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Timestamp: 2018-11-19 22:07:09+00:00

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Kapitalertragsteuer-Anmeldung bei Ausschüttungen (Teil 1)
Umsatzsteuer [ Stand: 11.09.2018 ]
Was gilt es bei der Kapitalertragsteuer-Anmeldung zu beachten? Experte Cliff Einenkel klärt Sie auf.
Das Ziel ist die Einhaltung der gesetzlichen Pflichten bezüglich des Steuereinbehalts bei Ausschüttungen an juristische Personen im Inland und natürliche Personen im Inland und die Anrechnung der abgeführten Kapitalertragsteuern beim Empfänger durch ordnungsgemäße Steuerbescheinigung
Bei Gewinnausschüttungen von juristischen Personen (z.B. GmbH, AG) an deren Gesellschafter (z.B. Muttergesellschaft, Gesellschafter, Aktionäre) sind grundsätzlich Kapitalertragsteuern von der ausschüttenden Gesellschaft (Schuldner der Kapitalerträge) oder von der inländischen auszahlenden Stelle (i.d.R. Bank) einzubehalten. Die abzugspflichtigen Kapitalerträge sind abschließend in § 43 EStG geregelt. Die Anmeldung der einbehaltenen Kapitalertragsteuer ist dem Finanzamt nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck auf elektronischem Weg zu übermitteln (§ 45a Abs.1 Satz 1 EStG).
Beispiel 1 Ausschüttung an juristische Personen:
Die X-AG in Deutschland als 100%ige Gesellschafterin der Tochtergesellschaft T GmbH beschließt am 15. Februar T0 einen Betrag i.H.v. 100.000 Euro am 05. März T0 auszuschütten.
Durch die Fälligkeitsbestimmung im Gesellschafterbeschluss (05. März T0) ist für die Gewinnausschüttung eine Kapitalertragsteuer-Anmeldung (Tagesanmeldung) zu erstellen. Des Weiteren muss neben der Anmeldung auch die Zahlung der Kapitalertragsteuer spätestens zum 05. März T0 erfolgen.
Bemessungsgrundlage für die Kapitalertragsteuer ist die Höhe der Gewinnausschüttung (100.000 Euro). Der Steuersatz beträgt gem. § 43 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 43a Abs. 1 Nr. 1 EStG 25 Prozent. zuzüglich Solidaritätszuschlag i.H.v. 5,5 Prozent auf die erhobene Kapitalertragsteuer gem. § 3 Abs. 1 Nr. 5 i. V. m. § 4 SoliZG 1995.
Somit ergeben sich folgende Steuerbeträge:
Auszahlung nach Abzug der Steuern an Gesellschafter
Im Anschluss an die Übermittlung der Kapitalertragsteuer-Anmeldung muss dem Finanzamt der Gewinnausschüttungsbeschluss (Gesellschafterbeschluss über die Gewinnausschüttung) zugesendet werden.
Ferner muss die T-GmbH der X-AG eine Steuerbescheinigung über die Kapitalerträge als auch die abgeführte Kapitalertragsteuer erstellen. Diese kann elektronisch an die X-AG übermittelt werden. Auf Antrag der X-AG kann diese auch auf Papier übersendet werden.
Die Steuerbescheinigung ist materiell rechtliche Grundlage für die Anrechnung des Steuerabzugs bei der X-AG.*
Die Steuerbescheinigung soll nach den Vorgaben des BMF aufgebaut sein. Die Muster I bis III der Steuerbescheinigung (Bankbescheinigung für natürliche Personen; Bescheinigung ausschüttender Körperschaften, Bescheinigung für betriebliche Anleger/Steuerausländer) sind vom BMF veröffentlicht worden. Von diesen Mustern darf nach Inhalt, Aufbau und Reihenfolge der Angaben nicht abgewichen werden.* Im Beispielfall ist das Muster II Bescheinigung ausschüttender Körperschaften zu verwenden.
Hinweis: Die Gewinnausschüttung an die X-AG ist für die X-AG zu 95 Prozent steuerfrei gem. §§ 8b Abs. 1, 4, 5 KStG. Dies ändert jedoch nichts an der Verpflichtung für die T-GmbH die Kapitalertragsteuer anzumelden und abzuführen. Für Inlandssachverhalte ist weiterhin Kapitalertragsteuer fällig welche im Rahmen der Körperschaftsteuerveranlagung angerechnet wird.
Für Auslandssachverhalte (Ausschüttung Tochter GmbH an Mutter in EU) sieht § 43b Abs. 1 EStG ein Antragswahlrecht vor. Die auszahlende Stelle muss kein Kapitalertragsteuerabzug vornehmen, wenn die Muttergesellschaft ihren Sitz oder ihre Geschäftsleitung im EU-Ausland hat.
Beispiel 2 Ausschüttung an natürliche Personen:
Die X-GmbH hat die Gesellschafter A, B und C. Diese sind jeweils zu 1/3 an der X-GmbH beteiligt. B ist kirchensteuerpflichtig (9 Prozent) und hat keinen Sperrvermerk ausgesprochen. Die Gesellschafter beschließen in der Gesellschafterversammlung vom 20. Mai T0 eine Gewinnausschüttung i.H.v. 90.000 Euro. Diese soll am 20. Juni T0 ausgeschüttet werden.
Die X-GmbH muss eine Kapitalertragsteuer-Anmeldung (Tagesanmeldung) zum Zeitpunkt des Ertragszuflusses (20. Juni T0) erstellen und die Zahlung leisten.
Bemessungsgrundlage für die Kapitalertragsteuer ist die Höhe der Gewinnausschüttung (100.000 Euro). Der Steuersatz beträgt gem. § 43 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 43a Abs. 1 Nr. 1 EStG 25%. zuzüglich Solidaritätszuschlag i.H.v. 5,5 Prozent auf die erhobene Kapitalertragsteuer gem. § 3 Abs. 1 Nr. 5 i.V.m. § 4 SoliZG 1995.
Neben der Kapitalertragsteuer und dem Solidaritätszuschlag muss auch die Kirchensteuer für B einbehalten werden.
Für Kapitalerträge erfolgt die Bereitstellung der Kirchensteuerabzugsmerkmale (KiStAM) im Rahmen eines automatisierten Abfrageverfahrens, das in § 51a EStG geregelt ist.
Die X-GmbH hat unter Angabe der Identifikationsnummer und des Geburtsdatums des B einmal jährlich im Zeitraum vom 1. September bis 31. Oktober beim Bundeszentralamt für Steuern anzufragen, ob B am 31. August des betreffenden Jahres (Stichtag) kirchensteuerpflichtig ist (Regelabfrage).* Die X-GmbH muss den Steuerpflichtigen auf den bevorstehenden Datenabruf hinweisen, damit dieser dem BZSt bis spätestens zum 30. Juni den Sperrvermerk übermitteln kann.
Der B könnte dem Datenabruf widersprechen mit einem o.g. Sperrvermerk. Dann wird im Falle einer Kirchensteuerpflicht das zuständige Finanzamt informiert. Für die B-GmbH ergibt sich kein Handlungsbedarf.
Somit handelt es sich bei den KiStAM Daten regelmäßig um Vorjahresdaten. Eine Überprüfung der abgerufen Daten durch die X-GmbH muss grundsätzlich nicht erfolgen. Lediglich die Abfrage muss jährlich erfolgen.
Grundsätzlich ist die gezahlte Kirchensteuer gem. § 10 Abs. 1 Nr. 4 EStG als Sonderausgabe abziehbar. Dieser Sonderausgabenabzug findet auch bei der Berechnung der Kapitalertragsteuer Anwendung.
Die Kapitalertragsteuer ermäßigt sich im Fall einer Kirchensteuerpflicht um 25 Prozent der auf die Kapitalerträge entfallenden Kirchensteuer.* Der Kirchensteuersatz beträgt in Bayern und Baden-Württemberg 8 Prozent und in den anderen Ländern 9 Prozemt der Einkommensteuer/Kapitalertragsteuer. Teilweise ergeben sich Abweichungen bei einzelnen Landeskirchen oder Kultusgemeinden.
Ein weiterer Abzug der im Rahmen des Steuereinbehalts gezahlten Kirchensteuer im Rahmen der Veranlagung ist nicht möglich.
Vom Kirchensteuerabzug ausgenommen sind:
Ein-Mann-Gesellschaften, wenn der Alleingesellschafter-Geschäftsführer konfessionslos ist bzw. keiner steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört;
Kapitalgesellschaften, die eine Ausschüttung im Folgejahr mit Sicherheit ausschließen können;
Kapitalgesellschaften, die nicht beabsichtigen, im Folgejahr eine kapitalertragsteuerpflichtige Ausschüttung vorzunehmen;
Für das Beispiel 2 ergeben sich somit folgende Steuerbeträge / Nettodividenden:
Kapitalertragsteuer A
Solidaritätszuschlag A
Kapitalertragsteuer B
7.334,96
Solidaritätszuschlag B
21.601,47
Kirchensteuer B
Kapitalertragsteuer C
Solidaritätszuschlag C
24.223,53
65.776,47
Wie auch im Beispiel 1 muss im Anschluss an die Übermittlung der Kapitalertragsteuer-Anmeldung dem Finanzamt der Gewinnausschüttungsbeschluss (Gesellschafterbeschluss über die Gewinnausschüttung) zugesendet werden.
Ferner muss die X-GmbH für die Gesellschafter die Steuerbescheinigungen über die Kapitalerträge als auch die abgeführte Kapitalertragsteuer erstellen. Anders als im Beispiel 1 muss die X-GmbH an 3 Gesellschafter eine Gewinnausschüttung leisten. Demzufolge müssen auch 3 Steuerbescheinigungen erstellt werden.
Die X-GmbH muss ebenfalls eine Bescheinigung über den Kirchensteuerabzug (einschließlich der Angabe der kirchensteuererhebenden Religionsgemeinschaft) erteilen. Dies erfolgt im Rahmen der Steuerbescheinigung für die einbehaltene Kapitalertragsteuer.
Die Steuerbescheinigung kann elektronisch an die Gesellschafter übermittelt werden oder auf Antrag der Gesellschafter auf Papier übersendet werden. Die Steuerbescheinigung enthält die anteiligen Beträge (entsprechend der Beteiligungsverhältnisse*) der Gesellschafter.
Wie schon im Beispiel 1 muss die Steuerbescheinigung nach den Vorgaben des BMF aufgebaut sein. Im Beispielfall ist das Muster II Bescheinigung ausschüttender Körperschaften zu verwenden. Von diesem Muster darf nach Inhalt, Aufbau und Reihenfolge der Angaben nicht abgewichen werden.*
Die Steuerbescheinigung ist materiell rechtliche Grundlage für die Anrechnung des Steuerabzugs bei den Gesellschaftern A, B und C im Falle einer Veranlagung bzw. bei der Veranlagungspflicht.*
Freistellungsauftrag der Gesellschafter
Der Freistellungsauftrag kann bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrags gem. § 20 Abs. 9 S. 1 EStG i.H.v. 801 Euro auf Grundlage eines amtlichen Musters erteilt und geändert werden. Es ermöglicht der Auszahlungsstelle für abzugspflichtige Kapitalerträge keine Kapitalertragsteuer einzubehalten.
Für Gewinnausschüttungen einer inländischen GmbH darf kein Freistellungsauftrag berücksichtigt werden.*
Verantwortlich: Leiter Steuerabteilung / ReWe

References: § 43
 § 43
 § 43
 § 3
 § 4
 § 43
 § 43
 § 43
 § 3
 § 4
 § 51
 § 10
 § 20