Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=16.10.2013&Aktenzeichen=VIII%20ZR%20243/12
Timestamp: 2019-10-20 04:53:25+00:00

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BGH, 16.10.2013 - VIII ZR 243/12 - dejure.org
https://dejure.org/2013,33323
BGH, 16.10.2013 - VIII ZR 243/12 (https://dejure.org/2013,33323)
BGH, Entscheidung vom 16.10.2013 - VIII ZR 243/12 (https://dejure.org/2013,33323)
BGH, Entscheidung vom 16. Januar 2013 - VIII ZR 243/12 (https://dejure.org/2013,33323)
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StromGVV § 11; GasGVV § 11
§ 11 Abs 3 StromGVV, § 11 Abs 3 GasGVV, § 287 ZPO
Rechtsfolgen einer unzulässigen Verbrauchsschätzung
Bei unzulässiger Schätzung eines Stromversorgers muss das Gericht eine eigene Schätzung gemäß §§ 286, 287 ZPO vornehmen; §§ 11 StromGVV; 11 GasGVV
Unzulässige Schätzung des Verbrauches von Strom und Gas; unterlassene Ablesung; Selbstschätzung; Übernahme von Ablesedaten Dritter; gerichtliche Schätzung; Stromabrechnung; Gasabrechnung; Stromrechnung; Gasrechnung
Zu den Rechtsfolgen einer nach § 11 Abs. 3 StromGVV/GasGVV unzulässigen Verbrauchsschätzung
StromGVV § 11 Abs. 3; GasGVV § 11 Abs. 3
Die unzulässige Verbrauchsschätzung - und ihre Folgen für die Gas- und Stromlieferung
Die Unzulässigkeit einer Verbrauchsschätzung schließt den Zahlungsanspruch des Versorgungsunternehmens nicht aus
AG Emmerich, 22.11.2011 - 9 C 233/11
LG Kleve, 20.07.2012 - 5 S 156/11
LG Kleve, 12.12.2014 - 5 S 156/11
NJW 2014, 1298
NZM 2014, 919
§ 17 Abs. 1 StromGVV/GasGVV knüpft die Fälligkeit einer nach § 16 StromGVV/GasGVV erteilten Stromrechnung lediglich an deren Zugang beim Abnehmer und an bestimmte Fristen (st. Rspr.; Senatsurteil vom 16. Oktober 2013 - VIII ZR 243/12, juris Rn. 29; vgl. auch Senatsurteile vom 22. Oktober 1986 - VIII ZR 242/85, WM 1987, 267 unter II 2 b bb; vom 6. Dezember 1989 - VIII ZR 8/89, WM 1990, 608, unter B I 2 c;… Morell, GasGVV, Stand August 2013, F § 17 Rn. 1 ff.).
Einwände gegen die Richtigkeit einer Stromrechnung berechtigen nur unter den Voraussetzungen des § 17 Abs. 1 Satz 2 StromGVV/GasGVV zur Zahlungsverweigerung (Senatsurteil vom 16. Oktober 2013 - VIII ZR 243/12, aaO Rn. 30 mwN).
Das hat der Senat bereits in seinem Urteil vom 16. Oktober 2013 (VIII ZR 243/12, NJW 2014, 1298 Rn. 31 [zu § 40 Abs. 2 aF EnWG - jetzt Abs. 3 - iVm § 12 StromGVV in der bis zum 9. Mai 2012 geltenden Fassung]) zum Ausdruck gebracht.
Selbst wenn also die vorprozessuale Verbrauchsschätzung durch die Klägerin ggf. nicht analog § 18 StromGVV hier zulässig gewesen wäre, muss die Klägerin als Versorgungsunternehmen den tatsächlichen Verbrauch - sofern er vom Beklagten als Kunde der Klägerin bestritten wird - "nur" im gerichtlichen Verfahren zur Überzeugung des Gerichts nachweisen (BGH, Urteil vom 16.10.2013, Az.: VIII ZR 243/12, u.a. in: NJW 2014, Seiten 1298 ff.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 21.01.2009, Az.: I-3 U 28/08, u.a. in: RdE 2009, Seiten 227 f.; OLG Hamm, Urteil vom 12.01.2007, Az.: 19 U 98/06, u.a. in: NJW-RR 2007, Seiten 1650 f.; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.10.2003, Az.: 4 U 686/02, u.a. in: OLG-Report 2004, Seiten 237 ff.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 11.11.1993, Az.: 5 U 23/93, u.a. in: RdE 1994, Seiten 196 f.; LG Frankfurt/Main, Urteil vom 10.03.2005, Az.: 32 O 142/03, u.a. in: "juris").
Zum anderen dient sie nur der Beweiserleichterung für den Versorger mit dem Risiko, dass mit ihr unter Umständen nur der Mindestumfang des Anspruchs ermittelt werden kann (BGH, Urteil vom 16.10.2013, Az.: VIII ZR 243/12, u.a. in: NJW 2014, Seiten 1298 ff.; BGH, Urteil vom 05.07.1967, Az.: VIII ZR 64/65, u.a. in: BB 1969, 656; LG Frankfurt/Main, Urteil vom 10.03.2005, Az.: 32 O 142/03, u.a. in: "juris").
Auch § 11 Abs. 3 StromGVV steht einer gerichtlichen Überprüfung, ob und inwieweit die vorprozessuale Schätzung des tatsächlichen Verbrauchs durch das Versorgungsunternehmen zutrifft, nicht entgegen und hindert nicht daran, dem Versorger bei dem ihm obliegenden Nachweis des tatsächlichen Verbrauchs die Beweiserleichterung des § 287 Abs. 2 ZPO zugutekommen zu lassen (BGH, Urteil vom 16.10.2013, Az.: VIII ZR 243/12, u.a. in: NJW 2014, Seiten 1298 ff.; LG Frankfurt/Main, Urteil vom 10.03.2005, Az.: 32 O 142/03, u.a. in: "juris").
Auch das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 16.10.2013 (VIII ZR 243/12, juris) veranlasse nicht zu einer abweichenden Auffassung.
Angesichts der Entscheidung des BGH im Urteil vom 16.10.2013 (VIII ZR 243/12, juris), dass § 40 Abs. 2 EnWG a. F. den Zeitpunkt der Abrechnungspflicht regele, der aber unabhängig von der Fälligkeit des Zahlungsanspruchs sei, hätte das Amtsgericht auf § 17 Abs. 1 S. 1 StromGVV verweisen müssen, wonach die Fälligkeit eine Rechnung voraussetze.
Richtigerweise weicht das Amtsgericht auch angesichts des Urteils des Bundesgerichtshofs vom 16.10.2013 (VIII ZR 243/12, juris) nicht von seiner Einschätzung ab.
Eine solche Schätzung ist zulässig, soweit der Parteivortrag eine hinreichende Grundlage für eine tatrichterliche Schätzung des Verbrauchs bietet (BGH, Urteil vom 16. Oktober 2013 - VIII ZR 243/12, juris Tz. 21 ff.).
Ein solcher Fehler - liegt er überhaupt vor - muss aber zu einer den Kunden benachteiligenden objektiven Unrichtigkeit der Rechnung, also zu einer Zuvielforderung führen (vgl. BGH, NJW 2014, 1298, 1299, Tz. 27).
Damit wird die Fälligkeit der Gasrechnungen lediglich an deren Zugang beim Abnehmer und an bestimmte Fristen geknüpft; ob die vom Energieversorger angesetzten Werte dem tatsächlichen Verbrauch entsprechen, berührt dagegen allein die materielle Richtigkeit der Abrechnung (vgl. BGH, NJW 2014, 1298, 1299, Tz. 29 f.).
Dieser ist aber unabhängig von der Fälligkeit des sich aus der Abrechnung ergebenden Zahlungsanspruchs des Lieferanten und sagt darüber nichts aus (vgl. BGH, NJW 2014, 1298, 1299, Tz. 31).
LG Kleve, 18.05.2016 - 2 O 300/15
Ermittlung der Jahresabrechnung anhand von Schätzungen durch den Stromanbieter; …
Das Energieunternehmen muss in Fällen, in denen es mangels Ablesung den Jahresverbrauch nicht belegen kann, den seinen Schlussrechnungen zugrunde gelegten Verbrauch der Kunden gemäß §§ 286, 287 ZPO zur Überzeugung des Gerichts nachweisen (vgl. Verweis auf BGH, Urteil vom 16.10.2013, Az. VIII ZR 243/12, zitiert nach juris, Rn. 13).
Auch wenn die Jahresabschlussrechnungen auf einer Verbrauchsschätzung, zu der der Energieversorger nicht berechtigt war, beruhen, besteht die Forderung des Energieversorgers (vgl. BGH, Urteil vom 16.10.2013, Az. VIII ZR 243/12, zitiert nach juris, Rn. 13).
OLG Köln, 06.10.2014 - 19 U 31/14
Berechtigung eines Strom- und Wasserversorgers zur Einstellung der Belieferung …
Darunter sind aber nur Daten zu verstehen, die im Wege der Ablesung gewonnen worden sind (BGH, Urteil vom 16.10.2013, VIII ZR 243/12, Rz. 17, zitiert nach juris).
Eine unzulässige Verbrauchsschätzung hat nicht zur Folge, dass ein Zahlungsverweigerungsrecht besteht (BGH, Urteil vom 16.10.2013, VIII ZR 243/12 Rn. 26).
Die ernsthafte Möglichkeit eines offensichtlichen Fehlers besteht nicht bereits durch die unzulässige Abrechnung nach dem geschätzten Verbrauch (BGH, Urteil vom 16.10.2013 a. a. O. Rn. 27).

References: § 11
 § 11

§ 11
 § 11
 § 287
 § 11
 § 11
 § 11

§ 17
 § 16
 § 17
 § 17
 § 40
 § 12
 § 18
 § 11
 § 287
 BGH 
 § 40
 § 17