Source: https://elawtrainer.eu/bgh-11-zivilsenat-beschluss-vom-10-03-2020-xi-zr-199-18/
Timestamp: 2020-06-05 05:43:24+00:00

Document:
BGH 11. Zivilsenat, Beschluss vom 10.03.2020, XI ZR 199/18 | e-Law Trainer
BGH 11. Zivilsenat, Beschluss vom 10.03.2020, XI ZR 199/18
e-Law Admin/ Mai 13, 2020/ BGH-Rechtsprechung/ 0Kommentare
vorgehend OLG Nürnberg, 28. Februar 2018, Az: 14 U 2009/16
vorgehend LG Nürnberg-Fürth, 22. August 2016, Az: 6 O 8350/13
Zwar kann Wiedereinsetzung gewährt werden, wenn eine Rechtsmittelbegründung aufgrund eines Übermittlungsfehlers nicht vollständig bei Gericht eingegangen ist, auch wenn der fristgerecht eingegangene Rest des Schriftsatzes – wie hier – die Mindestanforderungen an eine Rechtsmittelbegründung wahrt (BGH, Beschluss vom 18. November 1999 – III ZR 87/99, NJW 2000, 364 f.).
Der Kläger hat jedoch nicht glaubhaft gemacht, dass er ohne ein ihm zuzurechnendes (§ 85 Abs. 2 ZPO) Verschulden seines Prozessbevollmächtigten gehindert war, die per Telefax nicht ordnungsgemäß übermittelten Passagen seiner Beschwerdebegründung innerhalb der Beschwerdebegründungsfrist des § 544 Abs. 2 ZPO in der bis zum 31. Dezember 2019 geltenden Fassung anzubringen. Im Hinblick darauf, dass der mit dem Wiedereinsetzungsantrag vorgelegte Sendebericht von 16.27 Uhr einen Hinweis auf eine mögliche Beeinträchtigung der Lesbarkeit von Teilen des übermittelten Schriftsatzes enthielt und die Eingangsstelle des Bundesgerichtshofs telefonisch nicht erreicht werden konnte, war es angesichts des Kanzleisitzes in der S. straße in K. möglich und zumutbar, den Schriftsatz bis 24.00 Uhr im Original in den Briefkasten des Bundesgerichtshofs einzuwerfen (vgl. Senatsbeschluss vom 24. September 2019 – XI ZB 9/19, juris Rn. 24).
Aus dem durch das Gesetz zur Reform des Zivilprozesses (ZPO-RG) mit Wirkung vom 1. Januar 2002 eingefügten § 697 Abs. 1 Satz 2 ZPO und der Gesetzesbegründung zur Einfügung dieser Vorschrift (BT-Drucks. 14/4722, S. 121) ergibt sich klar und eindeutig, dass – jedenfalls seit 2002 – eine Zustellung der Aufforderung zur Anspruchsbegründung nicht erforderlich ist (so auch Zöller/Seibel, ZPO, 33. Aufl., § 697 Rn. 4; Sommer in Prütting/Gehrlein, ZPO, 11. Aufl., § 697 Rn. 2; BLHAG/Becker, ZPO, 78. Aufl., § 697 Rn. 7; BeckOK ZPO/Dörndorfer, 35. Edition, Stand 1.1.2020, § 697 Rn. 3; Hk-ZPO/Gierl, 8. Aufl., § 697 Rn. 3; Zimmermann, ZPO, 8. Aufl., § 697 Rn. 1; wohl ebenso Voit in Musielak/Voit, ZPO, 16. Aufl., § 697 Rn. 2).
Schließlich ermöglicht § 270 Satz 2 ZPO auch im Rahmen der Anwendung von § 204 Abs. 2 Satz 3 BGB, der § 204 Abs. 2 Satz 2 BGB in der bis zum 31. Oktober 2018 geltenden Fassung entspricht, die Bestimmung des Zeitpunkts, in dem die letzte Verfahrenshandlung des Gerichts, mit der die Sechs-Monats-Frist für das Ende der Hemmung beginnt, der Partei zugegangen ist (zur Notwendigkeit des Zugangs vgl. BGH, Urteile vom 20. Februar 1997 – VII ZR 227/96, BGHZ 134, 387, 391 und vom 5. Februar 1998 – VII ZR 279/96, NJW-RR 1998, 954).
← Article 6, 7, 8, 9-1 et 9-3 du code de procédure pénale BAG 2. Senat, Urteil vom 27.02.2020, 2 AZR 390/19 →

References: BGH 
 § 544
 § 697
 § 697
 § 697
 § 697
 § 697
 § 697
 § 697
 § 697
 § 270
 § 204
 § 204