkompetenzen für das Treffen von selbstverantwortlichen Bildungs- und Berufsentscheidungen. Das sind vor allem:
Fähigkeit zur Selbstreflexion (insbesondere hinsichtlich Interessen, Fähigkeiten und Wünschen)
Entscheidungsfähigkeit (inklusive Fähigkeit zur Gestaltung von Entscheidungsprozessen und Umgang mit mehrdimensionalen, teils auch widersprüchlichen Entscheidungsgrundlagen)
Durch die verbindliche Übung „Berufsorientierung“ in der 7. und 8. Schulstufe
Unabhängig von der Umsetzungsvariante (eigens Fach, integrativ oder projektorientiert) ist darauf zu achten, dass der Lehrplan sowohl in inhaltlicher als auch in zeitlicher Hinsicht erfüllt wird.
Im Rahmen von Projekten und Realbegegnungen
Durch Information und Beratung seitens der Schüler- und Bildungsberater/innen
Es ist daher die Mitwirkung möglichst vieler Lehrer/innen erforderlich, nicht nur der Schülerberater/innen.
3. Koordination (va.) des Berufsorientierungsunterrichts
Insbesondere im Bereich des Berufsorientierungsunterrichtes ist Koordination unerlässlich. Die Verantwortung liegt auch hier bei der Schulleitung – diese kann auch eine entsprechend qualifizierte Lehrkraft mit der Koordinationsaufgabe beauftragen. Diese Aufgabe ist nicht ident mit der Schülerberatung. Es ist künftig auch darauf zu achten, dass an jeder Schule mindestens eine Lehrkraft über eine einschlägige Qualifikation zur Berufsorientierungs –Koordination verfügt. Die Einrichtung von entsprechenden Lehrgängen an den Pädagogischen Hochschulen ist vorgesehen.
4. Mindestmaß an Realbegegnungen
Berufspraktische Tage/Wochen, Betriebserkundungen, Exkursionen zu Bildungs einrichtungen sowie Informations- und Beratungszentren: Persönliche Erfahrungen und Eindrücke sind ein wichtiger Faktor in der Entscheidungsfindung.
Gemeinsam organisiert (als Schulveranstaltung)
Umfang insgesamt mindestens 30 Unterrichtseinheiten in 7. und 8. Schulstufe
dabei aber mindestens 10 Unterrichtseinheiten in jeder dieser Schulstufen
jede Schülerin und jeder Schüler soll einmal - in der 7. oder 8. Schulstufe – ein BerufsInfoZentrum der Sozialpartner oder des Arbeitsmarktservice - besuchen
Individuelle Berufs(bildungs)orientierung lt. §13b SchUG
bis 5 Tage in 8. Schulstufe sind möglich
Bewerbungstrainings bzw. Vorbereitung auf Bewerbungen (Lebenslauf, Bewerbungs schreiben, Vorstellungsgespräch, ....) unterstützen die Umsetzung der Entscheidung.
Die Aspekte der Prozesshaftigkeit und Nachhaltigkeit legen eine verbindliche und nachweisliche Dokumentation der Aktivitäten und Maßnahmen auf Ebene der Schüler/innen nahe: mögliche Instrumente sind BO-Pass, BO - Kom:Pass, Portfolio, BO-Mappe…
Auch die nachvollziehbare und begleitende Dokumentation durch die Lehrer/innen ist im Sinne der koordinierten Unterstützung und Begleitung zu gewährleisten.
7. Einbeziehung der Eltern / Erziehungsberechtigten als Partner – zB. Elternabende
Information der Eltern über das standortbezogene Umsetzungskonzept, die Art und das Zusammenwirken der geplanten Unterstützungsmaßnahmen beim Eintritt in die HS/AHS, in allen Schularten jedoch spätestens am Beginn der 7. Schulstufe
Information der Eltern spätestens am Beginn der 8. Schulstufe über
die Möglichkeiten der dualen Berufsausbildung
die Möglichkeit der individuellen Berufsorientierung gemäß §13b SchUG und der organisatorische Ablauf dazu
Hinweise auf Informationsveranstaltungen im regionalen Umfeld
Informationsveranstaltungen (z.B. Tage der offenen Tür) von Bildungsanbietern
Informationsveranstaltungen an Berufsinformationszentren
Einbeziehung von Eltern als Berufspraktiker/innen in Berufsorientierungsmaßnahmen
8. Informationstätigkeit des/der Schülerberaters/in
In den Grundsatzerlässen zur Schüler- und Bildungsberatung für die einzelnen Schularten (siehe RS Nr. 36/1993, RS Nr. 34/1993) ist die Information der Schülerinnen und Schüler über weitere Bildungswege als Orientierungshilfe und Entscheidungsvorbe reitung als Kernaufgabe der Schüler- und Bildungsberatung festgelegt. Diese sind, da Bildungsberatung Teil der Bildungsaufgabe von Schule ist und zu den Pflichten des Schulleiters bzw. der Schulleiterin sowie aller Lehrpersonen gehört, bei dieser Tätigkeit entsprechend zu unterstützen.
Informationen für Schüler/innen im Rahmen jeweils mindestens einer Unterrichtsstunde, im Zusammenwirken mit den Klassenvorständen und weiteren Lehrerinnen und Lehrern
Vorstellung der grundsätzlichen Optionen für Bildungs- und Berufswege nach der 8. Schulstufe
Erklärung des Prozesscharakters von Bildungsentscheidungen
Schulische und außerschulische Hilfestellungen und Angebote
Detaillierte Information über mögliche Bildungswege nach der 8. Schulstufe (weiterführende Schulen, duale Ausbildung, integrative Berufsausbildung, Teilqualifizierungslehre)
Information über entsprechende Bildungsstätten im regionalen Umfeld
Information über Quellen und Methoden von Bildungs- und Berufsinformations recherchen (Internet, Informations- und Beratungsmöglichkeiten)
Um Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit individueller Informationsrecherchen an der Schule zu bieten, soll, wenn dazu die Möglichkeit besteht, z.B. im Rahmen der Schulbibliothek eine „Informationsecke“ zur Bildungs- und Berufsplanung mit entsprechenden Büchern und Broschüren sowie Computern mit Internetzugang eingerichtet werden.
9. Beratungstätigkeit des/der Schülerberaters/in
Im Schulorganisationsgesetz (§3, Abs. 1) ist festgelegt, dass Schülerinnen und Schüler jeweils über den nach ihren Interessen und Leistungen empfehlenswerten weiteren Bildungsweg zu beraten sind. Dies ist eine grundsätzliche Aufgabe von Schule und betrifft jede Schulart und als allgemeine Bildungsaufgabe von Schule grundsätzlich alle Lehrenden
Information über die Beratungsmöglichkeit: Schüler/innen und deren Eltern sind Zeit und Ort der Beratungsmöglichkeiten nachweislich und in geeigneter Weise bekannt zugeben
Sicherstellung des niederschwelligen Zugangs: Die Beratungszeiten sind so anzusetzen, dass sie potentiell von allen Schüler/innen ohne Barrieren wahrgenommen werden können
Rahmenbedingungen und Infrastruktur: Für die Beratungen soll ein eigenes Zimmer mit geeigneter Infrastruktur (PC mit Internetzugang) zur Verfügung stehen
Die Schüler- und Bildungsberater/innen haben zur Erfüllung dieser Aufgabe eine in den oben genannten Grundsatzerlässen verankerte spezielle Weiterbildung und einen entsprechenden Auftrag. In der Schule sind die Rahmenbedingungen (z.B. Beratungszimmer mit Internetzugang) dafür zu schaffen.
Es wird ersucht, diesen Katalog allen Schulen und LehrerInnen im jeweiligen Bereich nachweislich zur Kenntnis zu bringen und seine Umsetzung zu unterstützen. Als Anregung dazu dient auch der nachfolgende Umsetzungsplan.
IBOBB-Umsetzungsplan ergänzt den Katalog der verbindlichen Maßnahmen und drückt vor allem die Prozesshaftigkeit aus (pdf, 32 KB)

References: § 39
 § 16
 § 22
 § 18
 § 19
 §13
 §13