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Timestamp: 2020-01-25 17:21:44+00:00

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Vor­la­ge­pflicht zum EuGH – Der EuGH als gesetz­li­cher Rich­ter | Rechtslupe
Vorlagepflicht zum EuGH - Der EuGH als gesetzlicher Richter
23. Dezember 2011 Rechtslupe
Vor­la­ge­pflicht zum EuGH – Der EuGH als gesetz­li­cher Rich­ter
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist der Euro­päi­sche Gerichts­hof gesetz­li­cher Rich­ter im Sin­ne von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG. Unter­lässt es ein deut­sches Gericht, ein Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren an den Euro­päi­schen Gerichts­hof zu stel­len, obwohl es uni­ons­recht­lich dazu ver­pflich­tet ist, wer­den die Rechts­schutz­su­chen­den des Aus­gangs­ver­fah­rens ihrem gesetz­li­chen Rich­ter ent­zo­gen 1. Aller­dings stellt nicht jede Ver­let­zung der sich aus Art. 267 Abs. 3 AEUV erge­ben­den Vor­la­ge­pflicht einen Ver­stoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dar. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bean­stan­det die Aus­le­gung und Anwen­dung von Zustän­dig­keits­nor­men nur, wenn sie bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der das Grund­ge­setz bestim­men­den Gedan­ken nicht mehr ver­ständ­lich erschei­nen oder offen­sicht­lich unhalt­bar sind. Die­ser Will­kür­maß­stab wird auch ange­legt, wenn eine Ver­let­zung von Art. 267 Abs. 3 AEUV in Rede steht 2.
Im Rah­men die­ser Will­kür­kon­trol­le haben sich in der Recht­spre­chung Fall­grup­pen her­aus­ge­bil­det, in denen die Vor­la­ge­pflicht­ver­let­zung zu einer Ver­let­zung des Rechts auf den gesetz­li­chen Rich­ter führt. Die Vor­la­ge­pflicht nach Art. 267 AEUV wird danach ins­be­son­de­re in den Fäl­len offen­sicht­lich unhalt­bar gehand­habt, in denen ein letzt­in­stanz­li­ches Haupt­sa­che­ge­richt eine Vor­la­ge trotz der – sei­ner Auf­fas­sung nach bestehen­den – Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der uni­ons­recht­li­chen Fra­ge über­haupt nicht in Erwä­gung zieht, obwohl es selbst Zwei­fel hin­sicht­lich der rich­ti­gen Beant­wor­tung der Fra­ge hegt (Fall­grup­pe der grund­sätz­li­chen Ver­ken­nung der Vor­la­ge­pflicht). Glei­ches gilt in den Fäl­len, in denen das letzt­in­stanz­li­che Haupt­sa­che­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung bewusst von der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs zu ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­gen abweicht und gleich­wohl nicht oder nicht neu­er­lich vor­legt (Fall­grup­pe des bewuss­ten Abwei­chens ohne Vor­la­ge­be­reit­schaft).
Liegt zu einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge des Uni­ons­rechts ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs noch nicht vor oder hat eine vor­lie­gen­de Recht­spre­chung die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Fra­ge mög­li­cher­wei­se noch nicht erschöp­fend beant­wor­tet oder erscheint eine Fort­ent­wick­lung der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs nicht nur als ent­fern­te Mög­lich­keit, wird Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG nur dann ver­letzt, wenn das letzt­in­stanz­li­che Haupt­sa­che­ge­richt den ihm in sol­chen Fäl­len not­wen­dig zukom­men­den Beur­tei­lungs­rah­men in unver­tret­ba­rer Wei­se über­schrit­ten hat (Fall­grup­pe der Unvoll­stän­dig­keit der Recht­spre­chung) 3. Letz­te­res kann nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Zwei­ten Senats 4 ins­be­son­de­re dann der Fall sein, wenn mög­li­che Gegen­auf­fas­sun­gen zu der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge des Uni­ons­rechts gegen­über der vom Gericht ver­tre­te­nen Mei­nung ein­deu­tig vor­zu­zie­hen sind. Zu ver­nei­nen ist in Fäl­len der Unvoll­stän­dig­keit der Recht­spre­chung ein Ver­stoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG des­halb bereits dann, wenn das Gericht die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Fra­ge in zumin­dest ver­tret­ba­rer Wei­se beant­wor­tet hat.
Aller­dings sind die letzt­in­stanz­li­chen Haupt­sa­che­ge­rich­te der Mit­glied­staa­ten bei der Aus­le­gung und Anwen­dung uni­ons­recht­li­cher Tat­be­stands­merk­ma­le des uni­ons­recht­li­chen Staats­haf­tungs­an­spruchs nicht grund­sätz­lich zur Vor­la­ge nach Art. 267 Abs. 3 AEUV ver­pflich­tet. Sie sind viel­mehr zunächst ver­pflich­tet, in den bei ihnen anhän­gi­gen Ver­fah­ren das vor­ran­gi­ge Uni­ons­recht in eige­ner Ver­ant­wor­tung aus­zu­le­gen und anzu­wen­den 5. Eine Vor­la­ge­pflicht nach Art. 267 Abs. 3 AEUV besteht nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs nur dann, wenn die im Aus­gangs­ver­fah­ren auf­ge­wor­fe­nen Aus­le­gungs­fra­gen nicht bereits in einem gleich­ge­la­ger­ten Fall Gegen­stand einer Vor­ab­ent­schei­dung gewe­sen sind, wenn nicht bereits eine gesi­cher­te Recht­spre­chung vor­liegt, durch die die Rechts­fra­gen gelöst sind, oder wenn die rich­ti­ge Anwen­dung des Uni­ons­rechts nicht der­art offen­kun­dig ist, dass kei­ner­lei Raum für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel an der Ent­schei­dung der gestell­ten Fra­gen bleibt 6.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Novem­ber 2011 – 2 BvR 516/​09 und 2 BvR 535/​09
Ein­zel­rich­ter oder gesetz­li­cher Rich­ter? Das Ein­ver­ständ­nis der Par­tei­en mit einer Ent­schei­dung durch den Ein­zel­rich­ter (§ 527 Abs. 4 ZPO) bewirkt allein, dass anstel­le des Kol­le­gi­ums ein Ein­zel­rich­ter gesetz­li­cher Rich­ter…
Vor­la­ge­pflicht beim EuGH Nach Art. 234 Abs. 3 EGV in Ver­bin­dung mit Art. 234 Abs. 1 lit. b EGV sind in den Mit­glieds­län­dern der EU die inner­staat­lich letzt­in­stanz­lich…
Vor­la­ge­pflicht an den EuGH und das Recht auf den gesetz­li­chen… Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist der Euro­päi­sche Gerichts­hof gesetz­li­cher Rich­ter im Sin­ne von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG. Unter­lässt es ein deut­sches…
BVerfGE 73, 339, 366 ff.; 75, 223, 233 ff.; 82, 159, 192 ff.; 126, 286, 315 ff.[↩]
BVerfGE 82, 159, 194 f.; 126, 286, 316; BVerfG, Beschluss des Ers­ten Senats vom 25.01.2011 – 1 BvR 1741/​09, NJW 2011, S. 1427, 1431[↩]
vgl. BVerfGE 82, 159, 195 f.; 126, 286, 316 f.; BVerfG, Beschluss des Ers­ten Senats vom 25.01.2011 – 1 BvR 1741/​09, NJW 2011, S. 1427, 1431[↩]
vgl. BVerfGE 82, 159, 196; 126, 286, 317[↩]
vgl. für den uni­ons­recht­li­chen Staats­haf­tungs­an­spruch nur EuGH, Urteil vom 01.06.1999 – C302/​97, Kon­le, Slg.1999, S. I3099 Rn. 59[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 06.10.1982 – 283/​81, CILFIT, Slg.1982, S. 3415 Rn. 13 ff.[↩]
EuGHgesetzlicher RichterVorabentscheidungsersuchenVorlagepflicht
Die ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Rechts­fra­ge – und die Vor­la­ge­pflicht an den EuGH
"Van­der Elst-Visum" – für Dienst­leis­tun­gen durch einen Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen

References: EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 Art. 101
 Art. 267
 Art. 101
 Art. 267
 Art. 267
 Art. 101
 Art. 101
 Art. 267
 Art. 267
 EuGH 
 Art. 234
 Art. 234
 EuGH 
 Art. 101
 EuGH