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Timestamp: 2020-07-11 13:36:52+00:00

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Fachwissen zum Einsatz persönlicher Schutzausrüstung PSA | Quentic
Fachwissen zum Einsatz persönlicher Schutzausrüstung PSA
Fachwissen zum Einsatz persönlicher Schutzausrüstung (PSA)
Fakten, Verordnungen, Tipps & Empfehlungen
Manchmal sind technische oder organisatorische Maßnahmen genug, um als Arbeitgeber seinen Verpflichtungen entsprechend des Arbeitschutzsgesetzes für eine sichere und gesundheitsfördernde Arbeitsumgebung nachzukommen. Aber was ist mit Betrieben, in denen das nicht ausreicht? In denen Mitarbeiter bestimmten Gefahrenquellen – wenn auch nur kurzzeitig – ausgesetzt sind? Hier sieht der Gesetzgeber den Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) vor. Der folgende Beitrag gibt Ihnen einen Überblick, in welchen Situationen Sie Ihren Mitarbeitern PSA bereitstellen müssen, welche Anforderungen es genau gibt, wie Sie die Einweisung für die Verwendung vornehmen und worauf die Nutzer zu achten haben.
Update: COVID-19 Arbeitsschutzstandard
Seit dem 16.04.2020 gilt der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard, der wichtige Regelungen für den Umgang mit Persönlicher Schutzausrüstung beinhaltet. Achten Sie in diesem Artikel auf das COVID-19 Symbol. Es weist auf eine entsprechende Änderung hin
„Persönliche Schutzausrüstung im Sinne dieser Verordnung ist jede Ausrüstung, die dazu bestimmt ist, von den Beschäftigten benutzt oder getragen zu werden, um sich gegen eine Gefährdung für ihre Sicherheit und Gesundheit zu schützen, sowie jede mit demselben Ziel verwendete und mit der persönlichen Schutzausrüstung verbundene Zusatzausrüstung.“
PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV), § 1 Absatz 2
Im Absatz 3 führt die PSA-BV auch auf, was keine persönliche Schutzausrüstung im Sinne der Verordnung ist. Dazu gehören beispielsweise Sportausrüstungen sowie Arbeitskleidung und Uniformen, die nicht dem Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Angestellten dienen.
Persönliche Schutzausrüstung unterteilt sich in folgende Arten:
Wichtige Gebotszeichen zum Tragen von Persönlicher Schutzausrüstung
Das STOP-Prinzip der DGUV
Die Entscheidung, ob eine PSA notwendig ist oder nicht, können Sie nur anhand einer Gefährdungsbeurteilung treffen. Wenn Sie im Zuge der Gefährdungsbeurteilung die Schutzmaßnahmen festlegen, berücksichtigen Sie grundsätzlich die Reihenfolge der Schutzwirkung bei den einzelnen möglichen Maßnahmen. Das Arbeitsschutzgesetz und die DGUV Vorschrift 1 geben vor, die Reihenfolge bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen nach dem sogenannten STOP-Prinzip einzuhalten:
S = Substitution: Reduzierung oder Vermeidung der Gefahrenquelle (z.B. durch Einsatz anderer und/oder weniger gefährlicher Verfahren, Stoffe, Betriebsmittel)
T = Technische Maßnahmen: Trennung der Gefahrenquelle vom Beschäftigten durch technische Einrichtungen (z.B. Einhausung, Lichtschranken, Zweihandauslösungen)
O = Organisatorische Maßnahmen: zeitliche und/oder räumliche Trennung des Beschäftigten von der Gefahrenquelle (z.B. Zugangsbeschränkungen, Kurzzeiteinsatz, Minimierung von Lasten)
P = Persönliche Maßnahmen: personenbezogene Maßnahmen (Einsatz von PSA) und verhaltensbezogene Maßnahmen (Unterweisung, Beschilderung)
Ziehen Sie daher alle möglichen Maßnahmen zunächst in Betracht. Dabei haben Kollektivmaßnahmen (S, T, O) immer den Vorrang vor den Individualmaßnahmen, welche jeweils vom einzelnen Mitarbeiter abhängig sind. Erst wenn keine Substitution möglich ist und keine technische bzw. organisatorische Maßnahme wirksam werden kann oder nicht verhältnismäßig ist, weisen Sie die Anwendung von PSA an. Der Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung kann auch notwendig sein, um die Wirksamkeit der anderen Schutzmaßnahmen zu erhöhen oder zu garantieren.
Update: Hand-Nase-Bedeckung
Wenn Kontakt bzw. Nähe zu anderen Personen im Schutzabstand von 1,5 m nicht vermeidbar ist, sollten Mund-Nase-Bedeckungen als PSA zur Verfügung gestellt und getragen werden.
Die PSA-Kategorien im Überblick
Für die Auswahl der persönlichen Schutzausrüstung, die für die festgestellte Gefährdung geeignet ist, hat der europäische Gesetzgeber die EU-Verordnung (EU) 2016/425 verabschiedet. Im Anhang 1 sind die drei Kategorien von PSA definiert:
Kategorie I umfasst einzig folgende minimale Risiken:
oberflächliche mechanische Verletzungen; z.B. Schutzhandschuhe für die Gartenarbeit
Kontakt mit schwach aggressiven Reinigungsmitteln oder längerer Kontakt mit Wasser; z.B. Haushaltsreinigungshandschuhe
Kontakt mit heißen Oberflächen, deren Temperatur 50 °C nicht übersteigt; z.B. Grillhandschuh
Schädigung der Augen durch Sonneneinstrahlung (außer bei Beobachtung der Sonne); z.B. Sonnenbrille
Witterungsbedingungen, die nicht von extremer Art sind; z.B. witterungsfeste Freizeitkleidung
Die Kategorie II schließt Risiken ein, die nicht in die Kategorie I oder Kategorie III fallen, z. B. Sicherheitsschuhe, Arbeitsschutzhelme und Gehörschutz.
Kategorie III beinhaltet ausschließlich Risiken, die äußerst schwerwiegende Folgen (z.B. Tod oder irreversiblen Gesundheitsschäden) mit sich bringen können:
kalte Umgebung, die vergleichbare Auswirkungen hat wie eine Umgebung mit einer Lufttemperatur von -50 °C oder weniger
Weitere Hilfen bieten die DGUV Regel 112-189 bis DGUV Regel 112-201. Hier erfahren Sie alles über das gesamte Verfahren der Auswahl, Benutzung, Pflege und Entsorgung der entsprechenden PSA. Ob die Auswahl der PSA den in der Gefährdungsbeurteilung ermittelten Ansprüchen genügt, erfahren Sie aus den entsprechenden Normen. Diese Angabe hat der Hersteller an der entsprechenden Schutzausrüstung zu vermerken.
Die wichtigsten Vorgaben und Prüfzeichen für PSA
Für die Anforderungen an die PSA (Herstellung, Bereitstellung und Benutzung) existieren entsprechende rechtliche Vorgaben.
EU-Verordnung (EU) 2016/425
Die Herstellung und das Inverkehrbringen von PSA regelt die europäische Verordnung (EU) 2016/425. Diese ersetzt die vorherige Richtlinie 89/686/EWG. Da die Regel hauptsächlich die Herstellung und das Inverkehrbringung der PSA betrifft, wirken sich die Änderungen der Regel auch vorwiegend in diesen Bereichen aus. Die Verordnung wurde in Deutschland national durch die Produktsicherheitsverordnungen (ProdSV) umgesetzt.
CE, GS und DGUV Test
Persönliche Schutzausrüstung, die in der Europäischen Union (EU) in Verkehr gebracht wird, muss mit „CE“ gekennzeichnet sein. Verwechseln Sie dieses Zeichen nicht mit den Prüfzeichen wie „GS“ oder „DGUV Test“. Der Hersteller selbst vergibt das CE-Zeichen und erklärt damit nur die sogenannte Konformität. Die Zeichen GS bzw. DGUV Test hingegen dokumentieren eine unabhängige Baumusterprüfung nach entsprechenden Normen. Sie finden Sie entweder direkt auf den Schutzausrüstungen oder in den beiliegenden Unterlagen.
EU-Richtlinie 89/656/EWG („PSA-Benutzungs-Richtlinie“)
Die Richtlinie 89/656/EWG regelt die Bereitstellung und Anwendung von persönlicher Schutzausrüstung. Diese enthält allerdings nur die Mindestanforderungen an die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Benutzung der PSA während der Arbeit. Konkrete Hinweise auf die Bereitstellung und die Benutzung der PSA geben dafür die folgenden rechtlichen Quellen:
PSA-BV: Sie regelt die Bereitstellung durch den Arbeitgeber und die Benutzung durch die Beschäftigten.
§ 29 ff. DGUV Vorschrift 1: Hier wird zusätzlich die Notwendigkeit der Unterweisung bei der Bereitstellung von PSA bestimmt.
DGUV Regel 112-189 bis DGUV Regel 112-201: Diese berufsgenossenschaftlichen Regeln erläutern im Einzelnen die Anwendung und den Einsatz der unterschiedlichen Arten von PSA.
„Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen“
§ 3 (1) ArbSchG)
Arbeitsschutzgesetz und Benutzungsverordnung
Im § 3 Absatz 1 Satz 1 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 2 Absatz 3 DGUV Vorschrift 1 sowie § 2 der PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) ist festgelegt, dass der Arbeitgeber alle Maßnahmen, die für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz notwendig sind, zu veranlassen und die Kosten hierfür zu tragen hat.
Somit muss der Arbeitgeber die im Zuge der Gefährdungsbeurteilung festgelegte notwendige persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen, sodass die Mitarbeiter diese kostenfrei nutzen können. Das umfasst auch die notwendigen Prüfungen, Reparaturen und den Ersatz bei Defekten und Verschleiß.
Achten Sie bei der PSA-Auswahl auch auf die Ergonomie. Gerade bei Mitarbeitern mit Einschränkungen ist eine individuell angepasste PSA notwendig. Ein klassisches Beispiel dafür sind orthopädisch verordnete Einlegesohlen für Schuhe. Bitten Sie den Betriebsarzt um eine Beurteilung und stellen Sie dem Mitarbeiter die entsprechende Ausrüstung zur Verfügung.
Grundsätzlich sollten bei der Auswahl der PSA folgende Personen beteiligt sein:
betroffene/r Mitarbeiter
Mehr über das Erstellen von Gefährdungsbeurteilungen sowie eine praktische Checkliste finden Sie hier.
PSA testen und Mitarbeiter einweisen
Führen Sie vor der Einführung einer neuen PSA oder eines neuen Modells einen Benutzungstest mit den betroffenen Mitarbeitern durch. Die Mitarbeiter sind laut § 15 Absatz 2 ArbSchG verpflichtet, die ihnen zur Verfügung gestellte PSA bestimmungsgemäß zu verwenden. Mangelnde Ergonomie oder ein schlechter Tragekomfort sind die häufigsten Argumente, weshalb Mitarbeiter die notwendige Schutzausrüstung nicht nutzen. Nach einer Testphase sind diese Argumente hinfällig.
Unterweisen Sie die Mitarbeiter in der Benutzung der zur Verfügung gestellten PSA. Der Einsatz bestimmter PSA, wie Atemschutzgeräte, Ausrüstung gegen Abstürze und neuerdings auch Gehörschutz, erfordert praktische Übungen, die Ihre Mitarbeiter vorab absolvieren müssen. Auch externe Experten können derartige Übungen durchführen. Weisen Sie die Mitarbeiter in den Unterweisungen und Übungen auf ihre Unterstützungspflicht nach § 16 ArbSchG hin und motivieren Sie sie aktiv zum Einsatz der PSA. Schäden an der PSA sollte jeder Träger unverzüglich melden.
Update: Personenbezogene PSA-Benutzung
Im Zuge der Corona-Pandemie ist auf die ausschließlich personenbezogene Benutzung jeglicher Persönlicher Schutzausrüstung zu achten. Eine personenbezogene Aufbewahrung und regelmäßige Reinigung sind zu ermöglichen.
Wenn ein Mitarbeiter spezielle PSA wie ein Atemschutzgerät oder einen Gehörschutz verwendet, ist hierfür eine arbeitsmedizinische Vorsorge vorgeschrieben. Wiederholen Sie diese Vorsorge zyklisch. Sie entscheidet, ob der Mitarbeiter die PSA unter gesundheitlichen Aspekten verwenden darf. Lassen Sie sich hierbei vom Betriebsarzt beraten.
Kennzeichnen Sie die Bereiche, in denen das Tragen einer PSA verpflichtend ist, mit entsprechenden Gebotszeichen. Die Informationen zur notwendigen Kennzeichnung und deren grafische Darstellung erhalten Sie aus den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) unter ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“. Weitere Informationen hierzu enthält die DGUV Information 211-041.
Reinigen Sie die PSA regelmäßig und lagern Sie sie sachgemäß. Folgen Sie hierzu den Vorgaben des Herstellers.
Im Rahmen ihrer Kontrollverantwortung muss die Führungskraft überprüfen, dass die Mitarbeiter die notwendige persönliche Schutzausrüstung bestimmungsgemäß entsprechend der Unterweisung verwenden. Falls nötig, erläutern Sie Ihren Mitarbeitern noch einmal die Wirkung und die Schutzfunktion der PSA.
Update: Unterweisung und Kommunikation
Die COVID-19 PSA-Schutzmaßnahmen sind zu erklären und (durch Hinweisschilder, Aushänge oder Bodenmarkierungen) verständlich zu machen. Auf die Regelungen zum Tragen von PSA als Bestandteil der Einhaltung der persönlichen und organisatorischen Hygieneregeln ist hinzuweisen.
Moderne PSA
Mittlerweile achten Hersteller von PSA sogar darauf, dass die Ausrüstung neben dem Schutz auch optisch dem Stand der Zeit entspricht. Moderne Schutzausrüstung ist nicht nur ergonomisch gut angepasst, sondern wurde auch im Design überarbeitet. So lässt sie sich einfacher in die Arbeitsprozesse integrieren, da die Mitarbeiter sich damit wohler fühlen.
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Auch wenn der Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung im STOP-Verfahren „erst“ an vierter Stelle kommt, sollten Unternehmen diesen Aspekt – schon allein im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben – nicht außer Acht lassen
Schließlich lassen sich manche Gefährdungen nur durch den Einsatz von Schutzkleidung und weiterer PSA vermeiden. Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, die benötigte Ausrüstung richtig zu tragen und mit ihr ordnungsgemäß umzugehen, indem Sie durch eine gelebte Safety-Leadership-Kultur als gutes Beispiel vorangehen.

References: § 1

§ 29

§ 3
 § 3
 § 2
 § 2
 § 15
 § 16