Source: http://palikanon.de/khuddaka/jataka/j523.htm
Timestamp: 2017-07-28 00:32:24+00:00

Document:
523 Alambusa-Jataka
Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 523. Die Erzählung von Alambusa (Alambusa-Jataka)
„Darauf nun sprach“ §A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Verlockung durch die frühere Frau. §D. Die Begebenheit ist schon im Indriya-Jataka [Jataka 423] ausgeführt. — Damals aber fragte der Meister jenen Mönch: „Ist es denn wahr, dass du unzufrieden geworden bist?“ Auf dessen bejahende Antwort fragte er weiter: „Wer hat dich unzufrieden gemacht?“, und der Mönch erwiderte: „Meine frühere Frau.“ Darauf sprach der Meister: „O Mönch, dieses Weib fügt dir Schaden zu. Durch sie hast du früher die Fähigkeit zur Ekstase verloren und lagest drei Jahre lang betört und ohne Besinnung darnieder; und als du wieder zur Besinnung kamst, da klagtest du laut darüber.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva im Reiche Kasi in einer Brahmanenfamilie seine Wiedergeburt. Nachdem er herangewachsen war und die Vollendung in allen Künsten erreicht hatte, betätigte er die Weltflucht der Weisen und lebte in einer Waldgegend, indem er sich von den Wurzeln und Früchten des Waldes ernährte. An seiner Unratstätte aber verzehrte ein Antilopenweibchen das mit seinem Samen vermischte Gras und trank das Wasser. Dadurch wurde ihr Herz an ihn gefesselt. Sie empfing davon eine Leibesfrucht, ging von da an immer dorthin und hielt sich nur in der Nähe der Einsiedelei auf. Das große Wesen beobachtete sie und merkte den Grund. In der Folgezeit gebar sie einen menschlichen Sohn. Das große Wesen zog ihn mit Vaterliebe auf und gab ihm den Namen Isisinga [2].
Als dieser zu Vernunft gekommen war, machte der Bodhisattva ihn auch zum Asketen und zog dann, als er selbst alt geworden war, mit ihm nach einem Walde mit Namen Narivana [3]. Hier sagte er zu ihm: „Mein Sohn, in diesem Teile des Himalaya sind Weiber, die diesen Blumen an Schönheit gleichen. Wer in ihre Gewalt kommt, den stürzen sie in schweres Verderben; darum darf man sich nicht in ihre Gewalt begeben.“ Nachdem er ihn so ermahnt, wurde er in der Folgezeit ein Bewohner der Brahmawelt. Isisinga aber blieb im Himalayagebirge wohnen, der Wonne der Ekstase sich erfreuend, in harter Askese, mit abgetöteten Sinnen.
§1. Darauf nun sprach der große Indra, Vatras [4] Bezwinger, der Sieger Vater [5], die Göttermaid in Furcht versetzend, im Saale [6] zu Alambusa:
§2. „Verführende, es bitten dich
§3. „Schon lange übertrifft er uns,
der am Nirvana, sich erfreut, der Weise. Begib du dich auf seine Wege!“
§4. „Was willst du denn, o Götterkönig, warum schaust du auf mich allein:
‘Geh, die du Weise kannst verführen?’
§5. mir gleichend, schöner noch als ich im leidlosen Nandana-Walde [7].
Auch diesen gib Gelegenheit; sie sollen hingehn zum Verführen.“
§6. „Gewiss, die Wahrheit redest du; es gibt noch andre Göttermädchen,
§7. Doch diese kennen nicht so gut
Verführung, wenn zum Mann sie kommen, so wie du dich darauf verstehst,
§8. Drum gehe du nur hin, du Schöne; die erste bist du von den Frauen.
§9. „Fürwahr, ich werde gehen müssen, da mich der Götterkönig sendet.
Doch fürcht ich mich, ihn aufzusuchen; von großer Macht ist der Brahmane.
§10. Schon öfter kamen in die Hölle,
§11. Nach diesen Worten sich entfernte das wunderschöne Göttermädchen
§12. Und als sie in den Wald gelangt war, den von Isisinga bewohnten, mit Bimba-Früchten [8] dicht bedeckten, ein halbes Yojana im Umkreis,
§13. am Morgen früh, zur Zeit des Frühstücks, zur Stunde, da die Sonne aufging,
kam sie zu Isisinga, als er am Feuer stehend [9] fegt' den Boden.“
§14. „Wer strahlt hier glänzend wie der Blitz und wie der helle Morgenstern [10]?
Mit funkelndem Schmuck an den Händen, mit Perlen, Edelsteinohrringen,
§15. der Sonne Glanz an Schönheit gleichend, duftend wie goldner Sandelstaub,
mit schlanken Hüften, voll von Zauber, du Mädchen mit den schönen Augen,
§16. du Schlanke, Sanfte, Fleckenlose, fest stehst du da auf deinen Füßen;
§17. Von unten auf sind deine Schenkel gleich einem Elefantenrüssel;
§18. So wie des Lotos Staubgefäße
§19. Der Brüste Paar, das von der Brust sich schön abhebt, von keinem Stängel gehalten, ist voll Milch und gleicht frei schwebend einer Kürbishälfte.
§20. Lang ist dein Hals wie der Gazelle, geziert mit drei Faltenspiralen [11]; die Lippen, die die Zähn' verdecken, glänzen so rot wie eine Zunge.
§21. Gar schön zu sehn sind deine Zähne, gereinigt mit dem besten Holze;
§22. Die schwarzen Augen, rot umsäumt, die wie die Gunja-Früchte glänzen,
§23. Nicht allzu lang und wohl geglättet,
§24. Soweit die Landleute und Hirten, soweit die Kaufleute auch gehen,
§25. sah ich noch niemals deinesgleichen hienieden auf dem Erdenrund: Wer bist du oder wessen Sohn [12]?
§26. „Heil dir! Nicht ist es Zeit zum Fragen,
da es so weit ist, Kassapa [13].
§27. Nachdem es so gesagt, enteilte
§28. Darauf ging dieser rasch ihr nach, holte sie ein mit blindem Eifer,
§29. Als er sich wandte, da umschlang
§30. Im Geiste nahte sie Gott Indra,
der Götterkönig Maghava [14] sandte ihr rasch ein Polster zu
§31. bedeckt mit fünfzig Arten Blättern, mit tausendfachem Schmuck geziert;
dort hielt die Schöne ihn umschlungen und drückte ihn an ihre Brust.
§32. Als sei es nur ein Augenblick,
§33. Da sah er wieder grüne Bäume
ringsum und seine Feuerstelle [15],
den Wald im frischen Blätterschmucke, belebt vom Laut der Kuckuckscharen [16].
§34. Nachdem er rings umhergeschaut, vergoss er Tränen und er klagte:
‘Ich opf're nicht, noch sag ich Sprüche, das Feueropfer gab ich auf.
§35. Wer hat mir früher denn mein Herz
das mit Juwelen ist gefüllt?’“
§36. „Ich wurde von dem Götterkönig
§37. „Folgende Lehren gab fürwahr
‘Wie Lotosblumen sind die Weiber,
§38. Vor denen, deren Brüste schwellen, o hüte dich vor ihnen, Knabe.’
§39. Doch ich tat nicht nach seinen Worten, nach meines alten Vaters Lehren.
§40. So will ich es in Zukunft machen; pfui über dieses Leben mein! ich möchte wieder sein wie früher,
sonst werde mir der Tod zuteil [17].“
§41. Als seine Tugend, Kraft und Weisheit sie ihm zurückgegeben sah, da beugt' ihr Haupt hin zu den Füßen Isisingas Alambusa.
§42. „O zürne mir nicht, großer Held, zürne mir nicht, du großer Weiser.
§43. „Die dreiunddreißig Götter alle und Vasava, der Götter Herr, und du, Liebe, sollst glücklich sein; geh, Mädchen, wohin dir 's beliebt.“
Sie bezeigte ihm ihre Verehrung und kehrte auf dem goldenen Lager [18] in die Götterstadt zurück.
§44. Da seine Füße sie umfasst
§45. Das Lager aber, das sie hatte,
§46. Als sie wie eine Fackel ankam
§47. „Wenn du mir einen Wunsch gewährst, Sakka, Beherrscher aller Wesen:
nicht möcht ich Weise mehr verführen; dies ist 's, o Sakka, was ich wünsche.“
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung des Mönchs beschlossen und die Wahrheiten verkündet hatte, verband er das Jataka (am Ende der Wahrheitsverkündigung aber gelangte jener Mönch zur Frucht der Bekehrung) mit folgenden Worten: „Damals war Alambusa die frühere Frau, Isisinga war der unzufriedene Mönch, der Vater aber, der große Asket, war ich.“
[2] Das Wort bedeutet wohl „der gehörnte Weise“. Die Geschichte ist auch im Ramayana erzählt, wo der Held Rsyasringa heißt.
[3] Auf Deutsch: „Frauenwald“.
[4] Vatra ist ein Fürst der Asuras, der Indra feindlichen Dämonen.
[5] Indra ist der Herr der dreiunddreißig Götter, die auch die Asuras besiegten.
[6] Wörtlich: „in der Halle Sudhamma“.
[7] Auf Deutsch: „der Freudenwald“; ein Park in Indras Himmel.
[8] Die Frucht von Momordica monadelpha, einer der Curcubitaceen,
[9] Er war ein Feueranbeter.
[10] Diese beiden Zeilen finden sich auch im Jataka 506 Strophe 1.
[11] Vgl. über dies glückverheißende Zeichen Jataka 461 Anm. 10 [Gemeint ist ein Hals oder Nacken, der drei Linien oder Falten hat wie eine Muschel; dies galt als Zeichen äußersten Glückes.].
[12] Weil er noch kein Weib gesehen, meint er, es sei ein Mann, wie der Kommentator angibt.
[13] Der Familienname des jungen Asketen.
[14] Ein Beiname Indras.
[15] Den Altar des Gottes Agni, dem er vorher gedient. [16] Der Kokila, der indische Kuckuck, vertritt in Indien die Stelle der Nachtigall.
[17] Die Stelle wird auch anders gedeutet. Der Kommentator meint „ich möchte den Lüsten absterben“, während Francis übersetzt: „For better death itself to face, Thaw be again in such a case.“
[18] „pallamko“ kann auch heißen „Sänfte“.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15

§16

§17

§18

§19

§20

§21

§22

§23

§24

§25

§26

§27

§28

§29

§30

§31

§32

§33

§34

§35

§36

§37

§38

§39

§40

§41

§42

§43

§44

§45

§46

§47