Source: https://www.ebnerstolz.de/de/registergerichtliche-behandlung-eines-formwechsels-von-gmbh-in-gbr-102935.html
Timestamp: 2018-10-18 23:24:54+00:00

Document:
Registergerichtliche Behandlung eines Formwechsels von GmbH in GbR - Ebner Stolz
Die L-GmbH war auf­grund einer Ver­ein­ba­rung aus Novem­ber 2009 verpf­lich­tet, Miet­rück­stände i.H.v. 299.038 € in Raten an die Klä­ge­rin zu zah­len. Mit nota­ri­el­len Urkun­den aus Juli 2010 erwar­ben die Beklag­ten die Geschäft­s­an­teile der L-GmbH und besch­los­sen den Form­wech­sel in die M-GbR. Die Ein­tra­gung des Umwand­lungs­be­schlus­ses in das Han­dels­re­gis­ter erfolgte Ende August 2010. Bereits zuvor hat­ten die Beklag­ten ihre Geschäft­s­an­teile an der L-GmbH an zwei bri­ti­sche Limi­ted über­tra­gen. Im Sep­tem­ber 2010 reichte der Notar die neue Gesell­schaf­ter­liste der L-GmbH mit den Limi­ted beim Han­dels­re­gis­ter ein. Eine die Umwand­lung betref­fende Ein­tra­gung wurde im Juli 2012 durch Ent­fer­nung der Beklag­ten als Gesell­schaf­ter der M-GbR berich­tigt.
Die Klä­ge­rin ver­langte mit ihrer Klage vom 4. Mai 2011 zunächst im Urkun­den­pro­zess Zah­lung der aus der Raten­ve­r­ein­ba­rung noch offe­nen 177.075 € von der M-GbR und den Beklag­ten. Nach­dem das LG in ers­ter münd­li­cher Ver­hand­lung im Sep­tem­ber 2011 Zwei­fel an der Beweis­bar­keit der Gesell­schaf­ter­stel­lung der Beklag­ten durch den die Ein­tra­gung im August 2010 ent­hal­ten­den, von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Han­dels­re­gis­ter­aus­zug geäu­ßert hatte, nahm die Klä­ge­rin vom Urkun­den­pro­zess Abstand. Sie stellte nicht mehr in Abrede, dass die Beklag­ten nicht Gesell­schaf­ter der M-GbR gewor­den waren, hielt dies aber auf­grund der Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter für uner­heb­lich. In der zwei­ten münd­li­chen Ver­hand­lung im Novem­ber 2012 nahm sie ihre Klage gegen die M-GbR, der die Kla­ge­schrift nicht zuge­s­tellt wor­den war, zurück, wie­der­holte den in der ers­ten münd­li­chen Ver­hand­lung ges­tell­ten Antrag, die Beklag­ten als Gesamt­schuld­ner zur Zah­lung von 177.075 € zu ver­ur­tei­len, und begehrte hilfs­weise die Frei­stel­lung von den Kos­ten des Rechts­st­reits.
Zutref­fend war das Beru­fungs­ge­richt zwar davon aus­ge­gan­gen, dass die Beklag­ten nicht als Gesell­schaf­ter der M-GbR ent­sp­re­chend §§ 128 ff. HGB für die Ver­bind­lich­kei­ten der L-GmbH bzw. der M-GbR haf­ten. Denn die Beklag­ten waren nicht Gesell­schaf­ter der M-GbR, der Rechts­nach­fol­ge­rin der L-GmbH, gewor­den, da sie ihre Geschäft­s­an­teile an der L-GmbH noch vor der Ein­tra­gung der Umwand­lung in das Han­dels­re­gis­ter über­tra­gen hat­ten. Der Beschluss über den Form­wech­sel hin­derte die Über­tra­gung der Geschäft­s­an­teile inso­fern nicht.
Zutref­fend war auch die Ansicht, dass die Klä­ge­rin sich zur Begrün­dung ihres Frei­stel­lungs­an­spruchs nicht gem. § 15 Abs. 3 HGB auf die Bekannt­ma­chung der Umwand­lung mit der Angabe, dass die Beklag­ten Gesell­schaf­ter seien, beru­fen kann. § 15 Abs. 3 HGB ist näm­lich auf die Ein­tra­gung von Gesell­schaf­tern einer GbR in das Han­dels­re­gis­ter nicht anwend­bar, da es sich inso­weit nicht um eine ein­tra­gungspf­lich­tige Tat­sa­che han­delt. Der Name der GbR und ihre Gesell­schaf­ter nach einem Form­wech­sel gem. § 235 Abs. 1 UmwG sind keine ein­tra­gungspf­lich­ti­gen Tat­sa­chen. Ein­ge­tra­gen wer­den muss nach § 235 UmwG die Umwand­lung der Gesell­schaft im Regis­ter der GmbH als form­wech­seln­der Gesell­schaft, aber in Abwei­chung von § 198 Abs. 1 UmwG nicht die GbR selbst als neue Rechts­form. Auf nicht ein­tra­gungspf­lich­tige Tat­sa­chen fin­det § 15 Abs. 3 HGB keine Anwen­dung.
Die Beklag­ten haben aller­dings die Klä­ge­rin von den Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung frei­zu­s­tel­len, die ent­stan­den sind, weil die Klä­ge­rin auf den Rechts­schein aus der Ein­tra­gung als Gesell­schaf­ter der M-GbR in das Han­dels­re­gis­ter ver­trauen durfte. Per­so­nen kön­nen als Schein­ge­sell­schaf­ter nach Rechts­schein­grund­sät­zen haf­ten, wenn sie in zure­chen­ba­rer Weise den Rechts­schein einer exis­tie­ren­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und ihrer Zuge­hö­rig­keit zu die­ser Gesell­schaft gesetzt haben oder gegen den durch einen ande­ren gesetz­ten Rechts­schein nicht pflicht­ge­mäß vor­ge­gan­gen sind und der Dritte sich bei sei­nem geschäft­li­chen Ver­hal­ten auf den Rechts­schein ver­las­sen hat. Die Beklag­ten hat­ten objek­tiv einen ihnen zure­chen­ba­ren Rechts­schein­tat­be­stand gesetzt. Die Klä­ge­rin wie­derum konnte sich durch diese Ein­tra­gung ver­an­lasst sehen, die Klage auch gegen die Beklag­ten zu erhe­ben.

References: § 15
 § 15
 § 235
 § 235
 § 198
 § 15