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Timestamp: 2019-01-24 02:48:17+00:00

Document:
BGH, XII ZB 181/05: Leitsatzentscheidung
Urteil des BGH vom 05.11.2008, XII ZB 181/05
Satzung, Höhe, Ehefrau, Gleichgestellte zeit, Anwartschaft, Erhöhung, Berechnung, Prognose, Verordnung, Rente
BGB § 1587 a Abs. 3; FGG § 12
Zur Dynamik von Anrechten bei der Pensionskasse der Deutschen Eisenbahnen und Straßenbahnen VVaG (im Anschluss an die Senatsbeschlüsse vom 5. März 2006 - XII ZB 196/05 - FamRZ 2008, 1147 f. und vom 6. Februar 2008 - XII ZB 180/05 - FamRZ 2008, 862 ff.).
BGB § 1587 a Abs. 2 Nr. 3 lit. b
Für die Beendigung der Betriebszugehörigkeit im Sinne von § 1587 a Abs. 2 Nr. 3 lit. b BGB ist auf das tatsächliche Ausscheiden aus dem Unternehmen abzustellen. Ist der Inhaber eines betrieblichen Rentenanrechts aufgrund einer Vorruhestandsregelung aus dem Betrieb ausgeschieden, ist die Zeit zwischen dem Ausscheiden und dem Erreichen der Altersgrenze nicht als gleichgestellte Zeit bei der Ermittlung des Ehezeitanteils zu berücksichtigen.
RZVK-S §§ 72 Abs. 1 u. 2, 73 Abs. 1 Satz 1; ZPO § 148
Die in §§ 72 Abs. 1 und 2, 73 Abs. 1 Satz 1 der Satzung der Rheinischen Zusatzversorgungskasse (RZVK-S) enthaltene Übergangsregelung für rentenferne Jahrgänge ist unwirksam.
BGH, Beschluss vom 5. November 2008 - XII ZB 181/05 - OLG Hamm AG Essen
Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 5. November 2008 durch die
Beschluss des 2. Senats für Familiensachen des Oberlandesgerichts Hamm vom 27. September 2005 aufgehoben.
1Die Parteien haben am 11. Juli 1969 geheiratet. Der Scheidungsantrag
der Ehefrau (Antragstellerin; geboren am 8. Januar 1951) ist dem Ehemann
(Antragsgegner; geboren am 15. Oktober 1944) am 10. Mai 2004 zugestellt
worden. Das Amtsgericht - Familiengericht - hat die Ehe geschieden (insoweit
rechtskräftig) und den Versorgungsausgleich dahin geregelt, dass es im Wege
des Rentensplittings (§ 1587 b Abs. 1 BGB) vom Versicherungskonto des Ehemanns bei der Deutschen Rentenversicherung Rheinland (DRV Rheinland; wei-
tere Beteiligte zu 4; vormals Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz) auf das
Versicherungskonto der Ehefrau bei der Deutschen Rentenversicherung Bund
(DRV Bund; weitere Beteiligte zu 3) Rentenanwartschaften in Höhe von monatlich 398,43 € - bezogen auf den 30. April 2004 - übertragen hat. Weiter hat es
durch analoges Quasi-Splitting (§ 1 Abs. 3 VAHRG) zu Lasten der Versorgung
des Ehemanns bei der Pensionskasse der Deutschen Eisenbahnen und Straßenbahnen (PKDEuS; weitere Beteiligte zu 1) auf dem Versicherungskonto der
Ehefrau bei der DRV Bund Rentenanwartschaften in Höhe von monatlich
18,98 € begründet (wiederum bezogen auf den 30. April 2004).
2Auf die hiergegen gerichtete Beschwerde der PKDEuS hat das Oberlandesgericht die Entscheidung des Amtsgerichts - Familiengericht - dahin abgeändert und neu gefasst, dass das Rentensplitting zugunsten der Ehefrau nur in
Höhe von 362,43 € und das analoge Quasi-Splitting zu Lasten der Versorgungsanwartschaften des Ehemannes bei der PKDEuS in Höhe von 18,96 €
durchgeführt wird. Zusätzlich hat das Oberlandesgericht durch erweitertes Splitting (§ 3 b Abs. 1 Nr. 1 VAHRG) vom Versicherungskonto des Ehemannes bei
der DRV Rheinland auf das Versicherungskonto der Ehefrau bei der DRV Bund
Rentenanwartschaften in Höhe von weiteren 35,99 € übertragen (bezogen auf
den 30. April 2004).
Nach den Feststellungen des Oberlandesgerichts haben beide Parteien 3
während der Ehezeit (1. Juli 1969 bis 30. April 2004; § 1587 Abs. 2 BGB) Rentenanwartschaften der gesetzlichen Rentenversicherung erworben, und zwar
der Ehemann bei der DRV Rheinland in Höhe von 1.116,88 € und die Ehefrau
bei der DRV Bund in Höhe von 392,02 € (jeweils monatlich und bezogen auf
den 30. April 2004). Zudem verfügt der Ehemann über unverfallbare, in der
Ehezeit erworbene Rentenanwartschaften bei der PKDEuS, Abteilung A, in Höhe von jährlich 1.830 € (monatlich 152,50 €); bereits seit dem 1. November
2004 bezieht er eine volldynamische Betriebsrente der E. Verkehrs-AG
(EVAG) in Höhe von jährlich 880,80 € (monatlich 73,40 €), deren Ehezeitanteil
das Oberlandesgericht mit 71,99 € monatlich ermittelt hat. Das Beschäftigungsverhältnis des Ehemannes bei der EVAG ist bereits seit dem 1. November 2002
aufgrund einer Vorruhestandesregelung beendet. Die Ehefrau verfügt zusätzlich
bei den Rheinischen Versorgungskassen (RVK; weitere Beteiligte zu 2) über
eine Anwartschaft auf eine Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes aus
Pflichtversicherung in Höhe von monatlich 129,40 €, bezogen auf den 30. April
2004, sowie über eine weitere betriebliche Rentenanwartschaft mit einem ehezeitlichen Deckungskapital von 15,22 €.
Die Anwartschaften des Ehemannes bei der PKDEuS und der Ehefrau 4
aus der Pflichtversicherung bei der RVK hat das Oberlandesgericht jeweils als
im Anwartschaftsstadium statisch und im Leistungsstadium volldynamisch bewertet und nach § 1587 a Abs. 3 Nr. 2 BGB i.V.m. der Barwert-Verordnung (in
der bis 30. Mai 2006 geltenden Fassung der Zweiten Verordnung zur Änderung
der Barwert-Verordnung vom 26. Mai 2003, BGBl. I, 728) in ein volldynamisches Anrecht von monatlich 104,49 € (PKDEuS) bzw. 66,51 € (RVK) umgerechnet. Das deckungskapitalfinanzierte Anrecht der Ehefrau bei der RVK hat
das Oberlandesgericht mit einem Rentenanspruch von monatlich 0,07 € im
Versorgungsausgleich berücksichtigt.
Mit ihrer zugelassenen Rechtsbeschwerde möchte die PKDEuS das bei 5
ihr bestehende Anrecht des Ehemanns als insgesamt statisch qualifiziert wissen.
6Das zulässige Rechtsmittel hat in der Sache Erfolg und führt zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an
das Oberlandesgericht.
71. Das Oberlandesgericht hat seine Entscheidung im Wesentlichen wie
folgt begründet: Die PKDEuS könne sich für die angebliche Statik des bei ihr
bestehenden Anrechts nicht darauf berufen, von der Anpassungsüberprüfungspflicht nach § 16 Abs. 1 BetrAVG deshalb entbunden zu sein, weil sie auf der
Grundlage von § 16 Abs. 3 Nr. 2 BetrAVG anfallende Überschussanteile zur
Erhöhung laufender Rentenleistungen verwende. Zwar habe sie nach § 57 ihrer
Satzung (in der bis 31. Dezember 2005 geltenden Fassung) alle drei Jahre
durch einen versicherungsmathematischen Sachverständigen eine versicherungstechnische Bilanz für jede Abteilung erstellen zu lassen, wobei eventuelle
Überschüsse in den Bilanzen der einzelnen Abteilungen für eine Anhebung der
laufenden Renten und/oder Anwartschaften zu verwenden seien. Der danach
fehlende Rechtsanspruch der Versicherten auf Erhöhung ihrer Versorgung
rechtfertige jedoch nicht die Annahme einer Statik im Leistungsstadium. Ein im
Leistungsstadium volldynamisches Anrecht könne vielmehr auch dann vorliegen, wenn sich durch die Verwendung von Überschusserträgen tatsächlich eine
mit der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Beamtenversorgung vergleichbare Wertsteigerung ergebe.
8Eine Volldynamik komme dabei nach der ständigen Rechtsprechung des
Bundesgerichtshofes dann in Betracht, wenn der durchschnittliche Zuwachs der
Renten im Leistungsstadium nicht mehr als 1 % hinter der Dynamik der gesetzlichen Renten und der beamtenrechtlichen Anrechte zurückbleibe. Diese Voraussetzungen seien im Falle der PKDEuS erfüllt. Im Vergleichszeitraum 1998
bis 2004 sei die gesetzliche Rente durchschnittlich um 1,07 % p.a., die der
Beamtenversorgung durchschnittlich um 1,41 % p.a. gestiegen. Demgegenüber
seien die Leistungen der PKDEuS im Durchschnitt um 0,83 % p.a. erhöht worden, was zu einer deutlich unter 1 % liegenden Differenz zu den Steigerungsraten der Maßstabversorgungen führe.
9Die für einen in der Vergangenheit liegenden Vergleichszeitraum ermittelten Steigerungsraten könnten zwar nicht einfach fortgeschrieben werden. Die
künftige Entwicklung des betreffenden Anrechts werde auch von weiteren zu
bewertenden Faktoren beeinflusst, insbesondere von der zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung des die Versorgung finanzierenden Unternehmens.
Deshalb könne nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich die Renten der
PKDEuS wegen des anstehenden Rechtsformwechsels und der damit verbundenen Solvabilitätsanforderungen voraussichtlich in den kommenden Jahren
nicht mehr in gleicher Weise erhöhten wie bisher. Dies gelte zumindest dann,
wenn die PKDEuS die von ihr aufzubringenden Kapitalbeträge - wie behauptet -
ganz oder zumindest überwiegend aus den bisher für die Erhöhung der laufenden Renten verwendeten Überschüssen finanzieren müsse. Eine vergleichbare
Situation ergebe sich jedoch auch für die Anwartschaften aus der gesetzlichen
Rentenversicherung und der Beamtenversorgung. Diese seien zwar kraft Gesetzes als volldynamisch anerkannt. Grundlage dieser Bewertung sei aber die
Annahme, dass die Beamtenversorgung und die gesetzliche Rentenversicherung sowohl im Anwartschafts- als auch im Leistungsteil regelmäßig an die allgemeine Einkommensentwicklung angepasst würden. Davon könne aber künftig wegen der bestehenden Finanznot der Rentenversicherungsträger und angesichts der derzeitigen schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland nicht
mehr ohne weiteres ausgegangen werden. Mit einer nennenswerten Erhöhung
der laufenden gesetzlichen Renten sei mittelfristig nicht zu rechnen. Vielmehr
sei eine umfassende Rentenreform zu erwarten, bei der alternativen Renten-
modellen und insbesondere der Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge ein
besonderes Gewicht zukommen werde. Unter diesen Voraussetzungen könne
eine zuverlässige Prognose über die langfristige Entwicklung laufender Renten
aus der gesetzlichen Rentenversicherung und der Beamtenversorgung ebenso
wenig vorgenommen werden wie eine Prognose über die Entwicklung betrieblicher Renten, insbesondere derjenigen der PKDEuS.
Da sich eine wesentliche Abweichung der künftigen Wertentwicklung der 10
Renten der PKDEuS von der Wertentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung bzw. der Beamtenversorgung nicht feststellen lasse und sich auch in
der Vergangenheit keine wesentliche Abweichung ergeben habe, sei es nicht
gerechtfertigt, die betrieblichen Anwartschaften des Ehemannes bei der
PKDEuS im Leistungsstadium als statisch und damit schlechter zu behandeln
als die gesetzliche Rente und die Beamtenversorgung. Vielmehr sei es in einem
solchen Fall geboten, von einer Volldynamik im Leistungsstadium auszugehen.
Vor diesem Hintergrund sei die der Entscheidung des Amtsgerichts - Familiengericht - zugrunde liegende Berechnung des Wertausgleichs nicht zu beanstanden. Sofern - wider Erwarten - in Zukunft eine andere Entwicklung des betrieblichen Anrechts eintrete, die der Annahme einer Volldynamik im Leistungsstadium entgegenstehe, könne der ausgleichspflichtige Ehemann auf die Möglichkeit der Abänderung nach § 10 a VAHRG verwiesen werden.
11Der Wertausgleich habe deshalb zu Gunsten der Ehefrau durch Rentensplitting in Höhe von (<1.116,88 - 392,02> : 2 =) 362,43 € zu erfolgen, die öffentliche Zusatzversorgung des Ehemannes sei zudem im Wege des analogen
Quasi-Splitting in Höhe von (<104,49 - 66,58 [richtig: 66,51]> : 2 =) 18,96 €
[richtig: 18,99 €] zu Lasten der Versorgung bei der PKDEuS auszugleichen.
Schließlich seien zum Ausgleich der Betriebsrente des Ehemannes bei der
EVAG weitere (71,99 : 2 =) 35,99 € durch erweitertes Splitting vom Versiche-
rungskonto des Ehemannes bei der DRV Rheinland auf das Versicherungskonto der Ehefrau bei der DRV Bund zu übertragen.
12Diese Ausführungen halten der rechtlichen Nachprüfung nicht in allen
132. Die angegriffene Entscheidung kann bereits deshalb nicht bestehen
bleiben, weil die PKDEuS mit Wirkung zum 1. Januar 2006 von einer Körperschaft des öffentlichen Rechts - in deren Eigenschaft sie die Rechtsbeschwerde
wirksam eingelegt und begründet hat (§ 78 Abs. 4 ZPO) - in einen rechtsfähigen
Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG) umgewandelt worden ist (vgl.
Art. 2 des Gesetzes zur Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes und
anderer Gesetze vom 15. Dezember 2004, BGBl. 2004 I, 3416, 3426 f.;
Blomeyer/Otto/Rolfs Betriebsrentengesetz 4. Aufl. § 1 Rdn. 228). Das vom
Amtsgericht - Familiengericht - zu Lasten der Anwartschaft des Ehemannes bei
der PKDEuS angeordnete und vom Beschwerdegericht nach damaliger Rechtslage nicht beanstandete analoge Quasi-Splitting kommt indes nach § 1 Abs. 3
VAHRG nur in Betracht, wenn sich das auszugleichende Anrecht gegen einen
inländischen öffentlich-rechtlichen Versorgungsträger richtet. Dies gilt selbst
dann, wenn ein privatrechtlich organisierter Versorgungsträger die betriebliche
Altersversorgung für einen öffentlich-rechtlich organisierten Arbeitgeber durchführt (vgl. Senatsbeschlüsse BGHZ 99, 10, 13 = FamRZ 1987, 52; vom 5. März
2008 - XII ZB 196/05 - FamRZ 2008, 1147, 1148; vom 6. Februar 2008 - XII ZB
180/05 - FamRZ 2008, 862, 863 und vom 23. März 2005 - XII ZB 65/03 -
FamRZ 2005, 1063, 1064). Ist eine Realteilung - wie hier - nicht möglich, kann
ein unverfallbares, dem schuldrechtlichen Ausgleich unterliegendes Anrecht
eines privatrechtlichen Versorgungsträgers im öffentlich-rechtlichen Wertausgleich allenfalls nach § 3 b Abs. 1 Nr. 1 VAHRG durch erweitertes Splitting oder
nach § 3 b Abs. 1 Nr. 2 VAHRG durch Beitragsentrichtung des ausgleichspflichtigen Ehegatten (teilweise) ausgeglichen werden.
143. Die Feststellungen des Oberlandesgerichts rechtfertigen zudem die
Behandlung der Anwartschaft des Ehemannes bei der PKDEuS als im Leistungsstadium volldynamisch nicht.
15a) Ein Anrecht ist im Leistungsstadium volldynamisch, wenn der Wertzuwachs der laufenden Renten mit der Wertentwicklung in der gesetzlichen Rentenversicherung und der Beamtenversorgung als den in § 1587 a Abs. 3 BGB
definierten Vergleichsanrechten annähernd Schritt hält. Entgegen der Auffassung der Rechtsbeschwerde kommt es für die Beurteilung einer mit den Maßstabversorgungen vergleichbaren Wertsteigerung nicht darauf an, dass die Satzung des Versorgungsträgers einen Rechtsanspruch auf eine regelmäßige Anpassung (z.B. an die Lohn- und Gehaltsentwicklung oder an die Steigerung der
Lebenshaltungskosten) vorsieht. Ein in der Versorgungsordnung enthaltener
Vorbehalt künftiger wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit schließt die Annahme
einer Volldynamik ebenso wenig aus wie ein bestimmtes Finanzierungssystem
des Versorgungsträgers. Maßgebend ist nach § 1587 a Abs. 3 BGB allein, ob
laufende Renten tatsächlich in gleicher oder nahezu gleicher Weise steigen wie
die gesetzlichen Renten oder die Beamtenversorgungen (vgl. Senatsbeschlüsse vom 5. März 2008 - XII ZB 196/05 - FamRZ 2008, 1147, 1148; vom 6. Februar 2008 - XII ZB 180/05 - FamRZ 2008, 862, 863 f.; vom 1. Dezember 2004
- XII ZB 45/01 - FamRZ 2005, 430, 432; vom 25. September 1996 - XII ZB
227/94 - FamRZ 1997, 164, 166 und vom 9. Oktober 1996 - XII ZB 188/94 -
FamRZ 1997, 166, 168).
16b) Die PKDEuS ist eine Pensionskasse im Sinne des § 1 b Abs. 3 Satz 1
BetrAVG (vgl. zum Begriff Blomeyer/Otto/Rolfs Betriebsrentengesetz § 1
Rdn. 220 ff.), die für die beteiligten Trägerunternehmen die betriebliche Altersversorgung durchführt und den Arbeitnehmern oder deren Hinterbliebenen im
Versicherungsfall einen direkten Rechtsanspruch gewährt. Als Pensionskasse
finanziert sie ihre Verpflichtungen im Wege der Anwartschaftsdeckung (vgl.
Blomeyer/Otto/Rolfs aaO § 1 Rdn. 225 i.V.m. StR A Rdn. 120).
17Nach § 57 ihrer Satzung (in der seit 1. Januar 2006 geltenden Fassung;
veröffentlicht bei Juris) hat die PKDEuS mindestens alle drei Jahre durch einen
versicherungsmathematischen Sachverständigen im Rahmen eines der Aufsichtsbehörde einzureichenden Gutachtens eine Prüfung ihrer Vermögenslage
vorzunehmen. Ein sich nach den erforderlichen Verlustrücklagen ergebender
Überschuss ist nach § 57 Abs. 3 der Satzung der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zuzuführen, die durch Beschluss der Hauptversammlung zur
Erhöhung oder Erweiterung der Leistungen oder zur Ermäßigung der Beiträge
oder für alle genannten Zwecke zugleich zu verwenden ist. Bereits vor dem
Rechtsformwechsel war die Möglichkeit zur Anhebung laufender Renten nach
§ 57 a.F. der Satzung ausdrücklich gegeben. Mit der Regelung des § 57 der
Satzung soll die in § 16 Abs. 1 BetrAVG vorgesehene regelmäßige Anpassungsüberprüfung des Arbeitgebers vermieden werden; dies ist nur unter den
Voraussetzungen des § 16 Abs. 3 Nr. 2 BetrAVG möglich und verlangt, dass
auf den Rentenbestand entfallende Überschussanteile - nach Abzug von Verlustrücklagen - stets und ohne Ermessensspielraum für die Erhöhung laufender
Renten zu verwenden sind. § 57 der Satzung ist deshalb als eine Verpflichtung
der PKDEuS zu verstehen, ab Rentenbeginn sämtliche Überschussanteile, die
auf die individuell für die Renten der Berechtigten vorhandenen Deckungsrückstellungen anfallen (vgl. Blomeyer/Otto/Rolfs aaO § 16 Rdn. 321), ausschließlich zur Erhöhung ihrer laufenden Leistungen zu verwenden.
Zwar können die laufenden Renten der PKDEuS eine Wertsteigerung nur 18
durch Überschüsse erfahren, die dadurch möglich werden, dass aus dem angesammelten Kapital höhere Erträge erzielt werden als sie im so genannten
rechnungsmäßigen Zins ohnehin schon berücksichtigt sind, dass Verwaltungskosten eingespart werden oder dass sich das Verhältnis von Versorgungsempfängern und Beitragszahlern unvorhergesehen verschiebt. Die PKDEuS hat in
der Vergangenheit entsprechende Überschüsse indes auch tatsächlich erwirtschaftet und diese zur Erhöhung der laufenden Renten verwendet. So stiegen
im Vergleichszeitraum 1998 bis 2007 die Renten der Abt. A um durchschnittlich
0,70 % p.a. und damit in vergleichbarer Höhe wie die gesetzliche Rentenversicherung an, die im entsprechenden Zeitraum eine Wertsteigerung von durchschnittlich 0,80 % p.a. erfahren hat (Senatsbeschlüsse vom 5. März 2008
- XII ZB 196/05 - FamRZ 2008, 1147, 1149 und vom 6. Februar 2008 - XII ZB
180/05 - FamRZ 2008, 862, 864).
c) Entscheidend für die Bewertung des Anrechts des Ehemannes bei der 19
PKDEuS ist deshalb, ob die für eine Volldynamik im Leistungsstadium sprechenden, mit einer der Maßstabversorgungen im Sinne des § 1587 a Abs. 3
BGB vergleichbaren Steigerungsraten auch künftig zu erwarten sind. Dies setzt
die hinreichend gesicherte Prognose einer entsprechenden weiteren Wertentwicklung des Anrechts voraus, für die dessen bisherige Entwicklung über einen
angemessenen Vergleichszeitraum zwar als Indiz herangezogen werden kann.
Indessen dürfen die Daten der Vergangenheit nicht ohne weiteres fortgeschrieben werden. Erforderlich ist vielmehr eine Prognose, die alle hierfür bedeutsamen Umstände berücksichtigt (vgl. Senatsbeschluss BGHZ 160, 41, 45 =
FamRZ 2004, 1474, 1475 m.w.N.). Hierzu gehören auch die versicherungstechnischen Rechnungsgrundlagen, das Verhältnis der Beitragszahler zu den
Rentnern und die Vermögenslage des Versorgungsträgers (vgl. Senatsbeschlüsse vom 5. März 2008 - XII ZB 196/05 - FamRZ 2008, 1147, 1149; vom
6. Februar 2008 - XII ZB 180/05 - FamRZ 2008, 862, 864; vom 1. Dezember
2004 - XII ZB 45/01 - FamRZ 2005, 430, 432 und vom 25. September 1996
- XII ZB 227/94 - FamRZ 1997, 164, 165; Johannsen/Henrich/Hahne Eherecht
4. Aufl. § 1587 a Rdn. 236; Wick Der Versorgungsausgleich 2. Aufl.
Rdn. 175 a).
20d) Vorliegend fehlt eine tragfähige Grundlage für die Prognose, dass die
PKDEuS auch in Zukunft ausreichend Überschüsse erwirtschaften wird, die
über § 57 Abs. 3 der Satzung zu einer mit der gesetzlichen Rentenversicherung
oder der Beamtenversorgung vergleichbaren Wertentwicklung laufender Renten
der Abteilung A führen.
21Die Rechtsbeschwerde hat gegen die Prognose des Oberlandesgerichts
vor allem eingewandt, es sei bereits jetzt erkennbar, dass die laufenden Renten
der PKDEuS in absehbarer Zukunft überhaupt keine Wertsteigerungen mehr
erfahren würden. Die Auffassung des Beschwerdegerichts trage den Besonderheiten der PKDEuS nicht Rechnung. Anders als die gesetzliche Rentenversicherung und die Beamtenversorgung müsse diese auf veränderte Situationen
mit der Erhöhung von Deckungsrückstellungen reagieren. Wegen des steigenden Lebensalters der Rentenempfänger und der häufigen Frühverrentungen
müsse sie diese deutlich erhöhen. Dies führe dazu, dass künftig keine Überschüsse zur Wertsteigerung der Anwartschaften und Renten mehr ausgeschüttet werden könnten. Allein für die neuen Generationentafeln müsse die
PKDEuS rund 10 Mio. € aufbringen. Hinzu komme, dass die PKDEuS seit dem
1. Januar 2006 keine Körperschaft des öffentlichen Rechts mehr sei, sondern
als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit in vollem Umfang dem Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) unterliege. Deshalb habe sie die sogenannte Solvabilitätsanforderungen nach § 53 c VAG und der Kapitalausstattungs-
Verordnung (Verordnung über die Kapitalausstattung von Versicherungsunter-
nehmen vom 13. Dezember 1983, BGBl. I, 1451, zuletzt geändert durch das
achte VAG-Änderungsgesetz vom 28. Mai 2007, BGBl. I, 923) zu erfüllen. Allein
dafür benötige die PKDEuS einen Betrag von rund 24 Mio. €, der bereits die
künftigen verteilungsfähigen Überschüsse der nächsten drei bis fünf Jahre vollständig aufzehren werde. Diese wesentliche Sonderentwicklung der PKDEuS
habe das Beschwerdegericht bei seiner Prognoseentscheidung nicht ausreichend gewürdigt.
22Diese Einwände können für die zu treffende Prognoseentscheidung von
Bedeutung sein. Zwar kann bei einem Anrecht, das in der Vergangenheit nahezu in gleicher Weise im Wert gestiegen ist wie eine der Maßstabversorgungen,
bei unveränderten Bedingungen eine ähnliche Entwicklung auch für die Zukunft
erwartet werden (vgl. Senatsbeschluss vom 25. März 1992 - XII ZB 88/89 -
FamRZ 1992, 1051, 1054). Die Rechtsbeschwerde beruft sich aber nicht nur
auf eine allgemeine Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, welche gleichermaßen Einfluss auf die Maßstabversorgungen haben können (vgl. Senatsbeschluss vom 23. September 1987 - IVb ZB
18/85 - FamRZ 1987, 1241, 1242). Sie macht individuelle, in der Rechtsform,
der Mitgliederstruktur und der wirtschaftlichen Situation der PKDEuS begründete veränderte Umstände geltend, die gegen ein Fortschreiben der bisherigen
Steigerungsraten für die Zukunft sprechen. Hinzu kommt, dass das von der
PKDEuS angewandte Anwartschaftsdeckungsverfahren als ein von der allgemeinen Lohnentwicklung unabhängiges Finanzierungssystem gerade keine
Volldynamik indiziert. Entsprechend ist die wirtschaftliche Situation der PKDEuS
strukturell nicht mit derjenigen der grundsätzlich am Durchschnittsentgelt der
Versicherten orientierten gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar. Macht
aber ein Versorgungsträger solche konkreten Umstände geltend, so ist dem im
Rahmen der tatrichterlichen Pflicht zur Amtsermittlung (§ 12 FGG) nachzugehen; es sind die erforderlichen Feststellungen zu treffen, um auf einer hinrei-
chend tragfähigen Grundlage eine Prognose zu ermöglichen. Dies kann z.B.
durch Beiziehen von Geschäftsberichten und von vorhandenen versicherungstechnischen Gutachten sowie durch Beauftragung eines Sachverständigen geschehen. Verbleiben anschließend erhebliche Unsicherheitsfaktoren, die es
nicht ausschließen, dass die Versorgungsleistungen der PKDEuS künftig auf
längere Sicht nicht entsprechend der Entwicklung der Vergleichsanrechte ansteigen, ist die Annahme einer Volldynamik nicht gerechtfertigt (Senatsbeschlüsse vom 5. März 2006 - XII ZB 196/05 - FamRZ 2008, 1147, 1149 und
vom 6. Februar 2008 - XII ZB 180/05 - FamRZ 2008, 862, 865; vgl. für den
Grad der Wahrscheinlichkeit bei der zu treffenden Prognoseentscheidung Senatsbeschluss BGHZ 85, 194, 203 = FamRZ 1983, 40, 42). Die Entscheidung
kann deshalb in diesem Punkt keinen Bestand haben.
234. Das Oberlandesgericht hat den Ehezeitanteil des betrieblichen Anrechts des Ehemannes bei der EVAG anhand der im Entscheidungszeitpunkt
laufenden Rente ermittelt, indem es deren Nominalbetrag im Verhältnis der in
die Ehezeit fallenden Betriebszugehörigkeit zu der gesamten Betriebszugehörigkeit gekürzt hat. Es hat - wie zuvor schon das Amtsgericht - unter der Annahme, dass die Betriebszugehörigkeit des Ehemannes erst mit Beginn des
Rentenbezuges nach Vollendung des 60. Lebensjahres und damit am 31. Oktober 2004 beendet worden ist, einen Ehezeitanteil von 71,99 € monatlich errechnet (Betriebseintritt 1. Oktober 1978 bis Ehezeitende 30. April 2004 =
307 Monate; Betriebseintritt 1. Oktober 1978 bis Ende der Betriebszugehörigkeit 31. Oktober 2004 = 313 Monate; 880,80 x 307 : 313 = 863,92 : 12 = 71,99).
Diese Berechnung verkennt indessen, dass der Ehemann bereits zum 24
31. Oktober 2002 - mit Vollendung des 58. Lebensjahres - durch Eintritt in den
Vorruhestand aus dem Betrieb ausgeschieden ist.
a) Unter "Vorruhestand" sind begrifflich Regelungen und Maßnahmen 25
über das vorzeitige Ausscheiden aus dem Betrieb vor Erreichen des Rentenalters zu verstehen, die für den ehemaligen Arbeitnehmer eine finanzielle Überbrückung bis zum Bezug der Altersrente vorsehen. Entsprechende Regelungen
sind gesetzlich nicht definiert und werden in Abgrenzung zu dem bis Ende 1988
geltenden Vorruhestandsgesetz auch als Frühpensionierung, Frühverrentung
oder vorzeitiger Ruhestand bezeichnet (vgl. Andresen, Frühpensionierung und
Altersteilzeit, 3. Aufl. Rdn. 341).
Ob bei Inanspruchnahme einer betrieblichen Vorruhestandsregelung die 26
Betriebszugehörigkeit im Sinne von § 1587 a Abs. 2 Nr. 3 BGB bereits mit dem
Eintritt in den Vorruhestand oder erst mit dem Bezug der Altersrente endet, ist
höchstrichterlich bislang nicht geklärt (offen gelassen im Senatsbeschluss vom
16. August 2000 - XII ZB 73/98 - FamRZ 2001, 25, 27).
27In der Literatur wird bei Eintritt des Versorgungsberechtigten in den Vorruhestand vereinzelt von einem ruhenden Arbeitsverhältnis ausgegangen (vgl.
Glockner/Uebelhack, Die betriebliche Altersversorgung im Versorgungsausgleich, 1993 Rdn. 106). Eine entsprechende Sichtweise hätte zur Folge, dass
der Beginn des Vorruhestandes die Gesamtbetriebszugehörigkeit nicht beeinflusst (so RGRK/Wick 12. Aufl. § 1587 a BGB Rdn. 233 mit Hinw. auf die Empfehlungen des 8. DFGT FamRZ 1990, 24, 26 unter 2 d) und für das Ende der
Betriebszugehörigkeit auf den Beginn des Rentenbezugs abzustellen wäre.
Dauerte die Überbrückungszeit im Entscheidungszeitpunkt noch an, wäre für
die Ermittlung des Ehezeitanteils auf die Regelung in § 1587 a Abs. 2 Nr. 3
Satz 1 lit. a BGB und damit für die Betriebszugehörigkeit auf die nach der Versorgungsordnung vorgesehene feste Altersgrenze abzustellen. Zum anderen
wird die Ansicht vertreten, der Arbeitnehmer sei bereits mit dem Eintritt in den
Vorruhestand endgültig aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden. Die Be-
triebszugehörigkeit sei mit Beginn des Vorruhestandes beendet, die Berechnung des Ehezeitanteils richte sich deshalb grundsätzlich nach § 1587 a Abs. 2
Nr. 3 Satz 1 lit. b BGB (Scholz/Stein/Bergmann Praxishandbuch Familienrecht
[2007] Kap. M Rdn. 154; Borth, Versorgungsausgleich, 4. Aufl. Rdn. 309;
FA-FamR/Gutdeutsch 6. Aufl. Kap. 7 Rdn. 81 i.V.m. Fn. 173; FAKomm-FamR/
Rehme 3. Aufl. § 1587 a BGB Rdn. 142; Wick, Der Versorgungsausgleich,
2. Aufl. Rdn. 138 b).
b) Der Senat schließt sich der zuletzt genannten Auffassung an. 28
29aa) Für die zeitratierliche Berechnung des Ehezeitanteils eines betrieblichen Versorgungsanrechts nach § 1587 a Abs. 2 Nr. 3 Satz 1 lit. b BGB ist die
tatsächliche Beschäftigungszeit maßgeblich (Staudinger/Rehme BGB [2004]
§ 1587 a Rdn. 298). Dabei endet die Betriebszugehörigkeit des Versorgungsberechtigten grundsätzlich mit dem Ablauf seines Arbeitsverhältnisses bzw. der
Beendigung seiner Tätigkeit für das Unternehmen (Senatsbeschluss vom
16. August 2000 - XII ZB 73/98 - FamRZ 2001, 25, 26). Dies gewährleistet den
Zweck der zeitratierlichen Ermittlung des Ehezeitanteils, nämlich das für die
Zeiten des Alters oder der Berufs- und Erwerbsunfähigkeit angesammelte Versorgungsvermögen entsprechend dem Anteil der Ehezeit an der gesamten Erwerbszeit zwischen den Ehegatten auszugleichen. Auch die Inanspruchnahme
einer betrieblichen Vorruhestandsregelung beendet aber das Arbeitsverhältnis
mit dem Versorgungsberechtigten und damit dessen Betriebszugehörigkeit,
denn ihr liegt ein Aufhebungsvertrag oder eine Kündigung zugrunde (Andresen
aaO Rdn. 370 ff.). Jedenfalls endet damit regelmäßig die Tätigkeit für das Unternehmen.
bb) Die Überbrückungszeit zwischen dem tatsächlichen Ausscheiden aus 30
dem Betrieb durch Eintritt in den Vorruhestand und dem Erreichen der in der
Versorgungsordnung geregelten Altersgrenze ist bei der Ermittlung des Ehezeitanteils auch nicht als eine der Betriebszugehörigkeit gleichgestellte Zeit im
Sinne von § 1587 a Abs. 2 Nr. 3 lit. b BGB zu berücksichtigen.
31Wie der Senat bereits entschieden hat, sind Zeiten, die der Betriebszugehörigkeit arbeitsvertraglich gleichgestellt werden, in die Berechnung des Versorgungsausgleichs nur dann einzubeziehen, wenn sie sowohl für die Dauer
des Versorgungserwerbs als auch für die Höhe der Versorgungszusage Bedeutung haben. Denn der zeitratierlichen Aufteilung der Betriebsrentenanwartschaften liegt der Gedanke zugrunde, dass der Rentenanspruch während der gesamtem Dauer der Betriebszugehörigkeit nach Grund und Höhe gleichmäßig
erdient wird (vgl. für Vordienstzeiten Senatsbeschlüsse vom 15. Januar 1992
- XII ZB 112/90 - FamRZ 1992, 791, 793; vom 18. Dezember 1985 - IVb ZB
46/83 - FamRZ 1986, 338, 341 und vom 28. November 1984 - IVb ZB 782/81 -
FamRZ 1985, 263, 264).
32Diese Voraussetzungen erfüllt die Überbrückungszeit bis zum Erreichen
der in der Versorgungsordnung geregelten Altersgrenze nicht. Selbst wenn ein
Unternehmen die Überbrückungszeit als anrechnungsfähige Dienstjahre und
damit als versorgungssteigernde Zeit anerkennt, um die mit dem Vorruhestand
verbundenen Einbußen bei der betrieblichen Altersversorgung auszugleichen
(vgl. hierzu Andresen aaO Rdn. 391; BAG ZIP 1992, 1253, 1254), ist die Tätigkeit des Versorgungsberechtigten für das Unternehmen mit dem Eintritt in den
Vorruhestand beendet und die betriebliche Versorgung der Höhe nach bereits
vollständig erdient. Die nach Beginn des Vorruhestands liegende Zeit muss
deshalb - ähnlich wie die Zurechnungszeit bei der ebenfalls zeitratierlichen Berechnung der Beamtenversorgung (vgl. Senatsbeschluss vom 15. November
1995 - XII ZB 4/95 - FamRZ 1996, 215, 216) - mangels eines "echten"
Zeitfaktors bei der Ermittlung des Ehezeitanteils außer Betracht bleiben
(FAKomm-FamR/Rehme aaO Rdn. 142; FA-FamR/Gutdeutsch aaO 7. Kap.
Rdn. 81 i.V.m. Fn. 173). Sie ändert auch vorliegend nichts daran, dass der
Ehemann die gesamte betriebliche Altersversorgung ausschließlich während
seiner Arbeitstätigkeit für die EVAG erworben hat.
33Die Betriebszugehörigkeit des Ehemannes endete deshalb bereits am
31. Oktober 2002. Davon ist das Oberlandesgericht im Übrigen auch bei der
Berechnung des Ehezeitanteils des Anrechts bei der PKDEuS ausgegangen.
34c) Den Nominalbetrag des Ehezeitanteils hat das Oberlandesgericht zu
Recht ohne Umrechnung nach der Barwert-Verordnung in den Versorgungsausgleich einbezogen. Zwar wird dem Ehemann die zumindest im Leistungsstadium volldynamische Rente von der EVAG erst seit dem 1. November 2004
und damit nach dem Ehezeitende (30. April 2004) gezahlt. Der zwischen Ehezeitende und der Entscheidung über den Versorgungsausgleich eingetretene
Rentenbeginn ist aber bereits im Rahmen der Erstentscheidung über den öffentlich-rechtlichen Versorgungsausgleich zu berücksichtigen und der auszugleichende Ehezeitanteil aus der tatsächlich gezahlten Rente zu ermitteln (Senatsbeschluss vom 25. April 2007 - XII ZB 206/06 - FamRZ 2007, 1084, 1085).
Dahinstehen kann, ob die bei Ehezeitende bestehende Anwartschaft des Ehemannes auch im Anwartschaftsstadium volldynamisch war. Der Ehezeitanteil
einer nachehelich bewilligten, aber im Zeitpunkt der Entscheidung über den
Versorgungsausgleich bereits laufenden Rente, die im Anwartschaftsstadium
statisch war und erst im Leistungsstadium volldynamisch ist, kann u.a. dann mit
seinem Nominalbetrag und ohne Umrechnung nach der Barwert-Verordnung im
Versorgungsausgleich berücksichtigt werden, wenn auch die gesetzliche Rentenversicherung und die Beamtenversorgung als Maßstabversorgungen in der
relevanten Zeit vom Ende der Ehezeit (hier: 30. April 2004) bis zum Beginn der
Leistungsdynamik mit Rentenbeginn (hier: 1. November 2004) nicht angestie-
gen sind und die Statik der Anwartschaftsphase deswegen einer ebenfalls statischen Phase der Maßstabversorgungen entsprach (Senatsbeschluss vom
25. April 2007 - XII ZB 206/06 - FamRZ 2007, 1084, 1086). Diese Voraussetzung ist hier erfüllt, denn beide Maßstabversorgungen hatten im Jahr 2004
"Nullrunden" zu verzeichnen.
35d) Der von der EVAG mitgeteilte Nominalbetrag der Rente von 880,80 €
jährlich (73,40 € monatlich) entspricht vorliegend dem nach § 1587 a Abs. 3
Satz 1 lit. b BGB zu berechnenden Ehezeitanteil, denn die ohne Berücksichtigung der Vorruhestandszeit ermittelte Betriebszugehörigkeit des Ehemannes
(1. Oktober 1978 bis 31. Oktober 2002) liegt vollständig innerhalb der Ehezeit
(1. Juli 1969 bis 30. April 2004). Zu berücksichtigen ist deshalb eine höhere
Anwartschaft als die vom Oberlandesgericht angenommenen 71,99 €.
5. Das Oberlandesgericht hat in seiner Ausgleichsbilanz die Anwartschaft 36
der Ehefrau auf eine betriebliche Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes
aus Pflichtversicherung zu Unrecht mit dem von den RVK mitgeteilten Ehezeitanteil berücksichtigt. Der Anwartschaft liegt nach der Auskunft der weiteren Beteiligten zu 3 ausschließlich eine aus Gründen des Bestandsschutzes zum
1. Januar 2002 gutgebrachte Startgutschrift zugrunde, die sich für die am 8. Januar 1951 geborene Ehefrau nach den in §§ 72 Abs. 1 und 2, 73 Abs. 1 Satz 1
der Satzung der Rheinischen Zusatzversorgungskasse (RZVK-S) i.V.m. § 18
Abs. 2 BetrAVG enthaltenen Übergangsregelung für rentenferne Versicherte
berechnet. Diese Regelung ist jedoch unwirksam.
37a) Mit Wirkung ab 1. Januar 2002 wurde die Satzung der RZVK grundlegend geändert und anstelle des bisherigen endgehaltsbezogenen Gesamtversorgungssystems unter Anrechung gesetzlicher Renten ein so genanntes
"Punktemodell" eingeführt. Den Systemwechsel hatten die Tarifvertragsparteien
des kommunalen öffentlichen Dienstes im Altersvorsorge-Tarifvertrag-Kommunal (ATV-K) vom 1. März 2002 vereinbart (abgedruckt in Langenbrinck/
Mühlstädt, Betriebsrente der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, 2. Aufl.
S. 145 ff.; vgl. allgemein zum Systemwechsel der betrieblichen Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes Langenbrinck/Mühlstädt aaO Rdn. 1 ff.;
Staudinger/Rehme BGB [2004] § 1587 a Rdn. 340 ff.).
38Gemäß §§ 33 ff. RZVK-S n.F. bestimmen sich die Versorgungsanrechte
in der Anwartschaftsphase jetzt grundsätzlich anhand von Versorgungspunkten,
die ab dem 1. Januar 2002 jährlich aus dem Verhältnis eines Zwölftels des zusatzversorgungspflichtigen Jahresentgelts zum Referenzentgelt von 1.000 €,
multipliziert mit einem Altersfaktor, festgestellt werden. Die monatliche Zusatzversorgung ergibt sich dann gemäß § 33 Abs. 1 RZVK-S im Wege der Multiplikation mit dem Messbetrag von 4 €. Für die vor der Satzungsänderung zum
1. Januar 2002 erworbenen Anrechte enthält die RZVK-Satzung in den §§ 69 ff.
differenzierende Übergangsregelungen. Versorgungsrenten, deren Bezug vor
dem 1. Januar 2002 begonnen hat, werden nach § 69 RZVK-S als Besitzstandsrente grundsätzlich unverändert weitergezahlt. Im Übrigen wird für die
Versicherten zwischen rentennahen Jahrgängen, die am 1. Januar 2002 das
55. Lebensjahr bereits vollendet hatten, und rentenfernen Jahrgängen - zu denen vorliegend auch die am 8. Januar 1951 geborene Ehefrau gehört - unterschieden. Die rentennahen Jahrgänge erhalten ebenfalls einen Besitzstandsschutz, indem ihnen die bis zum 31. Dezember 2001 auf Grundlage des alten
Rechts erlangten Anrechte als Startgutschrift gutgebracht werden (§ 72 Abs. 1
Satz 1, 73 Abs. 2 RZVK-S). Dagegen werden für die rentenfernen Jahrgänge
die bis zum 31. Dezember 2001 erworbenen Anwartschaften gemäß § 72
Abs. 1 und 2, 73 Abs. 1 Satz 1 RZVK-S i.V.m. § 18 Abs. 2 BetrAVG (i.d.F. des
Ersten Gesetzes zur Änderung des Gesetzes zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung vom 21. Dezember 2000) errechnet und den Versicher-
ten wiederum als Startgutschrift in das neue Versorgungssystem übertragen,
wobei der Anwartschaftsbetrag durch den Messbetrag von 4 € geteilt und dadurch, ohne Berücksichtigung des Altersfaktors, in Versorgungspunkte umgerechnet wird.
39Grundlage für die Berechnung der Startgutschrift zum 31. Dezember
2001 für Pflichtversicherte rentenferner Jahrgänge ist nach § 73 Abs. 1 Satz 1
RZVK-S i.V.m. § 18 Abs. 2 BetrAVG das gesamtversorgungsfähige Entgelt. Bis
zur Systemumstellung ergab sich dieses aus dem durchschnittlichen monatlichen zusatzversorgungspflichtigen Entgelt der letzten drei Kalenderjahre vor
dem Jahr, in dem der Versicherungsfall eingetreten war (Langenbrinck/
Mühlstädt aaO Rdn. 125; vgl. zur Berechnung der Startgutschrift Langenbrinck/
Mühlstädt aaO Rdn. 109 ff., 145). Für die Ermittlung der Startgutschrift wird
nach § 18 Abs. 2 Nr. 1 BetrAVG zunächst eine sogenannte Voll-Leistung berechnet, die der Versicherte erhalten hätte, wenn er 45 Jahre im öffentlichen
Dienst beschäftigt gewesen wäre und damit den Höchstversicherungssatz erreicht hätte. Die Voll-Leistung wird dabei ähnlich wie die Versorgungsrente nach
dem bisherigen Recht ermittelt: Anhand des gesamtversorgungsfähigen Entgelts und der gesamtversorgungsfähigen Zeit wird die Gesamtversorgung des
Versicherten berechnet, von der die anhand eines pauschalen Verfahrens berechnete gesetzliche Rente abgezogen wird (Langenbrinck/Mühlstädt aaO
Rdn. 145). Von dieser Voll-Leistung erhält der Versicherte dann je nach Dauer
der Pflichtversicherung in der Zusatzversorgung einen prozentualen Anteil von
2,25 v.H. pro Pflichtversicherungsjahr.
40b) Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Erlass des angefochtenen Beschlusses allerdings entschieden, dass die (mit §§ 72 Abs. 1 u. 2,
73 Abs. 1 Satz 1 RZVK-S inhaltsgleiche) auf dem Tarifvertrag Altersversorgung
vom 1. März 2002 (ATV) beruhende Übergangsregelung für rentenferne Versi-
cherte in der Satzung der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (§ 78
Abs. 1 und 2, 79 Abs. 1 Satz 1 VBL-S) unwirksam ist (BGHZ 174, 127, 172 ff.,
zusammengefasst von Borth, FamRZ 2008, 395 ff., und BGH Urteil vom 14. Mai
2008 - IV ZR 26/07 - FamRZ 2008, 1343, 1345).
41Es führe zu einer sachwidrigen und deshalb gegen Art. 3 Abs. 1 GG verstoßenden Ungleichbehandlung innerhalb der Gruppe der rentenfernen Versicherten, soweit nach § 79 Abs. 1 Satz 1 der VBL-Satzung i.V.m. § 18 Abs. 2
Nr. 1 Satz 1 BetrAVG mit jedem Jahr der aufgrund des Arbeitsverhältnisses
bestehenden Pflichtversicherung lediglich 2,25 % der Vollrente erworben werden. Das Produkt aus der Zahl der Pflichtversicherungsjahre und dem Faktor
2,25 pro Pflichtversicherungsjahr halte den Anforderungen des Art. 3 Abs. 1 GG
nicht stand, weil es infolge der Inkompabilität beider Faktoren (vgl. dazu näher
BGHZ 174, 127, 173 f.) zahlreiche Versicherte vom Erreichen des 100 %-Wertes ohne ausreichenden sachlichen Grund von vornherein ausschließe. Die Ungleichbehandlung liege darin, dass Arbeitnehmer mit längeren Ausbildungszeiten die zum Erwerb der Vollrente (100 %) erforderlichen 44,44 Pflichtversicherungsjahre in ihrem Arbeitsleben nicht erreichen könnten und deshalb von
vornherein überproportionale Abschläge hinnehmen müssten. Davon seien neben Akademikern auch all diejenigen betroffen, die aufgrund besonderer Anforderungen eines Arbeitsplatzes im öffentlichen Dienst, etwa einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder eines Meisterbriefes in einem handwerklichen Beruf,
erst später in den öffentlichen Dienst eingetreten seien. Hingegen habe sich
nach § 41 Abs. 2 Satz 1 und 5, Abs. 2 b Satz 1 und 5 VBLS a.F. die Höhe sowohl des Bruttoversorgungssatzes als auch des Nettoversorgungssatzes nicht
nach den Pflichtversicherungsjahren, sondern nach der gesamtversorgungsfähigen Zeit gerichtet (BGHZ 174, 127, 172 ff.).
42c) Der Senat hat sich dieser Auffassung angeschlossen (vgl. Senatsbeschlüsse vom 5. November 2008 - XII ZB 53/06 - und - XII ZB 87/06 - jeweils
zur Veröffentlichung bestimmt). Weil die in §§ 72 Abs. 1 und 2, 73 Abs. 1 Satz 1
RZVK-S enthaltene Übergangsregelung für rentenferne Versicherte mit §§ 78
Abs. 1 und 2, 79 Abs. 1 Satz 1 VBL-S identisch ist, ist sie aus den dargestellten
Gründen wegen Verstoßes gegen Art. 3 Abs. 1 GG unwirksam. Ein danach ermittelter Wert einer Startgutschrift darf deshalb auch im Versorgungsausgleich
nicht Grundlage einer gerichtlichen Regelung sein oder durch eine individuelle
Wertberechnung ersetzt werden (Senatsbeschluss vom 5. November 2008
- XII ZB 53/06 - zur Veröffentlichung bestimmt; vgl. auch OLG Stuttgart FamRZ
2008, 1086; Borth FamRZ 2008, 326; ders. Versorgungsausgleich 4. Aufl.
Rdn. 364). Da §§ 72 Abs. 1 u. 2, 73 Abs. 1 Satz 1 RZVK-S auf § 33 Abs. 1
ATV-K als einer maßgeblichen Grundentscheidung der Tarifpartner beruht (vgl.
zu §§ 78 Abs. 1 und 2, 79 Abs. 1 VBL-S BGHZ 174, 127, 139), muss wegen der
zu beachtenden Tarifautonomie eine Neufassung der Übergangsregelung für
rentenferne Versicherte vielmehr den Tarifvertragspartnern vorbehalten bleiben
(vgl. hierzu und zu den Regelungsmöglichkeiten der Tarifpartner BGHZ 174,
127, 177 ff.).
43Auch ist der Wert der Startgutschrift nicht etwa aus prozessökonomischen Gründen anhand der bislang in der Satzung vorgesehenen (verfassungswidrigen) Übergangsregelung für rentenferne Versicherte zu bestimmen
(so aber für unter §§ 78, 79 Abs. 1 Satz 1 VBL-S fallende Anrechte OLG Zweibrücken FamRZ 2008, 1083, 1084 mit Anm. Borth). Zwar wäre diese Lösung
aus Sicht der Familiengerichte wünschenswert (vgl. Borth FamRZ 2008, 1085);
zudem hat der Senat in der Vergangenheit aus Gründen der Prozessökonomie
z.B. die vorübergehende Anwendung der verfassungswidrigen Barwert-Verordnung gebilligt (Senatsbeschluss BGHZ 148, 351, 366 ff. = FamRZ 2001, 1695,
1699 f.). Allerdings stehen hier keine allgemeinen, die Dynamik eines Anrechts
betreffenden Bewertungsvorschriften in Frage, sondern die das Rechtsverhältnis zwischen dem einzelnen Versicherungsnehmer und dem Versorgungsträger
regelnden Satzungsbestimmungen. Für die Frage, ob und in welcher Höhe eine
in der Ehezeit begründete bzw. aufrechterhaltene Anwartschaft oder Aussicht
auf eine Versorgung überhaupt besteht und dem Versorgungsausgleich unterliegt (§§ 1587 Abs. 1 Satz 1, 1587 a Abs. 2 BGB), ist aber das zwischen dem
Versicherten und dem Versorgungsträger maßgebliche Rechtsverhältnis zu beachten. Im Verfahren über den Versorgungsausgleich dürfen dabei keine rechtlichen Maßstäbe gelten, die der betreffenden Versorgungsordnung widersprechen. Der im Versicherungsverhältnis zwischen der Ehefrau und der RVK maßgebliche Vorbehalt einer tarifvertraglichen Neuregelung ist deshalb auch im
Versorgungsausgleichsverfahren zu berücksichtigen (vgl. Senatsbeschlüsse
vom 5. November 2008 - XII ZB 53/06 - und - XII ZB 87/06 - jeweils zur Veröffentlichung bestimmt).
44Ob dies auch dann gilt, wenn der ausgleichsberechtigte Ehegatte auf einen zeitnahen Versorgungsausgleich unter Einbeziehung eines unter die Übergangsregelung für rentenferne Jahrgänge fallenden Anrechts aus der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes dringend angewiesen ist, bedarf hier keiner Entscheidung. Ein Rentenbezug der am 8. Januar 1951 geborenen Ehefrau
6. Der Senat kann in der Sache nicht selbst abschließend entscheiden. 45
zum einen für die Wertermittlung des Anrechts des Ehemannes bei der
PKDEuS die erforderlichen Feststellungen trifft und zum anderen nach einer
Neuregelung der Übergangsbestimmung für rentenferne Jahrgänge in der
RZVK-S eine aktuelle Auskunft über den Ehezeitanteil des Anrechts der Ehefrau auf eine Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes bei der weiteren Be-
teiligten zu 3 einholt. Auf dieser Grundlage wird der Wertausgleich neu zu berechnen sein.
46Für das weitere Verfahren weist der Senat auf Folgendes hin:
47a) Das Oberlandesgericht wird das Verfahren in entsprechender Anwendung von § 148 ZPO auszusetzen haben, solange wegen der Unwirksamkeit
der Übergangsregelung für rentenferne Versicherte in §§ 72 Abs. 1 und 2, 73
Abs. 1 Satz 1 RZVK-S für die Berechnung der in den Versorgungsaugleich einzubeziehenden Anwartschaft der Ehefrau auf eine ZVöD eine rechtliche Grundlage fehlt (vgl. Senatsbeschluss vom 5. November 2008 - XII ZB 53/06 - zur
Veröffentlichung bestimmt). Zwar steht eine Verfahrensaussetzung nach § 148
ZPO grundsätzlich im pflichtgemäßen Ermessen des Gerichtes. Dieses Ermessen ist jedoch u.a. dann auf eine Pflicht reduziert, wenn die Voraussetzungen
einer Sachentscheidung - wie hier die verbindliche Bewertung des Anrechts auf
eine Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes - im betreffenden Verfahren
nicht geklärt werden können (vgl. Senatsbeschluss vom 5. November 2008
- XII ZB 53/06 - zur Veröffentlichung bestimmt; BGHZ 97, 135, 145; Zöller/
Greger ZPO 26. Aufl. § 148 Rdn. 7). Dem Oberlandesgericht ist es dabei verwehrt, das Verfahren allein zum Zwecke der Aussetzung bis zu einer Neuregelung der Übergangsregelung in der RZVK-S an das Amtsgericht - Familiengericht - zurückzuverweisen (vgl. Senatsbeschluss vom 5. November 2008
- XII ZB 53/06 - zur Veröffentlichung bestimmt).
48aa) Allerdings ist eine Teilentscheidung zum Versorgungsausgleich entsprechend § 301 Abs. 1 ZPO möglich, sofern im Übrigen ein aussonderbarer
Teil des Verfahrensgegenstandes vorliegt, über den selbständig entschieden
werden kann (vgl. Senatsbeschlüsse vom 18. Mai 1983 - IVb ZB 15/82 -
FamRZ 1983, 890, 891 und vom 13. Oktober 1982 - IVb ZB 601/81 - FamRZ
1983, 38, 39; ebenso Borth FamRZ 2008, 326, 327). Verfügt der ausgleichsberechtigte Ehegatte über ein Anrecht aus der Zusatzversorgung des öffentlichen
Dienstes, in dem eine auf unwirksamer Rechtsgrundlage berechnete Startgutschrift enthalten ist, kann der Wertausgleich grundsätzlich dann teilweise hinsichtlich der gesetzlichen Rentenversicherung durchgeführt werden, wenn beim
Ausgleichspflichtigen wertmäßig deutlich höhere betriebliche Anrechte vorliegen
und sich deshalb das Anrecht des Ausgleichsberechtigten aus der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes - auch nach einer in der Höhe noch ungewissen Neufestsetzung des Startguthabens - auf den Ausgleich der gesetzlichen
Anrechte des Ausgleichspflichtigen durch Rentensplitting (§ 1587 b Abs. 1
BGB) nicht auswirken kann (vgl. Borth FamRZ 2008, 326, 327).
Ob hier der ausgleichsverpflichtete Ehemann ungeachtet der offenen 49
Neubewertung des Anrechts der Ehefrau bei der RVK insgesamt über die deutlich höheren - in der Ehezeit erworbenen - betrieblichen Anrechte verfügt, lässt
sich zumindest derzeit wegen der ebenfalls ungeklärten Bewertung seines Anrechts bei der PKDEuS aber nicht mit der gebotenen Sicherheit beurteilen.
bb) Auch wäre eine Teilentscheidung zum Versorgungsausgleich erst 50
dann zwingend, wenn beim Ausgleichsberechtigten der Rentenfall bereits eingetreten oder zumindest bald bevorsteht. Ohne eine solche Teilentscheidung
drohten Nachteile, weil die infolge des Wertausgleichs um den Zuschlag nach
§ 76 SGB VI erhöhte Rente erst vom Beginn des Kalendermonats an zu zahlen
ist, in dem die Entscheidung zum Versorgungsausgleich wirksam geworden ist
(Borth FamRZ 2008, 326, 327). Solche Umstände sind hier jedoch nicht ersichtlich.
b) Die Zurückverweisung gibt dem Oberlandesgericht Gelegenheit, ggf. 51
auch Feststellungen zu der Frage zu treffen, ob die Anwartschaft des Eheman-
nes bei der PKDEuS im Anwartschaftsstadium volldynamisch ist (bejahend
OLG Zweibrücken OLGR 2006, 117 f.; OLG Hamburg Beschluss vom 18. April
2007 - 2 UF 72/07 - nicht veröffentlicht).
52aa) Die Höhe der von aktiven Mitgliedern der PKDEuS zu zahlenden Beiträge bemisst sich nach ihrem versicherungsfähigen Einkommen (§ 21 der Satzung); die Anwartschaft auf eine monatliche Versichertenrente des Ehemannes,
der Mitglied der Abteilung A ist (§§ 10, 12 ff. der Satzung), errechnet sich nach
§ 16 der Satzung aus einem Prozentsatz der für ihn insgesamt entrichteten Beiträge (1,25 v.H. der Summe der bis zum 31. Dezember 1999 und 1,13 v.H. der
Summe der ab 1. Januar 2000 für den Arbeitnehmer insgesamt entrichteten
Beiträge). Für eine Volldynamik im Anwartschaftsstadium reicht es zwar nicht
aus, dass sich die Höhe der Anwartschaft allein nach den Beiträgen des Versicherten richtet, die sich an seinem Individualeinkommen orientieren, so dass
Einkommenssteigerungen mittelbar auch eine Wertsteigerung bewirken (sog.
Beitragsdynamik, vgl. Senatsbeschlüsse BGHZ 85, 194, 199 = FamRZ 1983,
40, 41 f.; vom 21. September 1988 - IVb ZB 104/86 - FamRZ 1989, 155, 156
und vom 21. Januar 1987 - IVb ZB 155/84 - FamRZ 1987, 361, 362; Hoppenz/
Triebs Familiensachen 8. Aufl. § 1587 a BGB Rdn. 216; Johannsen/Henrich/
Hahne Eherecht 4. Aufl. § 1587 a Rdn. 235). Allerdings hat es der Senat für die
Annahme einer Volldynamik als ausreichend angesehen, dass die Wertsteigerungen der betrieblichen Anwartschaft aus Überschussausschüttungen stammen, die von der jeweiligen Ertragslage des Versorgungsunternehmens abhängen (Senatsbeschlüsse vom 1. Dezember 2004 - XII ZB 45/01 - FamRZ 2005,
430, 431 und vom 9. Oktober 1996 - XII ZB 188/94 - FamRZ 1997, 166, 168;
Johannsen/Henrich/Hahne aaO § 1587 a Rdn. 234). Erforderlich ist lediglich der
mit einer der Maßstabversorgungen vergleichbare Wertanstieg der Anwartschaft und die Unverfallbarkeit der Anwartschaftsdynamik (vgl. zur Unverfallbarkeit der Anwartschaftsdynamik Senatsbeschluss vom 25. September 1991
- XII ZB 161/88 - FamRZ 1991, 1421, 1424; Johannsen/Henrich/Hahne aaO
§ 1587 a Rdn. 235).
53Auf der Grundlage der bis 31. Dezember 2005 geltenden Fassung von
§ 57 der Satzung, der die Möglichkeit einer "Anhebung von Anwartschaften"
durch die Verwendung von Überschüssen ausdrücklich vorsah, hat die
PKDEuS nach den Angaben der Rechtsbeschwerde im Vergleichszeitraum von
1997 bis 2006 die bei ihr bestehenden Anwartschaften der Abteilung A vergleichbar den Wertsteigerungen laufender Renten um durchschnittlich 0,70 %
p.a. erhöht. Dabei wurden bestehende Anwartschaften auch dann angehoben,
wenn die ordentliche Mitgliedschaft eines Versicherungsnehmers in der
PKDEuS nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses in eine beitragsfreie (außerordentliche) Mitgliedschaft umgewandelt worden war (vgl. § 36 Abs. 2 Satz 5
54bb) Das Oberlandesgericht wird deshalb bei der Regelung des Versorgungsausgleichs eine Prognose darüber zu treffen haben, ob auch künftig mit
einem Wertanstieg der Anwartschaften bei der PKDEuS zu rechnen ist, der mit
den Steigerungsraten der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Beamtenversorgung zumindest annähernd Schritt hält.
Die Möglichkeit, bestehende Anwartschaften durch die Verwendung von 55
erwirtschafteten Überschüssen anzuheben, hat die PKDEuS auch nach § 57
Abs. 3 ihrer Satzung in der seit dem 1. Januar 2006 geltenden Fassung. Ein
sich im Rahmen der versicherungstechnischen Überprüfung

References: BGH 
 § 1587
 § 12
 § 1587
 § 1587
 § 148
 § 1587
 § 1587
 § 16
 § 16
 § 57
 § 10

Art. 2
 § 1
 § 1
 § 3
 § 3
 § 1587
 § 1587
 § 1
 § 1
 § 1
 § 57
 § 57

§ 57
 § 57
 § 16
 § 16
 § 57
 § 16
 § 1587
 § 1587
 § 57
 § 53
 § 1587
 § 1587
 § 1587
 § 1587
 § 1587
 § 1587

§ 1587
 § 1587
 § 1587
 § 18
 § 1587
 § 33
 § 69
 § 72
 § 18
 § 73
 § 18
 § 18
 BGH 
 Art. 3
 § 79
 § 18
 Art. 3
 § 41
 Art. 3
 § 33
 § 148
 § 148
 § 148
 § 301

§ 76

§ 16
 § 1587
 § 1587
 § 1587

§ 1587

§ 57
 § 36
 § 57