Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/die-in-thailand-registrierte-privatscheidung-360102
Timestamp: 2020-08-15 07:56:33+00:00

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Die in Thailand registrierte Privatscheidung | Rechtslupe
Die Aner­ken­nung einer in Thai­land regis­trier­ten Pri­vat­schei­dung ist aus­ge­schlos­sen, wenn nach den Regeln des deut­schen IPR auf die Ehe­schei­dung deut­sches Recht Anwen­dung fin­det.
In dem hier vom Kam­mer­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war auf die die Ehe­schei­dung ent­we­der ita­lie­ni­sches oder deut­sches, jeden­falls nicht thai­län­di­sches Recht anzu­wen­den: Gemäß Art. 17 Abs. 1 S. 1 EGBGB unter­liegt die Schei­dung dem Recht, das im Zeit­punkt des Ein­tritts der Rechts­hän­gig­keit des Schei­dungs­an­trags für die all­ge­mei­nen Wir­kun­gen der Ehe maß­geb­lich ist. Die Vor­schrift ver­weist auf das Ehe­wir­kungs­sta­tut, das in Art. 14 EGBGB gere­gelt ist [1]. Danach unter­lie­gen die all­ge­mei­nen Wir­kun­gen der Ehe in ers­ter Linie dem Recht des Staats, dem bei­de Ehe­gat­ten ange­hö­ren oder zuletzt ange­hör­ten, wenn einer von ihnen die­sem Staat noch ange­hört, Art. 14 Abs. 1 Nr. 1 EGBGB. Eine gemein­sa­me Staats­an­ge­hö­rig­keit besa­ßen die Ehe­gat­ten hin­ge­gen wäh­rend der gesam­ten Ehe­zeit und somit auch im Zeit­punkt ihrer Schei­dung nicht.
Das Recht von Thai­land haben die Ehe­gat­ten nicht, jeden­falls nicht wirk­sam gewählt. Es lie­gen weder nota­ri­ell beur­kun­de­te Erklä­run­gen vor, noch sol­che, die den thai­län­di­schen Form­for­der­nis­sen an einen Ehe­ver­trag ent­spre­chen, Art. 14 Abs. 4 EGBGB. Nach thai­län­di­schem Recht kann ein Ehe­ver­trag wirk­sam nur vor der Ehe geschlos­sen wer­den. Die Erklä­run­gen bedür­fen der Schrift­form, sind vor zwei Zeu­gen abzu­ge­ben und in das Ehe­re­gis­ter ein­zu­tra­gen, Sec 1465, 1466 des thai­län­di­schen Zivil- und Han­dels­ge­setz­bu­ches [2].
Des­halb ist hier auf Art. 14 Abs. 1 Nr. 2 EGBGB abzu­stel­len. Ehe­wir­kungs­sta­tut ist danach das Recht des Staa­tes, in dem bei­de Ehe­gat­ten ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt haben oder wäh­rend der Ehe zuletzt hat­ten, wenn einer von ihnen dort noch sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat. Letz­te­res ist der Fall. Die Ehe­leu­te haben zuletzt gemein­sam in Ita­li­en gelebt und der Ehe­mann hat mit Schrei­ben vom 05.03.2013 klar­ge­stellt, dass die Ehe­frau dort auch noch wäh­rend der Schei­dung ihren haupt­säch­li­chen Wohn­sitz dort hat­te. Danach ist zunächst das ita­lie­ni­sche Recht ein­schließ­lich des dor­ti­gen Inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts beru­fen. Gemäß Art. 31 Abs. 1 Gesetz Nr. 95/​218 [3] rich­tet sich die Schei­dung in ers­ter Linie nach dem gemein­sa­men Hei­mat­recht der Ehe­gat­ten im Zeit­punkt des Antrags auf Auf­lö­sung der Ehe. Fehlt ein sol­ches gemein­sa­mes Recht, wie das vor­lie­gend der Fall ist, ist das Recht des Staa­tes anzu­wen­den, in wel­chem das ehe­li­che Zusam­men­le­ben über­wie­gend statt­ge­fun­den hat.
Der Ehe­mann hat mit sei­ner Ehe­frau sowohl in Deutsch­land als auch in Ita­li­en gelebt. In wel­chem der bei­den Län­der das Zusam­men­le­ben der Ehe­gat­ten letzt­lich über­wog, kann dahin­ste­hen. Hat das ehe­li­che Zusam­men­le­ben über­wie­gend in Ita­li­en statt­ge­fun­den, fin­det ita­lie­ni­sches Recht Anwen­dung.
Haben die Ehe­gat­ten hin­ge­gen über­wie­gend in Deutsch­land gelebt, ver­weist das ita­lie­ni­sche Recht inso­weit auf das deut­sche Recht zurück. Eine sol­che Rück­ver­wei­sung ist dann maß­geb­lich, Art. 4 Abs. 1 S. 2 EGBGB.
Gemäß Art. 149 Abs. 1 des ita­lie­ni­schen Zivil­ge­setz­bu­ches [4] wird die Ehe durch den Tod und in ande­ren vom Gesetz bestimm­ten Fäl­len auf­ge­löst. Maß­geb­lich für die Auf­lö­sung der Ehe zu Leb­zei­ten der Ehe­gat­ten ist danach das Gesetz Nr. 70/​898 [5]. Gemäß Art. 5 Gesetz Nr. 70/​898 erfolgt die Schei­dung durch gericht­li­ches Urteil. Die ita­lie­ni­sche Rechts­ord­nung lässt eine ein­ver­ständ­li­che (Privat-)Scheidung nicht zu [6]. Sie unter­schei­det sich inso­weit nicht vom deut­schen Schei­dungs- und Schei­dungs­fol­gen­recht, wonach über die Schei­dung immer ein Gericht zu befin­den hat, § 1564 S. 1 BGB [7].
Dem­ge­gen­über kann eine Ehe nach thai­län­di­schem Recht im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis oder durch Gerichts­ur­teil geschie­den wer­den, Sec. 1514 ZHGt­hai. Die Schei­dung im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis erfolgt durch einen ver­trags­ähn­li­chen rechts­ge­schäft­li­chen Kon­sens der Ehe­gat­ten [8]. Auch wenn zur Wirk­sam­keit der Schei­dung noch eine Regis­ter­ein­tra­gung erfor­der­lich ist, Sec 1515 und 1531 Abs. 1 ZHGt­hai, steht dies ihrer Ein­ord­nung als Pri­vat­schei­dung nicht ent­ge­gen. Denn es ist nicht ersicht­lich, dass bei der Regis­trie­rung mehr als eine for­ma­le Prü­fung der Schei­dungs­vor­aus­set­zun­gen vor­ge­nom­men wür­de. Eine Ent­schei­dung im Sin­ne von Art. 5 des ita­lie­ni­schen Geset­zes Nr. 70/​898 erfolgt jeden­falls nicht [9]. Glei­ches gilt bei Anwen­dung deut­schen Rechts, § 1564 S. 1 BGB [8].
Die Ehe ist auf Grund gegen­sei­ti­gem Ein­ver­ständ­nis­ses und damit im Rah­men einer nicht aner­ken­nungs­fä­hi­gen Pri­vat­schei­dung geschie­den wor­den. Das folgt aus den von dem thai­län­di­schen Stan­des­be­am­ten am 3.03.2008 pro­to­kol­lier­ten Umstän­den. Danach haben sie sich aus frei­er Ent­schei­dung, Sec 1514 Abs. 1 ZHGt­hai, schrift­lich vor zwei Zeu­gen, Sec 1514 Abs. 2 ZHGt­hai, unter Rege­lung der elter­li­chen Sor­ge, Sec 1520 Abs. 1 ZHGt­hai schei­den las­sen.
Kam­mer­ge­richt, Beschluss vom 19. März 2013 – 1 VA 12/​12
Wink­ler v. Moh­ren­fels, in: Münch­Komm-BGB, 5. Aufl., Art. 17 EGBGB, Rdn. 35[↩]
im Fol­gen­den: ZHGt­hai; abge­druckt bei Bergmann/​Ferid/​Henrich, Inter­na­tio­na­les Ehe- und Kind­schafts­recht, Thai­land, Stand Sep­tem­ber 2009[↩]
abge­druckt bei Bergmann/​Ferid/​Henrich, a.a.O., Ita­li­en, Stand Febru­ar 2011[↩]
abge­druckt bei Bermann/​Ferid/​Henrich, a.a.O., Ita­li­en, Stand Febru­ar 2011[↩]
abge­druckt eben­da[↩]
vgl. Pesce, in: Rieck, Aus­län­di­sches Fami­li­en­recht, Ita­li­en, Stand Mai 2012; Cubedda/​Wiedemann, in: Süß/​Ring, Ehe­recht in Euro­pa, 2. Aufl., Ita­li­en, Rdn. 157[↩]
vgl. BGH, NJW 1990, 2194, 2196[↩]
vgl. König-Tum­pi­ya, in: Bermann/​Ferid/​Henrich, a.a.O.; Andrea, Inter­na­tio­na­les Fami­li­en­recht, 2. Aufl., S. 253[↩]
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References: Art. 17
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 31
 Art. 4
 Art. 149
 Art. 5
 § 1564
 Art. 5
 § 1564
 Art. 17