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Timestamp: 2020-01-18 08:57:05+00:00

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Flugverspätung und Flugausfall - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.deReiserechtFlugverspätung und Flugausfall
| 14.04.2015 11:16 |
der geplante Heimflug war eine wahre Odysee; besteht die Möglichkeit, Ansprüche geltend zu machen?
Fluggesellschaft US Airways, private Reise
gebuchte Heimreise:
09/04/2015 -- MCO / PHL und PHL / FRA, Ankunft in FRA am 10/04/2015 um 10.30 Uhr.
tatsächlicher Reiseverlauf:
Abflug in MCO mehr als drei Stunden verspätet (Crew angebl. im Stau)
Anschluss in PHL nicht erreicht, Ankunft dort gegen 22 Uhr
Umbuchung erhalten für den 10/04/2015: PHL / BOS und BOS / FRA
Nacht im Hotel in PHL verbracht.
Am Morgen des 10/04/2015 erfuhren wir, dass der Flug nach BOS ohne Angabe von Gründen gecanceled war. Mit Mühe und Not erhielten wir eine Umbuchung für die Abendmaschine von PHL nach FRA. Den ganzen Tag verbrachten wir am Flughafen in PHL und erreichten FRA erst am 11/04/205 mit mehr als 24 Std. Verspätung zur ursprüngl. gebuchten Reise.
Mein Gepäck erhielt ich eben (14/04/2015) erst durch DHL.
Ich habe gesundheitliche Einschränkungen; der chaotische Reiseverlauf brachte alles durcheinander, so dass ich nun krank geschrieben bin.
Bei Flugverspätungen gewährt die Verordnung (EG) 261/2004 den Passagieren standarisierte Schadensersatzansprüche, insbesondere eine Ausgleichszahlung, die – je nach Entfernung – zwischen 250,00 € und 600,00 € liegt.
Leider können Sie im vorliegenden Fall eine derartige Ausgleichszahlung von der Fluggesellschaft nicht verlangen. Insoweit gilt die vorgenannte Verordnung für Flüge, die aus einem Drittstaat (außerhalb der EU) beginnen nur dann, wenn das Endziel in der EU liegt und der Flug durch ein Luftfahrtunternehmen der Gemeinschaft durchgeführt wird.
Da es sich bei der Airline - die Ihren Flug durchgeführt hat - jedoch um eine Fluggesellschaft handelt, die ihren Sitz in den USA hat, kommt die Fluggastrechteverordnung nicht zur Anwendung, mit der Folge, dass Sie keine Ausgleichszahlung geltend machen können.
Ein Anspruch auf Schadenersatz könnte sich jedoch aus dem Montrealer Übereinkommen (MÜ) ergeben. Nach Art. 19 MÜ hat der Luftfrachtführer den Schaden zu ersetzen, der durch Verspätung bei der Luftbeförderung von Reisenden, Reisegepäck oder Gütern entsteht.
Ersatzfähig ist insoweit der individuelle und konkret nachgewiesene Schaden bis zu einem Betrag in Höhe von 1.131 Sonderziehungszeichen, was etwa einem Betrag in Höhe von 1.465,- € entspricht.
Als Verspätungsschäden kann der Fluggast bei Ankunftsverzögerungen beispielsweise die nachgewiesenen und angemessenen Mehrkosten eines Ersatzfluges geltend machen (AG Frankfurt, NZV 1998, 332), ebenso vergebliche Aufwendungen der Fahrt und Rückfahrt zum Flughafen oder Aufwendungen für ein Hotelzimmer oder erhöhten Verpflegungsmehraufwand (Führich, Handbuch Reiserecht § 37 Rn 50).
Ihren Angaben ist zu entnehmen, dass Sie ein Hotelzimmer beziehen und auch einen weiteren Tag am Flughafen verbringen mussten. Sollten Ihnen insoweit entsprechende Mehrkosten entstanden sein, die Sie auch durch Quittungen etc. belegen können, könnten diese zusätzlichen Kosten als Schadensersatz gegenüber der Airline geltend gemacht werden.
Bei Reisegepäckverzögerungen sind in der Regel Kosten notwendiger angemessener Ersatzbeschaffungen wie Kleidung und Toilettenartikel bis zu dem Höchstbetrag von 1.131 Sonderziehungszeichen ersatzfähig (Führich, Handbuch Reiserecht § 37 Rn 50). Jedoch müssen auch diese Kosten konkret nachgewiesen werden.
Zudem ist vorliegend zu berücksichtigen, dass Sie sich auf dem Rückflug befanden und daher nach Ankunft am Wohnort über die dort befindliche Kleidung verfügen konnten, so dass es fraglich sein dürfte, ob etwaige Ersatzbeschaffungen überhaupt notwendig wären. Ich kann Ihren Ausführungen jedoch auch nicht entnehmen, ob Sie überhaupt Ersatzbeschaffungen getätigt haben.
Ein Anspruch auf Schadensersatz aufgrund der Verspätung (sowohl des Reisenden als auch des Gepäcks) wäre dann ausgeschlossen, wenn der Luftfrachtführer beweist, dass er und seine Leute alle zumutbaren Maßnahmen zur Vermeidung des Schadens getroffen haben oder dass es ihm oder ihnen nicht möglich war, solche Maßnahmen zu ergreifen (Führich, Handbuch Reiserecht, § 37 Rn 47; Tonner in MüKo, nach § 651 Rn 38).
Zudem ist die Verspätung des Reisegepäcks nach Art. 31 MÜ binnen 21 Tagen, nachdem es dem Fluggast zur Verfügung gestellt wurde, schriftlich bei der Fluggesellschaft anzuzeigen (AG Bremen, NJW-RR 2014, 376). Insoweit handelt es sich um eine Ausschlussfrist.
Soweit Sie zudem mitteilen, durch den chaotischen Reiseverlauf krank geworden zu sein, zumal Sie auch gesundheitlich eingeschränkt wären, dürften entsprechende Ansprüche wohl leider nicht realisierbar sein.
Zwar gewährt Art. 17 Abs. 1 MÜ einen Anspruch auf Schadensersatz bei Körperverletzung des Reisenden, jedoch nur, wenn sich der Unfall, durch den die Körperverletzung verursacht wurde, an Bord des Luftfahrzeugs oder beim Ein- oder Aussteigen ereignet hat.
Da diese Voraussetzungen hier nicht vorliegen und die Krankschreibung vielmehr nur mittelbar auf die Flugverspätung zurückzuführen ist, dürften entsprechenden Schadensersatz- bzw. Schmerzensgeldansprüche ausscheiden.
Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben. Sollten Sie im Hinblick auf die Durchsetzung etwaiger Verspätungsschäden meine Hilfe benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Bewertung des Fragestellers 16.04.2015 | 11:39
"Herr RA Neubauer schilderte die rechtliche Regelung sehr verständlich und ausführlich. Zwar hatte ich mir ein positives Ergebnis erhofft, doch die Gesetze lassen dies leider nicht zu.

References: Art. 19
 § 37
 § 37
 § 37
 § 651
 Art. 31
 Art. 17