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Timestamp: 2018-01-23 19:50:47+00:00

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Schönberg, den 16. Oktober 1894
[ => Original lesen: 1894 Nr. 81 Seite 1]
Von der unterzeichneten Großherzogl. Landvogtei, als Vertreterin des weiteren Communalverbandes der zum Fürstenthum Ratzeburg gehörenden Gemeinden, wird in Gemäßheit des § 6a sub 3 des Reichsgesetzes vom 10. April 1892 über die Abänderung des Gesetzes, betreffend die Krankenversicherung des Arbeiter, vom 15. Juni 1883 hierdurch beschlossen:
"daß Versicherten, welche von der Gemeinde die Krankenunterstützung ununterbrochen oder im Laufe eines Zeitraumes von zwölf Monaten für dreizehn Wochen bezogen haben, bei Eintritt eines neuen Unterstützungsfalles, sofern dieser durch die gleiche nicht gehobene Krankheitsursache veranlaßt ist, im Laufe der nächsten zwölf Monate Krankenunterstützung nur für die Gesammtdauer von 13 Wochen zu gewähren ist."
Schönberg, den 10. October 1894.
- Der Kaiser wird mit dem Mitte dieses Monats in Berlin eintreffenden König von Serbien auch eine Jagd im Wildpark beim Neuen Palais vornehmen. Der Kaiser hat bestimmt, daß bei dieser Gelegenheit einer von den wenigen weißen Hirschen die sich im Wildpark befinden, abgeschossen werden soll und zwar durch seinen königl. Gast. Diese besondere Ehre wiederfuhr auch vor einigen Jahren dem König Gustav von Schweden, als derselbe als Taufpate des Prinzen Gustav am Kaiserhofe anwesend war.
- Das Kaiserpaar wird der Einweihung des restaurierten Domes von Schleswig nicht beiwohnen, sondern sich durch den Grafen v. Waldersee vertreten lassen
- Der König von Griechenland traf am Mittwoch nachmittag aus Lübeck in Hamburg ein. Wie verlautete, wollte sich der König direkt nach Korfu zum Empfange des Kaisers von Rußland begeben.
- Aus den bisherigen Mittheilungen über das beabsichtigte gesetzgeberische Vorgehen zur Bekämpfung des Umsturzes, über das etwas Genaues noch nicht bekannt ist, will man jetzt, wie der "Frankf. Ztg." aus Berlin berichtet wird, schließen, daß ein Vorgehen im Reich und in Preußen in Aussicht genommen sei: in Preußen die Einschränkung des Vereins und Versammlungsrechts, im Reich die Abänderung des § 130 des Strafgesetzbuchs und eine Novelle zur Reichsgewerbeordnung gegen das Boykott= und Kontrollmarkenwesen. Der vielgenannte § 130 des Strafgesetzbuchs lautet übrigens, wie folgt: "Wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander öffentlich anreizt, wird mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Gefängnißstrafe bis zu 2 Jahren bestraft."
- Bezüglich der Vorgänge in der Oberfeuerwerkerschule, insbesondere in Betreff des bei dem Tumult gefallenen Rufes "Hoch die Anarchie!" bringt ein Berliner Blatt eine neue Lesart, welche viel Wahrscheinlichkeit für sich hat. Hiernach soll dieser Ruf gar nicht gefallen, sondern nur auf ein Mißverständniß zurückzuführen sein. Der betreffende Unteroffizier habe nämlich gerufen: "Hoch die Artillerie!" und bei dem herrschenden Lärm sei die von dem Kommandeur, wie gesagt, mißverstanden worden. Es scheint in der That unerfindlich, wie ein altgedienter Unteroffizier, der durch seine Aufnahme in die Oberfeuerwerkerschule eine besondere Auszeichnung erfahren hat, dazu kommen sollte, das Hoch auf die verpönte Anarchie auszurufen und sich dadurch auf das schwerste strafbar zu machen. Es wäre das ganz sinnlos und so hat in der That obige Berichtigung eine hohe Wahrscheinlichkeit für sich.
- Wie aus Berlin gemeldet wird, ist vom Reichsgesundheitsamt bei der Regierung die Verstaatlichung des Betriebes des Heilserums gegen Diphterie angeregt worden. Diese Anregung dürfte indessen aus rein praktischen Gründen wenig Entgegenkommen finden, dagegen soll dem Parlament eine Vorlage, betr. die Dotirung aller staatlich geleiteten Krankenhäuser und Kliniken mit den erforderlichen Mitteln zum Ankauf des neuen Heilmittels, zugehen.
- Der mecklenburg. Landwirthschaftsrath hat in seiner am Mittwoch abgehaltenen Sitzung an der auch Prof. Sering aus Berlin theilgenommen hat, den Beschluß gefaßt, der Gesetzgebung auch für das ritterschaftliche Gebiet die Vermehrung des ländlichen Kleinbesitzes und die Ansiedelung grundbesitzender Arbeiter dringend zu empfehlen.
- Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Elsaß=Lothringer von jeher eine große Anzahl wichtiger Stellen in der französischen Armee eingenommen haben, aber man sollte es doch nicht für möglich halten, daß es jetzt noch in der französischen Armee 5 Korps=Befehlshaber, 21 Divisionsgenerale, und 37 Brigadegenerale im aktiven Dienst giebt, die in Elsaß=Lothringen geboren sind. Außerdem sind noch 21 in den nunmehrigen Reichslanden geborene Divisionsgenerale und 42 Brigadegenerale der Reserve vorhanden. Es wird kaum ein zweites Gebiet in Frankreich geben, dem eine verhältnißmäßig gleich große Zahl von Inhabern der höchsten Chargen entstammt.
- Mit der Einführung des achtstündigen Arbeitstages hat es wohl auch in England trotz der Unterstützung, welche die dortige Regierung den darauf gerichteten Bestrebungen aus Wahlinteressen zu Theil werden läßt, noch gute Wege. soeben
[ => Original lesen: 1894 Nr. 81 Seite 2]
hat sich wieder einer der größten englischen Bergwerksbesitzer, Emerson Bainbrigde, der die Sache in drei seiner Zechen praktisch versucht hat, sehr energisch gegen den gesetzlichen achtstündigen Arbeitstag ausgesprochen. Was war das Ergebniß seiner Versuche? In Zeche Nr. 1 wurden statt 500 Tons Kohlen täglich 390 gefördert in Nr. 2 statt 313 203 Tons und in Nr. 3 statt 1417 1084 Tons. Falls die Bergleute denselben Lohn bei 8stündiger Arbeit bekommen sollte, so würde sich der Produktionspreis um 1 bis 2 Schilling 6 d. (Pence) die Tonne höher stellen. Bainbrigde sagt, er wisse aus Erfahrung, und er beschäftigt 15 000 Leute, daß die allerwenigsten Arbeiter wirklich eine kürzere Arbeitszeit verlangen. Niemand aber will davon etwas wissen, sobald der Lohn geringer wird. In England verdient ein Kohlengrubenarbeiter täglich durchschnittlich 6 Sch. bis 6 Sch. 4 d., in Oesterreich 2 Sch. 8 d., in Frankreich 3 Sch. 6 d., in Belgien 2 Sch. 6 d. bis 2 Sch. 8 d., und in Deutschland 3 Sch. bis 3 Sch. 6 d. (3 Mk. bis 3,50 Mk.)
- Im Zuchthaus von Agra Goal wurde im Auftrag der Königin Viktoria von England für diese ein Teppich gewebt, zu welcher die Königin selber die Zeichnung geliefert hat. Der Teppich ist 77 Fuß lang und 44 Fuß breit und enthält 59 Millionen Stiche.
- In Paris nahm die Budgetkommission den ganzen Kriegsetat, der sich auf 600 Millionen beläuft, an.
- Nachdem Korea von den Chinesen so gut wie gesäubert ist, richten sich die Japaner jetzt vollständig häuslich dort ein, wie wenn das Land bereits zum eigenen Reichsverband gehörte.
- Wie aus Rotterdam berichtet wird, fiel ein Luftballon mit sechs Insassen in das Meer. Alle sechs Luftschiffer ertranken.
- Eine Schneelandschaft in Italien. Veroneser und Mailänder Zeitungen bringen ganze Spalten über den ungeheuren Schneefall, der in der letzten Woche die Landstriche in den Voralpen heimgesucht hat. In Camarata di Bidonia hat der Schnee die beträchtliche Höhe von 30 Zentimeter erreicht, die Obstbäume sind durch die Kälte sehr geschädigt. Wie der "Piccolo" von Cuneo meldet, sind die Militär=Baracken am Colle del Mulo metertief eingeschneit. Seit Menschengedenken, schreiben die Blätter, hat es in dieser Jahreszeit in Italien nicht so stark geschneit und gefroren.
- Von allen Seiten Meldungen über schwere Gewitter. Auch über Wien und dessen Umgebung besonders über Wiener=Neustadt ist am Dienstag abend zwischen 6 und 7 Uhr ein schweres Wetter niedergegangen. Die Station Marchegg ist durch einen Wolkenbruch arg geschädigt worden, die Schloßen haben bis zu 1 Meter Höhe den Boden bedeckt, der Verehr der Bahn hat eingestellt werden müssen. Ein Blitzstrahl schlug in ein Wärterhaus, jedoch ohne zu zünden. Auch in der Gegend von Nikolsburg hat an demselben Abend ein furchtbares Wetter gehaust, in dem mehrere Menschen und viele Hausthiere umgekommen sind.
- Ein englischer Dampfer mit einer Ladung Corinthen im Werthe von 2 Millionen geriet im Hafen von Philippeville in Afrika in Flammen. Da dieselbe trotz aller Anstrengungen nicht gelöscht werden konnte, wurde das Schiff versenkt.
- Vom Großfürsten=Thronfolger, von dem jetzt so viel die Rede ist, erzählen die Anhänger des Radfahrsport mit Genugthuung, er sei ein vorzüglicher Radreiter und thue es manchem "Professionell" in seiner Kunst zuvor.
- Der in weiteren Kreisen des englischen Publikums als Besitzer des berühmten Rennpferdes "Isinglas" bekannt gewordene Mr. M'Calmont in London wird dieser Tage eine der größten Erbschaften antreten, die seit vielen Jahren einem Engländer zugefallen sind. Sein Großonkel, Hugh M'Calmont, Haupttheilhaber einer großen schottischen Hütten und Maschinen=Firma, hatte ihm 1887 sein gesammtes Vermögen unter der Bedingung hinterlassen, daß es sieben Jahre lang unberührt auf Zinseszinsen stehen bleiben sollte. Diese Wartezeit läuft nun in wenigen Tagen ab und der 33jährige Erbe wird sich dann im Besitz eines Vermögens von etwa achtzig Millionen Mark befinden.
- Die Tageslänge nimmt im Oktober um fast 2 Stunden ab. Am 1. Okt. beträgt sie 11 Stunden 33 Minuten, am 15. 10 Stunden 36 Minuten und am 31. 9 Stunden 34 Minuten. Die Sonne geht auf am 1. Okt. um 6 Uhr 36 Min. am 15. um 7 Uhr und am 31. um 6 Uhr 29 Min. Der Sonnenuntergang erfolgt am 1. Oktober um 6 Uhr 9 Minuten, am 15. um 5 Uhr 36 Min. und am 31. um 5 Uhr 3 Minuten.
- Düngemittel, welche im Herbst angewendet werden müssen. Die rohen Kalisalze und langsam wirkenden Phosphate, wie Knochenmehl, Thomasschlacke u. a., sollen schon im Herbst oder spätestens im Winter ausgestreut und tief untergepflügt werden, damit dieselben rechtzeitig zur Wirkung kommen und auch in den tieferen Bodenschichten von den Pflanzenwurzeln erreicht werden. Die gereinigten Kalisalze und die leicht löslichen Superphosphate können schon eher mit Vortheil im Frühjahr verwendet werden. Auch hier ist Unterbringen mit Egge oder Pflug, vortheilhafter als das bloße Obenaufstreuen. Der Stallmist erleidet im Stalle und beim Liegen auf der Dungstätte bedeutende Verluste an Stickstoff und organischer, humusbildender Masse. Wir müßen daher denselben durch Einstreu von Superphosphatgyps oder rohen Kalisalzen (Kainit, bezw. Carnalit) konservieren. Zur Einstreu auf ein Stück Vieh von 500 Kilogramm lebend Gewicht oder 8 Schafe pro Tag 0,3-0,5 Kilogr. Kainit, bezw. Carnalit, oder 0,4-0,6 Kilogramm Superphosphatgyps erforderlich. Ferner muß der Dünger festgetreten werden.
Antragsmäßig soll über die zu Schlagbrügge sub Nr. V belegene Vollstelle c. p. des Hauswirths Heinrich Clasen daselbst ein Hypothekenbuch niedergelegt werden, und werden daher alle diejenigen, welche Realrechte an diesem Grundstücke zu haben vermeinen und deren Eintragung in das niederzulegende Hypothekenbuch verlangen, hierdurch aufgefordert, ihre dinglichen Rechte und Ansprüche in dem auf
[ => Original lesen: 1894 Nr. 81 Seite 3]
Sonnabend, den 27. Oktober 1894
Schönberg, den 2. August 1894.
über 3 Ferkel am Mittwoch, den 17. Oktober d. J. Vormittags 9 Uhr zu Hof Menzendorf (Baracken).
Dienstag, den 16. Oktober d. J., Vormittags 11 1/2 Uhr, werde ich auf der Vollstelle Nr. II in Hernburg
circa 6 Fuder Roggen in Garben,
circa 3 Fuder Hafer desgl., 5 Fuder
Heu, 3 Fuder Spergel und
Herrnburg, d. 10. Oktober 1894.
Da die Hagelschäden, von denen unsere Gesellschaft in diesem Jahre betroffen, um 1800 M. betragen und unser Reservefonds die statutenmäßige Höhe bereits um 75 Prozent überschritten hat, soll auch für dies Jahr nur wieder der geringe Beitrag von 10 Pfennig pro 100 M. Versicherungssumme erhoben werden.
Unsere Mitglieder werden ergebenst ersucht, solchen Beitrag am
Schönberg, den 13. October 1894.
Direction der Hagelversich.=Gesellschaft.
Wilh. Bade. Wilh. Heincke.
[ => Original lesen: 1894 Nr. 81 Seite 4]
Kampfgenossen-Verein
von 1870/71. Krieger-Verein f. d.
Fürstenth. Ratzeburg.
Der diesjährige Geburtstag S. K. Hoheit des Großherzogs wird von den obigen Vereinen am Mittwoch den 17. Oktober d. J. Abends 8 Uhr im großen Boye'schen Saale zu Schönberg durch
Festact und nachfolgenden Ball
gefeiert werden, wozu auch Nichtmitglieder der Vereine eingeführt werden können gegen ein Eintrittsgeld von 1 M. für den Herrn und 50 . für eine Dame. Kameraden und deren Familien haben freien Eintritt, unverheirathete Kameraden können eine Dame unentgeltlich einführen. Vereinszeichen sind anzulegen; nur dieses berechtigt den Kameraden zum freien Eintritt.
Zur Feier des Geburtstages Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs findet am Mittwoch, den 17. Oct. Nachmittags 4 Uhr in meinem Saale
statt, zu welchem ich mir erlaube hierdurch ergebenst einzuladen. Preis à Couvert einschl. Musik 3,50 Mark.
Anmeldungen erbitte bis Montag den 15. d. M.
>Stadt Lübeck.
Mittwoch, den 17. d. Mts., zur Feier des Geburtstages Sr. K. H. des Großherzogs:
Am Sonntag, den 21. und Montag, den 22. October findet bei mir ein
nach Ochsenfleisch statt, wozu ich freundlichst einlade.
Der Ball ist am Sonntag, d. 21. Oktober.
Gastw. Böttcher, Rieps.
Am Donnerstag, d. 18. u. Freitag, d. 19. Oct. findet bei mir ein
nach Ochsenfleisch statt, wozu ich freundlichst einlade
Gastwirth Haack, Thandorf.
Schützenzunft.
Zur Feier des 75jährigen Geburtstages
Sr. königl. Hoheit des Großherzogs
von Mecklenburg,
im Schützenhause für Ehren= und Zunftmitglieder.
NB. Einführung durch Mitglieder ist gegen Entree, Herren 1 Mk. und Damen 30 Pfg., gestattet.
Zur Geburtstagsfeier Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs am 17. d Mts.
Sülsdorf, im October 1894.
NB. Gegen 50 Pf. freier Tanz bis 2 Uhr Morgens.
ein Gesangbuch. Abzuholen gegen Erstattung der Insertionsgebühr bei
Fuhrmann Krohn, Schönberg.
Verloren am Freitag, d. 12. Oct.
ein Kneifer vom Schulhaus bis zum Bahnhof. Der Finder wird gebeten, denselben abzugeben in der Exped. d. Blattes.
Verloren am Sonntag abend auf dem Wege von Schönberg nach Dassow ein
Portemonnaie mit Geld (unter anderm mit alten Geldmünzen). Der Finder wird dringend gebeten, dasselbe gegen eine sehr gute Belohnung abzugeben in der Exped. d. Bl.
Allen denen, welche mir und meiner Familie in diesen Tagen persönlich freundliche Aufmerksamkeiten erwiesen, sowie den Veranstaltern des Fackelzuges und der Theilnahme an demselben, dem Kampfgenossen=Verein 1870/71, dem Kriegerverein, dem Gesang=Verein und dem Musikkorps sage ich hierdurch meinen innigsten Dank.
[ => Original lesen: 1894 Nr. 81 Seite 5]
Schönberg, den 16. Oktober 1894.
- Nr. 19 des "Officiellen Anzeigers für das Fürstenthum Ratzeburg" enthält:
II. Abtheilung. Bekanntmachung, betreffend die Beschädigung von Telegraphenanlagen
III. Abtheilung. Dienst etc. Nachrichten.
- Schönberg. Am Sonntag Abend wurde dem Herrn Landphysikus Dr. Marung, der seinen Wohnsitz heute nach Rostock verlegt, zum Abschied Seitens des Kampfgenossenvereins des Fürstenthums Ratzeburg von 1870/71, dessen Vorsitzender er lange Jahre gewesen ist, sowie Seitens des hiesigen Gesangvereins "Teutonia" und unserer Vereinsmusiker ein Fackelzug gebracht, dem sich viele Einwohner angeschlossen hatten. Der jetzige Vorsitzende des Kampfgenossenvereins, Schornsteinfegermeister Gierloff hieselbst, brachte im Namen des Vereins dem Herrn Dr. Marung den Abschiedsgruß. Später vereinigten sich die Theilnehmer zu einem Fest=Commers im Boye'schen Saale, dem leider der Gefeierte nicht beiwohnen konnte; derselbe übersandte dorthin schriftlich seinen Dank für die ihm dargebrachte ehrende Ovation.
- Schönberg. Am Sonntag wurde durch den Herrn Pastor Horn=Selmsdorf die neu restaurirte Siechenhaus=Capelle zu Schwanbeck eingeweiht.
- Schönberg. Am vergangenen Dienstag wurden dem Handelsmann Groth in dem Dorfe Schwanbeck über 600 Mark aus einem Schrank gestohlen. Da man einige Fensterscheiben eingedrückt fand, so nimmt man an, daß der Dieb seinen Weg durch das Fenster gefunden habe. Der Handelsmann Groth war an diesem Tage zum Jahrmarkt nach Schönberg gefahren, von wo er erst Nachts gegen 1 Uhr zurückkehrte. Obgleich dem hiesigen Amtsgericht sogleich von dem Diebstahl Anzeige gemacht ist, hat man bis zur Stunde den Dieb nicht ermitteln können.
- Güstrow. Tableau der außerordentlichen Schwurgerichtsperiode.
Montag, 15. Oct. Dienstmädchen Wilhelmine Karsten und Speisewirthin Wilhelmine Meyer=Crivitz: § 154 (Meineid). Meierin Marie Funkat=Cambs: § 217 (Kindestödung).
Dienstag, 16. Oct. Weber und Graveur Rasmus Nielsen=Hundlund: §§ 177, 176,3, 242, 246, 263 (Notzucht, Diebstahl, Betrug).
Mittwoch, 17. Oct. Gärtner Franz Bartz=Staudemin: § 177,43 (Nothzuchtsversuch). Knechte Moritz Stolt, Wilh. Markmann und Johannes Facklam=Gägelow: §§ 123, 176,1 (Hausfriedensbruch und unzüchtige Handlungen).
Donnerstag, 18. Oct. Kiepenmacher Wilhelm Mustin und Heinrich Wittfoth=Herrnburg: §§ 265, 303 (Brandstiftung in betrügerischer Absicht).
Freitag, 19. Oct. Arbeiterfrau Marie Ihde=Bresegard: § 306 (Brandstiftung.)
Sonnabend, 20. Oct. Arbeiter Friedr. Kaempfer=Güstrow: § 154 (Meineid).
Montag 22. Oct. Rentner Wilh. Burmeister=Hagenow: § 154 (Meineid). Krämer Heinr. Hartfiel=Rastow: § 154 (Meineid).
Dienstag, 23. Oct. Knecht Wilhelm Michael=Peccatel: § 315 (Ingefahrsetzen eines Eisenbahntransportes). Kuhhirt Wilhelm Fischer Dahlwitz: § 177,43 (Nothzuchtsversuch).
Mittwoch, 24. Oct. Erbpächter Joh. Rathmann, Büdner Joh. Köhn und Möller gen. Moltmann=Stolpe: §§ 118, 117, 185 (Widerstand und Beleidigung). Arbeiter Bernh. Helms und Tischlergeselle Ernst Fischer=Schwerin: §§ 249, 250 (Raub).
Donnerstag, 25. Oct. Arbeiter Wilh. Schultz=Dahlwitz: §§ 249, 250, 243, 242, 123 (Raub, Diebstahl, Hausfriedensbruch)
Freitag, 26. Oct. Herbergswirth Fr. Möllendorf, dessen Ehefrau Marie=Zehna und Telegraphenassistentenfrau Auguste Gibcke=Güstrow: §§ 306, 263 (Brandstiftung und Betrug).
Sonnabend, 27. Oct. Bäcker Moritz Brückner=Brunn: §§ 250, 255, 223 (Raub und Körperverletzung).
- Es ist nichts mit der Verwendung des Fahrrads im preußischen Heer; das Fahrrad hat sich nicht bewährt. Die bei den verschiedenen Armeekorps damit gemachten Erfahrungen entsprechen durchaus nicht den auf die Radfahrer gesetzten Hoffnungen. Man hat sie in den verschiedenen Richtungen erprobt, aber auch bei Berücksichtigung weiterer Vervollkommnung des Fahrrads werde das allgemeine Ergebniß wenig beeinflußt werden können. In gewissen Fällen habe sich freilich ein Nutzen ergeben, so bei frühzeitiger Ueberbringung von Meldungen und Befehlen auf Marsch= und sonstigen guten Straßen, ebenso bei der Verwendung von Radfahrern als Postfahrer und zur schnellen Benachrichtigung der Kolonnen. Wie aber die Radfahrer auf mangelhafte und aufgeweichte Straßen angewiesen waren, sei ihre Verwendung sehr herabgesunken, theilweise sogar bis zur Unverwendbarkeit. Ein Kriegsmittel aber, daß sich nur unter besonderen Umständen ausnutzen lasse, könne eine allgemeine Bedeutung nicht erlangen. So habe man z. B. bei den letzten Manövern von der Ersetzung der Meldereiter durch Radfahrer abstehen müssen, weil die Radfahrer ihr Ziel entweder gar nicht oder nur gehend statt fahrend haben erreichen können, sodaß ihre Meldungen von den Ereignissen überholt waren. Die Meldereiter seien deshalb nach wie vor das Zuverlässige in dem Verkehr zwischen Truppenverbänden und Stäben, die die Straßen und Wege verlassen haben.
- Das Schwurgericht zu Bromberg verurtheilte die Frau Kuniszawska aus Lerbischin, die ihren Stiefsohn lebendig begraben hatte, zu 10 Jahren Zuchthaus.
- Das Schicksal der berühmten Domlinde in Braunschweig theilt jetzt auch die alte Linde im Hofe der Kaiserburg in Nürnberg: sie ist verdorrt. Im vorigen Jahre trieben noch einige Aeste, in diesem Jahre zum erstenmal zeigte sich keine Spur von Leben mehr in dem ehrwürdigen Baume. Wenn es auch nur Sage ist, daß die Linde von der Kaiserin Kunigunde um das Jahr 1020 gepflanzt worden sei, so ist der Baum doch sehr alt, da er schon 1520 als "die alte Linde im Schloßhof" erwähnt wird, unter der die Schwester Willibald Pirckheimers bei einem Hochzeitsfeste tanzte.
- Der 51 Jahre alte Arbeiter Paul Kirschner in Berlin hatte in der letzten Nacht Skat gespielt. Da ihm das Glück dabei nicht hold war, griff er gleich nach der Heimkehr zum Strang und erhängte sich. Die Ehefrau fand ihn um 2 Uhr früh in der Küche als Leiche auf.
- Am Sonnabend abend brach während der Vorstellung im Hoftheater zu Hannover auf dem Bodenraume, oberhalb des Kronleuchters, Feuer aus. Von den oberen Zuschauerräumen aus konnte man sehen, wie auf den über dem Kronleuchter befindlichen Glasabschluß glühende Kohlen herunterfielen. Das Feuer, welches leicht zu einer größeren Verwirrung hätte führen können, wäre es in den tiefer gelegenen Räumen bemerkt worden, wurde Seitens der anwesenden Feuerwehrmannschaften gelöscht.
- Die relativ stärkste Garnison des deutschen Reiches hat das lothringische Städtchen Mörchingen. Die Civilbevölkerung betrug bei der Zählung am 1. Dezember 1890 nur 1109 Seelen, ist seitdem aber auf 2000 gestiegen. Ihr steht eine Garnison gegenüber, die aus zwei Regimentern Infanterie, einer Abtheilung Feldartillerie und einer Schwadron
[ => Original lesen: 1894 Nr. 81 Seite 6]Ulanen, im Ganzen rund 5000 Mann besteht. Die Garnison bezieht den höchsten Servissatz und außerdem jeder Stabsoffizier täglich 5 Mk., jeder Hauptmann 3 Mk., jeder Lieutenant 2 Mk., und jeder verheiratete Unteroffizier 0,80 Mk. Kommandozulage. Also scheint Mörchingen auch die theuerste Stadt Deutschlands zu sein.
- Die Zahl der Offiziere des Beurlaubtenstandes beträgt nach einer Zusammenstellung der "Mil. Ztg." für das deutsche Reichsheer insgesammt 20 797, und zwar: 3 Majors, 467 Hauptleute oder Rittmeister, 1946 Premier= und 8139 Sekondelieutenants, zusammen 10 555 Offiziere der Reserve, und 1 Oberst, 3 Oberstlieutenants, 23 Majors, 1673 Hauptleute oder Rittmeister, 4576 Premier= und 3966 Sekondelieutenants, zusammen 10 242 Offiziere der Landwehr.
- Für Skatspieler. Eine für Skatspieler höchst interessante Erfindung hat Herr Postrath Hyronimus zu Arnsberg in dem von ihm konstruierten Skat=Automaten gemacht. Der das deutsche Reichspatent besitzende Automat vereinigt Skatblock, Rechenbehälter und einen Apparat, der beim Skatspielen zu dreien mit seinem Zeiger sowohl auf den Namen, als auch auf die Person des Kartengebers selbst zeigt. Der Skatautomat ist sehr geschmackvoll gearbeitet und wird erst nach Beendigung des am 6. und 7. Oktober in Cassel stattgehabten Skat=Kongresses in den Handel gebracht.
- Die Echtheit der Reichspostmarken läßt sich dadurch erweisen, daß auf ihnen nach Befeuchtung mit Salmiakgeist ein blaßrother Ueberdruck zum Vorschein kommt, welcher heraldische Adler, Posthörner und Kronen zeigt, aber bald wieder verschwindet. Nimmt man dagegen Sodalösung, so bleibt das Muster längere Zeit sichtbar. Ganz besonders deutlich sind, nach der "Papierztg.", die Formen des Aufdrucks auf den weißen Rändern der Marken und den Randleisten der Markenbogen erkennbar, wo die Markenfarbe selbst nicht stört, was besonders bei den rothen 10 Pfennigmarken der Fall ist. Gebrauchte und dann wieder vom Stempel gereinigte, sowie durch Einweichen im Wasser vom Couvert gelöste Marken zeigen den Aufdruck nicht mehr. Früher war anstelle dieses Musters auf der Vorderseite die gummirte Fläche mit einigen Streifen gleicher Art überdruckt. Dagegen sind die Marken auf Postkarten und Geldanweisungen überhaupt frei davon.
- Hufeisen aus Alluminium. Statt der bisherigen eisernen werden Hufbeschläge aus Aluminium empfohlen wegen des bedeutend geringeren Gewichts des letztgenannten Metalles. Bei Anwendung von reinem Aluminium ist allerdings die Widerstandsfähigkeit gering, aber wenn man, um diese Widerstandsfähigkeit zu vermehren, dem Aluminium 10 andere Metalle beifügt, wiegen 4 Hufbeschläge aus dieser Legierung nur soviel, wie ein gewöhnliches Hufeisen. Die Pferde merken es sofort, wenn der Hufbeschlag aus dem leichteren Metall angefertigt ist, denn die Belastung des Hufes ist dabei so gering, daß sie wahrscheinlich glauben, ganz unbeschlagen zu sein und deshalb mit außerordentlicher Vorsicht auftreten; nach kurzer Zeit aber merken sie, daß der Huf doch gegen die Härte des Bodens geschützt ist und sie treten dann mit der gewohnten Sicherheit auf. Der Aluminiumbeschlag nimmt nach kurzer Zeit genau die Form des Hufes an, und hierdurch wird manches Hinken der Pferde vermieden, das bisher durch einen nicht genau passenden Beschlag hervorgerufen wurde.
- Die bekannte Londoner Schiffsbaufirma Yarrow & Co. hat im Auftrage der franz. Regierung ein Torpedoboot aus Aluminium hergestellt. Es wiegt 9 1/2 Tons (die stählernen wiegen 11 3/4 Tons). Das Schiff soll, wie die P. K. mittheilt, 20 1/2 Knoten die Stunde zurücklegen. Bei der am Sonnabend von Greenwich nach Croßnest unternommenen Probefahrt fiel Eines allgemein auf. Das Schiff vibrierte nicht im Mindesten, wie es sonst alle stählernen Schiffe thun. Das verwandte Aluminium ist mit 6 Prozent Kupfer versetzt. Selbst die Maschinenteile bestehen, so weit es anging aus Aluminium.
- Pfarrer Kneipp auf Reisen. Ueber die erstaunlichen Leistungen des Wörishofer Pfarrers während seines Frankfurter Aufenthaltes theilt man folgendes mit: Der Vierundsiebzigjährige las hier nach einer 12stündigen Schnellzugsfahrt sofort die Messe bei den Barmherzigen Brüdern, ließ sich dann von einem halben Hundert Patienten in der Grünestraße konsultieren, wurde mit einer Gruppe photographisch aufgenommen, besuchte Schwerkranke bei den Franziskanerinnen, besichtigte den Dom, Kaisersaal und Palmengarten, stattete dem Prof. Hanfstängl einen Besuch ab, fuhr in den Zoologischen Garten, aß bei den Barmherzigen Brüdern zu Mittag und begab sich dann in den Saalbau, um seinen zweistündigen Vortrag zu halten. Nachdem er noch bis in den Eisenbahnwagen hinein von Patienten, die um Rathertheilung baten, verfolgt worden war, fuhr er nach Mainz, wo er am Abend in der Stadthalle wieder einen mehrstündigen Vortrag hielt. Und das Alles wird bewirkt durch das Wasser und etliche Kräuter!
- Der Apfelgenuß vor dem Schlafengehen ist ein bewährtes Mittel zur Förderung der Gesundheit. Der Apfel liefert nicht nur vorzügliche Nahrung, sondern er ist auch eines der hervorragendsten diätischen Mittel. Derselbe enthält in leicht verdaulicher Verbindung mehr Phosphorsäure als irgend ein anderes pflanzliches Erzeugniß der Erde. Sein Genuß wirkt vortheilhaft auf das Gehirn, regt die Leber an, bewirkt, wenn regelmäßig vor dem Schlafengehen genossen, einen ruhigen Schlaf, desinfiziert die Gerüche der Mundhöhle, bindet die überschüssigen Säuren des Magens, paralysirt hämorrhoidale Störungen, befördert die sekretierende Thätigkeit der Nieren, hindert dadurch die Steinbildung, schützt gegen Verdauungsbeschwerden und gegen Halskrankheiten.
- Durch die Kriegs=Sanitätsordnung ist die freiwillige Krankenpflege als ein integrierender Theil des gesammten Militär=Sanitätswesens im Kriege anerkannt. Den Vereinen vom Rothen Kreuz erwächst daraus die Pflicht, ihre Vorbereitungen für den Ernstfall rechtzeitig und sorgfältig zu treffen. Die Heranbildung von Pflegekräften, die Ausrüstung der aus den Sanitätskolonnen abzustellenden Transport= und Begleitzüge, die planmäßige Bereitstellung von Vereinslazaretten, die Beschaffung und Instandhaltung von Wäsche= und Verbandstoffvorräthen gehört in dieses Gebiet. Zur Aufbringung von Mitteln hierfür ist die Rothe Kreuz=Lotterie genehmigt worden, deren Lose à 1 Mk. bei den bekannten Verkaufsstellen zu haben sind. Die Ziehung findet bereits am 15. Okt. c. statt.
- Richard Höllenfeuer. Fast alle britischen Offiziere besitzen einen Spitznamen, den sonderbarsten aber jedenfalls General Sir William Olpherts, welcher am 26. Sept. den Vorsitz bei dem Festmahle führte, welches die Veteranen des indischen Aufstandes alljährlich zum Gedächtniß an die Belagerung von Lucknow feiern. Der General kam auf eine eigenthümlische Weise zu seinem Spitznamen. Eine Kanone war dem Bersten nahe gewesen, als der letzte Schuß abgefeuert worden war. Die Bedienungsmannschaften zauderten, sie aufs neue zu laden. Es war aber nöthig, das Feuer fortzusetzen. Was that nun der damalige Kapitän Olpherts? Er setzte sich mir nichts, dir nichts auf das Geschütz und rief: "Hurrah, ihr Teufel! Wollt ihr jetzt feuern?" Und dann feuerten die Teufel. Die Kanone besann sich und barst nicht. Aber seit der Zeit heißt der brave Offizier "Hellfire Dick" (Richard Höllenfeuer.)
- Welch guten Geschmack das Seinewasser in Paris haben mag, kann man aus nachstehender Zusammenstellung der Thierkadaver ersehen, die im Lauf des Jahres 1893 im Weichbild der Stadt aus der Seine gefischt worden sind: 5652 Hunde, 3307 Katzen, 9108 Ratten, 17 200 Hühner oder Fasane, 3942 Vögel aller Art, 4209 Kaninchen, 786 Schweine, 7 Kälber, 4 Igel, 33 Pferde, 15 Schafe, 13 Affen, 6 Schlangen, zusammen nicht weniger als 28 807 Kadaver, die zumeist schon im verwesten Zustand in den Fluß geworfen waren.

References: § 6
 § 130
 § 130
 § 154
 § 217
 § 177
 § 306
 § 154
 § 154
 § 154
 § 315
 § 177