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Timestamp: 2018-06-23 23:16:19+00:00

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﻿ 465 Bhaddasala-Jataka
465. Die Erzählung von Bhaddasāla (Bhaddasāla-Jātaka)
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Wohltaten gegen Verwandte. — Zu Savatthi nämlich wurde im Hause des Anāthapindika beständig für fünfhundert Mönche das Mahl hergerichtet, ebenso im Hause der Visakha [1] und im Palaste des Königs von Kosala. Obwohl aber bei letzterem Speise von verschiedenartigem höchstem Wohlgeschmacke gereicht wurde, war dort niemand mit den Mönchen befreundet. Darum speisten die Mönche nicht in dem Palaste des Königs, sondern sie nahmen die Speise mit, gingen in das Haus des Anāthapindika oder der Visakha oder von anderen, die ihnen befreundet waren, und verzehrten sie dort. Eines Tages nun schickte der König vorzügliche Speise fort mit den Worten: „Das Geschenk ist gebracht, gebt es den Mönchen!“ Doch man erwiderte ihm: „Bei der vorzüglichen Speise sind keine Mönche.“ Als er weiter fragte: „Wohin sind sie gegangen?“, erhielt er zur Antwort: „Sie sitzen in den Häusern ihrer Freunde und verzehren dort ihr Mahl.“ Als er dies hörte, begab er sich nach dem Frühmahle zu dem Meister hin und fragte: „Herr, welche Speise ist die beste?“ Dieser erwiderte: „Die Freundschaftsspeise, o Großkönig; selbst saurer Reisschleim wird süß, wenn er von lieber Hand gespendet wird.“ Der König fragte weiter: „Herr, mit wem haben denn die Mönche Freundschaft?“ Der Meister antwortete: „Mit ihren Verwandten oder auch mit den Leuten vom Sakya-Stamme [aus dieser Familie von Edlen stammte Buddha selbst].“
Mit Bestimmtheit kamen nun die Boten zu der Gewissheit: „Sie ist seine Tochter“; den Unterschied konnten sie nicht wahrnehmen. Mahanama aber entließ mit großer Pracht seine Tochter. Die Boten verbrachten sie nach Savatthi und sagten: „Diese Prinzessin ist die hoch edle Tochter des Mahanama.“ Befriedigt ließ der König die ganze Stadt zieren; das Mädchen stellte er auf einen Haufen von Edelsteinen und ließ sie feierlich zu seiner ersten Gemahlin weihen. Sie war aber dem König lieb und hold. Nicht lange danach entstand in ihrem Schoße eine Leibesfrucht. Der König ließ ihr die Ehrung der Empfängnis zu teil werden [4]; nach Ablauf von zehn Monaten gebar sie einen Sohn, der die Farbe des Goldes hatte.
Als er nach Savatthi zurückgekehrt war, verkündeten die Hofleute die ganze Begebenheit dem Könige. Der König wurde zornig auf die Sakyas, weil sie ihm die Tochter einer Sklavin gegeben hätten; der Ehrung aber, die der Vasabha-Edlen und ihrem Sohne erwiesen wurde, machte er ein Ende und ließ ihnen nur soviel geben, als den Sklaven und Sklavinnen zu erhalten gebührte. — Nach Ablauf einiger Tage kam der Meister in den Palast des Königs und setzte sich nieder. Der König kam herbei, begrüßte ihn ehrfurchtsvoll und sagte dann: „Herr, von Euren Verwandten wurde mir die Tochter einer Sklavin gegeben; darum nahm ich ihr samt ihrem Sohne die Ehrung und ließ ihnen nur das geben, was den Sklaven und Sklavinnen zu erhalten gebührte.“ Der Meister erwiderte: „Unrecht, o Großkönig, haben die Sakyas getan; wenn sie dir eine Tochter geben wollten, mussten sie dir eine ebenbürtige geben. Aber ich sage dir auch folgendes, o Großkönig: Die Königstochter Vasabhakhattiya erhielt im Hause eines Königs der Edlen die Weihe; Vidudabha ist von einem König der Edlen erzeugt. Was soll die Abstammung der Mutter ausmachen? Die Abstammung des Vaters ist allein der Maßstab. So dachten die Weisen der Vorzeit und verliehen einem armen Weibe, einer Holzsammlerin, die Stelle der ersten Gemahlin; der Sohn aber, der ihrem Schoße entsprossen war, erhielt in dem zwölf Yojanas umfassenden Benares die Königswürde und wurde der König Holzsammler.“ Und er erzählte ihm das Katthahari-Jātaka [Jātaka 7]. Als aber der König diese Lehrunterweisung vernommen, dachte er befriedigt: „Die Abstammung des Vaters ist allein der Maßstab“, und ließ Mutter und Sohn wieder die frühere Ehrung erweisen. —
Der König aber hatte einen Heerführer namens Bandhula. Dieser sprach zu seiner Gattin, welche Mallikā hieß und unfruchtbar war: „Gehe du nur wieder in das Haus deiner Familie“, und schickte sie nach Kusinara [7]. Diese dachte: „Ich will zuvor den Meister besuchen und dann fortgehen“; sie ging in das Jetavana hinein, begrüßte ehrfurchtsvoll den Vollendeten und stellte sich ihm zur Seite. Als er sie fragte: „Wohin gehst du?“, antwortete sie: „Mein Gebieter schickt mich in das Haus meiner Familie zurück, Herr.“ Auf seine weitere Frage: „Warum?“, antwortete sie: „Herr, ich bin unfruchtbar und habe keine Kinder.“ Darauf sprach der Meister: „Wenn es sich so verhält, so brauchst du nicht fortzugehen; kehre um!“ Hochbeglückt grüßte sie den Meister und kehrte in ihr Haus zurück. Als sie ihr Gatte fragte, warum sie zurückgekehrt sei, antwortete sie: „Von dem mit den zehn Kräften Ausgestatteten bin ich zurückgeschickt worden, Gebieter.“ Darauf versetzte der Heerführer: „Der Vollendete wird den Grund schon wissen.“
Zu der Zeit wohnte ein Mann dort, der mit Bandhula, dem Heerführer des Königs von Kosala, bei demselben Lehrer die Künste erlernt hatte, ein Licchavi namens Mahali. Dieser war blind und weilte, indem er die Licchavis in weltlichen und geistlichen Dingen unterrichtete, immer in der Nähe des Tores. Als dieser nun hörte, wie der Wagen an die Torschwelle stieß, sprach er: „Dieser Laut kommt von dem Wagen, auf dem der Kämpfer Bandhula fährt; heute wird den Licchavis Gefahr drohen.“ — Innerhalb und außerhalb des Lotosteiches war ein starker Wächter, darüber war ein eisernes Netz ausgespannt; selbst für Vögel bot sich keine Möglichkeit hineinzukommen. Der Heerführer aber stieg von seinem Wagen herunter, schlug die Wächter mit dem Schwerte, dass sie entflohen, und zerhieb das eiserne Netz. Hierauf ließ er seine Gattin dortselbst baden und Wasser trinken und nahm auch selbst ein Bad. Danach ließ er Mallikā wiederum auf den Wagen steigen, verließ die Stadt und fuhr auf dem Wege zurück, den er gekommen war.
Mallikā sah sie und sagte: „Herr, es sind Wagen zu sehen.“ Er antwortete: „Melde mir also, sobald du immer einen Wagen siehst.“ Weil aber alle Wagen so aussahen, als wären sie nur ein einziger, deshalb sagte sie: „Herr, ich sehe nur einen einzigen Wagenkopf.“ Bandhula versetzte: „Nimm also diese Zügel“, gab ihr die Zügel und hob auf dem Wagen stehend seinen Bogen. Da sank das Rad des Wagens bis an die Nabe in die Erde ein; als aber die Licchavis auf ihrer Fahrt an diese Stelle kamen und es sahen, kehrten sie trotzdem nicht um. Nachdem der andere ein wenig weiter gefahren war, zog er die Sehne an; da gab es einen Schall wie vom Donner. Aber auch da kehrten sie nicht um, sondern verfolgten ihn weiter.
Da schoss Bandhula auf dem Wagen stehend einen Pfeil ab; dieser machte in den Wagenkopf von allen fünfhundert Wagen ein Loch, durchbohrte alle fünfhundert Könige an der Stelle, wo der Gürtel befestigt ist, und drang dann in die Erde ein. Sie aber merkten nicht, dass sie verwundet waren, sondern verfolgten ihn immer weiter mit dem Rufe: „Holla, bleib stehen, holla, bleib stehen!“ Bandhula ließ seinen Wagen halten und sprach: „Ihr seid tot; mit Toten kämpfe ich nicht.“ Sie erwiderten: „Gewiss, die Toten sehen so aus wie wir!“ Doch jener versetzte: „Löst nur dem allervordersten den Gürtel auf!“ Sie taten so; sobald ihm aber der Gürtel gelöst war, fiel er tot zur Erde. Hierauf sprach er weiter zu ihnen: „Ihr seid alle derartig. Gehet nach Hause, ordnet, was noch zu ordnen ist, gebet euren Frauen und Kindern noch eine Ermahnung und macht dann die Rüstung los!“ Sie taten so und mussten alle sterben. Bandhula aber führte seine Gattin Mallikā nach Savatthi zurück.
Sie gebar ihm sechsmal Zwillingssöhne; diese waren alle Helden und voll Stärke und sie alle erlangten die Vollendung in allen Künsten. Jeder einzelne hatte ein Gefolge von tausend Mann; wenn sie mit ihrem Vater in den Palast zogen, wurde von ihnen der Hof des Palastes ganz angefüllt. — Eines Tages nun hatten vor Gericht Leute wegen falscher Entscheidung der Sache ihren Prozess verloren. Als sie den Bandhula herankommen sahen, erhoben sie ein lautes Geschrei und erzählten ihm, wie die Gerichtsbeamten ihre Sache falsch entschieden hätten. Darauf ging er selbst vor Gericht, entschied die Sache und machte den zum Herrn des Geldes, dem es gebührte. Eine große Volksmenge ließ mit lauter Stimme ihren Beifall ertönen. Der König fragte, was dies sei. Als er die Begebenheit vernahm, war er hoch befriedigt; er nahm all jenen Beamten ihr Amt und übertrug dem Bandhula allein die Rechtsprechung. Von da an richtete dieser gerecht.
An diesem Tage waren von Mallikā die zwei ersten Schüler [9] zugleich mit fünfhundert Mönchen eingeladen. An demselben Morgen hatte man ihr einen Brief gebracht, der folgenden Inhalt hatte: „Deinem Gatten mitsamt seinen Söhnen ist das Haupt abgeschlagen worden.“ Als sie diese Begebenheit erfuhr, sagte sie niemand etwas davon, sondern sie steckte den Brief in den Bausch ihres Gewandes und bediente die Mönchsgemeinde weiter. Als nun ihre Dienerinnen den Mönchen Reisbrei gegeben hatten und eine Schüssel mit zerlassener Butter herbei trugen, zerbrach ihnen vor den Theras die Schüssel. Der Heerführer der Lehre [10] sagte darauf: „Etwas, das zum Zerbrechen bestimmt war, ist zerbrochen; darüber darf man sich nicht betrüben.“ Da zog jene aus ihrem Gewande den Brief und sprach: „Man brachte mir diesen Brief, dass meinen zweiunddreißig Söhnen samt ihrem Vater das Haupt abgeschlagen worden sei; obwohl ich aber dies hörte, betrübe ich mich nicht darüber. Was soll ich mich da betrüben, wenn eine Butterschüssel zerbricht?“ Der Heerführer der Lehre entgegnete: „Unbezeichnet und unbekannt“, usw. [11], erhob sich von seinem Sitze, nachdem er die Lehre verkündet, und kehrte in das Kloster zurück. Jene aber ließ ihre zweiunddreißig Schwiegertöchter zu sich rufen und ermahnte sie: „Eure schuldlosen Gatten haben die Frucht einer früheren Tat empfangen [12]; seid nicht traurig. Heget auch gegen den König in Gedanken keinen Hass!“
Es hörten aber die Späher des Königs diese Worte; sie gingen hin und erzählten dem König, dass jene schuldlos gewesen seien. Voll Reue begab sich der König in Mallikās Haus, bat diese und ihre Schwiegertöchter um Verzeihung und gewährte Mallikā die Erlaubnis, einen Wunsch zu äußern. Diese erwiderte: „Ich nehme es an.“ Als er dann wieder fortgegangen war, spendete sie Totenspeise [13], nahm ein Bad, suchte hierauf den König auf und sprach: „O Fürst, Ihr habt mir einen Wunsch zugestanden. Ich wünsche mir aber nichts anderes, sondern erlaubt nur, dass ich und meine Schwiegertöchter in das Haus unserer Familien zurückkehren.“ Der König erteilte seine Zustimmung. Darauf schickte sie ihre zweiunddreißig Schwiegertöchter eine jede in ihre Familie zurück; sie selbst ging nach der Stadt Kusinara in das Haus ihrer Familie. — Hierauf verlieh der König die Heerführerstelle dem Neffen des Heerführers Bandhula, Dighakarayana mit Namen. Dieser aber dachte: „Mein Oheim wurde von ihm getötet“, und suchte beständig nach Fehlern des Königs.
Damals verweilte der Meister in einem Flecken der Sakyas, der Ulumpa hieß. Der König begab sich dorthin, schlug unweit von dem Kloster ein befestigtes Lager und ging mit geringem Gefolge nach dem Kloster hin, um den Meister zu begrüßen. Die fünf Teile der Kroninsignien [14] gab er Karayana und betrat allein das duftende Gemach des Meisters. Es folgt alles so, wie es im Dhammacetiya-Sutta [M.89] ausgeführt ist.
Als jener aber in das duftende Gemach hineingegangen war, nahm Karayana die königlichen Kroninsignien mit sich und machte Vidudabha zum Könige. Ein Pferd und eine Frau ließ er (für den König) als Dienerin zurück und zog nach Savatthi. — Da aber der König mit dem Meister eine liebe Unterredung gepflogen hatte und herauskam, sah er sein Heer nicht mehr. Er fragte das Weib; und als er die Begebenheit erfuhr, dachte er: „Ich will mit meinem Neffen [16] hingehen und Vidudabha gefangen nehmen [17]“, und zog nach der Stadt Rājagaha. Da er aber zur Unzeit ankam, als die Tore schon geschlossen waren, musste er sich in einer Halle niederlegen. Von Wind und Hitze gequält starb er dort während der Nacht. Als die Morgendämmerung anbrach, hörten die Leute, wie jenes Weib vor sich hinlallte: „Der König von Kosala liegt hilflos da, o Fürst“, und sie teilten dies dem König mit. Dieser ließ seinem Oheim mit großer Pracht die letzte Ehrung zuteil werden. —
§1. Wer bist du, der die Kleider aufhebt
worüber hat dich Furcht befallen?
§2. In diesem Reiche, Fürst, bin ich
als Bhaddasāla [22] wohl bekannt;
§6. Wenn also nun für mich gekommen
§8. Wenn Händ' und Füße man erst abschlägt,
Bhaddasāla, du Herr des Waldes?
Um ihm dies zu verkünden, sprach Bhaddasāla folgende zwei Strophen:
§10. Aus welchem Grund und welchem Anlass
für andre wär' dies großes Leid.
Als dies der König hörte, dachte er: „Tugendhaft fürwahr ist der Göttersohn; selbst bei der Vernichtung seiner eigenen Wohnung wünscht er nicht, dass die Wohnung seiner Verwandten vernichtet werde. Er wandelt zum Heile seiner Verwandten; ich werde ihm Schonung gewähren.“ Und hoch befriedigt sprach er folgende Schlussstrophe:
§12. Du denkst, was sich zu denken ziemt,
Bhaddasāla, du Fürst des Waldes.
drum Schonung, Freund, ich dir gewähre.
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, wandelte auch früher schon der Vollendete zum Heile seiner Verwandten“, und verband hierauf das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der König Ānanda, die Gottheiten, die in den jungen Sala-Bäumen wohnten, waren die Buddhaschar, der Götterkönig Bhaddasāla aber war ich.“
Ende der Erzählung von Bhaddasāla
[4] Vgl. dazu Jātaka 151 Anm. 5. [Es scheint sich hier um eine bestimmte Zeremonie vor der Geburt zu handeln.]
[9] Sāriputta und Mogallāna (vgl. „Leben des Buddha“, S. 129 ff).
[11] Dies ist der Anfang des zwanzig Strophen umfassenden Salla-Sutta im Sutta-Nipata (III.8, 574 - 593).
[13] Vgl. dazu das Jātaka 417 vor Strophe 1.
[14] Vgl. Jātaka 461 Anm. 5. [Außer dem Sonnenschirm das Schwert, das Diadem, die Schuhe und der Fächer.]
[16] Sein Neffe ist Ajātasattu, der Sohn des Bimbisara, König von [Maghada mit der Hauptstadt] Rājagaha.
[20] Vgl. Jātaka 96 Anm. 7 [Die zehn Königstugenden sind:

References: §1

§2

§6

§8

§10

§12