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Timestamp: 2018-05-25 23:01:00+00:00

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Landkreis Böblingen -Oberirdische Gewässer
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Überschwemmungsgebiete und Hochwasser
Potenzialstudie zur Wasserkraftnutzung
Gemeingebrauch an oberirdischen Fließgewässern im Landkreis Böblingen
In den Monaten Juni bis September ist die Entnahme von Wasser aus oberirdischen Fließgewässern auf die gemeindeeigenen Entnahmestellen beschränkt. Ausgenommen von dieser Regelung ist die Würm unterhalb des Schwippe-Zuflusses.
(aus der Allgemeinverfügung des Landratsamtes Böblingen vom 29.04.1993)
Nach § 25 des Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushaltes (WHG) darf jedermann oberirdische Gewässer in einem Umfang benutzen, wie dies nach Landesrecht als Gemeingebrauch gestattet ist.
Unter den Gemeingebrauch fällt nach § 20 Abs. 1 Satz 2 WG auch das Entnehmen von Wasser in geringen Mengen für die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, den Gartenbau und für kleingewerbliche Betriebe. Der Begriff „geringe“ Menge bezieht sich jedoch nicht auf eine bestimmte Wassermenge, sondern hängt vom Wasserdargebot ab. Bei einer zu starken Verringerung des Gesamtwasserdargebots z. B. durch die Entnahmen kann der Gemeingebrauch nach § 21 Abs. 2 WG durch das Landratsamt beschränkt oder ganz verboten werden. Dies ist im Landkreis Böblingen zwingend geboten.
In den vergangenen Jahren wurde der aus gewässerökologischer Sicht erforderliche Mindestwasserabfluss in oberirdischen Fließgewässern immer wieder unterschritten, teilweise trockneten Gewässer für bestimmte Zeit ganz aus. Unser Landkreis gehört zu den Wassermangelgebieten in Baden-Württemberg. Viele Bäche haben im Landkreis ihren Ursprung; sie führen jedoch im Quellgebiet noch relativ wenig Wasser. Hinzu kommt, dass in Karstlandschaften wie dem Gäu, Wasser aus dem Bachbett direkt in den Untergrund versickert.
Die Trockenheit der letzten Jahre hat den Wassermangel noch weiter verschärft.
Durch den Wassermangel erhöhen sich die Gehalte an abbaubaren organischen Substanzen und Nährstoffen. Diese führen in Verbindung mit hohen Wassertemperaturen und starker Sonneneinstrahlung zu einer Massenentwicklung von Algen. Gestaute und langsam fließende Gewässer fördern zudem das Wachstum der Algen. Algenmassenentwicklungen führen zu Sauerstoffübersättigung. Auf Organismen, wie z.B. Fische, wirkt zu viel Sauerstoff toxisch. Beim Aussterben der Algenblüten wiederum kommt es regelmäßig zu Sauerstoffdefiziten bis hin zum vollständigen Sauerstoffschwund.
Höhere Konzentrationen an verbliebenen Inhaltsstoffen aus gereinigten Kläranlagenabflüssen beeinträchtigen bei Niedrigwasser zusätzlich die Selbstreinigungskraft der Gewässer.
Aus diesen Gründen ist es notwendig, die Wasserentnahmen aus oberirdischen Gewässern im Landkreis Böblingen in den Sommermonaten gemäß § 21 Absatz 2 WG einzuschränken.
Auch wenn der Landkreis Böblingen von keinem Strom durchflossen wird, besteht an seinen Gewässern Hochwassergefahr. Der Siedlungsdruck bewirkte, dass sich ein hohes Schadenspotenzial in vielen hochwassergefährdeten Gebieten akkumuliert hat.
Die von den Oberflächengewässern ausgehende Überflutungsgefahr wird in den Hochwassergefahrenkarten (HWGK) für unterschiedliche Hochwasserszenarien dargestellt. Erarbeitet werden sie vom Land Baden-Württemberg im Rahmen der Umsetzung der „EG-Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie" (HWRM-RL) unter Beteiligung der Kommunen. Die Umsetzung der HWRM-RL hat das Ziel, die nachteiligen Folgen durch Hochwasser für Mensch, Umwelt, Kulturgüter und Wirtschaft abzuwenden oder zu reduzieren. Den Kommunen bieten die HWGK eine flächendeckende Grundlage für das Krisenmanagement und die Bauleitplanung. Für die Bürger enthalten die HWGKn wertvolle Informationen zur Betroffenheit durch Hochwasser, so dass Eigenvorsorge veranlasst werden kann.
Um den Erhalt von nötigem Retentionsraum an den Gewässern zu sichern, ist das Errichten und Erweitern baulicher Anlagen in festgesetzten Überschwemmungsgebieten (HQ-100 Flächen, dargestellt in den HWGK) nach § 78 Absatz 1 WHG grundsätzlich verboten. Ausnahmen sind nur nach Erfüllen aller unter § 78 Absatz 3 WHG verlangten Voraussetzungen möglich.
(siehe auch Kompaktinfo: Hochwassergerechte Baugenehmigung)
Die HWGK liegen bei den Kommunen und der Untereren Wasserbehörde (Landratsamt Böblingen) aus.
Alle bisher veröffentlichten Hochwassergefahrenkarten können auch online unter folgendem Link eingesehen werden:
Interaktive Hochwassergefahrenkarten (HWGK)
Wichtige Informationen zur HW-Risiko-Managementstrategie des Landes, den HW-Gefahrenkarten und der EU-HW-Risikomanagement-Richtlinie sind auf folgender Seite zusammengefasst: Infoportal des Landes zum Thema Hochwasser
Weiteres Informations-Material:
Kompaktinfo: Hochwassergefahrenkarten
Kompaktinfo: Hochwassergerechte Baugenehmigung
Weitere Kompaktinformationen
Die Erhöhung oder Vertiefung der Erdoberfläche sowie die Herstellung, Beseitigung oder wesentliche Umgestaltung von Bauten und sonstigen Anlagen bedarf in Überschwemmungsgebieten der wasserrechtlichen Erlaubnis.
Hochwasser an der Würm, Ehningen, 1990
Hochwasser an der Würm, Weil der Stadt-Hausen, 1966
Videotext: Südwest-Text Tafeln 800 - 809
Faxabruf: 0211 / 303 - 72001
Wasser ist das wertvollste Naturgut und Lebensmittel Nr. 1. Deshalb gibt es keine wichtigere Aufgabe als den Schutz unseres Wassers sicherzustellen durch eine nachhaltige Wasserwirtschaft. Für die Fließgewässer ist eine solche Vorsorge am effektivsten über die Bewirtschaftung der gesamten Einzugsgebiete zu leisten, unabhängig von allen politischen Grenzen. Genau diese übergreifende Zusammenarbeit ist einer der wesentlichen Punkte der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU aus dem Jahre 2000.
Die wichtigsten Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie
Guter ökologischer und guter chemischer Zustand der Oberflächengewässer
Guter chemischer und guter quantitativer Zustand des Grundwassers
Verschlechterungsverbot für Oberflächen- und Grundwasser
Reduzierung der Verschmutzung der Oberflächengewässer durch prioritäre Stoffe; Fernhalten prioritärer gefährlicher Stoffe aus den Gewässern
Dezember 2003 - Umsetzung in nationales Recht
Dezember 2004 - Bestandsaufnahme - Analyse der Belastungen und Auswirkungen auf unsere Gewässer
Dezember 2006 - Überwachung (für gefährdete Bereiche)
Dezember 2008 - Öffentliche Anhörung der Bewirtschaftungspläne für die Flusseinzugsgebiete
Dezember 2009 - Bewirtschaftungspläne mit Maßnahmenprogrammen
Dezember 2012 - Umsetzung der Maßnahmen
Dezember 2015 - Gewässer müssen den "guten Zustand" erreicht haben
www.wrrl.baden-wuerttemberg.de
Wasserkraft Nutzung im Landkreis Böblingen
Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg hat jüngst eine Studie über „Ausbaupotenziale der kleinen Wasserkraft im Einzugsgebiet des Neckars“ veröffentlicht. Darin werden Energie-Potenziale für vorhandene energetisch genutzte und ungenutzte Querbauwerke untersucht und dargestellt. Der Bau bzw. Ausbau einer Wasserkraftanlage ist nach Ansicht der Studie dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn am Standort technisch-physikalisch eine (zusätzliche) Energie-Erzeugung von mehr als 8 kW möglich ist.
Die Studie (Stand März 2011) berücksichtigt bei der Ermittlung des erzeugbaren Energie-Potenzials den Wasserkrafterlass des Landes Baden-Württemberg, der Randbedingungen für die Genehmigungsfähigkeit von Wasserkraftanlagen festlegt. Die Studie kann als Entscheidungshilfe für Antragsteller und zur Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit durch Genehmigungsbehörden gleichermaßen herangezogen werden.
Zu beachten ist, dass die Studie nicht die Einzelfallprüfung durch die untere Wasserbehörde ersetzt und darin keine Vorentscheidung über die Genehmigungsfähigkeit einzelner Standorte getroffen wird.
Die konkreten ökologischen Anforderungen werden vielmehr individuell im Rahmen eines wasserrechtlichen Verfahrens ermittelt. Ein besonderes Augenmerk im Genehmigungsverfahren wird auf die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit für Kleinlebewesen und Fische gelegt, sowie auf eine gewässerspezifisch festzulegende Mindestwassermenge, die zu jeder Zeit im Gewässer verbleiben muss.
Im Landkreis Böblingen gibt es in der Mehrzahl kleine Fließgewässer, sowie Quellgebiete und Oberläufe von Gewässern, wie beispielsweise Ammer, Würm oder Glems. Bei diesen ist naturgemäß von einem niedrigen Wasserdargebot auszugehen. Eine wirtschaftliche und gewässerökologisch verträgliche Wasserkraftnutzung wird daher nur an wenigen Standorten möglich sein.

References: § 25
 § 20
 § 21
 § 21
 § 78
 § 78