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Timestamp: 2017-05-26 05:46:47+00:00

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Die Grundlagen der Zueignungsabsicht beim Diebstahl (§ 242 StGB) - ppt herunterladen
Veröffentlicht von:Eike Beutel
Präsentation zum Thema: "Die Grundlagen der Zueignungsabsicht beim Diebstahl (§ 242 StGB)"— Präsentation transkript:
Die Grundlagen der Zueignungsabsicht beim Diebstahl (§ 242 StGB)Prof. Dr. Carl-Friedrich Stuckenberg, LL.M. (Harvard) Universität zu Köln, Lehrstuhl für deutsches und internationales Strafrecht und Strafprozessrecht, Strafrechtsvergleichung sowie Strafrechtsgeschichte
§ 242 Diebstahl. [seit ] (1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueig-nen, wird … bestraft.
§ 242 Diebstahl. [bis ] (1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueig-nen, wird … bestraft.
I. Zweck der ZueignungsabsichtKennzeichnung des Unrechtstyps des Diebstahls: weder bloße Besitzstörung noch Bereicherung, sondern Verschiebung der eigentümergleichen Herrschaft über die Sache, in der Regel durch Erlangung von Eigenbesitz, § 872 BGB Abgrenzung von anderen Formen der Besitzstörung wie Sachentziehung (straflos) Gebrauchsanmaßung (straflos, außer §§ 248b, 290 StGB) Sachbeschädigung (§ 303 StGB)
II. Tatbestand des § 242 StGB:objektiver Tatbestand subjektiver Tatbestand 1. fremde bewegliche Sache 2. Wegnahme 1. Vorsatz, § 15 2. Zueignungsabsicht = „überschießende Innentendenz“
„kupiertes Erfolgsdelikt“II. Tatbestand des § 242 StGB: objektiver Tatbestand subjektiver Tatbestand 1. fremde bewegliche Sache 2. Wegnahme 1. Vorsatz, § 15 „kupiertes Erfolgsdelikt“ 2. Zueignungsabsicht = „überschießende Innentendenz“
III. Elemente der ZueignungsabsichtAbsicht, 1. die (weggenommene fremde bewegliche) Sache zuzueignen 2. sich oder einem Dritten 3. rechtswidrig
IV. Begriff der Zueignungzweigliedriger Zueignungsbegriff (hM): Zueignung = (hM) Aneignung + Enteignung Aneignung: und = die zumindest vorübergehende Inbesitznahme der Sache als eigene zum Zweck ihrer (beliebigen) Nutzung Enteignung: = dem Eigentümer dauerhaft die ihm zustehende besitzbezogene Verfügungsmacht vorenthalten
V. Begriff der ZueignungsabsichtAbsicht der Zueignung (hM) =: 1. Absicht (dolus directus 1. Grades), die Sache sich oder einem Dritten wenigstens vorübergehend anzueignen und 2. wenigstens bedingter Vorsatz (dolus eventualis) der dauerhaften Enteignung des Eigentümers  muß im Zeitpunkt der Wegnahme vorliegen
VI. Gegenstand der ZueignungsabsichtÊ „Substanztheorie“ [besser: Eigentumstheorie]: Täter will sich die Sache selbst, die Sachsubstanz zueignen, d.h. „selbstherrlich wie ein Eigentümer“ (BGH) nutzen  „se ut dominum gerere“  „animus rem sibi habendi“ (Feuerbach)  Kurzformeln sind im Kern richtig, aber zu weit
VI. Gegenstand der ZueignungsabsichtÊ „Substanztheorie“ [besser: Eigentumstheorie]: Täter will sich die Sache selbst, die Sachsubstanz zueignen, d.h. „selbstherrlich wie ein Eigentümer“ (BGH) nutzen genügt in den Normalfällen: Täter will die Sache für sich behalten veräußern oder verschenken gebrauchen oder verbrauchen
VI. Gegenstand der ZueignungsabsichtË „Sachwerttheorie“: Täter will sich den wirtschaftlichen Wert der Sache zueignen a) enge Sachwerttheorie: Gegenstand der Zueignung ist nur der in der Sache verkörperte Wert (spezifischer Sachwert) (lucrum ex re*) b) weite Sachwerttheorie: Gegenstand der Zueignung ist auch der Funktionswert (unspezifischer Sachwert) (lucrum ex negotio cum re*) * Ausdrücke von Bockelmann
VI. Gegenstand der ZueignungsabsichtÌ „Vereinigungstheorie“ (Rspr., hM): Täter will sich die Substanz oder (subsidiär) den in der Sache verkörperten Wert zueignen
VI. Gegenstand der ZueignungsabsichtÌ „Vereinigungstheorie “ (Rspr., hM): Täter will sich die Substanz oder (subsidiär) den in der Sache verkörperten Wert zueignen bzw. (seit RGSt 61, 228, 233) „die Sache selbst oder den in ihr verkörperten Wert seinem Vermögen einverleiben“ mißverständlich, denn:  hinreichend, aber nicht notwendig  auf Vermögenswert kommt es bei § 242 nicht an  Diebstahl ist kein Bereicherungsdelikt!
VII. Beispiele zum ZueignungsobjektFall 1 („Sparbuch“): T nimmt aus der Schublade seines WG-Mitbewohners O dessen Sparbuch, Personalausweis und Maestro-Karte. Das Sparbuch legt T mit dem Personalausweis – T sieht O sehr ähnlich – bei der Bank vor und hebt 100 € ab. Am Geldautomaten zieht er mit der Maestro-Karte 200 €. Danach legt er die 3 Sachen wie von vornherein geplant wieder zurück. a) Diebstahl des Sparbuchs? (vgl. RGSt 26, 151)  Zueignung der Sachsubstanz? nein, wegen Rückführwillens (hM)  Zueignung des Sachwerts? hM: ja, Forderung gegen die Bank sei verkörperter Sachwert (lucrum ex re); nur Rückgabe „leerer Hülle“ b) Diebstahl des Personalausweises?  Zueignung der Sachsubstanz? nein, weder Aneignungs- (keine Anma- ßung des Eigentums) noch Enteignungswille (wegen Rückführwillens)  des Sachwerts? kein lucrum ex re, allenfalls lucrum ex negotio cum re (str.) c) Diebstahl der Maestro-Karte? (vgl. BGHSt 35, 152)  Zueignung der Sachsubstanz? nein, wegen Rückführwillens  des Sachwerts? nein, kein verkörperter Wert, nur „Schlüssel“ (BGH)
VII. Beispiele zum ZueignungsobjektFall 2 („Finderlohnfall“): H setzt per Zeitungsanzeige einen Finderlohn für seinen entlaufenen Hund aus. X hatte den Hund gefunden und in einen Stall gesperrt. D, der dies beobachtet und den Hund erkannt hatte, bricht in den Stall ein und bringt den Hund tags darauf zurück zu H mit der Be-hauptung, er selbst habe ihn gefunden. H zahlt den Finderlohn an D. Diebstahl des Hundes? (vgl. RGSt 55, 59)  Zueignung der Sachsubstanz? nein, D leugnet das Eigentum des H nicht, im Gegenteil erkennt er es an  Zueignung des Sachwerts? nein: Finderlohn ist nicht im Hund verkörpert, sondern nur lucrum ex negotio cum re
VII. Beispiele zum ZueignungsobjektFall 3 („Dienstmützenfall“): Soldat S kann bei Ende der Dienstzeit seine Dienstmütze nicht finden und fürchtet einen Schadensersatzanspruch der Bundeswehr. Er entwendet die Mütze eines Kameraden, die er bei Abmu-sterung als „seine“ ausgibt. Diebstahl der Dienstmütze ? (vgl. BGHSt 19, 387)  Zueignung der Sachsubstanz? nein, S leugnet das Eigentum der Bundeswehr nicht, sondern erkennt es an  Zueignung des Sachwerts? nein: der Bundeswehr wird der Sachwert dieser Mütze nicht entzogen; Vereitelung des Schadensanspruchs ist nur „lucrum ex negotio cum re“
VII. Beispiele zum ZueignungsobjektFall 4 („Getreidespeicherfall“): T entwendet beim Getreidehändler O mehrere Säcke Getreide, die er dem ahnungslosen O erfolgreich wieder zum Kauf anbietet. Diebstahl des Getreides ? (vgl. RGSt 57, 199)  Zueignung der Sachsubstanz? ja, denn T leugnet das Eigentum des O, der es nicht aufgrund seines Herausgabeanspruchs zurückerhält (str.)  Zueignung des Sachwerts? ja (RG, str.) ähnlich: Leergutfälle
VIII. Selbst- oder Drittzueignungerfordert die Absicht, einem Dritten Eigenbesitz an der Sache zu verschaffen, nebst Enteignungsvorsatz ist eher selten, denn wer eine Sache wegnimmt, um sie an andere zu verkaufen oder zu verschenken, eignet sie zuerst sich selbst zu Beispiele: A nimmt eine Sache weg, um sie seinem Auftraggeber D gegen Entgelt zu verschaffen (konnte früher nur mit weiter Sachwerttheorie als Selbstzueignung gelten) A nimmt eine Sache – allein oder mit anderen – weg, um sie einem anderen unentgeltlich zu verschaffen (altruistische Taten und „absichtslos-dolose Werkzeuge“)
IX. Abgrenzung zur GebrauchsanmaßungGebrauchsanmaßung (furtum usus ) = unbefugter, aber bloßer vorübergehender Gebrauch einer fremden Sache = Aneignung ohne dauerhafte Enteignung  keine Zueignungsabsicht mangels Enteignungsvorsatzes  grundsätzlich straflos, ausgenommen §§ 248b, 290 StGB  Sachwertzueignung liegt erst bei „wesentlicher Wertminde- rung“ (hM) durch den unbefugten Gebrauch vor  oder bei Verbrauch der Sache
IX. Abgrenzung zur GebrauchsanmaßungFall 5: a) T entwendet ein Auto, um von Köln nach Bonn und zurück zu fahren.  Zueignung der Sachsubstanz? nein, wegen Rückführwillens  Zueignung des Sachwerts? nein, keine nennenswerte Minderung des Sachwerts, daher nur § 248b b) T will mit dem Auto von Köln nach Kapstadt und zurück fahren.  Zueignung des Sachwerts? ja, wegen wesentlicher Wertminderung c) T will nach Bonn fahren und das Auto dort irgendwo stehen lassen.  Zueignung der Sachsubstanz? ja, wenn dolus eventualis bzgl. Enteignung (str.) d) Hat T sich in den Fällen a) bis c) das Benzin gestohlen?  Zueignung der Sachsubstanz? ja, Aneignung und Enteignung durch verbrauchende Nutzung — allerdings tritt § 242 als subsidiär hinter § 248b zurück
IX. Abgrenzung zur GebrauchsanmaßungFall 6 („Taschenbuchfall“): Philosophiestudent P steckt im Kaufhaus einen Taschenbuchkrimi ein, den er lesen und dann zurückbringen will. Diebstahl des Taschenbuchs? (OLG Celle NJW 1967, 1921)  Zueignung der Sachsubstanz? nein, wegen Rückführwillens  Zueignung des Sachwerts? ja, da P kein ungelesenes = neues Buch zurückgeben will, eignet er sich den Neuwert zu (zw.)
X. Abgrenzung zur Sachentziehung= unbefugte bloße Besitzvorenthaltung = Enteignung ohne Aneignung (bei dauerhafter Entziehung) oder weder Aneignung noch dauerhafte Enteignung (bei vorübergehender Entziehung)  jedenfalls keine Zueignungsabsicht mangels Aneignungs absicht, ggf. auch kein Enteignungsvorsatz  grundsätzlich straflos  ggf. aber Sachbeschädigung gem. § 303, wenn die Sache infolge der Entziehung beschädigt wird oder untergeht
X. Abgrenzung zur SachentziehungFall 7: T entwendet den Käfig mit dem Kanarienvogel des O und entlässt den Vogel in die Freiheit. Der Vogel kehrt nie wieder. Diebstahl des Vogels?  Zueignung der Sachsubstanz? nein, mangels Aneignungswillens  Zueignung des Sachwerts? ebensowenig Fall 8: T entwendet der Bundeskanzlerin das Manuskript für die Weihnachts-ansprache und sendet es ihr wie geplant nach Silvester zurück. Diebstahl des Manuskripts?  Zueignung der Sachsubstanz? nein, da weder Aneignungsabsicht noch Enteignungsvorsatz  Zueignung des Sachwerts? nein
XI. Abgrenzung zur SachentziehungFall 9 („Gefängnisschlüssel“): Dem Strafgefangenen S gelingt es, einem Aufsichtsbeamten die Schlüssel abzunehmen und zu fliehen. Wie von vorn-herein geplant, wirft er „draußen“ die Schlüssel und die von ihm bei der Flucht getragene Gefängniskleidung weg. a) Diebstahl des Gefängnisschlüssels? (BGH LM Nr. 16 zu § 249 StGB)?  Zueignung der Sachsubstanz? ja, Aneignung durch kurzzeitige Nutzung zum Öffnen der Gefängnistüren b) Diebstahl der Gefängniskleidung?  Zueignung der Sachsubstanz? wohl ja, Aneignung durch Nutzung, aber zweifelhaft, ob beabsichtigt (str.)
XI. Abgrenzung zur Sachbeschädigung= bloße unbefugte Beschädigung oder Zerstörung = Enteignung ohne Aneignung  keine Zueignungsabsicht mangels Aneignungsabsicht (heute hM, früher str.)  strafbar nur als Sachbeschädigung gem. § 303  anders aber bei vorheriger sowie verbrauchender Nutzung Fall 10 („Aktenbeseitigung“): T bricht ins Landgericht ein und nimmt seine Strafakte mit nach Hause, um sie im Ofen zu verbrennen. Diebstahl der Akte? (BGH NJW 1977, 1460)  Zueignung der Sachsubstanz? nein, mangels Aneignungsabsicht  Zueignung des Sachwerts? nein, keine Eingliederung in das Täter vermögen (so BGH)
Abgrenzungen: ÜbersichtUnrechtstyp Aneignung dauerhafte Enteignung Rechtsfolge Zueignung ja §§ 242, 246 Gebrauchsanmaßung (furtum usus ) nein straflos außer §§ 248b, 290 Sachbeschädigung § 303 Sachentziehung straflos
für Ihre Aufmerksamkeit!Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!  Leseempfehlung: der klassische Aufsatz von Wessels, NJW 1965, 1153 ff.
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STRAFRECHT BT DIE ANEIGNUNGSDELIKTE FS 2008 Prof. Dr. H. Vest Institut für Strafrecht und Kriminologie Universität Bern. Über Projekt

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§ 242
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 § 15
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 § 303
 § 249
 § 303
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