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Timestamp: 2019-03-22 06:23:37+00:00

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2.2.13. Körperbehinderung
2.2.13.1. Zulassungsbesitzer
Das KFZ muss ausschließlich auf einen oder mehrere Behinderte zum Verkehr zugelassen sein. Ist das KFZ auch auf eine nicht behinderte Person zugelassen, ist eine Voraussetzung der Steuerfreiheit nicht erfüllt.
1. Ein KFZ ist auf ein Ehepaar zugelassen: Sind beide Ehepartner körperbehindert, steht die Befreiung zu; ist nur ein Ehepartner körperbehindert, steht die Befreiung nicht zu.
2. Die Fahrzeuge eines Sportfördervereins für Behindertenskilauf sind auf den Verein und nicht auf eine behinderte Person zugelassen. Die Befreiung kann nicht angewendet werden.
Gemäß § 37 Abs. 2 KFG 1967 ist Voraussetzung für die Zulassung eines KFZ zum Verkehr, dass der Antragsteller glaubhaft macht, dass er der rechtmäßige Besitzer des KFZ ist. Der Antragsteller muss sohin nicht Eigentümer des KFZ, sondern nur rechtmäßiger Besitzer sein.
Ein KFZ kann auch auf einen minderjährigen Behinderten (vertreten durch den gesetzlichen Vertreter) zugelassen sein. Dies ist notwendig, um die Befreiung in Anspruch zu nehmen.
In einem Informationsschreiben vom 18. Mai 2010 (BMVIT-179.450/0009-II/ST4/2010) stellte das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie klar, dass eine pflegschaftsgerichtliche Genehmigung für die Zulassung eines KFZ auf Minderjährige nur für nicht behinderte Minderjährige notwendig ist. Die Zulassung eines KFZ auf einen behinderten Minderjährigen ist hingegen üblich und geläufig und somit dem ordentlichen Wirtschaftsbetrieb zuzurechnen und bedarf daher keiner pflegschaftsgerichtlichen Genehmigung.
Bei einer Chipkartenzulassungsbescheinigung ist die Eintragung auf einen weiteren Zulassungsbesitzer durch den Vermerk "Besitzgemeinschaft" (§ 41a Abs. 5 KFG 1967) erkennbar. Bei anderen Zulassungsbescheinigungen kann der Vermerk "weiterer Zulassungsbesitzer" eingetragen sein.
2.2.13.2. Nachweis der Körperbehinderung
Laut § 2 Abs. 1 Z 12 lit. b KfzStG 1992 kann der Nachweis der Körperbehinderung folgendermaßen erbracht werden durch:
einen Ausweis gemäß § 29b der Straßenverkehrsordnung 1960 (siehe Rz 99 ff) oder
den Eintrag der Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel im Behindertenpass gemäß § 42 Abs. 1 des Bundesbehindertengesetzes (siehe Rz 102 ff).
"Alte" Nachweise nach dem KfzStG 1952 (von den ehemaligen Finanzämtern für Gebühren und Verkehrsteuern ausgestellte Befreiungsbescheinigungen nach § 2 Abs. 2 KfzStG 1952) sind auch nach dem 30.04.1993 gültig, solange kein Fahrzeugwechsel vorgenommen wird. Dies ergibt sich aus der Übergangsbestimmung des § 10 Abs. 4 KfzStG 1992.
Ausweis gemäß § 29b Straßenverkehrsordnung 1960
Ab 1. Jänner 2014 ausgestellte Ausweise:
Inhabern eines Behindertenpasses gemäß § 40 Bundesbehindertengesetz, die über die Zusatzeintragung "Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen dauerhafter Mobilitätseinschränkung aufgrund einer Behinderung" verfügen, ist auf Antrag vom Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen (Bundessozialamt) ein Parkausweis auszufolgen. Dieser Ausweis dient dem Behindertenpassinhaber einerseits als Nachweis, dass er die in § 29b Abs. 2 bis 4 Straßenverkehrsordnung 1960 genannten Berechtigungen in Anspruch nehmen kann, andererseits dient er als Nachweis der Körperbehinderung im Rahmen der Kraftfahrzeugsteuer bzw. motorbezogenen Versicherungssteuer.
Die näheren Bestimmungen über diesen Ausweis sind in der Verordnung des Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz über die Ausstellung von Behindertenpässen und von Parkausweisen, BGBl. II Nr. 495/2013, geregelt.
Von 1. Jänner 2001 bis 31. Dezember 2013 ausgestellte Ausweise:
Ab 1. Jänner 2001 wurde mit Verordnung (Verordnung des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie über den Ausweis für dauernd stark gehbehinderte Personen, Gehbehindertenausweisverordnung) festgelegt, wie der Ausweis mit 1. Jänner 2001 auszusehen hatte. Die Ausstellung erfolgte auf Grund der Eintragung "Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen dauernder Gesundheitsschädigung oder Blindheit" in den Behindertenpass durch die Behörde (Bezirkshauptmannschaft, Magistrat).
Diese Ausweise bleiben weiterhin gültig und dienen weiterhin als Nachweis.
Bis zum 31. Dezember 2000 ausgestellte Ausweise:
Gemäß § 29b Abs. 1 StVO 1960 hatte die Behörde (Bezirkshauptmannschaft, Magistrat) Personen, die dauernd stark gehbehindert sind, auf deren Ansuchen einen Ausweis über diesen Umstand auszufolgen. Die dauernde starke Gehbehinderung wurde mit ärztlichem Gutachten des Bundesamtes für Sozial- und Behindertenwesen (Bundessozialamt) festgestellt.
Ausweise, die vor dem 1. Jänner 2001 ausgegeben wurden, bleiben bis 31. Dezember 2015 gültig und sind bis dahin als Nachweis anzuerkennen. Danach muss ein neuer Ausweis beim Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen (Bundessozialamt) beantragt werden.
Eintragung Behindertenpass
Aufgrund einer der folgenden Eintragungen gemäß § 42 Bundesbehindertengesetz im Behindertenpass (gemäß § 40 Bundesbehindertengesetz) ist die Steuerbefreiung zu gewähren:
Behindertenpass ausgestellt bis 31. Dezember 2013: Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen dauernder Gesundheitsschädigung oder Blindheit
Behindertenpass ausgestellt ab 1. Jänner 2014: Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen dauerhafter Mobilitätseinschränkung aufgrund einer Behinderung
Der Behindertenpass ist mit einem Lichtbild ausgestattet und enthält den Vor- und Familiennamen, das Geburtsdatum, eine allfällige Versicherungsnummer, den festgestellten Grad der Behinderung oder der Minderung der Erwerbsfähigkeit und eine allfällige Befristung. Auf Antrag des Antragstellers werden die Art der Behinderung sowie bestimmte Feststellungen (wie zB die Feststellung der Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel siehe Rz 102) eingetragen.
Ein Behindertenpass ist ungültig, wenn die behördlichen Eintragungen, Unterschriften oder Stempel unkenntlich geworden sind, das Lichtbild fehlt, den Besitzer nicht mehr einwandfrei erkennen lässt oder Beschädigungen oder Merkmale seine Vollständigkeit, Einheit oder Echtheit in Frage stellen.
Seit dem Erlass des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 25. September 1995, Zl. 45.300/3-7/95, können keine Pässe mit der Bezeichnung "dauernd stark gehbehindert" mehr ausgestellt werden. Seither ist bei Vorliegen der Voraussetzungen ausnahmslos die Eintragung "Unzumutbarkeit der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel …" vorzunehmen.
Pässe mit der Bezeichnung der Art der Behinderung mit "dauernd stark gehbehindert" kann es daher nur mit Ausstellungsdatum vor diesem Erlass geben.
Wird in einem Behindertenpass nur die Zusatzeintragung "gehbehindert" vermerkt, steht die Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer nicht zu.
Feststellung im Sinne des § 36 Abs. 2 Z 3 des Bundesbehindertengesetzes
Durch das Gutachten eines Arztes des zuständigen Landesinvalidenamtes konnte die Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen dauernder Gesundheitsschädigung festgestellt und nachgewiesen werden. Diese Möglichkeit des Nachweises wurde mit 31. Dezember 2004 gestrichen. Ein Nachweis der Körperbehinderung im Rahmen der Kraftfahrzeugsteuer mit einer solchen Feststellung ist weiterhin möglich.
Da jeder Behinderte, der seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich hat, einen Behindertenpass gemäß § 40 Bundesbehindertengesetz beantragen kann, können ausländische Behindertenausweise nicht als Nachweis der Körperbehinderung herangezogen werden. Eine Anerkennungsverpflichtung von EU-ausländischen Behindertenausweisen in Österreich ist nicht gegeben.
2.2.13.3. Benutzung des Kraftfahrzeuges
Voraussetzung für die Befreiung ist die vorwiegende Verwendung des KFZ zur persönlichen Fortbewegung des Körperbehinderten. Zur vorwiegenden Verwendung siehe Rz 58.
Die vorwiegende Verwendung muss zur Erlangung der Befreiung glaubhaft gemacht werden (zB Bejahung einer diesbezüglichen außergewöhnlichen Belastung im Rahmen der Einkommensteuer- oder Arbeitnehmerveranlagung).
Der Verwendung des KFZ durch den Körperbehinderten steht es gleich, wenn Dritte das KFZ für Zwecke des Körperbehinderten (zB Fahrten zur Apotheke) benutzen, oder die Fahrt der Haushaltsführung (zB Einkaufsfahrten) des Körperbehinderten dient. Der Begriff "Haushaltsführung" umfasst nicht nur die Haushaltsführung im engeren Sinn, sondern auch die Erwerbstätigkeit einer körperbehinderten Person.
Eine betriebliche Nutzung des KFZ - unabhängig davon, in welchem Ausmaß die betriebliche Nutzung erfolgt - steht der Befreiung nicht entgegen, solange sie vorwiegend der persönlichen Fortbewegung der behinderten Person dient.
Die Befreiung steht nicht zu, wenn das KFZ im Betrieb einer körperbehinderten Person verwendet und (auch) von nicht körperbehinderten Mitarbeitern im Betrieb zu 20% oder mehr benutzt wird.
Erlangt ein Finanzamt Kenntnis davon, dass ein KFZ nicht vorwiegend zu Zwecken des Behinderten verwendet wird, hat es die erforderlichen Erhebungen durchführen und die Steuer nachzuerheben.
2.2.13.4. Anzeige
Voraussetzung für die Befreiung ist die Einreichung der vollständig ausgefüllten Abgabenerklärung Kr 21 im Original ("Papiererklärung") an das zuständige Finanzamt (siehe Rz 166 ff). Geringfügige Zeitdifferenzen (maximal 7 Tage) zwischen Zulassung eines KFZ und Überreichung der Abgabenerklärung sind unbeachtlich.
Bei Erfüllung aller Voraussetzungen entsteht der Anspruch auf Steuerfreiheit mit der Einreichung der Abgabenerklärung (materiellrechtliches Tatbestandsmerkmal); dies gilt auch, wenn der Nachweis über die Körperbehinderung erst nachträglich beigebracht wird (siehe Rz 114).
Wird die Abgabenerklärung im Postweg überreicht, ist der grundsätzlich durch den Poststempel nachweisbare Tag der Postaufgabe maßgebend.
Wird der Nachweis der Körperbehinderung erst nach Einreichung der Abgabenerklärung beigebracht, steht die Befreiung ab dem Zeitpunkt der Einreichung der Abgabenerklärung zu.
Bei Wechsel eines KFZ müssen die Befreiungsvoraussetzungen erneut nachgewiesen werden (neue Abgabenerklärung Kr 21, Nachweis über die Körperbehinderung). Wird lediglich ein anderes Kennzeichen beantragt und eine neue Zulassungsbescheinigung ausgestellt, ist ein neuer Nachweis der Befreiungsvoraussetzungen nicht nötig, da weder ein Wechsel des KFZ noch des Halters vorgenommen wird.
2.2.13.5. Mehrere KFZ, Wechselkennzeichen
Grundsätzlich gilt die Steuerbefreiung nur für ein KFZ. Sind auf einen Körperbehinderten mehrere KFZ zugelassen (ohne Wechselkennzeichen), kann der Körperbehinderte entscheiden, welches der vorwiegend verwendeten KFZ steuerbefreit sein soll.
Bei Erwerb eines neuen KFZ und Abgabe des bisherigen KFZ sind beide KFZ steuerbefreit, wenn die zeitliche Überschneidung nicht länger als 1 Monat dauert.
Bei einem Wechselkennzeichen sind alle unter einem Wechselkennzeichen betriebenen KFZ steuerfrei, wenn alle KFZ der vorwiegenden Verwendung zur persönlichen Fortbewegung des Körperbehinderten dienen.
Wird ein unter einem Wechselkennzeichen verwendetes KFZ abgemeldet, müssen die Befreiungsvoraussetzungen nicht neuerlich nachgewiesen werden, weil weder ein Wechsel des Fahrzeugs noch des Versicherers vorgenommen wird.
Wird hingegen ein KFZ abgemeldet und ein neues unter dem selben Wechselkennzeichen angemeldet, müssen die Voraussetzungen für die Befreiung (neue Abgabenerklärung Kr 21, Nachweis über die Körperbehinderung) erneut vorgelegt werden.
2.2.13.6. Überprüfung der Abgabenerklärung
Die dem Nachweis der Körperbehinderung dienenden Unterlagen sind dem Finanzamt über Verlangen im Original zur Einsichtnahme vorzulegen.
§ 36 Abs. 2 Z 3 BBG, Bundesbehindertengesetz, BGBl. Nr. 283/1990
§ 41a Abs. 5 KFG 1967, Kraftfahrgesetz 1967, BGBl. Nr. 267/1967
§ 2 Abs. 1 Z 12 lit. b KfzStG 1992, Kraftfahrzeugsteuergesetz 1992, BGBl. Nr. 449/1992
§ 10 Abs. 4 KfzStG 1992, Kraftfahrzeugsteuergesetz 1992, BGBl. Nr. 449/1992
§ 40 BBG, Bundesbehindertengesetz, BGBl. Nr. 283/1990
§ 29b Abs. 2 bis 4 StVO 1960, Straßenverkehrsordnung 1960, BGBl. Nr. 159/1960
Ausstellung von Behindertenpässen und von Parkausweisen, BGBl. II Nr. 495/2013
Gehbehindertenausweisverordnung, BGBl. II Nr. 252/2000
§ 42 BBG, Bundesbehindertengesetz, BGBl. Nr. 283/1990
MVSKR, Richtlinien zum Kraftfahrzeugsteuergesetz und zur motorbezogenen Versicherungssteuer Rz 99 ff
MVSKR, Richtlinien zum Kraftfahrzeugsteuergesetz und zur motorbezogenen Versicherungssteuer Rz 102 ff
MVSKR, Richtlinien zum Kraftfahrzeugsteuergesetz und zur motorbezogenen Versicherungssteuer Rz 102
MVSKR, Richtlinien zum Kraftfahrzeugsteuergesetz und zur motorbezogenen Versicherungssteuer Rz 166 ff
MVSKR, Richtlinien zum Kraftfahrzeugsteuergesetz und zur motorbezogenen Versicherungssteuer Rz 114
Kraftfahrzeugsteuer, motorbezogene Versicherungssteuer, widerrechtliche Verwendung, Körperbehinderung, Behinderung, minderjährige Behinderte, Besitzgemeinschaft, Nachweis der Körperbehinderung, Ausweis gemäß § 29b Straßenverkehrsordnung 1960, Parkausweis, Eintragung im Behindertenpass, Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel, Behindertenpass, EU-Behindertenausweis, Kr21
Findok-Nr: 68809.1, aufgenommen am: 19.05.2014 17:25:06, Dokument-ID: 8eaa682b-df4b-41e7-8f31-e9cdbdac5daf, Segment-ID: edf53ee1-81e4-4809-b114-bfd1ae893a8a

References: § 37
 § 2
 § 29
 § 42
 § 2
 § 10
 § 29
 § 40
 § 29
 § 29
 § 42
 § 40
 § 36
 § 40

§ 36

§ 41

§ 2

§ 10

§ 40

§ 29

§ 42
 § 29