Source: https://www.flugrechte.eu/7327/flugzeit-massiv-ge%C3%A4ndert-obwohl-voraussetzung-die-buchung
Timestamp: 2020-07-11 04:05:06+00:00

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Flugzeit massiv geändert obwohl Voraussetzung für die Buchung - FLUGGASTRECHTE
Hallo! Wir haben im Reisebüro eine Reise in die Türkei gebucht. Wir sind ins Reisebüro da uns die Flugzeiten sehr wichtig waren. Nach längerem Suchen wurde unsere Beraterin fündig. Zwar 100 EUR teurer aber dafür Abflug ab München um 6:00 und Rückflug am Abend um 19:30. In 2 Wochen geht es los und nun hat uns das Reisebüro angerufen und mitgeteilt, dass die Flugzeiten Abflug 17:00 und Rückflug auf 10:45 verschiben wurde. Diese Zeiten hätten wir damals billiger haben könnten, wollten es aber bewusst nicht. Jetzt haben wir um sinst mehr bezahlt. Was können wir dagegen machen? Haben wir anspruch auf Entschädigung? Danke für die Hilfe!
Gefragt 28, Jun 2016 in Flugzeitenverschiebung von Balazs Nemeth (120 Punkte)
wieder getaggt 28, Jun 2016 von admin
du hast eine Pauschalreise in die Türkei gebucht und dabei vorrangig auf die Flugzeiten geachtet. Nun musstest du leider erfahren, dass diese Flugzeiten folgendermaßen geändert wurden
ALT: Abflug 6:00 Uhr und Rückflug 19:30 Uhr
NEU: Abflug 17:00 Uhr und Rückflug 10:45 Uhr
Dies ärgert dich zudem besonders, da du diese Zeiten damals billiger hättest buchen können. Du hast dich jedoch bewusst für den teureren Flug entschieden, da du so wertvolle Urlaubszeit nutzen wolltest. Du fragst dich nun, ob du dies so hinnehmen musst, oder etwaige Ansprüche geltend machen kannst.
Meiner Ansicht nach, dürfte ein Anspruch auf Reisepreisminderung deinen Bedürfnissen am ehesten entsprechen.
Die Minderung richtet sich im Reisevertragsrecht nach § 651 d BGB. Diese setzt zunächst voraus, dass ein Reisemangel i.S.d. § 651 c I BGB besteht. Weiteren darf eine Mängelanzeige nicht schuldhaft unterblieben worden sein. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt worden sind, kann die Minderung nach § 638 III BGB berechnet werden. Gekürzt wird dabei der Pauschalpreis. Nach § 651 I S. 2 BGB findet zudem § 638 IV BGB Anwendung, das heißt der Reisende hat im Fall des § 638 IV BGB Anspruch auf Rückerstattung nach §§ 651 d I S. 2, § 638 IV BGB.
Damit der Reisepreis gemindert werden kann, muss ein wirksamer Reisevertrag gemäß § 651 a BGB bestehen. Gegenstand des Reisevertrages ist die Reise, die durch § 651 a I als 'Gesamtheit von Reiseleistungen' definiert wird. Gemeint ist damit die sogenannte Pauschalreise des modernen Tourismus, die aus einem 'Leistungspaket' zu bestehen pflegt. Es handelt sich um mindestens zwei Reiseleistungen, wobei keine dieser Leistungen nur untergeordneten Charakter haben darf. Du hast zweifelsohne eine Pauschalreise gebucht, sodass die Anwendbarkeit zu bejahen ist.
Des Weiteren müsste der Reisevertrag mangelbehaftet sein. Eine Reise ist mangelhaft, wenn sie einen Fehler aufweist oder nicht die zugesicherten Eigenschaften hat. Eine Flugbeförderung stellt eine wesentliche Reiseleistung dar, deren Abweichungen unter Umständen zu einer Reisepreisminderung führen oder andere Ansprüche begründen können. Dies wird darauf zurückgeführt, dass der Transport in der Regel einen der wichtigen Bestandteile eines Pauschalreisevertrages ausmacht.
Umstritten ist jedoch, ob der erste und der letzte Tag sind als Urlaubstage gewertet werden können, weil diese der An- bzw. Abreise dienen. Dies wird grundsätzlich bejaht, sodass eine Verlegung des Hinfluges um 13,5 Stunden und die des Rückfluges um ca. 6 Stunden keinen Reisemangel begründen könnten. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass durch diese Verlegungen fast ein ganzer Urlaubstag verloren geht und durch den späten Hinflug auch der erste Urlaubstag betroffen sein könnte. Auch eine Störung der Nachtruhe wäre denkbar.
Ich bin der Ansicht, dass in deinem Fall ein Reisemangel bejaht werden kann, da die Flugzeiten sich in erheblicher Art und Weise verschoben haben.
Hier ein paar Beispiele in denen auch zugunsten der Reisenden entschieden wurde:
Hier wurde ein Minderungsanspruch bejaht. Bei einer Kurzreise über 4 Tage wurde der Rückflug von 20.25 Uhr auf 9.30 Uhr vorverlegt. Die Reisezeit verkürzte sich dadurch um einen ganzen Tag. Der Reisepreis konnte um 25 % für den verlorenen Tag
AG Bonn, Urteil vom 27.06.1996, Az.: 18 C 14/96 (ganz einfach zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: “ 18 C 14/96 reise-recht-wiki")
Eine Vorverlegung des Abfluges um 5 Stunden sei nicht als Beförderungsmangel zu qualifizieren und berechtige daher nicht zur Reisepreisminderung. Bei Charterflügen sei eine Flugzeitenverspätung von bis zu 8 Stunden zu tolerieren.
Ich denke, dass dein Fall mit den genannten zu vergleichen ist und die Flugzeitenverlegung daher einen Reisemangel darstellt.
II. Anspruchsgegener
Anspruchsgegener ist im Reisevertragsrecht immer der Reiseveranstalter. Du solltest dich daher direkt an diesen wenden, um die Ansprüche geltend zu machen.
Auf Grund meiner Erläuterungen denke ich, dass du einen Anspruch auf Reisepreisminderung geltend machen kannst. Dies ist aber natürlich meine persönliche Meinung und stellt keinen Rechtsrat dar.
Beantwortet 4, Jul 2016 von Kylie (9,480 Punkte)
Bearbeitet 3, Jul 2016 von Kylie
Guten Tag Herr Balazs Nemeth,
Sie haben eine Reise in die Türkei gebucht. Ihr Hinflug sollte ab 6:00 von München gehen, und Ihr Rückflug um 19:30. Nun, zwei Wochen vor Ihrem Abflug, wurden Sie darüber informiert, dass sich die Flugzeiten jeweils von 17:00 auf 10:45 verschoben haben.
Sie fragen sich, ob Sie einen Anspruch auf Entschädigung haben.
Da es sich um eine Pauschalreise handelt können Sie darüber hinaus Ansprüche gegen Ihren Reiseveranstalter aus den §§ 651 a - m BGB.
Minderungen ergeben sich aus & 651d BGB. Dazu müsste ein Reisemangel vorliegen.
Das heißt es könnte sein, dass Sie einen Anspruch auf Reisepreisminderung haben, wenn diese Umbuchung mangelbehaftet ist, also eine Zumutbarkeit der Verschiebung zu verneinen ist. Wichtig ist dabei auch zu beachten, ob Sie vorher mit Ihrem Reiseveranstalter bestimmte Flugzeiten festgelegt und in Ihren Reisevertrag aufgenommen haben.
Die Flugzeiten könnten duchaus ausdrücklich Teil Ihrer Reisebuchung geworden sein, haben Sie sich im Reisebüro ja explizit und ausführlich eben wegen der Reisezeiten beraten lassen, und deshalb auch draufgezahlt. Dies müsste aber auch aus Ihren Reiseunterlagen hervorgehen, dazu müssten Sie noch einmal einen Blick in dieselben werfen.
Wenn die Flugzeiten tatsächlich ein fester Bestandteil des Vertrages sind, dann liegt meiner Meinung nach unproblematisch ein Vertragsbruch und damit Mangel vor, und Sie haben die Möglichkeit sich dergestalt an Ihr Reisebüro zu wenden und Ihren Anspruch geltend zu machen.
Sollten die Reisezeiten aber doch nicht, möglicheweise durch abweichende Angaben im Reisevertrag, ein fester Bestandteil geworden sein, dann sei im Weiteren auf die Folgen eingegangen:
Die Änderungen betreffen ausschließelich den ersten und letzten Reisetag. Diese Tage sind normalerweise ohnehin der eigentlich An- und Abreise vorbehalten, und werden daher schonmal nicht direkt als beeinträchtigt eingestuft soweit Flugverschiebungen auftreten.
Beantwortet 13, Okt 2016 von KatjaG (11,820 Punkte)
In diesen beiden Urteilen wird ein Reisemangel bejaht, und es fällt außerdem auf, dass eine mögliche Minderung auch in Relation zur allgemeinen Reisezeit zu sehen ist. So vorzugehen wäre vermutlich auch in Ihrem Fall ratsam, da die Lage von den Urteilen ausgehend meiner Meinung nach eher uneindeutig ist.
Ob Sie einen Minderungsanspruch haben oder nicht ist daher für mich schwer zu sagen, ich würde aber zu einer Bejahung tendieren. Es sei allerdings zu sagen, dass zur Geltendmachung eines solchen Minderungsanspruchs die Frist von einem Monat einzuhalten ist, siehe § 651g BGB:
Auch Ihrer Airline gegenüber können Sie diese Ansprüche auf eine Minderung geltend machen, dann aber zuerst gegenüber Ihrem Reiseveranstalter, und dann der Airline, sodass Sie wirtschaftlich bestmöglichst gestellt sind:

References: § 651
 § 651
 § 638
 § 651
 § 638
 § 638
 § 638
 § 651
 § 651
 § 651