Source: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/naturschutz/schutzgebiete/die_einzelnen_naturschutzgebiete/40897.html
Timestamp: 2020-02-19 23:16:01+00:00

Document:
Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Leegmoor" | Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Leegmoor"
über das Naturschutzgebiet „Leegmoor“
in der Gemeinde Surwold, Samtgemeinde Nordhümmling, Landkreis Emsland
(1) Das in den Absätzen 2 und 3 näher bezeichnete Gebiet wird zum Naturschutzgebiet „Leegmoor“ erklärt.
(2) Das Naturschutzgebiet „Leegmoor“ liegt in der naturräumlichen Einheit „Hunte-Leda-Moorniederung“.
(3) Die Grenze des Naturschutzgebietes ergibt sich aus der maßgeblichen Karte im Maßstab 1:10 000 und aus der mitveröffentlichten Karte im Maßstab 1:50 000 (Anlage).
Sie verläuft an der Außenkante des dort dargestellten Rasters. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Ausfertigungen der Verordnung mit den Karten werden beim Landkreis Emsland -Fach­bereich Naturschutz-, der Gemeinde Surwold und der Samtgemeinde Nordhümmling aufbewahrt und können dort von jedermann während der Dienstzeiten unentgeltlich eingesehen werden.
(4) Das NSG „Leegmoor“ ist vollständig als Teil des Europäischen Vogelschutzgebietes V14 (Esterwe­ger Dose) und als Gebiet 159 (Leegmoor) der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie Bestandteil des europäi­schen Schutzgebietskonzeptes NATURA2000.
(5) Das Naturschutzgebiet ist ca. 450 ha groß.
(1) Das Naturschutzgebiet „Leegmoor“ umfasst einen Ausschnitt des Hochmoorkomplexes zwischen Papenburg und Oldenburg und weist überwiegend wiedervernässte Schwarztorfflächen sowie im südlichen Bereich (Timpemoor) Hochmoorgrünland und Hochmoorheide auf.
Eingebunden ist auch das im Rahmen des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens „Wiedervernäs­sung abgebauter Schwarztorfflächen im Leegmoor“ bekannte Gebiet.
(2) Allgemeiner Schutzzweck für das NSG „Leegmoor“ ist die Erhaltung, Pflege und naturnahe Entwick­lung als Lebensstätte schutzbedürftiger Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensgemeinschaften sowie als Landschaft von besonderer Eigenart, Vielfalt und Schönheit.
1. hochmoortypischer Standortfaktoren,
2. oberflächennaher Wasserstände durch Wiedervernässung,
3. von Hochmoorgrünland und
4. von hochmoortypischen Vegetationskomplexen.
(4) Das Naturschutzgebiet gemäß § 1 ist Teil des europäischen ökologischen Netzes „NATURA 2000“; die Unterschutzstellung dient der Erhaltung des Gebietes als Europäisches Vogelschutzgebiet nach der Richtlinie 79/409/EWG (Vogelschutzrichtlinie) des Rates vom 2.4.1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (ABl. EG Nr. L 103 S.1; 1996 Nr. L 59 S.63), zuletzt geändert durch Richt­linie 2006/105/EG des Rates vom 20.11.2006 (ABl. EU Nr. L363 S.368) und der Erhaltung des Ge­bietes als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung nach der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie) des Rates vom 21.5.1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (ABl. EG Nr. L 206 S.7, 1996 Nr. L 59 S.63), zuletzt geändert durch Richtlinie 2006/105/EG des Rates vom 20.11.2006 (ABl. EU Nr. L363 S.368).
(5) Besonderer Schutzzweck (Erhaltungsziele) für das NSG im Europäischen Vogelschutzgebiet ist die Erhaltung oder Wiederherstellung eines günstigen Zustandes des Europäischen Vogelschutzgebie­tes durch
a) Wiedervernässung und Renaturierung der Abtorfungsflächen,
b) Wiederherstellung großflächiger, offener Hochmoorbereiche mit Bult-Schlenken-Komplexen,
c) Sicherung und Entwicklung von Nahrungshabitaten für Goldregenpfeifer und
d) Erhalt und Entwicklung des umgebenden (Hochmoor-) Grünlandes (Förderung der extensiven Nutzung, Herstellung feuchter Verhältnisse) als Brut- und Nahrungshabitat.
2. die Erhaltung und Förderung eines langfristig überlebensfähigen Bestandes insbesondere der wertbestimmenden Anhang I-Arten (Art. 4 Abs. 1 Vogelschutzrichtlinie)
a) Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria)
- Erhalt bzw. Wiederherstellung von feuchten Heideflächen
- Wiedervernässung von abgetorften Mooren
- Erhalt von feuchten Grünlandflächen im Umfeld der Moore (v. a. Hochmoorgrünland)
- Schaffung von geeigneten Nahrungshabitaten für die Jungvögel
- Sicherung von offenen Flugkorridoren zwischen Brut- und Nahrungshabitaten
3. die Erhaltung und Förderung eines langfristig überlebensfähigen Bestandes insbesondere der wertbestimmenden Zugvogelarten (Art. 4 Abs. 2 Vogelschutzrichtlinie)
a, Krickente (Anas crecca) - als Brutvogel wertbestimmend
- Wiedervernässung von Abtorfungsflächen
- Schaffung von Ruhezonen an Brutgewässern
b, Kiebitz (Vanellus vanellus) – als Brutvogel wertbestimmend
- Erhalt bzw. Wiederherstellung von feuchten, offenen Grünlandflächen
- Nutzungsextensivierung auf den Grünlandflächen
c, Uferschnepfe (Limosa limosa) – als Brutvogel wertbestimmend
- Wiedervernässung und Renaturierung der Abtorfungsflächen
d, Großer Brachvogel (Numenius arquata) – als Brutvogel wertbestimmend
e, Rotschenkel (Tringa totanus) – als Brutvogel wertbestimmend
f, Schwarzkehlchen (Saxicola torquata) – als Brutvogel wertbestimmend
- Erhaltung von ausgeprägten Moorrandbereichen und breiten, extensiv genutzten Über­gangsbereichen
(6) Besonderer Schutzzweck (Erhaltungsziele) für das NSG als FFH-Gebiet ist die Erhaltung oder Wie­derherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes durch
1. den Schutz und die Entwicklung insbesondere von
a) naturnahen Hochmooren und ihrer Regenerationsstadien einschließlich Wollgras-Torfmoos-Schwingrasen und
b) Hochmoorgrünland und -heiden
folgender Lebensraumtypen (Anhang I FFH-Richtlinie)
aa) 7120 Noch renaturierungsfähige degradierte Hochmoore
Durch Nutzungseinflüsse degenerierte Hochmoore mit möglichst nassen, nährstoffar­men, weitgehend waldfreien Teilflächen, die durch typische, torfbildende Hochmoor­vegetation gekennzeichnet sind, und natur­nahen Moorrandbereichen, einschließlich ihrer typischen Tier- und Pflanzenarten.
bb) 7150 Torfmoor-Schlenken (Rhynchosporion)
Nasse, nährstoffarme Torfflächen mit Schnabelried-Gesellschaften im Komplex mit Hochmoor und/oder Feuchtheiden einschließlich ihrer typischen Tier- und Pflanzenarten.
(7) Die Umsetzung der vorgenannten Erhaltungsziele auf landwirtschaftlichen Flächen sowie von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen soll insbesondere durch die Verbesserung der derzeitigen Situation im Rahmen von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sowie Kohärenz- und Kompensationsmaßnah­men erfolgen.
6. die nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen, Wege und Plätze mit Kraftfahrzeugen zu befahren oder Kraftfahrzeuge dort abzustellen,
7. im NSG und außerhalb in einer Zone von 500 m Breite um das NSG herum unbemannte Luft­fahrzeuge (z.B. Modellflugzeuge, Drachen) zu betreiben und mit bemannten Luftfahrzeugen (z.B. Ballonen, Hängegleitern, Gleitschirmen, Kites, Hubschraubern) zu starten; weiterhin ist es bemannten Luftfahrzeugen untersagt, abgesehen von Notfallsituationen, eine Mindestflughöhe von 150 m über dem NSG zu unterschreiten oder in diesem zu landen;
8. organisierte Veranstaltungen ohne Zustimmung der zuständigen Naturschutzbehörde durchzu­führen; die zuständige Naturschutzbehörde kann Regelungen zu Zeitpunkt, Ort und Ausfüh­rungsweise treffen, die geeignet sind, Beeinträchtigungen oder Gefährdungen des NSG, einzel­nen seiner Bestandteile oder seinem Schutzzweck entgegenzuwirken,
9. Erstaufforstungen und sonstige Anpflanzungen in offen zu haltenden Bereichen durchzuführen,
(1) Die in den Abs. 2 bis 6 aufgeführten Handlungen oder Nutzungen sind von den Regelungen des § 24 Abs. 2 NNatG und des § 3 dieser Verordnung freigestellt und bedürfen keiner naturschutzrechtlichen Befreiung.
3. die ordnungsgemäße Unterhaltung der Wege, soweit dies für die freigestellten Nutzungen erfor­derlich ist,
die Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung von bestehenden Hochsitzen und sonstigen nicht be­weglichen Ansitzeinrichtungen; deren Neuanlage mit Zustimmung der zuständigen Naturschutz­behörde.
1. die Nutzung der Dauergrünlandflächen, jedoch ohne
b) vom 01.12.-31.03. zu beweiden
c) eine maschinelle Bodenbearbeitung (Walzen oder Schleppen) nach dem 20.03 durchzuführen,
d) vor dem 15.06. zu mähen,
e) Grünland in Acker umzuwandeln,
f) das Bodenrelief zu verändern,
g) Erdsilos und Feldmieten anzulegen,
h) Pflanzenschutzmittel anzuwenden,
i) Kot aus der Geflügelhaltung und Gülle auszubringen,
j) die Grasnarbe durch Umbruch zu erneuern, zulässig sind Über- oder Nachsaaten, auch im Scheiben- oder Schlitzdrillverfahren,
2. die Unterhaltung bestehender Entwässerungseinrichtungen,
3. die Unterhaltung und Instandsetzung bestehender Weidezäune und Viehtränken; deren Neuer­richtung in ortsüblicher Weise.
4. die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßig bestehender Viehunterstände; deren Neuer­richtung in ortsüblicher Weise mit Zustimmung der zuständigen Naturschutzbehörde,
5. die Wiederaufnahme der Bewirtschaftung von vorübergehend nicht genutzten Flächen, die an einem landwirtschaftlichen Extensivierungs- und Stilllegungsprogramm teilgenommen haben.
(5) Freigestellt ist die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd (i. S. von § 1 Abs. 4 und 5 des Bundesjagd­gesetzes).
1. Anlage von Wildäckern, Wildäsungsflächen, Futterplätzen und Hegebüschen ohne Zustimmung der zuständigen Naturschutzbehörde.
2. Neuanlage von jagdlichen Einrichtungen (z.B. Hochsitzen) ohne Zustimmung der zuständigen Naturschutzbehörde,
3. Ausbildung und Prüfung von Gebrauchshunden.
(7) Bestehende behördliche Genehmigungen, Erlaubnisse oder sonstige Verwaltungsakte bleiben un­berührt, soweit dort nichts anderes bestimmt ist.
(8) Weitergehende Vorschriften der §§ 28 a und b bleiben unberührt.
(1) Ordnungswidrig gemäß § 64 Nr. 1 NNatG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen die Rege­lungen des § 3 Abs. 3 verstößt.
(2) Gleichzeitig tritt die NSG-Verordnung „Leegmoor“ vom 10.03.1983 (Amtsblatt für den Regierungs­bezirk Weser-Ems Nr.5a vom 07.Februar 2001) außer Kraft.
Die Schutzgebietsverordnung können Sie hier als pdf-Datei herunterladen

References: § 1
 § 24
 § 3
 § 1
 § 64
 § 3