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Timestamp: 2020-07-07 04:55:12+00:00

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Entwicklungen & Trends des Versicherungsmarktes 2018 (Teil II)
24.09.2018 Sandra Dammalacks
D&O-Versicherung (Directors & Officers Liability)
Im ersten Halbjahr 2018 war der deutsche D&O-Markt aufgrund ausreichender Kapazitäten und neu hinzugekommener Anbieter hart umkämpft, das Prämienniveau unverändert niedrig.
Zu beobachten ist der Versuch einzelner Versicherer, die Bedingungen einzuschränken. Bislang gelang dieses jedoch nur bei schadenbelasteten Verträgen oder bei schlechten Bilanzkennzahlen der zu versichernden Unternehmen.
Seit einigen Wochen erklären Versicherer wie die AIG öffentlich, dass die „Managerhaftpflichtversicherung teurer wird“. Hintergrund sei die angespannte Schadensituation, insbesondere Deutsche Großkonzerne müssten mit höheren Prämien rechnen. Begründet wird diese neue Entwicklung mit der steigenden Anzahl von Anleger- und Kundenklagen. Das Prämienvolumen am deutschen D&O-Markt wird derzeit auf rd. 600 Mio. EUR p.a. geschätzt. Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft liegt der Verlust durch Schäden für die Versicherungswirtschaft in den Jahren 2015 und 2016 bei 114,9 % bzw. 95 %. Unter Berücksichtigung der Kostensätze kommen daher Schadenkostenquoten von 145 % bzw. 125 % zum Tragen, so dass die Rentabilität durchaus in Frage gestellt werden kann.
Ein weiterer Grund für eine Verschlechterung des Prämienniveaus kann in dem Mitte 2018 beschlossenen Gesetz zur Musterfeststellungsklage gesehen werden, da hierdurch das Risiko von Sammelklagen erhöht wird. Negative Erfahrungen haben die Versicherer bereits in den USA gemacht, wo Sammelklageprozesse zu rekordverdächtigen Zahlungen und Vergleichssummen im dreistelligen Millionenbereich geführt und den Markt bereits verhärtet haben.
Neben der AIG überprüfen auch andere Versicherer wie CNA Hardy und Chubb für die anstehende Renewalphase 2018/2019 ihre Bestände. Dabei werden die Sanierungsbegehren nicht nur an Konzernkunden herangetragen. Auch die sehr günstig kalkulierten Policen von mittelständischen Unternehmen werden auf den Prüfstand gestellt. Einzelne Versicherer fokussieren sich dabei auf besonders schadenträchtige Branchen wie die Kfz-Zuliefererindustrie. Unternehmen mit schlechten Bilanzkennzahlen werden einer gesonderten Überprüfung durch die Aktuare der Versicherer unterzogen.
Soweit Sie als unser Kunde von diesen Sanierungsbestrebungen betroffen sind, werden wir Sie kontaktieren und über mögliche Alternativen unterrichten.
Speziell im Bereich der D&O-Versicherung für Commercials (Gewerbe- und Industriekunden) entwickeln Versicherer derzeit Ausschreibungsportale, um durch die Digitalisierung das sehr niedrige Prämienniveau aufzufangen und profitabler zu gestalten. Im Bereich der D&O für Finanzunternehmen und Finanzdienstleister ist eine Stagnation des Prämienniveaus am Markt zu beobachten.
Die Makler- und Versicherer-Bedingungen sind unverändert sehr weitreichend ausgestaltet. Auf der „Klauselspielwiese“ finden sich auch dieses Jahr wieder Neuheiten wie z. B. „Übernahme von Krisenberatungskosten im Falle einer Entführung“. Dabei stellt sich ernsthaft die Frage, ob die Aufnahme derartiger Kostenbausteine nicht den originären Zweck der Managerhaftpflicht torpediert.
Deckungsrechtliche Fragen zur Zahlungsverbotshaftung nach § 64 GmbHG
Bereits seit Mitte 2017 wird in den Medien die Frage diskutiert, inwiefern Inanspruchnahmen von Managern gemäß § 64 GmbHG, § 92 AktG über D&O-Bedingungen versichert sind.
Die Geschäftsführer einer GmbH haften für Zahlungen, die nach Insolvenzreife getätigt werden. Dies ist in § 64 GmbHG bzw. 92 AktG gesetzlich geregelt. Versucht ein Geschäftsführer in der möglichen Insolvenzkrise sein Unternehmen durch Zahlungen zu retten, können die in dieser Phase geleisteten Zahlungen im Nachhinein durch den Insolvenzverwalter vom Geschäftsführer persönlich zurückgefordert werden.
Verschiedene Gerichte haben in den letzten Jahren entschieden, dass Ansprüche aus § 64 GmbHG keine eigentlichen Schadenersatzansprüche, sondern „Ansprüche eigener Art“ sind. Nach einer Gerichtsentscheidung sind diese Fälle nicht unter der D&O-Police versichert, da keine explizite Benennung der Mitversicherung vorlag (Oberlandesgericht Celle / AZ 8 W 20/16).
Je nach Ausgestaltung der Versicherungsbedingungen könnte sich somit die Frage stellen, ob über die D&O-Versicherung entsprechender Versicherungsschutz besteht oder in diesen Konstellationen im Schadenfall mit der Berufung auf die Anspruchs-Kategorie des § 64 GmbHG eventuell abgelehnt würde.
Nach unserem Verständnis gehören Inanspruchnahmen, die auf § 64 GmbHG gestützt werden, zum Kernbereich der D&O Versicherung. Die meisten D&O-Versicherer, insbesondere unsere Rahmenvertragspartner, haben nach dem Urteil die Mitversicherung der Zahlungsverbotshaftung explizit bestätigt.
Mittelständische Industriekunden mit einem Umsatz von bis zu 500 Mio. EUR können von der aktuellen Marktentwicklung besonders profitieren. Mit unserem speziell für diese Zielgruppe entwickelten Kombinationsprodukt deas Premium Plus, bestehend aus einer Managerhaftpflicht und Vertrauensschadenversicherung, bieten wir eine Vielzahl von über dem Marktstandard liegenden Klausel-Erweiterungen, einschließlich der besonderen Mitversicherung der „wissentlichen Pflichtverletzung“ im D&O-Teil an.
Aber auch bei Konzerndeckungen ist eine Optimierung der Bedingungen möglich. Für Exzedentenversicherungen macht es Sinn, mit den Versicherern über eine Erweiterung des drop down auch in sublimitierte Bereiche zu verhandeln.
Markttrend 2018/2019
Für die anstehende Renewalphase ist eine erstmalige Verhärtung des Marktes bei einzelnen Versicherern zu beobachten. Allerdings handelt es sich derzeit noch um Bestrebungen einzelner Versicherer. Meist sind Alternativen verfügbar.
Für gut verlaufende Risiken ist trotz zunehmender Schadenzahlungen und Kostenschäden eine Verhärtung des D&O-Marktes nicht erkennbar.
Unverändert bleibt die Auswahl des richtigen Versicherers mit einem guten Vertrags- und Schadenservice maßgeblich.
In der Vertrauensschadenversicherung haben die bedingungsseitigen Erweiterungen durch die Mitversicherung spezieller „Cyberbausteine“ und „Fake President Fraud“ zu einer erheblichen Zunahme der Schadenfälle und Kosten bei den Versicherern geführt.
In der Folge ziehen sich einige Anbieter aus dieser Sparte zurück bzw. setzen die positive Beantwortung ausführlicher Risikofragebögen voraus. Bei hohen Versicherungssummen ist eine Rückzeichnung bzw. Einschränkung der Kapazitäten zu erwarten.
Für das Renewal 2018/2019 ist mit einer Stagnation der Prämien bzw. nicht unerheblichen Prämiensteigerungen zu rechnen. Es bleibt abzuwarten, ob sich noch weitere Versicherer aufgrund der unprofitablen Schadensituation aus dieser Sparte zurückzeichnen.
Im Bereich der Cyberversicherung ist die Anzahl der Neuabschlüsse und das Interesse zur Absicherung dieser Risiken erheblich gestiegen.
Konkrete Cyberattacken in den Vorjahren wie z.B. durch WannaCry, Petya, Not Petya oder auch zu Beginn 2018 durch Spectre und Meltdown haben zu einer verstärkten Sensibilisierung in deutschen Unternehmen geführt. Die Anzahl der Attacken nimmt zu, und auch Großschadenszenarien mit mehr als 100 Mio. EUR können nicht ausgeschlossen werden.
Hinzu kommt, dass seit dem Inkrafttreten der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 25.05.2018 für Unternehmen weitreichende Verpflichtungen und Anforderungen im Hinblick auf den Datenschutz gelten.
Die Nichteinhaltung der Verordnung bzw. eine Datenschutzverletzung kann erhebliche finanzielle Folgen haben, denn die neue Verordnung sieht Bußgelder von bis zu 10 Mio. EUR oder bis zu 2 % des weltweiten Jahresumsatzes vor.
Mit den deas Cyber Solutions bieten wir Ihnen maßgeschneiderte Lösungen und spezielle Rahmenvertragskonzepte, die als „i-Tüpfelchen“ die Steuerung und Absicherung von Cyberrisiken im Unternehmen komplettieren.
Für mittelständische Industriekunden sind ausreichende Kapazitäten am deutschen und englischen Markt vorhanden.
Die Anzahl der Versicherer, die dieses Produkt auch am deutschen Markt anbieten, ist steigend.
Die Bedingungen sind weitreichend, und das Prämienniveau stagniert im unteren Preissegment. Allerdings ist mit einer steigenden Anzahl von Schadenfällen zu rechnen. Durch die Mitversicherung von Clouds bzw. der Aufnahme von externen Dienstleistern in das Konzept sowie durch die Überschneidung der Cyberdeckung mit anderen Versicherungssparten haben die Versicherer eine teilweise unüberschaubare Kumul-Thematik in ihr Portfolio aufgenommen.
Gerade im Bereich der Großrisiken und bei Konzernkunden mit hohen Versicherungssummen beobachten wir derzeit bei führenden Cyber-Versicherern eine Rückzeichnung der Kapazitäten, die Einführung höherer Selbstbehalte und Prämiensteigerungen. Es bleibt abzuwarten, ob diese neue Zeichnungspolitik bestimmter Versicherer auch auf mittelständische Risiken ausgedehnt wird.
Durch die gesetzliche Neuregelung der Anwalts- und Gerichtskosten erwarten die Rechtsschutzversicherer eine erhebliche Steigerung der Schadenkosten in allen Rechtsschutzsparten.
Bereits im Vorjahr haben Versicherer wie z.B. die Chubb ihr Engagement im Bereich der Strafrechtsschutzversicherung zurückgezeichnet. In 2018 hat nunmehr die GSM ihren Geschäftsbetrieb gänzlich eingestellt. Insofern hat sich die Anzahl der Anbieter weiter verringert.
Für die Zukunft ist aufgrund der o.g. Kostensteigerung mit einer Anhebung der Versicherungsprämien in den Rechtsschutzsparten zu rechnen. Zur Absicherung der speziellen Risiken aus der Datenschutz-Grundverordnung haben ausgesuchte Versicherer wie z.B. Roland speziell zugeschnittene Rechtsschutzprodukte entwickelt.
Prospektversicherungen (POSI und IPO)
Im Jahr 2018 ist eine steigende Anzahl von Börsengängen und Anleihen zu verzeichnen. Zur Absicherung dieser Risiken bietet sich der Abschluss einer IPO- (Initial Public Offering) oder einer POSI-Deckung (Public Offering of Securities Insurance) an.
Hierbei handelt es sich um projektbezogende Vermögensschadenversicherungen zur ganzheitlichen Absicherung dieser speziellen Haftungsrisiken.
Auf dem deutschen Markt sind ausreichende Kapazitäten vorhanden, und eine Vielzahl von Versicherern bietet Führungs- oder Beteiligungsquoten an.
Durch den Wettbewerb und ausreichenden Kapazitäten auf dem deutschen und englischen Markt ist eine Prämiensteigerung nicht zu erwarten, wobei die Prämiengestaltung grundsätzlich individuell und risikobezogen erfolgt.
M&A-Versicherung
Zur Absicherung von Transaktionsrisiken (speziell Unternehmensverkäufe oder -zukäufe) kann über den deutschen bzw. englischen Markt die sogenannte Warranty & Indemnity Insurance (W & I) abgeschlossen werden. Über dieses Produkt können speziell die Garantien aus den Kaufverträgen abgesichert werden.
Gemeinsam mit unserem internationalen Partner stehen wir gerne beratend zur Verfügung, um Angebote vom deutschen oder englischen Versicherungsmarkt einzuholen.
Unsere Experten aus dem Competence Center Financial Lines stehen Ihnen zu diesen Thematiken gerne beratend zur Seite.

References: § 64
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 § 92
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