Source: https://lightpainting.sunnys.photos/panoramafreiheit/
Timestamp: 2018-01-21 16:04:31+00:00

Document:
Grundlagen des Lightpaintings – Nr. 7 (Recht II – Panoramafreiheit) | Grundlagen des Lightpaintings – Nr. 7 (Recht II – Panoramafreiheit) – Lightpainting-Tutorials
Schauen wir uns zunächst einmal die entsprechenden Gesetzestexte aus dem UrhG an:
§ 59 UrhG Werke an öffentlichen Plätzen (–> ugs. Panoramafreiheit)
Gemäß §2 UrhG sind Werke der Baukunst urheberrechtlich geschützt. Ergo dürfen Sie nicht verfielfältigt werden. Auch nicht auf Fotos. Dies ergibt sich aus §16 (2) UrhG. Dieses Urheberrecht gilt nach §64 UrhG bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers (es gibt Ausnahmeregelungen). Eine Ausnahmeregelung davon bringt jedoch §59 des UrhG mit sich. Die Vorschrift des §59 UrhG (sog. Panoramafreiheit) bezweckt in erster Linie, dass öffentliche Gebäude und Straßenzüge abgebildet werden dürfen, ohne bei jedem einzelnen Eigentümer eine Genehmigung einholen zu müssen. Dies wäre bei der Abbildung einer Stadt ein schier unmögliches Vorhaben. Gleichzeitig soll jedoch die Privatsphäre geschützt werden.
Also schauen wir uns den Wortlaut einmal genauer an. Das aufgenommene Werk muss „bleibend“ sein. Somit handelt es sich wohl hauptsächlich um Immobilien. Der Begriff „bleibend“ ist allerdings nicht genau definiert. Jedoch kennen ja sicher einige noch das Drama um die Fotos vom verhüllten Reichstag (BGH, Urt. v. 24. Januar 2002, Aktz. I ZR 102/99)… Eine 2-wöchige Verhüllung war somit nicht ausreichend, um als „bleibend“ zu gelten. Eine dauerhafte Installation hingegen, deren Endzeitpunkt vielleicht nicht einmal bekannt ist, kann jedoch als „bleibend“ angesehen werden.
AUS DEM ÖFFENTLICHEN RAUM AUFGENOMMEN
Im nächsten Schritt greift das UrhG den Ort auf. Abbildungen unterliegen nur der Panoramafreiheit, wenn sie von öffentlich zugänglichen Plätzen, Straßen oder Wegen angefertigt wurden. Luftaufnahmen oder das Fotografieren auf einer Leiter, um Sichtschutz bzw. Hindernisse zu überwinden, sind nicht erlaubt. Ergo gilt es hier immer abzuklären, ab wann man sich nicht mehr auf öffentlichem Boden bewegt… Selbst wenn ich aus der eigenen Wohnung etwas sehe, was sonst von der Straße nicht einsehbar ist, greift die Panoramafreiheit nicht mehr. Nachbar’s Garten im Bild ist also tabu!
Die Panoramafreiheit gilt auch bezugnehmend auf kommerzielle Aufnahmen! Jedoch nicht, sobald ihr ein öffentlich zugängliches, in privatem Besitz befindliches Grundstück betretet! Möglicherweise ist hier zusätzlich eine Zustimmung des Grundstückseigentümers notwendig! Bitte informiert euch in solchen Fällen vorher genau!
Ein Beispiel… Das Feuerwerk beim Zechenfest auf Zeche Zollverein… Fotografiert ihr das Feuerwerk von außerhalb des Grundstücks (vom Gehweg/ vor dem Tor), dürft ihr die Aufnahmen ohne weitere Genehmigung veröffentlichen. Steht ihr jedoch hinter dem Tor auf dem Grundstück des Zechengeländes, befindet ihr euch bereits auf Privatgrund und müsst eine Genehmigung für die Veröffentlichung einholen. Solange ihr die Bilder nicht kommerziell, sondern rein privat nutzt, werdet ihr diese in der Regel jedoch auch kostenlos bekommen. Für eine kommerzielle Nutzung hingegen wird ein entsprechendes Entgelt verlangt.
Ein bekanntes Urteil hierzu ist das Friesenhaus auf Sylt (BGH, Urt. v. 09. März 1989, Aktz. I ZR 54/87), wo zugunsten der gewerblichen Nutzung der Fotografie auf Grund der Panoramafreiheit entschieden wurde.
Zusammenfassend sei also gesagt, dass wenn wir ein Gebäude oder Sonstige Gebilde in unsere Fotografie einbeziehen und diese Bilder auch später öffentlich zeigen wollen, sollten wir immer darauf achten, dass diese auf öffentlichem Grund und Boden entstehen und uns im Zweifel vorab informieren oder uns eben um eine entsprechende Genehmigung bemühen. Und ebenfalls beachten sollten wir, dass sich §59 UrhG ausschließlich auf Außenaufnahmen beschränkt! Weiterhin gilt zu beachten, dass ihr bei Aufnahmen von Gebäuden niemals Name und Anschrift des Bewohners mit veröffentlichen solltet (Schutz der Privatshäre/ Datenschutz)! Ausnahmen können sich durch die Pressefreiheit ergeben.
En Plus: Bitte beachtet auch die Persönlichkeitsrechte von Personen. Das spielt im Lightpainting nicht immer eine ganz so große Rolle, daher bin ich da jetzt nicht weiter drauf eingegangen. Details dazu findet ihr bei Bedarf in §§22-23 KunstUrhG.
Im Landschaftspark Duisburg-Nord findet man tolle Spots (mehr dazu in diesem Post) und kann super geniale Aufnahmen kreieren, wie das unten zu sehende Bild.
Normalerweise bräuchte man für so eine Aufnahme auf jeden Fall eine Genehmigung, da man sich hier zwar auf einem öffentlich zugänglichen Gelände befindet, welches jedoch ein Privatgrundstück ist. Für eine Privatnutzung ist in diesem Fall dennoch keine gesonderte Genehmigung einzuholen, da auf der Webseite bereits eine allgemeingültige Genehmigung veröffentlicht wurde. Klickt hier! Ihr seht, es ist nicht immer zwingend mit einem großen Aufwand verbunden, eine Genehmigung zu erhalten. Wichtig ist nur, dass ihr euch entsprechend vergewissert, dass ihr die Bilder öffentlich zeigen dürft.
Was in Deutschland gilt, gilt nicht zwangsläufig weltweit!
Spanien / Portugal / Österreich / Schweiz / Polen / Tschechien
Die gesetzlichen Regelungen sind ähnlich wie unsere. Bei der Privatnutzung der Bilder sollten keine weiteren Probleme entstehen, wenn ihr euch am deutschen Recht orientiert.
Hier greift die Panoramafreiheit auch in Innenräumen. Allerdings gibt es in den Niederlanden Ausnahmen (z.B. Schulen, Opern, Museen, Empfangshallen von Firmen). Eine kommerzielle Nutzung sollte sicherheitshalber jedoch vorher abgeklärt werden.
Frankreich / Belgien / Luxemburg / Italien
Hier gibt es faktisch keine Panoramafreiheit. Die gesetzlichen Regelungen solltet ihr euch vorher genau anschauen, bevor ihr Bilder aus eurem Urlaub in diesen Ländern veröffentlicht! Das Urheberrecht gilt weltweit mindestens (ohne Berücksichtigung von Ausnahmen) bis 50 Jahre nach dem Tod des Schöpfers.
Insbesondere zum Thema Eifelturm findet ihr viele Ausführungen im Internet:
Um es einmal kurz anzureißen… Der Eifelturm darf bei Tageslicht fotografiert werden, bei Nacht jedoch nicht, da hier die installierte Beleuchtung seit 1985 urheberrechtlich geschützt ist. Erst 70 Jahre nach dem Tod des Schöpfers erlischt dieses Urheberrecht. Hierüber wacht die Betreibergesellschaft SETE, die bei privater Nutzung einer solchen Aufnahme darauf besteht, dass „copyright Tour Eiffel – illuminations Pierre Bideau“ auf jeden Fall unter/bei dem Bild steht. Eine (unerlaubte) gewerbliche Nutzung kann unter Umständen richtig teuer werden! Und dies ist nur ein mögliches Beispiel.
Wenn ihr also Locations/ Kunstwerke in eure Lightpaintings einbeziehen wollt, dann solltet ihr euch vorab sicher sein, was genau ihr von wo genau fotografiert und welche Auswirkungen die Abbildungen haben können im Bezug auf die Veröffentlichung oder gar auf die gewerbliche Nutzung!
Generell verweise ich hiermit darauf, dass Gesetze sich immer mal wieder ändern und dieser Artikel lediglich den aktuellen Stand auszugsweise wiedergibt. Daher hat er auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine kompetente rechtliche Beratung. Wer sich für das Thema interessiert, kann Einzelheiten in den Gesetzestexten nachlesen. Des Weiteren distanziere ich mich ausdrücklich von Verstößen gegen die gesetzlichen Bestimmungen.
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References: § 59
 §2
 §16
 §64
 §59
 §59
 §59