Source: https://www.fahrerflucht.org/versicherung/
Timestamp: 2018-01-23 13:57:07+00:00

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Fahrerflucht und Versicherung: Die wichtigsten Infos!
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Wie wirkt sich Fahrerflucht auf die Versicherung aus?
Zahlt die Versicherung bei Fahrerflucht?
Schäden bei einem Verkehrsunfall werden in der Regel durch die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers geregelt. Begeht der Schuldige eine Fahrerflucht, kann die Versicherung die Schadensübernahme allerdings verweigern.
In Deutschland existieren verschiedene Versicherungsarten. Diese werden im folgenden Ratgeber vorgestellt.
Außerdem erfahren Sie, wie es um den Versicherungsschutz bei Fahrerflucht bestellt ist und erhalten eine Antwort auf die Frage „Zahlt die Teilkasko bei Fahrerflucht?“.
Inhalt: Wie wirkt sich Fahrerflucht auf die Versicherung aus?
1 Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
2 Die Kfz-Haftpflichtversicherung
2.1 Teilkasko-Versicherung und Fahrerflucht
2.1.1 Fahrerflucht: Teilkasko-Versicherung des Unfallverursachers
2.1.2 Fahrerflucht: Teilkasko-Versicherung des Geschädigten
2.2 Vollkasko-Versicherung und Fahrerflucht
2.2.1 Fahrerflucht: Vollkasko-Versicherung des Unfallverursachers
2.2.2 Fahrerflucht: Vollkasko-Versicherung des Geschädigten
2.3 Nach Fahrerflucht: Versicherung zahlt nicht
2.4 So machen Sie sich nicht der Fahrerflucht schuldig
2.5 Fazit: Zahlt die Versicherung bei Fahrerflucht?
Zunächst soll der Tatbestand „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“, umgangssprachlich Fahrer- oder Unfallflucht genannt, definiert werden. § 142 Strafgesetzbuch (StGB) legt außerdem das Strafmaß fest:
Durch Fahrerflucht wird die Versicherung bzw. der Versicherungsschutz beeinflusst.
Daraus wird ersichtlich, dass jeder Unfallbeteiligte verpflichtet ist, die Aufnahme seiner Personalien zu ermöglichen. Dazu muss nicht in jedem Fall die Polizei hinzugezogen werden.
Handelt es sich um einen Bagatellschaden, beispielsweise nach einem Parkrempler, können die Beteiligten ohne Beisein der Beamten die Daten austauschen. Ist der Unfallhergang bzw. der Schuldige nicht eindeutig zu identifizieren, sollte die Polizei allerdings verständigt werden.
Entfernt sich ein Beteiligter unerlaubt, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. In minder schweren Fällen kann auch eine Geldstrafe ausgesprochen werden.
Des Weiteren werden laut Bußgeldkatalog drei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg vermerkt. Auch ein Fahrverbot und in besonders schweren Fällen sogar der Fahrerlaubnisentzug sind denkbar. Zusätzlich negativ beeinflusst, wird bei Unfallflucht die Versicherung.
Wer sich als Unfallbeteiligter vor Aufnahme seiner Personalien vom Ort des Geschehens entfernt, hat strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten. Auch die Versicherung ist bei Fahrerflucht betroffen.
Seit 1965 gilt das „Gesetz über die Pflichtversicherung für Kraftfahrzeughalter“ (Pflichtversicherungsgesetz) in Deutschland. Dieses besagt, dass jeder Halter eines Fahrzeugs, welches auf öffentlichen Straßen in den Betrieb genommen wird, eine Kfz-Haftpflichtversicherung vorweisen muss. Im Wortlaut heißt es in § 1 des Pflichtversicherungsgesetzes:
Fahrerflucht: Teilkasko oder Vollkasko – welche Versicherung ist relevant?
Um ein Kfz überhaupt anmelden zu können, muss eine Versicherungsbescheinigung vorgelegt werden. Neben der Haftpflichtversicherung für Fahrzeuge existieren noch zwei weitere Versicherungsmodelle – Teilkasko und Vollkasko.
Diese werden bei einer Fahrerflucht für die Versicherung bzw. den Versicherungsschutz bedeutend. Beide Modelle sollen daher im Folgenden kurz erläutert werden:
Teilkasko-Versicherung: Sie kann zusätzlich zur Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Mit der Teilkasko werden auch Schäden am eigenen Auto abgedeckt. Darin enthalten sind unter anderem: Glasbruchschäden, Wildunfälle, Sturm- und Hagelschäden oder Diebstahl. Der Schadensfreiheitsrabatt wird allerdings nicht berücksichtigt.
Vollkasko-Versicherung: Hier sind alle Leistungen einer Teilkasko inklusive. Außerdem werden beispielsweise folgende Schäden zusätzlich versichert: Vandalismus und selbst verschuldete Unfallschäden.
Es existieren verschiedene Versicherungsanbieter, ein Vergleich lohnt sich in jedem Fall, um den besten Tarif ausfindig zu machen. Die Kosten einer Versicherung können monatlich oder halbjährlich beglichen werden, je nachdem welches Modell Sie bevorzugen. Die Höhe der Beiträge errechnet sich aus folgenden Faktoren:
Alter des Kfz
Der Schadensfreiheitsrabatt (wird anhand der Schadensfreiheitsklasse abgelesen) reduziert die Versicherungsprämie, je länger der Versicherungsnehmer schadensfrei fährt. Je länger Sie also Unfallfrei durch den Verkehr kommen, desto mehr reduzieren sich Ihre Versicherungskosten.
Vereinbaren Sie eine Selbstbeteiligung im Schadensfall, können die monatlichen Beiträge, die Sie einzahlen müssen, sinken.
Teilkasko-Versicherung und Fahrerflucht
Die Teilkasko kann bei Fahrerflucht nicht genutzt werden.
Wie wirkt sich nun eine Fahrerflucht auf die Versicherung aus? Dazu sind zwei Fälle zu unterscheiden, einmal die Auswirkungen auf den Unfallverursacher und andererseits die Konsequenzen für den Geschädigten.
In der Regel greift bei einem Unfall die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers. Die Reparatur des beschädigten Kfz wird gedeckt, Ausbesserungen am eignen Kfz trägt der Verursacher allerdings selbst.
Bezüglich der Kfz-Versicherung ändert sich bei Fahrerflucht allerdings einiges. Der Unfallflüchtige kann vom Versicherer in Regress genommen werden. Das heißt, dass die Versicherung den haftpflichtigen Schaden zunächst übernehmen wird, eine Summe von maximal 5.500 Euro aber vom Versicherungsnehmer zurückverlangen kann.
Fahrerflucht bei Teilkasko hat keine weiteren Konsequenzen, da diese sowieso keine Schäden bei selbstverursachten Unfällen übernimmt.
Als Opfer von Fahrerflucht zahlt die Teilkasko nicht, da solche Schäden nicht in der Versicherung abgedeckt sind. Der Geschädigte bleibt in der Regel auf den Kosten sitzen bzw. muss diese selbst tragen.
Fahrerflucht: Teilkasko-Versicherung des Unfallverursachers
Die Teilkasko ist von einer Fahrerflucht nicht betroffen. Für den Unfallverursacher kommt eine Schadensregulierung für das beschädigte Fahrzeug des Opfers nur über die Kfz-Haftpflichtversicherung in Frage.
Diese kann den Versicherungsnehmer allerdings in Regress nehmen, also einen Teil der Reparaturkosten (bis zu 5.500 Euro) zurückverlangen. Des Weiteren bietet ein Delikt, wie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, der Versicherung einen außerordentlichen Kündigungsgrund.
Übrigens: Bei einem Wildunfall kann keine Fahrerflucht begangen werden. Sie sollten allerdings trotzdem die Polizei oder den zuständigen Förster informieren. Dieser kann Ihnen ein Dokument zu dem Unfall ausstellen. Dieses ist für die Abrechnung über die Teilkasko-Versicherung vonnöten.
Fahrerflucht: Teilkasko-Versicherung des Geschädigten
Werden Sie Opfer einer Unfallflucht und der Täter kann nicht ermittelt werden, kann der entstandene Schaden nicht durch die Teilkasko abgerechnet werden. Schäden durch Fremdverschulden sind in der Regel nicht inbegriffen.
Verlaufen die Ermittlungen der Polizei ins Leere, bleiben Sie auf den Kosten sitzen. Auch wenn der Schuldige doch noch ausfindig gemacht wird, kann sich die Schadensregulierung über Monate hinziehen, sodass Sie in jedem Fall die Reparatur erst einmal selbst zahlen müssen.
Vollkasko-Versicherung und Fahrerflucht
Die Vollkasko kann bei Fahrerflucht vom Geschädigten in Anspruch genommen werden.
Mit einer Vollkasko-Versicherung sind in der Regel auch Schäden am Auto abgedeckt, die durch Verkehrsunfälle entstanden sind, die der Fahrer selbst zu verantworten hatte. Doch wie sieht es mit der Vollkasko bei Unfallflucht aus?
Grundsätzlich muss das Versicherungsunternehmen den Schaden bei einer Fahrerflucht nicht bezahlen. Es gibt sogenannte Ausschlüsse, die vertraglich festgesetzt werden.
In einem konkreten Fall, hat der Bundesgerichtshof (BGH) im Jahr 2012 allerdings eine Ausnahme bestätigt. Folgender Sachverhalt lag diesem Urteil zu Grunde:
Ein Fahrer fuhr mit seinem Geländewagen nachts auf einer Landstraße bei Hoyerswerda. Er kam von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Der Schaden wurde weder der Polizei, noch dem zuständigen Straßenbauamt gemeldet.
Allerdings gab er den Vorfall am Folgetag bei seiner Vollkasko-Versicherung an. Fahrerflucht wurde trotzdem angeklagt, da die zuständigen Behörden nicht informiert wurden. Das Versicherungsunternehmen verweigerte daraufhin die Übernahme der Reparaturkosten am Fahrzeug des Täters (27.000 Euro).
Der BGH entschied, dass die Versicherung trotz der Fahrerflucht für den entstandenen Schaden aufkommen muss. Zur Begründung gab die vorsitzende Richterin an, dass der Täter das Versicherungsunternehmen rechtzeitig über den Vorfall informiert hätte.
Für dieses mache es daher keinen Unterschied, ob die zuständigen Behörden informiert wurden. Generell könne bei Fahrerflucht die Versicherung allerdings den Versicherungsschutz zurücknehmen und der Verursacher müsse die Kosten dann selbst tragen.
Solche Urteile bilden allerdings, wie schon gesagt, Ausnahmen.
Bei einem Unfall mit Fahrerflucht kann die Versicherung den Vollkasko-Anspruch verweigern. Der Verursacher muss die Kosten für die Reparatur seines Fahrzeugs in diesem Fall selbst tragen.
Fahrerflucht: Vollkasko-Versicherung des Unfallverursachers
Kommt es zu einer Anzeige wegen Fahrerflucht und Sie werden für dieses Vergehen verurteilt, kann die Versicherung eine Kostenübernahme für entstandene Schäden verweigern. Dies gilt auch, wenn Sie nicht die angemessene Zeit auf den Halter gewartet haben bzw. die Polizei nicht informiert haben. § 142 StGB besagt in Absatz 2 deutlich:
Absatz 3 des genannten Paragraphen gibt an, wann der nachträglichen Feststellung genüge getan wird:
Haben Sie den Unfall also bei der Polizei gemeldet, erwartet Sie keine Anklage wegen Unfallflucht. Beachten Sie: Einfach einen Zettel mit den Kontakdaten am beschädigten Fahrzeug zu hinterlassen, reicht nicht aus.
Fahrerflucht: Vollkasko-Versicherung des Geschädigten
Die Vollkasko bei Unfallflucht in Anspruch zu nehmen, kann zu einem geringeren Schadensfreiheitsrabatt führen.
Wenn Sie an Ihrem Auto eine Beschädigung sehen, die beim Parken des Wagens noch nicht vorhanden war, können Sie davon ausgehen, dass diese fremdverschuldet wurde. Sie sollten den Vorfall unverzüglich der Polizei melden und eine „Anzeige gegen Unbekannt“ erstatten.
Wird der Täter nicht ermittelt, kann der Schaden durch Ihre Vollkasko abgerechnet werden. In dieser sind Schäden, die durch Dritte verschuldet wurden mit inbegriffen.
Doch Vorsicht: Bei einigen Versicherungen kann die Inanspruchnahme zu einer Zurückstufung bei der Schadensfreiheitsklasse führen.
Nach Fahrerflucht: Versicherung zahlt nicht
Somit ist weder die Kasko- noch die Kfz-Haftpflichtversicherung in der Pflicht, bei einem Verkehrsunfall mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort, die Kosten zu übernehmen. In den meisten Fällen sind vertraglich sogenannte Ausschlüsse definiert. Das sind zum Beispiel:
Vorsatz: Führt eine vorsätzliche Handlung zu dem Unfall, kann der Versicherungsschutz entfallen. Ähnlich verhält es sich bei Unfallflucht, da es sich um ein Vorsatzdelikt handelt. Dem Fahrer ist also bewusst, welche Konsequenzen sein Handeln haben kann.
Grobe Fahrlässigkeit: Hierbei werden die Leistungen nach Schwere des Vergehens gekürzt. So ist das Versicherungsunternehmen bei einer Fahrt unter Alkoholeinfluss ab einem Promillewert von 1,1 berechtigt, die Leistungen in vollem Umfang wegfallen zu lassen. Bei geringeren Werten, muss ein Teil der Schadenssumme hingegen übernommen werden.
Erdbeben, Kriegsereignisse, innere Unruhen, Maßnahmen der Staatsgewalt und Schäden durch Kernenergie.
Bestimmte Vorfälle können dazu führen, dass ein Versicherungsnehmer den Versicherungsschutz verliert. Eine vorsätzliche Fahrerflucht entbindet die Versicherung zum Beispiel von ihrer Leistungspflicht.
So machen Sie sich nicht der Fahrerflucht schuldig
Der Versicherungsschutz geht bei Fahrerflucht für den Täter verloren.
Im Gesetzestext zum unerlaubten Entfernen vom Unfallort ist von einer angemessenen Wartezeit die Rede. Deren Umfang hängt von der Tageszeit und den Witterungsverhältnissen ab. In der Regel sollten Sie 20-60 Minuten einplanen.
Taucht der Halter nach dieser Frist nicht auf, muss die Polizei telefonisch oder persönlich in einer Dienststelle kontaktiert werden.
Reumütigen Unfallflüchtigen räumt das Gesetz zudem die Möglichkeit einer Selbstanzeige ein. Diese wird in § 142 Absatz 4 StGB beschrieben:
Dabei muss die 24-Stunden-Frist beachtet werden. Es darf sich außerdem ausschließlich um einen „nicht erheblichen Sachschaden“ handeln. Wird aufgrund der Selbstanzeige auf ein Strafverfahren verzichtet, muss trotz (anfänglicher) Fahrerflucht die Versicherung für den Schaden aufkommen.
Fazit: Zahlt die Versicherung bei Fahrerflucht?
Wer eine Fahrerflucht begeht, verliert in der Regel seinen Versicherungsschutz. Das zählt sowohl für die Kfz-Haftpflichtversicherung als auch für eine mögliche Vollkasko-Versicherung. Wobei der Täter bei ersterer „nur“ bis zu 5.500 Euro in Regress genommen werden kann. Unfallflucht kann zudem eine fristlose Kündigung von Seiten des Versicherungsnehmers begründen.
Ein Opfer von Unfallflucht ist in der Regel nur durch eine Vollkasko-Versicherung geschützt. Besteht diese nicht, müssen die Reparaturkosten selbst getragen werden.
23. November 2016 at 10:37
Könnten Sie mir bitte das Aktenzeichen der Entscheidung des BGH (Baum bei Hoyerswerda) nennen ?
2. Mai 2017 at 11:46
das Aktenzeichen lautet: Az. IV ZR 97/11

References: § 142
 § 1
 BGH 
 § 142
 § 142
 BGH