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Timestamp: 2017-03-29 13:18:30+00:00

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Post und Telekommunikation, Telekommunikation: Postreform - Deutsche Bundespost TELEKOM 1990
Telekommunikation Januar bis Dezember 1990 -
das 1. Geschäftsjahr der durch die Postreform neu gegründetenDeutschen Bundespost TELEKOM
Das Jahr der Wende, das Jahr des Aufbruchs -aus dem Geschäftsbericht 1990 der neu gegründeten Deutschen Bundespost TELEKOM
Am 1. Januar 1990 nahmen Vorstand und Aufsichtsrat des mit der Postreform nach dem Poststrukturgesetz vom 8. Juni 1989 neu gegründeten Unternehmens Deutsche Bundespost TELEKOM ihre Arbeit auf. Im August 1991 veröffentlichte die TELEKOM ihren 1. Geschäftsbericht für das Jahr 1990. Hier finden Sie auch den Anhang zum Geschäftsbericht „Die wichtigsten statistischen Daten zum Geschäftsjahr 1990”.
Einleitend berichtet der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf-Dieter Leister über die Aufgaben und Arbeit des 1. Geschäftsjahres. Nachfolgend ein Auszug:
„Mit der Vereinigung der beiden Staaten in Deutschland nach 4 Jahrzehnten der Trennung nimmt das Jahr 1990 eine herausragende Stellung in der Geschichte unseres Landes ein. Dieses historische Ereignis war für die Menschen in Ost- und Westdeutschland, für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Erfüllung eines sehnlichen Wunschs und eine große Herausforderung. Wir alle standen und stehen noch für lange Zeit vor einer eínzigartigen Aufgabe. Diese Aufgabe beschränkt sich nicht auf die gewaltige finanzielle Dimension der Herstellung gleicher Lebensverhältnisse in ganz Deutschland, sondern sie erstreckt sich auf das Zusammenführen der Menschen in allen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.
Vor dieser Aufgabe steht auch die Deutsche Bundespost TELEKOM. Im Jahr 1990 begann für sie der Weg von der nunmehr 500 Jahre alten Postverwaltung zu einem zunehmend im Wettbewerb stehenden markt- und kundenorientierten Unternehmen. Für die TELEKOM brachte damit das 1. Jahr ihres Bestehens gleich eine doppelte Bewährungsprobe. Sie musste ein neues Selbstverständnis finden. Und sie musste die durch die Vereinigung Deutschlands auf das Unternehmen zukommenden Aufgaben sehr rasch in Angriff nehmen. Bei diesem in der Öffentlichkeit zum Teil krass unterschätzten Aufbauwerk einer funktionierenden Telekommunikations-Infrastruktur im Osten Deutschlands ist die TELEKOM weit vorangekommen.
Eine funktionsfähige Telekommunikations-Infrastruktur ist eine elementare Voraussetzung für die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft in den neuen Bundesländern. Deshalb hat die TELEKOM 1990 alle zur Verfügung stehenden Kräfte auf eine möglichst rasche Bereitstellung der erforderlichen Telekommunikations-Dienstleistungen konzentriert. Das Programm „Telekom 2000” weist den richtigen Weg in die Zukunft. Es ist deshalb wichtigstes Ziel der Deutschen Bundespost TELEKOM für die nächsten Jahre, ihre finanzielle Stabilität zu erhalten, um die ihr zugewiesene volkswirtschaftlich unverzichtbare Aufgabe marktgerecht erfüllen zu können.”
Am 14. Dezember 1990 hat der Aufsichtsrat den Wirtschaftsplan 1991 für das Unternehmen beschlossen. Er ist der 1. gemeinsame Haushaltsplan des Unternehmens für das Gesamtgebiet der Bundesrepublik Deutschland nach dem Beitritt der neuen Bundesländer. Am 12. Juni 1991 hat der Aufsichtsrat den Jahresabschluss zum 31. Dezember 1990 für die Tätigkeit der Deutschen Bundespost TELEKOM in den westlichen Bundesländern beschlossen.
Für das Beitrittsgebiet wird die Feststellung des Jahresabschlusses 1990 gemeinsam für die Unternehmen POSTDIENST und TELEKOM vorgenommen.
Veränderungen im Aufsichtsrat und weitere Vorstandsmitglieder berufen
Mit Wirkung vom 15. Januar 1990 schied Staatssekretär a. D. Dr. Hans Tietmeyer wegen seines Wechsels in das Direktorium der Deutschen Bundesbank aus dem Aufsichtsrat aus. Als Nachfolger wurde Staatssekretär Dr. Horst Köhler durch Beschluß der Bundesregierung vom 14. Februar 1990 berufen.
In der Aufsichtsratssitzung vom 18. Januar 1990 gab der Aufsichtsrat sein Einverständnis für die Berufung weiterer Vorstandsmitglieder für die Deutsche Bundespost TELEKOM. Für den Bereich V5 (Marketing, Vertrieb, Telekom-Service, AGB) wurde Dieter Gallist und für den Bereich V6 (Organisation, Informationstechnik) Horst Gellert in den Vorstand berufen.
Der Berufung von Dr. Joachim Kröske für den Bereich V8 (Finanzen, Controlling, Betriebswirtschaft, Einkauf, Liegenschaften, Hochbau) stimmte der Aufsichtsrat in seiner Sitzung vom 14. Februar 1990 zu. Sein Einvernehmen für die Berufung von Carl-Friedrich Meißner als Vorstandsmítglied für den Bereich V4 (Datenmehrwertdíenst) gab der Aufsichtsrat in seiner Sitzung vom 14. November 1990 bekannt.
Vorstandsvorsitzender Helmut Ricke zu den Herausforderungen für das junge Unternehmen
Im Geschäftsbericht nimmt auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bundespost TELEKOM Stellung zu den Herausforderungen, denen sich die TELEKOM stellen muss. Hier seine Ausführungen:
In unserer modernen Gesellschaft hat die Telekommunikation einen starken Einfluss auf das Zusammenleben der Menschen. Sie gibt ihnen die Freiheit, über fast beliebige Entfernungen und ohne Verzögerungen Verbindungen aufzunehmen. Sie ermöglicht und beschleunigt den Fortschritt, der unseren Wohlstand begründet. Die Telekommunikation hat die Welt zusammenwachsen lassen.
Dennoch steht die Telekommunikation erst am Anfang einer großen technischen Entwicklung. Gemeinsam mit der Informationstechnologie ist sie die Schlüsseltechnologie der Zukunft. Sie bildet die Grundlage für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung, bewirkt wirtschaftliches Wachstum, sie schafft und sichert unseren Wohlstand. Neue Lebensqualität und die Lösung vieler drängender Probleme sind einige der Ergebnisse. Sie ist nicht mehr wegzudenkende Selbstverständlichkeit und zugleich eine große Herausforderung für die Menschen.
Die Deutsche Bundespost TELEKOM ist mit ihrer Arbeit ein Teil dieser Entwicklung: Der Beginn der 1990er-Jahre findet sie inmitten einer Phase des Aufbruchs und der Weichenstellung für die Zukunft. Die Umstrukturierung von einer Behörde zu einem marktwirtschaftlich orientierten Unternehmen ist erfolgreich eingeleitet. Die TELEKOM treibt den Einsatz moderner Kommunikationstechnologien konsequent weiter voran. Auf den liberalisierten europäischen Binnenmarkt und die zunehmende Internationalisierung der Geschäftstätigkeit haben wir uns vorbereitet.
Die Wiedervereinigung Deutschlands stellt unser Unternehmen zugleich vor eine weitere große Herausforderung. Der Zusammenschluss der beiden deutschen Telekommunikationsgesellschaften ist eine der größten Unternehmensfusionen, die es je gegeben hat. In einem beispiellosen Aufholprogramm wird in den nächsten Jahren die Telekommunikations-Infrastruktur in den 5 neuen Bundesländern zu einem der modernsten und leistungsfähigsten Netze ausgebaut. Neben dieser für unser Land vordringlichsten Aufgabe hat die TELEKOM die Eckpfeiler der strategischen Ausrichtung auf das kommende Jahrzehnt gesetzt.
Mit einem angestrebten Umsatzvolumen von über 80 Milliarden DM am Ende des Jahrzehnts will die TELEKOM im globalen Markt einer der „Top-3”-Netzbetreiber bleiben. Im Mittelpunkt unserer Geschäftsaktivitäten stehen die netznahen Basis- und Mehrwertdienste. Über die Differenzierung und die Qualität ihrer Dienste will sich die TELEKOM im Wettbewerb erfolgreich am Markt positionieren.
Die Geschäftstätigkeit wird sich im Wesentlichen nach den Anforderungen der Kunden und der Berücksichtigung des Infrastrukturauftrags gestalten. Dabei werden wir den unterschiedlichen Bedürfnissen der Privat- und Geschäftskunden unsere besondere Aufmerksamkeit widmen.
Die Lösung der nationalen Aufgaben im geeinten Deutschland ist unser vordringlichstes Ziel. Daneben wird eine internationale Geschäftserweiterung erforderlich, um global operierende Kunden mit leistungsfähigen Angeboten aus der Hand des kompetenten Netzbetreibers betreuen zu können. Darüber hinaus erfordert die fortschreitende Deregulierung des europäischen und des weltweiten Telekommunikationsmarkts eine internationale Ausrichtung der TELEKOM.
Die Stärken eines integrierten Netzbetreibers wollen wir auch in Zukunft nutzen und ausbauen. Zusatzlich streben wir strategische Allianzen in anwendungsorientierten Geschäftsfeldern an. Unser Ziel ist es, einen raschen Marktzugang zu erreichen und entsprechendes Know-how zu gewinnen.
Wir müssen flexibler werden: Wo wir im Wettbewerb noch Nachholbedarf haben, konzentrieren wir uns verstärkt auf unser Kerngeschäft. Bei der Diversifizierung außerhalb dieses Kerngeschäfts beschränken wir uns im Wesentlichen auf internationale Mehrwertdienste und die Erschließung neuer zukunftsträchtiger Märkte wie etwa den Mobilfunk. Dieser strategische Ansatz baut auf die Stärken der TELEKOM, er setzt ehrgeizige, zugleich jedoch erreichbare Ziele für die Strategie unserer zukünftigen Unternehmenspolitik.
Es ist wichtig, dass wir unsere Aktivitäten auf das Machbare konzentrieren. Das verlangt von uns in bestimmten Fällen sogenannte Make-or-Buy-Entscheidungen, Entscheidungen darüber, was wir selbst machen und was wir zukaufen. Es bedeutet andererseits aber auch: Um die erforderliche Flexibilität zu erreichen, werden wir dezentrale Entscheidungsabläufe bevorzugen, die heute weltweit die Strukturen großer Unternehmen prägen. Dies schließt die Verselbstständigung einzelner Dienstleistungsbereiche ein.
Mit der Entscheidung über die Struktur der Unternehmensorganisation im Jahr 1989 ist für die TELEKOM der erste und wichtigste Schritt zur Neuausrichtung des Unternehmens getan worden. Hiermit wurde die Basis für eine markt- und wettbewerbsorientierte Unternehmensstruktur geschaffen. Auch in Bereichen, in denen die TELEKOM Monopoldienste anbietet, praktiziert sie ein „Als-ob”-Wettbewerbsverhalten. Auf diese Weise erreichen wir den bestmöglichen Ausgleich zwischen gesamtgesellschaftlichen Interessen und den unternehmerischen Zielsetzungen.
Unser Ziel ist es, eine funktionierende Telekommunikations-Infrastruktur für alle zu schaffen. Zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben sind unsere „alten” wie „neuen” Mitarbeiter vorbehaltlos gemeinsam an die Arbeit gegangen. Ohne ihre Tatkraft und Fähigkeiten, ohne die Bereitschaft, auch aus dem Herzen die Mauer zu verbannen, wäre die „Wiedervereinigung TELEKOM” nicht möglich gewesen.
Geschäftsbericht 1990: Lagebericht zum Startjahr 1990
Das Jahr 1990 war das 1. Jahr der Selbstständigkeit des öffentlichen Unternehmens Deutsche Bundespost TELEKOM, das mit den beiden Schwestergesellschaften Deutsche Bundespost POSTBANK und Deutsche Bundespost POSTDIENST aus dem Ministerium für Post und Telekommunikation ausgegliedert wurde. Gesetzliche Grundlage für die Änderungen der organisatorischen Strukturen ist das Postverfassungsgesetz [= Artikel 1 PostStruktG], das gleichzeitig auch die neue ordnungspolitische Konzeption festgelegt hat. Diese Konzeption bildet die Basis für die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens und definiert die Hauptanforderungen:
Aufrechterhaltung einer stets leistungsfähigen Telekommunikations-Infrastruktur im Monopol.
Konkurrieren als ein Anbieter von Telekommunikationsdiensten und -produkten auf dem Markt mit den Wettbewerbern.
Zur Bewältigung dieser Anforderungen müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dies gilt insbesondere für den Wettbewerbsbereich, für den auf allen Gebieten die Freiheitsgrade vorhanden sein müssen, die auch die Mitbewerber aus der freien Wirtschaft in Anspruch nehmen, um Chancengleichheit für die Deutsche Bundespost TELEKOM herzustellen. Dies reicht von den Grundsätzen und Methoden moderner Unternehmensführung im Hinblick auf Organisationsstrukturen und -abläufe über die Instrumente bis zur entsprechenden Beweglichkeit im personellen und finanziellen Bereich.
In das Startjahr des Unternehmens ist auch die Wiedervereinigung Deutschlands gefallen und die damit ausgelöste Integration der Deutschen Post Telekom in die Deutsche Bundespost TELEKOM. Diese unstrittig langfristigen Chancen sind kurz- und mittelfristig mit erheblichen personellen, organisatorischen und finanziellen Problemen verbunden. Da die Aktivitäten in den östlichen Bundesländern aus organisatorischen und abrechnungstechnischen Gründen noch für die Deutsche Bundespost POSTDIENST und die Deutsche Bundespost TELEKOM zusammengefasst sind, beschränkt sich der vorgelegte Jahresabschluss auf die westlichen Bundesländer.
Basis für das Unternehmen Deutsche Bundespost TELEKOM ist die Eröffnungsbilanz per 1. Januar 1990, die aus der Schlussbilanz der Deutschen Bundespost per 31. Dezember 1989 entwickelt worden ist. Diese Bilanz ist letztmalig unter den bis dahin gültigen kameralistischen Regeln erstellt worden, bei denen die Zahlungsströme mit ihrem effektiven Einnahme- und Ausgabetermin bestimmend sind.
Mit der Einführung des Postverfassungsgesetzes ist das Unternehmen Deutsche Bundespost TELEKOM verpflichtet, die Jahresabschlüsse erstmalig nach handelsrechtlichen Kriterien zu erstellen, Die handelsrechtlichen Grundnormen wie Niederstwertprinzip, Imparitätsprinzip und Prinzip der Periodenbegrenzung sind damit zwingend vorgeschrieben. Obwohl bereits in der Vergangenheit sukzessiv eine Modifikation der rein kameralstischen Betrachtungsweise erfolgte, ist eine deutliche Korrektur der ersten „kameralistischen” Eröffnungsbilanz notwendig gewesen, um künftige Ergebnisse nicht mit Einflüssen zu belasten, die ihre Ursache vor dem 1. Januar 1990 haben.
Die 2. „handelsrechtliche” Eröffnungsbilanz ist für das Unternehmen Deutsche Bundespost TELEKOM Ausgangsbasis der Geschäftstätigkeit. Diese Bilanz weist ein Eigenkapital von 34 Milliarden DM aus, das damit mit 31 Prozent vom Gesamtkapital unter die gesetzliche Sollvorschrift von 33 Prozent gesunken ist.
Finanzielle Situation 1990
Vor dem Hintergrund einer lebhaften Konjunktur, die bestimmt war durch ein reales Wachstum des Bruttosozialprodukts von 4,6 Prozent, verlief die Geschäftsentwicklung der Deutschen Bundespost TELEKOM deutlich positiv und im Rahmen der Planungen. In 1990 konnte ein Umsatz von 40,6 Milliarden DM erzielt werden. Dies ist eine Steigerung von rund 2 Milliarden DM bei einem nominalen Anstieg von 5,5 Prozent bzw. real von 7,5 Prozent. Mit der 2. Stufe des Tarifs 90 wurden die Verkehrsgebühren im Telefondienst deutlich gesenkt. Die Summe der Reduzierung der Gebühren der 1. und 2. Stufe ergeben auf Jahresbasis mehr als 1,5 Milliarden DM.
Die Umsätze im Telefonbereich (Grund- und Verkehrsgebühren) betragen rund 31 Milliarden DM (= 76 Prozent vom Gesamtumsatz). Sie stiegen um 4 Prozent, während die übrigen Aktivitäten (insbesondere Funktelefon, Breitbandverteildienst und Mietleitungen) um über 10 Prozent zunahmen, sodass die Umsatzstruktur weiter verbreitert werden konnte.
Das Geschäftsergebnis beläuft sich auf 7,4 Milliarden DM (= 17 Prozent von den Gesamterträgen). Das neutrale Ergebnis ist fast ausgeglichen. Nach Abzug der Ablieferung (4,1 Milliarden DM) und des Verlustausgleichs für die Schwestergesellschaften (1,95 Milliarden DM) ergibt sich ein Jahresüberschuss von 1,25 Milliarden DM (= 2,9 Prozent vom Gesamtertrag). Gegenüber dem Jahr 1989 haben sich belastend das deutlich gestiegene Zinsniveau und Abschreibungen bemerkbar gemacht. Die Sachinvestitionen beliefen sich in 1990 auf rund 18,5 Milliarden DM bei 19 Milliarden DM Gesamtinvestitionen. Eindeutiger Schwerpunkt sind mit über einem Drittel Anteil die Investitionen in der Übertragungs- und Vermittlungstechnik gewesen. Auch die Hochbauaktivitäten erfuhren mit 1,65 Milliarden DM eine erneute Steigerung.
Mit diesen Investitionen konnte die Anzahl der Anschlüsse sowohl im analogen Telefonnetz (auf ca. 30 Millionen) als auch im ISDN-Netz erheblich erhöht werden, um die allgemein gestiegene Nachfrage und speziell den Bedarf an Telefaxanschlüssen (ca. 680.000) befriedigen zu können. Im Mobilfunk nahm die Anzahl der Teilnehmer im C-Netz auf 275.000 ebenso deutlich zu wie die der anschließbaren Wohneinheiten beim Breitbandkabelanschluss auf 16 Millionen bei über 8 Millionen angeschlossenen Einheiten. Zur Finanzierung dieser Investitionen musste die Nettokreditaufnahme auf über 4 Milliarden DM gesteigert werden, wovon auf Anleihen 3,5 Milliarden DM entfallen. Gleichzeitig nahmen die Verbindlichkeiten gegenüber den Schwestergesellschaften um über 2 Milliarden DM zu, sodass der Eigenkapitalanteil bei einem Gesamtkapital von 116 Milliarden DM weiter auf 30 Prozent rückläufig ist.
Eine wesentliche Änderung war die ab 1. Juli 1990 zu berücksichtigende Umsatzsteuerpflicht für die Endstellengeräte, Dies ist mit einem Ergebnisrückgang verbunden, da bei konstanten Preisen der entfallene Mehrwertsteuerbetrag durch den Vorsteuerabzug nur teilkompensiert worden ist bei gleichzeitigem Weiterbestehen der 10 Prozent Ablieferungspflicht.
Aktuelle Lage 1991
Für 1991 wird in den westlichen Bundesländern ein weiterer Umsatzanstieg von ca. 6 Prozent (real 7 Prozent) erwartet. Mit den östlichen Bundesländern zusammen strebt die Deutsche Bundespost TELEKOM einen Umsatz von 46 Milliarden DM an, in dem bereits die Gebührensenkungen in West und die Angleichung der Tarife von Ost und West mit fast 1 Milliarde DM Reduzierung berücksichtigt sind. Zum Aufbau der Telekommunikations-Infrastruktur in den östlichen Bundesländern und dem weiteren Ausbau in den westlichen Ländern werden die Investitionen auf über 29 Milliarden DM gesteigert. Dies bedeutet einen Nettokreditbedarf von über 15 Milliarden DM. Trotz der damit deutlich steigenden Kosten im Hinblick auf Abschreibungen und Zinsen und trotz erheblicher Personalkostensteigerungen hofft die Deutsche Bundespost TELEKOM, durch zusätzliche Einsparungsmaßnahmen das Geschäftsergebnis in Ost und West in etwa der Größenordnung des Jahrs 1990 halten zu können. Das bedeutet aber bei der geplanten weiteren Zunahme des Verlustausgleichs für die Schwestergesellschaften und der Ablieferung nur ein ausgeglichenes Jahresergebnis und somit einen weiteren erheblichen Rückgang der Eigenkapitalquote.
Die Herausforderungen, denen sich die Deutsche Bundespost TELEKOM gegenübersieht, sind vielfältiger Art. An erster Stelle ist der völlige Neuaufbau einer Telekommunikations-Infrastruktur in den östlichen Bundesländern zu nennen. Die Gesamtinvestitionen werden auf über 55 Milliarden DM geschätzt. Alle notwendigen Initialaufwendungen werden das Gesamtergebnis deutlich in den nächsten Jahren negativ beeinflussen, obwohl langfristig ein erheblicher Beitrag zum Ergebnis der TELEKOM erwartet wird. Die Unsicherheiten in der wirtschaftlichen Entwicklung in den neuen Bundesländern und die über der betrieblichen Produktivität liegenden Personalkostensteigerungen belasten diesen Prozess nachhaltig.
Die generelle Beschleunigung des technologischen Wandels in der Telekommunikation wird erhebliche Investitionen in den kommenden Jahren erforderlich machen. Intelligente Netzwerke mit breitbandigen Strukturen, Glasfaser im Anschlussbereich und digitale Mobilfunksysteme sind die Schwerpunkte. Kürzere Technologiezyklen bedeuten kürzere Abschreibungszeiträume, und der Verlauf der technisch-wirtschaftlichen Überholung wird auch entsprechende Abschreibungsmethoden bedingen.
Der Wettbewerb wird sich auf allen Teilmärkten und auch in der Relation zu ausländischen Telekommunikationsgesellschaften verstärken und eine Intensivierung der Marketingaktivitäten und der Kundenorientierung des Vertriebs notwendig machen.
Von der finanziellen Seite belasten der Verlustausgleich für die Schwestergesellschaften und seine künftige Entwicklung, die Verpflichtung zur Bildung von Pensionsrückstellungen bei gleichzeitiger Finanzierung der bestehenden Versorgung und Versorgungszusagen sowie die Ablieferungs-/Umsatzsteuerproblematik mit der noch strittigen Einstufung des Unternehmens als Betrieb gewerblicher Art ohne die Gewährung der Investitionszulage für die östlichen Bundesländer und ohne die Möglichkeit, Verlustvorträge steuerwirksam anzusetzen, die Deutsche Bundespost TELEKOM erheblich.
Die Antwort auf die Herausforderungen ist eine Neuorientierung der Deutschen Bundespost TELEKOM. In einem Umstrukturierungsprozess wird die Organisation von einer technisch orientierten Verwaltung zu einem Unternehmen umgewandelt, das unter Beachtung der Infrastrukturaufgaben marktorientiert, nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt wird. Alle Geschäftsaktivitäten im Wettbewerb werden nach Ertragsgesichtspunkten neu gestaltet und strukturiert. Gleichzeitig soll durch ihre Expansion die Auslastung des Telekommunikationsnetzes merklich gesteigert werden. Notwendig ist außerdem eine konsequente Rationalisierung aller Ressourcen und eine Aufhebung der Restriktionen, die bei den Mitwettbewerbern nicht vorhanden sind.
Voraussetzung ist die Schaffung eines adäquaten internen und externen Informations- und Rechnungswesens als Steuerungs- und Kontrollinstrument. In der Finanzierung sind alle klassischen Finanzierungsinstrumente einzusetzen bei gleichzeitiger Wahrnehmung der Chancen der internationalen Finzierungsmärkte. Auf der Personalseite muss das Halten und die Gewinnung qualifizierter Fachleute ermöglicht werden. Bei der Beschaffung sind die Vorteile des internationalen Wettbewerbs voll auszuschöpfen unter Berücksichtigung marktnaher Produktions- und Entwicklungsressourcen.
Bei dem erwarteten langfristigen Marktwachstum, bei unternehmerischer, marktorientierter Ausrichtung der Deutschen Bundespost TELEKOM und bei Beseitigung externer, aufgabenfremder Auflagen und Restriktionen wird es mittel- und langfristig möglich sein, die im Postverfassungsgesetz genannten Ziele des Unternehmens zu realisieren mit einem angemessenen Gewinn auf Basis einer für die Telekommunikationsindustrie adäquaten Eigenkapitalausstattung.
Die wichtigsten Kennzahlen der Telekom 1990 auf einen Blick
Teiefonanschlüsse
Funktelefon-Anschlüsse am C-Netz
Eurosignai-Anschiüsse*
Cityruf-Teilnehmer
CHEKKER-Teilnehmer
Teiexanschlüsse
Telefaxanschlüsse (gemäß Telefaxverzeichnis)
Teletex-Anschiüsse*
ISDN-Basisanschlüsse*
ISDN-Primärmultiplexanschlüsse*
- private*
Bildschirmtext-Anschlüsse*
Angeschlossene Wohneinheiten (Mio.)*
Anschließbare Wohneinheiten (Mio.)*
Ton-Rundfunksender
Fernseh-Rundfunksender*
Umsatzerlöse (in TDM)*
Personalaufwand (in TDM)*
Bilanzsumme (in TDM)*
Eigenkapital in TDM)*
Anlagevermögen [in TDM)*
Investitionen (in TDM)*
Abschreibungen (in TDM)*
Jahresüberschuss (in TDM)*
* Diese Angaben beziehen sich nur auf die alten Bundesländer
40.589 860
12.118 408
116.090 282
35.148 644
108.817.797
19.254.697
12.135.335
1.254.124
aus dem Geschäftsbericht 1990: Das neue Unternehmen
Am 1. Januar 1990 entstand aus einer traditionsreichen Vergangenheit die Deutsche Bundespost TELEKOM. Am 3. Oktober 1990 - zeitgleich mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten - schlossen sich deren Telekommunikationsgesellschaften zu einem wiederum neuen Unternehmen zusammen. Es wird die Zukunft der Telekommunikation in Deutschland entscheidend mitbestimmen.
Die Poststrukturreform ist die Geburtsstunde der TELEKOM:Mit ihr wurden die Voraussetzungen geschaffen, sich im Markt erfolgreich zu behaupten.
Die Poststrukturreform sollte auch im deutschen Telekommunikationsmarkt die positiven Kräfte des Wettbewerbs freisetzen, die die Marktentwicklung weltweit seit Beginn der 1980er-Jahre außerordentlich günstig beeinflusst haben. Die Vollendung des EG-Binnenmarktes zum 1. Januar 1993 ließ eine Neuordnung des Telekommunikationsmarktes sinnvoll erscheinen. Gleichzeitig aber sollte sie die TELEKOM fit machen für diese neuen Verhältnisse. In einem wettbewerbsintensiven Markt kann nur ein Unternehmen, das weitgehend frei ist von behördlichen Fesseln, überleben, sich entfalten und seine volkswirtschaftliche Rolle spielen.
Die TELEKOM bleibt zwar ein öffentliches Unternehmen, aber sie ist nur noch für die Erfüllung unternehmerischer und betrieblicher Aufgaben des Fernmeldewesens zuständig. War sie also bis zu diesem Zeitpunkt die mit vielfältigen Monopolrechten ausgestattete Postverwaltung für Telekommunikation, so ist sie jetzt ein öffentliches Unternehmen, das eine Infrastrukturaufgabe zu erfüllen hat und zudem als Anbieter in freien Wettbewerbsbereichen der Telekommunikation tätig werden kann. Wenn bisher das Monopol die Regel und der Wettbewerb die Ausnahme war, so wurde dieses Verhältnis nun umgekehrt: Wettbewerb ist jetzt die Regel und das Monopol die zu begründende Ausnahme. Diese neue Konzeption bildet die Basis für die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens.
Die Liberalisierung von ganzen Bereichen des Telekommunikationsmarktes gibt dem neuen Unternehmen gleichzeitig auch neue Bewegungsmöglichkeiten. Die TELEKOM kann sich jetzt auch in Bereichen betätigen, die zu den wachstumsintensiven Wirtschaftssektoren gehören; auch im Ausland.
Dementsprechend erwartet das Unternehmen, dass der hohe Anteil des Umsatzes aus den verbleibenden 2 Monopolbereichen Mitte der 1990er-Jahre zugunsten der wachstumsintensiveren Wettbewerbsbereiche zurückgehen wird.
Wegen dieser Änderungen hatte sich die TELEKOM nicht nur in der alten Rolle neu zu organisieren, sondern zusätzlich auch eine neue Einstellung zu den Erfordernissen des neuen Umfelds finden.
Die Liberalisierung ist ein Ziel, zu dem sich zwar viele bekennen, bei dessen Umsetzung in die Praxis aber Kontroversen auftreten. Natürlich wurden, was die Marktöffnung angeht, schon beträchtliche Fortschritte gemacht. Noch vor ein paar Jahren hätte - wie übrigens auch in ganz Europa - kaum jemand daran gedacht, etwa ein Telefon irgendwo anders zu kaufen als bei seinem nationalen Telekommunikationsunternehmen. Das Gleiche gilt für Lizenzen beim Mobil-, Satelliten- oder Bündelfunk, Funkruf oder Datenfunk.
Die aktuelle Diskussion über die weitere Entwicklung des Status der TELEKOM spielt sich vor dem Hintergrund einer weitergehenden Liberalisierung des Markts und eines immer schärfer werdenden Wettbewerbs ab. Dabei ist auch ein größerer unternehmerischer Handlungsspielraum in Betracht zu ziehen. Denn nur mit einem angemessenen Handlungsspielraum in allen Unternehmensfragen kann sich die TELEKOM zu einem weltweit konkurrenzfähigen Unternehmen entwickeln.
Folgt man der internationalen Entwicklung, so wäre langfristig eine weitere Privatisierung der nächste logische Schritt. Denn das Gleichgewicht zwischen staatlicher Intervention und marktwirtschaftlichem Wettbewerb kann nur erreicht werden, wenn die TELEKOM unter gleichen Bedingungen in den Wettbewerbsmärkten operieren kann wie die größer werdenden Telekom-Weltkonzerne. Eine sinnvolle Liberalisierungspolitik muss die Balance auf dem schmalen Grat zwischen Regulierung und freier Marktentfaltung halten. Denn es geht nicht nur um geschäftlichen Erfolg, sondern auch um eine außerordentlich hohe Verantwortung für die nationale Infrastruktur. Hier hat die TELEKOM bereits ihre Kompetenz bewiesen - und stellt dies zurzeit in den 5 neuen Bundesländern erneut unter Beweis.
Die Entwicklung der Hochtechnologie hängt in vielen Fällen von einer weitblickenden und innovativen Infrastrukturpolitik ab. Beispiel Glasfasernetz: Derartige Investitionen benötigen einen stabilen ordnungspolitischen Rahmen, damit die mit ihrer Langfristigkeit stets verbundenen betriebswirtschaftlichen Risiken überhaupt eingegangen werden können. Es ist deshalb sinnvoll, dem nationalen Teiefonnetz angemessene Chancen zu gewähren, damit sowohl die Zukunftsentwicklungen vorangetrieben als auch die geforderten flächendeckenden Infrastrukturleistungen erbracht werden können.
Im Einklang mit dem „Grünbuch der EG-Kommission über die Entwicklung des gemeinsamen Markts der Telekommunikationsdienstleistungen und Telekommunikationsgeräte” wurde mit dem am 1. Juli i989 verabschiedeten Poststrukturgesetz, mit dem auch das Fernmeldeanlagengesetz novelliert wurde, ein erster Rahmen geschaffen.
Auch wenn internationale Beispiele wie z. B. die USA, Japan, Großbritannien oder die Niederlande eine umfassendere Liberalisierung des Telekommunikationsmarkts nahelegen mögen, so müssen wir in der Bundesrepublik Deutschland doch einen eigenen, auf unsere spezifischen Bedürfnisse und Grundvorstellungen ausgerichteten Weg gehen. Das ausgewogene Verhältnis von Wettbewerbsordnung und Infrastrukturaufgaben, das mit der Postreform erreicht wurde, sollte im Interesse unseres gesellschaftlichen Wohlstands und sicherer Arbeitsplätze auch künftig erhalten werden.
Die TELEKOM ist darauf vorbereitet, die „Option auf die Zukunft” energisch in die eigene Hand zu nehmen, denn besser als alle regulatorischen Versuche garantiert unternehmerisches Handeln, dass die TELEKOM den Anforderungen unserer Volkswirtschaft gerecht werden kann.
Die Organisation der Deutschen Bundespost TELEKOM
„Die Deutsche Bundespost TELEKOM hat sich eine Organisation gegeben, die stark macht. Sie gibt dem Unternehmen die Flexibilität für den Wettbewerb und war die Grundlage für die schnelle und effektive Fusion der beiden deutschen Telekommunikationsgesellschaften”, heißt es im 1. Geschäftsbericht der Deutschen Bundespost TELEKOM. Und weiter:
Angesichts der gewaltigen auf die TELEKOM zukommenden Aufgaben, insbesondere in den neuen Bundesländern, muss das Unternehmen nicht nur technisch und finanziell gut gerüstet sein, sondern braucht auch eine schlagkräftige, flexible und zukunftsorientierte Organisation. Eine Organisation, die den Wandel von der Behörde zum marktorientierten bzw. kundennahen Unternehmen spiegelt und fördert.
TELEKOM war bisher in vielen Bereichen alleiniger Anbieter und auf dem Markt praktisch ohne Konkurrenz. Sie muss sich nun immer mehr dem Wettbewerb stellen. Das heißt, in vielen Bereichen hat der Kunde künftig die Wahl, ob er seine Leistung bei TELEKOM oder bei einem Wettbewerber kauft. Die zentralistlsche Fernmeldeverwaltung der Vergangenheit wäre nicht in der Lage gewesen, diesen Wandel zu bewältigen, die dafür notwendige Dynamik und Beweglichkeit zu entwickeln.
Wie die neue Organisation konkret aussieht
Es wurde eine Organisation gewählt, bei der die einzelnen Organisationsebenen größtmöglichen Handlungsspielraum bekommen. Das bedeutet also konsequente Dezentralisation. Die Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse müssen auf viele Fernmeldeämter und auf möglichst viele Verantwortliche verteilt werden, um das ehrgeizige Programm durchführen zu können.
„Wir wollen also weg von einer Organisationsform, in der vielfach die Entscheidungen über das Vorgehen und teilweise auch die Ausführung unserer Aufgaben an zentraler Stelle wahrgenommen wurden. Und hin zu einer Organisation, in der die Direktionen zu marktnahen Regionalzentren werden und sich die örtlichen Fernmeldeamter zu kundennahen Verkaufs- und Betriebsstellen sowie Servicezentren wandeln.”
Quelle: Geschäftsbericht 1990 Deutsche Bundespost TELEKOM
Eine Organisation mit dem Besten aus 2 Welten
Die Organisation der TELEKOM verbindet die Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und Solidität des Staatsunternehmens mit der unternehmerischen Flexibilität der Privatwirtschaft. Wie ein privates Großunternehmen wird die TELEKOM von einem Vorstand geleitet und von einem Aufsichtsrat kontrolliert. Der Aufsichtsrat setzt sich - gleichen Teilen - aus Je 7 Vertretern des Kapitaleigners, der Kunden und des Personals zusammen.
4 der Vorstandsmitglieder wurden aus der bisherigen Deutschen Bundespost berufen, während die anderen 5 aus entsprechenden Positionen der Privatwirtschaft zur TELEKOM wechselten. Auch in der Ebene unter dem Vorstand - bei den Geschaftsbereichsleitern - sind nebeneinander „ehemalige” Beamte und Manager aus der freien Wirtschaft tätig.
Durch diese „gemischte” Führungsstruktur mit kollegialem Know-how-Transfer unterscheidet sich die TELEKOM von den privatisierten Fernmeldeverwaltungen in Westeuropa, den USA und Japan. An deren Reformen orientierte sich zwar die Gestaltung der Organisation, es wurde jedoch ein eigener Weg eingeschlagen, der an den spezifischen Bedürfnissen und Grundvorstellungen in der Bundesrepublik Deutschland ausgerichtet ist. So ist sichergestellt, dass die TELEKOM ihre Doppelrolle optimal erfüllen wird: einerseits marktwirtschaftlich ausgerichtetes Unternehmen, andererseits Träger öffentlicher Daseinsvorsorge zu sein.
Das Besondere am Unternehmen TELEKOM ist, dass es ein öffentliches Unternehmen mit Bindung an den Kapitaleigner Bundesrepublik Deutschland ist. Damit hat die TELEKOM neben der Notwendigkeit, marktorientiert zu handeln, zugleich infrastrukturelle Aufgaben zu übernehmen. Diese Doppelaufgabe spiegelt sich auch in den Zuständigkeiten wider. Die unternehmerischen Entscheidungen trifft das Unternehmen TELEKOM.
Die hoheitlichen und ordnungspolitischen Belange nimmt das Ministerium für Post und Telekommunikation wahr. Als Regulierer ist das Ministerium gleichermaßen für die TELEKOM wie für andere private Netzbetreiber, Dienstleistungserbringer und Endgerätehersteller zuständig. Über das Direktorium der Deutschen Bundespost steht die TELEKOM mit ihren Schwesterunternehmen Deutsche Bundesbost POSTDIENST und Deutsche Bundespost POSTBANK in Verbindung. Wo immer sich aus dem Verbund Vorteile ergeben, arbeiten die Schwesterunternehmen eng zusammen, werden sich aber auch ~ je nach Kundennachfrage - für andere Allianzen entscheiden. Aus dieser Doppelaufgabe und den herkömmlichen Grundsätzen resultiert auch, dass es bei TELEKOM nicht nur Arbeiter und Angestellte gibt, sondern auch Beamte.
Der organisatorische Aufbau in den 5 neuen Bundesländern
Vorbild für die Organisation in den neuen Bundesländern ist die Aufbauorganisation der TELEKOM in den alten Bundesländern. Es wurde dabei jedoch nicht alles unbesehen übernommen, sondern vieles auch auf die besonderen Verhältnisse spezifisch abgestimmt. Der organisatorische Aufbau der Deutschen Post, den das Unternehmen TELEKOM am 3. Oktober 1990 vorfand, war auf der unteren Verwaltungsebene durch eine Vielzahl kleiner organisatorischer Einheiten gekennzeichnet.
16 Fernmeldeämter,
8 Funkämter,
81 Post- und Fernmeldeämter,
15 Fernmeldebauämter,
15 Berufsschulen,
9 Bezirkswerkstätten für Kraftfahrzeug-Instandsetzung,
die allesamt Aufgaben für den Telekom-Bereich wahrnahmen. Dieser Aufbau war nicht geeignet, die bei der TELEKOM bewährten Arbeitsverfahren zügig zu übernehmen. Eine grundsätzliche Umorganisation dieses Bereichs war vordringlich.
Die Neustrukturierung der Amtsebene war eine Aufgabe, die vom Umfang und vom Zeitdruck her nur unter tatkräftiger Mitwirkung von Praktikern aus westlichen Fernmeldeämtern und engagierten Mitarbeitern der ehemaligen Deutschen Post Telekom durchgeführt werden konnte. Dank des vorbildlichen Einsatzes der Projektmitarbeiter konnte dieses Vorhaben tatsächlich bis zum Jahresende abgeschlossen werden.
Im Dezember begann die praktische Arbeit in den neuen Fernmeldeämtern. Zum 1. Januar 1991 wurden sie förmlich eingerichtet. Die Fernmeldezeugämter folgten kurze Zeit später.
Die mittlere Verwaltungsebene war zumindest hinsichtlich der regionalen Mittelbehörden, also der „Direktion Telekom” bereits von der Deutschen Post in Abstimmung mit der TELEKOM neu strukturiert worden.
Die zentralen Mittelbehörden im Beitrittsgebiet nahmen zum Teil Aufgaben wahr, die bereits vom Fernmeldetechnischen Zentralamt oder dem Zentralamt für Mobilfunk bearbeitet wurden. Zum Teil erfüllten sie auch Betriebsaufgaben, die eigentlich in die Zuständigkeit der Fernmeldeämter gehörten. Hier musste vor der Durchführung von organisatorischen Maßnahmen erst eine Bestandsaufnahme stattfinden. Diese wurde zwar frühzeitig im Jahr begonnen, konnte aber bis zum Jahresende noch nicht abgeschlossen werden.
Die Generaldirektion Telekom der Deutschen Post wurde in die Generaldirektion TELEKOM der Deutschen Bundespost integriert: Zum 1. November 1990 wurde ein Vorstandsbereich „V9 Stabsstelle Berlin” eingerichtet, der die übrigen Vorstandsbereiche der Generaldirektion TELEKOM bei der Arbeit für die 5 neuen Bundesländer berät und unterstützt. Diesem Vorstandsbereich gehörte der größte Teil des Personale der ehemaligen Generaldirektion Telekom der Deutschen Post an.
aus dem Geschäftsbericht 1990 der Deutschen Bundespost TELEKOM:
Das 1. Geschäftsjahr verlief erfolgreich
In fast allen Geschäftsfeldern war die Nachfrageentwicklung erfreulich.
Neu eingeführte Produkte und Dienstleistungen konnten sich am Markt durchsetzen.
1. Sprachdienste
Die TELEKOM verzeichnete im Gebiet der früheren Bundesrepublik einschließlich Berlin (West) einen Zuwachs von 1,13 Millionen Telefonanschlüssen. Damit bestanden zum Jahresende insgesamt ca. 30 Millionen Telefonanschlüsse. Diese Steigerung von knapp 4 Prozent bestätigte den Trend der vergangenen Jahre. In den neuen Bundesländern wurden in diesem Jahr 80.000 Telefonanschlüsse - mehr als 70.000 davon allein seit der Wiedervereinigung - eingerichtet, sodass sich Ende des Jahres der Bestand auf 1,9 Millionen Telefonanschlüsse erhöhte.
Zuwachs an Telefonanschlüssen in den neuen Bundesländern vor und nach dem 3. Oktober 1990
Insgesamt 33,9 Milliarden Verbindungen wurden im Gebiet der bisherigen 11 Bundesländer und Berlin (West) vermittelt, wobei neben den Ortsverbindungen von 18,1 Milliarden und den handvermittelten Auslandsverbindungen 14,5 Milliarden im Selbstwählferndienst (SWFD) gewählt wurden. In den neuen Bundesländern wurden insgesamt 2,4 Milliarden Verbindungen registriert, 860 Millionen davon im SWFD. Von den 5 neuen zu den 11 alten Bundesländern einschließlich Berlin (West) wurden 29,9 Millionen Verbindungen hergestellt, in umgekehrter Richtung 64,6 Millionen.
Aus den alten Bundesländern bestehen internationale Verkehrsbeziehungen mit 211 Ländern, Hoheitsgebleten usw. Davon sind 193 Länder - 37 in Europa - im internationalen Seibstwählferndienst erreichbar. 99,7 Prozent aller Verbindungen im internationalen Telefondienst - insgesamt 789 Millionen - werden vollautomatisch abgewickelt.
Teiefonkonferenzdienst
Im Telefonkonferenzdienst, der bis zu 15 Teilnehmern die Möglichkeit bietet, ein gemeinsames Konferenzgespräch zu führen, konnten ca. 17.900 Konferenzverbindungen hergestellt werden. Die Zahl der Konferenzverbindungen stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent.
Rekordzuwachs verzeichnete der Deutschland-Direktdienst zwischen der Bundesrepublik und den USA mit 201.400 Verbindungen. Die Zuwachsrate betrug rund 37 Prozent. Die TELEKOM hat bereits Vorbereitungen getroffen, diesen Dienst, über den Kunden im Ausland gebührenfrei einen Vermittlungsplatz (Operator) in Deutschland erreichen, der den Verbindungswunsch entgegennimmt und die Verbindung zum gewünschten Kunden im Netz der TELEKOM herstellt, auf weitere Länder auszudehnen.
Die Auskunftsstellen der TELEKOM erteilten rund 320 Millionen Auskünfte über Telefon- und Telefaxnummern, Vorwahlnummern der Ortsnetze, Telefax-Gerätegruppen, Telebriefstellen und Gesprächsgebühren für Telefonverbindungen. Damit setzte sich der Trend des Vorjahrs mit einem annähernd 10-prozentigen Anstieg der Auskunftersuchen weiter fort. Daneben wurde die automatische Ansage geänderter Rufnummern rund 40 Millionen Mal in Anspruch genommen und hat die Auskunftsstellen deutlich entlastet. Die Auslandsauskunftsstelien erteilten rund 23 Millionen Auskünfte über Rufnummern von Telefonanschlüssen ausländischer Telekommunikationsverwaltungen und -betriebsgesellschaften.
Annähernd 10 Millionen Aufträge wickelten die Auftragsstellen der TELEKOM ab. Davon entfielen allein 9,5 Millionen auf die Dienstleistung „Wecken”. Die übrigen 500.000 teilen sich auf in Abwesenheits-, Benachrichtigungs- und Erinnerungsaufträge.
Insgesamt bietet die Deutsche Bundespost TELEKOM über 40 verschiedene Ansagen an, von Wettervorhersage über Sportnachrichten bis hin zu Küchenrezepten. Die Telefonansagen wurden in diesem Jahr 213 Millionen Mal angerufen. Allein bei der Zeitansage wurden 66 Millionen Anrufe registriert.
Die TELEKOM bietet den Sprachboxdienst als weitere Telefondienstleistung zurzeit im Rahmen eines öffentlichen Betriebsversuchs zur Gewinnung von Nutzungs- und Akzeptanzdaten an. Seit September 1990 war ein starker Zuwachs an vermieteten Sprachboxen zu verzeichnen. Der Bestand hat sich in den letzten Monaten auf 1.080 Sprachboxen nahezu verdoppelt.
Anrufweiterschaltung GEDAN
Bis Ende des Jahres waren insgesamt ca. 22.500 Anrufweiterschaltungen in Betrieb. Neu eingeführt wurde eine fernprogrammierbare Version, bei der Kunden, z.B. Geschäftsreisende, mithilfe eines Senders jederzeit und von jedem beliebigen Anschluss aus den Zielanschluss der Anrufweiterschaltung neu bestimmen können.
Am Jahresende waren ca. 3.600 Service-130-Rufnummern vergeben - eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von mehr als 50 Prozent. Service 130 wurde rund 37 Millionen Mal genutzt - 9 Millionen Mal mehr als im Vorjahr.
Neue Dienste der TELEKOM: Zuwachsraten in Prozent seit 1989
Für schnelle und einfache Meinungsbefragung über zumeist aktuelle Themen bietet die TELEKOM unter besonderen Rufnummern Televotum an. Anrufer erreichen diese Rufnummern mit 0137. Überwiegend für regionale Befragungen hat es mehr als 500 Televotum-Anwendungen gegeben.
Für Massenanrufe, wie sie von den in Hörfunk und Fernsehsendungen verbreiteten Rufnummern verursacht werden, wurde die Telefondienstleistung Teledialog zunächst noch als Betriebsversuch für einen Kundenkreis angeboten, der sich hauptsächlich aus Rundfunkanstalten zusammensetzt. Die Rufnummern beginnen mit 0138.
Verstärkt fortgesetzt hat die TELEKOM in 1990 den Aufbau von Kartentelefonen. Bis Ende des Jahres wurden 15.000 Kartentelefone eingerichtet. Trotz größter Probleme konnten ca. 250 davon in den neuen Bundesländern in Betrieb genommen werden.
Mit der Zunahme der Kartentelefone stieg der Bedarf an Telefonkarten. Fast 8 Millionen Telefonkarten im Wert von rund 157 Millionen DM wurden in den Telekom-Läden, von den Verkaufsstellen in Postämtern, in deren Umgebung Kartentelefone eingerichtet sind, sowie von einer steigenden Anzahl privater Verkaufsstellen, z. B. von Zeitungskiosken, verkauft.
Telefonkarten haben sich als beliebtes Werbemittel erwiesen. In diesem Jahr hat die Deutsche Postreklame GmbH über 100 Kartenserien mit Werbung der Industrie und des Handels versehen. Diese Entwicklung wiederum hat Telefonkarten zu einem Sammelobjekt werden lassen, das sich steigender Beliebtheit erfreut. Die TELEKOM hat deshalb seit Mitte des Jahres einen Telefonkarten-Versandservice beim Fernmeldeamt 2 in Nürnberg eingerichtet. Dieser Service gibt Produktinformationen heraus, bietet Bestellservice für Telefonkarten und dient der Betreuung der Sammler. Bereits Ende des Jahrs waren etwa 5.000 Abonnements für Sammlerkarten abgeschlossen worden.
Der Ausbau des ISDN verlief planmäßig. ISDN-Anschlüsse waren in vielen Teilen des früheren Bundesgebiets verfügbar. Entsprechend hat die TELEKOM die Verkaufsaktivitäten für ISDN, z. B. durch Gewährung zeitlich begrenzter finanzieller Anreize, wesentlich verstärkt. Das Schwergewicht lag dabei auf der Vermarktung der Basisanschlüsse, weil bei den Primar-Multiplex-Anschlüssen von Anfang an große Nachfrage zu verzeichnen war. Im letzten Quartal des Jahres 1990 lagen bei den Basisanschlüssen die monatlichen Zuwachsraten bei über 20 Prozent. Am Jahresende waren rund 14.500 Basisanschlüsse und mehr als 1.800 Primär-Multiplex-Anschlüsse verkauft.
2. Mobilkommunikation
Funktelefon-C-Netz
Die Nachfrage nach C-Netz-Anschlüssen verlief außergewöhnlich stürmisch. Ende des Jahres 1990 waren knapp 274.000 Funkgeräte im Netz, eine Steigerung von gut 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden über 200 Millionen Verbindungen vermittelt.
Bei Eurosignal stieg die Zahl der Anschlüsse von rund 192.000 auf 205.000. Cityruf, 1989 eingeführt, verzeichnete insgesamt rund 65.O00 Teilnehmer, davon bereits über 500 in den neuen Bundesländern.
Der Bündelfunkdienst CHEKKER wurde ab April 1990 in Berlin und Frankfurt und seit September in Hamburg und Stuttgart im Probebetrieb angeboten. Er verzeichnete aber schon rund 600 Anschlüsse.
3. Textdienste
Die Zahl der Telexanschlüsse nahm auch in diesem Jahr weiterhin ab, da dieser Dienst zunehmend durch andere, höherwertige Textdienste substituiert wird. Rund 134.000 Teilnehmer waren angeschlossen, davon ca. 17.800 in den neuen Bundesländern.
Ungebrochen boomt Telefax. Die Steigerungsrate bei den Anschlüssen betrug fast 66 Prozent. Rund 682.000 Anschlüsse bestanden Ende des Jahres in den alten Bundesländern und ca. 14.000 in den neuen Bundesländern.
Die leicht rückläufigen Zahlen bei Teletex zeigen, dass das Marktpotenzial weitgehend erschöpft ist. Rund 16.300 Teilnehmer nutzten Teletex etwas über 15 Millionen Mal.
Ca. 18 Millionen Telegramme wurden in der Bundesrepublik Deutschland aufgegeben - davon mit ca. 11,7 Millionen der weitaus größere Teil in den neuen Bundesländern. Die Zahl der zugestellten Telegramme liegt mit rd. 20 Millionen deutlich höher, weil mehr Telegramme aus dem Ausland kommen als ins Ausland gehen.
556.525 Datenstationen waren am Jahresende an die Datennetze der TELEKOM angeschlossen. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr betrug ca. 19 Prozent. Der Schwerpunkt der Zuwächse lag bei den Produkten Datendirektverbindungen, DATEX-P und Modem am Telefonanschluss.
Die Zahl der Btx-Teilnehmer stieg überaus erfreulich von rd. 195.000 im Vorjahr auf rd. 260.000. Insgesamt 3.107 öffentliche und private Anbieter stellen über 700.000 Btx-Seiten zur Verfügung. 2,7 Millionen Mitteilungen und 63,15 Millionen (1989: 43,5 Millionen) Anrufe wurden abgewickelt.
Die noch schmale Basis der Zahl der Mailboxen steigerte sich in diesem Geschäftsjahr um 34 Prozent auf 2.800. Eine Marktöffnung wird durch die weltweite Einführung des X.400-Standards erwartet.
Die Zahl der TEMEX-Schnittstellen erhöhte sich 1990 von ca. 1.800 auf rd. 11.300. Im gleichen Zeitraum wurde die zentrale Technik (TEMEX-Hauptzentralen) flächendeckend und die Infrastruktur der 2. Netzebene bedarfsgerecht ausgebaut.
6. Rundfunk und Fernsehen
Kabelanschluss hat sich weiterhin positiv entwickelt. Mehr als 1,7 Millionen Haushalte wurden bis zum Jahresende neu angeschlossen, ein Zuwachs, der alle bisherigen jährlichen Zugänge nochmals übersteigt.
Ende des Jahres waren insgesamt mehr als 8,14 Millionen Haushalte in den alten Bundesländern an die Breitbandverteilnetze der Deutschen Bundespost TELEKOM angeschlossen. Damit stieg die Anschlussdichte (Zahl der angeschlossenen Haushalte im Verhältnis zu den anschließbaren) im Bundesdurchschnitt auf 51,1 Prozent ~ im Vorjahr waren es 45,0 Prozent.
Durch den weit fortgeschrittenen Ausbau der Verteilnetze waren Ende des Jahres insgesamt etwa 15,9 Millionen Haushalte anschließbar; davon wurden mehr als 1,8 Millionen neue Anschlussmöglichkeiten allein im Berichtsjahr geschaffen. Damit ist ein Versorgungsgrad (Zahl der anschließbaren Haushalte im Verhältnis zu den vorhandenen) von 60,7 Prozent erreicht.
Das Dienstleistungsangebot Kabelanschluss hat sich somit bereits nach wenigen Jahren - gemessen an den Teilnehmerzahlen - zum zweitgrößten Dienst innerhalb der Telekommunikationsdienste entwickelt.
7. Seefunk/Rheinfunk/Satelliten-Mobilfunk
Ende 1990 nahmen Seefunkstellen auf über 37.000 Schiffen unter deutscher Flagge am öffentlichen terrestrischen Seefunkdienst teil. Die im Rahmen des INMARSAT-Systems angebotenen öffentlichen Satelliten-Mobilfunkdienste wurden Ende des Jahres von 156 Schiffs-Erdfunkstellen und 56 transportablen Satellitenfunkanlagen, die an Land betrieben werden, genutzt. Im Rheinfunkdienst gab es rund 18.600 deutsche Schiffsfunkstellen; ein großer Teil davon, rund 13.700, sind Seefunkstellen.
8. Videokonferenz
Die bereits zu beobachtende Aufwärtsentwicklung der Videokonferenz hat sich in diesem Jahr verstärkt. In den Entwicklungsabteilungen der Industrie, den Marketing- und Werbeagenturen sowie im medizinischen Bereich gehört Videokonferenz immer mehr zum Arbeitsalltag. In vielen Bereichen befindet sich Videokonferenz jedoch noch in der Anfangsphase. Dass auch hier die erforderliche Einpassung in die Arbeitsabläufe im Gang ist, zeigt die Entwicklung, z. B. neuer Videokonferenzeinrichtungen am Arbeitsplatz und Multifunktionseinrichtungen. Damit zusammenhängend nähert sich die Zahl der großen Videokonferenzstudios einer ersten Sättigungsgrenze.
Neben der positiven Entwicklung der Videokonferenzanschlüsse im Vermittelten Breitbandnetz (VBN) zeigt auch die Verkehrsentwicklung eine stetige Zunahme. Hier spielte die seit 1989 eingeführte Selbstwahl eine große Rolle.
Bundesweit hält die TELEKOM 40 öffentliche Videokonferenzräume bereit. 235 private Videokonferenzeinrichtungen bestanden in der Bundesrepublik Deutschland am Ende des Jahres, 89 mehr als im Jahr zuvor, der Verkehr stieg gegenüber dem Vorjahr um etwa 80 Prozent.
„Das Startjahr 1990 war ein Jahr der besonderen Herausforderungen”
Im ersten Geschäftsbericht der Deutschen Bundespost TELEKOM (1990) beschreibt das Unternehmen die besonderen Herausforderungen des Startjahres:
Im Mittelpunkt stand ein Aufbauprogramm, das weltweit ohne Beispiel ist: die vollständige Modernisierung der Telekommunikation in den 5 neuen Bundesländern.
Weitere Schwerpunkte: das neue digitale Mobilfunknetz D1, die Digitalisierung des Telefonnetzes, die Einführung neuer Dienste und Produkte
Besondere Bedeutung hat auch die neue strategische Ausrichtung der TELEKOM, auch mit dem Ziel, die internationale Präsenz zu erhöhen.
Unsere größten Anstrengungen erforderte die Lage in den neuen Bundesländern
Hier und im Ostteil Berlins stand die TELEKOM vor einem vollständigen Neuanfang. Seit dem 3. Oktober 1990 haben wir die Verantwortung für die Telekommunikation auch in Ostdeutschland übernommen und angenommen. Unser Ziel ist die schnelle Angleichung der Telekommunikations-Infrastruktur an das Niveau der westlichen Bundesländer.
So haben wir unmittelbar nach Öffnung der Mauer alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet, um möglichst rasch ein leistungsfähiges, zukunftsorientiertes Telekommunikationsnetz in den neuen Bundesländern zu errichten. In unserem langfristig angelegten Konzept Telekom 2000 ist der Aufbau beschlossen, zu dessen Realisierung wir in den nächsten 7 Jahren rund 60 Milliarden DM investieren werden.
Die TELEKOM hat mit dieser Aufgabe ein schweres Erbe angetreten. Die Telekommunikationsversorgung in der ehemaligen DDR war nach den Maßstäben westlicher Industrienationen völlig unzureichend. Die Netz- und Vermittlungstechnik hinkte dem technischen Standard um Jahrzehnte hinterher.
Die Situation wurde dadurch verschärft, dass nach der Wiedervereinigung die Nachfrage nach Telekommunikation, insbesondere nach neuen Hauptanschlüssen und Ost-West-Verbindungen, enorm anstieg. Darüber hinaus wurde das Aufbauprogramm der TELEKOM von einer Reihe gravierender Hindernisse begleitet. Wie kein anderes Unternehmen ist die TELEKOM von der Misere der dortigen Kommunalverwaltung und den unklaren Liegenschaftsverhältnissen betroften.
Trotz aller widrigen Umstände konnte dennoch in nur wenigen Monaten Großes geleistet werden. Vom Zeitpunkt des Beitritts bis Jahresende ist der Bestand an Telefonanschlüssen um mehr als 70.O00 auf 1,9 Millionen Anschlüsse angestiegen.
Ähnlich verlief auch die Entwicklung bei den Verbindungsleitungen zu den alten Bundesländern. Gab es Ende 1989 davon ca. 1.400, so waren es Ende des Jahres bereits uber 6.000. das sind mehr als 4-mal soviel.
Punktuell trugen besondere Maßnahmen zur raschen Verbesserung bei. Ein Beispiel ist der Einsatz mobiler Reserveeinrichtungen, die regulär für Katastrophenfälle bereitgehalten werden:
Bereits zur Volkskammerwahl im März, zur Leipziger Frühjahrsmesse und zur Kommunalwahl im Mai hat die TELEKOM mit besonderen Reserveeinrichtungen des Fernmeldenotdienstes die Deutsche Post Telekom bei der Bewältigung des enormen Telekommunikationsbedarfs unbürokratisch und tatkräftig unterstützt.
Es wurden ferngeschaitete Telefonanschlüsse, Datenanschlüsse sowie Stromwege für Btx und Videokonferenzschaltungen eingerichtet. Ferngeschaltete Telefonanschlüsse für die Volkskammervertreter, zur Landtagswahl im Oktober sowie zur Leipziger Herbstmesse erweiterten dieses Angebot schon vor der Vereinigung.
Nach der Vereinigung wurden mithilfe des Notdienstes dann zur vorübergehenden Deckung des dringenden Kommunikationsbedarfs zwischen den neuen und alten Bundesländern weitere ferngesohaltete Telefonanschlüsse, Richtfunkstrecken und 15 handbediente Sondervermittlungen am Sitz der Landesregierungen/Fernmeldeämter als zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten bereitgestellt.
Wegen der explodierenden Nachfrage nach Telefonanschlüssen und des sprunghaft gestiegenen Verkehrs konnte die Gesamtsituation jedoch kurzfristig nicht verbessert werden. Ein großer Teil der eingeleiteten Maßnahmen und Bauvorhaben der TELEKOM kann erst 1991 greifen und zu spürbaren Entlastungen und Verbesserungen im Telekommunikationsverkehr führen.
Die ausreichende Versorgung mit Telefonanschlüssen - insbesondere der Geschäftskunden - ist für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der neuen Bundesländer extrem wichtig.
Mit dem Programm Turn-Key ging die TELEKOM - zusammen mit der Fernmeldeindustrie - gezielt besonders kritische Engpässe in der Telekommunikationsversorgung an. Es umfasst Projekte, die als Aufträge an Generalunternehmer erteilt wurden. Die Auswahl der Projekte zielte schwerpunktmäßig auf die Versorgung mit Geschäftsanschlüssen und bildete die Grundlage für die 500.000 Anschlüsse, die so schnell wie möglich geschaltet werden sollten.
Auch durch den Beginn des Ausbaus beim digitalen Overlaynetz wurden im Berichtsjahr die Weichen gestellt, um für 1991 spürbare Verbesserungen beim Telefon zu erreichen. Neben der Verlegung von Kabeln und der Errichtung von Richtfunkstrecken wurden die Arbeiten an 9 digitalen Fernvermittlungsstellen und 10 digitalen Ortsvermittlungsstellen begonnen. Weiterhin wurden zur kurzfristigen Verbesserung der Versorgung mit Telefonanschlüssen 14 digitale und 18 analoge Container-Vermittlungsstellen aufgestellt, von denen einige in kurzer Frist in Betrieb genommen werden konnten.
Für breite Bevölkerungskreise sind die öffentlichen Telefonstellen von besonderer Bedeutung. Im Berichtsjahr konnten noch etwa 1.000 öffentliche Telefonstellen in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) in Betrieb genommen werden. Für den Ausbau hat die TELEKOM auch ungewöhnliche Maßnahmen ergriffen, indem in besonders gelagerten Einzelfällen in Teilen des Landes Fernmeldebautrupps der Bundeswehr eingesetzt wurden, um die Baumaßnahmen kurzfristig durchführen zu können.
Daneben gab es wichtige Fortschritte beim Aufbau der anderen Telekommunikationsdienste, insbesondere der Mobilfunkdienste. Wichtigster Schritt war der Start des Mobilfunk-C-Netzes in den neuen Bundesländern - insgesamt gingen 15 Funkfeststationen mit 247 Sprechkanälen bis zum Jahresende in Betrieb. Die erste Station entstand in Leipzig bereits zur Frühjahrsmesse. Dort ging zur gleichen Zeit übrigens auch das erste Segment des Funkrufsystems Cityruf in Betrieb. Mit dem Aufbau dieses Kommunikationssystems wurde in 13 weiteren Städten begonnen.
Das öffentliche Bündelfunksystem CHEKKER wurde ebenfalls in den 5 neuen Bundesländern eingeführt. Eine Versorgung des Ostteils von Berlin konnte bereits im 4. Quartal des Berichtsjahrs realisiert werden.
Der Start des Telekom-Satelliten DFS Kopernikus 2 am 25. Juli 1990 gewann besondere Bedeutung vor dem Hintergrund der Wiedervereinigung. TELEKOM konnte damit die Vorteile des Satelliten als Übertragungseinrichtung, seine Flexibilität, hier schnell zur Geltung bringen. Mit dem Satellitendienst DIVA wurden beispielsweise Direktverbindungen für Telefonanschlüsse in den neuen Bundesländern hergestellt.
Entsprechende Sende- und Empfangseinrichtungen gingen in Schwerin und Frankfurt/Oder in Betrieb, in Cottbus, Chemnitz und Gera standen die Arbeiten Ende des Jahres kurz vor dem Abschluss. Zusätzlich wurde Kopernikus 2 im Rahmen der Turn-Key-Projekte als flexibles Netzelement des neu aufzubauenden Fernleitungsnetzes in den neuen Bundesländern eingesetzt.
Darüber hinaus konnte die TELEKOM weitere Dienstleistungen der Satellitenkommunikation in den neuen Bundesländern realisieren. Das satellitengestützte Wahlnetz für schnelle Datenübertragungsanwendungen bis 2 Mbit/s - DASAT - wurde mit der Inbetriebnahme von Bodenstationen in Rostock, Dresden, Leipzig, Erfurt, Halle und Magdeburg auf die neuen Bundesländer ausgedehnt. Fur den VSat~Dienst DAVID, der der Text- und Datenkommunikation dient, wurden 130 Stationen in Betrieb genommen. Auch die Rundfunkversorgung in den 5 neuen Bundesländern wurde vorangetrieben. So wurde mit dem Aufbau einer Fernsehsenderkette für das ZDF und der schnellen Angleichung an das Niveau der bestehenden Sendernetze durch Ausbau weiterer Sender begonnen.
Parallel zu diesen Aufgaben waren rund 40.O00 Mitarbeiter der ehemaligen Deutschen Post personell und organisatorisch zu integrieren. Es wurde begonnen, eine effiziente Organisationsstruktur zu errichten, mit der diese gewaltige Aufbauarbeit geleistet werden kann. Im November wurden daher 5 neue Direktionen und 15 neue Fernmeldeämter eingerichtet. Zur personellen Unterstützung des Aufbauprogramme wurde das „Partnerschaftsprogramm FA '90” ins Leben gerufen. 15 Fernmeldeämtern und 2 Fernmeldezeugämtern aus den alten Bundesländern wurde die Verantwortung dafür übertragen, jeweils ein Amt im Beitrittsgebiet arbeitsfähig zu machen. Mit der Gründung der Stabsstelle Berlin wurden vor Ort die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, dass die Fusion der Unternehmensteile in Ost und West zügig und koordiniert vorangehen kann. Mit ihrem Programm von insgesamt 60 Milliarden DM ist die TELEKOM der größte Einzelinvestor in den neuen Bundesländern und leistet damit einen bedeutenden Beitrag für den wirtschaftlichen Aufschwung im Ostteil Deutschlands. Nur durch den zügigen Ausbau der Telekommunikations-Infrastruktur wurden weitere Investitionsaktivitäten westlicher Unternehmen initiiert, die für den wirtschaftlichen Aufschwung von entscheidender Bedeutung sind.
Wir arbeiten an den Netzen der Zukunft
Die TELEKOM investiert - entsprechend der großen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Telekommunikations-Infrastruktur - rund 2 Drittel ihres Investitionsvolumens in den Ausbau der Netze. Aufgrund dieser vorausschauenden Investitionspolitik verfügen wir heute in Westdeutschland über eines der modernsten Telekommunikationsnetze der Welt. 3 neue Entwicklungen sind dafür entscheidend:
der rasante, ungebrochene Fortschritt der Mikroelektronik,
die Digitalisierung der Vermittlungs- und Übertragungstechnik und
die Forcierung der Nachrichtenübertragung per Glasfaser.
Die Weiterentwicklung der Netze geht hin zu größerer Flexibilität, höherer Intelligenz, stärkerer Diversifikation, zu verstärkter Transparenz, zur Internationalisierung sowie zu größeren Kosteneinsparungen.
Bei der TELEKOM ist diese Entwicklung ein kontinuierlicher Prozess der Innovation: Neue, immer leistungsfähigere technische Generationen ergänzen zunächst an Bedarfsschwerpunkten die vorhandenen Einrichtungen, bis sie in der anschließenden Phase der Durchsetzung bei steigender Marktakzeptanz und zunehmender Kostenreduktion diese allmählich ersetzen. Dieser dynamische Prozess, in dem ständig mehrere technische Generationen nebeneinander betrieben werden, trägt dazu bei, betriebliche Risiken zu senken.
Zukunftweisend: die Zeichengabeumstellung im Telefonnetz
Im nationalen Telefonnetz mit analoger Vermittlungstechnik wurden bisher für den Austausch von Zeichengabehachrichten bei der Verbindungssteuerung, dem Erfassen der Gebühren usw. ausschließlich sprechkreisgebundene Impulskennzeichen (IKZ) benutzt. Diese Kennzeichengabe ist in ihrer Leistungsfähigkeit begrenzt, gewährleistet jedoch im analogen Netz einen einwandfreien Vermittlungsbetrieb. Sie genügt aber nicht den Anforderungen eines modernen digitalen Telefonnetzes mit einem wesentlich höheren Leistungsumfang. Deshalb ist im CCITT unter maßgeblicher Mitarbeit der TELEKOM ein neues, rationelles, schnelles und leistungsfahigeres Zeichengabesystem für die Zeichengabe zwischen digitalen Vermittlungsstellen spezifiziert worden, das Zeichengabesystem Nr.7 (ZGS Nr. 7).
Das ZGS Nr. 7 ist optimiert für das digitale Telefonnetz, insbesondere für ISDN. Mit der Entscheidung der TELEKOM, das analoge Telefonnetz zu digitalisieren und ab 1988 das ISDN im Bereich der Bundesrepublik einzuführen, war auch gleichzeitig die Entscheidung für die Einführung des ZGS Nr. 7 verbunden. Um einerseits frühzeitig ISDN bundesweit anbieten zu können und andererseits das Betriebsrisiko für das Telefonnetz geringzuhalten, erfolgte die Einführung in mehreren Schritten.
Mit der Umstellung des Telefonnetzes auf das Zeichengabesystem Nr. 7 besitzt die Deutsche Bundespost TELEKOM ein modernes, ausbau- und leistungsfähiges Telekommunikationsnetz. Auf dieser Basis lassen sich künftig neue Dienste- und Technologieentwicklungen wie z. B. Intelligent Network (IN) realisieren.
Modernes Netzmanagement wird entwickelt
Zurzeit ist das Übertragungsnetz der TELEKOM in der Fernebene zu etwa 80 Prozent digitalisiert. Mit dem heute ausschließlich verlegten breitbandigen Übertragungsmedium Glasfaser werden fast ausschließlich hochkanalige, digitale Übertragungssysteme eingesetzt. Im überregionalen Netz sind überwiegend 565-Mbit/s-Systeme installiert.
Um die Ausnutzung dieser Kapazitäten zu verbessern und, insbesondere bei geschäftlichen Kunden, zu schnellerer Leitungsbereitstellung und individuellen Anwendungen zu kommen, wird die Leitungsschaltung in den Netzknoten automatisiert. Als ein Baustein dazu dient der Netzknoten Ü 2000.
Mit der Entscheidung für den NKÜ 2000 ist der erste Einstieg in eine völlig neue Übertragungstechnik, der synchronen digitalen Hierarchie (SDH), getan. Diese Technik, die gegenüber der herkömmlichen einen einfacheren Zugriff auf die im System geführten Bitströme erlaubt und die Möglichkeit zur Entwicklung kostengünstiger, automatisierter übertragungstechnischer Netzelemente bietet, wurde international standardisiert, nicht zuletzt aufgrund aktiver Mitwirkung der TELEKOM.
Neben einer Reihe betrieblicher Vorteile bei Ersatzschaltungen und erheblicher Platzersparnis macht NKÜ 2000 den Einsatz eines rechnergestützten Netzmanagementsystems möglich. Daher hat die TELEKOM Ende des Jahres die erste Ausbaustufe des neuen Netzmanagement-Systems REBELL offiziell in Betrieb genommen. REBELL wird im Endausbau die Netzknoten Ü 2000 und andere synchrone Netzelemente fernsteuern, Fehlfunktionen erkennen, analysieren und anzeigen, Ersatzschaltungen automatisch durchführen, Schaltungen im Übertragungsnetz in kürzester Zeit realisieren und Netzressourcen effizient nutzen. Für den Kunden ergeben sich neue Leistungsangebote, z. B. automatische Ersatzschaltungen.
Der Glasfasereinsatz wird verstärkt und strategisch neu ausgerichtet
Bisher wurde die Glasfaser aus rein wirtschaftlichen Gründen vor allen Dingen im Fernnetz und für die Verbindung neuer digitaler Vermittlungsstellen im Ortsnetz eingesetzt. Auch im internationalen Seekabelnetz schreitet der Ausbau der Übertragungswege in Glasfasertechnik unaufhaltsam fort. So arbeitete die TELEKOM in diesem Jahr an insgesamt etwa 30 zukunftweisenden, ausschließlich in Glasfasertechnik ausgeführten Seekabelprojekten mit. Als herausragendes Bauvorhaben, das kurz vor der Fertigstellung steht, sei hier die Seekabelanlage United Kingdom - Germany Nr. 5 genannt. Mit einer Kapazität von 2x 1,8 Gbit/s, das sind über 40.000 Telefonkanäle, stellt diese Glasfaserbrücke das vom Verkehrsvolumen her derzeit weltweit größte internationale Seekabelprojekt dar. Darüber hinaus wurde in noch begrenztem Ausbauumfang eine Glasfaser-Mindest-Infrastruktur (Overlaynetz) im Ortsnetz geschaffen. Im Rahmen dieses Konzepts wurden Wirtschaftszentren in 29 westdeutschen Städten versorgt und untereinander über Glasfaserkabel verbunden.
Mit der Inbetriebnahme des digitalen selbstwählfähigen Vermittelnden Breitbandnetzes (VBN) auf der Basis des Overlaynetzes leistete die TELEKOM Pionierarbeit. Das weltweit vorerst noch konkurrenzlose VBN bietet die Chance des Experimentierens mit neuen, breitbandigen Kommunikationsformen und des Sammelns von Know-how. Insbesondere der im VBN kommerziell genutzte Videokonferenzdienst unterstreicht die Bedeutung dieses Netzes und das Interesse, das ihm vonseiten der Anwender entgegengebracht wird.
Die für das VBN angeführte Zielsetzung wird durch das Projekt Berlin-Kommunikation (BERKOM) unterstützt. Im Bereich der Entwicklung von Breitbandanwendungen und dazugehörigen Endsystemen haben sich im Projekt BERKOM zwischenzeitlich bereits Schwerpunkte herausgebildet, von denen hier nur die Multimedia-Kommunikation, das Tele-Publishing und die Telemedizin angeführt werden sollen. Die im Rahmen des Projekts praktizierte Zusammenarbeit der TELEKOM mit der Industrie, verschiedenen Forschungsinstituten und interessierten Anwendern gewährleistet im technischen Bereich realitätsnahe und zukunftssichere Ergebnisse.
Die neue Strategie der TELEKOM - gekennzeichnet durch den einprägsamen Begriff „Fiber to the home” (FTTH) - zielt darauf ab, die Errichtung einer Glasfaser-Infrastruktur im Teilnehmeranschlussbereich über die wirtschaftliche Nutzung durch eingeführte Dienste - Telefon, Datenübertragung/-kommunikation, Rundfunk- und TV-Verteilung usw. - herbeizuführen. Gleichzeitig soll sie die Option offenhalten, die neuen Glasfasersysteme zu gegebener Zeit auch für ein kostengünstiges Angebot breitbandiger Dienste hoohzurüsten und damit eine gute Basis für die weitere Entwicklung und Akzeptanz dieser Dienste zu schaffen.
Vor dem Hintergrund dieser auch weltweit in Angriff genommenen Aufgabe hat die TELEKOM eine Reihe von Pilotprojekten mit dem Namen OPAL (Optische Anschlussleitung) initiiert. Es sind insgesamt 7, und zwar in Köln, Frankfurt, Leipzig, Nürnberg und Lippetal. Eine besondere Dimension erhalten die „Fiber-to-the-home”-Aktivitäten durch die Wiedervereinigung Deutschlands und die damit gegebene Chance, die neuen Möglichkeiten des Glasfasereinsatzes bei der Verbesserung der im östlichen Teil Deutschlands vorhandenen Telekommunikations-Infrastruktur frühzeitig und möglichst umfangreich einzusetzen.
Das Projekt OPAL 1 hat den Betrieb im Mai des Berichtjahrs aufgenommen. In diesem Pilotprojekt wird die von der Raynet Corporation entwickelte sehr kostengünstige Bus-Topologie für Breitband- und Telefondienst erprobt. Im Testgebiet Köln sind 192 private Teilnehmer angeschlossen.
Starkes Engagement in Satellitenkommunikation
Neben den hochmodernen terrestrischen Netzen ist das Engagement der TELEKOM bei der Satellitenkommunikation unverändert hoch. Sie erhöht die Mobilität von Telekommunikationsdiensten und die internationale Reichweite.
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Flexibilität von Satellitendiensten ist der über den Satelliten Eutelsat als Satellitenverteildienst konzipierte DAVID-Dienst. Er ist besonders für größere Unternehmen geeignet, die von einer Hauptverwaltung mit mehreren Filialen in Deutschland und Europa kommunizieren wollen. In kürzester Zeit ist es möglich, von terrestrischen Netzstrukturen unabhängige Netze zu konfigurieren, die sich maßgeschneidert an spezlfischen Kundenwünschen orientieren. Gerade diese Fähigkeit ist besonders hilfreich bei der Überwindung von Kapazitätsproblemen in den neuen Bundesländern.
DAVID ist der erste V-SAT-Dienst in Europa, der interaktiv ist. Das bedeutet: Die Zentrale kann Informationen an die Filialen senden und auch von dort empfangen. Die Nachfrage nach DAVlD verlief so stürmisch, dass die TELEKOM die erforderliche Satellitenkapazität sehr stark erhöht hat. Ende des Jahres waren ca. 350 Stationen - 98 Prozent in den neuen Bundesländern und einige im Ausland - vorhanden. Die TELEKOM ist damit trotz harter Konkurrenz Marktführer in Europa.
Globalisierung gehört zu den zentralen Unternehmenszielen der TELEKOM
Dabei geht es nur vordergründig um technisches Zusammenwachsen und die Zusammenarbeit mit anderen nationalen Fernmeldeverwaltungen im Netzbereich. Im Hinblick auf den europäischen Binnenmarkt von 1993, die Öffnung der osteuropäischen Märkte, wächst die Bedeutung der TELEKOM als Brücke zwischen West und Ost - die Rolle der TELEKOM im internationalen Telekommunikationsmarkt wird immer wichtiger. Die TELEKOM stellt sich der Internationalisierung des Wettbewerbs in diesem Markt. Die neuen Auslandsbüros der TELEKOM in New York, Brüssel, Tokio, London und Paris nehmen diese Aufgaben wahr.
Teil des zukunftsorientierten Engagements sind dabei auch strategische Partnerschaften auf internationaler Ebene. Die Bewertung von möglichen Partnern und Wettbewerbern wird dabei über das reine Dienstegeschäft als Netzbetreiber hinausreichen. Nur so kann sich die TELEKOM für den zu erwartenden härter werdenden Wettbewerb in den globalen Diensten und Märkten wappnen.
Die Verstärkung der internationalen Aktivitäten der TELEKOM baut auf traditionell hervorragenden Beziehungen zu vielen Fernmeldeverwaltungen bzw. -unternehmen der Welt auf. Die TELEKOM ist in allen wichtigen Gremien vertreten, die der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Telekommunikation dienen. Insgesamt sind es mehr als 50 Organisationen. Von besonderer Bedeutung im europäischen Raum sind CEPT, ETSI, EG und Eutelsat, im weltweiten Bereich vor allem UIT, Intelsat und Inmarsat.
So führte beispielsweise der international beratende Ausschuss für den Funkdienst (CCIR) der Internationalen Fernmeldeunion (UIT) seine 17. Vollversammlung auf Einladung der TELEKOM im Mai 1990 in Dusseldorf durch.
Neben der zunehmenden Zusammenarbeit zwischen Ost und West engagiert sich die TELEKOM besonders auch im Bereich der Dritte-Welt-Länder, um zum besseren Verständnis der Menschen untereinander und zur wirtschaftlichen Entwicklung dort beizutragen. Die Durchführung dieser Projekte lag hierbei überwiegend bei der Deutschen Telepost Consulting GmbH (DETECON), einem Tochterunternehmen der Deutschen Bundespost TELEKOM.
Für Auslandsprojekte in 37 Entwicklungsländern wurden 163 Fachkräfte mit einem Einsatz von 2.109 Mannmonaten zur Verfügung gestellt. Die Bereitschaft der in Saudi-Arabien verbliebenen Experten, sich auch angesichts möglicher Eskalationen in der Golf-Region weiterhin für den erfolgreichen Projektverlauf und die Aufrechterhaltung des Telekommunikationsweitverkehrs einzusetzen, ist unter den schwierigen Begleitumständen besonders hervorzuheben.
Neben der personellen Unterstützung des Tochterunternehmens DETECON wurden auch der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) Personal für bilaterale Entwicklungshilfeprojekte zur Verfügung gestellt.
Aktiv im Zukunftsmarkt Mobilkommunikation
Bis zum Jahr 2000 werden für alle Mobilfunknetze in der Bundesrepublik rund 10 Millionen Teilnehmer erwartet. Darin soll das Funktelefon mit rund 6 Millionen Teilnehmern die größte Gruppe stellen.
Für die Mobilfunkdienste der TELEKOM hat das digitale Mobilfunknetz D1 zentrale Bedeutung. An der Erarbeitung des paneuropäischen Standards (GSM = Global System for Mobile Communication) im 900-MHz-Bereioh war die TELEKOM maßgeblich beteiligt.
Bereits im Sommer des Vorjahrs hatte die TELEKOM erste Teile der D1-Infrastruktur in Auftrag gegeben. Im März des Berichtjahrs wurde der Vertrag über die Lieferung eines D1-Betriebs- und -Infrastruktursystems geschlossen. Die 2. Stufe der D1-Infrastrukturbeschaffung wurde vorbereitet.
Den im Vorjahr eingeführten Cityruf nutzen Ende des Jahres ca. 65.O00 Kunden.
Als Pilotprojekte hat die TELEKOM die ersten Bündelfunknetze CHEKKER im April in West-Berlin und Frankfurt in Probebetrieb genommen. Seit November werden Potsdam und Ost-Berlin mitversorgt, Hamburg und Stuttgart nahmen im Dezember den Probebetrieb auf.
Im Oktober wurde in Münster der Telepoint-Dienst birdie mit den CT 1-Geräten ebenfalls als Pilotprojekt gestartet.
Die jüngste Neuentwicklung, den Mobilfunkdienst MODACOM, stellte die TELEKOM im August 1990 vor. Der mobil einsetzbare Datenfunkdienst eröffnet für die Kommunikation zwischen Unternehmen und Außendienst mit dem Abruf von Informationsmaterial über ein kleines mobiles Funkterminal oder auch der Einsatzsteuerung durch die Zentrale ganz neue Möglichkeiten.
Als Signatar der Inmarsat-Organisation hat die TELEKOM Einfluss auf die Entwicklung des mobilen Satellitenfunks. Die Erwartungen in diesem Marktsegment der landmobilen, maritimen und aeronautisehen Dienste sind groß. Die TELEKOM trägt durch den Bau einer eigenen Land-Erdfunkstelle dem ständig steigenden Satelliten-Mobilfunkverkehr Rechnung. Die Station in Raisting befindet sich im Aufbau.
In einer ersten Ausbaustufe deckt sie den atlantischen Bereich ab. Durch den Verbund von weltweit mehr als 20 Erdfunkstellen ist die mobile Satellitenkommunikation für Daten und Sprache heute eine technische Selbstverständlichkeit.
Telefon und Karte mit interessanten Perspektiven
Kredit- und Servicekarten erfreuen sich steigender Beliebtheit. Die TELEKOM verwendet deshalb große Anstrengungen darauf, kunden- und umweltfreundliche, d. h. vielseitige und intelligente Karten sowie Kartentelefone einzurichten.
Sehr erfolgreich war z. B. die Kooperation der TELEKOM mit der Deutschen Lufthansa bei der Herausgabe einer gemeinsamen Karte für Vielflieger: der Air-Plus-Karte mit Telekartenfunktion. Bis Ende des Jahres wurden der Deutschen-Lufthansa-Tochter Air Plus ca. 100.000 Telekartenfunktionen bereitgestellt.
Großes internationales Interesse fand im November 1990 in Nürnberg ein Kongress „International Symposium Telephone Cards Applications and Technology '90” (ISTKAT '90). Vor rund 150 in- und ausländischen Gästen, unter ihnen führende Vertreter der Fernmeldeverwaltungen und -betriebe aus 19 Ländern sowie Experten der Industrie und der TELEKOM, wurden zu den Themen Chipkarte, Kartentelefonsysteme und deren internationaler Entwicklung Informationen ausgetauscht sowie aktuelle Projekte der TELEKOM vorgetragen und diskutiert.
An Flughäfen mit internationalem Flugverkehr erprobte die TELEKOM Kreditkartentelefone, an denen mit Kreditkarten der 4 größten internationalen Kreditkartengesellschaften telefoniert werden kann. Dieser Test verlief sehr erfolgreich: Der bundesweite Einsatz wurde beschlossen.
Neue Initiativen bei den Datenmehrwertdiensten
Im Berichtsjahr hat die TELEKOM entsprechend ihrer veränderten Aufgabenstellung erste Schritte in den Markt der kundenspezifischen Datenmehrwertdienste getan.
Das TELEKOM-Datennetz wendet sich an große Geschäftskunden, die umfangreiche Datennetze für ihre unternehmensinterne Kommunikation oder den Datenaustausch mit Zulieferern und Abnehmern betreiben. Diese Kunden mussten bisher derartige Netze aus Standardangeboten selbst gestalten.
TELEKOM-Datennetz bedeutet, dass solche Netze nach den Wünschen des Kunden individuell zusammengestellt und dem Kunden als maßgeschneiderte Komplettlösung angeboten werden. Neben Basisprodukten aus dem Standardangebot der TELEKOM können je nach Kundenbedarf weitere technische Komponenten ebenso hinzukommen, z.B. Hotline-Dienste und Netzmanagementfunktionen und selbstverständlich auch permanente Projektbetreuung und -beratung. TELEKOM-Datennetz kann als „virtuelles Netz” innerhalb der vorhandenen Netze betrieben und auch in gesonderter Technik errichtet werden. Ein Beispiel für Letzteres ist das Wissenschaftsnetz (WIN), ein für Hochschulen und öffentliche Forschung errichtetes Paketvermittlungsnetz, das in diesem Jahr in den Wirkbetrieb gegangen ist und seither sehr erfolgreich arbeitet.
TELEKOM-Datennetz ist kein „Produkt” im herkömmlichen Sinn, sondern eher eine Angebotsphilosophie, die darauf abzielt, einem wichtigen Kundenkreis individuelle Problemlösungen anzubieten und ihm die Möglichkeit zu geben, nach seinem Ermessen die Verantwortung in die Hände der TELEKOM zu legen. Das Interesse des Markts nach solchen Lösungen ist extrem groß.
Eine wichtige Kooperation im Bereich der anwendungsorientierten Mehrwertdienste wurde im Berichtsjahr durch Gründung der „Teiecash” geschlossen - ein Beteiligungsunternehmen der TELEKOM und IBM Deutschland. Dieses Unternehmen betreibt ein DV-gestütztes Netz, das den bargeldlosen Zahlungsverkehr am Point of Sale (POS) allein mit EC-Karte und Geheimzahl ermöglicht. Dabei steuert die TELEKOM das technische Netzmanagement und den Service der Terminals an der Ladenkasse bei.
Teiecash entstand in Zusammenarbeit mit dem ZKA (Zentraler Kredit-Ausschuss).
Das TELEKOM-Jahr 1990
1. Januar: die Stunde Null
Die TELEKOM ist ein eigenständiges, nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten handelndes Unternehmen. Die sorgfältig geplante Neustrukturierung des Post- und Fernmeldewesens und der Deutschen Bundespost ist auf den Weg gebracht. Aus dem unmittelbaren Regierungsbereich herausgelöst, ist die TELEKOM unabhängiger von der Politik. Sie kann sich nun ausschließlich unternehmerischen Aufgaben zuwenden. Die Trennung von hoheitlichen und von unternehmerischen Aufgaben der Deutschen Bundespost ist damit vollzogen.
1. April: Tarifsenkung im Telefondienst
Die 2. Phase des Tarifs '90 tritt in Kraft. Mit einer Entlastung von 750 Millionen DM, mit der bereits vorausgegangenen und der noch folgenden 3. Stufe kommen den TELEKOM-Kunden insgesamt 1,8 Milliarden DM zugute. Zusätzlich wird mehr Kostengerechtigkeit erreicht. Fernverbindungen wurden deutlich verbilligt, was vor allem für die Wirtschaft bedeutsam ist: Hier leistet die TELEKOM einen wesentlichen strukturpolitischen Beitrag und trägt zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei.
31.Mai: „Fiber to the home” in Köln
Weltpremiere in Köln: Die TELEKOM nimmt in Köln-Müngersdorf das erste Glasfasernetz in Betrieb, an das Privathaushalte direkt angeschlossen sind. Das Pilotprojekt mit dem Namen OPAL (Optische Anschlussleitung) wird den zukünftigen Ausbau der Telekommunikationsnetze revolutionieren. Damit wird die Entwicklung in Richtung eines künftigen Universalnetzes bis zum einzelnen Teilnehmer erheblich vorangetrieben. TELEKOM trägt entscheidend dazu bei, die steigenden Kommunikationsansprüche der Zukunft zu erfüllen.
14. Juni: Auslandsvertretung in Tokio gegründet
Deutsche Telekom Kabushiki Kaisha, so „fließend japanisch” heißt die erste der Auslandstöchter, die TELEKOM in diesem Jahr gründet, um auf dem internationalen Markt der Telekommunikation präsent und aktiv zu sein. Sie und die weiteren Auslandsniederlassungen der TELEKOM in New York, London, Paris und Brüssel werden vor allem in der Kundengewinnung und -beratung für die nicht dem Monopol unterworfenen Telekommunikationsdienste tätig sein.
1. Juli: Liberalisierung des Endgerätemarkts
Die TELEKOM steht jetzt bei den Endgeräten im Wettbewerb. Nicht nur bei den Geräten selbst, sondern auch bei allen Dienstleistungen, die damit im Zusammenhang stehen. Die TELEKOM stellt sich diesem Wettbewerb mit einem breiten Produkt- und Serviceangebot.
3. Juli: Kommunikation via Satellit
Mit DAVID, DlVA und DASAT führt die TELEKOM gemeinsam mit der Deutschen Post Telekom 3 verschiedene Satellitenübertragungsdienste ein. So entstehen kurzfristig zusätzliche Kapazitäten im Telefondienst und in der Datenübertragung im Gebiet der damaligen DDR. Dieses schnelle unkonventionelle Handeln ist auch deshalb möglich, weil TELEKOM mit Kopernikus über ein eigenes Telekommunikations-Satellitensystem verfügt.
Für die Satellitendienste installiert die TELEKOM im Lauf des Jahres in der Noch-DDR zahlreiche Teilnehmerstationen. Mit der Vereinigung Deutschlands wird TELEKOM Mitglied der Satellitenorganisation Intersputnik - und ist als einziges Unternehmen Mitglied in den 4 wichtigsten Satellitenorganisationen der Welt.
25. Juli: Kopernikus 2 im All
In Kourou, Französisch-Guayana, startet eine Ariane-4-Trägerrakete, an Bord: der Deutsche Fernmelde-Satellit (DFS) Kopernikus 2.
Einsatzort: 28,5 Grad Ost im Orbit über dem Äquator. Einsatzziel: Fernseh- und Hörfunkprogramme übertragen sowie die Telekommunikation mit der Noch-DDR verbessern. Telefonverbindungen und der Daten- und Videokonferenzdienst mit dem anderen Teil Deutschlands werden von da ab wesentlich einfacher.
1.August: MODACOM, ein neuer Mobilfunkdienst
Mit dem Mobilfunkdlenst MODACOM stellt die TELEKOM einen Datenfunkdienst für die moderne Kommunikation vor. Umfangreiche komfortable Möglichkeiten für die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihrem mobilen Außendienst werden damit geschaffen. Über ein kleines mobiles Funkterminal können die im Computersystem zentral gespeicherten Daten eines Unternehmens von Außenmitarbeitern abgefragt werden. Die Mobilität und Flexibilität werden optimiert, Zeit-, Personal- und Arbeitsplanung effektiver.
30. August: das erste Kartentelefon in der Noch-DDR
In Leipzig wird das 1. Kartentelefon im östlichen Deutschland in Betrieb genommen. Es ist das 1. von 100 Geräten, die im Bereich der Stadt Leipzig eingerichtet werden. Damit haben erstmals Bürger in der DDR die Möglichkeit, mit einer Telefonkarte unkompliziert und bargeldlos zu telefonieren.
Der kurzfristige Aufbau öffentlicher Telefone ist eine der wichtigsten Sofortmaßnahmen, um die Telefoninfrastruktur in der Noch-DDR zu verbessern.
3. Oktober: eine der größten Unternehmensfusionen der Geschichte
Die Fusion der Deutschen Bundespost TELEKOM mit der Deutschen Post Telekom geht mit der deutsch-deutschen Vereinigung einher. Es ist einer der größten Unternehmenszusammenschlüsse, die es je gegeben hat. In den neuen Bundesländern hat die Fusion Änderungen in der Organisation des Unternehmens zur Folge.
Aus 15 Bezirksdirektionen der Deutschen Post werden 5 Direktionen Telekom mit den Standorten Erfurt, Leipzig, Magdeburg, Potsdam und Rostock gebildet. Im Lauf der folgenden Monate nehmen insgesamt 15 neue Fernmeldeämter ihren Betrieb auf. Außerdem wird in der deutschen Hauptstadt die Stabsstelle Berlin der Generaldirektion eingerichtet.
5. November: Raisting kontrolliert Satellitensystem Intelsat
Als eine von 6 Kontrollstationen weltweit reiht sich die Erdfunkstelle der TELEKOM in Raisting, Oberbayern, in das System der globalen Satellitensteuerung ein. Von dort aus wird seitdem das weltumspannende Satellitensystem Intelsat gesteuert und kontrolliert. Zusammen mit den anderen Stationen überwacht die TELEKOM 15 Satelliten. Vom Boden aus ist die Kontrollstelle jederzeit über die genaue Position und den Betriebszustand der Satelliten informiert. Diese stehen in 36.000 Kilometer Höhe über dem Äquator. Die TELEKOM beweist damit, dass sie auf dem Gebiet des Satellitenfunks im internationalen Wettbewerb einen vorderen Platz belegt.
19. November: Telekommunikations-Autobahn zwischen Frankreich und Deutschland
Die TELEKOM und France Telecom schalten an diesem Tag ihre ISDN-Netze zusammen. Die Verbindung mit dem französischen Netz NUMERIS bringt nun auch zwischen Deutschland und Frankreich schnellere, leistungsfähigere und preiswertere Kommunikationswege. Schon 1993 soll ein europaweites ISDN realisiert sein.
TELEKOM: „Unsere Perspektiven sind gut”
„Unsere Perspektiven sind gut, denn wir operieren in einem der expansivsten Märkte”, ist im 1. Geschäftsbericht des jungen Unternehmens Deutsche Bundespost TELEKOM zu lesen (1990). Weiter heißt es: Information ist der Treibstoff des Fortschritts
Das Wissen der Welt vermehrt sich dramatisch, immer leistungsfähigere Transportwege für den Informationstransport sind gefordert. Die Telekommunikation ist deshalb eine der wesentlichsten Schlüsseltechnologien der Zukunft. Und damit für die moderne Informationsgesellschaft wahrscheinlich ebenso bedeutend, wie es die Fabriken für die Industriegesellschaft waren. Was das Fehlen einer funktionierenden Kommunikations-Infrastruktur bedeutet, war in den neuen Bundesländern deutlich erkennbar. Nur wenn Unternehmen moderne Kommunikationssysteme frühzeitig nutzen können, sind sie in der Lage, ihre Marktchancen auszuschöpfen.
Vor diesem Hintergrund erscheinen Prognosen realistisch, die den Telekommunikationsmarkt als einen der bedeutendsten und wachstumsintensivsten Wirtschaftsbereiche beschreiben. In der letzten Dekade dieses Jahrhunderts dürfte der Umsatz der Telekommunikationsindustrie weltweit von 165 Milliarden DM auf 270 Milliarden DM steigen. In der Europäischen Gemeinschaft (EG) wird sein Anteil am Bruttosozialprodukt von gegenwärtig rd. 3 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts auf rd. 7 Prozent wachsen. Dabei dürfte sich der deutsche Markt mit 66 Prozent in der letzten Dekade dieses Jahrhunderts stürmischer als alle anderen entwickeln.
Die TELEKOM rechnet bis 1995 mit einem erheblichen Umsatzwachstum, das sehr stark von der positiven Entwicklung der mobilen und der geschäftlichen Kommunikation getragen wird.
Der Arbeitsmarkt unterstreicht die volkswirtschaftliche Bedeutung der Telekommunikation
Während heute in Europa rd. 13 Millionen Arbeitsplätze zum Dienstleistungssektor Telekommunikation zu zählen sind, rechnet die EG-Kommission zum Ende des Jahrhunderts mit 60 Millionen Arbeitsplätzen, die im wesentlichen von Informationstechnologien und Kommunikationsdiensten abhängen.
Diese Entwicklung ist eine Folge der 3. industriellen Revolution. Sie wird dadurch geprägt, dass Information als 4. Produktionsfaktor neben Arbeit, Boden und Kapital tritt. Allein die Technologie der Telekommunikation kann die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Informationen überall und zur gleichen Zeit genutzt werden können.
Da sich die Kommunikationstechnologie zunehmend flexibler dem Bedarf anpasst, kann sie auch immer bedeutendere Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Aufgaben leisten. Auf der Basis konvergierender Technologien werden für die unterschiedlichsten Kundensegmente immer neue innovative Anwendungen erschlossen. Man denke z. B. an die enormen Vorteile, die die medizinische Diagnostik durch die Möglichkeit des Fernaustauschs von Röntgenaufnahmen oder Computer-Tomographien bekommt. Oder auch an die Entlastung von Umwelt und Straße durch die intelligente Steuerung von Güterströmen und dem teilweisen Ersatz der physischen durch den sogenannten elektronischen Verkehr. Informations- und Kommunikationstechnologie erweisen sich deshalb immer mehr als „Treibstoff” des technischen und gesellschaftlichen Fortschritts.
Ein wesentlicher Einfluss auf das Marktwachstum geht dabei auch von der zunehmenden globalen Wettbewerbsöffnung der Märkte aus.
Beteiligungen der Deutschen Bundespost TELEKOM
Wo die eigenen Ressourcen nicht ausreichen oder sich Synergie-Effekte erzielen lassen, wird die Leistungsbasis der TELEKOM durch Kooperationen und Unternehmensbeteiligungen gestärkt. Im Geschäftsbericht 1990 wird dazu ausgeführt:
In der Beteiligungspolitik ging es der TELEKOM weniger darum, unmittelbar Gewinne zu erzielen. Entscheidend ist vielmehr immer der Beitrag, den diese Gesellschaften für den wirtschaftlichen Gesamterfolg der TELEKOM leisten.
Die Bewertung von möglichen Partnern reichte dabei über das reine Dienstegeschäft als Netzbetreiber hinaus. Auf internationaler Ebene sind strategische Partnerschaften zu entwickeln. Nur so kann sich die TELEKOM für den zu erwartenden härter werdenden Wettbewerb in den globalen Diensten und Märkten wappnen.
Die Beteiligungsschwerpunkte liegen im Bereich globaler Telekommunikationsdienstleistungen, wie sie von in Deutschland tätigen Geschäftskunden gefordert werden. Damit werden Märkte für die TELEKOM erhalten und neue aufgebaut. Und nicht zuletzt lassen sich hohe Kosteneinsparungen durch eine Internationalisierung unserer Beschaffung erwarten.
Beispiele der jüngsten Vergangenheit demonstrieren unsere Bereitschaft, internationale Lieferanten sukzessive in die Beschaffung einzubeziehen. Ohne natürlich dabei zu vergessen, dass wir den Industriestandort Bundesrepublik Deutschland brauchen, auch für die Telekommunikation, und eine starke eigene Industrie.
So haben die Beteiligungen auch in diesem Jahr die Flexibilität der TELEKOM am Markt gesteigert, ihr Leistungsangebot abgerundet und ergänzt, die Position der Deutschen Bundespost im fernmeldepoiitischen Umfeld gestärkt und die Kooperation mit der Privatwirtschaft gefördert.
Die wichtigsten Daten des Jahres: Am Jahresende war die TELEKOM an insgesamt 18 Unternehmen verschiedener Branchen und Rechtsformen beteiligt. Der Nominalwert des TELEKOM-Anteils an diesen Beteiligungen betrug rd. 150 Millionen DM. Die Beteiligungsquote beträgt je nach Interessenschwerpunkt und der Aufgabenstellung des Unternehmens bis zu 100 Prozent.
Ein Blick auf die augenblickliche Situation bei den Tochtergesellschaften zeigt, dass es sich hier um einen Wachstumsbereich handelt, der auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Einige Beispiele für besonders zukunftsträchtige Beteiligungen:
Durch die Beteiligung an der Infonet Services Corporation, Los Angeles, kann die TELEKOM ihren Kunden den Zugang zu einem globalen Datennetz mit weitweitem Service anbieten. Die britische Phonepoint verfügt über Erfahrungen mit dem preiswerten Mobilteiefonsystem Telepoint, das die TELEKOM jetzt auch in der Bundesrepublik einrichten wird.
Know-how-Transfer für die Entwicklungsländer leistet die Telekom-Tochter Detecon - insgesamt sind seit 1977 über 280 Projekte in 63 Ländern durchgeführt worden.
Die Eucom entwickelt als deutsch-französisches Gemeinschaftsunternehmen neue Telekommunikationsdienstleistungen und bringt sie auf Markt.
Telekom international: global denken und handeln
Kommunikation macht nicht vor Grenzen halt - im Gegenteil: Sie macht sie durchlässig. Schon traditionell verfügt die TELEKOM deshalb über weitreichende internationale Beziehungen, sie arbeitet in einer Vielzahl von Organisationen und Gremien mit.
Beispiele hierfür sind die Europäische Konferenz der Verwaltungen für Post und Fernmeldewesen (CEPT), der Internationale Beratende Ausschuss für den Funkdienst (CCIR) oder die Internationale Fernmeldeunion (UlT).
Die zunehmende internationale Arbeitsteilung, die globale Präsenz von Unternehmen und das Zusammenwachsen der Märkte macht auch die Telekommunikation zu einem globalen Anliegen. Die TELEKOM muss deshalb für ihre Geschäftskunden auch im Ausland vor Ort ansprechbar sein. Als ersten Schritt hat sie deshalb begonnen, in den wichtigsten Märkten - Brüssel, Paris, London, New York und Tokio - Tochtergesellschaften zu gründen.
Besondere Bedeutung hat für die TELEKOM der europäische Binnenmarkt ab 1993. Grenzüberschreitende Nachrichtenverbundsysteme wie ISDN oder auch das künftige digitale Mobilfunknetz gehören zu den bedeutendsten technologischen Herausforderungen in den nächsten Jahren. Die TELEKOM arbeitet deshalb jetzt noch intensiver mit den europäischen Fernmeldeverwaltungen zusammen.
Osteuropa: Fortschritt mit Know-how der TELEKOM
Auch in einem noch größeren Europa wird die Telekommunikation zunehmend die Schrittmacherrolle spielen müssen, die sie für die westlichen Industriegesellschaften seit Jahren übernommen hat. Die TELEKOM wird auch hier ihre Dienste und ihr Know-how zur Verfügung stellen. Zur Erschließung neuer Märkte, aber auch für größere Chancen der betroffenen Volkswirtschaften und Menschen.
TELEKOM beginnt auf den Märkten national und global präsent zu sein. Zu den Aufgaben der von ihr aufgeführten, gesteuerten und beeinflussten Gesellschaften gehört es auch, weitere Joint-venture-Möglichkeiten auf den jeweiligen Märkten aufzuspüren und das Zustandekommen von Gemeinschaftsunternehmen vorzubereiten, an denen sie sich beteiligen kann.
Die Beteiligungspolitik der TELEKOM ist ein Teil der allgemeinen Unternehmenspolitik. Der Einsatz des Beteiligungsinstruments erfolgt gemäß der vom Vorstand beschlossenen und vom Aufsichtsrat der TELEKOM am 11. September 1990 zur Kenntnis genommenen Grundsätze.
Da die nationalen und internationalen Mehrwertdienste strategisch ausgebaut werden sollen, wird sich die TELEKOM nach einem abgestimmten Konzept entweder unmittelbar oder über ihre Tochtergesellschaften auf diesem Geschäftsfeld beteiligungspolitisch aktiv betätigen.
Sie ist darum bemüht, das nationale Kundenpotenzial nicht an andere international operierende Konkurrenten zu verlieren. Sie wird sich zusätzliches Know-how im Informationsverarbeitungsbereich, beim Marketing, im Vertrieb und beim Erproben neuer Technologien erschließen müssen. Sie ist bereit und entschlossen, ihre besondere Schlüsselrolle als Telekommunikationseingang nach Osteuropa zu sichern und auszubauen.
Die Deutsche Postreklame führt Wirtschaftswerbung durch. So vermarktet sie etwa die Werbeflächen der 3 Unternehmen der Deutschen Bundespost. Sie fungiert als Herausgeber und Verleger von Verzeichnissen und stellt auch die Telekom-Verzeichnisse her.
Aufgabe: Consultingleistungen für Vorhaben im Telekommunikationswesen, Infrastrukturuntersuchungen und Wirtschaftlichkeitsanalysen und neutrale Beratung bei Projekten - von der Planung bis zur Inbetriebnahme und Wartung.
Im technischen Zentrum der Detecon in Berlin werden im Rahmen verschiedener Projekte hohe technische Standards für Telekommunikationsnetze im Zusammenwirken mit Herstellern und Kunden erprobt und realisiert. Die Detecon ist inzwischen in aller Welt aktiv, auch in Osteuropa.
TKS Telepost Kabel-Servicegesellschaft mbH
Aufgabe: Intensivierung des Vertriebs von Breitbandanschlüssen der Deutschen Bundespost.
Deutsche Fernkabel-Gesellschaft mbH (DFKG)
Aufgabe dieser frühen Beteiligung: Consulting im Fernkabelsektor. Entwicklung und Test neuer Montageverfahren und Messgeräte für optische Übertragungseinrichtungen nach Einführung der Glasfasertechnologie. Erstellen von Ingenieur- und Montageleistungen für Telekommunikationsnetze sowie von Leistungen auf dem Gebiet der Netzinformationssysteme und die regionale Ausweitung der Tätigkeit auf die neuen Bundesländer.
Eucom Gesellschaft für Telekommunikationsmehrwertdienste mbH
Die Aufgabe von Eucom besteht darin, sich bei Unternehmen zu beteiligen, die Mehrwertdienste anbieten, sowie deren Entwicklung im europäischen Raum zu fördern. Durch Markterschließung gestaltet TELEKOM aktiv den Markt der Zukunft mit.
Außerdem kann sich Eucom auf vorhandene Vertriebsnetze von France Telecom und der Deutschen Bundespost TELEKOM stützen.
Die Infonet Services Corporation bietet weltweite Kommunikations- und Computerdienste an. Das Kommunikationsdiensteangebot umfasst das einzige internationale X.25 paketvermittelte Netz, das Mehrfachprotokolle unterstützt. Infonet bietet auch rechnergestützte Mitteilungsdienste an, beispielsweise Dateitransfer und Electronic Mail, für Kunden geführte Netze, die die Kombination eines privaten und öffentlichen Paketnetzes benötigen, sowie Bildschirmtextdienste. Kunden aus den USA haben seit Juli 1990 über Infonet Zugang zum deutschen Biidschirmtextsystem.
Die primären Ziele, die mit dieser Beteiligung verfolgt werden, sind folgende: Den Kunden kann über Interpak ein internationales Netzwerk mit vielerlei Leistungsmerkmaien angeboten werden.
Danet Gesellschaft für Beratung und Software-Entwicklung
Die Aufgabe von Danet ist es, Software und System im Zusammenhang mit dem Thema Telekommunikation zu konzipieren und zu entwickeln. Zurzeit arbeiten etwa 200 Software-Ingenieure bei Danet an Telekommunikationsprojekten.
Die Danet gehört im Rahmen des Managementverbunds mit der GSI Danet zu den erfahrensten und erfolgreichsten Softwarehäusern Deutschlands. Auf dem Gebiet der Telekommunikations-Software besitzt sie sogar eine Marktführerposition. Danet unterstützt TELEKOM im Bereich Vertrieb und Marketing. Bereits seit Längerem vermarktet die Danet erfolgreich die für das Fernmeidetechnische Zentralamt entwickelten Testsysteme „Petrus” und „Roland”. Investitionen sind als Lizenzrückflüsse bereits teilweise kompensiert worden.
GSI-Datel Gesellschaft für Datenfernverarbeitung mbH
GSl-Datel ist die deutsche Tochter der GSI Paris, die ihrerseits zusammen mit GSI International 95 Prozent an der GSI-Datel hält. Auf dem Gebiet des elektronischen Datenaustauschs und der Mehrwertdienste ist GSI-Datel insbesondere im Bereich der Logistik in der Transportkette schon heute ein starker Marktpartner. Dieser Service wird von namhaften Unternehmen wie Bosch, Nestle, GM Opel, Logsped und Bayer genutzt. Mit der Einführung von Transponet europaweit wird dieser Service weiter ausgebaut.
Kabelcom Braunschweig GmbH, Kabelcom Wolfsburg GmbH, Kabelcom Osnabrück GmbH
ermöglichen es der TELEKOM, im Rahmen ihrer Kooperationsmodelle private Aktivitäten in die Erstellung öffentlicher Breitbandverteilnetze einzubeziehen.
Für zukünftige Entwicklungen streben die Gesellschaften eine Kooperation mit der RKS Niedersachsen an, der Know-how in Technik, Verwaltung, aber auch im Vertrieb zur Verfügung gestellt werden. Auch mit den jeweiligen Partnerstädten des Beitrittsgebiets werden Kooperationen im Verkabelungsgeschäft angestrebt. Hier können sich interessante Märkte öffnen.
Aktuelles Beispiel einer effizienten Beteiligung: Telecash
IBM Deutschland und TELEKOM haben sich bereits im Dezember des Berichtsjahres darauf geeinigt, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, an dem beide Unternehmen zu jeweils 50 Prozent beteiligt sind: die Telecash Kommunikations-Service GmbH. Teiecash steht dabei für ein bargeldloses Zahlungssystem im Einzelhandel. Damit werden die Kunden in Zukunft z.B. an der Kasse mit ihrer Scheckkarte bezahlen können, ohne erst einen Scheck ausfüllen zu müssen - ganz ähnlich wie heute schon beim Geldautomaten. Experten sagen dem Telecash-System eine große Zukunft voraus.
Deutsche Telekom Inc., New York
Hier geht es darum, Kontakt zu Großkunden mit Partnern in Deutschland und Kontakte zu internationalen Carriern zu suchen. Gleichzeitig soil eine Marktbeobachtung in den USA erfolgen, um auch in der Bundesrepublik Deutschland entsprechende Kundenwünsche berücksichtigen zu können. Gerade in den USA ist der direkte Kontakt mit den internationalen Carriern von großer Wichtigkeit; er soll erleichtert und intensiviert werden. Daneben ist die Interpretation von telekomrelevanten Tendenzen im internationalen Bereich zu nennen.
Deutsche Telekom Inc., London
Aufgabe ist es, als Ansprechpartner den Geschäftskunden und Telekommunikationsunternehmen zur Verfügung zu stehen und dië Märkte und die Politik von Oftel und des Department of Trade and Industry zu beobachten. In London ist die kommerzielle Entwicklung der Telekommunikation unter dem Einfluss des Wettbewerbs am weitesten fortgeschritten.
Die Deutsche Telekom K. K, Tokyo wird den Dienstewettbewerb analysieren. In Japan wurde der Telekommunikationsmarkt im April 1989 liberalisiert und die bis dahin staatliche NTT privatisiert.
Die Deutsche Telekom K. K. wird vor allem in der Kundengewinnung und -beratung für die nicht dem Monopol unterworfenen Dienste tätig sein. Da nach einer Prognose einer japanischen Außenhandeisorganisation bis zum Inkrafttreten des gemeinsamen europäischen Markts etwa 1.000 japanische Unternehmen Produktionsanlagen in Europa errichten werden, werden sich um die dadurch entstehende Nachfrage an Datenübertragung und Nachrichtenaustausch alle europäischen Telekommunikationsunternehmen bewerben. Die Deutsche Teiekom K.K. Tokyo wirbt für die TELEKOM in der Bundesrepublik mit Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, technische und wirtschaftliche Kompetenz und Leistungsfähigkeit.
Deutsche Telekom S.A.R.L., Paris
In Frankreich, das der bedeutendste europäische Handelspartner der Bundesrepublik Deutschland ist, ist das Kommunikationsbedürfnis vor allem in Bezug auf das Marktpotenzial im neuen Beitrittsgebiet Deutschlands sehr groß.
Deutsche Telekom S.A., Brüssel
Brüssel, Drehscheibe der „europäischen Entscheidungen” sowie Hauptstadt eines Landes, das auch eine beachtliche Tradition in der Telekommunikation nachweisen kann, fordert ein innovatives Unternehmen wie TELEKOM geradezu heraus, sich auch hier dem Wettbewerb im Fernmeldewesen zu stellen.
In Brüssel sind Kunden und Partner der Deutschen Telekom S.A. vor allem die ansässigen Vertretungen internationaler Großunternehmen und Fernmeldegesellschaften, die wegen der Europäischen Gemeinschaft diesen Standort gewählt haben.
TELEKOM: „Mitarbeiter sind der wertvollste Faktor unseres Unternehmens”
Über den Wert und Rolle der Mitarbeiter schreibt die Deutsche Bundespost TELEKOM in ihrem Geschäftsbericht 1990:
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das Unternehmen zu integrieren, insbesondere die Kolleginnen und Kollegen aus den neuen Bundesländern, war von großer Bedeutung. Besonders der Bereich der Führungskräfte erforderte hohe Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Mit allen ehemaligen Führungskräften der Deutschen Post wurden Personalgespräche geführt, um über die Art und den Verantwortungsbereich eines künftigen Einsatzes eine verantwortliche Entscheidung treffen zu können.
Zweite Maßnahme war die personelle Unterstützung des Aufbauprogramms in den 5 neuen Bundesländern. Unter dem Namen „Partnerschaftsprogramm FÄ '9O” wurde 15 Fernmeldeämtern und 2 Fernmeldezeugämtern aus dem Westteil der Bundesrepublik die Verantwortung dafür übertragen, jeweils ein Amt im Beitrittsgebiet arbeitsfähig aufzubauen.
Hierzu stellte jedes der Patenämter jeweils ein Projektteam zusammen, das unter Leitung einer Führungskraft innerhalb von nur 2 Monaten alle Arbeiten durchzuführen hatte, die für das ordnungsgemäße Funktionieren des neugebildeten Amts erforderlich waren. U.a. waren die aufbauorganisatorischen Strukturen dieses Amts festzulegen, Abteilungen, Dienststellen und Personalposten einzurichten, geeignete Kräfte für die einzelnen Tätigkeiten auszuwählen und diese dann mit den neuen Tätigkeiten vertraut zu machen. Parallel dazu mussten Räume gefunden und hergerichtet sowie sämtliches Arbeitsmaterial beschafft werden.
Die neue Unternehmensphilosophie als Klammer für das Zusammenwirken der Mitarbeiter/-innen
Unsere Unternehmensverfassung und unsere Unternehmensziele bilden eine Einheit mit der Unternehmenskultur: Mit dem Prozess der Neuorganisation, der Umbildung geht auch ein Wandel der Unternehmensphilosophie einher. Diesen Wandel streben wir verstärkt an.
Die Unternehmensphilosophie ist die Klammer, die das Zusammenwirken der Mitarbeiter/-innenm bestimmt. Wir wollen mit unserer Leistung im Wettbewerb bestehen. Wir wollen ein kundenorientiertes Serviceunternehmen mit großem technischem und wirtschaftlichem Leistungsvermögen sein.
Der Wettbewerb bestimmt die Einstellung in unserem Unternehmen
Für den Wandel der TELEKOM von einer Behörde zum Unternehmen sind wir mit unserer neuen Organisation viel besser gerüstet. Sie gibt den Rahmen für flexibles Handeln, sie macht möglich, Verantwortung und Entscheidungen nach unteh zu verlagern, um schnell und marktnah handeln zu können.
Damit eröffnen sich auch für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ganz neue Perspektiven. Sie gewinnen mehr Freiraum und damit die Chance zu größerer Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz und somit gute Voraussetzungen für einen leistungsorientierten Aufstieg.
Ein neuer Führungsstil ist der wichtigste Schritt zur neuen Unternehmenskultur. Gefragt sind selbstbewusstes Handeln und ein flexibles Management, gefordert ist, den Geist unseres neuen Unternehmens zu vermitteln. Denn es genügt nicht, nur von Leistung zu reden, die jeder bei der TELEKOM zu erbringen hat. Wir müssen an der Spitze vorleben, was wir darunter verstehen. So konzentrieren wir uns auf unsere eigentliche Stärke: das Leistungspotenzial unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
TELEKOM ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands
Gemessen an der Zahl von nahezu 255.000 Mitarbeitern ist die TELEKOM eines der größten deutschen Unternehmen. Die Mitarbeiter verteilen sich auf die 3 Gruppen:
rund 131.000 Beamte,
rund 30.000 Angestellte und
rund 53.000 Arbeiter.
In den neuen Bundesländern waren zum gleichen Zeitpunkt - Ende des Jahres - rund 40.000 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Von den rund 255.000 Arbeitskräften sind ca. 22.O00 Teilzeitbeschäftigte. Rund 22.700 Nachwuchskräfte befinden sich darüber hinaus bei der TELEKOM in Ausbildung.
Der Personalbedarf der TELEKOM wurde in diesem Jahr außer durch die natürlichen, verkehrsabhängigen Schwankungen, durch den Abschluss des Bemessungstarifvertrags und die Verringerung der Wochenarbeitszeit besonders durch die Wiedervereinigung beeinflusst.
Nach Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften traten zum 1. August 1990 erstmals Tarifverträge für Erhol- und persönliche Verteilzeiten in Kraft. Schon zum 1. April wurde die regelmäßige Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst von 39 auf 38,5 Stunden gesenkt. Diese beiden Maßnahmen ergaben einen rechnerischen Mehrbedarf von 2.500 Personalposten.
Im Jahresdurchschnitt hatte die TELEKOM in den alten Bundesländern einen Personalbedarf von 195.000 Posten. 95 Prozent davon entfielen auf die Ämter des Fernmeldewesens. Durch die Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands wuchs der Personalbedarf auf etwa 240.000 Posten (gerechnet in Vollzeitarbeitsplätzen). Insgesamt konnte allen Nachwuchskräften, die in diesem Jahr ihre Prüfung abgelegt haben, sowie jedem Beschäftigten der ehemaligen Deutschen Post bei Erfüllung der Überprüfungsbedingungen ein Arbeitsplatz angeboten werden.
Arbeitsrechtliche Stellung der Führungskräfte
Für die Zukunft des Unternehmens war die Umstellung der rechtlichen Verhältnisse für die oberen Führungskräfte wichtig. Die neuen Mitglieder des Vorstands und die Leiter der Geschäftsbereiche sowie die Präsidenten und Vizepräsidenten der regionalen und zentralen Mittelbehörden sind keine Lebenszeitbeamten mehr, sondern stehen in einem öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis zum Bund.
Etwa 1 Drittel aller Beschäftigten sind Frauen - rund 93.000. Entsprechend groß ist das Engagement der TELEKOM, Frauen in ihrem beruflichen Fortkommen zu fördern. Gute Chancen haben Frauen in den unteren und mittleren Ebenen. Aber auch in unserem Unternehmen sind Frauen in den technischen Bereichen und Führungspositionen mit einem noch nicht genügenden Anteil repräsentiert. Hier sind wir bemüht, durch systematische Frauenförderung in der Zukunft eine Änderung herbeizuführen. In diesem Sinn wurden bei der Generaldirektion Telekom, bei den Direktionen, den zentralen Mittelbehörden und den Fachhochschulen Frauenbeauftragte eingesetzt.
Eine Strukturuntersuchung zur Klärung der Situation der Frauen bei der TELEKOM wurde in Auftrag gegeben. Sie soll die Grundlage bilden für das Frauenförderkonzept der TELEKOM. Daneben war ein Symposium, das von den Frauenbeauftragten in Zusammenarbeit mit der Führungsakademie zum Thema „Frauenförderung zur Gewinnung qualifizierten Führungsnachwuchses” für die Personalabteilungsleiter der TELEKOM veranstaltet wurde und das die Themen „Karriereförderung für Frauen”, „flexible Arbeitszeit” und „Frauenförderung in der Industrie” behandelte, ein erster praktischer Schritt zur Bewusstseinsbildung auf diesem Weg. Die Förderung der Frauen ist im Hinblick auf die Gewinnung qualifizierten Führungsnachwuchses für die TELEKOM besonders wichtig, weil sie dringend Fach- und Führungskräfte benötigt.
Aus- und Fortbildung bei TELEKOM, Vorbereitung auf die Aufgaben von morgen
Wer sich mit Zukunftstechnologien beschäftigt, braucht vor allem eins: qualifizierte Mitarbeiter/-innen. Entsprechend groß ist die Bedeutung von Aus- und Fortbildung bei der TELEKOM.
Die TELEKOM ist der größte Ausbildungsbetrieb Deutschlands. Insgesamt befanden slch 22.700 Mitarbeiter im Geschäftsjahr in der Ausbildung. Auf den Ausbildungsgang „Kommunikationselektroniker/in” entfielen allein rund l2.500 Auszubildende, davon in den 5 neuen Bundesländern ca. 900.
Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bei der TELEKOM war auch in diesem Jahr nach wie vor groß. Doch zeichnet sich in Ballungsgebieten - besonders in den süddeutschen - eine neue Situation im Lehrstellenmarkt ab: Es wird zunehmend schwieriger, alle angebotenen Ausbildungsplätze mit geeigneten Nachwuchskräften zu besetzen. Dieser Entwicklung wirkt die TELEKOM mit verstärkten Personalwerbe- und -marketingmaßnahmen entgegen.
Aufbau der Berufsausbildung im Beitrittsgebiet
Im Oktober 1990 wurden die Betriebsschulen der Deutschen Post von der Deutschen Bundespost übernommen und auf die Unternehmen TELEKOM und POSTDIENST verteilt. Gemäß Einigungsvertrag wurden alle bestehenden Bildungsgänge nach Möglichkeit auf neue Ausbiidungsgänge umgestellt und andernfalls auslaufend weitergeführt. Insgesamt bestanden Ende des Jahrs 3.400 Ausbildungsverhältnisse in den 5 neuen Bundesländern, Die 15 Betriebsschulen wurden in Berufsschulen umbenannt und von der Deutschen Bundespost weitergeführt.
Nach dem Beitritt der 5 neuen Bundesländer wurden noch in diesem Jahr umfangreiche Maßnahmen zum Aufbau der Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz, zur Weiterführung der alten Ausbildungsgänge und zur Organisation der gesamten Bildung vorbereitet. Zahlreiche Verhandlungen zur Aufteilung des Personals und der Liegenschaften auf die Unternehmen TELEKOM und POSTDIENST wurden geführt. In gemeinsamen Arbeitsgruppen wurden Regelungen zur Auflösung der Betriebsschulen/Berufsschulen sowie für die Gründung der Berufsbildungsstellen und Fernmeldeschulen erstellt. Um die vorhandenen Bildungsstätten baulich an die Erfordernisse anzupassen, wurden Planungen für Um- und Neubaumaßnahmen veranlasst. Das Fernmeldetechnische Zentralamt half bei der Beschaffung der technischen Ausstattung und der Bereitstellung der Unterrichtsmedien.
Zwischen den Berufsbildungsstätten in Ost- und Westdeutschland wurden Partnerschaften gebildet und Patenschaften übernommen. In gemeinsamer Anstrengung erarbeitete man Regelungen zum Austausch von Ausbildungspersonal zwischen den Bildungseinrichtungen der alten und der neuen Bundesländer, Maßnahmen zur Ausbildungsberatung und Regelungen für Fortbildungsmaßnahmen sowie für die Durchführung von Prüfungen u. a. m.
Eine erste Fortbiidungsmaßnahme für Lehrkräfte der Betriebs-/Berufsschulen im Hinblick auf ihre neuen Aufgaben in der Ausbildung zum Kommunikationselektroniker konnte bereits im Oktober durchgeführt werden.
Insgesamt wurden 650.000 Arbeitstage für Fortbildungslehrgänge und Seminare verwendet. Inhaltliche Schwerpunkte waren die Einführung der allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Verkaufs- und Produktschulung beim Vertrieb, neue Serviceleistungen sowie die Einführung digitaler Systeme und die Datenverarbeitung.
Im Ausbildungszentrum Heusenstamm werden die Mitarbeiter des Unternehmens durch Fortbildungsmaßnahmen an die digitale Technik herangeführt.Foto Deutsche Bundespost TELEKOM
Fortbildung in den neuen Bundesländern
Besondere Bedeutung hatten im Berichtsjahr die Fortbildungsmaßnahmen in den 5 neuen Bundesländern. Nur durch die rasche Qualifizierung der Beschäftigten ist ein einheitliches Leistungsniveau zu realisieren. Vorrangig wurden deshalb Fortbildungsmaßnahmen eingeleitet, die sich aus den aktuellen Betriebsnotwendigkeiten ergaben oder die im Zusammenhang mit der Einführung neuer Techniken und Betriebsverfahren standen. Rund 95 unterschiedliche Lehrgangstypen wurden durchgeführt. Dafür wurden 70.000 Arbeitstage verwendet.
Um die dringendsten Fortbildungsmaßnahmen schnell in die Bildungseinrichtungen vor Ort verlagern zu können, schulte die TELEKOM einen Teil der dort tätigen Lehrer bei Fernmeldeämtern im Westen.
Zur Verbesserung der Anpassungsqualifizierung wurden allgemeine Fortbildungsmaßnahmen zur Vermittlung von Grundlagenwissen und -verständnis angeboten und zwar im Bereich moderner Informations- und Kommunikationstechniken, Personalcomputer, moderner Bürotechnik usw.
Fremdsprachliche Fortbildung
Angesichts der zunehmenden Internationalisierung der Telekommunikationsmärkte gewinnen Fremdsprachenkenntnisse immer mehr an Bedeutung. Um die fremdsprachliche Fortbildung der Mitarbeiter der TELEKOM zu verbessern, hat TELEKOM in diesem Jahr die Einrichtung einer eigenen Sprachschule vorbereitet, die Anfang 1991 ihren Betrieb in Bargteheide, Dresden und Kleinheubach aufgenommen hat.
199O begann bei der TELEKOM der computerunterstützte Unterricht (CUU) unter dem Namen Funline. Funline ermöglicht Aus- und Fortbildung direkt oder in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes über Lernprogramme, die an Personalcomputern abgerufen werden können. 199O wurde zunächst mit dem Aufbau der CUU~Zentralredaktion begonnen, die für die Lernprogramme, die Einsatzsteuerung und Weiterentwicklung zuständig ist.
Die Entwicklung der Lernprogramme wurde fortgesetzt, sodass bereits über 100 Stunden Lernprogramme in unterschiedlichsten Themenbereichen zur Verfügung stehen.
Internationale Zusammenarbeit bei der Fortbildung
Die TELEKOM hat ein umfangreiches internationales Fortbildungsprogramm entwickelt. Es umfasst internationale Seminare bzw. Konferenzen und Austauschprogramme mit Telekom~Organisationen in anderen Ländern. Dadurch werden die Bediensteten auf die künftigen Aufgaben, die durch die zunehmende Öffnung der TELEKOM zu den internationalen Märkten entstehen, vorbereitet. Für ausgewählte Nachwuchskräfte besteht die Möglichkeit, im Ausland Studien über bestimmte Themenbereiche im Auftrag der TELEKOM durchzuführen.
Auch ein „training on the job” bei ausländischen Telekom-Gesellschaften ist möglich. Besonders intensive Kontakte bestehen zurzeit mit Frankreich und Japan.
Mit der Neustrukturierung der Deutschen Bundespost wurde die Zielgruppe für die internationale Fortbildung aufgeteilt in Managementpersonal und Fachkräfte.
Für das Managementpersonal werden spezielle Seminare u.a. im Rahmen der European Telecom Management Training Group, Austauschprogramme und Stipendien an ausländischen Universitäten angeboten. Diese Maßnahmen sind in das System der Managemententwicklung bei der Deutschen Bundespost TELEKOM eingebunden.
Dadurch kann sich das Führungspersonal auf die neuen Aufgaben, die durch die zunehmende Internationalisierung der TELEKOM entstehen, vorbereiten. Für Fachkräfte bestehen Fortbildungs- und Austauschprogramme mit France Telecom und ein durch die EG gefördertes Bildungsprogramm (EPOS).
European Telecom Management Training Group
Die European Telecom Management Training Group (EMTG) ist eine gemeinsame Fortbildungseinrichtung von Telekommunikationsgesellschaften nahezu aller westeuropäischen Staaten. Die TELEKOM ist eines ihrer Gründungsmitglieder.
Die EMTG hat sich zur Aufgabe gemacht, Führungskräfte für internationale Probleme zu sensibilisieren und so die Voraussetzungen für eine internationale Zusammenarbeit zu schaffen. Zur Durchsetzung dieser Ziele werden Seminare und Konferenzen zu Managementthemen in verschiedenen Ländern Europas durchgeführt. Die Verhandlungssprache ist Englisch.
Austauschprogramm für Führungskräfte
Für das Managementpersonal gibt es unterschiedliche Austauschprogramme mit verschiedenen ausländischen Telekommunikationsgesellschaften:
Kurzzeitaufenthalte für Nachwuchskräfte von etwa 4 bis 8 Wochen. Hierbei bearbeitet der Bewerber ein Thema, das selbst gestellt oder vorgegeben wird.
Kurzzeitaufenthalte für erfahrene Angehörige des höheren Dienstes von etwa 2 bis 5 Wochen. In diesem Zeitraum bearbeitet der Bewerber ein Studienprogramm, das im Zusammenhang mit seiner dienstlichen Tätigkeit steht.
Langzeitaufenthalte für erfahrene Angehörige des höheren Dienstes, die sich bereit erklären, in der ausländischen Telekommunikationsorganisation einen Arbeitsplatz zu übernehmen und dort für ca. 1 Jahr eigenverantwortlich zu arbeiten.
Stipendien an ausländischen Universitäten
Für besonders qualifizierte Nachwuchskräfte vergibt die TELEKOM jährlich in Zusammenarbeit mit der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst Stipendien für verschiedene Studiengänge an der Harvard University/Cambridge, USA, mit dem Abschluss des „Master in Public Administration”, an der „Ecole Nationale d'Administration” in Paris und an der Technischen Universität (TU) Delft.
Studium unter optimalen Bedingungen - bei der TELEKOM
Die Einführung neuer Technologien verlangt nach immer mehr qualifizierten Diplomingenieuren und -ingenieurinnen. Die TELEKOM ist als technikorientiertes Unternehmen auf hochqualifizierten Nachwuchs und berufserfahrene Spezialisten angewiesen. Schwerpunkt der Personalpolitik sind daher die Gewinnung und die berufliche Förderung qualifizierter Ingenieure/Ingenieurinnen. Mit einer intensiven Nachwuchswerbung, einer finanziell attraktiven Studienförderung und mit den neu eingeführten Einstellungsprämien konnten im Berichtsjahr 928 Fachhochschulabsolventen für den Eintritt bei der TELEKOM gewonnen werden.
Bemerkenswert ist, dass die TELEKOM als Unternehmen über eigene Fachhochschulen verfügt. In Dieburg, Berlin und Leipzig werden Ingenieure und Verwaltungsfachleute herangebildet. Dabei bietet die TELEKOM ihren Studenten/Studentinnen ganz hervorragende Studienbedingungen.
Nicht nur, weil die Ausbildungsgänge praxisbezogen und inhaltlich anspruchsvoll sind, sondern auch, weil die vergleichsweise geringere Studentenzahl es gestattet, flexibel auf die Wünsche der Studierenden einzugehen. Individuelle Gespräche zwischen Lehrenden und Lernenden und das gemeinsame Erarbeiten von Wissen ist an TELEKOM-Fachhochschulen noch selbstverständlich.
Eine besondere Rolle bei der Fortbildung des Managements spielt die Akademie für Führungskräfte der Deutschen Bundespost. Sie wurde bei der Neustrukturierung des Post- und Fernmeldewesens dem Unternehmen TELEKOM angegliedert, bot jedoch ihre Leistungen allen Unternehmen der Deutschen Bundespost sowie dem Ministerium für Post- und Telekommunikation an. Im Berichtsjahr hat die Akademie 366 Veranstaltungen mit insgesamt 6.680 Teilnehmern durchgeführt.
Einen besonderen Schwerpunkt bildete auch hier das Fortbildungsprogramm für Mitarbeiter der Deutschen Post (DP) der ehemaligen DDR. Schon im Januar vereinbarten die Postminister der Bundesrepublik und der DDR eine entsprechende Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Fortbildung von Führungskräften. Im März begann die Seminarreihe „Ökonomisches Denken in marktwirtschaftlichen Systemen”. Insgesamt fanden rund 30 Fortbildungsmaßnahmen mit über 500 Teilnehmern der Deutschen Post statt. Parallel dazu lief das Fortbildungsprogramm für die Angehörigen der TELEKOM mit voller Kraft weiter - entsprechend dem hohen Stellenwert, den die TELEKOM der Vorbereitung auf die künftigen Aufgaben in leitenden Funktionen beimisst.
Wie alljährlich wurden neben anderen internationalen Veranstaltungen im Juni die internationalen Akademiewcchen in Baden-Baden unter dem Thema „Wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen moderner Techniken” durchgeführt. Die Gäste ausländischer Post- und Fernmeldeverwaltungen, die Helmut Ricke begrüßen konnte, kamen aus den Ländern Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA.
Forschung und Entwicklung sind die entscheidende Voraussetzung, den Fortschritt voranzutreiben und so die Zukunft der Telekommunikation aktiv mitzubestimmen, heißt es im 1. Geschäftsbericht der Deutschen Bundespost TELEKOM (1990). Und weiter:
Für ein technologieorientiertes Unternehmen wie die TELEKOM haben Forschung und Entwicklung höchsten Stellenwert. Denn wer, wie wir, weit in die Zukunft planen und handeln muss, ist gefordert, die technische Innovation aktiv mitzubestimmen. Nur so lässt sich auf Dauer eine Position an der Spitze der Telekommunikationsunternehmen halten.
Bei der Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen, Netze stützt sich die TELEKOM auf ihren eigenen Brain-Trust: das Forschungsinstitut der TELEKOM, kurz FI genannt. Hier arbeiten zurzeit rund 200 Wissenschaftler und Ingenieure mit ihren Teams an Forschungsprojekten, deren Ergebnisse vielfach erst morgen zur Anwendung kommen werden. Darüber hinaus ist das FI der wissenschaftliche Berater der TELEKOM - es führt die neuesten technologischen Erkenntnisse zusammen und prüft sie auf ihre Anwendungsmöglichkeiten. Das FI hat auch in diesem Jahr hervorragende Forschungsergebnisse im Bereich der Telekommunikation vorweisen können. Die Aktivitäten der Mitarbeiter führten zu zahlreichen Patenten, darüber hinaus entstand eine Fülle unterschiedlicher Veröffentlichungen und Beiträge.
Beim FI gab es neben einer Reihe von Einzelprojekten 5 Forschungsschwerpunkte.
In der Materialforschung wird dieses Elektronenspektrometer eingesetzt.
Die Übertragung von Nachrichten per Glasfaser hat sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Grundlagen moderner Kommunikationsnetze entwickelt. Ihr technisches und wirtschaftliches Potenzial ist aber längst noch nicht ausgereizt, auch wenn sich der technische Fortschritt in den letzten Jahren sprunghaft entwickelt hat. Die TELEKOM hat erhebliche Forschungsanstrengungen unternommen, um eine effektivere und kostengünstigere Nutzung der Glasfaser möglich zu machen. Dies vor allem im Hinblick auf ein künftiges Breitbandteilnehmernetz für breite Anwenderkreise. So wurden z.B. neue Netzstrukturen mit passiven Faserverzweigungen und angepassten Punkt-zu-Multipunkt-Übertragungsverfahren erarbeitet, die die Faserkosten pro Kunden drastisch reduzieren und zur Einsparung von Vermittiungsstationen beitragen.
Neue Wege zur sicheren Kommunikation
Dies war ein 2. Arbeitsschwerpunkt des FI. Denn mit der zunehmenden gesellschaftlichen Abhängigkeit von modernen Informations- und Kommunikationssystemen erhöhen sich auch die Anforderungen an Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit dieser Systeme. Aus dieser Sensibilität erwächst ein erheblicher Sicherheitsbedarf. Und deshalb richtet die TELEKOM große Anstrengungen auf eine grundlagennahe kryptologische Forschung: unternehmenseigene Entwicklungen bei Soft- und Hardware werden vorangetrieben. Dabei geht es nicht nur um die originären Sicherheitsinteressen des Unternehmens selbst, sondern auch um die Entwicklung eines modernen, marktgerechten Sicherheits-Dienstleistungsangebots, das unter dem Projekt TeleSec geführt wird. TeleSec soll als eigenständiger Mehrwertdienst in einem wachsenden Marktsegment entwickelt werden.
Intensive Mitarbeit bei europäischen Forschungsvorhaben
Das FI beteiligt sich mit eigenen Arbeiten am technisch-wissenschaftlichen Forschungsprogramm der Europäischen Gemeinschaft (EG). Zum einen wirkt es am COST-Projekt mit, das ein breites Spektrum der Nachrichtentechnik umfasst. Zum andern nimmt das FI am RACE-Programm der EG teil, um die Entwicklung der integrierten Breitbandkommunikation zu fördern. Beiträge zur sicheren und schnellen Informationsübermittlung in einem universellen, zukünftigen breitbandfähigen Nachrichtennetz wurden geleistet. Auch zum EUREKA-Programm der EG lieferte das FI Forschungsbeiträge zum hochauflösenden Fernsehen (HDTV), zum digitalen terrestrischen Rundfunk und zum interaktiven digitalen audiovisuellen Systemkonzept. Außerdem unterstützte das FI die von den europäischen Netzbetreibern gegründete Forschungseinrichtung EURESCOM durch Bereitstellung von Kapazitäten für Management- und Forschungsarbeit.
Themenschwerpunkt Festkörperelektronik
Hier geht es um die Analyse und Charakterisierung geeigneter Werkstoffe und Materialsysteme für neue Komponenten der optischen Kommunikationstechnik. Besonders um Bauelemente, die optische und elektronische Nachrichtenübertragung zusammenführen. Zielrichtung der Forschung ist die Entwicklung von Chips auf der Basis von Materialien wie Indiumphosphit, Indium-Galliumarsenit oder Indium-Gallium-Aluminium-Arsenit.
Im Forschungsinstitut der TELEKOM (FI) werden optoelektronische Bauelemente entwickelt
Außerdem wurden in diesem Forschungsbereich Lebensdaueruntersuchungen von Quarzglasfasern und optischen Kabeln durchgeführt, um Aussagen über das Langzeitverhalten dieses Übertragungsmediums treffen zu können.
Ferner richtet sich das Augenmerk der Forschung verschärft auf theoretische und experimentelle Untersuchungen von später einmal möglicherweise leicht und billig herstellbaren organischen Polymeren, dle optische und elektro-optische Eigenschaften aufweisen und heutige Werkstoffe ersetzen oder ergänzen können.
Die FI-Beiträge zur Planung des D1-Mobilfunknetzes
An den Arbeiten zur Einführung des digitalen paneuropäischen Mobilfunknetzes D1 ist das Forschungsinstitut von der Stunde Null an beteiligt. Zur Realisierung dieses GSM-Systems wurden konkurrierende Systemvorschläge verschiedener Konsortien vorgelegt. Zur Auswahl des günstigsten Systems entwickelte das FI in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen den ersten digitalen, frequenzselektiven Funkkanalsimulator. Er ersetzt aufwendige und störanfällige Messverfahren und schafft optimale Testbedingungen. Mit seiner Hilfe wurde der heutige Standard für das D1-Netz festgelegt.
Für die Funknetzplanung des GSM-Systems wurde ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen ein neues Messsystem (RUSK 400) entwickelt - auch hier wurde Neuland betreten. Das System arbeitet bereits erfolgreich zur Gewinnung von Basisdaten der Netzplanung. Darüber hinaus wurde Software zur Systemsimulation entwickelt, mit der der Einfluss verschiedener Parameter der Funkübertragung auf die Bit-Fehlerquote analysiert werden kann. Dies ist wichtig, um eine hohe Flächendeckung bei gleichzeitig hoher Qualität des D1-Netzes zu erzielen.
Die TELEKOM förderte weiter die Entwicklung des Bildtelefons im ISDN. Für das Herzstück der Bildtelefone, den Codec - er reduziert die benötigte Bandbreite von über 200 Millionen bit/s auf 64.000 bit/s -, wurden erste spezielle, hochintegrierte Bausteine entwickelt. Dazu setzte man die 0,8-1 µm-Technik, die gerade in der industriellen Einführung war, ein.
3 verschiedene Geräte sind in der Entwicklung. Im März wurde mit der Firma Integrata, Tübingen, und der PKI, Nürnberg, ein Bildtelefon-Pilotversuch durchgeführt. An verschiedenen Standorten wurden Teams eines Softwareprojekts mit Bildtelefonen ausgerüstet und die Akzeptanz sowie die Reaktion der Nutzer beobachtet. Es konnten wertvolle Erfahrungen für die nächsten Schritte zur Einführung des Bildtelefondienstes gewonnen werden. Die zunehmende Verfügbarkeit des ISDN und die technologische Entwicklung haben die Voraussetzungen für die Einführung des Blldtelefons weiter verbessert. Die internationale Standardisierung ist bis auf wenige Punkte abgeschlossen.
Eine Messhalle im Fernmeldetechnischen Zentralamt der TELEKOM (FTZ) in Darmstadt.Fotos Deutsche Bundespost TELEKOM
Entwicklung von HD MAC, dem hochauflösenden Fernsehen
Bei der Entwicklung des europäischen Standards für das hochauflösende Fernsehen der Zukunft, HD MAC, hat die TELEKOM entscheidend mitgewirkt. Bei HD MAC wird die bislang genutzte Anzahl der Zeilen, mit denen das Fernsehbild „geschrieben” wird, von 625 auf 1250 verdoppelt. Die damit erzielte außerordentliche Bildqualität hält einem Vergleich mit der Kinoqualität stand. Außerdem wird das Bildseitenverhältnis auf 16:3 erweitert; das kommt dem menschlichen Gesichtssinn recht nahe und gestattet dem Zuschauer eine reaiitätsnähere und unmittelbarere Teilnahme an den übermittelten Geschehnissen.
Die Übertragungsparameter von HD MAC wurden so gewählt, dass eine Verteilung in den Kabelfernsehnetzen möglich ist. Dazu waren umfangreiche Tests nötig. Die TELEKOM hatte hierfür in Mannheim die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen und sich an der Durchführung maßgeblich beteiligt.
Für HD MAC, dessen Einführung voraussichtlich 1995 erfolgen wird, stehen im oberen Frequenzbereich des Kabelfernsehnetzes bis zu 12 Kanäle zur Verfügung. Ferner wird es möglich sein, HD-MAC-Programme auch über Satellit direkt zu empfangen.
Um die einzelnen Aktivitäten zur Einführung der europäischen MAC-Familie besser abstimmen zu können, wurden im Berichtsjahr verschiedene Organisationen ins Leben gerufen, denen auch die TELEKOM angehört. TELEKOM ist Mitglied der Europäischen Wirtschaftiichen Interessenvereinigung VISION 1250, die die Bereitstellung von HD-MAC-Produktionsequipment unterstützt und der Nationalen HDTV-Plattform Deutschland e.V., die alle deutschen Interessen bei der Einführung des hochauflösenden Fernsehens sammelt und koordiniert.
Die Stabsstelle Berlin der Generaldirektion Telekom
1990 hat die Deutsche Bundespost TELEKOM in Berlin eine Stabsstelle der Generaldirektion eingerichtet. Sie hat eine Schlüsselfunktion beim Aufbau der Telekommunikations-Infrastruktur in den 5 neuen Bundesländern.
Die Stabsstelle Berlin in der Mauerstraße.Hier war das Postministerium der ehemaligen DDR untergebracht.Foto Deutsche Bundespost TELEKOM
Die Wiedervereinigung stellte die TELEKOM vor die Aufgabe, zum einen das technische Programm „Infrastrukturaufbau” durchzuführen und zum anderen die 40.000 Mitarbeiter eines bis dahin eigenständigen Unternehmens in das Gesamtunternehmen zu integrieren.
Um möglichst rasch die Voraussetzungen für den schnellen und reibungslosen Aufbau einer modernen Telekommunikations-Infrastruktur im Beitrittsgebiet und eine einheitliche Unternehmensstruktur zu schaffen, waren kurzfristig gewaltige Übergangs-, Anpassungs- und Aufholmaßnahmen zu bewältigen.
Mit der Fusion der Deutschen Post (Bereich Telekom) und der TELEKOM am 3. Oktober 1990 waren 2 hinsichtlich Größe, Organisation, Technik und Arbeitsverfahren unterschiedliche Verwaltungen bzw. Unternehmen zusammenzuführen. Viel entscheidender aber war: Damit aus einer formal vollzogenen Fusion eine wirkliche Integration ins Unternehmen TELEKOM wird, musste aus unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen und Verwaltungsgewohnheiten eine neue und leistungsfähige Organisation geschaffen werden. Der Unternehmensteil in den neuen Bundesländern soll so leistungsfähig werden, wie es die TELEKOM in den alten bereits ist.
Zu realisieren sind Ausbauprogramme mit der vorübergehenden Anpassung an spezielle Technologien, Netze und Standards der Deutschen Post. Es geht um die Erweiterung des Diensteangebots, um die vorübergehende Fortführung und spätere Überleitung von Finanz- und Kostenrechnungssystemen und um die Anpassung der Organisation und des Personalwesens. Dazu sind nicht nur besondere Kenntnisse der bestehenden Strukturen, Abläufe, Systeme und Rechtsverhältnisse im Beitrittsgebiet erforderlich, die in die entsprechenden Regelungen und Entscheidungsprozesse der Vorstandsbereiche einzubringen und zu berücksichtigen sind. Es sind Verbindungen aufzubauen und zu koordinieren: zu unternehmensinternen Stellen, Zulieferern, Verwaltungen, Politik und auch zur Öffentlichkeit.
Als verantwortliche Stelle, als Verbindungsglied und quasi eigenständige „Generaldirektion” vor Ort wurde im November 1990 die Stabsstelle Berlin gebildet.
So können die komplizierten Partnerschaftsprogramme realisiert werden, ist situationsgerechtes flexibles Reagieren, ja sogar Improvisieren möglich, ohne dabei die langfristigen endgültigen Lösungen aus dem Auge zu verlieren.
Die Organisation der Stabsstelle Berlin ist im Grundsatz das Spiegelbild der Generaldirektion Telekom in Bonn, wenn auch mit situationsgerechten Modifikationen.
Die Stabsstelle ist ein eigener Vorstandsbereich. Sie gliedert sich in 3 Stabsgruppen mit ingesamt 17 Stabsbereichen, die gemäß Notwendigkeit und Aufgabenstellung auf die einzelnen Fachlinien ausgerichtet sind. Sie hat rund 150 Mitarbeiter, die entsprechend der Aufgabenstellung weit überwiegend aus dem Bereich der ehemaligen Deutschen Post stammen.
Die Stabsstelle hat folgende Aufgaben
Ausarbeiten von Vorschlägen an die Vorstandsbereiche der Generaldirektion in Bonn für notwendige Maßnahmen im Beitrittsgebiet.
Prüfen der Umsetzbarkeit von Vorhaben der Generaldirektion Bonn für das Beitrittsgebiet.
Aufspüren und Beseitigen von Hemmnissen bei der Verwirklichung des Programms Telekom 2000.
Wahrnehmen von Sonderaufgaben für bestimmte Teilbereiche nach Abstimmung mit den jeweils zuständigen Fachlinien, die aufgrund der Orts- und Sachnähe zweckmäßiger in Berlin bearbeitet werden.
Die Stabsstelle Berlin wurde schnell aktiv, z.B. bei der Einrichtung eines flexiblen Planungs- und Berichtswesens als unbedingte Voraussetzung für wirksame Logistik.
Mit dem Fortschritt des Infrastrukturprojekts und der Unternehmensintegration werden sich die Aufgaben dieses Vorstandsbereichs ändern. So ist geplant, die Anzahl der Mitarbeiter sukzessive zu reduzieren. Sie werden dann im Bereich der TELEKOM andere Aufgaben übernehmen.
Die Deutsche Bundespost TELEKOM kommuniziert in eigener Sache
Die TELEKOM zeigt ihre neue Unternehmensform in der Öffentlichkeit deutlich. Corporate Identity (CI) und Corporate Design (CD) - das neue Erscheinungsbild ist auch Ausdruck einer neuen Unternehmensverfassung. Im Geschäftsbericht 1990 schreibt die TELEKOM dazu:
Bei diesem Konzept der Corporate Identity und des Corporate Design handelt es sich um weit mehr als ein neues Styling und eine neue Farbe. Für TELEKOM sind CI und CD Ausdruck unserer Unternehmensziele, unserer Unternehmenskultur. Mit dem Prozess der Umbildung des Unternehmens geht ein Wandel in der Unternehmensphilosophie und des Bewusstseins einher: die Entwicklung einer neuen Identität mit unternehmerischen Grundsätzen. Wir wollen mit der Leistung unserer Mitarbeiter im Wettbewerb bestehen. Wir wollen ein kundenorientiertes Serviceunternehmen mit fachlicher Kompetenz und großem technischen und wirtschaftlichen Leistungsvermögen sein. Diese Identität, gepaart mit unseren vorhandenen Stärken, wollen wir sowohl innen als auch außen spürbar und sichtbar werden lassen.
CI und CD haben dabei zuerst die Funktion, unser Erscheinungsbild einheitlich und konsistent zu halten sowie unserem Unternehmensprofil schärfere Konturen zu verleihen. Weiter wird es den Wandel der TELEKOM von der Behörde zum Unternehmen nach innen und außen erlebbar machen. Wir wollen zu erkennen geben, dass wir uns auch auf die Internationalisierung der Märkte vorbereiten und nicht zuletzt auch in den neuen Bundesländern zu einem sichtbaren Begriff werden.
Unsere Kunden und Geschäftspartner wie unsere Mitarbeiter können künftig schon an unserem Äußeren erkennen, dass wir gewillt und kompetent sind, die Herausforderungen des Markts und des technischen Fortschritts anzunehmen und zu meistern. Man muss es uns förmlich ansehen, dass wir fest entschlossen sind, eine Spitzenstellung am Markt einzunehmen.
Die Grundelemente des neuen TELEKOM-Auftritts entsprechen der Größe und Bedeutung des Unternehmens: Sie sind prominent, selbstbewusst, unverwechselbar.
Da ist zunächst der Name. Seit dem 1. Januar 1990 heißen wir Deutsche Bundespost TELEKOM. Das ist im Postverfassungsgesetz bestimmt, und wir verwenden diese Bezeichnung als juristischen Absender.
In der Kommunikation, unter anderem in allen Werbemitteln, benutzen wir die neue Wortmarke „Telekom”. Sie ist unsere Unternehmensmarke. Das Posthorn in der Wortmarke symbolisiert unsere Herkunft, denn TELEKOM ist kein Retortenkonzern, sondern aus einer 500-jährigen Geschichte gewachsen.
Die Hausfarbe Magenta, die bereits in der Vergangenheit in bestimmten Bereichen eingesetzt wurde, signalisiert Aufbruchstimmung und grenzt TELEKOM gegenüber anderen Wettbewerbern und auch gegenüber den Schwesterunternehmen POSTDIENST und POSTBANK ab.
Im Vordergrund der Marktkommunikation standen neben dem generellen Ziel, den Absatz der Produkte zu fördern, der Aufbau eines eigenständigen Unternehmensimages und die Profilierung der TELEKOM als leistungsfähiger Anbieter auf dem Telekommunikationsmarkt.
Dazu wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der einerseits darauf abzielt, die Kommunikationsmaßnahmen stärker zu bündeln, um mit wenigen, aber starken Werbekampagnen eine größere Effizienz zu erreichen, andererseits durch den abgestimmten Einsatz aller Instrumente der Marktkommunikation wie Werbung in klassischen Medien, Messen und Ausstellungen, Direktmarketing und Sponsoring den Kunden zielgruppengenauer ansprechen zu können.
Als Dach über allen Kommunikationsmaßnahmen vermittelte die Unternehmenskampagne die wesentlichen Merkmale des Unternehmens wie Kompetenz und Innovationskraft, Kundennähe und Flexibilität, aber auch Sympathie und Wärme. Gleichzeitig wurde sie zur Information über unternehmenspolitische Schwerpunkte und in den neuen Bundesländern - über Planung und Ausbau der Infrastruktur genutzt.
So wichtig die Kommunikation nach außen ist, so wichtig ist sie nach innen. Umfassend über Geist und Ziele eines Unternehmens informierte Mitarbeiter können sich mit Herz und Verstand damit identifizieren und sich mit Engagement dafür einsetzen. Und nur über das Verhalten der Mitarbeiter ist der angestrebte Wandel von der Behörde zum kundenorientierten Dienstleistungsunternehmen realisierbar.
Human-Relations-Aktivitäten haben deshalb bei TELEKOM schon Tradition. Gerade diese Bemühungen werden in Zukunft noch verstärkt werden, besonders auch mit Blick auf die kommenden großen Herausforderungen, die eine noch engere Bindung eines jeden einzelnen an sein Unternehmen erforderlich machen. Das gilt im ganz besonderen Maße für unsere Mitarbeiter in den neuen Bundesländern.
Gebäude und Liegenschaften - Wesentliche Bausteine der TELEKOM-Infrastrukturprogramme
Die hohen Investitionen in Netze und Vermittlungsteohnik haben auch Rekordinvestitionen bei den Gebäuden zur Folge. Dazu die TELEKOM in ihrem 1. Geschäftsbericht (1990):
In diesem Geschäftsjahr wurde eine Vielzahl von Hochbauvorhaben, insbesondere für die Digitalisierung des Netzes und die Bereitstellung des ISDN, für den Mobilfunk, den Marketingbereich (Privatkundenvertrieb und Geschäftskundenvertrieb) und für Betriebs- und Verwaltungsdienststellen der Ämter und der Oberpostdirektionen initiiert.
Mit einem Investitionsvolumen von 1,65 Milliarden DM für Neubauten und die Instandhaltung der rund 18.000 eigenen Gebäude ist die TELEKOM auch auf dem Bausektor einer der größten Auftraggeber in der Bundesrepublik Deutschland.
Sofortmaßnahmen in den neuen Bundesländern
Die Sofortprogramme Overlaynetz Phase 1 und Phase 2 sind voll umgesetzt worden. Hier bestand erstmals die Möglichkeit, auch bestimmte Hochbaumaßnahmen durch die Systemfirmen ausführen zu lassen.
Für das Zusatzprogramm Turn-Key 1991 ist den Generalunternehmern der Abruf von multifunktionalen Kabinen (MUK 90) aus dem Rahmenvertrag der TELEKOM ermöglicht worden. Diese wiederverwendbaren Kabinen sind für kleinere Technikstandorte sowohl für den Dauereinsatz wie auch für vorübergehenden Einsatz geeignet und können innerhalb von 3 Monaten bereitgestellt werden. Für das Regelprogramm DIV i992 wurde die Entwicklung neuer standardisierter Gebäude (GDF) weiter beschleunigt, um spätestens Mitte 1991 eine Großserie in Fertigteilbauweise vergeben zu können.
Zahlreiche Bauvorhaben wurden in den 5 neuen Bundesländern begonnen.Fotos. Deutsche Bundespost TELEKOM
Unterstützung der Direktionen im Beitrittsgebiet
Mit der Einrichtung der Bauherrenreferate bei den Direktionen Telekom und den nachgeordneten 5 Dienststellen bei den Fernmeldeämtern wurden die Grundvoraussetzungen für die Bedarfsermittlung und die Umsetzung des Bedarfs in Objektplanungen geschaffen.
Zur Unterstützung der neuen Direktionen Telekom sind langjährig erfahrene Bauherrenberater aus den alten Bundesländern im Beitrittsgebiet eingesetzt worden, die das zügige Bereitstellen von Entwicklungsplanungen, die Klärung von Standortfragen bzw. das schnelle Bereitstellen der Auftragsunterlagen für Objektplanungen unterstützen sollen. Sie können daneben in allen Planungs- und Ausführungsphasen beratend hinzugezogen werden.
Die Neustrukturierung im Frühjahr führte zu erheblichen Problemen bei der Aufteilung des Personals und der Ressourcen und damit zu einer Erschwerung der Bauprogramme. Der Beitritt der neuen Bundesländer forderte überdurchschnittlichen Einsatz und zusätzliche Leistungen mit zum Teil vollig neuen Aufgaben.
Aktionen des Hochbaus für die dringlichsten Sofortprogramme in den neuen Bundesländern
Neben dem Programm „Turn-Key” war die Vorbereitung zahlreicher Sofortprogramme, die mehr als 2.000 Gebäude im Beitrittsgebiet erfordern, die wesentliche Aufgabe. Dabei griff die TELEKOM häufig zu unkonventionellen Arbeitsmethoden, die von den üblichen Regelungen abwichen, z.B. bei der Vergabe von Bauleistungen. Es ging auch darum, den Telekom-Hochbau in den neuen Bundesländern aufzubauen und zu unterstützen.
Diese umfangreichen und arbeitsintensiven Aufgaben wurden auf der Basis von Partnerschaften zwischen den Direktionen (Ost) und den Oberpostdirektionen (West) in reibungsloser Zusammenarbeit gelöst.
Bemerkenswerte Großbauten
Bei den begonnenen Großbauten sind einige im Berichtsjahr besonders hervorzuheben: in Steinfurt war Baubeginn für den Neu-, Um- und Erweiterungsbau des Fernmeldezeugamts (FZA). Mit den dazugehörigen Labor- und Verwaltungstrakten betragen die veranschlagten Baukosten rund 48 Millionen DM.
Architektonisch anspruchsvolle Fassade mit hochkarätiger Technik im Inneren - eine Hauptverrnittlungsstelle in Berlin.
Der in Berlin begonnene Neubau für Zentrale Dienste ist mit 40 Millionen DM veranschlagt. In Neu-Ulm war Grundsteinlegung für die Berufsbildungsstelle des Fernmeldeamts Ulm. In Dieburg für den Bibliotheksneubau der Fachhochschule der TELEKOM. Die veranschlagten Baukosten betragen für beide Bauvorhaben 27 Millionen DM. Die Fernmeldesohule München wird im Auftrag der TELEKOM in Ismaning als Mietobjekt errichtet; vorgesehene Baukosten 80 Millionen DM.
Die Oberpostdlrektion Münster, Bereich Telekom, begann mit der Bauausführung für den Neubau der mit rund 40 Millionen DM Baukosten veranschlagten Zweit-Hauptvermittlungsstelle Münster. Als Funkübertragungsstellen wurde der Bau von weiteren Fernmeldetürmen begonnen: u.a. in Cuxhaven mit 26 Millionen DM vorgesehenen Baukosten sowie in Weißenhorn mit 13 Millionen DM.
Erwähnenswert sind darüber hinaus: die Erweiterung der Fernmeldeämter in Saarbrücken (49 Millionen DM) und Dortmund-Westentor (82 Millionen DM), die Neubauten für das Fernmeldeamt Augsburg (41 Millionen DM) und das Fernmeldeamt 2 Hannover (68 Millionen DM).
Neue typisierte Fernmeldetürme der Baureihe FMT 2000
Fernmeldetürme (FMT) werden auch im Zeitalter der Satelliten- und Glasfasertechnik vor allem für den Richtfunk und die Funktelefondienste weiterhin benötigt. Der größte Teil dieser FMT sind standardisiert. Sie unterscheiden sich in Höhe, Plattformanzahl, Größe der Betriebsräume und technischen Ausstattungsvarianten.
Geänderte technische Anforderungen und qualitativ höhere Ansprüche an die Turmbauwerke machten eine neue Typenturmreihe erforderlich. Hinzu kamen Akzeptanzprobleme durch eine sensibler reagierende Öffentlichkeit. Deshalb musste eine Palette von Varianten innerhalb einer bestimmten FMT-Typenreihe entwickelt werden. Dazu veranstaltete die TELEKOM einen Ideenwettbewerb unter Technischen Hochschulen und Universitäten.
Als Ergebnis wird die alte Turmreihe FMT 8-10 durch 4 Entwürfe der neuen Baureihe FMT 208-210 mit verschiedenen Plattformvarianten ergänzt, die alte Serie FMT 14-16 durch 3 Entwürfe der neuen Baureihe FMT 214-216 erweitert.
Die neuen FMT werden nun bei Bedarf von den Oberpostdirektionen geplant und ausgeführt. Im Anschluss daran überführt das Fernmeldetechnische Zentralamt die jeweils erste Variante in eine Typenplanung.
Die ersten Türme der Baureihe FMT 208-210 entstehen im Bereich der Oberpostdirektion Münster.
Der Jahresabschluss 1990: Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung
Auszug aus dem „Anhang” zur Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung im Geschäftsbericht 1990
(1) Allgemeine Erläuterungen und Angaben zum Jahresabschluss 1990
Der Jahresabschluss beschränkt sich auf die Deutsche Bundespost TELEKOM im Bereich der alten Bundesländer; er umfasst nicht den Bereich der ehemaligen Deutschen Post. Zwar wurde mit dem Einigungsvertrag vom 3. Oktober i990 die Deutsche Post Teil der Deutschen Bundespost, aber aus abrechnungstechnischen Gründen war es nicht möglich, im Beitrittsgebiet die Unternehmensteilung durchzuführen. Rückwirkend zum 1. Juli 1990, dem Stichtag der DM-Eröffnungsbilanz, konnte dort aus banktechnischen Gründen nur die Deutsche Bundespost POSTBANK verselbstständigt werden. Die auf die Deutsche Bundespost POSTDIENST und Deutsche Bundespost TELEKOM entfallenden Unternehmensteile erstellen für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember i990 noch einen gemeinsamen Abschluss, der in den vom Direktorium der Deutschen Bundespost zu erstellenden Gesamtjahresabschluss einbezogen wird.
Der Jahresabschluss der Deutschen Bundespost TELEKOM für das Geschäftsjahr 1990 wurde gemäß § 44 Abs. 1 PostVerfG erstmals nach den handelsrechtlichen Grundsätzen aufgestellt. Bei der Aufstellung des Jahresabschlusses wurden die gemäß § 39 Abs. 2 PostVerfG erstellten und im Entwurf vorliegenden Vorschriften über die Aufstellung des Jahresabschlusses beachtet. Danach wurde der Jahresabschluss in entsprechender Anwendung der für große Kapitalgesellschaften maßgeblichen Vorschriften des Handelsgesetzbuchs unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Deutschen Bundespost aufgestellt.
Die Gliederung der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung entsprechen den Gliederungsvorschriften der §§ 266 und 275 HGB, jedoch waren wegen der Besonderheiten der Deutschen Bundespost zum Teil abweichende bzw. zusätzliche Ausweisposten und Davon-Vermerke notwendig. Sofern erforderlich, wurden die Postenbezeichnungen ihrem tatsächlichen Inhalt entsprechend angepasst. Als Vorjahreszahlen wurden in der Bilanz die Zahlen der Eröffnungsbilanz angegeben. Für die Gewinn- und Verlustrechnung, die in Form des Gesamtkostenverfahrens dargestellt wird, konnten wegen der zum 1. Januar 1990 erfolgten Unternehmensteilung keine Vorjahrszahlen angegeben werden.
Die aus der Anpassung an die handeisrechtlichen Bilanzierungsgrundsätze resultierenden Wertminderungen und zusätzlichen Risikovorsorgen, die hinsichtlich ihrer Verursachung eindeutig der Zeit vor dem 1. Januar 1990 zuzuordnen sind, wurden bereits in der Eröffnungsbilanz zulasten des Eigenkapitals und nicht im Ergebnis 199O berücksichtigt. Diese insbesondere aus Vorsichtsgründen vorgenommenen Wertkorrekturen und Rückstellungen betrugen 7,5 Milliarden DM. Ebenfalls zulasten des Eigenkapitals in der Eröffnungsbilanz ging ein Kapitaltransfer in Höhe von 350 Millionen DM zur Verstärkung der Eigenkapitalausstattung der Deutschen Bundespost POSTBANK:
(2) Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze, Währungsumrechnung
In analoger Anwendung des Art. 24 Abs. 6 EGHGB wurden beim Anlagevermögen die zum 1. Januar i990 vorgetragenen Buchwerte als ursprüngliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten angesetzt, da deren Ermittlung mit vertretbarem Aufwand nicht möglich war.
Die immateriellen Vermögensgegenstände und Sachanlagen werden zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich planmäßiger und gegebenenfalls außerplanmäßiger Abschreibungen bewertet. Die von eigenen Mitarbeitern im Rahmen von Investitionen erbrachten Leistungen werden in handelsreohtlich zulässiger Höhe aktiviert.
Die planmäßigen Abschreibungen werden linear vorgenommen. Soweit nicht die amtlichen AfA-Tabellen angewendet werden, sind die den planmäßigen Abschreibungen zugrunde liegenden Nutzungszeiten jeweils nach dem Zeitpunkt bemessen, zu dem die Vermögensgegenstände nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen voraussichtlich ausscheiden werden. Im Jahr des Zugangs und im letzten Jahr der Nutzungszeit wird je eine halbe Abschreibungsrate verrechnet.
Den planmäßigen linearen Abschreibungen liegen überwiegend folgende Nutzungsdauern zugrunde:
10-60 Jahre
Einrichtungen der Fernsprechdienste und Endeinrichtungen
Datenübermittlungseinrichtungen, Telefonnetz und ISDN-Vermittlungseinrichtungen, Übertragungseinrichtungen, Funkeinrichtungen, technische Einrichtungen für Breitbandverteilnetze
Breitbandverteilnetze, Liniennetze, Kabelkanallinien
Geräte der Fernmeldedienste, Fernmeldezeug und sonstiges
Übrige technische Anlagen und Maschinen
Außerplanmäßige Abschreibungen werden vorgenommen, soweit der Ansatz mit einem niedrigeren Wert erforderlich ist.
Geringwertige Endstelleneinrichtungen im Bereich der fernmeldetechnischen Anlagen wurden im Berichtsjahr entsprechend ihrer jeweiligen Nutzungsdauer abgeschrieben. Im Übrigen wurden geringwertige Anlagegüter im Geschäftsjahr als Aufwand gebucht; eine Umstellung auf die handelsrechtiichen Vorschriften ist vorgesehen.
Erläuterungen zur Bilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung (Auszug)
Die Zugänge betreffen bei den verbundenen Unternehmen überwiegend weitere Einzahlungen auf das Stammkapital der TKS Telepost Kabel-Service-GmbH, Bonn, der EUCOM-Gesellschaft für Telekommunikations-Mehrwertdienste, Saarbrücken, und der Deutschen Fernkabel GmbH, Berlin. Daneben wurden 5 deutsche Gesellschaften in den Städten New York, London, Tokio, Paris und Brüssel gegründet, die u.a. die Repräsentation und Akquisition für die Deutsche Bundespost TELEKOM in den entsprechenden Ländern wahrnehmen.
Bei den Beteiligungen enthalten die Zugänge den Erwerb von Anteilen an der Phonepoint Ltd., London, sowie den Erwerb von weiteren Anteilen an der Infonet Services Corporation, Los Angeles.
In den Sonstigen Ausieihungen wird im Wesentlichen ein Darlehen (690,1 Millionen DM) ausgewiesen, das die Deutsche Bundespost TELEKOM an den Unternehmensteii Telekom im Beitrittsgebiet gewährt hat. Die übrigen Ausleihungen betreffen überwiegend Darlehen zum Bau von Dienstgebäuden und Wohnheimen.
(8) Kapital
Das Kapital entspricht dem Saldo der im Rahmen der Unternehmensteiiung von der Deutschen Bundespost zum 1. Januar 1990 übernommenen Aktiva und Passiva unter Berücksichtigung der unter Abschnitt (1) dargestellten Maßnahmen.
(9) Gewinnrücklagen
Die Einstellung in die gesetzliche Rücklage (314 Millionen DM) in Höhe von 25 Prozent des Jahresüberschusses entspricht der gemäß § 42 Abs. 2 PostVerfG bestehenden Dotierungspflicht.
Darüber hinaus wurde die gemäß § 42 Abs. 3 PostVerfG zulässige Dotierung der anderen Gewinnrücklagen (470 Millionen DM) in Höhe von 50 Prozent des nach Dotierung der gesetzlichen Rücklagen verbleibenden Jahresüberschusses vorgenommen.
Die Pensionsrücksteliungen umfassen die unmittelbaren Pensionsverpflichtungen, soweit sie aus neu begründeten Anwartschaften von beamteten Mitarbeitern ab 1. Januar 1990 und aus im Jahr 1990 eingetretenen Versorgungsansprüchen aus Witwen- und Waisenrenten resultieren. Die nicht ausgewiesenen Rückstellungen für laufende Pensionen und Anwartschaften betragen 28,34 Milliarden DM.
Bei den Rückstellungen für Abiieferungen an den Bund und für Steuern handelt es sich um Grundsteuer (55,5 Millionen DM), Umsatzsteuer (39,4 Millionen DM) und Lohnsteuerrisiken (2,2 Millionen DM).
Die Sonstigen Rückstellungen berücksichtigen alle erkennbaren Risiken und ungewissen Verpflichtungen. Sie beinhalten neben Rückstellungen für Personal im Wesentlichen Risiken aus der Geschäftstätigkeit, insbesondere für unterlassene Instandhaltungsaufwendungen, drohende Verluste aus schwebenden Geschäften, Risiken aus Altlasten sowie übrige Risiken.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Deutsche Bundespost POSTBANK und Deutsche Bundespost POSTDIENST enthalten hauptsächlich Finanzschulden gegenüber der Deutschen Bundespost POSTBANK in Höhe von 27,971 Milliarden DM. Die Sonstigen Verbindlichkeiten betreffen im Wesentlichen Schuldscheindarlehen in Höhe von 6,7 Milliarden DM.
Gebühren im Fernsprechdienst
Telegrafengebühren
Gebühren und Vergütungen für technische Leistungen für Ton- und Fernsehübertragungen
Endstelleneinrichtungen
Umsatzerlöse aus Leistungen für Deutsche Bundespost POSTBANK, Deutsche Bundespost POSTDIENST und für Verbundene Unternehmen
Gebühren und Vergütungen im Funkdienst
(13) Sonstige betriebliche Erträge
Die Sonstigen betrieblichen Erträge enthalten insbesondere Erträge aus der Abgeltung für die der Deutschen Postreklame übertragenen Rechte, Erträge aus der Kostenerstattung von den Unternehmen Deutsche Bundespost POSTDIENST und Deutsche Bundespost POSTBANK sowie Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen und der Zuschreibung zu Sachanlagen.
(14) Sonstige betriebliche Aufwendungen
In den Sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind neben den Aufwendungen für Kostenerstattung an die Unternehmen Deutsche Bundespost POSTDIENST und Deutsche Bundespost POSTBANK im Wesentlichen Kosten für Miete, Pacht, Werbung, Fort- und Weiterbildung, Reisekosten, andere Personalnebenkosten sowie Buchverluste aus dem Abgang von Sachanlagen enthalten.
(15) Ablieferungen an den Bund
Die Ablieferung an den Bund in Höhe von 4,0 Milliarden DM wurde entsprechend den in § 63 Abs. 1 bis 4 PostVerfG festgelegten finanzwirtschaftlichen Übergangsbestimmungen berechnet.
(16) Finanzausgleich zwischen den Deutsche Bundespost-Unternehmen
Die Aufwendungen aus dem Finanzausgleich resultieren gemäß § 37 Abs. 3 PostVerfG zugunsten der Deutschen Bundespost POSTDIENST (1.494 Millionen DM) und der Deutschen Bundespost POSTBANK (458 Millionen DM).
(17) Vorschlag über die Verwendung des Bilanzgewinns
Nach Zuführung von 314 Millionen DM in die gesetzliche Rücklage und von 470 Millionen DM in die anderen Gewinnrücklagen aus dem Jahresüberschuss von 1.254 Millionen DM verbleibt ein Biianzgewinn von 470 Millionen DM. ...
(18) Sonstige finanzielle Verpflichtungen
Der Gesamtbetrag der sonstigen finanziellen Verpflichtungen beläuft sich auf 7,9 Milliarden DM.
(19) Mitarbeiter
Im Jahresdurchschnitt waren im Berichtsjahr bei der Deutschen Bundespost TELEKOM ca. 212.000 Mitarbeiter beschäftigt. Diese durchschnittlichen Beschäftigungszahlen setzen sich wie folgt zusammen:
(20) Bezüge des Aufsichtsrats und des Vorstands
Die Bezüge des Aufsichtsrats betrugen im Geschäftsjahr 1990 592.440 DM.
Die Bezüge der Mitglieder des Vorstands für das Geschäftsjahr 1990 betrugen 2.830.478,34 DM.

References: § 44
 § 39
 Art. 24
 § 42
 § 42
 § 63
 § 37