Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Kuendigung_Zurueckweisung_der_Kuendigung.html
Timestamp: 2020-07-14 07:27:41+00:00

Document:
Kündigung - Zurückweisung der Kündigung - HENSCHE Arbeitsrecht
In­for­ma­tio­nen zum The­ma Kün­di­gung - Zu­rück­wei­sung der Kün­di­gung: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Le­sen Sie hier, wann Sie ei­ne Kün­di­gung zu­rück­wei­sen kön­nen, weil der Kün­di­gen­de kei­ne Voll­machts­ur­kun­de bei­ge­fügt hat.
Im Ein­zel­nen fin­den Sie In­for­ma­tio­nen da­zu, was die Zu­rück­wei­sung ei­ner Kün­di­gung ge­mäß § 174 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) da­von un­ter­schei­det, dass der Ge­kün­dig­te das Feh­len ei­ner Be­voll­mäch­ti­gung ge­mäß § 180 Satz 2 BGB be­an­stan­det, wie lan­ge Sie sich mit der Zu­rück­wei­sung ei­ner Kün­di­gung Zeit las­sen kön­nen und was Sie bei der For­mu­lie­rung ei­ner Zu­rück­wei­sung be­ach­ten soll­ten.
Wann ist ei­ne Kündi­gung, die ein Ver­tre­ter des Ar­beit­ge­bers aus­spricht, wirk­sam?
War­um soll­te man Kündi­gungs­erklärun­gen nicht „im Auf­trag“ (i.A.) un­ter­schrei­ben?
Was können Sie als gekündig­ter Ar­beit­neh­mer tun, wenn der Kündi­gung kei­ne Voll­machts­ur­kun­de bei­liegt?
Wel­che recht­li­chen Fol­gen hat die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB?
Wie lan­ge ha­ben Sie Zeit, um ei­ne Kündi­gung un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB zurück­zu­wei­sen?
Ist für die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung ei­ne be­stimm­te Form vor­ge­schrie­ben?
Muss der Kündi­gen­de, um ei­ne Zurück­wei­sung zu ver­mei­den, ei­ne Ori­gi­nal­voll­macht vor­le­gen?
Wann ist ei­ne Zurück­wei­sung aus­ge­schlos­sen, weil der gekündig­te Ar­beit­neh­mer Kennt­nis von der Be­vollmäch­ti­gung hat?
Können gekündig­te Ar­beit­neh­mer auch ei­ne Kündi­gung zurück­wei­sen, die ein GmbH-Geschäftsführer un­ter­schrie­ben hat?
Können gekündig­te Ar­beit­neh­mer auch ei­ne Kündi­gung zurück­wei­sen, die ein Pro­ku­rist un­ter­schrie­ben hat?
Müssen Sie in­ner­halb von drei Wo­chen Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, wenn Sie sich ge­gen ei­ne Kündi­gung weh­ren wol­len, die Sie zurück­wei­sen ha­ben?
Wor­in be­steht der Un­ter­schied zwi­schen der Nicht­vor­la­ge ei­ner Voll­machts­ur­kun­de und dem Nicht­be­ste­hen ei­ner Be­vollmäch­ti­gung?
Wo fin­den Sie mehr zum The­ma Kündi­gung - Zurück­wei­sung der Kündi­gung?
Größere Ar­beit­ge­ber müssen sich beim Ab­schluss von Ar­beits­verträgen und bei Kündi­gun­gen ver­tre­ten las­sen.
Bei Kündi­gun­gen ge­schieht das übli­cher­wei­se, in­dem ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung auf dem Brief­pa­pier des Ar­beit­ge­bers die Kündi­gung erklärt und sei­ne Un­ter­schrift un­ter das Kündi­gungs­schrei­ben setzt. Durch die Ver­wen­dung des Fir­men­brief­pa­piers wird deut­lich, dass er die Kündi­gung nicht im ei­ge­nen Na­men aus­spre­chen will (er ist ja nicht der Ar­beit­ge­ber), son­dern im Na­men der von ihm ver­tre­te­nen Fir­ma, d.h. des Ar­beit­ge­bers.
Da­hin­ter steht § 164 Abs.1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB). Die­se Vor­schrift lau­tet:
„Ei­ne Wil­lens­erklärung, die je­mand in­ner­halb der ihm zu­ste­hen­den Ver­tre­tungs­macht im Na­men des Ver­tre­te­nen ab­gibt, wirkt un­mit­tel­bar für und ge­gen den Ver­tre­te­nen. Es macht kei­nen Un­ter­schied, ob die Erklärung aus­drück­lich im Na­men des Ver­tre­te­nen er­folgt oder ob die Umstände er­ge­ben, dass sie in des­sen Na­men er­fol­gen soll.“
Aus die­ser Re­ge­lung er­gibt sich, dass ei­ne Kündi­gung, die ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung für den Ar­beit­ge­ber aus­spricht, für und ge­gen den Ar­beit­ge­ber wirkt, wenn drei Be­din­gun­gen erfüllt sind:
Der Mit­ar­bei­ter, der die Kündi­gung erklärt, muss ei­ne ei­ge­ne Erklärung ab­ge­ben, d.h. er muss den Kündi­gungs­ent­schluss zu Pa­pier brin­gen. Steht vor sei­ner Un­ter­schrift „im Auf­trag“ bzw. „i.A.“, liegt kei­ne ei­ge­ne Erklärung des Un­ter­zeich­nen­den vor, denn er über­mit­telt nur als Bo­te die Erklärung ei­nes an­de­ren.
Der Mit­ar­bei­ter, der die Kündi­gung erklärt, darf kein Ge­heim­nis dar­aus ma­chen, dass er die­se Erklärung für ei­nen an­de­ren, nämlich für den Ar­beit­ge­ber ab­gibt. Die Stell­ver­tre­tung muss of­fen­kun­dig sein.
Der Mit­ar­bei­ter, der die Kündi­gung erklärt, muss da­zu be­vollmäch­tigt sein, d.h. er muss recht­lich in der La­ge sein, den Ar­beit­ge­ber zu ver­tre­ten (Voll­macht, Ver­tre­tungs­macht).
Wie ge­sagt be­deu­tet das Kürzel „im Auf­trag“ bzw. „i.A.“, dass der Un­ter­zeich­nen­de ei­ne von ei­nem an­de­ren vor­ge­ge­be­ne Erklärung nur zu Pa­pier bringt, d.h. als Be­auf­trag­ter, Ge­hil­fe bzw. Bo­te des­je­ni­gen, der die Erklärung zu ver­ant­wor­ten hat.
Das führt bei der Kündi­gung ei­nes Ar­beits­ver­trags zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung, denn § 623 BGB schreibt vor, dass die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwin­gend schrift­lich erklärt wer­den muss. Da­zu muss aber der­je­ni­ge, der den an­de­ren mit der Aus­fer­ti­gung des Kündi­gungs­schrei­bens be­auf­tragt hat, selbst bzw. persönlich un­ter­schrei­ben (§ 126 Abs.1 BGB). Dass der Be­auf­trag­te („i.A.“) un­ter­schrie­ben hat, genügt nicht, denn er hat die Kündi­gung ja nicht erklärt, son­dern eben nur „im Auf­trag“ über­mit­telt.
In die­sem Sin­ne hat vor ei­ni­gen Jah­ren das Ar­beits­ge­richt Ham­burg ent­schie­den (Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 08.12.2006, 27 Ca 21/06, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 06/21 Ar­beits­ge­richt Ham­burg: Kei­ne Kündi­gung "i.A.").
Aus § 164 Abs.1 Satz 1 BGB folgt, dass ei­ne Kündi­gung („Wil­lens­erklärung“) durch ei­nen Stell­ver­tre­ter nur dann für den ver­tre­te­nen Ar­beit­ge­ber wirkt, wenn sich der Stell­ver­tre­ter da­bei in­ner­halb der ihm zu­ste­hen­den Ver­tre­tungs­macht be­wegt.
Da­mit ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung Ver­tre­tungs­macht be­sitzt, muss ihn der Ar­beit­ge­ber be­vollmäch­tigt ha­ben. Ei­ne Be­vollmäch­ti­gung wird meist schrift­lich fest­ge­hal­ten, nämlich in ei­ner Voll­machts­ur­kun­de.
Da Kündi­gun­gen im Un­ter­schied zu Verträgen ein­sei­ti­ge Erklärun­gen sind, kommt es auf Ge­gen­erklärun­gen des gekündig­ten Ver­trags­part­ners nicht an. Dem­ent­spre­chend soll­te möglichst schnell klar sein, ob ei­ne Kündi­gung wirkt oder nicht.
Da­her gibt § 174 BGB dem Kündi­gungs­empfänger die Möglich­keit, sich Klar­heit darüber zu ver­schaf­fen, ob ei­ne wirk­sa­me Voll­macht vor­liegt oder nicht. Die­se Vor­schrift lau­tet:
„Ein ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft, das ein Be­vollmäch­tig­ter ei­nem an­de­ren ge­genüber vor­nimmt, ist un­wirk­sam, wenn der Be­vollmäch­tig­te ei­ne Voll­machts­ur­kun­de nicht vor­legt und der an­de­re das Rechts­geschäft aus die­sem Grund un­verzüglich zurück­weist. Die Zurück­wei­sung ist aus­ge­schlos­sen, wenn der Voll­macht­ge­ber den an­de­ren von der Be­vollmäch­ti­gung in Kennt­nis ge­setzt hat­te.“
Das heißt: Er­hal­ten Sie als Ar­beit­neh­mer ei­ne schrift­li­che Kündi­gung aus dem Hau­se Ih­res Ar­beit­ge­bers, die ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung für Ih­ren Ar­beit­ge­ber un­ter­schrie­ben hat, können Sie er­war­ten, dass der Kündi­gung ei­ne schrift­li­che Voll­macht Ih­res Ar­beit­ge­bers bei­gefügt ist. An­dern­falls können sie die Kündi­gung zurück­wei­sen, z.B. durch fol­gen­de Erklärung:
am XX.XX.20XX ha­be ich ei­ne auf den XX.XX.20XX da­tier­te Kündi­gung aus Ih­rem Hau­se er­hal­ten, die von Herrn / Frau XY als Ih­rem / Ih­rer an­geb­li­chen Be­vollmäch­tig­ten aus­ge­spro­chen bzw. un­ter­zeich­net wur­de. Da mir kei­ne Voll­machts­ur­kun­de vor­ge­legt wur­de, wel­che Herrn / Frau XY le­gi­ti­mie­ren würde, wei­se ich die Kündi­gung hier­mit aus die­sem Grun­de gemäß § 174 Satz 1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) zurück.
(Ar­beit­neh­mer)“
Die Rechts­fol­ge der Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung gemäß § 174 BGB be­steht dar­in, dass die zurück­ge­wie­se­ne Kündi­gung un­wirk­sam ist. Die Un­wirk­sam­keit kann auch nicht mehr be­sei­tigt bzw. „ge­heilt“ wer­den, in­dem später ei­ne Voll­machts­ur­kun­de nach­ge­reicht wird.
Viel­mehr muss die Kündi­gung er­neut, dies­mal mit ei­ner bei­lie­gen­den Voll­machts­ur­kun­de, aus­ge­spro­chen wer­den. Das kann da­zu führen, dass das Ar­beits­verhält­nis länger fort­be­steht, als sich der Ar­beit­ge­ber das wünschen würde.
BEISPIEL: Im Ar­beits­ver­trag ist ei­ne Kündi­gungs­frist von drei Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de ver­ein­bart. Am 29. Sep­tem­ber erklärt der Ar­beit­ge­ber, ver­tre­ten durch ei­nen Mit­ar­bei­ter der HR-Ab­tei­lung, die or­dent­li­che Kündi­gung zum 31. De­zem­ber. Da der Kündi­gungs­erklärung kei­ne Voll­macht bei­gefügt war, erklärt der gekündig­te Ar­beit­neh­mer am 02. Ok­to­ber schrift­lich per Bo­ten die Zurück­wei­sung der Kündi­gung un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB.
In die­sem Bei­spiels­fall ist die Kündi­gung vom 29. Sep­tem­ber in­fol­ge der Zurück­wei­sungs­erklärung un­wirk­sam. Da­her muss der Ar­beit­ge­ber er­neut kündi­gen. Das kann er frühes­tens im Ver­lauf des Ok­to­bers ma­chen. Da­her ist der nächs­te or­dent­li­che Kündi­gungs­ter­min nicht mehr der 31. De­zem­ber, son­dern der 31. März des Fol­ge­jah­res.
Die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung we­gen feh­len­der Voll­machts­ur­kun­de kann auch da­zu führen, dass ei­ne Kündi­gung endgültig schei­tert, al­so auch nicht mehr nach­ge­holt wer­den kann. Die­ser Fall kann bei frist­lo­sen Kündi­gun­gen ein­tre­ten.
Ei­ne frist­lo­se bzw. außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist nämlich nur auf der Grund­la­ge von § 626 BGB zulässig. Und gemäß § 626 Abs.2 BGB hat der Ar­beit­ge­ber nur zwei Wo­chen Zeit für ei­ne frist­lo­se Kündi­gung. Die Zwei­wo­chen­frist be­ginnt mit dem Zeit­punkt, in dem er vollständi­ge Kennt­nis von den Tat­sa­chen er­langt hat, die ihn zur frist­lo­sen Kündi­gung be­rech­ti­gen.
BEISPIEL: Der Ar­beit­neh­mer hat ei­nen Kun­den am 10. Ok­to­ber grob be­lei­digt und wird da­her noch am sel­ben Tag zum Per­so­nal­gespräch ein­be­stellt. Das Gespräch fin­det in An­we­sen­heit des Geschäftsführers statt, der über die Kündi­gung zu ent­schei­den hat. Der Ar­beit­neh­mer räumt den Vor­fall ein, wei­gert sich aber, ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag zu un­ter­schrei­ben. Die schrift­li­che frist­lo­se Kündi­gung geht ihm am 21. Ok­to­ber zu, d.h. drei Ta­ge vor Ab­lauf der Zwei­wo­chen­frist des § 626 Abs.2 BGB. Da die Kündi­gung von ei­nem Rechts­an­walt erklärt und un­ter­schrie­ben ist, der kei­ne Voll­machts­ur­kun­de bei­gefügt hat, erklärt der Ar­beit­neh­mer am 25. Ok­to­ber un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB die Zurück­wei­sung der Kündi­gung.
In die­sem Fall ist die frist­lo­se Kündi­gung we­gen der Zurück­wei­sung gemäß § 174 BGB un­wirk­sam. Und was für den Ar­beit­ge­ber noch schlim­mer ist: Sie kann auch nicht durch ei­ne er­neu­te frist­lo­se Kündi­gung nach­ge­holt wer­den, da die Zwei­wo­chen­frist am 24. Ok­to­ber ab­ge­lau­fen ist. Dem Ar­beit­ge­ber bleibt da­her nur noch, ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung oder ei­ne Ab­mah­nung aus­zu­spre­chen.
Wer ei­ne Kündi­gung oh­ne bei­lie­gen­de Voll­macht er­hal­ten hat und die­se da­her zurück­wei­sen möch­te, darf nicht trödeln, son­dern muss sei­ne Zurück­wei­sung „un­verzüglich“ erklären. Und gemäß § 121 Abs.1 Satz 1 BGB heißt „un­verzüglich“ „oh­ne schuld­haf­tes Zögern“.
Nach der Recht­spre­chung kann sich der Kündi­gungs­empfänger da­her ein we­nig Zeit zum Über­le­gen las­sen und sich recht­lich be­ra­ten las­sen, aber nach ei­ner Wo­che ist im Nor­mal­fall Schluss.
Wer ei­ne Kündi­gung nicht spätes­tens ei­ne Wo­che nach Er­halt un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB we­gen feh­len­der Voll­machts­ur­kun­de zurück­weist, erklärt sei­ne Zurück­wei­sung nicht mehr un­verzüglich. Die Zurück­wei­sung hat dann kei­ne recht­li­che Wir­kung mehr.
Nein, ei­ne Zurück­wei­sung kann münd­lich, in Text­form (per Fax, E-Mail oder SMS) oder auch schrift­lich erklärt wer­den. Um hin­ter­her be­wei­sen zu können, wann ge­nau die Zurück­wei­sung erklärt wur­de und dass sie den rich­ti­gen Adres­sa­ten er­reicht hat, ist es aber drin­gend zu emp­feh­len, sie schrift­lich zu erklären und dem Ar­beit­ge­ber per Bo­ten zu über­mit­teln.
Ach­tung: Wer in Stell­ver­tre­tung für ei­nen an­de­ren ei­ne Zurück­wei­sung erklärt, z.B. als Rechts­an­walt für ei­nen Man­dan­ten, muss der Zurück­wei­sungs­erklärung un­be­dingt ei­ne Voll­macht sei­nes Auf­trag­ge­bers beifügen, denn sonst droht die Zurück­wei­sung der Zurück­wei­sung. Nicht nur ei­ne Kündi­gung, son­dern auch de­ren Zurück­wei­sung gemäß § 174 BGB ist nämlich ein „ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft“ und kann da­her zurück­ge­wie­sen wer­den, wenn kei­ne Voll­macht bei­gefügt ist.
Ja, die Voll­macht, die den Ver­tre­ter zur Kündi­gung be­rech­tigt, muss der Kündi­gung im Ori­gi­nal bei­gefügt wer­den. Ei­ne Ko­pie der Voll­macht genügt nicht.
Da­her schei­den auch elek­tro­ni­sche Über­mitt­lun­gen per Fax (bzw. als Fax­ko­pie) oder per E-Mail (als an­gehäng­tes pdf) aus.
Gemäß § 174 Satz 2 BGB ist die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung aus­ge­schlos­sen, wenn der Ar­beit­ge­ber als Voll­macht­ge­ber den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer von der Be­vollmäch­ti­gung des Mit­ar­bei­ters in Kennt­nis ge­setzt hat­te, der die Kündi­gung erklärt.
Das ist nach der Recht­spre­chung z.B. dann der Fall, wenn der Lei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung, der auch die Ar­beits­verträge un­ter­schreibt, ei­ne Kündi­gungs­erklärung un­ter­zeich­net. Denn dann ist dem gekündig­ten Ar­beit­neh­mer durch die her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung des Per­so­nal­lei­ters be­kannt, dass die­ser zum Aus­spruch von Kündi­gun­gen be­vollmäch­tigt ist.
Manch­mal ist auch bei ei­nem Geschäftsführer ei­ner GmbH nicht zwei­fels­frei klar, dass er die GmbH bei ei­ner Kündi­gung ver­tre­ten kann. Mögli­cher­wei­se ist ja ab­be­ru­fen wor­den oder er kann nur zu­sam­men mit ei­nem an­de­ren Geschäftsführer oder ei­nem Pro­ku­ris­ten kündi­gen.
Sol­che Zwei­fel be­rech­ti­gen den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer im Nor­mal­fall nicht da­zu, ei­ne vom Geschäftsführer un­ter­schrie­ben Kündi­gung un­ter Ver­weis auf § 174 Satz 1 BGB zurück­zu­wei­sen. Denn die­se Vor­schrift ist auf Voll­mach­ten zu­ge­schnit­ten, d.h. auf ei­ne Ver­tre­tungs­macht, die sich aus ei­ner ent­spre­chen­den rechts­geschäft­li­chen Erklärung (Be­vollmäch­ti­gung) her­lei­tet. Dem­ge­genüber kann der GmbH-Geschäftsführer die GmbH auf­grund ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung ver­tre­ten, d.h. er be­sitzt als Or­gan der Ge­sell­schaft Ver­tre­tungs­macht (§ 35 Abs.1 Satz 1 GmbH-Ge­setz).
Al­ler­dings kann sich aus dem GmbH-Ge­sell­schafts­ver­trag er­ge­ben, dass zwei Geschäftsführer zu­sam­men ei­ne Erklärung ab­ge­ben müssen, um die Ge­sell­schaft zu ver­tre­ten. Dann ist es üblich und auch zulässig, wenn ein Geschäftsführer den an­de­ren in be­stimm­ten An­ge­le­gen­hei­ten da­zu ermäch­tigt, al­lein zu un­ter­schrei­ben.
Ei­ne sol­che Ermäch­ti­gung steht aber ei­ner Voll­macht im Sin­ne von § 174 Satz 1 BGB gleich, so dass der gekündig­te Ar­beit­neh­mer die Kündi­gung zurück­wei­sen kann,
wenn zwei Geschäftsführer an sich nur zur Ge­samt­ver­tre­tung be­rech­tigt sind,
wenn dem­ge­genüber nur ein Geschäftsführer die Kündi­gung un­ter­schrie­ben hat, und
wenn der Kündi­gung kei­ne ent­spre­chen­de Ermäch­ti­gung durch den an­de­ren Geschäftsführer bei­gefügt ist.
Wer Pro­ku­ra hat, be­sitzt gemäß § 49 Abs.1 Han­dels­ge­setz­buch (HGB) ei­ne um­fas­sen­de Ver­tre­tungs­macht für sei­nen Ar­beit­ge­ber.
Wenn ein Pro­ku­rist die Kündi­gung für den Ar­beit­ge­ber un­ter­schrie­ben hat, oh­ne ei­ne schrift­li­che Voll­macht bei­zufügen, und wenn sei­ne Pro­ku­ra im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen und be­kannt ge­macht wor­den ist, kann der gekündig­te Ar­beit­neh­mer die Kündi­gung nicht un­ter Be­ru­fung auf § 174 Satz 1 BGB zurück­wei­sen.
Der Grund dafür liegt dar­in, dass die Ein­tra­gung der Pro­ku­ra im Han­dels­re­gis­ter dem Ar­beit­neh­mer aus­rei­chen­de Ge­wiss­heit über das Be­ste­hen und den Um­fang der Ver­tre­tungs­macht des Pro­ku­ris­ten gibt.
Ja, das soll­ten Sie tun.
Denn § 4 Satz 1 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) schreibt vor, dass man als gekündig­ter Ar­beit­neh­mer in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang ei­ner schrift­li­chen Kündi­gung Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben muss, wenn man gel­tend ma­chen möch­te, dass die Kündi­gung ge­gen das KSchG verstößt „oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist“.
Und wenn Sie ei­ne Kündi­gung Ih­res Ar­beit­ge­bers un­ter Be­ru­fung auf § 174 Satz 1 BGB zurück­ge­wie­sen ha­ben, weil ihr kei­ne Voll­macht bei­gefügt war, ist die Kündi­gung „aus an­de­ren Gründen“ im Sin­ne von § 4 Satz 1 KSchG rechts­un­wirk­sam.
Das wie­der­um heißt, dass ei­ne später als drei Wo­chen nach Er­halt der Kündi­gung ein­ge­reich­te bzw. ver­späte­te Kla­ge da­zu führt, dass die Kündi­gung (ob­wohl ei­gent­lich un­wirk­sam!) gemäß § 7 KSchG als wirk­sam an­zu­se­hen ist.
Spricht ein Per­so­nal­sach­be­ar­bei­ter im Na­men des Ar­beit­ge­bers ei­ne Kündi­gung aus und fügt kei­ne schrift­li­che Voll­machts­ur­kun­de bei, lässt er den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer im Un­kla­ren darüber, ob ei­ne Be­vollmäch­ti­gung be­steht oder nicht. Um die­se Un­klar­heit zu be­sei­ti­gen, kann der Ar­beit­neh­mer die Kündi­gung gemäß § 174 Satz 1 BGB zurück­wei­sen und da­durch „ab­schießen“.
Das Zurück­wei­sungs­recht gemäß § 174 Satz 1 BGB ist un­abhängig von der Fra­ge, ob die Kündi­gung durch ei­ne Voll­macht ge­deckt ist oder nicht. Ent­schei­dend ist die Un­si­cher­heit des Gekündig­ten über die­se Fra­ge, die da­durch ent­steht, dass der Kündi­gen­de ein Stück Pa­pier, nämlich die Ori­gi­nal-Voll­machts­ur­kun­de, der Kündi­gung nicht bei­gefügt hat. Das Zurück­wei­sungs­recht be­steht auch dann, wenn der Kündi­gen­de ord­nungs­gemäß be­vollmäch­tigt ist, aber nicht dar­an ge­dacht hat, dem Gekündig­ten ei­ne Voll­machts­ur­kun­de vor­zu­le­gen.
An­ders ist es da­ge­gen, wenn der Kündi­gen­de gar nicht be­vollmäch­tigt ist. Dann ist die Kündi­gung als „ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft“ von vorn­her­ein un­wirk­sam, d.h. nicht erst dann, wenn der Gekündig­te sie zurück­weist. Hier­zu enthält § 180 Satz 1 und 2 BGB fol­gen­de Re­ge­lung:
„Bei ei­nem ein­sei­ti­gen Rechts­geschäft [wie z.B. bei ei­ner Kündi­gung] ist Ver­tre­tung oh­ne Ver­tre­tungs­macht un­zulässig. Hat je­doch der­je­ni­ge, wel­chem ge­genüber ein sol­ches Rechts­geschäft vor­zu­neh­men war [al­so z.B. der Ar­beit­neh­mer als Empfänger der Kündi­gung], die von dem Ver­tre­ter be­haup­te­te Ver­tre­tungs­macht bei der Vor­nah­me des Rechts­geschäfts nicht be­an­stan­det (…), so fin­den die Vor­schrif­ten über Verträge ent­spre­chen­de An­wen­dung.“
Das be­deu­tet: Verfügt der Kündi­gen­de über kei­ne aus­rei­chen­de Voll­macht, ist die Kündi­gung un­wirk­sam. Im Re­gel­fall wird der gekündig­te Ar­beit­neh­mer das aber nicht wis­sen und da­her die vom Kündi­gen­den in An­spruch ge­nom­me­ne Voll­macht nicht be­an­stan­den. Dann fin­den die Vor­schrif­ten über Verträge An­wen­dung, d.h. der Ar­beit­ge­ber kann die zunächst un­wirk­sa­me Kündi­gung sei­ner voll­macht­lo­sen Ver­tre­ter im Nach­hin­ein gemäß § 177 BGB ge­neh­mi­gen.
BEISPIEL: Ein Pro­ku­rist verfügt über ei­ne sog. Ge­samt­pro­ku­ra, d.h. er kann den Ar­beit­ge­ber nur zu­sam­men mit ei­nem an­de­ren Pro­ku­ris­ten ver­tre­ten. Er kündigt im Na­men des Ar­beit­ge­bers ei­nen Ar­beit­neh­mer und un­ter­schreibt die Kündi­gung zu­sam­men mit ei­nem Per­so­nal­sach­be­ar­bei­ter, der kei­ne Pro­ku­ra hat. Der Ar­beit­neh­mer er­hebt zwei Mo­na­te nach Zu­gang der Kündi­gung Kündi­gungs­schutz­kla­ge mit der Be­gründung, dass die Kündi­gung man­gels wirk­sa­mer Be­vollmäch­ti­gung der bei­den Ver­tre­ter un­wirk­sam war.
In die­sem Fall ist die Kündi­gung gemäß § 180 Satz 1 BGB un­wirk­sam und der Ar­beit­neh­mer hat erst ein­mal gu­te Aus­sich­ten, den Pro­zess zu ge­win­nen. Dass er sich mit der Kla­ge länger als drei Wo­chen nach Zu­gang der Kündi­gung Zeit ge­las­sen hat, scha­det ihm nicht, denn §§ 4 und 7 KSchG sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) nicht auf den Fall an­zu­wen­den, dass ei­ne Kündi­gung we­gen feh­len­der Be­vollmäch­ti­gung un­wirk­sam ist (BAG, Ur­teil vom 26.03.2009, 2 AZR 403/07).
Da der gekündig­te Ar­beit­neh­mer hier im Bei­spiels­fall die von den Kündi­gen­den in An­spruch ge­nom­me­ne Voll­macht nicht be­an­stan­det hat­te, kann der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings noch im Kla­ge­ver­fah­ren die Kündi­gung nachträglich ge­neh­mi­gen. Da­zu kann ihn der Ar­beit­neh­mer auch sei­ner­seits auf­for­dern, was den Ar­beit­ge­ber un­ter Zeit­druck setzt, weil er die Ge­neh­mi­gung dann nur bin­nen zwei Wo­chen nach ei­ner sol­chen Auf­for­de­rung erklären kann (§ 177 Abs.2 BGB).
Mit der Ge­neh­mi­gung ist die man­geln­de Be­vollmäch­ti­gung als Grund für die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung vom Tisch, wo­bei die Ge­neh­mi­gung auf den Zeit­punkt der Kündi­gung zurück­wirkt (§ 184 Abs.1 BGB). Der Ar­beit­neh­mer hat trotz­dem recht­zei­tig Kla­ge er­ho­ben, denn laut BAG be­ginnt die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist in ei­nem sol­chen Fall erst dann, wenn dem gekündig­ten Ar­beit­neh­mer die Ge­neh­mi­gung der Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber zu­geht (BAG, Ur­teil vom 06.09.2012, 2 AZR 858/11).
TIP: Wer ei­ne Kündi­gung un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB zurück­weist, weil ihm kei­ne Voll­machts­ur­kun­de vor­ge­legt wur­de, soll­te das vor­sorg­lich im­mer da­mit ver­bin­den, dass er die vom Ver­tre­ter be­haup­te­te Ver­tre­tungs­macht gemäß § 180 Satz 2 BGB be­an­stan­det. Ei­ne sol­che Erklärung könn­te lau­ten:
Außer­dem be­an­stan­de ich hier­mit die von Herrn / Frau XY be­haup­te­te Ver­tre­tungs­macht gemäß § 180 Satz 2 BGB.
Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Kündi­gung - Zurück­wei­sung der Kündi­gung in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:
Mus­ter­schrei­ben "Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung we­gen feh­len­der Voll­macht"
Kom­men­ta­re un­se­res An­walts­teams zu ak­tu­el­len Fra­gen rund um das The­ma Kündi­gung - Zurück­wei­sung der Kündi­gung fin­den Sie hier:
Wenn Sie Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit der Zu­rück­wei­sung ei­ner Kün­di­gung ha­ben oder wenn Sie da­her vor der Ent­schei­dung ste­hen, ei­ne Zu­rück­wei­sung zu er­klä­ren und/oder Kün­di­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne.

References: § 174
 § 180
 § 174
 § 174
 § 164
 § 623
 § 164
 § 174
 § 174
 § 174
 § 174
 § 626
 § 626
 § 626
 § 174
 § 174
 § 121
 § 174
 § 174
 § 174
 § 174
 § 174
 § 49
 § 174
 § 4
 § 174
 § 4
 § 7
 § 174
 § 174
 § 180
 § 177
 § 180
 § 174
 § 180
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