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steuer - Hirschberger Steuerberatungs
DATEV Dienstleistungskatalog
H sl Juristen & Kanzleien - SCWP
34104_IFRS.fh11 03.03.2008 12:31 Uhr Seite 1 C
IFRS für Steuerberatungskanzleien Eine Darstellung für die Berater von kleinen und mittleren Unternehmen
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IFRS für Steuerberatungskanzleien
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Editorial Die Bilanzierung nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften verlangt Unternehmen und deren Beratern einiges ab. Selbst wer bisher mit diesem Thema noch nicht befasst war, wird in absehbarer Zeit damit konfrontiert werden. Durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) soll eine moderate Heranführung des Handelsbilanzrechts an die IFRS erfolgen. Grund genug also, sich mit den Regeln der IFRS bereits jetzt intensiv auseinander zu setzen. Entgegen der unsystematischen Sammlung im System IFRS folgt die Darstellung in ihrer Gliederung den Bilanzpositionen und ihrer Untergliederung der klassischen Behandlung von Ansatz, Ausweis und Bewertung. Der Leser wird in die Lage versetzt, einen HGB-Abschluss dahingehend zu analysieren, welche Abweichungen bei IFRS relevant sind. Er soll weiterhin den Abschluss eines KMU nach IFRS in der Qualität aufstellen können, die für das HGB in Deutschland üblich ist. Als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie als Prüfer für Qualitätskontrolle bestellt und registriert kenne ich die Zielgruppe des Buches aus meiner täglichen Arbeit. Diese erstreckt sich neben der normalen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung insbesondere auch auf die Schulung von Mitarbeitern, Kollegen und Steuerberateranwärtern, der Umstellungsberatung auf die Rechnungslegung nach IFRS sowie der Tätigkeit als Sachverständiger bei verschiedenen Gerichten. Mit diesem Fachbuch erhalten Sie ein Arbeitsmittel, das perfekt zugeschnitten ist auf die Erfordernisse der Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen.
Forchheim, im März 2008
Der Inhalt im Überblick 1.
Adressaten der Darstellung
Warum IFRS und warum jetzt?
Anspruch dieser Darstellung
Woher kommen die IFRS?
Sind die IFRS verbindlich?
Verbindlichkeit und Stellung
Anwendungsbereich (auch Inhalt), Adressaten des Jahresabschlusses und Zielsetzung
Vermögenswerte, Schulden und Eigenkapital
Zahlenbasierte Teile des Jahresabschlusses
Gliederung der Bilanz und Ausweisfragen
Gliederung der GuV und Ausweisfragen
Teile der Kapitalflussrechnung
Abgrenzungsprobleme und Besonderheiten
Abweichungen zum HGB
Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und aufzugebende Geschäftsbereiche
Auslöser eines Werthaltigkeitstests (impairment test)
Ermittlung der Wertminderung bzw. des erzielbaren Betrags (recoverable amount)
Beizulegender Zeitwert abzüglich Verkaufskosten (fair value less costs to sell)
Nutzungswert (value in use)
Abschreibungen nach Erfassung der Wertminderung
Bewertung beim Zugang (IAS 38.24 ff.)
Anschaffungskostenmodell, Komponentenansatz und Zinsen
Übertragungen aus dem Bestand der als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien
Übertragungen in den Bestand der als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien
Bewertung beim Zugang
Abweichungen zur Bewertung nach dem HGB
Problemstellung HGB
Definition des Fertigungsauftrags nach IAS 11
Auftragserlöse und -kosten
Beispiel zur PoC-Methode
Finanzinstrumente IAS 39
10.5.1 Zugangsbewertung
10.5.2 Folgebewertung
10.5.3 Behandlung der Unterschiede aus der Folgebewertung
10.5.4 Behandlung von Wertminderungen
10.5.5 Behandlung von Wertaufholungen
10.7.1 Vorbemerkung und Einschränkung
10.7.2 Definition von Finanzderivaten
10.7.3 Behandlung nach IAS 39
11.4.1 Zugangsbewertung
11.4.2 Folgebewertung
11.5.1 Verbindlichkeiten
11.5.2 Rückstellungen
Wesentliche Unterschiede zum HGB
11.6.1 Verbindlichkeiten
11.6.2 Rückstellungen
Besonderheiten bei Pensionsrückstellungen und Altersteilzeit
11.7.1 Grundlagen
11.7.2 Behandlung der beitragsorientierten Pläne
11.7.3 Behandlung der leistungsorientierten Pläne
11.7.4 Besonderheit beim Vorliegen von Planvermögen
11.7.5 Altersteilzeit
11.7.6 Angabepflichten
Definition latente Steuern
12.1.1 Gründe für die Entstehung
12.1.2 Temporäre und nicht temporäre Differenzen
12.1.3 IFRS
12.2.1 Erstmaliger Ansatz eines Geschäfts- oder Firmenwerts (GoF)
12.2.2 Nicht steuerwirksame Anschaffungskostenminderungen
12.2.3 Verlustvorträge
12.2.4 Weitere Fälle
12.4.1 Zugangsbewertung
12.4.2 Folgebewertung
GuV-Auswirkung oder erfolgsneutrale Behandlung
Gewinn- und Verlustrechnung Umsatzrealisierung
13.2.1 Verkauf von Gütern
13.2.2 Erbringung von Dienstleistungen
13.2.3 Zinsen, Nutzungsentgelte und Dividenden
Methoden, Änderungen und Fehler - Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
14.1.1 Grundsatz
14.1.2 Stetigkeit
14.1.3 Änderungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
14.1.4 Rückwirkende Anwendung
14.1.5 Ausnahme
Änderung von Schätzungen
14.2.1 Abgrenzung zu Methoden
14.2.2 Änderung von Schätzungen
14.2.3 IFRIC 1
14.3.1 Abgrenzung zu Schätzungen
14.3.2 Fehlerkorrektur
14.4.2 Berücksichtigung
15.2.1 Finanzierungsleasing
15.2.2 Operating-Leasing
15.2.3 Sonderfall des IAS 40.6
15.3.1 Finanzierungsleasing
15.3.2 Operating-Leasing
Sonderfall sale-and-lease-back-Transaktionen
15.4.2 Finanzierungsleasing
15.4.3 Operating-Leasing beim Leasingnehmer
15.4.4 Operation-Leasing beim Leasinggeber
Behandlung des asset deals im Einzelabschluss
16.2.1 Positiver Geschäfts- oder Firmenwert
16.2.2 Negativer Geschäfts- oder Firmenwert
16.2.3 Anschaffungskosten des Unternehmenserwerbs
16.2.4 Eventualschulden
Behandlung des share deals im Einzelabschluss
Erstmalige Anwendung IFRS
Ausnahmen vom Grundsatz der retrospektiven IFRSAnwendung
17.2.1 Unternehmenszusammenschlüsse
17.2.2 Beizulegender Zeitwert oder Neubewertung als Ersatz für AHK
17.2.3 Weitere Wahlrechte
Verbote der retrospektiven Betrachtung
SME-Projekt
SME-Projekt – was ist das?
Definition des KMU
Identität mit den und Verweis auf die vollständigen IFRS
Wesentliche Abweichungen zwischen Full- und KMUIFRS
18.4.1 Beschränkung auf AHK und beizulegenden Zeitwert
18.4.2 Wahlrecht Entwicklungskosten
18.4.3 Finanzinstrumente
18.4.4 Leasing
18.4.5 Geschäfts- oder Firmenwert
18.4.6 Wahlrecht zur Neubewertungsmethode
18.4.7 Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen
IFRS für Steuerrechtler - § 4h EStG
Regelung des § 4h EStG
19.2.1 Zinsschranke nach § 4h Abs. 1 EStG
19.2.2 Ausnahmen
19.2.3 Ermittlung der Eigenkapitalquote
Anwendung auf KMU
19.3.1 IFRS-Konzernabschluss ist vorhanden
19.3.2 HGB-Konzernabschluss ist vorhanden
19.3.3 Konzernabschluss ist nicht vorhanden
Konsolidierungskreis § 4h EStG
Weitere Detailprobleme bei § 4h EStG i. V. m. den IFRS
19.5.1 Original-IFRS oder EU-IFRS?
19.5.2 Eigenkapital bei Personengesellschaften
19.5.3 Firmenwert und Sonderposten mit Rücklageanteil
Ausgangslage und Forderung des IDW
Einzelne (berechtigte) Kritikpunkte des IDW
Was finden Sie in diesem Kapitel? 1.1
1.1 Adressaten der Darstellung Diese Darstellung der Regelungen IAS/IFRS (künftig kurz „IFRS“) richtet sich an „Steuerberatungskanzleien“, d. h. an den typischen Berater von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU1). Es finden sich darin deshalb insbesondere keine Ausführungen zur Konsolidierung und zu komplexen Finanzinstrumenten, da diese Themen bei den KMU i. d. R. nicht vorkommen. Auch das Ergebnis je Aktie sowie die Segmentberichterstattung bleiben anderen Werken vorbehalten. Anstatt dessen ist aber immer eine wesentliche Abweichung zum HGB erläutert, da dieses das bisherige Arbeitsmittel des mittelständischen Beraters ist.
Selbstverständlich kann man trefflich darüber streiten, was ein KMU ist. Bereits in einer Veröffentlichung des Jahres 1962 wurden 190 verschiedene Definitionen ermittelt (Gantzel, Wesen und Begriff der mittelständischen Unternehmung, 1962, Seite 12, 46 ff., zitiert nach Prof. Dr. Rautenstrauch/Müller). Das Institut für Mittelstandsforschung sieht als mittleres Unternehmen eines an, dass bis zu 499 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von nicht mehr als 50 Mio. Euro erwirtschaftet (www.ifm-bonn.org). Nach meinem Verständnis muss noch hinzukommen, dass ein KMU typischerweise inhabergeführt und konzernunabhängig ist.
1.2 Praxisdarstellung Entgegen der unsystematischen Sammlung im System IFRS folgt diese Darstellung in ihrer Gliederung den Bilanzpositionen und ihrer Untergliederung der klassischen Behandlung von Ansatz, Ausweis und Bewertung.
1.3 Notwendige Literatur Unerlässlich für das Studium der IFRS-Regelungen sind die amtlichen Texte. Empfehlenswert ist es, diese Texte im Original (Englisch) vorliegen zu haben. Für den normalen Anwender ist sicherlich eine dem Original gegenübergestellte deutsche Übersetzung nicht nur hilfreich, sondern nahezu zwingend notwendig. Eine solche Ausgabe existiert z. B. vom IDW-Verlag mit dem Stand vom Februar 2006 (International Financial Reporting Standards IFRS/Englisch – Deutsch 20062). Schäffer/ Poeschel (International Financial Reporting Standards, ISBN 3-79102278-4) verzichtet auf das englischsprachige Original, liefert dafür die Texte in einer Loseblattsammlung. Beide Ausgaben enthalten auch die Interpretationen (IFRIC und SIC).
1.4 Warum IFRS und warum jetzt? IFRS ist für die normale Steuerberatungskanzlei noch kein Alltag. Im Gegenteil: Da sowohl für handels- als auch für steuerrechtliche Zwecke zwingend das HGB zur Anwendung kommt, ist die Beschäftigung eher beiläufiger Natur. Die ersten Schritte sind aber in Deutschland bereits gemacht: Konzernabschlüsse von kapitalmarktorientierten Unternehmen3 werden gemäß § 315a Abs. 1 HGB seit 2005 zwingend4 nach den Regelungen der IFRS aufgestellt. Und Konzernabschlüsse nicht kapitalmarktorientierter Mutterunternehmen5 sowie offenzulegende Einzelab2 3 4 5
Die nächste Auflage ist für den Februar 2008 angekündigt. zur Definition vgl. § 315a Abs. 1 und Abs. 2 HGB Ausnahmen vgl. Art. 57 EGHGB § 315a Abs. 3 HGB
schlüsse großer Kapitalgesellschaften (einschließlich der diesen gleichgestellten KapCo-Gesellschaften6 nach § 264a HGB)7 können in Form eines Wahlrechts bereits jetzt IFRS-Standards anstatt der HGBRegelungen als anzuwendendes Recht verwenden. Über den § 4h EStG, also die mit der Unternehmensteuerreform eingeführte Zinsschranke, hat sogar der Steuergesetzgeber überraschend die Anwendung der IFRS zur Ermittlung der Eigenkapitalquote in das Steuerrecht eingeführt. IFRS wird sich auch in Deutschland durchsetzen. Dafür sprechen aus meiner Sicht mehrere Gründe: Der Trend zur Internationalisierung generell und hier speziell bei den Rechnungslegungsvorschriften8, die vom Kapitalmarkt gewünschte Vergleichbarkeit von Abschlüssen, die Vorgaben und der Standardisierungsprozess der EU sowie nicht zuletzt die Marktmacht IFRS (diese fehlt dem HGB), verstärkt auch durch das Konvergenzprojekt mit den US-GAAP. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt hierbei auch das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC). Nach § 342 HGB haben dessen Standards nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger die (widerlegbare) Vermutung für sich, Grundsätze ordnungsgemäßer Konzernrechnungslegung zu sein. Da einige Standards inhaltlich die Regelungen der IFRS nahezu vollständig übernehmen (und sich nach ernst zu nehmender Literaturmeinung bedenkenlos von den bisherigen GoB verabschieden9) führt dies für deutsche Konzerne, unabhängig von der formalen IFRS-Anwendung, zu einer Einführung durch die Hintertür. Das alles kann man bedauern oder gar ablehnen. Der Autor ist jedoch nachdrücklich der Überzeugung, dass diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist10. Wer sich
OHG und KG ohne natürliche Personen als Vollhafter, also klassisch GmbH & Co. KG § 325 Abs. 2a HGB vgl. z. B. die Annäherung des HGB an IFRS durch das geplante Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 9 z. B. die Bilanzierung latenter Steuern nach DRSC 10 mit einer Ansatzpflicht latenter Steuern aus Verlustvorträgen 10 Klaus-Peter Naumann vom IDW ist der Auffassung, dass es 2016 eine Bilanzierung nach dem HGB nicht mehr geben wird (FAZ vom 23.01.2006).
nicht rechtzeitig damit beschäftigt, wird als Steuerberater evtl. ein Marktanpassungsproblem haben. Im Übrigen ist die Zeit günstig, um sich in die IFRS einzuarbeiten. Das IASB hat Ende Juli 2006 verkündet, dass bis zum Jahr 2009 keine neuen IFRS in Kraft treten werden. Damit ist der (Neu-) Anwender zwar nicht vor jeder Änderung gefeit, doch zumindest gravierende Neuregelungen wird es in dieser Übergangsphase vermutlich nicht geben.
1.5 Anspruch dieser Darstellung Nach einer aufmerksamen Durcharbeitung sollte der verständige Nutzer dieser Zusammenstellung in der Lage sein, einen HGB-Abschluss dahingehend zu analysieren, welche Abweichungen bei IFRS relevant wären. Er soll weiterhin einen Abschluss eines KMU nach IFRS in der Qualität aufstellen können, die für das HGB in Deutschland üblich ist. Um dieses Ziel zu erreichen, hat diese Darstellung einen typischen (gut qualifizierten) Mitarbeiter oder Inhaber einer deutschen Steuerberatungskanzlei vor Augen. Dieser hat zwar einmal englisch gelernt, ist aber nicht immer in der Lage komplizierte (IFRS-) Texte im Original zu lesen und zu verstehen. Deshalb wird hier versucht, fast alle Erläuterungen und Fachbegriffe auf Deutsch zu formulieren. Da aber Englisch die Sprache der IFRS ist, wird – in einigen wichtigen Fällen – der englische Begriff genannt. Dieses ist schon deswegen wichtig, weil ein gewisser Teil der Fachliteratur glaubt seine Kompetenz dadurch unterstreichen zu können, in dem z. B. von der first-time-adoption anstatt von der erstmaligen Anwendung geschrieben wird. Weiterhin geht diese Anleitung davon aus, dass uns die Regelungen des HGB in Fleisch und Blut übergegangen sind. Auf die Erläuterung von Selbstverständlichkeiten wird deshalb verzichtet.
Was finden Sie in diesem Kapitel? 2.1
2.1 Vorbemerkungen Wer die IFRS verstehen will, muss wissen, dass das angelsächsische Rechtssystem Regeln für Spezialfälle entwickelt (sog. case law), während das kontinentaleuropäische System allgemein gültige Regelungen entwickelt hat (code law). Im HGB reichen wenige Paragrafen aus, um die Grundlagen für die Buchführung und Bilanzierung festzulegen: §§ 238 – 256 HGB und zusätzlich für die Kapitalgesellschaften sowie die KapCo-Gesellschaften §§ 264 – 289 HGB, ergänzt um §§ 290 – 315 HGB bei den Konzernen. Detail- und Einzelregelungen fehlen bis auf wenige Ausnahmen. Der eingangs zitierte IDW-Band mit der Wiedergabe der IAS und IFRS benötigt ohne Erläuterungen (in der zweisprachigen Wiedergabe) über 1500 Seiten und regelt eine Vielzahl von Einzelfällen. Und nur wenn ein zu lösendes Problem nicht als Einzelfall erläutert ist, folgt die Beschäftigung mit den grundlegenden Regelungen, dem sog. Rahmenkonzept (framework). íKapitel 2.3
Weiterhin muss beachtet werden, dass die Bilanzierung nach dem HGB den Gläubigerschutz als ein zentrales Anliegen hat (vgl. z. B. das Anschaffungskostenprinzip des § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB). IFRS richtet sich dagegen an den Investor bzw. Eigenkapitalgeber. Historisch ist dies damit zu erklären, dass die Unternehmensfinanzierung in angelsächsischen Ländern in wesentlich größerem Umfang über das Eigenkapital (Börse) erfolgt als in den kontinentaleuropäischen Ländern (Banken). Als Schlagwort: Der HGB-Abschluss wird für die Bank (und das Finanzamt) aufgestellt, der IFRS-Abschluss für den Aktionär.
2.2 Woher kommen die IFRS? Da es sich hier um eine Darstellung für den Bilanzpraktiker handelt, sei nur soviel erläutert: Zurzeit existiert u. a. das International Accounting Standards Board (IASB11) mit 14 Mitgliedern, das die einzelnen Standards erarbeitet und veröffentlicht (Standardsetter). Das IASB wird vom International Accounting Standards Committee Foundation (IASCF) überwacht und finanziert. Eine staatliche Aufsicht, Überwachung oder Kontrolle findet nicht statt. Weitere Details können bei Bedarf z. B. im Internet nachgesehen werden (http://www.iasb.org/). Sozusagen als Ausgleich für die fehlende staatliche Aufsicht läuft ein Standardsetzungsverfahren in mehreren Schritten ab: g
Veröffentlichung eines Diskussionspapiers (Discussion Document) nach vorheriger interner Stoffsammlung und Beratung.
Die interessierte Öffentlichkeit kann hierzu Stellungnahmen abgeben. Diese werden dann vom IASB beraten und ausgewertet.
Veröffentlichung eines vom IASB favorisierten Lösungsansatzes (sog. Exposure Draft - ED).
früher IASC
Erneute Möglichkeit zur Stellungnahme, Diskussion und Auswertung.
Veröffentlichung eines International Reporting Standards (IFRS).
Es ist ersichtlich, dass trotz der intensiven Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit letztlich das IASB entscheidet. Dieses Verfahren ist in Deutschland, vor allem bei der Diskussion um das Eigenkapital von Personengesellschaften und Genossenschaften, kritisch hinterfragt worden.
2.3 Sind die IFRS verbindlich? Ja. Obwohl eine private Organisation (IASB) letztlich den Inhalt der Standards bestimmt, müssen diese verbindlich beachtet werden. Diese Rechtsfolge beruht auf einer EU-Verordnung12 und wird über einen sog. Endorsementprozess (bzw. Komitologieverfahren) durchgeführt. Bisher hat die EU letztlich alle IFRS sowie alle gültigen Interpretationen (IFRIC und SIC) übernommen13. Nur in dem „seltenen Fall“14, dass die Beachtung der IFRS nicht dazu führt, dass der Abschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (VFE) zeigt, darf von ihm abgewichen werden. Folgende abnehmende Verbindlichkeit haben die einzelnen Verlautbarungen: g
Grundlegend ist die Fair Presentation (als overriding principle), IAS 1.1315
12 Nr. 1606/2002 betreffend die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards 13
a) Download über http://ec.europa.eu/internal_market/accounting/ias_de.htm b) IFRIC 3 wurde im August 2005 zurückgezogen. Von Zeit zu Zeit verzögert sich jedoch die Übernahme immer wieder. 14 IAS 1.17 15 International Accounting Standard 1.13
Standards IFRS und IAS mit den Interpretationen IFRIC und SIC, IAS 8.7
Implementation Guidance = Umsetzungsleitlinien, IAS 8.7 und 8.9
Fallanalogien, IAS 8.11 a)
Ansatz- und Bewertungskriterien des Rahmenkonzepts, IAS 8.11 b)
Verlautbarungen anderer Standardsetter, die ein ähnliches Rahmenkonzept einsetzen und anerkannte Praktiken, IAS 8.12
Rahmenkonzept (Framework) íKapitel 2.4
2.4 Rahmenkonzept (Framework) 2.4.1 Verbindlichkeit und Stellung íKapitel 2.3 und RK.1. Das Rahmenkonzept (RK) ist kein IFRS. Allerdings enthält u. a. IAS 1 diverse Inhalte des RK und somit wird über diesen Umweg doch eine Verbindlichkeit, wenn auch nicht in vollem Umfang, erreicht.
2.4.2 Anwendungsbereich (auch Inhalt), Adressaten des Jahresabschlusses und Zielsetzung vgl. RK.5-14 Wichtig ist die Festlegung in RK.7, dass sich ein Jahresabschluss aus folgenden Bestandteilen zusammensetzt: g
weitere Aufstellungen und Erläuterungen16 sowie („kann“) ergänzende Übersichten (z. B. Finanzinformationen zu Geschäftsfeldern und geografischen Segmenten, Angaben zu den Auswirkungen von Preisänderungen)
Negativ wird abgegrenzt, dass Berichte der Mitglieder der Geschäftsführung und des Aufsichtsorgans nicht Bestandteil des Jahresabschlusses, sondern des Geschäftsberichts sind. Aus dieser Festlegung heraus wird abgeleitet, dass der im HGB geregelte Lagebericht (§§ 289, 315 HGB) kein Bestandteil eines IFRS-Abschlusses ist17. IAS 1.9 unterscheidet jedoch sehr fein zwischen dem Lagebericht, der „neben“ dem Abschluss aufgestellt wird und anderen Berichten (z. B. Umweltschutz), die „außerhalb“ des Abschlusses stehen. In IAS 1.10 steht dann, dass die Berichte, die außerhalb des Abschlusses veröffentlicht werden, auch außerhalb des Anwendungsbereichs der IFRS stehen. Wo der Lagebericht steht, darüber schweigen sich die IFRS aus. Die Adressaten des Jahresabschlusses sind in RK.9 genannt. Im Zweifel erfolgt eine Orientierung am Investor (RK.10). Aus deutscher Sicht ist noch zu ergänzen, dass – nach derzeitiger Rechtslage18 – das Finanzamt nicht zu den Adressaten eines IFRS-Abschlusses gehört, zumindest was die Ermittlung des Jahresüberschusses anbelangt. Die Gewinnermittlung erfolgt zwingend nach den Vorgaben des HGB (§ 5 Abs. 1 EStG). Die Zielsetzung des Jahresabschlusses ist es, Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (VFE) sowie deren Veränderung zu geben (RK.12). Die Regelung in RK.14, wonach der Abschluss auch die Ergebnisse der Führung des Unternehmen durch das Management zeigen soll, ist bei KMU mindestens nachrangig, da diese i. d. R. inhabergeführt sind.
z. B. IAS 14 Segmentberichterstattung und zwingend nach IAS 1.8 die Eigenkapitalveränderungsrechnung 17 U. U. wird sich in Zukunft eine Änderung dadurch ergeben, dass eine Arbeitsgruppe sich mit der Ausarbeitung eines „Management Commentary“ beschäftigt. 18 Wegen § 4h EStG muss sich erstmals ab 2008 der deutsche Finanzbeamte mit den IFRS beschäftigen.
2.4.3 Grundsätze der Rechnungslegung 2.4.3.1 Grundlagen: Unternehmensfortführung und Periodenabgrenzung Diese Grundlagen finden sich ebenso im HGB (§ 252 Abs. 1 Nr. 2 und § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB). Somit erübrigt sich eine genauere Erläuterung. IFRS erhält dazu Ausführungen in IAS 1.23 (Unternehmensfortführung – going concern) und IAS 1.25 sowie RK.22 (Periodenabgrenzung, also die Erfassung unabhängig vom Zahlungsfluss [accrual oder matching principle]19). Aus der going-concern-Annahme folgt grundsätzlich die Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten bis zu erwarten ist, dass der Vermögenswert im Unternehmen keinen ausreichend hohen Nutzen mehr bringt. In diesem Fall sind die Liquidationswerte maßgebend.
2.4.3.2 Qualitative Anforderungen des Jahresabschlusses … sind gemäß RK.24 g
Vergleichbarkeit (comparability).
Bei der Frage der Verständlichkeit gibt es Ähnlichkeiten zum HGB (§ 238 Abs. 1 Satz 2 HGB: ein sachverständiger Dritter … in angemessener Zeit … Überblick über Geschäftsvorfälle und Lage), was bei IFRS jedoch ein wenig anders formuliert wird. Zusätzlich verlangt RK.25 vom Jahresabschlussadressaten, dass er die Bereitschaft besitzt, die Informationen mit entsprechender Sorgfalt zu lesen! Aus dem Erfordernis der Verständlichkeit darf aber keinesfalls gefolgert werden, dass komplexe Sachverhalte weggelassen werden dürfen. Im Gegenteil verlangt RK.25
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Report IFRS fÃ¼r Steuerberatungs- kanzleien - Datev

References: § 4
 § 4
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 § 315
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 Art. 57
 § 315
 § 264
 § 4
 § 342
 § 325
 § 253
 § 4
 § 252