Source: http://mnementh.blogsport.de/2011/05/01/was-soll-nach-dem-moratorium-fuer-kernkraftwerke-kommen/
Timestamp: 2018-09-21 18:05:35+00:00

Document:
Was soll nach dem Moratorium für Kernkraftwerke kommen? (Update) « Mnementh
« Vor 50 Jahren war der erste Mensch im Weltraum
Unterschriftenaktion für Hilfe für Flüchtlinge »
Atomenergie, Atommoratorium, Energie, Fortschritt, Fukushima, Kernkraft, Wirtschaft
7 Antworten auf „Was soll nach dem Moratorium für Kernkraftwerke kommen? (Update)“
1 multiverus 08. Mai 2011 um 23:59 Uhr
Hallo Herr Josche, darf ich zum bequemeren du übergehen? Danke. Auf Telepolis hast du auf diesen Artikel aufmerksam gemacht.
Ich vermisse in deinem Artikel ein Bewusstsein für die prinzipiellen Mängel von WK und PV. Auch vermisse ich die Differenzierung zwischen Jahresbilanz und momentan verfügbarer Kraftwerksleistung. Die eingespeiste Strommenge muss ja zu jeder Minute und zu jeder Sekunde exakt dem Bedarf folgen, um die Netzfrequenz stabil zu halten. Jahresbilanzen sagen dazu nichts aus.
Bei deiner Betrachtung der produzierten Strommengen betrachtest du Deutschland an monolithische Einheit. Das ist nur rein rechnerisch richtig. Was hat das für einen Wert, wenn das Stromnetz gar nicht dafür ausgelegt ist (Leitungskapazitäten), um Strom zu jeder Zeit an jeden beliebigen Standort in D zu transportieren?
Unser Energieversorgungsnetz ist nicht dazu in der Lage, beliebige Strommengen an jeden beliebigen Ort zu verteilen. Daraus erklärt sich, warum Süddeutschland sein Stromdefizit aus dem umliegenden Ausland auffüllt.
Den Zuwachs der verfügbaren Strommengen durch „erneuerbare“ Energiequellen betrachtest du vollkommen gleichwertig zu wegfallenden Strommengen aus fossilen KW oder KKW. Das unterschlägt einen wichtigen Aspekt, der nicht durch politische Willenserklärung aus der Welt geschafft werden kann:
Um eine weiter stabile Stromversorgung zu gewährleisten bei immer grösseren unsteten „erneuerbaren“ Strommengen, sind immer mehr schnell hochfahrbare Schattenkraftwerke notwendig, wozu wesentlich nur fossile Energieträger in Frage kommen (Gasturbinen). Weil die Bundespolitik aber ein Gesetz erlassen hat, was die völlig uneingeschränke Einspeisung „erneuerbarer“ Energie in beliebiger Höhe ins Netz erzwingt, sind derartige Schattenkraftwerke vollkommen unrentabel, weshalb sich die grossen Energieversorger dabei verständlicherweise sehr zurückhalten.
Damit wird die Menge der Grundlast tragenden Kraftwerke immer geringer wird. Logischerweise wächst die Wahrscheinlichkeit immer stärker an, dass es irgendwann mächtig knallen wird: Der große Stromausfall kommt
Deine Vorstellung, Zitat: „Stromausfälle dürften also kaum zu erwarten sein, da der zusätzliche Strombedarf sich im Rahmen hält“ geht an diesen Realitäten vollkommen vorbei.
Du räumst ein, dass zu den notwendigen Stromimporten natürlich auch Atomstrom sein wird. Vergessen hast du folgende Aspekte
A) auf den Sicherheitsstandard dieser KKW (im Gegensatz zu deutschen) haben wir keinen Einfluss. Französische oder tschechische sind nicht den superstrengen deutschen Sicherheitsrelegungen unterworfen.
B) auf die Zusammensetzung des importierten Stroms (Atom,Fossil,Wasserkraft etc.) haben wir allenfalls indirekt Einfluss – über den Preis
C) du berücksichtigst nicht die zunehmende Schwankungsbreite des heimisch produzierten Stroms (immer mehr EE), was sich in zunehmender Schwankungsbreite des importierten Stroms niederschlagen wird.
Du zeigst eine Grafik „Stromerzeugung durch Erneuerbare Energie“ ohne das geringste Problembewusstsein.
Regelbarkeit von KKW
Du schreibst, dass KKW schlecht regelbar seinen, Zitat: „es dauert Wochen ehe es richtig heruntergekühlt ist (wie wir ja in Fukushima gerade sehen)“. Was hat die Zeit des Herunterkühlens mit der Stromlieferung zu tun? Was soll der unsinnige Vergleich mit Fukushima? Wie schnell KKW vom Netz getrennt werden können (also keinen Strom mehr liefern), beweist die Abschaltung der dem Moratorium unterliegenden KKW in Süddeutschland. Nämlich auf den Punkt zu Mitte März.
Und noch eins zur „schlechten Regelbarkeit“. Nehmen wir an ich hätte ein KKW, was 180 Tage Vorlaufzeit benötigt. Dann kann ich damit – ganz im Gegensatz zu WK oder PV – hervorragend planen, die Stromlieferung in vereinbarter Höhe zum gewünschten Zeitpunkt garantieren. Dieses Kraftwerk wird mir nämlich in 180 Tagen – vorhersagbar – die benötigte Strommenge liefern. Wie willst du das mit WK oder PV anstellen? Die Wettervorhersage wird ja schon nach einer Woche unzuverlässig!
Du führst aus, Zitat:
„Um Netzüberlastungen zu verhindern sind viele Erneuerbare Energieformen mit Schutzschaltkreisen ausgestattet, die die Produktion von Strom beenden, wenn die Netzspannung zu stark ansteigt. Rein praktisch stehen also Windräder still, wenn ein AKW zu viel Strom produziert.“
Wo hast du denn diese Mär her? Was nützen diese Schutzkreise, wenn sie nicht zum Schutz des Netzes, sondern zum Schutz der WKA oder PV des Betreibers eingesetzt werden? Diesen ist gesetzlich eine 100%ige Einspeisung garantiert! Wenn zuviel Strom ins Netz eingespeist wird, dann denken die WK/PV-Betreiber überhaupt nicht daran, ihre Anlagen abzuschalten. Vielmehr sind die Netzbetreiber gezwungen, fossile Kraftwerke vom Netz nehmen, müssen überschüssigen Strom sogar zu Schnäppchenpreise an der Strombörse verhöckern. Die WK/PV-Betreiber aber lachen sich ins Fäustchen, sie kriegen alles voll bezahlt.
... so ich muss hier mal Schluss machen mangels zeit. den rest werde ich mir (hoffentlich) auch noch vornehmen können.
* Du führst Hiroshima und Nagasaki als „Atomunfall“ auf, das ist etwas unpassend. „Restrisiko“ ist eigentlich kein Euphemismus, wie du schreibst.
* Risiken kann man minimieren. Doch wie weit man diese Minimierung auch immer treibt, bleibt dennoch ein Risiko übrig. Genau dies ist das berühmte „Restrisiko“.
* Brüderles Äusserung zum Moratorium (dem Wahlkampf geschuldet) ist zwar politisch unklug, nicht aber von der Sache her. Es zeigt (mir), dass es – gottseidank – noch Leute in der Politik gibt, die sich der Unmöglichkeit einer vollständig auf „erneuerbaren“ Energien aufgebauten Energieversorgung für eine Industrienation wie Deutschland bewusst sind.
2 mnementh 12. Mai 2011 um 12:18 Uhr
Ich fasse mal meine Antwort darauf ein wenig zusammen. Deine Kritik an den Erneuerbaren verengt sich auf Windkraft und Photovoltaik. Dass es da weitaus mehr gibt, wird geflissentlich ignoriert.
Strom aus Biomasse ist hervorragend regulierbar. Man kann den Strom dann erzeugen wenn er gebraucht wird und eine Biogasanlage ist wie eine mit Erdgas betriebene Anlage innerhalb kurzer Zeit angefahren. Wie Du obiger Grafik entnehmen kannst, hat Strom aus Biomasse bereits 2008 die Stromproduktion aus Wasserkraft übertroffen und könnte in den nächsten Jahren Windkraft als Nummer 1 bei den Erneuerbaren ablösen.
Wasserkraft ist gut vorhersagbar und wenig volatil. Zwar kann man Laufwasserkraftwerke nicht regulieren (nur ganz vom Netz abklemmen), aber ihre Stromproduktion ist gut vorhersagbar, da man weiß was gerade so die Flüsse herunterläuft. Deshalb werden sie als Grundlastkraftwerke gesehen. Wasserkraftwerke mit Staubecken sind dagegen gut regulierbar und können relativ schnell reagieren. Sie sind damit Kohlekraftwerken und Kernkraftwerken sogar überlegen, denn eine Kohleglut muss erst einmal über Stunden angeheizt werden und das Wiederanfahren eines KKW ist ein langwieriger Prozess. Zudem müssen regelmäßig die Brennstäbe gewechselt werden, während der Zeit (Tage bis Wochen) ist das KKW gar nicht am Netz.
Photovoltaik ist gar nicht so volatil, wie von Dir dargestellt. Zwar kann man die Sonneneinstrahlung nicht regulieren, aber hervorragend vorhersagen. Wolken verhindern zudem nicht die Stromproduktion, da dann das Streulicht immer noch für Stromversorgung sorgt. Selbst einzelne Wolkenfetzen, die vom Wind getrieben immer wieder einzelne Anlagen abschatten sind vernachlässigbar, da der gleiche Wolkenfetzen dafür nicht mehr die andere Anlage beschattet. Bei halbwegs gleichmäßiger Verteilung der PV-Anlagen kann man also aus der mittleren Wolkendichte sehr gut die Stromproduktion vorhersagen. Zudem gibt es keine plötzlichen Veränderungen. Zwar mag eine Wolke für einen einzelnen Beobachter schnell auftauchen, aber die Wolke gab es schon vorher und wurde nur vom Wind bewegt. PV hat sogar den immensen Vorteil, dass ihr Strom dann zur Verfügung steht, wenn er gebraucht wird: am Tag.
Bleibt die Windkraft als volatile Stromquelle. Wie schon im Telepolis-Kommentar beschrieben, ist mit Hilfe eines Wetterberichts die Stromproduktion schon recht gut vorhersagbar. Allerdings ist diese Stromquelle volatiler als andere und damit schon eine größere Herausforderung. Keine unschaffbare. Ich habe in Telepolis zu dem FAZ-Artikel gesagt, dass Ostern nichts passiert ist – immerhin war das das Szenario, dass ein Überangebot aus Strom aus Windkraft an den Feiertagen bei geringer Nachfrage zu einem Blackout führt. Aber das ist unwahrscheinlich, denn ich darf mal §6 des EEG zitieren:
a) zur ferngesteuerten Reduzierung der Einspeiseleistung bei Netzüberlastung […] auszustatten, auf die der Netzbetreiber zugreifen darf
Ein einzelnes Windrad hat üblicherweise zwischen 1 und 5 MW Leistung. Also fällt schon ein einzelnes Windrad unter diesen Paragraphen. Hier steht also drin was ich schon sagte: Man kann die Windkraftanlagen bei Netzüberlastung abschalten. Deshalb ist es albern dass der Windstrom zu negativen Preisen verkauft wird, denn dazu verpflichtet das EEG nicht. Wenn die Energieunternehmen den Windstrom nicht loswerden und die Strommenge droht das Netz zu überlasten, dann werden eben Windräder ausgeknipst.
Dennoch würden natürlich mehr Leitungen helfen, da gerade die Länder in Süddeutschland eher auf KKW und Kohle gesetzt haben. Das rächt sich natürlich nun mit dem Atommoratorium, und die Windkraft im Norden kann nur bedingt aushelfen, so weit die Leitungen dafür reichen. Leider habe ich dafür keine konkreten Zahlen, wenn die jemand liefern könnte wäre ich interessiert.
Einen großen Teil des Strom aus Erneuerbaren wird man dennoch für die Abfederung der Ausfälle nutzen können, die Ausbauforderungen des Netzes nehmen ja derzeit eher Bezug auf die zukünftig gebauten Offshore-Windparks.
Abgesehen davon verwies ich bereits darauf, dass in der Finanzkrise die Stromproduktion nachgelassen hat und sich auch 2010 nicht auf Vorkrisenniveau erholt hat. Da auch vor der Krise schon Ersatzreserven zur Verfügung gestanden haben dürften, gibt es auch in Süddeutschland noch einiges an Kraftwerksreserven. Für die Zukunft sollte aber im Süden der Rückstand bei den Erneuerbaren ausgeglichen werden.
Trotz der Reserven kann sich gegebenfalls ein Import mehr lohnen. Stromausfälle dagegen dürften unwahrscheinlich sein. Ein wolkiges FAZ-Szenario für Ostdeutschland und andere Verhältnisse (kein Moratorium) reicht mir hier nicht, um meine Meinung zu ändern. Harte Zahlen wären besser.
Sind denn die deutschen Sicherheitsregelungen superstreng? Das ist eine unbewiesene Behauptung. Tatsächlich hat kein deutscher Reaktor einen Core Catcher, aber chinesische Kraftwerke. In Frankreich und Finnland baut man an solchen Reaktoren. Deutschland: Fehlanzeige. Das deutsche Kraftwerke die sichersten der Welt seien, ist genauso haltlos wie entsprechende Beteuerungen der Franzosen, Finnen, Russen, US-Amerikaner und Japaner für jeweils ihre eigenen Kraftwerke. Wer so etwas behauptet, sollte Belege anführen können.
3 multiverus 19. Mai 2011 um 1:54 Uhr
der Hinweis auf §6 EEG überzeugt nicht, weil das nicht vereinbar ist mit der Tatsache, dass die Energiekonzerne ihren Strom auf der Börse in Problemsituationen verschleudern oder sogar noch draufzahlen, nur um ihn loszuwerden.
Ich denke, du hast nur die Hälfte der Wahrheit geschrieben. Und das dürfte die Frage der Kosten sein. Darüber schweigt sich §6 nämlich aus … !
Zu Strom aus Wasserkraft:
Das ist nicht Gegenstand meiner Krtik.
Wasserkraft steht in unserem Land nur in begrenztem Mass zu Verfügung und kann aufgrund der Topologie auch nur sehr begrenzt ausgebaut werden. Für Geothermie gilt das gleiche. Ihre Bedeutung ist aber noch marginaler.
Schade. Denn beide sind – im Gegensatz zu PV und WKV – planbar, also weitgehend nach Bedarf lieferbar.
> Strom aus Biomasse bereits 2008 die Stromproduktion
> aus Wasserkraft übertroffen und könnte in den nächsten
> Jahren Windkraft als Nummer 1 bei den Erneuerbaren
Biomasse wird als das definiert, was durch Lebewesen — Mensch, Tier und Pflanze — an organischer Substanz entsteht. Daher wäre interessant, aufzuschlüsseln, wie sich die eingesetzte Biomasse denn zusammensetzt (nicht einfach „fest, flüssig, gasförmig“, sondern ganz konkret). Um zu sehen, auf Kosten der Verfügbarkeit welcher Stoffe und Märkte das denn geht.
Solange nur „Abfallstoffe“ eingesetzt werden, mag das ok sein. Wenn aber diese Energiequelle „zur Nummer 1″ werden soll, dann dürfte das kaum ausreichen. Man wird Pflanzen als Biomasse-Lieferanten anbauen müssen, wenn es nicht eh schon geschieht. Das aber geht auf Kosten der Flächen zur Nahrungsmittel-Produktion. Vielleicht auch zum Schaden des Waldes, indem ihm vermodernde Biomasse entzogen wird.
Schreckensbild sind aktuell die riesigen Brandrodungen in Indonesien. Die gewaltige Mengen an CO2 in die Luft blasen … das muss man dann der Stromerzeugung aus Biomasse zurechnen. Womit diese dann alles andere als „klimafreundlich“ ist.
> Strom aus Biomasse ist hervorragend regulierbar.
Toll. Aber als alleiniges Argument etwas dünn.
4 mnementh 19. Mai 2011 um 7:30 Uhr
Die Netzbetreiber wären schön doof, wenn sie bezahlen um den Strom abzunehmen UND dann noch draufzahlen um den Strom wieder loszuwerden. §6 des EEG bietet ihnen die Handhabe Überproduktionen abzulehnen. Sogar mit direkter Einflussnahme, denn das EEG schreibt ja vor, dass diese Drosselung ferngesteuert erfolgen kann. Bei Kohle- oder Kernkraft ist dies dagegen schwierig. Regelung erfolgt mit Verzögerung und minimal zu rund der Hälfte der Maximalleistung. Danach bleibt nur komplette Abschaltung, und die könnte leicht wieder die Vorzeichen des Problems umkehren. Es nützt wenig, dass man bestimmten Abnehmern Strom schon 150 Tage vorher verkauft, wenn man nicht weiß, ob die normalen Endverbraucher in der nächsten Minute viele Geräte einschalten oder diese ausschalten. Daher sind es die konventionellen Kraftwerke, deren Strom zu negativen Preisen verkauft wird.
Wasserkraft steht tatsächlich in begrenztem Masse zur Verfügung und in den letzten Jahren war der Beitrag der Wasserkraft zur Stromversorgung auch mehr oder weniger konstant. Aber ein gewisses zusätzliches Potential besteht schon. Insbesondere Laufwasserkraftwerke sind teilweise ohne allzu große Investitionen errichtbar. Stauseen dagegen erfordern bestimmte geographische Verhältnisse und sind mit immensen Investitionen verbunden.
Biomasse ist tatsächlich problematisch. Allerdings ist Fakt, dass es derzeit bei den Erneuerbaren Energieträger #2 ist und starke Zuwächse hat. Deshalb kommt es mir in der Diskussion – sowohl bei Chancen und Problemen – viel zu kurz. Es wird mehr über die Photovoltaik berichtet, die zwar ein großes Potential hat, aber derzeit einen deutlich kleineren Anteil an der Stromversorgung liefert. Aber Deine Kritik an Windkraft sind die starken Schwankungen (PV dagegen ist sehr gut vorhersagbar und sehr geringen Schwankungen unterworfen, wie bereits ausgeführt, ganz ähnlich wie Laufwasserkraftwerke). Biomasse hat dieses Problem nicht und kann sogar als Ausgleichskraftwerk funktionieren. Hier in Europa ist das Problem durch die Verdrängung von Nahrungspflanzen geringer, immerhin haben wir eine Überproduktion. Mit etwas Glück (aber man sollte nicht zu sehr hoffen) reduziert das die desaströsen Nahrungsmittelexporte in die dritte Welt, die oft die lokale Landwirtschaft konkurrenzunfähig machen und diese Länder von uns abhängig machen.
5 multiverus 19. Mai 2011 um 16:42 Uhr
> Die Netzbetreiber wären schön doof, wenn sie bezahlen um den
> Strom abzunehmen UND dann noch draufzahlen um den Strom wieder
Sinn und Motivation dieser Überlegung kann ich nicht nachvollziehen. Wo habe ich derartiges geschrieben?
> §6 des EEG bietet ihnen die Handhabe Überproduktionen
> abzulehnen.
Nö. Das interpretierst du dort so hinein. Mit Verweis auf §64 werden die technische Randbedingungen des Betriebs einer einzelnen WKA betrachtet. Mit keinem Wort wird dort auf die Netz-Problematik durch die Einspeisung unsteter Strommengen durch tausende von WKA eingegangen.
Noch einmal: Strom wird ggf. an der Strombörse verschleudert, weil zur Unzeit WKA und PV in der Summe gemeinsam zuviel Strom liefern – ungeachtet §6 EEG. Nämlich ansynchron zur jeweils tatsächlich benötigten Strommenge. Wenn die Netzbetreiber den Strom von WKA und PV also nicht abschalten – wie der genannte Paragraph es ihnen angeblich erlaubt – dann hat das Gründe. Und welche Gründe mag ein kostenorientiert arbeitendes Unternehmen wohl haben, etwas nicht zu tun ???
Stichwort „Überproduktion“: Stromlieferungen von WKA und PV zeichnen sich naturgemäß aus durch: a) Überproduktion oder b) Unterproduktion. Überproduktion heisst: mehr als das Netz aktuell benötigt, Unterproduktion heisst: weniger als das Netz aktuell benötigt.
Wer behauptet, nicht die unsteten Strommengen von WKA und PV seien dass Problem, sondern die „Schwäche“ der konventionellen KW, diese unsteten Einspeisungen so schnell und genau abzufedern, dass die Summe des produzierten Stroms jeweils den Bedarf deckt – der sieht die Ursachen für eine Überproduktion freilich ganz anders.
Ich habe in meinem Posting auf telepolis – http://www.heise.de/tp/foren/S-Re-Netto-Stromimporteur-Deutschland/forum-199647/msg-20222835/read/ – die Unsinnigkeit einer derartigen Sichtweise hinreichend thematisiert.
Ich habe deine Darstellung sowohl hier in deinem Blog als auch auf telepolis zur Kenntnis genommen. Ich habe mangels Zeit nicht allem widersprochen, was einen Widerspruch verdient hätte. Wer nicht bestimmte (energie)politische Ziele über die Fakten stellen will, für den ist der Grundtenor deiner Darstellungen tendenziös und wenig überzeugend. Deshalb bin ich dem argumentativ entgegengetreten, habe dies auf telepolis(!) – ob deren teilweise absurder Unsinnigkeit – auch emotional unterstrichen, was du als „Beschimpfung“ deutest.
(P.S. vom Inhalt abgesehen: der Blog hier ist solide, da steckt viel Arbeit drin! Schade dass der Verfasser überwiegend die gängige Energiepropaganda vertritt.)
6 multiverus 21. Mai 2011 um 1:35 Uhr
Ich habe mir nun mal das EEG näher angeschaut. Und … nicht zu fassen! … dein Verweis auf §6 EEG ist ja noch irreführender, als ich gedacht habe!
Ich darf mal aus §12 EEG zitieren:
Der Netzbetreiber, in dessen Netz die Ursache für die Notwendigkeit der Regelung nach § 11 Abs. 1 liegt, ist verpflichtet, Anlagenbetreiber(…), die aufgrund von Maßnahmen nach § 11 Abs. 1 Strom nicht einspeisen konnten, in einem vereinbarten Umfang zu entschädigen.
§11 erlaubt den Netzbetreiber zwar, Stromeinspeisungen aus EE-Quellen abzuregeln, aber nur dann, wenn, Zitat:
sie sichergestellt haben, dass insgesamt die größtmögliche Strommenge aus Erneuerbaren Energien und aus Kraft-Wärme-Kopplung abgenommen wird, …
Ich sehe mich vollauf bestätigt in meiner Auffassung zu diesem Punkt. Den Netzbetreibern drohen tatsächlich erhebliche finanzielle Risiken – auch infolge drohender rechtlicher Auseinandersetzungen fürchten müssen.
Um deine Worte mal richtig zu stellen: Die Netzbetreiber wären schön blöd, wenn sie versuchen würden, Strom aus EE-Quellen abzuregeln, anstatt überflüssigen Strom auf der Strombörse zu „verschenken“. Das ist angesichts der Knebelparagraphen den EEG eindeutig das kleinere Übel !!!
7 mnementh 21. Mai 2011 um 9:33 Uhr
Interessanter Fund, das wusste ich nicht. Ändert aber auch nichts an meiner Aussage und wenn Du darüber nachdenkst siehst Du den Fehler in Deiner:
Wenn ich den zitierten Paragraphen richtig interpretiere, müssen die Netzbetreiber bei Abschaltung der Anlage den Strom bezahlen, als wenn sie ihn abgenommen hätten. Richtig?
Dann hat der Netzbetreiber (bei einer Überproduktion, die die Netzstabilität gefährdet) die Wahl zwischen a) das EE-Kraftwerk abzuschalten und die nicht abgenommene Strommenge zu bezahlen oder b) es nicht abzuschalten, die Strommenge zu bezahlen und ZUSÄTZLICH noch Geld draufzulegen um den Strom zu verhökern. Also rein marktwirtschaftlich würde ich mich ja für a entscheiden.
Also gibt es weder Netzüberlastungen durch Windkraftwerke, wie der schlecht recherchierte FAZ-Artikel suggeriert, noch entstehen die negativen Strompreise durch Windkraft.

References: §6
 §6
 §6
 §6
 §6
 §64
 §6
 §6
 §12
 § 11
 § 11

§11