Source: https://welt-der-bwl.de/Einzelunternehmen
Timestamp: 2018-12-10 02:40:47+00:00

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Einzelunternehmen; Kaufmann, Kaufmannseigenschaft; eingetragener Kaufmann (e.K.) | Rechtsformen - Welt der BWL
Die Rechtsform Einzelunternehmen ist in Deutschland die häufigste Unternehmensform: ein Unternehmer (der Einzelunternehmer bzw. Einzelkaufmann) hat das Gewerbe in alleinigem Besitz und führt die Geschäfte.
Das Einzelunternehmen hängt somit stark am Inhaber.
Das Einzelunternehmen ist keine juristische Person; der Einzelunternehmer bezieht kein Gehalt, sondern lebt vom Gewinn bzw. von den Entnahmen.
Alternative Begriffe: Einzelkaufmann, Einzelfirma, Einzelunternehmer, Einzelunternehmung.
Im Falle dieser einfachen Rechtsform gibt es im Vergleich zu Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften noch nicht viel zu regeln.
Der Einzelunternehmer bringt alleine das Eigenkapital auf; ein Mindestkapital ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, so dass theoretisch mit 0 € Eigenkapital gegründet werden kann (allerdings wird der Geschäftsaufbau sicherlich Geld benötigen, so dass faktisch Eigenkapital vorhanden sein muss). Durch Privateinlagen kann er das Eigenkapital des Einzelunternehmens jederzeit erhöhen.
Der Einzelunternehmer haftet persönlich und unbeschränkt mit seinem Betriebsvermögen und Privatvermögen, d.h. er trägt das alleinige Risiko.
Der Einzelunternehmer hat alleine die Geschäftsführungsbefugnis (alleinige Entscheidungsgewalt) und Vertretungsbefugnis (Vertretung nach außen: gegenüber Kunden, Lieferanten etc.) inne; mittels Prokura oder Handlungsvollmacht kann der Einzelunternehmer Befugnisse delegieren.
Gründungsaufwand und Gründungskosten sind gering.
Der Gewinn des Einzelunternehmers unterliegt der Einkommensteuer (Einkünfte aus Gewerbebetrieb, § 2 Abs. 1 Nr. 2 EStG) und der Gewerbesteuer (wobei die geleistete Gewerbesteuer teilweise angerechnet werden kann, vgl. § 35 EStG).
Es gibt verschiedene Kaufmannsarten:
Nach § 1 Abs. 1 HGB ist ein Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches, wer ein Handelsgewerbe betreibt — man spricht in dem Fall von Istkaufmann (es besteht kein Wahlrecht, ob man in dem Fall Kaufmann sein möchte oder nicht).
Gemäß § 1 Abs. 2 HGB ist jeder Gewerbebetrieb ein Handelsgewerbe, es sein denn, dass das Unternehmen nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.
In letzterem Fall spricht man auch von Kleingewerbe (das Unternehmen) bzw. Kleingewerbetreibenden (der Unternehmer).
Kaufmann vs. Kleingewerbetreibender
Die Abgrenzung ist letztlich im Gesetz nicht klar definiert.
Während ein Eisverkäufer im Stadion ("Bauchladen") eher ein Kleingewerbetreibender sein wird, ist ein Handwerksbetrieb mit 5 Angestellten, zahlreichen Kunden etc. wohl schon ein Kaufmann, der bereits eine kaufmännische Organisation benötigt und einen gewissen Buchführungsumfang (Lohnabrechnung, Rechnungsverbuchung mit Offener-Posten-Liste etc.) hat.
Bei Vorliegen der Kaufmannseigenschaft besteht nach § 29 HGB eine Anmeldepflicht zur Eintragung in das Handelsregister (ansonsten droht nach § 14 HGB ein Zwangsgeld).
Sowohl ein Kaufmann als auch ein Kleingewerbetreibender müssen sich beim Gewerbeamt anmelden. Für den Kleingewerbetreibenden reicht die Gewerbeanmeldung aus.
Eine zweite Möglichkeit, Kaufmann zu werden (in dem Fall „freiwillig“, deshalb Kannkaufmann genannt) eröffnet § 2 Satz 1 HGB: ein gewerbliches Unternehmen, dessen Gewerbebetrieb nicht schon nach § 1 Abs. 2 Handelsgewerbe ist, gilt als Handelsgewerbe im Sinne des HGB, wenn die Firma des Unternehmens in das Handelsregister eingetragen ist.
Ein Kleingewerbetreibender kann also durch die Eintragung in das Handelsregister zu einem Kaufmann werden.
Wird die Eintragung in das Handelsregister gezwungenermaßen aufgrund § 1 HGB oder freiwillig nach § 2 HGB vorgenommen, ist der Gewerbetreibende nunmehr ein eingetragener Kaufmann — es gelten für ihn nunmehr alle Rechte und Pflichten des HGB.
Betriebe der Land- und Forstwirtschaft sind nach § 3 Abs. 1 HGB nie Istkaufmann (d.h. nie gezwungenermaßen Kaufmann), können aber nach § 3 Abs. 2 HGB freiwillig die Kaufmannseigenschaft durch Handelsregistereintragung erwerben, sofern ihr land- und forstwirtschaftliches Unternehmen einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert.
Firma / Firmenname eines Einzelkaufmanns
Handelt es sich um einen Kaufmann (und nicht um einen Kleingewerbetreibenden), muss die Firma – der Name des Kaufmanns, unter dem er seine Geschäfte betreibt (§ 17 HGB) –
die Bezeichnung "eingetragener Kaufmann", "eingetragene Kauffrau" oder
eine allgemein verständliche Abkürzung wie z.B. "e. K.", "e. Kfm." oder "e. Kfr." enthalten (§ 19 Abs. 1 Nr. 1 HGB).
Beispiele: Firma eines Einzelkaufmanns
Hans Huber Reifenhandel eingetragener Kaufmann
Martin Müller e. K.
Der Einzelkaufmann unterliegt – sofern er die Schwellenwerte des § 241a HGB bzgl. Umsatzerlösen (bis 31.12.2015: 500.000 €; ab 1.1.2016: 600.000 €) und Jahresüberschuss (bis 31.12.2015: 50.000 €; ab 1.1.2016: 60.000 €) überschreitet – der Buchführungspflicht des § 238 Abs. 1 HGB.
Er muss somit die doppelte Buchführung anwenden und einen aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung bestehenden Jahresabschluss nach § 242 Abs. 3 HGB aufstellen.
‹ Prokura hoch Personengesellschaft ›

References: § 2
 § 35
 § 1
 § 1
 § 29
 § 14
 § 2
 § 1
 § 1
 § 2
 § 3
 § 3
 § 241
 § 238
 § 242