Source: http://www.operieren.de/content/e3472/e30963/e42213/e39155/
Timestamp: 2018-02-24 10:10:40+00:00

Document:
BAO-Depesche; Ausgabe 30, Mai 2013
Raus aus der Defensive: Das Fehlverhalten des GKV-Spitzenverbandes
Mitgliederversammlung in Nürnberg: BAO-Präsidium wiedergewählt
Ethik und Ökonomie: Ist friedliche Koexistenz überhaupt möglich?
Was wäre eigentlich, wenn es keine PKV mehr gäbe?
Patientenrechtegesetz: Fortentwicklung des Arzthaftungsrechts?
GKV-Vergütungspolitik: Heimliche Aufforderung zum Rechtsbruch?
AND: Training für Praxisnotfälle bei der Mitgliederversammlung
Wahlärztliche Leistungen durch Honorarärzte?
SpiFa Aktuell: Neuer Vorsitzender, neuer Hauptgeschäftsführer
EthosversusVorgaben:WiegewährleistenSieBehandlungsqualität?
BAO Depesche, Heft 30/2013 (1.7 MB)
BAO Depesche, Heft 30/13, Mai 2013
Gemeinsam raus aus der Defensive – Oder: das Fehlverhalten des GKV-Spitzenverbandes
Die Kampagnen der Kassen nehmen immer groteskere Züge an. Es ist an der Zeit, ihnen öffentlich und laut zu begegnen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der gemeinsame Bundeskongress der Chirurgen ist unter Mitwirkung des BAO Anfang März erfolgreich zu Ende gegangen. 1.200 Teilnehmer haben intensiv fachliche und berufspolitische Themen diskutiert. Die beiden Sitzungen des BAO zum Schnittstellen-Management und zum Honorararztwesen waren sehr gut besucht – diese Diskussionen haben uns viele neue Hinweise und Ideen gebracht.
Traditionell bekommen die veranstaltenden Berufsverbände zum Auftakt des Kongresses die Gelegenheit zu einem ausführlichen Grußwort: Ich habe unter dem Eindruck der Ereignisse der vergangenen Monate die Teilnehmer mit deutlichen Worten dazu aufgefordert, sich gemeinsam „raus aus der Defensive“ zu begeben (siehe Artikel auf Seite 6). Wir alle haben gesehen, vor allem im Zusammenhang mit den Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen im Herbst 2012, wie sehr der allgemeine Druck auf die deutschen Ärzte in Praxis und Krankenhaus verschärft wird. Trotz unserer vielfältigen Versuche, insbesondere die Angriffe auf Operateure in Krankenhaus und Praxis zu unterbinden, fördern die Krankenkassen weiter intensiv den Generalverdacht insbesondere gegen operativ tätige Krankenhäuser und die ärztlichen Kollegen.
Plakative Unterstellungen vergiften das Klima
Erst am 17. April 2013 hat der Vorstand des AOK-Bundesverbandes Uwe Deh in einer Pressemitteilung mit Blick auf die zusätzlichen Finanzhilfen für die deutschen Kranken- häuser durch die Bundesregierung festgestellt: „Patienten brauchen die Sicherheit, dass sie ausschließlich aus medizinischen Gründen operiert werden.“ Diese plakative Beschuldigung der Krankenhäuser wirkt auch auf uns – ich kann in meinen eigenen Sprechstunden die zunehmende Verunsicherung der Patienten auch bei der Planung von Mini-Eingriffen deutlich spüren.
Wir müssen uns mit aller Kraft und unter Verwendung des uns zur Verfügung stehenden Zahlenmaterials einschließlich der Ergebnisse jahrelanger Patientenbefragungen noch viel stärker gegen diese pauschalen Anschuldigungen wehren. Unser Widerstand muss hörbar und sichtbar sein. Im Umfeld des Bundeskongresses haben die Vorstände der Berufsver- bände vereinbart, sich mit Dringlichkeit darum zu kümmern, die nachhaltigen Kampagnen der Krankenkassen adäquat zu beantworten.
Kampagne: „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“
Aus dieser Erkenntnis heraus hat auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in Zusammenarbeit mit den konzertierten Berufsverbänden eine Imagekampagne auf den Weg gebracht, die am 26. April 2013 mit einem TV-Spot kurz vor der Tagesschau gestartet wurde. Die auf fünf Jahre angelegte Kampagne hat das Ziel, das Bild der Ärzte in
der Öffentlichkeit allgemein zu stärken. Denn es ist allen klar, dass das Vertrauen der Patienten in unsere Tätigkeit schwinden wird, wenn sie dauernd in der Presse durch umsatzorientierte „Bad News“ verunsichert werden. Die Kampagne „Wir arbeiten für ihr Leben gern“ ist durch eine Berliner Agentur gut vorbereitet und mit einer wunderbaren Überschrift versehen worden. Informieren Sie sich aktuell dazu im Deutschen Ärzteblatt vom 19. April 2013, Jahrgang 110, Heft 16, Seite 662 – 664.
Fotos, Plakate und Filme sind unter www.ihre-aerzte.de abrufbar – wir werden Sie in den kommenden Monaten kontinuierlich über den Fortgang der Kampagne infor- mieren. Arztpraxen, Krankenhäuser und andere ärztlich geleitete Institutionen werden die Möglichkeit haben, die Inhalte dieser Kampagne inklusive Plakaten etc. für eigene Aktivitäten zu übernehmen. Bitte bereiten Sie sich schon jetzt darauf vor.
Alle News zu diesem Thema einschließlich Links und Down- loads finden Sie auf der regelmäßig aktualisierten Website des BAO unter www.operieren.de. Der BAO wird zusammen mit seinen Partnerberufsverbänden, insbesondere den
Anästhesisten und den Chirurgen, versuchen, das Thema Ambulantes Operieren entweder direkt in dieser Kampagne zu thematisieren oder das Ambulante Operieren in geeigne- ter Weise anzuhängen.
Nach jetzigem Stand der Dinge dürfen wir davon ausgehen, dass diese bisher einzigartige, millionenschwere Kampagne nachhaltige Wirkung zeigen wird – das Ambulante Operieren als besondere Versorgungsform darf dort nicht fehlen. Wir sind fest entschlossen, gemeinsam aus der Defensive zu treten. Die Mitgliedsbeiträge der Berufsverbände werden dazu nicht ausreichen und so bitte ich Sie schon jetzt um Ihre großzügige finanzielle Unterstützung, damit wir unsere eigenen Inhalte schon bald intensiv bewerben können.
GKV-Spitzenverband fördert Denunziation
Diese Aktivitäten sowohl der KBV als auch der Berufsverbände sind dringend notwendig, denn der GKV-Spitzenverband fährt derzeit eine beispiellose Denunziations- Kampagne gegen die Ärzteschaft. Vielleicht haben Sie bislang geglaubt, unsere großen Sorgenfalten seien eigent- lich gar nicht berechtigt und Sie könnten sich weiterhin vorrangig um das Wohl Ihrer eigenen Praxis kümmern. Wir müssen Sie leider vom Gegenteil überzeugen.
Denn der GKV-Spitzenverband ruft auf der Startseite seiner Website www.gkv-spitzenverband.de jedermann auf, seinen konkreten Verdacht auf ein Fehlverhalten im Gesundheitswesen zu melden. Die Diffamierungskampagne der Krankenkassen im Zusammenhang mit der aktuellen Korruptionsdebatte nimmt damit groteske und bedrohliche Ausmaße an. Auf dem Button der Website kann ein Formular angeklickt werden, mit dem jedwedes Fehlverhalten im Gesundheitswesen angezeigt werden kann. Das Formular ermöglicht die anonyme Meldung solcher angeblichen Verfehlungen an den Spitzenverband der Krankenkassen; Name Ort und Datum der Person / Einrichtung / des Vorfalles sind konkret anzugeben.
Diese Website ist nichts anderes als die pauschale Auffor- derung zur Denunziation von Einrichtungen im Gesundheitswesen, insbesondere aber von Menschen wie Ärzten, Pflegepersonal, medizinischen Fachangestellten, Ortho- pädietechnikern etc. Eine neue Dimension ist erreicht –
aus diesem Grund müssen unsere Proteste also die gleiche Dimension erreichen!
Fehlverhalten von Kassen anonym melden
Doch warum nicht den Gegner mit seinen eigenen Waffen schlagen? Schließlich stellen wir bei den Krankenkassen regelmäßig Unregelmäßigkeiten oder die rechtswidrige Nutzung von Finanzmitteln im Zusammenhang mit den Aufgaben der gesetzlichen Krankenversicherung fest. Der BAO fordert deswegen all seine Mitglieder auf, wiederholt alle Dinge, die Ihnen bei den Krankenkassen nicht geheuer vorkommen, die sie für falsch oder für Machtmissbrauch der Krankenkassen halten, auf der neuen Meldeseite des GKV-Spitzenverbandes anzuzeigen. Dies können Sie beliebig oft tun, auch anonym.
Jeder Fall von abgelehnten Kostenübernahmen für orthopädische Hilfsmittel, von Falschinformation von Patienten, von schlechter Prüfpraxis der Medizinischen Dienste etc. darf nun zukünftig auf diesem Portal angezeigt werden. Der BAO fordert Sie auf, dieses Portal zu überschwemmen und den Krankenkassen nicht nur emotional, sondern faktisch anhand vieler Beispielen aus der täglichen Versorgung auf- zuzeigen, dass sie selbst Ressourcen verschwenden, die Wünsche von Patienten missachten, soziale Härten hervor- rufen und am einzelnen Krankenfall nicht interessiert sind.
Hier geht es direkt zum Portal und dem Meldeformular: www.gkv-spitzenverband.de/service/fehlverhalten_im_gesundheitswesen/fehlverhalten_im_gesundheitswesen.jsp
Liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte beteiligen Sie sich an dieser Online-Aktion des demokratischen Widerstandes so lange aktiv, bis diese Seite aus dem Netz genommen wird. Die Aktion bietet auch die Gelegenheit, Dampf abzulassen, Communities zu bilden und die gemeinsame Meinungs- äußerung von Ärzten im Internet nach dem Vorbild unserer Kinder einzuüben!
Jahresmitgliederversammlung in Nürnberg: BAO-Präsidium einstimmig wiedergewählt
Einzig Dr. Claus-Peter Möller trat nicht erneut zur Wahl an. Neuer Beisitzer wurde der Hamburger Anästhesist Jörg-Michael Wennin.
Im Rahmen des Bundeskongresses Chirurgie fand am 2. März 2013 in Nürnberg die Jahresmitgliederversammlung des BAO mit Präsidiumswahlen statt. BAO-Präsident Dr. Axel Neumann begrüßte die Teilnehmer der beschlussfähigen Versammlung und berichtete von den Aktivitäten des Präsidiums. Erster Punkt waren Überlegungen zur Erschei- nungsweise des monatlichen Newsletters und der viermal jährlichen Depesche. Allerdings lassen sich auch mit einer niedrigeren Publikationsfrequenz die Kosten nur geringfügig reduzieren. Die Mitglieder beschlossen daher, lieber für eine Steigerung der Einnahmen durch Anzeigen, gegebenenfalls auch Kleinanzeigen zu sorgen. Diese könnten im Newsletter für Mitglieder kostenlos geschaltet werden.
Dann berichtete Neumann, dass die Kooperation mit anderen Verbänden weiter intensiviert wurde. Der Schulterschluss mit anderen Berufsverbänden einschließlich des LAOH sei weit- gehend gelungen. Das gleiche gelte auch für die Einbindung des Anästhesie-Netzes Deutschland (AND).
Mitglieder begrüßen Engagement im SpiFa
Der BAO wurde zudem Gründungsmitglied des Spitzenverbandes Fachärzte (SpiFa). Dessen Mitgliederstruktur ist satzungsmäßig so begrenzt, dass die Fächer immer nur mit je einer Stimme vertreten sind. Vertreten zwei Verbände ein Fach, müssen diese ihre Stimme koordinieren. Die Entschei- dung des Präsidiums, sich für den SpiFa zu engagieren, wurde von den Mitgliedern ausnahmslos begrüßt.
Neumann mahnte weiter, die Vertretung des BAO durch Info-Stände auf den Kongressen der anderen Fachverbände sei noch ungenügend. Die BAO-Mitglieder dieser Verbände wurden gebeten, Stände zu organisieren oder gegebenen- falls Sprecher vom BAO einzuladen. Die Mitgliederver- sammlung äußerte die Idee, auch MVZ-Ärzte – es gibt etwa 1.200 operativ tätige MVZ – einzubinden. Neumann berichtete außerdem, dass Dr. Claus-Peter Möller, Gynäkologe aus Hamburg, nicht wieder für das Präsidium kandidieren
werde. Er führte die langjährigen Aktivitäten Möllers auf und dankte ihm für sein Engagement.
Strategie gegen sinkende Mitgliederzahlen
Im Anschluss erläuterte Schatzmeisterin Dr. Petra Tietze- Schnur, dass das Beitragsaufkommen wegen alterbedingten Ausscheidens von Mitgliedern langsam, aber stetig sinkt. Die Kosten sänken auch etwas. Derzeit würden aber keine Überschüsse mehr erwirtschaftet und erwartet. Nach Dar- stellung der Einzelposten und Diskussion über die strate- gischen Möglichkeiten sprachen sich die Mitglieder überwiegend für eine Beitragserhöhung anstatt einer Einbindung der Praxispartner als die ehrlichste Variante aus. Da zuletzt im September 2012 in Aachen beim NARKA ein Bericht der Kassenprüfer vorgelegt wurde, verzichtete man auf eine erneute Prüfung. Die Schatzmeisterin wurde ebenso wie das Präsidium einstimmig entlastet.
Nächster Punkt war die Neuwahl des Präsidiums. Als neuer Kandidat für den ausscheidenden Beisitzer Dr. Claus-Peter Möller stellte sich der Hamburger Anästhesist Jörg-Michael Wennin, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Anästhesie-Netzes Deutschland (AND), zur Wahl. Die Kandidaten wurden per Blockwahl einstimmig gewählt. Das BAO-Präsidium setzt sich nun wie folgt zusammen:
Präsident: Dr. Axel Neumann (Chirurg, München),
Vizepräsident: Dr. Ansgar Pett (Gynäkologe, Berlin),
Schatzmeisterin: Dr. Petra Tietze-Schnur (Anästhesistin, Bremerhaven),
Schriftführer und Pressereferent: Dr. Jörg Hennefründ (Gynäkologe, Oldenburg),
Beisitzer: Jörg-Michael Wennin (Anästhesist, Hamburg),
Beisitzer: René Badstübner (Orthopäde, Berlin),
Beisitzer: Dr. Gerd-Dieter von Koschitzky (Chirurg, Walsrode),
Ehrenpräsident: Prof. Jost Brökelmann (Gynäkologe, Bonn).
Dermatologie: Dr. Matthias Kießling (Hamburg), (Stellvertreter: Dr. Markus Steinert, Biberach),
Gynäkologie: Dr. Jörg Hennefründ (Oldenburg), (Stellvertreter: Dr. Georg Rutt, Krefeld),
Herzchirurgie: Dr. Knut Reichert (Bremen),
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde: Stefan Drumm (Adendorf),
krankenhaus-ambulante Operateure: Dr. Hans Kieser, Anästhesist (Wiesbaden),
Kinderchirurgie: Dr. Christian Deindl (Nürnberg),
MKG-Chirurgie: Dr. Jörg Wiegner (Saalfeld),
Neurochirurgie: Dr. Geneva Aflissah (Bremerhaven),
Orthopädie: Dr. Helmut Weinhart (Starnberg), und René Badstübner (Berlin),
Urologie: Dr. Wolfgang Rulf (Erkrath).
Auch die Fachvertreter für den BAO wurden neu gewählt:
Anästhesie: Dr. Petra Tietze-Schnur (Bremerhaven),
Augenheilkunde: Dr. Stefanie Schmickler (Ahaus),
Chirurgie: Dr. Axel Neumann (München),
Endoskopische Chirurgie: Dr. Rainer Woischke (Kulmbach),
Abschließend wurde über die anstehende Überarbeitung des Curriculums der Bundesärztekammer für Medizinische Fachangestellte (hier die Module Sterilgutassistentin und Anästhesie) diskutiert. Der BAO bildet hierzu eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Elmar Mertens (Leitung), Dr. Ansgar Pett, Dr. Petra Tietze-Schnur, Dr. Gerd-Dieter von Koschitzky und Dr. Hans Kieser.
Ethik und Ökonomie in der Medizin – Ist friedliche Koexistenz überhaupt möglich?
Ein Bericht vom Bundeskongress Chirurgie 2013, bei dem das Unbehagen mit Budgetdruck und Bürokratie im Mittelpunkt stand.
Insgesamt rund 1.200 Chirurgen, Operateure und Praxis- mitarbeiterinnen besuchten den Bundeskongresses Chirur- gie vom 1. bis 3. März 2013 in Nürnberg. Bei der Eröffnung stimmte BNC-Präsident Dr. Dieter Haack die Zuhörer auf die folgende politische Diskussion ein: „Wir werden als niedergelassene Ärzte angefeindet, gleichzeitig arten Kassen- bürokratie und behördlicher Kontrollwahn in Schikane aus.“ Haack kritisierte weiter: „Dabei sind allein wir die Ansprechpartner, die das Vertrauen der Patienten genießen, wenn sie krank und verletzt zu uns kommen. Krankenkassen sind für die Verwaltung der Versichertengelder da, für nichts anderes!“
Die Ergebnisse der Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) von Ende 2012 sprächen eine deutliche Sprache: „Die niedergelassenen Ärzte lieben ihren Beruf und sind hochmotiviert – doch den Sicherstellungsauftrag wollen sie nur weiter akzeptieren, wenn sich die Rahmen- bedingungen entscheidend ändern.“
Ökonomische Logik monetarisiert Patienten
Damit war die Brücke geschlagen zum zentralen Thema: Ethik versus Ökonomie. BDC-Präsident Prof. Hans-Peter Bruch erinnerte daran, dass der Konflikt zwischen Ethik und Ökonomie seit jeher die Rahmenbedingungen ärztlichen Arbeitens beeinflusst: „Bereits in historischen Dokumenten findet sich der Rat an Ärzte, man möge den Patienten vor Ende der Behandlung abkassieren, weil er sich danach nicht mehr an den Wert der ärztlichen Leistung erinnern kann“, sagte Bruch.
Dennoch warnte er vor ärztlichem Handeln, das sich an der ökonomischen Logik großer Volumen und geringer Stückkosten orientiere, denn es monetarisiere den Patienten. „Angesichts der Defizite im Sozialsystem müssen wir uns zwar mit einem Strukturwandel abfinden. Wir müssen aber diejenigen sein, die den Prozess in die Hand nehmen und gestalten.“
Wir haben uns im Zwiespalt längst arrangiert
BAO-Präsident Dr. Axel Neumann schilderte anhand von Beispielen, in wie vielen Bereichen chirurgischen Handelns ökonomische Aspekte bereits Oberhand gewonnen haben: „Wir haben uns auch längst damit arrangiert – etwa wenn Patienten ‚blutig‘ entlassen werden und dann auf einen niedergelassenen Chirurgen treffen, dessen Budget seit vier Wochen erschöpft ist. Oder wenn das, was für juristisch sicheres ärztliches Handeln erforderlich wäre, vom gezahlten Honorar nicht abgedeckt wird.“
Als weiteres Beispiel nannte Neumann absurd niedrige Stundenlöhne für vermeintliche Fachkräfte im Krankenhaus, „und zwar sogar im Bereich Hygiene und Infektionsprävention, dem doch eigentlich ein so hoher Stellenwert eingeräumt wird!“ Beispiele wie diese müssten der Öffentlichkeit eindringlicher als bisher vor Augen geführt werden: „Wir müssen raus aus der Defensive!“
Wertvolle Denkanstöße von Dr. Hontschik
Großen Beifall für seine Denkanstöße zu den Begriffen Chirurgie, Ethik und Ökonomie erntete Dr. Bernd Hontschik, niedergelassener Chirurg und Publizist aus Frankfurt: „Früher war eine Diagnose eine differenzierte Einschät- zung des Patienten und spiegelte meine Gedanken für den zuweisenden Hausarzt – heute muss ich meine Diagnose so lange zurechtbiegen, bis sie in einen ICD-Code passt.” Die Ökonomisierung führe zudem dazu, dass die Chirurgie mit ihren eigentlich drei Phasen Indikation, Operation und Restitution stetig auf die bloße Operation reduziert werde.
Wahlkampf um die Bürgerversicherung
Dass SPD und FDP ausgerechnet im Wahljahr keine Vertreter zur Podiumsdiskussion entsandt hatten, kam im vollbesetzten Plenum nicht gut an. Trotz Abwesenheit der politischen Konkurrenz hatten Theresa Schopper, Gesund- heitspolitikerin der Grünen im Bayerischen Landtag, und Dr. Rolf Koschorrek, CDU-Abgeordneter im Bundestag
und Mitglied im Gesundheitsausschuss, aber kein leichtes Spiel. Denn die politische Podiumsdiskussion über ärztliche Vergütung, sektorenübergreifende Versorgung, die Zukunft des dualen Versicherungsmarktes aus GKV und PKV sowie die Delegation ärztlicher Leistungen geriet rasch zu einem heftigen Schlagabtausch.
So ging BNC-Präsident Dr. Dieter Haack hart mit den Plänen von SPD, Grünen und Linken für eine Bürgerversicherung ins Gericht: „Das Modell Bürgerversicherung ist gegen uns Ärzte gerichtet, denn es bedroht die Existenz unserer Praxen! Wir brauchen die Einnahmen aus GOÄ, UV-GOÄ und auch aus IGe-Leistungen, um überleben zu können.“ Das Gesundheitssystem brauche Lösungen für wachsende Ausgaben infolge des demografischen Wandels, „und die geplante Einheitsversicherung ist hierfür nicht geeignet!“, kritisierte Haack.
Schopper verteidigte das grüne Konzept für eine Bürger- versicherung: So solle die PKV nicht abgeschafft werden, sondern lediglich denselben Spielregeln wie die GKV unterworfen werden: „Wir wollen einen Kontrahierungszwang ohne Risikoselektion und einkommensabhängige Beiträge für alle Versicherten.“ Koschorrek wiederum versprach den Ärzten, die CDU stehe zur Dualität von GKV und PKV: „Die Pläne für die Bürgerversicherung sind schlicht unseriös, denn immerhin leben wir in einem Rechtsstaat und können den Bestandsschutz für PKV- Verträge nicht aushöhlen.“
Ein eher düsteres Bild zeichnete der hessische Chirurg Dr. Christoph Schüürmann in seinem Vortrag: „Von den Gerichten können wir nicht viel erwarten, die ärztliche Selbstverwaltung ist in erster Linie für den Sicherstellungsauftrag und nicht für die Vertretung unserer Interessen verantwortlich. Und die Medien stellen uns Ärzte als Gierhälse dar, sobald die Honorare minimal angehoben werden. Wir Ärzte müssen uns endlich als Branche aufstellen und uns selbst helfen – genau wie andere Branchen auch.“
Isolation führt zur Selbstauflösung
Dem Politologen Dr. Michael Noweski von der Universität Duisburg / Essen bot der teilweise sehr emotionale Schlagabtausch viel Stoff für die nüchterne Analyse. „Sie betreiben Justizschelte, Politikerschelte, Presseschelte und KV-Schelte. Damit begeben Sie sich in die Isolation, und die führt zur Selbstauflösung.“
Zuvor hatte er bereits mit seinem politikwissenschaftlichen Instrumentarium historische und aktuelle Machtkonstellationen im Gesundheitswesen seziert und als Makro-Trend eine Dezentralisierung von Ressourcen erkannt. Politik
sei der Kampf um Macht. Macht sei die Möglichkeit, das Verhalten anderer zu beeinflussen. „Macht ist eine knappe Ressource, denn wer Macht erringt, nimmt zwangsläufig jemand anderem Macht weg“, erklärte Noweski.
Dezentralisierung als allgemeiner Makro-Trend
Ärzte müssten zunehmend mit anderen Heilberufen und auch mit Ökonomen um Macht und Deutungshoheit konkurrieren, gleiches gelte für die Ressourcen Legitimität, Versorgungsauftrag und Geld. „Dieser Makro-Trend ist aber unabhängig vom Wahlausgang, denn er wirkt schon seit einigen Generationen und hat bereits einen gewissen Reifungsgrad erreicht“, sagte Noweski.
Eine ungewohnte Sichtweise, die viele Zuhörer gleichwohl zu schätzen wussten: „Danke, dass Sie uns diesen Spiegel vorgehalten haben! Abwenden bringt uns nicht weiter, wir müssen stattdessen aktiv auf die Politik zugehen!“
Was wäre eigentlich, wenn es keine Private Krankenversicherung mehr gäbe?
Krankenkassen, PKV-Verband, Ärzte und Gewerkschaften analysieren derzeit intensiv die möglichen Folgen einer Bürgerversicherung.
In der Debatte um die Einführung eines einheitlichen Krankenversicherungssystems (Stichwort „Bürgerversiche- rung“) ist auch von einem Übergang zu einem einheitlichen Vergütungssystem im ambulanten Bereich die Rede. Damit würde die derzeitige Trennung zwischen GKV-Vergütungs- system und PKV-Vergütungssystem aufgehoben und alle Leistungen würden – unabhängig vom jeweiligen Kosten- träger – nach der gleichen Gebührenordnung abgerechnet.
GOÄ-Honorare stützen GKV-Leistungen
Es ist vor allem dieser Aspekt, der das Gros der Vertrags- ärzte zu glühenden Verfechtern des dualen Systems macht: Schließlich benötigen Sie die höheren Honorare, die sie über die GOÄ-Abrechnung von Privatversicherten erzielen können, für die Quersubventionierung defizitäre GKV- Leistungen. Sie befürchten, dass bei einer Vereinheitlichung der Vergütungssysteme alle Honorare künftig auf das derzeitige GKV-Niveau abgesenkt werden – verbunden mit entsprechenden Umsatz- und Einkommensausfällen.
Die Techniker Krankenkasse hat nun eine Studie* vorgelegt, die in drei verschiedenen Übergangsszenarien das Ausmaß dieser finanziellen Einbußen einschätzt – unabhängig davon, dass man die Einführung eines einheitlichen Vergütungs- systems auch dafür nutzen könnte, die Ärztevergütung jenseits der bisherigen Modelle grundlegend zu reformieren. Der TK-Vorstandsvorsitzende Dr. Jens Baas erklärte hierzu: „Will man ein einheitliches Vergütungssystem, ist die poli- tische Frage zu beantworten, ob – sofern die Honorierung auf die heutige GKV-Vergütung abgesenkt wird – Einkom- mensausfälle bei den Ärzten kompensiert werden sollen. Wenn ja, ist über die Modalitäten zu entscheiden.“
Szenario 1: Alle bisher PKV-Versicherten und Beamten wer- den sofort in das neue Versicherungssystem einbezogen. Ergebnis: Der Honorarverlust für die Vetragsärzte beträgt im ersten Jahr rund vier Milliarden Euro, bis zum Jahr 2030 etwa sechs Milliarden Euro pro Jahr. Dies ist ein Extremsze-
nario, welches den „äußersten Umfang“ zeitnaher Honorar- ausfälle für niedergelassene Ärzte nach sich zieht.
Szenario 2: PKV-Versicherte und Beamte erhalten einen Optionszeitraum von zum Beispiel einem Jahr nach Inkraft- treten für den Wechsel, Neuzugänge (mit Ausnahme von PKV-Kindern) sind nicht möglich. Ergebnis: Der Honorar- verlust für die Vetragsärzte hängt ab von der Zahl der PKV-Versicherten, die in die Bürgerversicherung wechseln. Falls beispielsweise 20 Prozent der unter 50-Jährigen und 50 Prozent der über 50-Jährigen wechseln, beträgt der Honorarverlust im ersten Jahr rund 1,6 Milliarden Euro, bis zum Jahr 2030 rund 3,1 Milliarden Euro pro Jahr.
Szenario 3: Alle bislang PKV-Versicherten und Beamten bleiben in ihrem System, aber Neuzugänge (mit Ausnahme von PKV-Kindern) sind nicht möglich. Ergebnis: Im ersten Jahr gibt es keinen Honorarverlust für die Vetragsärzte, bis zum Jahr 2030 summiert sich der Honorarverlust aber auf rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Gleiche Ansprüche wie auch GKV-Versicherte?
Zur Methodik der Studie teilte die TK mit, dass allen Szenarien die Annahme zugrunde liege, dass die heutigen PKV-Versicherten in einem vereinheitlichten System künftig pro Kopf die gleichen Kosten auslösen wie die heutigen GKV-Versicherten. Diese Annahme sei vertretbar, weil bei den heutigen PKV-Versicherten zwei gegenläufige Effekte zusammentreffen: ein überdurchschnittliches Anspruchs- verhalten und eine unterdurchschnittliche Morbidität. Bei einem Wegfall der PKV-Finanzierung der ärztlichen Leis- tungen unterstellt der Studienautor Prof. Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom aus Essen, einen Honorarverlust in Höhe des 2,3-fachen Satzes der GKV-Vergütungen.
Wollen wir den Honorarausfall kompensieren?
Alle drei Modellvarianten sind rein theoretisch und können nicht 1 zu 1 auf die Realität übertragen werden, weil keine konkreten Morbiditätsdaten verwendet wurden. Hierzu erklärte Wasem, es sei zunächst darum gegangen, die kon- zeptionellen Fragen zu klären: „Will die Gesellschaft für den Honorarausfall eine Kompensation leisten? Gibt es Kompen- sation nur für den Honorarausfall bei Personen, die heute schon Privatpatienten sind oder auch für Menschen, die erst in der Zukunft Privatpatienten würden, wenn das ein- heitliche Vergütungssystem nicht eingeführt würde? Nach welchen Kriterien soll die Kompensation verteilt werden? Wie lange soll sie geleistet werden?“ Erst im zweiten Schritt könne man dann konkrete Berechnungen durchführen.
Argumente pro und contra Kompensation
Als Argument für Kompensationszahlungen führte Wasem an, dass Vertragsärzte Investitionsentscheidungen im Vertrauen auf den Fortbestand des bisherigen Systems getroffen hätten. Bei einer Umstellung auf ein einheitliches
Versicherungs- und Vergütungssystem dürfe es daher nicht zu einer Absenkung des Honorarvolumens kommen, weil die Versorgung darunter leiden würde. Diesem Argument könne man entgegnen, dass auch anderen Berufsgruppen, den Versicherten oder den Versicherern kein Bestands- schutz gewährt würde. Zudem sei angesichts angesichts des demografischen Wandels künftig auch in in der PKV mit Ausgabenproblemen zu rechnen, was eine Absenkung des PKV-Vergütungsniveaus zur Folge hätte. Wasem nannte auch eine Reihe von Faktoren, die die Berechnung mög- licher Kompensationszahlungen an Ärzte verkomplizieren:
private Zusatzversicherungen, die über den regulären Leistungskatalog hinausgehen,
Selektivverträge,
Abschaffung des zweistufigen Vergütungssystems aus Gesamtvergütung an die Kassenärztlichen Vereinigungen und Honorarverteilung durch dieselben.
PKV-VERBAND BEFÜRCHTET EINE SCHLECHTERE VERSORGUNG DURCH DIE BÜRGERVERSICHERUNG
Zunehmende Rationierung im Gesundheitswesen, lange Wartezeiten für Arzttermine und die Entwicklung einer echten Zwei-Klassen- Medizin – dies sind nach Einschätzung des PKV-Bundesverbandes die zu erwartenden Folgen einer Bürgerversicherung, wie sie von SPD und Grünen geplant ist. Der Verband bezog sich dabei auf die Erfahrung mit einheitlichen Sicherungssystemen in anderen Ländern.
Daneben sei aber auch der Verlust von Arbeitsplätzen zu befürch- ten. „Die Arbeitgeber würden durch die von beiden Parteien geplante Ausweitung der Beitragsbemessungsgrenze und die damit verbundene Erhöhung der Lohnzusatzkosten extrem belastet“, heißt es in einer Stellungnahme des PKV-Verbandes. Die Arbeits- kraft würde sich damit verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit leiden. Mögliche Folgen seien niedrigere Löhne, mehr Arbeitslose und die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte ins Ausland.
Der Verband erklärte weiter: „Bürgerversicherungsmodelle gleich welcher Partei bedeuten eine Sonderabgabe auf qualifizierte Arbeits- plätze. Sie belasten die Wirtschaft in Deutschland zusätzlich um fünf bis neun Milliarden Euro jährlich. Je qualifizierter die Mitarbeiter, je innovativer oder lohnintensiver die Branche, desto höher fällt der Anstieg der Lohnzusatzkosten aus. Besonders betroffen wären darum also der Mittelstand sowie Forschung und Entwicklung –
und damit das Rückgrat und die Zukunft der deutschen Wirtschaft.“
Zudem wollten SPD, Grüne und Linkspartei mit der privaten Versicherungswirtschaft stabile Unternehmen zerschlagen, die sichere Arbeitsplätze in Deutschland schaffen, hier Steuern zahlen und ihre Leistungen mit kapitalgedeckten Alterungsrückstellungen von mehr als 170 Milliarden Euro generationengerecht finanzierten. „Damit würde eine funktionierende Branche zerstört, mit der über 32 Millionen Menschen freiwillig Verträge abgeschlossen haben, davon neun Millionen Krankenvollversicherungen – ein bewährtes Versicherungssystem mit weit über 90 Prozent zufriedenen Kunden und einer Beschwerdequote von nur 0,015 Prozent“, warnte der PKV-Verband.
Bislang unbestätigt blieben allerdings Presseberichte von Anfang April 2013, wonach die Hans-Böckler-Stiftung den Verlust von rund 100.000 Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit einer Einführung der Bürgerversicherung voraussagt. „Es handelt sich um ein laufendes Projekt, bisher ohne belastbare Ergebnisse“, betonte die Stiftung. Gleichwohl kündigte die Gewerkschaft Ver.di, die für ein geregeltes Nebeneinander von PKV und GKV unter gleichen Bedingungen eintritt, sie werde sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzen, „das ist die Kernaufgabe von Gewerkschaften und die nehmen
wir ernst.“
http://www.pkv.de/publikationen/pkv_publik
Das Patientenrechtegesetz: Fortentwicklung des Arzthaftungsrechts?
Ob das PatRG tatsächlich zu mehr Transparenz für Patienten führt, ist fraglich. Ärzte haben hingegen nur wenig zu befürchten.
Von Dr. Christoff Jenschke LL.M. und Thomas Váczi
Nach vielen Jahren der Auseinandersetzung um eine Kodifi- zierung des Arzthaftungsrechts ist am 26. Februar 2013 das Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten (Patientenrechtegesetz, PatRG) unter großem Medienecho in Kraft getreten. Mehr Rechtssicherheit und Transparenz soll es vor allem den Patienten bringen und diese mit den Ärzten auf Augenhöhe stellen. Bereits vor Inkrafttreten war das Gesetz Gegenstand heftiger Diskussionen in der juristischen und medizinischen Literatur.
Folgende Fragen stellen sich: Ist das Gesetz überhaupt nötig? Ist es geeignet, die gesetzgeberischen Ziele zu erreichen? Und wird nun für den Arzt alles noch schlimmer? Vor diesem Hintergrund soll sich dieser Beitrag nicht in die bestehende Vielzahl derer einreihen, die den Inhalt des Gesetzes zusammenfassend erläutern, sondern einen Überblick über den aktuellen Diskussionsstand bieten.
Kodifizierung ohne grundlegende Änderungen
Der Tenor insbesondere der juristischen Diskussion ist, dass durch die Kodifizierung keine grundlegenden Änderungen im Bereich des Arzthaftungsrechtes zu erwarten sind. Eine abweichende Einschätzung ist auch bisher nicht veranlasst. Dennoch enthält der Gesetzestext einige Passagen, die so mit der etablierten Rechtsprechung nicht kompatibel erscheinen und bezüglich derer mit Spannung auf erste Entscheidungen gewartet wird.
Erste Konsequenzen könnten sich aus der Normierung der Aufklärungspflicht in § 630 e Abs. 1 S. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ergeben. Bereits vor dem PatRG konnte eine Aufklärungspflichtverletzung zu Ersatzansprüchen führen. Dies setzte jedoch nach dem Bundesgerichtshof voraus, dass es hierdurch zu einer Gesundheitsbeeinträchtigung kam. Diese nahezu begründungslos erfolgte Ansicht erging jedoch vorwiegend aus Gründen der Opportunität und war rechtsdogmatisch eigentlich nicht begründbar. Man wollte schlicht eine uferlose Haftung der Ärzte vermeiden.
Aufklärung und Dokumentation unverzichtbar
Diesen Standpunkt weiterhin zu vertreten, dürfte angesichts der nun normierten Aufklärungsverpflichtung und der dazugehörigen Gesetzesbegründung, welche von der Rechtsprechung eine klare Trennschärfe einfordert, deutlich schwieriger geworden sein. Entscheidungen hierzu stehen zwar noch aus, es ist jedoch zu befürchten, dass künftig (wieder) eine Ersatzpflicht auch dann anzunehmen ist, wenn sich der Vorwurf im Aufklärungsdefizit erschöpft. Auf eine sorgfältige Aufklärung und ihre Dokumentation sollte des- halb, mehr noch als bisher, besonderer Wert gelegt werden.
Der Gesetzgeber könnte aber auch dem Patienten einen Bärendienst erwiesen haben, wenn er bei der Regelung der Beweislastverteilung im Arzthaftungsprozess (§ 630 h BGB) normiert, ein Fehler des Behandlers werde vermutet, wenn sich ein Behandlungsrisiko verwirklicht hat, das für den Behandler voll beherrschbar war (etwa Hygienedefizite). Daraus ergibt sich, dass der Patient gerade nicht davon befreit wird, die Kausalität für den eingetretenen Schaden zu beweisen, was bislang von der Rechtsprechung so angenommen wurde. Die Durchsetzung eines Anspruches zum Beispiel aufgrund vorliegender Hygienemängel könnte damit für Patienten deutlich erschwert werden.
Neue Pflicht zur Offenbarung von Fehlern
Bei der Ärzteschaft sorgte besonders die in § 630 c Abs. 2 S.2 BGB normierte sogenannte Fehleroffenbarungspflicht auf Nachfrage des Patienten bei fehlendem gesundheitlichen Risiko für Irritationen. Bemerkenswert hierbei ist die Begründung des Gesetzgebers, wonach an die bestehende Rechtsprechung angeknüpft werden sollte. Eine klare Rechtsprechung hierzu bestand bislang jedoch nicht.
Während einige in der Regelung einen Paradigmenwechsel im Zivilrecht sehen, da diesem eine Selbstbelastung fremd sei, nehmen andere eine Ausprägung des zivilrechtlichen Grundsatzes von Treu und Glauben (§ 242 BGB) und der prozessualen Wahrheitspflicht an. Nach derzeitiger Ein- schätzung sollte sich die Relevanz der Regelung jedoch in Grenzen halten, da eine Sanktion eines Verstoßes allein gegen die Offenbarungspflicht nicht ersichtlich ist.
Wertungsfrei über Komplikationen informieren
Jedenfalls nicht gefordert wird seitens des Gesetzgebers, dass der Arzt die juristische Feststellung eines Behandlungsfehlers vornimmt. Er ist lediglich gehalten, wertungsfrei über auftretende Komplikationen und die weiter erforderliche Behandlung zu informieren. Dies ist auch ohne Nachfrage im Falle gesundheitlicher Risiken für den Patienten durch den Arzt zu leisten.
Durch die Normierung von Dokumentationspflichten in § 630 f BGB wird noch deutlicher, dass die Dokumentation nicht mehr lediglich dem Arzt selbst zu dienen bestimmt ist. Vielmehr geht es neben der Therapiesicherung faktisch auch um eine Beweissicherung. Abgesehen von der vorgeschrie- benen Dokumentation von Aufklärung und Einwilligung gilt jedoch nach wie vor, sich beim Dokumentationsumfang daran zu orientieren, was ein Nachbehandler wissen müsste, um die Therapie de lege artis weiterführen zu können.
Transparenzgewinn darf bezweifelt werden
Nach vorgenannten Beispielen darf also bezweifelt werden, ob durch die Normierung im BGB eine erhöhte Transparenz der Materie für den Patienten geschaffen wurde. Es zeichnet sich vielmehr ein deutlicher Wissenszuwachs
bei der Ärzteschaft über deren weitestgehend so bereits bestehende Rechte und Pflichten ab, da gerade die Ärzte durch Fachbeiträge und Fortbildungsveranstaltungen für die Thematik verstärkt sensibilisiert werden.
Fraglich ist auch, ob es nötig war, das vorliegende Gesetz überhaupt zu schaffen. Der Rechtsschutz, den die über Jahrzehnte detailliert entwickelte gerichtliche Praxis bot, sucht in seiner individuellen Anwendbarkeit und Weiterentwicklung im Einzelfall international seinesgleichen. Gerade diesen Vorteil könnte eine starre Normierung gefährden. Dennoch muss man sich aus ärztlicher Sicht freuen, da viele Forderungen außen vor blieben. So blieb den Ärzten etwa der Patientenbrief oder eine Verschuldensvermutung erspart.
GKV-Vergütungspolitik: Klammheimliche Aufforderung zum Rechtsbruch?
Ein erneuter Versuch der niedergelassenen Operateure und Anästhesisten, die KV Hessen zu notwendigem Handeln zu bewegen.
Von Harald Nickel
Der LAOH – Verband von operativ und anästhesiologisch tätigen niedergelassenen Fachärzten in Deutschland e.V. hat jüngst versucht, unter Hinweis auf die dramatische und fortschreitende Diskrepanz zwischen den gesteigerten medizinischen und juristischen Ansprüchen an ambulante Operateure und der restriktiven Vergütungspolitik der gesetzlichen Kassen, die KV Hessen zur Wahrnehmung
der Realität des Existenzkampfs vieler Praxen und zu notwendigem Handeln in diesem Zusammenhang zu bewegen.
Der erste Versuch der Kassen, die bereits auf unzureichender Zahlengrundlage beruhenden und folglich vielfach nicht mehr ausreichend auskömmlichen Schiedssprüche in Hessen von 2009 bis 2012 beim Ambulanten Operieren juristisch zu Fall zu bringen, scheiterte. Das Bundessozialgericht (BSG) hatte das Ansinnen der Kassen zurückgewiesen [1], die Unzulässigkeit der Systematik des 2009-Schiedsspruchs festzustellen. Ausdrücklich hoben die obersten Sozialrichter hervor, „dass die Förderung ... ambulanter Operationen dem erkennbaren Willen des Gesetzgebers“ entspreche. Für 2013 kündigten die Kassen daher an, das bisherige Vergütungsniveau auf anderem Wege senken zu wollen. Sie wollen dem „Förder- auftrag“ des Gesetzgebers durch die Forderung „gerecht“ werden, für 2013 vermeintliche „Wirtschaftlichkeitsreserven“ des bisherigen Vergütungssystems zu heben. Anders aus- gedrückt: Sie wollen das mit den Schiedssprüchen 2009 bis 2012 abgebildete Vergütungsniveau (bundesweit) senken.
Ambulante Operateure geraten in Konflikt
Das Gegenteil aber ist erforderlich: nämlich die Erkenntnis, dass jenes Vergütungsniveau auf veralteten Kostenziffern und Anspruchsprofilen beruht und die medizinisch zumindest notwendige und damit allein legale Versorgung nur mit einer Honoraranhebung angemessen gewährleistet werden kann. Andernfalls gerieten ambulante Operateure in den Konflikt, zwischen medizinisch notwendigem unwirtschaftlichem oder zwar wirtschaftlichem, aber nicht mehr medizinisch ausreichendem und damit illegalen Handeln wählen
zu müssen. Die bisher völlig unzulängliche Vorbereitung zumindest der KV Hessen auf die anstehende Vergütungsrunde zeigt, dass selbst diejenigen, welche die flächendeckende Versorgung mit medizinisch angemessener, also notwendiger und legaler Versorgung sichern müssen, das Dilemma nicht erkannt haben.
Bisher blieb bei Kassen und den KVen unbeachtet, dass der Gesetzgeber insbesondere seit 2010 die Rahmenbedingungen für das Ambulante Operieren derart verändert hat, dass erhebliche und weit über das übliche Maß hinausgehende Kostensteigerungen zu verkraften sind, wenn man Mindeststandards künftig wahren will. In den bisher den Vergütungen zugrunde gelegten Kalkulationen fand und findet dies nicht den gebotenen Niederschlag.
Ziffern von 2008 vs. Standards von 2013
Ungeachtet der veränderten Rahmenbedingungen beab- sichtigt die KV Hessen etwa, veraltete Kostenauswertungen von 2008 (!) dem Verfahren für 2013 zugrunde zu legen, ohne erforderliche Prognoserechnungen zu beschaffen, welche die von Rechts wegen ab 2013 erstmals erforderlichen Kosten ausweisen. Die Kostenziffern von 2008 und selbst diejenigen der Jahre 2009 bis 2012 jedenfalls bilden nicht im Ansatz ab, was wirtschaftlich notwendig wäre,
um – auch investiv – mit den neuen medizinischen Mindeststandards Schritt zu halten.
Um diesem Dilemma im Rahmen des Schiedsspruchs für 2013 entgegenzuwirken, obläge es den Kassen, empirische Kostenerhebungen für 2012 und mit Blick auf erforder- liche, anstehende räumliche, apparative und personelle Anpassungen an neue Standards, zusätzliche in die Zukunft gerichtete Prognoserechnungen rechtzeitig zu beschaffen. Diese wären dann bei der Festlegung des Vergütungs- niveaus für 2013 zugrunde zu legen.
Verschärfte Hygieneanforderungen seit 2012
Zwangsläufig lassen sich nicht alle der außergewöhnlichen und kostenträchtigen neuen Anforderungen sofort in den Praxen umsetzen. Daher braucht es eine kalkulatorische Hinzurechnung der für das Erreichen von Mindeststandards erforderlichen Investitionen und zusätzlichen Sach- und Personalkosten. Derartige beizuziehenden Prognoserechnungen werden belegen, dass nicht nur „Wirtschaftlichkeitsreserven“ nicht existieren, vielmehr lediglich die Anpassung des Vergütungsniveaus der letzten Jahre an allgemeine Kostensteigerungen für 2013 nicht ausreicht, um rechtlich zwingende Aufwendungen darzustellen. Zu erheblichen Kostensteigerungen zwingen im Falle ihrer Beachtung die seit 2010 verschärften Standards des Ambulanten Operierens [2]. Unter 2 c der Leitlinien Nr. 001/003 werden aus Sicht des Jahres 1998 (!) „räumliche Aspekte“ erörtert. Die dortigen „Mindestanforderungen an räumliche Ausstattungen“ sind ebenso längst überholt wie diejenigen, welche bei der Bestimmung des Vergütungsniveaus in der Zeit von 2009
bis 2012 zugrunde gelegt wurden. Was heute auf Grundlage seit 2010 (!) verschärfter Standards räumlich und technisch erforderlich ist, ist in wesentlichen Teilen durch die oben zitierten Regelungen zum Ambulanten Operieren dokumentiert und durch die geltende Leitlinie Hygieneanforderungen beim Ambulanten Operieren [3] konkretisiert. Die aktuellen und kostenintensiven Hygiene-Leitlinien von 2010 flossen ebenso wenig in die grundlegende Neufestsetzung von Punktwerten in 9/2009 und nachfolgend für 2010 bis 2012 ein wie die jüngsten und ebenso kostenträchtigen Ände- rungen der Hygieneverordnungen von 2012.
Die sich daraus ableitenden beträchtlichen Mehrkosten bis einschließlich 2012 wurden weder bei der Festlegung von Vergütungen berücksichtigt, noch auch nur analysiert und als vergütungsrelevant zur Kenntnis genommen. Wer heute einen OP-Saal nach aktuellen Standards aufbaut, muss zwangsläufig etwa das Doppelte dessen investieren, was selbst 2012 in Hessen und andernorts per Kostenstatistik kalkulatorisch zugrunde gelegt wurde.
Wer sich diesen unabweisbaren wirtschaftlichen Einsichten weiter verschließt, nimmt Praxensterben oder alternativ dazu eine Versorgung in Kauf, welche im Bereich des Ambulanten Operierens medizinische Mindeststandards nicht mehr erreicht. Mit der wirtschaftlichen Ausstattung der Praxen der vergangenen Jahre und einer lediglich darauf fußenden Fortschreibung des Vergütungsniveaus auch für das Jahr 2013 sind auskömmlich rechtlich überfällige, erforderliche Investitionen und Aufstockungen laufender Sach- und Personalkosten nicht mehr möglich.
Aufgeben oder Standards unterschreiten?
Folglich ist die Weigerung der Kassen, die veränderte wirtschaftliche Ausgangslage zur Grundlage von Vergütungsbemessungen zu machen, die klammheimliche konkludente Aufforderung zum permanenten Rechtsbruch, gerichtet an die KVen und die niedergelassenen ambulanten Operateure und Anästhesisten. Denn wer mit den bereitgestellten Vergütungen nicht finanzieren kann, was er nach neusten Standards leisten muss, gibt früher oder später auf oder muss mangels wirtschaftlicher Ausstattung vorgeschriebene Standards unterschreiten.
Mit Schreiben vom 13. März 2013 hat der LAOH die KV Hessen aufgefordert, endlich die beschriebene aktuelle Situation beim Ambulanten Operieren zur Kenntnis zu nehmen. Sie sollen die Situation zur Grundlage des Vorgehens beim anstehenden Schiedsspruch zu machen, belastbare zeitnahe Statistikziffern zugrunde legen und gutachterlich die dort zwangsläufig nicht abgebildeten, bedeutenden an- und ausstehenden Investitions- und anderweitigen Kostensteigerungserfordernisse ermitteln lassen, um das zur Sicherung einer legalen und flächendeckenden Versorgung erforderliche Vergütungsniveau durchzusetzen.
Dies in einem Bereich, der aufgrund seiner unveränderten Wirtschaftlichkeit und medizinischen Effizienz zu fördern wäre, wollte man dem entsprechenden Gebot des Gesetzgebers Beachtung schenken. Unter Hinweis darauf, dass Versäumnisse bei der anstehenden Vergütungsrunde auch Regressansprüche begründen könnten, wurde der KV Hessen die sachliche und personelle Unterstützung durch den LAOH beim anstehenden Schiedsverfahren angeboten. Eine Reaktion der KV Hessen hierauf blieb bisher aus.
Reanimation im Kindesalter – Stellenwert des intraossären Zugangs
„Was tun bei Notfällen mit Kindern in der Praxis?“ war ein zentrales Thema bei der Jahresmitgliederversammlung des AND.
Am 13. April fand in Berlin die Jahresmitgliederversammlung des Anästhesie-Netzes Deutschland (AND) statt. Zentrales wissenschaftliches Thema waren die Reanimation im Kindesalter und der Stellenwert des intraossären Zugangs in der Notfallmedizin. Der Referent Dr. Philipp Keller, Chirurg und Oberarzt in der Rettungsstelle am Krankenhaus Am Friedrichshain in Berlin, wies darauf hin, dass Kindernotfälle auch in Arztpraxen gar nicht so selten vorkommen.
Er erklärte, mit welchen einfachen Maßnahmen das Praxisteam die Zeitspanne bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken und gegebenenfalls den kleinen Patienten reanimieren kann.
ABCDE-Schema nach der Leitlinie der EPLS
Der Reanimationsalgorithmus wird definiert durch die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC, siehe www.erc.edu) von 2010 und die Leitlinie der Arbeitsgruppe European Paediatric Life Support (EPLS) „Das kritisch kranke Kind“. Hiernach gelten folgende Prioritäten: Zunächst sollte man den Patienten ansprechen und seine Bewusstseinslage prüfen, anschließend nach dem ABCDE- Schema vorgehen:
»	A: Airways (Luftwege prüfen: sind sie frei oder gefährdet?),
»	B: Breathing (atmet das Kind selbstständig?),
»	C: Circulation (Puls tastbar?),
»	D: Disability (ist das Kind allein bewegungsfähig?),
»	E: Environment (Fremdkörper, störende Kleidung?).
Keller betonte: „Geht man nach diesem Schema vor, erhält man binnen weniger Sekunden ein hervorragendes Erst-Assessment, mit dem selbst in dramatischen und hektischen Situationen nichts übersehen wird.“ Nach dem Erst-Assessment greift das OMV-Schema:
»	O: Oxygen (Sauerstoffgabe),
»	M: Monitoring (Überwachung),
»	V: Venöser Zugang.
Keller wies auch auf die Besonderheiten der Reanimation bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen hin:
»	fünf initiale Beatmungen,
»	15 (statt 30 beim Erwachsenen) Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen,
»	Fortführen der Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) nach einer Minute.
Keller erinnerte daran, dass es immer Ziel der Reanimation ist, ein schadensfreies Überleben und die Perfusion der lebenswichtigen Organe zu sichern. Allerdings sei es bei Kindern oft schwer, einen geeigneten Gefäßzugang herzu- stellen. Daher sollte man bei einem kritisch kranken Kind nach drei Fehlpunktionen der Vene oder maximal 90 bis 120 Sekunden die Indikation für einen intraossären Zugang stellen. „Das intraossäre Gewebe ist von einem feinen Gefäßgeflecht durchzogen, so dass sich Medikamente mit der gleichen Geschwindigkeit applizieren lassen wie bei einem Gefäßzugang“, sagte Keller. Auch Blutabnahmen seien über den Zugang möglich.
Steile Lernkurve und hohe Erfolgsrate
Als besonders unkompliziert schilderte Keller die Punktion mit der EZ IO Bohrmaschine: „Dieses Verfahren hat eine sehr steile Lernkurve und eine hohe Erfolgsrate.“ Fehlende Aspiration sei nicht zwingend ein Indiz für eine Fehllage. Eine Fehllage erkenne man sicher vor allem daran, dass eine Applikation von Medikamenten durch den Zugang nicht möglich ist. Keller empfahl, die Nadel zu fixieren um den wertvollen Notfallzugang nicht zu gefährden. Die intraossäre Punktion sei unter Umständen eine bessere Option als ein zentraler Venenkatheter im Schockraum, „zumindest aber ist er eine gute Bridging-Option“, sagte Keller.
Er kritisierte allerdings, dass die Empfehlungen* zum Einsatz des intraossären Zugangs noch nicht in der Realität angekommen sind: „Intraossäre Zugänge werden noch sehr selten gelegt, stattdessen wird in der Regel eher mehrfach fehlpunktiert.“ Nur in 15 Prozent der Fälle werde bei ent- sprechender Indikation ein intraossärer Zugang gelegt, was einer Fehlversorgung in 85 Prozent der Fälle entspreche, mahnte Keller. Als Gründe hierfür nannte er in erster Linie fehlendes oder schlechtes Equipment sowie unzureichen- des Wissen über diese Form des Zugangs.
Intraossärer Zugang auch bei elektiven OPs
Kellers Fazit: Man sollte keinem vitalgefährdeten Kind länger als 120 Sekunden lebenswichtige Medikamente vorenthalten. Der intravenöse Zugang ist bei Kindern zwar Goldstandard, doch in 70 Prozent der Fälle funktioniert er nicht, so dass rasch ein intraossärer Zugang gelegt werden sollte, sofern kein intravenöser Zugang möglich ist. Auch bei elektiven Operationen geht der Trend zu intraossären Zugängen, sofern kein intravenöser Zugang gelegt werden
kann. Allerdings kann eine Infusion via intraossären Zugang sehr schmerzhaft sein, hierüber muss der Patient – oder entsprechend die Eltern – aufgeklärt werden.
Im Anschluss teilten sich die Teilnehmer in Gruppen auf, um mit Trainern der Berliner „Agentur Notruf“ (http://www.agenturnotruf.de) an Simulationspuppen Notfalleinsätze in der Arztpraxis zu trainieren – inklusive Indikationsstellung für Herzdruckmassage, Defibrillator, zentralem Venenkatheter und intraossärem Zugang (siehe Foto).
* Eich C. et al.: Handlungsempfehlung zur intraossären Infusion in der Kinderanästhesie des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Kinderanästhesie der DGAI. In: Anästh Intensivmed 2011;52: 46–S52
PRESSEMITTEILUNG DES AND VOM 26. APRIL 2013:
PEER REVIEW BEDEUTET QUALITÄTSSICHERUNG AUF KOLLEGIALER VERTRAUENSBASIS
Neue Wege der Qualitätssicherung gehen die Mitglieder des regionalen Anästhesie-Netzes Berlin-Brandenburg (ANBB), das dem bundesweiten AND angehört: Sie erarbeiten ein Peer Review Verfahren, das sie bis Frühjahr 2014 in den anästhesiologischen Praxen in Berlin-Brandenburg etablieren wollen. Dr. Matthias Jahnke vom ANBB erklärt das Projekt: „Unter Peer Reviews versteht man in der Medizin gegenseitige Besuche von Kollegen, bei denen Behandlungsabläufe in der besuchten Einrichtung systematisch unter die Lupe genommen werden. Die gemachten Beobachtungen werden gemeinsam mit dem besuchten Kollegen ausgewertet und in einem Maßnahmenbericht mit Empfehlungen zusammengefasst.“
Peer Reviews haben in der Medizin eine lange Tradition und wurden in Krankenhäusern für die Bereiche Transfusions- und Intensivmedizin eingeführt. In der ambulanten Versorgung existiert allerdings bislang kein solches Verfahren.
Mit dem Pilotprojekt des ANBB soll sich das ändern. Derzeit arbeiten die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Peer Reviews in ambulanten Anästhesiepraxen“ an einem Handbuch, das die Struktur und die Inhalte des Verfahrens festlegen und zur Schulung der Kollegen verwendet werden soll. Dr. Jörg Karst, Gründungsmitglied des bundesweiten Anästhesie-Netz Deutschland e.V. (AND) und ebenfalls
Mitglied der Arbeitsgruppe „Peer Reviews“, schildert die Vorzüge des Verfahrens: „Peer Reviews sind keine klassische Prüfsituation, sondern ein kollegiales und vertrauensvolles Gespräch auf Augenhöhe. Die Bereitschaft, an einzelnen Schwachpunkten zu arbeiten, ist in diesem Kontext viel größer als bei einer Prüfung durch einen fachfremden und alltagsfernen Bürokraten. Außerdem lernt auch der Reviewer bei jedem Besuch dazu und erhält wertvolle Anregun- gen für seine eigene Praxis. Insgesamt erfassen wir mit unserer Maßnahme den nur sehr schwer zugänglichen Teil jeder Qualitäts- sicherungsmaßnahme: die Prozessqualität.“
Die Bundesärztekammer, die Berliner Ärztekammer, die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) sowie der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) unterstützen das Projekt, das aus den Beiträgen der ANBB-Mitglieder finanziert wird. Bis September 2013 werden die Ergebnisse erster Peer Reviews in Pilotpraxen ausgewertet, im Frühjahr 2014 soll das Projekt flächen- deckend einsatzbereit sein. „Wir streben auch die universitäre Begleitung des Pilotprojekts an, damit wir wissenschaftlich belegen können, ob und in welchem Umfang Peer Reviews die Qualität in den teilnehmenden Praxen verbessern“, ergänzt Jahnke.
www.anbb.de, http://www.anaesthesie-netz-deutschland.de
Kooperationen mit dem Krankenhaus: Wahlärztliche Leistungen durch Honorarärzte?
Weil durch diese Form der Kooperation erhebliche Mehrkosten auf sie zukommen, wehren sich die Kostenträger mit Händen und Füßen.
Von Joachim Zieher
Seit niedergelassene Ärzte auch für Krankenhäuser ärztlich arbeiten dürfen, haben sich für beide Seiten interessante Kooperationsmodelle entwickelt. Gemeinhin wird der freiberuflich tätige (niedergelassene) Arzt heute als „Honorararzt“ bezeichnet, da er für seine Tätigkeit vom Krankenhaus ein (fest) vereinbartes Honorar erhält, ohne dort angestellt zu sein. Aber auch Kooperationen im „Mix“ aus freiberuflicher Niederlassung und (stundenweise) Anstellung im Kran- kenhaus sind möglich und werden praktiziert. Inzwischen haben Kliniken und Niedergelassene ihre stationäre Kooperation auch auf „wahlärztliche Leistungen“ ausgedehnt
und haben – vorhersehbar – den Zorn der Privaten Kranken- versicherung (PKV) auf sich gezogen.
PKV wehrt sich gegen erhebliche Mehrkosten
Hierbei berechnet das Krankenhaus dem Kostenträger das DRG-Entgelt auf Basis einer Haupabteilung. Der Patient vereinbart mit der Klinik wahlärztliche Leistungen („Chefarzt- behandlung“). Der niedergelassene Arzt, zugleich meist auch Einweiser, führt die stationäre Operation/Behandlung durch und stellt sie anschließend privatärztlich als wahlärztliche Leistungen dem Patienten in Rechnung. So entstehen für die PKV erhebliche Mehrkosten: höhere Krankenhausentgelte aus der Hauptabteilung und ein zusätzliches Arzthonorar aus der Privatliquidation. Es wundert also nicht, dass die Kostenträger versuchen, dieses System zu bekämpfen.
Es gibt unterschiedliche Vertragsmodelle, die teilweise schon Gegenstand von Klageverfahren waren, allerdings auch mit höchst unterschiedlichem Ausgang. Primär gibt es zwei Kooperationsmodelle, unter denen wahlärztliche Leistungen durch den (ansonsten) niedergelassenen Arzt gegenüber dem Patienten berechnet werden:
» Modell A: Teilzeit-Anstellung am Krankenhaus als leitender, liquidationsberechtigter Arzt,
» Modell B: Arzt wird auf Wunsch des Patienten vom liquidationsberechtigten Krankenhausarzt (in der Regel dem Chefarzt der Abteilung) mit der Durch- führung der (wahlärztlichen) Operation beauftragt.
Während Modell A in der Vergangenheit zu keinen Beanstandungen durch die Kostenträger geführt hat, da es vollumfänglich dem Wortlaut des zuständigen § 17 Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG) entspricht, gab es bezüglich Variante B bereits mehrfach rechtliche Auseinandersetzungen. Zwei davon konnten wir für unsere Mandanten erfolgreich auf Landgerichtsebene bestreiten (Urteile LG Nürnberg – Az 37 C 3295/11 vom 13.10. 2011 und LG Würzburg – Az17C1700/11 vom 09.02.2011). Übereinstimmende Meinung der Richter war, dass wahlärzt- liche Leistungen gemäß § 17 Absatz 3 KHEntG auch durch niedergelassene Ärzte erbracht und nach GOÄ gegenüber dem Patienten berechnet werden können, zumal dann, wenn dies explizit vom Patienten gewünscht ist. Ein Mehr an „Wahlarzt“ geht ja dann auch nicht.
Gesetzgeber muss Klarheit schaffen
Natürlich werden diese Urteile kontrovers diskutiert. Am Ende wird wohl der Gesetzgeber Klarheit schaffen müssen, wie weit die bessere Verzahnung zwischen ambulantem und stationärem Bereich gehen soll. Einen Schritt in diese Richtung hat der Gesetzgeber bereits unternommen, indem er vor kurzem eine kleine, aber richtungsweisende Ergänzung im KHEntgG § 2 Absatz 1 vorgenommen hat, mit der auch die Tätigkeit von „nicht angestellten Ärzten“ als Krankenhausleistungen klassifiziert und darunter – noch im selben Absatz – auch Wahlleistungen subsumiert wurden.
SpiFa Aktuell: Neuer erster Vorsitzender und neuer Hauptgeschäftsführer gewählt
Der neue Vorstand des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands (SpiFa) sieht sich als Projektschmiede für niedergelassene Fachärzte.
Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) hat sich personell neu aufgestellt. Die 17 SpiFa-Mitgliedsverbände, welche die Interessen von 70.000 Fachärzten vertreten, haben auf zwei Vorstandspositionen neu gewählt und den Verband mit der neuen Position des Hauptgeschäftsführers personell und inhaltlich weiter verstärkt.
Neuer Vorsitzende ist der Düsseldorfer Orthopäde Dr. Andreas Gassen. Damit war die dritte Vorstandsposition frei, die Gassen zuvor innehatte: Neu gewählt wurde auf diese Position Dr. Axel Schroeder, Urologe aus Neumünster. In ihren Ämtern bleiben der 2. Vorsitzende Dr. Dirk Heinrich, HNO-Arzt aus Hamburg, Schriftführerin Dr. Petra Bubel, HNO-Ärztin aus Lutherstadt Eisleben, und der Stuttgarter Chirurg Dr. Dieter Haack als Schatzmeister.
Neuer politischer Hauptgeschäftsführer
Mit Lars Lindemann, Berliner Rechtsanwalt und FDP- Bundestagsabgeordneter mit Schwerpunkt Gesundheits- politik, hat der Verband jetzt einen Hauptgeschäftsführer. Im politischen Berlin und in der Berliner Versorgungslandschaft gut vernetzt, obliegt ihm die politische Vertretung der Fachärzte in der Hauptstadt. Gassen sieht die Fachärzte gut aufgestellt, was vernetzte, die Sektoren übergreifende Arbeit angeht. „Und dies alles auf freiberuflicher Basis – anders als unterstellt, wollen auch junge Ärzte nicht ins MVZ als Angestellte. Sie wollen durchaus selbstständig tätig sein, allerdings mit mehr zeitlicher Flexibilität.“
Für Heinrich ist der SpiFa Projektschmiede der Fachärzte: „Der SpiFa setzt sich mit den Zukunftsthemen Vernetzung auseinander und beteiligt sich an der Entwicklung moderner Versorgungsformen. Wo notwendig, wird er die Ellenbogen ausfahren.“ Schroeder betont die funktionierende Rückkoppelung innerhalb des SpiFa: „Der SpiFa beteiligt sich mit den Verbänden an der Organisation der fachärztlichen Interessen in den Regionen der Kassenärztlichen Vereinigungen und in den Gremien der Selbstverwaltung. Er sieht sich auch
als Verbindung zu den Fachärzten in den Kliniken – diese, vorwiegend in der Weiterbildung, sind Niedergelassene von Morgen.“
Dies alles unterstützt Hauptgeschäftsführer Lindemann: „Die Erfolge der Fachärzte um die Herstellung einer einheit- lichen Linie sind da, werden aber in der Politik nicht richtig wahrgenommen; hier müssen wir als SpiFa entschiedener auftreten; die Politik muss merken, dass die Fachärzte eine eigene Stimme haben.“
Nein zu Budgets und Bürgerversicherung
Die berufspolitischen Aufgaben beschreibt Gassen wie folgt: „Facharzt sein wird unmöglich gemacht – daher unser klares ‚Nein‘ zu Bürgerversicherung und Budgetierung – wir fordern feste Preise. Die Gängelung durch die Krankenkassen lehnen wir ab. Eine durch das Spardiktat bedingte Rationierung lassen sich die Fachärzte nicht in die Schuhe schieben. Wir werden die Verantwortlichen klar benennen, denn der SpiFa will eine gut ausgestattete Patientenversorgung.“
Lindemann unterstreicht, dass sich die Kassen entscheiden müssten, ob sie die Fachärzte als Gegner oder als Partner sehen. Das Ziel des SpiFa, die Fachärzte stärker im Gesetz zu verankern, sieht Lindemann als Stärkung der Fachärzte gegenüber den Kassen. Die Perspektive in die Zukunft
will sich der SpiFa nicht verstellen lassen. Deshalb ist der Kontakt zu den Medizinstudierenden wichtig, bei dem der SpiFa seine Mitgliedsverbände unterstützt.
Umfrage unter BAO-Mitgliedern: Wie gewährleisten Sie Behandlungsqualität?
Ärztlicher Berufsethos versus Vorgaben der Selbstverwaltung – was tun BAO-Mitglieder, um ihre Patienten bestmöglich zu behandeln?
Im Vorfeld der BAO-Jahrestagung 2013 befragten der Bundesverband Ambulantes Operieren (BAO) und das Institut für Qualitätssicherung medicaltex die Mitglieder zum Thema Behandlungsqualität. Innerhalb von einer Woche bezogen rund 180 BAO-Mitglieder mit ihren Antwor- ten deutlich Stellung zu den Themen Patientensicherheit, Befragungen als Instrument zur Qualitätskontrolle und Qualitätsmanagement (QM) im Allgemeinen.
Das Wohl der Patienten steht bei den Befragten an erster Stelle. Das belegten die Teilnehmer vor allem durch ihr Verständnis davon, was Behandlungsqualität ausmacht. Patientenzufriedenheit steht mit 92 Prozent an erster Stelle, gefolgt von einer geringen Komplikationsrate (88 Prozent). Ein wichtiges Werkzeug für eine sichere Behandlung sind Checklisten, mit denen Abläufe standardisiert abgebildet werden. Deshalb hat der BAO mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit der KV Westfalen-Lippe eine Checkliste für ambulant operierende Ärzte entwickelt.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass bereits drei Viertel der Befragten Checklisten für die Patientensicherheit einsetzen. 54 Prozent aller Teilnehmer würden eine standardisierte Checkliste des BAO in der täglichen Routine anwenden und somit bestehende Listen ergänzen oder ablösen. 34 Prozent bleiben lieber bei den bereits bewährten Listen, 12 Prozent möchten gar keine Checklisten einsetzen (siehe Abb. 1).
BAO-Schriftführer und -Pressereferent Dr. Jörg Hennefründ erklärte hierzu:„Der BAO freut sich über diesen Zuspruch seiner Mitglieder für mehr Sicherheit in der Patienten- versorgung. Die neue Checkliste steht in Kürze auf unter www. operieren.de kostenfrei zum Download bereit.“
Auch in Sachen Hygiene und Infektionsschutz nehmen die Mitglieder die Unterstützung durch den Verband gerne an: Im Kontext des neuen Infektionsschutzgesetzes wünschten sich 70 Prozent der Befragten, dass der BAO ein Beratungsangebot erstellt.
Hennefründ erläuterte weiter: „Das Problem ist äußerst komplex, zumal es bundesweite und landesspezifische Anforderungen gibt. Darüber hinaus ist das lokale Verhalten der Behörden sehr unterschiedlich. Bislang haben wir einiges dazu publiziert und werden dies nach dem Befragungs- ergebnis wieder intensivieren. Es gibt auch aktuelle Literatur (siehe Buchbesprechung in der vergangenen Depesche).
Wie und inwieweit der BAO auch Einzelberatungen anbieten oder vermitteln kann, werden wir beraten.“
Klare Forderung nach Standardwerkzeugen
Umfragen sind für die BAO-Mitglieder ein wichtiges Instrument im Rahmen der Praxisführung und des Qualitätsmanagements. Häufig sind selbstgestrickte Lösungen mit viel Aufwand verbunden, da die Praxismitarbeiter die Daten neben der täglichen Arbeit erfassen und auswerten müssen. Außerdem fällt die Bewertung der Ergebnisse schwer, weil Vergleichsdaten fehlen.
Deshalb wünschten sich 89 Prozent der Teilnehmer stan- dardisierte Umfragen als Unterstützung im Rahmen des Qualitätsmanagements. Folgende Umfragen sollte der BAO seinen Mitgliedern gemeinsam mit medicaltex zur Verfügung stellen:
»	AQS1 als Qualitätssicherungssystem für ambulante Eingriffe (70 Prozent),
»	Patientenbefragungen (52 Prozent),
»	Zuweiserbefragungen (43 Prozent)
»	Mitarbeiterbefragungen (27 Prozent).
BAO-Präsident Dr. Axel Neumann betonte: „Wir haben mit medicaltex einen Partner, der bereits zuverlässige Produkte für die medizinische Qualitätssicherung anbietet. AQS1 ist den meisten als Kombination aus ärztlicher und patientenbezogener Dokumentation bekannt. Doch auch für die klassische Patienten- und Mitarbeiterbefragung bietet das Institut für Qualitätssicherung standardisierte und erprobte Lösungen. Im Bereich Zuweiserbefragungen gibt es noch Hausaufgaben zu erledigen. Hier ist die Nachfrage mit
43 Prozent hoch. Deshalb müssen wir Gas geben und den Fragebogen, der aktuell auf Herz und Nieren geprüft wird, fertigstellen. Im Herbst 2013 soll auch diese Befragung standardisiert für alle BAO-Mitglieder verfügbar sein.“
QM – nicht immer beliebt, aber akzeptiert
Mit 91 Prozent nutzen nahezu alle BAO-Mitglieder, die an der Befragung teilnahmen, gängige Systeme für das Qualitätsmanagement (QM). Doch immerhin neun Prozent gaben an, kein solches System einzusetzen. Am weitesten verbreitet ist mit 37 Prozent ISO 9001, dicht gefolgt von QEP (36 Prozent, siehe Abb. 2).
Folgende Mehrwerte nannten die Teilnehmer bei der Umsetzung eines Qualitätsmanagements: Gut 50 Prozent stimmten der Aussage zu, dass sich mit dem QM-System die Praxisabläufe verbessert haben, und für ein Drittel ist QM ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit geworden. Es gab aber auch kritische Stimmen: Ein Teil der der Befragten
erklärte, die Tätigkeiten im Rahmen des Qualitätsmanage- ments als Mehrarbeit ohne wesentlichen Benefit zu empfinden (25 Prozent). Rund ein Fünftel ging davon aus, dass QM-Systeme mehr Kosten verursachen, als die Vorteile wert sind. Nur 13 Prozent der Befragten äußerten den Wunsch, dass das Thema durch den Verband gefördert werden soll. Das zeigt, dass das Thema Qualitätsmanagement in den Praxen der BAO-Mitglieder angekommen ist.
Hennefründ erklärte hierzu: „Qualitätsmanagement ist nichts anderes als die Zusammenfassung der heute anerkannten Managementgrundsätze für eine erfolgreiche Unternehmensführung – verbunden mit der Aufforderung, die einschlägigen gesetzlichen Auflagen (etwa Hygiene, Arbeitssicherheit) umzusetzen. Für eine gewinnbringende Umsetzung ist es wichtig, den Sinn der QM-Werkzeuge
zu verstehen und sie nicht blind, sondern mit gesundem Menschenverstand umzusetzen. Dies scheint den meisten Mitgliedern gut zu gelingen, so dass wir hier keine weitere Unterstützung seitens des BAO planen.“
Die Mitglieder das BAO sind beim Thema Qualität und Qualitätsmanagement bereits gut aufgestellt. Das überrascht nicht: Die Daten von AQS I zeigen seit Jahren, dass im Bundesdurch- schnitt 98 Prozent der Patienten mit der Betreuung durch ihren Operateur zufrieden sind. Die fachübergreifende Quote unzufriedener Patienten liegt nach Daten der Techniker Krankenkasse und der AOK zehn Mal so hoch bei über 20 Prozent. Der Wunsch nach stärkerer Unterstützung durch Checklisten entspricht einer weltweiten Tendenz. Diesem Thema wird sich der BAO kurzfristig widmen.

References: § 630
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 § 17
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