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Jurawelt-Forum • Thema anzeigen - § 211 - Habgier, absichtlich herbeigeführte Bewusstlosigkeit
Aktuelle Zeit: Mittwoch 21. Februar 2018, 17:41
§ 211 - Habgier, absichtlich herbeigeführte Bewusstlosigkeit
Betreff des Beitrags: § 211 - Habgier, absichtlich herbeigeführte Bewusstlosigkeit
Verfasst: Mittwoch 20. Dezember 2017, 16:43
Wie ist die Konstellation zu beurteilen, wenn das Tatopfer seine Bewusstlosigkeit vorsätzlich herbeiführt, z.B. durch Einnahme von entsprechenden Tabletten o.Ä. ?
M.E. müsste hier doch vom generellen Grundsatz abgewichen werden, dass bei Bewusstlosen keine Arglosigkeit vorliegt; das Tatopfer führt in diesem Fall seinen Zustand gerade bewusst herbei, weshalb hier eine Ähnlichkeit zum Schlafenden gesehen werden könnte, der seine Arglosigkeit "mit in den Schlaf nimmt“. Ist meine Ansicht vertretbar? Gibt es hierzu eine vorzugswürdige, allgemeine Auffassung? Danke schon einmal für eine Antwort.
Betreff des Beitrags: Re: § 211 - Habgier, absichtlich herbeigeführte Bewusstlosig
Verfasst: Mittwoch 20. Dezember 2017, 18:15
Diese ganze Unterscheidung zwischen Bewusstlosigkeit und Schlafenden wird teilweise eh kritisiert. Auch derjenige der vom Schlaf "übermannt" wurde, soll keine Fähigkeit zum Argwohn haben.
Ich würde davon ausgehen, dass der BGH hier eine Arglosigkeit verneint. Er stellt hierbei darauf ab, dass das Opfer seinen Zustand nicht mehr abwenden kann. Wenn man bspw. operiert wird und in Narkose liegt, lässt man sich ja auch freiwillig in eine Bewusstlosigkeit versetzen. Ich bin mir aber ziemlich sicher der BGH würde hier eine Heimtücke ablehnen (es sein denn, man schaltet schutzbereite Dritte aus). Bei einer Intoxikation mit Tabletten / Drogen kann m.E nichts anderes gelten. Auch wenn das Opfer sich freiwillig zudröhnt und die Bewusstlosigkeit herbeiführen möchte, hat er deren Eintritt nicht mehr selbst in der Hand. Da läuft eine biologisch-chemische Reaktion im Körper ab, auf die es keinen Einfluss hat.
Jetzt mag man sich fragen, wo da der Unterschied zu demjenigen liegt, der sich freiwillig schlafen legt. Auch der hat es nicht in der Hand wann er einschläft und wann er aufwacht. Auch der Schlafende hat keine Fähigkeit mehr argwöhnisch zu sein und kann sein Gefahrbewusstsein nicht aktualisieren. Ich könnte mir vorstellen, dass die Tötung eines Schlafenden besonders verwerflich und hinterhältig erscheint, so dass man den auf jeden Fall von der Heimtücke erfasst haben wollte. Ich sehe aber ehrlich gesagt keinen Grund Bewusstlose anders zu behandeln, gerade wenn die Bewusstlosigkeit absichtlich herbeigeführt wird.
In der Klausur kannst Du sicher beides vertreten.
@Tobias_21 Ich danke Dir für deine gute Antwort.
Verfasst: Freitag 5. Januar 2018, 09:35
Jetzt mag man sich fragen, wo da der Unterschied zu demjenigen liegt, der sich freiwillig schlafen legt. Auch der hat es nicht in der Hand wann er einschläft und wann er aufwacht.
Er hat es aber in der Hand, sich zum Schlafen einen Platz zu suchen, bei dem er davon ausgehen darf, dass er nicht im Schlaf ermordert wird.
Verfasst: Freitag 5. Januar 2018, 19:26
Mach das denn einen Unterschied? Das klingt auch teilweise in der Literatur so an, wird aber nicht näher ausgeführt, warum es darauf ankommen soll. Wenn ich in meinen sicheren vier Wänden vom Schlaf übermannt werde, bin ich dann arglos, weil die Umgebung ja sicher ist?
Verfasst: Sonntag 7. Januar 2018, 03:35
Ich glaube der unterschied liegt zwischen "plötzlich vom Schlaf übermannt werden" (kein bewusstes Handeln, daher Arglosigkeit eher ausgeschlossen) und "sich bewusst zum schlafen hinlegen" (Arglosigkeit gegeben, denn wenn er nicht arglos wäre, würde er sich nicht schlafen legen).

References: § 211

§ 211
 § 211
 § 211
 BGH 
 BGH