Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/bodenschutz-und-die-rueckwirkende-sanierungspflicht-3117541
Timestamp: 2020-08-13 20:08:46+00:00

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Bodenschutz - und die rückwirkende Sanierungspflicht | Rechtslupe
Die in § 4 BBo­dSchG nor­mier­ten Pflich­ten zur Gefah­ren­ab­wehr und Stö­rungs­be­sei­ti­gung erfas­sen nach dem in den §§ 1 und 2 Abs. 5 BBo­dSchG zum Aus­druck kom­men­den Rege­lungs­zweck die­ses Geset­zes schäd­li­che Boden­ver­än­de­run­gen und Alt­las­ten, die vor dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes am 1.03.1999 ver­ur­sacht wor­den sind [1].
Die Ein­be­zie­hung bereits zuvor ver­ur­sach­ter Boden­ver­un­rei­ni­gun­gen stellt auch dann kei­ne unzu­läs­si­ge gesetz­li­che Rück­wir­kung dar, wenn die Sanie­rungs­ver­pflich­tung des Ver­ur­sa­chers zuvor nicht bestan­den hat. Maß­geb­li­cher Anknüp­fungs­punkt der gesetz­li­chen Rege­lung ist nicht die Ver­ur­sa­chung der Kon­ta­mi­na­ti­on, die im Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens des Bun­des-Boden­schutz­ge­set­zes bereits been­det war, son­dern die von der vor­han­de­nen Schad­stoff­be­las­tung aus­ge­hen­de gegen­wär­ti­ge Umwelt­ge­fahr [2]. Da es sich um einen fort­dau­ern­den Zustand han­delt, bewirkt § 4 Abs. 3 BBo­dSchG bezo­gen auf den Ver­ur­sa­cher der Kon­ta­mi­na­ti­on ledig­lich eine „unech­te“ Rück­wir­kung, die man­gels schüt­zens­wer­ten Ver­trau­ens auf den Fort­be­stand einer ander­wei­ti­gen Rechts­la­ge zuläs­sig ist [3].
Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall hat zwar vor dem Inkraft­tre­ten des Bun­des-Boden­schutz­ge­set­zes das Baden-Würt­tem­ber­gi­sche Boden­schutz­ge­setz vom 24.06.1991 [4] (nach­fol­gend BodSchG BW) gegol­ten. Nach § 10 Abs. 1 Satz 1 BodSchG BW waren zur Sanie­rung der Ver­ur­sa­cher oder der­je­ni­ge, der auf Grund gesetz­li­cher Vor­schrif­ten für das Ver­hal­ten des Ver­ur­sa­chers ein­zu­ste­hen hat­te, der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und der Inha­ber der tat­säch­li­chen Gewalt über ein Grund­stück ver­pflich­tet. Nach § 10 Abs. 3 Satz 3 BodSchG BW haf­te­ten meh­re­re Ver­pflich­te­te als Gesamt­schuld­ner.
Dabei führ­te die­se Ver­wei­sung auf die §§ 421 ff. BGB und damit auch auf § 426 BGB nicht dazu, dass – anders als nach dem nun­mehr gel­ten­den § 24 Abs. 2 Satz 2 BBo­dSchG, der im Innen­ver­hält­nis vor­ran­gig den Ver­ur­sa­cher ver­pflich­tet – Hand­lungs­stö­rer und Zustands­stö­rer stets im Innen­ver­hält­nis zu glei­chen Antei­len haf­te­ten. Viel­mehr folg­te aus der Ver­wei­sung auf § 426 BGB, dass Gesamt­schuld­ner nur dann zu glei­chen Tei­len haf­te­ten, sofern nicht im Sin­ne des § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB „ein ande­res bestimmt“ war. Eine ander­wei­ti­ge Bestim­mung im Sin­ne des § 426 Abs. 1 BGB kann sich aus gesetz­li­chen Rege­lun­gen, dem zwi­schen den Gesamt­schuld­ner bestehen­den Rechts­ver­hält­nis oder der Natur der Sache erge­ben [5]. Im Ver­hält­nis meh­re­rer Stö­rer zuein­an­der rich­tet sich, sofern die Regeln über den Gesamt­schuld­ner­aus­gleich gemäß § 426 Abs. 1 BGB anwend­bar sind, der inter­ne Aus­gleich nach dem Maß der Ver­ur­sa­chung [6]. Führ­te damit der nach § 10 Abs. 3 Satz 3 BodSchG BW in Ver­bin­dung mit § 426 Abs. 1 BGB vor­zu­neh­men­de Innen­aus­gleich zwi­schen Hand­lungs- und Zustands­stö­rer regel­mä­ßig zu einer allei­ni­gen Haf­tung des die Kon­ta­mi­na­ti­on ver­ur­sa­chen­den Hand­lungs­stö­rers, beinhal­tet die nun­mehr in § 24 Abs. 2 Satz 2 BBo­dSchG vor­ge­se­he­ne Haf­tungs­ver­tei­lung nach dem Maß der Ver­ur­sa­chung kei­ne Ver­schlech­te­rung der Rechts­po­si­ti­on des Ver­ur­sa­chers. Das Rück­wir­kungs­ver­bot steht der Anwen­dung des § 24 Abs. 2 Satz 2 BBo­dSchG im Streit­fall damit nicht ent­ge­gen.

References: § 4
 § 4
 § 10
 § 10
 § 426
 § 24
 § 426
 § 426
 § 426
 § 426
 § 10
 § 426
 § 24
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