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Timestamp: 2020-04-10 07:00:36+00:00

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Corporate Social Responsibility-Standards: Rechtstheoretische Aspekte und die Frage, was den „Markenkern“ der Rechtswissenschaft ausmacht
Autor: Dr. Rupprecht Podszun
Corporate Social Responsibility Standards etablieren sich in der Wirtschaft als eigenständige Form der Regulierung. Rechtstheoretisch sind sie schwierig zu erfassen, da nach traditionellem Verständnis in diesen Verhaltenskodizes keine Rechtsnormen zu sehen sind. Durch diese rechtstheoretische Abschottung gerät die Rechtswissenschaft in Gefahr, den Zugriff auf diese Form von regelbasierter Ordnung zu verlieren. Das ist angesichts der engen Verknüpfung solcher Standards mit klassischem Recht nicht mehr zeitgemäß. Ein Ausweg ist, entsprechende Verhaltenskodizes als autonome Setzungen mit Rechtsnormcharakter anzusehen, sie also vertragsrechtlich zu analysieren. Das würde den Zugriff der Rechtstheorie (und auch des UWG in § 4 Nr. 11) ermöglichen. Die Rechtswissenschaft ist dann gefordert, die unternehmerischen Selbstverpflichtungen dogmatisch zu durchdringen. Ansätze dazu bietet das Konzept der Meta-Regulierung.
Wissenschaftsrat, Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland, 2012, 53 ff.
Ein Beispiel liefert Engel (Hrsg.), Das Proprium der Rechtswissenschaft, 2007.
Europäische Kommission, A renewed EU strategy 2011–14 for Corporate Social Responsibility, COM (2011) 681 v. 25. Oktober 2011, 3.
World Business Council for Sustainable Development, Corporate Social Responsibility, 2000, 10 (aufrufbar unter: http://​www.​wbcsd.​org/​web/​publications/​csr2000.​pdf).
Organisation for Economic Co-operation and Development, Guidelines for Multinational Enterprises, 2000 (aufrufbar unter: http://​mneguidelines.​oecd.​org/​text/​).
Business Social Compliance Initiative, BSCI-Verhaltenskodex, 2009 (abrufbar unter: http://​www.​bsci-intl.​org/​resources/​code-of-conduct).
Eidam, Unternehmen und Strafe, 3. Aufl. 2008, 523; Hauschka, Compliance, Compliance-Manager, Compliance-Programme: Eine geeignete Reaktion auf gestiegene Haftungsrisiken für Unternehmen und Management?, NJW 2004, 1 (1).
Wellhöfer, in: Wellhöfer/Peltzer/Müller (Hrsg.), Die Haftung von Vorstand, Aufsichtsrat, Wirtschaftsprüfer, 2008, § 4 Rn. 124.
Thürer, „Soft Law“ – eine neue Form von Völkerrecht?, ZSR 1985, 429 ff.
von Graevenitz, Mitteilungen, Leitlinien, Stellungnahmen – Soft Law der EU mit Lenkungswirkung, EuZW 2013, 169 ff.
Ausführlich Alexander, Verhaltenskodizes im europäischen und deutschen Lauterkeitsrecht, GRUR Int 2012, 965 ff.; Schmidhuber, Verhaltenskodizes im neuen UWG, WRP 2010, 593 ff.; Möllers/Fekonja, Private Rechtsetzung im Schatten des Gesetzes, ZGR 2012, 777 ff. Siehe schon Dreyer, Verhaltenskodizes im Referentenentwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb, WRP 2007, 1294 ff., sowie Kocher, Unternehmerische Selbstverpflichtungen im Wettbewerb, GRUR 2005, 647 ff.
Vgl. Röhl/Röhl, Allgemeine Rechtslehre, 3. Aufl. 2008, 216.
Anzumerken ist, dass die Rechtsquellenlehre dem EU-Recht dennoch nicht gerecht wird, wenn sie weiterhin von der nationalstaatlichen Legitimation als Urquelle ausgeht, da dies den inzwischen supranationalen Charakter des europäischen Rechts verkennt.
Röhl/Röhl, Allgemeine Rechtslehre, 3. Aufl. 2008, 189 f.
Vgl. zum Folgenden etwa die Darstellung bei Mahlmann, Rechtsphilosophie und Rechtstheorie, 2. Aufl. 2012, 260 ff.
Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 1921, 17; vgl. Seelmann, Rechtsphilosophie, 4. Aufl. 2007, 67 f.
Vgl. Raz, The Concept of a Legal System, 1970, 212; ders. The Authority of Law, 1979, 99, 153; vgl. Torrance, Persuasive Authority Beyond the State, GLJ 2011, 1573 (1584); Buck-Heeb/Dieckmann, Selbstregulierung im Privatrecht, 2010, 303.
Kelsen, Reine Rechtslehre, 2. Aufl. 1960, 169 ff.
Vgl. Derrida, Force of Law: The Mystical Foundation of Authority, 11 Cardozo L. Rev. 920 ff. (1989/90).
Vgl. Alexy, Begriff und Geltung des Rechts, 1992.
Vgl. Habermas, Faktizität und Geltung, 1992.
Vgl. Zippelius, Rechtsphilosophie, 5. Aufl. 2007, 19 f.
Vgl. Torrance (Fn. 17), 1584, der allerdings weitere Merkmale verlangt.
Vgl. Zippelius (Fn. 22), 20 ff.
Rüthers/Fischer/Birk, Rechtstheorie, 7. Aufl. 2013, 62.
Vgl. Rüthers/Fischer/Birk (Fn. 25), 64.
Rüthers/Fischer/Birk (Fn. 25), 64.
Rüthers/Fischer/Birk (Fn. 25), 81 f.
Buck-Heeb/Dieckmann (Fn. 17), 305.
Ostas, Deconstructing Corporate Social Responsibility, ABLJ 2001, 261 (264 ff.).
Podszun, Wirtschaftsordnung durch Zivilgerichte, 2014, Kap. 1.
Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 1921, 17 ff. Weber selbst hatte bereits auf die fließenden Übergänge zwischen Recht, Sitte und Konvention hingewiesen.
Herrmann-Pillath, Vortrag im AK Plurale Ökonomik, Universität Bayreuth, 15.11.2013. Die hier wiedergegebenen Gedanken beruhen auf Aufzeichnungen des Verfassers.
Vgl. Buhmann, Corporate social responsibility: what role for law? Some aspects of law and CSR, Corporate Governance, 2006, 188.
Vgl. Buhmann (Fn. 34), 191 ff.
Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinien 78/660/EWG und 83/349/EWG des Rates im Hinblick auf die Offenlegung nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Gesellschaften und Konzerne, COM/2013/0207 final, abrufbar unter http://​eur-lex.​europa.​eu/​LexUriServ/​LexUriServ.​do?​uri=​COM:​2013:​0207:​FIN:​DE:​HTML.
EuGH, 18.7.2013, Rs. C-501/11 P, Rz. 112 ff. – Schindler.
Vgl. Buck-Heeb/Dieckmann (Fn. 17), 305.
Vgl. Buck-Heeb/Dieckmann (Fn. 17), 101 ff., 307.
So Buhmann, (Fn. 34), 195 (mit dem weiteren Beispiel des UN Global Compact).
Klages, Die Wiederentdeckung schlafender Alternativen in der Rechtslehre: Der Begriff „Aktiengesellschaft“, Berliner Debatte Initial 18 (2007), 75 ff.
Klages (Fn. 41), 80.
Vgl. zu diesem Begriff Fikentscher, Die Freiheit und ihr Paradox, 1997, 29 ff.
Ob bestimmte ökologische, soziale und rechtliche Mindeststandards zu den Voraussetzungen der Marktwirtschaft gehören, bei deren Fehlen ein Marktversagen vorliegt, ist umstritten. Hier kann nur angedeutet werden, dass ein reines Effizienzdenken für das Funktionieren des Marktes nicht genügt. Das erkennt auch die Volkswirtschaftslehre grundsätzlich an, vgl. Fikentscher/Hacker/Podszun, FairEconomy, 2013, 75 ff.
Vgl. Süddeutsche Zeitung, 11.7.2005, S. 22.
Torrance (Fn. 17), 1597 ff.
Ehrlich, Das lebende Recht der Völker in der Bukowina, 1912. Vgl. Rehbinder, Die Begründung der Rechtssoziologie durch Eugen Ehrlich, 2. Aufl. 2010.
Ehrlich, Grundlegung der Soziologie des Rechts, 4. Aufl. 1989, 32 ff.
Teubner, Global Bukowina: Legal Pluralism in the World-Society, in: Teubner (Hrsg.), Global law without a state, 1996, 3 ff.
Vgl. Röhl/Röhl (Fn. 12), 211; Torrance (Fn. 17), 1582 f.
Vgl. Röhl/Röhl (Fn. 12), 205 ff.
Torrance (Fn. 17), 1624 f.
Rawls, A Theory of Justice, 1973, 11 ff.
Vgl. Podszun (Fn. 31), Kap. 3.
von Hayek, Wettbewerb als Entdeckungsverfahren, 1968, 3.
Vgl. Buck-Heeb/Dieckmann (Fn. 17), 256 ff.; Köndgen, Privatisierung des Rechts, AcP 206 (2006), 477 ff.; Bachmann, Private Ordnung, 2006, passim.
Bachmann (Fn. 56). Siehe auch Köndgen (Fn. 56).
von Jagow in: Harte-Bavendamm/Henning-Bodewig (Hrsg.), UWG, 3. Aufl. 2013, § 4 Nr. 11 Rn. 23 ff. Kritisch zur Frage des Wettbewerbsbezugs Glöckner, Wettbewerbsbezogenes Verständnis der Unlauterkeit und Vorsprungserlangung durch Rechtsbruch, GRUR 2008, 960 ff.
Piper/ Ohly/Sosnitza, UWG, 5. Aufl. 2010, § 4 Nr. 11 Rn. 11.
Vgl. die Nachweise der Rechtsprechung bei Ohly (Fn. 59).
Vgl. Köhler/Bornkamm, UWG, 31. Aufl. 2013, § 4 Nr. 11 Rn. 30.
BGH, 9.9.2010, Az. I ZR 157/08, GRUR 2011, 431 – FSA-Kodex.
BGH (Fn. 62), 432.
Köhler, in: Köhler/Bornkamm (Fn. 61), Rn. 30.
Statt aller Köhler, in: Köhler/Bornkamm (Fn. 61), § 3 Rn. 65a.
Der Begriff wird verwendet von Parker, Meta-Regulation: Legal Accountability for Corporate Social Responsibility?, in: McBarnet/Voiculescu/Campbell (Hrsg.), The New Corporate Accountability: Corporate Social Responsibility and the Law, 2007, 207 ff.
Vgl. Parker (Fn. 66); für die deutsche Diskussion die Ansätze von Bachmann (Fn. 56); Buck-Heeb/Dieckmann (Fn. 17); Köndgen (Fn. 56); Podszun (Fn. 31).
Vgl. Parker (Fn. 66), 221 ff.
Den Begriff verdanke ich Carsten Herrmann-Pillath.
Vgl. in diesem Sinn auch Calliess/Renner, Between Law and Social Norms: The Evolution of Global Governance, Ratio Juris 2009, 260 ff.
Vgl. Parker (Fn. 66).
Dazu Ackermann in diesem Band.
https://doi.org/10.1007/978-3-642-54005-9_6

References: § 4
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 § 4
 § 4

BGH 
 § 3