Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2014-12-03/xii-zb-355_14
Timestamp: 2017-09-22 02:58:12+00:00

Document:
BGH, 03.12.2014 - XII ZB 355/14 - Verpflichtung eines Sachverständigen zur persönlichen Untersuchung eines Betreuten vor der Erstellung eines Gutachtens | anwalt24.de
Beschl. v. 03.12.2014, Az.: XII ZB 355/14
Referenz: JurionRS 2014, 29767
Aktenzeichen: XII ZB 355/14
AG Kleve - 11.04.2014 - AZ: 18 XVII 740/12
LG Kleve - 12.06.2014 - AZ: 4 T 441/14
§ 69 Abs. 1 FamFG
§ 280 Abs. 2 FamFG
BtPrax 2015, 67-69
EBE/BGH 2015, 43-45
FGPrax 2015, 75-77
FuR 2015, 234-235
MDR 2015, 221-222
NJW-RR 2015, 323-325
Rpfleger 2015, 333-335
ZAP EN-Nr. 185/2015
Der Sachverständige hat den Betroffenen vor der Erstellung eines Gutachtens persönlich zu untersuchen. Eine Begutachtung nach Aktenlage ist auch im Aufhebungsverfahren grundsätzlich nicht zulässig (im Anschluss an Senatsbeschluss vom 20. August 2014 - XII ZB 179/14 - NJW 2014, 3445).
Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 3. Dezember 2014 durch den Vorsitzenden Richter Dose, die Richterin Weber-Monecke und die Richter Schilling, Dr. Nedden-Boeger und Guhling
Auf die Rechtsbeschwerde der Betroffenen wird der Beschluss der 4. Zivilkammer des Landgerichts Kleve vom 12. Juni 2014 aufgehoben, soweit der Beschluss des Amtsgerichts Kleve vom 11. April 2014 auch in seinem den Umfang des Einwilligungsvorbehalts einschränkenden Teil aufgehoben worden ist.
Schon aus diesem Grund - und unbeschadet des Umstandes, dass das Amtsgericht auch über eine Verlängerung der Betreuung entschieden hat bleibt der von der Rechtsbeschwerde erhobenen Rüge der Erfolg versagt, das Beschwerdegericht habe zu Unrecht den Maßstab des § 280 FamFG angelegt, weil Ausgangspunkt des Verfahrens ein Aufhebungsantrag der Betroffenen gewesen sei.
In der Verwertung des nicht den gesetzlichen Anforderungen genügenden Sachverständigengutachtens liegt ein wesentlicher Verfahrensmangel. Von einem solchen ist auszugehen, wenn der Fehler so eindeutig und erheblich ist, dass das Verfahren keine ordnungsgemäße Grundlage für eine instanzbeendende Entscheidung sein kann (vgl. BGH Urteile vom 26. September 2002 - VII ZR 422/00 - NJW-RR 2003, 131 und vom 22. Mai 2001 - VI ZR 74/00 NJW 2001, 2550). Dies ist bei einer Verletzung der Verfahrensbestimmung des § 280 Abs. 2 FamFG, die der umfassenden Sachverhaltsaufklärung dient, der Fall (Jürgens/Kretz Betreuungsrecht 5. Aufl. § 69 Rn. 9; vgl. auch Musielak/ Borth/Grandel FamFG 4. Aufl. § 69 Rn. 3; Keidel/Sternal FamFG 18. Aufl. § 69 Rn. 15 b; MünchKommFamFG/Fischer 2. Aufl. § 69 Rn. 43).

References: § 69

§ 280
 § 280
 BGH 
 § 280
 § 69
 § 69
 § 69
 § 69