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Flussreise gebucht, Busreise bekommen - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.deReiserechtReiseFlussreise gebucht, Busreise bekommen
| 17.05.2013 10:51 |
Zusammenfassung: Minderung des Reisepreises und Anspruch auf Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit bei Änderung des gesamten Zuschnitts der Reise
Wir hatten eine Flusskreuzfahrt gebucht, um die besondere, vor allem entspannte, genussvolle Atmosphäre einer solchen Reise zu erleben. Durch Hochwasser lag das Schiff allerdings die ganze Reisewoche im Hafen von Lyon fest-
Stattdessen wurde uns eine anstrengende Busrundreise geboten, die mit Stress und den verschiedensten Einschränkungen verbunden war. Aus geruhsamen nächtlichen Schifffahrten, um die Ausflugspunkte zu erreichen, wurden lange Busfahrten, um das Ausflugsprogramm abarbeiten zu können. In zwei Fällen musste in Hotels übernachtet werden, wodurch auch das gastronomische Niveau einer Vier-Stern-Flusskreuzfahrt teilweise heftig unterboten wurde.
Die Ursache der Reiseänderungen war unbestritten das Hochwasser der Soane und Rhone. Dem Veranstalter war jedoch dieser Umstand vor Beginn der Fahrt bekannt. Selbst die Medien hatten im Vorfeld darüber berichtet. Das heißt, die Reise hätte rechtzeitig abgesagt bzw. den Teilnehmern die Bus-Alternative als Wahlmöglichkeit angeboten werden können.
Fast alle Teilnehmer der Reise haben die Reiseleitung vor Ort über die Missstände hingewiesen und angekündigt, Schadenersatz zu fordern. Dies wurde mit dem Verweis auf die höhere Gewalt relativ abschätzig weggelächelt.
Was kann hier erreicht werden, um möglichst viel des Reisepreises wiederzubekommen?
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Ich gehe zunächst davon aus, dass es sich bei der von Ihnen gebuchten Flusskreuzfahrt um eine über einen Reiseveranstalter gebuchte Pauschalreise handelte. Nach Ihren Angaben dürfte Ihnen ein Anspruch auf Minderung des Reisepreises nach § 651d BGB gegen den Reiseveranstalter wohl zustehen.
Die Reise dürfte mit einem erheblichen Reisemangel i. S. v. § 651c BGB behaftet gewesen sein, da der gesamte Zuschnitt der Reise (Flusskreuzfahrt) durch die vorgenommene Reiseänderung („Busreise") spürbar beeinträchtigt wurde. Regelmäßig besteht eine umfassende verschuldensunabhängige Einstandspflicht des Reiseveranstalters für den Erfolg der Reise. Dieser trägt grundsätzlich die Gefahr des Misslingens der Reise und haftet damit nicht nur für Reisemängel, die auf einem Fehlverhalten seiner Angestellten und der Leistungsträger beruhen, sondern auch für situationsbedingte Beeinträchtigungen, die beispielsweise auf höhere Gewalt zurückgehen (LG Hamburg, Urteil vom 31.07.2007, Az.: 310 O 26/07; MüKo, § 651c BGB Rn 3).
Aufgrund der enormen Beeinträchtigung der Reise dürfte insoweit eine Minderung des Reisepreises in Höhe von 50 bis 70 % als angemessen erscheinen. Eine exakte Bezifferung des Minderungsbetrages könnte jedoch erst nach Durchsicht sämtlicher Reiseunterlagen erfolgen.
Darüber hinaus könnte Ihnen auch ein Anspruch auf Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit nach § 651f Abs. 2 BGB zustehen. Hierzu müsste die Reise erheblich beeinträchtigt gewesen sein. Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn die Reise bei Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls so schwer beeinträchtigt ist, dass der Reisezweck ernsthaft in Frage gestellt wird (Führich, Basiswissen Reiserecht Rn 191). Die Rechtsprechung fordert hierbei für eine erhebliche Beeinträchtigung grundsätzlich eine fiktive Minderungsquote von 50 %, was vorliegend aufgrund der Beeinträchtigung des gesamten Zuschnitts der Reise gegeben sein dürfte.
Bitte beachten Sie auch, dass sämtliche Ansprüche nach § 651g BGB innerhalb eines Monats nach dem vertraglich festgelegten Ende der Reise beim Reiseveranstalter angemeldet werden müssen, da diese ansonsten verfallen.
Ich kann Ihnen daher nur dringend empfehlen, Ihren Anspruch zeitnah mit anwaltlicher Hilfe gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen. Gerne stehe ich Ihnen hierfür zur Verfügung. Die hier entstandenen Kosten würden selbstverständlich auf eine etwaige weitere Tätigkeit vollumfänglich angerechnet werden.
Nachfrage vom Fragesteller	22.05.2013 | 16:54
vielen Dank für die ausführliche Beantwortung der Frage. Im Angebotstext (Katalog) der Flusskreuzfahrt steht folgender Passus:
Änderungen der Reiseverläufe und Ausflugsprogramme bleiben vorbehalten. Wenn wegen Niedrig-/Hochwasser oder Schiffsdefekt eine Strecke nicht befahren werden kann, behält sich die Reederei das Recht vor, die Gäste auf dieser Strecke mit Bussen zu befördern, in Hotels unterzubringen und/oder den Streckenverlauf zu ändern. Unter Umständen ist der Umstieg auf ein anderes Schiff nötig.
Würde das nun bedeuten, dass sich der Veranstalter damit aus der Affäre ziehen kann?
Und wichtig: bei den Hunderten Flusskreuzfahrten gibt es doch bestimmt einen Präzedenzfall. Wenn nicht, stelle ich mir die Geltendmachung von Ansprüchen irgendwie schwierig vor...
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 22.05.2013 | 21:51
Grundsätzlich kann sich der Reiseveranstalter natürlich im Rahmen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (wie vorliegend in der Katalogangabe) insbesondere die Änderung des Reiseverlaufs bzw. der Route vorbehalten. Vorliegend ist jedoch zu berücksichtigen, dass aufgrund der vorgenommenen Änderung des Fortbewegungsmittels während der gesamten Reise eine wesentliche Reiseleistung geändert wurde (so auch LG Hamburg, Urteil vom 11.12.2002, Az.: 12 S 65/02).
Eine wirksame Änderung wesentlicher Vertragsleistungen kommt gemäß § 308 Nr. 4 BGB in der Regel nur dann in Betracht, wenn diese für den Reisenden zumutbar sind (vgl. AG Rostock, Urteil vom 09.03.2011, Az.: 47 C 400/10).
Diesbezüglich bestehen durchaus große Bedenken, da nicht etwa nur ein Teil mit dem Bus zurückgelegt werden musste, sondern die gesamte Reise. Steht bei einer Flusskreuzfahrt zu keiner Zeit das Schiff als Fortbewegungsmittel zur Verfügung, so dürfte dies den gesamten Zuschnitt der Reise beeinträchtigen, so dass der im Katalog enthaltene Änderungsvorbehalt im Ergebnis wohl nicht durchgreifen dürfte. Abschließend lässt sich dies naturgemäß erst nach Durchsicht sämtlicher Vertragsunterlagen beurteilen.
Insoweit hat auch das Amtsgericht Hamburg-Altona in einem Urteil vom 13.02.2002 wie folgt entschieden:
"Wenn eine im Reiseprospekt beschriebene Reise (hier: eine Ägyptenreise mit Nil-Kreuzfahrt) nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Reiseveranstalters ausdrücklich unter einem Vorbehalt einer Programmänderung gestanden hat, kann dies allenfalls Details des Programmablaufs betreffen. Auch ein solcher Änderungsvorbehalt entbindet den Reiseveranstalter nicht von seiner Pflicht, die versprochenen Schwerpunkte der Reise zu erbringen" (so AG Hamburg-Altona, Urteil vom 13.02.2002, Az.: 319 C 132/01).
Daher bestehen - wie bereits ausgeführt - erhebliche Bedenken dahingehend, dass der Reiseveranstalter sich wirksam auf den Änderungsvorbehalt berufen kann, da das Schiff während der gesamten Reise nicht zum Einsatz kam.
Grundsätzlich sind Rechtsstreitigkeiten anhand des jeweiligen Einzelfalls zu entscheiden; sog. Präzendenzfälle gibt es im deutschen Rechtssystem nicht. Natürlich können vergleichbare Fälle aus der Rechtsprechung zur Begründung herangezogen werden, was die Geltendmachung von Ansprüchen durchaus erleichtern kann. Allerdings ist jeder Anspruch grundsätzlich einzelfallbezogen zu begründen.
Sie sollten daher versuchen, Ihre Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen. Gerne stehe ich Ihnen für eine weitere Vertretung zur Verfügung.
Bewertung des Fragestellers 22.05.2013 | 22:11
"Toll - sogar noch zu später Stunde wird bei Herrn Neubauer geholfen. Und das ausführlich, klar und leicht verständlich. "
FRAGESTELLER 22.05.2013 5/5,0
Reklamation COSTA-Kreuzfahrt

References: § 651
 § 651
 § 651
 § 651
 § 651
 § 308