Source: http://mehrow.de/Geschichte/Feuerwehr/1832_Feuerloesch-Ordnung.html
Timestamp: 2019-03-25 14:45:45+00:00

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Die Feuerlösch-Ordnung für das platte Land von 1832
Im Amtsblatt der Königlichen Regierung von 1832 sind wir auf eine Feuerlösch-Ordnung vom gleichen Jahre gestoßen, die wir hier zur Kenntnis geben wollen.
Die größte Härte, die in diesem Dokument enthalten ist, findet sich im § 26 und betrifft die Verpflegung während der Löscheinsätze. Dort heißt es:
... wird ... das Fordern und Geben von Branntwein hiermit auf das ernstlichste untersagt, ...
Zum Glück gab es aber schon immer Alternativen zum Branntwein, wie zum Beispiel
"Spiritus mit Kümmel" - ein Getränk, das von unseren Nachbarn in Eiche bevorzugt wurde.
Um die Verbesserung der vorhandenen Löschanstalten zu bewirken, und um die Dämpfung der Feuersbrünste einer zweckmäßigen Leitung zu unterwerfen, wird Genehmigung des Königl. Ministeriums des Innern und der Polizei Nachstehendes verordnet.
Von der Verwaltung des Feuerlöschwesens.
§ 1. Distrikts-Eintheilung.
Jeder Kreis wird in eine zweckmäßige Anzahl kleinerer Distrikte eingetheilt, und jedem derselben wird ein Kommissarius und ein Stellvertreter desselben vorgesetzt. Diese Bezirke sollen in der Regel nicht über 3 [Quadrat-] Meilen groß sein, und müssen möglichst so eingetheilt, werden daß keine bedeutende Hindernisse dem Kommissarius die Wahrnehmung des Feuers oder die schnelle Ueberkunft zu der Brandstelle erschweren.
§ 2. Ernennung der Kommissarien.
§ 3. Qualifikation der Kommissarien.
Soweit es möglich ist, sind zu Kommissarien oder Stellvertretern solche Männer zu erwählen, welche in dem gebildeten Distrikte wohnen, und das Vertrauen der Einwohner genießen. Es ist dies ein Ehrenamt, womit eine Remuneration [!] nicht verknüpft ist, welches aber jeder Einwohner in seinem Kreise, selbst wenn er in einem andern Bezirke wohnt, sofern er nicht die gesetzlich von der Uebernahme der Vormundschaften befreienden Gründe für die Ablehnung anführen kann, zu übernehmen, und, falls er nicht in der Zwischenzeit seinen Wohnsitz außerhalb des Kreises oder, zwar innerhalb desselben, aber nach dem Gutachten der Kreisstände zu entfernt von dem Bezirke aufschlägt, so lange nicht die vorgedachten Ablehnungsgründe eintreten, während drei auf einander folgender Jahre zu verwalten verpflichtet ist. So oft dieser Zeitraum abgelaufen ist, oder die Stelle anderweitig erledigt wird, muß zu einer neuen Wahl geschritten werden. Die Wieder-Erwählung der bisherigen Kommissarien oder Stellvertreter ist zulässig. Dieselben sind jedoch für die nächste dreijährige Periode zur Ablehnung des Amtes unbedingt berechtigt. Nach Ablauf derselben müssen sie, falls ihnen keine der vorgedachten Ablehnungsgründe zu Statten kommen, eine neue Wahl wieder annehmen.
§ 4. Aeußere Stellung der Kommissarien.
§ 5. Dienstauszeichnung.
Von dem Umfange, Rechten und Pflichten der Kommissarien.
§ 6. Revision der Feuerlöschanstalten.
§ 7. Pflichten beim Ausbruch des Feuers.
§ 8. Ordnung bei Uebernahme der Löschanstalten.
§ 9. Obliegenheiten während des Brandes.
§ 10. Obliegenheiten nach dem Brande.
Von den Verpflichtungen der Ortsgemeinden und der Kreis-Eingesessenen
in Bezug auf diese Ordnung.
§ 11. Obliegenheiten der Hülfsmannschaften.
§ 12. Verpflichtung zur gegenseitigen Hülfe.
Die zu leistende Hülfe wird durch die, nach dem Orte des Feuers so schnell als möglich abzusendende Spritzen, Wasserwagen und Hülfsmannschaften gewährt.
Wie im Allgemeinen jeder arbeitsfähige Bewohner der nach § 12 hülfspflichtigen Ortschaften zur persönlichen Hülfsleistung bei Feuersbrünsten verpflichtet ist (§ 19), so müssen sich insbesondere auch die am Orte des Feuers oder in der Umgegend von einer Meile befindlichen Zimmerleute und Maurer, erste mit ihren Aexten versehen, schleunigst zur Brandstelle begeben, und zwar, wenn sie schneller als die übrigen von ihrem Aufenthaltsorte abzusendenden Hülfsmannschaften dorthin gelangen können, ohne deren Abgang abzuwarten.
§ 15. Bei Gewittern und Zweifeln über die Entfernung.
§ 16. Spritzenmeister und Führung der Mannschaften.
§ 17. Reihefolge der Hülfsleistungen.
§ 18. Verpflichtung der Hirten.
§ 19. Dorf-Feuerlöschordnung.
Damit bei entstehendem Feuer ein jeder Dorfsbewohner wisse, was ihm zu thun obliegt, so soll für jedes Dorf von der Ortsobrigkeit, mit Zuziehung der Gemeindevorsteher, eine Dorf-Feuer-Löschordnung angefertigt, und in dieser auf's genaueste bestimmt werden, wie sich ein jeder beim Ausbruche eines Feuers zu verhalten habe, und zwar
A. bei einem Feuer im Dorfe selbst,
a) daß jeder, in dessen Wohnung ein Feuer ausbricht, welches leicht gefährlich werden könnte, so wie jeder Dritte, der es bemerkt, den Vorfall sogleich kund zu machen und die öffentliche Hülfe ohne Zeitverlust herbeizurufen hat, wobei die Art und Weise, wie dies geschehen soll, und die besondere Verpflichtung, welche in dieser Beziehung zur Nachtzeit den Nachtwächtern obliegt, zu erwähnen ist,
b) daß jeder arbeitsfähige Bewohner des Orts zum Löschen verpflichtet, und jedes Zugthier zum Herbeischaffen des Löschapparats und des Wassers nach der Anordnung desjenigen, der das Löschgeschäft leitet, angestellt werden kann, alle Personen aber, die wegen ihres Alters, wegen Gebrechlichkeit u. s. w. keine thätige Hülfe leisten können, vom Feuer entfernt, und so lange ihnen keine Gefahr droht, in ihren Wohnungen gehalten werden müssen.
daß jedes zur Hülfe verpflichtete Dorf zu einem auswärtigen Feuer
a) seine Spritze mit Zubehör nebst dem Spritzenmeister und der erforderlichen Bedienung, ferner
b) wenigstens einen Wasserwagen mit den § 20 gedachten Wassertienen, oder einer Wasserkufe nebst der dazu nöthigen Bedienung, und
c) einschließlich der Bedienung für die Spritze und den Wasserwagen, bei Grenznachbarn die Hälfte, bei andern Ortschaften den vierten Theil der erwachsenen männlichen Einwohner des Dorfs, die sich auf das gegebene Zeichen an einem vorher und allemal zu bestimm[en]den Orte sofort versammeln müssen, unter Leitung des § 16 gedachten Vorstehers absendet.
Von den Feuerlösch-Instrumenten.
§ 20. Gemeinschaftliche Feuerlöschgeräthschaften.
In jedem Dorf muß in der Regel eine fahrbare Spritze nebst den nöthigen Feuereimern sein, und außerdem
a) eine Anzahl Feuerhaken von 24 Fuß Länge,
b) mehrere Feuerleitern von 20 bis 40 Fuß Länge mit Rollen und Stützen,
c) mehrere leicht transportable Wasserbehälter. Es können diese nach Art der gewöhnlichen großen Wassertienen gefertigt sein, um auf Wagen geladen zu werden, oder es können auch eigene auf Schleifen oder Rädern befestigte Wasserkufen angeschafft werden.
§ 21. Utensilien.
ein Nagelbohrer,
Nägel verschiedener Art,
Laterne, Licht und Feuerzeug,
ein Spannagel,
und bei Schlauchspritzen noch:
Leder zum Verbinden schadhafter Schläuche,
stark gewichster Bindfaden
eine Packnadel.
Die Spritze und die zu derselben gehörigen Geräthe müssen entweder im Spritzenhause, oder an einem bekannten, leicht zugänglichen Orte aufbewahrt werden.
§ 22. Privat-Feuer-Löschgeräthschaften.
In jeder Ackerwirthschaft muß sich
1 Feuerhaken von 12 bis 16 Fuß,
§ 23. Beitragspflichtigkeit zu den Feuer-Löschgeräthschaften.
Zur Anschaffung der großen Spritze nebst Zubehör (§ 21) und der übrigen öffentlichen Feuerlöschgeräthschaften (§ 20), und zur Einrichtung der, zu deren Aufbewahrung erforderlichen Gebäude wird, wenn nicht ein anderes Abkommen getroffen worden, oder eine besondere Observanz besteht, in den Dörfern, wo sich Aemter oder Vorwerke, mit oder ohne Polizeijurisdiktion befinden,
a) von dem Amts- oder Vorwerksbesitzer Ein Drittel,
b) von der Gemeinde Ein Drittel,
c) von der Kirche Ein Drittel
beigetragen. Wenn letztere kein Vermögen besitzt, trägt der Amts- oder Vorwerksbesitzer die Hälfte und die Gemeinde die andere Hälfte. In den Dörfern, wo kein Amt oder Vorwerk, wohl aber eine Kirche ist, trägt die Gemeinde die eine Hälfte, und die Kirche die andere, und da, wo weder Amt, noch Vorwerk oder Kirche ist, wird das Ganze von der Gemeinde aufgebracht.
§ 24. Entscheidung über die Beitragspflichtigkeit.
§ 25. Ausnahmen
§ 26. Die unentgeldliche Forderung von Lebensmitteln und Branntwein.
Da die Erfahrung gelehrt hat, daß zum öfter bei den Bränden ein Mangel an Lebensmitteln entsteht, auch die unentgeldliche Forderung derselben von Seiten der zum Löschen Verpflichteten zu großer Unordnung Veranlassung giebt, so wird letztere, so wie insbesondere das Fordern und Geben von Branntwein hiermit auf das ernstlichste untersagt, und sollen die Orts-Polizeibehörden dafür sorgen, daß den zur Feuerlöschung nach benachbarten Ortschaften abgegangenen Personen, falls sie über vier Stunden abwesend sind, Lebensmittel nachgeschickt werden.
§ 27. Nähere Bestimmung über die Befugniß der Ordner.
Die in den verschiedenen §§ dieses Reglements bei entstehendem Brande den Distriktskommissarien beigelegten Befugnisse stehen jedem, mit der Löschung Beauftragten nach der im § 8 bestimmten Reihefolge zu.
§ 28. Obliegenheiten der Gendarmen.
Die beim Feuer anwesenden Gendarmen sind ebenfalls den Anordnungen der Distriktskommissarien und jedes mit Löschung des Feuers gesetzmäßig Beauftragten Folge zu leisten, und sich demgemäß bei Ankunft zur Brandstelle bei demselben zu melden verbunden. Die Landräthe haben die Gendarmen deshalb mit Instruktion zu versehen.
§ 29. Strafbestimmungen.
Uebersteigt die Geldstrafe nicht den Betrag von 5 Thlr., so ist gegen ein solches Resolut nur der Rekurs an die vorgesetzte Regierung zulässig. Bei höheren Strafen hat der Kontravenient die Wahl, ob er diesen Rekurs ergreifen, oder auf gerichtliche Entscheidung provoziren will.
Berlin, den 30. Oktober 1832.
Der Ober-Präsident der Provinz Brandenburg.
Quelle: Amts-Blatt der Königl. Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin.
Stück 46. / Den 16. November 1832 / Seite 297ff

References: § 26

§ 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11

§ 12
 § 12

§ 15

§ 16

§ 17

§ 18

§ 19
 § 20
 § 16

§ 20

§ 21

§ 22

§ 23

§ 24

§ 25

§ 26

§ 27
 § 8

§ 28

§ 29