Source: http://rsw.beck.de/cms/?toc=mmr.120&docid=311824
Timestamp: 2018-10-18 19:26:58+00:00

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MMR-Aktuell 2011, 313144 Mehr als vier Jahre nach der Vorauflage von Anfang 2006 ist der Standardkommentar von Schönke/Schröder zum Strafgesetzbuch in seiner inzwischen 28. Auflage neu erschienen. Mit der aktuellen Ausgabe hat sich der bereits mit der 26. Auflage begonnene „Generationswechsel“ bei den Autoren fortgesetzt und nun einen vorläufigen Abschluss gefunden. Nachdem mit Peter Cramer, Theodor Lenckner und Walter Stree drei der wichtigsten Mitkommentatoren seit der letzten Auflage verstorben waren, sind neben den bereits in der Vorauflage tätigen Autoren Albin Eser, Jörg Eisele, Günter Heine, Walter Perron und Detlef Sternberg-Lieben mit der Neuauflage nun Nikolaus Bosch, Bernd Hecker und Jörg Kinzig als neue Kommentatoren hinzugekommen.
Im Hinblick auf den langen Zeitraum seit Erscheinen der Vorauflage war es erforderlich, zahlreiche Gesetzesänderungen und vor allem die umfangreiche Rechtsprechung und das Schrifttum der letzten Jahre einzuarbeiten. Mit der Neuauflage ist der Schönke/Schröder als Standardkommentar für alle, die sich vertiefend mit dem materiellen Strafrecht auseinanderzusetzen haben, wieder zu einem umfassenden, aktuellen und fundierten Hilfsmittel bei der täglichen Arbeit geworden. Die ausführliche und strukturierte Darstellung schafft dabei die optimale Verbindung aus Praxisnähe und Wissenschaftlichkeit. Die Erläuterungen zu den einzelnen Bestimmungen tragen dabei einerseits den Interessen der Praktiker Rechnung, die sich in einem übersichtlich gestalteten Kommentar schnell zur Lösung ihrer Verfahren an der höchst- bzw. obergerichtlichen Rechtsprechung orientieren wollen. Andererseits wird auch der eher auf wissenschaftliche Fragen fixierte Nutzer durch die zahlreichen Verweise auf aktuelle Fundstellen und teilweise vertretene weitere Ansichten einen schnellen Einstieg in umstrittene neue Rechtsfragen finden.
Obwohl das Strafgesetzbuch seit der letzten Auflage durch insgesamt 23 Änderungsgesetze novelliert wurde, blieb trotzdem auch Gelegenheit zu zahlreichen Neubearbeitungen der bisherigen Kommentierungen einzelner Paragraphen. Besonders positiv hervorzuheben sind dabei die gute Übersichtlichkeit und Systematik bei der Bearbeitung sowie die jeweils am Anfang der Norm zu findenden aktuellen Literaturfundstellen. Die bisher leider nur den umfangreichen Kommentierungen vorangestellten Übersichten sollten aber auch auf andere Tatbestände ausgedehnt werden, um das Auffinden relevanter Problemstellungen noch weiter zu erleichtern.
Ohne dass hier auf alle Details dieses exzellenten Werkes eingegangen werden kann, sollen doch im Folgenden einige wenige im EDV-Bereich relevante Gesichtspunkte herausgestellt werden. Dazu zählt zunächst die Kommentierung zu § 9 StGB bezogen auf den Anwendungsbereich des deutschen Strafrechts bei Internet-Straftaten. Hier setzt sich Eser in Rdnr. 7 bis 7d umfassend mit den neuen Problemstellungen zur Ermittlung eines Handlungs- und Erfolgsortes bei grenzüberschreitenden Straftaten auseinander. Im Rahmen der Kommentierungen zum Sexualstrafrecht finden sich neben den neuen Vorschriften u.a. des § 184c StGB zur Verbreitung jugendpornografischer Schriften in § 184 Rdnr. 53–60 auch umfassende Darstellungen zu den im Strafrecht gerne übersehenen und nach h.M. bereits auf der Tatbestandsebene zu berücksichtigenden Beschränkungen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit durch die §§ 7-10 TMG bei Telemedien, was vor allem im Zusammenhang mit der Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Schriften über das Internet von großer praktischer Relevanz ist.
Erstmals finden sich auch Kommentierungen von Eisele zu den mit dem 41. StrRÄndG neu eingefügten Bestimmungen der §§ 202b und 202c StGB sowie zu den Änderungen in § 202a StGB einschließlich des Streits um die verfassungsrechtliche Bestimmtheit der Sanktionen in Bezug auf bestimmte Vorbereitungshandlungen. Neben diesen Kommentierungen wird im Rahmen des § 263a und § 269 StGB von Perron und Heine auch auf neue Kriminalitätsformen - wie das Phishing – eingegangen, eine Anwendung des § 269 StGB bei der E-Mail-Versendung aber verneint. Das zunehmend an Bedeutung gewinnende Skimming bleibt aber leider weitgehend unbehandelt. Eingearbeitet werden bei den Kommentierungen von Hecker zu den §§ 303a und 303b StGB die dort erfolgten Gesetzesänderungen mit neuen Begehungsformen.
Insgesamt gesehen hat der Kommentar von Schönke/Schröder als „Klassiker“ aus dem Bereich des materiellen Strafrechts mit seiner auf über 3.000 Seiten angewachsenen Neuauflage wieder die erforderliche Aktualität erreicht und ist deshalb für jeden professionellen Strafrechtler als Standardwerk unverzichtbar.

References: § 9
 § 184
 § 184
 § 202
 § 263
 § 269
 § 269