Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=09.04.2014&Aktenzeichen=8%20C%2050.12
Timestamp: 2019-03-26 15:39:25+00:00

Document:
BVerwG, 09.04.2014 - 8 C 50.12 - dejure.org
GG Art. 3 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1, Art. 19 Abs. 4, Art. 20 Abs. 3; VwGO § 43 Abs. 1, § 86 Abs. 1, § 88; BGB §§ 133, 157; HwO §§ 1, 3 Abs. 2, §§ 7b, 9; GewO § 55; EU/EWR HwV § 7; AEUV Art. 49
Feststellungsantrag; Rechtsschutzziel; Maler- und Lackiererhandwerk; Eintragungspflicht; Handwerksrolle; Tätigkeit, wesentliche; Kernbereich; Berufsfreiheit; Gefahrenabwehr; Leben und Gesundheit Dritter; Ausbildungsleistung; Gefahrgeneigtheit; verhältnismäßig; Meisterzwang; Altgesellenregelung; Reisegewerbe; EU-Ausländer; grenzüberschreitende Dienstleistungserbringung; Nahversorgungsfunktion.
Art 3 Abs 1 GG, Art 12 Abs 1 GG, Art 19 Abs 4 GG, Art 20 Abs 3 GG, § 43 Abs 1 VwGO
Eintragungspflicht für Maler- und Lackiererhandwerk rechtens; handwerksbestimmende wesentliche Tätigkeiten
Feststellungsantrag; Rechtsschutzziel; Maler- und Lackiererhandwerk; Eintragungspflicht; Handwerksrolle; Tätigkeit, wesentliche; Kernbereich; Berufsfreiheit; Gefahrenabwehr; Leben und Gesundheit Dritter; Ausbildungsleistung; Gefahrgeneigtheit; verhältnismäßig; Meisterzwang; Altgesellenregelung; Reisegewerbe; EU-Ausländer; grenzüberschreitende Dienstleistungserbringung; Nahversorgungsfunktion
Kein Maler- und Lackierbetrieb ohne Eintragung in die Handwerksrolle!
Maler- und Lackiererhandwerk - und die Eintragungspflicht in die Handwerksrolle
Maler- und Lackiererhandwerk - und die Handwerksrolle
Zwang zur Handwerksrolle - Schutz vor Gefahren rechtfertigt Beschränkungen
Betrieb eines Malers und Lackierers darf von Eintragung in die Handwerksrolle abhängen
Eintragungspflicht in Handwerksrolle bleibt bestehen
Meisterpflicht im Malerhandwerk bestätigt
Handwerksordnung mit Recht der Europäischen Union vereinbar
Malergeselle will sich selbständig machen - Die in der Handwerksordnung festgelegten Bedingungen dafür sind rechtens
Eigener Malerbetrieb nur mit Meister oder längjähriger Berufserfahrung
Kein Maler- und Lackiererbetrieb ohne Eintragung in die Handwerksrolle! (IBR 2014, 510)
BVerwGE 149, 265
NVwZ 2014, 1241
In Bezug auf die Geeignetheit und Erforderlichkeit des gewählten Mittels zur Erreichung der gesetzgeberischen Ziele ist der Einschätzungs- und Beurteilungsspielraum erst dann überschritten, wenn die gesetzgeberischen Erwägungen so fehlsam sind, dass sie vernünftigerweise keine Grundlage für derartige Maßnahmen abgeben können (…vgl. BVerfGE 13, 97, 107 [juris Rn. 23];… 77, 84, 106 [juris Rn. 75];… 117, 163, 189 [juris Rn. 65];… 121, 317, 354 [juris Rn. 103];… BVerfG, NVwZ-RR 2013, 985, 986 [juris Rn. 24]; BGH…, Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 167/14, GRUR 2016, 836 Rn. 30 = WRP 2016, 985 - Abschlagspflicht II; BVerwGE 149, 265 Rn. 42;… vgl. auch OVG Münster, PharmR 2017, 557, 561 [juris Rn. 89]).
Supermärkte dürfen Frischfleischtheken nur betreiben, wenn sie einen …
Sie enthalten erläuternde Einzelheiten über das Arbeitsgebiet und die zu dessen Bewältigung benötigten Fertigkeiten und Kenntnisse (vgl. zum Ganzen zuletzt nur BVerwG, Urteil vom 09.04.2014 - 8 C 50.12 -, NVwZ 2014, 1241 = BVerwGE 149, 265 m.w.N. zur stRspr des BVerwG).
Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, ob und inwieweit die (jeweils) angestrebten Tätigkeiten den Kernbereich des Handwerks ausmachen und ihm sein essentielles Gepräge verleihen (vgl. nochmals BVerwG, Urteil vom 09.04.2014 - 8 C 50.12 -, NVwZ 2014, 1241 = BVerwGE 149, 265 ).
Eine Substitution der Aufsicht und Gewährleistung dieses Anforderungsprofils durch interne Vorgaben etwa in Handbüchern des Qualitätsmanagements kommt auch mit Blick auf die gesetzliche Zielsetzung des Meisterzwangs nach der Handwerksordnung, einer Sicherstellung der Ausübung "gefahrgeneigter Tätigkeiten" im stehenden Gewerbe nur durch Personen mit entsprechenden Qualifikationsnachweisen (vgl. zu diesem nur BVerwG, Urteil vom 09.04.2014 - 8 C 50.12 -, NVwZ 2014, 1241 = BVerwGE 149, 265 sowie zuletzt das Senatsurteil vom 04.06.2018 - 6 S 311/17 -, n.v., UA S. 10 f., dort jeweils auch zum weiteren Ziel des Gesetzgebers, die besondere Ausbildungsleistung des Handwerks für die gewerbliche Wirtschaft zu sichern) offensichtlich nicht in Betracht.
Angesichts dessen ist auch für eine von den vorstehenden Ausführungen abweichende verfassungskonforme Auslegung der genannten handwerksrechtlichen Vorschriften am Maßstab des Art. 12 Abs. 1 GG mit Blick auf die verfassungsrechtliche Rechtfertigung des Meisterzwangs unter maßgeblicher Bezugnahme auf die Gefahrgeneigtheit des jeweiligen Handwerks schon im Ansatz kein Raum (vgl. zur Verfassungskonformität der §§ 1 Abs. 1 und 2 i.V.m. §§ 7 ff. HwO am Maßstab der Berufsfreiheit aus Art. 12 Abs. 1 GG nochmals BVerwG, Urteil vom 09.04.2014 - 8 C 50.12 -, NVwZ 2014, 1241 = BVerwGE 149, 265 sowie zuletzt das Senatsurteil vom 04.06.2018 - 6 S 311/17 -, n.v., UA S. 10 ff. anhand des Bäckerhandwerks).
Als wesentliche Tätigkeit des zulassungspflichtigen Handwerks, die nach § 7b Abs. 1 Nr. 3 HwO von der bisherigen Handwerksausübung mindestens umfasst sein muss, kann in Übereinstimmung mit den nach ständiger Rechtsprechung bestehenden Voraussetzungen für die Wesentlichkeit einer Tätigkeit nach § 1 Abs. 2 Satz 1 und 2 HwO (vgl. BVerwG, Urteil vom 9. April 2014 - 8 C 50.12 - BVerwGE 149, 265 Rn. 21 m.w.N.) nur eine Tätigkeit im Kernbereich des Handwerks in Betracht kommen, die diesem sein essentielles Gepräge verleiht.
Zwar kann eine Tätigkeit nicht dem Kernbereich eines Handwerks zuzuordnen sein, wenn sie als zulassungsfreies Handwerk oder handwerksähnliches Gewerbe der Anlage B zur Handwerksordnung unterfällt (BVerwG, Urteil vom 9. April 2014 - 8 C 50.12 - BVerwGE 149, 265 Rn. 26).
Die Tragfähigkeit dieser gesetzlichen Typisierungen wird bei einem regelwidrigen beruflichen Verlauf, der die gefahrenabwehrenden Vorschriften der Zulassungspflicht selbständiger stehender Handwerksausübung (vgl. für das Maler- und Lackiererhandwerk BVerwG, Urteil vom 9. April 2014 - 8 C 50.12 - BVerwGE 149, 265 Rn. 41 f.) nicht beachtet hat, in Frage gestellt.
Zur Sicherung des Gemeinwohlzwecks der Abwehr von Gesundheitsgefahren für Dritte ist die Berufsbeschränkung der Eintragungspflicht gemäß § 1 Abs. 1 und 2 i.V.m. §§ 7 ff. HwO für das Maler- und Lackiererhandwerk verfassungsgemäß, insbesondere verhältnismäßig (vgl. BVerwG, Urteil vom 9. April 2014 - 8 C 50.12 - BVerwGE 149, 265 Rn. 37 ff.).
vgl. BVerwG, Urteil vom 9.4.2014 - 8 C 50.12 -, BVerwGE 149, 265 = juris, Rn. 42, m. w. N.; wohl enger Bulla, Freiheit der Berufswahl, 2009, Seite 248 f., 258.
Arbeitsvorgänge, die aus der Sicht des vollhandwerklich arbeitenden Betriebs dieser Sparte als untergeordnet und damit vom Typ her gesehen als unbedeutend oder unwesentlich erscheinen, begründen hingegen keine Zulassungspflicht (BVerwG 9. April 2014 - 8 C 50.12 - Rn. 21, BVerwGE 149, 265) .
(aa) Wie sich aus § 3 Abs. 2 Abschn. A der Verordnung über die Berufsausbildung zum Schornsteinfeger und zur Schornsteinfegerin (Schornsteinfeger-Ausbildungsverordnung - SchfAusbV) ergibt, sind die Tätigkeiten im Zusammenhang mit der nach § 14 SchfHwG aF durchzuführenden Feuerstättenschau Gegenstand der "berufsprofilgebenden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten" des Schornsteinfegers (für die zulässige Heranziehung von Ausbildungsordnungen BVerwG 9. April 2014 - 8 C 50.12 - Rn. 22, BVerwGE 149, 265) .
Das aus Art. 20 Abs. 3 GG folgende Bestimmtheitsgebot verlangt vom Normgeber, die Rechtsvorschriften so genau zu fassen, wie dies nach der Eigenart der zu ordnenden Lebenssachverhalte mit Rücksicht auf den Normzweck möglich ist (BVerfG…, Beschluss vom 18.5.2004 - 2 BvR 2374/99 -, juris Rn. 124;… Beschluss vom 1.10.2004 - 1 BvR 173/04 -, juris Rn. 13; BVerwG, Urteil vom 9.4.2014 - BVerwG 8 C 50.12 -, juris Rn. 35).
Dabei nimmt die Notwendigkeit der Auslegung einer gesetzlichen Begriffsbestimmung der entsprechenden Norm noch nicht die Bestimmtheit (BVerfG…, Beschluss vom 18.5.1988 - 2 BvR 579/84 -, juris Rn. 27; BVerwG…, Urteil vom 16.6.1994 - BVerwG 4 C 2.94 -, juris Rn. 8; Urteil vom 9.4.2014, a. a. O., Rn. 35).
Es genügt, wenn die Betroffenen die Rechtslage erkennen und ihr Verhalten darauf ausrichten können (BVerfG…, Beschluss vom 18.5.1988, a. a. O., Rn. 27; BVerwG…, Urteil vom 16.6.1994, a. a. O., Rn. 8; Urteil vom 9.4.2014, a. a. O., Rn. 35).
vgl. BVerwG, Urteile vom 23.6.1983 - 5 C 37.81 -, BVerwGE 67, 273 = juris, Rn. 10 f., vom 9.4.2014 - 8 C 50.12 -, BVerwGE 149, 265 = juris, Rn. 21 f., und vom 13.5.2015 - 8 C 12.14 -, BVerwGE 152, 132 = juris, Rn. 18.
- 8 C 50.12 -, BVerwGE 149, 265 = juris, Rn. 26.
vgl. BVerwG, Urteil vom 9.4.2014 - 8 C 50.12 -, BVerwGE 149, 265 = juris, Rn. 40, m. w. N.
vgl. BVerwG, Urteil vom 9.4.2014 - 8 C 50.12 -, BVerwGE 149, 265 = juris, Rn. 41.
Sowohl die Sicherung der Publizität der Handwerksrolle als auch die Abwehr von Brandgefahren, der die Zuweisung der Tätigkeit des bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegers zum zulassungs- und eintragungspflichtigen Schornsteinfegerhandwerk dient (vgl. dazu allgemein BVerwG, Urteile vom 31. August 2011 - 8 C 9.10 - BVerwGE 140, 276 und vom 9. April 2014 - 8 C 50.12 - BVerwGE 149, 265 ) sind besonders wichtige Gemeinwohlbelange.
Das aus Art. 20 Abs. 3 des Grundgesetzes (GG) folgende Bestimmtheitsgebot verlangt vom Normgeber, die Rechtsvorschriften so genau zu fassen, wie dies nach der Eigenart der zu ordnenden Lebenssachverhalte mit Rücksicht auf den Normzweck möglich ist (BVerfG…, Beschluss vom 18.5.2004 - 2 BvR 2374/99 -, juris Rn. 124;… Beschluss vom 1.10.2004 - 1 BvR 173/04 -, juris Rn. 13; BVerwG, Urteil vom 9.4.2014 - BVerwG 8 C 50.12 -, juris Rn. 35).
Dabei nimmt die Notwendigkeit der Auslegung einer gesetzlichen Begriffsbestimmung der Norm noch nicht die Bestimmtheit (BVerfG…, Beschluss vom 18.5.1988 - 2 BvR 579/84 -, juris Rn. 27; BVerwG…, Urteil vom 16.6.1994 - BVerwG 4 C 2.94 -, juris Rn. 8; Urteil vom 9.4.2014, a. a. O., Rn. 35).
Abänderung; Aktualisierungsbegehren; Aktualisierungspflicht; Aufhebung; …
OVG Nordrhein-Westfalen, 09.08.2018 - 4 A 1882/16
Erteilung einer Ausübungsberechtigung durch Nachweis der sechsjährigen Ausübung …

References: Art. 3
 Art. 12
 Art. 19
 Art. 20
 § 43
 § 86
 § 88
 § 55
 § 7
 Art. 49
 § 43
 Art. 12
 Art. 12
 § 7
 § 1
 § 1
 § 3
 § 14
 Art. 20
 Art. 20