Source: https://ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&Dokumentnummer=JJT_20190723_OGH0002_009OBA00020_19K0000_000&IncludeSelf=True
Timestamp: 2020-08-06 21:56:29+00:00

Document:
RIS - Rechtssätze und Entscheidungstext 9ObA20/19k - Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)
Rechtssatz für 4Ob29/73 4Ob74/74 (4Ob75...
RS0031799
4Ob29/73; 4Ob74/74 (4Ob75/74); 4Ob71/75; 4Ob3/76; 4Ob33/76; 4Ob59/76 (4Ob60/76); 4Ob34/76; 4Ob20/77; 4Ob93/77; 4Ob63/78; 4Ob47/79; 4Ob50/79; 4Ob36/80; 5Ob591/80; 4Ob150/80; 4Ob6/82; 4Ob98/81; 4Ob100/81; 4Ob152/82; 4Ob31/84; 4Ob84/84; 4Ob21/85; 4Ob97/85; 4Ob160/85; 14Ob85/86; 14Ob155/86; 14Ob178/86; 14Ob160/86 (14Ob161/86); 14ObA27/87 (14ObA28/87); 9ObA56/87; 9ObA70/87; 9ObA22/88; 9ObA207/87; 9ObA273/88; 9ObA48/89; 9ObA141/89; 9ObA211/89 (9ObA212/89); 9ObA181/90; 9ObA162/92; 9ObA118/93; 9ObA292/93 (9ObA293/93); 9ObA190/94; 9ObA28/95; 9ObA99/95; 1Ob45/94; 9ObA2059/96a; 9ObA20/97z; 9ObA26/97g; 9ObA33/97m; 9ObA236/97i; 9ObA381/97p; 8ObA380/97h; 9ObA61/98f; 8ObA240/98x; 8ObA78/99z; 9ObA23/99v; 9ObA156/99b; 9ObA185/00x; 9ObA275/00g; 9ObA304/00x; 8ObA49/01s; 8ObA30/03z; 9ObA112/05v; 9ObA99/05g; 9ObA69/07y; 9ObA67/08f; 9ObA80/08t; 9ObA128/08a; 9ObA140/08s; 8ObA46/09m; 8ObA14/11h; 8ObA36/11v; 9ObA35/12f; 9ObA26/13h; 9ObA27/15h; 9ObA50/15s; 9ObA79/15f; 9ObA119/16i; 9ObA26/17i; 9ObA106/17d; 8ObA17/18k; 9ObA67/18w; 8ObA1/19h; 9ObA20/19k; 8ObA38/19z
ABGB §1162 IIIA
AngG §27 C1
AngG §27 C5
Gründe für die vorzeitige Lösung eines Dienstverhältnisses sind bei sonstiger Verwirkung des Entlassungsrechtes unverzüglich, dass heißt ohne schuldhaftes Zögern, geltend zu machen. Der Dienstgeber darf mit der Ausübung seines Entlassungsrechtes nicht wider Treu und Glauben so lange warten, dass der Angestellte aus diesem Zögern auf einen Verzicht des Dienstgebers auf die Geltendmachung der Entlassungsgründe schließen muss; der Dienstnehmer, dem ein pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen wird, soll darüber hinaus nicht ungebührlich lange über sein weiteres dienstrechtliches Schicksal im unklaren gelassen werden (SZ 24/280; Arb 8047 uva).
4 Ob 29/73
Entscheidungstext OGH 03.04.1973 4 Ob 29/73
Veröff: Arb 9091
4 Ob 74/74
Entscheidungstext OGH 14.01.1975 4 Ob 74/74
4 Ob 71/75
Entscheidungstext OGH 13.01.1976 4 Ob 71/75
nur: Der Dienstgeber darf mit der Ausübung seines Entlassungsrechtes nicht wider Treu und Glauben so lange warten, dass der Angestellte aus diesem Zögern auf einen Verzicht des Dienstgebers auf die Geltendmachung der Entlassungsgründe schließen muss. (T1)
Veröff: IndS 1977 H6,1069 = ZAS 1978/3 S 50 (zustimmend Winkler)
4 Ob 3/76
Entscheidungstext OGH 02.03.1976 4 Ob 3/76
4 Ob 33/76
Entscheidungstext OGH 11.05.1976 4 Ob 33/76
nur: Der Dienstgeber darf mit der Ausübung seines Entlassungsrechtes nicht wider Treu und Glauben so lange warten, dass der Angestellte aus diesem Zögern auf einen Verzicht des Dienstgebers auf die Geltendmachung der Entlassungsgründe schließen muss; der Dienstnehmer, dem ein pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen wird, soll darüber hinaus nicht ungebührlich lange über sein weiteres dienstrechtliches Schicksal im unklaren gelassen werden (SZ 24/280; Arb 8047 uva). (T2)
4 Ob 59/76
Entscheidungstext OGH 13.07.1976 4 Ob 59/76
nur T1; Veröff: Arb 9492 = IndS 1977 H2,1028 = Arb 9492
4 Ob 34/76
Entscheidungstext OGH 13.07.1976 4 Ob 34/76
4 Ob 20/77
Entscheidungstext OGH 22.03.1977 4 Ob 20/77
nur T1; Veröff: IndS 1978 H1,1079 = Arb 9564
4 Ob 93/77
Entscheidungstext OGH 06.09.1977 4 Ob 93/77
nur: Gründe für die vorzeitige Lösung eines Dienstverhältnisses sind bei sonstiger Verwirkung des Entlassungsrechtes unverzüglich, dass heißt ohne schuldhaftes Zögern, geltend zu machen. (T3)
Beis wie T1; Veröff: IndS 1978 H3,1103 = Arb 9606
4 Ob 47/79
Entscheidungstext OGH 04.03.1980 4 Ob 47/79
Auch; Beisatz: Der Ausspruch der Entlassung duldet nur bei offenkundigen Entlassungstatbeständen keinen Aufschub, soll nicht aus dem Zögern des Arbeitgebers ein schlüssiger Verzicht auf das Entlassungsrecht abgeleitet werden (Dr Salzer rauschgiftsüchtiger Minderjähriger). (T4)
4 Ob 50/79
Entscheidungstext OGH 04.03.1980 4 Ob 50/79
Veröff: JBl 1981,161
4 Ob 36/80
Entscheidungstext OGH 04.03.1980 4 Ob 36/80
5 Ob 591/80
Entscheidungstext OGH 16.09.1980 5 Ob 591/80
nur T1; nur T3
4 Ob 150/80
Entscheidungstext OGH 17.03.1981 4 Ob 150/80
4 Ob 6/82
Entscheidungstext OGH 16.03.1982 4 Ob 6/82
4 Ob 98/81
Entscheidungstext OGH 30.03.1982 4 Ob 98/81
nur T3; nur T1; Beis wie T4; Beisatz: Die Unterlassung der sofortigen Geltendmachung eines Entlassungsgrundes führt insbesondere dann nicht zur Verwirkung des Entlassungsrechtes, wenn das Zögern des Arbeitgebers in der Sachlage begründet war (Arb 6144, Arb 6859, Arb 9424 ua). (T5)
Veröff: DRdA 1984,233 (Apathy)
4 Ob 100/81
Entscheidungstext OGH 04.05.1982 4 Ob 100/81
nur T3; nur T2; Veröff: Arb 10107
4 Ob 152/82
Entscheidungstext OGH 25.01.1983 4 Ob 152/82
Beisatz: Rücksprache mit Rechtsanwalt (T6)
4 Ob 31/84
Entscheidungstext OGH 03.04.1984 4 Ob 31/84
nur T3; nur T1
4 Ob 84/84
Entscheidungstext OGH 25.09.1984 4 Ob 84/84
Veröff: RdW 1985,255
4 Ob 21/85
Entscheidungstext OGH 26.02.1985 4 Ob 21/85
Auch; Veröff: Arb 10445
4 Ob 97/85
Entscheidungstext OGH 10.09.1985 4 Ob 97/85
Beisatz: Das Entlassungsrecht geht jedoch nicht verloren, wenn der Arbeitgeber etwas zuwartet, um dem Angestellten die Möglichkeit zu geben, einen gesetzten Entlassungsgrund zu beseitigen. Der Grundsatz der unverzüglichen Geltendmachung darf jedoch nicht überspitzt werden. (T7)
4 Ob 160/85
Entscheidungstext OGH 10.12.1985 4 Ob 160/85
nur T3; nur T1; Beisatz: Auch eine Rechtsauskunft muss unverzüglich eingeholt werden. Dass dem Arbeitgeber zunächst die Reaktion des Kreditgebers nicht bekannt war, rechtfertigt ein Zuwarten mit der Entlassung ohne einen entsprechenden Vorbehalt nicht. (T8)
14 Ob 85/86
Entscheidungstext OGH 03.06.1986 14 Ob 85/86
nur: Der Dienstnehmer, dem ein pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen wird, soll darüber hinaus nicht ungebührlich lange über sein weiteres dienstrechtliches Schicksal im unklaren gelassen werden (SZ 24/280; Arb 8047 uva). (T9)
Beisatz: Hier: Kündigung eines Hausbesorgers (§ 18 Abs 6 HBG). (T10)
Veröff: Arb 10530
14 Ob 155/86
Entscheidungstext OGH 21.10.1986 14 Ob 155/86
Vgl auch; Beisatz: Das Entlassungsrecht des Arbeitgebers kann unter bestimmten Umständen auch unabhängig vom Willen des Arbeitgebers und von dessen Kenntnis vom Entlassungsgrund untergehen. (T11)
Veröff: SZ 59/178
14 Ob 178/86
Entscheidungstext OGH 04.11.1986 14 Ob 178/86
Beisatz: Diesem Grundsatz liegt der Gedanke zugrunde, dass ein Dienstgeber, der eine ihm bekannt gewordene Verfehlung des Dienstnehmers nicht unverzüglich mit der Entlassung beantwortet, die Weiterbeschäftigung dieses Dienstnehmers offenbar nicht als unzumutbar ansieht. (T12)
14 Ob 160/86
Entscheidungstext OGH 21.10.1986 14 Ob 160/86
Auch; nur T3; nur T1; Beisatz: Daran ändern die für alle Arten von Disziplinarstrafen und nicht bloß für Entlassungen geltenden Verjährungsbestimmungen nichts. (T13)
14 ObA 27/87
Entscheidungstext OGH 10.03.1987 14 ObA 27/87
Auch; nur T3; nur T1
9 ObA 56/87
Entscheidungstext OGH 15.07.1987 9 ObA 56/87
9 ObA 70/87
Entscheidungstext OGH 02.09.1987 9 ObA 70/87
nur T9; Beisatz: § 48 ASGG (T14)
9 ObA 22/88
Entscheidungstext OGH 16.03.1988 9 ObA 22/88
9 ObA 273/88
Entscheidungstext OGH 16.11.1988 9 ObA 273/88
9 ObA 48/89
Entscheidungstext OGH 15.03.1989 9 ObA 48/89
9 ObA 141/89
Entscheidungstext OGH 24.05.1989 9 ObA 141/89
9 ObA 211/89
Entscheidungstext OGH 30.08.1989 9 ObA 211/89
Auch; Beis wie T4; Beis wie T14; Beisatz: Der Grundsatz der Unverzüglichkeit beruht auf dem Gedanken, dass ein Arbeitgeber, der eine Verfehlung seines Arbeitnehmers nicht sofort mit der Entlassung beantwortet, dessen Weiterbeschäftigung nicht als unzumutbar ansieht und auf die Ausübung des Entlassungsrechtes im konkreten Fall verzichtet. (T15)
9 ObA 181/90
Entscheidungstext OGH 12.09.1990 9 ObA 181/90
Vgl auch; Beis wie T15; Beis wie T13
9 ObA 162/92
Entscheidungstext OGH 02.09.1992 9 ObA 162/92
9 ObA 118/93
Entscheidungstext OGH 09.06.1993 9 ObA 118/93
9 ObA 292/93
Entscheidungstext OGH 26.01.1994 9 ObA 292/93
nur T3; Beis wie T12; Beis wie T14
9 ObA 190/94
Entscheidungstext OGH 28.09.1994 9 ObA 190/94
Auch; nur T3; nur T9; Beis wie T14
9 ObA 28/95
Entscheidungstext OGH 29.03.1995 9 ObA 28/95
9 ObA 99/95
Entscheidungstext OGH 23.08.1995 9 ObA 99/95
Auch; Beisatz: Durch die vorherige Durchführung eines kollektivvertraglich vorgesehenen Disziplinarverfahrens kann nicht auf einen Verzicht des Arbeitgebers geschlossen werden. (T16)
Veröff: SZ 68/140
1 Ob 45/94
Entscheidungstext OGH 17.10.1995 1 Ob 45/94
9 ObA 2059/96a
Entscheidungstext OGH 29.05.1996 9 ObA 2059/96a
Vgl auch; Beis wie T15; Beis wie T14; Beisatz: Bei einem Dauerverhalten des Arbeitnehmers ist auch zu beachten, ob mit der Dauer des Zustandes auch das Ausmaß der Unzumutbarkeit der Weiterbeschäftigung zunimmt. Dem Untätigsein des Arbeitgebers entspricht auf der Seite des Arbeitnehmers der Umstand, ob die Vertrauensposition, dass der Arbeitgeber in Kenntnis des Entlassungsgrundes keine Konsequenzen zieht (9 ObA 84/94) besonders schützenswert ist. Es müssen besonders schützenwerte Interessen des Arbeitnehmers gegeben sein, die sein Klarstellungsinteresse gegenüber dem Auflösungsinteresse des Arbeitgebers höherwertig erscheinen lassen. (T17)
9 ObA 20/97z
Entscheidungstext OGH 12.02.1997 9 ObA 20/97z
9 ObA 26/97g
Entscheidungstext OGH 09.04.1997 9 ObA 26/97g
Auch; Beis wie T17 nur: Bei einem Dauerverhalten des Arbeitnehmers ist auch zu beachten, ob mit der Dauer des Zustandes auch das Ausmaß der Unzumutbarkeit der Weiterbeschäftigung zunimmt. (T18)
9 ObA 33/97m
Entscheidungstext OGH 30.04.1997 9 ObA 33/97m
9 ObA 236/97i
Entscheidungstext OGH 27.08.1997 9 ObA 236/97i
9 ObA 381/97p
Entscheidungstext OGH 17.12.1997 9 ObA 381/97p
Vgl auch; Beis wie T5; Beisatz: Das Verstreichen von 1 Monat schadet in Anbetracht von Unternehmensstruktur (Holding in Großbritannien) und Urlaubszeit nicht. (T19)
8 ObA 380/97h
Entscheidungstext OGH 22.12.1997 8 ObA 380/97h
Vgl auch; Beis wie T18; Beisatz: Bei der Prüfung der Unverzüglichkeit ist den Erfordernissen des Wirtschaftslebens und den Betriebsverhältnissen Rechnung zu tragen. (T20)
9 ObA 61/98f
Entscheidungstext OGH 01.04.1998 9 ObA 61/98f
Auch; nur T1; nur T3
8 ObA 240/98x
Entscheidungstext OGH 18.03.1999 8 ObA 240/98x
Auch; nur T3; Beis wie T20
8 ObA 78/99z
Entscheidungstext OGH 18.05.1999 8 ObA 78/99z
Vgl auch; Beisatz: Ist der Sachverhalt bereits für den Dienstgeber zum Zeitpunkt der Entlassung klar gewesen, verkürzt sich die Frist zur Klagseinbringung (nachträgliche Zustimmung zur Entlassung einer schwangeren Dienstnehmerin) um den Zeitraum, der sonst dem Arbeitgeber für die Ermittlung des Sachverhalts und Einholung einer Rechtsauskunft zugebilligt wird (Frist von 14 Tagen zu lange). (T21)
9 ObA 23/99v
Entscheidungstext OGH 19.05.1999 9 ObA 23/99v
Auch; nur T3; Beisatz: Die Rechtsnatur dieses Erfordernisses der Unverzüglichkeit ist eine den die Entlassung aussprechenden Arbeitgeber belastende Aufgriffsobliegenheit, deren Verletzung zum Untergang des Entlassungsrechts im konkreten Fall ohne Rücksicht darauf führt, ob die Entlassung ansonsten gerechtfertigt ist oder nicht. (T22)
9 ObA 156/99b
Entscheidungstext OGH 13.10.1999 9 ObA 156/99b
Vgl; nur T3; Beis wie T22
9 ObA 185/00x
Entscheidungstext OGH 20.09.2000 9 ObA 185/00x
Vgl auch; nur T1; Beis wie T22
9 ObA 275/00g
Entscheidungstext OGH 06.12.2000 9 ObA 275/00g
9 ObA 304/00x
Entscheidungstext OGH 28.02.2001 9 ObA 304/00x
Auch; nur T1; Beis wie T16; Beisatz: Hier: Unverzügliche Einleitung eines Disziplinarverfahrens gemäß der als autonome Satzung geltenden Dienst-Ordnung, Bezugs-Ordnung und Pensions-Ordnung für die Bediensteten der Kammern für Arbeiter und Angestellte Österreichs (DBPO). (T23)
8 ObA 49/01s
Entscheidungstext OGH 30.08.2001 8 ObA 49/01s
Beis wie T5; Beis wie T22; Beisatz: Interne Streitigkeiten zwischen den Geschäftsführern rechtfertigen nicht, dass der Arbeitnehmer, dem ein pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen wird, übergebührlich lange über sein weiteres Schicksal im unklaren gelassen wird. (T24)
8 ObA 30/03z
Entscheidungstext OGH 18.12.2003 8 ObA 30/03z
9 ObA 112/05v
Entscheidungstext OGH 03.08.2005 9 ObA 112/05v
nur T3; Beis wie T15; Beis wie T22
9 ObA 99/05g
Entscheidungstext OGH 03.08.2005 9 ObA 99/05g
Auch; nur T1; nur T3; Beis wie T15, Beisatz: Entscheidend dabei ist nun vor allem der Verständnishorizont des betroffenen Dienstnehmers. Für diesen muss das Verhalten des Dienstgebers gerechtfertigten Grund zur Annahme geben, dieser verzichte auf die Geltendmachung der Entlassungsgründe, was dann regelmäßig nicht zutrifft, wenn das Zögern sachlich begründet ist und der Dienstgeber durch sein Verhalten nicht den Eindruck erweckt, er werde den Entlassungsgrund nicht wahrnehmen. (T25)
Auch; nur T1; nur T9
9 ObA 67/08f
Entscheidungstext OGH 05.06.2008 9 ObA 67/08f
9 ObA 80/08t
Entscheidungstext OGH 09.07.2008 9 ObA 80/08t
9 ObA 128/08a
Entscheidungstext OGH 29.10.2008 9 ObA 128/08a
Auch; nur T3; Beisatz: Auch für die Beendigung des Dienstverhältnisses eines dem Vorarlberger Gemeindebedienstetengesetz 1988 unterliegenden Gemeindeangestellten durch den Dienstgeber gilt der arbeitsrechtliche Unverzüglichkeitsgrundsatz. (T26)
9 ObA 140/08s
Entscheidungstext OGH 24.02.2009 9 ObA 140/08s
8 ObA 46/09m
Entscheidungstext OGH 21.12.2009 8 ObA 46/09m
Vgl auch; Beis wie T20; Beisatz: Als entscheidend wird auch angesehen, ob für den Angestellten das Verhalten des Dienstgebers gerechtfertigten Grund zur Annahme gibt, dieser verzichte auf die Geltendmachung der Entlassungsgründe. (T27)
Beisatz: Maßgeblich bei der Prüfung der Unverzüglichkeit der Entlassung sind die Umstände des Einzelfalls. (T28)
8 ObA 14/11h
Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 ObA 14/11h
8 ObA 36/11v
Entscheidungstext OGH 25.05.2011 8 ObA 36/11v
Vgl auch; Beis wie T28
9 ObA 35/12f
Entscheidungstext OGH 29.05.2012 9 ObA 35/12f
9 ObA 50/15s
Entscheidungstext OGH 28.05.2015 9 ObA 50/15s
Vgl auch; Beis wie T17; Beis wie T18; Beisatz: Hier: Vorzeitige Auflösung des Lehrverhältnisses durch den Lehrling. (T29)
9 ObA 79/15f
Entscheidungstext OGH 28.10.2015 9 ObA 79/15f
9 ObA 119/16i
Entscheidungstext OGH 28.10.2016 9 ObA 119/16i
9 ObA 26/17i
Entscheidungstext OGH 20.04.2017 9 ObA 26/17i
9 ObA 106/17d
Entscheidungstext OGH 30.10.2017 9 ObA 106/17d
8 ObA 17/18k
Entscheidungstext OGH 27.04.2018 8 ObA 17/18k
9 ObA 67/18w
Entscheidungstext OGH 30.08.2018 9 ObA 67/18w
8 ObA 1/19h
Entscheidungstext OGH 29.04.2019 8 ObA 1/19h
Auch; Beis wie T28; Beis wie T27
9 ObA 20/19k
Entscheidungstext OGH 23.07.2019 9 ObA 20/19k
Beisatz: Entlassung fast ein Jahr nach Dienstfreistellung verfristet. (T30)
8 ObA 38/19z
Entscheidungstext OGH 24.07.2019 8 ObA 38/19z
Zumutbarkeit, Unzumutbarkeit, Weiterbeschäftigung, Verspätung, Verfristung, Ende, Beendigung, Arbeitsverhältnis, vorzeitige Auflösung, Ausbesserung, Beseitigung, Anwalt, Erklärung, Ausspruch, Entlassungsgrund
ECLI:AT:OGH0002:1973:RS0031799
JJR_19730403_OGH0002_0040OB00029_7300000_002
Rechtssatz für 4Ob20/77 4Ob50/79 4Ob98...
RS0028987
4Ob20/77; 4Ob50/79; 4Ob98/81; 4Ob179/85; 9ObA138/91 (9ObA139/91); 9ObA180/92; 9ObA28/95; 9ObA150/95; 8ObA209/96; 9ObA18/99h; 9ObA185/00x; 8ObA136/00h; 9ObA304/00x; 9ObA161/08d; 8ObA53/10t; 9ObA148/13z; 9ObA27/15h; 8ObA14/16s; 9ObA20/19k; 8ObA24/20t
Vorläufige Maßnahmen, etwa die bis zur Klärung der tatsächlichen oder rechtlichen Lage vorgenommene Suspendierung eines Arbeitnehmers, können die Annahme eines Verzichtes des Arbeitgebers auf die Ausübung des Entlassungsrechtes verhindern.
Veröff: Arb 9563 = IndS 1978 1,1079
Ähnlich; Beisatz: Versetzung in eine andere Filiale. (T1)
4 Ob 179/85
Entscheidungstext OGH 18.02.1986 4 Ob 179/85
Auch; Beisatz: Hier: Mündliche Bekanntgabe der Kündigung bei nachfolgender Einhaltung der Schriftform. (T2)
9 ObA 138/91
Entscheidungstext OGH 06.11.1991 9 ObA 138/91
Vgl auch; Beisatz: Hier: Vorbehalt weiterer rechtlicher Schritte neben der Androhung strafrechtlicher. (T3)
9 ObA 180/92
Entscheidungstext OGH 02.09.1992 9 ObA 180/92
Auch; Beisatz: Hier: nö GdVBG (T4)
Beisatz: § 48 ASGG (T5)
9 ObA 150/95
Entscheidungstext OGH 25.10.1995 9 ObA 150/95
8 ObA 209/96
Entscheidungstext OGH 08.02.1996 8 ObA 209/96
9 ObA 18/99h
Entscheidungstext OGH 05.05.1999 9 ObA 18/99h
Vgl auch; Beisatz: Hier jedoch erfolgte die Dienstfreistellung nicht zur Klärung der tatsächlichen oder rechtlichen Voraussetzungen für einen Entlassungsausspruch und war daher auch nicht als vorläufige Maßnahme zur Vorbereitung einer Entlassung erkennbar. (T6)
8 ObA 136/00h
Entscheidungstext OGH 05.10.2000 8 ObA 136/00h
Auch; Beisatz: Hier: Einleitung eines Disziplinarverfahrens und Suspendierung. (T7)
9 ObA 161/08d
Entscheidungstext OGH 25.11.2008 9 ObA 161/08d
Vgl; Beisatz: Hier: Mitteilung der Vorgesetzten, dass sie dienstrechtliche Konsequenzen fordern werde. (T8)
9 ObA 148/13z
Entscheidungstext OGH 19.12.2013 9 ObA 148/13z
8 ObA 14/16s
Entscheidungstext OGH 29.03.2016 8 ObA 14/16s
Beisatz: Entlassung fast ein Jahr nach Dienstfreistellung verfristet. (T9)
8 ObA 24/20t
Entscheidungstext OGH 24.04.2020 8 ObA 24/20t
Beisatz: Hier: Suspendierung der Klägerin und Entlassung drei Tage später nach Einholung eines strafrechtlichen Gutachtens und Besprechung mit den Eigentümervertretern nach Prüfung aller Vorgänge rechtzeitig. (T10)
Angestellte, Verschweigung, Verwirkung, Verlust, Freistellung, gesetzlicher Entlassungsgrund, Ende, Beendigung, Dienstverhältnis, Arbeitsverhältnis, vorzeitige Auflösung, wichtiger Grund, Unverzüglichkeit, Enthebung, Rechtzeitigkeit, Verfristung
ECLI:AT:OGH0002:1977:RS0028987
JJR_19770322_OGH0002_0040OB00020_7700000_001
Rechtssatz für 14ObA27/87 (14ObA28/87)...
RS0029267
14ObA27/87 (14ObA28/87); 9ObA333/00m; 9ObA98/06m; 9ObA66/15v; 9ObA20/19k
ABGB §863 GIV
AngG §27 C2
Bei der Prüfung der Rechtzeitigkeit einer Entlassung ist zu untersuchen, ob in dem Zuwarten mit der Entlassung ein Verzicht auf die Geltendmachung des Entlassungsgrundes zu erblicken ist oder ob dieses Zuwarten in Umständen begründet ist, welche die Annahme eines solchen Verzichts nicht rechtfertigen. Es muss daher die Ursache des zwischen der Kenntnis vom Entlassungsgrund und dem Ausspruch der Entlassung liegenden Zuwartens des Arbeitgebers im Einzelfall geklärt werden (hier: kein Verzicht bei Abwarten bis zur Feststellung des Blutalkoholwertes durch die Verwaltungsbehörde bei gleichzeitiger Suspendierung des Arbeitnehmers).
9 ObA 333/00m
Entscheidungstext OGH 14.02.2001 9 ObA 333/00m
nur: Bei der Prüfung der Rechtzeitigkeit einer Entlassung ist zu untersuchen, ob in dem Zuwarten mit der Entlassung ein Verzicht auf die Geltendmachung des Entlassungsgrundes zu erblicken ist oder ob dieses Zuwarten in Umständen begründet ist, welche die Annahme eines solchen Verzichts nicht rechtfertigen. (T1)
9 ObA 98/06m
Entscheidungstext OGH 18.10.2006 9 ObA 98/06m
9 ObA 66/15v
Entscheidungstext OGH 24.06.2015 9 ObA 66/15v
Beisatz: Entlassung fast ein Jahr nach Dienstfreistellung verfristet. (T2)
Angestellte, Enthebung, Freistellung, Verschweigen, konkludent, schlüssig, Verlust, Untergang, Entlassungsrecht, Erklärung, Zeitpunkt, Verfristung, Verspätung, Verschweigung, Verwirkung, wichtiger Grund, vorzeitige Auflösung, Ende, Beendigung, Dienstverhältnis, Arbeitsverhältnis, Blutuntersuchung
ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0029267
JJR_19870310_OGH0002_014OBA00027_8700000_001
Rechtssatz für 9ObA74/88 9ObA333/89 9O...
RS0029457
9ObA74/88; 9ObA333/89; 9ObA67/90; 9ObA73/93; 9ObA103/93; 8ObA202/94; 9ObA102/94; 9ObA228/94; 9ObA33/98p; 9ObA329/99v; 9ObA193/00y; 9ObA208/01f; 9ObA1/03t; 9ObA133/03d; 9ObA104/04s; 8ObA125/04x; 9ObA132/15z; 9ObA95/18p; 9ObA20/19k
AngG §27 Z4 E4a
ArbVG §105
ArbVG §106
Die Anfechtung der Entlassung, die mit Rechtsgestaltungsbegehren zu erfolgen hat, setzt gemäß § 106 Abs 2 ArbVG voraus, dass ein Anfechtungsgrund im Sinne des § 105 Abs 3 ArbVG vorliegt und die Entlassung ungerechtfertigt ist.
9 ObA 74/88
Entscheidungstext OGH 27.04.1988 9 ObA 74/88
Veröff: RdW 1989,30
9 ObA 333/89
Entscheidungstext OGH 06.12.1989 9 ObA 333/89
9 ObA 67/90
Entscheidungstext OGH 25.04.1990 9 ObA 67/90
Vgl auch; Zweiter Rechtsgang zu 9 Ob A 74/88; Beisatz: Auch eine ungerechtfertigte Entlassung beendet mangels Sozialwidrigkeit das Arbeitsverhältnis. (T1)
Veröff: SZ 63/68 = RdW 1991,23 = WBl 1990,273
9 ObA 73/93
Entscheidungstext OGH 14.04.1993 9 ObA 73/93
nur: Die Anfechtung der Entlassung, die mit Rechtsgestaltungsbegehren zu erfolgen hat. (T2)
Beisatz: Das Gericht hat die Entlassung nach erfolgreicher Anfechtung als rechtsunwirksam aufzuheben. (T3)
Veröff: SozArb 1994 H2,13 = WBl 1993,294 = RdW 1993,341
9 ObA 103/93
Entscheidungstext OGH 02.07.1993 9 ObA 103/93
nur T2; Beisatz: Hier: Kündigung (T4)
8 ObA 202/94
Entscheidungstext OGH 19.05.1994 8 ObA 202/94
9 ObA 102/94
Entscheidungstext OGH 14.09.1994 9 ObA 102/94
9 ObA 228/94
Entscheidungstext OGH 30.11.1994 9 ObA 228/94
9 ObA 33/98p
Entscheidungstext OGH 25.02.1998 9 ObA 33/98p
Auch; Beisatz: Hier: Entlassungsvorwurf ist nicht objektiviert. (T6)
9 ObA 329/99v
Entscheidungstext OGH 26.01.2000 9 ObA 329/99v
9 ObA 193/00y
Entscheidungstext OGH 18.10.2000 9 ObA 193/00y
Vgl auch; Beisatz: Wird das Vorliegen eines Entlassungsgrundes verneint, hat das Verfahren nach denselben Grundsätzen und mit denselben Beurteilungskriterien stattzufinden wie bei einer Kündigungsanfechtung. (T7)
9 ObA 208/01f
Entscheidungstext OGH 19.09.2001 9 ObA 208/01f
Auch; Beis wie T7; Beisatz: Das betriebliche Vorverfahren nach § 105 Abs 1 und 2 ArbVG ist nicht anzuwenden. (T8)
9 ObA 1/03t
Entscheidungstext OGH 21.05.2003 9 ObA 1/03t
9 ObA 133/03d
Entscheidungstext OGH 05.05.2004 9 ObA 133/03d
Auch; nur T2; Beisatz: Eine im Sinne des § 106 Abs 2 iVm § 105 Abs 3 ArbVG anfechtbare Entlassung wird grundsätzlich wirksam. Erst ein der Anfechtungsklage stattgebendes Rechtsgestaltungsurteil beseitigt rückwirkend die Wirksamkeit einer solchen Entlassung. (T9)
9 ObA 104/04s
Entscheidungstext OGH 13.10.2004 9 ObA 104/04s
Beis wie T1; Beisatz: Die genannten Voraussetzungen müssen somit kumulativ vorliegen. Bereits das Fehlen einer der beiden Voraussetzungen führt zur Klageabweisung. (T10)
8 ObA 125/04x
Entscheidungstext OGH 17.03.2005 8 ObA 125/04x
9 ObA 132/15z
Entscheidungstext OGH 26.11.2015 9 ObA 132/15z
9 ObA 95/18p
Entscheidungstext OGH 27.09.2018 9 ObA 95/18p
Beisatz: Hier: Entlassungsanfechtung bei verfristeter Entlassung. (T11)
Angestellte, Wirksamkeit, Wirkung, Unwirksamkeit, Entlassungsgrund, wichtiger Grund, vorzeitige Auflösung, Ende, Beendigung, Dienstverhältnis, besonderer Kündigungsschutz, Entlassungsschutz, Pflichtenvernachlässigung
ECLI:AT:OGH0002:1988:RS0029457
JJR_19880427_OGH0002_009OBA00074_8800000_002
Rechtssatz für 9ObA181/90 9ObA282/92 9...
RS0029249
9ObA181/90; 9ObA282/92; 9ObA126/93; 9ObA48/94; 9ObA28/95; 9ObA2148/96i; 9ObA197/97d; 9ObA186/98p; 9ObA156/99b; 9ObA212/00t; 9ObA245/00w; 9ObA333/00m; 9ObA15/01y; 9ObA163/01p; 8ObA100/01s; 9ObA30/02f; 8ObA133/02w; 9ObA55/03h; 8ObA96/03f; 9ObA112/05v; 9ObA29/05p; 9ObA110/05z; 8ObA59/06v; 9ObA122/06s; 9ObA28/07v; 9ObA80/08t; 9ObA140/08s; 9ObA3/08v; 9ObA57/09m; 8ObA46/09m; 4Ob198/13s; 4Ob16/14b; 9ObA129/14g; 9ObA17/15p; 9ObA154/14h; 9ObA27/15h; 9ObA50/15s; 9ObA79/15f; 9ObA160/15t; 8ObA14/16s; 8ObA48/16s; 9ObA111/15m; 8ObA49/17i; 9ObA54/18h; 8ObA57/18t; 9ObA20/19k; 8ObA38/19z
Der Grundsatz, dass die Entlassung unverzüglich auszusprechen ist, beruht auf dem Gedanken, dass ein Arbeitgeber, der eine Verfehlung seines Arbeitnehmers nicht sofort mit der Entlassung beantwortet, dessen Weiterbeschäftigung nicht als unzumutbar ansieht und auf die Ausübung des Entlassungsrechtes im konkreten Fall verzichtet. Andererseits kann nicht aus jeder Verzögerung - etwa im Falle einer Geschäftsreise des allein zum Ausspruch der Entlassung zuständigen Geschäftsführers - auf den Verzicht des Arbeitgebers auf die Ausübung des Entlassungsrechtes geschlossen werden. Es ist daher Sache des Arbeitnehmers, einen derartigen Verzicht des Arbeitgebers auf das Entlassungsrecht zumindest implicite zu behaupten. Die bloße Anführung der Daten der Begehung des Entlassungsgrundes und des Ausspruches der Entlassung genügen hiefür nicht.
9 ObA 282/92
Entscheidungstext OGH 13.01.1993 9 ObA 282/92
nur: Es ist daher Sache des Arbeitnehmers, einen derartigen Verzicht des Arbeitgebers auf das Entlassungsrecht zumindest implicite zu behaupten. (T1)
9 ObA 126/93
Entscheidungstext OGH 23.06.1993 9 ObA 126/93
nur: Der Grundsatz, dass die Entlassung unverzüglich auszusprechen ist, beruht auf dem Gedanken, dass ein Arbeitgeber, der eine Verfehlung seines Arbeitnehmers nicht sofort mit der Entlassung beantwortet, dessen Weiterbeschäftigung nicht als unzumutbar ansieht und auf die Ausübung des Entlassungsrechtes im konkreten Fall verzichtet. (T2)
9 ObA 48/94
Entscheidungstext OGH 16.03.1994 9 ObA 48/94
Auch; nur T2; Beisatz: § 48 ASGG (T3)
9 ObA 2148/96i
Entscheidungstext OGH 25.09.1996 9 ObA 2148/96i
Vgl auch; nur T1; Beis wie T3
9 ObA 197/97d
Entscheidungstext OGH 27.08.1997 9 ObA 197/97d
9 ObA 186/98p
Entscheidungstext OGH 07.10.1998 9 ObA 186/98p
nur: Es ist daher Sache des Arbeitnehmers, einen derartigen Verzicht des Arbeitgebers auf das Entlassungsrecht zumindest implicite zu behaupten. Die bloße Anführung der Daten der Begehung des Entlassungsgrundes und des Ausspruches der Entlassung genügen hiefür nicht. (T4)
Beisatz: Der Arbeitnehmer ist für alle für den Untergang des Entlassungsrechts maßgeblichen Umstände behauptungspflichtig und beweispflichtig. Die Rechtzeitigkeit der Entlassung ist daher nicht von Amts wegen wahrzunehmen. (T5)
9 ObA 212/00t
Entscheidungstext OGH 06.09.2000 9 ObA 212/00t
Vgl auch; Beisatz: Die Prüfung der Rechtzeitigkeit der Entlassung hat nur über Einwand des Arbeitnehmers zu erfolgen. (T6)
9 ObA 245/00w
Entscheidungstext OGH 20.12.2000 9 ObA 245/00w
nur: Andererseits kann nicht aus jeder Verzögerung - etwa im Falle einer Geschäftsreise des allein zum Ausspruch der Entlassung zuständigen Geschäftsführers - auf den Verzicht des Arbeitgebers auf die Ausübung des Entlassungsrechtes geschlossen werden. (T7)
9 ObA 15/01y
Entscheidungstext OGH 14.03.2001 9 ObA 15/01y
nur T4; Beis wie T5
9 ObA 163/01p
Entscheidungstext OGH 11.07.2001 9 ObA 163/01p
nur T2; nur T4; Beis wie T5
8 ObA 100/01s
Entscheidungstext OGH 28.09.2001 8 ObA 100/01s
9 ObA 30/02f
Entscheidungstext OGH 20.02.2002 9 ObA 30/02f
8 ObA 133/02w
Entscheidungstext OGH 08.08.2002 8 ObA 133/02w
9 ObA 55/03h
Entscheidungstext OGH 21.05.2003 9 ObA 55/03h
8 ObA 96/03f
Entscheidungstext OGH 25.11.2003 8 ObA 96/03f
Ähnlich; Beisatz: Vorzeitiger Austritt des Arbeitnehmers. (T8)
Beisatz: Der Arbeitgeber ist für alle den Untergang des Austrittsrechts maßgeblichen Umstände behauptungspflichtig und beweispflichtig. (T9)
Entscheidungstext OGH 16.12.2005 9 ObA 29/05p
9 ObA 110/05z
Entscheidungstext OGH 16.12.2005 9 ObA 110/05z
8 ObA 59/06v
Entscheidungstext OGH 13.07.2006 8 ObA 59/06v
9 ObA 122/06s
Entscheidungstext OGH 15.11.2006 9 ObA 122/06s
9 ObA 28/07v
Entscheidungstext OGH 28.09.2007 9 ObA 28/07v
Vgl auch; nur T2; Beisatz: Hier: Entlassung mehr als 5 Wochen nach der behaupteten Beleidigung nicht mehr „unverzüglich". (T10)
nur: Andererseits kann nicht aus jeder Verzögerung auf den Verzicht des Arbeitgebers auf die Ausübung des Entlassungsrechtes geschlossen werden. Es ist daher Sache des Arbeitnehmers, einen derartigen Verzicht des Arbeitgebers auf das Entlassungsrecht zu behaupten. Die bloße Anführung der Daten der Begehung des Entlassungsgrundes und des Ausspruches der Entlassung genügen hiefür nicht. (T11)
Auch; nur: Andererseits kann nicht aus jeder Verzögerung auf den Verzicht des Arbeitgebers auf die Ausübung des Entlassungsrechtes geschlossen werden. Es ist daher Sache des Arbeitnehmers, einen derartigen Verzicht des Arbeitgebers auf das Entlassungsrecht zumindest implicite zu behaupten. (T12)
9 ObA 3/08v
Entscheidungstext OGH 24.02.2009 9 ObA 3/08v
Vgl; Beis wie T8; Beis wie T9
9 ObA 57/09m
Entscheidungstext OGH 02.06.2009 9 ObA 57/09m
4 Ob 198/13s
Entscheidungstext OGH 19.11.2013 4 Ob 198/13s
Vgl auch; Beis ähnlich wie T6; Beisatz: Hier: Auflösung eines Wohnrechts. (T13)
4 Ob 16/14b
Entscheidungstext OGH 17.02.2014 4 Ob 16/14b
9 ObA 129/14g
Entscheidungstext OGH 27.11.2014 9 ObA 129/14g
9 ObA 17/15p
Entscheidungstext OGH 20.03.2015 9 ObA 17/15p
Auch; Beisatz: Die Verfristung eines Austritts oder einer Entlassung ist nicht von Amts wegen, sondern nur über entsprechenden Einwand wahrzunehmen. (T14)
9 ObA 154/14h
Entscheidungstext OGH 29.04.2015 9 ObA 154/14h
Auch; Beisatz: Hier: Kündigung nach § 32 VBG. (T15)
Vgl auch; Beisatz: Hier: Vorzeitige Auflösung des Lehrverhältnisses durch den Lehrling. (T16)
8 ObA 48/16s
Entscheidungstext OGH 27.09.2016 8 ObA 48/16s
9 ObA 111/15m
Entscheidungstext OGH 26.07.2016 9 ObA 111/15m
8 ObA 49/17i
Entscheidungstext OGH 28.09.2017 8 ObA 49/17i
Auch; Beisatz: Die Beurteilung, ob der Ausspruch der Entlassung verspätet erfolgt ist und der Dienstnehmer berechtigt davon ausgehen durfte, der Dienstgeber hätte auf die Geltendmachung des Entlassungsrechts verzichtet, ist von den Umständen des Einzelfalls abhängig. (T17)
9 ObA 54/18h
Entscheidungstext OGH 28.06.2018 9 ObA 54/18h
8 ObA 57/18t
Entscheidungstext OGH 24.09.2018 8 ObA 57/18t
Beisatz: Entlassung fast ein Jahr nach Dienstfreistellung verfristet. (T18)
Angestellte, Entlassungsgrund, Unverzüglichkeit, Behauptungslast, Beweislast, Geltendmachung, Fortbeschäftigung, Zumutbarkeit, Unzumutbarkeit, Arbeitsverhältnis, Dienstverhältnis, Fortsetzung, Verwirkung, Verfristung, Verspätung, Verschweigung, Erklärung, Ausspruch, Ende, Beendigung, vorzeitige Auflösung, Rechtzeitigkeit, Verlust, Untergang, wichtiger Grund
ECLI:AT:OGH0002:1990:RS0029249
JJR_19900912_OGH0002_009OBA00181_9000000_001
Entscheidungstext 9ObA20/19k
ARD 6663/11/2019 = DRdA‑infas 2019/176 S 319 - DRdA‑infas 2019,319 = wbl 2019,710/218 - wbl 2019/218 = RdW 2019/560 S 701 - RdW 2019,701 = Arb 13.601
9ObA20/19k
Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Hopf als Vorsitzenden, die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Dehn, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr. Hargassner sowie die fachkundigen Laienrichter Dr. Bernhard Kirchl und Herbert Bauer in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei ***** Z*****, vertreten durch Dr. Peter Hrubesch, Rechtsanwalt in Salzburg, gegen die beklagte Partei Ö***** Aktiengesellschaft, *****, vertreten durch Dr. Stefan Aigner, Mag. Gerd Pichler, Rechtsanwälte in Innsbruck, wegen Anfechtung einer Entlassung (§ 106 ArbVG), über die außerordentliche Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Linz als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 17. Dezember 2018, GZ 11 Ra 51/18a-99, mit dem der Berufung der klagenden Partei gegen das Urteil des Landesgerichts Salzburg als Arbeits- und Sozialgericht vom 19. Juni 2018, GZ 20 Cga 86/17z-95, nicht Folge gegeben wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:
Die Entscheidungen der Vorinstanzen werden dahin abgeändert, dass das Ersturteil zu lauten hat:
„Die von der beklagten Partei mit Schreiben vom 4. Juli 2017 ausgesprochene Entlassung der klagenden Partei wird für rechtsunwirksam erklärt.“
Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei binnen 14 Tagen die mit 2.495,62 EUR (darin 415,94 EUR USt) bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens zu ersetzen.
Der Kläger war seit 2007 bei der Beklagten als Distributionsleiter der Zustellbasis S***** mit einem monatlichen Entgelt von 3.491,49 EUR brutto, 14 x jährlich, angestellt. Er wurde am 27. 7. 2016 wegen entlassungswürdiger Vorkommnisse in seiner Zustellbasis dienstfreigestellt und mit Schreiben vom 4. 7. 2017 entlassen. Im Revisionsverfahren ist das Vorliegen von Entlassungsgründen nicht mehr strittig.
Der Kläger begehrte, die Entlassung für rechtsunwirksam zu erklären. Er brachte vor, ihm sei kein Grund für die Dienstfreistellung genannt worden. Die Aufarbeitung der behaupteten Dienstpflichtverletzungen habe keinesfalls ein Jahr gedauert. Die Entlassung sei daher verfristet. Als Kündigung sei sie auch sozial ungerechtfertigt, weil er im 56. Lebensjahr stehe und mit Langzeitarbeitslosigkeit zu rechnen habe. Die Entlassung sei auch aus einem verpönten Motiv erfolgt, weil er im April 2017 bzw am 1. 6. 2017 offene Lohnansprüche geltend gemacht habe.
Die Beklagte wandte, soweit revisionsgegenständlich, ein, sie habe nach Hervorkommen der Missstände umfangreiche Nachforschungen begonnen. Dem Kläger sei am 5. 5. 2017 Gelegenheit gegeben worden, sich zu den Verdachtsmomenten zu äußern, die er unter Hinweis auf einen Operationstermin nicht wahrgenommen habe. Es seien noch ergänzende Einvernahmen erfolgt, bis mit Schreiben vom 4. 7. 2017 die Entlassung ausgesprochen worden sei. Da die Entlassung gerechtfertigt sei, stünde ihm der Anfechtungsgrund der Sozialwidrigkeit der §§ 105 Abs 3 Z 2 iVm 106 ArbVG nicht offen. Eine Motiventlassung liege nicht vor. Lohnansprüche von 2.795 EUR seien zwar nach Geltendmachung im April 2017 nicht ausbezahlt worden, das Motiv sei in Ansehung der einjährigen Dienstfreistellung bei vollen Bezügen aber konstruiert.
Das Erstgericht wies das Klagebegehren ab. Es stellte – soweit für die Frage der Verfristung wesentlich – fest:
Die 22 Rayone des Klägers wurden von 23. 6. 2016 bis 4. 7. 2016 in der Weise kontrolliert, dass jeder Zusteller in Begleitung von einem Kontrollor seine Zustelltour absolvierte. Den Kontrolloren wurde vorab die Gangordnung für den jeweiligen Rayon mit dem Auftrag ausgefolgt, die Abweichungen der Post-Adress-Basis-Datenbank (PABD) vom Ist-Zustand festzuhalten. Die Beklagte stellte nach dieser ersten Begehung in einzelnen Rayonen des Klägers Abweichungen bei der Zahl der in der PABD aufscheinenden Abgabestellen/Werbeverzichte von den in der Realität vorhandenen in einem Ausmaß fest, das indiskutabel, nicht erklärbar und österreichweit noch nicht vorgekommen war. … Die Zusteller der Gruppe des Klägers wurden nach Vorliegen der Erhebungsergebnisse mit den Abweichungen konfrontiert. … Die Beklagte hat zwei Zusteller aus der Gruppe des Klägers entlassen. Ein weiterer Zusteller wurde versetzt. Zwei Distributionsleiter wurden diszipliniert. … Ab 20. 7. 2016 wurde ***** G***** in der Zustellbasis als interimistische Basenkoordinatorin eingesetzt. Sie war ausschließlich dafür zuständig, die Richtigkeit der Tischbeschriftungen und Gangfolgen in der Zustellbasis zu prüfen bzw herzustellen und den Datenbestand der Erhebungsergebnisse zu aktualisieren. Sie war bis 15. 10. 2016 in der Zustellbasis tätig. ...
Am 27. 7. 2016 stellte Mag. S***** den Kläger aufgrund der bei den Kontrollen festgestellten Abweichungen bei den Abgabestellen und den Werbeverzichtserklärungen in den Rayonen des Klägers von den Daten in der PABD, der Vorwürfe der Zusteller gegen den Kläger und der fehlenden Schulungsdokumentation vom Dienst frei. Er nannte dem Kläger als Grund für die Dienstfreistellung die „Vorkommnisse in S*****“. Der Kläger musste dann Schlüssel, Chip und Handy abgeben und wurde gebeten, seine Privatnummer zu hinterlegen. Der Kläger wurde wegen der streitgegenständlichen Vorfälle und nicht infolge eines „Bedarfsmangels“ (Umstellung der Hierarchie mit dem Wegfall der Funktionen DL [Distributionsleiter], DM und Basenkoordinator – Teamwork 2018) vom Dienst freigestellt. …
Nach der Dienstfreistellung gab es zwischen dem Kläger und der Beklagten keinen Kontakt mehr.
Mit E-Mail vom 13. 4. 2017 begehrte er die anteilige Auszahlung der jährlichen Distributionsleiter- und einer Vertretungsprämie (1.400 EUR brutto + 542 EUR).
Mit E-Mail vom 3. 5. 2017 forderte die Beklagte den Kläger auf, sich am 5. 5. 2017 zu einer Niederschrift in der Zustellbasis einzufinden. Der Kläger nahm diesen Termin aus gesundheitlichen Gründen nicht wahr.
Mit E-Mail vom 30. 5. 2017, gerichtet an den Vorstand der Beklagten ***** P***** und deren Prokuristen ***** N*****, übte der Kläger Kritik am Vorgehen seiner Vorgesetzten, an deren Personalführung, an seiner Dienstfreistellung und dem Ergebnis der im Sommer 2016 durchgeführten Kontrollen.
Mit Schreiben vom 1. 6. 2017 forderte die Rechtsvertreterin des Klägers die Beklagte neuerlich zur Zahlung der Prämien und einer Unternehmensbeteiligung, gesamt 2.795 EUR brutto, auf.
Mit Schreiben der Beklagten vom 4. 7. 2017 wurde der Kläger entlassen.
Der Personalausschuss erhob gegen die Entlassung des Klägers Widerspruch, weil er sie für verfristet und sozialwidrig hielt und die Auffassung bestand, dass der Grund für die Dienstfreistellung ein Bedarfsmangel gewesen sei. Er selbst führte keine Entlassungs- oder Kündigungsanfechtung für den Kläger durch.
Das Erstgericht stellte auch die näheren Lebens- und Einkommensverhältnisse des Klägers fest, aus denen hervorgeht, dass die Phase der Arbeitslosigkeit für Arbeitssuchende ohne die für den Kläger geltenden Randbedingungen mit drei bis sechs Monaten ab dem Zeitpunkt der Auflösung des Dienstverhältnisses anzusetzen ist, die Umstände des Klägers aber zu einer Verlängerung der Arbeitsplatzsuche von jedenfalls über zwölf Monaten führen und auch Langzeit- oder Dauerarbeitslosigkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Im Fall einer Vermittlung müsste der Kläger mit keiner Einkommenseinbuße rechnen und bedürfte auch keiner Umschulungsmaßnahmen.
In rechtlicher Hinsicht verneinte das Erstgericht eine Verfristung der Entlassung. Der Kläger habe infolge der Suspendierung/Dienstfreistellung aus dem Zeitablauf allein nicht mehr auf einen Verzicht der Beklagten auf die Ausübung des Entlassungsrechts schließen können. Diese habe bis zur Entlassung kein Verhalten gesetzt, das bei ihm das Vertrauen erwecken hätte können, dass sie auf arbeitsrechtliche Konsequenzen verzichten werde. Sein Verhalten sei tatbestandsbegründend iSd § 27 Z 1 AngG, würde aber auch einen personenbezogenen Kündigungsgrund iSd §§ 105 Abs 3 Z 2 iVm 106 ArbVG verwirklichen. Die Glaubhaftmachung eines verpönten Motivs für die Entlassung (Geltendmachung der DL-Prämie) sei dem Kläger nicht gelungen. Bei der Kritik an seinem Vorgesetzten handle es sich um keine Geltendmachung von Ansprüchen aus dem Arbeitsverhältnis iSd § 105 Abs 3 Z 1 lit i ArbVG.
Das Berufungsgericht teilte diese Beurteilung und gab der Berufung des Klägers keine Folge.
In seiner dagegen gerichteten außerordentlichen Revision beantragt der Kläger die Abänderung des Berufungsurteils im Sinn einer Klagsstattgabe; hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt.
Die Beklagte beantragt in der ihr freigestellten Berufungsbeantwortung, die Revision zurückzuweisen, in eventu ihr keine Folge zugeben.
Die Revision ist zulässig und berechtigt, weil die Frage der Verfristung einer Neubeurteilung bedarf.
1. Die vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses muss unverzüglich, dh ohne schuldhaftes Zögern erklärt werden. Die dogmatische Rechtfertigung für diesen Grundsatz liegt primär in der jeder vorzeitigen Auflösung wesensimmanenten Unzumutbarkeit der auch bloß kurzfristigen Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses (Pfeil in Neumayr/Reissner, ZellKomm3 § 25 AngG Rz 31 mwN).
Auch die Rechtsprechung verlangt, dass Gründe für die vorzeitige Lösung eines Dienstverhältnisses bei sonstiger Verwirkung des Entlassungsrechts unverzüglich, das heißt ohne schuldhaftes Zögern, geltend zu machen sind. Der Dienstgeber darf mit der Ausübung seines Entlassungsrechts nicht wider Treu und Glauben so lange warten, dass der Angestellte aus diesem Zögern auf einen Verzicht des Dienstgebers auf die Geltendmachung der Entlassungsgründe schließen muss; der Dienstnehmer, dem ein pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen wird, soll darüber hinaus nicht ungebührlich lange über sein weiteres dienstrechtliches Schicksal im Unklaren gelassen werden (RS0031799). Der Grundsatz, dass die
Entlassung unverzüglich auszusprechen ist, beruht auf dem Gedanken, dass ein Arbeitgeber, der eine Verfehlung seines Arbeitnehmers nicht sofort mit der
Entlassung beantwortet, dessen Weiterbeschäftigung nicht als unzumutbar ansieht und auf die Ausübung des
Entlassungsrechts im konkreten Fall verzichtet. Andererseits kann nicht aus jeder Verzögerung auf den Verzicht des Arbeitgebers auf die Ausübung des
Entlassungsrechts geschlossen werden. Es ist daher Sache des Arbeitnehmers, einen derartigen Verzicht des Arbeitgebers auf das Entlassungsrecht zumindest implicite zu behaupten (RS0029249).
Bei der Prüfung der Rechtzeitigkeit einer
Entlassung ist folglich zu untersuchen, ob in dem Zuwarten mit der
Entlassung ein Verzicht auf die Geltendmachung des
Entlassungsgrundes zu erblicken ist oder ob dieses Zuwarten in Umständen begründet ist, welche die Annahme eines solchen Verzichts nicht rechtfertigen. Es muss daher die Ursache des zwischen der Kenntnis vom
Entlassungsgrund und dem Ausspruch der
Entlassung liegenden Zuwartens des Arbeitgebers im Einzelfall geklärt werden (RS0029267).
Ist der Sachverhalt zweifelhaft, ist der Dienstgeber überdies verpflichtet, die zur Feststellung des Sachverhalts erforderlichen und zumutbaren Erhebungen ohne Verzögerung durchzuführen (RS0029345; RS0029348).
2. Vorläufige Maßnahmen, etwa die bis zur Klärung der tatsächlichen oder rechtlichen Lage vorgenommene Suspendierung eines Arbeitnehmers, können die Annahme eines Verzichts des Arbeitgebers auf die Ausübung des Entlassungsrechts verhindern (RS0028987). Allerdings muss die Dienstfreistellung zur Klärung der tatsächlichen oder rechtlichen Voraussetzungen für einen Entlassungsausspruch erfolgen und für den Dienstnehmer als vorläufige Maßnahme zur Vorbereitung einer Entlassung erkennbar sein; nur wenn dem Dienstnehmer erkennbar ist, dass sein Verhalten die schwerwiegende Folge der Entlassung nach sich ziehen kann und nur noch Abklärungen der Sach- und Rechtslage erforderlich sind, kann aus dem Zeitablauf allein nicht auf einen Verzicht auf die Ausübung des Entlassungsrechts geschlossen werden (9 ObA 185/00x). Eine Suspendierung des Dienstnehmers vom Dienst schließt daher nicht in jedem Fall eine Verwirkung des Entlassungsrechts aus (vgl auch RS0031587 [T2]). Sie bedeutet insbesondere nicht, dass der Dienstgeber in jedem Fall über die Dauer der Erhebungen hinaus bis zu einem beliebigen Zeitpunkt die Entlassungsgründe „vorrätig“ halten und mit dem Ausspruch der Entlassung zuwarten könnte. Denn wurde der Sachverhalt ermittelt und werden keine weiteren Abklärungen mehr vorgenommen, ohne dass der Dienstgeber den Fortbestand des Dienstverhältnisses – hier bei vollen Bezügen – in Frage stellt, so kann sich bei einem suspendierten Dienstnehmer mit zunehmendem Zeitverlauf der Eindruck verfestigen, dass die Suspendierung nicht mehr als vorläufige Maßnahme zur Vorbereitung einer Entlassung dient, sondern aus anderen Erwägungen als aus jenen erfolgt, die Anlass der Suspendierung waren. Anders als die Beklagte meint, spricht der zunehmende Zeitverlauf hier daher nicht gegen, sondern – im Gegenteil – zunächst für einen Fortsetzungswillen des Dienstgebers, wenn er Entlassungsgründe wie die vorliegenden auch bei zeitlich großzügig bemessener Ermittlungsarbeit nicht zum Anlass einer unverzüglichen Beendigung des Dienstverhältnisses nimmt.
3. Im vorliegenden Fall erfolgte die Dienstfreistellung des Klägers am 27. 7. 2016 zur Klärung der „Vorkommnisse in S*****“, womit nach dem festgestellten Sachverhalt unzweifelhaft die Folgen der vom Kläger (mit-) zu verantwortenden Datenmanipulation zur Systemisierung der Rayone uä angesprochen waren. Die entsprechenden Kontrollen hatten vom 23. 6. bis 4. 7. 2016 stattgefunden. Am 20. 7. 2016 war bereits eine interimistische Basenkoordinatorin eingesetzt. Diese blieb bis 15. 10. 2016 in jener Zustellbasis tätig. Aus dem festgestellten Sachverhalt geht aber nicht hervor, dass die Beklagte nach diesem Zeitpunkt noch weitere Erhebungen getätigt oder auch nur Bedarf danach bestanden hätte. Das Vorbringen der Beklagten ON 15 S 5 wurde ohne jegliche Zeitangaben erstattet (zB „besonders genaue Prüfung“; dem Kläger eingeräumte Gelegenheit, „an der Aufklärung des Sachverhalts mitzuwirken“) und macht eine nahezu einjährige Dauer der Abklärung der Sach- und Rechtslage nicht plausibel. Für das Vorbringen der Beklagten, dass sich „letztlich aus ergänzenden Einvernahmen Ende Mai 2017 erstmals in ausreichender Deutlichkeit“ ergeben habe, dass „der Kläger die Missstände zumindest billigend in Kauf genommen“ habe (ON 6 S 8), bietet der festgestellte Sachverhalt keine Anhaltspunkte. Aus diesem geht vielmehr eine monatelange Nichtreaktion der Beklagten hervor, die den Kläger nach seinem Vorbringen annehmen ließ, dass seine Position wegen Restrukturierungsmaßnahmen aufgegeben und er „zwischengeparkt“ werden sollte. Die Beklagte trat mit ihm auch erst wieder Anfang Mai 2017 in Kontakt, nachdem der Kläger Prämienansprüche geltend gemacht hatte. Doch selbst wenn man der Beklagten darin folgte, dass sie erstmals Ende Mai 2017 in ausreichender Deutlichkeit Klarheit hatte, dass „der Kläger die Missstände zumindest billigend in Kauf“ nahm, würde dies ihr weiteres Zuwarten mit dem Entlassungsausspruch bis 4. 7. 2017 nicht erklären. Es könnte aber auch nicht auf ihre Kenntnis von der Haltung des Klägers zu den von ihm gesetzten Entlassungsgründen ankommen. Zusammenfassend ist daher eine Verfristung der Entlassung des Klägers wegen der „Vorkommnisse in S*****“ zu bejahen.
4. Gemäß § 106 Abs 2 ArbVG kann eine Entlassung angefochten werden, wenn ein Anfechtungsgrund iSd § 105 Abs 3 ArbVG vorliegt und der betreffende Arbeitnehmer keinen Entlassungsgrund gesetzt hat (s auch RS0029457). Da auch bei einer Verfristung von einer ungerechtfertigten Entlassung auszugehen ist und die Möglichkeit einer Entlassungsanfechtung eröffnet (Wolliger in Neumayr/Reissner ZellKomm II3 § 106 ArbVG Rz 5), ist zu prüfen, ob die Anfechtungsvoraussetzungen des § 105 Abs 3 Z 2 ArbVG vorliegen.
Nach den vom Erstgericht getroffenen Feststellungen zu den Einkommensverhältnissen des Klägers und der voraussichtlichen Dauer seiner Arbeitslosigkeit ist hier nicht weiter zweifelhaft, dass die Beendigung des Dienstverhältnisses zu einer wesentlichen Beeinträchtigung seiner Interessen führt; dazu kann auf die Ausführungen des Erstgerichts (Ersturteil S 37) verwiesen werden.
Für diesen Fall hat bereits das Erstgericht darauf verwiesen, dass jene Umstände, die die Beklagte für die Entlassung des Klägers heranzieht, auch dann, wenn man einen Entlassungsgrund iSd § 27 Z 1 AngG verneinte, personen- und verhaltensbedingte Rechtfertigungsgründe (§ 105 Abs 3 Z 2 lit a ArbVG) wären.
Richtig ist, dass die in der Person des Arbeitnehmers gelegenen Gründe, die der Arbeitgeber zur Rechtfertigung der Kündigung gemäß § 105 Abs 3 Z 2 lit a ArbVG geltend machen kann, nicht so gravierend sein müssen, dass sie die Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers über den Kündigungstermin hinaus unzumutbar machen (RS0051888 [T14]) oder gar das Gewicht eines Entlassungsgrundes erreichen. Sie müssen aber die betrieblichen Interessen soweit nachteilig berühren, dass sie bei objektiver Betrachtungsweise einen verständigen Betriebsinhaber zur Kündigung veranlassen würden und die Kündigung als gerechte, dem Sachverhalt adäquate Maßnahme erscheinen lassen. Werden die betrieblichen Interessen in erheblichem Maße berührt, überwiegen sie das (wesentliche) Interesse des Arbeitnehmers an der Aufrechterhaltung des Arbeitsverhältnisses (RS0051888).
Allerdings gilt auch in diesem Zusammenhang der arbeitsrechtliche Unverzüglichkeitsgrundsatz (RS0109392; 9 ObA 134/18y). Hat der Dienstgeber ihm zur Kenntnis gelangte konkrete Vorfälle bloß zum Anlass für eine Ermahnung genommen, so kann eine derartige Erklärung nur dahin verstanden werden, dass der Dienstgeber auf das Recht, den Dienstnehmer wegen dieses Verhaltens zu entlassen bzw zu kündigen, verzichtet hat (9 ObA 134/18y mwN). Das kann aus den bereits dargelegten Gründen für den Fall einer Suspendierung, die auf dem Verdacht eines Entlassungstatbestands gründet, nach aufgeklärtem Sachverhalt aber nicht zum Anlass der Beendigung des Dienstverhältnisses genommen wird, nicht anders gelten.
Da die Anfechtungsvoraussetzungen iSd § 105 Abs 3 Z 2 ArbVG zu bejahen sind, ist auf die Frage einer Motivkündigung iSd § 105 Abs 3 Z 1 lit i ArbVG nicht mehr einzugehen.
5. Insgesamt ist das Klagebegehren daher wegen der verfristeten Geltendmachung von Entlassungs- oder personenbezogenen Kündigungsgründen iSd §§ 106 Abs 2, 105 Abs 3 Z 2 lit a ArbVG berechtigt.
Der Revision war danach Folge zu geben. Die Entscheidungen der Vorinstanzen waren im Sinn einer Klagsstattgabe abzuändern.
Die Kostenentscheidung beruht auf § 58 Abs 1 Satz 1 ASGG. Hinsichtlich des erstinstanzlichen Verfahrens und des Berufungsverfahrens findet kein Kostenersatz statt (betriebsverfassungsrechtliche Streitigkeit iSd § 50 Abs 2 ASGG).
E125749
ECLI:AT:OGH0002:2019:009OBA00020.19K.0723.000
JJT_20190723_OGH0002_009OBA00020_19K0000_000

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