Source: http://wdb.fh-sm.de/FallVerseuchtesFutter
Timestamp: 2019-05-21 02:45:22+00:00

Document:
FallVerseuchtesFutter
ich war hier: FallVerseuchtesFutter
C. Anspruch L gegen S gem. ...
1. Tatbestand des ProdhaftG
a. fehlerhaftes Produkt
b. Rechtsgutverletzung gem....
D. Anspruch L gegen S nach ...
a. Handlung seitens S
b. Verletzung eines Rechtsg...
c. Haftungsbegründete Kaus...
2. Rechtswidrigkeit (Widerr...
Fall: Verseuchtes Futtermittel
C. Anspruch L gegen S gem. § 1 Abs. 1 S. 1 ProdHaftG
der Tatbestand des Produkthaftungsgesetzes erfüllt und
die Haftung gem. § 1 Abs. 2 und 3 ProdhaftG nicht ausgeschlossen ist.
Es könnten die Voraussetzungen für die Haftung für einen Schaden durch ein Produkt erfüllt sein. Dies ist dann der Fall, wenn ein fehlerhaftes Produkt zu einer Rechtsgutverletzung geführt hat und zwischen dem Fehler und der Rechtsgutverletzung ein kausaler Zusammenhang besteht. Weiterhin müsste S Hersteller nach § 4 ProdhaftG sein und L müsste Geschädigter sein.
Hier könnte ein fehlerhaftes Produkt vorliegen. Hierfür ist erforderlich, dass es sich bei dem Getreide um ein Produkt i. S. d. § 2 ProdhaftG handelt und dieses einen Fehler gem. § 3 ProdhaftG aufweist.
Es könnte ein Produkt i. S. d. § § 2 ProdhaftG vorliegen. Gemäß dieser Vorschrift werden als Produkte nur bewegliche Sachen erfasst. Für den Sachbegriff ist auf § 90 BGB zu verweisen. Nach dem Sachverhalt handelt es sich um Getreide, also um eine bewegliche Sache. Ein Produkt i. S. d. § 2 liegt vor.
Weiterhin müsste dieses Getreide nach § 3 ProdhaftG fehlerhaft sein. Dies ist dann der Fall, wenn das Getreide nicht die Sicherheit bietet, die unter Berücksichtigung aller Umstände, im Hinblick auf ihre Darbietung, den normalen Gebrauch, wegen dem zum betroffenen Zeitpunkt herrschenden Stand der Wissenschaft oder wegen eines anderen Grundes berechtigterweise erwartet werden kann.
Bei S kam es zu einer Verwechselung der Getreidesorten, wodurch der Weizen im Futter für Hühner giftig ist. Giftiges Futter bietet nicht zumindest hinsichtlich des normalen Gebrauchs (Fütterung von Hühnern) die zu erwartende Sicherheit, so dass ein fehlerhaftes Produkt vorliegt.
b. Rechtsgutverletzung gem. § 1 Abs. 1 ProdhaftG
Es müsste eine Rechtsgutverletzung i. S. d. § 1 ProdHaftG vorliegen. Zu den gem. § 1 geschützten Rechtsgütern gehören Leben, Körper, Gesundheit und (private) Sachen.
In diesem Fall könnte eine Sache des L durch das fehlerhafte Produkt beschädigt worden sein. Hierzu ist erforderlich, dass eine andere Sache als das fehlerhafte Produkt beschädigt wurde und diese Sache ihrer Art nach gewöhnlich für den privaten Gebrauch oder Verbrauch bestimmt ist und L die Sache hierzu hauptsächlich verwendet § 1 Abs. 1 S. 2 ProdhaftG.
Nach dem Sachverhalt verenden aufgrund der Verwechselung von Getreidesorten bei L mehrere hundert Hühner. Diese Hühner sind jedoch nicht für den privaten Gebrauch bestimmt, sondern werden im Rahmen des von L betriebenen Gewerbes gehalten. Dieser Schaden wird nicht gem. § 1 ProdHG ersetzt.
L hat keinen Anspruch gegen S gem. § 1 Abs. 1 ProdhaftG.
Aufgrund des § 15 Abs. 2 ProdhaftG, welcher die Haftung nach anderen Vorschriften unberührt lässt, kommt neben dem Anspruch aus dem Produkthaftungsgesetz (Gefährdungshaftung) auch ein Anspruch aus der Verschuldenshaftung gem. § 823 Abs. 1 BGB in Betracht.
D. Anspruch L gegen S nach § 823 Abs. 1 BGB
Tatbestand des § 823 Abs.1 BGB erfüllt ist,
Handlung des S rechtswidrig war,
S schuldhaft handelte.
Der Tatbestand des § 823 Abs. 1 BGB ist erfüllt, wenn eine Handlung seitens S vorliegt, diese zu einer Rechtsgutsverletzung bei L geführt hat und der Zusammenhang zwischen der Handlung und der Rechtsgutsverletzung kausal war.
Eine Handlung ist jedes menschliche Verhalten (positives Tun oder Unterlassen), welches willentlich erfolgt. Dem S kann nicht vorgeworfen werden, dass er das Futter (aktiv) vergiftet hat. Es ist allerdings denkbar, dass er durch ein Unterlassen die Giftigkeit nicht verhindert hat. Ein Unterlassen kann positivem Tun gleichgestellt werden, wenn im vorliegenden Fall den S eine Pflicht zum Handeln traf und dieses Handeln unterlassen wurde. Im Falle des S ist davon auszugehen, dass er als Hersteller zur Vermeidung von Konstruktions- oder Fabrikations- oder Instruktionsfehler oder zur Produktbeobachtung verpflichtet ist. Hat er diese Pflicht missachtet, dann liegt ein Unterlassen vor, das zur Erfüllung des Tatbestandes des § 823 Abs. 1 BGB führen kann.
Nach dem Sachverhalt kommt es beim Futtermittelhersteller S zu einer Verwechselung. Durch diese Verwechselung gelangen beträchtliche Mengen von dem Weizen, welcher für eine Saat aufbereitet wurde und mit Pflanzenschutzmittel behandelt war, in das Hühnerfutter, so dass dieses für Hühner giftig ist. Es wurde auch keine weitere Untersuchung durch S vorgenommen, auch sonstige Handlungen, die im Rahmen der Verkehrssicherungspflichten des S zu erwarten wären, sind nicht ersichtlich. Auf diese Weise wurde ein Fabrikationsfehler nicht verhindert, obwohl ein Hersteller einen solchen grundsätzlich zu verhindern hat.
b. Verletzung eines Rechtsguts i. S. d. § 823 Abs. 1 BGB bei L
Im Falle von L könnte eine Eigentumsverletzung in Betracht kommen. Dies ist dann der Fall, wenn L sein Eigentum verloren hat, das Eigentum beschädigt oder zerstört wurde etc. Nach dem Sachverhalt verenden mehrere hundert Hühner am giftigen Futter. Eine Substanzverletzung ist zu bejahen, Eigentumsverletzung liegt vor.
c. Haftungsbegründete Kausalität
Die Verletzung der Verkehrssicherungspflichten durch S war auch kausal für die toten Hühner, also für die Rechtsgutverletzung bei L.
Tatbestand des § 823 Abs. 1 BGB ist gegeben.
2. Rechtswidrigkeit (Widerrechtlichkeit)
Ein Verschulden seitens S liegt dann vor, wenn er die Tat nach § 276 BGB zu vertreten hat.
Laut Sachverhalt lässt sich nicht mehr feststellen, woran die Getreideverwechslung lag. Im Falle der Haftung für Verletzung von Verkehrssicherungspflichten - insbesondere der Pflichten eines Produktherstellers - nimmt die herrschende Meinung an, dass die Beweislast nicht den Anspruchsteller trifft, sondern den Produkthersteller (Beweislastumkehr). Da hier ein Fall eines Fabrikationsfehlers vorliegt und S nicht den entlastenden Nachweis erbracht hat, dass ihn nicht das Verschulden für die Verwechslung trifft, ist das Verschulden des S anzunehmen.
Sofern S keinen Gegenbeweis erbringt, dass ihn keinerlei Verschulden hinsichtlich der Auslieferung des fehlerhaften Futtermittels trifft, hat L gegen ihn einen Anspruch auf Ersatz des infolge Vergiftung der Hühner entstandenen Schadens gem. § 823 Abs. 1 BGB.

References: § 1
 § 1
 § 4
 § 2
 § 3
 § 2
 § 90
 § 2
 § 3
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 15
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 276
 § 823