Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=111609
Timestamp: 2018-09-20 00:39:10+00:00

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Nunmehr nachgewiesene Sonderausgaben - Findok Internet
Bescheidbeschwerde – Einzel – Erkenntnis des BFG vom 19.08.2016, RV/7102821/2016
Nunmehr nachgewiesene Sonderausgaben
RV/7102821/2016-RS1 Permalink
Die in §§ 6, 16 BFGG normierten Grundsätze der Einfachheit, Raschheit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit, die vom Bundesfinanzgericht zu beachten sind, sollten in einer Gesamtbetrachtung für ein abgekürztes Verfahren nach § 300 BAO sprechen, selbst wenn dies zu mehreren Buchungsvorgängen am Finanzamt führt.
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Dr. Rudolf Wanke über die Beschwerden der Sabine K*****, *****Adresse_Bgld*****, vom 19. 10. 2015, eingelangt am 22. 10. 2015, gegen die Bescheide des Finanzamtes Bruck Eisenstadt Oberwart, 7400 Oberwart, Prinz Eugen-Straße 3, vom 14. 10. 2015 betreffend Einkommensteuer für die Jahre 2010, 2011 und 2011, alle zur Steuernummer 38***** zu Recht erkannt:
Einkommensteuerbescheide vom 14. 10. 2015
Mit Datum 14. 10. 2015 erließ das Finanzamt gegenüber der Beschwerdeführerin (Bf) Sabine K***** Einkommensteuerbescheide für die Jahre 2010, 2011 und 2012, die zu Abgabennachforderungen von 1.230,83 € (2010), 1.340,00 € (2011) und 1.340,00 € (2012) führten.
In den Bescheiden wurde das Pendlerpauschale laut Lohnzettel (2010: 3.372,00 €, 2011: 3.672,00 €, 2012: 3.672,00 €) gestrichen. Sonderausgaben wurden mit dem Pauschbetrag von 60,00 € berücksichtigt.
Da Ihre Erklärung zur Arbeitnehmerlnnenveranlagung trotz Erinnerung bis heute weder elektronisch über FinanzOnline noch in Papierform (Formular L1) beim Finanzamt eingegangen ist, musste Ihre Arbeitnehmerlnnenveranlagung aufgrund der dem Finanzamt übermittelten Lohnzettel und Meldungen durchgeführt werden. Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen konnten dabei mangels Bekanntgabe nicht berücksichtigt werden.
Bei mehreren Wohnsitzen ist für die steuerliche Würdigung des Pendlerpauschales (Pp) stets von dem dem Arbeitsort nächstgelegenen Wohnsitz auszugehen. Da Sie von 2001 bis 15.1.2013 eine Eigentumswohnung in *****Adresse_Wien_1***** besessen haben, war dies in Ihrem Fall Wien. Trotzdem haben Sie im Zuge der lfd Lohnverrechnung das Pp im höchstmöglichen Ausmaß berücksichtigen lassen. Da das Pp zumindest für den o.a. Zeitraum nicht zugestanden hat, liegt aufgrund dieses Sachverhaltes ein Pflichtveranlagungstatbestand vor. Sie wurden daher aufgefordert, die Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung fur 2010 beim zeichnenden Finanzamt abzugeben.
Auf das in diesem Zusammenhang geführte Telefonat vom 31.8.2015 wird zusätzlich hingewiesen.
Innerhalb der Rechtsmittelfrist langten hierauf am 22. 10. 2015 mit 19. 10. 2015 datierte Steuererklärungen für die Jahre 2010, 2011 und 2012 ein, mit welchen Sonderausgaben wie folgt beantragt wurden:
Summe aller Versicherungsprämien und -beiträge (freiwillige Kranken-‚ Unfall-, Lebensversicherung, Witwen-, Witwer-‚ Waisenversorgung und Pensions- bzw. Sterbekassen), freiwillige Höherversicherung im Rahmen der gesetzlichen Pensionsversicherung
455 484,08 508,40 532,77
456 1.662,30 1.765,95 1.711,40
458 100,00 100,00 100,00
Das Finanzamt wertete diese Steuererklärungen als Beschwerden gegen die Einkommensteuerbescheide vom 14. 10. 2015 mit dem ersichtlichen Antrag, Sonderausgaben im dargestellten Ausmaß zu berücksichtigen.
Mit Vorhalt vom 23. 10. 2015 ersuchte das Finanzamt laut vorgelegtem Akt die Bf:
Mit Beschwerdevorentscheidungen vom 7. 12. 2015 wies das Finanzamt die Beschwerden als unbegründet ab:
Da trotzdem die benötigten Unterlagen (zum Teil) nicht beigebracht wurden, konnten die Aufwendungen in freier Beweiswürdigung nur in Höhe der nachgewiesenen bzw glaubhaft gemachten Aufwendungen berücksichtigt werden.
Mit Schreiben vom 21. 12. 2015, beim Finanzamt eingelangt am 23. 12. 2015, stellte die Bf Vorlageantrag:
ich ersuche höflichst um Vorlage für die nächst höhere Instanz sowie um Neuberechnung der Einkommenssteuer 2010, 201 l und 2012 .
Erbitte um positive Erledigung.
Anlage: Kopien der dazugehörigen Belege 2010-2012
Beigefügt waren folgende Belege:
Unfallversicherung für die Bf, ihren Ehegatten und ihre Kinder:
2010: 484,08 €, 2011: 503,52 €, 2012: 532,77 €.
1. 3. 2010: 277,09 €, 1. 4. 2010: 273,90 €, 1. 5. 2010: 273,90 €, 1. 6. 2010: 272, 90 € (handschriftliche Anmerkung: + 554,18 Jän, Feb), 1. 7. 2010: 277,04 €, 1. 8. 2010: 277,04 €, 1. 9. 2010: 277,04 €, 1. 10. 2010: 280,17 €, 1. 11. 2010: 280,17 €, 1. 12. 2010: 280,17. Handschriftliche Anmerkung: 3.324,60 : 2 = 1.662,30
1. 12. 2010: 280,17 €, 1. 1. 2011: 283,27 €, 1. 2. 2011: 283,27 €, 1. 3. 2011: 283, 27 €.
Summe Belastungen 2011: 3.531,90. Handschriftlich: : 2 = 1.765,95.
Summe Belastungen 2012: 3.422,79. Handschriftlich: : 2 = 1.711,40.
2010: 82,70 €, 2011: 84,80 €, 2012: 87,76 €.
Die Kirchenbeitragsbescheide sind jeweils an die Bf per Adresse *****Adresse_Wien_1***** adressiert, ebenso die Darlehensbestätigungen und die Versicherungsbestätigungen.
Mit Bericht vom 17. 6. 2016 legte das Finanzamt die Beschwerden dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor und führte unter anderem aus:
Die Antragstellerin reicht im Vorlageantrag die Belege für die geltend gemachten Sonderausgaben nach
Es wird beantragten im nachgewiesenen Ausmaß stattzugeben.
Folgende Aktenteile wurden vom Finanzamt vorgelegt:
Äußerung vom 3. 7. 2016
Mit E-Mail vom 3. 7. 2016 teilte die Bf dem Bundesfinanzgericht mit:
Mit dem Schreiben vom 24.August 2015 vom Finanzamt wurde ich aufgefordert die Arbeitnehmerveranlagung für die Jahre 2010, 2011 und 2012 abzugeben.
Ich habe meinen Hauptwohnsitz immer schon in *****Adresse_Bgld***** und seit 1982 pendle ich nach Wien.
In Wien war ich bis 7.12.2007 Zweitwohnsitz gemeldet und bin wöchentlich also jeden Freitag ins Burgenland und am Sonntag wieder retour nach Wien gependelt.
Ab diesem Zeitpunkt habe ich da meine Kinder (14 und 20) schon sehr eigenständig waren begonnen auch unter der Woche öfter die Strecke B*****-Wien-B***** zu pendeln. Die damalige Steuerberaterin meines Arbeitgebers machte mich darauf aufmerksam, dass ich nun die Pendlerpauschale beziehen könnte weil ich in Wien ja ohnehin abgemeldet bin und die meiste Zeit in B***** bei meiner Mutter (geb. 1938) bin. Meine Mutter wurde damals an der Hand operiert und somit war es aus meiner Sicht ganz klar ihr auch unter der Woche in verschiedensten Dingen behilflich zu sein und nicht wie bisher nur an den Wochenenden.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich 30 Stunden wöchentlich gearbeitet und konnte mir die Stunden gut einteilen.
Die Eigentumswohnung in *****Adresse_Wien_2***** hatte nur 33m² und war beim Ankauf als jeweilige Starterwohnung bei Bedarf für meine Kinder gedacht. Deshalb stand ich auch mit 50% Eigentümer im Grundbuch. Ich habe nie in dieser Wohnung genächtigt.
Die Wohnung *****Adresse_Wien_1***** habe ich 1190 [1990?] gemietet und der Mietvertrag läuft immer noch auf meinen Namen.
Diese Wohnung wird bei Bedarf auch weiterhin zum nächtigen genützt.
In den letzten Jahren bin ich meistens Montag in der Früh nach Wien gependelt und habe manchmal Montag Abend in Wien übernachtet.
Dienstag und Mittwoch bin ich fix hin und hergependelt und wenn ich Freitags arbeiten musste habe ich manchmal auch Donnerstags in Wien genächtigt. Ausnahmen waren auch manchmal wenn es sehr stark geregnet oder geschneit hat.
Einen Beweis für die gefahrenen Kilometer kann ich leider nicht mehr vorlegen.
Diesen Sachverhalt hab ich telefonisch mit Hr. H***** besprochen und daraufhin die Arbeitnehmerveranlagung 2010 - 2012 gemacht. Am 14. Oktober habe ich dann den jeweiligen Bescheid über die Festsetzung von Anspruchszinsen 2010 - 2012 erhalten. Da mir diese Nachforderung sehr überhöht erschien habe ich dann Beschwerde eingelegt und um Klärung gebeten. Danach habe ich am 23. Oktober 2015 wieder ein Schreiben erhalten "Ersuchen um Ergänzung" indem ich aufgefordert wurde Kopien meiner Dokumente nachzureichen. Diese Kopien hatten lediglich mit den Sonderausgaben ( Darlehen, Unfall- und Lebensversicherung, Kirchensteuer) zu tun, betreffen aber aus meiner Sicht in keiner Weise die Pendlerpauschale.
Am 7. Dezember habe ich dann den Bescheid erhalten, dass meine Beschwerde als unbegründet abgewiesen wurde.
Am 11.Dezember bekam ich dann bereits die Zahlungsaufforderung über den Betrag von 4.148,08 € - diese Summe wurde von mir am 29.12.2015 überwiesen.
Am 23.12.2015 habe ich dann um Prüfung meines Falles gebeten.
Ich pendle von seit vielen Jahren von B***** nach Wien und zurück und deshalb ist es für mich unverständlich warum ich so eine hohe Summe zurückzahlen musste.
Hoffentlich habe ich mich für sie einigermaßen verständlich ausgedrückt - falls ihnen irgend etwas unverständlich erscheint bitte ich sie mich jederzeit zu kontaktieren.
Ferner legte die Bf mit E-Mails vom selben Tag folgende Unterlagen vor:
Ergänzungsersuchen des Finanzamts vom 24. 8. 2015 (Seite 1)
Ergänzungsersuchen des Finanzamts vom 23. 10. 2015 (Seite 1)
Zahlungsaufforderung vom 11. 12. 2015
Einkommensteuerbescheid 2010 vom 14. 10. 2015
Bescheid über die Festsetzung von Anspruchszinsen 2010 vom 14. 10. 2015
Einkommensteuerbescheid 2011 vom 14. 10. 2015
Bescheid über die Festsetzung von Anspruchszinsen 2011 vom 14. 10. 2015
Einkommensteuerbescheid 2012 vom 14. 10. 2015
Bescheid über die Festsetzung von Anspruchszinsen 2012 vom 14. 10. 2015
Der Richter informierte das Finanzamt über das Vorbringen der Bf und antwortete der Bf mit E-Mail vom 8. 7. 2016 in Bezug auf das Pendlerpauschale:
Beim Pendlerpauschale war es nach der Rechtslage für die Jahre 2010 bis 2012 erforderlich, dass Sie die Strecke Wohnung – Arbeitsort – Wohnung überwiegend, das heißt nach Verwaltungspraxis und Rechtsprechung an i.d.R. zumindest 11 Tagen im Monat zurücklegen müssen. Wenn Sie (bei einer Arbeitszeit von 30 Wochenstunden, die Sie sich möglichst optimal einteilen konnten) nur an ein oder zwei Tagen in der Woche gependelt sind, dann war dies nach der damaligen Rechtslage zu wenig für das Pendlerpauschale, auch wenn sie in der einen oder anderen Woche vielleicht dreimal gependelt haben. Wie oft Sie tatsächlich gependelt sind, können Sie nicht mehr sagen, und Sie schreiben selbst, „Einen Beweis für die gefahrenen Kilometer kann ich leider nicht mehr vorlegen“. Sie verfügen neben der Eigentumswohnung für die Kinder auch über eine Mietwohnung in Wien, die Sie regelmäßig genutzt haben. Die Fahrt mit dem Auto von B***** nach Wien dauert laut Google Maps bei über 150 km Wegstrecke in eine Richtung über zwei Stunden, Gesamtfahrzeit also vier Stunden. Es entspricht der Lebenserfahrung, dass Sie ab und zu auch unter der Woche nach Hause in das Südburgenland gefahren sind, nicht aber, dass dies überwiegend in den einzelnen Monaten der Jahre 2010 bis 2012 der Fall gewesen ist.
Bei dieser Sachlage müssten Sie, um eine Rechtswidrigkeit der angefochtenen Einkommensteuerbescheide in Bezug auf das Pendlerpauschale darzulegen, glaubhaft machen können, dass Sie in jedem Monat der Jahre 2010 bis 2012 überwiegend gependelt sind. Dazu wären entsprechende Beweismittel nötig. Wenn Sie über derartige Beweismittel nicht verfügen, sind die Erfolgsaussichten Ihrer Beschwerde in Bezug auf das Pendlerpauschale gering.
Eine Reaktion der Bf hierauf erfolgte zunächst nicht.
Ergänzungsersuchen vom 24. 8. 2015
Laut E-Mail der Bf vom 3. 7. 2016 hat das Finanzamt mit Datum 24. 8. 2015 folgendes Ergänzungsersuchen an die Bf mit Beantwortungsfrist bis 1. 10. 2015 gerichtet (Seite 1, Seite 2 ist dem Gericht nicht bekannt):
Bei mehreren Wohnsitzen ist für die steuerliche Würdigung des Pendlerpauschales (Pp) stets von dem dem Arbeitsort nächstgelegenen Wohnsitz auszugehen. Da Sie von 2001 bis 15.1.2013 eine Eigentumswohnung in *****Adresse_Wien_1***** besessen haben, war dies in Ihrem Fall Wien. Trotzdem haben Sie im Zuge der lfd Lohnverrechnung das Pp im höchstmöglichen Ausmaß berücksichtigen lassen. Da das Pp zumindest für den o.a. Zeitraum nicht zugestanden hat, liegt aufgrund dieses Sachverhaltes ein Pflichtveranlagungstatbestand vor. Sie werden daher aufgefordert, die Erklärungen zur Arbeitnehmerveranlagung für 2010 - 2012 (Formular L1) bis zum angeführten Termin beim zeichnenden Finanzamt abzugeben. Formulare und Ausfüllhilfen liegen nicht nur in den Finanzämtern auf, sie stehen auch im Internet auf der Homepage des Bundesministerium für Finanzen (www.bmf.gv.at) [Ende Seite 1]
Handschriftlich ist auf dem von der Bf vorgelegten PDF Folgendes ergänzt (ob diese Ergänzungen dem Finanzamt mitgeteilt wurden, lässt sich weder dem vom Finanzamt vorgelegten Akt noch der E-Mail der Bf entnehmen):
Beim Text "von 2001 bis 15.1.2013" wurde das Jahr 2001 gestrichen, bei der Adresse *****Adresse_Wien_1***** findet sich die Anmerkung "Eigentumswohnung *****Adresse_Wien_2*****!"
Ergänzungsersuchen vom 23. 10. 2015
Mit E-Mail der Bf vom 3. 7. 2016 legte diese ferner das Ergänzungsersuchen vom 23. 10. 2015, allerdings nur die Seite 1 (ohne Text zu "Ergänzungspunkte") vor.
Schreiben der Bf vom 5. 8. 2016
Mit Schreiben vom 5. 8. 2016, beim Bundesfinanzgericht eingelangt am 16. 8. 2016, erklärte die Bf ihr Einverständnis, dass das Finanzamt die Einkommensbescheide 2010 bis 2012 aufhebt und neue Einkommensteuerbescheide unter der Berücksichtigung der nachgewiesenen Sonderausgaben erlässt.
Das Finanzamt teilte mit E-Mails vom 16. und 17. 8. 2016 dem Gericht mit, dass es ausnahmsweise zu einer Vorgangsweise nach § 300 BAO bereit wäre, dieses Verfahren für das Finanzamt aber wesentlich aufwendiger in der Buchung als ein Erkenntnis des BFG sei.
Das Finanzamt anerkenne Sonderausgaben in folgender Höhe:
Versicherungen : 484,08
Darlehen: 1662,30
Kirchenbeitrag: 82,70
Versicherungen: 503,52
Darlehen: 1765,95
Kirchenbeitrag: 84,80
Versicherungen: 532,77
Darlehen: 1711,40
Kirchenbeitrag: 87,76.
Die Bf Sabine K***** wohnt in *****Adresse_Bgld*****. Die Bf arbeitet seit 1982 in dem von B***** über 150 km entfernten Wien. In Wien verfügt die Bf über eine Mietwohnung in *****Adresse_Wien_1*****, die diese jederzeit zum Wohnen verwenden kann und auch tatsächlich für Nächtigungen im Beschwerdezeitraum genutzt wurde. Die Bf war auch Miteigentümerin einer Eigentumswohnung in *****Adresse_Wien_2*****, die als Startwohnung für die Kinder gedacht war und von der Bf nie zu Wohnzwecken verwendet wurde.
Die Bf war bis Ende 2007 Wochenpendlerin, fuhr also am Freitag nach Arbeitsende nach B***** und am Sonntag wieder nach Wien. Da die Kinder später bereits sehr eigenständig waren, pendelte die Bf ab dem Jahr 2008 auch unter der Woche öfter die Strecke B***** - Wien - B*****.
Die Arbeitszeit der Bf betrug im Beschwerdezeitraum 30 Wochenstunden, die Bf konnte diese optimal einteilen. Die Bf arbeitete manchmal fünf Tage die Woche (auch am Freitag), manchmal vier Tage.
Die Bf hatte in den Jahren 2010 bis 2012 folgende Sonderausgaben:
455 484,08 503,52 532,77
458 82,70 84,80 87,76
Die getroffenen Feststellungen ergeben sich aus der Aktenlage, insbesondere dem eigenen Vorbringen der Bf und den von ihr vorgelegten Belegen.
Laut Versicherungsbestätigung für das Jahr 2011 betrugen die Prämien für 2011 503,53 € und nicht wie laut Erklärung 508,40 €.
Laut Kirchenbeitragsbescheiden wurden in den Jahren 2010 bis 2012 nicht jeweils 100,00 €, sondern 82,70 €, 84,80 € und 87,76 € vorgeschrieben.
Zum Pendlerpauschale ist darauf zu verweisen, dass die Fahrt mit dem Auto von B***** nach Wien laut Google Maps bei über 150 km Wegstrecke in eine Richtung über zwei Stunden dauert, Gesamtfahrzeit also vier Stunden. Es entspricht der Lebenserfahrung bei Vorhandensein einer Wohnung in Wien und optimaler Möglichkeit, die Arbeitszeit bei einer 30-Stunden-Woche einzuteilen, dass die Bf ab und zu auch unter der Woche nach Hause in das Südburgenland gefahren sind, nicht aber, dass dies überwiegend in den einzelnen Monaten der Jahre 2010 bis 2012 der Fall gewesen ist.
Für eine regelmäßige Nutzung der Wohnung in *****Adresse_Wien_1***** spricht auch der Umstand, dass sämtliche von der Bf für den Beschwerdezeitraum vorgelegten Bestätigungen an diese Adresse und nicht an die Anschrift der Bf im Burgenland adressiert sind. Selbst die Kirchenbeitragsstelle Güssing hat die Kirchenbeitragsbescheide nicht nach B*****, sondern nach Wien gesandt. Üblicherweise gibt man in bei zwei Wohnungen als Zustelladresse jene an, an der man sich am häufigsten aufhält.
Es ist glaubhaft, dass die Bf etwa infolge Pflegebedürftigkeit der Mutter fallweise auch unter der Woche ins Burgenland zurückpendelte, allerdings fehlen jegliche objektivierbare Angaben darüber, an welchen Tagen in den einzelnen Monaten der Jahre 2010 bis 2012 dies der Fall gewesen ist. Die Bf ist jedenfalls einmal die Woche hin- und hergependelt (nach ihren Angaben Montag Früh nach Wien sowie an einem Tag der Woche wieder zurück nach B*****). Überwiegendes Pendeln hieße unter Außerachtlassung von Urlauben oder Krankenständen ein Pendeln hin- und zurück an wenigstens elf Tagen im Monat (vgl. LStR 2002 Rz 250 und § 16 Abs. 1 Z 6 EStG 1988). Das heißt, die Bf müsste im Durchschnitt an in der Hälfte der Arbeitswochen an zumindest zwei Tagen hin- und zurückgefahren und in der anderen Hälfte an zumindest drei Tagen hin- und zurückgefahren sein, um ein Überwiegen zu bewirken.
Beweismittel für die Behauptung, dass die Bf in den einzelnen Lohnzahlungszeiträumen überwiegend von B***** nach Wien und zurück gependelt ist, konnte die Bf nicht vorlegen.
Im Hinblick auf die seit den Jahren 2010 bis 2012 verstrichene Zeit ist es verständlich, dass sich die Bf auch nicht genau erinnern (und dies in irgendeiner Form belegen) kann, an welchen Tagen der einzelnen Monate dieser Jahre sie von B***** nach Wien und zurück gependelt ist.
Damit kann von der Bf aber ein überwiegendes Pendeln in den einzelnen Lohnzahlungszeiträumen nicht einmal glaubhaft gemacht werden.
Wie sich aus dem Schreiben der Bf vom 5. 8. 2016 ergibt, wird die diesbezügliche Beschwerdeergänzung (§ 270 BAO) nicht mehr aufrecht erhalten.
§ 16 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 lautete in der für den Beschwerdezeitraum maßgebenden Fassung auszugsweise (die Beträge des Pendlerpauschales haben gewechselt und werden daher, da für die Grundsatzfrage nicht von Bedeutung, nicht wiedergegeben):
§ 18 Abs. 1 EStG 1988 lautete in der für den Beschwerdezeitraum maßgebenden Fassung auszugsweise:
§ 18 Abs. 3 EStG 1988 lautete in der für den Beschwerdezeitraum maßgebenden Fassung auszugsweise:
Kein Verfahren nach § 300 BAO
Im Hinblick auf die vom Finanzamt vorgetragenen Probleme mit der Durchführung eines Verfahrens nach § 300 BAO bei den Verbuchungen im IT-System der Finanzverwaltung nimmt das Bundesfinanzgericht von einem Verfahren nach § 300 BAO Abstand und entscheidet selbst in der Sache.
Bemerkt wird, dass möglicherweise die Verbuchung eines Erkenntnisses am Finanzamt einfacher als eine Bescheidaufhebung und neuerliche Bescheiderlassung nach § 300 BAO sein mag, jedoch allein der technische Aufwand für die Erstellung und Ausfertigung eines Erkenntnisses des Bundesfinanzgerichts samt Abgabenberechnung einschließlich Aufbereitung für die FINDOK auch in inhaltlich letztlich unstrittigen Fällen - die aber ebenfalls ein Mindestmaß an Begründung erfordern - beim Bundesfinanzgericht zeitlich ein beachtliches Ausmaß erreicht, das mit hoher Wahrscheinlichkeit über den beim Finanzamt mit einem Verfahren nach § 300 BAO verbundenen Aufwand weit hinausgeht, und das Verfahren nach § 300 BAO eigentlich eine rasche und ökonomische Erledigung nach Streitbelegung sicherstellen sollte.
Die in §§ 6, 16 BFGG normierten Grundsätze der Einfachheit, Raschheit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit, die vom Bundesfinanzgericht zu beachten sind, sollten in einer Gesamtbetrachtung für ein abgekürztes Verfahren nach § 300 BAO sprechen (vgl. etwa Fischerlehner, Abgabenverfahren2, § 300 BAO Anm. 5), selbst wenn damit mehrere Buchungsvorgänge am Finanzamt verbunden sein sollten.
Da im gegenständlichen Fall die Vorarbeiten für eine Entscheidung in der Sache durch das Bundesfinanzgericht nach der E-Mail-Korrespondenz von Anfang Juli 2016 zufolge des Einlangens der Einverständniserklärung erst am 16. 8. 2016 bereits weit fortgeschritten waren, ist im gegenständlichen Fall die Erlassung eines Erkenntnisses des Bundesfinanzgerichts zweckmäßiger.
Nach dem Beschwerdevorbringen in der Fassung des Schreibens vom 5. 8. 2016 wird nur mehr die Berücksichtigung der nachgewiesenen Sonderausgaben beantragt.
Zum Pendlerpauschale ist darauf zu verweisen, dass mangels entsprechender Beweismittel nicht festgestellt werden kann, dass die Bf in jedem Monat der Jahre 2010 bis 2012 überwiegend gependelt ist.
Sonderausgaben wurden wie unter "Sachverhalt" ausgeführt im nachgewiesenen Ausmaß festgestellt.
Die angefochtenen Bescheide erweisen sich daher insoweit als rechtswidrig (Art. 132 Abs. 1 Z 1 B-VG), als sie der Bf in den Jahren 2010 bis 2012 erwachsene Sonderausgaben nicht berücksichtigen.
Die Einkommensteuerbescheide für die Jahre 2010 bis 2012 sind daher gemäß § 279 BAO abzuändern.
Hierbei werden die Sonderausgaben zwar im nachgewiesenen Umfang zur Gänze berücksichtigt, allerdings sind zufolge § 18 Abs. 3 Z 2 EStG 1988 die sogenannten "Topfsonderausgaben" steuerlich nur zu einem Viertel anzusetzen:
2010: 484,08 € + 1.662,30 € = 2.146,38 € / 4 = 536,60 €
2011: 503,52 € + 1.765,95 € = 2.269,47 € / 4 = 567,37 €
2012: 532,77 € + 1.711,40 € = 2.244,17 € / 4 = 561,04 €.
Bemerkt wird, dass die vorstehend ausgewiesene "Abgabennachforderung" rechnerisch der festgesetzten Einkommensteuer entspricht und nicht die tatsächliche Gutschrift gegenüber den mit den angefochtenen Bescheiden vorgenommenen Festsetzungen ausdrückt.
Die (ordentliche) Revision ist daher nicht zuzulassen.
ECLI:AT:BFG:2016:RV.7102821.2016
Findok-Nr: 111609.1, aufgenommen am: 06.10.2016 08:30:37, Dokument-ID: 710076ea-a6f9-43af-abc3-af86d2ae1363, Segment-ID: 9fc41404-f776-4946-a9a2-54af8db27e5b

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