Source: http://m.hensche.de/Diskriminierung_Uebergewicht_Adipositas_Diskriminierung_wegen_Uebergewichts_EuGH_C-354-13_Kaltoft_u.html
Timestamp: 2017-08-19 22:25:48+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: C-354/13
Schlag­worte: Diskriminierung: Behinderung, Behinderung, Diskriminierung: Übergewicht
Akten­zeichen: C-354/13
Ent­scheid­ungs­datum: 18.12.2014
1. Das Uni­ons­recht ist da­hin aus­zu­le­gen, dass es kein all­ge­mei­nes Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas als sol­cher in Beschäfti­gung und Be­ruf enthält.
2. Die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die Adi­po­si­tas ei­nes Ar­beit­neh­mers ei­ne „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne die­ser Richt­li­nie dar­stellt, wenn sie ei­ne Ein­schränkung mit sich bringt, die u. a. auf phy­si­sche, geis­ti­ge oder psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen von Dau­er zurück­zuführen ist, die ihn in Wech­sel­wir­kung mit ver­schie­de­nen Bar­rie­ren an der vol­len und wirk­sa­men Teil­ha­be am Be­rufs­le­ben, gleich­be­rech­tigt mit den an­de­ren Ar­beit­neh­mern, hin­dern können. Es ist Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu prüfen, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen im Aus­gangs­ver­fah­ren erfüllt sind.
18. De­zem­ber 2014(*)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - So­zi­al­po­li­tik - Ent­las­sung - Grund - Adi­po­si­tas des Ar­beit­neh­mers - All­ge­mei­nes Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas - Feh­len - Richt­li­nie 2000/78/EG - Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf - Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung - Vor­lie­gen ei­ner ‚Be­hin­de­rung‘“
In der Rechts­sa­che C-354/13
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Ret i Kol­ding (Däne­mark) mit Ent­schei­dung vom 25. Ju­ni 2013, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 27. Ju­ni 2013, in dem Ver­fah­ren
Fag og Ar­be­j­de (FOA), han­delnd für Kars­ten Kaltoft,
Kom­mu­n­er­nes Lands­fo­re­ning (KL), han­delnd für die Bil­lund Kom­mu­ne,
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten L. Bay Lar­sen, der Rich­te­rin K. Jürimäe, der Rich­ter J. Ma­le­n­ovský und M. Saf­jan (Be­richt­er­stat­ter) so­wie der Rich­te­rin A. Prechal,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. Ju­ni 2014,
- der Fag og Ar­be­j­de (FOA), han­delnd für Herrn Kaltoft, ver­tre­ten durch J. Sand, ad­vo­kat,
- der Kom­mu­n­er­nes Lands­fo­re­ning (KL), han­delnd für die Bil­lund Kom­mu­ne, ver­tre­ten durch Y. Fre­de­ri­ksen, ad­vo­kat,
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung all­ge­mei­ner Grundsätze des Uni­ons­rechts und der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen der Ge­werk­schaft Fag og Ar­be­j­de (FOA), die für Herrn Kaltoft han­delt, und der Kom­mu­n­er­nes Lands­fo­re­ning (KL) (Na­tio­na­ler Ver­band der däni­schen Ge­mein­den), die für die Bil­lund Kom­mu­ne (Ge­mein­de Bil­lund, Däne­mark) han­delt, über die Rechtmäßig­keit der Ent­las­sung von Herrn Kaltoft, die auf des­sen Adi­po­si­tas be­ru­hen soll.
3 In den Erwägungs­gründen 1, 11, 12, 15, 28 und 31 der Richt­li­nie 2000/78 heißt es:
„(1) Nach Ar­ti­kel 6 Ab­satz 2 [EUV] be­ruht die Eu­ropäische Uni­on auf den Grundsätzen der Frei­heit, der De­mo­kra­tie, der Ach­tung der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten so­wie der Rechts­staat­lich­keit; die­se Grundsätze sind al­len Mit­glied­staa­ten ge­mein­sam. Die Uni­on ach­tet die Grund­rech­te, wie sie in der [am 4. No­vem­ber 1950 in Rom un­ter­zeich­ne­ten] Eu­ropäischen Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten gewähr­leis­tet sind und wie sie sich aus den ge­mein­sa­men Ver­fas­sungsüber­lie­fe­run­gen der Mit­glied­staa­ten als all­ge­mei­ne Grundsätze des Ge­mein­schafts­rechts er­ge­ben.
(15) Die Be­ur­tei­lung von Tat­beständen, die auf ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung schließen las­sen, ob­liegt den ein­zel­staat­li­chen ge­richt­li­chen In­stan­zen oder an­de­ren zuständi­gen Stel­len nach den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten; in die­sen ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten kann ins­be­son­de­re vor­ge­se­hen sein, dass mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung mit al­len Mit­teln, ein­sch­ließlich sta­tis­ti­scher Be­wei­se, fest­zu­stel­len ist.
(28) In die­ser Richt­li­nie wer­den Min­dest­an­for­de­run­gen fest­ge­legt; es steht den Mit­glied­staa­ten so­mit frei, güns­ti­ge­re Vor­schrif­ten ein­zuführen oder bei­zu­be­hal­ten. Die Um­set­zung die­ser Richt­li­nie darf nicht ei­ne Ab­sen­kung des in den Mit­glied­staa­ten be­reits be­ste­hen­den Schutz­ni­veaus recht­fer­ti­gen.
(31) Ei­ne Ände­rung der Re­geln für die Be­weis­last ist ge­bo­ten, wenn ein glaub­haf­ter An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung be­steht. Zur wirk­sa­men An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ist ei­ne Ver­la­ge­rung der Be­weis­last auf die be­klag­te Par­tei er­for­der­lich, wenn ei­ne sol­che Dis­kri­mi­nie­rung nach­ge­wie­sen ist. Al­ler­dings ob­liegt es dem Be­klag­ten nicht, nach­zu­wei­sen, dass der Kläger ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­on an­gehört, ei­ne be­stimm­te Welt­an­schau­ung hat, ei­ne be­stimm­te Be­hin­de­rung auf­weist, ein be­stimm­tes Al­ter oder ei­ne be­stimm­te se­xu­el­le Aus­rich­tung hat.“
4 Art. 1 die­ser Richt­li­nie be­stimmt:
5 Art. 2 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie sieht vor:
Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie be­stimmt:
c) die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“.
7 Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet:
8 In Art. 8 Abs. 1 der Richt­li­nie heißt es:
„Die Mit­glied­staa­ten können Vor­schrif­ten einführen oder bei­be­hal­ten, die im Hin­blick auf die Wah­rung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes güns­ti­ger als die in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Vor­schrif­ten sind.“
9 Art. 10 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie be­stimmt:
10 Die Richt­li­nie 2000/78 wur­de durch das Ge­setz Nr. 1417 zur Ände­rung des Ge­set­zes über das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung auf dem Ar­beits­markt u. a. (Lov nr. 1417 om ænd­ring af lov om for­bud mod forskels­be­hand­ling på ar­be­jds­mar­ke­det m. v.) vom 22. De­zem­ber 2004 in das däni­sche Recht um­ge­setzt.
11 § 1 Abs. 1 die­ses Ge­set­zes in der Fas­sung der Ge­set­zes­be­kannt­ma­chung Nr. 1349 vom 16. De­zem­ber 2008 (im Fol­gen­den: An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz) be­stimmt:
12 § 2 Abs. 1 die­ses Ge­set­zes sieht vor:
„Ar­beit­ge­ber dürfen Ar­beit­neh­mer oder Be­wer­ber um freie Stel­len bei An­stel­lung, Kündi­gung, Ver­set­zung, Beförde­rung oder im Hin­blick auf Ent­gelt- und Ar­beits­be­din­gun­gen nicht un­ter­schied­lich be­han­deln.“
13 § 2a des Ge­set­zes be­stimmt:
„Der Ar­beit­ge­ber hat die ge­eig­ne­ten und im kon­kre­ten Fall er­for­der­li­chen Maßnah­men zu er­grei­fen, um den Men­schen mit Be­hin­de­rung den Zu­gang zur Beschäfti­gung, die Ausübung ei­nes Be­rufs, den be­ruf­li­chen Auf­stieg und die Teil­nah­me an Aus- und Wei­ter­bil­dungs­maßnah­men zu ermögli­chen. Dies gilt je­doch nicht, wenn die­se Maßnah­men den Ar­beit­ge­ber un­verhält­nismäßig be­las­ten würden. Die­se Be­las­tung ist nicht un­verhält­nismäßig, wenn sie durch öffent­li­che Maßnah­men aus­rei­chend kom­pen­siert wird.“
14 In § 7 Abs. 1 des An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­set­zes heißt es:
„Per­so­nen, de­ren Rech­te durch Ver­s­toß ge­gen §§ 2 bis 4 ver­letzt wer­den, kann Scha­dens­er­satz zu­er­kannt wer­den.“
15 § 7a der Richt­li­nie lau­tet:
„Macht ei­ne Per­son, die sich in ih­ren Rech­ten gemäß §§ 2 bis 4 ver­letzt fühlt, tatsächli­che Umstände gel­tend, die ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, trägt die an­de­re Par­tei die Be­weis­last dafür, dass der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht ver­letzt wur­de.“
16 Am 1. No­vem­ber 1996 stell­te die Bil­lund Kom­mu­ne, die Teil der däni­schen öffent­li­chen Ver­wal­tung ist, Herrn Kaltoft mit be­fris­te­tem Ver­trag als Ta­ges­va­ter ein, der Kin­der im ei­ge­nen Heim be­treut.
17 Die Bil­lund Kom­mu­ne stell­te Herrn Kaltoft so­dann mit un­be­fris­te­tem Ver­trag zum 1. Ja­nu­ar 1998 als Ta­ges­va­ter ein. Herr Kaltoft übte die­se Tätig­keit et­wa 15 Jah­re aus.
18 Zwi­schen den Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist un­strei­tig, dass Herr Kaltoft während der ge­sam­ten Zeit sei­ner Beschäfti­gung bei der Bil­lund Kom­mu­ne „adipös“ im Sin­ne der De­fi­ni­ti­on der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) war. Die Adi­po­si­tas ist un­ter dem Code E66 in der „In­ter­na­tio­na­len sta­tis­ti­schen Klas­si­fi­ka­ti­on der Krank­hei­ten und ver­wand­ter Ge­sund­heits­pro­ble­me“ der WHO (ICD 10) auf­geführt.
19 Herr Kaltoft ver­such­te, Ge­wicht zu ver­lie­ren, und die Bil­lund Kom­mu­ne gewähr­te ihm im Rah­men ih­rer Ge­sund­heits­po­li­tik von Ja­nu­ar 2008 bis Ja­nu­ar 2009 ei­nen fi­nan­zi­el­len Zu­schuss für die Teil­nah­me an Sport­kur­sen und an­de­ren körper­li­chen Ak­ti­vitäten. Er ver­lor zwar Ge­wicht, nahm dann aber wie bei frühe­ren Ver­su­chen wie­der zu.
20 Im März 2010 nahm Herr Kaltoft sei­ne Ar­beit als Ta­ges­va­ter wie­der auf, nach­dem er ein Jahr Ur­laub aus fa­mi­liären Gründen ge­nom­men hat­te. In der Fol­ge wur­de er mehr­mals un­an­gekündigt von der für die Ta­ges­be­treu­er Ver­ant­wort­li­chen be­sucht, die sich nach sei­nem Ge­wichts­ver­lust er­kun­dig­te. Bei die­sen Be­su­chen wur­de fest­ge­stellt, dass das Ge­wicht von Herrn Kaltoft na­he­zu un­verändert ge­blie­ben war.
21 We­gen des Rück­gangs der Kin­der­zahl in der Bil­lund Kom­mu­ne hat­te Herr Kaltoft ab der 38. Ka­len­der­wo­che 2010 nur drei statt der vier Kin­der zu be­treu­en, für die er ei­ne Zu­las­sung er­hal­ten hat­te.
Der Vor­la­ge­ent­schei­dung zu­fol­ge wur­den die pädago­gi­schen Be­auf­trag­ten der Bil­lund Kom­mu­ne um Vor­schläge da­zu ge­be­ten, wel­cher der Ta­ges­be­treu­er ent­las­sen wer­den sol­le. Die für die Ta­ges­be­treu­er Ver­ant­wort­li­che ent­schied auf der Grund­la­ge die­ser Vor­schläge, dass es Herr Kaltoft sein sol­le.
23 Am 1. No­vem­ber 2010 wur­de Herrn Kaltoft te­le­fo­nisch mit­ge­teilt, dass die Bil­lund Kom­mu­ne in Be­tracht zie­he, ihn zu ent­las­sen. Dar­auf­hin wur­de das bei der Ent­las­sung ei­nes An­ge­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes gel­ten­de Anhörungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.
24 Am sel­ben Tag er­kun­dig­te sich Herr Kaltoft bei ei­nem Gespräch mit der für die Ta­ges­be­treu­er Ver­ant­wort­li­chen in An­we­sen­heit der Per­so­nal­ver­tre­te­rin nach dem Grund dafür, dass er als ein­zi­ger der Ta­ges­be­treu­er ent­las­sen wer­de. Die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens sind sich darüber ei­nig, dass die Adi­po­si­tas von Herrn Kaltoft bei die­sem Tref­fen erörtert wur­de. Da­ge­gen be­steht kei­ne Ei­nig­keit darüber, wie die Adi­po­si­tas von Herrn Kaltoft bei die­sem Tref­fen zur Spra­che ge­kom­men und in­wie­weit sie ein Ge­sichts­punkt ge­we­sen war, der in den zu sei­ner Ent­las­sung führen­den Ent­schei­dungs­pro­zess Ein­gang fand.
25 Mit Schrei­ben vom 4. No­vem­ber 2010 teil­te die Bil­lund Kom­mu­ne Herrn Kaltoft förm­lich mit, dass sie be­ab­sich­ti­ge, ihn zu ent­las­sen, und for­der­te ihn auf, ge­ge­be­nen­falls da­zu Stel­lung zu neh­men. In die­sem Schrei­ben wur­de dar­ge­legt, dass die ins Au­ge ge­fass­te Ent­las­sung „nach ei­ner kon­kre­ten Prüfung vor dem Hin­ter­grund ei­nes Rück­gangs der Kin­der­zahl und da­mit der Ar­beits­last [er­folgt], mit dem er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Aus­wir­kun­gen auf den Kin­der­be­treu­ungs­dienst und des­sen Or­ga­ni­sa­ti­on ver­bun­den sind“.
26 Herr Kaltoft konn­te kei­nen Auf­schluss über die ge­nau­en Gründe er­lan­gen, aus de­nen ge­ra­de er ent­las­sen wur­de. Er war der ein­zi­ge Ta­ges­be­treu­er, der we­gen des gel­tend ge­mach­ten Rück­gangs der Ar­beits­last ent­las­sen wur­de.
27 Da die Bil­lund Kom­mu­ne Herrn Kaltoft ei­ne Frist zur Stel­lung­nah­me ge­setzt hat­te, teil­te die­ser mit Schrei­ben vom 10. No­vem­ber 2010 mit, er ha­be den Ein­druck, er sei we­gen sei­ner Adi­po­si­tas ent­las­sen wor­den.
28 Mit Schrei­ben vom 22. No­vem­ber 2010 kündig­te die Bil­lund Kom­mu­ne Herrn Kaltoft und führ­te aus, dass die­se Kündi­gung nach ei­ner „kon­kre­ten Prüfung vor dem Hin­ter­grund ei­nes Rück­gangs der Kin­der­zahl“ er­folgt sei. Die Bil­lund Kom­mu­ne ging auf die Ausführun­gen von Herrn Kaltoft zu dem von ihm ver­mu­te­ten wirk­li­chen Grund für sei­ne Ent­las­sung in sei­nem Schrei­ben vom 10. No­vem­ber 2010 nicht ein.
29 Die FOA, die für Herrn Kaltoft han­delt, er­hob Kla­ge beim Ret i Kol­ding (Ge­richt in Kol­ding) und macht gel­tend, dass Herr Kaltoft Op­fer ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas ge­wor­den sei und ihm dafür Scha­dens­er­satz zu leis­ten sei.
30 Un­ter die­sen Umständen hat das Ret i Kol­ding das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
1. Verstößt ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas auf dem Ar­beits­markt im All­ge­mei­nen oder durch ei­nen öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber im Be­son­de­ren ge­gen das Uni­ons­recht, wie es zum Bei­spiel in der Grund­rech­te be­tref­fen­den Be­stim­mung des Art. 6 EUV zum Aus­druck kommt?
2. Ist ein et­wai­ges uni­ons­recht­li­ches Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas un­mit­tel­bar auf das Verhält­nis zwi­schen ei­nem däni­schen Staats­an­gehöri­gen und sei­nem Ar­beit­ge­ber, der ei­ne Behörde ist, an­wend­bar?
3. Hat, so­fern der Ge­richts­hof der Auf­fas­sung ist, dass in der Uni­on ein Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas auf dem Ar­beits­markt im All­ge­mei­nen oder durch ei­nen öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber im Be­son­de­ren be­steht, die Prüfung, ob ge­gen ein even­tu­el­les Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas ver­s­toßen wur­de, ge­ge­be­nen­falls gemäß der ver­teil­ten Be­weis­last zu er­fol­gen, so dass zur wirk­sa­men Um­set­zung des Ver­bots in Fällen, in de­nen der An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung be­steht, die Be­weis­last auf den be­klag­ten Ar­beit­ge­ber zu ver­la­gern ist?
4. ann Adi­po­si­tas als ei­ne vom Schutz der Richt­li­nie 2000/78 um­fass­te Be­hin­de­rung be­trach­tet wer­den, und wel­che Kri­te­ri­en sind ge­ge­be­nen­falls aus­schlag­ge­bend dafür, dass die Adi­po­si­tas ei­ner Per­son kon­kret den Schutz die­ser Per­son durch das in die­ser Richt­li­nie ent­hal­te­ne Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung be­inhal­tet?
31 Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob das Uni­ons­recht da­hin aus­zu­le­gen ist, dass es ein all­ge­mei­nes Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas als sol­cher in Beschäfti­gung und Be­ruf enthält.
32 Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs gehört zu den Grund­rech­ten als in­te­gra­ler Be­stand­teil der all­ge­mei­nen Grundsätze des Uni­ons­rechts u. a. das all­ge­mei­ne Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot, das für die Mit­glied­staa­ten so­mit ver­bind­lich ist, wenn die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de in­ner­staat­li­che Si­tua­ti­on in den An­wen­dungs­be­reich des Uni­ons­rechts fällt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Chacón Na­vas, C-13/05, EU:C:2006:456, Rn. 56).
33 Hier­zu ist fest­zu­stel­len, dass we­der der EU-Ver­trag noch der AEU-Ver­trag ei­ne Be­stim­mung enthält, die ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas als sol­cher ver­bie­tet. Ins­be­son­de­re wird we­der in Art. 10 AEUV noch in Art. 19 AEUV auf Adi­po­si­tas Be­zug ge­nom­men.
34 Im Ein­zel­nen er­gibt sich zu Art. 19 AEUV aus der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, dass die­ser Ar­ti­kel le­dig­lich ei­ne Re­ge­lung der Zuständig­kei­ten der Uni­on enthält und, da er nicht die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas als sol­cher be­trifft, kei­ne Rechts­grund­la­ge für Maßnah­men des Ra­tes der Eu­ropäischen Uni­on zur Bekämp­fung ei­ner sol­chen Dis­kri­mi­nie­rung sein kann (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Chacón Na­vas, EU:C:2006:456, Rn. 55).
35 Eben­so we­nig enthält das ab­ge­lei­te­te Uni­ons­recht ein Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas in Beschäfti­gung und Be­ruf. Ins­be­son­de­re ist Adi­po­si­tas nicht in der Richt­li­nie 2000/78 als Dis­kri­mi­nie­rungs­grund auf­geführt.
36 Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs darf der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 nicht in ent­spre­chen­der An­wen­dung über die Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen der in Art. 1 die­ser Richt­li­nie ab­sch­ließend auf­gezähl­ten Gründe hin­aus aus­ge­dehnt wer­den (vgl. Ur­tei­le Chacón Na­vas, EU:C:2006:456, Rn. 56, und Cole­man, C-303/06, EU:C:2008:415, Rn. 46).
37 Da­her kann Adi­po­si­tas als sol­che nicht als ein wei­te­rer Grund ne­ben de­nen an­ge­se­hen wer­den, de­rent­we­gen Per­so­nen zu dis­kri­mi­nie­ren nach der Richt­li­nie 2000/78 ver­bo­ten ist (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Chacón Na­vas, EU:C:2006:456, Rn. 57).
38 Im vor­lie­gen­den Fall enthält die dem Ge­richts­hof über­mit­tel­te Ak­te nichts, was dar­auf schließen ließe, dass der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Sach­ver­halt, so­weit er ei­ne Ent­las­sung be­trifft, die auf Adi­po­si­tas als sol­cher be­ru­hen soll, in den An­wen­dungs­be­reich des Uni­ons­rechts fällt.
39 In die­sem Zu­sam­men­hang fin­den auch die Be­stim­mun­gen der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on kei­ne An­wen­dung auf ei­nen sol­chen Sach­ver­halt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Åker­berg Frans­son, C-617/10, EU:C:2013:105, Rn. 21 und 22).
40 In An­be­tracht die­ser Erwägun­gen ist auf die ers­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass das Uni­ons­recht da­hin aus­zu­le­gen ist, dass es kein all­ge­mei­nes Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Adi­po­si­tas als sol­cher in Beschäfti­gung und Be­ruf enthält.
41 In An­be­tracht der Ant­wort auf die ers­te Fra­ge sind die zwei­te und die drit­te Fra­ge nicht zu be­ant­wor­ten.
42 Mit sei­ner vier­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die Adi­po­si­tas ei­nes Ar­beit­neh­mers ei­ne „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne die­ser Richt­li­nie dar­stel­len kann und, falls ja, wel­che Kri­te­ri­en aus­schlag­ge­bend dafür sind, dass dem Be­tref­fen­den der durch die Richt­li­nie gewähr­te Schutz ge­gen Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung zu­gu­te kommt.
43 Die däni­sche Re­gie­rung trägt vor, dass die vier­te Fra­ge un­zulässig sei, da sie hy­po­the­tisch sei. Aus den vom vor­le­gen­den Ge­richt dar­ge­leg­ten tatsächli­chen Umständen er­ge­be sich nämlich nicht, dass Herr Kaltoft während sei­ner Beschäfti­gung bei der Bil­lund Kom­mu­ne nicht in der La­ge ge­we­sen wäre, sei­ne Tätig­keit aus­zuüben, und erst recht nicht, dass da­von aus­ge­gan­gen wor­den wäre, dass er un­ter ei­ner „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 lei­de. Die Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge wäre da­her der Ent­schei­dung des Aus­gangs­rechts­streits nicht sach­dien­lich.
44 Außer­dem las­se die Ant­wort auf die vier­te Fra­ge kei­nen Raum für vernünf­ti­ge Zwei­fel, da sie klar aus der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs ab­ge­lei­tet wer­den könne. Denn im Licht von Rn. 47 des Ur­teils HK Dan­mark (C-335/11 und C-337/11, EU:C:2013:222) könne das vor­le­gen­de Ge­richt im Aus­gangs­ver­fah­ren selbst über die De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 ent­schei­den.
45 In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass im Rah­men des Ver­fah­rens nach Art. 267 AEUV nur das na­tio­na­le Ge­richt, das mit dem Rechts­streit be­fasst ist und in des­sen Ver­ant­wor­tungs­be­reich die zu er­las­sen­de Ent­schei­dung fällt, im Hin­blick auf die Be­son­der­hei­ten der Rechts­sa­che so­wohl die Er­for­der­lich­keit ei­ner Vor­ab­ent­schei­dung für den Er­lass sei­nes Ur­teils als auch die Er­heb­lich­keit der dem Ge­richts­hof von ihm vor­ge­leg­ten Fra­gen zu be­ur­tei­len hat. Da­her ist der Ge­richts­hof grundsätz­lich ge­hal­ten, über ihm vor­ge­leg­te Fra­gen zu be­fin­den, wenn sie die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts be­tref­fen. Die Ver­mu­tung der Er­heb­lich­keit der von den na­tio­na­len Ge­rich­ten zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­leg­ten Fra­gen kann nur aus­nahms­wei­se wi­der­legt wer­den, und zwar dann, wenn die er­be­te­ne Aus­le­gung des Uni­ons­rechts of­fen­sicht­lich in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Rea­lität oder dem Ge­gen­stand des Aus­gangs­rechts­streits steht, wenn das Pro­blem hy­po­the­ti­scher Na­tur ist oder wenn der Ge­richts­hof nicht über die tatsächli­chen und recht­li­chen An­ga­ben verfügt, die für ei­ne zweck­dien­li­che Be­ant­wor­tung der ihm vor­ge­leg­ten Fra­gen er­for­der­lich sind (vgl. u. a. Ur­tei­le Åker­berg Frans­son, EU:C:2013:105, Rn. 39 und 40, so­wie B., C-394/13, EU:C:2014:2199, Rn. 19).
46 Im vor­lie­gen­den Fall ist sich das vor­le­gen­de Ge­richt nicht si­cher, wie der Be­griff „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 aus­zu­le­gen ist, und möch­te mit sei­ner vier­ten Fra­ge wis­sen, ob die­ser Be­griff auf ei­nen adipösen Ar­beit­neh­mer an­wend­bar ist, der ent­las­sen wur­de.
47 Un­ter die­sen Umständen ist nicht of­fen­sicht­lich, dass das vor­le­gen­de Ge­richt die von ihm er­be­te­ne Aus­le­gung des Uni­ons­rechts für die Ent­schei­dung des bei ihm anhängi­gen Rechts­streits nicht benötigt.
48 Es ist fer­ner ei­nem na­tio­na­len Ge­richt kei­nes­wegs un­ter­sagt, dem Ge­richts­hof ei­ne Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen, de­ren Be­ant­wor­tung kei­nen Raum für vernünf­ti­ge Zwei­fel lässt (vgl. Ur­teil Pai­ner, C-145/10, EU:C:2011:798, Rn. 64 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
49 Da­her ist die vier­te Fra­ge als zulässig an­zu­se­hen.
Be­ant­wor­tung der Fra­ge
50 Vor­ab ist fest­zu­stel­len, dass die Richt­li­nie 2000/78 nach ih­rem Art. 1 die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung von Dis­kri­mi­nie­run­gen in Beschäfti­gung und Be­ruf aus ei­nem der in die­sem Ar­ti­kel ge­nann­ten Gründe be­zweckt, zu de­nen die Be­hin­de­rung zählt (vgl. Ur­teil Chacón Na­vas, Rn. 41).
51 Nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. a die­ser Richt­li­nie liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son.
52 Gemäß ih­rem Art. 3 Abs. 1 Buchst. c gilt die Richt­li­nie 2000/78 im Rah­men der auf die Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, u. a. in Be­zug auf die Ent­las­sungs­be­din­gun­gen.
53 Nach der Ra­ti­fi­zie­rung des Übe­r­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Na­tio­nen über die Rech­te von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen, das mit dem Be­schluss 2010/48/EG des Ra­tes vom 26. No­vem­ber 2009 (ABl. 2010, L 23, S. 35) im Na­men der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft ge­neh­migt wur­de, hat der Ge­richts­hof fest­ge­stellt, dass der Be­griff „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 so zu ver­ste­hen ist, dass er ei­ne Ein­schränkung er­fasst, die u. a. auf phy­si­sche, geis­ti­ge oder psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen von Dau­er zurück­zuführen ist, die in Wech­sel­wir­kung mit ver­schie­de­nen Bar­rie­ren den Be­tref­fen­den an der vol­len und wirk­sa­men Teil­ha­be am Be­rufs­le­ben, gleich­be­rech­tigt mit den an­de­ren Ar­beit­neh­mern, hin­dern können (vgl. Ur­tei­le HK Dan­mark, EU:C:2013:222, Rn. 37 bis 39; Z., C-363/12, EU:C:2014:159, Rn. 76, und Glat­zel, C-356/12, EU:C:2014:350, Rn. 45).
54 Die­ser Be­griff „Be­hin­de­rung“ ist so zu ver­ste­hen, dass er nicht nur die Unmöglich­keit er­fasst, ei­ne be­ruf­li­che Tätig­keit aus­zuüben, son­dern auch ei­ne Be­ein­träch­ti­gung der Ausübung ei­ner sol­chen Tätig­keit. Ei­ne an­de­re Aus­le­gung wäre mit dem Ziel die­ser Richt­li­nie un­ver­ein­bar, die ins­be­son­de­re Men­schen mit Be­hin­de­rung Zu­gang zur Beschäfti­gung oder die Ausübung ei­nes Be­rufs ermögli­chen soll (vgl. Ur­teil Z., EU:C:2014:159, Rn. 77 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
55 Für den An­wen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie je nach Ur­sa­che der Be­hin­de­rung zu dif­fe­ren­zie­ren, würde außer­dem ih­rem Ziel selbst, die Gleich­be­hand­lung zu ver­wirk­li­chen, wi­der­spre­chen (vgl. Ur­teil HK Dan­mark, EU:C:2013:222, Rn. 40).
56 Der Be­griff „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 hängt nämlich nicht da­von ab, in­wie­weit der Be­tref­fen­de ge­ge­be­nen­falls zum Auf­tre­ten sei­ner Be­hin­de­rung bei­ge­tra­gen hat.
57 Darüber hin­aus geht die De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne von Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 der Be­stim­mung und Be­ur­tei­lung der in Art. 5 der Richt­li­nie ins Au­ge ge­fass­ten ge­eig­ne­ten Vor­keh­rungs­maßnah­men vor­aus. Gemäß dem 16. Erwägungs­grund die­ser Richt­li­nie soll mit sol­chen Maßnah­men nämlich den Bedürf­nis­sen von Men­schen mit Be­hin­de­rung Rech­nung ge­tra­gen wer­den, und sie sind da­her Fol­ge und nicht Tat­be­stands­merk­mal der Be­hin­de­rung (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil HK Dan­mark, EU:C:2013:222, Rn. 45 und 46). Da­her kann nicht al­lein des­halb, weil Herrn Kaltoft ge­genüber kei­ne sol­chen Vor­keh­rungs­maßnah­men ge­trof­fen wur­den, da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass er nicht be­hin­dert im Sin­ne der Richt­li­nie sein kann.
58 Es ist fest­zu­stel­len, dass Adi­po­si­tas als sol­che kei­ne „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 ist, da sie ih­rem We­sen nach nicht zwangsläufig ei­ne Ein­schränkung wie die in Rn. 53 des vor­lie­gen­den Ur­teils be­schrie­be­ne zur Fol­ge hat.
Da­ge­gen fällt die Adi­po­si­tas ei­nes Ar­beit­neh­mers, wenn sie un­ter be­stimm­ten Umständen ei­ne Ein­schränkung mit sich bringt, die ins­be­son­de­re auf phy­si­sche, geis­ti­ge oder psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen zurück­zuführen ist, die ihn in Wech­sel­wir­kung mit ver­schie­de­nen Bar­rie­ren an der vol­len und wirk­sa­men Teil­ha­be am Be­rufs­le­ben, gleich­be­rech­tigt mit den an­de­ren Ar­beit­neh­mern, hin­dern können, und wenn die­se Ein­schränkung von lan­ger Dau­er ist, un­ter den Be­griff „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil HK Dan­mark, EU:C:2013:222, Rn. 41).
60 Dies wäre ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn der Ar­beit­neh­mer auf­grund sei­ner Adi­po­si­tas an der vol­len und wirk­sa­men Teil­ha­be am Be­rufs­le­ben, gleich­be­rech­tigt mit den an­de­ren Ar­beit­neh­mern, ge­hin­dert wäre, und zwar auf­grund ein­ge­schränk­ter Mo­bi­lität oder dem Auf­tre­ten von Krank­heits­bil­dern, die ihn an der Ver­rich­tung sei­ner Ar­beit hin­dern oder zu ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Ausübung sei­ner be­ruf­li­chen Tätig­keit führen.
61 Im vor­lie­gen­den Fall steht, wie das vor­le­gen­de Ge­richt aus­geführt hat, fest, dass Herr Kaltoft während der ge­sam­ten Zeit sei­ner Beschäfti­gung bei der Bil­lund Kom­mu­ne - al­so über ei­nen lan­gen Zeit­raum - adipös war.
62 Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob im Aus­gangs­rechts­streit die Adi­po­si­tas von Herrn Kaltoft trotz des Um­stands, dass er - wie in Rn. 17 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt - sei­ne Ar­beit et­wa 15 Jah­re lang ver­rich­tet hat, zu ei­ner Ein­schränkung geführt hat, die die in Rn. 53 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt.
63 Für den Fall, dass das vor­le­gen­de Ge­richt zu dem Schluss ge­langt, dass die Adi­po­si­tas von Herrn Kaltoft die in Rn. 53 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, ist bezüglich der Be­weis­last dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 die Mit­glied­staa­ten im Ein­klang mit ih­rem na­tio­na­len Ge­richts­we­sen die er­for­der­li­chen Maßnah­men er­grei­fen müssen, um zu gewähr­leis­ten, dass im­mer dann, wenn Per­so­nen, die sich durch die Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für ver­letzt hal­ten und bei ei­nem Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, es dem Be­klag­ten ob­liegt zu be­wei­sen, dass kei­ne Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes vor­ge­le­gen hat. Nach Art. 10 Abs. 2 lässt Abs. 1 das Recht der Mit­glied­staa­ten, ei­ne für den Kläger güns­ti­ge­re Be­weis­last­re­ge­lung vor­zu­se­hen, un­berührt.
64 Nach al­le­dem ist auf die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die Adi­po­si­tas ei­nes Ar­beit­neh­mers ei­ne „Be­hin­de­rung“ im Sin­ne die­ser Richt­li­nie dar­stellt, wenn sie ei­ne Ein­schränkung mit sich bringt, die u. a. auf phy­si­sche, geis­ti­ge oder psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen von Dau­er zurück­zuführen ist, die ihn in Wech­sel­wir­kung mit ver­schie­de­nen Bar­rie­ren an der vol­len und wirk­sa­men Teil­ha­be am Be­rufs­le­ben, gleich­be­rech­tigt mit den an­de­ren Ar­beit­neh­mern, hin­dern können. Es ist Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu prüfen, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen im Aus­gangs­ver­fah­ren erfüllt sind.
65 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
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References: Art. 267
 Art. 1
 Art. 2

Art. 3
 Art. 5
 Art. 8
 Art. 10
 § 1
 § 2
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 § 7
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 Art. 6
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 Art. 19
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