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Timestamp: 2020-07-10 02:20:14+00:00

Document:
Lawbrary | OR - Bundesgesetz betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht)
Die Entstehung der Obligationen
Die Entstehung durch Vertrag (1 - 40)
Die Entstehung durch unerlaubte Handlungen (41 - 61)
Die Entstehung aus ungerechtfertigter Bereicherung (62 - 67)
Die Wirkung der Obligationen
Die Erfüllung der Obligationen (68 - 96)
Die Folgen der Nichterfüllung (97 - 109)
Beziehungen zu dritten Personen (110 - 113)
Das Erlöschen der Obligationen (114 - 142)
Die Solidarität (143 - 150)
Die Bedingungen (151 - 157)
Haft- und Reugeld. Lohnabzüge. Konventionalstrafe (158 - 163)
Die Abtretung von Forderungen und die Schuldübernahme (164 - 183)
Allgemeine Bestimmungen (184 - 186)
Der Fahrniskauf (187 - 215)
Der Grundstückkauf (216 - 221)
Besondere Arten des Kaufes (222 - 236)
Der Tauschvertrag (237 - 238)
Die Schenkung (239 - 252)
Allgemeine Bestimmungen (253 - 268)
Schutz vor missbräuchlichen Mietzinsen und andern missbräuchlichen Forderungen des Vermieters bei der Miete von Wohn- und Geschäftsräumen (269 - 270)
Kündigungsschutz bei der Miete von Wohn- und Geschäftsräumen (271 - 273)
… (274 - 274)
Die Pacht (275 - 304)
Die Gebrauchsleihe (305 - 311)
Das Darlehen (312 - 318)
Der Einzelarbeitsvertrag (319 - 343)
A. Der Lehrvertrag (344 - 346)
B. Der Handelsreisendenvertrag (347 - 350)
C. Der Heimarbeitsvertrag (351 - 354)
D. Anwendbarkeit der allgemeinen Vorschriften (355 - 355)
A. Gesamtarbeitsvertrag (356 - 358)
B. Normalarbeitsvertrag (359 - 360)
Zwingende Vorschriften (361 - 362)
Der Werkvertrag (363 - 379)
Der Verlagsvertrag (380 - 393)
Der einfache Auftrag (394 - 406)
Auftrag zur Ehe- oder zur Partnerschaftsvermittlung (406 - 406)
Der Kreditbrief und der Kreditauftrag (407 - 411)
Der Mäklervertrag (412 - 418)
Der Agenturvertrag (418 - 418)
Die Geschäftsführung ohne Auftrag (419 - 424)
Die Kommission (425 - 439)
Der Frachtvertrag (440 - 457)
Die Prokura und andere Handlungsvollmachten (458 - 465)
Die Anweisung (466 - 471)
Der Hinterlegungsvertrag (472 - 491)
Die Bürgschaft (492 - 512)
Spiel und Wette (513 - 515)
Der Leibrentenvertrag und die Verpfründung (516 - 529)
Die einfache Gesellschaft (530 - 551)
Begriff und Errichtung (552 - 556)
Verhältnis der Gesellschafter unter sich (557 - 561)
Verhältnis der Gesellschaft zu Dritten (562 - 573)
Auflösung und Ausscheiden (574 - 581)
Liquidation (582 - 590)
Verjährung (591 - 593)
Begriff und Errichtung (594 - 597)
Verhältnis der Gesellschafter unter sich (598 - 601)
Verhältnis der Gesellschaft zu Dritten (602 - 618)
Auflösung, Liquidation, Verjährung (619 - 619)
Allgemeine Bestimmungen (620 - 659)
Rechte und Pflichten der Aktionäre (660 - 697)
A. Die Generalversammlung (698 - 706)
B. Der Verwaltungsrat (707 - 726)
C. Revisionsstelle (727 - 731)
D. Mängel in der Organisation der Gesellschaft (731 - 731)
Herabsetzung des Aktienkapitals (732 - 735)
Auflösung der Aktiengesellschaft (736 - 751)
Verantwortlichkeit (752 - 761)
Beteiligung von Körperschaften des öffentlichen Rechts (762 - 762)
Ausschluss der Anwendung des Gesetzes auf öffentlich-rechtliche Anstalten (763 - 763)
Die Kommanditaktiengesellschaft (764 - 771)
Allgemeine Bestimmungen (772 - 783)
Rechte und Pflichten der Gesellschafter (784 - 803)
Organisation der Gesellschaft (804 - 820)
Auflösung und Ausscheiden (821 - 826)
Verantwortlichkeit (827 - 827)
Begriff und Errichtung (828 - 838)
Erwerb der Mitgliedschaft (839 - 841)
Verlust der Mitgliedschaft (842 - 851)
Rechte und Pflichten der Genossenschafter (852 - 878)
Organisation der Genossenschaft (879 - 909)
Auflösung der Genossenschaft (911 - 915)
Verantwortlichkeit (916 - 920)
Genossenschaftsverbände (921 - 925)
Beteiligung von Körperschaften des öffentlichen Rechts (926 - 926)
Das Handelsregister (927 - 943)
Die Geschäftsfirmen (944 - 956)
Kaufmännische Buchführung und Rechnungslegung
Allgemeine Bestimmungen (957 - 958)
Jahresrechnung (959 - 960)
Rechnungslegung für grössere Unternehmen (961 - 961)
Abschluss nach anerkanntem Standard zur Rechnungslegung (962 - 962)
Konzernrechnung (963 - 964)
Allgemeine Bestimmungen (965 - 973)
Die Namenpapiere (974 - 977)
Die Inhaberpapiere (978 - 989)
A. Wechselfähigkeit (990 - 990)
B. Gezogener Wechsel
I. Ausstellung und Form des gezogenen Wechsels (991 - 1000)
II. Indossament (1001 - 1010)
III. Annahme (1011 - 1019)
IV. Wechselbürgschaft (1020 - 1022)
V. Verfall (1023 - 1027)
VI. Zahlung (1028 - 1032)
VII. Rückgriff mangels Annahme und mangels Zahlung (1033 - 1052)
VIII. Übergang der Deckung (1053 - 1053)
IX. Ehreneintritt (1054 - 1062)
X. Ausfertigung mehrerer Stücke eines Wechsels (Duplikate), Wechselabschriften (Wechselkopien) (1063 - 1067)
XI. Änderungen des Wechsels (1068 - 1068)
XII. Verjährung (1069 - 1071)
XIII. Kraftloserklärung (1072 - 1080)
XIV. Allgemeine Vorschriften (1081 - 1085)
XV. Geltungsbereich der Gesetze (1086 - 1095)
C. Eigener Wechsel (1096 - 1099)
I. Ausstellung und Form des Checks (1100 - 1107)
II. Übertragung (1108 - 1113)
III. Checkbürgschaft (1114 - 1114)
IV. Vorlegung und Zahlung (1115 - 1122)
V. Gekreuzter Check und Verrechnungscheck (1123 - 1127)
VI. Rückgriff mangels Zahlung (1128 - 1131)
VII. Gefälschter Check (1132 - 1132)
VIII. Ausfertigung mehrerer Stücke eines Checks (1133 - 1133)
IX. Verjährung (1134 - 1134)
X. Allgemeine Vorschriften (1135 - 1137)
XI. Geltungsbereich der Gesetze (1138 - 1142)
XII. Anwendbarkeit des Wechselrechts (1143 - 1143)
XIII. Vorbehalt besondern Rechtes (1144 - 1144)
Wechselähnliche und andere Ordrepapiere (1145 - 1152)
Die Warenpapiere (1153 - 1155)
Prospektzwang bei Ausgabe von Anleihensobligationen (1156 - 1156)
Gläubigergemeinschaft bei Anleihensobligationen (1157 - 1186)
Übergangsbestimmungen des Bundesgesetzes vom 30. März 1911
Schlussbestimmungen der Änderung vom 23. März 1962 (1 - 4)
Übergangsbestimmungen der Änderung vom 16. Dezember 2005 (1 - 11)
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 17. Juni 2011
Übergangsbestimmungen der Änderung vom 23. Dezember 2011 (1 - 2)
Übergangsbestimmungen der Änderung vom 12. Dezember 2014 (1 - 3)
Übergangsbestimmungen der Änderung vom 25. September 2015 (1 - 3)
Schlussbestimmungen zum VIII. Titel und zum VIII . Titel (1 - 6)
Schluss- und Übergangsbestimmungen zum X. Titel (1 - 8)
Schlussbestimmungen zum vierten Abschnitt des XIII. Titels (1 - 3)
Übergangsbestimmungen zum XX. Titel
Schluss- und Übergangsbestimmungen zu den Titeln XXIV-XXXIII (1 - 19)
Schlussbestimmungen zum XXVI. Titel (1 - 9)
Schlussbestimmungen zum zweiten Abschnitt des XXXIV. Titels
vom 30. März 1911 (Stand am 1. April 2017)
nach Einsicht in die Botschaften des Bundesrates vom 3. März 1905 und 1. Juni 19091,
A. Ab­schluss des Ver­tra­ges
I. Über­ein­stim­men­de Wil­len­säus­se­rung
1Zum Ab­schlus­se ei­nes Ver­tra­ges ist die über­ein­stim­men­de ge­gen­sei­ti­ge Wil­len­säus­se­rung der Par­tei­en er­for­der­lich.
2Sie kann ei­ne aus­drück­li­che oder still­schwei­gen­de sein.
2. Be­tref­fend Ne­ben­punk­te
1Ha­ben sich die Par­tei­en über al­le we­sent­li­chen Punk­te ge­ei­nigt, so wird ver­mu­tet, dass der Vor­be­halt von Ne­ben­punk­ten die Ver­bind­lich­keit des Ver­tra­ges nicht hin­dern sol­le.
2Kommt über die vor­be­hal­te­nen Ne­ben­punk­te ei­ne Ver­ein­ba­rung nicht zu­stan­de, so hat der Rich­ter über die­se nach der Na­tur des Ge­schäf­tes zu ent­schei­den.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über die Form der Ver­trä­ge.
II. An­trag und An­nah­me
1. An­trag mit An­nah­me­frist
1Wer ei­nem an­dern den An­trag zum Ab­schlus­se ei­nes Ver­tra­ges stellt und für die An­nah­me ei­ne Frist setzt, bleibt bis zu de­ren Ab­lauf an den An­trag ge­bun­den.
2Er wird wie­der frei, wenn ei­ne An­nah­me­er­klä­rung nicht vor Ab­lauf die­ser Frist bei ihm ein­ge­trof­fen ist.
2. An­trag oh­ne An­nah­me­frist
a. Un­ter An­we­sen­den
1Wird der An­trag oh­ne Be­stim­mung ei­ner Frist an einen An­we­sen­den ge­stellt und nicht so­gleich an­ge­nom­men, so ist der An­trag­stel­ler nicht wei­ter ge­bun­den.
2Wenn die Ver­trag­sch­lies­sen­den oder ih­re Be­voll­mäch­tig­ten sich per­sön­lich des Te­le­fons be­die­nen, so gilt der Ver­trag als un­ter An­we­sen­den ab­ge­schlos­sen.
b. Un­ter Ab­we­sen­den
1Wird der An­trag oh­ne Be­stim­mung ei­ner Frist an einen Ab­we­sen­den ge­stellt, so bleibt der An­trag­stel­ler bis zu dem Zeit­punk­te ge­bun­den, wo er den Ein­gang der Ant­wort bei ih­rer ord­nungs­mäs­si­gen und recht­zei­ti­gen Ab­sen­dung er­war­ten darf.
2Er darf da­bei vor­aus­set­zen, dass sein An­trag recht­zei­tig an­ge­kom­men sei.
3Trifft die recht­zei­tig ab­ge­sand­te An­nah­me­er­klä­rung erst nach je­nem Zeit­punk­te bei dem An­trag­stel­ler ein, so ist die­ser, wenn er nicht ge­bun­den sein will, ver­pflich­tet, oh­ne Ver­zug hie­von An­zei­ge zu ma­chen.
3. Still­schwei­gen­de An­nah­me
Ist we­gen der be­son­de­ren Na­tur des Ge­schäf­tes oder nach den Um­stän­den ei­ne aus­drück­li­che An­nah­me nicht zu er­war­ten, so gilt der Ver­trag als ab­ge­schlos­sen, wenn der An­trag nicht bin­nen an­ge­mes­se­ner Frist ab­ge­lehnt wird.
3a. Zu­sen­dung un­be­stell­ter Sa­chen
1Die Zu­sen­dung ei­ner un­be­stell­ten Sa­che ist kein An­trag.
2Der Emp­fän­ger ist nicht ver­pflich­tet, die Sa­che zu­rück­zu­sen­den oder auf­zu­be­wah­ren.
3Ist ei­ne un­be­stell­te Sa­che of­fen­sicht­lich irr­tüm­lich zu­ge­sandt wor­den, so muss der Emp­fän­ger den Ab­sen­der be­nach­rich­ti­gen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990, in Kraft seit 1. Ju­li 1991 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354).
4. An­trag oh­ne Ver­bind­lich­keit, Aus­kün­dung, Aus­la­ge
1Der An­trag­stel­ler wird nicht ge­bun­den, wenn er dem An­tra­ge ei­ne die Be­haf­tung ab­leh­nen­de Er­klä­rung bei­fügt, oder wenn ein sol­cher Vor­be­halt sich aus der Na­tur des Ge­schäf­tes oder aus den Um­stän­den er­gibt.
2Die Ver­sen­dung von Ta­ri­fen, Preis­lis­ten u. dgl. be­deu­tet an sich kei­nen An­trag.
3Da­ge­gen gilt die Aus­la­ge von Wa­ren mit An­ga­be des Prei­ses in der Re­gel als An­trag.
5. Preis­aus­schrei­ben und Aus­lo­bung
1Wer durch Preis­aus­schrei­ben oder Aus­lo­bung für ei­ne Leis­tung ei­ne Be­loh­nung aus­setzt, hat die­se sei­ner Aus­kün­dung ge­mä­ss zu ent­rich­ten.
2Tritt er zu­rück, be­vor die Leis­tung er­folgt ist, so hat er den­je­ni­gen, die auf Grund der Aus­kün­dung in gu­ten Treu­en Auf­wen­dun­gen ge­macht ha­ben, hier­für bis höchs­tens zum Be­trag der aus­ge­setz­ten Be­loh­nung Er­satz zu leis­ten, so­fern er nicht be­weist, dass ih­nen die Leis­tung doch nicht ge­lun­gen wä­re.
6. Wi­der­ruf des An­tra­ges und der An­nah­me
1Trifft der Wi­der­ruf bei dem an­de­ren Tei­le vor oder mit dem An­tra­ge ein, oder wird er bei spä­te­rem Ein­tref­fen dem an­dern zur Kennt­nis ge­bracht, be­vor die­ser vom An­trag Kennt­nis ge­nom­men hat, so ist der An­trag als nicht ge­sche­hen zu be­trach­ten.
2Das­sel­be gilt für den Wi­der­ruf der An­nah­me.
III. Be­ginn der Wir­kun­gen ei­nes un­ter Ab­we­sen­den ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges
1Ist ein Ver­trag un­ter Ab­we­sen­den zu­stan­de ge­kom­men, so be­gin­nen sei­ne Wir­kun­gen mit dem Zeit­punk­te, wo die Er­klä­rung der An­nah­me zur Ab­sen­dung ab­ge­ge­ben wur­de.
2Wenn ei­ne aus­drück­li­che An­nah­me nicht er­for­der­lich ist, so be­gin­nen die Wir­kun­gen des Ver­tra­ges mit dem Emp­fan­ge des An­tra­ges.
B. Form der Ver­trä­ge
I. Er­for­der­nis und Be­deu­tung im All­ge­mei­nen
1Ver­trä­ge be­dür­fen zu ih­rer Gül­tig­keit nur dann ei­ner be­son­de­ren Form, wenn das Ge­setz ei­ne sol­che vor­schreibt.
2Ist über Be­deu­tung und Wir­kung ei­ner ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Form nicht et­was an­de­res be­stimmt, so hängt von de­ren Be­ob­ach­tung die Gül­tig­keit des Ver­tra­ges ab.
II. Schrift­lich­keit
1. Ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Form
a. Be­deu­tung
Ist für einen Ver­trag die schrift­li­che Form ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben, so gilt die­se Vor­schrift auch für je­de Ab­än­de­rung, mit Aus­nah­me von er­gän­zen­den Ne­ben­be­stim­mun­gen, die mit der Ur­kun­de nicht im Wi­der­spru­che ste­hen.
b. Er­for­der­nis­se
1Ein Ver­trag, für den die schrift­li­che Form ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben ist, muss die Un­ter­schrif­ten al­ler Per­so­nen tra­gen, die durch ihn ver­pflich­tet wer­den sol­len.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2005 (AS 2004 5085; BBl 2001 5679).
c. Un­ter­schrift
1Die Un­ter­schrift ist ei­gen­hän­dig zu schrei­ben.
2Ei­ne Nach­bil­dung der ei­gen­hän­di­gen Schrift auf me­cha­ni­schem We­ge wird nur da als ge­nü­gend an­er­kannt, wo de­ren Ge­brauch im Ver­kehr üb­lich ist, ins­be­son­de­re wo es sich um die Un­ter­schrift auf Wert­pa­pie­ren han­delt, die in gros­ser Zahl aus­ge­ge­ben wer­den.
2bisDer ei­gen­hän­di­gen Un­ter­schrift gleich­ge­stellt ist die mit ei­nem qua­li­fi­zier­ten Zeit­stem­pel ver­bun­de­ne qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20161 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur. Ab­wei­chen­de ge­setz­li­che oder ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen blei­ben vor­be­hal­ten.2
3Für den Blin­den ist die Un­ter­schrift nur dann ver­bind­lich, wenn sie be­glau­bigt ist, oder wenn nach­ge­wie­sen wird, dass er zur Zeit der Un­ter­zeich­nung den In­halt der Ur­kun­de ge­kannt hat.
2 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur (AS 2004 5085; BBl 2001 5679). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 4 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).
d. Er­satz der Un­ter­schrift
Kann ei­ne Per­son nicht un­ter­schrei­ben, so ist es, mit Vor­be­halt der Be­stim­mun­gen über den Wech­sel, ge­stat­tet, die Un­ter­schrift durch ein be­glau­big­tes Hand­zei­chen zu er­set­zen oder durch ei­ne öf­fent­li­che Be­ur­kun­dung er­set­zen zu las­sen.
2. Ver­trag­lich vor­be­hal­te­ne Form
1Ist für einen Ver­trag, der vom Ge­set­ze an kei­ne Form ge­bun­den ist, die An­wen­dung ei­ner sol­chen vor­be­hal­ten wor­den, so wird ver­mu­tet, dass die Par­tei­en vor Er­fül­lung der Form nicht ver­pflich­tet sein wol­len.
2Geht ei­ne sol­che Ab­re­de auf schrift­li­che Form oh­ne nä­he­re Be­zeich­nung, so gel­ten für de­ren Er­fül­lung die Er­for­der­nis­se der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Schrift­lich­keit.
C. Ver­pflich­tungs­grund
Ein Schuld­be­kennt­nis ist gül­tig auch oh­ne die An­ga­be ei­nes Ver­pflich­tungs­grun­des.
D. Aus­le­gung der Ver­trä­ge, Si­mu­la­ti­on
1Bei der Be­ur­tei­lung ei­nes Ver­tra­ges so­wohl nach Form als nach In­halt ist der über­ein­stim­men­de wirk­li­che Wil­le und nicht die un­rich­ti­ge Be­zeich­nung oder Aus­drucks­wei­se zu be­ach­ten, die von den Par­tei­en aus Irr­tum oder in der Ab­sicht ge­braucht wird, die wah­re Be­schaf­fen­heit des Ver­tra­ges zu ver­ber­gen.
2Dem Drit­ten, der die For­de­rung im Ver­trau­en auf ein schrift­li­ches Schuld­be­kennt­nis er­wor­ben hat, kann der Schuld­ner die Ein­re­de der Si­mu­la­ti­on nicht ent­ge­gen­set­zen.
E. In­halt des Ver­tra­ges
I. Be­stim­mung des In­hal­tes
1Der In­halt des Ver­tra­ges kann in­ner­halb der Schran­ken des Ge­set­zes be­lie­big fest­ge­stellt wer­den.
2Von den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­run­gen sind nur zu­läs­sig, wo das Ge­setz nicht ei­ne un­ab­än­der­li­che Vor­schrift auf­stellt oder die Ab­wei­chung nicht einen Ver­sto­ss ge­gen die öf­fent­li­che Ord­nung, ge­gen die gu­ten Sit­ten oder ge­gen das Recht der Per­sön­lich­keit in sich schliesst.
II. Nich­tig­keit
1Ein Ver­trag, der einen un­mög­li­chen oder wi­der­recht­li­chen In­halt hat oder ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­stösst, ist nich­tig.
2Be­trifft aber der Man­gel bloss ein­zel­ne Tei­le des Ver­tra­ges, so sind nur die­se nich­tig, so­bald nicht an­zu­neh­men ist, dass er oh­ne den nich­ti­gen Teil über­haupt nicht ge­schlos­sen wor­den wä­re.
III. Über­vor­tei­lung
1Wird ein of­fen­ba­res Miss­ver­hält­nis zwi­schen der Leis­tung und der Ge­gen­leis­tung durch einen Ver­trag be­grün­det, des­sen Ab­schluss von dem einen Teil durch Aus­beu­tung der Not­la­ge, der Un­er­fah­ren­heit oder des Leicht­sinns des an­dern her­bei­ge­führt wor­den ist, so kann der Ver­letz­te in­ner­halb Jah­res­frist er­klä­ren, dass er den Ver­trag nicht hal­te, und das schon Ge­leis­te­te zu­rück­ver­lan­gen.
2Die Jah­res­frist be­ginnt mit dem Ab­schluss des Ver­tra­ges.
IV. Vor­ver­trag
1Durch Ver­trag kann die Ver­pflich­tung zum Ab­schluss ei­nes künf­ti­gen Ver­tra­ges be­grün­det wer­den.
2Wo das Ge­setz zum Schut­ze der Ver­trag­sch­lies­sen­den für die Gül­tig­keit des künf­ti­gen Ver­tra­ges ei­ne Form vor­schreibt, gilt die­se auch für den Vor­ver­trag.
F. Män­gel des Ver­trags­ab­schlus­ses
I. Irr­tum
1. Wir­kung
Der Ver­trag ist für den­je­ni­gen un­ver­bind­lich, der sich beim Ab­schluss in ei­nem we­sent­li­chen Irr­tum be­fun­den hat.
2. Fäl­le des Irr­tums
1Der Irr­tum ist na­ment­lich in fol­gen­den Fäl­len ein we­sent­li­cher:
wenn der Ir­ren­de einen an­dern Ver­trag ein­ge­hen woll­te als den­je­ni­gen, für den er sei­ne Zu­stim­mung er­klärt hat;
wenn der Wil­le des Ir­ren­den auf ei­ne an­de­re Sa­che oder, wo der Ver­trag mit Rück­sicht auf ei­ne be­stimm­te Per­son ab­ge­schlos­sen wur­de, auf ei­ne an­de­re Per­son ge­rich­tet war, als er er­klärt hat;
wenn der Ir­ren­de ei­ne Leis­tung von er­heb­lich grös­se­rem Um­fan­ge ver­spro­chen hat oder ei­ne Ge­gen­leis­tung von er­heb­lich ge­rin­ge­rem Um­fan­ge sich hat ver­spre­chen las­sen, als es sein Wil­le war;
wenn der Irr­tum einen be­stimm­ten Sach­ver­halt be­traf, der vom Ir­ren­den nach Treu und Glau­ben im Ge­schäfts­ver­kehr als ei­ne not­wen­di­ge Grund­la­ge des Ver­tra­ges be­trach­tet wur­de.
2Be­zieht sich da­ge­gen der Irr­tum nur auf den Be­weg­grund zum Ver­trags­ab­schlus­se, so ist er nicht we­sent­lich.
3Blos­se Rech­nungs­feh­ler hin­dern die Ver­bind­lich­keit des Ver­tra­ges nicht, sind aber zu be­rich­ti­gen.
3. Gel­tend­ma­chung ge­gen Treu und Glau­ben
1Die Be­ru­fung auf Irr­tum ist un­statt­haft, wenn sie Treu und Glau­ben wi­der­spricht.
2Ins­be­son­de­re muss der Ir­ren­de den Ver­trag gel­ten las­sen, wie er ihn ver­stan­den hat, so­bald der an­de­re sich hier­zu be­reit er­klärt.
4. Fahr­läs­si­ger Irr­tum
1Hat der Ir­ren­de, der den Ver­trag nicht ge­gen sich gel­ten lässt, sei­nen Irr­tum der ei­ge­nen Fahr­läs­sig­keit zu­zu­schrei­ben, so ist er zum Er­sat­ze des aus dem Da­hin­fal­len des Ver­tra­ges er­wach­se­nen Scha­dens ver­pflich­tet, es sei denn, dass der an­de­re den Irr­tum ge­kannt ha­be oder hät­te ken­nen sol­len.
2Wo es der Bil­lig­keit ent­spricht, kann der Rich­ter auf Er­satz wei­te­ren Scha­dens er­ken­nen.
5. Un­rich­ti­ge Über­mitt­lung
Wird beim Ver­trags­ab­schluss An­trag oder An­nah­me durch einen Bo­ten oder auf an­de­re Wei­se un­rich­tig über­mit­telt, so fin­den die Vor­schrif­ten über den Irr­tum ent­spre­chen­de An­wen­dung.
II. Ab­sicht­li­che Täu­schung
1Ist ein Ver­trag­sch­lies­sen­der durch ab­sicht­li­che Täu­schung sei­tens des an­dern zu dem Ver­trags­ab­schlus­se ver­lei­tet wor­den, so ist der Ver­trag für ihn auch dann nicht ver­bind­lich, wenn der er­reg­te Irr­tum kein we­sent­li­cher war.
2Die von ei­nem Drit­ten ver­üb­te ab­sicht­li­che Täu­schung hin­dert die Ver­bind­lich­keit für den Ge­täusch­ten nur, wenn der an­de­re zur Zeit des Ver­trags­ab­schlus­ses die Täu­schung ge­kannt hat oder hät­te ken­nen sol­len.
III. Furchter­re­gung
1. Ab­schluss des Ver­tra­ges
1Ist ein Ver­trag­sch­lies­sen­der von dem an­de­ren oder von ei­nem Drit­ten wi­der­recht­lich durch Er­re­gung ge­grün­de­ter Furcht zur Ein­ge­hung ei­nes Ver­tra­ges be­stimmt wor­den, so ist der Ver­trag für den Be­droh­ten un­ver­bind­lich.
2Ist die Dro­hung von ei­nem Drit­ten aus­ge­gan­gen, so hat, wo es der Bil­lig­keit ent­spricht, der Be­droh­te, der den Ver­trag nicht hal­ten will, dem an­de­ren, wenn die­ser die Dro­hung we­der ge­kannt hat noch hät­te ken­nen sol­len, Ent­schä­di­gung zu leis­ten.
2. Ge­grün­de­te Furcht
1Die Furcht ist für den­je­ni­gen ei­ne ge­grün­de­te, der nach den Um­stän­den an­neh­men muss, dass er oder ei­ne ihm na­he ver­bun­de­ne Per­son an Leib und Le­ben, Eh­re oder Ver­mö­gen mit ei­ner na­hen und er­heb­li­chen Ge­fahr be­droht sei.
2Die Furcht vor der Gel­tend­ma­chung ei­nes Rech­tes wird nur dann be­rück­sich­tigt, wenn die Not­la­ge des Be­droh­ten be­nutzt wor­den ist, um ihm die Ein­räu­mung über­mäs­si­ger Vor­tei­le ab­zu­nö­ti­gen.
IV. Auf­he­bung des Man­gels durch Ge­neh­mi­gung des Ver­tra­ges
1Wenn der durch Irr­tum, Täu­schung oder Furcht be­ein­fluss­te Teil bin­nen Jah­res­frist we­der dem an­de­ren er­öff­net, dass er den Ver­trag nicht hal­te, noch ei­ne schon er­folg­te Leis­tung zu­rück­for­dert, so gilt der Ver­trag als ge­neh­migt.
2Die Frist be­ginnt in den Fäl­len des Irr­tums und der Täu­schung mit der Ent­de­ckung, in den Fäl­len der Furcht mit de­ren Be­sei­ti­gung.
3Die Ge­neh­mi­gung ei­nes we­gen Täu­schung oder Furcht un­ver­bind­li­chen Ver­tra­ges schliesst den An­spruch auf Scha­den­er­satz nicht oh­ne wei­te­res aus.
G. Stell­ver­tre­tung
I. Mit Er­mäch­ti­gung
a. Wir­kung der Ver­tre­tung
1Wenn je­mand, der zur Ver­tre­tung ei­nes an­dern er­mäch­tigt ist, in des­sen Na­men einen Ver­trag ab­sch­liesst, so wird der Ver­tre­te­ne und nicht der Ver­tre­ter be­rech­tigt und ver­pflich­tet.
2Hat der Ver­tre­ter bei dem Ver­trags­ab­schlus­se sich nicht als sol­cher zu er­ken­nen ge­ge­ben, so wird der Ver­tre­te­ne nur dann un­mit­tel­bar be­rech­tigt oder ver­pflich­tet, wenn der an­de­re aus den Um­stän­den auf das Ver­tre­tungs­ver­hält­nis schlies­sen muss­te, oder wenn es ihm gleich­gül­tig war, mit wem er den Ver­trag schlies­se.
3Ist dies nicht der Fall, so be­darf es ei­ner Ab­tre­tung der For­de­rung oder ei­ner Schuld­über­nah­me nach den hier­für gel­ten­den Grund­sät­zen.
b. Um­fang der Er­mäch­ti­gung
1So­weit die Er­mäch­ti­gung, im Na­men ei­nes an­dern Rechts­hand­lun­gen vor­zu­neh­men, aus Ver­hält­nis­sen des öf­fent­li­chen Rech­tes her­vor­geht, ist sie nach den Vor­schrif­ten des öf­fent­li­chen Rech­tes des Bun­des und der Kan­to­ne zu be­ur­tei­len.
2Ist die Er­mäch­ti­gung durch Rechts­ge­schäft ein­ge­räumt, so be­ur­teilt sich ihr Um­fang nach des­sen In­halt.
3Wird die Er­mäch­ti­gung vom Voll­macht­ge­ber ei­nem Drit­ten mit­ge­teilt, so be­ur­teilt sich ihr Um­fang die­sem ge­gen­über nach Mass­ga­be der er­folg­ten Kund­ge­bung.
2. Auf Grund von Rechts­ge­schäft
a. Be­schrän­kung und Wi­der­ruf
1Ei­ne durch Rechts­ge­schäft er­teil­te Er­mäch­ti­gung kann vom Voll­macht­ge­ber je­der­zeit be­schränkt oder wi­der­ru­fen wer­den, un­be­scha­det der Rech­te, die sich aus ei­nem un­ter den Be­tei­lig­ten be­ste­hen­den an­de­ren Rechts­ver­hält­nis, wie Ein­zel­ar­beits­ver­trag, Ge­sell­schafts­ver­trag, Auf­trag, er­ge­ben kön­nen.1
2Ein vom Voll­macht­ge­ber zum vor­aus er­klär­ter Ver­zicht auf die­ses Recht ist un­gül­tig.
3Hat der Ver­tre­te­ne die Voll­macht aus­drück­lich oder tat­säch­lich kund­ge­ge­ben, so kann er de­ren gänz­li­chen oder teil­wei­sen Wi­der­ruf gut­gläu­bi­gen Drit­ten nur dann ent­ge­gen­set­zen, wenn er ih­nen auch die­sen Wi­der­ruf mit­ge­teilt hat.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 1 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241). Sie­he auch die Schl- und UeB des X. Tit.
b. Ein­fluss von Tod, Hand­lungs­un­fä­hig­keit u.a.
1Die durch Rechts­ge­schäft er­teil­te Er­mäch­ti­gung er­lischt, so­fern nicht das Ge­gen­teil be­stimmt ist oder aus der Na­tur des Ge­schäfts her­vor­geht, mit dem Ver­lust der ent­spre­chen­den Hand­lungs­fä­hig­keit, dem Kon­kurs, dem Tod oder der Ver­schol­le­n­er­klä­rung des Voll­macht­ge­bers oder des Be­voll­mäch­tig­ten.1
2Die näm­li­che Wir­kung hat die Auf­lö­sung ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son oder ei­ner in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Ge­sell­schaft.
3Die ge­gen­sei­ti­gen per­sön­li­chen An­sprü­che wer­den hie­von nicht be­rührt.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
c. Rück­ga­be der Voll­machts­ur­kun­de
1Ist dem Be­voll­mäch­tig­ten ei­ne Voll­machts­ur­kun­de aus­ge­stellt wor­den, so ist er nach dem Er­lö­schen der Voll­macht zur Rück­ga­be oder ge­richt­li­chen Hin­ter­le­gung der Ur­kun­de ver­pflich­tet.
2Wird er von dem Voll­macht­ge­ber oder sei­nen Rechts­nach­fol­gern hier­zu nicht an­ge­hal­ten, so sind die­se den gut­gläu­bi­gen Drit­ten für den Scha­den ver­ant­wort­lich.
d. Zeit­punkt der Wir­kung des Er­lö­schens der Voll­macht
1So­lan­ge das Er­lö­schen der Voll­macht dem Be­voll­mäch­tig­ten nicht be­kannt ge­wor­den ist, be­rech­tigt und ver­pflich­tet er den Voll­macht­ge­ber oder des­sen Rechts­nach­fol­ger, wie wenn die Voll­macht noch be­ste­hen wür­de.
2Aus­ge­nom­men sind die Fäl­le, in de­nen der Drit­te vom Er­lö­schen der Voll­macht Kennt­nis hat­te.
II. Oh­ne Er­mäch­ti­gung
1. Ge­neh­mi­gung
1Hat je­mand, oh­ne da­zu er­mäch­tigt zu sein, als Stell­ver­tre­ter einen Ver­trag ab­ge­schlos­sen, so wird der Ver­tre­te­ne nur dann Gläu­bi­ger oder Schuld­ner, wenn er den Ver­trag ge­neh­migt.
2Der an­de­re ist be­rech­tigt, von dem Ver­tre­te­nen in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist ei­ne Er­klä­rung über die Ge­neh­mi­gung zu ver­lan­gen und ist nicht mehr ge­bun­den, wenn der Ver­tre­te­ne nicht bin­nen die­ser Frist die Ge­neh­mi­gung er­klärt.
2. Nicht­ge­neh­mi­gung
1Wird die Ge­neh­mi­gung aus­drück­lich oder still­schwei­gend ab­ge­lehnt, so kann der­je­ni­ge, der als Stell­ver­tre­ter ge­han­delt hat, auf Er­satz des aus dem Da­hin­fal­len des Ver­tra­ges er­wach­se­nen Scha­dens be­langt wer­den, so­fern er nicht nach­weist, dass der an­de­re den Man­gel der Voll­macht kann­te oder hät­te ken­nen sol­len.
2Bei Ver­schul­den des Ver­tre­ters kann der Rich­ter, wo es der Bil­lig­keit ent­spricht, auf Er­satz wei­tern Scha­dens er­ken­nen.
3In al­len Fäl­len bleibt die For­de­rung aus un­ge­recht­fer­tig­ter Be­rei­che­rung vor­be­hal­ten.
III. Vor­be­halt be­son­de­rer Vor­schrif­ten
In Be­zug auf die Voll­macht der Ver­tre­ter und Or­ga­ne von Ge­sell­schaf­ten, der Pro­ku­ris­ten und an­de­rer Hand­lungs­be­voll­mäch­tig­ter blei­ben die be­son­de­ren Vor­schrif­ten vor­be­hal­ten.
H. Wi­der­ruf bei Hau­stür­ge­schäf­ten und ähn­li­chen Ver­trä­gen
1Die nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen sind auf Ver­trä­ge über be­weg­li­che Sa­chen und Dienst­leis­tun­gen, die für den per­sön­li­chen oder fa­mi­li­ären Ge­brauch des Kun­den be­stimmt sind, an­wend­bar, wenn:
der An­bie­ter der Gü­ter oder Dienst­leis­tun­gen im Rah­men ei­ner be­ruf­li­chen oder ge­werb­li­chen Tä­tig­keit ge­han­delt hat und
die Leis­tung des Kun­den 100 Fran­ken über­steigt.
2Die Be­stim­mun­gen gel­ten nicht für Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge.
3Bei we­sent­li­cher Ver­än­de­rung der Kauf­kraft des Gel­des passt der Bun­des­rat den in Ab­satz 1 Buch­sta­be b ge­nann­ten Be­trag ent­spre­chend an.
II. Grund­satz
Der Kun­de kann sei­nen An­trag zum Ver­trags­ab­schluss oder sei­ne An­nah­me­er­klä­rung wi­der­ru­fen, wenn ihm das An­ge­bot ge­macht wur­de:
an sei­nem Ar­beits­platz, in Wohn­räu­men oder in de­ren un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung;
in öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln oder auf öf­fent­li­chen Stras­sen und Plät­zen;
an ei­ner Wer­be­ver­an­stal­tung, die mit ei­ner Aus­flugs­fahrt oder ei­nem ähn­li­chen An­lass ver­bun­den war;
am Te­le­fon oder über ver­gleich­ba­re Mit­tel der gleich­zei­ti­gen münd­li­chen Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 18. Ju­ni 1993, in Kraft seit 1. Jan. 1994 (AS 1993 3120; BBl 1993 I 805).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).
III. Aus­nah­men
Der Kun­de hat kein Wi­der­rufs­recht, wenn er:
die Ver­trags­ver­hand­lun­gen aus­drück­lich ge­wünscht hat;
sei­ne Er­klä­rung an ei­nem Markt- oder Mes­se­stand ab­ge­ge­ben hat.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 18. Ju­ni 1993, in Kraft seit 1. Jan. 1994 (AS 1993 3120; BBl 1993 I 805).
IV. Ori­en­tie­rungs­pflicht des An­bie­ters
1Der An­bie­ter muss den Kun­den schrift­lich oder in ei­ner an­de­ren Form, die den Nach­weis durch Text er­mög­licht, über das Wi­der­rufs­recht so­wie über Form und Frist des Wi­der­rufs un­ter­rich­ten und ihm sei­ne Adres­se be­kannt ge­ben.2
2Die­se An­ga­ben müs­sen da­tiert sein und die Iden­ti­fi­zie­rung des Ver­trags er­mög­li­chen.
3Sie sind dem Kun­den so zu über­mit­teln, dass er sie kennt, wenn er den Ver­trag be­an­tragt oder an­nimmt.3
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).
V. Wi­der­ruf
1Der Wi­der­ruf ist an kei­ne Form ge­bun­den. Der Nach­weis des frist­ge­mäs­sen Wi­der­rufs ob­liegt dem Kun­den.2
2Die Wi­der­rufs­frist be­trägt 14 Ta­ge und be­ginnt, so­bald der Kun­de:3
den Ver­trag be­an­tragt oder an­ge­nom­men hat; und
von den An­ga­ben nach Ar­ti­kel 40d Kennt­nis er­hal­ten hat.
3Der Be­weis des Zeit­punkts, in dem der Kun­de von den An­ga­ben nach Ar­ti­kel 40d Kennt­nis er­hal­ten hat, ob­liegt dem An­bie­ter.
4Die Frist ist ein­ge­hal­ten, wenn der Kun­de am letz­ten Tag der Wi­der­rufs­frist dem An­bie­ter sei­nen Wi­der­ruf mit­teilt oder sei­ne Wi­der­rufs­er­klä­rung der Post über­gibt.4
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).
2. Fol­gen
1Hat der Kun­de wi­der­ru­fen, so müs­sen die Par­tei­en be­reits emp­fan­ge­ne Leis­tun­gen zu­rück­er­stat­ten.
2Hat der Kun­de ei­ne Sa­che be­reits ge­braucht, so schul­det er dem An­bie­ter einen an­ge­mes­se­nen Miet­zins.
3Hat der An­bie­ter ei­ne Dienst­leis­tung er­bracht, so muss ihm der Kun­de Aus­la­gen und Ver­wen­dun­gen nach den Be­stim­mun­gen über den Auf­trag (Art. 402) er­set­zen.
4Der Kun­de schul­det dem An­bie­ter kei­ne wei­te­re Ent­schä­di­gung.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354). Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 5 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).
A. Haf­tung im All­ge­mei­nen
I. Vor­aus­set­zun­gen der Haf­tung
1Wer ei­nem an­dern wi­der­recht­lich Scha­den zu­fügt, sei es mit Ab­sicht, sei es aus Fahr­läs­sig­keit, wird ihm zum Er­sat­ze ver­pflich­tet.
2Eben­so ist zum Er­sat­ze ver­pflich­tet, wer ei­nem an­dern in ei­ner ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­stos­sen­den Wei­se ab­sicht­lich Scha­den zu­fügt.
II. Fest­set­zung des Scha­dens
1Wer Scha­den­er­satz be­an­sprucht, hat den Scha­den zu be­wei­sen.
2Der nicht zif­fern­mäs­sig nach­weis­ba­re Scha­den ist nach Er­mes­sen des Rich­ters mit Rück­sicht auf den ge­wöhn­li­chen Lauf der Din­ge und auf die vom Ge­schä­dig­ten ge­trof­fe­nen Mass­nah­men ab­zu­schät­zen.
3Bei Tie­ren, die im häus­li­chen Be­reich und nicht zu Ver­mö­gens- oder Er­werbs­zwe­cken ge­hal­ten wer­den, kön­nen die Hei­lungs­kos­ten auch dann an­ge­mes­sen als Scha­den gel­tend ge­macht wer­den, wenn sie den Wert des Tie­res über­stei­gen.1
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 4. Okt. 2002 (Grund­satz­ar­ti­kel Tie­re), in Kraft seit 1. April 2003 (AS 2003 463; BBl 2002 4164 5806).
III. Be­stim­mung des Er­sat­zes
1Art und Grös­se des Er­sat­zes für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den be­stimmt der Rich­ter, der hie­bei so­wohl die Um­stän­de als die Grös­se des Ver­schul­dens zu wür­di­gen hat.
1bisIm Fal­le der Ver­let­zung oder Tö­tung ei­nes Tie­res, das im häus­li­chen Be­reich und nicht zu Ver­mö­gens- oder Er­werbs­zwe­cken ge­hal­ten wird, kann er dem Af­fek­ti­ons­wert, den die­ses für sei­nen Hal­ter oder des­sen An­ge­hö­ri­ge hat­te, an­ge­mes­sen Rech­nung tra­gen.1
2Wird Scha­den­er­satz in Ge­stalt ei­ner Ren­te zu­ge­spro­chen, so ist der Schuld­ner gleich­zei­tig zur Si­cher­heits­leis­tung an­zu­hal­ten.
IV. Her­ab­set­zungs­grün­de
1Hat der Ge­schä­dig­te in die schä­di­gen­de Hand­lung ein­ge­wil­ligt, oder ha­ben Um­stän­de, für die er ein­ste­hen muss, auf die Ent­ste­hung oder Ver­schlim­me­rung des Scha­dens ein­ge­wirkt oder die Stel­lung des Er­satz­pflich­ti­gen sonst er­schwert, so kann der Rich­ter die Er­satz­pflicht er­mäs­si­gen oder gänz­lich von ihr ent­bin­den.
2Wür­de ein Er­satz­pflich­ti­ger, der den Scha­den we­der ab­sicht­lich noch grob­fahr­läs­sig ver­ur­sacht hat, durch Leis­tung des Er­sat­zes in ei­ne Not­la­ge ver­setzt, so kann der Rich­ter auch aus die­sem Grun­de die Er­satz­pflicht er­mäs­si­gen.
V. Be­son­de­re Fäl­le
1. Tö­tung und Kör­per­ver­let­zung
a. Scha­den­er­satz bei Tö­tung
1Im Fal­le der Tö­tung ei­nes Men­schen sind die ent­stan­de­nen Kos­ten, ins­be­son­de­re die­je­ni­gen der Be­stat­tung, zu er­set­zen.
2Ist der Tod nicht so­fort ein­ge­tre­ten, so muss na­ment­lich auch für die Kos­ten der ver­such­ten Hei­lung und für die Nach­tei­le der Ar­beits­un­fä­hig­keit Er­satz ge­leis­tet wer­den.
3Ha­ben an­de­re Per­so­nen durch die Tö­tung ih­ren Ver­sor­ger ver­lo­ren, so ist auch für die­sen Scha­den Er­satz zu leis­ten.
b. Scha­den­er­satz bei Kör­per­ver­let­zung
1Kör­per­ver­let­zung gibt dem Ver­letz­ten An­spruch auf Er­satz der Kos­ten, so­wie auf Ent­schä­di­gung für die Nach­tei­le gänz­li­cher oder teil­wei­ser Ar­beits­un­fä­hig­keit, un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Er­schwe­rung des wirt­schaft­li­chen Fort­kom­mens.
2Sind im Zeit­punk­te der Ur­teils­fäl­lung die Fol­gen der Ver­let­zung nicht mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit fest­zu­stel­len, so kann der Rich­ter bis auf zwei Jah­re, vom Ta­ge des Ur­teils an ge­rech­net, des­sen Ab­än­de­rung vor­be­hal­ten.
c. Leis­tung von Ge­nug­tu­ung
Bei Tö­tung ei­nes Men­schen oder Kör­per­ver­let­zung kann der Rich­ter un­ter Wür­di­gung der be­son­de­ren Um­stän­de dem Ver­letz­ten oder den An­ge­hö­ri­gen des Ge­tö­te­ten ei­ne an­ge­mes­se­ne Geld­sum­me als Ge­nug­tu­ung zu­spre­chen.
1 Auf­ge­ho­ben durch Art. 21 Abs. 1 des BG vom 30. Sept. 1943 über den un­lau­te­ren Wett­be­werb, mit Wir­kung seit 1. März 1945 (BS 2 951).
3. Bei Ver­let­zung der Per­sön­lich­keit
1Wer in sei­ner Per­sön­lich­keit wi­der­recht­lich ver­letzt wird, hat An­spruch auf Leis­tung ei­ner Geld­sum­me als Ge­nug­tu­ung, so­fern die Schwe­re der Ver­let­zung es recht­fer­tigt und die­se nicht an­ders wie­der­gut­ge­macht wor­den ist.
2An­statt oder ne­ben die­ser Leis­tung kann der Rich­ter auch auf ei­ne an­de­re Art der Ge­nug­tu­ung er­ken­nen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 16. Dez. 1983, in Kraft seit 1. Ju­li 1985 (AS 1984 778; BBl 1982 II 636).
VI. Haf­tung meh­re­rer
1. Bei un­er­laub­ter Hand­lung
1Ha­ben meh­re­re den Scha­den ge­mein­sam ver­schul­det, sei es als An­stif­ter, Ur­he­ber oder Ge­hil­fen, so haf­ten sie dem Ge­schä­dig­ten so­li­da­risch.
2Ob und in wel­chem Um­fan­ge die Be­tei­lig­ten Rück­griff ge­gen­ein­an­der ha­ben, wird durch rich­ter­li­ches Er­mes­sen be­stimmt.
3Der Be­güns­ti­ger haf­tet nur dann und nur so­weit für Er­satz, als er einen An­teil an dem Ge­winn emp­fan­gen oder durch sei­ne Be­tei­li­gung Scha­den ver­ur­sacht hat.
2. Bei ver­schie­de­nen Rechts­grün­den
1Haf­ten meh­re­re Per­so­nen aus ver­schie­de­nen Rechts­grün­den, sei es aus un­er­laub­ter Hand­lung, aus Ver­trag oder aus Ge­set­zes­vor­schrift dem Ver­letz­ten für den­sel­ben Scha­den, so wird die Be­stim­mung über den Rück­griff un­ter Per­so­nen, die einen Scha­den ge­mein­sam ver­schul­det ha­ben, ent­spre­chend auf sie an­ge­wen­det.
2Da­bei trägt in der Re­gel der­je­ni­ge in ers­ter Li­nie den Scha­den, der ihn durch un­er­laub­te Hand­lung ver­schul­det hat, und in letz­ter Li­nie der­je­ni­ge, der oh­ne ei­ge­ne Schuld und oh­ne ver­trag­li­che Ver­pflich­tung nach Ge­set­zes­vor­schrift haft­bar ist.
VII. Haf­tung bei Not­wehr, Not­stand und Selbst­hil­fe
1Wer in be­rech­tig­ter Not­wehr einen An­griff ab­wehrt, hat den Scha­den, den er da­bei dem An­grei­fer in sei­ner Per­son oder in sei­nem Ver­mö­gen zu­fügt, nicht zu er­set­zen.
2Wer in frem­des Ver­mö­gen ein­greift, um dro­hen­den Scha­den oder Ge­fahr von sich oder ei­nem an­dern ab­zu­wen­den, hat nach Er­mes­sen des Rich­ters Scha­den­er­satz zu leis­ten.
3Wer zum Zwe­cke der Si­che­rung ei­nes be­rech­tig­ten An­spru­ches sich selbst Schutz ver­schafft, ist dann nicht er­satz­pflich­tig, wenn nach den ge­ge­be­nen Um­stän­den amt­li­che Hil­fe nicht recht­zei­tig er­langt und nur durch Selbst­hil­fe ei­ne Ver­ei­te­lung des An­spru­ches oder ei­ne we­sent­li­che Er­schwe­rung sei­ner Gel­tend­ma­chung ver­hin­dert wer­den konn­te.
VIII. Ver­hält­nis zum Straf­recht
1Bei der Be­ur­tei­lung der Schuld oder Nicht­schuld, Ur­teils­fä­hig­keit oder Ur­teil­s­un­fä­hig­keit ist der Rich­ter an die Be­stim­mun­gen über straf­recht­li­che Zu­rech­nungs­fä­hig­keit oder an ei­ne Frei­spre­chung durch das Straf­ge­richt nicht ge­bun­den.
2Eben­so ist das straf­ge­richt­li­che Er­kennt­nis mit Be­zug auf die Be­ur­tei­lung der Schuld und die Be­stim­mung des Scha­dens für den Zi­vil­rich­ter nicht ver­bind­lich.
B. Haf­tung ur­teil­s­un­fä­hi­ger Per­so­nen
1Aus Bil­lig­keit kann der Rich­ter auch ei­ne nicht ur­teils­fä­hi­ge Per­son, die Scha­den ver­ur­sacht hat, zu teil­wei­sem oder voll­stän­di­gem Er­sat­ze ver­ur­tei­len.
2Hat je­mand vor­über­ge­hend die Ur­teils­fä­hig­keit ver­lo­ren und in die­sem Zu­stand Scha­den an­ge­rich­tet, so ist er hier­für er­satz­pflich­tig, wenn er nicht nach­weist, dass die­ser Zu­stand oh­ne sein Ver­schul­den ein­ge­tre­ten ist.
C. Haf­tung des Ge­schäfts­herrn
1Der Ge­schäfts­herr haf­tet für den Scha­den, den sei­ne Ar­beit­neh­mer oder an­de­re Hilfs­per­so­nen in Aus­übung ih­rer dienst­li­chen oder ge­schäft­li­chen Ver­rich­tun­gen ver­ur­sacht ha­ben, wenn er nicht nach­weist, dass er al­le nach den Um­stän­den ge­bo­te­ne Sorg­falt an­ge­wen­det hat, um einen Scha­den die­ser Art zu ver­hü­ten, oder dass der Scha­den auch bei An­wen­dung die­ser Sorg­falt ein­ge­tre­ten wä­re.1
2Der Ge­schäfts­herr kann auf den­je­ni­gen, der den Scha­den ge­stif­tet hat, in­so­weit Rück­griff neh­men, als die­ser selbst scha­den­er­satz­pflich­tig ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 2 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241). Sie­he auch die Schl- und UeB des X. Tit.
D. Haf­tung für Tie­re
I. Er­satz­pflicht
1Für den von ei­nem Tier an­ge­rich­te­ten Scha­den haf­tet, wer das­sel­be hält, wenn er nicht nach­weist, dass er al­le nach den Um­stän­den ge­bo­te­ne Sorg­falt in der Ver­wah­rung und Be­auf­sich­ti­gung an­ge­wen­det ha­be, oder dass der Scha­den auch bei An­wen­dung die­ser Sorg­falt ein­ge­tre­ten wä­re.
2Vor­be­hal­ten bleibt ihm der Rück­griff, wenn das Tier von ei­nem an­dern oder durch das Tier ei­nes an­dern ge­reizt wor­den ist.
1 Auf­ge­ho­ben durch Art. 27 Ziff. 3 des Jagd­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 1986, mit Wir­kung seit 1. April 1988 (AS 1988 506; BBl 1983 II 1197).
II. Pfän­dung des Tie­res
1Der Be­sit­zer ei­nes Grund­stückes ist be­rech­tigt, Drit­ten an­ge­hö­ri­ge Tie­re, die auf dem Grund­stücke Scha­den an­rich­ten, zur Si­che­rung sei­ner Er­satz­for­de­rung ein­zu­fan­gen und in sei­nen Ge­wahr­sam zu neh­men und, wo die Um­stän­de es recht­fer­ti­gen, so­gar zu tö­ten.
2Er ist je­doch ver­pflich­tet, oh­ne Ver­zug dem Ei­gen­tü­mer da­von Kennt­nis zu ge­ben und, so­fern ihm die­ser nicht be­kannt ist, zu des­sen Er­mitt­lung das Nö­ti­ge vor­zu­keh­ren.
E. Haf­tung des Werk­ei­gen­tü­mers
1Der Ei­gen­tü­mer ei­nes Ge­bäu­des oder ei­nes an­dern Wer­kes hat den Scha­den zu er­set­zen, den die­se in­fol­ge von feh­ler­haf­ter An­la­ge oder Her­stel­lung oder von man­gel­haf­ter Un­ter­hal­tung ver­ur­sa­chen.
2Vor­be­hal­ten bleibt ihm der Rück­griff auf an­de­re, die ihm hier­für ver­ant­wort­lich sind.
II. Si­chern­de Mass­re­geln
1Wer von dem Ge­bäu­de oder Wer­ke ei­nes an­dern mit Scha­den be­droht ist, kann von dem Ei­gen­tü­mer ver­lan­gen, dass er die er­for­der­li­chen Mass­re­geln zur Ab­wen­dung der Ge­fahr tref­fe.
2Vor­be­hal­ten blei­ben die An­ord­nun­gen der Po­li­zei zum Schut­ze von Per­so­nen und Ei­gen­tum.
F. Haf­tung für kryp­to­gra­fi­sche Schlüs­sel
1Der In­ha­ber ei­nes kryp­to­gra­fi­schen Schlüs­sels, der zur Er­zeu­gung elek­tro­ni­scher Si­gna­tu­ren oder Sie­gel ein­ge­setzt wird, haf­tet Dritt-per­so­nen für Schä­den, die die­se er­lei­den, weil sie sich auf ein gül­ti­ges ge­re­gel­tes Zer­ti­fi­kat ei­ner an­er­kann­ten An­bie­te­rin von Zer­ti­fi­zie-rungs­diens­ten im Sin­ne des Bun­des­ge­set­zes vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur ver­las­sen ha­ben.
2Die Haf­tung ent­fällt, wenn der In­ha­ber glaub­haft dar­le­gen kann, dass er die nach den Um­stän­den not­wen­di­gen und zu­mut­ba­ren Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ge­trof­fen hat, um den Miss­brauch des kryp­to­gra­fi­schen Schlüs­sels zu ver­hin­dern.
3Der Bun­des­rat um­schreibt die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen im Sin­ne von Ab­satz 2.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur (AS 2004 5085; BBl 2001 5679). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 4 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).
G. Ver­jäh­rung1
1Der An­spruch auf Scha­den­er­satz oder Ge­nug­tu­ung ver­jährt in ei­nem Jah­re von dem Ta­ge hin­weg, wo der Ge­schä­dig­te Kennt­nis vom Scha­den und von der Per­son des Er­satz­pflich­ti­gen er­langt hat, je­den­falls aber mit dem Ab­lau­fe von zehn Jah­ren, vom Ta­ge der schä­di­gen­den Hand­lung an ge­rech­net.
2Wird je­doch die Kla­ge aus ei­ner straf­ba­ren Hand­lung her­ge­lei­tet, für die das Straf­recht ei­ne län­ge­re Ver­jäh­rung vor­schreibt, so gilt die­se auch für den Zi­vil­an­spruch.
3Ist durch die un­er­laub­te Hand­lung ge­gen den Ver­letz­ten ei­ne For­de­rung be­grün­det wor­den, so kann die­ser die Er­fül­lung auch dann ver­wei­gern, wenn sein An­spruch aus der un­er­laub­ten Hand­lung ver­jährt ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2005 (AS 2004 5085; BBl 2001 5679).
H. Ver­ant­wort­lich­keit öf­fent­li­cher Be­am­ter und An­ge­stell­ter1
1Über die Pflicht von öf­fent­li­chen Be­am­ten oder An­ge­stell­ten, den Scha­den, den sie in Aus­übung ih­rer amt­li­chen Ver­rich­tun­gen ver­ur­sa­chen, zu er­set­zen oder Ge­nug­tu­ung zu leis­ten, kön­nen der Bund und die Kan­to­ne auf dem We­ge der Ge­setz­ge­bung ab­wei­chen­de Be­stim­mun­gen auf­stel­len.
2Für ge­werb­li­che Ver­rich­tun­gen von öf­fent­li­chen Be­am­ten oder An­ge­stell­ten kön­nen je­doch die Be­stim­mun­gen die­ses Ab­schnit­tes durch kan­to­na­le Ge­set­ze nicht ge­än­dert wer­den.
A. Vor­aus­set­zung
1Wer in un­ge­recht­fer­tig­ter Wei­se aus dem Ver­mö­gen ei­nes an­dern be­rei­chert wor­den ist, hat die Be­rei­che­rung zu­rück­zu­er­stat­ten.
2Ins­be­son­de­re tritt die­se Ver­bind­lich­keit dann ein, wenn je­mand oh­ne je­den gül­ti­gen Grund oder aus ei­nem nicht ver­wirk­lich­ten oder nach­träg­lich weg­ge­fal­le­nen Grund ei­ne Zu­wen­dung er­hal­ten hat.
II. Zah­lung ei­ner Nicht­schuld
1Wer ei­ne Nicht­schuld frei­wil­lig be­zahlt, kann das Ge­leis­te­te nur dann zu­rück­for­dern, wenn er nach­zu­wei­sen ver­mag, dass er sich über die Schuld­pflicht im Irr­tum be­fun­den hat.
2Aus­ge­schlos­sen ist die Rück­for­de­rung, wenn die Zah­lung für ei­ne ver­jähr­te Schuld oder in Er­fül­lung ei­ner sitt­li­chen Pflicht ge­leis­tet wur­de.
3Vor­be­hal­ten bleibt die Rück­for­de­rung ei­ner be­zahl­ten Nicht­schuld nach Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­recht.
B. Um­fang der Rück­er­stat­tung
I. Pflicht des Be­rei­cher­ten
Die Rück­er­stat­tung kann in­so­weit nicht ge­for­dert wer­den, als der Emp­fän­ger nach­weis­bar zur Zeit der Rück­for­de­rung nicht mehr be­rei­chert ist, es sei denn, dass er sich der Be­rei­che­rung en­täus­ser­te und hie­bei nicht in gu­tem Glau­ben war oder doch mit der Rück­er­stat­tung rech­nen muss­te.
II. An­sprü­che aus Ver­wen­dun­gen
1Der Emp­fän­ger hat An­spruch auf Er­satz der not­wen­di­gen und nütz­li­chen Ver­wen­dun­gen, für letz­te­re je­doch, wenn er beim Emp­fan­ge nicht in gu­tem Glau­ben war, nur bis zum Be­tra­ge des zur Zeit der Rück­er­stat­tung noch vor­han­de­nen Mehr­wer­tes.
2Für an­de­re Ver­wen­dun­gen kann er kei­nen Er­satz ver­lan­gen, darf aber, wenn ihm ein sol­cher nicht an­ge­bo­ten wird, vor der Rück­ga­be der Sa­che, was er ver­wen­det hat, wie­der weg­neh­men, so­weit dies oh­ne Be­schä­di­gung der Sa­che selbst ge­sche­hen kann.
C. Aus­schluss der Rück­for­de­run­gen
Was in der Ab­sicht, einen rechts­wid­ri­gen oder un­sitt­li­chen Er­folg her­bei­zu­füh­ren, ge­ge­ben wor­den ist, kann nicht zu­rück­ge­for­dert wer­den.
D. Ver­jäh­rung
1Der Be­rei­che­rungs­an­spruch ver­jährt mit Ab­lauf ei­nes Jah­res, nach­dem der Ver­letz­te von sei­nem An­spruch Kennt­nis er­hal­ten hat, in je­dem Fall aber mit Ab­lauf von zehn Jah­ren seit der Ent­ste­hung des An­spruchs.
2Be­steht die Be­rei­che­rung in ei­ner For­de­rung an den Ver­letz­ten, so kann die­ser die Er­fül­lung auch dann ver­wei­gern, wenn der Be­rei­che­rungs­an­spruch ver­jährt ist.
Zweiter Titel: Die Wirkung der Obligationen
Erster Abschnitt: Die Erfüllung der Obligationen
A. All­ge­mei­ne Grund­sät­ze
I. Per­sön­li­che Leis­tung
Der Schuld­ner ist nur dann ver­pflich­tet, per­sön­lich zu er­fül­len, wenn es bei der Leis­tung auf sei­ne Per­sön­lich­keit an­kommt.
II. Ge­gen­stand der Er­fül­lung
1. Teil­zah­lung
1Der Gläu­bi­ger braucht ei­ne Teil­zah­lung nicht an­zu­neh­men, wenn die ge­sam­te Schuld fest­steht und fäl­lig ist.
2Will der Gläu­bi­ger ei­ne Teil­zah­lung an­neh­men, so kann der Schuld­ner die Zah­lung des von ihm an­er­kann­ten Tei­les der Schuld nicht ver­wei­gern.
2. Un­teil­ba­re Leis­tung
1Ist ei­ne un­teil­ba­re Leis­tung an meh­re­re Gläu­bi­ger zu ent­rich­ten, so hat der Schuld­ner an al­le ge­mein­sam zu leis­ten, und je­der Gläu­bi­ger kann die Leis­tung an al­le ge­mein­sam for­dern.
2Ist ei­ne un­teil­ba­re Leis­tung von meh­re­ren Schuld­nern zu ent­rich­ten, so ist je­der Schuld­ner zu der gan­zen Leis­tung ver­pflich­tet.
3So­fern sich aus den Um­stän­den nicht et­was an­de­res er­gibt, kann als­dann der Schuld­ner, der den Gläu­bi­ger be­frie­digt hat, von den üb­ri­gen Schuld­nern ver­hält­nis­mäs­si­gen Er­satz ver­lan­gen, und es ge­hen, so­weit ihm ein sol­cher An­spruch zu­steht, die Rech­te des be­frie­dig­ten Gläu­bi­gers auf ihn über.
3. Be­stim­mung nach der Gat­tung
1Ist die ge­schul­de­te Sa­che nur der Gat­tung nach be­stimmt, so steht dem Schuld­ner die Aus­wahl zu, in­so­fern sich aus dem Rechts­ver­hält­nis nicht et­was an­de­res er­gibt.
2Er darf je­doch nicht ei­ne Sa­che un­ter mitt­ler­er Qua­li­tät an­bie­ten.
4. Wahl­ob­li­ga­ti­on
Ist die Schuld­pflicht in der Wei­se auf meh­re­re Leis­tun­gen ge­rich­tet, dass nur die ei­ne oder die an­de­re er­fol­gen soll, so steht die Wahl dem Schuld­ner zu, in­so­fern sich aus dem Rechts­ver­hält­nis nicht et­was an­de­res er­gibt.
5. Zin­se
1Geht die Schuld­pflicht auf Zah­lung von Zin­sen und ist de­ren Hö­he we­der durch Ver­trag noch durch Ge­setz oder Übung be­stimmt, so sind Zin­se zu fünf vom Hun­dert für das Jahr zu be­zah­len.
2Dem öf­fent­li­chen Rech­te bleibt es vor­be­hal­ten, Be­stim­mun­gen ge­gen Miss­bräu­che im Zins­we­sen auf­zu­stel­len.
B. Ort der Er­fül­lung
1Der Ort der Er­fül­lung wird durch den aus­drück­li­chen oder aus den Um­stän­den zu schlies­sen­den Wil­len der Par­tei­en be­stimmt.
2Wo nichts an­de­res be­stimmt ist, gel­ten fol­gen­de Grund­sät­ze:
Geld­schul­den sind an dem Or­te zu zah­len, wo der Gläu­bi­ger zur Zeit der Er­fül­lung sei­nen Wohn­sitz hat;
wird ei­ne be­stimm­te Sa­che ge­schul­det, so ist die­se da zu über­ge­ben, wo sie sich zur Zeit des Ver­trags­ab­schlus­ses be­fand;
an­de­re Ver­bind­lich­kei­ten sind an dem Or­te zu er­fül­len, wo der Schuld­ner zur Zeit ih­rer Ent­ste­hung sei­nen Wohn­sitz hat­te.
3Wenn der Gläu­bi­ger sei­nen Wohn­sitz, an dem er die Er­fül­lung for­dern kann, nach der Ent­ste­hung der Schuld än­dert und dem Schuld­ner dar­aus ei­ne er­heb­li­che Be­läs­ti­gung er­wächst, so ist die­ser be­rech­tigt, an dem ur­sprüng­li­chen Wohn­sit­ze zu er­fül­len.
C. Zeit der Er­fül­lung
I. Un­be­fris­te­te Ver­bind­lich­keit
Ist die Zeit der Er­fül­lung we­der durch Ver­trag noch durch die Na­tur des Rechts­ver­hält­nis­ses be­stimmt, so kann die Er­fül­lung so­gleich ge­leis­tet und ge­for­dert wer­den.
II. Be­fris­te­te Ver­bind­lich­keit
1. Mo­nats­ter­min
1Ist die Zeit auf An­fang oder En­de ei­nes Mo­na­tes fest­ge­setzt, so ist dar­un­ter der ers­te oder der letz­te Tag des Mo­na­tes zu ver­ste­hen.
2Ist die Zeit auf die Mit­te ei­nes Mo­na­tes fest­ge­setzt, so gilt der fünf­zehn­te die­ses Mo­na­tes.
2. An­de­re Frist­be­stim­mung
1Soll die Er­fül­lung ei­ner Ver­bind­lich­keit oder ei­ne an­de­re Rechts­hand­lung mit dem Ab­lau­fe ei­ner be­stimm­ten Frist nach Ab­schluss des Ver­tra­ges er­fol­gen, so fällt ihr Zeit­punkt:
wenn die Frist nach Ta­gen be­stimmt ist, auf den letz­ten Tag der Frist, wo­bei der Tag, an dem der Ver­trag ge­schlos­sen wur­de, nicht mit­ge­rech­net und, wenn die Frist auf acht oder 15 Ta­ge lau­tet, nicht die Zeit von ei­ner oder zwei Wo­chen ver­stan­den wird, son­dern vol­le acht oder 15 Ta­ge;
wenn die Frist nach Wo­chen be­stimmt ist, auf den­je­ni­gen Tag der letz­ten Wo­che, der durch sei­nen Na­men dem Ta­ge des Ver­trags­ab­schlus­ses ent­spricht;
wenn die Frist nach Mo­na­ten oder ei­nem meh­re­re Mo­na­te um­fas­sen­den Zeit­rau­me (Jahr, hal­b­es Jahr, Vier­tel­jahr) be­stimmt ist, auf den­je­ni­gen Tag des letz­ten Mo­na­tes, der durch sei­ne Zahl dem Ta­ge des Ver­trags­ab­schlus­ses ent­spricht, und, wenn die­ser Tag in dem letz­ten Mo­na­te fehlt, auf den letz­ten Tag die­ses Mo­na­tes.
Der Aus­druck «hal­ber Mo­nat» wird ei­nem Zeit­rau­me von 15 Ta­gen gleich­ge­ach­tet, die, wenn ei­ne Frist auf einen oder meh­re­re Mo­na­te und einen hal­b­en Mo­nat lau­tet, zu­letzt zu zäh­len sind.
2In glei­cher Wei­se wird die Frist auch dann be­rech­net, wenn sie nicht von dem Ta­ge des Ver­trags­ab­schlus­ses, son­dern von ei­nem an­dern Zeit­punk­te an zu lau­fen hat.
3Soll die Er­fül­lung in­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Frist ge­sche­hen, so muss sie vor de­ren Ab­lauf er­fol­gen.
3. Sonn- und Fei­er­ta­ge
1Fällt der Zeit­punkt der Er­fül­lung oder der letz­te Tag ei­ner Frist auf einen Sonn­tag oder auf einen an­dern am Er­fül­lungs­or­te staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­tag1, so gilt als Er­fül­lungs­tag oder als letz­ter Tag der Frist der nächst­fol­gen­de Werk­tag.
2Ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­run­gen blei­ben vor­be­hal­ten.
1 Hin­sicht­lich der ge­setz­li­chen Frist des eid­ge­nös­si­schen Rechts und der kraft eid­ge­nös­si­schen Rechts von Be­hör­den an­ge­setz­ten Fris­ten wird heu­te der Sams­tag ei­nem an­er­kann­ten Fei­er­tag gleich­ge­stellt (Art. 1 des BG vom 21. Ju­ni 1963 über den Fris­ten­lauf an Sams­ta­gen - SR 173.110.3).
III. Er­fül­lung zur Ge­schäfts­zeit
Die Er­fül­lung muss an dem fest­ge­setz­ten Ta­ge wäh­rend der ge­wöhn­li­chen Ge­schäfts­zeit voll­zo­gen und an­ge­nom­men wer­den.
IV. Frist­ver­län­ge­rung
Ist die ver­trags­mäs­si­ge Frist ver­län­gert wor­den, so be­ginnt die neue Frist, so­fern sich aus dem Ver­tra­ge nicht et­was an­de­res er­gibt, am ers­ten Ta­ge nach Ab­lauf der al­ten Frist.
V. Vor­zei­ti­ge Er­fül­lung
1So­fern sich nicht aus dem In­halt oder der Na­tur des Ver­tra­ges oder aus den Um­stän­den ei­ne an­de­re Wil­lens­mei­nung der Par­tei­en er­gibt, kann der Schuld­ner schon vor dem Ver­fall­ta­ge er­fül­len.
2Er ist je­doch nicht be­rech­tigt, einen Dis­kon­to ab­zu­zie­hen, es sei denn, dass Über­ein­kunft oder Übung einen sol­chen ge­stat­ten.
VI. Bei zwei­sei­ti­gen Ver­trä­gen
1. Ord­nung in der Er­fül­lung
Wer bei ei­nem zwei­sei­ti­gen Ver­tra­ge den an­dern zur Er­fül­lung an­hal­ten will, muss ent­we­der be­reits er­füllt ha­ben oder die Er­fül­lung an­bie­ten, es sei denn, dass er nach dem In­hal­te oder der Na­tur des Ver­tra­ges erst spä­ter zu er­fül­len hat.
2. Rück­sicht auf ein­sei­ti­ge Zah­lungs­un­fä­hig­keit
1Ist bei ei­nem zwei­sei­ti­gen Ver­trag der ei­ne Teil zah­lungs­un­fä­hig ge­wor­den, wie na­ment­lich, wenn er in Kon­kurs ge­ra­ten oder frucht­los ge­pfän­det ist, und wird durch die­se Ver­schlech­te­rung der Ver­mö­gens­la­ge der An­spruch des an­dern ge­fähr­det, so kann die­ser sei­ne Leis­tung so lan­ge zu­rück­hal­ten, bis ihm die Ge­gen­leis­tung si­cher­ge­stellt wird.
2Wird er in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist auf sein Be­geh­ren nicht si­cher­ge­stellt, so kann er vom Ver­tra­ge zu­rück­tre­ten.
D. Zah­lung
I. Lan­des­wäh­rung
1Geld­schul­den sind in ge­setz­li­chen Zah­lungs­mit­teln der ge­schul­de­ten Wäh­rung zu be­zah­len.
2Lau­tet die Schuld auf ei­ne Wäh­rung, die am Zah­lungs­ort nicht Lan­des­wäh­rung ist, so kann die ge­schul­de­te Sum­me nach ih­rem Wert zur Ver­fall­zeit den­noch in Lan­des­wäh­rung be­zahlt wer­den, so­fern nicht durch den Ge­brauch des Wor­tes «ef­fek­tiv» oder ei­nes ähn­li­chen Zu­sat­zes die wort­ge­treue Er­fül­lung des Ver­trags aus­be­dun­gen ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 22. Dez. 1999 über die Wäh­rung und die Zah­lungs­mit­tel, in Kraft seit 1. Mai 2000 (AS 2000 1144; BBl 1999 7258).
II. An­rech­nung
1. Bei Teil­zah­lung
1Der Schuld­ner kann ei­ne Teil­zah­lung nur in­so­weit auf das Ka­pi­tal an­rech­nen, als er nicht mit Zin­sen oder Kos­ten im Rück­stan­de ist.
2Sind dem Gläu­bi­ger für einen Teil sei­ner For­de­rung Bür­gen ge­stellt, oder Pfän­der oder an­de­re Si­cher­hei­ten ge­ge­ben wor­den, so ist der Schuld­ner nicht be­rech­tigt, ei­ne Teil­zah­lung auf den ge­si­cher­ten oder bes­ser ge­si­cher­ten Teil der For­de­rung an­zu­rech­nen.
2. Bei meh­re­ren Schul­den
a. Nach Er­klä­rung des Schuld­ners oder des Gläu­bi­gers
1Hat der Schuld­ner meh­re­re Schul­den an den­sel­ben Gläu­bi­ger zu be­zah­len, so ist er be­rech­tigt, bei der Zah­lung zu er­klä­ren, wel­che Schuld er til­gen will.
2Man­gelt ei­ne sol­che Er­klä­rung, so wird die Zah­lung auf die­je­ni­ge Schuld an­ge­rech­net, die der Gläu­bi­ger in sei­ner Quit­tung be­zeich­net, vor­aus­ge­setzt, dass der Schuld­ner nicht so­fort Wi­der­spruch er­hebt.
b. Nach Ge­set­zes­vor­schrift
1Liegt we­der ei­ne gül­ti­ge Er­klä­rung über die Til­gung noch ei­ne Be­zeich­nung in der Quit­tung vor, so ist die Zah­lung auf die fäl­li­ge Schuld an­zu­rech­nen, un­ter meh­re­ren fäl­li­gen auf die­je­ni­ge Schuld, für die der Schuld­ner zu­erst be­trie­ben wor­den ist, und hat kei­ne Be­trei­bung statt­ge­fun­den, auf die frü­her ver­fal­le­ne.
2Sind sie gleich­zei­tig ver­fal­len, so fin­det ei­ne ver­hält­nis­mäs­si­ge An­rech­nung statt.
3Ist kei­ne der meh­re­ren Schul­den ver­fal­len, so wird die Zah­lung auf die Schuld an­ge­rech­net, die dem Gläu­bi­ger am we­nigs­ten Si­cher­heit dar­bie­tet.
III. Quit­tung und Rück­ga­be des Schuld­schei­nes
1. Recht des Schuld­ners
1Der Schuld­ner, der ei­ne Zah­lung leis­tet, ist be­rech­tigt, ei­ne Quit­tung und, falls die Schuld voll­stän­dig ge­tilgt wird, auch die Rück­ga­be des Schuld­schei­nes oder des­sen Ent­kräf­tung zu for­dern.
2Ist die Zah­lung kei­ne voll­stän­di­ge oder sind in dem Schuld­schei­ne auch an­de­re Rech­te des Gläu­bi­gers be­ur­kun­det, so kann der Schuld­ner aus­ser der Quit­tung nur die Vor­mer­kung auf dem Schuld­schei­ne ver­lan­gen.
2. Wir­kung
1Wer­den Zin­se oder an­de­re pe­ri­odi­sche Leis­tun­gen ge­schul­det, so be­grün­det die für ei­ne spä­te­re Leis­tung oh­ne Vor­be­halt aus­ge­stell­te Quit­tung die Ver­mu­tung, es sei­en die frü­her fäl­lig ge­wor­de­nen Leis­tun­gen ent­rich­tet.
2Ist ei­ne Quit­tung für die Ka­pi­tal­schuld aus­ge­stellt, so wird ver­mu­tet, dass auch die Zin­se be­zahlt sei­en.
3Die Rück­ga­be des Schuld­schei­nes an den Schuld­ner be­grün­det die Ver­mu­tung, dass die Schuld ge­tilgt sei.
3. Un­mög­lich­keit der Rück­ga­be
1Be­haup­tet der Gläu­bi­ger, es sei der Schuld­schein ab­han­den ge­kom­men, so kann der Schuld­ner bei der Zah­lung for­dern, dass der Gläu­bi­ger die Ent­kräf­tung des Schuld­schei­nes und die Til­gung der Schuld in ei­ner öf­fent­li­chen oder be­glau­big­ten Ur­kun­de er­klä­re.
2Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über Kraft­los­er­klä­rung von Wert­pa­pie­ren.
E. Ver­zug des Gläu­bi­gers
Der Gläu­bi­ger kommt in Ver­zug, wenn er die An­nah­me der ge­hö­rig an­ge­bo­te­nen Leis­tung oder die Vor­nah­me der ihm ob­lie­gen­den Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen, oh­ne die der Schuld­ner zu er­fül­len nicht im­stan­de ist, un­ge­recht­fer­tig­ter­wei­se ver­wei­gert.
II. Wir­kung
1. Bei Sach­leis­tung
a. Recht zur Hin­ter­le­gung
1Wenn der Gläu­bi­ger sich im Ver­zu­ge be­fin­det, so ist der Schuld­ner be­rech­tigt, die ge­schul­de­te Sa­che auf Ge­fahr und Kos­ten des Gläu­bi­gers zu hin­ter­le­gen und sich da­durch von sei­ner Ver­bind­lich­keit zu be­frei­en.
2Den Ort der Hin­ter­le­gung hat der Rich­ter zu be­stim­men, je­doch kön­nen Wa­ren auch oh­ne rich­ter­li­che Be­stim­mung in ei­nem La­ger­hau­se hin­ter­legt wer­den.1
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, in Kraft seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).
b. Recht zum Ver­kauf
1Ist nach der Be­schaf­fen­heit der Sa­che oder nach der Art des Ge­schäfts­be­trie­bes ei­ne Hin­ter­le­gung nicht tun­lich, oder ist die Sa­che dem Ver­der­ben aus­ge­setzt, oder er­heischt sie Un­ter­hal­tungs- oder er­heb­li­che Auf­be­wah­rungs­kos­ten, so kann der Schuld­ner nach vor­gän­gi­ger An­dro­hung mit Be­wil­li­gung des Rich­ters die Sa­che öf­fent­lich ver­kau­fen las­sen und den Er­lös hin­ter­le­gen.
2Hat die Sa­che einen Bör­sen- oder Markt­preis oder ist sie im Ver­hält­nis zu den Kos­ten von ge­rin­gem Wer­te, so braucht der Ver­kauf kein öf­fent­li­cher zu sein und kann vom Rich­ter auch oh­ne vor­gän­gi­ge An­dro­hung ge­stat­tet wer­den.
c. Recht zur Rück­nah­me
1Der Schuld­ner ist so lan­ge be­rech­tigt, die hin­ter­leg­te Sa­che wie­der zu­rück­zu­neh­men, als der Gläu­bi­ger de­ren An­nah­me noch nicht er­klärt hat oder als nicht in­fol­ge der Hin­ter­le­gung ein Pfand­recht auf­ge­ho­ben wor­den ist.
2Mit dem Zeit­punk­te der Rück­nah­me tritt die For­de­rung mit al­len Ne­ben­rech­ten wie­der in Kraft.
2. Bei an­dern Leis­tun­gen
Han­delt es sich um die Ver­pflich­tung zu ei­ner an­dern als ei­ner Sach­leis­tung, so kann der Schuld­ner beim Ver­zug des Gläu­bi­gers nach den Be­stim­mun­gen über den Ver­zug des Schuld­ners vom Ver­tra­ge zu­rück­tre­ten.
F. An­de­re Ver­hin­de­rung der Er­fül­lung
Kann die Er­fül­lung der schul­di­gen Leis­tung aus ei­nem an­dern in der Per­son des Gläu­bi­gers lie­gen­den Grun­de oder in­fol­ge ei­ner un­ver­schul­de­ten Un­ge­wiss­heit über die Per­son des Gläu­bi­gers we­der an die­sen noch an einen Ver­tre­ter ge­sche­hen, so ist der Schuld­ner zur Hin­ter­le­gung oder zum Rück­tritt be­rech­tigt, wie beim Ver­zug des Gläu­bi­gers.
A. Aus­blei­ben der Er­fül­lung
I. Er­satz­pflicht des Schuld­ners
1Kann die Er­fül­lung der Ver­bind­lich­keit über­haupt nicht oder nicht ge­hö­rig be­wirkt wer­den, so hat der Schuld­ner für den dar­aus ent­ste­hen­den Scha­den Er­satz zu leis­ten, so­fern er nicht be­weist, dass ihm kei­ner­lei Ver­schul­den zur Last fal­le.
2Für die Voll­stre­ckung gel­ten die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 11. April 18891 über Schuld­be­trei­bung und Kon­kurs so­wie der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. De­zem­ber 20082 (ZPO).3
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
2. Bei Ver­bind­lich­keit zu ei­nem Tun oder Nicht­tun
1Ist der Schuld­ner zu ei­nem Tun ver­pflich­tet, so kann sich der Gläu­bi­ger, un­ter Vor­be­halt sei­ner An­sprü­che auf Scha­den­er­satz, er­mäch­ti­gen las­sen, die Leis­tung auf Kos­ten des Schuld­ners vor­zu­neh­men.
2Ist der Schuld­ner ver­pflich­tet, et­was nicht zu tun, so hat er schon bei blos­sem Zu­wi­der­han­deln den Scha­den zu er­set­zen.
3Über­dies kann der Gläu­bi­ger die Be­sei­ti­gung des rechts­wid­ri­gen Zu­stan­des ver­lan­gen und sich er­mäch­ti­gen las­sen, die­sen auf Kos­ten des Schuld­ners zu be­sei­ti­gen.
II. Mass der Haf­tung und Um­fang des Scha­den­er­sat­zes
1Der Schuld­ner haf­tet im All­ge­mei­nen für je­des Ver­schul­den.
2Das Mass der Haf­tung rich­tet sich nach der be­son­de­ren Na­tur des Ge­schäf­tes und wird ins­be­son­de­re mil­der be­ur­teilt, wenn das Ge­schäft für den Schuld­ner kei­ner­lei Vor­teil bezweckt.
3Im üb­ri­gen fin­den die Be­stim­mun­gen über das Mass der Haf­tung bei un­er­laub­ten Hand­lun­gen auf das ver­trags­wid­ri­ge Ver­hal­ten ent­spre­chen­de An­wen­dung.
2. Weg­be­din­gung der Haf­tung
1Ei­ne zum vor­aus ge­trof­fe­ne Ver­ab­re­dung, wo­nach die Haf­tung für rechts­wid­ri­ge Ab­sicht oder gro­be Fahr­läs­sig­keit aus­ge­schlos­sen sein wür­de, ist nich­tig.
2Auch ein zum vor­aus er­klär­ter Ver­zicht auf Haf­tung für leich­tes Ver­schul­den kann nach Er­mes­sen des Rich­ters als nich­tig be­trach­tet wer­den, wenn der Ver­zich­ten­de zur Zeit sei­ner Er­klä­rung im Dienst des an­de­ren Tei­les stand, oder wenn die Ver­ant­wort­lich­keit aus dem Be­trie­be ei­nes ob­rig­keit­lich kon­zes­sio­nier­ten Ge­wer­bes folgt.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren Vor­schrif­ten über den Ver­si­che­rungs­ver­trag.
3. Haf­tung für Hilfs­per­so­nen
1Wer die Er­fül­lung ei­ner Schuld­pflicht oder die Aus­übung ei­nes Rech­tes aus ei­nem Schuld­ver­hält­nis, wenn auch be­fug­ter­wei­se, durch ei­ne Hilfs­per­son, wie Haus­ge­nos­sen oder Ar­beit­neh­mer vor­neh­men lässt, hat dem an­dern den Scha­den zu er­set­zen, den die Hilfs­per­son in Aus­übung ih­rer Ver­rich­tun­gen ver­ur­sacht.1
2Die­se Haf­tung kann durch ei­ne zum vor­aus ge­trof­fe­ne Ver­ab­re­dung be­schränkt oder auf­ge­ho­ben wer­den.
3Steht aber der Ver­zich­ten­de im Dienst des an­dern oder folgt die Ver­ant­wort­lich­keit aus dem Be­trie­be ei­nes ob­rig­keit­lich kon­zes­sio­nier­ten Ge­wer­bes, so darf die Haf­tung höchs­tens für leich­tes Ver­schul­den weg­be­dun­gen wer­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 3 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (am Schluss des OR. Schl- und UeB des X. Tit.).
B. Ver­zug des Schuld­ners
1Ist ei­ne Ver­bind­lich­keit fäl­lig, so wird der Schuld­ner durch Mah­nung des Gläu­bi­gers in Ver­zug ge­setzt.
2Wur­de für die Er­fül­lung ein be­stimm­ter Ver­fall­tag ver­ab­re­det, oder er­gibt sich ein sol­cher in­fol­ge ei­ner vor­be­hal­te­nen und ge­hö­rig vor­ge­nom­me­nen Kün­di­gung, so kommt der Schuld­ner schon mit Ab­lauf die­ses Ta­ges in Ver­zug.
1. Haf­tung für Zu­fall
1Be­fin­det sich der Schuld­ner im Ver­zu­ge, so hat er Scha­den­er­satz we­gen ver­spä­te­ter Er­fül­lung zu leis­ten und haf­tet auch für den Zu­fall.
2Er kann sich von die­ser Haf­tung durch den Nach­weis be­frei­en, dass der Ver­zug oh­ne je­des Ver­schul­den von sei­ner Sei­te ein­ge­tre­ten ist oder dass der Zu­fall auch bei recht­zei­ti­ger Er­fül­lung den Ge­gen­stand der Leis­tung zum Nach­tei­le des Gläu­bi­gers be­trof­fen hät­te.
2. Ver­zugs­zin­se
1Ist der Schuld­ner mit der Zah­lung ei­ner Geld­schuld in Ver­zug, so hat er Ver­zugs­zin­se zu fünf vom Hun­dert für das Jahr zu be­zah­len, selbst wenn die ver­trags­mäs­si­gen Zin­se we­ni­ger be­tra­gen.
2Sind durch Ver­trag hö­he­re Zin­se als fünf vom Hun­dert, sei es di­rekt, sei es durch Ver­ab­re­dung ei­ner pe­ri­odi­schen Bank­pro­vi­si­on, aus­be­dun­gen wor­den, so kön­nen sie auch wäh­rend des Ver­zu­ges ge­for­dert wer­den.
3Un­ter Kauf­leu­ten kön­nen für die Zeit, wo der üb­li­che Bank­dis­kon­to am Zah­lungs­or­te fünf vom Hun­dert über­steigt, die Ver­zugs­zin­se zu die­sem hö­he­ren Zins­fus­se be­rech­net wer­den.
b. Bei Zin­sen, Ren­ten, Schen­kun­gen
1Ein Schuld­ner, der mit der Zah­lung von Zin­sen oder mit der Ent­rich­tung von Ren­ten oder mit der Zah­lung ei­ner ge­schenk­ten Sum­me im Ver­zu­ge ist, hat erst vom Ta­ge der An­he­bung der Be­trei­bung oder der ge­richt­li­chen Kla­ge an Ver­zugs­zin­se zu be­zah­len.
2Ei­ne ent­ge­gen­ste­hen­de Ver­ein­ba­rung ist nach den Grund­sät­zen über Kon­ven­tio­nal­stra­fe zu be­ur­tei­len.
3Von Ver­zugs­zin­sen dür­fen kei­ne Ver­zugs­zin­se be­rech­net wer­den.
3. Wei­te­rer Scha­den
1Hat der Gläu­bi­ger einen grös­se­ren Scha­den er­lit­ten, als ihm durch die Ver­zugs­zin­se ver­gü­tet wird, so ist der Schuld­ner zum Er­sat­ze auch die­ses Scha­dens ver­pflich­tet, wenn er nicht be­weist, dass ihm kei­ner­lei Ver­schul­den zur Last fal­le.
2Lässt sich die­ser grös­se­re Scha­den zum vor­aus ab­schät­zen, so kann der Rich­ter den Er­satz schon im Ur­teil über den Haupt­an­spruch fest­set­zen.
4. Rück­tritt und Scha­den­er­satz
a. Un­ter Frist­an­set­zung
1Wenn sich ein Schuld­ner bei zwei­sei­ti­gen Ver­trä­gen im Ver­zu­ge be­fin­det, so ist der Gläu­bi­ger be­rech­tigt, ihm ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur nach­träg­li­chen Er­fül­lung an­zu­set­zen oder durch die zu­stän­di­ge Be­hör­de an­set­zen zu las­sen.
2Wird auch bis zum Ab­lau­fe die­ser Frist nicht er­füllt, so kann der Gläu­bi­ger im­mer noch auf Er­fül­lung nebst Scha­den­er­satz we­gen Ver­spä­tung kla­gen, statt des­sen aber auch, wenn er es un­ver­züg­lich er­klärt, auf die nach­träg­li­che Leis­tung ver­zich­ten und ent­we­der Er­satz des aus der Nicht­er­fül­lung ent­stan­de­nen Scha­dens ver­lan­gen oder vom Ver­tra­ge zu­rück­tre­ten.
b. Oh­ne Frist­an­set­zung
Die An­set­zung ei­ner Frist zur nach­träg­li­chen Er­fül­lung ist nicht er­for­der­lich:
wenn aus dem Ver­hal­ten des Schuld­ners her­vor­geht, dass sie sich als un­nütz er­wei­sen wür­de;
wenn in­fol­ge Ver­zu­ges des Schuld­ners die Leis­tung für den Gläu­bi­ger nutz­los ge­wor­den ist;
wenn sich aus dem Ver­tra­ge die Ab­sicht der Par­tei­en er­gibt, dass die Leis­tung ge­nau zu ei­ner be­stimm­ten oder bis zu ei­ner be­stimm­ten Zeit er­fol­gen soll.
c. Wir­kung des Rück­tritts
1Wer vom Ver­tra­ge zu­rück­tritt, kann die ver­spro­che­ne Ge­gen­leis­tung ver­wei­gern und das Ge­leis­te­te zu­rück­for­dern.
2 Über­dies hat er An­spruch auf Er­satz des aus dem Da­hin­fal­len des Ver­tra­ges er­wach­se­nen Scha­dens, so­fern der Schuld­ner nicht nach­weist, dass ihm kei­ner­lei Ver­schul­den zur Last fal­le.
A. Ein­tritt ei­nes Drit­ten
So­weit ein Drit­ter den Gläu­bi­ger be­frie­digt, ge­hen des­sen Rech­te von Ge­set­zes we­gen auf ihn über:
wenn er ei­ne für ei­ne frem­de Schuld ver­pfän­de­te Sa­che ein­löst, an der ihm das Ei­gen­tum oder ein be­schränk­tes ding­li­ches Recht zu­steht;
wenn der Schuld­ner dem Gläu­bi­ger an­zeigt, dass der Zah­len­de an die Stel­le des Gläu­bi­gers tre­ten soll.
B. Ver­trag zu Las­ten ei­nes Drit­ten
Wer ei­nem an­dern die Leis­tung ei­nes Drit­ten ver­spricht, ist, wenn sie nicht er­folgt, zum Er­sat­ze des hieraus ent­stan­de­nen Scha­dens ver­pflich­tet.
C. Ver­trag zu­guns­ten ei­nes Drit­ten
1Hat sich je­mand, der auf ei­ge­nen Na­men han­delt, ei­ne Leis­tung an einen Drit­ten zu des­sen Guns­ten ver­spre­chen las­sen, so ist er be­rech­tigt, zu for­dern, dass an den Drit­ten ge­leis­tet wer­de.
2Der Drit­te oder sein Rechts­nach­fol­ger kann selb­stän­dig die Er­fül­lung for­dern, wenn es die Wil­lens­mei­nung der bei­den an­dern war, oder wenn es der Übung ent­spricht.
3In die­sem Fal­le kann der Gläu­bi­ger den Schuld­ner nicht mehr ent­bin­den, so­bald der Drit­te dem letz­te­ren er­klärt hat, von sei­nem Rech­te Ge­brauch ma­chen zu wol­len.
II. Bei Haft­pflicht­ver­si­che­rung
Wenn ein Dienstherr ge­gen die Fol­gen der ge­setz­li­chen Haft­pflicht ver­si­chert war und der Dienst­pflich­ti­ge nicht we­ni­ger als die Hälf­te an die Prä­mi­en ge­leis­tet hat, so steht der An­spruch aus der Ver­si­che­rung aus­sch­liess­lich dem Dienst­pflich­ti­gen zu.
A. Er­lö­schen der Ne­ben­rech­te
1Geht ei­ne For­de­rung in­fol­ge ih­rer Er­fül­lung oder auf an­de­re Wei­se un­ter, so er­lö­schen al­le ih­re Ne­ben­rech­te, wie na­ment­lich die Bürg­schaf­ten und Pfand­rech­te.
2Be­reits er­lau­fe­ne Zin­se kön­nen nur dann nach­ge­for­dert wer­den, wenn die­se Be­fug­nis des Gläu­bi­gers ver­ab­re­det oder den Um­stän­den zu ent­neh­men ist.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren Vor­schrif­ten über das Grund­pfand­recht, die Wert­pa­pie­re und den Nach­lass­ver­trag.
B. Auf­he­bung durch Über­ein­kunft
Ei­ne For­de­rung kann durch Über­ein­kunft ganz oder zum Teil auch dann form­los auf­ge­ho­ben wer­den, wenn zur Ein­ge­hung der Ver­bind­lich­keit ei­ne Form er­for­der­lich oder von den Ver­trag­sch­lies­sen­den ge­wählt war.
C. Neue­rung
1Die Til­gung ei­ner al­ten Schuld durch Be­grün­dung ei­ner neu­en wird nicht ver­mu­tet.
2Ins­be­son­de­re be­wirkt die Ein­ge­hung ei­ner Wech­sel­ver­bind­lich­keit mit Rück­sicht auf ei­ne be­ste­hen­de Schuld oder die Aus­stel­lung ei­nes neu­en Schuld- oder Bürg­schafts­schei­nes, wenn es nicht an­ders ver­ein­bart wird, kei­ne Neue­rung der bis­he­ri­gen Schuld.
II. Beim Kon­to­kor­rent­ver­hält­nis
1Die Ein­set­zung der ein­zel­nen Pos­ten in einen Kon­to­kor­rent hat kei­ne Neue­rung zur Fol­ge.
2Ei­ne Neue­rung ist je­doch an­zu­neh­men, wenn der Sal­do ge­zo­gen und an­er­kannt wird.
3Be­ste­hen für einen ein­zel­nen Pos­ten be­son­de­re Si­cher­hei­ten, so wer­den sie, un­ter Vor­be­halt an­de­rer Ver­ein­ba­rung, durch die Zie­hung und An­er­ken­nung des Sal­dos nicht auf­ge­ho­ben.
D. Ver­ei­ni­gung
1Wenn die Ei­gen­schaf­ten des Gläu­bi­gers und des Schuld­ners in ei­ner Per­son zu­sam­men­tref­fen, so gilt die For­de­rung als durch Ver­ei­ni­gung er­lo­schen.
2Wird die Ver­ei­ni­gung rück­gän­gig, so lebt die For­de­rung wie­der auf.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­dern Vor­schrif­ten über das Grund­pfand­recht und die Wert­pa­pie­re.
E. Un­mög­lich­wer­den ei­ner Leis­tung
1So­weit durch Um­stän­de, die der Schuld­ner nicht zu ver­ant­wor­ten hat, sei­ne Leis­tung un­mög­lich ge­wor­den ist, gilt die For­de­rung als er­lo­schen.
2Bei zwei­sei­ti­gen Ver­trä­gen haf­tet der hienach frei­ge­wor­de­ne Schuld­ner für die be­reits emp­fan­ge­ne Ge­gen­leis­tung aus un­ge­recht­fer­tig­ter Be­rei­che­rung und ver­liert die noch nicht er­füll­te Ge­gen­for­de­rung.
3Aus­ge­nom­men sind die Fäl­le, in de­nen die Ge­fahr nach Ge­set­zes­vor­schrift oder nach dem In­halt des Ver­tra­ges vor der Er­fül­lung auf den Gläu­bi­ger über­geht.
F. Ver­rech­nung
1Wenn zwei Per­so­nen ein­an­der Geld­sum­men oder an­de­re Leis­tun­gen, die ih­rem Ge­gen­stan­de nach gleich­ar­tig sind, schul­den, so kann je­de ih­re Schuld, in­so­fern bei­de For­de­run­gen fäl­lig sind, mit ih­rer For­de­rung ver­rech­nen.
2Der Schuld­ner kann die Ver­rech­nung gel­tend ma­chen, auch wenn sei­ne Ge­gen­for­de­rung be­strit­ten wird.
3Ei­ne ver­jähr­te For­de­rung kann zur Ver­rech­nung ge­bracht wer­den, wenn sie zur­zeit, wo sie mit der an­dern For­de­rung ver­rech­net wer­den konn­te, noch nicht ver­jährt war.
2. Bei Bürg­schaft
Der Bür­ge kann die Be­frie­di­gung des Gläu­bi­gers ver­wei­gern, so­weit dem Haupt­schuld­ner das Recht der Ver­rech­nung zu­steht.
3. Bei Ver­trä­gen zu­guns­ten Drit­ter
Wer sich zu­guns­ten ei­nes Drit­ten ver­pflich­tet hat, kann die­se Schuld nicht mit For­de­run­gen, die ihm ge­gen den an­dern zu­ste­hen, ver­rech­nen.
4. Im Kon­kur­se des Schuld­ners
1Im Kon­kur­se des Schuld­ners kön­nen die Gläu­bi­ger ih­re For­de­run­gen, auch wenn sie nicht fäl­lig sind, mit For­de­run­gen, die dem Ge­mein­schuld­ner ih­nen ge­gen­über zu­ste­hen, ver­rech­nen.
2Die Aus­sch­lies­sung oder An­fech­tung der Ver­rech­nung im Kon­kur­se des Schuld­ners steht un­ter den Vor­schrif­ten des Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­rechts.
II. Wir­kung der Ver­rech­nung
1Ei­ne Ver­rech­nung tritt nur in­so­fern ein, als der Schuld­ner dem Gläu­bi­ger zu er­ken­nen gibt, dass er von sei­nem Rech­te der Ver­rech­nung Ge­brauch ma­chen wol­le.
2Ist dies ge­sche­hen, so wird an­ge­nom­men, For­de­rung und Ge­gen­for­de­rung sei­en, so­weit sie sich aus­glei­chen, schon im Zeit­punk­te ge­tilgt wor­den, in dem sie zur Ver­rech­nung ge­eig­net ein­an­der ge­gen­über­stan­den.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren Übun­gen des kauf­män­ni­schen Kon­to­kor­rent­ver­keh­res.
III. Fäl­le der Aus­sch­lies­sung
Wi­der den Wil­len des Gläu­bi­gers kön­nen durch Ver­rech­nung nicht ge­tilgt wer­den:
Ver­pflich­tun­gen zur Rück­ga­be oder zum Er­sat­ze hin­ter­leg­ter, wi­der­recht­lich ent­zo­ge­ner oder bös­wil­lig vor­ent­hal­te­ner Sa­chen;
Ver­pflich­tun­gen, de­ren be­son­de­re Na­tur die tat­säch­li­che Er­fül­lung an den Gläu­bi­ger ver­langt, wie Un­ter­halts­an­sprü­che und Lohn­gut­ha­ben, die zum Un­ter­halt des Gläu­bi­gers und sei­ner Fa­mi­lie un­be­dingt er­for­der­lich sind;
Ver­pflich­tun­gen ge­gen das Ge­mein­we­sen aus öf­fent­li­chem Rech­te.
IV. Ver­zicht
Auf die Ver­rech­nung kann der Schuld­ner zum vor­aus Ver­zicht leis­ten.
G. Ver­jäh­rung
I. Fris­ten
1. Zehn Jah­re
Mit Ab­lauf von zehn Jah­ren ver­jäh­ren al­le For­de­run­gen, für die das Bun­des­zi­vil­recht nicht et­was an­de­res be­stimmt.
2. Fünf Jah­re
Mit Ab­lauf von fünf Jah­ren ver­jäh­ren die For­de­run­gen:
für Miet-, Pacht- und Ka­pi­tal­zin­se so­wie für an­de­re pe­ri­odi­sche Leis­tun­gen;
aus Lie­fe­rung von Le­bens­mit­teln, für Be­kö­s­ti­gung und für Wirts­schul­den;
aus Hand­werks­ar­beit, Klein­ver­kauf von Wa­ren, ärzt­li­cher Be­sor­gung, Be­rufs­ar­bei­ten von An­wäl­ten, Recht­s­agen­ten, Pro­ku­ra­to­ren und No­ta­ren so­wie aus dem Ar­beits­ver­hält­nis von Ar­beit­neh­mern.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 4 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241). Sie­he auch die Schl- und UeB des X. Tit.
3. Un­ab­än­der­lich­keit der Fris­ten
Die in die­sem Ti­tel auf­ge­stell­ten Ver­jäh­rungs­fris­ten kön­nen durch Ver­fü­gung der Be­tei­lig­ten nicht ab­ge­än­dert wer­den.
4. Be­ginn der Ver­jäh­rung
1Die Ver­jäh­rung be­ginnt mit der Fäl­lig­keit der For­de­rung.
2Ist ei­ne For­de­rung auf Kün­di­gung ge­stellt, so be­ginnt die Ver­jäh­rung mit dem Tag, auf den die Kün­di­gung zu­läs­sig ist.
b. Bei pe­ri­odi­schen Leis­tun­gen
1Bei Leib­ren­ten und ähn­li­chen pe­ri­odi­schen Leis­tun­gen be­ginnt die Ver­jäh­rung für das For­de­rungs­recht im Gan­zen mit dem Zeit­punk­te, in dem die ers­te rück­stän­di­ge Leis­tung fäl­lig war.
2Ist das For­de­rungs­recht im Gan­zen ver­jährt, so sind es auch die ein­zel­nen Leis­tun­gen.
5. Be­rech­nung der Fris­ten
1Bei der Be­rech­nung der Frist ist der Tag, von dem an die Ver­jäh­rung läuft, nicht mit­zu­rech­nen und die Ver­jäh­rung erst dann als be­en­digt zu be­trach­ten, wenn der letz­te Tag un­be­nützt ver­stri­chen ist.
2Im Üb­ri­gen gel­ten die Vor­schrif­ten für die Frist­be­rech­nun­gen bei der Er­fül­lung auch für die Ver­jäh­rung.
II. Wir­kung auf Ne­ben­an­sprü­che
Mit dem Haupt­an­spru­che ver­jäh­ren die aus ihm ent­sprin­gen­den Zin­se und an­de­re Ne­ben­an­sprü­che.
III. Hin­de­rung und Still­stand der Ver­jäh­rung
1Die Ver­jäh­rung be­ginnt nicht und steht still, falls sie be­gon­nen hat:
für For­de­run­gen der Kin­der ge­gen die El­tern bis zur Voll­jäh­rig­keit der Kin­der;
für For­de­run­gen der ur­teil­s­un­fä­hi­gen Per­son ge­gen die vor­sor­ge­be­auf­trag­te Per­son, so­lan­ge der Vor­sor­ge­auf­trag wirk­sam ist;
für For­de­run­gen der Ehe­gat­ten ge­gen­ein­an­der wäh­rend der Dau­er der Ehe;
für For­de­run­gen von ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin­nen oder Part­nern ge­gen­ein­an­der, wäh­rend der Dau­er ih­rer ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft;
für For­de­run­gen der Ar­beit­neh­mer, die mit dem Ar­beit­ge­ber in Haus­ge­mein­schaft le­ben, ge­gen die­sen wäh­rend der Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses;
so­lan­ge dem Schuld­ner an der For­de­rung ei­ne Nutz­nies­sung zu­steht;
so­lan­ge ei­ne For­de­rung vor ei­nem schwei­ze­ri­schen Ge­rich­te nicht gel­tend ge­macht wer­den kann.
2Nach Ab­lauf des Ta­ges, an dem die­se Ver­hält­nis­se zu En­de ge­hen, nimmt die Ver­jäh­rung ih­ren An­fang oder, falls sie be­gon­nen hat­te, ih­ren Fort­gang.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­dern Vor­schrif­ten des Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­rech­tes.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 20. März 2015 (Kin­des­un­ter­halt), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2015 4299; BBl 2014 529).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 11 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 5 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241). Sie­he auch die Schl- und UeB des X. Tit.
IV. Un­ter­bre­chung der Ver­jäh­rung
1. Un­ter­bre­chungs­grün­de
Die Ver­jäh­rung wird un­ter­bro­chen:
durch An­er­ken­nung der For­de­rung von sei­ten des Schuld­ners, na­ment­lich auch durch Zins- und Ab­schlags­zah­lun­gen, Pfand- und Bürg­schafts­be­stel­lung;
durch Schuld­be­trei­bung, durch Schlich­tungs­ge­such, durch Kla­ge oder Ein­re­de vor ei­nem staat­li­chen Ge­richt oder ei­nem Schieds­ge­richt so­wie durch Ein­ga­be im Kon­kurs.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
2. Wir­kung der Un­ter­bre­chung un­ter Mit­ver­pflich­te­ten
1Die Un­ter­bre­chung der Ver­jäh­rung ge­gen einen So­li­dar­schuld­ner oder den Mit­schuld­ner ei­ner un­teil­ba­ren Leis­tung wirkt auch ge­gen die üb­ri­gen Mit­schuld­ner.
2Ist die Ver­jäh­rung ge­gen den Haupt­schuld­ner un­ter­bro­chen, so ist sie es auch ge­gen den Bür­gen.
3Da­ge­gen wirkt die ge­gen den Bür­gen ein­ge­tre­te­ne Un­ter­bre­chung nicht ge­gen den Haupt­schuld­ner.
3. Be­ginn ei­ner neu­en Frist
a. Bei An­er­ken­nung und Ur­teil
1Mit der Un­ter­bre­chung be­ginnt die Ver­jäh­rung von neu­em.
2Wird die For­de­rung durch Aus­stel­lung ei­ner Ur­kun­de an­er­kannt oder durch Ur­teil des Rich­ters fest­ge­stellt, so ist die neue Ver­jäh­rungs­frist stets die zehn­jäh­ri­ge.
b. Bei Hand­lun­gen des Gläu­bi­gers
1Wird die Ver­jäh­rung durch Schlich­tungs­ge­such, Kla­ge oder Ein­re­de un­ter­bro­chen, so be­ginnt die Ver­jäh­rung von Neu­em zu lau­fen, wenn der Rechtss­treit vor der be­fass­ten In­stanz ab­ge­schlos­sen ist.1
2Er­folgt die Un­ter­bre­chung durch Schuld­be­trei­bung, so be­ginnt mit je­dem Be­trei­bungs­akt die Ver­jäh­rung von neu­em.
3Ge­schieht die Un­ter­bre­chung durch Ein­ga­be im Kon­kur­se, so be­ginnt die neue Ver­jäh­rung mit dem Zeit­punk­te, in dem die For­de­rung nach dem Kon­kurs­rech­te wie­der gel­tend ge­macht wer­den kann.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
VI. Ver­jäh­rung bei Fahr­nis­pfand­recht
Durch das Be­ste­hen ei­nes Fahr­nis­pfand­rech­tes wird die Ver­jäh­rung ei­ner For­de­rung nicht aus­ge­schlos­sen, ihr Ein­tritt ver­hin­dert je­doch den Gläu­bi­ger nicht an der Gel­tend­ma­chung des Pfand­rech­tes.
VII. Ver­zicht auf die Ver­jäh­rung
1Auf die Ver­jäh­rung kann nicht zum vor­aus ver­zich­tet wer­den.
2Der Ver­zicht ei­nes So­li­dar­schuld­ners kann den üb­ri­gen So­li­dar­schuld­nern nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den.
3Das­sel­be gilt un­ter meh­re­ren Schuld­nern ei­ner un­teil­ba­ren Leis­tung und für den Bür­gen beim Ver­zicht des Haupt­schuld­ners.
VIII. Gel­tend­ma­chung
Der Rich­ter darf die Ver­jäh­rung nicht von Am­tes we­gen be­rück­sich­ti­gen.
Vierter Titel: Besondere Verhältnisse bei Obligationen
EMRK Konvention zum Schutze der

References: Art. 1
 Art. 21
 Art. 1
 Art. 27
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1