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Timestamp: 2020-01-24 04:28:55+00:00

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Bierkompendium - Geschichte des Bieres | Braukulturland Franken 2.0
Die Geschichte des Bieres ist mit der Geschichte der Menschheit eng verwoben. Die nachweisbare Überlieferung beginnt vor 6.000 Jahren. Aus dieser Zeit stammen die frühesten Darstellungen des Bierbrauens. Als die Sumerer, das älteste Kulturvolk dieser Erde, an stehen gelassenem Brotteig den Gärprozeß wahrnahmen, diesen zu wiederholen verstanden und damit "brauten", hatten sie ein wahrhaft göttliches Getränk entdeckt. Sie boten es denn auch ihren Göttern zum Opfer und ihren Königen zum Trank an, was in alten Keilschriftdokumenten überliefert ist. Die Biergöttin Ninkasi wachte fortan über die Bierherstellung. Die sumerischen Frauen bevorzugten zum Beispiel Bier, das aus Emmer hergestellt wurde, der ersten kultivierten Weizenart der Menschheitsgeschichte, die dem Dinkel sehr ähnlich ist. Auch Gewürze und Geschmacksstoffe wie Zimt und Honig wurden von den Sumerern dem Bier beigemischt. Im Louvre in Paris befinden sich kleine Tontafeln die das Bierbrauen der Sumerer darstellen. Sie stammen aus der Zeit um 4.000 v. Chr. und sind damit die ersten erhaltenen Darstellungen zu diesem Thema.
Im 3. Jahrtausend v. Chr. entstand eines der großen Werke der Weltliteratur - das »Gilgamesch«-Epos. Hierbei sind in der Entwicklung vom Urmenschen zum kultivierten Menschen der damaligen Zeit - dem Sumerer - Brot und Bier von großer Bedeutung. Der Urmensch Enkidu, König von Uruk, will seine Kräfte mit dem halbgottähnlichen Herrscher »Gilgamesch« messen und wird nach dem Genuß von Brot und Bier "einem Menschenwesen gleich". Die Sumerer nannten das Bierbrot »Bapir«, woraus wahrscheinlich über »Pir, Pier« das Wort »Bier« entstand.
"Iß das Brot, das gehört zum Leben, trinke das Bier, wie es im Leben Brauch ist."
Gilgamesch-Epos - 3. Jahrtausend vor Christus
Babylon und Ägypten
Im 2. Jahrtausend v. Chr. zerfiel das sumerische Reich, Babylonier kamen an die Macht. Sie bauten auf der Kultur der Sumerer auf und übernahmen von ihnen unter anderem die Kunst des Bierbrauens. Die Babylonier brauten bereits zwanzig (!) verschiedene Sorten Bier und exportierten Lagerbier sogar bis ins 1.000 km entfernte Ägypten. Der babylonische König Hammurabi (1728 bis 1686 v. Chr.) ließ schon damals, zusammen mit anderen Vorschriften, strenge Biergesetze in eine Dioritsäule meißeln. Dieser »Codex Hammurabi« ist die älteste Gesetzessammlung der Welt. Die Bevölkerung bekam "ihr täglich Bier", welches sie »sikaru« nannten, nach der sozialen Stellung zugeteilt - Arbeiter zwei Liter täglich, Beamte drei, Verwalter und Oberpriester fünf Liter! Dieser Dioritstein wurde 1902 bei Susa im Irak gefunden und befindet sich heute im »Louvre« in Paris.
Die Babylonier nannten ihr Bier »sikaru«. Als die biblischen Hebräer in die »Babylonische Gefangenschaft« geführt wurden, übernahmen sie das Getränk und nannten es »shekar«. Dieses Wort bedeutete in ihrer hebräischen Sprache "berauscht sein". Dieses Wort »shekar« (oder »shikar«) fand als jiddisches Lehnwort seinen Weg in unsere heutige Umgangssprache als »schicker« sein, wenn jemand ein Glas zuviel getrunken hat.
Quelle: Kölner Brauerei-Verband e.V.
Ägyptische Hieroglyphen zur Bierherstellung Ägyptische Hieroglyphen zur Bierherstellung
Gerste »decku«
Malz Ägyptische Bierkrüge aus
rotem Ton mit Stöpsel »henket«
Bier »afty«
Brauer, brauen
Die Ägypter stellten später selbst transportfähiges Bier her, das sie in Krügen aus rotem Ton verschickten. Diese wurden mit Tonstöpseln verschlossen, verschnürt und versiegelt. Es gab acht verschiedene, in zwei Gruppen eingeteilte, Biersorten - »Zythos« (Normalbier) und »Dizythos« (Starkbier). Eine ägyptische Wandmalerei aus dem Grab des Kenamon in »Schech Abd el Gurna« bei Luxor, entstanden um das Jahr 1500 v. Chr., zeigt, wie die alten Ägypter Bier brauten. Kenamon war ein hoher Beamter im Dienste des siebten Pharaos der 18. Dynastie Amenophis II. (1425 - 1397 v. Chr.). Die Ägypter gaben dem Sud Datteln hinzu, damit das Bier schmackhafter wurde. Welche Bedeutung das Bierbrauen auch im antiken Ägypten hatte, lässt sich an der Tatsache erkennen, dass die ägyptischen Schriftgelehrten eigene Begriffe für die Bierherstellung einführten (siehe Abbildungen oben). Die alten Ägypter glaubten, dass das Bier eine Erfindung und ein Geschenk des Gottes des Jenseits Osiris sei, was das Bier auch zu einer wichtigen Grabbeigabe machte. Ärzte verwendeten Bier ubd Bierschlamm zu Heilzwecken und Linderung von Beschwerden. Bierbrauen war im antiken Ägypten Staatsmonopol. Im letzten vorchristlichen Jahrhundert als die mazedonischen Ptolemäer die Herrscher (u.a. Kleopatra) Ägyptens wurden, erhoben sie auf Bier die erste Getränkesteuer der Welt, um den Bau von Pyramiden finanzieren zu können. Altägytens Braumetropole war die Stadt Pelusium an der Bucht, mit dem heutigen Namen »Khalij at Tinah«, nahe der Mündung des Suez-Kanals in das Mittelmeer.
Babylonische und ägyptische Biertrinker.
Im alten Babylon und Ägypten trank man Bier mit langen Rohren.
So war die Gefahr geringer, dass man den Bodensatz des ungefilterten Bieres in den Mund bekam.
Getränk der Germanengötter
"Da braut sich was zusammen" - diese bekannte und heute noch gebräuchliche Redensart stammt daher, dass die Germanen glaubten, ein Gewitter entstehe deshalb, weil sich Wotan (Wodan, Odin, Oden), der germanische Göttervater und höchster der Asen, und Frigga, die germanische Göttermutter, höchste der Asinnen und Schutzherrin der Ehe und Mutterschaft, sowie die Hüterin des Herdfeuers und des Haushaltes, um den Besitz des Braukessels stritten! Bei den Germanen fiel das Bierbrauen übrigens in den Aufgabenbereich der Frauen. Die Frauen brauten den »Meth«, das mit Honig versetzte Bier. Der älteste Nachweis, dass Bier auf deutschem Boden gebraut wurde, stammt aus der Zeit um 800 v. Chr. Es sind dies Bieramphoren der frühen Hallstattzeit (etwa 800 bis 450 v. Chr.), die im oberen Maintal bei Kasendorf in der Nähe von Kulmbach (Ofr) gefunden wurden. Diese Amphoren waren Grabbeigaben eines vornehmen Germanen und enthielten noch Spuren von Fladenbrotbier. Bereits in den ersten Jahrhunderten nach Christus war Bier bei uns Handelsware. Dies belegt ein Bierverlegerstein aus dem Jahre 250 n.Chr., der bei der »Porta Nigra« in Augusta Tevevorum, dem heutigen Trier, gefunden wurde. Dieser Stein gehörte einer Dame mit dem Namen Hosida Materna. Sie dürfte die wohl erste Frau in diesem Geschäft (negotiator cervesarius) in Deutschland gewesen sein. Wie bei den Ägyptern galt auch bei den Germanen Bier nicht nur als Götteropfer. So sind beispielsweise in der finnischen Volksdichtung Kalewala allein 400 Verse dem Bier gewidmet und nur 200 Verse der Erschaffung der Welt! Die Finnen waren zwar keine Germanen, aber sie wurden sehr stark von den Nordgermanen beeinflußt.
Germanen beim Zechen
Der römische Geschichtsschreiber Cornelius Tacitus (* um 58, † um 120) notierte:
"Die Germanen durchzechen Tag und Nacht und man könnte sie ebensogut durch
die Lieferung berauschender Getränke überwinden wie durch Waffengewalt".
"Heute back' ich, morgen brau' ich, (.....)" - mit diesem Spruch des hüpfenden »Rumpelstilzchens« im gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm findet die jahrhundertelange Verbindung zwischen Backen und Brauen auch einen Beleg im klassischen Märchen. Diese griffen häufig Begebenheiten des täglichen Lebens auf und spiegelten die Sorgen und Wünsche der Menschen wider. Lange bevor sich der Berufsstand der Brauer ausbildete, gehörten Backen und Brauen, vor allem für die auf dem Lande lebenden Selbstversorger, zum alltäglichen Geschäft. Backtag und Brautag fanden hintereinander an derselben Feuerstelle statt. Die durch den Backvorgang vermehrt freigesetzten Hefen schwirrten durch die Luft und konnten bei der Bierherstellung den Gärungsprozess rasch in Gang setzen. Während des gesamten Mittelalters trank man selbstgebrautes Bier zu den meist aus Getreidebrei oder Brot bestehenden Mahlzeiten. Verbraut wurde in der Regel Hafer. Erst seit dem 9. Jahrhundert verwendete man auch Weizen oder Gerste. Daneben gab es bis ins 16. Jahrhundert hinein Roggen-Biere. Sogar gekocht wurde mit diesem Getränk. Folgerichtig waren es auch die Frauen, die Bier brauten, ebenso wie sie die Familie mit Brot versorgten. Vielfach gehörte ein Sudkessel sogar zur Mitgift, in den Dörfern Westfalens war das noch bis ins 18. Jahrhundert üblich. Hausfrauen, die frisch gebraut hatten, luden ihre Nachbarinnen zum »Sudkränzchen« ein, bei dem es oft üblich war, Brot ins Bier zu brocken und so zu essen. Aus diesem Brauch entwickelte sich später das berühmte »Kaffeekränzchen« mit Kaffee und Kuchen. Bevor man den edlen Gerstensaft aber regelmäßig mit Hopfen würzte, wurde mit allerlei tollkühnen Kräutermixturen, der sogenannten Grut, herumexperimentiert, um das Bier schmackhafter zu gestalten, die Alkohol- und Rauschwirkung von schwachen Bieren zu verstärken und schale oder verdorbene Biere wieder genießbar zu machen. Einige Brauer und Brauerinnen mischten Wacholder, Schlehe, Kümmel, Anis, Lorbeer oder Gagel bei, andere panschten mit Porst, Stechapfel und Bilsenkraut. Das wiederum war nicht nur ausgesprochen giftig, sondern führte auch zu Halluzinationen und Vergiftungserscheinungen. Die armen Zecher konnten ihren Augen nicht mehr trauen und suchten die Schuld für ihre Desorientierung und Wahnvorstellungen bei mutmaßlichen Bierhexen, auf die dann der knisternde Scheiterhaufen wartete. Die letzten Bierhexen verbrannte man im Jahre 1737 in Düsseldorf-Gerresheim, 1749 in Würzburg und 1782 in der Schweiz. Aber auch wer mehrmals hintereinander ein Bier von gleichbleibendem Geschmack und Qualität braute (was auf Grund des unkontrollierbaren Gärprozesses durch wilde Hefen eigentlich nicht möglich war), lief Gefahr, von neidischen Braukolleg(inn)en angezeigt zu werden. Am Ende der darauf folgenden Befragung durch die Mitarbeiter der »Inquisition« stand dann auch meist der Scheiterhaufen, da die hohen geistlichen Herren in der Regel zu der Erkenntnis kamen, dass die Brauperson mit dem "Teufel im Bunde sein müsse".
"Das Bier aber macht das Fleisch des Menschen fett und gibt seinem Antlitz
eine schöne Farbe durch die Kraft und den guten Saft des Getreides"
Hildegard von Bingen (* 1098, † 1179), Äbtissin
Braukunst der Klöster
Wie das Brotbacken zählte auch das Bierbrauen in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung zu den Aufgaben der Frauen. Erst kurz vor der ersten Jahrtausendwende mit der Christianisierung Mitteleuropas nahmen sich die Klöster der Braukunst an. Als erste befaßten sich Benediktiner-Mönche wissenschaftlich mit Bier. So soll in Brabanter Klöstern zum Würzen des Bieres zum ersten Mal Hopfen erprobt worden sein. Daraus entstand wahrscheinlich die Sage vom Brabanter König Gambrinus als Erfinder des Bieres. Er wird noch heute als Schutzpatron der Brauer und Bierliebhaber verehrt. Eine Chronik aus dem Jahre 820 n. Chr. erwähnt das Kloster St. Gallen als erste Brauerei unter der Leitung von Mönchen. Die Herstellung von Bier kann im ehemaligen Benediktinerkloster auf dem Michaelsberg in Bamberg ab 1122 urkundlich nachgewiesen werden. Die Ordensbrüder legten Hopfengärten an und verfeinerten ständig den Geschmack des Bieres. Aber sie arbeiteten auch intensiv daran, ein besonders nahrhaftes und starkes Bier herzustellen. Das war ihnen wichtig, um die harten Einschränkungen der kargen Fastenzeit umgehen zu können, denn "was flüssig ist, bricht kein Fasten", lautete die Regel. Nach einer Legende sollen die bierbrauenden Mönche vorsichtshalber eine Probe des Gerstensaftes über die Alpen nach Rom geschickt haben. Der Papst sollte sich davon überzeugen, dass sie dieses Getränk auch wirklich zur Fastenzeit zu sich nehmen durften. Das Gebräu überstand den langen Weg aber nicht unbeschadet und kam als saure Brühe vor den »Pontifex Maximus«. Der sah in dem zweifelhaften Genuss dieser Brühe eher eine Buße, als eine Freude und gab seinen Segen. Diese päpstliche Freigabe freute die Mönche natürlich sehr. Die Mönche brauten jedoch ihr Bier nicht nur für den eigenen Durst. Mit der Zeit entwickelten sich die Klöster zu sehr lukrativen Wirtschaftsbetrieben. Die Mönche erhielten das Recht das Bier gewerblich zu vertreiben. Das war die Geburt der Klosterschenken, in denen das von den Mönchen gebraute Bier an jedermann verkauft wurde. Im Jahre 1696 erhielten auch die Frauenklöster das Recht zum Biersieden und Schnapsbrennen. Noch heute leitet eine Nonne als Braumeisterin die Brauerei des Franziskanerinnen-Klosters Mallersdorf Kreis Straubing-Bogen, Niederbayern.
Braustätte seit 1609
(bis dahin brauten die Mönche
im nahegelegenen Oberammergau) Klosterbrauerei Andechs
Braustätte seit 1455 Klosterbrauerei Weltenburg
Braustätte seit 1050
(älteste Klosterbrauerei der Welt [*]) Benediktiner-Braustätte seit 1618 Franziskanerinnen-Braustätte seit 1881
[*] Die heutige Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, hervorgegangen aus der ehemaligen Brauerei des Benediktinerklosters Weihenstephan, behauptet die älteste Brauerei der Welt zu sein und beruft sich dabei auf eine Urkunde aus dem Jahr 1040. Bis in die 1950er Jahre war man davon ausgegangen, dass der Braubetrieb im ehemaligen Kloster Weihenstephan erst im Jahre 1146 aufgenommen wurde. Dann wurde ein Dokument gefunden aus dem hervorgeht, dass das von den Benediktinermönchen in München ausgeübte Braurecht nach Freising verlegt wurde. Dieses, angeblich aus dem Jahr 1040 stammende, Schriftstück wurde mittlerweile als eine Fälschung aus dem 17. Jahrhundert eingestuft. Damit bleibt die Klosterbrauerei Weltenburg die älteste Braustätte der Welt.
Inzwischen hatte sich die Braukunst aber auch in den aufblühenden Städten zum angesehenen Handwerkszweig entwickelt. Für die bürgerlichen Brauereien war das Mönchsbier natürlich eine Konkurrenz und es wurde darauf geachtet, dass die Klosterbrauereien nicht zu mächtig wurden. Der Streit eskalierte mancherorts, zumal die Klöster (im Gegensatz zu den privaten Brauhäsern) in der Regel keine Abgaben und Steuern auf ihr Bier zahlen mussten. Die bürgerlichen Brauer zerstörten Klosterschenken und verbrannten die Fässer der Mönche. Die Brauerei des Zisterzienserklosters in Altzella bei Dresden ging in Flammen auf. Die Bierabgaben und Biersteuern der bürgerlichen Brauhäser füllten immer mehr die Kassen der jeweiligen Landesherren. Wegen des Unfriedens zwischen bürgerlichen und klösterlichen Brauereien und weil der abgabenfreie Verkauf von Klosterbier diese gute Steuereinnahmequelle beeinträchtigte, wurde der Verkauf von Klosterbier von vielen Landesfürsten kurzerhand verboten und die Klosterschenken geschlossen. Als erster erließ der römisch-deutsche Kaiser Sigismund (* 1368, reg. ab 1411, † 1437) einen derartigen Erlaß. Die »Säkularisation« im Jahre 1803 war das endgültige Aus für die Klosterbrauereien, die entweder ganz geschlossen, privatisiert oder in staatliches Eigentum umgewandelt wurden. Der Braumeister der ehemaligen Klosterbrauerei in Weihenstephan ist heute bayerischer Staatsdiener. Trotzdem haben einige echte Klosterbrauereien bis heute überlebt. Die bekanntesten sind die Benediktiner-Klöster Andechs (seit 1455), Kreis Starnberg (Obb), Ettal (seit 1609), Kreis Garmisch-Partenkirchen (Obb) und die älteste Klosterbrauerei der Welt Weltenburg, Kreis Kelheim, Niederbayern. Seit anno 1050 wird hier edelster Gerstensaft in der Tradition der Benediktiner-Mönche gebraut.
"Bier ist ein Geschenk der Frau, ihr Sinn ist, dass sie kocht und brau"
Sr. Doris, Ordensschwester und Braumeisterin der
von der Heiligen Familie zu Mallersdorf
Das um das Jahr 720 gegründete Kloster bestand neben den üblichen klösterlichen Gebäuden auch aus drei Brauereien, von denen jede eine spezielle Biersorte herstellte. In der Klosterbrauerei St. Gallen wurde praktisch erstmals die Bierproduktion professionell betrieben. Über hundert Mönche arbeiteten in den Brauereien, unterstützt von einer noch größeren Anzahl weltlicher Helfer. Die Brauereipläne waren auch Vorlage für viele Klosterbrauereien in ganz Europa. Jede dieser drei Brauereien braute eine spezielle Bierqualität, aber alle drei hatten einen gemeinsamen Getreidespeicher. Der war in Form eines Kreuzes angelegt, "damit der Segen Gottes immer auf dem Biere liege". Im Getreidespeicher wurde auch gedroschen und Grünmalz bereitet. Man brachte das Getreide zum Keimen, indem man es immer wieder mit Wasser besprengte. Nach dem Keimen kam das Getreide in die Darre, die - mit ihrem steinernen Rauchfang über dem Darrofen - im Brauhaus zweiter Klasse untergebracht war, in dem das Bier für die Mönche hergestellt wurde. Auch die Malzquetsche, in der das Malz mit zwei großen Mörsern geschrotet wurde, stand dort. In jedem der drei Brauhäuser gab es sowohl einen Sudraum als auch einen Gär- und Kühlraum. Die Kessel standen auf großen gemauerten Öfen. In ihnen wurde gemaischt und gebraut. Der Sud wurde mit Holzeimern ausgeschöpft, im zweiten Raum zum Auskühlen in flache Holztröge geschüttet und dann in die Gärbottiche geschöpft. Erstaunlicherweise gab es anfangs keine Lagerräume für das Bier. Die wurden erst im 12. Jahrhundert gebaut. Bis dahin wurde das Bier frisch getrunken, wie es aus dem Gärbottich kam. Überliefert wurde das alles vom Abt des Klosters St. Gallen Ekkehard IV. (* um 980 † 1060), einem lateinisch schreibenden Gelehrten, Chronisten und Lyriker. Ekkehard führte die, von dem Mönch Ratpert († 890) begonnene, Klosterchronik »Casus Sancti Galli« fort. In den drei Brauhäusern des Klosters wurden die folgenden Biersorten hergestellt:
»Celia« hieß das kräftige, füllige Starkbier, das manchmal aus Gerste, zuweilen aus Weizen und oft auch aus beidem bestand. Es war in erster Linie für den Abt und vornehme Gäste bestimmt. Aber auch die Mönche bekamen an Fest- und Feiertagen davon. Abt Ekkehard IV. pflegte es zu segnen "Fortis ab invicta cruce celia sit benedicta - Gesegnet seist du, Starkbier vom unbesiegten Kreuze!".
»Cervisa« (lateinisch korrekt eigentlich »Cerevisia«, benannt nach Ceres, der Göttin des Ackerbaus, des Getreides und der Feldfrüchte) war das alltägliche Haferbier für Mönche und Pilger. Es wurde den ganzen Tag über getrunken, stets aber um neun Uhr als »Cerevisia nonalis«, zur Erinnerung an die neunte Stunde, in der Christus dürstend am Kreuze hing.
»Conventus« hieß der etwas dünne Absud von dem Rest der Würze der stärkeren Biere, dem noch frisches Hafermalz zugesetzt wurde. Das Getränk war für das Klostergesinde und die Bettler bestimmt. Es ist jedoch nicht genau überliefert, ob dieses dünne Bier in St. Gallen schon den Namen »Conventus« trug. In vielen Klöstern wurde jedoch diese Bezeichnung später verwendet.
Der Brauereiplan von St. Gallen
Plan der Braustätte für das dünnste Klosterbier »Conventus« Die Abbildung links zeigt den Plan der Braustätte für das einfachste Klosterbier »Conventus«, welches für das Gesinde und für Bettler bestimmt war. Links erkennt man die Braustube, darunter den Kühlraum fürs Bier. Rechts ist eine Bäckerei angebaut. Die großen eingezeichneten Kreise bedeuten übrigens nicht - was man vielleicht annehmen könnte -, dass da ein Sudkessel steht. Das sind Öfen. Die Sudkessel waren viel kleiner und offenbar immer zu viert an den Ecken einer quadratischen Feuerstelle angeordnet.
Die Abbildung rechts zeigt den Grundriss des Getreidespeichers. Nur der kreuzförmige Teil des Gebäudes war fürs Getreide und für die Herstellung von Grünmalz bestimmt. Die vier kleinen Räume in den Ecken, zwischen den Armen des Kreuzes, dienten als Magazine für allerlei Gerät. Links vom Getreidespeicher arbeiteten und schliefen die Küfer und Wagner des Klosters.
Grundriss des Getreidespeichers
Plan der Braustätte für das Mönchsbier »Cervisa« Auf dem Grundriss (Bild links) des Brauhauses für das Mönchsbier »Cervisa« sieht man links den Brauraum, darunter den Lager- und Kühlraum, rechts die Darre und einen Vorratsraum für das Malz.
Als letztes der Grundriss (Bild rechts) der Braustätte für das beste Klosterbier »Celia«. Auch auf diesem Plan erkennt man in der Mitte links die Braustube und darunter den Kühlraum fürs Bier. Praktischerweise war gleich noch eine Küche (oben rechts) für vornehme Gäste angebaut und auch eine Bäckerei (Mitte und unten rechts). Der Raum links oben, über der Braustube, war die Speisekammer.
Plan der Braustätte für das beste Klosterbier »Celia«
Die Medaille, die Sie links sehen, ließ der »Verband mittelständischer Privatbrauereien« im November 1981 in Gold, Silber und Bronze prägen. Auf der Vorderseite ist der Bayernherzog Wilhelm IV. abgebildet und die Rückseite trägt den für die Biergeschichte so bedeutsamen Kernsatz des Reinheitsgebotes. Der Erlaß des Reinheitsgebotes war zweifellos ein markantes Datum in der Geschichte des Bieres und wird heute alle Jahre am 23. April als »Tag des Bieres« von den deutschen Brauern gewürdigt. Verkündet und erlassen wurde das Bayerische Reinheitsgebot am Georgitag, dem 23. April 1516 auf dem Landständetag (Zusammenkunft der Verteter des Adels, der Prälaten, und der Abgesandten der Städte und Märkte) zu Ingolstadt durch die beiden damals Bayern gemeinsam regierenden Herzöge Wilhelm IV. (* 1493, reg. ab 1511, † 1550) und seinem jüngeren Bruder Ludwig X. (* 1495, reg. ab 1514, † 1545). Das Kernstück dieses Gebots besagte, dass Bier nur aus Gerste (später Gerstenmalz), Hopfen und Wasser gebraut werden durfte. Die Verwendung von Hefe war damals noch nicht bekannt und somit blieb die Gärung dem Zufall überlassen. Das Reinheitsgebot von 1516 ist die älteste, noch heute gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt. Die Originalurkunde wird heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt.
Doch diese heute bekannteste Fassung des Reinheitsgebotes ist keineswegs der erste Versuch gewesen, die Herstellung von Bier in geordnete Bahnen zu lenken. Sie stellt vielmehr Höhepunkt und Abschluss einer sich über mehrere Jahrhunderte hinweg erstreckenden rechtlichen Entwicklung dar, im Rahmen derer die jeweiligen Obrigkeiten das Ziel verfolgten, die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigem und preiswertem Bier zu garantieren, aber auch gleichzeitig sicherzustellen, dass noch ausreichend Getreide für Brot und Viehfutter vorhanden war. Solche Vorschriften lassen sich übrigens auch außerhalb Deutschlands bis weit in das vorchristliche Altertum zurückverfolgen. Für das Hochstift Bamberg wurde bereits im Jahre 1489, also 27 Jahre vor dem Bayernerlass, von Fürstbischof Heinrich III. Groß von Trockau (* 1451, reg. ab 1487, † 1501) das «Bamberger Reinheitsgebot» erlassen, in dem er bestimmte, dass beim
"Einsieden nichts mere denn Hopfen, Malz und Wasser zu nehmen sey".
Richard von Weizsäcker (* 1920), deutscher Bundespräsident (1984 - 1994)
Der Wortlaut des Bayerischen Reinheitsgebots von 1516 (übersetzt ins Neuhochdeutsche):
Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem
Land ausgeschenkt und gebraut werden soll
Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, dass forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die kein besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli bis Georgi ein Maß oder ein Kopf Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll.
Wo aber einer nicht Märzen-, sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, daß forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Faß Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden. Wo jedoch ein Gauwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeine Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemandem erlaubt und unverboten sein, die Maß oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken.
Auch soll uns als Landesfürsten vorbehalten sein, für den Fall, daß aus Mangel und Verteuerung des Getreides starke Beschwernis entstünde (nachdem die Jahrgänge auch die Gegend und die Reifezeiten in unserem Land verschieden sind) zum allgemeinen Nutzen Einschränkungen zu verordnen, wie solches am Schluß über den Fürkauf ausführlich ausgedrückt und gesetzt ist.
(Anmerkung des Verfassers: Bayerische Maß = 1,069 Liter; Kopf = halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten (nicht ganz eine Maß);
Eimer = 60 Maß = 64,14 Liter; Heller = ein halber Pfennig)
Urkundlich nachweisbare frühe Ansätze die Qualität und den Preis des Bieres festzulegen, gab es bereits u. a. für Augsburg (1156), Nürnberg (1393), Weimar (1348), München (1363/1487), Weißensee (Thüringen, 1434)), Regensburg (1447) und Bamberg (1489). Eine konkrete Festlegung auf bestimmte Rohstoffe erfolgte für München am 30. November 1487 durch Herzog Albrecht IV. (genannt »Der Weise«, * 1447, reg. ab 1465, † 1508), der verfügte, dass zur Bierbereitung nur Gerste, Hopfen und Wasser, verwendet werden dürfe. Unmittelbarer Vorläufer des Reinheitsgebotes aus dem Jahre 1516 ist eine im Jahr 1493 durch Herzog Georg (genannt »Der Reiche«, *1455, reg. ab 1479, † 1503) für das damals von ihm regierte Teilherzogtum München-Landshut erlassene Biersatzordnung, welche die Bierproduktion ebenfalls auf die Rohstoffe Gerste, Hopfen und Wasser beschränkte. Ziel der Gesetze, die neben den Herstellungsvorschriften auch detaillierte Aussagen zur Bierpreishöhe trafen, war es, den Bürgern preiswertes und bekömmliches Bier zu verschaffen und gleichzeitig durch die Bevorzugung der Gerste die anderen Getreidesorten, die für das Brotbacken wichtig waren, zu schützen. Ebenfalls sollte verhindert werden, dass Feldfrüchte (Rüben, usw.), die dringend als Viehfutter benötigt, zum Bierbrauen verwendet wurden.
Zeitgenössische Darstellung einer Bierbeschau mit dem Hosenboden,
wie sie im 15. und 16. Jahrhundert praktiziert wurde.
Alle diese Verordnungen wurden kontrolliert und Zuwiderhandlungen streng bestraft. Bierbeschauer besuchten regelmäßig die Brauer, prüften und versuchten das Bier. Auch sie selbst waren strengen Bestimmungen unterworfen und durften höchstens sechs Prüfungen am Tag vornehmen. Außerdem durften sie an Prüfungstagen weder Speisen zu sich nehmen, welche die Geschmacksnerven hätten beeinträchtigen können, noch durften sie Wein trinken oder gar rauchen.
"Der Herr Bürgermeister gibt bekannt, dass am Mittwoch Bier gebraut wird
und deshalb ab Dienstag nicht mehr in den Bach geschissen werden darf."
Urkundlich nicht nachweisbare Ankündigung eines Gemeindedieners
Die Verbreitung des Reinheitsgebotes
Die hohe Qualität des nach dem Bayerischen Reinheitsgebot gebrauten Bieres war derart überzeugend, aber auch der Stolz auf die vollendete Beherrschung der Braukunst unter Verwendung von nur vier Rohstoffen so ausgeprägt, dass das Bayerische Reinheitsgebot auch in die Reichsgesetzgebung nach 1871 Eingang fand. Die Brauer selbst waren es, die auf die gesetzliche Verankerung des Reinheitsgebotes auch außerhalb Bayerns großen Wert legten, da sich das »echte« bayerische Bier größter Beliebtheit erfreute. Nach und nach wurde das Gebot auch von anderen Staaten übernommen (Baden 1896, Württemberg 1900), die zuvor eigene Vorschriften zur Bierherstellung hatten, wie z. Bsp. Württemberg mit seiner Bierordnung aus dem Jahre 1709.
Zwar oblag nach Artikel 35 Absatz 1 der Reichsverfassung vom 14. April 1871 die Gesetzgebung über die Bierbesteuerung allein dem Reich. Als am 31. Mai 1872 jedoch eine einheitliche Biersteuergesetzgebung für das Reich erlassen wurde, die auch die Verwendung von Stärkemehl, Zucker, Sirup und Reis für die Bierproduktion zuließ, wurden Bayern, Baden und Württemberg, wo das absolute Reinheitsgebot galt, von dieser Regelung ausgenommen.
Erst durch das Reichsgesetz vom 07. Juni 1906 hielt das Reinheitsgebot auch in die Gesetzgebung für die norddeutsche Biersteuergemeinschaft Einzug. Als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die Weimarer Republik gegründet wurde, machte Bayern sogar seine Zugehörigkeit zur Republik davon abhängig, dass das Reinheitsgebot weiterhin im gesamten Reichsgebiet gelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Reinheitsgebot schließlich im Biersteuergesetz (in der Fassung der Bekanntmachung) vom 14. März 1952 in § 9 Absatz 1 verankert.
Seit 1993 fand sich der Hinweis auf das Reinheitsgebot im § 9 Abs. 1, 2, 4, 6 des Vorläufigen Biergesetzes. Dieses Gesetz ist jedoch seit 2005 weitgehend außer Kraft gesetzt. Aufgrund von EU-Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien »versteckt« sich heute das Reinheitsgebot im § 1 »Schutz der Bezeichnung Bier« der Bierverordnung welche den Verkehr mit Bier regelt. Danach dürfen unter der Bezeichnung »Bier« nur solche Getränke in Verkehr gebracht werden, die gegoren sind und den Bestimmungen des § 9 Abs. 1, 2, 4, 6 »Vorläufiges Biergesetz« und den §§ 16 bis 19, § 20 Abs. 1 Satz 2 und §§ 21 und 22 Abs. 1 der »Verordnung zur Durchführung des Vorläufigen Biergesetzes« entsprechen. In § 17 Abs. 4 wird festgelegt, dass zur Bereitung von obergärigem Bier auch Malz aus anderem Getreide als Gerste verwendet werden darf. Dadurch gelten auch Weizenbiere, sowie Roggen-, Dinkel- und Haferbiere als nach dem Reinheitsgebot gebraut.
Auf den Punkt gebracht, ist das Deutsche Reinheitsgebot der Europäischen Union ein "Dorn im Auge".
Im Juni 2001 hat der Ministerrat der Europäischen Union dem Antrag des Bayerischen Brauerbundes stattgegeben, die Bezeichnung »Bayerisches Bier« als geographische Angabe in der Europäischen Union unter Schutz zu stellen. Damit ist diese Bezeichnung nunmehr in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft geschützt und darf nur für Bier welches aus bayerischen Sudkesseln stammt verwendet werden. Damit wird gleichzeitig auch sichergestellt, dass dieses Bier auch nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut ist. Dieser Entscheidung vorangegangen war ein jahrelange Auseinandersetzung zwischen Deutschland und einigen anderen Mitgliedsstaaten, die sich diesem Schutz aus unterschiedlichen Gründen entgegengestellt hatten. Die nachdrückliche Unterstützung des Antrags durch die Bayerische Staatsregierung, der Bundesrepublik Deutschland und die Befürwortung durch die EU-Kommission haben zu der erforderlichen Mehrheit im Ministerrat geführt.
Bereits um 1200 wurde von norddeutschen Brauereien über den Hafen Bremen Bier nach Flandern und Skandinavien ausgeführt. Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert war Bier eine norddeutsche Angelegenheit und ein begehrter Handelsartikel. Dabei spielte die Hanse eine große Rolle. Die ab dem Jahre 1356 im Hansebund zusammengeschlossenen Städte im norddeutschen Raum und anderen Küstenstaaten der Nord- und Ostsee lieferten einander eigene oder importierte Waren und Güter jeglicher Art. Mit den eigenen Produkten trieben die Hansestädte außerdem eine regen weltweiten Exporthandel. Mit der Erschließung der internationalen Handelswege begann die Zeit der großen Kaufleute, der reichen Handwerker und der Zünfte. Von dem wirtschaftlichen Boom profitierten auch die Bierbrauer. In manchen norddeutschen Städten und Dörfern war das Braugewerbe der wichtigste und größte Arbeitgeber. Das norddeutsche Bier wurde zum Exportschlager. Mit Schiffen, Ochsen- und Pferdewagen wurde es überall hin geliefert und als Verpflegung auf fast allen Handelsschiffen mitgeführt. Die Braunschweiger »Mumme« war so stark und haltbar, daß man sie bis nach Ostindien verschiffte. Das Bier aus dem niedersächsischen Einbeck wurde auf dem Landweg bis nach Reval und auf Segelschiffen bis nach Jerusalem geliefert.
Wackere Zecher
Ganz Norddeutschland muß damals ein riesiges Bierlager gewesen sein. Die Schiffe, die den Rostocker Hafen verließen, hatten schon im 14. Jahrhundert vor allem Bier geladen und transportierten es vorwiegend nach dem belgischen Hafen Brügge. Aber auch der norddeutschen Bevölkerung selbst war der Gerstensaft liebstes Getränk. Ein Matrose hatte damals keine Mühe, pro Tag seine zwölf Liter Bier zu trinken. Man kann das den Abrechnungen entnehmen, die von einigen Kleinkriegen zwischen den Hansestädten und Dänemark noch vorhanden sind. Die Dänen kaperten nämlich mit Vorliebe die hansischen Biersegler. Die Ausgaben für das Bier der Marinesoldaten waren fast jedesmal der größte Posten der Kriegskosten.
Die norddeutschen Brauereien waren von Anfang
an sehr stark auf den Export ausgerichtet.
Links sehen Sie ein historisches Flaschenetikett
der ehemaligen Elbschloss Brauerei AG aus dem
Hamburger Elbvorort Nienstedten, die Bier auch
in Länder mit spansich sprechender Bevölkerung
Echtes Deutsches Bier
Ein großer Teil des Reichtums der Hansestädte entstand somit durch das Brauen und dem Handel mit Bier. Die erste und älteste Bierhandelsstadt war Bremen. Es lieferte im 13. Jahrhundert riesige Mengen von Bier nach Skandinavien, England, Holland und Belgien. Jedoch musste Bremen seine Führungsrolle bald an das aufstrebende Hamburg abgeben. Im Jahre 1270 nennt das Hamburger Schiffsrecht Bier als wichtigsten Handelsartikel. Hamburg wurde das »Brauhaus der Hanse«. Im Jahre 1376 hatten dort 547 Brauereien ihren Sitz, in denen die Hälfte aller Gewerbetreibenden der Stadt arbeitete. Jährlich wurden 25 Millionen Liter Bier gebraut. Mit ihren Lastsegelschiffen transportierten die Hamburger ihr Bier nach Schweden und Rußland. Auch in Riga, Danzig und Helsingborg wurde Hamburger Bier getrunken. Das ausgehende 17. Jahrhundert läutete das Ende der hamburgischen Brauindustrie ein. Die Konsumenten hatten Gefallen an neuen Getränken gefunden. Kaffee, Tee und Schokolade in den vornehmen Kreisen, während die einfache Bevölkerung verstärkt Branntwein bevorzugte, der schneller und auch billiger berauschte als Bier.
Erst in der zweiten Häfte des 19. Jahrhunderts begann eine neue Blütezeit für die Hamburger Bierlandschaft. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre 1865 und den Siegeszug des untergärigen Bieres. Um das Jahr 1890 wurden im Großraum Hamburg bereits eine Million Hektoliter Bier gebraut. Bei den neu gegründeten Hamburger Brauereien handelte es sich dabei fast ausnahmslos um Aktiengesellschaften. Hier wurde vielleicht der Grundstein dafür gelegt, dass es heute keine echte Hamburger Brauerei mehr gibt. Hamburg entwickelte sich auch zum wichtigen Exporthafen für Bier aus den süddeutschen Brauhochburgen Kulmbach, Nürnberg und München, welches auf Schienen mit der neuen Eisenbahn nach Norden transportiert wurde. Nach dem schwierigen Neuanfang am Ende des zweiten Weltkrieges drehte sich in den 1970er und 1980er Jahren das Fusions- und Übernahmekarussell. Im Laufe der Jahre entwickelte sich dabei die Holsten Brauerei AG durch die Übernahme traditionsreicher Hamburger und anderer Brauereien aus dem norddeutschen Raum zum führenden Braukonzern Norddeutschlands.
Aber auch für die Holsten Brauerei AG (gegr. 1879) kam das Ende im Jahre 2004, als der dänische Braukonzern Carlsberg die Aktienmehrheit übernahm, den Namen »Holsten« aber weiterhin bestehen liess. Heute gibt es, abgesehen von der Großbrauerei im dänischen Besitz, nur noch vier echte Hamburger Gasthaus-/Kleinbrauereien: Gröninger Privatbrauerei e.K. (Kleinbrauerei, Braustätte seit 1793), Brauhaus Joh. Albrecht (Gasthausbrauerei, Beratungs- und Beteiligungs GmbH mit Sitz in Dortmund!), Ratsherrn Brauerei GmbH (Kleinbrauerei und Gasthausbrauerei »Altes Mädchen«, Schanzenhöfe, gegr. 2014) und die Block-Bräu GmbH (Gasthausbrauerei, St. Pauli Landungsbrücken, gegr. 2012). Auch in Bremen gibt es heute nur noch die lokale Gasthausbrauerei Schüttinger (gegr. 1990). Die weltweit bekannte Biermarke Beck's (gegr. 1873) und die lokale Biermarke Haake-Beck (gegr. 1826) gehören seit 2002 zum belgisch-brasilianischen Braukonzern ABInBev (Anheuser-Busch International Beverages), dem weltgrößten Brauereiunternehmen.
Der »30-jährige Krieg« (1618 bis 1648) bendete den lukrativen und schwunghaften norddeutschen Bierhandel. Viele der besten und berühmtesten Brauereien wurden zerstört. Die norddeutschen Städte erholten sich nur schwer von den Verwüstungen. In dieser Zeit wurde das meiste Bier in der unmittelbaren Umgebung der jeweiligen Brauerei getrunken. Einen Bier- oder Warenhandel gab es kaum noch. Die aufkommenden nationalen und territorialen Wirtschaften ließen einer überregionalen Handelsgemeinschaft wie der der Hansekaufleute und Hansestädte keinen Raum mehr. Im Jahre 1669 fand in Lübeck der letzte Hansetag statt. In Süddeutschland, wo zu dieser Zeit weit mehr Wein als Bier getrunken wurde, hatte der »30-jährige Krieg« fast alle Weinberge vernichtet. Auf diesen Flächen wurde dann Hopfen angebaut und überall in Süddeutschland Brauereien gegründet. Dadurch entwickelte sich der süddeutsche Raum zur führenden Bierregion Deutschlands und ist es bis heute geblieben.
Im Jahre 1390 wird zum ersten Mal ein Braunschweiger Gerstenbier erwähnt. Der Legende nach soll ein Braumeister mit dem Namen Christian Mumme im Jahre 1492 dieses Bier weiter entwickelt haben. Das war die Geburtsstunde der »Mumme«, die den Braunschweigern 200 Jahre lang Ruhm und Gewinn bescherte. Dieses dickflüssige, süße, dunkelbraune Starkbier soll damals so kräftig gewesen sein, dass davon "Männer umfielen". Durch den hohen Stammwürzegehalt hatte die »Mumme« eine lange Haltbarkeit und war deshalb für lange Zeit das einzige Bier, welches sich für die monatelange Schiffsreise nach Übersee eignete und auch noch in tropischen Ländern genießbar war. Braunschweig, Mitglied der Hanse, und verkehrsgünstig an der schiffbaren Oker gelegen, nutzte die Handelsbeziehungen und Handelswege der Hanse, um das Bier über Hamburg und Bremen in die Niederlande, nach Großbritannien und bis nach Indien zu exportieren. Der Export der »Mumme« war so erfolgreich, dass im Jahre 1603 ein handelspolitischer Streit zwischen Braunschweig und Bremen ausbrach. Die Bremer verweigerten die abgabenfreie Durchfuhr der »Mumme«-Transporte und forderten für jedes Fass »Mumme«-Bier eine Steuer von einem bis eineinhalb Reichstalern. Im Jahre 1614 einigte man sich auf eine Abgabe von einem halben Reichstaler pro Fass. Zusätzlich wurde der Weiterverkauf der »Mumme« den Bremern überlassen. Der Streit nur durch den 30-jährigen Krieg (1618 -1638) unterbrochen. Die Vereinbarung über die Vermarktung und die Steuer wurden von den Bremern erst im Jahre 1649 wieder aufgehoben. Durch die lange Haltbarkeit wurde die »Mumme« auch als Proviant und Energiespender auf den Handelsschiffen mitgeführt und erhielt im Jahre 1675 den Namen »Segelschiff-Mumme«. Zwischen 1712 und 1719 sank jedoch die Nachfrage und damit der Absatz der »Mumme« so stark, dass der Handel vollkommen eingestellt wurde. Im 18. Jahrhundert gab es deshalb in Braunschweig nur noch zwei von zehn Brauereien, welche die »Mumme« herstellten. Eine Zeit lang war die »Mumme« nur noch in Apotheken!! erhältlich. Heute ist die »Mumme« ein alkoholfreier, dickflüssiger, fast sirupartiger Malzextrakt und wird zum Mischen mit Bier oder Milch und zum Kochen verwendet.
Der Rat der Stadt Braunschweig überreicht dem Landgrafen Friedrich von Hessen zwei Fässer echter »Mumme«
Die niedersächsische Stadt Einbeck, Geburtsstätte des Bockbieres, war ein weiteres wichtiges Brauzentrum. Einbecks Bürger lebten von Leinweberei und Bierbrauen. Das Braurecht wurde von den Stadtvätern an die Bürger gegen eine Steuerzahlung vergeben. Jeweils am 1. Mai eines Jahres wurde auf dem Marktplatz die Reihenfolge ausgelost, nach welcher der städtische Braumeister die öffentliche Braupfanne an den 200 Brautagen im Jahr in die Häuser der "Bürger und Brauer" zu bringen hatte. Diese durften allerdings nur den Eigenbedarf behalten, der Rest wurde vom Rat der Stadt aufgekauft. Er sorgte auch für den Verkauf und die Vermarktung des Bieres. Noch heute stehen in Einbeck etliche alte Häuser mit sehr hohen Toren. Das war notwendig, damit die Braupfanne ins Haus gebracht werden konnte. Viele dieser Häuser haben auch noch die weiten Dachböden, in denen die Gerste lagerte und zum Malz keimte, und die großen Keller, in denen das Bier gären konnte und gelagert wurde. Die älteste noch vorhandene Rechnung über den Verkauf von zwei Tonnen Einbecker Bier nach Celle datiert vom 23. April 1378. Gegen Ende des Mittelalters hatte Einbeck 742(!) Bürger-Brauhäuser. Der Gerstensaft war weithin berühmt, sehr stark und alkoholhaltig. So konnte man es monatelang aufbewahren und auch über weite Entfernungen transportieren. Da Einbeck seit dem Jahre 1368 mit der Hanse in enger Beziehung stand, erfolgte der Bierhandel auf deren Handelswegen. Im 14. und 15. Jahrhundert ziehen Einbecker Biertrecks in Richtung Bremen, Hamburg, Lübeck, Landshut, München, Danzig, Königsberg, Riga, Dänemark und Amsterdam. Sogar in Italien war »Einbecker Hopfenbier« bekannt.
Auf dem Reichstag in Worms im Jahre 1521 erhielt der deutsche Reformator Martin Luther (* 1483, † 1546) ein Fass Einbecker Bier als Trost und Stärkung von Erich I. (* 1470, † 1540), Herzog von Braunschweig, zugeschickt. Luther lobte das »Ainpöckische Bier« mit den Worten:
"Der beste Trank, den einer kennt, wird Einbecker Bier genennt"
Und als Luther im Jahre 1525 in der Stadt Wittenberg, die 1523 aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma entflohene Nonne, Katharina von Bora (* 1499, † 1552) heiratete, bestand das Hochzeitsgeschenk der Stadt ebenfalls aus Einbecker Bier. Auch den bayerischen Herzögen schmeckte das Bier vortrefflich und deshalb importierten sie es ab dem Jahre 1550 regelmäßig durch Nürnberger Handelshäuser. Anno 1612 wurde von den bayerischen Herzögen ein Einbecker Braumeister für ihr Hofbräuhaus abgeworben, um dort das beliebte »Ainpöckisch Bier« herzustellen. Daraus wurde im bayerischen Zungenschlag schnell »Oanpock« und dann nur noch »Pock« und seit dieser Zeit ist das berühmte Bockbier auch in Bayern beheimatet und steht fälschlicherweise in dem Ruf, auch dort erfunden worden zu sein.
Historisches Foto aus den Anfangszeiten des »Friesischen Brauhauses zu Jever«
Preußen und der Zapfenstreich
Eine sehr strenge Brau- und Schankordnung mit 37 Paragraphen hatte Berlin seit dem Jahre 1577. Einer davon besagte, dass ab neun Uhr abends, wenn ein Trommler durch die Straßen ging, kein Bier mehr ausgeschenkt werden durfte. Amtsdiener kamen in jede Schenke und machten auf dem Zapfhahn einen Kreidestrich. So konnte man sofort erkennen, wenn jemand danach den Hahn noch einmal geöffnet hatte. Dieser Strich auf dem Zapfhahn war der »Zapfenstreich«. Bald bezeichnete man auch das abendliche Trommeln allgemein als »Zapfenstreich«. Dieses Wort ging im militärisch geprägten Preußen in den militärischen Sprachgebrauch über und wird bis heute verwendet.
Unter dem preußischen »Soldatenkönig« Friedrich Wilhelm I. (* 1688, reg. ab 1713, † 1740) wurde Bier hoffähig. Mit seinem legendären Tabakskollegium, dessen berühmtester Teilnehmer der französische Schriftsteller, Philosoph und Historiker Voltaire (eigentlich François Marie Arouet, * 1694, † 1778) war, rief Friedrich Wilhelm I. sozusagen die erste Stammtischrunde ins Leben.
König Friedrich Wilhelm I. in Preussen
(* 1688, reg. ab 1713, † 1740)
»Soldatenkönig«
Gemälde (um 1733) von
Antoine Pesne (* 1683, † 1757)
Tabakskollegium von König Friedrich Wilhelm I. in Preussen, um 1737
Gemälde von Georg Lisiewski (* 1674, † 1750)
(* 1712, reg. ab 1740, † 1786)
»Friedrich der Große«
Gemälde (1781) von
Anton Graff (* 1736, † 1813)
Seinen Sohn und Thronfolger Friedrich II. (* 1712, reg. ab 1740, † 1786), der später als »Friedrich der Große« in die Geschichte einging, ließ er sogar das Brauhandwerk erlernen. Von dieser Entscheidung seines Vaters wurde auch sein späteres Leben beeinflußt, was vor allem die Importeure des immer stärker werdenden Modegetränkes Kaffee zu spüren bekommen sollten. Denn immer mehr Leute tranken Kaffee und die Einnahmen aus der Biersteuer gingen stark zurück, woraufhin der »Alte Fritz« den Kaffee einfach verbot mit folgender Begründung:
"Ein jeder Brauer und gemeine Mensch gewöhnt sich jetzt zum Kaffee. Wird das ein bißchen eingeschränkt, so müssen sich die Leute wieder
an das Bier gewöhnen, denn das ist zum besten ihrer eigenen Bierbrauereien. Übrigens sind »Seine Königliche Majestät« höchstselbst
mit Biersuppe erzogen worden. Ihre Väter kannten nur Bier, und das ist das Getränk, das für unser Klima paßt."
Nach der Besetzung Preußens durch den französischen Kaiser Napoleon I. (* 1769, reg. 1804 - 1814, † 1821) im Jahre 1806 waren die Franzosen von der »Berliner Weißen« so begeistert, dass sie ihr den Namen "Champagner des Nordens" gaben.
Am Anfang der Leipziger Straße (Nr. 7 - 9) in Potsdam, wo der Brauhausberg steil zur Havel abfällt, wurde im Jahre 1688 ein Kornmagazin für das Proviantamt errichtet. Ein Speicher wurde ab dem Jahre 1716 als »Königliche Brauerei« eingerichtet. Während der Regierungszeit des »Soldatenkönigs« Friedrich Wilhelm I. und des »Alten Fritz« Friedrich II. lieferte die Königsbrauerei zu Potsdam ein obergäriges »Kräusenbier« (Jungbier) als festen Bestandteil der Soldzahlungen an die Soldaten. Auf Grund des hohen Kohlensäuregehaltes des Bieres entwickelte sich beim Ausschank eine starke Schaumbildung. Deshalb benutzte man ein hohes, stangenähnliches Glas, wodurch das Bier als Potsdamer Stangenbier bekannt wurde.
Friedrich Wilhelm IV. (* 1795, reg. 1840 - 1858, † 1861) ließ die Brauereigebäude im Jahre 1844 von dem preußischen Architekten Ludwig Persius (* 1803, † 1845) im normannischen Burgenstil umbauen. Friedrich Wilhelm IV. heiratete im Jahre 1823 Elisabeth Ludovika von Bayern (* 1801, † 1873). Sie sorgte sehr schnell dafür, dass bayerisches Bier auch in Preußen seine Abnehmer und Liebhaber fand. Bereits im Jahre 1804 ließ Friedrich Wilhelm III. (* 1770, reg. ab 1797, † 1840;) auf der Höhe des Brauhausberges für seine Gemahlin Königin Luise (* 1776, verm. 1793, † 1810) von Preußen einen Aussichtsturm im neugotische Stil erbauen. Unterhalb des Turmes lag das beliebte Restaurant »Wackermanns Höhe«, in dem das beliebte »Potsdamer Stangenbier« ausgeschenkt wurde.
Im Jahre 1829 gründeten die Potsdamer W. Adelung und A. Hoffmann, die die Braukunst in München erlernt hatten, ihre »Bayrisch Bier Brauerey«. Sie übernahmen die bis dahin staatseigene Königsbrauerei am Fuß des Potsdamer Brauhausberges und brauten das erste untergärige Lagerbier in Preußens Residenz. Daneben führten sie jedoch auch die Brautradition des »Potsdamer Stangenbieres« fort, das sie in einer ausgewogenen Mischung aus Lager- und Kräusenbier (Jungbier) herstellten. Die beiden Braumeister verkauften ihre Braustätte im Jahre 1896 an die »Vereinsbrauerei Rixdorf«, welche im Jahre 1907 in »Berliner Kindl Brauerei AG« umfirmiert wurde, in Anlehnung an das Münchner Kindl, weil die Brauerei überwiegend bayerisches (untergäriges !) Bier braute.
»Potsdamer Stangenbier« wurde bis Anfang der 1950er Jahre von verschiedenen Brauereien in Potsdam und Berlin hergestellt. Die ehemalige DDR versuchte im Jahre 1969 diese Tradition wieder aufleben zu lassen. Leider waren die Bemühungen nicht sehr erfolgreich. Im Jahre 1977 brachte die »(West)Berliner Kindl Brauerei AG« ebenfalls das Stangenbier, als kalorienarmes Schankbier, wieder auf den Markt. Nach vier Jahren wurde die Produktion jedoch wieder eingestellt. Aber das Stangenbier kam zurück. Seit Juli 2004 kann der Liebhaber dieser Potsdamer Bierspezialität in der Braumanufaktur Forsthaus Templin seine Stange(n) wieder genießen (Stammwürze 11,8 % - Alkohol 4,8 % vol).
(* 1770, reg. ab 1797, † 1840) Königin Luise von Preussen
(geb. Luise von Mecklenburg-Strelitz)
(* 1776, verm. 1793, † 1810)
Ehefrau von König Friedrich Wilhelm III. König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen
(* 1795, reg. 1840 - 1858, † 1861) Königin Elisabeth von Preussen
(geb. Elisabeth Prinzessin von Bayern)
(* 1801, verm. 1823, † 1873)
Ehefrau von König Friedrich Wilhelm IV.
Die preussische Linie des Hauses Hohenzollern hat sich um den edlen Gerstensaft verdient gemacht.
Industrielle Entwicklung im 19. Jahrhundert
Der technische Fortschritt und die industrielle Entwicklung der Braukunst brachte auch für die Bierwirtschaft große Neuerungen mit sich. Die Verbesserung der Dampfmaschine durch den schotten Erfinder James Watt (* 1736, † 1819) in den Jahren 1764/69 und die daraufhin folgende erste dampf-getriebene Eisenbahn zusammen mit dem Aufbau eines engmaschigen Schienennetzes führte zu einer Revolution auf dem Transportsektor. Der Eisenbahntransport hatte natürlich auch positive Auswirkungen auf den Handel mit dem schäumenden Brauerzeugnis. Am 11. Juli 1836 wurden durch die Nürnberger Brauerei »Lederer« als erstes Eisenbahnfrachtgut zwei Fässer Bier mit dem ersten von Nürnberg nach Fürth fahrenden Zug verschickt. Empfänger war der Bahnhofswirt in Fürth. Weil die »Ludwigseisenbahn« noch nicht über Gepäck- bzw. Güterwagen verfügte, wurden die beiden Fässer gegen Bezahlung von 2 x 6 Kreuzern auf den Vordersitzen eines Personenwagens der dritten Klasse transportiert.
Als sich der französische Chemiker und Mikrobiologe Louis Pasteur (* 1822, † 1895) bei seiner wissenschaftlichen Arbeit auch für die Mikroorganismen in der Hefe und ihrer Rolle beim Brauprozess beschäftigte, brachten seine Forschungsergebnisse auch bahnbrechende neue Erkenntnisse für die Bierproduktion mit sich - damit wurde die Gärungswissenschaft überhaupt erst begründet. Bis dahin hatten die Pilzkulturen ihre Aufgabe beim Brauen eher unkontrolliert verrichtet. Nicht selten führte das zu unbrauchbaren und ungenießbaren Ergebnissen - "Hopfen und Malz waren verloren", eine Redewendung die Eingang in unseren heutigen allgemeinen Sprachgebrauch gefunden hat. Nun aber wusste man genau, wie man die Hefe einzusetzen hatte, um untergäriges und/oder obergäriges Bier herzustellen. Im Jahre 1883 gelingt dem dänischen Botaniker Emil Christian Hansen (* 1842, † 1909), als Angestellter der Carlsberg Brauerei in Kopenhagen, in den Labors der Brauerei die Reinzucht von Hefekulturen. Der Brauerei zu Ehren wird die untergärige Hefe »Saccharomyces Carlsbergensis« genannt.
Aber die moderne Zeit mit ihren vielen spektakulären Erfindungen brachte auch für ein anderes Problem die Lösung. Zur Herstellung, aber auch zur perfekten Lagerung von Bier, benötigt man eine Kühlung. Dazu sägte man mit viel Muskelkraft im Winter riesige Eisstücke aus den zugefrorenen Teichen und Flüssen oder baute sogenannte »Eisgalgen«. Diese Eisbrocken retteten das Bier dann in eigens dafür hergerichteten Eiskellern über den Sommer. Dieser große Aufwand wurde den Brauern dann durch die Erfindung des deutschen Ingenieurs Carl von Linde (* 1842, † 1934) erspart, der im Jahre 1873 den Prototyp seiner Kältemaschine, die mit Ammoniak und Kompression arbeitete, fertiggestellt hatte. Die Münchner Brauerfamilie Gabriel Sedlmayr förderte und unterstützte als Geldgeber die Arbeit von Linde im Vorfeld. Das neu entwickelte Kühlsystem sorgte ab sofort nicht nur für stets gut temperiertes Bier, es ermöglichte auch das Brauen von untergärigem Bier bei sommerlichen Außentemperaturen. Dazu bedarf es nämlich einer Gärtemperatur zwischen 4 und 9° Celsius.
Brauerei um 1875 - ein imposantes Denkmal aus der Zeit der Industrialisierung
1834 2003
Mit Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre 1865 setzte ein wahrer Gründungsboom ein und Brauereien schossen (vor allem in Süddeutschland) wie Pilze aus dem Boden. Im Jahre 1866 wurden allein in der oberfränkischen Stadt Kulmbach 38 (!) Brauereien gegründet.
(* 1736, † 1819),
schottischer Erfinder,
Verbesserung der Dampfmaschine Louis Pasteur
(* 1822, † 1895),
französischer Chemiker und Mikrobiologe,
Begründer der Gärungswissenschaft Emil Christian Hansen
(* 1842, † 1909),
dänischer Botaniker,
Reinzucht von Hefekulturen Carl von Linde
(* 1842, † 1934),
deutscher Ingenieur,
Erfinder der Kältetechnik
Die Wegbereiter des modernen Brauwesens.
Der Brauerstern (auch Bierstern, Bierzeiger oder Zoiglstern genannt) ist ein Hexagramm aus zwei sich überlappenden und in sich verschlungenen, gleichschenkligen Dreiecken. Dieses Hexagramm galt als Symbol für die Alchemie als Ganzes, aber auch als Zeichen, um die beiden Elemente Feuer (aufrecht stehendes Dreieck) und Wasser (umgekehrtes Dreieck) zu symbolisieren. Diese beiden Elemente sind auch zum Brauen notwendig, also zur Herstellung von Alkohol. Deshalb bedeutete das Hexagramm auch ganz einfach "(Alkohol) trinken". Wer in seiner Jugend den deutschen Autor von Abenteuerromanen Karl May (* 1842, † 1912)gelesen hat, weiss, dass die Indianer alkoholische Getränke »Feuerwasser« nannten. Die Mälzer und Bierbrauer des Mittelalters sahen in dem Sechseck außerdem auch die beiden anderen Hauptelemente der Welt - Erde und Luft - symbolisiert und damit ein biochemisches System. Aus der Erde kommen Getreide und Hopfen, diese werden mit Feuer und Wasser gekocht und die Luft (wilde Hefen!) sorgt für die notwendige Gärung. Zum anderen war das Hexagramm auch ein Schutzsymbol gegen Feuer und Dämonen.
(Gerste, Hopfen)
(Maischen)
Da die Brandgefahr eine der größten Bedrohung der mittelalterlichen Städte war und es beim Bierbrauen immer wieder zu Bränden kam, ist es möglich, dass das Sechseck auch Feuerunheil vom Brauhaus abwenden sollte. Das Hexagramm wurde zum Brauerstern und damit, vorwiegend im süddeutschen Raum, zum Zunft- und überregionalen Erkennungszeichen der Bierbrauer. Erstmals wurde der Brauerstern auf einer Zeichnung aus Nürnberg dargestellt, die um das Jahr 1430 entstand und einen deutlichen Zusammenhang zwischem dem sechszackigem Stern und dem Bierbrauen zeigt. Dieser Stern wurde immer dann aufgehängt, wenn es frisch gebrautes Bier gab und war somit, in einer Zeit, wo die meisten Menschen weder schreiben noch lesen konnten, ein Schankzeichen und Wegweiser damit Brauer und Zecher zusammenfanden. Ein rot gestrichener Stern verkündete den Ausschank von dunklem Bier; ein heller Stern signalisierte helles Bier. Heute noch findet man in vielen Gegenden Süddeutschlands (Franken, Oberpfalz) einen Brauerstern als Teil des Auslegers an Braugasthöfen oder vor dem Haus in das Pflaster eingearbeitet, wie vor dem Gasthof Butz (Brauerei bis 1920) in Rothenburg ob der Tauber (Mfr).
Bierkrug-Zinndeckel
mit Brauerstern,
Brauerei Gebr. Stolle,
Aschach (Ufr)
1900 1920 Die historische Aufnahme zeigt das im Jahre 1924
abgebrochene ehemalige Landsassengut in Altenstadt
bei Vohenstrauß (Opf), in dem auch eine Zoiglstube untergebracht war, mit ausgestecktem Zoiglstern. Maßkrug
Brauerei Wilde Rose,
Bamberg (Ofr)
1628 1971
Matthias Trum, Braumeister zum Heller (»Schlenkerla«) in Bamberg, schrieb seine Diplomarbeit über
»Historische Darstellungen, Zunftzeichen und Symbole des Brauer- und Mälzerhandwerks«
"Wie kommt der Brauerstern auf die Flagge Israels?"
"Warum wurde der Davidstern das Zunftzeichen der Bierbrauer?"
wird des öfteren von »Gambrinus«-Anhänger(innen) gefragt.
Die Antwort ist - beide Symbole sind Hexagramme, aber damit erschöpft sich schon die Gemeinsamkeit. Während über den Ursprung und die Bedeutung des »Brauersterns« gesicherte historische Erkenntnisse vorliegen, gibt es über die Herkunft des »Davidsterns« nur Legenden und Vermutungen. Das Hexagramm als explizit jüdisches Zeichen wurde erstmalig ca. 1350 auf der Flagge der jüdischen Milizen in Prag verwendet. Das Hexagramm als Zunftzeichen der Brauer wurde erstmals im Jahre 1425 auf einer Zeichnung in Nürnberg abgebildet. Es wird zwar immer wieder versucht, historische Zusammenhänge zwischen dem Hexagramm und dem »Davidsterns« herzustellen, aber alle diese Versuche sind wissenschaftlich nicht wirklich belegbar. Eine nicht so unwahrscheinliche Geschichte über die Entstehung und die historische Herkunft des »Davidsterns« können Sie hier lesen.
Im Judaismus ist das Hexagramm bekannt unter dem Namen »Davidstern« (hebräisch "Magen David") und »Salomons Siegel«. "Magen David" bedeutet das »Schild« Davids, denn nach dem Mythos soll David bei seinem Kampf gegen Goliath einen sternförmigen Schild getragen haben. Die jüdische Lithurgie meint hierzu, unter dem Begriff »Schild« solle hier Gottes Hilfe verstanden werden. Als Siegel oder Schlüssel König Salomons wurde es bekannt durch die Legende, in welcher der König einen Ring mit einem Hexagramm trug, mit dem er Dämonen and Geister bezwingen konnte. Innerhalb des Kreises der Magier in Westeuropa wurde dieses Symbol deshalb oft Teil ritualmagischer Praxis. Auch im Iran erzählt man sich von einem solchen Siegel, mit dem man Flaschen verschließen kann, in denen man Geister gefangen hat. Obwohl ziemlich allgemein angenommen wird, dass das sechseckige Symbol den Judaismus seit der Zeit Davids und Salomons repräsentiert, ist diese Annahme nicht beweisbar. Es wäre gut möglich, dass das Hexagramm in Wirklichkeit weder mit David, noch mit Salomon etwas zu tun hatte, und es kommt in der jüdischen Literatur vor dem 12. Jahrhundert auch nicht vor.
Manche vermuten, in den Ring Salomons sei nicht das »Hexagramm«, sondern möglicherweise das »Tetragramm«, die vier Buchstaben (JHWH) mit denen in der hebräischen Bibel der Namen Gottes umschrieben wird, graviert gewesen. Erst im 12. Jahrhundert erscheint der Begriff "Magen David", aber damals wurde es noch nicht mit einem Hexagramm assoziiert, sondern mit den Inskriptionen der 72 heiligen Namen, die auf dem Schild angebracht gewesen sein sollen (Exodus, 14:19-21 und später Psalm 67). Das erste Mal, dass ein Zusammenhang zwischen David und dem Hexagramm erscheint, ist auf einem Grabstein aus dam 6. Jahrhundert in Tarent (Süditalien). Nicht als Symbol des jüdischen Glaubens oder der jüdischen Gemeinschaft, sondern in ganz anderer Bedeutung wurde das Hexagramm wahrscheinlich in früheren Zeiten in Palästina gebraucht. Es wurde dort ein Hexagramm auf einem Siegel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. gefunden, und aus dem Jahre 200 n. Chr. stammt ein Hexagramm auf einem Fries in einer Synagoge in Capernaum. Erst ab dem 14. Jahrhundert ist es als jüdisches Emblem zu finden. Die jüdische Gemeinde in Prag war die erste, die den »Davidstern« als offizielles Symbol verwendete. Von dieser Zeit an wurde das Hexagramm von immer mehr jüdischen Gemeinden als religiöses Symbol übernommen, obwohl es dafür eigentlich weder in der Bibel noch im »Talmud« eine Untermauerung gibt.
Die Bierstadt Bamberg
"Der Charakter der Bamberger soll im allgemeinen Biederherzigkeit, Phlegma, Aberglaube und häufiges Biertrinken sein."
Wilhelm Heinrich Wackenroder (* 1773, † 1798), preußischer Dichter
Die Stadt und der Landkreis Bamberg in Franken gehören zu einer Region mit der höchsten Brauereiendichte der Welt. Die Stadt Bamberg hat noch neun Brauereien und in 30 von 36 Landkreisgemeinden wird noch Bier gebraut. Insgesamt gibt es im Stadt- und Landkreis noch 71 (9/62) Brauereien. Ihre Blütezeit erlebte die Bamberger Brauereienlandschaft im 19. Jahrhundert. Damals gab es im Jahre 1818 im Stadtgebiet 65 Braustätten. Besonders in der heutigen Unteren und Oberen Königstraße, ehemals Teil einer alten Handelsstraße, gab es 22 Brauereien. Übrig geblieben davon sind an dieser Straße nur noch zwei Braustätten. Im Jahre 1902 waren es noch 36 Brauereien und heute sind es immerhin noch acht Traditionsbrauereien, eine Gasthausbrauerei und zwei große Handelsmälzereien (von denen eine auch eine Röstmalzbier- und Versuchsbrauerei betreibt), die den Ruf Bambergs als Bierkulturstadt festigen. Außerdem befindet sich in den historischen Gewölben der ehemaligen Benediktinerbräu auf dem Michaelsberg das Fränkische Brauereimuseum. Auch die wohl älteste Brauereimaschinenfabrik der Welt hat ihren Sitz in der Domstadt und vervollständigt das Spektrum der in Bamberg ansässigen Brauindustrie.
Zeitgenössische Aufnahme eines Braukessels, hergestellt von der Fa. Kaspar Schulz
für die damalige Bürgerbräu (heute Brauerei Kaiserdom) in Bamberg-Gaustadt.
Bamberger Hopfenhandel
Die Stadt Bamberg entwickelte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum führenden Umschlagplatz für fränkischen Hopfen. Der Hopfenanbau in Bamberg wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Nachfolgekultur des stark zurückgegangenen Weinanbaus vom damaligen Fürstbischof Franz Ludwig Freiherr von Erthal (* 1730, reg. ab1779, † 1795) finanziell gefördert. Im Jahre 1870 gab es in Bamberg und an den umliegenden Hängen 254 Tagwerk Hopfengärten, jedoch nur noch 16 Tagwerk Weinberge. Noch im Jahre 1889 wurde auf den westlichen Höhenzügen um Bamberg, an den Hängen der »Altenburg« und des »Michaelsberges« von den »Häckern« (ehemalige Weinbauern) Hopfenanbau betrieben. Im »Michaelsberger Stiftsgarten« wird heute wieder Wein angebaut.
Im Jahr 1836 wurde von der königlich-bayerischen Regierung in Bamberg ein Hopfenmarkt verbrieft. Eine Hopfenmarktordnung aus dem Jahre 1862 erlaubt das Abhalten eines Hopfenmarktes von Oktober bis April jeweils am Dienstag und Donnerstag in der Waaghalle zu Bamberg. Dadurch wurde Bamberg nach Nürnberg zum zweitwichtigsten Hopfenhandelsplatz in Deutschland. Das Bamberger Branchenverzeichnis von 1872 verzeichnete 76 Hopfenhandlungen, vier Jahre später waren es bereits 110 Gewerbebetriebe. Um das Jahr 1880 zählte der Hopfenhandel zu den bedeutendsten Gewerbezweigen Bambergs. Dazu kamen noch vom Hopfenhandel abhängige Zulieferfirmen für den Bau von Verschwefelungsanlagen, Darren, hydraulischen Pressen, Sack- und Büchsenfüllanlagen. Die Herstellung von Jutesäcken und Hopfenbüchsen boten weitere Arbeitsplätze für die Bamberger Bevölkerung. In einer besonderen Beziehung stand der Hopfenhandel zur heutigen »Bamberger Mälzerei GmbH«, gegründet 1885 als »Malzfabrik Dessauer« von dem jüdischen Hopfengroßhändler Carl Isidor Dessauer (* 1850, † 1913), und den Bamberger Brauereien, insbesondere zur »Frankenbräu AG« (ab 1901 »Hofbräu AG«), welche im Jahre 1885 von dem jüdischen Ziegeleibesitzer und Hopfengroßhändler Simon Lessing († 1903) gegründet wurde.
Der Bamberger Hopfenhandel war (bis auf wenige Ausnahmen) fest in der Hand der in Bamberg ansässigen Juden. Die ersten jüdischen Hopfenhändler traten im Jahre 1846 in Erscheinung und bauten nach der Aufhebung des »Matrikelparagraphen« im Jahre 1861 ihre Vormachtstellung immer weiter aus. Da der Ertrag des Bamberger Hopfenanbaus teilweise zu gering war, importierten die jüdischen Hopfenhändler auf Grund ihrer Verbindungen und Beziehungen zusätzlich Hopfen aus dem Elsaß und dem Saazer Gebiet in Böhmen. Der Hopfenhandelsfirmen konzentrierten sich auf die »Lange Straße« und den »Steinweg«, damals Teile alter Fernhandelsstraßen. Auf Grund der räumlichen Enge in der Altstadt und des gestiegenen Platzbedarfes verlegten die Hopfenhändler ihre Geschäftsräume in das Haingebiet und erbauten sich dort repräsentative Villen - Geburtsstunde des (auch heute noch) Bamberger Nobelviertels. Fotos dieser prachtvollen »Hopfenvillen« sind auch im Hopfenmuseum in Wolnzach zu sehen.
Mehrere Mißernten (1893, 1901 und 1909) und nicht zuletzt der Ausbruch des »Ersten Weltkrieges« brachten den Hopfenanbau in Bamberg völlig zum Erliegen.
Im Jahre 1907 erhöhten die Bamberger Brauereien den Preis für ein »Seidla« (halber Liter) Bier von zehn auf elf Pfennig. Die beiden Gasthofbesitzer Georg Weierich (Gasthof Weierich) vom »Schrannenplatz« und Anton Mahr (Zum Mondschein) im »Sand« weigerten sich, diese Erhöhung zu akzeptieren. Unterstüzt wurden sie dabei von dem tapferen Biertrinker Karl Panzer (genannt "Der Feldmarschall") aus der »Austraße«. Die beiden Gastwirte liessen das Bier mit Fuhrwerken von Brauereien aus Forchheim anliefern und schenkten es weiterhin zum alten Preis aus. Große Teile der Bevölkerung besuchten deshalb nur noch diese beiden Gastwirtschaften. Dieser Boykott zwang die Bamberger Brauereien nach nur einer Woche die Preiserhöhung von einem Pfennig wieder zurückzunehmen.
Zeitgenössische Erinnerungspostkarte
Diesen drei wackeren Herren ist es zu verdanken, dass eine Bierpreiserhöhung
damals nicht durchgesetzt werden konnte.
Heute in Zeiten des (T)euros kann eine Bamberger Traditionsbrauerei den Preis für ein »Seidla« leider locker um 0,10 € (20 Pfennige! nach alter Rechenweise) erhöhen, ohne dass es einen »Krieg« gibt. Aber der Bamberger von heute geht entweder auch nicht mehr in diese Brauereigaststätte (zumindest vorübergehend), denn Ausweichmöglichkeiten gibt es ja genug, oder er trinkt - ganz cool - in diesem Wirtshaus eben ein »Seidla« weniger.
Die fränkischen Bierkeller
Der bayerische Bierliebhaber geht an einem schönen Sommertag in den Biergarten, der Franke "auf den Keller". Hochburg der Bierkellerkultur ist Oberfanken. In der Stadt Forchheim (Ofr) vereinen sich auf einem Hügel vor der Stadt, dem Kellerberg, dreiundzwanzig Bierzapfstellen, welche allesamt über große unterirdische Bierkeller gebaut sind. Aber auch in der Stadt Bamberg und seinem Umland wird eine ausgeprägte Bierkellerkultur gepflegt. Schon im Jahre 1818 beschrieb der »Bierkieser« (Bierprüfer) Johann Albert Joseph Seifert diese Bierkeller als "Eigenthümlichkeiten der Bamberger Bierfabrikation". Diese Bierkeller wurden früher von den Brauern in den Fels geschlagen, damit das Bier hier während der Sommermonate kühl lagern und reifen konnte. Zum Schutz vor der Sonnenwärme wurden auf die Kellerhöhlen oder -stollen schattenspendende Kastanien- oder Lindenbäume gepflanzt und der Boden mit Kies bestreut. An Ort und Stelle wurde dann im Sommer das frische Bier ausgeschenkt. Es gibt heute in Bamberg noch drei klassische Bierkeller, Spezial-Keller ("Spezi"), Wilde-Rose ("Leichts")-Keller und Greifenklau. Der Kellerbesucher konnte, und kann auch heute noch, seine eigene Brotzeit mitbringen und sie bei einem oder auch mehreren »Seidla« verzehren. An schönen Tagen kann man beobachten, dass sofort nach Arbeitsende viele männliche Bamberger schnurstracks auf ihren Lieblingsbierkeller eilen, wo sie dann schon von der Familie oder der Lebensgefährtin mit dem Brotzeitkorb erwartet werden.
"A ächtä Bambärcher geht halt auf sein Källä bis er schbeid."
Dr. Gerhard C. Krischker (* 1947), Bamberger Mundartdichter und Frankenwürfel-Preisträger
Eine umfassende und detailierte Zusammenstellung über die Geschichte des Bieres
können Sie im Bier-Lexikon von Rolf Lohberg (†) nachlesen - sehr empfehlenswert!
Enkidu, König von Uruk,
wurde durch den Genuß von
Bier vom Urmenschen zum
kultivierten Menschen.
Opfertisch der Sumerer
aus dem Tempel von Lagasch, ca. 2100 v.Chr.
Trinkopfer für die Göttin der Fruchtbarkeit
Moderne ägyptische Biermarke
gegründet 2005, seit 2009 im
Besitz des niederländischen
Braukonzerns Heineken N.V.
Teil eines Gedenksteines für einen römischen Kaufmann,
der mit Bier handelte.
Er war "Cervesarius".
Sein Bier bezog er von germanischen Damen, die privat brauten und verkaufte es an seine römische Kundschaft.
Der Stein stammt aus dem
Jahre 260 und wurde bei Trier gefunden.
(Jan Primus - Gambrinus?)
(* 1250, † 1294)
(frühes 18. Jahrhundert)
Herttel »Pyrprew«
Er gehörte zum Mendelschen
Bruderhaus in Nürnberg,
einer Art Wohnheim für ältere
unbescholtene Herren, die sich
wie Mönche kleideten.
Sein Bild (um 1430) ist die
älteste Darstellung eines
deutschen Bierbrauers.
Links oben erkennt man
den Brauerstern.
Schwester Doris,
Ordensschwester und
Braumeisterin des
Fransiskanerinnenklosters
Mallersdorf in Niederbayern
Auf dem Tisch stehen nicht
Brot und Wein, sondern
Schinken und Altbier.
Kirchenfenster über dem Nordportal
der Kirche "St. Maria zur Wiese"
Geschaffen um 1500 von
Conrad von Soest.
Kupferstich von 1750
(* 1684, † 1756)
Bierbrauer mit Gerätschaften Kupferstich von 1730
Bauernkneipe
(* 1606, † 1638)
Wirt bei der Brotzeit
(* 1700, † 1766)
Bauern beim Kartenspiel Lorenzo Quaglio
(* 1793, † 1869)
Stammtisch, 1888
(* 1864, † 1925)
Bierbecher, 1590
Dieser Becher trägt in farbiger
Emailmalerei ein Wappen
"Gott allein die Ehre,
Andreas Zoninger, 1590."
Bierbecher bestehen aus dem hohlen Fuß und dem Trinkteil
(Kuppa). Beide Teile wurden
nach dem Blasen kunstvoll
Bierhumpen, 1596
Auf diesem Humpen ist Kaiser Rudolf II. im Kreis der sieben Kurfürsten abgebildet.
Glasfenster mit Zunftzeichen
der Brauer und Mälzer
Lichtenhainer Daubenkrug
Dieser Holzkrug aus dem
17. Jahrhundert ist,
wie ein Fass, aus Holzdauben
zusammengesetzt, die von
Zinnreifen zusammengehalten
werden. Auch das Dekor
ist aus Zinn.
Spielkartengläser mit
Eichel-Dame, Grün-König
Diese Gläser aus dem
19. Jahrhundert führen eine alte
Tradition aus Sachsen und
Thüringen fort, wo es
Spielkartenhumpen bereits 200
Jahre früher gab. Weiterhin
tragen die Gläser Fadenringe,
die ihren Ursprung in den
Paßgläsern des 16. Jhdt haben.
Georg Gisze, 1532
Danziger Hansekaufmann
(* 1497, † 1543)
Als Hofmaler des englischen
Königs Heinrich VIII malte
Holbein den Georg Gisze in
dessen Londoner Kontor
(ab 1956 Brauerei Holsten AG)
«Pfeffersack»
Gegründet in Altona
am 24. Mai 1879
ausgetrunken 1920
Bayern auf St. Pauli !
Die norddeutsche Brauindustrie
war von Anfang an sehr ...
... stark export-orientiert
Gegründet 1881 im Elbvorort
Nienstedten, gibt es diese
Brauerei als eigene Braustätte
1996 verschwand auch der
Name endgültig vom Markt.
ausgetrunken 1979
Wie das Land - so das Jever
friesich-herb ...
Die Bügelflasche des Nordens ...
(Leuchtturm Bierfilzserie)
Berliner Bestatter bei
Weissbier und Hochprozentigem
(* 1860, † 1944)
Auch in Preußen kommt vor
dem "Kindl" erst der "Bock" ...
Auch in der ehemaligen DDR
wurde versucht die
"Potsdamer Stange"
hochzuhalten. Leider waren
die Bemühungen nicht sehr
Öl für die Stimmen
der Sänger vom
"Finsteren Walde"
Ein wahrhaft königliches Pils ...
Hoheitsvoll Hohenzollerisch
In der Oberpfalz hängen Hausbrauer den «Zoigl»,
einen sechseckigen Stern,
vor die Tür, wenn Bier
Die wahre Hauptstadt
Gegründet 1885 als
Frankenbräu AG,
ausgetrunken 1977.
Die ehemals größte Brauerei
Bambergs hat sich im Fusions-
Dschungel nicht behaupten
Auch der Domreiter trank
sein Hofbräu-Seidla ...
Henriette Mäx, geb. 1865
Brauereibesitzerin in Bamberg
"Zum Blauen Löwen"
Ehemalige Villa eines
jüdischen Hopfenhändlers
im Bamberger Hainviertel

References: § 9
 § 9
 § 1
 § 9
 § 20
 § 17