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Timestamp: 2017-04-23 11:53:17+00:00

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380 Asamka-Jataka
Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 380. Die Erzählung von Asamka (Asamka-Jātaka)
„Die Schlingpflanze Āsāvatī“ §A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Verlockung durch die frühere Frau. §D. Die Begebenheit wird im Indriya-Jātaka [Jātaka 423] erzählt werden. — Als er aber hier den Mönch gefragt hatte, ob es wahr sei, dass er unzufrieden sei, und zur Antwort erhielt: „Es ist wahr, Herr“, fragte er weiter: „Durch wen bist du unzufrieden gemacht worden?“ und jener erwiderte: „Durch meine frühere Frau, Herr.“ Darauf sprach der Meister: „O Asket, dies Weib bringt dir Schaden. Früher opfertest du ihretwillen ein aus vier Abteilungen bestehendes Heer und wohntest drei Jahre lang im Himalaya-Gebirge, indem du großes Leid erduldetest.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva in einem Dorfe im Reiche Kasi seine Wiedergeburt in einer Brahmanenfamilie. Als er herangewachsen war und zu Takkasilā die Künste erlernt hatte, betätigte er die Weltflucht der Weisen. Von den Wurzeln und Früchten des Waldes sich nährend, erlangte er die Erkenntnisse und Vollkommenheiten und wohnte im Himalaya-Gebirge.
Zu dieser Zeit kam ein tugendhaftes Wesen aus dem Himmel der dreiunddreißig Götter herab und nahm seine Wiedergeburt als ein Mädchen im Innern einer Lotosblume, die in einem dort befindlichen Lotosteiche wuchs. Als nun die übrigen Lotosblumen alt geworden waren und abfielen, bekam jene Pflanze einen dicken Leib und blieb allein stehen. Der Asket, der baden wollte, sah sie, und indem er dachte: „Während die andern zu Boden fallen, bleibt diese allein mit dickem Leibe stehen; was ist daran schuld?“, zog er sein Badegewand an, ging durch das Wasser, kam zu der Pflanze hin und öffnete die Lotosblume. Da sah er das Mädchen. Er bekam väterliche Gefühle, führte sie in seine Laubhütte und zog sie auf. In der Folgezeit, als sie sechzehn Jahre alt geworden war, war sie sehr hübsch, von äußerster Schönheit; sie übertraf menschliche Schönheit, ohne die der Götter zu erreichen.
Damals kam einmal Gott Sakka herbei, um dem Asketen aufzuwarten. Als er das Mädchen sah, fragte er, woher sie komme; und da er die Art erfuhr, wie jener sie erhalten, fragte er weiter: „Was ist für sie passend, dass sie es erhält?“ „Ein Ort zum Wohnen sowie die Möglichkeit, sich zu kleiden, zu schmücken und zu ernähren“, war die Antwort. „Gut, Herr“, versetzte Sakka; er machte an ihrem Wohnorte einen Palast aus Kristall und schuf dann für sie ein göttliches Lager, göttliche Kleidung und Schmuck sowie göttliche Speisen und Getränke. Wenn sie hinaufsteigen wollte, kam dieser Palast herunter und blieb auf der Erde stehen; wenn sie aber hinaufgestiegen war, hob er sich wieder empor und stand in der Luft. Indem sie im Großen und im Kleinen gegen den Bodhisattva ihre Pflichten erfüllte, wohnte sie in dem Palaste.
Einst sah sie ein Jäger. Dieser fragte den Bodhisattva: „Was ist sie Euch?“ Als er hörte, sie sei seine Tochter, ging er nach Benares und meldete dem Könige: „O Fürst, ich habe im Himalaya-Gebirge eine so aussehende Tochter eines Asketen gesehen.“ Sogleich beim Hören verliebte sich dieser in das junge Mädchen, und indem er den Jäger zu seinem Wegweiser machte, zog er mit seinem aus den vier Abteilungen bestehenden Heere an jenen Ort. Hier ließ er ein befestigtes Lager schlagen und begab sich mit dem Jäger, von seinen Ministern umgeben, nach der Einsiedelei. Er begrüßte den Bodhisattva und sagte: „Herr, die Weiber sind doch für einen heilig Lebenden Sünde; ich will Eure Tochter aufziehen.“
Der Bodhisatta hatte aber, weil er im Zweifel, was in jener Lotosblume sei, das Wasser durchschritten und sie geholt hatte, dem Mädchen den Namen Asamka [āsaṅka] (= „Zweifel“) gegeben. Darum sagte er dem König nicht ohne weiteres: „Nimm sie mit dir“, sondern er sprach: „O Großkönig, wenn du den Namen dieses Mädchens kennst, so kannst du sie mit dir nehmen.“ Der König erwiderte: „Wenn Ihr ihn mir mitteilt, werde ich ihn wissen.“ Doch der Bodhisattva versetzte: „Ich sage den Namen nicht; wenn du ihn kennst, so nimm sie mit dir.“
Der König stimmte zu und überlegte von da an mit seinen Ministern, welchen Namen sie wohl trage. Er brachte die schwer zu ratenden Namen vor und sagte zum Bodhisattva: „So wird sie heißen“; der Bodhisattva aber wies ihn zurück mit den Worten: „So heißt sie nicht.“ —
Während nun der König über ihren Namen nachdachte, verging ein Jahr. Die Elefanten, Pferde und Menschen wurden von Löwen und anderen Raubtieren getötet; es entstand eine Gefahr durch Schlangen und es entstand eine Gefahr durch Mücken; von der Hitze gequält starben viele. Da sprach der König zum Bodhisattva: „Was tue ich mit ihr?“, und zog fort. Das Mädchen Asamka aber stand an ihrem geöffneten Kristallfenster. Als der König sie sah, sagte er: „Wir können deinen Namen nicht erraten. Bleibe du nur im Himalaya wohnen; wir werden fortziehen.“
Darauf versetzte das Mädchen; „O Großkönig, wenn du gehst, wirst du keine Frau finden, die mir gleicht. In der Welt der dreiunddreißig Götter befindet sich in dem Cittalata-Parke [2] eine Schlingpflanze namens Āsāvatī [die Lust Erweckende]. Im Innern von ihrer Frucht befindet sich ein göttlicher Trank; wenn man einmal von diesem trinkt, bleibt man vier Monate lang berauscht auf göttlichem Lager liegen. Diese Pflanze aber trägt nur einmal alle tausend Jahre Früchte. Die Göttersöhne, die doch auf geistige Getränke versessen sind, halten, weil sie von dorther die Frucht erhalten wollen, ihren Durst nach dem göttlichen Tranke zurück; beständig gehen sie tausend Jahre lang zu dieser Schlingpflanze hin, um zu sehen, ob sie gesund ist. Du aber bist wegen eines einzigen Jahres schon unzufrieden. Ein Glück ist es, die Frucht seiner Begierde zu erhalten; sei nicht unzufrieden!“ Nach diesen Worten sprach sie folgende drei Strophen:
§1. „Die Schlingpflanze Āsāvatī wächst in dem Cittalata-Wald; aus ihr in vollen tausend Jahren entsteht nur eine einz'ge Frucht. Sie suchen stets die Götter auf, wenn auch noch ferne ist die Frucht.
§2. Gedulde dich nur noch, o König;
die Lust, die Frucht bringt, ist das Glück.
Es wartet ja der Vogel auch,
es wartet der Gefiederte.
§3. Und seine Lust wird auch erfüllt, wenn gleich es dauert lange Zeit. Gedulde dich nur noch, o König; die Lust, die Frucht bringt, ist das Glück.“
Durch diese Worte wurde der König wieder an sie gefesselt. Er versammelte nochmals seine Minister und suchte nach ihrem Namen, indem er immer zehn Namen riet. So verweilte er ein zweites Jahr dort. Aber auch unter den zehn Namen war nicht der ihrige, und wenn er sagte: „So heißt sie“, wies ihn immer der Bodhisattva zurück. Da sagte der König wieder: „Was tue ich mit ihr?“, und wollte fortziehen. Jene trat wieder an ihr Fenster und zeigte sich; aber der König sprach: „Stehe du nur dort; wir werden gehen.“ „Warum gehst du, Großkönig?“ „Ich kann deinen Namen nicht erraten.“
Darauf sprach das Mädchen: „O Großkönig, warum wirst du meinen Namen nicht erraten? Es gibt kein Verlangen, das nicht erfüllt werden kann. Ein Kranich, der auf dem Gipfel eines Berges stand, erhielt seinen Wunsch erfüllt. Warum sollst du ihn nicht erhalten? Gedulde dich, o Großkönig. Ein Kranich nämlich war, nachdem er in einem Lotosteiche Futter gesucht, in die Höhe geflogen und hatte sich auf die Spitze eines Berges gesetzt. Nachdem er diesen Tag dort zugebracht hatte, dachte er am nächsten Tage: ‘Ich sitze behaglich auf diesem Berggipfel; wenn ich an diesem Tage, ohne von hier hinabzusteigen, während ich hier sitze, mein Futter bekommen, Wasser trinken und den Tag hier sitzen könnte, wäre dies fürwahr herrlich!’ An diesem Tage aber hatte der Götterkönig Sakka die Dämonen aufgescheucht und die Götterherrschaft im Himmel der Dreiunddreißig erhalten. Da dachte er: ‘Mein Wunsch ist jetzt erfüllt worden; gibt es im Walde jemand, dessen Wunsch nicht erfüllt worden ist?’ Während er so überlegte, sah er den Kranich und dachte: ‘Diesem werde ich seinen Wunsch zur Erfüllung bringen.’ Unweit von dem Orte, wo der Kranich saß, war ein Fluss. Sakka ließ die Wellen dieses Flusses anschwellen, dass sie bis an den Gipfel des Berges stiegen. So konnte der Kranich dort seine Fische verzehren und Wasser trinken und blieb diesen Tag dort; das Wasser aber sank wieder und entfernte sich. So, o Großkönig, erhielt der Kranich die Erfüllung eines solchen Wunsches; warum sollst du sie nicht erhalten?“ Und sie sagte wieder: „Gedulde dich“, usw. [4]
Als der König ihre Worte hörte, verliebte er sich wieder in ihre Schönheit und wurde durch ihre Rede gefesselt, so dass er nicht fortgehen konnte. Er versammelte wieder seine Minister und suchte nach hundert Namen; aber während er hundert Namen suchte, verging ein weiteres Jahr. Nach Ablauf von drei Jahren ging er zum Bodhisattva hin und fragte: „Herr, wird ihr Name so und so sein unter diesen hundert Namen?“ „Du kennst ihn nicht, o Großkönig“, war die Antwort. Darauf versetzte der König: „Jetzt werde ich gehen“; er grüßte den Bodhisattva und brach auf. Das Mädchen Asamka stand wieder an seinem kristallenen Fenster. Als der König sie sah, sprach er: „Bleibe du nur stehen, wir werden gehen“. „Warum o Großkönig?“ Der König erwiderte: „Du erfreust mich nur mit deiner Stimme, nicht durch Liebeslust. Während ich durch deine süße Stimme gefesselt hier weilte, sind drei Jahre vergangen. Jetzt gehe ich.“ Nach diesen Worten sprach er folgende Strophen:
§4. „Nur mit der Stimm' erfreust du mich, nicht hast durch Lust du mich erfreut, wie Kränze vom Serayyaka [5]
voll Schönheit sind, doch ohne Duft.
§5. Wer fruchtlos nur mit süßen Worten sich angenehm den Freunden macht
und nichts Wertvolles dazu spendet, verliert am Ende seinen Reiz.
§6. Nur was du tun willst, das versprich; versprich nicht, was du nicht tun würdest. Wer immer spricht und doch nichts tut, den lernen bald die Weisen kennen [6].
§7. Fürwahr, vernichtet ist mein Heer, auch mein Vermögen ist zu Ende; ich fürcht [7], mein Leben zu verlieren. Holla, jetzt zieh ich fort von hier.“
Als das Mädchen Asamka die Worte des Königs hörte, erwiderte sie: „O Großkönig, du kennst meinen Namen; eben hast du ihn gesagt. Sage diesen meinen Namen meinem Vater und nimm mich mit dir“; und zum Könige redend sprach sie:
§8. „Gerade dieses ist mein Name,
so wie ich heiße, Völkerfürst.
So komme her, du großer König;
von meinem Vater nehm ich Abschied.“
Darauf ging der König zu dem Bodhisattva hin, begrüßte ihn und sprach: „Herr, Eure Tochter heißt Asamka.“ Jener antwortete: „Nachdem du ihren Namen kennst, so nimm sie mit dir, o Großkönig.“ Dieser grüßte den Bodhisattva, ging an das Tor des Kristallpalastes hin und rief: „Liebe, dein Vater hat dich mir geschenkt; komme jetzt!“ Sie versetzte: „Warte, Großkönig, ich will mich von meinem Vater verabschieden.“
Nach diesen Worten stieg sie von ihrem Palaste herab, begrüßte den Bodhisattva, bat ihn um Verzeihung und kam dann zum Könige. Der König nahm sie mit sich nach Benares und lebte glücklich mit ihr, erfreut durch Söhne und Töchter. Der Bodhisattva aber gelangte, unablässig in Ekstase versunken, in die Brahma-Welt.
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen und die Wahrheiten verkündigt hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten (am Ende der Verkündigung der Wahrheiten aber gelangte jener unzufriedene Mönch zur Frucht der Bekehrung): „Damals war das Mädchen Asamka die frühere Frau, der König war der unzufriedene Mönch, der Asket aber war ich.“
Ende der Erzählung von Asamka
[2] Vgl. Jātaka 31 Anm. 26.
[4] D. h. wieder die oben angeführten Strophen 2 und 3. [5] Die Pflanze Barleria cristata.
[6] Diese Strophe steht auch im
Jātaka 320 Strophe 2 und Jātaka 363 Strophe 2.
[7] Das Pali-Wort „samkati“ oder „asamkati“, von dem der Name des Mädchens Asamka abgeleitet ist, bedeutet sowohl „zweifeln“, als auch „fürchten“.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8