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Timestamp: 2020-01-18 09:31:41+00:00

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Pannenbergs Beweis der Auferstehung Jesu anhand seiner "Grundzüge ... | Hausarbeiten publizieren
§1 EINLEITUNG - FRAGESTELLUNG
§2 GESCHICHTLICHE EINORDNUNG PANNENBERGS IN DER ERFORSCHUNG DER HISTORIZITÄT DER AUFERSTEHUNG JESU
§3 ERKENNTNISTHEORETISCHE VORAUSSETZUNGEN
3.1 UNIVERSALGESCHICHTE
3.2 APOKALYPTISCHER ERWARTUNGSHORIZONT - PANNENBERGS ANTHROPOLOGISCHE VORAUSSETZUNG ..
3.3 WISSENSCHAFTLICH-METHODISCHE VORAUSSETZUNG
§4 PANNEBERGS THESE ZUR HISTORIZITÄT DER AUFERSTEHUNG JESU
4.1 PANNENBERGS HISTORISCH-KRITISCHE METHODIK
4.2 PANNENBERGS BEWERTUNG DER OSTERÜBERLIEFERUNGEN
4.2.1 Die Erscheinungstradition
4.2.2 Das leere Grab
§5 DIE BEDEUTUNG DER AUFERSTEHUNG JESU NACH PANNENBERG
§6 KRITISCHE WÜRDIGUNG
6.1 ERKENNTNISTHEORETISCHE GRUNDLAGEN
6.2 HISTORISCH-KRITISCHE EXEGESE
6.3 FAKTUM UND DEUTUNG DER AUFERSTEHUNG
§7 SCHLUSSBEMERKUNGEN
§8 LITERATUR:
8.1 PANNENBERG
Lange Zeit waren Sterben und Tod und damit auch die daran anschließenden Fragen der Auferstehung ein Tabuthema. Mit der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft, der Entwicklung hin zu selbstbestimmtem Altern, neuen Angeboten von Sterbehilfe, sowie mannigfaltigen neuen Arten der Bestattung von der Gesellschaft in den Blick genommen zu werden.
Es wird gefragt: Was kommt danach? Nach Sterben und Tod? Ist danach alles vorbei, oder gibt es ein Wiedersehen mit dem Ehegatten und anderen lieben Verstorbenen? Seit Beginn der christlichen Kirche ist Ostern das wichtigste Fest des liturgischen Kalenders. Damit verbunden war von Anfang an die Vorstellung der Auferstehung der Person Jesus von Nazareth. Dieses Ereignis bestimmte die theologische Vorstellung des Paulus beispielsweise so stark, dass er in 1.Kor 15, 17-19 schreibt: Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren S ünden; so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Schon für Paulus war die Auferstehung das grundlegende Ereignis, an dem sich christlicher Glaube festgemacht hat. So unbegreiflich es heutzutage klingt, dass eine Person von den Toten auferweckt wurde, klingt es auch im Johannesevangelium an. Beispielsweise wird von Thomas berichtet, der seine Hände in die Wundmahle Jesu legte,1 um diese Auferstehung als tatsächliches Ereignis zu erfassen.
Wolfhart Pannenbergs Anliegen ist es, dass die Kraft der Auferstehung, auf Grund derer Christen glauben, in der heutigen Gesellschaft wieder an Bedeutung gewinnt. Er möchte, wie Thomas, seine Hände in die Wundmahle Jesu legen, das heißt für ihn in „wissenschaftlichem“ Umgang dem Ereignis der Auferstehung Jesu nachfühlen. Darum behandelt er Fragen um Tod, Leben und der christlichen Hoffnung auf Auferstehung. Fragen, die neuerdings vermehrt von philosophischen, fremdreligiösen und esoterischen Strömungen beantwortet werden, wollen neu in christlicher Perspektive verstanden werden, ganz nach dem Motto aus 1.Petr 3,15: Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.
Wolfhart Pannenberg wurde am 2. Oktober 1928 in Stettin geboren. Er studierte Theologie in Berlin, Göttingen, Basel und Heidelberg. Nachdem er 1953 promovierte und 1955 seine Habilitationsschrift einreichte, lehrte er von 1958-1961 als Professor für Systematische Theologie zunächst an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, in den Jahren 1961-1967 an der Universität Mainz und von 1967 bis zu seiner Emeritierung 1994 an der Evangelisch- Theologischen Fakultät der Universität München. Von 1975 bis 1990 war er Delegierter der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen.
Unter dem Einfluss Gerhard von Rads veröffentliche Pannenberg als Sprecher eines Kreises junger Theologen Ende der fünfziger Jahre das theologische Programm „Offenbarung als Geschichte“. Darin erklärte der Kreis, dass Offenbarung ausschließlich „als Gottes Handeln in der Geschichte zu verstehen“2 sei. Mit diesem Programm war die Grundvoraussetzung deutscher protestantischer Theologie, wie die von Barth oder Bultmann, deren „Grundlage der Selbsterweis des Gehorsam fordernden Wortes Gottes war“3, gebrochen.
Rudolf Bultmann auf der einen Seite vernachlässigte mit seiner Existenztheologie eine objektive historische Faktizität biblischer Schriften. Er suchte im apostolischen Kerygma nach den Bedingungen authentischer menschlicher Existenz, wie er diese in der Philosophie Heideggers kennen gelernt hatte. Um den Transfer von der christlichen Verkündigung zum philosophischen Verständnis menschlicher Existenz in redlicher Weise zu leisten, müsse die Botschaft des Neuen Testamentes auf das menschliche Existenzverständnis bezogen werden. Die für Bultmann ausschließlich mythologische Begrifflichkeit des Neuen Testamentes sollte existential interpretiert werden. Er entwarf sein Entmythologisierungsprogramm, welches zwischen der Botschaft des Neuen Testaments, die für ihn auch unter neuzeitlich-modernen Verhältnissen noch aktuell war, und den mythologischen Ausdrucksformen, in welche die Botschaft in der Bibel gekleidet ist, trennen sollte. Das Neue Testament untersuchte er lediglich auf den von ihm identifizierten Kern der Christusbotschaft hin - „die im Evangelium verheißene Befreiung des Menschen von sich selbst“4. Als Instrumentarium führte Bultmann die Unterscheidung von „historisch“ und „geschichtlich“ ein. Als „historisch“ bezeichnete er den äußeren, objektiven Ablauf der Ereignisse in der Zeit. „Geschichtlich“ war für Bultmann ein Geschehen „insofern, als es uns aktuell in unserer Existenz betrifft und unser Existenzverständnis verändert.“5 Der Mensch sollte durch das Wort Gottes vor die Entscheidungssituation gestellt werden. Alle historischen Tatsachen waren für Bultmann daher völlig unerheblich und ohne Bedeutung.
Karl Barth auf der anderen Seite entwertete die reale Geschichte, indem er neben die allgemein erforschbare Geschichte eine Heilsgeschichte stellt, die der historischen Forschung verschlossen bliebe. Die Dialektische Theologie sah sich vor der Aufgabe die „ radikale Andersartigkeit des Gottes der biblischen Offenbarung gegen über menschlichen Interessen und Erwartungen “6 in Abgrenzung zum liberalen Kulturprotestantismus zu betonen. Alle drei Wege, die Barth sieht, das „Wort Gottes als Aufgabe der Theologie“7 zu erfassen, was für ihn bedeutet von Gott als dem Erlöser zu reden, sind zum Scheitern verurteilt. Der Weg der Orthodoxie sowie der Supranaturalismus vergegenständlichen Gott dadurch, dass die jeweilige positive Antwort die Frage nach Gott ablöst. Ebenso scheitert der von der Mystik beschrittene Weg, der den Menschen in Gott aufhebt. Selbst der von Barth gewählte dialektische Weg, dass Gott Mensch wird, scheitert an seiner unanschaulichen Voraussetzung, da ja auf diesem Weg nur in indirekter Weise von Gott gesprochen werden kann. An dem Punkt, an dem dieser Weg allerdings abbricht, kann Gott selbst sprechen und sich offenbaren: „von Gott kann nur Gott selber reden, so daß sich das Wort Gottes aufgrund des Scheiterns der drei Wege, von Gott zu reden, as ebenso notwendige wie unmögliche Aufgabe der Theologie erweist.“8 Daher spielt sich für Barth alle Religions- und Kirchengeschichte ganz und gar in der Welt ab und soll daher auch mit den Methoden der Profangeschichte behandelt werden. Alle besonderen christlichen Ereignisse der Menschwerdung Gottes sind nicht in dem Rahmen einer allgemeinen erforschbaren Geschichte verankert, sondern stellen die fortlaufende „Krisis der Geschichte“9 dar.
Die „Tagung alter Marburger“ 1953 bedeutete einen Wendepunkt gegenüber der bis dato vorherrschenden Abwertung der Geschichtlichkeit.10 Es gab mehrere Versuche den Christus des Glaubens wieder mit dem historischen Jesus zu verbinden. Besonders hervorzuheben sind zwei Theologen, die sich um die Untersuchung und Verteidigung der Historizität der Auferstehung bemühten: Der Kirchenhistoriker Hans von Campenhausen rief nach Kriegsende „zu einer Erneuerung der universalgeschichtlichen Betrachtungsweise“11 auf. Der Neutestamentler Hans Grass untersuchte 1956 die Auferstehungsberichte in Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit und Sachgemäßheit.12 Im Jahre 1969 prognostizierte Gutwenger, dass der Skeptizismus gegenüber der Geschichtlichkeit der Auferstehung seinen Zenit bereits vor einigen Jahren überschritten hatte und seit dem kontinuierlich sank.13 Das führte zu einer Wende im Bereich der Auferstehungs-Studien, die eine große Zahl von Untersuchungen deutscher, französischer und englischer Gelehrter hervorbrachten, welche die Auferstehung Jesu durch historische Argrumente zu verteidigen suchten.
Sowohl Bultmann als auch Barth räumten der Geschichte eine geringe Bedeutung für den Glauben ein. Hinter diesen theologischen Schulen stand das Bestreben den christlichen Glauben durch eine undurchdringliche Bastion gegenüber modernen, kritischen Anfragen wie der historisch-kritischen Forschung zu sichern. Craig bewertet dies folgendermaßen: „Die heilsgeschichtliche Theologie flüchtete in den vermeintlich vor der historisch-kritischen Flut sicheren Hafen einer Übergeschichte, während sich die Existenztheologie von dem sinn- und heillosen ‚objektiven’ Geschehensablauf auf die Erfahrung der Bedeutsamkeit der Geschichte in der ‚Geschichtlichkeit’ des einzelnen zurückzog.“14 Dieser Versuch sich selbst zu isolieren misslang in so fern, als dass profane Wissenschaften vehement dagegen protestierten, da sie den Diskurs zwischen den Wissenschaften an dieser Stelle stark gefährdet sahen.
Pannenberg bewertet die Problemstellung wie folgt: „Allzu lange ist der Glaube schon als die Festung der Subjektivität mißverstanden worden, in die sich das Christentum von den Angriffen der Wissenschaft zurückziehen könnte. Solcher Rückzug auf die fromme Subjektivität muß zur Zerstörung des Bewußtseins von der Wahrheit des Glaubens führen.“15 Pannenberg befürchtet demnach die Glaubwürdigkeit von Theologie und Heiliger Schrift zu verlieren, indem eine Mauer zum Schutze des christlichen Glaubens aufgebaut wurde. Mit dieser Anfrage muss er als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter des historischen Arguments für die Auferstehung Jesu gesehen werden.
In Pannenbergs Programmzeitschrift „Offenbarung als Geschichte“ revolutionierte er die Theologie. Seiner Konzeption zufolge offenbart sich Gott nicht in der Geschichte, wie es die dialektische Theologie lehrte, sondern nach Pannenberg ereignet sich Gottes Offenbarung als Geschichte. Er greift mit dieser Vorstellung auf die deutsche idealistische Geschichtsphilosophie des 19. Jahrhunderts zurück, wie sie beispielsweise von Hegel vertreten wurde. Statt eines Selbsterweises des Gehorsam fordernden Wort Gottes, welche eine Abschirmung gegenüber der säkularen Wissenschaft bedeutet, forderte Pannenberg die selben Verfahren der Prüfung und Verifikation des christlichen Glaubens und insbesondere der Auferstehung, wie sie in den zeitgenössischen profanen Wissenschaften angewandt wurden. Nur so könne das Christentum in der heutigen Zeit noch einen Anspruch auf Wahrheit erheben.
Drei Voraussetzungen oder Postulate sind für Pannenbergs Überlegungen notwendig, die in besonderer Weise dazu beitragen, dass die Frage nach der Historizität der Auferstehung Jesu die entscheidende Grundlage des christlichen Glaubens ist.
Es ist notwendig seine Konzeption einer teleologisch orientierten Universalgeschichte als Voraussetzung zu verstehen, um die Bedeutung der Auferstehung Jesu von den Toten bei Pannenberg richtig einordnen zu können. Diese Konzeption stellt er in den 60er Jahren im Rahmen mehrerer Aufsätze vor.
Ausgehend von der Feststellung, dass sich christlicher Glaube immer auf historische Ereignisse stützt, hält Pannenberg „Geschichte [für den] umfassendste[n] Horizont christlicher Theologie.“16 ‚Geschichte’ meint bei Pannenberg weder die existenzialtheologische Auflösung der Geschichte in die Geschichtlichkeit der Existenz, noch den Rekurs auf eine Heilsgeschichte oder Urgeschichte, die von der Profangeschichte unterschieden werden könnte. Er versteht unter Geschichte eine der historisch-kritischen Forschung zugängliche Geschichte. Sie ist ein zielgerichteter Prozess, der nur in seiner Gesamtheit verständlich ist - die Konzeption einer Universalgeschichte. Rohls fasst zusammen: „Geschichte ist danach als das zwischen Verheißung und Erfüllung hingespannte Geschehen die Wirklichkeit in ihrer Totalität.“17 Sie könnte ihre Deutung allerdings erst am Ende der Geschichte finden und wäre von diesem Ende überschaubar und verständlich.18 Pannenberg möchte die Schranken der Hegelschen Geschichtsphilosophie überschreiten, welche die „unaufhebbare[...] Endlichkeit der Erfahrung“, die „Unverrechenbarkeit des Zufälligen und damit auch des Individuellen unter das Allgemeine“19 verkannt hat. Daher benutzt er das apokalyptische Verständnis20 der Geschichte in Berufung auf Gerhard von Rads Interpretation des israelitischen Geschichtsverständnisses. So erlangt Pannenberg ein „Verständnis der Geschichte als eines von einem vorläufig, antizipierend zugänglich gewordenen Ende her gegebenen Ganzen“21. Um das Ganze der Universalgeschichte zu verstehen braucht Pannenberg ein Ereignis, welches das Ende proleptisch vorwegnimmt. Das „Ende der Geschichte [wäre dann] nur vorläufig bekannt[...], und in Reflexion auf diese Vorläufigkeit unseres Wissens vom Ende der Geschichte wäre der Horizont der Zukunft offengehalten und die Endlichkeit menschlicher Erfahrungen gewahrt.“22 Die Apokalyptik verband dieses Ende der Geschichte, an dem Gott seine Gottheit und Herrlichkeit offenbaren wird, mit dem Ereignis der allgemeinen Totenauferweckung. Daran anschließend ordnet Pannenberg diese vorläufige Vorwegnahme des Endes der Geschichte der Auferstehung Jesu von den Toten zu. Das bedeutet zum einen: „Alle theologischen Fragen und Antworten haben ihren Sinn nur innerhalb des Rahmens der Geschichte, die Gott mit der Menschheit und durch sie mit der ganzen Schöpfung hat, auf eine Zukunft hin, die vor der Welt noch verborgen, an Jesus Christus jedoch schon offenbar ist.“23 Zum anderen bedeutet es für die Historizität der Auferstehung: Nur in dem Fall, dass die Auferstehung Jesu eine geschichtliche Tatsache ist und als solche durch objektive und empirisch historische Forschung feststellbar ist, verkommt der christliche Glaube nicht zu einem Wagnis, das allein von der fraglichen Entscheidung des Gläubigen abhängt, sondern besitzt einen objektiven Grund.
3.2 Apokalyptischer Erwartungshorizont - Pannenbergs anthropologische Voraussetzung
Die zweite Voraussetzung berücksichtigt die Frage, was denn dieses Ende in Pannenbergs Konzeption einer Universalgeschichte sei. Pannenberg versteht das Ende als den apokalyptischen Erwartungshorizont der Zeit Jesu, der in einer Vorstellung der Auferweckung von den Toten bestand. Dieser Erwartungshorizont ist die Grundlage dafür, dass die Erscheinungen eines bereits gestorbenen Menschen als Prolepse einer allgemeinen Auferstehung von den Toten in der Jerusalemer Urgemeinde erkannt wurden und auch in die neuen heidenchristlichen Gemeinden hineingetragen wurden. Auf die heutige Zeit bezogen formuliert Pannenberg folgende Bedingung: „Nur wenn die allgemeine Erwartung einer künftigen Auferweckung aller Menschen vom Tode, sei es zum Leben oder zum Gericht , auch für uns noch eine Wahrheit enthält, ist es sinnvoll, die Frage auch der Auferstehung Jesu als historisch ernst zu nehmende Frage überhaupt zu stellen.“24 Zwei Fragen muss Pannenberg daher klären: (1) Was verstand die jüdische Apokalyptik und die Urchristenheit unter der Auferweckung von den Toten? (2) In welcher Weise ist der damalige Erwartungshorizont heute anthropologisch verifizierbar?
Zu (1): Die jüdische und urchristliche Rede von der Totenauferweckung ist eine metaphorische Rede, das bedeutet: sie ist „nicht vergleichbar dem Reden von einem beliebigen, jederzeit durch Sinneserfahrung zu identifizierenden Sachverhalt.“25 Die Toten sollen dasselbe Geschick erleben, wie jedermann täglich vom Schlaf aufgeweckt wird und aufsteht. Der Vorgang des alltäglichen Gewecktwerdens oder Aufwachens vom Schlaf wird als „Gleichnis für das ganz unbekannte Geschick [benutzt], das die Toten erwartet.“26 In der heutigen Sicht der exakten Erkenntnis der Naturwissenschaften zeigt sich die Problematik wesentlich deutlicher als zur Zeit des Urchristentums: Die Wirklichkeit, die eigentlich in der Rede von der Totenauferstehung gemeint ist, ist gegenüber aller diesseitiger Erfahrung, also auch der Weise wie von ihr geredet wird, wesentlich unterschieden.
Die nächstliegende Vorstellung von der Auferstehung der Toten wäre nach der Analogie des Schlafens und Erwachens zwar die „Wiederbelebung des Leichnams, im Sinne eines Aufstehens und Umherwandelns des Gestorbenen.“27 Diese Vorstellung unterscheidet sich allerdings von der paulinischen. Nach Paulus ist „der künftige Leib ein anderer [...] als der jetzige, nicht ein Fleischleib, sondern - wie er sagt - ein »Geistleib«.“28 Das Verhältnis zwischen dem fleischlichen und geistlichen Leib beschreibt Paulus in 1.Kor 15,50 als eine radikale Verwandlung. Zwar sieht Pannenberg bei Paulus keine substantielle oder strukturelle Kontinuität zwischen der alten und der neuen Existenz, „[d]ie »Verwandlung« wird aber nach Paulus eben dem jetzigen, sterblichen Leibe widerfahren.“29 Diese Verbindung zwischen Anfangs- und Endpunkt im Prozess der radikalen Verwandlung bezeichnet Pannenberg als „geschichtliche Kontinuität“30. Daraus folgt: Die Totenauferstehung der christlichen Zukunftshoffnung und des Osterglaubens ist von den gelegentlich vorkommenden
1 Joh 20,24-29.
2 Craig, Beweis 78.
3 Craig, Beweis 79.
4 Leonhardt, Grundinformation 105.
5 Joest, II 623.
6 Leonhardt, Grundinformation 96.
7 Vortrag Barths im Jahre 1922, indem er sein theologisches Argumentationsverfahren vorstellt und reflektiert.
8 Rohls, II 251.
9 Vgl. Rohls, II 251.
10 Diese Tagung kann mit Käsemanns Vortrag ‚Das Problem des Historischen Jesus’ als der Beginn der zweiten Phase der ‚Leben Jesu Forschung’ angesehen werden - ‚The New Quest’.
11 Rohls, II 571.
12 Grass, Ostergeschehen 11.
13 Vgl. Gutwenger, Auferstehung 32.
14 Craig, Beweis 79.
15 Pannenberg, Offenbarung 161.
16 Pannenberg, Heilsgeschehen 22.
17 Rohls, II 671.
18 S. Pannenberg, Universalgeschichte 121.
19 Pannenberg, Universalgeschichte 120.
20 Zu apokalyptisches Verständnis s. 3.2 der vorliegenden Arbeit.
21 Pannenberg, Universalgeschichte 121; vgl. Pannenberg, Christologie 55.
22 Pannenberg, Universalgeschichte 121.
23 Pannenberg, Heilsgeschehen 22.
24 Pannenberg, Christologie 27.
25 Pannenberg, Christologie 70.
26 Pannenberg, Christologie 70.
27 Pannenberg, Christologie 71.
28 Pannenberg, Christologie 71; vgl. 1.Kor 15,35-56.
29 Pannenberg, Christologie 71.
30 Pannenberg, Christologie 72.
Matthias Weida (Autor)
V191248
9783656160717
9783656160915
Pannenberg Christologie Auferstehung Auferstehung Jesu Grundzüge Beweis
Matthias Weida (Autor), 2009, Pannenbergs Beweis der Auferstehung Jesu anhand seiner "Grundzüge der Christologie", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191248

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8