Source: https://www.sapereaudepls.de/was-kann-ich-wissen/metaphysik/sein/
Timestamp: 2019-06-26 08:31:17+00:00

Document:
Das Sein - WissensWert
Sein (griechisch einai, lateinisch esse – Infinitiv), Dasein, Gegebensein, In-der-Welt-Sein bezeichnet den Grundbegriff der Philosophie und Metaphysik.[1]
Das Zeitwort sein, zu dem Sein den substantivierten Infinitiv bildet, kann nicht eindeutig definiert werden und erfordert einen zugrunde gelegten Seinsbegriff. In der Tradition gibt es dabei zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze:
· Univokes Seinsverständnis: Sein ist das Merkmal, was allen Seienden nach Abzug der jeweils individuellen Eigenschaften immer noch gemeinsam ist (Entität),[2]
· Analoges Seinsverständnis: Sein ist das, was „allem“ zukommt, der Gegenbegriff zum Sein ist das Nichts, da nichts außerhalb des Seins stehen kann.[2]
1. Der Begriff des Seins
Ein erster Zugang zum Thema ist der sprachliche Gebrauch des Ausdrucks sein.[3] Im umgangssprachlichen Deutsch und in den indogermanischen Sprachen überhaupt wird „sein“ als sprachliche Verknüpfung, als Kopula, zur Verbindung von Subjekt und Prädikat in Sätzen grammatisch oder in Aussagen der Logik
verwendet. Ob diese grammatische Funktion als bloße Kopula einer semantischen Bedeutungslosigkeit des Wortes „Sein“ entspricht, wird spätestens seit Aristoteles kontrovers diskutiert.
1. Existenz. Beispiel: Sokrates ist.
1.mathematische Gleichheit. Beispiel: Zwei mal zwei ist vier.
2.Kennzeichnung. Beispiel: Aristoteles ist der Lehrer von Alexander.
3.Definition. Beispiel: Ontologie ist die Lehre vom Seienden.
2. Prädikation von Eigenschaften. Beispiel: Sokrates ist sterblich.
3. Klassifizierung. Beispiel: Ein Elefant ist ein Säugetier.
2. Kategoriale Bestimmung des Seienden
3. Philosophiegeschichte
Erst Aristoteles kam zu einer klaren begrifflichen Unterscheidung von Seiendem und Sein. „Von alters her und jetzt und immer ist gefragt und immer schwierig zu fassen, was das Seiende sei.“ (Met. VII 1, 1028 b 2-4) In der Auseinandersetzung mit Platons Ideen entwickelte er in einem frühen Konzept die Strukturierung des Seienden nach Kategorien(siehe oben). Später machte er in der Metaphysik das „Seiendem als Seiendes“ (to ho en on) zum grundlegenden Thema der „ersten Philosophie“.[13] „Es gibt eine Wissenschaft, die das Seiende als Seiendes betrachtet und das, was diesem an sich zukommt.“ (Met. IV 1, 1003a 21)
3.2. Neuplatonismus
3.3. Mittelalter
3.4. Hume
3.5. Kant
3.6. Fichte
3.7. Hegel
Hier bedeuten reines Denken, reiner Gedanke und reines Sein, dass sie bloße Form und absolut ohne Inhalt sind. Als reine Abstraktion ist es das Gleiche wie das Nichts.[23]Allein für sich ist die eine so wahr oder falsch wie die andere. Hegel sagt, dass erst die Einheit beider ihre Wahrheit ist.[24] Das Werden besteht aus ihnen. Darum sind sie in ihm identisch, obwohl sie Verschiedene bleiben. Diese Wahrheit Heraklits ist fundamental für Hegels ganze Logik.[25] Hegel spricht von einer absoluten Abstraktion ohne weitere Bestimmung. Alle Begriffe der Philosophie sind für ihn „Beispiele dieser Einheit“.[26]
Er nimmt die alte Frage der Metaphysik nach Gott wieder auf. „Das Sein selbst sowie […] die logischen Bestimmungen überhaupt können als Definitionen des Absoluten, als die metaphysischen Definitionen Gottes angesehen werden“ (Hegel)[28] Reines Sein ist nur die Form des Absoluten. Ferner unterscheidet er vom unbestimmten Sein das bestimmte, das er Dasein nennt. „Dasein ist bestimmtes Sein; seine Bestimmtheit ist seiende Bestimmtheit, Qualität.“ (Hegel[29]) Dieses ist endlich, weil das Werden schon das Moment dessen Endlichkeit, das Nichts, in sich enthält. Vermittelt ist das Sein durch das Wesen. In ihm ist das Sein nicht nur unmittelbar, sondern zugleich vermittelt.[30] Erst in der konkreten Existenz tritt der Unterschied zwischen dem Wesen und seiner Erscheinung auf.[31] Alles Existierende hat eine Erscheinung. Es ist nichts anderes als dasunbewegte Wesen, das dieser veränderlichen Erscheinung zugrunde liegt.[32] Im Begriff sind Sein und Wesen aufgehoben. Sie sind in ihm als Wissen vereint. Er ist die Einheit von Subjektivität und Objektivität. Insofern ist das höchste, was der Mensch von Gott und allem anderen wissen kann, sein Begriff. Dieser macht dann auch die Wirklichkeit für das Subjekt aus.[33]
3.8. Heidegger
· Platon: Sophistes (um 365 v. Chr.)
· Aristoteles: Metaphysik (4. Jh. v. Chr.)
· Plotin: Enneaden (253 – 269)
· Thomas von Aquin: De ente et essentia (ca. 1255)
· René Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie (1641)
· Martin Heidegger: Sein und Zeit (1927)
· Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts (1943)
· Emmanuel Levinas: Vom Sein zum Seienden (1947)
· Emmanuel Levinas: Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht. Freiburg/Br.: Alber 1992.
· Heinrich Rombach: Substanz System Struktur (1965)
· Karl Albert: Meister Eckharts These vom Sein, Kastellaun 1979, ISBN 3-450-00009-8
· P. Aubenque: Art. Onto-logique, in: Encyclopédie philosophique universelle
· L. Azar: Esse in the philosophy of Whitehead, in: New Scholasticism 37 (1963), 462–471.
· Enrico Berti: Multiplicity And Unity Of Being In Aristotle, in: Proceedings of the Aristotelian Society 101/2 (2001), 185–207.
· Joseph Bobik: (Thomas) Aquinas: On being and essence (De ente et essentia), A translation and interpretation, Notre Dame : University Press 1970
· S. Brown: Avicenna and the unity of the concept of being, in: Franciscan Studies 25 (1965), 117–150.
· S. Dumont: The univocity of the concept of being in the 14th century, in: Mediaeval Studies 49 (1987), 1–75.
· L. J. Elders: The metaphysics of being of St. Thomas Aquinas in a historical perspective, Leiden 1993
· Kurt Flasch: Sein und Können-selbst bei Nikolaus von Kues, in: Parusia Studien zur Philosophie Platons und zur Problemgeschichte des Platonismus, Frankfurt/M.1965, 407-421.
· J. de Vries: Das 'esse commune bei Thomas von Aquin, in: Scholastik 39 (1964), 163–177.
· Etienne Gilson: Being and Some Philosophers, Toronto:Pontifical Institute of Mediaeval Studies 1949
· Etienne Gilson: L’être et l’essence, 2. A., Paris 1962.
· Ludger Honnefelder: Ens inquantum ens, Der Begriff des Seienden als solchen als Gegenstand der Metaphysik nach der Lehre des Johannes Duns Scotus, Münster : Aschendorff, 1971, 2. A. 1989.
· K. Kremer: Die neuplatonische Seinsphilosophie und ihre Wirkung auf Thomas von Aquin, 2. A. Leiden 1971.
· W. Kluxen: Thomas von Aquin: Das Seiende und seine Prinzipien, in: J. Speck (Hg.): Grundprobleme der großen Philosophen, Altertum und Mittelalter, 1972, 177–220.
· S. Knuuttila / Jakko Hintikka (Hgg.): The logic of being, Dordrecht 1982
· Alasdair MacIntyre, Art. Being, in: Donald Borchert (Hg.): Encyclopedia of Philosophy, 2. A., Macmillan 2005, Bd. 1, 527-532, ISBN 978-0-02-865780-6
· Gottfried Martin: Immanuel Kant: Ontologie und Wissenschaftstheorie, Köln 1951.
· S. P. Marrone: Henry of Ghent and Duns Scotus on the knowledge of being, in: Speculum 63 (1988) 22–57.
· Parviz Morewedge (Hg.): Philosophies of Existence ancient and medieval, New York: Fordham University Press 1982, ISBN 0-8232-1059-6 Aufsätze u. a. zu Platon, Aristoteles, Antike Philosophie, Buddhismus, Duns Scotus, 13. Jh., Spätmittelalter, Kalam, Suhrawardi, Avicenna und Islamische Philosophie
· L. Oeing-Hanhoff: Sein und Sprache in der Philosophie des Mittelalters, in: Jan P. Beckmann (Hg.): Sprache und Erkenntnis im Mittelalter, Berlin : De Gruyter 1981 (Miscellanea mediaevalia 13), 165–178.
· Joseph Owens: The Doctrine of Being in the Aristotelian Metaphysics, Toronto: Pontifical Institute of Mediaeval Studies 1951.
· Yvanka B. Raynova, Vesselin Petrov (eds.): Being and Knowledge in Postmetaphysical Context. Wien: Institut für Axiologische Forschungen, 2008, ISBN 978-3-902295-06-4
· L. M. de Rijk: Die Wirkung der neuplatonischen Semantik auf das mittelalterliche Denken über das Sein, in: Jan P. Beckmann (Hg.): Sprache und Erkenntnis im Mittelalter, Berlin : De Gruyter 1981 (Miscellanea mediaevalia 13), 19–35.
· L. M. de Rijk: Peter Abaelards semantics and his doctrine of being, in: Vivarium 35 (1986), 85–127
· Barry Smith: Ontologische Aspekte der Husserlschen Phänomenologie, in: Husserl Studies 3 (1986), 115–130.
· E. Sonderegger: Denn das Sein oder Nichtsein ist kein Merkmal der Sache. In: Zeitschrift für philosophische Forschung 43 (1989), 489-508.
· W. Strolz: Sein und Nichts in der abendländischen Mystik. Freiburg/Br. 1984
· Hans Peter Sturm: Weder Sein noch Nichtsein. Würzburg 1999.
· Michael Theunissen: Sein und Schein. Die kritische Funktion der Hegelschen Logik, Frankfurt/M. : Suhrkamp 1978.
· Ernst Tugendhat: Das Sein und das Nichts, in: Durchblicke Martin Heidegger zum 80 Geburtstag. Frankfurt/M. 1980
· Bernhard Welte: Ens per se subsistens, in: Philosophisches Jahrbuch 71 (1964), 243–252.
· Albert Zimmermann: Ontologie oder Metaphysik? Die Diskussion über den Gegenstand der Metaphysik im 13. und 14. Jahrhundert ; Texte und Untersuchungen, Leiden: Brill 1965
· P. Butchvarov: Being qua Being. A Theory of Identity, Existence, and Predication, Bloomington: Indiana University Press 1979
· Peter T. Geach: Form and Existence, in: Proceedings of the Aristotelian Society 55 (1954), 251–272.
· Peter T. Geach, A. J. Ayer, Willard Van Orman Quine: Symposium: On What There Is. In: Aristotelian Society Supplement 25 (1951), 125–160.
· Peter T. Geach: What Actually Exists. Proceedings of the Aristotelian Society, Supplement 42(1968), 7–16
· John Mackie: The Riddle of Existence. In: Proceedings of the Aristotelian Society, Supplement 50 (1976), 247–266
· Alasdair MacIntyre, Art. Being, in: Encyclopedia of Philosophy, 2. A., Bd. 1, 527–532
· Barry Miller: The Fullness of Being, Notre Dame: University of Notre Dame Press 2002
· George E. Moore: Is Existence a Predicate? In: Aristotelian Society Supplement 15 (1936), 175–188.
· William V. O. Quine: On What There Is. in: Review of Metaphysics 2 (1948), 21–38.
· Wolfgang Stegmüller: Das Universalienproblem einst und jetzt. 1965.
· P. Weiss: Being, Essence and Existence. In: Review of Metaphysics 1 (1947), 69–92.
· C. J. F. Williams: Being, Identity, and Truth. Oxford: OUP 1992.
1. Alois Halder – Philosophisches Wörterbuch, Herder Verlag 2008
2. J. B. Lotz, W. Brugger: Allgemeine Metaphysik, Abschnitt D - Seinsbegriff; München 3. A. 1967
3. Die Arbeiten von Charles H. Kahn bieten eine konzise Zusammenschau des griechischen Materials und sind nach wie vor unverzichtbar. Für einen kurzen Überblick vgl. seinen Essay in Knuutila/Hintikka.
4. Aristoteles: Peri hermeneias 3. 16 b, 20−25
5. Vgl. Albert Keller: Stichwort „Sein“, in: Hermann Krings, Hans Michael Baumgartner, Christoph Wild: Handbuch philosophischer Grundbegriffe, München 1974
6. Aristoteles: Met. VII 1, 1026a 33
7. umfangreiche und ausführliche systematische Skizze von Wortbedeutungen im Artikel Sein in: Anton Hügli, Poul Lübcke: Philosophielexikon, Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart, rororo Enzyklopädie, Band 55453, 1995, ISBN 3-499-55453-4
8. Parmenides: Über die Natur (Fragmente), in: Wilhelm Capelle: Die Vorsokratiker, Kröner, 8. Aufl. 1968, 165
9. Parmenides: Über die Natur, 169
10. Platon: Sophistes 256a
11. Platon: Sophistes, 233
12. Platon: Sophistes, 247d-e
13. Zweite Wissenschaft ist hingegen die Physik, die sich mit dem wahrnehmbaren Wesen befasst (Met. VII 11, 1037a 14-16)
14. Plotin: Enneaden V, 4, 1., Schriften Band 1, Hamburg 1956, 151
15. Plotin: Enneaden II, 4, 4, 1.c., Schriften Band 1, Hamburg 1956, 249
16. Boethius: Hebdomadibus, II, in: Theologische Traktate, Meiner 1988, 37
17. Wilhelm von Ockham; Texte zur Theorie der Erkenntnis und der Wissenschaft, Stuttgart 1984, 83
18. David Hume: Traktat über die menschliche Natur, Meiner, Hamburg 1989, 91
19. Kritik der reinen Vernunft B 627 f.
20. Johann Gottlieb Fichte: Grundlage der Wissenschaftslehre (1802), Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften I/2, 359-360
21. vgl. G.W.F. Hegel: Wissenschaft der Logik I. stw, Frankfurt 1986, S. 73. Es ist noch Nichts, und es soll Etwas werden. Der Anfang ist nicht das reine Nichts, sondern ein Nichts; von dem Etwas ausgehen soll; das Sein ist also auch schon im Anfang enthalten.
22. vgl. G.W.F. Hegel:Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften I. stw, Frankfurt am Main 2003, § 86, S. 182f.
23. vgl. G.W.F. Hegel:Enzyklopädie I. § 87, S. 186.
24. vgl. G.W.F. Hegel:Enzyklopädie I. , § 88, S. 188f.
25. vgl. G.W.F. Hegel:Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie I. stw, Frankfurt am Main 1999, S. 320. Hier sehen wir Land; es ist kein Satz des Heraklit, den ich nicht in meine Logik aufgenommen (habe).
26. vgl. G.W.F. Hegel:Wissenschaft der Logik I. S. 86. "Da […] diese Einheit von Sein und Nichts als erste Wahrheit ein und für allemal zugrunde liegt und das Element von allem Folgenden ausmacht, so sind außer dem Werden selbst alle ferneren logischen Bestimmungen: Dasein, Qualität, überhaupt alle Begriffe der Philosophie, Beispiele dieser Einheit"
27. G.W.F. Hegel:Geschichte der Philosophie I. S. 324f.
28. G.W.F. Hegel:Enzyklopädie I. § 85, S. 181.
29. G.W.F. Hegel:Wissenschaft der Logik I. S. 115.
30. vgl. G.W.F. Hegel:Enzyklopädie I. § 122, S. 231.
31. vgl. G.W.F. Hegel:Enzyklopädie I. § 131 (+Zusatz), S. 261ff.
32. vgl. G.W.F. Hegel:Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie. I S. 275ff. Das Bewusstsein davon sieht er zum ersten Mal bei den Eleaten aufgehen. „Indem jetzt aber die Veränderung in ihrer höchsten Abstraktion als Nichts aufgefasst wird, so verwandelt sich diese gegenständliche Bewegung in eine subjektive, tritt auf die Seite des Bewusstseins, und das Wesen wird das Unbewegte.“ S. 278. Aber erst Platon fragt explizit nach der Natur des Wesens (eidos).
33. G.W.F. Hegel:Wissenschaft der Logik II, 245f.
WissensWert (Mittwoch, 07 Juni 2017 03:33)
http://www.philolex.de/sein.htm

References: § 86
 § 87
 § 88
 § 85
 § 122
 § 131