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Timestamp: 2019-04-22 19:03:27+00:00

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BGH, 27.10.2015 - VI ZR 23/15 - dejure.org
BGB § 823 Abs. 1, § 833 Satz 1, 249 Abs. 2, § 251 Abs. 2 Satz 2, § 254, § 840 Abs. 3; ZPO § 287; GG Art. 20a; § 1 TierSchG
§ 251 Abs. 2 Satz 2 BGB, § ... 833 Satz 1 BGB, § 823 BGB, § 90a Satz 3, § 823 Abs. 1 BGB, § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB, § 251 Abs. 2 BGB, § 249 BGB, § 249 Abs. 1 BGB, § 90a Satz 3 BGB, § 249 Abs. 2 BGB, § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB, Art. 20a GG, § 1 TierSchG, § 287 Abs. 1 ZPO, § 249 Abs. 2, §§ 249, 251 Abs. 2 BGB, § 322 ZPO, § 254 Abs. 1 BGB, § 559 Abs. 2 ZPO, § 254 Abs. 1, § 840 Abs. 3 BGB, § 564 Satz 1 ZPO
§ 251 Abs 2 S 1 BGB, § 251 Abs 2 S 2 BGB
Schadensersatz bei Verletzung eines Tieres: Verhältnismäßigkeit der Tierbehandlungskosten
Behandlungskosten - Verhältnismäßigkeit
Ermittlung der noch verhältnismäßigen Heilbehandlungskosten bei der Verletzung von Tieren (hier: Hund); Übersteigen der Aufwendungen der Heilbehandlung den Wert des Tieres; Berücksichtigung des individuellen Verhältnisses zwischen dem Geschädigten und dem verletzten Tier
Zur Verhältnismäßigkeit der Tierbehandlungskosten
Höhe des Schadensersatzes bei der Verletzung von Tieren
Bissiger Hundestreit kann teuer werden
Muss der, der für die Verletzung eines Tieres haftet, tierärztliche Behandlungskosten in unbegrenzter Höhe erstatten?
Ermittlung der noch verhältnismäßigen Heilbehandlungskosten bei der Verletzung von Tieren
Höhe des Schadensersatzes bei Verletzung von Tieren
Kurznachricht zu "Das Tier als Opfer - Schadensersatzanspruch" von RA Prof. Dr. Rainer Heß und RA Dr. Michael Burmann, original erschienen in: NJW Spezial 2016, 73 - 74.
AG Delmenhorst, 03.07.2014 - 41 C 1446/13
LG Oldenburg, 10.12.2014 - 5 S 394/14
NJW 2016, 1589
MDR 2016, 156
NJ 2016, 157
VersR 2016, 60
a) Ist für die Entstehung eines Schadens auch die Tiergefahr des eigenen Tieres des Geschädigten mitursächlich, so muss sich der Geschädigte dies entsprechend § 254 Abs. 1, § 833 Satz 1 BGB mindernd auf seinen Anspruch aus § 833 Satz 1 BGB anrechnen lassen (vgl. Senatsurteile vom 5. März 1985 - VI ZR 1/84, VersR 1985, 665, 666 mwN; vom 27. Oktober 2015 - VI ZR 23/15, VersR 2016, 60 Rn. 26).
Denn gegenüber der Verschuldenshaftung aus § 823 BGB käme der Tiergefahr des Hundes des Klägers dem Sinngehalt des § 840 Abs. 3 BGB entsprechend keine Bedeutung zu (Senatsurteil vom 27. Oktober 2015 - VI ZR 23/15, aaO Rn. 26 mwN).
Im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht hat die Beklagte durch eine ausreichende Beaufsichtigung oder eine ausreichend sichere Einzäunung ihres Grundstücks dafür zu sorgen, dass ihr Hund nicht entweichen kann (Senatsurteile vom 27. Oktober 2015 - VI ZR 23/15, aaO Rn. 9; vom 28. April 1992 - VI ZR 314/91, VersR 1992, 844).
Denn gegenüber der Verschuldenshaftung aus § 823 BGB käme der Tiergefahr des Hundes des Klägers dem Sinngehalt des § 840 Abs. 3 BGB entsprechend eine Bedeutung nicht zu (BGH, Urteil vom 31.05.2016, Az.: VI ZR 465/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 2737 f.; BGH, Urteil vom 27.10.2015, Az.: VI ZR 23/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 1589 ff.).
Ausgehend von der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf und schmerzempfindliches Lebewesen verbietet § 251 Abs. 2 Satz 2 BGB bei der Schadensbemessung eine streng wirtschaftliche Betrachtungsweise (BT-Drs. 11/5463, Seite 5; BGH, Urteil vom 27.10.2015, Az.: VI ZR 23/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 1589 f.).
Das bedeutet zwar nicht, dass eine Verpflichtung zum Schadensersatz in unbegrenzter Höhe besteht (vgl. BT-Drs. 11/5463, 7 und BT-Drs. 11/7369, 7; BGH, Urteil vom 27.10.2015, Az.: VI ZR 23/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 1589 f.; OLG Schleswig, Beschluss vom 19.08.2014, Az.: 4 W 19/14, u.a. in: MDR 2014, Seiten 1391 f.).
Unter der Voraussetzung, dass eine Heilbehandlung tatsächlich durchgeführt wurde (vgl. BT-Drs. 11/5463, 6 und BT-Drs. 11/7369, 7), verlangt § 251 Abs. 2 Satz 2 BGB aber, dass dem Interesse des Schädigers, nicht mit den Behandlungskosten belastet zu werden, bei der Verhältnismäßigkeitsprüfung nicht nur der Wert des Tieres gegenübergestellt wird, sondern auch das aus der Verantwortung für das Tier folgende immaterielle Interesse an der Wiederherstellung seiner Gesundheit und seiner körperlichen Integrität (BGH, Urteil vom 31.05.2016, Az.: VI ZR 465/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 2737 f.; BGH, Urteil vom 27.10.2015, Az.: VI ZR 23/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 1589 f.).
Immer bedarf es einer wertenden Gesamtbetrachtung aller Umstände des konkreten Einzelfalls (BGH, Urteil vom 31.05.2016, Az.: VI ZR 465/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 2737 f.; BGH, Urteil vom 27.10.2015, Az.: VI ZR 23/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 1589 f.; BGH, Urteil vom 04.04.2014, Az.: V ZR 275/12, u.a. in: NJW 2015, Seiten 468 ff.).
Nach Auffassung des Gesetzgebers kommt es für die Bestimmung der Zumutbarkeitsgrenze auf das Maß des Verschuldens des Schädigers, das individuelle Verhältnis zwischen dem Geschädigten und dem verletzten Tier sowie darauf an, ob die aufgewendeten Heilbehandlungskosten aus tiermedizinischer Sicht vertretbar gewesen sind (vgl. BT-Drs. 11/5463, Seite 7; BGH, Urteil vom 31.05.2016, Az.: VI ZR 465/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 2737 f.; BGH, Urteil vom 27.10.2015, Az.: VI ZR 23/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 1589 f.).
Aus diesem Grund kann im Fall der Verletzung eines Tieres der Schädiger den Geschädigten selbst bei unverhältnismäßig hohen Heilbehandlungskosten nicht gemäß § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB auf Wertersatz in Geld verweisen; der Schädiger schuldet dem Geschädigten vielmehr - in Ausnahme von dieser Vorschrift - gemäß § 251 Abs. 2 Satz 2 BGB den Ersatz der noch als verhältnismäßig zu erachtenden Tierbehandlungskosten (BGH, Urteil vom 27.10.2015, Az.: VI ZR 23/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 1589 f.).
Die Beurteilung der Frage, ob für ein Tier aufgewandte Behandlungskosten erstattungsfähig oder unverhältnismäßig hoch sind, erfordert eine Gesamtbetrachtung aller Einzelfallumstände, so dass eine im Einzelfall bei dem dreifachen Betrag der jährlichen Kosten gezogene Verhältnismäßigkeitsgrenze nicht schematisch auf andere Fälle übertragen werden kann (Anschluss an: BGH, Urteil v. 27.10.2015, VI ZR 23/15 = r+s 2016, 45, 46).
Da es indes immer auf eine Gesamtbetrachtung aller Einzelfallumstände ankommt, kann eine im Einzelfall bei dem dreifachen Betrag der jährlichen Kosten gezogene Verhältnismäßigkeitsgrenze nicht schematisch auf andere Fälle übertragen werden (BGH, Urteil v. 27.10.2015, VI ZR 23/15 = r+s 2016, 45, 46).
Die Begrenzung des Schadensersatzanspruchs durch § 251 II BGB unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit ist eine Ausprägung des Grundsatzes von Treu und Glauben (BGH r+s 2016, 45).

References: § 823
 § 833
 § 251
 § 254
 § 840
 § 287
 Art. 20
 § 1

§ 251
 § 823
 § 90
 § 823
 § 249
 § 251
 § 249
 § 249
 § 90
 § 249
 § 251
 Art. 20
 § 1
 § 287
 § 249
 § 322
 § 254
 § 559
 § 254
 § 840
 § 564

§ 251
 § 251
 § 254
 § 833
 § 833
 § 823
 § 840
 § 823
 § 840
 § 251
 § 251
 § 251
 § 251
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