Source: https://www.ebnerstolz.de/de/uebertragungsgewinn-aus-aufwaertsverschmelzung-im-organschaftsfall-279348.html
Timestamp: 2019-11-19 15:44:36+00:00

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Übertragungsgewinn aus Aufwärtsverschmelzung im Organschaftsfall - Ebner Stolz
Die Klä­ge­rin ist eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, die im Streit­jahr 2006 in der Rechts­form einer AG tätig war. Sie ist die Ober­ge­sell­schaft des A-Kon­zerns. Im Streit­jahr hielt die Klä­ge­rin alle Geschäft­s­an­teile der B-GmbH. Die B-GmbH war ihrer­seits zu 95,9454 % an der C-GmbH betei­ligt, die wie­derum mit einer Betei­li­gungs­quote von 95,7746 % Gesell­schaf­te­rin der D-GmbH war. Auf­grund von Ergeb­nis­ab­füh­rungs­ver­trä­gen bestan­den im Streit­jahr jeweils kör­per­schaft­steu­er­recht­li­che Org­an­schaf­ten zwi­schen der Klä­ge­rin und der B-GmbH, zwi­schen der B-GmbH und der C-GmbH sowie --als sog. mit­tel­bare Org­an­schaft-- zwi­schen der B-GmbH und der D-GmbH.
Die D-GmbH nahm in ihren Han­dels­bi­lan­zen zum 31.12.2005 und zum 31.12.2006 Wert­be­rich­ti­gun­gen auf eine Betei­li­gung an einer aus­län­di­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft vor. Da diese Wert­be­rich­ti­gun­gen steu­er­lich nicht zu berück­sich­ti­gen waren, bil­dete die B-GmbH als Org­an­trä­ge­rin in ihrer Steu­er­bi­lanz zum 31.12.2005 einen akti­ven steu­er­li­chen Aus­g­leichs­pos­ten und erhöhte die­sen zum 31.12.2006. Im Jahr 2007 wurde die D-GmbH unter Auflö­sung ohne Abwick­lung rück­wir­kend zum steu­er­li­chen Über­tra­gungs­stich­tag 31.12.2006 zu Buch­wer­ten auf die C-GmbH ver­sch­mol­zen. Im Rah­men der Ermitt­lung des bei der C-GmbH ein­t­re­ten­den Ver­sch­mel­zung­s­er­geb­nis­ses löste die Klä­ge­rin den bei der B-GmbH akti­vier­ten steu­er­li­chen Aus­g­leichs­pos­ten auf und neu­tra­li­sierte auf diese Weise die im Ver­g­leich zur Han­dels­bi­lanz um den näm­li­chen Betrag höhe­ren Buch­werte in der steu­er­li­chen Schluss­bi­lanz der D-GmbH.
Das Finanz­amt war nach einer Außen­prü­fung der Auf­fas­sung, der bei der B-GmbH gebil­dete aktive steu­er­li­che Aus­g­leichs­pos­ten sei bei der Ermitt­lung des Über­nah­me­er­geb­nis­ses nicht zu berück­sich­ti­gen. Die Ver­sch­mel­zung der D-GmbH (Organ­ge­sell­schaft der mit­tel­ba­ren Org­an­schaft) auf die C-GmbH ("Zwi­schen­ge­sell­schaft" der mit­tel­ba­ren Org­an­schaft) führe bei der B-GmbH (Org­an­trä­ge­rin der mit­tel­ba­ren Org­an­schaft) nicht zur Auflö­sung des Aus­g­leichs­pos­tens; die­ser wan­dele sich viel­mehr zu einem Aus­g­leichs­pos­ten zur Betei­li­gung der B-GmbH an der C-GmbH und sei erst im Falle einer Ver­äu­ße­rung jener Betei­li­gung auf­zu­lö­sen. Das Finanz­amt kam auf diese Weise zum Ansatz höhe­ren Über­nah­me­ge­winns.
Das FG gab der Klage in Bezug auf den Bescheid über die geson­derte Fest­stel­lung des ver­b­lei­ben­den Ver­lust­vor­trags zur Kör­per­schaft­steuer auf den 31.12.2006 in bei­den Streit­punk­ten statt. Auf die Revi­sion des Finanzam­tes hat der BFH das Urteil inso­weit auf­ge­ho­ben und den Bescheid abge­än­dert.
das Finanz­amt hatte den ver­b­lei­ben­den Ver­lust­vor­trag zur Kör­per­schaft­steuer auf den 31.12.2006 zu nie­d­rig ange­setzt.
Verpf­lich­tet sich eine Euro­päi­sche Gesell­schaft, Akti­en­ge­sell­schaft oder Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Aktien mit Geschäfts­lei­tung und Sitz im Inland (Organ­ge­sell­schaft) durch einen Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag i.S.d. § 291 Abs.1 AktG, ihren gan­zen Gewinn an ein ein­zi­ges ande­res gewerb­li­ches Unter­neh­men abzu­füh­ren, so ist gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG das Ein­kom­men der Organ­ge­sell­schaft unter den dort beschrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen dem Trä­ger des Unter­neh­mens (Org­an­trä­ger) zuzu­rech­nen. Ent­sp­re­chen­des gilt gemäß § 17 Satz 1 KStG, wenn eine andere als die in § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG bezeich­nete Kapi­tal­ge­sell­schaft, z.B. eine GmbH, mit Geschäfts­lei­tung und Sitz im Inland sich wirk­sam verpf­lich­tet, ihren gan­zen Gewinn an ein ande­res Unter­neh­men i.S. des § 14 KStG abzu­füh­ren und die in § 17 Satz 2 KStG benann­ten wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind.
Bei Organ­ge­sell­schaft und Org­an­trä­ger han­delt es sich unbe­scha­det der Abfüh­rungs­verpf­lich­tung zivil - wie steu­er­recht­lich um unter­schied­li­che Rechts­trä­ger, die ihr jewei­li­ges Ein­kom­men selb­stän­dig ermit­teln. Im vor­lie­gen­den Fall bestand die Beson­der­heit, dass es sich bei dem auf­neh­men­den Rechts­trä­ger um eine Organ­ge­sell­schaft im Rah­men einer beste­hen­den Org­an­schaft han­delt und gem. § 15 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 KStG bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens bei Org­an­schaft abwei­chend von den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten § 8b Abs. 1 bis 6 KStG und § 4 Abs. 6 UmwStG 2006 - mit­hin auch die Bestim­mung des § 8b Abs. 3 Satz 1 KStG zum pau­scha­len Betriebs­aus­ga­ben- Abzugs­ver­bot - nicht anzu­wen­den sind.
Statt­des­sen bestimmt § 15 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 KStG, dass dann, wenn in dem dem Org­an­trä­ger zuge­rech­ne­ten Ein­kom­men der Organ­ge­sell­schaft Gewinne oder Gewinn­min­de­run­gen i.S. des § 8b Abs. 1 bis 3 KStG oder mit sol­chen Beträ­gen zusam­men­hän­gende Aus­ga­ben i.S. des § 3c Abs. 2 EStG oder ein Über­nah­me­ver­lust i.S. des § 4 Abs. 6 UmwStG 2006 ent­hal­ten sind, § 8b KStG, § 4 Abs. 6 UmwStG 2006 sowie § 3 Nr. 40 und § 3c Abs. 2 EStG bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens des Org­an­trä­gers anzu­wen­den sind.
Für Betei­li­gung­s­er­träge der Organ­ge­sell­schaft i.S..v § 8b Abs. 1 und 2 KStG (Aus­schüt­tun­gen und Ver­äu­ße­rungs­ge­winne) hat die durch § 15 Satz 1 Nr. 2 KStG ange­ord­nete Nicht­an­wen­dung des § 8b Abs. 1 bis 6 KStG zur Folge, dass diese Betei­li­gung­s­er­träge bei der Ein­kom­men­ser­mitt­lung der Organ­ge­sell­schaft berück­sich­tigt wer­den (sog. Brut­to­me­thode) und erst auf der Ebene des Org­an­trä­gers - abhän­gig von des­sen per­sön­li­chem Sta­tus - dem Regime des § 8b KStG oder dem Tei­l­ein­künf­te­ver­fah­ren nach § 3 Nr. 40 EStG unter­lie­gen. Damit ent­schei­det der Senat ent­ge­gen der bis­lang von der Finanz­ver­wal­tung ver­t­re­te­nen Rechts­auf­fas­sung (BMF- Sch­rei­ben v. 11.11.2011 - IV C 2 - S 1978 - b/08/10001, BStBl I 2011, 1314, Rz 12.07), dass die sog. Brut­to­me­thode auch hin­sicht­lich eines Über­tra­gungs­ge­winns aus einer Auf­wärts­ver­sch­mel­zung auf eine Organ­ge­sell­schaft zur Anwen­dung kom­men kann.

References: § 291
 § 14
 § 17
 § 14
 § 14
 § 17
 § 15
 § 8
 § 4
 § 8
 § 15
 § 8
 § 3
 § 4
 § 8
 § 4
 § 3
 § 3
 § 8
 § 15
 § 8
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