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Timestamp: 2020-08-09 12:31:45+00:00

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Darlehenskündigung wegen Zahlungsverzugs - und die Vorfälligkeitsentschädigung | Rechtslupe
Darlehenskündigung wegen Zahlungsverzugs - und die Vorfälligkeitsentschädigung
Dar­le­hens­kün­di­gung wegen Zah­lungs­ver­zugs – und die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung
§ 497 Abs. 1 BGB (in der bis zum 10. Juni 2010 gel­ten­den Fas­sung) ent­hält eine spe­zi­el­le Rege­lung zur Scha­dens­be­rech­nung bei not­lei­den­den Kre­di­ten, die vom Dar­le­hens­ge­ber infol­ge Zah­lungs­ver­zugs des Dar­le­hens­neh­mers vor­zei­tig gekün­digt wor­den sind. Die­se Vor­schrift schließt die Gel­tend­ma­chung einer als Ersatz des Erfül­lungs­in­ter­es­ses ver­lang­ten Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung aus.
Die in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall beklag­te Kreis­spar­kas­se gewähr­te zwei nicht am Rechts­streit betei­lig­ten natür­li­chen Per­so­nen im Jahr 2004 jeweils ein zum 30. Novem­ber 2016 fäl­li­ges Ver­brau­cher­dar­le­hen, für deren Rück­zah­lung unter ande­rem eine Grund­schuld an einem Grund­stück als Sicher­heit dien­te, das im Eigen­tum einer aus den Dar­le­hens­neh­mern und dem Klä­ger bestehen­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts stand. Im Jahr 2010 und 2011 kün­dig­te die Kreis­spar­kas­se die bei­den Dar­le­hen vor­zei­tig wegen Zah­lungs­ver­zugs der Dar­le­hens­neh­mer, stell­te die noch offe­ne Dar­le­hensva­lu­ta fäl­lig und begehr­te fer­ner die Zah­lung einer Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung in Höhe von 76.602,94 € und 9.881,85 €. Zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung in das Grund­stück zahl­te der Bank­kun­de an die beklag­te Kreis­spar­kas­se – ohne Anwei­sung der Dar­le­hens­neh­mer – die ver­lang­te Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung in Höhe des noch offe­nen Betrags von ins­ge­samt 24.569,18 €, wobei er sich deren Über­prü­fung dem Grun­de und der Höhe nach vor­be­hielt.
Die unter ande­rem auf Rück­zah­lung die­ses Betrags nebst Zin­sen gerich­te­te Kla­ge hat­te in Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt [1] und dem Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart [2] kei­nen Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun auf die vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­ne Revi­si­on des Bank­kun­den das Beru­fungs­ur­teil teil­wei­se auf­ge­ho­ben und die Kreis­spar­kas­se unter Abän­de­rung des land­ge­richt­li­chen Urteils zur Zah­lung der begehr­ten 24.569,18 € nebst Zin­sen ver­ur­teilt:
Die in Recht­spre­chung und Schrift­tum umstrit­te­ne Fra­ge, ob der Dar­le­hens­ge­ber im Fal­le der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung eines Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags infol­ge Zah­lungs­ver­zugs des Dar­le­hens­neh­mers anstel­le des Ver­zö­ge­rungs­scha­dens eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung als Ersatz sei­nes Nicht­er­fül­lungs­scha­dens ver­lan­gen kann, wird vom Wort­laut des § 497 Abs. 1 BGB in der hier maß­geb­li­chen bis zum 10. Juni 2010 gel­ten­den Fas­sung nicht ein­deu­tig beant­wor­tet. Nach die­ser Vor­schrift hat der Dar­le­hens­neh­mer, der mit sei­ner Zah­lungs­ver­pflich­tung in Ver­zug kommt, den geschul­de­ten Betrag mit dem dort fest­ge­leg­ten Ver­zugs­zins­satz zu ver­zin­sen. Ob damit zugleich eine Sperr­wir­kung in dem Sin­ne ver­bun­den ist, dass eine ande­re Form des Scha­dens­er­sat­zes nicht gel­tend gemacht wer­den kann, lässt sich dem Wort­laut der Vor­schrift selbst nicht ent­neh­men. Dafür spre­chen indes die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te und der Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift.
Nach der Geset­zes­be­grün­dung soll­te „der Ver­zugs­zins nach Scha­dens­er­satz­ge­sichts­punk­ten zu ermit­teln und ein Rück­griff auf den Ver­trags­zins grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen“ sein (BT-Drucks. 11/​5462, S. 26 zur Vor­gän­ger­norm des § 11 Ver­brKrG). Der Gesetz­ge­ber woll­te damit die Scha­dens­be­rech­nungs­mög­lich­kei­ten einer ein­fa­chen und prak­ti­ka­blen Neu­re­ge­lung zufüh­ren. Zugleich soll­te mit der Fest­le­gung der Höhe des Ver­zugs­zin­ses auch dem Ver­brau­cher die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, die Höhe der Mehr­auf­wen­dun­gen im Ver­zugs­fall selbst zu berech­nen. Die­ses Ziel der (Prozess-)Vereinfachung wür­de indes nicht erreicht, wenn der Dar­le­hens­ge­ber anstel­le der ein­fa­chen Ver­zugs­zins­be­rech­nung auf die im Zeit­punkt der Wirk­sam­keit der Kün­di­gung bestehen­den Zah­lungs­rück­stän­de eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung bean­spru­chen könn­te. Vor allem aber wür­de bei Zubil­li­gung einer Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung, die im Aus­gangs­punkt auf dem Ver­trags­zins beruht, das vor­nehm­li­che Ziel des Gesetz­ge­bers, einen Rück­griff auf den Ver­trags­zins für die Scha­dens­be­rech­nung nach Wirk­sam­wer­den der Kün­di­gung grund­sätz­lich aus­zu­schlie­ßen, ver­fehlt.
Soweit damit – was bereits gegen die Vor­gän­ger­re­ge­lung ein­ge­wen­det wor­den ist – für den Bereich des Ver­brau­cher­dar­le­hens­ge­schäfts eine Bes­ser­stel­lung des ver­trags­brü­chi­gen gegen­über dem ver­trags­treu­en Schuld­ner ver­bun­den sein soll­te, hat der Gesetz­ge­ber dies bewusst in Kauf genom­men, indem er bei Über­füh­rung des § 11 Ver­brKrG in das Bür­ger­li­che Gesetz­buch durch das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz zu einer Ände­rung der Rechts­la­ge kei­nen Anlass gese­hen hat, son­dern ganz im Gegen­teil den Anwen­dungs­be­reich des § 497 Abs. 1 BGB sogar noch auf Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­trä­ge aus­ge­dehnt hat.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Janu­ar 2016 – XI ZR 103/​15
LG Stutt­gart, Urteil vom 12.08.2014 – 21 O 830/​13[↩]
OLG Stutt­gart, Urteil vom 11.02.2015 – 9 U 153/​14[↩]
Wider­ruf eines Dar­lehns­ver­trags – und der Streit­wert Der Streit­wert einer Kla­ge auf Fest­stel­lung der Wirk­sam­keit des Wider­rufs eines Dar­le­hens­ver­tra­ges ist gemäß § 48 Abs.1 GKG, § 3 ZPO zu bestim­men. Der Wert…
DarlehenskündigungVorfälligkeitsentscheidungZahlungsverzug

References: § 497
 § 497
 § 11
 § 11
 § 497
 § 48
 § 3