Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VerfG%20Brandenburg&Datum=28.07.2008&Aktenzeichen=VfGBbg%2076%2F05
Timestamp: 2020-02-21 07:29:57+00:00

Document:
VerfG Brandenburg, 28.07.2008 - VfGBbg 76/05 - dejure.org
https://dejure.org/2008,6021
VerfG Brandenburg, 28.07.2008 - VfGBbg 76/05 (https://dejure.org/2008,6021)
VerfG Brandenburg, Entscheidung vom 28.07.2008 - VfGBbg 76/05 (https://dejure.org/2008,6021)
VerfG Brandenburg, Entscheidung vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 (https://dejure.org/2008,6021)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2008,6021) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
LV Art. 97 Abs. 3 Satz 2; LV Art. 97 Abs. 3 Satz 3; VerfGGBbg § 32 Abs. 7 Satz 2; BSHG § 100 Abs. 1 Nr. 1; SGB XII § ... 97 Abs. 3; SGB XII § 97 Abs. 4; AG-BSHG § 4; AG-BSHG/SGB XII § 1 Abs. 1; AG-BSHG/SGH XII § 2 Abs. 2; AG-BSHG/SGH XII § 4 Abs. 2; RVG § 33 Abs. 1; RVG § 37 Abs. 2 Satz 2
Kommunale Selbstverwaltung; Konnexitätsprinzip; Sozialhilferecht; Beschwerdebefugnis; Subsidiarität; Beschwerdefrist; Gegenstandswert
Diese allgemeine Bedeutung ist wegen der Tragweite der zu treffenden Entscheidung nicht nur für die Beschwerdeführerinnen, sondern auch für alle anderen örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe im Land Brandenburg anzunehmen (vgl. Urteile vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -, LVerfGE 19, 84 und vom 15. Dezember 2008 - VfGBbg 66/07 -, www.verfassungs-gericht.brandenburg.de).
Ein neuer Beginn der Verfassungsbeschwerdefrist ist dann anzunehmen, wenn Bestimmungen durch die Gesetzesänderung einen neuen und erweiterten Inhalt erhalten haben (vgl. hierzu Urteil vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -, LVerfGE 19, 84, 95; zum Bundesrecht vgl. BVerfGE 43, 108, 116; 111, 382, 411).
Die beschwerdeführenden Landkreise sind als "Gemeindeverbände" gemäß § 51 Abs. 1 VerfGGBbg im kommunalen Verfassungsbeschwerdeverfahren beteiligtenfähig (vgl. Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, zuletzt Urteile vom 22. November 2007 - VfGBbg 75/05 -, DVBl. 2008, 132 [nur LS], und vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -, LKV 2008, 459).
Eine allgemeine Bedeutung ist wegen der Tragweite der zu treffenden Entscheidung nicht nur für die Beschwerdeführer, sondern auch für alle anderen örtlichen Träger der Sozialhilfe im Land Brandenburg anzunehmen (vgl. Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, Urteil vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -, aaO).
Steht dem Land aber aufgrund der Übertragungsnorm frei, die Aufgabe bei einer Landes- oder einer kommunalen Behörde anzusiedeln, ist das Land zum Ausgleich verpflichtet, wenn es die Aufgabe auf die Kommunen überträgt (so bereits Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, Urteil vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -, aaO).
Auch im Übrigen bezieht sich die landesverfassungsgerichtliche Rechtsprechung zum Konnexitätsprinzip bislang allein auf Sachaufgaben (…BbgVerfG, Urt. v. 15.12.2008 - VfGBbg 66/07 -, NVwZ-RR 2009, 185 sowie Urt. v. 28.07.2008 - VfGBbg 76/05 -, LKV 2008, 459 …und Urt. v. 14.02.2002 - VfGBbg 17/01 -, LVerfGE 13, 97: Sozialhilfeleistungen;… LVerfG LSA, Urt. v. 17.09.1998 - LVG 4/96 -, LVerfGE 9, 343 …und Urt. v. 08.07.2003 - LVG 4/01 -, LVerfGE 14, 413: öffentlicher Personennahverkehr;… Urt. v. 14.09.2004 - LVG 7/03 -, LVerfGE 15, 359: Zuständigkeiten nach Gewerbeordnung;… Urt. v. 12.07.2005 - LVG 3/04, 4/04 und 6/04 -, LVerfGE 16, 535, 559 und 569: Kindertagesförderung;… StGH BW, Urt. v. 05.10.1998 - GR 4/97 -, LVerfGE 9, 3: Tierkörperbeseitigung).
Die beschwerdeführenden Landkreise und kreisfreien Städte sind als "Gemeindeverbände" gemäß § 51 Abs. 1 VerfGGBbg im kommunalen Verfassungsbeschwerdeverfahren beteiligtenfähig (vgl. Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, zuletzt Urteile vom 22. November 2007 - VfGBbg 75/05 -, DVBl. 2008, 132 [nur LS], und vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -, LKV 2008, 459).
Selbst dann, wenn ein bestehendes Gesetz geändert wird, beginnt die Jahresfrist grundsätzlich für den geänderten Teil neu, es sei denn, es handelt sich um rein redaktionelle Änderungen, die den sachlichen Gehalt einer Norm unberührt lassen (vgl. bereits Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, Urteil vom 22. November 2007 - VfGBbg 75/05 -, DVBl. 2008, 132 [nur LS] sowie Urteil vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -).
Dass vorliegend ein Ausnahmefall gegeben sein könnte, in dem die Jahresfrist bei einer Gesetzesänderung neu in Lauf gesetzt wird, weil die in Rede stehende unveränderte Vorschrift durch die Änderung anderer Bestimmungen einen neuen erweiterten Inhalt erhält, eine neue belastende Wirkung entfaltet, sich ihr materielles Gewicht verändert oder sie durch die Änderung anderer Vorschriften derart in ein neues gesetzliches Umfeld eingebettet wird, dass von der Anwendung der älteren Vorschriften neue belastende Wirkungen ausgehen können (vgl. hierzu Urteil vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -, LVerfGE 19, 84, 95 f; Urteil vom 30. April 2013 - VfGBbg 49/11 -, LVerfGE 24, 67, 83; zum Bundesrecht BVerfGE 11, 351, 359 f; E 26, 100, 109; E 78, 350, 356; E 100, 313, 356; E 130, 151, 177), hat der Beschwerdeführer weder vorgetragen noch ist dies sonst erkennbar.
Ab dem 01.01.2005 habe diese Zuständigkeit wegen des Inkrafttretens des SGB XII jedoch nicht mehr auf Bundesgesetz, sondern nunmehr auf Landesgesetz beruht (so auch Landesverfassungsgericht Brandenburg, Urteil vom 28.07.2008 - VfGBbg 76/05).
Soweit sich die Klägerin auf das Urteil des Landesverfassungsgericht Brandenburg vom 28.07.2008 - VfGBbg 76/05 - berufe, werde verkannt, dass die Konnexitätsregeln des Artikel 49 Abs. 2 Landesverfassung dem Mehrbelastungsausgleich dienten.
Sie findet ihre Grenzen dort, wo sie zu dem Wortlaut und dem klar erkennbaren Willen des Gesetzgebers in Widerspruch treten würde (vgl. Urteil vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 -, LKV 2008, 459; zum Bundesrecht vgl. BVerfGE 110, 226, 267; 90, 263, 275).
VerfG Brandenburg, 15.06.2017 - VfGBbg 62/15
Es erscheint billig, den Beschwerdeführern die Erstattung der notwendigen Auslagen zuzusprechen, da ohne diese Entscheidung (auch) ihre kommunale Verfassungsbeschwerde Erfolg gehabt hätte (Urteil vom 28. Juli 2008 - VfGBbg 76/05 - zum Bundesrecht vgl. BVerfG, Beschl. v. 10. Mai 2016 - 1 BvR 2322/14 -, NVwZ-RR 2016, 721 f).

References: Art. 97
 Art. 97
 § 32
 § 100
 § 97
 § 4
 § 1
 § 2
 § 4
 § 33
 § 37
 § 51
 § 51