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Timestamp: 2017-09-26 12:59:42+00:00

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1 Ausgabe 103 Juli 2011 Public Services Newsletter Informationen für die öffentliche Hand und NPOs für Deutschland, die Schweiz und Österreich Herzlich willkommen zum aktuellen Public Services Newsletter für Deutschland, die Schweiz und Österreich! Wir hoffen, Ihnen mit diesem Newsletter wieder interessante Beiträge bieten zu können und wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre. Wenn Sie Anregungen oder Kommentare haben, freuen wir uns über eine an Mit freundlichen Grüßen Hans-Peter Busson Bernadette Koch Elfriede Baumann
2 Inhalt Tipps & Trends Public Services Kompetenzteams 04 Ihr Ernst & Young Public Services-Team stellt sich vor In dieser Ausgabe: Doppik Leistungszentrum Länderübergreifende Themen 06 Studie von Ernst & Young: Behördengang per Mausklick? Die meisten deutschen Städte bieten lediglich ein schwaches Internet-Angebot 09 Datenschutzrechtliche Herausforderungen beim Einsatz von Cloud Computing 12 ÖPP-Modelle: Projekte mit Landes- und Kommunalstraßen sinnvoll strukturieren Deutschland 16 Änderung der Finanzverwaltungsauffassung bei Leistungsbezügen juristischer Personen des öffentlichen Rechts 17 BGH stärkt den Ausschreibungswettbewerb im SPNV: Der Grundsatz ist die Ausschreibung, die Direktvergabe ist die Ausnahme 18 Umsatzsteuerrisiko der neuen Ausbilderverkehr-Pauschale nach 11a ÖPNVG NRW 20 Elektronische Offenlegungspflichten (E-Bilanz) für Betriebe gewerblicher Art und gemeinnützige Organisationen BMF veröffentlicht Entwurf eines Anwendungsschreibens 21 Nachversteuerungsrisiko auch bei Verstößen der tatsächlichen Geschäftsführung 22 BAG legt den Strukturausgleich zwischen TVöD und BAT weit aus 24 Vorsteuerabzug für umsatzsteuerbefreite Ausfuhrlieferungen BMF schafft Klarstellung zu Lasten steuerbefreiter Einrichtungen 25 Betriebliche Altersversorgung in Kommunen: EU Kommission mahnt zur Umsetzung des EuGH-Urteils 26 Steuerliche Behandlung von Selbstversorgungseinrichtungen von gemeinnützigen Körperschaften nach 68 Nr. 2 Buchstabe b AO 27 Gesetzgeber schränkt das Grünstromprivileg ein und behält sich weitere Änderungen vor 28 Verkauf von Feinstaubplaketten durch Kfz-Zulassungsstellen 30 EuGH stärkt Klagerecht von Umweltverbänden 32 Wenden kirchliche Arbeitgeber Tarifverträge an, können sie auch bestreikt werden Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
3 Inhalt Schweiz 34 Open Source Software im geschäftskritischen Einsatz Österreich 36 Effizienzanalyse im Kunst- und Kulturbereich in Österreich Termine 39 Veranstaltungen Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
4 Public Services Kompetenzteams Ihr Ernst & Young Public Services- Team stellt sich vor In dieser Ausgabe: Doppik-Leistungszentrum Unser Public Services-Team kennt die Herausforderungen, vor denen die öffentliche Hand steht. Aus unserer langjährigen Prüfungs- und Beratungstätigkeit wissen wir, wo sich die besonderen Hürden und Stolpersteine befinden und wie sie sich bewältigen lassen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Ihnen Lösungen zu entwickeln, die Sie auf Ihrem weiteren Weg hin zu einer zukunftsorientierten und effektiven Verwaltung unterstützen. Für eine optimale Betreuung der öffentlichen Hand haben wir die Fachkompetenzen unserer Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Risk- und Performanceberater sowie Immobilienspezialisten in unserem Public Services- Team gebündelt. So können wir Ihnen zu allen aktuellen Herausforderungen umfassende Beratungs- und Lösungskonzepte anbieten. In dieser Ausgabe des Public Services-Newsletters stellen wir unsere Leistungen im Bereich der kommunalen Doppik vor. Ernst & Young Public Services-Teams: Antworten aus einer Hand Die Doppik-Umstellung bedarf einer Vielzahl von Maßnahmen Viele Gebietskörperschaften und öffentliche Einrichtungen stellen ihr Haushalts- und Rechnungswesen von der Kameralistik auf die Doppik um oder planen dies. Ziel ist es unter anderem, die Transparenz der Hauswirtschaft zu verbessern und dadurch Generationengerechtigkeit zu gewährleisten. Das System der doppelten Buchführung (Doppik) ist hierfür ein wichtiges Instrument, da es bereits konzeptionell auf den Ressourcenverbrauch ausgerichtet ist. Um auf ein doppisches Rechnungswesen umstellen zu können, bedarf es vielfältiger Maßnahmen, wie zum Beispiel der vollständigen Bewertung des Vermögens und der Schulden einer öffentlichen Einrichtung für die Erstellung einer Eröffnungsbilanz. Von zentraler Bedeutung für die fristgerechte Umsetzung eines Umstellungsprojekts sind eine straffe Zeitplanung sowie eine konsequente Projektsteuerung. Unterstützung in allen Phasen des Projekts Doppik Die Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik bringt eine Reihe spezifischer Herausforderungen mit sich. Wir begleiten Sie dabei, diese Herausforderungen zu meistern: Mit unserem umfangreichen Wissen und unseren vielfältigen Erfahrungen unterstützen wir Sie in allen Phasen des Projekts Doppik. Es hat sich gezeigt, dass Risiken nicht nur im Kernhaushalt, sondern gerade auch in den ausgelagerten Aufgabenbereichen bestehen. Nach der Aufstellung der Eröffnungsbilanz für die Kernverwaltung gilt es daher auch, den Herausforderungen des kommunalen Gesamtabschlusses, welcher elementarer Bestandteil der kommunalen Doppik ist, effektiv und effizient zu begegnen. Dank unserer vielfältigen Erfahrung können wir Ihnen ein einmaliges Instrumentarium an die Hand geben, mit dem Sie das Projekt Gesamtabschluss meistern. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
5 Public Services Kompetenzteams Unser Leistungsangebot zur Doppik Nachfolgend finden Sie unser Leistungsangebot im Überblick, im Rahmen dessen wir Sie unterstützen und die spezifischen Herausforderungen und Fragestellungen der Umstel- lungsphase mit Ihnen gemeinsam bearbeiten: Doppik-Umstellung im Überblick: Leistungsangebot Projektmanagement im Umstellungsprozess Konzeption und Durchführung von Schulungen und Trainingsmaßnahmen Unterstützung bei der Entwicklung eines output-orientierten orientierten Haushalts, bestehend aus Zielen und Kennzahlen Produkten und Leistungen Budgetierung und Berichtswesen Einrichtung einer Finanzbuchhaltung und einer doppisch geführten Kasse Schaffung der IT-technischen Grundlagen für die Doppik Aufstellung oder Prüfung und Testierung der Eröffnungsbilanz Aufstellung oder Prüfung des kommunalen Jahresabschlusses bestehend aus Ver- mögens-, Ergebnis- und Finanz- bzw. Geldflussrechnung Projektbegleitung und Beratung bei der Erstellung des Gesamtabschlusses von Kommunen Aufbau und Weiterentwicklung eines kommunalen Beteiligungsmanagements Prüfung kommunaler Gesamtabschlüsse Nachhaltigkeit der Investition sichern Damit sich die Investitionen in die Doppik auch langfristig als zielgerichtet erweisen, behalten wir aktuelle Entwicklungen, wie zum Beispiel die Grundsätze staatlicher Doppik, stets im Blick. Darüber hinaus können wir umfassende Erfahrungen und Fachwissen bezüglich der Internationalen Rechnungslegung für den öffentlichen Sektor (IPSAS) vorweisen. Thomas Müller-Marqués Marqués Berger, welcher Ihnen auch als Ansprechpartner zur Seite steht, ist Mitglied des Fachausschusses für öffentliche Verwaltung und Unternehmen im IDW, Mitglied in verschiedenen Arbeitskreisen beim IDW (u.a. Rechnungslegung und Prüfung von kommuna- len Jahresabschlüssen), Mitglied des Public Sector Committee der European Federation of Accountants (FEE) sowie Mitglied im IPSAS-Board der International Federation of Accoun- tants (IFAC). Beratung in Ihrer Nähe Unsere Mandanten im Bereich der öffentlichen Hand profitieren besonders von unserer örtlichen Präsenz. Unsere Teams sind an zahlreichen Standorten in ganz Deutschland tätig. So sind wir für Sie immer zur Stelle und kennen die gerade in der kommunalen Doppik äußerst wichtigen - Besonderheiten der jeweiligen Regionen. Gleichzeitig sind wir in einem überregionalen internen Netzwerk organisiert. Der fachliche Erfahrungsaustausch auf dieser Ebene ermöglicht Ihnen den Rückgriff auf unser gebündeltes Fachwissen. Wir streben eine langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit an und wollen die Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeiter der betroffenen Verwaltung unterstützen sowie sie für dieses Projekt begeistern. Als Ansprechpartner, die Ihnen auch den Kontakt zu re- gionalen Spezialistenteams vermitteln, stehen Ihnen Thomas Müller-Marqués Berger und Jochen Brugger zur Verfügung. Ansprechpartner Thomas Müller-Marqués Berger Partner Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mittlerer Pfad Stuttgart Telefon Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli 2011 Ansprechpartner Jochen Brugger Senior Manager Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mittlerer Pfad Stuttgart Telefon
6 Länderübergreifende Themen Studie von Ernst & Young: Behördengang per Mausklick? Die meisten deutschen Städte bieten lediglich ein schwaches Internet- Angebot Düsseldorf, Stuttgart und Freiburg bieten Bürgern und Unternehmen die besten Online-Dienstleistungen an. Die Mehrheit der Kommunen hat jedoch erheblichen Nachholbedarf. Online-Zahlungsmöglichkeiten sind kaum vorhanden und jede zehnte Stadtverwaltung antwortet nicht auf -Anfragen. Online-Angebote der meisten Kommunen lassen noch zu wünschen übrig Online-Dienstleistungsangebot bisher kaum zufriedenstellend Nur wenige deutsche Städte bieten ihren Bürgern und Unternehmen bereits heute ein zufriedenstellendes Online-Dienstleistungsangebot und damit die Möglichkeit, Behördengänge auch außerhalb der Öffnungszeiten und ohne Schlange stehen in den Ämtern erledigen zu können. Die Städte mit dem besten E-Government-Angebot in Deutschland sind Düsseldorf, Stuttgart und Freiburg. Bei den meisten Kommunen lassen die Angebote an Bürger und Unternehmen, wenigstens Standardvorgänge online abzuwickeln, hingegen noch zu wünschen übrig: Die Mehrheit der Kommunen (65%) erreicht nur die Hälfte der 50 maximal möglichen Punkte. Zu diesem Ergebnis kommt unsere aktuelle E-Government-Studie, bei der als Grundlage für die Vergabe des Ernst & Young E-Government-Awards das Internet- Angebot der 187 deutschen Städte mit mehr als Einwohnern untersucht wurde. Im Rahmen der Studie wurde getestet, ob es möglich ist, gängige Alltags- Geschäfte vollständig online abzuwickeln einschließlich anfallender Bezahlvorgänge. Als Online- Dienstleistung zählten im Rahmen der Studie ausschließlich Vorgänge, die vollständig vom heimischen Computer abzuwickeln sind. Nicht punkten konnten die Kommunen damit, lediglich Formulare auf ihren Homepages bereit zu stellen, die dann per Post an die Ämter zurück geschickt werden müssen. Düsseldorf mit bestem Angebot in Deutschland Mit 39 von insgesamt 50 möglichen Punkten erringt Düsseldorf den ersten Platz im Städteranking. Den zweiten Platz teilen sich Freiburg und Stuttgart mit jeweils 37,5 Punkten. Düsseldorf belegt auch in den Unterkategorien Verfügbarkeit/Angebot der Online- Dienste sowie Ergebnisse der Suchmaschine den ersten Platz, in der Unterkategorie Online-Zahlungsmöglichkeiten landet die Stadt immerhin unter den Top 5. Dass eine Großstadt den Gesamtsieg errungen hat, wertet Hans-Peter Busson, Partner bei Ernst & Young, nicht als Hinweis darauf, dass große Städte generell die besseren Online- Dienstleistungen anbieten: Selbst bei Großstädten gibt es noch deutliches Verbesserungspotenzial immerhin ist es keiner der drei Millionenstädte Berlin, Hamburg und München gelungen, unter die Top 10 zu kommen. Mit Mülheim an der Ruhr belegt zudem eine Stadt mit weniger als Einwohnern den vierten Platz im Gesamtranking. Und auf dem fünften Platz steht Gummersbach eine Stadt mit etwa Einwohnern. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
7 Länderübergreifende Themen Abb. 1: Gesamtranking Die Mehrheit der Kommunen erreicht nicht einmal die Hälfte der möglichen Punktzahl Gesamtergebnis Die Mehrheit der untersuchten Städte (65%) erreichte bei 50 möglichen Punkten nur 25 oder noch weniger Punkte. 12% erzielten sogar nur 15 Punkte und zwei Kommunen konnten nur 10 Punkte für sich verbuchen. Einige deutsche Städte stehen beim Thema E-Government noch ganz am Anfang, kommentiert Busson. Ziel vieler Kommunen ist es, ihren Bürgern die Möglichkeit zu bieten, gängige Alltags- Geschäfte vollständig online abzuwickeln, beispielsweise den Antrag auf einen Anwohnerparkausweis, die Anmeldung des Hundes zur Hundesteuer, die Bestellung einer Geburtsurkunde, den Antrag auf Sperrmüllabholung, die Anfrage an das Fundbüro und die Bürgerbeschwerde. Das größte Angebot existiert bei der Online-Beschwerde 117 Städte (63%) bieten die Möglichkeit, Kritik an möglichen Missständen per zu artikulieren. Ebenfalls noch relativ gut sieht es beim Sperrmüll (62%) und bei Fragen an das Fundbüro (52%) aus. Noch deutlich weniger als die Hälfte der Kommunen (43%) bieten indessen die Online-Anfrage an das Geburtenregister an. Nur jede fünfte Stadt macht die Anmeldung zur Hundesteuer möglich, und den Antrag auf einen Anwohner-Parkschein kann man per Mausklick nur in jeder siebten der 153 Städte stellen, in denen es solche Parkplätze gibt. Viele Städte nutzen die Möglichkeit noch zu wenig, durch den Online-Kontakt zum Bürger die Kosten von Routineabläufen zu senken, stellt Busson fest. Ungenutzt bleiben damit auch viele Chancen, den Service für den Bürger zu verbessern. Gute Ergebnisse bei Suchmaschinen, schlechte Ergebnisse hingegen bei Online-Bezahlmöglichkeiten Kaum Online-Bezahlmöglichkeiten vorhanden Auch die Funktion und Benutzerfreundlichkeit der Suchmaschinen sowie die Möglichkeit, die anfallenden Gebühren online z.b. per PayPal oder Kreditkarte zu zahlen, wurden geprüft. Bei den Zahlungsmöglichkeiten zeigen sich die meisten Kommunen erstaunlich rückständig: Nur eine einzige Stadt offeriert die Zahlung per PayPal, und ganze drei Städte erlauben den Einsatz der Kreditkarte. Selbst der Bankeinzug ist nur bei 18% möglich. Im Durchschnitt erreichten die Kandidaten beim Online-Zahlungsverkehr gerade einmal 1,1 von 6 möglichen Punkten; die Spitzenreiter kamen auf 4 Punkte. Zu einem professionellen Online-Auftritt gehören auch funktionierende Suchmaschinen, die den Bürger möglichst schnell zum Ziel führen. Hier können die Kommunen ein recht erfreuliches Durchschnittsergebnis von 5,7 der 8 erreichbaren Punkte erzielen, immerhin 18 Städte erreichten die Höchstpunktzahl. Dennoch waren die Suchergebnisse teilweise ernüchternd: Bei Standardfragen nach dem Sperrmüll, dem Anwohnerparken oder der Lohnsteuerkarte brachte jeweils nur rund die Hälfte der Suchmaschinen zufrieden stellende Resultate. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
8 Länderübergreifende Themen Jede zehnte Kommune antwortet nicht auf -Anfragen Um Qualität ging es auch beim -Verhalten der Kommunen. Eine Test- mit zwei Fragen nach der Zweitwohnungssteuer und der Lohnsteuerkarte führte zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. Das Erstaunlichste: Jede zehnte Stadtverwaltung ließ die elektronische Anfrage unbeantwortet. Andere ließen sich viel Zeit: 6% antworteten erst nach drei und mehr Tagen und dann teilweise noch unvollständig. Immerhin waren die gewünschten Informationen von fast zwei Dritteln der Befragten innerhalb von 24 Stunden auf dem Bildschirm. In der -Bearbeitung sieht Busson noch einigen Verbesserungsbedarf: Hier fehlt es vielerorts offensichtlich noch an Koordination. Es scheint, dass die modernen Kommunikationsmedien in die Prozesse vieler Stadtverwaltungen noch nicht wirklich integriert sind. Das gilt auch für die Services für Unternehmen, auf welche die Tester ebenfalls einen Blick geworfen haben. Zwar veröffentlichen 90% der Kommunen ihre Ausschreibungen online. Doch nur eine von sechs bietet die Möglichkeit, Angebote auf dieselbe Weise abzugeben. Die E-Vergabe könnte sowohl den Unternehmen als auch den Kommunen Kosten sparen und den Vergabeprozess vereinfachen, stellt Busson fest. Es ist kaum nachvollziehbar, warum dieses Instrument so selten genutzt wird. E-Government-Angebote in Deutschland stecken noch in den Kinderschuhen Verbesserungsbedarf bei Online-Angeboten Der Online-Behördenverkehr steckt in Deutschland vielfach noch in den Kinderschuhen, fasst Busson zusammen. Die ersten Ansätze stimmen durchaus zuversichtlich, aber es besteht noch erhebliches Optimierungspotenzial. Vor allem reiche die reine Implementierung von Online-Diensten auf den Websites der Kommunen nicht aus: Nur wenn die Verwaltungsmechanismen und bisherigen Strukturen durchbrochen und an die neuen Möglichkeiten, die das E-Government bietet, angepasst werden, können diese Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden, so Busson. Busson weist aber auch darauf hin, dass es noch Lücken in der Infrastruktur und in der Gesetzgebung zu schließen gilt: Bei unterschriftspflichtigen Vorgängen bedarf es zum Beispiel einer rechtlich und gesellschaftlich akzeptierten elektronischen Signatur. Doch anders als in einigen kleineren Ländern wie Belgien und den Niederlanden ist diese Technik in Deutschland noch wenig populär. Das könnte sich allerdings mit der Verbreitung des neuen elektronischen Personalausweises ändern. Ansprechpartner Hans-Peter Busson Ernst & Young Eschborn Telefon Thomas Fuggenthaler Ernst & Young München Telefon Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
9 Länderübergreifende Themen Datenschutzrechtliche Herausforderungen beim Einsatz von Cloud Computing Das Auslagern von IT-Komponenten über Cloud Computing wird derzeit in der Wirtschaft rege diskutiert und vielerorts schon umgesetzt. Dieses Thema rückt auch für Behörden, Hochschulen und sonstige öffentliche Stellen immer mehr in den Fokus: Bereits über 40% der Umfrageteilnehmer des letzten Global Information Security Survey von Ernst & Young aus dem öffentlichen Sektor setzen Cloud Computing-Lösungen ein oder planen diese in den nächsten 12 Monaten einzusetzen (siehe Abb. 1). Gründe hierfür sind im Wesentlichen mögliche Kosteneinsparungen bei gleichzeitiger Effizienzerhöhung. Aber auch die Argumente gegen diese Technik sind zahlreich. So gab mehr als die Hälfte der befragten Teilnehmer an, kein Engagement im Bereich Cloud Computing in den nächsten 12 Monaten anzustreben. Oft werden Rechtsfragen aus Bereichen wie dem Vertrags-, Urheber-, Straf- und Prozessrecht sowie dem Datenschutzrecht als problematisch angesehen. Im öffentlichen Bereich kommen dazu u.a. Fragen des Organisations- und Vergaberechts. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit wesentlichen datenschutzrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit Cloud Computing im öffentlichen Sektor. 0% 20% 40% 60% Ja, derzeit genutzt 17% Ja, derzeit in Evaluation 7% Nein, aber geplant innerhalb der nächsten 12 Monate 18% Nein, nicht geplant in den nächsten 12 Monaten 59% Teilnehmer aus dem öffentlichen Sektor: 123 Abb. 1: Ernst & Young 2010 Global Information Security Survey Nutzt Ihre Organisation derzeit Cloud Computing-basierte Lösungen? Beim Cloud Computing ergeben sich für die öffentliche Hand insbesondere datenschutzrechtliche Fragen Die Herausforderungen beim Auslagern in die Wolke Neben technischen Herausforderungen im Cloud Computing spielen juristische Herausforderungen eine maßgebliche Rolle. Das Datenschutzrecht, dessen Grundlagen sich im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und den Landesdatenschutzgesetzen (LDSG) finden, behandelt die Verarbeitung personenbezogener Daten. Speziell in der öffentlichen Verwaltung geht es häufig um diese Art der Daten. Grundsätzlich bedarf es zur Erhebung, Verarbeitung und Nutzung ebenso wie zur Übermittlung personenbezogener Daten eines Erlaubnistatbestandes, der sich entweder direkt aus einem Gesetz ergibt oder durch die Einwilligung des Betroffenen entsteht. Bei der Auslagerung stellt sich daher immer die Frage, ob diese zulässig ist. Zu unterscheiden sind zwei Fälle der ausgelagerten Datenverarbeitung: Die Datenverarbeitung im Auftrag (auch Auftragsdatenverarbeitung, ADV) sowie die Übermittlung an Dritte. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
10 Länderübergreifende Themen Auftragsdatenverarbeitung wird durch das Datenschutzgesetz privilegiert Bei der ADV handelt der Auftragnehmer vollkommen weisungsabhängig vom Auftraggeber. Der Auftragnehmer hat keine Entscheidungsgewalt über die Verarbeitung der Daten, sondern führt ausschließlich die präzise vom Auftraggeber definierten Aufgaben durch. Diesen Fall behandelt das Datenschutzgesetz (DSG) privilegiert. Die Weitergabe der Daten gilt hier nicht als Übermittlung an Dritte und der Auftraggeber bleibt allein verantwortlich für den Umgang mit den Daten, wobei der Vertrag zwischen Auftraggeber- und Auftragnehmer die strengen Anforderungen des 11 BDSG erfüllen muss. Weiter ist zu beachten, dass das Privileg der ADV nur für Vertragspartner innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) gilt (siehe Abb. 2). Bei den am Markt vertretenen Cloud Computing-Lösungen hat der Kunde in der Regel nur sehr geringen Einfluss auf die Ausgestaltung des Vertrages. Folglich ist festzustellen, dass das rechtliche Privileg der ADV für Cloud Computing-Dienstleistungen in der Regel ausscheidet, sofern der Cloud-Anbieter sein Angebot nicht von vorneherein so ausgelegt hat, dass die Daten nicht außerhalb des EWR verarbeitet werden und die Anforderungen nach BDSG Teil des Vertrages sind. Vorraussetzungen für ADV Empfänger innerhalb des EWR 11 9 Schriftliche Vereinbarung Technische und organisatorischemaßnahmen Klare Beschreibung der Tätigkeiten Zutritts-, Zugangs-, Keine grundlegenden Zugriffskkontrolle Entscheidungen zum Weitergabekontrolle Inhalt durch Eingabekontrolle Auftragnehmer Auftragskontrolle Weisungsrecht des Verfügbarkeitskontrolle Auftraggebers Zwecktrennung Keine hoheitliche Tätigkeit aus Nichterfüllung folgt Datenübermittlung an Dritte Übermittlung muss erforderlich sein Empfänger wird verantwortl. Stelle Verarbeitung beim Empfänger muss zulässig sein Abb. 2: Voraussetzungen (Auszug) für Umsetzung von ADV Innen: Anforderungen an Verträge Außen: Bedingungen für Übertragung ins Ausland Handelt es sich hingegen nicht um ADV, findet eine Übermittlung an Dritte im Sinne des DSG statt, welche auf Zulässigkeit zu prüfen ist. Der Empfänger der Daten wird selbst zur verantwortlichen Stelle und muss alle Vorschriften des DSG auf seiner Seite prüfen und beachten. Da es in der Regel nicht möglich ist, die Einwilligung aller Betroffenen für die Auslagerung ihrer Daten in die Cloud einzuholen, bedarf es eines gesetzlichen Erlaubnistatbestandes. Eine Erforderlichkeit, die Daten in einer Cloud im Nicht-EWR-Ausland zu verarbeiten, lässt sich nicht allein durch damit verbundene Kosteneinsparungen argumentieren, da das berechtigte Interesse der Betroffenen am Schutz ihrer Daten dem vorgeht. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
11 Länderübergreifende Themen Öffentliche Institutionen sollten private, geschlossene Clouds wählen Ein möglicher Lösungsansatz Um Cloud Computing sinnvoll einsetzen zu können, sollten öffentliche Institutionen die Möglichkeit privater geschlossener Clouds wählen, wobei die angeschlossenen Behörden als mittelbare Betreiber auftreten und die Ressourcenverteilung an einen eingeschränkten Nutzerkreis kontrollieren. Diese Form des Cloud Computing als Behörden-Clouds sollte dabei nicht als Ersatz des Inhouse-Computings gesehen werden, sondern als Erweiterung des Potentials der IT des öffentlichen Bereichs. Diese bietet durch die hohe dynamische Flexibilität der Nutzung der IT-Ressourcen je nach Bedarf Vorteile bei der Verfügbarkeit und den Kosten des Betriebs. Risikoanalysen sind entscheidende erste Schritte in der Planung des Cloud Computing Risiken erkennen, bewerten und begegnen Wenn ein Unternehmen oder eine öffentliche Institution plant, Teile der eigenen IT-Komponenten in die Wolke auszulagern, so ist eine Risikoanalyse ein entscheidender Schritt in der frühen Planungsphase. Es gilt zu erkennen, welche Risiken bestehen, wie diese aus Unternehmenssicht zu bewerten sind und wie diesen begegnet werden kann. Rechtlich muss die Frage gestellt werden, welche Arten von Daten in der Cloud verarbeitet werden sollen, welche regulatorischen Rahmenbedingungen hierfür gelten und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um diese Daten auslagern zu dürfen. Diese Betrachtung wird in verschiedene Analyseverfahren aufgenommen, um so eine möglichst ganzheitliche Betrachtung durchzuführen. Es existieren standardisierte Werkzeuge wie die von der Cloud Security Alliance (CSA) entwickelte Cloud Controls Matrix (CCM), welche sich eng an Industriestandards wie ISO und COBIT orientiert. Die CCM erlaubt ein detailliertes Verständnis von Sicherheitskonzepten und -grundsätzen entlang 13 von der CSA entwickelten Domänen. Cloud-Anbieter und -Nutzer werden durch die CCM unterstützt, eine Leading Practices-Lösung mit objektiven Strukturen für die Bewertung von Risiken beim Einsatz von Cloud Computing anzuwenden. Zusätzliche Sicherheit kann die externe Auditierung und Zertifizierung von Cloud-Anbietern bringen. In Frage kommt hier z.b. ein SOC 2-Report, welcher u.a. die Themen IT-Sicherheit und Compliance abdeckt. Der Report gibt ein Urteil über die internen Kontrollen einer Service-Organisation ab und schafft so Transparenz und Vertrauen zwischen Anbietern und Nutzern. Jedoch ist zu beachten, dass z.b. nach Ansicht des Datenschutzzentrums Schleswig-Holstein ein derartiger Report alleine nicht ausreicht, um die Anforderungen des DSG zu erfüllen. Risiko- und Governance-Themen können an dieser Stelle nur kurz angerissen werden. Für eine ausführlichere Darstellung der Auswirkungen des Cloud Computing auf Governance, Risk und Compliance sei auf einen Artikel von Loczewski, Körner, Kümmerle (T. Loczewski, J. Körner, J. Kümmerle Cloud Computing - Auswirkungen auf Governance, Risk und Compliance in itservice Management Heft 13/2010) verwiesen. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
12 Länderübergreifende Themen Ausblick und Fazit Die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen einen engen Pfad zur Auslagerung von personenbezogenen Daten in die Cloud. Dieser Herausforderung muss sich das Cloud Computing stellen, um sich als Lösung für den Kosten- und Effizienzdruck zu bewähren. Unter Risiko- und Umsetzbarkeitsaspekten bietet sich die Verlagerung der IT-Systeme von öffentlichen Einrichtungen in eigenständige Cloud-Lösungen, welche in die bereits bestehenden regionalen bzw. kommunalen Rechenzentren integriert werden, als geeignete Maßnahme an. Zur Sicherung der Qualität und zur Minimierung des Risikos sind Auditierungen und ggf. Zertifizierungen dieser neu geschaffenen Cloud-Lösungen unumgänglich. Außerdem sollte immer auch juristischer Rat im Rahmen des Datenschutzes eingeholt werden, bevor eine Auslagerung in jegliche Art von Cloud erfolgt. Diese Maßnahmen können den Weg ebnen, auch als Behörde die Vorteile der Cloud zu nutzen. Ansprechpartner Katja Radom Ernst & Young Hamburg Telefon Vincent Schwarz Ernst & Young Hamburg Telefon ÖPP-Modelle: Projekte mit Landesund Kommunalstraßen sinnvoll strukturieren Nach der erfolgreichen Umsetzung von ÖPP-Projekten im Bundesfernstraßenbau nehmen ÖPP-Modelle auch zunehmend Einzug in den Landes- und Kommunalstraßenbau. Dabei zeigen Erfahrungen aus den ersten Pilotvorhaben, dass für den Erfolg insbesondere das Projektvolumen, die Vertragslaufzeit und die Vergütungsstruktur eine wesentliche Rolle spielen. Sanierungskosten im öffentlichen Straßenbau steigen stetig Steigende Sanierungskosten Der erneut harte Winter hat dazu beigetragen, dass der ohnehin bereits hohe Sanierungsbedarf des deutschen Straßennetzes nochmals gestiegen ist. Vor allem bei den Landes- und Kommunalstraßen zeigen sich erhebliche Straßenschäden, wie u.a. Schlaglöcher und Risse im Asphalt. Die Differenz zwischen den Ist-Aufwendungen und dem tatsächlichen Erhaltungsbedarf wird immer größer Grund hierfür ist die anhaltend angespannte Haushaltssituation. Ein Teufelskreis: Denn durch die zu niedrigen Investitionen in öffentliche Straßen steigen der Erhaltungsbedarf und somit die Instandhaltungskosten jährlich weiter. Die Investitionen aufzuschieben heißt in diesem Fall nicht, dass die gleichen Kosten zu einem späteren Zeitpunkt anfallen vielmehr potenzieren sich die Kosten, je länger Sanierungen aufgeschoben werden. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
13 Länderübergreifende Themen ÖPP als Ausweg Wie erste Pilotprojekte zeigen, bieten ÖPP-Modelle eine Möglichkeit, dem Investitionsstau entgegenzuwirken. Der Investitionsstau der öffentlichen Hand lässt sich insgesamt verringern, sofern die erforderlichen Bau- und Erhaltungsmaßnahmen zum einen zeitnah und zum anderen langfristig im Idealfall über den kompletten Lebenszyklus hinweg über entsprechende ÖPP-Projekte realisiert werden. Um Effizienzvorteile für die öffentliche Hand generieren zu können, müssen ÖPP-Projekte aber entsprechend sinnvoll strukturiert sein. Ein erster Schritt umfasst die Fragen, welche Leistungsinhalte auf den Auftragnehmer übertragen werden sollen und wie der jeweilige Projektgegenstand konkret definiert wird. Leistungsinhalte sind meist Sanierung und Erhalt Bei ÖPP-Projekten im Landes- und Kommunalstraßenbau ist häufig die Grundsanierung einer oder mehrerer Straßen sowie deren Erhaltung Inhalt des Leistungspakets. Auch die Kombination beider Aspekte tritt in der Praxis auf. Eher selten einbezogen ist der Neu- oder Ausbau einer Straße, auch wenn dies generell ebenfalls möglich ist. Bei den bisher realisierten Pilotprojekten war eine betriebliche Unterhaltung also insbesondere die Durchführung des Winterdienstes, die Straßen- und Grünflächenreinigung sowie die Verkehrssicherung nicht Vertragsbestandteil, da sich eine Übertragung bei diesen Projekten als unwirtschaftlich darstellte. Darüber hinaus kann je nach Leistungsinhalt sowie Vergütungssystem auch eine Finanzierung im Rahmen des Projekts erforderlich sein. Die Übertragung der Finanzierung auf den privaten Auftragnehmer kann sich dabei vor allem auch in Hinblick auf die Haushaltslage und die Risikoübertragung aus Sicht der öffentlichen Hand als vorteilhaft erweisen. ÖPP-Projekte müssen im Vorfeld sinnvoll strukturiert und geplant werden Projektgegenstand umfasst häufig Straßenoberbau Der Bereich des Straßenoberbaus sollte prinzipiell immer Bestandteil eines ÖPP-Projekts sein. Bei den ersten Pilotprojekten waren darüber hinaus zum Beispiel die Markierungen, der Erdbau, Ingenieurbauwerke und Entwässerungsanlagen Projektgegenstand. Bei der Festlegung des Projektgegenstands ist sicherzustellen, dass die Schnittstellen der Leistungen, die bei der öffentlichen Hand verbleiben, und derer, die auf den privaten Auftragnehmer übertragen werden sollen, eindeutig festgelegt werden. Zudem ist von der öffentlichen Hand sicherzustellen, dass den Bietern ausreichend und belastbare Bestandsunterlagen zur Verfügung gestellt werden. Damit wird den Bietern die Möglichkeit gegeben, den Zustand des Projektgegenstands hinreichend zu bewerten und somit überhöhte Risikoaufschläge zu vermeiden. Leistungsumfang Neben Leistungsinhalt und Projektgegenstand muss auch der Leistungsumfang definiert werden. So kann entweder eine einzelne Strecke oder aber auch ein ganzes Streckennetz Projektbestandteil werden. Die Bündelung mehrerer Strecken zu einem Streckennetz bietet dabei die Möglichkeit, höhere Projektvolumina zu bilden und damit weitere Synergieeffekte zu erzielen. Dies bietet sich insbesondere dort an, wo ausschließlich bauliche Erhaltungsleistungen auf den privaten Auftragnehmer übertragen werden sollen. Hier wird bei einer einzelnen Strecke kaum ein geeignetes Projektvolumen erreicht werden können. Höhe des Projektvolumens Basierend auf den Punkten Leistungsinhalt, Projektgegenstand und Leistungsumfang ist im Rahmen einer ersten Kostenschätzung das voraussichtliche Projektvolumen zu prognostizieren. Dies ist erforderlich, da die Höhe des Projektvolumens einen wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit sowie die Marktfähigkeit des Projekts hat. Dabei sollte das Projektvolumen aufgrund der weitgehend fixen Transaktionskosten nicht zu klein ausfallen. Das Projektvolumen sollte sich jedoch auch nicht als zu groß darstellen, um eine Beteiligung von mittelständischen Bietern zu erleichtern. Bei den ersten Pilotprojekten im Landes- und Kommunalstraßenbau lagen die Projektvolumina bisher zwischen EUR 5 Mio. und EUR 40 Mio. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
14 Länderübergreifende Themen Beteiligung von mittelständischen Bietern erleichtern Attraktivität auch für mittelständische Unternehmen Stellt sich im Rahmen dieser ersten Abschätzung heraus, dass das Projektvolumen für ein umfängliches ÖPP-Projekt zu gering ausfällt, so bietet sich bei kleineren Projekten neben einem Netzansatz auch ein klassischer Funktionsbauvertrag an. Für eine mittelstandsgerechtere Ausgestaltung können bei größeren Projektvolumina auch Teilabnahmen sinnvoll sein. Durch entsprechende Teilabnahmen während der Neubau-, Ausbau- oder Grundsanierungsphase verringern sich die Kosten der Zwischenfinanzierung, so dass das Projekt auch für mittelständische Unternehmen attraktiv bleibt. Vertragslaufzeit bei Projekten mit anfänglichen Bauleistungen Neben dem Projektvolumen hat die Vertragslaufzeit einen wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines ÖPP-Projekts. Sie wirkt sich insbesondere auf den Innovationsanreiz und die Frage aus, in welchem Maße ganzheitliche Lebenszyklusaspekte in die Projektgestaltung einfließen können. Grundsätzlich gilt: Die optimale Vertragslaufzeit bei Landesund Kommunalstraßen hängt vom jeweiligen Projekt ab. Maßgeblich ist vor allem die gewünschte Nutzungsdauer. Vor allem wenn das ÖPP-Projekt eine einzelne Strecke oder mehrere Strecken mit ähnlichen Gebrauchswerten umfasst, bei denen größere anfängliche Bauleistungen erforderlich sind, sollte die Vertragsdauer auf die gewünschte Nutzungsdauer angepasst werden. Hierbei gilt: Die Nutzungsdauer wiederum wird vom Gebrauchswert der Strecke und der gewünschten Bauklasse bestimmt. Folglich spielen also auch die erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen eine wesentliche Rolle für die Nutzungsdauer. Steht die Nutzungsdauer fest, sollte diese jedoch nicht unreflektiert auf die Vertragsdauer übertragen werden. Vielmehr sollte der Auftraggeber die Vertragslaufzeit etwa zwei bis drei Jahre länger wählen. Damit wird beim Auftragnehmer ein Anreiz geschaffen, zum Ende der Vertragslaufzeit noch erforderliche größere Erhaltungsmaßnahmen wie zum Beispiel eine Oberflächenbehandlung durchzuführen, um die vertraglich vereinbarten Qualitäten bei der Übergabe zu erfüllen. So kann sichergestellt werden, dass die Strecke bei der Übergabe einen guten Gebrauchswert aufweist. Vertragslaufzeit bei Projekten mit Erhaltungsaufwand Handelt es sich bei einem ÖPP-Projekt hingegen um ein Streckennetz, an dem keine großen anfänglichen Investitionen, sondern insbesondere Erhaltungsmaßnahmen durchzuführen sind, kann davon ausgegangen werden, dass die Gebrauchswerte der einzelnen Straßen sehr unterschiedlich ausfallen. Daher gestaltet es sich bei einem Streckennetz schwieriger, die Vertragslaufzeit in Abhängigkeit einzelner erforderlicher Erhaltungsmaßnahmen zu wählen. Dennoch empfiehlt sich auch hier, dass der Auftraggeber bei seinen Erwägungen zur Vertragslaufzeit die erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen, die Gebrauchswerte und die durchschnittliche Nutzungsdauer des Streckennetzes berücksichtigt. Darüber hinaus ist bei einem Streckennetz festzulegen, ab wann das Gesamtnetz einen klar definierten Gebrauchswert aufweisen muss, der über die Vertragslaufzeit gehalten werden soll. Individuelle Vergütungsstruktur als wichtiger Erfolgsfaktor für ÖPP-Projekte Projektspezifische Vergütungsstruktur bei anfänglichem Investitionsbedarf Ein weiterer wesentlicher Aspekt erfolgreicher ÖPP-Projekte ist eine auf die Projekterfordernisse abgestimmte Vergütungsstruktur. Dabei ist insbesondere zu erörtern, ab wann eine Vergütung bei erforderlichen anfänglichen Baumaßnahmen erfolgt. Bei Projekten mit anfänglichen Bauleistungen wird beispielsweise oftmals bereits früh in der Vertragslaufzeit eine Investitionsspitze erreicht, die eine Vorfinanzierung des privaten Projektpartners erfordert. Daher erfolgt die Vergütung in der Praxis hier häufig entweder in Form konstanter Zahlungen über die verbleibende Laufzeit oder direkt nach der anfänglichen Bauphase. Möglich ist aber auch eine Teilvergütung bereits während der Bauphase. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
15 Länderübergreifende Themen Kontinuierliche versus punktuelle Vergütung Zudem kann die Vergütung grundsätzlich einerseits als kontinuierliche, konstante Zahlung oder andererseits als punktuelle Vergütung strukturiert werden. Eine kontinuierliche Bezahlung ist sinnvoll, wenn über die gesamte Vertragslaufzeit permanent Erhaltungsmaßnahmen erforderlich sind. Dies ist in der Regel bei ÖPP-Projekten mit einem Netzansatz der Fall. Ist hingegen eine einzelne Strecke Inhalt des Projekts, an der anfängliche Baumaßnahmen erforderlich sind, empfiehlt sich eher eine punktuelle Vergütung. Hierfür gibt es zwei maßgebliche Gründe: Zum einen, weil in den ersten Jahren nach einem Neubau oder einer grundlegenden Sanierung keine oder kaum Erhaltungsmaßnahmen notwendig sind und zum anderen, weil die erforderlichen Erhaltungsleistungen über die Projektlaufzeit insgesamt vergleichsweise gering ausfallen. Die punktuelle Vergütung sollte jeweils nachschüssig an projektspezifisch definierten Fälligkeitszeitpunkten erfolgen. Die Zahlung des ersten Erhaltungsentgelts sollte nach Ablauf der Gewährleistungsfrist erfolgen. Danach sollte der private Auftragnehmer alle drei bis fünf Jahre jeweils nach der Durchführung von Funktionsprüfungen für die Erhaltungsmaßnahmen vergütet werden. Anders als bei einer konstanten Vergütung kann bei einer punktuellen Vergütung der Controllingaufwand des Auftraggebers reduziert werden. ÖPP-Modelle können bei guter Strukturierung ein effizientes Mittel gegen den Investitionsstau sein Fazit ÖPP-Modelle bieten eine Möglichkeit, dem Investitionsstau bei Landes- und Kommunalstraßen entgegenzuwirken. Um Effizienzen zu generieren, müssen die Projekte jedoch gut strukturiert sein. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass bei der Projektstrukturierung insbesondere die Themen Projektvolumen, Vertragslaufzeit und Vergütungsstruktur für den Erfolg und die Wirtschaftlichkeit des Projekts von wesentlicher Bedeutung sind. Darüber hinaus spielen Themen wie die Risikoverteilung, die Haushaltsverträglichkeit und die politische Durchsetzbarkeit des Projekts eine wesentliche Rolle für den Erfolg. Die bisherigen Pilotprojekte im Landes- und Kommunalstraßenbau bieten für die Strukturierung zukünftiger Projekte wichtige Erfahrungswerte, die eine weitere Optimierung und Weiterentwicklung des ÖPP-Gedankens im Landes- und Kommunalstraßenbau vorantreiben können. Ansprechpartner Monica A. Schulte Strathaus Ernst & Young Düsseldorf Telefon Anna Schümann Ernst & Young Düsseldorf Telefon Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
16 Deutschland Änderung der Finanzverwaltungsauffassung bei Leistungsbezügen juristischer Personen des öffentlichen Rechts Bisher kam es nach Auffassung der deutschen Finanzverwaltung für die Ortsbestimmung bei Leistungsbezügen juristischer Personen des öffentlichen Rechts, die sowohl hoheitlich als auch unternehmerisch tätig sind, darauf an, für welchen der beiden Bereiche die Leistung bezogen wurde. Die Finanzverwaltung hat diesbezüglich mit Wirkung ab 1. Juli 2011 ihre Auffassung geändert. Der Ort einer sonstigen Leistung von einem im Ausland ansässigen Unternehmer, die für den hoheitlichen Bereich bezogen wurde, war bisher im Grundsatz gem. 3a Abs. 1 UStG (Abschn. 3a.2 Abs. 14 UStAE vor dem 1. Juli 2011) im Ausland und somit nicht in Deutschland steuerbar, selbst wenn der juristischen Person des öffentlichen Rechts für Zwecke der Besteuerung innergemeinschaftlicher Erwerbe oder für einen daneben bestehenden Betrieb gewerblicher Art eine Umsatzsteueridentifikationsnummer erteilt worden war. Mit dem BMF-Schreiben vom 10. Juni 2011, das diesbezüglich in Abschnitt 3a.2 Absatz 14 des Umsatzsteueranwendungserlasses eingefügt wird, ändert nun die Finanzverwaltung ihre Auffassung. Mit Wirkung ab dem 1. Juli 2011 wird der Ort einer sonstige Leistung im Grundsatz in Fällen gemischt tätiger juristischer Personen des öffentlichen Rechts immer nach 3a Abs. 2 Satz 1 UStG bestimmt, auch wenn die Leistung ausschließlich für den hoheitlichen Bereich bestimmt ist. Die erteilte Umsatzsteueridentifikationsnummer ist gegenüber dem leistenden Unternehmer zu verwenden, unabhängig davon, ob die Leistung für den hoheitlichen Bereich, den unternehmerischen Bereich oder gemischt verwendet wird. Dies gilt jedoch nicht, soweit die sonstigen Leistungen für den privaten Bedarf des Personals der juristischen Person des öffentlichen Rechts bezogen werden. Die deutsche juristische Person des öffentlichen Rechts wird somit gem. 13b UStG grundsätzlich Steuerschuldner für alle aus dem Ausland bezogenen sonstigen Leistungen. Der Vorsteuerabzug ist für den jeweiligen Einzelfall zu prüfen und ist insbesondere abhängig davon, für welchen Bereich die Leistung bezogen wird. Ansprechpartner Sibylle Schilling Ernst & Young Köln Telefon Birgit Wimmer Ernst & Young Köln Telefon Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
17 Deutschland BGH stärkt den Ausschreibungswettbewerb im SPNV: Der Grundsatz ist die Ausschreibung, die Direktvergabe ist die Ausnahme Der BGH hat in seiner Entscheidung vom 8. Februar 2011 (Az.: X ZB 4/10) die Möglichkeiten der Direktvergabe im Bereich des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) weiter eingeschränkt. Anlass der Entscheidung war die Vorlage des OLG Düsseldorf im Nachprüfungsverfahren der Abellio Rail NRW GmbH, einem Tochterunternehmen der niederländischen Staatsbahnen, gegen den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Der VRR hatte im Jahr 2009 mit seinem bisherigen Vertragspartner DB Regio AG nach langen Auseinandersetzungen über die Erbringung der SPNV-Leistungen einen Vergleichsvertrag geschlossen. Inhalt des Vertrages war unter anderem, dass der DB Regio AG der Betrieb sämtlicher S-Bahn Linien in zwei Kooperationsräumen übertragen wird. Zudem wurde der Altvertrag bezüglich des S-Bahnverkehrs bis zum Jahr 2023 verlängert. Hiergegen wandte sich die DB-Konkurrentin Abellio mit einem Nachprüfungsverfahren und erhielt Recht. Prüfung der Direktvergabe durch den BGH Der BGH hat zunächst festgestellt, dass eine Direktvergabe im SPNV-Bereich nicht durch die Bestimmungen des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG) gerechtfertigt ist. Das Kartellvergaberecht (GWB) geht vielmehr als jüngeres Gesetz dem AEG vor. Das Kartellvergaberecht aber sieht keinerlei Ausnahme von der Ausschreibungspflicht für SPNV-Leistungen vor. Der BGH hat sich aber auch zur Möglichkeit der Direktvergabe nach der (europäischen) ÖPNV-Verordnung (EG) Nr. 1370/2007 geäußert. Nach der VO (EG) Nr. 1370/2007 sind Direktvergaben im SPNV-Bereich unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Nach Ansicht des BGH bestehen jedoch in Deutschland nach aktueller Rechtslage im SPNV-Bereich nicht die durch die europäische Verordnung gewährten Möglichkeiten zur Direktvergabe. Einzige Ausnahme ist die Möglichkeit der Direktvergabe für einzelne Linien nach einer in der deutschen Vergabeverordnung geregelten zeitlich befristeten Ausnahmebestimmung. Direktvergabe im SPNV-Bereich wird durch BGH stark eingeschränkt Erhebliche Auswirkungen der BGH-Rechtsprechung Die Rechtsprechung des BGH hat erhebliche Auswirkungen auf die Aufgabenträger hierzulande. Allein in den Jahren 2012 bis 2016 laufen Verkehrsverträge im SPNV-Bereich im Umfang von mehreren hundert Millionen Zugkilometern aus. Die Hoffnung der Aufgabenträger, diese Masse anstehender Neuvergaben wenigstens teilweise durch formlose Direktvergaben bewältigen zu können, ist nach der Rechtsprechung des BGH enttäuscht worden. Nunmehr steht fest, dass Verträge im SPNV-Bereich grundsätzlich auszuschreiben sind. Für eine Direktvergabe nach der neuen VO (EG) Nr. 1370/2007 bleibt allenfalls in Ausnahmefällen Raum, z.b. wenn eine Dienstleistungskonzession vergeben werden soll. Der BGH stellt in seiner Entscheidung aber hohe Hürden für diese Ausnahme auf. So hat eine Dienstleistungskonzession zur Voraussetzung, dass tatsächlich ein wesentlicher Teil des Betriebsrisikos auf den Konzessionär übergeht. Aufgrund der hohen Bezuschussung und des Fehlens von direktem Wettbewerb während des Vertragszeitraums verneinte der BGH jedenfalls das Vorliegen einer Konzession im Verhältnis VRR und DB Regio AG. Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
18 Deutschland Die Aufgabenträger werden somit nur mit viel Kreativität und unter umfassender Beachtung der aktuellen Rechtsprechung die Möglichkeiten zur Direktvergabe nach der neuen europäischen Verordnung (EG) Nr. 1370/2007 erhalten. Ansprechpartner Susanne Müller-Kabisch Ernst & Young Law Eschborn Telefon Umsatzsteuerrisiko der neuen Ausbildungsverkehr-Pauschale nach 11a ÖPNVG NRW Mit Wirkung zum 1. Januar 2011 wurde das Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr in Nordrhein-Westfalen (ÖPNVG NRW) geändert. Eine der wesentlichen Neuerungen ist die Einführung einer gesonderten Ausbildungsverkehr-Pauschale in 11a, welche die Finanzierung des Ausbildungsverkehrs durch die kommunalen Aufgabenträger regeln soll und 45a Personenbeförderungsgesetz (PBefG) ersetzt. In diesem Zusammenhang besteht das Risiko der Umsatzsteuerbarkeit der Zahlungen, die die Aufgabenträger auf Grundlage einer allgemeinen Vorschrift an die Verkehrsunternehmen leisten. Durch eine entsprechende Gestaltung der zugrunde liegenden Vereinbarungen kann dieses jedoch minimiert werden. Einführung einer eigenen Regelung zur Finanzierung des Ausbildungsverkehrs in NRW Neueinführung der Ausbildungsverkehr-Pauschale des 11a ÖPNVG NRW Bisher war die Gewährung von Fördermitteln zur Finanzierung der Beförderung von Auszubildenden im Linienverkehr bundeseinheitlich in 45a PBefG geregelt. Demnach hatten die Verkehrsunternehmen einen gesetzlichen Ausgleichsanspruch gegen das Land für die Beförderung der Auszubildenden zu ermäßigten Tarifen. Nach der in 11a ÖPNVG NRW neu geschaffenen Regelung zur Ausbildungsverkehr-Pauschale überträgt das Land Nordrhein-Westfalen nun den Aufgabenträgern und nicht mehr unmittelbar den Verkehrsunternehmen die Mittel zum Ausgleich bestimmter Kosten im Ausbildungsverkehr. Ein Anteil von max. 12,5% dieser Landesmittel kann von den Aufgabenträgern für Aufwendungen in Bezug auf Ausbildungsverkehre bzw. die Verwaltung der Ausbildungsverkehr-Pauschale verwendet werden und verbleibt somit bei den Aufgabenträgern. Der Großteil der Ausbildungsverkehr-Pauschale (mind. 87,5%) ist jedoch durch die Aufgabenträger nach einem festen Schlüssel für Zwecke der Ausgleichszahlungen für den Ausbildungsverkehr an die Verkehrsunternehmen in ihrem Gebiet auf Grundlage einer allgemeinen Vorschrift nach Art. 3 Abs. 2 VO (EG) Nr. 1370/2007 weiterzuleiten. Entwurf einer allgemeinen Vorschrift durch die Aufgabenträger Aufgabenträger in NRW müssen somit eine entsprechende allgemeine Vorschrift schaffen, auf deren Basis künftig die Weiterleitung der Ausbildungsverkehr-Pauschale erfolgen kann. Die allgemeine Vorschrift muss dabei nicht nur den Voraussetzungen des 11a ÖPNVG NRW entsprechen, sondern auch mit der VO (EG) Nr. 1370/2007 konform gehen. Des Weiteren ist das Risiko der Umsatzsteuerbarkeit der Zahlungen an die Verkehrsunterneh- Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
19 Deutschland men zu beachten. Sofern diese als Entgelt von dritter Seite und nicht als echter Zuschuss anzusehen wären, ergäbe sich eine Umsatzsteuerbelastung, die dauerhafte Liquiditätsnachteile für die Verkehrsunternehmen zur Folge hätte. Eine entsprechende offizielle Verlautbarung der Finanzverwaltung zur umsatzsteuerlichen Behandlung der Zahlungen nach 11a ÖPNVG NRW wie es bei 45a PBefG der Fall war liegt derzeit nicht vor. Ernst & Young konnte mit der Finanzverwaltung bereits eine positive Abstimmung erreichen Vermeidung einer Umsatzsteuerbelastung durch Ausgestaltung der allgemeinen Vorschrift Bei der Ausgestaltung der allgemeinen Vorschrift sind demnach die umsatzsteuerlichen Aspekte besonders zu berücksichtigen. Ernst & Young konnte diesbezüglich bereits in einem Fall eine positive Abstimmung mit der Finanzverwaltung erreichen. In diesem Zusammenhang wurde bereits im Vorfeld die Ausgestaltung der allgemeinen Vorschrift nach 11a ÖPNVG NRW durch Ernst & Young steuerlich begleitet und schließlich eine entsprechende Abstimmung mit der Finanzverwaltung durchgeführt. Im Ergebnis hat die Finanzverwaltung zugestimmt, dass die Weiterleitung der Ausbildungsverkehr-Pauschale auf Basis der entsprechend ausgestalteten allgemeinen Vorschrift einen echten Zuschuss darstellt und damit nicht der Umsatzsteuer unterliegt. Sollten Sie bezüglich der neuen Ausbildungsverkehr-Pauschale oder der konkreten Ausgestaltung einer diesbezüglichen allgemeinen Vorschrift Fragen haben, sprechen Sie uns bitte an. Ansprechpartner Gabriele Kirchhof Ernst & Young Köln Telefon Nicole Lissel Ernst & Young Köln Telefon Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli
20 Deutschland Elektronische Offenlegungspflichten (E-Bilanz) für Betriebe gewerblicher Art und gemeinnützige Organisationen: BMF veröffentlicht Entwurf eines Anwendungsschreibens In unserem Public Services-Newsletter (Ausgabe 99, Juli 2010) hatten wir darüber informiert, dass im Zusammenhang mit der Einführung der Regelungen des 5b EStG (E-Bilanz) in Bezug auf die Auswirkungen auf Betriebe gewerblicher Art (BgA) sowie gemeinnützige Organisationen viele Fragen ungeklärt sind. Nunmehr hat das BMF am 1. Juli 2011 einen überarbeiteten Entwurf eines Anwendungsschreibens an die Verbände zur Anhörung übersandt, in dem erstmals auch Ausführungen zur Anwendung auf BgA juristischer Personen des öffentlichen Rechts (jpdör) sowie steuerbegünstigte Körperschaften enthalten sind. Das Schreiben ist auf den Internetseiten des BMF verfügbar und soll auch im Bundessteuerblatt Teil I veröffentlicht werden. Pflicht zur E-Bilanz betrifft auch gemeinnützige Körperschaften und BgA Übergangsregelung bis 2015 Bilanzierungspflicht weiterhin ungeklärt Aktueller Entwurf eines Anwendungsschreibens Der vorliegende Entwurf des Anwendungsschreibens zur E-Bilanz stellt klar, dass auch steuerbegünstigte Körperschaften sowie BgA von jpdör grundsätzlich verpflichtet sind, neben der Jahressteuererklärung die Berechnungsgrundlagen zur Ermittlung des steuerlichen Gewinns nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz an das Finanzamt elektronisch zu übermitteln. Betroffen von dieser Regelung sind alle Körperschaften, die nach handelsoder steuerrechtlichen Bestimmungen verpflichtet sind, eine Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung aufzustellen. Für steuerbegünstigte Körperschaften erstreckt sich die Datenübermittlungspflicht nur auf die Datensätze des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs. Während der allgemeine Anwendungszeitpunkt aufgrund einer Nichtbeanstandungsregelung faktisch um ein Jahr auf Wirtschaftjahre verschoben wurde, die nach dem 31. Dezember 2012 beginnen, gilt für steuerbegünstigte Körperschaften und BgA eine längere Übergangsregelung. Für diese wird nicht beanstandet, wenn die Regelungen zur E-Bilanz erstmals für Wirtschaftsjahre angewandt werden, die nach dem 31. Dezember 2014 beginnen. Bilanzierungspflicht Weiterhin ungeklärt ist jedoch die der elektronischen Datenübermittlungspflicht vorgelagerte Frage, ob sich aus einer Bilanzierungspflicht oder freiwilligen Bilanzerstellung der Trägerkörperschaft gemäß 140 AO auch die Pflicht zur Bilanzierung auf Ebene der BgA bzw. des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs ergibt. Bezogen auf BgA bestehen derzeit Überlegungen, den jpör ein besonderes Wahlrecht hinsichtlich der Art der Gewinnermittlung einzuräumen (BMF vom 27. April 2011, Az.: IV C 2-S2706/09/10005). Dieses ist zu begrüßen und sollte für gemeinnützige Körperschaften ebenfalls erwogen werden. Ansprechpartner Gabriele Kirchhof Ernst & Young Köln Telefon Heike Sökeland Ernst & Young Köln Telefon Ernst & Young Public Services, Ausgabe 103 Juli

References: BGH 
 EuGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
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 Art. 3