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Timestamp: 2019-11-17 02:32:42+00:00

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Das Feld der Modalität am Beispiel der Vorrede der Gebrüder Grimm ...
Das Feld der Modalität am Beispiel der Vorrede der Gebrüder Grimm zu den "Kinder und Hausmärchen"
von Tobias Voller (Autor)
Seminararbeit 2003 27 Seiten
2. Modus/modal/Modalität
2.1 Subjektive/objektive Modalität
3. Makro- und Mikrofelder
3.1. Makrofeld Aufforderung
3.2. Makrofeld Geltungsgrad
4. Modale Signale
4.1. Modalverben
4.2. Modalworte
4.3. Partikeln
5. Textbeispiel
5.1. Analyse
Diese Arbeit soll das Feld der Modalität anhand eines Textes aus der literarischen Epoche des Biedermeier veranschaulichen. Ausgewählt wurden hierzu die ersten zwei Absätze der Vorrede der Kinder und Hausmärchen der Gebrüder Grimm aus dem Jahr 1812.
Durch einen kurzen Forschungsüberblick soll zunächst der Begriff der „Modalität“, der verwirrende Bedeutungsnuancen enthält, geklärt werden. Anschließend folgt eine Beschreibung einiger der deutlichsten sprachlichen Mittel, anhand derer man den Modalitätsgehalt einer Aussage erkennen kann. Im dritten Teil dieser Arbeit schließlich, werden die Ergebnisse aus dem ersten und zweiten Teil auf die einzelnen Sätze des Beispieltextes angewendet.
Aufgrund der Komplexität des Feldes der Modalität kann dabei nicht auf jedes Phänomen eingegangen werden. Auf der anderen Seite kommt es aber auch zur Wiederholung von bereits Gesagtem. Es soll jedoch versucht werden zu möglichst deutlichen Ergebnissen zu gelangen.
Der Begriff „Modalität“ ist sehr vielschichtig und seine Verwendung kann zu Missverständnissen führen. Dies hat zum einen historische Ursachen, die mit dem Bedeutungswandel der Begriffe „Modus“, „modal“ und „Modalität“ zusammenhängen, zum anderen teilt sich der Begriff in verschiedene Teilfelder, wie z.B. subjektive Modalität, objektive Modalität, Geltungsgrad, Aufforderung u.a..
So beschreibt Joseph P. Calbert „Modalität“ als eine Möglichkeit, den Grad einer Willensäußerung oder Sicherheit über eine Aussage auszudrücken. Dieser Grad reiche dabei von einer minimalen Bestimmtheit oder Wahrscheinlichkeit zu absoluter Sicherheit und man könne daher sagen, dass jeder Satz oder Aussage ein bestimmtes Maß von Modalität enthält, das von schwach bis stark ausgeprägt reiche. Dies, so Calbert, mache es fast unmöglich „nichtmodale“ Aussagen zu finden, die von denjenigen abzugrenzen wären, die Modalität transportieren (Calbert, S. 55).
H.A. Jongeboer macht darauf aufmerksam, dass die Verwendung der Begriffe „Modus“ und „Modalität“ nicht immer einheitlich ist, wodurch es auch zu einer irreführenden Verwendung des Adjektivs „modal“ kommen kann. Den Modus, oder auch modus verbi, beschreibt er als
„[...] Beugekategorien des Verbums, die es dem Sprecher ermöglichen, seine subjektive Einschätzung der Gültigkeit des im Verbum ausgedrückten Geschehens dem Hörer bekanntzugeben.“ (Jongeboer, S. 18)
Zu diesen „Beugekategorien“ rechnet Jongeboer die Verbformen des Indikativs, Konjunktivs und Imperativs und macht auf Verwechslungsmöglichkeiten aufmerksam, da in älteren Grammatiken oft nur der Konjunktiv als Modus bezeichnet werde (Jongeboer, S. 18) oder auch die Haltung des Sprechers zum Gesagten (Jongeboer, S. 24).
Jongeboer weist nach, wie der Begriff „Modus“ durch eine Wortschöpfung der Grammatiker des 19. Jahrhunderts zu einer Ungenauigkeit in der Modusdefinition geführt hat. Ausgehend von der Bezeichnung „Moduselement“, mit der bestimmte Morpheme vor der Personalendung der Verben altgermanischer und indoeuropäischer Sprachen gemeint waren, die Optativ (im Neuhochdeutschen im Konjunktiv aufgegangen) und Konjunktiv von Indikativ und Imperativ unterscheiden, wurden bei einigen Grammatikern nur diejenigen Verbformen als Modus bezeichnet, die eben über dieses Moduselement verfügten (Reste dieser Moduselemente finden wir heute noch in einigen älteren Formen des Konjunktivs, z.B. das charakteristische –e-: „dass du tragest, er trage, ihr traget“ (Jongeboer, S. 20); womit der Begriff, der sich ursprünglich auch auf Indikativ und Imperativ bezog, eingeengt wurde (Jongeboer, S.18). Hierzu gibt uns Jongeboer ein Zitat aus August Schleichers Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen von 1862:
„Der Indikativ hat kein Moduselement, die Verbindung des Verbalstammes mit der Personalendung ist eben indikativ [...]“
„Ebensowenig hat der Imperativ ein Moduselement, da er nur durch die vokativische Funktion der Personalendungen sich vom Indikativ unterscheidet und überhaupt kaum unter die Modi gerechnet werden kann (streng genommen ist auch der Indikativ kein Modus, da er kein Moduselement hat).“
Modus wurde somit zu einem schwankenden Begriff, was nach Jongeboers Meinung durch alternative Wortschöpfungen für „Moduselement“, wie z.B. „Konjunktivelement“ oder „Optativelement“, vielleicht vermeidbar gewesen wäre (Jongeboer, S. 22).
Jongeboer macht aber noch auf weitere Ungenauigkeiten bei der Verwendung des Modusbegriffs aufmerksam. In manchen Grammatiken werde die grammatische Form des Modus mit dem Inhalt gleichgesetzt. Das Signal, der Modus, also die Formen des Indikativ, Konjunktiv und Imperativ, werde mit dem Signalisierten (dem modalen Gehalt, s.u.) verwechselt (Jongeboer, S. 27). Auch hierfür führt er ein Zitat an. Diesmal aus Lehrbuch der deutschen Sprache von Leopold-Kerkhoff/Krös aus dem Jahr 1954, S. 91:
„Modus (Fußnote: Wir unterscheiden Modus oder Modalität von der Modusform als deren Ausdrucksmittel) ist die Art und Weise, wie der Redende den Inhalt einer Aussage im Hinblick auf dessen Wahrheit, Wirklichkeit oder Verwirklichung hinstellt.“
Jongeboer interpretiert diese Stelle auf die Weise, dass er die Formulierung „Modusform“ als Tautologie sieht da Modus ja schon eine Beugungsform des Verbs sei, und streicht die Fußnote wie folgt zusammen: „Modus ist Ausdruckmittel des Modus, Modus ist gleich Modalität“, womit er der vorangegangenen Definition eine gewisse Paradoxie konstatiert. Außerdem stellt er eine Bedeutungsverschiebung des Begriffs Modus fest, der nun nicht mehr als Signal für die indikativische, konjunktivische und imperativische Ausdrucksweise gelte, sondern einen neuen Inhalt bekäme, wobei Jongeboer allerdings keinen Sinn darin sieht „Modus“ und „Modalität“ gleichzusetzen (Jongeboer, S.25).
Um Klarheit in die Verwendung von „Modus“, „Modalität“ und „modal“ zu bringen, versucht Jongeboer daher für diese Begriffe den jeweils größten gemeinsamen Nenner, der sich ihm in der Sprachwissenschaft zeigt, herauszudestilieren. Er beginnt damit, die Verwendung von „modal“ zu analysieren und findet heraus, dass Sätze, die verschlüsselte, nicht explizit ausgesprochene (er sagt „verwortete“) Mitteilungen enthalten, die erst vom Hörer interpretiert werden müssen, als Modalsätze bezeichnet werden (Jongeboer, S. 32). Hierzu führt er verschiedene Beispielsätze an, u.a. den folgenden: „Das ist doch der Gipfel!“, der, sofern man sich nicht auf einer Gebirgstour befindet, als Ausdruck von starker Entrüstung verstanden wird, was aus der „Verwortung“ allein nicht hervorgeht. Allerdings könnte dieser Satz auch auf einer Gebirgstour als Ausdruck der Entrüstung verstanden werden, denn mit Hilfe einer varierten Intonation ist es möglich diesen Sinn von der Feststellung, dass vor einem die Bergspitze aus dem Nebel auftaucht, abzugrenzen (Jongeboer, S.31). Da die Intonation dem ursprünglichen Satzinhalt hier eine andere Bedeutung zukommen lassen kann, nennt Jongeboer sie „modales Signal“ und alle Sätze, die ein solches Signal enthalten, seien Modalsätze (Jongeboer, S. 32). Intonation ist dabei nur eine Möglichkeit von mehreren den modalen Gehalt einer Aussage zu kennzeichnen, was weiter unten besprochen werden soll. Jongeboer jedenfalls liefert uns diese Definition von modal:
„Mann nennt eine Äußerung modal, wenn der Hörer oder Leser durch ein im Satz anwesendes Signal dazu aufgefordert wird, als solche unverwortete oder von der Normbedeutung abweichende Satzinhalte mit zu interpretieren.“ (Jongeboer, S. 32)
Die Substantivierung von „modal“ schließlich ist „Modalität“ und kann sich demnach nur auf modale Sätze beziehen und nicht als Funktionsbeschreibung der Modi Indikativ und Imperativ verwendet werden (Jongeboer, S. 32) – wohl aber für den Konjunktiv, da jede Konjunktivform ein modales Signal sei. So könne man auch, nachdem ja nun die Begriffe „modal“ und „Modus“ voneinander getrennt sind, beim Konjunktiv vom „modalen Modus“ sprechen (Jongeboer, S. 33).
Bei der Verwendung von „modal“ ist jedoch zu beachten, dass es sich nicht nur auf die Modalität im Sinne Jongeboers bezieht, sondern abgeleitet von der lateinischen Bedeutung „Art und Weise“ auch auf Adverben, wie schnell, hart, laut, geradewegs, angewendet wird, die dann entsprechend Modaladverben heißen. Allerdings gibt es unter den Modaladverben auch solche, die als „modale Signale“ betrachtet werden können, wie z.B. wahrscheinlich, wohl, vielleicht. Jongeboer schlägt deshalb vor, nur die Adverben, die in seine Definition von „modal“ passen, „Modaladverben“ zu nennen, während die der anderen Gruppe „Adverben der Art und Weise“ genannt werden sollten (Jongeboer, S. 34). Wir stellen jedoch fest, dass sich z.B. die Redaktion des Duden von 1995 nicht an diesen Vorschlag gehalten hat. Modaladverben werden hier unter §614 in Klammern mit „Adverbien der Art und Weise“ paraphrasiert und in §615 werden dazu beispielhaft z.B. kopfüber, genauso, eilends, anstandslos genannt. Diejenigen Adverben die Jongeboer Modaladverben genannt haben will stehen in besagtem Duden bei §625 unter Kommentaradverbien, so z.B. kaum, vermutlich, offensichtlich, hoffentlich, wahrscheinlich also solche Adverben, die nach Jongeboer dazu auffordern den Satzinhalt abweichend von seiner „Normbedeutung“ zu interpretieren, wie das z.B. folgendermaßen durch hoffentlich geschehen könnte: Die Normbedeutung des Satzes „Hoffentlich macht er keine Fehler“ lautet: „Er macht keine Fehler“. Mit dem Adverb hoffentlich drückt der Sprecher jedoch eine gewisse Sorge bezüglich dieser Aussage aus, wodurch der Satz den Sinn „ich habe Angst davor, dass er Fehler macht“ erhält, was nach Jongeboer der „unverwortete“ Satzinhalt wäre. Adverben der Art von kopfüber dagegen liefern nur eine Präzisierung des im Bezugswort geschilderten Vorgangs: „Sie springen kopfüber ins Wasser“. Die Antwort auf die Frage auf welche Art und Weise sie denn ins Wasser springen würden, würde hier lauten: „kopfüber“. Modal bezieht sich im Duden von 1995 also auf die im Verb ausgedrückte Handlung, ohne dabei auf „abweichende Satzinhalte“ anzuspielen.
Entsprechend wird im Duden unter Modalsatz etwas anderes verstanden als bei Jongeboer, nämlich ein „Nebensatz, der Mittel und Umstände aufführt, unter denen das im Hauptsatz genannte Geschehen abläuft“ (Duden 1995, §1344). Beispiel: „Er löste die Aufgabe, indem er den Knoten zerhieb.“ Ein „verschlüsselter“, „unverworteter“ Satzinhalt im Sinne Jongeboers ist hier nicht auszumachen.
Der Duden von 1995 hält sich an dieser Stelle also nicht an die Begriffsbestimmungen von „modal“, wie Jongeboer sie erarbeitet hat. In Kapitel 2.3.2. Der Modus wird unter §273 allerdings von „modal gefärbten Sätzen“ gesprochen und Beispielsätze angeführt, die Jongeboer als „Modalsätze“ bezeichnen würde, wie z.B. „Er ist sicherlich zu Hause“, „Sie wird vielleicht kommen“, „Das wird schon stimmen.“ So dass wir daher zu dem Schluss kommen, dass „modal“ im Duden von 1995 auf zwei verschiedene Arten verwendet wird. Für die Verwendung des Begriffs „Modus“ wird in einer Fußnote zu §270 angeführt, dass damit nur die „Verbformen“ des Konjunktiv, Imperativ und Indikativ gemeint sind, was ebenfalls Jongeboers Definition von „Modus“ entspricht. Im Kapitel 2.3.2. Der Modus des Duden von 1995 finden wir also eine Verwendung der Begriffe „Modus“ und „modal“, wie sie der dargestellten Auffassung von H.A. Jongeboer entspricht, während sie unter §1344, Modalsätze, davon abweicht. Hinzufügen kann man noch, dass auf den Begriff „Modalität“ ganz verzichtet wird.
In der Grammatik von Hennig Brinkmann Die deutsche Sprache (1971) wird „Modalität“ folgendermaßen definiert:
„Unter Modalität wird die Geltung verstanden, die einer Äußerung sprachlich zuerkannt wird.“ (Brinkmann, S. 357)
Diese Geltung kann auf verschiedene Weisen zum Ausdruck gebracht werden, die nach Brinkmann auf „zwei verschiedenen Ebenen operieren, zwei Ebenen der Modalität“ (Brinkmann, S. 359). Das seien „Aufforderung und Wunsch“ auf der einen Seite und „Frage und Aussage“ auf der anderen. Bei „Aufforderung und Wunsch“ sei die Intention des Sprechers, nach Brinkmann, die Wirklichkeit zu ändern, d.h. hier würden die Voraussetzungen für eine Realisierung formuliert, während bei „Frage und Aussage“ das Augenmerk auf den Bedingungen für die Geltung einer Information liegt. In beiden „Arten der Kommunikation“ würden Modus und Modalverb auftreten, die aber jeweils einen unterschiedlichen modalen Wert hätten (Brinkmann, S. 359).
Brinkmann führt dazu folgendes Beispiel an: „Er soll Urlaub machen.“ Dieser Satz kann auf zwei Arten verstanden werden, erstens als Anweisung, also Aufforderung des Chefs an seinen Mitarbeiter, zweitens als Information für die sich der Sprecher auf die Mitteilung anderer beruft. Bei gleichem Wortlaut sei hier die Modalität eine andere, die zwar bei diesem Beispiel erheblich von der speziellen Sprechsituation abhängen würde, aber auch durch die Intonation deutlich werde (Brinkmann, S. 360).
Brinkmann fährt fort, indem er vier Möglichkeiten anführt, die für den Ausdruck der Modalität im Deutschen zur Verfügung stehen würden.
9783638729321
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Feld Modalität Beispiel Vorrede Gebrüder Grimm Kinder Hausmärchen Proseminar Grammatisch-semantische Felder
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References: §614
 §615
 §625
 §1344
 §273
 §270
 §1344