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Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften - insbesondere bei Grundschuld und Bürgschaft
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Heiko Bäcker
1 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften - insbesondere bei Grundschuld und Bürgschaft D i s s e r t a t i o n zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Rechte durch die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Bielefeld Vorgelegt von Ralf Bornemann Köln im Juli 20002 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 2 LITERATURVERZEICHNIS I. Lehrbücher und Kommentare BAUR/STÜRNER, Lehrbuch des Sachenrechts, 16. Auflage, München 1992 (zit.: Baur/Stürner, ) BROX, HANS, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, 22. Auflage, Köln u.a (zit.: Brox AT, Rdn.) BÜLOW, PETER, Recht der Kreditsicherheiten, 4. Auflage, Heidelberg 1997 (zit.: Bülow, Rdn.) CANARIS, CLAUS-WILHELM, Bankvertragsrecht, 3. Auflage, 2. Bearbeitung, Berlin/New York 1981 (zit.: Canaris, Bankvertragsrecht, Rdn.) CLEMENTE, CLEMENS, Recht der Sicherungsgrundschuld, 2. Auflage, Köln 1993 (zit.: Clemente, Sicherungsgrundschuld, Rdn.) ERMAN, WALTER, Handkommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, 2. 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November 1985 IX ZR 40/85, WuB I F 1a5 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 5 BYDLINSKI, PETER, Die aktuelle höchstrichterliche Judikatur zum Bürgschaftsrecht in der Kritik Neue Entwicklungen in der Rechtsprechung, WM 1992, S CANARIS, CLAUS-WILHELM, Gesamtunwirksamkeit und Teilgültigkeit rechtsgeschäftlicher Regelungen, Festschrift für Steindorf DERS., Die Problematik der Sicherheitenfreigabeklauseln im Hinblick auf 9 AGBG und 138 BGB, ZIP 1996, S CLEMENTE, CLEMENS, Sicherungsabreden im Spiegel der neueren Rechtsprechung, ZIP 1985, S DERS., Die Sicherungsabrede der Sicherungsgrundschuld Eine Bestandsaufnahme, ZIP 1990, S DERLEDER, PETER, Die unbegrenzte Kreditbürgschaft, NJW 1986, S GANTER, MANUEL, Aktuelle Probleme der Kreditsicherheiten in der Rechtsprechung des BGH, WM 1996, S GOTTWALD, WALTER, Anmerkung zum Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 12. 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Februar 1996 IX ZR 153/95, WuB I F 1a PAPE, GERHARD, Die Entwicklung des Bürgschaftsrechts im Jahre 1995, NJW 1996, S DERS., Die Entwicklung des Bürgschaftsrechts im Jahre 1996, NJW 1997, S PETERS, BERND, Zum Haftungsumfang der Bürgschaft für Ansprüche aus bankmäßiger Geschäftsverbindung, WM 1992, S PFEIFFER, THOMAS, Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 18. Mai 1995 IX ZR 108/94, LM 765 Nr DERS., Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 18. Januar 1996 IX ZR 69/95, LM 765 Nr DERS., Anmerkung zum Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 29. Juni U 45/95, WuB I F 1a DERS., Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13. November 1997 IX ZR 289/96, DZWiR 1998, S DERS., Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 28. Oktober 1999 IX ZR 364/97, LM 9 (Bm) AGBG, Nr. 32. REHBEIN, DIETER, Sicherung und Sicherungszweck, Festschrift für Theodor Heinsius 1991, S DERS., Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 01. Juni 1994 IX ZR 133/93, WuB I F 1a7 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 7 REICH, DIETMAR O./SCHMITZ, PETER, Globalbürgschaften in der Klauselkontrolle und das Verbot der geltungserhaltenden Reduktion, NJW 1995, S REICH, NORBERT, Kreditbürgschaft und Transparenz, NJW 1995, REINICKE, DIETRICH/TIEDTKE, KLAUS, Die Bürgschaft für alle bestehenden und künftigen Forderungen des Gläubigers aus seiner bankmäßigen Geschäftsverbindung mit dem Hautschuldner, JZ 1986, S DIES., Die Rechtsstellung des Kreditnehmers und des Grundstückeigentümers als Sicherungsgeber einer Grundschuld, WM-Sonderbeilage Nr. 5/1991, S DIES., Bestimmtheitserfordernis und weite Sicherungsabrede im Bürgschaftsrecht, DB 1995, S RICHRATH, JOCHEN/SCHRÖTER, JÜRGEN, Anmerkung zu den Urteilen des Bundesgerichtshofs vom 18. Januar 1996 IX ZR 69/95 sowie vom 07. März 1996 IX ZR 43/95, WuB I F 1a RIMMELSPACHER, BRUNO, Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 05. April 1990 IX ZR 111/89, WuB I F 1a DERS., Anmerkung zum Urteil des Oberlandesgerichts Bamberg vom 29.September U 195/87, WuB I F 1a SCHMITZ, KARL-BERNHARD, Die neuere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zu Hypothek und Grundschuld, WM 1991, S SCHMITZ-HERSCHEID, STEPHAN, Zur Bürgschaft für alle gegenwärtigen und zukünftigen Verbindlichkeiten, ZIP 1997, S SCHMITZ-VALCKENBERG, WALTER, Probleme bei der Bestellung von Grundschulden im Hinblick auf die Vorschriften der 3 und 9 AGBG, DNotZ 1996, S8 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 8 SCHRÖTER, JÜRGEN, Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 06. Dezember 1984 IX ZR 11/83, WuB I F 1a DERS., Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 18. Mai 1995 IX ZR 108/94, WuB I F 1a SONNENHOL, JÜRGEN, Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13. 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November U 246/95 sowie zum Beschluss des Oberlandesgerichts Schleswig 5 W 39/96, WuB I F 1a WEBER, AHREND, Rückwirkung von Rechtsprechung Bericht über ein Symposion in Bonn, WM 1996, S WEBER, CHRISTOPH, Wirksamkeit formularmäßiger Globalbürgschaften BGHZ 130, 19, JuS 1997, S WESTPHALEN, FRIEDRICH GRAF VON, Grundschulddarlehen Kontrollkriterien des AGBG, ZIP 1984, S DERS., Bürgschaftsformulare im Licht des AGB-Gesetzes, WM 1984, S DERS., Anmerkung zum Urteil des Bundesgerichtshofs vom 04. Juli 1985 IX ZR 135/84, EWiR 765 BGB 3/85, S DERS., Anmerkung zu Urteil des Bundesgerichtshofs vom 29. Februar 1996 IX ZR 153/95, LM 765 Nr WISSMANN, EICKE, Anmerkung zum Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 29. Januar U 118/96, EWiR 767 BGB 1/97, S10 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 10 III. Abkürzungsverzeichnis Hinsichtlich der in dieser Arbeit verwendeten Abkürzungen verweise ich auf KIRCHNER, HILDEBERT, Abkürzungsverzeichnis der Rechtssprache, 4. Auflage, Berlin 1993.11 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 11 INHALT Literaturverzeichnis 2 Inhaltsverzeichnis Teil: Einleitung A. Die Bürgschaft 15 B. Die Sicherungsgrundschuld 16 C. Rechtsnatur des Sicherungsvertrages 17 I. Der Sicherungsvertrag 17 II. Die Sicherungsabrede 20 III. Rechtswirkungen 21 IV. Der Sicherungsgeber Teil: Die gesicherten Forderungen A. Bestimmbarkeit 23 I. Sachliche Begrenzung 23 II. Grundsätzliches Erfordernis eines Höchstbetrages Die Stimmen der Literatur Die Rechtsprechung des BGH Stellungnahme 27 a) Die gesetzessystematische Herleitung des Bestimmtheitsgrundsatzes 27 b) Zweck und Funktion des Bestimmtheitsgrundsatzes 30 aa) Der Bestimmtheitsgrundsatz zum Schutz des Bürgen 30 bb) Verstoß der Globalbürgschaft gegen den Bestimmtheitsgrundsatz 31 c) Beschränkung auf Forderungen aus der Geschäftsverbindung 35 III. Rechtsfolge Ermittlung durch Auslegung Auslegung und Schriftform 37 B. Begriff der Geschäftsverbindung 38 I. Die Geschäftsverbindung Die Geschäftsverbindung im HGB Die Auslegung des Parteiwillens 39 II. Einzelfälle Ansprüche auf Schadensersatz 41 a) Vertragliche Schadensersatzansprüche 41 b) Deliktische Ansprüche Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung 44 a) Der Sicherungsgeber ist ein Dritter 45 b) Der Darlehensnehmer stellt die Sicherheit Nebenforderungen 4912 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 12 a) Grundsatz 49 b) Die Höchstbetragsbürgschaft Forderungen aus Sicherheitenverträgen 51 a) Die Kasuistik in Rechtsprechung und Lehre 51 b) Stellungnahme Forderungen, die von Dritten erworben wurden 56 a) Der Sicherungsgeber ist nicht zugleich der Schuldner 57 b) Schuldner und Sicherungsgeber sind identisch Kosten der Rechtsverfolgung Ansprüche gegen den persönlich haftenden Gesellschafter Firma als Kreditnehmer Rechtsnachfolge Ansprüche aus Geschäftsbesorgung Filialklausel Beendigung der Geschäftsverbindung 67 III. Zusammenfassung Teil: Formularmäßige Zweckerklärungen A. Anwendbarkeit des AGB-Gesetzes 69 B. Einbeziehungskontrolle 70 I. Einbeziehung in den Vertrag ( 2 AGBG) 71 II. Vorrang der Individualabrede 71 III. Überraschende Klauseln Die Anlassrechtsprechung des BGH 72 a) Grundschuldzweckerklärungen 72 aa) Die Rechtsprechung bis bb) Die neuere Rechtsprechung 73 cc) Das Schrifttum 75 b) Die Sicherungsabrede bei Bürgschaften 76 aa) Rechtsprechung und Literatur bis bb) Neuere Rechtsprechung und Literatur Stellungnahme Ausnahmen 82 a) Absicherung der gesamten Geschäftsverbindung 84 b) Darlehen an Gesellschaften und/oder Gesellschafter 86 c) Absicherung eines befristeten Kontokorrentkontos 88 d) Notarielle Beurkundung Vermeidung des überraschenden Charakters 90 C. Inhaltskontrolle von Zweckerklärungen 91 I. Zulässigkeit der Inhaltskontrolle Zulässigkeit der Inhaltskontrolle bei Bürgschaftszweckerklärungen 91 a) Regelungsgehalt des 8 AGB-Gesetz 91 aa) Nebenpflichten 91 bb) Hauptleistungspflichten 92 b) Die frühere Rechtsprechung des BGH 9513 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 13 c) Die Ansicht der Literatur 95 d) Änderung der Rechtsprechung 96 e) Die neuere Literatur und die obergerichtliche Rechtsprechung 98 f) Stellungnahme 98 aa) Die Besicherung von Anlass -Krediten 98 bb) Umfassende Sicherung der Geschäftsverbindung 101 (1) Teilbarkeit der Sicherungsabrede 101 (2) Gesetzliches Leitbild Zulässigkeit der Inhaltskontrolle bei Grundschulden 109 a) Die Rechtsprechung 109 b) Die Ansicht der Literatur 109 c) Stellungnahme 110 aa) Fehlen einer gesetzlichen Regelung 110 bb) Bewusstes Schweigen des Gesetzes 110 II. Unangemessene Benachteiligung des Sicherungsgebers Bürgschaftszweckerklärung 111 a) Die Rechtsprechung 111 aa) Globalbürgschaften 112 bb) Höchstbetragsbürgschaften 113 cc) Ausnahmen 114 b) Die Ansicht der Literatur 115 c) Stellungnahme 116 aa) Abweichung vom gesetzlichen Leitbild 116 bb) Vertragszweckgefährdende Regelung 116 (1) Vertragswesentliche Rechte und Pflichten 116 (2) Gefährdung des Vertragszwecks 117 cc) Die Generalklausel 119 (1) Interessen des Bürgen 120 (2) Interessen des Sicherungsnehmers 121 (3) Abwägung der widerstreitenden Interessen Grundschuldzweckerklärungen 123 a) Besicherung durch den persönlichen Schuldner 123 b) Die Grundschuld als Drittsicherheit 124 aa) Die Rechtsprechung 125 bb) Die Ansicht der Literatur 125 cc) Stellungnahme 126 (1) Abweichung vom gesetzlichen Leitbild 127 (2) Vertragszweckgefährdende Regelung 128 (a) Vertragswesentliche Rechte 129 (b) Gefährdung des Vertragszwecks 130 (3) Die Generalklausel 131 II. Ergebnis 134 D. Rechtsfolgen 135 I. Das Ergebnis Nichteinbeziehung gemäß 3 AGB-Gesetz Unwirksamkeit gemäß 9 AGB-Gesetz 136 II. Die einzelnen Rechtsinstitute Regelungsgehalt des 6 AGB-Gesetz Das Verbot geltungserhaltender Reduktion 13914 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 14 a) Grundsätzliches 139 b) Teilbare Klauseln 141 c) Ausnahmen Die ergänzende Vertragsauslegung 143 a) Grundsätzliches 143 b) Ergänzende Vertragsauslegung und AGB-Gesetz 143 c) Das Verhältnis der ergänzenden Vertragsauslegung zum Verbot der geltungserhaltenden Reduktion 144 III. Die dogmatische Herleitung in Rechtsprechung und Lehre Die Herleitung der Rechtsprechung Die Ansicht der Literatur 147 IV. Stellungnahme Geltungserhaltende Reduktion statt ergänzender Vertragsauslegung Zur Kritik an diesem Lösungsansatz 155 a) Sachwaltertätigkeit des Richters 155 b) Überwälzung der Formulierungsverantwortung 156 c) Bedenken im Hinblick auf 140 BGB 156 d) Rechtsunsicherheiten zu Lasten des Klauselgegners 159 V. Das Problem der Rückwirkung höchstrichterlicher Rechtsprechung 160 E. Zusammenfassung 16315 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften Teil Einleitung In den letzten Jahren sind zahlreiche Entscheidungen zu der Frage der Wirksamkeit von Zweckerklärungen ergangen. Insbesondere die Inhaltskontrolle formularmäßiger Vereinbarungen wird dabei kontrovers diskutiert. Hierbei sind vorwiegend sogenannte weite Zweckerklärungen bei Grundschulden und Bürgschaften - auch Globalzweckerklärungen genannt - Gegenstand der Erörterungen. Auch in der Literatur ist umfangreich hierzu Stellung genommen worden. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung hat sich insbesondere durch die Rechtsprechung des BGH eine vielfältige Kasuistik entwickelt, welche im folgenden dargestellt und analysiert werden soll. Vorwiegend die Bürgschaft und die Grundschuld sind dabei Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Diese beiden Sicherungsmittel sind in der Praxis der privaten Kreditnehmer vorherrschend und als sog. Drittsicherheiten besonders gefragt. Hinzu kommt, dass die Bürgschaft aufgrund der unbeschränkten Haftung außerordentlich risikoreich ist. Da in solchen Fällen erhöhter Schutzbedarf zugunsten des Kunden besteht, konzentrieren sich hierauf die Entscheidungen der Gerichte sowie die kontroversen Stellungnahmen zu diesem Problemkreis. Daher widmet sich die vorliegende Arbeit auch im wesentlichen diesen Sicherungsmitteln. A. Die Bürgschaft Die Bürgschaft ist gesetzlich geregelt in den 765 ff. BGB. Sie ist streng akzessorisch, d.h. von einer Hauptschuld in Höhe und Bestand abhängig 1. Sie kann unbegrenzt und auch für zukünftige Forderungen übernommen werden. Die Sicherungsabrede bestimmt dabei den Umfang der Hauptschuld. 1 Dazu Bülow, Rdn. 22.16 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 16 Die Bürgschaft ist ihrer Natur nach grundsätzlich Drittsicherheit, so dass Schuldner und Sicherungsgeber nicht identisch sind. Zwischen diesen beiden besteht regelmäßig ein Auftragsverhältnis, nach welchem der Bürge sich verpflichtet, die Bürgschaft zu übernehmen. Er kann dann nach Inanspruchnahme gemäß 670 BGB Ersatz der von ihm verauslagten Beträge verlangen. B. Die Sicherungsgrundschuld Nach der Konzeption des historischen Gesetzgebers ist die (isolierte) Grundschuld von jeglicher Forderung unabhängig 2. In dieser Form ist sie jedoch als Sicherungsmittel nicht zu verwenden. Es bedarf vielmehr einer schuldrechtlichen Verknüpfung zwischen Grundschuld und zu sichernder Forderung. Dieses leistet die Sicherungsabrede (= Zweckerklärung) 3. Hierdurch wird zwar eine Annäherung an die Hypothek 4, allerdings keine Abhängigkeit im Sinne einer hypothekenähnlichen Akzessorietät geschaffen, so dass die Höhe der Forderung die Höhe der Grundschuld nicht beeinflußt 5. Eine solche Grundschuld wird allgemein als Sicherungsgrundschuld bezeichnet. Sie liegt nach dem oben Gesagten in ihrer sichernden Wirkung zwischen der streng akzessorischen Hypothek und der isolierten Grundschuld und ermöglicht dadurch eine flexible Verwendung als Kreditsicherheit. Dies gilt um so mehr, wenn sich der Eigentümer nach 800 ZPO der sofortigen Zwangsvollstreckung unterworfen hat, da die Bank in diesem Fall mit der notariell beglaubigten Grundschuldbestellungsurkunde einen vollstreckbaren Titel besitzt ( 794 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 ZPO). Aufgrund dieser hohen Verkehrsfähigkeit hat die Sicherungsgrundschuld die Hypothek als Sicherungsmittel weitgehend verdrängt. In der Praxis der Kreditinstitute wurde im Laufe der Zeit ein rechtlich fest umrissenes Bild einer typischen Sicherungsgrundschuld herausgearbeitet 6. 2 Palandt/Bassenge, 1191 Rdn Schaarschmidt, Tz Merkel in Schimansky/Bunte/Lwowski, Rd Palandt/Bassenge, 1191 Rdn Kümpel, Tz17 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 17 Wird die Grundschuld nicht vom persönlichen Schuldner, sondern von einem Dritten bestellt, so liegt ebenso wie bei der Bürgschaft zwischen Kreditnehmer und Sicherungsgeber regelmäßig ein Auftragsverhältnis vor 7. C. Rechtsnatur des Sicherungsvertrages Häufig werden Sicherungsvertrag und Sicherungsabrede nicht klar genug voneinander getrennt. I. Der Sicherungsvertrag Die Art und Anzahl der Vereinbarungen im Sicherungsvertrag hängen wesentlich von der Natur des Sicherungsmittels ab. Sind gesetzlich nicht geregelte Sicherheiten vorgesehen, z.b. eine Sicherungsgrundschuld, so besteht naturgemäß ein erhöhter Regelungsbedarf 8. Der Sicherungsvertrag bestimmt dann umfassend die Rechtsbeziehungen der Beteiligten zueinander. Insbesondere bei solchen Sicherheiten, bei denen der Sicherungsgeber dem Gläubiger treuhänderisch zu Sicherungszwecken das Recht überträgt (sog. fiduziarische Sicherheiten), kommt folglich dem Sicherungsvertrag besondere Bedeutung zu. Diese Sicherungen sind vom Gesetz nicht ausdrücklich vorgesehen; das BGB setzt sie aber als zulässig voraus, sie sind bereits vom Reichsgericht schon anerkannt worden 9. Sie werden auch gekorene Sicherheiten genannt, wohingegen man die gesetzlich geregelten Rechtsinstitute geborene Sicherheiten nennt. Diese sind regelmäßig akzessorisch, das heißt vom Bestand der Hauptforderung abhängig. Zu den abstrakten fiduziarischen Sicherungsmitteln gehören insbesondere die Grundschuld, die Sicherungsübereignung oder die Sicherungszession. Zwar ist der Sicherungsnehmer im Verhältnis 7 Räfle in Erman, 1191 Rdn. 11; denkbar wären natürlich auch eine Reihe anderer Rechtsgründe, zum Beispiel eine Erfüllungsübernahme oder eine Schenkung. 8 Bülow, Rdn Nachweise bei Pfeiffer, ZIP 1997, 49, 50.18 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 18 zu Dritten Vollrechtsinhaber, jedoch sind seine Befugnisse im Innenverhältnis treuhänderisch beschränkt. Treuhandzweck sowie -umfang nebst den dazugehörigen Vereinbarungen und Nebenpflichten regelt der Sicherungsvertrag. Bei gesetzlich geregelten Sicherungsinstituten hingegen sind entweder zahlreiche Vorschriften wegen der erheblichen Reichweite der Normen oder aber aufgrund ihres prägenden Charakters zwingend, so wie bei der Bürgschaft z.b. die 766, 767 BGB. Oder sie sind bei der Hypothek sowie dem Pfandrecht - aufgrund des sachenrechtlichen Typenzwangs nicht abdingbar. In diesen Fällen kommt dem Sicherungsvertrag mit Ausnahme der Sicherungsabrede selbst keine weitergehende Bedeutung zu. Die nachfolgenden Ausführungen gelten daher vor allem für abstrakte Sicherheiten. Der Sicherungsvertrag ist ein schuldrechtlicher Vertrag und regelt die Beziehungen zwischen dem Sicherungsgeber und demjenigen, zu dessen Gunsten die Sicherheiten bestellt worden sind 10. Zu diesem Zweck enthält diese Vereinbarung eine Vielzahl einzelner Regelungen. Da der BGH - zu Recht - sämtliche Vereinbarungen im Zusammenhang mit der Sicherheitenbestellung als einheitliches Rechtsgeschäft begreift, ist es dabei unerheblich, ob diese Klauseln in einer Urkunde zusammengefasst werden oder ob sie sich in mehreren Schriftstücken (z.b. Kreditvertrag, Grundschuldbestellungs- oder Bürgschaftsurkunde etc.) befinden 11. Der Sicherungsvertrag ist grundsätzlich formfrei 12, jedoch spricht aufgrund der Tragweite der Sicherungsabrede eine tatsächliche Vermutung für gewillkürte Schriftform 13, insbesondere im Rechtsverkehr mit Kreditinstituten 14. Gesetzliche Formvorschriften sind nur dann zu beachten, wenn das Verpflichtungsgeschäft aufgrund seiner Rechtsnatur (zum Beispiel 10 Schaarschmidt, Tz Joswig in BGB-RGRK, 1191 Rdn. 6 m.w.n. 12 BGHZ 100, 82, BGH, WM 1982, BGHZ 109, 197, 200.19 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 19 als Schenkung, 518 BGB) oder wegen des rechtlichen Zusammenhangs mit einem anderen formbedürftigen Geschäft steht, so wenn beispielsweise eine Grundschuld zur Sicherung eines Grundstückskaufpreises eingetragen werden soll ( 313 BGB) und die Eintragung für das schuldrechtliche Geschäft Wirksamkeitsvoraussetzung ist. Wesentliche Regelungen stellen die Verpflichtung zur Sicherheitenbestellung, die Treuhandabrede 15 sowie eben die Abrede, für welche Forderungen und in welchem Umfang die Sicherheit haften soll, dar 16. Darüber hinaus enthält der Sicherungsvertrag im Zusammenhang mit einer Sicherungsgrundschuld i.d.r. Bestimmungen über die Frage, auf welche Schuld erfolgte Zahlungen verrechnet werden sollen, die konkrete Regelung des Anspruchs auf Rückgewähr, Verwertungsabsprachen etc 17. Ferner finden sich Bestimmungen über eine Reihe von vertraglichen Nebenpflichten des Sicherungsnehmers, mit welchen dessen treuhänderische Stellung und seine Pflicht zur größtmöglichen Wahrung der Interessen des Sicherungsgebers konkretisiert werden 18. Somit werden nicht nur Rechte und Pflichten des Sicherungsgebers, sondern auch solche des Kreditgebers (= Sicherungsnehmers) geregelt. Der Sicherheitenvertrag ist daher als zweiseitiger Vertrag einzustufen 19. Da aber die Pflichten des Sicherungsnehmers (z.b. zur Rückgewähr, pfleglichen Behandlung des Treugutes, Verwertung nur bei Eintritt des Sicherungsfalles) nicht synallagmatische Gegenleistungen der Sicherheitenbestellung selbst sind, liegt nach h.m. ein gegenseitiger Vertrag nicht vor Diese muss nicht ausdrücklich vereinbart sein, sondern ergibt sich schon aus der Natur der abstrakten Sicherheit Kümpel, Tz Eine Aufzählung und Erläuterung der wesentlichen auch konkludent vereinbarten - Regelungen findet sich bei Eickmann im Münchener Kommentar, 1191 Rdn. 20 ff. 17 Rauch/Zimmermann, Rdn. 126; Joswig in BGB-RGRK, 1191 Rdn Schaarschmidt, Tz Rauch/Zimmermann, Rdn. 121; Joswig in BGB-RGRK, 1191 Rdn. 7; Eickmann im Münchener Kommentar, 1191 Rdn Graf v. Westphalen, ZIP 1984, 1, 7.20 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 20 Es handelt sich demzufolge um einen sog. unvollkommen (da nicht gegenseitig) zweiseitigen Vertrag 21. Mangels gesetzlicher Bestimmung 22 ist diese schuldrechtliche Vereinbarung regelmäßig formfrei gültig 23. Jedoch kann bei langfristigen Verträgen eine Vermutung für eine vereinbarte Schriftform sprechen ( 154 Abs. 2 BGB) 24. II. Die Sicherungsabrede Die Sicherungsabrede ist - wie oben (I.1.) dargestellt - Teil des umfassenderen Sicherungsvertrages. Sie ist dessen Kernstück. Mit ihr werden die gesicherten Forderungen bestimmt 25. Sie ist sowohl bei abstrakten als auch bei akzessorischen Sicherungsrechten notwendig. Diese Abrede wird in der Praxis der Kreditinstitute in Formularverträgen in etwa wie folgt formuliert: "Die (Grundschuld/Bürgschaft etc.) dient als Sicherheit für alle gegenwärtigen und zukünftigen Ansprüche aus der Geschäftsverbindung der Bank mit (Kreditnehmer) und (Sicherungsgeber), insbesondere aus Darlehen, Kontokorrentverkehr, Wechseln, Schecks, Sicherungsverträgen, Lieferungen und Leistungen Bürgschaftsübernahmen, Abtretungen oder gesetzlichem Forderungsübergang und der Ansprüche aus von Dritten erworbenen Forderungen, Wechseln und Schecks, " Wegen der umfassenden Einbeziehung beinahe aller Forderungen wird diese Abrede auch weite Zweckerklärung genannt. 21 Graf v. Westphalen, ZIP 1984, 1, Auch solche Verträge haben allerdings einen allerdings nur sehr generell geregelten gesetzlichen Inhalt ( 133, 154, 242 BGB), der aus der Interessenlage und Verkehrsanschaung ergibt. 23 BGH, WM 1987, BGH, WM 1982, 443, 444; Merkel in Schimansky/Bunte/Lwowski, Rdn Scholz/Lwowski, Rdn. 6.21 Zweckbestimmungsklauseln bei Sicherungsgeschäften 21 III. Rechtswirkungen Der Sicherungsvertrag verpflichtet den Sicherungsgeber u.a. zur Bestellung der Sicherheit 26. Für abstrakte Sicherheiten gilt, dass die Sicherungsabrede den Rechtsgrund für das Behaltendürfen der Sicherheit darstellt, solange im folgenden ein Sicherungsbedürfnis des Kreditgebers besteht - welches sich nach dem Bestand der zu sichernden Forderungen und somit nach der Sicherungsabrede richtet. Sie ist causa 27 des dinglichen Geschäfts; die Erfüllung der aus dem Sicherungsvertrag folgenden Verpflichtung zur Bestellung einer Sicherheit ist Leistungszweck 28. Bei akzessorischen Rechten hingegen ist diese Rechtswirkung nicht erforderlich, da bei Wegfall des Sicherungsbedürfnisses die Sicherheit automatisch aufgrund ihrer Akzessorietät untergeht. Soweit eine Sicherheit nicht akzessorischer Natur ist, nähert die Sicherungsabrede die Sicherheit den akzessorischen Sicherungsmitteln an. Sie verknüpft auf schuldrechtlicher Ebene die Sicherheit mit der zu sichernden Forderung 29 und bestimmt den Umfang der Sicherung. Bei akzessorischen Sicherungsrechten wird hingegen allein der zu sichernde Forderungskreis festgelegt. Die Akzessorietät ergibt sich schon aus der Natur des Sicherungsmittels. Statt eines Rückgewähranspruch erlischt das Sicherungsrecht (z.b. Bürgschaft, Pfandrecht) automatisch mit der zu sichernden Forderung. Besteht die zu sichernde Forderung nicht (mehr), z.b. weil das Darlehen letztendlich nicht ausgezahlt oder zur Gänze getilgt worden ist, so hat der Sicherungsgeber bei den abstrakten Sicherheiten entweder als ausdrückliche oder jedenfalls konkludente 26 Bülow, Rdn LG Kaiserslautern, ZIP 1982, 677, 678 m.w.n.; BGH WM 89, 210, 211; Clemente ZIP 1990, 969, Eickmann im Münchener Kommentar, 1191 Rdn. 14 f.; Räfle in Erman, 1191 Rdn. 5; Rauch/Zimmermann, Rdn. 114; Clemente ZIP 1990, 969, Rauch/Zimmermann, Rdn. 115. Mehr anzeigen
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 Art. 103
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