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Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte Email: krkorte@uni-duisburg.de Homepage: www.karl-rudolf-korte.de Alle Informationen zu dieser Veranstaltung sowie die Lerneinheit zur Vorlesung unter: www.karl-rudolf-korte.dedann: > Lehre&Lehrinnovationen > Lehrveranstaltungen > Wintersem.2005/2006 Vorlesung:BundestagswahlenundRegierungsbildungStand 26.01.2006 Gliederung: Gliederung der Vorlesung Strategische Konsequenzen der Bundestagswahlen 2005 1.1 Ergebnisse der Wahlen 1.2 Was entschied die Wahl? Gliederung: Konstituierung und Wahlfunktionen des Bundestages 2.1 Der Bundestag: Formale Stellung und Organisation 2.2 Konstituierung und Auflösung 2.3 Wahl des Bundeskanzlers 2.4 Strukturprinzipien der Bundesregierung 2.5 Das System Merkel Regierungsbildung 3.1 Ausgangsbedingungen für die Regierungsbildung 3.2 Das Wahlergebnis: Optionen der Mehrheitsbildung 3.3 Machtprofile des Wahltages Bund und Land 3.4 Die Vorgeschichte der Großen Koalition: Die Sondierungsgespräche 3.5 Das Ergebnis der Sondierungsgespräche 3.6 Formen der Zusammenarbeit; Bedingungen des Erfolgs 3.7 Das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen: Die Koalitionsvereinbarung der Großen Koalition 3.8 Die Geschichte der Großen Koalitionen in Deutschland 3.9 Die Große Regierungserklärung Gliederung: Wahlsystem 4.1 Grundfunktionen und Merkmale demokratischer Wahlen 4.2 Wahlsysteme im Vergleich 4.3 Das Personalisierte Verhältniswahlsystem in Deutschland Wahlforschung und Wählerverhalten 5.1 Instrumente und Methoden der Wahlforschung 5.2 Erklärungsansätze des Wahlverhaltens 5.2.1 Der soziologische/sozialstrukturelle Ansatz 5.2.2Der individualpsychologische Erklärungsansatz: 5.2.2.1 Einflussgröße Parteibindung 5.2.2.2 Einflussgröße Spitzenkandidat 5.2.2.3 Einflussgröße Sachthemen 5.2.2.4 Einflussgröße Medien 5.2.3Modell des rationalen Wählers 5.2.4Lebensstil und Milieuansätze 6. Parteien auf komplexen Wählermärkten 6.1 Wahlkampf/Begriff und Funktion 6.2 Wahlkampfformen, Strukturen, Typen 6.3 Wahlkampfführung, Kampagnen 6.4 Perspektiven Themen und Zeitplanung der Vorlesung: 19.10.2005: Einführung in die Thematik Literatur- und Prüfungshinweise Einführung Wahl-Nachlese Kap. 2: Konstituierung des Deutschen Bundestages 26.10.2005: Fortsetzung: Kap. 2. Konstituierung des Deutschen Bundestages- Wahlfunktion Bundestagspräsidium Beginn Kap.3 Regierungsbildung: Koalitionen- und Koalitionsverhandlungen 02.11.2005: Umbruch in der SPD; Auswirkungen auf die Regierungsbildung Fortsetzung Kap. 3 Regierungsbildung: Koalitionsbildung 09.11.2005: Fortsetzung Kap. 3 Regierungsbildung Uni-Tage: Vorlesung mit Videokonferenz in LB 104 16.11.2005: Bundesparteitag SPD Karlsruhe Fortsetzung Kap. 3 Regierungsbildung bis 3.8 Abschluss der Koalitionsvereinbarung 23.11.2005: Fortsetzung Kapitel 2: Konstituierung und Wahlfunktion des Bundestages; K a n z l e r i n n e n w a h l; „Das System Merkel“ 30.11.2005: Regierungserklärungen; die aktuelle Regierungserklärung der Bundeskanzlerin 07.12.2005: Nachtrag zur Regierungserklärung; Aktuelle Wahlenrückblende der CDU; Fortsetzung Kapitel 2.4 und 2.5 14.12.2005: Abschluss 2.5 und Start des Kapitels 4 „Wahlsystem“ 21.12.2005: Das Institut für Politikwissenschaft stellt sich in Lehre und Forschung vor – neuer Raum wird mitgeteilt. 11.01.2006: Fortsetzung Kapitel 4; 4.2 Wahlsysteme im Vergleich und 4.3 Das Wahlsystem bei den Bundestagswahlen 18.01.2006: Politische Führung in der parlamentarischen Arena: Die Landtagsfraktion Auswirkungen der Großen Koalition auf die Regierung in Hannover;Gast: Fraktionsvorsitzende des FDP im Niedersächsischen Landtag; Dr. Philipp Rösler 25.01.2006: Kapitel 5 „Wahlforschung und Wählerverhalten“ 01.02.2006: Kapitel 6 „Parteien auf komplexen Wählermärkten“ Wahlkampfkommunikation 08.02.2006: Wie unterscheiden sich politische und ökonomische Führungsstrategien und Führungsstile? Was ist daraus für die Ergebnissen der Großen Koalition abzuleiten? Gast: Dr. Jürgen Gros (Genossenschaftsverband Bayern/vormals Büroleiter beim CSU Generalsekretär Goppel) Heute zu Gast in unserer Vorlesung: Dr. Jürgen Gros Pressesprecher des Genossenschaftsverband Bayern (vormals Büroleiter beim CSU Generalsekretär Goppel) Andersen,Uwe/Woyke,Wichard (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen System der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 2003, 5. Aufl., Leske & Budrich Benz, Arthur (Hrsg.): Governance – Regieren in komplexen Regelsystemen. Eine Einführung, Wiesbaden 2004, VS Verlag Überblicks- und Basisliteratur Beyme, Klaus v.: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung, Wiesbaden 2004, 10.Aufl., VS Verlag Beyme, Klaus v.: Der Gesetzgeber. Der Bundestag als Entscheidungszentrum, Opladen 1997, Westdeutscher Verlag Gabriel, Oscar W./Holtmann, Everhard (Hrsg.): Handbuch Politisches System der Bundesrepublik Deutschland, München/Wien 2004, 3. Aufl. Oldenbourg Gellner, Winand/Glatzmeier, Armin: Macht und Gegenmacht. Einführung in die Regierungslehre, Baden-Baden 2004, Nomos Hesse, Joachim J./Ellwein, Thomas: Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland, 2 Bde. Opladen 2004, 9. Aufl., Westdeutscher Verlag Hesse, Konrad: Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschlands, Heidelberg 1999, 20. Aufl., Müller Hesselberger, Dieter: Das Grundgesetz. Kommentar für die politische Bildung, Neuwied 2001, 12.Aufl., Luchterhand Hirscher, Gerhard/Korte, Karl-Rudolf (Hrsg.): Information und Entscheidung. Kommunikationsmanagement der politischen Führung, Wiesbaden 2003, Westdeutscher Verlag. Ismayr, Wolfgang (Hrsg.): Die politischen Systeme Westeuropas, Opladen 2003, 3. Aufl., Leske & Budrich/UTB Jesse, Eckhard: Die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung in das politische System, Baden-Baden 1998, 8. Aufl., Nomos Korte, Karl-Rudolf/Fröhlich, Manuell: Politik und Regieren in Deutschland. Strukturen, Prozesse, Entscheidungen. UTB Schöningh 2004. Korte, Karl-Rudolf/Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Deutschland-Trendbuch. Fakten und Orientierungen, Opladen 2001, Leske und Budrich. Lauth, Hans-Joachim (Hrsg.): Vergleichende Regierungslehre. Eine Einführung, Wiesbaden 2002, Westdeutscher Verlag Niclauß, Karlheinz: Kanzlerdemokratie. Regierungsführung von Adenauer bis Schröder, Paderborn u.a. 2004, UTB Pilz, Frank/Ortwein, Heike: Das politische System Deutschlands. Prinzipien, Institutionen und Politikfelder, München 2000, 3. Aufl., Oldenbourg, 2000 Pötzsch, Horst: Die deutsche Demokratie. Legislative-Exekutive-Recht, Opladen 1996, Bundeszentrale für politische Bildung, Rudzio, Wolfgang: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 2003, 6. Aufl., Leske & Budrich/ UTB Schmid, Josef/Zolleis, Udo (Hrsg): Zwischen Anarchie und Strategie, Wiesbaden 2005 Schreyer, Bernhard/Schwarzmeier, Manfred: Grundkurs Politikwissenschaft: Studium der Politischen Systeme, Wiesbaden 2000, Westdeutscher Verlag Sontheimer, Kurt/Bleek, Wilhelm: Grundzüge des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, München 2004, akt. Neuaufl. Sturm, Roland/Pehle, Heinrich: Das neue deutsche Regierungssystem. Die Europäisierung von Institutionen, Entscheidungsprozessen und Politikfeldern in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 2001, Leske & Budrich/UTB. Weidenfeld, Werner/Korte, Karl-Rudolf(Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949-1989-1999, Frankfurt a.M./New York 1999, Campus Verlag Wahlen und Wählerverhalten Bausback, Winfried: Verfassungsrechtliche Grenzen des Wahlrechts zum Deutschen Bundestag, Frankfurt/M. 1998 Balzer, Axel (Hrsg) u.a.: Politik als Marke – Politikvermittlung zwischen Kommunikation und Inszenierung, Berlin 2005 Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Politik überzeugend vermitteln - Wahlkampfstrategien in Deutschland und den USA, Gütersloh 1996 Bürklin, Wilhelm/Klein, Markus: Wahlen und Wählerverhalten, 2. Aufl. Opladen 1998 Derlin, Hans-Werner/Murswick, Axel (Hrsg.): Regieren nach Wahlen, Opladen 2001 Überblicks- und Basisliteratur Dörner, Andreas/Vogt, Ludgera (Hrsg.): Wahlkämpfe, Frankfurt 2002 Eilfort, Michael: Die Nichtwähler, Paderborn u.a. 1999 Eith, Ulrich/Mielke, Gerd: Wahlforschung, in Mols u.a. (Hrsg.), Politikwissenschaft – Eine Einführung, 4. Aufl. Paderborn 2003, S. 315-344??? Falter, Jürgen W./Schoen, Harald (Hrsg): Handbuch Wahlforschung, Wiesbaden 2005 Falter, Jürgen W. u.a. (Hrsg): Wahlen und Wähler, Wiesbaden 2005 Gaddum, Eckart von (Hrsg): Entscheidung 2005, München 2005 Greiffenhagen, Martin u.a. (Hrsg.): Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, 2. Aufl. Wiesbaden 2002 Karp, Markus/Zolleis, Udo (Hrsg): Politisches Marketing, Münster 2004 Klein, Markus u.a. (Hrsg.): 50 jahre empirische Wahlforschung in Deutschland, Wiesbaden 2000 Klingenmann, Hans-Dieter/Kaase, Max (Hrsg.): Wahlen und Wähler – Analysen aus Anlass der Bundestagswahlen 1998, Opladen 2001 Korte, Karl-Rudolf: Regieren in: Ders./Weidenfeld, Werner (Hrsg.), Deutschland-Trendbuch, Bonn 2001, S. 515-546 Korte, Karl-Rudolf/Fröhlich, Manuel: Politik und Regieren in Deutschland, Paderborn 2004 Korte, Karl Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, 5. Aufl. Bonn 2005 Noelle-Neumann, Elisabeth/Petersen, Thomas: „Alle nicht jeder.“ Einführung in die Methoden der Demoskopie, Berlin 2004 Nohlen, Dieter: Wahlrecht und Parteiensystem, 3. Aufl. Opladen 2000 Roth, Dieter: Empirische Wahlforschung – Ursprung, Theorien, Instrumente und Methoden, Stuttgart 1998 Zelle, Carsten: Der Wechselwähler, Opladen 1995 Internetquellen www.bundeswahlleiter.de www.wahlen.de http://www.infratest-dimap.de http://www.emnid.de http://www.forsa.de http://www.ifd-allensbach.de http://www.forschungsgruppe-wahlen.de Anmeldungen zur mündlichen Prüfung im Februar 2006 Bitte melden Sie sich zur mündlichen Prüfung bei Frau Melanie Diermann per Mail an: melanie.diermann@web.de Übermitteln Sie Ihren Namen, Ihre Mailadresse, Ihren Studiengang bzw. Ihr erforderliches Prüfungsziel. Bitte besorgen Sie sich vor der Prüfung das notwendige Formular - i.d.R. ist es digital im Internet verfügbar auf den Seiten des Institut für Politikwissenschaft. Spezielle Literatur für die mündlichen Prüfungen zur Vorlesung: (Stand 14.01.06) Aus Politik und Zeitgeschichte: Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament; „Bundestagswahl 2005“, Nr. 32-33 v. 8. August 2005. Aus Politik und Zeitgeschichte: Beilage zur Wochenzeitung DAS PARLAMENT, Analyse der Bundestagswahl 2005, Nr. 51-52 v. 19.12.2005. Gabriel, Oscar W./Holtmann, Everhard (Hrsg.): Handbuch Politisches System der Bundesrepublik Deutschland, 3. Auf. München/Wien 2004. - daraus die Aufsätze zur Bundesregierung und zum Bundestag!!! Korte, Karl-Rudolf/Fröhlich, Manuel: Politik und Regieren in Deutschland, Paderborn 2004 Korte, Karl Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, 5. Aufl. Bonn 2005. Rudzio, Wolfgang: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland, 6. Aufl. Opladen 2003. 1. Strategische Konsequenzen der Bundestagswahl 1.1 Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2005 – SPD: 34,2 % (2002: 38,5 Prozent)– CDU/CSU: 35,2 % (2002: 38,5 Prozent)– GRÜNE: 8,1 % (2002: 8,6 Prozent)– FDP: 9,8 % (2002: 7,4 Prozent)– Die Linke.: 8,7 % (2002: 4,0 Prozent) – Sonstigen: 4,0 % (2002: 3,0 Prozent) Mandate im 16. Deutschen Bundestag – SPD 222 Sitze (2002 : 251) darunter 145 Wahlkreise (2002 : 171) – CDU/CSU 226 Sitze (2002 : 248) darunter 150 Wahlkreise (2002 : 125) – GRÜNE: 51 Sitze (2002 : 55) darunter 1 Wahlkreise (2002 : 1) – FDP: 61 Sitze (2002 : 47) darunter 0 Wahlkreise (2002 : 0) – Die Linke.: 54 Sitze (2002 : 2) darunter 3 Wahlkreise (2002 : 2) Überhangmandate des 16. Deutschen Bundestags SPD 9 Überhangmandate davon 1 in Hamburg 3 in Brandenburg 4 in Sachsen-Anhalt und 1 im Saarland CDU 7 Überhangmandate davon 4 in Sachsen und 3 in Baden-Württemberg 1.2 Was entschied die Wahl? Strategische Schlussfolgerungen Was entschied die Bundestagswahl? Neue Mehrheiten für Unpopuläres Thesen: Zwei ganz unterschiedliche Mobilisierungskonzepte waren nicht erfolgreich, sind aber auch nicht komplett gescheitert. Die Bundestagswahl entschied über das Kleine an den Großen! Abnehmende Konzentration der großen Volksparteien 1966: 86,9 Prozent 2005: 69,4 Prozent Die Krise der Volksparteien-Demokratie; Die Krise der Repräsentation 2. Die BTW entschied über den diskreten Charme der Anarchie! Regelverletzungen, Regelverstöße Geschriebene und ungeschriebene Regeln Delegitimierung von Verfassungsorganen 3. Bei der BTW ist über den Stil und die Qualität des Regierens und Opponierens in der Berliner Republik entschieden worden! Schere zwischen Darstellungs- und Entscheidungspolitik Die Kunst der Inszenierung und der Entlarvung Handwerkliche Fehler des Regierens und Opponierens 4. Bei der BTW ist über den Ort des Regierens und über einen begrenzten Zeithorizont entschieden worden! Aufwertung des Bundestages durch neue Diskussionskultur; Disziplinierungsdruck entfällt Große Koalitionen können nicht abgewählt werden: nur abtreten, sich verabredungsgemäß auflösen, zerfallen 5. Das Ergebnis der BTW ist eine Entscheidung über die Wirkungsmächtigkeit von Echo-Demoskopie! Wirkungsrichtung: Wähler und Regierung Taktisches Stimmensplitting Regieren nach Tages-Demoskopie 6. Die Wähler haben sich bei der BTW mehrheitlich gegen eine weitere kommunikative Ökonomisierung der Lebenswelten entschieden! Allparteien seit 2002: Abkehr von wohlfahrtsstaatlichen Traditionen Als ob alle gesellschaftlichen Konflikte ökonomisch bedingt sind! Mobilisierung für Unpopuläres? Regieren und Opponieren in Zeiten ökonomische Knappheit: Nüchterne Ehrlichkeit Stilsichere politische Führung Schlüssige Reformkommunikation Zeitfenster und Tempowechsel nutzen Immerwährende Regionalkonferenzen Wertorientiertes Leadership Konstituierung und Wahlfunktionen des Bundestages 2.1 Der Bundestag: Formale Stellung und Organisation Der Dualismus von Mehrheit und Opposition: Funktionswandel des Parlamentarismus Dualismus von Parlamentsmehrheit und parlamentarischer Opposition Handlungseinheiten: Regierung, Regierungsmehrheit, Ministerialbürokratie Der Bundestag Rechtliche Stellung Abgeordnete: Art. 38 GG: Wahl der Abgeordneten Spannungsverhältnis zu Art. 21 Art. 46 GG: Indemnität und Immunität Art. 47 GG: Zeugnisverweigerungsrecht Rechte und Diäten Der Bundestag A. Steuerungsstrukturen (Bundestagspräsident, Präsidium, Ältestenrat B. Fachstrukturen (Plenum, Ausschüsse, Gremien etc.) C. Politische Strukturen (Fraktionen, Arbeitsgruppen, Arbeitskreise) Der Bundestag: Organisation des Fraktionenparlaments Fraktionen (5 Prozent der Abgeordneten) Fraktionsdisziplin Ausschüsse Ständige Ausschüsse Plenum Arbeitsparlament/Redeparlament Präsidium Ältestenrat Wissenschaftliche Dienste Der Bundestag: Organisation des Fraktionenparlaments Quelle: Pötzsch 2003, S. 59 Korte/Fröhlich 2004: 44 Korte/Fröhlich 2004: 45 Stellung des Bundestages im parlamentarischen System: Unmittelbare demokratische Legitimation; Grundsatz der Diskontinuität; Geschäftsordnung Gewaltenverschränkung: Bei Staatsleitung hat BT das „letzte Wort“; Bei Führungsaufgaben hat Bundesregierung das „erste Wort“ 2.2 Konstituierung und Auflösung des Deutschen Bundestages Wahlen zum Deutschen Bundestag: Konstituierung des Bundestages und die Wahl des Bundeskanzlers stehen in keinem unmittelbaren Zusammenhang Konstituierung des 16. Deutschen Bundestages Geschäftsordnung des Bundestages § 1 Konstituierung (1) Der neugewählte Bundestag wird zu seiner ersten Sitzung vom bisherigen Präsidenten spätestens zum dreißigsten Tage nach der Wahl (Artikel 39 des Grundgesetzes) einberufen. (2) In der ersten Sitzung des Bundestages führt das an Jahren älteste oder, wenn es ablehnt, das nächstälteste Mitglied des Bundestages den Vorsitz, bis der neugewählte Präsident oder einer seiner Stellvertreter das Amt übernimmt. (3) Der Alterspräsident ernennt Mitglieder des Bundestages zu vorläufigen Schriftführern. Hierauf erfolgt der Namensaufruf der Mitglieder des Bundestages. (4) Nach Feststellung der Beschlussfähigkeit wird die Wahl des Präsidenten, der Stellvertreter und der Schriftführer vorgenommen. Konstituierung des Bundestagspräsidium Bundestagspräsident: Norbert Lammert (CDU) Stellvertreter: Gerda Hasselfeldt (CSU) Wolfgang Thierse (SPD) Stellvertreter: Hermann-Otto Solms (FDP) Katrin Göring-Eckardt (Grüne) Lothar Bisky (Linkspartei) nicht gewählt/ nicht besetzt! Konstituierung des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung Art. 40 GG (Bundestagspräsident) „(1) Der Bundestag wählt seinen Präsidenten, dessen Stellvertreter und die Schriftführer. Er gibt sich eine Geschäftordnung. (2)…“ Bundestagspräsident und Präsidium Zweithöchste Staatsamt in Deutschland; Gestellt von der stärksten Bundestagsfraktion; Nicht abberufbar Funktionen: a. Repräsentant der Volksvertretung b. Sitzungspräsident c. Hausrecht und Polizeigewalt d. Verwaltungsaufgaben Vizepräsidenten Präsident und Vizepräsidenten bilden das Präsidium: wichtiges Steuerungsinstrument Ältestenrat Zentrales politisches interfraktionelles Steuerungsorgan Art.39 GG (Wahlperiode) „(1) Der Bundestag wird auf vier Jahre gewählt. Seine Wahlperiode endet mit dem Zusammentritt eines neuen Bundestages. Die Neuwahl findet frühestens fünfundvierzig, spätestens siebenundvierzig Monate nach Beginn der Wahlperiode statt. Im Falle einer Auflösung des Bundestages findet die Neuwahl innerhalb von sechzig Tagen statt. (2) Der Bundestag tritt spätestens am dreißigsten Tage nach der Wahl zusammen. (3)…“ Auflösung des Bundestages Kein Selbstauflösungsrecht! a. beim Scheitern der Kanzlerwahl (Art. 63 Absatz 4) Bisher nicht vorgekommen. b. beim Scheitern der Vertrauensfrage (Art. 68 Absatz 1) Das Beispiel Schröder 2001(Kopplung Vertrauensfrage mit Inhalt Auflösung Art. 68 GG (Auflösung des Bundestages) „(1) Findet ein Antrag des Bundeskanzlers, ihm das Vertrauen auszusprechen nicht die Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages, so kann der Bundespräsident auf Vorschlag des Kanzlers binnen einundzwanzig Tagen den Bundestag auflösen. Das Recht zur Auflösung erlischt sobald der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen anderen Bundeskanzler wählt. (2)…“ Praktiziert: 1972 (Patt-Situation nach gescheiterten Misstrauensantrag; Enthaltung der Regierung bei Stimmabgabe) und 1982 (Vertrauensfrage nach ungeglücktem Misstrauensantrag; Enthaltung der Regierungsmehrheit bei Stimmabgabe) aktuell 2005 (nach der gescheiteren Landtagswahl in NRW) In allen Fällen ist es in das politische Ermessen des Bundespräsidenten gestellt, den Bundestag vorzeitig aufzulösen. 2.3 Wahl des Kanzlers Phasenmodell der Investitur eines Bundeskanzlers nach Bundestagswahlen: Bundestagswahlen (18.09.2005) Koalitionsverhandlungen/Koalitionsvertrag (nicht im GG!); Konstituierung des (16.) Deutschen Bundestages (Alterspräsident und Wahl des Bundestagspräsidenten; spätestens 30 Tage nach der Wahl); Der Vorschlag des Bundespräsidenten für die Wahl des Kanzlers; Entlassung (Urkunde) des noch amtierenden Kanzlers durch den Bundespräsidenten; Entlassung der Minister; Amtsdauer Wahl des neuen Bundeskanzlers durch Bundestagsmehrheit; Ernennung (Urkunde)/Vereidigung durch den Bundestagspräsidenten (Amtseid); Konstituierung der Bundesregierung (Ernennung/Urkunden der Minister durch Bundespräsidenten auf Vorschlag des Kanzlers Erste Kabinettssitzung Art. 62 GG (Zusammensetzung der Bundesregierung) „Die Bundesregierung besteht aus dem Bundeskanzler und aus den Bundesministern.“ Art. 63 GG (Bundeskanzler) „(1) Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag ohne Aussprache gewählt. (2) Gewählt ist, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages auf sich vereinigt. Der Gewählte ist vom Bundespräsidenten zu ernennen. (3) Wird der Vorgeschlagene nicht gewählt, so kann der Bundestag binnen vierzehn Tagen nach dem Wahlgange mit mehr als der Hälfte seiner Mitglieder einen Bundeskanzler wählen.“ „(4) Kommt eine Wahl innerhalb dieser Frist nicht zustande, so findet unverzüglich ein neuer Wahlgang statt, in dem gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhält. Vereinigt der Gewählte die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages auf sich, so muss der Bundespräsident ihn binnen sieben tagen nach der Wahl ernennen. Erreicht der gewählte diese Mehrheit nicht, so hat der Bundespräsident binnen sieben tagen entweder ihn zu ernennen oder den Bundestag aufzulösen.“ Grundgesetz sieht somit drei Phasen der Kanzlerwahl vor: Geschäftsordnung § 4 zur Wahl des Bundeskanzlers: verdeckte Stimmzettel; Wahlvorschläge zu den Wahlgängen gemäß Art.63 GG Abs. 3 und 4/einem Viertel der Mitglieder des Bundestages Kanzlerinnenwahl am 22.11.2005 448 Stimmen der Mehrheitsfraktion (Union und SPD) 308 Stimmen = Kanzlermehrheit Faktisch erhalten: 397 Ja-Stimmen 51 Nein-Stimmen Quelle: Korte, Wahlenbuch 2005, S. 52 Art. 64 GG Ernennung und Entlassung der Bundesminister „(1) Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen. (2) Der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten bei der Amtsübernahme vor dem Bundestage den in Artikel 56 vorgesehen Eid.“ Art. 69 GG (Stellvertreter; Amtszeit) „(1) Der Bundeskanzler ernennt einen Bundesminister zu seinem Stellvertreter. (2) Das Amt des Bundeskanzlers oder eines Bundesministers endigt in jedem Falle mit dem Zusammentritt einen neuen Bundestages, das Amt eines Bundesministers auch mit jeder anderen Erledigung des Amtes des Bundeskanzlers.“ „(3) Auf Ersuchen des Bundespräsidenten ist der Bundeskanzler, auf Ersuchen des Bundeskanzlers oder des Bundespräsidenten ein Bundesminister verpflichtet, die Geschäfte bis zur Ernennung seines Nachfolgers weiterzuführen.“ Kanzlerwahl durch Konstruktives Misstrauensvotum Art. 67 (Misstrauensvotum) „(1) Der Bundestag kann dem Bundeskanzler das Misstrauen nur dadurch aussprechen, dass er mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt und den Bundespräsidenten ersucht, den Bundeskanzler zu entlassen. Der Bundespräsident muss dem Ersuchen entsprechen und den Gewählten ernennen. (2)…“ Quelle: Pötzsch 2003, S. 61 praktiziert: 1972 Barzel gegen Brandt (negativer Ausgang i.S. des Antrags) 1982 Kohl gegen Schmidt (positiver Ausgang i.S. des Antrags) Wahl des Bundeskanzlers und Regierungsbildung Wahl der Bundeskanzler Normale Kanzlerwahl- Ernennungsverfahren In fast allen westeuropäischen Staaten: Ministerpräsidenten/Premierminister/Kanzler an der Spitze der Regierung. Kabinett fungiert als kollegiales Beratungs- und Beschussorgan. Besonderheiten des Investiturverfahrens Bundespräsident ernennt Kanzler nachdem Bundestag ihn gewählt hat Geheime Wahl Absolute Mehrheit erforderlich Personalunion zwischen Regierungschef und Parteivorsitz nicht notwendig 2.4 Struktur-Prinzipien der Bundesregierung Art. 65 GG „Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung. Innerhalb dieser Richtlinien leitet jeder Bundesminister seinen Geschäftsbereich selbstständig und unter eigener Verantwortung. Über Meinungsverschiedenheiten zwischen den Bundesministern entscheidet die Bundesregierung.“ a. Kanzlerprinzip/Richtlinienkompetenz Kabinettsbildungsrecht Leitungskompetenz Organisationsgewalt des Bundeskanzlers (Einschränkung durch Koalitionsvertrag 2005!) b. Ressortprinzip c. Kollegialprinzip d. Koalitionsprinzip e. Parteiprinzip Die Struktur der Bundesregierung Infrastruktur und Praxis der Regierungsarbeit: Bundesministerien und Kanzleramt Informelle Strukturen Praxis der Regierungsarbeit Praxis der Großen Koalition? Organisationsschema Bundeskanzleramt Der Spiegel: 17. September 2005, Nr. 38, S. 31 Praxis der Regierungsarbeit Geschäftsordnung der Bundesregierung 2.5 Das System Merkel Der Spiegel: 21.Nov. 2005, Nr. 47, S. 25 Dr. Angela Merkel: Politischer Werdegang Stellvertretende Regierungssprecherin der Regierung de Maizière 1990: Referentin im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 1990; 1989 Mitglied des „Demokratischen Aufbruchs“ 1990 Mitglied der CDU; Dezember 1991 bis November 1998 stellvertretende Vorsitzende der CDU Deutschland; Juni 1993 Vorsitzende der CDU Mecklenburg-Vorpommern; Mitglied des Bundestages seit 1990; 18. Januar 1991 bis 17. November 1994 Bundesministerin für Frauen und Jugend; 17. November 1994 bis 26. Oktober 1998 Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit; 07. November 1998 bis 10. April 2000 Generalsekretärin der CDU Deutschlands; 10. April 2000 Vorsitzende der CDU Deutschlands; September 2002 Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag; Thesen zum Stil und zur Entscheidungsfindung von Angela Merkel Gesamtgefüge Verfassungsorgane: Stil: Nüchtern, schlicht, Abkehr vom Politikentertainment; selbstdarstellungsarm; Distanzbedürfnis; Charisma-Defizite Machtorganisation: Macht-Physikerin; Entscheidungsfindung nach naturwiss. Anordnung Thesen zum Stil und zur Entscheidungsfindung von Angela Merkel Problem einer normativen Verortung: Profil? Prinzip „unverdächtiger Harmlosigkeit“ Steuerung ohne strategisches Zentrum „Bedingte Führung“ Koalitions-Führung – noch nicht konturiert 3. R e g i e r u n g s b i l d u n g 3.1 Ausgangsbedingungen für die Regierungsbildung: Formale Bildung der Bundesregierung in zwei Abschnitten (Art. 63 und 64 GG), nachdem sich der Bundestag konstituiert hat. Die informellen Prozesse der Regierungsbildung beginnen allerdings unmittelbar nach der Wahl: a. Wahl des Bundeskanzlers steht in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Konstituierung des Bundestages; Setzt das Vorschlagsrecht des Bundespräsidenten voraus! Bundespräsident ist nicht an „Kanzlerkandidaten“ gebunden (Wahl des Bundeskanzlers wird unter Gliederungspunkt 2 noch aktualisiert, wenn die Wahl von Merkel konkret ansteht) b. Ernennung der Bundesminister Kanzlermacht? Richtlinienkompetenz? Parteimacht? Ausgangsbedingungen: Sondierungsgespräche/Sondierungen beginnen am Wahl-Nachmittag Sonntag, der 18. September mit Vorlauf ab Freitag: keine Mehrheiten in Sicht! Atmosphäre der Unsicherheit und Ungleichzeitigkeiten Strukturelle Minderheitenpositionen Festlegungen im Wahlkampf – Ausschluß-Verfahren (z.B. Parteitagsbeschluß der FDP) Multikoalitionsfähigkeit? 3.2 Das Wahlergebnis: Optionen der Mehrheitsbildung 5 Fraktionen, 6 Parteien (eigentlich 7, denn WASG plus PDS); Beim Wahlakt ist für den Wähler unklar, zu welcher Regierungsbildung seine Stimmabgabe führt: Asymmetrie des Parteiensystems Bundestag-Bundesrat Varianten: Ampel (rot-gelb-grün): Modelle auf Landesebene gescheitert (z.B. Bremen 1991-1995; Brandenburg 1990-1994) Jamaika (schwarz-gelb-grün): große Mehrheit im Bundesrat; die Rolle der Protagonisten; Fischers-Rückzug Linkes Bündnis Rot-Rot-Grün Minderheits-Regierung nach Art. 63: Tolerierungs-Modelle (Schröder als Minderheitskanzler nach Scheitern der Vertrauensfrage?) Definition: Eine Minderheitsregierung ist eine Regierung, deren Vertreter keine Mehrheit im Parlament haben. Zum Beschluss von Gesetzen müssen deshalb Mehrheiten gemeinsam mit anderen im Parlament vertretenden Parteien gesucht werden. Weimarer Republik: Weimarer Verfassung: Reichspräsident konnte nach Belieben den Reichskanzler einsetzen und entlassen; sog. Präsidialkabinette ohne parlamentarische Mehrheiten (Brüning, von Papen, von Schleicher) Bundespräsident kein Ersatzmonarch! Zwar Reservefunktion, die aber als stabilisierende Faktoren gelten sollen. (63 Abs. 4 und 68 Abs.1) Beispiele auf Bundesebene: „allein gelassene Regierungen“ – nach Koalitionsbruch; in keinem Fall über Art. 63, Abs. 4 im Amt. 1966 ging die FDP aus der Regierung 1982 verließ die FDP die Regierung Beispiel auf Landesebene Sachsen-Anhalt: Magdeburger Modell (1994-2002 Höppner) Neuwahl nach Art. 63 Brautschau Provokations-Poker „Preise nach oben treiben“ ODER – als letzte Variante : Große Koalition (nur 36 Stimmen im Bundesrat!) (Details folgen später dazu!) Große und kleine Koalitionen Machtwechsel-Typen: in der Regel dosierte Macht- und Regierungswechsel in Deutschland, so auch diesmal Einzige Ausnahme: 1998 3.3 Machtprofile des Wahltages T h e o r i e: Politische Macht Politische Macht ist kein Attribut einzelner Akteure, sondern ein r e l a t i o n a l e s , sich aus dem Tausch von Ressourcen ergebendes Phänomen (Machtprämien, Machtwährungen, fluide Macht). Wer Macht ausüben will, ist bei ihrem Gebrauch angewiesen auf andere Akteure. Folglich lassen sich die Macht- und Einflussbeziehungen zwischen Akteuren nicht als einfaches Nullsummenspiel (der eine gewinnt- der andere verliert) interpretieren, in dem der Zugewinn des einen dem Verlust des anderen entspricht: Neue Akteure können zugewinnen; mehrere Akteure können Macht verlieren; kurzzeitig können mehr verlieren als zugewinnen... Kommunikative Macht Macht durch Einfluss weniger durch Herrschaft Fluide Machtgrundlagen, stimmungsflüchtig Parteimacht: lose verkoppelte Anarchie (Bsp. Zur Zeit Stoibers Machtverlust) Die öffentliche Arena: Mediendemokratie Aufmerksamkeit als Machtprämie! Darstellungs- vs. Entscheidungspolitik Bilder und Sprache: Unterschiedliche Wirkungen und Legitimationen Sprache als Instrument der Politik; Sprachlosigkeit führt zu Machtverlust Politische Sprache: formelhaftig, höchst funktional, machtabsichernde Floskeln, intentional, Beispiele: Reformkommunikation? Die Sprache der SPD: Müntefering/Platzeck? Die Sprache der Großen Koalition; Die Sprache des Bundespräsidenten bei der vorzeitigen Auflösung des Bundestages; Gegen-Entwürfe zur Sprachwahl des Bundespräsidenten Die Sprache des Außenministers im Visa-Ausschuss Medien - Macht ? Regierungen regieren – nicht Medien! Medien haben nur in Ausnahmefällen direkten Einfluss auf das Regierungshandeln und die Gesetzgebung Medien entscheiden nichts! Sie verstärken und vergröbern Tendenzen: Verstärkerfunktion Medien sind Taktgeber und Formatgeber der Politik Medienmacht ist eine „als ob Macht“ Entscheidend ist weniger, ob Medien tatsächlich Macht haben, entscheidend ist, ob allgemein angenommen wird, dass Medien Macht haben Wenn ja: dann verhalten sich alle so, als ob die Medien Macht hätten Wenn alle Machtgrundlagen stimmungsflüchtiger geworden sind, dass sind Medien als Stimmungssimulatoren wichtig, aber keine Ersatz für Politik Fernsehen nicht mehr nur Medium der Wirklichkeitsvermittlung, sondern eine eigene Dimension der Wirklichkeit P r a x i s: „Elefanten-Runde“ am Wahlabend Wirkungsmächtigkeit der Bilder des Wahlabends (vier Jahre lang!) die „Elefanten“ treffen ein im Hauptstadt-Studio ZDF Konsequenzen der „Elefantenrunde“ Der Vorwurf der gezielten, gesteuerten, absichtsvollen Medienkampagne; Schröder: gefühlter Sieger, auch über die Medien und zugleich durch seinen –Auftritt das größte Opfer der Medien an diesem Abend Nach aussichtsloser Wahl: erfolgreich verloren! Siegesrausch Extrem undemokratischer und unhöflicher Umgang mit der Gegenkandidatin schon von 1969 überliefert: wer als erster vor die Kameras ging und seinen Führungsanspruch anmeldete, gewann einen entscheidenden Vorsprung: damals Brandt mit der Initiative des Handelns, während Kiesinger erklärte, die Regierungsbildung habe Zeit... Merkel versäumt es, Siegerbilder zu produzieren (stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag nach 7 Jahren) Ursachen und Folgen: Ablenkung Schröders von der eigenen doppelten Kapitulation nach NRW Wahlverlust Ablenkung Schröders von einem extrem schlechten SPD-Ergebnis Anspruch auf Kanzlerschaft: gleiche Augenhöhe für Verhandlungen; Preis für Verhandlungen nach oben treiben Kampf-Solidarisierung im Unionslager um Merkel herum Keine Aufarbeitung des extrem schlechten Unions-Wahlergebnis (1998, 2002,2005 deutlich unter 40 Prozent; zweite schlechte Kampagne-Planung) Fehlender Brückenbau Schröders zu anderen möglichen Koalitionspartnern (diplomatisch offene Optionen verbaut) Fischer distanziert sich auch durch Körpersprache von Schröder (angedeuteter Abgang) Große Koalition mit Schröder an der Spitze war nach diesem Auftritt undenkbar 3.4 Die Vorgeschichte der Großen Koalition Die Sondierungsgespräche: „Jamaika-Hype“ für einige Tage plus: Sondierungen der Großen Koalition a. größere Verhandlungsrunde Union und SPD – Zwei Treffen b. kleinere Findungskommission („Die glorreichen Vier“) – Drei Treffen nach Rückbindung an Parteigremien (incl. Steinmeier) Gegenstand der Sondierungsgespräche Anerkennung der Mehrheitsregel? Parl. Routine „Vertrauensbildende Maßnahmen“ Findungskommission a. Personalangelegenheiten (Ausgleichsforderungen) b. Zuschnitt der Ministerien (Zustand vor 1998?) c. Formen der Zusammenarbeit (Koalitionsrunde, keine wechselnde Mehrheiten; Bundesrat?) d. Politische Ziele Erfolgsbedingungen der Findungskommission: a. Theoretisch Verhandlungsstrategie der Akteure: Die Handlungsorientierungen von Akteuren korrespondieren mit unterschiedlichen Verhandlungsstrategien Typus: Einigung erscheint zunächst nicht möglich, da zunächst kein Ergebnis gefunden werden kann, das die Minimalpräferenzen beider Verhandlungspartner Anreizstrategie/verschiedene Formen der Kompensation: durch Erweiterung des Verhandlungsgegenstandes zu größeren Verhandlungspaketen (package deals), durch die Verknüpfung von sachlich getrennten Problemen in einem Koppelgeschäft (issue linkage), durch die Kompensation voraussichtlicher Verluste eines Verhandlungspartners durch Geldzahlungen des anderen (Ausgleichszahlungen) Abhängig auch grundsätzlich vom Akteursprofil! Zeitstrategien Ort-Strategien Verhandlungsphase: Auswahl der Strategie, Verbesserung des Einflusses, konkreten Vorschlag machen, Erklärung und Rechtfertigung der eigenen Vorschläge, Festzurren der wichtigen Details. Vollzugsmandat! Wichtigste Bedingungen: Verschwiegenheit, Geheimhaltung; alles Sieger (Gesichtswahrung) b. Praktisch Konsequenzen aus der „Elefantenrunde“: Extra Bonus für den Verzicht auf das Kanzleramt? Gegenleistungen für den Verzicht auf den Regelverstoß? (größere Partner stellen in der Koalition immer den Chef) Wahlergebnis als Ausgangsbasis der Verhandlungen gegenüber dem Verhandlungspartner und nach innen gegenüber der eigenen Partei Autoritätsverfall nach schlechtem Wahlergebnis bei CDU, CSU, SPD Vollzugsmandat: Rückbindung an die Parteigremien beachten? Linke Verhinderungsmehrheit in eine positive Gestaltungsmehrheit überführen? Tauschmasse Verfassungsorgane? Anerkennung der Mehrheitsregel? (Münte: noch 1998 als Argument gegen zweiten Vizepräsidenten der Union im BT) 3.5 Das Ergebnis der Sondierungsgespräche Montag, der 10. Oktober 2005 Durchbruch 8.58 Uhr ZDF: Neue Machtstrukturierung im Umfeld von Merkel; Abschied von Schröder; Nachlaß-Verwalter?; Helden des Rückzugs (Fischer) Offensive Union; Taktgeber Defensive Augenhöhe nur noch symbolisch, nicht mehr faktisch (Hierarchie kehrt zurück); Runde Tische als Fiktion – trotz Kritik an Richtlinienkompetenz Text: „Grundlagen für Koalitionsverhandlungen von Union und SPD“ 16 (bzw. 17) Arbeitsgruppen Steuerungsgruppe:Vorsitz: Kajo Wasserhövel und Olaf Scholz (beide SPD), Volker Kauder (CDU), Erwin Huber (CSU) Arbeit und Soziale Sicherung:Vorsitz: Franz Müntefering (SPD), Ronald Pofalla (CDU) Aufbau Ost:Vorsitz: Wolfgang Tiefensee (SPD), Wolfgang Böhmer (CDU) Außen und wirtschaftliche Entwicklung:Vorsitz: Frank-Walter Steinmeier und Heidemarie Wieczorek-Zeul (beide SPD), Michael Glos (CSU) Bildung:Vorsitz: Edelgard Bulmahn (SPD), Annette Schavan (CDU) Familie:Vorsitz: Renate Schmidt (SPD), Ursula von der Leyen (CDU) Föderalismus:Vorsitz: Klaus Uwe Benneter und Franz Müntefering (beide SPD) sowie Wolfgang Schäuble (CDU) und Edmund Stoiber (CSU) Gesundheit:Vorsitz: Ulla Schmidt (SPD), Wolfgang Zöller (CSU) Haushalt und Steuern:Vorsitz: Peer Steinbrück (SPD), Roland Koch (CDU) Innen:Vorsitz: Brigitte Zypries (SPD), Wolfgang Schäuble (CDU) Justiz:Vorsitz: Brigitte Zypries (SPD), Wolfgang Bosbach (CDU) Kultur:Vorsitz: Wolfgang Thierse (SPD), Norbert Lammert (CDU) Umwelt:Vorsitz: Sigmar Gabriel (SPD), Klaus Lippold (CDU) Verbraucherschutz und Landwirtschaft:Vorsitz: Brigitte Zypries (SPD), Horst Seehofer (CSU) Verkehr, Bau- und Wohnungswesen:Vorsitz: Wolfgang Tiefensee (SPD), Dirk Fischer (CDU) Verteidigung:Vorsitz: Peter Struck (SPD), Franz Josef Jung (CDU) Wirtschaft und Technologie:Vorsitz: Ludwig Stiegler (SPD), Edmund Stoiber (CSU) 3.6 Formen der Zusammenarbeit; Bedingungen des Erfolgs: Anerkennung der parlamentarischen Regeln: Die stärkste Fraktion stellt den Bundestagspräsidenten! Der Kanzler wird derjenige, der in geheimer Wahl eine Mehrheit der Stimmen erhält; Brandt 1969; Schmidt 1976 bis 1983 zweitstärkste Fraktion! In einer Koalition stellt der stärkere Partner den Chef! Bedingungen: Besetzung paritätisch; Besetzung spiegelbildlich Koalitionsausschuss, Koalitionsrunde (Verlagerung der Entscheidungsstrukturen); Ort des Treffens; Orte der kollektiven Willensbildung? Koalitionszwillinge: Kauder – Struck (Röttgen-Scholz) Sondergremien: z.B. BT-BR? Wechsel des Regierungsstils Profilierung der Moderatorin in Verfahren der Schlichtung und des Streits SPD mit Generalsekretär-Diskussion : Rolle der Partei beim Regieren in einer Großen Koalition? Plus Richtungsstreit Parteien müssen mit allen Flügeln hinreichend am Koalitionsprozeß beteiligt sein z.B. SPD mit „Seeheimer Kreis“; „Parlamentarische Linke“, „Netzwerk“ Koalitionsdemokratie Bundesregierungen als Koalitionsregierungen Koalition: Zweckbündnis von Akteuren zur Verfolgung gemeinsamer Interessen/Parteibündnis Koalitionspraxis hat die Regierungspraxis stabilisiert Prozesse der Informalisierung des Regierens hängen auch damit zusammen Unterschiedliches Verständnis der Kanzler zum Koalitionspartner Koalitionsdemokratie funktioniert nur im Zusammenspiel mit den Mehrheitsfraktionen des Deutschen Bundestages : „parlamentarisches Mitregieren/Mitsteuern“ Koalitionsverhandlungen und Koalitionsbildung (Theorie) Spieltheorie als Grundlage einer formalisierten Koalitionstheorie (Vgl. S. Kropp, Regieren in Koalitionen, Wiesbaden 2001 und Dies. (Hrsg.), Koalitionen in West- und Osteuropa, Opladen 2002) Ausgangspunkt: rationaler, nur an der eigenen Nutzenmaximierung orientierter Akteur Kritik: unklar, wie Kooperationsgewinne aufgeteilt werden Deshalb: Interaktionen und Strategien von Koalitionsparteien sind stets von einem Mischungsverhältnis aus kooperativen und wettbewerbsorientierten Handlungsmustern bestimmt (gilt auch schon für die Verhandlungen) Strategiemuster zur Optimierung der Verhandlungen: „ständiger Vermittlungsausschuss: 190 Unterhändler in 16 Arbeitsgruppen Kontaktbörse (noch nie länger miteinander gesprochen)/vertrauensbildende Maßnahmen Trainingsfeld: üben mit dem einstigen Gegner Psychologie der Tarifverhandlungen: „Ein Ergebnis gibt es erst, wenn alle erschöpft sind, alles gesagt ist und der Termindruck Entscheidungen erzwingt“ (Scholz) Neue Wahrnehmung/neues Personal: „Dolmetscher“ nicht Ideologen Frontverlauf: nicht gerade Linien, sondern Schlangenlinien; mehr Verbündete als Gegner; Rituale der gegenseitigen Schuldzuweisung greifen nicht mehr (Referenzsysteme) Festsetzung der Terminierung zu Beginn vom Ende her (Parteitage/Kanzlerwahl) Zeitplan Grundsatz: Solange nicht alles vereinbart ist, ist nichts vereinbart! 4 Augen/8 Augen-Gespräch am Ende hohe Einigkeit: Außenpolitik/Verteidigung, Innenpolitik, Bildung/Familie Halma oder Poker? Strategie-Spiele? Probleme: Chronisch instabil? , da beiden Parteien ihre Stammwähler dauerhaft irritieren? Zeit-Dimension: Koalitions-Auflösungs-Attentismus (abwartende Haltung) Zum gemeinsamen Erfolg gezwungen Reparatur-Betrieb oder Euphorie des Anfangs Gestaltungsauftrag annehmen? Formative Phase der Republik genau in diesem November zu vereinbaren? 3.7 Das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen: Die Koalitionsvereinbarung der Großen Koalition Koalitionsbildung vor Kabinettsbildung! Dauer der Verhandlungen (Beginn der Koalitionsverhandlungen und Wahl des Bundeskanzlers) zwischen 23 Tagen (1969) und 65 Tagen (1961) oder 73 Tagen (1976). Chronologie der Koalitionsverhandlungen 2005 18. September: Gerhard Schröder erklärt sich und die SPD zum Wahlsieger. In der Berliner Runde schließt Gerhard Schröder eine große Koalition unter Angela Merkel „bei dieser Sachlage“ kategorisch aus. 22. September: Erstes Sondierungsgespräch von jeweils sieben Politikern von Union und SPD. Beide Seiten erheben weiterhin Anspruch auf die Kanzlerschaft. 23. September: Sondierungsgespräche zwischen Union, FDP und Grünen scheitern endgültig. Die eine „Jamaika-Koalition“ ist damit vom Tisch. 28. September: Zweite Runde der Sondierungsgespräche. Weiterhin keine Einigung bei der „K-Frage.“ 2. Oktober: Nachwahl in Dresden. Die CDU vergrößert Vorsprung auf vier Sitze. Schröder deutet Verzicht auf Kanzlerschaft an. 5. Oktober: Drittes Sondierungsgespräch zeigt eine „breite politische Basis“ beider Parteien. 6. Oktober: Erstes Acht-Augen-Gespräch. Keine Einigung bei K-Frage. Bis 9. Oktober: Weitere erfolglose Spitzengespräche 10. Oktober: Am Rande der Präsidiumssitzungen beider Parteien sickert durch, dass Merkel Kanzlerin wird. 13. Oktober: SPD-Präsidium akzeptiert Ergebnis der Verhandlungen. Merkel wird Kanzlerin (CDU: 6 Ministerämter + Kanzleramt). Müntefering Vizekanzler (SPD: 8 Ministerämter und Erstwahlrecht) 18. Oktober: Das Kabinett Schröder erhält die Entlassungsurkunden bleibt aber geschäftsführend im Amt 24. Oktober: Die Unterhändler von Union und SPD einigen sich auf Einsparungen in Höhe von rund 35 Milliarden Euro für 2007. 27. Oktober: Nach der dritten Runde der Koalitionsverhandlungen erwägen Union und SPD eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre. 20. Oktober: Die Arbeitsgruppen für Arbeitsmarkt-, Umwelt-, Innen- und Außenpolitik treffen sich zum ersten Mal. Beginn der „konkreten Verhandlungen“. 21. Oktober: Die Spitzen von Union und SPD bestimmen die Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen Finanz- und Wirtschaftsministerium in Europafragen. Außerdem deutet sich eine rasche Streichung der Eigenheimzulage an. 31. Oktober: Müntefering kündigt nach der Niederlage in einer Abstimmung über den künftigen SPD-Generalsekretär seinen Rückzug von der Parteispitze an. CSU-Chef Edmund Stoiber deutet an, nicht nach Berlin zu kommen. Der Fahrplan für die Verhandlungen soll dennoch eingehalten werden. 1. November: Die CSU bestätigt, dass Stoiber nicht in das Kabinett Merkel eintreten will. Neuer Wirtschaftsminister soll CSU- Landesgruppenchef Michael Glos werden. 2. November: Der SPD-Vorstand nominiert den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck als neuen Parteichef. 4. November: Angesichts des Haushaltsdefizits schließen Union und SPD eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf bis zu 20 Prozent nicht mehr aus. Die SPD will ihre Zustimmung an die Einführung einer "Reichensteuer" knüpfen. 7. November: In der Föderalismusreform wird Einigung erzielt. Die Neuordnung der Bund-Länder-Beziehung soll die erste große Reform der geplanten großen Koalition werden. Union und SPD verständigen sich, das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre heraufzusetzen. 10. November: Bei der geplanten Schlussrunde der Verhandlungen sind noch hohe Hürden zu überwinden. Strittig sind die Lockerung des Kündigungsschutzes und Steuererhöhungen zur Sanierung des Haushalts. 11. November: Erfolgreicher Abschluss der Koalitionsverhandlungen. 14. November: Parteitage der Parteien. Koalitionsverhandlungen in Zahlen: Offiziell dauern Koalitionsverhandlungen von den Aufnahmen der Gespräche durch die Delegationen der Parteien bis zur Unterschrift unter dem Koalitionsvertrag. Dauer: Sondierungsgespräche bis Parteitag 22. September – 14. November 52 Tage Dauer: Spitzengespräche bis Parteitag 8. Oktober – 14. November 37 Tage Dauer: Gespräche der Parteiendelegationen bis Fertigstellung des Vertrags 20. Oktober -11. November 22 Tage eigentliche Verhandlungen Dauer: Gespräche der Parteiendelegationen bis Parteitag 20. Oktober – 14. November 25 Tage Gewaltverschränkung sichtbar: Parteiendemokratie; Koalitionsvereinbarungen = Informalisierung des Regierungshandelns von Parteibündnissen (institutionalisierte Kooperations- und Entscheidungsregeln Koalitionsregierungen stehen nicht im GG; Zwei Typen: a. nach der Bundestagswahl b. zwischen den Bundestagswahlen Formalisierung der Koalitionsvereinbarungen (Parteitage zur parteiinternen Legitimation; Unterschrift der Verhandlungsführer; Präsentation der Vereinbarung gegenüber der Öffentlichkeit) Die Inhalte der Koalitions- Vereinbarung (Reform-Bedarfsgemeinschaft) „sanieren, reformieren, investieren“ 3.8 Die Geschichte der Großen Koalitionen in Deutschland Bundesländer: häufiger ; zur Zeit: Bremen, Brandenburg, Sachsen, Schleswig-Holstein Bundesregierung: nur 1966-1969 Bundeskanzler Kiesinger Sehr populär in der Bevölkerung; „Frischzellen-Therapie für Union“; Regierungsfähigkeit der SPD Bleibende Ergebnisse: Neuordnung bundesstaatlicher Finanzverfassung Gesetz über Stabilität und Wachstum Gesetz über Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (alles: Ausbau Sozialstaat und einer Globalsteuerung) Notstands-Gesetze 3.9 Die Große Regierungserklärung „Das Wort hat der Herr Bundeskanzler“ Antrittsreden als Große Regierungserklärungen Berichtspflicht und Programmplanung Politische Funktionen: A. Entfaltung der Programmatik, des Standortes B. Entscheidungspaket C. Ausdrucksform der Richtlinienkompetenz/Führungsinstrument D. Zeitgeschichtliches Dokument Entstehungsprozeß: Innensichten der Macht Rolle der Redenschreiber Informelles Informationsmanagement Wahlsystem 4.1 Wahlbegriff und Funktionen Wahl (nach Nohlen) : Eine demokratische Methode/Technik der Bestellung von Personen in Vertretungsorgane oder Führungspositionen. Wahlen sind die Methode politischer Herrschaftsbestellung, welche die der Herrschaft unterworfenen Bürger in einem auf Vereinbarung beruhenden, formalisierten Verfahren periodisch an der Erneuerung der politischen Führung beteiligt: Voraussetzung bleibt Auswahl und Wahlfreiheit zwischen konkurrierenden Sach- und Personenalternativen Abstimmung: Verfahren zur Ermittlung der Mehrheit bei Sachentscheidungen, während die Wahl der Bestellung von Personen dient Herrschaftsform: Kompetitive (wettbewerbsausgerichtet/ergänzende) Wahlen in liberal-demokratischen Verfassungsstaaten Abgrenzend zu: semi-kompetitiven Wahlen in autoritären Systemen Oder nicht-kompetitiven Wahlen in totalitären Systemen Warum wählen? Wahlen und Demokratie Gewaltenteilung Anerkennung von Mehrheitsregeln und Mehrheitsprinzip Volkssouveränität: Eine durch Wahlen legitimierte Herrschaft- bzw. Regierungsform mit verfassungsmäßig geregelter periodischer Zustimmung des Volkes. Volksentscheid Volksbegehren Volksbefragung Direkte vs. repräsentative Demokratie Grundfunktionen und Merkmale: Repräsentation des Volkes Legitimation und Kontrolle von politischer Herrschaft Integration der Meinungen Unterschiedliche Funktionen je nach Systemtyp 4.2 Wahlrecht und Wahlgrundsätze allgemein unmittelbar gleich frei geheim Wahlrecht und Wahlgrundsätze Grundsätze des Wahlrechts haben sowohl begrifflich als auch rechtshistorisch einen Wandel durchgemacht. vier Grundprinzipien, die klar definiert sind: allgemein gleich direkt geheim Grundfragen: Do Electoral Systems Matter? a.Wahlsysteme gestalten Wählerwillen u n d Wahlergebnis. b.Die politischen Auswirkungen und die politische Richtung von Wahlsystemen sind umstritten. c.Wahlsysteme sind nur im Kontext zu interpretieren: politische Kultur, Struktur des Parteiensystems, Stabilität des Regierungssystems. 4.3 Wahlsysteme im Vergleich Grundlegende Unterscheidung; Mehrheitswahl und Verhältniswahl Unterscheidung zielt nicht auf technisches Verfahren, sondern auf die Funktion und die politische Intention von Wahlsystemen. Immer: Stimmzahlen in spezifischer Weise in Mandatsergebnisse umsetzen. Definitionen Mehrheitswahl: Wenn der Kandidat, der die (absolute oder relative) Mehrheit erzielt, gewählt ist. Alle Abgeordneten werden in Wahlkreisen gewählt. Parteilisten gibt es nicht. Die im Wahlkreis siegende Partei bekommt das Mandat. Alle anderen gehen leer aus. Verhältniswahl: Wenn die politische Repräsentation möglichst exakt die Verteilung der Stimmen auf die Parteien widerspiegelt. Bei der Verhältniswahl stellt jeder Partei so viele Abgeordnete, wie es ihrem prozentualen Anteil an den abgegebenen Wählerstimmen entspricht. Mehrheitswahl und Verhältniswahl können nach zwei Kriterien definiert werden: Repräsentationsprinzip = politische Zielvorstellung auf der Ebene des nationalen Wahlergebnisses b.Entscheidungsregel = Methode der Übertragung von Stimmen in Mandat Das relative Mehrheitswahlsystem Reform des britischen Wahlrechts Roy Jenkins Kommission (Okt. 1998 vorgelegter Bericht) weitgehende Proportionalität herstellen; Regierungsstabilität sichern; Wahlmöglichkeiten des Wählers erweitern; Verbindung zwischen den Abgeordneten und ihren Wahlkreisen aufrechterhalten; „Mixed System“ - Die absolute Mehrheitswahl a.Wahl in Einerwahlkreisen beibehalten; Wahlkreiseinteilung und Wahlverfahren im Wahlkreis werden jedoch verändert; Zusätzliche Großwahlkreise „Top up areas“ einzurichten: proportionaler Ausgleich ca. 85 % aller Sitze im House of Commons: Wahlkreismehrheitssystem beibehalten (neu: absolute Mehrheit; Nummerierung des Kandidaten) ca. 15 % nach Proporzsystem auf Parteien zu verteilen. Das Beispiel Frankreich Die Verhältniswahl: In der Mehrzahl der westlichen Industrieländer wird heute nach Verhältniswahl gewählt. Der Erfolgswert der Stimmen ist gleich. Die Zuordnung von Stimmabgabe und Wahlergebnis ist schwierig (Verrechnungsverfahren). Hochburgen können sich in der Regel nicht ausbilden. Die Unabhängigkeit des Abgeordneten ist niedriger als beim Majorz System. Die Variationsbreiten von Verhältniswahlsystemen ist sehr groß. 4.4. Personalisiertes Verhältniswahlsystem Kein Mischwahlsystem in der Bundesrepublik Deutschland! Prinzip der proportionalen Repräsentation mit einer Mehrheitskomponente verbunden Vorteile: Stabilität des Parteiensystems; Bürger nutzen die Direktstimme nicht nur strategisch, sondern auch zur Persönlichkeitswahl Ausschluß kleiner Parteien durch die fünf Prozentklausel Feststellung der Mandatszahl jeder Partei Aufteilung der Sitze auf Landeslisten 4.Berücksichtigung der Direktmandate Rechtliche Änderungen gegenüber der Bundestagswahl 1998: Wahlkreiseinteilung Verkleinerung des Bundestages Wegfall der Wahlumschläge bei Urnenwahl Änderung der Wahlkostenerstattung Auswirkungen von Wahlsystemen Wirkungsrichtung a.im Nachhinein („mechanischer Faktor“) Die Regelungen des Wahlrechts bestimmen, ob und wie die Stimmen der Wähler in Mandate umgewandelt werden. b.im Voraus („psychologischer Faktor“) Das Wahlrecht formt die Wahlentscheidung: „Leihstimmen“, „keine Stimme verschenken“... Wahlrecht ist immer auch politisches Recht. Wahlrecht ist nur im Kontext der Verfassung zu sehen. Wahlrecht ist immer auch technisches Recht. Wahlforschung und Wählerverhalten Wahlforschung im Spannungsfeld von: Empirischer Sozialforschung Politischer-Kulturforschung Demokratietheorie Politikberatung 5.1Instrumente und Methoden der Wahlforschung Wiss. Indizienbeweis: Tragfähige theoretische Erklärungsmodelle leiten das jeweils konkrete Wahlergebnis aus einer Anzahl kausal vorgelagerter Faktoren ab. Datenerhebung: Aggregatdaten Beziehen sich immer auf Gebietseinheiten/Wahlkreise; Sozialstrukturelle Merkmale, sozialer Kontext Umfragedaten Resultieren aus der Befragung von Personen einer jeweils repräsentativen Stichprobe; Verhaltensabsichten Repräsentative Wahlstatistik markierte Stimmzettel Alter/Geschlecht Stichproben: Nicht die Anzahl der Informationen ist wichtig, sondern die repräsentative Verteilung. Die Stichprobe ist das verkleinerte Abbild der Gesamtheit! Wichtig: Die Grundgesamtheit muß exakt bestimmt werden! Auswahlverfahren: In der Wahlforschung kann man nur solche Auswahlverfahren einsetzen, die sicherstellen, dass alle Elemente eine bekannte Chance haben, die größer als Null ist, in die Auswahl zu gelangen. Gilt nur für: Zufallsstichprobe Hochrechnung Exit polls Quelle: Forschungsgruppe Wahlen e.V. Prognose: Probleme bei der Prognose; Statistische Fehler Nicht festgelegte Wähler Statistische Repräsentativität der Stichprobe Politische Repräsentativität der Stichprobe Prognose: Prognosefähigkeit der Wahlforschung? Wahlforschung sucht nach Erklärungen und allgemeinen Verhaltensmodellen, die nicht mit Prognosen zu verwechseln sind. Dennoch liefern die Analysen mit ihren Erklärungsmodellen auch Anhaltspunkte, Puzzleteile für Prognosen. Datenerhebung: Interview oder Fragebogen 5.2 Erklärungsansätze des Wahlverhaltens Korte: Wahlenbuch 2005, S. 92 5.2.1 Der soziologische/sozialstrukturelle Ansatz Der soziologische bzw. sozialstrukturelle Ansatz: Wahlverhalten = Gruppenverhalten familiäre, berufliche, gesellschaftliche Loyalitäten beeinflussen das individuelle Wahlverhalten mikrosoziologische Perspektive Paul F. Lazarsfeld/Columbia School Sozialstrukturelle Aspekte; Zugehörigkeit zu verschiedenen sozialen Gruppen mit festen politischen Verhaltensnormen makrosoziologische Perspektive Seymour Martin Lipset /Stein Rokkan längerfristige stabile Allianzen zwischen bestimmten Bevölkerungsgruppen und politischen Parteien; Cleavages – Konfliktlinien Korte: Wahlenbuch 2005, S. 91 Korte: Wahlenbuch 2005, S. 91 Reichweite des Erklärungsansatzes heute Doch kein Ende der politisierten Sozialstruktur? Arbeiter und Selbständige nähern sich in ihrem Wahlverhalten leicht aneinander an. Die Unterschiede nehmen in der Generationsabfolge ab. Die Kernklientel dieses Konflikts, die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, wählen nach wie vor überproportional die SPD. Die politische Präferenzen des sog. Neuen Mittelstandes flachen im Zeitverlauf nicht ab – traditionellerweise Unionswähler . Diese Gruppe wendet sich auch nicht der „Neuen Politik“ zu. Kerngruppe der katholischen Kirchgänger wählen nach wie vor überproportional die Union. Wahlchancen verschlechtern sich auch hier in der Generationenfolge. Strukturen stechen immer noch Stimmungen! In Westdeutschland wirken heute noch immer die traditionellen Cleavage-Strukturen verhaltensprägend, allerdings mit abnehmender Bedeutung und Intensität. Zwischen 1970 und 2000 sind Dealignment Prozesse in zweifacher Form nachweisbar: Einerseits schrumpfen die traditionellen Kernwählerschaften der Parteien quantitativ. Andererseits haben sich die Beziehungen zwischen den Parteien und den Kernwählerschaften gelockert. In Ostdeutschland dominiert bereits der Typus, der in Westdeutschland immer mehr das Wahlverhalten charakterisiert: Ungebunden, problemorientiert, der seine Wahlentscheidungen frei von traditionellen Bindungen jedes mal neu trifft und dementsprechend seine Parteipräferenzen schnell ändert. 5.2.2Der individualpsychologische Erklärungsansatz (auch sozialpsychologischer Ansatz genannt) Wahlverhalten = Ausdruck einer individuellen psychologischen Beziehungen zu einer Partei. Der persönliche Entscheidungsprozeß ist abhängig von vorhandenen längerfristigen Parteineigungen. Kausalitätstrichter: Parteineigung Kanzlerkandidaten Streitpunkte/issues Korte: Wahlenbuch 2005, S. 117 5.2.2.1 Einflussgröße Parteibindung: Parteiidentifikation? Stabile, gefühlsmäßíge Bindung von Individuen an bestimmte politische Parteien Höhere Wahlbeteiligung Markentreue/Kompass Aber: die mobilen Wähler ohne Parteibindung werden immer entscheidender für Wahlausgänge Parteiidentifikation? Die Wähler werden wählerischer (Volatilität): immer weniger Wähler binden sich langfristig an eine Partei, immer häufiger geben kurzfristige Faktoren den Ausschlag. Wechselwähler: Personen, die bei zwei aufeinanderfolgenden Wahlen für unterschiedliche Kandidaten oder Parteien stimmen. (ev. Auch : von vornherein nicht festgelegte Wähler: keine Parteipräferenz) Gegenteil: Stammwähler 5.2.2.2 Einflussgröße Spitzenkandidat Anforderungen: Kompetenz in Sachfragen Vertrauenswürdig und integer Führungsqualitäten: Macher-Image 5.2.2.3 Einflussgröße Sachkompetenz/issues Eindeutig im Zentrum: wahrgenommene Sachkompetenz Keine Personalisierung des Wählerverhaltens Keine besondere Hervorhebung von unpolitischen Merkmalen Candidate-Voting abhängig von: Institutionellen Faktoren Situativen Faktoren Individuellen Faktoren 5.2.2.4 Einflussgröße Medien (situative Faktoren) wahrgenommene Eigenschaften und vermittelte Eindrücke Themenmanagement der Parteien/Agenda-Setting Medien verstärken vorhandene Einstellungen Quelle: APuZ, Wahlanalyse 2005, 19. Dez. 2005, S. 20 Quelle: APuZ, Wahlanalyse 2005, 19. Dez. 2005, S. 23 Quelle: APuZ, Wahlanalyse 2005, 19. Dez. 2005, S. 24 Quelle: APuZ, Wahlanalyse 2005, 19. Dez. 2005, S. 25 5.2.3Modell des rationalen Wählers Wahlverhalten von Kosten-Nutzen-Abwägungen abhängig Wahlverhalten orientiert sich am perzipierten und antizipierten Ergebnis der Politik bestimmten Parteien/Personen. Marktverhalten auf politisches Verhalten übertragen 5.2.4 Lebensstil und Milieuansätze Hierbei steht im Zentrum die Annahme, dass Wahlverhalten ein Teil des persönlichen, zunehmend selbst gewählten Lebensstils ist. Die verschiedenen Lebensstil-Typologien stammen aus der Marktforschung. Die Übertragung auf den Kontext der Wahlforschung ist problematisch. Bei den Lebensstil-Gruppen handelt es sich nicht um soziale Gruppen, sondern um Aggregate mit bestimmten Eigenschaften, z.B. Freizeitverhalten und Parteipräferenzen. Parteien auf komplexen Wählermärkten 6.1 Wahlkampf/Begriff und Funktion Wahlkampf ist Wettbewerb um unterschiedliche Zukunftsentwürfe Dilemma: Thematisierungskompetenz optimieren, bei bleibender Unsicherheit über Thematisierungsresonanz Funktionen: Mobilisierung Innerparteiliche Positionierung Symbolische Funktion Wahlkampfforschung: Wie wirken sich Wahlkämpfe auf das Wahlverhalten aus? Keine gesicherten Erkenntnisse dazu! (vgl. Schoen, in: Handbuch Wahlforschung 2005) Wahlkämpfe als abhängige Variable Bestimmungsgründe der Wahlkampfführung Wirkungen von Wahlkämpfen Wahlkampfforschung: Wirkungsforschung mit zahlreichen empirischen Belegen für Einstellungs- und Verhaltens-änderungen in Wahlkampfphasen; auch Effekte einzelner Kampagnen nachgewiesen; dennoch: keine schlüssigen Gesamtbefunde! Gesichert: Gesellschaftliche Bedingungen haben sich als wichtige Bestimmungsfaktoren der Wahlkampfführung und deren Wirkungen erwiesen. Wahlkampfforschung: Daher: weitere gesellschaftliche Veränderung modifiziert auch Wahlkämpfe; Politisch wenig interessierte Wähler sind vergleichsweise leicht zu Richtungsänderungen ihrer Wahlabsicht zu bewegen – deshalb zielen viele Kampagnen gerade auf sie ab. Dick Morris: „Wahlen werden gewonnen über Personen, Zukunftskompetenzen, Werte und Vertrauensdimensionen, nicht über Einzelforderungen oder Programme“. 6.2 Wahlkampfformen, Strukturen, Typen Vormodern Modern Postmodern Hierzu Folie: Dörner (Hrsg.), Wahlkämpfe, 2002: S. 57 Tendenz: „Amerikanisierung“ Personalisierung Mediatisierung Professionalisierung Typen: Kompetenzwahlkampf Polarisierung Mobilisierung 6.3 Wahlkampfführung, Kampagnen Finanzierung Organisation Planung Werbekommunikation Medienarbeit Online Campaigning Reduktion, Popularisierung, Polarisierung 6.3 Wahlkampfführung, Kampagnen Beispiele von Medieneinsatz aus dem zurückliegenden Bundestagswahlkampf 2005; Wahlkampagnen, Wahlspots, Plakate Hier Einspielung Wahlwerbespots 6.3 Wahlkampfführung, Kampagnen Mikro-Targeting Grassroots Sympathie-Idole Re-Ideologisierung 6.3 Wahlkampfführung, Kampagnen Schwerpunkt: Medienarbeit/Massenmedien (vgl. Brettschneider, in: Handbuch Wahlforschung 2005) Mobilisierung Aktivierung Überzeugung Realitätswahrnehmung Agenda-Setting und Priming 6.3 Wahlkampfführung, Kampagnen Zielsetzung: Themenmanagement durch Medien-Agenda-Setting Agenda-Cutting Agenda-Surfing Ziel: Berichterstattung beeinflussen! 6.4 Perspektiven Gegen die Medien ist keine Wahl zu gewinnen! Aber mit ihnen ist der Erfolg nicht sicher! Relevanz Professionalisierung Medienwandel Politainment Related Presentations
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 Art. 21
 Art. 46
 Art. 47
 § 1
 Art. 40
 Art.39
 Art. 68
 Art. 62
 Art. 63
 § 4
 Art.63
 Art. 64
 Art. 69
 Art. 67
 Art. 65
 Art. 63
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