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Timestamp: 2017-10-17 15:21:55+00:00

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dt. KLV - durchschnittsrendite über alle Verträge -13,8% - Wer kennt, was meint Ihr dazu? - Finanznachrichten
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ein schon etwas älterer Artikel, aber nicht minder aktuell, ausser, dass die Zahlen vielleicht noch ein bischen schlechter geworden sind.
Besonders interessant die Seiten 9-12:
Die Kapitallebensversicherung als Anlegerschädigung*
Professor Dr. Michael Adams, Universität zu Köln
Der Aufstieg der Kapitallebensversicherung als ein gemischter Vertrag mit dem
Schwerpunkt auf der Grundlage der Vermögensverwaltung zur Altersvorsor ge
muß verwundern, ist das Produkt „Kapitallebensversicherung“ doch
unrentabel, mit erheblichem Risiko verbunden und für den Durchschnittskunden
eine wirtschaftliche Fehlentscheidung. Bei Anlegung der gleichen Maßstäbe
wie sie für Kreditinstitute gelten sind die Regelungen der
Kapitallebensversicherungen über die Zillmerung, die Überschußbeteiligung,
die Offenbarung der Rückkaufswerte und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit als
Verstoß gegen das Transparenzgebot nach § 9 Abs.1 AGBG nichtig und führen
aufgrund bürgerlichrechtlicher Prospekthaftung und Verletzung der
Beratungspflichten zur Schadensersatzpflicht für das
Versicherungsunternehmen und seine Vertriebshelfer.
„Erfahrung ist der Name, den jeder seinen Irrtümern gibt.“
Im Frühjahr 1997 betrug der Bestand an Kapitalanlagen zu
Buchwerten in den Händen der Kapitallebensversicherungen rund
800 Milliarden Mark. Diese waren zu 77,9% in Geldvermögen, zu
6,1% in Aktien und 4,5% in Sachvermögen und Immobilien sowie zu
12% in sonstigem Vermögen angelegt1. Da die
Versicherungsunternehmen ein starkes Interesse am Aufbau stiller
Reserven aufweisen, verstecken sich hinter diesen Zahlen noch
weitere hunderte von Milliarden Mark an Vermögen. Zählt man zu
diesen Beträgen noch die bei den Unternehmensumstrukturierungen
nach dem Muster des Deutschen Herold2 in die Holdinggesellschaften
* Erscheint in: ZIP Oktober 1997.
1 GDV, Statistisches Rundschreiben 18/97, Kennzahlen der Lebensversicherungen, Teil C.
2 Vgl. hierzu BVerwG VersR 1994, S. 541 ff.; Präve, Die Bedeutung der Überschußbeteiligung des
Versicherungsnehmers bei der Lebensversicherung-AG für die Umbildung von
verschobenen Milliardenbeträge, ergibt sich bei vorsichtiger
Schätzung, daß das gesamte in den Händen der
Kapitallebensversicherung liegende Vermögen rund 1,1 Billionen
Mark beträgt. Mit der Anlage dieser Beträge sind die großen
deutschen Versicherungsunternehmen zu den beherrschenden
Allfinanzkonzernen der Bundesrepublik geworden3.
Die Versicherungswirtschaft beschreibt die
Kapitallebensversicherung als ein von anderen
Altersvorsorgeinstitutionen grundverschiedenes Produkt mit
besonders hoher Sicherheit, das auf möglichst rentierliche Anlage
unter Inkaufnahme von Risiken verzichte4. Der folgende Aufsatz
untersucht zunächst anhand von Beispielrechnungen eines typischen
Lebensversicherungsvertrages diese Ansicht und kommt zu dem
Ergebnis, daß Kapitallebensversicherungen weder sicher noch
rentierlich sind, sondern für den durchschnittlichen
Versicherungskunden eine deutliche Fehlinvestition darstellen. Der
zweite Teil des Aufsatzes erörtert die sich aus der ökonomischen
Analyse der Kapitallebensversicherungen ergebenden rechtlichen
II. Die Kapitallebensversicherung als gemischter Vertrag
Eine Kapitallebensversicherung ist dadurch gekennzeichnet, daß sie
zwei völlig unterschiedliche ökonomische Vorgänge zusammenpackt.
Versicherungsgruppen; ZfV 1992, S. 334 ff.; v. Hippel, Rechtlose Versicherungnehmer? NJW
1995, S. 586; Basedow, Die Kapitallebensversicherung als partiarisches Rechtsverhältnis - Eine
zivilistische Konstruktion der Überschußbeteiligung -, ZVersWiss 1992, S. 419 ff.; Lorenz,
Rechtsfragen zur Überschußbeteiligung in der Kapitallebensversicherung, ZVersWiss 1993, S.283
ff.; Baumann, Die Kapitallebensversicherung mit Überschußbeteiligung als partiarisches
Versicherungsverhältnis und ihre Bedeutung bei der Umstrukturierung von
Versicherungsgruppen, Karlsruhe 1993; Donath, Der Anspruch auf Überschußbeteiligung, AcP
1993, S. 279 ff.; Baumann, Lebensversicherung, stille Reserven und Gesamtrechtsordnung, JZ
1995, S. 446 ff.; Schünemann, Rechtsnatur und Pflichtenstruktur des Versicherungsvertrages, JZ
1995, S. 430 ff.; Weber, Die Rechtsstellung des Versicherten bei der Bestandsübertragung, Diss.
FU-Berlin 1996; Adams, Revolution im Versicherungsgewerbe, ZIP 1997, S. 1224 ff.
3 Vgl. hierzu Adams, Bankenmacht und Deutscher Juristentag - Es empfehlen sich gesetzliche
Maßnahmen zur Einschränkung des Einflusses der Kreditinstitute auf Aktiengesellschaften -,
ZIP 1996, S. 1590 m. w. N.
4 Vgl. Knauth, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Brief vom 5.6.1997 an
Abgeordnete des Wirtschaftsausschusses des Deutschen Bundestages: „Es ist daher schlicht
falsch, die in Aktien oder in Investmentzertifikate des „Pensions-Sondervermögens“ investierten
Gelder mit einer Lebensversicherung gleichzusetzen. Bei den Institutionen des
Altersversorgungssystems handelt es sich um ein aliud. Hauptzweck dieser Institutionen ist die
Altersversorgung und nicht die möglichst rentierliche, risikoreiche Kapitalanlage. Aus diesem
Grund ist es auch nicht zutreffend, ihre Tätigkeit als Kapitalanlage zu bezeichnen, vielmehr ist
diese nur Mittel zum Zweck.“
Auf der einen Seite ist sie eine Versicherung für einen Todesfall.
Darin unterscheidet sie sich in nichts von der üblichen
Risikolebensversicherung. Ein 30-jähriger nichtrauchender Mann hat
hierfür üblicherweise pro 1000.- DM Versicherungssumme 4
Promille, d.h. 4.- DM jährlich zu zahlen. Bei dem üblichen Vertrag
über 50 000 DM Todesfallsumme sind dies 200.- DM pro Jahr, ein im
Verhältnis zur Gesamtprämie einer Kapitallebensversicherung
untergeordneter Betrag.
Die zweite, wirtschaftlich im Vordergrund stehende Leistung einer
Kapitallebensversicherung ist die Vermögensverwaltung der von den
Kunden eingezahlten Spargelder5. Ökonomisch hat die
Vermögensverwaltung zwar nichts mit der Organisation der
Risikoversicherung zu tun, hat sich in Deutschland jedoch
eingebürgert, da es der Versicherungswirtschaft gelungen war, für
diese Koppelung die unbegrenzte Steuerfreiheit auf die
erwirtschafteten Zinsen zu erringen und hiermit erfolgreich zu
werben6.
III. Verzinsung und Risiko einer Kapitallebensversicherung
5 Die Versicherungswirtschaft versucht diese Bezeichnung zu vermeiden, da sie die damit
einhergehende Gefahr einer genauen Rechnungslegung gegenüber ih ren Kunden fürchtet. Da der
Kern einer Kapitallebensversicherung wirtschaftlich jedoch unbestreitbar Kapitalanlage
darstellt, versucht sie diesen Umstand mit dem scholastischen Argumentationskniff zu vernebeln,
die Kapitalanlage sei für sie nicht „wesentlich“, sondern „Mittel zum Zweck“, vgl. Knauth, GDV,
Fußnote zuvor. An der wirtschaftlichen und rechtlichen Notwendigkeit einer Kontrolle des
Kapitalanlegenden nach den hierfür allgemein vorgesehenen und wohlbegründeten Rechtsregeln
zur Offenbarungs- und Rechnungslegungspflicht ändern die Gründe, aus denen heraus jemand
für andere Menschen Geld verwaltet, nicht das Geringste.
6 Es gehört zu den Erfolgsgeheimnissen einer Marktwirtschaft, daß sie die Unternehmen
entdecken läßt, welche Güter einzeln oder in Verbindung mit anderen bei den Kunden die größte
Befriedigung hervorrufen. Die eigenartige Bündelung der Leistungen der
Kapitallebensversicherung erklärt sich jedoch nicht aus einem besonderen produktbedingten
Bündelungsvorteil, sondern aus ihrer steuerlichen Vorzugsbehandlung im Vergleich zu anderen
Sparformen, vgl. hierzu Adams, Beseitigung der steuerlich bedingten Machtzentralisierung bei
Versicherungsunternehmen durch Einführung eines "qualifizierten Kontos", ZIP 1994, S. 1434 ff.
Allerdings ist der Steuervorteil der Kapitallebensversicherung für die große Zahl der Kunden bei
genauerer Betrachtung wenig bedeutsam: Die Ersparnisse aus der Absetzbarkeit als
Sonderausgabe gemäß § 10 Abs. 1, Ziffer 2 b EStG belaufen sich im Durchschnitt der Kunden
nach Lang, Steuersubventionen und Ersparnisbildung in Lebensversicherungen, Zentrum für
Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim 1995, No. 95-13. auf 6,25 DM pro Monat, nach dem
Subventionsbericht der Bundesregierung von 1995 auf 4,11 DM pro Monat. Die Steuerfreiheit für
die Zinsen aus der Überschußbeteiligung gemäß § 20 Abs. 1, Ziffer 6 EStG ist für die Mehrzahl
der Kunden gleichermaßen unwichtig, für Großanleger allerdings von hohem, ihre Anreize zur
Kapitalflucht eindämmendem Interesse: Vorstandsvorsitzender Weigel von der Alte Leipziger
Versicherung: „Die Mehrzahl der Lebensversicherten erreicht die Freibeträge von 12200.- DM für
Verheiratete als Überschußleistung gar nicht.“, Capital 1996, Nr. 11, S. 127.
Mit der Unterschrift unter einen Kapitallebensversicherungsvertrag
erwartet den Kunden eine Verzinsung. Diese kann positiv oder
negativ sein. Erzielt ein Kunde mit seiner Sparprämie eine positive
Verzinsung, etwa von 6,8%, erhält er von dem
Versicherungsunternehmen Jahr für Jahr über die Laufzeit des
Vertrages pro Hundert Mark Vermögen 6,80 DM auf seinem Konto
gutgeschrieben. Da das Guthaben und die Zinsen auf dem Konto
verbleiben, steigt die Gesamtsumme, auf die die 6,8% bezahlt
werden, Jahr für Jahr an. Ist die Verzinsung negativ, etwa - 18%,
dann wird dem Kunden pro Hundert Mark noch vorhandenem
Vermögen Jahr für Jahr ein Betrag in Höhe von 18 DM abgezogen.
Bei Kapitallebensversicherungen besteht nun der Mißstand, daß nur
eine Gesamtprämie ausgewiesen wird, die nicht das von der
Versicherung verlangte Entgelt für die einzelnen
zusammengepackten Leistungen „Risikoausgleich“ und
„Vermögensverwaltung“ getrennt aufgegliedert ausweist7. Eine
Rechnung, das Kerngeschäft, nämlich die Rendite der vom
Versicherungskunden aufgebrachten Spargelder zwecks Vergleich
mit anderen Anlagemöglichkeiten untersuchen will, muß daher von
der Gesamtprämie der Kapitallebensversicherung die Prämie der in
ihr enthaltenen Risikolebensversicherung abziehen. In diesem
Aufsatz soll ein in der Realität und in der Werbung häufig
anzutreffender Kapitallebensversicherungsvertrag durchgerechnet
werden, der einen männlichen Nichtraucher mit einem Eintrittsalter
von 30 Jahren betrifft und über 30 Jahre mit einer Todesfallsumme
von 50000.- DM läuft. Bei einer jährlichen Prämie von 1200.- DM
sind für die Kosten der Risikoabsicherung im Jahr 4 Promille, dh.
200.- DM pro Jahr aufzubringen. Die Nettoprämie, mit der das nach
Abzug der Risikoprämie vom Kunden eingezahlte Spargeld
bezeichnet wird, beträgt somit 1000.- DM jährlich.
Der übliche und vernünftige Weg, sich der Analyse einer
Investitionsentscheidung wie dem Abschluß einer
Kapitallebensversicherung zu nähern, besteht darin zu fragen, wie
hoch denn die durchschnittliche Verzinsung der Spargelder
(Nettoprämien) ist, die die Kunden aus ihrer
Kapitallebensversicherung zu erwarten haben und wie hoch das
Risiko dieser Anlage anzusehen ist.
7 Dieser Mißstand soll durch den Entwurf eines Gesetzes zur Reform des
Versicherungsvertragsgesetzes beendet werden, vgl. ZIP 1997, S. 1258 f. sowie Kommentierung
Adams, Revolution im Versicherungsgewerbe, ZIP, 1997, S. 1224 ff.
1. Die Rendite von Kapitallebensversicherungen
Die Verzinsung einer Kapitallebensversicherung hängt entscheidend
davon ab, wie lange die einzelnen Kunden den Vertrag durchhalten.
Sie reicht im Beispielsfall von -98,83% für Versicherungsnehmer, die
nur ein Jahr den Vertrag erfüllen, bis zu 6,84% für Kunden, die bis
zum vorgesehenen Vertragsablauf durchhalten.
Zur Beschreibung der Durchschnittsverzinsung eines
Kapitallebensversicherungsvertrages soll hier der Durchschnitt der
von allen Kunden mit ihren einzelnen Verträgen erzielten Renditen
benutzt werden. Erzielt beispielsweise von zwei Verträgen einer der
Verträge eine Rendite von
-10%, der andere Vertrag jedoch eine von 6,8%, dann ist die
Durchschnittsrendite (-10 + 6, /2 = - 1,6%8.
Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer
Kapitallebensversicherung ist nun der Umstand, daß es zwei
annähernd gleich große Kundengruppen mit höchst
unterschiedlichem Schicksal gibt. Zunächst diejenigen
Versicherungsnehmer, die ihren Versicherungsvertrag bis zum Ende
vereinbarungsgemäß durchhalten, und dann diejenigen Kunden, die
ihren Vertrag vorzeitig abbrechen. Die Verzinsung ihrer Spargelder
ist für beide Gruppen dramatisch unterschiedlich.
8 Ein anderes Verfahren der Durchschnittsbildung könnte darin bestehen, nicht die Zahl der
Verträge als Gewichtungsfaktoren zu nehmen, sondern die durch das Unternehmen geschleusten
Geldsummen: würde beispielsweise der Vertrag mit der negativen Verzinsung von - 10% nur 20%
der gesamten Geldströme von insgesamt 10000 DM ausmachen, während sich der Vertrag mit
der positiven Verzinsung auf 80% des Geldstroms von 10000 DM bezöge, ergäbe sich als
summengewogener Durchschnitt (-10% * 20% * 10000)/10000 + (6,8% * 80% * 10000)/10000 =
(2000 * -10% + 8000 * 6,8%)/10000 = (- 200 + 544)/10000 = 344/10000 = 3,44%. Diese Zahl ist
jedoch eher für die Versicherungsunternehmen von Interesse, da sie die Belastung des
Unternehmens mit Auszahlungen widerspiegelt. Die Gewichtung mit den Geldsummen
beschreibt jedoch nicht die ökonomische Struktur der Projekte aus der Sicht der Anleger. Es geht
nicht darum zu messen, wie sich die durchschnittliche Geldsumme in einem
Versicherungsunternehmen verzinst, sondern ob die einzelnen Versicherungsverträge bei einem
Vergleich mit anderen Anlagemöglichkeiten einen Gewinn oder Verlust mit sich bringen. Für den
Kunden stehen die von ihm in der Hoffnung auf Gewinn getätigten Investitionsprojekte auf dem
Prüfstand, und dies sind die einzelnen Verträge. Aus diesem Grunde wurden daher nicht die
Summen, sondern die Verträge als Gewichtungsfaktoren ausgewählt, auch wenn sich die
Mittelwertbildung von Renditen über Projekte mit unterschiedlichen Laufzeiten ansonsten nicht
als sinnvolles Investitionskriterium erweist. Da jedoch auch die Barwerte errechnet wurden, wird
die Gewichtung der Rendite mit der Zahl der Verträge durch den Barwertvergleich kontrolliert.
Wie sich zeigt, sind auch die Barwerte von Kapitallebensversicherungsverträgen deutlich negativ.
Kapitallebensversicherungen erweisen sich somit nach allen finanzwirtschaftlichen
Beurteilungskriterien als verlustbringende Investitionen.
Will man somit die durchschnittliche Verzinsung berechnen, die ein
Kunde im Augenblick seiner Unterschrift unter eine
Kapitallebensversicherung zu erwarten hat, muß aus der Verzinsung
der durchhaltenden Kunden und der Verzinsung der vorzeitig
aufgebenden Kunden ein Durchschnitt errechnet werden.
Die folgende Tabelle enthält die hierfür notwendigen Angaben und
Die Tabelle ist so aufgebaut, daß sie in der Spalte 5 die
Kalenderjahre für die einzelnen Vertragsjahre unseres
Standardvertrages angibt. In unserem Beispielsfall beginnen wir im
Jahre 1979 und enden 30 Jahre später im Jahr 2009.
Wie der Spalte 2 unter dem Wort Anfangsbestand zu entnehmen ist,
wurden im Jahr 1979 4,395 Millionen neue
Kapitallebensversicherungen abgeschlossen. Nun ist aus den
Verbandsveröffentlichungen9 zu entnehmen, daß die Zahl der Stornos
Jahr für Jahr zwischen 4 und 5% des mittleren Bestandes liegt. Dies
besagt in unseren Standardfall umgerechnet, daß jedes Jahr von den
4,395 Millionen Verträgen zwischen 4 und 5% vorzeitig beendet
werden. Der Bestand von beispielsweise ursprünglich 4,395
Millionen wird somit Jahr für Jahr in Höhe der Stornoquote
dezimiert. Bei einer einfachen linearen prozentualen Betrachtung,
d.h. bei der Annahme, daß von 1979 an Jahr für Jahr der gleiche10
Prozentsatz der Kunden aufgibt, würde damit nach einem Jahr der
Bestand der noch vertragsgerecht weiterzahlenden Kunden von 4,395
Millionen auf 4,197 Millionen, und weiter nach 2 Jahren auf 4,008
Millionen sowie nach 3 Jahren auf 3,827 Millionen abgesunken sein.
9 GDV, Statistisches Rundschreiben 18/97, Kennzahlen der Lebensversicherungen, Teil A..
10 Beispielsweise hier 4,5%.
DIE RENDITE VON KAPITALLEBENSVERSICHERUNGEN
Rückkaufs-Abgänge Auszahlungen der Einzahlungen Jahr Storno-Rendite Gewichtete
werte Versicherung (Nettoprämien) quoten je Vertrag Rendite
12 DM275 DM1.134 DM2.169 DM3.380 DM4.628 DM5.992 DM7.487 DM9.016 DM10.836 DM12.668 DM14.684 DM16.879 DM19.157 DM21.611 DM24.274 DM27.038 DM30.107 DM33.447 DM37.429 DM41.385 DM45.998 DM50.994 DM55.858 DM61.164 DM66.858 DM73.026 DM79.724 DM87.793 DM98.104 DMAnfangsbestand
4.395.870
2.246.660
4.395.910
2.149.250
Am Ende der Periode Zu Beginn der Periode 1979
5.125.619 DM 4.395.870.000 1980 10% -98,83% -43444680%
81.666.246 DM 3.956.280.000 1981 7,5% -78,93% -23420110%
207.497.490 DM 3.659.560.000 1982 5,0% -42,18% -7718096%
226.254.861 DM 3.476.580.000 1983 3,0% -23,26% -2426227%
330.549.330 DM 3.372.290.000 1984 2,9% -12,94% -1265532%
424.311.062 DM 3.274.490.000 1985 2,8% -7,50% -687675%
514.991.153 DM 3.182.800.000 1986 2,7% -3,97% -341182%
602.873.370 DM 3.096.870.000 1987 2,6% -1,54% -124001%
679.913.904 DM 3.016.350.000 1988 2,5% 0,00% 0%
764.770.296 DM 2.940.940.000 1989 2,4% 1,41% 99518%
836.355.884 DM 2.870.360.000 1990 2,3% 2,31% 152506%
905.993.545 DM 2.804.340.000 1991 2,2% 3,04% 187568%
972.241.920 DM 2.742.640.000 1992 2,1% 3,64% 209664%
1.028.753.454 DM 2.685.050.000 1993 2,0% 4,07% 218559%
1.080.549.500 DM 2.631.350.000 1994 1,9% 4,43% 221500%
1.127.776.544 DM 2.581.350.000 1995 1,8% 4,74% 220220%
1.096.676.287 DM 2.534.890.000 1996 1,6% 4,96% 201178%
1.126.306.237 DM 2.494.330.000 1997 1,5% 5,18% 193784%
1.150.570.952 DM 2.456.920.000 1998 1,4% 5,38% 185072%
1.178.644.878 DM 2.422.520.000 1999 1,3% 5,65% 177919%
1.187.338.232 DM 2.391.030.000 2000 1,2% 5,80% 166402%
1.195.481.523 DM 2.362.330.000 2001 1,1% 5,99% 155680%
1.191.214.234 DM 2.336.350.000 2002 1,0% 6,17% 144131%
1.162.971.680 DM 2.312.980.000 2003 0,9% 6,25% 130125%
1.121.741.341 DM 2.292.170.000 2004 0,8% 6,33% 116092%
760.178.075 DM 2.273.830.000 2005 0,5% 6,40% 72768%
660.883.852 DM 2.262.460.000 2006 0,4% 6,47% 58554%
359.553.842 DM 2.253.410.000 2007 0,2% 6,54% 29495%
197.534.183 DM 2.248.900.000 2008 0,1% 6,65% 14963%
220.406.175.374 DM 2.246.660.000 2009 0,0% 6,84% 15367154%
Barwert bei 7,5%:
32.292.779.597DM
Barwert bei 12,1%:
11.230.322.380 DM
39.505.405.590 DM
30.628.515.011 DM
- 13,90%
Barwertverlust der Kunden bei 7,5%: 7.212.670.993 DM
Barwertverlust der Kunden pro Vertrag 1.640 DM
Barwertverlust der Kunden bei 12,1%: 19.398.192.631DM
Barwertverlust der Kunden pro Vertrag: 4.412 DM
Die Annahme einer gleichmäßigen relativen Abnahme der
Kundenzahl ist jedoch nicht realistisch. Insbesondere aufgrund
schlechter Beratung sehen sich viele Kunden gerade in den
allerersten Jahren zum Abbruch des Versicherungsvertrages
gezwungen11. Das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen
gibt daher insbesondere neu in den Versicherungsmarkt
eintretenden Versicherungsunternehmen vor, in den ersten
Vertragsjahren mit deutlich höheren Stornoquoten zu rechnen. Diese
amtlichen Stornoquoten sind in Spalte 6 angegeben: Sie sehen für
das Jahr 1980 eine 10% Abbrecherquote auf die Ende 1979
bestehenden und neu abgeschlossenen Verträge von 4,395 Millionen
Verträge vor. Die Zahl der so berechneten beendeten Verträge für
das Jahr 1980 ist in Spalte 2 unter „Abgänge“ angegeben und zeigt
deshalb als ersten Wert 439 590. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der
am Jahresende noch bestehenden weiterlaufenden Verträge für 1980
noch einen Vertragsbestand von 3,956 Millionen ausweist. Die
Abbrecherquote für das zweite Jahr, 1981, wird vom Aufsichtsamt
mit 7,5% vorgegeben. Die Zahl der in 1981 beendeten Verträge ist
damit 7,5% von 3,956 Millionen, d.h. 296 720, wie in Spalte 2
angegeben, und der Ende 1991 noch vorhandene Vertragsbestand
damit 3,659 Millionen.
Führt man diese Rechnung mit den Jahr für Jahr sinkenden
Stornoquoten bis zum vorgesehenen Vertragsende im Jahre 2009
durch, ergibt sich, daß von den ursprünglich 4,395 Millionen
Verträgen aus dem Jahr 1979 noch 2,246 Millionen übrig geblieben
sind. Die Gesamtstornoquote ist daher 48,89%, siehe Spalte 6 unten.
Knapp die Hälfte der Kunden scheidet somit vorzeitig aus.
Obwohl somit die vertragsgerecht die Kapitallebensversicherung
beendende Kundengruppe und die vorzeitig aufgebende
Kundengruppe nahezu gleich groß sind, wird in der Werbung und in
der öffentlichen Diskussion lediglich die Verzinsung der Ersparnisse
der glücklichen Kundengruppe betrachtet, die bis zum Ende
durchgehalten hat. Dies muß angesichts der fast gleichhohen
Abbrecherzahl mit unvergleichlich schlechteren Renditen zu falschen
11 Bei konstanter Prämie und steigendem Einkommen sinkt die relative Belastung der Kunden
durch die Prämie von Jahr zu Jahr und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit ihres Durchhaltens.
a) Die Rendite der durchhaltenden Versicherungskunden:
Ablaufrendite 6,84%
Unterstellt man, daß die Versicherungsunternehmen die heutigen
Überschüsse auch in Zukunft zahlen werden und nicht wieder zu den
deutlich niedrigeren Zahlen der Vergangenheit zurückkehren, ergibt
sich, daß die durchschnittliche Rendite der bis zum Vertragsende
durchhaltenden Kunden im Branchenschnitt 6,84% auf die
eingezahlten Spargelder (dh. die Nettoprämie) betrug12. Diese Zahl
ergibt sich aus Spalte 7, die die Renditen je Vertrag enthält, bei
einem Blick auf die letzte Zeile dieser Spalte: Diese weist für für das
Jahr 2009, d.h. für das dreißigste Jahr die Ablaufrendite auf die
Nettoprämie der bis zu diesem Zeitpunkt durchhaltenden Kunden als
6,84% aus.
Glaubt man jedoch, dies sei derjenige Betrag, den der
durchschnittliche Kunde aus einer Kapitallebensversicherung zu
erwarten hat, begeht man einen die Investitionsrechnung eines
durchschnittlichen Kunden völlig verfälschenden Fehler. Man
vergäße zu berücksichtigen, daß knapp die Hälfte aller Kunden den
Versicherungsvertrag vorzeitig beendet. Ließe man jedoch die
aufgebende Hälfte der Kunden außer Betracht, würde man einem
Lottospieler gleichen, der das Lottospiel für eine rentable Investition
ansieht, weil er nur auf den Gewinner des Jackpot, nicht aber auf die
Millionen Mitspieler schaut, die nichts gewinnen, wohl aber ihren
Einsatz verlieren13.
b) Die Verzinsung der vorzeitig aufgebenden Kunden
Der erste Schritt zur Berechnung14 der Rendite der aufgebenden
Kunden besteht in der Ermittlung der vom
Versicherungsunternehmen an die vorzeitig aufgebenden Kunden in
12 Nimmt man als Maßstab die gesamte Prämie von 1200.- DM (Bruttoprämie) unseres Beispiels,
die neben dem Sparbeitrag ja auch die Bezahlung der Risikoprämie von 200.- DM beinhaltet, war
die Verzinsung 5,9%. Für die Beurteilung der Leistung der Vermögensverwaltung durch den
Versicherer ist diese Zahl jedoch nicht geeignet.
13 Beklagenswerterweise gibt es eine große Zahl insbesondere armer Menschen, die diesem nicht
zuletzt von der Werbung der Lottogesellschaften geschürten Irrtum erliegen, vgl. zum Problem
der Fehlwahrnehmung bei Lotterien Adams, Fair Play! Zur Notwendigkeit eines
Gewinnillusionenbeseitigungsgesetzes, ZRP 1997, S. 314 f.
14 Dies ist mit Hilfe von Tabellenkalkulationsprogrammen, wie etwa MS-Excel, heute einfach und
schnell möglich. Zur Methode des internen Zinsfusses vgl. Süchting, Finanzmanagement, Theorie
und Politik der Unternehmensfinanzierung, 6.Aufl., 1995, S. 312 ff.; Brealey/ Myers/ Marcus,
Fundamentals of Corporate Finance, 1995, S. 141 ff.
Abhängigkeit von der Vertragsdauer des Kunden jeweils getätigten
Zahlungen. So gibt jedes Versicherungsunternehmen für jedes
einzelne Jahr nach Vertragsschluß bekannt, zu welchem Preis es
voraussichtlich bereit ist, den Kunden aus seinem Vertrag zu
entlassen, wieviel es also dem Kunden im Falle der vorzeitigen
Beendigung von seinem Sparguthaben zurückzahlen wird. Es sind
dies die sog. Rückkaufswerte. Bildet man aus den Zahlen der
wichtigsten am deutschen Markt tätigen Versicherer einen
Durchschnitt der von diesen angebotenen Rückkaufswerte, so
ergeben sich für unseren Beispielsfall mit 1200 Mark pro Jahr
eingezahlter Bruttoprämie die in Spalte 1 aufgeführten Beträge.
Die Höhe der Rückkaufswerte beträgt beispielsweise im ersten Jahr
durchschnittlich 11,6615 DM. Von einer Gesamtprämie von 1200 DM
im ersten Jahr wurden somit 200.- DM für die Risikoabsicherung
verbraucht und 1000.- DM vom Kunden angespart. Von diesen 1000.DM
auf seinem „Sparkonto“ erhält der Kunde nach einem Jahr 11,66
DM zurück. Dies entspricht einer Rendite auf die Nettoprämie von 98,83%,
wie aus Spalte 7 entnommen werden kann. Für die Kunden,
die zwei Jahre lang jedes Jahr 1000.- DM als Sparbeitrag eingezahlt,
insgesamt also 2000.- DM aufgebracht haben, hält die Branche als
Rückkaufswert durchschnittlich 275,23 DM bereit. Die jährliche
Rendite eines solchen Kunden ergibt sich dann als - 78,93 %. Von den
3000.- DM Sparbeitrag erhält der Kunde im dritten Jahr 1133,99 DM
zurück und kann damit für sich eine jährliche Verzinsung von - 42%
verbuchen. Wie man beim Weiterlesen der Spalte 7 sehen kann,
erhalten die Kunden erstmals nach 9 Jahren ohne Verluste ihr
eingezahltes Sparkapital zurück und erzielen damit eine Rendite von
0,00%16. Erst mit dem 10. Jahr (1989) erzielen die Kunden der
Kapitallebensversicherung eine positive Verzinsung von 1,41%,
erhalten also von ihrer Versicherung etwas mehr ausgezahlt, als sie
selber in Form ihrer Nettoprämie eingezahlt haben. Die Spalte 7 gibt
somit pro Vertrag in Abhängigkeit seines Beendigungszeitpunktes
dessen durchschnittliche Rendite an.
Die Stornoquoten in Spalte 6 weisen - wie dargelegt - aus, daß 10%
der Verträge im ersten, 7,5% im zweiten, 5% im dritten Jahr beendet
15 In der Tabelle wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit die Nachkommastellen weggelassen
und auf volle Markbeträge gerundet.
16 Die insgesamt gegenüber den 9000.- DM eingezahlten um 16,23 DM höhere Auszahlung führt
bei der vorgegebenen Genauigkeit von zwei Nachkommastellen immer noch zu einer Rendite von
werden. Dies besagt, daß 10% der Kunden eine Rendite von - 98,83%,
7,5% der Kunden eine Rendite von - 78,93% und 5% der Kunden eine
solche von - 42,18% zu verbuchen haben17. Verfolgt man diese Spalte
bis zum Ende sieht man, daß 51,11% aller Kunden aus dem Jahr
1979 den Vertrag durchhalten und wie vorgesehen im Jahr 2009
beenden und dann eine jährliche Rendite von 6,84% erzielt haben
Aus den Renditen pro Vertrag ist nun ein gewogener Durchschnitt zu
bilden. Die Gewichtung der Durchschnittszahlen ist in Spalte 8 zu
finden. Sie wird einfach durch die Multiplikation der Zahl der
Kunden mit der von diesen erzielten Rendite gebildet, die dann durch
die Gesamtzahl der Kunden geteilt wird. So ergibt sich in Spalte 8
für die Kunden des ersten Jahres aus 439.590 stornierenden Kunden
mit einer Rendite von - 98,83% der Gewichtungswert von 439.590 * 98,83%
= - 43.444.680%. Die 296.720 aufgebenden Kunden des
zweiten Jahres mit einer Rendite von - 78,93% tragen mit einem
Gewicht von 296.720 * - 78,93% = - 23.420.110% zur
Durchschnittsbildung bei. Die 75410 Kunden des Jahres 1988 mit
einer Verzinsung von 0,00%, bringen als Gewicht in die
Verzinsungsberechnung den Wert 0% ein. Die 2.246.660
durchhaltenden Kunden des 30ten Jahres, die mit einer Verzinsung
17 Will man wissen, was beispielsweise -78,93% Rendite pro Jahr bedeuten, die sich ergeben,
wenn ein Kunde 2 Jahre je 1000 DM Sparbeitrag an die Versicherung zahlt und bei
Vertragsbeendigung dann 275 DM Rückkaufswert erhält, muß man lediglich die einzelnen
Zahlungen nachverfolgen, nachdem man sich zuerst klar gemacht hat, wie sich ein positiver Zins
errechnen würde: Im ersten Jahr zahlt beispielsweise eine solcher Kunde 1000 DM an die
Versicherung. Würde er +10% Zinsen bekommen, hätte ein Kunde nach einem Jahr sein Kapital
zuzüglich Zinsen in den Händen: 1000 + 1000* 10% = 1100.- DM. Bei einer negativen Verzinsung
sieht die Rechnung entsprechend aus: Auch hier zahlt der Kunde im ersten Jahr 1000 DM an die
Versicherung. Nach einem Jahr hat er dann bei einem Zinssatz von -79% hiervon noch 10000,79*
1000 = 210 DM. Nach einem weiteren Jahr mit einem derartigen Zinssatz verbleiben ihm
hiervon nur noch 210 - 0,79* 210 = 210 - 165,90 = 44.10 DM. Im zweiten Jahr zahlte der
Versicherungskunde jedoch wieder 1000 DM ein. Auch von diesem Geld hat er bei -78,93% Zinsen
am Jahresende noch 210 DM. Beide Beträge (210 DM und 44 DM) ergeben zusammen den
Rückkaufswert von 254 DM nach zwei Jahren Vertragsdauer. Die Differenz zu den von den
Versicherungen tatsächlich gezahlten 275 beruht auf unterjähriger Verzinsung. Die Versicherung
verlangt vertraglich, daß der Kunde seinen Beitrag am Jahresanfang vollständig bezahlt. Tut
dies der Kunde - wie üblich - nicht, wird er mit einem Abschlag bei den Auszahlungen belegt. Wie
dargelegt, wurde unser Versicherungs-Standardbeispiel mit monatlicher Zahlungsweise
gerechnet und damit der übliche Abschlag gerechnet, während die Erklärung in dieser Fußnote
mit einer einmaligen Zahlung von 1000 DM am Jahresanfang rechnete. So wäre die Rendite bei
jährlicher Zahlung höher: statt -78,93% wäre der Zinssatz -77,5%, wie das folgende Beispiel zeigt:
Im ersten Jahr zahlen die Kunden 1000 DM an die Versicherung. Nach einem Jahr haben sie bei
einem Zinssatz von -77,5% hiervon noch 1000-0,775*1000 = 225 DM. Nach einem weiteren Jahr
haben sie hiervon noch 225 - 0,775* 225 = 225 - 174,37 = 50.62 DM . Im zweiten Jahr haben sie
wieder 1000 DM eingezahlt. Von diesen haben sie am Jahresende noch 225 DM. Beide Beträge
ergeben zusammen, den Rückkaufswert von 275,62 DM.
von 6,84% gesegnet sind, haben ein Gewicht von 2.246.660 * 6,84% =
15.367.154%. Addiert man nun die Gewichte erhält man den Wert 61.104.650%
und teilt sie durch die Gesamtzahl aller Kunden in
Höhe von 4.395.010 erhält man eine gewichtete Rendite von 13,90%.
Insgesamt ergibt sich aus der Zahl der abbrechenden und
der durchhaltenden Kunden, somit eine Durchschnittsrendite über
alle Verträge von - 13,9% pro Vertrag18. In den ersten 5 Jahren seit
Vertragsbeginn geben rund ein Viertel aller Kunden auf. Ihre
jährliche Durchschnittsrendite beträgt - 56,10%.
Da der durchschnittliche Kunde nicht wissen kann, ob er zur Gruppe
der Durchhalter oder der etwa gleich großen Gruppe der stark
geschädigten Vertragsbeender gehört, unterzeichnet er somit mit der
Untschrift unter eine Kapitallebensversicherung einen persönlichen
Vermögensvernichtungsvertrag19. Vergleicht man diese Rendite mit
einem Sparbuch, das über denselben Zeitraum 3,6% gebracht hätte
oder mit einer Anlage in Monatsgeld, die 5,4% erzielt hätte, oder mit
einer Anlage in Rentenpapieren, die 7,5% Rendite aufgewiesen hätte,
oder gar mit Aktien, deren Rendite 12,1% betrug20, zeigt sich, daß die
deutschen Kapitallebensversicherungen das Geld ihrer Kunden
schlecht verwaltet oder zu wenig aus ihren höher rentierlichen
Anlagen an ihre Kunden weitergegeben haben21.
2. Der Barwert von Kapitallebensversicherungen
Ebenso wie die im vorhergehenden Abschnitt benutzte Rendite, der
„interne Zinsfuß“, wird in der Finanzierungstheorie zur Beurteilung
von Anlageentscheidungen der Barwert der mit der Anlage
ausgelösten Zahlungen herangezogen22. Der Barwert einer
Investition, wie sie der Abschluß einer Kapitallebensversicherung
darstellt, gibt an, um wieviel DM, zum heutigen Tag gerechnet, das
18 Für die richtige Interpretation dieser Zahl vgl. die Erläuterungen oben in Fn. 8.
19 Auch Versicherungen, die deutlich niedrigere Stornoraten als ihre Mitbewerber und die hier
zur Anwendung gekommenen vom Bundesaufsichtsamt vorgesehenen Stornoquoten aufweisen,
schaffen es nicht, die durchschnittliche Rendite ihrer Verträge auf bessere Werte als - 11% zu
steigern. Bei vorsichtiger, für die Versicherungsunternehmen günstiger Schätzung kann man
daher sagen, daß die durchschnittliche Rendite für Kapitallebensversicherungsverträge in
Deutschland unter - 10% liegt.
20 Stehle/Hartmond, Durchschnittsrenditen deutscher Aktien, Kredit und Kapital 1991, S. 25 ff.;
sowie die Ergebnisse von Stehle/Huber/Maier, in Capital, 1995, Nr. 11, S. 115 ff.
21 Vgl. hierzu die Kritik an der Verwendung von Buchwerten und die Verschiebung von
Vermögenswerten in Holdings bei den nicht fondsgebundenen Kapitallebensversicherun gen oben
Fn. 2.
22 Vgl. hierzu etwa Altrogge, Investition, 1991, S. 80 ff.; Süchting, Finanzmanagement, Theorie
und Politik der Unternehmensfinanzierung, 6.Aufl., 1995, S. 304 ff.
Vermögen des Anlegenden erhöht oder vermindert wird, wenn er
berücksichtigt, daß dieses Geld anderswo ebenfalls einen bestimmten
Zinsertrag erzielt hätte. Wenn man etwa sein Geld für 7,5% in
Rentenpapieren anlegen kann, hat eine Investition in eine Anlage,
die ebenfalls 7,5% erwirtschaftet, den Barwert von null, da das
eingesetzte Vermögen im Vergleich zu seiner alternativen Anlage
weder erhöht noch vermindert wird. Erhält man bei der ins Auge
genommenen Anlage eine Verzinsung von weniger als 7,5%, ist der
Barwert negativ. Der Barwert zeigt damit zuverlässig an, wieviel
Mark man - auf die Gegenwart bezogen - mehr oder weniger im
Geldbeutel im Vergleich zur nächstbesten Anlage hat.
Berechnet man den Barwert einer Kapitallebensversicherung, muß
man für die Festlegung des Vergleichszinses fragen, wie hoch denn
die Verzinsung einer im Risiko vergleichbaren Investition wäre. Da
die Versicherungsunternehmen eine langfristige Anlage anbieten
und die Gelder ihrer Kunden - wie oben dargelegt - ganz überwiegend
in Rentenpapieren23 anlegen, wäre die über längere Zeiträume
erzielte Verzinsung dieser Anlage der niedrigste angemessene
Vergleichszinssatz24. Die Rendite von Rentenpapieren betrug bei
Betrachtung von 30 Jahreszeiträumen durchschnittlich 7,5%25. Eine
Rückkaufswertproblematik gibt es bei Rentenpapieren nicht26.
23 Die nichtfondsgebundenen Kapitallebensversicherungen sind somit von zwei Problemkreisen
geplagt: Auf der einen Seite die aus der Vermögensvermischung und -verschiebung enstehenden
Gefahren für die Kunden, die es durch die gesetzliche Einführung von Sondervermögen nach dem
Muster des KAAG zu lösen gilt, „das Treuhänderproblem“, (vgl. hierzu der SPD-Gesetzentwurf
ZIP 1997, S. 1258 f. sowie dessen Kommentierung in: Adams, Revolution im
Versicherungsgewerbe, ZIP 1997, S. 1224 ff.). Auf der anderen Seite die veraltete, die modernen
Anlagestrategien vernachlässigende Anlagepolitik der deutschen Versicherungsunternehmen, die
bei weitem zu wenig in hochrentierliches Produktivkapital investiert haben, ohne hieran
gesetzlich gehindert zu sein, das „Anlageproblem“. So wäre auch für nicht fondsgebunde
Versicherungen ein maximaler Anteil von bis zu 35% höherrentierlichen Aktien am
Deckungskapital möglich. Die Versicherungskunden bezahlen diese Torheit mit niedrigeren
Renditen, die deutschen Unternehmen mit hohen Kosten für Risikokapital.
24 Der Umstand, daß Kapitallebensversicherungen aufgrund der hohen Stornoraten mit niedrigen
Rückkaufswerten eine risikoreiche Anlage darstellen, führt auf funktionsfähigen Märkten mit
professionellen Teilnehmern, wie sie die organisierten Börsen darstellen, zu erhöhten
risikokompensierenden Zinssätzen. An dieser Stelle soll das höhere Risiko der
Kapitallebensversicherung noch außer Betracht bleiben. Es handelt sich hierbei also um eine für
den Renditeausweis der Kapitallebensversicherung günstige Annahme.
25 Vgl. Stehle/Hartmond, Durchschnittsrenditen deutscher Aktien, Kredit und Kapital 1991, S. 25
ff.; Stehle/Huber/Maier, in Capital, 1995, Nr. 11, S. 115 ff.
26 So ist es möglich, heute für 1 Million DM Rentenpapiere zu kaufen und diese nach 7 Monaten
zu verkaufen, während ein solcher Vorgang bei einer Kapitallebensversicherung bekanntlich mit
einem Verlust von 98,8% des eingesetzten Geldes verbunden wäre. Zinsänderungen können
jedoch auch bei Rentenpapieren zu Verlusten führen, wenn die Anleihen vor Fälligkeit verkauft
werden. Diese erreichen jedoch bei weitem nicht die Höhe der Rückkaufswertverluste.
Nimmt man trotz des höheren Risikos einer
Kapitallebensversicherung als Vergleichszinssatz lediglich die
Rendite von Rentenpapieren, ergibt sich schon auf den ersten Blick,
daß der Barwert für Kapitallebensversicherung negativ sein muß, da
die höchstmögliche Rendite nach Ablauf von 30 Jahren 6,84%
beträgt, ansonsten jedoch deutlich niedriger ist. Bei einer Anlage in
Rentenpapieren ist die Verzinsung jedoch für alle Kunden
unabhängig von der Vertragsdauer im Durchschnitt 7,5%. Bei einer
Abzinsung mit dem Zinssatz von Rentenpapieren27 ergibt sich somit,
daß der Barwertverlust für die Kunden des Beispielsfalles 7,21
Milliarden Mark beträgt. Rechnet man diesen Verlust auf den
einzelnen Vertrag um, ergibt sich, daß jeder einzelne Vertrag im
Augenblick der Unterschrift im Vergleich zu einer Anlage in
Rentenpapieren dem Kunden einen Verlust von 1640.- DM ins Haus
bringt. Dies entspricht in etwa den Ersparnissen der Kunden von
anderthalb Jahren. Der Marktwert einer durchschnittlichen
Kapitallebensversicherung ist somit - 1640.- DM.
Wie im nächsten Abschnitt dargelegt, übersteigen die Risiken einer
Kapitallebensversicherung deutlich diejenigen einer Anlage in
Aktien. Aktien bieten jedoch im Durchschnitt der letzten Jahrzehnte
eine Rendite von 12,1%. Es ist daher zur Berücksichtigung des
Risikos der Kapitallebensversicherung sinnvoll, ihren Barwert auch
unter der Annahme durchzurechnen, daß die Kunden ihr Geld in
Aktien mit einer Durchschnittsverzinsung von 12,1% angelegt
hätten. Es zeigt sich dann, daß der Standardvertrag jedem
Kundenjahrgang einen Verlust von 19,38 Milliarden Mark und jedem
einzelnen Kunden einen Verlust von 4412.- DM pro Vertrag beschert.
Dies entspricht immerhin den Ersparnissen der Kunden von fast
viereinhalb Jahren. Kapitallebensversicherungen stellen damit eine
27 Kapitallebensversicherungen sind durch die Steuerfreistellung ihrer Zinserträge im Falle der
12 Jahresfrist steuerlich gegenüber einer privat-selbständigen Anlage bevorzugt. Dies könnte es
notwendig machen, für die Abzinsung bei der Barwertermittlung den Nachsteuerzinssatz
einzusetzen. Mit den im Standardfall gerechneten Zahlen erreichen die Kunden mit der Höhe
ihrer jährlichen Zinseinnahmen jedoch auch bei Rentenpapieren nicht die
einkommensteuerlichen Freibeträge, vgl. hierzu Weigel oben in Fn.6. Die steuerliche
Privilegierung von Kapitallebensversicherungen greift daher nur für erheblich höhere
Vertragssummen als die üblichen Standardverträge, wie die beliebten ehemals möglichen
Policendarlehen zeigten. Da die mit 7,5% gerechneten Erträge aus Rentenpapieren nur die
Untergrenze einer sinnvollen langfristig ausgerichteten Vermögensanlage sind, erweist sich die
Verwendung des Diskontierungssatzes von 7,5% auch bei Berücksichtigung von Steuern als
vorsichtig und angemessen.
beachtliche volkswirtschaftliche Kapitalvernichtungsmaschinerie28
3. Kapitallebensversicherungen als risikoreiche Geldanlage
Von Versicherungsvertretern wird gerne allerorten in
hervorgehobener Weise behauptet, eine Kapitallebensversicherung
biete ihren Kunden eine besonders große Sicherheit und zudem eine
Mindestverzinsung von 4%. Bei einer finanzwirtschaftlichen Analyse
dieser Behauptung zeigt es sich, daß diese Behauptungen
irreführend sind29.
28 Auch wenn bei diesen Verlusten ein bestimmter Anteil lediglich eine Umverteilung zu Lasten
der Kunden darstellt, stellen insbesondere aufgrund der hohen Vertriebskosten die Verluste der
Kunden ganz überwiegend auch volkswirtschaftliche Verluste dar.
29 Zur Charakterisierung des Risikos einer einzelnen Kapitalanlage wird in der modernen
Finanztheorie die Standardabweichung ihrer Rendite als gängiges Meßverfahren eingesetzt, (vgl.
zur Erklärung dieses Streuungsmaßes etwa die Darstellung bei Süchting, Finanzmanagement,
Theorie und Politik der Unternehmensfinanzierung, 6.Aufl., 1995, S. 345 ff.;
Brealey/Myers/Marcus, Fundamentals of Corporate Finance, 1995, S. 218 ff.). Die
Standardabweichung einer Größe gibt die Streuung der tatsächlich realisierten Werte um ihren
Durchschnitt an. So war etwa für die USA in den Jahren 1926 bis 1992 die Rendite kurzfristiger
Staatspapiere 3,8%. Die Abweichung von diesem Durchschnitt in Form ihrer
Standardabweichung lag bei 3,3%. Für langfristige festverzinsliche Wertpapiere war die
durchschnittliche Rendite 5,8% mit einer Standardabweichung von 8,5%. Für Aktien lag die
Rendite bei 12,4% jährlich, und die Standardabweichung von diesem Durchschnittswert lag bei
20,6%, (Brealey/Myers/Marcus, Fundamentals of Corporate Finance, 1995, S. 218 ff. mit weiteren
Nachweisen. Die durchschnittliche Inflation in diesem Zeitraum betrug 3,2% mit einer
Standardabweichung von 4,7%).
Für die Berechnung des Risikos einer Kapitallebensversicherung unter Berücksichtigung des
Rückkaufs hat sich noch kein allgemein übliches Meßverfahren durchgesetzt, da über die
theoretische Behandlung des Rückkaufs keine Einigkeit besteht. Ein Blick auf die ganz
erhebliche Streuung der Renditen zeigt jedoch, daß Kapitallebensversicherungen unzweifelhaft
eine höchst risikoreiche Anlage darstellen, welche Charakterisierung durch ein Meßverfahren
man auch benutzt. Will man eine Kapitallebensversicherung durch eine Standardabweichung
ihrer Renditen charakterisieren, so ergibt sich, daß die durchschnittliche
Kapitallebensversicherung eine Standardabweichung von 36,38% aufweist. Die
Standardabweichung einer Kapitallebensversicherung ist damit fast doppelt so hoch wie diejenige
einer Aktie, die den Anlegern für dieses Risiko eine Rendite von 12,1% jährlich bietet. Die
Standardabweichung auf die Barerwartungswerte beträgt 134.- DM bei einem
Durchschnittsbarwert von 1640.- DM.
Da Kapitallebensversicherungen Teil eines Vermögensportfolios darstellen, mißt sich ihr Risiko
für diversifizierte Anleger auf der Grundlage des in der Finanzwirtschaft üblicherweise
verwendeten, mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Capital Asset Pricing Models
(Alexander/Sharpe/Bailey, Fundamentals of Investment, 2. Aufl., 1993, S. 217 ff.; Brealey/
Myers/ Marcus, Fundamentals of Corporate Finance, 1995, S. 248 ff.) nach der Höhe ihres
„betas“. Beta gibt die Kovarianz des Vermögensgegenstandes im Verhältnis zur Varianz des
Marktportfolios wieder, (Alexander/Sharpe/Bailey, Fundamentals of Investment, 2. Aufl., 1993,
S. 226 f.). Der durchschnittliche erwartete Ertrag eines Vermögensgegenstandes hängt linear von
der Höhe des betas des betroffenen Vermögensgegenstandes ab. Während das Risikomaß des
Gesamtmarkportfolios ein beta von 1 aufweist, liegt das Risiko der Kapitallebensversicherung aus
der Sicht der aufgrund von Zufallsereignissen zum Rückkauf gezwungenen Kunden ein beta
zwischen null und 1. Damit sind Kapitallebensversicherungen nach diesem Risikomaß deutlich
weniger risikoreich als Aktien. Allerdings setzt eine sinnvolle Anwendung von beta als Risikomaß
Zusammenfassend läßt sich somit festhalten, daß die Investition in
einen Kapitallebensversicherungvertrag für den durchschnittlichen
Kunden mit einem Barwertverlust und einer negativen Rendite bei
gleichzeitig erheblichem Risiko verbunden ist und damit gegenüber
Aktien oder Rentenpapieren eine nicht wettbewerbsfähige Anlage
darstellt. Der Umstand, daß Kapitallebensversicherungen dennoch
eine so breite Kundschaft finden, beruht auf einem Marktversagen,
dessen Ursache unzulängliche Beratung und die fehlende
Transparenz dieses Produktes ist. Dies muß jedoch zu rechtlichen
Konsequenzen führen.
IV. Rechtliche Schlußfolgerungen
Während die Rechtsprechung nunmehr seit Jahrzehnten gegenüber
den Kreditinstituten30 das AGB-Gesetz sinnvoll zur Korrektur von
Marktunvollkommenheiten31 einsetzt, hat sie gegenüber den
Versicherungsunternehmen trotz ungleich größerer angreifbarer
Mißstände bemerkenswerte Zurückhaltung gezeigt32. Insbesondere
voraus, daß die Kunden bereits hinreichend gut diversifiziert sind. Eine hinreichende
Diversifizierung wird jedoch von einer großen Zahl der über kleinere Beitragssummen
abschließenden Kunden (Alexander/Sharpe/Bailey, Fundamentals of Investment, 2. Aufl., 1993,
S. 226 f.) nicht erreicht, so daß Streuungsmaße wie etwa die Standardabweichung ihnen eine
bessere Risikobeurteilung ihrer Kapitallebensversicherung erlaubt, die die
Kapitallebensversicherung jedoch als riskanter als Aktien ausweist.
Allerdings setzt eine sinnvolle Anwendung von beta als Risikomaß voraus, daß die Kunden
bereits hinreichend gut diversifiziert sind. Eine hinreichende Diversifizierung wird jedoch von
einer großen Zahl der über kleinere Beitragssummen abschließenden Kunden (vgl.
Baxter/Jermann, The International Diversification Puzzle Is Worse Than You Think, American
Economic Review, 1997, S.170 ff.) sicher nicht erreicht, so daß ihnen die Standardabweichung
eine bessere Risikobeurteilung ihrer Kapitallebensversicherung erlaubt, die wiederum die
Kapitallebensversicherung als erheblich riskanter als Aktien ausweist.
Es kann jedoch für diversifizierte wie nichtdiversifizierte Kunden festgehalten werden, daß
Kapitallebensversicherungen risikoreicher als Rentenpapiere sind, da sie das besondere Risiko
niedriger Rückkaufswerte aufweisen, dessen Verwirklichung mit den Marktrisiken
(Arbeitslosigkeit) und anderen Notlagen auf der Ebene des Individuums zusammen geht. Dies
wiederum besagt, daß Kapitallebensversicherungen zumindest die durchschnittliche Verzinsung
von Rentenpapieren in Höhe von 7,5% aufweisen müßten, einen Wert den sie bei weitem
30 Vgl. hierzu umfassend Köndgen, Bankgebühren - Ökonomie und Recht kreditwirtschaftlicher
Entgeltgestaltung, ZBB 1997, S. 117 ff. m.w. N.
31 Zur theoretischen Grundlage vgl. Adams, Ökonomische Analyse des Gesetzes zur Regelung des
Rechts der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, in: M. Neumann (Hrsg.) Ansprüche, Eigentumsund
Verfügungsrechte, Schriften des Vereins für Socialpolitik Band 140, 1984, S. 655 ff.; Adams,
Ökonomische Begründung des AGB-Gesetzes - Verträge bei asymmetrischer Information - BB
1989, S. 781 ff.
32 Einen gewissen Höhepunkt in der Aneigungsfreigabe von Kundenvermögen stellt die
Entscheidung im Fall Deutscher Herold dar. Dort hatte die Deutscher Herold
Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft im Jahre 1988 ihren gesamten Versicherungsbestand auf
eine eigens dafür gegründete Tochtergesellschaft übertragen. Nach Durchführung der
Bestandsübertragung firmierte die Deutscher Herold Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft
das neuere Urteil des IV. Senats des Bundesgerichtshofs zur Frage
der Überschußbeteiligung bei Kapitallebensversicherungen33 hat die
Versicherungskunden praktisch rechtlos gestellt, indem das Gericht fälschlicherweise34
- annahm, der Geschäftsplan sei lediglich nach
öffentlichem Recht zu beurteilen. Damit war den Kunden eine
erfolgversprechende Kontrolle der Mißbräuche bei
Kapitallebensversicherungen durch das AGB-Gesetz genommen. Daß
eine derartige Kontrolle bei Zugrundelegung derselben Maßstäbe,
wie sie für identische Geschäfte Kreditinstituten gelten, zu
einschneidenden Veränderungen in der Versicherungspraxis hätte
führen müssen, soll im folgenden dargelegt werden. Ebenso soll
gezeigt werden, daß die gegenwärtige Praxis der
Überschußbeteiligung, der Zillmerung, der Offenbarung der
Rückkaufswerte und ihrer Wahrscheinlichkeit nach der
bürgerlichrechtlichen Prospekthaftung und wegen Verletzung von
Beratungspflichten zu Schadensersatzansprüchen gegen Versicherer
und ihre Vertriebshelfer führen.
unter Deutscher Herold-AG, während sich die neugegründete Tochtergesellschaft in Deutscher
Herold Lebensversicherungs-AG umbenannte. Die Tochtergesellschaft übernahm den
Versicherungsbetrieb zu Buchwerten. Zusätzlich wurden von der Konzernmutter Deutscher
Herold-AG 1,2% der Buchwerte - insbesondere Beteiligungen - einfach zurückbehalten. Diese
Bestandsübertragung wurde 2 Tage später vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen
genehmigt. Nach der Erhebung einer Klage eines übergeleiteten Versicherungskunden wurde das
- wohl übertölpelte - Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen bei der Muttergesellschaft
vorstellig und handelte mit der Deutschen Herold-AG aus, daß bei Veräußerung der
zurückbehaltenen Anteile an verbundenen Unternehmen und Beteiligungen die Versicherten zu
90% anteilig an dem erzielten Veräußerungsgewinn zu beteiligen seien. Das sollte nur für
diejenigen Versicherten gelten, die zum Zeitpunkt der Bestandsübertragung Partner eines
gewinnberechtigten Versicherungsvertrages waren und deren Vertrag zum
Veräußerungszeitpunkt noch nicht abgelaufen war. Die vertragliche Verpflichtung zur
Gewinnbeteiligung sollte gegenstandslos werden, wenn der letzte Versicherungsvertrag, der bei
der Bestandsübertragung bestand, ausgelaufen war. Gegen diesen Vertrag wurde von zwei
geschädigten Versicherungsnehmern Widerspruch eingelegt, der wiederum von einer
Beschlußkammer des Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen zurückgewiesen wurde.
Die dagegen erhobenen Klagen wurden vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen, JZ 1995, S.
455 ff. Das Verfahren ist nunmehr beim Bundesverfassungsgericht anhängig.
Das Rezept zur Aneignung der mit dem Spargeld der Versicherten erworbenen Vermögenswerte
lautet damit wie folgt: 1. Schritt: Baue einen Bestand von Kapitallebensversicherungsverträgen
auf; 2. Schritt: Bilde „stille Reserven“, etwa durch Anteilskauf, planmäßige Abschreibungen,
Bewertung von Anlage- und Umlaufvermögen nach dem Niederstwertprinzip trotz
Wertsteigerungen; 3. Schritt: Führe eine Bestandsübertragung durch und warte bis die Verträge
ausgelaufen sind!
Es versteht sich, daß nach diesem Urteil eine Umstrukturierungswelle die
Versicherungswirtschaft durchlaufen hat. Der SPD-Gesetzentwurf zur Reform des
Versicherungsvertragsrechts, ZIP 1997, S. 1258 f. sieht daher die Rückgängigmachung dieser
Vermögensverschiebungen und eine Sonderprüfung für alle Bestandsübertragungen sowie eine
gesamtschuldnerische Haftung aller beteiligten Unternehmen vor.
33 BGH, BB 1995, S. 423 ff.
34 Vgl. die zutreffende Kritik bei Schünemann, BB 1995, S. 417 ff. und Baumann, JZ 1995, S. 446
1. Maßgeblichkeit des handelsrechtlichen Jahresabschlusses für die
Besonders bemerkenswert ist die Auffassung des
Bundesgerichtshofs, daß ein durchschnittlicher
Versicherungsnehmer erwarte, daß die handelsrechtliche
Rechnungslegung für den zu verteilenden Überschuß maßgeblich
sei35, der Kunde daher keinen Ausgleich für die Ausnutzung
handelsrechtlich zulässiger Bewertungspielräume durch das
Versicherungsunternehmen erhoffen dürfe, die mit dem
Verkehrswert der ihm zustehenden Vermögensgegenstände nicht im
entferntesten noch etwas gemein haben. Noch dürfe er bei
marktwertwidrigen, auf Buchwerte gestützten
Vermögensverschiebungen einen Schutz erhoffen.
Zunächst ist festzustellen, daß ein durchschnittlicher
Versicherungsnehmer keinesfalls wünschen würde, seine ihm vom
Versicherer versprochenen Überschüsse nach einer derartigen
Regelung festgestellt zu sehen. Desweiteren würde er durch ein
derartiges intransparentes und für Vermögensauseinandersetzungen
ungerechtes Verfahren zutiefst verblüfft und seine rechtliche
Zulässigkeit für eher ungeheuerlich halten36.
So ist das deutsche Bilanzrecht, insbesondere aufgrund des
Vorsichtsprinzips37 und der Bilanzierung zu Anschaffungskosten
trotz Wertsteigerung des betreffenden Wirtschaftsgutes, nicht für
eine ökonomisch richtige Widerspiegelung von Ansprüchen gegen
einen vermögensverwaltenden Vertragspartner geeignet, und hat
auch nicht diese Aufgabe. Insbesondere läßt das deutsche
Bilanzrecht den Auf- und Abbau von „stillen Reserven“ in einem
derartigen Umfang zu, daß eine lediglich auf die Bilanz gestützte
Entscheidung zu katastrophalen wirtschaftlichen Fehlern aufgrund
der Unbrauchbarkeit dieser Informationen führen kann.
35 „Ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer, auf dessen Verständnis es bei der Auslegung
Allgemeiner Versicherungsbedingungen ankommt (BGHZ 123, 83, 85 m. w. N.), versteht unter
dieser Regelung nicht, daß ein anderer als der sich aus dem Jahresabschluß ergebende
Überschuß verteilt werden soll.“ BGH, BB 1995, S. 423, 424.
36 Vgl. Rückle, in: Lehmann/Kirchgesser/Rückle, Versicherungsvertrag und Versicherungs-
Treuhand, Ertragsbesteuerung, Überschußermittlung und -verwendung, Nomos 1997, S.250 ff.
37 Vgl. Budde/Geißler, Beck Bil-Komm. § 252, Rz. 29 ff.
So hat Lachnit38 in praktischen Beispielen aus der
Wirschaftswirklichkeit nachgewiesen, daß stille Reserven allein in
Grundstücken und Gebäuden selbst bei vorsichtiger Schätzung das
sechsfache des Grundkapitals der Beispielsgesellschaften erreichen
konnten. Lachnit vertritt daher, gestützt auf §264 Abs. 2. S. 2 HGB
die Ansicht, daß der Jahresabschluß nur dann ein den tatsächlichen
Verhältnissen entsprechendes Bild vermitteln würde, wenn diese
stillen Reserven zumindest im Anhang angegeben würden39. Eine
solche Praxis besteht jedoch nicht. Versuche der Europäischen Union
für Versicherungsunternehmen diese ab 1998/99 einzuführen, sind
von Deutschland im Ergebnis sabotiert worden40. Deutschland hat
sich mit seinem eigenartigen, im Ergebnis nur41
Großunternehmensverwaltungen zum Schutz vor ihren Aktionären dienenden
Bilanzsystem von den Bilanzregeln in der Europäischen Union und
in den angelsächsischen Ländern abgesondert42.
38 Lachnit, „True and fair view“ und Rechnungslegung über stille Rücklagen im Jahresabschluß
von Kapitalgesellschaften, Wpg 1993, S. 193 ff. mit weiteren Nachweisen.
39 Vgl. Lachnit, Fn. 40, S.199 ff. Lachnit regt an zu bedenken, „daß in Deutschland nach Art und
Ausmaß ein großes Potential an steuerlichen Abwertungsmöglichkeiten existiert, was bei
ungenannt bleibendem Gesamtbetrag der Verzerrung die deutschen Jahresabschlüsse unter dem
Aspekt des „true and fair view“ belastet und ggf. sogar unglaubwürdig macht.“
40 Vgl. hierzu Rückle, in: Lehmann/Kirchgesser/Rückle, Versicherungsvertrag und
Versicherungs-Treuhand, Ertragsbesteuerung, Überschußermittlung und -verwendung, Nomos
1997, S.250 ff. Über den Weg einer Ausgliederung der stillen Reserven in verbundene
Unternehmen wird die ohnehin unzureichende Gesetzgebung von den
Versicherungsunternehmen weiter unterlaufen.
41 Aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips der Handelsbilanz für die Steuerbilanz gemäß § 5 Abs. 1
EStG ist die Möglichkeit der Bildung „stiller Reserven“ auch dem Mittelstand in Form von
Steuervorteilen nützlich. Das Maßgeblichkeitsprinzip ist jedoch für die Verwaltung von
Großunternehmen im Publikumsbesitz der Hebel, mit dem sie die Aktionäre über das
wirtschaftliche Geschehen in ihren Unternehmen im Dunkeln lassen. Für börsennotierte
Unternehmen muß daher das Maßgeblichkeitsprinzip aufgehoben und durch eine Steuer bilanz
und einer der Information der Aktionäre und Gläubiger dienendes Bilanzierungssystem ersetzt
42 Bemerkenswert für die rechtlich abgesicherte Machtvollkommenheit der
Unternehmensverwaltungen deutscher Publikumsgesellschaften ist auch der Umstand, daß nach der
Rechtsprechung (BGH JZ 1995,S. 458 ff.) weder die am Unternehmenserfolg in Form der
Überschußbeteiligung zumindest mit 90% beteiligten Versicherungskunden, noch die Aktionäre
des Unternehmens das Recht haben, von ihrer Unternehmensverwaltung eine der wichtigsten
wirtschaftlichen Kennziffern, die Höhe der „stillen Reserven“ zu erfahren, § 131 Abs. 3, Nr.3
AktG. Dies bleibt für die Unternehmensfinanzierung nicht ohne schädliche Folgen: da den nicht
kontrollierenden Aktionären mit dieser Vorschrift die Grundlage einer fundierten Beurteilung
des Unternehmens entzogen wird, werden sie sich auf derartige Kapitalmärkte nicht oder nur
gegen ausgleichende Risikoprämie begeben. Ohne eine Beseitigung dieser die
Unternehmensverwaltungen vor Kontrolle schützenden Vorschriften erweisen sich Klagen über den
zurückgebliebenen deutschen Kapitalmarkt als widersprüchlich, vgl. hierzu Adams, Stellungnahme zur
Aktienrechtsreform 1997“, Die Aktiengesellschaft, Die Aktienrechtsreform 1997, Sonderheft August 1997, S. 9
ff.; Adams, Stellungnahme zur Öffentlichen Anhörung des Wirtschaftsausschusses des Deutschen Bundestages
am 4. Juni 1997 zum Thema „Stärkung des Kapitalmarktes Deutschland, Förderung des
Aktiensparens und Verbesserung der Risikokapitalversorgung“.
Die praktische Unbrauchbarkeit der handelsrechtlichen
Jahresabschlüsse für Vermögensauseinandersetzungen ist von der
Rechtsprechung nicht gänzlich unbemerkt geblieben. So werden
beispielsweise Abfindungen ausscheidender Gesellschafter zu
Buchwerten von der Rechtsprechung nur unter stark
einschränkenden Bedingungen zugelassen43. Daß derartige
Buchwerte auch für die Berechnung der Ansprüche der
Versicherungskunden, deren Vermögen mit demjenigen der
Aktiengesellschaft vermischt wurde, gänzlich untauglich sind, ist bei
wirtschaftlicher Denkungsweise offensichtlich.
2. Verstoß der Regelungen der Überschußbeteiligung gegen § 9 Abs. 1
Das geltende Verfahren der Überschußermittlung zur Feststellung
der Kundenvermögen hätte niemals weiter zugelassen werden
dürfen, nachdem sich die Versicherungswirtschaft in großem Umfang
von Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit zu
Aktiengesellschaften umgewandelt und die Vermögensverwaltung
zum zentralen Leistungsbestandteil der Kapitallebensversicherung
gemacht hatte. Es handelte sich hier um eine für die Kunden
denkbar nachteilige Fehlentwicklung in der Konzeption des
Versicherungsvertrages. Während es für eine Risikoversicherung
noch nachvollziehbar ist, daß die Kunden es zulassen, daß ihre
Versicherungsprämien mit dem Vermögen der Versicherungen
vermischt werden, wenn aus demselben auch die Leistungen im
Schadensfalle beglichen werden, ist dies bei einem Vertrag, bei dem
die treuhänderische Vermögensverwaltung die entscheidende
ökonomische Leistung darstellt, nicht mehr der Fall. Zivilisierte
Rechtsordnungen sehen bei Vermögensverwaltung üblicherweise vor,
daß der Kunde einen Anspruch auf eine vom Privatvermögen des
Verwalters getrennte, auf seine Rechnung geführte
Vermögensverwaltung mit Rechnungslegung besitzt. Daß die
Kapitallebensversicherungen rechtlich nicht nach ihrem wirklichen
Geschäftsgegenstand als Kapitalanlagegesellschaft, sondern nach dem
völlig nebensächlichen Risikogeschäft als Versicherungen
weitergeführt wurden, ist ein historischer Unfall, gegen den die
Branche aus Eigennutz keine Einwände erhob. Durch Lobbyarbeit
und kunstvoll erzeugten Wortqualm gefügiger Persönlichkeiten hat
43 Vgl. hierzu Hueck, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 16. Aufl., § 34 Rz. 20 ff. m.w. N.
sie vielmehr dafür gesorgt, daß es bei diesem Mißstand bis heute
Der Versicherungsmathematiker Wolfsdorf von der Hamburg-
Mannheimer Versicherungs-AG schreibt zur
Kapitallebensversicherung, daß es charakteristisch für eine
Personenversicherung wie die Kapitallebensversicherung sei, daß
jeder Versicherungsnehmer für seine erwarteten Kosten aufkomme
und daher auch jeder Versicherungsnehmer andererseits erwarte,
daß er an dem von ihm erzeugten Gewinn beteiligt werde. Die
„gerechte“ Verteilung des Überschusses sei daher die „streng
natürliche Überschußbeteiligung.“ Hierunter sei dasjenige
Überschußbeteiligungssystem zu verstehen, das jeweils zum Ende
eines Vierteljahres den Kontributionsgewinn dem
Versicherungsnehmer gutschreibe. Eine „streng natürliche
Überschußbeteiligung“ ist dann diejenige, die ein durchschnittlicher
Kunde von seinem Versicherungsunternehmen erwartet und zugleich
diejenige, die auch ein Jurist als korrekte treuhänderische
Vermögensverwaltung bezeichnen würde. Wolfsdorf fährt dann fort,
daß „streng natürliche Überschußbeteiligungssysteme“ auf dem
deutschen Lebensversicherungsmarkt derzeit praktisch nicht
vorhanden seien44. Stattdessen sind für den Kunden nicht
nachvollziehbare, im völlig freien Ermessen der Versicherungen
liegende, zu Manipulation und Vermögensverschiebung einladende
Überschußbeteiligungssysteme vorherrschend45.
Der Bundesgerichtshof hat zu Recht festgestellt, daß die in den
Allgemeinen Versicherungsbedingungen enthaltenen Regelungen für
die Überschußbeteiligung einer richterlichen Kontrolle gemäß §§ 3,9
AGBG unterliegen46. Da es sich nach Meinung des
Bundesgerichtshofs bei den Geschäftsplänen der einzelnen
Versicherungsunternehmen um öffentlich-rechtlich charakterisierte
Vorgänge handele47, seien diese nicht nach den Grundsätzen des
44 Wolfsdorf, Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG, Hamburg, Versicherungsmathematik,
Teil 1 Personenversicherung, 1997, S. 262.
45 Vgl. hierzu Rückle, in: Lehmann/Kirchgesser/Rückle, Versicherungsvertrag und
1997, S.250 ff. m. w. N. Vgl. hierzu auch die Darstellung des Deutscher Herold-Falles oben Fn. 37
und die diesem Muster folgenden Umstrukturierungen in der Versicherungswirtschaft.
46 BGH, BB 1995, 424.
47 BGH, BB 1995, 424 f.
AGBG nachprüfbar48. Die Literatur hat diese Ansicht überzeugend
zurückgewiesen49. Seit dem 27.7.1994 wird zudem der Überschuß
ohne Beteiligung des Bundesaufsichtsamtes für das
Versicherungswesen ermittelt. Die Entscheidung des
Bundesgerichtshofs ist daher zumindest für das seit diesem
Zeitpunkt abgeschlossene Neugeschäft nicht mehr einschlägig50.
Da bereits ausführlich gezeigt wurde, daß die Regelungen der
Überschußverteilung auf der Grundlage handelsrechtlicher
Jahresabschlüsse für den Zweck der Vermögensauseinandersetzung
unbrauchbar sind, verbleibt nur festzustellen, daß die Verweisung in
den Allgemeinen Lebensversicherungsbedingungen51 oder in der
48 Der Bundesgerichtshof begründete seine Ablehnung einer AGB-Kontrolle wie folgt: „Damit
wendet sich die Revision nicht gegen die Verteilung des vom Beklagten verlangten Überschusses,
sondern gegen die Feststellung des Überschusses selbst. Denn ob zu Lasten des Überschusses
stille Reserven gebildet oder Beträge zu anderen Positionen anstatt zum Überschuß gerechnet
werden, betrifft die der Verteilung vorangehende Feststellung des Überschusses. Da die
Allgemeinen Versicherungsbedingungen und die Satzung keine Regelung darüber enthalten, wie
der Überschuß festzustellen ist, kann insoweit auch keine AGB-Kontrolle stattfinden. Einer
solchen Kontrolle fehlt der zu prüfende Gegenstand.“ Der Bundesgerichtshof hat durch diese
Argumentation die die Kunden und das Versicherungsunternehmen einzig interessierende Frage
nach der letztlichen Zuteilung der vermengt verwalteten Gelder auf Kunden und Unternehmen
aufgespalten in einen geregelten und einen ungeregelten, bei einer AGB-Kontrolle
unterschiedlichen Rechtsregeln folgenden Sachverhalt. Der Bundesgerichtshof reißt damit den
einheitlichen Lebenssachverhalt, „was erhält der Kunde von seiner Versicherung ausgezahlt, was
darf diese behalten“, in zwei voneinander angeblich trennbare unabhängige Untereinheiten
auseinander, nämlich die Feststellung der insgesamt zu zahlenden Summe und dessen
Verteilung. Da jedoch erst beide Verfahren zusammen, das Kunden und
Versicherungsunternehmen einzig interessierende Ergebnis, die Auszahlungshöhe, erzeugen, ist
diese Aufspaltung durch den Bundesgerichtshof künstlich und nicht überzeugend. Interessieren
sich beispielsweise zwei Parteien nur um die Auszahlung der einen Partei an die andere, die sich
jedoch als das Ergebnis einer Multiplikation von a mal b ergibt, so hat der Bundesgerichtshof nur
den einen Multiplikator a untersucht, diesen als untadelig bezeichnet, den anderen Multiplikator
b jedoch als nicht prüfbar bezeichnet, so daß nun aufgrund Allgemeiner Geschäft
Vielleicht nochmals in Kurzfassung die Passage:
eine genaue Quellenangabe (ggf. mit Link) wäre hilfreich ...
Hallo Finanzscout, sehe Du interessierst Dich für Diesen Part, deshalb anbei ein paar links:
http://www2.jura.uni-hamburg.de/le/dp.htm
38. Michael Adams
Die Kapitallebensversicherung als Anlegerschädigung
leider ist hier nur noch der Hinweis auf diese Schrift vorhanden,scheinbar wurde der komplette Text, den ichvor ca. 3 Jahren runtergeladen habe, gelöscht, aber den kompletten Text habt ihr ja oben. In Kurzfassung nochmals das Wichtigste beim deutschen Institut für Altersvorsorge unter:
http://www.dia-vorsorge.de/cgi-bin/fachliteratur.pl?typ=titelausgabe&inhalt=verfasser&nummer=72
Anbei die Reaktion von meinem Studienkollegen Peter Albrecht (mit dem ich Ende der siebziger Jahre in Mannheim studierte), mittlerweile Professor an der Uni Mannheim:
http://bibserv7.bib.uni-mannheim.de/madoc/volltexte/2004/254/pdf/MAMA48.pdf
Weiter nochmals Reaktion von Professor Adams:
[size=7] www.jura.uni-frankfurt.de/ifawz1/baums/Bilder_und_Daten/Arbeitspapiere/paper73.pdf#search=%22Die%20Kapitallebensversicherung%20als%20Anlegersch%C3%A4digung%2C%20adams%22 [/size]
sorry, danke für den Hinweis, der link für die Kurzfassung von Adams lautet:
http://www.dia-vorsorge.de/cgi-bin/fachliteratur.pl?typ=titelausgabe&inhalt=verfasser&nummer=169
Zitat von »"Finanzscout"«
Hi Finanzscout schau dir mal das an.
Und was meinsch ????
25.09.2006, 10:35
Zitat von »"hausbaufinanz"«
@hausbaufinanz,
kann es sein, dass id=dholz Ihr Mitgliedsname dort ist, weil sie das so schön bewerben?
Schauen Sie selber mal unter
http://www.gomopa.net/Finanzforum/Wer-kennt-was-meint-Ihr-dazu/Wer-kann-mir-zu-Globelpensionplan-etwas-sagen.html?highlight=gpp#169080
da wurde das Thema schon behandelt.
» K1-Direktor Frerichs: 300 Millionen versenkt, aber ... 24.06.2010

References: § 9
 § 10
 § 20
 § 252
 §264
 § 5
 § 131
 § 9
 § 34