Source: http://bravors.brandenburg.de/verordnungen/nsgbiesenthalerbecken_2015
Timestamp: 2019-02-16 18:33:12+00:00

Document:
(GVBl.II/99, [Nr. 28], S.572)
geändert durch Artikel 18 der Verordnung vom 9. November 2015
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche in den Gemeinden Biesenthal, Rüdnitz, Lanke und Ladeburg des Landkreises Barnim wird als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung "Biesenthaler Becken".
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 990 Hektar. Es umfaßt Flächen in folgenden Fluren der Gemarkungen:
Biesenthal 9, 10, 12, 13, 14
Rüdnitz 1, 7
Lanke 4, 5
Ladeburg 1, 2
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in einer topographischen Karte im Maßstab 1:10.000 und in Flurkarten mit ununterbrochener Linie eingetragen; als Grenze gilt der innere Rand der Linie. Zur Orientierung ist dieser Verordnung zusätzlich eine Flurstücksliste als Anlage beigefügt. Im Zweifelsfall ist die Einzeichnung in die Flurkarten maßgeblich.
(3) Die Verordnung mit Karten kann beim Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung, oberste Naturschutzbehörde, in Potsdam sowie beim Landkreis Barnim, untere Naturschutzbehörde, von jedermann während der Dienstzeiten kostenlos eingesehen werden.
Schutzzweck des Naturschutzgebietes als eiszeitlich entstandener Gletscherzungenbeckenkomplex mit seiner reichhaltigen geologischen, floristischen und faunistischen Naturausstattung ist:
als Lebensraum wild wachsender Pflanzengesellschaften, insbesondere der Erlenbruchwälder, Erlen-Eschen-Wälder, Buchen-Eichenwälder und Buchenwälder auf bodensauren Standorten, Groß- und Kleinseggenriede, Hochstaudenfluren feuchter bis nasser Standorte, Kohldistel- und Glatthaferwiesen, Sand- und Halbtrockenrasen,
als Lebensraum standortspezialisierter, störungsempfindlicher und von nach § 20 a Abs. 1 Nr. 7 und Nr. 8 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützten Tierarten;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Biesenthaler Becken“ (§ 7 Absatz 1 Nummer 6 des Bundesnaturschutzgesetzes) mit seinen Vorkommen von
Natürlichen eutrophen Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions, Flüssen der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion, Übergangs- und Schwingrasenmooren, Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) und Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum) als natürlichen Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 4 des Bundesnaturschutzgesetzes,
Moorwäldern und Auen-Wäldern mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae) als prioritären natürlichen Lebensraumtypen im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 5 des Bundesnaturschutzgesetzes,
Biber (Castor fiber), Fischotter (Lutra lutra), Steinbeißer (Cobitis taenia), Bitterling (Rhodeus amarus) und Großem Feuerfalter (Lycaena dispar) als Arten von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 10 des Bundesnaturschutzgesetzes, einschließlich ihrer für Fortpflanzung, Ernährung, Wanderung und Überwinterung wichtigen Lebensräume;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als wesentlicher Bestandteil des überregionalen Biotopverbunds im Einzugsbereich der Finow;
der Schutz der strukturellen Vielfalt, besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit des Landschaftbildes, das gekennzeichnet ist von offenen Grünlandflächen mit eingestreuten Gehölzbeständen und deren Wechsel mit naturnahen Wäldern sowie von Wirtschaftswäldern mit relativ geringem Nutzungsdruck auf unterschiedlich stark bewegtem Relief;
der Schutz aus wissenschaftlichen Gründen zur geologischen und ökosystemaren Erforschung des im Land Brandenburg einmaligen Gletscherzungenbeckens als geologisches Zeugnis eiszeitlicher Landschaftsentwicklung und zur Erhaltung der vegetationsgeschichtlichen Dokumentationsfunktion des aktiv wachsenden Moorkörpers.
wildlebenden Tieren nachzustellen, sie zu füttern oder Futter bereitzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut- Wohn- oder Zufluchtsstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;
(3) Der Genehmigung bedarf, wer beabsichtigt, Wiesen, Weiden oder sonstiges Grünland umzubrechen. Die Genehmigung ist, unbeschadet anderer Rechtsvorschriften, auf Antrag von der unteren Naturschutzbehörde im Einvernehmen mit der Landesanstalt für Großschutzgebiete zu erteilen, wenn der Grünlandumbruch dem besonderen Schutzzweck nicht oder nur unerheblich zuwiderläuft.
(1) Ausgenommen von den Verboten und dem Genehmigungsvorbehalt des § 4 dieser Verordnung bleiben:
§ 4 Abs. 3 gilt,
das Hellmühler Fließ, Langerönner Fließ, Pfauenfließ, Rüdnitzer Fließ, der Schlangengraben und die Finow bei einer angrenzenden Beweidung ausgezäunt werden. Konkrete Abstimmungen erfolgen im Einzelfall einvernehmlich zwischen der unteren Naturschutzbehörde und dem Amt für Landwirtschaft;
bei der Wiederaufforstung nur heimische, dem natürlichem Standortpotenzial entsprechende Baumarten verwendet werden,
Kahlschläge die Größe von 0,5 Hektar nicht überschreiten;
die im Sinne des § 11 Abs. 4 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 1 Abs. 1 und 2 des Fischereigesetzes für das Land Brandenburg ordnungsgemäße Ausübung der fischereiwirtschaftlichen Flächennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang auf den bisher dafür genutzten Flächen;
die rechtmäßige Ausübung der Angelfischerei mit der Maßgabe, daß
die Ausübung der Angelfischerei sich auf den Streesee, Hellsee und Plötzensee beschränkt,
Röhrichte und Verlandungsbereiche nicht befahren werden dürfen;
die rechtmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß die Jagd in der Zeit vom 15. März bis 30. Juni eines Jahres ausschließlich vom Ansitz erfolgt,
die Anlage von Wildäckern, Kirr- und Luderplätzen außerhalb der gemäß § 32 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes besonders geschützten Biotope,
die Anlage von Wildwiesen,
das Sammeln von Waldfrüchten und Pilzen ab dem 1. September eines Jahres;
(2) Die in § 4 für das Betreten und Befahren des Naturschutzgebietes enthaltenen Einschränkungen gelten nicht für Dienstkräfte der Naturschutzbehörden, die zuständigen Naturschutzhelfer und sonstige von den Naturschutzbehörden beauftragte Personen sowie für Dienstkräfte und beauftragte Personen anderer zuständiger Behörden und Einrichtungen, soweit diese in Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Aufgaben handeln. Der Genehmigungsvorbehalt nach § 19 Abs. 3 Satz 2 des Landeswaldgesetzes bleibt unberührt.
durch geeignete Schutz- und Pflegemaßnahmen sollen die Entwicklung natürlicher und naturnaher Lebensgemeinschaften gesichert, gestörte Lebensgemeinschaften renaturiert und die biotoptypische Vielfalt der heimischen Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden;
der gegenwärtige Wasserhaushalt soll gesichert und die Retentionsfähigkeit des Raumes verbessert werden, um das Feuchtgebiet mit seinen Mooren, Gewässern sowie Feucht- und Naßwiesen als Lebensraum gefährdeter Arten zu erhalten und zu entwickeln. Alle wasserbaulichen Maßnahmen sollen darauf ausgerichtet werden, die hydrologischen Verhältnisse zu stabilisieren, einen raschen Abfluß zu verhindern, um so die Kernbereiche der Moorbildung zu erhalten oder zu erweitern;
das Grünland sowie die im Schutzbereich liegenden Ackerflächen sollen insbesondere zum Erhalt der Lebensraumvielfalt und des Landschaftsbildes möglichst landschaftsverträglich und nachhaltig bewirtschaftet werden. In den nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen sollen die Entwässerungsgräben bzw. Drainagen möglichst geschlossen werden, ohne dabei die Nutzbarkeit weiterer bewirtschafteter Grünlandflächen zu gefährden;
die Forstflächen sollen langfristig, möglichst durch Naturverjüngung und unter Belassung eines möglichst hohen Totholzanteils, in naturnahe Waldgesellschaften mit hohen Laubholzanteilen überführt werden;
die fischereiliche Nutzung des Hellsees, Streesees und Plötzensees soll extensiv ohne Zufütterung erfolgen. Der Besatz ist auf einen der Größe und Beschaffenheit des Gewässers entsprechenden heimischen Fischbestand in naturnaher Artenvielfalt auszurichten und den natürlichen Verhältnissen anzupassen;
die Unterhaltung der Fließgewässer soll weitestgehend unterbleiben zur dynamischen Entwicklung von Auskolkungen, Uferabbrüche und Abflußhindernissen;
ausgebaute Abschnitte von Fließgewässern sollen renaturiert werden. Migrationshindernisse für aquatische und semiaquatische Tierarten sollen beseitigt werden;
im Bereich des nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné gestalteten Landschaftsparkes Lanke soll der Wald so bewirtschaftet werden, daß der Landschaftspark in seinem Gebietscharakter nicht wesentlich beeinträchtigt und sein historisch und künstlerisch wertvolles Erscheinungsbild teilflächig wiederhergestellt wird. Historische Sichtachsen sollen erhalten oder wiederhergestellt werden.
Von den Verboten dieser Verordnung kann die oberste Naturschutzbehörde auf Antrag gemäß § 72 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes Befreiung gewähren. Dies gilt auch im Falle der Versagung einer Genehmigung nach § 4 Abs. 3.
den Vorschriften des § 4 Abs. 2 zuwiderhandelt;
Handlungen ohne die nach § 4 Abs. 3 erforderliche Genehmigung vornimmt.
(2) Die Vorschriften dieser Verordnung gehen anderen naturschutzrechtlichen Schutzausweisungen im Bereich des § 2 genannten Gebietes vor.
(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt der Beschluß 130 vom 14. März 1990 des Bezirkstags des Bezirkes Frankfurt/Oder zur Unterschutzstellung des Naturschutzgebietes "Biesenthaler Becken" außer Kraft.
Flurstücksliste zur Verordnung über das Naturschutzgebiet "Biesenthaler Becken"
Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 880 Hektar. Es umfaßt folgende Flächen in den Gemarkungen:
Biesenthal 9 1-14, 16, 20-68, 70-119, 120-122 (nord- beziehungsweise nordwestlich der Hangkante jeweils anteilig), 133/1, 133/2 (anteilig);
10 3-12;
12 435-442, 477, 480-489, 491, 492 (anteilig), 493/5 (südliche Hälfte des Flurstückes), 499-505, 507-527;
13 4-265, 266-271 (westlich der Hangkante jeweils anteilig), 272-282, 285, 286 (anteilig), 289/2 (anteilig), 290 (anteilig), 291, 292 (anteilig), 301/1 (anteilig), 301/2 (anteilig), 305/6 (anteilig), 306 (anteilig), 311, 390, 392 (anteilig ab Brachland östlich bzw. südöstlich der Hangkante und ab Wald südlich), 393 (anteilig ab Brachland östlich der Hangkante), 394-400 (jeweils anteilig ab Brachland bzw. Wald westlich der Hangkante), 401 (anteilig ab Brachland östlich der Hangkante), 422, 429;
14 1-6, 12-26, 38, 39, 46-49, 50 (anteilig), 51-74, 76, 80-83, 85 (anteilig), 88, 91, 93;
Rüdnitz 1 1-14;
7 1-18, 70/1 (außer Hoffläche), 72, 74, 77, 80/1 (außer Hoffläche), 89/1 (außer Hoffläche), 90, 93, 94/1, 97, 98;
Lanke 4 70 (anteilig), 71, 80, 85-88/1, 88/2 (anteilig, nur Holzung), 90-99, 100/2, 101/1-101/3;
5 33 (anteilig), 34 (anteilig), 35 (anteilig), 36 (anteilig), 37-45;
Ladeburg 1 gesamte Flur;
2 1-32.

References: § 2
 § 20
 § 7
 § 7
 § 7
 § 4

§ 4
 § 11
 § 1
 § 32
 § 4
 § 19
 § 72
 § 4
 § 4
 § 4
 § 2