Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4292.htm
Timestamp: 2018-12-13 22:59:12+00:00

Document:
4.292 Morgenweide
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Morgenweide« vom 21. Januar 1999 (GBl. v. 17.02.1999, S. 81).
Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf der Gemarkung Inzigkofen, Gemeinde Inzigkofen, Landkreis Sigmaringen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Morgenweide«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 38,5 ha. Es umfasst auf Gemarkung Inzigkofen Teile des ehemaligen Abbaugeländes im Gewann Morgenweide und des Stelzenbachtals. Betroffen sind insbesondere die Flurstücke 750/1 teilweise (tw), 828 tw, 832 tw, 900 tw, 913, 918, 922, 927, 937, 946, 949/4, 950/2, 978/1, 990, 996/1 tw, 997/1 tw, 3045/1 tw und 3045/2 tw (Stelzenbach), 3058, 3058/1, 3059 tw, 3061 tw, 3062 und 3063 tw.
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 4. März 1998 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Sigmaringen in Sigmaringen auf die Dauer von zwei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Wesentlicher Schutzzweck ist die Sicherung und Entwicklung der Kiesgrube Morgenweide als ökologische Vorrangfläche für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, die in der ansonsten intensiv genutzten Landschaft keine Überlebensmöglichkeiten mehr finden.
Neben dem Erhalt der offenen Wasserflächen und deren Ufer und Verlandungszonen als Brut-, Rast- und Nahrungsbiotope zahlreicher Wasservögel sowie Amphibienarten sind auch die angrenzenden aufgelassenen Hangbereiche sowie die reich strukturierten landwirtschaftlich genutzten Bereiche als Lebensraum z. B. vieler Singvogelarten und Insektengruppen, sowie typischer Feucht-, Trocken- oder Ruderalvegetation zu schützen.
· a) für die Kiesseen und Kleingewässer:
- Beruhigung der offenen Wasserflächen sowie der angrenzenden Uferbereiche
- Erhaltung von Röhrichtbeständen und anderen Verlandungsgesellschaften, offenen vegetationsfreien Kies- und Schlickflächen und Flachwasserzonen
- Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen in Teilbereichen
· b) für die Trocken- und Ruderalstandorte:
- Erhalt besonders der mageren blütenreichen Ruderalgesellschaften
- Förderung eines ungestörten Sukzessionsablaufes
- Offenhalten ausgewählter Teilbereiche durch Entbuschungsmaßnahmen
- Erhalt der Struktur- und Standortvielfalt
- Erhalt und Pflege der aufgelassenen Halbtrockenrasen
· c) für Feuchtstandorte:
- Erhalt und Förderung von Feuchtbrachen, feuchten Hochstauden sowie feuchten Pioniergesellschaften
· d) Erhalt und Optimierung von Fließgewässern, extensiv genutzten Fischteichen, Gräben, Sickerquellen sowie deren Vegetation
· e) für landwirtschaftlich genutzte Bereiche:
- Erhalt des bestehenden Grünlandes
· f) Erhalt und sofern erforderlich Pflege von Hecken, Feldgehölzen, markanten Einzelbäumen, Obstbäumen und Feuchtgebüschen
· g) für die Fischteiche:
- keine Intensivierung der fischereilichen Nutzung
- Schutz der Ufer- und Verlandungsvegetation
· h) Schutzzweck ist außerdem die Entwicklung und Optimierung der Kiesgrube, insbesondere im Bereich der Aufschüttung.
4. neu aufzuforsten, Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nichtstandortheimische Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen;
2. das Gebiet mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;
4. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Kraftfahrzeuge abzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswandern, Sportveranstaltungen) durchzuführen;
6. Luftfahrzeuge, Luftsportgeräte oder Flugmodelle zu starten oder zu landen;
7. abweichend von § 5 Nr. 4 die Fischerei auszuüben.
1. für die genehmigte betriebliche Nutzung durch die Fa. Baresel bis 31. Dezember 2013
- des Absetzbeckens 1 gem. Entscheidung des Landratsamts Sigmaringen vom 24. März 1995,
- durch Entnahme der noch im Schutzgebiet lagernden Kiesmengen;
- für Auffüllungs- und Rekultivierungsmaßnahmen in dem in der Karte dargestellten Bereich gem. Antrag zur Auffüllung mit Erdaushub im Rahmen der Rekultivierung vom 30. Juni 1997;
- für weitere mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde erteilte betriebliche Genehmigungen;
2. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, dass
- die Jagdausübung in der Vogelbrutzeit vom 15. März - 30. Juni ruht,
- die Jagd auf Wasserwild ganzjährig ruht,
- eine Fütterung von Wildtieren nicht erfolgt,
- keine Jagdhundeausbildung durchgeführt wird und
- jagdliche Einrichtungen und Wildäsungsflächen nicht errichtet bzw. angelegt werden;
4. für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und in bisherigem Umfang im Stelzenbach und in den Weihern am Stelzenbach;
5. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung auf den Flurstücken 978/1 und 990;
6. für die Nutzung und Unterhaltung rechtmäßigerweise bestehender öffentlicher Wege oder Versorgungseinrichtungen;
7. für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle -im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt - veranlasst werden;
(2) Dies gilt auch für die Überquerung des Stelzenbachtals im Rahmen einer Trassenführung beim Ausbau der B 313.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 2 die Jagd ausübt.
Tübingen, den 21. Januar 1999

References: § 28
 § 2
 § 5
 § 40
 § 4
 § 5