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Peer Review - Kritische Darstellung und Analyse der geplanten WPO-Novelle
Studienarbeit, 2000
D S Dirk Schmitz (Autor)
2. Entstehung des Peer Review in Deutschland
3. Darstellung des Peer Review in Deutschland
4. Internationaler Vergleich
5. Beurteilung und Ausblick
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2.1 Die Pflicht der Wirtschaftsprüfer zur Qualitätssicherung
2.2 Anlehnung der externen Qualitätskontrolle an den Peer Review in den USA
3.2 Ziele und Maßnahmen
3.3 Organisation des Verfahrens
3.3.1 Kommission für Qualitätskontrolle
3.3.2 Anforderungen an den Peer Reviewer
3.3.3 Qualitätskontrollbeirat
3.3.4 Qualitätskontrollsatzung
3.4 Peer Review
3.4.1 Prüfungsgegenstand
3.4.2 Prüfungsdurchführung
3.4.3 Der Entwurf des IDW Prüfungsstandard zur Durchführung von Qualitätskontrollen (EPS 140)
3.5 Sanktionen
3.6 Kritische Anmerkungen
Bücher und Zeitschriftenaufsätze
In der Vergangenheit wurde in Verbindung mit Unternehmenskrisen und Unternehmenszusammenbrüchen immer häufiger über die Rolle der Abschlußprüfer diskutiert. Dabei sank das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Abschlußprüfer immer mehr, da bei einem Fall wie z.B. Holzmann ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk erteilt wurde, und die Öffentlichkeit dies als ein Zeichen dafür sieht, daß es dem Unternehmen „gut“ geht. Der Öffentlichkeit aber fehlt das notwendige Fachwissen, und der Wirtschaftsprüfer handelt gemäß den gesetzlichen Vorgaben[1], worauf die Öffentlichkeit natürlich strengere Kontrollen fordert. Diese in der Fachliteratur als expectation gap bezeichnete Erwartungslücke[2] wurde schon durch das 1998 in Kraft getretene KonTraG zu verringern versucht, indem dem Wirtschaftsprüfer eine größere Verantwortung übertragen wurde.[3] Er muß demnach z.B. beurteilen, ob die Risiken der künftigen Entwicklung zutreffend dargestellt sind, und der Lagebericht eine zutreffende Vorstellung von der Lage des Unternehmens gewährt.[4] Die Einführung einer externen Qualitätskontrolle wurde zwar auch schon damals diskutiert, ist aber erst jetzt in den Gesetzesentwurf zur Änderung der Wirtschaftsprüferordnung aufgenommen worden.
Am 23.06.2000 wurde der Gesetzentwurf der Bundesregierung zum WPOÄG vorgelegt. Das Ziel dieses Entwurfs ist es, das Berufsrecht zu modernisieren, so daß die internationale Wettbewerbsfähigkeit gestärkt wird, und die Qualität der Berufsausübung gesichert wird.[5]
Der Hauptaspekt des Gesetzentwurfs liegt dabei auf der Einführung einer externen Qualitätskontrolle für den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer. Für das System kamen zwei Möglichkeiten in Frage, die international als gleichwertig angesehen werden. Dies ist zum einen das Monitoring und zum anderen der Peer Review. Beim Monitoring wird der Berufsangehörige von Mitarbeitern der Berufsorganisation oder einer Behörde überprüft, wohingegen beim Peer Review die Überprüfung durch einen Berufsangehörigen durchgeführt wird.[6]
In Deutschland hat man sich entschieden, das System des Peer Reviews zu wählen. Als Gründe hierfür sind zum einen der geringere bürokratische und kostenmäßige Aufwand, zum anderen, daß die Berufsangehörigen über aktuelle sowie in der Praxis erprobte Kenntnisse der Prüfungsmethoden verfügen, anzuführen.[7] Des weiteren soll die Verwaltung des Verfahrens auf die WPK übertragen werden, damit die Selbstverwaltung des Berufsstandes nicht eingeschränkt wird.[8]
Diese externe Qualitätskontrolle ist für zumindest einige Wirtschaftsprüfer bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nichts Neues. Seit 1998 ist nämlich von der amerikanischen Computerbörse NASDAQ verpflichtend vorgeschrieben, daß an ihr notierte Unternehmen ihren Jahresabschluß von Abschlußprüfern überprüfen lassen, die an einem Peer Review Verfahren teilnehmen. Dieses Verfahren muß mit dem amerikanischen Peer Review der SEC vergleichbar sein[9], denn die SEC läßt an von ihr überwachten Börsen nur Abschlußprüfer zu, die an einem anerkannten Peer Review Verfahren teilnehmen.[10] Die größeren Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben sich daher schon in der Vergangenheit durch andere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Form eines Peer Reviews überprüfen lassen, um Unternehmen, die an der Nasdaq notiert sind, prüfen zu können.[11]
Die Qualitätssicherung ist schon seit jeher einer der wichtigsten Grundsätze in der Wirtschaftsprüfung. Die Pflicht zur Einhaltung von Qualitätsgrundsätzen ergibt sich einerseits aus den allgemeinen Berufspflichten, nach denen der Wirtschaftsprüfer seinen Beruf unabhängig, gewissenhaft, verschwiegen und eigenverantwortlich auszuüben hat (Vgl. § 43 Abs. 1 Satz 1 WPO), andererseits aus der Berufssatzung der WPK (vom 11.06.1996), die u.a. Vorschriften enthält, die den Wirtschaftsprüfer zur Beachtung fachlicher Regeln, zur Erhaltung seiner fachlichen Kompetenz und zur Gesamtplanung aller Aufträge (§ 4) sowie zur Aus- und Fortbildung seiner Mitarbeiter (§ 6) verpflichtet. Außerdem hat er die Einhaltung der Berufspflichten in regelmäßigen Abständen zu überprüfen und Mängel abzustellen (§ 7). Zusätzlich enthalten die §§ 37-39 der Berufssatzung Vorschriften zur Durchführung von Prüfungsaufträgen.[12]
Ein weiterer Punkt im Zusammenhang mit der Qualitätssicherung ist die gemeinsame Stellungnahme VO 1/95 der WPK und des IDW. Sie enthält die Grundsätze und Maßnahmen zur internen Qualitätssicherung bei der Praxisorganisation und der Durchführung von Prüfungsaufträgen.[13] Die in der Stellungnahme vorgesehene Qualitätssicherung wird im Rahmen einer internen Nachschau des Praxisinhabers umgesetzt und überprüft.[14] Diese Regelungen stimmen auch weitgehend mit dem internationalen Standard ISA 220 überein, der aber im Gegensatz zur Stellungnahme VO 1/95 nicht die gesamte Praxisorganisation, sondern nur die Abschlußprüfung umfaßt.[15] Die Stellungnahme VO 1/95 bezieht sich somit zwar auf die gesamte Tätigkeit des Wirtschaftsprüfers, geprüft werden sollen im Zuge der externen Qualitätskontrolle zukünftig aber nur die Bereiche, die unmittelbar mit betriebswirtschaftlichen Prüfungen im Sinne von § 2 Abs.1 WPO zusammenhängen.
Ein weiterer Aspekt der Qualitätssicherung ist für den Wirtschaftsprüfer selbst von entscheidender Bedeutung, denn in den letzten Jahren ist die Anzahl der Klagen und der zu zahlende Schadensersatz stark angestiegen[16], und ein funktionierendes Qualitätssicherungssystem kann wesentlich zur Vorbeugung dieser Klagen beitragen.
Die einzige externe Kontrolle, die in Deutschland momentan durchgeführt wird, ist die Durchsicht der im Bundesanzeiger veröffentlichten Abschlüsse durch die WPK. Diese überprüft, ob die gesetzlichen Vorschriften für Aufstellung und Prüfung eingehalten worden sind, und ob der Inhalt des Bestätigungsvermerks den gesetzlichen Vorschriften entspricht.[17] Die bisher durchgeführte interne Nachschau und die Bundesanzeigerdurchsicht können jedoch weder eine externe Qualitätskontrolle ersetzen noch das Vertrauen der Öffentlichkeit stärken, falls diese davon bisher überhaupt Kenntnis genommen hat.
Zusätzlich verpflichtete auch die internationale Entwicklung den deutschen Berufsstand zum Handeln. 1996 gab die EU-Kommission im sogenannten Grünbuch die Empfehlung, daß ein System der externen Qualitätskontrolle einheitlich in Europa eingeführt werden soll.[18] 1998 hat auch die IFAC ihren Mitgliedern die Einführung einer externen Kontrolle empfohlen und sie dann 1999 auch dazu aufgefordert, diese einzuführen.[19]
Seit 1998 gibt es seitens der WPK und des IDW Vorstöße zur Schaffung einer externen Qualitätskontrolle,[20] wobei der Vorschlag des IDW zur Ausgestaltung, der 1999 vom Beirat der WPK größtenteils begrüßt und übernommen wurde, von der Bundesregierung zwar noch nicht im KonTraG, aber nun im Gesetzesentwurf zum WPOÄG aufgegriffen wurde. Der IDW Vorschlag orientiert sich wie auch der Gesetzesentwurf am Peer Review System der USA.
Die Hauptgründe für diese Anlehnung sind, daß die berufliche Selbstverwaltung erhalten bleibt, die Erwartungen der Öffentlichkeit erfüllt werden und das System international anerkannt ist. Ebenso wird es durch die weitgehende Übereinstimmung wohl auch durch die Börsenaufsichtsbehörde SEC anerkannt werden.
Das Verfahren soll gesetzestechnisch in der WPO (§ 57a ff) und im § 319 Abs.2 Nr.2 und Abs.3 Nr.7 HGB verankert werden. Die §§ 57a-f des Gesetzesentwurfs regeln die Ausgestaltung des Verfahrens, weitere Paragraphen des WPOÄG enthalten z.B. Regelungen für vereidigte Buchprüfer (§ 130) oder die Übergangsregelung (§ 136) . Im HGB soll geregelt werden, daß das Fehlen einer Teilnahmebescheinigung am Verfahren einen zusätzlichen Ausschlußtatbestand nach § 319 HGB darstellt. Die Verankerung im Gesetz muß erfolgen, da es sich bei der Verpflichtung zur externen Qualitätskontrolle um einen Eingriff in die Freiheit der Berufsausübung nach Artikel 12 Abs. 1 Satz 2 GG handelt, und ein freiwilliges System eine einheitlich hohe Qualität nicht sicherstellen könnte.[21] Die Möglichkeit, daß Parallelsysteme den Berufsstand zweiteilen könnten oder die Akzeptanz des Verfahrens in der Öffentlichkeit wie auch bei den Berufsangehörigen gefährden könnten, wird in der Begründung zum Gesetzesentwurf als Grund dafür genannt.[22]
Das Gesetz soll am 01.01.2001 in Kraft treten und beinhaltet nach § 136 Gesetzesentwurf WPOÄG eine gestufte Übergangsregelung bis zum 31.12.2005, um der WPK und den Berufsangehörigen die Möglichkeit zu geben, die organisatorischen Maßnahmen umzusetzen.
Abschlußprüfer, die Aktiengesellschaften mit amtlicher Notierung prüfen, müßten sich demnach bis zum 31.12.2002 einer externen Qualitätskontrolle unterziehen und sich hierfür bis zum 01.01.2001 anmelden. Die Abschlußprüfer, die sonstige gesetzlich vorgeschriebene Abschlußprüfungen vornehmen, werden dann bis zum 31.12.2005 (Anmeldung bis 31.12.2003) Zeit haben, sich dem Peer Review zu unterziehen.[23]
Zusätzlich kommt die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung bei Härtefällen in Betracht, um den Marktzutritt nicht zu erschweren; dies wäre z.B. bei Existenzgründern, die sich vor Annahme des ersten Auftrags einem Peer Review unterziehen müßten, der Fall.[24]
Am Peer Review müssen laut Begründung zum Gesetzesentwurf teilnehmen:[25]
vereidigte Buchprüfer und
Berufsgesellschaften (Wirtschaftsprüfungs- und Buchprüfungsgesellschaften),
die gesetzlich vorgeschriebene Abschlußprüfungen durchführen. Ebenso sollen Prüfungsstellen der Sparkassen und Giroverbände mit einbezogen werden, wenn sie Mitglieder der WPK sind, und das Landesrecht nichts anderes vorsieht.[26] Laut Gesetzesentwurf können sich alle Berufsangehörigen, die nicht zur Teilnahme verpflichtet sind, freiwillig am Verfahren beteiligen, was dann zur Folge hat, daß die Vorschriften des Pflichtsystems auf sie anzuwenden sind.[27] In diesem Punkt unterscheidet sich der Gesetzesentwurf von dem internationalen Standard der IFAC, der ein obligatorisches Verfahren für alle Berufsangehörigen fordert, weshalb zur „... vollständigen Erfüllung dieser Anforderungen (die der IFAC, d. Verf.) das deutsche Verfahren weiterzuentwickeln ist.“[28]
In der Begründung zum Gesetzesentwurf wird ausgeführt, daß das Prüfungssubjekt die Praxis der Berufsangehörigen ist, auch wenn diese in einer interprofessionellen Sozietät tätig sind. Dann jedoch wird nur der Teil geprüft, an dem die Berufsangehörigen beteiligt sind.[29] Die Nichtberufsangehörigen werden aber trotzdem, ebenso wie der Berufsangehörige, dazu verpflichtet sein, dem Peer Reviewer Zutritt zu den Praxisräumen zu gewähren, Nachweise vorzulegen und Aufklärungen zu geben (Mitwirkungspflicht).[30]
Prüfungsobjekt sind laut Begründung zum Gesetzesentwurf betriebswirtschaftliche Prüfungen i.S.v. § 2 Abs.1 WPO, bei denen das Siegel geführt wird. Es wird also überprüft, ob das interne Qualitätssicherungssystem bezüglich gesetzlich vorgeschriebener Abschlußprüfungen, freiwilligen Prüfungen und Jahresabschlußerstellungen den gesetzlichen Anforderungen und beruflichen Grundsätzen entspricht.[31]
In der folgenden Tabelle werden die Ziele, die der Gesetzgeber mit der Einführung der externen Qualitätskontrolle verfolgt, und ihre Umsetzung im Gesetzesentwurf dargestellt.
Tabelle 1: Ziele des Gesetzgebers und ihre Umsetzung[32]
Gemäß der Begründung zum Gesetzesentwurf wird die Organisation und Durchführung des Verfahrens der WPK übertragen, um die Selbstverwaltung des Berufsstandes zu stärken und eine schnelle Anpassung an nationale und internationale Entwicklungen zu ermöglichen.[33] Dazu muß die WPK dann eine Kommission für Qualitätskontrolle und einen Qualitätskontrollbeirat einrichten, sowie die Registrierung der Prüfer für Qualitätskontrolle durchführen. Des weiteren muß noch eine Satzung für Qualitätskontrolle erlassen werden, die der Zustimmung des BMWi im Einvernehmen mit dem BMJ bedarf.[34] Außerdem soll das bei der WPK geführte Berufsregister um die Eintragung der Erteilung der Teilnahmebescheinigung am Verfahren der externen Qualitätskontrolle einschließlich der Frist bis zur nächsten Kontrolle erweitert werden.[35]
Die Kommission wird nach dem Gesetzesentwurf folgendes Aussehen haben:[36] Die Mitglieder der Kommission müssen Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buchprüfer sein. Sie werden auf Vorschlag des Vorstandes der WPK vom Beirat der WPK gewählt. Sie sind unabhängig und nicht weisungsgebunden, was einer strikten Trennung der Kommission vom Vorstand der WPK, also der Berufsaufsicht entspricht.[37] Diese strikte Trennung ist erforderlich, da die Mitglieder durch die Auswertung der externen Qualitätskontrolle berufsrechtlich relevante Tatbestände in Erfahrung bringen könnten, und diese nicht im Berufsaufsichtsverfahren verwertet werden dürfen, was aber möglich wäre, wenn der Vorstand für das Verfahren zuständig wäre oder keine Unabhängigkeit bestünde.[38]
Die Kommission hat laut Gesetzesentwurf folgende Aufgaben:[39]
Prüfer für die externe Qualitätskontrolle registrieren,
Qualitätskontrollberichte entgegennehmen,
über geeignete Sanktionen im Falle von festgestellten Mängeln entscheiden,
Teilnahmebescheinigungen am Peer Review erteilen bzw. widerrufen,
Ausnahmegenehmigungen erteilen und
Entscheidungen über Widersprüche im Zusammenhang mit dem Peer Review treffen.
Bei der Registrierung der Prüfer für die externe Qualitätskontrolle soll gleichzeitig die Überprüfung der Voraussetzungen für solch eine Tätigkeit erfolgen.[40]
Dirk Schmitz (Autor)
V185585
9783656996705
9783656998624
peer, review, kritische, darstellung, analyse, wpo-novelle
Dirk Schmitz (Autor), 2000, Peer Review - Kritische Darstellung und Analyse der geplanten WPO-Novelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185585
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