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Timestamp: 2019-06-18 04:53:04+00:00

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Eisler - Wörterbuch: Seele. Descartes, Bacon, Hobbes, Spinoza, Leibniz u.a.
Seele - Neuzeit
F. BACON unterscheidet eine sinnliche und eine geistig-vernünftige Seele (De dign. IV, 3. Nov. Organ. II, 40). »Anima... sensibilis sive brutorum, plane aubstantia corporea censenda est, a calore attenuata et facta invisibilis« (De dign. IV, 3). HOBBES identifiziert die Seele mit dem Gehirn (a. Materialismus). - Den strengen Dualismus (s. d.) zwischen Leib und Seele begründet DESCARTES. Seele und Leib sind »substantiae incompletae« (Resp. ad. obi. IV), die durch Gott geeint sind. Die Seele ist vom Körper vollständig verschieden, sie ist unstofflich, unausgedehnt, einfach, unvergänglich, denkendes Wesen (Med. VI), Geist (a. d.). Sie ist eine Substanz (s. d.) sui generis (Princ. philos. I, 53). »Examinantes..., quinam simus nos, qui omnia, quae a nobis diversa sunt, supponimus falsa esse, perspicue videmus nullam extensionem, nec figuram, nec motum localem, nec quid simile, quod corpori sit tribuendum, ad naturam nostram pertinere, sed cogitationem solam« (l. c. I, 8). Die Seele ist mit dem ganzen Körper geeint (»animam esse revera iunctam toti corpori«, Pasa. an. I, 30), wirkt aber vorzugsweise von der Zirbeldrüse aus (s. Seelensitz). Die Seele ist durchaus einheitlich. »Nobis enim non nisi una inest anima, quae in se nullam varietatem partium habet: eadem, quae sensitiva est, est etiam rationalis« (l. c. I, 47). Seele und Leib stehen miteinander in Wechselwirkung (s. Influxus) Ähnlich lehrt REGIS (Syst. d. philos. I, 1690, p. 154 ff.) u.a. Nach MALEBRANCHE hat die Seele »ce moi qui pense, qui sent, qui veut« (Rech. I, 5. vgl. III, 2). Nach GASSENDI ist die tierische Seele »corporea tenuissimum aliquod« (Philos. op. synt. II, act. III, 9) Die rationale Seele ist immateriell, unsterblich (l. c. sct. III, 17). Nach CHARRON ist die Seele eine feine, unsichtbare Substanz. H. MORE bestimmt den »spiritus« als »substantiam indiscerpibiem, quae morere, penetrare, contrahere et dilalare se potest« (Opp. II, 300). Die vernünftige Seele ist unsterblich.
Den Aktualitätsstandpunkt vertritt SPINOZA. Die menschliche Seele ist keine Substanz, sondern der Modus (s. d.) eines Attributs (s. d.) der göttlichen Substanz (s. d.). Sie ist die »idea corporis«, das dem Leibe correlate Bewußtsein desselben. »Primum, quod actuale mentis humanae esse constituit, nihil aliud est, quam idea rei alicuius singularis actu existentis« (Eth. II, prop. XI). »Hinc sequitur mentem humanam partem esse infniti intelleclus Dei« (l. c. coroll.). »Obiectum ideae humanam mentem constituentis est corpus, sive certus extensionis modus actu existens, et nihil aliud« (Eth. II, prop. XIII). »Mens humana apta est ad plurima percipiendum, et eo aptior, quo eius corpus pluribus modis disponi potest« (l. c. II, prop. XIV). Die Seele ist nicht einfach. »Idea, quae esse formale humanae mentis constituit, non est simplex, sed ex pluribus ideis composita« (l. c. II, prop. XV). Diese Idee ist »idea corporis« (l. c. dem.). »Mens enim humana est ipsa idea sive cognitio corporis humani, quae in Deo quidem est, quatenus alia rei singularis idea affectus consideratur« (l. c. II, prop. XIX, dem.). »Mentis humanae datur etiain in Deo idea sive cognitio, quae in Deo eodem modo sequitur et ad Deum eodem modo refertur, ac idea sive cognitio corporis humani« (l. c. prop. XX). »Haec mentis idea eodem modo unita est menti, ac ipsa mens unita est corpori« (l. c. prop. XXI). Seele und Leib sind ein Wesen, in zweifacher Weise gedacht (s. Identitätslehre). »Ostendimus corporis ideam et corpus, hoc est mentem et corpus, unum et idem esse individuum, quod iam sub cogitationis, iam sub extensionis attributo concipitur. Quare mentis idea et ipsa mens una eademque est res, quae sub uno eodemque attributo, nempe cogitationis, concipitur« (l. c. schol.). - In anderer Weise vertritt den Aktualitätsstandpunkt (s. d.) HUME. Nach ihm ist die Seele »a bundle of conceptions in a perpetual flux and movement« (Treat. IV, sct. 2, 6). Die Seele ist keine immaterielle Substanz. es ist möglich, daß auch die Materie denken kann (Ess. on suic.).
Dies bemerkt schon LOCKE, nach welchem wir vom Wesen der Seele keinen festen Begriff haben (Ess. II, ch. 23, § 5). Die Existenz der Seele ist sicher (l. c. § 15. IV, ch. 3, § 6. ch. 9, § 3). Die Seele wird gedacht als eine denkende, wollende, handelnde Substanz (l. c. II, ch. 23, § 22). Als immaterielles, einfaches, substantielles Kraftwesen, als Monade (s. d.) bestimmt die Seele LEIBNIZ. Seelen sind jene Monaden, welche deutliche Vorstellungen und Erinnerung haben (Monadol. 19. Princ. de la nat. 4). Die menschliche Seele ist die oberste Monade eines Organismus niederer Monaden. Sie ist »un automate spirituel« (Theod. 403), »un petit monde, où les idées distinctes sont une représentation de Dieu et où les confuses sont une représentation de l'univers« (Nouv. Ess. II, ch. 1, § 1). Die Seele ist ein »Spiegel des Alls«, ist »comme un monde à part, suffisant à lui même, indépendant de toute autre créature, exprimant l'univers«, »absolu« (Gerh. IV, 485 f.). Sie ist »virtuellement infini« (l. c. S. 562 f.). Sie hat ein Streben nach stetiger Veränderung ihrer Perzeptionen (Monadol. 15). Zwischen Seele und Leib besteht eine prästabilierte Harmonie (s. d.). Nach BERKELEY ist die Seele eine geistige Substanz als Trägerin der Ideen (Princ. CXXXV), das Denkende, Percipierende, also nicht selbst Idee, Vorstellung. wir haben von ihr kein Vorstellungsbild, nur einen Begriff (notion) (l. c. CXXXNVIII, CXL). Sie ist, im Unterschiede vom Körper, rein aktiv. Andere Seelen erkennen wir nach Analogie der unsrigen (l. c. CXL f.).
PRIESTLEY identifiziert Seele und Gehirn (Disqu. of matt. and spir. p. 57, 85). Nach HELVETIUS ist die Seele nur »la faculté de sentir« (De l'homme II, 2), nach HOLBACH »une qualité négative«, von der man keine wahre Idee hat (Syst. de la nat. I, ch. 7, p. 91). Das Gehirn kann ganz wohl denken (l. c. p. 96, 100). Die intellektuellen Fähigkeiten sind Resultate der körperlichen Organisation (l. c. p. 102). Ähnlich LAMETTRIE (S. Materialismus). VOLTAIRE erklärt: »Il n'y a point d'être réel appelé volonté, désir, mémoire, imagination, entendement, mouvement. Mais l'être réel appelé homme comprend, imagine, se souvient, désire, veut, se meut« (Prine. d'aet. X, 131). »II y a pourtant un principe d'action dans l'homme. Oui. et il y en a partout. Mais ce principe peut-il être autre chose qu'un ressort, un premier mobile secret qui se développe par la volonté toujours agissante du premier principe aussi puissant que secret« (l. c. XI, 132). »Nous sommes des machines produites, de tout temps les unes après les autres par l'Éternel géomètre« (I. c. p. 134). - BONNET definiert die Seele als »principe actif simple, un, immatériel - unic à un corps organisé« (Ess,. ch. 36), als »substance qui a la capacité de penser« (Ess. anal. IV, 20). Die Seele kennt sich nur in ihren Wirkungen, nicht an sich (l. c. préf. XXII, XXK). Ein einfaches, geistiges Wesen ist die Seele nach HUTCHESON (Synops. met. 1749) u.a. Eine einfache, immaterielle Substanz ist die Seele nach CHR. WOLF. Seele ist jenes Wesen, »welches sich seiner und anderer Wesen außer ihm bewußt ist« (Vern. Ged. I, § 192). Da die Gedanken keinem zusammengesetzten Dinge eignen können, muß sie einfach sein, für sich bestehen (l. c. § 742 f.). »Ens istud, quod in nobis sibi sui et aliarum rerum extra nos conscium est, anima dicitur« (Psychol. empir. § 20). »Anima est substantia simplex« (Psychol. rational. § 51), »differt a corpore« (l. c. § 51), ist »vi quadam praedita« (l. c. § 53), »continuo tendit ad mutationem status sui« (l. c. §, 56), »sibi repraesentat hoc universum pro situ corporis organici in universo convenienter mutationibus, quae in organis sensoriis contingunt« (l. c. § 62). - Nach RÜDIGER gibt es im Menschen mehrere Seelen (De sensu veri, prooem. § 8 squ.). Die Seele ist ausgedehnt (Phys. divin. I, 4. ähnlich LAMBERT, Briefwechs. I, 100, 114. TIEDEMANN, Unters. üb. d. Mensch. 1777/78). VON CREUZ hält die Seele für ein Mittleres zwischen einfacher und zusammengesetzter Substanz. sie hat Teile, aber nur eine Kraft, ist unteilbar (Vers. üb. d. Seele 1753). - Nach DE CROUSAZ ist die Seele eine einfache, geistige Substanz (De l'espr. hum.). Nach CRUSIUS ist sie »eine Substanz, welche denken und wollen kann« (Vernunftwahrh. § 433 f.). Nach MENDELSSOHN gleichfalls (Phaed., Morgenst.). Nach BAUMGARTEN u.a. ist die Seele »vis repraesentationis« (Met. § 566). Nach FEDER u.a. ist sie eine einfache, geistige Substanz (Log. u. Met. S. 317 ff.). PLATNER sieht in der Seele eine Substanz (Philos. Aphor. I, § 30), eine »Vorstellungskraft« (l. c. § 66. vgl. § 19). JACOBI betrachtet die Seele als eine bestimmte Form des Lebens (WW. II, 258). Vgl. P. VILLAUME, Üb. die Kräfte der Seele, 1786. In den »Paralogismen« (s. d.) wendet sich KANT gegen die Dogmen von der Substantialität und Einfachheit der Seele. Für uns ist die Seele nur das Subjekt der Bewußtseinsprocesse, kein Ding an sich. Im Bewußtsein ist »alles in kontinuierlichem Flusse« (Aktualitätsstandpunkt). »Die Seele sich als einfach zu denken, ist ganz wohl erlaubt, um nach dieser Idee eine vollständige und notwendige Einheit aller Gemütskräfte... zum Prinzip unserer Beurteilung ihrer innern Erscheinungen zu legen. Aber die Seele als einfache Substanz anzunehmen (ein transzendenter Begriff), wäre ein Satz, der nicht allein unerweislich... sondern auch ganz willkürlich und blindlings gewagt sein würde, weil das Einfache in ganz und gar keiner Erfahrung vorkommen kann, und, wenn man unter Substanz hier das beharrliche Objekt der sinnlichen Anschauung versteht, die Möglichkeit einer einfachen Erscheinung gar nicht einzusehen ist« (Krit. d. rein. Vern. S. 588). - E. SCHMID erklärt: »Alle unsere Vorstellungen oder innere Erscheinungen und Wahrnehmungen begreifen wir unter dem Ausdruck ›Seele‹. Wir denken uns irgend ein Subjekt, dem diese Vorstellungen inhärieren, und in demselben ein Etwas, was diese Bestimmungen möglich macht, und Etwas, worin ihr wirkliches Dasein gegründet ist. Jenes nennen wir Seelenvermögen, dieses Seelenkraft« (Empir. Psychol. S. 153). »Das logische Wesen der Seele läßt sich erklären durch dasjenige, was in und an dem Gemüte, als Akzidenz oder regelmäßige Folge seiner Akzidenzien wahrgenommen wird. Allein das Realwesen der Seele ist unerschöpflich« (l. c. 63. 155 f.). Ähnlich KRUG. »Wir sind... zwar genötigt, nach dem psychologischen Dualismus Seele und Leib als zwei Prinzipien für die innern und äußeren Bestimmungen unserer Tätigkeit zu unterscheiden, müssen es aber dahingestellt sein lassen, ob nicht das Geistige und das Körperliche nur eine doppelte Erscheinungsweise oder Form desselben Wesens, mithin beides seinem letzten, uns völlig unbekannten Grunde nach dennoch identisch sei« (Handb. d. Philos. I, 306 ff.). Den Identitätsstandpunkt vertritt auch FRIES (Anthrop. § 2), auch F. A. CARUS (Psychol. I, 92). - Nach J. SALAT ist der Geist ein »Vernunftwesen, ein Ding von übersinnlicher Art« (Lehrb. d. höh. Seelenk. S. 78). Ähnlich LICHTENFELS (Psychol. § 16) u.a. G. E. SCHULZE erklärt: »Unter der Seele wird der Realgrund unseres geistigen Lebens verstanden. Sie kann nie vom Bewußtsein, das doch aus ihr stammt, erreicht werden, sondern wird nur zu den Äußerungen des geistigen Lebens, als die Quelle davon, hinzugedacht. Dieses Hinzudenken macht aber die Einrichtung unsers Verstandes notwendig, und die Annahme derselben gründet sich also nicht auf ein bloßes Bild der Einbildungskraft von der Einsichtung unserer geistigen Natur« (Psych. Anthropol. S. 28). Nach BOUTERWEK ist die Seele »die geistige Individualität als reelle Ichheit« (Lehrb. d. philos. Wissensch. I, 179). - DESTUTT DE TRACY hält die Seele für etwas Unbeweisbares (Élém. d'idéol. V, 545). Nach CABANIS ist die Seele eine Funktion des Gehirns.
Scholastik - Moderne I
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References: sui generis
 § 5
 § 15
 § 6
 § 3
 § 22
 § 1
 § 192
 § 742
 § 20
 § 51
 § 51
 § 53
 § 62
 § 8
 § 433
 § 566
 § 30
 § 66
 § 19
 § 2
 § 16