Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Streik_Flashmob-LAG-Berlin-Brandenburg_5Sa967-08.html
Timestamp: 2018-04-21 07:45:59+00:00

Document:
Schlag­worte: Streik, Flashmob
Akten­zeichen: 5 Sa 967/08
Ent­scheid­ungs­datum: 29.09.2008
1. Auf­ru­fe ei­ner Ge­werk­schaft an ih­re Mit­glie­der und an­de­re Per­so­nen während ei­nes Streiks im Ein­zel­han­del zu "Flashmob"-Ak­tio­nen un­ter­fal­len als ei­nen lau­fen­den Ar­beits­kampf ergänzen­de Maßnah­men grundsätz­lich der in Art 9 Abs 3 GG geschütz­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit und im en­ge­ren Sin­ne der dar­in geschütz­ten Frei­heit der Wahl der Ar­beits­kampf­mit­tel. (Rn.49)
2. Es han­delt sich nicht um Auf­ru­fe zu un­zulässi­gen Be­triebs­blo­cka­den oder Sa­bo­ta­ge­ak­tio­nen. (Rn.55)
3. Die Gren­ze des Kampf­gleich­ge­wichts (Kampf­pa­rität) ist durch sol­che Auf­ru­fe je­den­falls dann nicht über­schrit­ten, wenn der Wir­kung des Streiks in den Be­trie­ben zu­vor durch Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern weit­ge­hend aus­ge­wi­chen und der Streik in der Öffent­lich­keit des­halb kaum noch wahr­ge­nom­men wur­de. (Rn.62)
4. Die Zulässig­keit sol­cher Auf­ru­fe ist im Ein­zel­fall am Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit zu mes­sen, wo­bei die Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit mit kol­li­die­ren­den Rechts­po­si­tio­nen des Kampf­geg­ners und Drit­ter ab­zuwägen ist. (Rn.64)
5. Dem bei sol­chen Auf­ru­fen durch die Ein­be­zie­hung von Nicht­mit­glie­dern erhöhten Ex­zess­ri­si­ko kann die Ge­werk­schaft im Ein­zel­fall durch um­sich­ti­ge Vor­be­rei­tung und Durchführung der da­nach er­folg­ten Ak­ti­on aus­rei­chend ent­ge­gen­wir­ken. (Rn.75)
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin vom 01.04.2008, 34 Ca 2402/08
am 29. Sep­tem­ber 2008
34 Ca 2402/08
H., JAng
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 29. Sep­tem­ber 2008
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr H. und Herr Th.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 01.04.2008 – 34 Ca 2402/08 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten, Auf­ru­fe zu so­ge­nann­ten „Flashmob“-Ak­tio­nen im Ar­beits­kampf zu un­ter­las­sen.
Der Kläger, des­sen Mit­glie­der Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men im Raum Ber­lin-Bran­den­burg sind, be­fand sich seit et­wa ei­nem Jahr in Ver­hand­lun­gen um ei­nen Ta­rif­ver­trag für den Ber­li­ner Ein­zel­han­del und in ei­nem dies­bezügli­chen Ar­beits­kampf mit der Be­klag­ten. Im De­zem­ber 2007 veröffent­lich­te der recht­lich un­selbständi­ge Lan­des­be­zirk Ber­lin-Bran­den­burg der Be­klag­ten u. a. auf sei­ner Home­page im In­ter­net ein Flug­blatt mit fol­gen­dem Wort­laut:
- Bit­te kau­fe nicht in Fi­lia­len ein, die be­streikt wer­den! In­for­ma­tio­nen darüber erhältst Du in un­se­rem Fach­be­reich, Tel. … - Mei­de Sonn­tags­einkäufe und Einkäufe nach 20.00 Uhr!
- Sei freund­lich und rück­sichts­voll den Kol­le­gin­nen im Ver­kauf ge­genüber, be­son­ders in der Vor­weih­nachts­zeit! Ge­ra­de da ha­ben wir im Han­del al­le Hände voll zu tun.
- Vie­le Men­schen kau­fen zur glei­chen Zeit ei­nen Pfen­nig-Ar­ti­kel und blo­ckie­ren da­mit für länge­re Zeit den Kas­sen­be­reich
- Vie­le Men­schen pa­cken zur glei­chen Zeit ih­re Ein­kaufs­wa­gen voll
(bit­te kei­ne Frisch­wa­re!!!) und las­sen sie dann ste­hen.
- Schi­cke ein Fax an Leih­ar­beits­fir­men, die ih­re Beschäftig­ten als Streik­bre­cher im Ein­zel­han­del ein­set­zen las­sen und pro­tes­tie­re da­ge­gen !
Die Lis­te mit den An­schrif­ten/ Fax­num­mern die­ser Fir­men wer­den wir in Kürze auf un­se­rer Home­page http://h......de veröffent­li­chen.“
Die Be­klag­te pro­pa­gier­te die „Flashmob-Ak­tio­nen“ auch in der Pres­se („j. W.“ vom 08./09.2007) und auf ei­ner Kund­ge­bung bzw. ei­ner De­mons­tra­ti­on am 07.12.2007.
Am 08.12.2007 führ­te die Be­klag­te so­dann bei ei­nem Mit­glied des Klägers, in der R.-Fi­lia­le im Ber­li­ner Ost­bahn­hof, mit ca. 40 bis 50 Per­so­nen ei­ne sol­che „Flashmob-Ak­ti­on“ durch. Da­bei be­tra­ten zunächst et­wa drei Per­so­nen mit Flugblättern, die ei­nen Streik­auf­ruf be­inhal­te­ten, die Fi­lia­le. Ei­ne der vier in der Fi­lia­le an­we­sen­den Ar­beit­neh­mer, ei­ne Kas­sie­re­rin, wur­de an der Kas­se an­ge­spro­chen und zum Streik auf­ge­for­dert, ein Flug­blatt an ei­nen in der Fi­lia­le be­find­li­chen Back­ofen ge­klebt und wei­te­re an ei­ner Kas­se de­po­niert. Von den Teil­neh­mern der Ak­ti­on wur­den so­dann ei­ner­seits Pfen­ni­gar­ti­kel ge­kauft und an­de­rer­seits Ein­kaufs­wa­gen mit Wa­re gefüllt. Es wur­den et­wa 40 Ein­kaufs­wa­gen größten­teils rand­voll gefüllt und dann oh­ne Be­gründung bzw. mit dem Vor­wand, das Geld ver­ges­sen zu ha­ben, ste­hen ge­las­sen. In ei­nem Fall fuhr ei­ne Frau mit ei­nem mit Klein­st­ar­ti­keln über­voll gefüll­ten Wa­gen an die Kas­se. Dort von der Kas­sie­re­rin be­fragt, ob sie genügend Bar­geld oder ei­ne Scheck­kar­te da­bei ha­be, gab sie an, be­zah­len zu können. Nach Ein­ga­be der Ar­ti­kel in die Kas­se mit ei­nem Wert von 371,78 €, und nach­dem sie die Ar­ti­kel wie­der in den Ein­kaufs­wa­gen zurück­gefüllt hat­te, erklärte sie, ihr Geld ver­ges­sen zu ha­ben, und stell­te den Ein­kaufs­wa­gen an der Kas­se ab. Da­bei klatsch­ten die an­de­ren Ak­ti­ons­teil­neh­mer Bei­fall und ga­ben durch lau­te Zu­ru­fe ihr Ge­fal­len kund. Die Ak­ti­on dau­er­te nach An­ga­be des Klägers ca. ei­ne St­un­de, nach An­ga­be der Be­klag­ten 45 Mi­nu­ten.
Die Ak­ti­on blieb bis­her die ein­zi­ge ih­rer Art, nach­dem das Ar­beits­ge­richt Ber­lin mit Be­schluss vom 12.12.2007 – 34 Ga 20169/07 – der Be­klag­ten Auf­ru­fe zu der­ar­ti­gen Ak­tio­nen un­ter­sagt hat­te. Über den da­ge­gen ein­ge­leg­ten Wi­der­spruch wur­de bis­her nicht ent­schie­den, da die Par­tei­en primär das hier vor­lie­gen­de, mit der Kla­ge vom 07.02.2008 beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin ein­ge­lei­te­te Haupt­sa­che­ver­fah­ren be­trei­ben wol­len.
Der Kläger hat ge­meint, die Be­klag­te dürfe nicht, wie im Fal­le der strei­ti­gen Ak­ti­on ge­sche­hen, zu Streik­ex­zes­sen, nämlich un­zulässi­gen Be­triebs­blo­cka­den, Ein­grif­fen in den ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb und vorsätz­li­cher sit­ten­wid­ri­ger Schädi­gung sei­ner Mit­glie­der, zu Haus­frie­dens­bruch, Sach­beschädi­gung und Nöti­gung auf­ru­fen. Die Ein­kaufs­wa­gen hätten teil­wei­se ver­derb­li­che Le­bens­mit­tel ent­hal­ten, oh­ne dass die an­we­sen­den Re­präsen­tan­ten der Be­klag­ten da­ge­gen ein­ge­schrit­ten sei­en. Die in den
Fi­lia­len täti­gen An­ge­stell­ten sei­en zu­dem während der Ak­ti­on zum Gespött ge­macht und ei­ner un­erträgli­chen, men­schen­unwürdi­gen Si­tua­ti­on aus­ge­setzt ge­we­sen.
Die Be­klag­te hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich die Ak­ti­ons­teil­neh­mer auch als Kun­den der Fi­lia­le ver­stan­den hätten, die sich nicht rechts­wid­rig dort auf­ge­hal­ten hätten. Ei­ne Blo­cka­de ha­be nicht vor­ge­le­gen. Die Wahl der Mit­tel zur Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch Ta­rif­verträge über­las­se Art. 9 Abs.3 GG grundsätz­lich den Ko­ali­tio­nen selbst. Mit der Flashmob-Ak­ti­on ha­be ei­ner­seits das Per­so­nal der Fi­lia­le zur Be­tei­li­gung am Ar­beits­kampf auf­ge­ru­fen, an­de­rer­seits die Kund­schaft über die Ar­beits­kampf­si­tua­ti­on auf­geklärt wer­den sol­len, wes­halb sie auch durch Art. 5 Abs.1 GG geschützt ge­we­sen sei. Ein Ar­beits­kamp­f­ex­zess ha­be nicht vor­ge­le­gen. Die Ein­schränkung des durch die Ak­ti­on nicht völlig blo­ckier­ten Kun­den­ver­kehrs für ca. St­un­de sei an­ge­sichts der Öff­nungs­zei­ten der Fi­lia­le von 8.00 bis 22.00 Uhr kaum er­heb­lich ge­we­sen, ar­beits­wil­li­ges Per­so­nal nicht an sei­ner be­ruf­li­chen Tätig­keit ge­hin­dert wor­den. Ei­ne Be­tei­li­gung der ar­beits­wil­li­gen Per­so­nen an dem Streik hätte ei­nen we­sent­lich gra­vie­ren­de­ren Ein­griff in den Ge­wer­be­be­trieb be­deu­tet.
Mit Ur­teil vom 01.04.2008, auf des­sen Tat­be­stand (Bl. 132 bis 135 d. A.) we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, aty­pi­sche Ar­beits­kampf­maßnah­men sei­en aus­ge­hend vom Grund­satz der Kampf­mit­tel­frei­heit ei­genständig auf ih­re Rechtmäßig­keit zu prüfen. Die Flashmob-Ak­ti­on sei kei­ne un­zulässi­ge Be­triebs­blo­cka­de ge­we­sen. Der Zu­gang zur Fi­lia­le sei nicht blo­ckiert ge­we­sen. Nie­mand ha­be Straf­an­trag we­gen Haus­frie­dens­bruch oder Sach­beschädi­gung ge­gen die an der Ak­ti­on Be­tei­lig­ten ge­stellt, nie­mand ha­be sie des Hau­ses ver­wie­sen. Je­de Ar­beits­kampf­maßnah­me ha­be nöti­gen­den Cha­rak­ter, es sei aber un­verhält­nismäßig, dar­in ei­ne rechts­wid­ri­ge Nöti­gung zu se­hen. Rechts­wid­ri­ge Ein­grif­fe in geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen des be­trof­fe­nen Un­ter­neh­mens und der dort täti­gen Ar­beit­neh­mer hätten nicht vor­ge­le­gen. Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Ur­teils­be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe (Bl. 135 bis 139 d. A.) des Ur­teils Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen die­ses, dem Kläger am 25.04.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich sei­ne am 20.05.2008 ein­ge­gan­ge­ne Be­ru­fung, die er nach Frist­verlänge­rung bis zum 16.07.2008 mit an die­sem Ta­ge ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.
Der Kläger be­haup­tet, der Streik sei be­reits er­folg­reich ge­we­sen, be­vor die Be­klag­te zu der „Flashmob“-Ak­ti­on auf­ge­ru­fen ha­be. So­weit sei­ne Wir­kung durch Ein­satz zunächst ein­zu­ar­bei­ten­der Leih­ar­beit­neh­mer zu­min­dest teil­wei­se kom­pen­siert wor­den sei, ha­be dies nur den rei­nen Ab­ver­kauf von Wa­ren be­trof­fen. Im Ser­vice-Be­reich hätten die Leis­tun­gen sei­ner Mit­glieds­un­ter­neh­men stark zurück­ge­fah­ren wer­den müssen. Der Ein­kaufs­kom­fort sei da­durch er­heb­lich ein­ge­schränkt, vie­le po­ten­zi­el­le Kun­den sei­en vom Ein­kauf in den be­streik­ten Fi­lia­len ab­ge­hal­ten wor­den. Sein ta­rif­ge­bun­de­nes Mit­glied R. sei durch den Streik der Be­klag­ten in den Fi­lia­len und La­gern auf den Weg in ei­nen Haus­ta­rif ge­zwun­gen wor­den, noch be­vor die Be­klag­te zu den hier strei­ti­gen Ak­tio­nen ge­grif­fen ha­be. Äußerun­gen sei­nes Haupt­geschäftsführers in der Pres­se be­leg­ten le­dig­lich, dass Kun­den in den streik­be­trof­fe­nen Läden so­weit als möglich wei­ter­hin be­dient wor­den sei­en, nicht aber, dass der Streik wir­kungs­los ge­we­sen wäre. Sei­ne Mit­glie­der hätten Um­satz­ein­bußen er­lit­ten, die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Not­be­trie­bes sei mit or­ga­ni­sa­to­ri­schen und fi­nan­zi­el­len Mehr­be­las­tun­gen ver­bun­den ge­we­sen.
Er sei kei­nes­wegs ver­hand­lungs­un­wil­lig ge­we­sen. Im Jahr 2007 hätten zwei Ver­hand­lungs­run­den statt­ge­fun­den, ein wei­te­rer Ter­min sei ein­ver­nehm­lich auf­ge­ho­ben wor­den. Nach­dem er ein An­ge­bot zur Wie­der­auf­nah­me der Ver­hand­lun­gen un­ter­brei­tet ha­be, das an die Be­din­gung ge­knüpft wor­den sei, dass die Be­klag­te Ak­tio­nen wie die hier strei­ti­ge künf­tig un­ter­las­se, ha­be die Be­klag­te dies als „un­zulässi­ges Kopp­lungs­geschäft“ ab­ge­lehnt.
Die Ver­hand­lungsführe­rin der Be­klag­ten bei der Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung ha­be auf der De­mons­tra­ti­on am 07.12.2007 bei Vor­stel­lung der Ak­ti­on erklärt, dass durch den Kauf von Pfen­ni­gar­ti­keln je­weils mit ei­nem Ein­kaufs­wa­gen ein Stau im Kas­sen­be­reich ent­ste­hen sol­le, und dass die Ak­ti­on da­durch verschärft wer­de, wenn man an der Kas­se plötz­lich fest­stel­le, dass man kein Geld mit sich führe, um den Ar­ti­kel zu be­zah­len. Et­wa die Hälf­te der Teil­neh­mer der dann am 08.12.2007 durch­geführ­ten Ak­ti­on sei­en we­der Mit­glie­der der Be­klag­ten noch Ar­beit­neh­mer ei­nes ih­rer Mit­glied­un­ter­neh­men ge­we­sen. Der Kauf von Pfen­ni­gar­ti­keln ha­be fak­tisch zur Blo­cka­de der Kas­sen für ins­ge­samt ca. ei­ne St­un­de geführt. Ei­ne noch größere Blo­cka­de­wir­kung ha­be das Ste­hen­las­sen der Ein­kaufs­wa­gen er­zielt. Während der Ak­ti­on hätten sich auch nor­ma­le Kun­den in der Fi­lia­le auf­ge­hal­ten. Leih­ar­beit­neh­mer oder Fremd­fir­men sei­en in die­ser Fi­lia­le nicht ein­ge­setzt wor­den, da sich der Be­triebs­rat dem wi­der­setzt ha­be. Es sei des­halb nicht erklärlich, war­um ge­ra­de die­se Fi­lia­le Schau­platz der Ak­ti­on ge­wor­den sei.
Der Kläger meint, er ha­be ei­nen ei­ge­nen An­spruch ge­gen die Be­klag­te auf Un­ter­las­sung des Auf­ru­fes und der Durchführung rechts­wid­ri­ger Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­genüber sei­nen Mit­glie­dern. Die Be­klag­te könne sich dem nicht durch den Ver­such ei­ner Ver­la­ge­rung auf die in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Ebe­ne ent­zie­hen, in­dem sie die­se als rechtmäßiges Kun­den­ver­hal­ten be­zeich­ne.
Be­reits abs­trakt hand­le es sich nicht um ei­ne zulässi­ge Kampf­maßnah­me. Durch die mas­si­ve Ein­be­zie­hung ge­werk­schafts­frem­der, un­be­tei­lig­ter Drit­ter ge­he ihr das für Ar­beits­kampf­maßnah­men ty­pi­sche Ge­präge der Be­tei­li­gung von Ar­beit­ge­ber und be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern ver­lo­ren und wer­de das Ri­si­ko von Ex­zes­sen erhöht, das die Ord­nungs­funk­ti­on des Ar­beits­kampf­rechts kon­ter­ka­rie­re. Die Ak­ti­on un­ter­fal­le nicht mehr dem Streik­be­griff. Der re­guläre Be­triebs­ab­lauf sol­le da­mit ge­zielt gestört wer­den, wo­durch ih­re Mit­glie­der in ih­rer wirt­schaft­li­chen Betäti­gung ak­tiv be­hin­dert würden. Dies ge­he über die kol­lek­ti­ve Ver­wei­ge­rung der Ar­beits­leis­tung wie beim Streik weit hin­aus und sei Be­triebs­blo­cka­den bzw. Be­triebs­be­set­zun­gen ver­gleich­bar. Das Prin­zip der bei­der­sei­ti­gen Las­ten­ver­tei­lung im Ar­beits­kampf wer­de bei Ak­tio­nen mit Sa­bo­ta­ge­cha­rak­ter, wie der vom 08.12.2007, zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers aus­ge­he­belt. Die Maßnah­me ste­he mit dem Ge­bot der Kampf­pa­rität nicht im Ein­klang, das den Grund­satz der frei­en Kampf­mit­tel­wahl präge. Sie ste­he der for­ma­len Sym­me­trie der Kampf­mit­tel ent­ge­gen, weil der Be­triebs­in­ha­ber sich man­gels In­for­ma­ti­on dar­auf nicht vor­be­rei­ten und nicht an­ge­mes­sen re­agie­ren könne. Die Ak­ti­on sei nicht er­for­der­lich ge­we­sen, um nach dem Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern die Pa­rität wie­der her­zu­stel­len, und sei un­verhält­nismäßig ge­we­sen, da der Be­klag­ten das mil­de­re Mit­tel des Streiks zur Verfügung ge­stan­den ha­be, der durch­aus Wir­kung ge­zeigt ha­be. Die Durchführung ei­nes möglichst spek­ta­kulären Ar­beits­kamp­fes zum Zwe­cke der Mit­glie­der­ge­win­nung sei durch Art. 9 Abs.3 GG nicht ge­deckt, ein Grund­recht auf Er­folg des Ar­beits­kamp­fes sei die­ser Vor­schrift nicht zu ent­neh­men.
Je­den­falls die Ak­ti­on vom 08.12.2007 sei un­an­ge­mes­sen ge­we­sen. Es ha­be sich um ei­ne rechts­wid­ri­ge Be­triebs­blo­cka­de und –sa­bo­ta­ge ge­han­delt, da sie dar­auf ge­rich­tet ge­we­sen sei, durch die Blo­cka­de des Kas­sen­be­reichs den ge­sam­ten Geschäfts­be­trieb der be­trof­fe­nen R.-Fi­lia­le für die Dau­er der Ak­ti­on lahm zu le­gen. Es ha­be sich auch nicht nur um ei­nen Ex­zess ei­ner an sich zulässi­gen Maßnah­me ge­han­delt, viel­mehr ha­be die Be­klag­te aus­drück­lich zur Blo­cka­de auf­ge­ru­fen. Da­mit ha­be sie dem be­trof­fe­nen Ar­beit­ge­ber die selbst­be­stimm­te Nut­zung sei­nes Ei­gen­tums ver­unmöglicht und in sein Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb ein­ge­grif­fen. Der Auf­ruf der Be­klag­ten ha­be ei­nem ver­bo­te­nen Boy­kott­auf­ruf geähnelt. Hin­rei­chen­de Maßnah­men zu Ge­gen­wehr hätten
ge­fehlt. Durch die Ak­ti­on sei mas­siv in das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht ein­zel­ner Kas­sie­re­rin­nen ein­ge­grif­fen wor­den. Durch die An­wei­sung von Frau R., an der Kas­se Li­qui­dität vor­zutäuschen, aber auch durch den Hin­weis auf be­son­ders schwer zu sor­tie­ren­de Wa­ren sei das Ver­kaufs­per­so­nal fak­tisch zur Ziel­schei­be der Be­las­tung erklärt wor­den. Tatsächlich sei ei­ne Kas­sie­re­rin dann auch durch Vortäuschen ei­ner Zah­lungs­be­reit­schaft und an­sch­ließen­dem Ver­weis auf feh­len­des Bar­geld ge­zielt in die Ir­re geführt und an­sch­ließend zum Gespött der An­we­sen­den ge­macht wor­den. Ei­ne Ge­gen­wehr sei unmöglich ge­we­sen. Auch sei­en Rech­te der Kun­den ver­letzt wor­den, die rechts­wid­rig vom Ein­kauf ak­tiv ab­ge­hal­ten wor­den sei­en. Die Ak­ti­on ha­be durch die Ein­be­zie­hung ge­werk­schafts­frem­der Drit­ter und ih­re Vor­stel­lung in der Öffent­lich­keit ein un­be­herrsch­ba­res Ex­zess­ri­si­ko be­inhal­tet.
Das Ar­beits­ge­richt ha­be das We­sen ei­ner Be­triebs­blo­cka­de ver­kannt, die Straf­bar­keit von Hand­lun­gen zu un­recht we­gen feh­len­der Straf­anträge ver­neint so­wie die Nöti­gung un­be­tei­lig­ter Drit­ter und den Ein­griff in die all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rech­te der Kas­sen­mit­ar­bei­te­rin­nen durch die Ak­ti­on un­zu­tref­fend gewürdigt.
un­ter Auf­he­bung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom
01.04.2008 – 34 Ca 2402/08 die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, es bei Mei­dung ei­nes
für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung durch das Ge­richt fest­zu­set­zen­den
Ord­nungs­gel­des in Höhe von bis zu € 250,000,00 er­satz­wei­se Ord­nungs­haft
von bis zu 6 Mo­na­ten wo­bei die Ord­nungs­haft an ih­rem je­wei­li­gen
ge­setz­li­chen Ver­tre­ter zu voll­zie­hen ist, zu un­ter­las­sen, durch Flug­blatt oder
auf sons­ti­ge Wei­se Mit­glie­der der Be­klag­ten oder an­de­re Per­so­nen da­zu
auf­zu­ru­fen, zu meh­re­ren Per­so­nen ei­ne be­streik­te Fi­lia­le ei­nes
Mit­glied­un­ter­neh­mens des Klägers ge­zielt auf­zu­su­chen, um dort ent­we­der mit
vie­len Men­schen zur glei­chen Zeit ei­nen Pfen­ni­gar­ti­kel zu kau­fen und so für
länge­re Zeit den Kas­sen­be­reich zu blo­ckie­ren oder da­mit dort vie­le Men­schen
zur glei­chen Zeit ih­re Ein­kaufs­wa­gen mit dem Ziel voll (bit­te kei­ne Frisch­wa­re!!!) pa­cken, die­se dann an der Kas­se oder an­ders­wo in den Fi­li­alräum­en ste­hen­zu­las­sen,
der Be­klag­ten die Kos­ten des Rechts­streits auf­zu­er­le­gen.
Die Be­klag­te be­haup­tet, die Ar­beit­ge­ber­sei­te ha­be in der da­ma­li­gen Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung die Ar­beits­kampf­ak­tio­nen der Beschäftig­ten weit­ge­hend da­durch un­ter­lau­fen, dass sie re­gelmäßig – nach Strei­kankündi­gung – mas­siv Aus­hilfs­kräfte, Leih­ar­beit­neh­mer und Fremd­fir­men zur Auf­recht­er­hal­tung ei­nes un­gestörten Ver­kaufs ein­ge­setzt ha­be. Da­durch ha­be sie die Aus­wir­kun­gen des Streiks, an dem sich in Ber­lin mehr Beschäftig­te als je­mals zu­vor be­tei­ligt hätten, in vol­lem Um­fang kom­pen­siert bzw. so­gar über­kom­pen­siert. Kun­den hätten in den Fi­lia­len mehr Per­so­nal vor­ge­fun­den als zu­vor. Je länger der Streik ge­dau­ert ha­be, um­so bes­ser sei­en die Leih­ar­beits­kräfte und Zeit­ar­beits­fir­men auf die Über­nah­me der Auf­ga­ben der strei­ken­den Verkäufer vor­be­rei­tet und ein­ge­stellt ge­we­sen. Der Kläger ha­be in der Pres­se (Pres­se­auszüge Bl. 412 bis 418 d. A.) ausführ­lich dar­ge­stellt, wie we­nig Wir­kung der Streik ent­fal­te. Außer­halb des Flächen­ta­rif­ver­tra­ges ha­be zwar R. ei­nen Haus­ta­rif­ver­trag ge­schlos­sen. Mit dem Kläger hätten je­doch erst nach über ei­nem Jahr Ver­hand­lungs­pau­se im Herbst 2008 Ver­hand­lungs­ter­mi­ne ver­ein­bart wer­den können. Es sei des­halb un­zu­tref­fend, dass der Streik be­reits er­folg­reich ge­we­sen sei, be­vor sie im De­zem­ber 2007 zu der Flashmob-Ak­ti­on auf­ge­ru­fen ha­be.
Im Ver­lau­fe des Som­mers 2007 ha­be sie fest­ge­stellt, dass die bis­he­ri­ge Streik­stra­te­gie we­nig Wir­kung ge­zeigt und nicht aus­ge­reicht ha­be, um den Kläger zur Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen zu be­we­gen. In die­ser Si­tua­ti­on sei die Idee ent­stan­den, die schein­bar wir­kungs­lo­sen Streik­maßnah­men mit neu­en Ar­beits­kampf­maßnah­men zu be­glei­ten.
Ih­re Ver­hand­lungsführe­rin ha­be auf der De­mons­tra­ti­on und Kund­ge­bung am 07.12.2008 aus­drück­lich dar­ge­stellt, dass ver­derb­li­che Le­bens­mit­tel nicht ein­ge­packt wer­den dürf­ten. Die „Flashmob“-Ak­ti­on am 08.12.2007 ha­be we­der das Ziel ge­habt, den Kas­sen­be­reich durch voll ge­pack­te Ein­kaufs­wa­gen zu blo­ckie­ren noch sei dies tatsächlich ge­sche­hen. Ver­derb­li­che Le­bens­mit­tel sei­en in Ein­kaufs­wa­gen nicht ent­hal­ten ge­we­sen. Der Er­werb von Pfen­ni­gar­ti­keln und das Be­pa­cken von Ein­kaufs­wa­gen sei nicht ver­bo­ten oder rechts­wid­rig, Kun­den­ver­hal­ten im Han­del im Übri­gen nicht im­mer kal­ku­lier­bar. Bei den 40 Teil­neh­mern ha­be es sich aus­sch­ließlich um ih­re Mit­glie­der und Ar­beit­neh­mer aus Mit­glieds­un­ter­neh­men des Klägers ge­han­delt, Drit­te sei­en nicht be­tei­ligt ge­we­sen. Es ha­be sich nicht um ei­ne
Blo­cka­de ge­han­delt. We­der sei die Fi­lia­le mit 40 Per­so­nen überfüllt noch sei es an­de­ren Per­so­nen unmöglich ge­we­sen, die Fi­lia­le zu be­tre­ten, zu ver­las­sen oder dort ein­zu­kau­fen. Die An­we­sen­heit von Kun­den sei nicht er­kenn­bar ge­we­sen. Die Ak­ti­ons­teil­neh­mer sei­en durch die an­we­sen­den Ver­tre­ter der Fa. R. nicht un­ter Ausübung des Haus­rechts der Räum­lich­kei­ten ver­wie­sen wor­den.
Die Be­klag­te ist der An­sicht, der Kläger sei nicht ak­tiv­le­gi­ti­miert. Er ha­be kei­nen ei­ge­nen An­spruch dar­auf, dass die ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trie­be der Ein­zelhänd­ler, sei­en sie Mit­glie­der oder nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Mit­glie­der, wie bei­spiels­wei­se R., nicht für Flashmo­bak­tio­nen her­an­zo­gen würden. Es sei die­sen über­las­sen, be­stimm­te Kun­den­be­zie­hun­gen, die sie nicht wünsch­ten, durch das Haus­recht oder an­de­re Maßnah­men aus­zu­sch­ließen. An­dern­falls ge­be man dem Kläger ein Recht, in ver­trag­li­che Kun­den­be­zie­hun­gen ein­zu­grei­fen.
Es ha­be sich um zulässi­ge Hand­lun­gen im Rah­men ei­nes Ar­beits­kamp­fes und so­gar im Rah­men ei­ner nor­ma­len Kun­den­be­zie­hung ge­han­delt. Vor dem Hin­ter­grund der durch den Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern fest­ge­fah­re­nen Ta­rif­ver­hand­lun­gen, wo­durch sei­tens des Klägers nicht ein­mal mehr die Not­wen­dig­keit be­stan­den ha­be, Ver­hand­lungs­ter­mi­ne zu ver­ein­ba­ren und der Streik in der Öffent­lich­keit nicht mehr wahr­ge­nom­men wor­den sei, ha­be sie sich mit dem Auf­ruf „Wunsch­lis­te der Ein­zelhänd­lerIn­nen“ um krea­ti­ve und ef­fek­ti­ve Ar­beits­kampf­mit­tel bemüht. Das u.a. zur Er­rei­chung öffent­li­cher Auf­merk­sam­keit durch­geführ­te ge­mein­sa­me Ein­kau­fen mit vie­len Per­so­nen oh­ne rechts­wid­ri­gen Ein­griff in den Ge­wer­be­be­trieb von Mit­glieds­fir­men des Be­klag­ten, sei we­der zi­vil- noch straf­recht­lich ver­bo­ten, stel­le kei­nen Ver­trags­bruch dar und ver­let­ze kein Ei­gen­tum. Bei der „Flas­mob“-Ak­ti­on sei zu kei­nem Zeit­punkt der Be­trieb blo­ckiert oder der Ver­kauf ver­unmöglicht wor­den. Die Men­schenwürde der Kas­sie­re­rin­nen sei nicht tan­giert ge­we­sen. Die Ak­ti­on sei auch nur ein klei­ner Bau­stein im Rah­men der statt­ge­fun­de­nen Ar­beits­kampf­run­de ge­we­sen.
Art. 9 Abs.3 GG schütze nach der Recht­spre­chung des BVerfG die Ko­ali­ti­on nicht nur in ih­rem Be­stand, son­dern auch in ih­rer Betäti­gung und um­fas­se ins­be­son­de­re auch die Ta­rif­au­to­no­mie. Die Wahl der Mit­tel, mit de­nen die Ge­werk­schaft die Re­ge­lun­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen durch Ta­rif­verträge zu er­rei­chen ver­su­che, über­las­se ihr Art. 9 Abs.3 GG grundsätz­lich selbst. Dem­ent­spre­chend schütze das Grund­recht nicht nur die klas­si­schen Ar­beits­kampf­maßnah­men, son­dern auch an­de­re zur Si­che­rung ei­ner funk­tio­nie­ren Ta­rif­au­to­no­mie er­for­der­li­chen Tätig­kei­ten. Sein Schutz um­fas­se die Frei­heit der Wahl der Ar­beits­kampf­mit­tel selbst und nicht nur be­stimm­te For­men des Streiks.
Erst 18 Mo­na­te nach Kündi­gung der Man­tel­ta­rif­verträge und fast 15 Mo­na­te nach Aus­lau­fen der Ent­gelt­ta­rif­verträge im Ein­zel­han­del sei der ers­te Ta­rif­ab­schluss in der Fläche in Ba­den-Würt­tem­berg durch­ge­setzt wor­den. Zwi­schen­zeit­lich sei­en im Ein­zel­han­del tau­sen­de von Kol­le­gen – auch in Ber­lin und Bran­den­burg – wo­chen­lang oh­ne Ein­len­ken des Ver­ban­des im Streik ge­we­sen. Auch un­ter die­sem As­pekt sei ihr Auf­ruf zur Be­tei­li­gung an der Flashmob-Ak­ti­on letzt­lich er­for­der­lich und verhält­nismäßig ge­we­sen.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf die Schriftsätze des Klägers vom 16.07.2008 (Bl. 209 bis 340 d. A.) und vom 26.09.2008 (Bl. 442 bis 453 d. A.) und den Schrift­satz der Be­klag­ten vom 18.09.2008 (Bl. 373 bis 431 d. A.) so­wie auf die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 29.09.2008 (Bl. 454/ 455 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Die gemäß §§ 8 Abs.2, 64 Abs.1 und 2 ArbGG statt­haf­te, gemäß § 66 Abs.1 Satz 1 und
2 ArbGG, §§ 519, 520 Abs.1 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te, und da­her zulässi­ge Be­ru­fung des Klägers hat­te in der Sa­che kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Die Ausführun­gen des Klägers in der Be­ru­fungs­in­stanz ver­moch­ten ei­ne Abände­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung nicht zu be­gründen.
Der An­trag des Klägers ist zulässig.
Er ist als Un­ter­las­sungs­an­trag ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt. Die Be­klag­te kann aus dem An­trag mit aus­rei­chen­der Ge­wiss­heit er­ken­nen, wel­che Art von Auf­ru­fen sie künf­tig un­ter­las­sen soll. Dass es sich um ei­nen Glo­balan­trag han­delt, der ei­ne Viel­zahl von Fall­ge­stal­tun­gen um­fasst, für die das Un­ter­las­sungs­be­geh­ren des Klägers mögli­cher­wei­se nicht aus­nahms­los be­gründet ist, steht der Zulässig­keit des An­tra­ges nicht ent­ge­gen, son­dern al­len­falls sei­ner Be­gründet­heit.
Der Kläger hat auch das er­for­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se für sei­nen Un­ter­las­sungs­an­trag. Zwar ist die Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen den Par­tei­en, in­ner­halb de­rer die Ak­ti­on vom 08.12.2007 statt­fand, zwi­schen­zeit­lich im We­sent­li­chen ab­ge­schlos­sen. Die Be­klag­te hat je­doch nicht erklärt, bei künf­ti­gen Streik­si­tua­tio­nen kei­ne Auf­ru­fe mehr zu der­ar­ti­gen „Flashmob“-Ak­tio­nen durch Flug­blatt oder auf sons­ti­ge Wei­se täti­gen zu wol­len. Der Kläger muss des­halb da­mit rech­nen, dass auch im Fal­le künf­ti­ger Ar­beitskämp­fe be­streik­te Fi­lia­len sei­ner Mit­glieds­un­ter­neh­men auf­grund von Auf­ru­fen der Be­klag­ten Ziel von „Flashmob“-Ak­tio­nen wer­den können.
Der An­trag ist je­doch nicht be­gründet.
Der gel­tend ge­mach­te Un­ter­las­sungs­an­spruch steht dem Kläger nicht zu. Der Kläger ist zwar ak­tiv­le­gi­ti­miert. Auf­ru­fe der Be­klag­ten in der im An­trag be­zeich­ne­ten Art sind im Ar­beits­kampf zwi­schen den Par­tei­en aber nicht ge­ne­rell rechts­wid­rig.
Die Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on des Klägers ist ge­ge­ben, da er sich als Ar­beit­ge­ber­ver­band ge­gen sei­ner An­sicht nach rechts­wid­ri­ge Ar­beits­kampf­maßnah­men der Be­klag­ten und da­mit der Ge­werk­schaft zur Wehr set­zen will, mit der er re­gelmäßig Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zun­gen führt. Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können nach § 1004 Abs.1 BGB in Ver­bin­dung mit § 823 Abs.1 BGB, Art. 9 Abs.3 GG aus ei­ge­nem Recht ver­lan­gen, dass ihr Ta­rif­part­ner rechts­wid­ri­ge Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­genüber ih­ren Mit­glie­dern un­terlässt. Auf das Dop­pel­grund­recht nach Art. 9 Abs.3 GG, das ins­be­son­de­re die Betäti­gungs­frei­heit der Ko­ali­tio­nen schützt, können sich auch die Ko­ali­tio­nen selbst be­ru­fen. Nach Art. 9 Abs.3 Satz 2 GG sind Ab­re­den, die die­ses Recht ein­schränken oder be­hin­dern, nich­tig, hier­auf ge­rich­te­te Maßnah­men rechts­wid­rig. Die Ko­ali­ti­ons­frei­heit hat dem­ent­spre­chend Rechts­gut­cha­rak­ter im Sin­ne von § 823 Abs.1 und § 1004 Abs.1 BGB. Durch rechts­wid­ri­ge Ar­beits­kampf­maßnah­men des so­zia­len Ge­gen­spie­lers wird das Recht der geg­ne­ri­schen Ko­ali­ti­on auf ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung in un­zulässi­ger Wei­se ver­letzt (ständi­ge Recht­spre­chung des BAG seit dem Ur­teil vom 26.04.1988, EzA Art. 9 GG Ar­beits­kampf Nr. 74, zu­letzt bestätigt durch Ur­teil vom 24.04.2007, EzA Art. 9 GG Ar­beits­kampf Nr. 139).
Die Be­klag­te be­ruft sich selbst zur Recht­fer­ti­gung ih­rer „Flashmob“-Ak­tio­nen auf die in Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Kampf­mit­tel­frei­heit. Sie kann des­halb die Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on des Klägers nicht un­ter Hin­weis auf die sei­nen Mit­glie­dern zu­ste­hen­den ei­ge­nen Rechts­po­si­tio­nen in Ab­re­de stel­len. Der Un­ter­las­sungs­an­trag des Klägers rich­tet sich zu­dem aus­sch­ließlich ge­gen ent­spre­chen­de Auf­ru­fe der Be­klag­ten selbst, nicht ge­gen die Be­fol­gung der­ar­ti­ger Auf­ru­fe durch po­ten­zi­el­le Kun­den der Mit­glieds­un­ter­neh­men des Klägers. Er be­inhal­tet des­halb auch kei­nen Ein­griff in ver­trag­li­che Kun­den­be­zie­hun­gen.
Der Kläger kann von der Be­klag­ten nicht ver­lan­gen, Auf­ru­fe durch Flug­blatt oder in sons­ti­ger Wei­se zu „Flashmob“-Ak­tio­nen der im An­trag be­zeich­ne­ten Art in be­streik­ten Fi­lia­len von Mit­glieds­un­ter­neh­men des Klägers künf­tig zu un­ter­las­sen, da sol­che Auf­ru­fe nicht, je­den­falls nicht in al­len denk­ba­ren Fällen rechts­wid­rig sind.
An­trags­gemäße Auf­ru­fe der Be­klag­ten zu „Flashmob“-Ak­tio­nen der im An­trag be­zeich­ne­ten Art un­ter­fal­len als ei­nen lau­fen­den Ar­beits­kampf ergänzen­de Maßnah­men grundsätz­lich der in Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­ten Betäti­gungs­frei­heit der Be­klag­ten und im en­ge­ren Sin­ne der dar­in geschütz­ten Frei­heit der Wahl der Ar­beits­kampf­mit­tel.
Der durch Art. 9 Abs.3 GG gewähr­leis­te­te Schutz der Betäti­gungs­frei­heit der Ko­ali­tio­nen er­streckt sich auf al­le ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen und um­fasst ins­be­son­de­re die Ta­rif­au­to­no­mie. Die Wahl der Mit­tel, mit de­nen die­se die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch Ta­rif­verträge zu er­rei­chen ver­su­chen und die sie in Ver­fol­gung die­ses Zie­les für ge­eig­net hal­ten, wird ih­nen durch das Grund­recht grundsätz­lich selbst über­las­sen. Dem­zu­fol­ge sind auch Ar­beits­kampf­maßnah­men, die sich auf den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen rich­ten, grund­recht­lich geschützt, so­weit sie er­for­der­lich sind, um ei­ne funk­tio­nie­ren­de Ta­rif­au­to­no­mie si­cher­zu­stel­len. Der Grund­rechts­schutz um­fasst da­bei nicht nur be­stimm­te For­men des Streiks, son­dern er­streckt sich auf al­le ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen
Ver­hal­tens­wei­sen (vgl. Ur­teil des BAG vom 19.06.2007, EzA Art. 9 GG Ar­beits­kampf Nr. 140 un­ter Be­ru­fung auf den Be­schluss des BVerfG vom 14.11.1995, EzA Art. 9 GG Nr. 60).
Dem­nach un­ter­fal­len in­ner­halb ei­nes Ar­beits­kamp­fes auch an­de­re Maßnah­men, die die Ko­ali­ti­on zur Durch­set­zung des mit dem Ar­beits­kampf ver­folg­ten Zie­les ei­nes Ta­rif­ab­schlus­ses er­greift, um den Streik zu ergänzen und zu un­terstützen, als ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­sche Betäti­gun­gen im Ar­beits­kampf grundsätz­lich der ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Ar­beits­kampf­mit­tel­frei­heit.
Mit den hier strei­ti­gen Auf­ru­fen zu „Flashmob“-Ak­tio­nen sol­len er­kenn­bar in ei­ner Streik­si­tua­ti­on die je­wei­li­gen Ar­beits­kampf­zie­le der Be­klag­ten un­terstützt bzw. ergänzt und der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen gefördert wer­den. Sie wer­den des­halb in An­wen­dung der zi­tier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts von der Ar­beits­kampf­mit­tel­frei­heit er­fasst.
Auch die Ak­ti­on vom 08.12.2007 un­terstütz­te und ergänz­te den da­mals lau­fen­den Streik der Be­klag­ten. Die Be­klag­te hat da­zu be­reits erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, dass mit die­ser Ak­ti­on ei­ner­seits das Per­so­nal der Fi­lia­le zum Ar­beits­kampf ha­be auf­ge­ru­fen und an­de­rer­seits die Kund­schaft über die Ar­beits­kampf­si­tua­ti­on ha­be auf­geklärt wer­den sol­len. In der Be­ru­fungs­in­stanz hat sie zu­dem aus­geführt, dass die Ak­ti­on u. a. dem Er­rei­chen öffent­li­cher Auf­merk­sam­keit ge­dient ha­be. Die Ak­ti­on soll­te des­halb un­zwei­fel­haft die Durchführung und Wirk­sam­keit des Streiks der Be­klag­ten un­terstützen und dien­te der Durch­set­zung der von der Be­klag­ten an­ge­streb­ten Ta­rif­zie­le.
Dass die Ak­tio­nen, de­ren Durchführung da­mit er­reicht wer­den soll, nicht dem klas­si­schen Streik­be­griff, al­so ei­ner Ar­beits­nie­der­le­gung, zu­zu­ord­nen sind, steht ih­rer Qua­li­fi­zie­rung als zusätz­li­che, ei­nen Streik be­glei­ten­de Ar­beits­kampf­mit­tel nicht
ent­ge­gen. Die da­mit ver­bun­de­ne ge­ziel­te Störung des re­gulären Be­triebs­ab­lau­fes un­ter­schei­det sie nur in­so­weit von ei­nem Streik, als der Be­triebs­ab­lauf da­durch nur gestört wird, bei ei­nem Streik je­doch gänz­lich zum Er­lie­gen kommt. Je­der von ei­ner Ge­werk­schaft ge­tra­ge­ne Ar­beits­kampf für Ta­rif­for­de­run­gen zielt auf die Störung der nor­ma­len Be­triebs­abläufe, um da­mit Druck auf den Ver­hand­lungs­part­ner aus­zuüben. Die mit dem Auf­ruf der Be­klag­ten vor­be­rei­te­te „Flashmob“-Ak­ti­on er­reicht da­bei nicht die In­ten­sität ei­ner kol­lek­ti­ven Ar­beits­nie­der­le­gung, da sie nur zu Störun­gen, nicht aber zur Ein­stel­lung des Be­trie­bes führt. Erst recht geht sie nicht weit darüber hin­aus, wie der Kläger ge­meint hat.
Die mit den Auf­ru­fen be­ab­sich­tig­ten Ak­tio­nen sind auch nicht des­halb von der ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Kampf­mit­tel­frei­heit nicht mehr er­fasst, weil sie in je­dem Fal­le mit un­zulässi­gen Be­triebs­blo­cka­den oder Be­triebs­be­set­zun­gen ver­gleich­bar wären. Der mas­sen­wei­se Ein­kauf von Pfen­ni­gar­ti­keln mit dem Ziel ei­ner zeit­wei­sen Blo­cka­de des Kas­sen­be­reichs und das Voll­pa­cken und Ste­hen­las­sen von Ein­kaufs­wa­gen durch ei­ne Viel­zahl von Kun­den führen nur dann zu ei­ner blo­cka­de- oder be­set­zungsähn­li­chen Si­tua­ti­on, wenn die An­zahl der Ak­ti­ons­teil­neh­mer so groß bzw. die von der Ak­ti­on be­trof­fe­ne Fi­lia­le so klein ist, dass we­gen der An­we­sen­heit der Ak­teu­re und der von ih­nen ver­ur­sach­ten Un­ord­nung der Ein­kaufs­be­trieb vollständig zum er­lie­gen kommt und kein an­de­rer Kun­de die Fi­lia­le mehr be­tre­ten kann.
Al­lein die be­ab­sich­tig­te zeit­wei­se Blo­cka­de des Kas­sen­be­reichs, die in Su­permärk­ten in Stoßzei­ten kei­nes­wegs un­gewöhn­lich ist, be­inhal­tet kei­ne Be­triebs­blo­cka­de. Die Be­klag­te hat es zu­dem in der Hand, die An­zahl der Teil­neh­mer ent­spre­chend der Größe der für ei­ne kon­kre­te der­ar­ti­ge Ak­ti­on aus­gewähl­ten Fi­lia­le zur Ver­mei­dung ei­ner vollständi­gen Blo­cka­de bzw. ei­ner be­set­zungsähn­li­chen Si­tua­ti­on zu be­gren­zen, in­dem sie nur den Teil der In­ter­es­sen­ten, die ihr Han­dy-Num­mern zur Verfügung ge­stellt ha­ben, per SMS über Zeit­punkt und Ort der Ak­ti­on in­for­miert, der ihr für die Durchführung im kon­kre­ten Fall je­weils an­ge­mes­sen er­scheint. Sie kann
das Ge­sche­hen des­halb von vor­ne­her­ein in ei­ner Wei­se steu­ern, dass die Ak­ti­on kein un­an­ge­mes­se­nes Aus­maß er­rei­chen kann.
Erst recht kann die mit dem Auf­ruf be­zweck­te Ak­ti­on nicht als „Sa­bo­ta­ge“-Ak­ti­on be­zeich­net wer­den. We­sent­li­ches Merk­mal von Sa­bo­ta­ge ist nicht nur die Schädi­gungs­ab­sicht son­dern auch die Heim­lich­keit. Die Teil­neh­mer an den mit dem Auf­ruf be­ab­sich­tig­ten Ak­tio­nen sol­len je­doch kei­nes­wegs heim­lich vor­ge­hen, son­dern ih­re Ak­ti­on in al­ler Öffent­lich­keit durchführen.
Die Tat­sa­che, dass nicht nur Mit­glie­der der Be­klag­ten, son­dern auch an­de­re Per­so­nen in den Auf­ruf zu ei­ner „Flashmob“-Ak­ti­on der im An­trag ent­hal­te­nen Art mit­ein­be­zo­gen wer­den, steht ih­rer Qua­li­fi­zie­rung als Ar­beits­kampf­mit­tel der Be­klag­ten grundsätz­lich nicht ent­ge­gen. Auch die Außen­sei­ter oder sons­ti­gen Außen­ste­hen­den, die mit ei­nem der­ar­ti­gen Auf­ruf an­ge­spro­chen wer­den, un­terstützen mit ei­ner et­wai­gen Be­tei­li­gung an der­ar­ti­gen Ak­tio­nen die Be­klag­te bei ih­rer ko­ali­ti­onsmäßigen Betäti­gung. Selbst wenn es ih­nen im Ein­zel­fall nicht um die Ver­bes­se­rung ei­ge­ner ta­rif­li­cher Rech­te ge­hen soll­te, weil sie nicht selbst von dem an­ge­streb­ten Ta­rif­ver­trag er­fasst wer­den, dient der Auf­ruf der Be­klag­ten dem Ziel der Ge­stal­tung von Ar­beits­be­din­gun­gen, da er den je­wei­li­gen Streik der Be­klag­ten fördern und ihm zu größerer Wirk­sam­keit ver­hel­fen soll. Auch die in dem Auf­ruf ent­hal­te­ne Ein­be­zie­hung Außen­ste­hen­der, die be­reit sind, der Be­klag­ten bei dem Er­rei­chen ih­rer Streik­zie­le durch Be­tei­li­gung an sol­chen Ak­tio­nen zu hel­fen, ändert des­halb nichts am Cha­rak­ter der Maßnah­me als grund­recht­lich geschütz­tes Ar­beits­kampf­mit­tel (vgl. zur ähn­li­chen Sach­la­ge bei ei­nem Un­terstützungs­streik Ur­teil des BAG vom 19.06.2007, aaO).
Dass die Kampf­pa­rität der hier strei­ten­den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en durch Auf­ru­fe der Be­klag­ten zu „Flashmob-Ak­tio­nen“ der strei­ti­gen Art be­ein­träch­tigt würde, lässt sich
zu­min­dest nicht für je­de mögli­che Ar­beits­kampf­si­tua­ti­on, in der es zu der­ar­ti­gen Auf­ru­fen käme, fest­stel­len.
Die Kampfstärke von Ko­ali­tio­nen hängt im je­wei­li­gen Ein­zel­fall von ei­ner Fülle von Fak­to­ren ab, die in ih­ren Wir­kun­gen schwer ab­zuschätzen sind. Das Pa­ritätsprin­zip ist des­halb vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­letzt nur noch als bei der ge­richt­li­chen Aus­ge­stal­tung des Ar­beits­kampf­rechts nicht zu über­schrei­ten­de Gren­ze an­ge­se­hen wor­den, die durch die­se nicht be­sei­tigt und ein vor­han­de­nes Gleich­ge­wicht der Kräfte nicht gestört oder ein Un­gleich­ge­wicht verstärkt wer­den dürfe (vgl. Ur­teil des BAG vom 19.07.2007, aaO un­ter Be­zug­nah­me auf das Ur­teil des BVerfG vom 04.07.1995, EzA § 116 AFG Nr. 5).
Auf ei­ne rein for­ma­le Sym­me­trie der Ar­beits­kampf­mit­tel, die der Kläger in Erwägung zieht, kann es dem­nach nicht an­kom­men. Der Kläger und sei­ne Mit­glieds­un­ter­neh­men verfügen zu­dem über Ge­gen­mit­tel. Der Kläger kann in ei­ner Ar­beits­kampf­si­tua­ti­on je­den­falls künf­tig sei­ne Mit­glie­der darüber in Kennt­nis set­zen, dass der­ar­ti­ge Ak­tio­nen auf sie zu­kom­men können, und grundsätz­li­che Ver­hal­tens­re­geln für der­ar­ti­ge Fälle mit ih­nen be­ra­ten. Dass der ein­zel­ne Be­triebs­in­ha­ber sich man­gels recht­zei­ti­ger In­for­ma­ti­on nicht aus­rei­chend auf ei­ne sol­che Ak­ti­on vor­be­rei­ten kann, ist eben­so hin­zu­neh­men wie die un­an­gekündig­te Ar­beits­nie­der­le­gung bei ei­ner Warn­streik­si­tua­ti­on, da es sich um ei­ne zulässi­ge Ar­beits­kampf­maßnah­me han­delt. Oh­ne die­ses Über­ra­schungs­mo­ment könn­te die Ak­ti­on vor­aus­sicht­lich nicht die be­ab­sich­tig­te Wir­kung ent­fal­ten. Im Übri­gen kann der Be­triebs­in­ha­ber ins­be­son­de­re im Fal­le von Ak­ti­on­s­ex­zes­sen je­der­zeit von sei­nem Haus­recht Ge­brauch ma­chen und die un­ge­be­te­nen Kun­den aus der Fi­lia­le wei­sen.
Je­den­falls in der Ar­beits­kampf­si­tua­ti­on, in der die Be­klag­te zu der dann am 08.12.2007 durch­geführ­ten Ak­ti­on auf­ge­ru­fen hat, war das Gleich­ge­wicht der vor­han­de­nen Kräfte der Par­tei­en er­kenn­bar zu Las­ten der Be­klag­ten gestört, da die Mit­glieds­un­ter­neh­men des Klägers of­fen­bar in der La­ge wa­ren, der Wir­kung des Streiks durch den verstärk­ten Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern zu­min­dest im Ab­ver­kauf zum großen Teil aus­zu­wei­chen und der Streik in der Öffent­lich­keit des­halb kaum noch wahr­ge­nom­men wur­de, wie den ein­ge­reich­ten Pres­se­veröffent­li­chun­gen zu ent­neh­men ist. Auch wenn die Leih­ar­beit­neh­mer nicht ge­zwun­gen wa­ren, Streikar­beit zu über­neh­men (vgl. § 11 Abs.5 AÜG), ist es nach­voll­zieh­bar, dass es der Be­klag­ten kaum möglich ge­we­sen sein dürf­te, de­ren So­li­da­rität zu er­rei­chen, zu­mal sie re­gelmäßig schlech­ter be­zahlt wur­den als die Stamm­ar­beit­neh­mer und vom Er­geb­nis des Ar­beits­kamp­fes selbst nicht par­ti­zi­pier­ten. Wenn die Be­klag­te in die­ser Si­tua­ti­on ins­be­son­de­re auch mit dem Ziel, ei­ne größere öffent­li­che Auf­merk­sam­keit für ih­ren Ar­beits­kampf zu er­rei­chen, zu der „Flashmob“-Ak­ti­on auf­rief, wur­de des­halb die Gren­ze des Kampf­gleich­ge­wichts der Par­tei­en je­den­falls er­kenn­bar nicht über­schrit­ten. Sol­che Ar­beits­kampf­si­tua­tio­nen können sich zwi­schen den Par­tei­en auch künf­tig er­ge­ben.
Der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ist durch ei­nen künf­ti­gen Auf­ruf der Be­klag­ten zu „Flashmob“-Ak­tio­nen in be­streik­ten Fi­lia­len von Mit­glieds­fir­men des Klägers eben­falls nicht in al­len denk­ba­ren Fällen ver­letzt.
Der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ist zen­tra­ler und an­ge­mes­se­ner Maßstab für die recht­li­che Be­ur­tei­lung von Ar­beits­kampf­maßnah­men, weil durch die Ausübung der ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Betäti­gungs­frei­heit re­gelmäßig in eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen des un­mit­tel­ba­ren Kampf­geg­ners oder von Drit­ten ein­ge­grif­fen wird. Es be­darf des­halb ei­ner Abwägung kol­li­die­ren­der Rechts­po­si­tio­nen.
Ein Kampf­mit­tel muss des­halb zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Kampf­zie­les ge­eig­net und er­for­der­lich und be­zo­gen auf das Kampf­ziel an­ge­mes­sen (pro­por­tio­nal bzw. verhält­nismäßig im en­ge­ren Sin­ne) sein. Ge­eig­net ist ein Kampf­mit­tel, wenn durch sei­nen Ein­satz die Durch­set­zung des Kampf­zie­les gefördert wer­den kann, wo­bei den ei­nen Ar­beits­kampf führen­den Ko­ali­tio­nen in­so­weit ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu­kommt. Er­for­der­lich ist ein Kampf­mit­tel, wenn mil­de­re Mit­tel zum Er­rei­chen des an­ge­streb­ten Zie­les – eben­falls nach Be­ur­tei­lung der ar­beits­kampfführen­den Ko­ali­ti­on - nicht zur Verfügung ste­hen. Verhält­nismäßig im en­ge­ren Sin­ne (pro­por­tio­nal) ist ein Kampf­mit­tel, das sich un­ter hin­rei­chen­der Würdi­gung der grund­recht­lich gewähr­leis­te­ten Betäti­gungs­frei­heit zum Er­rei­chen des er­streb­ten Kampf­zie­les un­ter Berück­sich­ti­gung der Rechts­po­si­tio­nen der von der Kampf­maßnah­me un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar Be­trof­fe­nen als an­ge­mes­sen dar­stellt. Da­bei ist al­ler­dings zu be­ach­ten, dass es ge­ra­de das We­sen ei­ner Ar­beits­kampf­maßnah­me ist, durch Zufügung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le Druck zur Er­rei­chung ei­nes le­gi­ti­men Zie­les aus­zuüben. Nur wenn sich das Ar­beits­kampf­mit­tel auch un­ter Berück­sich­ti­gung die­ses Zu­sam­men­hangs als un­an­ge­mes­se­ne Be­ein­träch­ti­gung ge­genläufi­ger, eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen dar­stellt, ist es un­verhält­nismäßig (vgl. Ur­teil des BAG vom 19.06.2007, aaO; Be­schluss des BVerfG vom 10.09.2004, EzA Art.9 GG Ar­beits­kampf Nr. 136).
In An­wen­dung die­ser Grundsätze war zunächst fest­zu­stel­len, dass Auf­ru­fe der Be­klag­ten zu „Flashmob“-Ak­tio­nen der im An­trag be­zeich­ne­ten Art als ei­nen Streik ergänzen­de und un­terstützen­de, zusätz­li­che Ar­beits­kampf­mit­tel ge­eig­net sind, da da­mit die­sen Ak­tio­nen zusätz­li­cher Druck auf Mit­glieds­fir­men des Klägers aus­geübt wer­den kann, um die­sen zum Nach­ge­ben bei den Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen zu ver­an­las­sen. Die Durch­set­zung des Kampf­zie­les kann da­durch gefördert wer­den.
Sie können als streik­be­glei­ten­de Maßnah­men im Ein­zel­fall auch er­for­der­lich sein. Es sind je­den­falls Fälle denk­bar, in de­nen die Be­klag­te zu der Einschätzung ge­langt, dass sol­che Ak­tio­nen ge­bo­ten sind, z.B. wenn der Streik – wie im vor­lie­gen­den Fall – durch den mas­si­ven Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern sei­tens der Mit­glieds­fir­men des Kampf­geg­ners sei­ner Druck­wir­kung weit­ge­hend be­raubt wird oder wenn der durch Streik aus­geübte Druck nicht aus­reicht, um den Kläger bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen zum Ein­len­ken zu ver­an­las­sen. Der Streik ist in die­sem Fal­le kein mil­de­res Mit­tel, auf das die Be­klag­te ver­wie­sen wer­den könn­te. Je­den­falls un­ter­liegt der Auf­ruf zu „Flashmob“- Ak­tio­nen aber der Einschätzungs­präro­ga­ti­ve der Be­klag­ten.
Im Fal­le des der Ak­ti­on vom 08.12.2007 vor­aus­ge­hen­den Auf­ru­fes der Be­klag­ten war die­se er­kenn­bar der Mei­nung, dass die Ta­rif­ver­hand­lun­gen fest­ge­fah­ren wa­ren und die Streik­maßnah­men al­lein nicht aus­reich­ten, um den Kläger wie­der an den Ver­hand­lungs­tisch zu brin­gen. Die Be­klag­te durf­te in Wahr­neh­mung ih­res Be­ur­tei­lungs­spiel­rau­mes der­ar­ti­ge Ak­tio­nen für er­for­der­lich hal­ten und da­zu wie ge­sche­hen auf­ru­fen.
Der Auf­ruf zu „Flashmob“-Ak­tio­nen kann auch nicht re­gelmäßig un­ter Berück­sich­ti­gung der eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen des da­von be­trof­fe­nen Ar­beit­ge­bers oder sons­ti­ger Drit­ter als un­an­ge­mes­sen an­ge­se­hen wer­den.
Ob mit der durch den Auf­ruf be­ab­sich­tig­ten Ak­ti­on das grund­recht­lich geschütz­te Haus­recht ver­letzt oder ein Ein­griff in den ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb des von der Maßnah­me be­trof­fe­nen Mit­glieds­un­ter­neh­mens des Klägers ver­bun­den ist, ist schon des­halb zwei­fel­haft, weil es sich um an sich er­laub­tes Kun­den­ver­hal­ten der Ak­ti­ons­teil­neh­mer han­delt. Kun­den ei­nes Su­per­markts ver­hal­ten sich ge­genüber dem In­ha­ber des Mark­tes nicht be­reits des­halb rechts­wid­rig, weil sie nur Pfen­ni­gar­ti­kel kau­fen oder ei­nen voll­ge­pack­ten Ein­kaufs­wa­gen ste­hen las­sen. Ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten von Kun­den ist in ei­nem Markt per se nicht un­gewöhn­lich und gerät an die Gren­ze mögli­cher­wei­se rechts­wid­ri­gen Ver­hal­tens erst durch sei­ne von vor­ne­her­ein ge­plan­te und mas­sen­wei­se Ausübung. Das plan­vol­le und mas­sen­wei­se der­ar­ti­ge Ver­hal­ten der Ak­ti­ons­teil­neh­mer ist aber durch die Kampf­mit­tel­frei­heit der Be­klag­ten aus Art. 9 Abs.3 GG geschützt, die sich ge­genüber dem Rah­men­recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb bei Durchführung ei­nes im Übri­gen rechtmäßigen Ar­beits­kamp­fes, - da­von war aus­zu­ge­hen -, re­gelmäßig durch­setzt.
Auch wenn die Durchführung ei­ner der­ar­ti­gen Ak­ti­on im Be­trieb des da­von be­trof­fe­nen Un­ter­neh­mens durch­aus er­heb­li­che zeit­li­che Verzöge­run­gen bei der Kas­sen­ab­fer­ti­gung we­gen des von den Teil­neh­mern durch­geführ­ten viel­fa­chen Ein­kaufs le­dig­lich von Pfen­ni­gar­ti­keln her­vor­ru­fen und ei­nen er­heb­li­chen zusätz­li­chen Ar­beits­auf­wand da­durch ver­ur­sa­chen kann, dass die Wa­ren aus den von den Ak­ti­ons­teil­neh­mern ste­hen ge­las­se­nen voll­ge­pack­ten Ein­kaufs­wa­gen wie­der zurücks­or­tiert wer­den müssen, führt dies re­gelmäßig nur zu ei­nem zeit­wei­lig erhöhten Ar­beits­auf­wand der in der Fi­lia­le beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, oh­ne dass da­durch de­ren grundsätz­li­che Ar­beitsmöglich­keit oder die Möglich­keit des Ein­kaufs von Kun­den in er­heb­li­chem Um­fang be­ein­träch­tigt würde. Ei­ne straf­recht­lich re­le­van­te Nöti­gung liegt an­ge­sichts der im Rah­men ei­nes er­laub­ten Ar­beits­kamp­fes feh­len­den Rechts­wid­rig­keit ei­ner sol­chen Ak­ti­on eben­falls nicht vor.
Das Ei­gen­tums­recht der Mit­glieds­un­ter­neh­men des Klägers soll durch der­ar­ti­ge Auf­ru­fe er­kenn­bar nicht be­ein­träch­tigt wer­den, da dar­in aus­drück­lich dar­auf
hin­ge­wie­sen wird, Frisch­wa­ren nicht in die Ein­kaufs­wa­gen ein­zu­pa­cken, die an­sch­ließend ste­hen ge­las­sen wer­den sol­len.
Die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit der in der je­wei­li­gen Fi­lia­le des Mit­glieds­un­ter­neh­mens des Klägers täti­gen Ar­beit­neh­mer wird nicht be­ein­träch­tigt, da die Ak­ti­on de­ren Ent­schei­dungs­frei­heit, sich am Ar­beits­kampf zu be­tei­li­gen, nicht berührt, sie ins­be­son­de­re nicht dar­an hin­dert, ih­rer Tätig­keit für das je­wei­li­ge Mit­glieds­un­ter­neh­men des Klägers wei­ter­hin nach­zu­ge­hen. Dies war auch bei Durchführung der Ak­ti­on am 08.12.2007 nicht der Fall. Zwar wur­de ei­ne Kas­sie­re­rin der be­trof­fe­nen Fi­lia­le auf­ge­for­dert, sich am Streik zu be­tei­li­gen. Es wur­de in­des nicht vor­ge­tra­gen, dass sie an der Ausübung ih­rer wei­te­ren Tätig­keit ge­hin­dert wur­de, als sie die­ser Auf­for­de­rung of­fen­bar nicht nach­kam.
Das Persönlich­keits­recht der in der Fi­lia­le täti­gen Ar­beit­neh­mer, ins­be­son­de­re die Men­schenwürde der Kas­sie­re­rin­nen, ist durch ei­ne „Flashmob“-Ak­ti­on eben­falls re­gelmäßig nicht be­trof­fen. Die in der je­weils be­trof­fe­nen Fi­lia­le ei­nes Mit­glieds­un­ter­neh­mens des Klägers täti­gen Mit­ar­bei­ter können aus dem Auf­tre­ten der Ak­ti­ons­teil­neh­mer und den von ih­nen er­teil­ten In­for­ma­tio­nen oh­ne wei­te­res er­ken­nen, dass sich die Ak­ti­on nicht ge­gen sie persönlich rich­tet, son­dern ei­ne Kampf­maßnah­me ge­gen ih­ren Ar­beit­ge­ber dar­stel­len soll. Auch das vom Kläger ge­schil­der­te Ver­hal­ten der Ak­ti­ons­teil­neh­mer am 08.12.2007 be­inhal­te­te kei­ne Ver­let­zung der Men­schenwürde der be­trof­fe­nen Kas­sie­re­rin, wenn ei­ne Teil­neh­me­rin zunächst vor­gab, genügend Geld zur Be­zah­lung ih­res Ein­kaufs da­bei­zu­ha­ben, dies so­dann aber nach Ein­ga­be sämt­li­cher Ar­ti­kel in die Kas­se und Zurück­pa­cken der Wa­ren in den Ein­kaufs­wa­gen – un­ter dem Bei­fall der an­de­ren Ak­ti­ons­teil­neh­mer - ver­nein­te und den Ein­kaufs­wa­gen an der Kas­se ste­hen ließ. Auch bei die­sem Vor­komm­nis konn­te die Kas­sie­re­rin auf­grund des ge­sam­ten Ab­laufs der Ak­ti­on, ins­be­son­de­re aus der anfäng­lich er­folg­ten Auf­for­de­rung ih­rer Per­son zum Streik und aus der De­po­nie­rung von Flugblättern an der Kas­se er­ken­nen, dass nicht sie selbst, son­dern ihr Ar­beit­ge­ber Ziel­schei­be die­ses Ver­hal­tens und ins­be­son­de­re des Spot­tes der übri­gen Ak­ti­ons­teil­neh­mer sein soll­te.
Al­ler­dings be­inhal­ten Auf­ru­fe der im An­trag be­zeich­ne­ten Form an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass sie sich nicht nur an die Mit­glie­der der Be­klag­ten, son­dern auch an an­de­re zur Un­terstützung be­rei­te Per­so­nen rich­ten, ein erhöhtes Ri­si­ko von Ar­beits­kamp­f­ex­zes­sen, wor­auf der Kläger zu Recht hin­ge­wie­sen hat. Es ist nicht zu über­se­hen, dass Nicht­mit­glie­der der Be­klag­ten von die­ser nicht in der glei­chen Wei­se zur Dis­zi­plin bei der Ausübung von Ar­beits­kampf­maßnah­men an­ge­hal­ten wer­den können wie ih­re Mit­glie­der, zu­mal sie die­sen ge­genüber kei­ner­lei Sank­ti­onsmöglich­kei­ten hat. Der Ge­fahr von Ar­beits­kamp­f­ex­zes­sen kann je­doch sei­tens der Be­klag­ten auf an­de­re Wei­se, ins­be­son­de­re durch die ihr mögli­che Be­gren­zung der An­zahl der Teil­neh­mer an der­ar­ti­gen Ak­tio­nen, kla­re An­wei­sun­gen zu de­ren Ab­lauf, so­wie durch ei­ne deut­li­che Ab­gren­zung von et­wai­gen ex­zess­be­rei­ten, auch von ihr nicht erwünsch­ten Ak­ti­ons­teil­neh­mern aus­rei­chend ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. Die Be­klag­te ist an­ge­sichts ih­rer um­fang­rei­chen Er­fah­rung bei der Or­ga­ni­sa­ti­on von Kampf­maßnah­men schließlich im­stan­de und er­for­der­li­chen­falls auch ge­hal­ten, ei­ne sol­che Ak­ti­on um­ge­hend ab­zu­bre­chen, falls sie aus dem Ru­der zu lau­fen droht, zu­mal sie sich selbst Scha­dens­er­satz­ansprüchen aus­setzt, wenn sie un­zulässi­ge Hand­lun­gen anläss­lich der­ar­ti­ger Ak­tio­nen dul­det. Das Ex­zess­ri­si­ko ist des­halb auch bei der­ar­ti­gen Ak­tio­nen von der Be­klag­ten aus­rei­chend be­herrsch­bar.
Bei der den An­lass des vor­lie­gen­den Recht­streits bil­den­den Ak­ti­on am 08.12.2007 hat­te die Be­klag­te zunächst nur da­zu auf­ge­ru­fen, ihr bei In­ter­es­se an der Teil­nah­me an et­wai­gen „Flashmob“-Ak­tio­nen die Han­dy­num­mer be­kannt zu ge­ben, wo­bei Zeit­punkt und Ort der Ak­ti­on den In­ter­es­sen­ten dann per SMS be­kannt ge­ge­ben wer­den soll­te. Die Be­klag­te hat­te es des­halb selbst in der Hand, die An­zahl der Ak­ti­ons­teil­neh­mer von vor­ne­her­ein zu be­gren­zen. Auch war sie in der La­ge, durch ent­spre­chen­de An­wei­sun­gen an et­wai­ge Teil­neh­mer in ih­rer SMS und bei der Ver­samm­lung der Teil­neh­mer vor der Fi­lia­le auf ei­nen maßvol­len und dem ta­rif­po­li­ti­schen Cha­rak­ter ent­spre­chen­den Ab­lauf der Ak­ti­on hin­zu­wir­ken. Die Ge­fahr von Ex­zes­sen war des­halb auch bei die­ser Ak­ti­on nicht größer als bei an­de­ren Ar­beits­kampf­maßnah­men der Be­klag­ten.
Der Un­ter­las­sungs­an­trag des Klägers ist schließlich auch nicht da­durch be­gründet, dass anläss­lich der Ak­ti­on am 08.12.2007 mögli­cher­wei­se rechts­wid­ri­ge Hand­lun­gen sei­tens der Ak­ti­ons­teil­neh­mer er­folg­ten, in­dem die­se ver­derb­li­che Le­bens­mit­tel, z.B. kühl­pflich­ti­ge Wa­ren, in die Ein­kaufs­wa­gen leg­ten, oh­ne dass die Re­präsen­tan­ten der Be­klag­ten dies ver­hin­der­ten. Zum ei­nen rich­tet sich der An­trag des Klägers nicht ge­zielt auf die Un­ter­las­sung der­ar­ti­ger Hand­lun­gen. Zum an­de­ren ist nicht er­kenn­bar, dass die Be­klag­te der­ar­ti­ge Hand­lun­gen der Ak­ti­ons­teil­neh­mer ge­plant oder ge­wollt hätte (vgl. hier­zu Ur­teil des BAG vom 08.11.1988, EzA Art. 9 GG Ar­beits­kampf Nr. 91). Viel­mehr hat­te die Be­klag­te in ih­rem Auf­ruf aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass „bit­te kei­ne Frisch­wa­re“ in die Ein­kaufs­wa­gen ge­legt wer­den sol­le, was der Kläger im Rah­men sei­ner An­trags­stel­lung beim Be­ru­fungs­ge­richt zu­letzt auch berück­sich­tigt hat.
Selbst wenn im Übri­gen mit der Ak­ti­on vom 08.12.2007 in An­be­tracht al­ler Umstände, ih­rer Vor­be­rei­tung und ih­res Ab­laufs kei­ne zulässi­ge Ar­beits­kampf­maßnah­me der Be­klag­ten vor­ge­le­gen hätte, könn­te al­lein dies das Un­ter­las­sungs­be­geh­ren des Klägers nicht be­gründen, da die Be­klag­te die Möglich­keit hat, der­ar­ti­ge Ak­tio­nen, die den Streik als sol­chen nicht er­set­zen, son­dern nur ergänzen können, künf­tig um­sich­ti­ger vor­zu­be­rei­ten und da­bei et­wai­gen Ex­zess­ri­si­ken wei­test­ge­hend ent­ge­gen­zu­wir­ken. Auch des­halb war im Er­geb­nis fest­zu­stel­len, dass der Glo­balan­trag des Klägers auch Fälle ei­nes denk­ba­ren rechtsmäßigen Ver­hal­tens der Be­klag­ten um­fass­te und des­halb ins­ge­samt un­be­gründet war.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs.1 ZPO.
Die Re­vi­si­on war nach § 72 Abs.2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen, da die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge, ob Auf­ru­fe zu „Flashmob“-Ak­tio­nen der hier vor­lie­gen­den Art un­ter den ge­ge­be­nen Umständen im Ar­beits­kampf zulässig sind, von grundsätz­li­cher Be­deu­tung ist.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. der Kläger bei dem
• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung
Für d. den Be­klag­ten ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
zur Übersicht 5 Sa 967/08

References: Art. 9
 Art. 5
 Art. 9

Art. 9
 Art. 9
 § 66
 § 1004
 § 823
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 § 823
 § 1004
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 § 116
 § 11
 Art.9
 Art. 9
 Art. 9
 § 97
 § 72