Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Karenzentschaedigung_Landesarbeitsgericht-Muenchen_4Sa189-07.html
Timestamp: 2017-02-20 06:13:54+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 4 Sa 189/07
Karenzentschädigung, Arbeitslosengeld
Der Ar­beit­ge­ber kann auf die während der Zeit ei­nes nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots zu zah­len­de Ka­ren­zentschädi­gung ein vom Ar­beit­neh­mer während die­ses Zeit­raum be­zo­ge­nes Ar­beits­lo­sen­geld (in den Gren­zen der § 74c Abs. 1 HGB) nur in Höhe des "Net­to-"Aus­zah­lungs­be­tra­ges, nicht in Höhe ei­nes fik­tiv hoch­ge­rech­ne­ten "Brut­to-"Be­tra­ges des Ar­beits­lo­sen­gel­des an­rech­nen (so auch die ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts).
Hömberg, ROS als Ur­kunds­be­am­tin
- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter - Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Sch.
- Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin - Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte P.
Der, aus­weis­lich der An­ga­ben in den vor­ge­leg­ten Ge­halts­ab­rech­nun­gen, am 00.00.1947 ge­bo­re­ne Kläger war bei der Be­klag­ten im Zeit­raum vom 01.01.1995 bis 30.11.2005 als Tech­ni­ker in der For­schung und Ent­wick­lung mit ei­ner Vergütung von zu­letzt 4.380,-- € brut­to/Mo­nat zzgl. vermögens­wirk­sa­mer Leis­tun­gen von 15,-- €/Mo­nat, bei Zah­lung von 13 Gehältern/Jahr, beschäftigt. Vor Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses hat­ten die Par­tei­en un­ter dem 26.09./04.10.1994 im Rah­men ei­ner „Ver­trau­lich­keits­ver­ein­ba­rung und Wett­be­werbs­ver­bot ...“ (Anl. K2, Bl. 5 bis 7 d. A.) ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot des Klägers für die Dau­er von zwei Jah­ren ver­ein­bart, das hin­sicht­lich der Höhe des An­spruchs des Klägers auf Ka­ren­zentschädi­gung be­stimmt: 3. G. ver­pflich­tet sich, dem A. für die Dau­er die­ses Wett­be­werbs­ver­bots ei­ne Entschädi­gung von 70 % sei­ner letz­ten Bezüge von G. zu be­zah­len, zahl­bar in 24 Ra­ten je­weils am Mo­nats­en­de.
letz­te Ge­halt um mehr als 1/10 über­stei­gen oder um mehr als 1/4, wenn das Wett­be­werbs­ver­bot ei­nen Um­zug des As zur Fol­ge hat....“
Das Ar­beits­ge­richt München hat mit En­dur­teil vom 20.12.2006, das den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten am 07.02.2007 zu­ge­stellt wur­de - auf das we­gen des strei­ti­gen Vor­brin­gens so­wie der Anträge der Par­tei­en im Ers­ten Rechts­zug Be­zug ge­nom­men wird -, der Kla­ge in vol­lem Um­fang mit der Be­gründung statt­ge­ge­ben, dass der nach der wirk­sa­men ver­trag­li­chen Re­ge­lung hier­zu dem Grun­de nach ent­stan­de­ne Ka­ren­zentschädi­gungs­an­spruch dem Kläger auch in un­gekürz­ter ver­trag­li­cher Höhe zu­ste­he, da zwar, ent­ge­gen der An­sicht des Klägers, ei­ne An­rech­nung des Ar­beits­lo­sen­gel­des auf die Ka­ren­zentschädi­gung nicht von vorn­her­ein und grundsätz­lich aus­schei­de - nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sei die An­rech­nungs­vor­schrift des § 74c Abs. 1 Satz 1 HGB hier ent­spre­chend an­zu­wen­den -, je­doch eben­falls nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts im Rah­men der Re­ge­lun­gen des § 74c Abs. 1 HGB auf die Ka­ren­zentschädi-gung nur das Net­to-Ar­beits­lo­sen­geld, nicht ein fik­tiv hoch­ge­rech­ne­tes Brut­to- - 4 -
Die gemäß § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung der Be­klag­ten ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­her zulässig (§§ 66 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, 519, 520 ZPO). II.
ten der Ar­beits­lo­sig­keit in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung berück­sich­tigt wer­den (§§ 3 Satz 1 Nr. 3 SGB VI) und wie­der­um die Bun­des­agen­tur für Ar­beit wäh¬rend des Leis­tungs­be­zu­ges Beiträge hier­zu aus 80 % des Leis­tungs­ent­gelts abführt (§§ 170 Abs. 1 Nr. 2b, 166 Abs. 1 Nr. 2 SGB VI). Dies führt zwar im Er­geb­nis zu ei­ner der­je­ni­gen des ak­ti­ven Er­werbstäti­gen (nicht un-)ver­gleich­ba­ren so­zia­len Ab­si­che­rung, aber nicht da­zu, dass die öffent­lich­recht­li­che Leis­tungs­zah­lung als Lohn­er­satz­leis­tung und de­ren Er­rech­nung, nebst so­zi­al­recht­li­cher Flan­kie­rung nach ge­son­der­ten Be­stim­mun­gen, et­wa als gleich oder ana­log oder ent­spre­chend der Be­hand­lung des zi­vil­recht­lich, ar­beits­ver­trag­lich, ge­schul­de­ten Ar­beits­ent­gelts mit Ab­zug von Quel­len­steu­er und So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträgen als „Brut­to-“ und „Net­to-“ Vergütung be­trach­tet wer­den müss­te (Ein­kom­mens­steu­er wird, wie aus­geführt, al­ler­dings nicht be­zahlt). Es gibt eben nur ein Ar­beits­lo­sen­geld, nicht ein sol­ches als „Net­to-“ und als „Brut­to-“Ar­beits­lo­sen­geld.
Wei­ter und im Hin­blick auf die von der Be­klag­ten maßgeb­lich in Be­zug ge­nom­me­ne ge­setz­li­che Ent­wick­lung der Re­ge­lung des vor­ma­li­gen § 128a AFG ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass al­ler­dings § 148 SGB III vor­sah, dass dann, wenn der Ar­beits­lo­sen­geld­be­zie­her durch ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot mit sei­nem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber in sei­nen be­ruf­li­chen Ent­wick­lungsmöglich­kei­ten und Ver­mitt­lungs­op­tio­nen be­schränkt war, die­ser der Bun­des­an­stalt/-agen­tur vier­teljähr­lich 30 % des ge­zahl­ten Ar­beits­lo­sen­gel­des und auch des ent­spre­chen­den An­teils der von der Ar­beits­ver­wal­tung ge­zahl­ten Beiträge zur Kran­ken-, Pfle­ge- und Ren­ten­ver­si­che­rung zu er­stat­ten hat­te und in die­ser (re­la­tiv ge­rin­gen: 30 %) Höhe der Er­stat­tungs­pflicht der Ar­beit­neh­mer sich die­se vom Ar­beit­ge­ber er­stat­te­ten Beträge auf sei­nen Ka­ren­zentschädi­gungs­an­spruch an­rech­nen las­sen muss­te (§ 148 Abs. 1 Satz 2 SGB III aF). Die­se An­rech­nungs­re­ge­lung - die zum 01.01.2004 durch das Drit­te Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt (Hartz III) vom 23.12.2003, BGBl. I, S. 2848, auf­ge­ho­ben wur­de (weil dem mit der Prüfung der recht­li­chen Wirk­sam­keit der Wett­be­werbs­ab­re­de ver­bun­de­nen Ver­wal­tungs­auf­wand nur ei­ne ge­rin­ge Zahl von tatsächli­chen Er­stat­tungsfällen ge­genüber ge­stan­den ha­be: so von Ho­y­nin­gen-Hue­ne, aaO) - war je­doch ge­son­dert und spe­zi­fisch ge­setz­lich nor­miert- als An­rech­nungs­an­spruch des Ar­beit­ge­bers ge­genüber dem Ka­ren­zentschädi­gungs­an­spruch in Höhe - und da­mit kom­ple­mentär zu - sei­ner Er­stat­tungs­pflicht ge­genüber der Bun­des­agen­tur,- wo­bei die Höhe eben nur 30 % des er­stat­te­ten („Brut­to-“)Ar­beits­lo­sen­gel­des,in­cl. hier­auf ge­zahl­ter So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge, in die­sem Pro­zent­satz be­traf (dass das BAG die Auf­he­bung die­ser ge­setz­li­chen Re­ge­lung des § 148 SGB III zum 01.01.2004 in sei­ner Ent­schei­dung vom 23.11.2004 (aaO) über­se­hen ha­ben soll­te, wie die Be­klag­te im Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift­satz ausführen lässt, be­frem­det: ge­nau hier­auf ist un­ter Rz. 40 die­ses Ur­teils ab­ge­ho­ben ...!).
IV. Die Be­ru­fungs­kam­mer hat die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che - im Hin­blick auf die von der Be­klag­ten dar­ge­leg­te Viel­zahl ver­gleich­ba­rer nach­ver­trag­li­cher Wett­be­werbs­ver­ein­ba­run­gen al­lein in ih­rem Un­ter­neh­men - und we­gen mögli­cher Di­ver­genz zum zit. Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln (aaO) zu­ge­las­sen.
Rechts­mit­tel­be­leh­rung: Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Be­klag­te Re­vi­si­on ein­le­gen.
Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat ein­ge­legt und in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten be­gründet wer­den.Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur¬teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung des Ur­teils.
Bur­ger Bau­mann Tögel
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, al­le Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.	m.hensche.de
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 § 74
 § 74
 § 64
 § 128
 § 148
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