Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201996,%201148
Timestamp: 2019-10-16 13:21:56+00:00

Document:
BGH, 11.06.1996 - VI ZR 172/95 - dejure.org
BGH, 11.06.1996 - VI ZR 172/95
https://dejure.org/1996,943
BGH, 11.06.1996 - VI ZR 172/95 (https://dejure.org/1996,943)
BGH, Entscheidung vom 11.06.1996 - VI ZR 172/95 (https://dejure.org/1996,943)
BGH, Entscheidung vom 11. Juni 1996 - VI ZR 172/95 (https://dejure.org/1996,943)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1996,943) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Arzthaftung - Grober Behandlungsfehler
NJW 1996, 2428
MDR 1996, 1246
VersR 1996, 1148
Die Beweislastumkehr soll einen Ausgleich dafür bieten, dass das Spektrum der für die Schädigung in Betracht kommenden Ursachen gerade durch den Fehler besonders verbreitert oder verschoben worden ist (ständige Rechtsprechung so etwa Senat, BGHZ 72, 132, 136; 132, 47, 52; 159, 48, 55; Urteile vom 7. Juni 1983 - VI ZR 284/81 - VersR 1983, 983; vom 28. Juni 1988 - VI ZR 217/87 - VersR 1989, 80, 81; vom 4. Oktober 1994 - VI ZR 205/93 - VersR 1995, 46, 47; vom 16. April 1996 - VI ZR 190/95 - VersR 1996, 976, 979; und vom 11. Juni 1996 - VI ZR 172/95 - VersR 1996, 1148, 1150;… Steffen in Festschrift für Brandner 1996 S. 327, 335 f.).
Das ist nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats nur dann der Fall, wenn der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf (vgl. Senatsurteil vom 4. Oktober 1994 - VI ZR 205793 - VersR 1995, 46, 47; Senatsurteil vom 13. Februar 1996 - VI ZR 402/94 - VersR 1996, 633 und Senatsurteil vom 11. Juni 1996 - VI ZR 172/95 - VersR 1996, 1148, jeweils m. w. N.).
Ds ist vom rechtlichen Absatz her nicht zu beanstanden (Senatsurteile vom 4. Oktober 1994, 13. Februar 1996 und 11. Juni 1996 - a.a.O., jeweils m. w. N.) und wird von der Revision im Grundsatz auch nicht in Frage gestellt.
Erweist sich ein schwerer ("grober") Behandlungsfehler als generell geeignet, den eingetretenen Schaden zumindest mitursächlich herbeizuführen, so ist es Sache des Anspruchsgegners des Geschädigten (Arzt oder Krankenhausträger) zu beweisen, daß es an der Kausalität zwischen der Pflichtverletzung und dem (Körper- oder Gesundheits-)Schaden fehlt; es kommt in diesem Sinne auf der Kausalitätsebene zu einer Beweislastumkehr (…s. etwa BGHZ 85, S. 212, 215 ff.;… BGH NJW 1987, S. 705;… NJW 1988, S. 2303, 2304;… NJW 1988, S. 2948;… NJW 1988, S. 2949, 2950 f.;… NJW 1993, S. 2375, 2376 f.;… NJW 1995, S. 1611, 1612 f.;… NJW 1996, S. 1589, 1590 f.; NJW 1996, S. 2428;… NJW 1997, S. 796, 797;… NJW 1998, S. 814, 815;… NJW 1998, S. 1782, 1783;… NJW 1999, S. 861, 862;… NJW 1999, S. 862;… Senat, NJW-RR 2000, S. 24, 26 = MedR 2000, S. 85, 88 = OLG-NL 1999, S. 125, 129 f.;… Palandt/Thomas, aaO., § 823 Rdn. 170;… Münch.Komm.-Mertens, aaO., § 823 Rdn. 409;… Zöller/Greger, aaO., vor § 284 Rdn. 20 a).
Handelt es sich aber um einen schweren Behandlungsfehler - also um einen eindeutigen, fundamentalen Verstoß gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint und einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf- und rührt er zu Beweiserschwerungen für den Patienten, so ist es unter der weiteren Voraussetzung, daß der Fehler als solcher geeignet ist, den eingetretenen Schaden zumindest mitursächlich herbeizuführen, Sache des Anspruchsgegners [Arztes] zu beweisen, daß es an der Kausalität zwischen der Pflichtverletzung und dem Schaden fehlt (…s. etwa BGHZ 85, S. 212, 215 ff.;… BGH NJW 1987, S. 705;… NJW 1988, S. 2303, 2304 [BGH 29.03.1988 - VI ZR 185/87];… NJW 1988, S. 2948;… NJW 1988, S. 2949, 2950 f. [BGH 28.06.1988 - VI ZR 217/87];… NJW 1993, S. 2375, 2376 f. [BGH 23.03.1993 - VI ZR 26/92];… NJW 1995, S. 1611, 1612 f. [BGH 14.02.1995 - VI ZR 272/93];… NJW 1996, S. 1589, 1590 f. [BGH 13.02.1996 - VI ZR 402/94]; NJW 1996, S. 2428;… NJW 1997, S. 796, 797;… NJW 1998, S. 814, 815 [BGH 02.12.1997 - VI ZR 386/96];… NJW 1998, S. 1782, 1783 [BGH 27.01.1998 - VI ZR 339/96];… NJW 1999, S. 861, 862 [BGH 06.10.1998 - VI ZR 239/97];… NJW 1999, S. 862;… Münch.Komm.-Mertens, a.a.O., § 823 Rdn. 409;… Palandt/Thomas, a.a.O., § 823 Rdn. 170).
OLG Hamm, 03.07.2015 - 26 U 104/14
Ein grober Befunderhebungsfehler ist ein Fehler, bei dem eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen wird und der aus objektiver ärztlicher Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf (…vgl. BGH Urt. v. 13.01.1998 - VI ZR 242/96, VersR 1998, 457; vgl. zum groben Behandlungsfehler: BGH Urt. v. 11.06.1996 - VI ZR 172/95, VersR 1996, 1148;… BGH Urt. v. 03.07.2001 - VI ZR 418/99, NJW 2001, S. 2795).
Als grober Behandlungsfehler ist ein ärztliches Fehlverhalten anzusehen, das nicht etwa aus subjektiven, in der Person des handelnden Arztes liegenden Gründen, sondern aus objektiver ärztlicher Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil ein solcher Fehler dem behandelnden Arzt aus dieser Sicht "schlechterdings" nicht unterlaufen darf (BGH, NJW 1983, 2080; NJW 1992, 754 f.; NJW 1995, 778; NJW 1996, 2428 NJW 2012, 227 f., Tz. 8, juris).
BGH, 12.07.2005 - VI ZR 7/05
Ungeeignetheit eines Beweismittels wegen Zeitablaufs zwischen Unfall und …
LG Bochum, 18.02.2002 - 6 O 321/97
Streit um Schadensersatz wegen fehlerhafter ärztlicher Behandlung; Grob …
OLG Köln, 27.02.2002 - 5 U 145/00
OLG München, 26.11.2009 - 1 U 3658/09
Arzt- und Krankenhaushaftung: Beweisfälligkeit eines Patienten für Ansprüche im …

References: BGH 
 § 823
 § 823
 § 284
 BGH 
 § 823
 § 823
 BGH 
 BGH 
 BGH