Source: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20000755
Timestamp: 2020-03-28 12:42:23+00:00

Document:
RIS - Fleischverarbeitung-Ausbildungsordnung - Bundesrecht konsolidiert, Fassung vom 28.03.2020
Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Fleischverarbeitung-Ausbildungsordnung, Fassung vom 28.03.2020
Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die Berufsausbildung in der Fleischverarbeitung (Fleischverarbeitung- Ausbildungsordnung)
StF: BGBl. II Nr. 188/2000
Auf Grund der §§ 8 und 24 des Berufsausbildungsgesetzes, BGBl. Nr. 142/1969, zuletzt geändert durch die Berufsausbildungsgesetz-Novelle 1998, BGBl. I Nr. 100/1998, wird verordnet:
Lehrberuf Fleischverarbeitung
§ 1. (1) Der Lehrberuf Fleischverarbeitung ist mit einer Lehrzeit von drei Jahren eingerichtet.
(2) In den Lehrverträgen, Lehrzeugnissen, Lehrabschlussprüfungszeugnissen und Lehrbriefen ist der Lehrberuf in der dem Geschlecht des Lehrlings entsprechenden Form (Fleischverarbeiter oder Fleischverarbeiterin) zu bezeichnen.
§ 2. Durch die Berufsausbildung im Lehrbetrieb und in der Berufsschule soll der ausgebildete Lehrling befähigt werden, die nachfolgenden Tätigkeiten fachgerecht, selbstständig und eigenverantwortlich ausführen zu können:
Einschlägige Werkzeuge, Maschinen und Arbeitsbehelfe warten, instandhalten, desinfizieren und handhaben,
Schlachttierkörper, Schlachttierhälften und Schlachttierviertel zerlegen und herrichten,
Fleisch für den Verkauf und die Weiterverarbeitung zerlegen und herrichten,
Fleischteile und Nebenprodukte im Hinblick auf die Verwendungsmöglichkeiten und auf die Verarbeitungsmöglichkeiten beurteilen,
Fleisch zu Fleischwaren verarbeiten,
Fertige Fleischwaren nach ihrer Art und Qualität beurteilen,
Fleisch und Fleischwaren haltbar machen,
Fleisch und Fleischwaren kühlen, einfrieren und lagern,
Fleisch und Fleischwaren mit Hilfe der geeigneten Verfahren und Materialien abfüllen und verpacken,
Fleisch und Fleischwaren verkaufsfertig herrichten,
Bei Maßnahmen in der Lebensmittelhygiene mitwirken.
§ 3. (1) Für die Ausbildung wird folgendes Berufsbild festgelegt. Die angeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sind spätestens in dem jeweils angeführten Lehrjahr beginnend derart zu vermitteln, dass der Lehrling zur Ausübung qualifizierter Tätigkeiten im Sinne des Berufsprofils befähigt wird, die insbesondere selbstständiges Planen, Durchführen, Kontrollieren und Optimieren einschließt.
1. Handhaben, Instandhalten und hygienische Wartung der zu
verwendenden Werkzeuge,Maschinen, Geräte und Arbeitsbehelfe
und Kühlanlagen
2. Kenntnis der - -
3. Kenntnis der Beurteilung von Schlachtvieh und Fleisch nach
Qualität und Verwertbarkeit
4. Grundkenntnisse des Schlachtens -
5. Kenntnis der Fleischteile der -
einzelnen Vieharten und ihrer
6. - Kenntnis der Hilfsstoffe für die
7. Zerlegen von geschlachtetem Vieh, Entbeinen und Entsehnen
sowie ladenfertiges Herrichten zum Verkauf
8. - Beurteilen von Fleisch und Nebenprodukten
nach ihren Verwendungs- und
9. Kenntnis über Lagern von -
das Lagern von Fleisch und
Fleisch und Nebenprodukten
10. - Kenntnis der Zusammensetzen und
Zusammensetzung Würzen des Wurstgutes
und Herstellung nach Angabe
des Wurstgutes
11. - Füllen des Wurstgutes sowie Abbinden,
Abteilen und Fertigmachen der Wurst
12. - Kenntnis der Verarbeiten von Fleisch
Verarbeitung zu Fleischwaren
von Fleisch zu
13. - Haltbarmachen von Fleisch und
14. - Salzen, Pökeln, Räuchern, Braten, Kochen,
Brühen, Kühlen, Trocknen
15. - - Beurteilen von Fleisch
und Fleischwaren nach
ihrer Art, Qualität und
16. - Lagern von fertigem Fleisch und fertigen
17. Kenntnis der Vorschriften der Lebensmittelhygiene,
Mitwirken bei Maßnahmen in der Lebensmittelhygiene
18. Kenntnis der sich aus dem Lehrvertrag ergebenden
(§§ 9 und 10 des Berufsausbildungsgesetzes)
19. Kenntnis der einschlägigen Sicherheitsvorschriften sowie
der sonstigen in Betracht kommenden Vorschriften zum
Schutz des Lebens und der Gesundheit
20. Grundkenntnisse der aushangpflichtigen arbeitsrechtlichen
21. Grundkenntnisse der einschlägigen Berufsvorschriften bei
der Erzeugung von Fleisch- und Fleischwaren und aller
den Beruf betreffenden Gesetze und Verordnungen
(2) Bei der Ausbildung in den fachlichen Kenntnissen und Fertigkeiten ist - unter besonderer Beachtung der betrieblichen Erfordernisse und Vorgaben - auf die Persönlichkeitsbildung des Lehrlings zu achten, um ihm die für eine Fachkraft erforderlichen Schlüsselqualifikationen bezüglich Sozialkompetenz (wie Offenheit, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit), Selbstkompetenz (wie Selbsteinschätzung, Selbstvertrauen, Eigenständigkeit, Belastbarkeit), Methodenkompetenz (wie Präsentationsfähigkeit, Rhetorik in deutscher Sprache, Verständigungsfähigkeit in den Grundzügen der englischen Sprache) und Kompetenz für das selbstgesteuerte Lernen (wie Bereitschaft, Kenntnis über Methoden, Fähigkeit zur Auswahl geeigneter Medien und Materialien) zu vermitteln.
§ 4. (1) Die Lehrabschlussprüfung gliedert sich in eine praktische und in eine theoretische Prüfung.
(2) Die praktische Prüfung umfasst die Gegenstände Prüfarbeit und Fachgespräch.
(3) Die theoretische Prüfung umfasst die Gegenstände Fachkunde und Angewandte Mathematik.
(4) Die theoretische Prüfung entfällt, wenn der Prüfungskandidat das Erreichen des Lehrzieles der letzten Klasse der fachlichen Berufsschule oder den erfolgreichen Abschluss einer die Lehrzeit ersetzenden berufsbildenden mittleren oder höheren Schule nachgewiesen hat.
§ 5. (1) Die Prüfung hat nach Angabe der Prüfungskommission folgende Arbeitsproben zu umfassen:
Qualitätsprüfung am Schlachtkörper,
Bankprüfung (Zerlegen von geschlachtetem Vieh, Entbeinen und Entsehnen) und Bezeichnen der Fleischteile,
Wursterprüfung (Zusammensetzen, Würzen des Wurstgutes nach Angabe, Füllen der Wursthüllen, Abbinden, Abteilen und Fertigstellen der Wurst).
(2) Die Prüfungskommission hat unter Bedachtnahme auf den Zweck der Lehrabschlussprüfung und die Anforderungen der Berufspraxis jedem Prüfling eine Prüfarbeit zu stellen, die in der Regel in sieben Arbeitsstunden durchgeführt werden kann.
(3) Die Prüfung ist nach acht Arbeitsstunden zu beenden.
fachgerechtes Arbeiten,
Maßhaltigkeit und Hygiene,
Verwenden der richtigen Werkzeuge, Geräte und Maschinen.
§ 6. (1) Die Prüfung ist vor der gesamten Prüfungskommission abzulegen.
(2) Das Fachgespräch hat sich aus der praktischen Tätigkeit heraus zu entwickeln. Hiebei ist unter Verwendung von Fachausdrücken das praktische Wissen einschließlich der Grundkenntnisse des Schlachtens festzustellen.
(3) Die Themenstellung hat dem Zweck der Lehrabschlussprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Fragen über Betriebshygiene, Veterinärwesen, Lebensmittelrecht, Berufskrankheiten, Schutzmaßnahmen und Unfallverhütung sind mit einzubeziehen. Die Prüfung ist in Form eines möglichst lebendigen Gesprächs mit Gesprächsvorgabe durch Schilderung von Situationen oder Problemen zu führen.
(4) Das Fachgespräch soll für jeden Prüfling zumindest 15 Minuten dauern. Es ist nach 20 Minuten zu beenden. Eine Verlängerung um höchstens zehn Minuten hat im Einzelfall zu erfolgen, wenn der Prüfungskommission ansonsten eine zweifelsfreie Bewertung der Leistung des Prüflings nicht möglich ist.
§ 7. (1) Die theoretische Prüfung hat schriftlich zu erfolgen. Sie kann für eine größere Anzahl von Prüflingen gemeinsam durchgeführt werden, wenn dies ohne Beeinträchtigung des Prüfungsablaufs möglich ist. Die theoretische Prüfung kann auch in rechnergestützter Form erfolgen, wobei jedoch alle wesentlichen Schritte für die Prüfungskommission nachvollziehbar sein müssen.
§ 8. (1) Die Prüfung hat die stichwortartige Beantwortung je einer Aufgabe aus den nachstehenden Bereichen zu umfassen:
Rohstoffe und Hilfsstoffe,
Werkzeuge, Geräte, Maschinen,
Schlachttiere: Rassen-, Alters- und Qualitätsbestimmungen,
Fleisch- und Wurstwarenarten,
Haltbarmachen und Lagerung von Fleisch- und Wurstwaren.
(2) Die Prüfung kann auch in programmierter Form erfolgen. In diesem Fall sind aus jedem Bereich vier Fragen zu stellen.
§ 9. (1) Die Prüfung hat je eine Aufgabe aus den nachstehenden Bereichen zu umfassen:
Prozentrechnungen,
(2) Das Verwenden von Rechenbehelfen, Formeln und Tabellen ist zulässig.
(2) Wenn bis zu zwei Gegenstände mit "Nicht genügend" bewertet wurden, ist die Wiederholungsprüfung auf die mit "Nicht genügend" bewerteten Gegenstände zu beschränken. Die Prüfungskommission hat in diesem Fall unter Berücksichtigung der festgestellten Mängel an Fertigkeiten und Kenntnissen festzulegen, wann innerhalb des Zeitraums von drei bis sechs Monaten nach der nicht bestandenen Lehrabschlussprüfung frühestens die Wiederholungsprüfung abgelegt werden kann.
(3) Wenn mehr als zwei Gegenstände mit "Nicht genügend" bewertet wurden, ist die gesamte Prüfung zu wiederholen. In diesem Fall kann die Wiederholungsprüfung frühestens sechs Monate nach der nicht bestandenen Lehrabschlussprüfung abgelegt werden.
§ 12. (1) Die Ausbildungsvorschriften für den Lehrberuf Fleischer, BGBl. Nr. 431/1972, in der Fassung der Verordnung BGBl. Nr. 15/1980 treten unbeschadet Abs. 3 mit Ablauf des 30. Juni 2000 außer Kraft.
(2) Die Prüfungsordnung für die Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Fleischer, BGBl. Nr. 327/1975, in der Fassung der Verordnung BGBl. Nr. 355/1976 tritt unbeschadet Abs. 3 mit Ablauf des 30. Juni 2000 außer Kraft.
(3) Lehrlinge, die am 30. Juni 2000 im Lehrberuf Fleischer ausgebildet werden, sind entsprechend den in Abs. 1 angeführten Ausbildungsvorschriften bis zum Ende der vereinbarten Lehrzeit auszubilden und können bis ein Jahr nach Ablauf der vereinbarten Lehrzeit zur Lehrabschlussprüfung gemäß der in Abs. 2 angeführten Prüfungsordnung antreten.
(4) Die Lehrzeiten, die im Lehrberuf Fleischer entsprechend den in Abs. 1 angeführten Ausbildungsvorschriften zurückgelegt wurden, sind auf die Lehrzeit im Lehrberuf Fleischverarbeitung im vollen Ausmaß anzurechnen.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 12