Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=21.09.1993&Aktenzeichen=10%20S%201735/91
Timestamp: 2020-02-18 13:22:59+00:00

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VGH Baden-Württemberg, 21.09.1993 - 10 S 1735/91 - dejure.org
https://dejure.org/1993,1815
VGH Baden-Württemberg, 21.09.1993 - 10 S 1735/91 (https://dejure.org/1993,1815)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 21.09.1993 - 10 S 1735/91 (https://dejure.org/1993,1815)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 21. September 1993 - 10 S 1735/91 (https://dejure.org/1993,1815)
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Verhältnis öffentlich-rechtlicher Schutzansprüche innerhalb einer Wohnungseigentümergemeinschaft zu privatrechtlichen Abwehransprüchen (hier: Einstellung des Betriebs von Kaminen)
§ 3 BImSchG, § ... 22 Abs 1 S 1 Nr 1 BImSchG, § 24 S 1 BImSchG, § 25 Abs 1 BImSchG, § 25 Abs 2 BImSchG, § 4 Abs 3 BImSchV 1, § 6 Abs 1 Nr 2 BImSchV 1, § 59 Abs 9 BauO BW, § 15 Abs 3 WoEigG, § 43 Abs 1 Nr 1 WoEigG
VG Freiburg, 12.04.1991 - 7 K 260/89
VGH Baden-Württemberg, 09.01.1992 - 10 S 1735/91
BVerwG, 29.06.1994 - 7 B 1.94
VBlBW 1994, 238
VBlBW 1994, 45 (Ls.)
Geschützt sind dabei auch besonders empfindliche Personengruppen wie Kinder, Kranke und alte Menschen, nicht aber eine besondere, atypische Empfindlichkeit Einzelner (zum Ganzen Senatsurteil vom 21.09.1993, a.a.O. m.w.N.;… Jarass, a.a.O., § 3 Rn. 29, 51, § 25 Rn. 21;… Hansmann in Landmann/Rohmer, a.a.O. § 25 BImSchG Rn. 25; jeweils m.w.N.).
Hierunter sind nur unmittelbar durch Immissionen hervorgerufene Sachschäden zu verstehen (Senatsurteil vom 21.09.1993 - 10 S 1735/91 - juris).
Bei der im Rahmen des Minimierungsgebots gebotenen umfassenden Abwägung vermochte sich der Senat nicht von der Erforderlichkeit einer derart umfangreichen automatisierten Vogelvergrämung, wie sie im vorliegenden Fall durchgeführt wird, zu überzeugen (zur Berücksichtigung der Frage, ob der Betreiber existentiell auf den Betrieb der emittierenden Anlage angewiesen ist vgl. auch Senatsurteil vom 21.09.1993 - 10 S 1735/91 - a.a.O.).
Es spricht vieles dafür, dass der Rechtsgedanke des § 17 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BImSchG auch für Anordnungen nach § 24 BImSchG hinsichtlich genehmigungsfreier Anlagen gilt; danach soll die Behörde einschreiten, wenn die Nachbarschaft nicht ausreichend vor schädlichen Umwelteinwirkungen geschützt ist (…so Senatsurteil vom 05.09.1989 - 10 S 1712/88 - Jarass a.a.O. § 24 Rn. 17;… Koch in GK-BImSchG, Stand August 2010, § 24 Rn. 31 ff.;… a.A. Hansmann in Landmann/Rohmer a.a.O. § 24 Rn. 18; offengelassen in Senatsurteil vom 21.09.1993 - 10 S 1735/91 - juris).
Dabei bestimmt nicht nur der notwendige Schutz der betroffenen Nachbarn, sondern auch der Nutzen des beanstandeten Betriebs der Anlage für die Allgemeinheit die Zumutbarkeit der Belästigung (…vgl. BVerwG, Urt. v. 30.04.1992, BVerwGE 90, 163 = DVBl. 1992, 1234; Senat, Urt. v. 21.09.1993 - 10 S 1735/91 - VBlBW 1994, 239, 243).
vgl. BVerwG, Urteil vom 18. Mai 1995 - 4 C 20.94 -, juris Rn. 27; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 21. September 1993 - 10 S 1735/91 -, juris Rn. 60; Czajka, in: Feldhaus, BImSchG, Stand: Juli 2006, § 24 Rn. 28.
vgl. BVerwG, Urteil vom 7. Juli 1978 - 4 C79.76 -, juris Rn. 89; VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 8. Juni 1998 - 10 S 3300/96 -, juris Rn. 5, und Urteil vom 21. September 1993 - 10 S 1735/91 -, juris Rn. 60.
Eine über erhebliche Belästigungen, d. h., Beeinträchtigungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens, hinausgehende Gesundheitsschädigung im immissionsschutzrechtlichen Sinne ist gegeben, wenn durch unmittelbare Einwirkung luftverunreinigender Stoffe funktionelle oder morphologische Veränderungen des menschlichen Organismus auftreten, die die natürliche Variationsbreite signifikant überschreiten (Feldhaus, BImSchR, § 3 Anm. 7, 9; Jarass, BImSchG, 4. Auf. 1999, § 3 RdNr. 36; Landmann/Rohmer/Kutscheidt, Umweltrecht I, § 3 RdNr. 11; VDI-Richtlinie 2310, Maximale Immissionswerte, September 1974, Präambel Ziff. 3; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 21.09.1993 - 10 S 1735/91 -, VBlBW 1994, 238 = BImSchG-Rspr § 24 Nr. 31= DVBl 1994, 354 = UPR 1994, 280).
Die die Pflicht zum immissionsschutzrechtlichen Einschreiten auslösende Gefahr einer Gesundheitsschädigung liegt vor, wenn der Eintritt des Schadens im Sinne eines Krankheitszustandes aufgrund der konkreten Umstände hinreichend wahrscheinlich ist, ohne jedoch unmittelbar bevorstehen zu müssen (VGH Bad.-Württ., Urt. v. 21.09.1993, a.a.O.).
aa) Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil vom 14. Oktober 1988 (…Az.: 4 C 1/86 - juris Rn. 10) offengelassen, ob die Klagebefugnis abweichend von den o.g. Grundsätzen dann zu bejahen ist, wenn nicht nur Eigentumsschutz geltend gemacht wird, sondern eine Gesundheitsgefahr, die von einer bestimmten Art der Nutzung eines anderen Sondereigentums ausgeht (bejaht von VGH BW, U.v. 21.9.1993 - 10 S 1735/91 - juris Rn. 28).
Eine Gefahr für die Gesundheit als tatbestandliche Eingriffsvoraussetzung ist allerdings erst anzunehmen, wenn der Eintritt des Schadens im Sinne eines Krankheitszustandes aufgrund der konkreten Umstände überwiegend wahrscheinlich ist (zum Ganzen vgl. VGH BW, U.v. 21.9.1993 - 10 S 1735/91 - juris Rn. 31, U.v. 4.11.2014 - 10 S 1663/11 - VBlBW 2015, 197 = juris Rn. 37;… OVG NRW, B.v. 14.6.2018 - 8 B 594/18 - BauR 2018, 1710 = juris Rn. 18;… Jarass, BImSchG, 12. Aufl. 2017, § 25 Rn. 27).
(vgl. weitergehend: VGH BW, Urteil vom 21. September 1993 - 10 S 1735/91 -, juris, Rn. 28).
"Eine über erhebliche Belästigungen, d.h. Beeinträchtigungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens, hinausgehende Gesundheitsschädigung im immissionsschutzrechtlichen Sinne ist gegeben, wenn durch unmittelbare Einwirkung von Lärm funktionelle oder morphologische Veränderungen des menschlichen Organismus auftreten, die die natürliche Variationsbreite signifikant überschreiten (Senatsurteil vom 23.10.2001 - 10 S 141/01 -, VBlBW 2002, 197; Senatsurteil vom 21.09.1993 - 10 S 1735/91 -, VBlBW 1994, 238; Feldhaus, BImSchR, § 3 Anm. 7, 9;… Jarass, BImSchG, 9. Aufl. 2012, § 3 Rn. 51 m.w.N.;… Thiel in Landmann/Rohmer, Umweltrecht, Stand Januar 2014, § 3 Rn. 49).
Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat angenommen, dass der Ausschluss öffentlichrechtlicher Schutzansprüche innerhalb der Wohnungseigentümergemeinschaft nicht auch Ansprüche u. a. aus §§ 24, 25 Bundesimmissionsschutzgesetz - BImSchG betrifft, soweit mit ihnen Gesundheitsgefahren und Beeinträchtigungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens abgewehrt werden (vgl. U. v. 21.9.1993 - 10 S 1735/91 - juris Rn. 28).
Hintergrund für die eventuelle ausnahmsweise Möglichkeit der Geltendmachung solcher öffentlichrechtlicher Schutzansprüche ist gerade, dass diese keine besondere rechtliche Beziehung zwischen Störer und Beeinträchtigtem voraussetzen; die Gesundheit im weiteren Sinne ist ein eigenständiges Rechtsgut, dessen Schutz nicht von einer etwaigen (gleichzeitigen) Betroffenheit als Grundstücks- oder Wohnungseigentümer abhängt (vgl. VGH BW, U. v. 21.9.1993 - 10 S 1735/91 - juris Rn. 28).
Nach § 3 Abs. 1 BImSchG sind schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes Immissionen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile - darunter sind vor allem Vermögenseinbußen, die auf physischen Einwirkungen beruhen, zu verstehen (vgl. Hess. VGH, Beschluss vom 30.12.1994 - 4 TH 2064/94 -) - oder erhebliche Belästigungen - dies sind unzumutbare Beeinträchtigungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens unterhalb der Schwelle der Gesundheitsbeeinträchtigung (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 21.03.1993 - 10 S 1735/91 -, VBlBW 1994, 239; Hess. VGH, Beschluss vom 30.12.1994 - 4 TH 2064/94 -) - für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen.
OVG Thüringen, 04.07.2014 - 1 EO 683/13
Immissionsschutzrechtliche Untersagung des Betriebs einer Hackschnitzelanlage; …

References: § 3
 § 24
 § 25
 § 25
 § 4
 § 6
 § 59
 § 15
 § 43
 § 3
 § 25
 § 25
 § 17
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 § 3
 § 3
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 § 25
 § 3
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