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Timestamp: 2019-11-19 18:27:05+00:00

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BGH, 18.10.1977 - VI ZR 171/76 - dejure.org
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BGH, 18.10.1977 - VI ZR 171/76 (https://dejure.org/1977,209)
BGH, Entscheidung vom 18.10.1977 - VI ZR 171/76 (https://dejure.org/1977,209)
BGH, Entscheidung vom 18. Januar 1977 - VI ZR 171/76 (https://dejure.org/1977,209)
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Zum Anspruch auf Widerruf von Sachverständigengutachten
BGB § 823; ZPO § 402
NJW 1978, 751
MDR 1978, 395
GRUR 1978, 258
VersR 1978, 229
DB 1978, 487
Der Senat hat bereits entschieden, dass Sachverständigengutachten, ebenso wie Testberichte (…Senatsurteile vom 9. Dezember 1975 - VI ZR 157/73, BGHZ 65, 325 ff., juris Rn. 20 ff.; vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76, VersR 1978, 229, 229 f., juris Rn. 16 ff.;… vom 21. Februar 1989 - VI ZR 18/88, VersR 1989, 521, juris Rn. 11 f.) und ärztliche Diagnosestellungen (vgl. Senatsurteil vom 11. April 1989 - VI ZR 293/88, VersR 1989, 628) sowohl Tatsachenbehauptungen als auch Werturteile enthalten können, und dass es sich bei dem Ergebnis der vorangegangenen Untersuchung in der Regel um ein Werturteil und nicht um die Behauptung einer Tatsache handelt, weil das Ergebnis, mag es auch äußerlich als Tatsachenbehauptung formuliert sein, auf Wertungen beruht (Senatsurteil vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76, VersR 1978, 229, 229 f., juris Rn. 17).
Ebenso wie ein Sachverständiger die Existenz einer Tatsache, über die er aufgrund seiner Untersuchungen und Überlegungen Gewissheit erlangt zu haben meint, im Ergebnis uneingeschränkt behaupten wird und hiermit in der Regel ein Werturteil äußert (vgl. Senatsurteil vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76, VersR 1978, 229, 229 f., juris Rn. 17), handelt es sich auch bei wissenschaftlichen Stellungnahmen in der Regel um Meinungsäußerungen (…Burkhardt/Peifer in Wenzel: Das Recht der Wort- und Bildberichterstattung, 6. Aufl., Kap. 3 Rn. 40;… vgl. auch Staudinger/Hager (2017) BGB § 823 Rn. C 144) bzw. Wertungen (Österreichischer OGH, KUR 2016, 61, 63).
Dem steht nicht entgegen, dass eine solche Behauptung im Einzelfall auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden kann, nämlich durch Verwendung besserer - z.B. wissenschaftlicher - Erkenntnismittel oder die Aufdeckung von Irrtümern bei den dem Ergebnis vorangehenden Untersuchungen (vgl. Senatsurteile vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76, VersR 1978, 229, 229 f., juris Rn. 17; RGZ 84, 294, 296 ff.).
Dem Wesen nach handelt es sich dann um die Kundgebung seiner subjektiven, gutachtlichen Überzeugung, die zwar angefochten und bestritten werden kann, auch unter dem Vorbehalt des Irrtums steht, aber immer ihrer Zielrichtung nach Wertung ist und von dem Empfänger auch so verstanden wird (vgl. zum Sachverständigengutachten Senatsurteil vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76, VersR 1978, 229, 229 f., juris Rn. 17).
In solchen Fällen genießen auch Gutachten von Sachverständigen ebensowenig wie Veröffentlichungen wissenschaftlichen Charakters absoluten Schutz (vgl. Senatsurteil vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76 - NJW 1978, 751, 752).
Es geht hier nicht um die Einordnung der Äußerung eines Sachverständigen in einem von ihm erstellten Gutachten, die auch dann als Werturteil anzusehen sein kann, wenn der Zweck des Sachverständigengutachtens die Feststellung von Tatsachen ist (vgl. BGH, Urt. v. 18.10.1977 - VI ZR 171/76, GRUR 1978, 258, 259 f.;… Urt. v. 23.2.1999 - VI ZR 140/98, NJW 1999, 2736 f.).
Gleichwohl ist der Schluß, den ein Arzt mit einer solchen Diagnose aus seinen Beobachtungen zieht, eine Bewertung und nicht die Behauptung einer Tatsache (vgl. - für das Gutachten eines Sachverständigen - Senatsurteil vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76 NJW 1978, 751 f. sowie - zu der zusammenfassenden Bezeichnung eines Verhaltens als "illegal" oder "unlauter" - Senatsurteile vom 22. Juni 1982 aaO …und vom 17. Februar 1987 aaO).
Ob es auch bei einer ärztlichen Diagnose in Betracht kommen kann, daß sie - etwa weil eine die Schlußfolgerung tragende Befundbeobachtung nur vorgetäuscht ist - im Rechtssinne wie eine dem Widerruf zugängliche Tatsachenbehauptung zu behandeln ist (vgl. Senatsurteil vom 18. Oktober 1977 aaO S. 752) und wie in einem solchen Falle gegebenenfalls eine Widerrufserklärung auszusehen hätte, mag dahinstehen, weil hier für einen solchen Ausnahmefall keine geeigneten Anhaltspunkte bestehen.
Insbesondere fehlt es an einer ausreichenden Tatsachengrundlage, um die Widerrufsklage an den Grundsätzen scheitern zu lassen, nach denen sie gegenüber Behauptungen, die während einer schwebenden gerichtlichen Auseinandersetzung oder eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens sowie im Vorfeld solcher Verfahren gemacht worden sind, nicht eingesetzt werden darf, um die Stellung bei der Rechtsverfolgung oder -verteidigung zu verbessern (Senatsurteile vom 14. November 1961 - VI ZR 89/59 = LM BGB § 1004 Nr. 58; vom 13. Juli 1965 - VI ZR 70/64 = LM BGB § 1004 Nr. 83 = NJW 1965, 1803 [BGH 13.07.1965 - VI ZR 70/64]; vom 14. Juni 1977 = a.a.O., vgl. ferner Senatsurteile vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76 = LM BGB § 823 (Ah) Nr. 60 = NJW 1978, 751 [BGH 18.10.1977 - VI ZR 171/76] und vom 5. Mai 1981 - VI ZR 184/79 = LM BGB § 823 (Ah) Nr. 74).
Das entspricht ständiger Rechtsprechung (vgl. Senatsurteilevom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76 - VersR 1978, 229 f undvom 3. Mai 1988 - VI ZR 276/87 - VersR 1988, 827, 828 = BGHR § 1004 Widerruf 2; jeweils m.w.N.).
Der Widerruf ist zudem beschränkt auf Tatsachenbehauptungen, und auch hier nur auf solche, deren Unwahrheit erwiesen ist (ständige Rechtsprechung; vgl. Senat BGHZ 10, 104, 105 f.; 65, 325, 337; Urteile vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76 - GRUR 1978, 258, 259 …und vom 22. Juni 1982 = aaO).
BVerwG, 09.11.2009 - 7 B 10.09
Urteil; Entscheidungsgründe; fehlende Entscheidungsgründe; Urteilsberichtigung; …
Dann verliert das Gutachten seinen Charakter als Werturteil (BGH, Urteil vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76 - NJW 1978, 751).
Im Übrigen hat sich der Kläger weder mit den --im Wesentlichen geklärten-- Voraussetzungen, unter denen Beweis durch Sachverständige zu erheben ist (hierzu z.B. Urteile des Bundesgerichtshofs vom 18. Oktober 1977 VI ZR 171/76, NJW 1978, 751; vom 18. März 1993 IX ZR 198/92, NJW 1993, 1796;… Zimmermann in MünchKommZPO, 3. Aufl., § 402 Rz 7, Leipold in Stein/Jonas, ZPO, 22. Aufl., vor § 402 Rz 8, jeweils m.w.N.), noch mit der Entscheidung des BFH vom 2. April 1998 V R 66/97 (BFHE 185, 543, BStBl II 1998, 632) auseinandergesetzt, wonach derjenige, der die Umsatzsteuerfreiheit begehrt, die Feststellungslast für die hierfür entscheidungserheblichen Tatsachen trägt und --wenn die für die Umsatzsteuerbefreiung erforderlichen Feststellungen nicht möglich sein sollten (z.B. wegen Berufung auf die ärztliche Schweigepflicht des Unternehmers)-- dies zu seinen Lasten geht (zum Verhältnis von Schweigepflicht und Steuergeheimnis vgl. auch BFH-Urteil vom 26. Februar 2004 IV R 50/01, BFHE 205, 234, BStBl II 2004, 502).
OVG Nordrhein-Westfalen, 02.12.2008 - 13 E 1108/08
Kein Widerruf bei Diagnosen durch den Amtsarzt
OLG Köln, 29.08.2012 - 5 U 104/12
OLG München, 20.09.2007 - 6 U 3231/00
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BVerfG, 07.05.1997 - 1 BvR 1805/92
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LG Köln, 25.02.2013 - 24 O 374/12
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OVG Nordrhein-Westfalen, 15.06.2000 - 19 A 572/00
Medizinische Wertung als eine dem Widerruf zugängliche Tatsachenbehauptung
OLG München, 01.03.2011 - 18 U 2992/10
OLG Jena, 28.04.2004 - 2 U 743/03
OLG Frankfurt, 11.11.1988 - 24 U 218/88
"Sachverständiger" - Bezeichnung als irreführende Werbung
LAG Nürnberg, 22.12.1987 - 1 Sa 14/87
Prozesskostenhilfe; Ärztliche Diagnose als nichtbeweisbares Werturteil; Anspruch …

References: § 823
 § 402
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 § 1004
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 § 402
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