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Timestamp: 2020-01-25 13:50:12+00:00

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Ehegatten-Bürgschaften für die ständig ausgeweitete Kreditlinie | BankenBote
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Kredit14. Mai 2014
Der Bundesgerichtshof hatte sich aktuell mit der Frage der Sittenwidrigkeit einer aus emotionaler Verbundenheit erteilten Bürgschaft bei hintereinander geschalteten Bürgschaftsverträgen zu beschäftigen:
Weil es sich bei der Herleitung eines Zahlungsanspruchs aus mehreren selbständigen Bürgschaftsverträgen um mehrere Streitgegenstände handelt, kann wegen § 253 Abs. 2 Nr. 2, § 308 Abs. 1 und § 322 Abs. 1 ZPO1 nicht offen bleiben, auf welcher vertraglichen Vereinbarung zwischen Gläubiger und Bürge und auf welcher Hauptschuld2 die Verurteilung beruht. Eine alternative Klagenhäufung, die es dem Berufungsgericht überlässt, aus der Kette der Bürgschaftsverträge den herauszusuchen, den es als Verpflichtungsgrund gelten lassen will, ist unzulässig3.
Der Umstand, dass eine Erweiterung des Kreditlimits des Hauptschuldners wegen § 767 Abs. 1 Satz 3 BGB nicht ohne weiteres zulasten des Bürgen wirkt4, zwingt nicht zu der Annahme, die Parteien hätten bei jeder Erweiterung der Kreditlinie eine Schuldum- oder neuschaffung vorgenommen. Eine Haftungserweiterung kann auch Gegenstand einer (bloßen) Abänderung des Bürgschaftsvertrages in der Form des § 766 BGB sein5, sofern die Identität der Hauptschuld gewahrt bleibt6.
Sollte das Gericht feststellen, dass einzelne der zwischen den Parteien geschlossenen Vereinbarungen (lediglich) Änderungsverträge zum Gegenstand hatten, wird es die Untersuchung der Frage, ob der Bürgschaftsvertrag wegen krasser finanzieller Überforderung der Beklagten sittenwidrig und damit nichtig ist, auf den Ausgangsvertrag bezogen zu beantworten haben, sofern die Änderungsverträge lediglich eine Anpassung der Bürgschaft an den Umfang der Hauptschuld und nicht den Umfang der Bürgschaft selbst zum Gegenstand hatten7.
Bei der Prüfung des § 138 Abs. 1 BGB wird zu bedenken sein, dass eine krasse finanzielle Überforderung ausscheidet, wenn die Bürgenschuld durch den Wert eines dem Bürgen gehörenden Grundstücks abgedeckt ist8. Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist nur der im Einzelfall effektiv verfügbare Sicherungswert des Grundeigentums in Ansatz zu bringen. Zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses auf dem Grundeigentum ruhende dingliche Belastungen sind wertmindernd zu berücksichtigen9, wobei ausgehend von diesem Zeitpunkt der Umfang der dinglichen Belastung bei Eintritt des Sicherungsfalls zu prognostizieren ist10. Darlegungs- und beweispflichtig dafür, die von ihr übernommene Bürgschaft habe bei Stellung der Personalsicherheit ihre Leistungsfähigkeit bei weitem überschritten, ist die Beklagte11. Wertangaben des Bürgen in einer in zeitlichem Zusammenhang mit dem Abschluss des Bürgschaftsvertrages erteilten Selbstauskunft, die seine objektiv krasse finanzielle Überforderung nicht erkennen lassen, widerlegen die tatsächliche Vermutung einer verwerflichen Gesinnung des Gläubigers nicht ohne weiteres12. Den (subjektiven) Vorwurf der Sittenwidrigkeit räumen sie nur aus, wenn sie einer sorgfältigen Überprüfung des Gläubigers standhalten13. Das bedarf für die Selbstauskunft näherer Überprüfung, da sie mittels der Wendungen „gemeinsam“ und „ca.“ auf exakte Angaben verzichtete und damit schon aus sich heraus zu Zweifeln an ihrer Verlässlichkeit Anlass gab.
Sofern das Gericht dahin gelangen sollte, die Bürgenschuld sei durch den Wert des der Beklagten gehörenden Grundstücks nicht abgedeckt, wird es sich mit der Frage zu befassen haben, ob die Beklagte bei Abschluss des vom Berufungsgericht als maßgeblich ermittelten Bürgschaftsvertrages (wenigstens) in der Lage war, die Zinslast aus dem pfändbaren Teil ihres Einkommens, bei dessen Ermittlung Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung mit zu berücksichtigen sind, bei Eintritt des Sicherungsfalles dauerhaft zu tragen14.
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 1. April 2014 – XI ZR 276/13
vgl. BGH, Urteil vom 18.11.1993 – IX ZR 244/92, BGHZ 124, 164, 166 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 29.01.2008 – XI ZR 160/07, BGHZ 175, 161 Rn. 30; BGH, Urteil vom 18.11.1993 – IX ZR 244/92, BGHZ 124, 164, 167 [↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.2011 – I ZR 108/09, BGHZ 189, 56 Rn. 6 ff.; Urteil vom 13.09.2012 – I ZR 230/11, BGHZ 194, 314 Rn. 18; Urteil vom 25.04.2013 – IX ZR 62/12, WM 2013, 1040 Rn. 12 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 18.05.1995 – IX ZR 108/94, BGHZ 130, 19, 34; Urteil vom 13.11.1997 – IX ZR 289/96, BGHZ 137, 153, 155 f.; Urteil vom 03.11.2005 – IX ZR 181/04, BGHZ 165, 28, 34 [↩]
vgl. MünchKomm-BGB/Habersack, 6. Aufl., § 767 Rn. 10 [↩]
vgl. MünchKomm-BGB/Habersack, aaO Rn. 3 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 27.01.1977 – VII ZR 339/74, WM 1977, 399, 400; RGZ 86, 296, 298 f. [↩]
BGH, Urteil vom 26.04.2001 – IX ZR 337/98, WM 2001, 1330, 1331 f. [↩]
vgl. BGH, Urteile vom 14.05.2002 – XI ZR 50/01, BGHZ 151, 34, 38 f.; vom 28.05.2002 – XI ZR 199/01, WM 2002, 1647, 1648; und vom 24.11.2009 – XI ZR 332/08, WM 2010, 32 Rn. 15; Nobbe in Schimansky/Bunte/Lwowski, Bankrechts-Handbuch, 4. Aufl., § 91 Rn. 98 [↩]
Nobbe, Kommentar zum Kreditrecht, 2. Aufl., § 765 BGB Rn. 93 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.02.1994 – IX ZR 93/93, BGHZ 125, 206, 217; Federlin in Kümpel/Wittig, Bank- und Kapitalmarktrecht, 4. Aufl., Rn. 12.261; Baumgärtel/Laumen, Handbuch der Beweislast – BGB Schuldrecht BT II, 3. Aufl., § 765 Rn. 4; BGH, Urteil vom 24.11.2009 – XI ZR 332/08, WM 2010, 32 Rn. 16 betrifft die Darlegungslast für eine voraussehbare nachträgliche Wertsteigerung [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.03.1988 – III ZR 30/87, BGHZ 104, 102, 108; Urteil vom 24.02.1994 – IX ZR 93/93, BGHZ 125, 207, 212 f., 217; Urteil vom 18.09.2001 – IX ZR 183/00, WM 2001, 2156, 2158; Sack/Fischinger in Staudinger, BGB, Neubearb.2011, § 138 Rn. 387; großzügiger Münch-KommBGB/Habersack, 6. Aufl., § 765 Rn. 25 a.E.; Nobbe, Kommentar zum Kreditrecht, 2. Aufl., § 765 BGB Rn. 98 mwN zur obergerichtlichen Rechtsprechung; zur wahrheitswidrigen Selbstauskunft Hoffmann in Langenbucher/Bliesener/Spindler, Bankrechts-Kommentar, 2013, Kap. 29 Rn. 28 a.E. [↩]
BGH, Urteil vom 24.02.1994 aaO S. 217 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 19.02.2013 – XI ZR 82/11, WM 2013, 608 Rn. 9 ff. mwN [↩]
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References: § 253
 § 308
 § 322
 § 767
 § 766
 § 138
 § 767
 § 91
 § 765
 § 765
 § 138
 § 765
 § 765