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ᐅ WLAN gehackt... - Internetrecht - JuraForum.de
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WLAN gehackt...
Dieses Thema "ᐅ WLAN gehackt... - Internetrecht" im Forum "Internetrecht" wurde erstellt von DarkSoulAnny, 9. August 2010.
DarkSoulAnny Boardneuling 09.08.2010, 12:25
Dietlingen/Keltern, Kreis Pforzheim
folgende Fallkonstellation.
Und zwar hat jemand aus dem Haus (Nachbarhaus) sich versucht bei A einzuhacken. Also hat AKTIV versucht über den Internetanschluss von A ins Internet zu gelangen was dank Netzwerkschlüssel vereitelt worden ist.
Kann A die Person anzeigen? Der Internetanbieter hat an Anwalt und Polizei verwiesen, weil A die MAC-Nummer aus dem Routerprogramm gespeichert hat!
Dieser Angriff geschah nicht nur 1 mal, sondern am gestrigen (8.8.) Tag MINÜTLICH!
DarkSoulAnny
DarkSoulAnny Boardneuling 09.08.2010, 15:25
AW: WLAN gehackt...
Gut zu wissen. Sooo, A war nun bei der Polizei und hat Strafanzeige erstellt. Mal schauen was daraus wird. Die KriPo wird sich zurückmelden, sagte der Polizist.
Danke für die Hilfe! Ich halte euch auf dem Laufenden
Van Nille V.I.P. 09.08.2010, 16:04
Eine Straftat ist nicht erkennbar und vermutlich hat das eine ganz simple Erklärung (der eigene Router des Hackers hat keine Verbindung zugelassen und der PC hat deshalb verzweifelt versucht sich in ein anderes WLAN ein zu wählen).
DarkSoulAnny Boardneuling 09.08.2010, 17:30
Nichts desto trotz kann es allerdings auch die andere Seite sein und den Straftatbestand erfüllen. A hat einen Rechtsanwalt telefonisch kontaktiert der eben genau dieses bestätigt hat! Ich für meinen Teil sehe grade in heutiger Zeit nicht alles positiv und A verfährt ebenso. Lieber auf Nummer sicher gehen ist hier die Devise...
Lichtboxer V.I.P. 12.08.2010, 23:34
Im Falle eines gesicherten Netzwerks wäre es eine Straftat, wenn entweder der Hacker Erfolg gehabt hätte oder er bei dem Versuch eine Software eingesetzt hätte. Dann spricht man von einer sog. Vorbereitungshandlung. Der bloße Versuch, irgendetwas ins Eingabefeld zu tippen, ist jedoch noch nicht strafbar.
Die Nutzung eines fremden WLANs, egal ob gesichert oder nicht, ist dann auf jeden Fall strafbar, und zwar nach der herrschenden Meinung auch dann, wenn man nur im Internet surft, nichts ausspäht und der Anschlussinhaber eine Flatrate hat. Dies aufgrund der IP, die zu den personenbezogenen Daten zählt, so dass selbst wenn im Einzelfall noch kein StGB-Tatbestand erfüllt ist, immer noch Datenschutz- und Telekommunikationsvorschriften verletzt werden.
vermutlich hat das eine ganz simple Erklärung (der eigene Router des Hackers hat keine Verbindung zugelassen und der PC hat deshalb verzweifelt versucht sich in ein anderes WLAN ein zu wählen).
Nicht ganz, denn der PC versucht bei verschlüsselter Verbindung nicht, sich einzuwählen, sondern fordert zur Auswahl eines Netzwerks und danach zur Eingabe des Netzwerkschlüssels auf. Könnte aber dennoch ein Versehen sein, in dem Fall also ein menschlicher Irrtum.
Der gute A sollte nicht nur sein Netzwerk umbenennen und den Codeschlüssel ändern, sondern auch den versteckten Modus aktivieren (also die SSID ausblenden). Dann muss ein Dritter überhaupt erst einmal den Namen kennen, um dann den Versuch des Einloggens starten zu können. Kommt es trotzdem zum Eindringversuch, kann A sicher sein, dass ein Hacker am Werk ist, denn ohne Software kann man so ein verstecktes Netzwerk wohl kaum aufrufen.
Desweiteren sollte A den Netzwerkzugriff aller mit dem Router verbundenen Geräte (egal, ob per Kabel oder wireless) sperren, damit der Hacker, sofern es sich um einen Gelegenheitsschwarzsurfer handelt, nicht auch noch Zugriff auf die Festplatten bekommt. Wenn's ein richtiger Hacker ist, schafft der das aber bestimmt auch.
Ach ja, und wenn man nicht zu Hause ist, einfach den Router ausschalten oder die WLAN-Funktion deaktivieren. Es gibt heute auch wunderbar funktionierende Steckdosen-LAN-Adapter. Ein Adapter gehört logischerweise an den Router, den anderen "schleppt" man dann halt mit dem Laptop zusammen durchs Haus, was aber nicht das Problem ist, denn die Dinger sind klein, leicht und handlich.
Van Nille V.I.P. 13.08.2010, 10:03
Die Nutzung eines fremden WLANs, egal ob gesichert oder nicht, ist dann auf jeden Fall strafbar, und zwar nach der herrschenden Meinung auch dann, wenn man nur im Internet surft, nichts ausspäht und der Anschlussinhaber eine Flatrate hat.
Ich weiß ja nicht, welche Meinung bei Dir herrscht, aber die Rechtsprechung ist nach meinem Kenntnisszand eindeutig der Auffassung dass das Mitbenutzen eines ungesicherten WLAN nicht strafbar ist.
DarkSoulAnny Boardneuling 13.08.2010, 11:01
A hat Router (FritzBox) grundlegend immer verborgen, auch der Name ist nicht ohne weiteres herauszufinden. Ebenso existiert eine starke Firewall und bei Abwesend ist der Router generell abgestöpselt. Dies passierte aber in As Anwesenheit! Also A war zum Tatzeitpunkt Zuhause und hatte den Router folglich eingesteckt... A ist im Übrigen Dipl. Informatiker und hat schon seit jeher alles gesichert, weil A empfindliche Kundendaten auf dem Computer hat, welche aber ebenfalls mittels Passwort verschlüsselt sind.
Die KriPo hat sich dessen nun angenommen und wird den Fall weiter bearbeiten. Laut RA ist der Straftatsbestand dahingehend erfüllt, das es ein versuchter Betrug bzw Hacking war. Sagte zumindest der hinzugezogene RA.
Lichtboxer V.I.P. 13.08.2010, 11:56
Ich beziehe mich da u.a. auf ein rechtskräftiges Urteil des Amtsgerichts Wuppertal: http://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/w...9_Ds_70_Js_6906_06__16_07_urteil20070403.html
Eine neuere gegenteilige Entscheidung ist mir nicht bekannt.
Van Nille V.I.P. 13.08.2010, 12:54
Dann halte ich das Amtsgericht Wuppertal entgegen:
http://www.schwarz-surfen.de/urteile/ag-wuppertal-beschluss-20-ds-10-js-197708-28208-03-08-2010/
Van Nille V.I.P. 13.08.2010, 13:11
Herrschende Meinung, welche herrschende Meinung?
Ich als Beinah Alt 68er kann dazu nur sagen:
Die herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden!
Van Nille V.I.P. 13.08.2010, 13:32
Stimmt übrigens im Medienzeitalter mehr denn je!
Na, da gibt es doch noch diese kleinen standhaften Medien in denen z.B. auch eine Eva Herrmann ihre Sicht der Welt verbreiten darf.
Lichtboxer V.I.P. 13.08.2010, 14:14
@ Van Nille:
Das Urteil kannte ich noch nicht, danke.
Allerdings muss man dem Gericht entgegenhalten, dass es eine streibare Ansicht in Bezug auf die Einordnung der IP-Adresse vertritt. Es schreibt in seiner Begründung:
Auch ist der Tatbestand des §44 I i.V.m. §43 II Nr.3 BDSG nicht erfüllt. Der Angeschuldigte hat ausweislich der Anklage und des Ermittlungsergebnisses keine personenbezogenen Daten abgerufen oder sich verschafft. In Betracht kommen auch hier allenfalls die IP-Daten. Die IP-Daten sind jedoch keine personenbezogenen Daten im Sinne des §3 I BDSG (vgl. auch Popp, jurisPR-ITR 16/2008 Anm.4).
Durch die IP-Adresse ist eine Personenzuordnung jedoch grundsätzlich möglich. Ähnlich wie bei einem Kfz-Kennzeichen, einer Telefonnummer etc. lässt sich anhand der IP-Adresse ein Anschlussinhaber grundsätzlich ermitteln, wenngleich nach der momentanen Rechtslage nur durch Auskunftersuchen der Staatsanwaltschaft. Und dieser Anschlussinhaber kann oft auch den tatsächlichen Nutzer benennen (befugte Nutzung vorausgesetzt), ebenso wie ein PKW-Halter in aller Regel den jeweiligen Fahrer benennen kann.
In die Überlegung muss man sicher mit einbeziehen, dass durch die unbefugte Nutzung eines fremden Anschlusses in gewisser Weise eine falsche Identität vorgegaukelt wird. Es wird also - im übertragenen Sinne - "Kennzeichenmissbrauch" betrieben. Mag dies evtl. nur bei strafbaren Handlungen im Netz relevant sein (illegale Downloads etc.), so wird ein privater Anschlussinhaber dennoch ein berechtigtes Interesse daran haben, dass sich niemand in sein Netz einwählt, auch wenn er es aus welchen Gründen auch immer nicht verschlüsselt.
Nach meiner unmaßgeblichen Beobachtung sind Literatur und Gerichte in letzter Zeit mehrheitlich dazu übergegangen, IP-Adressen zu den personenbezogenen Daten zu zählen und daher die entsprechenden Bestimmungen des BDSG (und TMG, aber das nur nebenbei, es ist in diesem Fall irrelevant) entsprechend auszulegen.
http://www.linksandlaw.de/ip-adresse-personenbezogen.htm
http://www.internet-law.de/2009/01/sind-ip-adressen-personenbezogene-daten.html
Zuletzt haben sich mit dieser Frage die Landesdatenschutzbeauftragten auseinandergesetzt und sind zu der Auffassung gelangt, dass IP-Adressen personenbezogene Daten sind;
http://www.lfd.m-v.de/dschutz/beschlue/Analyse.pdf
Van Nille V.I.P. 16.08.2010, 13:20
Dieses "eine IP-Adresse ist ein Personenbezogenes Datum" darf man meines Erachtens nicht überstrapazieren.
Zuerst einmal ist ein IP-Adresse nichts weiter als eine Adresse. Sofern es die Adresse eines Einfamilienhauses ist, hätten wir damit ein passendes Analogon zur IP-Adresse, da sich in beiden Fällen der gleiche Personenbezug herstellen lässt.
Ist eine Wohnadresse jetzt ein personenbezogenes Datum? Ich würde sagen ja!
Jetzt stehe ich in einer fremden Stadt und brauche ein Taxi, nehme also mein Handy, rufe die Auskunft an und lasse mich mit dem örtlich zuständigen Taxibetreiber verbinden. Da der ja zu mir finden muss, muss ich ihm sagen, wo ich stehe. Ich schaue mich kurz um und sage dann "Ich warte im Birkenweg 12 auf Sie!".
Hätte ich mir damit personenbezogene Datne beschafft?
Lichtboxer V.I.P. 16.08.2010, 14:04
Der Vergleich hinkt etwas. Analog zur IP-Frage müsste das Beispiel lauten "Ich wohne im Birkenweg 12". Und dann liegt eindeutig eine Täuschung vor. In der Regel wird das nicht auffallen, außer der Kunde zahlt nicht. Und dann sind wir wieder dabei, dass die Nichtstrafbarkeit unbefugter WLAN-Nutzung Straftaten Tür und Tor öffnen würde.
Der BGH hat ja deshalb erst neulich privaten WLAN-Betreibern eine Verschlüsselungspflicht auferlegt. In dem Urteil werden IP-Adressen übrigens auch zu den Bestandsdaten gezählt. Aber auch der BGH sieht trotz Sicherungspflicht die strafrechtliche Verantwortung einzig und allein beim Eindringling.
Das kann man etwa mit dem nicht verschlossenen PKW vergleichen. Dafür wird sogar ein Bußgeld fällig, weil es (ebenso wie ein ungesichertes WLAN) zu Missbrauch einlädt. Trotzdem bleit der Dieb ein Dieb, auch wenn er sagen könnte "Selber schuld, wenn der Blödmann sein Auto nicht abschließt".
Van Nille V.I.P. 16.08.2010, 14:44
Der Vergleich hinkt etwas. Analog zur IP-Frage müsste das Beispiel lauten "Ich wohne im Birkenweg 12".
Es ging hier um das Abrufen oder Verschaffen, nicht um das Benutzen!
Es ging auch nicht darum dass der Benutzer hier evtl. versucht eine falsche Identität vor zu gaukeln, sondern erst einmal um das neutrale Surfen und dort wird die IP-Adresse als schlichte Lieferadresse für die Daten gebraucht, analog zum Taxi.
Und dann sind wir wieder dabei, dass die Nichtstrafbarkeit unbefugter WLAN-Nutzung Straftaten Tür und Tor öffnen würde.
Jaja! Und die Nichtstrafbarkeit des Verkaufs von Küchenmessern öffnet auch Straftaten Tür und Tor!
Finde ich übrigens eine geniale Logik: Die Nichtstrafbarkeit von etwas öffnet Straftaten Tür und Tor. Ich dachte immer Strafbarkeit sei die Voraussetzung für Straftaten.
Hast Du schon mal über eine Karriere als Innenminister nachgedacht?
Der BGH hat ja deshalb erst neulich privaten WLAN-Betreibern eine Verschlüsselungspflicht auferlegt.
Sicher? Das Urteil zur Störerhaftung meinst Du offensichtlich nicht. In welchem ist der BGH denn so weit gegangen?
Das ist jetzt aber wirklich ein Vergleich der hinkt! Für das Nichtverschließen der Wohnungstür gibt es kein Bußgeld, obwohl auch die unverschlossene Wohnungstür zum Mißbrauch einlädt, ähnlich dem WLAN. (Telefon CLIP-Funktion...).
Die Bußgeldbewehrung im Straßenverkehrsrecht gehört hingegen in Anbetracht der heutigen Technik tatsächlich auf den Prüfstand gestellt!
BGH-Urteil zu ungesichertem WLAN Aktuelle juristische Diskussionen und Themen 18. März 2010

References: §44
 §43
 §3
 BGH 
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