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Timestamp: 2017-11-18 23:16:45+00:00

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Mord | anwalt24.de
Mord ist die besonders verwerfliche Tötung eines anderen Menschen.
Die vorsätzlicheTötung eines Menschen kann strafrechtlich u.a. als Totschlag (Tötung eines Menschen) oder als Mord verfolgt werden. Eine Verurteilung wegen Mordes erfordert das Vorliegen eines der Mordmerkmale, aufgrund derer die Tat als besonders verwerflich angesehen wird. Mord und Totschlag sind zwei sich ausschließende Tatbestände.
Ein minder schwerer Fall des Mordes ist gesetzlich nicht vorgesehen. Wer Mörder ist, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
Wegen eines Mordes Beschuldigte werden grundsätzlich von einem Psychiater bzw. Psychologen als Sachverständige auf das Vorliegen ihrer Schuldfähigkeit überprüft. Das Gutachten wird in der Hauptverhandlung verwertet.
Zu den Anforderungen einer Affekttat siehe den Beitrag "Schuldfähigkeit".
2. Mordmerkmale
§ 211 StGB führt spezielle Mordmerkmale auf, die den Begriff des Mordes umschreiben.
Dabei sind folgende Gruppen der Mordmerkmale zu unterscheiden:
Besonders verwerflicher Beweggrund:
Zur Befriedigung des Geschlechtstriebs:
Das Motiv der "Blutrache" ist nach der Entscheidung BGH 10.01.2006 - 5 StR 341/05 grundsätzlich als ein niedriger Beweggrund anzusehen.
Besonders verwerfliche Art und Weise:
Ein als bloße Vorbereitung eines Tötungsdelikts zu bewertendes Handeln des Täters bedeutet nicht allein deshalb bereits eine teilweise Verwirklichung des Mordtatbestands, weil es von Grausamkeit geprägt ist. Ein unmittelbares Ansetzen liegt jedoch nicht erst dann vor, wenn der Täter bereits ein Merkmal des gesetzlichen Tatbestands verwirklicht hat. In den Bereich des Versuchs einbezogen ist vielmehr auch ein für sich gesehen noch nicht tatbestandsmäßiges Handeln, soweit es nach der Vorstellung des Täters der Verwirklichung eines Tatbestandsmerkmals räumlich und zeitlich unmittelbar vorgelagert ist oder nach dem Tatplan im ungestörten Fortgang ohne Zwischenakte in die Tatbestandsverwirklichung einmünden soll (BGH 20.03.2014 - 3 StR 424/13).
Heimtückisch handelt, wer eine zur Tatzeit beim Opfer bestehende Arg-und Wehrlosigkeit bewusst zur Tat ausnutzt (BGH 28.06.2016 - 3 StR 120/16):
Arglos ist, wer sich eines Angriffs nicht versieht.
Wehrlos ist derjenige, dessen Verteidigungsfähigkeit aufgehoben oder erheblich eingeschränkt ist. Die Wehrlosigkeit muss sich als Folge der Arglosigkeit darstellen.
Der Täter versteckt sich hinter einem Mauervorsprung und greift das Opfer von hinten an, nachdem es vorbeigegangen ist (BGH 25.02.2015 - 2 StR 495/13).
Besonders verwerflicher Zweck:
Absicht, eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken.
Nach der Rechtsprechung (so u.a. BGH 17.05.2011 - 1 StR 50/11) handelt in Verdeckungsabsicht, "wer als Täter ein Opfer deswegen tötet, um dadurch eine vorangegangene Straftat als solche oder auch Spuren zu verdecken, die bei einer näheren Untersuchung Aufschluss über bedeutsame Tatumstände geben könnten. Allerdings scheidet begrifflich eine Tötung zur Verdeckung einer Straftat dann aus, wenn diese bereits aufgedeckt ist und der Täter dies weiß".
Aber: Eine Verdeckungsabsicht ist aus der Sicht des Täters zu beurteilen, sodass eine Verdeckungsabsicht auch gegeben ist, wenn der Täter weiß, dass er bereits verdächtigt ist, er aber glaubt, mit der Tötung eine günstige Beweisposition aufrecht erhalten oder seine Lage verbessern zu können (BGH s.o.).
Grundsätzlich reicht die Verwirklichung eines Mordmerkmals für die Erfüllung des Mordtatbestandes aus. Hinsichtlich des Mordmerkmals Heimtücke ist aber seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungsmäßigkeit der lebenslangen Freiheitsstrafe bei Mord (BVerfG 21.06.1977 - 1 BvL 14/76) anerkannt, dass dieses Merkmal einer restriktiven Interpretation bedarf: Nicht jede heimtückische Tötung erfüllt die Tatbestandsmerkmale eines Mordes. Vielmehr müsse der Heimtücke zugleich der Makel der Verwerflichkeit anhängen, was etwa bei einem verwerflichen Vertrauensbruch der Fall ist. Demnach kann trotz heimtückischer Tötung Mord ausgeschlossen sein in Fällen, wo eine feindliche Willensrichtung fehlt (Mitnahmesuizid) oder bei Vorliegen einer notstandsähnlichen Situation (Tyrannenmord).
Erkennungsdienstliche BehandlungGeständnisSicherungsverwahrungUntersuchungshaft
BGH 17.05.2011 - 1 StR 50/11 (Mord zur Verdeckung von unbefugten Verfügungen über ein fremdes Konto)
BGH 25.03.2003 - 1 StR 483/02 (Heimtücke bei Tötung eines Familientyrannen)
BGH 12.02.2003 - 1 StR 403/02 (Heimtücke bei Tötung des Erpressers)
Bachmann/Goeck: Aktuelle Rechtsprechung des BGH zum Mord (§ 211 StGB); Neue Justiz - NJ 2011, 397
Engländer: Die Teilnahme an Mord und Totschlag; Juristische Ausbildung - JA 2004, 410
Otto: Die Mordmerkmale in der höchstrichterlichen Rechtsprechung; Jura 1994, 141
Rotsch: Die Tötung des Familientyrannen: Heimtückischer Mord?; Juristische Schulung - JuS 2005, 12
Vietze: Gekreuzte Mordmerkmale in der Strafrechtsklausur; Jura 2003, 394
Widmaier: Dogmatik und Rechtsgefühl - Neue Tendenzen zur normativen Einschränkung des Mordtatbestands in der neueren BGH-Rechtsprechung; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2003, 2788
Zazcyk: Das Mordmerkmal der Heimtücke und die Notwehr gegen die Erpressung; Juristische Schulung - JuS 2004, 740

References: § 211
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