Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Bayern&Datum=24.02.2015&Aktenzeichen=10%20CS%2015.431
Timestamp: 2019-04-24 19:08:17+00:00

Document:
VGH Bayern, 24.02.2015 - 10 CS 15.431 - dejure.org
VwGO §§ 80 V 1, 88, 114 S. 1, 122 I, 146 IV 6; Bay VersG Art. 4 I Nr. 1, II 1, 2, 15 I; Bay VwVfG Art. 35 S. 1, 40; StVO §§ 21 II 1, 22 V 2; GG Art. 2 II 1, 5 III, 8 I
Eilrechtsschutz, aufschiebende Wirkung, Versammlungsbeschränkung, Demonstration, Fahrzeugkonvoi, Ermessensentscheidung, Interessenabwägung, Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, Versammlungsfreiheit, Gefahrenprognose, Verkehrssicherheit, Lärmbegrenzung, Schallimmission, Gesetzesvorbehalt, Geschwindigkeitsbegrenzung, Geschwindigkeitsbegrenzung, Geschwindigkeitsbegrenzung
Beschränkung der Versammlung wegen der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit (hier: Demonstration in Form eines "rollenden Straßentheaters")
Da die Kunstfreiheit dabei ihre Grenzen in anderen Bestimmungen des Grundgesetzes findet, die ein anderes in der Verfassungsordnung des Grundgesetzes ebenfalls wesentliches Rechtsgut schützen (…vgl. BVerfG, Urt. v. 17.6.1984 - 1 BvR 816/12 -, Rn. 39, juris), kommen Beschränkungen der Kunstfreiheit insbesondere zum Schutz des Grundrechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit nach Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG in Betracht (Bay. VGH, Beschl. v. 24.2.2015 - 10 CS 15.431 -, juris, Rn. 28).
Denn es entspricht der Lebenserfahrung, dass es zu gravierenden Verletzungen kommen kann, wenn sich Personen ungesichert auf der Ladefläche von Lastkraftwagen befinden und diese etwa plötzlich stark abbremsen müssen (vgl. Bay. VGH, Beschl. v. 24.2.2015 - 10 CS 15.431 -, juris, Rn. 27).
Die Beeinträchtigung des Versammlungsablaufs in zeitlicher Hinsicht wiegt wesentlich weniger schwer als eine Gesundheitsschädigung oder gar der Tod eines Menschen (vgl. Bay. VGH, Beschl. v. 24.2.2015 - 10 CS 15.431 -, a.a.O., Rn. 29).
Demgegenüber haben sie keine Befugnisse gegenüber Dritten (Bay. VGH, Beschl. v. 24.2.2015 - 10 CS 15.431 -, a.a.O., Rn. 16).
Gefahren, die von außen auf die Versammlung einwirken oder die auf das Verhalten von Personen zurückzuführen sind, die nicht an der Versammlung teilnehmen, sind vielmehr durch die Polizei abzuwehren (vgl. Bay. VGH, Beschl. v. 24.2.2015 - 10 CS 15.431 -, a.a.O., Rn. 16;… OVG Rheinland-Pfalz, Urt. v. 10.2.2010 - 7 A 11095/09 -, a.a.O., Rn. 32).
Insoweit ist die Ermessensausübung der Versammlungsbehörde durch die Gerichte nur eingeschränkt nach § 114 Satz 1 VwGO überprüfbar (vgl. BayVGH, B.v. 24.2.2015 - 10 CS 15.431 - juris Rn. 13;… U.v. 10.7.2018 - 10 B 17.1996 - juris Rn. 39 f.).
Ungeachtet dessen fände, selbst wenn entgegen obigen Ausführungen die Verwendung der bengalischen Feuer als "Showelement" in den Schutzbereich der Kunstfreiheit miteinbezogen würde, diese ihre Grenzen in anderen Bestimmungen des Grundgesetzes, insbesondere wie hier zum Schutz des Grundrechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit nach Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG (…vgl. BayVGH, B.v. 17.9.2009 - 10 CS 09.2309 - juris Rn. 12; B.v. 24.2.2015 - 10 CS 15.431 - juris Rn. 28;… HessVGH, U.v. 17.3.2011 - 8 A 1188/10 - juris Rn. 66).
Die Darlegungs- und Beweislast für das Vorliegen von Gründen für eine Beschränkung liegt dabei bei der Behörde (vgl. BVerfG, B.v. 20.12.2012 - 1 BvR 2794/10 - juris Rn.17;… B.v. 12.5.2010 - 1 BvR 2636/04 - juris Rn. 19)." (BayVGH, B.v.24.2.2015 - 10 CS 15.431 -, Rn. 18, juris).
Die Darlegungs- und Beweislast für das Vorliegen von Gründen für eine Beschränkung liegt dabei bei der Behörde (BayVGH, B.v. 24.2.2015 - 10 CS 15.431 - juris Rn. 18).

References: Art. 4
 Art. 35
 Art. 2
 Art. 2
 § 114
 Art. 2