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Timestamp: 2018-07-17 19:18:10+00:00

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22. Mai 14
Projektversicherungen für Neu- und Umbauten
Nach fast zehnjährigem Rechtsstreit endete am 22.03.2013 vor dem OLG Köln (Az. 19 U 111/12) das zivilrechtliche Verfahren zur Klärung der Haftungsfrage zum tragischen Kran-Unfall vom 29.04. 2003 in Düsseldorf, bei dem zwei Bauarbeiter ums Leben kamen. Die rechtliche Klärung dürfte aber immer noch nicht ganz beendet sein. Es ist vielmehr anzunehmen, dass sich die Parteien auch über die sich anschließende Feststellung der Haftungshöhe noch jahrelang streiten werden.
Das Beispiel zeigt, dass den Beteiligten bei Unfällen auf der Baustelle schnell die Luft ausgehen kann. Sowohl Verfahrensdauer als auch -umfang sind für den Investor/Bauherrn mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden. Hier stellt sich die Frage, ob aktuelle Versicherungsangebote ausreichend Schutz bieten oder ob es bessere Alternativen gibt.
Zur Beurteilung der Versicherungsfrage ist es hilfreich, zunächst das juristische Prozedere zu verstehen: Die zivilrechtliche Klärung einer Haftungsfrage tritt bei Unfällen am Bau zunächst in den Hintergrund. Im ersten Schritt ermitteln Staatsanwaltschaft und/oder Berufsgenossenschaft, wer für die Körperverletzung oder fahrlässige Tötung verantwortlich ist. Und solange der Staatsanwalt ermittelt wird keine der womöglich in den Unfall verwickelten Personen eine Aussage zur zivilrechtlichen Haftungsfrage machen. Dies dürfte im Interesse der Anspruchsgegner des Investors/Bauherrn und deren Haftpflichtversicherer sein, selbst wenn ein Fehlverhalten offensichtlich sein sollte.
Im Zivilprozess werden dann die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung herangezogen. Beim Düsseldorfer Verfahren zogen sich die Ermittlungen viele Monate hin. Beim U-Bahn-Unglück in Köln (vom 03.03.2009) dauern die Untersuchungen nun auch bereits vier Jahre an und werden vermutlich erst in 2015 abgeschlossen.
Langwierig wird die Sache zudem dann, wenn der potentielle Schadenverursacher keine Deckung aus seinem Haftpflichtversicherungsvertrag bekommt. Das ist für den Bauherrn besonders bitter. Dabei können die Gründe für eine Leistungsstörung des Versicherungsvertrages vielfältig sein. Beispielhaft seien genannt: Obliegenheitsverletzung bei Vertragsschluss, Nichtzahlung der Erst-/Folgeprämie, Nichtanzeige von Gefahrerhöhungen nach Vertragsschluss, Obliegenheitsverletzungen im Schadenfall. Die Rechtsfolge ist die vollständige oder teilweise Kürzung der Entschädigungsleistung aus dem Versicherungsvertrag.
Verfügt der bauausführende Auftragnehmer dann nicht über die notwendigen finanziellen Ressourcen, um die gerichtlich zugesprochene Entschädigungsleistung zahlen zu können, droht ihm die Insolvenz. Der Anspruch des Anspruchstellers läuft dann ins Leere und bedroht auch den Bauherrn. Dass ein solches Szenario durchaus eintreten kann, zeigt ebenfalls das Beispiel des Kran-Unfalls. Hier sollte der Schadenersatzpflichtige eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 50 Mio. Euro für Personen- und Sachschäden vorhalten. Weil im Versicherungsvertrag festgelegte Fristen überschritten worden waren, verweigerte die Haftpflichtversicherung den Deckungsschutz. Das OLG Düsseldorf bestätigte mit Urteil vom 05.03.2010 die Rechtsposition des Versicherers (AZ 4 U 82/09).
Um den Versicherungsschutz nun adäquat beurteilen zu können, ist zunächst die rechtliche Struktur eines Immobilienprojektes zu betrachten. Bei Großprojekten können folgende Vertragsverhältnisse als bespielhaft gelten.
2. Konventionelle Lösungswege zur Versicherung von Bauprojekten
Je nach Größe und Komplexität werden für Bauprojekte folgende Versicherungen abgeschlossen oder vorgehalten:
2.1 Bauleistungsversicherung
2.2 Bau-Betriebsunterbrechungsversicherung
2.3 Haus- und Grundbesitzer- /Bauherrenhaftpflichtversicherung
2.4 Betriebshaftpflichtversicherung der bauausführenden Unternehmen, Nachunternehmer
und Arbeitsgemeinschaften
2.5 Berufshaftpflichtversicherung für Architekten, Planer, Projektsteuerer, etc
Üblicherweise bilden die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) Teil B die Grundlage für den Bauvertrag. Die Gefahrtragung wird in § 7 VOB geregelt. Er sieht eine Gefahrteilung für die Zerstörung oder Beschädigung der Bauleistung zwischen Bauherrn und bauausführenden Unternehmen vor. Beide Parteien haben ein versichertes Interesse an der Wiederherstellung der beschädigten oder zerstörten Bauleistung. Die Bauleistungsversicherung sollte insbesondere dann vom Bauherrn abgeschlossen werden, wenn Einzel- oder Blockvergabe für die Beauftragung gewählt werden. Die Versicherungsnehmer-Eigenschaft bleibt dann beim Bauherrn. Er schuldet die Prämie. Diese wird anteilig entsprechend der Auftragshöhe auf die Bauausführenden umgelegt.
Das versicherte Interesse der Bau-Betriebsunterbrechungsversicherung (Bau-BU) liegt ausschließlich beim Bauherren. Sie deckt seine Ertragsausfälle ab, welche durch eine Verlängerung der Bauzeit etwa infolge eines versicherten Bauleistungsschadens entstehen können. Versichert sind zukünftige Miet- oder Pachterträge, Mehrkosten für die Aufrechterhaltung eines „alten“ Mietvertrages oder von Zwischenmieten, sowie sonstige Mehrkosten (z.B. Kosten der Zwischenfinanzierung infolge der verlängerten Bauzeit). Ein besonderes Problem stellen Pönalen dar, die der Investor/Bauherr an zukünftige Mieter wegen einer Bauzeitverlängerung in Folge eines versicherten Bauleistungs-schadens verbunden mit einer verspäteten Bezugsfertigkeit zahlen muss. Dies kann auf Wunsch mitversichert werden.
Die Bau-BU folgt der Bauleistungsversicherung und wird zusammen mit dieser abgeschlossen. „Stand alone“-Policen sind nicht erhältlich. Das wäre auch schwierig, weil sie als Deckungsauslöser einen versicherten Bauleistungsschaden voraussetzen.
Mit Erwerb des Grundstückes und Eintragung im Grundbuch entsteht für den Eigentümer das Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtrisiko. Das Bauherrenrisiko entsteht mit Beginn der Einrichtung der Baustelle, spätestens mit der Bautätigkeit. Das Haftungsrisiko zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber ist gemäß VOB Teil B § 10 geteilt. Soweit der Schaden des Dritten nur die Folge einer Maßnahme ist, die der Auftraggeber in dieser Form angeordnet hat, trägt er den Schaden allein, falls ihn der Auftragnehmer auf die mit der angeordneten Ausführung verbundene Gefahr nach VOB Teil B § 4 Absatz 3 hingewiesen hat. Aus diesem Grund sollte der Bauherr eine dem Risiko angemessene Haftpflichtversicherung vorhalten. Dieser Versicherungsschutz kann noch um Deckungsbestandteile der Umwelthaftpflicht- und Umweltschadenversicherung erweitert werden.
2.4 Betriebshaftpflichtversicherung der bauausführenden Unternehmen u.a.
Die mit der Ausführung und den Arbeiten für das Bauprojekt beauftragten Bauunternehmen und Arbeitsgemeinschaften einschließlich aller Nachauftragnehmer werden ihre betriebliche Tätigkeit mit einer Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung absichern. Die Deckungssummen richten sich nach dem zu versichernden Risiko des jeweiligen Unternehmens. Sie variieren daher ebenso wie der Deckungsinhalt der Policen. Ergänzt wird auch die Betriebs-/Produkthaftpflichtversicherung um eine Umwelthaftpflicht- und die Umweltschadenversicherung.
2.5 Berufshaftpflichtversicherung für Architekten, Planer, Projektsteuerer, etc.
Die Berufshaftpflicht der an dem Bauvorhaben beteiligten Sachverständigen, Architekten, Ingenieure, Gutachter, Fachberater, Projektsteuerer/-controller, Projektentwickler, Sonderfachleute oder sonstiger Honorarkräfte einschließlich aller Nachauftragnehmer ist das Pendant zur Betriebshaftpflicht der Bauunternehmer. Insofern gilt hier das Gleiche wie unter 2.4.
3. Schwächen konventioneller Deckungskonzepte für Bauprojekte
Wenn die oben beschriebenen Deckungen individuell von allen am Bauprojekt Beteiligten vorgehalten werden, warum sollte der Bauherr dann eine Projektdeckung abschließen? Das ergibt nur Sinn, wenn die Projektdeckung einen Mehrwert liefert. Dazu müsste sie im Vergleich zu den Individualdeckungen einen dem zu versichernden Risiko angemessenen Deckungsschutz bieten, keine Mehrkosten für die Beteiligten auslösen und potentielle Leistungsstörungen ausschließen.
Aus Sicht des Investors und des Bauherren sind Bauprojekte immer mit Unsicherheit behaftet. Für die übliche Risikotragung erhält er den Unternehmergewinn. Darüber hinausgehende Risiken wird er zu vermeiden suchen. Eine geeignete Maßnahme, einen Teil des Restrisikos zu beseitigen, ist die Gestaltung des „richtigen“ und ausreichenden Versicherungsschutzes aller am Projekt Beteiligten. Dazu schließt der Bauherr als erstes die Bauleistungs-, Bau-BU- und Bauherrenhaftpflichtversicherung ab. Hierbei stehen ihm alle Gestaltungsmöglichkeiten des Versicherungsvertrages offen. Er ist Versicherungsnehmer und Prämienschuldner des aus seiner Sicht geeigneten Versicherers. Er ist aktivlegitimiert wenn es um Streitigkeiten aus dem Versicherungsvertrag geht. Insbesondere aber hat er die Möglichkeit, potentielle Leistungsstörungen des Versicherungsvertrages zu vermeiden oder zu beseitigen.
Bei Schadenersatzforderung im Rahmen der unter 2.4 und 2.5 genannten Versicherungen ist der Bauherr Anspruchsteller. Vor allem aber muss er zunächst prüfen, wer überhaupt Haftungsadressat seiner Schadenersatzforderung ist. Sowohl beim Kran-Unfall in Düsseldorf als auch beim U-Bahn-Unglück in Köln sind Schadenersatzansprüche zunächst gegen verschiedene Parteien gerichtet worden, in Köln sogar gegen 20 natürliche oder juristische Personen, um die Verjährungsfrist zu hemmen.
In der Natur der Haftpflichtversicherung liegt es, dass der Versicherer seinen Versicherungsnehmer gegen unberechtigte Schadenersatzansprüche verteidigt. Notfalls bis zum BGH, um – wenn die Haftung dem Grunde nach geklärt ist – mit dem Anspruchsteller langwierig über die Haftungshöhe zu streiten. Wird, wie z.B. beim Kran-Unfall, kein Deckungsschutz gewährt, wird der Schädiger selbst die Schadenabwehr mit gleichem Engagement betreiben, weil ansonsten sämtliche Schadenersatzansprüche zu seinen Lasten gehen.
Man könnte nun einwenden, dass der Bauherr im Rahmen des Bauvertrages die Qualität des Deckungsschutzes seiner Auftragnehmer prüfen und sich die Höhe der Deckungssummen und die Prämienzahlung nachweisen lassen kann. Dies ist grundsätzlich richtig. Gleichwohl werden bei einem solchen Deckungsnachweis nur die Informationen bereitgestellt, die angefordert werden. Oft werden lediglich Auszüge des Versicherungsvertrages vorgelegt oder gar nur grundsätzliche Bestätigungen zur Deckung und Prämienzahlung. Die Ausgestaltung des Versicherungsschutzes entscheidet aber darüber, ob der Auftragnehmer tatsächlich Deckungsschutz genießt und der Bauherr/Anspruchsteller, nach Klärung der Haftungsfrage, eine Entschädigungsleistung aus dem Vertrag erwarten kann. Besteht kein Deckungsschutz, so droht dem Auftragnehmer die Insolvenz. Der Schadenersatzanspruch des Auftraggebers läuft ins Leere.
Das allgemeine Problem der „Leistungsstörung“ ist bereits ausgeführt worden. Des Weiteren können die Deckungssummen der Auftragnehmer durch Schadenereignisse ausgeschöpft sein, die nicht im Zusammenhang mit dem Bauprojekt stehen. Manche vereinbaren deshalb im Bauvertrag eine Informationspflicht des Haftpflichtversicherers des Auftragnehmers zum drohenden Ausschöpfen der Deckungssumme. Ob dies ausreicht, darf bezweifelt werden.
Folgendes Beispiel zeigt, wie die individuelle Ausgestaltung des Deckungsschutzes der Auftragnehmer die Interessen des Bauherrn tangieren:
Regelmäßig beauftragen Auftragnehmer Subunternehmer mit der Vertragserfüllung. Für die Haftung des Erfüllungsgehilfen greift § 278 BGB. Insofern haftet dann der Auftragnehmer dem Bauherren für seine Subunternehmer. Fraglich ist jedoch, ob der Haftpflichtversicherungsvertrag des Auftragnehmers hierfür Deckungsschutz bietet?
Üblicherweise sehen Haftpflichtversicherungen folgende Regelung vor:
„Mitversichert sind Schäden, die durch einen vom Versicherungsnehmer beauftragten Subunternehmer entstehen.
Nicht versichert ist die persönliche gesetzliche Haftpflicht des Subunternehmers.“
Dem Haftpflichtversicherer des Auftragnehmers dient dieser Teilausschluss dazu, sein versicherungstechnisches Risiko zu minimieren. Denn er hat bei Abschluss des Versicherungsvertrages keine Risikoinformation (z.B. Schadeninformationen der Vorjahre oder die Qualifikation) über die Subunternehmer vorliegen. Eine adäquate Risikoeinschätzung des Versicherers ist somit nicht möglich. Aus diesem Grund entfällt der persönliche Haftpflichtversicherungsschutz der Subunternehmer unter der Police des Auftragnehmers.
Eine weitere Deckungseinschränkung bildet der Ausschluss von Erfüllungsansprüchen. „Pfusch am Bau“ soll nicht versichert werden. Der Auftraggeber hat Anspruch auf eine einwandfreie Werkleistung. Dieser Ausschluss gilt unabhängig davon, ob der Schaden am Objekt durch einen Planungsfehler des Auftragnehmers entstanden ist oder aber durch einen Ausführungsfehler.
Die oben gemachten Ausführungen gelten auch für den Bereich der Berufshaftpflicht der Architekten, Planer und anderen.
Es bleibt festzuhalten, dass dem Bauherrn in mehrerlei Hinsicht das Risiko eines nicht vorhandenen oder unzureichenden Deckungsschutzes seiner Auftragnehmer droht.
4. Das Konzept der Projektdeckung bei Neu- und Umbauten
Das Konzept der Projektdeckung bei Neu- und Umbauten erfindet das Rad nicht neu. Da die Risiken vom Grunde her bekannt sind, müssen alle oben benannten Deckungselemente in einer einzigen Police kombiniert werden. Schließt der Investor/Bauherr eine solche Kombi-Police ab, stellen sich verschiedene versicherungstechnische und auch praktische Fragen, die im Folgenden erläutert werden.
4.1 Versicherung für fremde Rechnung gem. § 43 ff VVG
Gem. § 43 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) kann der Versicherungsnehmer (Investor/Bauherr) den Versicherungsvertrag im eigenen Namen für einen anderen, mit oder ohne Benennung der Person des Versicherten (alle am Bau Beteiligten) schließen. Bei den unter 2.4 und 2.5 erläuterten Versicherungen liegt somit eine Versicherung für fremde Rechnung vor.
Die Rechte aus dem Versicherungsvertrag stehen insoweit allein dem Versicherten zu. Ohne Zustimmung des Versicherungsnehmers/Bauherren kann er allerdings nicht über diese Rechte verfügen, es sei denn, er ist im Besitz des Versicherungsscheines. Auf der anderen Seite ist auch der Versicherungsnehmer ohne Zustimmung des Versicherten zur Annahme der Leistung des Versicherers und zur Übertragung der Rechte des Versicherten nur befugt, wenn er sich im Besitz des Versicherungsscheins befindet. Schließlich ist der Versicherer zur Leistung an den Versicherungsnehmer nur verpflichtet, wenn der Versicherte seine Zustimmung zu der Versicherung erteilt hat.
Fazit: Für den Bauherren empfiehlt es sich daher, den ausgestellten Versicherungsschein nicht aus der Hand zu geben und sich gleichzeitig im Rahmen des Bauvertrages die Zustimmung des Versicherten zum Abschluss der Kombi-Police bestätigen zu lassen.
4.2 Das Problem der Doppelversicherung
Wenn die bauausführenden Unternehmen bzw. Architekten und Planer eigene Haftpflichtdeckungen vorhalten, drängt sich die Frage auf, ob dadurch eine unnötige Doppelversicherung im Sinne von § 59, Abs. 1 VVG vorliegt. Diese liegt gem. § 59 Abs. 1 VVG vor, wenn dasselbe Risiko bei mehreren Versicherern gleichzeitig versichert ist und die mehrfache Entschädigungsleistung, die von den Versicherern zu leisten wäre, den Gesamtschaden übersteigt. Im Falle der Doppelversicherung haften die beiden Versicherer als Gesamtschuldner, wobei der Versicherungsnehmer allerdings nur eine Schadenregulierung in Höhe des Gesamtschadens verlangen kann.
Eine Doppelversicherung kann dementsprechend vermieden werden, indem die bauausführenden Unternehmen bzw. Architekten und Planer ihre Arbeit am versicherten Bauprojekt vom Versicherungsschutz ihres eigenen Stammvertrages ausschließen. Dies hätte zur Folge, dass aus dem Stammvertrag keine Leistungen für Schäden aus diesem Projekt erbracht werden und dass umgekehrt die mit diesem Projekt erzielten Umsätze oder Honorare bzw. ausbezahlten Löhne nicht in die Prämienbemessung beim Stammvertrag einbezogen werden.
4.2.1 Wer trägt die Kosten für die Kombi-Police?
Da die Bausteine Bauleistungs- und Bau-Betriebsunterbrechungsversicherung üblicherweise der Bauherr abschließt, kann hier gar keine Doppelversicherung entstehen. Die Versicherungsprämie wird regelmäßig nach dem Auftragsvolumen auf die bauausführenden Unternehmen aufgeteilt. Ob darin auch der Prämienanteil der Bau-BU enthalten ist, entscheidet das Verhandlungsgeschick der Parteien.
Der Bauherr ist üblicherweise Versicherungsnehmer und Prämienschuldner der Bauherrenhaftpflicht. Also liegt somit auch hier keine Doppelversicherung vor.
Bei den unter 2.4 und 2.5 vorgestellten Bausteinen sieht dies anders aus. Hier unterhalten alle Auftragnehmer Jahresverträge auf Umsatz, Lohn- und Gehaltssumme oder Honorarbasis. Eine Doppelversicherung läge dann vor, wenn:
Schadenersatzansprüche sowohl unter der Kombi-Police und den Jahresverträgen der Auftragnehmer geltend gemacht würden oder
der Versicherer der Kombi-Police vorleistungspflichtig wäre und Regress gegen den/die Versicherer der Jahrespolicen nähme.
In beiden Fällen würden die Jahresverträge mit Abwehransprüchen oder Entschädigungszahlungen belastet. Ein Auftragnehmer wird zudem nur dann auf seinen eigenen Deckungsschutz verzichten, wenn er mit ausreichenden Deckungssummen im Rahmen der Kombi-Police versichert wird, seine Haftpflichtpolice nicht belastet wird und keine Mehrprämie anfällt.
4.2.2 Die Stellung des Versicherungsnehmers und der Mitversicherten
Aufgrund der vorangestellten Problematik muss zunächst die Stellung des Versicherungsnehmers und die der Mitversicherten geklärt werden. Hierzu wird im Rahmen der Kombi-Police Folgendes vereinbart:
„Versicherungsnehmer dieses Vertrages ist die Bauherrin/Objektgesellschaft Mustermann Invest GmbH, Musterstr. 1, D-12345 Musterstadt.
Versicherte dieses Vertrages sind:
die mit der Ausführung und den Arbeiten für das Bauprojekt beauftragten Bauunternehmen und Arbeitsgemeinschaften einschließlich aller Nachauftragnehmer,
die an dem Bauvorhaben beteiligten Sachverständigen, Architekten, Ingenieure, Gutachter, Fachberater, Projektsteuerer/-controller, Projektentwickler, Sonderfachleute oder sonstige Honorarkräfte einschließlich aller Nachauftragnehmer, gleich von wem sie beauftragt sind.
die Koordinatoren für Sicherheits- und Gesundheitsschutz.
Der Versicherungsnehmer ist alleiniger Prämienschuldner sowie Inhaber sämtlicher Gestaltungsrechte des Vertrages.“
Dieser Abschnitt klärt den Wirkungskreis der vom Versicherungsschutz umfassten Personen. Doch erst zusammen mit einem Regressverzicht (siehe 4.2.3) wird das Problem der Doppelversicherung zwischen Kombi-Police und den Jahresverträgen komplett beseitigt.
4.2.3 Regressverzicht zwischen den Parteien
Hierzu wird die Umlagefähigkeit der Versicherungsprämie der Kombi-Police insbesondere für den Haftpflichtanteil zwischen Versicherungsnehmer und Versicherten eröffnet und im Rahmen der Kombi-Police Folgendes vereinbart:
„Es gilt ein genereller Verzicht auf Rückgriff gegen Versicherungsnehmer/Versicherte vereinbart. Hiervon ausgenommen sind lediglich Schäden und Verluste hervorgerufen durch Vorsatz der Repräsentanten.
Gegenseitige Ansprüche des Versicherungsnehmers und der Versicherten sowie der Versicherten untereinander sind mitversichert. Insoweit gelten Ziffer 7.4 AHB und § 3 Ziffer 3 ABN als gestrichen. Dies gilt jedoch nicht bei Ansprüchen der Partner der Arbeitsgemeinschaft untereinander sowie Ansprüchen der Arbeitsgemeinschaft gegen die Partner oder umgekehrt wegen solcher Schäden, die ein Partner oder die Arbeitsgemeinschaft unmittelbar erlitten hat.
In Ergänzung zu Ziffer 27.2 AHB steht die Ausübung der Rechte aus dem Versicherungsvertrag ausschließlich den in Anspruch genommenen Versicherten zu, soweit bei gegenseitigen Ansprüchen der Versicherungsnehmer zugleich Anspruchsteller ist.“
Dieser Abschnitt stellt klar, dass neben dem Bauherren/VN sämtliche (Mit-)Versicherten originären Deckungsschutz unter der Kombi-Police genießen und ein Rückgriff auf die Jahresverträge ausgeschlossen ist. Die Auftragnehmer haben nun die Möglichkeit, ihre Versicherer darüber in Kenntnis zu setzen, dass dieses Projekt individuell versichert ist. Das reduziert ihre einzelvertragliche Prämienbelastung, denn die mit dem Projekt verbundenen Umsätze/Honorare können aus den Jahresmeldungen herausgerechnet werden. Versicherungsschutz besteht somit nur noch über die Kombi-Police.
Ein Hindernis mag je nach Unternehmensgröße im Hinblick auf eventuell erforderliche Mindestprämien unter den Jahrespolicen bestehen. Dies scheint aber im Lichte der Gesamtproblematik lösbar. Somit steht einer Umlage der Projektversicherungsprämie nichts mehr im Wege. Aus Sicht des Investors und der Versicherten wird gewährleistet, dass die vereinbarten Deckungssummen ausschließlich zur Deckung von Schadenersatzansprüchen dieses Projektes genutzt werden.
Eine Kombi-Police stiftet nicht nur einen erheblichen Nutzen für den Investor/Bauherrn. Der Deckungsschutz dieses Vertrags dient vielmehr der Rechtssicherheit aller Parteien. Anfangs mag womöglich etwas Überzeugungsarbeit nötig sein, doch im Ernstfall herrscht dafür Klarheit. Außerdem lehrt die Praxis, dass eine transparente Ausschreibung und die Offenlegung der Prämienverteilung nach den einzelnen Vertragssektionen die Akzeptanz für Kombi-Policen zusätzlich erhöht. Wichtig: Der Investor/Bauherr sollte bereits bei Anstoß des Projektes klarstellen, dass er eine Kombi-Police für sein Projekt wünscht.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Versicherungsschutz ist individuell gestaltbar und kann genauestens auf die unterschiedlichen Projektrisiken abgestimmt werden. Dies gilt insbesondere für die Deckungssummen der Berufs- und Betriebshaftpflichtversicherung. Kommen im Schadenfall mehrere Anspruchsadressaten in Frage, muss nur ein Versicherer involviert werden – selbst wenn Schadenersatzansprüche untereinander reguliert werden müssen, wie beim langwierigen Kran-Schadenfall in Düsseldorf.
Köln, den 14.05.2014
Bernd Frischleder, Dipl.-Kfm.
Judith Michel, Rechtsanwältin, Fachanwalt für Versicherungsrecht

References: § 7
 § 10
 § 4
 § 278
 § 43
 § 43
 § 59
 § 59
 § 3