Source: https://m.grin.com/document/176390
Timestamp: 2020-04-05 23:38:55+00:00

Document:
Bilanzanalyse mit Kennzahlen - Auswirkungen des ...
Bachelorarbeit 2010 96 Seiten
2.1 Die HanseYachts AG
2.2 Marktumfeld der HanseYachts AG
3 Einleitung in die Bilanzanalyse
3.2 Die Grenzen der Bilanzanalyse
3.3 Die Vorgehensweise der Bilanzanalyse
4. Aufbereitung der Basisgrößen
4.2 Bereinigtes Zahlenwerk
5. Finanzwirtschaftliche Analyse
5.1 Die Vermögensstruktur
5.1.1 Fristigkeit der Aktiva
5.1.2 Die Analyse des Gesamtvermögens
5.1.3 Die Entwicklung des Anlagevermögens unter Beachtung . der Investitionen und Abschreibungen
5.1.4 Die Analyse des Umlaufvermögens
5.1.4.1 Die Vorräte
5.1.4.2 Die Forderungen
5.1.5 Auftragslage anhand der aktiviertern Anzahlungsquote
5.2 Die Finanzierungsstruktur
5.2.1 Fristigkeit der Passiva
5.2.2 Eigenkapitalausstattung
5.2.3 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
5.2.4 Rückstellungen
5.2.5 Produktivität des Gesamtkapitals
5.3 Die Liquiditätsstruktur
5.3.1 Statische Analyse
6. Erfolgswirtschaftliche Analyse
6.2 Die Ertragsstruktur
6.2.1 Zusammensetzung des Umsatzes
6.2.2 Sonstige betriebliche Erträge
6.3 Die Aufwandsstruktur
6.3.1 Materialaufwand und Personalaufwand
6.3.2 Sonstige betriebliche Aufwendungen
6.3.3 Abschreibungsaufwand
6.4 Rentabilitätsanalyse
6.4.1 Die Rentabilitätskennziffern
6.4.2 Das Return-on-Investments Kennzahlensystem
7. Gesamtbewertung der Bilanzanalyse
B) Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
1. Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
2. Einflüsse auf die Bilanzposten
2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens
2.1.1 Der Geschäfts- oder Firmenwert
2.1.2 Gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Entwicklungskosten
2.4 Latente Steuern
3. Zusammenfassende Gesamtauswirkungen auf die Bilanzanalyse
C) Thesenförmige Zusammenfassung
Modifikationen der Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen
Baetge, J., Kirsch, H.-J., & Thiele, S. (2004). Bilanzanalyse (Bde. 2., vollst. überarb. und erw. Aufl.). Düsseldorf: IDW.
Baetge, J., Kirsch, H.-J., & Thiele, S. (2007). Bilanzen (Bde. 9., aktualisierte Aufl.). Düsseldorf: IDW.
Bundesfinanzministerium - Eigenkapitalquoten deutscher Unternehmen- http://www.bundesfinanzministerium.de - Abgerufen am 20.06.2010 - http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_17844/DE/BMF Startseite/Service/ Downloads/Abt I/26009 0,templateId=raw,property=publicationFile.pdf
Coenenberg, A. G. (2005). Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse: Betriebswirtschaftliche, handelsrechtliche, steuerrechtliche und internationale Grundsätze - HGB, IFRS und US-GAAP (Bde. 20., überarb. Aufl.). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.
Fuhrmann, M. (2008). Die Jahresabschlussanalyse: Bedeutung, Ermittlung und Aussagekraft von Kennzahlen. Saarbrücken: VDM.
Gelhausen, H. F., Kämpfer, G., & Fey, G. (2009). Rechnungslegung und Prüfung nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz. (P. Coopers, Hrsg.) Düsseldorf: IDW.
Gräfer, H. (2008). Bilanzanalyse (Bd. 10. vollständig überarbeitete Aufl.). Rheinbreitbach: nwb Studium.
Haeseler, H. R., & Kirchberger, T. P. (2005). Bilanzanalyse: Rechnungslegungsgestützte Unternehmensanalyse mittels Kennzahlen und Kennzahlen-Verknüpfungen (Bd. 2. Auflage). Wien: LexisNexis.
HanseGroup - Annual report 2008/2009. www.hansegroup.com. Abgerufen am
15. Mai 2010 von Publikationen - Jährliches Dokument - 2009 - Finanzberichte - Annual report 2008 2009:
http://www.hansegroup.com/index.php?id=931&no_cache=1&tx_queodisplaymis documents_pi1[lid]=1&tx_queodisplaymisdocuments_pi1[getFile]=12464
HanseYachts AG. www.hansegroup.com. Abgerufen am 15. Mai 2010 von Hansegroup - Unternehmen - Profil: http://www.hansegroup.com/index.php?id=949&no_cache=1
HanseYachts AG. www.hansegroup.com. Abgerufen am 15. Mai 2010 von HanseGroup - Unternehmen -Strategie: http://www.hansegroup.com/index.php?id=948
Heesen, B., & Gruber, W. (2009). Bilanzanalyse und Kennzahlen, Fallorientierte Bilanzoptimierung (Bd. 2. Aufl.). Wiesbaden: Gabler.
Heyd, R., & Krehler, M. (2010). BilMoG - Das Bilanzrechtsmoderinisierungsgesetz, Neuregelungen und ihre Auswirkungen auf Bilanzpolitik und Bilanzanalyse. München: VAHLEN.
Hohl, W., Rohrbach, H.-D., Meves, O., & Bruss, D. (2006). Bilanzen lesen und verstehen:Eine Einführung in die Bilanzanalyse (Bde. 2., völlig neu bearb. Aufl.). Augsburg: Economica.
Kuhner, C., & Maltry, H. (2006). Unternehmensbewertung (Bd. 1. Aufl. ). Heidelberg: Springer.
Küting, K., & Weber, C.-P. ((2006)). Die Bilanzanalyse: Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS (Bd. 8. Aufl.). Düsseldorf: Schäffer-Poeschel.
Mielke, B. K. (2005). Grundlagen des handelsrechtlichen Jahresabschlusses und Jahresabschlussanalyse. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.
Petersen, Zwirner, & Künkele. (2009). Bilanzanalyse und Bilanzpolitik nach BilMoG. Herne: nwb.
Philipps, H. (2010). Rechnungslegung nach BilMoG : Kurzkommentar zum Jahresabschluss und Lagebericht nach neuem Bilanzrecht (Bd. 1. Aulage). Wiesbaden: Gabler.
Posluschny, P. (2007). Die wichtigsten Kennzahlen (Bd. 1. Aufl.). München: REDLINE.
Rainer, B. (2008). Grundzüge des Jahresabschlusses nach HGB und IFRS - Mit HGB-Reform (Bd. 4. Aufl.). München: Vahlen.
Schneider, B., & Schneider, W. (2006). Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse: Systematische Darstellung in Übersichten (Bd. 3. Auflage). Göttingen: Cuvillier.
Temple, P. (2007). Unternehmenskennzahlen (Bd. 2. Aufl.). Weinheim: WILEY.
Vollmuth, H. J. (2009). Bilanzen: richtig lesen, besser verstehen, optimal gestalten (Bd. 9. Aufl). München: Haufe.
Abb. 1 – Markengliederung der HansYachts AG 3
Abb. 2 – Quelle: Statistisches Bundesamt(07.05.2010), Geschäftsjahre der HanseYachts wurden ergänzt 4
Abb. 3 – Analysezyklus, Quelle: Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 25
Abb. 4 – Vgl. Anhang Kennzahlen (2,3). S. XVII
Abb. 5 – Vgl. Anhang Kennzahlen (17-19). S. XXIII.
Abb. 6 – Vgl. Anhang Kennzahlen (4). S. XVIII.
Abb. 7 – Vgl. Anhang Kennzahlen (14). S. XXIII.
Abb. 8 – Vgl. Anhang Kennzahlen (14). S. XXII.
Abb. 9 – Vgl. Anhang Kennzahlen (11). S. XX.
Abb. 10 – Vgl. Anhang Kennzahlen (20). S. XXIV.
Abb. 11 – Vgl. Anhang Kennzahlen (27). S. XXVII.
Abb. 12 – Vgl. Anhang Kennzahlen (15). S. XXII.
Abb. 13 – Vgl. Anhang Kennzahlen (25). S. XXI.
Abb. 14 – Vgl. Anhang Kennzahlen (9). S. XIX.
Abb. 15 – Vgl. Anhang Kennzahlen (27). S. XXVII.
Abb. 16 – Vgl. Anhang Kennzahlen (29-32). S. XVIII f.
Abb. 17 – Vgl. Anhang Kennzahlen (32). S. XXIX.
Abb. 18 – Vgl. Gräfer (2008), S.94 ff. i.V.m. modifizierten Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen.
Abb. 19 – Vgl. Anhang Kennzahlen (35). S. XXX.
Abb. 20 – Vgl. Anhang Kennzahlen (36). S. XXI.
Abb. 21 – Vgl. Anhang Kennzahlen (38). S. XXII.
Abb. 22 – Vgl. Anhang Kennzahlen (40-45). S. XXXIII f.
Abb. 23 – Vgl. Anhang Kennzahlen (46,47,49). S. XXXV f.
Die Basisdaten der HanseYachts AG stammen aus den veröffentlichten Dokumenten im Elektronischen Bundesanzeiger. Wenn von den Jahren 2007- 2009 gesprochen wird, sind im Folgenden, die vom Kalenderjahr abweichenden Geschäftsjahre vom 01.08.2008 bis zum 31.07.2009 gemeint. Desweiteren werden alle Wertangaben die nicht als Andere gekennzeichnet sind in tausend Euro angegeben.
Thema dieser Bachelorarbeit ist die Analyse, des nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (§ 264 HGB i.V.m. § 242 HGB) aufgestellten Jahresabschlusses der HanseYachts AG. Dieser besteht aus der Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und dem Anhang. Eine Ergänzungsfunktion hat darüber hinaus der Lagebericht. In die Analyse wurden die Wirtschaftsjahre 01. August - 31. Juli für die Kalenderjahre 2007 bis 2009 einbezogen. Ziel ist es ein möglichst reales Bild der wirtschaftlichen Lage der Unternehmung zu gewinnen. Die Untersuchung der HanseYachts AG wird in Bezug auf zukünftige Bestandskraft und ökonomisches Potential durchgeführt. Der Hauptteil der Arbeit besteht aus einer klassischen Bilanzanalyse. Absicht ist es eine Bewertung abzugeben, die unter normalen Umständen eine wahrscheinliche Entwicklung des Unternehmens darstellt. Es handelt sich um eine externe Analyse, die das Ausfall-Risiko für den Kreditsektor und das Erfolgspotential für Investoren beurteilt. Die Berechnungen der verwendeten Kennzahlen befinden sich im Anhang. Zusammenfassende Tabellenübersichten und grafische Veranschaulichung der Kennzahlen wurden in den Textteil aufgenommen. Im zweiten Teil der Arbeit werden ergänzend die Auswirkungen, des am 29. Mai 20091 in Kraft getretenen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), auf die Interpretation der Kennzahlen überprüft. Die neuen Vorschriften zur Aufstellung des Zahlengrundgerüstes führen bei wirtschaftlich identischen Verhältnissen zu unterschiedlichen Ausweisen und somit auch zu verschiedenen Kennzahlen- Ausprägungen. Eine Schwierigkeit der Arbeit liegt in den typischen Informationsmängeln bei der externen Analyse. Außerdem erhöhen verdichtete Kennzahlen zwar den Informationsgehalt und stellen nicht sofort erkennbare Zusammenhänge dar, aber bergen auch die Gefahr, dass wichtige Informationen bei der Komprimierung verloren gehen. Diesem Umstand wird entgegengewirkt, indem die Arbeit von partiellen zu einer gesamten Analyse aufgebaut wird.
Die HanseYachts AG, mit Sitz in Greifswald, ist Hersteller von Segel- und Motoryachten. Der wesentliche Umsatz wird mit Segelbooten realisiert.2 Gemessen an verkauften Yachten ist das Unternehmen weltweit der drittgrößte Hersteller nach der Beneteau-Jeanneau-Gruppe in Frankreich und der Bavaria Yachtbau GmbH in Giebelstadt. Die HanseYachts AG wurde 1993 gegründet und wird seit März 2007 im geregelten Markt in Frankfurt gelistet.3 Organisatorisch ist die HanseYachts AG nicht nur die Muttergesellschaft der HanseYachts-Gruppe, sondern wickelt auch den essentiellen Teil des operativen Geschäftes der HanseYachts AG ab (ca. 85%)4. An den Tochterunternehmen ist die HanseYachts AG unmittelbar oder mittelbar zu 100% beteiligt, mit Ausnahme der in Januar 2009 aufgebauten 25%-igen Minderbeteiligung an der Scandinavian Yachtcenter Dragör A/S. Diese wird als reine Finanzbeteiligung geführt und zu Anschaffungskosten unter den Beteiligungen ausgewiesen.5 Mehrheits- gesellschafter ist der Unternehmensgründer Michael Schmidt, der unmittelbar mit 26,39% und mit weiteren 38,28% mittelbar über seinen 40% Anteilsbesitz an der Michael Schmidt Beteiligungs GbR beteiligt ist. Darüberhinaus ist er Vorstandsvorsitzender.6
Die Produktion, Forschung und Entwicklung, sowie die zentrale Marketing Koordination findet in Greifswald statt. Ergänzende, aber vergleichsweise kleine Produnktionsstandorte sind in Freienohl (Dehler bis 34 Fuß) und Polen.7 Die HanseYachts AG arbeitet soweit wie möglich mit einem Modulbausystem, um ihren Kunden eine individuelle Gestaltung der Yachten anbieten zu können. Beim Innenausbau der Yachten werden die unterschiedlichen Elemente in möglichst gleiche Teile zerlegt. Das macht die Module in vielen verschiedenen Yachten nutzbar und ermöglicht Einsparungen von Material und Umrüstkosten (Gleichteilstrategie).Im Gegensatz zu meist traditionell, handwerklich erstellten Yachten aus überwiegend skandinavischer Produktioen wird bei Hanse industriell gefertigt. Der Vertrieb der Yachten erfolgt über unabhängige Vertragshändler. Die Yachten werden auf Kundenwunsch produziert und erst bei vollständiger Zahlung ausgeliefert.8
Das Segelyacht Segment besteht aus den Marken Hanse, Moody und der im dritten Quartal 2009 aus der Insolvenz gekauften und eingegliederten Traditonsmarke Dehler. Das Motoryacht Segment wird von der Marke Fjord bedient.
Das verarbeitende Gewerbe ist in erheblichem Umfang von der Weltwirtschaftskrise beeinflusst worden. Die Produktion von Freizeitschiffen wird in besonderem Ausmaß von konjunkturellen Schwankungen und gesamtwirtschaftlichen Krisen getroffen. Das Geschäftsjahr, vom 1. August 2008 bis zum 31. Juli 2009, ist deshalb in enger Verbindung mit der Weltwirtschaftskrise zu betrachten.9 Die aktuelle Währungskrise im Euro- Raum wird voraussichtlich ebenfalls Einfluss auf den Geschäftsverlauf haben, da die Investitionsbereitschaft durch steigende Unsicherheit negativ beeinträchtigt werden könnte. Allerdings wird sich der schwache Euro positiv auf das Auslandsgeschäft auswirken (Die wichtigen Absatzmärkte: England, Norwegen und Schweden waren vom starken Euro im Geschäftsjahr 2009 unter Druck geraten).10
Der Markt hat sich in den letzten Jahren zunehmend konsolidiert und wird dies in Zukunft noch verstärkt tun. Die Zukunft der Branche ist durch individualisierte Yachten charakterisiert. Es müssen die zunehmend individuellen Ausstattungsanforderungen bedient werden.11 Als Folge des konsolidierten Marktes und der individualisierten Ansprüche wird die effektive und kostengünstige Organisation der Produktionsprozesse besonders wichtig werden.12 Das Modulsystem der HanseYachts AG bietet dem Unternehmen im Produktionsprozess die Voraussetzungen dafür.
Als Bilanzanalyse wird die methodische Untersuchung von Jahresabschlüssen bezeichnet, die mit dem Ziel durchgeführt wird entscheidungsnützliche Informationen über das Erreichen von gegenwärtigen und zukünftigen ökonomischen Zielen des Unternehmens zu sammeln.13 Die Analyse verdichtet die gegebenen Informationen zu aussagekräftigen Kennzahlen.14
Das Unternehmen wird hinsichtlich Vermögens-, Finanz- und Ertragslage analysiert und bewertet. Dabei sind die Vermögens- und Finanzlage der finanzwirtschaftlichen Analyse und die Ertragslage der erfolgswirtschaftlichen Analyse zuzuordnen.15 Die Beurteilung der HanseYachts AG basiert im Wesentlichen auf der Untersuchung der letzten drei, im Elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten, HGB Einzeljahresabschlüsse zum 31. Juli 2007 bis 2009. Ergänzend wurden veröffentlichte Informationen des Unternehmens und der Sportschifffahrtsbranche beachtet.
Die der Analyse zugrunde liegenden Daten müssen bei der Einordnung der Aussagekraft berücksichtigt werden.16 Die Bewertung der HanseYachts AG beruht auf dem Zahlenmaterial der nach den Regeln des HGB aufgestellten Einzelabschlüsse.17 Die Grenzen der Bilanzanalyse können auf den ,Wahrheitsgehalt der Zahlen‘ und die ,Verfügbarkeit des Zahlenmateriales‘ zurückgeführt werden.
Der ,Wahrheitsgehalt der Zahlen‘ könnte sich aus dem in § 239 Abs. 2 HGB verankertem Grundsatz der Bilanzwahrheit und dem Grundsatz der Vollständigkeit ergeben.18 Dieser wird aber erheblich durch Wahlrechte und Ermessungsspielräume eingeschränkt. Die Einschränkungen resultieren aus formellen und materiellen Grenzen des Jahresabschlusses für die Analyse.19
Die formellen Grenzen ergeben sich im Wesentlichen aus der vergangenheitsorientierten Momentaufnahme der Zahlenbasis.20 Außerdem können wichtige Informationen durch die nicht erkennbare Zusammensetzung einzelner Bilanzposten entscheidend eingeschränkt werden.21 Zusätzlich sind dem externen Analytiker oft nur quantitative Daten zugänglich und qualitative Daten, die Einfluss auf die Bewertung haben können, sind unbekannt.22
Materielle Grenzen entstehen durch das Fehlen möglicherweise entscheidender Informationen im Jahresabschluss, die aus den fundamentalen Grundsätzen des HGB resultieren (Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung23:Anschaffungs- und Herstellungskostenprinzip, Realisationsprinzip, Einzelbewertungsgrundsatz und Imparitätsprinzip). Zu berücksichtigen sind eine Vielzahl von Wahlrechten und Ermessensspielräumen, die zur Bilanzgestaltung genutzt werden können und zu einer unsachgemäßen Beurteilung führen können. Aus den GoB‘s ergibt sich z.B. eine eingeschränkte bilanzielle Aktivierbarkeit von Vermögensgegenständen. Die Folgebewertung von VG kann in der Bilanz nicht ersichtliche, aber wesentliche vermögensverschiebende Effekte haben. Darüber hinaus führt die ungleiche Behandlung von Gewinnen und Verlusten im Rahmen des Imparitätsprinzips und Realisationsprinzips zu Verzerrungen.24
Die ,Verfügbarkeit des Zahlenmateriales‘ richtet sich bei externen Analysen im Wesentlichen nach der Gesellschaftform und Größenklasse. Die HanseYachts AG ist eine große Kapitalgesellschaft25 und muss den Jahresabschluss innerhalb von drei Monaten26 nach Ende des Wirtschaftsjahres aufstellen. Die Veröffentlichung des geprüften Jahresabschlusses muss im elektronischen Bundesanzeiger gem. §
325 HGB binnen 12 Monaten erfolgen. Dadurch erfolgt die Analyse mit zwingender Zeitverschiebung und spiegelt zu keinem Zeitpunkt den aktuellen Sachverhalt wieder.
Auf den ,Wahrheitsgehalt der Zahlen‘ und die ,Verfügbarkeit des Zahlenmateriales‘ ist zu reagieren. Zum Einen ist der Schwäche der ,Wahrheitsgehalt der Zahlen‘ mit einem möglichst bereinigten Zahlenwerk zu entgegnen (Vgl. A.4.) und zum Anderen ist die Aussagekraft der Bilanzanalyse bei Entscheidungen zu berücksichtigen. Ihr Ziel ist es nicht ein sicheres und endgültiges Urteil zu fällen, sondern Entwicklungstendenzen und Auffälligkeiten zu erkennen. Die Bilanzanalyse ist als Teil einer umfassenderen Unternehmensanalyse zu verstehen.27
Im Ersten Schritt wurden die Basisdaten durch Anpassungen und Ergänzungen aufbereitet. Danach folgt die partielle Analyse der finanzwirtschaftlichen und erfolgswirtschaftlichen Lage. Für die unterschiedlichen Bereiche werden geeignete Kennzahlen objektiv ausgewählt und eine Gesamtbeurteilung der Einzelbereiche vorgenommen.28 Abschließend wird ein Gesamturteil hinsichtlich des Analyseziels erstellt.
Um eine fundierte Analyse zu erstellen muss das zugrunde liegende Datenmaterial aufbereitetet werden. Nur dies ermöglicht eine sinnvolle und aussagekräftige Analyse. Zum Einen müssen die zu vergleichenden Basisdaten auch in ihrer Struktur vergleichbar gemacht werden und zum Anderen müssen die Informationsmängel der Jahresabschlüsse der HanseYachts AG ausgeglichen werden. Die Informationsmängel werden im Wesentlichen mit Hilfe von ergänzenden Informationen des Anhangs gemindert. Da die Untersuchung im Zeitvergleich stattfindet, wird besonderen Wert auf gleichbleibende Bewertungsmaßstäbe gelegt.29
Um eine kongruente Datenbasis zu gewährleisten werden die Daten mit Hilfe des von Baetge, Kirsch und Thiele entwickelten Erfassungsschemas aufgenommen. Dort werden der Grundsatz der Ursprünglichkeit und der Grundsatz der Vollständigkeit gewahrt. Die Vollständigkeit verlangt, dass alle in der originären Jahresabschluss und dem Lagebericht entscheidungsrelevanten Daten erfasst werden. Als Erstes wird der originäre Jahresabschluss in das Schema aufgenommen. Anschließend werden bestimmte Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung angepasst und leiten in den modifizierten Jahresabschluss über. Darüber hinaus finden Ergänzungen um Informationen aus dem Anhang und dem Lagebericht statt, die nicht in den originären Daten vorhanden sind. Dieses System hat den Vorteil, dass die ursprünglichen Daten erhalten bleiben und somit im Vergleich zu anderen Strukturbilanzsystemen ein erhöhter Informationsgehalt erreicht wird, der zu einer adäquateren Analyse führt.30
Es wurden vorwiegend die folgenden um Gliederungen und Ergänzungen in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung vorgenommen:
(1) Die auf der Aktivseite ausgewiesenen „erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen“ gem. § 268 Abs. 5 Satz 2 HGB werden auf die Passivseite um gegliedert, um die dadurch entstandene Bilanzverkürzung durch den Saldierungseffekt rückgängig zu machen.31 Allerdings wird der Aussagegehalt der dort aufgeführten Anzahlungen auf bereits aktivierte fertige/unfertige Erzeugnisse bei der weiteren Analyse im Bereich der A.3.1.5.2 berücksichtigt.32
(2) Die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten der HanseYachts AG werden in das Umlaufvermögen (UV) umgebucht, da diese einen kurzfristigen Charakter haben. Das darin enthaltene Disagio gem. Anhang wird als ,davon‘ vermerkt gesondert ausgewiesen.33
(3) Der Sonderposten für Investitionszuschüsse und –Zulagen enthält steuerpflichtige und nicht steuerpflichtige Zuschüsse. Es ist eine Aufspaltung vorzunehmen, da der steuerpflichtige Anteil bei erfolgswirksamer Auflösung zu einer Steuerlast führen wird. Deshalb ist dieser Teil als Fremdkapital (FK) auszuweisen. Das Verhältnis von steuerpflichtigen zu nicht steuerpflichtigen Zuschüssen war in den letzten drei Jahren ca. 1:134. Deshalb werden 50% direkt dem Eigenkapital (EK) zugeordnet. Von den anderen 50% der steuerpflichtigen Zuschüssen wird ein Anteil von 30% (Ca. Steuersatz KapG) dem FK zugeordnet. Der verbleibende Betrag wird dem EK zugeordnet.35
(4) Die Fristigkeit von Forderungen und Verbindlichkeiten sind aus dem Anhang entnommen. Bei erfolgreicher Eingliederung von Dehler können Stille-Reserven für die Traditionsmarke aufgebaut werden, da der Name mit Qualität und sportlicher Segel-Performance assoziiert wird Voraussichtlich werden in den Grundstücken und ggf. Gebäuden der HanseYachts AG stille Reserven vorhanden sein. Desweitern ist davon auszugehen das die Marke Hanse einen wesentlichen Geschäftswert hat. Da es sich mit Ausnahme der Marke Dehler um Werte handelt, die in allen drei einbezogenen Abschlüssen vorhanden waren, nicht quantifiziert wurden und in den drei Jahren voraussichtlich keine wesentliche Wertänderung erfahren haben, wurden die Werte nicht in die modifizierte Bilanz aufgenommen.
Gewinn- und Verlustrechnung (Aufgestellt nach dem Gesamtkostenverfahren):
(1) Es wird eine Aufspaltung folgender Posten vorgenommen (Vgl. Jahresabschlüsse):
a. Umsatzerlöse:
i. Inländische Umsätze
ii. Ausländische Umsätze
b. Sonstige betriebliche Erträge:
i. Davon Erträge aus der Auflösung des Sonderpostens
ii. Davon aus Auflösung von Rückstellungen
c. Abschreibungen
i. Davon außerplanmäßige Rückstellungen
d. Sonstige betriebliche Aufwendungen
i. Davon aus Beratungsaufwendungen für den Börsengang
(2) Die Erfolgsebenen werden wie folgt aufgespalten36:
a. Ordentlicher Betriebserfolg
b. Finanz- und Verbunds erfolg
c. Außerordentlicher Erfolg
d. Bewertungserfolg
e. Jahresüberschuss/Fehlbetrag
(3) Der Sonderposten wird über die Nutzungsdauer der Investitionen aufgelöst. Die aus der Auflösung resultierenden erfolgswirksamen Erträge werden in den Bewertungserfolg37 gegliedert.
(4) Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen und die außerplanmäßigen Abschreibungen38 auf Maschinen und nicht mehr voll nutzbare Schiffsrümpfe der HanseYachts AG werden in das außerordentliche Ergebnis gegliedert. Es folgt eine Übersicht der Daten: 39
1 Vgl. Heyd/Krehler (2010), S.6.
2 Vgl. Jahresabschluss HanseYachts AG, (31. Juli 2009), Gliederungspunkt 1.3.
3 Vgl. HanseYachts AG (2010), Hansegroup - Unternehmen – Profil.
4 Vgl. Anhang Kennzahlen (1), S. XVIII.
5 Vgl. Jahresabschluss HanseYachts AG, (31. Juli 2009) , Gliederungspunkt 1.4.
6 Vgl. Jahresabschluss HanseYachts AG, (31. Juli 2009) , Gliederungspunkt 5.6.
7 Vgl. Geschäftsbericht HanseGroup (31. Juli 2009), S. 16 f.
8 Vgl. Jahresabschluss HanseYachts AG, (31. Juli 2009), Gliederungspunkt 1.2 – 1.4.
9 Vgl. Lagebericht HanseYachts AG (31. Juli 2009), Gliederungspunkt 1.1-1.2.
10 Vgl. Lagebericht HanseYachts AG (31. Juli 2009), Gliederungspunkt 1.1.
11 Vgl. Lagebericht HanseYachts AG (31. Juli 2009), Gliederungspunkt 1.2.
12 Vgl. Lagebericht HanseYachts AG (31. Juli 2009), Gliederungspunkt 1.3.
13 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 1.
14 Vgl. Ballewieser (1993), Sp. 211.
15 Vgl. Coenenberg (2005), S. 950 f.
16 Vgl. Vollmuth (2009), S. 49.
17 Vgl. Jahresabschlüsse HanseYachts AG (31. Juli 2007-2009), Gliederungspunkt I.
18 Vgl. § 246 HGB.
19 Vgl. Vollmuth (2009), S. 49 ff.
20 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 55 f.
21 Vgl. Vollmuth (2009), S. 51.
22 Vgl. Coenenberg (2005), S. 955.
23 Vgl. § 243 Abs. 1 HGB.
24 Vgl. Coenenberg (2005), S. 954 f.
25 Vgl. § 267 Abs. 3 HGB.
26 Vgl. § 264 Abs. 1 HGB.
27 Vgl. Coenenberg (2005), S. 949.
28 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 24 ff.
29 Vgl. Coenenberg (2005), S. 956, 970 f.
30 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 77-85.
31 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 91.
32 Vgl. Jahresabschluss HanseYachts AG (31. Juli 2009), Gliederungspunkt II.
33 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 91 f.
34 Vgl. Jahresabschluss HanseYachts AG (31. Juli 2007-2009), Gliederungspunkt IV.
35 Vgl. Küting/Weber (2006), S. 92.
36 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 111 ff..
37 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 125 ff..
38 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 124.
39 Vgl. S. I – XV
9783640976898
9783656057437
v176390
Bilanzanalyse BilMoG Bilanzmodernisierungsgesetz Kennzahlen Hanse Yacht AG

References: § 242
 § 239
 §
325
 § 268
 § 246
 § 243
 § 267
 § 264