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Timestamp: 2018-06-25 17:42:24+00:00

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Czerny: Pianoforte-Schule ... op. 500,III - Einleitung
DRITTER THEIL. Von dem Vortrage.
<1> § 1. In den zwei ersten Theilen dieses Lehrbuches sind dem Schüler alle Mittel angegeben worden, die mechanische Geschicklichkeit seiner Finger auszubilden, und folgende, dem Pianisten unerlässliche Eigenschaften zu erwerben:
Reinheit und Genauigkeit des Spiels.
Festes Takthalten, und genaue Eintheilung.
Richtiges und schnelles Notenlesen.
Fester Anschlag der Tasten und schöner voller Ton.
Richtiger Fingersatz.
Grosse Geläufigkeit und Leichtigkeit in beiden Händen, selbst bei bedeutenden Schwierigkeiten.
Genaue Beobachtung der gewöhnlichen Vortragszeichen, insofern sie sich auf den mechanisch zu erlernenden Unterschied zwischen Forte und Piano, so wie zwischen Legato und Staccato beziehen.
§ 2. Aber alle diese Eigenschaften sind nur die Mittel zum eigentlichen Ziele der Kunst, welches unbedingt darin besteht, Geist und Seele in den Vortrag zu legen, und hiedurch auf das Gemüth, und den Verstand des Hörers zu wirken.
§ 3. Denn jedes Tonstück, ohne Ausnahme, erhält bei dem Zuhörer erst seinen Werth und seine Wirkung durch die Art, wie es ihm vorgetragen wird, und diese Art des Vortrags ist so mannigfaltig, dass man ihrer Steigerung gar keine Grenzen setzen kann, und dass der Spieler, welcher aller Mittel des Ausdrucks mächtig ist, selbst der unbedeutendsten, ja misslungenen Composition Reize verleihen, und sie dem Hörer interessant machen kann; - so wie dagegen das schönste Musikwerk verloren geht, wenn sein Vortrag verunglückt.
§ 4. Obwohl der Vortrag und Ausdruck bereits zu den geistigen Eigenschaften des Spielers gehört, so hängt er doch so sehr von den mechanischen, oder materiellen Mitteln ab, dass bei grossen Meistern und vollendeten Spielern stets beide Eigenschaften in einander fliessen, und folglich die Eine gleichsam nur die natürliche Folge der Andern zu sein scheint.
Wir werden daher auch in diesem Theile die ersten Kapitel vorzugsweise zur Andeutung der noch gesteigerten Mittel anwenden, durch welche der Spieler zur höchsten Ausbildung und zum wahren Ziele der Kunst einzig und allein gelangen kann.
§ 5. Man kann alles, was auf den Vortrag Bezug hat, in zwei Hauptabteilungen absondern, nämlich:
1tens In die genaue Beobachtung aller Vortragszeichen, welche der Autor selber schon seinem Stücke beisetzte, und
2tens In denjenigen Ausdruck, welchen der Spieler aus eigenem Gefühl in das Tonwerk legen kann oder soll.
§ 6. Alle Vortragszeichen, deren sich der Tonsetzer möglicherweise bedienen kann, beziehen sich auf die folgenden 3 Bestandtheile des richtigen und schönen Vortrags:
Auf das forte, piano, cresc:, dimin: etc:, also auf die verschiedenen Grade der Stärke und Schwäche, mit der man jede Taste anzuschlagen hat.
Auf das Legato , Staccato , etc: also auf die verschiedenen Grade des Haltens, Bindens und Abstossens, welches jeder Note zukommt; endlich
Auf das ritardando, accelerando, calando, etc: also auf die vorübergehenden Veränderungen des vorgeschriebenen Zeitmasses, welche hie und da angebracht werden müssen.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6