Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202004,%203703
Timestamp: 2018-12-17 08:46:03+00:00

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Rechtsprechung: NJW 2004, 3703 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BGH, 20.04.2004
Aufklärungspflichten bei bestehen von erheblichen Risiken bei einer Zwillingsschwangerschaft; Aufklärung über alternative Entbindungsmethode
Arztrecht - Aufklärung bei Zwillingsschwangerschaft
Die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts des Patienten erfordert aber eine Unterrichtung über eine alternative Behandlungsmöglichkeit, wenn für eine medizinisch sinnvolle und indizierte Therapie mehrere gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die zu jeweils unterschiedlichen Belastungen des Patienten führen oder unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen bieten (Senatsurteile BGHZ 102, 17, 22; 106, 153, 157; vom 14. September 2004 - VI ZR 186/03 - VersR 2005, 227;… vom 15. März 2005 - VI ZR 313/03 - aaO;… Katzenmeier, Arzthaftung, 2002, S. 331 f.;… MünchKommBGB/Wagner, 4. Aufl., § 823 Rn. 707 f.;… Staudinger/Hager, BGB, 13. Bearbeitung [1999], § 823, Rn. I 92 m.w.N.).
In diesem Bereich wären ärztliche Versäumnisse als Behandlungsfehler anzusehen, so daß die Klägerin - wie vom Berufungsgericht angenommen - beweisen müßte, daß die gebotene Aufklärung unterblieben ist oder unzureichend war (vgl. Senatsurteil vom 14. September 2004 - VI ZR 186/03 - NJW 2004, 3703, 3704;… Geiß/Greiner, Arzthaftpflichtrecht, 4. Aufl. 2001, Rdn. B 95 ff.;… Steffen/Dressler, Arzthaftungsrecht, 9. Aufl. 2002, Rdn. 325, 574 ff.).
Die Beweislast für die Erfüllung dieser Aufklärungspflicht liegt beim Arzt (vgl. Senatsurteile vom 14. September 2004 - VI ZR 186/03 - aaO; vom 22. Mai 2001 - VI ZR 268/00 - VersR 2002, 120, 121; vom 29. September 1998 - VI ZR 268/97 - VersR 1999, 190, 191, jeweils m.w.N.).
BGH VI ZR 186/03 vom 14. September 2004 Thöns.
BGH, Urteil vom 14. September 2004 -VI ZR 186/03 -OLG Bamberg LG Würzburg Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 14. September 2004 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Müller, die Richter Dr. Greiner und Wellner, die Richterin Diederichsen und den Richter Stöhr für Recht erkannt: Auf die Revision der Klägerin werden das Urteil des 4. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Bamberg vom 26. Mai 2003 aufgehoben und das Urteil des Landgerichts Würzburg vom 5. Oktober 2000 abgeändert.
Denn nur dann wird ihre Entscheidung von einer ausreichenden Grundlage getragen (…vgl. Senatsurteile vom 25. März 2003 - VI ZR 131/02, VersR 2003, 1441 Rn. 20, 23; vom 14. September 2004 - VI ZR 186/03, VersR 2005, 227, 228;… MünchKomm-BGB/Wagner, 6. Auflage, Rn. 809, 826;… Steffen/Pauge, Arzthaftungsrecht, 12. Aufl., Rn. 442, jeweils mwN).
Anders liegt es aber, wenn für den Fall, dass die Geburt vaginal erfolgt, für das Kind ernstzunehmende Gefahren drohen, daher im Interesse des Kindes gewichtige Gründe für eine Schnittentbindung sprechen und diese unter Berücksichtigung auch der Konstitution und der Befindlichkeit der Mutter in der konkreten Situation eine medizinisch verantwortbare Alternative darstellt (vgl. Senatsurteile vom 6. Dezember 1988 - VI ZR 132/88, BGHZ 106, 153, 157; vom 16. Februar 1993 - VI ZR 300/91, VersR 1993, 703, 704; vom 19. Januar 1993 - VI ZR 60/92, VersR 1993, 835, 836; vom 25. November 2003 - VI ZR 8/03, VersR 2004, 645, 648 und vom 14. September 2004 - VI ZR 186/03, VersR 2005, 227 Rn. 9).
Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Risiken für die Mutter oder das Kind entstehen, weil die Mutter die natürliche Sachwalterin der Belange auch des Kindes ist (vgl. Senatsurteile vom 6. Dezember 1988 - VI ZR 132/88 und vom 14. September 2004 - VI ZR 186/03, jeweils aaO).
Die Beweislast liegt insoweit bei den Beklagten (vgl. Senatsurteil vom 14. September 2004 - VI ZR 186/03, VersR 2005, 227, 228 mwN).
OLG Düsseldorf, 05.11.2008 - 18 U 7/08
Anforderungen an die zahnärztliche Aufklärung im Rahmen einer Versorgung mit …
Bei der sog. Sicherheitsaufklärung oder therapeutischen Aufklärung handelt es sich um die gebotene ärztliche Beratung über ein therapierichtiges Verhalten zur Sicherstellung des Behandlungserfolgs und zur Vermeidung möglicher Selbstgefährdungen des Patienten (BGH NJW 2004, 3703, 3704).
Da ärztliche Versäumnisse im Bereich der therapeutischen Aufklärung als Behandlungsfehler anzusehen sind, folgen sie den dazu entwickelten Regeln und muss daher der Patient, vorliegend also die Klägerin, beweisen, dass die gebotene Aufklärung unterblieben ist oder unzureichend war (BGH NJW 2004, 3703, 3704).
OLG Frankfurt, 24.01.2006 - 8 U 102/05
Arzthaftung: Aufklärung über Kaiserschnittentbindung
Zwar kann nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht davon ausgegangen werden, dass - wie die Beklagte hilfsweise vorbringt und was sie zu beweisen hätte (BGH MDR 05, 146 f) - die Mutter des Klägers hinreichend über die Möglichkeit einer Schnittentbindung anstelle einer vaginalen Entbindung aufgeklärt war.
Nach der Rechtsprechung des BGH ist über die Möglichkeit einer Schnittentbindung aufzuklären, wenn sie aus medizinischer Sicht indiziert ist, weil für den Fall einer vaginalen Geburt ernstzunehmende Gefahren für das Kind drohen und daher im Interesse des Kindes gewichtige Gründe für eine Schnittentbindung sprechen und diese unter Berücksichtigung der Konstitution und der Befindlichkeit der Mutter eine medizinisch verantwortbare Alternative darstellt (zuletzt BGH NJW MDR 05, 146).
OLG Nürnberg, 15.02.2008 - 5 U 103/06
Arzthaftung bei Querschnittslähmung durch Geburtsschaden: Aufklärungspflicht über …
Arzthaftung: Behandlungsfehler bei vaginaler Entbindung; Berücksichtigung neuen …
OLG Frankfurt, 02.03.2010 - 8 U 102/08
Arzthaftung: Notwendige Aufklärung über die Geburtsalternative einer …
OLG München, 12.01.2006 - 1 U 3633/05
Zulässigkeit eines (Teil-)Grundurteils über den Schmerzensgeldanspruch, wenn der …
OLG Brandenburg, 10.04.2008 - 12 U 121/06
Arzthaftung: Behandlungsfehler wegen Unterlassen einer operativen Korrektur einer …
OLG Hamm, 09.02.2005 - 3 U 247/04
KG, 12.03.2018 - 20 U 127/16
OLG München, 25.04.2013 - 1 U 3749/12
Anforderungen an die ärztliche Risikoaufklärung vor einer Bandscheibenoperation
OLG Naumburg, 15.03.2012 - 1 U 83/11
Arzthaftung: Pflicht zur Aufklärung über alternative Behandlungsmethoden
OLG Hamm, 19.01.2005 - 3 U 179/04
Schmerzensgeld für ein behindertes Kind bei Herbeiführung der Behinderung auf …
LG Bonn, 22.12.2010 - 9 O 405/08
Auftreten einer Schwerbehinderung eines Kindes aufgrund einer konnatalen …
OLG Düsseldorf, 07.04.2005 - 8 U 130/02
Fehlerhafte geburtshilfliche Betreuung durch Versuch einer vaginalen Geburt trotz …
LG Duisburg, 04.09.2012 - 1 O 496/09
Schadensersatzanspruch und Zahlung von Schmerzensgeld aufgrund eines ärztlichen …
BGH, 20.04.2004 - X ZR 255/02
Schadensersatz wegen positiver Vertragsverletzung; Rechtsgeschäftlicher Wille zur Einbeziehung eines Dritten in ein Wertgutachten; Fehlerhaftigkeit eines Wertgutachtens; Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter ; Schutzpflichten eines Gutachtenauftrags
Schutzbereich eines Gutachtenauftrags zur Wertermittlung eines Grundstücks; Haftung des Sachverständigen gegenüber Dritten
BGB §§ 157, 328, 826
Schutzbereich von Wertgutachten für Finanzierungszwecke
NJW 2004, 3703 (Ls.)
NJW-RR 2004, 1464
Das Revisionsgericht prüft nur, ob der Auslegungsstoff vollständig berücksichtigt ist und gesetzliche Auslegungsregeln, Denkgesetze, Erfahrungssätze oder Verfahrensvorschriften verletzt sind (statt vieler: BGH, Urt. v. 20.4.2004 - X ZR 255/02, NJW-RR 2004, 1464 unter II 1 b aa;… Urt. v. 19.6.2007 - X ZR 61/06, RRa 2007, 221 ff. Rn. 15;… Urt. v. 26.10.2009 - II ZR 222/08, NJW 2010, 64 Rn. 18).
Das Revisionsgericht prüft nur, ob der Auslegungsstoff vollständig berücksichtigt ist und gesetzliche Auslegungsregeln, Denkgesetze, Erfahrungssätze oder Verfahrensvorschriften verletzt sind (statt vieler: BGH, Urteile vom 20. April 2004 - X ZR 255/02, NJW-RR 2004, 1464 unter II 1 b aa;… vom 19. Juni 2007 - X ZR 61/06, RRa 2007, 221 ff. Rn. 15;… vom 26. Oktober 2009 - II ZR 222/08, NJW 2010, 64 Rn. 18; vom 30. September 2010 - Xa ZR 130/08;… NJW 2011, 599 Rn. 10).
OLG Saarbrücken, 04.02.2015 - 2 U 7/14
Haftung eines im Auftrag des Verkäufers eines Hausgrundstücks tätigen …
Bei der Frage, ob Dritte in den Schutzbereich eines Vertrages, der die Wertermittlung eines Grundstücks zum Gegenstand hat, einbezogen sind, gehören zum wesentlichen Auslegungsstoff die in dem Gutachten enthaltenen Angaben über dessen Zweck und der sonstige Inhalt des Gutachtens, aber auch die eigenen Angaben des Gutachters zu Inhalt und Umständen der Auftragserteilung (BGH, Urt. v. 20.4.2004, X ZR 255/02, NJW-RR 2004, 1464).
Ein solcher ist nämlich nur dann begründet, wenn eine Differenz zwischen überhöhtem Kaufpreis und tatsächlichem Verkehrswert besteht (…BGH, Urt. v. 10.10.2013, III ZR 345/12, NJW-RR 2014, 90; Urt. v. 20.4.2004, X ZR 255/02, NJW-RR 2004, 1464;… Urt. v. 09. Juli 2002, X ZR 244/00, NJW-RR 2002, 1528).
Da auch nicht im Ansatz erkennbar ist, dass die Voraussetzungen einer deliktischen Haftung des Beklagten zu 2. - so gemäß § 826 BGB, wenn der Sachverständige bei der Erstellung des Gutachtens leichtfertig oder gewissenlos oder zumindest mit bedingtem Vorsatz gehandelt hat, wobei es nicht genügt, dass der Gutachter ein - was hier nicht der Fall ist - falsches Gutachten erstellt hat (BGH, Urt. v. 20.4.2004, X ZR 255/02, aaO) - gegeben sind, kommt auch unter diesem Gesichtspunkt ein Schadensersatzanspruch der Kläger nicht in Betracht und hat das Rechtsmittel insgesamt keinen Erfolg.
Die jüngere Rechtsprechung des X. Zivilsenates des BGH hat einerseits unter Rückgriff auf die enge ursprüngliche "Wohl und Wehe"-Rechtsprechung des II. Zivilsenats (Urteil vom 28.02.1977, II ZR 52/75, NJW 1977, 1916) eine Schutzwirkung von Gutachtenverträgen zugunsten Dritter verneint (BGH, Urteil vom 26.06.2001, X ZR 231/99, NJW 2001, 3115; BGH, Urteil vom 17.09.2002, X ZR 237/01, NJW 2002, 3625), andererseits - unter Beibehaltung seiner Rechtsprechung eines ausdehnenden, großzügigen Drittschutzes (BGH, Urteil vom 13.11.1997, X ZR 144/94, NJW 1998, 1059) - noch in letzter Zeit (abweichend von dem früher gestellten Erfordernis einer überschaubaren, klar abgrenzbaren Personengruppe, BGH, Urteil vom 02.07.1996, X ZR 104/94, BGHZ 133, 168; BGH, Urteil vom 13.11.1997, X ZR 144/94, NJW 1998, 1059) den Kreis der durch einen Gutachtenvertrag geschützten Dritten auf "eine nicht bekannte Vielzahl" von Kreditgebern und Kapitalanlegern ausgeweitet (BGH, Urteil vom 20.04.2004, X ZR 250/02, BGHZ 159, 1; BGH, Urteil vom 20.04.2004, X ZR 255/02, NJW-RR 2004, 1464).
OLG Saarbrücken, 28.08.2013 - 1 U 97/12
Haftung des Auslobenden für Mängel einer verlosten Reise
Die Abgrenzung der Vertragsstellung als Reiseveranstalter beispielsweise von der eines bloßen Vermittlers obliegt dem Tatrichter, der hierbei im Wege der Auslegung der Willenserklärungen nach den Maßstäben der §§ 133, 157, 164 Abs. 2 BGB und der besonderen Maßgabe des § 651 a Abs. 2 BGB die Gesamtumstände und die Interessen der Parteien zu würdigen hat, soweit sie erkennbar wurden (BGH NJW 2011, 599; BGH NJW-RR 2004, 1464; BGH NJW 2010, 64).

References: § 823
 § 823

BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 826
 BGH 
 § 651
 BGH 
 BGH