Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=13.12.2005&Aktenzeichen=XI%20ZR%2082/05
Timestamp: 2020-01-29 11:19:44+00:00

Document:
BGH, 13.12.2005 - XI ZR 82/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,485
BGH, 13.12.2005 - XI ZR 82/05 (https://dejure.org/2005,485)
BGH, Entscheidung vom 13.12.2005 - XI ZR 82/05 (https://dejure.org/2005,485)
BGH, Entscheidung vom 13. Dezember 2005 - XI ZR 82/05 (https://dejure.org/2005,485)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2005,485) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
EGBGB Art. 29, 34
Behandlung eines Darlehensvertrags nach schweizerischem Recht auf Grund einer Rechtswahlklausel in den Geschäftsbedingungen des Vertrages; Internationaler Geltungswille des deutschen Verbraucherkreditgesetzes; Begriff der "Erbringung von Dienstleistungen"; Zwingende ...
Keine Einordnung der Regelungen des VerbrKrG als die Rechtswahl einschränkende, zwingende Vorschriften i.S.d. Art. 34 EGBGB
Verbraucherkreditgesetz mit Auslandsberührung
Art. 29, 34, 35 EGBGB, § 293 ZPO, Art. 17 EuSchVÜ, Art. 120 Schweizer Bundesgesetz über das Internationale Privatrecht (IPRG)
Das deutsche Verbraucherkreditgesetz zählt nicht zu den zwingenden Vorschriften des Art. 34 EGBGB
Art. 5, 7 EVÜ
Verbraucherverträge - Sachlicher Anwendungsbereich - Einbezogene Vertragsarten - Eingriffsnormen des Forumstaates - Anforderungen - Anwendungsfälle - Verbraucherschützende Vorschriften
Beschränkung der Anwendung des Art. 29 EGBGB auf die dort genannten Vertragstypen ohne Analogiemöglichkeit; Verbraucherkreditgesetz keine zwingende Vorschrift i.S. des Art. 34 EGBGB
Anwendung des deutschen Verbraucherkreditgesetzes, Verbraucherschutz, Kreditlaufzeit
Wirksame Rechtswahl und Verbraucherschutz
EGBGB Art. 29, Art. 34
Wirksamkeit einer Rechtswahl; Anwendung des VerbrKrG auf einen im Ausland aufgenommenen Kredit
Beschränkung der Anwendung des Art. 29 EGBGB auf die dort genannten Vertragstypen ohne Analogiemöglichkeit; VerbrKrG keine zwingende Vorschrift i. S. d. Art. 34 EGBGB
EGBGB Art. 29, 29a, 34; BGB §§ 491 ff.; VerbrKrG §§ 1 ff.
Keine Einordnung der Regelungen des VerbrKrG als die Rechtswahl einschränkende, zwingende Vorschriften i. S. d. Art. 34 EGBGB
Verbraucherdarlehen keine Dienstleistung gem. Art. 29 EGBGB, auch nicht in analoger Anwendung; keine internationale Geltung des deutschen Verbraucherkreditrechts gem. Art. 34 EGBGB
Zusammenfassung von "Verbraucherschutz beim grenzüberschreitenden Internetkredit - Zur Anwendung des Art. 29 EGBGB auf Kreditverträge" von Prof. Dr. Jochen Hoffmann, WissMit.Vladimir Primaczenko, original erschienen in: WM 2007, 189 - 195.
Zusammenfassung von "Internationaler Anwendungsbereich des Verbraucherkreditschutzrechts" von WissAss. Dr. Matthais Weller, Mag.rer.publ., original erschienen in: NJW 2006, 1247 - 1250.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum BGH-Urteil vom 13.12.2005 - Az.: XI ZR 82/05 (KG) - Anwendbarkeit des Art. 29 und Art. 34 EGBGB" von Dr. Martina Tamm, original erschienen in: JZ 2006, 676 - 679.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 13.12.2005, Az.: XI ZR 82/05 (Art. 29 EGBGB ist nicht analogiefähig)" von Pof. Dr. Dirk Looschelders, original erschienen in: JR 2006, 515 - 517.
ZIP 2006, 1016
EuZW 2006, 285
VersR 2006, 1549
WM 2006, 373
BB 2006, 389
JR 2006, 511
Für die Anwendung des Art. 34 EGBGB ist grundsätzlich erforderlich, dass die betreffende Vorschrift nicht nur dem Schutz und Ausgleich widerstreitender Interessen der Vertragsparteien und damit reinen Individualbelangen dient, sondern daneben zumindest auch öffentliche Gemeinwohlinteressen verfolgt (vgl. BGH NJW 2006, 762 Tz. 25 f. m. w. N).
In Zweifelsfällen ist daher davon auszugehen, dass die betreffende Vorschrift keine international zwingende Geltung beansprucht (BGH, Urteil vom 13. Dezember 2005 - XI ZR 82/05, BGHZ 165, 248, 256 bis 258 mwN; vgl. auch Begründung zum Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Neuregelung des Internationalen Privatrechts, BT-Drucks. 10/504, S. 83).
Ein solcher reflexartiger Schutz öffentlicher Gemeinwohlinteressen reicht für eine Anwendung des Art. 34 EGBGB nicht aus (vgl. zum Verbraucherkreditgesetz BGHZ 165, 248, 257).
Gegen die Annahme einer international zwingenden Wirkung des § 31 Abs. 5 UrhG spricht ferner, dass nicht einmal alle nach deutschem Recht zwingenden Vorschriften zugleich gemäß Art. 34 EGBGB international zwingend sind (BGHZ 165, 248, 256) und es sich bei § 31 Abs. 5 UrhG um keine nach deutschem Recht zwingende Vorschrift handelt.
Ein solcher nur reflexartiger Schutz öffentlicher Gemeinwohlinteressen reicht für eine Anwendung des Art. 34 EGBGB nicht aus (BGH 13. Dezember 2005 - XI ZR 82/05 - juris Rn. 27, BGHZ 165, 248, zu II 1 b bb (4) der Gründe).
Für die Anwendung des Art. 34 EGBGB ist grundsätzlich erforderlich, dass die betreffende Vorschrift nicht nur dem Schutz und Ausgleich widerstreitender Interessen der Vertragsparteien und somit Individualbelangen dient, sondern daneben auch öffentliche Gemeinwohlinteressen verfolgt (BGH, Urt. v. 13.12.2005 - XI ZR 82/05, NJW 2006, 762, 763 f.;… Kropholler, Internationales Privatrecht, 6. Aufl., § 3 II 3;… Erman/Hohloch, BGB, 12. Aufl., Art. 34 EGBGB Rdn. 12).
Gemeinwohlinteressen werden durch die genannten Bestimmungen allenfalls reflexartig geschützt; dies reicht für die Anwendung von Art. 34 EGBGB jedoch nicht aus (…MünchKomm/Sonnenberger, BGB, 4. Aufl., Einl. IPR Rdn. 61;… MünchKomm/Spellenberg, BGB, Art. 31 EGBGB Rdn. 11; vgl. auch BGH, NJW 2006, 762, 764 zum Verbraucherkreditgesetz).
Jedenfalls dann, wenn die zugrunde liegende Richtlinie keine ausdrückliche kollisionsrechtliche Regelung enthält und lediglich einen Mindeststandard vorgibt, kann über diesen Mindeststandard hinausgehenden Umsetzungsnormen ein international zwingender Charakter nicht beigemessen werden (BGH, NJW 2006, 762, 764).
(3) Soweit der Senat in Übereinstimmung mit der früher herrschenden Meinung zu Art. 13 Abs. 1 Nr. 3 EuGVÜ den kollisionsrechtlichen Dienstleistungsbegriff des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF (vgl. jetzt Art. 6 Rom I-VO) nicht auf (Verbraucher-)Kreditverträge angewendet hat (Urteil vom 13. Dezember 2005 - XI ZR 82/05, BGHZ 165, 248, 253 f.; zur Gegenansicht siehe Mankowski, RIW 2006, 321 ff.; Reich, ZIP 1999, 1210, 1211;… PWW/Remien, BGB, 5. Aufl., ex Art. 29 EGBGB Rn. 12), kommt diese Sichtweise aus den dargelegten Gründen - entgegen der Auffassung der Revision - für den neugeregelten Art. 5 Nr. 1 Buchst. b) 2. Spiegelstrich EuGVVO nicht in Betracht.
Dass die von der Nebenintervenientin angebotene streitgegenständliche Kapitallebensversicherung als Vertrag über die Erbringung von Dienstleistungen zu qualifizieren sei, stehe nicht in Widerspruch zu der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 13. Dezember 2005 (BGH, Urteil vom 13.12.2005, Az. XI ZR 82/05).
Der Begriff der "Erbringung von Dienstleistungen" im Sinne dieser Regelung ist nach deren Schutzzweck weit auszulegen und umfasst tätigkeitsbezogene Leistungen aufgrund von Dienst-, Werk-, Werklieferungs- und Geschäftsbesorgungsverträgen (…BGH, Urt. v. 26.10.1993 - XI ZR 42/93, BGHZ 123, 380 ff, juris;… BGH, Urt. v. 19.03.1997 - VIII ZR 316/96, BGHZ 135, 124 ff., juris; BGH, Urt. v. 13.12.2005 - XI ZR 82/05, BGHZ 165, 248 ff., juris).
Insoweit kommt es entscheidend darauf an, ob der zwischen dem Beklagten und der Nebenintervenientin geschlossene Vertrag Anhaltspunkte dafür liefert, dass die Nebenintervenientin für bestimmte Leistungen aus dem Darlehen entlohnt werden sollte (vgl. BGH, Urt. v. 13.12.2005 - XI ZR 82/05, BGHZ 165, 248 ff., juris).
Die der Nebenintervenientin aus dem Vertrag obliegenden Verwaltungstätigkeiten sind darum bei der gebotenen wertenden Betrachtung demgegenüber nur von untergeordneter Bedeutung, so dass von daher eine Anwendung des Art. 29 EGBGB a.F. ausscheidet (vgl. BGH, Urt. v. 13.12.2005 - XI ZR 82/05, BGHZ 165, 248 ff., juris, Rn. 14; BGH Urteil vom 19.03.1997, Az.: VIII ZR 316/96).
Insoweit ist mit dem Bundesgerichtshof festzustellen, dass allein der Umstand, dass ein ausgereichtes Darlehen zwar die Grundlage eines bestimmten Anlagemodelles ist, nicht mit der Finanzierung der - angeblichen - Gegenleistung "Vermögensverwaltung" gleichzusetzen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13.12.2005, Az. XI ZR 82/05).
Aus Art. 29 EGBGB a.F. würde damit eine umfassende kollisionsrechtliche Verbraucherschutznorm, was bereits der vom Gesetzgeber geregelten Differenzierung widerspricht (…BGH, Urt. v. 19.03.1997 - VIII ZR 316/96, BGHZ 135, 124 ff., juris, Rn. 37; Urt. v. 13.12.2005 - XI ZR 82/05, BGHZ 165, 248 ff., juris, Rn. 18).
Zwar hat die Regelung des Art. 29 EGBGB a.F. keinen grundsätzlichen Vorrang gegenüber Art. 34 EGBGB a.F., nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes fehlt dem deutschen Recht zur Regelung des Verbraucherkredits bei Verträgen mit Auslandsberührung aber der notwendige zwingende Schutzcharakter (BGH, Urt. v. 13.12.2005 - XI ZR 82/05, BGHZ 165, 248 ff., juris, Rn. 23 ff.).
Diese Voraussetzung erfüllt das deutsche Verbraucherkreditrecht nicht, weil Gemeinwohlinteressen durch das deutsche Verbraucherkreditrecht sich allenfalls als Nebenwirkung darstellen und nur reflexartig erfasste Gemeinwohlinteressen für die Anwendung des Art. 34 EGBGB a.F. nicht ausreichen (BGH, Urt. v. 13.12.2005 - XI ZR 82/05, BGHZ 165, 248 ff., juris, Rn. 27 f.).
Bei Anwendung einer dem deutschen Recht verwandten Rechtsordnung und klaren Rechtsnormen sind die Anforderungen geringer (BGHZ 118, 151 ff., [163]; BGHZ 165, 248 ff., Rn. 33, juris).
Für die von der Revision in Anknüpfung an § 662 BGB vertretene enge Auslegung des Begriffs, wonach Auftragnehmer nur sein könne, wer "schwerpunktmäßig fremde Interessen verfolge" (vgl auch Flohr, BB 2006, 389, 391), gibt der Wortlaut nichts her.
Denn Kreditverträge fallen jedenfalls dann unter Art. 13 Abs. 1 Nr. 3 LugÜ I, wenn sie zu anderen auf die Erbringung von Dienstleistungen gerichteten Verträgen in engem Zusammenhang stehen und die Dienstleistungen insgesamt nicht nur als untergeordnete Nebenleistungen anzusehen sind (vgl. Schweizerisches Bundesgericht, BGE 133 III 295 Ziffer 8.1;… vgl. auch BGH, Urteile vom 19. März 1997 - VIII ZR 316/96, aaO und vom 13. Dezember 2005 - XI ZR 82/05, aaO, jeweils zu dem auf Art. 5 EVÜ zurückgehenden Art. 29 EGBGB).
Bei Anwendung einer dem deutschen Recht verwandten Rechtsordnung und klaren Rechtsnormen sind die Anforderungen geringer (…vgl. BGH Beschluss vom 4. Juli 2013 - V ZB 197/12 - NJW 2013, 3656 Rn. 14 ff. und Urteil vom 13. Dezember 2005 - XI ZR 82/05 - NJW 2006, 762 Rn. 33 mwN).
Der revisionsrechtlichen Nachprüfung unterliegt allerdings, ob das Berufungsgericht das ausländische Recht gemäß § 293 ZPO verfahrensfehlerfrei ermittelt hat (st. Rspr., BGHZ 118, 151, 162 ff.; 165, 248, 260; Senatsurteil vom 22. September 2004 - VIII ZR 203/03, NJW-RR 2005, 357, unter II 2 c, jeweils m.w.N.).
Schadenersatz aus Verkehrsunfall: Anwendbarkeit niederländischen Rechts; Umfang …

References: Art. 29
 Art. 34

Art. 29
 § 293
 Art. 17
 Art. 120
 Art. 34

Art. 5
 Art. 29
 Art. 34
 Art. 29
 Art. 34
 Art. 29
 Art. 34
 Art. 29
 Art. 34
 Art. 29
 Art. 34
 Art. 29
 Art. 29
 Art. 34
 BGH 
 Art. 34
 BGH 
 Art. 34
 § 31
 Art. 34
 § 31
 Art. 34
 Art. 34
 § 3
 Art. 34
 Art. 34
 Art. 31
 Art. 13
 Art. 29
 Art. 6
 Art. 29
 Art. 5
 Art. 29
 BGH 
 Art. 29
 Art. 29
 Art. 34
 Art. 34
 § 662
 Art. 13
 BGE 
 Art. 5
 Art. 29
 BGH 
 § 293