Source: https://digital.zlb.de/viewer/fulltext/15689646_2012/1/
Timestamp: 2019-11-12 01:25:45+00:00

Document:
Issue 2012(2013) Neue (alte) Flächen für die Stadtentwicklung - Digitale Landesbibliothek Berlin - Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Neue (alte) Flächen für die Stadtentwicklung
AAV-Jahresbericht. Issue 2012(2013)
URN: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-217471
Issue 2012(2013) Neue (alte) Flächen für die Stadtentwicklung
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-217471
Der „Globus“ auf der Titelseite zeigt eine Luftaufnahme der Stadt Hattingen
Vorwort des Verbandsvorsitzenden Gut Ding will Weile haben Vorwort Neue (alte) Flächen für die Stadtentwicklung AAV-Fachtagungen 2012 Aktuelle Themen bei der Sanierung von Altlasten Aktuelle Rechtsprobleme bei der Altlastenbearbeitung AAV-Projekte Der Maßnahmenplan Flächenrecycling Die Umwandlung der ehemaligen Dachpappenfabrik Dr. Kohl in ein attraktives Wohngebiet Ehemalige Dachpappenfabrik Westermann in Minden Gewerbefläche zu Wohnbaufläche im Siegerland Sanierung der ehemaligen Galvanik Goldau in Solingen Umwandlung des ehemaligen Militärgeländes Camp Pirotte zum „Gewerbepark Brand“ Gefahrenabwehr Ehemalige Großreinigung Froitzheim Sanierung der Altdeponie „An der Schlinke“ in Witten-Annen Sanierung von Hausgärten im Umfeld der Altablagerung „Gauhes Wiese“ in Eitorf/Sieg Ehemalige chemische Reinigung Raupach in Gladbeck Ellinghorster Halde in Gladbeck Sanierung der Rhenania Halde in Stolberg geht in die Endphase Sanierung der bergbaulichen Altlast Habbecketal F&E-Projekte - Innovative Verfahren Erprobung innovativer Adsorbentien zur Abreinigung PFC-haltiger Grundwässer Rückschau auf abgeschlossene Projekte Schönebecker Schlucht in Essen Der Verband und seine Mitglieder AAV Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung Vorstand und Gremien Die Geschäftsstelle Anfahrtsskizze Impressum Bildnachweis
42 45 48 50 54 57 60
72 78 80 81 82 83
Vorwort des Verbandsvorsitzenden
„Gut Ding will Weile haben!“
Das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr wird sich demnächst aktiv beim AAV beteiligen, weil Flächenrecycling und Stadtentwicklung vielfach zusammenhängen, wenn es darum geht, zentral gelegene Altlastenflächen und sonstige Brachflächen
Dr. Jochen Rudolph Verbandsvorsitzender des AAV
in den Städten bereitzustellen. Das Wirtschaftsministerium ist in NRW auch für den Bergbau und damit für verbliebene „herrenlose“ Bergbaualtlasten, wie z. B. Bergehalden aus dem Erzbergbau, zuständig. Solche „herrenlosen“ Bergbaualtlasten Ein Public-private-partnership-Modell wie das Verbandsmodell des AAV ist für die Bearbeitung wichtiger gesamtgesellschaftlicher Problemfelder, wie z. B. den Bereich der Altlastensanierung und das Brachflächenrecycling, hervorragend geeignet: Die anstehenden Aufgaben werden konsensual diskutiert und angegangen. Veränderungen in einem solchen Modell müssen aber gleichermaßen mit allen Partnern besprochen und abgestimmt werden, was beim AAV Abstimmungsverfahren innerhalb der Landesverwaltung und der Landesregierung, mit allen drei kommunalen Spitzenverbänden und mit vielen Wirtschaftsverbänden und Wirtschaftsunternehmen unter Federführung von „unternehmer nrw“ bedeutete. Am Ende dieses Abstimmungsprozesses wurde am 24. Oktober 2012 der neue AAV-Kooperationsvertrag von zwei Ministern und einem Staatssekretär sowie von den Vertretern der kommunalen Spitzenverbände und der Wirtschaftsverbände von Industrie und Handwerk werden demnächst auch vom AAV saniert; u. a. weil hier häufig die gleichen Sanierungsschritte und -technologien wie im sonstigen Altlastenbereich zum Einsatz kommen. Erfreulicherweise wird sich das Wirtschaftsministerium deshalb auch beim AAV engagieren und im AAV-Vorstand mitwirken. Federführend bleibt von Landesseite weiterhin das Umweltministerium, das außerdem auch die Rechtsaufsicht beim AAV ausübt. Die kommunalen Spitzenverbände haben nach Zusage einer gesetzlich geregelten Grundfinanzierung durch das Land (aus Mitteln des Wasserentnahmeentgeltes) einer Verdoppelung des kommunalen AAV-Grundbeitrages von bisher ca. 0,5 Mio. € auf 1 Mio. € zugestimmt.
unterschrieben (Foto auf Seite 77).
Die Wirtschaft soll wie bisher mit freiwilligen Beiträgen die Verbandsfinanzierung mittragen. Wegen des erweiterten Aufgabenbereichs des AAV, insbesondere im Hinblick auf die Beratung und Unterstützung von Unternehmen beim Ausgangszustandsbericht für Boden und Grundwasser (IED-Richtlinie) und mit der Bereitstellung von Industrieund Gewerbeflächen nach erfolgter Sanierung ist zu hoffen, dass sich die Wirtschaft wieder in größerem Umfang beim AAV beteiligt. Ein deutliches Signal dazu wurde von der chemischen Industrie in NRW und verschiedenen Unternehmen aus anderen Branchen bereits gesendet. Um die Finanzierung und die neuen Verbandsaufgaben festzuschreiben, war noch die Novellierung des AAV-Gesetzes erforderlich. Erfreulicherweise ist die Diskussion und Abstimmung hierzu abgeschlossen. Am 20.03.2013 wurde das neue AAV-Gesetz im Landtag verabschiedet. Beispielhaft für die gute Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft im AAV ist die Tatsache, dass viele Gremien des Verbandes, insbesondere der Vorstand und die Fachkommissionen, im Jahr 2012 ihre ehrenamtliche Tätigkeit fortgesetzt haben, obwohl nach dem Auslaufen des bisherigen Kooperationsvertrages Ende 2011 die Mitgliedschaft der Wirtschaftsunternehmen formal beendet war. Ich möchte dazu nochmals allen Beteiligten meinen herzlichen Dank aussprechen.
Am 04. Dezember 2012 haben wir den langjährigen AAV-Geschäftsführer Gerhard Kmoch im Kreise von Freunden und Weggefährten in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Mehr als zwanzig Jahre lang war er Gesicht und Motor des AAV. Mit seinem Verhandlungsgeschick, seiner Integrität und seiner Leidenschaft für „seinen AAV“ hat Gerhard Kmoch den Verband viermal durch die bangen Zeiten der Verhandlungen über eine neue Kooperationsvereinbarung geführt, hat die guten Leistungen des AAV allen Beteiligten deutlich gemacht, und er hat vor allen Dingen – zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - für die zuverlässige Fertigstellung der AAV-Projekte Sorge getragen. Unsere guten Wünsche begleiten ihn in seinen neuen Lebensabschnitt. Alles in allem war 2012 für den AAV trotz aller Schwierigkeiten wieder ein Jahr mit erfolgreicher Arbeit für den Umweltschutz. Mit dem neuen Kooperationsvertrag und der Novelle des AAV-Gesetzes warten in 2013 neue Aufgaben und Herausforderungen; wir werden sie beim AAV mit Sorgfalt und Entschlossenheit angehen.
Etwa 80 % aller Menschen in Nordrhein-Westfalen leben heute schon in Städten – mit zunehmender Tendenz. Diese Entwicklung ist weltweit zu beobachten. Die Landesregierung schreibt dazu u. a. im Koalitionsvertrag: „Zu einer sozialen und zukunftsfähigen Wohn- und Städtebaupolitik gehört für uns der verantwortliche Umgang mit den vorhandenen Flächen. Wir wollen unsere Innenstädte durch landesplanerische Hilfen attraktiver
Gerhard Kmoch Geschäftsführer des AAV bis 31.12.2012
In einigen Fällen wurden aus ehemaligen Industrie- und Gewerbestandorten Grünflächen entwickelt, was im Sinne des Klimaschutzes in Zukunft in den Städten eine zunehmende Bedeutung erlangen wird. Manchmal wird die Sanierung und Aufbereitung einer Altlastenfläche von den Kommunen dazu genutzt, ein Flächen-Umlegungsverfahren durchzuführen und damit eine weitergehende Stadtteilentwicklung unter Einbeziehung benachbarter Brachflächen zu ermöglichen. Neben diesen Aktivitäten zum Flächenrecycling hat der AAV insbesondere in den letzten beiden Jahren mehrere Projekte zur Gefahrenabwehr in städtischen Wohngebieten durchgeführt. Auch diese Projekte sind letztendlich Teil von Stadtentwicklungsmaßnahmen, weil es hier meistens gilt, Bürgern wieder eine gefahrlose Nutzung ihres Wohnumfeldes und ihrer Wohnungen zu ermöglichen sowie Ängste und Sorgen von Menschen und damit verbundene Spannungen abzubauen. Der AAV hat diesen Jahresbericht 2012 unter den Titel „Neue (alte) Flächen für die Stadtentwicklung“ gestellt, um die Bedeutung des Flächenrecyclings in den Städten herauszustellen. Wegen der sich weiter vermindernden öffentlichen Finanzmittel, wird es dabei weiter darauf ankommen, intelligente, problemangepasste Sanierungsund Aufbereitungskonzepte unter Einbeziehung innovativer Untersuchungs- und Sanierungsverfahren zu entwickeln.
machen und – Zentren schädlichen Bauens auf der grünen Wiese – verhindern“. Im Rahmen der laufenden Projektbearbeitung und insbesondere bei den neu beim AAV angemeldeten Projekten ist erkennbar, dass diese politischen Zielsetzungen bereits bei vielen Kommunen verankert sind und man sich verstärkt um die Wiedernutzung von Brachflächen und Konversionsflächen bemüht. Brachflächen sind meist auch mit Altlastenproblemen behaftet und stellen deshalb häufig ein wesentliches Hindernis für die Entwicklung des betreffenden Stadtumfeldes dar. Dabei geht es meist nicht um große Flächen, sondern um mittlere und kleine Areale zwischen 1.000 m² - 50.000 m² Größe. Der AAV hat hier in seiner langjährigen Tätigkeit in Zusammenarbeit mit den betroffenen Kommunen schon eine Reihe ehemaliger Industrie- und Gewerbestandorte, ehemaliger Bahnflächen und ehemaliger Militärstandorte saniert und für eine neue Nutzung aufbe-
reitet. Häufigstes Nutzungsziel sind Wohn- und Gewerbeflächen.
AAV-Fachtagungen
AAV-Fachtagung „Boden und Grundwasser“
Aktuelle Themen bei der Sanierung von Altlasten
Neue gesetzliche Grundlagen und Sanierungspraxis
Die jährliche Fachtagung „Boden und Grundwasser“ des AAV in Hattingen behandelte gesetzliche Rahmenbedingungen und die Praxis der Altlastensanierung, diesmal zusätzlich mit eher ausgefallenen Themen wie Kampfmittelerkundung und Altlasten des Erzbergbaus. Der langjährige AAVGeschäftsführer Gerhard Kmoch wurde in den Ruhestand verabschiedet. Brandaktuell konnte Andreas Bieber (BMU) über den neuen Arbeitsentwurf zur Mantelverordnung vom 31. Oktober 2012 berichten. Länder und Verbände sind zur Stellungnahme bis zum 7. Februar 2013 aufgefordert. Die bisherige Dreiteilung in Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) sowie Veränderung von Grundwasserverordnung (GrwV) und Bundes-Bodenschutzverordnung (BBodSchV) wird durch einen weiteren Artikel ergänzt, eine Änderung der Deponieverordnung. Für Materialien, die nach der ErsatzbaustoffV oder der BBodSchV mit einem Wasser-Feststoffverhältnis von 2:1 analysiert worden sind, aber als Abfall entsorgt werden müssen, gibt es jetzt eine Umrechnungstabelle zu der in der DepV vorgeschriebenen 10:1-Analytik. Dies soll eine Doppelanalytik vermeiden.
Am Abend des 4. Dezember wurde Gerhard Kmoch offiziell verabschiedet
Bei der ErsatzbaustoffV, die eine Brücke zwischen den beiden Zielen Ressourcenschonung und Vorsorge für Boden und Grundwasser schlagen soll, sind auf Wunsch des Bundes-Justizministeriums Bestimmungen aus den Anhängen in den Textteil überführt worden. Dies wurde dadurch erreicht, dass man aus den Anhängen mit den Tabellen für Materialwerte, Einsatzmöglichkeiten usw. jetzt Anlagen gemacht hat. Bei der BBodSchV, in der die Anforderungen an das Auf- und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden geregelt werden, wird die natürliche Schadstoffminderung (NA) nun explizit berücksichtigt. Dazu wird in § 24 der Absatz (5) eingefügt: „Im Rahmen der Entscheidung über Sanierungsmaßnahmen oder über Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen ist auch zu prüfen, ob das Sanierungsziel durch natürliche Schadstoffminderung erreicht werden kann.“
Aktuelles zu Altlasten und Bodenschutz aus dem nordrhein-westfälischen Umweltministerium vermittelte Prof. Dr. Wilhelm König. Nach einer Klarstellung und Vollzugshinweisen zu den räumlichen Grenzen des Sanierungsplans nach § 13 BBodSchG stellte er eine neue Erlassregelung in NRW zum „Auf- und Einbringen von Materialien unterhalb der durchwurzelbaren Bodenschicht“ vor. Da mineralische Abfälle und Bodenaushub in großen Mengen in Abgrabungen, auf Halden und in andere Geländeauffüllungen verbracht werden, ist wegen zahlreicher unklarer Fälle eine Übergangsregelung bis zum Inkrafttreten der neuen BBodSchV (als Artikel 4 der Mantelverordnung) erforderlich. Christiane Maxin (AAV) beschäftigte sich mit dem Ausgangszustandsbericht (AZB) für Boden und Grundwasser nach Artikel 22, der bis Anfang Januar 2013 in deutsches Recht umzusetzenden IED-Richtlinie und speziell mit der Prüfung der Relevanz der in den Anlagen vorkommenden gefährlichen Stoffe. Bisherige Ergebnisse einer von der EU initiierten Studie (AMEC) zeigen, dass bei den Mitgliedsstaaten verschiedene Anwendungen und Interpretationen des AZB existieren, was die Notwendigkeit EU-einheitlicher Leitlinien unterstreicht. Angesichts der etwa 9000 Anlagen, die in Deutschland in den Geltungsbereich der IED fallen, erfordern Stoffauswahl und
Probennahmestrategie Expertenwissen und gute Kommunikation zwischen Betreiber und Behörde. In einem gemeinsamen Projekt, das anschließend Monika Machtolf (IFUA Projekt GmbH) vorstellte, werden Wege gesucht, Bewertungskriterien
für Stoffe zu finden, die in den bisherigen Regularien nicht enthalten sind.
Hierzu wurde eine Zusammenstellung verschiedener nationaler und internationaler Datenbanken als relevante Informationsquellen für gefährliche Stoffe gezeigt. Dass Flächenrecycling und Bauen im Bestand immer wieder mit dem Thema der Kampfmittelräumung zu verknüpfen sind, erläuterte Ulrich Brakemeier von der Leitstelle des Bundes für Kampfmittelräumung der Oberfinanzdirektion Niedersachsen. Sie unterstützt die Bauverwaltungen der Länder, Wehrbereichsverwaltungen, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sowie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen mit Beratungen zu konkreten Bundesliegenschaften; Informationen im Internet unter www.ah-kmr.de. In NordrheinWestfalen sind industrielle wie auch urbane Gebiete stark bombardiert worden, knapp die Hälfte aller im 2. Weltkrieg über dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland abgeworfenen Bomben trafen Flächen in NRW. Allein 2011 sind durch den KBD über 12.000 Kampfmittel mit einer Bruttomasse von 114 t und 33 t Nettoexplosivstoffmasse fachgerecht entsorgt worden. Von den darin enthaltenen 862 Bomben besaßen 247 eine Bruttomasse von über 50 kg, davon mussten 8 Stück wegen ihrer Gefährlichkeit vor Ort gesprengt werden. Eine absolute Kampfmittelfreiheit, so ein Fazit des Vortrags, kann es nicht geben. Daher ist eine dauerhafte und nachvollziehbare Dokumentation von Tätigkeiten des Kampfmittelräumdienstes äußerst wichtig. Handlungsempfehlungen für die Grundwassersanierung waren das Thema von Stefan Schroers (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz). Über die Konzeption der Grundwassersanierung kam er zum Umgang mit lang laufenden Pump-and-Treat-Maßnahmen und setzte sich mit Empfehlungen aus den Bundesländern BadenWürttemberg und Hessen auseinander. Stefan Schroers stellte noch einmal klar, dass eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen kontaminierten Standorte unabdingbar ist und dass aufgrund der lang laufenden hydraulischen Maßnahmen der Auswahl der Sanierungsverfahren eine besondere Bedeutung zukommt. Er kritisierte u. a. das zu schematische Vorgehen in den hessischen Handlungsempfehlungen und den zum Teil sehr hohen Aufwand zur Erhebung der darin geforderten Daten. Die Sanierungsziele sind einzelfallbezogen abzuleiten, wobei grundsätzlich empfohlen wird, diese zunächst vorläufig zu formulieren. Dr. Ernst-Werner Hoffmann (links) moderierte den 2. Veranstaltungsteil
Er warnte davor, die Geringfügigkeitsschwellenwerte pauschal als Sanierungszielwerte zu übernehmen. Eine Verhältnismäßigkeitsprüfung der Maßnahmen durch die zuständige Behörde ist in jedem Fall vorzunehmen. Bei Teerölaltlasten, bei denen Handlungs- und Sanierungsstrategien nicht auf eine Dekontamination des Schadensherdes zielen, müssen Pump-and-Treat oder passive Verfahren wie Funnel & Gate wegen der extremen Langlebigkeit der Teerölphasenkörper über die gesamte Lebensdauer der Schadstoffherde betrieben werden. Die kann, wie Dr. Michael Kerth (Dr. Kerth + Lampe Geo-Infometric) ausführte, über 100 bis zu 1000 Jahre dauern. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten (auch Generationengerechtigkeit) ist daher eine Dekontamination (wieder) verstärkt in Betracht zu ziehen. Da eine externe Entsorgung mit stofflicher Beseitigung sehr hohe Kosten verursacht, erscheint die Entwicklung von kostengünstigeren In-situ-Verfahren zur teilweisen Dekontamination von Teerölaltlasten wünschenswert. MNA wird in vielen Fällen wegen des begrenzten Potenzials an Elektronenakzeptoren nur eine mittel- bis langfristige Zwischenlösung darstellen. Das bedeutet zugleich den Einsatz personeller Ressourcen in der Überwachung in erheblichem Umfang und über lange Zeiträume.
Die fortschreitende Gewässerrenaturierung im Emscher-und Lippegebiet (und auch in anderen Regionen der ehemaligen Montanindustrie) schafft Handlungsbedarf und engt die Anwendbarkeit von MNA ein. Teildekontaminationsmaßnahmen sollten in die Handlungsstrategien für Teerölaltlasten einbezogen werden. Dr.-Ing. Michael Heitfeld (Ing.Büro Heitfeld-Schetelig) ging abschließend auf die Bewertung der Altlasten des Erzbergbaus als Quellen der Schwermetallbelastung in den Gewässern Nordrhein-Westfalens ein. Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie waren im Rahmen eines Projektauftrags von Umweltministerium und Bezirksregierung Arnsberg die Haupteintragsquellen des Erzbergbaus in die Oberflächengewässer in NRW zu identifizieren und eine erste Konzeption für Maßnahmen zur Reduzierung des Schwermetalleintrags darzustellen. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Identifizierung von Wasseraustritten aus Stollenmundlöchern mit z. T. mehreren Millionen Kubikmetern und bedeutenden Schwermetallausträgen (allein die drei größten Stollen emittieren zusammen 70 t Schwermetalle pro Jahr) sowie Standorten von Halden und Spülteichen.
Im Anschluss an die Fachtagung am 4. Dezember wurde Geschäftsführer Gerhard Kmoch (Jahrgang 1947) im Rahmen einer Feierstunde von Umweltstaatssekretär Udo Paschedag und dem AAVVerbandsvorsitzenden Dr. Jochen Rudolph in den Ruhestand verabschiedet. Den Festvortrag „Morgenstadt – Systemforschung für die Städte der Zukunft“ hielt Prof. Dieter Spath, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Stuttgart.
Auch der Gründungsvorsitzende des AAV, Dr. Theodor Pieper, kam zur Verabschiedung des langjährigen Geschäftsführers
Der diplomierte Maschinenbauingenieur Gerhard Kmoch kam nach erfolgreicher Tätigkeit als Projektund Abteilungsleiter eines namhaften Maschinenbauunternehmens 1990 als Technischer Leiter zum neu gegründeten Altlastensanierungsverband, den er ab März 1991 über 21 Jahre als Geschäftsführer leitete. Mit der jüngsten Kooperationsvereinbarung zur Fortführung des AAV als „Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung“ und dem (inzwischen) novellierten AAVGesetz übergibt Kmoch den sondergesetzlichen Verband mit erweitertem Aufgabenspektrum und langGerhard Kmoch und der Verbandsvorsitzende Dr. Jochen Rudolph fristiger Finanzierungsbasis. Sein Abschiedsstatement, in dem er bei der Wirtschaft um weitere Beteiligung warb: „Der AAV ist nichts ohne, aber alles mit der Wirtschaft.“
Gerhard Kmoch bedankt sich für die freundlichen Worte
Aktuelle Rechtsprobleme bei der Altlastenbearbeitung
– Bericht zur AAV Fachtagung am 27. Juni 2012 in Hattingen – Wie wirkt sich die Umsetzung der europäischen Richtlinie zu Industrieemissionen (IED) auf die Pflichten der Betreiber von Chemie- und Industrieparks sowie von Anlagenbetreibern aus? Welche Maßnahmen für den Vollzug sind aus nordrhein-westfälischer Sicht im Zuge der nationalen Umsetzung der IED vorgesehen? Welche Konsequenzen hat der Ausgangsbericht über den Bodenzustand für bestehende bodenschutzrechtliche Vereinbarungen? In welchem Verhältnis steht die neue Rückführungspflicht zum bodenschutzrechtlichen Grundsatz der Gleichrangigkeit von Dekontaminations- und Sicherungsmaßnahmen? Auf welche Haftungsfragen und Haftungsfolgen müssen sich die verschiedenen Akteure bei der Durchführung von Grundwassersanierungsmaßnahmen einstellen? Welche Entschädigungsansprüche können sich bei der Duldung von Altlastensanierungsmaßnahmen ergeben?
200 Teilnehmer fanden den Weg nach Hattingen
Mit diesen und vielen weiteren für die Praxis ebenso wichtigen wie spannenden Fragen befassten sich die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AAV-Fachtagung „Aktuelle Rechtsfragen bei der Altlastenbearbeitung“ am 27. Juni 2012 in Hattingen. Wie in den Vorjahren setzte sich das Teilnehmerfeld interdisziplinär aus den Bereichen Landesverwaltung, untere Bodenschutzbehörden, kommunale Rechtsämter, Unternehmen der Wirtschaft, Gutachter- und Ingenieurbüros und Vertretern rechtsberatender Berufe zusammen. Nach der Begrüßung durch Verbandsgeschäftsführer Gerhard Kmoch gab Professor Dr. Wilhelm König (Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW MKULNV) einen Überblick über „Aktuelle Entwicklungen im Bereich Altlastensanierung und Flächenrecycling“.
Professor König führte zunächst zum Entwurf der sogenannten Mantelverordnung aus, dass sich die Beratungen des Bundes zur Verabschiedung der Verordnung weiter verzögert hätten, so dass aus seiner Sicht mit einem Inkrafttreten der Verordnung in der laufenden Legislaturperiode voraussichtlich nicht mehr zu rechnen sei.
Insoweit stelle sich auf Landesebene die Frage, welche Übergangs- bzw. Ergänzungsregelungen zur BBodSchV weiterhin zu beachten seien und welche Regelungen eventuell neu geschaffen werden müssten. Bei der Darstellung der derzeit bzw. künftig zu beachtenden untergesetzlichen Regelungen differenzierte Professor König nach veröffentlichten und unveröffentlichten Erlassen mit gegebenenfalls dazugehörenden Merkblättern sowie weiteren beabsichtigten, ergänzenden Erlassregelungen zum Thema „Auf- und Einbringen von Materialien unterhalb der durchwurzelbaren Bodenschicht“.
Den sogenannten „Altlastenerlass“ vom 14.03.2005 habe man in Bezug auf Baugenehmigungsverfahren konkretisiert. Beabsichtigt sei ferner, so Professor König weiter, eine ergänzende Erlassregelung zum „Aufund Einbringen von Materialien unterhalb der durchwurzelbaren Bodenschicht“, die sich an bestehenden Papieren der LAGA orientieren werde. Insoweit befinde man sich noch in der Beratung, um beispielsweise Übergangsregelungen zu bestehenden Erlaubnissen zu entwickeln. Zum Schluss seines Vortrags ging Professor König auf die vom Normgeber beabsichtigten Neuvorschläge für die Benzo(a)pyren (BaP)-Prüfwerte ein. Künftig solle BaP als Stellvertretersubstanz für PAK fungieren, wobei die Höhe des Prüfwertes noch intensiv diskutiert werde. Während der Entwurf der Mantelverordnung (vom 06.11.2011) 1 mg BaP/kg TM vorsehe, habe der Unterausschuss „Schadstoffbewertung“ des ständigen Ausschusses „Altlasten“ (ALA) der LABO einen Prüfwert von 2,5 mg BaP/kg TM vorgeschlagen. Professor König sprach sich für einen Wert von 5 mg BaP/kg TM aus.
Zugänglichkeit der Regelungen
LUA-, LANUV-Merkblätter, MESA-, MALBOSchriftenreihe über www.lanuv.nrw.de LABO-Schriften über www.labo-deutschland.de Leitfaden Bodenschutzgebiete über www.umwelt.nrw.de Interne Erlasse über die Vorschriftensammlung Technischer Umweltschutz (VTU) www.lv.lanuv.nrw.de
So würde beispielsweise der Erlass „Vorsorgender Gesundheitsschutz für Kinder auf Kinderspielflächen“ vom 16.03.2000 auch nach der Novelle der BBodSchV gelten. Weiterhin gültig sei auch der Erlass zu „Analyseverfahren und Parameter zur Untersuchung von Abfällen, Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen“ vom 02.08.2004.
Aufgrund der großen Praxisrelevanz ab Anfang 2013 wurde der anschließende Vortrag von Silvia Strecker (MKULNV NRW) zum Thema „Ausgangszustandsbericht nach der Industrie-Emissions-Richtlinie (IED) aus Sicht des Landes NRW“ gespannt von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet. Nach kurzer Einführung zum Inhalt des Ausgangszustandsberichts und der Pflicht zur IED-Umsetzung bis zum 7. Januar 2013 erläuterte Strecker den Stand des Rechtssetzungsverfahrens, die von der Bundesregierung in drei Schritten geplante Umsetzung der IED und den Inhalt des Gesetzentwurfs. Dabei widmete sich Strecker insbesondere der in § 5 Abs. 4 BImSchG neu (nach Entwurf) vorgesehenen Rückführungspflicht, die vorsieht, dass ein Anlagenbetreiber in den Fällen, in denen nach dem 7. Januar 2013 auf Grund des Betriebs einer Anlage nach der IEDRichtlinie erhebliche Boden- oder Grundwasserverschmutzungen durch relevante gefährliche Stoffe im Vergleich zum Ausgangszustandsbericht verursacht wurden, nach Einstellung des Betriebs der Anlage – im Rahmen der Verhältnismäßigkeit – verpflichtet ist, Maßnahmen zur Beseitigung dieser Verschmutzung zu ergreifen, um das Anlagengrundstück in den Ausgangszustand zurückzuführen.
Was ist eine „erhebliche“ Verschmutzung?
Anforderungen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen lassen „Null-Eintrag“ zu. Depositionswerte der TA Luft oder zulässige Zusatzbelastung nach BBodSchV lassen minimalen Eintrag zu, da auf 200-Jahres-Zeitraum ausgelegt.
Gefahrenschwelle ist hingegen mehr als „erhebliche
Verschmutzung“
Orientierung an Vorsorgekategorien der BBodSchV
aber: „erhebliche Verschmutzung“ bedeutet nicht automatisch „Beseitigung“ (Verhältnismäßigkeit/„techn. Durchführbarkeit“ beachten)
In der im unmittelbaren Anschluss an den Vortrag von Strecker geführten Diskussion wurde aus dem Teilnehmerfeld wiederholt darauf hingewiesen, dass die Umsetzung der IED aus Sicht des Vollzugs mit einer Vielzahl unbestimmter Rechtsbegriffe verbunden sei.
Die Teilnehmer beteiligten sich an der Diskussion
Strecker wies darauf hin, dass eine Ad-hoc-AG der LABO derzeit eine Arbeitshilfe zum Ausgangszustandsbericht nach der IED erstellt, die als Leitfaden für Anlagenbetreiber und Gutachter bei der Erstellung des Ausgangszustandsberichts dienen sowie den zuständigen Behörden Hinweise für die Prüfung eines vorgelegten Ausgangszustandsberichts im immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren geben soll. Thematisch an den vorangegangenen Vortrag anknüpfend befasste sich im Folgenden Dr. Horst Büther (Bezirksregierung Köln) mit dem „Umweltinspektionsprogramm des Landes NRW unter Berücksichtigung der IED-Richtlinie“. Nach Darstellung des bisher geltenden EUInspektionsrechts und der neuen inspektionsbezogenen Inhalte der
Artikel 23: Umweltinspektionen (4a)
Auf der Grundlage der Inspektionspläne erstellt die zuständige Behörde regelmäßig Programme für routinemäßige Umweltinspektionen, in denen auch die Häufigkeit der Vor-Ort-Besichtigungen für die verschiedenen Arten von Anlagen angegeben ist. Der Zeitraum zwischen zwei Vor-Ort-Besichtigungen richtet sich nach einer systematischen Beurteilung der mit der Anlage verbundenen Umweltrisiken und darf ein Jahr bei Anlagen der höchsten Risikostufe und drei Jahre bei Anlagen der niedrigsten Risikostufe nicht überschreiten. Wurde bei einer Inspektion festgestellt, dass eine Anlage gravierend gegen die Genehmigungsauflagen verstößt, so erfolgt in den nächsten sechs Monaten eine zusätzliche Vor-Ort-Besichtigung.
Integrated Risk Assessment Method (IRAM)
IRAM Prinzipien
1. Die Inspektionsfrequenz wird bestimmt durch die höchste Kriterienbewertung. 2. Die Inspektionsfrequenz wird um einen Schritt reduziert, wenn die gesetzte Anzahl der höchsten Bewertung nicht erreicht wird (the Rule). 3. Die Inspektionsfrequenz kann in Abhängigkeit vom Betreiberverhalten um einen Schritt heraufoder heruntergesetzt werden. 4. Je höher die Summe aller Wertungen der Wirkungskriterien ist, desto mehr Inspektionszeit wird benötigt.
IED erläuterte Dr. Büther die Begriffe „Umweltinspektion“, „Umweltinspektionsplan“ sowie „Umweltinspektionsprogramm“. Dabei machte er deutlich, dass die Umweltinspektionen und deren Intervalle von der systematischen Beurteilung der Umweltrisiken abhängen. Vor-Ort-Inspektionen nach dem Umweltinspektionsprogramm erfolgten, so Dr. Büther, grundsätzlich auf der Grundlage einer Risikobewertung, die von sogenannten „IRAM“-Prinzipien („Integrated Risk Assessment Method“) geleitet würden. Dabei gelte, dass die Inspektionsfrequenz durch die höchste Kriterienbewertung (z.B. Umweltrelevanz, Freisetzungen, Unfallrisiko, Auswirkungen auf menschliche Gesundheit, Einhal-
tung von Auflagen etc.) bestimmt werde.
In diesem Zusammenhang stellte Dr. Büther das von der Bezirksregierung Köln entwickelte Internetprogramm zur Risikobewertung in der Inspektionsplanung vor, das die IRAM-Prinzipien umsetzt und der Behörde für routinemäßige Umweltinspektionen dient. Zu nicht routinemäßigen bzw. unangekündigten Inspektionen führte Dr. Büther aus, dass diese insbesondere bei wiederkehrenden Beschwerden, Hinweisen auf schwerwiegende Umweltverstöße, häufigeren Verstößen gegen Betreiberpflichten, nach schwerwiegenden Mängeln oder bei festgestellten Gewässerverunreinigungen durchgeführt würden. Schließlich erläuterte Dr. Büther, dass über jede routinemäßige sowie auch unangekündigte Vor-Ort-Besichtigung ein Bericht mit den relevanten Feststellungen bezüglich der Einhaltung der Genehmigungsauflagen durch die betreffende Anlage einschließlich Schlussfolgerungen zur etwaigen Notwendigkeit weiterer Maßnahmen erstellt werde. Dieser Bericht werde dem Betreiber binnen zwei Monaten übermittelt und der Öffentlichkeit binnen vier Monaten nach der Vor-Ort-Besichtigung zugänglich gemacht. Nach einer angeregt geführten Diskussion über diesen Vortrag und die beiden anderen des Vormittags fand zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern während der Mittagspause ein reger Meinungsaustausch zu den angesprochenen Themen statt.
Die Rückführungspflicht nach Art. 22 Abs. 3 IED-Richtlinie
- ist Kern der Regelung zum Ausgangsbericht Verschmutzung „durch“ relevante gefährliche Stoffe Erheblichkeit der Boden- und Grundwasserverschmutzung erfordert quantifizierten Vergleich zwischen Ausgangs- und Endzustand. Unterhalb einer „Bagatellgrenze“ besteht keine Rückführungspflicht (genaue Grenzziehung obliegt den Mitgliedstaaten). Bezgl. Grundwasser kann das Geringfügigkeitsschwellenwertkonzept angewendet werden. Bzgl. Boden markiert die Unterschreitung der Prüfwerte aus der BBodSchV die Grenze.
Nach der Mittagspause eröffnete Rechtsanwalt Prof. Dr. HansJürgen Müggenborg (Rechtsanwälte Josten, Müggenborg, Weyer, Aachen) mit dem insbesondere aus Sicht von Anlagenbetreibern aktuellen Vortrag „Auswirkungen der Umsetzung der IED-Richtlinie aus Sicht der Wirtschaft, im Besonderen aus Sicht von Chemieparks“ den Nachmittagsteil der Veranstaltung. Dabei befasste er sich zunächst mit der Zielrichtung des Ausgangszustandsberichts als Hilfsmittel, das es ermögliche, dass der Anlagenbetreiber nach Stilllegung der Anlage den Ausgangszustand des Bodens wiederherstellen kann. Der Ausgangszustandsbericht enthalte, so Professor Müggenborg, diejenigen Informationen, die einen quantifizierten Vergleich des Zustandes der Boden- und Grundwasserverschmutzungen vor und nach dem Betrieb einer Anlage ermöglichen.
Bei Industrie- bzw. Chemieparks ergäben sich aus Sicht von Professor Müggenborg bei der Erstellung des Ausgangszustandsberichtes und der hieraus gegebenenfalls resultierenden Rückführungspflicht besondere Problemstellungen, die der Vortragende im Einzelnen näher erläuterte.
Franßen führte aus, dass bei der Prüfung im Einzelfall zwischen dem öffentlichen Umweltrecht (z. B. § 4 Abs. 3 BBodSchG) und dem zivilrechtlichen Umweltrecht (§ 24 Abs. 2 BBodSchG) auf Grund der jeweils unterschiedlichen Tatbestandsvoraussetzungen und Rechtsfolgen differenziert werden müsse. Als Anspruchsgrundlagen beleuchtete
Besondere Problemstellungen bei Chemie- und Industrieparks
Erhöhte Wahrscheinlichkeit von Bodenkontaminationen aufgrund langjähriger Industriegeschichte (bis zu 150 Jahren!). Die Neuerrichtung von Anlagen eröffnet erstmals einen bodenschutzrelevanten Gefährdungspfad (menschliche Gesundheit, Nutzpflanze, Grundwasser). Oftmals können neu hinzugekommene Kontaminationen nicht ohne die alten, vor Aufnahme des Anlagenbetriebs schon vorhandenen Kontaminationen beseitigt werden. Selbst wenn nur die neuen Stoffe behandelt werden können, bleibt ein rechtliches Problem bzgl. älterer Kontaminationen, das zu regeln ist. Gegebenenfalls besteht hier eine Zustandsverantwortung des Industrieparknutzers. Der Ausgleichsanspruch nach § 24 II BBodSchG ist im Industriepark praktisch nicht durchsetzbar (hohe Darlegungs- und Beweishürden!).
Franßen neben den Haftungsnormen des BBodSchG insbesondere das Wasserrecht (§ 89 Abs. 1 und 2 WHG), das Umweltschadensgesetz, das Umwelthaftungsgesetz und das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) (§§ 823 und 1004 BGB). Dabei ging Franßen auf denkbare Inanspruchnahmerisiken bezogen auf Grundwassernutzungen im Fahnenbereich, erhöhte Kosten für Grundwasserhaltungsmaßnahmen im Zuge von Baumaßnahmen Dritter sowie die Vergrößerung der Fahne und mögliche Auswirkungen auf die Nutzung des Grundwassers durch landwirt-
Professor Müggenborg resümierte mit der Feststellung, dass nach seiner Auffassung die Zeit dränge, bestehende bodenschutzrechtliche Vereinbarungen an die Pflicht zum Ausgangszustandsbericht anzupassen. Nachfolgend befasste sich Rechtsanwalt Gregor Franßen (Heinemann & Partner, Essen) mit „Zivilrechtlichen Haftungsfragen bei Grundwasserverunreinigungen“. Der Vortrag behandelte die zivilrechtlichen Inanspruchnahmerisiken von Grundstückseigentümern und von Maßnahmenträgern durch Grundstücksnachbarn bzw. Unterlieger auf Grund von Boden- und Grundwasserverunreinigungen, die (auch nach Durchführung von Sanierungsmaßnahmen
schaftliche Betriebe ein.
möglicherweise noch) von dem Altlastengrundstück ausgehen.
Träger der Sanierungsmaßnahmen
Abgerundet wurde der Veranstaltungstag mit dem in bodenschutzrechtlichen Kommentaren bislang eher wenig betrachteten, für die Praxis gleichwohl bedeutsamen Thema „Entschädigungsfragen bei der Duldung von Altlastensanierungsmaßnahmen“, das von Dr. Kay-Uwe Rhein (Stadt Mönchengladbach) vorgetragen wurde. Dabei stellte Dr. Rhein die für Entschädigungsfragen in Betracht kommenden Fallkonstellationen vor und erläuterte sodann im Einzelnen die Haftungsgrundlagen für Entschädigungsansprüche, wobei er auf den Amtshaftungsanspruch nach § 839 BGB, die Kostenerstattungsregel nach § 24 Abs. 1 Satz 2 BBodSchG, den Entschädigungsanspruch nach § 39 Ordnungsbehördengesetz sowie die von der Rechtsprechung entwickelten Haftungsgrundsätze zum enteignungsgleichen und enteignenden Eingriff im Einzelnen einging.
Dr. Rhein verdeutlichte sodann seine Ausführungen anhand einer Reihe von Beispielen aus der Rechtsprechung. Als zusätzliches Handout fügte Dr. Rhein seinen Vortragsunterlagen ein von ihm verfasstes ausführliches Manuskript bei. Trotz der bereits fortgeschrittenen Zeit wurden auch die drei Vorträge des Nachmittags rege diskutiert. Insgesamt gab die hinsichtlich der Themenauswahl an den aktuellen Themenfeldern orientierte informative Veranstaltung einen breiten Überblick über die rechtlichen Aufgaben, die sich bei der Bearbeitung von Altlastensanierungsprojekten ergeben.
Maßnahmenplan des AAV (Stand 14.12.2012)
Projekt-Nr. Projektname	 7003	 7005	 7008 7009	 7014	 7016	 7023	 7024	 7034	 7036 7038	 7040	 7041	 7042 7044	 7046 7048	 7049	 7051	 7052	 7056	 7057	 7058	 7060	 7063	 7065	 7066	 7067	 7068	 7069	 7070	 7071	 7073	 7074	 7075	 7076	 7077	 7078	 7079	 Ehemalige Zeche und Kokerei Massen ¾ in Unna	 Ehemalige Färberei und Großwäscherei Salzbergener Straße in Rheine Elektrochemische Fabrik in Kempen (ECF) Rhenania-Halde in Stolberg-Atsch Ehemalige Schachtanlage und Kokerei Rheinpreußen IV in Moers Ehemalige Knochenmühle Brand in Langenfeld Ehemalige chemische Reinigung Volz in Mönchengladbach-Giesenkiese CKW-Grundwasserschaden Bahnstraße in Kaarst-Büttgen Altablagerung „An der Schlinke“ in Witten-Annen	 Ehemaliges Militärgelände Camp Pirotte in Aachen-Brand Ehemalige Galvanik Goldau in Solingen Ohligs Ehemalige Industriewäscherei Hünerbein in Düren Ehemalige Metallverarbeitungsfirma Susan in Netphen Ehemalige Chemische Reinigung Hemesath in Kempen Ehemalige Wäscherei und chemische Reinigung Raupach in Gladbeck	 Gewerbestandort Bahnhof Lüdenscheid Mitte in Lüdenscheid Ehemalige Dachpappenfabrik Dr. Kohl in Dorsten	 Grundwasserverunreinigung Hilden/Benrath			 Ehemalige chemische Reinigung Schurmann in Hamm		 Metallwarenfabrik August de Haer in Troisdorf		 Altdeponie Brandheide in Castrop-Rauxel			 Ehemalige Büromöbelfabrik Fermata in Welver		 Altablagerung „Am Welschenhof“ in Duisburg			 Ehemalige Dachpappenfabrik Therstappen in Neuss		 Ehemalige chemische Großreinigung Froitzheim in Krefeld		 Galvano Fischer in Remscheid		 Habbecketal in Lennestadt Ehemaliges Gaswerk Dessauer Straße in Mönchengladbach-Rheydt	 LCKW-Grundwasserverunreinigung in Schwalmtal-Waldniel	 Ehemalige Dachpappenfabrik Westermann in Minden	 Gewerbebrachen Bahnhofshinterfahrung in Hagen	 PFT-Verunreinigung „Lager 61“ in Düsseldorf	 Textilreinigungsbetrieb Nagelschmidt in Rheine	 Ehemalige Galvanik Blasberg in Remscheid	 Ehemaliges Gaswerk Roitzheimer Straße in Euskirchen	 Ehemalige chemische Reinigung Kotzenberg in Lage	 Altablagerung „Gauhes Wiese“ in Eitorf/Sieg LB mit GW Ehemalige ORION-Werke in Ahlen	 Projekt Ehemalige Mülldeponie Ellinghorst in Gladbeck	 	 Anmeldende Behörde	 Art der Altlast SU SP S 	 	 	 Kreis Unna	 Kreis Steinfurt	 	 Kreis Viersen	 Kreis Aachen	 Kreis Wesel Kreis Mettmann	 Stadt Mönchengladbach Rhein-Kreis Neuss	 	 Ennepe-Ruhr-Kreis	 Stadt Aachen Stadt Solingen	 Kreis Düren	 Kreis Siegen-Wittgenstein Kreis Viersen	 Kreis Recklinghausen Stadt Lüdenscheid Kreis Recklinghausen Kreis Mettmann	 Stadt Hamm	 Stadt Bottrop	 Kreis Recklinghausen Kreis Soest	 Stadt Duisburg	 Rhein-Kreis Neuss	 Stadt Krefeld Stadt Remscheid	 Kreis Olpe Kreis Viersen	 Stadt Hagen	 Stadt Düsseldorf	 Kreis Steinfurt	 Stadt Remscheid Kreis Euskirchen	 Kreis Lippe	 Rhein-Sieg-Kreis	 Kreis Warendorf	 Stadt Gladbeck / Kreis	 Warendorf
GW = Grundwasserverunreinigung LB = Laufender Betrieb
AAV-Projekte
AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AA mit GW	 AS mit GW AS mit GW	 AS mit GW	 AA mit GW	 AS AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS AS mit GW AS mit GW	 AS mit GW
X X X 	 X 	 X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X 	 X X X X X X X X X X X X X
X AS mit GW		 X X
AS mit GW		 X X X AA mit GW		 AS mit GW	 AA mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW LB mit GW AA mit GW unbekannt AS mit GW AS mit GW LB mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW AA mit GW AS mit GW AA X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
Stadt Mönchengladbach	 AS mit GW Kreis Minden-Lübbecke	 AS mit GW
Verwendete Abkürzungen: SU = Sanierungsuntersuchung SP = Sanierungsplanung
S = Sanierung AA = Altablagerung AS = Altstandort
Abgeschlossene und zurückgestellte Projekte
Projekt-Nr. Projektname	 7001	 7004 7006
Anmeldende Behörde	 Art der Altlast SU SP S
AS mit GW 	 AS mit GW
Schönebecker Schlucht/ehem. chemischer Kleinbetrieb Fa. Heßling in Essen Stadt Essen
Ehemalige Großwäscherei Ferster in Bornheim-Roisdorf
Ehemalige Wäscherei und Chemische Reinigung Hoff in Hilden
AS mit GW
Ehemalige Großwäscherei „An der Waldesruh“ in Mönchengladbach
Stadt Mönchengladbach AS mit GW
7011	 7012	 7015	 7018	 7019	 7020
Ehemalige chemische Fabrik Rüsges & Co. in Eschweiler - abgeschlossen Ehemalige Weberei Goost in Steinfurt-Borghorst - abgeschlossen Pilotvorhaben zum mikrobiologischen In-situ-Abbau von LCKW am Standort „Große Holtforth“ in Kamp-Lintfort - abgeschlossen -
Kreis Steinfurt	 Kreis Wesel
AS mit GW 	 X AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW
Ehemalige Schachtanlage und Kokerei Emscher in Essen - abgeschlossen -	 Stadt Essen
Ehemaliges Chemikalienlager der Fa. Kertess in Bocholt - zurückgestellt - Kreis Borken	 Ehemalige Zinkhütte Eppinghofen in Mülheim an der Ruhr - abgeschlossen - 		 	 	 Stadt Halle (Westf.)	 Stadt Mülheim
Ehemalige Gerberei Imsande in Halle (Westf.) - abgeschlossen -	 Ehemalige Dachpappenfabrik der Fa. Ranke in Dortmund
7022	 7025
Stadt Werl Stadt Bonn 	 Kreis Steinfurt Stadt Lüdenscheid	 Kreis Höxter
AS mit GW AA
Ehemaliges Werksgelände der Fa. UNION in Werl - abgeschlossen Arsenschadensfall III Real- und Sonderschule in Bonn-Beuel - abgeschlossen -
7029	 7030
Tankstelle Heeger in Hörstel-Dreierwalde - abgeschlossen -
Gewerbegebiet Brügge in Lüdenscheid - abgeschlossen -	 	 Holz- und Imprägnierwerk Strasser in Willebadessen-Borlinghausen - abgeschlossen -
AS mit GW 	 X X X AS mit GW AS mit GW
7031	 7032	 7035	 7037
Baaske Hartchrom in Wuppertal - abgeschlossen -	 Lackfabrik Brocolor in Gronau	 - abgeschlossen Ehemaliger Metallverarbeitungsbetrieb Wortmann in Iserlohn
LB mit GW
Stadt Iserlohn	 Stadt Mönchengladbach
AS mit GW AS mit GW
Ehemalige chemische Reinigung Schaefer in Mönchengladbach-Rheydt
7039	 7043	 7045	 7047 7050
7053	 7054	 7055
Ehemalige Büdericher Ziegelwerke in Wesel-Büderich - abgeschlossen -	 Kreis Wesel Ehemalige Galvanik Greitemann in Olpe - abgeschlossen Ehemalige Warps-Spinnerei II in Borghorst - abgeschlossen -Ehemaliges Werksgelände der Dachpappenfabrik Raschig in Bochum
Stadt Bochum Rheinisch-Bergischer Kreis
Stadt Hamm	 Stadt Bottrop Kreis Aachen	 Kreis Warendorf	 Stadt Herne
Sägewerk Stellberg in Overath - abgeschlossen Ehemalige chem. Großreinigung Helmrich in Hamm - zurückgestellt -
AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW
Ehemalige Zeche und Kokerei Prosper l in Bottrop - abgeschlossen -
Gewerbepark Münsterbusch in Stolberg - zurückgestellt -
7059	 7061 7062	 7064
Ehemalige Gießerei Görges in Ennigerloh - zurückgestellt Ehemalige Zeche und Kokerei Julia in Herne - zurückgestellt - abgeschlossen -
Ehemaliges Gaswerk Sedanstraße/Stadtumbaugebiet City West in Hamm Stadt Hamm Ehemalige Färberei Kuhlen/Grundschule Schlebusch in Leverkusen
Die Umwandlung der ehemaligen Dachpappenfabrik „Dr. Kohl“ in ein attraktives Wohngebiet
Luftbild 2008 mit Umriss des Betriebsgeländes
Standorthistorie Das Betriebsgelände der ehemaligen „Dr. Kohl GmbH & Cie. Dachbelagund Bautenschutzmittelfabrik“ liegt am südlichen Stadtrand von Dorsten im Wohn-/Mischgebiet „Auf dem Beerenkamp“. Es besteht aus dem eigentlichen Fabrikgelände (ca. 8.700 m²) südlich der gleichnamigen Straße und einem gegenüberliegenden Betriebsparkplatz (etwa 1.800 m²). Auf diesem Standort wurden über 100 Jahre lang Dachpappen und andere Produkte für den Bautenschutz produziert, bis etwa 1950 ausschließlich und bis ca. 1965 überwiegend auf der Basis von Teer. Danach stellte der Betrieb die Produktion komplett auf Bitumen als Ausgangsprodukt um. Das Unternehmen ging im Jahre 2001 in die Insolvenz, der Betrieb wurde eingestellt und alle werthaltigen Maschinen und technischen Anlagen wurden demontiert. Nicht verwertbare Anlagenteile der Vorproduktion (Vorlagebehälter, Rührwerke und Silos, zum Teil noch mit Produktresten gefüllt) wurden vor Ort belassen. Im Rahmen einer Sofortmaßnahme zur Gefahrenabwehr ließ der Kreis Recklinghausen im Jahr 2002 die noch auf dem Gelände offen zugänglichen gefährlichen Abfälle einsammeln und fachgerecht entsorgen. Seitdem liegt das Fabrikgelände brach und stellt als häufiges Ziel von Vandalismus einen erheblichen Makel in der ansonsten überwiegend von Wohnbebauung geprägten Umgebung dar.
Untersuchung der Altlastensituation Seit 2005 wurden das Fabrikgelände und dessen nähere Umgebung auf Schadstoffgehalte im Boden, im Grundwasser, im Oberflächenwasser und in den Sedimenten eines kleinen angrenzenden Bachlaufs untersucht. Dabei zeigten sich erhebliche und weiträumig ausgedehnte Belastungen des Untergrunds vor allem mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK, Hauptbestandteil der vor 1965 eingesetzten Teeröle). In dem vom Gelände abströmenden Grundwasser hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine Schadstofffahne ausgebildet, in der Teerölbestandteile (gelöst und auch in Phase) bis hin zu dem ca. 100 m entfernten Bach transportiert werden. Zur Beseitigung der von diesem Altstandort über die Wirkungspfade Boden-Mensch und Boden-Grundwasser ausgehenden Gefahren hat der Kreis Recklinghausen die Altlast „Dr. Kohl“ im Jahr 2007 als Sanierungsmaßnahme beim AAV angemeldet. Unter Federführung des AAV wurde zunächst eine umfassende Sanierungsuntersuchung durchgeführt. Neben den PAK als für diesen Standort prioritäre Schadstoffklasse wurden dabei auch Verunreinigungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen, Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol und Phenolen sowie Schwermetallbelastungen in auf den Betriebsgrundstücken weit verbreiteten schlackenhaltigen Auffüllungen festgestellt.
Neben der Durchführung einer Sanierungsuntersuchung bezüglich der festgestellten Boden- und Grundwasserkontaminationen war auch eine Bestandsaufnahme und Untersuchung aller noch bestehenden Betriebsgebäude und Produktionsanlagen erforderlich. Daraus wurde ein Rückbau- und Entsorgungskonzept für den fachgerechten Abbruch des alten Gebäudebestands einschließlich der ordnungsgemäßen Entsorgung der anfallenden Reststoffe und Abfälle erarbeitet.
Reste alter Produktionsanlagen
Sanierungsplanung Die Stadt Dorsten beabsichtigt, den Altstandort nach erfolgreicher Sanierung in Ergänzung zu der im Umfeld bereits vorhandenen Bebauung für eine Wohnbebauung zu erschließen. Im Laufe der langen Zeit, in der sich die teerölartigen Schadstoffe unterirdisch ausbreiten konnten, hat sich auf dem ehemaligen Fabrikgelände und in den davon betroffenen Nachbargrundstücken ein komplexes Schadensbild in Boden und Grundwasser ausgebildet. Daher wurden zunächst verschiedene Sanierungsszenarien für diese Altlast entwickelt und auf die technische Durchführbarkeit, auf das resultierende Verhältnis von Wirksamkeit, Kosten und Nutzen und auf die Zielvorgabe einer künftigen Nutzung des sanierten Geländes für Wohnzwecke geprüft.
Das dabei erarbeitete Sanierungskonzept wurde in einem für verbindlich erklärten Sanierungsplan mit zeitlich aufeinander folgenden Schritten umgesetzt. Rückbau der alten Betriebsgebäude und Produktionsanlagen; dabei sind nicht nur große Mengen von kontaminierter Bausubstanz, sondern auch zahlreiche gefahrstoffhaltige Produktionsreste und Betriebsstoffe getrennt zu erfassen und zu entsorgen. Quellensanierung durch Bodenaustausch im Einzugsbereich einer tiefreichenden Teerölgrube und einer ehemaligen Teeröldestillationsanlage; damit soll der weitere Eintrag und Transport von leicht mobilisierbaren Teerölbestandteilen in bzw. über die grundwassergesättigte Zone so weit wie möglich unterbunden werden. Flächenhafte Aushub- und Entsorgungsmaßnahmen auf dem übrigen Werksgelände: hierbei handelt es sich vor allem um die Entfernung von schlackenhaltigen alten Tragschichten und Auffüllungen, die im Falle eines Verbleibs eine Gefährdung durch Direktkontakt beinhalten und eine uneingeschränkte neue Nutzung der Flächen (Wohnbebauung) verhindern würden. Grundwasserfassung und -reinigung im Abstrom zum Vorfluter: das dem Bachlauf nordöstlich des Altstandorts zufließende, vermutlich noch lange Zeit teerölbelastete Grundwasser wird durch eine geeignet dimensionierte Wasserfassung abgefangen und anlagentechnisch abgereinigt.
Abriss der ehemaligen Betriebsgebäude
Für die Bodenauskofferung im Bereich des Schadenszentrums (Quellensanierung) sind u. a. eine Einhausung zur Vermeidung von schädlichen Emissionen (Gase und Stäube) in die Umgebung sowie eine temporäre Wasserhaltung innerhalb der Baugrube erforderlich. Sämtliche durch die Bodenauskofferung entstandenen Hohlräume werden anschließend mit sauberen Füllbzw. Vegetationsböden aufgefüllt. Die Qualitätsansprüche an diese Bodenmaterialien sind im Sanierungsplan festgelegt und ergeben sich aus der geplanten künftigen Nutzung des sanierten Altstandorts für Wohnbauzwecke. Rückbau aufstehender Gebäude Der oberirdische Rückbau der alten Fabrikgebäude und -anlagen und damit der erste Arbeitsschritt der Sanierungsmaßnahme wurde im Dezember 2012 erfolgreich abgeschlossen. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für die Bodensanierungsmaßnahmen (Arbeitsschritte 2 und 3), die bis Ende des Jahres 2013 beendet sein sollen. Daran anschließend wird durch Dränage und Grundwasserreinigung der noch verbleibende Schadstoffeintrag über das Grundwasser in das Oberflächengewässer des nahe liegenden Baches unterbunden.
Unterirdische Ausbreitung der Teeröle in die Umgebung Gelände nach Abschluss der Rückbauarbeiten
Ehemalige Dachpappenfabrik Westermann in Minden
Das ca. 6.700 m² große Gelände der ehemaligen Firma Westermann liegt in einem Gewerbegebiet im Nordosten der Stadt Minden, ca. 600 m vom Bahnhof entfernt. Das Wasserstraßenkreuz Mittellandkanal/Weser befindet sich in ca. 500 m Entfernung.
Ab 1957 wurde nur noch Bitumen als Ausgangsstoff verwendet. Neben Dachpappen wurden auch Kies-Einbettmassen, Bitumenkaltkleber und Vor- sowie Dachanstriche auf der Basis von Benzin-Bitumen-Gemischen hergestellt. Nach dem Konkurs der Firma im
Die ehemalige Dachpappenfabrik nutzte den Altstandort in der Zeit von 1894 – 1984. Bis 1957 wurden Dach- und Isolierpappen, AsphaltKlebemassen, Carbolineum, Asphaltund Holzteer auf der Basis von Rohteer hergestellt. Dieser wurde aus Kokereien aus dem Ruhrgebiet in eigenen Waggons angeliefert und in unterirdischen Teergruben zwischengelagert. Nach der Destillation wurden die Leicht-, Mittel- und Schweröle für den Weiterverkauf oder für die eigene Nutzung ebenfalls in
Jahr 1984 standen die Gebäude und Anlagen leer und verfielen zunehmend. Zusätzlich zerstörten Brände zentrale Gebäudeteile. Ferner gibt es Hinweise auf Kriegsschäden, wie z. B. verfüllte Bombentrichter. Untersuchungen zur Gefährdungsabschätzung und Sanierungsuntersuchung zeigten erhebliche Verunreinigungen des Untergrundes mit teerstämmigen Schadstoffen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol (BTEX) und Cyanide.
Tanks auf dem Gelände gelagert.
Diese reichten zum Teil bis in eine Tiefe von 15 m und verunreinigten das Grundwasser, welches in ca. 6 - 7 m Tiefe ansteht. Ein Grundstücksbereich zeigte Verunreinigungen mit Kohlenwasserstoffen. Die Bodenverunreinigungen gefährdeten nicht nur die Umwelt, sondern verhinderten auch eine neue Nutzung des Standortes als Gewerbefläche. Im Jahr 2010 übernahm der Kreis Minden-Lübbecke die Fläche und meldete das Projekt beim AAV an. Die Sanierung des Altstandortes Westermann erfolgte im Jahr 2012 in zwei Teilschritten unter der Prämisse, einen Altstandort für eine zukunftsorientierte Wiedernutzung als Gewerbefläche herzurichten.
Ehemalige Betriebsgebäude und -anlagen
Rückbau Der Rückbau der aufstehenden vier Gebäudekomplexe und der diversen oberirdischen Anlagen erfolgte nach öffentlicher Ausschreibung der Leistungen in den Monaten Februar bis Mai 2012. Besonderer Wert wurde auf die Separierung und Sortierung des Rückbaumaterials zur weiteren Verwertung gelegt. Der umbaute Raum betrug ca. 23.000 m³. Vor dem eigentlichen Rückbau wurden die Gebäude entkernt, schadstoffhaltige Baumaterialien wurden getrennt und entsorgt. Die noch auf dem Gelände vorhandenen Silos und Tanks waren teilweise mit Bitumen oder anderen Abfällen gefüllt und mussten vor der Entsorgung zerlegt und gereinigt werden.
Der unbelastete Bauschutt wurde vor Ort gebrochen aufgemietet, um nach der Bodensanierung als Verfüllmaterial für die Baugruben zu dienen. Im Zuge des Rückbaus wurden auch zwei Bitumentanks aus einem Keller ausgebaut. Diese beiden ca. 32 bzw. ca. 20 m³ großen Tanks waren noch mit Bitumen und anderen Abfällen gefüllt und hätten eine mögliche Gefahrenquelle dargestellt, wenn sie bis zu Beginn der Bodensanierung im Untergrund verblieben wären.
Ehemalige Betriebsgebäude
Bodensanierung Die Bodensanierungs- und Entsorgungsleistungen wurden im Juli 2012 vergeben. Das Sanierungskonzept sah die Entfernung der Teergruben und die Auskofferung der stark belasteten Bereiche, insbesondere um die Teerbecken herum, bis in eine Tiefe von ca. 6 m vor. Auf dem übrigen Gelände sollten bis in ca. 1,5 m Tiefe Belastungen flächenhaft ausgehoben und entsorgt werden. Abgeschätzt war nach den Ergebnissen der Sanierungsplanung die Entsorgung von ca. 13.000 Tonnen belastetem Boden und Bauschutt. Wegen der hohen Schadstoffbelastung wurde ein umfangreiches Arbeits- und Anwohnerschutzkonzept aufgestellt. Dieses sah unter anderem das Absaugen der Luft aus dem unmittelbaren Aushubbereich und deren Reinigung über Aktivkohle vor. Hochkontaminiertes Material wurde direkt nach dem Auskoffern entsorgt, Mieten wurden mit Folie abgeplant. Im Hinblick auf mögliche Luftverunreinigungen wurden diese im Auskofferungsbereich und an der Sanierungsgebietsgrenze kontinuierlich durch Messungen überwacht. Bei den Sanierungsarbeiten stellte sich heraus, dass das Labyrinth der unterirdischen Teerbecken und -gruben weitläufiger war, als die vorangegangenen Erkundungen und Bohrungen vermuten ließen. Teilweise waren die Teerbecken durch unterirdische Kanäle, die bis in 4 m Tiefe verliefen, miteinander verbunden.
Die Tanks waren u. a. noch mit Bitumen gefüllt
In den Becken und in den unterirdischen Kanälen befanden sich noch sehr große Mengen an flüssigem Teer, zum großen Teil vermischt mit Bauschutt und anderen Abfällen. Statt der geplanten 13.000 Tonnen an kontaminiertem Boden, Bauschutt und anderen Abfällen wurden letztendlich über 18.000 Tonnen entsorgt. Die Gesamtkosten des Projekts von ca. 2,0 Mio. Euro wurden durch die Finanzmittel des Landes NRW, des AAV und des Kreises Minden-Lübbecke getragen.
Eines der unterirdischen Becken mit flüssigem Teer
Gewerbefläche zu Wohnbaufläche
Standort Die ehemalige Metallverarbeitungsfabrik Alfred Susan GmbH & Co. KG liegt im Stadtgebiet von Netphen direkt am Flusslauf der Netphe. Das inzwischen brachliegende Betriebsgelände hat eine Gesamtfläche von rund 7.300 m² und ist von Wohnbebauung umgeben. An diesem Produktionsstandort wurden im Zeitraum von 1959 bis 2002 Tank- und Behälterböden im Tiefziehverfahren hergestellt. Dies umfasste im Wesentlichen die Fertigungsvorgänge Kaltverformung mit großen Hydraulikpressen und Sickenmaschinen sowie die anschließende Behandlung der Metalloberflächen (Entfetten, Glühen, Polieren usw.). Die Firma Susan musste ihre Betriebstätigkeit wegen Insolvenz im
Luftbild des Fabrikgeländes
Jahr 2002 einstellen, anschließend wurden im Rahmen des Insolvenzverfahrens die Hydraulikpressen, Bearbeitungsmaschinen und andere wertvolle Anlagenteile demontiert und veräußert. Seitdem liegt das Betriebsgelände ohne jede Folgenutzung brach. Im Jahr 2007 ist ein früher als Werkstatt genutztes Gebäude im nördlichen Abschnitt des Betriebsgeländes als Folge von Vandalismus abgebrannt, der aus diesem Schadenereignis stammende Brandschutt befindet sich weiterhin auf dem Gelände.
Hydrogeologische Verhältnisse Im Flusstal der Netphe stehen über den Festgesteinen des Paläozoikums quartäre fluviatile Ablagerungen an. Der daraus gebildete quartäre Grundwasserleiter besteht aus liegenden sandig-kiesigen und hangenden sandig-schluffigen Schichten, die eine gute bis mittlere Durchlässigkeit besitzen. Die vorherrschende Fließrichtung des Grundwassers ist hier überall zum lokalen Vorfluter Netphe gerichtet. Die Grundwasserflurabstände im oberen quartären GW-Stockwerk liegen je nach Niederschlagsaufkommen und Jahreszeit zwischen etwa 4 m und 5 m. Zusammen mit dem jeweiligen aktuellen Wasserstand in der Netphe können auf dem Altstandort, bezogen auf das Ufer des Vorfluters, sowohl influente als auch effluente Verhältnisse auftreten. Bei effluenten Verhältnissen treten im Grundwasser gelöste Schadstoffe (Mineralölbestandteile) in das Flusswasser über. In etwa 700 m westlicher Entfernung zum Altstandort beginnt die Trinkwasserschutzzone III eines Wasserschutzgebietes. Im Südwesten des Altstandorts, in etwa 1.800 m Entfernung, befindet sich ein ergiebiger Quellaustritt.
Altlastensituation Im Jahr 2004 wurde für das ehemalige Betriebsgelände Susan eine orientierende Standortuntersuchung und eine Gefährdungsabschätzung durchgeführt, die eine erhebliche Kontamination von Boden und Grundwasser mit Schadstoffen belegte. Im Wege einer Ersatzvornahme des Kreises Siegen-Wittgenstein zur Gefahrenabwehr wurden bereits die in ober- und unterirdischen Tankbehältern noch vorhandenen flüssigen Betriebsstoffe (Kraft- und Brennstoffe sowie Hydrauliköle) abgesaugt und entsorgt. In den ehemaligen Produktionshallen steht aber auch jetzt noch ausgelaufenes Hydrauliköl in offenen betonierten Maschinengruben. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2009 vom AAV NRW mit der Stadt Netphen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein eine Sanierungsuntersuchung durchgeführt, um die bereits erkannten Schadensbereiche genauer zu definieren und einzugrenzen. Nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen ist der Untergrund des Betriebsgeländes an mehreren Stellen erheblich mit Mineralölprodukten (vorwiegend mittelviskose Hydrauliköle) belastet, hierzu gehören u. a. die Maschinengruben und -standorte sowie die Betriebstankstelle.
Die im Untergrund nachgewiesenen Mineralölbelastungen reichen teilweise bis zu 6 m Tiefe unter Gelände und haben hier direkten Kontakt mit dem quartären Grundwasser. Aufgrund der vergleichsweise geringen Wasserlöslichkeit der langkettigen Mineralölkohlenwasserstoffe in Hydraulikölen verhalten sich die Mineralölbelastungen im Untergrund auf dem Gelände relativ ortsstabil. Dies gilt allerdings nur für den gegenwärtigen Zustand der Fläche mit einer weitgehenden Versiegelung sowohl in den überbauten Bereichen als auch in den befestigten Freiflächen.
Ohne nachhaltige Sanierungsmaßnahmen mit einer vollständigen Entfernung dieser Kontaminationsherde auf dem Gelände in den kontaminierten Bodenplatten und in den teilweise noch mit Hydrauliköl gefüllten Maschinengrubenfundamenten sowie in der ungesättigten Bodenzone und im Grundwasserschwankungsbereich ist eine zusätzliche und weitergehende Belastung des Grundwassers mit Übertritt in den angrenzenden Vorfluter Netphe wahrscheinlich. Sanierungsplan Auf Grundlage der Ergebnisse aus der Sanierungsuntersuchung und unter Berücksichtigung der Bebauungsplanung seitens der Stadt Netphen wurde ein Sanierungsplan für die Altlast „Susan“ erarbeitet. Darin sind alle notwendigen Maßnahmen festgelegt, um einerseits das Grundwasser und den Vorfluter vor weiteren Schadstoffbelastungen zu schützen und andererseits auf diesem Standort gesunde Wohnund Arbeitsverhältnisse als die wesentliche Voraussetzung für eine Erschließung als Wohnbaugebiet zu schaffen.
Große Maschinengrube mit Müll- und Hydraulikölresten
Jede künftige Nutzung des brach liegenden Betriebsgeländes ist allerdings zwangsläufig mit einer vollständigen Entsiegelung der Oberflächen verbunden. Damit werden die Schadstoffe oberhalb des Grundwasserspiegels in der ungesättigten Bodenzone dem versickernden Niederschlagswasser zugänglich und lassen eine vertikale Verlagerung der Mineralölverunreinigungen über den Sickerwasserpfad in das Grundwasser erwarten.
Diese Sanierungsmaßnahme umfasst im Wesentlichen folgende Schritte: Rückbau aller vorhandenen Produktions- und Nebengebäude mit fachgerechter Separierung und anschließender Verwertung bzw. Entsorgung der Abbruchmaterialien Aufnehmen der mineralölbelasteten Bodenplatten in den Produktionshallen, Entfundamentierung und Tiefenenttrümmerung unterhalb der Geländeoberkante
Sanierung der Mineralölbelastungen im Untergrund durch Bodenauskofferung und Wiederauffüllung der dabei entstandenen Hohlräume mit sauberem Bodenmaterial. Die Sanierungsmaßnahme soll im Frühjahr 2013 begonnen und zum Jahresende 2013 abgeschlossen werden. Geplante künftige Nutzung des Altstandorts Das ehemalige Betriebsgelände liegt innerhalb des Stadtgebiets und ist aufgrund der ebenen Tallage, der Nachbarschaft zu einem naturnahen Fließgewässer und der bereits von Wohnbebauung mit Begrünung geprägten Umgebung sehr attraktiv für eine Wohnnutzung. Die aktuelle Entwurfsplanung der Stadt Netphen sieht auf dem Standort nach Abschluss der Sanierungsmaßnahme insgesamt zwölf, über zwei Stichstraßen erschlossene Baugrundstücke mit Parzellengrößen von etwa 460 m² bis 590 m² vor. Durch die Sanierung der Altlast Susan wird somit das wesentliche Hemmnis für die Entwicklung dieses innerstädtischen Bereichs zu einem zusammenhängenden Wohngebiet beseitigt.
Geplante Wohnbebauung nach Sanierung des Altstandortes
Goldau in Solingen
Sanierung der ehemaligen Galvanik
Rückbau asbesthaltiger Fassadenplatten
„Wohnungen statt Galvanik - Altlastensanierung günstiger als geplant“ so übertitelte das Solinger Tageblatt am 01.09.2012 eine Kurzmitteilung über die erfolgreiche Sanierung des ehemaligen Standortes der Galvanik Goldau in Solingen. Tatsächlich wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Solingen und dem AAV in einer Bauzeit von nur knapp fünf Monaten ein über 2.200 m² umfassendes kontaminiertes Gewerbeareal für eine nachfolgende Wohnbaunutzung hergerichtet.
Bereits seit dem Jahr 1918 waren auf dem Standort vor allem verschiedene Betriebe zur Metallveredelung angesiedelt. Von 1964 bis 2005 wurde das Gelände durch die Fa. Galvano Metallveredelung Emil Goldau genutzt. Anfang Juni 2005 wurde vom Amtsgericht Wuppertal das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Betriebsinhabers eröffnet. Seither wurde der Galvanikbetrieb von dem ehemaligen Betriebsleiter unter der Firma Galvano Randel weitergeführt. Der zuständige Insolvenzverwalter hatte die noch im Eigentum des früheren Betriebsinhabers stehenden Grundstücke aus dem Insolvenzbeschlag freigegeben. Die Grundstücke stehen seit dem Jahr 2007 im Eigentum der Stadt Solingen.
Voraussetzung für die Realisierung der geplanten Einfamilienhausbebauung war die Schaffung von gesunden Wohnverhältnissen. Aufgrund der festgestellten Verunreinigungen im Boden und im Grundwasser mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) und Schwermetallen, insbesondere Chrom und Nickel, wurde nach umfangreichen Voruntersuchungen die Entscheidung zum großflächigen Austausch des belasteten Bodens gegen sauberen getroffen. Vor dem Bodenaustausch war ein geordneter Rückbau der aufstehenden und zu großen Teilen kontaminierten Bausubstanz erforderlich. Die Projektfinanzierung in Höhe von 730.000 Euro wurde vom AAV als Maßnahmenträger zu 80 % und von der Stadt Solingen zu 20 % übernommen und soll durch den Verkauf der einzelnen Wohngrundstücke refinanziert werden. Die Sanierungsarbeiten wurden in den Gebäuderückbau und die eigentliche Bodensanierung unterteilt. Die Rückbau- und Bodensanierungsarbeiten fanden unter Berücksichtigung besonderer technischer und persönlicher Schutzmaßnahmen innerhalb eines abgesperrten Schwarzbereiches statt.
Gebäudereste mit gelben Chromimprägnationen
Neben asbesthaltigen Baustoffen waren insbesondere großflächige und intensive Anhaftungen und Imprägnationen chromhaltiger Substanzen aus dem Galvanikbetrieb arbeitsund umweltschutzrelevant. Das vor der Sanierung im Boden vorhandene Schadstoffpotenzial lässt sich aufgrund der starken gelben Verfärbung des Grundwassers erahnen, das während des Abbruchs der vorhandenen Kellerräume unterhalb eines Sozialgebäudes sichtbar wurde. Insgesamt wurden im Rahmen der Sanierung ca. 6.400 t Boden, ca. 2.000 t Bauschutt und ca. 400 t kontaminiertes Wasser entsorgt.
Chromhaltiges Grundwasser
Die Wiederauffüllung und Herrichtung des Geländes erfolgte mit ca. 5.700 t Füllboden und ca. 700 t Oberboden.
Wiederhergestellte Oberfläche des Füllbodens
Belange des Nachbarschaftsschutzes sowie der Ersatz bzw. die Wiederherstellung bei unvermeidbaren Eingriffen in die Bausubstanz der Nachbarbebauung wurden von Anfang an kooperativ und einvernehmlich mit den jeweiligen Eigentümern geregelt. Bereits im Vorfeld der Sanierung wurden auf der Grundlage von gemeinsam durchgeführten Bestandsaufnahmen individuelle Duldungs- und Wiederherstellungsvereinbarungen geschlossen und bis zum Sanierungsende umgesetzt. Am 18.09.2012 wurde die sanierte Fläche der Stadt Solingen offiziell übergeben. An dem kleinen Festakt nahmen neben Vertretern des Umweltministeriums NRW, der Bezirksregierung Arnsberg, der Stadt Solingen und des AAV auch die meisten Anwohner teil. Die kurze fünfmonatige Bauzeit von Januar bis Mai 2012 trug zur deutlichen Akzeptanz des Projektes durch die betroffenen Anwohner bei.
Wiederhergestellte Fläche
Flächenübergabe am 18.09.2012
Umwandlung des ehemaligen Militärgeländes Camp Pirotte zum „Gewerbepark Brand“
Luftbild des Camp Pirotte nach Erstellung der neuen westlichen Zufahrt im November 2011 (grün: Teilfläche Niessen)
Der Altlastensanierungsverband NRW hat in Kooperation mit der Stadt Aachen das ca. 14 ha große ehemaligen Militärgelände Camp Pirotte zur Entwicklung eines attraktiven Gewerbegebietes für kleinere und mittlere Handwerksbetriebe saniert. 112.000 m² des zukünftigen „Gewerbeparkes Brand“ sollen gewerblich vermarktet werden, 4.500 m² sind für eine Mischnutzung vorgesehen. Der Rest teilt sich auf in Straßen- und Grünflächen. Mit der Wiedernutzbarmachung des Geländes verdoppelt sich die verfügbare Gewerbefläche in der Stadt Aachen.
Hauptaufgaben bei diesem Projekt waren der geordnete Rückbau von ca. 60 Gebäuden sowie von sonstigen Infrastruktureinrichtungen und die Sanierung von „Hot Spots“ im Boden in Form von schwermetallhaltigen Schlacken und untergeordnet Verunreinigungen durch Mineralölkohlenwasserstoffe und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.
Zwischen 1914 und 1928 war auf Teilflächen des Geländes die Waggonfabrik „Gossens“ angesiedelt. Im Krieg wurde das Areal dann von der Deutschen Wehrmacht und später von den belgischen Streitkräften übernommen, die das Gelände bis 1995 nutzten. Der damalige Eigentümer der Liegenschaft, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, veräußerte das Grundstück im Januar 2006 an einen privaten Investor. Die Stadt Aachen hat daraufhin im März 2006 das Vorkaufsrecht ausgeübt.
Luftbild des Camp Pirotte nach oberirdischem Abbruch im März 2012 (grün: Teilfläche Niessen)
Luftbild des Camp Pirotte nach Abschluss der Abbruchund Sanierungsmaßnahmen im Oktober 2012 (grün: Teilfläche Niessen)
Aufgrund nachfolgender gerichtlicher Auseinandersetzungen konnte eine Umsetzung des über vier Jahre zuvor ausgeübten Vorkaufsrechtes erfolgen. Der Besitz- und auch der Eigentumsübergang fanden im Herbst 2010 statt. Auf der Basis öffentlich-rechtlicher Verträge zwischen der Stadt Aachen und dem AAV konnte die Sanierung in aufeinander folgenden Abschnitten umgesetzt werden.
Nach Fertigstellung der provisorischen Straßenanbindung an die Debyestraße wurden im November 2011 die umfangreichen Abbruchund Sanierungsmaßnahmen auf dem ehemaligen Militärgelände Camp Pirotte aufgenommen. Im Mai 2012 konnte zusätzlich die bis dahin bewohnte, zum ehemaligen Militärgelände Camp Pirotte gehörende Teilfläche Niessen (ca. 5.400 m²) in die Maßnahmen zur Flächenaufbereitung einbezogen werden.
Zum geordneten Gebäuderückbau wurden zunächst die Gebäudeschadstoffe (Abbruchholz, Dämmmaterialien, Asbest etc.) sowie Wertstoffe (Metalle) ausgebaut, separiert und entsorgt. Tankanlagen sowie eine NH3-Kühlanlage wurden vor dem Ausbau ordnungsgemäß entleert und stillgelegt. Der beim Rückbau anfallende Bauschutt wurde vor Ort getrennt nach Mauerwerks- und Betonabbruch in einer mobilen Brecheranlage zu Recyclingbaustoffen aufbereitet und zur Verfüllung von Kellern sowie zur Geländeprofilierung verwendet. Ein Teil des Materials wurde aber auch für den nachfolgenden Kanal- und Erschließungsstraßenbau in Mieten bereitgestellt.
Die Sanierung der schwermetallhaltigen Schlacken sowie untergeordnet der Verunreinigungen durch Mineralölkohlenwasserstoffe und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe erfolgte durch Bodenaustausch und fachgerechte Entsorgung der anfallenden Böden. Neben den bekannten Schlackenfeldern wurden im Rahmen der Sanierung flächendeckend schlackengefüllte Drainagegräben sowie zahlreiche neue Schlacken zum Teil auch unterhalb von Gebäuden vorgefunden. Trotz dieser neuen Schlackenfunde wurde die ursprünglich geschätzte Schlackenmenge nur geringfügig überschritten. Im Untergrund der Teilfläche Niessen wurden umfangreiche Altfundamente und Verunreinigungen der ehemaligen Waggonfabrik „Gossens“ angetroffen.
Schlackensanierung im nördlichen Grundstücksteil (separierte Schlackenmieten, sanierte Drainagegräben, Mieten aus Recyclingbaustoffen)
Trotz dadurch bedingter erheblicher Verzögerungen im Bauablauf konnte die Gesamtmaßnahme in der ersten Septemberhälfte 2012 und damit 1,5 Monate früher als geplant abgeschlossen werden. Abschließend erfolgte eine Nassansaat, um die Fläche gegen Witterungseinflüsse zu schützen. Der vorkalkulierte Kostenrahmen von 5 Mio. Euro für den Projektabschnitt Abbruch und Sanierung konnte deutlich unterschritten werden.
Fertiggestelltes Gelände mit Mieten aus Recyclingbaustoffen für den nachfolgenden Kanal- und Erschließungsstraßenbau
Fakten zum Abbruch Gebäude: Tanks: Kühlanlage: PCB-haltige Abfälle: Abbruchholz: Bituminöser Asphalt: Kohlenteerhaltige Bitumengemische: Teerkork: Dämmmaterial: Asbesthaltige Baustoffe: Gemischte Bau- und Abbruchabfälle: Leuchtstoffröhren: gemischte Siedlungsabfälle: PAK-haltiger Bauschutt: Bauschuttaufbereitung: 373 t 103 Stück 10 t 4.665 t ca. 46.000 m³ 753 t 46 t 23 t 103 t ca. 60 8 1 10 t 862 t 1.866 t
So könnte es einmal aussehen ...
Fakten zur Sanierung / Flächenaufbereitung Schlacken bis DK II: Schlacken DK III: PAK verunreinigter Boden: Boden mit KW-Geruch: 	 Einbau von aufbereitetem Bauschutt (RCL I):	 Materialbereitstellung für den Kanal- und Erschließungsstraßenbau: Nasseinsaat: 	 ca. 5.000 m³ ca. 120.000 m² ca. 41.000 m³ 36.175 t 185 t 946 t 793 t Ende Oktober 2012 hat die Stadt Aachen mit den Erschließungsarbeiten (Kanal- und Erschließungsstraßenbau) begonnen, um ab Frühjahr 2013 die Vermarktung der Grundstücke im „Gewerbepark Brand“ aufzunehmen.
Ehemalige Großreinigung Froitzheim Sanierung einer bewohnten Altlast ist abgeschlossen
Die Sanierung bebauter Altlasten geht immer mit besonderen Anforderungen einher. Die jetzt technisch beendete Bodensanierung auf dem Gelände der ehemaligen Großreinigung Froitzheim in Krefeld wurde im Innenbereich eines dicht mit Einfamilienhäusern bebauten Areals durchgeführt. Die Hinterlassenschaften der ehemaligen chemischen Großreinigung Froitzheim stellten eine Gefahr für die betroffenen Anwohner dar. Nachdem man diese Gefahr im Jahr 2007 erkannt hatte, wurden umfangreiche Untersuchungs- und auch SofortDas Großlochbohrgerät mit Mäkler und Kellystange
Die konkrete Gefahr für die Bewohner ging von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen aus, die im ehemaligen Reinigungsprozess eingesetzt wurden und unkontrolliert in den Boden gelangten. Von hier aus fanden sie ihren Weg bis in die Raumluft einiger Häuser, die nach der Stilllegung der Großreinigung Mitte der 70er Jahre auf dem ehemaligen Reinigungsgelände errichtet wurden. Durch die Havarie eines Schweröltanks wurden außerdem noch Mineralölkohlenwasserstoffe in den Untergrund eingetragen, so dass von dem verunreinigten Boden letztendlich eine Gefahr über den Wirkungspfad Boden – Mensch aber auch über den Wirkungspfad Boden – Grundwasser ausging. Zusammen mit der Stadt Krefeld wurde die Altlast durch den AAV saniert. Die Voraussetzungen für die eigentlichen Bodensanierungsarbeiten wurden bereits seit Beginn des Jahres 2011 durch vorbereitende Arbeiten geschaffen. Rodungsarbeiten im unbedingt notwendigen Umfang sowie die Verlegung provisorischer Infrastrukturleitungen wurden im Zeitraum von April bis Juli 2011 ausgeführt. Im Dezember 2011 wurde mit der eigentlichen Bodensanierung begonnen. Die Sanierung erfolgte im Wesentlichen durch Bodenaustausch mittels Großlochbohrverfahren, bei dem das 103 t schwere Bohrgerät mit einer Gesamthöhe von 25,62 m
maßnahmen zum Schutz der Menschen durchgeführt.
die Einfamilienhäuser überragte.
Aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Innenbereich der Wohnanlage stand die Sanierung unter besonderen Planungs- und Ausführungsanforderungen.
Beengte Arbeitsverhältnisse im Sanierungsbereich
Blick auf die Sanierungsfläche
Insbesondere im unmittelbaren Sanierungsbereich, der nur eine Fläche von etwa 400 m² umfasste, war eine ständige Koordination von Menschen und Maschinen erforderlich, um die Arbeitssicherheit zu gewährleisten, den Arbeitsfortschritt zu sichern und Arbeitsunfälle zu vermeiden. Durch den intensiven Einsatz eines Sicherheits- und Gesundheitskoordinators gemäß Baustellenverordnung konnte die Maßnahme ohne Unfall und ohne Geräteschaden abgewickelt werden. Bedingt durch die hohen Schadstoffgehalte im Boden des Schadenszentrums waren zeitweise auch erhöhte persönliche Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten unabdingbar. Unter Zuhilfenahme einer kontinuierlichen messtechnischen Überwachung der Umgebungsluft direkt am Bohrgerät wurden die Zeiten festgelegt, zu denen das Tragen eines Vollschutzes erforderlich war.
Arbeiten unter Vollschutz direkt am Bohrloch
Für die Sicherheit der Anwohner wurde ein spezielles Anwohnerschutzkonzept umgesetzt, das gerade während der Sommermonate erhebliche, aber leider unvermeidliche Beeinträchtigungen mit sich brachte. Für die Sanierungsdurchführung waren ein Rückbau der gartenseitigen Kelleraußentreppen und das Auskoffern des Bodens bis auf das Fundamentniveau erforderlich. Die Wiederherstellung erfolgte mit Betonfertigteilen und einer Auffüllung aus natürlichem Sand-Kies-Gemisch aus einer Kiesgrube. Rechtzeitig vor der Winterpause wurde das Gelände bis etwa auf das ursprüngliche Geländeniveau aufgefüllt und somit winter- bzw. witterungsfest hergerichtet. Sobald es das Wetter Anfang 2013 zulässt, werden die abschließenden Arbeiten zur Wiederherstellung der Privatgärten durchgeführt. Dies wird in enger Abstimmung und mit Beteiligung der Eigentümer vorgenommen. Nach einer Nettobauzeit von etwa 15 Monaten wird die Sanierungsmaßnahme im Frühjahr 2013 vollständig abgeschlossen sein. Der Sanierungserfolg wird anschließend über ein Monitoring von Grundwasser und Raumluft dokumentiert.
Wiederherstellung der Kelleraußentreppen
Wiederherstellung des ursprünglichen Geländeniveaus
Sanierung der Altdeponie „An der Schlinke“ in Witten-Annen
Die ca. 6.000 m² große Altablagerung liegt im Wittener Stadtteil Annen zwischen der Straße „An der Schlinke“ und der Stockumer Straße. Es handelt sich um einen ehemaligen Steinbruch, der nach Abschluss der Sandsteingewinnung von Anfang der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre als behördlich nicht genehmigte Müllkippe genutzt wurde und heute brachliegt. Im nördlichen Teil des ehemaligen Steinbruchs wurden Abfälle aus der Pentachlophenol- und Holzschutzmittelproduktion sowie Rückstände aus der Filterreinigung, vermischt mit Werksabfällen ortsansässiger Industriebetriebe, abgelagert. Die Halde steht mit dem Haldenfuß im Kluftgesteinsgrundwasser, so dass je nach witterungsabhängigem Grundwasserspiegel Schadstoffe ausgewaschen werden. Während die Dioxine und Furane aufgrund ihrer sehr geringen Wasserlöslichkeit nur in schwachen Konzentrationen vorkommen, haben die wasserlöslichen Chlorphenole (CP) eine deutlich höhere Relevanz bei der Gefahrenbewertung. Die höchsten CP-Konzentrationen wurden bisher mit 3.580 µg/l im Sanierungsbrunnen gemessen. Es zeigt sich, dass die laufende hydraulische Sicherung den Kontaminationsbereich in Abhängigkeit der Witterung und der daraus resultierenden Wasserspiegel des Kluftgrundwasserleiters nicht vollständig erfasst. Schadstoffe, die aus dem Altablagerungskörper in das Kluftgesteinsgrundwasser gelangen, können aufgrund der komplexen hydrogeologischen Struktur des Festgesteinuntergrundes technisch nicht mehr erreicht werden.
Schachtausrüstung während der Bohrarbeiten
Der Sanierungsplan wurde im August 2012 festgestellt. Nach dem Konzept der Sanierungsuntersuchung soll eine gezielte Entwässerung des Altablagerungskörpers durch drei Horizontaldränagen erreicht werden, indem mittels Kernbohrverfahren drei ca. 80 m lange Schrägbohrungen bei einem Bohrdurchmesser von mindestens 176 mm unterhalb der Deponiebasis fächerartig abgeteuft und zu Horizontaldränagen ausgebaut werden.
Lageplan mit Drainagesystem
In einem ersten Schritt wird zunächst eine Probebohrung abgeteuft und zur Dränage ausgebaut. Auf der Grundlage der Erfahrungen aus dem Betrieb dieses Dränagestranges soll dann in einer zweiten Bauphase der Endausbau zum vollständigen Dränagesystem erfolgen. Die Dränageleitungen liegen unterhalb des Altablagerungskörpers. Der Standort der vorgesehenen ca. 21 m tiefen und bis zu 11 m breiten Startgrube befindet sich auf dem südlichen weniger belasteten Flurstück der Altdeponie innerhalb des Schutzstreifens einer 380 kV Überlandleitung, in dem nur eine begrenzte Arbeitshöhe zulässig ist. Durch Verlegung des Schachtstandortes auf das Deponiegelänge konnte die erforderliche Länge der Horizontaldränagen deutlich von ursprünglich geplanten 150 m (siehe AAV-Jahresbericht 2009) auf nur noch 80 m gekürzt werden. Wegen der beengten Platzverhältnisse im Bereich der Zufahrt und der schlechten Einsicht in den fließenden Verkehr soll der Baustellenverkehr als Einbahnstraße durch die Altabla-
Zur Behandlung des anfallenden Wassers aus der Wasserhaltung sowie des später mit dem Dränagesystem gefassten Kluftgesteinsgrundwassers soll die derzeit auf dem Standort in Betrieb befindliche Sickerwasserbehandlungsanlage genutzt werden, die Ende 2012 noch einmal technisch ertüchtigt wurde. Bei der Herstellung des Schachtes wird zunächst eine bis zu 4,5 m dicke Schicht aus den umgelagerten Lockergesteinen des Steinbruchbetriebs erwartet. Danach steht Festgestein an, das durch Sprengungen schichtweise gelöst und anschließend ausgebaut wird. Dabei soll die Sprengwirkung in den einzelnen Tiefenlagen so begrenzt werden, dass Gesteinsbrocken nicht weiter als 20 m von der Oberkante der jeweiligen Sprengebene ausgeworfen werden, um eine Gefährdung der benachbarten Grundstücke auszuschließen. Bei den Aushubarbeiten werden ca. 1.850 m³ weitgehend unbelastetes Bodenmaterial anfallen, das zur Modellierung der Deponieoberflächenstruktur insbesondere an den Steilböschungen genutzt werden soll.
gerung über das benachbarte Flurstück geführt werden.
Mit der Fertigstellung des vollständigen Dränagesystems ist nach derzeitiger Projektplanung Mitte 2014 zu rechnen. Aktuell wird davon ausgegangen, dass nach Fertigstellung des Dränagesystems und nach Trockenlegung des Altablagerungskörpers auf eine Behandlung der gefassten Wässer verzichtet werden kann. Angestrebt wird eine Wasserqualität, die eine Versickerung im abstromigen Kluftgesteinsgrundwasser zulässt. In Abhängigkeit der Ergebnisse eines nachfolgenden Monitorings ist optional eine Deponieabdeckung- oder -abdichtung vorgesehen, um den gegebenenfalls noch verbleibenden Eintrag von Schadstoffen durch Versickern des Niederschlagswassers in das Kluftgesteinsgrundwasser zu unterbinden.
Sanierung von Hausgärten im Umfeld der Altablagerung „Gauhes Wiese“ in Eitorf/Sieg
Wohnsiedlung auf dem Gelände der ehemaligen Textilfärberei
In der Stadt Eitorf, im idyllischen Siegtal gelegen, befindet sich zwischen der Bahnstrecke Bonn-Siegen und der Sieg das Gelände einer ehemaligen Textilfabrik. Auf Teilen des Geländes ist eine Wohnsiedlung entstanden. Im Jahr 2001 wurde bekannt, dass dort schwermetallhaltige Abfälle im Untergrund vorhanden sind. Diese gehen zurück auf die Tätigkeit der ehemaligen Textilfärberei „Hösterey & Gauhe“. Diese „Türkisch-Rotölfärberei“ wurde zwischen 1879 und 1909 betrieben. Im Färbevorgang wurden neben Arsen, Chrom und Schwefelsäure auch Kupfer, Cadmium und Blei verwendet. Zur Neutralisation wurde aufgeschlämmte Kreide eingesetzt, die in einem Altarm der Sieg auf einer Fläche von ca. 16.000 m² bis
Im Boden sind hohe Gehalte an Arsen, Blei und Chrom nachgewiesen. Auch wenn unter der gegenwärtigen Nutzung (geschlossene Vegetationsdecke, keine Kinderspielflächen) aufgrund der geringen Exposition keine Gefährdung besteht, ist diese jedoch bei einem Nutzerwechsel und baulichen Veränderungen mit Eingriff in den Boden nicht auszuschließen. Das Projekt wurde daher durch den Rhein-SiegKreis beim AAV zur Sanierungsuntersuchung und zur anschließenden Sanierung angemeldet.
in eine Tiefe von 5 m abgelagert wurde.
Im Grundwasser sind Chrombelastungen bis hin zur in 150 m Entfernung gelegenen Sieg nachweisbar. Es treten jedoch nur sehr geringe Schadstoffmengen in die Sieg über. Da in dem betroffenen Gebiet mehrere Gartenbrunnen vorhanden sind, wurde eine Allgemeinverfügung erlassen, um die weitere Bewässerung der Gärten mit chromhaltigem Grundwasser zu unterbinden. Eine Sanierung im Hinblick auf das Schutzgut Grundwasser wird aufgrund der örtlichen Verhältnisse als nicht verhältnismäßig angesehen, da eine vollständige Entfernung des belasteten Materials den Abriss sämtlicher Wohnhäuser erfordern würde. Verfahren der Oberflächenabdichtung sind aufgrund der Mächtigkeit der Ablagerung, die sich größtenteils im Grundwasser befindet, wenig wirkungsvoll. Die im Jahr 2013 geplante Sanierung widmet sich daher der Sanierung der Hausgärten zur gefahrlosen, uneingeschränkten Nutzung. Im Jahr 2012 wurde in einer Sanierungsuntersuchung ermittelt, dass in vier Gärten ein Sanierungsbedarf im Hinblick auf den Wirkungspfad „Boden-Mensch“ besteht. In diesen soll der Boden bis in eine Tiefe von 1 m ausgehoben, mit einer Grabesperre versehen, und mit unbelastetem Boden wieder aufgefüllt werden. In weiteren 19 Gärten konnte durch die Untersuchung nachgewiesen werden, dass eine Sanierung nicht erforderlich ist. Die Kosten für Austausch und Entsorgung des Bodens, der im Frühjahr 2013 durchgeführt werden soll, werden einschließlich der Vorarbeiten und Wiederherstellung der Gärten ca. 700 T€ betragen.
Die Hausgärten befinden sich in einem ländlich-industriellen Umfeld
Ehemalige chemische Reinigung Raupach in Gladbeck
Die nachgewiesenen Schadstoffbelastungen machten eine Sanierung erforderlich, bei der der Kernschaden durch Bodenaustausch beseitigt werden sollte. Sanierung mittels überschnittener Großlochbohrungen Vor dem Hintergrund der äußerst beengten Platzverhältnisse erfolgte die Sanierung mittels überschnittener Großlochbohrungen bis zu
Garten der Wohnanlage vor der Sanierung
einer in 10 m Tiefe anstehenden Der ehemalige Standort der chemischen Reinigung Raupach liegt mitten in der Innenstadt von Gladbeck in einem Wohngebiet, wo von etwa 1910 an eine Wäscherei betrieben wurde. Etwa ab 1950 fand zusätzlich eine chemische Reinigung von Textilien statt. Der Betrieb wurde 1970 aufgegeben. 1975 wurden die alten Gebäude abgebrochen und der Standort anschließend mit der heute dort befindlichen bis zu fünfgeschossigen Wohnanlage einschließlich Tiefgarage bebaut. Die Wohnanlage besteht aus 32 Eigentumswohnungen. Durch den jahrelangen Betrieb der chemischen Reinigung war es zu massiven Belastungen mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) in der ungesättigten Bodenzone gekommen, die sowohl im Feststoff als auch in der Bodenluft nachgewiesen wurden. In der wassergesättigten Bodenzone wurden erhebliche LHKW-Gehalte festgestellt. Eintragsbereich für die LHKW war eine derzeit als Ziergarten genutzte Grünfläche der Wohnanlage, wo sich früher Für die Baustelleneinrichtung wurden öffentliche Grünflächen der Stadt Gladbeck im Bereich der Zufahrtsstraße, die eine nach dem Landschaftsgesetz NRW geschützte Allee ist, in Anspruch genommen. Damit die geschützten Bäume der Zufahrtsstraße keinen Schaden nehmen, wurden besondere Schutzmaßnahmen vorgesehen. Zum einen handelt es sich um einen Baumschutz aus geeigneten Bohlen, Polsterungen und Abstandhaltern. Zum anderen sollte der Wurzelbereich vor Druckschäden beim Überfahren und durch Auflasten mit dem Aufbringen eines druckverteilenden Geotextils und einer Tragschicht geschützt werden. Um eine Zuwegung zum Sanierungsareal zu erhalten, mussten vorab auf dem Nachbargrundstück Garagen rückgebaut und eine Baustraße zwischen den benachbarten Wohngebäuden errichtet werden. Sandsteinbank, die eine hemmende Funktion für die vertikale Ausbreitung der LHKW in den tieferen Untergrund besitzt.
Lagerschuppen bzw. die freie Hoffläche der ehemaligen Wäscherei/ Reinigung befand.
Baustraße zwischen den Wohngebäuden
Rückbauarbeiten und Voraushub
Während der Sanierung wurde durch eine ökologische Baubegleitung sichergestellt, dass diese Schutzmaßnahmen eingehalten wurden. Die öffentliche Zufahrtsstraße selbst wurde für den Zeitraum der Sanierung halbseitig gesperrt und der Baustellenverkehr durch eine Ampelanlage geregelt. Um Schadstoffverschleppungen durch den Baustellenverkehr zu vermeiden, war an der Baustellenausfahrt eine Reifenwäsche installiert. Zusätzlich sollte eine regelmäßige Reinigung der Fahrwege innerhalb und außerhalb der Baustelle erfolgen. Zunächst wurden nach den erforderlichen Rückbauarbeiten und Verlegung von Ver- und Entsorgungsleitungen die obersten 2 m Boden konventionell ausgehoben. Nach der Freimessung des Sanierungsareals durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst wurde schließlich Anfang 2012 mit den Großlochbohrungen begonnen, nachdem für das 125 t schwere und 25 m hohe Großlochbohrgerät auf der Sohle des Voraushubs eine 50 cm starke Tragschicht als standfestes Arbeitsplanum hergestellt worden war.
Großlochbohrgerät im Garten der 	 Wohnanlage
Die Großlochbohrungen wurden – entsprechend den Ergebnissen von statischen Berechnungen – bis zu 2,70 m an die Gebäudefront herangeführt. Die erste Reihe der an der Gebäudefront niedergebrachten Großlochbohrungen wurden aus Standsicherheitsgründen mit Magerbeton, die restlichen Reihen mit einem weitgestuften Füllkies verfüllt. Da wegen der beengten Verhältnisse kein Lagerplatz für den kontaminierten Boden zur Verfügung stand, war eine Zwischenlagerung bis zum Abtransport nicht möglich, d. h. der Boden wurde unmittelbar in Containermulden verladen und auf wasserdichten, abgeplanten LKWs zur Entsorgungsstelle abtransportiert.
Das Bohrgerät hatte einen Bohrdurchmesser von 1.500 mm. Insgesamt wurden 230 Bohrlöcher niedergebracht und ca. 8.500 t kontaminierter Boden entsorgt. Dies entspricht etwa 410 LKW-Fuhren, die Boden abtransportierten, und nochmals dieselbe Anzahl an LKW-Transporten, die sauberen Boden zur Verfüllung antransportierten. Um das lärmintensive Ausschlagen des Bodens aus der sonst üblichen Bohrschnecke zu vermeiden, wurde das Ausheben des Bodens mit einem Bohreimer durchgeführt. Beim Abteufen des Bohreimers wurden die Bohrungen möglichst schnell und mit möglichst wenigen Umdrehungen des Bohreimers niedergebracht, um Erschütterungen zu minimieren. Schadstofffreisetzungen während der Arbeiten sollten verhindert werden. Deshalb wurde für die Dauer der Arbeiten eine (saugende) Bau-
Der Bodenaustausch konnte Ende März 2012 abgeschlossen werden, wobei die Arbeiten selbst bei -15 °C, die Anfang des Jahres 2012 vorherrschten, nicht unterbrochen werden mussten. Nach Abschluss der Bodensanierung wurden die Ver- und Entsorgungsleitungen wieder rückverlegt, die Garagen auf dem Nachbargrundstück aufgestellt und die Gärten neu gestaltet, wobei ein möglichst ursprungsnaher Zustand erzielt werden sollte. Die Planungen zur Wiederbepflanzung der Gärten erfolgten in Abstimmungen mit dem Eigentümerbeirat.
feldbewetterung vorgehalten und bei Bedarf auch eingesetzt.
Beteiligung und Information der Betroffenen Von Anfang an wurden die Betroffenen durch fortlaufende Information in die Sanierung eingebunden. Schon vor Beteiligung des AAV hat der Kreis Recklinghausen die Eigentümer, Mieter und den Hausverwalter über die Altlastensituation umfassend informiert. Auch während der Sanierungsuntersuchung wurden Eigentümer, Mieter und Hausverwalter über die anstehenden Arbeiten, Ergebnisse und Zwischenergebnisse unterrichtet. Durch persönliche Gespräche mit allen Beteiligten, Nachbarn und anderen Interessierten (Bürgern, Politikern etc.) wurde die für die Sanierung notwendige Akzeptanz geschaffen. Da die Bautätigkeit für die Anwohner und unmittelbaren Anlieger eine besondere Belastung darstellte, wurde in einem benachbarten Seniorenheim eine Rückzugsmöglichkeit geschaffen, in der die Betroffenen in der „Arbeitszeit“ unentgeltlich Kuchen und Getränke erhalten haben, was sehr zur Akzeptanz beigetragen hat. Mit Beginn der Sanierung wurden Öffentlichkeitsarbeit Eine derartige Baumaßnahme mitten in der Innenstadt in einem Wohngebiet - mit Straßensperrungen - steht selbstverständlich im Fokus der Öffentlichkeit. Nachdem die örtliche Presse kurzfristig im Vorfeld der Sanierung über das Projekt berichtet hatte, hatte sich im Internet ein „Blog“ gebildet, in der „Wutbürger“ gegen die Sanierungsmaßnahme gesucht wurden. gemeinsam mit den Presseabteilungen des Kreises Recklinghausen, der Stadt Gladbeck und des AAV zu allen wichtigen Teilschritten Pressemitteilungen herausgegeben und die Medien vor Ort eingeladen, um die Sanierungsmaßnahme vorzustellen. Durch das offensive Zugehen auf die Presse konnte ein positives Bild der Sanierung transportiert werden.
Garten der Wohnanlage nach der Sanierung
Ellinghorster Halde in Gladbeck
Lageplan mit Ablagerungsbereichen
Die ehemalige städtische Mülldeponie befindet sich südwestlich des Stadtkerns von Gladbeck im Stadtteil Ellinghorst. Das ca. 25 ha große Gelände ist Teil des gleichnamigen Naturschutzgebietes. In der unmittelbaren Umgebung befinden sich eine Grundschule, eine Turnhalle mit Sportplatz, Wohnbebauung und gewerbliche Nutzung. In den Jahren 1930 – 1936 wurde hier der Boden bis zu 12,5 m tief ausgehoben und für den Bau der Bundesautobahn A2 verwendet, die in geringer Entfernung im Süden verläuft. Die entstandene Senke wurde in den Jahren von 1957 bis Anfang der 1970er Jahre mit Hausmüll, Bauschutt, Erdaushub sowie Industrieabfällen angeschüttet. 1974 erfolgte eine Aufschlämmung mit Rückständen aus der Müllverbrennung, danach eine Abdeckung mit sauberem Boden.
Seit 1988 wurden mehrere Untersuchungen hinsichtlich eventueller von der Altdeponie ausgehender Gefahren wie Boden-, Bodenluft- und Grundwasserverunreinigungen durchgeführt. Im Jahr 1991 wurden erstmals auffällige Methangasanreicherungen im Deponiekörper festgestellt. Kontrollmessungen entlang des Schulgebäudes sowie der Wohnbebauung Agnesstraße zeigten allerdings keine Auffälligkeiten. Auf eine dauerhafte Gasmessung im Schulgebäude wurde daher verzichtet. Bei allen Untersuchungen bis zum Jahr 2004 konnten außerhalb des Deponiekörpers keine Deponiegase festgestellt werden, außerdem nahmen die Konzentrationen von Methan und Kohlendioxid im Deponiekörper stetig ab.
Im Jahr 2011 wurde eine „Abschlussuntersuchung“ beauftragt. Wider Erwarten wurden südlich des Schulgeländes auffällig erhöhte Methangaskonzentrationen gemessen. Der angenommene Abbau des Methans konnte zwar für den Nordostteil der Altdeponie (nördlich des Schul-/Sportplatzgeländes, südlich der Wohnbebauung Agnesstraße) nachgewiesen werden, in den übrigen Deponiebereichen war diese Entwicklung jedoch nicht feststellbar. Im Rahmen der 2011 durchgeführten Untersuchungen wurden erhöhte Methangaskonzentrationen in der Bodenluft festgestellt, insbesondere im Bereich der Schule. Die höchsten Konzentrationen wurden dabei mit 24,3 Vol.-% CH4 gemessen. Raumluftmessungen aus 2012 in den Kellern der Wohngebäude und der Schule ergaben allerdings keine Auffälligkeiten. Methan bildet mit Luftsauerstoff explosive Gemische. Bei ungünstigen Konzentrationen genügt ein Funke, um das Gemisch zu entzünden. Methan ist zudem leichter als Luft und kann durch feine Risse in Keller, Schächte und Gebäude eindringen. Bei unzureichender Lüftung kann es sich ansammeln und durch Verdrängen des Luftsauerstoffs zur Erstickungsgefahr für Menschen werden. Methangas wird in Hausmülldeponien durch die Zersetzung organischer Materialien gebildet. Durch das Aufbringen des feinkörnigen, bindigen, gasunwegsamen Aufschlämmungsmaterials kann sich das Deponigas innerhalb der Altdeponie nur seitwärts ausbreiten, z. B. in Richtung Schule und Wohngebäude. Im Bereich der Wohnhäuser an der Agnesstraße und der Gewerbebebauung wurden in den Messstellen auf dem Deponiegelände bisher Das Risiko für lebensbedrohliche Gasmigrationen in das bewohnte Umfeld der Deponie kann nicht ausgeschlossen werden. Offensichtlich ist der Methangasabbau innerhalb der Altdeponie bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Es verbleibt über Jahre hinaus ein Restrisiko. zwar nur geringe Methan-Konzentrationen gemessen; hier lagen allerdings die CO2-Konzentrationen bei max. 9 Vol.-%. Bei Konzentrationen ab 10 Vol.-%. besteht Erstickungsgefahr, die max. Arbeitsplatzkonzentration beträgt 0,5 Vol.-% CO2.
Lageplan Schule/Sportplatz
Zum Schutz der Anwohner und baulichen Anlagen wird die Errichtung einer passiven Gasdrainage im Bereich zwischen der Deponie und den angrenzenden Gebäuden empfohlen, die kurzfristig als Sofortmaßnahme zur Gefahrenabwehr umgesetzt werden soll. Zur Planung hierfür sollen Bodenluftabsaugversuche durchgeführt und die einzelnen Ablagerungsbereiche mittels Rammkernsondierungen genauer eingegrenzt werden. Die Raumluft in den Gebäuden soll weiterhin überprüft werden, um belastbare Daten zu erhalten und bei Bedarf möglichst schnell reagieren zu können. Zusätzlich wird eine Sanierungsuntersuchung und -planung durchgeführt, die die geeigneten Maßnahmen zur
Blick vom Haldenrand auf die benachbarte Wohnbebauung
Gefahrenabwehr ermitteln sollen. In dieser Untersuchung werden die hydrogeologischen Verhältnisse geklärt, um die Auswirkung der Ablagerungen auf das Grundwasser aufzuzeigen, da Aussagen hierzu bisher nicht getroffen werden können.
Naturschutzgebiet Halde Ellinghorst
Sanierung der Rhenania Halde in Stolberg geht in die Endphase
Bei der Rhenania Halde (siehe Luftaufnahme) handelt es sich um eine ca. 9 ha große und 35 m hohe Industriehalde mit einem Volumen von ca. 2,6 Mio. m3, auf der von 1852 bis zur kriegsbedingten Zerstörung der Produktionsanlagen des Unternehmens im Jahr 1944 Rückstände aus der Sodaproduktion (in der Hauptsache Calciumsulfid) abgelagert wurden. Das austretende Sickerwasser ist massiv mit Sulfid, Sulfit, Sulfat und Thiosulfat belastet und fließt ungehindert in den nahe gelegenen Vorfluter Saubach.
Durch die Untersuchungen konnte abgeschätzt werden, dass pro Jahr etwa 23.000 m³ Sickerwasser den Haldenbereich verlassen. Oberhalb der quartären Decklehme erfolgt in der Aufschüttung ein im Allgemeinen gering mächtiger oberflächennaher Grundwasserabstrom. Die Decklehme bilden dabei eine gering durchlässige Basisschicht. Aufgrund der Morphologie der Decklehmoberkante im Haldenbereich, die durch eine SW-NE-verlaufende Einmuldung durch einen früheren kleineren Vorfluter geprägt ist, erfolgt der Sickerwasserabstrom aus dem Haldenbereich fast ausschließlich nach Nordosten und hier konzentriert auf den Haldengraben zu.
Luftaufnahme von Oktober 2012
Schemazeichnung der geplanten Sickerwasseranlage
Das Sanierungskonzept sieht neben der Sickerwasserfassung und -aufbereitung insbesondere auch Maßnahmen zur Verringerung des Sickerwasseranfalls vor. Die angestrebte Reduzierung der Sickerwasserneubildung wird dabei durch eine gezielte Verdichtung des bestehenden Birkenbewuchses mit Douglasien erzielt, die auch im Winterhalbjahr hohe Verdunstungsraten aufweisen und damit die Sickerwasserneubildung deutlich verringern. Langfristig soll ein Mischwald aus Douglasien und Birken entstehen, der die Sickerwasserneubildung um bis zu 50 % reduziert.
Nachdem in 2011 bereits mehr als 17.000 m³ unbelasteter Boden zur Böschungsstabilisierung sowie ca. 9.000 m² Erosionsschutzmatten aufgebracht wurden, konnte im Frühjahr 2012 die Bepflanzung mit Douglasien erfolgreich abgeschlossen werden. Insgesamt wurden auf der Halde ca. 36.000 Douglasien angepflanzt. Trotz des Extremstandortes und der ungünstigen Bodenverhältnisse haben sich die Neuanpflanzungen sowohl auf dem Plateau als auch in den Böschungen bis Ende 2012 sehr gut entwickelt und es werden nur geringe Totalausfälle (< 5%) vorwiegend an den höher verdichteten Standorten festgestellt. Weitere Schäden an den Douglasien durch Reh-Verbiss werden an den Neuanpflanzungen bisher nur vereinzelt beobachtet.
Nach dem weitgehenden Abschluss der Haldensanierung soll nun auf der NE-Seite der Halde eine Sickerwasserbehandlungsanlage gebaut werden, um das anfallende hoch belastete, giftige und geruchsintensive Sickerwasser abzureinigen. In der geplanten 2-straßigen Anlage werden die im Sickerwasser gelösten anorganischen Schwefelverbindungen in einem innovativen patentgeschützten Behandlungsverfahren (THIOPAQ) mit Hilfe von mesophilen Schwefelbakterien in zwei Stufen weitgehend chemikalienfrei zu elementarem Schwefel und Sulfat aufoxidiert. Durch die biologische Oxidation werden giftige und geruchsintensive Stoffe in eine stabile, feste Form überführt. Es verbleibt ein Schlamm aus Gips und Schwefel, der abgetrennt und für die spätere Deponierung entwässert werden muss. Mit der Inbetriebnahme der Aufbereitungsanlage soll das dem Haldengraben zulaufende Sickerwasser vollständig gefasst und aufbereitet werden. Der belastete Sickerwasserzustrom zum Saubach wird damit deutlich um bis zu 40 % reduziert. Die Sickerwasserbehandlungsanlage wird in zwei Stufen realisiert werden, um das gewählte innovative Verfahren in einer zunächst erst einstraßigen Pilotanlage zu optimieren.
Erst nach der Pilotierungsphase können verbindliche Aussagen zu den langfristigen Betriebskosten abgeleitet werden. Auch die Notwendigkeit einer stationären Kammerfilterpresse zur Entwässerung des anfallenden Schlamms ist während der Pilotierung zu prüfen. Vor der Installation der Anlagentechnik sind umfangreiche Baumaßnahmen, wie z. B. Pfahlgründung, Fundamentierung, Leitungs- und Hallenbau, notwendig. Aufgrund der voraussichtlich hohen Investitionskosten (5,0 Mio. € – 6,0 Mio. €) sowie der langfristig zu erwartenden Betriebskosten in der Größenordnung von jährlich ca. 400 T€ bis 500 T€ werden zurzeit vom AAV und von der StädteRegion Aachen Fördermöglichkeiten geprüft. Denkbar ist hier zum Beispiel - wie bereits bei der Sanierung des Haldengrabens - die Beantragung von Fördermitteln aus der Abwasserabgabe.
Sanierung der bergbaulichen
Altlast Habbecketal
Erosionsvorgänge auf der Abraumhalde durch den Habbeckebach
Das Habbecketal liegt im Gebiet der Stadt Lennestadt (Kreis Olpe) und erstreckt sich südlich des Stadtteils Oberelspe über eine Länge von etwa 2,5 km. Das Tal wird oberirdisch über den Bach Habbecke entwässert, dem das Tal auch seinen Namen verdankt. Dieser Bachlauf entspringt am oberen (südlichen) Ende des Tals und mündet am unteren (nördlichen) Talausgang zusammen mit einem weiteren Bach (Burbecke) in die Elspe als den natürlichen Hauptvorfluter dieser Region. Im oberen Habbecketal liegen die Meggener Schwefelkieslagerstätten, die im Quellgebiet der Habbecke bis an die Tagesoberfläche ausstreichen.
Der erste schriftliche Hinweis auf eine Eisenerzgewinnung im Habbecketal datiert bereits aus dem Jahr 1727. Der systematische, zunächst nur obertägige Abbau begann etwa um 1850, im Gelände sind noch mehrere Tagebaulöcher aus dieser ersten Abbauphase erkennbar. Mit Errichtung der ersten Schachtanlage „Ernestus I“ im Jahre 1861 setzte der untertägige Abbau ein, der sich im Laufe der Jahre auf mehreren Sohlen bis über einen Kilometer längs der Lagerstätten ausdehnte. Der Erzbergbau im oberen Habbecketal wurde allerdings schon kurz nach 1900 mangels Rentabilität wieder eingestellt. Die Abführung und Aufbereitung der nach wie vor anfallenden sauren Gruben- und Sickerwässer mittels Aufkalken und Absetzen in mehreren Erdbe-
cken wurde aber noch bis Ende der 1930er Jahre aufrechterhalten.
Inzwischen sind – abgesehen von der notwendigen Sümpfung des Grubenwassers durch die hier zuständige Sachtleben Bergbau Verwaltungs-GmbH – sämtliche bergbaulichen Aktivitäten eingestellt, und die ehemalige Lagerstätte wurde aus der Bergaufsicht entlassen. Von den früheren Anlagen des Erzbergbaus existieren im Gelände jetzt nur noch einige Abraumhalden und insgesamt 18 Absetzteiche sowie ein etwa 400 m langer Entwässerungsstollen (sogenannter „3. Stollen von Keller“), der direkt neben dem Bachlauf der Habbecke ins Freie mündet.
1. Die verbliebenen Abraumhalden weisen zum Teil erhebliche Gehalte an Schwermetallen (Zink, Blei, Cadmium) und Halbmetallen (Arsen, Thallium) auf. Mangels genügender Abdeckung dringt Niederschlagwasser ein und bildet infolge der Verwitterung von Pyriten saure und sulfathaltige Sickerwässer mit hohem Lösungspotential für die o. g. Schadstoffe. Auf vegetationsfreien Oberflächen findet bei Starkregenereignissen eine Erosion des schadstoffhaltigen Haldenmaterials in den Habbeckebach statt. Durch die Abraumhalden bestehen hier auch Gesundheitsgefahren durch den Direktkontakt Boden - Mensch.
Kontaminationen von Boden und Grundwasser Als Folge des Erzabbaus und des damit verbundenen Anfalls großer Mengen von Abraumgestein, von Grubenwässern und von Abwässern aus der Erzaufbereitung lassen sich bei dieser bergbaulichen Altlast drei Kontaminationspotentiale unterscheiden, die aber ursächlich zusammenhängen und teilweise ineinander greifen: 2. Der weiterhin vorhandene stetige Abfluss von Gruben- und Sickerwasser aus dem o. g. „3. Stollen von Keller“, das immer noch hohe Gehalte an Aluminium, Eisen, Schwermetallen und toxischen (Halb-) Metallen aufweist, belastet das Wasser der Habbecke und führt im Bachbett auch zu beträchtlichen Ausfällungen von Aluminium und Eisen als Oxide bzw. als Karbonate.
Lageplan zum Sanierungsabschnitt „Oberes Habbecketal“
Die Schlämme und Sedimente
Frühere Untersuchungen In den Jahren 2003 bis 2009 fanden im Auftrag des Kreises Olpe mit finanzieller Unterstützung des Landes umfangreiche Standortuntersuchungen und wirkungspfadbezogene Gefährdungsabschätzungen statt, die zu konkreten Vorschlägen für eine Beseitigung der Gefahren durch die nachgewiesenen Schadstoffbelastungen geführt haben. Das daraus entstandene Konzept zur Sanierung der bergbaulichen Altlast Habbecketal sah sieben Einzelmaßnahmen mit einem geschätzten Sanierungsaufwand von etwa 2,5 Mio. Euro vor. Ein wesentlicher Anteil der Kosten in diesem Sanierungskonzept resultierte aus einer Neuprofilierung und Abdichtung einer großen Abraumhalde in Verbindung mit einer dafür notwendigen Umlegung der Talstraße. Sanierungsuntersuchung Im Jahr 2010 wurde das Projekt vom AAV als Maßnahmenträger übernommen. Zunächst wurden die vorliegenden Untersuchungen und das daraus entstandene Sanierungskonzept hinsichtlich Vollständigkeit, Plausibilität und Realisierbarkeit geprüft. Dabei zeigten sich Defizite vor allem hinsichtlich der Untersuchung und Bewertung der hydraulischen Verhältnisse am Oberlauf der Habbecke und in dem dort befindlichen alten Entwässerungsstollen, die durch ergänzende gezielte Untersuchungen im Stollen und auf der Tagesoberfläche behoben wurden.
in den noch vorhandenen, teilweise stark überwachsenen Klär- und Absetzbecken stellen mit ihren hohen Schadstoffgehalten (hier vor allem Aluminium, Zink und Arsen, untergeordnet auch Blei und Thallium) ein latentes Gefahrenpotential dar, da die Umwallungen der Becken teilweise undicht und vermutlich auch nicht ausreichend standfest sind. Die Habbecke fließt an mehreren Stellen durch solche Becken hindurch; dies führt bei hohem Niederschlagsaufkommen zur Ausspülung von Sedimenten und Weiterverfrachtung von löslichen Schadstoffen bis zum Talausgang in den Vorfluter Elspe.
Vermischung von Wasser aus dem Entwässerungsstollen (von links) und Habbeckebach (von rechts oben)
Die Ergebnisse dieser Überprüfung und Untersuchung führten zu neuen Sanierungsvorschlägen für die bergbauliche Altlast im oberen Habbecketal. Dabei wird u. a. auch auf die aufwändige Neuprofilierung der Halde verzichtet. Die notwendige Reduzierung des Sickerwasserdurchflusses in der Halde und die Vermeidung der Abschwemmung von Schadstoffen von der Haldenoberfläche kann durch geeignete Überdeckungs- und Bepflanzungsmaßnahmen des bestehenden Haldenkörpers sowie durch die Verlegung des Bachlaufs erreicht werden. Damit entfällt auch die Verlegung der Straße am Fuß der Halde. Dieses Vorgehen wird eine erhebliche Kosteneinsparung zur Folge haben.
Alle den Entwässerungsstollen direkt betreffenden Maßnahmen werden von dem für die ehemalige Lagerstätte „Keller“ zuständigen Unternehmen in Abstimmung mit den Beteiligten finanziert und durchgeführt. Die jetzt vorliegende Entwurfsplanung für den ersten Sanierungsabschnitt im oberen Teil des Habbecketals sieht eine Kombination von mehreren gezielten Einzelmaßnahmen in Bezug auf den Haldenkörper und auf den Bachlauf der Habbecke vor. Diese Maßnahmen werden noch im Jahr 2013 beginnen. In einem parallelen zweiten Schritt wird auch das bisherige Sanierungskonzept für die tiefer gelegenen mit schadstoffhaltigen Schlämmen und Sedimenten gefüllten Absetzteiche des ehemaligen Bergbaubetriebs bewertet und angepasst. Damit umfasst die Sanierungsmaßnahme das gesamte Bachgebiet der Habbecke.
Blick in den Entwässerungsstollen
F&E-Projekte – Innovative Verfahren
Erprobung innovativer Adsorbentien zur Abreinigung PFC-haltiger Grundwässer
Die Stoffgruppe der perfluorierten und polyfluorierten Chemikalien (PFC) ist infolge ihrer toxikologischen Relevanz und ihrer Persistenz in den Fokus der Altlastensanierung gelangt. Die PFC werden infolge ihrer besonderen technologischen Eigenschaften in diversen industriellen Prozessen, wie z. B. in der Galvanotechnik, der Textil- und Papierindustrie, in Feuerlöschmitteln und für schmutzund wasserabscheidende Beschichtungen eingesetzt. Stoffe dieser Chemikaliengruppe werden zunehmend in relevanten Konzentrationen im Boden und Grundwasser zu finden sein, weshalb der AAV sich diesem Sachverhalt verstärkt widmet. Für die Reinigung von PFC-belasteten Grundwässern wird bislang Aktivkohle eingesetzt, die allerdings wegen der geringen AdsorptionskapaziPrinzipskizze der Wirkungsweise von PerfluorAd
Die Folgen daraus sind hohe Betriebskosten sowie unbefriedigende Ökobilanzen. Es ist mittlerweile bekannt, dass gerade die kurzkettigen PFC mit Aktivkohlen nur sehr schlecht zurückgehalten werden. In Zusammenarbeit zwischen der Cornelsen Umwelttechnologie GmbH und dem Fraunhofer-Institut UMSICHT mit Beteiligung des AAV wurde ein alternatives Adsorbens entwickelt, das durch die hohe Spezialisierung auf PFC eine bessere Reinigungswirkung zeigt als herkömmliche Aktivkohlen. Das neue Adsorbermaterial basiert auf einem natürlichen Rohstoff heimischen Ursprungs, der als organischer Reststoff einer Verwertung zugeführt wird. Dies bietet den Vorteil, dass sich der CO2-Foodprint gegenüber einer Nutzung von Aktivkohlen deutlich positiver darstellt. Die Abbildung auf dieser Seite stellt stark vereinfacht die Wirkungsweise der neuen Bio-Adsorbentien „PerfluorAd“ dar: Der organische Reststoff wird einer chemischen Modifizierung unterworfen, welche dem Reststoff die besondere Eigenschaft vermittelt, PFC adsorbieren zu können. Die im Wasser gelösten PFC-Einzelverbindungen suchen sich „freie Plätze auf dem Adsorbens“ und lagern sich dort an. Das Wasser wird dadurch gereinigt. Nach vollständiger Belegung sämtlicher Plätze auf dem Adsorbens wird dieses einer finalen thermischen
tät für PFC-Verbindungen sehr häufig getauscht werden muss.
Verwertung zugeführt und die PFCVerbindungen dadurch zerstört.
Das Ziel der Zusammenarbeit zwischen dem AAV und der Cornelsen Umwelttechnologie GmbH ist es, die neuen Adsorbermaterialien für den Einsatz in großtechnischen Grundwassersanierungsmaßnahmen zu erproben und weiterzuentwickeln. Auf einem ehemaligen Industriestandort in Düsseldorf ist das Grundwasser durch einen Großbrand mit perfluorierten Tensiden verunreinigt, wobei neben der dominierenden Einzelkomponente Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) Moleküle mit weniger als 6 C-Atomen einen Anteil von ca. 55 % ausmachen.
Neben dem neuen Adsorbens werden auch andere Materialien untersucht, die von den Herstellern für die Reinigung PFT-haltiger Wässer empfohlen werden, da die Versuche auch Bestandteil der Sanierungsuntersuchung an diesem Standort sind. Das Grundwasser wird aus einem Sanierungsbrunnen im Zentrum der Grundwasserbelastung gefördert und über Säulentestanlagen geleitet, die mit den verschiedenen Adsorbentien gefüllt sind.
PFC-Einzelkomponenten am Teststandort in Düsseldorf
Säulentestanlagen zur Erprobung verschiedener Adsorbentien
Eingesetzt wurden in der ersten Versuchsphase zwei Anionenaustauscher, die für die industrielle Abreinigung von PFT verwendet werden, fünf Aktivkohlen gängiger Hersteller, die sich in anderen Schadensfällen als geeignet erwiesen haben, sowie das neu entwickelte, zum Patent angemeldete PerfluorAd. Die Säulen besitzen einen Durchmesser von 15 cm und eine Länge von 1 Meter. Durch das Hintereinanderschalten von mehreren Säulen können die Fließverhältnisse in einem Aktivkohlefilter nachgebildet und der Durchbruch der Schadstoffe über mehrere Probenahmestellen verfolgt werden. Die Ergebnisse der ersten Versuchsphase zeigten zwar eine im Vergleich mit anderen Materialien gute Reinigungswirkung durch das neue Adsorbens.
Bedingt durch die Schadstoffzusammensetzung und die hohe Hintergrundbelastung an gelöstem organischen Kohlenstoff konnten insgesamt jedoch nur niedrige Beladekapazitäten erzielt werden. In der folgenden zweiten Versuchsphase soll dies durch eine vorgeschaltete Reinigungsstufe optimiert werden. In der dritten Versuchsphase soll dann die ausgewählte Verfahrenskombination unter möglichst realistischen Bedingungen in einem Pilotversuch auf dem Standort getestet werden, um die Betriebskosten für die Reinigung des insgesamt anfallenden Wasserstroms der zukünftig geplanten Grundwasserreinigung zu ermitteln.
auf abgeschlossene Projekte
Schönebecker Schlucht
Das Grundstück um das Jahr 2002
Quelle Schönebecker Bach Grundstück
Was lange währt … kein AAV-Standort ist vergessen!
Die Wiedernutzung des Standortes des ehemaligen Betriebsstandortes „Schönebecker Schlucht“ in Essen Über die Sanierung des hochbelasteten Standortes eines ehemaligen chemischen Kleinbetriebes an der Schönebecker Straße in Essen haben wir anlässlich des Abschlusses der Bodensanierung und Inbetriebnahme der Grundwasserreinigungsanlage bereits im Jahresbericht 2003/2004 berichtet. Im Jahr 2012 konnte das Projekt durch den Verkauf und die wohnbauliche Wiedernutzung des bebaubaren Flächenteils endgültig abgeschlossen werden. Infolge von Handhabungsverlusten, unsachgemäßer Lagerung und Lekkagen ging hiermit auf Teilflächen des Geländes der Übertritt von Schadstoffen wie LCKW, BTEX, PAK, Mineralölkohlenwasserstoffen und verwandte Substanzen in den Untergrund einher. Dies führte zu erheblichen Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers auf dem Standort selbst sowie zur Grundwasserverunreinigung in der Standortperipherie. Historie Der Altstandort Schönebecker Straße 42a liegt im Stadtteil EssenSchönebeck. Auf dem Gelände des ehemaligen chemischen Kleinbetriebes wurden in der Zeit von 1952 bis 1985 die unterschiedlichsten chemischen Stoffe (u. a. Petroleum, Lackverdünner, Terpentinölersatz) verarbeitet, gelagert und umgeschlagen.
Zeittafel 1 1952:		 Ende 70er Jahre:		 		 		 1984:		 1984/1985:	 1988/1989:	 1990:		 1992:		 1993-1994:	 1994:		 2002-2003:	 Hinweise von Anliegern an die Behörde Erlass von Ordnungsverfügungen Entdeckung der Verunreinigung des Gimkenbaches Nachweis des Verursachers der Verunreinigungen im Gimkenbach Einstellung des Betriebes Gefährdungsabschätzung Anmeldung der Altlast beim AAV Beginn der Sanierungsuntersuchung Sofortmaßnahme Grundwasserreinigung durch Phasenabschöpfung Rückbau der Betriebsanlagen und Tanks Erstellung des Sanierungsplans Beginn des Betriebes auf dem Standort
Seit dem Ende 1979 die Ordnungsbehörde auf die Firma aufmerksam gemacht wurde und den Gewerbebetrieb überprüfte, erfolgten umfassende aufeinander aufbauende Maßnahmen wie Sicherung des Geländes, Anordnungen zur Betriebsführung und Lagerung der Einsatzstoffe etc. Weitere Untersuchungen bis 1984 erbrachten den Nachweis, dass die Kontaminationen zu Ölschlieren und Gerüchen des in ca. 100 m Entfernung entspringenden Gimkenbaches führten. Die nachfolgende Gefährdungsabschätzung gab zu erkennen, dass eine Sanierung mit vorheriger Sanierungsuntersuchung unausweichlich war, da ein erhebliches Schadstoffpotential in allen Umweltmedien vorlag. Die dem Grundwasser am Standort örtlich aufschwimmenden Schadstoffphasen hatten eine Mächtigkeit von ca. 15 bis 20 cm.
In einer Sofortmaßnahme wurden innerhalb von sechs Monaten ca. 2.900 Liter Kohlenwasserstoffphase abgezogen bei gleichzeitiger provisorischer Grundwasserreinigung über eine Stripp-Anlage. Nachfolgend wurden der Rückbau der Betriebsanlagen und die Entsorgung von Tanks durchgeführt, die im Zuge der Sanierungsuntersuchung im Freigelände, z. T. eingegraben, gefunden wurden und teilweise auch noch gefüllt waren. Insgesamt wurden 30 Tanks mit Fassungsvermögen von 2.000 bis 20.000 Litern geborgen und entsorgt.
Sanierung Auf der Basis einer Prüfung aller verfügbaren Sanierungstechniken und -verfahren wurden verschiedene Sanierungsszenarien entwickelt und bewertet. Das so zustande gekommene Sanierungskonzept bestand aus einer Kombination von mehreren Sicherungs- bzw. Sanierungselementen: Der Quellaustritt des Gimkenbaches wurde in einem Dränagebauwerk gefasst; das schadstoffhaltige Wasser wurde in einer Reinigungsanlagedekontaminiert und dem Bachlauf wieder zugeführt; der verunreinigte Boden des Bachbettes wurde aufgenommen und entsorgt. Die lösungsmittelhaltige Bodenluft im Untergrund der Altstandortfläche wurde über ein System von Gasdränagen und Gasfassungsbrunnen abgesaugt und gereinigt. Die verbleibenden Bodenverunreinigungen auf dem Altstandort sind durch eine qualifizierte Oberflächenabdichtung dauerhaft gesichert. Hierfür wurde oberhalb der Gasdränagen auf den profilierten Untergrund eine 2,5 mm starke Kunststoffdichtungsbahn verlegt und diese mit unbelastetem Boden überdeckt.
Der bebaubare Grundstücksteil ist blau markiert
Zeittafel 2 2003-2004: 	 	 2004-2008: 	 2012:	 Sanierung des Standortes Bau des Grundwassererfassungssystemes und der Quellfassung Bau der Oberflächenabdichtung und des Gasfassungssystemes Rekultivierung des Geländes Bodenluft und Grundwasserreinigung (aktiver Betrieb) Erwerb der nicht bebaubaren Flächen durch die Stadt Essen von der Eigentümerin Erwerb der bebaubaren Fläche sowie der Quellfassung durch einen Bauträger Zurzeit:	 	 laufende Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer der Flächen Fertigstellung und Bezug der neuen Wohneinheiten im südlichen Geländeabschnitt an der Schönebecker Straße
Der Grundwasserschaden im Bereich der Altstandortfläche wurde über ein System von Förder- und Infiltrationsbrunnen entnommen und gereinigt. Die optimale Lage der Brunnenstandorte wurde anhand eines Grundwassermodells errechnet und überprüft. 70 % des gereinigten Wassers wird dem Grundwasserleiter über die Infiltrationsbrunnen wieder zugeführt, 30 % werden zu einer Versickerungsmulde in Quellennähe geleitet. Das gefasste Wasser der Gimkenbachquelle wird über ein Dränagebauwerk gefördert und in der Anlage gereinigt. Das Dränagebauwerk ist zudem mit einer zusätzlichen passiven Sicherung ausgestattet (Polizeifilter mit Aktivkohlefüllung). Während der aktiven Quellwassersanierung über die Reinigungsanlage diente diese zunächst als zusätzliches Sicherheitselement, damit bei einem evtl. Ausfall der Pumpen der jetzt unbelastete Boden in der neu modellierten Quelle nicht erneut kontaminiert wurde. Die aktive Phase der Grundwassersanierung wurde im Jahr 2008 abgeschlossen. Bei regulärem Pumpbetrieb erreichte das Dränagewasser den Polizeifilter nicht. Nach Ablauf der aktiven Wasserreinigung werden seit 2008 die Restbelastungen des Quellwassers durch die Aktivkohle im Dränagebauwerk passiv adsorbiert. Die austauschbare Aktivkohlefüllung ist auf eine Standzeit von ca. 20 Jahren (in Abhängigkeit der tatsächlichen Restbelastung) ausgelegt.
Rekultivierung Die Rekultivierung des Altstandortes erfolgte über eine Flächeneingrünung und die Pflanzung von einigen Gehölzgruppen. Im Umfeld der Bachquelle wurden neun einheimische Bäume gepflanzt. Abgesehen von der Ansaat der neuen Böschungen am Dränagebauwerk erfolgten hier keine weiteren Begrünungsmaßnahmen, da nach den Vorgaben des Naturschutzes die weitere Vegetationsentwicklung der Natur selbst überlassen wird. Folgenutzung Der Flächennutzungsplan weist für den zur Straße hin gelegenen Grundstücksteil eine uneingeschränkte Bebauungsmöglichkeit aus. Der größere Teil des ehemaligen Betriebsgrundstückes liegt in einer Verbandsgrünfläche, die künftig von jeder Bebauung freigehalten wird. Der Bereich der Bachquelle gehört zu dem förmlich festgesetzten Naturschutzgebiet „Schönebecker Schluchttal“. Diese Flächen sind zum Teil schon durch die Stadt Essen erworben worden, um die weiterhin vorhandenen und wirksamen Sicherungselemente (Oberflächenabdichtung) und passive Grundwasserreinigung durch das Quellfassungsbauwerk im Eigentum und somit im uneingeschränkten Zugriff zu behalten. In vielen zum Teil erfolglosen Verhandlungen mit potentiellen Investoren konnten aufgrund der Vorgeschichte dieses attraktiven Standortes innerhalb einer bestehenden Wohnbauinfrastruktur erst ein Durchbruch erzielt werden, als ein „altlasterfahrener“ Entwickler gefunden wurde.
An dieser Stelle wurde deutlich, dass das Bewusstsein im Umgang mit ehemaligen Altlastenflächen für erfolgreiche Verhandlungen wichtig ist. Ebenso wurde eine „kleine Risikofondlösung“ gefunden, in der dem Investor eine Möglichkeit eröffnet wurde, im Falle nicht bekannter zusätzlicher Altlastenfunde ab einem zusätzlichen altlastenbedingten Mehraufwand (festgelegt im Kaufvertrag) diesen von der Kaufsumme des Grundstückes abzuziehen. Aufgrund der durchgeführten Untersuchungen und Sanierungen konnte dieses Risiko des AAV bzw. der Stadt Essen als sehr gering angesehen werden. Somit war der Weg zum Erwerb durch den Investor geebnet und bereits in 2012 wurde die neue Wohnbebauung errichtet. Ein langer Atem auf dem Weg zu einem erfolgreichen Flächenrecycling ist notwendig, um die Vorteile der Neunutzung innerstädtischer Altlasten oder Brachflächen zu realisieren. Die eigentliche Sanierung des Geländes ab dem Jahr 2003 zur Neunutzung als Wohnbaufläche des südlichen Teils wurde durch den AAV als Maßnahmenträger (80 % der Kosten) gemeinsam mit der Stadt Essen (20 % der Kosten) in Höhe von ca. 1,8 Mio. Euro getragen. Die vorlaufenden Untersuchungen und Sofortmaßnahmen mit Förderung aus Landesmitteln NRW beliefen sich nochmals auf ca. 2,1 Mio. Euro.
2012 – die Wohnbebauung wächst
Flächen- und Altlastenallianz Nordrhein-Westfalen
„Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung“
Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Der neue AAV als
§ Kommission für Altlasten und Bodenschutz § Haushaltskommission § Rechnungsprüfung § Satzungskommission
Über viele Legislaturperioden hinweg ist, zunächst auf gesetzlicher Grundlage und später infolge von drei Kooperationsvereinbarungen, ein erfolgreiches Modell für die Zusammenarbeit von privater Wirtschaft und öffentlicher Hand bei Flächenrecycling und Altlastensanierung auf- und ausgebaut worden, das weit über die Grenzen von Nordrhein Westfalen hinaus öffentliche Beachtung und Anerkennung gefunden hat. Wirtschaft, Land und Kommunen arbeiten bei der Finanzierung und in den Gremien des Verbandes seit nunmehr über 20 Jahren partnerschaftlich zusammen. Wirtschaft und Kommunen nutzen das Know-how des AAV und lassen sich bei schwierigen Fragen von ihm beraten.
2012 war für den AAV ein Jahr des Umbruchs. Die letzte Kooperationsvereinbarung zur Finanzierung des AAV lief Ende 2011 aus, an der neben dem Land und den Kommunen von Seiten der Wirtschaft Industrie, Energieversorgung und Abfallwirtschaft beteiligt waren. Mit dem Ablauf der alten Kooperationsvereinbarung wurden die schon im Jahr 2011 aufgenommenen Verhandlungen über die künftige Finanzierung des AAV weiter vorangetrieben. Am 24. Oktober 2012 mündeten diese Gespräche zwischen dem Umweltministerium, dem Wirtschaftsministerium, dem Städtebauministerium, den kommunalen Spitzenverbänden des Landes und den Dachverbänden der Wirtschaft (unternehmer nrw, IHK NRW und dem Nordrhein-Westfälischen Handwerkstag) schließlich in der Unterzeichnung der „Koope-
rationsvereinbarung zur Fortführung des AAV als Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung“.
Künftig soll der AAV offen sein für Unternehmen und Verbände aus allen Bereichen der Wirtschaft, insbesondere auch aus Handwerk, Handel und Logistik. Mit diesem Vertrag selbst sind keine finanziellen Verpflichtungen der Kooperationspartner mehr festgeschrieben. Er ist vielmehr eine gemeinsame Absichtserklärung aller Vertragspartner, den AAV als Partnerschaftsmodell zwischen Land, Kommunen und Wirtschaft fortzuführen.
Damit war auch der Weg frei für das notwendige Gesetzgebungsverfahren zur Änderung des AAV-Gesetzes (AAVG), mit dem die Zahlungsverpflichtungen von Land und Kommunen festgeschrieben werden sollen. Der Gesetzentwurf der Landesregierung zur Änderung des AAVG wurde Anfang Januar 2013 in den Landtag eingebracht. Das neue AAVG wurde am 20.03.2013 (rückwirkend zum 01.12.2012) vom NRW-Landtag verabschiedet. Das Gesetz beinhaltet auch ein deutliches Signal zur Mitfinanzierung durch die Wirtschaft, wobei das Maß des Mitbestimmungsrechts im AAV an die Höhe des geleisteten Beitrages geknüpft wird.
* Zurzeit sind dies: - das MKULNV (Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW) - das MWEIHMH (Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW) und - das MBWSV (Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW)
Der neue Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung
Kreise und kreisfreie Städte des Landes Nordrhein-Westfalen
Das Land NordrheinWestfalen vertreten durch das für Umwelt, das für Bergbau und das für Städtebau zuständige Ministerium*
Natürliche und juristische Personen des Privatrechts und des öffentlichen Rechts sowie deren Zusammenschlüsse, die sich schriftlich gegenüber dem AAV zu freiwilligen Beiträgen verpflichtet haben
Körperschaft des öffentlichen Rechts Vorstand Delegiertenversammlung Geschäftsstelle
Sondergesetzlicher Verband
Die AAV-Mitglieder Mit Ende des Jahres 2011 endete für die Mitglieder aus der NRWWirtschaft auch die Mitgliedschaft im AAV. Lediglich Vorstand und Kommissionen verblieben noch im Amt, um der Geschäftsstelle die Fortführung der laufenden Projekte zu ermöglichen. Auch in Zukunft ist der AAV als sondergesetzlicher Verband eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die sich selbst verwaltet. Mitglieder sind nach dem AAV-Gesetz: die Kreise und kreisfreien Städte das Land Nordrhein-Westfalen Freiwillige Mitglieder (alle natürlichen und juristischen Personen des Privatrechts und des öffentlichen Rechts sowie deren Zusammenschlüsse, die sich zur Zahlung freiwilliger Beiträge gegenüber dem Verband verpflichtet haben). Die Mitglieder sind in den Gremien des Verbandes, wie dem Vorstand, der Delegiertenversammlung und den Kommissionen vertreten. Sie wirken bei allen Entscheidungen mit, die die Umsetzung der AAVAufgaben zum Gegenstand haben.
Flächenrecycling, Altlastensanierung und Beratung – wichtige Aufgaben des AAV Der Verband kann folgende Maßnahmen durchführen (Text des AAVG verkürzt wiedergegeben): 1. zur Sanierungsuntersuchung, -planung und Sanierung von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen, nach den Vorschriften des Bundes-Bodenschutzgesetzes einschließlich der im Zusammenhang damit auszuführenden Maßnahmen, 2. zur weitergehenden Sanierung von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen, um Grundstücke für eine konkret angestrebte Nutzung aufzubereiten, soweit die dafür entstehenden Aufwendungen und die angestrebte Nutzung in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen sowie 3. zur Entwicklung und Erprobung neuer Technologien und innovativer Verfahren zur Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen und zur Förderung des Flächenrecyclings. Im ersten Fall muss es sich um Gefahrenabwehrmaßnahmen handeln, 1. die von den zuständigen Behörden im Wege der Ersatzvornahme durchgeführt werden, oder 2. über deren Durchführung mit dem Pflichtigen ein öffentlichrechtlicher Vergleichsvertrag geschlossen ist, oder 3. im Vorgriff auf eine spätere Feststellung des Pflichtigen, oder 4. zu deren Durchführung ein Pflichtiger nicht herangezogen werden kann oder finanziell nicht – oder nur teilweise – in der Lage ist, oder
Umweltminister Johannes Remmel und Städtebauminister Michael Groschek (2. und 3. v. l.) bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung im Düsseldorfer Landtag
5. auf Grundstücken, bei denen eine Ordnungspflicht von Gemeinden oder Gemeindeverbänden besteht, wobei auch Grundstücke einzubeziehen sind, bei denen eine Ordnungspflicht von juristischen Personen des privaten Rechts besteht, an denen Gemeinden oder Gemeindeverbände allein oder zusammen, unmittelbar oder mittelbar mit mehr als 50 % beteiligt sind. Nach der Novelle des AAVG kann der AAV nun außerdem in den Bereichen Bodenschutz, Flächenrecycling sowie damit in Verbindung stehende Fragen der Wasser- und Entsorgungswirtschaft folgende zusätzliche Aufgaben wahrnehmen:
Beratung und fachliche Unterstützung seiner Mitglieder bei der Feststellung des Ausgangszustandes hinsichtlich Boden- und Grundwasserbelastungen im Zusammenhang mit der Umsetzung der europäischen Industrieemissionsrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie; bei der Einführung und Anwendung neuer Techniken zur Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen, zur Förderung des Flächenrecyclings sowie des Gewässerschutzes; im Hinblick auf die Erbringung von Sicherheitsleistungen für Abfallentsorgungsanlagen im Rahmen einer Solidargemeinschaft; durch Moderation und Mediation bei Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen, die besondere fachliche oder rechtliche Schwierigkeiten aufweisen; in Fragen der Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen sowie des Flächenrecyclings.
Darüber hinaus erhält der AAV die Möglichkeit, befürchtete Restrisiken bereits sanierter Grundstücke begrenzt aufzufangen. Dadurch soll die Investitionsbereitschaft in sanierte Flächen gefördert und Risiken für kommunale Haushalte (z. B. durch geforderte Haftungsfreistellungen) reduziert werden. Der AAV wird dazu unter bestimmten Voraussetzungen Garantien und Bürgschaften übernehmen können (Altlastenrisikofonds). Er kann künftig ferner bei bergbaubedingten Altlasten, die noch unter Bergaufsicht stehen, bei denen jedoch kein leistungsfähiger Pflichtiger vorhanden ist, tätig werden, soweit die Finanzierung auf Grund gesondert zugewiesener Mittel erfolgt und die fachliche Zustimmung des für Bergbau zuständigen Ministeriums und der oberen Bergbehörde vorliegt. Der AAV kann im Auftrag Dritter zusätzliche Arbeiten und Maßnahmen übernehmen, sofern diese die Kosten übernehmen. Diese Arbeiten müssen im Zusammenhang mit seinen gesetzlichen Aufgaben stehen. Außerdem unterstützt der Verband die Tätigkeit der im Rahmen des „Dialogs Wirtschaft und Umwelt Nordrhein-Westfalen“ eingerichteten Clearingstelle.
Er unterstützt darüber hinaus die „Allianz für die Fläche NRW“ in allen Fragen der Flächenaufbereitung und Wiedernutzbarmachung ehemals genutzter Flächen. Die Besonderheit liegt darin, dass der Verband nicht nur finanzielle Mittel bereitstellt – in der Regel bis zu 80 % der Sanierungskosten bei Maßnahmen zur Gefahrenabwehr –, sondern auch altlastenspezifisches Know-how, das er in den über 20 Jahren seiner Tätigkeit gesammelt hat. Neben der gemeinsamen Finanzierung der Arbeiten des AAV wirken die Vertreter des Landes, der Wirtschaft und Industrie sowie der Kommunen in allen Entscheidungsgremien mit und erbringen damit wichtige fachliche Beiträge zur Sanierung und Aufbereitung von Altlastenflächen. Aus der Verbandsstruktur wird deutlich, dass die von den Beteiligten entwickelte Lösung eine konsequente Umsetzung des Kooperationsprinzips im Umweltschutz darstellt.
Die operative Durchführung der Sanierungstätigkeit des Verbandes erfolgt durch die Geschäftsstelle des AAV, in der ein interdisziplinäres Team von Fachleuten tätig ist. Im Rahmen der eigentlichen Projektabwicklung tritt der AAV in der Regel als Maßnahmenträger auf. Sie erfolgt auf vertraglicher Basis in enger Abstimmung mit der jeweils zuständigen Bodenschutzbehörde.
Nach der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung am 24.10.2012 im Düsseldorfer Landtag. V.l.n.r.: Dr. Jochen Rudolph (AAV-Verbandsvorsitzender), Dr. Günther Horsetzky (Staatssekretär im Wirtschaftsministerium), Dr. Martin Klein (Hauptgeschäftsführer, Landkreistag NRW), Städtebauminister Michael Groschek, Umweltminister Johannes Remmel, Dr. Arnim Brux (2. Vizepräsident, Landkreistag NRW), Detlef Raphael (Beigeordneter, Städtetag NRW), Hans Jürgen Kerkhoff (Vizepräsident, unternehmer nrw), Andreas Ehlert (Vizepräsident, Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag), Thomas Buch (Umweltministerium), Hans Gerd von Lennep (Geschäftsführer, Städte- und Gemeindebund NRW), Dr. Ralf Mittelstädt (Hauptgeschäftsführer, IHK NRW), Kai Mornhinweg (Geschäftsführer, unternehmer nrw), lrmgard Bollen (Wirtschaftsministerium), Gerhard Kmoch (Geschäftsführer, AAV NRW)
Die Gremien des AAV
Dr. Jochen Rudolph Verbandsvorsitzender für Evonik Degussa GmbH, Essen Dr. Walter Leidinger CURRENTA GmbH & Co. OHG, Dormagen
Prof. Dr. Wilhelm König Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
AAV-Vorstand
Dr. Christian Schmidt Stadt Hagen
Dr. Arnim Brux Stellv. Verbandsvorsitzender Ennepe-Ruhr-Kreis Thomas Buch Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Bernd Schönmackers Schönmackers Umweltdienste GmbH & Co. KG, Kempen
Dr. Bernhard Schulze Langenhorst REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG, Lünen
Annelie Franzen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Andreas Theuer ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg
Kommission für Altlasten und Bodenschutz
Harald Bayer Stadt Wuppertal Wolf-Dietrich Bertges Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf bis 02.03.2012 Dr. Reinhard Eisermann Lobbe Industrieservice GmbH & Co KG, Iserlohn Andreas Friese REMONDIS ProTerra GmbH, Lünen Hans Gennen CURRENTA GmbH & Co. OHG, Dormagen Dr. Stephanus Jakobs ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg Dieter Kumstel Kreis Viersen Dr. Christoph Olk Evonik Degussa GmbH, Essen Dr. Susanne Raedecker AGR mbH, Gelsenkirchen (Gast)
Harald Bayer Stadt Wuppertal Dr. Arnold Feldmann REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG, Lünen Dr. Stephanus Jakobs ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg Dr. Gert Schwarzlose Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW e. V., Düsseldorf Martin Sträßer Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW e. V., Düsseldorf Dr. Detlef Timpe Kreis Unna
Dr. Arnold Feldmann REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG, Lünen Dr. Andrea Garrelmann Landkreistag Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf Dr. Friedrich Ossendot Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft mbH, Kamp-Lintfort Dr. Peter Queitsch Städte- und Gemeindebund NRW, Düsseldorf Dr. Frank Andreas Schendel Bergisch Gladbach Martina Schürmann AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH, Essen Martin Sträßer Förderverein AAV e. V. der Chemischen Industrie in NRW, Düsseldorf
DelegiertenRechnungsprüfer
Dr. Hans Berlage Bayer Pharma AG, Bergkamen Dr. Horst Ferfers Stadt Neuss Roland Liedtke ThyssenKrupp Nirosta GmbH, Bochum Jürgen Schulte-Derne Brühnovia Entsorgung GmbH & Co. KG, Dortmund
Geschäftsführer Gerhard Kmoch
Mitgliederinformation/ Öffentlichkeitsarbeit
Flächenrecycling Altlastensanierung Bereichsleiter Dr. Ernst-Werner Hoffmann
Verträge, Rechtsfragen, Personal, Mitgliederverwaltung, Gremien Bereichsleiter Nikolaus Söntgerath
Kaufm. Projektmanagement, Finanzen, Controlling, Verwaltung Bereichsleiter Dietmar Hinzberg
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Gelände der ehemaligen Henrichshütte
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Ausfahrt Witten/Herbede ca. 6 km über Blankenstein
im Gebäude des ZEK
Ausfahrt Sprockhövel ca. 9 km
A 43 Ausfahrt Witten/Herbede Wittener Straße über Blankenstein Richtung Hattingen
Über die A43 Abfahrt Witten Herbede, dann die Wittener Straße über Blankenstein, Richtung Hattingen
Bahn Vom Hbf Essen (Intercity-Haltepunkt) mit der S3 bis Hattingen-Mitte (Endstation, alle 20 Min.) Straßenbahn Vom Hbf Bochum (Intercity-Haltepunkt) mit der Straßenbahnlinie 308 bis Hattingen-Mitte. Bus Vom Busbahnhof Hattingen Mitte mit den Buslinien • CE31 (8 Min., alle 20 Min.) oder • SB37 (4 Min., alle 60 Min.) bis Haltestelle Henrichshütte • 558 (10 Min., alle 60 Min.) bis Haltestelle Stadtbauamt. Fahrplan-Auskünfte unter www.vrr.de.
Ausfahrt Sprockhövel
Den AAV finden Sie im Gebäude des ZEK – Zentrum für Entsorgungstechnik und Kreislaufwirtschaft Werksstraße 15 45527 Hattingen Tel.: 02324 5094-0 Fax: 02324 5094-10 E-Mail: info@aav-nrw.de Internet: www.aav-nrw.de
Jahresbericht 2012 AAV Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung NRW Verbandsvorsitzender: Dr. Jochen Rudolph Redaktion: Dr. Rita Bettmann Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel Dr. Ernst-Werner Hoffmann Dr. Uwe Hoffmann Thomas Jansen Gerhard Kmoch Christiane Maxin Dr. Engelbert Müller Dr. Christiane Prange Sabine Schidlowski-Boos (verantw.) Nikolaus Söntgerath Dr. Heinrich Wächter Anschrift: AAV NRW Postfach 80 01 47 45501 Hattingen Werksstraße 15 45527 Hattingen Telefon: 02324 5094-0 Telefax: 02324 5094-10 E-Mail: info@aav-nrw.de Internet: www.aav-nrw.de Auflage: 3.000 Gestaltung: Angelika Grothues, Bochum Druck: Rath Druck GmbH, Wetter Druck auf Cyclus Print (100 % Recycling)
Titel: Luftbild von Hattingen: Hans Blossey, Hamm kleines Bild rechts: Bernhard Heckmann GmbH & Co. KG, Hamm Seite 33: Stadt Netphen Seite 62+66: Cornelsen Umwelttechnologie GmbH, Essen Seite 78: alle privat Seite 80: Chip GmbH, Hattingen Alle Übrigen: AAV NRW
Issue 2013(2014) Zukunftsaufgabe Flächenrecycling

References: § 24
 § 13
 § 5
 Art. 22
 § 4
 § 24
 § 839
 § 24
 § 39