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Timestamp: 2018-01-18 13:59:20+00:00

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Arbeitsrecht - Folge 192: Ausgleichsquittung IV
Folge 192: Ausgleichsquittung IV
10. Unangemessene Benachteiligung
§ 307 Abs. 1 BGB bestimmt, daß Allgemeine Geschäftsbedingungen unwirksam sind, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen Treu und Glauben unangemessen benachteiligen.
Eine unangemessene Benachteiligung ist dann anzunehmen, wenn der Verwender / Arbeitgeber durch einseitige Vertragsgestaltung seine eigenen Interessen unter Mißbrauch seiner Vertragsmacht auf Kosten seines Vertragspartners, der Arbeitnehmerin durchzusetzen versucht. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Arbeitgeber dies versucht, ohne von vorneherein die berechtigten Belange der Arbeitnehmerin hinreichend zu berücksichtigen und ihr einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen.
In Ausgleichsquittungen ist ein solch angemessener Ausgleich in der Regel nicht enthalten. Deshalb benachteiligen Ausgleichsquittungen in aller Regel die Arbeitnehmer unangemessen.
Eine gegen Treu und Glauben verstoßende unangemessene Benachteiligung muß jedenfalls regelmäßig dann angenommen werden, wenn die Arbeitnehmerseite einseitig und unentgeltlich, d.h. ohne finanziellen Ausgleich auf ihre restlichen Ansprüche und Rechte aus ihrem Arbeitsverhältnis verzichtet.
In unserem Falle hat die Arbeitnehmerin Fatima mit der Ausgleichsklausel auf ihre Ansprüche umfassend verzichtet, ohne daß Arbeitgeber Hans Sachs irgendeine Gegenleistung dafür erbracht hätte. Ein solcher einseitiger Verzicht stellt ganz regelmäßig eine unzulässige Benachteiligung der Arbeitnehmerin dar. Ein solcher Verzicht ist deshalb wegen Verstoßes gegen § 307 BGB rechtsunwirksam.
11. Überraschungsklausel
§ 305 c BGB verbietet außerdem in Allgemeinen Geschäftsbedingungen Bestimmungen, die nach den Umständen, insbesondere auch nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrages so ungewöhnlich sind, daß der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen brauchte. Solche Überraschungsklauseln oder mehrdeutige Klauseln werden nach dem Gesetz nicht Vertragsbestandteil und sind rechtsunwirksam.
Zweifel bei der Auslegung der ausgeschriebenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen gehen stets zu Lasten des Verwenders, d.h. hier zu Lasten des Arbeitgebers, § 305 c Abs. 2 BGB.
Der Überraschungseffekt einer Ausgleichsquittung liegt regelmäßig darin, daß der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Restlohn, Arbeitspapiere oder andere Dinge erhält. Ggf. gibt auch der Arbeitnehmer bestimmte Gegenstände aus dem Firmeneigentum an den Arbeitgeber zurück, wie z.B. schriftliche Unterlagen, Werkzeug, Dienstwagen, Arbeitskleidung etc.
Es ist ganz normal für jeden verständig denkenden Arbeitnehmer und berechtigt, wenn der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer dafür eine schriftliche Quittung verlangt. Dies ist in § 368 BGB auch so geregelt.
Typischerweise wird dann mit dieser Quittung zusätzlich und mehr oder weniger überraschend ein Globalverzicht auf sämtliche weiteren Rechte und Ansprüche zum Arbeitsverhältnis verbunden. Wer im Berufsleben insoweit nicht erfahren ist, muß nicht mit einer solchen Erweiterung der berechtigten Quittung für übergebene Gegenstände rechnen.
12. Fehlende Verständlichkeit
Die Formulierung der Ausgleichsquittung ist zumeist für viele Arbeitnehmer auch rechtlich in ihrer Konsequenz nicht nachvollziehbar. Solche Formulierungen sind selbst für Juristen nicht immer klar, sondern mehrdeutig.
Der Überraschungseffekt wird für den Arbeitnehmer dann noch größer, wenn die eigentliche Ausgleichsklausel, d.h. die eigentliche Verzichtserklärung im Schriftbild der Gesamtquittung nicht besonders hervorgehoben ist, sondern im Text mehr oder weniger mit den anderen Dingen gemeinsam durchformuliert worden ist.
So war dies im Falle der Arbeitnehmerin Fatima.
Ob die Verzichtsklausel eine Überraschung darstellt, beurteilt sich im übrigen nicht nach den Erkenntnismöglichkeiten, der Intelligenz und der Erfahrung des einzelnen konkreten Arbeitnehmers. Vielmehr ist abzustellen auf den Empfängerhorizont des typischerweise zu erwartenden Durchschnittarbeitnehmers und dessen Möglichkeit, die Rechtsfolgen einer Erklärung zu durchschauen und zu würdigen.
Da der durchschnittliche Arbeitnehmer regelmäßig weder juristisch gebildet ist, noch die Tragweise einer beiläufigen Ausgleichsquittung erkennen kann, muß er insoweit als rechtsunkundig bzw. nicht ausreichend rechtskundig angesehen werden. Dies bedeutet im Ergebnis, daß die Ausgleichsquittung ganz regelmäßig auch wegen Verstoßes gegen die Überraschungsklausel des § 305 c BGB rechtsunwirksam ist.

References: § 307
 § 307

§ 305
 § 305
 § 368
 § 305