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⭐Hinweise zur Anfertigung der Anwaltsklausur
Hinweise zur Anfertigung der Anwaltsklausur
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1 Hinweise zur Anfertigung der Anwaltsklausur Version August 2007 Erster Teil von RA Pascal Lippert 1 Grundlagen Zweiter Teil von RAin Dr. Nadja Hagendorn - Klausurtaktik Inhaltsverzeichnis Erster Teil: Grundlagen zur Fertigung der Anwaltsklausur...3 A) Allgemeines...3 B) Aufbau der Klausur Mandantenbegehren (Materielles) Gutachten Prozessuales Gutachten und prozesstaktische Erwägungen Schriftsatz oder Mandantenschreiben...5 I.Aufbau...7 II.Sachverhaltsermittlung und Prüfungsumfang...7 III.Prüfung der materiellen Rechtslage im Rahmen des Gutachtens Schlüssigkeitsprüfung / Substantiierungslast Verteidigungsmöglichkeiten des Gegners...7 IV.Umgang mit streitigen Tatsachen Beweislast Beweismittel (Merkwort: S A P U Z) Selbständiges Beweisverfahren...10 V. Bestimmung der Verfahrensart in den prozesstaktischen Erwägungen Mahnverfahren, 688 ff ZPO Urkunden- und Wechselprozess 592 ff ZPO Einstweiliger Rechtsschutz Schlichtungsverfahren Prozesskostenhilfe (PKH)...19 VI. Der Umgang mit Varianten der Leistungsklage Teilklage Haupt- und Hilfsantrag Stufenklage, 254 ZPO Klage auf wiederkehrende/künftige Leistung, ZPO Unbezifferter Klagantrag Feststellungsklage nach 256 Abs. 1 ZPO und Zwischenfeststellungsklage nach 256 Abs. 2 ZPO Freistellungsantrag (Freihaltungs-, Befreiungs- bzw. Freistellungsanspruch) 25 VII. Streitverkündung gem ZPO...26 VIII. Auswahl des zuständigen Gerichts im Rahmen des prozessualen Gutachtens...27 IX. Anforderungen an die Klageschrift Vorgaben an Bezeichnung des Gerichtes sowie der Parteien des Streitgegenstand sowie des Streitwertes Eingangsformulierung Anträge Begründung der Klage2 D) Klausur aus Beklagtensicht...33 I. Mandantenziel...33 II.Aufbau des Gutachtens - Beginn mit Zulässigkeit...33 III. Prüfung der Schlüssigkeit und der Einwendungen des Mandanten...33 IV.Prozessuales Gutachten und Prozesstaktische Erwägungen Widerklage, Drittwiderklage, Aufrechnung, Hilfsaufrechnung,...34 Hilfswiderklage Umgang mit Versäumnisurteil und Vollstreckungsbescheid/ Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand (Teil-)anerkenntnis und Vertretungsanzeige...38 V. Vollstreckungsschutzantrag...38 VI.Klageerwiderung...39 Zweiter Teil: Klausurtaktik...40 A) Vorbemerkung...40 B) Die Klausursituation...41 I. Das Mandantengespräch...41 II. Die Rolle des Rechtsanwalts...41 C) Die Struktur der zivilrechtlichen Anwaltsklausur...43 I. Auslegung und Präzisierung des Mandantenbegehrens...43 II. Gutachten Formale Fragen Anspruchsaufbau...46 III. Anwaltliches Vorgehen...49 IV. Schriftsatz Konsequente Umsetzung des Gutachtens Anträge Sachvortrag Rechtliche Würdigung...52 D) Das Zeitmanagement3 Erster Teil: Grundlagen zur Fertigung der Anwaltsklausur A) Allgemeines Die Klausuren bestehen durchgehend aus einem Aktenauszug. Dieser beginnt häufig mit einem Aktenvermerk, der ein Mandantengespräch wiedergibt. Teilweise enthält die Akte die bisherige Korrespondenz der Parteien, Anwaltsschreiben oder sogar gerichtliche Schriftsätze. Die übermittelten Informationen gilt es entsprechend auszuwerten. Es ist darauf zu achten, dass nicht nur die vordergründig juristisch auswertbaren Informationen sondern auch Hintergrundinformationen betrachtet werden. Zu unterscheiden sind die Klausuren nach der einzunehmenden Sichtweise. Es wird nach Klausuren aus Klägersicht (Angriffsklausur) oder nach Beklagtensicht (Verteidigungsklausur) differenziert. Die jeweilige Sichtweise determiniert in bestimmter Hinsicht die notwendige Vorgehensweise und auch den Aufbau der Klausur. Denkbar ist eine Kombination beider Sichtweisen, wenn ein Verteidigungsschriftsatz kombiniert mit einer Widerklage nach der Aktenlage zwingend erscheint. Zu differenzieren ist auch nach der Verfahrenslage. Es können Klageverfahren bereits anhängig sein oder noch nicht. Möglich sind auch Klausuren, die eine Verteidigung im Zwangsvollstreckungsverfahren zum Inhalt haben oder im Rahmen des einstweiligen Rechtsschutzes angesiedelt sind. Im Bereich des Kammergerichts und des OLG Brandenburg lautet der Bearbeitervermerk in der Regel wie folgt: 1. Beurteilen Sie in einem Vermerk die Rechtslage und erläutern Sie das zur Wahrnehmung der Interessen des Mandanten erforderliche Vorgehen. Entwerfen Sie den nach dem Ergebnis Ihres Vermerkes erforderlichen Schriftsatz an das Gericht, oder, falls ein solcher nicht angezeigt ist, ein entsprechendes Mandantenschreiben. Dabei sind unter konkreter Angabe der Bezugsstellen Verweisungen auf geeignete Teile des Vermerkes möglich (z.b. Einrücken durch Spitzklammern) 2. Ordnungsgemäße Vollmachten sind erteilt. 3. Es ist davon auszugehen, dass a.) der Mandant keine weiteren Angaben zum Sachverhalt machen und b.) von der Möglichkeit des 44 BRAO kein Gebrauch gemacht werden kann. 4. Zugelassene Hilfsmittel sind:... Es können sich im Einzelfall jedoch Abweichungen hiervon ergeben, wie etwa der Erlass der Rechtsausführungen in dem oder den im Anschluss an den Vermerk zu verfassenden Schreiben bzw. Schriftsätzen. Daher soll der Bearbeitervermerk stets sorgfältig gelesen werden. Zum möglichen Leistungskanon einer Anwaltsklausur kann theoretisch eine 34 Sachverhaltsdarstellung gehören, die es aber in Berlin nach allen vorliegenden Informationen grundsätzlich nicht geben soll. Es ist im für die Klausur-AG bereitgestellten Klausurfundus derzeit keine solche Klausur vorhanden und auch bisher nicht von einer geforderten Sachverhaltsdarstellung berichtet worden. B) Aufbau der Klausur Der Aufbau der Klausur soll nach folgendem Schema erfolgen, welches im Detail je nach Klausurtyp (Angriff- oder Verteidigungsklausur) zu modifizieren ist. 1. Mandantenbegehren Zu beginnen ist mit der Formulierung des Mandantenbegehrens. Dabei ist die Handakte sorgfältig auf die vom Mandanten geäußerten Aspekte abzusuchen. Dann sind die sich ergebenden Aspekte in kurzen Worten wiederzugeben. Beachtung sollte Hinweisen zur finanziellen Situation des Mandanten im Hinblick auf PKH gegeben werden. Auch können Aspekte aufzuzählen sein, die rechtlich keiner Durchsetzung zugeführt werden können. Bei einer Klausur aus Beklagtensicht, kann die Formulierung des Mandantenbegehrens entfallen, wenn das Abweisungsbegehren offenkundig ist. 2. (Materielles) Gutachten Das Gutachten bildet den Kern der Klausur. Obwohl die Bezeichnung materielles Gutachten gebräuchlich ist, sind auch prozessuale Aspekte darzulegen. Bei der Verteidigungsklausur hat das Gutachten mit der Prüfung der Zulässigkeit der vom Gegner eingereichten prozessualen Maßnahme meist einer Klage zu beginnen. Der Grund dafür ist, dass bei Unzulässigkeit der prozessualen Maßnahme die materielle Rechtslage in den Hintergrund treten soll. Das Gutachten ist nicht zwingend im für das 1. Staatsexamen vorgeschriebenen Gutachtenstil zu verfassen. Es bestehen daher große Freiheiten bei der Abfassung. Es dürfte als gesichert gelten, dass eine Formulierung des Gutachtens im Urteilsstil als praktikabelste Form angesehen wird. Der gewählte Sprachstil sollte durchgehalten werden, um die Kompaktheit und Dichte der Darstellung nicht zu gefährden. Das Gutachten ist trotz des gewählten Urteilsstils aber dennoch nach Anspruchsgrundlagen zu sortieren und die für die jeweilige Anspruchsgrundlage übliche Prüfungsfolge einzuhalten. Bei der Abfassung ist auch darauf zu achten, dass auf bestimmte Passagen im Wege des Verweises in einem zu entwerfenden Schriftsatz durch Spitzklammern (siehe Bearbeitervermerk unter Allgemeines) Bezug genommen werden kann. Dies setzt zwingend voraus, dass die Passagen keine für ein Gutachten mögliche aber für einen Schriftsatz unzulässige Teile (wie z.b. Namen statt Parteibezeichnungen) enthalten. Isolierte Rechtsausführungen im Gutachten ermöglichen ebenfalls geschickte Verweisungen. Im Rahmen des Gutachtens muss auch auf Beweisfragen eingegangen und müssen entsprechende Prognosen getroffen werden. Obwohl es möglich und durchaus stringent wäre, wie in der Relation eine Beweisstation an die materiellrechtliche Prüfung anzufügen, wird in Berlin von diesem Umgang mit Beweisfragen abgeraten. Der Rat wird meist damit begründet, dass die zu verwendende Relationstechnik aufwendig ist und die Darstellung unübersichtlich zu erscheinen droht. Andererseits ist die Relation ein von Richtern verwendetes Instrument, um mit Beweisfragen souverän umzugehen. Der Einsatz kann daher nicht falsch sein. Die Fälle sind aber 45 beweisrechtlich selten so kompliziert, dass die Vorteile der Relationstechnik im Gegensatz zur Einflechtung der Beweisfragen in die gutachterliche Darstellung sich effektiv auswirken. Eine isolierte Beweisstation wird somit nicht erwartet oder führt auch nicht zu einer privilegierten Bewertung. Es sollte daher punktuell im Zusammenhang mit der jeweils streitigen Tatbestandsvoraussetzung die Darlegungslast, Beweislast und Beweisprognose erörtert werden. Zitate aus Entscheidungen sind grundsätzlich nicht in das Gutachten aufzunehmen, denn sie können nur der Sekundärliteratur entnommen worden sein. Auch Zitate des bei der Fertigung der Klausur vorliegenden Kommentars sind nicht angezeigt. 3. Prozessuales Gutachten und prozesstaktische Erwägungen 2 Im Anschluss an das materielle Gutachten ist vorbehaltlich eines umgekehrten Aufbaus wie im Falle der Verteidigungsklausur (vgl. D II.) die Zulässigkeit des Angriffsmittels - meist einer Klage - zu prüfen. Es sind dabei die üblichen Zulässigkeitsvoraussetzungen festzustellen bzw. zu erörtern. Dabei sollte besonderes Augenmerk auf die für die Fertigung des Schriftsatzes notwendigen Voraussetzungen gelenkt werden. Dazu gehört insbesondere die Zuständigkeit des anzurufenden Gerichts oder das für die Zulässigkeit einer Feststellungsklage notwendige Feststellungsinteresse. Als weiterer Abschnitt sind prozesstaktische Erwägungen aus Anwaltssicht anzustellen, indem die Möglichkeiten anwaltlicher Einflussnahme auf die Erfolgsaussichten des Vorgehens geprüft werden. Die prozesstaktischen Erwägungen sind ein Sammelbecken für verschiedene Aspekte. Zu Beginn der prozesstaktischen Erwägungen sollte die empfohlene Vorgehensweise mitgeteilt werden. Taktische Erwägungen können unterschiedlicher Art sein. So ist z.b. daran zu denken, ob ein Geschäftsführer einer GmbH abberufen werden soll, damit er als Zeuge benannt werden kann oder ein Anspruch zum Gewinn eines Zeugen abgetreten werden soll. Zwar kann eine solche Taktik von Richtern auch mißtrauisch betrachtet werden, andererseits liegt nach BGH in MRD 2003, 928f sogar ein Anwaltsverschulden vor, wenn eine vertretene GmbH nicht darauf hingewiesen wird, dass der Geschäftsführer auf diesem Wege eine Zeugenstellung erhalten könnte. Das Erheben nur einer Teilklage um das Kostenrisiko zu minimieren oder das Stellen eines PKH-Antrages mit Schriftsatzentwurf zum Testen des Gerichts gehören hierher. Welche Aspekte denkbar sind, kann nicht abschließend aufgezählt werden. Es sollte bei jeder Klausur nach taktischen Gesichtspunkten gesucht werden. Sofern ein taktisches Vorgehen erwogen wird, ist jedoch zu beachten, dass der Anwalt nicht nur Interessenvertreter sondern auch Organ der Rechtspflege ist. Versuche, dem Mandanten trickreich mehr zu verschaffen, als ihm zusteht, wird daher negativ zu bewerten sein. 4. Schriftsatz oder Mandantenschreiben Das Fertigen eines Mandantenschreibens dürfte die absolute Ausnahme sein. Grundsätzlich sind die Klausuren so gestaltet, dass das Fertigen eines Schriftsatzes aus Anwaltssicht die einzig vertretbare Vorgehensweise ist. Es sollte auf keinen Fall taktiert werden, indem auf ein einfaches Mandantenschreiben ausgewichen wird, obwohl sich ein Schriftsatz anbietet. Die Klausur soll die praktischen Fertigkeiten des Kandidaten abfragen. Es gibt für verschiedene meist verfahrensbestimmende 2 Die Bezeichnung der Abschnitte zumindest im Hinblick auf das prozessuale Gutachten ist nicht festgelegt. Es muss lediglich zum Ausdruck gebracht werden, dass prozessuale Fragen wie die Zulässigkeit erörtert werden. Stehen mehrere Angriffsmittel zur Verfügung können sich prozessuale Fragen und Prozesstaktik auch vermischen. 56 Schriftsätze formale und inhaltliche Vorgaben, die unbedingt einzuhalten sind. Die ZPO gibt abgesehen von 253 ZPO wenig Anhaltspunkte für formale Vorgaben. In der Praxis häufig verwendete Vorlagen liefern die gängigen Formularbücher. Auch wenn diese nicht alle Konstellationen erfassen, können sie als Grundlage dienen. Die Formulare sind zwar nicht unumstritten, enthalten aber im Zweifel die wesentlichen Formvorgaben und schützten vor Anfängerfehlern. Zur Vorbereitung der Klausuren sind die Formularbücher auch deshalb empfehlenswert, weil die einzelnen Formvorgaben meist kommentiert werden und daher nachvollziehbarer sind. Da die Klausuren von Richtern oder Anwälten korrigiert werden, welche äußerst erfahren im Lesen und schnellen Bewerten von Schriftsätzen sind, sollten die gängigen Standards beim Fertigen von Anträgen beherrscht und eingehalten werden. Dazu zählen auch Kleinigkeiten wie das richtige Nummerieren von Anlagen mit K1, K2 usw. für den Kläger und B1, B2 usw. für den Beklagten sowie der Hinweis bezüglich der notwendigen beigefügten Abschriften am Ende eines Schriftsatzes. 67 C) Klausur aus Klägersicht I. Aufbau Bei der Klausur aus Klägersicht ist vorrangig zu prüfen, ob dem Mandanten ein Anspruch zustehen kann. Erst danach sind prozessuale Voraussetzungen im Rahmen der prozesstaktischen Erwägungen darzulegen. Es ist daher nicht mit der Zulässigkeit einer Klage oder des sonst gewählten prozessualen Mittels zu beginnen. II. Sachverhaltsermittlung und Prüfungsumfang Der Anwalt ist zur umfassenden rechtlichen Prüfung des vom Mandanten mitgeteilten Sachverhalt verpflichtet. Diese Verpflichtung bildet sich auch in der Anwaltsklausur ab. Der Sachverhalt ist daher genau zu erfassen und es sind alle denkbaren Vorgehensweisen und damit alle in Betracht kommenden Ansprüche und Verteidigungsmittel zu prüfen. Anknüpfungspunkt ist stets der vom Mandanten geäußerte Wille. Möglich ist aber, dass mangels rechtlicher Kenntnisse des Mandanten sein Ziel unter Umständen auf anderem Wege zu erreichen ist, als von ihm explizit geäußert. Beachtung muss auch finden, wenn der Mandant z.b. bestimmte Beteiligte nicht in Anspruch nehmen möchte. III.Prüfung der materiellen Rechtslage im Rahmen des Gutachtens Das Gutachten soll dem Prüfer transparent machen, welche Gedanken der gewählten Vorgehensweise zugrunde gelegt wurden. Folgenden Aspekten sollten besondere Beachtung finden, weil sie wesentlich die Qualität anwaltlicher Tätigkeit bestimmen: 1. Schlüssigkeitsprüfung / Substantiierungslast Die Schlüssigkeit des später zu fertigenden Vortrages hängt davon ab, ob alle Anspruchsvoraussetzungen der der Geltendmachung des Anspruches zugrundegelegten Anspruchsgrundlagen dargetan werden können. Der Mandantenvortrag ist daraufhin zu überprüfen, ob er Grundlage für substantiierten Vortrag sein kann. Vom Mandanten vorgebrachte Umstände können allerdings auch zu wage sein, um als ausreichend substantiierter Vortrag zu dienen. Dies muss der Anwalt unbedingt in seine Bewertung mit einbeziehen. 2. Verteidigungsmöglichkeiten des Gegners Insbesondere die Vorgabe des sichersten Weges erfordert es, naheliegende Verteidigungsmöglichkeiten des Gegners in die Bewertung mit einzubeziehen. Dazu gehört stets die mögliche Verjährung der in Frage stehenden Ansprüche. Auch in diesem Zusammenhang kann es darauf ankommen, inwiefern die Angaben des Mandanten für einen substantiierten Vortrag ausreichen. Häufig ist schon aus der Akte erkennbar, was der Gegner vortragen wird. Es ergibt sich häufig eine Substantiierungslast auf einfaches Bestreiten hin. Dazu gilt folgendes: Gesetzlicher Anknüpfungspunkt in 138 Abs. 2 ZPO: Jede Partei hat sich über die vom Gegner behaupteten Tatsachen zu erklären. Die Substantiierungslast ist stets abhängig vom Grad der Substantiierung des gegnerischen Vorbringens. 78 Zunächst muss der Kläger Tatsachen schlüssig vortragen, die den Anspruch stützen. Eine nähere Konkretisierung ist zunächst nicht erforderlich. Als Reaktion reicht ein einfaches Bestreiten aus. Daraufhin muss der Darlegungspflichtige konkreter vortragen. Erfüllt er diese Substantiierungslast, muss sich auch der Gegner substantiiert äußern (vgl. Greger in Zöller 138 ZPO, Rn 8 8a). Beispiel: a) Kläger behauptet den Abschluss eines bestimmten Vertrages zwischen den Parteien. b) Der Beklagte bestreitet das Zustandekommen des Vertrages (einfaches Bestreiten). Konkreter muss das Bestreiten ausfallen, wenn bereits in der Klageschrift substantiierter auf das Zustandekommen eingegangen wurde. Der Kläger also Details zum Vertragsschluss vorgetragen hat. Ausnahmsweise kann den Beklagten auch die sogenannte sekundäre Darlegungslast treffen. Dies ist dann der Fall, wenn aus Sicht des Gerichtes der Kläger außerhalb des vorzutragenden Geschehensablaufes steht und daher keine hinreichende Kenntnis von diesem besitzt (Zöller a.a.o. Rn 8c Beispiel Patient nach der OP). c) Der Kläger trägt Einzelheiten zum Zustandekommen des Vertrages vor. d) Beklagter muss spätestens jetzt konkret in derselben Dichte, also substantiiert, bestreiten bzw. seinen Vortrag konkretisieren. Es gilt daher stets die Rechtsfolge des 138 Abs. 3 ZPO Unbestrittener Vortrag gilt als zugestanden zu vermeiden. Allerdings: Ersichtlich ins Blaue hinein aufgestellte Behauptungen, die den Gegner lediglich zur Preisgabe von fehlenden Informationen bewegen sollen, lösen keine Pflicht zur substantiierten Erwiderung aus. Dazu BGH NJW 1995, 2111: Es wird einer Partei häufig nicht erspart bleiben, im Zivilprozess Tatsachen zu behaupten, über die sie keine genaue Kenntnis haben kann, die sie aber nach Lage der Dinge für wahrscheinlich hält. Unzulässig wird ein prozessuales Vorgehen erst dort, wo die Partei ohne greifbare Anhaltspunkte für das Vorliegen eines bestimmten Sachverhalts willkürliche Behauptungen 'aufs Gratewohl' oder 'ins Blaue hinein' aufstellt. Anerkanntermaßen ist jedoch bei der Annahme von Willkür in diesem Sinne Zurückhaltung geboten; in der Regel wird sie nur das Fehlen jeglicher tatsächlicher Anhaltspunkte rechtfertigen können. Zur Parallelproblematik des Ausforschungsbeweises vgl. Greger in Zöller Vor 254 Rn 5. IV.Umgang mit streitigen Tatsachen Aus der Akte ergibt sich häufig, dass den Anspruch stützende Tatsachen bereits vorprozessual bestritten werden. Im Rahmen des Gutachtens muss dann auch festgestellt werden, für welche Tatsachen der Mandant beweisbelastet ist und welche Beweismittel ihm zur Verfügung stehen. Sofern noch keine Beweisaufnahme stattgefunden hat, sind im Rahmen des 89 Gutachtens die Beweisfragen einzuflechten. Dabei wird stets eine vorsichtige Beweisprognose vorzunehmen sein. Sollte die Akte ein Protokoll einer Beweisaufnahme enthalten, so muss eine an 286 ZPO orientierte Einschätzung einer möglichen Bewertung durch das Gericht erfolgen. 1. Beweislast Die Beweislast trägt grundsätzlich, soweit es sich nicht um allgemein und gerichtskundige Tatsachen handelt, der Anspruchsteller für die ihm günstigen anspruchsbegründenden und anspruchserhaltenden Tatsachen. Der Gegner hingegen trägt die Beweislast für die rechtshindernden und vernichtenden Einwendungen und die rechtshemmenden Einreden (vgl. BGH NJW 1986, 2426 f). Ausdrückliche Regelungen zur Beweislast finden sich z.b. in 363, 2336 Abs. 3 oder auch in 280 Abs. 1 S. 2 BGB. Außerdem sind Tatsachen- und Rechtsvermutungen (z.b. 891, 1006 BGB) geregelt. Tatsachen- und Rechtsvermutungen sind nach 292 ZPO grundsätzlich widerlegbar. Zudem hat der Anwalt in wichtigen Fallgruppen die gesetzliche Beweislastverteilung nach dem Regel-Ausnahme-Verhältnis zu beachten. Im Bereich der Produkthaftung und im Arzthaftungsrecht (z.b. für den Kausalzusammenhang bei groben Behandlungsfehlern) ist eine Beweislastumkehr für einzelne oder mehrere Anspruchsvoraussetzungen zu beachten. Davon zu unterscheiden sind sogenannte tatsächliche Vermutungen. Dazu zählt der Rückschluss auf die verwerfliche Gesinnung bei einem auffälligen Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung (vgl. BGH NJW 2001, 1127 (1129) oder Vermutung der Wiederholungsgefahr bei einmaligen Verstoß im Wettbewerbsrecht (vgl. BGH NJW 1994, 1281 (1283) dazu Greger in Zöller Vor. 284 Rn 33). 2. Beweismittel (Merkwort: S A P U Z) Als Beweismittel regelt die ZPO: Sachverständige ( 402 ff ZPO), Augenschein ( 371 ff ZPO), Parteivernehmung ( 445 ff ZPO), Urkunden ( 415 ff ZPO), Zeugen ( 373 ff ZPO). Zeuge kann aber nur sein, wer nicht Partei des Rechtsstreites ist, Sachverständige sind letztlich austauschbar, denn sie vermitteln dem Gericht Fachkunde zur Beurteilung von Tatsachen. Parteivernehmungen sind nur zur Führung des Hauptbeweises zulässig und gegenüber anderen Beweismitteln subsidiär. Es gilt 447 ZPO zu beachten, wonach die beweisbelastete Partei selbst zu Umständen grundsätzlich nur vernommen werden kann, wenn der Gegner zustimmt. Es kann allerdings eine Parteivernehmung von Amts wegen nach 448 ZPO erfolgen. Zu beachten sind auch bestimmte normierte richterliche Informationsbeschaffungsrechte, auf die ggf. der Anwalt im Schriftsatz hinweisen kann. Nach 643 ZPO kann beispielsweise ein Richter im Unterhaltsprozess von sich aus von den Parteien Auskünfte und Belege über Einkünfte, Vermögen etc. verlangen, und falls eine Partei dem nicht nachkommt, Auskünfte bei Arbeitgebern, Sozialversicherungsträgern usw. von Amts wegen einholen. Dies geht weiter als der in 1605 BGB normierte Anspruch. Auch nach 144 ZPO kann das Gericht von Amts wegen die Einnahme des Augenschein oder die Begutachtung durch Sachverständige anordnen. Ebenso nach 142, 143 ZPO die Vorlage von Urkunden und sonstigen Unterlagen, auf die sich eine Partei selbst bezogen und die 910 sie in Besitz hat. Es sollte aber beachtet werden, dass das Gericht nicht zur Wahrnehmung dieser Möglichkeiten gezwungen werden kann. Die Prozesstaktik sollte daher nicht bedenkenlos darauf gestützt werden. Im Rahmen der prozesstaktischen Erwägungen sollte sofern es nach der Akte denkbar erscheint geprüft werden, ob Zeugen geschaffen (z.b. durch Forderungsabtretungen) oder ausgeschaltet (z. B. durch subjektive Klagehäufungen) werden können. Im Verkehrsrecht ist es schon als Standard anzusehen, dass der Fahrer, der Halter und die gegnerische Versicherung (beachte 1 PflVersG) verklagt werden, um den Fahrer als Zeugen auszuschalten. Beachtet werden müssen allerdings auch eventuelle Beweisverwertungsverbote. Ein häufig auftretender Fall ist das heimliche Mithören oder die Aufzeichnung von Telefonaten. Das geheime Mithören stellt eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Sprechenden dar und führt nur innerhalb sehr enger Grenzen zu einer Verwertbarkeit so gewonnener Beweismittel. Grundsätzlich muss ein Sprechender bei einem Telefonat nicht damit rechnen, dass das Gespräch mitgehört oder gespeichert wird. Der Schutz besteht insbesondere deshalb, da der Sprechende sich in einer vertraulichen Sphäre glaubt und so unter Umständen zwischen vertraulichen und weniger vertraulichen Inhalten unvermittelt wechseln kann. Lediglich wenn die Interessen einer Partei an der Beweissicherung massiv überwiegen, kann eine entsprechende Verwertung zulässig sein. Das Interesse an der zivilrechtlichen Beweisbarkeit von mündlichen Äußerungen allein überwiegt nicht, da der Beweisbelastete durch die Art der Korrespondenz zumindest Einfluss auf seine Beweislage nehmen kann und damit nicht völlig schutzlos dasteht (vgl. BVerfG 1 BvR 1611/96 und 1 BvR 805/98 Beschlüsse vom = NJW 2002, 3619). 3. Selbständiges Beweisverfahren Soweit der Sachverhalt Anlass dazu bietet, kann auch ein Antrag auf Durchführung eines selbständigen Beweisverfahren zu nach 485 ff ZPO angezeigt sein. Die Zustellung dieses Antrages hemmt nach 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB die Verjährung. Diese endet jedoch sechs Monate nach Zustellung des Gutachtens bzw dessen ergänzender Erläuterung, 204 Abs. 2 BGB. V. Bestimmung der Verfahrensart in den prozesstaktischen Erwägungen Stets sind die gängigen Verfahrenstypen für die Durchsetzung des gutacherlich betrachteten Anspruches in Betracht zu ziehen. Es kann auch in Klausuren vorkommen, dass die Mandanten bereits ein Verfahren begonnen haben und der Anwalt in das Verfahren eintritt. Denkbar ist auch, dass ein Einstieg über ein Wiedereinsetzungsverfahren gewählt wird. Neben der klassischen Klage sollten die Spezifika folgender Verfahrensarten beherrscht werden: 1. Mahnverfahren, 688 ff ZPO Das Mahnverfahren wird in der Praxis gerade von Mandanten häufig zur Titulierung von Ansprüchen genutzt. Der Anwalt wird dann meist erst konsultiert, wenn ein Widerspruch vorliegt. Für Klausuren bietet sich ein Vorgehen im Wege des Mahnbescheides wegen der fehlenden Notwendigkeit, einen verfahrensbestimmenden Schriftsatz zu fertigen, nicht an. Eine Klageschrift ist häufig meist schon 1011 deshalb die bessere Vorgehensweise, weil mit dem Bestreiten des Anspruchs durch den Gegner zu rechnen ist. Dennoch sind Einstiege auch nach Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid gängige Klausurthemen. 2. Urkunden- und Wechselprozess 592 ff ZPO 3 a) Allgemeines Der Urkundenprozess dient dazu, einem Kläger, der die anspruchsbegründenden Tatsachen durch die Vorlage von Urkunden unmittelbar beweisen kann, schnell zu einem Titel zu verhelfen. Nach 595 ZPO ist neben dem Urkundenbeweis in engen Grenzen allerdings auch hinsichtlich der Echtheit von Urkunden und hinsichtlich nicht anspruchsbegründender Tatsachen die Parteivernehmung möglich. Nicht statthaft ist allerdings eine Parteivernehmung von Amts wegen nach 448 ZPO. Das Verfahren teilt sich in zwei Abschnitte: Das Vorverfahren, das den eigentliche Urkundenprozess bildet und das Nachverfahren, in dem die Beschränkungen hinsichtlich der Beweismittel des Vorverfahrens aufgehoben werden. Vor- und Nachverfahren sind Abschnitte eines einheitlichen Prozesses. Obsiegt der Kläger im Vorverfahren erlangt er einen vorläufig ohne Sicherheitsleistung vollstreckbaren Titel. Sollte der Kläger später im Nachverfahren unterliegen, haftet er allerdings nach 600 Abs. 2, 304 Abs. 4 Satz 2-4 ZPO dem Beklagten im Falle erfolgter Vollstreckung auf Schadenersatz. Im Urkundenprozess ist eine Widerklage nach 595 Abs. 1 ZPO nicht statthaft. Möglich ist aber die Aufrechnung. Dies gilt auch für die Hilfsaufrechnung (vgl. BGHZ 80,99). Aus Anwaltssicht sollte die Einreichung einer Klage im Urkundenprozess stets geprüft werden. Übersieht der Anwalt die Möglichkeit des Urkundenprozesses, sind Regressansprüche denkbar (vgl. BGH NJW 94, 3295 = JZ 95, 467). Nach 46 Abs. 2 ArbGG ist der Urkundenprozess vor den Arbeitsgerichten ausgeschlossen. Der Kläger kann nach 596 ZPO jederzeit bis zum Ende der mündlichen Verhandlung vom Urkundenprozess Abstand nehmen und somit eine eventuelle Klageabweisung nach 597 Abs. 2 ZPO verhindern. Dies ist zu empfehlen, wenn der Kläger merkt, nicht alle anspruchsbegründenden Tatsachen durch Urkunden belegen zu können. b) Zulässigkeit der Klage im Urkundenprozess aa) Allgemeine Zulässigkeitsvoraussetzungen Für den Urkundenprozess gelten die allgemeinen Zulässigkeitsvoraussetzungen der ZPO. Lediglich Sondervorschriften modifizieren die allgemeinen Regelungen. bb) Besondere Prozessvoraussetzungen (a) Statthaftigkeit des Urkundenprozesses Der geltendgemachte Anspruch muss sich nach 592 S. 1 ZPO auf die Zahlung eines bestimmten Geldbetrages oder auf Leistung einer bestimmten Menge anderer 3 Zur Vertiefung: Schröer, JA 1993, 230ff 1112 vertretbarer Sachen oder Wertpapiere beziehen. Daneben ist die Durchsetzung der Duldung der Zwangsvollstreckung aus einem Grundpfandrecht nach 592 S. 2 ZPO statthaft. Nicht statthaft ist die Klage gerichtet auf Unterlassung, auf Vornahme einer Handlung, auf Herausgabe bestimmter Gegenstände oder auf Übertragung von GmbH-Anteilen. (b) Erfordernis formeller Bezeichnung Die Klage im Urkundenprozess muss als solche bezeichnet werden. Dies ist besondere Prozessvoraussetzung und ergibt sich aus 593 Abs. 1 ZPO. Dies kann durch die Überschrift Klage im Urkundenprozess erfolgen. Fehlt es an einer solchen Bezeichnung, soll dies analog 263 ZPO nachgeholt werden können. In der Regel ist diese Klageänderung aber nicht sachdienlich (vgl. Greger in Zöller, ZPO 593 Rn 3; BGHZ 69, 66 Übergang möglich; anders noch RGZ 79,71). Das Urkunden-verfahren kann auch gem. 703a ZPO durch ein Mahnverfahren eingeleitet werden. c) Urkundenerfordernis auch bei unbestrittenen oder anerkannten Umständen? Keine Klage ohne Urkunde Nach 592 S. 1 ZPO müssen für die Statthaftigkeit der Klage alle anspruchsbegründenden und damit die für die Schlüssigkeit der Klage erforderlichen Tatsachen durch die zulässigen Beweismittel, also durch Urkundenbeweis, bewiesen werden können. Nicht erfasst sind hingegen Tatsachen, die verfahrensrechtliche Gründe betreffen. Die Prozessvoraussetzungen werden damit von Amts wegen im Wege des Freibeweises geprüft (vgl. Greger in Zöller, 592 Rn 9). Eine weitere Einschränkung erfährt das Urkundenerfordernis durch den Umstand, dass unstreitiger oder zugestandener Vortrag nicht bewiesen werden muss. Es gilt grundsätzlich die Fiktion des 138 Abs. 3 ZPO. Dem Wortlaut des 592 ZPO wird eine Bezugnahme auf die allgemeinen Beweisvorschriften der ZPO entnommen. Jedoch ist umstritten, ob dennoch für bestimmte Umstände trotz fehlender Beweisbedürftigkeit, die Tatsachen durch Urkunden belegbar sein bzw. überhaupt Urkunden vorhanden sein müssen (vgl. Greger in Zöller, ZPO, 592 Rn 11). Der BGH lässt es für die Statthaftigkeit ausreichen, wenn überhaupt eine Urkunde vorgelegt wird, die sich auf die Klageforderung bezieht (vgl. BGHZ 62, 286). Die Vorlage einer Grundurkunde mit Bezug zur Klageforderung reicht dann aus, um bei im übrigen nicht beweisbedürftigen Tatsachen die Klage im Urkundenprozess als statthaft erscheinen zu lassen. Die Vorlage weiterer Urkunden für alle die Schlüssigkeit stützenden Tatsachen, ist dann nicht mehr unbedingt erforderlich. Achtung bei VU: Nach 597 Abs. 2 ZPO darf ein VU im Urkundenprozess nur erlassen werden, wenn im Termin alle Urkunden unabhängig, ob sie sich auf streitige oder unstreitige Tatsachen beziehen im Original vorgelegt werden. Wenn Urkunden oder Abschriften erst im Termin, in dem der Beklagte säumig ist, erstmalig vorliegen (z.b. weil eine Grundakte beigezogen wurde) kann nach 335 Nr. 3 ZPO kein VU ergehen, da 593 Abs. 2 S. 2 ZPO nicht beachtet wurde (vgl. JA (232)). Danach muss zwischen Übersendung der Abschrift an den Gegner und der mündlichen Verhandlung eine Einlassungsfrist vom Gericht eingeräumt werden. d) Notwendiger Aussagegehalt der Urkunden Nicht jede Urkunde ist geeignet, das Vorlageerfordernis zu erfüllen und damit die 1213 Statthaftigkeit auszulösen. Grundsätzlich kommen aber zunächst alle Schriftstücke in Frage. Es ist zwischen Urkunde selbst und deren Echtheit zu unterscheiden (vgl. Greger in Zöller 593 Rn 15, 596 Rn 7). Es sollen daher auch einfache Ausdrucke insbesondere von elektronischen Dateien ohne Notwendigkeit der Unterzeichnung zunächst ausreichend sein (vgl. Greger a.a.o. 593 Rn 15). Vom BGH abgelehnt wird allerdings die Vorlage von Fotokopien (vgl. BGH NJW 92, 829; a.a. Greger a.a.o Rn 15). Als Urkunden kommen nicht nur Schuldversprechen und Schuldanerkenntnisse in Betracht, sondern auch schriftlich niedergelegte Verträge jeder Art, sofern sich alle anspruchsbegründenden Tatsachen so auch die Fälligkeit (!) aus der Urkunde ergeben. In der Klagebegründung soll es ausreichend sein, das Zustandekommen der Urkunde darzustellen. In der Replik des Klägers auf den Beklagtenvortrag muss darauf geachtet werden, dass die rechtsvernichtende Einwendungen stützenden Tatsachen bestritten werden, um die eventuelle Nichtstatthaftigkeit vom Beklagten eingeführter Beweismittel herbeizuführen. Werden die der Einwendung zugrundeliegenden Tatsachen nicht bestritten, kommt es auf die Statthaftigkeit der vom Beklagten eingeführten Beweismittel wegen der Geständnisfiktion in 138 Abs. 3 ZPO nicht mehr an (vgl. BGH WM 1974, 487; 1985, 739). Nicht statthaft sind Urkunden, deren Erstellung der Umgehung der Beschränkung auf den Urkundenbeweis dienen sollen. Dies betrifft privatschriftliche Zeugenerklärungen, da es sich nicht um eine zulässige Vernehmungsurkunde sondern um einen selbstgefertigten Ersatz handelt. Der Aussagegehalt ergibt sich bei selbstfixierten Erklärungen aus 416 ZPO. Jede Urkunde, die lediglich einen Ersatzbeweis darstellt, fällt somit aus (vgl. Greger in Zöller 593 Rn 16 zu Vernehmungsurkunden von Gerichten beachte aber Rn 15; sie können statthaft sein). e) Das Nachverfahren und die Bindungswirkung Sofern sich der Beklagte gegen die Klage wehrt, ist ihm die Wahrung seiner Rechte im Nachverfahren nach 599 Abs. 1 ZPO von Amts wegen zu gewähren. Dennoch wird die Wahrung der Rechte häufig unnötigerweise beantragt. Das Nachverfahren beginnt mit dem Ausspruch nicht der Rechtskraft des Vorbehaltsurteils. Zur Fortsetzung ist ein Terminsantrag zu stellen, den üblicherweise der Beklagte stellt. Im Nachverfahren entfallen hinsichtlich der Beweismittel alle Beschränkungen des Urkundenprozesses. Dennoch entfaltet das Vorbehaltsurteil im Nachverfahren unter Umständen nach 318 ZPO eine im Einzelnen heftig umstrittene Bindungswirkung. Sofern im Vorverfahren die Schlüssigkeit der Klage angenommen wird, soll eine erneute Prüfung der Schlüssigkeit im Nachverfahren nach der Rspr. entfallen (vgl. Greger in Zöller ZPO, 600 Rn m.w.n.). Dies soll z.b. auch dann gelten, wenn im Vorverfahren eine Verstoß gegen AGB-Regelungen vom Gericht übersehen wurde (vgl. BGH NJW 1991, 1117). Es bliebe lediglich der Weg der Berufung gegen das Vorbehaltsurteil. Dies soll auch für Einwendungen des Beklagten gelten, die wegen Unschlüssigkeit, Unerheblichkeit oder sachlicher Unbegründetheit (auch fehlende Substantiierung) zurückgewiesen wurden (vgl. BGH NJW 1973, 467). Aus diesem Grund kann es strategisch angezeigt sein im Vorverfahren zunächst nur Abweisung zu beantragen und den Vortrag für das Nachverfahren aufzusparen (vgl. BGH NJW 1988, 1468). Teilweise wird auch ein Anerkenntnis als zulässig angesehen, wenn später noch Einwendungen erfolgen sollen (vgl. BGH NJW 1992, 254 (256); auch Greger in Zöller 600 Rn 16a). Letzteres kann im Hinblick auf die Kosten sinnvoll erscheinen. 1314 f) Tenorierungen im Nachverfahren Das Vorbehaltsurteil wird aufgehoben und die Klage abgewiesen Das Vorbehaltsurteil wird im Nachverfahren aufrechterhalten g) Schriftsatz im Urkundenprozesses Bezeichnung: Klage im Urkundenprozess Urkunden müssen zunächst als Abschrift oder im Original nach 593 Abs. 2 ZPO beigefügt werden. Für den Vortrag reicht es, das Zustandekommen der Urkunden zu erläutern. Für die Echtheit der Unterschrift kann wegen 595 Abs. 2 ZPO Parteivernehmung angeboten werden. Auf Beklagtenseite kann wie folgt beantragt werden, wenn keine Einwendungen gegen die Statthaftigkeit und auch keine Urkunden, die dem Klägervortrag entgegengesetzt werden können, vorliegen: Der Beklagte wird seine Einwendungen erst im Nachverfahren geltend machen. Er erkennt daher den Klageanspruch unter Vorbehalt seiner Rechte im Nachverfahren an. Falls das Gericht ein solches Anerkenntnis nicht für zulässig halten sollte, widerspricht der Beklagte dem Anspruch und beantragt, 1. Die Klage abzuweisen Einstweiliger Rechtsschutz Ein Vorgehen im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes muss vom Anwalt stets in Betracht gezogen werden. Es ist zwischen dem Arrest ( 916 ff ZPO) und der einstweiligen Verfügung ( 935, 940 ZPO) zu unterscheiden. Nach 936 ZPO entspricht der Verfahrensgang der einstweiligen Verfügung dem des Arrestes. Das Eilverfahren darf die Hauptsache nicht vorwegnehmen, so dass lediglich vorläufige meist auf Sicherung gerichtete Entscheidungen erlangt werden können. Im Rahmen des Eilverfahrens kann das Gericht nach 922 ZPO dem Gesuch durch Beschluss (ohne mündliche Verhandlung) oder durch Urteil (mit mündlicher Verhandlung) stattgeben. Nach der gewählten Entscheidungsform richten sich dann auch die Rechtsmittel (Widerspruch oder Berufung) im Eilverfahren. Es gibt zahlreiche spezielle Regelungen, die den Vorschriften in 916 ff ZPO vorgehen, diese ergänzen oder darauf verweisen. So z.b. für familienrechtliche Ansprüche nach , 641d, 644 ZPO (einstweilige Anordnung genannt) oder nach dem GewSchG, wo auch FGG-Regelungen Anwendung finden können. Auch im Arbeitsrecht verweist das ArbGG auf die ZPO. Die Parteien sind im Eilverfahren durchgehend als Antragssteller und Antragsgegner zu bezeichnen. Von besonderer Bedeutung ist, dass der Antragssteller verpflichtet ist, sofern sich der Arrest oder die einstweilige Verfügung als unrechtmäßig erweist, die durch ihre Vollziehung entstandenen Schäden nach 945 ZPO zu ersetzen. a) Arrest Der Arrest dient der Sicherung der Zwangsvollstreckung wegen Geldforderungen und ist stets Mittel der Wahl, wenn eine Titulierung in einem Hauptsacheverfahren zu lange dauern würde. Die ZPO regeln das Erkenntnisverfahren, während in ZPO die Vollziehung und damit das Wie der Vollstreckung 1415 geregelt ist. Der Grundsatz ergibt sich aus 928, 930 Abs. 1 ZPO, wonach eine Pfändung aufgrund des dinglichen Arrestes erfolgen kann. Das Gesetz unterscheidet den dinglichen Arrest und den persönlichen Arrest. Der persönliche Arrest ist ein Sonderfall und ist nur in wenigen Ausnahmefällen denkbar, da er die Inhaftnahme des Schuldners ermöglicht. Der Antrag im Falle des dinglichen Arrestes kann wie folgt lauten: Wegen einer Geldforderung des Antragsstellers in Höhe von ,00 nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten p.a. seit dem tt.mm.jjjj wird der dingliche Arrest in das Vermögen des Antragsgegners angeordnet. Wenn bekannt ist, welche Vermögenswerte beim Antragsgegner vorhanden sind, kann auch eine Pfändung eines spezifischen Gegenstandes zusätzlich beantragt werden. Eine Zustellung des Arrestes vor der Pfändung an den Antragsgegner ist wegen 929 Abs. 3 ZPO zunächst nicht erforderlich: In Vollziehung des Arrestes wird das im Eigentum des Antragsgegners stehende Gemälde Röhrender Hirsch von X,Y... gepfändet. Der Antragsgegner hat sich jeder Verfügung über den bezeichneten Gegenstand zu enthalten. Der persönliche Arrest kann in Form einer Meldepflicht, des Hausarrestes, der Wegnahme des Reisepasses oder eines Auslandsvisum sowie durch Inhaftnahme vollzogen werden. Der Antrag kann wie folgt lauten: 1. Wegen einer Geldforderung von ,00 nebst... wird der persönliche Sicherungsarrest gegen den Antragsgegner angeordnet. 2. In Vollziehung des Antrages zu 1 wird die Haft gegen den Antragsgegner verhängt. b) Einstweilige Verfügung Weit häufiger in der Praxis ist jedoch die einstweilige Verfügung zur vorläufigen Regelung eines streitigen Rechtsverhältnisses nach 935, 940 ZPO. Das Gesetz differenziert zwar in eine Sicherungs- und eine Regelungsverfügung, in der Praxis werden die verschiedenen Formen nicht immer genau abgegrenzt. Es wird dann schlicht auf 935, 940 ZPO verwiesen. Die Sicherungsverfügung nach 935 ZPO dient der Sicherung von Ansprüchen, die nicht auf einen konkreten Zahlungsanspruch richten. Erfasst sind damit Ansprüche auf Handlung, Duldung oder Unterlassung. Hierher gehört auch die Eintragung einer Vormerkung. Eine einstweilige Verfügung kann auch im Falle des drohenden Doppelverkaufs durch den Anspruchsgegner die Rechtsposition des Käufers sichern (obwohl häufig als Beispiel genannt a.a. OLG Frankfurt NJW RR 1997,77; OLG Schleswig MDR 2000, 1428; OLG Brandenburg MDR 1998,98). Zu denken ist auch an die Sequestrierung von Eigentumsvorbehaltsware, wenn diese verschleudert zu werden droht (vgl. Vollkommer in Zöller, ZPO 935 Rn 9). Auch kann die Herausgabe aufgrund von Besitzschutzvorschriften, Zahlung in Fällen des 1615 o BGB (Kindesunterhalt) oder, wenn der Gläubiger dringend darauf angewiesen ist, Kosten für Heilbehandlungen im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes verlangt werden. 1516 Im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes aber auch bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen richtet sich der Antrag häufig auf Unterlassung. Beispiel: 1. Der Antragsgegner hat es zu unterlassen, gegenüber Dritten wörtlich oder sinngemäß zu behaupten, dass der Antragssteller Umgang mit Prostituierten habe. oder... im geschäftlichen Verkehr zu behaupten, die besten Croissants der Hauptstadt anzubieten. 2. Dem Antragsgegner wird angedroht, dass für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen die unter 1. beantragte Verpflichtung ein Ordnungsgeld bis zu ,00 und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, Ordnungshaft bis zu 6 Monaten festgesetzt werden kann. Hinsichtlich der Antragsformulierung ist im jeweiligen Einzelfall genau zu prüfen, ob der Antrag genau genug ist. Der Antrag muss die für eine Vollstreckung hinreichende Bestimmtheit aufweisen und sich auf eine einstweilige Regelung beziehen. Ist der Antrag zu unbestimmt, führt dies zur Zurückweisung des Antrages wegen Unzulässigkeit. Bei abstrakten Formulierungen ist daher Vorsicht geboten. Es kann bei einem auf eine Unterlassung gerichteten Antrag auf bereits begangene Verletzungshandlungen abgestellt werden. Ein solcher Antrag gilt als hinreichend bestimmt (vgl. BGH GRUR 2002, 75 sooo...billig! ). Nach der sogenannten Kerntheorie sollen dann auch mit der konkreten Verletzungshandlung sehr ähnliche Verhaltensweisen erfasst sein. Die Einbindung von Abbildungen oder das Beifügen von Daten- oder Tonträgern ist möglich, sofern eine Verbindung mit dem Titel erfolgen kann. Unter sehr engen Voraussetzungen ist auch die Bezugnahme auf ein Videoband zugelassen worden (vgl. GRUR 2002, Musical-Gala). c) Weitere Anforderungen an den Antrag und Vortrag Voraussetzung für den Erlass eines Arrestes aber auch der einstweiligen Verfügung ist stets das Bestehen eines Arrest- bzw. Verfügungsanspruches und eines Arrestbzw. Verfügungsgrundes. An dieser Zweigliedrigkeit sollte der Vortrag in der Antragsschrift orientiert werden. Der Antrag im Eilverfahren darf die Hauptsache nicht vorwegnehmen. Dies wird häufig durch das Wort einstweilen im Antrag zum Ausdruck gebracht. Nicht außer Acht gelassen werden darf auch das eventuelle Nebeneinander von Eil- und Hauptverfahren mit ebenfalls parallel laufenden Rechtsmitteln. Klausurrelevant sind insbesondere auch die auf 771 und 767 ZPO gerichteten Eilverfahren, die begonnene Vollstreckungsmaßnahmen einstweilen stoppen sollen. d) Zuständigkeit Die Zuständigkeit im Eilverfahren richtet sich gemäß 937 Abs. 1 ZPO nach der Zuständigkeit in der Hauptsache. In diesem Zusammenhang ist auf 105 UrhG hinzuweisen, der die Landesregierungen ermächtigt, spezielle Zuständigkeitsregelungen bezüglich der jeweils zuständigen Amts- und Landgerichte zu treffen. Die örtliche Zuständigkeit ergibt sich im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes neben 12 ff ZPO insbesondere wie im Deliktsrecht aus 32 ZPO und knüpft damit an den Ort der Begehung an. Es ist auch ein sogenannter fliegender Gerichtsstand 1617 möglich, wenn die Verletzung z.b. im Falle des Vertriebs von Büchern an verschiedenen Orten stattfindet (st. Rspr. vgl. OLG Stuttgart GRUR 1954, 131; OLG München GRUR 1984, 830). Die sachliche Zuständigkeit richtet sich nach den allgemeinen Regeln. e) Verfügungsgrund Der Verfügungsgrund besteht in der objektiv zu begründenden Besorgnis, dass durch eine Veränderung des bestehenden Zustandes oder eine Fortsetzung oder die Aufnahme von Handlungen die Verwirklichung eines Rechtes des Gläubigers vereitelt oder wesentlich erschwert werden oder ein rechtswidriger Zustand aufrechterhalten wird. Häufig ist eine besondere Dringlichkeit einer Maßnahme darzulegen. f) Glaubhaftmachung des Verfügungsanspruchs Der Verfügungsanspruch ist glaubhaft zu machen. Es gelten für das Eilverfahren sprachliche Besonderheiten. Der Verletzte ist in dem Verfahren nicht Kläger sondern Antragssteller. Statt eines Beweisangebotes sind die darlegungspflichtigen Tatsachen durch eidesstattliche Versicherung glaubhaft zu machen. Der den Verfügungsantrag begründende Vortrag ist sorgsam zu erstellen. Das Gericht entscheidet nämlich aufgrund der Antragsschrift, ob es eine Beschlussverfügung erläßt oder einen Termin anberaumt, auf den dann eine Urteilsverfügung ergehen kann. Umstritten ist, ob sich die Glaubhaftmachung auch auf das Nichteingreifen möglicher Einwendungen (so OLG Karlsruhe GRUR 1987, 845; a.a. KG WRP 1978, 819) richten muss. Die Glaubhaftmachung wird sich dann aber nur auf Einwendungen beziehen müssen, die Aufgrund der Umstände naheliegend erscheinen. g) Besonderheit der mündlichen Verhandlung Sofern das Gericht keine Beschlussverfügung erlässt, findet eine mündliche Verhandlung statt, für die Besonderheiten gelten. Es gilt der Grundsatz präsenter Beweismittel. Sofern Lücken in der Glaubhaftmachung bestehen, sind diese im Termin z.b. durch präsente Zeugen oder aber auch durch eine zu Protokoll gegebene eidesstattlichen Versicherung der Partei zu schließen. Späterer Vortrag ist grundsätzlich nicht mehr möglich. h) Vollziehung der Einstweiligen Verfügung Ergeht eine auf Unterlassung gerichtete einstweilige Verfügung im Urteils- oder Beschlusswege entfaltet sie ohne Vollziehung durch den Antragssteller zunächst keine Wirkung. Die Vollziehung muss zum Ausdruck bringen, dass der Antragsteller die Verfügung ernsthaft durchzusetzen gedenkt. Im Regelfall sollte die Vollziehung durch Zustellung der Verfügung beim Antragsgegner erfolgen. Die Vollziehung muss gemäß 936, 929 Abs. 2 ZPO innerhalb einer Frist von einem Monat erfolgen. Im Falle der Urteilsverfügung bedarf es auch der Vollziehung in Form der Zustellung der einstweiligen Verfügung durch den Antragssteller, obwohl diese auch von Amts wegen durch das Gericht zugestellt wird (vgl. BGH GRUR 1993, 415 Straßenverengung). Die Zustellung hat im Parteibetrieb durch einen Gerichtsvollzieher zu erfolgen. Dabei 1718 gilt es zu beachten, dass im Falle der anwaltlichen Vertretung durch den Antragsgegner nach 176 ZPO nur an diesen wirksam zugestellt werden kann (vgl. Teplitzky, Wettbewerbsrechtliche Ansprüche, Kap. 55 Rn 43). Die Monatsfrist des 929 Abs. 2 ZPO beginnt bei der Beschlussverfügung mit der Aushändigung der Beschlussausfertigung an den Vertreter des Antragstellers (vgl. Baumbach/Lauterbach 929 Rn 13). Im Falle der Urteilsverfügung ist nicht auf den Zeitpunkt der vom Gericht durchgeführten Zustellung an den Antragsgegner, sondern auf die Verkündung abzustellen (vgl. Teplitzky, Kap 55 Rn 37). Bei der Zustellung ist auch darauf zu achten, dass entweder die Ausfertigung selbst oder eine beglaubigte Abschrift davon zugestellt wird. Der zugestellte Beschluss muss den Ausfertigungsvermerk des Richters enthalten. Die Vollziehung ist Voraussetzung für einen möglichen Schadensersatzanspruch des Antragsgegners nach 945 ZPO, sofern sich der Erlass der einstweiligen Verfügung später als rechtswidrig erweist. Wird die einstweilige Verfügung aufgrund entsprechender Rechtsmittel geändert, eingeschränkt oder erweitert, muss sie erneut vollzogen werden (vgl. KG NJWE- WettbR 2000, 197; OLG Karlsruhe WRP 1997, 57; OLG Düsseldorf WRP 1981, 150). Erfolgt die Vollziehung nicht in wirksamer Form innerhalb der Frist, wird sie unheilbar unwirksam und ist aufhebbar (vgl. Teplitzky Kap 55 Rn 50). i) Schutzschrift Rechnet ein Mandant mit der Inanspruchnahme im Rahmen eines Eilverfahrens, kann er beim zuständigen Gericht oder den eventuell parallel zuständigen Gerichten eine Schutzschrift hinterlegen. Dieses einen Angriff vorbeugende Verteidigungsmittel ist in der ZPO nicht geregelt und hat sich zunächst im Wettbewerbsrecht entwickelt, ist aber mittlerweile auch in anderen Rechtsgebieten anerkannt. Die Schutzschrift dient dazu, dem Antragsgegner im Falle einer Beschlussverfügung rechtliches Gehör zu ermöglichen. Die Schutzschrift sollte als solche überschrieben sein und einen Antrag enthalten und ein Rubrum haben. Im übrigen gibt es keine formellen Vorgaben. Hinsichtlich der Glaubhaftmachung ist auf die Ausführungen zum einstweiligen Rechtsschutz zu verweisen. Mehr zur Schutzschrift vgl. Teplitzky, Wettbewerbsrechtliche Ansprüche, Kap 55 Rn 52ff, Vollkommer in Zöller, ZPO, 937 Rn 4,5.). j) Abschlussschreiben und Abschlusserklärung Der einstweilige Rechtsschutz führt stets nur zu einer vorläufigen Regelung. Möchten die Parteien die Entscheidung im Eilverfahren zur endgültigen Regelung machen, wird häufig ein im Gesetz so nicht ausdrücklich vorgesehenes Abschlussverfahren gewählt. Die Aufforderung zur Anerkennung der einstweiligen Verfügung als endgültige Regelung zwischen den Parteien durch den Antragssteller nennt sich Abschlussschreiben. Die entsprechende Erklärung des Antragsgegners wird Abschlusserklärung genannt. Es dürfte auch herrschende Auffassung sein, dass ohne Aufforderung des Antragsgegners mittels eines Abschlussschreibens bei Erhebung einer Hauptsacheklage die Möglichkeit des sofortigen Anerkenntnisses nach 93 ZPO besteht (vgl. Teplitzky Kap. 43 Rn 47 m.w.n.). Die Absendung des Abschlussschreibens gehöre zu den Gepflogenheiten seriöser Verbände und Mitbewerber (vgl. BGH GRUR 1990, 282 (285)). Die Obliegenheit soll auch nach Bestätigung der Beschlussverfügung durch Urteil bestehen, so dass sogar seitens des Antragsstellers zweimal per Abschlussschreiben zur Abgabe der Abschlusserklärung aufgefordert werden müsste (vgl. OLG Frankfurt, Beschl. v , in Magazin Dienst 2005, 1334). Das Abschlussverfahren gehört zum Hauptsacheverfahren (vgl. BGH WRP 1991, 97 Abschlusserklärung). Es muss daher in der Praxis sichergestellt werden, dass der Adressat insbesondere der 1819 Anwalt im Verfügungsverfahren auch entsprechend bevollmächtigt ist. Der Antragssteller hat insbesondere im Hinblick auf die zwar zunächst gehemmte aber nach 204 Abs. 2 S. 1 BGB nach sechs Monaten nach einer rechtskräftiger Entscheidung oder einer anderweitigen Beendigung des eingeleiteten Verfahrens weiterlaufenden Verjährung ein Interesse an einer Klarstellung hinsichtlich der Einigungsbereitschaft bevor er Hauptsacheklage erhebt. Neben der Verjährung gibt es noch weitere Bestands und Wirkungsdefizite der einstweiligen Verfügung, denen durch ein Abschlussverfahren vorgebeugt werden kann. Da die Fertigung des Abschlussschreibens Gebühren auslösen kann, die nach 670, 677, 683 BGB und 9 UWG vom Antragsgegner zu tragen sind, sollte der Antragsgegner dem Antragssteller zuvorkommen. Als Frist für die Abgabe der Abschlusserklärung wird dem Antragsgegner zumeist ein Zeitraum von ca. 2 Wochen nach Vollziehung der einstweiligen Verfügung gewährt. Die Frist muss jedenfalls lang genug sein, damit der Antragsgegner Kenntnis vom Inhalt eines im Eilverfahren eventuell ergangenen Urteils nehmen kann (vgl. OLG Frankfurt a.a.o.). Die Abschlusserklärung ist eine einseitige Willenserklärung und sollte vom Antragsgegner schriftlich abgegeben werden (vgl. KG GRUR 1991, 251). Wichtig ist, dass die Abschlusserklärung unbedingt erfolgt, ein vorbehaltsloses Anerkennen der einstweiligen Verfügung als endgültige Regelung und den Verzicht auf alle Rechtsmittel enthält. Ist die Erklärung nicht umfassend genug, räumt sie nicht das Rechtsschutzbedürfnis des Antragstellers hinsichtlich des Hauptsacheverfahrens aus und der Anspruchssteller kann dennoch im Hauptsacheverfahren weiter vorgehen (vgl. dazu Teplitzky, Wettbewerbsrechtliche Ansprüche, Kap 43 mit vielen Details und Streitfragen). 4. Schlichtungsverfahren Bei einem geringen Streitwert (in der Regel unter 750 EUR), bestimmten Nachbarrechtsstreitigkeiten oder einer Ehrverletzung kann nach 15 a EGZPO i.v.m. den Schlichtungsgesetzen der Länder ein Schlichtungsverfahren durchzuführen sein. Die Notwendigkeit kann durch Einleitung des Verfahrens im Wege des Mahnbescheides umgangen werden. 5. Prozesskostenhilfe (PKH) Häufig enthält die Akte Hinweise auf desolate wirtschaftliche Verhältnisse des Mandanten. Stets ist ein Antrag auf PKH nach 114 ff ZPO zu prüfen und gegebenenfalls entsprechende Anträge zu stellen. a) Kosten Nur die Gebühren des eigenen Anwaltes sowie die Kosten des Verfahrens werden übernommen ( 122 ZPO)! Das Verfahren heißt Bewilligungsverfahren. Grundsätzlich kann PKH und Beiordnung für alle gängigen Verfahren beantragt werden (auch für selbständiges Beweisverfahren, für Zwangsvollstreckungsverfahren dann Vollstreckungsgericht zuständig und für Eilverfahren). b) Antragsmöglichkeiten Dem Antrag auf PKH ist eine Formularerklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse beizufügen. Es gibt zwei Möglichkeiten den Antrag zu stellen: 1920 aa) Die Stellung des PKH-Antrages kann mit Klageerhebung erfolgen. Dann wird die Klage unabhängig vom Beschluss zur PKH anhängig. Wird der PKH-Antrag zurückgewiesen, bleibt das Verfahren anhängig. bb) Es ist auch möglich für ein beabsichtigtes Verfahren PKH zu beantragen und den Klageentwurf (nicht unterschrieben) beizufügen. So kann die Rechtsauffassung des Gerichtes getestet werden. Besonderheiten im Zusammenhang mit der Hemmung der Verjährung bei einem PKH-Antrag ergeben sich seit der Schuldrechtsreform aus 204 Abs. 1 Nr. 14 BGB. c) Antrag:... beantragen wir namens und in Vollmacht des Antragsstellers, dem Antragssteller für die erste Instanz Prozesskostenhilfe zu bewilligen, dem Antragsteller zur vorläufigen unentgeltlichen Wahrnehmung seiner Rechte den Unterzeichner als Rechtsanwalt beizuordnen. Begründung: 1. Der Antragssteller ist nach seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht in der Lage, die für die Prozessführung erforderlichen Mittel aufzubringen. Sein derzeitiges Einkommen i.s.d. 115 Abs. 1 ZPO reicht auch nicht dafür aus, dass er durch Ratenzahlung zu den Kosten beitragen kann. Dies ergibt sich aus beigefügter Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse (Anlage...) 2. 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