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Timestamp: 2020-06-05 10:44:12+00:00

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Die Drittgläubigerforderung eines Mitgesellschafters | Rechtslupe
Bei einem Dar­le­hen, wel­ches ein Gesell­schaf­ter der KG (hier: einer GmbH & Co. KG) gewährt hat, han­delt es sich um ein Dritt­ge­schäft. Für Ver­bind­lich­kei­ten der KG aus einem Dritt­ge­schäft haf­ten Kom­man­di­tis­ten gemäß §§ 128, 171 Abs. 1, § 172 Abs. 4 HGB [1]. Ein Dritt­ge­schäft ist jedes Geschäft, das sei­nen Rechts­grund nicht im Gesell­schafts­ver­hält­nis, son­dern in einem davon zu unter­schei­den­den Rechts­ver­hält­nis hat. Aus einem sol­chen Dritt­ge­schäft kann ein Gesell­schaf­ter grund­sätz­lich gegen sei­ne Mit­ge­sell­schaf­ter Ansprü­che gel­tend machen.
Ein Dritt­ge­schäft kann – wie vor­lie­gend – auch ein Dar­le­hen sein, wel­ches ein Gesell­schaf­ter der Gesell­schaft gewährt hat. Eine Aus­nah­me ist dann denk­bar, wenn der Gesell­schaf­ter auf­grund gesell­schafts­ver­trag­li­cher Rege­lung zur Gewäh­rung der Leis­tung ver­pflich­tet ist und des­halb das Dar­le­hen nicht vor­zei­tig kün­di­gen kann [2]. Eine sol­che Aus­nah­me schei­det aber aus, wenn der Gesell­schaf­ter zur Dar­lehns­ge­wäh­rung gesell­schafts­ver­trag­lich nicht ver­pflich­tet war.
Der Durch­set­zung des Anspruchs ste­hen auch nicht die von der Recht­spre­chung auf der Grund­la­ge der §§ 30, 31 GmbHG a.F. ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze zum Eigen­ka­pi­tal­er­satz­recht ent­ge­gen, da die Recht­spre­chungs­re­geln und die hier­aus resul­tie­ren­de Durch­set­zungs­sper­re mit Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des GmbH­Rechts und zur Bekämp­fung von Miss­bräu­chen auf­ge­ho­ben sind (§ 30 Abs. 1 Satz 3 GmbHG). In Fäl­len, bei denen am 1.11.2008 noch kein Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net war, kön­nen Dar­le­hen des­halb unab­hän­gig davon, ob sie in einer Kri­se gewährt oder ste­hen­ge­las­sen wur­den, zurück­ge­for­dert wer­den [3]. Auch bei der GmbH & Co KG sind die §§ 30, 31 GmbHG ana­log nicht mehr anwend­bar [4].
Im Schrift­tum wird teil­wei­se ver­tre­ten, dass per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter und damit auch Kom­man­di­tis­ten, die Aus­schüt­tun­gen im Sin­ne des § 172 Abs. 4 HGB erhal­ten haben, einem Gesell­schaf­ter­Gläu­bi­ger ledig­lich sub­si­di­är haf­ten und sich der Gläu­bi­ger zunächst an die Gesell­schaft hal­ten muss. Der Gesell­schaf­ter­Gläu­bi­ger wer­de zwar grund­sätz­lich wie jeder drit­te Gläu­bi­ger behan­delt, wenn es sich um ein Dritt­ge­schäft han­de­le. Die unbe­schränk­te Haf­tung wer­de aber von der gesell­schafts­recht­li­chen Treue­pflicht über­la­gert, die gebie­te, dass der Mit­ge­sell­schaf­ter – in der Regel – nur dann in Anspruch genom­men wer­den dür­fe, wenn eine Befrie­di­gung aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen nicht zu erwar­ten sei [5].
Ande­ren­falls erhal­te der Gesell­schaf­ter­Gläu­bi­ger etwas, das er unter Umstän­den zurück­ge­wäh­ren müs­se und was damit die dolo agit­Ein­re­de begrün­de [6].
Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Fra­ge in einer Ent­schei­dung vom 10.11.1969 [7] offen gelas­sen. Sie ist im Sin­ne der Recht­spre­chung des Reichs­ge­richts zu ent­schei­den. Der Gesell­schaf­ter einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft, der eine Dritt­gläu­bi­ger­for­de­rung gegen einen per­sön­lich haf­ten­den Mit­ge­sell­schaf­ter gel­tend macht, muss nicht zunächst die Gesell­schaft in Anspruch neh­men. Eine gene­rell nur sub­si­diä­re Haf­tung der Gesell­schaf­ter für Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft aus Dritt­ge­schäf­ten mit ande­ren Gesell­schaf­tern lässt sich aus der Treue­pflicht man­gels Schutz­be­dürf­tig­keit der Mit­ge­sell­schaf­ter nicht ablei­ten. Zwar ist anzu­er­ken­nen, dass ein Gesell­schaf­ter, wenn mög­lich, nicht sein eige­nes Ver­mö­gen ein­set­zen soll, viel­mehr Gesell­schafts­schul­den vor allem aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen begli­chen wer­den sol­len. Der Mit­ge­sell­schaf­ter, der von dem Gesell­schaf­ter­Gläu­bi­ger in Anspruch genom­men wird, hat jedoch in der Regel nicht nur einen Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch gegen die Gesell­schaft gemäß § 110 HGB, wenn er die Gesell­schafts­schuld begleicht. Er kann auch bereits auf­grund der dro­hen­den Inan­spruch­nah­me Frei­stel­lung ver­lan­gen [8]. Ist die Gesell­schaft zur Zah­lung bereit und in der Lage, soll­te es somit gar nicht dazu kom­men, dass der Mit­ge­sell­schaf­ter auf sein pri­va­tes Ver­mö­gen zurück­grei­fen muss, selbst wenn sich der Gesell­schaf­ter­Gläu­bi­ger direkt an ihn wen­det. Kann oder will die Gesell­schaft ihre Schuld dage­gen nicht til­gen, wür­de der Gesell­schaf­ter auch unter grund­sätz­li­cher Annah­me der Sub­si­dia­ri­tät haf­ten.
Aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zum Innen­aus­gleich zwi­schen Gesell­schaf­tern, nach­dem ein Gesell­schaf­ter einen (drit­ten) Gesell­schafts­gläu­bi­ger befrie­digt hat, lässt sich nichts Gegen­tei­li­ges her­lei­ten. Die­se Fall­ge­stal­tung ist mit der Gel­tend­ma­chung einer Dritt­gläu­bi­ger­for­de­rung durch den Gesell­schaf­ter nicht ver­gleich­bar. Obwohl der Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch des leis­ten­den Gesell­schaf­ters gegen die Gesell­schaft aus § 110 HGB ein Sozi­al­an­spruch ist und Sozi­al­an­sprü­che wäh­rend des Bestehens der Gesell­schaft grund­sätz­lich nicht gegen die Gesell­schaf­ter gel­tend gemacht wer­den kön­nen, ist eine Regress­mög­lich­keit des leis­ten­den Gesell­schaf­ters nach § 426 BGB bei Leis­tungs­un­fä­hig­keit der Gesell­schaft aner­kannt. Die­se Aus­nah­me ist gebo­ten, da es mehr oder weni­ger vom Zufall abhän­gen kann, wel­cher Gesell­schaf­ter von einem Gesell­schafts­gläu­bi­ger in Anspruch genom­men wird. Inso­weit reicht aber eine Haf­tung in den Fäl­len aus, in denen von der Gesell­schaft kei­ne Befrie­di­gung zu erlan­gen ist. Die­se Beson­der­heit schlägt auf den gemäß § 426 Abs. 2 BGB über­ge­hen­den Anspruch durch [9], so dass auch die­ser nicht mit der hier vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on eines Anspruchs eines Gesell­schaf­ter­Gläu­bi­gers aus einem Dritt­ge­schäft ver­gleich­bar ist.
Die­se müs­sen auf die Belan­ge ihrer Mit­ge­sell­schaf­ter Rück­sicht neh­men [10]. Das kann im Ein­zel­fall dazu füh­ren, dass auf­grund über­wie­gen­der schutz­wür­di­ger Inter­es­sen der Mit­ge­sell­schaf­ter auch die Wahr­neh­mung außer­ge­sell­schafts­recht­li­cher Befug­nis­se und damit die Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen aus Dritt­ge­schäf­ten ein­ge­schränkt ist [11]. Eine sol­che Aus­nah­me liegt hier jedoch nicht vor.
vgl. Haber­sack in Staub, Groß­kom­men­tar HGB, 5. Aufl., § 128 Rn. 13, 26; Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 128 Rn. 10; Hopt in Baumbach/​Hopt, HGB, 35. Aufl., § 128 Rn. 24; Steitz in Henssler/​Strohn, Gesell­schaftsR, § 128 HGB Rn. 10; K. Schmidt, Gesell­schafts­recht, 4. Aufl., § 49 I 2, S. 1412; K. Schmidt in Schle­gel­ber­ger, HGB, 5. Aufl., § 128 Rn. 12, 20; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 128 Rn. 12, 20; Boe­sche in Oetker, HGB, 2. Aufl., § 128 Rn. 21; Wal­ter, JZ 1983, 258, 260; a.A. Münch­Komm-BGB/Ul­mer, 5. Aufl., § 705 Rn.203, 220; Wes­ter­mann in Ermann, BGB, 13. Aufl., § 705 Rn. 61; Haber­mei­er in Stau­din­ger, BGB, Bear­bei­tung 2003, § 705 Rn. 43; Hadding/​Kießling in Soer­gel, BGB, Stand 2011, § 705 Rn. 57; Pre­di­ger, BB 1971, 245, 248 f.[↩]
Goe­t­te in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 110 Rn. 33; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 128 Rn. 35 mwN[↩]

References: § 172
 § 172
 § 110
 § 110
 § 426
 § 426
 § 128
 § 128
 § 128
 § 128
 § 49
 § 128
 § 128
 § 128
 § 705
 § 705
 § 705
 § 705
 § 110
 § 128