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Timestamp: 2020-01-29 14:00:58+00:00

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Schulordnung für die Tor- und Spinnmaschinenschulen vom 23. September 1822
Auszug aus der "Ordnung für die Thor- und Spinnmaschinenschulen" vom 23. September 1822
§1 Die Thor- und Spinnmaschinen-Schulen sind durch die Schulinspektion autorisierte Schulanstalten für die Kinder der ärmeren Einwohner in den Vorstädten und für solche Kinder, welche in den Spinnmaschinen wirklich arbeiten, daher nicht für Kinder wohlhabender Eltern vor den Thoren, als welche der öffentlichen Knaben- und Mädchenschule nicht zu entziehen sind.
§2 Über diese Thor- und Spinnmaschinen-Schulen führt die Schul-Inspektion die Oberaufsicht, die besondere Aufsicht aber Herr Archidiakonus Struve in Gemeinschaft mit Herrn Rektor Wimmer als einander hierbey coordiniret.
§3 Die Thor- und Spinnmaschinen Schullehrer werden aus den Schülern der 1. Klasse hiesiger Stadtschule genommen und nach beschehener Prüfung ihrer Tüchtigkeit durch Hernn Sup. D. Tischer als wirkliche Katecheten angestellt und werden dazu jederzeit etliche Subjekte vom Herrn Rektor präsentiret. Nur in dem Fall, daß kein taugliches Subjekt der ersten Classe sich dazu verstand, kann ein dazu fähiger Schüler der zweiten Klasse dazu angestellt werden, jedoch verbleibt E. E. Rathe unbenommen, auch andere tüchtige Subjekte als Schüler zu dergleichen Lehrern und Catecheten anzustellen
§4 Ein als Thor- oder Spinnmaschinen Schullehrer anzustellender Stadtschüler muß wenigstens 17 Jahre alt seyn, einen sittlichen und anständigen Lebenswandel führen und im Christenthume, Lesen, Schreiben und Rechnen, so viel Kenntnisse haben, daß er Kindern, selbst zum 14. Jahre, das Notwendigste in vorgedachten Lehrgegenständen zu lehren vermag
§5 Die als Thor- und Spinnmaschinen Schullehrer angestellten Schüler behalten dabei zugleich ihre Qualität als Stadtschüler und genießen als solche alle Rechte, die den hiesigen Stadtschülern zukommen, sowie sie auf der anderen Seite auch alle Pflichten eines Stadtschülers zu erfüllen haben.
§6 Jeder Thor-Schullehrer hat bloß die in dem ihm angewiesenen oder künftig angwiesen werdenden Bezirke wohnenden Kinder ärmerer Eltern sowie jeder Spinnmaschinen Schullehrer bloß die Kinder, welche als wirkliche Arbeiter in der ihm angewiesenen Spinnmaschine angestellt sind, in diesen Schulen zu lehren, und darf daher weder die Kinder wohlhabender Eltern, noch Kinder aus einem anderen Bezirke ohne besondere Erlaubnis der Schul-Inspektion in seine Thor - oder Maschinenschule aufnehmen. Ebensowenig darf ein Thor oder Spinnmaschinen Schullehrer ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis der Schul Inspektion in seiner Schule aufnehmen, welche bereits bei der öffentlichen Knaben- oder Mädchenschule eingeschrieben sind.
§7 Den Bezirk einer jeden Thorschule nach der jetzt bestehenden Abtheilung bestimmt das Verzeichnis der Thorschulen. In den Spinnmaschinenschulen dürfen die Kinder nur so lange beybehalten werden, als sie wirklich in der Maschine arbeiten: und es ist die Pflicht eines jeden Spinnmaschinen Schullehrers, den Thorschullehrern seines Bezirkes von Zeit zu Zeit von den in der Maschine in Arbeit kommenden und daraus wieder entlassenden schulfähigen Kindern in Kenntnis setzen.
I Neundörfer Thor oberen Theils
II Neundörfer Thor unteren Theils
III Straßberger Tor oberen Theils
IV Straßberger Thor unteren Theils
V Syrauer Thor
VI Hammer Thor
VII Brückner Thor oberen Theils
VIII Brückner Thor unteren Theils und Pforte
§8 Jeder Thorschullehrer hat genau darüber zu wachen, daß die in seinem Bezirke befindlichen schulfähigen Kinder irgend eine der öffentlich autorisierten Schulen besuchen und diejenigen Eltern, die ihre Kinder in keine der gleichen Schulen schicken, sind wie diejenigen Schüler oder andere Personen, welche sich untersagen, solchen Kindern seines Bezirkes Unterricht zu geben, bey der Schulinspektion anzuzeigen.
§9 Überdies hat jeder Thor- und Maschinen Schullehrerüberhaupt jedes Jahr zu Ostern und Michaelis über den Bestand, die Classification, Fähigkeiten und Schul-Versäumnisse der in seiner Schule befindlichen Kinder eine Tabelle und jeder Thorschullehrer noch eine zweite über die schulfähigen Kinder in seinem Bezirke, welche in keine öffentlich autorisierte Schule gehen, bey der Schul Inspektion einzugeben.
§10 Jeden Eltern stehet frey, ihre Kinder aus einer Thorschule herauszunehmen und in die öffentliche Stadtschule zu schicken. Jedoch kann solches bloß zu Ostern und Michaelis, keineswegs aber zu einer anderen Zeit geschehen.
§11 Der Thor oder Maschinen Schulehrer hat die ihm anvertrauten Kinder unter Anleitung des Herrn Inspektor Struve nach ihrem Alter und Vorkenntnissen nach Maasgabe des Lehr- und Stundenplanes in zwey Classen zu theilen und nach ebendiesem Maaßstabe halbjährlich zu versetzen. Täglich hat er in der Unterklasse Eine und in einer oberen Zwey fest bestimmte Stunden zu geben und darf ohne die triftigste von Herrn Inspektor Struve genehmigte Ursache keine derselben versäumen und ebenso wenig eine solche durch eine andere Person ohne Vorwissen und Genehmigung wohlbedachten Herrn Inspektors halten lassen
§12 In den ihm vorgeschriebenen Stunden hat er die im Lehrplan unter D bezeichneten Lehr Gegenstände mit jeder Klasse dem Lehrplan gemäß zu betreiben und sich einige Abweichung dahin nicht zu erlauben.
§13 Damit aber sowohl die Schul-Inspektion, als das Publicum sich von der Lehr Art der Thor und Maschinen Schullehrer, sowie von den Fortschritten der Lernenden überzeugen können, so wird alle Jahre nach Ostern eine öffentliche Prüfung mit den Thor und Spinnmaschinen Schulen Staat haben. Zu dem Ende versammeln sich die sämtlichen Kinder der Thor- und Maschinen Schulen am Freitag Nachmittags nach den öffentlichen Oster Examen der hiesigen Stadtschule in den Auditorien der 5. und 6. Klasse dieser Stadtschule, ordnen sich daselbst unter Anleitung der wohlbedachten Herrn Inspektoren und der Lehrer nach ihren Bezirken und Classen und werden sodann in Beysein der Schul Inspektion und unter Zutritt des Publikums von ihren Lehrern öffentlich geprüft.
§14 Jeder Thorschullehrer ist berechtigt, für jedes Kind in seiner Schule wöchentlich Einen Groschen Schulgeld zu fordern. Ein Mehreres zu fordern, ist aber unter keinem Vorwande erlaubt, und hat ein Jeder derselben nach Ermessen der Schul Inspektion 4-6 Kinder ganz armer Eltern entweder gegen Entrichtung der Hälfte dieses Schulgeldes oder auch ganz uentgeldlich an dem Unterricht Antheil nehmen zu lassen. Überhaupt hat kein Thor oder Spinnmaschinen Schullehrer einigen Anspruch auf Besoldung oder sonstige Emolumente aus dem öffentlichen Fond zu machen.
§15 Gegen dieses bestimmte Schulgeld hat der Thor-Schullehrer für die Schulstube Heizung und erforderlichenfals Beleuchtung aus eigenen Mitteln zu sorgen, jedoch in Hinsicht auf die Beschaffenheit aller dieser Gegenstände sich nach der Anweisung der wohlbedachten Herrn Inspektoren oder der Schul Inspektion zu richten.
§16 In allen übrigen Fällen hat sich der Thor- und Spinnmaschinen Schullehrer nach Anleitung der erneuerten Schul Ordnung für die deutschen Stadt- und Dorfschulen in den Königlich Sächsischen Landen durchaus zu verhalten und sich daher mit derselben wohl bekannt zu machen.
§17 Allen übrigen Schulen, die nicht besonders von der Schul Inspektion dazu autorisiert sind, sowie den Thor- und Spinnmaschinen Schullehrern selbst ist schlechterdings untersagt, Kindern, die nicht in die öffentliche Knaben oder Mädchen, oder in eine sonst autorisierte Schule gehen, privat Unterricht im Christentum, Lesen, Rechnen und Schreiben zu geben, und werden diejenigen, welche dagegen handeln, das erste Mal mit dreytägiger, bey wiederholter Contravention aber mit sechs oder mehrtägigen Carcer Strafe belegt, auch nach Befinden von der Schule gänzlich removieret.
§18 Die Thor- und Spinnmaschinen- Schullehrer, welche dieser Schulordnung nicht oder nicht genüglich nachkommen, haben nach Befinden Suspension oder Remotion von ihren Lehrstellen und bey sich dazu qualifizierenden Umständen selbst von der Schule zu erwarten, dagegen aber die, welche sich dabei als untadelige und gewissenhafte Lehrer bezeigen, sich nicht nur alles Schutzes, sondern auch der nachdrücklichsten Empfehlunng und Mitwirkung zu ihrer künftigen besseren Beförderunng von Seiten der Schul-Inspektion versichert zu halten.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15

§16

§17

§18