Source: https://www.eve-rave.net/abfahrer/presse/presse08-06-16.html
Timestamp: 2018-12-15 04:02:28+00:00

Document:
presse08-06-16
Pressemitteilung vom 16. Juni 2008 zur divergierenden Drogenrepression
Druckerfreundliche Version (PDF-Format, 174 KB, 10 Seiten):
http://www.eve-rave.net/abfahrer/presse/presse08-06-16.pdf
Amphetamin und Kokain im Spiegel der Kriminalstatistik
Drogenhandel ist ein Offizialdelikt, das heißt, die Polizei ermittelt von sich aus proaktiv, um den Handel mit psychotropen Substanzen aufzudecken, die Substanzen aus dem Verkehr zu ziehen und die Händler bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Da Drogen oft im Kontext kultureller Veranstaltungen konsumiert werden, kontrolliert die Polizei beispielsweise Personen auf den Zufahrtswegen zu Goa-Parties und anderen Technoveranstaltungen, führt Razzien in Diskotheken und Szenekneipen durch oder kontrolliert Personen im Umfeld offener Drogenszenen. Solche Kontrollen werden als szenespezifische Kontrollen bezeichnet. Mehrheitlich werden Drogendelikte (Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz) durch die proaktive Ermittlungstätigkeit der Polizei entdeckt. In einigen Fällen führen auch Aussagen von Beschuldigten zur Aufdeckung von Drogendelikten, manchmal nimmt die Polizei auch aufgrund von Denuntiationen, die zumeist aus persönlichen Streitigkeiten und/oder einem Rachegefühl heraus getätigt werden, die Ermittlungen auf.
In der Kriminalistik, insbesondere in den polizeilichen Kriminalstatistiken, werden zum Zwecke einer besseren respektive leichteren Vergleichbarkeit, nicht nur die absolute Zahlen erfaßter Delikte genannt, sondern deren Häufigkeitszahlen. Die Häufigkeitszahl ist die Zahl der registrierten Fälle respektive Delikte insgesamt oder innerhalb einzelner Deliktsarten in Bezug auf 100.000 Einwohner innerhalb des Erfassungsbereiches. Bei von Amts wegen verfolgten Deliktsarten wie den Verstößen (Zuwiderhandlungen) gegen das Betäubungsmittelgesetz wird die Häufigkeitszahl (HZ) auch Repressionskoeffizient (RK) genannt.
Die sogenannte absolute Steigerungsrate ist die prozentuale Maßzahl der Veränderung von erfaßten Fällen für die Gesamtkriminalität oder einzelner Straftaten zwischen verschiedenen Berichtszeiträumen. Eine positive absolute Steigerungsrate bedeutet einen Zuwachs respektive eine Zunahme, eine negative absolute Steigerungsrate eine Abnahme der erfaßten Fälle. Die sogenannte relative Steigerungsrate, auch Repressionsexpansionskoeffizient (REK) genannt, ist die prozentuale Maßzahl der Veränderung der Häufigkeitszahlen für die Gesamtkriminalität oder einzelner Straftaten zwischen verschiedenen Berichtszeiträumen. Eine positive relative Steigerungsrate bedeutet einen Zuwachs respektive eine Zunahme, eine negative relative Steigerungsrate eine Abnahme der festgestellten Häufigkeitszahlen. Da die Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren nahezu konstant geblieben ist, können auf Bundesebene die absoluten und relativen Deliktszahlen nahezu gleichwertig in Trendanalysen einbezogen werden. Dies gilt jedoch nicht für die einzelnen Bundesländer, da diese zum Teil erhebliche Unterschiede bei der Bevölkerungsentwickung zeitigten.
In den letzten Jahren hat der Repressionskoeffizient bei Amphetamin deutlich zugenommen, bei Kokain hingegen hat er abgenommen. Dies gilt insbesondere für den Handel mit und den Schmuggel von diesen Substanzen.
Vergleiche hierzu im Drugscouts-Drogenlexikon:
Repressionskoeffizient: http://www.suchtzentrum.de/drugscouts/dsv3/a-z/R/repressionskoeffizient.html
Repressionsexpansionskoeffizient: http://www.suchtzentrum.de/drugscouts/dsv3/a-z/R/repressionsexpansionskoeffizient.html
Amphetamin und Kokain: Konsumentenzahlen
In der Altersgruppe der 18- bis 64jährigen haben in der Bundesrepublik Deutschland gemäß amtlichen repräsentativen Umfragen 12,3 Millionen Menschen schon einmal in ihrem Leben (Lebenszeit-Prävalenz) Cannabis zu Rauschzwecken konsumiert, unter Einbeziehung der Jugendlichen (14- bis 17jährigen) waren es über 13,0 Millionen. Innerhalb der letzten 12 Monaten (12-Monats-Prävalenz) sollen es gemäß repräsentativen Umfragen etwa 2,5 Millionen der 18- bis 64jährigen gewesen sein und innerhalb der letzten 30 Tage (30-Tage-Prävalenz) etwa 1,2 Millionen. Andere, vornehmlich unabhängige Fachleute schätzen die Zahl der Personen, die in der Bundesrepublik Deutschland regelmäßig – an jedem Wochenende oder auch (fast) täglich – Cannabis zu Rauschzwecken konsumieren, auf etwa 4,0 Millionen.
Amphetamin und Kokain wird weit seltener konsumiert. Alleine diese Tatsache ist ein Beleg dafür, daß der Konsum von Cannabis nicht zwangsläufig zum Konsum weiterer Substanzen verleitet, wie das zum Teil auch heute noch von konservativen und/oder populistischen Politikern gerne behauptet wird. Nicht einmal zehn Prozent derjenigen, die Erfahrungen mit Cannabis gemacht haben, haben auch Erfahrungen mit Amphetamin und/oder Kokain gemacht. Zudem gibt es zahlreiche Konsumenten von Amphetamin, die generell nicht kiffen, da nach ihrem Empfinden die Wirkung von Amphetamin durch die Wirkung von Cannabis beeinträchtigt wird. Die Zahlen der Konsumenten von Amphetamin und Kokain gemäß repräsentativen Umfragen in der Bundesrepublik Deutschland sind in der unten stehenden Tabelle 1 für das Jahr 2006 dargestellt (Altersgruppe 18 bis 64 Jahre).
Tabelle 1: Lebenszeit-, 12-Monats- und 30-Tage-Prävalenz des Konsums von Amphetamin und Kokain in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2006 (Altersgruppe 18 bis 64 Jahre)
12-Monats-Prävalenz 30-Tage-Prävalenz
Lebenszeit-Prävalenz 12-Monats-Prävalenz 30-Tage-Prävalenz
in % absolut in % absolut in % absolut
Quellen: Deutsche Referenzstelle für die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD): Berichte des nationalen REITOX - Knotenpunkts an die EBDD (2007), S. 24
http://www.dbdd.de/Download/REITOX_D2007_D.pdf
Die Angaben zu Amphetamin beinhalten auch den Konsum von Methamphetamin, jedoch nicht den Konsum von Amphetaminderivaten wie z.B. Ecstasy (MDMA, MDE, MBDB). Die Angaben zu Kokain beinhalten nur den Konsum von Kokain-Hydrochlorid (Kokain-HCL), jedoch nicht den Konsum von Crack und Freebase (Kokain-Base).
Gemäß Tabelle 1 erscheint die Zahl der Menschen mit Amphetamin- und Kokain-Erfahrungen etwa gleich groß. Bei der 12-Monats-Prävalenz liegt Kokain leicht vor Amphetamin, bei der 30-Tage-Prävalenz hingegen Amphetamin leicht vor Kokain. Bis zum Jahr 2003 hat der Konsum von Amphetamin und von Kokain gemäß repräsentativer Umfragen zugenommen, danach hat er wieder etwas abgenommen. In der Tabelle 2 sind die Daten von repräsentativen Umfragen für die Lebenszeit- und 12-Monats-Prävalenz für die Jahre 1997, 2000, 2003 und 2006 zusammengestellt (Altersgruppe 18 bis 39 Jahre). Bemerkenswert hierbei ist, daß beispielsweise die ausgewiesene Zahl der Konsumenten von Amphetamin für das Jahr 2006 in der Altersgruppe der 18- bis 39jährigen, die innerhalb der letzten 12 Monate Amphetamin konsumierten (310.000), größer ist als die entsprechende Zahl in der Altersgruppe der 18- bis 64jährigen (270.000). Dies ist ein Widerspruch in sich und kann schon von der mathematischen Logik her nicht der Realität entsprechen. Hier zeigt sich offensichtlich, daß die durch repräsentative Umfragen erhobenen Daten mit Fehlern behaftet sind und als ungenau eingestuft werden müssen.
Tabelle 2: Lebenszeit- und 12-Monats-Prävalenz des Konsums von Amphetamin und Kokain in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1997 bis 2006 (Altersgruppe 18 bis 39 Jahre)
Lebenszeit-Prävalenz 12-Monats-Prävalenz
Quellen: Deutsche Referenzstelle für die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD): Bericht des nationalen REITOX - Knotenpunkts an die EBDD (2007), S. 25
Die Angaben zu Amphetamin beinhalten auch den Konsum von Methamphetamin, jedoch nicht den Konsum von Amphetaminderivaten wie z.B. Ecstasy (MDMA, MDE, MBDB). Die Angaben zu Kokain beinhalten sowohl den Konsum von Kokain-Hydrochlorid (Kokain-HCL) als auch den Konsum von Crack und Freebase (Kokain-Base).
Zum Vergleich: Das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) schätzt, daß von den 320 Millionen Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren von West- und Zentral-Europa etwa 4 Millionen (1,24%) innerhalb der letzten 12 Monate Kokain konsumierten (Angabe für das Jahr 2005). Im Jahr 2003 lag die Schätzung noch bei 3,22 Millionen Konsumenten (12-Monats-Prävalenz) respektive bei 1,0% in der entsprechenden Altersgruppe. Gemäß UNODC ist die Zahl der regelmäßigen Konsumenten von 2003 bis 2005 in West- und Zentral-Europa um etwa einem Viertel (+24%) angestiegen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die aufgrund von Umfragen ermittelten Daten des DBDD für die Bundesrepublik Deutschland (Jahr 2006) äußerst fragwürdig zu sein.
Im Jahr 2003 lag die Schätzung des UNODC für die Zahl der Konsumenten (12-Monats-Prävalenz) von Amphetamin und/oder Methamphetamin in West- und Zentral-Europa bei etwa 2,16 Millionen (0,7%), im Jahr 2005 bei 2,22 Millionen (0,7%). Die Schätzung des UNODC für die Zahl der Konsumenten (12-Monats-Prävalenz) von Ecstasy in West- und Zentral-Europa lag 2003 bei etwa 2,67 Millionen (0,9%), im Jahr 2005 bei 2,78 Millionen (0,9%). In West- und Zentral-Europa ist der Konsum von Amphetamin und Ecstasy in den Jahren 2003 bis 2005 geringfügig angestiegen.
Im »Drogen- und Suchtbericht« vom Mai 2007 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung kann man auf Seite 39 nachlesen, daß gemäß Schätzungen des Instituts für Therapieforschung in München (IFT) es in Deutschland 250.000 bis 300.000 Konsumenten illegaler Drogen (ohne Cannabis) gebe und daß davon 175.000 abhäng seien. Bezüglich des regelmäßigen Konsums von Kokain seien seit 1995 relativ geringe Schwankungen beobachtet worden, hingegen sei die Zahl der Konsumenten von Amphetamin von 1997 bis 2003 kontinuierlich gestiegen. Im »Drogen- und Suchtbericht« vom Mai 2008 werden überhaupt keine Angaben zu den Konsumentenzahlen von Amphetamin und/oder Kokain gemacht. In dem Bericht heißt es auf Seite 79 lediglich, daß Schätzungen davon ausgingen, daß zwischen 167.000 und 198.000 Menschen in Deutschland Drogen wie Opiate, Kokain, Amphetamine und Halluzinogene in problematischer Weise konsumieren.
Die Vereinten Nationen gaben im »World Drug Report 2005« auf Basis diverser Schätzungen den durchschnittlichen Verbrauch eines Kokainkonsumenten in Mittel- und Westeuroa mit 35 Gramm Kokain pro Jahr an, wobei diese Angabe sich auf reines Kokain bezieht. Da gemäß Statistiken des Bundeskriminalamtes die durchschnittliche Reinheit von Kokain in Deutschland im Kleinhandel jedoch nur etwa 40% beträgt, ist von einem jährlichen Stoffverbrauch (Kokaingemisch mit 40% Wirkstoff) von knapp 90 Gramm (genauer 87,5 Gramm) pro Konsument auszugehen. Das heißt, selbst wenn alle 250.000 bis 300.000 »Konsumenten illegaler Drogen (ohne Cannabis)« jährlich durchschnittlich 35 Gramm reines Kokain konsumieren würden, käme man in Deutschland auf einen Jahresverbrauch von 8,750 bis 10,500 Tonnen Kokain respektive auf 21,875 bis 26,250 Tonnen Kokaingemisch mit 40% Wirkstoffgehalt (Straßenqualität).
Gemäß Wasseranalysen des Nürnberger Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg (IBMP) im Herbst 2005, bei denen die Konzentration des Kokainabbauproduktes Benzoylecgonin in diversen Flüssen gemessen wurde, lag der Kokainverbrauch allein im Einzugsgebiet des Rheins bei Düsseldorf bei knapp 11 Tonnen pro Jahr (10,950 Tonnen) Kokain respektive bei etwa 27,5 Tonnen Kokaingemisch mit 40% Wirkstoffgehalt. Die 38,5 Millionen Einwohner im Einzugsgebiet des Rheins oberhalb von Düsseldorf, deren Abwässer dort vorbeifließen, konsumieren somit bereits mehr Kokain, als in ganz Deutschland nach Berechnungen basierend auf den Angaben des »Drogen- und Suchtberichtes« der Bundesregierung und des »World Drug Report 2005« der Vereinten Nationen. Da Deutschland mehr als doppelt so viele Einwohner hat wie im Einzugsgebiet des Rheins oberhalb von Düsseldorf leben, muß der jährliche Kokainverbrauch in der Bundesrepublik bei etwa 22 bis 23 Tonnen Kokain respektive bei etwa 55 bis 57 Tonnen Kokaingemisch mit 40% Wirkstoffgehalt angesetzt werden. Dies entspräche einer Konsumentenzahl von etwa 630.000 bis 660.000. Die im »Drogen- und Suchtbericht« angegebenen Zahlen von 250.000 bis 300.000 Konsumenten illegaler Drogen (ohne Cannabis) sind offensichtlich viel zu niedrig und können nicht als realistisch eingeschätzt werden – insbesondere, weil in diesen Zahlen auch jene Konsumenten enthalten sind, die nur Amphetamin und/oder Ecstasy und/oder Heroin (jedoch kein Kokain) konsumieren.
Quellen: Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Drogen- und Suchtbericht 2007; 2008
http://www.bmg.bund.de/nn_603372/SharedDocs/Publikationen/Drogen-und-Sucht/g-602,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/g-602.pdf
http://www.bmg.bund.de/nn_600172/SharedDocs/Download/DE/Themenschwerpunkte/Drogen-und-Sucht/Drogen-Suchtbericht-08,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Drogen-Suchtbericht-08.pdf
UNODC: World Drug Report 2005, S. 76; S. 112; S. 130
UNODC: World Drug Report 2007, S. 82; S. 151; S. 161
Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung
http://www.ibmp.net/fachliteratur_medien.html
Zahl der ertappten Kokainkonsumenten in Deutschland leicht rückläufig
Der Konsum von Kokain scheint bei weitem nicht so szenespezifisch zu sein wie der Konsum der meisten anderen Drogen, da der Erfolg in Bezug auf Kokain bei Kontrollmaßnahmen im Vergleich zu anderen Drogen – insbesondere Amphetamin – in den letzten Jahren eine abnehmende Tendenz zeigte. Dies erscheint vor allem deshalb bemerkenswert, da die Lebenszeit-Prävalenz des Konsums von Kokain sich in den letzten zehn Jahren in etwa verdoppelt hat, wie in Tabelle 2 zu sehen ist. In der folgenden Tabelle 3 sind die polizeilich registrierten allgemeinen Verstöße gemäß § 29 BtMG mit Kokain für die Jahre 1999 bis 2007 aufgelistet.
Tabelle 3: Allgemeine Verstöße gemäß § 29 BtMG mit Kokain in der Bundesrepublik Deutschland
Anzahl der erfaßten Fälle und Jahresvergleich (Ab-/Zunahme Fälle) absolut und in Prozent
gemäß polizeilichem Hellfeld für die Jahre 1999 bis 2007
Ab-/Zunahme Fälle
Datenquelle: Bundeskriminalamt (BKA): Polizeiliche Kriminalstatistken (PKS)
Hinweis: Die Kokainpreise (Straßenqualität) für Konsumenten sind in der Bundesrepublik Deutschland nominal im letzten Jahrzehnt um etwa 15% (real um 25%) gesunken. Nominal, das heißt ohne Berücksichtigung der Inflation, lag der durchschnittliche Preis für ein Gramm Kokain 1997 bei 68 Euro, 2000 bei 62 Euro, 2003 bei 60 Euro und 2006 bei 58 Euro. Real, das heißt mit Berücksichtigung der Inflation und gemäß Geldwert im Jahr 2006, lag der durchschnittliche Preis für ein Gramm Kokain 1997 bei 77 Euro, 2000 bei 68 Euro, 2003 bei 63 Euro und 2006 bei 58 Euro. Hierbei muß berücksichtigt werden, daß der Reinhaltsgehalt von Kokain-HCL im Kleinhandel von 56,7% (1997) auf 27,5% (2006) gesunken ist. Im Jahr 2000 lag dieser bei 39,7% und im Jahr 2003 bei 35,8%. Somit lagen die effektiven Preise (mit Berücksichtigung der Inflation gemäß Geldwert 2006) für das Äquivalent von einem Gramm reinem Kokain-HCL 1997 bei 136 Euro, 2000 bei 171 Euro, 2003 bei 176 Euro und 2006 bei 211 Euro. Der Preis im Kleinhandel für das Äquivalent von reinem Kokain-HCL stieg somit real im letzten Jahrzehnt um etwa 55%. Hinweis: Das BKA gibt die Reinhaltsgehalte in %-Kokain-Base an. Diese Werte sind um 1,119 kleiner als die Werte in %-Kokain-HCL. Ein Gramm reines Kokain-HCL entspricht einem Äquivalent von 893,7 Milligramm Kokain-Base.
Quellen: UNODC: World Drug Report 2007, S. 228
DBDD: Bericht des nationalen REITOX - Knotenpunkts an die EBDD (2007), S. 122
Zahl der ertappten Kokainhändler in Deutschland kontinuierlich rückläufig
Gemäß polizeilicher Kriminalstatistik der Bundesrepublik Deutschland wurden im Jahr 1999 noch 10.877 Fälle von Handel mit respektive Schmuggel von Kokain registriert, im Jahr 2007 waren es nur noch 5.321 Fälle, etwa die Hälfte weniger (-51,1%). Wie in der untenstehenden Tabelle 4 ersichtlich ist, war die rückläufige Tendenz kontinuierlich, das heißt, Jahr für Jahr nahm die Zahl der erfaßten Delikte ab. Auch bezüglich der Einfuhr nicht geringer Mengen gemäß § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG nahm die Zahl der erfaßten Delikte bei Kokain von 1999 bis 2007 von 812 auf 501 ab, was einer Abnahme um 38,3% entspricht.
Tabelle 4: Handel mit und Schmuggel von Kokain gemäß § 29 BtMG in der Bundesrepublik Deutschland
Anzahl der erfaßten Fälle und Jahresvergleich (Abnahme Fälle) absolut und in Prozent
Abnahme Fälle
Hinweis: Die Kokainpreise (Großhandelsqualität) für Händler sind in der Bundesrepublik Deutschland nominal im letzten Jahrzehnt um etwa 10% (real um 20%) gesunken. Nominal, das heißt ohne Berücksichtigung der Inflation, lag der durchschnittliche Preis für ein Kilogramm Kokain 1997 bei 39.850 Euro, 2000 bei 36.650 Euro, 2003 bei 35.400 Euro und 2006 bei 35.800 Euro. Real, das heißt mit Berücksichtigung der Inflation und gemäß Geldwert im Jahr 2006, lag der durchschnittliche Preis für ein Kilogramm Kokain 1997 bei 45.000 Euro, 2000 bei 40.300 Euro, 2003 bei 37.300 Euro und 2006 bei 35.800 Euro. Hierbei muß berücksichtigt werden, daß der Reinhaltsgehalt von Kokain-HCL im Großhandel von 88,8% (1997) auf 80,8% (2006) gesunken ist. Im Jahr 2000 lag dieser bei 77,3% und im Jahr 2003 bei 85,8%. Somit lagen die effektiven Preise (mit Berücksichtigung der Inflation gemäß Geldwert 2006) für das Äquivalent von einem Kilogramm reinem Kokain-HCL 1997 bei 50.700 Euro, 2000 bei 52.100 Euro, 2003 bei 43.500 Euro und 2006 bei 44.300 Euro. Der Preis im Großhandel für das Äquivalent von reinem Kokain-HCL sank somit real im letzten Jahrzehnt um etwa 12,6%. Hinweis: Das BKA gibt die Reinhaltsgehalte in %-Kokain-Base an. Diese Werte sind um 1,119 kleiner als die Werte in %-Kokain-HCL. Ein Kilogramm reines Kokain-HCL entspricht einem Äquivalent von 893,7 Gramm Kokain-Base.
Quelle: UNODC: World Drug Report 2007, S. 228
Zahl der Kokainsicherstellungsfälle in Deutschland häufig rückläufig
Die Zahl der erstauffälligen Kokainkonsumenten sank von 5.662 im Jahr 1999 auf 3.812 im Jahr 2007, was einer Abnahme um 32,7% entspricht; und die Zahl der Kokainsicherstellungsfälle (Anzahl der Fälle von Beschlagnahmungen von Kokain) ist ebenfalls seit Ende der 90er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland signifikant rückläufig gewesen, wie die folgende Tabelle 5 zeigt.
Tabelle 5: Kokainsicherstellungsfälle in der Bundesrepublik Deutschland
Datenquelle: Bundeskriminalamt (BKA): Rauschgiftjahresberichte, Lageberichte Rauschgift
Zahl der ertappten Amphetaminkonsumenten in Deutschland massiv steigend
Amphetamin wird oft als das »Kokain der kleinen Leute« bezeichnet – und die »kleinen Leute« sind zunehmend häufiger im Visier der Drogenfahnder wie die »reichen Leute«, die Kokain konsumieren und/oder damit Handel treiben. Seit der Jahrtausendwende stieg die Zahl der jährlich ertappten Amphetaminkonsumenten von 8.756 im Jahr 2000 auf 20.468 im Jahr 2007, was einer Zunahme um 133,8% entspricht, wie die Werte in der folgenden Tabelle 6 zeigen. Die Lebenszeit-Prävalenz des Konsums von Amphetamin ist im letzten Jahrzehnt etwa gleich stark gestiegen wie die von Kokain. Die 12-Monats-Prävalenz ist bei Amphetamin im gleichen Zeitraum um etwa 33,3% gestiegen, der Repressionskoeffizient jedoch um 133,8%, bei Kokain sank der Repressionskoeffizient hingegen leicht.
Tabelle 6: Allgemeine Verstöße gemäß § 29 BtMG mit Amphetamin/Methamphetamin in der Bundesrepublik Deutschland
gemäß polizeilichem Hellfeld für die Jahre 2000 bis 2007
Hinweis: Die Amphetaminpreise für Konsumenten sind in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. Im Jahr 2003 lag der Preis pro Gramm durchschnittlich bei 12,60 Euro und 2006 bei 12,90 Euro. Die Qualität war über die Jahre hinweg durchgehend sehr schlecht, das heißt, der Wirkstoffgehalt lag bei den meisten untersuchten Proben unter 10%!
Quelle: DBDD: Bericht des nationalen REITOX - Knotenpunkts an die EBDD (2007), S. 122
Zahl der ertappten Amphetaminhändler in Deutschland kontinuierlich steigend
Die Zahl der von der Polizei ertappten Amphetaminhändler stieg seit der Jahrtausendwende um knapp die Hälfte (+48,6%) an, wie die Werte in der folgenden Tabelle 7 zeigen. Bei Kokain sank diese Zahl in den letzten Jahren um etwa die Hälfte (-51,1%), wie man der Tabelle 4 entnehmen kann. Offensichtlich divergieren die Repressionskoeffizienten bei Amphetamin und Kokain in signifikant Weise.
Tabelle 7: Handel mit und Schmuggel von Amphetamin/Methamphetamin gemäß § 29 BtMG in der Bundesrepublik Deutschland
Anzahl der erfaßten Fälle und Jahresvergleich (Zunahme Fälle) absolut und in Prozent
Zunahme Fälle
4.070 -----
4.219 149
4.279 60
4.635 356
4.904 269
Hinweis: Die Amphetaminpreise für Händler sind in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren gesunken. Im Jahr 2003 lag der Preis pro Kilogramm durchschnittlich bei 5.100 Euro und 2006 bei 4.100 Euro. Die Qualität war über die Jahre hinweg durchgehend sehr schlecht, das heißt, der Wirkstoffgehalt lag bei den meisten untersuchten Proben unter 10% (auch bei Großmengen)!
Zahl der Amphetaminsicherstellungsfälle in Deutschland nimmt zu
Die Zahl der erstauffälligen Amphetaminkonsumenten stieg von 6.288 im Jahr 2000 auf 9.949 im Jahr 2007, was einer Zunahme um 58,2% entspricht. Unter den 9.949 Personen im Jahr 2007 befanden sich 567 erstauffällige Konsumenten von Methamphetamin (Crystal). Gegenüber dem Vorjahr (681 Personen) bedeutet dies ein Rückgang um 16,7%. Die Zahl der Amphetaminsicherstellungsfälle (Anzahl der Fälle von Beschlagnahmungen von Amphetamin) ist seit Jahrtausendwende in der Bundesrepublik Deutschland um mehr als das Doppelte gestiegen, wie die folgende Tabelle 8 zeigt. Im Gegensatz dazu sank im letzten Jahrzehnt die Zahl der erstauffälligen Kokainkonsumenten etwa um ein Drittel, die Zahl der Kokainsicherstellungsfälle etwa um ein Viertel, wie man der Tabelle 5 entnehmen kann. Auch hier zeigt sich eine Divergenz bei den Repressionskoeffizienten.
Tabelle 8: Amphetaminsicherstellungsfälle in der Bundesrepublik Deutschland
589 +17,0%
Wichtig: Safer Sniffing
Wer Drogen konsumiert, sollte die Risiken kennen. Die Risiken liegen oft nicht in den pharmakologischen Eigenschaften der Substanzen begründet, sondern in der Art der Einnahme. So weiß fast jeder Fixer, daß der gemeinsame Gebrauch von Spritzbestecken ein hohes Infektionsrisiko mit sich bringt. Doch die wenigsten Menschen, die Amphetamin und/oder Kokain schnupfen, wissen, daß auch der gemeinsame Gebrauch von Schnupfutensilien ebenfalls ein Infektionsrisiko darstellt. Schon kleine Verletzungen in der Nasenschleimhaut, welche gerade beim Sniffen durch schrafkantige oder schräg abgeschnittene Röhrchen entstehen können, genügen, um sich beispielsweise mit dem Hepatitis-Virus oder Herpes zu infizieren. Deshalb: Kein gemeinsames Benutzen von Röhrchen oder Banknoten beim Sniffen!
Fachinformation: Speed – Amphetamin, Methamphetamin – Mischkonsum [Anregende Amphetamine]
Fachinformation: Kokain – Koks, Schnee, Free Base, Crack – Mischkonsum [Anregende Stimulanzien]
http://www.drogenkult.net/?file=Kokain
http://www.drogenkult.net/?file=text011
Berlin, den 16. Juni 2008

References: § 29
 § 29
 § 30
 § 29
 § 29
 § 29