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Timestamp: 2019-11-13 07:21:09+00:00

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BVerwG, 6 B 25.12: BVerwG: form, finanzhilfe, rüge, verfahrensmangel, gestaltungsspielraum, vergleich, beweisantrag, rechtsschutz, privatschule, offenkundig
Urteil des BVerwG vom 05.09.2012, 6 B 25.12
Aktenzeichen: 6 B 25.12
BVerwG: form, finanzhilfe, rüge, verfahrensmangel, gestaltungsspielraum, vergleich, beweisantrag, rechtsschutz, privatschule, offenkundig
BVerwG 6 B 25.12 OVG 3 B 20.09
hat der 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 5. September 2012 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Neumann und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Büge und Prof. Dr. Hecker
Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 24. Februar 2012 wird zurückgewiesen.
Der Streitwert wird für das Beschwerdeverfahren auf 200 000 € festgesetzt.
1Die auf die Revisionsgründe der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache
(§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) sowie des Vorliegens eines Verfahrensmangels
Beschwerde ergibt sich nicht, dass diese Voraussetzungen hier erfüllt sind.
3a. Der Kläger macht rechtsgrundsätzlichen Klärungsbedarf hinsichtlich der Frage geltend, „ob bei der Förderung einer Privatschule anhand vergleichbarer
Kosten öffentlicher Schulen im Rahmen von Art. 3 GG und vor dem Hintergrund
des Art. 7 Abs. 4 GG zu berücksichtigen ist, dass es sich bei der förderberechtigten privaten Schule um eine gebundene Ganztagsschule als spezielle Schulform handelt“? In dem angefochtenen Urteil hat es das Oberverwaltungsgericht
für rechtmäßig erachtet, dass der Beklagte bei der Berechnung des Zuschusses
an den Kläger nach § 101 BlnSchulG allgemein die öffentlichen Grundschulen
im Land Berlin und nicht die spezielle Form der gebundenen Ganztagsgrund-
schulen als Vergleichsgruppe herangezogen hat (UA S. 14 f.). Hiergegen hat
sich der Kläger in den Vorinstanzen gewandt.
4b. Die vom Kläger aufgezeigte Frage lässt im Hinblick auf Art. 7 Abs. 4 GG keinen rechtsgrundsätzlichen Klärungsbedarf hervortreten, der die Zulassung der
Revision rechtfertigen würde. Denn sie ist insoweit auf der Grundlage der vorhandenen Rechtsprechung und mit Hilfe der üblichen Regeln sachgerechter
Gesetzesauslegung offenkundig zu verneinen (siehe zu diesem prozessrechtlichen Maßstab: Beschluss vom 24. August 1999 - BVerwG 4 B 72.99 -
BVerwGE 109, 268 <270> = Buchholz 310 § 60 VwGO Nr. 228 S. 13). In der
Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts - die der Senat sich zu eigen
gemacht hat - ist geklärt, dass aus Art. 7 Abs. 4 Satz 1 GG kein verfassungsunmittelbarer Anspruch auf Gewährung staatlicher Finanzhilfe folgt. Der grundrechtliche Schutzanspruch des einzelnen Ersatzschulträgers ist nur darauf gerichtet, dass der Gesetzgeber diejenigen Grenzen und Bindungen beachtet, die
seinem politischen Handlungsspielraum durch die Schutz- und Förderpflicht zu
Gunsten des Ersatzschulwesens als Institution gesetzt sind. Der gerichtliche
6 C 18.10 - juris Rn. 14). Der Gesetzgeber vernachlässigt seine Pflicht gröblich,
wenn bei weiterer Untätigkeit der Bestand des Ersatzschulwesens evident gefährdet wäre (Urteil vom 21. Dezember 2011 a.a.O.). Hieraus folgt zwingend,
dass von Art. 7 Abs. 4 GG keine - den diesbezüglichen Gestaltungsspielraum
des Gesetzgebers einengenden - Vorgaben im Hinblick auf die Berechnungsweise für gewährte Zuschüsse und die hierbei angesetzten Vergleichsparameter ausgehen, solange im Ergebnis die Ersatzschule als Institution nicht existentiell gefährdet wird. Es wäre normativ widersprüchlich, wenn für die Gewährung
von Finanzhilfe dem Grunde nach und für die Modalitäten ihrer Berechnung aus
dem Blickwinkel von Art. 7 Abs. 4 GG unterschiedlich weitreichende Maßstäbe
angelegt würden (vgl. bereits Beschluss vom 25. August 2011 - BVerwG
6 B 16.11 - juris Rn. 6 im Hinblick auf Fälligkeitsvoraussetzungen gesetzlicher
Förderansprüche). Daher besteht auch schon keine Verpflichtung des Gesetz-
gebers, sich bei der Bemessung von Zuschüssen überhaupt an den vergleichbaren Kosten öffentlicher Schulen zu orientieren (vgl. Urteil vom 21. Dezember
2011 a.a.O. Rn. 23). Was das Verbot der evidenten institutionellen Existenzgefährdung des Ersatzschulwesens als Grenze des Gestaltungsspielraums des
Gesetzgebers in - jedweden - schulgesetzlichen Regelungszusammenhängen
betrifft, so ist diesbezüglicher rechtsgrundsätzlicher Klärungsbedarf weder von
der Beschwerde dargetan noch sonst in einem Zusammenhang ersichtlich, der
für die Entscheidung des vorliegenden Falles von Bedeutung sein könnte.
5c. Auch im Hinblick auf Art. 3 Abs. 1 GG lässt die vom Kläger aufgezeigte Frage
keinen rechtsgrundsätzlichen, die Revision eröffnenden Klärungsbedarf hervortreten. Im Kern will der Kläger diesen daraus ableiten, dass das Ausblenden
von Form- und Organisationsunterschieden zwischen verschiedenen Schulen
ein- und derselben Schulart bei der schulgesetzlich vorgegebenen Berechnung
von Förderbeträgen zu Ungleichbehandlungen einerseits im Verhältnis zu staatlichen Schulen, andererseits aber auch im Verhältnis privater Schulen untereinander führen könnte. Damit tut die Beschwerde indes nicht dar, dass im Hinblick auf den gleichheitsrechtlichen Prüfungsmaßstab des Art. 3 Abs. 1 GG Klärungsbedarf bestünde, sondern stellt lediglich in Frage, ob das vorinstanzliche
Urteil im Hinblick auf die darin vorgenommene Auslegung und Anwendung des
Berliner Schulrechts mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar ist. Die Nichtbeachtung von
Bundesrecht bei der Auslegung oder Anwendung von Landesrecht kann die
Zulassung der Revision jedoch allenfalls dann begründen, wenn die Auslegung
der - gegenüber dem Landesrecht als korrigierender Maßstab angeführten -
bundesrechtlichen Normen ihrerseits ungeklärte Fragen von grundsätzlicher
Bedeutung aufwirft (stRspr; vgl. etwa Beschluss vom 21. Juli 2011 - BVerwG
6 B 29.11 - juris Rn. 2 < insoweit in Buchholz nicht veröffentlicht>).
62. Mit der von ihm erhobenen Verfahrensrüge macht der Kläger einen Verstoß
des Oberverwaltungsgerichts gegen den richterlichen Überzeugungsgrundsatz
(§ 108 Abs. 1 VwGO) geltend. Indem das Oberverwaltungsgericht in dem angefochtenen Urteil ausgeführt habe, es sei nichts dafür ersichtlich, dass sich der
Personalbedarf oder die Personalkostendurchschnittssätze an Ganztagsgrundschulen in gebundener Form von denen anderer Grundschulen unterscheiden
würden, habe es eine Würdigung eines konkreten Sachverhalts vorgenommen,
ohne dass dieser Sachverhalt tatsächlich ermittelt worden wäre. Diese Rüge
führt - auch wenn man sie zusätzlich als Aufklärungsrüge werten wollte - schon
deshalb nicht zur Zulassung der Revision, da die Frage, ob die in Rede stehenden Unterschiede tatsächlich bestehen, für das angefochtene Urteil nicht entscheidungserheblich war und dieses auf dem geltend gemachten Verfahrensmangel folglich nicht im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO beruhen könnte.
Das Oberverwaltungsgericht hat nämlich die Maßgeblichkeit der speziellen Kostenstrukturen der öffentlichen gebundenen Ganztagsgrundschulen bereits mit
Blick auf die einschlägigen Bestimmungen der Ersatzschulzuschussverordnung
verneint (UA S. 14) und ist - ausschließlich mit Blick auf das Lehrerpersonal -
auf die Frage des Bestehens tatsächlicher Kostenunterschiede im Vergleich zur
Gesamtgruppe der Grundschulen lediglich im Rahmen einer Hilfsbegründung
eingegangen (UA S. 15). Unabhängig davon hat das Oberverwaltungsgericht
das Fehlen solcher Unterschiede auch nicht ohne weiteres unterstellt, sondern
nachvollziehbar daraus hergeleitet, dass ausweislich der Anlagen zur Grundschulverordnung einheitliche Stundentafeln bzw. Jahresstundenrahmen für
sämtliche Grundschulen - ungeachtet ihrer jeweiligen Form - vorgesehen sind
(a.a.O.). Bei dieser Sachlage war es weder geboten, weitergehende Ermittlungen anzustellen - zumal der Kläger ausweislich der Niederschrift über die
mündliche Verhandlung vom 24. Februar 2012 (GA Bl. 210 ff.) auch keinen dahingehenden Beweisantrag gestellt hatte -, noch verstieß es gegen den richterlichen Überzeugungsgrundsatz, die dargelegten Schlussfolgerungen zu ziehen.
73. Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO. Die Festsetzung
des Streitwerts ergibt sich aus § 47 Abs. 1 und 3, § 52 Abs. 1 GKG.
6 B 25.12
Form, Finanzhilfe, Rüge, Verfahrensmangel, Gestaltungsspielraum, Vergleich, Beweisantrag, Rechtsschutz, Privatschule, Offenkundig

References: Art. 3
 Art. 7
 § 101
 Art. 7
 § 60
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3
 § 132
 § 154
 § 47
 § 52