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Timestamp: 2020-06-02 20:34:23+00:00

Document:
IT-Projekte nehmen Fahrt auf - KIPDF.COM
2016 4 D a s M a g a z i n F Ü R M i T g L i E D E R D E R M E D i V E R B Ü n D E • w w w. m e d i - v e r b u n d. d e IT-Projekte nehmen Fahrt au...
Author: Artur Arnold
Freie Fahrt auf Schweizer Schienen, Bergen und Seen
Nichtfinanzielle Unternehmen nehmen versta rkt Euro-Kredite auf
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NIEDERSCHRIFT. Auf Grund der Einladung vom 6. Mai 2014 nehmen an der auf Uhr einberufenen Forstfondssitzung
4 D a s M a g a z i n F Ü R M i T g L i E D E R D E R M E D i V E R B Ü n D E • w w w. m e d i - v e r b u n d. d e
Arztpraxen 2020 Von der Beratung bis zur Gründung – das können MEDI-Mitglieder in Sachen Freiberufler-MVZ erwarten
Ausbau Mit dem Urologievertrag erweitert MEDI Baden-Württemberg die Facharztversorgung
Aufgepasst Praxischefs müssen bei Bewerbungen unbedingt das Allgemeine Gleichstellungsgesetz beachten!
Wenn‘s wirklich drauf ankommt! Versichern im Verbund – Rundumschutz aus einer Hand: Wir sind spezialisiert auf die Beratung von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten. Wir bieten MEDI-Mitgliedern Spezialkonditionen und besondere Rahmenvertragsmodelle. Wir überprüfen und verwalten Ihre bestehenden Verträge regelmäßig auf Aktualität und Vollständigkeit.
MEDI GENO Assekuranz GmbH Tel.: Fax: Mail: Web:
0711 - 80 60 79 - 177 0711 - 80 60 79 - 634 [email protected] www.medigeno-assekuranz.de
Wir brauchen unabhängige Lösungen für alle Praxen
wenn man sich die Berichterstattung in der ärzt-
in diesen Zielen weitergebracht haben. Gemeinsam
lichen Fachpresse anschaut, entsteht der Eindruck,
mit unseren Ärzten sind Programme entstanden, die
eine völlig neue IT-Ära hat Einzug in die Praxen ge-
auch den Anforderungen der Telematikinfrastruktur
halten. E-Health-Gesetz, der Innovationsfonds zur
Förderung neuer Versorgungsmodelle, der elektro-
Bei allem Ehrgeiz war uns immer wichtig, keine
nische Medikationsplan, das elektronische Rezept
Insellösungen zu produzieren, die nur in bestimmten
oder diverse Ansätze einer neuen Arzt-zu-Arzt-
Netzen oder Regionen funktionieren. Wir wollen eine
Kommunikation machen regelmäßig Schlagzeilen.
flächendeckende elektronische Vernetzung für alle
Die Realität in unseren Praxen sieht aber leider
Praxen! In diese Richtung gehen unsere Vernetzungs-
anders aus: Dort dominiert immer noch das gute
projekte – sowohl im Selektivvertrag als auch in der
alte Fax als Kommunikationskanal! Das wäre an-
Regelversorgung. Denn nur wenn es auch hier ein
ders, wenn der Gesetzgeber den 220 Herstellern von
geordnetes Miteinander gibt, können unsere Praxen
Praxissoftwareprogrammen endlich klare Vorgaben
die ambulante medizinische Versorgung in Zukunft
diktieren würde. 220 IT-Hersteller, die in Konkurrenz
zueinander stehen und kein Interesse daran haben, unseren Praxen einfache und funktionierende Lösungen für einen zuverlässigen und sicheren Datenaus-
tausch zu bieten. Deswegen haben wir uns rechtzeitig dafür entschieden, eigene Lösungen für unsere Mitglieder zu finden. Lösungen, die uns unabhängig von der Softwareindustrie machen und unseren Praxen keinen allzu großen Aufwand bescheren. In MikroNova und Doc.Star haben wir zwei Partner gefunden, die uns
Dr. Werner Baumgärtner Vorstandsvorsitzender
Die Vorteile überwiegen ganz klar! Zu »PNP-Vertrag: Mitmachen lohnt sich!«
HAUSARZT- UNd FACHARZTVERTRÄgE 12
Die HZV steigert Qualität und senkt Kosten
Fast 200 Urologen im neuen Facharztvertrag MEDI Baden-Württemberg baut die Facharztverträge mit der AOK
Baden-Württemberg und der Bosch BKK weiter aus. Von den rund 350 niedergelassenen Urologen im Südwesten nehmen schon 197 an der neuen Versorgung teil. Sie bekommen eine bessere Vergütung und haben keine Fallzahlzuwachsbegrenzung.
doc.star – eine Praxissoftware von Ärzten für Ärzte
Vertragsarztsuche mit neuer Optik
Facharztverträge mit der BKK VAG
KU R Z NOT IE RT
Stärkerer Rückgang der Darmkrebsinzidenz
Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung werden im PNP-Vertrag besser versorgt
Aus BAden-WürttemBerg AUS BAdEN-WÜRTTEMBERg
Vernetzung Heilbronn: gute Noten von Ärzten und Patienten N ACH GEFR AGT B EI
Wolfgang Fechter »Netzakte Heilbronn:
Nicht den Überblick verlieren: Gerinnungshemmung anno 2016
Aktuelle Leitlinien und weitere Quellen
Arztpraxen 2020: Diese Unterstützung bekommen MEDI-Ärzte
auf dem Weg in die Breite«
Immer mehr MEDI-Ärzte, die aus Altersgründen einen Nachfolger für ihre Praxis suchen, sehen ihre Zukunft in einem freiberuflichen MVZ. MEDI Baden-Württemberg bietet dafür individuelle Konzepte an.
Kommunen als MVZ-Gründer?
E-Health in Europa: gute Erfahrungen in vielen Systemen
AUS RHEiNlANd-PFAlZ 36
Mit frischen Ideen in den KV-Wahlkampf
mEnschEn BEi mEdi 38
Dr. Stephan Roder
NE UE MITAR BEITE R
Allgemeinmediziner und MVZ-Gründer, Talheim
Herausgeber: MEDI Baden-Württemberg e.V.
Wolfgang Fink, Claudia Mosthaf und Julian Schlipf
Industriestraße 2, 70565 Stuttgart E-Mail: [email protected] Tel.: 0711 806079-0, Fax: -623
Beschwerdemanagement in der Arztpraxis
Das Antikorruptionsgesetz und seine Folgen
Redaktion: Angelina Schütz
ASS . jUR . IVO N A BüTT NER-K Rö BE R
BEA NTWO RTET IHRE R EC HTS FRAG EN
Dürfen Labore ihre Preise wegen des Antikorruptionsgesetzes erhöhen?
Design: Heinz P. Fothen
Hat meine MFA Anspruch auf Weihnachtsgeld? Muss ich bei meinem Anbieter von Hyaluronampullen
Druck: W. Kohlhammer Druckerei
für IGeL bleiben, nachdem er teurer geworden ist?
GmbH & Co. Stuttgart Erscheinungsweise vierteljährlich. Nachdruck nur mit Genehmigung
Abgeber-Workshop mit neuem Konzept
Kennen Sie schon das Patienten-Serviceterminal?
Neue Fortbildungen für MFAs
des Herausgebers. Die nächste MEDItImes erscheint im Dezember 2016. Anzeigenschluss ist der 14. November 2016.
So vermeiden Sie Fehler bei der Personalsuche Das sogenannte Antidiskriminierungsgesetz erschwert die Personalsuche auch für Praxischefs. Die MEDItImes nennt Beispiele, wo mögliche Fallstricke lauern.
TIPP S VO N MED I-REC HTSA SSESS OR IN Foto: Fotolia
IVO NA Bü TTNE R- KRö B ER
Gute Fragen für Ihr Bewerbungsgespräch
SER IE : DATE NS CHU TZ IN A RZ TPR Ax EN
Ist Ihre Praxissoftware wirklich in guten Händen? 59
FüR SIE GEl ESE N Gesundheitsnetzwerke
Strategie, Konzeption, Steuerung 60
VE RAN STA lT UN GEN , FO RT BIl DU NGE N U ND WO RK SHO PS
Stress mit Passwörtern vermeiden!
doc.star – eine Praxissoftware von Ärzten für Ärzte Vor knapp zwei Jahren hat die medIVerBund Ag die praxisverwaltungssoftware doc.star gekauft. mit ihr sollen die medI-praxen weniger Aufwand und Kosten haben und unabhängig von etablierten praxissoftwareherstellern werden. In den kommenden Wochen geht doc.star in BadenWürttemberg in den rollout. endlich, wie medI-Chef dr. Werner Baumgärtner und Werner Conrad, Vorstand der medIVerBund Ag, im gespräch mit Angelina schütz sagen.
MEDItImes: Herr Dr. Baumgärtner, wie viele MEDIPraxen haben doc.star vor dem Rollout genutzt? Baumgärtner: In Baden-Württemberg waren es 20 Pilotpraxen, die alle Mitglied bei unserem Verbund sind. Einige von ihnen arbeiten mit doc.star bereits seit fast zwei Jahren, andere seit einem knappen halben Jahr. MEDItImes: Gehörte Ihre Praxis zu den Pilotpraxen? Baumgärtner: Nein, aber ich habe mit meinem Praxisteam bereits vereinbart, dass wir nächstes Jahr zu doc.star wechseln werden. MEDItImes: Warum war doc.star so lange in der Pilotphase?
Baumgärtner: Weil die Migration bestimmter Daten
» Unser Mitglieder können sich die Kosten für Server und Softwarewartung sparen «
ein größeres Problem darstellte, als wir dachten, und weil renommierte IT-Hersteller alles dafür tun, um diese Migration maximal zu erschweren. Schließlich wird bei diesen Firmen ein Wechsel zu einem Konkurrenten nicht gerne gesehen. Ansonsten mussten wir technisch aufrüsten, um unseren Mitgliedern eine Software as a Service, kurz SaaS, zu ermöglichen. Damit ist eine Software gemeint, die in einem gesicherten Rechenzentrum ohne einen Praxisserver arbeitet. Dadurch entfallen lästige Datensicherungen und Updates für die Praxen. Das hat auch deswegen so lange gedauert, weil gute Entwickler in Deutschland sehr schwer zu bekommen sind.
MEDItImes: Das bedeutet also, nun funktioniert die Conrad: Ich möchte das kurz ergänzen. Wir legen
Software einwandfrei und jede MEDI-Praxis in Baden-
sehr großen Wert auf Service und Sicherheit für un-
Württemberg könnte sofort mit doc.star arbeiten?
sere Mitglieder und haben deswegen darauf geachtet, dass sie einerseits keine unnötigen Kosten und
Baumgärtner: So wurde es mir bei meinem letzten
wenig Administrationsaufwand für ihre Praxissoft-
Besuch bei Doc.Star in Köln versichert und genauso
ware haben und andererseits die höchstmögliche
haben uns das unsere Pilotpraxen vermittelt.
Datensicherheit und den bestmöglichen Datenschutz bekommen.
MEDItImes: Können auch MEDI-Mitglieder in anderen Bundesländern doc.star nutzen?
MEDItImes: Und wie konnte das sichergestellt werden?
Baumgärtner: Grundsätzlich ja. Wir möchten aber erst einmal in Baden-Württemberg klar Schiff machen,
Conrad: Durch unsere rechenzentrumsbasierte Pra-
damit unsere Praxen hierzulande zufrieden sind und
xissoftware sparen unsere Mitglieder Kosten für ei-
reibungslos mit doc.star arbeiten können.
nen eigenen Server und können sich darauf verlassen, dass ihre Daten in gesicherten Rechenzentren
MEDItImes: Herr Conrad, welche sind die wichtigsten
gespeichert werden. Das bedeutet, dass die Praxis-
Vorteile der Software?
inhaber eigenhändig keine Datensicherung mehr durchführen müssen – das wird im Rechenzentrum
Conrad: Die Vorteile der SaaS-Lösung hat Herr Dr.
erledigt. Ebenso werden die Updates, die mindes-
Baumgärtner ja bereits angesprochen. Die Big Points
tens einmal pro Quartal eingespielt werden müssen,
aus Anwendersicht sind für mich ganz klar weniger
für den Arzt automatisch eingespielt. Das ist Service!
Administrationsaufwand für die Praxen, höhere Daten-
Auf der anderen Seite haben wir technisch zum
sicherheit dank des Rechenzentrums bei Gewähr-
Beispiel sichergestellt, dass die Transportstrecke zwi-
leistung des Datenschutzes, eine moderne Software-
schen der Praxis und dem Rechenzentrum mehrfach
architektur, Betriebssicherheit durch Nutzung von
gesichert und verschlüsselt ist. Wir haben unter an-
Microsoft-SQL-Datenbanken und keine zusätzlichen
derem eine eigene Hardware in den Praxen, die ei-
Kosten oder kein Aufwand für Server und Back-up in
nen VPN-Tunnel zum Rechenzentrum aufbaut.
den Praxen.
Zusätzlich bereiten wir eine Umsetzung der Zertifizierung nach ISO 27001 und ISO 27018 vor. Letztere
MEDItImes: doc.star ist ja auch ein Produkt, das nach
existiert erst seit 2015 und soll gerade rechenzentrums-
dem MEDI-Motto „Von Ärzten für Ärzte“ weiterent-
basierte Lösungen absichern.
wickelt wurde. Wie ging das vonstatten?
» Unsere Mitglieder haben an allen relevanten Entwicklungen der Software mitgearbeitet «
Conrad: Dazu wurde ein eigener Softwarebeirat, also eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, in der auch ITaffine MEDI-Ärzte mitarbeiten. Dieser Beirat trifft sich regelmäßig und thematisiert alles, was für die Ärzte und Praxismitarbeiterinnen im Arbeitsalltag relevant ist. Sei es nun die Entwicklung diverser Anwendungen oder die Priorisierung von Arbeitsschritten. Dort werden selbstverständlich auch entsprechende Tools wie das neue Medikationsmodul entwickelt.
MEDItImes: Das klingt nach aufwendigen und langen Arbeitsprozessen. Conrad: Das stimmt, aber die Mitglieder des Beirats profitieren ja selbst davon, wenn unser System ver-
2011 hat der Urologe Rainer Feinen das Unterneh-
bessert und vereinfacht wird.
men Doc.Star gegründet. Auf Basis einer zuvor entworfenen Praxissoftware entwickelte er eine Software
Baumgärtner: Für mich stand immer an erster Stelle,
mit gleichem Namen weiter, die Abläufe, Service und
dass wir eigene ärztliche Lösungen auf allen Ebenen
Kommunikationswege optimieren sollte. Es war die
entwickeln müssen, um uns unabhängig zu machen.
erste zertifizierte, webbasierte medizinische Praxisver-
Solche Prozesse sind aber nicht nur aufwendig und
waltungssoftware. Sie kann im Rechenzentrum oder
teuer, sondern werden auch von der Konkurrenz zu-
lokal in der Praxis betrieben werden, die Lizenzierung
nehmend kritisch begleitet und beklagt.
richtet sich nach der Anzahl der Ärzte. doc.star bietet alle wichtigen Funktionen für den Praxisalltag mit
MEDItImes: Die Manpower für doc.star wurde in den
moderner Patientenverwaltung und elektronischer
letzten Jahren kontinuierlich erhöht. Warum?
Patientenakte. Zudem sind alle gängigen Abrechnungsvarianten möglich. Datensicherheit und Daten-
Conrad: Weil wir unseren Mitgliedern mit doc.star
schutz sind ebenfalls gewährleistet.
von Beginn an ein gutes und anwenderfreundliches Produkt anbieten wollten, das wir dementsprechend
mit hohem Aufwand weiterentwickelt haben. Schließlich sind die Anforderungen an eine Praxissoftware enorm hoch und die wollten wir ja erfüllen, wenn wir mit einem eigenen Produkt in den Markt gehen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Praxissoft8
ware inzwischen einen kritischen Faktor für den
Conrad: Weil der Markt für Softwareentwickler grund-
Erfolg einer Arztpraxis darstellt. Daher muss eine unter-
sätzlich hart umkämpft ist. Gerade in Ballungsräumen
nehmenskritische Applikation auch den hohen Anfor-
wie Köln und Stuttgart sind solche Fachleute Mangel-
derungen an eine professionelle Software in Entwick-
lung, technischem Service und Sicherheit gerecht werden können. Das sind alles Punkte, die nun einmal
MEDItImes: Was wünschen Sie beide sich für die
mit einem hohen personellen Aufwand verbunden
Zukunft in Sachen Praxis-IT?
sind. Baumgärtner: Die beste Technik zu den besten KonMEDItImes: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen sich
ditionen und uns als ernst zu nehmenden Player
ausschließlich mit doc.star?
auch im IT-Bereich. Das sind wir unseren Mitgliedern und den freiberuflichen Praxen einfach schuldig.
Conrad: Inzwischen arbeiten zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Köln und Stuttgart ausschließlich
Conrad: Dem stimme ich zu. Ich wünsche mir außer-
für doc.star. Und wir suchen nach wie vor weitere
dem, dass wir unseren Mitgliedern die Software bie-
Fachleute für Softwareentwicklung und Support.
ten können, die ihnen dabei hilft, die derzeitigen und künftigen Herausforderungen zu meistern.
MEDItImes: Was man so hört, tun Sie sich schwer damit. Warum?
MEDItImes: Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.
Zu »pnp-VertrAg: mItmAChen Lohnt sICh!«
Die Vorteile überwiegen ganz klar! 2016
2 D a s M a g a z i n F Ü R M i T g L i E D E R D E R M E D i V E R B Ü n D E • w w w. m e d i - v e r b u n d. d e
MEDI Verbünde legen Ziele für KV-Wahlen fest
Insbesondere für psychotherapeutisch tätige Kollegen lohnt sich der Vertrag: Das lästige Antragsverfahren entfällt, die Einzelsitzung ist besser vergütet als im KV-System und Gruppensitzungen können neben der Einzelpsychotherapie durchgeführt werden. Die anfängliche Befürchtung, wir würden durch den Vertrag mit AOK-Patienten überschwemmt werden oder gar gezwungen sein, für sie ständig Termine vorzuhalten, ist nicht eingetreten. Auch
Perspektive MEDI-Arzt Dr. Roland Kolepke stellt sein Praxiskonzept vor
die Angst, von der AOK kontrolliert zu werden,
Powertruppe Darum ist die IT die größte Abteilung beim MEDI Verbund
kann ich nicht bestätigen. Die Urlaubsvertretungen
Psychotherapeutische Versorgung Mehr Honorar und Therapiefreiheit nun auch im DAK-Vertrag
sind völlig unproblematisch und das „Berichtswesen“ ist nicht wesentlich anders als davor. Die Software wird ständig weiterentwickelt und aktuSeit Beginn bin ich als neurologisch und psychia-
alisiert und die Budget-Situation entspannt sich
trisch tätiger Facharzt im PNP-Vertrag eingeschrie-
insgesamt, da die Bereinigung mit der KV besser
ben. Aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen
geklärt ist. Alles in allem also gute Gründe, am
kann, zögern immer noch relativ viele Kollegen,
PNP-Vertrag teilzunehmen.
sich in den Vertrag einzuschreiben, und sehen die
Dr. Berthold Graf,
Vorteile darin nicht. Sicher, am Anfang sind eini-
ge Umstellungen, auch für das Praxispersonal, er-
forderlich. Aber vieles wird auch einfacher: Die Honorarzahlungen erfolgen schneller als bei der KV, neurologisch und vor allem psychiatrisch sind viele Behandlungssituationen, wie zum Beispiel
Leserbriefe sind Stellungnahmen der Leserinnen
die psychiatrischen Gesprächsleistungen, wesent-
und Leser. Ihr Inhalt gibt ausschließlich die An-
lich besser vergütet. Es wird immer wieder nach-
sicht der Einsender wieder, die mit der Meinung
gebessert, beispielsweise für „Mischfälle“, bei de-
der Redaktion nicht unbedingt übereinstimmen
nen ein psychiatrischer Behandlungsbedarf bei
muss. Die Redaktion behält sich, Leserbriefe vor
neurologischen Patienten erforderlich wird.
ihrer Veröffentlichung zu prüfen und zu kürzen.
hAusArzt- und fAchArztvErträgE
Gute Ergebnisse durch das Zusammenspiel von Haus- und Fachärzten. Werner Baumgärtner (MEDI), Christopher Hermann (AOK), Ferdinand Gerlach (Universität Frankfurt), Joachim Szecsenyi (Universität Heidelberg) und Berthold Dietsche (HÄV) stellten ihre Ergebnisse in Berlin vor.
versorgung zu geringeren Ausgaben im Vergleich zur kollektivvertraglichen Regelversorgung. Das ist das Ergebnis des Mitte Juni vorgelegten dritten Evaluationsberichts, der unter Federführung der Professoren Ferdinand Gerlach (Universität Frankfurt) und Joachim Szecsenyi (Universität Heidelberg) erarbeitet worden ist. Aktuell ist der Zeitraum von 2011 bis 2014 unter-
Intensivere hausärztliche Betreuung und eine besser koordinierte Inanspruchnahme von Fachärzten in der hausarztzentrierten Versorgung führen zu geringerer hospitalisierung und mindern – etwa bei diabetikern – schwere spätkomplikationen. ergebnisse des dritten evaluationsberichts.
sucht worden.
Höhere Betreuungsintensität Verglichen mit der Regelversorgung erfahren die in der HZV eingeschriebenen Versicherten eine deutlich höhere Betreuungsintensität durch die von ihnen gewählten Hausärzte: So stieg die Zahl der Hausarztkontakte der HZV-Versicherten zwischen 2011 und 2014 von 11,8 auf fast 13 Kontakte im Jahr, während die Zahl der Kontakte in der Regelversorgung mit 8,5
Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) nach Para-
bis 9,7 geringer war.
graf 73b SGB V, mit der die AOK Baden-Württemberg
Zugleich belegen die Ergebnisse, dass die Gesund-
gemeinsam mit dem dortigen Hausärzteverband und
heitsversorgung von HZV-Versicherten durch die Lot-
dem MEDI Verbund 2008 gestartet ist, verringert die
senfunktion ihrer Hausärzte besser koordiniert wird:
Morbiditätslast und führt per saldo aufgrund von Ein-
So kam es bei den HZV-Versicherten 2012 und 2013
sparungen in der stationären und der Arzneimittel-
nur zu einem leichten Anstieg unkoordiniert in An-
spruch genommener Fachärzte – von 1,80 auf 1,84
22,2 (2014), in der Regelversorgung jedoch deut-
und 1,94 Facharztkonsultationen, die nicht auf Über-
lich stärker von 21,4 auf 26,1. Die relative Differenz
weisung des Hausarztes zustande kamen. Im Jahr
wuchs in den Jahren 2011 bis 2014 von 10,7 auf
2014 sank die Zahl dieser Konsultationen auf 1,62.
14,9 Prozent zugunsten der HZV.
Anders dagegen die Entwicklung in der Regelver-
• Wiedereinweisungen innerhalb von vier Wochen:
sorgung: Hier stieg die Zahl der unkoordinierten Fach-
Die Rate fällt von 14,5 (2011) bis 17 (2014) je 100
arztkontakte von 1,97 (2012) auf 2,79 (2013) sprung-
Versicherte ebenfalls zugunsten der HZV aus. Mit
haft an – wohl auch eine Folge der Abschaffung der
15,9 bis 19,8 je 100 Versicherte ist die Rehospita-
Praxisgebühr. Die Unterschiede zur HZV zeigen insge-
lisierungsrate in der Regelversorgung höher und
samt eine bessere Versorgungssteuerung durch den Hausarzt, die im Zeitablauf tendenziell noch stärker ausgeprägt ist.
nimmt auch stärker zu.
• Stationäre Kosten: Sie liegen je eingewiesenen HZVPatienten zwischen 5143 (2011) und 5897 (2014) Euro und damit zwischen 3,4 und 7,8 Prozent gün-
Positive Effekte bei Klinik-Indikatoren
stiger als bei den Patienten in der Regelversorgung
Ein wesentliches Ziel der HZV – in Kombination mit
(5324 und 6399 Euro).
Facharztverträgen nach Paragraf 73c/140a SGB V – ist es, unnötige Krankenhauseinweisungen zu ver-
Signifikante Qualitätsunterschiede zwischen HZV- und
meiden. Die Ergebnisse im Einzelnen:
Regelversorgung fanden die Studienautoren auch bei
• Vermeidbare Krankenhauseinweisungen: Pro 100
folgenden Indikatoren: der jährlichen Influenza-Imp-
eingewiesene Versicherte waren in der HZV zwi-
fung von älteren Patienten, dem generellen Risiko für
schen 13,6 (2011) und 15 (2014) Krankenhaus-
Krankenhauseinweisungen bei Diabetikern ebenso
einweisungen vermeidbar, in der Regelversorgung
wie beim diabetesspezifischen Risiko für Hospitali-
zwischen 14,7 und 16,1. Die relative Differenz liegt
sierung sowie der Krankenhausaufnahme wegen
zwischen 6,8 (2014) und 8,6 (2012) Prozent zu-
kardiovaskulärer Diagnosen. Gerlach und Szecsenyi
gunsten der HZV.
stellen dazu fest: „Die Schere öffnet sich weiter. Die
• Die durchschnittliche Hospitalisierungsrate je 100 Versicherte stieg in der HZV von 19,1 (2011) auf
Qualitätsentwicklung in der HZV kann daher als nachhaltig bezeichnet werden.“
Durchschnittliche Versorgungskosten in Euro pro Versicherten 2014
Für die einzelnen Teilkosten und für die Gesamtkosten wurden unterschiedliche Regressionsanalysen gerechnet, die für die jeweilige Verteilung angemessen waren. Das war notwendig, weil die Kostenkomponenten sich in ihrer Verteilung unterscheiden und daher die statistischen Signifikanzen und prozentualen Unterschiede einzeln zu ermitteln waren. Die Ge-
* Quelle: Laux et al. (Universität Heidelberg): Arbeitspaket I zur Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) nach § 73b SGB V in Baden-Württemberg (2013–2016); Studienphase 2015–2016
samtkosten weichen deshalb geringfügig von der Summe der Einzelkosten ab.
die Häufigkeit schwerer Komplikationen als Folge der
Grunderkrankung hat. Eine Modellhochrechnung für die Jahre von 2011 bis 2013 zeigt für 119.000 Diabetiker in der HZV-Gruppe ein niedrigeres Komplikationsrisiko:
• 389 vermiedene Fälle von dialysepflichtiger
Wissenschaft bestätigt: AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg wirkt
139 vermiedene Erblindungen, 260 Fälle weniger an Amputationen, 450 weniger Herzinfarkte, 500 weniger Schlaganfälle.
Ursächlich dafür sei auch eine höhere Teilnahmerate der HZV-Versicherten an Disease-Management-Programmen. So nahmen zwischen 2011 und 2014 kontinuierlich fast 78 Prozent der HZV-Versicherten mit
Schlaganfälle –500
Erblindungen –139
Diabetes mellitus Typ 2 am DMP Diabetes teil, in der Kontrollgruppe aus der Regelversorgung lag die Teilnahmerate bei etwa 55 Prozent. Qualitätseffekte lassen sich auch für Patienten mit Koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz nach-
Herzinfarkte –450 Dialysepflicht –389
weisen. Modellhochrechnungen ergeben folgendes Bild:
• KHK-Patienten haben ein geringeres Risiko für Krankenhauseinweisungen, sind häufiger gegen Influenza geimpft und weisen weniger Krankenhaustage auf.
• Herzinsuffizienzpatienten haben ebenfalls ein geringeres Hospitalisierungsrisiko, werden häufiger mit ACE-Hemmern oder AT1-Blockern behandelt
Amputationen –260
und haben ein geringeres Risiko für eine potenzielle medikamentöse Unterversorgung.
Strukturiertes Zusammenspiel mit Fachärzten Ein Charakteristikum des Selektivvertragssystems der AOK Baden-Württemberg sind die ab 2010 gemeinsam mit der Bosch BKK geschlossenen Facharztverträge nach Paragraf 73c SGB V, und zwar mit KardioQuelle: Publikation zur Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg – Ausgabe 2016 (www.neue-versorgung.de)
logen, Gastroenterologen, Psychiatern, Neurologen und Psychotherapeuten sowie mit Orthopäden und Chirurgen. In der vorliegenden Studie wurde auch erstmals untersucht, inwieweit sich daraus eine weitere Verbesserung der HZV-Versorgung ergibt. So
Diabetes: weniger Komplikationen
zeigte sich etwa bei KHK-Patienten, Patienten mit
Erstmals ist es im Rahmen der dritten Evaluation ge-
Vorhofflimmern und nach akutem Herzinfarkt noch-
lungen, auch relevante Effekte in Bezug auf harte
mals eine Verstärkung der positiven HZV-Effekte.
Endpunkte nachzuweisen. Es wurde untersucht, ob
Parameter waren die Inanspruchnahme spezieller
die HZV bei Diabetikern einen günstigen Einfluss auf
kardiologischer Verfahren (Koronarangiografie und
-intervention), Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten und die leitliniengerechte Pharmakotherapie. „Dieses strukturierte Zusammenspiel im ambu-
lanten Sektor erweise sich gerade im Hinblick auf die Alterung unserer Gesellschaft und die damit einhergehende Zunahme der Zahl chronisch erkrankter und multimorbider Patienten als zunehmend wichtig“, kommentierte Gerlach. Eine wichtige Rolle in der HZV spielt auch die zur
Verglichen wurden 861.223 hZV-Versicherte mit 729.189 nicht in der hZV eingeschriebenen Versicherten der AoK Baden-Württemberg. Basis: routinedaten der Kasse.
Versorgungsassistentin aufgewertete Medizinische Fachangestellte, die den Hausarzt offenkundig spürbar entlastet, wie aus einer gesonderten Umfrage in Praxen hervorgeht. Drei Viertel der Ärzte, die eine
hZV-Versicherte sind im durchschnitt älter und kränker als in der Kontrollgruppe; diese unterschiede wurden analytisch berücksichtigt.
VERAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) beschäftigen, nehmen dies so wahr und fast zwei Drittel spüren dies auch bei Hausbesuchen. Der überwiegende Teil der Patienten (57 Prozent) akzeptiert es, wenn der Arzt nur noch in dringenden medi-
Adjustierung, um risikoverzerrungen zu vermeiden: hinsichtlich Alter, geschlecht, morbidität, pflegestufen, Aufenthalt in pflegeheimen, teilnahme an dmp, Lage der praxis, praxisgröße sowie praxisart.
zinischen Fällen einen Hausbesuch abstattet. Nachdruck aus der »Ärzte Zeitung« vom 22.06.16
Berufsverbände mit an Bord Vertragspartner auf ärztlicher Seite sind MEDI BadenWürttemberg, der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) sowie die Arbeitsgemeinschaft der niedergelassenen Urologen (AGNU). Versicherte der beiden Krankenkassen können mit einer ÜberweiFoto: Fotolia
sung ihres Hausarztes einen teilnehmenden Urologen aufsuchen, wenn sie im Hausarzt- und Facharztprogramm eingeschrieben sind. Andernfalls ist noch eine Einschreibung in die beiden Programme nötig. HZV-Hausärzte wiederum können die Versicherten
Fast 200 Urologen im neuen Facharztvertrag
nur zu solchen Urologen überweisen, die auch am Facharztvertrag teilnehmen. Damit setzen MEDI und die beiden Krankenkassen die Systematik ihrer Facharztverträge nach §§ 73c und 140a SGB V fort.
Bezahlung nach Arbeitsaufwand „Der Urologe erhält eine adäquate Honorierung, da-
seit oktober können niedergelassene urologen die Versicherten der AoK Baden-Württemberg und der Bosch BKK im rahmen des Facharztprogramms behandeln. 197 mediziner nehmen bisher an der Versorgung teil. sie bekommen alle Fälle bezahlt und eine bessere Vergütung, die bei rund 30
mit er gemeinsam mit seinen Patienten die bestmögliche Entscheidung treffen kann“, sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstand der AOK Baden-Württemberg. Die Vergütungsstruktur orientiert sich konsequent am Informations- und Beratungsbedarf. „So erfordert beispielsweise die Prostatakrebs-Früherkennung ein ausführliches Gespräch, um gemeinsam mit dem Patienten zu einer Entscheidung zu kommen“, erin-
prozent über dem KV-niveau liegt.
nert Dr. Michael Rug, Vorsitzender des BDU-Landesverbandes Baden. Mehr Beratungszeit ist auch bei der Therapie von Prostatakrebs nötig, weil die Tumore sich unterscheiden und ein differenziertes Vorgehen erfordern. „Bei
Neben moderner Apparatemedizin liegt der Fokus
den als Low Risk eingestuften Tumoren besteht eine
auf mehr Zeit des Arztes für Beratung und gemein-
sehr gute Prognose für den Patienten, sodass hier
samer Entscheidungsfindung mit dem Patienten. In-
eine Operation oft unnötig ist“, betont Dr. Robert
haltlich geht es vor allem um eine gegenseitige, zeit-
Rudolph, Vorsitzender der AGNU. Da eine Prostata-
nahe Information und eine strukturierte fachüber-
operation außerdem Nebenwirkungen wie Impotenz
greifende Kooperation bei Diagnostik und Therapie.
oder Inkontinenz mit sich bringen kann, empfehlen
Je nachdem, wie stark sich die Erkrankung auf die
die medizinischen Leitlinien die aktive Überwachung
individuelle Lebensgestaltung auswirkt, kann der
mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. „Wir wollen
Urologe zusätzlich den Sozialen Dienst der AOK oder
durch eine partnerschaftliche Entscheidungsfindung
die Patientenbegleitung der Bosch BKK in Anspruch
mit dem Patienten mehr Betroffenen den Zugang zur
aktiven Überwachung ermöglichen“, so Rudolph. 1
kannt ist. Dass der beauftragte Jurist aus eigenem
Alles in allem bietet der neue Vertrag deutliche Vor-
Antrieb gehandelt hat, ist für die Vertragspartner eher
teile für Ärzte und Patienten. Umso klarer distanzie-
unwahrscheinlich. „Wir wissen, dass es in Deutsch-
ren sich die Partner der „Gutachterlichen Stellung-
land nicht nur Befürworter der Selektivverträge gibt.
nahme“ des Rechtanwalts Dr. Jörg Hohmann, das
Wir begrüßen seriöse Kritik an den Verträgen, aber
einige Wochen nach Vertragsunterschrift publik ge-
diese plumpe und anonyme Polemik verdient die
macht wurde. „Das Papier stellt für MEDI Baden-
Bezeichnung ‚Gutachterliche Stellungnahme‘ nicht“,
Württemberg und AOK Baden-Württemberg eine
stellt der MEDI-Vorsitzende klar.
simple Aneinanderreihung unbelegter Behauptun-
gen dar und listet spekulative Meinungen auf, die leicht zu widerlegen sind“, sind sich die beiden
Alle Informationen zum Vertrag und das
Partner einig. Es werde auf durchschaubare Art und
öffentliche statement von AoK und medI
Weise versucht, mit Nadelstichen gegen wirkungs-
Baden-Württemberg zum hohmann-papier
volle und erfolgreiche Verträge zu polemisieren.
gibt es auf www.medi-verbund.de in der
„Richtig ist, dass unsere Selektivverträge seit fast
rubrik »Ärzte« und dort unter »Verträge«.
zehn Jahren praxiserprobt sind, wissenschaftlich evaluiert und nach geltendem Recht und Gesetz laufen, was auch für den neuen Urologievertrag gilt“, betont Baumgärtner. Hinzu kommt, dass der Auftraggeber wohl das Licht der Öffentlichkeit scheut und bisher nicht be-
Vertragsarztsuche mit neuer Optik Die MEDIVERBUND AG hat die Arztsuche für die Facharztverträge
tomatisch, welches Endgerät der Anwender nutzt, und stellt ihm
nach §§ 73c/140a SGB V neu gestaltet. Die Optik ist jetzt moder-
eine entsprechende Version zur Verfügung.
ner und übersichtlicher, Ärzte, Psychotherapeuten und Patienten
Die Vertragsarztsuche ist aber nicht nur anwenderfreundli-
können ihre Kollegen beziehungsweise Behandler nun auch per
cher geworden, sie enthält auch neue Informationen über Praxen,
Smartphone finden. Die MEDI-Internetseite erkennt nämlich au-
die an den Facharztverträgen teilnehmen. So können Ärzte und Therapeuten ihre Öffnungszeiten angeben, auf eine vorhandene Barrierefreiheit ihrer Praxis hinweisen oder sogar Fremdsprachen angeben.
Arztportal wird folgen Beim Relaunch der Vertragsarztsuche soll es aber nicht bleiben. In einem nächsten Schritt will die IT-Abteilung der MEDIVERBUND AG das Arztportal fertigstellen. Dort werden Mediziner und Psychotherapeuten, die an Facharztverträgen teilnehmen, ihre Daten für die Arztsuche und ihre Verträge selbst einstellen und aktualisieren können. Außerdem erhalten sie über das Portal wichtige Vertragsdokumente wie beispielsweise Abrechnungsbriefe. sg/as
Mehr Optionen für Behandler Im Gegensatz zum KV-System hat der teilnehmende Facharzt deutlich mehr Optionen, die Versorgung flexibel auf das Krankheitsbild und die Lebenssituation des Patienten abzustimmen. Durch die bessere und strukturiertere Zusammenarbeit zwischen
MEDI Baden-Württemberg baut sein Vertragsnetz weiter aus. Unter
Haus- und Fachärzten sollen auch unnötige Krankenhauseinwei-
Beteiligung einiger Facharztverbände gibt es nun auch mit der Ver-
sungen und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Darüber
tragsarbeitsgemeinschaft der Betriebskrankenkassen in Baden-
hinaus streben die Partner eine rationale Pharmakotherapie an, da-
Württemberg (BKK VAG) Facharztverträge für Kardiologie und Gas-
mit die Ärzte wirtschaftlich verordnen und keine Regresse riskieren.
troenterologie. Unter dem Titel „Mein Facharzt“ können BKK-Versi-
Auch bei den Kardiologie- und den Gastroenterologieverträgen
cherte, die bereits im Hausarztvertrag ihrer teilnehmenden Be-
mit der BKK VAG gibt es keine Fallzahlbeschränkung und die Ärzte-
triebskrankenkasse eingeschrieben sind, die Vorteile der neuen
honorare liegen rund 30 Prozent über dem KV-Niveau. Die Vergü-
fachärztlichen Versorgung nutzen. Im Fokus steht die Therapie
tung setzt sich zusammen aus einem Mix von Pauschal- und Ein-
schwerwiegender und aufwendiger Krankheiten. Wie bereits in
zelleistungsvergütungen sowie Qualitätszuschlägen. Damit soll
den etablierten Facharztverträgen mit anderen Kassen im Land
eine leitliniengerechte Behandlung inklusive aller notwendigen
profitieren auch die BKK-Versicherten künftig von einem schnel-
Untersuchungen sichergestellt und finanzielle Fehlanreize für un-
leren Behandlungsbeginn, einer strukturierteren und flexibleren
nötige Untersuchungen vermieden werden.
Versorgung sowie Früh- oder Abendsprechstunden für Berufstätige. 1
Gute Noten für Orthopädie-QZ Orthopäden und Chirurgen, die am Facharztprogramm teilnehmen, sind mit ihren Qualitätszirkeln (QZ) sehr zufrieden. Das zeigen Auswertungen des AQUA-Instituts. Mit 1,7 benoteten die QZ-Teilnehmer die Klärung inhaltlicher Fragen und den Erfahrungsaustausch mit
Zuschlag für Kardiologen
Kollegen. Die Arbeitsatmosphäre wurde sogar mit 1,5
Ergänzend zu den guten Evaluationsergebnissen der
dievertrags: hohe Behandlungsqualität und patienten-
HZV zeigt die in den Selektivverträgen verankerte Zu-
orientierte Beratung.
bewertet. Die QZ unterstützen die Ziele des Orthopä-
sammenarbeit von Haus- und Fachärzten auch bei den Krankenhauseinweisungen in der Kardiologie Wirkung. Aufgrund weniger Krankenhauseinweisungen
Über 500 VERAHmobile
zahlten die Vertragspartner den Qualitätszuschlag für
In Baden-Württemberg sind inzwischen 542 VERAH-
zielgenaue stationäre Einweisungen in Höhe von 20
mobil-Fahrzeuge im Einsatz. Alle Hausärzte, die an
Euro für Patienten mit Herzinsuffizienz, KHK oder Herz-
der hausarztzentrierten Versorgung der AOK im
rhythmusstörungen auch für das Jahr 2014 aus. Die
Südwesten teilnehmen und eine VERAH beschäftigen,
teilnehmenden Kardiologen erhielten insgesamt
können den VW up! zu besonders günstigen Kondi-
rund 220.000 Euro.
tionen leasen.
Stärkerer Rückgang der Darmkrebsinzidenz Innerhalb der selektivverträge geht im Vergleich von 2009 zu 2014 die darmkrebsinzidenz bei den 55- bis 85-Jährigen zurück. das zeigt sich bei teilnehmern am AoKhausarztvertrag deutlich stärker als in der regelversorgung.
Der Rückgang der Inzidenzraten betrug bei Frauen
tenzial hat, die Inzidenz und dadurch auch die
minus 14,1 zu minus 6,0 Prozent und bei Männern
Mortalität von Darmkrebs zu verringern. Bei der
minus 32,5 zu minus 13,8 Prozent. Wesentlich dazu
Auswertung der Inzidenzraten im Zeitraum 2009 bis
beigetragen hat die seit 2011 jährlich stattfindende
2014 wurden Daten der anspruchsberechtigten AOK-
Kampagne „Darm-Check“. Sie motiviert die am Haus-
Versicherten im Alter von 55 bis 85 Jahren ausge-
und Facharztvertrag teilnehmenden Versicherten
wertet. Die Rate der Neuerkrankungen ging im Be-
durch zielgerichtete Informations- und Servicemaß-
trachtungszeitraum bei HZV-Versicherten um 24,5
nahmen zur Durchführung einer Vorsorgekoloskopie.
(Regelversorgung: 8,5) pro 100 Tsd. Versicherten bei
Die Zahlen der AOK Baden-Württemberg stehen
Männern und bei Frauen um 9,6 (Regelversorgung:
im Einklang mit Ergebnissen anderer Untersuchun-
1,8) zurück. Das Ausgangsniveau der HZV-Versicher-
gen, die zeigen, dass die Vorsorgekoloskopie das Po-
ten im Jahr 2009 lag bei Männern mit 81,7 Neuer-
krankungen pro 100 Tsd. Versicherten deutlich über dem Niveau der Frauen mit 49,6 Neuerkrankungen. Ab 2017 ist ein Einladungsverfahren
Arriba-Software-Tool »Depression«
für die Früherkennung durch die Vorsorgekoloskopie gesetzlich vorgeschrieben.
Mit arriba können Hausärzte im AOK-
teilungen leicht-, mittel- oder schwergra-
Die AOK und die Bosch BKK setzen das
Hausarztvertrag seit 2009 für ihre Patien-
dig erhält der Arzt differenzierte Informa-
Einladungsverfahren bereits seit 2011 um.
ten eine individuelle Risikoprognose für
tionen und Einschätzungen zu den Be-
Im Ergebnis lag die Rate der Vorsorge-
Herzinfarkt und Schlaganfall erstellen.
koloskopien bei den angeschriebenen
Inzwischen steht auch das Depressions-
Die Befragung dauert höchstens fünf
Patientinnen und Patienten in der Alters-
Modul zum Download bereit. Kern ist
Minuten. Wenn sich kein Anhaltspunkt
gruppe der 55- bis 59-Jährigen im Durch-
der sogenannte PHQ-9-Fragebogen, der
für eine Depression zeigt, ist das Thema
schnitt rund 50 Prozent höher als in der
als Screening-Instrument zur Diagnostik
vom Tisch. Psychiater und Psychothera-
von Depressivität für den routinemäßi-
peuten werden entlastet, wenn sie sich
gen Einsatz im somatisch-medizinischen
darauf verlassen können, dass der Haus-
Bereich entwickelt wurde. Er beinhaltet
arzt ihnen nur Patienten überweist, bei
neun Fragen, die Arzt und Patient ge-
denen die Möglichkeiten der Grundver-
meinsam durchgehen. Der Schweregrad
sorgung ausgeschöpft sind.
der Depression wird per Punkte-Score aus den Antworten ermittelt. Für die drei Ein-
Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung werden im PNP-Vertrag besser versorgt patienten, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (ptBs) leiden, brauchen möglichst sofort hilfe. schwer traumatisierte patienten benötigen vor allem auch eine sehr intensive und zeitaufwendige psychotherapeutische Behandlung. In der regelversorgung ist das nicht gewährleistet. gut, dass hier der pnp-Vertrag zum 1. oktober durch eine Vertragsneuerung Abhilfe geschaffen hat.
bulanter oder stationärer Behandlung waren, landesweit von 8.941 im Jahr 2011 kontinuierlich auf 14.740 in 2015 erhöht. Betroffen sind alle Altersklassen, Frauen mehr als doppelt so häufig wie Männer.
Evidenzbasierte Diagnosesteuerung „Die Patienten bekommen genau die psychotherapeutische Behandlung, die für ihre Diagnose und für die Schwere der Erkrankung richtig und angemessen ist“, erläutert Dr. Alessandro Cavicchioli, Landesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), der als Experte den fachlichen Teil der Neuerung im PNP-Vertrag vertreten hat. Anders als in der Regelversorgung orientiert sich die psychotherapeutische Behandlung im PNP-Vertrag (Psychiatrie/
Bereits jetzt können Patienten, die psychotherapeu-
Neurologie/Psychotherapie) an einer „evidenzbasier-
tisch versorgt werden müssen, im Facharztprogramm
ten Diagnosesteuerung“, erläutert Dipl.-Psychologe
der AOK Baden-Württemberg, der Bosch BKK und von
Rolf Wachendorf, Sprecher der Freien Liste der Psy-
MEDI Baden-Württemberg schneller, besser und län-
chotherapeuten und psychotherapeutischer Vertrags-
ger als in der Regelversorgung betreut werden. Speziell
verhandler für MEDI Baden-Württemberg.
für Patienten mit einer PTBS ist künftig darüber hinaus
„Bei schwer traumatisierten Patienten, zum Bei-
im Facharztprogramm eine noch intensivere psycho-
spiel mit einer langjährigen Missbrauchserfahrung,
therapeutische Behandlung möglich.
gehen wir über die im PNP-Vertrag ohnehin schon
Nach Angaben der AOK Baden-Württemberg hat
guten Behandlungsmöglichkeiten noch hinaus“, be-
sich die Zahl der Patienten, die wegen PTBS in am-
tont Wachendorf. Seit Oktober können deshalb für
Patienten mit einer PTBS, bei denen zusätzlich eine
mehrseitiges Gutachten erstellt werden, um eine Ge-
psychiatrische Komorbidität besteht, insgesamt 210
nehmigung für eine Verlängerung der Behandlung zu
Therapiestunden ohne Genehmigung der Kassen hoch-
bekommen; im PNP-Vertrag reicht es aus, ein kurzes
frequent abgerechnet werden.
Zum Vergleich, so Cavicchioli: „In der Regelversor-
Für alle Versicherten der AOK Baden-Württemberg
gung sind die wissenschaftlich nachgewiesenen effek-
und der Bosch BKK, die in den PNP-Vertrag einge-
tiven Therapien zeitlich begrenzt. Für die Verhaltens-
schrieben sind, gilt: Es gibt keine langen Wartezeiten
therapie ist nach 80 Stunden und bei der tiefenpsy-
für einen Behandlungstermin beim Psychotherapeu-
chologisch fundierten Therapie nach 100 Stunden
ten und kein aufwendiges Antrags- und Gutachter-
Schluss, obwohl der Erfolg noch nicht gesichert ist.“
verfahren zur Klärung der Kostenübernahme. Die be-
„Hochfrequent“ bedeutet, dass der Patient mit einer
darfsgerechte Versorgung auch bei psychischen
PTBS-Diagnose, falls erforderlich, auch mehrmals
Erkrankungen wird durch die enge Zusammenarbeit
pro Woche therapiert wird. Zum Beispiel um einer
von Haus- und Facharzt, die durch die Verknüpfung
Re-Traumatisierung entgegenzuwirken.
von hausarztzentrierter Versorgung und Facharztprogramm gewährleistet ist, sichergestellt. Am PNP-Ver-
Unbürokratische Hilfe für schwere Fälle
trag nehmen landesweit mehr als 600 Psychothera-
In besonders schweren Fällen kann die hochfrequente
peuten teil.
Behandlung unbürokratisch um weitere 60 Therapie-
stunden verlängert werden. In der Regelversorgung muss in solchen Fällen für die Krankenkasse ein
Nicht den Überblick verlieren: Gerinnungshemmung anno 2016 mit dem Aufkommen der neuen Antikoagulanzien (noAK) ist der markt der gerinnungshemmer unübersichtlicher geworden. Was das für ihren praxisalltag bedeutet, erzählen
Verordnungskosten für NOAK sind gewaltig gestiegen Letztere haben in den vergangenen Jahren gewaltig zugelegt, was sich an den dramatisch gestiegenen Verordnungskosten zeigt. Die Kassenärztliche Vereini-
vier medI-Ärzte aus Baden-Württemberg.
gung Baden-Württemberg meldete bereits im Juli 2014, allein im Jahr 2013 habe die Verordnung dieser Arzneimittel Kosten von rund 66 Millionen Euro verursacht, wohingegen auf VKA nur noch etwas mehr
Seit mehr als einem halben Jahrhundert werden orale
als 7 Millionen Euro entfielen.
Antikoagulanzien zur Primär- und Sekundärprophy-
Die Vorteile der neuen Substanzen sind nicht von
laxe von thromboembolischen Erkrankungen einge-
der Hand zu weisen: NOAK sind den VKA in ihrer
setzt. Hauptindikationen sind die Primärprävention
antikoagulativen Wirkung ebenbürtig, bergen aber
von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern und die Ver-
gleichzeitig ein geringeres Risiko für intrakranielle
meidung thrombotischer Ereignisse, daneben die Se-
Blutungen. NOAK können auch bei Patienten verord-
kundärprophylaxe nach Schlaganfall oder unklaren
net werden, für die VKA – etwa aufgrund erhöhter
Leberwerte – nicht infrage kommen. Ein weiterer
Jahrzehntelang war die Lage sehr übersichtlich: Da
Grund für den Siegeszug der NOAK dürfte ihre ein-
gab es für thrombosegefährdete Patienten Heparine
fache Handhabung sein: Die regelmäßige Bestimmung
und Vitamin-K-Antagonisten (VKA), mehr nicht.
von INR- oder Quickwert beim Hausarzt entfällt, das
Heute sind neben unfraktionierten und niedermole-
spart dem behandelnden Arzt kostbare Praxiszeit und
kularen Heparinen sowie VKA auch das vollsynthe-
trägt nach Einschätzung vieler Ärzte entscheidend zur
tische Fondaparinux und eine Reihe neuer oraler
Beliebtheit von NOAK bei.
Antikoagulanzien (NOAK) auf dem Markt. 24
Nicht alle Patienten wissen, warum sie Antikoagulanzien einnehmen Weil ihre Wirkung rasch einsetzt und ebenso rasch abklingt, sind NOAK außerdem besonders gut geeignet für Menschen, die häufiger auf dem OP-Tisch lie-
»Der Einsatz von NOAK ist unsicherer als der alter Substanzen«
gen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Operateur immer über die Therapie des Patienten im Bilde ist. Genau hieran hapert es aber gelegentlich, wie der Orthopäde Dr. Burkhard Lembeck aus Ostfildern erläutert: „Wir wissen nicht immer, warum der Patient Gerinnungshemmer nimmt – manchmal weiß er es nicht einmal selbst. Dann ist eine individuelle Risikoabschätzung natürlich nicht möglich.“ Wenn Dr. Lembeck diese zentralen Informationen fehlen, schickt er den Patienten mit genau dieser Fragestellung zum Hausarzt zurück: „Danach erfahre ich dann, warum der Patient welchen Gerinnungshemmer einnimmt, und kann besser einschätzen, ob ich die Medikation präoperativ absetzen kann oder ob ich ein Bridging mit Heparin vornehmen sollte.“ Dr. Lembeck ist nicht der einzige Operateur, der der-
Orthopäde Dr. Burkhard Lembeck aus Ostfildern
Nicht den Überblick verlieren: Gerinnungshemmung 2016 artige Lücken in der Kommunikation beklagt. Doch auch der umgekehrte Informationsfluss scheint nicht immer reibungslos zu funktionieren, wie der Hausarzt Dr. Ruland berichtet: „Wir erfahren nach einer Operation auch nicht immer vom Operateur, ab welchem Zeitpunkt eine Rückumstellung der Antikoagulation möglich ist.“ Alle vier Fachgruppen sind sich aber einig, dass sich die Kommunikation der Ärzte untereinander in den vergangenen Jahren – nicht zuletzt auch durch die interdisziplinäre Kooperation im Rahmen von Selektivverträgen – deutlich verbessert hat.
Regelmäßige Kontrollen bei VKA sind bei vielen Patienten hilfreich
Allgemeinmediziner Dr. Michael Ruland
Der Neurologe Prof. Freund aus Biberach ist überzeugt, dass manch ein Arzt vor allem wegen dieser
vereinfachten Handhabung viele Patienten von VKA auf NOAK umgestellt hat: „Insgesamt hat die Zahl der Verordnungen von Gerinnungshemmern zugenom-
• S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) der
men, sodass die Unterversorgung abnimmt; mögli-
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachge-
cherweise ist durch die NOAK die Scheu gesunken,
sellschaften (AWMF) von 2015, AWMF-Leitlinienregister 003/001
überhaupt erstmals Antikoagulanzien zu verordnen.“ Die Popularität der NOAK hat aber auch zur Folge,
• S3-Leitlinie Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und
dass bewährte Medikamente wie Marcumar zuneh-
transitorische ischämische Attacke der Deutschen Gesellschaft für
mend auf der Strecke bleiben – obwohl deren Nach-
Neurologie (DGN) von 2015, AWMF-Registernummer 030/133
teile sich durch gute Schulung der Patienten häufig beheben ließen. So betont Prof. Freund: „Die Unter-
• S3-Leitlinie Operationen an der Haut, Umgang mit Antikoagulation
schiede im Outcome zwischen NOAK und Marcumar
der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) von 2014,
wären bei gut geschulten Patienten kleiner, als die
AWMF-Registernummer 013/085
Studien es suggerieren.“ Auch die regelmäßigen Kontrollen von Quick- oder INR-Wert dürfe man nicht nur
• S1-Handlungsempfehlung Neue orale Antikoagulantien (bei nicht-
als Last begreifen: „Viele Patienten halten sich gewis-
valvulärem Vorhofflimmern) der Deutschen Gesellschaft für Allgemein-
senhafter an die Therapie, wenn sie wissen, dass ihre
medizin und Familienmedizin (DEGAM) von 2013, AWMF-Register-
Werte beim nächsten Arztbesuch kontrolliert werden.
nummer 053-031
Eine solche Kontrollmöglichkeit fehlt bei den NOAK.“ Die mangelnde Kontrolle empfinden auch andere
• S1-Leitlinie Rückenmarknahe Regionalanästhesien und Thrombo-
Fachgruppen als problematisch. So meint der Allge-
embolieprophylaxe/antithrombotische Medikation der Deutschen
meinmediziner Dr. Michael Ruland: „Man geht bei den
Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) von 2014,
NOAK immer von einer stabilen Einstellung aus, doch
AWMF-Registernummer 001/005
in Wahrheit gibt es kein zuverlässiges Verfahren, um die tatsächliche Gerinnungshemmung unter diesen
• Verordnungsforum 31 (Juli 2014) der Kassenärztlichen Vereinigung
Substanzen zu bestimmen. Der Einsatz von NOAK ist bequemer, aber zugleich auch unsicherer als der Ein-
satz der alten Substanzen.“ Sein Kollege Dr. Norbert 2
» Bei jeder Neueinstellung soll geprüft werden, was besser ist «
Dr. Norbert Smetak, Kardiologe aus Kirchheim
Smetak, Kardiologe aus Kirchheim, ergänzt: „Man kann
mit Antimykotika oder bestimmten HIV-Medikamen-
sich nicht immer auf die Compliance des Patienten
ten nicht vertragen.“
verlassen. Wir bräuchten einen einfachen Schnelltest,
Dr. Smetak meint deshalb: „Aktuell gibt es keine
der sich ebenso wie ein INR-Test kostengünstig in der
ausreichenden Gründe, Patienten mit guter VKA-
Praxis durchführen lässt.“ Dr. Smetak warnt außer-
Einstellung auf NOAK umzustellen. Es sollte bei jeder
dem, dass längst nicht alle Arzneimittelinterferenzen
Neueinstellung individuell geprüft werden, ob ein
erforscht sind: „Wir wissen aber, dass sich die NOAK
NOAK oder der VKA die bessere Option ist.“ Antje Thiel
Wichtig ist eine Beratung mit System, weiß MVZProjektmanager Wolfgang Fink.
Arztpraxen 2020: Diese Unterstützung bekommen MEDI-Ärzte Immer mehr niedergelassene Ärzte sorgen sich um ihre Zukunft und immer mehr gemeinden entwickeln programme, um junge Ärzte anzulocken. Ihr erfolg ist allerdings fraglich. sicher ist eigentlich nur, dass die Luft in den praxen dünner wird. medI Baden-Württemberg hält mit dem Konzept „Arztpraxen 2020“ dagegen.
„Im Augenblick betreuen wir drei konkrete MVZ-Grün-
Geschäftsleitung in der MVZ Kirchheim GmbH ange-
dungen“, berichtet Dipl.-Ges.Oec. (FH) Wolfgang Fink,
stellt und kennt die Probleme und Erfolgsfaktoren im
der vor einigen Monaten die Projektleitung MVZ bei
MVZ-Alltag aus erster Hand. „Einer muss im MVZ für
der MEDIVERBUND AG übernommen hat. „Daneben
alle nichtärztlichen Belange zuständig sein“, weiß er,
gibt es etwa 80 Interessenten, von denen rund 20 sehr
„für Qualitätsmanagement, die Organisation der Jah-
konkret über eine MVZ-Gründung nachdenken“, er-
resbesprechungen, das Controlling oder die Gewinn-
gänzt er. Der Gesundheitsökonom ist sich sehr sicher,
verteilung“. Daneben gibt es natürlich noch die Ko-
dass die Zahlen im Lauf des Jahres deutlich anstei-
ordination von Zulassungsausschuss, Steuerberatern
oder Juristen. Weitere typische Aufgaben sind die
Arztpraxen 2020 dürfte inzwischen weitgehend be-
Pflege oder Neuentwicklung von Verträgen, nicht zu
kannt sein. MEDI unterstützt die Gründung von MVZs,
vergessen Marketing, Abrechnung oder Personalent-
immer vorausgesetzt, dass sie die Versorgung sichern,
also nicht als Konkurrenz zu bestehenden Strukturen
Bei der Vielzahl an Fragen ist eine Beratung mit
aufgebaut werden. Fink ist zuständig für die prak-
System wichtig. Fink hat deshalb ein Baukastensystem
tische Umsetzung dieser Unterstützung. Schließlich war
von Beratungsangeboten für MEDI-Mitglieder zur MVZ-
er vor seinem Einstieg bei MEDI als Mitglied der
Gründung aufgebaut.
1. Beratung Ein erster Schritt in Richtung MVZ-Gründung ist das pauschale Einsteiger-Beratungspaket. Für gerade einmal 250 Euro netto können sich MEDI-Mitglieder von Fink informieren und auf den Einzelfall bezogen zu Kooperationen beraten lassen. Wichtigster Baustein
» Die Mitglieder werden bis zur GmbH-Gründung begleitet «
ist ein Gespräch über die aktuelle Situation des Arztes und seine Veränderungswünsche. Anschließend klärt der Gesundheitsökonom die prinzipielle Machbarkeit mit KV und Zulassungsausschuss und fasst die Ergebnisse zu einem individuellen Bericht zusammen.
2. Projektmanagement Wenn die erste Beratung ernsthaftes Interesse an ei-
die MVZ-Gründung. Fink erstellt einen realistischen
ner MVZ-Gründung geweckt hat, beginnt Schritt 2,
Zeitplan und hilft bei der Lösung auftretender
das eigentliche Projekt. Fink begleitet die Mitglieder
Probleme. „Für eine zügige Umsetzung ist es wichtig,
bis zu Zulassung und GmbH-Gründung. Als zertifi-
von Anfang an die Kommunikation der Ärztegruppe
zierter Projektmanager weiß er, wie man ein profes-
zu moderieren und zu begleiten“, rät er, „sonst bringt
sionelles Projektmanagement organisiert. Die Betei-
eines Tages jeder seinen Anwalt mit.“ Die Kosten rich-
ligten einigen sich auf ein klares Ziel, in diesem Fall
ten sich nach dem benötigten Zeitaufwand.
Abrechnung, betriebswirtschaftliches Controlling,
Organisation, Qualitäts- oder Hygienemanagement, Vertragswesen und Einkauf – gemeinsam mit der AG kann der MVZ-Betreiber die individuell passenden Bausteine auswählen und kombinieren. Resultat ist auf jeden Fall, dass der MVZ-Kapitän sich ein Stück weit von Aufgaben entlasten kann. „Von einer be-
3. MVZ-Betreuung
stimmten Organisationsgröße an ist es absolut sinn-
Schritt 3 umfasst schließlich Angebote für ein beste-
voll, Aufgaben abzugeben“, weiß Fink, „möglicher-
hendes MVZ. Wobei natürlich jeder MVZ-Gründer
weise bis hin zur Geschäftsführung.“
selbst entscheidet, wie viel Unterstützung er einkau-
Jeder MEDI-MVZ-Gründer entscheidet also selbst,
fen möchte. Bei Interesse wird zwischen der MEDI-
ob er sich auf die ärztliche Tätigkeit konzentrieren
VERBUND AG und MVZ-Betreibern ein Geschäftsbe-
will oder auch zum Organisator werden möchte.
sorgungsvertrag abgeschlossen, der den Umfang der
Finks Einschätzung nach reicht es beim MVZ-Betrieb
gewünschten Unterstützung definiert.
nicht mehr aus, die betriebswirtschaftlichen Aufgaben nach Feierabend zu erledigen oder an eine MFA zu delegieren. „Da ist schon solides BWL-Wissen erforderlich“, meint er. Als Beispiel aus der Praxis fällt ihm
die Umsatzbeteiligung als Gehaltsbestandteil angestellter Ärzte ein. Für die MVZ-Betreiber ist es sinnvoll,
Heute ist es für viele Gemeinden noch Zukunftsmusik.
die angestellten Ärzte zu motivieren. Solche Regel-
Aber schon morgen könnten MVZs in Kooperation mit
ungen müssen seiner Erfahrung nach aber „absolut
Kommunen entstehen. Dafür werden die Gemeinden die
transparent“ sein, was eine „saubere Kostenstellen-
Zusammenarbeit mit erfahrenen Ärzten und Manage-
rechnung im Hintergrund“ erfordert.
mentgesellschaften benötigen.
Viele Fragen sind noch offen. Vielleicht werden sogar MVZs von einer Kommune und der MEDIVERBUND AG
Bei der Vorstellung seiner Projekte hat Fink in erster
aufgebaut. „Heute sind viele verschiedene Ansätze vor-
Linie MEDI-Ärzte ab Mitte 50 vor Augen, die sich all-
stellbar, aus denen Win-win-Situationen für Gemeinde
mählich auf die Suche nach einem Praxisnachfolger machen. Im Rahmen von Arztpraxen 2020 könnten sie ein MVZ aufbauen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen
Gespräche mit Landräten und Bürgermeistern geführt
einbringen, junge Ärzte anstellen und sich dann all-
mählich immer mehr aus der Praxis zurückziehen.
und für unsere Managementgesellschaft entstehen“, erläutert Fink und lässt durchblicken, dass bereits erste
Die Gründung aus der bestehenden Ärzteschaft heraus ist die zentrale Erfolgskomponente für ein neues MVZ. Bei der zeitlichen Planung ist inzwischen auch das Urteil des Bundessozialgerichts über die Sitzeinbringung von Ärzten in ein MVZ zu berücksichtigen. Bisher war es oft üblich, den Praxissitz ins MVZ einzubringen und nur für ein paar Monate im MVZ angestellt zu sein. Heute müssen Ärzte jedoch mindestens drei Jahre lang in einem MVZ mitarbeiten, wenn sie ihren Sitz dort einbringen und sich in den Ruhestand verabschieden wollen. „Diese Art von Praxisausstieg dauert jetzt also länger als bisher und muss entsprechend früher geplant werden“, mahnt Fink. Ruth Auschra
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Vernetzung Heilbronn: gute Noten von Ärzten und Patienten die netzakte in der medI gbr heilbronn nimmt gestalt an. über eine „Anwenderwerkstatt“ sind die Ärzte in die Weiterentwicklung der Akte unmittelbar eingebunden. das ergebnis sind ganz konkrete Verbesserungen, die die Alltagstauglichkeit immer weiter erhöhen.
Beim Hausarzt: schnellere und vollständigere Informationen Die elektronische Netzakte Vivian des Technologiepartners Micronova tritt in der MEDI GbR Heilbronn an, um genau diese Effizienz in die Patientenversorgung zu bringen. „Allein wenn wir weniger scannen müssen, ist das schon eine enorme Entlastung“, betont der hausärztliche Internist Dr. Alfred Krainski. Genau das passiert mittlerweile: Seit Schlüsselpraxen wie Chirurgen und fachärztliche Internisten an die Heilbronner Netzakte angebunden werden, steigt die Zahl der elek-
Wer Patienten nicht nur gut, sondern auch effizient
tronisch übermittelten Briefe, Diagnosen und Befunde
versorgen möchte, muss alle nötigen Informationen
steil an: „Wir sind noch im Pilotbetrieb, aber an man-
und Dokumente möglichst zeitnah zur Hand haben.
chen Tagen erhalten wir als hausärztliche Praxis schon
Niemand sollte scannen und kopieren müssen und
zehn und mehr Briefe elektronisch. Die müssen wir
es sollte einen kurzen Draht zu Kollegen geben, um
nicht mehr scannen, gar nicht zu reden von der ein-
Unklarheiten zu klären oder Termine vereinbaren zu
fachen, automatischen Zuordnung der Befunde zum
können, ohne ewig auf das Freizeichen zu warten.
Patienten. Das ist im Praxisbetrieb deutlich zu spüren.“
Wichtigstes Werkzeug ist für Krainski das Postfach, in dem er sieht, für wen neue Informationen einge-
» Ärzte können relevante Einträge auch an ihre Praxismitarbeiterinnen delegieren «
gangen sind. Je nach Arzt können das Briefe und Befunde im PDF-Format sein, alternativ auch Datensätze in Unicode-Format. Letzteres schätzt Krainski besonders: „Solche Diagnosen oder Befunde können wir mithilfe von ‚Steuerung F‘ durchsuchen. Das ist ein enormer Vorteil und ein echter Fortschritt gegenüber gescannten Dokumenten.“ Relevante Einträge zieht Krainski mit wenigen Klicks ins eigene Arztinformationssystem (AIS), in seinem Fall Medistar der CompuGroup. „Das geht wirklich einfach und schnell. Im Moment mache ich das noch selbst, aber auf Dauer ist das delegierbar und wird zu
Netzakte vorliegt.“ Wie Krainski wünscht sich auch
einer Aufgabe der Mitarbeiterinnen.“ Mit der Integra-
Cirali, dass der Nutzerkreis der Netzakte möglichst
tion der Netzakte in sein AIS ist Krainski zufrieden:
rasch wächst: „Aus Sicht der HNO wäre die Anbin-
„Medistar hat seine Eigenheiten, aber es funktioniert
dung unseres Radiologen und des SLK Klinikums
und es ist auch vom Zeitaufwand her vertretbar.“
Heilbronn ein enormer Fortschritt.“
Beim Facharzt: Faxen von Befunden entfällt Auch der HNO-Arzt Dr. Mete Cirali ist zufrieden,
Optimierungswünsche der Ärzte werden umgesetzt
wünscht sich aber, dass der Wechsel zwischen AIS und
Zu den Besonderheiten der Heilbronner Netzakte ge-
Netzakte noch zügiger geht. Cirali nutzt Pro_Medico
hört, dass die Haus- und Fachärzte des Ärztenetzes
von Neutz GmbH Systemhaus an sechs Windows-10-
eng in die Weiterentwicklung und Optimierung der
Rechnern: „Die Mitarbeiter von Micronova kamen vor-
Software eingebunden sind. Dazu gibt es eine
bei, haben die Software auf dem Hauptrechner und
„Anwenderwerkstatt“, an der zwei Hausärzte, zwei
einem Clienten installiert und dann eine Netzwerkfrei-
Fachärzte und eine Arzthelferin, außerdem Vertreter
gabe gemacht. Das ging flott, und nachdem einige
des MEDI Verbunds und von Micronova beteiligt sind.
kleinere Fehler gelöst wurden, würde ich die Integra-
Ausgewählt wurden dabei Ärzte, die die Software
tion jetzt auch als gelungen bezeichnen.“
besonders intensiv nutzen und die zu Beginn der
Cirali nutzt die Netzakte zum einen, um Basisdaten von überwiesenen Patienten ins eigene AIS zu über-
Installation viele Verbesserungsvorschläge gemacht haben.
nehmen. So schalten fast alle beteiligten Hausärzte
Cirali ist von fachärztlicher und Krainski von haus-
standardmäßig Informationen zu Laborwerten, Dauer-
ärztlicher Seite Mitglied in diesem Gremium und beide
diagnosen, Allergien und Impfungen für die Netzakte
MEDI-Ärzte können eine ganze Reihe von Verbesse-
frei. Diese Informationen kann der HNO-Arzt dann
rungen aufzählen, die auf ärztliche Anregung hin um-
einfach übernehmen. Er selbst stellt PDF-Arztbriefe
gesetzt wurden. So wurden unter anderem die Fens-
ein und schickt als zusätzlichen Service Ausschnitte
terunterteilungen verändert und bestimmte Fehler-
des Befunds als Infotext im Unicode-Format separat.
meldungen beseitigt. Und bei Impfungen und Dauer-
Auch Cirali merkt bereits jetzt, dass die Netzakte
diagnosen wurde die Zeitbegrenzung aufgehoben,
ihm und seinem Team Nutzen bringt. „Die Helferinnen sagen, dass sie weniger telefonieren müssen, was viel Zeit spart. Auch Herauskramen und Faxen Fortsetzung >>> Fotos: fotolia
von Befunden entfallen bei Patienten, für die eine
Vernetzung Heilbronn: gute Noten von Ärzten und Patienten
Wolfgang Fechter Abteilungsleiter Vertragswesen
»Netzakte Heilbronn: auf dem Weg in die Breite« MEDItImes: Wie intensiv wird die dezentrale
kurzfristig umgesetzt werden sollen außerdem eine
Netzakte in der MEDI GbR Heilbronn genutzt?
Art Messaging-System für den direkten Kontakt zwischen Arztpraxen sowie eine Terminverwaltung,
Fechter: Derzeit sind 104 Ärzte in 57 Praxen einge-
mit der beispielsweise Hausarztpraxen Facharztter-
bunden. Am häufigsten genutzt wird die Bereit-
mine direkt einbuchen können.
stellung von behandlungsrelevanten Angaben wie Diagnosen, Labordaten, Medikamenten. Außerdem
MEDItImes: Welche Aspekte der Heilbronner Netz-
werden Befunde elektronisch verfügbar gemacht.
akte tauchen in der Bewerbung um den Innovati-
In einer auf 53 Praxen basierenden Auswertung
onsfonds auf?
zeigte sich, dass 36 Praxen die Lösung regelmäßig nutzen, davon 30 Praxen täglich. Insgesamt wurden
Fechter: Die Bewerbung beinhaltet die Umsetzung
im ersten Halbjahr 3.279 Datensätze zur Verfügung
von Versorgungsmodellen unter Nutzung von Tele-
gestellt mit über 17.000 Einträgen. Für ein Pilot-
matik, Telemedizin und eHealth. Konkret bewer-
projekt sind das gute Zahlen.
ben wir uns mit dem Austausch von Befunddaten, ergänzt um einen an den Medikationsplan der Uni-
MEDItImes: In welche Richtung wird die Akte weiter-
versität Heidelberg angelehnten Medikationsplan
mit Interaktionscheck. Auf der Basis der Erkenntnisse aus unserem Pilotprojekt wollen wir mit dem
Fechter: Derzeit befindet sich ein Medikationsplan
Antrag in Kooperation mit AOK Baden-Württemberg,
im Test. Die Technik funktioniert, inhaltlich gibt es
Audi BKK und Bosch BKK zu einem flächendecken-
noch Änderungswünsche, auch mit Blick auf den
den Behandlungsdatenaustausch in Heilbronn und
bundeseinheitlichen Medikationsplan, auf den es
Umgebung kommen. Der Antrag beinhaltet außer-
inzwischen einen gesetzlichen Anspruch gibt. Die
dem die Anbindung der an Krankenhäusern ange-
Funktionen des Bundesmedikationsplans werden in
siedelten Notfallpraxen.
den Netzmedikationsplan integriert und entsprechend den Bedürfnissen der Ärzte erweitert. Relativ
sodass jetzt auch länger zurückliegende Einträge in der Netzakte erscheinen können. „Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen ist wirklich gut. Wir erstellen Anforderungskataloge, in denen festgelegt wird, was bis wann umgesetzt wird. Und das klappt dann in der Regel auch. So kommen wir zu einer Software, die immer arzttauglicher und arztgerechter wird“, so Krainski.
Fast alle Patienten ziehen mit Überrascht zeigen sich beide Ärzte davon, wie unkompliziert sich die Einschreibung der Patienten ge-
tont Krainski. „Wir haben einen Aushang gemacht
staltet. Diese müssen, wie immer bei einrichtungs-
und brauchen dann nur wenige Sätze, um die Akte
übergreifenden Akten, ihr Einverständnis erklären,
und ihren Nutzen zu erläutern.“ Kollege Cirali macht
das dann in der Akte dokumentiert wird. In Heilbronn
genau dieselben Erfahrungen: „Es gibt nur ganz ver-
schreiben sowohl Hausärzte als auch Fachärzte
einzelt Patienten, die keine Netzakte wollen. Trotzdem
Patienten für die Netzakte ein. Insgesamt sind es
sollte man niemanden überrumpeln. Bei uns gilt die
mittlerweile über 10.000. „Die Patienten sind sehr bereit, ihre Daten für die Netzärzte freizugeben, fast bereiter als wir Ärzte“, be-
Regel: Erst kommt die Behandlung, dann fragen wir nach der Zustimmung zur Akte.“ Philipp Grätzel
Kein Hausarzt-Facharzt-Konflikt! Mit Postkarten wie dieser ruft MEDI Südwest die rund 600 Mitglieder zur KV-Wahl auf.
Strukturierte Kampagne Nach einigen Diskussionen entschied man sich zum Auftakt des Wahlkampfs für eine klassische Postkartenaktion – im Zeitalter von Social-Media-Marketing, E-Mail-Newslettern und Hochglanz-Flyern sicher eher ungewöhnlich. Das sei bewusst so geplant, erklärt Hohlfeld. Bis zur eigentlichen Wahlperiode würden verschiedene Postkarten mit speziellen Motiven ver-
schickt, die die Kernanliegen von MEDI Südwest ansprechen. „Mal ist die Postkarte speziell an die Praxisteams adressiert, mal nur an die Ärzte. Wir binden bewusst die Praxisteams mit ein, da sie oft als ‚Informationsfilter‘ für den Arzt fungieren“, so Hohlfeld. Zum erweiterten Wahlkampfkonzept gehören
Im november steht die Wahl zur Vertreterversammlung (VV) der KV rheinland-pfalz an. um mehr mitglieder an die Wahlurne zu bringen, hat medI südwest für den Wahl-
Newsletter, Social-Media- und Internetinformationen sowie Informationen über die Kandidaten der MEDIListe und Veranstaltungen vor Ort. „Die ganze Kampagne ist zeitlich strukturiert, sodass Einzelmaßnahmen optimal ineinandergreifen und eine kontinuier-
kampf eine unternehmensberatung engagiert.
liche Präsenz von MEDI Südwest bei den Wahlberechtigten gewährleistet ist“, erläutert Hohlfeld.
Unbedingt an KV-Wahl teilnehmen „Der Wahlkampf kommt oft gar nicht in den Praxen
MEDI-Vorstand Schneider appelliert an die Mitglieder,
an“, fasst Dr. Ralf Schneider, Vorstand von MEDI Süd-
unbedingt ihr Wahlrecht zu nutzen. Die Vertreterver-
west, die Erfahrung aus den vergangenen Wahlkämp-
sammlung der KV sei als Vertretung der Ärzteschaft
fen zusammen. So würden Broschüren und Infor-
gegenüber Kassen und Politik von großer Bedeutung.
mationen häufig als Werbung von den Arzthelferinnen
Beispielsweise sei der zuletzt beschlossene Honorar-
aussortiert und landeten erst gar nicht auf dem
verteilungsmaßstab (HVM) maßgeblich von der VV
Schreibtisch der Mediziner. Das soll nun die Zusam-
mitkonzipiert worden, so Schneider. „Und ganz aktu-
menarbeit mit der Unternehmensberatung „pexesso“
ell haben wir die ersten Kooperationsverträge mit
aus Alzey verhindern. Gegründet von Jana Kinback
Pflegeheimen abgeschlossen, um die neuen EBM-
und Udo Hohlfeld ist „pexesso“ eine spezialisierte
Leistungen für unsere Mitglieder zu ermöglichen.“
Unternehmensberatung im Gesundheitsbereich mit
Gerade der HVM habe gezeigt, wie sinnvoll fach-
dem Fokus auf Marketing, Strategie und betrieblichem
übergreifende Lösungen seien, sagt Schneider. MEDI
setzt sich konsequent für die Zusammenarbeit von 3
Haus- und Fachärzten ein. „Ein Gegeneinander ist sinnlos“, ergänzt der Vorsitzende von MEDI Trier, Dr.
Die wichtigsten Vorteile und Ziele
Michael Siegert. Die aktuellen Personalquerelen in der KBV zeigten deutlich, wie durch Streit innerhalb
• MEDI Südwest kämpft für eine gerechte Honorie-
der Ärzteschaft das Vertrauen und die Durchsetzungs-
rung von Haus- und Fachärzten und hat nicht nur die
fähigkeit gegenüber der Politik leiden würden.
Interessen einer Gruppe im Blick.
• MEDI setzt sich dafür ein, die Praxen in den Regionen zu
KV braucht starke dritte Kraft
vernetzen. Das geschieht in Ärztenetzen. Beispiele dafür
Die KV Rheinland-Pfalz brauche neben der Hausarzt-
sind das „Ärztenetz Südwest“, das „MEDI Netz Trier“ oder
und der Facharzt-Liste dringend eine starke dritte
„medidoc Rheinhessen-Pfalz“.
Kraft, die sich für gemeinsame Lösungen einsetze.
• MEDI stellt sich dem Nachwuchsmangel bei Haus- und
„Dafür brauchen wir die Unterstützung aller MEDI-
Fachärzten in den ländlichen Regionen. Dabei spielen auch
Mitglieder“, appelliert Vorstand Schneider an seine
die Wünsche der jungen Ärztinnen und Ärzte eine große
Mitglieder. Es sei wichtig, dass diese auch die MEDI-
Rolle. Viele von ihnen ziehen ein Angestelltenverhältnis
Liste wählen. „Das Motto Hausärzte wählen Hausärzte
der Freiberuflichkeit vor. Ihnen sind geregelte Notdienste
und Fachärzte wählen Fachärzte führt zu einer wei-
und planbare Freizeit wichtig.
teren Trennung der Kassenärztlichen Vereinigung und
• MEDI organisiert regelmäßig Schulungen für Praxen zum
spielt der Politik und den Kassen in die Hände“,
Qualitätsmanagement und in einigen Regionen die ärzt-
mahnt er eindringlich.
liche Fortbildung. Martin Heuser
• MEDI informiert seit Jahren regelmäßig und zeitnah über berufspolitische Entwicklungen, neuerdings auch per E-MailNewsletter.
mEnschEn BEi mEdi
Dr. Stephan Roder Allgemeinmediziner und mVZ-gründer, talheim
medI-Arzt dr. stephan roder ist bekennender Workaholic, über Langeweile klagt er jedenfalls nicht. er hat zwei mVZs gegründet, geleitet und den generationswechsel organisiert. daneben hat er Ämter bei medI Baden-Württemberg, in der KV und der Ärztekammer plus Familie und reisen – wie macht man das?
„Ich schaff halt gerne“, sagt der Talheimer Hausarzt
Leben lang nur Einzelkämpfer war, wird sich seiner
offen, „und wenn man gut organisiert ist, kann man
Vorstellung nach schwer damit tun, eine Kooperation
das auch alles hinkriegen.“ Er muss es wissen: Neben
zu führen. Deshalb sieht er auch nicht in jedem
der Arbeit als Hausarzt hat er im MVZ schließlich im-
MEDI-Arzt, der einen Nachfolger sucht, einen poten-
mer auch die organisatorischen und Führungsaufga-
ziellen MVZ-Gründer. „Aber die Ärzte der Generation
ben gestemmt. Dazu kam der „Job“ als Vorsitzender
50 plus sollten sich ernsthaft überlegen, wie sie aus
des Zulassungsausschusses der KV Baden-Württem-
dem Arbeitsleben aussteigen wollen“, rät er.
berg, von weiteren Ämtern auf Landes- und Bundesebene ganz zu schweigen.
Für ihn ist diese Form von Kooperation ein echtes Erfolgsmodell: In ländlichen Regionen können MVZs
Um das alles zu stemmen, war sicher einiges or-
eine wichtige Versorgungsfunktion übernehmen. Und
ganisatorisches Talent nötig. Aber Roder redet nicht
die jüngeren Ärzte, die keine Praxis aufbauen oder
über die alltägliche Belastung. Ihm ist wichtig, was er
übernehmen möchten, freuen sich über Teilzeitan-
auf die Beine gestellt hat. Er weiß, wie man ein MVZ
stellungen, bei denen sie nicht von Bereitschafts-
mit neun angestellten Ärzten führt. Die Organisation
dienst und Bürokratie aufgefressen werden. „Heute
eines MVZ bedeutet Arbeit, die man sich am besten
sind fast 20 Prozent der Ärzte im ambulanten Sektor
aufteilt. „Aber einer muss leiten, einer muss das Risiko
angestellt, das ist eine unglaublich rasante Entwick-
tragen“, sagt er schlicht – und das war wohl immer
lung“, merkt Roder an.
er. Wenn sich die Anstellung eines professionellen
Manches MVZ ist mit viel Elan gestartet und dann
MVZ-Geschäftsführers nicht rechnet, ist eben Selber-
von der Bildfläche verschwunden. Das Talheimer
machen angesagt.
MVZ läuft dagegen seit Jahren erfolgreich. Woran liegt das? „Das ist wie in einer Ehe“, setzt Roder an.
Vom Einzelkämpfer zum MVZ-Gründer
„Die Beziehung hält, wenn man fair und offen mit-
Der Weg aus der Praxis ins MVZ kann ziemlich steinig
einander umgeht, wenn der Chef die angestellten
sein, gibt Stephan Roder unumwunden zu. Wer sein
Ärzte nicht über den Tisch zieht.“ Er beschreibt, dass
Fotos: Andrea Mössinger Photografie
Stephan Roder in seinem kleinen Oldtimer Baujahr 1968.
er mit offenen Karten spielt, was Umsätze und Kos-
Diskussionsrunden beteiligt oder auch mal in aller
ten angeht. Seine Führungsaufgaben und die damit
Ruhe gemeinsam geangelt. „Wir waren uns immer ei-
verbundene Kontrollfunktion der Mitarbeiter nimmt
nig, was Offenheit, Fairness und Respekt angeht“,
er jedoch durchaus ernst. So haben alle MVZ-Mit-
sagt Roder, „und wir wollten beide die Gesundheits-
arbeiter in Talheim elektronische Stempelkarten, die
landschaft bearbeiten.“ Der MVZ-Gründer klingt heute
die Arbeitszeit dokumentieren. Warnend berichtet
noch ehrlich begeistert, wenn er darüber spricht, dass
er, dass MVZs an Rivalitäten und Konkurrenzdenken
„Werners Visionen“ sich früher oder später immer be-
scheitern können. „Wenn zum Beispiel zwei Ortho-
wahrheiteten.
päden kooperieren, dann ist der konservativ tätige genauso wichtig und wertvoll wie der operativ tätige
Mit Rat und Tat für »Arztpraxen 2020«
Kollege“, fordert der Allgemeinmediziner.
Aktuell bewahrheiten sich wohl auch Roders Visionen vom MVZ-Aufbau und er freut sich auf die Zukunft.
Früher waren MVZs keine Option für Niedergelassene
Die Gründung neuer MVZs gehört zum Konzept von
Als Roder 2009 das erste MVZ gründete, waren seine
bereit. Sicher wird er sein Wissen und seine Erfah-
MEDI-Kollegen darüber nicht unbedingt begeistert.
rungen interessierten Ärztinnen und Ärzten zur Ver-
Im Gegenteil, MVZs wurden damals im Ländle noch
fügung stellen. Natürlich nur, wenn er nicht gerade
äußerst misstrauisch als Gewinnmodell nur für Kapi-
auf Reisen ist, Golf spielt, Ski fährt oder Tauchen geht,
talgesellschaften und Kliniken beäugt. Das machte
sich seiner Familie mit den fünf Kindern und ebenso
den Einstieg für Roder nicht einfacher. Bei MEDI gab
vielen Enkelkindern widmet, an seinem Fiat 500
es intern durchaus kritische Stimmen. „Aber meiner
schraubt oder ein Glas in seiner Stammkneipe trinkt.
Freundschaft mit Werner Baumgärtner hat das nicht
Nicht zu vergessen die Kurztrips zum Ärztetag nach
geschadet“, lacht er, „wir sagen uns offen, was wir
Hamburg oder mal eben nach Mexiko. „Das muss al-
les mal sein“, lacht er, „und mit ein bisschen Organi-
Die beiden kennen sich seit Jahrzehnten, haben im
„Arztpraxen 2020“ – und Roder steht mit Rat und Tat
sation klappt das auch.“
Vorstand der ehemaligen KV Nord-Württemberg zu-
sammengearbeitet und sich schon an vielen heißen 3
neue mItArBeIter Business
Wolfgang Fink …
… wurde am 13. Mai 1983 in Ulm geboren und ist
men waren 15 Ärzte verschiedener Fachgruppen
in Kirchheim/Teck aufgewachsen. Sein Studium
und insgesamt über 80 Mitarbeiter tätig. Um seine
der Gesundheitsökonomie an der FH Niederrhein
organisatorischen Interessen fachlich zu vertiefen,
schloss er im Februar 2010 ab. Danach war Wolf-
bildete sich der Ökonom zum zertifizierten TQM-
gang Fink als Referent der Abteilung Ökonomie am
Auditor® für DIN ISO 9001 und zum zertifizierten P
rojektmanagementfachmann IPMA Lev. D weiter.
(InEK) für die Kalkulation von Fallpauschalen zu-
Seit 1. Februar 2016 ist Wolfgang Fink Ansprech-
ständig. Im Anschluss daran wandte sich der Ge-
partner bei der MEDIVERBUND AG in Sachen Nieder-
sundheitsökonom den medizinischen Versorgungs-
lassungs- und Kooperationsberatung und begleitet
zentren zu: Von 2012 bis 2016 arbeitete er in der
MEDI-Mitglieder in Baden-Württemberg bei diver-
Geschäftsleitung der MVZ Kirchheim GmbH, der
sen MVZ-Projekten.
Therapiezentrum Kirchheim TZK GmbH und der Ärztezentrum Kirchheim GmbH. In den Unterneh-
Claudia Mosthaf …
… startete ins Berufsleben mit der Ausbildung zur
Danach kehrte Claudia Mosthaf ins Gesund-
Zahnarzthelferin und arbeitete anschließend in einer
heitswesen zurück und arbeitete bei einer privaten
Zahnarztpraxis. Nach einer weiteren beruflichen
Krankenversicherung und dann bei einer bundes-
Qualifikation als Betriebswirtin/DV war Claudia
weiten Krankenkasse. Danach wechselte sie zu ei-
Mosthaf im Bereich Soft- und Hardwarelösungen
ner Praxissoftwarefirma für Ärzte und MVZs und
tätig und sammelte dort auch Erfahrungen in
arbeitete dort im Vertrieb und in der Kundenbe-
Marketing und Vertrieb. Als Gebietsverkaufsleiterin
und Key-Account-Managerin war sie für Marktver-
Seit 1. Dezember 2015 ist Claudia Mosthaf bei
triebseinführung von Softwarelösungen, Erstellen
der MEDIVERBUND AG angestellt. Dort ist sie für
von Marketing-Vertriebsplänen, Organisation und
die Projekte doc.star, Assekuranz und Patienten-
Durchführung von Schulungen und Messen sowie
service-Terminal zuständig.
für das Erstellen der Vertriebsunterlagen zuständig.
Business neue mItArBeIter
Julian Schlipf …
… wurde am 19. Oktober 1992 in Ellwangen geboren.
Privat- und Firmenkunden im Raum Stuttgart. Im
Sein Abitur machte er 2012 am dortigen allgemein-
Rahmen seiner Tätigkeit beschäftigte sich Schlipf
bildenden Peutinger-Gymnasium. Danach begann
auch intensiv mit den neu etablierten Hausarzt-
er seine Ausbildung zum Sozialversicherungsfach-
und Facharztverträgen in Baden-Württemberg – eine
angestellten bei der BARMER GEK Ersatzkasse in
gute Grundlage für seinen Start bei der MEDI-
Nach seiner Ausbildung verließ Julian Schlipf
Seit 1. Dezember 2015 arbeitet Julian Schlipf als
die BARMER GEK und zog nach Stuttgart. Dort
Marketing- und Vertriebsassistent bei der MEDI-
arbeitete er für die AOK Baden-Württemberg als
VERBUND AG und betreut dort die MEDI-Mitglieder
Vertriebsmitarbeiter im Außendienst und betreute
im Bereich Praxis- und Sprechstundenbedarf.
Deutschland hat es derzeit nicht leicht, wo auch immer Vertreter anderer europäischer Länder über ihre Gesundheits-IT-Infrastrukturen berichten. Zu deutlich ist vielfach der Unterschied. Klar ist: Die Gesundheitssysteme in Europa sind nicht vergleichbar. Die Zeiten allerdings, in denen nur sehr zentralistische Gesundheitssysteme in Sachen IT Vorzeigbares auf die Beine stellten, sind vorbei. Die meisten europäischen Länder setzen auf nationale Infrastrukturen mit einer zentralen Technikinstanz, einer Art Gematik also. Der erste Blick geht da immer nach Skandinavien und tatsächlich ist der Ausflug nach Norden in Sachen GeFoto: fotolia
sundheits-IT weiterhin lohnend.
Elektronisches Rezept in Dänemark, Finnland und Belgien Dänemark hat eine sichere Online-Plattform für das Gesundheitswesen aufgebaut. Die Rezeptierung ist
dort seit mittlerweile mehreren Jahren weitgehend digitalisiert. Man kann sogar sagen, dass das eRezept in Dänemark schon wieder an Bedeutung verliert: Es wird in einer Zeit, in der zumindest in einigen dänischen Regionen digitale Medikationspläne unter Patientenhoheit existieren, nicht mehr benötigt. Der Arzt verordnet die Medikamente direkt in die eMedikation des Patienten. Dort holt sich der Apotheker
die deutsche gesundheitspolitik steht vor der Frage, ob sie vor der Bundestagswahl in sachen e-health noch einmal gesetzlich nachlegen muss, weil sich der Aufbau der telematikinfrastruktur immer weiter verzögert. doch was passiert eigentlich anderswo? ein Blick nach Österreich, Luxem-
die Informationen, die er braucht – ohne eigenes Formular. Dänemark lässt man in Deutschland mit Verweis auf die eher lockere Datenschutzkultur oft nicht als Beispiel gelten. Die eRezepte funktionieren aber auch in Ländern, die restriktiver beim Datenschutz sind. Finnland gehört in diese Kategorie. Das Land hat elektronische Rezepte eingeführt und wird Papier-
burg, Finnland, Belgien und in die niederlande.
rezepte ab Anfang 2017, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, komplett abschaffen. Anders als in Dänemark gibt es in Finnland etwas, das es auch in Deutschland bald geben soll: einen elektronischen Arztausweis, mit dem Ärzte die von ihnen ausgestellten Rezepte elektronisch signieren. Eine mobile Smartphone-Signatur soll 2017 zusätzlich eingeführt werden. 42
Elektronisch mithilfe einer Smartcard signiert werden Rezepte auch in Belgien. Ein Land, das im Jahr 2014 den nationalen elektronischen Verordnungsdienst Recip-e als Pilotprojekt aus der Taufe
» Viele Länder setzen auf eine Art Gematik «
gehoben hat. Schon 2015 ging es in den Rollout. Innerhalb von drei Monaten nutzte jeder dritte belgische Hausarzt den Dienst, viele Zehntausend Rezepte pro Tag werden heute elektronisch übermittelt. Bei der Signatur gehen die Belgier einen etwas anderen Weg. Es gibt dort keinen elektronischen Arztausweis, sondern lediglich ein von der nationalen eHealth-Plattform ausgestelltes Softwarezertifikat, das den Nutzer als Arzt ausweist. Die eigentliche
2015 das Dossier de Soins Partage (DSP) eingeführt,
Unterschrift erfolgt dann mit der Signaturfunktion
eine übergreifende elektronische Patientenakte, die
des belgischen Personalausweises.
nicht nur für Ärzte, sondern auch für Physiotherapeuten, Labors und Pflegeeinrichtungen zugänglich
Nur wenige Patienten verweigern sich den E-Akten
ist. Das Luxemburger Modell ist das einer zentralen,
Was einrichtungsübergreifende elektronische Patien-
in der bestimmte Arten von Dokumenten niederge-
tenakten angeht, lohnt unter anderem ein Blick nach
legt werden, darunter Entlassbriefe, Laborbefunde
Luxemburg und nach Österreich. In Luxemburg wurde
und Bildbefunde, künftig auch original Bilddaten.
„serverbasierten“ Patienten- oder Gesundheitsakte,
sie erzeugt haben. Der ärztliche Zugriff ist an eine
Smartcard gekoppelt, die in Österreich „e-Card“ heißt und die seit mittlerweile mehreren Jahren reibungslos funktioniert. Patienten haben über ein Portal per Signaturkarte oder via Handy-Signatur Zugang zu ihren Daten und können, wie in Luxemburg, detailliert verfolgen, wer auf ihre Daten zugreift.
Die Patienten sind die Schaltstellen: Sie können
Die ELGA fungiert in Österreich zum einen als nati-
jeden Zugriff nachvollziehen, sie können einzelne
onale Gesundheitsakte, zum anderen aber auch als
Personen oder Einrichtungen blocken, sie können
technische Plattform, die es regionalen Versorgern er-
globale Datenschutzlevel definieren und individuelle
laubt, eigene Vernetzungsprojekte umzusetzen. So
Dokumente dem Zugriff entziehen. Das Luxemburger
installiert das Klinikum Bad Ischl mit acht Standorten
Pilotprojekt startete im Sommer 2015. Mittlerweile
im Salzkammergut derzeit eine elektronische Radio-
läuft der Rollout mit dem Ziel, Akten für die Hälfte
logieakte unter Nutzung der ELGA-Infrastruktur. Zahl-
der Bevölkerung bis Ende 2017 zu haben. Ein Opt-out
reiche derartige Projekte dürften in den nächsten
ist möglich, doch die Quote derer, die nicht teilneh-
Monaten starten – und immer kann der Patient ge-
men möchten, liegt bisher bei unter einem Prozent.
nau kontrollieren, was passiert.
Österreich: elektronische Gesundheitsakte als Plattform
Niederlande: Misstrauensvotum gegen den Staat
Die Erfahrung, dass sich kaum jemand einer elektro-
Alle bisher vorgestellten Länder arbeiten in ganz un-
nischen Patientenakte verweigert, haben auch die
terschiedlichen Gesundheitssystemen mit einem
Österreicher gemacht, die Ende 2015 ihre nationale
zentralen Technikdienstleister, gewissermaßen einer
elektronische Gesundheitsakte ELGA live geschaltet
Art Gematik. Es gibt in Europa ein Beispiel, wo ein
haben. Stand Juni 2016 steht ELGA in Wien und der
solches Modell mit „politischer Zentralisierung der
Steiermark für Krankenhäuser zur Verfügung, bis Ende
Technik“ gescheitert ist, und das sind die Niederlande.
des Jahres sollen auch die anderen Bundesländer
Dort war von 2003 bis 2011 eine nationale Telema-
mit ihren Krankenhäusern online gehen. Die nieder-
tikinfrastruktur aufgesetzt worden. Begonnen wurde
gelassenen Ärzte bekommen etwas mehr Zeit.
mit einer Art Mini-Akte und einer eMedikation. 2011
Österreich ist das Land, das mit Deutschland am
war die Hälfte aller Niederländer dort registriert.
besten vergleichbar ist, weil das Vernetzungsmodell
Dann begannen Datenschutzdiskussionen, der nie-
dem für Deutschland geplanten sehr ähnlich ist. Es
derländische Senat distanzierte sich von dem Netz-
gibt keine zentrale Datenhaltung, sondern eine Art
werk und acht Millionen Datensätze mussten ge-
Verlinkungsmodell auf Dokumente, die dezentral von
den Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden, die
Das Ergebnis ist, dass in den Niederlanden jetzt aus dem privatwirtschaftlichen Sektor heraus Vernetzungsprojekte entstehen, die durchaus erfolgreich sind, darunter eine ambulante Telematikinfrastruktur
für eRezepte, an die neun von zehn Hausärzte und diverse regionale Bilddatennetzwerke angeschlossen
Philipp Grätzel von Grätz ist freier Fachautor
sind. Das funktioniert, allerdings sind die unter-
für Medizin und Gesundheitswesen in Berlin.
schiedlichen Netzwerke technisch inkompatibel. Die
Er arbeitet unter anderem als Chefredakteur
Niederländer versuchen deswegen derzeit, ihrer
der Zeitschrift E-HEALTH-COM und als Edito-
„Gematik“ – dort Nictiz genannt – im Bereich der
rial Director des europäischen Gesundheits-
Standardsetzung wieder etwas mehr Macht zu ver-
IT-Magazins HIMSS Insights.
schaffen. Philipp Grätzel von Grätz
Eine Beschwerde ist jede Äußerung von Unzufriedenheit, die verbunden ist mit der Erwartung auf Abhilfe, Besserung oder Wiedergutmachung. Beschwerden entstehen, wenn die Erwartungen, Vorstellungen oder Wünsche des Patienten an die Leistungen der jeweiligen Einrichtung enttäuscht
Während Kliniken schon seit einigen Jahren gesetzlich zur einrichtung eines patientenorientierten Beschwerdemanagements verpflichtet sind, ist das für Arztpraxen noch freiwillig. es lohnt sich dennoch, sich damit zu befassen, da
werden. Hierbei geht es allerdings nicht darum, ob diese Erwartungen tatsächlich berechtigt und die Beschwerde daher sachlich begründet ist oder nicht. Die Ursache der Beschwerde liegt vielmehr darin, dass die empfangenen Leistungen nicht den subjektiven Erwartungen des Patienten entsprechen.
Beschwerden von patienten keinesfalls nur unangenehm und lästig sind, sondern auch Chancen für die praxis bieten.
Typische Beschwerden in der Praxis Die klassischen Beschwerden in einer Arztpraxis sind, neben zu langen Wartezeiten und Unfreundlichkeit des Personals, häufig die Höhe einer Arztrechnung oder die ärztliche Behandlung selbst. Im Hinblick auf die Höhe der Arztrechnung sollte grundsätzlich eine schnelle Lösung gefunden werden, da es sich oftFortsetzung >>>
verbreitet wird als positive. Es ist daher wesentlich,
die Patienten überhaupt zur Äußerung von Kritik oder Beschwerden zu animieren. Dies kann mit folgenden Methoden erfolgen:
• Auslegen eines »Feedback«-Bogens im Wartebereich mals um kleinere Beträge handelt, über die sich ein Streit oder gar ein Gerichtsprozess im Zweifel nicht lohnt. Im Hinblick auf den Vorwurf eines Behandlungsfehlers sind höchste Achtsamkeit und Behutsamkeit ebenso gefragt wie empathische Reaktion. Nur so kann häufig ein weiterer unerfreulicher Prozess vermieden werden. Es gilt also, in diesen
• »Beschwerde-Briefkasten« in der Praxis • Angebot einer regelmäßigen »Beschwerde-Sprechstunde«
• Bekanntgabe einer »Beschwerde-Adresse« per Post oder E-Mail
• Möglichkeit der anonymen Beschwerde auf der Homepage oder per Brief
schwierigen und manchmal auch ärgerlichen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und profes-
Entscheidend ist, dass eine eventuelle Beschwerde
sionell zu handeln.
auch tatsächlich angenommen und ernstgenommen wird. Denn ein unzufriedener Patient will seine Beschwerde nur einmal äußern müssen – und dafür schnell Gehör finden. Wesentlich aufwendiger ist
» Ärzte sollten nicht von sich aus eine Lösung anbieten oder verhandeln «
es, wenn der Patient eine sogenannte „Folgebeschwerde“ erhebt, weil auf seine Erstbeschwerde nicht reagiert wurde.
Das persönliche Beschwerdegespräch Das Herzstück der erfolgreichen Bearbeitung von Beschwerden ist das persönliche Gespräch mit dem Patienten. Hierfür sollte ein ruhiger und angenehmer Ort zur Verfügung stehen, in dem auch ein Getränk bereitsteht. Sodann ist es wichtig, dem Patienten un-
eingeschränkte Gesprächsbereitschaft und Aufmerk-
Zum professionellen Umgang mit Beschwerden gehö-
samkeit zu signalisieren. Ein großer Fehler ist es, die
ren Grundkenntnisse des sogenannten „Beschwerde-
Vorwürfe des Patienten gleich zurückzuweisen, die
managements“. Beschwerdemanagement im Ge-
Schuld beim Patienten selbst oder bei Dritten zu su-
sundheitswesen bedeutet die systematische Erfas-
chen oder jedwede Verantwortung abzulehnen.
sung, Bearbeitung und Auswertung aller Aktivitäten
Das macht die Patienten im Zweifel erst richtig
im Zusammenhang mit Unzufriedenheit, Kritik, Vor-
ärgerlich. Der Arzt sollte daher zunächst einmal gut
schlägen oder Anregungen von Patienten. Ziel ist es,
zuhören und insbesondere herausfinden, worum es
die Patienten wieder zufriedenzustellen und die ne-
dem Patienten denn wirklich geht: Will er nur eine
gativen Auswirkungen unzufriedener Patienten (wie
Entschuldigung oder eine Erklärung, will er die Stor-
etwa Rufschädigung oder Abwanderung) zu vermei-
nierung der Rechnung oder gar Schadensersatz? Erst
wenn die wahren Beweggründe klar sind, kann eine
Üblicherweise beschwert sich nur ein sehr kleiner
Prozentsatz der unzufriedenen Patienten. Der weit-
Allerdings sollte der Arzt nicht gleich selbst eine
aus größere Teil „schluckt“ eine eventuelle Unzu-
Lösung anbieten oder verhandeln. Er sollte vielmehr
friedenheit oder spricht außerhalb der Praxis über
den Patienten konkret fragen, was dieser sich zur Lö-
seine negativen Erfahrungen. Untersuchungen haben
sung des Problems vorstellt. Die Antwort hierauf kann
gezeigt, dass negative Kritik um ein Vielfaches häufiger
ganz anders aussehen als die eigene Idee des Arztes!
Oftmals bedarf es allerdings zunächst der wei-
Patienten zufriedenstellend zu führen. Diese Fähig-
teren Klärung des Sachverhaltes, der ja bislang nur
keiten können freilich durch entsprechende Schu-
aus Sicht des Patienten dargestellt wurde. Insbe-
lungen gelernt werden.
sondere beim Vorwurf eines Behandlungsfehlers sind,
Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die
abgesehen von medizinisch notwendigen Sofortmaß-
Einrichtung eines Beschwerdemanagements für Arzt-
nahmen, schnelle Lösungen meist nicht realisierbar,
praxen lohnt. Die Praxisinhaber erhalten hierdurch
sondern bedürfen der weiteren Aufklärung. Je nach
nicht nur wertvolle Tipps darüber, was in der Praxis
Art und Intensität des Vorwurfs ist die Einbeziehung
nicht gut läuft und verbessert werden sollte. Eine zu-
der Haftpflichtversicherung erforderlich. Bei schweren
friedenstellende Klärung der Beschwerde wirkt sich
Vorwürfen, etwa im Falle bleibender Schäden beim
insbesondere auf die Zufriedenheit der Patienten und
Patienten, empfiehlt sich dringend die Beauftragung
damit auf den guten Ruf der Praxis aus!
einer auf das Medizinrecht spezialisierten Kanzlei.
Den Leitfaden der Autorin zum Thema
Die Einrichtung eines für alle Seiten erfolgreichen
»Patientenorientiertes Beschwerdemanagement«
Beschwerdemanagements hängt entscheidend von
erhalten sie, indem sie einen adressierten und
denjenigen Personen ab, die für die Bearbeitung der
mit 1,45 euro frankierten dIn-A4-umschlag an
Beschwerden zuständig sind. Der Chef oder eventu-
folgende Adresse schicken: Fachanwaltskanzlei
ell seine Mitarbeiter benötigen bestimmte persön-
Bahner, Voßstr. 3, 69115 heidelberg.
liche Eigenschaften und Kommunikationsqualitäten, um das, gelegentlich schwierige, Gespräch mit den
Das Antikorruptionsgesetz und seine Folgen seit Juni ist das gesetz zur Bekämpfung von Korruption im gesundheitswesen in der Welt. Jetzt sind Bestechlichkeit und Bestechung im gesundheitswesen
für Angehörige von heilberufen strafbar und können mit geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, in besonders schweren Fällen sogar mit bis zu fünf Jahren, geahndet werden. doch wann wird es für niedergelassene brenzlig?
Strafbarkeit tritt dann ein, wenn ein Angehöriger
operierenden Ärzten), Zusammenarbeit mit Kranken-
eines staatlich geregelten Heilberufs Vorteile für sich
häusern beispielsweise für die vor- und nachstatio-
oder Dritte als Gegenleistung dafür fordert, sich ver-
näre Behandlung oder Konsiliararzt-, Belegarzt- und
sprechen lässt oder annimmt, dass er zum Beispiel
Honorararztverträge.
bei der Verordnung von Arzneimitteln einen anderen
Auch wenn solche Kooperationen im Grundsatz
im Wettbewerb in unlauterer Weise bevorzugt. Obwohl
nicht angreifbar sein mögen, weil sie im Sozialgesetz-
die Häufigkeit der nachgewiesenen Unregelmäßig-
buch V ausdrücklich vorgesehen sind, können sie
keiten im Grunde keinen Anlass dazu gaben und
trotzdem ins Visier der Staatsanwaltschaften geraten,
zahlreiche Verbotsnormen insbesondere aus dem
wenn gezahlte Entgelte nicht verhältnismäßig sind.
ärztlichen Berufsrecht, dem Vertragsarztrecht und dem Strafrecht bereits bestanden, wollte der Gesetzgeber
Schärfere Ermittlungsverfahren
strafrechtliche Lücken bei der Bekämpfung korrupten
Das Strafrecht bringt auch eine neue Qualität bei den
Verhaltens schließen.
Ermittlungsverfahren. Bei Bestehen eines Anfangsverdachts können die Staatsanwaltschaften einen Pro-
zess in Gang bringen, in dessen Verlauf auch Praxis-
2012 hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass
durchsuchungen denkbar sind. Auch wenn am Ende
der niedergelassene Arzt bei der Wahrnehmung der
ein Verfahren eingestellt wird oder ein Freispruch er-
ihm übertragenen Aufgaben, insbesondere bei der
folgt, ist der Imageschaden für den Arzt oft nicht zu
Verordnung von Arzneimitteln, strafrechtlich weder
als Amtsträger noch als Beauftragter der gesetzlichen
Deswegen raten wir unseren Mitgliedern drin-
Krankenkassen handelt. Somit wurde der Vertragsarzt
gend dazu, zumindest bei Unsicherheiten über eine
von den damals bestehenden Strafvorschriften über
Kooperation vorab eine umfassende rechtliche Be-
Bestechung und Bestechlichkeit nicht erfasst.
ratung in Anspruch zu nehmen. Oft wird letztlich die
Das neue Gesetz sorgt nun jedoch für Unsicherheit.
Grenze zwischen Erlaubtem und Verbotenem nur im
Denn unter Verdacht können jetzt verstärkt viele, auch
Einzelfall über die Einleitung von Ermittlungsver-
gesundheitspolitisch gewünschte, Kooperationen
fahren und die Entscheidungen der Gerichte geklärt
geraten: Praxisnetze, Einkaufsgemeinschaften, Inte-
werden können. Und damit dann leider auf dem
grierte Versorgung, Ambulante Spezialärztliche Ver-
Rücken der Ärzte.
sorgung, Berufsausübungsgemeinschaften (zum Beispiel bei Beteiligung von konservativ tätigen und 4
Ass.-jur. Frank Hofmann
Ass. jur. Ivona Büttner-Kröber beantwortet Ihre Rechtsfragen
Dürfen Labore ihre Preise wegen des Antikorruptionsgesetzes erhöhen? Nein. Das Gesetz selbst schreibt eine Preisanpassung
Die Gewährung oder das Inaussichtstellen eines
dieser Art nicht vor. Vielmehr wird allein in der Ge-
Vorteils wie beispielsweise eine Gewinnbeteiligung
setzesbegründung ausgeführt, dass ein Angebot zur
dafür, dass sich ein Arzt zur Zuweisung von Untersu-
Durchführung von Laborleistungen zu besonders güns-
chungsmaterial an ein bestimmtes Labor verpflichtet,
tigen Konditionen nur dann zu einer unlauteren
sind bereits berufsrechtswidrig und nunmehr auch
Bevorzugung und damit zu einer Strafbarkeit führen
kann, wenn das Angebot rechtlich oder faktisch an eine andere Zuführungsentscheidung gekoppelt ist.
Hat meine MFA Anspruch auf Weihnachtsgeld? Nein, einen gesetzlichen Anspruch auf Weihnachts-
vorbehaltlos Weihnachtsgeld zahlt, können seine
geld gibt es nicht. Allerdings kann sich ein Anspruch
Angestellten daraus ableiten, dass diese Leistung auf
auf Weihnachtsgeld aus dem Arbeitsvertrag, dem
Dauer gewährt wird.
Tarifvertrag, der Betriebsvereinbarung oder aus einer sogenannten betrieblichen Übung ergeben.
Damit aus freiwilligen Leistungen kein Rechtsan-
Unter einer betrieblichen Übung versteht man ein
weder im Arbeitsvertrag ein Freiwilligkeitsvorbehalt
gleichförmiges und wiederholtes Verhalten des Ar-
für Leistungen wie zum Beispiel Weihnachtsgeld oder
beitgebers, aus dem seine Angestellten zu Recht
Prämien geregelt werden oder aber bei der Zahlung
spruch begründet werden kann, muss daher ent-
ableiten dürfen, dass der Arbeitgeber sich auch in
des Weihnachtsgelds schriftlich darauf hingewiesen
Zukunft bzw. auf Dauer auf diese Art verhalten wird
werden, dass die Zahlung freiwillig erfolgt und kei-
– etwa bei der Gewährung von Leistungen und Ver-
nen Rechtsanspruch für die Zukunft begründet.
günstigungen – und dadurch Rechtsansprüche auf solche Leistungen begründet werden. Wenn also der Praxischef seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über einen Zeitraum von drei Jahren oder mehr 50
Muss ich bei meinem Anbieter von Hyaluronampullen für IGeL bleiben, nachdem er teurer geworden ist? Im Rahmen des freien Wettbewerbs bleibt es jedem
immer vollumfänglich an die Patienten oder Kran-
unbenommen, den Anbieter zu wechseln. Äußerst
kenkassen weiterzugeben sind. Das Einbehalten von
wichtig ist jedoch, dass Rabatte – sofern sie sich auf
Rabatten könnte ansonsten als Abrechnungsbetrug
den Bezug von Arznei- oder Hilfsmitteln oder von
oder nunmehr in Zusammenhang mit dem Anti-
Medizinprodukten, die jeweils zur unmittelbaren
korruptionsgesetz als Bestechlichkeit im Gesund-
Anwendung durch den Heilberufsangehörigen oder
heitswesen gewertet werden.
einen seiner Berufshelfer bestimmt sind, beziehen –
Hilfe beim Tarifwechsel MEDI-Mitglieder, die ihren Strom- oder Gasanbieter
Darüber hinaus können die MEDI-Mitglieder den
wechseln möchten, können sich deswegen künftig an
Schriftverkehr zwischen FSG und ihrem Energiever-
die MEDIVERBUND AG wenden. Die Management-
sorger online mitverfolgen und bekommen alle Unter-
gesellschaft konnte dafür die FSG Cosulting GmbH
lagen mit der Post zugeschickt, nachdem FSG sie ge-
als neuen Partner gewinnen. Das Unternehmen ver-
prüft hat.
handelt mit Energieanbietern über Spartarife und ar-
Den neuen Service können MEDI-Mitglieder übri-
beitet MEDI-Mitgliedern ein individuelles Konzept für
gens sowohl für ihre Praxis als auch für ihre private
Kosten und Service aus. Darin enthalten sind:
Wohnung nutzen. Wer sich dafür interessiert, muss
• Prüfung des Ist-Zustands • Schriftliches Optimierungsangebot • FSG übernimmt die gesamte Umstellung:
FSG seine vollständige letzte Strom- oder Gasabrechnung zur Verfügung stellen. Auf Basis dessen erstellt FSG ein unverbindliches Angebot.
von der Kündigung des alten Vertrags bis zur Lieferung durch den neuen Energieversorger
Alle weiteren Fragen beantwortet
• Prüfung der Schlussrechnung und des Vertrags
Ihnen gerne Claudia Mosthaf,
mit Ihrem alten Anbieter
• Prüfung aller Unterlagen des neuen Anbieters • Übernahme der gesamten Kommunikation mit
bei der medIVerBund Ag, unter [email protected]
Ihrem neuen Energieanbieter
oder per Fax 0711 806079-634.
Abgeber-Workshop mit neuem Konzept Die MEDIVERBUND AG hat ihr Konzept für Praxis-
prüft die Wünschen der Praxisgründer und die der
abgeber überarbeitet. Unter dem Titel „Optimierung,
Nachfolger, eruiert Möglichkeiten einer Anstellung in
Kooperation, Anstellung, Praxisübergabe – Wege in
der Praxis oder in einem MVZ und begleitet die
den entspannten Ruhestand“ erfahren die MEDI-Mit-
Mitglieder sowohl bei der klassischen Praxisübergabe
glieder ab Oktober, wie eine erfolgreiche Nachfolge-
als auch bei verschiedenen Kooperationsformen.
regelung aussehen kann. Da die Weichen für eine
Übrigens hat die MEDIVERBUND AG ihre Bera-
Praxisabgabe heutzutage sehr viel früher gestellt wer-
tungskompetenz ausgebaut und setzt auf zusätzliche
den müssen, befasst sich der Workshop verstärkt mit
Manpower bei wirtschaftlicher Beratung und MVZ-Be-
dem letzten Drittel der Praxisexistenz.
treuung. Dafür stehen MEDI-Mitgliedern künftig Rita
Gemeinsam mit ihren Partnern aus den Bereichen Recht, Steuern und Praxisbewertung nimmt die MEDIVERBUND AG die aktuelle Marktsituation der Praxen, die einen Nachfolger suchen, unter die Lupe. Sie
Gehring (Projektleiterin BW-Beratung) und Wolfgang Fink (Projektleiter MVZ-Beratung) zur Verfügung. sk/as
Kennen Sie schon das Patienten-Serviceterminal? Damit bietet die MEDIVERBUND AG ihren Mitglie-
dern einen völlig neuen interaktiven Kommunika-
Praxen, die das Patienten-Serviceterminal nut-
tionskanal für das Wartezimmer an. Das Servicetermi-
zen, können dort auch interne Inhalte einspei-
nal funktioniert wie ein Smartphone und hat ein-
sen, die nicht für die Patienten, sondern nur für
fache Suchfunktionen.
die Ärzte und das Praxisteam gedacht sind und
Es hilft den Praxen dabei, ihr Image aufzupolieren
die auch nur sie einsehen können. Das können
und den Patienten zu vermitteln, was die Praxis an-
zum Beispiel Informationen des MEDI Verbunds,
bietet – seien es ärztliche Leistungen, besonderer Ser-
medizinische Fortbildungen oder Schulungen für
vice, IGeL-Angebote, die Teilnahme an einem Fach-
MFAs sein. In Ergänzung zum Terminal im
arztvertrag, der Einsatz von besonders geschulten
Wartezimmer ist die Software auch über eine
Praxismitarbeiterinnen im Rahmen der Hausarzt- und
App auf Tablets einsetzbar.
Facharztverträge, Gesundheitsnachrichten, Tipps für saisonale Themen und, und, und. Das Terminal bietet sogar Möglichkeiten, Patien-
Fragen zu preisen, Leistungen und zur Bestellung beantworten Ihnen gerne
tenbefragungen durchzuführen oder auf Veranstaltun-
bei der medIVerBund Ag Claudia Mosthaf,
gen hinzuweisen. Die Praxen können immer selbst
tel. 0711 806079-234 oder per
entscheiden, welche Informationen und optische Hilfs-
e-mail: [email protected] oder der
mittel sie einsetzen möchten; seien es Fotos, Grafiken,
ärztliche projektleiter Johannes D. Glaser,
Filme, Checklisten oder Broschüren. Möglich sind
tel. 0179 1238491, e-mail: [email protected]
auch webbasierte Hinweise oder Texte, die laufend aktualisiert werden. Der Patient kann sich alle Informationen oder Links auch bequem per E-Mail von der Praxis nach Hause oder an seinen Arbeitsplatz schicken.
Neue Fortbildungen für MFAs Die MEDIVERBUND AG hat ihr Fortbildungsangebot
nische Erst- und Katastrophenhelfer für humanitäre
erneut ausgebaut. Für Praxismitarbeiterinnen gibt es
Einsätze im Ausland ausbildet.
künftig ein neues Tagesseminar, das sich mit der Be-
Eine andere neue Fortbildung ist „Herz im Fokus“
treuung von Flüchtlingen beschäftigt. Dabei steht
und richtet sich an MFAs und Ärzte gleichermaßen.
weniger die medizinische Versorgung als vielmehr
Dabei besuchen die Praxismitarbeiterinnen andere,
die Herausforderungen der interkulturellen Kommu-
eigens auf sie ausgelegte Kurse als die Mediziner. In
nikation im Vordergrund. Die Teilnehmerinnen be-
den Pausen können sich Praxischefs und MFAs tref-
schäftigen sich in kleinen Gruppen mit allen relevan-
fen und sich über ihre Erfahrungen austauschen.
ten Fragen, die für ihren Praxisalltag wichtig sind. Das
„Herz im Fokus“ spricht nicht unbedingt kardiologi-
Seminar wird gemeinsam mit dem Bildungsinstitut
sche Praxen an, sondern in erster Linie hausärztliche
„Plan P“ durchgeführt, das zum Beispiel auch medizi-
und internistische.
So vermeiden Sie Fehler bei der Personalsuche
Gesichtspunkten ist es dagegen vernünftiger, sich auf das Nötigste zu beschränken und die Stellenanzeige möglichst neutral zu formulieren. „Es sollte auf keinen Fall speziell nach weiblichen Angestellten gesucht und auch nicht auf ein jugendliches Team hingewiesen werden“, sagt Rechtsassessorin Ivona
Wer eine stellenanzeige schaltet, sollte sich auch mit Agghoppern auskennen. mit angeblichen Bewerbern also, die nicht wirklich einen Job suchen. Ihr eigentliches Ziel ist eine schadenersatzzahlung wegen angeblicher diskriminierung.
Büttner-Kröber, zuständig für Personalverwaltung und allgemeine Rechtsfragen bei der MEDIVERBUND AG. Sie rät auch davon ab, ein Lichtbild anzufordern, da es für eine diskriminierende Auslese genutzt werden kann. Die AGG-Richtlinien gelten ihrer Einschätzung nach für alle Arten von Stellenanzeigen, also zum Beispiel auch für Postings in Facebook-Gruppen.
Keine diskriminierenden Fragen Beim Vorstellungsgespräch dürfen keine diskriminieNur mal angenommen, in Ihrer Stellenanzeige suchen
renden Fragen gestellt werden. Fragen nach Schwan-
Sie nach „einer Mitarbeiterin“ für Ihr „junges Team“
gerschaft, Familienplanung und Kinderwunsch sind
und es bewirbt sich ein 50 Jahre alter Krankenpfle-
erstens nicht zulässig und die Bewerberinnen dürfen
ger, der noch nie in einer Arztpraxis gearbeitet hat.
zweitens sowieso wahrheitswidrig antworten. Auch
Es ist kein Wunder, wenn er die Stelle nicht be-
Fragen zu Alter und Behinderungen sind tabu, eben-
kommt. Aber er könnte sich einen Anwalt nehmen
so wenig darf nach Religion und Konfession, nach
und argumentieren, dass er sich wegen seines Alters
der Zugehörigkeit zu einer Partei oder Gewerkschaft
und Geschlechts diskriminiert fühlt.
gefragt werden. Das AGG verbietet ebenfalls, das
Grundlage dieser juristischen Auseinandersetzung
Privatleben auszuforschen. Zur eigenen Absicherung
ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG),
rät Büttner-Kröber dazu, Bewerbungsgespräche grund-
das meistens einfach als Antidiskriminierungsgesetz
sätzlich von einer dritten Person mithören und -schrei-
bezeichnet wird. Es soll verhindern, dass Bewerber
aus Gründen der Rasse, wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschau-
Absagen verschicken
ung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuel-
Wenn die Wahl getroffen und der Vertrag unterschrie-
len Identität benachteiligt werden. Diesen Grundsatz
ben ist, verschickt man üblicherweise Absagen an die
nutzen AGG-Hopper. Als abgelehnte Bewerber kön-
anderen Bewerber. Je schlichter das Schreiben, des-
nen sie zwar nicht beanspruchen, dass sie eingestellt
to weniger kann man dem Schreiber Diskriminierung
werden. Aber sie können eine Entschädigung in Höhe
vorwerfen. Am besten formuliert man auch hier ge-
von bis zu drei Monatsgehältern verlangen.
schlechtsneutral („zu unserem Bedauern möchten wir
Derartige juristische Auseinandersetzungen sind
Ihnen mitteilen, dass wir Ihre Bewerbung nicht be-
inzwischen keine Seltenheit mehr. Wer dabei ge-
rücksichtigen konnten“). Auf gar keinen Fall sollte
winnt, ist nicht sicher. Es laufen sowohl Verfahren
man am Telefon so „nett“ sein, einem abgelehnten
wegen angeblicher Diskriminierung als auch solche
Bewerber die Gründe für die Ablehnung zu erklären!
wegen angeblicher Firmenschädigung durch AGG-
Wichtig ist es aus Erfahrung der Juristin außerdem,
nie handschriftliche Vermerke auf zurückgeschickten Bewerbungsunterlagen zu hinterlassen.
Früher wurde oft empfohlen, Anzeigen möglichst individuell zu formulieren und sie auch als Marketinginstrument für die Praxis einzusetzen. Unter AGG54
tIpps Von medI-reChtsAssessorIn IVonA Büttner-KrÖBer
Gute Fragen für Ihr Bewerbungsgespräch Zulässige Fragen
Beschreiben sie bitte kurz ihren Werdegang!
Wie formuliert der Bewerber, wie lange braucht er, um auf den punkt zu kommen?
Welche ihrer kenntnisse und Erfahrungen
Wie gut ist er vorbereitet?
passen zur ausgeschriebenen stelle?
hat er das nötige fachwissen?
kann er seine persönlichkeit und seine fähigkeiten
oder: Warum sollten wir uns für sie entscheiden?
zielgerichtet darstellen?
Welche Quellen haben sie genutzt, um informationen
hat er initiative ergriffen?
über unsere praxis zu bekommen?
Wer sich nicht informiert hat, zeigt wenig Engagement.
Wo liegen die schwerpunkte der interessen?
Aber auch: ist die Bewerbung ernsthaft?
Was war die größte herausforderung, die sie in den letzten
hier kann der Bewerber zeigen, ob er in der praxis z. B. während
zwei Jahren zu bewältigen hatten?
der letzten grippewelle eine wichtige position eingenommen hat.
haben sie schon mal erlebt, dass die Arbeit in einer
thema teamarbeit: ist der Bewerber teamfähig?
gruppe nicht funktioniert und deshalb wenig effektiv war?
Wer jetzt über kollegen ablästert,
gut, wenn man es angesprochen hat.
staatsangehörigkeit, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.
Juristisch wichtige grundlagen für einen Arbeitsvertrag.
serIe: dAtensChutZ In ArZtprAxen
Ist Ihre Praxissoftware wirklich in guten Händen? Kann sich ein praxisinhaber strafbar machen, wenn er die praxissoftware von einem dienstleister pflegen lässt oder die „medical Cloud“ nutzt? Kaum vorstellbar, mag man meinen. Aber mit den vielfältigen technischen möglichkeiten der digitalisierung wachsen auch die rechtlichen
tendaten verarbeitet, die einem besonderen Schutz des BDSG unterliegen, aber auch personenbezogene Daten von Mitarbeitern, Lieferanten und sonstigen Personen. Über § 9 Satz 1 BDSG werden bestimmte technische und organisatorische Maßnahmen vorgegeben, die je nach Art der zu schützenden Daten zu treffen sind. Dazu gehören die Kontrolle des Zutritts zu
Anforderungen und risiken.
Datenverarbeitungsanlagen, die Verhinderung der Nutzung durch Unbefugte, die Kontrolle des Zugriffs auf Datenverarbeitungsanlagen und die Kontrolle der Weitergabe von personenbezogenen Daten. Insoweit weist das Gesetz ausdrücklich auf den Einsatz eines
Auch für die Nutzung der Praxissoftware gilt § 9
dem Stand der Technik entsprechenden Verschlüs-
Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), der vorschreibt,
selungsverfahrens hin.
dass in der Praxis die erforderlichen technischen und organisatorischen Maßnahmen zu treffen sind, um den
Das müssen Praxischefs beachten
Datenschutz und die Datensicherheit zu gewährleis-
Insbesondere sind personenbezogene Daten auch
ten. Mit der Praxissoftware werden vor allem Patien-
gegen zufällige Zerstörung oder Verlust zu schützen.
Rechner in der Praxis sind mit Kennwörtern zu sichern.
» Die Offenbarung von Patientendaten an Dienstleister kann strafbar sein! «
Dabei sollte es in der Praxis Vorgaben für die Länge und die Gestaltung von Kennwörtern geben. Es sind Bildschirmschoner zu verwenden, die ebenfalls kennwortgesichert sind. Aktuelle Sicherheitssoftware muss eingesetzt werden, die vor Viren und anderen Bedrohungen schützt. Es müssen Benutzerkonten mit eingeschränkten Rechten angelegt werden; Administrationsrechte an jedem PC darf es nicht geben. Regelmäßig ist eine angemessene Datensicherung der gravierende Schwächen in Arztpraxen. Daten-
Wichtige Vereinbarungen mit dem Dienstleister
schutz und Datensicherheit beschränken sich aber
Soll die Praxissoftware von einem Dienstleister gewar-
nicht auf Server, PCs oder mobile Geräte. Zum Beispiel
tet oder gepflegt werden und werden dem Dienst-
muss auch bei modernen Multifunktionsdruckern
leister dabei, wie in der Regel, personenbezogene Da-
verhindert werden, dass Dritte durch das Auslesen
ten zugänglich, ist nach § 11 Abs. 5 BDSG eine schrift-
des Gerätespeichers Zugang zu personenbezogenen
liche Vereinbarung abzuschließen, die bestimmte, in
Daten erlangen.
§ 11 Abs. 2 BDSG aufgeführte Inhalte haben muss.
durchzuführen. Gerade hier zeigen sich immer wie-
Bei Verstößen gegen die Vorgaben zu Datenschutz
Ansonsten ist die Zugänglichmachung der Daten un-
und Datensicherheit drohen dem Praxisinhaber emp-
rechtmäßig und dem Praxisinhaber droht ein Bußgeld.
findliche Bußgelder bis hin zu Freiheitsstrafen.
Das ist leider sowohl vielen Praxen als auch vielen
solche Lösung spricht, dass ein Rechenzentrum, das
Ist Ihre Praxissoftware wirklich in guten Händen?
im Regelfall hohen Sicherheitsanforderungen genügt.
von einem renommierten Cloud-Anbieter genutzt wird, Mit dem Cloud-Anbieter ist auf jeden Fall eine Vereinbarung über Auftragsdatenverarbeitung abzuschließen. Darüber hinaus lässt sich aber die Nutzung entsprechender Cloud-Dienste in Verbindung mit Patientendaten überhaupt nur gesetzlich zulässig darstellen, wenn Patientendaten schon in der Praxis ver-
Dienstleistern schlicht unbekannt, obwohl die ent-
schlüsselt werden, den Anbieter nur verschlüsselt er-
sprechende gesetzliche Verpflichtung bereits seit vie-
reichen und auch vom Anbieter nur verschlüsselt ver-
len Jahren besteht!
arbeitet werden. Der Schlüssel für die Verschlüsselung
Zudem ist an die ärztliche Verschwiegenheits-
darf nur von der Praxis selbst generiert werden und
pflicht zu denken, deren Verletzung durch § 203 Straf-
die Entschlüsselung bei und durch den Anbieter
gesetzbuch (StGB) strafrechtlich sanktioniert ist. Ex-
muss ausgeschlossen sein.
terne Dienstleister sind nach der immer noch
Neben zahlreichen anderen Punkten ist bei dem
herrschenden Meinung keine Berufsgehilfen, denen
Vertrag mit dem Cloud-Anbieter zu bedenken, ob
Patientendaten offenbart werden dürfen. Die herr-
auch bei einer zeitweiligen oder dauerhaften Be-
schende Meinung behandelt das Bundesdaten-
triebsunterbrechung beim Cloud-Anbieter die Nut-
schutzgesetz und das Strafgesetzbuch getrennt: Auch
zung der Software und der schnelle Zugriff auf die
wenn ein Dienstleister, der die Praxissoftware pflegt,
Patientendaten sichergestellt sind. Welche Verfüg-
einen Vertrag nach § 11 BDSG unterzeichnet hat,
barkeit garantiert der Anbieter bezüglich der Soft-
kann die Offenbarung von Patientendaten an ihn
warebereitstellung und des Datenzugriffs? Auf ent-
immer noch nach § 203 StGB strafbar sein.
sprechende präzise vertragliche Regelungen mit eben-
Bis zu einer Gesetzesänderung kann nur empfohlen werden, dem Dienstleister keine Patientendaten
so präzisen Sanktionsregelungen ist unbedingt zu achten.
zugänglich zu machen oder allenfalls in anonymi-
sierter Form.
Neue technische Möglichkeiten können in der Praxis zu einer Erhöhung der Datensicherheit, zu Kostenreduzierungen, neuartigen Arbeitsmöglichkeiten und
» Mit Cloud-Anbietern bedarf es einer Vereinbarung über Auftragsdatenverarbeitung «
neuen Dienstleistungsangeboten für Patienten führen. Leider hat die rechtliche Entwicklung gerade der datenschutzrechtlichen Regelungen und der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht hiermit nicht unbedingt Schritt gehalten. Der Einsatz neuer Technologien in der Praxis ist möglich, bedarf aber, vor allem angesichts der strafrechtlichen Risiken, einer vorherigen vertieften rechtlichen Prüfung. Dr. Christian Wittmann, Dr. Thomas Weimann
Sonderfall: die Medical Cloud Ein recht aktuelles Thema ist die Frage, inwieweit Praxen eine sogenannte „Medical Cloud“ nutzen können. Dabei liegt die Praxissoftware nicht bei der Praxis auf einem Server, sondern sie wird in einem Rechenzentrum über eine Internetverbindung (sogenannte „Software as a Service“) genutzt. Für eine 5
Für sIe geLesen s. eble, C. Kurscheid (hrsg.)
Gesundheitsnetzwerke Strategie, Konzeption, Steuerung
ment, Qualitäts- und Risikomanagement, Personalmanagement sowie Marketing und Kommunikation. Wer sich mit den Möglichkeiten von ärztlichen Kooperationen auseinandersetzen möchte, findet hier jede Menge Anregungen. Spannend zu lesen fand ich die Texte über Datenschutz in Arztnetzwerken, über Delegation und über die Probleme bei der Honorarverteilung. Manche Aspekte sind dem Gesundheitsnetzwerker vielleicht etwas zu trocken und abgehoben, andere dagegen aus der Praxis gegriffen. Für Ärzte, die einfach nur Medizin machen wollen, ist das Buch nicht geschrieben. Es richtet sich an alle Akteure im Gesundheitswesen, die Versorgung gestalten wollen, auch an Berater und Mitarbeiter aus Gesundheitsunternehmen oder Planung, Konzeption und Umsetzung von Ge-
Studierende in Studiengängen wie Gesundheits-
sundheitsnetzwerken sind Thema des Buchs. Im
management, Gesundheitsökonomie oder Public
ersten Teil werden die rechtlichen Grundlagen ab-
gehandelt, Teil 2 widmet sich der strategischen und Teil 3 der operativen Steuerung von Netzwer-
ken. Welche Daten, welche Kennzahlen braucht
medizinisch Wissenschaftliche
man zur Versorgungssteuerung? Und welche
Verlagsgesellschaft Berlin
Finanzierungsmöglichkeiten haben kooperative
2016, 368 seiten, 22 tabellen
Versorgungsformen? Erfreulich praxisnah sind die
Fallbeispiele: Finanzierung eines Gesundheits-
ISBN 978-3-95466-227-2
zentrums, Businessplanung einer Schweizer Koordinationsstelle für Palliative Care. Die folgenden Teile befassen sich mit dem Finanzmanage-
VerAnstALtungen, FortBILdungen und WorKshops
ò Informationsveranstaltung » Vernetzung mit KV-Förderung «
ò 3. Stuttgarter Osteoporosetage
19. Oktober, 18–20 Uhr
8. Oktober, 8–14 Uhr
MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart
ò Veranstaltung zur Korruptionsbekämpfung
ò »Herz im Fokus«
26. Oktober ab 14 Uhr
29. Oktober, 10–13 Uhr
Kongresszentrum Liederhalle, Berliner Platz 1, 70174 Stuttgart
ò Kommunikationstraining » Kommunikation am Telefon « 28. Oktober, 14–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Kommunikationstraining » Beschwerde «
Veranstaltungen für Ärzte – nichtmedizinisch
9. November, 14–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart
ò Kommunikationstraining
ò IGeL-Workshop für Einsteiger
» Kommunikation im Team «
12. November, 10–15 Uhr
5. Oktober, 14–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Informationsveranstaltung
MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Codierseminar 18. November, 17–19:30 Uhr
» Vernetzung mit KV-Förderung «
Comfort Hotel Ulm-Blaustein, Ulmer Str. 4/1,
5. Oktober, 18–20 Uhr Badhaus Rottweil, Neckartal 167, 78628 Rottweil ò Interkulturelle Kommunikation
89134 Blaustein ò Betreuungsstrukturverträge, KV-Abrechnung / Herzinsuffizienz
– Umgang mit Flüchtlingen
24. November, 17–19:30 Uhr
8. Oktober, 9–16:30 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Informationsveranstaltung
MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Codierseminar 25. November, 17–19:30 Uhr
Leonardo Hotel Heidelberg-Walldorf,
12. Oktober, 18–20 Uhr
Hotel St. Michael, Stammbergweg 1,
» Der schwierige Patient «
ò Codierseminar
9. Dezember, 14–18 Uhr
14. Oktober, 17–19:30 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart
Veranstaltungen für MFAs –– medizinisch ò MFA-Tagesseminar: Moderne Wundversorgung 15. Oktober, 9–16:30 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Medikationsplan 19. Oktober, 14–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Spirometrie-Kurs für Fortgeschrittene
ò Kommunikationstraining » Kommunikation am Telefon « 28. Oktober, 14–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Kommunikationstraining » Beschwerde « 9. November, 14–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò IGeL-Workshop für Einsteiger 12. November, 10–15 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart
26. Oktober, 14–16 Uhr
18. November, 17–19:30 Uhr
ò Spirometrie-Kurs für Anfänger 26. Oktober, 16–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò »Herz im Fokus« 29. Oktober, 10–13 Uhr Kongresszentrum Liederhalle, Berliner Platz 1, 70174 Stuttgart ò DRACO – Wundworkshop 23. November, 15–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart
Comfort Hotel Ulm-Blaustein, Ulmer Str. 4/1, 89134 Blaustein ò Codierseminar 25. November, 17–19:30 Uhr Leonardo Hotel Heidelberg-Walldorf, Roter Straße, 69190 Walldorf ò Kommunikationstraining » Der schwierige Patient « 9. Dezember, 14–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart
ò Medikationsplan 30. November, 14–18 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart
Vertragsschulungen für Ärzte und MFAs ò Informationsveranstaltung
Veranstaltungen für MFAs –– nichtmedizinisch ò Kommunikationstraining » Kommunikation im Team «
» Psychotherapievertrag DAK-Gesundheit « 11. Oktober, 18–20 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Abrechnungsschulung PNP – Modul PT 18. Oktober, 18:30–20 Uhr
5. Oktober, 14–18 Uhr
ò Abrechnungsschulung PNP – alle Module
ò Interkulturelle Kommunikation
23. November, 17–19 Uhr
8. Oktober, 9–16:30 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ò Codierseminar 14. Oktober, 17–19:30 Uhr MEDIVERBUND, Industriestr. 2, 70565 Stuttgart ACHTUNG: Ort und Zeit der einzelnen Veranstaltungen können sich unter Umständen kurzfristig ändern. Bitte beachten Sie die jeweiligen Einladungen. 1
Stress mit Passwörtern vermeiden! passwörter können schützen – oder sich als türöffner für jede Art
von missbrauch entpuppen. das gilt für den Zugang zum praxiscomputer ebenso wie für das passwort zur homepage der gemeinschaftspraxis.
MEDI-Systemadministrator Oliver Keutel braucht kei-
binationen geknackt werden. Längst gibt es eine
ne fünf Minuten, um die Generierung eines guten
Software, die sogenannte Wörterbuchangriffe um-
Passworts zu erklären. Grundlage ist die Wahl eines
setzt. Dabei werden analog zum Wörterbuch Begriffe
Satzes, den man sich merken kann, zum Beispiel:
und Namen als Zeichenkette ausprobiert – leider all-
„Denkfaule und Kreative können ein Passwort in 5
zu oft erfolgreich.
Minuten basteln“. Dann reiht man die Anfangsbuchstaben der Wörter unter Beachtung von Groß- und
Kleinschreibung aneinander: „DuKkePi5Mb“ lautet
Mit einem Passwort kann man jedoch nicht nur die
dieses schon recht taugliche Passwort. Mit ein paar
bösen Cyber-Angreifer ausschließen, sondern auch
Tricks kommen noch Sonderzeichen hinzu: Aus dem
die eigenen Kollegen. Das mussten die Ärzte einer
„D“ wird das „$“, das „und“ wird zu „&“, aus dem „e“
Gemeinschaftspraxis in Hessen erfahren. Die Praxis-
wird ein „¤“ und das „i“ dreht man zum „!“ um.
homepage der GbR wurde auf einem externen Server
gehostet, die Domainverwaltung erfolgte per Admin-
„$&Kk¤P!5Mb“.
Passwort. Als einer der Kollegen aus der Gemein-
Keutel erinnert daran, dass Passwörter heute
schaftspraxis ausstieg, mussten die ehemaligen Part-
nicht mehr nur durch Ausprobieren der Zeichenkom-
ner feststellen, dass sie keinen Zugang mehr zu ihrer Homepage hatten. Der Kollege hatte mithilfe des Admin-Passworts den ursprünglichen Zugang zur Internetseite gesperrt und sich selbst ein neues
Admin-Passwort vergeben. Als Admin konnte er auch die E-Mails seiner Kollegen lesen. Eine bittere Situation, die vermutlich nicht wenige schlaflose Nächte zur Folge hatte. Die GbR-Ärzte
• Bei allen Anwendungen das gleiche Passwort
konnten immerhin erfolgreich eine einstweilige
– und das seit Jahren
Verfügung gegen den ehemaligen Partner erwirken
• Das Passwort enthält den eigenen Namen
(Einzelheiten unter http://openjur.de/u/635418.html).
und/oder das Geburtsdatum
Um diese Art von Stress zu vermeiden, rät Wolf-
• Das Passwort heißt »SAMSUNG«,
gang Fink, MEDI-Projektleitung MVZ, dazu, bei der
»PASSWORT«, »PRAXIS« oder »12345678«
Vertragsgestaltung auch die Nutzung von Telefon-
• Das »sichere« Passwort steht auf einem Zettel
nummer, Internetadresse, Facebook-Fanpage oder
unter der Tastatur oder am Bildschirmrand
Twitter-Account nach einer Trennung zu berücksich-
• Ein unverschlüsseltes Dokument mit dem
tigen. Sicher ist sicher.
Namen »Passwort.doc« oder »pw.doc« enthält
sämtliche Passwörter
Report "IT-Projekte nehmen Fahrt auf"

References: § 73
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