Source: https://m.diplom.de/document/222570
Timestamp: 2020-02-19 17:52:10+00:00

Document:
von Michael Seebauer (Autor)
Anhang 1: Nichtveranlagungsbescheinigungen und Freistellungsbescheide XIII
Abbildung 4: Stückzinstopf…...
Da die Problematik der Besteuerung von inländischen Investmentfonds sehr unübersichtlich ist, habe ich dieser Arbeit als roten Faden den Fluss der Erträge von der Quelle bis zum Anleger zu Grunde gelegt. Vorab werden im Kapitel „Grundlagen“ allgemeine Aspekte hinsichtlich der Historik sowie der Systematisierung und Ausprägung von Investmentfonds beschrieben. Bei der Bearbeitung der Kernproblematik im Kapitel 3 werden sämtliche potentiellen Steuersubjekte, die in einer logischen Verbindung zum Sondervermögen stehen, ausgehend von der Quelle der Erträge über das Sondervermögen an sich und schließlich den Anteilscheininhabern separat beleuchtet. Dabei werden die in Frage kommenden steuerlichen Aspekte und Steuerarten einzeln behandelt. Auf der Ebene des Anteilscheininhabers, welche den Schwerpunkt der Diplomarbeit darstellt, erfolgt eine weitere Unterteilung in die Behandlung ordentlicher Erträge von ausschüttenden und thesaurierenden Fonds, welche ihrerseits wieder in die steuerlich relevanten Fälle der Anteilscheine im Betriebsvermögen und Privatvermögen untergliedert werden. Bei der konkreten Ausarbeitung erfolgt eingangs grundsätzlich die Behandlung der allgemein relevanteren Gesichtspunkte, bevor eine exakte Abgrenzung der Steuerpflicht einzelner Erträge vorgenommen wird. Die Problematik des Anteilscheininhabers schließt mit der Betrachtung der Erträge aus Veräußerung bzw. Rückgabe der Anteilscheine ab.
Gemischte Fonds stellen eine hybride Variante zwischen den reinen Aktien- und Rentenfonds dar. Dabei besteht für die Fondsmanager je nach aktueller Markteinschätzung die Möglichkeit, mal mehr in Aktien und weniger in Rentenpapieren bzw. vice versa zu investieren. Der Grundgedanke dieser Fonds ist es, das Risiko der Aktienanlage durch Beimischung von Rentenpapieren zu kompensieren, dies gilt dann allerdings in gleichem Umfang auch für die Rendite. Für Fondmanager besteht bei dieser Variante die beste Möglichkeit, Korrekturen an den Aktienmärkten bezüglich des Sondervermögens einigermaßen unbeschadet zu überdauern. Mit dem 3. Finanzmarktförderungsgesetz wurden die Anlagemöglichkeiten um Beteiligungen an Grundstücksondervermögen und Grundstücken erweitert, wobei für diese ein dreißigprozentiger Höchstanteil vorgesehen ist.[63]
Geldmarktfonds investieren hauptsächlich in kurzfristige Geldmarktinstrumente und Bankguthaben, die privaten Anlegern für gewöhnlich nicht zu vergleichbaren Konditionen in Form einer Direktanlage zur Verfügung stehen. Unter Geldmarktinstrumenten versteht man verzinsliche Wertpapiere und Schuldschein-Darlehen, die im Zeitpunkt des Erwerbs eine höchstens 12monatige Restlaufzeit haben oder deren Verzinsung während der gesamten Laufzeit mindestens einmal jährlich marktgerecht angepasst wird.[64] Das Anlagerisiko bei dieser Investitionsform ist sehr begrenzt. Im Vergleich zu sonstigen verzinslichen Anlageformen erhält man eine überdurchschnittliche Verzinsung bei täglicher Verfügbarkeit des Geldes. Aufgrund des kurzfristigen Charakters dieser Anlageform werden häufig keine Ausgabeaufschläge erhoben. Die Rendite aus solchen Fonds besteht nahezu zu 100 % aus Zinserträgen und nur zu einem sehr geringen Teil aus Kursschwankungen.[65]
Immobilienfonds sind das Paradebeispiel für die Einteilung in offene und geschlossene Fonds. Da Immobilienfonds naturgemäß in langfristig orientierte Wirtschaftsgüter investieren, stellt das KAGG speziell an offene Fonds besondere Anforderungen. Um die kurzfristige Bedienung von Liquiditätsanforderungen (z.B. durch Rückgabe einer größeren Anzahl von Anteilen durch Anteilinhaber) gewährleisten zu können, sind mindestens 5 % des Sondervermögens in täglich verfügbare Bankguthaben oder auch in Form von Geldmarkt-Sondervermögen vorzuhalten[66]. Reicht dies nicht aus, so kann die Kapitalanlagegesellschaft die Rücknahme der Anteile bis zu höchstens zwei Jahren aussetzen.[67] Offene Immobilienfonds dürfen lediglich in Mietwohngrundstücke, Geschäftsgrundstücke oder gemischt genutzte Grundstücke investieren. Um Grundstücksspekulationen vorzubeugen, ist es ihnen nur gestattet, in solche Grundstücke zu investieren, die für eine baldige Bebauung im Sinne des letzten Satzes anstehen. Zusätzlich darf die Summe der Werte solcher Grundstücke 20 % des Sondervermögens nicht übersteigen. Für Beteiligungen an ausländischen Immobilien gibt es weitere Bestimmungen. Im Wesentlichen darf der Anteil von Anlageobjekten, die einem Währungsrisiko unterliegen, 30 % des Sondervermögens nicht übersteigen.[68] Da den Fonds nahezu ausschließlich Realwerte in Form von Grundstücken zu Grunde liegen, haben sie eine sehr konstante Wertentwicklung. Das Risiko ist stark von dem Immobilienportfolio abhängig und somit für den Laien nur schwer abzuschätzen, im Allgemeinen aber nicht zu hoch. Wesentliche Aspekte in diesem Zusammenhang sind die regionale Verteilung der Immobilien, eine erstklassige Lage, sowie möglichst lange Mietverträge mit finanzkräftigen Mietern, aber auch eine möglichst niedrige Altersstruktur der Objekte.
Bei diesen Produkten verpflichtet sich der Anleger, in einem Sparplan monatliche Beträge über einen Zeitraum von mindestens 18 Jahren oder bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres einzuzahlen und erhält im Gegenzug Anteilscheine.[69] Im Gegensatz zu allen anderen Fondsarten besteht hier keine Wahlmöglichkeit zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Fonds. Im Sinne der Idee, einen möglichst großen Vermögensstock anzusammeln, müssen die Fonds thesaurieren. Auch bezüglich der Anlageentscheidungen der Fondsmanager gibt es weitere Restriktionen. So muss der Fond zu mindestens 51 % in Substanzwerte wie Immobilien, Beteiligungen (höchstens 10 %) oder Aktien investieren, darf gleichzeitig aber nicht mehr als 75 % in Aktien und stille Beteiligungen anlegen. Auch der einem Währungskursrisiko unterliegende Anteil darf 30 % des Sondervermögens nicht übersteigen. Der Anteil an Grundstücken und Immobilienfonds unterliegt ebenfalls einer 30 %igen Höchstgrenze.[70] Um gegen Ende der Laufzeit dem Anleger die Möglichkeit der Risikominimierung bieten zu können, hat dieser das Recht, nach drei Viertel der Laufzeit seine Anteilsscheine kostenlos in andere Fonds der Kapitalanlagegesellschaft zu tauschen.[71]
Die korrekte Bezeichnung lautet eigentlich Investmentfondsanteils-Sondervermögen und beschreibt somit das Anlagegebiet der Fonds. Diese Produkte investieren in andere offene oder geschlossene Investmentfonds und gewährleisten somit ein kaum zu übertreffendes Maß an Diversifikation und Risikostreuung.[72] Ein Investment in Spezialfonds bleibt allerdings untersagt, da hierbei die notwenige Transparenz für den Anleger nicht gegeben ist. Somit verbleibt lediglich die Anlage in Publikumsfonds.[73] Das KAGG gibt darüber hinaus den Kapitalanlagegesellschaften einen genau umrissenen Katalog von Anlageobjekten vor. So ist eine Direktanlage in Aktien, ebenso wie eine Investition in andere Dachfonds, nicht gestattet. Die Beteiligung an einem anderen Sondervermögen darf 20 % des Wertes des Dachfonds nicht übersteigen, und er darf nicht mehr als 10 % der ausgegebenen Anteile eines anderen Sondervermögens halten.[74]
Für Beteiligungssondervermögen ist es innerhalb der gesetzlichen Grenzen gestattet, Wertpapiere, Schuldscheindarlehen, Anteile an inländischen und zum Vertrieb zugelassenen ausländischen Investment- und Geldmarktfonds und natürlich stille Beteiligungen an Unternehmen zu erwerben, die ihren Sitz und Geschäftsleitung im Geltungsbereich des Gesetzes haben.[75]
Grundsätzlich spiegelt sich in den meisten gesetzlichen Vorschriften des KAGG das Transparenzprinzip wider. Es handelt sich dabei um den Ansatz, steuerliche Aspekte beim Fondanleger in gleicher Weise wie beim Direktanleger zu würdigen. Im Wesentlichen soll es dabei zu keiner Besser- oder Schlechterstellung des Fondanteilinhabers kommen, stattdessen soll dieser weitestgehend Erträge so versteuern, als wenn sie ihm unmittelbar zugeflossen wären. Folglich fließen Erträge grundsätzlich steuerneutral durch das Sondervermögen.[76]
[63] Natter, 2002, S. 284
[64] Vgl. § 7a KAGG
[65] Vgl. Lau, 2000, S. 79; Perridon / Steiner, 2002, S. 301
[66] Vgl. § 35 KAGG
[67] Vgl. § 36 KAGG
[68] Vgl. § 27 KAGG
[69] Vgl. Lindmayer, 1999, S. 235
[70] Vgl. § 37 i KAGG
[71] Vgl. Hoereth, Zipfel, 2001, S. 5; Lau, 2000, S. 71
[72] Vgl. Hoereth, Zipfel, 2001, S. 5
[73] Vgl. Bauer, 1999, S. 9/9
[74] Vgl. Hoereth, Zipfel, 2001, S. 5; § 25 l KAGG; Lau, 2000, S. 73
[75] Vgl. OFD Kiel v. 29.04.1999, S. 1016
[76] Vgl. Barth Katharina und Barth Thomas, 2002, S. 125; Hoereth, Zipfel, 2001, S. 6;
9783838672717
v222570
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Wirtschafts- und Organisationswissenschaften, Steuerrecht
besteuerung fond kagg kapital kapitalanlagegesellschaften

References: § 7
 § 35
 § 36
 § 27
 § 37
 § 25