Source: https://babcast-berlin.org/was-war-wann-2/
Timestamp: 2020-08-14 16:23:51+00:00

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Wann war was? – BABcast
Wann war eigentlich was? Wie 1989 überschlugen sich auch 1990 die Ereignisse. Damit Ihr einen Überblick behalten könnt, haben wir eine kleine Chronik zusammengestellt. Neben den wichtigsten politischen Entscheidungen und Ereignissen des Jahres haben wir vor allem das Leben in Berlin im Blick.
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0101-008 Reiche, Hartmut CC-BY-SA 3.0
Am Brandenburger Tor begrüßen rund 100.000 Menschen das neue Jahr.
Am Morgen eröffnen die Bürgermeister von West- und Ost-Berlin, Walter Momper (SPD) und Erhard Krack (SED-PDS), den ersten Gesamtberliner Neujahrslauf. Die Laufstrecke führt die rund 25.000 Läuferinnen und Läufer auch durch das Brandenburger Tor.
Demonstration am Sowjetischen Ehrenmal
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0105-300 Hirschberger, Ralph CC-BY-SA 3.0
250.000 Menschen demonstrieren am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park. Die ehemalige Staatspartei, die inzwischen SED-PDS heißt, ruft dazu auf, nachdem Unbekannte am 28. Dezember 1989 das Denkmal mit rechtsradikalen Parolen beschmierten. Aus den Reihen der SED-PDS kommt die Forderung, die ehemalige Stasi als Verfassungsschutz oder Nachrichtendienst zu erhalten.
Die DDR-Regierung beschließt die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit (früher: Stasi). Damit gibt sie dem Druck der Bürgerkomitees und des Zentralen Runden Tisches nach.
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0116-013 CC-BY-SA 3.0
Etwa 2.000 Demonstrierende besetzen die Stasi-Zentrale in der Ost-Berliner Normannenstraße. Sie folgen einem Aufruf des Neuen Forums unter dem Titel „Mit Fantasie gegen Stasi und Nasi“.
In Berlin-Mitte räumt die SED-PDS eines ihrer Parteigebäude. Dort ziehen neue Parteien, Initiativen und Gruppen der Bürgerbewegung ein. Das Haus der Demokratie entsteht.
Abriss der Mauer am Leuschnerdamm
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0123-022 Reiche, Hartmut CC-BY-SA 3.0
Am Leuschnerdamm in Berlin-Kreuzberg beginnen die DDR-Grenztruppen mit dem Abriss der Mauer. Die entstandenen Lücken werden zunächst mit Maschendrahtzaun wieder geschlossen.
Demontage des Parteiabzeichens der SED an der ehemaligen Parteizentrale
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0123-027 / Oberst, Klaus / CC-BY-SA 3.0
Das fast fünf Meter hohe Abzeichen der SED wird vom Gebäude der Parteizentrale am Werderschen Markt in Ost-Berlin entfernt.
Der Oberbürgermeister von Ost-Berlin, Erhard Krack (SED-PDS), tritt zurück. Ihm wird vorgeworfen, an den Wahlfälschungen bei den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 beteiligt gewesen zu sein. Der ebenfalls der SED-PDS angehörende Christian Hartenhauer übernimmt das Amt kommissarisch.
In Ost-Berlin bildet sich eine „Regierung der nationalen Verantwortung“. In ihr sind auch alle oppositionellen Gruppierungen des Zentralen Runden Tisches vertreten.
Der 18. März 1990 wird als Tag der ersten freien Parlamentswahlen festgelegt.
Die 40. Internationalen Filmfestspiele beginnen in Berlin. Erstmals gibt es Veranstaltungen in beiden Teilen der Stadt.
Demonstration von Volkspolizei und Feuerwehr
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0719-019 Roeske, Robert CC-BY-SA 3.0
Mehrere tausend Beschäftigte der Volkspolizei und der Feuerwehr folgen einem Aufruf der neugegründeten Gewerkschaft der Volkspolizei und demonstrieren in Ost-Berlin für bessere Arbeitsbedingungen.
Die Bürgermeister von Ost- und West-Berlin treffen eine Vereinbarung über die zukünftige Zusammenarbeit zwischen den beiden Stadthälften.
Die Volkskammer, das Parlament der DDR, verabschiedet eine Sozialcharta, die der Zentrale Runde Tisch erarbeitet hat. Die Sozialcharta schreibt ein Recht auf Arbeit und Wohnen sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau fest. Diese Regelungen und sozialen Sicherheiten sollen Grundlage einer Sozialunion zwischen den beiden deutschen Staaten sein und die geplante Wirtschafts- und Währungsunion ergänzen.
Außerdem beschließt die Volkskammer ein Wirtschaftsgesetz, das erstmals die Gründung von privaten Unternehmen zulässt.
Demonstration am Internationalen Frauentag, Ost-Berlin
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0308-033 Grimm, Peer CC-BY-SA 3.0
Auf einer Pressekonferenz aus Anlass des Internationalen Frauentages fordern acht West-Berliner Senatorinnen die Festschreibung sozialer Grundrechte sowie die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches in einer neuen gesamtdeutschen Verfassung.
Der Zentrale Runde Tisch tagt zum letzten Mal. Die faktische Übergangsregierung der DDR lehnt einen Beitritt zur Bundesrepublik und damit eine Wiedervereinigung nach Art. 23 des Grundgesetzes ab.
Wahlzentrum im Palast der Republik
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0318-037 Settnik, Bernd CC-BY-SA 3.0
Bei der ersten und einzigen freien Parlamentswahl in der DDR erreicht die von der CDU geführte Allianz für Deutschland
mit 48,15 % der Stimmen einen überwältigenden Sieg. Die SPD erhält 21,84 %,
die Nachfolgepartei der SED, die PDS, kommt auf 16,33 % und der Bund Freier Demokraten auf
5,28 %.
Das Bündnis 90, in dem sich die Hauptinitiatorinnen und -initiatoren der Friedlichen Revolution zusammengeschlossen haben, erhält nur 2,91 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung liegt bei überwältigenden 93,38 %.
Demonstrierende fordern Aufklärung über Stasi-Tätigkeit
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0329-028 Oberst, Klaus CC-BY-SA 3.0
In Ost-Berlin fordern etwa 10.000 Demonstrierende Aufklärung über mögliche Stasi-Tätigkeiten von allen Personen, die künftig politische Verantwortung in der DDR übernehmen wollen. Die Bürgerbewegung Neues Forum hat den Protest initiiert. Hintergrund sind Enthüllungen über ostdeutsche Politiker, die mit der Stasi zusammengearbeitet haben.
Auf Empfehlung der Bundesbank soll der Umtauschkurs bei einer Währungsunion zwischen DDR-Mark und D-Mark im Verhältnis 2:1 erfolgen. Daraufhin kommt es in der DDR zu massiven Protesten.
Studentenproteste in Ost-Berlin
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0402-016 Uhlemann, Thomas CC-BY-SA 3.0
Etwa 5.000 Studierende demonstrieren in Ost-Berlin für ein Mitspracherecht an den Universitäten und gegen drohenden Sozialabbau.
Im Ost-Berliner Palast der Republik tagt das neugewählte DDR-Parlament zum ersten Mal und wählt Sabine Bergmann-Pohl (CDU) zu seiner Präsidentin. Lothar de Maizière (CDU) wird mit der Regierungsbildung beauftragt.
Hunderttausende Bürgerinnen und Bürger demonstrieren in zahlreichen DDR-Städten gegen Sozialabbau und gegen den am 29. März von der Bundesbank vorgeschlagenen Umtauschkurs. Allein in Ost-Berlin gehen schätzungsweise 100.000 Menschen auf die Straße.
Erstmals nimmt mit Petra Tesch in der Ost-Berliner Stadtregierung eine Gleichstellungsbeauftragte ihre Arbeit auf.
Unterzeichnung der Koalitionsvereinbarungen
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0412-019 / Oberst, Klaus / CC-BY-SA 3.0
Das DDR-Parlament wählt Lothar de Maizière (CDU) zum Ministerpräsidenten. Die Koalition aus der Allianz für Deutschland, der SPD und den Liberalen ist sich über den zügigen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik einig, den der Zentrale Runde Tisch zuvor noch abgelehnt hat.
Erstmals seit September 1946 fahren wieder Linienbusse zwischen West- und Ost-Berlin. Fahrzeuge und Personal stellen die Ost-Berliner Verkehrsbetriebe (BVB).
Ostermarsch, hier Heinrich-Heine-Straße
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0415-010 Settnik, Bernd CC-BY-SA 3.0
Der erste Gesamtberliner Ostermarsch findet statt. Rund 15.000 Menschen ziehen vom Monbijoupark über den Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße zum Hermannplatz in Berlin-Neukölln.
Nach einem Fußballspiel des BFC Dynamo ziehen 500 bis 600 Neonazis vor das besetzte Haus in der Schönhauser Allee 20/21. Sie werden von der Polizei zum Alexanderplatz abgedrängt und randalieren dort bis in die Abendstunden weiter.
Demo gegen die Übernahme des § 218, Lustgarten
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0422-013 Oberst, Klaus CC-BY-SA 3.0
Im Lustgarten und vor dem Palast der Republik demonstrieren etwa 1.000 Menschen gegen die Übernahme des § 218 des bundesdeutschen Strafgesetzbuches, der Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt.
Bei der Demonstration überreichen Vertreterinnen des neugegründeten Unabhängigen Frauenverbandes einen Aufruf mit mehr als 17.000 Unterschriften an das DDR-Parlament.
In Ost-Berlin beginnt die erste Verhandlungsrunde zum deutsch-deutschen Staatsvertrag über eine Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der DDR und der Bundesrepublik.
Am Brandenburger Tor beginnen DDR-Grenzsoldaten mit dem Abriss der Mauer. West-Berliner Unternehmer unterstützen sie dabei.
Zehntausende Menschen nehmen vor dem Reichstag an der ersten Gesamtberliner Maikundgebung teil. Zur Teilnahme rufen Gewerkschaften aus Ost und West auf.
Wie schon in den Vorjahren kommt es insbesondere in Berlin-Kreuzberg zu Krawallen.
Die beiden deutschen Regierungen einigen sich auf die Abschaffung der DDR-Mark. Ab 1. Juli 1990 soll in beiden deutschen Staaten nur noch die D-Mark als Zahlungsmittel gelten. Löhne, Gehälter, Mieten, Stipendien und Renten sollen im Verhältnis 1:1 umgetauscht werden. Bei Sparguthaben und Bargeld soll es Höchstgrenzen für den Umtausch 1:1 geben.
Walter Momper und Tino Schwierzina
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0506-022 CC-BY-SA 3.0
In der DDR finden die ersten freien Kommunalwahlen statt. Die SPD wird in Ost-Berlin mit 34 % stärkste Partei, gefolgt von PDS (30 %), CDU (17,7 %), Bündnis 90 (9,9 %) und den Grünen (2,7 %). In der Stadtregierung, dem Magistrat, bildet die SPD mit der CDU eine Koalition.
Erstmals seit 60 Jahren tagen die Angehörigen des Jüdischen Weltkongresses wieder auf deutschem Boden, in West-Berlin.
In der DDR kommt es zu landesweiten Demonstrationen. Die Protestierenden fordern unter anderem Tarifverhandlungen über höhere Einkommen, den Erhalt der Arbeitsplätze und den Schutz des Binnenmarktes. In Ost-Berlin versammeln sich Bürgerinnen und Bürger vor dem Palast der Republik während dort das DDR-Parlament tagt.
In Ost-Berlin trifft der Regierende Bürgermeister, Walter Momper (SPD), mit dem DDR-Ministerpräsidenten, Lothar de Maizière (CDU) zusammen. Sie vereinbaren, dass ab Juli die Kontrollen an der innerstädtischen Grenze wegfallen sollen.
Die Finanzminister der Bundesrepublik und der DDR unterzeichnen den Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, die am 1. Juli 1990 in Kraft treten wird.
Das erste Spielcasino der DDR wird im Hotel „Stadt Berlin“ am Alexanderplatz eröffnet.
Die CDU und die SPD schließen in Ost-Berlin einen Koalitionsvertrag, der die Bildung einer neuen Stadtregierung ermöglicht. Darin werden weitreichende Schritte zur Vereinigung der beiden Stadthälften und eine Anpassung an die West-Berliner Verhältnisse festgeschrieben. Beschlossen wird auch der Bau eines neuen Flughafens.
Christine Bergmann nach ihrer Wahl
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0328-025 Senft, Gabriele CC-BY-SA
Im Roten Rathaus tagt zum ersten Mal das neugewählte Stadtparlament von Ost-Berlin. Die Abgeordneten wählen Christine Bergmann (SPD) zur Präsidentin. Als Gäste sind auch West-Berliner Politiker anwesend.
Die DDR-Regierung beschließt, mit Einführung der D-Mark am 1. Juli die Preise frei zu kalkulieren und Subventionen durch den Staat weitestgehend abzuschaffen.
In Ost-Berlin gründet die DDR-Regierung eine Kommission zur Auflösung der ehemaligen Stasi.
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0506-021 / CC-BY-SA 3.0
Tino Schwierzina (SPD) wird zum neuen Oberbürgermeister von Ost-Berlin gewählt.
Der am 14. Dezember 1989 als Übergangsregierung für Ost-Berlin gebildete Runde Tisch tritt zu seiner letzten Sitzung im Roten Rathaus zusammen. Mit Abschluss der Regierungsbildung am Vortag löst sich das Gremium auf.
Die Rolling Stones spielen vor 77.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympia-Stadion.
Nach 42 Jahren der Teilung Berlins kommen die Stadtregierungen von Ost- und West-Berlin zu einer ersten gemeinsamen Sitzung zusammen.
Mauerabriss an der Ecke Bernauer Straße/Ackerstraße
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0613-024 Reiche, Hartmut CC-BY-SA 3.0
In Berlin wird mit dem endgültigen Abriss der innerstädtischen Mauer an der Bernauer Straße begonnen. An vier Stellen bleiben Mauerreste als Mahnmal erhalten.
In Bonn demonstrieren rund 10.000 Menschen, vor allem Frauen, für die ersatzlose Streichung des § 218 des bundesdeutschen Strafgesetzbuches, der Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt. Mehrere Bürgerinnen und Bürger blockieren aus Protest gegen die mögliche Einführung des sogenannten Abtreibungsparagraphen den Grenzübergang am Brandenburger Tor.
Die Abgeordneten der Parlamente der DDR und Bundesrepublik erinnern erstmals in einer gemeinsamen Feierstunde im Schauspielhaus Berlin an den ostdeutschen Volksaufstand vom 17. Juni 1953.
Die beiden deutschen Parlamente, Deutscher Bundestag und Volkskammer, beschließen den Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR.
Die PDS und Die Grünen lehnen den Staatsvertrag ab, da er das System der Bundesrepublik auf die DDR anwende, ohne deren Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit einer gleichberechtigten Mitwirkung einzuräumen.
In Berlin findet der erste gemeinsame Christopher-Street-Day statt. Begleitet wird der Tag von politischen Debatten über die Diskriminierung homosexueller Männer, die in der DDR zumindest juristisch aufgehoben wurde. Der Schwulenverband der DDR wehrt sich deshalb gegen die Übernahme der westdeutschen Gesetze.
Am Rande einer Demonstration gegen rechtsradikale Tendenzen und Gewalt gibt es im Ost-Berliner Bezirk Lichtenberg zahlreiche Verletzte und Sachschäden.
Die rund 3.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ost-Berliner Müllabfuhr streiken für eine Erhöhung der Löhne und der Gebühren für die Entsorgung von Gewerbe- und Industriemüll. Nach der Zusicherung von Zulagen wird der Streik am 29. Juni beendet.
Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR tritt in Kraft. Damit überträgt die DDR die Hoheit über die Finanz- und Geldpolitik an die Bundesrepublik und die D-Mark wird zum einzigen Zahlungsmittel in der DDR.
In Ost-Berlin beginnt die Filiale der Deutschen Bank am Alexanderplatz schon um Mitternacht mit der Auszahlung der neuen Währung an die ersten DDR-Bürgerinnen und -Bürger. Dabei kommt es zu tumultartigen Szenen vor der Filiale, die von bis zu 10.000 Menschen belagert wird.
Die U-Bahnhöfe der Linien 6 und 8 auf Ost-Berliner Stadtgebiet werden wieder für den Verkehr geöffnet. Sie waren seit dem Mauerbau 1961 geschlossen.
Die S-Bahn fährt zum ersten Mal wieder zwischen Erkner und Wannsee sowie Königs Wusterhausen durch.
Die Stadtregierungen von Ost- und West-Berlin genehmigen den umstrittenen Verkauf großer Grundstücke auf dem Potsdamer Platz an die Daimler-Benz AG.
Rund 120.000 Beschäftigte von Ost-Berliner und Brandenburger Metallverarbeitungsbetrieben treten in den Streik, um gegen die Schließung ihrer Betriebe und zu niedrige Löhne zu protestieren. In Berlin-Schöneweide gehen 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Transformatoren- und Kabelwerke auf die Straße.
Die Mannschaft der Bundesrepublik wird nach einem 1:0-Sieg über Argentinien Fußballweltmeister. Auf dem Kurfürstendamm herrschst Volksfeststimmung, während es in Ost-Berlin zu heftigen Ausschreitungen krawallbereiter Hooligans und Neonazis kommt.
Ibrahim Böhme – früher Vorsitzender der SPD in der DDR – wird in Ost-Berlin zum Polizeibeauftragten ernannt, der den Demokratisierungsprozess innerhalb der Ost-Berliner Polizei sowie die Verzahnung zwischen der Ost- und West-Berliner Polizei moderieren soll. Das Magazin „Der Spiegel“ enttarnte Böhme zwar im März als Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi, er beteuerte jedoch seine Unschuld. Ende des Jahres 1990 erhärten sich die Vorwürfe gegen ihn und er muss sein Amt niederlegen.
Verfassung für Ost-Berlin
Das Ost-Berliner Stadtparlament verabschiedet eine neue Verfassung für den Ostteil der Stadt.
Die DDR-Treuhandanstalt wird gegründet. Sie wird die Abwicklung der 8.000 Volkseigenen Betriebe (VEB) regeln und durchführen.
Auf dem Alexanderplatz demonstrieren rund 1.500 Beschäftigte von Baubetrieben für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.
Der Deutsche Fußballbund (DFB) der Bundesrepublik und der Deutsche Fußballverband (DFV) der DDR beschließen in Frankfurt/Main ihre Vereinigung.
Inszenierung „The Wall“ am Potsdamer Platz
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0722-405 CC-BY-SA 3.0
Auf dem Potsdamer Platz inszeniert Roger Waters, Sänger der Band Pink Floyd, seine Show „The Wall“ vor mehr als 350.000 Besucherinnen und Besuchern.
Besetzte Häuser im Prenzlauer Berg, hier Kastanienallee
Renate Hildebrandt CC-BY-3.0
Die Ost-Berliner Stadtregierung beschließt, keine weiteren Hausbesetzungen zu dulden. Für alle Häuser, die vor dem 24. Juli besetzt wurden, sollen Nutzungsvereinbarungen angestrebt werden. Ab Sommer 1989 gab es in Ost-Berlin immer mehr „stille“ Hausbesetzungen. Ende des Jahres 1989 machten einige Besetzerinnen und Besetzer dies öffentlich.
Der West-Berliner Wirtschaftssenator fordert den zügigen Bau eines neuen Großflughafens für Berlin. Als Übergangslösung soll der Flugverkehr über Tegel und den britischen Militärflughafen Gatow verstärkt werden.
Mehr als 15.000 Menschen demonstrieren auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin für freie gesamtdeutsche Wahlen ohne die Einführung einer Fünf-Prozent-Hürde.
Die Stadtregierungen von Ost- und West-Berlin gedenken am Jahrestag des Mauerbaus erstmals gemeinsam den Opfern der deutschen Teilung. Die Gedenkveranstaltung findet in der Zimmerstraße unweit des Checkpoint Charlie statt. An der Bernauer Straße wird ein Gedenkstein eingeweiht.
Tausende Bäuerinnen und Bauern protestieren in Ost-Berlin gegen Absatzprobleme und Preisverfall in der Landwirtschaft. Auf dem Alexanderplatz stellt sich der DDR-Landwirtschaftsminister etwa 50.000 aufgebrachten Demonstrierenden.
Die SPD verlässt die Regierungskoalition in der DDR. Damit verliert Ministerpräsident de Maizière (CDU) die Regierungsmehrheit. Die Liberalen entzogen der Regierung bereits am 24. Juli ihre Unterstützung.
In Ost-Berlin wird das Gesetz für die ersten gesamtdeutschen Wahlen verabschiedet, das trotz öffentlicher Proteste eine Fünf-Prozent-Hürde vorsieht.
Das DDR-Parlament beschließt den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik gemäß Art. 23 des Grundgesetzes zum 3. Oktober 1990.
Der Ost-Berliner Stadtrat für Bildung kündigt die Entlassung von Lehrkräften an, die früher als Inoffizielle Mitarbeiter für die Stasi gearbeitet haben.
Die Vernichtung der etwa sechs Millionen Stasi-Akten wird per Gesetz verboten.
Unterzeichnung des Einigungsvertrages, v.l.n.r. Wolfgang Schäuble, Lothar de Maizière, Günther Krause
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0831-031 Settnik, Bernd CC-BY-SA 3.0
Im Palais Unter den Linden in Ost-Berlin wird der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR unterzeichnet. Berlin soll Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands werden.
Nach 29 Jahren werden in Ost-Berlin die S-Bahnhöfe Unter den Linden und Nordbahnhof wieder in Betrieb genommen.
Pressekonferenz der Besetzerinnen und Besetzer in der Stasi-Zentrale, am Mikrofon: Ingrid Köppe
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0905-029 Uhlemann, Thomas CC-BY-SA 3.0
In Ost-Berlin besetzen Angehörige von DDR-Bürgerrechtsgruppen die ehemalige Zentrale der Stasi in der Normannenstraße, um gegen eine Verlagerung der Stasi-Akten in die Bundesrepublik zu protestieren.
Das DDR-Parlament beschließt ein Rehabilitierungsgesetz, das eine Entschädigung von Opfern des SED-Regimes ermöglicht.
Rund 70.000 Menschen versammeln sich im Ost-Berliner Lustgarten. Die Kundgebung findet zum Auftakt einer zweitägigen „Erneuerungskonferenz“ der SED-Nachfolgepartei PDS statt.
Der Bund der Vertriebenen fordert in der Charlottenburger Sporthalle die Politikerinnen und Politiker in Deutschland dazu auf, die Oder-Neiße-Grenze nicht anzuerkennen.
Die Besetzerinnen und Besetzer der ehemaligen Stasi-Zentrale in Ost-Berlin treten in einen Hungerstreik.
Die Stadtregierungen in Ost- und West-Berlin fassen Beschlüsse, wie sie nach dem Vollzug der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 die Stadt gemeinsam regieren wollen. Diese Beschlüsse sollen bis zur Wahl eines Gesamtberliner Stadtparlamentes gelten.
Die Innensenatoren von Ost- und West-Berlin sollen Entscheidungen über die Auflösung oder Weiterführung von östlichen Verwaltungen treffen. Das Personal aufzulösender Einrichtungen wird mit 70 % der Bezüge für sechs Monate in den Zwangsurlaub geschickt. Danach erfolgen die Entlassung oder anderweitige Beschäftigung nach einer Umschulung.
Der Palast der Republik in Ost-Berlin wird geschlossen. Offizielle Begründung ist eine mögliche Verseuchung des Baus mit Asbest.
Häftlinge besetzen das Dach im Gefängnis Rummelsburg
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0921-012 Grimm, Peer CC-BY-SA 3.0
In der Ost-Berliner Strafvollzugsanstalt Rummelsburg und in anderen Gefängnissen der DDR fordern Häftlinge eine Amnestie.
Am 28. September wird das Gesetz zum teilweisen Straferlass beschlossen. Daraufhin beruhigt sich die Lage in den DDR-Gefängnissen.
Die drei Vertreter der westlichen Alliierten verabschieden sich am „Allied Checkpoint Bravo“, dem Autobahn-Kontrollpunkt in Dreilinden. Zuvor waren die drei alliierten Verbindungsoffiziere im West-Berliner Parlament offiziell verabschiedet worden.
Das DDR-Parlament wählt in seiner vorletzten Sitzung Joachim Gauck zum Sonderbeauftragten für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR (ab 3. Oktober 1990: Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR; seit 1992: Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR).
Die Besetzerinnen und Besetzer der ehemaligen Stasi-Zentrale in Ost-Berlin beenden ihre Aktion. Dreieinhalb Wochen nach Beginn der Besetzung und nach 16-tägigem Hungerstreik bewacht jetzt nur noch eine symbolische Mahnwache vor dem Haupteingang die in den Gebäuden lagernden Akten.
Die East Side Gallery, die wohl größte Open-Air-Galerie der Welt, wird in Berlin-Friedrichshain zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke eröffnet.
Rund 20.000 Personen nehmen an der ersten Gesamtberliner Frauendemonstration teil und ziehen vom Mehringplatz in West-Berlin zum Lustgarten in Ost-Berlin. Sie demonstrieren gegen den § 218 des bundesdeutschen Strafgesetzbuches, der Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt, und den in ihren Augen undemokratisch verlaufenen Einigungsprozess.
Eine Million Zuschauerinnen und Zuschauer erleben den Berlin-Marathon, der erstmals durch beide Stadthälften führt.
Zwei Tage vor der Wiedervereinigung übernimmt West-Berlins Polizeipräsident die Hoheit über die Ost-Berliner Polizei. Die vorzeitige Zusammenlegung soll vor allem den Schutz der Wiedervereinigungsfeierlichkeiten am 2. und 3. Oktober gewährleisten.
Die 1974 eingerichtete Ständige Vertretung der Bundesrepublik in der DDR in der Hannoverschen Straße in Ost-Berlin stellt ihre Tätigkeit ein.
Empfang der drei westlichen Stadtkommandanten im Rathaus Schöneberg
Bundesarchiv, Bild 183-1990-1002-008 Settnik, Bernd CC-BY-SA 3.0
Die Alliierte Kommandantur hat ihre letzte Sitzung in Berlin. Die Vertreter der drei westlichen Alliierten unterzeichnen ein gemeinsames Schreiben, in dem sie erklären, dass um Mitternacht „die Aufgabe der Stadtkommandanten erfüllt“ sei.
Einheitsfeier am Reichstag
Bundesarchiv, Bild 183-1990-1003-003 Grimm, Peer CC-BY-SA 3.0
Zwischen Reichstag und Alexanderplatz feiern mehr als eine Million menschen das „Fest der Einheit“. Um 0.00 Uhr tritt die DDR der Bundesrepublik bei. Vor dem Reichstagsgebäude wird zu den Klängen der Nationalhymne die Bundesflagge gehisst. In der Philharmonie wird der Tag der Deutschen Einheit mit einem offiziellen Staatsakt gewürdigt.
Proteste gegen die deutsche Einheit
Bundesarchiv, Bild 183-1990-1003-036 Settnik, Bernd CC-BY-SA 3.0
Auf dem Alexanderplatz kommt es nach einer Demonstration gegen die deutsche Einheit, an der nach Polizeiangaben ca. 8.500 Personen teilnehmen, zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der sogenannten autonomen Szene und der Polizei.
Bundesarchiv, Bild 183-1990-1004-019 Grimm, Peer CC-BY-SA 3.0
Die konstituierende Sitzung des ersten gesamtdeutschen Parlaments nach dem Zweiten Weltkrieg findet im Reichstagsgebäude statt.
Knapp 10.000 Menschen demonstrieren zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor für die Abschaffung des diskriminierenden § 175 des Strafgesetzbuches und die Anerkennung homosexueller Partnerschaften.
Beim Richtfest der rekonstruierten Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte appelliert der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, an die Politikerinnen und Politiker in der Bundesrepublik. Die Zuwanderung von Jüdinnen und Juden müsse gefördert und damit ein Beitrag zum neuen Aufschwung des jüdischen Lebens in Deutschland geleistet werden.
Demonstration am Alexanderplatz, am Mikrofon: Bärbel Bohley
Bundesarchiv, Bild 183-1990-1104-006 Lehmann, Thomas CC-BY-SA 3.0
Ein Jahr nach der Großdemonstration vom
4. November 1989 findet auf dem Alexanderplatz eine Kundgebung „Für soziale Gleichheit in ganz Deutschland“ statt.
Aus Anlass des ersten Jahrestages der Maueröffnung wird an der Bornholmer Straße ein Gedenkzeichen eingeweiht.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland mahnt bei einer Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht in der Synagoge Rykestraße in Berlin-Prenzlauer Berg, bei aller Freude über die Öffnung der Berliner Mauer die Ereignisse des 9. November 1938 nicht zu verdrängen.
Renate Hildebrandt, CC-BY-3.0
Nach der Räumung von drei besetzten Häusern in Berlin-Lichtenberg und Berlin-Prenzlauer Berg kommt es zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Hausbesetzerinnen und Hausbesetzern in der Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain.
Als Reaktion auf die schweren Krawalle in Berlin-Friedrichshain räumen rund 4.000 Berliner Polizeibeamtinnen und -beamte 13 besetzte Häuser in der Mainzer Straße. Die Räumung erfolgt gegen massiven Widerstand. Mehr als 300 Personen werden festgenommen.
Nach heftigen Kontroversen um die Räumung der Mainzer Straße zerbricht im Westteil der Stadt die Koalition zwischen der Alternativen Liste und der SPD.
Streikposten am Hauptbahnhof (heute: Ostbahnhof)
Bundesarchiv, Bild 183-1990-1128-301 Link, Hubert CC-BY-SA 3.0
255.000 Beschäftigte der ostdeutschen Reichsbahn streiken und legen damit fast den gesamten Fernreise- und Güterverkehr in den fünf neuen Bundesländern und in Berlin lahm. Sie fordern einen besseren Kündigungsschutz und die Anpassung ihrer Gehälter an das Lohnniveau in Westdeutschland.
Das letzte Stück der innerdeutschen Mauer wird in Schönholz (Berlin-Pankow) abgerissen.
Wahlsieger Eberhard Diepgen
Bundesarchiv, Bild 183-1990-1202-028 CC-BY-SA 3.0
Zum ersten Mal seit 1946 wird ein Gesamtberliner Stadtparlament (Abgeordnetenhaus) gewählt. Die Wahlbeteiligung liegt bei 80,8 %. Die CDU (40,4 %) wird stärkste Kraft, gefolgt von der SPD (30,4 %) und der Alternativen Liste (5,0 %). Die PDS zeiht mit 9,2 % in das Abgeordnetenhaus ein, die FDP erreicht 7,1 %. Im Januar 1991 bildet sich eine CDU-geführte Koalition, die Eberhard Diepgen zum ersten Gesamtberliner Bürgermeister seit 1948 wählt.
Die amerikanischen Truppen leiten mit einer Parade auf dem Platz des 4. Juli in Berlin-Lichterfelde ihren Abzug aus Berlin ein.
Bundesarchiv, Bild 183-1990-1220-008 Link, Hubert CC-BY-SA 3.0
Das Hauptgebäude der Humboldt-Universität im Ostteil Berlins wird von rund 50 Studierenden besetzt. Sie protestieren gegen die vom Senat verfügte Schließung der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst und die Auflösung von Fachbereichen der Humboldt-Universität.

References: Art. 23
 § 218
 § 218
 § 218
 Art. 23
 § 218
 § 175