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Timestamp: 2018-10-19 13:12:25+00:00

Document:
OVG Nordrhein-Westfalen, 10 A 3087/07: OVG NRW (der rat, errichtung, schallschutzwand, stellungnahme der behörde, vorbescheid, stadt, bebauungsplan, antrag, grundstück, unnötige kosten)
Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen vom 16.09.2009, 10 A 3087/07
10 A 3087/07
OVG NRW (der rat, errichtung, schallschutzwand, stellungnahme der behörde, vorbescheid, stadt, bebauungsplan, antrag, grundstück, unnötige kosten)
Der rat, Errichtung, Schallschutzwand, Stellungnahme der behörde, Vorbescheid, Stadt, Bebauungsplan, Antrag, Grundstück, Unnötige kosten
Oberverwaltungsgericht NRW, 10 A 3087/07
Aktenzeichen: 10 A 3087/07
Das angefochtene Urteil wird auf die Anschluss-berufung des Beklagten geändert. Die Klage wird insgesamt abgewiesen.
Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die Klägerin darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des beizutreibenden Betrages abwenden, wenn der Beklagte nicht vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.
2Die Klägerin begehrt die Erteilung eines Vorbescheids für die Errichtung eines Lebensmitteldiscountmarktes mit 113 Stellplätzen.
3Das Bauvorhaben soll auf dem ca. 7.000 qm großen Grundstück L. Straße 149 in P. verwirklicht werden. Auf dem Baugrundstück befinden sich zwei größere Hallengebäude, die derzeit von einem Natursteinbearbeitungsbetrieb mit Verkaufsstelle, einer Schlosserei, einem Reitsportzubehör-, einem Schraubengroßhandel sowie zwei weiteren kleinen Firmen als Verwaltungsstandort genutzt werden. Eigentümerin des Grundstücks ist eine Erbengemeinschaft, die der Klägerin mit notariellem Vertrag eine befristete Kaufoption eingeräumt hat.
4Nördlich des Baugrundstücks verläuft die Bundesautobahn (BAB) 2, die ca. 2 km westlich der Baufläche in das Autobahnkreuz P. einmündet. Im Süden schließt sich unmittelbar angrenzend ein größeres Wohngebiet an. Nordöstlich des Baugrundstücks
liegt das Wohnhaus L. Straße 155 in einer ansonsten unbebauten Grünfläche, die im Norden durch die BAB 2 und im Osten durch die L. Straße eine Begrenzung erfährt. Teile dieser Fläche liegen ebenso wie ein schmaler Streifen am nördlichen Rand des Baugrundstücks im Landschaftsschutzgebiet .
5Der Standort L. Straße Nr. 149 befindet sich zwischen den Stadtteilen L1. und L2. in einer Entfernung von jeweils ca. 1, 5 km. Auf der gegenüberliegenden Seite der L. Straße haben sich diverse Gewerbebetriebe, u. a. ein B. - Lebensmittelmarkt angesiedelt. Ein größeres straßennah gelegenes Bistro mit Drive-In und ca. 100 Stellplätzen wird derzeit errichtet. Wohnnutzung ist dort nur vereinzelt vorhanden.
6Mit einer am 22. Februar 2006 beim Beklagten eingegangenen Bauvoranfrage beantragte die Klägerin die Erteilung eines Vorbescheids für die "Errichtung eines SB- Marktes mit ca. 799 qm Verkaufsfläche (inkl. Eingang/Ausgang + Windfang Pfandraum) und 113 Aussenstellplätzen" auf dem Grundstück Gemarkung T. , Flur 13, Flurstücke 757, 759, 761, 289-293 (L. Straße 149 in P. ). Zum Nachweis der Verträglichkeit mit der benachbarten Wohnbebauung legte sie ein schalltechnisches Gutachten der Ingenieure H. +Partner vom 3. Februar 2006 sowie eine Analyse der
Unternehmensberatung aus Dezember 2005 zu der Frage vor, ob schädliche Auswirkungen auf zentrale Versorgungbereiche zu erwarten seien. Als Fragestellung für die Bauvoranfrage gab die Klägerin an: "Geprüft werden soll das Planungsrecht sowie die geplante verkehrliche Erschliessung." Aus dem beigefügten Plan ihrer Architekten ergeben sich der Gebäudegrundriss, die Anordnung der vorgesehenen Stellplätze, die Verkehrsführung sowie der Standort der geplanten Schallschutzwand. Gemäß der zugehörigen Betriebsbeschreibung findet an Werktagen während der Öffnungszeiten des SB-Marktes von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr auf der Park- und Verkehrsfläche Pkw- Kundenverkehr und in der Zeit von 6.00 Uhr bis 8.00 Uhr auch Lkw-Anlieferverkehr statt. Der Abstand der geplanten Stellplatzanlage beträgt an der zur BAB 2 nächstgelegen Stelle ca. 6 m. 66 der insgesamt beantragten 113 Stellplätze liegen ebenso wie ca. 3 m der insgesamt 38 m langen, an der südöstlichen Grundstücksgrenze vorgesehenen Schallschutzwand weniger als 40 m vom äußeren Fahrbahnrand der BAB 2 entfernt. 9 Stellplätze befinden sich teilweise in und teilweise außerhalb dieses Bereichs.
7Im Zeitpunkt des Eingangs der Bauvoranfrage beim Beklagten lag das Baugrundstück nicht im Geltungsbereich eines Bebauungsplans. Im Flächen-nutzungsplan der Stadt P. vom 10. Mai 1983 war für den Grundstücksbereich eine Gewerbefläche, eine Fläche für Wald sowie eine Hauptverkehrsfläche dargestellt.
8Am 3. April 2006 beschloss der Rat der Stadt P. die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 568 – L. Straße/BAB 2 – und machte den Beschluss am 18. April 2006 öffentlich bekannt. Das vorgesehenes Plangebiet umfasste neben dem Baugrundstück zunächst auch die nordwestlich des Baugrundstücks gelegenen Flurstücke 763, 789 und 787 (Grünfläche mit Wohnhaus). Anlass für den Aufstellungsbeschluss war gemäß der Beschlussvorlage die Aufgabe gewerblicher Nutzungen auf dem Baugrundstück, weshalb sich ein Bedarf für eine Umnutzung ergebe. Es seien Konflikte innerhalb der unterschiedlichen Nutzungen im Plangebiet selbst sowie mit der angrenzenden Wohnbebauung zu befürchten, weshalb es Ziel eines Bebauungsplans sein müsse, die Wohnqualität zu sichern und gleichzeitig gewerbliche Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
9Mit Zurückstellungsbescheid vom 12. Juni 2006, der Klägerin am 21. Juni 2006 zugestellt, setzte der Beklagte die Entscheidung über die Bauvoranfrage der Klägerin für 12 Monate bis zum 12. Juni 2007 aus. Den hiergegen gerichteten Widerspruch der Klägerin vom 12. Juli 2006 wies die Bezirksregierung E. mit Widerspruchsbescheid vom 29. November 2006 zurück.
10Im Verlaufe des daraufhin am 19. Dezember 2006 von der Klägerin gegen den Zurückstellungsbescheid eingeleiteten Klageverfahrens beschloss der Rat der Stadt P. am 12. Februar 2007 die Veränderungssperre Nr. 104 für den Bebauungsplanbereich und machte diese am 15. Februar 2007 öffentlich bekannt. Die Geltungsdauer der Veränderungssperre war bis zum 11. Juni 2008 befristet.
11Mit streitgegenständlichem Bescheid vom 12. März 2007 lehnte der Beklagte die Bauvoranfrage der Klägerin unter Bezugnahme auf die in Kraft getretene Veränderungssperre ab. Dagegen hat die Klägerin mit Schreiben vom 2. April 2007 Widerspruch eingelegt.
12In der Zeit vom 11. Juni 2007 bis zum 25. Juni 2007 wurde der Entwurf des Bebauungsplans Nr. 568 öffentlich ausgelegt. Dieser sah unter Verkleinerung des Plangebiets (Wegfall der Flurstücke 763, 789 und 787 – Grünfläche mit Wohnhaus) parallel zur BAB 2 eine Grünfläche und im Übrigen die Festsetzung eines Gewerbegebiets vor. Im Rahmen der Beteiligung der Behörden und der Träger öffentlicher Belange machte der Landesbetrieb Straßenbau O. -X. mit Schreiben vom 16. Juli 2007 geltend, die nördliche Baugrenze sei bis zu 5 m nach Süden zu verlegen, um den vorgeschriebenen 40 m-Abstand zur BAB 2 einzuhalten. Zusätzlich seien sämtliche vom Gewerbegebiet ausgehenden negativen Auswirkungen auf den Verkehr der Autobahn - wie Blendwirkung, Rauch- und Staubentwicklung – auszuschließen. In einem weiteren Schreiben vom 25. Juli 2007 wies der Landesbetrieb Straßenbau O. -X. darauf hin, dass er einer generellen Reduzierung der Anbauverbotszone, wie im Plan dargestellt, nicht zustimme.
13Zur Begründung ihrer Klage hat die Klägerin geltend gemacht, das Vorhaben füge sich hinsichtlich der Art der baulichen Nutzung in die Umgebung ein. Diese werde durch den Natursteinbearbeitungsbetrieb sowie die östlich der L. Straße gelegenen Einzelhandelsnutzungen geprägt. Die Verträglichkeit der geplanten Nutzung mit dem südlich liegenden Wohngebiet sei durch die vorgelegte Lärmimmissionbegutachtung nachgewiesen. Schädliche Auswirkungen i. S. v § 34 Abs.3 BauGB seien ausweislich der Verträglichkeitsanalyse und angesichts der Kleinflächigkeit des Vorhabens nicht zu befürchten und vom Beklagten auch nicht nachgewiesen. Da der in Aufstellung befindliche Bebauungsplan noch keine konkreten Formen angenommen habe, fehle es für die Wirksamkeit der Veränderungssperre Nr. 104 an einer sicherungsfähigen Planung.
15den Beklagten unter Aufhebung des ablehnenden Bescheides vom 12. März 2007 zu verpflichten, ihre Bauvoranfrage vom 20. Februar 2006 – Az.: 334-06-07 für die Errichtung eines SB-Marktes mit 799 qm Verkaufsfläche und 113 Stellplätzen auf dem Grundstück Gemarkung T. , Flur 13, Flurstücke 757, 759, 761, 289 bis 293, L. Straße 149 in P. positiv zu bescheiden,
hilfsweise festzustellen, 16
17dass die im Hauptantrag bezeichnete Bauvoranfrage bis zur Zustellung des Zurückstellungsbescheides am 21. Juni 2006 positiv hätte beschieden werden müssen.
Zur Begründung hat er ausgeführt, im Zeitpunkt des Erlasses der Veränderungssperre seien die Planungsvorstellungen der Stadt P. hinreichend konkretisiert gewesen. Durch das im Aufstellungsbeschluss formulierte Hauptplanungsziel sei deutlich geworden, dass die Festsetzung eines Gewerbegebiets beabsichtigt gewesen sei, da bei einem anderen Gebietstyp die als Planungsziele formulierten Prüfungen entbehrlich seien. Überdies entspräche auch die vorhandene bauliche Nutzung der eines Gewerbegebiets.
21Mit Urteil vom 3. September 2007 hat das Verwaltungsgericht der Klage mit dem Hilfsantrag stattgegeben. Im übrigen hat es die Klage abgewiesen. Das mit dem Hauptantrag verfolgte Begehren sei erfolglos, da der Erteilung des Vorbescheids nach § 71 Abs.2 i. V. m § 75 Abs.1 Satz 1 BauO NRW die Veränderungssperre Nr. 104 entgegen stehe. Diese sei auf der Grundlage von § 14 BauGB wirksam erlassen worden und sichere mit der von Anfang an von der Stadt P. beabsichtigten Festsetzung eines Gewerbegebiets ein hinreichend konkretes Planungsziel. Die Klage sei hingegen mit dem Hilfsantrag als Fortsetzungsfeststellungsklage zulässig und begründet, weil der Beklagte bis zur Zustellung des Zurückstellungsbescheids am 21. Juni 2006 verpflichtet gewesen sei, der Klägerin den begehrten Vorbescheid zu erteilen. Der in Rede stehende SB-Lebensmittelmarkt füge sich nach der Art der geplanten Nutzung als ein nicht großflächiger Lebensmitteleinzelhandelsbetrieb in die vorhandene Umgebungsbebauung ein. Das vorgelegte Lärmschutzgutachten der Ingenieure H. + Partner vom 3. Februar 2006 belege, dass der Betrieb das notwendige Maß der Rücksichtnahme wahren könne. Ein Verstoß gegen § 34 Abs.3 BauGB sei vom Beklagten nicht dargelegt worden. Die Frage der Anordnung der 113 Außenstellplätze sei eine solche des Bauordnungsrechts, deren Klärung dem späteren Genehmigungsverfahren vorbehalten bleibe. Es sei davon auszugehen, dass die Stellplätze lediglich nachrichtlich in den Lageplan eingetragen worden seien.
22Auf den Antrag der Klägerin vom 26. Oktober 2007 hat der Senat mit Beschluss vom 27. März 2009 die Berufung zugelassen.
23Am 14. April 2008 beschloss der Rat der Stadt P. , das Gebiet der Veränderungssperre entsprechend dem Bebauungsplanentwurf zu verkleinern sowie die Geltungsdauer der Veränderungssperre bis zum 11. Juni 2009 zu verlängern.
Der Rat der Stadt P. beschloss am 11. Mai 2009 den Bebauungsplan als Satzung. Der Bebauungsplan Nr. 568 ist am 2. Juni 2009 öffentlich bekannt gemacht worden. Auf Anregung des Landesbetrieb Straßenbau O. -X. wurde die Anbauverbotszone und die Anbaubeschränkungszone nach dem Bundesfernstraßengesetz nachrichtlich in den Bebauungsplan übernommen und die überbaubare Fläche entsprechend reduziert. 20
Gemäß Nr. 2 der textlichen Festsetzungen im Bebauungsplan sind Einzelhandelsnutzungen grundsätzlich unzulässig. Ausnahmsweise können an Endverbraucher gerichtete Verkaufsstellen von Handwerks- und anderen Gewerbebetrieben zugelassen werden, wenn sie in unmittelbarem räumlichen und betrieblichen Zusammenhang mit einem Handwerks – oder anderen Gewerbebetrieb stehen und deren Summe an Verkaufs- und Ausstellungsfläche unter der Größe der Geschossfläche des Handwerks- und Gewerbebetriebs liegt. Der nördliche Bereich des Bebauungsplangebiets weist eine Grünfläche aus, die dem Landschaftsschutzgebiet 1.2.7 "B1. und Volkspark T. " des Landschaftsplans der Stadt P. vom 2. Mai 1996 entspricht.
25Zur Begründung ihrer Berufung macht die Klägerin geltend, die Veränderungssperre sei unwirksam gewesen. Die Zulässigkeit des Bauvorhabens richte sich nach § 34 Abs.1 BauGB, weil auch der Bebauungsplan Nr. 568 unwirksam sei. Der generelle Einzelhandelsausschluss finde keine städtebauliche Rechtfertigung. Er stelle eine Verhinderungsplanung dar, wie die östlich der L. Straße genehmigten Einzelhandelsbetriebe belegten. Schädliche Auswirkungen auf die Versorgungslage der Bevölkerung in U. /L2. seien nicht zu befürchten, da sie sich entschlossen habe, den dort bereits vorhandenen M. -Markt fortzuführen. Auch § 9 Abs.1 FStrG stehe dem Bauvorhaben nicht entgegen. Zwar liege ein Teil der Stellplatzanlage innerhalb der Anbauverbotszone, die notwendige Anzahl an Stellplätzen könne jedoch außerhalb dieser errichtet werden. Der Landesbetrieb Straßen O. -X. habe mit Schreiben vom 2. März 2007 bestätigt, dass die Anlage der nach Baurecht erforderlichen Stellplätze ebenso wie die Errichtung des M. - Marktes außerhalb der Anbauverbotszone zu erfolgen habe und insoweit keine Bedenken geltend gemacht. Hieraus sei zu schließen, dass er die Anlegung von Stellplätzen innerhalb der Anbauverbotszone für zulässig erachte. Bei Stellplätzen handele es sich nicht um "Hochbauten" im Sinne des § 9 Abs. 1 FStrG. Vierundvierzig der beantragten Stellplätze könnten außerhalb des Verbotsbereichs errichtet werden. Die auf einer Länge von etwa 1 m in die Anbauverbotszone hereinragende Schallschutzwand könne ohne nachteilige Auswirkungen auf die Immissionslage auf dem Flurstück 471 gekürzt werden, wie sich aus einer ergänzenden Stellungahme der Ingenieure H. +Partner vom 4. September 2009 ergebe.
27unter teilweiser Änderung des teilweise angefochtenen Urteils den Beklagten zu verpflichten, unter Aufhebung des ablehnenden Bescheides vom 12. März 2007 ihre Bauvoranfrage vom 22. Februar 2006 für die Errichtung eines SB-Marktes mit 799 qm Verkaufsfläche und 113 Stellplätzen auf dem Grundstück T. , Flur 13, Flurstücke 757, 759, 761, 289 - 293, L. Straße 149 in P. , positiv zu bescheiden,
29den Beklagten unter teilweiser Änderung des teilweise angefochtenen Urteils zu verpflichten, der Klägerin einen positiven bauplanungsrechtlichen Bauvorbescheid auf ihren Antrag vom 22. Februar 2006 für die Errichtung eines SB-Marktes mit 799 qm Verkaufsfläche und den gemäß § 51 BauO NRW notwendigen Stellplätzen auf dem Grundstück Gemarkung T. , Flur 13, Flurstücke 757, 759, 761, 289 – 293 zu erteilen,
weiter hilfsweise, 30
31den Beklagten unter teilweiser Änderung des teilweise angefochtenen Urteils zu verpflichten, einen bauplanungsrechtlichen Vorbescheid zu dem im Antrag der Klägerin vom 22. Februar 2006 dargestellten Vorhaben zu der Frage zu erteilen, dass der SB-Markt hinsichtlich der Art der baulichen Nutzung unter Ausklammerung der Frage der Zulässigkeit der Stellplatzanlage zulässig ist,
weiterhin hilfsweise, 32
33festzustellen, dass der Beklagte verpflichtet war, der Klägerin auf ihren Antrag vom 22. Februar 2006 einen positiven bauplanungsrechtlichen Vorbescheid bis zum Inkrafttreten des Bebauungsplans zu erteilen.
Der Beklagte hat mit am 15. Juni 2009 Anschlussberufung eingelegt und beantragt, 34
35die Berufung der Klägerin zurückzuweisen und unter Änderung des Urteils des Verwaltungsgerichts E. vom 3. September 2007 – 25 K 6386/06 – die Klage insgesamt abzuweisen.
36Zur Begründung führt er aus, die Klage sei bereits unzulässig, weil die oberste Landesstraßenbaubehörde keine Ausnahme von dem Anbauverbot des § 9 Abs.1 FStrG zugelassen habe. Bei der Stellplatzanlage handele es sich um einen Hochbau, da sie sich über der Geländeoberfläche erhebe und wegen des Fahrzeug- und Personenverkehrs geeignet sei, die Sicht zu behindern und die Aufmerksamkeit der Autobahnbenutzer auf sich zu lenken. Die westlich des Gebäudes geplanten Stellplätze könnten nicht ohne Überfahren der Anbauverbotszone erreicht werden. Deshalb führe der Hinweis der Klägerin auf eine Errichtung nur der notwendigen Stellplätze nicht weiter. Somit stünden aufgrund der eingereichten Bauvorlagen nur 21 Parkplätze nördlich des Gebäudes zur Verfügung. Dies sei für den Lebensmittelmarkt nicht ausreichend. Er erfordere gemäß Nr. 3.2 der Anlage zu Nr. 51.11. VV BauO NRW mindestens 80 Stellplätze. Er - der Beklagte - habe in den Jahren 2007 bis 2009 bei allen genehmigten Lebensmittelmärkten mit Verkaufsflächen bis zu 800 qm die Errichtung von 74 bis 120 Stellplätzen verlangt. Ungeachtet dessen handele es sich um ein anderes Bauvorhaben, das nicht streitgegenständlich sei. Ob eine Reduzierung der Länge der vorgesehen Schallschutzwand zulässig sei, lasse sich erst nach erneuter fachlicher Prüfung beantworten. Auch insoweit liege ein aliud vor.
37Den in den Hilfsanträgen liegenden Klageänderungen stimme er nicht zu. Der erste Hilfsantrag sei zudem unbestimmt, da sich dieser Bauvoranfrage nicht entnehmen lasse, wie viele Stellplätze errichtet werden sollten. Der zweite Hilfsantrag wäre unbegründet, weil dem Vorhaben der Bebauungsplan Nr. 568 entgegen stehe. Dieser schließe die Ansiedlung von Lebensmitteleinzelhandel wirksam aus. Ungeachtet dessen sei das Bauvorhaben der Klägerin zu keiner Zeit genehmigungsfähig gewesen. Im Zeitpunkt der Antragstellung hätten die Voraussetzungen des § 34 Abs.1 BauGB nicht vorgelegen, da der geplante SB-Markt kein Vorbild in der Nähe finde. Zudem seien schädliche Auswirkungen auf die sicherungsbedürftigen Nahversorgungszentren L1. und U. / L2. zu befürchten. Jedenfalls sei ein Anspruch der Klägerin auf positive Bescheidung ihrer Bauvoranfrage mit der Bekanntmachung des
Aufstellungsbeschlusses über den Bebauungsplan Nr. 568 am 18. April 2006 entfallen.
38Das Landgericht E1. hatte der Klage der Klägerin auf Feststellung, dass die Stadt P. zum Ersatz des ihr aufgrund der Ablehnung der Bauvoranfrage entstandenen Schadens wegen begangener Amtspflichtverletzung verpflichtet ist, mit Urteil vom 10. Februar 2009 (Az.: 1 O 179/08) stattgegeben. Dagegen hat jene beim OLG E. Berufung eingelegt (Az.: I-18 U 57/09), über die noch nicht entschieden wurde.
39Die Berichterstatterin des Senats hat am 7. September 2009 die Örtlichkeiten in Augenschein genommen. Hinsichtlich des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf das Protokoll vom selben Tag verwiesen.
40Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die Verfahrensakte, die beigezogenen Verwaltungs- und Aufstellungsvorgänge sowie das von den Beteiligten vorgelegte Plan- und Kartenmaterial Bezug genommen.
42Der Berufung der Klägerin, die diese mit dem Hauptantrag in zulässiger Weise auf den die Klage abweisenden Teil des Urteils des Verwaltungsgerichts beschränkt hat, hat keinen Erfolg. Auf die zulässige und begründete Anschlussberufung des Beklagten war hingegen das angefochtene Urteil des Verwaltungsgerichts zu ändern und die Klage insgesamt abzuweisen.
43Das Verwaltungsgericht hat der Klage zu Unrecht teilweise stattgegeben. Diese hat weder mit dem Hauptantrag (1.), mit einem der drei im Berufungsverfahren gestellten Hilfsanträge (2. – 4.) noch mit dem erstinstanzlich gestellten Hilfsantrag (5.) Erfolg.
441. Das Verwaltungsgericht hat die Klage mit dem Hauptantrag auf Verpflichtung des Beklagten gemäß § 42 Abs. 1, 2. Alt. VwGO zur Erteilung des beantragten Vorbescheids im Ergebnis zu Recht abgewiesen.
Allerdings ist die Klage mangels Rechtsschutzinteresses bereits unzulässig. 45
46Der Klägerin fehlt das erforderliche Sachbescheidungsinteresse für den beantragten Vorbescheid zur Errichtung eines SB-Marktes mit 113 Stellplätzen nebst Schallschutzwand auf dem Grundstück Gemarkung T. , Flur 13, Flurstücke 757, 759, 761, 289 - 293 (L. Straße 149 in P. ). Die Klägerin ist nämlich aus Rechtsgründen gehindert, von dem begehrten Bauvorbescheid Gebrauch zu machen und vermag somit durch eine Klage auf Erteilung desselben ihre Rechtsstellung nicht zu verbessern. Mit dem Anbauverbot des § 9 Abs.1 des Bundesfernstraßengesetzes (FStrG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 28. Juni 2007 (BGBl. I S. 1206) steht der Errichtung des Lebensmittelmarktes mit Stellplatzanlage und Schallschutzwand ein nicht ausräumbares rechtliches Hindernis entgegen. Deshalb kann auch ein die baurechtliche Zulässigkeit des Bauvorhabens teilweise verbindlich feststellender Vorbescheid der Klägerin in einem späteren Baugenehmigungsverfahren keinen rechtlichen Vorteil bringen.
47Nach § 71 Abs.1 Satz 1 BauO NRW kann vor Einreichung des Bauantrags zu Fragen des Bauvorhabens ein Bescheid (Vorbescheid) beantragt werden. Nach Abs. 2 dieser Vorschrift gelten u. a. § 69, § 72 Abs. 1 bis 3, § 75 Abs. 1 bis 3 und § 77 Abs. 2 BauO
NRW entsprechend.
48Ein Vorbescheid stellt, anders als die Baugenehmigung (vgl. § 75 Abs.1 Satz 1 BauO NRW) allerdings nicht die Übereinstimmung des Vorhabens mit dem gesamten öffentlichen Recht fest. Mit ihm wird lediglich über einzelne Fragen des Bauvorhabens entschieden. "Fragen des Bauvorhabens" können diejenigen sein, über die im bauaufsichtsrechtlichen Genehmigungsverfahren entschieden werden muss, wobei sich die Frage nicht nur auf landesrechtliche, sondern mangels bundesrechtlicher Regelung des Verfahrens auch auf bundesrechtlich geregelte Prüfungsgegenstände beziehen kann.
49Vgl. Boeddinghaus/Hahn/Schulte, BauO NRW, Loseblattkommentar, Stand: 1. Juli 2009, § 71 Rn. 1ff.; so ausdrücklich § 74 Abs.1 Satz 2 NBauO.
50Während seiner Geltungsdauer (vgl. § 71 Abs.1 Satz 2, Abs.2 i. V. m. § 77 Abs. 2 BauO NRW) steht mit Bindungswirkung für das Baugenehmigungsverfahren fest, dass das geplante Bauvorhaben in den zur Prüfung gestellten Punkten dem öffentlichen Recht nicht widerspricht. Soweit der Regelungsinhalt des Vorbescheids reicht, ist über die Fragen des Bauvorbescheids abschließend entschieden, mit der Folge, dass im nachfolgenden Genehmigungsverfahren nicht erneut über die bereits durch den Vorbescheid beantworteten Fragen entschieden wird.
51Vgl. BVerwG, Urteil vom 3. Februar 1984 – 4 C 39.82 – BRS 42 Nr. 170, Boeddinghaus/Hahn/ Schulte, BauO NRW a.a.O., § 71 Rn. 52 ff..
52Nach ständiger Rechtsprechung der Bausenate des erkennenden Gerichts ist der Vorbescheid daher ein vorweggenommener Teil des feststellenden Ausspruchs der Baugenehmigung. Der Bauvorbescheid stellt verbindlich fest, dass dem Vorhaben hinsichtlich der zur Entscheidung gestellten Frage öffentlich-rechtliche Hindernisse nicht entgegenstehen.
53Vgl. OVG NRW, Urteile vom 17. Februar 2009 - 10 A 793/07 -, vom 11. Juli 2002 - 10 A 5372/99 -, BRS 65 Nr. 173; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 17. März 1989 - 4 C 14.85 -, BRS 49 Nr. 168.
54Was das "Bauvorhaben" und die zur Beurteilung gestellten Fragen sein sollen, bestimmt der Antragsteller. Denn der Bauvorbescheid ist ein mitwirkungsbedürftiger Verwaltungsakt, dessen Inhalt durch den auf seine Erteilung gerichteten Antrag, die Bauvoranfrage (vgl. § 71 Abs. 2 i. V. m. § 69 BauO NRW), vorgegeben wird.
55Vgl. BVerwG, Urteil vom 4. Juli 1980 - 4 C 99.77 -, BRS 36 Nr. 158; OVG NRW, Urteil vom 17. Februar 2009 - 10 A 793/07 -, BauR 2009, 1123; Boeddinghaus/Hahn/Schulte, BauO NRW a.a.O., § 71 Rn. 5ff..
56Mit seiner Bauvoranfrage muss der Antragsteller ein konkretes Vorhaben und eine dieses Vorhaben betreffende Frage so eindeutig zur Prüfung stellen, dass die Frage von der Baugenehmigungsbehörde mit Bindungswirkung entschieden werden kann.
57Vgl. OVG NRW, Urteile vom 11. Juli 2002 - 10 A 5372/99 -, BRS 65 Nr. 173, vom 20. Juni 1985 - 7 A 308/81 -, NVwZ 1986, 580 und vom 22. Juli 1987 - 11 A 958/85 -, BRS 47 Nr. 139.
58Dementsprechend kann eine Bauvoranfrage, mit der sachliche Teile eines Vorhabens aus der Fragestellung so ausgeklammert werden, dass eine verbindliche rechtliche Beurteilung des Vorhabens – etwa hinsichtlich der planungsrechtlichen Zulässigkeit – nicht mehr möglich ist, sachlich nicht beschieden werden.
60Prüffähiger Inhalt eines Vorbescheids können alle Fragen sein, über die im Genehmigungsverfahren im Falle eines Bauantrags zu entscheiden wäre. Denn Sinn und Zweck des Bauvorbescheids ist es, dem Bauherrn die Möglichkeit zu geben, vor der Bauantragstellung problematische Fragen des Bauvorhabens vorab geklärt zu bekommen, um unnötige Kosten zu vermeiden.
61Vgl. Boeddinghaus/Hahn/Schulte, BauO NRW a.a.O., § 71 Rn. 3 und Rn. 33.
62Die Klägerin begehrt die Erteilung eines bauplanungsrechtlichen Vorbescheids zu dem im Antrag vom 22. Februar 2006 dargestellten Vorhaben. In der Bauvoranfrage hat die Klägerin ebenso wie im Anschreiben ihrer Prozessbevollmächtigten vom 20. Februar 2006 ausdrücklich das Gesamtvorhaben "Errichtung eines SB-Marktes mit ca. 799 qm Verkaufsfläche und 113 Aussenstellplätze" zur planungsrechtlichen Prüfung einschließlich der Frage der verkehrlichen Erschließung gestellt. In dem eingereichten Grundriss sind nämlich nicht nur Größe und Lage des SB-Marktes einschließlich der Raumaufteilung im Innern des Gebäudes sondern auch alle Stellplätze, die Fläche zum Abstellen der Einkaufswagen, Lage und Verlauf der Verkehrsflächen sowie eine 38 m lange Schallschutzwand dargestellt.
63Gegenstand der Bauvoranfrage (vgl. § 71 Abs.1 Satz 1 BauO NRW) der Klägerin ist somit nicht nur das Gebäude, in dem der geplante Lebensmittelmarkt untergebracht werden soll, sondern auch die Stellplatzanlage nebst Schallschutzwand. Einer nur auf den SB-Markt beschränkten Betrachtung widerspricht auch die Vorlage des von der Klägerin in ihrer Bauvoranfrage ausdrücklich in Bezug genommenen Schallschutzgutachtens der Ingenieure H. +Partner vom 3. Februar 2006. Dieses beschäftigt sich in erster Linie mit dem Pkw- und Lkw-Freiflächenverkehr auf dem Parkplatz (vgl. Punkt 4. ""Objektbeschreibung", Seite 5 des Gutachtens) und beurteilt die Frage der Zumutbarkeit der vom Betrieb der Stellplatzanlage auf die benachbarte Wohnbebauung einwirkenden Lärmimmissionen. Die Klägerin wollte damit ihrer Verpflichtung aus § 71 Abs. 2 i.V.m. § 69 Abs.1 Satz 1 BauO NRW nachkommen, die zur Beurteilung der Zulässigkeit des Vorhabens – insbesondere der Einhaltung des Rücksichtnahmegebots – erforderlichen Unterlagen beizubringen.
Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 26. März 2009 - 7 A 2902/07 -. 64
65Der positiven Bescheidung der von der Klägerin mit diesem Inhalt (Errichtung und Nutzung des SB-Marktes mit 113 Stellplätzen und Schallschutzwand) gestellten Bauvoranfrage stehen nicht überwindbare öffentlich-rechtliche Hindernisse entgegen. Das Vorhaben verstößt gegen das repressive Verbot des § 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG. Danach dürfen längs der Bundesfernstraßen Hochbauten jeder Art in einer Entfernung bis zu 40 Meter bei Bundesautobahnen, gemessen vom äußeren Rand der befestigten Fahrbahn, nicht errichtet werden.
66"Hochbauten" i. S. v. § 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG sind nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts "bauliche Anlagen, die ganz oder teilweise über der Erdgleiche liegen".
67Vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Februar 1970 – 4 C 48.67 – Buchholz 407.4 § 9 FStrG Nr. 10.
68Ein Vergleich mit dem Begriff der baulichen Anlage in § 9 Abs.1 Nr. 2 FStrG und § 9 Abs.2 FStrG zeigt, dass der Begriff des Hochbaus enger zu verstehen ist als der Begriff der baulichen Anlage,
vgl. Bender, in: Müller/Schulz, Kommentar zum FStrG, § 9 Rn.17 f.. 69
70Das Bundesverwaltungsgericht lehnt sich insoweit an den sprachlich übereinstimmenden Begriff in den Landesbauordnungen (vgl. § 2 Abs. 1 BauO NRW) an, beschränkt ihn im Interesse der unterschiedlichen Zielsetzungen in den Landesbauordnungen einerseits und dem Bundesfernstraßengesetz andererseits jedoch auf überirdische oder jedenfalls teilweise überirdische bauliche Anlagen. Der gesetzgeberische Zweck des straßenrechtlichen Anbauverbots ist der Schutz der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf Bundesfernstraßen. Diese hängen in einem wesentlichen Maße auch von den baulichen Verhältnissen im Nachbarbereich der Straße ab und zwar umso mehr, je dichter und schneller der Verkehr oder je enger die räumliche Beziehung zwischen Nachbargrundstücken und Straße ist.
71Vgl. Aust in Kodal/Krämer, Straßenrecht, 6. Auflage München 1999, Kap. 28 Rn. 30.
72Insbesondere kann die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs durch Hochbauten innerhalb der Verbotszone dadurch beeinträchtigt werden, dass die Sicht der Kraftfahrer beeinträchtigt wird oder die Fahrzeugführer in seiner Aufmerksamkeit abgelenkt wird.
73Vgl. BVerwG, Urteil vom 23. Mai 1986 – 4 C 59/84 – juris, unter Hinweis auf BVerwG, Urteile vom 30. November 1984 – 4 C 2.82 – Buchholz 407.4 § 9 FStrG Nr.21, vom 4. April 1975 – 4 C 55.74 – BVerwGE 48, 123 (129 f); vom 27. Februar 1970 - 4 C 48.67 - Buchholz 407.4 § 9 FStrG Nr. 10.
74Daher sind Hochbauten jeder Art, die den Fernverkehr typischerweise gefährden, angesichts ihrer räumlichen Nähe zur Bundesfernstraße schlechthin verboten. Auf eine konkrete Gefährdungslage kommt es nicht an.
75Vgl. zur Systematik der Regelungen in § 9 Abs.1 und 2 FStrG: BVerwG, Urteil vom 23. Mai 1986 - 4 C 1/80 - juris; sowie Aust in Kodal/Krämer, Straßenrecht, 6. Auflage 1999, Kap. 28
Rn. 30 ff. 76
Entscheidend ist, ob das Bauwerk nach seinem Erscheinungsbild und seiner Nutzung geeignet ist, die Sicht zu behindern oder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, 77
vgl. OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 18. Mai 1972 – 1 A 32/71 - BRS 25 Nr. 78
auf das Maß der Erhebung ist hingegen nicht abzustellen. 79
Vgl. Aust in Kodal/Krämer, Straßenrecht, 6. Auflage 1999, Kap. 28 RN 33. 80
81Denn das Nebeneinander eines absoluten (§ 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG) und eines relativen (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 FStrG) Anbauverbots belegt, dass der Begriff "Hochbau" nicht eine Mindesthöhe, ab der Bauten im Rahmen des Anbauverbots eine Rolle spielen, voraussetzt.
82Vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Februar 1970 - IV C 48.67 - BRS 23 Nr. 187 zu 16 m vom Fahrbahnrand entfernt liegenden Tankzapfsäulen.
83Vor diesem Hintergrund kann die streitgegenständliche Stellplatzanlage nicht auf ihre baulichen Bestandteile reduziert werden. Von ihrem Betrieb geht ein ungleich höheres Gefahrenpotential für die Schutzgüter des § 9 Abs. 1 Nr. 1 FStrG aus, als dies bei feststehenden "Hochbauten", wie z.B. Mauern, Masten, Mobilfunkstation, o.ä. baulichen Anlagen,
vgl. die Aufzählung bei Bender in Müller/Schulz, a.a.O, § 9 Rnr. 18, 84
der Fall ist. 85
Danach zählen innerhalb der Anbauverbotszone zu den "Hochbauten" i. S. v. § 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG auch die hier zum Gegenstand der Bauvoranfrage gemachte 2 m hohe Schallschutzwand und die Stellplatzanlage, auf der an sechs Tagen in der Woche in der Zeit von 6.00 Uhr bis ca. 20.00 Uhr mit einer Vielzahl von Fahrzeugbewegungen durch Personen- und auch Lastkraftwagenverkehr zu rechnen ist.
87Die 2 m hohe Schallschutzwand ragt ausweislich der von den Architekten der Klägerin eingereichten Planzeichnung auf einer Länge von ca. 3 m in die 40 m breite Anbauverbotszone des § 9 Abs. 1 Nr. 1 FStrG. Soweit die Klägerin in ihrem Vortrag von einem Hineinragen der Wand auf einer Länge von lediglich 1 m ausgeht, kann die Frage einer etwaigen Messungenauigkeit dahinstehen, da auch nach den Angaben der Klägerin die Wand innerhalb der Anbauverbotszone liegt.
88Nichts anderes gilt für den überwiegenden Teil der geplanten Stellplatzanlage. Ca. 66 der insgesamt geplanten 113 Stellplätze liegen hinter der im Bebauungsplan Nr. 568 rot gekennzeichneten 40 m-Grenze. Weitere 9 Stellplätze werden von dieser Grenze durchtrennt. Dieser Teil der Park- und Verkehrsfläche inner-halb der Anbauverbotszone erfüllt die Voraussetzungen eines Hochbaus i. S. v. § 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG, weil bei der Errichtung einer Stellplatzanlage in der geplanten Größenordnung mit weiteren Aufbauten wie Randsteinen, Pallisaden, Stellplatzbegrenzungen, einer mit Aufbauten versehenen Abstellmöglichkeit für Einkaufswagen (vgl. die Einzeichnung "EKW" auf dem Grundriss), mit Beleuchtungsanlagen in Form von Laternen u.a. zu rechnen ist. Hinzu kommt, dass bestimmungsgemäß auf der Parkfläche oberirdisch Kraftfahrzeuge abgestellt werden.
Aber auch unabhängig von ihrer konkreten Gestaltung erfüllt eine Park- und Bewegungsfläche von ca. 1.500 qm, auf der von Montag bis Samstag in der Zeit von 86
6.00 Uhr bis 20.00 Uhr mit regem Pkw-Verkehr zu rechnen ist, angesichts der Schutzfunktion von § 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG die Voraussetzungen für einen "Hochbau".
90Aus dem schalltechnischen Gutachten der Ingenieure H. +Partner vom 3. Februar 2006 geht hervor, dass nach den Erfahrungen der Klägerin mit vergleichbaren Standorten mit ca. 1200 Pkw-Bewegungen/Tag, d. h. 0,81 Bewegungen/Stellplatz/h zu rechnen ist. Hinzu tritt gelegentlicher Lkw-Verkehr. Somit kann der Verkehrsteilnehmer auf der BAB 2 unter Berücksichtigung der hier gegebenen Umstände, insbesondere der topographischen Lage, in Bruchteilen von Sekunden mit einer Vielzahl von Bewegungsabläufen konfrontiert werden, deren visuelle Wirkung aufgrund der geringen Entfernung vom Fahrbahnrand der BAB 2 (ca. 6 m bis 25 m, gemessen vom äußeren Rand der nördlichen und nordöstlichen Stellplätze) und der sich in Form, Farbe, Größe und Bewegungsrichtung voneinander unterscheidenden Kraftfahrzeuge besonders stark ist. Hinzu kommt insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten durch das witterungsund tageszeitbedingte Einschalten von Licht die Gefahr, geblendet bzw. vom Verkehrsgeschehen auf der Autobahn abgelenkt zu werden. Die bestimmungsgemäße Nutzung und ihr räumliches Maß lassen die Stellplatzfläche daher nicht als eine ebenerdige bauliche Anlage, sondern als einen "über der Erdgleiche" liegenden Hochbau erscheinen.
91Wegen der abstrakt-generellen Verbotsregelung in § 9 Abs. 1 Nr. 1 FStG ist es in diesem Zusammenhang unbeachtlich, ob eine konkrete Wahrscheinlichkeit für das Auslösen von Verkehrsunfällen besteht. Außer Betracht zu bleiben hat auch der zum Zeitpunkt der Ortsbesichtigung weitgehend durchgängige Sichtschutz, da es sich bei dem derzeit vorhandenen Baum- und Strauchbewuchs um eine jahreszeitlich bedingte Erscheinung ohne gesicherten Bestand handelt.
92Der Verstoß gegen § 9 Abs. 1 FStrG kann auch nicht durch eine Abweichung ausgeräumt werden. Die Erteilung einer mithin für das geplante Vorhaben erforderlichen Ausnahme von dem zwingenden Anbauverbot nach § 9 Abs. 8 FStrG, ist von vorneherein ausgeschlossen. Das Anbauverbot führt hier nicht zu einer offenbar nicht beabsichtigten Härte. Insoweit fehlt es an einer untypischen Sachlage. Die durch die Anwendung von § 9 Abs. 1 Nr. 1 FStrG im Falle der Klägerin ausgelösten Folgen sind gerade beabsichtigt, da erforderlich, um die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf der BAB 2 zu sichern. Im Übrigen wurde vom Landesbetrieb Straßenbau O. -X. mit dem Schreiben vom 2. März 2007 auch keine Ausnahme in Aussicht gestellt. Die dahingehende Auslegung der Klägerin ist nicht ansatzweise nachvollziehbar.
93Fehlt der Klägerin somit bereits aus vorstehenden Gründen das Rechtsschutzinteresse für die Verpflichtungsklage, kommt es auf die zwischen den Parteien streitige Frage der Verfügbarkeit des Baugrundstücks aufgrund der zwischen der Klägerin und der Erbengemeinschaft getroffenen Vereinbarungen und damit auf die Frage, ob die Rechtsverfolgung auch aus diesem Grunde nutzlos ist, für die Entscheidung nicht mehr an.
94Vgl. BVerwG, Beschluss vom 20. Juli 1993 – 4 B 110/93 –; NVwZ 1994, 482.
952. Die Klage mit dem ersten Hilfsantrag hat eine unzulässige Klageänderung zum Gegenstand. Ungeachtet dessen ist sie mangels Sachbescheidungsinteresse als unzulässig zu verwerfen.
96Der von der Klägerin im Berufungsverfahren gestellte Antrag, ihr unter teilweiser Änderung des insoweit angefochtenen Urteils des Verwaltungsgerichts einen Vorbescheid für die Errichtung des SB-Marktes mit 799 qm Verkaufsfläche und den gemäß § 51 BauO NRW notwendigen Stellplätzen zu erteilen, stellt eine an § 91 VwGO zu messende Klageänderung und keine gemäß § 264 Nr. 2 ZPO i. V. m. § 173 VwGO zulässige Beschränkung des Hauptantrags dar. Der mit dem ersten Hilfsantrag zur Entscheidung gestellte Streitstoff hat sich nämlich gegenüber demjenigen, der der Bauvoranfrage zugrunde liegt, wesentlich geändert. Die Frage, ob und wie viele Stellplätze bei der geplanten Errichtung des SB-Marktes herzustellen sind, d. h. der konkrete Bedarf an notwendigen Stellplätzen war nicht Gegenstand des Vorbescheidverfahrens und erweitert die bislang auf die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit eines Lebensmittelmarktes mit 799 qm Verkaufsfläche, 113 Stellplätzen und Schallschutzwand beschränkte Voranfrage um die bauordnungsrechtliche Fragestellung nach der Stellplatzpflicht und deren Anzahl (vgl. § 51 Abs.1 BauO NRW).
97Die Zulässigkeit einer Klageänderung setzt nach § 91 Abs.1 VwGO voraus, dass die übrigen Beteiligten einwilligen oder das Gericht die Änderung für sachdienlich hält. Weder die eine noch die andere Voraussetzung ist hier gegeben. Der Beklagte hat der Klageänderung in der mündlichen Verhandlung widersprochen und die Änderung der Klage ist auch nicht sachdienlich. Die Entscheidung darüber, ob eine Klageänderung sachdienlich ist, liegt im Ermessen des Gerichts. Eine Klageänderung ist in der Regel als sachdienlich anzusehen, wenn sie der endgültigen Beilegung des sachlichen Streits zwischen den Beteiligten im laufenden Verfahren dient und der Streitstoff im Wesentlichen derselbe bleibt.
98Vgl. BVerwG, Urteil vom 18. August 2005 - 4 C 13.04 -, BRS 69 Nr. 32 m. w. N.; Beschluss vom 25. Juni 2009 - 9 B 20/09 -, juris.
99Das ist hier nicht der Fall, weil nach § 51 Abs. 1 Satz 1 BauO NRW die Anzahl der von der Klägerin auf dem Baugrundstück herzustellenden Stellplätze von dem zu erwartenden Zu- und Abgangsverkehr und der Erreichbarkeit des Lebensmittelstandorts mit öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig ist. Um den Bedarf abschließend beurteilen zu können, ist eine eingehende und an den konkreten örtlichen Verhältnissen orientierte Prüfung erforderlich. Damit erweitert sich zugleich der Streitstoff im Vergleich zum Hauptantrag, da zunächst geklärt werden muss, welche Faktoren bei der Festlegung der Anzahl der notwendigen Stellplätze zu berücksichtigen sind, wie viele Stellplätze zum Betrieb des geplanten SB-Marktes für Kunden und Mitarbeiter benötigt werden und wo diese in nachbarverträglicher Weise hergestellt werden können.
100Ungeachtet der damit gegebenen Unzulässigkeit der Klageänderung ist die mit dem ersten Hilfsantrag zur Entscheidung gestellte Bauvoranfrage auch nicht bescheidungsfähig, weil die Klägerin mit der Frage nach der planungsrechtlichen Zulässigkeit eines "SB-Marktes mit 799 qm Verkaufsfläche und den gemäß § 51 BauO NRW notwendigen Stellplätzen" kein konkretes Bauvorhaben, sondern infolge der Unbestimmtheit der Anzahl und Lage der Stellplätze eine abstrakte Rechtsfrage zur Prüfung stellt.
101Eine Bauvoranfrage muss nach § 71 Abs.1 Satz 1 BauO NRW jedoch so gefasst sein, dass sie von der Baugenehmigungsbehörde mit Bindungswirkung klar und eindeutig entschieden werden kann.
Vgl. OVG NRW, Urteile vom 20. Juni 1985 - 7 A 308/81 -; NVwZ 1986, 580 und vom 22. Juli 1987 - 11 A 958/85 -, BRS 47 Nr. 139. 102
Ein Vorbescheid, der wesentliche Fragen offen lässt, ist der BauO NRW fremd. 103
104Vgl. BVerwG, Urteil vom 4. Juli 1980 - 4 C 99. 77 -, BRS 36 Nr. 158; OVG NRW, Urteile vom 28. Mai 1993 - 7 A 1112/90 -, vom 11. Juli 2002 - 10 A 5372/99 -, BRS 65 Nr. 173.
105Die Bescheidung der Bauvoranfrage darf nicht auf eine gutachterliche Stellungnahme der Behörde – oder des Gerichts – hinauslaufen.
Vgl. Boeddinghaus/Hahn/Schulte, BauO NRW, a. a. O., § 71 Rn. 5 m. w. N. 106
107So ist es hier. Die gestellte Frage, ob der geplante SB-Markt Marktes mit 799 qm Verkaufsfläche und den gemäß § 51 BauO NRW notwendigen Stellplätzen auf dem Grundstück Gemarkung T. , Flur 13, Flurstücke 757, 759, 761, 289 – 293 zulässig ist, kann nicht mit der erforderlichen Verbindlichkeit beantwortet werden. Sie wäre für eine nachfolgende Baugenehmigung ohne Ertrag. Ohne genaue Angabe der Anzahl und Lage der geplanten Stellplätze (§§ 16, 10 Abs. 1 Nr. 2 i. V. m. § 3 Abs. 1 Nr. 14 BauPrüfVO) bleibt insbesondere auch unklar, ob ein Teil der notwendigen Stellplätze innerhalb der Anbauverbotszone des § 9 Abs. 1 Nr. 1 FStrG liegen würden und damit das Sachbescheidungsinteresse für die Erteilung des Vorbescheids auch aus diesem Grunde entfiele. Die Klägerin nimmt in ihrem Antrag einerseits Bezug auf ihre Bauvoranfrage vom 22. Februar 2006 einschließlich des Grundrisses mit der Eintragung von 113 Stellplätzen. Andererseits lässt sie mit der Frage nach den notwendigen Stellplätzen offen, wie viele Stellplätze an welcher Stelle Gegenstand der Voranfrage sein sollen.
3. Auch die Klage mit dem zweiten Hilfsantrag ist unzulässig. 108
Zwar handelt es sich um eine zulässige Beschränkung des Hauptantrags gemäß § 264 Nr. 2 ZPO i. V. m. § 173 VwGO. Jedoch stellt die Klägerin mit ihm ebenfalls eine nicht bescheidungsfähige Bauvoranfrage zur Entscheidung. Auf ihrer Grundlage kann keine verbindliche Aussage darüber getroffen werden, ob die Errichtung des in der Bauvoranfrage vom 22. Februar 2006 dargestellten Vorhabens hinsichtlich der Art der baulichen Nutzung unter Ausklammerung der Frage der Zulässigkeit der Stellplatzanlage zulässig ist, weil diese Frage nicht selbstständig beurteilbar ist.
110Zu diesem Erfordernis vgl. die ausdrückliche Regelungen in § 74 Abs.1 NBauO und § 59 Abs.1 Bbg BauO sowie Schmaltz, Überlegungen zum Gegenstand des Bauvorbescheids, BauR 2007, 975, 979.
Ob sich der Betrieb des geplanten SB-Marktes als mit der unmittelbar angrenzenden Wohnnutzung verträglich und damit unter dem Gesichtspunkt der Einhaltung des Rücksichtnahmegebots als planungsrechtlich zulässig erweist, kann hier wegen der unmittelbar angrenzenden Wohnbebauung nur in Kenntnis der für die Beurteilung der Umgebungsverträglichkeit entscheidenden Aspekte der Verkehrswegeführung auf dem Baugrundstück, der Lage der Zu- und Abfahrten, der Anzahl der Stellplätze, deren Stellung zum Baukörper sowie der Entfernung zu störempfindlichen Nachbarnutzungen 109
beantwortet werden. Zum Prüfprogramm der begehrten Bebauungsgenehmigung gehört nämlich auch § 15 Abs. 1 BauNVO. Danach kann ein Vorhaben, das in dem festgesetzten Baugebiet nach den dafür einschlägigen Bestimmungen der Baunutzungsverordnung grundsätzlich zulässig wäre, im Einzelfall gleichwohl unzulässig sein, wenn von ihm beispielsweise Belästigungen oder Störungen ausgehen können, die nach der Eigenart des Baugebiets im Baugebiet selbst oder in dessen Umgebung unzumutbar sind. Der Betrieb des geplanten SB-Marktes ist ohne Stellplatzanlage nicht genehmigungsfähig. Gebäude und Parkplatz bilden eine funktionale Einheit, die eine verbindliche selbstständige Beurteilung nur der Art der baulichen Nutzung hier unmöglich macht. Die Frage der Rücksichtnahme erfordert eine Interessenabwägung, die sich in erster Linie danach auszurichten hat, ob die von dem geplanten Lebensmittelmarkt ausgehenden Störungen (Lärm und Abgase) der unmittelbar angrenzenden Wohnnachbarschaft zumutbar sind. Davon geht auch die Klägerin aus, wie die Vorlage des Schallschutzgutachtens im Vorbescheidverfahren belegt. Scheidet – wie dargelegt – eine Bebauung innerhalb der Anbauverbotszone des § 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG mit einem Gebäude und/oder Stellplätzen aus, verlagert sich das Kundenverkehrsaufkommen zwangsläufig in den östlichen straßennahen Grundstücksteil und rückt damit näher an die im schalltechnischen Gutachten als Immissionsaufpunkte 1, 2 und 3 bezeichneten Wohnhäuser heran. Maßgeblich bei der prognostischen Betrachtung ist daher, wo der Baukörper des geplanten SB-Marktes eine Abschirmungswirkung entfaltet, wo die Warenanlieferung vorgesehen ist, wo die Parkplätze für Kunden und Mitarbeiter angelegt werden, wie der Kunden- und Anlieferverkehr auf dem Grundstück geführt wird und wo Zu- und Abfahrten liegen. Zu diesen bedeutsamen Aspekten für die Gebiets- bzw. Umgebungsverträglichkeit des Vorhabens enthält das Vorhaben in der Fassung des zweiten Hilfsantrages keine Angaben, so dass sich seine planungsrechtliche Zulässigkeit bezogen auf die Art der baulichen Nutzung nicht bindend feststellen lässt.
112Vgl. zu einer ähnlichen Sachlage: OVG NRW Urteil vom 11. Juli 2002 - 10 A 5372/99 -, BRS 65 Nr.173.
1134. Auch die Klage mit dem im Berufungsverfahren gestellten dritten Hilfsantrag hat keinen Erfolg. Mit diesem hat die Klägerin gegenüber dem im erstinstanzlich gestellten Hilfsantrag den Feststellungszeitpunkt vom Inkrafttreten der Veränderungssperre (21. Juni 2006) auf den des Bebauungsplans (2. Juni 2009) verändert. Es spricht bereits vieles dafür, dass die Klage als Fortsetzungsfeststellungsklage analog § 113 Abs.1 Satz 4 VwGO unzulässig ist. Jedenfalls ist sie unbegründet.
114Zwar ist anerkannt, dass das Inkrafttreten einer Veränderungssperre oder eines Bebauungsplans eine Änderung der Rechtslage bewirkt, die dem Eintritt eines erledigenden Ereignisses gleichgestellt wird.
115Vgl. BVerwG, Urteil vom 29. April 1992 - 4 C 29/90 -, BRS 54 Nr. 174;BayVGH, Urteil vom 27. Mai 1998 - 26 B 96.2220 -.
116Die Zulässigkeit eines Fortsetzungsfeststellungsantrags setzt jedoch voraus, dass die ursprüngliche Verpflichtungsklage zulässig war, nach Rechtshängigkeit ein erledigendes Ereignis eingetreten ist, ein klärungsfähiges Rechtsverhältnis besteht und ein Feststellungsinteresse gegeben ist.
vgl. BVerwG, Urteil vom 28. April 1999 - 4 C 4/98 -, BRS 62 Nr. 175. 117
118Insoweit bestehen erhebliche Zweifel, ob die Klägerin ein berechtigtes Feststellungsinteresse hat, da es bereits an der substantiierten Darlegung der Umstände mangelt, aus denen sich ein solches Fortsetzungsfeststellungsinteresse ergeben soll. Die Klägerin führt zwar derzeit wegen der ihrer Ansicht nach rechtswidrigen Ablehnung des Bauvorbescheids einen Schadensersatzprozess, der noch in der Berufungsinstanz anhängig ist. Eine solche Schadensersatzklage darf aber nicht offensichtlich aussichtslos sein.
119Ständige Rechtsprechung, vgl. z. B. BVerwG, Urteil vom 22. Januar 1998 – 2 C 4/97 -, NVwZ 1999, 404.
120Aufgrund der vorstehenden Ausführungen hatte die Klägerin zu keiner Zeit einen Anspruch auf die Erteilung des mit dem Hauptantrag begehrten Bauvorbescheides und damit auf die begehrte Feststellung, da der Errichtung des SB-Marktes mit 799 qm Verkaufsfläche und 113 Außenstellplätzen § 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG entgegen steht. Das mit der Bauvoranfrage zur planungsrechtlichen Überprüfung gestellte Bauvorhaben lässt sich nämlich auf der Grundlage der eingereichten Bauvorlagen nicht realisieren, da ein Großteil der geplanten Stellplatzanlage sowie Teile der Schallschutzmauer innerhalb der Anbauverbotszone des § 9 Abs.1 Nr. 1 FStrG liegen. Insoweit gilt das zum Hauptantrag bereits Ausgeführte.
Infolgedessen kommt es auf die Wirksamkeit des Bebauungsplans Nr. 568 nicht an. 121
1225. Auf die Anschlussberufung des Beklagten ist das Urteil des Verwaltungsgerichts zu ändern und die Klage auch mit dem erstinstanzlich gestellten Hilfsantrag abzuweisen. Nach den vorstehenden Ausführungen hatte die Klägerin zu keiner Zeit einen Anspruch auf die begehrte Bebauungsgenehmigung, da ihrer Ausnutzung das Anbauverbot des.§ 9 Abs.1 FStrG entgegensteht und damit kein sachlich bescheidungsfähiges Interesse gegeben war.
124Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit stützt sich auf § 167 VwGO in Verbindung mit § 708 Nr. 11, 711 ZPO.
125Die Revision ist nicht zuzulassen, weil die Voraussetzungen des § 132 Abs. 2 VwGO nicht gegeben sind.

References: § 34
 § 71
 § 75
 § 14
 § 34
 § 34
 § 9
 § 9
 § 51
 § 9
 § 34
 § 42
 § 9
 § 71
 § 69
 § 72
 § 75
 § 77
 § 75
 § 71
 § 74
 § 71
 § 77
 § 71
 § 71
 § 69
 § 71
 § 71
 § 71
 § 71
 § 69
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 2
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 51
 § 91
 § 264
 § 173
 § 51
 § 91
 § 51
 § 51
 § 71
 § 71
 § 51
 § 3
 § 9
 § 264
 § 173
 § 74
 § 59
 § 15
 § 9
 § 113
 § 9
 § 9
 § 167
 § 708
 § 132