Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=25.11.2009&Aktenzeichen=XII%20ZR%2092/06
Timestamp: 2020-04-02 13:13:52+00:00

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BGH, 25.11.2009 - XII ZR 92/06 - dejure.org
https://dejure.org/2009,758
BGH, 25.11.2009 - XII ZR 92/06 (https://dejure.org/2009,758)
BGH, Entscheidung vom 25.11.2009 - XII ZR 92/06 (https://dejure.org/2009,758)
BGH, Entscheidung vom 25. November 2009 - XII ZR 92/06 (https://dejure.org/2009,758)
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Ausgleichsansprüche in nichtehelicher Lebensgemeinschaft bei Tod eines nichtehelichen Lebenspartners
Geltendmachung von Ausgleichsansprüchen wegen Zuwendungen i.R.e. nichtehelichen Lebensgemeinschaft; Gemeinschaftsbezogene Zuwendung eines nichtehelichen Lebenspartners in Erwartung eines Fortbestands der Lebenspartnerschaft; Auswirkungen des Todes eines Lebenspartners ...
Kein Wegfall der Geschäftsgrundlage für eine gemeinschaftsbezogene Zuwendung in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft durch den Tod des Zuwendenden; auch keine Zweckverfehlung i.S. des § 812 Abs. 1 Satz 2 Alt. 2 BGB
BGB § 313; BGB § 812 Abs. 1 S. 2 Alt. 2
Familienrecht- Geschäftsgrundlage bei gemeinschaftsbezogener Zuwendung
Lebensgefährte finanzierte Haus - Nach seinem Tod fordern die Erben von der Freundin finanziellen Ausgleich
Vermögensauseinandersetzung bei nichtverheirateten Paaren
Keine Rückabwicklung einer in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft erfolgten Zuwendung beim Tod des Zuwendenden
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 25.11.2009 - XII ZR 92/06 (Wegfall der Geschäftsgrundlage in der nichtehelichen Lebensgemeinschaft)" von VorsRiOLG Dr. Martin Probst, original erschienen in: JR 2011, 69 - 73.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 25.11.2009, Az.: XII ZR 92/06 (Geltendmachung von Ausgleichsansprüchen wegen Zuwendungen i.R.e. nichtehelichen Lebensgemeinschaft)" von Notar Prof. Dr. Dr. Herbert Grziwotz, original erschienen in: FamRZ 2010, 282 - 283.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Versäumnisurteil des BGH vom 25.11.2009, Az.: XII ZR 92/06 (Ausgleich gemeinschaftsbezogener Zuwendungen nach Beendigung der nichtehelichen Lebensgemeinschaft durch Tod des Zuwendenden)" von Prof. Dr. Karlheinz Muscheler, original erschienen in: ...
Zusammenfassung von "Tod des nichtehelichen Partners und Vermögensausgleich" von Notar Dr. Maximilian Freiherr v. Proff, licencié en droit, original erschienen in: NJW 2010, 980 - 983.
JR 2011, 69
Nach ständiger Rechtsprechung sind Geschäftsgrundlage eines Vertrages die nicht zum Vertragsinhalt erhobenen, bei Vertragsschluss zutage getretenen gemeinsamen Vorstellungen der Vertragsparteien sowie die der einen Partei erkennbaren und von ihr nicht beanstandeten Vorstellungen der anderen Partei vom Vorhandensein oder dem künftigen Eintritt gewisser Umstände, sofern der Geschäftswille der Parteien auf diesen Vorstellungen aufbaut (BGH, Urteil vom 25. November 2009 - XII ZR 92/06, BGHZ 183, 242 Rn. 18, 24;… BGHZ 177, 193 Rn. 40, 44 mwN).
Wie bereits das Landgericht zutreffend ausgeführt hat, hätte die Zuwendung bei Fortbestehen der Lebensgemeinschaft bis zum Tod des Klägers der Beklagten weiterhin als Altersvorsorge gedient und bei ihr verbleiben können (vgl. zum Behaltendürfen der Zuwendung beim Tod des Zuwendenden BGH, Urteil vom 25. November 2009 - XII ZR 92/06, BGHZ 183, 242 Rn. 26).
a) Ein solcher Anspruch kommt in Betracht, soweit den gemeinschaftsbezogenen Zuwendungen die Vorstellung oder Erwartung zugrunde lag, die Lebensgemeinschaft werde Bestand haben (…Senatsurteile BGHZ 177, 193 = FamRZ 2008, 1822 Rn. 33; BGHZ 183, 242 = FamRZ 2010, 277 Rn. 25).
a) Ein solcher Anspruch kommt in Betracht, soweit gemeinschaftsbezogenen Zuwendungen die Vorstellung oder Erwartung zugrunde lag, die Lebensgemeinschaft werde Bestand haben (…Senatsurteile BGHZ 177, 193 = FamRZ 2008, 1822 Rn. 40; BGHZ 183, 242 = FamRZ 2010, 277 Rn. 25 …und Urteil vom 6. Juli 2011 - XII ZR 190/08 - FamRZ 2011, 1563 Rn. 19).
a) Nach der Rechtsprechung des Senats kommt zwischen Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft auch ein Bereicherungsanspruch wegen Zweckverfehlung in Betracht, soweit Leistungen in Rede stehen, die über das hinausgehen, was das tägliche Zusammenleben erst ermöglicht und die bei einem oder beiden Partnern zur Bildung von der Beendigung der Lebensgemeinschaft überdauernden Vermögenswerten geführt haben (…Senatsurteile BGHZ 177, 193 = FamRZ 2008, 1822 Rn. 34 ff.; BGHZ 183, 242 = FamRZ 2010, 277 Rn. 32 ff. …und vom 6. Juli 2011 - XII ZR 190/08 - FamRZ 2011, 1563 Rn. 30 ff.).
Mit dem Ableben des Zuwendenden wird der andere Teil nicht zu einem Ausgleich gegenüber den Erben des Zuwendenden verpflichtet, auf die der Zuwendende zu seinen Lebzeiten keinen Anspruch hatte (vgl. BGH, Urteil vom 25. November 2009 - XII ZR 92/06, BGHZ 183, 242, 250 Rn. 26).
Das Berufungsgericht wird der von der Klägerin unter Beweis gestellten Behauptung nachzugehen haben, der Erblasser und dessen Mutter hätten eine Zweckabrede getroffen, dass er mit ihrem Tod Eigentümer des Grundstücks werden solle und nach der die Leistungen in Erwartung der Erbeinsetzung erbracht worden seien (vgl. BGH, Urteil vom 25. November 2009 - XII ZR 92/06, BGHZ 183, 242, 253 Rn. 34).
Für das Zustandekommen einer dahingehenden Willensübereinstimmung reicht es aus, wenn der eine Teil mit seiner Leistung einen bestimmten Erfolg bezweckt, der andere Teil dies erkennt und die Leistung entgegennimmt, ohne zu widersprechen (BGH, Urteile vom 29. November 1965 - VII ZR 214/63, BGHZ 44, 321, 313; vom 2. Oktober 1991 - XII ZR 145/90, BGHZ 115, 261, 263; vom 25. November 2009 - XII ZR 92/06, BGHZ 183, 242, 252 Rn. 33).
Denn einerseits kommt ein Ausgleichsanspruch nach den Grundsätzen über den Wegfall der Geschäftsgrundlage (§ 313 BGB) auch unter nichtehelichen Partnern in Betracht, soweit den gemeinschaftsbezogenen Zuwendungen die Vorstellung oder Erwartung zugrunde lag, die Lebensgemeinschaft werde Bestand haben (…Senatsurteile vom 6. Juli 2011 - XII ZR 190/08 - FamRZ 2011, 1563 Rn. 14;… BGHZ 177, 193 = FamRZ 2008, 1822 Rn. 31 ff.; BGHZ 183, 242 = FamRZ 2010, 277 Rn. 25).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes kommt zwischen Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft ein Bereicherungsanspruch wegen Zweckverfehlung in Betracht, soweit Leistungen in Rede stehen, die über das hinausgehen, was das tägliche Zusammenleben erst ermöglicht und die bei einem oder beiden Partnern zur Bildung von die Beendigung der Lebensgemeinschaft überdauernden Vermögenswerten geführt haben (BGH FamRZ 2011, 1563; BGH FamRZ 2008, 1822; BGH FamRZ 2010, 277).
Gesellschaftszweck müsste ein über die Verwirklichung der nichtehelichen Lebensgemeinschaft hinausgehender Zweck sein (BGH ZEV 2010, 145).
Der Bundesgerichtshof hat in der oben zitierten Entscheidung vom 25. November 2009 (BGH ZEV 2010, 145) klargestellt, dass der Tod des Zuwendenden nicht zum Wegfall der Geschäftsgrundlage führt.
Die Einigung über eine zumindest teilweise Unentgeltlichkeit im Sinne einer gemischten Schenkung wird jedoch vermutet, wenn zwischen den Leistungen der einen und der anderen Seite objektiv ein auffälliges, grobes Missverhältnis besteht, das den Vertragsschließenden nicht verborgen geblieben sein kann (BGH ZEV 2010, 145).
Die Grundsätze über den Wegfall der Geschäftsgrundlage bei wechselseitigen Zuwendungen kommen nach neuerer Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auch bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften zur Anwendung (…BGH, Urteile vom 6. Juli 2011 - XII ZR 190/08, NJW 2011, 2880 Rn. 18 f.; vom 25. November 2009 - XII ZR 92/06, NJW 2010, 998 Rn. 25;… vom 9. Juli 2008 - XII ZR 179/05, BGHZ 177, 193 Rn. 33), d.h. auch bei verbundenen Lebensversicherungen zwischen Ehegatten oder Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.
Beendigung der nichtehelichen Lebensgemeinschaft: Gesellschaftsrechtlicher …
Geht der Zweck hierüber nicht hinaus, kann allerdings nicht ohne weiteres von einem für das Vorliegen einer Innengesellschaft erforderlichen Rechtsbindungswillen ausgegangen werden (BGH Urteil vom 25.11.2009 - XII ZR 92/06 - Rn. 22).
In die Gesamtwürdigung der in Betracht zu ziehenden Umstände sind ferner die Art des geschaffenen Vermögenswertes, die von den Parteien erbrachten Leistungen und ihre finanziellen Verhältnisse einzubeziehen (…zum Ganzen grundlegend: BGH Urteil vom 09.07.2008 - XII ZR 179/05 - Rn. 18; ebenso: BGH Urteil vom 25.11.2009 - XII ZR 92/06 - Rn. 22;… BGH Urteil vom 06.07.2011 - XII ZR 190/08 - Rn. 14 ff.; BGH Urteil vom 08.05.2013 - XII ZR 132/12 - Rn 15/16).
Voraussetzung ist eine konkrete Zweckabrede, wie sie etwa dann vorliegen kann, wenn die Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft zwar keine gemeinsamen Vermögenswerte schaffen wollten, der eine aber das Vermögen des anderen in der Erwartung vermehrt hat, an dem erworbenen Gegenstand langfristig partizipieren zu können (…BGH Urteil vom 09.07.2008 - XII ZR 179/05 - Rn. 34/35;… BGH Urteil vom 18.02.2009 - XII ZR 163/07 - Rn. 15 ff.; BGH Urteil vom 25.11.2009 - XII ZR 92/06 - Rn. 33 ff;… BGH Urteil vom 06.07.2011 - XII ZR 190/08 - Rn. 30 ff.; BGH Urteil vom 08.05.2013 - XII ZR 132/12 - Rn 37).
a) Eine Schenkung liegt nur dann vor, wenn sich beide Teile darüber einig sind, dass die Zuwendung unentgeltlich erfolgt (…BGH, Urt. v. 26. November 1981, IX ZR 91/80, BGHZ 82, 227 ff.;… Urt. v. 17. Juni 1992, XII ZR 145/91, NJW 1992, 2566 ff.), wobei die hierfür vorauszusetzende tatsächliche Einigung der Parteien über die Unentgeltlichkeit (…BGH, Urt. v. 27. November 1991, IV ZR 226/90, BGHZ 116, 178 ff.; Versäumnisurt. v. 25. November 2009, XII ZR 92/06, BGHZ 183, 242 ff.) auch stillschweigend erfolgen kann (…RG, Urt. v. 25. Juni 1925, IV 39/25, RGZ 111, 151 ff.).

References: § 812
 § 313
 § 812
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