Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX%20ZB%20123/09
Timestamp: 2019-12-14 19:27:51+00:00

Document:
BGH, 06.05.2010 - IX ZB 123/09 - dejure.org
https://dejure.org/2010,4921
BGH, 06.05.2010 - IX ZB 123/09 (https://dejure.org/2010,4921)
BGH, Entscheidung vom 06.05.2010 - IX ZB 123/09 (https://dejure.org/2010,4921)
BGH, Entscheidung vom 06. Mai 2010 - IX ZB 123/09 (https://dejure.org/2010,4921)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2010,4921) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Rechtsgrundsätzlichkeit oder Rechtsfortbildungsbedürftigkeit hinsichtlich der Anforderungen an die Darstellung der Voraussetzungen eines Zuschlagstatbestandes nach § 3 Abs. 1 Insolvenzrechtliche Vergütungsverordnung (InsVV )
Rechtsgrundsätzlichkeit oder Rechtsfortbildungsbedürftigkeit hinsichtlich der Anforderungen an die Darstellung der Voraussetzungen eines Zuschlagstatbestandes nach § 3 Abs. 1 InsVV
Verfahrensrecht - Zuschlag Insolvenzverwalter: Darlegungspflicht und Verfahren
AG Flensburg, 15.12.2008 - 56 IN 336/02
LG Flensburg, 07.05.2009 - 5 T 8/09
cc) Bei der Frage, ob und in welcher Höhe für die konkrete Tätigkeit ein Zuschlag zu gewähren ist, kann und muss auch berücksichtigt werden, in welchem Umfang bereits für einen sich mit der hier fraglichen Tätigkeit überschneidenden Tatbestand ein Zuschlag gewährt worden ist (BGH…, Beschluss vom 11. Mai 2006, aaO Rn. 12;… vom 1. März 2007 - IX ZB 280/05, ZIP 2007, 639 Rn. 13 f; vom 6. Mai 2010 - IX ZB 123/09, ZInsO 2010, 1504 Rn. 7).
Macht der Insolvenzverwalter einen Zuschlag wegen eines erhöhten Aufwands geltend, muss er die erforderlich gewordene Tätigkeit konkret und substantiiert darlegen (BGH, Beschluss vom 16. Juni 2005 - IX ZB 285/03, ZInsO 2005, 806;… vom 7. Dezember 2006 - IX ZB 1/04, WM 2007, 551 Rn. 11; vom 6. Mai 2010 - IX ZB 123/09, ZInsO 2010, 1504 Rn. 2, 4).
Da die Vergütung des Insolvenzverwalters an dessen tatsächlichen Arbeitsaufwand anknüpft, rechtfertigt nur ein konkret darzulegender Mehraufwand, nicht jedoch die lange Verfahrensdauer als solche die Gewährung eines Zuschlags (BGH…, Beschluss vom 16. September 2010 - IX ZB 154/09, ZInsO 2010, 1949 Rn. 8; vgl. auch BGH, Beschluss vom 6. Mai 2010 - IX ZB 123/09, ZInsO 2010, 1504 Rn. 7).
Eine Bindung an bestimmte "Faustregeltabellen", wie sie die Rechtsbeschwerde wohl geltend machen will, gibt es nicht (vgl. BGH, Beschluss vom 22. März 2007 - IX ZB 201/05, ZInsO 2007, 370;… vom 14. Februar 2008 - IX ZB 181/04, ZInsO 2008, 373 Rn. 4;… vom 10. Juli 2008 - IX ZB 152/07, ZInsO 2008, 854 Rn. 6; vom 6. Mai 2010, aaO, Rn. 3).
bb) Richtiger Ansicht nach rechtfertigt eine lange Dauer des Verfahrens für sich allein keinen gesonderten Zuschlag zur Vergütung des Insolvenzverwalters (vgl. BGH, Beschluss vom 6. Mai 2010 - IX ZB 123/09, ZInsO 2010, 1504 Rn. 7;… noch offen gelassen im Beschluss vom 10. Juli 2008 - IX ZB 152/07, ZIP 2008, 1640 Rn. 10).
Erst nach einer solchen Vergleichsberechnung hätte das Beschwerdegericht entsprechend der von ihm mit Recht herangezogenen Entscheidung des Senats vom 11. Mai 2006 (…IX ZB 249/04, ZInsO 2006, 642 Rn. 12; vgl. auch BGH, Beschl. v. 6. Mai 2010 - IX ZB 123/09, ZInsO 2010, 1504 Rn. 7) eine Gesamtwürdigung der in Betracht zu ziehenden Zu- und Abschlagstatbestände vornehmen dürfen.
Die Verfahrensdauer kann einen Zuschlag rechtfertigen, wenn der Verwalter stärker als in Insolvenzverfahren allgemein üblich in Anspruch genommen worden ist (…BGH, Beschl. v. 11. Mai 2006, aaO Rn. 42; v. 6. Mai 2010, aaO;… v. 16. September 2010 - IX ZB 154/09 Rn. 8 z.V.b.).
Weist diese einen überdurchschnittlichen Umfang oder eine besondere Schwierigkeit auf, wie dies in überlangen Verfahren oft der Fall sein wird, kann dafür ein Zuschlag gewährt werden (vgl. BGH, Beschluss vom 6. Mai 2010 - IX ZB 123/09, ZInsO 2010, 1504 Rn. 7;… vom 16. September 2010 - IX ZB 154/09, WM 2010, 2085 Rn. 7 f;… vom 7. Oktober 2010, aaO;… vom 12. Mai 2011 - IX ZB 143/08, WM 2011, 1426 Rn. 20;… vom 14. Juli 2011 - IX ZB 216/09, nv Rn. 2;… vom 24. Mai 2012 - IX ZB 212/10, nv Rn. 2).
Denn in überlangen Verfahren liegen zumeist Besonderheiten des Verfahrensablaufs vor, für die unter Umständen schon andere Erhöhungstatbestände eingreifen, so dass dann keine gesonderte Erhöhung gerechtfertigt bzw. eine Gesamtschau anzustellen ist (…Haarmeyer/Wutzke/Förster, Insolvenzrechtliche Vergütung (InsVV), 4. Auflage, § 3 Rn. 58; BGH Beschluss vom 06.05.2010, Az. IX ZB 123/09, ZinsO 2010, Seite 1504; LG Göttingen, Beschluss vom 20.06.2006, Az. 10 T 32/19, ZInsO 06, Seite 930; LG N4, Beschluss vom 05.11.2007, Az. 2 T 232/07, veröffentlicht in Juris).
Ist allerdings die lange Dauer gepaart mit einer besonders aufwändigen Berichterstattung (…vgl. Haarmeyer/Wutzke/Förster, Insolvenzrechtliche Vergütung (InsVV), 4. Auflage, § 3 Rn. 65) oder ist der Verwalter durch die lange Verfahrensdauer stärker als üblich in Anspruch genommen worden (vgl. BGH Beschluss vom 06.05.2010, Az. IX ZB 123/09, ZinsO 2010, Seite 1504), so kann dies gesondert berücksichtigungsfähig sein.
Ebenso wie bei der Vergütung des Insolvenzverwalters (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 6. Mai 2010 - IX ZB 123/09, ZInsO 2010, 1504 Rn. 7;… vom 16. September 2010 - IX ZB 154/09, NZI 2010, 982 Rn. 8) kann deshalb auch beim vorläufigen Verwalter ein Zuschlag nicht allein an den Zeitablauf angeknüpft werden.
Der Bundesgerichtshof hat die Rechtsgrundsätze der Beschwerdeentscheidung durch seither ergangene Entscheidungen bestätigt (BGH, Beschl. v. 6. Mai 2010 - IX ZB 123/09, ZInsO 2010, 1504 Rn. 7;… v. 16. September 2010 - IX ZB 154/09, ZInsO 2010, 1949 Rn. 8).

References: § 3
 § 3
 § 3
 BGH 
 § 3
 BGH