Source: https://www.ndeex.de/erbrecht-aktuell/1101320358/
Timestamp: 2020-07-09 13:55:54+00:00

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Erbrecht Aktuell - Können Miterben untereinander Auskunft über den Nachlassbestand verlangen? | NDEEX
Einzelne Miterben haben häufig wegen besonderer Sachnähe zum Nachlassvermögen ein �Monopolwis-sen�, während andere als Folge eines Informationsdefizits den Nachlass weder effektiv verwalten noch zügig zur Teilung bringen können. Sie sind deshalb dringend auf Auskunftsrechte angewiesen. Nach einer Grundsatzentscheidung des BGH (NJW-RR 1989, 450) begründet die Miterbenstellung als solche aber keine für die Bejahung einer generellen Auskunftspflicht genügende Sonderbeziehung.
Ein Miterbe, der als �Erbschaftsbesitzer� i. S. des § 2027 I BGB zu qualifizieren ist (z.B. weil er sich ein Alleinerbrecht angemaßt und deshalb etwas aus dem Nachlass erlangt hat), ist verpflichtet, den anderen Miterben Auskunft über den Nachlassbestand und den Verbleib von Nachlassgegenständen zu erteilen. Behauptet dieser Miterbe, er habe aus dem Nachlass nichts in Besitz genommen, kann sich eine Auskunftspflicht aus § 2362 II BGB ergeben, falls ihm ein unrichtiger Erbschein erteilt wurde (Promberger, in: MünchKomm, 3. Aufl., § 2362 Rdnr. 9).
Gem. § 2027 II BGB schuldet Auskunft auch derjenige Miterbe, der eine Sache aus dem Nachlass � egal, ob gut- oder bösgläubig � in Besitz genommen hat, bevor die Miterben den Besitz ergriffen haben.
Lebte ein Miterbe mit dem Erblasser in �häuslicher Gemeinschaft�, ist er gem. § 2028 I BGB den anderen Miterben gegenüber auskunftspflichtig (OLG Braunschweig, OLGE 26, 296). Zu beachten ist jedoch, dass Auskunft �nur� über geführte erbschaftliche Geschäfte und den Verbleib von Erbschaftsgegenständen, nicht also über den Nachlassbestand zu erteilen ist (OLG München, OLGE 40, 134).
Gem. § 2057 BGB sind Miterben untereinander zur Auskunft über Zuwendungen verpflichtet, die gem. §§ 2050 bis 2053 BGB ausgleichspflichtig sein könnten. Geschuldet ist eine zeitlich und gegenständlich unbeschränkte �Totalaufklärung� (Sarres, ZEV 2000, 349), wobei aber nicht jede �Kleinigkeit� anzugeben ist (Bamberger/Roth/Lohmann, BGB, 2003, § 2057 Rdnr. 4).

References: BGH 
 § 2027
 § 2362
 § 2362
 § 2027
 § 2028
 § 2057
 § 2057