Source: https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-139-I-121
Timestamp: 2019-08-25 05:28:11+00:00

Document:
BGE-139-I-121 - 2013-04-12 - BGE - Verfassungsrecht - Art. 30 Abs. 1 BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Ausstandsbegehren gegen sämtliche Mitglieder eines...
Art. 30 Abs. 1 BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Ausstandsbegehren gegen sämtliche Mitglieder eines Gerichts. Der Umstand, dass ein Parteivertreter in Drittverfahren am Gericht ein Ersatzrichteramt bekleidet, stellt die Unbefangenheit der Gerichtsmitglieder nicht generell in Frage. Fehlt ein Verbot für das Auftreten von Ersatzrichtern als Parteivertreter, müssen über die äusseren Gegebenheiten funktioneller und organisatorischer Natur hinaus Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit der einzelnen Gerichtsmitglieder zu begründen vermögen (E. 5.2-5.4). Bestätigung der Rechtsprechung in BGE 133 I 1, gemäss welcher die blosse Kollegialität unter Gerichtsmitgliedern keine Ausstandspflicht gebietet.
Art. 30 al. 1 Cst.; art. 6 par. 1 CEDH; demande de récusation de tous les membres d'un tribunal. Le fait qu'un représentant d'une partie dans d'autres procédures exerce une fonction judiciaire accessoire dans le tribunal n'est pas de nature à faire naître un doute quant à l'impartialité des membres du tribunal en général. S'il n'y a pas d'interdiction pour les juges suppléants de comparaître en qualité de représentant d'une partie, il doit exister, outre les aspects extérieurs de nature fonctionnelle et organisationnelle, des circonstances qui peuvent fonder une apparence de prévention et un risque de parti pris de la part d'un membre du tribunal en particulier (consid. 5.2-5.4). Confirmation de la jurisprudence de l'arrêt ATF 133 I 1, selon laquelle la collégialité existant entre les membres du tribunal ne suffit pas à elle seule à fonder une obligation de récusation.
Art. 30 cpv. 1 Cost.; art. 6 n. 1 CEDU; domanda di ricusa di tutti i membri di un tribunale. Il fatto che in altre procedure un patrocinatore svolga la funzione di giudice supplente presso il tribunale non mette in discussione l'imparzialità dei membri del tribunale in generale. In mancanza di un divieto per i giudici supplenti di comparire in veste di patrocinatori, devono intervenire, al di là degli aspetti esterni di natura funzionale e organizzativa, circostanze suscettibili di fondare l'apparenza di prevenzione e il rischio di parzialità dei singoli membri del tribunale (consid. 5.2-5.4). Conferma della giurisprudenza resa in DTF 133 I 1 secondo cui la sola collegialità tra i membri del tribunale non costituisce un obbligo di ricusa.
A.b Mit Eingabe vom 4. April 2011 wies der Rechtsvertreter von R. darauf hin, dass der Rechtsvertreter der Basler, Rechtsanwalt Simon Krauter, als nebenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau tätig sei, und verlangte die Überweisung der Sache an das Versicherungsgericht eines andern Kantons. Nach Durchführung einer Plenarsitzung wies das Verwaltungsgericht das Ausstandsbegehren mit Entscheid vom 1. Juni 2011 ab. (...)
C. Mit Verfassungsbeschwerde lässt R. beantragen, der Entscheid des ersatzweise besetzten Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 13. Juni 2012 sei aufzuheben, alle haupt- oder nebenamtlichen Richter des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau seien zu verpflichten, bei der Behandlung dieser Sache den Ausstand zu beachten und es sei an ihrer Stelle das ersatzweise besetzte Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau, eventualiter das Versicherungsgericht eines andern Kantons, zu verpflichten, die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der Basler vom 11. Januar 2011 verfahrensleitend zu behandeln und darüber zu entscheiden. Die Basler schliesst auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Das Bundesamt für Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung. Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab.
darauf, dass seine Sache von einem durch Gesetz geschaffenen, zuständigen, unabhängigen und unparteiischen Gericht ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Ob diese Garantie verletzt ist, prüft das Bundesgericht frei (BGE 137 I 227 E. 2.1 S. 229 mit Hinweisen). Unter dem Gesichtswinkel von Art. 30 Abs. 1 BV bzw. Art. 6 Ziff. 1 EMRK wird meist die Frage aufgeworfen, ob besondere Umstände betreffend das Verhältnis zwischen einem Richter und einer Partei bei objektiver Betrachtung geeignet seien, den Anschein der Befangenheit des Richters zu erwecken. Indessen ist es denkbar und von der Rechtsprechung ebenso anerkannt, dass - wie hier - besondere Gegebenheiten hinsichtlich des Verhältnisses zwischen einem Richter und einem Parteivertreter die Voreingenommenheit des Ersteren begründen können (BGE 133 I 1 E. 5.2 S. 3 mit Hinweisen).
Entscheid : 139 I 121
Datum : 12. April 2013
Status : 139 I 121
Regeste : Art. 30 Abs. 1 BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Ausstandsbegehren gegen sämtliche Mitglieder eines...
thurgau • ersatzrichter • bundesgericht • frage • ausstand • wiese • waffengleichheit • stelle • verhältnis zwischen • prozessvertretung • verbindlichkeit • bundesgesetz über das bundespatentgericht • bundesgesetz über die organisation der strafbehörden des bundes • verhalten • weiler • bundespatentgericht • vorinstanz • einspracheentscheid • versicherungsgericht • plenarsitzung
133-I-1 • 135-I-14 • 135-V-465 • 137-I-227 • 137-V-210 • 138-I-1 • 138-I-406 • 139-I-121
1B_303/2008 • 1P.180/2004 • 1P.76/1998 • 2P.301/2005 • 5A_253/2010 • 8C_602/2012 • 8C_712/2011
PatGG: 10
StBOG: 44
107/2011 S.381

References: BGE 
 Art. 30
 Art. 6

Art. 30
 Art. 6
 BGE 

Art. 30
 art. 6

Art. 30
 art. 6
 Art. 30
 Art. 6
 Art. 30
 Art. 6