Source: http://www.rechtsprechung.saarland.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=sl&Art=en&Datum=2004-1&Seite=0&nr=254&anz=32&pos=20&Frame=2
Timestamp: 2020-02-20 18:22:48+00:00

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3 U 6/03 - 1
OLG Saarbrücken Urteil vom 20.1.2004, 3 U 6/03 - 1
Haftung bei Kfz-Unfall: Nachweis der Kausalität für Folgeschäden bei unstreitiger HWS-Distorsion
I. Die Berufung der Klägerin gegen das am 28.11.2002 verkündete Urteil des Landgerichts Saarbrücken (10 O 337/99) wird zurückgewiesen.
III. Dieses Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Die Klägerin darf die Zwangsvollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung in Höhe von 115 % des auf Grund des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, falls nicht die Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 115 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.
Am 29.10.1995 befuhr die Klägerin mit dem Pkw Porsche 944 (amtl. Kennz.: ...) die linke Fahrspur der Bundesautobahn A 8 in Richtung S. Die rechte Fahrspur war ebenfalls befahren. Die Klägerin wurde von einem Fahrzeug rechts überholt, welches unmittelbar vor ihr auf die linke Fahrspur einscherte. Dieses Fahrzeug wurde unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund abgebremst und zum Stillstand gebracht. Daraufhin leitete die Klägerin eine Vollbremsung ein. Zu einer Kollision mit dem vor der Klägerin befindlichen Fahrzeug kam es nicht. Statt dessen fuhr ein weiteres, bei der Beklagten haftpflichtversichertes Fahrzeug von hinten auf den Wagen der Klägerin auf (Bl. 3 d. A.).
Das Landgericht hat – nach Beweiserhebung durch Einholung eines fachorthopädischen Gutachtens des Sachverständigen Dr. F. vom 01.06.2001 (Bl. 199 d. A.) nebst mündlicher Erläuterung am 30.10.2002 (Bl. 378 d. A.), eines dermatologischen Gutachtens der Sachverständigen Dr. D.- M. vom 24.10.2001 (Bl. 285 d. A.) sowie eines neurologischen Gutachtens des Sachverständigen Dr. R. vom 17.06.2002 (Bl. 339 d. A.) - mit dem am 28.11.2002 verkündeten Urteil (Bl. 391 d. A.) die Beklagte verurteilt, an die Klägerin 1.309,93 EUR nebst 4 % Zinsen hieraus seit dem 16.02.2000 zu zahlen, und die Klage im Übrigen abgewiesen. Der Senat nimmt gemäß § 540 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO auf die tatsächlichen Feststellungen dieses Urteils Bezug.
1. die Beklagte zu verurteilen, an die Klägerin über die erstinstanzlich zugesprochenen 1.309,93 EUR hinaus weitere 21.887,38 EUR nebst 4 % Zinsen seit Rechtshängigkeit zu zahlen,
2.556,46 EUR vom 01.01.1997 bis zum 31.03.1999,
3.170,-- EUR vom 01.04.1999 bis zum 31.12.1999,
4.192,60 EUR vom 01.01.2000 bis zum 31.12.2002 sowie
5.368,56 EUR seit dem 01.01.2003 zu zahlen,
3. die Beklagte zu verurteilen, an die Klägerin ein angemessenes Schmerzensgeld, dessen Höhe ins Ermessen des Gerichts gestellt wird, mindestens aber 76.693,78 EUR abzüglich bereits geleisteter 1.789,52 EUR nebst 4 % Zinsen hieraus ab Rechtshängigkeit zu zahlen und
Sämtliche Beschwerden seien auf den Verkehrsunfall vom 29.10.1995 zurückzuführen und mit diesem in Einklang zu bringen. Vorerkrankungen oder altersbedingte Vorbelastungen habe sie nicht gehabt. Das Gutachten der ... Klinik vom 04.03.1997 könne mangels Ausschöpfung der bildgebenden Diagnostik keinen Bestand haben. Eine Neigung zur Simulation sei bei der Klägerin von den Ärzten nicht festgestellt worden. Auch der Haarausfall stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Unfall. Es sei allgemein anerkannt, dass es als Folge eines Schocks bzw. auf Grund einer großen Stresssituation zu einem Haarausfall in dem hier gegebenen Maße kommen könne (Bl. 11 d. A.). Andere Ursachen für den Haarausfall könnten ausgeschlossen werden (Bl. 12 d. A.).
Die Beklagte beantragt Zurückweisung der Berufung und behauptet, die Klägerin habe lediglich eine HWS-Distorsion 2. Grades nach Erdmann, also eine geringfügige Verletzung erlitten (Bl. 67 u. 169 d. A.). Weitere Verletzungen könnten nicht auf den Unfall zurückgeführt werden. Die Beschwerden seien allein auf degenerative Veränderungen unter anderem der Hals- und Brustwirbelsäule zurückzuführen (Bl. 67 d. A.). Die Klägerin habe über den Monat Dezember hinaus nicht an unfallbedingten Gesundheitsschäden gelitten (Bl. 125 d. A.). Es habe lediglich Arbeitsunfähigkeit für sechs Wochen vom 29.10. bis zum 10.12.1995 bestanden (Bl. 68 d. A.). Die in P. festgestellte Verengung der Zwischenwirbelräume sowie arthrotische Veränderung seien nicht dem Unfallereignis zuzuordnen. Gleiches gelte für den festgestellten Bandscheibenvorfall C5/C6 (Bl. 127 d. A.). Der Unfall sei mit den geschilderten Beschwerden unvereinbar, da der Auffahrunfall für das Hervorrufen eines Bandscheibenvorfalls zu schwach gewesen sei (Bl. 128 f d. A.). Der Haarausfall gehe nicht auf den Unfall zurück und rechtfertige kein Schmerzensgeld in der geltend gemachten Höhe (Bl. 129 d. A.).
Hinsichtlich des Sachverhalts und des Parteivortrages im Einzelnen sowie des Ergebnisses der erstinstanzlichen Beweisaufnahme wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen, die schriftlichen Gutachten der Sachverständigen Dr. F. vom 01.06.2001 (Bl. 199 d. A.), Dr. D.- M. vom 24.10.2001 (Bl. 285 d. A.) und Dr. R. vom 17.06.2002 (Bl. 339 d. A.), die Sitzungsniederschriften des Landgerichts vom 30.10.2002 (Bl. 378 d. A.), des Senats vom 30.09.2003 (Bl. 445 d. A.) und vom 16.12.2003 (Bl. 476 d. A.) sowie auf das Urteil des Landgerichts vom 28.11.2002 (Bl. 391 d. A.) Bezug genommen.
Diese Voraussetzungen sind vorliegend gegeben. Die Beklagte hat zum einen unstreitig gestellt, dass die Klägerin durch den Unfall zumindest ein HWS-Syndrom der Stufe II nach Erdmann erlitten hat (Bl. 67 u. 169 d. A.). Ein solches ist aber – unabhängig von der Frage, welche Folgeverletzung bzw. –erkrankungen hieraus resultieren - als haftungsbegründende Erstverletzung ausreichend.
aa) Der behandelnde Arzt Dr. P. hat in seinem Attest vom 12.06.1996 (Bl. 20 d. A.) bescheinigt, dass die Klägerin „nach wie vor“ noch lageabhängige Schmerzen im Bereich der HWS, gelegentlich auftretende Hinterhauptkopfschmerzen und das Gefühl habe, dass sie den Kopf auf der HWS nicht ausreichend stabilisieren könne. Gelegentlich träten darüber hinaus Schwindelerscheinungen sowie ausstrahlende Schmerzen in beide Arme auf. Es liege ein deutlicher paravertebraler HWS-Muskelhartspann, eingeschränkte Beweglichkeit der HWS sowie eine diskrete Hypästhesie über dem rechten Kleinfinger vor. Ansonsten bestehe jedoch kein Hinweis für bestehende Reflexdifferenzen oder neurologische Ausfälle. Es seien eine weitere Behandlung sowie krankengymnastische Übungen erforderlich. Zu dem möglichen Ursachenzusammenhang zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden macht Dr. P. in diesem Attest jedoch keinerlei Angaben.
bb) In einem Attest der Ärztin Dr. D. R.- G. vom 23.07.1999 (Bl. 21 d. A.) wird der Klägerin bescheinigt, dass sie während ihres Aufenthaltes in Kroatien in mehreren Fällen ärztliche Hilfe wegen Schmerzen im Halswirbel gebraucht habe. Diese seien „anamnestisch“ auf den Verkehrsunfall vom 29.10.1995 zurückzuführen. Die Klägerin bezeichne die Schmerzen im Bereich von C6 und C7 am stärksten, während der ganze Nacken eine begrenzte Beweglichkeit aufweise mit ausgeprägter Schmerzhaftigkeit paravertebraler Muskulatur und Parästhesien in den Händen. Die RTG-Aufnahmen des Halswirbels wiesen auf Vorhandensein der Osteophyte und ein minimales ventrales Ausgleiten des C6-Wirbelkörpers hin. Es sei nach einer Behandlung zur Besserung gekommen, jedoch habe sich die Klägerin mit denselben Beschwerden dreimal im Jahr 1996, zweimal im Jahre 1997 und dreimal im April, Juli und November 1998 gemeldet. Dieses Attest geht lediglich „anamnestisch“, also allein auf Grund der Angaben der Klägerin, von dem Ursachenzusammenhang mit dem Unfall aus. Eigene diesbezügliche Untersuchungen fehlen hingegen. Daher ist auch diese Bescheinigung nicht geeignet, eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für den haftungsausfüllenden Ursachenzusammenhang zu begründen.
aaa) Der Sachverständige hat zunächst alle vorhandenen ärztlichen Befunde, Bescheinigungen und Gutachten ausgewertet (Bl. 204 – 211 d. A.). Darüber hinaus hat der Gutachter die Klägerin selbst körperlich untersucht (Bl. 214 – 222 d. A.) und die vorhandenen Röntgenaufnahmen ausgewertet (Bl. 222 – 227). Dabei hat der Sachverständige festgestellt, dass es bezüglich der Zwischenwirbelraumhöhen sowie bezüglich der Osteochondrose zwischen 1995 und 2000 weder zu einer Erniedrigung noch zu einer Erhöhung gekommen sei (Bl. 226 f d. A.). Gleichgeblieben seien auch die Retrospondylophyten bei C4/C5 und C5/C6 (Bl. 227 d. A.). Im Segment C6/C7 sei es im zeitlichen Längsschnitt zu einer diskreten Zunahme des bereits 1995 erkennbaren Retrospondylophyten im Bereich der Deckplatte von C7 und der Grundplatte von C6 gekommen. Hier seien zwei ganz angedeutet ventrale Spondylophyten hinzugekommen (Bl. 227 d. A.).
Ausgehend von diesen Befunden hat der Sachverständige dargelegt, dass die Analyse der bisherigen bildgebenden Diagnostik, sowohl röntgenologisch als auch funktionsröntgenologisch sowie das Ergebnis des 1999 durchgeführten Kernspins zeigten, dass weder knöcherne noch ligamentäre Verletzungen noch Hinweise auf discogene Verletzungen in der Halswirbelsäule bis auf die Höhe C6/C7 zu finden seien (Bl. 232 d. A.). Neuere Studien zeigten, dass ein erheblicher Prozentsatz (etwa ein Drittel) der kernspintomographisch untersuchten Patienten mit Distorsionstrauma der HWS pathologische Bandscheibenveränderungen mit Bandscheibenvorwölbungen aufwiesen (Bl. 233 d. A.). Jedoch müssten zur Bejahung der haftungsausfüllenden Kausalität verschiedene Kriterien erfüllt sein. Das Unfallereignis müsse adäquat gewesen sein (z. B. auch Kfz-Auffahrunfälle), typische Bandscheibenbeschwerden müssten eventuell durch Brücken-Symptome in engem zeitlichem Zusammenhang mit dem angeschuldigten Ereignis stehen und es dürfe keine überwiegende degenerative Vorschädigung der Wirbelsäule bestehen (Bl. 233 d. A.). Es sei ein beschwerdearmes bzw. –freies Intervall von längstens 8 Tagen tolerabel, da sich insbesondere radikuläre Syndrome mit einiger Verzögerung entwickelten (Bl. 234 d. A.).
Auch wenn man im vorliegenden Fall davon ausgehe, dass das Unfallereignis geeignet gewesen sei, einen traumatischen Bandscheibenvorfall zu verursachen, so seien doch keine eindeutig auf dieses zurückführbare Symptome mit engem zeitlichem Bezug zum Trauma vorhanden (Bl. 234 u. 245 d. A.). Aufgrund des zweigliedrigen Aufbaus der HWS (Kopfgelenksbereich bis C2/C3 sowie klassische Halswirbelsäule mit 5 gleichförmigen knöchernen Elementen, einheitlicher Gelenkmechanik und Muskulatur) komme es je nach betroffenem Bereich zu unterschiedlichen Symptomen. Im Kopfgelenksbereich komme es zu einem zervikozephalen oder zervikomedullären Syndrom (Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Ohrenpfeifen, Hypakusis, Schwindel, Unsicherheitsgefühl, Nystagmus, Sehbeschwerden im Sinne von Ermüdung, Verschwommensehen, Sehfeldverminderung, Amaurose, Ohnmachtsanfälle, psychische Störungen) (Bl. 234 f d. A.). Dagegen könne es bei Verletzungen der klassischen HWS zu einem Cervicalsyndrom kommen (Nacken-Schulter-Schmerzen ohne Ausstrahlung in die Arme) oder zu einem zervikobrachialen Syndrom (monosegmentales Nervenwurzelreiz- bzw. Kompressionssyndrom, welches der geschädigten Höhe genau entspreche) (Bl. 235 d. A.).
Im vorliegenden Fall müssten demnach, da es sich um einen Bandscheibenvorfall zwischen dem 6. und 7. Halswirbel handle, eine Irritation entweder der rechten oder der linken Nervenwurzel C7 oder C8 vorliegen, d. h. ein ausstrahlender Schmerz in die Arme oder in einen Arm. Weiterhin müsste eine Gefühlsstörung im Bereich der ulnaren Handkante, des Kleinfingers und halben Ringfingers sowie an der ulnaren Unterarmkante vorzufinden sein (Bl. 235 d. A.). Daneben müsste eine Schwäche der Unterarmstreckmuskulatur und der Daumen- und Kleinfingeroppositionsmuskulatur beim Betroffensein der Nervenwurzel C7 oder C8 vorzufinden sein (Bl. 236 d. A.). Eine Analyse des Beschwerdebildes im zeitlichen Verlauf habe jedoch ergeben, dass zu keinem Zeitpunkt ein solches mono- oder biradikuläres Wurzelsyndrom vorgelegen habe. Ausstrahlende Schmerzen in beide Arme ohne eindeutige Segmentzuordnung seien frühestens 8 Monate nach dem Ereignis dokumentiert. Durchgehend sei dem Beschwerdevortrag eher ein zervikozephales als ein zervikobrachiales Syndrom zu entnehmen (Bl. 236 d. A.).
Es sei daher zwar 3 ½ Jahre nach dem Unfall ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert worden. Jedoch ließen sich weder zum Unfallzeitpunkt, noch kurz danach oder jetzt typische Symptome finden, die eindeutig auf den Bandscheibenvorfall zurückzuführen seien. Dies stehe mit dem kernspintomographischen Befund in Einklang, wonach der Bandscheibenvorfall zwar den Liquorreserveraum einenge, jedoch keinen Druck auf Myelon oder Nervenwurzeln auslöse (Bl. 236 d. A.).
Schließlich sei schon vor dem Unfall ein geringer degenerativer Vorschaden im Bereich der unteren cervicalen Segmente (C5/C6, C6/C7) röntgenologisch mit angedeuteter Retrospondylose, Osteochondrose und Höhenminderung sichtbar gewesen. Dieser Bandscheibenverschleiß habe im Laufe der Zeit nur geringgradig im Segment C6/C7 zugenommen (Bl. 237 d. A.). Daher komme man bei der Kausalitätsbetrachtung eindeutig zu dem Schluss, dass zwar das Unfallereignis geeignet gewesen sei, einen traumatischen Bandscheibenvorfall zu verursachen, dass dies jedoch im konkreten Fall nicht nachgewiesen werden könne, da sich entsprechende, auf den Bandscheibenvorfall zurückzuführende klinische Symptome und Befunde nicht finden ließen und die vorhandenen Symptome auf eine wesentliche höhere „Schädigungshöhe“ jeweils konstant hindeuteten (Bl. 237 d. A.). Schließlich seien auch degenerative Vorschäden an der Wirbelsäule der Klägerin nachgewiesen (Bl. 238 d. A.).
Hinweise auf ein Wurzelreizsyndrom der Wurzel C/ oder C8 oder sonstiger Wurzeln sei auf Grund des Untersuchungsbefunds vom 25.02.1997 nicht feststellbar gewesen (Bl. 239 d. A.). Eventuelle Weichteilverletzungen könnten zwar durch ein normales Röntgenbild und auch ein Computertomogramm nicht in ihrer Gänze erfasst werden. Jedoch habe der Gutachter A. (... Kliniken) festgestellt, dass keine knöchernen oder discoligamentären Verletzungen, die sich an Hand der veränderten Stellung der Wirbel zueinander manifestierten (z. B. Luxationen oder Subluxationen eines Wirbels) feststellbar gewesen seien. Auch seien keine Reaktionen auf Weichteilverletzungen feststellbar gewesen, z. B. fortgeschrittene Osteochondrosen (Bl. 240 d. A.). Aus diesem Gutachten ergebe sich also, das keine Hinweise für das Vorliegen einer schwerwiegenden Verletzung im Bereich der Halswirbelsäule, insbesondere eines Bandscheibenvorfalls im Cervicalbereichs gefunden werden konnten (Bl. 240 d. A.).
Der Bandscheibenvorfall C6/C7 sei daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht auf das Unfallereignis vom 29.10.1995 zurück zu führen (Bl. 241 d. A.). Es fehle insbesondere der enge zeitliche Zusammenhang des Auftretens typischer Beschwerden im Hinblick auf den 1999 festgestellten Bandscheibenvorfall (Bl. 242 d. A.). Da dies aber das einzige pathologische Korrelat für die Beschwerden darstelle, ergebe sich die Frage, woher diese kämen (Bl. 241 d. A.). Insbesondere seien auf Grund des Kernspintomographiebefundes keine knöchernen oder Weichteilverletzungen im Bereich der oberen Halswirbelsäule gefunden worden und auch die Röntgenuntersuchungen seien normal gewesen, so dass die Beschwerden im Sinne eines zervikozephalen Syndroms nicht mit dem Unfall in Verbindung gebracht werden könnten (Bl. 244 d. A.). Aus orthopädischer Sicht sei die festgestellte Demyelinisierung arealförmig vereinbar mit einer beginnenden multiplen Sklerose, die eine Erklärungsmöglichkeit für die Schmerzen darstellen könnte. Diesbezüglich sei jedoch die Einholung eines Zusatzgutachtens notwendig, da ein Orthopäde insoweit nicht 100 % sachkompetent sei (Bl. 242 d. A.).
Zwar behauptet die Klägerin nunmehr, die ausstrahlenden Schmerzen und das Kribbeln, welche der Gutachter als typisch für einen Bandscheibenvorfall bezeichnet hat, hätten seit dem Unfallereignis durchgehend bestanden und seien lediglich im Juni 1996 erstmals schriftlich fixiert worden (Bl. 434 d. A.). Jedoch hat die Klägerin diese Behauptung nicht bewiesen, denn der gemäß § 377 Abs. 3 Satz 1 ZPO schriftlich angehörte Zeuge Dr. P. hat hierzu erklärt, die Klägerin habe sich nach dem Unfall erstmals am 02.11.1995 in seiner Praxis vorgestellt. Er, der Zeuge, habe alle relevanten, insbesondere auch neurologischen Untersuchungen geführt. Neurologische Ausfallerscheinungen seien zu diesem Zeitpunkt definitiv nicht festgestellt worden, da sie dann – der ausnahmslosen Handhabung in seiner Praxis entsprechend – dokumentiert worden wären. Ausweislich seiner Unterlagen habe die Klägerin erstmals am 12.06.1996 ausstrahlende Schmerzen in beide Arme geschildert (Bl. 454 d. A.).
Der Sachverständige hat die Untersuchungsbefunde und ärztlichen Berichte nicht nur zu Beginn seines Gutachtens aufgelistet, sondern diese auch in umfänglicher Weise im Rahmen seiner – im Vergleich mit dem üblichen Umfang derartiger Erörterungen besonders ausführlichen und sorgfältigen – eigenen Beurteilung verarbeitet. Der Heilungs- und Behandlungsverlauf ist gerade nicht unbeachtet geblieben. Vielmehr hat der Gutachter maßgeblich auf das Vorliegen eines beschwerdefreien Intervalls abgestellt.
aaa) Der Sachverständige hat die Klägerin neurologisch und psychiatrisch untersucht und hierbei mit ihr verschiedene körperliche und mentale Tests durchgeführt (Bl. 345 – 354 d. A.). Auf Grund der Untersuchungen hat der Gutachter festgestellt, dass von psychiatrischer Seite keine Diagnose gestellt werden könne. Von neurologischer Seite ergebe sich der Befund eines degenerativen Wirbelsäulensyndroms mit kernspintomografisch nachgewiesenem cervikalem Bandscheibenvorfall C6/C7 und Pression des Duralraumes sowie Sulcus ulnaris-Syndrom rechts (Bl. 354 d. A.).
Die Ausstrahlung der Schmerzen in beide Oberarme verbunden mit den zervikozephalen Kopfschmerzen und der hieraus resultierenden Schlaflosigkeit seien durchaus einem zervikobrachialen und zervikozephalen HWS-Syndrom bei degenerativem Wirbelsäulenverschleiß mit Bandscheibendegeneration zuzuordnen. Die schnelle Ermüdbarkeit sei auch Folge des unerholsamen Schlafs. Das Anschwellen des Rückens dürfte Folge der Muskelverspannungen sein. Bezüglich der Kausalitätsbeurteilung werde auf das orthopädische Gutachten verwiesen (Bl. 358 d. A.).
aaa) Der Gutachter hat eine Röntgenuntersuchung der gesamten Wirbelsäule veranlasst und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass im unteren HWS-Bereich und im oberen BWS-Bereich Veränderungen mit Verengung der Zwischenwirbelräume und arthrotische Veränderungen vorhanden seien, die ein Unfallereignis nicht verlässlich ausschließen könnten (Bl. 25 d. A.). Eine Kernspinuntersuchung habe darüber hinaus einen deutlichen Bandscheibenvorfall C5/C6 im unteren HWS-Bereich mit Verengung des Spinalkanales und Beteiligung der Nervenwurzel in diesem Bereich ergeben. Dieser Bandscheibenvorfall sei höchstwahrscheinlich auf das Ereignis vom 29.10.1995 zurückzuführen, da bei der 43-jährigen Patientin andere Ursachen nur schwierig zu erklären seien (Bl. 25 d. A.). Die Patientin habe früher keinen Unfall gehabt und auch rheumatische Erkrankungen seien nicht bekannt. Alleinige altersbedingte Veränderungen schienen ebenso höchst unwahrscheinlich, da in den anderen Wirbelsäulenabschnitten solche Veränderungen nicht zu finden seien (Bl. 25 d. A.). Der Gutachter „glaube“ mangels früherer kernspintomographischer Untersuchungen, dass die jetzt eindeutigen Veränderungen im Bereich der unteren HWS allein auf das Unfallereignis vom 29.10.1995 zurückführbar seien (Bl. 25 d. A.).
Nachvollziehbar und überzeugend hat der gerichtlich bestellte Sachverständige Dr. F. in seinem schriftlichen Gutachten vom 28.05.2001 (Bl. 199 d. A.) ausgeführt, dass es zwischen dem Originaltext des von Dr. K. erhobenen Befundes und der Darstellung in dessen Gutachten erhebliche Differenzen gebe (Bl. 229 d. A.). Dr. K. spreche von einem Bandscheibenvorfall zwischen dem 5. und 6. Halswirbel, wohingegen der Kernspintomographiebefund eindeutig einen Bandscheibenvorfall zwischen dem 6. und 7. Halswirbel nachweise (Bl. 230 d. A.). Zum anderen beschreibe Dr. K. eine Verengung des Spinalkanals mit Beteiligung der Nervenwurzel. Ein solcher Befunde werde jedoch im Original-Kernspintomogramm nicht erhoben. Es werde ausgesagt, dass das Myelon nur knapp erreicht werde, also faktisch nicht erreicht werde. Das bedeutet, dass das Myelon oder die Nervenwurzeln – auch nach eigener Beurteilung der zur Verfügung stehenden Befunde – nicht komprimiert werde (Bl. 230 d. A.). Darüber hinaus habe Dr. K. festgestellt, dass im oberen BWS-Bereich Veränderungen mit Verengung der Zwischenwirbelräume und arthrotische Veränderungen vorzufinden seien. Das Kernspin sage hier aus, dass eine unauffällige Darstellung des zervikothorakalen Überganges, also der oberen BWS vorzufinden gewesen sei. Die eigene Röntgenbeurteilung der HWS im zeitlichen Längsschnitt zeige allerdings normalweite Zwischenwirbelräume, die Höhenminderung des von dem Bandscheibenvorfall betroffenen Segments C6/C7 sei schon auf den Unfallaufnahmen erkenntlich und habe nicht zugenommen. Von einer Einengung der Foramina intervertebralia könne nicht die Rede sein (Bl. 230 d. A.).
ccc) Bei dieser Sachlage ist nicht die Einholung eines Obergutachtens erforderlich. Sofern zwei widerstreitende Gutachten vorliegen, darf das Gericht den Widerstreit der Sachverständigen zwar nicht dadurch entscheiden, dass es ohne einleuchtende und logisch nachzuvollziehende Begründung einem von ihnen den Vorzug gibt, sondern es muss den Zweifel ggf. durch die Einholung eines weiteren Gutachtens beheben (vgl. BGH, BB 1975, 480 (481); BB 1980, 863; NJW 1992, 2291; NJW 2001, 1787 (1788); MünchKomm(ZPO)- Damrau, 2. Auflage, § 412 ZPO, Rdnr. 4). Das Gericht kann sich jedoch im Rahmen der freien Beweiswürdigung einem Gutachten anschließen, wenn es dieses für überzeugend hält. Es muss in diesem Fall lediglich in den Entscheidungsgründen darlegen, warum es nicht dem anderen Gutachten folgt (vgl. BGH, BB 1980, 863; VersR 1986, 467; NJW 1997, 1446; MünchKomm(ZPO)- Damrau, aaO., § 412 ZPO, Rdnr. 4). Da der Senat auf Grund der oben dargelegten sachlichen Argumente des Sachverständigen Dr. F. von der Richtigkeit dessen Gutachtens überzeugt ist, ist nicht die Einholung eines weiteren Gutachtens erforderlich. Dies gilt namentlich im Hinblick auf den – unstreitigen – Umstand, dass der Sachverständige Dr. K. von falschen Anknüpfungstatsachen ausgegangen ist, nämlich – trotz des gegenteiligen Befundes (Bl. 34 d. A.) – von einem Bandscheibenvorfall C5/C6 statt von einem solchen bei C6/C7. Hierdurch werden seine im übrigen auch nicht hinreichend sorgfältig begründeten gutachterlichen Feststellungen entwertet. Dies gilt auch im Hinblick auf die fehlerhafte Auswertung der kernspintomographischen Aufnahmen, von der der Senat ebenfalls auf Grund der Ausführungen des Sachverständigen Dr. F. überzeugt ist.
aaa) Der Sachverständige hat die Klägerin körperlich untersucht (Bl. 49 – 54 d. A.) und vorhandene Röntgenaufnahmen ausgewertet (Bl. 54 – 56 d. A.). Bei der Auswertung der Röntgenaufnahmen hat er festgestellt, dass im Bereich der HWS die Zwischenwirbelräume mittelweit und nicht verschmälert seien und auch keine vermehrten subchondralen Sklerosen der Deck- und Bodenplatten vorlägen. Die kleinen Zwischenwirbelgelenke seien insgesamt unauffällig. Es bestünden keine Hinweise auf Luxation oder Subluxation. Im gesamten dargestellten Skelettbereich fänden sich keine Traumafolgen, d. h. keine Hinweise auf knöcherne Verletzungen oder Weichteilverletzungen (Bl. 54 d. A.). Es handle sich um eine diskrete degenerative Veränderung im Sinne einer Spondylosis deformans C4 bis C7 bei ansonsten altersentsprechenden Verhältnissen und ohne Traumafolgen (Bl. 55 d. A.). Auch an der BWS fänden sich keine Traumafolgen (Bl. 55 d. A.).
bbb) Auch aus diesem Gutachten ergibt sich in Übereinstimmung mit den Feststellungen des Sachverständigen Dr. F., dass keine überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass die Beschwerden der Klägerin auf den Unfall zurückzuführen sind. Auch wenn die Behauptung, HWS-Syndrome der Grade I bis III hinterließen niemals Dauerfolgen, zweifelhaft ist, ergibt sich doch aus den objektiven Feststellungen des Sachverständigen, dass im vorliegenden Fall jedenfalls keine Anzeichen dafür gegeben sind, dass die unfallbedingten Verletzungen wenigstens mitursächlich für die späteren Beschwerden waren.
gg) Auch die im Hinblick auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 28.01.2003 (VI ZR 139/02 – VersR 2003, 474 ff) durchgeführte persönliche informatorische Anhörung der Klägerin hat zu keinen anderen Ergebnissen geführt.
Dies bedeutet aber nichts anderes, als dass der von der Klägerin nunmehr – erstmals in der Berufungsinstanz – geschilderte Unfallablauf (Aufprall während des Aussteigevorgangs in abgeschnalltem Zustand) generell geeignet ist, die von der Klägerin behaupteten Beschwerden auszulösen, dass hiervon jedoch im konkreten Fall jedoch deshalb nicht ausgegangen werden kann, weil nicht bewiesen ist, dass entsprechende Beschwerden bereits unmittelbar nach dem Unfall, längstens aber binnen acht Tagen aufgetreten sind. Dass von Letzterem nicht ausgegangen werden kann, ergibt sich insbesondere aus der bereits erwähnten schriftlichen Aussage des Zeugen Dr. P. Dahinstehen kann es daher, ob die in dem von der Klägerin vorgelegten Gutachten des Sachverständigen Dipl.-Ing. P. vom 04.12.2003 (Bl. 464 d. A.) zutreffen.
aa) Aus der Bescheinigung der kroatischen Ärztin Dr. N.- K. vom 05.09.1996 (Bl. 37 d. A.) ergibt sich, dass die Klägerin an punktuellem Haarausfall auf dem Kopf litt, welcher sich verstärkte. Es erfolgte eine Behandlung mittels Einspritzens von Kortikosteroiden (Triamcinolonacetonid) sowie mittels einer multivitaminischen und lokalen Theorie. Zu den Ursachen der Erkrankung enthält das Attest keine Angaben. Die Ärztin empfahl lediglich die maximale Vermeidung von Stresssituationen (Bl. 38 d. A.). Ein Nachweis der Unfallbedingtheit des Haarausfalls ist daher durch diese Bescheinigung nicht geführt.
bb) Die vom Landgericht bestellte dermatologische Gutachterin Dr. D.- M. hat in ihrem schriftlichen Gutachten vom 24.10.2001 (Bl. 285 d. A.) ebenfalls keine Feststellungen getroffen, die für einen solchen Nachweis geeignet wären.
aaa) Die Gutachterin hat die Klägerin persönlich untersucht (Bl. 292 – 294 d. A.) und die vorhandenen Untersuchungsergebnisse anderer Hautärzte ausgewertet (Bl. 295 – 296 d. A.). Sie hat auf Grund der körperlichen Untersuchung und der Laborbefunde das Vorliegen einer Alopecia areata capitis mit wechselnder Krankheitsakuität und therapeutisch gutem Ansprechen auf intraläsionale Steroidtherapie sowie grenzwertig erhöhte antinukleäre Antikörper diagnostiziert (Bl. 294 u. 296 d. A.). Durch die intraläsionale Kortikoidtherapie könne das Krankheitsbild so kontrolliert werden, dass bei der aktuellen Haarlänge von ca. 10 cm keine optisch entstellenden kahlen Herde am Capillitium in Erscheinung träten. Die Körperbehaarung, Augenbrauen, Wimpern und die Nagelorgane seien nicht betroffen (Bl. 296 d. A.).
Die Alopecia areata sei – vom Haarausfall des Mannes abgesehen – die häufigste krankhafte Form des Haarausfalls und könne in jedem Lebensalter auftreten. Am häufigsten sei die Manifestation in der 2. bis 3. Dekade. Es gebe temporäre und rasch progredient verlaufende Formen mit vollständigem Verlust der Kopfbehaarung bzw. der Körperbehaarung (Bl. 297 d. A.). Typischerweise beginne das Krankheitsbild am behaarten Kopf mit einer oder mehreren kreisrunden kahlen Stellen (Bl. 297 d. A.). Die Ursache für diese Erkrankung sei trotz wissenschaftlicher Untersuchungen bisher unbekannt. Es gebe Theorien, die (auto)immunologische und genetische Ursachen für maßgeblich hielten, wobei kein Konzept lückenlos bewiesen sei (Bl. 297 d. A.). Die Erstmanifestation und die Ausprägung des Haarausfalls würden auch bei genetischen Ursachen durch bisher nicht näher bekannte „Triggerfaktoren“ beeinflusst (Bl. 298 d. A.). An den Haarwurzeln bewirkten Abwehrzellen ein Absterben der die Haare tragenden Zellen, so dass innerhalb der Haarwurzel ein Haarbruch entstehe und die abgebrochenen Haare ausfielen. Die Haarwurzel behalte die Fähigkeit zur Neubildung von Haaren, wobei es ungewiss sei, wann diese tatsächlich eintrete (Bl. 298 d. A.).
Im Falle der Klägerin bestehe ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem – zwei Wochen später erfolgten – Auftreten der Alopecia areata. Vor dem Unfall seien keine Haar- oder Kopfhauterkrankungen aufgetreten. Auch seien keine Hinweise auf andere mögliche Ursachen wie autoimmune Erkrankungen der Schilddrüse oder des Magen-Darm-Traktes gegeben (Bl. 302 d. A.). Der gleichwohl laborchemisch entdeckte grenzwertig erhöhte antinukleare Antikörpertiter könne physiologisch bedingt auftreten aber auch einen Hinweis auf eine sich möglicherweise weiterentwickelnde autoimmune Störung darstellen (Bl. 302 d. A.). Es bestehe daher eine gewisse immunologische Disposition für das Auftreten des betreffenden Krankheitsgeschehens im Sinne eines vom Unfallgeschehen unabhängigen individuellen Faktors (Bl. 302 f d. A.).
Es sei im Übrigen nicht allgemein anerkannt, dass die Alopecia areata als Folge eines erlittenen Schocks bzw. auf Grund einer Stresssituation in dem hier vorliegenden Umfang auftreten könne. Gleichwohl könne eine psycho-immunologische Komponente der Erkrankung im Einzelfall nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden. Als alleiniger Manifestationsfaktor komme sie allerdings nicht in Betracht (Bl. 303 d. A.). Bei entsprechender individueller, d. h. genetischer Disposition könne die erste Manifestation des Krankheitsbildes möglicherweise durch die Schocksituation im Rahmen des Unfallerlebnisses „getriggert“ worden sein. Eine zufällige Koinzidenz sei jedoch ebenso möglich. Als alleiniger Kausalfaktor erscheine der Unfall unwahrscheinlich (Bl. 304 d. A.). Hingegen könnten andere Ursachen außerhalb des Krankheitsbildes ausgeschlossen werden (Bl. 303 d. A.).
bbb) Nach den Feststellungen der Gutachterin kommt es also durchaus in Betracht, dass der Unfall neben bereits bestehenden Faktoren als „Triggerfaktor“, d. h. Auslösefaktor, für das Auftreten des Haarausfalls mitursächlich war. Dies würde im Rahmen der haftungsausfüllenden Kausalität ausreichen. Jedoch hat die Gutachterin überzeugend dargelegt, dass es in der Wissenschaft bezüglich eines solchen Zusammenhangs keine gesicherten Erkenntnisse gibt, so dass jedenfalls keine überwiegende Wahrscheinlichkeit für die Unfallursächlichkeit besteht. Eine solche Wahrscheinlichkeit ergibt sich auch nicht aus dem nahen zeitlichen Zusammenhang zwischen Unfallereignis und Auftreten der Erkrankung (2 Wochen), da dies nach den Angaben der Gutachterin auch ein Zufall sein kann. Die Gutachterin hat daher – entgegen der Auffassung der Klägerin (Bl. 435 d. A.) – eine Mitursächlichkeit gerade nicht bejaht, sondern lediglich als eine nicht bewiesene Möglichkeit bezeichnet.
8. Da bei der Klägerin unstreitig lediglich ein HWS-Syndrom II. Grades mit den bereits näher dargelegten Beeinträchtigungen bis Oktober 1996 gegeben war, ist es nicht zu beanstanden, dass das Landgericht das bereits (mindestens) gezahlte Schmerzensgeld von 3.500,-- DM für ausreichend angesehen hat. Schmerzensgelder von 3.500,-- DM werden von der Rechtsprechung i. d. R. bei bereits schwereren HWS-Verletzungen zugesprochen, die überdies mit längeren Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit bzw. Fähigkeit, im Haushalt tätig zu sein, verbunden sind (vgl. LG Augsburg, ZfS 1989, 406; Slizyk, Beck’sche Schmerzensgeldtabelle, 4. Auflage, Rdnr. 1025, 950, 1288 u. 2398, S. 578). Dass das Landgericht auch im vorliegenden Fall einen solchen Betrag für ausreichend angesehen hat, stellt jedenfalls keinen Fehlgebrauch des richterlichen Ermessens dar und kann daher im Rahmen der Berufung nicht mit Erfolg angegriffen werden.
Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO. § 713 ZPO ist nicht anwendbar, da die Voraussetzungen, unter denen ein Rechtsmittel gegen das Urteil stattfindet, nicht für jede der Parteien unzweifelhaft nicht gegeben sind. Dies folgt daraus, dass die Revision zwar nicht zugelassen ist, dass jedoch gemäß § 26 Nr. 8 EGZPO n. F. die Nichtzulassungsbeschwerde für die Klägerin zulässig ist, da die Beschwer der Klägerin im Berufungsverfahren 413.604,83 EUR, also mehr als 20.000,-- EUR beträgt.
Der Streitwert für das Berufungsverfahren beträgt 413.604,83 EUR (Antrag zu 1): 21.887,38 EUR; Antrag zu 2): 26 * 2.556,46 EUR (66.467,96 EUR) + 9 * 3.170,-- EUR (25.530,-- EUR) + 36 * 4.192,60 EUR (150.933,60 EUR) + 9 * 5.368,56 EUR (48.317,04 EUR) = 291.248,60 EUR; Antrag zu 3): 76.693,78 EUR - 1.789,52 EUR = 74.904,26 EUR; Antrag zu 4): 50.000,-- DM = 25.564,59 EUR).

References: § 540
 § 377
 § 412
 § 412
 § 713
 § 26