Source: https://wikis.hu-berlin.de/ancientegyptian/index.php?title=%C2%A775&oldid=697
Timestamp: 2019-07-19 02:09:11+00:00

Document:
§75 – Hieroglyphisch-Ägyptische Grammatik
Version vom 26. Juli 2018, 12:05 Uhr von Werningd (Diskussion | Beiträge) (Schützte „§75“ ([Bearbeiten=Nur automatisch bestätigten Benutzern erlauben] (unbeschränkt) [Verschieben=Nur automatisch bestätigten Benutzern erlauben] (unbeschränkt)))
← zurück §74 weiter §76 →
Erkennbarkeit von Nisben
Wie gesagt, wird das Nisbe-Morphem */iː/ selbst meist nur dann geschrieben, wenn die Form ohne die Schreibung mit 𓏭 / 𓏮 oder 𓇋𓇋 nicht als Nisbe erkennbar wäre. Wie erkennt man die Nisbe also, wenn das entscheidende Nisbe-Morphem */iː/ nicht als ï oder y geschrieben ist? Im Folgenden einige Merkmale, die auf Nisben hinweisen:
Besondere Stammschreibungen bei Präpositionen, namentlich die Schreibungen mit 𓏶, 𓌐, 𓀸 / 𓀹 / 𓀺 (siehe §74).
𓅓 → 𓇋𓏶𓅓
m jm.(ï)
‘in, von, als, …’ ‘der in …’.
Phonetische Komplemente bei bestimmten Präpositionen, namentlich die Schreibungen 𓁶‌𓊪 und 𓁷𓂋 mit Phonetischem Komplement vor Substantiv (vor Suffixpronomen ist dies aber kein Hinweis, da der status pronominalis auch so geschrieben werden kann; siehe §74).
𓁷‌𓏤 → 𓁷𓂋
ḥr ḥr(.ï)
‘auf, über, …’ ‘oberer, der oberste, …’.
Endungsschreibung mit 𓅂 ~ 𓅂 tw: fast immer Mask.Pl.-Nisbe eines t-endigen Ausgangswortes (-t.(ï)w, vgl. §73). (Daher wird das Zeichen irrigerweise traditionell als Phonogramm für „tjw“ geführt.)
𓋀𓏏𓈉 → 𓋀𓅂
jmn.t jmn.t.(ï)w
‘Westen’ ‘westliche’.
Doppelte 𓏏-Schreibung (𓏏𓏏): fast immer feminine Nisbe eines t-endigen Ausgangswortes (-t.(ï)t, vgl. §73).
𓋀𓏏𓈉 → 𓋀𓏏𓏏𓈉
jmn.t jmn.t.(ï)t
Endung und Stamm passen nicht zusammen: insbesondere nominale/adjektivische Endung w, t und/oder 𓏦 hinter Präpositionen (die ja an sich nicht flektieren) deuten auf eine Nisbe hin.
𓌨𓂋 → 𓌨𓂋𓅱
ẖr ẖr.(ï)w
‘unter’ ‘untere’.
(Bei Substantiven ist die Sachlage hingegen schwieriger. Bei einem zusätzlichen w oder t kann es sich auch um eine andere Ableitung als die der Nisbe-Bildung handeln, z.B. sn ‘Bruder’ → sn+w eher sn.w ‘Gebrüder’ (Kollektivum) als Nisbe sn.(ï)w ‘brüderliche’.)
Klassifikator und Wortstamm-Bedeutung passen nicht zusammen, z.B. gott ↔ ‘Hügel’ in
𓇋𓄿‌𓏏𓈅 → 𓇋𓄿‌𓏏𓈅𓀭
jꜣ.t jꜣ.t.(ï)
‘Hügel’ ‘Hügelbewohner’.
Einige wenige Nisben sind so lexikalisiert, dass sie einen eigenen Klassifikator haben, z.B.:
𓁷𓏤, 𓁷𓂋 → 𓁷𓂋𓇯
ḥr ḥr.(ï)
‘auf, über, bei’ ‘oberer, Oberster’.
Etwas aufwendiger ist die Erkennung über die syntaktische Position.
Präpositionaler Stamm, aber adjektivische oder nominale syntaktische Position.
Nominaler Stamm, aber adjektivische syntaktische Position.
Werning (2011, I: §47)
Nach diesem Paragraphen können Sie Übung 16: Nisben machen.
Daniel A. Werning. 26.7.2018. "§75", Digitale Einführung in die hieroglyphisch-ägyptische Schrift und Sprache, Humboldt-Universität zu Berlin, http://hdl.handle.net/21.11101/0000-0007-C9C9-4?urlappend=index.php?title=%C2%A775%26oldid=697 (Zugriff: 19.7.2019).
Abgerufen von „https://wikis.hu-berlin.de/ancientegyptian/index.php?title=§75&oldid=697“

References: §74
 §76
 §74
 §74
 §73
 §73
 §47