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Timestamp: 2013-05-20 06:02:11+00:00

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Aggiornamento als unverzichtbarer Bestandteil f�r die Glaubw�rdigkeit der katholischen Kirche Home > Thema's > Kerk zijn > Andere onderwerpen "Kerk zijn" > Aggiornamento: onontbeerlijk bestanddeel van de...Vertalingen: Nederlands Deutsch Reactie plaatsen Paul Haverkamp22/7/10
f�r die Glaubw�rdigkeit der katholischen Kirche
Die katholische Kirche � das auf dem Weg befindliche Volk Gottes � muss immer wieder gemeinsam �ber den einzuschlagenden Weg neu reflektieren. Ein R�ckblick auf 2000 Jahre Kirchengeschichte ist ein lebendiger Beweis f�r diese Aussage. Immer wieder gilt es die Frage nach einem �Heutig-werden" zu aktualisieren; die unaufgebbare jesuanische Botschaft verlangt immer wieder nach einer kreativen Neu�bersetzung in die Sprache der jeweiligen Gegenwart. Ein �aggiornamento" ist und bleibt unverzichtbar � nicht nur im Bereich der Sprache, sondern auch im Bereich der geistlich-liturgischen Vollz�ge. Das Wort �aggiornamento" bedeutet keineswegs Anpassung, wie es gelegentlich f�lschlicherweise �bersetzt wird, sondern das Bem�hen, die Kirche so auf die �H�he des Tages" zu bringen, dass die Botschaft des Evangeliums die Menschen unserer Zeit erreicht.
Es gilt, die normativen Zeugnisse der Selbstoffenbarung Gottes so auszulegen, dass diese auch im Hier und Heute zum Glaube finden und die Ver�nderung des Lebens und der Welt auf Gottes Herrschaft hin inspirieren k�nnen. Im Heute muss es gelingen, das damals im Geiste Gottes Gesagte und Gehandelte im Kontext des Selbst-, Welt- und Gottesverst�ndnisses inspirierend und beziehungsreich zur Sprache zu bringen.
Aus der Sicht Johannes` XXIII. standen Kirche und Welt am Beginn seines Pontifikats vor gewaltigen Herausforderungen, die Gefahren und Chancen beinhalten, aber insgesamt hoffnungsvolle Perspektiven er�ffnen k�nnten. Zu einer sich in einem rasanten Wandel befindlichen Welt musste die Kirche ihr Verh�ltnis neu bestimmen. Sie konnte nicht einfach in der Abwehrhaltung verharren wie bisher. Sie musste mit der Welt in einen Dialog kommen, und auch selbst einen Beitrag zur L�sung der Probleme der Moderne leisten, musste der Menschheit bei ihrer Suche nach Frieden, Gerechtigkeit und Einheit dienen und gleichzeitig neue Wege einer glaubw�rdigen Verk�ndigung des Evangeliums finden.
Das Schl�sselwort Johannes` XXIII. dazu hie� �aggiornamento". Johannes XXIII. sah die Kirche nicht prim�r als eine festgef�gte, dem Wandel der Zeiten enthobene Institution, sondern als eine lebendige Gemeinschaft, die immer neu auf die Erfordernisse der Gegenwart, die �Zeichen der Zeit", wie er es nannte, zu achten hat. Kein Museum sei die Kirche, so betonte er immer wieder, sondern ein lebendiger Garten. Was Johannes XXIII. vor Augen schwebte, war also eine Erneuerung der Kirche in der Besinnung auf das Evangelium und im Blick auf die Fragen unserer Zeit und der Beginn eines Dialogs mit der modernen Welt.
Von zentraler Bedeutung war dann die Ansprache Johannes` XXIII. bei der Konzilser�ffnung am 11. Oktober 1962. Es wurde klar, dass dem Papst ein Konzil v�llig neuer Art vorschwebte. Das Zweite Vatikanum sollte nicht einfach die geltende Lehre bekr�ftigen und auf keinen Fall Irrt�mer verurteilen, sondern �mutig und furchtlos" in einem gro�en �Sprung nach vorn" �im Licht der modernen Forschungen und in der Sprache des heutigen Denkens" eine Antwort auf die �ver�nderte Situation und die neuen Lebensformen" der Gegenwart suchen. Das war neu. Noch niemals hatte ein Konzil das Ziel, die zeitgen�ssische Welt und ihre Probleme in den Blick zu nehmen, das Verh�ltnis der Kirche zu dieser Welt grundlegend zu �berpr�fen.
So wurde das Zweite Vatikanische Konzil ein Reformkonzil, und zwar Reform nicht als Wiederherstellung eines fr�heren Zustands, sondern in Sinn einer Selbsterneuerung der Kirche im Geist des Evangeliums und im Blick auf die Welt von heute. An erster Stelle also das Evangelium.
Grunds�tzliche Bereitschaft zur Erneuerung
Im Unterschied zu allen fr�heren Konzilien nahm jedoch das Zweite Vatikanum auch die menschliche Erfahrung in den Blick, also die Entwicklungen der Gesellschaft, die Fragen, Hoffnungen und Probleme der Menschen der Gegenwart, und im Blick darauf fragte es, was in der Kirche ge�ndert werden muss, damit sie das Evangelium in unserer Zeit glaubw�rdig bezeugen und verk�ndigen kann.
Dabei sollte diese Reform kein einmaliger Akt sein, dessen Ergebnisse wiederum f�r alle Zukunft festgeschrieben w�rden, so dass nach der Durchf�hrung der Konzilsbeschl�sse wieder eine Epoche beg�nne, in der sich nichts mehr �ndert. Das Konzil wollte vielmehr eine grunds�tzliche Bereitschaft zur Erneuerung wecken, die die Herausforderungen der sich st�ndig �ndernden Welt zur Kenntnis nimmt und sich ihnen stellt. So hei�t es in der Pastoralkonstitution �ber die Kirche in der Welt von heute: Die Kirche soll sich �unter der F�hrung des Heiligen Geistes unaufh�rlich erneuern" (GS 21). Sie hat �die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten" (GS 4).
Auch im Verh�ltnis zur heutigen Gesellschaft gilt als Grundprinzip der Dialog. Das Konzil wollte nicht von oben herab, gleichsam von der hohen Warte eines der Zeit entr�ckten Lehramts, Prinzipien verk�nden und alle Zuwiderhandelnden tadeln. Es bem�hte sich vielmehr, in einer grundlegenden Solidarit�t die Sachverhalte und die Probleme der Gegenwart zur Kenntnis zu nehmen und in einem offenen Dialog einen Beitrag zur Bew�ltigung dieser Probleme zu leisten. Dialog bedeutet aber immer Geben und Nehmen.
Daher betont das Konzil, dass die Kirche �von der Welt, sei es von einzelnen Menschen, sei es von der menschlichen Gesellschaft, durch deren M�glichkeiten und Bem�hungen viele und mannigfaltige Hilfe zur Wegbereitung f�r das Evangelium erfahren kann" (GS 40), dass sie �der Geschichte und Entwicklung der Menschheit" vieles �verdankt", und dass sie �durch die Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens" eine wirkliche �Bereicherung" erf�hrt (GS 44).
Daraus ergibt sich auch, dass das Konzil die Moderne nicht durchweg negativ, als Verfallsprozess, beurteilt, wie es so lange der Fall war, sondern dass es darin viel Positives findet, das die Kirche nicht verwerfen darf. Die Devise hei�t daher nicht mehr wie vorher Widerstand und Abgrenzung, sondern �ffnung und Dialog. Die Kirche des Konzils will nicht als Machtfaktor und nicht in der Pose des allwissenden Lehrers auftreten, sondern als Gespr�chspartner, der gemeinsam mit allen anderen um die L�sung der gro�en Probleme der jeweiligen Gegenwart ringt � nicht befehlend, belehrend oder fordernd, sondern argumentierend und sich um Verst�ndigung bem�hend. Das alles war als Aussage des h�chsten kirchlichen Lehramts v�llig neu.
Dieses neue auf die Welt zugehende Denken und Schauen lie� es als unverzichtbar erscheinen, ein neues Verst�ndnis bzw. Verh�ltnis zur Tradition zu gewinnen. Tradition � so wurde vielen Konzilsv�tern deutlich bewusst - ist ein lebendiger Prozess, in dem gewisserma�en zwei Horizonte miteinander verschmelzen, n�mlich der Horizont der Botschaft Jesu und der Horizont der jeweiligen Lebenserfahrungen und Lebensverh�ltnisse der Menschen. F�r manche Konzilsv�ter trug ein solches Verst�ndnis bereits den Verdacht eines Verrats gegen�ber der Kirchengeschichte in sich. Festzuhalten bleibt jedoch, dass ein versteinertes, nur nach r�ckw�rts gewandtes Traditionsverst�ndnis einen Verrat an der Tradition darstellt.
F�r das neue Verst�ndnis von Tradition spricht die Aussage im Artikel 8 der Offenbarungskonstitution �Dei Verbum", in dem es hei�t:
�Die(se) apostolische �berlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt: es w�chst das Verst�ndnis der �berlieferten Dinge und Worte..., die Kirche strebt im Gang der Jahrhunderte st�ndig der F�lle der g�ttlichen Wahrheit entgegen" (Dei Verbum Art.8). Sie, die Kirche, das hei�t, das ganze Volk Gottes, strebt unter dem Beistand des Heiligen Geistes der ganzen Wahrheit entgegen. Wer ihr entgegenstrebt, Kirche in der Spannung zwischen Vergangenheit und Zukunft befindet sich in einem Prozess, er hat nicht alles schon in der Hand. Wer hingegen meint, ein bestimmter Punkt in der Geschichte der Kirche, etwa das in der Etappe des Konzils von Trient im 16. Jahrhundert Erreichte, sei unver�nderbar f�r alle Zeiten zu perpetuieren, und nur so sei mit der Tradition richtig umgegangen, der irrt.
Der Begriff der �Zeichen der Zeit� wurde ein f�r das Konzil zentraler Begriff. Johannes XXIII. hatte ihn ins Spiel gebracht. Er verstand unter den �Zeichen der Zeit" Hauptfaktoren einer Epoche und die sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten. So sah er es zum Beispiel als �Zeichen der Zeit" an, wie er in seiner Konzilser�ffnungsrede darlegte, �die Substanz der alten Lehre des Glaubenssatzes von der Formulierung ihrer sprachlichen Einkleidung (zu) unterscheiden."
In den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils begegnet der Begriff der �Zeichen der Zeit" an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Zusammenh�ngen. Die Pastoralkonstitution Gaudium et spes betont die grunds�tzliche Pflicht, �nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten" (GS Art. 4). Das Dekret �ber Dienst und Leben der Priester, Presbyterorum ordinis, hebt hervor, dass die Zeichen der Zeit zu deuten eine von Priestern und Laien gemeinsam zu �bernehmende Aufgabe ist (PO Art. 9). Das Dekret �ber das Apostolat der Laien, Apostolicam actuositatem, stellt die Solidarit�t unter den V�lkern als Zeichen der Zeit heraus (AA Art. 14) und das Dekret �ber den �kumenismus, Unitatis redintegratio, sieht in der Aufgabe der �kumene ein Zeichen der Zeit (UR Art. 4). Dabei hat man den Eindruck, dass sich das Konzil erst allm�hlich der Sprengkraft des Begriffs der �Zeichen der Zeit" bewusst wurde, der im �brigen erst in der nachkonziliaren Diskussion klarere Konturen annahm.
�Zeichen der Zeit" �sind solche Vorg�nge, die aus unterschiedlichen Antrieben und Motivationen herstammend, von der Kirche als geistgewirkt anerkannt werden. Weil die Kirche in ihnen das Wirken des Geistes erkennt, ist sie gehalten, diese Tendenzen und Vorg�nge aufzunehmen und zu bef�rdern. Johannes XXIII. nennt in solchem Kontext etwa die die Aufhebung der Benachteiligung der Frauen auf Grund ihres Geschlechtes in der modernen Gesellschaft. Auch hier gilt, dass die tiefsten Wurzeln der Frauenemanzipation im Ratschluss Gottes und im Zeugnis der Schrift entdeckt und durch allgemeine Vernunftgr�nde bekr�ftigt wurden, wenngleich der moderne Feminismus sich auch aus vielen anderen Quellen speiste. So gilt auch von den Zeichen der Zeit, dass das Evangelium bei gleichzeitiger Leugnung der Zeichen der Zeit nicht glaubw�rdig verk�ndet werden kann." H�nermann � In: Heft Werbick/Unterburger : S.164
Die Pastoralkonstitution hatte zum Ausdruck gebracht (s.o), die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu deuten. Das stellte ein erstes Herantasten dar. In Artikel 44 wird die Pastoralkonstitution gewisserma�en mutiger, indem sie, ohne den Begriff der �Zeichen der Zeit" ausdr�cklich zu nennen, sagt:
�Es ist(jedoch) Aufgabe des ganzen Gottesvolkes, vor allem auch der Seelsorger und Theologen, unter dem Beistand des Heiligen Geistes auf die verschiedenen Sprachen unserer Zeit zu h�ren, sie zu unterscheiden, zu deuten und im Licht des Gotteswortes zu beurteilen, damit die geoffenbarte Wahrheit immer tiefer erfasst, besser verstanden und passender verk�ndet werden kann" (GS Art. 44).
Auffallend an diesem Text ist, dass hier ist die Rede von den �Sprachen unserer Zeit" ist. Darunter darf man in einem weiteren Sinn den Wahrnehmungshorizont, oder im Plural, die Wahrnehmungshorizonte der Menschen unserer Zeit verstehen. �ber den Wortlaut dieser Stelle hinaus, der sich ja immer noch �vor allem" an die Seelsorger und Theologen richtet, wird in der nachkonziliaren Diskussion noch deutlicher, dass die �Zeichen der Zeit" wahrzunehmen, sie gewisserma�en in die Nase zu bekommen, ohne dabei schon zu einer abschlie�enden Deutung zu kommen, vor allem in die Kompetenz der einfachen Leute, der Menschen an der Basis, an der kirchlichen Basis, falle. Man bezeichnete diese Basiskompetenz als die �theologale Erfahrung" der Menschen. Deshalb hatte ja schon Gaudium et spes von dieser Aufgabe als der Aufgabe des ganzen Gottesvolkes gesprochen und das ganze Gottesvolk betont an den Satzanfang gestellt, bevor dann eine Differenzierung erfolgte.
Die kontroversen Auseinandersetzungen �ber die Ausgestaltung eines �Heute-Werden" der Kirche begannen bereits w�hrend des Konzils und ziehen sich seit dieser Zeit wie ein �roter Faden" durch die Kirchengeschichte der letzten f�nfzig Jahre. W�hrend die Skeptiker gegen�ber einem �aggiornamento" f�rchten, dass das Auseinanderbrechen von Kirche, Glaube und Religion eine zunehmende und zerst�rerische Tendenz entwickeln werde, berufen sich die Anh�nger eines �aggiornamento" auf das 2. Vatikanische Konzil, das die Kirche als eine �ecclesia semper reformanda" bezeichnet. Die Bef�rworter dieser Richtung berufen sich auf Johannes XXIII., der zur Er�ffnung des Konzils am 11. Oktober 1962 u.a. ausf�hrte:
�In der t�glichen Aus�bung Unseres apostolischen Hirtenamtes geschieht es oft, dass bisweilen Stimmen solcher Personen unser Ohr betr�ben, die zwar von religi�sem Eifer brennen, aber nicht gen�gend Sinn f�r die rechte Beurteilung der Dinge noch ein kluges Urteil walten lassen. Sie meinen n�mlich, in den heutigen Verh�ltnissen der menschlichen Gesellschaft nur Untergang und Unheil zu erkennen. Sie reden unabl�ssig davon, dass unsere Zeit im Vergleich zur Vergangenheit dauernd zum Schlechteren abgeglitten sei. Sie benehmen sich so, als h�tten sie nichts aus der Geschichte gelernt, die eine Lehrmeisterin des Lebens ist, und als sei in den Zeiten fr�herer Konzilien, was die christliche Lehre, die Sitten und die Freiheit der Kirche betrifft, alles sauber und recht, zugegangen. Wir aber sind v�llig anderer Meinung als diese Ungl�ckspropheten, die immer das Unheil voraussagen, als ob die Welt vor dem Untergange st�nde.
In der gegenw�rtigen Entwicklung der menschlichen Ereignisse, durch welche die Menschheit in eine neue Ordnung einzutreten scheint, muss man viel eher einen verborgenen Plan der g�ttlichen Vorsehung anerkennen. Dieser verfolgt mit dem Ablauf der Zeiten, durch die Werke der Menschen und meist �ber ihre Erwartungen hinaus sein eigenes Ziel, und alles, auch die entgegen gesetzten menschlichen Interessen, lenkt er weise zum Heil der Kirche."
Die katholische Kirche am Beginn des 3. Jahrtausends wird der Frage nicht ausweichen k�nnen, wie sie mit ihren Traditionen umzugehen gedenkt. Wollen wir diese Traditionen nicht einer ver�nderten Welt preisgeben, m�ssen wir sie mutig neu interpretieren.
Bestehen wir auf blo�em Konservieren der spezifischen Lehr- und Lebensgestalt von Kirche aus einer bestimmten geschichtlichen Epoche, reduzieren wir uns selbst zur irrelevanten Sekte. Gerade angesichts der Funktion von Traditionen, n�mlich Sicherheit zu geben und Identit�t zu stabilisieren, ist es entscheidend, die Tradition � orientiert an ihren Grunds�tzen � immer wieder neu zu denken und sagen. Solche Grunds�tze werden in der Jesus-Tradition deutlich, in der Barmherzigkeit und Vergebungswille Gottes die Thora-Anwendung Jesu leiten und die Gemeinschaft der Menschen so konstituieren, dass Ausgrenzungen �berwunden und Spaltungen geheilt werden.
Wo Traditionen in unseren Lebensbereichen Grenzen untereinander ziehen und das Miteinander erschweren, wo alte Vorbehalte Gemeinschaft zerst�ren und Regeln �ber menschlicher Not stehen, m�ssen wir neue Auslegungen der Tradition wagen. Wir haben uns zu fragen, welchen Stellenwert wir den Grunds�tzen Jesu in unserem pers�nlichen Umgang miteinander und bei der Gestaltgebung von Kirche einzur�umen bereit sind.
Gewiss darf Kirche seine in der Vergangenheit gemachten Gotteserfahrungen nie in Vergessenheit geraten lassen. Doch es w�re ein grobes Missverst�ndnis, Gottes Wirken auf eine in der Vergangenheit abgeschlossene Periode zu reduzieren und der Meinung zu verfallen, dass all das, was Gott den Menschen zu sagen hatte, ausschlie�lich und endg�ltig als ein in der Vergangenheit liegendes und nicht mehr zu erweiterndes oder erg�nzendes Geschenk Gottes an die Menschen zu betrachten w�re. Gottes Evidenz in dieser Welt ist jedoch auch immer wieder von Unverst�ndlichkeiten, Br�chen und Diskontinuit�ten gepr�gt. In Zeiten des Wandels und rascher Ver�nderungen gilt es einerseits am Unaufgebbaren christliches Glaubensverstehens festzuhalten, aber andererseits auch sich zu �ffnen f�r das von Gott den Menschen angebotene Neue, �berraschende, Ungewohnte. Die Pastoralkonstitution �Gaudium et spes' spricht in Ziffer 11 das Bem�hen des Volkes Gottes an, �in den Ereignissen, Bed�rfnissen und W�nschen, die es mit den �brigen Menschen unserer Zeit teilt, zu unterscheiden, was darin Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes sind." Die Zeichen der Zeit verlangen es der Kirche ab, sich so zu wandeln, dass sie die Botschaft aufnehmen kann, die sie in diesen Zeichen erreichen soll. Das tief in der Bibel verankerte Motiv des �Exodus" muss immer wieder neu f�r die Gegenwart durchdekliniert werden. Umbruchsituationen verlangen Aufbr�che, stellen Herausforderungen f�r das Volk Gottes dar, sich in der Erinnerung an die Exodus-Erfahrung auf neue Wege einzulassen � im Vertrauen darauf, dass Gottes Geist sein Volk leiten und zu neuen Ufern f�hren wird. Kleinmut und Verzagtheit gilt es abzusch�tteln und den uns von Gott geschenkten neuen Wegen mutig und vom Heiligen Geist begleitet anzuvertrauen. Gott wird seine Leben und Erl�sung spendende Hand ausstrecken � auch in der Gegenwart � und das im Vertrauen auf seine F�hrung sich einlassende Volk zu neuen und zwar fremden, aber Heil und Segen bringenden Gestaden f�hren; genau so, wie er das in der Knechtschaft �gyptens darbende Volk in das Land gef�hrt hat, in dem �Milch und Honig flie�en".
Papst Johannes war von diesem Gott, der im Aufbruch uns Menschen von heute leiten und segnen m�chte, �berzeugt: �Dieser (Gott) verfolgt mit dem Ablauf der Zeiten, durch die Werke der Menschen und meist �ber ihre Erwartungen hinaus sein eigenes Ziel, und alles, auch die entgegen gesetzten menschlichen Interessen, lenkt er weise zum Heil der Kirche." Dieses Vertrauen bietet uns Gott immer wieder neu an � wir m�ssen nur bereit sein, in aktiver Mitgestaltungsbereitschaft uns ihm dem�tig anzuvertrauen.
Christliches Selbstverst�ndnis und christlicher Glaube basieren nicht ausschlie�lich auf einem �regressiven Identit�tsged�chtnis" (Werbick). Kirche darf ihren �Honig" nicht nur aus Vergangenheitserinnerungen saugen, sondern es gilt deutlich zu machen, dass Gott seine segnende und heilende Begegnung in jeder Gegenwart seinem Volk aufs Neue macht; Gott widerf�hrt seinem Volk immer wieder neu. Es muss also � wie der in El Salvador lebende Jesuit und Befreiungstheologe Jon Sobrino formuliert - immer wieder daran erinnert werden, dass �Gott ein �Heute' hat, nicht nur ein bereits bekanntes und interpretiertes �Gestern', weil er mit der Gegenwart seiner Sch�pfung eine Absicht verbindet, nicht nur in der Vergangenheit."
Sich Gottes Heute und Morgen zu stellen, macht es erforderlich, �berliefertes, Vertrautes und Gelerntes auch hinter sich lassen zu m�ssen, ohne jedoch die Erinnerung in Vergessenheit geraten zu lassen, in der Kirche sich ihrer Identit�t und Sendung immer wieder aufs Neue bewusst macht und machen muss. Jedoch � und das zeigt die Geschichte immer wieder, realisiert sich Identit�t vor allem nicht in bewusster Wiederholung des angeblich immer so Dagewesenen, sondern bedeutsam und als eigentliche Quelle f�r Identit�t erweist sich die Vermittlung Kontinuit�t und Diskontinuit�t ; Kontinuit�t impliziert auch Diskontinuit�t, denn aus dem Entwicklungsprozess geht das Andere, das Neue, das f�r die Gegenwart und Zukunft Bedeutsame hervor. Die Wandlung erm�glicht eine neue Erfahrung dahingehend, dass man sich genau in ihr selbst treu bleibt bzw. erst sich in ihr wieder neu entdeckt. Biblische Erfahrungen und Vorbilder fordern gerade zu einem auch in der Gegenwart unverzichtbaren �Exodus" heraus.
Zeiten, in den Diskontinuit�ten und Umbr�che sich vollziehen, schaffen jedoch nicht nur Zufriedenheit und Harmonie. Vielen Menschen sitzt die Angst tief im Nacken vor dem Zusammenbruch des bisher so Gewohnten und pers�nliche Sicherheit Vermittelnden. Bohrende und zugleich an sich zweifelnde Fragen hinsichtlich des eigenen Verhaltens in der Vergangenheit (�Es kann doch nicht alles falsch gewesen sein, woran ich bisher geglaubt und wof�r ich eingetreten bin!") rufen eine Mischung von Trotz und Resignation hervor. Die Angst vor Erneuerungen und Reformen verschlie�t h�ufig die Ohren f�r eine Argumentation, die darauf hinweist, dass diejenigen, die der Kraft des Hl. Geistes misstrauen und eigene Sicherheitsgewohnheiten nicht abzulegen bereit sind, die Kirche im Hier und Heute schon f�r tot erkl�rt haben. Johannes XXIII. wusste, dass viel Altgewohntes auf der Strecke bleiben w�rde; dennoch war er beseelt von der Erkenntnis, dass die Fenster der Kirche weit ge�ffnet werden sollten, um den Startschuss f�r eine Runderneuerung der Kirche zu geben; oder, um es mit den Worten des Konzils zu sagen, die Kirche als eine �ecclesia semper reformanda" zu verstehen.
F�r Sobrino ist es eine ekklesiologisch entscheidende Frage, wie Kirche mit dem Angebot Gottes f�r das �Heute' umgeht. F�r Sobrino steht au�er Zweifel, �dass Gott heute immer noch sprechen kann, und zwar in der Weise der Neuheit Gottes, die sich nicht einfach aus dem, was wir schon von ihm wissen, deduzieren oder extrapolieren l�sst. Es bedeutet demnach prinzipiell und methodologisch, sich vieler Dinge zu entledigen, auch wenn die Kirche meint, sie bes��e schon viel von Gott. Es bedeutet, das Nichtwissen zu akzeptieren, um von Gott und von seinem Willen heute etwas erfahren zu k�nnen."
Paul HaverkampReactie plaatsenReglement
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