Source: https://www.gsavheminfo.de/aerzte
Timestamp: 2020-05-26 04:22:04+00:00

Document:
Ärzte | GSAV Hämophilie
Was wird sich ab 01. September 2020 in der Hämophilie-Versorgung ändern?
Wie erhalte ich zukünftig Daten zur Medikation meiner Hämophilie-Patienten?
Apotheken, die Arzneimittel zur spezifischen Therapie von Gerinnungsstörungen bei Hämophilie abgeben, unterliegen einer neuen Meldepflicht gegenüber dem rezeptausstellenden Arzt. Wer noch wem gegenüber eine Dokumentations- und Meldepflicht hat, erfahren Sie hier.
Wer stellt sicher, dass ich stets Zugriff auf Faktorpräparate habe?
Um die Notfallversorgung sicherzustellen, dürfen Sie mit einer Apotheke Vereinbarungen treffen, um gemeinsam die Bevorratung zu organisieren. Informieren Sie sich im Kapitel Notfalldepots, welche Möglichkeiten Ihnen das neue Gesetz bietet.
Kann ich Verordnungen für Hämophilie-Medikamente bereits jetzt über die Apotheke abwickeln?
Die Preisermittlung für Hämophilie-Medikamente über den neuen Apotheken-Vertriebsweg ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Daher können gesetzliche Krankenkassen Verordnungen über die Apotheke noch nicht abrechnen. Wenn Sie bereits jetzt Ihre Hämophilie-Medikamente über die Apotheke verordnen, können Rückfragen und gegebenenfalls Regressforderungen durch die entsprechende Krankenkasse auf Sie zukommen. Wir empfehlen daher allen Hämophilie-Behandlern, die noch gültige Direktabgabe weiterhin zu nutzen und die konkreten Regelungen bis zum Ende der Übergangsfrist am 01. September 2020 abzuwarten.
Was ändert sich an den Vertriebswegen? Welche Konsequenzen erwarten Sie ab 01.09.2020? Welche Hürden stellt die Gesetzesvorgabe? Wie sehen Sie die informativen Leistungen von Takeda?
Charité – Campus Charité Mitte (CCM)
Gerinnungsambulanz mit Hämophiliezentrum
Aktuell erhalten Hämophilie-Patienten ihre Faktorpräparate direkt in der ärztlichen Einrichtung, in der sie behandelt werden. Der behandelnde Arzt dokumentiert die Abgabe und übernimmt anschließend die Meldung an das Deutsche Hämophilieregister (DHR) gemäß § 14 + § 21, Abs. 1a des Transfusionsgesetzes (TFG).
Ab 01. September 2020: Meldepflicht nach § 17 Abs. 6a (ApBetrO)
Durch eine Änderung des § 17 Abs. 6a Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) wird eine neue Meldepflicht für Apotheken eingeführt – ähnlich der Meldepflicht für Betäubungsmittel (BTM) an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
Jede Apotheke, die Arzneimittel zur spezifischen Therapie von Gerinnungsstörungen bei Hämophilie vertreibt, muss nach der Abgabe solcher Medikamente an Patienten folgende Angaben – elektronisch oder schriftlich –an den verschreibenden Arzt melden:
Gemäß § 14 TFG Abs. 3a übermittelt der verordnende Arzt seinerseits dem dauerhaft behandelnden Hämophilie-Arzt diese Daten, damit der wie gewohnt die Meldung an das DHR vornehmen kann. Dies gilt auch für behandelnde Einrichtungen der Krankenversorgung wie Krankenhäuser oder ambulante Einrichtungen.
Bisher liegt die Verantwortung zur Organisation von Notfalldepots für Arzneimittel zur spezifischen Therapie von Gerinnungsstörungen bei den behandelnden Einrichtungen bzw. Praxen. Ab September 2020 übernehmen Apotheken den Vertrieb von Hämophilie-Präparaten.
Damit Sie als Hämophilie-Behandler im Bedarfsfall an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr schnellen Zugriff auf diese Arzneimittel haben, können Sie zukünftig die Notfallbevorratung nach § 43 Abs. 3a AMG gemeinsam mit einer Apotheke organisieren. Dies kann eine öffentliche oder auch eine Krankenhaus-Apotheke sein. Dazu wurde im § 11 Abs. 2a des Apothekengesetzes (ApoG) eine Ausnahmeregelung verankert, die ärztlichen Einrichtungen, die auf die Behandlung von Gerinnungsstörungen bei Hämophilie spezialisiert ist, und Apotheken erlaubt, diesbezüglich Absprachen und Vereinbarungen miteinander zu treffen.
Diese Arzneien für den unvorhersehbaren und dringenden Bedarf (Notfallvorrat) dürfen auch weiterhin in den Räumlichkeiten des Zentrums oder der Praxis bereitgehalten werden.

References: § 14
 § 21
 § 17
 § 17
 § 14
 § 43
 § 11