Source: https://issuu.com/sj_wien/docs/faktor03-12
Timestamp: 2017-09-22 23:03:48+00:00

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Faktor 03/12 by Sozialistische Jugend Wien - issuu
P.b.b./Erscheinungsort Wien/Verlagspostamt 1030/GZ 02Z033801/Euro 0,70
FAKTO R DIE LINKE JUGENDZEITSCHRIFT FĂ&#x153;R WIEN 03/12
Herausgegeben von der Sozialistischen Jugend Wien ZVR: 251763927
International Kommentar Wir brauchen mehr Demokratie Oder:die Sozialdemokratie und ihre TotengräberInnen 3
Wehrpflicht-Ja oder nein?
LGBT Innen Frank Stronach: „Wer das Geld hat, bestimmt die 8 Regeln.“ Students and workers: Unite&fight
Human Life International - mit dem Kreuz gegen Frauenrechte 19
Aktuell Equal Pay?!
Südafrika - Von Reichtum und Rassismus
Neue Wahlgesetze gegen Obama
Der Kampf um die Bildung - Chilenische SchülerInnen und StudentInnen treten für ihre Zukunft ein 26 Nahrungsmittel sind kein Treibstoff
9 Schluss mit Arbeitszwang! Geld für alle!-Oder lieber doch nicht? 29
Die ORF Sommergespräche
Do It Yourself Die Medienpräsenz des Lufthansa Streiks - Nur die Wahrheit? 12
SchülerInnenzeitung - aber wie? 30
Kultur Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck! 14 Gehma halt a bisserl unter...
The unkown stars of an unkonwn scene 32
DIESMAL Am 19. Oktober klopfte in Wien wieder der Equal Pay Day an die Tür und erinnerte uns daran, IMPRESSUM: wie groß die Lohnunterschiede zwischen Männern FAKTOR, Die linke Jugendzeitschrift für Wien 03/12 Medieninhaber: Verein zur und Frauen sind. Anlässlich dieses Tages findet Förderung fortschrittlicher Jugendmedienarbeit Herausgeberin: Sozialistische sich diesmal ein detaillierter Artikel im Faktor, Jugend Wien, Alle: Landstraßer Hauptstraße 96/2, 1030 Wien; Mail: office@ der versucht, die reaktionären Argumente vieler sj-wien.at; Tel.: 01/7138713 Chefkonservativer und rechter redaktion: Marlis Zederbauer (SJ Medien, welche den „Mythos 21), Julia Hess (SJ13) MitarEinkommensunterschied“ beiter Innen dieser Ausgabe: propagieren, zu entschärfen, Bettina Rosenberger (SJ23), Stefan und aufzuklären, wie es um Minarik (SJ11), Sarah Pliem (SJ12) die Löhne der Frauen wirklich steht. Um einen Vorgeschmack auf die kommende Irini Tzaferis (SJ3), Marina Hanke Volksbefragung über die Zukunft des Heeres zu geben, gibt es diesmal ein Pro & (SJ 21), Kira Höfenstock (SJ 23), Contra zur Beibehaltung der Wehrpflicht und des Zivildienstes. Denn im Frühjahr Marlis Zederbauer (SJ21), Robert 2013 dürfen die ÖsterreicherInnen über die Frage entscheiden, die für viele nicht Slovacek (SJ16), Ruben Mörth so leicht zu beantworten ist. Beim Lesen dieser und vieler anderen spannenden (SJ4), Simon Brezina (SJ10), Artikel im Faktor wünschen wir viel Spaß!
Wolfgang Wagner (SJ21) , Sabine Toifelhart (SJ20) Lektorat: Julia Hess , Marlis Zederbauer Layout: Sara do Amaral Tavares da Costa Druck: Klampfer Erscheinungsort: Wien. P.b.b., Verlagspostamt 1030 Wien, Aufgabepostamt Weiz
Wir brauchen mehr Demokratie Oder: die Sozialdemokratie und ihre TotengräberInnen Während in ganz Europa die Krise und ihre Auswirkungen Thema sind, in Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich hunderttausende Menschen auf der Straße dafür kämpfen, dass die Krise nicht auf dem Rücken der Lohnabhängigen, Studierenden und sozial schwachen ausgetragen wird, währenddessen befasst sich die österreichische Sozialdemokratie lieber mit Nebenschauplätzen. Der momentan Beliebteste nennt sich Wehrpflichtdebatte: hier hat die Sozialdemokratie ihre seit Urzeiten aufrechte Beschlusslage, dem Bekenntnis zur allgemeinen Wehrpflicht, über Nacht über den Haufen geworfen und tritt nun für ein Berufsheer (euphemistisch Freiwilligenheer genannt) ein. Besser gesagt: die Parteispitze versucht nach dem spontanen Positionsschwenk die Basis händeringend von der Genialität des Positionswechsels zu überzeugen, denn: diskutiert oder gar beschlossen wurde dieser Schwenk nirgends. Der vermeintlichen Uneinsichtigkeit der FunktionärInnen, die sich nicht so leicht tun, ihre Überzeugungen über Bord zu werfen, wird vorgeworfen, der Partei durch mangelnde Unterstützung zu schaden. In Zeiten wie diesen müssen wir ja zusammenhalten. Und wer sich durch vorgetäuschte Einigkeit immer noch nicht überzeugen lässt, der/dem wird Reformunwilligkeit vorgeworfen. So finden wir auf dem eigens angefertigten Argumentationsleitfaden den schönen Satz: „In Österreich stoßen Reformen oft auf Widerstand – seien sie noch so logisch und sinnvoll.“ Will heißen: wer gegen das Berufsheer ist, steht auf der Seite der ÖVP: reformunwillig, konservativ, uneinsichtig. Eine solche Vehemenz aus sozialdemokratischer Sicht wird jedoch bei allen anderen Themen schmerzlich vermisst: wo ist die dringend benötigte Bildungs- und Sozialreform? Wo ist die Kampfbereitschaft in der Frage der Umverteilung? Mit Aktionen wie dieser schaufelt sich die Sozialdemokratie ihr eigenes Grab. Aktionen wie das Abdrehen des Untersuchungsausschusses tragen nicht dazu bei, dass die Glaubwürdigkeit zunimmt, im Gegenteil. Wir können keine demokratische Gesellschaft anstreben, wenn es in unseren eigenen Reihen so schlecht um die Demokratie steht. Vor allem aber dürfen wir uns nicht von der Parteispitze unsere Positionen diktieren lassen, das ist einer sozialistischen Bewegung unwürdig. Wer gegen seine/ihre Überzeugung bei dieser Farce mitmacht, hilft der Sozialdemokratie kein bisschen, im Gegenteil: er/sie schaufelt an ihrem Grab mit!
Von Irini Tzaferis
r a t n e m K om
Equal Pay?! Am 19.10 war in Wien Equal Pay Day, der Tag, ab dem Frauen aufgrund der Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern „gratis“ arbeiten. Zahlreiche Organisationen machen deshalb auf Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt aufmerksam – und das ist in diesem Jahr so notwendig wie schon lange nicht mehr. Von Marina Hanke
Wir erinnern uns an Anfang April diesen Jahres, als die neue Ausgabe der sich progressiv gebenden österreichischen Wochenzeitung „profil“ erscheint, mit der vermeintlichen Aufdeckernachricht des Jahres: die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen sei ein Mythos – Frauenpolitikerinnen aller Lager haben uns über Jahre hinweg belogen. Die Autoren nehmen auf mehreren Seiten die 25 Prozent Lohnunterschied genau auseinander und versuchen sie Stück für Stück zu erklären. Mit, zum Teil durchaus zweifelhaften, Datenauslegungen kommen sie schließlich zu dem Ergebnis, dass Lohnunterschiede lediglich im einstelligen Bereich lägen. Dass das einerseits prinzipiell immer noch zu viel ist steht außer Frage. Andererseits gilt es an dieser Stelle Doris Weichselbaumer rechtzugeben, die in der Tageszeitung Standard festhielt, dass die Tatsache, die Lohndifferenz erklären zu können, sie noch lange nicht gerecht mache.
COVERSTORY AKTUELL
Das System, mit dem der Wert von Arbeit in Österreich bestimmt wird, stammt noch aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Rollenbilder, denen Frauen, aber auch Männer, entsprechen sollten, waren damals noch extremer als sie es heute sind. In einer Familie war ganz klar, dass der Mann die Rolle des Ernährers einnehmen muss und die Frau im besten Fall dazu verdienen soll. Die "typischen" Berufe für Männer und Frauen waren schon damals die gleichen wie heute. Und in Branchen, in denen in erster Linie Frauen arbeiten, wird schlechter entlohnt als in männerdominierten Sparten.
Wichtig zu berücksichtigen bei der Suche nach Antworten für die Einkommensunterschiede sind auch verschiedene Berufslaufbahnen von Männern und Frauen. Während Männer sobald sie mit ihrem Job zufrieden sind, eigentlich in den meisten Fällen ohne Unterbrechungen in dem Unternehmen bleiben, machen Frauen in der Regel längere Pausen oder arbeiten Teilzeit. Der Grund: Hausarbeit, Kindererziehung und die Pflege von älteren Familienmitgliedern. Teilzeitarbeit ist ein spezielles Problem. Frauenpolitikerinnen, auch linke, waren der heute verhassten Teilzeit nicht immer abgeneigt - sie dachten sich, dass es eine gute Lösung wäre, wenn Frauen nicht völlig vom Arbeitsmarkt verschwinden, sobald sie eine Familie gründen. Sie ahnten damals wohl noch nicht, wie problematisch sich diese Arbeitsverhältnisse auf die Lebensrealitäten von Frauen auswirken würden – Teilzeit bedeutet in den meisten Fällen niedrigere Stundenlöhne, schlechtere Karrierechancen und vor allem weniger Pension. Im Frauenbericht 2010 kann man nachlesen, dass etwa 955.000 Menschen Teilzeit arbeiten. Davon sind 81 Prozent Frauen, Männer sind hingegen zu 92 Prozent Vollzeit beschäftigt. Viele der in Teilzeit beschäftigten Frauen wünschen sich, mehr arbeiten zu können. Was dies jedoch verhindert ist die unbezahlte Hausarbeit. Arbeit zu Hause wie Kinderbetreuung oder Altenpflege wird nicht als Arbeit gesehen. Oft hören Frauen, dass sie sich über das "Mehr an Freizeit" freuen sollen. Diese Freizeit äußert sich für Frauen dann so, dass sie wöchentlich durch-
schnittlich 21,6 Stunden zusätzlich zu ihrer bezahlten Arbeit im Haushalt arbeiten, das gilt für Voll- und Teilzeitbeschäftigte. Das wohl größte Problem im Bezug auf Gleichstellung von Männern und Frauen ist die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Wir müssen uns fragen: Wer wäscht und kocht? Wer hilft bei der Hausübung oder der Oma im Haushalt? Wegen uralter Rollenbilder erfüllen noch immer Frauen diese Aufgaben, während Männer die Karriereleiter hinaufklettern.
Antifeminismus und konservativer Backlash Viele von den hier aufgeführten Argumenten werden auch von denjenigen, die ihren Kreuzzug gegen den „Mythos Einkommensungleichheit“ angetreten haben als Argumente gebracht, um die Lohnunterschiede zu erklären. Argumentiert wird, dass es kein Wunder sei, dass Frauen weniger verdienen würden, wenn sie doch nur Teilzeit arbeiten oder für Jahre aus der Arbeitswelt aussteigen. Diese und ähnliche Aussagen zeigen, welchen Geistes Kind die VertreterInnen dieser Positionen sind. Sie halten fest an konservativen und längst überholten Rollenvorstellungen und erfreuen sich an dem öffentlichen Applaus, den sie leider immer noch für ihre rückschrittlichen Aussagen bekommen. Doch leider ist die Debatte rund um Einkommensunterschiede nicht die einzige, in der konservative und längst überholte Einstellungen in Bezug auf Geschlechterverhältnisse zu Tage treten: Antifeminismus ist wieder „in“.
In diversen Internetforen tummeln sich Männerrechtler, die die Errungenschaften der Frauenbewegung in Frage stellen und sich selbst als Opfer des übermäßigen „Gender-Wahns“ stilisieren. Mit frauenfeindlichen Äußerungen, die teilweise bis zu Gewaltphantasien gegenüber Frauen gehen, wird gegen den Feminismus gehetzt. Antifeministische Aussagen bleiben jedoch nicht auf ein paar radikale Frauenhasser im Internet beschränkt. Wie uns der profil-Artikel zeigt, sind antifeministische Ideen und Argumentationen auch in der breiten Medienöffentlichkeit en vogue, und rufen viele positive Reaktionen hervor. Gerade deshalb ist es dieser Tage unabdinglich, weiterhin – und immer lautstarker – auf Diskriminierung von Frauen in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen – wie beispielsweise am Equal Pay Day.
die Politik dafür verantwortlich ist, dass gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit ausbezahlt wird! Veränderungen in der Bewertung von Arbeit müssen mit der Schaffung von neuen Kinderbetreuungsplätzen einhergehen, um langjährige Berufsausstiege und jahrelange Teilzeitarbeit verhindern zu können. Das Private ist noch immer politisch - 19. Oktober 2012: Zahltag!
CT B A F
Bereits im April gab es einen Equal Pay Day – komische Sache oder? Es gibt aber einfach zwei Möglichkeiten den Stichtag zu berechnen. Weiter verbreitet ist die "Herbstvariante", bei der es darum geht, ab wann Frauen im Vergleich zu Männern gratis arbeiten. Die zweite Variante mit dem Termin im Frühjahr gibt an, bis wann Frauen weiterarbeiten müssen, um so viel zu verdienen, wie Männer, die bis zum 31.12. des Vorjahres gearbeitet haben.
Das Private ist noch immer politisch!
In Bezug auf Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen wurden schon einige Maßnahmen getroffen. Oft wissen Frauen gar nicht, dass sie weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Dafür wurde 2010 ein neues Gesetz geschaffen, dass garantiert, dass Betriebe die Gehälter offen legen müssen, sodass Frauen vergleichen können. Immer wieder meinen PolitikerInnen, dass Frauen mutiger werden sollen und sich einfach bei Gehaltsverhandlungen mehr trauen sollen. Sicher ist es wichtig, zu wissen wie viel frau verdienen sollte und dann gestärkt in Gespräche mit dem Chef zu gehen. Trotzdem muss klar sein, dass
Wehrpflicht – ja oder nein? 20. Jänner 2013 - an diesem Tag soll den ÖsterreicherInnen die Entscheidung überlassen werden, wie es in Zukunft mit dem österreichischen Heer weitergehen soll. Doch zur Wahl steht nicht, ob dieses bleiben oder abgeschafft werden soll; entschieden wird zwischen den Modellen der SPÖ und ÖVP, mit folgender Fragestellung: „Sind Sie für die Einführung eines Berufsheeres und eines bezahlten freiwilligen Sozialjahres? Oder sind Sie für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und des Zivildienstes?“ Diese zwei Fragen haben in den letzten Monaten besonders viele Diskussionen in Gang gebracht und verschiedenste Meinungen an den Tag gelegt. Welche Argumente für und welche gegen die Weiterführung der Wehrpflicht und des Zivildienstes sprechen, werden zwei Aktivisten der SJ Wien im folgenden Pro & Contra erläutern.
Pro Wehrpflicht Von Stefan Minarik „Die Einführung von Berufsarmeen wird gerne als ein Schritt der Abrüstung dargestellt. Umso deutlicher muss festgehalten werden, dass es den politisch verantwortlichen Militärs und PolitikerInnen keineswegs um Abrüstungspolitik geht.“ Diese Zeilen stammen aus einem Antrag, den die SJÖ beschlossen hat. Ein Antrag, der sich klipp und klar gegen ein Söldnerheer ausspricht und auch heute noch wirksam gegen jene plumpen und populistischen Rufe der BefürworterInnen eines Berufsheeres ist.
Der industrielle Ex-Vizekanzler und Finanzminister, Hannes Androsch, ist eines der besten Beispiele für die Personen, die jetzt laut nach einem Berufsheer schreien, aber es gleichzeitig in der Vergangenheit verabsäumt haben, den Grundwehrdienst einigermaßen sinnvoll zu gestalten. Auf der einen Seite redet Androsch davon, dass ein „Zwangsdienst für jährlich etwa 46.000 junge Menschen nicht mehr begründbar“ wäre. Jedoch fand Androsch in der Onlineausgabe der TZ Österreich vom 6. September deutlichere Worte warum man ein Söldnerheer benötigt als man ihn auf die möglichen Mehrkosten ansprach: „Ein Heer gibt es nicht zum Nulltarif...es geht darum, im europäischen Verbund in Zusammenarbeit mit der NATO einsatzbereit zu sein, die Rohstoff- und Energiequellen zu verteidigen, die Transportwege, Seewege und Pipelines. Dazu kommen das Flüchtlingsproblem, Terrorismus und Cyberwar.“. Also weg von einem rein defensiven Bundesheer, hin zu einem „Einsatzheer“ welches den aggressiven
Wahrnehmungen wirtschaftlicher Interessen dienen soll und die Neutralität mit Füßen tritt. Die Sorge um 46.000 junge Menschen kann man Androsch nicht abkaufen, wenn ihm das Leben von jungen Soldaten ein gerechtes Pfand für die Sicherungen „wirtschaftlicher Interessen“ ist. Somit führt sich das Personenkomitee „Unser Heer“ ad absurdum.
Neutralität Gerne spricht man auch davon, dass die Neutralität Österreichs nur ein reiner Mythos, eine heilige Kuh oder gar dümmliche Exzentrik sei. Jedoch hielt bereits Barbara Blaha in der Onlineausgabe des Standard vom 11. September fest, dass dies meist von jenen kommt, die Schuld daran tragen, dass Österreich auf dem internationalen Parkett keine Rolle mehr spielt. Diese Versäumnisse nun über eine Annäherung zur NATO zu beseitigen, ist wohl die denkbar schlechteste Idee. Was nun gefragt wäre, ist die „alte Rolle“ Österreichs, welche man unter Kreisky erleben durfte: Eine aktiv gelebte Neutralitätspolitik. Denn einer Wiederbelebung steht nichts im Wege außer jenen Mauern, die in den Köpfen der Verantwortlichen existieren.
Politik statt Populismus Europa steckt in einer der größten Wirtschaftskrisen der Geschichte. Hier könnte sich die SPÖ mit einer vernünftigen, sozialistisch geprägten, Arbeitsmarkt-, Sozial-, Wirtschafts- und Bildungspolitik hervortun. Stattdessen lässt man sich auf eine populistische Kampagne ein, hofft darauf, dass jene Jahrgänge, die man „befreien will“ es bei den kommenden Wahlen mit ihrem Kreuzerl danken und verspielt erneut Chancen für echte linke Po-
litik. Dies ist der falsche Weg. Zwar steht es außer Frage, dass Militär und Wehrpflicht einen radikalen Umbau nötig haben, jedoch keinen, der im Grunde alles nur noch verschlimmert, um teures Geld institutionalisiert und eine Abschaffung des Heeres, wie von der SJÖ gefordert, vollkommen unmöglich macht. Im Zweifel also für die Wehrpflicht, gegen ein Söldnerheer und hin zu einem Heer mit demokratischen und sozialen Rechten für Grundwehrdiener!
Contra Wehrpflicht Willkommen im 21. Jahrhundert! Der Kalte Krieg ist seit über 20 Jahren vorbei. Bedrohungen von früher sind seitdem Geschichte. Dieser historische Wandel hat auch eine neue Verteidigungspolitik notwendig gemacht. Ein Blick auf die anderen EUMitgliedsstaaten zeigt, das Model der allgemeinen Wehrpflicht hat längst ausgedient. Kaum ein anderes EUMitglied hat noch nicht auf eine Verteidigung mit einem modernen Freiwilligenheer umgestellt. Trotzdem leistet sich Österreich weiter das veraltete Modell der Wehrpflicht. Jährlich werden tausende junge Männer deswegen in einen Zwangsdienst gesteckt. In einer durch und durch autoritären Umgebung werden mehr als die Hälfte der Rekruten als sogenannte "Systemerhalter" beschäftigt. Längst könnten viel weniger Soldaten die Aufgaben im Bundesheer effektiver umsetzen.
Mehr als nur Wehrpflicht vs. Freiwilligenheer Doch es geht bei der Volksbefragung nicht einzig und allein um die Wehrpflicht. Es geht auch um die Frage „Zivildienst oder freiwilliges soziales Jahr?“. Im Zivildienst werden junge Männer in Jobs gezwungen, in denen ihr Gehalt weit unter jedem Mindestlohn liegt. Durch Zivildiener als billige Arbeitskräfte lassen sich die Gehälter der anderen Beschäftigten im Sozialbereich leichter drücken. Dagegen ist das freiwillige soziale Jahr eine echte Alternative. Bei fairer Bezahlung können Männer und Frauen einen sozialen Job machen, bei dem sie echte Qualifikationen erwerben. Das ist vor allem auch für die vielen Menschen von Bedeutung, die einen Job im sozialen Bereich machen würden, aber keinen bekommen. Das freiwillige soziale Jahr gibt ihnen eine praktische Erfah-
rung, die sie in der Form nirgendwo anders bekommen. Vom Wegfall des Zivildiensts würden letztendlich alle profitieren. Denn die Zivildiener werden oft benutzt, um auch den Lohn für andere Beschäftigte zu drücken.
Argumente vs. Panikmache Den Gegnerinnen und Gegnern bleibt angesichts der Argumente für die Abschaffung des Zwangsdiensts oft nur die Panikmache. Zum Beispiel, dass ohne die Wehrpflicht der Katastrophenschutz zusammenbrechen würde. Auch die Sorge, dass das Ende der Wehrpflicht dazu führt, dass das Bundesheer zu einem Staat im Staat wird, ist unbegründet. Keines dieser "Argumente" hält einer genauen Prüfung Stand. Erst in diesem Jahr hat sich bei den Katastropheneinsätzen in der Steiermark gezeigt, dass es auch sehr wohl ohne Wehrpflicht gehen würde. Für einen Zeitraum von 5-6 Wochen waren ca. 300 Soldaten im Einsatz. Währenddessen wären mehr als doppelt so viele Berufssoldaten in Bereitschaft und jederzeit bereit für einen Einsatz zum Katastrophenschutz. Auch für den Fall einer größeren Katastrophe ist durch die Freiwillige Feuerwehr vorgesorgt. Der Katastrophenschutz ist also in jedem Fall auch bei einer Umstellung gesichert. Auch an der Verankerung des Bundesheeres in der Gesellschaft ändert sich nichts. Das Argument wird zwar gerne bemüht, aber vor allem von Leuten die selbst nie beim Bundesheer waren. Diejenigen die in
Zukunft zu einem Freiwilligenheer gehen sind diejenigen die sich schon jetzt für ein Jahr oder länger verpflichten. Zwangsverpflichtete Rekruten verlassen das Bundesheer schon jetzt beinahe geschlossen wieder nach ihrer Grundwehrzeit.
Eine Entscheidung für die Zukunft Die Volksbefragung bietet eine historische Chance die Zwangsverpflichtung Jugendlicher zu größtenteils sinnloser Arbeit zu beenden. Statt Jugendlichen über eine Zwangsverpflichtung Monate ihres Lebens wegzunehmen gilt es auf motivierte Freiwillige zu setzen. Freiwillige, die für ihre Arbeit auch motiviert sind und die von ihrer Arbeit nicht nur finanziell profitieren. Deshalb gilt es diese Chance zu nutzen, denn für eine Zwangspflicht ist heute kein Platz mehr.
Frank Stronach: „Wer das Geld hat, bestimmt die Regeln.“ 1954 wanderte er nach eigenen Angaben mit nur 200 Dollar nach Kanada aus. Heute führt ihn das Forbes Magazine in seiner Liste der reichsten Menschen der Welt. 58 Jahre später gründete er eine Partei und gibt sich euphorisch, bei der nächsten NR-Wahl 20 – 30 % der WählerInnenstimmen zu bekommen. Doch wie wurde aus Frank Strohsack eigentlich Frank Stronach? Von Sarah Pliem
Frank Stronach wurde am 6. September 1932 in Kleinsemmering bei Weiz, Stmk. als Frank Strohsack geboren. Der heutige austro-kanadische Industrielle und Milliardär ist eigentlich gelernter Werkzeugmacher.
Auswanderung, Karriere und Rückkehr Nach seiner Auswanderung nach Kanada arbeitete er zunächst als Ersatzteilhersteller für Autos und gründete dann seine Firma „Multimatic“. Dank eines amerikanisch-kanadischen Agreements wurde „Multimatic“ sehr erfolgreich und fusionierte mit dem Rüstungselektronikhersteller Magna Eletronics, dessen Leitung er übernahm und zum heutigen Magna International Inc. machte. Heute macht MI einen Umsatz von 20 Milliarden Dollar und hat mehr als 90.000 MitarbeiterInnen. Seine Rückkehr nach Österreich löste großes Aufsehen in den österreichischen Medien und in der Öffentlichkeit aus. Seitdem plant er immer wieder neue Projekte und Übernahmen, von denen einige auch scheiterten, wie z.B. der Kauf des Staatsanteils der Voest Alpine Stahl AG (2003) oder auch die Verhandlungen mit General Motors und der deutschen Bundesregierung über die Übernahme von Opel (2009).
Anfang 2009 meldete eines von Stronachs Unternehmen, Magna Entertainment Corporation, Insolvenz nach Capter 11 an, welches die Reorganisierung des Unternehmens bedeutet und alle rechtlichen Schritte
der GläubigerInnen unterbindet. Im Juni 2010 kündigte Stronach an, seine Stimmrechtsmehrheit von 66% auf 7,4% reduzieren zu wollen und damit die Kontrolle über MI abzugeben. Stronach sollte dafür eine Abfertigung von 983 Millionen Dollar bekommen, woraufhin einige AktionärInnen Einspruch erhoben, da ihnen diese Abfertigung zu hoch schien.
Erste politische Schritte Stronach hatte schon immer politische Ambitionen. Schon 1988 kandidierte er für die Liberale Partei Kanadas, was aber scheiterte. Im November 2011 gründete Stronach den Verein „Frank Stronach Institut für sozialökonomische Gerechtigkeit“, in dessen Statuen mehrere Forderungen zur Reformierung Österreichs stehen (Schuldenbremse, Flat Tax, Abbau staatlicher Verwaltung). Der Kernpunkt seiner Agenda ist allerdings der Austritt aus der EU.
Parteigründung Anfang 2012 startete er Gespräche mit dem BZÖ und dem LIF, welche allerdings erfolglos waren. Im August 2012 begann Stronach mit der Gründung einer eigenen Partei, was er bis dato immer ausgeschlossen hatte. Allerdings, um bei der NRWahl antreten zu dürfen, benötigt Stronach entweder 2.600 Unterstützungserklärungen pro Bundesland oder 3 Abgeordnete. Stronach entschied sich für Letzteres. Sein nächster Schritt ist jener, seine Partei schon jetzt in Parlamentsklubstatus zu brin-
gen, hierzu fehlt ihm (Stand: Sept. 12) nur noch ein/e Abgeordnete/r. Der Klubstatus bringt einer Partei viele Vorteile, wie zum Beispiel das Recht auf Initiativanträge oder finanzielle Förderungen aus dem Parlamentsbudget. Zuletzt kündigte Stronach an, seinen Wahlkampf mit 25 Mio. € zu finanzieren. Klingt nach US-amerikanischen Verhältnissen…
Students and workers: unite & fight Gemeinsam Löhne und Arbeitsrechte verteidigen Im Zuge der Wirtschaftskrise sehen wir in ganz Europa einen Angriff auf Arbeitsrechte und -bedingungen, Lohnsenkungen und ein Aufbrechen der Kollektivverträge (KV). Gemeinsame Kampfmaßnahme sind nun das Gebot der Stunde. Von Manuel Reichetseder
Und das obwohl die Metallbetriebe im vergangenen Jahr 2,2 Mrd. € Gewinn gemacht haben. Das sind 7,2 % mehr als im Jahr davor. Drei Viertel davon wurde an die AktionärInnen ausgeschüttet und nur ein Viertel wird wieder investiert. Die Arbeit wird von Jahr zu Jahr produktiver, aber vom Lohn bleibt immer weniger über. Die Gewerkschaften fordern deshalb eine 5%-Lohnerhöhung. Obwohl sich aufgrund der Produktivität, Profite und Top-Gehälter der Vorstände die ArbeiterInnen weit mehr verdient hätten, gilt es diese Lohnforderung als gemeinsamen Kampfslogan zu unterstützen. Weiters bestätigt
die Gewerkschaft PRO-GE, dass sie sich – trotz der Schwächung ihrer Verhandlungsposition aufgrund der separaten Termine – den gemeinsamen KV nicht wegnehmen lässt. Traditionell richten sich alle anderen KV-Verhandlungen nach den Abschlüssen der Metallbranche. Die Solidarität aller Beschäftigten und Lehrlinge anderer Branchen ist notwendig, weil es schlussendlich um die Löhne und Arbeitsbedingungen aller ArbeiterInnen und um die Verteidigung der Gewerkschaften geht. Weiters ist die aktive Solidarität aller SchülerInnen und StudentInnen notwendig, denn diese sind die zukünftigen Beschäftigten und müssen unter schlechteren Bedingungen arbeiten, falls die Sparpläne der Unternehmerseite nicht abgewehrt werden. Vor allem in Wien haben wir als SozialistInnen die Aufgabe die Beschäftigten, die sich in einem Arbeitskampf befinden, durch Solidaritätsaktionen in Wort und Tat, die Teilnahme an Kundgebungen und gegebenenfalls Streiks zu unterstützen. Konkret wehren sich die atypisch beschäftigten AbfallberaterInnen der MA 48, die – nachdem sie für ihre Rechte eingetreten sind – im August plötzlich gekündigt wurden. Bei den Wiener Gemeindebediensteten formiert sich aufgrund der angekündigten Nulllohnrunde für das Jahr 2013 Widerstand an der Gewerkschaftsbasis, weil die Gewerkschaftsführung dieser fak-
tischen Lohnkürzung zugestimmt hat. Die Situation der Beschäftigten in Wiens Spitälern verschärft sich aufgrund der Einsparungen der Stadtregierung immer mehr, weshalb die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten bereits vor einem Jahr Kundgebungen gegen die katastrophalen Arbeitsbedingungen organisierte. Die Schwächung und Aufspaltung der Kollektivverträge geht in ganz Europa vonstatten. Ein Beispiel unter vielen sind die FIAT Fabriken in Italien, wo sukzessive Arbeitsrechte ausgehöhlt und kritische BetriebsrätInnen systematisch aus den Betrieben gedrängt werden. Ein Blick in die südeuropäischen Krisenstaaten zeigt, welch eine soziale Situation uns auch hierzulande droht, wenn wir jetzt nicht aufstehen, uns organisieren und zur Wehr setzen. Lassen wir uns nicht spalten! Verteidigen wir unseren Kollektivvertrag!
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Allen voran wollen die Industriellen den Metaller-KV aufspalten. Die sechs Fachverbände der Metallindustrie haben den Gewerkschaften jeweils einen separaten Verhandlungstermin zukommen lassen. Jeder Fachverband will mit der Gewerkschaft einen eigenen Kollektivvertrag – in dem Urlaubsgeld, Arbeitszeitregelungen, Lehrlingsentschädigung und Lohnsteigerungen geregelt werden – verhandeln. Die Unternehmer wollen damit einerseits die Löhne in einigen Sparten der insgesamt 180.000 MetallarbeiterInnen senken und andererseits die kollektive Kampfkraft der Gewerkschaft schwächen. Bei den Unternehmern hat eine neue radikale Generation das Sagen, die mit der Sozialpartnerschaft nichts mehr am Hut hat. Diese Damen und Herren wollen sich jetzt für die nächste Phase der Krise auf unsere Kosten fit machen.
Die ORF Sommergesprä PolitikerInnen, politische Institutionen und Sport-Ligen machen Pause, Es finden weder relevante Ereignisse noch Termine statt und wenn doch eine vermeintliche „Sensationsmeldung“ in den Medien auftaucht, hat diese höchstwahrscheinlich absolut keinen Nachrichtenwert. Das Sommerloch. Von Wolfgang Wagner
Um diese Lücke zu schließen, strahlt der ORF jährlich seit 1981 die Sommergespräche aus: Einzelgespräche mit den Vo r s i t z e n d e n der Parlamentsparteien, 2012 nach einer Pause wieder mit Moderator Armin Wolf. Heuer am spannendsten waren Heinz-Christian Strache (FPÖ), Michael Spindelegger (ÖVP) und Werner Faymann (SPÖ). Mit 817.000 ZuseherInnen war das Gespräch mit HC Strache das mit Abstand meistgesehene. Wahrscheinlich weil er als einziger Politiker nicht nur Anhänger, sondern auch eine derart große Feindgemeinde hat, sodass in Summe eine riesige Gesamtzahl an ZuseherInnen zustande kam. „Gibt es eine politische Partei weiter rechts als die FPÖ?“, „Nein“ antwortet Strache, die FPÖ sei „weder rechts noch links“. Das erste Thema in diesem Gespräch ist eine Karikatur auf Straches Facebook Profil. Drei Personen verkörpern Volk, Banken und Regierung. Die Bank, die alles an sich reißt, ist mit karikaturistischen Mitteln aus dem Nationalsozialismus, Hakennase und Ärmelknöpfe mit Davidsternen, als Jude dargestellt. Strache erkennt diese als solche aber auch auf einer Vergrößerung nicht. Weder er, noch „jüdische Freunde“ sähen in dem Bild Spuren von Antisemitismus. Das sei lediglich Hetze gegen seine
Person, ein Ausdruck „der Angst, die man hat, dass HC Strache stärkste politische Kraft wird". Er befürwortet das Vorgehen der FPK in Kärnten, die die Neuwahlen im Kärntner Landtag blockiert. Sie seien die einzigen, die eine Verfassungsklage gegen den ESM einreichen würden und müssten dafür Teil der Landesregierung bleiben, können diese aber erst einreichen, wenn der ESM in Kraft trete, also Mitte September. Allerdings dauert es mindestens 4 Monate, bis nach einer Abstimmung im Landtag über Neuwahlen diese tatsächlich stattfänden, genug Zeit für die FPK diese Klage einzureichen. Die vielen FPÖ WählerInnen, die zur Stronach-Partei abwandern, seien kein Zeichen dafür, dass viele davon reine ProtestwählerInnen sind. Durch Umfragen werde nur versucht "künstliche Bilder zu schaffen, die davon abzulenken versuchen, dass es bei der nächsten Wahl das Duell Strache gegen Faymann geben wird“.
Personalrochade, die stattfinden hätte sollen. Das seien Gerüchte gewesen. Spindelegger bewertet die ÖVP nach Schulnoten mit 1 bis 2, worauf sogar der sonst so schlagkräftige Armin Wolf nur ungläubig „Ernsthaft?“ antworten konnte. Armin Wolf stichelt mit der Frage, ob man nicht Erwin Pröll hätte einladen sollen. In der ÖVP sei es doch üblich, dass dieser sich eine Meinung zu einem Thema bilde und der Rest nur zustimme. Es störe Spindelegger nicht, dass die verschiedenen Bünde und Länder so viel Einfluss auf ihn in seiner Position als Parteichef haben. „Die ganze ÖVP steht auf einer Seite.“ Einzig mit der FPÖ könne er sich bei der Nationalratswahl 2013 keine Koalition vorstellen. Warum er als Außenminister kein einziges Wort über Straches antisemitische Karikatur verloren hatte, die sogar international Aufsehen erregt hatte? Er „kann ja nicht alles kommentieren.“
Nach dem Gespräch mit Strache folgte Michael Spindelegger, der „ganz langweilig und fad sein Hirn einschaltet“. Das erklärt er in Bezug auf eine Umfrage der Karmasin Motivforschung. Die WählerInnen bewerten ihn zwar als intelligent, nicht aber als durchsetzungsfähig oder charismatsch. Hauptthema des Gesprächs war die angebliche komplette
Das Sommergespräch mit Werner Faymann, als einziges live gesendet, begann für diesen vorteilhaft. Er konterte locker, stellte schnippische Gegenfragen und unterbrach Armin Wolf sogar stellenweise. Nach dem Vorstellungsvideo Faymanns setzt Armin Wolf das Interview mit einem übermäßigen Vorwurf fort. Er verglich Faymann mit Martin Graf, weil in drei von
Von allen Sommergesprächen war wohl das mit Heinz-Christian Strache das Interessanteste. Strache, der im-
mer abwechselnd versuchte seine Wahlrede zu halten oder sich selbst in die Opferrolle zu stellen, fiel es schwer sich gegenüber Armin Wolf zu behaupten, der dank seiner gründlichen Recherchen fast immer fundiert kontern, und angriffslustig nachhaken konnte. Anders im Gespräch mit Werner Faymann. Hier dominierte anfangs eindeutig er das Interview, er konterte und wirkte locker. Weiter ging es allerdings schleppend, viel zu lange wurde das Gespräch mit den Medienverkettungen und Inseratenaffären aufgehalten. Faymann war eindeutig abgeneigt diese Fragen zu beantworten, während Armin Wolf abgeneigt war keine Antwort als Antwort zu akzeptieren. Absolut keine Angriffslust auf beiden Seiten konnte man nur im Gespräch mit Michael Spindelegger beobachten. Auch wenn ÖVP-FreundInnen das sicher als souverän beurteilen könnten, war es doch schlichtweg eher langweilig.
Minuten an, was verhindert, dass verschiedenste inhaltliche Punkte angesprochen werden können. Wenn Armin Wolf zum x-ten Mal „dafür fehlt uns jetzt wirklich leider die Zeit“ sagen muss, ist klar, dass einfach mehr Zeit benötigt wird, um alle Themen auszudiskutieren. Außerdem ist der Titel „Gespräch“, unter dem man sich entspannte Unterhaltung vorstellt, irreführend. Es ist eher ein Angriffs- und Verteidigungsspiel. Trotzdem sind die Sommergespräche ein empfehlenswertes TV-Konzept und werden 2013 sicher wieder spannend.
Insgesamt sind die Sommergespräche ein informativer und wertvoller Programmpunkt im ORF. Gerade deshalb ist es unverständlich, wieso man nicht mehr Sendezeit dafür aufbringen konnte. Während man bemüht ist, das Programm, außerhalb von Großsportereignissen, mit unzähligen Wiederholungen der immergleichen amerikanischen Sitcoms vollzustopfen, legt man die Sommergespräche mit gerademal 45
Faymanns offiziellen Lebensläufen stehe, dass er Rechtswissenschaften studiert, er aber keine einzige Prüfung abgelegt habe. Martin Graf aber hat sich als Anwalt bezeichnet ohne einer zu sein, ein gravierender Unterschied. Wolf sieht das ein. Beim Schweif zur Inseratenaffäre wird Faymann allerdings unruhig. Es gebe keine Anzeichen für eine Anklage gegen ihn, das sei nur „Unsinn“. Er wäre bereit vor dem Untersuchungsausschuss auszusagen, wenn er nur geladen würde, doch werde er sich nicht darum reißen, zu dürfen. Die fünf SPÖ Mitglieder im Untersuchungsausschuss verweigern seine Einladung allerdings. Weil ziemlich viel Zeit für die Besprechung der Inseratenaffäre aufgewandt wurde, konnte die Innenpolitik nicht lange besprochen werden. Faymann bleibt im Gespräch weiterhin gegen Studiengebühren, auch gegen das Modell von Gabi Burgstaller, das am Bundesparteitag zur Wahl stehen würde. Die Frage, warum es über den ESM keine Volksbefragung gab, obwohl angekündigt, beantwortet er damit, dass das keine „wesentliche Vertragsänderung“ sei und es Österreich „mehr kosten würde wenn der Euro verschwinden würde“.
Die Medienpräsenz des Lu Nur die Wahrheit? Ein Kommentar von Kira Höfenstock
Bedingung lautet, dass der Streik von der Gewerkschaft organisiert werden sollte. Während der Arbeitsniederlegung entfaltet sich für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kein Recht auf Ausbezahlung des Gehalts – Mitglieder der Gewerkschaft haben die Möglichkeit so genanntes „Streikgeld“ zu erhalten.
Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter der Lufthansa (Deutschland) haben sich Anfang September zu einem Streik entschieden, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Organisiert wurde diese Arbeitsniederlegung gemeinsam mit der Flugbegleitergewerkschaft „Unabhängige Flugbegleiter Organisation“, kurz UFO. Dass Druck auf die Firmenleitung erzeugt werden sollte war klar, aber dass dieser Streik auch ein solch negatives Echo in den Medien auslösen würde, war schockierend. Die Boulevardmedien kampagnisieren massiv gegen die Proteste des Lufthansa-Personals. Dies hatte ein abwertendes Echo in der Bevölkerung zur Konsequenz.
Dienen solche Artikel in den Printmedien der Einschüchterung, will man den möglichen Unmut der Bevölkerung wiedergeben oder wird es als provokant eingeschätzt und ist somit gut zu verkaufen? An diesem Punkt stellt sich wohl eine weitere Frage: warum kann die Gesellschaft nicht solidarisch zusammenhalten und den Arbeitskampf dieser Leute unterstützen? Tagtäglich können wir den Unmut der Menschen, der durch die Leere in der Geldtasche ausgelöst wird, miterleben. Sollten sich darüber hinaus noch die Arbeitsbedingungen verschlechtern, würde sich der Ärger vergrößern und der Drang, etwas dagegen unternehmen zu wollen, stärker werden. Auch wenn man diesem Gefühl keine Taten folgen lässt, so wird die Stimmung der Bevölkerung sicher nur schlechter anstatt besser. Meldungen über die Krise und das rasante Steigen der Arbeitslosenrate in Europa lassen sich heute aus dem Alltag nicht mehr wegdenken. Genau aus diesem Grund sollte der Mut der streikenden Belegschaft unterstützt werden. Denn gerade in Deutschland und auch Österreich spricht man doch jetzt schon wieder von einem Zuwachs der Gewinne. Daher sollten auch die Löhne der arbeitenden Bevölkerung wieder steigen. Durch Negativkampagnen in den Medien wird die Angst davor geschürt, sich als LohnabhängigeR in unserer Gesellschaft zur Wehr zu setzen. Die gegebenen Bedingungen müssen aber nicht akzeptiert werden, denn es gibt auch noch eine andere Möglichkeit: für unser Recht zu kämpfen.
Die konkreten Forderungen der streikenden Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter lauteten: 5% Lohnerhöhung und das Aus für die Leiharbeit. Vor kurzem wurde auch bei der AUA eine gemeinsame Sitzung der Belegschaft und des Betriebsrates abgehalten, um über die Folgen des Betriebsübergangs zur Tyrolean Airways zu diskutieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden mit ihrer möglichen Zukunft konfrontiert, die ungewisse Zeiten versprechen sollte. Die deutschen Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter kämpften nicht nur für eine Lohnerhöhung, sondern kritisierten vor allem auch die prekären Beschäftigungsverhältnisse (bspw. Leiharbeit, an Stelle einer fixen Anstellung), mit deren negativen Folgen sie tagtäglich konfrontiert werden.
Harte Kritik mit dem Streik
Es ist völlig legitim, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lufthansa für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen wollen. Meine Ansicht entspricht daher nicht der herrschenden Stimmung – die Boulevardmedien (mein Blick richtet sich vor allem auf die österreichische Medienlandschaft) kampagnisieren gegen den Streik und zu alledem lassen sich in einigen Printmedien die Aussagen der „wütenden Fluggäste“ finden. Es erzeugt die Wirkung, als seien diese Aussagen herrschende Meinung in unserer Gesellschaft. Eine dieser Aussagen war sehr markant: ein Fluggast behauptete, dass die streikenden Personen ihre Arbeitsplätze gefährden würden. Das große Medieninteresse in Österreich rührt wahrscheinlich daher, dass auch österreichische Fluggäste von dem Streik betroffen waren. Es wurden einige Flüge gestrichen und geplante Reisezeiten konnten nicht eingehalten werden.
Trotz alledem eine starke Medienpräsenz Nach all diesen Vorkommnissen ist es enorm bewundernswert, dass sich die FlugbegleiterInnen nicht haben beunruhigen lassen. Sie haben ihren Arbeitskampf fortgesetzt und am Ende konnten sie für ihre Mühen positive Erfolge verzeichnen. Trotz der vielen negativen Meldungen freut es mich, dass dieses Ereignis eine so starke Medienpräsenz erhalten konnte. Vielleicht ermutigt es auch andere Personengruppen, ihr Recht wahr zu nehmen und keine Furcht davor zu haben, gemeinsam mit der Gewerkschaft für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Viele Einzelfälle scheitern schon an der Barriere davor, den ersten Schritt zu wagen und sich nur zu informieren oder beraten zu lassen. Umso mehr solche positiven Beispiele Medienpräsenz erhalten, desto mehr Leute werden es auch als legitim ansehen, sich
Gefährde ich meinen Arbeitsplatz? Die Rechtslage in Deutschland sieht folgendermaßen aus: in unserem Nachbarland wird es nicht als pflichtwidrig angesehen, wenn die Belegschaft an einer kollektiven Arbeitsniederlegung teilnimmt. Eine wichtige
ufthansa Streiks gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen. Im Internet lassen sich auch einige Meldungen von Personen finden, die dem Streik positiv gegenüberstehen, die Forderungen der Belegschaft unterstützen und auch die Bevölkerung zu Solidarität aufrufen. Es wurden auch die Aussagen zweier Passagiere in Boulevardmedien abgedruckt, die die Forderungen der streikenden Belegschaft unterstützten. Trotzdem ist das Medienecho überwiegend negativ. Bleibt nur zu hoffen, dass die genannten Solidaritätsaufrufe auf fruchtbaren Boden stoßen konnten, sodass sich diese Stimmung auch in Zukunft bei der breiten Masse durchsetzen kann.
Die andere Seite Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass es Personen gibt, die lange sparen müssen, um von ihrem Gehalt einmal im Jahr auf Urlaub fliegen zu können. Mehr geht sich aus finanziellen Gründen für viele lohnabhängige Personen nicht aus. Gerade Familien wird es hart treffen, wenn sie ihre Reise verschieben müssen. Aber gerade von solchen Personen ist noch mehr Solidarität zu erwarten, denn sie können prekäre Verhältnisse am besten nachvollziehen. Außerdem hilft der Arbeitskampf nicht nur der streikenden Belegschaft, sondern kommt der breiten Masse der Lohnabhängigen zu Gute. Jeder Kampf gegen Ungerechtigkeiten, ob größer oder kleiner, schafft Raum für Mut und weitere Kämpfe.
Dieser Mut könnte noch weitere Stärkung erhalten – die Gewerkschaft äußerste sich nach den durchgeführten Streikmaßnahmen positiv gegenüber den Medien, da sich die Betriebsleitung kompromissbereit zeigte. Es war sogar von einem Verzicht auf Leiharbeit die Rede. Dieser Umstand wäre natürlich ein extremer Motivationsschub für die Belegschaft, da diese Forderung eines der Hauptziele der Gewerkschaft war. Manchmal haben die Erfolge eines Streikes weit mehr positive Folgen für die gesamte Gesellschaft, als wir uns im gegenwärtigen Moment vorstellen können.
Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck! Von Sabine Toifelhart Die Punkrockband „Pussy Riot“ sorgt für Furore, als sie Mitte Februar in einer orthodoxen Kirche in Moskau auftritt. Sie kritisieren in ihrem Lied „Punkgebet“ den Ministerpräsidenten Wladimir Putin, sowie die Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche, welche ausgesprochen gut mit dem Kreml vernetzt ist. Außerdem kritisieren sie die antifeministische und homophobe Politik in Russland. Ein kurzer Auszug aus dem „Punkgebet“: „Mutter Gottes, Du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin! Schwarzer Priesterrock, goldene Schulterklappen - Alle Pfarrkinder kriechen zur Verbeugung. Das Gespenst der Freiheit im Himmel. Homosexuelle werden in Ketten nach Sibirien geschickt.Der KGB-Chef ist Euer oberster Heiliger, er steckt die Demonstranten ins Gefängnis. Um den Heiligsten nicht zu betrüben müssen Frauen gebären und lieben. Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck! Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!“
Innerhalb kürzester Zeit werden die drei Mitglieder Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch in Untersuchungshaft genommen. Begründet wird die Inhaftierung mit dem groben Verletzen der öffentlichen Ordnung. Die Aktivistinnen der Band Pussy Riot müssen vier Monate auf den Beginn des Prozesses warten, in dem Bewusstsein, dass ihnen im schlimmsten Falle sieben Jahre in einem Arbeitslager drohen. Im Zuge des Prozesses wird jedoch schnell klar, dass es keine Möglichkeit gibt, jenem zu entkommen. Am 17. August werden die Mitglieder der Band Pussy Riot schließlich zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Es kommt zu vielen
Solidaritätskundgebungen weltweit, sowie Statements diverser PolitikerInnen und KünstlerInnen. Der Menschenrechtsrat des Kreml fordert am 29. August die sofortige Freilassung der AktivistInnen, da es keine Rechtsgrundlage für deren Haft gebe. Indes bereitet die Kreml-Partei „Geeinigtes Russland“ ein Gesetz vor, dass Gotteslästerung unter Strafe stellt. Eine baldige Freilassung von Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch scheint jedoch unrealistisch, zumal der Prozess zeigt, dass es sich hierbei um ein Exempel für alle RegierungskritikerInnen handelt. Rückblickend betrachtet sprechen die in den vergangenen Monaten beschlossenen Gesetze in Russland klare Worte. Die Rechte Homosexueller werden massiv beschnitten, Feminismus ist ein Fremdwort, Proteste und Kundgebungen werden regelmäßig gesprengt. Es wird alles getan, um jeglicher Opposition den Raum zu nehmen. Ein Gericht will am 1. Oktober über den Einspruch der Frauen gegen das umstrittene Urteil wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" verhandeln. Bleibt abzuwarten, wie es sich weiterentwickelt, jedoch tritt bis dahin vielleicht das Gesetz in Kraft, welches Gotteslästerung unter Strafe stellt.
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Die ECOSY (European Community Organisation of Socialist Youths) ist die europäische Dachorganisation vieler sozialistischer und sozialdemokratischer Organisationen in Europa. Sie veranstalten regelmäßig das ECOSY Summercamp, das immer an einem coolen Ort in Europa stattfindet. Dieses Jahr hat uns das ECOSY Summercamp nach Savudrija in Kroatien geführt. Dort hatten wir eine Woche, um uns mit Leuten aus den verschiedensten Ländern auszutauschen, coolen Workshops mit spannenden ReferentInnen aus der ganzen Welt zu besuchen und natürlich am Strand zu liegen und im Meer zu planschen. Parties sind selbstverständlich auch nicht zu kurz gekommen. Es war ein erfolgreicher Start in den Sommer!
ECOSY Summercamp in Savudrija,Kroatien
Die SoWe ist mit etwa 100 TeilnehmerInnen das größte Seminar der SJ Wien! Dieses Jahr hat sie im wunderschönen Deutschlandsberg in der Steiermark stattgefunden. Es gab zahlreiche Workshops - von Antirassismus, über LGBT bis zur Wirtschaftkrise- bei denen wir uns inhaltlich ausgetauscht haben. Fünf Tage lang haben wir gemeinsam Spaß gehabt, diskutiert, den Sommer genossen und Party gemacht! Wenn du auch Lust hast, nächstes Jahr wieder bei der legendären SoWe dabei zu sein, dann meld dich bei uns ;)
Während"Austria's next Topmodel" diesen Sommer in die fünfte Casting -Runde ging, haben wir uns eine alternative Castingshow überlegt. Denn uns geht es am Nerv, ständig gesagt zu bekommen, dass wir nicht schön genug sind, weil wir einem bestimmten Schönheitsideal nicht entsprechen! Deshalb sind wir mit "Austria's next TopFmodel" - die Castingshow, bei der jedeR ein Foto bekommt - losgezogen. Es war ein voller Erfolg und wir haben natürlich viele Topfmodel's gekürt. Denn wir sind alle top!
"Austria's next Topfmodel"
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Rise up! Die Jugend Europas zahlt die Zeche für die Wirtschaftskrise. Uns treffen Arbeitslosigkeit, unsichere Beschäftigung und die schleichende Privatisierung unserer Gesundheits- und Sozialsysteme zuallererst. Wir sind die ersten, die unter teurem Wohnraum oder Kürzungen im Bildungsbereich leiden. 5 Millionen Junge stehen derzeit ohne Job da – Tendenz stark steigend. Diese Situation ist die direkte Folge der Sparpolitik und Sozialkürzungen, die von Konservativen und Liberalen in ganz Europa durchgesetzt wurden und uns unserer Zukunft berauben. Gemeinsam mit anderen sozialistischen Jugendbewegungen in Europa sagen wir klar: Der Kampf gegen Arbeitslosigkeit, der Erhalt eines starken Sozialstaats und die Rettung der Umwelt müssen oberste Priorität haben! Die Bedürfnisse der Europäerinnen und Europäer müssen stärkeres Gewicht haben als die Entscheidungen von Märkten, Rating-Agenturen und Finanzwirtschaft. Schieben wir dem Demokratieabbau in der EU den Riegel vor! Mit Holen wir uns unsere Zukunftschancen zurück! Als europäische JungsozialistInnen fordern wir den Europäischen Rat und das Europäische Parlament auf, das Spardiktat zu beenden und umgehend zu handeln: für ein soziales, demokratisches und ökologisches Europa.
FÜR EIN SOZIALES, DEMOKRATISCHES UND
ÖKOLOGISCHES EUROPA •	Reiche besteuern – mehr Staatseinnahmen um soziale Gerechtigkeit und gute Bildung zu garantieren. Steuerdumping in Europa muss durch eine europaweite Mindestbesteuerung für Unternehmen und hohe Erbschaftssteuern beendet werden. •	Schluss mit Steueroasen – Steuerflucht beenden! •	Zeitbombe Jugendarbeitslosigkeit entschärfen durch eine Garantie auf Jugendbeschäftigung und –ausbildung, Bekämpfung prekärer Arbeitsverhältnisse und dem Verbot ausbeuterischer Praktika. •	Mehr und bessere Arbeitsplätze durch kürzere Arbeitszeiten. •	Massive Investitionen in Energieeinsparung und erneuerbare Energien in den nächsten fünf Jahren, um Millionen Arbeitsplätze im ökologischen Umbau zu schaffen. •	Schutz für alle Beschäftigten in Europa durch einen europäischen Mindestlohn und Förderung der Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern. •	Finanzmärkte entmachten und staatliche Unabhängigkeit sichern, indem die Europäische Zentralbank direkt Geld an Staaten leihen kann, ohne sinnlose Bereicherung von Privatbanken auf dem Rücken der BürgerInnen. •	Einführung der Finanztransaktionssteuer, um die internationalen Finanzmärkte einzudämmen und das europäische Budget im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und für öffentliche Beschäftigungspolitik zu stärken. •	Die EU demokratisieren, indem das Europäische Parlament als einzig direkt gewählte Institution endlich auf eine Stufe mit den Mitgliedsstaaten gestellt wird.
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Human Life International mit dem Kreuz gegen Frauenrechte Von 4. bis 8. Oktober fand in Wien der „6. Weltgebetskongress für das Leben“ statt. Organisiert wird dieser Gebetskongress von Human Life International (HLI), einer Organisation, die vehement für die Kriminalisierung und Tabuisierung des Schwangerschaftsabbruchs eintritt. Von Marlis Zederbauer
Human Life International ist eine 1981 in den USA gegründete Organisation, die es sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, Frauen weltweit das Recht auf eine selbstständige Familienplanung zu verwehren. Neben dem Hauptthema Schwangerschaftsabbruch, welches sie unter anderem als „Babyholocaust“ – einer maßlosen Verharmlosung der Verbrechen des NS-Regimes – bezeichnen, setzen sie sich auch für das Verbot jeglicher Verhütungsmittel sowie gegen Aufklärungsunterricht in den Schulen ein.
Schwangerschaftsabbruch in den ersten zwölf Wochen durchzuführen. Dennoch werden in manchen Teilen Österreichs bis heute keine Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern werden die Kosten des Eingriffs in Österreich auch nicht von der Krankenkasse übernommen, was durch die Kosten, die von den Frauen damit selbst getragen werden müssen, eine weitere Hürde darstellt. Die mehrtägige Veranstaltung von Human Life International in Wien war damit ein weiteres Zeichen dafür, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch mit der Einführung der Fristenregelung nicht einfach abgehakt werden konnte. Wann immer AbtreibungsgegnerInnen versuchen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch zu verteufeln, müssen FeministInnen lautstark dagegen ankämpfen. Frei nach dem Motto: MEIN Bauch gehört MIR!
Neben den täglichen Gebeten für die „Opfer“ von Schwangerschaftsabbrüchen, standen bei dem Kongress auch Vorträge und Workshops von erzkonservativen und fundamentalistischen ReferentInnen und österreichischen Kirchenvertretern, die HLI nahestehen, an. Für den 6. Oktober war außerdem ein Gebet vor der Klinik für Schwangerschaftsabbruch am Fleischmarkt geplant. Das erinnerte an tagtägliche Praktiken von AbtreibungsgegnerInnen, die direkt vor Kliniken und ÄrztInnenpraxen Frauen und MitarbeiterInnen belästigen. Mit welchen Mitteln HLI genau arbeitet sieht man am Fall der Lucina-Klinik 2004 in Wien: Die AktivistInnen von HLI belästigten Frauen, die am Weg in die Klinik waren, beschimpften sie als „Mörderinnen“ und „Kinderzerstücklerinnen“ und verfolgten sie teilweise sogar bis ins Haus hinein. Außerdem schafften sie es, die Räumlichkeiten der Klinik sowie das darüber liegende Stockwerk aufzukaufen, wodurch sie zu VermieterInnen wurden. Obwohl sie es nicht schafften, den Mietvertrag der Klinik aufzukündigen, musste die Einrichtung letztendlich aufgrund der hohen Belästigung durch HLI schließen. Neben den sogenannten „GehsteigberaterInnen“, die Frauen vor der Klinik von ihrem Vorhaben abbringen sollten, hatte die Organisation über der Klinik auch eine Kapelle eingerichtet, die lautstarke Messen abhielt. Diese Belästigungen gemeinsam mit den von der Klinik durchgeführten zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen gegen die AbtreibungsgegnerInnen wie etwa Sicherheitstüren und Securities, führten schließlich zum wirtschaftlichen Abstieg der Klinik.
Dass eine derart große Veranstaltung von HLI also tatsächlich in Österreich ungestört über die Bühne gehen kann, ist unverständlich. Der Kampf für ein selbstbestimmtes Leben und das Recht der Frauen auf Schwangerschaftsabbruch ist noch lange nicht zu Ende: Erst seit den 70er Jahren ist es Frauen überhaupt möglich durch die sogenannte Fristenlösung straffrei einen
Südafrika: Von Reichtum Die Lebensrealität als südafrikanischer Bergarbeiter ist düster: der Lohn ermöglicht nur ein knappes Überleben, die Gesundheit wird im Bergwerk Tag für Tag aufs Spiel gesetzt und ein Ausbruch aus den Townships, den Elendsviertel Südafrikas, gelingt sowieso nur den aller wenigsten. Also wurde gestreikt. Die daraufhin entflammte Gewalt soll uns nur in Ansätzen erahnen lassen, welche soziale Sprengkraft sich hier noch verbirgt. Von Bettina Rosenberger
COVERSTORY INTERNATIONAL
Nelson Mandela wurde Präsident, er überlebte die 27- jährige Gefangenschaft auf Robben Island, die Apartheid war zu Ende - es ist das Jahr 1994. Hoffnung kommt auf, Hoffnung auf Demokratie, Hoffnung auf soziale Gerechtigkeit, Hoffnung auf ein besseres Leben. Das alles wurde weltweit mit dem Namen Nelson Mandela und seiner Partei, dem ANC (African National Congress) assoziiert. Doch was heute davon über geblieben ist, gleicht eher einem Trümmerhaufen. Die Apartheid ist zwar vorbei, doch Rassismus und die Abhängigkeit von westlichen Konzernen existieren weiter. Denn der ANC verkam im Laufe der Zeit zu einer elitären PolitikerInnenklasse. Ähnlich erging es der NUM (National Union of Mineworkers), ihres Zeichens Gewerkschaft und eng verbunden mit dem ANC. Die NUM entstand in den 80er Jahren als Protest gegen rigide Arbeitsgesetze. Damalige Schlüsselfigur war Cyril Ramaphosa, der Gewerkschaftsführer der NUM. Heute sitzt er im Vorstand von Lonmin, dem weltweit drittgrößten Platinminen Betreiber, rund 12 % des globalen Platinbedarfs werden durch Lonmin gedeckt. In Südafrika gibt es das größte Platinvorkommen der Welt (80 %). Bereits Anfang August kam ein Streit zwischen der NUM und der AMCU (Association of Mineworkers and Construction Union) auf und forderte 10 Todesopfer. Um diesen Vorfall verstehen zu können, ist es notwendig, sich die gewerkschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre genauer anzusehen: Der südafrikanische Gewerkschaftsdachverband COSATU ist sehr eng
mit dem ANC verzahnt und verhalf unter anderem dem amtierenden Präsidenten Zuma zum Sieg. Die Mehrheit wird dort von Mitgliedern der NUM gestellt. Doch auch die NUM entwickelte sich zum Selbstbedienungsladen und zur Unterstützerin der Reichen und Mächtigen, statt auf ihr arbeitendes Klientel zu achten. Dies lässt sich unter anderem daran festmachen, dass der Generalsekretär der NUM, Frans Baleni, strikt gegen eine mögliche Verstaatlichung der Minen auftritt. Er selbst hatte im Vorjahr eine Lohnerhöhung um 40 % erhalten und verdient im Monat rund 10.500 Euro, während die Gewerkschaftsgruppe die Minenarbeiter verraten und sich bei Lohnverhandlungen mit nur minimalen Lohnzuwächsen zufrieden gegeben hat. Aufgrund dieser mangelnden Vertretung war abzusehen, dass sich über kurz oder lang eine neue Gewerkschaftsgruppe, die AMCU, bilden würde. Dennoch symbolisiert sie mit ihrer offenen Gewalt auch nur den Grad der Verzweiflung, anstatt sich als kompetente Arbeitervertretung zu positionieren. Trotzdem verkörpert sie das Lebensgefühl der Minenarbeiter, die sich der AMCU bereitwillig anschließen und die regierungstreue NUM muss massive Mitgliederverluste hinnehmen.
Die soziale Lage Südafrikas Aber auch andere Teile der Bevölkerung leiden stark unter der sozialen Misere Südafrikas. Privatisierungen führten dazu, dass sich viele Menschen den Strom- , sowie Wasseranschluss nicht mehr leisten können. Auch in der Arbeitsmarktpolitik sieht 20
es für die angeblich aufstrebende Wirtschaftsmacht alles andere als rosig aus: rund 40 % der SüdafrikanerInnen sind arbeitslos. Die Schuld dafür wird von der Bevölkerung auf die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft projiziert: Flüchtlinge. Zum Beispiel fliehen seit mehreren Jahren Millionen von Menschen aus Zimbabwe, um der völlig fehlgeleiteten Politik Mugabes zu entkommen. Nachdem sie dort alles zurückließen, versuchten viele von ihnen ihr neues Glück in Südafrika. Doch hier existiert, auch wenn es sich nicht mehr um die Apartheid handelt, eine rassistische Doktrin, die massive Hetze gegen Flüchtlinge betreibt. Aber Südafrika ist noch von einer anderen gravierenden Problematik betroffen: Aids. Mehr als jeder Zehnte leidet unter der Krankheit - Südafrikas trauriger Weltrekord.
Die Minen stehen still Schauplatz: Marikana, 70 km nordwestlich von Johannesburg, hier befindet sich die Plantinmine des britischen Produzenten Lonmin. Bei rund 40 Grad arbeiten die Kumpel täglich unter extrem gefährlichen Bedingungen. Die AMCU konnte mit ihrer Forderung nach mehr Lohn, viele Arbeiter für ihren Streik gewinnen. Derzeit verdienen die Arbeiter, um die 6000 Rand, also umgerechnet etwa 400-600 Euro. Von der Gewerkschaftsgruppe werden bis zu 12.000 Rand gefordert, die NUM tritt strikt gegen diese Forderung auf. Beide Seiten waren während des Streiks bewaffnet, es kam zur Eskalation und 10 Menschen verloren ihr Leben. In den darauf folgenden Tagen wurde weiter ge-
m und Rassismus können trotzdem nicht legitimiert werden. Aber sie erweitern die Diskussion um einen wichtigen Aspekt: So stellt sich die Frage, woher diese Gewaltbereitschaft kommt. Es zeichnet sich immer klarer ab, dass die soziale Kluft zwischen Arm und Reich gerade in Südafrika eine massive Problematik mit sich trägt, denn die Situation ist aufgrund von historischen Diskriminierungen besonders heikel. Der südafrikanische Präsident Zuma, der eher durch Skandale als durch progressive Ideen mediale Präsenz erreicht ist hier dringend gefordert seine Kompetenz zu beweisen. Vor allem wird es für den ANC schwer sein zu erklären, wie es so weit kommen konnte. Handelte es sich doch beim ANC um jene Partei, die nach dem Apartheidsregime versprach für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit einzustehen.
streikt. 3000 Arbeiter beteiligten sich, als plötzlich die Polizei in die Menge schoss und 34 Arbeiter tödlich verletzte. Die Exekutive legitimierte ihr eigenes Handeln, indem sie behauptete, es handelte sich um Notwehr. Es waren die blutigsten Auseinandersetzungen, seit dem Ende der Apartheid. Der Streik, der am 10. August seinen Anfang nahm, hat sich innerhalb großer Platin- und Goldminen zu einem Schneeballsystem entwickelt. So streikten etwa 15. 000 Arbeiter der KDC- Goldmine für bessere Löhne. Doch die staatliche Repression hat noch weitere Instrumente, um diesen Aufstand der Arbeiter zu unterdrücken. Wie zum Beispiel ein juristisches Relikt aus dem Apartheidsregime: So wurden 270 Arbeiter nach der blutigen Auseinandersetzung mit der Polizei sofort verhaftet und angeklagt. Sie wurden für den Tod ihrer Kollegen verantwortlich gemacht, wie es das Gesetz vorsieht. Zwar wurde die Anklage mittlerweile für 162 Arbeiter wieder zurückgenommen. Dennoch gilt dies nur für jene, die eine Wohnadresse vorweisen konnten, die Wanderarbeiter sitzen hingegen weiterhin in Haft. Nächsten Februar werden die streikenden Bergarbeiter abermals vor Gericht geladen, ihnen wird aufgrund von öffentlicher Gewalt und Abhalten einer illegalen Versammlung der Prozess gemacht. Schließlich wurde eine Einigung mit Lonmin geschlossen: die Minenarbeiter bekommen zwischen 11% und 22% mehr Lohn. So berechtigt der Streik der Arbeiter für einen besseren Lohn erscheint, die militanten Züge des Protests
Neue Wahlgesetze gegen Am 6. November sind Präsidentschaftswahlen in den USA. In den Umfragen liegt US-Präsident Barack Obama vor seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Um die Wahlen doch noch zu gewinnen, ist den RepublikanerInnen scheinbar jedes Mittel Recht. Neue Wahlgesetze sollen potentielle Obama Wählerinnen und Wähler von der Wahl abhalten. Von Marlis Zederbauer Von Robert Slovacek
Die USA befinden sich mitten im Wahlkampf um die USPräsidentschaft. RepublikanerInnen und DemokratInnen kämpfen um jede Stimme. Doch nicht jeder, der seine Stimme abgeben will, hat diesen November die Chance dazu. Der Grund: zahlreiche USBundesstaaten haben vor dieser Wahl ihre Wahlgesetze geändert. War es in vielen Bundesstaaten noch möglich ohne einen staatlichen Lichtbildausweis zu wählen, wird diese Möglichkeit durch "Voter ID" Gesetze abgeschafft.
INTERNATIONAL COVERSTORY
Das Problem dabei ist, dass viele Amer ikaner innen und Amerikaner gar keinen staatlichen Lichtbildausweis haben. Im Gegensatz zu Österreich gibt es in den USA keinen Personalausweis. 40 Prozent der Menschen in den Vereinigten Staaten haben auch keinen Reisepass. Dazu kommt, dass es in einzelnen Bundesstaaten noch zusätzliche Einschränkungen gibt. In Wisconsin kann nur mit einem Studierendenausweis gewählt werden, auf dem ein Foto, die Unterschrift und das Ablaufdatum sind. Im Gegensatz zu Österreich gibt es in den USA auch keine Meldeämter. Wer an der Wahl teilnehmen will, muss sich deshalb davor im örtlichen Wählerverzeichnis registrieren lassen. In Kansas, Alabama und Tennessee müssen Wählerinnen
und Wähler dafür zusätzlich auch durch die Geburtsurkunde oder einen anderen Beweis vorzeigen können, dass sie StaatsbürgerInnen sind.
Beteiligung von Minderheiten und Menschen mit niedrigem Einkommen an der Wahl erschwert werden.
Doch die "Voter ID" Gesetze sind nicht die einzigen Einschränkungen für die Wahl im November. In 32 der 50 Bundesstaaten sowie in der Hauptstadt Washington gibt es das sogenannte „early voting“, die Stimmabgabe schon vor dem Wahltag. Diese Stimmabgabe schon vor dem Wahltag wird vor allem von Arbeiterinnen und Arbeitern, Minderheiten und vielen Jungwählerinnen und Jungwählern genutzt. Sie wählen mehrheitlich demokratisch. So auch 2008 als Obama bei den Früh-Wählerinnen und Wählern mit 58 Prozent deutlich vor dem republikanischen Kandidaten McCain lag, der 40 Prozent bekam.
Auch die Arbeit von Organisationen, die Wählerinnen und Wählern bei der Registrierung helfen, wird durch neue Gesetze erschwert. 2008 war es genau solchen Organisationen gelungen hunderttausende Erstwählerinnen und Erstwähler zu registrieren, die dann größenteils Obama wählten. Die Organisation "League of Women Voters", die Wählerinnen und Wähler in ganz Amerika seit 91 Jahren unterstützt, wird in diesem Jahr zum ersten Mal in ihrer Geschichte ihre Arbeit einstellen. Die neuen Gesetze würden ihre Arbeit unmöglich machen.
In einigen Bundesstaaten wurden mit republikanischer Mehrheit Gesetze beschlossen, die diese Möglichkeit des "early voting" einschränkt. In den wahlentscheidenden Swingstates Ohio und Florida wurden ebenfalls solche Gesetze beschlossen. So versuchte man in Ohio das "early voting" auf Soldatinnen und Soldaten und im Ausland lebende Wählerinnen und Wähler zu beschränken. Doch Gerichte in Florida und Ohio kippten die Gesetze mit der Begründung, damit würde die
Wahlbetrug als Vorwand Die BefürworterInnen sagen, der Kampf gegen den Wahlbetrug sei der Grund für die Gesetzesänderungen. Doch die Fakten zeigen, dass es kaum Fälle von Wahlbetrug in den USA gibt. Selbst die "Republican National Lawyers Association" fand nur 340 Fälle von Wahlbetrug in den letzten 10 Jahren in den gesamten Vereinigte Staaten. BürgerInnenrechtsorganisationen kritisieren die Wahlgesetze massiv. Sie kritisieren die Gesetze als klar politisch motiviert. Sie be-
n Obama
FACTBOX fürchten, dass sich besonders Minderheiten, denen es an Zeit und Geld fehlt, nicht für die Wahl registrieren lassen. Auch Ex-USPräsident Bill Clinton, der während seiner Präsidentschaft ein Gesetz zur Vereinfachung der Stimmenabgabe verabschiedete, lässt kein gutes Haar an den Wahlgesetzen. In einer Rede vor Studentinnen und Studenten zog er Parallelen zur Rassendiskriminierung. Seit der Abschaffung der Wahlrechtssteuer und einiger rassistischer Wahlgesetze in den 60er Jahren wären diese Gesetze der verbissenste Versuch das Stimmrecht einzuschränken. Das letzte Wort vor den Wahlen in diesem Jahr werden die Gerichte haben.
So wird der US-Präsident gewählt Am Anfang eines jeden Wahljahres stehen die Vorwahlen. In diesen Vorwahlen entscheidet sich welcher Kandidat bzw. welche Kandidatin für die jeweilige Partei ins Rennen um die Präsidentschaft geht. Jeder US-Bundesstaat hat dabei seine eigene Vorwahl und auch seine eigenen Regeln. So dürfen in einigen Bundesstaaten alle Bürger und Bürgerinnen teilnehmen, in anderen nur die Parteimitglieder der Partei. Wann die Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten stattfinden, ist ebenfalls unterschiedlich. Ein besonderer Tag bei den Vorwahlen ist der sogenannte "Super Tuesday". An diesem Tag finden in mehreren Bundesstaaten Vorwahlen statt. Je besser ein Kandidat oder eine Kandidatin in einem Bundesstaat abschneidet desto mehr Stimmen der Delegierten dieses Bundesstaats bekommt er bzw. sie. Der Kandidat bzw. die Kandidatin, der oder die am Ende mehr als die Hälfte der Delegiertenstimmen bekommt gewinnt die Vorwahlen. Die Delegierten wählen dann auf dem jeweiligen Parteitag den Präsidentschaftskandidaten bzw. die Präsidentschaftskandidatin.
Endgültig gewählt wird der US-Präsident dann von der Wahlmännerversammlung, dem "Electoral College". Dabei treffen sich 41 Tage nach dem Wahltag die Wahlmänner in den Hauptstädten der Bundesstaaten und geben ihre Stimmen ab. Diese Stimmzettel werden am ersten Sitzungstag des neu gewählten US-Kongresses, dem 6. Jänner, ausgezählt. Dort wird dann offiziell verkündet welcher Kandidat bzw. welche Kandidatin für die nächsten 4 Jahre Präsident bzw. Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika ist.
Die US-Präsidentschaftswahl selbst findet dann Anfang November statt. Wie auch schon bei den Vorwahlen wird nicht direkt gewählt. Jeder Bundesstaat hat eine bestimmte Anzahl von Wahlmännern, je nachdem wie viele Menschen in dem Bundesstaat leben. In fast allen Staaten gilt das "The winner takes it all" Prinzip. Der Kandidat bzw. die Kandidatin mit den meisten Stimmen bekommt alle Wahlmänner des jeweiligen Bundesstaates. Während Kalifornien fast immer mehrheitlich die demokratische und Texas fast immer mehrheitlich die republikanische Partei wählt, gibt es andere Staaten, in denen der Wahlausgang nicht so sicher ist. Diese Staaten sind die sogenannten "Swing States". Deshalb konzentriert sich der Wahlkampf der Kandidaten und Kandidatinnen meistens auf diese "Swing States". Wer mehr als die Hälfte der 538 Wahlmänner auf seiner Seite hat, hat die Wahl gewonnen.
Der Kampf um die Bildung- Chile und StudentInnen treten für ihre Seit etwa 2 Jahren existiert die SchülerInnen- und StudentInnenbewegung und seitdem gehen über 80 000 Lernende mehrmals pro Monat auf die Straße, die Politik ignoriert sie allerdings konsequent. Doch was ist es, das die Jugendlichen immer wieder ohne Erfolg einfordern? Vom Simon Brezina
Protestierenden keine Alternative. Die meisten sind entweder „zu korrupt oder zu klein um etwas auszurichten“, so die SchülerInnensprecherin. Da bleibt also nur noch die Straße – doch dort geht es selten friedlich zu.
Die politische Lage in Chile kann nur als extrem beschrieben werden. Die Verfassung besteht noch immer aus der Zeit des 1990 aus der Politik ausgeschiedenen Diktators Augusto Pinochet und unterstützt direkt die freie Marktwirtschaft. Der aktuelle Präsident, Sebastián Piñera ist der Inhaber von 3 Fernsehsendern und 4 verschiedenen Zeitungen. Die Linke ist am Boden oder vollkommen korrupt. Kein Wunder also, dass die Menschen auf die Straße gehen. Warum aber die riesige Mobilisierung von SchülerInnen und StudentInnen? Von der Grundschule an müssen Eltern einen sehr hohen Schulbeitrag zahlen. Nur noch die wenigen staatlichen Schulen sind gratis, doch diese erhalten vom Staat praktisch kein Geld und daran leidet die Qualität. Wer aus diesen Schulen kommt, hat keine Chance auf einen beruflichen Aufstieg, weshalb die Eltern alles daran setzen, dass ihre Kinder auf eine der teil- oder ganz privatisierten Schulen gehen können. Das kostet allerdings. Die Gebühren pro Semester schwanken zwischen 100€ bis 20 000€ und sind für den Großteil der chilenischen Bevölkerung unmöglich zu bezahlen. Ist die Schule erst einmal geschafft, müssen die StudentInnen selbst auf der staatlichen Universität mehrere tausend Euro pro Semester, manchmal sogar pro Monat zahlen. Das ist die klare Linie der aktuellen Politik: eine Elite zu schaffen und den sozialen Aufstieg so schwierig wie nur möglich zu gestalten.
In Österreich ist das Versammlungs- und Demonstrationsrecht eine ganz normale Sache – in Chile jedoch muss dafür gekämpft werden. Nur jede zweite Demonstration, die angemeldet wird, wird auch stattgegeben, als Grund nennt die Polizei meist „Gefährdung der Zivilbevölkerung“. Die Jugendlichen demonstrieren trotzdem. Falls die Demonstration stattgegeben wird, strömen aus allen Schulen und Universitäten Kolonnen von Jugendlichen um sich vor dem Präsidentenpalast zu treffen. Auf dem Podium wird Musik gespielt und es werden Reden gehalten, während die Menschen auf die Dächer von Busstationen klettern, da sie keinen Platz mehr haben. Wer auf dem Podium steht, kann die unglaubliche Masse von 80 000 geeinten Jugendlichen sehen, die gemeinsam für ihre Zukunft eintreten. Bis um 3 Uhr ist die Kundgebung meistens gestattet – danach wird der Platz geräumt. Schon um 14:30 baut sich die schwergepanzerte Polizei hinter einer Plexiglasschilderreihe auf und wird von der Menge ausgepfiffen und -gebuht. Einen Außenstehenden mag der Hass auf die Beamten verwundern, doch wenn die mit Stahl gepanzerten Wasserwerfer anrollen, wird selbst dem unparteiischsten Beobachter einiges klar. Um Punkt 3 wird der Platz gestürmt, die Polizisten laufen zu hunderten mit erhobenen Gummiknüppeln in die Menge hinein. Die Wasserwerfer werden mit chemikalienversetztem Wasser eingesetzt, das mit hohem Druck auf die Jugendlichen gespritzt wird. Wer davon getroffen wird, den plagt ein permanentes Stechen auf der Haut, das auch die nachfolgenden Tage anhält. Als wäre das nicht genug, werden Tränengasgranaten in Größe von Konservendosen in die Menge geschossen, sodass die StudentInnen und SchülerInnen, manche sogar noch unter 14 Jahren, in einem Nebel herumirren, der die Augen tränen lässt und einen starken Hustenreiz auslöst. Die Polizisten gehen brutal vor: Was auch immer vor den Knüppel kommt, wird niedergeschlagen oder mit dem Plexiglasschild zur Seite gestoßen. Auch vor fragileren DemonstrantInnen machen sie nicht halt: vor einem Monat etwa ist eine 60-jährige Frau an drei Knüppelschlägen auf den Kopf gestorben. Sobald die
Aufgrund der gravierenden Ungerechtigkeit gehen Jugendliche aus allen Schulen und Universitäten in den größten Städten von Chile regelmäßig auf die Straße. Allein in Santiago de Chile, der Hauptstadt, gehen jedes Mal knapp 80 000 SchülerInnen und StudentInnen auf den Hauptplatz und kämpfen für ihre Rechte. Die Forderung ist immer dieselbe: Freie Bildung in Schulen und Universitäten. Dass die Politik nicht in absehbarer Zeit die Bildung gratis und damit für alle zugänglich machen wird, das ist den meisten klar. „Wir tun das nicht damit sich die Politik ändert“, sagt die Sprecherin der SchülerInnenbewegung, Eloísa González Domínguez „wir wollen dass die Menschen nachdenken und aufwachen.“ Die Lage der Jugendlichen ist schwer anders als hoffnungslos zu bezeichnen. Von der Politik nicht beachtet und ohne wirkliche Organisation können sie außer Medienpräsenz nichts erreichen. Politische Jugendorganisationen sind für die
enische SchülerInnen Zukunft ein
Polizei ein paar DemonstrantInnen geschnappt hat, macht sie halt und formiert einen Schutzwall um die Gefangenen. Hat sich die erste Panik gelegt, versuchen die anderen Jugendlichen die Festgenommenen „zurück zu erobern“, also zu befreien. Mit der Zeit wird die große Masse der DemonstrantInnen in kleinere Gruppen zersplittert, die sich gegen die Waffen der Polizei mit Farbbomben und vereinzelt auch Steinbrocken zur Wehr setzen. Die Polizei wird im Laufe der Zeit immer brutaler und schießt mit Gummigeschossen mitten in die Menge. Die Festgenommenen werden am Boden liegend getreten und geschlagen, selbst wenn sie sich in keinster Weise wehren.
Die Schule gehört uns!
Viele SchülerInnen gehen noch weiter als „nur“ zu demonstrieren. Etwa 40% der Schulen in Santiago de Chile sind von Jugendlichen besetzt. Damit wollen sie verhindern, dass die Schulen den Unterricht weiterführen können (auch ohne SchülerInnen in der Klasse) und auch um weiterhin Druck zu machen. Die Jugendlichen gehen dabei richtig professionell vor: Sie entwerfen „Schlachtpläne“ zur Übernahme der Schulen, da sie meist bereits von der Polizei bewacht werden, und übernehmen die Verteidigung des Gebäudes und die Versorgung der Besatzung. Durch diese Art von Protest werden mehr als ein Drittel der SchülerInnen in Chile straftätig und handeln gegen das Gesetz. Das gibt der Polizei alle Vollmachten: sie schießen mit Tränengasbomben die Fenster ein und diejenigen, die aus den Gebäuden herauskommen, werden gnadenlos mit Gummimunition niedergeschossen. Doch auch die BesetzerInnen bleiben nicht wehrlos. Mit Stühlen und Tischen bewaffnet bewerfen sie jeden Polizisten, der sich den Schulmauern nähert und werfen sogar ganze Wasserwerfer um. Doch auch unter den SchülerInnen gibt es Menschen die vor Brutalität nicht zurückschrecken. Immer wieder werden Molotov Cocktails auf die PolizistInneen und deren Fahrzeuge geworfen oder mit z.B. Baseballschlägern ernst verletzt. Die Botschaft bleibt jedoch immer gleich: Freie Bildung für alle!
Nahrungsmittel sind kein Treibstoff! Anfang Oktober hätte der Biokraftstoff E10 stufenweise in Österreich eingeführt werden sollen. Doch Umweltminister Berlakovich zog kurz vorher die Notbremse bei diesem Vorhaben, das ihm doch vorher so wichtig war. Von Ruben Mörth
Unter E10 versteht man einen Kraftfahrzeug-Kraftstoff, welcher mit 10% Biosprit (Ethanol) versehen ist. Dieser wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr, Zuckerrüben, Mais und Weizen hergestellt. Obwohl die Verträglichkeit mit den meisten am Markt befindlichen Motoren fraglich ist und der Erwerb von Biosprit in Deutschland von der Bevölkerung weitgehend boykottiert wurde, sollte er noch dieses Jahr in Österreich eingeführt werden. Hintergrund des Rückzugs von diesem Vorhaben ist der Gesetzesentwurf der EU-Kommission, der vorsieht, dass die Subventionen für Treibstoff aus Getreide, Mais und anderen Rohstoffen bis 2020 völlig gestrichen werden sollen. Denn laut dem Bericht der Kommission ist die Produktion von Biosprit auf mehreren Ebenen schädlich: Einerseits schadet sie dem Anbau von Lebensmitteln, aber auch dem Klima. In Deutschland werden 20% des Ackerbodens für den Anbau von Biosprit benutzt und in Österreich garantiert einer der führenden Nahrungsmittelkonzerne, Agrana (u.a. Wiener Zucker und größter Bioethanol-Hersteller in Österreich), dass die österreichischen Ackerböden ausreichend für die Versorgung sind. Doch selbst die Berechnungen von Studien der Raiffeisen Gruppe bestätigen, dass die bereits hohen Lebensmittelpreise durch die fehlenden Anbauflächen für Nahrungsmittel weiter in die Höhe getrieben werden. Während das in Europa zu Preiserhöhungen führt, werden dadurch in anderen Ländern Hungerkatastrophen forciert. Durch den Wegfall von Ackerböden in Europa zur Lebensmittelproduktion müssen überdies neue Flächen erschlossen werden, auf Kosten von Urwäldern, die wichtige CO2-Senker, Quellen reicher Biodiversität und Lebensraum indigener Bevölkerungen darstellen. Auch die Treibstoffpreise würden durch die Einführung des Biosprits noch steigen: Obwohl bereits jetzt die Preise sehr hoch sind, werden sie aufgrund des weitaus teureren Ethanols noch steigen und besonders die KonsumentInnen belasten - die Prognosen für die Verteuerung betragen 2,4 bis 4 Cent pro Liter. Als mögliche Lösung schlug Landwirtschaftminister Berlakovich steuerliche Entlastungen für E10 vor. Die Kosten auf die gesamte Bevölkerung zu verteilen, und der Agrarindustrie noch weitere Förderungen zukommen zu lassen, erweist sich in Anbetracht ihrer Gewinne als inakzeptabel. Hinzu kommt noch, dass Ethanol einen geringeren Energiegehalt hat als herkömmliche Kraftstoffe, was wiederum in Summe
zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch führen wird. Das Ziel darf nicht sein, die Fortbewegung mit dem Auto zu „vergrünen“, wenn dabei der Ressourcenverbrauch bei der Produktion des Verkehrsmittel unverändert bleibt, Straßen ausgebaut werden und das Autoverkehrsaufkommen weiter steigt. In Anbetracht der Auswirkungen des Klimawandels auf unser gewohntes Umfeld darf unter den heutigen Bedingungen nicht nur ein Teilverbrauch verringert werden, sondern der Gesamtverbrauch. Umso wichtiger wäre es, den motorisierten Individualverkehr durch alternative Infrastrukturmodelle und öffentlichen Verkehr zu verdrängen. Die Entscheidung der EU-Kommission, Biosprit nicht mehr zu subventionieren ist daher sehr positiv. Doch es müssten noch weitere Schritte gemacht werden: Hin zu einer leistbaren und nachhaltigen Mobilität für alle!
Schluss mit Arbeitszwang! Geld für alle! -Oder lieber doch nicht? Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist eine Forderung, die schon seit längerem in linken, aber auch liberalen Kreisen herumspukt. Im September dieses Jahres fand daher der 14. BIEN (Basic Income Earth Network)-Kongress in München statt, um der Debatte neuen Aufschwung zu verleihen. Geld für alle, ganz ohne Arbeitszwang – das klingt doch großartig! Aber ist es das wirklich? Von Marlis Zederbauer Zunächst die Vorteile des BGE: Tatsächlich würde durch die Einführung dieses sozialpolitischen Finanztransfermodells der Arbeitszwang so gut wie wegfallen. Denn wer durch das Bedingungslose Grundeinkommen genug Geld zum Leben hat, muss nicht mehr arbeiten gehen, um sich dieses leisten zu können. Das ist ein Vorteil, der vor allem linke und antikapitalistische Gruppen anspricht. Der Arbeitszwang ist eine Voraussetzung des Kapitalismus. Dieser basiert darauf, dass Menschen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Produkte zu einem höheren Preis zu verkaufen, als sie in der Produktion kosten, ist nur möglich, indem den ArbeiterInnen weniger ausbezahlt wird, als ihnen eigentlich zusteht. Und so wird schließlich der Profit generiert. Durch das BGE müssten die Menschen nicht mehr arbeiten gehen – das System würde nicht mehr funktionieren. Abgesehen davon, ist es grundsätzlich eine gute Idee, allen Menschen von vornherein die Möglichkeiten zukommen zu lassen, sich ein angenehmes Leben zu leisten.
in traditionellen Familien, wieder verstärkt zeigen: Der Mann geht arbeiten, die Frau bleibt daheim. Daher ist auch aus frauenpolitischer Sicht das BGE als kritisch zu betrachten, solange die traditionelle Arbeitsaufteilung nicht durchbrochen wurde. Gegen das BGE spricht auch, dass es für den Sozialstaat damit ein leichtes ist, sich aus seiner Verantwortung zu ziehen: Wenn die Grundversorgung schon durch das BGE gedeckt ist, ist es ja wohl nicht mehr notwendig, weitere Leistungen anzubieten! Doch ein Sozialstaat muss mehr garantieren, als nur Geldleistungen: Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung, Bildung. Das für ein BGE aufzugeben, wäre ein Fehler. Das BGE ist also grundsätzlich eine gute Idee, doch im jetzigen System würde es auch sehr viele Nachteile mit sich bringen. Die vorliegenden Modelle würden im Moment einfach nicht die gewünschten Effekte erzielen.
Das Bedingungslose Grundeinkommen scheitert schon daran, dass die Einführung nicht zu den gedachten Zielen führen wird, sofern dies nicht international passiert. Warum? Das kapitalistische System ist ein internationales, daher muss es auch international überwunden werden. In ein paar Ländern für die Voraussetzungen zu sorgen, dass dies geschieht, wird nicht funktionieren. Ein weiteres Problem ist, dass sich die Arbeitsverteilung durch das BGE nicht ändern würde. Arbeit heutzutage wird nur durch die Bezahlung definiert. Unbezahlte Arbeit gilt daher nicht wirklich als „Arbeit“. Die Auflösung des Arbeitszwanges durch ein BGE bedeutet daher nur die Auflösung des Zwanges von bezahlter Arbeit, die unbezahlte Arbeit (die nicht aus dem Zwang, Geld zu verdienen, verrichtet wird, sondern aus einer grundsätzlichen Notwendigkeit) wäre nicht davon betroffen. Warum ist das problematisch? Unbezahlte Arbeit, das ist vor allem Hausarbeit: Kochen, Putzen, Kindererziehung. Und diese Arbeit wird hauptsächlich von Frauen geleistet. Solange diese Arbeit nicht als tatsächliche Arbeit gewertet wird, wird sich auch durch das BGE nichts an der Arbeitsteilung ändern. Steht also eine Familie vor der Entscheidung, wer noch für zusätzliches Geld arbeiten geht und wer daheim bleibt, um sich um Heim und Familie zu kümmern, würden sich klassische Rollenbilder, vor allem
SchülerInnenzeitung Nahezu alle kennen sie aus irgendwelchen Filmen, Erzählungen oder haben sogar eine an ihrer Schule. Nach dem ersten Weltkrieg bildeten sich vor allem an höheren Schulen Gruppen von SchülerInnen die sich trafen und gemeinsam Artikel schrieben. Die SchülerInnenzeitung war geboren und seit damals ist sie uns erhalten geblieben. Von Julian Bartl
In Ö s t e r re i c h ist eine SchülerInnenzeitung mit jeder anderen Zeitung mit einigen wenigen Änderungen gleich zu setzen. Das bringt alle Vorteile, aber auch die Verpflichtungen mit, die mit der Arbeit entstehen. Also vorweg schon ein paar Tipps: Sofern nur ihr, also nur die SchülerInnen, in der Zeitung Artikel veröffentlicht, braucht ihr kein Impressum. Falls dies aber auch LehrerInnen oder eure Direktorin oder euer Direktor tun sollte, ist es wie bei jeder anderen Zeitung nötig. Steuern braucht ihr keine zu zahlen, sofern ihr nicht über 21.800€ Jahresumsatz habt. Niemand kann euch verbieten die SchülerInnenzeitung zu veröffentlichen. Falls Eure Direktion allerdings etwas dagegen haben sollte, kann sie euch verbieten die Zeitung in der Schule zu verkaufen oder zu verteilen. Das lässt sich aber einfach dadurch umgehen, dass ihr sie außerhalb des Schulgeländes, also vor der Schule verbreitet. Dem Direktor oder der Direktorin muss aber in beiden Fällen ein Exemplar übergeben werden, genauso wie der Nationalbibliothek von jeder Ausgabe 2 Exemplare zur Archivierung zu schicken sind. Denn dort gibt es Exemplare aller Zeitungen. Falls jemand von euch also auf der Suche nach neuen Ideen ist, lassen sich in der Nationalbibliothek sicher welche finden. Ihr fragt euch jetzt, wie ihr eure eigene SchülerInnenzeitung angehen könnt? Hier sind die Antworten!
Die erste Redaktionssitzung: Wichtig für den Anfang ist es, erst mal möglichst viele motivierte Leute zu finden, die an der Zeitung mitarbeiten wollen. Die Aufgaben hierbei beschränken sich nicht nur auf das Schreiben von Artikeln, sondern bieten allen, die mitarbeiten wollen die Möglichkeit etwas zu tun. Vom Layout bis zu den Inseraten braucht 28 es Leute, die sich dafür interessieren und ihr Können auf diesem Gebiet für die Zeitung nutzen wollen. Wenn ihr es geschafft habt, ein Treffen mit allen zu organisieren, könnt ihr euch gemeinsam den grundsätzlichen Themen widmen. Es stellt sich zum Beispiel die Frage, wie die Zeitung heißen soll, was sie für ein Format haben soll, ob sie in Farbe oder in Schwarz-Weiß, mit Inseraten oder ohne, monatlich oder vierteljährlich, ohne oder mit LehrerInnenbeteiligung gedruckt werden soll… Fragen, die ins Detail gehen, haben beim ersten Treffen aber noch nichts verloren. Es ist allerdings sehr wichtig, zu schauen, welche Person welche Aufgabe übernehmen will und kann. Am besten schreibt ihr alle Ideen, Namen und Aufgaben nieder damit nichts verloren geht und macht dann einen Termin für ein nächstes Treffen aus. Wie lang die Treffen dauern hängt meistens davon ab, wie oft sie stattfinden und was auf der Tagesordnung steht. In Absprache mit der Direktion ist es oft möglich, sie in der Schule, z.B. in einer gerade lehrstehenden Klasse oder in einem Informatiksaal abzuhalten. Falls das nicht möglich
ist, könnt ihr gerne auch in das Büro der Aktion Kritischer SchülerInnen in der Landstraßer Hauptstraße 96, 1030 Wien, kommen, wo wir euch auch gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Die Zweite Redaktionssitzung: Natürlich muss die „Zweite Redaktionssitzung“ nicht wirklich die Zweite sein. Zwischen ihr und der ersten können ruhig einige Kleinere liegen, falls die Zeit knapp ist und die Sitzungen nicht so lange dauern können, wenn man sie zum Beispiel in Freistunden abhält. Wichtig ist, dass am Ende dieser Sitzung ein Plan besteht, der keine Zweifel offen lässt, wer für was zuständig ist. In dieser Sitzung werden also die Aufgaben zugeteilt. Die verschiedenen Ressorts (zB. Interviews) bekommen LeiterInnen zugeteilt, die sich um sie kümmern. Es wird geklärt, wer für das Layout zuständig ist und wie der Druck abläuft und über die noch nicht entschiedenen Themen der 1. Sitzung abgestimmt. Wichtig ist auch die Frage, ob ihr etwas für die Zeitung verlangen wollt. Eine kostenlose Zeitung hat den Vorteil, dass sie eine große Reichweite hat. Kostenlos lässt sich die Zeitung zum Beispiel mithilfe der AKS in Schwarz-Weiß drucken. Das bedeutet für euch, dass ihr keine Inserate schalten müsst. Am Ende der zweiten Sitzung sollte beschlossen sein, welche Themen in der ersten Ausgabe behandelt werden und wer welche Aufgabe hat. Eine Wahl eines Chefredakteurs oder einer Chefredakteurin ist wichtig, da
Die Zeit bis zur ersten Ausgabe Bis zu ersten Ausgabe ist es die Aufgabe des Chefredakteurs/der Chefredakteurin zu schauen, dass alle JournalistInnen mit ihren Artikeln zurechtkommen und sie pünktlich einreichen. Danach sollte alles noch einmal Korrektur gelesen und letztendlich ins Layout eingefügt werden, bis es dann in den Druck geht und einige Tage später zum Verkauf oder zum Verteilen aufliegt.
Die erste Ausgabe Sie wird wahrscheinlich recht gut ankommen und hoffentlich werden nach ihrem Erscheinen noch mehr MitarbeiterInnen zu eurem Team dazu stoßen. Es kann aber auch passieren, dass einige Personen mit der Zeit nur noch seltener mitarbeiten können, wenn etwa der Stress in der Schule zu viel wird. Davon lasst euch aber nicht unterkriegen und schreibt fleißig weiter! Denn nach der ersten Ausgabe kommen noch viele weitere und mit ihnen auch die Redaktionssitzungen, die nicht nur dafür sorgen, dass alle was zu tun haben, sondern auch das Team stärken und Spaß machen.
sich dafür einsetzt, dass unser Bildungssystem besser und für alle zugänglicher wird. Wir wollen ein Schulsystem und eine Gesellschaft, in der alle gleich, und zwar gleich gut behandelt werden und ihre Träume verwirklichen können. In SchülerInnenzeitungen sehen wir die Möglichkeit sich über die 29 Schule oder das Bildungssystem zu beschweren und sich zu mit anderen zu vernetzen und zu einer starken Gruppe zu werden. Wenn ihr durch diesen Artikel Lust auf eine SchülerInnenzeitung bekommen habt, schon vorher eine gründen wolltet oder es schon eine an eurer Schule gibt und ihr euch gerne mit uns und anderen SchülerInnenzeitungen vernetzen wollt, schaut doch mal auf unserer Homepage www.aks-wien.at vorbei und meldet euch bei uns. Gerne stehen wir euch mit Rat und Tat zu Seite und helfen euch auch beim Druck eurer Zeitung! Hoffentlich hören wir bald voneinander – eure AKS.
er oder sie dafür zuständig ist, zu schauen, dass alle Artikel pünktlich und ordentlich eintreffen, dass das Layout passt und alles zur richtigen Zeit in Druck geht.
Die AKS Die AKS ist eine linke SchülerInnenorganisation, die
Gehma halt a bisserl unter… Heuer jährt sich der Geburtstag von Jura Soyfer zum 100. Mal. Die Sozialistische Jugend Wien führt daher am Ende des Jahres, passend zur vorhergesagten Apokalypse, sein Werk „Weltuntergang“ auf. Von Melanie Eidler
Am 8. Dezember 1912 erblickt Jura Soyfer in der Ukraine als Sohn einer jüdischen Familie das Licht der Welt. 1921 flüchtet die Familie nach Baden und zieht später nach Wien. Mit 15 Jahren beginnt Jura Soyfer sich für sozialistische Schriften zu interessieren und bekennt sich von da an zum Marxismus. Er wird Mitglied im Politischen Kabarett der SozialdemokratInnen und sammelt dort Erfahrungen im szenischen Schreiben. Bald darauf schreibt er für den „Kuckuck“ und für die „Politische Bühne“. Er fordert mehr Politisierung im Theater und weniger Unterhaltung. 1934 tritt er der illegalen KPÖ bei. 1937 wird Soyfer durch eine Verwechslung mit Franz Marek, einem führenden Funktionär der Kommunistischen Partei, festgenommen. Als herauskommt, dass auch gegen Soyfer genug Anklagematerial vorliegt, wird er für drei Monate inhaftiert. Am 17. Februar 1938 wird er entlassen. Am Tag nach dem Anschluss, also am 13. März 1938 wird er bei dem Versuch, in die Schweiz zu flüchten, von österreichischen Beamten festgenommen. Am 23. Juni 1938 wird er ins KZ Dachau transportiert, im Herbst ins KZ Buchenwald, wo er am 16. Februar 1939 an Typhus stirbt.
Die Welt steht auf kein‘ Fall mehr lang! Ende Dezember bis Ende Jänner wollen einige Mitglieder der SJ das Stück ‚Der Weltuntergang‘ von Jura Soyfer aufführen. Das Stück spielt sowohl im Weltraum, wo die Planeten planen, einen Kometen auf die Erde zu entsenden, um die Krankheit der Erde, die Menschheit, auszurotten, als auch auf der Erde selbst. Der etwas schrullige Professor Guck bemerkt, dass die Menschen bedroht sind und versucht, alle zu warnen. In skurrilen Dialogen und Szenen wird Guck von den Menschen abgewiesen, es zeigt
sich die Profitgier der Menschen, die massenweise Weltuntergangsanleihen zeichnen und ihre Mode dem apokalyptischen Anlass anpassen. Währenddessen rast der Komet auf die Erde zu. Guck gelingt allerdings eine Erfindung, mit welcher man die Katastrophe doch noch abwenden könnte. Dafür ist es aber bereits zu spät, die Menschen sind verbohrt in „ihren Weltuntergang“ und wollen gar nichts von einer Lösung wissen, die Aktien wären ja nach dem Weltuntergang hohe Summen wert und den Verlust dieses Geldes wolle man absolut nicht in Kauf nehmen. Dass das Stück zeitlos ist, zeigt sich dadurch, dass seine Bedeutung und Satire ist heute aktueller denn je ist. Es weist auf die politische Gefahr des Rechtsextremismus hin, auf das kapitalistische Denken der Menschen und wie es die Welt in Gefahr bringt und viele Probleme mit sich zieht. Es werden nicht nur Politik und Wirtschaft parodiert, auch der einfache Mensch, der nicht über Politik oder schwerwiegende Themen nachdenken möchte wird thematisiert, ebenso wie die Modewelt, MillionärInnen, BeamtInnen und WissenschaftlerInnen.
Die Theatergruppe Die Gruppe wurde von Mitgliedern der SJ 17 ins Leben gerufen. Für das Stück werden um die 20 Leute benötigt. Die Proben haben bereits begonnen und die SchauspielerInnen haben viel Freude daran. Dabei ist es nicht wichtig, ob jemand Erfahrung in diesem Bereich hat, oder nicht. Langsam werden die TeilnehmerInnen an das Stück herangeführt, der Aufbau des Stücks ist dabei sehr hilfreich. Wer noch mitmachen möchte, kann sich unter der Nummer 0680 / 11 25 156 noch bei Mel melden, ein paar Rollen sind noch frei!
KULTUR KULTUR 30
The unknown stars of 22. – 24. Juni an unknown scene! Nun ist uns allen bekannt, dass Österreich kein Exportland ist, wenn es um die Musik geht. Doch es gibt auch bei uns eine kleine, wenn auch unbekannte Musikszene. Wo ist diese Szene? Wer hält sie auf den Beinen? Wer sind diese Bands? Wenn auch ihr diese Fragen im Kopf habt, solltet ihr diese Bands kennenlernen! Von Can Aygün
SONN Die Wurzeln von Patiocrash gehen zurück bis in die frühen 90er Jahre, als die Brüder Much und Gigi Vogel 1994 eine Band namens "Shüwa" gründeten. Inspiriert vom Sound von Bands wie Mudhoney, Screeming Trees oder TAD, avancierte Shüwa sehr bald zu einer durchaus bekannten lokalen Band mit einigen furiosen Live-Shows. Trotzdem trennte sich die Band im Jahr 1997. Fast zwei Jahre später wurde in einem Kellerproberaum in Wien Patiocrash geboren. Der Name Patiocrash leitet sich aus den Begriffen Patio (spanisch: Innenhof) und Crash (Unfall, Krach) zusammen. Im März 1999 wurde die Band vom Bassisten Sascha Gorbach komplettiert. Nach drei Monaten intensiver Proben gaben Patiocrash ihr erstes Konzert in Graz. Schon zu Beginn gab es einige ungewöhnliche Auftritte, wie jenem im "steins diner", oder einer Show anlässlich einer Ausstellungseröffnung in der Karlsplatz-Galerie (Wien). Beide Konzerte wurden von der Polizei beendet. In den Jahren 1999 und 2000 tourte die Band durch Österreich und Slowenien. Die Veröffentlichung des Albums "Sick Building Syndrom" im Jahr 2000 war der Auslöser für Veränderungen innerhalb der Band. Im März 2001 verließ Sascha Gorbach (b) Patiocrash. H.P. Dafner (Lobster) und Harry Gandler (Mastic Scum) wurden als Bassisten für die ausstehenden Konzerte im Jahr 2001 engagiert. Nach knapp eineinhalb Jahren totaler Flaute entschieden sich Much und Gigi Patiocrash als Duo weiter zu führen. Gitarre, Gesang, Schlagzeug und Bass; und das zu zweit. Schon bei den ersten
Auftritten 2003 konnte man hören worum es der Band eigentlich geht. Es war die Reduktion auf das Minimum; das Austesten ob GarageTrash in dieser Minimalbesetzung und in solcher Intensität überhaupt möglich ist. Es ist möglich! In den Jahren 2006 bis 2009 tourten Patiocrash recht erfolgreich durch Österreich und Tschechien. 2008 erschien die EP „the Birdfluebros“, aufgenommen im eigenen Studio und erschienen auf dem eigenen Label „LHAE-records“ (life has an end). Seit 2010 arbeitet das Duo an neuen Songs, welche hoffentlich demnächst auf Tonträger gebrannt werden. Vom Sound her ist eines sicher: es wird auf jeden Fall wieder ordentlich krachen im Innenhof.
Band aus Wien, die den Grunge der 90er Jahre zelebriert. Wütend ist ein Wort, welches das Trio wahrscheinlich am besten beschreibt. Verzerrte Riffs treffen auf markerschütternde Schreie aus männlicher und weiblicher Kehle. Allerdings findet man auch ruhigere Nummern in ihrem vielfältigen Repertoire. Ende März 2012 haben I'm a Sloth ihr erstes Album namens "Satisfashion" selbst veröffentlicht.
ist eigentlich als "terrible noise" auszusprechen, doch ihre Musik lässt sich nicht so einfach definieren. Neben schrägen Gitarreneffekten arbeiten sie mit ungewöhnlichen Stimmungen sowie synthetisierten Klängen. Ihre Texte sind in englischer Sprache und meist der Kirche, BeamtInnen, sinnloser Gewalt usw. gewidmet. Als eines ihrer Grundkonzepte gilt das ständige Wechseln des Charakters ihrer Songs durch Änderung der Spielweise, Lautstärke und Fülle des Klangspektrums sowie dem Stil selbst. Von lauten Geräuschen, satten verzerrten Akkorden, brummenden Bässen, zarten Melodien bis hin zu liegenden Tönen und explosiven Momenten versuchen sie alles mit einzubauen.
I'M A SLOTH (dt. Ich bin ein
Faultier) ist eine energiegeladene
Weitere Infos sowie die Anmeldung findest du auf unserer Homepage unter www.sj-wien.at.
Faktor 03/12
Am 19. Oktober klopfte in Wien wieder der Equal Pay Day an die Tür und erinnerte uns daran, wie groß die Lohnunterschiede zwischen Männern u...

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