Source: http://michaelbertling.de/beamtenrecht/entl01.htm
Timestamp: 2017-03-26 05:20:26+00:00

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Entlassung des Beamten durch Verwaltungsakt
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Entlassung durch Verwaltungsakt: Beamte auf Widerruf und auf Probe
Es geht um den Fall, dass der Dienstherr das Dienstverhältnis vor der Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit durch einen Verwaltungsakt (eine Entlassungsverfügung) auflösen will.
Diese Art der Entlassung droht nur Beamten auf Widerruf und Beamten auf Probe.
Bei Beamten auf Lebenszeit ist eine Entlassung auf diese Weise nicht möglich, sofern fünf Dienstjahre erbracht wurden.
Entlassung durch Entscheidung des Dienstherrn - Verwaltungsakt
Die gesetzlichen Voraussetzungen für die Entlassung eines Beamten auf Widerruf oder auf Probe ergeben sich aus den im wesentlichen gleichen Regelungen im Bund und in den Ländern. Dabei verweisen die Landesgesetze weitgehend auf das Beamtenstatusgesetz.
§ 23 Beamtenstatusgesetz §§ 34 ff. Bundesbeamtengesetz
§§ 30 ff. hamburgisches Landesbeamtengesetz
Meist liegt der Entlassung des Beamten auf Widerruf oder auf Probe ein Fehlverhalten von einiger Bedeutung zugrunde, das bei einem Beamten auf Lebenszeit zu einer empfindlichen Disziplinarmaßnahme geführt hätte.
In anderen Fällen wird die Eignung bezweifelt, insbesondere in gesundheitlicher, in charakterlicher oder in fachlicher Hinsicht.
Ein Beamter auf Widerruf ist am wenigsten abgesichert, aber auch ein Beamter auf
Probe muss bei Dienstvergehen oder Eignungsmängeln fürchten, entlassen oder
nicht zum Beamten auf Lebenszeit ernannt zu werden.Insbesondere in Zeiten des Umbruchs - wir beziehen uns zum Beispiel auf die Bundeswehrreform - gerät eine Entlassungsmöglichkeit in das Blickfeld, von der bisher nur selten Gebrauch gemacht wurde: die Entlassung eines Beamten auf Probe aus organisatorischen Gründen, § 34 Abs. 1 Nr. 4 BBG und § 23 Abs. 3 BeamtStG.
Mit einem solchen Fall befasst sich ein Beschluss des OVG Niedersachsen vom 01.07.13 - 5 ME 109 / 13 -.Eine solche Entlassung ist nur dann zulässig, wenn für den Beamten keine andere Verwendungsmöglichkeit gegeben ist. Der Dienstherr hat auch in diesen Fälle eine Such- und Dokumentationspflicht.
Beispiele für die Entlassung von Beamten auf Widerruf
unter Alkohol in der Freizeit gewalttätiger Beamter (Polizeikommissaranwärter)
sexistischer, flegeliger Beamter auf Widerruf (Polizeimeisteranwärter)
Sportprüfung während Bachelor-Ausbildung bei Polizei nicht bestanden
Täuschungsversuch bei Hausarbeit eines Kommissaranwärters
gesundheitliche Probleme der Beamtin auf Widerruf führen zur Entlassung (OVG NRW 2013)
Schnittstelle zwischen Beamtenverhältnis auf Widerruf und Beamtenverhältnis auf Probe
Entlassung zum Ende des Vorbereitungsdienstes
Beispiele für die Entlassung von Beamten auf Probe
Innerdienstliche Straftat: Indiz für Eignungsmangel schon bei milder Strafe
Entlassung wegen Dienstvergehen (Bundespolizist, rechtsradikaler Gruß)
Entlassung wegen Dienstvergehen (Bundespolizist, Tätowierung: Landser)
Betrug vor Einstellung, dann Ladendiebstahl (Beamtin auf Probe im Strafvollzug)
Alkohol und Schlägerei im Dienst (Beamter auf Probe im Strafvollzug)
Lehrer auf Probe verweigert Unterrichtsbesuch (OVG Koblenz)
mangelnde gesundheitliche Eignung: Entlassung am Ende der Probezeit
mangelnde gesundheitliche Eignung (Übergewicht): Entlassung am Ende der Probezeit
grundlegend neue Rechtsprechung zu gesundheitlichen Problemen 2013
Pensionierung oder Entlassung der Beamtin auf Probe?
Muss der Dienstherr Personalrat und Gleichstellungsbeauftragte unterrichten?
Zu der beabsichtigten Entlassung ist der Beamte anzuhören. Die Gewährung rechtlichen Gehörs wird in der Praxis nicht immer ernst genommen.
Der Beamte hat einen Anspruch darauf, umfassend und konkret informiert zu werden. Ihm muss in vernünftiger Weise Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden.
Ergeht dann eine Entlassungsverfügung des Dienstherrn, so kann der Beamte sie mit einem Widerspruch und einer Klage anfechten. Es sind dann verschiedene Varianten denkbar im Hinblick auf die Frage, ob die Entlassung sofort wirksam wird oder Widerspruch und Klage aufschiebende Wirkung haben.
Der Grundsatz - vom Gesetz so vorgesehen - ist, dass Widerspruch und Klage aufschiebende Wirkung zukommt.
Der Dienstherr kann die sofortige Vollziehung der Entlassungsverfügung anordnen. Dagegen können Sie als Betroffene(r) das Verwaltungsgericht anrufen und darum bitten, die aufschiebende Wirkung wieder herzustellen.
Dies ist eine häufige Konstellation, gewissermaßen beamtenrechtliche Routine.
Das Gericht prüft unter anderem, ob die Anordnung der sofortigen Vollziehung hinreichend begründet ist.
Hierzu eine Entscheidung des OVG Koblenz vom 26.06.12.
Bitte beachten Sie: wenn Sie während des Rechtsstreits weiter Bezüge erhalten, später aber den Rechtsstreit verlieren, dann müssen Sie unter Umständen die erhaltenen Bezüge zurück zahlen.
So die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
Spezielle Regelungen - Beispiele
Hamburgische Elternzeitverordnung - HmbEltZVO
§ 4 Entlassungsschutz
(1) Ab Antragstellung nach § 2 Absatz 1, höchstens jedoch sechs Wochen vor Beginn der Elternzeit, und während der Elternzeit darf die Entlassung einer Beamtin oder eines Beamten auf Probe oder auf Widerruf gegen ihren oder seinen Willen nicht ausgesprochen werden.
(2) Der Senat, bei Körperschaftsbeamtinnen und Körperschaftsbeamten die nach Gesetz, Rechtsverordnung oder Satzung hierfür zuständige Stelle, kann abweichend von Absatz 1 eine Entlassung aussprechen, wenn ein Sachverhalt vorliegt, bei dem eine Beamtin oder ein Beamter auf Lebenszeit im förmlichen Disziplinarverfahren aus dem Dienst zu entfernen wäre.
Hamburgische Mutterschutzverordnung - HmbMuSchVO § 10 (1) Während ihrer Schwangerschaft und in den ersten vier Monaten nach der Entbindung darf eine Beamtin auf Probe oder auf Widerruf gegen ihren Willen nicht entlassen werden, wenn der Beschäftigungsbehörde die Schwangerschaft oder die Entbindung bekannt ist. Eine ohne diese Kenntnis ausgesprochene Entlassung ist mit Wirkung für die Vergangenheit zu widerrufen, wenn der Beschäftigungsbehörde die Schwangerschaft oder die Entbindung innerhalb von zwei Wochen nach der Zustellung der Entlassungsverfügung mitgeteilt wird; das Überschreiten dieser Frist ist unbeachtlich, wenn es auf einem von der Beamtin nicht zu vertretenden Grund beruht und die Mitteilung unverzüglich nachgeholt wird.
(2) Der Senat, bei Körperschaftsbeamtinnen die nach Gesetz, Rechtsverordnung oder Satzung hierfür zuständige Stelle, kann auch beim Vorliegen der Voraussetzungen des Absatzes 1 eine Entlassung aussprechen, wenn ein Sachverhalt vorliegt, bei dem eine Beamtin oder ein Beamter auf Lebenszeit im förmlichen Disziplinarverfahren aus dem Dienst zu entfernen wäre. (3) Die §§ 33 und 34 HmbBG bleiben unberührt.
Für Soldaten auf Zeit gibt es spezielle Regelungen im Soldatengesetz.
Einen Auszug aus dem Soldatengesetz finden Sie hier.

References: § 23
 § 34
 § 23

§ 4
 § 2
 § 10