Source: http://methoden.naturschutzinformationen.nrw.de/methoden/de/anleitung/NGA0
Timestamp: 2019-10-17 15:48:27+00:00

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NGA0 Felsentlw. §30/§42
deckt sich teilweise mit § 30 BNatSchG: (2) 5. offene Felsbildungen, alpine Rasen sowie Schneetälchen und Krummholzgebüsche; deckt sich teilweise mit § 42 LNatSchG: (1) 4. natürliche Felsbildungen, Höhlen und Stollen,
Bundesnaturschutzgesetz § 30 Gesetzlich geschützte Biotope: (2) 5. offene Felsbildungen, alpine Rasen sowie Schneetälchen und Krummholzgebüsche
Bundesnaturschutzgesetz § 30 Gesetzlich geschützte Biotope: 2. Offene Felsbildungen
Definition für NRW (gilt im Zusammenhang mit den u.st. definitorischen Rubriken): Basenhaltige und silikatische Felsen des Berglandes. Diese Lebensräume sind durch spezifische Flechten- und Moosüberzüge und Felsspaltengesellschaften gekennzeichnet.
Als LRT NGA0 werden Schutzwürdige und gefährdete Felsen aufgefasst, die nicht den Kartierungskriterien der FFH-Lebensraumtypen 6110 Lückige Kalk-Pionierrasen, 8210 Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation, 8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation oder 8230 Silikatfelskuppen mit Pioniervegetation entsprechen.
Es handelt sich um natürliche oder anthropogen entstandene Felsbildungen mit den aufgeführten diagnostisch relevanten Syntaxa, jedoch stets nur in fragmentrischen Ausbildungen; auch fehlt die notwendige Anzahl oder das Vorkommen der diagnostisch relevanten Arten mit einer Deckung von mindestens 1%.
Z.B. ist bei vielen natürlichen bzw. naturnahen Silikatfelsen häufig keine eindeutige Zuordnung zum LRT 8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation möglich, da es unter den höheren Pflanzen keine der diagnostisch relevanten Arten des LRT gibt. Solche Felsen werden vielfach unter NGA0 gefasst werden können.
Nur natürliche Felsen mit den aufgeführten typischen Syntaxa sind durch LNatSchG NRW § 42 (1) 4. natürliche Felsbildungen geschützt.
Naturnahe Ausprägungen anthropogen entstandener Felsen sind gleichwohl schutzwürdig und deshalb als NGA0 zu kartieren.
Solange die Felsen mindestens eine fragmentarische Ausbildung der aufgeführten Syntaxa an einzelnen dafür geeigneten Biotopstrukturen aufweisen, kann der LRT NGA0 noch angesprochen werden. Im Regelfall sind dann auch einzelne der diagnostisch relevanten Arten von NGA0 oder von verwandten FFH-LRT zumindest in wenigen Exemplaren vertreten.
Ein Verlust der LRT-Qualität des LRT NGA0 naturschutzwürdige Felsen ist bei Strukturveränderungen und Beeinträchtigung der Vegetation an den Felsen und in ihrem unmittelbaren Umfeld gegeben.
Schäden können z.B. entstehen durch Materialabbau oder Verkehrssicherungsmaßnahmen, die in den Fels eingreifen. Beeinträchtigungen der Vegetation sind möglich durch Veränderung der Lichtverhältnisse, z.B. Verbuschung besonnter Felsköpfe oder Eutrophierung durch Nährstoffeintrag, aber auch durch Freizeitnutzung, z.B. Trittschäden durch Klettersport oder Wandern. Da die Felsen in NRW meistens im Wald liegen, können sie auch durch eine lebensraumuntypische Bestockung in ihrem Umfeld beeinträchtigt werden.
Natürliche und naturnahe Felsstandorte aus unterschiedlichen Gesteinen und in allen Expositionen, mehr oder weniger ohne Bodenbildung, aber z.T. mit Felsspalten; zum Lebensraumtyp gehören trockene, meist besonnte bis frische, oft schattige Felsen und -felswände mit ihrer Felsspalten-Vegetation in allen Höhenlagen. Je nach Ausrichtung und Wasserversorgung findet man unterschiedliche Artenkombinationen.
oq = lückige Vegetationsdecke, ohne geschlossene Krautschicht, stt = Standort primär, stu = Standort sekundär, tg = moosreich, ti = flechtenreich, to = Felsvegetation, tp = Schutthaldenvegetation
Alyssum alyssoides (Kelch-Steinkraut), Asplenium adiantum-nigrum (Schwarzstieliger Streifenfarn), Asplenium ruta-muraria (Mauerraute), Asplenium septentrionale (Nördlicher Streifenfarn), Asplenium trichomanes (Braunstieliger Streifenfarn), Asplenium viride (Grünstieliger Streifenfarn), Cerastium glutinosum (Bleiches Zwerg-Hornkraut), Cerastium pumilum (Dunkles Zwerg-Hornkraut), Cotoneaster integerrimus (Gemeine Zwergmispel), Cystopteris fragilis (Zerbrechlicher Blasenfarn), Epilobium lanceolatum (Lanzettliches Weidenröschen), Festuca pallens (Blasser Schafschwingel), Galeopsis segetum (Saat-Hohlzahn), Gymnocarpium robertianum (Ruprechtsfarn), Hieracium bifidum (Gabeliges Habichtskraut), Hieracium glaucinum (Frühblühendes Habichtskraut), Hieracium schmidtii (Blasses Habichtskraut), Hylotelephium maximum (Grosse Fetthenne), Minuartia hybrida (Schmalblättrige Miere), Polygala amara subsp. brachyptera (Bitteres Kreuzblümchen), Polypodium vulgare (Gemeiner Tüpfelfarn), Saxifraga tridactylites (Finger-Steinbrech), Sedum acre (Scharfer Mauerpfeffer), Sedum album (Weisse Fetthenne), Sesleria caerulea (Sumpf-Blaugras), Vincetoxicum hirundinaria (Weisse Schwalbenwurz)
Verband: Potentillion caulescentis - PCN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Ass./Ges.: Asplenietum trichomano-rutae-murariae - ATRI (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Cystopteridion fragilis - CYN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Ass./Ges.: Asplenio viridis-Cystopteridetum fragilis - AS-CY (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Schistidion apocarpi - SCAN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Fissidention pusilli - FIPN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Ctenidion mollusci - CTMN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Acarosporion cervinae - Li-Acac-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Acrocordion conoideae - Li-Ac-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Aspicilion calcareae - Li-Aspca-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Aspicilion contortae - Li-Aspco-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Caloplacion arnoldii - Li-Ca-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Caloplacion decipientis - Li-Cd-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Collemation tuniformis - Li-Ct-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Leprarion nivalis - Li-Ln-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Rinodinion immersae - Li-Ri-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Toninion coeruleonigricantis - Li-Tc-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Verrucarion sphinctrinellae - Li-Ves-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Asplenion septentrionalis - ASN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Ass./Ges.: Sileno rupestris-Asplenietum septentrionalis - SI-AS (fragmentarische Ausbildungen)
Ass./Ges.: Asplenietum septentrionali-adianti-nigri - ASEP (fragmentarische Ausbildungen)
Moosgesellschaften:
Verband: Andreaeion rupestris - ARN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Grimmion commutatae - GRCN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Racomitrion lanuginosi - RALN-V (fragmentarische Ausbildungen)
Flechtengesellschaften:
Verband: Acarosporion sinopicae - Li-Acsi-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Crocynio membranaceae-Hypogymnion physodis - Li-C-H-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Cystocoleion nigri - Li-Cn-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Lecideion tumidae - Li-Lt-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Leprarion chlorinae - Li-Lc-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Parmelion conspersae - Li-Pc-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Porinion lectissimae - Li-Pol-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Umbilicarion hirsutae - Li-Uh-V (fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Sedo-Scleranthion biennis - S-Sb-V (fragmentarische Ausbildungen)
Ass./Ges.: Diantho gratianopolitani-Festucetum pallentis - DI-FE (fragmentarische Ausbildungen, siehe LRT 6110)
Ass./Ges.: Genisto pilosae-Callunetum - G-CA (auf Felsen, fragmentarische Ausbildungen)
Ass./Ges.: Airetum praecocis - AIR (auf Felsen, fragmentarische Ausbildungen)
Moos- und Flechtengesellschaften:
Verband: Baeomycion rufis - Li-Br-V (auf Erde, fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Cladonion sylvaticae - Li-Cs-V (auf Erde, fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Cladonion rei - Li-Clr-V (auf Erde, fragmentarische Ausbildungen)
Verband: Parmelion conspersae - Li-Pc-V (auf Felsen, fragmentarische Ausbildungen)
Abgrenzung zu LRT 6110, 8210, 8220, 8230:
Die Abgrenzung erfolgt über das Vorkommen der in den Steckbriefen aufgeführten Pflanzengesellschaften der FFH-Fels-Lebensraumtypen 6110, 8210, 8220 oder 8230 in ihrer typischen Ausbildung (i.d.R. durch ihre Charakterarten gekennzeichnet). Fragmetgesellschaften werden nicht als der jeweilige FFH-Lebensraumtyp, sondern immer als NGA0 kartiert.
Für die FFH-LRT sind auch Mindestanforderungen an frequentes Vorkommen von diagnostisch relevanten Arten formuliert. Bestände, die diese Mindestanforderungen nicht erfüllen, können ebenfalls als LRT NGA0 erfasst werden.
2016-05-18: Überarbeitung der Abgrenzungsmerkmale zu den verwandten FFH-LRT und Mindestanforderungen in den Abschnitten Definition, Abgrenzungshinweise, Kartierungshinweise
2014: Ergänzung im Bereich "Ausschließlich zulässige NRW-Biotoptypen ": GA3 = sekundärer Kalkfels, GA4 = sekundärer Silikatfels
Bislang konnten noch natürliche und naturnahe Felsen - vor allem kleinere Felsen innerhalb größerer Wälder im Mittelgebirge – kartiert werden und als Gesetzlich geschützte Biotope wurden bislang im Regelfall nur Felsen ab einer Felshöhe von 3 m erfasst. Im Rahmen der Fortschreibung muss zukünftig vom Kartierer in den Basiskarten gezielt nach Felsen gesucht werden beziehungsweise die Untere Naturschutzbehörde, Forstamt oder die Biologische Station nach naturnahen Felsen im Kartierungsgebiet befragt werden und diese dann gezielt aufgesucht werden.
Bei Vorliegen des Lebensraumtyps NGA0 werden die Felsen in jedem Fall einer Biotoptypenkartierung unterzogen.
Im Biotopkataster wird der Fels mit einer angemessenen Pufferfläche als einzelner Schutzwürdiger Biotop abgegrenzt oder in ein größeres Wald-BK-Objekt integriert.
Der Lebensraumtyp NGA0 wird in jedem Fall der Biotoptypenkartierung unterzogen. Eine Bewertung des Erhaltungszustandes erfolgt nicht.
Nur die NGA0- Biotope an natürlichen Felsen werden als gesetzlich geschützt gekennzeichnet.
In die Abgrenzung sollte der gesamte wald- und gebüschfreie Teil der Felsen einbezogen werden, wenn die dafür geeigneten Biotopstrukturen auf nennenswerter Fläche die entsprechende Vegetation tragen.
Auf ÖFS-Untersuchungsflächen werden alle vorkommenden Biotoptypen flächenscharf, somit auch alle FFH-Lebensraumtypen, erfasst und kartiert. Jeder schutzwürdige Felsen wird als homogene Fläche kartiert.
Im Biotopmonitoring (BM) wird der LRT NGA0 nicht kartiert.

References: §30
 § 30
 § 42
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