Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F15-03-2016-9C_634-2015
Timestamp: 2016-10-24 14:25:56+00:00

Document:
9C_634/2015 (15.03.2016)
9C_634/2015, 9C_665/2015 � � Urteil vom 15. M�rz 2016
vertreten durch die Rechtsanw�lte Daniel Staehelin und/oder Philipp A. d'Hondt,
(Invalidenrente; K�rzung),
A.________ wurde am.... von der Firma C.________ AG aufgrund des Vorwurfs des Diebstahls bzw. der Veruntreuung am Arbeitsplatz mit sofortiger Wirkung fristlos entlassen. Im Dezember 2004 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Mit Verf�gungen vom 12. August 2009 sprach ihm die IV-Stelle Basel-Landschaft ab 1. Oktober 2004 eine ganze Invalidenrente samt zwei Kinderrenten zu, was das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, in Abweisung der Beschwerde der Personalvorsorge der Firma B.________ AG mit Entscheid vom 18. Juni 2010 best�tigte. Dieses Erkenntnis hob das Bundesgericht mit Urteil 9C_785/2010 vom 10. Juni 2011 auf und wies die Sache an das Kantonsgericht zu neuer Entscheidung im Sinne der Erw�gungen zur�ck.
Im Urteil vom 13. September 2011 stellte das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, die Rechtm�ssigkeit der fristlosen Aufl�sung des Arbeitsverh�ltnisses mit A.________ durch die Firma C.________ AG fest.
Mit Verf�gung vom 14. September 2011 sistierte die IV-Stelle die Rente wegen Verdachts auf einen unrechtm�ssigen Leistungsbezug.
Nach Eingang des bei der asim (Academy of Swiss Insurance Medicine, Universit�tsspital Basel) in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachtens vom 31. Dezember 2013, wozu die Verfahrensbeteiligten Stellung nehmen konnten, hiess das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, mit Entscheid vom 23. April 2015 die Beschwerde der Personalvorsorge der Firma B.________ AG in dem Sinne teilweise gut, dass es die Verf�gungen vom 12. August 2009 aufhob und feststellte, A.________ habe mit Wirkung ab 1. Oktober 2004 Anspruch auf eine um 50 % gek�rzte ganze Invalidenrente und auf zwei ungek�rzte Kinderrenten (Dispositiv-Ziffer 1).
C.a.�A.________ hat Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht, mit welcher er zur Hauptsache beantragt, der Entscheid vom 23. April 2015 sei teilweise abzu�ndern bzw. aufzuheben und die IV-Stelle anzuweisen, ihm ab 1. Oktober 2004 eine ungek�rzte, allenfalls eine um maximal 10 % gek�rzte ganze Invalidenrente und zwei ungek�rzte Kinderrenten auszurichten, wobei bereits erbrachte Leistungen anzurechnen seien, unter Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege (Verfahren 9C_634/2015).
Auch die Personalvorsorge der Firma B.________ AG hat eine Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht mit den Rechtsbegehren, der Entscheid vom 23. April 2015 und die Verf�gungen vom 12. August 2009 seien aufzuheben, eventualiter sei die Sache f�r weitere Abkl�rungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen (Verfahren 9C_665/2015).
C.b.�Die Personalvorsorge der Firma B.________ AG (nachfolgend: Vorsorgeeinrichtung) im Verfahren 9C_634/2015 und A.________ (nachfolgend: Versicherter) im Verfahren 9C_665/2015 beantragen jeweils die Abweisung der Beschwerde der Gegenpartei. Die IV-Stelle Basel-Landschaft ersucht - mit identischer Begr�ndung - um Abweisung der Beschwerde des A.________ und Gutheissung derjenigen der Personalvorsorge der Firma B.________ AG. Das Bundesamt f�r Sozialversicherungen verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die Beschwerden richten sich gegen denselben letztinstanzlichen kantonalen Entscheid. Es liegt ihnen der n�mliche Sachverhalt zu Grunde und es stellen sich weitgehend die gleichen Tat- und Rechtsfragen. Es rechtfertigt sich daher, die Verfahren 9C_634/2015 und 9C_665/2015 zu vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen (vgl. Art. 24 BZP i.V.m. Art. 71 BGG).
Die Vorsorgeeinrichtung hat neu zwei am 15. Januar 2010 und 22. November 2013 Online-gestellte Zeitungsartikel eingereicht. Dabei handelt es sich um zul�ssige (unechte) Noven im Sinne von Art. 99 Abs. 1 BGG, da sie der Bestreitung der f�r das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens bedeutsamen Feststellung der Vorinstanz dienen, wonach es unwahrscheinlich sei, dass ein Versicherter seine Beeintr�chtigung �ber lange Jahre simuliere (Urteil 9C_748/2014 vom 14. April 2015 E. 2.1).
Der Versicherte r�gt, die Vorinstanz sei sinngem�ss in Verkennung des materiellen Gehalts des Urteils 9C_785/2010 vom 10. Juni 2011 davon ausgegangen, sie sei verpflichtet, unter den gegebenen Umst�nden gest�tzt auf Art. 21 Abs. 1 ATSG eine K�rzung der Invalidenrente vorzunehmen. Es bestehe diesbez�glich ein Entschliessungsermessen der IV-Stelle.
3.1.�Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils 9C_785/2010 vom 10. Juni 2011 hob den Entscheid der Vorinstanz vom 18. Juni 2010 auf und wies die Sache an diese zur�ck, damit sie es �ber den Anspruch des Versicherten auf eine Rente der Invalidenversicherung im Sinne der Erw�gungen neu entscheide.
Erl�sst das Bundesgericht einen R�ckweisungsentscheid "im Sinne der Erw�gungen", sind im zweiten Umgang die untere Instanz, an welche die Sache zur�ckgewiesen wird, wie auch es selber an die darin enthaltenen rechtlichen Vorgaben gebunden (Art. 61 BGG). Die Tragweite des Entscheids ergibt sich aus seiner Begr�ndung, die in Verbindung mit den Rechtsschriften, die ihm zugrunde lagen, den Rahmen f�r die neuen Tatsachenfeststellungen wie f�r die neue rechtliche Begr�ndung vorgibt (Urteil 2C_570/2015 vom 20. Januar 2016 E. 1.1 mit Hinweisen).
3.2.1.�Streitgegenstand des mit Urteil 9C_785/2010 vom 10. Juni 2011 abgeschlossenen Verfahrens war die von der IV-Stelle mit Verf�gungen vom 12. August 2009 zugesprochene ganze Rente (samt zwei Kinderrenten) ab 1. Oktober 2004. Die Beschwerde f�hrende Vorsorgeeinrichtung hatte geltend gemacht, nach Art. 28 Abs. 2 IVG (Grad der Invalidit�t) und auch nach Art. 21 Abs. 1 ATSG (K�rzung und Verweigerung von Leistungen) bestehe kein Rentenanspruch. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene rechtliche Begr�ndungen im Rahmen desselben Streitgegenstandes "Rente" (BGE 136 V 362; 125 V 413 E. 2b S. 216).
Das Bundesgericht bejahte im Gegensatz zur Vorinstanz unter bestimmten tats�chlichen Voraussetzungen die Verwertbarkeit der Videoaufnahmen als Beweismittel, um den Sachverhalt in Bezug auf die dem Versicherten vorgeworfenen Verm�gensdelikte (Diebstahl, Veruntreuung) zu kl�ren. Bei entsprechendem Nachweis dr�nge sich gest�tzt darauf eine erneute psychiatrische Beurteilung auf. Weiter pr�fte das Bundesgericht, ob unter der Annahme einer vors�tzlichen Deliktsbegehung die Voraussetzungen f�r eine K�rzung oder Verweigerung der Rente nach Art. 21 Abs. 1 ATSG erf�llt w�ren, welche Frage es bejahte (E. 6.5 und 6.8, E. 7 und E. 8).
3.2.2.�Aufgrund seiner Abkl�rungen gelangte die Vorinstanz zum Ergebnis, die Videoaufnahmen seien verwertbar, damit k�nnten strafbare Handlungen im Sinne von Art. 138, 139 und 143 StGB nachgewiesen werden, die als Verbrechen zu qualifizieren seien. Nach den verbindlichen rechtlichen Er�rterungen im Urteil 9C_785/2010 vom 10. Juni 2011 war somit Art. 21 Abs. 1 ATSG (im Sinne der zweiten Tatbestandsvariante [Herbeif�hrung oder Verschlimmerung des Versicherungsfalls bei vors�tzlicher Aus�bung eines Verbrechens oder Vergehens; vgl. BGE 134 V 315 E. 2 S. 317]) grunds�tzlich anwendbar, sofern ein Rentenanspruch besteht. Weitere verbindliche Vorgaben, etwa betreffend die Frage, ob dem Versicherungstr�ger im Rahmen dieser Bestimmung ein Entschliessungsermessen zukommt (bejahend Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Rz. 52 zu Art. 21 ATSG; verneinend Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz �ber die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, N. 42 zu Art. 7-7b IVG mit Hinweis auf die Rechtsprechung) oder zum Ausmass einer K�rzung bis hin zur Leistungsverweigerung, enth�lt der R�ckweisungsentscheid nicht. Die Aussage in E. 7.3.3, wonach es "ausserordentlich stossend" w�re, "wenn derjenige, der seinen Arbeitgeber bestiehlt, deswegen fristlos entlassen wird und deswegen arbeitsunf�hig wird, f�r die auf seinen Diebstahl zur�ckzuf�hrende Invalidit�t noch eine ungek�rzte Rente der IV (und der Vorsorgeeinrichtung seines Arbeitgebers) beziehen k�nnte", pr�judiziert diesbez�glich nichts.
Die Vorsorgeeinrichtung r�gt eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Geh�r und Beweis (Art. 29 Abs. 2 BV). Die Vorinstanz habe zu Unrecht nicht die in ihrer Eingabe vom 19. M�rz 2014 formulierten Erg�nzungsfragen zum psychiatrischen Gerichtsgutachten vom 31. Dezember 2013 dem Experten zur Beantwortung unterbreitet bzw. nach Ablehnung des betreffenden Antrages und desjenigen auf eine Zweitbegutachtung ihr nicht Gelegenheit zur abschliessenden Stellungnahme gegeben.
4.1.�Grunds�tzlich ist es Sache der verfahrensleitenden Beh�rde zu entscheiden, ob der Sachverst�ndige mit allf�lligen Erg�nzungsfragen und/oder Stellungnahmen einer Partei m�ndlich oder schriftlich zu konfrontieren ist, soweit der verfassungsrechtliche Minimalanspruch, sich zumindest nachtr�glich zum Gutachten �ussern zu k�nnen, gewahrt wird. Ein solches Vorgehen erscheint regelm�ssig angezeigt, wenn substanziierte fachliche Einw�nde gegen die �berzeugungskraft der Expertise vorgebracht werden. Grund hierf�r ist, dass die rechtsanwendenden Beh�rden mangels ausreichender Fachkenntnisse allf�llige objektiv-fachliche M�ngel in Gutachten nicht immer erkennen k�nnen und diese daher aufgrund ihrer Fachspezifit�t faktisch vorentscheidenden Charakter haben (vgl. BGE 137 V 210 E. 2.5 S. 241; Urteil 2C_487/2013 vom 5. September 2013 E. 2.5.3). Im dargelegten Sinne sind jedoch lediglich die f�r den Einzelfall erheblichen Fragen weiterzuleiten. Ziel dieser Mitwirkungsm�glichkeit ist eine einzelfallad�quate Fragestellung, welche zur Qualit�t des Gutachtens wesentlich beitragen kann. Von der Beantwortung von Erg�nzungsfragen durch den Experten kann somit abgesehen werden, wenn davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil 8C_386/2014 vom 6. Oktober 2014 E. 4.3 mit Hinweis).
4.2.�Das Kantonsgericht hat in antizipierender Beweisw�rdigung darauf verzichtet, die Erg�nzungsfragen der Vorsorgeeinrichtung in ihrer Eingabe vom 19. M�rz 2014 dem Experten vorzulegen. In E. 3.3.2 seines Entscheids hat es sodann begr�ndet, weshalb nach seiner Auffassung die Fragen bereits beantwortet sind oder die Antwort nicht von Relevanz ist. Die Vorsorgeeinrichtung bestreitet die betreffenden Erw�gungen nicht substanziiert (Art. 42 Abs. 2 BGG). Unter diesen Umst�nden ist fraglich, ob eine Geh�rsverletzung vorliegt, was indessen mit Blick auf den Verfahrensausgang nicht entschieden zu werden braucht.
Die Vorinstanz hat dem Gerichtsgutachten Beweiswert zuerkannt. Insbesondere erf�lle die Expertise die Vorgabe, dass die Exploration unter der Pr�misse zu erfolgen habe, dass der Versicherte strafbare Handlungen beging und deswegen die fristlose Entlassung, die Verhaftung und die Hausdurchsuchung gerechtfertigt waren. Ebenfalls habe ihn der Gerichtsgutachter mit seinen deliktischen Handlungen konfrontiert. Demgem�ss sei der Versicherte aufgrund seiner Pers�nlichkeitsst�rung und der depressiven Erkrankungen seit.... in der bisherigen Arbeit vollst�ndig arbeitsunf�hig. Sp�testens seit der Begutachtung, d.h. 6. November 2013, bestehe ausschliesslich in einer leidensadaptierten Verweist�tigkeit zwar eine 20%ige Arbeitsf�higkeit, welche jedoch aufgrund der Anforderungen an einen Arbeitsplatz sowie den Belastungsfaktoren aus medizinischer Sicht wirtschaftlich nicht mehr verwertbar sei. Der Invalidit�tsgrad betrage somit 100 %. Beginn der ganzen Rente sei der 1. Oktober 2004.
Die Vorsorgeeinrichtung bestreitet den Beweiswert des Gerichtsgutachtens (vgl. dazu BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3b/aa S. 352). Insbesondere sei die - gem�ss dem Experten im Vordergrund stehende - Diagnose einer narzisstischen Pers�nlichkeitsst�rung (ICD-10 F60.80) im Hinblick auf die hierf�r zu erf�llenden Kriterien nicht nachvollziehbar. Diese seien beim Exploranden gr�sstenteils nicht oder nicht ausreichend feststellbar gewesen. Der Gerichtsgutachter wie auch alle behandelnden �rzte und vorherigen Gutachter h�tten sich ganz �berwiegend auf die oft nur sehr sp�rlichen, teils auch widerspr�chlichen Angaben des Versicherten oder von Familienangeh�rigen (Ehefrau, Schwester) gest�tzt. Es liege weder eine Pers�nlichkeitsst�rung noch eine Depression vor. Sodann werde im Gerichtsgutachten die Frage nach dem Vorliegen von Simulation sowie in Bezug auf die Medikamenteinnahme und diesbez�glicher Compliance nicht ausf�hrlich genug gepr�ft.
6.1.�Wie die Vorinstanz richtig erkannt hat, kommt es - von hier nicht interessierenden Ausnahmen abgesehen - invalidenversicherungsrechtlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf an, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsf�higkeit hat (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281; Urteil 9C_270/2011 vom 24. August 2011 E. 4.2; Renato Marelli, Das psychiatrische Gutachten, Einfl�sse und Grenzen, in: Psyche und Sozialversicherung [Gabriela Riemer-Kafka (Hrsg.)], S. 85). Massgebend ist in erster Linie der lege artis erhobene psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.3 S. 353 f. mit Hinweisen; Harald Dressing/Klaus Foerster, Forensisch-psychiatrische Untersuchung, in: Psychiatrische Begutachtung [Venzlaff/Foerster/Dressing/Habermeyer (Hrsg.)], 6. Aufl. 2015, S. 23). Wird eine 'ICD-10 F'-kodierte psychiatrische Diagnose gestellt, ist f�r die Nachvollziehbarkeit der Diagnosefindung f�r die rechtsanwendenden Beh�rden erforderlich, dass der Gutachter oder die Gutachterin wenigstens kurz darlegt, welche der charakterisierenden Kriterien inwiefern und wie ausgepr�gt gegeben sind (in diesem Sinne auch Marelli, a.a.O., S. 79). In diesem Zusammenhang gilt zu ber�cksichtigen, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem oder der medizinischen Sachverst�ndigen deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum er�ffnet, innerhalb welchem verschiedene Interpretationen m�glich, zul�ssig und im Rahmen einer Exploration lege artis zu respektieren sind (vgl. statt vieler Urteil 9C_353/2015 vom 24. November 2015 E. 4.1).
6.2.1.�Der Gerichtsgutachter stellte folgende Diagnosen: Narzisstische Pers�nlichkeitsst�rung F60.8. Differenzialdiagnostisch kombinierte Pers�nlichkeitsst�rung F61.0 mit narzissistischen und dependenten Pers�nlichkeitsanteilen. Persistierende depressive Episode, schwankend zwischen leicht und mittelgradig F32.0/32.1. Dabei ordnete er der vom Exploranden als ungerechtfertigt erlebten fristlosen K�ndigung, den Vorw�rfen des Diebstahls am Arbeitsplatz sowie den polizeilichen Abkl�rungen (u.a. Durchsuchung der Wohnung morgens um 06.00 Uhr, Mitnahme auf den Polizeiposten, Foto machen und Fingerabdr�cke nehmen) massgebende Bedeutung zu. Das subjektive Erleben dieser Ereignisse habe ihn aus psychiatrischer Sicht ersch�ttert. Unmittelbar danach habe sich eine gut dokumentierte und in den Berichten psychopathologisch nachvollziehbare schwere depressive St�rung entwickelt. Das typisch Narzisstische ist gem�ss dem Experten darin zu sehen, dass der Explorand alle Ursachen f�r negative Aspekte seines Lebens externalisiere. Diese gest�rte Kognition der Selbstwahrnehmung zeige sich deutlich im Rahmen der Befunderhebung des Beck Depressionsinventars, bei dem er alle auf eigene Aspekte hindeutenden Faktoren negiere. Er f�hle sich f�r nichts bestraft, sei nicht von sich entt�uscht, habe kein Gef�hl, schlechter zu sein als andere, und f�hle sich nicht als Versager. Er negiere auch Schuldgef�hle. In diesem Sinne sei die Pers�nlichkeit des Exploranden durch eine starke Externalisierungsneigung gepr�gt, wenn seine Aussagen mit der realen Situation verglichen w�rden, d.h. mit der Tatsache, dass die fristlose Entlassung wegen Verm�gensdelikten mit einer Deliktssumme von mindestens Fr. 437.- im gerichtlichen Verfahren als gerechtfertigt erkannt wurde.
6.2.2.�Gem�ss ICD-10-Kodierung ist die Diagnose einer narzisstischen Pers�nlichkeitsst�rung (F60.80) zu stellen, wenn die sechs allgemeinen Kriterien f�r eine Pers�nlichkeitsst�rung (F60.-) und mindestens f�nf der neun im Anhang I (Vorl�ufige Kriterien f�r ausgew�hlte St�rungen) gegeben sind. Der Gerichtsgutachter �usserte sich in seiner Beurteilung unter 'Herleitung der Diagnosen' zu den ersten vier der sechs allgemeinen Kriterien. Zu den weiteren Kriterien im Anhang I sagte er nicht ausdr�cklich etwas. Von diesen sind nach Auffassung der Vorsorgeeinrichtung h�chstens zwei m�glicherweise teilweise erf�llt, die �brigen entweder nicht belegt oder es liegt diesbez�glich eher sogar gegenteiliges Verhalten vor. So passe die Angabe der Schwester des Versicherten, wonach ihr Bruder immer ein zur�ckgezogener, eher in sich gekehrter, konfliktscheuer Mensch gewesen sei, nicht in das Krankheitsbild einer narzisstischen St�rung. Weiter bringt die Vorsorgeeinrichtung insoweit richtig vor, dass nach dem vierten allgemeinen Kriterium f�r eine Pers�nlichkeitsst�rung Normabweichungen im Sinne der ersten drei Kriterien im sp�ten Kindesalter oder in der Adoleszenz begonnen haben (m�ssten). Solche Auff�lligkeiten liessen sich indessen lediglich auf fr�here fremdanamnestische Angaben der j�ngsten Schwester st�tzen, welche ihren Bruder als immer zur�ckgezogenen, etwas in sich gekehrten Menschen beschrieben habe. Der Gerichtsgutachter bezeichnete die Beziehungsgestaltung des Exploranden als dependent, was er damit begr�ndete, der Explorand habe bis zum 30. Lebensjahr bei seinen Eltern gewohnt und und danach nur zwei Jahre in einer eigenen Wohnung gelebt, bevor er geheiratet habe. Es best�nden Hinweise, dass auf beruflicher Ebene Auff�lligkeiten in der Funktionalit�t durch eine spezifische Pers�nlichkeitsst�rung vorgelegen haben k�nnten. Allerdings w�rden in Bezug auf die gescheiterte Berufslehre und die verschiedenen Stellenwechsel konflikthafte Anteile, die hier eine Rolle gespielt haben k�nnten, vom Exploranden nicht erz�hlt. Die Vorsorgeeinrichtung bringt vor, es fehlten Hinweise darauf, dass der Versicherte w�hrend des letzten �ber vier Jahre dauernden Besch�ftigungsverh�ltnisses als Tankwart und Kassierer mit t�glich zahlreichem Kundenkontakt abgesehen von den ihm zur Last gelegten Verm�gensdelikten ein im Sinne des zweiten Kriteriums unflexibles, unangepasstes oder unzweckm�ssiges Arbeitsverhalten gezeigt h�tte. Sie bem�ngelt das Fehlen fremdanamnestischer Ausk�nfte von Arbeitskollegen und Vorgesetzten. Gem�ss dem Experten liess sich die Entwicklung der Probleme am Arbeitsplatz, die zum strafrechtlich relevanten Fehlverhalten gef�hrt h�tten, dessen Motiv unklar geblieben sei, nicht im Detail erfragen.
Nach dem in E. 6.1 Gesagten kann zwar das Vorliegen einer invalidisierenden Pers�nlichkeitsst�rung nicht allein deshalb verneint werden, weil der Gerichtsgutachter nicht explizit alle Kriterien einzeln erw�hnte und diskutierte. Aufgrund des Vorstehenden ist es jedoch f�r den Rechtsanwender schlechterdings nicht nachvollziehbar, dass die erw�hnten dependenten Z�ge sich im erwerblichen Bereich in dem Sinne auswirken sollen, dass der Versicherte nicht in der Lage w�re, verantwortungsvolle T�tigkeiten mit einem Anteil an Selbstverantwortung wahrzunehmen, sondern lediglich einfache, gut strukturierte und engmaschig begleitete Arbeiten, wie der Experte bei der Diskussion der zumutbaren Arbeitsf�higkeit aus psychiatrischer Sicht festhielt (vgl. auch E. 6.3 hiernach). Gegen eine solche andauernde Auswirkung der narzisstischen Pers�nlichkeitsst�rung spricht die gesamte (Berufs-) Biographie des Versicherten.
6.3.�Die seit dem Vorfall im.... dekompensierende Symptomatik wurde, wie in E. 6.2.1 dargelegt, durch die subjektiv erlebte Kr�nkung wegen der fristlosen K�ndigung und der polizeilichen Abkl�rungen ausgel�st. Bei der narzisstischen Konstellation sei, so der Gerichtsgutachter, der Bezug zur realen Einsch�tzung der Handlung durch die Aussenwelt schwer beeintr�chtigt. F�r den Exploranden und den Krankheitsverlauf sei das subjektive Erleben der Reaktion der Umwelt (fristlose Entlassung, Verhaftung) ausschlaggebend. Das Verleugnen und Verdr�ngen von Vorw�rfen sei f�r sich gesehen eine h�ufige Abwehrreaktion, die unabh�ngig von der Pers�nlichkeitsst�rung betrachtet werden m�sse. Aus diesem Grund w�rde er zur selben Einsch�tzung (einer maximalen Leistungsf�higkeit von 20 % aus psychiatrischer Sicht) kommen, auch wenn angenommen w�rde, die fristlose Entlassung und die Verhaftung seien ungerechtfertigt gewesen. Weiter verneinte der Gerichtsgutachter bez�glich der depressiven Symptomatik Hinweise f�r Aggravation oder Simulation. Dabei f�hrte er u.a. aus, es sei offensichtlich, dass der Versicherte weiterhin jegliche eigenen schuldhaften Anteile an seinen strafrechtlich relevanten Handlungen negiere. Dieses Verhalten beziehe sich aber nicht auf die �usserung bez�glich psychiatrischer Symptomatik. "Einen konzeptuellen Zugang zum Aspekt der Pers�nlichkeitsst�rung hat er nicht".
Diese Aussagen sind unklar, wenn nicht widerspr�chlich. Das Negieren von Schuldgef�hlen, die Externalisierung aller Ursachen f�r negative Aspekte seines Lebens als Ausdruck der gest�rten Kognition der Selbstwahrnehmung bezeichnete der Experte bei der Umschreibung der psychopathologischen Befunde als das typisch Narzisstische (E. 6.2.1). Hat der Versicherte dazu keinen (konzeptuellen) Zugang und ist das Verleugnen und Verdr�ngen von Vorw�rfen f�r sich gesehen eine h�ufige Abwehrreaktion, die unabh�ngig von der Pers�nlichkeitsst�rung betrachtet werden muss, stellt sich die Frage, inwiefern die St�rung die F�higkeit des Versicherten beeintr�chtigt, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden sowie einsichtsgem�ss zu handeln. Ist die Frage zu verneinen, ist nicht einsehbar, dass die Arbeitsf�higkeit durch "die unrealistische Einsch�tzung eigener Handlungen im sozialen Kontext durch die Pers�nlichkeitsst�rung" eingeschr�nkt sein soll, und es eine enge F�hrung und eine Arbeit braucht, "bei der strafrechtlich relevante Handlungen kaum m�glich sein sollten (Kontrollen) ", wie der Experte bei der Diskussion der Arbeitsf�higkeit aus psychiatrischer Sicht festhielt.
Vor dem Hintergrund des soeben Gesagten erscheint es durchaus auch plausibel, dass das hartn�ckige Bestreiten einer strafbaren Handlung zu Lasten des Arbeitgebers, dem er Vertrauen entgegengebracht habe und von dem er entt�uscht worden sei, wie der Versicherte dem Gerichtsgutachter gegen�ber angab, (auch) dazu diente, seine dekompensierende Reaktion auf die fristlose Entlassung und die polizeilichen Abkl�rungen dramatischer, "ungerechter" und insoweit �berzeugender darzustellen. Nicht auszuschliessen ist, dass allenfalls kulturell bedingt (Wahrung des Gesichts) das Gekr�nktsein wegen des angeblich ungerechtfertigten Vorgehens von Arbeitgeber und Polizei ganz oder zumindest zum Teil vorgeschoben ist. Gem�ss Vorsorgeeinrichtung ist ein Indiz f�r Simulation auch im Umstand zu sehen, dass die Vorgutachter andere Diagnosen gestellt hatten bzw. "bislang kein Gutachter den Beschwerdegegner korrekt zu diagnostizieren" vermochte. Im �brigen sei nach herrschender Lehre das Beck Depressionsinventar nicht geeignet, eine Pers�nlichkeitsst�rung zu diagnostizieren; hierf�r g�be es andere Testverfahren. Schliesslich misst der Gerichtsgutachter auch der depressiven Symptomatik massgebende Bedeutung zu, wenn er etwa ausf�hrt, der Versicherte sei in seinen Gef�hlen der Gef�hllosigkeit im affektiven Bereich, der Wut, des �rgers und der Entt�uschung, welche er im Unterschied zur Traurigkeit wahrnehmen k�nne, regelrecht gefangen; im Rahmen der komorbiden Depression k�nne er aus seiner depressiven Kognition keinen Ausweg finden, wie es sonst h�ufig bei Depressionen m�glich werde. Mit Blick auf das vorhin im Zusammenhang mit einer m�glichen Simulation Gesagte kann sich die Frage nach der (richtigen) Behandlung bzw. der diesbez�glichen Compliance des Versicherten stellen. Die Vorsorgeeinrichtung bringt vor, der Umstand, dass seit �ber zw�lf Jahren keine Besserung in Sicht sein soll, wecke den Verdacht, der Versicherte nehme die verordneten Medikamente nicht oder immer nur vor den Begutachtungen ein.
6.4.�Zusammenfassend ist das Gerichtsgutachten vom 31. Dezember 2013 nicht schl�ssig, sondern in seinen Schlussfolgerungen bez�glich Folgenabsch�tzung rein spekulativ. Von Erg�nzungsfragen an den Gerichtsgutachter, wie von der Vorsorgeeinrichtung im Eventualstandpunkt beantragt oder von der Einholung eines Obergutachtens ist indessen abzusehen. Zur Annahme einer Invalidit�t braucht es in jedem Fall ein medizinisches Substrat, das (fach) �rztlicherseits schl�ssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit wesentlich beeintr�chtigt. Das Erfordernis eines schl�ssigen Beweises im Sinne der Rechtsprechung (BGE 141 V 281 E. 3.7 S. 295 f.) ist in casu von besonderer Bedeutung angesichts des Umstandes, dass der Versicherte zu den drei von vier zu Recht fristlos entlassenen Arbeitnehmern z�hlt, die sich gleichentags psychiatrisch krank schreiben liessen und nachtr�glich eine Invalidenrente zu erhalten suchten. Es kommt dazu, dass sich in den umfangreichen medizinisch-psychiatrisch und anderweitigen Akten derart viele Inkonsistenzen und Diskrepanzen finden, dass auch von einer zus�tzlichen Abkl�rung keine Plausibilisierung des Ausmasses der Einschr�nkungen zu erwarten ist (vgl. BGE 139 V 547 E. 9.1.3 S. 566). Sind aber, wie vorliegend (vgl. E. 6.2.2), die Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit nicht hinreichend erstellt, wirkt sich die diesbez�gliche Beweislosigkeit zu Lasten des Versicherten aus; mit anderen Worten l�sst sich nicht sagen, ob sich der erhobene Gesundheitsschaden invalidisierend auswirkt oder nicht. Somit fehlt es an einem Rentenanspruch des Versicherten. Die Beschwerde der Vorsorgeeinrichtung (Verfahren 9C_665/2015) ist begr�ndet. Bei diesem Ergebnis stellt sich die Frage einer Leistungsk�rzung nach Art. 21 Abs. 1 ATSG nicht und auf die diesbez�glichen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten ist nicht einzugehen.
Der Versicherte hat in beiden Verfahren 9C_634/2015 und 9C_665/ 2015 als unterliegende Partei zu gelten und somit grunds�tzlich die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Seinem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege kann jedoch entsprochen werden (Art. 64 BGG; BGE 125 V 201 E. 4a S. 202). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 64 Abs. 4 BGG hingewiesen, wonach er der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn er sp�ter dazu in der Lage ist.
Die Vorsorgeeinrichtung und die IV-Stelle haben keinen Anspruch auf Parteientsch�digung (Art. 68 Abs. 3 BGG; vgl. Urteil 9C_950/2008 vom 18. M�rz 2009 E. 5).
Die Beschwerde im Verfahren 9C_634/2015 wird im Sinne der Erw�gungen abgewiesen.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen und es wird dem Versicherten f�r beide Verfahren 9C_634/2015 und 9C_665/ 2015 Rechtsanwalt Daniel Levy als Rechtsbeistand beigegeben.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'200.- werden dem Beschwerdef�hrer auferlegt, indes einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Dem Rechtsvertreter des Versicherten wird f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 3'600.- ausgerichtet.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten und der Parteientsch�digung der vorangegangenen Verfahren an die Vorinstanz zur�ckgewiesen.
Dieses Urteil wird den Parteien, der IV-Stelle Basel-Landschaft, dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, und dem Bundesamt f�r Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 15. M�rz 2016

References: Art. 24
 Art. 71
 Art. 99
 Art. 21
 Art. 28
 Art. 21
 Art. 21
 Art. 138
 Art. 21
 BGE 
 Art. 21
 Art. 7
 BGE 
 BGE 
 BGE 
in casu
 BGE 
 Art. 21
 BGE 
 Art. 64