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Timestamp: 2020-07-13 19:17:08+00:00

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Erkrankung - und der Antrag auf Terminverlegung | Rechtslupe
Erkran­kung – und der Antrag auf Ter­min­ver­le­gung
Nach stän­di­ger BFH-Recht­spre­chung wird eine Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör ange­nom­men, wenn einem Antrag auf Ver­le­gung der münd­li­chen Ver­hand­lung (§ 227 Abs. 1 ZPO) nicht statt­ge­ge­ben wird, obwohl erheb­li­che Grün­de vor­lie­gen. Nach § 155 FGO i.V.m. § 227 ZPO kann ein gericht­li­cher Ter­min nur aus erheb­li­chen Grün­den auf­ge­ho­ben oder ver­legt wer­den. Lie­gen erheb­li­che Grün­de i.S. von § 227 ZPO vor, ver­dich­tet sich die nach die­ser Vor­schrift ein­ge­räum­te Ermes­sens­frei­heit zu einer Rechts­pflicht [1].
Ein sol­cher Grund kann u.a. dar­in lie­gen, dass der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te eines Betei­lig­ten uner­war­tet erkrankt ist. Jedoch ist nicht jeg­li­che Erkran­kung des Bevoll­mäch­tig­ten ein aus­rei­chen­der Grund für eine Ter­mins­ver­le­gung; eine sol­che ist viel­mehr nur dann gebo­ten, wenn die Erkran­kung so schwer ist, dass von dem Bevoll­mäch­tig­ten die Wahr­neh­mung des Ter­mins nicht erwar­tet wer­den kann. Der Antrag­stel­ler muss die Grün­de i.S. des § 227 Abs. 1 Satz 1 ZPO so genau ange­ben, dass sich das Gericht auf­grund ihrer Schil­de­rung ein Urteil über deren Erheb­lich­keit bil­den kann [2].
Nicht aus­rei­chend ist jedoch ‑bei einer gel­tend gemach­ten Krank­heit die Vor­la­ge eines Attests eines Arz­tes, mit dem ledig­lich pau­schal "Arbeits­un­fä­hig­keit" beschei­nigt wird [3].
Nach die­sen Grund­sät­zen hielt der Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall den am Tag vor der münd­li­chen Ver­hand­lung vom Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gestell­te Antrag und die bei­gefüg­te Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung als unsub­stan­ti­iert:
Im Antrag wird ledig­lich von einer "uner­war­te­ten Krank­heit" gespro­chen, ohne dass erkenn­bar wäre, war­um die­se, wie der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te ange­ge­ben hat, zur "Bett­ru­he" "zwin­ge", weil Art und Schwe­re nicht benannt wur­den.
Die dem Finanz­ge­richt vor der Sit­zung per Tele­fax über­mit­tel­te Vor­der­sei­te der Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung ent­hält eben­falls kei­ne Dia­gno­se und beschei­nigt nicht die Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers für den Fol­ge­tag, son­dern nur des­sen Arbeits­un­fä­hig­keit. Im Übri­gen wäre der blo­ße Zusatz "Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit liegt vor" ohne­hin nicht aus­rei­chend gewe­sen [4].
Wei­te­re Ermitt­lungs­pflich­ten des Gerichts ‑etwa durch Nach­fra­ge bei der mehr als 600 km vom Kanz­lei­sitz des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ent­fernt prak­ti­zie­ren­den Ärz­tin- bestan­den in die­ser Situa­ti­on nicht [5].
Auch eine Zulas­sung der Revi­si­on wegen man­geln­der Sach­auf­klä­rung (§ 76 Abs. 1 FGO) durch das Finanz­ge­richt kommt nicht in Betracht. Wer zur münd­li­chen Ver­hand­lung trotz ord­nungs­ge­mä­ßer Ladung unent­schul­digt nicht erscheint, kann regel­mä­ßig anschlie­ßend nicht die Ver­let­zung von § 76 Abs. 1 FGO rügen [6]. Von einem Rüge­ver­zicht ist auch dann aus­zu­ge­hen, wenn ‑wie hier- ein Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter kurz­fris­tig zwar sein krank­heits­be­ding­tes Nicht­er­schei­nen in der münd­li­chen Ver­hand­lung ankün­digt, aber dem Finanz­ge­richt kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te für des­sen eige­ne Prü­fung der behaup­te­ten Erkran­kung über­mit­telt wer­den [7].
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. Sep­tem­ber 2015 – XI B 33/​15
vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 12.11.2009 – IV B 66/​08, BFH/​NV 2010, 671; vom 27.06.2012 – XI B 129/​11, BFH/​NV 2012, 1978[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 30.05.2007 – V B 217/​06, BFH/​NV 2007, 1695; Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 96 FGO Rz 261[↩]
vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 10.10.2001 – IX B 157/​00, BFH/​NV 2002, 365, unter II. 2.a; vom 21.01.2004 – V B 25 – 26/​03, BFH/​NV 2004, 962, unter II. 2.b; vom 27.01.2004 – VII B 66/​03, BFH/​NV 2004, 796, unter II. 1.; vom 26.04.2005 – VIII B 14/​02, BFH/​NV 2005, 1821; vom 21.04.2008 – XI B 206 – 207/​07, BFH/​NV 2008, 1191; vom 01.04.2009 – X B 78/​08 unter 1.c; vom 21.11.2012 – VIII B 144/​11, BFH/​NV 2013, 240, Rz 11; vom 10.04.2015 – III B 42/​14, BFH/​NV 2015, 1102, Rz 3[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 05.07.2004 – VII B 7/​04, BFH/​NV 2005, 64, unter II. 2., Rz 12[↩]
vgl. BFH, Beschlüs­se vom 31.08.1995 – VII B 160/​94, BFH/​NV 1996, 228, unter II., Rz 8; vom 07.08.2013 – VII B 43/​13, BFH/​NV 2013, 1792; vom 26.11.2013 – I B 2/​13, BFH/​NV 2014, 542, Rz 3[↩]
z.B. BFH, Beschluss vom 02.03.2005 – VII B 142/​04, BFH/​NV 2005, 1576[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 29.09.2011 – IV B 122/​09, BFH/​NV 2012, 419, Rz 7 und 8[↩]
Erkran­kung – und der Antrag auf Ter­min­ver­le­gung Nach stän­di­ger BFH-Recht­spre­chung wird eine Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör ange­nom­men, wenn einem Antrag auf Ver­le­gung der münd­li­chen Ver­hand­lung (§ 227 Abs. 1 ZPO)…
Die Erkran­kung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten – und die… Zwar ist ein Gericht zur Wah­rung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör (§ 96 Abs. 2 FGO) grund­sätz­lich ver­pflich­tet, einen Ver­hand­lungs­ter­min zu ver­le­gen, wenn hier­für erheb­li­che…
Kei­ne Ter­mins­ver­le­gung wegen Arbeits­un­fä­hig­keit Nach § 155 Satz 1 FGO i.V.m. § 227 Abs. 1 Satz 1 ZPO kann aus erheb­li­chen Grün­den ein Ter­min auf­ge­ho­ben oder ver­legt wer­den. Die­se…

References: § 155
 § 227
 § 227
 § 227
 § 76
 § 96
 § 155
 § 227