Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F19-12-2011-8C_653-2011
Timestamp: 2016-10-28 04:42:52+00:00

Document:
8C_653/2011 (19.12.2011)
8C_653/2011
Rechtsanwalt Roland Zahner,
Der seit 1. Juli 1988 als Luftverkehrsangestellter Gate f�r die Firma I.________ AG arbeitende A.________ (Jahrgang 1957) meldete sich am 13. Juni 2008 wegen der Folgen eines Bandscheibenvorfalls zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Nach Abkl�rungen der beruflichen (vgl. Schlussbericht B.________ vom 22. April 2009) und gesundheitlichen (vgl. Gutachten der Frau Dr. med. G.________, Fach�rztin f�r Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. Dezember 2009 und des Dr. med. S.________, FMH Rheumatologie und Rehabilitation, vom 21. Dezember 2009 mit dessen Stellungnahme vom 27. April 2010) Verh�ltnisse verneinte die IV-Stelle des Kantons Thurgau mit Vorbescheid vom 15. Oktober 2010 und Verf�gung vom 1. April 2011 einen Anspruch auf Invalidenrente mangels leistungsbegr�ndenden Invalidit�tsgrades.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau ab (Entscheid vom 27. Juli 2011).
Mit Beschwerde l�sst A.________ beantragen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei ihm mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen.
Streitig und zu pr�fen ist das der Bestimmung des Invalidit�tsgrades zugrunde zu legende, anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2008 des Bundesamtes f�r Statistik (LSE 2008), Tabelle T1, Anforderungsniveau 4, Total, M�nner ermittelte hypothetische Invalideneinkommen (vgl. Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG; BGE 124 V 321). Der Beschwerdef�hrer macht in Wiederholung der kantonalen Beschwerde geltend, der standardisierte Bruttolohn sei entgegen der vorinstanzlichen Bemessung nicht nur um den �rztlich ausgewiesenen Grad der Arbeitsunf�higkeit von 20 %, sondern zus�tzlich auch mit einem Abzug gem�ss BGE 126 V 75 von mindestens 10 % herabzusetzen.
2.1 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu k�rzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass pers�nliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalit�t oder Aufenthaltskategorie und Besch�ftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnh�he haben k�nnen (BGE 124 V 321 E. 3b E. 3b/aa S. 323) und je nach Auspr�gung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsf�higkeit auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa in fine S. 80). Der Abzug ist unter W�rdigung der Umst�nde im Einzelfall nach pflichtgem�ssem Ermessen gesamthaft zu sch�tzen. Er darf 25 % nicht �bersteigen (BGE 126 V 75 E. 5b/bb-cc S. 80; vgl. auch Urteil 9C_728/2009 vom 21. September 2010 E. 4.1.2 und 4.3, publ. in: SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90).
2.2 Ob ein (behinderungsbedingt oder anderweitig begr�ndeter) Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen ist, stellt eine vom Bundesgericht frei �berpr�fbare Rechtsfrage dar (BGE 137 V 71 E. 5.1 S. 72; in BGE 135 V 297 nicht publizierte E. 4 des Urteils 8C_652/2008 vom 8. Mai 2009). Die Frage nach der H�he des (im konkreten Fall grunds�tzlich angezeigten) Abzuges vom Tabellenlohn dagegen ist eine Ermessensfrage. Deren Beantwortung ist letztinstanzlicher Korrektur nur zug�nglich, wo das kantonale Gericht das Ermessen rechtsfehlerhaft ausge�bt hat, also bei Ermessens�berschreitung, -missbrauch oder -unterschreitung (vgl. zu diesen Rechtsbegriffen BGE 137 V 71 E. 5.1 S. 73 mit Hinweisen; BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399).
3.1 Nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz ist zur Beurteilung der funktionellen Leistungsf�higkeit von dem von Dr. med. S.________ im Gutachten vom 21. Dezember 2009 beschriebenen Belastungs- und Anforderungsprofil auszugehen. Danach ist der Versicherte zum einen aufgrund des Schulterleidens beidseitig beim repetitiven Heben von maximal 5 - 7 kg schweren Lasten und bei �berschulterniveau zu verrichtenden Arbeiten eingeschr�nkt, zum andern aufgrund der lumbalen Beschwerden bei andauerndem Stehen an Ort sowie bei langem Gehen; in zeitlicher Hinsicht ist bei ganzt�gigem Einsatz eine 20%ige Einschr�nkung infolge des erh�hten Pausenbedarfs anzunehmen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers l�sst sich mit den Darlegungen des Dr. med. S.________ nicht begr�nden, dass er das durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nur bei wohlwollendem Entgegenkommen eines potentiellen Arbeitgebers zu erreichen vermag. Der Gutachter wies einzig darauf hin, dass "an einem ganz idealen Arbeitsplatz", an dem die anfallenden Aufgaben in frei wechselndem Rythmus stehend, gehend und sitzend erledigt werden k�nnen, eine "mindestens 80%ige Arbeitsf�higkeit" bestehe. Die vorinstanzliche Schlussfolgerung, dass dem Beschwerdef�hrer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht unausweichlich eine Lohneinbusse bei zumutbaren Erwerbst�tigkeiten hinnehmen muss, ist jedenfalls nicht zu beanstanden. Anzuf�gen bleibt, dass die Firma I.________ AG f�r den "sehr gut angepassten" Arbeitsplatz (Boarding/Abholen der Flugg�ste; Schlussbericht B.________ vom 22. April 2009) zum Transportieren und Hantieren des B�romaterials ein Elektrofahrzeug anschaffte, ohne den Lohn zu reduzieren, und dem Beschwerdef�hrer laut Gutachten des Dr. med. S.________ eine Steigerung des Arbeitspensums von aktuell 50 auf 70 % zumutbar w�re. Weiter begr�ndet auch das geltend gemachte erh�hte Risiko, wegen der Erkrankungen der Arbeit fernbleiben zu m�ssen, keinen Abzug gem�ss BGE 126 V 75 vom standardisierten Bruttolohn. Statistisch ist nicht belegt, dass Erwerbst�tige mit gesundheitlich bedingt eingeschr�nkter Arbeitsf�higkeit l�ngere krankheitsbedingte Absenzen vom Arbeitsplatz aufweisen als uneingeschr�nkt arbeitsf�hige Erwerbst�tige (vgl. Urteil 9C_708/2009 vom 19. November 2009 E. 2.3.2, publ. in: SVR 2010 IV Nr. 28 S. 87).
3.2 Von den zu pr�fenden pers�nlichen und beruflichen Merkmalen, die einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen k�nnen, f�llt einzig noch dasjenige des Besch�ftigungsgrades in Betracht. Wie die Vorinstanz gest�tzt auf das Urteil 9C_40/2011 vom 1. April 2011 E. 2.3.2 (mit Hinweisen) richtig festgehalten hat, ist bei M�nnern ein Abzug vom Tabellenlohn unter dem Titel Besch�ftigungsgrad allenfalls bei einer gesundheitlich bedingten Teilzeiterwerbst�tigkeit, nicht aber bei einer Vollzeiterwerbst�tigkeit mit gesundheitlich bedingt eingeschr�nkter Leistungsf�higkeit gerechtfertigt. Gr�nde f�r eine Praxis�nderung (vgl. zu den Voraussetzungen BGE 135 I 79 E. 3 S. 82, 134 V 72 E. 3.3 S. 76) macht der Beschwerdef�hrer nicht geltend. Es besteht daher kein Anlass zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der fraglichen Rechtsprechung. Der vorinstanzliche Entscheid ist auch in diesem Punkt nicht zu beanstanden.

References: Art. 16
 Art. 28
 BGE 
 BGE 
in fine
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE