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Timestamp: 2020-02-21 21:09:41+00:00

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Das Unternehmen und seine Außenstände | Hausarbeiten publizieren
Lösungen zur Forderungseintreibung aus juristischer und betriebswirtschaftlicher Sicht anhand von Beispielen, mit Ausblick auf das Insolvenzrisiko
IV. Inkassounternehmen
1. Der Begriff Inkasso
3. Beschreibung und Ablauf
3.1 Inkassovollmacht
3.2 Inkassozession
3.3 Vorgerichtliches Inkassoverfahren
3.4 Gerichtliches Mahnverfahren
3.5 Nachgerichtliches Mahnverfahren
3.6 Überwachungsverfahren
4. Ziel des Inkasso
5. Kostenfaktoren
1. Der Begriff Factoring
3.1 Dienstleistungsfunktion
3.2 Liquiditätsfunktion
3.3 Delkrederefunktion
3.4 Full-Service-Factoring
3.5 Inhouse-Factoring
3.6 Online-Factoring
3.7 Fälligkeits-Factoring
3.8 Export-Factoring / Import-Factoring
3.9 Echtes / unechtes Factoring
3.10 Offenes / stilles Factoring
3.11 Einzel-Factoring
3.12 Miet-Factoring
3.13 Reverse-Factoring
4. Ziel des Factoring
VI. Gerichtliche Durchsetzung
1.1 Beschreibung und Ablauf
1.2 Ziel des Mahnverfahrens
1.3 Kostenfaktoren
1.3.1 Gerichtskosten
1.3.2 Anwaltskosten
2.1 Beschreibung und Ablauf
2.1.1 Vollstreckungstitel
2.1.2 Vollstreckungsklausel
2.1.2.1 Einfache Vollstreckungsklausel
2.1.2.2 Qualifizierte Vollstreckungsklausel
2.1.2.2.1 Titelergänzende Vollstreckungsklausel
2.1.2.2.2 Titelübertragende bzw. titelumschreibende Vollstreckungsklausel
2.1.3 Zustellung
2.1.4 Arten der Zwangsvollstreckung
2.1.4.1 Mobiliarpfändung durch den Gerichtsvollzieher
2.1.4.2 Forderungspfändung durch Pfändungs- und Überweisungsbeschluss
2.1.4.2.1 Forderungen gegenüber Banken - Kontenpfändung
2.1.4.2.2 Forderungen gegenüber Arbeitgebern - Lohnpfändung
2.1.5 Eidesstattliche Versicherung
2.2 Ziel der Zwangsollstreckung
2.3 Kostenfaktoren
2.3.1 Kosten des Gerichtsvollziehers
2.3.2 Kosten des Rechtsanwalts
2.3.3 Gerichtskosten
2.4 Erfolgsaussichten und Vor- und Nachteile
1. Insolvenzsituation in Deutschland
Abbildung 1: Forderungslaufzeiten des Mittelstandes bei gewerblichen und privaten Kunden
Abbildung 2: durchschnittliche Forderungsausfälle des Mittelstandes in % zum Umsatz
Abbildung 3: Ablauf des Factoring
Abbildung 4: Anteil der nachfragestärksten Factoring-Verfahren im Jahr 2009
Abbildung 5: Ablauf des gerichtlichen Mahnverfahrens
Abbildung 6: Insolvenzen in Deutschland
Abbildung 7: Insolvenzrisiko
Tabelle 1: Preisliste für Inkassokosten
Tabelle 2: Creditreform Inkasso-Indikator International
Tabelle 3: Gebührenübersicht Gerichtsvollzieher
Anhang 1: Beispiel für einen Inkassoauftrag
Anhang 2: Beispiel für einen Factoringvertrag
Anhang 3: Mustervordruck Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids
Anhang 4: Muster eines Antrages auf Erlass eines Vollstreckungs bescheids
Vor dem Hintergrund der Finanzkrise, die mit der Immobilienkrise in den USA begann und bis heute Einfluss auf die deutsche Wirtschaft nimmt, ist es für Unternehmen wichtiger denn je, hohe Zahlungsausfälle zu vermeiden. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen leiden unter dem Problem, dass sie ihre Außenstände in dem von ihnen vorgesehenen Zeitraum nicht beglichen bekommen. Dies kann erhebliche Folgen für die Liquidität der Unternehmen haben, sie können dadurch schnell selbst in Zahlungsschwierigkeiten geraten oder sogar von der Insolvenz bedroht sein. Viele Unternehmen klagen über eine schlechte Zahlungsmoral ihrer Kunden, jedoch bleiben die negativen Aspekte der Krise im Bezug auf die Zahlungsmoral recht überschaubar.[1]
Die folgende Abbildung stellt dar, wie viele Tage im Durchschnitt vergehen, bis ein mittelständisches Unternehmen seine Rechnung bezahlt bekommt.
Abbildung 1: Eigene Darstellung in Anlehnung an Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung, Frühjahr 2010, S. 28.
Daraus ergibt sich, dass bei fast dreiviertel aller Unternehmen des Mittelstandes die Forderungen innerhalb von 30 Tagen beglichen werden. Jedoch sind die verein- barten Zahlungsziele oft sehr unterschiedlich. Wenn beispielhaft 15 Prozent ihre Zahlungen erst nach 60 Tagen statt vereinbarten 30 Tagen bezahlt bekommen, kann dies für das einzelne Unternehmen zu erheblichen Schwierigkeiten führen. Im Hinblick auf die Forderungsausfälle gibt es wenig Veränderung zum Vorjahr. Fast jedes siebte mittelständische Unternehmen hat mit diesem Problem zu kämpfen und manche Branchen mehr als andere. In der folgenden Abbildung sind die durch- schnittlichen Forderungsausfälle im Vergleich zum Vorjahr dargestellt.
Abbildung 2: Eigene Darstellung in Anlehnung an Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung, Frühjahr 2010, S. 29.
Aufgrund der Darstellung ist positiv zu vermerken, dass fast ein siebtel der Un- ternehmen nicht von Forderungsausfällen bedroht sind. Unabhängig von diesen offiziellen Zahlen ist die Vermutung groß, dass Kleinunternehmen noch viel stärker von hohen Forderungsausfällen betroffen sind, da sie einen viel kleineren Hand- lungsspielraum haben und somit viel stärker damit zu kämpfen haben, wenn sie aufgrund von ausbleibenden Zahlungen ihre Lieferanten und Auftragnehmer nicht bezahlen können. Auch die Großunternehmen haben im Bezug auf die Forde- rungsausfälle im Verhältnis zum Umsatz mit hohen Ausfällen zu kämpfen, können aber aufgrund einer höheren Eigenkapitaldecke länger damit leben als andere. Im Zuge dessen gewinnt auch die Insolvenz immer mehr Bedeutung, denn der Grund für eine Insolvenzanmeldung ist bei acht von zehn Unternehmensinsolvenzen die Zahlungsunfähigkeit.[2]
Diese Arbeit soll einen Überblick über verschiedene Lösungen zum Eintreiben von Forderungen geben. Dabei werden unterschiedliche Möglichkeiten dargestellt und deren Vor- und Nachteile herausgearbeitet. Des Weiteren werden die Kosten und die Erfolgsaussichten näher betrachtet. Auch wird anfangs kurz auf den Begriff Forderungen und die Wichtigkeit der Beachtung der Verjährungsfrist eingegangen. Abschließend wird das Thema Insolvenz näher betrachtet, mit Darstellung der Insolvenzsituation in Deutschland. Das Ergebnis dieser Arbeit soll dabei sein, welche Möglichkeiten ein Unternehmen hat, Forderungsausfälle zu vermeiden oder zu minimieren.
Forderungen sind die Ansprüche auf Bezahlung für eine bereits erbrachte Leistung.[3] Die Begleichung der Forderungen ist ein Anspruch den der Unternehmer gegen einen Dritten hat.[4] Große Bedeutung haben dabei die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.
Wenn ein Unternehmen bzw. Unternehmer Waren oder Dienstleistungen aus seinem eigentlichen Geschäftsfeld an seine Kunden liefert, entstehen die sogenannten Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.[5] Diese Forderungen begründen einen Anspruch aus einem Schuldverhältnis und haben auch eine gesetzliche Grundlage, welche in den §§ 241 ff. BGB zu finden ist.
Für Unternehmen sowie Unternehmer ist es sehr wichtig, dass sie wissen, wann ihre Forderungen verjähren, um rechtzeitig eingreifen zu können. Die Verjährung soll dem allgemeinen Rechtsfrieden dienen.[6] Die Verjährung ist in den §§ 194-218 BGB geregelt. Laut § 195 BGB beträgt die regelmäßige Verjäh- rungsfrist 3 Jahre.
Insbesondere Entgeltansprüche des Verkäufers bzw. Unternehmers unterliegen der regelmäßigen Verjährungsfrist.[7] Im Bezug auf die Forderungen eines Unternehmens beginnt die regelmäßige Verjährungsfrist mit Ablauf des Jahres in dem der An- spruch entstanden ist und der Gläubiger von den den Anspruch begründenden Um- ständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrläs- sigkeit erlangen müsste.[8]
Ein Unternehmer hat eine offene Rechnung über Warenlieferungen an einen Kunden. Der Anspruch des Unternehmers entstand im Januar 2010. Somit wäre die Forderung frühestens zum Ablauf des Jahres 2013 verjährt.
Der Unternehmer kann zudem seine Forderung noch nach Ablauf der Verjährungs- frist versuchen durchzusetzen bzw. gerichtlich geltend zu machen, sofern der Schuldner nicht die Einrede der Verjährung spätestens im Prozess erhebt.[9] Diese Verweigerung zur Leistung ist in § 214 Abs. 1 BGB geregelt[10]. Hat der Schuldner diese Einrede nicht erhoben, besteht der Anspruch somit weiterhin. Im Fall das der Schuldner die Zahlung bewirkt hat, obwohl sie bereits verjährt war, hat der Schuldner kein Recht, das Geld zurückzufordern, auch wenn er von der Verjährung keine Kenntnis hatte. Diese Regelung ist im § 214 Abs. 2 S.1 BGB verankert.
Ein Eingriff in die Verjährung kann durch drei verschiedene Ereignisse erfolgen.
1. Bei der Hemmung der Verjährung wird der Zeitraum, durch den die Verjährung gehemmt ist, nicht in die Verjährungsfrist eingerechnet.[11] Eine Hemmung kann z.B. durch Klageerhebung, Verhandlungen, Zustellung der Streitverkündung oder Zustellung eines Mahnbescheides erfolgen. Die Hemmung der Verjährung ist geregelt in den §§ 203-211 und 213 BGB.
2. Bei der Ablaufhemmung tritt eine an sich eintretende Verjährung nicht sofort in Kraft, sondern erst bei Hinzukommen von bestimmten Umständen.[12] Für die Ablaufhemmung gelten die §§ 210 und 211 BGB.
3. Gibt es noch den Neubeginn der Verjährung. Dieser tritt laut § 212 BGB ein, wenn der Schuldner dem Gläubiger gegenüber den Anspruch durch Abschlagszahlung, Zinszahlung, Sicherheitsleistung oder in anderer Weise anerkennt oder eine behördliche oder gerichtliche Vollstreckungshandlung vorgenommen wird. Wenn eine Forderung bereits tituliert ist beträgt die Verjährungsfrist gemäß § 197 Abs. 1 Nr. 3 BGB 30 Jahre. Natürlich gibt es noch andere Verjährungsfristen und Ausnahmen der regelmäßigen Verjährungsfrist, jedoch wird darauf nicht weiter eingegangen, da sie für das Thema dieser Bachelorarbeit nicht relevant sind.
Wer also die Sicherung seiner Forderungen anstrebt, sollte frühzeitig, jedoch spätestens vor dem Jahreswechsel nachdem die Forderung verjährt, durch die Möglichkeit des Neubeginns oder der Hemmung in die Verjährung eingreifen.[13]
Viele Unternehmen können auch nach mehreren Zahlungserinnerungen und diver- sen Mahnungen keinen Zahlungseingang auf ihre offenen Forderungen verbuchen. In einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V., die im Frühjahr 2010 durchgeführt wurde, gaben 48 Prozent der befragten Mitglieder- unternehmen an, das Rechnungen bei Kunden schlechter bezahlt werden und 47 Prozent der Mitglieder waren der Meinung, dass die Bereitschaft zur Zahlung heute genauso schlecht ist, wie im halben Jahr zuvor.[14] Viele Unternehmen können aus Kostengründen keine zusätzlichen Mitarbeiter einstellen, die sich um die Einziehung der offenen Forderungen ihrer Kunden kümmern. Auch mangelt es vielen Unternehmen an genügend Zeit dafür und manche haben auch keine Kenntnis davon, wie sie das Problem richtig angehen sollen. Daher greifen viele Unternehmen auf externe Hilfe durch die sogenannten Inkasso-Unternehmen zurück.
Das Wort Inkasso kommt aus dem Italienischen, wobei incassare soviel bedeutet wie Einziehen von Geld.[15] Heute wird darunter der Forderungseinzug verstanden.[16] Der Begriff Inkasso bezeichnet im rechtlichen Sinne[17] die „Einziehung fremder oder zu Einziehungszwecken abgetretener Forderungen, die geschäftsmäßig betrieben wird“.[18] Einziehung der fremden Forderungen bedeutet, dass die Beitreibung der Forderung an ein Inkassounternehmen übertragen und nicht vom eigentlichen Gläubiger ausgeführt wird.[19]
Der wirtschaftliche Aufschwung des 19. Jahrhunderts bewirkte eine gesteigerte Nachfrage an Krediten seitens der expandierenden Unternehmen. Am 01. April 1860 gründete der Stettiner Makler Salomon die erste Auskunftei. Die Auskunfteien galten dabei als die Vorreiter der heute vorhandenen Inkassounternehmen. Eine weitere sehr bedeutende Gründung unternahm der Advokaten- und Bürgersohn Schimmelpfeng.[20] Im April 1872 eröffnete er das erste Auskunfts- und Kontrollbureau.[21] Ein Problem für die expandierende Wirtschaft wurden Zahlungsausfälle und Verzögerungen im monetären Geldtransfer. Daraufhin eroberten Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Dienstleistungsunternehmen den Markt, deren Spezialgebiet die Eintreibung der bereits überfälligen Forderungen von Dritten war. Im Jahre 1879 gründete sich die Kreditorganisation Creditreform und 1885 die Kreditorganisation Bürgel, die bis heute tätig sind. In den 1920er Jahren erfolgte eine Spezialisierung der Inkassounternehmen auf die Eintreibung von ausgeklagten, titulierten Forderungen. Um Missbräuchen in der Rechtsberatung vorzubeugen, wurde das Inkasso im Rechtsberatungsmissbrauchsgesetz vom 13. Dezember 1935 als Rechtsberatung eingestuft und ist seitdem legitim. Da die Inkassobranche auch ein Vertretungsorgan für ihre Interessen benötigte, wurde 1956 der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen und Auskunfteien e.V. gegründet. Weiterhin folgte zwei Jahre später, durch die Aufnahme des Rechtsberatungsmissbrauchsgesetzes in die Sammlung des Bundesrechts, die Annerkennung des Berufsstandes. Die vorgerichtlichen Inkassodienste stellten für viele eine kostengünstige Alternative dar und auch die zur Vorbeugung von Zah- lungsausfällen klassischen Wirtschaftsauskünfte erfreuten sich wieder großer Be- liebtheit. Aufgrund der Fokussierung auf die Interessen der Inkassowirtschaft nannte sich der Verband 1966 in Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. um. Sein Tätigkeitsschwerpunkt lag seitdem mehr in der Eintreibung der noch nicht titulierten Forderungen. Ab 1980 hatten Inkassounternehmen nur noch die Befugnisse für außergerichtliche Eintreibungen, auch das Gebührenrecht für Anwälte fand bei ihnen ebenfalls keine Anwendung mehr. Heute verstehen sich die Inkassounternehmen als Partner der Wirtschaftsunternehmen und geben ihnen Hilfe durch Beratung oder Bereitstellung von Informationen und Scoringverfahren. Am 01. Juli 2008 trat die Änderung des Gesetzes zur Neuregelung des Rechtsbe- ratungsrechts in Kraft und Inkassounternehmen dürfen seitdem ihre Kunden im gerichtlichen Mahnverfahren bis zum Übergang an das Streitgericht vertreten. Wei- terhin haben sie die Möglichkeit, bei manchen Zwangsvollstreckungsverfahren ebenfalls ihre Kunden zu vertreten. Diese Vertretungsbefugnis hatten bis Ende Juni 2008 nur die Rechtsanwälte.[22] Die Vertretungsmöglichkeit ist in § 79 Abs. 2 Nr.4 ZPO auch gesetzlich geregelt.
Damit Inkassounternehmen die Beitreibung von Forderungen ihrer Auftraggeber durchführen können müssen sie registriert sein. Für die Erbringung von Inkassodienstleistungen ist eine besondere Sachkunde erforderlich und für die Registrierung sind die persönliche Eignung und Zuverlässigkeit, theoretische und praktische Sachkunde und das Vorhandensein einer Berufshaftpflichtversicherung wichtige Voraussetzung.[23] Die weiteren Regelungen sowie der Ablauf des Registrierungsverfahren ist in den §§ 10 ff. Rechtsdienstleistungsgesetz geregelt.
Sofern das Unternehmen oder der Unternehmer seine Forderung durch ein Inkasso- unternehmen realisieren möchte, ist die Forderung meist schon längere Zeit offen und der Unternehmer konnte aber aufgrund seiner eigenen Bemühungen noch keine Begleichung der Forderung verbuchen. Gemäß § 286 Abs. 1 BGB kommt der Schuldner in Verzug, wenn er auf eine Mahnung des Gläubigers nach Eintritt der Fälligkeit der Forderung nicht leistet. Der Zeitpunkt, ab dem der Gläubiger vom Schuldner verlangen kann, seine Forderung zu begleichen stellt die Fälligkeit dar. Eine Fälligkeit der Leistung kann vertraglich vereinbart werden oder durch eine Rechnung bestimmt werden. Trotz einer Fälligkeit, muss sich der Schuldner nicht im Verzug befinden. Gemäß § 286 Abs. 2 ist eine Mahnung nicht erforderlich, sofern ein Datum für die Leistung bestimmt wurde. Nach Ablauf dieser Frist befindet sich der Schuldner ab den Tag, der auf den letzten Fälligkeitstag folgt im Verzug.[24] Ferner kommt der Schuldner spätestens in Verzug, wenn er gemäß § 286 Abs. 3 BGB nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder gleichwertiger Zahlungsaufstellung seine Leistung bewirkt. Für Verbraucher gilt dies nur, wenn in der Rechnung oder Zahlungsaufstellung darauf hingewiesen wurde. Handelt es sich nicht um einen Verbraucher, kommt der Schuldner laut § 286 Abs. 3 S. 2 BGB spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Empfang der Leistung in Verzug, jedoch ebenfall nur, wenn der Zeitpunkt des Rechnungszugangs oder Zahlungsaufstellung unklar ist. Nach § 280, 281 BGB kann der Gläubiger dann Schadensersatz geltend machen.
Natürlich kann es auch möglich sein, dass die Forderung vom Unternehmer selbst schon eingeklagt wurde und somit schon tituliert ist.
Der Gläubiger schließt mit dem Inkassounternehmen einen Inkassovertrag, mit dem er dem Inkassounternehmen die Berechtigung zur Eintreibung seiner fälligen Forde- rung erteilt. Ein Beispiel für einen Inkassovertrag kann im Anhang 1 näher betrach- tet werden.
Der Inkassovertrag ist gemäß § 675 BGB ein Geschäftsbesorgungsvertrag und wird zwischen dem Auftraggeber, also dem Gläubiger und dem Inkassounternehmen geschlossen. Das Inkassounternehmen verpflichtet sich demnach zur Besorgung eines ihm durch den Gläubiger übertragenen Geschäfts. Dabei gelten für diesen Vertrag die Regelungen für den Auftrag, welche in § 662 ff. BGB zu finden sind, und für den Dienstvertrag findet der § 611 ff. BGB Anwendung. Folglich regelt der Inkassovertrag die rechtlichen Beziehungen im Innenverhältnis.[25] Der Geschäftsbesorgungsvertrag umfasst hier speziell die selbstständige Tätigkeit und durch seine Entgeltlichkeit unterscheidet er sich zum Auftrag nach § 662 BGB.
Bei der Berechtigung zum Einziehen der Forderung für den Auftraggeber werden zwei Formen unterschieden. Die Inkassovollmacht und die Inkassozession.
Bei der Inkassovollmacht bleibt der Auftraggeber in vollem Umfang Eigentümer sei- ner Forderung. Durch die Inkassovollmacht wird das Inkassounternehmen im Rah- men des Inkassovertrages beauftragt, alle Maßnahmen zur Eintreibung der Forde- rung einzuleiten, um den Schuldner dazu zu bewegen, die komplette Forderung zu begleichen. Weiterhin ist das Inkassounternehmen bevollmächtigt, im Namen des Auftraggebers, alle die mit der Forderung zusammenhängenden Absprachen und Vereinbarungen zu treffen und Zahlungen des Schuldners entgegenzunehmen. Des Weiteren hat das Inkassounternehmen die Möglichkeit, im Namen des Auftraggebers Rechtsanwälte zu beauftragen, die dann die Interessen des Auftraggebers vertreten und die Verfahren betreiben, die das Inkassounternehmen allein nicht mehr durchführen darf. Sie dürfen den Schriftwechsel mit den Anwälten führen und ihnen ggf. auch Untervollmachten erteilen, die sie beispielsweise berechtigen, die Zahlungen des Schuldners für den Auftraggeber in Empfang zu nehmen.[26] Der Auftraggeber hat somit immer das letzte Wort bezüglich der Vorgehensweise des Inkassounternehmens und entscheidet, welche Maßnahmen durchgeführt werden sollen oder nicht.
Bei der Inkassozession, welche auch fiduziarische Abtretung genannt wird, wird die Forderung vom Auftraggeber, dem Zedenten, an den neuen Gläubiger, den Zessio- nar, zu einem bestimmten Zweck abgetreten, wie z. B. zum Zwecke der Forde- rungseinziehung. Gegenüber Dritten, also im Außenverhältnis, tritt der Zessionar mit allen Rechten und Pflichten gegenüber dem Schuldner auf. Jedoch im Innenverhält- nis bleibt der ursprüngliche Auftraggeber, also der Zedent, weiterhin der wirtschaftli- che Eigentümer der Forderung und das Inkassounternehmen ist somit treuhände- risch gebunden.[27] Dem Auftraggeber steht aufgrund des Geschäftsbesorgungs- vertrages also weiterhin der Forderungsbetrag zu, den das Inkassounternehmen versucht zu realisieren.
Neben der Beauftragung zum Einziehen der Forderung kann der Gläubiger seine Forderung auch an das Inkassounternehmen verkaufen. Dabei verkauft er die For derung meist wenige Tage nach Ablauf der Fälligkeit.[28] Die Forderung wird dabei durch einen Abtretungsvertrag vom bisherigen Gläubiger an den neuen Gläubiger übertragen.[29] Gemäß § 398 S. 2 BGB tritt der neue Gläubiger dann an die Stelle des bisherigen Gläubigers. Im Gegensatz zur fiduziarischen Abtretung verliert der bisherige Gläubiger somit seine Rechtsposition und ist mit Abschluss des Abtretungsvertrages nicht mehr Eigentümer der Forderung, da er seine Forderung mit allen Rechten und Pflichten an das Inkassounternehmen verkauft. Für den Forderungsverkauf kommen kaufmännisch ausgemahnte und auch titulierte oder abgeschriebene Forderungen in Betracht. [30]
Der Auftraggeber übergibt seine Unterlagen über die Forderung an das Inkassounternehmen, welches sich dann gezielt um die Eintreibung der Forderung ihres Auftraggebers kümmert. Das Inkassounternehmen nimmt dem Auftraggeber somit auch viel Arbeit ab und entlastet ihn, sodass sich der Auftraggeber wieder auf den eigentlichen Bereich seiner Tätigkeit vollends konzentrieren kann.[31]
Die Arbeitsweise hinsichtlich der Beitreibung der Forderung des Auftraggebers ist bei den meisten Inkassounternehmen ähnlich. Der Ablauf gliedert sich demnach in vier Abschnitte.
Zu den Aufgaben in der vorgerichtlichen Bearbeitung des Inkassoauftrages gehört das Einpflegen des Inkassoauftrages in die interne Datenbank des Inkassounter- nehmens. Weiterhin wird eine Vervollständigung der Schuldnerdaten vorgenommen, wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen ergänzen, sofern durch den Auftragge- ber die Daten nicht schon aufgenommen wurden. Das Inkassounternehmen tritt mit dem Schuldner schriftlich in Kontakt und sendet ihm ein Mahnschreiben. Reagiert der Schuldner daraufhin nicht auf die Zahlungsaufforderung wird der Schuldner durch die Mitarbeiter des Inkassounternehmens angerufen und es wird versucht, im Gespräch Gründe für das Nichtzahlen zu erfahren. Sofern der Schuldner zahlungs- willig ist, er aber die Forderung nicht in einem Betrag bezahlen kann, wird ggf. eine Ratenzahlungsvereinbarung getroffen. Dann erhält der Schuldner ein zweites Mahnschreiben mit dem Vorschlag zu Ratenzahlung, den er unterschrieben an das Inkassounternehmen zurücksenden muss. Vom Inkassounternehmen wird die Einhaltung der Ratenvereinbarung überwacht. Sollte der Schuldner per Post oder Telefon nicht auffindbar sein, wird versucht die Anschrift zu ermitteln, z. B. durch eine Anfrage beim Einwohnermeldeamt. Da die Inkassounternehmen auch mit Aus- kunfteien zusammenarbeiten, wird überprüft, ob der Schuldner dort mit Negativ- daten verzeichnet ist. Diese Negativdaten können Haftbefehle, eidesstattliche Versicherungen oder gemeldete offene Forderungen anderer Gläubiger sein. Der Inkassosachstand wird dabei im internen Onlinesystem immer auf dem neuesten Stand gehalten. Weiterhin steht das Inkassounternehmen immer im Kontakt mit dem Auftraggeber und gibt ihm Handlungsempfehlungen und bespricht die weitere Vorgehensweise. Wenn es keine Möglichkeit mehr gibt die Forderung des Auftraggebers außergerichtlich durchzusetzen ist das vorgerichtliche Inkassoverfahren beendet. Mit dem Auftraggeber wird Rücksprache gehalten und er kann dann dem Inkassounternehmen den Auftrag zur Einleitung des gerichtlichen Mahnverfahrens erteilen oder den Versuch der Beitreibung seiner Forderung auch einstellen. Im Rahmen des Inkassovertrages ist das Inkassounternehmen zur Einleitung des gerichtlichen Mahnverfahrens ermächtigt. [32]
Wenn der Auftraggeber das Inkassounternehmen damit beauftragt hat, leitet dieses das gerichtliche Mahnverfahren ein. Das Inkassounternehmen stellt dabei einen Antrag auf Erlass eines Mahn- und Vollstreckungsbescheids. Es bearbeitet gegebenenfalls Monierungen und weitere Anfragen, die vom Mahngericht gestellt werden. Möglicherweise muss die Anschrift des Schuldners neu ermittelt werden, wenn das Gericht den Mahn- bzw. Vollstreckungsbescheid nicht zustellen kann. Der Gläubiger wird informiert, sofern der Schuldner gegen den Mahn- oder Vollstreckungsbescheid Widerspruch bzw. Einspruch eingelegt haben sollte. Der Auftraggeber entscheidet dann, ob er das streitige Verfahren vor einem Gericht durchführen möchte. Dieses Verfahren kann nicht mehr von dem Inkassounternehmen durchgeführt werden, dafür muss der Auftraggeber einen Rechtsanwalt hinzuziehen. Die Inkassounternehmen haben meist Kontakte zu Rechtsanwaltskanzleien und können dem Auftraggeber so direkt einen Anwalt empfehlen. Sobald der Vollstreckungsbescheid erlassen und dem Schuldner zugestellt wurde ist das gerichtliche Mahnverfahren beendet.
3.5 Nachgerichtliches Inkassoverfahren
Zu den Aufgaben des Inkassounternehmens im nachgerichtlichen Inkassoverfahren gehören Zwangsvollstreckungsverfahren bzw. Pfändungsmaßnahmen.[33] Das Inkassounternehmen kann Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse beantragen und darf das früher bereits zulässige, aber umstrittene Verfahren zur Abnahme der Eidesstattlichen Versicherung betreiben. Auch den Antrag auf Erlass eines Haftbe- fehls darf das Inkassounternehmen stellen. Im insolvenzrechtlichen Bereich kann es Forderungen anmelden und die Vertretung im Prüfungstermin übernehmen und am Schuldenbereinigungsverfahren mitwirken.[34] Teilweise wird vom Inkassounterneh- men auch eine erneute Adressermittlung oder eine weitere Bonitätsprüfung durch- geführt. Ebenso wird mit Hilfe einer Detektei versucht, eine Bankverbindung, den aktuellen Arbeitgeber oder Vermögenswerte des Schuldners ausfindig zu machen. Ist der Schuldner „unbekannt“ verzogen, hat er die eidesstattliche Versicherung abgegeben oder wurde eine Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenz- verfahrens getroffen, ist das nachgerichtliche Inkassoverfahren beendet.
Das Überwachungsverfahren kommt zum Einsatz, wenn die Forderung bereits titu- liert ist. Dabei wird der Schuldner in, vom jeweiligen Inkassounternehmen bestimmten Zeitabständen erneut überprüft, ob er zwischenzeitlich zahlen kann oder andere Vermögenswerte zur Verfügung hat. Es wird dann wieder das nachgerichtliche Inkassoverfahren eingeleitet und z. B. ein Gerichtsvollzieher mit der Zwangsvollstreckung beauftragt.[35] Da titulierte Forderungen erst nach 30 Jahren gemäß § 197 Abs. 1 Nr. 3 BGB verjähren, versuchen die Inkassounternehmen durch die Langzeitüberwachung die Forderung doch noch zu realisieren.
Aufgrund des bisher Beschriebenen kann man schlussfolgern, das es das Ziel von Inkassounternehmen und deren Mitarbeitern ist, den Schuldner zur Begleichung der offenen Forderung des Gläubigers zu bewegen. Langwierige und auch teure Ge- richtsprozesse sollen somit möglichst vermieden werden. Durch die professionelle und strategische Vorgehensweise soll das Inkassounternehmen dem Gläubiger bei der Forderungseintreibung helfen und ihn unterstützen, schnell an sein Geld zu kommen. Zudem verfügen Inkassounternehmen über Kontakte zu Auskunfteien, die dem Gläubiger nützlich sein können, da sie ihm schon vor Aufnahme der Kunden- oder Geschäftsbeziehung Informationen über die Zahlungsfähigkeit seiner zukünftigen Kunden liefern können. Die Inkassounternehmen sehen sich dabei als Vermittler zwischen dem Gläubiger und dem Schuldner, denn sie suchen das Gespräch mit dem Schuldner, damit die Geschäftsbeziehung mit dem Auftraggeber des säumigen Zahlers möglichst positiv weitergeht. Aufgrund der wachsenden Außenstände sind auch die Kontroll- und Überwachungsfunktionen der Branche gefragt und helfen dem Gläubiger, dass er kein weiteres gutes Geld dem „schlechten“ hinterher wirft.[36] Auch Richard-Andreas Domschke, Geschäftsführer der Creditreform Bonn Domschke KG, sagte dazu, dass das Vorgehen auf einer Mischung aus Informationen, Psychologie und Beharrlichkeit beruht und die Schuldner hartnäckig auf den geschuldeten Betrag und die negativen Folgen des Nichtzahlens hingewiesen werden.[37]
Der Verzug des Schuldners stellt eine Pflichtverletzung des Schuldverhältnisses aus § 311 BGB dar.[38] Der Gläubiger kann Ersatz des durch den Schuldner entstandenen Verzugsschaden verlangen.[39] Der Umfang des Verzugsschadens richtet sich nach den Vorschriften über den Schadensersatz. Dazu gehören auch die durch den Verzug des Schuldners entstandenen Kosten, wie z. B. die Kosten für die Einschaltung eines Inkassounternehmens. Der Gläubiger kann zudem Zinsen nach § 288 Abs. 1 BGB in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem aktuellen Basiszinssatz gegenüber dem Schuldner geltend machen. Sofern an dem Rechtsgeschäft kein Verbraucher, sondern ebenfalls ein Unternehmer beteiligt war, kann der Gläubiger gemäß § 288 Abs. 2 BGB Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz verlangen.[40]
Wenn der Schuldner sich vertraglich dazu verpflichtet hat, die Inkassokosten zu übernehmen, dann handelt es sich um einen vertraglichen Erfüllungsanspruch und der Schuldner muss die Kosten der Rechtsverfolgung durch das Inkassounterneh- men tragen. Inkassounternehmen erhalten gemäß § 4 Abs. 4 RDGEG für die Durchführung des gerichtlichen Mahnverfahrens eine Festgebühr von 25 Euro. Dabei ist jedoch umstritten, ob es sich dabei um einen Netto- oder Bruttobetrag handelt, weil dies entscheidend für die Hinzurechnung der Auslagenpauschale und der Mehrwertsteuer ist. Im Grunde wird diese Entscheidung von den Mahngerichten getroffen.[41] Unternehmern ist allgemein bekannt, dass ein einzelner Mitarbeiter zur Forderungseintreibung nicht rentabel ist, da die Kosten für das betriebliche Mahnwesen nicht als Verzugsschaden geltend gemacht werden können.
Da jedoch die Kosten für die Beauftragung eines Inkassounternehmens als Ver- zugsschaden vom Schuldner getragen werden müssen, besteht ein klarer Vorteil darin, dass die Inkassogebühren mit dem beauftragten Inkassounternehmen frei verhandelt werden können und nicht einer gesetzlichen Vergütungsordnung unter- liegen, wie z. B. dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz bei Beauftragung eines Rechtsanwalts.[42] Viele Inkassounternehmen berechnen jedoch für ihre Tätigkeit höhere Gebühren, als sie ein Rechtsanwalt nach dem Rechtsanwaltsvergütungs- gesetz bekommen würde. Der Schuldner muss jedoch maximal, im Zuge der Schadensminderungspflicht des Gläubigers gemäß § 254 Abs. 2 BGB, nur jene Kosten erstatten, die auch der Rechtsanwalt nach dem RVG hätte verlangen können.[43] Der Gläubiger trägt demnach, die über diese Sätze hinausgehenden Kosten selbst, wenn er sie mit dem Inkassounternehmen so vereinbart hat. Dazu gibt es auch immer wieder Rechtssprechungen.[44]
Bei der Vergütung zwischen Inkassounternehmen und dem Auftraggeber sind pauschale Vergütungssysteme, Vereinbarungen einer Einzelvergütung und auch Mischformen üblich.[45]
Bei Inkassounternehmen findet man somit meist 3 Vergütungsmodelle:
1. Jede durchgeführte Leistung wird berechnet
2. Leistungsabschnitte werden mit einer Pauschale berechnet
3. Berechnung einer Provision auf Erfolgsbasis.[46]
Wenn die Inkassounternehmen mit dem Auftraggeber eine Erfolgsprovision verein- baren, muss der Auftraggeber die Vergütung allein zahlen. Nach Auffassung von Rechtsprechung und Literatur ist die Erfolgsprovision im Innenverhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner nicht als Verzugsschaden anzusehen und daher nicht vom Schuldner zu erstatten. Bei der Beitreibung von titulierten Forderungen des Auftrag- gebers, arbeiten die meisten Inkassounternehmen auf Grundlage einer Erfolgspro- vision. Die Höhe des Provisionssatzes ist dabei abhängig vom Kostenrisiko, wel- ches entweder der Auftraggeber trägt oder vom Inkassounternehmen übernommen wird.
Bei Beauftragung des Inkassounternehmens mit der Durchführung des gerichtlichen Mahnverfahrens oder der Einleitung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen fallen weitere Kosten in Abhängigkeit zur entsprechenden Maßnahme an. Der Kauferlös beim Verkauf titulierter Forderungen hängt von Art und Güte der Forderung ab. Es kann z. B. die Menge der Vollstreckungsversuche oder der Entstehungszeitpunkt der Forderung großen Einfluss auf den Wert haben.[47] Als Beispiel zeigt die folgende Tabelle die Preisliste des Inkassounternehmens Eurosolvent Inkasso GmbH & Co. KG, deren Kosten auf den Auftraggeber bei Beauftragung zur Forderungseintreibung zukommen.
Tabelle 1: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Preisliste, Quelle: o.V., online im Internet: http://www.eurosolvent.de/preisliste.php, Stand 06.05.2010.
Unternehmen sollten vor Beauftragung eines Inkassounternehmens die einzelnen Angebote genau vergleichen, um die beste und kostengünstigste Lösung für ihr Unternehmen zu finden. Auch sollte mit der Beitreibung der Forderung ein seriöses Inkassounternehmen beauftragt werden. Alle Inkassounternehmen die im Bundesverband der Deutscher Inkassounternehmen e.V. Mitglied sind, gelten als besonders seriös, da sie dort einer besonderen Kontrolle unterliegen.
Schließt der Unternehmer mit einem Inkassounternehmen einen Vertrag ab, wel- ches nicht registriert und nicht im Rechtsdienstleistungsregister aufgeführt ist, führt dieser Umstand gemäß § 134 BGB zur Unwirksamkeit vom geschlossenen Inkassovertrag. Der Gläubiger muss dann keine Inkassokosten zahlen. Dem Gläu- biger ist dann auch kein Schaden entstanden, den er gemäß den §§ 280 und 286 BGB als Verzugsschaden geltend machen könnte. Der Schuldner muss demnach auch keine Inkassokosten zahlen. Sofern der Gläubiger diesem Inkassounterneh men bereits ein Entgelt für dessen Leistung bezahlt hat kann der Gläubiger die Vergütung gemäß § 812 BGB zurückfordern.[48]
Im Vergleich zur betriebseigenen Mahnabteilung haben unabhängige Inkassounter- nehmen, bei vergleichsweise niedrigen Kosten, eine deutlich höhere Erfolgsquote zu verzeichnen.[49] Allein dem Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen e.V. gehören um die 600 Inkassounternehmen an, welche pro Jahr weit mehr als vier Milliarden Euro der Wirtschaft wieder zurückführen. Die Marktabdeckung dieser Unternehmen liegt bei über 90 Prozent und sie betreuen Forderungen von über 22 Milliarden Euro.[50] Die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Deutscher Inkassounternehmen e.V. haben in der vorgerichtlichen Phase eine Erfolgsquote von durchschnittlich über 50 Prozent.[51] Der Verband der Vereine Creditreform e.V. hat in einer Untersuchung ermittelt, in welchem Land die Chancen am besten stehen, notleidende Forderungen einzuziehen. Dabei wurden die Länder der Europäischen Union, Norwegen, Schweiz, Japan, USA und die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) zugrunde gelegt. Bewertungskriterien waren dabei die Insolvenzquoten der jeweiligen Länder, die Möglichkeit der Vereinbarung eines Eigentumsvorbehaltes und dessen Insolvenzfestigkeit, die durchschnittliche Dauer von Gerichtsverfahren und die Kostenerstattungsfähigkeit der Auslagen, das Vorhandensein eines Schnellverfahrens ähnlich dem deutschen Mahnverfahren, die Anerkennung deutscher Urteile und die Erfolgsquoten des Creditreform Inkasso im jeweiligen Land. Aus diesen Bewertungskriterien errechnet sich der sogenannte Creditreform Inkasso-Indikator. Dieser zeigt auf einer Skala von 1-10 (10 ist dabei der höchste Wert) in welchem Land es sich empfiehlt, angemahnte Forderungen weiter zu verfolgen und in welchem Land gutes Geld nicht weiter dem schlechten hinterher geworfen werden sollte. Dabei ist bei einer Nichtzahlung trotz Mahnung von der endgültigen Uneinbringlichkeit der Forderung auszugehen.[52]
Die folgende Tabelle zeigt alle untersuchten Länder und deren Chancen, trotz erfolgloser Mahnung, an sein Geld zu gelangen.
Tabelle 2: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Der Creditreform Inkasso-Indikator International, Quelle: o.V., online im Internet: http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Info- Center/Fachartikel/International_Business/Inkasso-Indikator.jsp, Stand 07.05.2010.
Demnach stehen die Chancen für eine erfolgreiche Beitreibung der notleidenden Forderungen in Österreich am besten. Deutschland liegt auf Platz drei und die schlechtesten Aussichten für die Forderungseintreibung nach erfolglosen Mahnun- gen hat Russland.[53]
Aber auch auf Konsumentenseite erzielen Inkassounternehmen gute Erfolge. Un- ternehmen erhöhen meist ihre Produkte und Dienstleistungen um den Forderungs- ausfall zu decken. Somit trägt letztendlich der Kunde den Forderungsausfall. Inkassounternehmen stehen der Wirtschaft zur Seite und sie versuchen, die Aus- fälle auf ein Minimum zu optimieren, um Preiserhöhungen zu verhindern.[54] Inkassounternehmen sind Spezialisten für den Forderungseinzug, denn sie erin- nern, die säumigen Zahler auf professionelle Weise an ihre Pflichten und das auf gesetzlicher Basis, laufend, konsequent und mit steigendem Druck. Natürlich sollten die Unternehmen Zahlungsrisiken von vornherein versuchen zu vermeiden. Auch hier stellen die Inkassounternehmen eine große Hilfe durch die sogenannten Bonitätsauskünfte dar. Unternehmen haben dadurch Zugang zu einer breiten Palette an Wirtschaftsinformationen einschließlich der Daten der Schufa.[55]
Daraus ist zu schlussfolgern, dass Unternehmen sich schon im Vorfeld über ihre Kunden und Geschäftspartner Informationen einholen können und somit ihr Risiko eines Forderungsausfalles selbst besser einschätzen können.
Wolfgang Spitz, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Inkassounter- nehmen e.V., sagte, dass es für Unternehmen kostengünstig und effektiv sei, wenn man ein Inkassounternehmen mit der Beitreibung der offenen Forderungen beauf- trage. Es wird zwar oftmals die Einschaltung eines Rechtsanwaltes empfohlen, je- doch sind viele Anwaltskanzleien in personeller und organisatorischer Hinsicht, nicht auf eine routinemäßige Bearbeitung der Mahnsachen vorbereitet.[56] Während des Mahnverfahrens kann der Schuldner Widerspruch gegen den Mahnbescheid einlegen. Diese Möglichkeit wird von vielen Schuldnern zur Verfahrensverzögerung und Zeitgewinnung genutzt, obwohl die Forderung rechtmäßig und bereits fällig ist. An dieser Stelle enden dann die Möglichkeiten der Inkassounternehmen und die Einschaltung eines Anwaltes ist erforderlich. Dies kann als Nachteil angesehen werden, da die anfallenden Kosten des beauftragten Inkassounternehmens nur insoweit zu erstatten sind, als sie bei einer sofortigen Beauftragung vom einem Rechtsanwalt angefallen wären. Das bedeutet, wenn eine Forderung einem Inkassounternehmen übergeben und dann für die gerichtliche Beitreibung an einen Rechtsanwalt weitergegeben wird, können nur die Rechtsanwaltskosten dem Schuldner auferlegt werden. Die Kosten vom Inkassounternehmen muss der Gläu- biger tragen. Der Vorteil von Rechtsanwaltskanzleien liegt demnach darin, dass das gesamte Verfahren in „einer Hand“ liegt.[57] Jedoch ist auch zu erwähnen, das viele Inkassounternehmen bereits hohe Erfolge im vorgerichtlichen Inkassoverfahren erzielen, so dass es erst gar nicht zur Durchführung des streitigen Verfahrens kommt und letztendlich dann auch nicht die Einschaltung eines Rechtsanwalt erforderlich macht. Ab einem Betrag über 5000 Euro herrscht Anwaltszwang, da dann das Verfahren schon in erster Instanz bei den Landgerichten durchgeführt wird. Bei Forderungen bis 5000 Euro läuft das Verfahren bei den Amtsgerichten und man kann sich als Unternehmer im streitigen Verfahren selbst vertreten und so die Anwaltskosten einsparen. Aus Zeitgründen ist dies aber meist nicht sehr effektiv. Inkassounternehmen entlasten ihren Auftraggeber und somit kann dieser sich wie- der dem eigentlichen Kerngeschäft widmen. Dadurch das Inkassounternehmen die Forderungen dem Kreislauf der Wirtschaft wieder zurückführen, profitiert auch die Volkswirtschaft von deren Tätigkeit.[58]
[1] Vgl. o. V., Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung, Frühjahr 2010, S. 28.
[2] Vgl. o.V., Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung, Frühjahr 2010, S. 29.
[3] Vgl. o.V., online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54425//forderungen-v1.html, Stand 24.04.2010.
[4] Vgl. Mühlbradt, Frank W., Wirtschaftslexikon, 2007, S. 130.
[5] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.anleger-lexikon.de/wissen/forderungen-aus-lieferungen-und- Leistungen.php, Stand 24.04.2010.
[6] Vgl. Groß, Vorsicht Verjährungsfalle, 2004, S. 2.
[7] Vgl. Palandt/Heinrichs, Kurzkommentar BGB, § 195 Rn. 3.
[8] Vgl. § 199 Abs. 1 S.1 Nr. 1, 2. BGB.
[9] Vgl. Pütz, Lexikon Forderungsmanagement, 2002, S. 139.
[10] Vgl. § 214 Abs. 1 BGB.
[11] Vgl. § 209 BGB.
[12] Vgl. Groß, Vorsicht Verjährungsfalle, 2004, S. 9.
[13] Vgl. Groß, Vorsicht Verjährungsfalle, 2004, S. 12.
[14] Vgl. o.V., Online im Internet: http://www.bdiu.de/presse/frhjahrsumfrage/index.html, Stand 25.04.2010.
[15] Vgl. o.V., online in Internet:
http://www.duden.de/suche/index.php?suchwort=inkasso&suchbereich=mixed, Stand 25.04.2010.
[16] Vgl. Creifelds, Rechtswörterbuch, 2007, S. 603.
[17] Vgl. § 2 Abs. 2 Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG).
[18] Vgl. Pütz, Lexikon Forderungsmanagement, 2002, S. 71.
[19] Vgl. o.V., online in Internet: http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Info- Center/FAQ/Forderungsmanagement/Aussergerichtliches_Inkasso/index.jsp, Stand 26.04.2010.
[20] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.bdiu.de/neuerbereich/geschichte/index.html, Stand 25.04.2010.
[21] Vgl. Pütz, Heinz C., Lexikon Forderungsmanagement, 2002, S. 72.
[22] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.bdiu.de/neuerbereich/geschichte/index.html, Stand 25.04.2010.
[23] Vgl. § 11 Abs. 1 und § 12 Abs. 1 Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG).
[24] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.mahnung-online.de/mahnverzug.html, Stand 30.05.2010.
[25] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.adf-inkasso.de/inkasso_glossar/inkassovertrag.htm, Stand 01.05.2010.
[26] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.eurosolvent.de/glossar.php, Stand 30.04.2010.
[27] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.eurosolvent.de/glossar.php, Stand 30.04.2010.
[28] Vgl. Straub, Der Einzug von Forderungen: Wie funktioniert eigentlich Inkasso, (2009), online im Internet: http://www.unternehmer.de/der-einzug-von-forderungen-wie-funktioniert-eigentlich-inkasso- 690, Stand 01.05.2010.
[29] Vgl. Creifelds, Rechtswörterbuch, 2007, S. 17.
[30] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.adf-inkasso.de/inkasso_glossar/forderungskauf.htm, Stand 01.05.2010.
[31] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.bdiu.de/inkassodeutschland/aufgabenderinkassounternehmen/index.html, Stand 30.4.2010.
[32] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.inkasso-24.de/dienste/inkasso/ablauf/, Stand 30.04.2010.
[33] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.inkasso-24.de/dienste/inkasso/ablauf/, Stand 30.04.2010.
[34] Vgl. o.V. online im Internet: http://www.agens-wfi-inkasso.de/rechtsdienstleistungsgesetz.html, Stand 18.04.2010.
[35] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.inkasso-24.de/dienste/inkasso/ablauf/, Stand 30.04.2010.
[36] Vgl. Spitz, Trend zum außergerichtlichen Inkasso. Gläubiger gehen vor Gericht oft leer aus, online im Internet: http://www2.bdiu.de/presse/autorenbeitrge/inkassoimtrend/index.html, Stand 25.04.2010.
[37] Vgl. BMWi (Hrsg.), Gründerzeiten, Nr. 18, aktualisierte Ausgabe, Sep. 2009, S. 3.
[38] Vgl. Creifelds, Rechtswörterbuch, 2007, S. 1023.
[39] Vgl. § 280 Abs. 1, 2 BGB.
[40] Vgl. Creifelds, Rechtswörterbuch, 2007, S. 1023.
[41] Vgl. Goebel, Fragen und Antworten, online im Internet: http://www.inkassokosten.com/inkassokosten-fragen-antworten.html, Stand 06.05.2010.
[42] Vgl. Malsbenden, Kosten im Forderungsmanagement durch Beauftragung von Inkassounternehmen reduzieren, online im Internet: http://www.vnr.de/b2b/unternehmen-maerkte/finanzierung/kosten-im- forderungsmanagement-durch-beauftragung-von-inkassounternehmen-reduzieren.html, Stand 06.05.2010.
[43] Vgl. Palandt/Grüneberg, Kurzkommentar BGB, § 286, Rn. 46.
[44] Vgl. OLG Dresden, NJW 1995, 2767.
[45] Vgl. o.V. online im Internet: http://www.bdiu.de/inkassodeutschland/aufgabenderinkassounternehmen/vergtung/index.html, Stand 30.04.2010.
[46] Vgl. Pütz, Lexikon Forderungsmanagement, 2002, S. 71.
[47] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.bdiu.de/inkassodeutschland/aufgabenderinkassounternehmen/vergtung/index.html, Stand 30.04.2010.
[48] Vgl. Goebel, Fragen und Antworten, online im Internet: http://www.inkassokosten.com/inkassokosten-fragen-antworten.html, Stand 06.05.2010.
[49] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.hammer-inkasso.de/informationen.html, Stand 07.05.2010.
[50] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.bdiu.de/, Stand 25.04.2010.
[51] Vgl. Spitz, Trend zum außergerichtlichen Inkasso. Gläubiger gehen vor Gericht oft leer aus, online im Internet: http://www2.bdiu.de/presse/autorenbeitrge/inkassoimtrend/index.html, Stand 25.04.2010.
[52] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Info- Center/Fachartikel/International_Business/Inkasso-Indikator.jsp, Stand 07.05.2010.
[53] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Info- Center/Fachartikel/International_Business/Inkasso-Indikator.jsp, Stand 07.05.2010.
[54] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.hammer-inkasso.de/informationen.html, Stand 07.05.2010.
[55] Vgl. Godek, Liquiditätsmanager statt Geldeintreiber, KfZ-Betrieb, Ausgabe 44, 2009, S. 35.
[56] Vgl. Spitz, Trend zum außergerichtlichen Inkasso. Gläubiger gehen vor Gericht oft leer aus, online im Internet: http://www2.bdiu.de/presse/autorenbeitrge/inkassoimtrend/index.html, Stand 25.04.2010.
[57] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.recht-schneide.de/inkasso.htm, Stand 07.05.2010.
[58] Vgl. o.V., online im Internet: http://www.hammer-inkasso.de/informationen.html, Stand 07.05.2010
Almut Flade (Autor)
V154771
9783640673995
Unternehmen Außenstände Lösungen Forderungseintreibung Sicht Beispielen Ausblick Insolvenzrisiko
Almut Flade (Autor), 2010, Das Unternehmen und seine Außenstände, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154771

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