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Timestamp: 2016-12-07 17:00:01+00:00

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⭐rechtaktuell Loschelder Rechtsanwälte recht aktuell 1 August Von der Gefahr des Blogs
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1 Loschelder Rechtsanwälte recht aktuell 1 August 2012 rechtaktuell 2 Von der Gefahr des Blogs 4 Richtlinie über Industrieemissionen Weit reichender Gesetzesentwurf nimmt erste parlamentarische Hürden 6 Auslauffrist bei Widerruf der privaten Nutzung eines Dienstwagens 8 Smart TV und TV Apps: Zugang zu Inhalten über Fernsehbildschirm 10 Immer wieder: Falscher Rechtsweg bei der Kündigungsklage eines GmbH-Geschäftsführers 12 Arbeitszeitrecht in Zeiten des Smartphone 14 Vorstände und Geschäftsführer: Unzulässige Altersdiskriminierung bei verweigerter Weiterbeschäftigung 16 Haftung des Webseiten-Betreibers für eingebettete, fremde Inhalte 18 Neue Regelungen im Online-Handel 20 Das neue Tariftreue- und Vergabegesetz NRW Chancen und Risiken für Auftraggeber und Bieter 22 In eigener Sache2 2 recht aktuell Arbeitsrecht Von der Gefahr des Blogs Arbeitgeber müssen persönliche Daten ausgeschiedener Arbeitnehmer von ihrer Homepage und auch vom Blog des Unternehmens löschen. Das hat das Hessische Landesarbeitsgericht (Urteil vom Az. 19 SaGa 1480/11) nun entschieden. Das Persönlichkeitsrecht eines Arbeitnehmers ist verletzt, wenn der Arbeitgeber persönliche Daten und Fotos nach dem Ausscheiden weiter auf der Homepage präsentiert. Der Löschungsanspruch kann sogar im Wege der einstweiligen Verfügung durchgesetzt werden. Eine Rechtsanwältin, die im Besitz auch einer US-amerikanischen Anwaltszulassung war, war von Mai bis Juli 2011 in einer Sozietät beschäftigt. Während der Dauer des Arbeitsverhältnisses wurde sie mit entsprechendem Profil als Rechtsanwältin auf der Homepage geführt. Daneben wurde im News-Blog der Homepage eine Website geführt, in der ebenfalls das Profil und das Foto der Klägerin eingestellt war. Dabei wurde formuliert: langjährige Berufserfahrung in Deutschland und in den USA, von der unsere Mandanten profitieren werden. Das Profil war mit einem Bild und einem Bezug zur Homepage verbunden. Nach dem Ende der dreimonatigen Dienstzeit der Klägerin war sie Leiterin der Rechtsabteilung eines Unternehmens geworden und verlangte von ihrem früheren Arbeitgeber die Löschung der per-3 recht aktuell 3 Arbeitsrecht sönlichen Daten auf der Homepage und im News-Blog. Die Sozietät löschte die Daten nicht vom News-Blog. Der Verfügungsanspruch folgt aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht der früheren Arbeitnehmerin als vertraglichem Anspruch sowie aus dem deliktrechtlichen Schutz des allgemeinen Arbeitnehmerpersönlichkeitsrechts gem. Art. 1 Abs. 2, 2 Abs. 1 GG und aus einer Verletzung der 22, 23 Kunsturhebergesetz (KUG) i.v.m. 823 Abs. 2 BGB. Das Landesarbeitsgericht nimmt sowohl bei der Prüfung der nachvertraglichen Rücksichtnahmepflicht als auch des allgemeinen Persönlichkeitsrechts eine Interessenabwägung vor. Dabei sieht es berufliche Nachteile, wenn die Arbeitnehmerin nach dem Anstellungsverhältnis weiterhin der Sozietät als Arbeitnehmerin zugeordnet werde, weil bewusst durch Foto und Text die individuelle Persönlichkeit und die berufliche Qualifikation herausgestellt werden. Auch in ihrer Position als Rechtsanwältin in einem Unternehmen bzw. in einer eigenen Praxis habe sie Wettbewerbsnachteile. Potentielle Mandanten würden bei der Suche im Internet auf die Homepage der beklagten Rechtsanwaltssozietät verwiesen. Auch der Hinweis auf News erwecke den Eindruck, dass die Klägerin erst gerade eingetreten und mithin noch tätig sei. Demgegenüber trete das Interesse an einer Vermeidung des nicht näher substantiierten Aufwandes zur Korrektur bzw. Überarbeitung der Homepage zurück. Da der Verfügungsanspruch offensichtlich bestehe, bedürfe es nicht der Darlegung einer weiteren wesentlichen Beeinträchtigung, um den Verfügungsgrund zu bejahen. Er liege auch in der wiederholten (Tag für Tag) durchgeführten Verletzung des Persönlichkeitsrechts und der Gefahr hoher beruflicher Nachteile. Im Ergebnis müssen Arbeitgeber daher beachten, persönliche Daten ausgeschiedener Arbeitnehmer für ihre Homepage zu löschen, sofern keine ausdrückliche und den Anforderungen der 22, 23 KUG genügende Einwilligung zum Verbleib dieser Daten beim Ausscheiden aus dem Unternehmen vorliegt. Das gilt auch möglicherweise schon für Fotos, die Mitarbeiter in betrieblichen Situationen zeigen. Auf der anderen Seite wird problematisiert, ob die Einwilligung erlöschen kann, wenn der Arbeitnehmer diese nur für die Dauer des Arbeitsverhältnisses erteilt hat. Das dürfte dann jedenfalls nicht der Fall sein, wenn der Arbeitnehmer nicht ausdrücklich Gegenteiliges erklärt hat und das Foto reinen Illustrationszwecken wie etwa auf der Homepage eines Unternehmens dient und nicht einen auf den Arbeitnehmer als Individualperson Bezug nehmenden Inhalt hat (so auch LAG Köln v Ta 126/09; LAG Kiel v Sa 72/10). Da die Rechtsprechung hier erst am Anfang steht, sollte obwohl nicht alle Fälle so klar sind wie dieser bei der Einrichtung von Homepages von Unternehmen (und Kanzleien) und insgesamt auch beim Bloggen Vorsicht an den Tag gelegt und insbesondere für eine klare Einwilligungslage gesorgt werden. Wenn Sie weitere Fragen zur Nutzung von Fotografien Ihrer Arbeitnehmer in der Internetpräsenz oder zu sonstige Fragen des Arbeitsrechts haben, wenden Sie sich gerne an: Dr. Detlef Grimm Telefon: +49 (0) Dr. Martin Brock Telefon: +49 (0)4 4 recht aktuell Umweltrecht Richtlinie über Industrieemissionen Weit reichender Gesetzesentwurf nimmt erste parlamentarische Hürden Mit der 2011 in Kraft getretenen Richtlinie über Industrieemissionen ( IE-Richtlinie oder IED ) werden die Anforderungen an die Zulassung und Überwachung größerer Industrieanlagen in Europa geändert. Wir berichteten dazu bereits in der Ausgabe von Januar 2011 von recht aktuell. Die Neuregelung soll Vollzugsdefizite und Unterschiede in den Anforderungen an Industrieanlagen auf europäischer Ebene beseitigen. Die Bundesregierung hat am einen Gesetzesentwurf vorgelegt (Drucksache 314/12). Durch das Gesetzespaket und die zu erwartenden Folgeregelungen werden zentrale Vorschriften des deutschen Umweltrechts zum Teil erheblich abgeändert: Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen (4. BImSchV) Verordnung über das Genehmigungsverfahren (9. BImSchV) Verordnung über Großfeuerungs- und Gasturbinenanlagen (13. BImSchV) Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) Wasserhaushaltsgesetz (WHG) Abwasserverordnung (AbwV) Neuerlass einer Industrieemissionen-Verordnung Wasser Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) Von besonderer Bedeutung sind dabei folgende Neuerungen: Stärkere Bindungswirkung der BVT Bei der Festlegung von Emissionsgrenzwerten ist zukünftig sicherzustellen, dass die Emissionen innerhalb der Bandbreiten der BVT- Merkblätter liegen. Im BImSchG und im Wasserrecht sind diese Anforderungen bislang nicht ausreichend umgesetzt. Dort sind die Vorgaben der BVT-Merkblätter nur zu berücksichtigen. Hinsichtlich der Anlagen, die weiterhin im vereinfachten Verfahren zu genehmigen sind, soll es bei einer Berücksichtigung der BVT-Merkblätter bleiben. Wenn sich die Vorgaben in den BVT-Merkblättern verschärfen, sind diese strengeren Anforderungen binnen vier Jahren nach Veröffentlichung von BVT-Schlussfolgerungen umzusetzen. Dabei handelt es sich um eine vergleichsweise knappe Frist. Je nach dem, wie häufig die zahlreichen BVT-Merkblätter geändert werden, kann dies den Umsetzungsaufwand ganz erheblich erhöhen. Im Wasserrecht werden die BVT-Anforderungen durch eine Anpassung der Anhänge der Abwasserverordnung umgesetzt. Hinzuweisen ist darauf, dass die Bandbreiten in den BVT-Merkblättern teilweise erheblich sind. Insofern darf bezweifelt werden, ob eine strengere Geltung der BVT insgesamt erreicht werden kann. Bericht über Ausgangszustand des Anlagengrundstücks Bereits nach bisherigem Recht ist das Betriebsgelände nach Beendigung des Anlagenbetriebes wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen. Nach dem Entwurf sollen die Betreiber darüber hinaus verpflichtet werden, den Ausgangszustand wieder herzustellen. Um eine qualitative Vergleichsbetrachtung zu ermöglichen, sollen Betreiber verpflichtet werden, ab 2013 bei Neu- und Änderungsgenehmigungen einen Bericht über den Ausgangszustand zu erstellen, wenn in der Anlage bestimmte gefährliche Stoffe verwendet, erzeugt oder freigesetzt werden. Entsprechende Berichtspflichten sollen zukünftig auch im Wasserrecht eingeführt werden. Der Entwurf geht davon aus, dass diese Vorschriften keine Pflicht zur Beseitigung von Altlasten begründen, da nach den Vorgaben nur nach 2013 eingetretene Verschmutzungen zu beseitigen sind. Allerdings enthalten die Bodenschutzgesetze der Bundesländer eine Pflicht, die Behörde zu informieren, wenn Anhaltspunkte für schädliche Bodenveränderungen oder Altlasten bekannt werden. Eine Sanierungspflicht folgt dann jedoch ggf. aus dem bisherigen Wasserrecht und Bodenschutzrecht. Dies verleiht dem Bericht über den Ausgangszustand erhebliche Brisanz. Verstärkte Anlagenüberwachung Die Richtlinie führt ein System von Umweltinspektionen ein. Für alle Anlagen sind Umweltinspektionspläne durch die Überwachungsbehörden aufzustellen. Auf deren Grundlage müssen Umweltinspektionsprogramme für die einzelnen Anlagen erstellt werden, die auch Höchstfristen für die Durchführung von Vor-Ort- Besichtigungen (Intervalle von 1 bis 3 Jahren in Abhängigkeit von Gefährdungsklassen) enthalten. Diese Vorgaben sind bislang im BImSchG und WHG unbekannt. Es ist davon auszugehen, dass die Anlagenüberwachung erheblich intensiviert werden wird. Man spricht bereits davon, dass sich die Zahl der Vor-Ort-Besichtigungen verdoppeln wird. In diesem Zusammenhang ist auf das Umweltüberwachungskonzept der Bezirksregierung Köln hinzuweisen (Integrated Risk Assessment Method - IRAM), dass seit Juni 2012 in aktueller Form vorliegt und das bereits einen Vorgeschmack auf die verstärkte Anlagenüberwachung gibt.5 recht aktuell 5 Umweltrecht Auch der Anlagenbetreiber wird stärker in die Pflicht genommen. Er muss zukünftig jährlich über die Einhaltung der Genehmigungsauflagen Bericht erstatten und bei Nichteinhaltung der Genehmigungsauflagen unverzüglich die Überwachungsbehörden informieren. Weitere Neuerungen Das 4. BImSchG wird neu erlassen. Die bisherige Aufteilung in Spalten entfällt. Der Aufbau wird der Anlage 1 zum UVPG angepasst. Inhaltlich werden die Anlagenkategorien teilweise geändert und präzisiert. Die Aufteilung zwischen im herkömmlichen und vereinfachten Verfahren zu genehmigenden Anlagen bleibt erhalten. Diese werden einem bestimmten Buchstaben zugeordnet ( G und V ). Die Anlage 1 zum UVPG wird entsprechend angepasst. In materieller Hinsicht fällt weiter auf, dass insbesondere die Anforderungen an Großfeuerungsanlagen verschärft werden. Im Wasserrecht wird ferner ein umfassendes Genehmigungserfordernis für Abwasserbehandlungsanlagen vorgesehen, in die nur industrielles Abwasser eingeleitet wird. Ferner ist eine neue Bundesverordnung über Industrieemissionen Wasser geplant, die die bisherigen Regelungen der Länder ersetzt und die immissionsschutzrechtlichen und wasserrechtlichen Zulassungsverfahren miteinander verzahnt. Der Gesetzesentwurf hat mittlerweile die ersten parlamentarischen Hürden genommen. Der Bundesrat hat in seiner Stellungnahme vom (Drucksache 314/12) keine wesentlichen materiellen oder strukturellen Einwände erhoben. Teilweise sind sogar Verschärfungen vorgesehen. So sollen die Rückführungspflichten mit der einer Verpflichtung zur Sicherheitsleistung flankiert und abgesichert werden können. Insofern ist es durchaus möglich, das Gesetz zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft zu setzen und die IED damit rechtzeitig umzusetzen. Über die weiteren Entwicklungen halten wir Sie in unserem Newsletter auf dem Laufenden. Für weitere Informationen zur Umsetzung der IED in deutsches Recht oder zu sonstigen Bereichen des Umweltrechts steht Ihnen gerne zur Verfügung: Dr. Cedric Meyer Telefon: +49 (0)6 6 recht aktuell Arbeitsrecht Auslauffrist bei Widerruf der privaten Nutzung eines Dienstwagens Ein geradezu klassischer Konfliktfall im Arbeitsverhältnis insbesondere auch von Führungskräften ist der Widerruf der Nutzungserlaubnis des Dienstwagens für die Privatnutzung. Das BAG hat in seinem Urteil vom (Az.: 5 AZR 651/10) eine Widerrufsklausel bewertet und diese als zulässig angesehen. Im konkreten Fall entsprach der Widerruf jedoch nicht dem sogenannten billigen Ermessen nach 315 BGB, wurde also im Einzelfall nicht sachgemäß ausgeübt. Sachverhalt Der Arbeitgeber hatte sich im Arbeitsvertrag vorbehalten, den Arbeitnehmer im Falle einer Kündigung unter Fortzahlung der Bezüge freizustellen. Zugleich hatte er in Bezug auf die Überlassung des Dienstwagens folgenden Widerrufsvorbehalt aufgenommen: Der Arbeitgeber behält sich vor, die Überlassung des Dienstwagens zu widerrufen, wenn und solange der PKW für dienstliche Zwecke seitens des Arbeitnehmers nicht benötigt wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der Arbeitnehmer nach Kündigung des Arbeitsverhältnisses von der Arbeitsleistung freigestellt wird. Im Falle der Ausübung des Widerrufs durch den Arbeitgeber ist der Arbeitnehmer nicht berechtigt, eine Nutzungsentschädigung oder Schadensersatz zu verlangen. Nachdem der Arbeitnehmer gekündigt hatte, stellte der beklagte Arbeitgeber den Außendienstmitarbeiter frei und verlangte Rückgabe des Dienstwagens. Diese erfolgte am Der Arbeitnehmer verlangte Nutzungsentschädigung für die Dauer der Kündigungsfrist. Das BAG erkannte einen Entschädigungsanspruch für den Zeitraum vom 9. bis zu. Bewertung durch das BAG Das BAG setzt seine Begründung mit dem Bemerken an, der Widerrufsvorbehalt hinsichtlich der Dienstwagenüberlassung stelle eine Allgemeine Geschäftsbedingung (AGB) dar. Insoweit gibt die Entscheidung nichts Neues. Das BAG untersucht dann, ob der Widerrufsvorbehalt der Inhaltskontrolle nach 308 Nr. 4 des BGB standhält. Bei den Widerrufsgründen muss in formaler Sicht aus Transparenzerwägungen zumindest die Richtung angegeben werden, aus7 recht aktuell 7 Arbeitsrecht der der Widerruf möglich sein soll. Diesem Transparenzgebot werde die Widerrufsklausel gerecht. Ausdrücklich sei klar gestellt, dass der Arbeitnehmer im Fall einer Freistellung mit dem Entzug der Privatnutzung rechnen müsse. Aus Sicht des BAG ist die Widerrufsklausel auch in der Sache selbst die Juristen sprechen von materieller Betrachtung wirksam. Die Vereinbarung eines Widerrufsrechts ist nach 308 Nr. 4 BGB zumutbar, wenn der Widerruf nicht grundlos erfolgen soll. Der Widerruf der privaten Nutzung eines Dienstwagens im Zusammenhang mit einer (wirksamen!) Freistellung ist zumutbar. Der Arbeitnehmer muss keine Dienstfahrten mit dem Pkw mehr durchführen, und deshalb verknüpft die Widerrufsklausel die dienstliche und private Nutzung aus Sicht des BAG sachgerecht. Einer besonderen Ankündigungs- und Auslauffrist bedarf es nicht. Dies kann aber dazu sogleich bei der Frage der ordnungsgemäßen Ausübung im Einzelfall relevant werden. Auch einer Änderungskündigung bedarf es nicht, wenn wie in der Praxis die Regel der Wert der Dienstwagenüberlassung nicht mehr als 25 % des regelmäßigen Arbeitsverdienstes betrifft. Erfreulicherweise bestätigt das BAG auch seine ständige Rechtsprechung, wonach bei zulässigem Widerruf der Nutzungsgestattung bzw. Herausgabeverlangen des Arbeitgebers keine Nutzungsentschädigung gezahlt werden muss. Aber: Konkrete Ausübung im Einzelfall nicht richtig Die Beklagte hatte aber mit dem Widerruf am ihr grundsätzlich zulässiges Widerrufsrecht nicht angemessen unter Wahrung der beiderseitigen Interessen ( 315 BGB) ausgeübt. Der Arbeitnehmer musste nämlich für den gesamten Monat Juni 2009 die nach 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG zu bewertende Privatnutzung versteuern, obwohl er über diese Nutzung für 22 Tage nicht mehr verfügen konnte. Damit führte der Entzug des Pkw nicht nur zum Nutzungsausfall, sondern auch zu einer ohne eigene Gegenleistung eintretenden spürbaren Minderung des Nettoeinkommens. Das Interesse des Arbeitnehmers so das BAG nahezu wörtlich, den versteuerten Vorteil auch real nutzen zu können, überwiege das abstrakte Interesse des Arbeitgebers an der sofortigen Besitzerlangung des Dienstwagens. Aus diesem Grunde muss die Beklagte hierfür Schadensersatz nach allgemeinen schadensrechtlichen Grundsätzen in Höhe des Nutzungsausfalls zahlen. Folgen für die Praxis Widerrufsklauseln sind wenn sie ordnungsgemäß formuliert werden trotz immer wieder auftauchender Bedenken zulässig. Die Entscheidung des BAG beinhaltet eine Gebrauchsanweisung für eine ordnungsgemäße Widerrufsklausel im Arbeitsvertrag. Im konkreten Einzelfall sollte der Widerruf zum Ende eines ganzen Monats erfolgen. Sonst droht bei nur teilweiser Nutzungsmöglichkeit in diesem Monat für (nur) diesen Monat eine allgemeine schadensrechtliche Entschädigungspflicht. Nachfolgende Monate bleiben davon aber unberührt, weil in diesen keine Versteuerung mehr erfolgen wird. Das ist insbesondere bei langen Kündigungsfristen für die Praxis wohltuend. Wenn Sie weitere Fragen zum Widerruf der Nutzungserlaubnis des Dienstwagens oder zu sonstigen Fragen des Arbeitsrechts haben wenden Sie sich gerne an: Dr. Detlef Grimm Telefon: +49 (0) Dr. Sebastian Pelzer Telefon: +49 (0)8 8 recht aktuell Rundfunkrecht Smart TV und TV Apps: Zugang zu Inhalten über Fernsehbildschirm Mit der Verbreitung hybrider TV-Geräte internetfähiger Fernseher steigt auch die Etablierung von TV-Endgeräteportalen. Über diese Portale ermöglichen es die Hersteller den Gerätenutzern, mittels sog. TV-Applikationen ( TV-Apps ) auf Internetinhalte zuzugreifen. Bei den TV- Apps handelt es sich, wie aus dem Smartphone-Bereich bekannt, um auf dem Bildschirm als kleine graphische Kacheln erscheinende Icons, deren Anklicken den Zugang zu den dort hinterlegten Inhalten ermöglicht. Die TV-Inhalte sind vielfältig das Angebot reicht von Online- Videotheken und Video-on-Demand Inhalten (beispielsweise den Mediatheken von Rundfunkveranstaltern) über Live-Streaming- Angebote (zusätzliche parallele / zeitgleiche Übertragung herkömmlicher Rundfunkprogramme über das Internet) bis hin zum Web-Casting (ausschließliche Übertragung von Rundfunkprogrammen über das Internet). Die Inhalte können über den Internetzugang des Verbrauchers oder auch unmittelbar über den Breitbandkabelanschluss im Haushalt übertragen werden und auf diese Weise auf dem (ggf. hybriden) TV-Endgerät abrufbar sein. Die Zuführung der Inhalte wird von den Inhalteanbietern gewährleistet; die TV-Portale der Endgerätehersteller bieten ausschließlich die Zugriffsmöglichkeit auf diese Inhalte. Erlangen die TV-Endgerätehersteller durch die Aufnahme und Platzierung der TV-Apps in den Portalen die Entscheidungsmacht über die Zusammenstellung der Inhalteangebote, wird ihre Tätigkeit medienrechtlich relevant. Endkunden haben ein erhebliches Interesse an einem ausgewogenen und umfassenden Inhalteangebot in diesen Portalen. Der Zugang zu den TV-Endgeräteportalen ist zugleich für Rundfunkprogrammanbieter von elementarer Bedeutung, um die Endkunden zu erreichen. Berührt ist damit auch das öffentliche Interesse an einer pluralen Medienordnung. Der positivrechtliche Gestaltungsauftrag an den Gesetzgeber aus Art. 5 GG, eine plurale Medienordnung sicherzustellen, ist betroffen, wenn Endgerätehersteller über die Ausgestaltung ihres Portals den Zugriff auf rundfunkrechtlich bedeutsame Inhalte beeinflussen, wenn nicht sogar steuern können. Medienrechtliche Regulierung? Die medienrechtlichen Vorgaben sind indes nicht zugeschnitten auf diese neue technische Entwicklung. Das Portalangebot ist funktional eng mit der Bereitstellung einer Übertragungsplattform oder eines elektronischen Programmführers vergleichbar. Ebenso wie Anbieter von Plattformen und Navigatoren fassen die Endgerätehersteller Inhalteangebote zusammen; sie treffen dabei eine Auswahl, eine Gewichtung, und vermitteln den das Portal nutzenden Endkunden ein nach ihren Kriterien gewichtetes Inhalteangebot. Der Unterschied zu den Plattformen i.s.d. Legaldefinition des 2 Abs. 2 Nr. 13 Rundfunkstaatsvertrag liegt lediglich darin, dass die Zusammenstellung der Inhalte, wie sie dem Plattformbegriff eigen ist, nicht auf den zu übertragenden Datenstrom bezogen ist, sondern, insoweit losgelöst vom Transportvorgang, über die Software des Endgerätes erfolgt. Da keine Nutzung von Übertragungskapazitäten erfolgt, sind die medienrechtlichen Vorgaben, insbesondere die Plattformregulierung nach 52 ff. Rundfunkstaatsvertrag, für Anbieter von TV-Geräteportalen allerdings nicht unmittelbar anwendbar. Diese Vorschriften umfassen insbesondere9 recht aktuell 9 Rundfunkrecht Vorgaben für eine diskriminierungsfreie und chancengleiche Belegung der Plattformen und Entgeltgestaltung sowie die technische Zugangsfreiheit (die eingesetzte Technik muss ein vielfältiges Angebot ermöglichen). Als letztes Glied in der Kette hin zum Fernsehnutzer kommt den Geräteherstellern jedoch eine Gate-Keeper -Funktion zu. Sie können durch die Ausgestaltung der TV-Portale bestimmen, welche Angebote dem Nutzer auf welche Weise präsentiert werden. Insoweit fordert die Motivation der Plattformregulierung nämlich die Gewährleistung eines diskriminierungsfreien und chancengleichen Zugangs für Inhalteanbieter einen Erst-Recht-Schluss: Wenn die vorgelagerte Bouquetbildung im Kontext des Datentransports zum Endkunden zur Vielfaltssicherung reguliert werden muss, ist es ein Gebot effektiver Regulierung, sicherzustellen, dass diese Regulierungserfolge nicht durch vielfaltsfremd ausgestaltete TV-Portale auf Endgeräten, verbreitungsunabhängig, konterkariert werden. Vielfaltsregulierung kann nur dann effektiv sein, wenn sie ausnahmslos die gesamte Kette der Datenbereitstellung an den Endnutzer erfasst; dies muss dann TV-Portale in Endgeräten als den letzten möglichen Filter vor dem Endnutzerzugriff einschließen. Rechtlich zeigt sich hier die nach der Regulierungsmotivation offenkundig planwidrige Regelungslücke (als erste Analogievoraussetzung) in einer vergleichbaren Interessenlage (als zweite Analogievoraussetzung), die nur durch die analoge Anwendung der Plattformregulierung, jedenfalls dem Grunde nach, geschlossen werden kann. Diskriminierungsfreier und chancengleicher Zugang Durch eine Eröffnung des Anwendungsbereichs der Plattformregulierungsvorgaben auf Hersteller von TV-Geräten in analoger Anwendung kann insbesondere den Grundsätzen der vielfaltsgerechten Belegung, der technischen Zugangsfreiheit und des Entgeltmissbrauchsverbots Rechnung getragen werden. Die unter dem Stichwort des Must-be-found aus der Plattformregulierung bekannte diskriminierungsfreien Auffindbarkeit der Angebote in dem Portal ist abzusichern. Verbleibende Rechtsunsicherheit Auch im Fall einer analogen Anwendung der 52 ff. RStV verbleibt jedoch eine erhebliche Rechtsunsicherheit. Die Plattformregulierungsvorgaben sind nicht auf TV-Gerätehersteller ausgerichtet, die ihre Geräte mit eigenen TV-Portalen versehen. Zu begrüßen wäre daher die Aufnahme regulatorischer Vorgaben für TV-Portalangebote auf Endgeräten im Rundfunkstaatsvertrag. Medienrechtliche Regelungen müssten zumindest die Vielfaltssicherung, die Berücksichtigung der Nutzerinteressen und -akzeptanz, einen Zugangsanspruch von Inhalteanbietern zu angemessenen Bedingungen ( Ob und Wie des Zugangs) und die diskriminierungsfreie Ausgestaltung der Auffindbarkeit von Inhalteangeboten in TV-Portalen umfassen. Wenn Sie weitere Fragen zu Smart TV und TV Apps oder sonstigen Bereichen der Rundfunkregulierung haben, wenden Sie sich gerne an: Dr. Raimund Schütz Telefon: +49 (0) Dr. Kristina Schreiber Telefon: +49 (0)10 10 recht aktuell Arbeitsrecht Immer wieder: Falscher Rechtsweg bei der Kündigungsklage eines GmbH-Geschäftsführers Immer wieder wenden sich GmbH-Geschäftsführer an das falsche Gericht, wenn sie gegen die Kündigung Ihres Dienstvertrages klagen. Das Landesarbeitsgericht Köln hat in einem sehr lesenswerten Beschluss vom (Az.: 12 Ta 274/11) den Rechtsprechungsstand zum Rechtsweg bei der Kündigungsklage eines GmbH-Geschäftsführers zusammengefasst. Nachdem ein mit einer monatlichen Bruttovergütung von Euro auf der Grundlage eines Geschäftsführerdienstvertrages angestellter und in das Handelsregister als solcher eingetragener Geschäftsführer abberufen und gekündigt worden war, wandte er sich mit einer beim Arbeitsgericht Bonn eingereichten Klage gegen die Kündigung seines Dienstvertrages. Der Rechtsweg zu den Gerichten der Arbeitsgerichtsbarkeit sei begründet, weil er tatsächlich nicht als Geschäftsführer, sondern als weisungsgebundener Arbeitnehmer tätig gewesen sei. Seine Befugnisse seien nicht über die eines Verkaufsleiters hinausgegangen. Die Beschwerde gegen den die Klage an das Landgericht Bonn verweisenden Beschluss blieb zu Recht erfolglos. Nach 2 Abs. 1 Nr. 3 ArbGG sind die Arbeitsgerichte zuständig für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Wer Arbeitnehmer i. S. d. ArbGG ist, bestimmt 5 ArbGG. 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG fingiert, dass der Organvertreter einer juristischen Person kein Arbeitnehmer und sein der Organstellung zu Grunde liegendes Anstellungsverhältnis demzufolge kein Arbeitsverhältnis ist. Diese Fiktion gilt unabhängig davon, ob das der Organstellung zu Grunde liegende Rechtsverhältnis materiellrechtlich ein freies Dienstverhältnis oder ein Anstellungsverhältnis ist. Das Landesarbeitsgericht Köln subsumiert diese Grundsätze auf den konkreten Fall und stellt zu Recht heraus, dass diese auch anwendbar sind, wenn der Geschäftsführer geltend macht, er sei wegen seiner eingeschränkten Kompetenz in Wirklichkeit Arbeitnehmer gewesen. Das gilt auch bei einer vorgeschalteten Probezeit: In einem auf die Bestellung als Organ gerichteten Vertrag ist der Geschäftsführer nicht etwa bis zur Bestellung Arbeitnehmer und erst danach Nichtarbeitnehmer i. S. d. 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG. Die gesetzliche Fiktion gilt also schon so zu Recht das Landesarbeitsgericht Köln in der Probezeit.11 recht aktuell 11 Arbeitsrecht Auch nach Beendigung der Organstellung verändert sich das Anstellungsverhältnis einer juristischen Person selbstverständlich nicht automatisch in ein Arbeitsverhältnis. Es handelt sich um die bloße Abwicklung des Geschäftsführer-Dienstverhältnisses. Berater von Geschäftsführern tun bei Abschluss des Anstellungsvertrages sehr gut daran, ihren Mandanten den Abschluss einer für Organe (AG-Vorstände; GmbH-Geschäftsführer) geltenden deutlich teureren Rechtsschutzversicherung zu empfehlen. Dann ist es nicht notwendig, den regelmäßig scheiternden Versuch zu unternehmen, ohne Kostenvorschuss für die Gerichtskosten und mit geringem Kostenrisiko in der ersten Instanz die Güteverhandlung beim Arbeitsgericht zu erreichen. Natürlich können die Parteien eine Vereinbarung zur Zuständigkeit der Arbeitsgerichtsbarkeit treffen, was in Ausnahmefällen geschieht. Unberührt von der Rechtswegfrage bleibt materiellrechtlich, dass das KSchG nach 14 Abs. 1 Nr. 1 KSchG sofern seine Anwendbarkeit nicht ausnahmsweise vereinbart wird nicht anwendbar ist. Kündigungsschutz wird also nicht auf normalem Weg, sondern nur durch andere Gesetze, wie etwa aufgrund einer Altersdiskriminierung und damit im Ausnahmefall zu erreichen sein. Zur Altersdiskriminierung bei der Nichtverlängerung eines Geschäftsführervertrages der BGH lesen Sie bitte den Beitrag in diesem Heft auf den Seiten 14 und 15. Wenn Sie weitere Fragen zur Kündigung zur GmbH-Geschäftsführern oder sonstigen Fragen des Arbeitsrechts haben wenden Sie sich gerne an: Dr. Detlef Grimm Telefon: +49 (0) Dr. Sebastian Pelzer Telefon: +49 (0)12 12 recht aktuell Arbeitsrecht Arbeitszeitrecht in Zeiten des Smartphone Die psychische und physische Belastung von Arbeitnehmern durch die neuen Kommunikationsmittel und gesetzgeberisch zu ziehende Konsequenzen waren zuletzt immer stärker Gegenstand auch der öffentlichen Diskussion. Das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat zwar noch keine gesetzliche Regelung vorgelegt, mahnt die Unternehmen jedoch zumindest, Lösungen zu finden. Weitergehend hat es die Initiative Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt ins Leben gerufen, die auf ihrer Homepage den Unternehmen umfangreiche (tatsächlich aber nicht immer hilfreiche) Materialien zur Verfügung stellt. Noch einen Schritt weiter geht die IG Metall, die im Juni 2012 den Erlass einer arbeitsschutzrechtlichen Anti-Stress-Verordnung vorgeschlagen hat. Diese wurde von der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (DBA) zwar als überflüssig abgelehnt, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wertete den Vorstoß der IG Metall jedoch zumindest als Diskussionsvorschlag.13 recht aktuell 13 Arbeitsrecht Bei der Diskussion um zukünftige Regelungen wird häufig übersehen, dass die Erreichbarkeit von Arbeitnehmern über Smartphone und insbesondere dessen Nutzung für betriebliche Zwecke außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit auch ohne ergänzende neue Gesetze oder Verordnungen arbeitsrechtlich nicht unproblematisch ist. Mit Verfahren zu den sich stellenden Fragen waren die Arbeitsgerichte zwar soweit ersichtlich noch nicht befasst, in der juristischen Diskussion wurden aber eine Vielzahl von Problemen herausgearbeitet. Die durch die neuen Kommunikationsmittel erfolgende Auflösung der traditionell durch die Anwesenheit im Betrieb definierten Arbeitszeit kollidiert vielfach mit den aus einer Zeit vor dem mobilen Internet herrührenden Wertungen des Arbeitszeitrechts. Unter den Arbeitsrechtlern besteht allerdings grundsätzlich Einigkeit, dass jedenfalls eine Tätigkeit des Arbeitnehmers außerhalb seiner regulären Arbeitszeit auf Anweisung des Arbeitgebers etwa im Rahmen eines Telefonanrufs oder um eine Mail zu beantworten Arbeitszeit ist und grundsätzlich auch vergütet werden muss. Die, wenn auch ggf. nur kurze, Arbeitsaufnahme führt auch dazu, dass die elfstündige ununterbrochene Ruhezeit gemäß 5 Arbeitszeitgesetz gestört wird. Ob diese Störung der Ruhezeit auch deren juristisch relevante Unterbrechung ist, so dass, wenn der Arbeitnehmer am nächsten Morgen seine Arbeit aufnimmt, das Ruhezeiterfordernis verletzt ist, wird zumindest kontrovers diskutiert. Auch die bloße Verpflichtung der Arbeitnehmer, außerhalb der Arbeitszeit Anrufe anzunehmen bzw. Mails zu kontrollieren und zu beantworten, kann, jedenfalls wenn sie vom Arbeitgeber angeordnet wurde, rechtlich selbst dann relevant sein, wenn es nicht zu einer Arbeitsaufnahme kommt. Dann liegt zwar arbeitszeitrechtlich keine Arbeitszeit vor, da nur die Zeiten der tatsächlichen Inanspruchnahme als Arbeitszeit gewertet werden. Aus Sicht des BAG ist aber auch die Rufbereitschaft als solche zu vergüten; die Vergütung darf lediglich geringer ausfallen als die für Vollarbeit gezahlte. Dieser Aspekt wird bei besser bezahlten Angestellten regelmäßig nicht relevant werden, da diese eine entsprechende Vergütungserwartung, die Mehrarbeit gesondert bezahlt zu bekommen, i.s. des 612 BGB kaum haben werden. Jedenfalls für Überstunden liegt aus Sicht des BAG die Schwelle für die berechtigte Vergütungserwartung in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung, die im Jahr 2012 für die alten Bundesländer bei 5.600,00 Euro brutto im Monat liegt. Für geringer entlohnte Arbeitnehmer lässt sich dagegen eine Pflicht zur gesonderten Vergütung durchaus begründen wobei streng zu differenzieren sein wird zwischen tatsächlich vom Arbeitgeber angeordneter Erreichbarkeit und einer in unterschiedlichen Schattierungen freiwilligen Nutzung der Kommunikationsmittel durch die Arbeitnehmer. Andere derzeit kontrovers diskutierte Fragen betreffen die Inanspruchnahme von Arbeitnehmern während des Urlaubs: Hier besteht bislang keine Klarheit, ob überhaupt und wenn ja, innerhalb welcher Grenzen, eine Inanspruchnahme während des Erholungsurlaubs rechtlich möglich ist, ohne diesem seinen Erholungswert zu nehmen. Falls man sich den hierzu vertretenen strengen Ansichten anschließt, dass bereits jede Tätigkeit für den Arbeitgeber es ausschließt, den entsprechenden Tag überhaupt als Urlaubstag zu werten, kann dies dazu führen, dass Arbeitnehmer sich auf solche Arbeitsleistungen berufen, um zusätzliche Urlaubstage zu erlangen. Angesichts der im juristischen Schrifttum und auch in der politischen Diskussion stärker werdenden Auseinandersetzung mit diesen Fragen, ist damit zu rechnen, dass Arbeitnehmer solche und ähnliche Ansprüche in Zukunft für sich entdecken werden. Es kann daher auch im Interesse der Unternehmen liegen, unabhängig von der politischen Diskussion um die zwangsweise Einführung entsprechender gesetzlicher Vorgaben, mit ihren Beschäftigten klare Regeln für den Einsatz elektronischer Kommunikationsmittel außerhalb der Arbeitszeit zu vereinbaren. Solche Vereinbarungen unterliegen als Arbeitszeitregelung und Regelung einer technischen Einrichtung der Mitbestimmung durch den Betriebsrat. Für Frage zum Thema Smartphone-Nutzung und Arbeitszeit oder sonstigen Bereichen des Arbeitsrechts steht Ihnen gerne zur Verfügung: Dr. Martin Brock Telefon: +49 (0)14 14 recht aktuell Gesellschaftsrecht Vorstände und Geschäftsführer: Unzulässige Altersdiskriminierung bei verweigerter Weiterbeschäftigung Der Bundesgerichtshof hat erstmals das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) auf GmbH-Geschäftsführer angewendet (Urteil vom 23. April II ZR 163/10). Wird ein für eine bestimmte Dauer bestellter GmbH-Geschäftsführer nach Ablauf seines Vertrages nicht mehr weiterbeschäftigt und durch einen jüngeren Geschäftsführer ersetzt, kann dies zu Schadensersatzansprüchen des alten Geschäftsführers gegen die Gesellschaft führen. Sachverhalt Der Kläger war bis zum Ablauf seiner Amtszeit am 31. August 2009 der medizinische Geschäftsführer der beklagten Kliniken der Stadt Köln, einer GmbH. Zum Zeitpunkt der Vertragsbeendigung war der Kläger 62 Jahre alt. Der im Jahr 2004 mit dem Kläger abgeschlossene Dienstvertrag hatte eine Laufzeit von fünf Jahren. Es war vereinbart, dass die Vertragsparteien spätestens 12 Monate vor Vertragsablauf mitteilten, ob sie zu einer Verlängerung des Vertragsverhältnisses bereit sind. Nach der Satzung der Gesellschaft hatte der Aufsichtsrat über den Abschluss, die Aufhebung und die Änderung des Dienstvertrags der Geschäftsführer zu entscheiden. Der Aufsichtsrat der Beklagten beschloss im Oktober 2008, das Anstellungsverhältnis mit dem Kläger nicht über den 31. August 2009 hinaus fortzusetzen. Die Stelle des medizinischen Geschäftsführers wurde stattdessen mit einem 41-jährigen Mitbewerber besetzt. Der Aufsichtsratsvorsitzende hatte gegenüber der Presse erklärt, dass der Kläger wegen seines Alters nicht weiterbeschäftigt worden sei. Man habe wegen des Umbruchs auf dem Gesundheitsmarkt einen Bewerber gewählt, der das Unternehmen langfristig in den Wind stellen könne. Unzulässige Altersdiskriminierung Der Bundesgerichtshof bewertet den verweigerten Neuabschluss des Dienstvertrags und die unterlassene weitere Bestellung als Geschäftsführer als Verstoß gegen das Altersdiskriminierungsverbot des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Nach 6 Abs. 3 AGG ist das Gesetz auch auf Geschäftsführer einer GmbH anwendbar, soweit es um den Zugang zu dem Geschäftsführeramt und um den beruflichen Aufstieg geht. Den Beschluss des Aufsichtsrats, den Kläger nach Auslaufen seiner Bestellung nicht weiter als Geschäftsführer zu beschäftigen, sieht der Bundesgerichtshof als Entscheidung über den Zugang zu dem Amt. Bei der Feststellung einer unzulässigen Altersdiskriminierung wendet der Bundesgerichtshof die Beweislastregel des 22 AGG an. Danach muss der Bewerber nur Indizien vortragen, aus denen sich eine Diskriminierung ergibt. Das Unternehmen hat dann zu beweisen, dass der Bewerber nicht wegen seines Alters oder aus anderen unzulässigen Gründen benachteiligt worden ist. In den unstreitigen15 recht aktuell 15 Gesellschaftsrecht Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber der Presse hat der Senat ausreichende Indizien für eine unzulässige Altersdiskriminierung gesehen. Daher griff die Beweislastumkehr nach 22 AGG. Den Gegenbeweis hatte die beklagte GmbH nicht geführt. Nach Auffassung des Senats war die Diskriminierung des Klägers auch nicht aus den in 10 AGG vorgesehenen Gründen ausnahmsweise gerechtfertigt. Schadensersatzpflicht der Gesellschaft Der Kläger kann von der Gesellschaft Ersatz seines Vermögensschadens und eine Entschädigung wegen seines immateriellen Schadens verlangen. Als immateriellen Schadensersatz hatte der Kläger EUR beantragt, vor dem Oberlandesgericht Köln aber nur EUR zugesprochen bekommen. Aufgrund von Fehlern des Oberlandesgerichts bei der Schadensfeststellung konnte der Bundesgerichtshof zur Schadenshöhe nicht abschließend entscheiden und hat die Sache insoweit an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Unabhängig von den noch ausstehenden Feststellungen droht der beklagten Gesellschaft somit jedenfalls eine spürbare finanzielle Sanktion. Fazit Das Urteil zeigt einmal mehr die erhebliche Bedeutung der gesetzlichen Diskriminierungsverbote für die Unternehmenspraxis. Die Regeln stehen nicht nur auf dem Papier, sondern können handfeste finanzielle Folgen für die Beteiligten haben. Mit der Aufsichtsratsentscheidung über die (Nicht)verlängerung befristeter Geschäftsführer- und Vorstandsverträge wird auch ein für jedes Unternehmen und die betroffenen Organmitglieder besonders wichtiger Bereich erfasst. Unternehmen, die über die Verlängerung der Bestellung zu entscheiden haben, sollten daher darauf achten, die Verlängerung nicht aus Gründen abzulehnen, die nach dem AGG unzulässig sind. Um den Vorwurf einer unzulässigen Diskriminierung auch in einem etwaigen Prozess entkräften zu können, sollten die entscheidungserheblichen Gründe zudem dokumentiert werden. Gleiches gilt bei der Entscheidung über die erstmalige Bestellung eines Geschäftsführers. Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Altersdiskriminierung bei Geschäftsführern oder sonstigen Bereichen des Gesellschaftsrechts haben, wenden Sie sich gerne an: Dr. Henning W. Wahlers Telefon: +49 (0) Dr. Martin Empt, LL.M. Telefon: +49 (0)16 16 recht aktuell Gewerblicher Rechtsschutz Haftung des Webseiten-Betreibers für eingebettete, fremde Inhalte Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat mit Urteil vom VI ZR 144/11 entschieden, dass der Betreiber eines Informationsportals, der erkennbar fremde Nachrichten anderer Medien (hier: RSS-Feeds) ins Internet stellt, sich diese nicht zu Eigen macht und grundsätzlich auch nicht verpflichtet ist, die Beiträge vor der Veröffentlichung auf etwaige Rechtsverletzungen zu überprüfen. Der Portalbetreiber sei erst verantwortlich, wenn er Kenntnis von der Rechtsverletzung erlange. Sachverhalt Die Beklagte dieses Verfahrens betreibt über ihre Internetadresse ein Informations- und Nachrichtenportal. Die auf der Webseite angezeigten Nachrichten erstellt die Beklagte jedoch nicht selbst, sondern bedient sich hierfür ausschließlich sog. RSS-Feeds anderer Nachrichtenportale. Diese RSS-Feeds sind vergleichbar mit einem Newsticker und versorgen den Abonnenten (hier die Beklagte) fortlaufend mit kurzen, dynamischen Informationsblöcken, die aus einer Schlagzeile mit kurzem Textanriss und einer Verlinkung zur Originalseite des Herausgebers bestehen. Einer dieser Nachrichtenblöcke enthielt ein Foto, welches ein kurz zuvor aus der Haft entlassenes ehemaliges RAF-Mitglied zeigte und heimlich angefertigt worden war. Dieses Bild mit dem zugehörigen Artikel stammte aus einem RSS-Feed der Betreiberin der Webseite Nachdem der Kläger erfolgreich gegen bild.de gerichtlich vorgegangen war, nahm er auch die Beklagte wegen einer Verletzung des Persönlichkeitsrechts auf Unterlassung in Anspruch. Entscheidung des Gerichts Kein Zu-Eigen-Machen fremder Inhalte Der Bundesgerichtshof (BGH) stellte zunächst fest, dass die Beklagte nicht selbst unmittelbar in das Persönlichkeitsrecht des ehemaligen RAF-Mitglieds eingegriffen habe, da das Foto ursprünglich von bild.de stamme. Im Anschluss widmete sich der Senat der Frage, ob sich die Beklagte womöglich diesen zunächst fremden Inhalt zu Eigen gemacht hat. Denn nach ständiger Rechtsprechung wird derjenige, der sich fremde Inhalte zu Eigen macht, so behandelt, als hätte er die Inhalte selbst verbreitet. Ein solches Zu-Eigen-Machen liegt regelmäßig dann vor, wenn die fremde Äußerung so in den eigenen Gedankengang eingefügt wird, dass die gesamte Äußerung als eigene erscheint. Dies verneinte der Bundesgerichtshof im vorliegenden Fall. Zur Begründung stellte der Senat maßgeblich darauf ab, dass die Beklagte keine redaktionelle Kontrolle der RSS-Feeds durchführt, diese vielmehr automatisiert in die Seite eingebunden werden. Darüber hinaus hoben die Richter hervor, dass die jeweiligen RSS- Feeds als fremde Inhalte erkennbar seien, da unter der Überschrift die Ursprungsseite (hier: bild.de) angezeigt werde. Dadurch werde dem Leser hinreichend deutlich gemacht, dass es sich nicht um eine eigene Berichterstattung, sondern um fremde Nachrichten handle. Anhaltspunkte dafür, dass die Beklagte die inhaltliche Verantwortung der fremden Inhalte übernehmen wolle, seien nicht erkennbar. Dies gelte insbesondere deshalb, weil die Webseite der Beklagten keinerlei eigenen Inhalt bereit halte, vielmehr ausschließlich aus fremden Informationen bestehe. Eine sogenannte Störerhaftung der Beklagten, also eine mittelbare Verantwortlichkeit für die fremde Rechtsverletzung lehnte der Bundesgerichtshof im Anschluss ebenfalls ab. Eine solche komme erst dann in Betracht, wenn zuvor ein Hinweis auf eine konkrete Rechtsverletzung erfolgt sei. Der Betreiber eines Informationsportals sei jedenfalls nicht verpflichtet, alle Beiträge vor der Veröffentlichung auf Rechtsverletzungen zu überprüfen. Auswirkungen für die Praxis Auf den ersten Blick scheint es so, als würde das vorliegende Urteil auch jenseits des konkreten Einzelfalls für gewisse Rechtssicherheit sorgen und die Möglichkeiten für die Einbindung fremder Inhalte in die eigene Webseite verbessern. Dies wäre durchaus auch wünschenswert, denn für zahlreiche Webseiten-Betreiber ist es mittlerweile üblich, fremde Informationen automatisiert mit Hilfe sog. Push-Dienste in das eigene Angebot zu integrieren. Doch auch wenn die Entscheidung des BGH hier zu Gunsten des Webseiten- Betreiber ausfällt, ist dennoch Vorsicht geboten, und zwar aus zweierlei Gründen: 1. Der insbesondere für das Urheber- und Markenrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat bereits im Jahre 2009 im Rahmen eines urheberrechtlichen Verfahrens zu der Frage Stellung genommen, wann und unter welchen Voraussetzungen sich der Betreiber eines Kochrezepte-Portals fremde Inhalte zu Eigen macht (Urt. v I ZR 166/07 marions-kochbuch). Diese Entscheidung weist deutliche Unterschiede zu dem vorliegenden Urteil auf. Der I. Zivilsenat hatte damals ein Zu-Eigen-Machen des fremden Inhalts es handelte sich um von Seiten der Nutzer eingestellte Kochrezepte samt Fotos bejaht. Zur Begründung stellte der BGH insbesondere darauf ab, dass es sich bei den (fremden) Inhalten um den redaktionellen Kerngehalt der gesamten Webseite handele. Unter diesen Umständen sei es unerheblich, dass bezüglich der jewei-17 recht aktuell 17 Gewerblicher Rechtsschutz ligen Rezepte erkennbar sei, dass diese von Dritten stammen. Da der Betreiber die Rezepte in die eigene Webseite als einheitliches Gesamtangebot integriere, erwecke er den zurechenbaren Anschein, sich mit den fremden Inhalten zu identifizieren. Offenbar lag diesem Urteil die Erwägung zu Grunde, dass sich ein Betreiber eines Portals nicht dadurch seiner Verantwortung entziehen können soll, dass er den gesamten Kerngehalt seiner Webseite von Nutzern generieren lässt, diese fremden Inhalte jedoch zu einem einheitlichen Gesamtangebot verknüpft und sich nach außen hin als Anbieter präsentiert. Im vorliegenden Fall argumentierte der VI. Zivilsenat genau umgekehrt. Als Argument gegen ein Zu-Eigen-Machen führte der Senat an, dass das Nachrichtenportal der Beklagten ausschließlich aus fremden Inhalten bestehe. Legt man hier jedoch die Maßstäbe des I. Zivilsenats zu Grunde, könnte man durchaus auch zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass das Nachrichtenportal auch über Recherchefunktionen verfügt, ließe sich vertreten, dass der Betreiber die fremden Nachrichten, die im Übrigen den redaktionellen Kerngehalt der Seite darstellen, zu einem einheitlichen Gesamtangebot verknüpft und daher auch die inhaltliche Verantwortung übernehmen muss. 2. Ein weiteres, mit der Einbindung fremder Inhalte verbundenes Risiko für Betreiber von Webseiten besteht darin, dass möglicherweise die Rechte des Urhebers des fremden Inhalts durch die Einbindung verletzt werden. Auch wenn der VI. Zivilsenat davon ausgeht, dass sich der Betreiber die fremden Nachrichtentexte nicht inhaltlich zu Eigen macht, besteht gleichwohl die Gefahr, dass der eigentliche Urheber bzw. Nutzungsrechteinhaber (hier die Betreiberin von bild.de ) mit der öffentlichen Zugänglichmachung der Nachrichten nicht einverstanden ist. Bezüglich dieser Konstellation musste der BGH vorliegend deshalb keine Entscheidung treffen, da bild.de nicht gegen die Einbindung der RSS-Feeds vorgegangen ist. Sobald aber ein Webseitenbetreiber urheberrechtlich geschützte fremde Inhalte in die eigene Webpräsenz einbinden will, ist dennoch für jeden Einzelfall sorgfältig zu prüfen, ob eine Einwilligung von Seiten des Urhebers vorliegt. Dies gilt insbesondere dann, wenn die fremden Inhalte kommerziell genutzt werden sollen. Auch wenn der jeweilige Urheber bzw. der Nutzungsrechteinhaber wie hier RSS-Feeds anbietet, die abonniert werden können, erscheint es überaus fraglich, ob alleine darin eine Einwilligung in eine kommerzielle Verwertung der RSS-Feeds erblickt werden kann. Dies gilt auch für alle anderen Push-Dienste. Im Ergebnis kann jedenfalls festgehalten werden, dass der I. Zivilsenat im Bereich des Urheber- und Markenrechts eine strengere Linie vertritt, während der VI. Zivilsenat bei Persönlichkeitsrechtsverletzung höhere Anforderungen an ein Zu-Eigen- Machen fremder Inhalte stellt. Von einer einheitlichen bzw. gefestigten höchstrichterlichen Rechtsprechung kann jedenfalls noch keine Rede sein. Bei weiteren Fragen zur Haftung des Webseitenbereibers für fremde Inhalte oder zu sonstigen Bereichen des gewerblichen Rechtsschutzes wenden Sie sich gerne an: Dr. Thomas Schulte-Beckhausen Telefon: +49 (0) Dr. Sebastian Hühner Telefon: : +49 (0)18 18 recht aktuell Wettbewerbsrecht Neue Regelungen im Online-Handel Durch neue Vorschriften will der Gesetzgeber unseriöse Anbieter bekämpfen, die Dienstleistungen im Internet bereitstellen, über deren Kostenpflichtigkeit allenfalls in den AGB in versteckter Form informiert wird. Das Gesetz zum Schutz vor Kostenfallen im Internet ist von allen Online-Anbietern zu beachten und enthält weiteres Potenzial für wettbewerbsrechtliche Abmahnungen. Das Problem der Kostenfallen Der Hintergrund für diese neue Gesetzesinitiative, die vom Verbraucherschutzministerium ausgeht, ist durchaus ernst zu nehmen: In den letzten Jahren hatten in zunehmendem Umfang unseriöse Anbieter Internetseiten mit Download-Angeboten zur Verfügung gestellt, deren Inhalte im Internet an zahlreichen Stellen und ohne Aufwand kostenlos zugänglich waren.19 recht aktuell 19 Wettbewerbsrecht Bei den angebotenen Inhalten handelte es sich beispielsweise um Märchen- oder Zitatesammlungen, Kochrezepte oder sogenannte Freeware, also Computerprogramme, die von den Anbietern im Internet kostenlos bereitgestellt werden (das Programm Adobe Reader oder der Internetbrowser Mozilla Firefox ). Bei Abruf dieser Inhalte wurde der Nutzer aufgefordert, seine persönlichen Daten sowie eine -Adresse anzugeben. Ferner musste er regelmäßig die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durch einen Klick akzeptieren. Dass mit dem Abruf der Inhalte bzw. der Einleitung des Bestellvorgangs ein kostenpflichtiges Angebot (häufig ein Abonnement) abgeschlossen wurde, war gezielt entweder nur in den AGB oder in sehr versteckter Form auf der eigentlichen Internetseite mitgeteilt worden. Weil die Verbraucher damit rechneten, dass die Inhalte kostenlos bereit gestellt wurden, haben zahlreiche Verbraucher diese Registrierung durchgeführt. Per erhielten die Besteller dann kurze Zeit später die Aufforderung, die entsprechenden Gebühren, in der Regel 50 bis 100 Euro, zu entrichten. Kam der Besteller, der sich der kostenpflichtigen Bestellung bislang überhaupt nicht bewusst war, dieser Aufforderung nicht in der gesetzten Frist nach, folgten Mahnungen und Schreiben von Inkassobüros mit weiteren, zumeist überzogenen Forderungen und drastischen Drohungen. Das Ausmaß der Aktivitäten verdeutlicht eine strafgerichtliche Entscheidung des Landgerichts Hamburg vom In diesem Verfahren, dass sich gegen die Betreiber der Internetseiten und richtete, stellte das Gericht fest, dass insgesamt über Verbraucher Zahlungen in Höhe von mehr als 4,5 Mio. Euro an die Seitenbetreiber erbracht hatten. Dabei lag die im Laufe des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens festgestellte Zahlungsquote nur bei ca. 10 % der Abonnenten insgesamt waren immerhin rund Verbraucher in die Kostenfalle getappt. Der Ausweg In dem erwähnten Strafverfahren sind die Hauptbeteiligten zwar immerhin zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Um derartigen Methoden aber schon auf zivilrechtlicher Ebene zu begegnen und die Durchsetzung solcher Forderungen zu erschweren, hat das Verbraucherschutzministerium besondere Regelungen geschaffen, die in das BGB eingefügt wurden. Trägt der Button keine eindeutige Formulierung, so kommt nach 312g Abs. 4 BGB n.f. kein Vertrag zustande. Mit dieser Regelung soll nach der Vorstellung des Gesetzgebers sichergestellt werden, dass der Verbraucher in transparenter Weise darüber informiert wird, dass er eine Zahlungspflicht auslöst. Auf diese Weise soll die Gefahr der unberechtigten Durchsetzung von Ansprüchen zumindest gesenkt werden. Bedeutung für Online-Händler Für jeden Betreiber einer Internetseite ist die Neuregelung nicht allein deswegen von erheblicher Bedeutung, weil die Erfüllung der Hinweispflicht auf dem Button eine Voraussetzung für das Zustandekommen eines Vertrages bildet. Vielmehr sind die beiden neuen Vorschriften die Informationspflicht ebenso wie der Hinweis auf dem Button auch sogenannte Marktverhaltensregelungen im Sinne von 4 Nr. 11 UWG. Dies bedeutet, dass jeder Mitbewerber einen wettbewerbsrechtlichen Unterlassungsanspruch gegen einen anderen Unternehmer geltend machen kann, um ihn zur Einhaltung dieser verbraucherschützenden Vorschriften zu zwingen. Dies erfolgt in einem ersten Schritt regelmäßig durch die Aussprache einer kostenpflichtigen Abmahnung, so dass schon kurz nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes zum eine neue Abmahnwelle zu erwarten ist. Mit geringfügigen Änderungen in der Gestaltung der Internetseite kann hier eine Inanspruchnahme verhindert werden. Für weitere Fragen zur Gestaltung von Online-Shops oder zu sonstigen Bereichen des Wettbewerbsrechts steht Ihnen gerne zur Verfügung: Dr. Stefan Maaßen, LL.M. Telefon: +49 (0) Nach dem neuen 312g Abs. 2 BGB n.f. muss der Besteller auf der letzten Seite vor der endgültigen Abgabe seiner Willenserklärung nochmals darauf hingewiesen werden, dass und welche Verpflichtungen er eingeht. Konkret ist es erforderlich, den Besteller unmittelbar vor der Abgabe seiner Willenserklärung noch einmal über die Merkmale der bestellten Ware oder Dienstleistungen, den Preis, möglicherweise anfallende Versandkosten und im Fall von wiederkehrenden Leistungen auch über die Vertragslaufzeit zu informieren. Außerdem schreibt das Gesetz vor, dass der Button, mit dem der Besteller seine Willenserklärung übermittelt, zwingend die Bezeichnung Zahlungspflichtig bestellen tragen oder mit einer vergleichbar eindeutigen Formulierung beschriftet sein muss. Mehr anzeigen
NEWSLETTER Unterrichtungsschreiben nach 613a Abs. 5 BGB ARNECKE SIEBOLD Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft Hamburger Allee 4 60486 Frankfurt/Main Germany Tel +49 69 97 98 85-0 Fax +49 69 97 98 85-85 Mehr Newsletter August 2015 Arbeits-, Pflege-, Wirtschafts-, Notar-, Medien-, Urheber und Wettbewerbsrecht
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