Source: https://studylibde.com/doc/7031232/16-4575---landtag-nrw
Timestamp: 2019-08-23 23:52:51+00:00

Document:
16/4575 - Landtag NRW
Aktenzeichen VI-6 - 79.00.25
Herr Krekler
Telefon 0211 4566-314
Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren wildlebender Arten (Gefahrtiergesetz - GefTierG NRW)
hiermit übersende ich Ihnen einen Bericht zum Entwurf eines .Gesetzes
zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren wildlebender Arten (Gefahrtiergesetz - GefTierG NRW) mit der Bitte um Weiterleitung
an die Mitglieder des Landtags.
(Messe) Haltestelle Frankenplatz
Mit Beschluss vom 21. Oktober 2014 hat das Kabinett o. g. Gesetzentwurf gebilligt und die Anhörung der kommunalen Spitzenverbände
beschlossen. Das Ministerium für Klim8schutz, Umwelt, Landwirtschaft,
Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) hat neben den kommunalen
Spitzenverbänden auch weiteren Sachverständigen, Verbänden und
Institutionen aus dem Bereich des Tierschutzes sowie den Interessenvertretungen der Tierhalterinnen und Tierhalter Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.
Nach Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen wurden die Regelungsentwürfe in einigen Teilen überarbeitet. Im Mai 2015 wurde eine neue Ressortabstimmung im Hinblick auf einen Kabinettbeschluss
zur Einbringung des Vorhabens in das Gesetzgebungsverfahren beim
Landtag eingeleitet. Parallel dazu lief der Abstimmungsprozess mit den
kommunalen Spitzenverbänden weiter. Der Abstimmungsprozess wurde nach einem Konsensgespräch am 17. November 2015 mit den
kommunalen Spitzenverbänden , an dem von Seiten der Landesregierung MKULNV, MIKund StK teilnahmen, unterbrochen, nachdem sich
durch die Zuspitzung der Flüchtlingssi.tuation auch in NRW die Prioritäten im Bereich der öffentlichen Sicherheit und der damit verbundenen
kommunalen Aufgaben verschoben. hatten.
Im Herbst 2016 ist das Abstimmungsverfahren zu diesem Gesetzesvorhaben auf der Basis der eingearbeiteten Anregungen aus dem Anhörungsprozess wieder aufgenommen worden (s. Anlage).
Am 31. Oktober 2016 fand ein Anhörungsgespräch im MKULNV statt,
an dem neben den Staatssekretären des MKULNV und des MIK der
Hauptgeschäftsführer des Landkreistages NRW mit einem Verhandlungsmandat auch für den Städtetag NRW teilnahm. Der Vertreter des
Landkreistages verwies auf die Stellungnahmen der Arbeitsgemein-
kom~munalen
Spitzenverbände vom 28. November 2014,
vom 14. August 2015 und vom 13. November 2015 und erklärte, dass
sich an der grundsätzlichen, ablehnenden Position der Verbände zwischenzeitlich nichts geändert habe. In Ermangelung einer hinreichenden Gefahrenlage halte man ein ordnungsrechtliches Spezialgesetz
nicht für erforderlich. Die mit dem Gesetzesvorhaben verbundenen behördlichen Überwachungsaufgaben seien mit den bestehenden Kapazitäten nicht leistbar, wobei die grundsätzliche
Legitim~ität
des Rege-
lungszwecks nicht in Abrede gestellt wurde.
Insgesamt halten die kommunalen Spitzenverbände die von der Haltung gefährlicher Tiere wildlebender Arten durch Privatpersonen ausgehenden Gefahren für einen Teil des von jedermann hinzunehmenden allgemeinen Lebensrisikos.
Die Landesregierung nimmt die von den kommunalen Spitzenverbänden in dem neu anberaumten Anhörungsgespräch vom 31. Oktober
2016 bekräftigte ablehnende Position gegenüber dem Gesetzesvorhaben zur Kenntnis.
Die Landesregierung hält an ihrer Auffassung, dass ein Bedürfnis für
eine solche Regelung grundsätzlich bestehe, fest und weist darauf hin,
dass mit dem Gesetzentwurf ein wichtiges Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag 2012-2017 (strenge Reglementierung der Haltung von exotischen Tieren durch Privatpersonen, Z. 3879 ff.) umgesetzt werden
Viele Menschen schaffen sich Tiere an, die aufgrund ihrer Beißkraft,
Körperkraft oder Giftwirkung, oft verbunden mit einem Mangel oder nur
sehr geringen Grad 'an Domestizierbarkeit, objektiv eine Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen und anderen Tieren darstellen. Im
Falle des Entweichens solcher Tiere müssen Ordnungs- und Rettungskräfte häufig mit erheblichem Aufwand 'tätig werden, um durch die unsachgemäße Haltung gefährlicher Tiere verursachte Gefahren für die
öffentliche Sicherheit zu beseitigen.
Nordrhein-Westfalen hat sich zu einem Zentrum der Haltung exotischer
Tiere in Deutschland entwickelt. Zudem finden hier Tierbörsen statt wie
die weltweit größte Reptilienbörse "Terraristika" in Hamm, die derzeit
vier Mal pro Jahr veranstaltet wird. Zusammen mit dem faktisch nicht
kontrollierbaren Internethandel führt dies dazu, dass weiterhin von einer erheblichen Zahl nicht sachkundiger Haltungen von gefährlichen
Tieren in Nordrhein-Westfalen ausgegangen werden muss.
In Anbetracht des zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr auflösbaren Dissenses zwischen der Landesregierung und den kommunalen Spitzenverbänden und aufgrund des nahenden Endes der Legislaturperiode
sieht die Landesregierung es allerdings als nicht zielführend an, das
Rechtsetzungsverfahren in dieser Legislaturperiode abzuschließen.
Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren
wildlebender Arten (Gefahrtiergesetz - GefTierG NRW)
Die Haltung von gefährlichen Tieren wildlebender Arten in Privathaushalten erfreut
sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit und rückt nicht zuletzt durch einzelne spektakuläre Vorfälle mit umfangreicher Berichterstattung durch die Medien immer wieder
in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Auch wenn der Markt mittlerweile etwas stagniert,
schaffen sich viele Menschen - belegbar durch die Verkaufszahlen im Tierhandel
und auf entsprechenden Tierbörsen - in nach wie vor großem Umfang Tiere an, die
aufgrund ihrer Beißkraft, Körperkraft oder Giftwirkung, verbunden vielfach mit einem
Mangel oder nur sehr geringen Grad an Domestizierbarkeit, objektiv eine Gefahr für
Leben und Gesundheit von Menschen und anderen Tieren darstellen. Im Falle des
Entweichens solcher Tiere aus der Obhut ihrer Besitzerinnen oder Besitzer müssen
Ordnungs- und Rettungskräfte mit teilweise erheblichem Personal- und Sachaufwand
tätig werden, um durch die unsachgemäße Haltung gefährlicher Tiere verursachte
Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu beseitigen. Die Haltung von
gefährlichen Tieren wildlebender Arten in Privathaushalten, aber auch andernorts,
kann zu einer erheblichen Gefährdung der Haltungspersonen, unbeteiligter Personen
sowie der Einsatzkräfte führen. Für das Halten gefährlicher Tiere wildlebender Arten
ist der Abschluss einer Haftpflichtversicherung bislang nicht erforderlich. Opfer von
Vorfällen mit gefährlichen Tieren erhalten daliler bei Mittellosigkeit der Halterin oder
des Halters keinen Ersatz für die ihnen entstandenen materiellen und immateriellen
Die dargestellte Problematik besteht grundsätzlich bundesweit. Einige Länder haben
. in den vergangenen Jahren sonderordnungsrechtliche Regelungen erlassen, um der
geschilderten Gefahrenlage angemessen und wirkungsvoll begegnen zu können.
Zuletzt haben im Juni 2011 das Land Thüringen und im Mai 2013 die Hansestadt
Hamburg jeweils ein neues Gesetz nebst einer Durchführungsverordnung zum
Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren erlassen. Nordrhein-Westfalen hat
sich zu einem Zentrum der Haltung exotischer Tiere in Deutschland entwickelt und ist
zugleich ein Bundesland, in dem eine Vielzahl großer Tierbörsen stattfindet, so z. B.
die weltweit größte Reptilienbö~se "Terraristika" in Hamm, die derzeit vier Mal pro
Jahr veranstaltet wird. Zusammen mit dem faktisch nicht kontrollierbaren Internethandeilässt diese Situation befürchten, dass weiterhin von einer erheblichen Zahl
nicht sachkundiger Haltungen von gefährlichen Tieren in Nordrhein~Westfalen ausgegangen werden muss, so dass ein Eingreifen des Gesetzgebers erforderlich ist.
Die komplexe Problematik der durch die private Haltung von gefährlichen Tieren wildlebender Arten begründeten Gefahren ist durch Erlass eines formellen Landesgesetzes zu regeln. Die Haltung besonders gefährlicher Tierarten, die eine erhebliche Bedrohung für die Gesundheit und das Leben von Menschen darstellen, ist für Privatpersonen und grundsätzlich auch für Gewerbetreibende (mit Ausnahme der in § 1
Absatz 3 ausdrücklich bezeichneten Bereiche) zu verbieten. Von diesem Haltungsverbot können durch Erteilung einer Haltungserlaubnis für bestimmte Tierarten bei
Vorliegen eines öffentlichen Interesses im Einzelfall Ausnahmen zugelassen werden.
Durch gesetzliche Haltungsbeschränkungen und -vorgaben, insbesondere Anzeigepflichten in Bezug auf weniger gefährliche Tiere, wird sichergestellt, dass die zuständigen Behörden zukünftig Kenntnis über die Personen, Örtlichkeiten und Umstände
der Haltungen derartiger Tiere besitzen und in die Lage versetzt werden, notwendige
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr unverzüglich treffen zu können.
Fortbestand der Eingriffsmöglichkeiten lediglich auf Basis des allgemeinen Ordnungsrechts mit der Folge, dass Maßnahmen zur Gefahrenabwehr stets erst dann
getroffen werden können, wenn im einzelnen Fall bereits eine Gefahr vorliegt oder.
sich sogar schon realisiert hat und gegebenenfalls erhebliche Schäden eingetreten
Dem Land werden Kosten durch die Durchführung von Erlaubnisverfahren in Einzelfällen, die Prüfung und Anerkennung von sachverständigen Stellen sowie die Beratung und Unterstützung der zuständigen Kreisordnungsbehörden entstehen. Hierfür
sollen vier neue Stellen beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz
Nordrhein-Westfalen (LANUV) eingerichtet werden. Die entstehenden Mehrkosten
werden durch die Einführung kostendeckender Gebühren für Amtshandlungen im
Zusammenhang mit der Durchführung des Gesetzes weitgehend ausgeglichen. Die
Unterbringung sichergestellter, beschlagnahmter, eingezogener oder abgegebener
Tiere erfolgt in der Verantwortung des Landes, das zu diesem Zweck Kapazitäten zur
Verfügung stellen wird. Hierzu ist geplant, die Auffangstation des LANUV in Metelen
auszubauen, um den Anforderungen des Gefahrtiergesetzes gerecht zu werden.
Darüber hinaus entstehen Kosten für die Beauftragung Dritter mit der Unterbringung
gefährlicher Tiere, die nicht in der Auffangstation Metelen untergebracht werden
Zuständig ist das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und
Verbraucherschutz, beteiligt sind das Ministerium für Inneres und Kommunales, das
Justizministerium, das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Mittelstand und Handwerk
und das Finanzministerium.
F Auswirkungen auf die kommunale Selbstverwaltung und die Finanzlage der
Es ergeben sich Auswirkungen auf die kommunale Selbstverwaltung, da eine neue
kommunale Aufgabe in Form einer Überwachungszuständigkeit einschließlich der
Durchführung von Anzeigeverfahren begründet wird. Es ist nicht zu erwarten, dass
die den Kommunen durch das neue Gesetz entstehende Mehrbelastung die im Kon2
nexitätsausführungsgesetz festgelegte Bagatellschwelle überschreiten wird. Dies
ergibt sich aus der diesem Gesetzentwurf als Anlage beigefügten Kostenfolgenabschätzung.
Auswirkungen auf kleinere und mittlere Unternehmen sind durch das Gesetzesvor- '
haben kaum zu erwarten.
Der Anwendungsbereich des Gesetz~ntwurfs umfasst grundsätzlich auch Tierhaltungen durch Gewerbetreibende. Ausgenommen hiervon sind allerdings sämtliche Gewerbetreibende, bei denen die Tierhaltung einen wesentlichen Bestandteil des Geschäftsbetriebes darstellt und die insoweit über eine Erlaubnis nach § 11 Absatz 1
Satz 1 Nummer 8 des Tierschutzgesetzes verfügen. Abgesehen von diesen Ausnahmen erscheint es Jedoch gerechtfertigt, Personen, die sich als Gewerbetreibende
gefährliche Tiere anschaffen, ohne dass ein unmittelbarer Zusammenhang mit der
ausgeübten gewerblichen Tätigkeit besteht, nicht anders zu behandeln als Privatpersonen.
Von den Auswirkungen des Gesetzes betroffen sein werden letztlich nahezu ausschließlich Betriebe, die - aufgrund bestehender Genehmigungen erlaubterweise gewerblich mit gefährlichen Tieren wildlebender Arten handeln. Diesen Betrieben
wird aufgrund der Haltungsverbote und -beschränkungen möglicherweise - je nach,
Ausrichtung des Angebotes - ein Teil des bisherigen Marktes entzogen; Am gesamtwirtschaftlichen Aufkommen dürften solche Betriebe nur einen zu vernachlässigenden geringen Anteil ausmachen.
Die im Gesetzentwurf vorgesehenen Regelungen haben keine unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Auswirkungen, so dass Aspekte des Gender Mainstreaming
Es ist eine Berichtspflicht der Landesregierung gegenüber dem Landtag zum 31. Dezember 2019 vorgesehen.
Gesetz zum ~chutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren
, wildlebender Arten (Gefahrtiergesetz - GefTierG NRW)
(1) Zweck dieses Gesetzes ist es, die durch g'efährliche Tiere wildlebender Arten
und den nicht sachkundigen Umgang mit diesen Tieren hervorgerufenen Gefahren
abzuwehren und dem Entstehen dieser Gefahren vorsorgend entgegenzuwirken.
(2) Die Haltung eines Tieres einer wildlebenden Art, das nach seinen artgemäßen
Eigenschaften in der Lage ist, Menschen durch Körperkraft, Gift oder arttypisches
Verhalten erheblich zu verletzen oder zu töten (gefährliches Tier), ist je nach Ausprägung seines arttypischen Gefährdungspotentials nach Maßgabe der folgenden Vorschriften verboten, nur mit behördlicher Erlaubnis zulässig oder der zuständigen Behörde anzuzeigen.
(3) Die Vorschriften dieses Gesetzes gelten mit Ausnahme des § 4 Absatz 3 sowie
des § 9 Absatz 1 nicht für die Haltung von gefährlichen Tieren in .
1. Zoos im Sinne des § 42 Absatz 1 des Bundesnaturschutzgesetzes vom 29.
Juli 2009 (BGBI. I S. 2542) in der jeweils geltenden Fassung,
2. Einrichtungen oder Betrieben mit gewerblichem Charakter, die über eine Erlaubnis gemäß § 11 Absatz 1 Satz 1 Nummer 8 des Tierschutzgesetzes in der
Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006 (BGBI. I S. 1206, 1313) in
der jeweils geltenden Fassung oder über eine Erlaubnis gemäß § 11 Absatz 1
Satz 1 Nummer 3 des Tierschutzgesetzes in der bis zum 13. Juli 2013 geltenden Fassung verfügen,
3. Einrichtungen, in denen gefährliche Tiere aufgenommen,werden und die.
über eine Erlaubnis gemäß § 11 Absatz 1 Sa~ 1 Nummer 3 des Tierschutzgesetzes in der jeweils geltenden Fassung oder gemäß § 11 Absatz 1 Satz 1
N'ummer 2 des Tierschutzgesetzes in der bis zum 13. Juli 2013 geltenden
Fassung verfügen, sowie
4. Einrichtungen im Sinne des § 1 des Hochschulgesetzes vom 16. September
2014 (GV. NRW. S. 547) in der jeweils geltenden Fassung, in denen Tiere
zum Zwecke der Wissenschaft oder der Forschung gehalten werden.
Die Haltung von gefährlichen Tieren folgender Arten einschließlich der Unterarten
und Kreuzungen mit anderen Unterarten und Arten ist verboten:
1. aus der Ordnung der Herrentiere (Primates) alle Tierarten mit Ausnahme
der so -genannten Halbaffen, der Krallenaffen (Familie Callitrichidae): Kapuzinerartigen Affen (Familie Cebidae) und Zwergmeerkatzen (Gattung Miopithecus),
3. aus der Familie Echte Katzen (Felidae) alle Großkatzenarten der Gattung
Panthera sowie von den Kleinkatzen der Puma (Profelis concolor) und der
Gepard (Acinonyx jubatus),
. 7. aus der Familie Hunde (Canidae) der Wolf einschließlich Dingo (Canis lupus) - mit Ausnahme der Unterart Haushund (Canis lupus familiaris) -, der Afrikanische Wildhund (Lycaon pictus) und der Rothund oder Asiatische Wildhund (Cuon alpinus) einschließlich Kreuzungen mit dem Haushund bis einschließlich der vierten Tochtergeneration,
13. alle Giftschlangenarten im engeren Sinne (Familien Viperidae, Atractaspididae und Elapidae) sowie aus der Familie der Nattern (Colubridae) alle Arten
der Gattungen Peitschennattern (Ahaetulla), N8chtbaumnattern (Boiga), Sandrennnattern (Psammo·phis), Boomslang (Dispholidus), Baumnattern (Thelotornis) und die Tigernatter (Rhabdophis tigrinus), .
14. aus der Ordnung der Skorpione (Scorpiones) alle Arten der Gattungen
Androctonus, Buthacus, Buthus, Centruroides, Hottentotta (= Buthotus), Leiurus, Mauritanobuthus, Mesobuthus, Parabuthus, Tityus, Bothriurus, Hemiscorpius und Nebo,
15. aus der Ordnung der Webspinnen (Araneae) die Arten der Gattungen Atrax, Hadronyche undlllawara (Trichternetzspinnen), LaJrodectus (Schwarze
Witwen), Loxosceles (Speispinnen), Sicarius(Sechsaugenkrabbenspinnen),
Phoneutria (Bananenspinnen) und aus der Familie der Echten Vogelspinnen
(Theraphosidae) die Arten der Gattung Poecilotheria(lndische Ornamentvogelspinnen).
(1) Auf Antrag kann die zuständige Behörde eine Ausnahme von dem Verbot der
Haltung gefährlicher Tiere im Sinne von § 2 Nummer 11 bis 15 zulassen (Haltungserlaubnis), wenn ein öffentliches Interesse an der Haltung besteht und die Voraussetzungen nach § 5 Absatz 1 Nummer 1 bis8 erfüllt sind.
(2) Die Haltungserlaubnis ist für die Haltung eines Tieres oder mehrerer Tiere einer
bestimmten Tierart zu erteilen. Im Falle der Neuanschaffung eines gefährlichen Tieres darf mit der Haltung erst begonnen werden, wenn die Haltungserlaubnis vorliegt.
(3) Die Haltungserlaubnis kann befristet erteilt und mit Bedingungen und Auflagen
verbunden werden; sie ist unter dem Vorbehalt des Widerrufs zu erteilen. In der Erlaubnis kann die'Zahl der gehaltenen Tiere begrenzt werden. Auflagen können auch
nachträglich aufgenommen, geändert oder ergänzt werden.
,(5) Wird ein gefährliches Tier im Zuge eines Wohnungswechsels nach NordrheinWestfalen verbracht, ist die Haltungserlaubnis bei der zuständigen Behörde innerhalb eines Monats nach der Begründung des neuen Wohnsitzes zu beantragen.
(1) Die Haltung gefährlicher Tiere, die nicht dem Haltungsverbot des § 2 unterliegen
und die in einer ordnungsbehördlichen Verordnung nach § 14 Satz 1 aufgeführt sind,
ist der zuständigen Behörde innerhalb von zwei Wochen nach Anschaffung der Tiere
anzuzeigen. Die Anzeige kann sich auf die Haltung eines Tieres oder mehrerer Tiere
einer bestimmten Tierart beziehen. Der Anzeige sind Nachweise über das Vorliegen
der in § 5 Absatz 1 Nummer 1, 3 und 4 aufgeführten Haltungsvoraussetzungen beizufügen. Näheres regelt die ordnungsbehördliche Verordnung nach § 14 Satz 1. Die
zuständige Behörde kann darüber hinaus den Nachweis verlangen, dass die der
Tierhaltung dienenden Räumlichkeiten, Einrichtungen oder Freianlagen den Anforderungen des § 9 Absatz 2 Satz 1 entsprechen. Die Anzeige kann auch auf elektronischem Wege erfolgen, soweit der Zugang durch die zuständige Behörde eröffnet
(2) Die Halterin oder der Halter (Haltungsperson) hat der zuständigen Behörde einen
Wechsel des Haltungsortes sowie bei einem Halterwechsel den Namen und die Anschrift der neuen Haltungsperson innerhalb von zwei Wochen anzuzeigen. Falls mit
dem Wechsel die örtliche Zuständigkeit einer anderen Behörde in NordrheinWestfalen begründet wird, ist auch die für den neuen Haltungsort zuständige Behörde entsprechend zu informieren.
3. die zur Haltung eines gefährlichen Tieres erforderliche Sachkunde (§ 6) und
Zuverlässigkeit (§ 7) besitzt,
5. sicherstellt und nachweist, dass die der Tierhaltung dienenden Räumlichkeiten, Einrichtungen oder Freianlagen den Anforderungen' des § 9 Absatz 2 Satz
1 entsprechen,
6. gegenüber der zuständigen Behörde mindestens eine sachkundige und zuverlässige Person benennt, die im Falle einer Verhinderung die Betreuung und
Versorgung des Tieres gewährleisten kann,
'8. im Fall der Haltung eines giftigen Tieres die kurzfristige Verfügbarkeit von
geeigneten Gegenmitteln und Behandlungsempfehlungen nachweist und
aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten das Tier so halten und mit diesem umgehen kann, dass von dessen Haltung keine Gefahr für Leben und Gesundheit von
(2) Der Nachweis der erforderlichen Sachkunde ist grundsätzlich gegenüber der zuständigen Behörde durch Vorlage einer Bescheinigung über die Teilnahme an einem
Sachkundelehrgang und eine erfolgreich abgelegte Sachkundeprüfung bei einer anerkannten Stelle zu erbringen. In dem Sachkundenachweis sind die Tierarten aufzuführen, für die der Nachweis der Sachkunde alserbracht gilt.
(3) Abweichend von Absatz 2 kann die erforderliche Sachkunde auch nachgewiesen
werden durch Vorlage
Bescheinigungen oder Nachweise gemäß Satz 1 sind von der zuständigen Behörde
anzuerkennen, sofern sie - bezogen auf die zur Haltung angezeigte Tierart - den in
diesem Gesetz oder aufgrund dieses Gesetzes gestellten Anforderungen im Wesentlichen entsprechen.
(1) Die zur Haltung eines gefährlichen Tieres erforderliche Zuverlässigkeit besitzen in
der Regel Personen nicht, die insbesondere
2. mindestens zweimal wegen einer im Zustand der Trunkenheit begangenen
3. wegen einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz, dem Bundesnaturschutzgesetz (Artenschutzrecht), dem Landeshundegesetz vom 18. Dezember 2002
(GV. NRW. S. 656), dem Waffengesetz vom 11. Oktober 2002 (BGBI. I S.
3970,4592; 2003 I S. 1957), dem Bundesjagdgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. September 1976 (BGBI. I S. 2849),' dem Gesetz über
die Kontrolle von Kriegswaffen in der Fassung der Bekanntmachung vom 22.
November 1990 (BGB/. I S. 2506), dem Spre'ngstoffgesetz in der Fassung der
Bekanntmachung vom 10. September 2002 (BGB/. I S. 3518) oder dem Betäübungsmittelgesetz in der Fassung' der Bekanntmachung vom 1. März 1994
(BGB/. I S. 358), alle in der jeweils geltenden Fassung,
Verurteilung fünf Jahre noch nicht verstrichen sind. In die Frist wird die Zeit nicht eingerechnet, in der die Person eine Freiheitsstrafe verbüßt oder sich im Vollzug einer
freiheitsentziehenden Maßregel befunden hat.
(2) Die zur Haltung eines gefährlichen Tieres erforderliche Zuverlässigkeit besitzen in
der Regel auch Personen nicht, die
3. wiederholt oder gröblich gegen Bestimmungen des Tierschutzgesetzes, des
Bundesnaturschutzgesetzes (Artenschutzrecht), des Landeshundegesetzes,
des Waffengesetzes, des Bundesjagdgesetzes, des Landesjagdgesetzes
Nordrhein-Westfalen in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. Dezember
1994 (GV. NRW. 1995 S. 2; ber. 1997 S. 56), des Gesetzes über die Kontrolle
von Kriegswaffen, des Sprengstoffgesetzes, des Betäubungsmittelgesetzes
oder dieses Gesetzes, alle in der jeweils geltenden Fassung, verstoßen haben
4. aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer geistigen oder seelischen
Behinderung unter Betreuung nach § 1896 des Bürgerlichen Gesetzbuchs
(3) Zum Nachweis der Zuverlässigkeit hat die Haltungsperson ein Führungszeugnis
zur Vorlage bei einer Behörde nach § 30 Absatz 5 Satz 1 des Bundeszentralregistergesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. September 1984 (BGB/. I S.
1229, 1985 I S. 195) in der jeweils geltenden Fassung zu beantragen.
(4) Bestehen Anhaltspunkte dafür, dass die Voraussetzungen des Absatzes 2 Nummer 1 vorliegen, kann die zuständige Behörde von der Haltungsperson die Vorlage
eines amts- oder fachärztlichen Gutachtens verlangen.
Die Haltungsperson ist nach § 5 Absatz 1 Nummer 4 verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung zur Deckung der durch die von ihr gehaltenen gefährlichen Tiere verursachten Personen- und Sachschäden mit einer Mindestversicherungssumme in Höhe
von 500 000 Euro für Personenschäden und in Höhe von 250 000 Euro für sonstige
Schäden abzuschließen und aufrechtzuerhalten. Zuständige Stelle nach § 117 Absatz 2 Satz 1 des Versicherungsvertragsgesetzes vom 23. November 2007 (BGBI. I
S. 2631) in der jeweils geltenden Fassung ist die nach § 11 zuständige Behörde.
(1) Gefährliche Tiere sind so zu halten, dass Menschen, Tiere und Sachen nicht gefährdet werden. Sie sind insbesondere in sicherem Gewahrsam zu halten. Die Haltungsperson hat eine angemessene Ernährung, Pflege und tierärztliche Versorgung
des Tieres sicherzustellen.
(2) Die Haltungsperson hat sicherzustellen, dass die der Tierhaltung dienenden
Räumlichkeiten, Einrichtungen oder Freianlagen eine ausbruchsichere sowie art- und
verhaltensgerechte Unterbringung ermöglichen und sich keine unbefugten Personen
Zugang zu dem Tier verschaffen können. Soweit es im Falle einer Prüfung dieser
Voraussetzungen erforderlich ist, hat die Haltungsperson den Bediensteten der zuständigen Behörde den Zutritt zu dem befriedeten Besitztum, in dem das gefährliche
Tier gehalten wird, zu ermöglichen und die erforderlichen Feststellungen zu dulden.
(3) Wer eine Haltungserlaubnis nach § 3 besitzt, hat regelmäßig, mindestens jedoch
alle drei Jahre, an von der zuständigen Behörde anerkannten Fortbildungsmaßnahmen oder Lehrgängen teilzunehmen, in denen Kenntnisse und Fertigkeiten zur erforderlichen Sachkunde entsprechend § 6 vermittelt werden. Auf Verlangen der zuständigen Behörde ist die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen oder Lehrgängen nach
Satz 1 nachzuweisen.
(4) Ein gefährliches Tier darfnur an eine andere Person abgegeben oder ihr vorübergehe.nd zur Obhut überlassen werden, wenn diese das 18. Lebensjahr vollendet hat
und die geistigen und körperlichen Voraussetzungen zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Tier sowie die erforderliche Zuverlässigkeit und Sachkunde besitzt; § 6
sowie § 7 Absatz 1 und 2 gelten entsprechend. Wer als Haltungsperson ein gefährliches Tier einer anderen Person länger als vier Wochen vorübergehend zur Obhut
überlässt, hat dies unverzüglich, spätestens aber innerhalb einer Woche nach Überlassung des Tieres unter Angabe des Namens und der Anschrift dieser Person der
zuständigen Behörde mitzuteilen.
(1) Die zuständige Behörde kann Anordnungen treffen, um eine im Einzelfall drohende oder bestehende Gefahr für die öffentliche Sicherheit, die mit dem Halten von und
dem Umgang mit gefährlichen Tieren verbunden ist, insbesondere Verstöße gegen
(2) Das Halten eines gefährlichen Tieres soll untersagt werden, wenn ein schwerwiegender Verstoß oder wiederholte Verstöße gegen Vorschriften dieses Gesetzes oder
auf Grund dieses Gesetzes getroffener Anordnungen vorliegen, die erforderliche Haltungserlaubnis nicht vorliegt oder wesentliche Haltungsvoraussetzungen nicht erfüllt
sind. Das Halten eines gefährlichen Tieres kann untersagt werden, wenn die Haltung
oder erforderlichenfalls die Erlaubnis zur Haltung nicht, nicht innerhalb einer Frist
gemäß § 3 Absatz 5, § 4 Absatz 1 Satz 1, § 18 Absatz 1 Satz 1 oder einer behördlich
bestimmten Frist angezeigt oder beantragt' wurde. Gleiches gilt, wenn die in § 18 Absatz 2 Satz 1 angeführten Haltungsvoraussetzungen nicht innerhalb der dort genannten Fristen oder einer behördlich bestimmten Frist nachgewiesen werden. Mit der
Untersagung kann auch die Untersagung einer künftigen Haltung gefährlicher Tiere
verbunden werden. Im Falle der Untersagung oder bei einem Verstoß gegen das
Haltungsverbot des § 2 kann angeordnet werden, dass das Tier der Haltungsperson
entzogen wird und an eine geeignete Person oder Stelle abzugeben ist.
(1) Zuständige Behörde nach diesem Gesetz 1st vorbehaltlich des Absatzes 2 die
Kreisordnungsbehörde, in deren Zuständigkeitsbereich das gefährliche Tier gehalten
wird. Die zuständige Behörde kann zur Bearbeitung von Fragestellungen, die besonderen Sachverstand erfordern, insbesondere zur Bestimmung von gefährlichen Tieren, in Zweifelsfällen das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Landesamt) als sachverständige Stelle hinzuziehen.
(2) Das Landesamt ist zuständige Behörde für die Erteilung einer Haltungserlaubnis
gemäß § 3 Absatz 1 sowie für die Unterbringung beschlagnahmter oder sichergestellter gefährlicher Tiere sowie von gefährlichen Tieren, die ausgesetzt oder bei den
zuständigen Behörden abgegeben wurden. Beim Transport von gefährlichen Tieren
in diesem Zusammenhang leistet das Landesamt Unterstützung in erforderlichem
(3) In Fällen, in denen neben gefährlichen Tieren, deren Haltung einer Erlaubnis
nach § 3 Absatz 1 bedarf, auch Tiere, deren 'Haltung gemäß§ 4 Absatz1 anzuzeigen ist; gehalten werden, ist das Landesamt auch für die Entgegennahme der Anzeige zuständig.
(4) Nach Erteilung einer Haltungserlaubnis gemäß § 3 Absatz 1 übermittelt das Landesamt der Kreisordnungsbehörde, in deren Zuständigkeitsbereich das gefährliche
Tier gehalten wird, eine Kopie des Erlaubnisbescheids und der Antragsunterlagen
sowie gegebenenfalls vorliegende Anzeigen über die Haltung gefährlicher Tiere gemäß § 4 in Verbindung mit § 11 Absatz 3.
(1) Soweit dieses Gesetz oder nach diesem Gesetz erlassene ordnungsbehördliche
Verordnungen nicht Abweichendes bestimmen, gelten die Vorschriften des Ordnungsbehördengesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. Mai 1980
(GV. NRW. S. 528) in der jeweils geltenden Fassung.
(3) Regelungen in ordnungsbehördlichen Verordnungen der örtliche.n Ordnungsbehörden mit Bezug auf gefährliche Tiere wildlebender Arten bleiben unberührt, soweit
diese Vorschriften zu diesem Gesetz oder zu den aufgrund dieses Gesetzes erlassenen Verordnungen nicht in Widerspruch stehen.
Das Ministerium wird ermächtigt, durch ordnungsbehördliche Verordnung über § 2
hinaus Tiere wildlebender Arten zu bestimmen, die als gefährliche Tiere im Sinne von
§ 1 Absatz 2 gelten und deren Haltung gemäß § 4 Absatz 1 der zuständigen Behörde
anzuzeigen ist. In dieser Verordnung können ferner Bestimmungen getroffen werden
2. die Anforderungen an die Sachkunde im Sinne des § 6 Absatz 1 und den
Inhalt und den Umfang von Sachkundelehrgängen und -prüfungen im Sinne
von § 6 Absatz 2 Satz 1, jeweils bezogen auf die gehaltene Tierart und die
Ausprägung des arttypischen Gefährdungspotentials,
4. die jeweiligen baulichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine
ausbruchsichere sowie art- und verhaltensgerechte Unterbringung gefährlicher
Tiere im Sinne des § 9 Absatz 2 Satz 1 sowie die Anforderungen und Inhalte
eines Notfallplans im Sinne von § 5 Absatz 1 Nummer 7 und
5. die Einrichtung und Pflege einer zentralen Datenbank i~ Bezug auf die Haltung gefährlicher Tiere.
§ 26 Absatz 3des Ordnungsbehördengesetzes gilt entsprechend; im Übrigen findet
Teil 11 Abschnitt 2 des Ordnungsbehördengesetzes keine Anwendung.
Durch dieses Gesetz oder aufgrund dieses Gesetzes werden eingeschränkt oder
können eingeschränkt werden
1. das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (Artikel 2 Absatz 1 des
2. das Grundrecht der freien Berufsausübung (Artikel 12 Absatz 1 Satz 2 des
3. das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 Absatz 1 des
Grundgesetzes) sowie
1. ein gefährliches Tier entgegen dem Verbot des § 2 hält, ohne im Besitz einer
Haltungserlaubnis gemäß § 3 zu sein -oder ohne die Haltung eines solchen
Tieres nach Maßgabe des § 18 Absatz 1 der zuständigen Behörde angezeigt
2. entgegen § 18 Absatz 2 Satz 2 weitere Tiere der in § 2 aufgeführten Arten neu
anschafft oder vermehrt,
3. ein gefährliches Tier einer nicht in Deutschland heimischen Art in die Natur
aussetzt oder
4. ein gefährliches Tier auf Menschen oder Tiere hetzt oder einen Menschen unter Verweis auf die oder unter Ausnutzung derGefährlichkeit.eines solchen
Tieres bed roht.
(2) In der Entscheidung kann angeordnet werden, dass das Tier, auf das sich die
Straftat bezieht) eingezogen wird. § 74a des Strafgesetzbuches ist anzuwenden.
2. § 4 Absatz 2 und 3 oder § 9 Absatz 4 Satz 2 Anzeigen oder Mitteilungen'
nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig vornimmt,
4. § 9 Absatz 1 Satz 1 ein gefährliches Tier so hält, dass Menschen, Tiere
oder Sachen gefährdet werden,
5. § 9 Absatz 1 Satz 3 eine angemessene Ernährung, Pflege und tierärztliche
Versorgung des gefährlichen Tieres nicht sicherstellt,
6. § 9 Absatz 2 Satz 2 den Zutritt zu dem befriedeten Be$itztum nicht gestattet
oder Feststellungen nicht duldet,
7. § 9 Absatz 3 Satz 1 .nicht regelmäßig an den vorgeschriebenen Fortbildungsmaßnahmen oder Lehrgängen teilnimmt,
8. § 9 Absatz 4 Satz 1 als Haltungsperson ein gefährliches Tier einer anderen
Person zur Obhut überlässt,die nicht die in dieser Vorschrift geregelten persönlichen Anforderungen erfüllt,
9. § 9 Absatz 5 es als Haltungsperson unterlässt, die das Tier übernehmende
Person über die mit der Tierhaltung verbundenen Anforderungen dieses Gesetzes zu informieren oder
10. § 18 Absatz 2 Satz 1 die dort angeführten Haltungsvoraussetzungen nicht
oder nicht rechtzeitig nachweist.
(3) Die Ordnungswidrigkeiten nach den Absätzen 1, und 2 können mit einer Geldbuße
(4) Tiere, auf die sich eine Ordnungswidrigkeit nach Absatz 1 oder Absatz 2 bezieht,
können unter den Voraussetzungen des § 27 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. Februar 1987 (BGBI. I S. 602), das zuletzt durch Artikel 4 des Gesetzes vom 3. Mai 2015
(BGBI. I S. 706) geändert worden ist, eingezogen werden.
(5) Zuständige Verwaltungsbehörde im Sinne des § 36 Absatz 1 Nummer 1 des Ge:setzes über Ordnungswidrigkeiten ist die nach § 11 Absatz 1 Satz 1 zuständige Behörde.
(1) Wer im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes ein gefährliches Tier der in
§ 2 aufgeführten Arten oder derjenigen Arten hält, deren Haltung gemäß § 4 Absatz
1 anzuzeigen ist, hat die Haltung innerhalb von vier Monaten nach Inkrafttreten des
Gesetzes der zuständigen Behörde anzuzeigen. § 4 Absatz 1 Satz 2 und 3 gilt entsprechend.
(2) Ein gefährliches Tier der in § 2 aufgeführten Arten darf nach M~ßgabe des Absatzes 1 nur halten, wer das Vorliegen der in § 5 Absatz 1 Nummer 1 bis 8 aufgeführten
Voraussetzungen gegenüber der zuständigen Behörde innerhalb von sechs Monaten
nach der Anzeige der Haltu,flg nachw.eist. Die Anschaffung weiterer Tiere der in § 2
aufgeführten Arten sowie die beabsichtigte oder unbeabsichtigte Vermehrung solcher
Tiere sind untersagt.
(2) Die Landesregierung berichtet dem Landtag bis zum 31. Dezember 2019 über die
Erfahrungen mit diesem Gesetz, insbesondere auch über die bei den Kreisoranungsbehörden durch den Vollzug dieses Gesetzes entstehenden Finanzfolgen.
Der Gesetzentwurf verfolgt den' Zweck, die Bevölkerung vor den von der Haltung gefährlicher Tiere wildlebender Arten ausgehenden Gefahren zu schützen und der Entstehung solcher Gefahren vorzubeugen. Prinzipiell ist jeder Person nach dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit nach Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) die Haltung auch gefährlicher Tiere erlaubt. Dies gilt in Abwägung mit Artikel 2 Absatz 2 GG allerdings wegen der von diesen Tieren ausgehenden Gefahren
für Leib und Leben von Menschen nur unter engen Voraussetzungen. Aus diesen
Grundrechten folgt die Pflicht des Staates, Maßnahmen zu ergreifen, um Leben und
Gesundheit der Menschen zu schützen.
Die private Hobbytierhaltung ist längst nicht mehr nur auf Haushunde, Katzen und
klassische Heimtiere wie Kleinnager, Ziervögel oder Zierfische beschränkt. Die Haltung von Wildtieren, insbesondere von exotischen Reptilien, hat in den vergangenen
Jahren erheblich zugenommen. Genaue Zahlen über die Haltung exotischer Haustiere sind mangels Meldepflicht nicht verfügbar. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2012 knapp 405 000, 2013 über 330 000 und 2014 mehr
als 360 000 lebende Reptilien nach Deutschland legal eingeführt. Schätzungen gehen von zusätzlich 25 % illegalen Tierimporten aus. Dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) zufolge existieren in Deutschland 800 000 Terrarien mit
diversen Terrarientieren (Reptilien, Amphibien, Wirbellose). Die Deutsche Gesell ..
schaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) geht von deutschlandweit vier
Millionen Privathaushalten aus, in denen Tiere wildlebender Arten gehalten werden.
Zu diesen Tieren zählen beispielsweise Gift- und Riesenschlangen, Echsen und
Warane, Spinnen, Skorpione sowie aggressive Schildkrötenarten. Sogar große '
Raubkatzen und Krokodile werden in Privathand gehalten. Nordrhein-Westfalen hat
sich zu einem Zentrum der Exotenhaltung in Deutschland entwickelt und verfügt
über einige große Tierbörsen wie die weltweit größte Reptilienbörse "Terraristika" in
Hamm, die derzeit vier Mal pro Jahr stattfindet. Überdies stellt das Internet einen unübersehbaren und kaum kontrollierbaren Markt für Tiere jeglicher Art und Herkunft
dar. Unter-Berücksichtigung dieser Anhaltspunkte geht die Reptilienauffangstation/
Terrazoo in Rheinberg davon aus, dass derzeit etwa 80 000 gefährliche Tiere in
Nordrhein-Westfalen gehalten werden.
Die Zahl der bekannt gewordenen Vorfälle, in denen zum Teil gefährliche oder giftige
Tiere wildlebender Arten ihre Gehege bzw. Terrarien ungewollt verlassen oder aber
in der freien Natur ausgesetzt werden, steigt, wenn auch bislang noch in überschaubarer Zahl. Zur Abwehr der damit verbundenen Gefahren sind unbeteiligte Dritte und
öffentliche Haushalte mit nicht unerheblichen Kosten belastet. Ein in der Öffentlichkeit viel diskutiertes Beispiel war im März 2010 der Fall einer giftigen Monokel-Kobra
in Mülheim an der Ruhr, deren Entweichen aus einem nicht sicheren Terrarium die
Evakuierung und Entkernung eines Mehrfamilienhauses und Kosten in Höhe von ca.
100 000 Euro zur Folge hatte. Weitere spektakuläre "Ausbruchsfälle" waren z. B. der
wenige Jahre zuvor bekannt gewordene Fall eines entlaufenen Geparden in Heinsberg, der ein Mädchen verletzte, sowie der Fall eines im August 2013 in Aldenhoven
bei Aachen entwichenen Teppichpythons, der zunächst in einer Garage aufgefunden
wurde und dann während der Versuche der Feuerwehr, ihn einzufangen, erneut entwich und für mehrere Tage verschwunden blieb. Ebenfalls im Sommer 2013 berichtete die Presse über einen 22-jährigen Tierhalter in Köln, der beim Füttern von seiner
eigenen, giftigen Texas-Klapperschlange gebissen wurde und daraufhin mehrere
Tage im Krankenhaus verbringen musste. In diesem Zusammenhang wurde in den
Medien darauf hingewiesen,~dass im Jahr 2013 allein die Kölner Feuerwehr 26 Einsätze zur Bergung exotischer Tiere zu verzeiGhnen hatte: 19 Schlangen, vier Vogelspinnen und drei Reptilien wurden hierbei eingefangen. Auch im Juli 2014 und im
August 2015 wurden im Kreis Kleve und in Mülheim/Ruhr zwei Tierhalter von ihren
Giftschlangen gebissen und dabei lebensgefährlich verletzt. Ende November 2014
wurden zudem in einer verlassenen Wohnung in Düsseldorf 30 Reptilien, darunter
sechs Giftschlangen vorgefunden.
Unabhängig davon, ob es bei solchen Einzelfällen um tatsächlich gefährliche oder
"nur" exotische Tiere geht, zeigt sich, dass es einen nicht zu vernachlässigenden
Anteil von Haltungspersonen gibt, die $ich unverantwortlich gegenüber ihren Tieren
und letztlich auch gegenüber der Allgemeinheit verhalten. Dieses Phänomen macht
vor dem Hintergrund, dass weiterhin exotische und auch gefährliche Tiere in großer
Zahl angeschafft werden, deutlich, dass hier Handlungsbedarf besteht.
Die Problematik der Haltung gefährlicher Tiere wildlebender Arten ist aus Sicht der
Gefahrenabwehr in einigen Aspekten vergleichbar mit der Haltung von gefährlichen
Hunden. Vor allem seit dem Jahr 2000 haben sich die meisten Länder aufgrund immer wieder auftretender schwerwiegender Vorfälle, bei denen Personen, insbesondere Kinder und ältere Menschen, von Hunden angegriffen, schwer verletzt oder getötet wurden, veranlasst gesehen, zum Schutz der Bevölkerung Gesetze und Verordnungen erlassen, in Nordrhein-Westfalen namentlich die Landeshundeverordnung
vom 30. Juni 2000 (GV. NRW. s. 518b), die am 1. Januar 2003 durch das Landeshundegesetz (GV. NRW. 2002 S. 656) ersetzt wurde.
Eine Mehrzahl der Länder hat zwischenzeitlich zusätzlich auch entsprechende Regelungen zur Abwehr von Gefahren durch Tiere wildlebender Arten erlassen. Zuletzt
haben 2011 Thüringen und im Mai 2013 Hamburg jeweils ein Gesetz nebst Durchführungsverordnung zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren erlassen.
Auch in Nordrhein-Westfalen lässt die aktuelle Entwicklung eine Zunahme von Vorfällen mit gefährlichen Tieren befürchten, so dass ein Eingreifen des Gesetzgebers
Die Haltung besonders gefährlicher Tierarten, die eine Bedrohung für das Leben von
Menschen darstellen können, ist grundsätzlich zu verbieten. Durch gesetzliche Haltungsvorgaben in Bezug auf die legale Haltung gefährlicher Tiere wird sichergestellt,
dass die zuständigen Behördenzukünftig Kenntnis über die Personen, Örtlichkeiten
und Umstände der Haltungen derartiger Tiere besitzen und erforderlichenfalls notwendige Maßnahmen zur Gefahrenabwehr treffen können. Diesem Zweck dient insbesondere die Einführung einer Erlaubnis- bzw. Anzeigepflicht zur Haltung gefährlicher Tiere wildlebender Arten. Neben weiteren Regelungen über Überwachungsbefugnisse der zuständigen Behörden wird eine Haftpflichtversicherungspflicht für die
Haltung dieser Tiere eingeführt.
Das Gesetz trägt den berechtigten SicherheitsilJteressen der Bürgerinnen und Bürger
in Nordrhein-Westfalen gebührend Rechnung und ermöglicht jenen den Umgang mit
Tieren wildlebender Arten in einem rechtlich angemessenen Rahmen, die sich ver-
antwortungsbewusst, sachkundig und mit großer Hingabe der Beschäftigung mit der
Tierhaltung widmen.
Die behördliche Überwachung der Haltung gefährlicher Tiere wildlebender Arten stellt
eine neue Aufgabe für die zuständigen Kreisordnungsbehörden dar, die mit Mehrkosten verbunden ist. Der Gesetzgeber ermöglicht, für Amtshandlungen nach diesem
Gesetz Gebühren einzuführen. Dadurch können die entstehenden Mehrkosten zum
ganz überwiegenden Teil ged.eckt werden. Im Ergebnis ist nicht zu erwarten, dass
die den Kommunen durch das neue Gesetz entstehende Mehrbelastung die Wesentlichkeitsschwelle nach § 2 Absatz 5 des Konnexitätsausführungsgesetzes erreichen
Die Unterbringung sichergestellter, beschlagnahmter, eingezogener oder abgegebener Tiere erfolgt in der Verantwortung des Landes, das zu diesem Z~eck Kapazitäten
zur Verfügung stellen wird. Zur Ermöglichung des Vollzugs dieser neuen Aufgaben
sowie zur fachlichen Unterstützung der Kreisordnungsbehörden werden beim Landesamt personelle Kapazitäten eingerichtet.
Es ist davon auszugehen, dass sich ein Mehraufwand für die zuständigen Kreisordnungsbehörden in erster Linie innerhalb des ersten Jahres nach dem Inkrafttreten
des Gesetzes auswirken wird,wenn die bereits bestehenden Haltungen gefährlicher
Tiere einer Anzeigepflicht unterliegen. Sowohl bei den Anzeigepflichten als auch bei
der Bearbeitung der Erlaubnisverfahren werden durch eine Übergangsvorschrift die
für die Haltungspersonen maßgeblichen Fristen zur Beibringung von Haltungsnachweisen großzügig verlängert, um den Aufwand für Haltungspersonen wie auch die
zuständigen Behörden angesichts der neuen rechtlichen Vorgaben so gering wie
möglich zu halten. Sobald die erstmalige Erfassung und Bearbeitung der bestehenden Haltungen abgeschlossen ist, ist zu erwarten, dass der behördliche Aufwand
deutlich gerjnger wird, da die bestehenden Haltungen lediglich bei wesentlichen Bestandsveränderungen oder Vorfällen bzw. Auffälligkeiten weitere Amtstätigkeiten
auslösen würden. Meldungen über neu begonnene Haltungen sind in großem Umfang nicht zu erwarte,n.
Zweck des Gesetzes ist es, Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung vorzubeugen und abzuwehren, die mit dem Halten von und dem Umgang mit gefährlichen Tieren wildlebender Arten verbunden sind. Die Notwendigkeit einer solchen Gefahrenabwehrregelung folgt aus der Unberechenbarkeit des Verhaltens derartiger
Tiere, die außerhalb ihres natürlichen Lebensraums in menschlicher Obhut gehalten
werden, und der damit - insbesondere auch im Falle mangelhafter Sachkunde der
Haltungsperson - potenziell verbundenen Gefährdung von Leben, Gesundheit und
Eigentum Dritter. Dies entspricht auch der Ausgestaltung der zivilrechtlichen Tierhalterhaftung als Gefährdungshaftung.
Um die Bevölkerung optimal vor' den von diesen Tieren ausgehenden Gefahren zu
schützen, reicht für das Tätigwerden der zuständigen Behörden als so genannte Gefahrenvorsorge das Vorliegen eines Gefahrenverdachts aus; es muss nicht bereits zu
einer konkreten Gefahr für Leib und Leben von Personen gekommen sein.
In dieser Vorschrift wird zunächst legal definiert, was unter einem gefährlichen Tier
. im Sinne des Gesetzes zu verstehen ist. Hierunter fallen nach der Definition solche
Tiere wildlebender Arten, die für den Menschen eine erhebliche Gefahr darstellen
können. Zugleich wird - entsprechend dem systematischen Aufbau des Gesetzes ausgeführt, dass gefährliche Tiere im Sinne des Gesetzes je nach ihrem artbedingten
Gefährdungspotential nach Maßgabe der nachfolgenden Vorschriften
Diese Vorschrift enthält eine Aufzählung von Formen der Tierhaltung (mit meist gewerblichem Charakter), die vom Anwendungsbereich des Gesetzes ausgenommen
sind. Gleiches gilt für Einrichtungen wie Tierheime oder Auffangstationen sowie Einrichtungen der Wissenschaft oder Forschung r die gefährliche Tiere halten. Sämtlichen Formen der Tierhaltungen in diesem Zusammenhang ist gemeinsam, dass diese einer behördlichen Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz oder aufgrund naturschutzrechtlicher Vorschriften bedürfen. Hierdurch ist sichergestellt, dass diese Tierhaltungen unter behördlicher Kontrolle stehen sowie den Anforderungen an die
Sachkunde im Umgang mit den betroffenen Tieren und grundsätzlich auch den Erfordernissen der Sicherheit gegenüber Dritten in hinreichendem Ausmaß Rechnung
getragen wird. Auf diese Weise wird wesentlichen Zielen des Gefahrtiergesetzes bereits durch bestehende Vorschriften Rechnung getragen. Daher erscheint es gerechtfertigt, diese Tierhaltungen vom Anwendungsbereich des Gesetzes" im Grundsatz
auszunehmen. Wer allerdings als Gewerbetreibender gefährliche Tiere halten will,
ohne dass ein unmittelbarer Zusammenhang der Tierhaltung mit "der ausgeübten gewerblichen Tätigkeit besteht, ist nicht anders zu behandeln als eine Privatperson.
In den Nummern 2 und 3 wird klarstellend darauf hingewiesen, dass von der Ausnahme vom Anwendungsbereich des Gefahrtiergesetzes nicht nur Tierhaltungen mit
Erlaubnis gemäß den nach der Novelle des Tierschutzgesetzes seit dem 14. Juli
2013 geltenden Vorschriften erfasst sind, sondern auch solche, die über eine Erlaubnis nach dem bis zum 13. Juli 2013 geltenden § 11 Absatz 1 Satz 1 Tierschutzgesetz
Außerdem ist mit Rücksicht auf die im Zuge der Novellierung des Tierschutzgesetzes
neugefassten Vorschriften darauf hinzuweisen, dass gemäß § 21 Absatz 5 des Tierschutzgesetzes in der geltenden Fassung bis zum Erlass einer Rechtsverordnung
nach § 11 Absatz 2 oder 6 Satz 2 die Vorschriften des § 11 Absatz 1 Satz 2 und 3,
Absatz 2, 2a, 5 und 6 in der bis zum 13. Juli 2013 geltenden Fassung des Tierschutzgesetzes unter bestimmten Maßgaben weiter anzuwenden sind.
Absatz 3 stellt darüber hinaus klar, dass die allgemeinen Halterpflichten zur Vornahme bestimmter Meldungen und zur sicheren Unterbringung gefährlicher Tiere (§ 4
Absatz 3 sowie § 9 Absatz 1) auch von den im Übrigen vom Anwendungsbereich des
Gesetzes ausgenommenen Personen und Institutionen zu beachten sind. Demzufolge finden diesbezüglich bei Verstößen auch die entsprechenden Vorschriften über
die Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten (§ 17) Anwendung.
Als weitestgehende Beschränkung der allgemeinen Handlungsfreiheit als Bestandteil
des Grundrechts aus Artikel 2 Absatz 1 GG, ggf. auch der Berufsausübungsfreiheit
gemäß Artikel 12 Absatz 1 Satz 2 GG und des Grundrechts auf Eigentum gemäß
Artikel 14 Absatz 1 GG, verbietet § 2 prinzipiell die private und grundsätzlich auch die
gewerbsmäßige Haltung besonders gefährlicher Tiere wildlebender Arten, die eine
erhebliche Bedrohung für die Gesundheit oder das Leben von Menschen darstellen.
Die Vorschrift enthält eine abschließende Liste der dem Verbot unterfallenden Tierarten. Es handelt sich bei diesen Tieren vielfach um Raubtiere, jedenfalls aber um solche Tiere, die aufgrund ihres Körperbaus, insbesondere ihrer Größe, ihrer besonders
ausgeprägten Körperkraft oder ihrer starken bis tödlichen Giftwirkung - zumindest in
ausgewachsenem Zustand - zu einer sehr großen bis tödlichen Gefahr für den Menschen werden können.
1. aus der Ordnung der Herrentiere (Primates) alle Tierarten mit Ausnahme der so
genannten Halbaffen (Koboldmakis, Lemuren, Loriartige und andere), Krallenaffen
(Familie Caliitrichidae), Kapuzinerartige Affen (Familie Cebidae) und Zwergmeerkat.zen (Miopithecus); als besonders gefährlich sind im Einzelnen folgende Affenarten
a) die großen Menschenaffen (Hominidae): Gorilla-Arten (Gattung Gorilla, unter anderen Gorilla gorilla), Orang-Utang-Arten (Gattung Pongo, unter anderem Pongo
pygmaeus), Schimpansen-Arten (Gattung Pan mit Schimpanse (Pan troglodytes) und
Zwergschimpanse oder Bonobo (Pan paniscus)),
c) Pavianartige Affen (Gattungen Papio (Paviane), Mandrillus (unter anderem Mandrill), Theropithecus (Blutbrustpavian), Macaca(Makaken, unter anderem Berberaffe
oder Magot), Cercocebus und Lophocebus Mangaben) sowie
d) andere Arten der Altweltaffen wie z. B. Meerkatzen (Gattung Cercopithecus), Grüne Meerkatzen (Gattung Chlorocebus), der Husarenaffe (Erythrocebus patas),
Languren (Gattungen Trachypithecus, Semnopithecus), Stummelaffen (Gattungen
Colobus, Piliocolobus, Procolobus) und
. e) einige Familien der Neuweltaffen wie Klammerschwanzaffen (Atelidae), Saki-Affen
(Pitheciidae) und Nachtaffen (Aotidae);
die aufgeführten Affenarten und -gattungen zeichnen sich meist durch außerordentlich starke Körperkräfte und kräftige, sCharfe Gebisse aus; außerdem besitzen
diese Affen ein besonders wehrhaftes bzw. effektives Verhalten im Sozialverband;
hinzu kommen bei den großen Menschenaffen Körpergröße und -gewicht, welche die
Maße erwachsener Menschen in der Regel erreichen, häufig sogar übertreffen;
2. alle Großbärenarten (Familie Ursidae); hierunter fallen im Einzelnen der Eurasische Braunbär (Ursus arctos), Grizzlybär bzw. amerikanischer Braunbär (Ursus arc- .
tos horribilis), Kodiakbär (Ursus arctos middendorffi), Kamtschatkabär (Ursus arctos
beringianus), Eisbär (UrsusfThalarctos maritimus), Schwarzbär oder Baribal (Ursusl
Eurarctus americanus), Kragenbär (Ursus thibetanus), Malaienbär (Helarctor malayanus), Brillenbär (Tremarctos ornatus) und der. Lippenbär (Melursus ursinus) sowie Pandabär (Ailuropoda melanoleuca); alle Großbären verfügen neben Körpergröße und -gewicht, welche die Maße erwachsener Menschen meist übertreffen, über
ein kräftiges Gebiss und sehr starke Pranken mit langen Krallen; außerdem zeigen
Großbären in aller Regel ein aggressives Verhalten gegenüber dem Menschen;
3. aus der Familie Echte Katzen (Felidae) alle Großkatzenarten der Gattung Panthera sowie \Ion den Kleinkatzen Puma (Profelis concolor) und Gepard'(Acinonyx
jubatus); die Großkatzenarten der Gattung Panthera sind Löwe (Panthera leo), Jaguar (Panthera onca), Leopard oder Panther (Panthera pardus), Tiger (Panthera
tigris) sowie Schneeleopard (Panthera uncia); Großkatzen verfügen neben Körpergröße und -gewicht, welche die Maße erwachsener Menschen in der Regel erreichen, oftmals aber auch übertreffen, über ein scharfes, kräftiges Gebiss und sehr
starke Pranken mit scharfen Krallen; bei den Löwen ist zudem ein besonders wehrhaftes bzw. effektives Verhalten im Sozialverband zu beobachten; der Puma verfügt,
obwohl er den Kleinkatzen zugerechnet wird, über Körperbau, -maße und -kräfte, die
den Großkatzen vergleichbar sind; auch der Gepard ist mit Körpergröße und Gewicht
bis zu 60 kg und seiner Jagdgeschwindigkeit bis zu 90 km/h eine der "großen" Kleinkatzen, dessen Angriffe und Bisse Menschen erheblich verletzen könnefl;
4. alle Elefantenarten (Familie Elephantidae); sowohl afrikanische Elefanten (Gattung
Loxodonta, unter anderem der afrikanische Elefant Loxodonta africana) als auch der
etwas kleinere asiatische Elefant (Elephas maxi mus) verfügen über enorme Körpermaße (2,50 m bis 4 m Höhe und 5 t bis 7,5 t Gewicht) und eine ausgeprägte Körperkraft; überwiegend tragen sie zudem lange Stoßzähne und können - insbesondere
männliche Tiere- sehr aggressiv sein;
5. alle Nashornarten (Familie Rhinocerotidae); hierzu zählen im Einzelnen Sumatranashorn (Dicerorhinus sumatrensis), asiatisches Panzernashorn (Rhinoceros unicornis), Javanashorn (Rhinoceros sondaicus), Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum)
und Spitzmaulnashorn oder schwarzes Nashorn (Diceros bicornis); Nashörner sind
nach den Elefanten die größten Landsäugetiere mit einer Schulterhöhe von bis zu 2
m und einem Gewicht bis zu 3 t; auch Nashörner verfügen über eine besonders ausgeprägte Körper- und Beißkraft;
6. alle Flusspferdearten (Familie Hippopotamidae); hierzu zählen das Flusspferd
(Hippopotamus amphibius), das bis zu 4,50 m lang, 1,60 m hoch und bis zu 3 200 kg
. schwer werden kann, und das deutlich kleinere Zwergflusspferd (Choeropsis liberiensis), das bei einer Länge von ca. 1,50 m und Höhe von ca. 85 cm ein Gewicht von
250 kg erreicht; während das Flusspferd eine hohe Aggressivität besitzt und als das
Wildtier gilt, das die meisten Todesfälle bei Menschen verursacht, verfügt auch das
friedlichere Zwergflusspferd über eine besonders ausgeprägte Körperkraft und Beißkraft, die eine Einstufung als sehr gefährliche Tierart rechtfertigt;
7. aus der Familie Hunde (Canidae) der Wolf einschließlich Dingo (Canis lupus) - mit
Ausnahme der Unterart Haushund (Canis lupus familiaris) -, der Afrikanische Wild- .
hund (Lycaon pictus) und der Rothund oder Asiatische Wildhund (Cuon alpinus) einschließlich Kreuzungen mit dem Haushund bis einschließlich der vierten Tochtergeneration; mit Schulterhöhen von 45 cm beim Rothund und über 60 cm beim Wolf und
Afrikanischen Wildhund gehören diese Tiere zu den großen Wildhunden; gemeinsam
ist ihnen, dass es im Rudel jagende ausdauernde Hetzjäger sind und ein besonders
wehrhaftes bzw. effektives Verhalten im Sozialverband zeigen; die Tiere verfügen
über eine besonders starke Beißkraft;
8. alle Hyänenarten (Familie Hyaenidae); dies sind die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta), die Streifenhyäne (Hyaena hyaena) und die Schabrackenhyäne (Hyaena brunnea); Hyänen können eine Schulterhöhe bis zu 90 cm erreichen und ein Gewicht
zwischen·30 und 80 kg; sie verfügenüber eine besonders ausgeprägte Körper- und
Beißkraft;
9. der Komodowaran (Varanus komodoensis); hierbei handelt es sich um den größten und schwersten Waran (Körperlänge ca. 3 m, Gewicht bis zu 160 kg); neben
ausgeprägter Körper- und Beißkraft besitzt der Komodowaran giftigen Speichel, der
zudem tödlich wirkende Bakterien enthält;
10. alle Panzerechsenarten (Ordnung Crocodilia); dies sind alle Arten der Echten
Krokodile (Gattungen Crocodylus, Mecistops, Osteolaemus und Tomistoma), Gaviale
(Gattung Gavialis) und Alligatoren (Gattung Alligator (Echte Alligatoren), Gattung
Caiman (Echte Kaimane) Gattung Melanosuchus (Mohrenkaimane) und Palaeosuchus (Glattstirnkaimane)); hierzu zähle.n zum einen die eigentlichen Krokodile
(Crocodylidae), unter anderem mit Nilkrokodil (Crocodylus niloticus), Spitzkrokodil
(Crocodylus acutus), Orinoko-Krokodil (Crocodylus intermedius), Leistenkrokodil
(Crocodylus porosus), Stumpfkrokodil (Osteolaemus tetraspis), Panzerkrokodil (Mecistops cataphractus) und Sunda-Gavial (Tomistoma schlegelii) sowie zum anderen
die echten Gaviale (Gavialidae) mit der Art Ganges-Gavial (Gavialis gangeticus), die
Echten Alligatoren mit den Arten fVlississippi-Alligator (Alligator mississippiensis) und
China-Alligator (Alligator sinensis) sowie die Kaimane wie Krokodilkainian (Caiman
crocodilus), Breitschnauzenkaiman (Caiman latirostris) und Brillenkaiman (Caiman
yacare oder Caiman crocodilus yacara) einschließlich des Keilkopf-Glattstirnkaimans
(Paleosuchus trigonatus), des Brauen-Glattstirnkaimans (Paleosuchus palpebrosus)
und des Mohrenkaimans (Melanosuchus niger); all diesen Arten und Gattungen ist
gemeinsam, dass sie über sehr große Körper- und Beißkräfte verfügen; außer mit
ihrem sehr scharfen Gebiss können diese Tiere häufig auch durch Schlagen mit dem
jeweils mit Panzerschuppen ausgestatteten Kopf oder Schwanz dem Menschen erhebliche Verletzungen zufügen;
11. alle Krustenechsenarten (Gattung Heloderma); hierzu zählen die Arten GilaKrustenechse (Heloderma suspectum) und Skorpionskrustenechse (Heloderma horridum); sie sind die einzigen stark giftigen Echsen; sie gelten zwar nicht als aggressiv, verbeißen sich jedoch in ihre Opfer und sondern mit jedem Biss Gift ab, was
starke lokale Schmerzen hervorruft und einen schockartigen Blutdruckabfall verursacht; die Bisswunde kann sich entzünden;
12. alle sehr groß werdenden Riesenschlangen (Familien Boidae und Pythonidae)
mit einer erreichbaren Körperlänge über 3 m; hierzu gehören beispielsweise alle
Anakondas, unter anderem die Große Anakonda (Eunectes murinus) und die Gelbe
Anakonda (Eunectes notaeus), sowie PythQnarten wie Dunkler Tigerpytho.n (Python
molurus molurus oder Python molurus), Heller Tigerpython (Python .molurus bivittatus
oder Python bivittatus), Nördlicher Felsenpython (Python sebae), Südlicher Felsenpython (Python natalensis), Netzpython (Broghammerus oder Malayopython reticulatus,
'früher Python reticularis), Neuguinea:-Amethystpython (Morelia amethistina), Australien-Amethystpython (Morelia kinghorni), Oenpellipython (Morelia oder Simalia oenpelliensis), Papua-(Wasser-)python (Apodora oder Liasis papuana), Olivpython (Li22
asis olivaceus); diesen Riesenschlangen ist gemeinsam, dass sie oft vor der Würgeumschlingung einen mit Wucht geführten Biss anbringen, der Stichwunden und Blutergüsse hervorruft; Tiere dieser groß werdenden Arten können jedoch vor allem wegen ihrer enormen Würgekraft auch dem körperlich unterlegenen Menschen stark bis
todbringend gefährlich werden; Tiere einiger Arten gelten als aggressiv, z. B. der
Netzpython, der Felspython oder die Große Anakonda;
13. alle Giftschlangenarten im engeren Sinne (Familien Viperidae, Atractaspididae
und Elapidae) sowie aus der Familie der Nattern (Colubridae) alle Arten der Gattungen Peitschennattern (Ahaetulla), Nachtbaumnattern (Boiga), Sandrennnattern
(Psammophis), Boomslang (Dispholidus), Baumnattern (Thelotornis) und die Tigernatter (Rhabdophis tigrinus); die Nomenklatur und die zoologische Ordnung der
Schlangen unterliegen immer wieder Anpassungen; neue Unterarten und Arten können entdeckt werden oder durch Kreuzungen entstehen, so dass eine vollständige
und abschließende Auflistung nicht möglich ist; zu den "echten" Giftschlangen oder
Giftschlangen im engeren Sinne zählen in der Familie der Viperidae die Unterfamilien
Echte Vipern oder Ottern (Viperinae), das sind eurasische und afrikanische verbreitete Arten wie z. B. die heimische Kreuzotter oder die Puffotter, die Grubenottern (Crotalinae), die amerikanischen Lanzenottern und Klapperschlangen und die urtümlichen Vipern (Azemiopinae) mit einer Art; die Familie der Erdvipern (Atractaspididae)
galt früher als Unterfamilie der Vipern; zu den Giftnattern (Elapidae) gehören die Unterfamilie der Echten Giftnattern, zu denen die Arten und Gattungen der Mambas und
Kobras zählen, sowie die Unterfamilie der Seeschlangen (Hydrophiinae); die einzeln
aufgezählten Gattungen und die Tigernatter zählen zu den Nattern (Familie Colubridae), meistenteils für den Menschen ungiftigen Schlangen; diese Arten jedoch
verfügen wie die echten Giftschlangen über sehr potente, für den Menschen gefährliche Gifte, die je nach Giftzusammensetzung schwere Schädigungen der Körpersysteme des Menschen bis hin zum Tod verursachen können; enzymatische Giftwirkungen mit Gewebszersetzungen oder Nervengifte mit Wirkungen auf das Nervensystem
bis hin zu Lähmungen treten auf; Schädigungen der Blutgerinnung, der Muskulatur
und Herz- und Kreislaufbeschwerden können weitere Folgen sein;
14.' aus der Ordnung der Skorpione (Scorpiones) alle Arten der Gattungen Androctonus, Buthacus, Buthus, Centruroides, Hottentotta (= Butho'tus), Leiurus, Mauritanobuthus, Mesobuthus, Parabuthus, Tityus, Bothriurus, Hemiscorpius und Nebo;
die genannten Skorpionarten zeichnen sich durch ihre besondere Giftigkeit aus, die
für den Menschen lebensgefährlich sein kann;
15. aus der Ordnung der Webspinnen (Araneae) die Arten der Gattungen Atrax,
Hadronyche und IIlawara (Trichternetzspinnen), Latrodectus (Schwarze Witwen),
Loxosceles (Speispinnen), Sicarius (Sechsaugenkrabbenspinnen), Phoneutria (Bananenspinnen) und aus der Familie der Echten Vogelspinnen (Theraphosidae) die
Arten der Gattung Poecilotheria (Indische Ornamentvogelspinnen); die genannten
Spinnenarten zeichnen sich durch ihre besondere Giftigkeit aus, die für den Menschen lebensgefährlich sein kann.
Die vorstehende Aufzählung von Arten umfasst auch die Unterarten und die Kreuzungen (Hybridformen) mit anderen Unterarten und Arten bis zu vier Generationen
Tiere der aufgelisteten Arten - insbesondere die Säugetiere - sind in menschlicher
Obhut in der Regel nur mit einem außergewöhnlich hohen Personal-, Organisations,und Kostenaufwand, insbesondere mit Blick auf Sicherheitserfordernisse, zu halten.
Besonders hohe Anforderungen sind hier häufig auch an die Art- und Tiergerechtigkeitin Bezug auf die Unterbringung solcher Tiere zu stellen. Ein derartiger Aufwand
wird für Privathaushalte, vor allem in Siedlungsgebieten, in aller Regel praktisch
nicht' umsetzbar sein, so dass es gerechtfertigt ist, die private Haltung dieser Tiere
vollständig zu unterbinden. Die Gründe, die für das Verbot einer privaten Haltung
anzuführen sind, gelten im Grundsatz aber auch für die gewerbliche Haltung. Wer
gegen das Haltungsverbot verstößt, begeht eine Straftat nach § 16 Absatz 1 Nummer
1. Mit Rücksicht auf vielfach bereits'langjährig bestehende Haltungen vor allem gefährlicher Reptilien, die häufig mit hohem wissenschaftlichem Anspruch praktiziert
werden, soll für die in den Nummern 11 bis 15 aufgeführten Tierarten eine eng geo:fasste Ausnahme vom Haltungsverbot zugelassen werden (Näheres nachfolgend zu
Personen, die ein der Regelung des § 2 unterfallendes Tier bereits im Zeitpunkt des
Inkrafttretens des Gesetzes halten, sollen im Wege einer Übergangsregelung gemäß
- § 18 entgegen dem grundsätzlichen Haltungsverbot dieses Tier nach entsprechender
Anzeige bis zu dessen Tod weiterhin halten dürfen. Die Anschaffung weiterer Tiere
der betroffenen Arten ist jedoch verboten, ebenso die Nachzucht oder Vermehrung
des vorhandenen Bestandes.
Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit soll für die in § 2 Nummer 11 bis 15 aufgeführten Tierarten eine eng gefasste Ausnahme vom Haltungsverbot zugelassen werden.
Die Regelungen des § 2 Nummer 11 bis 15 und § 3 sind somit als ein präventives
Verbot mit Erlaubnisvorbehalt zu verstehen. Hierdurch werden die zuständigen ,Behörden in die Lage versetzt, dem durch das Gesetz bezweckten Schutz des Lebens
und der Gesundheit von Menschen gegenüber gefährlichen Tieren effektiv nachzukommen. Durch die mit der Erlaubnisp~icht verbundene Überwachung der gefährlichen Tiere sollen die Behörden in die Lage versetzt werden, erforderlichenfalls ohne
Zeitverzug einzugreifen, um bestehende oder drohende Gefahren für die öffentliche
Sicherheit abwehren z,u können.
Unter dem Begriff der Halterin oder des Halters ist jede Person zu verstehen, die
nicht nur vorübergehend die tatsächliche 6estimmungsmacht über das Tier im eigenen Interesse ausübt. Die Haltereigenschaft bestimmt sich nach tatsächlichen und
wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wobei die Eigentumsverhältnisse Anhaltspunkte
bieten, aber nicht ausschließlich entscheidend sind. Indizien für die Haltereigenschaft
sind insbesondere das Tragen der Kosten für die Versorgung des Tieres, die Bestimmungsmacht über den Aufenthalt und den Umgang des Tieres, insbesondere
auch die Unterbringung des Tieres. Bei gemeinsamer Ausübung der Bestimmungsmacht über das Tier können auch mehrere Personen Halter sein. Die Haltereigenschaft erfüllt nicht, wer ein Tier nur für einen kurzen Zeitraum von bis zu sechs Wochen in Pflege oder'Verwahrung nimmt.
Die Erlaubnis ist nur'zu erteilen, wenn die Halterin oder der Halter eines gefährlichen
Tieres die in § 5 Absatz 1 Nummer 1 bis 8 aufgelisteten Bedingungen erfüllt, die eine
sichere und sachkundige Tierhaltung sicherstellen sollen. Zusätzlich verlangt der Gesetzgeber ein öffentliches Interesse an der Tierhaltung. Ein öffentliches Interesse an
der Haltung ist anzunehmen, wenn nachweislich die Haltung mit wissenschaftlichem
Hintergrund und in Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen erfolgt. In Einzelfällen kann ein öffentliches Interesse auch aus anderen Gründen vorliegen.
Die dem Absatz 1 folgenden Absätze regeln die Umstände der Erlaubniserteilung.
Absatz 2 Satz 1 geht zunächst von dem Grundsatz aus, dass eine Haltungserlaubnis
auf bestimmte einzelne Tiere ausgerichtet ist, nimmt aber auch Rücksicht auf den
Umstand, dass gerade im Bereich der Haltung von Terrarientieren häufig eine Tier- .
zahl im zweistelligen oder sogar dreisteIligen Bereich vorliegt. In diesen Fällen ist es
praktikabel, die Erlaubnis auf die Haltung bestimmter Tierarten zu erstrecken. Satz 2
stellt klar, dass im Falle der Neuanschaffung eines gefährlichen Tieres mit der Haltung erst begonnen werden darf, wenn die Haltungserlaubnis vorliegt.
Nach Absatz 3 kann die Erlaubnisbehörde nach pflichtgemäßem Ermessen die Erlaubnis - auch nachträglich - mit Nebenbestimmungen versehen.
Die Befristung ermöglicht es der zuständigen Behörde, das Vorliegen der Erlaubnisvoraussetzungen in gewissen Abständen neu zu überprüfen. Die Dauer der Befristung soll in Abhängigkeit von absehbaren oder zu erwartenden, die Erlaubnisvoraussetzungen berührenden Änderungen in den Haltungsbedingungen festgelegt
werden. Bei Tierhaltungen, die derartige Veränderungen nicht erwarten lassen, sollte
auf eine Befristung verzichtet werden.
Durch den ausdrücklichen Widerrufsvorbehalt soll sichergestellt werden, dass ein
Widerruf der Erlaubnis erforderlichenfalls verwaltungsrechtlich einfacher und schneller erfolgen kann. Widerrufsgründe sind beispielsweise der nachträgliche Wegfall
einer der Erlaubnisvoraussetzungen des Absatzes 1 oder die Nichterfüllung oder
Nichteinhaltung von Nebenbestimmungen zur Erlaubnis.
Die Behörde hat in Fällen der Haltung einer großen Zahl von Tieren (siehe Absatz 2)
die Möglichkeit, in der Erlaubnis im We.ge des Erlasses von Nebenbestimmungen die
Zahl der gehaltenen Tiere zu beschränken.
Absatz 4 bestimmt, dass die durch die örtlich zuständige Erlaubnisbehörde erteilte
Erlaubnis im gesamten Gebiet des Landes Nordrhein-Westfalen gilt.
Zu§4:
Zu Abs~ttz 1 :
Nach .Satz 1 dieser Vorschrift bedarf die Haltung eines gefährlichen Tieres, das nicht
dem Haltungsverbot des § 2 unterliegt, der Anzeige bei der zuständigen Behörde
innerhalb von zwei Wochen nach Anschaffung des Tieres. Nach § 14 Satz 1 wird das
für Tierschutz und Artenschutz zuständige Ministerium ermächtigt, auf dem Verord:-
nungswege die Tierarten zu bestimmen, die - unbeschadet des § 2 - als gefährlich
im Sinne der Legaldefinition des § 1 Absatz 2 gelten.
Satz 2 geht zunächst von dem Grundsatz aus, dass sich die Anzeige auf bestimmte
einzelne Tiere bezieht, nimmt aber - wie die entsprechende Regelung in § 3 Absatz
2 - auch Rücksicht auf den Umstand, dass gerade im Bereich der Haltung von Terrarientieren häufig eine Tierzahl im zweistelligen oder sogar dreisteIligen Bereich vorliegt. In diesen Fällen ist es praktikabel, die Anzeige auf bestimmte Tierarten zu erstrecken.
Gemäß Satz 3 sind der Anzeige Nachweise über die wichtigsten Haiturigsvoraussetzungen beizufügen. Dies sind gemäß § 5 Absatz 1 Nummer 1, 3 und 4 Volljährigkeit,
Sachkunde, Zuverlässigkeit und ein Versicherungsschutz. Satz 4 verweist diesbezüglich auf die nach § 14 zu erlassende Durchführungsverordnung. Soweit die zuständige Behörde hierfür ein Erfordernis sieht, kann sie gemäß Satz 5 auch einen
Nachweis darüber verlangen, dass die der Tierhaltung dienenden Räumlichkeiten,
Einrichtungen oder Freianlagen den Anforderungen des § 9 Absatz 2 Satz 1 entsprechen. Diese Anforderungen ermöglichen es den zuständigen Behörden, dem durch
das Gesetz bezweckten Schutz des Lebens und der Gesundheit von Menschen gegenüber gefährlichen Tieren effektiv nachkommen zu können. Die Behörden sollen in
die Lage versetzt werden, erforderlichenfalls ohne Zeitverzug einzugreifen, um bestehende' oder drohende Gefahren für die öffentliche Sicherheit abwehren zu können.
Soweit die zuständige Behörde die entsprechenden technischen Voraussetzungen
geschaffen hat, kann die Anzeige gemäß Satz 6 auch auf elektronischem Wege erfolgen. Auf diese Weise wird der Verwaltungsaufwand für die Erfassung und Bearbei- '
tung der Daten reduziert.
Diese Vorschrift begründet die Pflicht der Haltungsperson, einen Wechsel des Haltungsortes ebenso wie einen Halterwechsel der für den bisherigen und der für den
neuen Haltungsort zuständigen Behörde innerhalb von zwei Wochen anzuzeigen.
Die Anzeigepflicht besteht auch bei einem Ortswechsel, der die Zuständigkeit einer
neuen Behörde nicht begründet. Durch die Anzeigepflicht soll gewährleistet werden,
dass die jeweils zuständigen Behörden zu jedem Zeitpunkt über den Verbleib des
gefährlichen Tieres unterrichtet sind. Sie werden so in die Lage versetzt, das Gefahrenpotential jeweils aktuell, auch durch Ermittlung früherer Vorkommnisse, einzuschätzen und ggf. erforderliche Maßnahmen ohne Zeitverzug zu treffen.
Wem ein gefährliches Tier abhandenkommt, hat die nach § 11 zuständige Behörde
zu benachrichtigen. '
Die Verpflichtung zur unverzüglichen Mitteilung des Abhandenkommens des gefährlichen Tieres dient vornehmlich dem Schutz der Bevölkerung, indem die zuständige
Behörde erforderliche Maßnahmen zur Ergreifung des gefährlichen Tieres - gegebenenfalls auch durch Amtshilfe (Polizei, Feuerwehr) - veranlassen und fördern kann.
Ebenso werden eine Identifizierung des Tieres und seine Zuordnung zu einer Haltungsperson bei seiner Sichtung und/oder Ergreifung erleichtert.
Zu§ 5:
Diese Vorschrift bestimmt die Voraussetzungen, die für die Haltung gefährlicher Tiere
im Sinne von § 2 Nummer 11 bis 15 erfüllt sein müssen. Für die Haltung der Tiere,
die in diese .Kategorie fallen, wird, wie bereits ausgeführt, als Ausnahme zu dem
grundsätzlichen Haltungsverbot eine Erlaubnispflicht begründet.
Die Haltungsperson muss volljährig sowie körperlich und geistig fähig sein, mit dem
Tier verantwortungsvoll umzugehen (Nummern 1 und 2). Die körperliche Befähigung
zur Haltung eines gefährlichen Tieres ist bei Personen mit körperli,cher Einschränkung auch dann gegeben, wenn die Beherrschung und Kontrolle des Tieres mit
technischen Hilfsmitteln gewährleistet ist.
,Zudem muss die Person die zur Haltung eines gefährlichen Tieres erforderliche
Sachkunde und Zuverlässigkeit besitzen (Nummer 3), deren Voraussetzungen im
Einzelnen in den §§ 6 und 7 geregelt sind. In Bezug auf die Zuverlässigkeit regelt § 7
Absatz 2 in den Nummern 1 und 4, dass Personen, die alkohol-, arzneimittel- oder
drogenabhängig sind oder die aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer geistigen oder seelischen Behinderung unter Betreuung nach § 1896 des Bürgerlichen
Gesetzbuchs stehen, in der Regel nicht als zuverlässig zur Haltung eines gefährlichen Tieres anzusehen sind.
Darüber hinaus ist eine Haftpflichtversicherung zur Deckung der durch das Tier bewirkten Personen-, Sachschäden und sonstigen Schäden nachzuweisen (Nummer
Im Interesse der Gefahrenabwehr verlangt Nummer 5 die Sicherstellung und den
Nachweis einer ausbruchsicheren sowie art- und verhaltensgerechten Unterbringung
des gefährlichen Tieres (§ 9 Absatz 2 Satz 1). Zum einen ist eine Sicherung der
Zwinger, Käfige oder sonstigen Vorrichtungen zur Unterbringung gehaltener Tiere
-erforderlich, um ein Entweichen und eine damit einhergehende Gefährdung von Personen auszuschließen. Zum anderen ist eine tiergerechte Unterbringung auch im
Interesse der Gefahrenabwehr, denn ein nicht art- und verhaltensgerechter Lebensraum und insbesondere beengte Verhältnisse können beim untergebrachten Tier zu
Aggressionen führen und so dessen Gefährlichkeit erhöhen. Außerdem ist zur Vermeidung von Gefahren durch abschließbare Vorrichtungen o. ä. sicherzustellen, dass
unbefugte Personen sich keinen Zugang zu dem gefährlichen Tier verschaffen können. 'Nähere Vorschriften über die jeweiligen baulichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine ausbruchsichere, art- und verhaltensgerechte Unterbringung
werden durchordnungsbeh~rdliche Verordnung (s.§ 14 Satz 2 Nummer 4) geregelt.
Nummer 6 verlangt aus Vorsorgegründen, für den Fall von Krankheit, urlaubsbedingter oder sonstiger längerer, insbesondere unvorhergesehener- Abwesenheiten der
Halterungsperson mindestens eine sachkundige und zuverlässige Person zu benennen, die die Betreuung und Versorgung des Tieres gewährleisten kann. Dies ist erforderlich, da zur Handhabung gefährlicher Tiere eine Betreuungsperson dieselben
persönJichen und fachlichen Voraussetzungen besitzen muss wie die Haltungsperson.
Im Hinblick auf Notfälle bzw. Unfälle sehen die Nummern 7 und 8 vor, dass am Ort
der Haltung ein Notfallplan existieren muss sowie im Falle der Haltung eines giftigen
'Tieres die kurzfristige Verfügbarkeit von geeigneten Gegenmitteln und Behandlungsempfehlungen nachzuweisen ist. Auf diese Weise soll Einsatzkräften ein schnelles
und effektives Eingreifen ermöglicht werden; aber auch sonstige Personen werden
durch diese Vorsorgemaßnahmen in die Lage versetzt, im Notfall etwa lebenserhaltende Maßnahmen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte vorzunehmen.
Mit dieser Vorschrift werden den Haltungspersonen von Tieren, die in § 4 Absatz 1
Satz 1 aufgeführt und somit nicht einem Haltungsverbot unterliegen, erleichterte Haltungsbedingungen zugestanden. In Bezug auf diese Tiere sind lediglich die Voraussetzungen nach Absatz 1 Nummer 1 bis 4 zu erfüllen.
Diese Vorschrift definiert im Grundsatz die erforderliche Sachkunde, die für die Haltung eines gefährlichen Tieres (§ 5 Absatz 1 Nummer 3) sowie bei Betreuungspersonen (§ 5 Absatz 1 Nummer 6) und Aufsichtspersonen (§ 9 Absatz 4 Satz 1) zwingend
notwendig ist. Der gemäß Absatz 2 gegenüber der zuständigen Behörde zu erbringende Sachkundenachweis trägt der grundsätzlichen Erkenntnis Rechnung, dass
Tiere jedweder Arten durch unsachgemäßen Umgang des Menschen verhaltensgestört, sozial unverträglich und unkontrollierbar werden und damit ein deutlich höheres
G~fahrenpotential entwickeln können als sachkundig aufgezogene und ggf. ausgebildete Tiere. In besonderem Maße gilt dies für Tiere wildlebender Arten, die nicht in
Deutschland oder zumindest in Europa heimisch ,sind und sich im Grunde kaum domestizieren lassen. Für den Umgang mit solchen Tieren ist es wichtig, die notwendige Sachkunde zu besitzen, um deren Gefahrenpotential überhaupt erkennen und
beherrschen zu können. Insofern ist die Aneignung der erforderlichen Sachkunde
durch Haltungs-, Betreuungs- und Aufsichtspersonen unabdingbare Voraussetzung,
um mit einem entsprechenden gefährlichen Tier umgehen zukönnen. Durch die
Sachkundeanforderung sollen die verpflichteten Personen in die Lage versetzt werden, Kenntnisse und Fähigkeiten zur Haltung und zum Umgang mit gefährlichen Tieren zu erwerben und in einer Prüfung unter Beweis zu stellen, dass sie in der Praxis
auf gefahrenträchtige Situationen mit dem Tier so reagieren können, dass Gefahren
für Dritte möglichst vermieden werden.
Gemäß Satz 1 dieser Vorschrift ist der Sachkundenachweis grundsätzlich durch Vorlage einer Bescheinigung über die Teilnahme an einem Lehrgang, verbunden mit der
Ablegung einer Sachkundeprüfung bei einer anerkannten Stelle, zu erbringen.
Detaillierte Bestimmungen über die Anforderungen an die Sachkunde, bezogen auf
die jeweils gehaltene Tierart und deren spezifische Gefährlichkeit, sowie über die
Anerkennung der Stellen, bei denen eine Sachkundeprüfung abgelegt werden kann,
werden durch ordnungsbehördliche Verordnung (s. § 14 Satz 2 Nummer 2 und 3)
Da der Sachkundenachweis dazu dienen soll sicherzustellen, dass die Haltungsperson gerade mit dem bzw. den von ihr gehaltenen gefährlichen Tier( en) sachgemäß
umgehen kann, muss gemäß Satz 2 die Bescheinigung die Tierart(en) aufführen, für
die der Nachweis der Sachkunde als erbracht gilt. Dies dürfte jeweils nur für solche
Tiere bzw. Tierarten gelten, deren Gefährdungspotential vergleichbar ist. So sollte
ein Sachkundenachweis über giftige Schlangen für alle giftigen Schlangenarten gültig
sein, nicht jedoch für solche Arten, deren Gefährlichkeit auf ihrer Körperkraft beruht
(z. B. Würgeschlangen). In der Vollzugspraxis dürfte es sich empfehlen, die von einem Sachkundenachweis umfassten Tierarten entsprechend der Gruppeneinteilung
der Nummerierung in § 2 des Gesetzes bzw. § 1 der Durchführungsverordnung zu
Anstelle der in Absatz 2 geregelten Voraussetzung eines Lehrgangs mit Prüfung
kann der Sachkundenachweis auch gemäß Satz 1 Nummer 1 durch eine amtliche
Bescheinigung eines anderen Landes oder gemäß Nummer 2 durch Nachweise über
Ausbildungen und beruflich oder privat erlangte Qualifikationen im Zusammenhang
mit der Haltung von gefährlichen Tieren erbracht werden. Es ist davon auszugehen,
dass bei Personen, die auf Grund ihrer Ausbildung oder umfassender beruflicher oder privater Erfahrung hinreichende Fachkenntnisse in Bezug auf gefährliche Tiere
und den Umgang mit diesen besitzen, keine Notwendigkeit für Lehrgänge oder Prüfungen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 besteht. In diesem Zusammenhang kommen
insbesondere berufliche Ausbildungen bzw. Qualifikationen als Fachtierarzt mit entsprechender Fachgebietsbezeichnung (z. B. Fachtierarzt für Zoo-, Gehege- und
Wildtiere), Tierarzt mit einer entsprechenden Zusatzbezeichnung oder nachgewiesener einschlägiger Berufserfahrung, ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Biologie, verbunden mit praktischer' Erfahrung, oder der Beruf des Zootierpflegemeisters
in Betracht. Ungeachtet dessen hat die zuständige Behörde in jedem Einzelfall zu
entscheiden, ob die vorgelegten Nachweise nach Satz 1 Nummer 1 oder 2 - bezogen auf die jeweils zur Haltung angezeigte Tierart - den im Gesetz und aufgrund des
Gesetzes gestellten Anforderungen im Wesentlichen entsprechen. Dies wird durch
Satz 2 klargestellt.
Die Zuverlässigkeit ergänzt als Anforderung an die allgemeinen persönlichen Eigenschaften der Haltungsperson die durch den Sachkundenachweis erbrachten persönlichen Fähigkeiten. Die Entscheidung für die Zuverlässigkeit der Haltungsperson ist
durch die zuständige Behörde in eigener Verantwortung zu treffen. Die in den Absätzen 1 und 2 genannten Fälle sind nicht abschließend, so dass weitere Persönlichkeitsmerkmale zur Beurteilung sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht herangezogen werden können.
Eine Unzuverlässigkeit der Haltungsperson liegt regelmäßig bei einem der in Absatz
1 durch Tatsachen festgestellten oder nachgewiesenen Fälle vor. Die aufgeführten
Fallbeispiele gelten als grundsätzlich geeignet, die Unzuverlässigkeit zu begründen,
was jedoch, wie die Worte "in der Regel" vorgeben, eine individuelle Betrachtung der ,
Person nicht entbehrlich macht. Die Beurteilung kann daher im Ausnahmefall auch
Die Erfüllung der Regelbeispiele des Satzes 1 Nummer 1 bis 3 aus dem Bereich der
strafbaren Handlungen berechtigt grundsätzlich zur Annahme, dass der Haltungsperson die Zuverlässigkeit zum Halten eines gefährlichen Tieres fehlt. Dabei setzt Satz 1
Nummer 1 nicht voraus, dass die Straftat auch unter Verwendung eines gefährlichen
Tieres ausgeführt wurde. Allein die vorsätzliche Begehung der genannten Straftaten
weckt aus prognostischer Sicht Zweifel an dem Verantwortungsbewusstsein der oder
des Betroffenen, dem mit der Haltung eines gefährlichen Tieres verbundenen Risiko
gerecht zu werden. Wer durch rechtskräftige Verurteilungen wegen einschlägiger
Straftat~n unter Beweis gestellt hat, die Rechtsordnung oder wesentliche Rechtsgüter anderer nicht zu respektieren, soll ein gefährliches< Tier nicht halten dürfen.
Die Aufzählung der in Satz 1 Nummer 1 bis 3 genannten Tatbestände ist nicht abschließend. Liegen rechtskräftige Verurteilungen wegen Straftaten mit vergleichbarer
Schwere vor, kann auch dies zu einem Fehlen der erforderlichen Zuverlässigkeit führen.
Die' erforderliche Zuverlässigkeit liegt in der Regel auch in den in den Nummern 1 bis
4 genannten Fällen nicht vor. Die Nummern 1 und 4 benennen Umstände, in denen
bestehende Gesundheitsstörungen einen negativen Effekt auf den Umgang mit dem
Tier bewirken können.
In der Regel besitzt die notwendige Zuverlässigkeit nach Nummer 2 nicht, wer keinen
Bei wiederholtem oder bei einem gröblichen Verstoß gegen Bestimmungen der in
Nummer 3 aufgeführten Gesetze ist in der Regel ebenfalls von der Unzuverlässigkeit
der Halterin oder des Halters auszugehen. Dies gilt insbesondere auch für Verstöße
gegen die Halter- und Anzeigepflichten des Gesetzes.
Dieser Absatz regelt, wie von Personen, die ein gefährliches Tier halten wollen, der
Nachweis der Zuverlässigkeit gegenüber der zuständigen Behörde zu erbringen ist.
Hiernach hat die Haltungsperson zum Nachweis der Zuverlässigkeit bei der zuständigen Meldebehörde ein Füh,rungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde nach § 30
Absatz 5 Satz 1 des Bundeszentralregistergesetzes zu beantragen.
Bei Unklarheiten über Gesundheitsstörungen der in Absatz 2 Nummer 1 genannten
Art kann die Behörde der Person auf deren Kosten die Vorlage eines fachärztlichen
oder fachpsychologischen Gutachtens aufgeben. Voraussetzung< hierfür ist eine auf
Tatsachen gestützte Vermutung, dass eine der genannten Gesundheitsstörungen
vorliegt. Die Aufforderung, ein solches Gutachten vorzulegen, muss durch die Behörde begründet werden.
Durch die Pflicht zum Abschluss der Haftpflichtversicherung als Voraussetzung für
die Haltung gefährlicher Tiere (§ 5 Absatz 1 Nummer 4) soll potentiellen Haltungspersonen das mit der Haltung eines gefährlichen Tieres verbundene Risiko verdeutlicht werden. Zugleich bezweckt die Regelung die Förderun"g eines verantwortungsbewussten Umgangs mit dem Tier.
Insoweit dient die Versicherungspflicht der Gefahrenvorsorge und wird auch von der
Gesetzgebungszuständigkeit des Landes nach Artikel 70 Absatz 1 GG umfasst. Daneben soll die Haftpflichtversicherung gewährleisten, dass Opfer von Vorfällen mit
gefährlichen Tieren, insbesondere bei Mittellosigkeit der Haltungsperson, einen finanziellen Ausgleich erhalten. Entsprechend diesem Zweck sieht das Gesetz eine
VerSicherungssumme für Personenschäden in Höhe yon mindestens 500 000 Euro
und für sonstige Schäden in Höhe von mindestens 250 000 Euro vor. Durch die Festlegung einer Mindestdeckungssumme ist auch dem Bestimmtheitsgrundsatz Genüge
getan. Gedeckt sind "durch das Tier verursachte Personen- und Sachschäden". Dies
gilt unabhängig davon, unter wessen Aufsicht das Tier im Schadensfall stand. Von
der Versicherung abzudecken sind somit auch solche Schäden, die infolge der vorübergehenden Überlassung des gefährlichen Tieres an Dritte entstehen.
In Satz 2 wird die zuständige Stelle nach § 117 des Gesetzes über den Versicherungsvertrag (WG) benannt. § 117 VVG regelt die Leistungsverpflichtung der Versicherung im Verhältnis zu Dritten und bestimmt in Absatz 2, dass ein Umstand, der
das Nichtbestehen oder die Beendigung des Versicherungsverhältnisses zur Folge
hat, hinsichtlich der oder des Dritten erst mit Ablauf des Monats wirkt, nach dem der
Versicherer diesen Umstand der hierfür zuständigen Behörde angezeigt hat. Damit
ist gewährleistet, dass die zuständige Behörde von einer Beendigung des Versicherungsverhältnisses Kenntnis erlangt und ggf. erforderliche Maßnahmen ergreifen
gefährliche Tier so zu halten, dass eine Gefährdung von Menschen, Tieren und Sachen ausgeschlossen wird. Dies erfordert eine Unterbringung, die einerseits ein Entweichen des Tieres ohne oder gegen den Willen der Halterin oder des Halters ausschließt und andererseits den ungehinderten Zugang Unbefugter zu dem Tier verhindert. Richtschnur ist die Regelung über die ausbruchsichere sowie art- und verhaltensgerechte Unterbringung gefährlicher Tiere in Absatz 2 Satz 1, die durch ordnungsbehördliche Verordnung gemäß § 14 Satz 2 Nummer 4 konkretisiert wird. Der
sichere Gewahrsam muss nicht nur bei längerfristiger, sondern auch bei nur kurzfristiger Unterbringung stets gewährleistet sein. Zur Vermeidung von Aggressionssteigerungen beim gefährlichen Tier durch Mangelsituationen schreibt Satz 3 vor, eine angemessene Ernährung, Pflege und tierärztliche Versorgung sicherzustellen.
Im Interesse der Gefahrenabwehr verlangt Satz 1 dieser Vorschrift die Sicherstellung
einer ausbruchsicheren sowie art- und verhaltensgerechten Unterbringung des gefährlichen Tieres. Zum einen ist eine Sicherung der Zwinger, Käfige, Terrarien, Aquarien oder sonstigen Vorrichtungen zur Unterbringung gehaltener Tiere erforderlich,
um· ein unbeabsichtigtes Entweichen und eine damit einhergehende Gefährdung von
Personen auszuschließen. Zum anderen ist eine tier- bzw. artgerechte Unterbringung
auch im Interesse der Gefa'hrenabwehr vorzusehen, 'denn ein nicht art- und verhaltensgerechter Lebensraum und insbesondere beengte Verhältnisse können beim
untergebrachten Tier zu Aggressionen führen und so dessen Gefährlichkeit erhöhen.
Außerdem ist zur Vermeidung von Gefahren durch abschließbare Vorrichtungen o. ä.
sicherzustellen, dass unbefugte Personen sich keinen Zugang zu dem gefährlichen
Tier verschaffen können. Nähere Vorschriften über die jeweiligen baulichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine ausbruchsichere, art- und verhaltensgerechte Unterbringung werden durch ordnungsbehördliche Verordnung (vgl. § 14 Satz
2 Nummer 4) geregelt.
Sofern es die zuständige Behörde für erforderlich hält, die Unterbringung des gefährlichen Tieres vor Ort zu überprüfen, verpflichtet Satz 2 die Halterin oder den Halter,
dies zu gestatten und erforderliche Feststellungen zu dulden. Insofern ist diese Vorschrift eine. formalgesetzliche Einschränkung des Grundrechts auf Unverletzlichkeit
der Wohnung (vgl. auch § 15 Nummer 3).
Um die erforderlichen Sachkundekenntnisse stets auf aktuellem Stand zu halten, hat
. die Haltungsperson im Falle der Haltung gefährlicher Tiere gemäß § 2 Nummer 11
bis 15 regelmäßig, mindestens jedoch alle drei Jahre an behördlich anerkannten
Fortbildungsmaßnahmen oder Lehrgängen teilzunehmen und dies der zuständigen
Behörde auf Verlangen nachzuweisen.
Zu .Absatz 4:
Absatz 4 regelt die Verpflichtungen der Halterin oder des Halters bei einer Überlassung eines gefährlichen Tieres in die - in aller Regel vorübergehende - Obhut einer
anderen Person. Eine Übertragung der Obhut ist bereits dann gegeben, wenn die
Verantwortung für das gefährliche Tier, insbesondere die Ernährung, die Pflege und
ggf. der erforderliche Auslauf, auch nur vorübergehend (etwa wegen Erkrankung),
auf eine andere Person übertragen wird. Die Überlassung zur Obhut setzt nicht voraus, dass .das Tier an einem anderen Ort untergebracht wird.
Nach Satz 1 darf ein gefährliches Tier nur solchen Personen überlassen werden, die
das 18. Lebensjahr vollendet haben, geistig und körperlich in der Lage sind, das Tier
zu beherrschen sowie sachkundig und zuverlässig im Sinne der §§ 6 und 7 sind. Bei
einer Überlassung über einen Zeitraum von mehr als. vier Wochen ist zusätzlich unverzüglich, spätestens aber innerhalb einer Woche eine Mitteilung an die zuständige
Behörde zu richten, in der der Name und die Anschrift der Person mitgeteilt wird,
welcher das Tier überlassen werden soll. Die zuständige Behörde soll so über den
Verbleib des Tieres unterrichtet werden und bereits im Vorfeld ggf. erforderliche
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr treffen können. So hat die Behörde auf Grundlage
des § 10 Absatz 1 die Überlassung eines gefährlichen Tieres an eine andere Person
zu untersagen, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass hierdurch Gefahren für die öffentliche Sicherheit begründet werden. Maßgebliche Kriterien für die Beurteilung der Behörde bezüglich der -"orzunehmenden Gefahrenprognose sind hierbei insbesondere die nach diesem Gesetz geforderte Zuverlässigkeit nach § 7 sowie
die Voraussetzungen zur sicheren Haltung eines gefährlichen Tieres nach Absatz 1
und 2. Die Behörde hat somit die Überlassung an eine Person, welche selbst mangels Zuverlässigkeit nicht Haltungsperson sein dürfte, zu untersagen. Ebenso ist eine
Überlassung zu untersagen, wenn eine sichere Unterbringung des Tieres bei der die
Obhut übernehmenden Person (licht gewährleistet ist.
Diese Vorschrift verpflichtet die Halterin oder den Halter eines gefährlichen Tieres,
im Falle der Veräußerung oder sonstigen - auch vorübergehenden - Abgabe auf
dessen Gefährlichkeit und den damit verbundenen rechtlichen Status hinzuweisen.
Dadurch soll verhindert werden, dass Dritte ein gefährliches Tier erwerben oder
übernehmen, ohne dessen ordnungsrechtliche Einstufung zu kennen. Die Vorschrift
ist Schutzgesetz im Sinne von § 823 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches und
ermöglicht privatrechtliche Schadensersatzansprüche bei Verstößen.
Diese Bestimmung ermächtigt die zuständige Behörde, ordnungsrechtliche Anordnungen zu erlassen, die nach dem Verwaltungsvollstreckungsgesetz NRW vollstreckt
Die Ermächtigungsgrundlage des Absatzes 1 ist eine spezialgesetzliche Generalklausei zur Abwehr von drohenden oder bestehenden Gefahren durch gefährliche
Tiere (vgl. § 14 Absatz 2 Satz·1 des Ordnungsbehördengesetzes) und dient der Einhaltung der Bestimmungen des Gesetzes. Ein Rückgriff auf die ordnungsbehördliche
Generalklausel des § 14 Absatz 1 des Ordnungsbehördengesetzesist nicht mehr
Die .Anordnungen sind unter Würdigung aller relevanten Umstände des jeweiligen
Einzelfalles nach pflichtgemäßem Ermessen und unter Beachtung des Grundsatzes
der Verhältnismäßigkeit zu treffen. B~i den Anordnungen handelt es sich um Ordnungsverfügungen; die §§ 15 ff. des Ordnungsbehördengesetzes sind zu beachten.
Der Verstoß gegen die Bestimmungen des Gesetzes impliziert bereits eine abstrakte
Gefahr für die öffentliche Sicherheit, die ein Tätigwerden der Behörden rechtfertigt.
So kann beispielsweise angeordnet werden, dass die Halterin oder der Halter für das
gefährliche Tier eine Haftpflichtversicherung nach § 8 abzuschließen hat. Die zuständige Behörde hat die Überlassung eines gefä~rlichen Tieres an eine andere Person zu untersagen, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass hierdurch Gefahren für die öffentliche Sicherheit begründet werden (s.o., Begründung zu § 9 Absatz 4).
Satz 1 ermächtigt unter bestimmten Voraussetzungen, das Halten gefährlicher Tiere
zu untersagen, soweit nicht bereits ein Haltungsverbot gemäß § 2 be'steht. Es handelt sich hierbei um eine "Soll"-Bestimmung. Das bedeutet, dass bei schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen in aller Regel eine Untersagung der Haltung die
Folge sein soll. Ein die Untersagungsanordnung rechtfertigender schwerwiegender
Verstoß gegen Vorschriften des Gesetzes besteht beispielsweise, wenn ein gefährliches Tier ohne eine nach § 8 erforderliche Haftpflichtversicherung gehalten wird~
Zudem rechtfertigt die Nichterfüllung oder der Wegfall wesentlicher Haltungsvoraussetzungen grundsätzlich eine Untersagungsverfügung.
Satz 2 stellt es ins Ermessen der zuständigen Behörde, eine Untersagungsverfügung
zu erlassen, wenn lediglich gegen Anzeigepflichten bzw. die in diesem Zusammenhang vorgegebenen gesetzlichen oder behördlich bestimmten Fristen verstoßen wird.
Gleiches gilt, wenn es um Fristverstöße gegen Nachweise der in § 18 Absatz 2 Satz
1 angeführten Haltungsvoraussetzungen geht.
Satz 3 ermächtigt die zuständige Behörde, auch generell die künftige Haltung anderer gefährlicher Tiere zu untersagen. Eine solche Untersagungsanordnung wird regelmäßig in Betracht kommen, wenn der Halterin oder dem Halter Verstöße in erheb33
lichem ,Ausmaß gegen' bestimmte Haltungsanforderungen, z. B. Sachkunde, Zuverlässigkeit oder Haftpflichtversicherung, vorzuwerfen sind. Unter dem Gesichtspunkt
der Verhältnismäßigkeit wird eine solche Untersagung jedoch in aller Regel zu befristen sein.
Satz 4 ermächtigt die zuständige Behörde, bei einem Verstoß gegen das Haltungsverbot des § 2 und im Falle der Untersagung anzuordnen, dass das gefährliche Tier
der Halterin oder dem Halter entzogen wird und an eine geeignete Person oder Steile abzugeben ist. Diese so genannte Wegnahme ist erforderlich um sicherzustellen,
dass Personen, denen die Haltung ihres gefährlichen Tieres untersagt wurde, mit
dem Tier nicht mehr umgehen. Für die Unterbringung weggenommener gefährlicher
Tiere ist das Landesamt nach § 11 Absatz 2 Satz 1 zuständig.
Durch diese Vorschrift wird die Zuständigkeit für .den Vollzug des Gesetzes den Kreisordnungsbehörden zugewiesen, mit Ausnahme der Fälle des Absatzes 2. Auf diese
Weise wird sichergestellt, dass die ordnungsrechtlichen, artenschutzrechtlichen und
veterinärrechtlichen Aspekte, die beim Vollzug und der Anwendung des Gesetzes zu
berücksichtigen sind, auf ein und derselben behördlichen Ebene gebündelt werden.
Falls es auf Ebene der Kreisordnungsbehörde bei der Bearbeitung von Fragestellungen, die besonderen Sachverstand erfordern, im Einzelfall an ausreichender Fachkenntnis der Materie der gefährlichen Tiere wildlebender Arten mangeln sollte, sieht
Satz 2 vor, dass die Fachleute des Landesamtes zur Beratung hinzugezogen werden
können. In erster Linie dürfte eine solche fachliche Unterstützung bei der Bestimmung von Tierarten in Betracht kommen, aber auch z. B. bei der im Einzelfall gege- ,
benenfalls erforderlichen Beurteilung der sicheren sowie art- und verhaltensgerechten Unterbringung vonGefahrti~ren nach § 9 Absatz 2 Satz 1 oder bei der Bewertung fachlicher Ausbildungen oder praktischer Erfahrungen zur Anerkennung der
Sachkunde nach § 6 Absatz 3 Satz 1 Nummer 2.
Das Landesamt ist zuständig für die Erteilung von Haltungserlaubnissen gemäß § 3
Absatz 1 als' Ausnähme vom Haltungsverbot für gefährliche Tiere im Sinne von § 2
Nummer 11 bis 15. Da diese Ausnahmen auf möglichst wenige Fälle beschränkt
werden sollen und nur bei Annahme eines öffentlichen Interesses zuläs?ig sind, ist in
diesem Bereich eine landesweite, zentrale Zuständigkeit des Landesamtes gerechtfertigt. Zudem sind die fachlichen Anforderungen an die Prüfung der Erlaubnisvoraussetzungen des § 5 Absatz 1 erheblich höher als im Falle der Prüfung der Haltungsanzeigen gemäß § 4 Absatz 1. Der hierzu erfon;ierliche Sachverstand ist beim
Landesamt vorhanden, zumal eigens für den Vollzug des Gefahrtiergesetzes zusätzliches Personal Qereitgestellt wird.
Auch für die Unterbringung der von den zuständigen Behörden beschlagnahmten
oder sichergestellten gefährlichen Tiere sowie von gefährlichen Tieren, die ausgesetzt oder bei den zuständigen Behörden abgegeben wurden, ist das Landesamt zuständige Behörde. Eine zentrale Zuständigkeit auch in diesem Bereich ist notwendig,
da die kommunalen Tierheime für die Aufnahme gefährlicher Tiere in baulicher und
personeller Hinsicht nicht eingerichtet sind. Die Zuständigkeit des Landesamtes um34
fasst neben der Unterbringung in eigenen Räumlichkeiten auch die Koordinierung
derVerbringung gefährlicher Tiere zu anderen geeigneten Stellen, auch in anderen
Ländern, Mitgliedstaaten der EU oder Drittstaaten. Satz 2 stellt klar, dass das Landesamt,soweit erforderlich, die zuständigen Behörden beim Transport der gefährlichen Tiere unterstützt.
Zur Vermeidung unnötigen behördlichen Aufwandes ist in Fällen, in denen neben
gefährlichen Tieren, deren Haltung einer Erlaubnis nach § 3 Absatz 1 bedarf, auch
Tiere, deren Haltung gemäß § 4 Absatz 1 anzuzeigen ist, gehalten werden, das Landesamt auch fürdie Entgegennahme der Anzeige zuständig. Auf diese Weise werden die Kreisordnungsbehörden in ihrer Zuständigkeit nach Absatz 1 zusätzlich entlastet.
Diese Vorschrift sieht vor, dass das Landesamt nach der Erteilung einer Haltungserlaubnis gemäß § 3 Absatz 1 der Kreisordnungsbehörde, in deren Zuständigkeitsbereich das gefährliche Tier gehalten wird, eine Kopie des Erlaubnisbescheids und der
Antragsunterlagen sowie gegebenenfalls vorliegende Anzeigen über die Haltung gefährlicher Tiere gemäß § 4 in Verbindung mit § 11 Absatz 3. übermittelt. Hierdurch
soll die zuständige Kreisordnungsbehörde über die ihrer Überwachung unterliegende
Tierhaltung informiert werden. Da auf diese Weise eine Weiterleitung personen- und
haltungsbezogener Daten erfolgt, ist aus Gründen des Datenschutzrechts eine gesetzliche Grundlage erforderlich.
Diese Vorschrift stellt klar, dass die Kreisordnungsbehörden die ihnen nach diesem
Gesetz zugewiesenen Aufgaben als Pflichtaufgaben zur Erfüllung nach Weisung
wahrnehmen (vgl. § 3 Absatz 1 i. V. m. § 9 des Ordnungsbehördengesetzes).
Nach dieser Vorschrift führt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz die Aufsicht über die Kreisordnungsbehörden. Oberste Aufsichtsbehörde ist
das für Tierschutz und Artenschutz zuständige Ministerium.
Diese Vorschrift weist auf die Absicht des Gesetzgebers hin, dass für Amtshandlungen der zuständigen Behörden nach diesem Gesetz Gebühren und Auslagen erhoben werden sollen. Damit soll den zuständigen Behörden ermöglicht werden, den für
den Vollzug des Gesetzes erforderlichen Personal- und Sachaufwand über Gebühren und Auslagen von den Verursachern des Vollzugsaufwandes zu finanzieren.
Absatz 1 stellt klar, dass die Vorschriften des Ordnungsbehördengesetzes (z. B.
§§ 2, 6, 8 bis 11, 13, 15 bis 24) gelten, soweit spezialgesetzlich nichts Abweichendes
Diese Regelung weist darauf hin, dass Vorschriften des Tierschutzrechts sowie des
Natur- und Artenschutzrechts unberührt bleiben. Dies gilt insbesondere für tierschutz35
rechtliche Erlaubnisse nach § 1,1 des Tierschutzgesetzes und § 16a Absatz 1 Nummer 2 des Tierschutzgesetzes oder artenschutzrechtliche Regelungen (z. B. zum
Nachweis der Besitzberechtigung).
Dieser Absatz regelt das Verhältnis etwaiger kommunaler Vorschriften zu diesem
Gesetz oder zu den aufgrund des Gesetzes erlassenen Verordnungen. Kommunale
ordnungsbehördliche Rechtsvorschriften sollen ihre Geltung auch nach Inkrafttreten
des Gesetzes behalten, soweit sie nicht im Widerspruch zu den gesetzlichen Regelungen stehen. Es bleibt den Kommunen unbenommen, auch künftig generelle Regelungen über das Halten von gefährlichen Tieren zu treffen, die den örtlichen und regionalen Gegeben,heUen angepasst sind.
Diese Vorschrift ermächtigt das für Tierschutz und Artenschutz zuständige Ministerium, ordnungsbehördliche Verordnungen zu erlassen, die zur Ausführung des Gesetzes erforderlich sind. '
Satz 1 ermächtigt den Verordnungsgeber, durch ordnungsbehördliche Verordnung
die gefährlichen Tiere wildlebender Arten, die gemäß § 4 Absatz 1 der zuständigen
Behörde anzuzeigen sind, zu bestimmen. Durch die Bindung an ein festzustellendes
Gefährlichkeitspotential wird die wesentliche Entscheidung, welche Arten von Tieren
in der Verordnung benannt werden können, im Gesetz selbst getroffen. Bei der Festlegung von Tierarten steht dem Verordnungsgeber eine Einschätzungs- und Entscheidungsprärogative zu.
Die Bestimmung von Tierarten, 'die unter präventiven Gesichtspunkten besondere
Anforderungen an den Umgang erfordern, erfolgt durch ordnungsbehördliche Verordnung, weil durch Änderung der Verordnung sChneller und flexibler, als dies durch
ein Gesetzgebungsverfahren möglich wäre, auf gefährliche Neuzüchtungen oder
neue Erkenntnisse zur Bewertung der Gefährlichkeit von Tierarten reagiert werden
Nummer 1 sieht vor, dass durch Verordnung Anforderungen an den Inhalt des Erlaubnisantrags gemäß § 3 Absatz 1 und der Anzeige gemäß § 4 Absatz 1 formuliert
Nummer 2 ermöglicht die Formulierung von Anforderungen an die Sachkunde im
Sinne des § 6 Absatz 1 und den Inhalt und den Umfang von Sachkundelehrgängen
und -prüfungen im Sinne von § 6 Absatz 2 Satz 1, jeweils bezogen auf die gehaltene
Tierart und die Ausprägung des arttypischen Gefährdungspotentials.
- Nummer 3 bezieht sich auf die Voraussetzungen, das Verfahren und die Zuständigkeit für die Anerkennung der Stellen, bei denen eine Sachkundeprüfungabgelegt
Nummer 4 ermöglicht konkretisierende Vorschriften über die jeweiligen baulichen
und organisatorischen Voraussetzungen für eine ausbruchsichere sowie art- und
verhaltensgerechte Unterbringung gefährlicher Tiere nach § 9 Absatz 2 Satz 1 sowie
die Anforderungen und Inhalte eines Notfallplans gemäß § 5 Absatz 1 Nummer 7.
Nummer 5 ermöglicht die Einrichtung und Pflege einer zentralen Datenbank in Bezug
auf die Haltung gefährlicher Tiere. Dies kann eine Vereinfachung des Verwaltungs-
aufwandes für die zuständigen Behörden bedeuten, aber auch mehr Effektivität bei
der Überwach~ng von Tierhaltungen.
Durch den Verweis in Satz 3 auf § 26 Absatz 3 des Ordnungsbehördengesetzes wird
das verordnungsgebende Ministerium verpflichtet, die erlassenen Verordnungen unverzüglich dem Landtag vorzulegen. Diese sind ggf. auf Verlangen des Landtags
Durch das Gesetz selbst werden Grundrechte eingeschränkt oder können durch dessen Vollzug eingeschränkt werden. So be~chränkt das in § 2 festgelegte Haltungsverbot bestimmter Tierarten das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit,
das Grundrecht der freien Berufsausübung und das Eigentumsrecht. Durch Ausübung des Betretungsrechts des § 9 Absatz 2 Satz 2 kann das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung eingeschränkt werden und auf § 10 Absatz 2 gestützte
behördliche Anordnungen berühren das Grundrecht auf Eigentum. Insofern trägt § 15
dem Zitiergebot des Artikels 19 Absatz 1 Satz 2 GG Rechnung.
Für strafrechtliche Re'gelungen steht dem Bund nach Artikel 74 Absatz 1 Nummer 1
GG die konkurrierende Gesetzgebungszuständigkeit zu. Es existieren im Strafrecht
des Bundes keine Regelungen, die einen strafwürdigen Umgang mit gefährlichen
Tieren wildlebender Arten sanktionieren. Insofern steht es dem Landesgesetzgeber
frei, auf diesem Gebiet selbst Strafvorschriften zu schaffen.
In den Nummern 1 bis 4 sind Tatbestände aufgeführt, die nach Auffassung der Landesregierung strafwürdig sind. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren
oder mit Geldstrafe bestraft, wer ein Tier der in § 2 aufgeführten Arten und Gattungen'
entgegen dem Verbot des § 2 hält, ohne eine Erlaubnis hierzu zu besitzen (Nummer
1). Strafbar ist es auch, wenn jemand, der im Rahmen der Übergangsregelung des §
18 Absatz 2 Satz 1 ein § 2 unterfallendes Tier legal hält, sich entgegen § 18 Absatz 2
Satz 2 aber weitere gefährliche Tiere der in § 2 aufgeführten Arten anschafft oder
solche Tiere vermehrt (Nummer 2).
Außerdem wird bestraft, wer ein gefährliches Tier im Sinne von § 1 Absatz 2 einer
wildlebenden, nicht in Deutschland heimischen Art in die Natur aussetzt (Nummer 3)
oder wer ein 'gefährliches Tier im Sinne von § 1 Absatz 2 auf Menschen oder Tiere
hetzt oder einen Menschen unter Verweis auf die oder unter Ausnutzung der Gefährlichkeit eines solchen Tieres bedroht (Nummer 4).
Diese Vorschrift ermöglicht die Einziehung des Tieres, aufdas sich die Straftat bezieht, nach Satz 2 auch unter den erweiterten Voraussetzungen des § 74a StGB.
Die Wirksamkeit der in dem Gesetz getroffenen ordnungsbehördlichen Regelungsinstrumente erfordert die Festlegung von Ordnungswidrigkeiten bei Verstößen gegen
alle wesentlichen Pflichten.
Im Hinblick auf eklatante Fälle der Vergangenheit und zur wirksamen Abschreckung
wird ein Bußgeldrahmen in Höhe von bis zu 50 000 Euro festgesetzt.
Nach § 22 Absatz 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten dürfen als Nebenfolge
einer Ordnungswidrigkeit Gegenstände nur eingezogen werden, soweit das Gesetz
dies ausdrücklich zulässt. Da insbesondere nach wiederholten Ordnungswidrigkeiten
von Halterinnen und Haltern die Allgemeinheit durch den weiteren Besitz der Tiere
gefährdet wird, ist die Möglichkeit der Einziehung nach § 27 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten neben der Sicherstellung ein weiteres und endgültiges Mittel der Gefahrenabwehr.
Diese Vorschrift bestimmt, dass die nach § 11 Absatz 1 Satz 1 zuständige Behörde
auch Verwaltungsbehörde im Sinne des § 36 Absatz 1 Nummer 1 des Gesetzes über
Ordnungswidrigkeiten ist. Damit ist sichergestellt, dass präventive und repressive
Maßnahmen in einer Hand liegen.
Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens gefährliche Tiere im Sinne des Gesetzes bereits halten, werden durch diese Vorschrift zur Anzeige der Haltung bei der
zuständigen Behörde verpflichtet. Für einen Übergangszeitraum von vier Monaten
wird auf diese Weise mehr Zeit für die Erstattung der Anzeige eingeräumt.
Personen, die ein Tier der in § 2 aufgeführten Arten und Gattungen bereits zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes halten, soll durch diese Übergangsregelung
ausGründen des Bestandsschutzes ermöglicht werden, entgegen dem grundsätzlichen Haltungsverbot dieses Tier bis zu dessen Tod weiterhin zu halten. Sie sind jedoch verpflichtet, innerhalb einer Frist von vier Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes der zuständigen Behörde die Haltung anzuzeigen (siehe Absatz 1). Die Pflicht
zur Beifügung von Nachweisen über Haltungsvoraussetzungen gemäß § 5 Absatz 1
Nummer 1 bis 8 gilt entsprechend. Diese Nachweise sind innerhalb von sechs Monaten nach der Anzeige der Haltung vorzunehmen. Die Anschaffung weiterer Tiere der
in § 2 aufgeführten Arten ist verboten, ebenso wie die Nachzucht oder Vermehrung
Diese Vorschrift regelt das Inkrafttreten sowie eine Berichtspflicht der Landesregierung gegenüber dem Landtag zum 31. Dezember 2019. Gegenstand der Berichtspflicht sollen insbesondere die bei den Kreisordnungsbehörden durch den Vollzug
dieses Gesetzes entstehenden Finanzfolgen sein, auf§ 4 Absatz 5 KonnexAG wird
absatz preis Uv = + ⋅ +
Distributionspolitik - hak
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Anlage 2 Zugangsbestätigung der
Gesetz zur Vereinfachung des Gesetzes vom 10. April 1990
Gesetz zur Festlegung verschiedener Bestimmungen in
Der Steinbock - Respektiere deine Grenzen
Geschichte der Asyl- und Flüchtlingspolitik in Deutschland im
2. AUGUST 1971 - Gesetz zur Einführung einer Regelung, mit der
63 Grundsätze - bm
TYSK1101 - Universitetet i Oslo
Qualitätssicherung 1 2 Ein
Königlicher Erlass zur Festlegung der Art und Weise, wie auf

References: § 1
 § 11
 § 4
 § 9
 § 42
 § 11
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 § 7
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 § 3
 § 3
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§ 26
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 § 74
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 § 27
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§ 2
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 § 21
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 § 16
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 § 3
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 § 14
 § 9
 § 11
 § 2
 § 7
 § 1896
 § 4
 § 14
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 § 1
 § 30
 § 117
 § 117
 § 14
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 § 15
 § 2
 § 10
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 § 823
 § 14
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 § 8
 § 9
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 § 3
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 § 1
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