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Timestamp: 2020-07-15 11:54:44+00:00

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Aktienrückkäufe. Erwerb und bilanzielle Behandlung - Hausarbeiten.de | Hausarbeiten publizieren
Praxisbericht im Rahmen des Seminars Finanzmanagement
Darst. 2: Aktienrückkäufe von börsennotierten Unternehmen im Zeitraum Mai bis Dezember 2003
Der spekulative Handel mit eigenen Aktien war Grund für zahllose Unternehmenszusammenbrüche vor dem zweiten Weltkrieg. Es kam zu einem generellen Verbot gemäß § 57 AktG, welches jedoch einige Ausnahmen erlaubte. Diese Ausnahmefälle sind in § 71 Abs. 1 Nr. 1-7 AktG geregelt.1
7. und zum Zweck des Wertpapierhandels gemäß eines Beschlusses der Hauptver- sammlung. Dieser Zweck findet bei Kreditinstituten, Finanzdienstleistungsinstituten und Finanzunternehmen Anwendung.2
Die achte Ausnahme wurde im Rahmen der Verabschiedung des KonTraG am 1. Mai 1998 beschlossen.3 § 71 Abs. 1 Nr.8 AktG stellt die bedeutsamste und in der Praxis relevanteste Ausnahme dar.4 Es setzt dabei keinen konkreten Zweck, lediglich die 18 Monate gültige Ermächtigung der Hauptversammlung voraus. In dieser müssen auch die Höhe des Anteils am Grundkapital sowie der niedrigste und höchste Gegenwert festgelegt sein.5 Außerdem gilt, dass die Gesamtheit eigener Aktien, welche durch den Zweck 1-3, 7 und 8 erworben wurden, nicht mehr als 10% des Grundkapitals ausmachen dürfen und die nach § 272 IV HGB vorgeschriebene Rücklage (weitere Details zur Rücklagenbildung werden in Kapitel 4 erläutert) gebildet werden muss.6
Die Publizitätspflicht beinhaltet auch, dass nach erfolgtem Rückkauf nähere Informationen über die Erwerbsgründe, die Anzahl und den Nennbetrag der erworbenen Aktien und deren Anteil am gezeichneten Kapital seitens des Vorstandes zu veröffentlichen sind.7 Bei Erwerb oder Veräußerung eigener Anteile besteht eine generelle Mitteilungspflicht gegenüber dem Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel, sobald die 5% bzw. 10% Grenze überschritten wird.8 Eine weitere, wichtige Erkenntnis ist, dass ein Unternehmen aufgrund des Besitzes eigener Aktien kein Stimmrecht und auch kein Recht auf Erhalt einer eigenen Dividende hat.9
Aktienrückkäufe lassen sich durch den Rückkauf über die Börse, durch öffentliche Rückkaufangebote sowie privat ausgehandelte Angebote erwerben (vgl. Darst. 1).10
Die hohe Flexibilität ist neben der günstigen Umsetzung der Hauptvorteil dieser Rückkauf- methode. Das Unternehmen kann jederzeit den Aktienrückkauf stoppen und zum Beispiel bei niedrigeren Kursen fortführen. Der Rückkauf zu aktuellen Kursen an einer öffentlichen Börse sichert automatisch die Gleichberechtigung der Aktionäre, sodass die gesetzliche Forderung nach Gleichberechtigung gemäß § 53 a AktG gewahrt ist.
Aus diesem Grunde sind öffentliche Rückkaufangebote bei einem hohen Rückkaufvolumen und geringer Marktliquidität vorzuziehen.11
Öffentliche Rückkaufangebote, auch Tenderverfahren oder engl. Tender Offer genannt, werden unterschieden in Festpreisangebote, Auktionsverfahren und Angebote in Form von Verkaufsoptionen. Sie alle haben gemeinsam, dass das Unternehmen seinen Aktionären ein befristetes, öffentliches Angebot zum Rückkauf eigener Anteile unterbreitet. Im Vergleich zu Rückkäufen an der Börse, sind die Rückkaufvolumen bei öffentlichen Rückkaufangeboten signifikant größer.12
Die Entscheidung über die Höhe der Prämie ist sehr kritisch. Zum einen, signalisiert sie den Aktionären, dass der aktuelle Kurs zu niedrig und damit die Aktie unterbewertet ist. Ist diese, und der damit verbundene Verkaufsanreiz, zu hoch, wird ein Angebotsüberhang erzeugt, sodass nicht alle verkaufswilligen Aktionäre befriedigt werden können.13 Zum anderen, kann sich durch eine zu niedrige Prämie ein Nachfrageüberhang aufgrund fehlender Motivation zum Verkauf entwickeln, sodass nicht genügend eigene Anteile zurückerworben werden können.14 Um einen sicheren und vollständigen Aktienrückkauf zu bewirken, werden deshalb in der Praxis meist höhere Prämien angeboten.
Alle Aktionäre, welche ein Angebot abgegeben haben, das unterhalb oder auf gleicher Höhe des berechneten Rücknahmekurses liegt, erhalten anschließend im Tausch gegen ihre Anteile den ermittelten Kurs. Aktionäre, welche ihre Anteile zu einem höheren Preis als dem ermittelten Rücknahmekurs verkaufen wollen, werden nicht im Rückkaufprogramm berück- sichtigt.15
Ein Vorteile dieses Verfahrens ist, dass die gezahlten Prämien und somit Kosten gegenüber dem Festpreisverfahren geringer sind, da der Preis stark von der Verkaufsbereitschaft und somit der Nachfrage abhängt.16
Nachteilig sind allerdings die höheren Verfahrenskosten, welche deutlich über denen eines Rückkaufes an der Börse liegen.17
Vorteilhaft an diesem Verfahren ist, dass besonders verkaufswillige Aktionäre die Chance haben ihre Aktien abzustoßen. Dieser Effekt kann helfen eine feindliche Übernahme zu erschweren, da der bestehende Aktionärskreis eher verkaufsunwillig ist und dem Unternehmen einen höheren Wert zugesteht.18
Nachteile dieser Erwerbsoption sind die sehr hohen Transaktions- bzw. Verfahrenskosten.19
Das Letzte vorgestellte Verfahren ist ein individuell ausgehandelter Aktienrückkauf, welcher sich an ausgewählte Aktionäre mit einer hohen Beteiligungsquote richtet. Dies ermöglicht es, eine große Menge an Aktien in kurzer Zeit zurück zu kaufen. Gängig bei diesem Rückkauf- verfahren, sind hohe Prämienaufschläge und wie bereits erwähnt, große Aktienrückkaufpa- kete. Aufgrund der Missachtung des Gleichbehandlungsgesetzes gemäß § 53 a AktG, ist diese Erwerbsmethode nur in speziellen Situationen, wie der Abwendung von Übernahme- versuchen, möglich.20
Nachdem die Möglichkeiten für den Erwerb eigener Aktien erläutert wurden, wird in diesem Unterkapitel auf die Bilanzierung nach HGB eingegangen.
Aufgrund der zunehmenden internationalen und nationalen Relevanz, sowie der Bilanzierung der Deutschen Telekom nach den „International Financial Reporting Standards“ (IFRS), werden die Unterschiede des IFRS zu der Bilanzierung nach HGB dargestellt. Grundsätzlich wird unterschieden, ob die zurückgekauften, eigenen Anteile zum Einzug oder nicht zum Einzug bestimmt sind.
Zur Einziehung erworbener Anteile dürfen entsprechend § 272 Abs. 1 Satz 4 HGB nicht aktiviert werden. Ihr Nennwert wird in der Bilanz direkt von dem gezeichneten Kapital abge- setzt. Dies gilt sowohl nach HGB als auch nach IFRS. Anfallende Anschaffungskosten dürfen ebenfalls in beiden Rechnungslegungsarten mit der Kapital- bzw. Gewinnrücklage verrech- net werden.21
Wurden hingegen eigene Anteile erworben, welche nicht für die Einziehung vorgesehen sind, werden diese in Höhe der Anschaffungskosten auf der Aktivseite ausgewiesen.22 Durch die Aktivierung der eigenen Anteile im Umlaufvermögen, ist das strenge Niederwertprinzip gemäß § 253 Abs.3 HGB anzuwenden. Folglich muss das Unternehmen eine Rücklage für eigene Anteile in gleicher Höhe zu Lasten des Bilanzgewinns und der frei verfügbaren Gewinnrücklagen bilden.23
„Die Rücklage darf nur dann teilweise oder vollständig aufgelöst werden, wenn die eigenen Aktien ausgegeben, veräußert oder eingezogen werden bzw. an Wert verlieren.“24
1 Vgl. Nekat, 2009, S. 9 f. und Schremper, 2001, S. 12 ff.
2 Vgl. Seifert, 2006, S. 26 f.
3 Vgl. Bezzenberger, 2002, S. 2.
4 Vgl. Martens, 1997, S. 84.
5 Vgl. Becker, 2007, S. 141 und Schremper, 2001, S. 17.
6 Vgl. Beneckendorff, 1998, S. 228 f.
7 Vgl. Lingemann & Wasmann, 1998, S. 861.
8 Vgl. § 21 Abs. 1 WpHG.
9 Vgl. Becker, 2007, S. 141.
10 Vgl. Nekat, 2009, S. 117.
11 Vgl. Becker, 2007, S. 145.
12 Vgl. Dann, 1981, S. 115 und Barclay, 1992, S. 408 sowie Medury & Bowyer & Srinivasan, 1992, S. 22.
13 Vgl. Dann, 1981, S. 115.
14 Vgl. Wastl & Wagner & Lau, 1997, S. 25.
15 Vgl. Schremper, 2001, S. 42 f.
16 Vgl. Comment & Jarrel, 1991, S. 1247.
17 Vgl. Seifert, 2006, S. 40.
18 Siehe dazu auch Kapitel 5.4.
19 Vgl. Schremper, 2001, S. 44.
20 Vgl. Hampel, 1994, S. 16 und Becker, 2001, S. 146.
21 Vgl. Seifert, 2006, S. 47 ff.
22 Vgl. § 266 Abs. 2 Buchst. B III 2 HGB.
23 Vgl. § 272 Abs. 4 HGB.
24 Becker, 2001, S. 142.
V345347
9783668352698
9783668352704
aktienrückkäufe erwerb behandlung aktien praxisbericht rahmen seminars finanzmanagement
Sebastian Günther (Autor), 2011, Aktienrückkäufe. Erwerb und bilanzielle Behandlung von Aktien, München, Page::Imprint:: GRINVerlagOHG, https://www.hausarbeiten.de/document/345347
Die bilanzielle Behandlung eines aus der Kapitalkonsolidierung ents...

References: § 57
 § 71
 § 71
 § 272
 § 53
 § 53
 § 272
 § 253
 § 21
 § 266
 § 272