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Timestamp: 2019-09-19 17:03:20+00:00

Document:
LAG Köln, Urteil vom 22.01.2008, 9 Sa 1184/07 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Köln, Ur­teil vom 22.01.2008, 9 Sa 1184/07
Schlagworte: Betriebliche Übung
Aktenzeichen: 9 Sa 1184/07
1. Eine gegenläufige betriebliche Übung setzt voraus, dass der Arbeitgeber in besonderer Weise klar und unmissverständlich seinen Willen zum Ausdruck bringt, sich von der bestehenden betrieblichen Übung zu lösen und einen Rechtsanspruch für die Zukunft auszuschließen (Anschluss an BAG, Urteil vom 04.05.1999 - 10 AZR 290/98 -).
2. Diesen Anforderungen wird nicht genügt, wenn der Arbeitgeber nunmehr in den Lohnabrechnungen vermerkt: "Die Zahlung des Weihnachtsgeldes ist eine freiwillige Leistung und begründet keinen Rechtsanspruch!"
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln
Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 9 Sa 1184/07
1. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 30. Au­gust 2007 – 1 Ca 1504/07 – wie folgt ab­geändert:
a.) Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger EUR 1.354,08 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz von je­weils EUR 451,36 seit dem 01.12.2006, 01.01.2007 und 01.02.2007 zu zah­len.
b) Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
2. Im Übri­gen wird die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen.
4. Die Re­vi­si­on ge­gen die­ses Ur­teil wird zu­ge­las­sen
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger für das Jahr 2006 ein Weih­nachts­geld zu zah­len.
Der Kläger ist bei der Be­klag­ten seit dem 1. Au­gust 1971 als Spe­zi­al­bau­fach­ar­bei­ter zu ei­nem St­un­den­lohn von zu­letzt EUR 14,56 brut­to beschäftigt. Ein schrift­li­cher Ar­beits­ver­trag wur­de nicht ab­ge­schlos­sen.
Die Be­klag­te gehört kei­nem Ar­beit­ge­ber­ver­band an.
Die Be­klag­te gewähr­te dem Kläger seit Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses am Jah­res­en­de ein Weih­nachts­geld, zunächst als Ein­mal­be­trag und später in 3 Mo­nats­ra­ten.
In den Jah­ren 2002 bis 2005 zahl­te die Be­klag­te das Weih­nachts­geld je­weils in 3 Ra­ten à EUR 447,33 bzw. 458,18, und zwar in den Mo­na­ten No­vem­ber bis Ja­nu­ar des Fol­ge­jah­res, wo­bei sie – bis auf die Mo­na­te No­vem­ber 2002 und No­vem­ber 2003 - in den Lohn­ab­rech­nun­gen je­weils hand­schrift­lich den Zu­satz beifügte: "Die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des ist ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung und be­gründet kei­nen Rechts­an­spruch!" Der jähr­lich ge­zahl­te Be­trag ent­sprach dem 93-fa­chen ak­tu­el­len St­un­den­lohn.
Für das Jahr 2006 zahl­te die Be­klag­te kein Weih­nachts­geld.
Der Kläger ist der An­sicht, die Be­klag­te sei auf­grund be­trieb­li­cher Übung ver­pflich­tet, ihm auch für das Jahr 2006 ein Weih­nachts­geld in Höhe des 93-fa­chen St­un­den­loh­nes zu zah­len. Er ha­be ei­ner abändern­den be­trieb­li­chen Übung nicht zu­ge­stimmt. Er be­haup­tet, mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 20. Fe­bru­ar 2002 ha­be er dem Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt wi­der­spro­chen.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn ei­nen Be­trag in Höhe
von EUR 1.354,08 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von
5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz
seit dem 1. De­zem­ber 2006 zu zah­len.
Sie be­strei­tet, dass der Kläger auf­grund be­trieb­li­cher Übung ei­nen An­spruch auf Zah­lung 16 ei­nes Weih­nachts­gel­des für das Jahr 2006 hat. So­fern in der Ver­gan­gen­heit ei­ne be­trieb­li­che Übung be­stan­den ha­be, sei sie je­den­falls seit 2002 auf­ge­ho­ben wor­den. Ein an­walt­li­ches Schrei­ben des Klägers vom 20. Fe­bru­ar 2002 ha­be sie nicht er­hal­ten.
Das Ar­beits­ge­richt Köln hat durch Ur­teil vom 30. Au­gust 2007 der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, auf­grund be­trieb­li­cher Übung ha­be der Kläger ei­nen
An­spruch auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des für das Jahr 2006 in Höhe des 93-fa­chen St­un­den­loh­nes. Die Be­klag­te ha­be seit Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses ein Weih­nachts­geld ge­zahlt. Ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung sei nicht zu­stan­de ge­kom­men, da es an dem er­for­der­li­chen Ein­verständ­nis des Klägers feh­le. Ein der­ar­ti­ges Ein­verständ­nis ha­be die Be­klag­te auch nicht an­neh­men können, wenn der Kläger zu den Vor­be­hal­ten ab dem Jahr 2002 nichts erklärt ha­be. Erst wenn sich ein Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt nach­tei­lig für den Ar­beit­neh­mer aus­wir­ke, sei er ge­hal­ten, zu wi­der­spre­chen.
Das Ur­teil ist der Be­klag­ten am 17. Sep­tem­ber 2007 zu­ge­stellt wor­den. Sie hat hier­ge­gen am 24. Sep­tem­ber 2007 Be­ru­fung ein­le­gen und die­se am 5. Ok­to­ber 2007 be­gründen las­sen.
Die Be­klag­te ist wei­ter der An­sicht, so­fern in der Ver­gan­gen­heit ein An­spruch auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des auf­grund be­trieb­li­cher Übung ent­stan­den sei, sei er durch ei­ne seit 2002 be­gon­ne­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung auf­ge­ho­ben wor­den. Sie hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 22. Ja­nu­ar 2008 vor­ge­tra­gen, sie beschäfti­ge ins­ge­samt 42 Ar­beit­neh­mer. Nur der Kläger ma­che ge­richt­lich gel­tend, er ha­be ei­nen An­spruch auf Weih­nachts­geld. Sie ha­be so­wohl 2006 als auch 2007 aus wirt­schaft­li­chen Gründen kein Weih­nachts­geld ge­zahlt.
un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts
Köln vom 30. Au­gust 2007 – 1 Ca 1504/07 – die Kla­ge
Er ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. Er hat bei ei­ner persönli­chen Anhörung in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung am 22. Ja­nu­ar 2008 erklärt, er ha­be zwar ei­nen Rechts­an­walt we­gen des hand­schrift­li­chen Ver­merks auf den Lohn­ab­rech­nun­gen im Jahr 2002 kon­sul­tiert. Un­ter­nom­men ha­be er aber nichts, weil die Be­klag­te das Weih­nachts­geld wei­ter­ge­zahlt ha­be, wenn auch in Ra­ten.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die von den
Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze samt An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
Sie ist gemäß § 64 Abs. 2 b ArbGG statt­haft und wur­de in­ner­halb der in § 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG vor­ge­schrie­be­nen Fris­ten ein­ge­legt und be­gründet.
II. Die Be­ru­fung ist aber nicht be­gründet. Mit zu­tref­fen­der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger 32 ein Weih­nachts­geld für das Jahr 2006 in Höhe von EUR 1.354,08 (93facher St­un­den­lohn) brut­to zu zah­len.
1. Durch die Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des seit 1971 ist ein An­spruch auf Gewährung
ei­ner sol­chen Gra­ti­fi­ka­ti­on aus be­trieb­li­cher Übung auch für die Zu­kunft ent­stan­den.
a. Un­ter ei­ner be­trieb­li­chen Übung wird die re­gelmäßige Wie­der­ho­lung be­stimm­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­ge­bers ver­stan­den, aus de­nen die Ar­beit­neh­mer schließen können, ih­nen sol­le ei­ne Leis­tung oder ei­ne Vergüns­ti­gung auf Dau­er gewährt wer­den. Auf Grund ei­ner Wil­lens­erklärung, die vom Ar­beit­neh­mer still­schwei­gend an­ge­nom­men wird, § 151 BGB, er­wach­sen ver­trag­li­che Ansprüche auf die üblich ge­wor­de­nen Vergüns­ti­gun­gen. Da­bei kommt es für die Be­gründung ei­nes sol­chen An­spruchs durch be­trieb­li­che Übung nicht dar­auf an, ob der Ar­beit­ge­ber mit Ver­pflich­tungs­wil­len ge­han­delt hat oder ob ihm ein sol­cher Wil­le fehl­te. Die Wir­kung ei­ner Wil­lens­erklärung oder ei­nes be­stimm­ten Ver­hal­tens tritt im Rechts­ver­kehr schon dann ein, wenn der Erklären­de aus der Sicht des Erklärungs­empfängers ei­nen auf ei­ne be­stimm­te Rechts­wir­kung ge­rich­te­ten Wil­len geäußert hat.
b. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wird durch ei­ne min­des­tens drei­ma­li­ge vor­be­halt­lo­se Gewährung ei­ner Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on, wenn nicht die Umstände des Fal­les ei­ne an­de­re Aus­le­gung be­din­gen, ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers aus dem Ge­sichts­punkt der be­trieb­li­chen Übung be­gründet, mit der Fol­ge, dass er sich von die­ser Ver­pflich­tung nicht mehr ein­sei­tig los­sa­gen kann (ständi­ge
Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, vgl. z. B. Ur­teil vom 14. Au­gust 1996 – 10 AZR 69/96 – und vom 26. März 1997 – 10 AZR 612/96 -). Den An­spruch er­wer­ben auch die neu ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer, da von dem all­ge­mei­nen Er­fah­rungs­satz aus­zu­ge­hen ist, dass der­ar­ti­ge begüns­ti­gen­de Leis­tun­gen all­ge­mein be­kannt wer­den (vgl. BAG, Ur­teil vom 27. Ju­ni 2001 – 10 AZR 488/00 – und vom 28. März 2007 – 10 AZR 720/05 -).
c. Die Be­klag­te hat zunächst nach Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses das Weih­nachts­geld oh­ne jeg­li­chen Vor­be­halt ge­zahlt. Auch wenn die Be­rech­nung der Höhe des Weih­nachts­gel­des für die Jah­re vor 2002 nicht mehr im Ein­zel­nen auf­geklärt wer­den kann, so las­sen die für den Zeit­raum ab 1981 – un­vollständig – vor­leg­ten Lohn­ab­rech­nun­gen dar­auf schließen, dass der für das Jahr 2006 gel­tend ge­mach­te Be­trag in Höhe des 93-fa­chen St­un­den­sat­zes nicht die Be­mes­sung über­steigt, die vor 2002 galt. Dies wird von der Be­klag­ten auch nicht be­strit­ten.
2. Der für die Zu­kunft ent­stan­de­ne An­spruch auf Gewährung ei­nes Weih­nachts­gel­des ist nicht durch ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung ab dem Jahr 2002 be­sei­tigt wor­den.
a. Es ent­spricht der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, dass ein An­spruch aus be­trieb­li­cher Übung durch ei­ne geänder­te be­trieb­li­che Übung auf­ge­ho­ben wer­den kann. Mit ei­ner ge­genläufi­gen be­trieb­li­chen Übung über ei­nen länge­ren Zeit­raum hin­weg kann der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer ein ver­schlech­tern­des Ände­rungs­an­ge­bot un­ter­brei­ten, das al­ler­dings von die­sem an­ge­nom­men wer­den muss. Von ei­ner An­nah­me­erklärung kann der Ar­beit­ge­ber nicht nur dann aus­ge­hen, wenn der Ar­beit­neh­mer aus­drück­lich sein Ein­verständ­nis erklärt, son­dern auch, wenn er nach Treu und Glau­ben und nach der Ver­kehrs­sit­te das Schwei­gen des Ar­beit­neh­mers als Zu­stim­mung zu der geänder­ten be­trieb­li­chen Übung an­se­hen darf. Das ist an­zu­neh­men, wenn er da­von aus­ge­hen darf, der Ar­beit­neh­mer wer­de der Ände­rung wi­der­spre­chen, wenn er mit die­ser nicht ein­ver­stan­den sei. Eben­so wie bei der Be­gründung ei­nes An­spruchs aus be­trieb­li­cher Übung kommt es nicht auf ei­nen tatsächlich vor­han­de­nen Ver­pflich­tungs­wil­len an, so­weit ein ent­spre­chen­der Rechts­bin­dungs­wil­le des Ar­beit­neh­mers je­den­falls aus ob­jek­ti­ver Sicht des Erklärungs­empfängers er­kenn­bar ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 4. Mai 1999 – 10 AZR 290/98 –, Ur­teil vom 27. Ju­ni 2001 – 10 AZR 488/00 – und Ur­teil vom 24. No­vem­ber 2004 – 10 AZR 202/04 -).
b. Da­bei gilt eben­so wie für die Be­gründung der be­trieb­li­chen Übung, dass In­halt und
Reich­wei­te ei­ner ge­genläufi­gen be­trieb­li­chen Übung, die sich aus tatsäch­li­chem Ver­hal­ten ab­lei­ten soll, un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les zu er­mit­teln ist. Zu­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung auf al­le Ar­beits­verhält­nis­se ein­wir­ken soll und sie da­her ähn­lich wie die Ver­wen­dung ei­nes For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges in die Nähe von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen kommt (vgl. da­zu: BAG, Ur­teil vom 28. März 2007 – 10 AZR 720/05 -). Da­mit sind auch be­son­de­re An­for­de­run­gen an die Klar­heit und Verständ­lich­keit bei der Be­gründung ei­ner ge­genläufi­gen be­trieb­li­chen Übung durch den Ar­beit­ge­ber zu stel­len (Arg. § 307 Abs. 1 S. 2 BGB). Be­reits vor In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt zur ge­genläufi­gen be­trieb­li­chen Übung aus­geführt, dass der Ar­beit­ge­ber in be­son­de­rer Wei­se klar und un­miss­verständ­lich zum Aus­druck brin­gen muss, er wol­le sich von der be­trieb­li­chen Übung lösen und ei­nen Rechts­an­spruch für die Zu­kunft nun­mehr aus­sch­ließen. Oh­ne ei­ne ent­spre­chen­de ein­deu­ti­ge Erklärung, die ins­be­son­de­re dar­auf ge­rich­tet ist, Ansprüche für die Zu­kunft aus­zu­sch­ließen, kann er nicht dar­auf ver­trau­en, dass der Ar­beit­neh­mer durch die wi­der­spruchs­lo­se Hin­nah­me der Zah­lung mit ei­ner Ände­rung der be­trieb­li­chen Übung ein­ver­stan­den ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 4. Mai 1999 – 10 AZR 290/98 -).
c.) Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt er­kannt, dass al­lein ein feh­len­der Wi­der­spruch des Klägers ge­gen den ab 2002 auf den Lohn­ab­rech­nun­gen hand­schrift­lich ver­merk­ten Zu­satz, die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des sei ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung und be­gründe kei­nen Rechts­an­spruch, nicht ge­eig­net war, den An­spruch auf ein Weih­nachts­geld für das Jahr 2006 ent­fal­len zu las­sen.
Durch die­sen Ver­merk hat die Be­klag­te nicht hin­rei­chend deut­lich ei­ne Ab­sicht zum Aus­druck ge­bracht, die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des in der Zu­kunft ein­zu­stel­len.
Zunächst wur­de für den Kläger nicht er­kenn­bar, dass die Be­klag­te die ent­stan­de­ne be­trieb­li­che Übung ändern woll­te. Das Ar­beits­ge­richt hat be­reits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Zu­satz auch als bloßer Hin­weis auf ei­ne be­reits be­ste­hen­de Rechts­la­ge an­ge­se­hen wer­den konn­te. Wei­ter ist zu be­ach­ten, dass der Hin­weis auf den Lohn­ab­rech­nun­gen mit ei­ner Ände­rung der Aus­zah­lungs­wei­se ein­her­ging. War in der Ver­gan­gen­heit das Weih­nachts­geld als Ein­mal­be­trag En­de des Jah­res ge­zahlt wor­den, so wur­de es jetzt in drei mo­nat­li­chen Ra­ten aus­ge­zahlt, wo­bei die letz­te Ra­te erst im neu­en Jahr ge­leis­tet wur­de. Mit dem Ver­merk konn­te da­her auch nur ge­meint sein, das Ab­wei­chen von der bis­he­ri­gen Aus­zah­lungs­wei­se zu recht­fer­ti­gen. Auch des­halb war die Be­klag­te ge­hal­ten, die völli­ge Ein­stel­lung der Zah­lung für die Zu­kunft an­zukündi­gen.
In den Ent­schei­dun­gen vom 26. März 1997 – 10 AZR 612/96 – und vom 4. Mai 1999 – 10 AZR 290/98 – hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung an­er­kannt für Vor­be­hal­te, in de­nen aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den war, dass "kein Rechts­an­spruch für die Zu­kunft" be­ste­he. Da­mit wur­de für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar, dass es nicht nur um ei­nen Hin­weis zu der wei­ter­hin ge­leis­te­ten Gra­ti­fi­ka­ti­on
ging (frei­wil­lig und oh­ne Rechts­an­spruch), son­dern dass die Ab­sicht be­stand, in Zu­kunft über­haupt kei­ne Zah­lung mehr zu er­brin­gen.
Wie wich­tig ei­ne so ein­deu­ti­ge Klar­stel­lung ist, hat auch die persönli­che Anhörung des Klägers in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung am 22. Ja­nu­ar 2008 er­ge­ben. Da­nach hat der Kläger zwar ei­nen Rechts­an­walt we­gen des hand­schrift­li­chen Ver­merks auf den Lohn­ab­rech­nun­gen im Jahr 2002 kon­sul­tiert. Un­ter­nom­men hat er aber nichts, weil die Be­klag­te das Weih­nachts­geld wei­ter­zahl­te, wenn auch in Ra­ten. Of­fen­sicht­lich sah er kei­nen Hand­lungs­be­darf, so­lan­ge der Weg­fall der Zah­lung nicht an­gekündigt wur­de.
Da es an ei­nem ein­deu­ti­gen und un­miss­verständ­li­chem Hin­weis auf die Ab­sicht, zukünf­tig
die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des ganz ein­zu­stel­len, fehlt, kann an sich da­hin­ste­hen, ob Vor­aus­set­zung für ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung darüber hin­aus ist, dass sich die Ände­rung un­mit­tel­bar aus­wirkt und der Ar­beit­neh­mer in Kennt­nis die­ser Aus­wir­kung wei­ter­ar­bei­tet. In den Ent­schei­dun­gen vom 14. Au­gust 1996 – 10 AZR 69/96 – und vom 26. März 1997 – 10 AZR 612/96 – hat der 10. Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts die­ses Er­for­der­nis nur im Zu­sam­men­hang mit der Prüfung erörtert, ob schon nach der erst­ma­li­gen Be­kannt­ma­chung ei­nes Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts ei­ne still­schwei­gen­de Ver­tragsände­rung zu­stan­de ge­kom­men ist.
Al­ler­dings sei an­ge­merkt, dass nach An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts auf das zusätz­li­che Er­for­der­nis al­len­falls dann ver­zich­tet wer­den kann, wenn der Ar­beit­ge­ber ein­deu­tig sei­ne Ab­sicht, die Leis­tung künf­tig ganz ein­zu­stel­len, zum Aus­druck bringt und den Ar­beit­neh­mer zu­dem dar­auf hin­weist, dass er ei­nen feh­len­den Wi­der­spruch als Zu­stim­mung wer­tet. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Schwei­gen nach all­ge­mei­nem Ver­trags­recht an­ders zu be­wer­ten ist bei der Be­gründung ei­ner für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­gen be­trieb­li­chen Übung als beim Zu­stan­de­kom­men ei­ner für den Ar­beit­neh­mer ver­schlech­tern­den Abände­rung. Auch im Ar­beits­le­ben gilt als Ver­kehrs­sit­te, dass grundsätz­lich nur bei für den Ar­beit­neh­mer le­dig­lich vor­teil­haf­ten Geschäften von ei­ner still­schwei­gen­den An­nah­me aus­ge­gan­gen wer­den kann (vgl. da­zu: Pa­landt-Hein­richs, BGB, 62. Aufl., § 151 Rdn. 4).
3. Der Zins­an­spruch ist nach §§ 288, 286 BGB nur im er­kann­ten Um­fang ge­recht­fer­tigt. Durch die wi­der­spruchs­lo­se Hin­nah­me der Gewährung des Weih­nachts­gel­des in je­weils 3 Mo­nats­ra­ten seit min­des­tens 2002, ist ei­ne ent­spre­chen­de abändern­de be­trieb­li­che Übung ent­stan­den. Fällig war da­her das Weih­nachts­geld für das Jahr 2006 in 3 gleich ho­hen Ra­ten am 1. De­zem­ber 2006, 1. Ja­nu­ar 2007 und 1. Fe­bru­ar 2007.
4. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO.
Die Re­vi­si­on war we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung des Rechts­streits hin­sicht­lich der An­for­de­run­gen an ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung zu­zu­las­sen.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von
Die Re­vi­si­on muss
in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat
schrift­lich beim
Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.
(Be­cker)
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References: § 64
 § 66
 § 151
 § 307
 § 151
 § 91