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Timestamp: 2019-10-16 20:50:59+00:00

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BFH, 28.08.1990 - VII R 59/89 - dejure.org
https://dejure.org/1990,1851
BFH, 28.08.1990 - VII R 59/89 (https://dejure.org/1990,1851)
BFH, Entscheidung vom 28.08.1990 - VII R 59/89 (https://dejure.org/1990,1851)
BFH, Entscheidung vom 28. August 1990 - VII R 59/89 (https://dejure.org/1990,1851)
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Nichtigkeit eines Haftungsbescheides mangels ordnungsgemäßer Zustellung - Zulassung einer zweifelsfreien, eine Verwechslung ausschließenden Bestimmung der Identität des Adressaten
NVwZ-RR 1991, 660
Zur Heilung ist nicht erforderlich, daß auch die nachträgliche Kenntniserlangung durch den Adressaten vom Willen der Behörde erfaßt wird (vgl. BFH, Urteil vom 28. August 1990 - VII R 59/89 - BFH/NV 1991, 215 [216] zu § 9 VwZG).
Im Streitfall ist eindeutig, daß der Änderungsbescheid an die X Steuerberatungs-GmbH nur als vermeintliche Zustellungsbevollmächtigte gerichtet war (vgl. auch BFH-Urteil vom 28. August 1990 VII R 59/89 BFH/NV 1991, 215).
Ist freilich der Bescheid an einen Bekanntgabeadressaten gerichtet, für den weder eine Zustellungsvollmacht noch eine sonstige Legitimation vorgelegen hat, ist der Bescheid erst wirksam bekanntgegeben, wenn ihn der Inhaltsadressat oder --bei einer anderweitigen Zustellungsvollmacht-- der Bevollmächtigte nachweislich erhalten hat (…vgl. BFH-Urteile vom 13. Januar 1993 II R 62/90, BFH/NV 1993, 285; in BFH/NV 1991, 215 unter Ziff. A. 1. b, m.umf.N. --betreffend die unrichtige Benennung des Empfangsbevollmächtigten--; in BFHE 173, 213, BStBl II 1994, 603 unter Ziff. II. 1. c der Gründe; grundlegend Beschluß des Gemeinsamen Senats der Obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 9. November 1976 GmS-OGB 2/75, BStBl II 1977, 275 unter Ziff. III. 2. der Gründe).
Ein Verstoß gegen § 15 VwZG schließt die Anwendbarkeit des § 9 Abs. 1 VwZG nicht aus (…vgl. BFH-Urteile vom 23. Februar 1994 X R 27/92, BFH/NV 1994, 768;… in BFH/NV 1992, 81; vom 28. August 1990 VII R 59/89, BFH/NV 1991, 215; BVerwG in BVerwGE 104, 301).
Es ist nicht erforderlich, dass auch die nachträgliche Kenntniserlangung durch den Adressaten vom Willen der Behörde erfasst wird (vgl. BFH/NV 1991, 215, 216).
Die Vorschriften über die Zustellung dienen insoweit auch der Verwirklichung des rechtlichen Gehörs des Empfangsberechtigten (BFH-Urteil vom 28. August 1990 VII R 59/89, BFH/NV 1991, 215, 216; Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts - BVerfG - vom 26. Oktober 1987 1 BvR 198/87, NJW 1988, 2361; vom 11. Juli 1984 1 BvR 1269/83, BVerfGE 67, 208, 211; Urteil des BVerwG in NJW 1991, 1904; Urteil des BGH vom 24. November 1977 III ZR 1/76, NJW 1978, 1858).
Gleichermaßen genügt die von dem Bekanntgabewillen der Behörde getragene Übersendung einer Bescheidkopie (…BFH Urteil vom 06.06.2000, a. a. O.), wobei der erforderliche Bekanntgabewille hinreichend in dem missglückten Zustellungsversuch zum Ausdruck kommt, ohne dass auch die erst nachträgliche Kenntniserlangung durch den Adressaten von dem Willen der Behörde erfasst sein muss (…BVerwG a. a. O. Tz. 29; BFH Urteil vom 28.08.1990 VII R 59/89, NV 1991, 215 Tz. 29, 35, 39;… BFH Urteil vom 06.06.2000 a. a. O. Tz 27).
Ob ein neuer Bekanntgabewille im Falle der Übersendung einer Zweitschrift oder Bescheidkopie vorhanden ist, wird nicht einhellig beurteilt (pro: BFH Urteil vom 23.02.1994 X R 27/92, NV 1994, 768 Tz. 16 selbst für den Fall, dass der Beamte meint, eine Bekanntgabe sei schon erfolgt; BFH Urteil vom 09.08.1991 III R 169/90, NV 1992, 433 Tz. 17 ohne jede Prüfung des Bekanntgabewillens; offen gelassen in BFH Urteil vom 28.08.1990 a. a. O. Tz. 36, da es dort nur um den Fall einer Heilung ging, die keinen nachträglichen Bekanntgabewillen erfordert; Güroff/Beermann § 122 AO, 6: VA bei Übersendung einer Zweitschrift z. K., wenn der ursprüngliche VA nicht nachweisbar zugegangen ist, mit Hinweis auf BStBl lI 1975, 894; gem. BFH Beschluss vom 24.11.1999 V B 137/99, NV 2000, 550: Einzelfallbeurteilung; einschränkende Auslegung des neuen Bekanntgabewillens FG Hamburg 1 K 258/06, EFG 2007, 1665).
Es erscheint allerdings fraglich, ob auch die Heilung einer mangelbehafteten und deshalb unwirksamen Zustellung durch Weiterleitung an den richtigen Zustellungsempfänger vom Zustellwillen getragen sein muss (verneinend wohl BFH-Urteil vom 28. August 1990 VII R 59/89, BFH/NV 1991, 215; FG Hamburg, Urteil vom 23. Mai 2013 2 K 348/12, Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 1630, rechtskräftig, zur Bekanntgabe).
Bei der Auslegung können sämtliche Angaben zur Bezeichnung des Adressaten ebenso wie beigefügte Unterlagen Berücksichtigung finden (BFH, Urteil vom 28. August 1990 - VII R 59/89 -, NVwZ-RR 1991, 660).
Das Schriftformerfordernis erstreckt sich jedoch nicht auf die Bezeichnung eines vom Inhaltsadressaten verschiedenen Bekanntgabeempfängers (vgl. BFH-Urteil vom 28. August 1990 VII R 59/89, BFH/NV 1991, 215;… Tipke/Kruse, a.a.O., § 119 AO 1977 Tz.2, § 122 AO 1977 Tz.3, 8 ff.).
BFH, 27.07.1999 - VI S 13/99
FG München, 26.11.2007 - 1 K 766/07
Möglichkeit einer Gewährung von Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; Zeitpunkt …

References: § 9
 § 15
 § 9
 BGH 
 § 122
 § 119
 § 122