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Timestamp: 2018-01-23 12:07:16+00:00

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Überalterung (excess of age, aging):
Die Tatsache, dass in den entwickelten Volkswirtschaften die Geburtenrate zurückgeht mit der Folge, dass
1. der Anteil der über 65jährigen zunimmt während
2. das Wachstum der arbeitenden Bevölkerung abnimmt. Deswegen werden solche Investitionskredite lohnend, welche der Anschaffung von arbeitssparendem, technischem Fortschritt (capital-saving technical progress) dienen, und Aktien entsprechender Unternehmen dürften langfristig eine verhältnismässig hohe Rendite abwerfen.
– Gesamthaft gesehen ist freilich mit einem Druck auf die Währung der betroffenen Staaten bzw. Währungsgebiete wie Euroraum zu rechnen, die von der Überalterung besonders betroffen sind. Denn bereits jetzt wurden zu viele Zahlungsversprechen für die Zukunft übernommen, vor allem Pensions- und Sozialleistungen. Das erhöht weiter die Staatsverschuldung; bereits 2040 wird in Deutschland der angehäufte Schuldenberg fünfzehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Zinszahlungen verschlingen.
– Siehe Altersquotient, Alterung, Demographieverfestigung, Global Macro, Kapitalflucht, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Schattenverschuldung, Stagnation, säkulare, Stagnation, säkulare, Tragfähigkeitslücke, Vergreisung.
– Vgl. Jahresbericht 2004 der EZB, S. 58 ff. (hier auch Prognosen bis 2050), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 73 (Übersicht der altersbedingten Staatsausgaben bis 2050), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 93 ff. (Projektion der alterungsbedingten Staatsausgaben; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 19 (die ungünstige demographische Entwicklung birgt Gefahren für die Einrichtungen der Altersvorsorge).
Überbelastung (overtrading):
1 Anleger kaufen Papiere weit über ihre Verschuldungsgrenze.
2 Ein Unternehmen weitet seine Geschäfte zu rasch aus (a company expands its own operations aggressively and too quickly) und gerät so in eine Finanzklemme (financial squeeze).
– Siehe Aktienblase, Blase, spekulative, Glücksspieleffekt, Hindsight, Kurzsichtigkeit.
Überbrückungsgeld (interim allowance; inmates' reserve money):
1 In Deutschland im Zuge der Arbeitsmarktpolitik Zahlung an Personen, die bis anhin arbeitslos oder in einer Arbeitsbeschaffungsmassnahme (job-creating scheme) beschäftigt waren, nunmehr aber in selbständige Tätigkeit (self-employment; "Ich-AG"; ego-company: the odd expression "Ich-AG" comes from the draft of the Hartz Commission denoting an unemployed person who becomes self-employed and receives certain allowances for that) wechseln.
2 Bei Häftlingen gemäss § 51 StVollzG-NRW vier Siebtel des monatlichen Arbeitsentgelts. Diese Beträge sind für den Gefangenen bis zum Zeitpunkt seiner Entlassung gesperrt, weil das Geld der Sicherung des Lebensunterhalts des Gefangenen und seiner Familie für die ersten vier Wochen nach der Entlassung dienen soll.
– Siehe Eigengeld, Hausgeld, Pekulium Übergangsgeld, Taschengeld.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 70 (hier auch weitere Fachbegriffe in Zusammenhang mit finanziellen Leistungen im Arbeitsmarkt).
Überbrückungskredit und Überbrückungsdarlehn (payday loan, paycheque advance; bridge loan):
1 Einem Gehaltsempfänger von der Bank gewährter Kleinkredit, um über die Zeit bis zur nächsten Gehaltszahlung hinwegzuhelfen, mitunter auch Zahltag-Darlehn genannt (a small, short-term loan that is intended to bridge the borrower's cashflow gap between paydays).
2 Ein von der Bank kurzfristig gewährtes Darlehn mit dem Zweck, über die Zeit bis zum Abschluss einer längerfristigen Finanzierungsvereinbarung hinwegzuhelfen. Der Zinssatz für solche Kredite ist in der Regel ziemlich hoch; sie werden gewöhnlich durch Grundbesitz oder Lagerbestände besichert (a short-term loan to cover the immediate cash requirements with relatively high interest rate that is used until a person or company can arrange a more comprehensive longer-term financing).
3 Besonders bei der Immobilienfinanzierung (commercial real estate finance) von Privathaushalten ein Darlehn der Bank zum sofortigen Kauf eines neuen Besitztums, derweil der Kreditnehmer noch in Verhandlungen zum Verkauf seiner bisherigen Immobilie steht (a loan designed for the purchase of a new house, whilst awaiting the proceeds from the sale of a previous property).
– Siehe Brückenkredit, Eigenkapital-Zwischenfinan¬zierung, Term Loan, Vorlage.
Überfahrgeld (passage pay):
Wenn nicht anders definiert die Zahlung von Personen bei Mitnahme auf einem Hochsee-(Fracht)Schiff. - Manche Reedereien weltweit bieten heute solche Möglichkeiten selbst auch auf Containerschiffen an. Nachfrager sind in erster Linie ältere, aus dem Berufsleben ausgeschiedene Personen, die häufig nur einen Bruchteil des Preises wie auf einem Luxusliner zu zahlen haben. Eigene Vermittlungsagenturen (placement agencies) bündeln inzwischen Angebot und Nachfrage nach Mitfahrten.
– Siehe Brückengeld, Chausseegeld, Citymaut, Fährgeld, Furtgeld, Kaaggeld, Maut, Rheinoctroi, Schleusengeld, Taxe, Torgeld, Wägegeld.
Übergangsgeld (provisional payment; transitional allowance; severance package; tansition money):
1 Zahlung, die aus dem Dienst ausscheidende Beschäftigte vom Arbeitgeber erhalten.
2 Nach dem deutschen Sozialrecht eine Leistung für Versicherte, die infolge eines Versicherungsfalls Zahlungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bzw. zur wirtschaftlichen Absicherung während der Dauer einer Rehabilitationsmassnahme (rehabilitation programme) erhalten; siehe § 49 SGB.
3 Eine Summe, die ein Angestellter beim Ausscheiden aus einem Unternehmen erhält (a sum of money which an employee receives when he or she leaves employment at a company).
4 Im Besonderen eine Zahlung an ausscheidende Abgeordnete aus dem Deutschen Bundestag mit dem Ziel, diesen eine Rückkehr in den angestammten Beruf oder die Aufnahme einer neuen Berufstätigkeit zu ermöglichen.
– Siehe Abfindungsgeld, Abstandsgeld, Entlassungsgeld, Tafelgeld, Überbrückungsgeld.
Überhang, statistischer (statistical overhang):
Fachausdruck für die Tatsache, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nicht nur von den Gegebenheiten des jeweiligen Kalenderjahres abhängt, sondern auch durch die Entwicklung in den Jahren davor bestimmt wird.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 71 ff. (Erklärung; Anwendung auf das Wachstum in Eurogebiet; Übersichten 1981-2009).
Überkonsum (shopping binge):
Nach 2000 aufgekommener Begriff in der Bedeutung, dass Privathaushalte - vor allem in den USA und Grossbritannien - Verbrauchsgüter in Menge gekauft haben, ohne diese eigentlich bezahlen zu können. Sie sind im Jargon "over-shopped". Denn Spareinlagen waren nicht vorhanden, und viele Güter wurden durch Aufnahme von Schulden erworben. Es greift indessen zu kurz (it does not go far enough), wenn man diese Entwicklung allein dem Aufkommen und der Verbreitung von Karten zurechnet, wie dies oft geschieht.
– Siehe Deflation, hässliche, Entkapitalisierung, Finanzmarkt-Stress, Finanznot, Jingle-Mail, Kreditkarten-Fiasko, Luxuskonsum, Mark-to-Model-Ansatz, Ninja-Loans, Panikverkäufe, Pay-Green-Initiative, Phthisis, Schuldentragfähigkeit, Subprime-Krise, Szenarien, aussergewöhnliche, Übernachfrage, volkswirtschaftliche, Überschuldung.
Überlassungsurkunde (deed of surrender):
Ein Dokument, das die Abtretung eines Vermögenswertes für eine vertraglich festgelegte Zeit zum Gegenstand hat (a document which transfers the ownership of an asset during a specified limited period of time).
– Siehe Zession.
Überlauf-System (overload system):
Wenn nicht anders definiert, so meint man damit den Verbund der Sicherungseinrichtungen für Bankeinlagen; und zwar dergestalt, dass im Bedarfsfall die jeweiligen Fonds füreinander einstehen.
– Siehe Einlagensicherung, Feuerwehrfonds, Pool, Sicherungspflicht.
Überlebensgeld (subsistence money):
Wenn nicht anders definiert die Zahlung der Sozialbehörde (local social security office) in dringenden Fällen, ehe ein Bescheid über die Höhe des Wirtschaftsgeldes ergangen ist.
– Siehe Überbrückungskredit.
Übermut (arrogance, presumption):
Allgemein das vermessene Vertrauen eines Menschen in seine eigenen Fähigkeiten. Der Übermütige
1. unternimmt in leichtfertigem Selbstvertrauen mehr, als er vermag,
2. er missachtet dabei Hindernisse und
3. verschmäht fremden sachkundigen Rat.
– Wie die Finanzgeschichte lehrt, sind solche unbesonnene Menschen am Ende immer gescheitert, und sie rissen oft genug ganze Unternehmen in den Abgrund. Von daher ist es durchaus richtig - obschon dies heftig beanstandet wurde -, wenn bei einem Darlehn an Firmen die Banken bzw. Auskunfteien auch die charakterlichen Fähigkeiten (character qualities) der Entscheidungsträger in einem Unternehmen bzw. die darauf bezogenen Kontrollinstanzen beurteilen.
– Siehe Anlagemut, Bankkunden-Profil, Barfusspilger, Bonität, Börsenspieler, Daimonion, Fact Sheet, Geiz, Geschorener, Habsucht, Kredit, Kundendossier, Rating, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risk Taker, Sparsamkeit, Spekulant, Wirtschaftsauskunftei.
Übernachfrage, volkswirtschaftliche (exaggerated macroeconomic demand):
Ein Zustand, bei dem die heimische Endnachfrage (domestic final demand) die heimischen Produktionsmöglichkeiten übersteigt. Das führt im Inland CETERIS PARIBUS zur Inflation. Es kommt gleichzeitig zu einem Anstieg der Importe; und der Wechselkurs der betreffenden Währung muss dadurch sinken. - Wird der Produktionsengpass
1. nicht innert einiger Zeit durch Erweiterungsinvestitionen (additional investments in expansion) im Inland aufgebrochen oder
2. ist solches nicht möglich, weil sich die Nachfrage auf in der eigenen Volkswirtschaft nicht zu produzierende Güter richtet, dann gerät die Zahlungsbilanz dieses Landes immer mehr ins Ungleichgewicht. Am Ende muss die heimische Währung abgewertet werden, wenn man von Importzöllen oder gar Einfuhrverboten absieht.
– Findet die beschriebene volkswirtschaftliche Übernachfrage innert einer Währungsunion statt, dann steigt die Staatsverschuldung des betreffenden Mitglieds. Das hat, wie sich sehr deutlich im Falle der Griechenland-Krise zeigte, Folgen für sämtliche Teilnehmer des Währungsgebietes. Diese müssen am Ende auf die eine oder andere Weise für die übermässige Staatsverschuldung des betreffenden Mitglieds einstehen.
– Siehe Abwertung, Bail-out, Differentialzoll, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäischer Stabilitätsmechanismus, Europäischer Währungsfonds, Eventualschuld, EWU-Sprengsatz, EZB-Bilanz, Finanzstabilität, Japanisierung, Überkonsum, Zwangsenteignung.
Übernachtgeld auch Übernachtkredit (overnight money):
Andere Bezeichnung für das Tagesgeld.
– Siehe Deichselgeld, Fazilität, ständige, Spitzenrefinanzierungs-Fazilität.
Übernahme, in älteren Dokumenten auch Konkorporation (takeover):
Wenn nicht anders definiert die Aneignung der Herrschaft über ein Unternehmen durch eine andere Firma (the purchase of one company [the target] by another [the acquirer, or bidder]).
– Siehe Aktionärstimmenjagd, Aktientausch-Übernahme, Asset Sales Deal, Fusionen und Übernahmen, Übernahme-Angebot, Zuschuss.
Übernahme, feindliche (hostile takeover):
Allgemein ein Übernahme-Angebot, bei dem die Organe der Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) von der Annahme des Angebots abraten, weil die Offerte nicht zum langfristigen Vorteil der Zielgesellschaft beiträgt.
– Siehe Aktionärstimmenjagd, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Freier, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Radar-Überwachung, Raider, Shark Watcher, Totholz, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff.
– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 223 (zum Begriff "feindliche Übernahme"; Zulässigkeit von Abwehrmassnahmen).
Übernahme-Angebot (takeover bid):
Ein öffentliches Angebot eines Bieters, das auf den Erwerb oder die Kontrolle einer Aktiengesellschaft oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien gerichtet ist (the attempt to buy a company, either in a hostile or friendly manner). - In Deutschland unterliegen solche Angebote seit 2002 den Bestimmungen des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG) und werden in Bezug auf Banken auch aufsichtsrechtlich überwacht. Zweck des Gesetzes ist es, die von der Gegebenheiten des Bieters ausgehenden kennzeichnenden Gefahren - wie Zerschlagung der Zielgesellschaft, Sitzverlegung ins ferne Ausland, Entlassung der Belegschaft - im Übernahmeverfahren weitestgehend auszuschalten, ohne jedoch der deutschen Volkswirtschaft die mit Fusionen und Übernahmen verbundenen Gelegenheiten vorzuenthalten, wie etwa Synergieeffekte (synergy effects: the ability of the two combined firms to be more successful than the sum of their market potential as a result of the merger) oder die Verankerung in Auslandsmärkten. - Pflichtangebote (§ 35 WpÜG), freiwillige Übernahme-Angebote (§ 29 WpÜG) und sonstige Erwerbsangebote (§ 10 WpÜG) werden auf der Homepage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht veröffentlicht.
– Siehe Abwehrmassnahme, Aktionärstimmenjagd, Aktientausch-Übernahme, Aufastung, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Freier, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Greenmail, Konzentrationskurs, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Personen, gemeinsam handelnde, Pflichtangebot, Raider, Ritter, weisser, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Trade Sale, Totholz, Transaktionsbonus, Übernahme, feindliche, Übernahme-Ankündigung, Übernahme-Appell, Umtausch-Angebot, Vulture-Fund, Zuschuss.
– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesamtes für den Wertpapierhandel, S. 38 ff., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 171 ff. (S. 173: Schema des Verfahrens), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 187 (Insiderdelikte bei Übernahmen), S. 188 (Übersicht zu den Preiseffekten bei Übernahmen), S. 202 ff. (Übersicht; Einzelfälle), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 171 (Liste), S. 172 ff. (Zahl der Angebotsverfahren; einzelne Fälle), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 147 (Übernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetz), S. 181 ff. (Verfahren; Datenbank der BaFin; Probleme bei Übernahme-Angebote für Gesellschaften, die auch an der US-Börse notiert sind), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 201 (BaFin überwacht Transparenz bei Unternehmensübernahmen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 217 ff. (Schwerpunkte der Aufsicht; Ablaufdiagramm; einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 75 ff. (grenzüberschreitende Bankfusionen; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 199 f. (notwendige Angebotsbedingungen).
Übernahme-Ankündigung (acquisition announcement):
Die - nicht unbedingt öffentlich bekanntmachte - Erklärung eines Unternehmens, eine andere Firma zu übernehmen, ohne jedoch in Wirklichkeit diese Absicht zu haben oder gar bereits ein Übernahme-Angebot abzugeben. - Weil jedoch durch eine solche Verlautbarung in der Regel der Kurs der Aktie des möglichen Bieters steigt, wurden mehrfach entsprechende Gerüchte - oft auch geschickt in Vorstandsreden verpackt - mit der bezielten Wirkung verbreitet. Es erwies sich als rechtlich sehr schwer, solche kursmanipulativen Machenschaften (share price manipulating machinations) zu beweisen, um dagegen juristisch oder aufsichtsrechtlich einschreiten zu können.
– Siehe Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Börsenbriefe, Freier, Gifttablette, Greenmail, Börsengerüchte, Kursbetrug, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Pairoff, Prearranged Trading, Pump and Dump, Radar-Überwachung, Scalping, Schlangenhandel, Übernahme-Appell.
Übernahme-Appell und Übernahmeaufruf (bear hug):
Ein Raider teilt einem Unternehmen unvermittelt, überraschend mit, dass er dieses zu übernehmen gedenkt und fordert seitens der Zielgesellschaft eine sofortige Entscheidung (a takeover approach in which the acquirer - without previous warning - mails the management of the target company a letter, declaring the acquisition proposal and demanding a quick decision).
– Siehe Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Shark Watcher, Übernahme-Ankündigung, Überraschungsangriff.
Übernahmebeirat (takeover committee):
Im Deutschland Gremium mit der Aufgabe, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bei ihrer Aufsicht nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) zu unterstützen. Dieses Gesetz regelt seit dem 1. Januar 2002 die Rahmenbedingungen bei Unternehmensübernahmen und gewährleistet ein durchsichtiges und faires Verfahren. Der Beirat berät insbesondere bei dem Erlass von Rechtsverordnungen für die Aufsichtstätigkeit.
Übernahmeliste (tariff for freights and charges):
Vor allem in älteren Dokumenten eine Aufstellung der Dienstleistungen und jeweiligen Preise, welche im Speditionsgewerbe ein Unternehmer (und zwar
1. carrier: a person or firm in the business of transporting people or goods or messages;
2. a forwarder: an intermediary between carrier and owner of goods being transported, who arranges for their carriage and provides incidental services to facilitate the transport;
3. a haulier: a person or company engaged in transporting goods by road or
4. a remover: a firm that moves furniture) an seine allfälligen Kunden versendet.
Übernahmerisiken (bank acquisition risks):
Bei der Übernahme einer Bank durch ein anderes Finanzinstitut treten erfahrungsgemäss zwei hauptsächlich Risiken auf.
1. Wie gut eine Bankbilanz wirklich ist, zeigt sich letztens immer nach dem Kauf. Erst wenn der Investor Herr über alle Zahlen ist, so kann er erkennen, welche Risiken darin versteckt sind.
2. Im gehobenen Finanzgeschäft kommt es ganz entscheidend auf den einzelnen Mitarbeiter an. Das gilt sowohl für die Betätigungen an den Märkten (market activities) als auch für die Betreuung vermögender Privatkunden. Empfinden diese Angestellten eine Übernahme als feindlich, so sind - wie sich immer wieder gezeigt hat - die Besten sehr rasch bei der Konkurrenz.
– Es gilt daher, diese beiden wichtigen Risiko-Umstände vorab in einer Machbarkleitstudie möglichst genau abzuschätzen.
– Siehe Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankenfusionen, Due Diligence, Earn-out Klausel, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Gigabank, Kaufpreis-(Teil)Stundung, Machbarkeitsstudie, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Raider, Risiko, personelles, Tax Due Diligence, Totholz.
Überraschungsangriff, Morgenangriff und oft [wie im Englischen] Dawn Raid (dawn raid):
Der Kauf aller im Angebot stehenden Aktien einer Zielgesellschaft durch einen Raider sofort nach Börseneröffnung (the purchase of all obtainable shares of a target company at the market's open by a raider. A dawn raid is a surprise technique that allows the raider to gain an important portion of the target company before the target company recognises what is happening).
– Siehe Aktionärstimmenjagd, Bieter, Blitzkrieg-Übernahme¬angebot, Europa-AG, Freier, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Greenmail, Konzentrationskurs, Kriegskasse, Radar-Überwachung, Ritter, schwarzer, Ritter, weisser, Shark Watcher, Squeeze-out, Übernahme, feindliche, Übernahme-Angebot, Übernahme-Appell, Übernahmebeirat, Übernahmerisiken, Zielgesellschaft.
Überregierung (super-government):
In Bezug auf Europa der Vorwurf, dass durch Einrichtungen (Superbehörden; super agencies) wie den Europäischen Stabilisierungsmechanismus, den Fiskalpakt - aber auch die über ihr eigentliches Mandat handelnde EZB - zunehmend Rechte den einzelstaatlichen Volksvertretungen entzogen und auf allwissende, ungebremste Technokraten (omniscient and non-accountable technocrats) übertragen werden, die glauben, die Wirtschaft und Gesellschaft steuern zu können. - Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht in Deutschland gegen eine in den Europäischen Verträgen nicht vorgesehene Übertragung der Macht an supranationale Institutionen wurden grösstenteils abgewiesen, so gegen den Europäischen Stabilisierungsmechanismus durch Urteil vom 12. September 2012.
– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Bailout, Buyer of last resort, EZB-Sündenfall, Europayer, Hegemon, milder, Salami-Taktik, Transfer, verschleierter, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 27 f. (eine Zentralbank darf keine "quasi-fiskalische Rolle" einnehmen).
Überregulierung (regulation in excess, regulatory overkill):
Vielfach laut werdender Vorhalt in Bezug auf die Regulierungsdichte auf - deutschen, aber auch US-amerikanischen - Finanzmärkten. Sachlich betrachtet nützt das enge Netz von Regelungen (close-knit net of rules) grundsätzlich sowohl den Finanzdienstleistungsinstituten als auch den Anlegern. Denn es mindert die Gefahr von Machenschaften aller Art und stärkt das Vertrauen in die Märkte. Freilich liegt es nicht in der Macht der Aufsichtsbehörden, unlautere Handlungen völlig auszuschliessen. - Auf der anderen Seite ist es aber auch wohl kaum zu vermeiden, dass die zu enge Aufsicht dazu führt, neue Wettbewerber vom Markt fernzuhalten. Es könnte sogar auch dazu führen, dass Finanzdienstleister die Aufsichtsbehörden zu Massnahmen anregen mit dem Ziel, den Marktzutritt zu erschweren (capture theory; Capture-Theorie: die Aufsichtsbehörde wird für die geschäftlichen Belange bestimmter Akteure missbraucht).
– Siehe Anlegerschutz, Aufsicht, Aufsicht, europäische, Aufsicht, präventive, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, Banana Skins Survey, BaFin-Umlage, Beaufsichtigung, vollständige, Capture-Theorie, Fragmentierung, aufsichtliche, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Moral Suasion, Murphy's Gesetz, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Transparenzgrad.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 41 ff. (Vorteilen und Gefahren einer zu engen Regulierung).
Übersatz (usury):
Das heute nur noch selten gebrauchte, aus dem Bibeldeutschen kommende Wort (hebräisch: TARBITH) bezieht sich im engeren Sinn auf wucherische Handlungsweisen bei dargeliehenen Naturerzeugnissen wie Lebensmittel und Saatgut. Wucher (hebräisch: MAESCHAECH) hingegen stellt in der Regel auf Geld ab. Indessen ist die Abgrenzung in älteren Dokumenten nicht immer eindeutig.
– Siehe Agiotage, Danismus, Finanzgeier, Kopfzins, Rebbes, Sündengeld, Wucher, Wucher-Herausforderung, Zinsverbot.
Überschlag (rough calculation):
Die geschätzten Aufwendungen für ein Vorhaben allgemein und für ein Engagement auf dem Finanzmarkt im Besonderen.
Überschreitung (overdraft; budget overrun, overspending):
1 Die Abhebung von einem Konto über das Guthaben bzw. die von der Bank eingeräumte Kreditlinie hinaus (the amount of a paid check or other withdrawal exceeds the available balance in a checking account).
2 Die Ausdehnung der Ausgaben über die Einnahmen im Budget (the amount by which expenditures and encumbrances exceed the current allotment to which they are chargeable) vor allem
1. einer staatlichen Stelle bzw.
2. einer zugewiesene Haushaltsmittel verwaltenden Entität, wie einer Kirche, Krankenkasse, Universität oder einem Gesundheitsfonds (health fund),
3. einer Gemeinschaft wie Konsortium, Verein, Körperschaft, Klub, Genossenschaft, Stiftung oder
4. oder einem genauer Finanzplanung unterliegenden Unternehmen und seiner Teilbereiche.
– Siehe Kontokorrentkredit, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Überziehung, Vorlage.
Überschuldung (over-indebtedness, excessive indebtedness):
Die Schulden einer Wirtschaftseinheit (economic unit: Unternehmen, Privathaushalt, Staat) übersteigen das Vermögen (liabilities exceed the assets).
– Siehe Deflation, schlechte, Extensum, Finanznot, Insolvenz, Inverzugsetzung, Liquidität, Manifestierung, Phthisis, Schuldentragfähigkeit, Staatsverschuldung, Überkonsum, Verwertungsüberschuss, Verschuldung, Zahlungsunfähigkeit.
Überschuss (surplus, overplus):
Wenn nicht anders definiert der Betrag, der übrigbleibt, wenn man die Ausgaben gegen Einnahmen verrechnet hat (amount by which receipts exceed outlays): also das Ergebnis, in der Regel vor Steuern gerechnet.
– Siehe Aufwand, Deckungsbeitrag, Erfolg, Ergebnis, Ertrag, Gewinn, Mehrwert, Umsatzrendite.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 53 (Jahresüberschuss deutscher Kreditinstitute 1999-2008) sowie den jeweiligen September-Bericht wegen neuer Zahlen.
Überschussbeteiligung (surplus sharing):
Bei Lebensversicherungen das vertraglich zugesicherte Recht, an allfälligen Gewinnen aus dem Sicherungsvermögen in entsprechender Weise beteiligt zu werden. Im einzelnen führte dies bis anhin zu vielen Streitigkeiten. In Deutschland ist daher zu Jahresbeginn 2008 die Rechtslage bezüglich der Ansprüche des Versicherungsnehmers neu geregelt worden.
– Siehe Auswirkungsstudie zu langfristigen Garantien, Deckungsgrad, Rückkaufswert, Zinsgarantiereserve.
– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 197 (Rechtslage; mangelnde Informationen seitens der Assekuranz-Unternehmen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 77 (vertragsrechtliche Verankerung der Überschussbeteiligung; Vorschriften für die Ermittlung der Bewertungsreserven; Informationspflicht des Versicherers nach § 155 VVG), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 108 (Aktuare müssen auch prüfen, ob die Überschussbeteiligung die dauernde Erfüllbarkeit der Verpflichtungen aus den Lebensversicherungsverträgen nicht gefährdet) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds", Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 45 ff. (aufgrund der Niedrigzinspolitik sinken die Überschussbeteiligungen; Assekuranz zur Neuausrichtung gezwungen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 86 f. (Erklärung der kniffeligen Probleme um die Bewertungsreserve). Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch eine detaillierte Übersicht über die einzelnen Posten der Bewertungsreserve nach Buchwert und Prozentanteilen in den einzelnen Anlagekategorien nebst Erläuterungen.
Überschusseinheiten (surplus units):
Privathaushalte und Unternehmen die allfällige Ersparnisse - in der Regel über Vermittler, nämlich die Banken - anderen Unternehmen und dem Staat zur Verfügung stellen (individuals, private households, or businesses who have excess unspent moneys during a given period of time; consequently they are interested in lending these funds).
– Siehe Defiziteinheiten, Fristentransformation, Sparwut, Verschuldungsquote, private.
Überschuss-Liquidität und Überschussliquidität (excess liquidity, surplus liquidity):
1 Bei einem einzelnen Institut der Bestand an Bargeld, welcher die geschäftsnotwendige Höhe übersteigt (cash held by a bank above the usual requirement in its day-to-day operations).
2 Total, um welches die Guthaben der Banken bei der Zentralbank den gesamthaften Liquiditätsbedarf des Bankensystems überschreitet. Der Liquiditätsbedarf (liquidity requirements) des Bankensystems setzt sich zusammen aus dem Mindestreserve-Soll und autonomen Faktoren (autonomous factors: issues that affect temporarily the demand for liquidity and which are normally beyond the scope of influence of institutes: unexpected withdrawals for cash from their clients, for instance).
3 Zuflüsse in das Bankensystem überschreiten die durch die Massnahmen der Zentralbank bewirkten Liquiditäts-Abflüsse. Das zeigt sich im Regelfall durch über dem Mindestreserve-Soll liegenden Einlagen der Banken bei der Zentralbank (cash flows into the banking system persistently exceed withdrawals of liquidity from the market by the central bank. This is reflected in holdings of reserves in excess of the central bank's required reserves).
4 Die tatsächliche Geldmenge in einem Währungsbiet in Beziehung zu einen berechnetem Gleichgewichtsniveau (the deviation of the actual stock of money from an estimated equilibrium level).
5 Die Geldmenge steigt rascher als das Bruttoinlandsprodukt (if money supply expands faster than nominal gross domestic product, excess liquidity will be created. In other words, excess liquidity in this definition is the percentage year-on-year money supply growth minus the percentage year-on-year growth in nominal GDP).
6 Der Geldmengenbestand, der noch nicht durch Mengen- bzw. Preiserhöhungen aufgesogen wurde.
– Siehe Geldlücke, Liquiditätsfaktoren, autonome Portfolio-Umschichtungen, Unterbietung.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 35 (Verlauf Zinsen, Geldmarktsätze und Überschussliquidität im Eurogebiet).
Überschussreserven (excess reserves):
Guthaben einer Bank auf Girokonten, die über das Soll der Mindestreserve hinausgehen (actual reserves above central-bank required reserves).
– Siehe Mindestreserve-Pflicht, Überschuss-Liquidität.
– Vgl. über die Höhe der Überschussreserven den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Mindestreserve-Erfüllung" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 27 ff. (Überschussreserven definiert und in Zusammenhang mit der Geldpolitik der EZB erläutert), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 97 ff. (Vorausschätzung der Überschussreserven; viele Übersichten: S. 103: Gründe, warum eine Bank überhaupt Überschussreserven hält).
Überschwang, unvernünftiger (irrational exuberance):
Um 2005 aufgekommene und aus dem Amerikanischen eingedrungene Bezeichnung (sie geht wohl auf den Notenbankpräsidenten Alan Greenspan zurück) für das sorglose Verhalten von Anlegern, die in einer Aufschwungphase unbekümmert hohe Risiken auf sich nehmen.
– Siehe Blase, Blase, spekulative, Börsenfieber, Boom-Bust-Zyklus, Crash, Dotcom-Blase, Glücksspieleffekt, Hindsight, Immobilienblase, Kurzsichtigkeit, Martin-Prinzip, Marktkenntnis, zentralbankliche, Milchmädchen-Hausse, Mississippi-Taumel, Massiv-Verkäufe, Panikverkäufe, Poseidon-Blase, Rückkoppelungsschleife, Spekulationsblase, Subprime-Krise, Trittbrettfahrer, Tulpencrash, Überbelastung, Vermögensblase, Vertrauens-Hypertrophie.
Übertrag (carryover):
In Bezug auf Warenterminmärkte die Läger aus der vorhergehenden Ernte bzw. Produktionsperiode (stockpile of merchandise from the preceding season).
– Siehe Option, kommerzielle, Rohstoff-Terminvertrag.
Übertragbarkeit (transferability):
In Zusammenhang mit der Liquiditätsbeobachtung der Monetären Finanzinstitute durch die EZB versteht man darunter die Möglichkeit, in Finanzinstrumenten angelegtes Geld unter Nutzung von Zahlungsmöglichkeiten - wie Schecks, Überweisungsaufträge, Lastschriftverkehr - zu mobilisieren.
Übertragung, bedingte (provisional transfer):
Die Übergabe eines Vermögensgegenstandes oder von Geld, jedoch unter dem Vorbehalt, dass diese rückgängig gemacht werden kann, sei es dass der Übergebende sie widerruft, sei es, dass andere Umstände eine Aufhebung begründen (a transfer of an asset or money that can be revoked by the originator or as long as it can be reversed subject to certain conditions). - Bei Abbuchung von Geld aus einem Konto aufgrund einer Einzugsermächtigung (direct debit mandate, direct debit authorisation) weisen viele Banken automatisch auf die Möglichkeit zum Widerruf der Lastschrift hin.
– Siehe Übertragung, endgültige, Vorbenachrichtigung, Zahlungsauftrag, Zahlungshalber.
Übertragung, endgültige (final transfer):
Die unwiderrufliche und unbedingte Übergabe eines Vermögensgegenstandes oder von Geld mit schuldbefreiender Wirkung (a transfer of an asset or money that is unconditional, enforceable and irrevocable).
– Siehe Abruf, Abwicklungsbestätigung, Buchgewinn, Closing, Manzipation, Mistrade, Schlusschein, Settlement, Transfer, True-Sale-Verbriefung, Übertragung, bedingte, Zahlungshalber.
Übertragung, systemübergreifende (cross-system settlement):
Die Durchführung von Zahlungen oder die Übertragung von Papieren zwischen zwei Abwicklungssystemen (the settlement of a payment or securities transaction through a link between two separate payment systems or securities settlement systems).
Übertragungseffekt, psychologischer (psychologic transmission effect):
Auf dem Finanzmarkt die empirisch nachweisbare Tatsache, dass Störungen in einem Marktsegment, wie etwa Ausfälle bei Konsumentenkrediten, sich auf andere Bereiche auswirken, selbst sogar auf den wegen seiner strengen Deckungs-Vorschriften krisenfesten Markt für Pfandbriefe. Begründet wird dies mit Verhaltensänderungen in einem erregten Marktumfeld (state of nervousness in market environment). Eine einsichtige und allgemeingültige Erklärung, warum es in solchen Fällen letztlich zu nicht-rationalem Verhalten kommt, vermochte die Finanzpsychologie bis anhin noch nicht anzudienen.
– Siehe Animal Spirits, Euro-Breakup-Index, Finanzmarkt-Analyse, Furchtthese, Grundstimmung, Stimmungs-Indikatoren, VorlaufindikatoreZahltag-Grundregel, Zufall.
Übertragungsurkunde (deed):
Im Finanzbereich ein beim Verkehr mit bestimmten Vermögensgegenständen erforderliches Schriftstück (a legal document used to transfer the legal ownership in some assets).
– Siehe Manzipation, Mortifikation, Namenspapiere, Zertifikat.
Überwachungseinrichtungen, bankinterne (intra-bank control system):
Planmässig gestaltete technische und organisatorische Massnahmen innert eines Instituts mit dem Ziel der Abwehr von Schäden, die durch das eigene Personal oder übelwollende Dritte (malicious third parties) verursacht werden können.
– Siehe Mindest-Überwachungsanforderungen, Whistleblower.
Überwachungsverfahren der EU (EU surveillance):
Mit dem Ziel einer wirtschaftspolitischen Abstimmung der einzelnen Mitgliedsstaaten von der Kommission eingerichtete Abfolge einzelner Schritte.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2011, S, 44 ff. (S. 45: Schema des makroökonomischen Überwachungsverfahrens); Rechtsquellen; Indikator-Katalog [scoreboard]; strittige Fragen).
Überweisung (remittance, credit transfer; appropriation):
1 Allgemein jede Zahlung in Geld an einen Empfänger (any cash payment to a recipient).
2 Formgebundener (Vordruck [form]; Maske [input mask] bei Internet-Banking) Zahlungsauftrag eines Kunden an seine Bank, zu Lasten seines Kontos eine bestimmte Summe auf ein anderes Konto zu übertragen (a payment order or perhaps a sequence of payment orders made for the purpose of placing funds at the disposal of the beneficiary. Both the payment instructions and the funds described therein move from the bank of the payer/originator to the bank of the receiver, possibly via several other institutes as intermediaries and/or more than one credit transfer system). - Seit November 2009 müssen Banken in Deutschland bei Überweisungen nicht mehr prüfen, ob die Kontonummer zum Empfängername passt. Dies geschah in Anpassung der Zahlungsdienstrichtlinie der EU (Payment Services Directive, PSD), die durch ein Umsetzungsgesetz vom 9. Juli 2009 in deutsches Recht eingebettet wurde. Wohin eine Überweisung geht, richtet sich zeither ganz allein nach der Kontonummer.
3 In der öffentlichen Finanzwirtschaft - dann meistens nur in der Pluralform gebraucht - Zuwendungen
1. von Gliedstaaten an den Gesamtstaat (nation state; Matrikularbeiträge) oder
2. übergeordneter Bereiche (super ordinated entities: Land, Kanton, Kreis) an kleinere Verbände (smaller state entities: Kreis, Gemeinde).
– Siehe Ausgleichsbuchung, Beschulungsgeld, International Bank Account Number, Prosument, SEPA-Rat, Single European Payment Area, Umlage.
Überweisungsbetrug (transfer fraud):
Sehr weiter Rechtsbegriff, der alle unerlaubten Handlungen in Zusammenhang mit dem Zahlungsverkehr in sich schliesst. Dazu zählt auch die Angabe falscher Personalien bei der Kontoeröffnung (deceitful data when opening a bank account; Kontoeröffnungsbetrug), das Ausspähen von Kontodaten und das Verfälschen und Fälschen von Daten jeder Art sowie auch jeder Eingriff in den Fernsprech- und Mailverkehr.
– Siehe Beschores, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Finanzforen, Finanzgeier, Geldsauger, Identitätsdiebstahl, Kapitalmarkt, grauer, Racheengel, Rasur, Verlustereignis, Winkelmakler, Ziffer, höchstwertige, Ziffernbetrug, Zweitausweis.
Überweisungsheft (coupon book):
Aufzeichnungen eines Schuldners über
1. getätigte Rückzahlungen eines Darlehns, oder
2. Einzahlungen auf ein Sparkonto, die von Zeit zu Zeit der Bank bzw. allgemein dem Gläubiger - heute in der Regel elektronisch - zwecks Abstimmung des Kontenstandes übermittelt werden (a set of notices, usually computer generated, that the borrower returns to the lender, one at a time, with each loan repayment or with each deposit to a savings account).
Überweisungssystem (fund transfer system, FTS):
1. auf privaten Verträgen oder auf gesetzlicher Regelung beruhende Vereinbarung
2. in Bezug auf die Übermittlung von Geld und den Saldenausgleich
3. zwischen mehreren Mitgliedern
4. gemäss gemeinsamer Regeln und
5. festgelegten, normierten Ausführungswegen folgend (a series of predetermined legal, technical and procedural arrangements for the transfer of money and the settlement of accounts).
– Siehe Clearing-Haus, automatisches, (Effekten-)Girosystem, Fernzugang, Interbank-Überweisungssystem, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, RTGS-System, Single European Payment Area, TARGET-System, Überweisung.
Überzeichnung (over-subscription; excess application):
Bei der Begebung von Wertpapieren das Übersteigen der Summe der gezeichneten Beträge über den vom Emittenten angebotenen Gesamtbetrag (a situation where there is more demand from investors than securities offered by the issuer); dies bewirkt meistens eine beschränkte Zuteilung (an allotment: any method of distributing securities to investors when an issue has been oversubscribed). - In Deutschland verlangt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, dass bei der Zuteilung von überzeichneten Neuemissionen durchsichtige Verfahren (transparent methods) angewendet werden, wie etwa Losverfahren, Zuteilung nach Ordergrösse, Zuteilung anhand einer bestimmten Quote oder Zuteilung nach dem Eingang des Kaufangebots; die Behörde überwacht diese Verfahren.
– Siehe Auftragsverzögerung, Emission, überzeichnete, Majorisierung, Wertpapierzuteilungs-Information, Zeichnung.
Überziehung ([bank] overdraft):
Bei einer Bank eine Auszahlung (overpayment), durch welche das Konto des betreffenden Kunden ins Debet gerät (a situation in which a bank customer withdraws more from the account than was previously deposited; a bank may accept an overdraft, depending on prior arrangements to cover overdrafts).
– Siehe Abstattungskredit, Barkredit, Dispositionskredit, Konto, automatisch ausgeglichenes, Kontokorrentkredit, Kreditkarte, Überschreitung, Überziehungsentgelt, Vorlage.
Überziehungsentgelt (charge on overdrafts):
Von den Banken in Rechnung gestellte Vergütung, wenn ein Kunde das vereinbarte Kreditlimit überschreitet. - Weil der Kontoinhaber mit der Überziehung in eine niedrigere Bonitätsklasse fällt, so wird ihm oft auch der Zinssatz für den Darlehnsvertrag gesamthaft erhöht, was häufig zu Beschwerden seitens des Kunden führt.
– Siehe Abschlussgebühr, All-in-Fee, Aufhebungsentgelt, Bankgebühren, Courtage, Deduktion, Dispositionskredit, Erbschaftsgebühr, Provision, Sonderzahlung, Überziehung, Vergütung, Vorfälligkeits-Entschädigung, Ziel.
– Vgl. zur Höhe der Überziehungsentgelte den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte", Unterrubrik "Zinssätze für Kredite an private Haushalte", Spalte "Überziehungskredit" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 65.
Ultimo-Factoring (scheduled factoring):
Der Verkauf von Forderungen an ein Factoring-Unternehmen lediglich über einen kurzen Zeitraum. Zweck der Abtretung ist es,
1. nach aussenhin hohe Aussenstände - etwa: zum Quartalsende, zum Bilanzstichtag, dann auch Silvesterputz (sylvester cleaning) genannt - zu verdecken und
2. durch Ablösung von Schulden mit der von dem Factoring-Unternehmen überwiesenen Liquidität eine höhere Eigenkapitalquote auszuweisen. Auf diesem Wege kann es grundsätzlich möglich sein, ein besseres Rating und dadurch wieder günstigere Kreditkonditionen bei einer Bank zu erreichen. Freilich durchleuchten Banken bei der Kreditwürdigkeitsprüfung (scoring; Scoring) mittlerweile die Unterlagen eines Kunden auch hinsichtlich solcher Transaktionen.
– Siehe Angaben, verschleierte, Bilanzkosmetik, Buchführung, kreative, Buchführung, manipulative, Factoring, Klartext, Kristallisation, Sachverhaltsgestaltung, Stetigkeit, Transparenz, Verlust-Tarnung, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.
Ultimogeld (money for monthly settlement):
1 Das Angebot und die Nachfrage nach kurzfristigen Darlehn zum Monatsschluss, nachfrageseitig bedingt durch monatsendlich notwendige Zahlungen, wie vor allem Gehälter. Manchmal rechnet man auch Darlehn an den Steuervorauszahlungs-Terminen (the dates of advance tax payment) dazu.
2 Beträge, die vertragsgemäss automatisch zum Monatsende oder Jahresende fällig werden, ohne dass es eigens einer Kündigung bedarf.
Umbrella-Fonds seltener verbundener Fonds (umbrella fund):
Fondsgebilde, das sich aus mehreren Subfonds (Teilfonds, Unterfonds, Anteilsklassen; parts of full fund that are available for investing) zusammensetzt. Die Gesamtheit der Subfonds bildet eine juristische Einheit (umbrella; Umbrella). Dadurch ist für diesen lediglich ein einziges Zulassungsverfahren notwendig. In der Regel können die Anleger kommissionsfrei von einem Subfonds zu einem anderen der Unterfonds der Kapitalverwaltungsgesellschaft wechseln.
– Siehe Counterparty Risk Management Policy Group, Dominostein-Effekt, Hedge-Fonds-Gefahren, Long-Short-Arbitrage, Mikro-Hedges, Nebenfonds, Restrukturierung, Risikoüberwachung, gegliederte, Rush to the exit, Single-Hedge-Fonds, Switcher.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 211 (neuere Rechtsentwicklung).
Umfrage zum Kreditgeschäft:
Deutsche Bezeichnung für die Bank Lending Survey, die seit 2003 in der Regel im Januar im Euro-Währungsgebiet durchgeführt und deren Ergebnisse dann im Monatsbericht der EZB vom Februar jeweils kommentierend veröffentlicht werden.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten).
Umgeld (beverage levy):
In alten Dokumenten eine Abgabe auf
1. Getränke im Kleinverkauf allgemein und
2. in einigen Gegenden auf Wein im Besonderen; teilweise auch Weindetz genannt.
– Siehe Detz, Trinkgeld, Verzehrgeld,, Zehnt.
Umladegeld (transshipment charges):
1 Zahlung für den Transport von Schiffsfracht von einem Hafen zu einem anderen über einen dritten Hafen (shipping cargo from one port to another via a third port); dies geschieht bis heute noch häufig aus zolltechnischen Gründen (for customs-related considerations).
2 In Rechnung gestellte Aufwendungen für das Entladen und Neubefrachten von Gütern von einem Verkehrsträger, etwa: Schiff, Flugzeug, auf einen anderen, etwa: Eisenbahnwaggon, Lastkraftwagen [CH: Camion] (payment for unloading of cargo at a port or point where it is then reloaded into another mode of transportation).
3 In der Fischereiwirtschaft die Ausgaben für das Verfrachten von Fisch aus den Fangbooten in das diesen zugeordnete Transportschiff (expenses for the act of transferring the catch from fishing boats to a vessel used solely for the carriage of cargo) bzw. in die schwimmende Fischfabrik (swimming fish factory, fish processing factory ship).
– Siehe Kaaggeld, Ladegeld, Lastgeld, Umstaugeld.
Umlage früher auch Beisteuer (cost allocation, prorated contribution, levy):
1. nach einem bestimmten Schlüssel (key; einsichtigem Richtmass) veranschlagte
2. anteilige Zahlung,
3. welche sämtliche Mitglieder eines irgendwie gearteten gesellschaftlichen Verbands (= Sozialgebilde; functional organisation)
4. an eine beigeordnete oder übergeordnete Stelle tätigen,
5. um deren Dienstleistungen zum Wohl aller (= Gemeingut: das von allen Mitgliedern Gewollte; common good) abzugelten.
– Die Benennung der Umlage ist im Einzelnen verschieden, etwa Peterspfennig in Bezug auf katholische Diözesen und die Kirchenleitung in Rom, Deichgeld in Hinblick auf Inselbewohner und die Deichgenossenschaft, Konzernumlage hinsichtlich der Konzernbetriebe und der Konzernleitung, Hausgeld bei einem Anwesen mit Eigentumswohnungen oder Kreisumlage in Bezug auf einen Landkreis und den kreisangehörigen Gemeinden. - Eine Umlage ist in jedem Fall eine Abgabe, insofern sie Begleichung der jeweils den einzelnen Mitgliedern zugewendeten Dienstleistungen definitionsgemäss in Geld erfolgt. - Das schliesst im Einzelfall nicht aus, dass ein Umlagepflichtiger die ihm obliegende Zahlung gemäss Satzung oder mit Einwilligung der Mitglieder und nach entsprechender Bewertung in Vermögensgegenständen leisten kann - etwa die Lieferung von Zement zur Verstärkung des Deiches - oder diese Zahlungsverpflichtung gegen Arbeit eintauschen darf - etwa die gärtnerische Gestaltung des Umschwungs der Wohnanlage.
– Siehe BaFin-Umlage, Subsidiaritätsprinzip, Überweisung, Wachtgeld.
Umlauf (circulation; amount outstanding):
1 In Bezug auf Geld die Menge - manchmal auch bezogen auf den Wert - an Banknoten und Münzen in einem Währungsgebiet zu einem Zeitpunkt (circulation refers to the total amount or value of banknotes and coins that is engaged in a currency area at a given time).
2 Hinsichtlich von Wertpapieren alle von öffentlichen oder privaten Emittenten ausgegebenen Titel im Besitz von Privathaushalten, Unternehmen oder öffentlichen Stellen an einem Stichtag.
– Siehe Ausgeber, Linden-Dollar, Netzwerkgeld, Nebenwährung.
– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zur ausführlichen, nach vielen Merkmale unterteilten Statistik des Wertpapier-Umlaufs (amounts outstanding).
Umlaufsfähigkeit (aptitude of circulation):
1. stoffliche, dinghafte (quality: Qualität) und
2. rechtmässige (legitimacy; Rechtmässigkeit, Unverfälschtheit) Eignung einer Banknote, im Zahlungsverkehr ihre Aufgaben erfüllen zu können.
– Siehe Banknoten-Management, Begültigung, Brücke-Abneysches Phänomen, Fälschungssicherung, Fenstergeld, Nebenwährung, Sicherheitsstreifen.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 111 ff. (Einzelfragen zur Umlaufsfähigkeit der Euro-Banknoten).
Umlaufsgeschwindigkeit (velocity of circulation):
Bei Zahlungsmittel Masstab dafür, wie häufig eine Geldeinheit innert einer bestimmten Periode dem Güterangebot gegenübertritt: wie oft sie zu Zahlungszwecken umgesetzt wird (the number of times a single unit of currency turns over [is spent] in a definite period of time). Eine Erhöhung wirkt letztlich wie eine Vermehrung der Geldmenge. Von den Zentralbanken wird die Umlaufsgeschwindigkeit daher laufend beobachtet. - Die Umlaufsgeschwindigkeit der Scheidemünzen betrug früher im allgemeinen ein Vielfaches jener der Kurantmünzen.
– Siehe Freigeld.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 16 ff. (Veränderung der Umlaufsgeschwindigkeit; Vorausschätzungen), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 19 (Umlaufsgeschwindigkeit seit 1981 im Vergleich mit der Zinsstrukturkurve).
Umlauf[s]rendite (yield on bonds outstanding):
Wenn nicht anders definiert die Rendite der auf dem Markt gehandelten Anleihen erster Bonität, im engeren Sinne von hochbonitären Staatsanleihen, nämlich Titeln von solchen Staaten, die nach vernünftiger ökonomischer Abwägung und Einschätzung der Anleger ihre aufgenommenen Kredite auch zurückzahlen können und wollen.
– Siehe Rendite-Abstand.
– Vgl. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 27 (Vergleich der Umlaufsrenditen von Staatsanleihen im Eurogebiet zu Japan und den USA bis 2006 bis 2010).
Umrechnungskurs (conversion rate; tax-fixed exchange rate):
1 Die am 1. Jänner 1999 unwiderruflich festgelegten Kurse zwischen dem EUR und den Währungen der Mitgliedstaaten, die den EUR einführten.
2 Von der Steuerbehörde amtlich festgelegte Ansätze für Unternehmen und Personen, die ihre Einkünfte in fremden Währungen verdienen.
Umsatz (turnover, sales; transaction):
1 Allgemein das Total der
1. mit den Verkaufspreisen bewerteten,
2. dem Markt zugeführten und auch abgesetzten Waren oder Dienstleistungen in einem Unternehmen
3. innert einer bestimmten Rechnungsperiode; etwa: Monatsumsatz (monthly turnover), Jahresumsatz (annual turnover).
2 Auf dem Finanzmarkt auch gesagt von einem einzelnen getätigten Geschäft (business transaction), einer Transaktion.
– Siehe Engagement, Erlös.
Umsatzbremse (sales brake, sales impediment):
1 Im Jargon der Institute eine
1. von oben herab verfügte und
2. die Gegebenheiten vor Ort verkennende oder missachtende
3. zumeist organisatorische Massnahme,
4. die sich hemmend auf den Geschäftsgang und
5. daher letztlich auch erlösmindernd auswirkt.
2 Ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin, der/die jeweils auf verschiedene Weise - vor allem als griesgrämiger Kundenschreck oder nervender Kollegenschreck (boot: an annoying person) - den Ablauf der Geschäfte behindert.
– Siehe Airbag, Aktenschänder, Alleskönner, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Fallschirmspringer, Infighting, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Subsidiaritätsprinzip, Tauchsieder, Totholz, Triple A ,Unfallflüchtling.
Umsatzrendite auch Umsatzrentabilität und Vorsteuermarge (profit-turnover ratio, operating profit margin, percentage return on sales):
Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, so versteht man darunter das Verhältnis von Gewinn vor Steuern zum Umsatz innert einer Rechnungsperiode. Sie zeigt damit an, wieviel GE Gewinn ein Unternehmen je GE Umsatz erzielt hat. Ein Unternehmen mit hoher Umsatzrendite ist CETERIS PARIBUS weniger anfällig für Marktschwankungen jeder Art.
– Siehe Behauptungs-Strategie, Deckungsbeitrag, Ergebnis, operatives, Gewinn, operativer, Gewinnkonjunktur, Run Rate.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 20 f. (Eigenkapitalrendite und Umsatzrendite; Beurteilung der Aussagekraft).
Umsatzrisiko (turnover risk):
1 Die Möglichkeit, dass die Einnahmen aus dem Verkauf des Gutes bzw. bei einer Bank die Erlöse aus den erbrachten Dienstleistungen entgegen betriebsinterner Vorausschau und Planung sinken.
2 Mass das angibt, wie stark die Erlöse eines Unternehmens durch Veränderungen des Marktes gesamthaft, und vor allem im Konjunkturzyklus, beeinflusst werden.
– Siehe Behauptungs-Strategie, Risiko, leistungswirtschaftliches, Run Rate.
Umsatzsteuer in älteren Dokumenten auch Handlungsimpost (turnover tax, sales tax; in der Form der Mehrwertsteuer: value added tax, VAT):
Grundsätzlich eine Abgabe auf Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmen im Inland gegen Entgelt ausführt. Weil sich dadurch der Güteraustausch verteuert, so hat dies auch Auswirkungen auf den Geldwert. Die Zentralbanken beobachten daher sehr genau Veränderungen des Steuersatzes, und zwar sowohl des Regelsatzes (standard rate) als auch allfälliger Ausnahmesätze (reduced rates). - Innert der Europäischen Union ist die Umsatzsteuer aufgrund der Sechsten Mehrwertsteuer-Richtlinie vom Mai 1977 verhältnismässig einheitlich festgelegt, und zwar als Allphasen-Nettoumsatzsteuer mit Vorsteuer-Abzug (all-stage tax on net turnover with deduction of input tax); umgangssprachliche Bezeichnung: Mehrwertsteuer (added value tax).
– Siehe Akzise, Biergeld, Octroi, Ungeld, Verrechnungssteuer, Wertschöpfung.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung der Preis-Effekte; Übersichten; Literaturhinweise).
Umsatzüberschuss (cash flow):
Wenn nicht anders definiert der Nettozugang an Liquidität aus der normalen Geschäftstätigkeit und sonstigen laufenden Aktivitäten innert einer Periode (as to IFRS: quantifiable by adding to net income depreciation, amortisation, and impairment losses, the net result of asset disposals, and the net result of extraordinary events).
– Siehe Cash Flow, Umsatzrendite.
Umsatzverbriefung (turnover securitisation):
Besondere Form der Asset-Backed Securities, wobei Umsätze von Unternehmen verbrieft werden. Verbreitet ist diese Form der Finanzierung vor allem in Grossbritannien, wo besonders auch Handelsketten (trade chains) über solche forderungsbesicherte Wertpapiere neues Kapital aufnehmen.
– Siehe Tertiarisierung.
Umsatzwachstum (sales growth, turnover growth):
Wenn nicht anders definiert, die prozentuale Änderung des Nettoumsatzes gegenüber der Vorperiode, in der Regel im Vergleich zum Vorjahr.
– Siehe Behauptungs-Strategie, Run Rate, Umsatz.
Umsatzzahlen, falsche (wrong turnover statistics):
Besondere Form der Kursmanipulation, bei der unrichtige Angaben über die tatsächlichen Umsätze eines Unternehmens bzw. der gehandelten Wertpapiere an der Börse seitens der Gesellschaft oder durch entsprechende Berichte in Medien - und oft durch käufliche Finanzjournalisten - veröffentlicht werden.
– Siehe Kristallisation, Leerverkauf, Marktaktivität, vorgetäuschte, Marktmanipulation, Pairoff, Schlangenhandel.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 187.
Umschuldung (debt re-scheduling):
Neufestsetzung der Bedingungen zur Bedienung der Verbindlichkeiten eines überschuldeten Privathaushalts, eines Unternehmens, einer öffentlichen Körperschaft oder eines Staates (the process of extending the repayment schedule, attached to one or all of the financing arrangements entered into, by a company or public sector entity. - By comparison, restructuring [Sanierung] usually has a deeper impact, such as the total or partial write-off of some debt). Umschuldung geschieht vornehmlich durch die Gewährung längere Rückzahlungs-Fristen, manchmal auch durch niedrigere Zinssätze. - Im Zuge vor allem der Griechenland-Krise wurden die Vorteile und Nachteile einer Umschuldung von Schuldnerstaaten ausführlich erörtert. Einhelliges Ergebnis dieser Überlegungen ist, dass
1. der entsprechende Staat die öffentlichen Einnahmen mit den Ausgaben möglichst rasch und nachhaltig ins Gleichgewicht bringen muss sowie
2. die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu stärken ist. Sind diese beiden Voraussetzungen nicht erfüllt, so scheint eine Umschuldung kaum erfolgversprechend. Sie führt im Gegenteil dazu, dass der Druck zur wirtschaftlichen Anpassung gemindert wird.
– Im Eurogebiet muss dahinter auch ein entsprechendes Mass an Verantwortung der Regierung sowie der Bevölkerung des betreffenden Schuldnerlandes gegenüber der EWU stehen. In weiten Kreisen der Bürger der der Eurozone wird indessen bezweifelt, ob eine solche Haltung besonders im Falle Griechenlands vorhanden sei. Es herrscht in Griechenland offenbar die aberwitzige Meinung vor, dass die eigenen Schwierigkeiten nicht hausgemacht (home-grown) sind, sondern anderen - und hier vor allem Deutschland und den Niederlanden - zuzuschreiben seien.
– Siehe Bail-out, ClubMed, Enteignung, kalte, Ersatzobligation, Finnland, Konsolidation, Kreditsachbearbeiter, Londoner Club, Londoner Schuldenkonferenz, Prager Verlautbarung, Schuldenrückführungsmechanismus, unabhängiger, Staatsschulden, verweigerte, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Tilgung, Umschuldungs-Klauseln, Zwangsenteignung.
Umschuldungs-Blase (refi bubble):
Zeitraum, in dem sehr viele Schuldner aufgenommene Darlehn kündigen und einen neuen Kredit zu jetzt günstigeren Bedingungen aufnehmen. Dies geschieht immer dann, wenn das Zinsniveau inzwischen gesunken ist (period in which many borrowers replace old debt with new debt, generally to take advantage of lower interest rates). Für Banken und Bausparkassen erweisen sich solche massenweisen Umschuldungen als ausserordentlich (personal)kostenintensiv. Mit hoher Vorfälligkeits-Entschädigung und ungünstigeren Bedingungen für das zinsgünstigere Darlehen, wie vor allem kürzere Laufzeit und damit höhere Rückzahlungsraten, versucht man daher dem zu begegnen. In vielen Internet-Foren, die zur Umschuldung aufrufen, wird dies verheimlicht.
– Siehe Aufhebungsentgelt, Bankgebühren, Call, Festlaufzeit, Kontohopper, Kostenvorausbelastung, Pränumerationsvorbehalt, Rückzahlung, vorzeitige, Sonderzahlungen, Vorauszahlungsrisiko, Zinsschnäppchenjäger, Zwischenzins.
Umschuldungs-Klauseln (collective action clauses, CACs):
Emittenten von Schuldverschreibungen - praktisch: in ökonomisch instabilen Ländern - bauen schon bei der Begebung der Anleihe Bestimmungen ein, die es gestatten, bei Zahlungsverzug die privaten Wertpapiergläubiger zu einem gemeinsamen Handeln zu vereinigen. Hierbei geht es vor allem über die Ermöglichung von Mehrheitsentscheidungen der Gläubiger bezüglich der allfälligen Abänderung der vertraglichen Zahlungsbedingungen. Dies soll ein später notwendig werdendes Umschuldungsverfahren von vornherein in geordnete Bahnen leiten. - Ende 2011 beschlossen die Mitglieder der EWU, in Zukunft alle neuen Anleihen mit einheitlichen, gleichlautenden Bestimmungen auszustatten (collective action clauses), die eine Beteiligung privater Gläubiger bei einem Staatsbankrott regeln.
– Siehe Brady-Bonds, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Londoner Verfahren, Prager Verlautbarung, Umschuldung, Vermögensabgabe, Zwangswandelanleihe.
– Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 109, Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 87 f. (Umschuldungsklauseln für Staatsanleihen im Eurogebiet), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2013, S. 44 f. (Einführung von CACs bei Staatsanleihen im Eurogebiet seit Jahresbeginn pflichtig).
Umschuldungs-Mechanismus (sovereign debt restructuring mechanism, SDRM):
Verfahren des Internationalen Währungsfonds mit dem Ziel, die Fremdwährungs-Verbindlich¬keiten von überschuldeten Ländern gegenüber privaten Gläubigern zu regeln.
– Siehe Londoner Club, Prager Verlautbarung, Umschuldung.
– Vgl. Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 105 ff. .
Umstände, bewertungswichtige (valuation affecting circumstances):
Gemäss Definition in § 2 der deutschen "Verordnung zur Konkretisierung des Verbotes der Kurs- und Marktmanipulation (KuMaKV)" vom 18. November 2003 versteht man darunter
1. alle Tatsachen und Werturteile, die geeignet sind,
2. auf die Anlageentscheidung eines vernünftigen Anlegers mit durchschnittlicher Börsenkenntnis
3. Einfluss zu nehmen. In der genannten Verordnung finden sich auch nähere Erläuterungen.
– Siehe Agiotage, Anleger, verständiger, Börsengerüchte, Entscheidungsnützlichkeit, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Pairoff, Pervasive Constraint.
Umstaugeld (stowage replacing charge, rummage pay):
Zahlung für das unvorhergesehene, aber erforderliche - wie vor allem aus Anlass von Niedrigwasser (low tide), Hochwasser (high tide), Seesturm (storm at sea) oder hafenbehördlicher Anordnung (on an order of port authority) - Umverfrachten von Ladung im Schiffsrumpf (hold).
– Siehe Ladegeld, Lastgeld, Umladegeld.
Umtausch-Angebot auch Umtauschangebot (exchange offer):
Grundsätzlich steht es jedem Unternehmen frei, den Inhabern von Wertpapieren - wie Aktien, Obligationen, Fondsanteilen oder Zertifikaten - eines anderen Unternehmens Tauschangebote zu unterbreiten. Die depotführenden Banken sind zudem vertraglich verpflichtet, ihren Kunden solche Offerten zu übermitteln. - Soweit die Vorschriften des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG) für solche Angebote einschlägig sind, so ist eine Angebotsunterlage nach diesem Gesetz zu erstellen, Deren Veröffentlichung muss durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen gestattet werden. Bei nicht börsengehandelten oder lediglich zum Handel in den Freiverkehr deutscher Börsen einbezogenen Titeln müssen bis anhin die Vorschriften des WpÜG jedoch nicht angewendet werden. - Ein Umtausch-Angebot stellt regelmässig ein öffentliches Angebot von Wertpapieren dar, für das die Vorschriften des Wertpapierprospektgesetzes (WpPG) einschlägig sind. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen kann von der Vorschrift auf ein Prospekt jedoch befreien, wenn der Verkaufspreis oder der Umtauschwert aller angebotenen Wertpapiere über einen Zeitraum von zwölf Monaten weniger als 100'000 EUR beträgt. - Seit etwa 2000 häufen sich unredliche Umtausch-Angebote. Dabei wird enttäuschten Käufern von wertlosen Papieren telephonisch oder über das Internet angeboten, diese gegen angeblich bessere Titel auszutauschen. In fast allen Fällen aber sind die zum Tausch angebotenen Papiere ebenfalls wertlos. Dazu ist das angeblich günstige Tauschangebot auch noch an die Bedingung geknüpft, dass der Anleger es nicht beim reinen Umtausch belässt. Vielmehr muss er noch weitere Stücke des einzutauschenden wertlosen Papiers dazukaufen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht warnte wiederholt vor solchen betrügerischen Geschäften.
– Siehe Anleihe, ewige Beteiligungsofferten, Complex Financial History, Information, asymmetrische, Marktmanipulation, Privatplazierung, Prospekt-Datenbank, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Register für qualifizierte Anleger, Übernahme-Angebot, Wertpapier-(verkaufs)prospektgesetz.
– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 197 (Rechtslage; unredliche Umtausch-Angebote).
Umtausch-Anleihe (exchangeable bond):
Sonderform der Wandelanleihe. Bei einer Wandelobligation (convertible) wird dem Anleger das Recht gewährt, diese in einem festgelegten Verhältnis in Aktien des Emittenten zu tauschen. Bei einer Umtausch-Anleihe - auch Umtausch-Obligation genannt - hingegen räumt der Emittent dem Anleger bei Fälligkeit der Anleihe das Recht ein, anstelle der Barauszahlung das Papier auch in einem festgelegten Verhältnis in Aktien einer anderen Aktiengesellschaft - in der Regel konzernverbundener Unternehmen - zu tauschen (bonds issued by a company that may be redeemed at the request of their holders into shares of a company other than the issuer of the bonds or in cash).
– Siehe Anleihe, Parität, Pay-in-Kind-Anleihe, Todesspirale, Wandelprämie, Zwangswandelanleihe.
Umverteilung, zentralbankbewirkte (central bank caused redistribution [of incomes]):
In Zusammenhang mit den Aufkäufen von Staatsanleihen hochverschuldeter Mitglieder der EWU durch die EZB aufgekommenes Geschehen.
1. Denn für die im Zuge des EZB-Sündenfalls übernommenen Schrottpapiere müssen die Steuerzahler der leistungsfähigen Mitgliedsländer aufkommen. Deren Realeinkommen mindert sich dadurch.
– Nicht jedoch die über Entscheidungswege des demokratisch verfassten Staates (democratic decision-making) findet diese Einbusse statt, also weder durch Beschlüsse des Parlaments noch aufgrund von (by reason of) Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Vielmehr bestimmt hierüber der EZB-Rat. Diesem haben freilich die Europäischen Verträge keinerlei Verfügungsmacht über die Verteilungspolitik in der EWU eingeräumt. Insofern ist die Politik der Aufkäufe von Staatsanleihen nicht zahlungsfähiger bzw. nicht zahlungswilliger Mitglieder der EWU eine Anmassung (illegal pretension) seitens der EZB und offenkundig ein rechtswidriger Eingriff in die Befugnisse der entsprechenden Organe in den Mitgliedsstaaten.
2. Ferner führt mit der Retterei verbundene Nullzins der EZB zu Vermögensverlusten. Das Geld der Sparer wird entwertet. Es wird ihnen zudem die Orientierung genommen; denn der Zins hat seine Signalwirkung (signal effect: a factor that serves to transfer information and acts as a stimulus to action) verloren. Das führt nach aller ökonomischen Logik (as to indubitable economic reasoning) über kurz oder lang zu schwerwiegenden Verzerrungen auf dem Finanzmarkt.
– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bilanzbereinigung, Defizit-Finanzierungsverbot, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Moral Hazard, Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen, Rettungspaket, Schattenstaat, Schuldenclub, Siebenprozent-Grenze, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Südfront, Transferunion, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Verschuldungsanreiz.
Umwandlung (conversion):
1 Bei Anleihen die - zuvor vertraglich festgelegte Änderung - der Bedingungen, vor allem hinsichtlich der Verzinsung und der Tilgung.
2 Bei Optionen eine besondere Strategie, nämlich
1. der Verkauf einer Kassaposition, wobei
2. mit einem Teil des Erlöses eine Kaufposition für dasselbe Gut am Terminmarkt eingegangen und
3. der Restbetrag in festverzinsliche Wertpapieren angelegt wird. Der Anleger bezieht aus den Wertpapieren so Einnahmen in Form von Zinszahlungen, die er bei Zuteilung des Terminkontraktes einsetzen kann.
– Ob sich allerdings dieses Verfahren für den Investor auch rechnet, hängt von einigen veränderlichen Grössen ab, vor allem von der Effektivverzinsung der vorübergehend übernommen Papiere.
3 In weiterem Sinne versteht man nach dem deutschen Umwandlungsrecht unter Umwandlung:
2. Formwechsel,
3. Vermögensübertragung und
4. Spaltung, diese Letztere wiederum in Form der Abspaltung, Aufspaltung und Ausgliederung.
4 In engerem Sinne meint man auch eine blosse Rechtsformänderung (change of legal form, e.g. the conversion of BASF Aktiengesellschaft into a European Company, a Societas Europaea [SE]), ohne dass das bisherige Unternehmung aufgelöst oder neu gegründet wird.
– Siehe Anleihe, variabel verzinsliche, Euro-Bonds, Floater, Floor, Fusionen und Übernahmen, Konversionsanleihe, Option, Verschmelzung.
Umzugs-Darlehn und Übersiedlungs-Kredit (relocation loan, oft auch abgekürzt nur relo):
Von Unternehmen zugunsten eines neu eingestellten und an den Beschäftigungsort zuziehenden Mitarbeiters ausgereichtes Darlehn; oft mit dem Zweck, dass dieser sich an Ort und Stelle Wohneigentum erwerben kann (a credit that is provided to relocating or transferring employees; companies make these loans available to ease the process of moving and to financially assist employees).
– Siehe Umzugsgeld, Zuwendung.
Umzugsgeld (moving allowance, relocation expenses):
Ersatz des Aufwands
1. gesamthaft oder als eine Beihilfe,
2. den ein Privathaushalt bei
3. vom Arbeitgeber angeordnetem oder arbeitsmarktbedingtem notwendigem Ortswechsel erhält. (a sum of money that a company pays to someone who moves to a new area in order to work for the company.
– Siehe Umzugs-Darlehn, Zuwendung.
Unbanked (so auch im Deutschen gesagt aber in unterschiedlicher Bedeutung):
1 Wirtschaftssubjekte, die über kein Konto bei einem Kreditinstitut verfügen (persons not served by a bank). Nach Schätzungen in den USA hatten zu Jahresbeginn 2010 etwa 23 Mio Privathaushalte keine Kontoverbindung. Die Mehrzahl waren Sozialhilfeempfänger. Ihnen muss die Sozialbehörde (social welfare administration) die Unterstützung durch (Bar)Scheck über den Postdienst (mail transfer) zustellen.
2 Unbanked werden neuerdings vielfach auch Personen genannt, die über Computerzahlung Rechnungen begleichen; zu dieser Gruppe gehören vor allem junge Erwachsene, die Systeme wie Billpoint und PayDirect nutzen.
– Siehe Geldhete, Konto für Jedermann, Postüberweisung.
Unbarinstitut (non-cash institute):
Im Jargon gebrauchte, jedoch nichtamtliche (unofficial) Bezeichnung für eine Bank, bei welcher ein Kunde grundsätzlich kein Bargeld aus seinem Konto abheben kann. Solche Unternehmen sind nach § 3 № 3 KWG grundsätzlich untersagt. Dabei ist unerheblich, ob die Geschäfte gewerbsmässig betrieben werden oder nicht. Auch ist kein Umfang des Banking vorausgesetzt, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat im November 2012 ein erläuterndes Merkblatt zu aller verbotenen Tätigkeit auf dem Finanzmarkt veröffentlicht.
– Siehe Bankgeschäfte, unbare, Geschäfte, verbotene.
Unbefugte (unauthorised members):
1 In der Fachsprache der Finanzwelt allgemein Staaten, die ohne Einwilligung der zuständigen Zentralbank deren Währung als offizielles Zahlungsmittel einführen.
2 In Europa solche Länder, die ohne Einwilligung der EZB den EUR amtlich in ihrem Wirtschaftsgebiet verwenden. Dies sind derzeit (2013) Andorra, Kosovo und Montenegro.
– Siehe Beitritt, unilateraler, Europäische Währungsunion.
Unbekannte, bekannte (known unknowns):
Nach 2010 auch in die Finanzsprache eingedrungene Bezeichnung für zu erwartende Ereignisse, deren genauen unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen auf den Wirtschaftskreislauf und besonders auf den Finanzmarkt aber kaum abschätzbar sind. Der Ausdruck wird vor allem im negativen Sinne gebraucht, und im Besonderen in Bezug auf den möglichen Staatsbankrott von Mitgliedern der EWU.
– Siehe Grexit, Griechenland-Krise.
Underground Banking (so auch meistens im Deutschen, seltener auch Untergrund-Bankensystem):
In der Sprache der Aufsichtsbehörden das Betreiben von Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen jeder Art ohne Erlaubnis (any network or mechanism that can be used to transfer funds or value from place to place either without leaving a formal paper-trail of the entire transaction or without going through regulated financial institutions at all, including Hawala). Es verdichtet sich grösstenteils auf ethnisch abgeschottete Gruppen innert einer Gesellschaft, wie etwa Zuwanderer aus Mexiko und aus Asien in den USA, die dort bevorzugt aus Dampfstuben angesprochen werden; oder auf Asylanten, Gastarbeiter und Einwanderer der ersten Generation in Europa. Nicht selten werden auf diesem Schwarzmarkt auch gefälschte und verfälschte Papiere aller Art angeboten, vor allem auch solche, die von Einziehung bedroht sind. Dazu ist hier die Gefahr der Geldwäsche besonders hoch. Trotz dieser offenkundigen Tatsachen gilt die Kundenbindung im Bereich des Underground Banking als ungewöhnlich hoch.
– Siehe Blind Pool, Bönhase, Counterfeit Card, Dampfstube, Domizil-Verschleierung, Financial Intelligence Unit, Finanzagent, Finanzgeier, Geheimtip, Geldwäsche, Geldtransfer-Vermittler, Ghettobanking, Goldwert, Groll-Effekt, Gründungsschwindel, International Business Company, Internet-Angebote, Hawala, Kaufaufträge, unbefugt erteilte, Klienten-Kapitalismus, Offshore Finanzplätze, Peer-to-Peer Lending, Platzscheck, Remittance Services, Schattenbankbereich, Skimming, Verständlichkeit, Wechselstuben, Winkelmakler, Zins, zweistelliger.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 71, S. 73 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 82, Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 185 (Phishing), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 215 (Paketdienste [package services] im Visier der Aufsicht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben", Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 67 ff. (eingehende Analyse des Schattenbankbereichs gesamthaft).
Underlying [asset] (so oft auch im Deutschen gesagt; sonst Basiswert):
Der einem Termingeschäft jeweils zugrundeliegende Vermögensgegenstand (the asset upon which a forward contract is based; it can be either a financial asset, e.g. a share, a bond, a treasury bond, a forward contract, currency, a stock index, etc., or a commodity, for example a raw material or mining asset).
– Siehe Basiswert, Commercials, Derivat, Option, Sukuk, Unterlegung, Unterpfand, Verwertungsüberschuss, Wagen.
Underperformer (so auch meistens im Deutschen gesagt, daneben Unterdurchschnittlicher, Niete, Looser und Versager):
1 Eine Engagement, das weniger Ertrag einbringt als eine vergleichsweise andere Investition (an investment that produces smaller return than other similar investments).
2 Eine Aktie, die sich schlechter als der bezügliche Aktienindex entwickelt (a share that fall below the common run).
3 Ein Unternehmen, das unter dem Durchschnitt der Branche abschneidet (a company if it does worse than the average return of its industry).
5 Ein leistungsschwacher Mitarbeiter. Solche jedoch finden sich bei deutschen Instituten nicht. Denn hier sind alle Banker selbst ohne Aussicht auf fette Boni hoch motiviert. Zur Zentralbank und zur Aufsichtsbehörde kommen dank hervorragender Personalauslese nur die Allerbesten. Dazu entscheiden über die meisten anspruchsvolleren Positionen eh die politischen Parteien. Dadurch ist von selbst gewährleistet, dass nur höchst qualifizierte Personen (most qualified men and women) in die entsprechende Position gelangen, die mit ihrem ihnen zuarbeitenden fachkundigen Mitarbeiterstab gut zurechtkommen.
– Siehe High Flyer, Hot Spot, Krokodil, Lemons-Problem, Low Performer, Marktperformer, Performance, Outperformance, Peter-Regel, Tenu-Schlamper, Totholz, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.
Underpricing (so auch oft im Deutschen gesagt, seltener Unterbewertung und Preisunterbietung):
1 Die Begebung eines Titels unter seinem Nennwert (issuing securities at less than their nominal value).
2 Die Börsennotierung eines neu begebenen Titels liegt unter dem Emissionskurs (the price of the first trade is lower than the initial public offering price of the security).
3 Die Abgabe einer Dienstleistung auf dem Finanzmarkt unter den Kosten (the provision of services lower than their cost price).
– Siehe Bonbon, Emissionsrendite, Monetary Control Act, Vollkostendeckung.
Underwriter (so auch im Deutschen gesagt):
1 Allgemein eine Wirtschaftseinheit, die ein Risiko übernimmt (an entity assuming a financial risk) und dafür eine entsprechend bemessene Provision (underwriting fee) erhält; eine Versicherung.
2 Im Besonderen eine Bank, die
1. eine Begebung ganz oder teilweise vom Emittenten zu einem festen Preis kauft; damit wird auch das Risiko übernommen, dass die Papiere nicht völlig am Markt plaziert werden können oder
2. die eine Übernahmezusage für ein bestimmte Höhe an Darlehn zu vorher festgelegten Bedingungen abgibt; oft im Rahmen eines Leveraged Buy-outs (the guarantee provided by the bank to the issuer or seller that the deal, be it an issue of securities or a syndicated loan, will find buyers/lenders at the price agreed upon. By underwriting an issue, the bank assumes a risk of a failure of the transaction).
3 Im Rahmen einer Verbriefung auch gesagt von dem Funktionsglied, welches von der Zweckgesellschaft entsprechende Papiere übernimmt und am Markt unterbringt, auch placement agent genannt.
4 Bei einer Versicherung auch gesagt von einer Fachkraft, die Risiken einschätzt (specialist engaged in risk assessment; many mathematicians work directly as underwriters, because there is an increasing need for actuarial know-how in this field), ein Aktuar.
– Siehe Arrangeur, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Konzertzeichner, LBO-Finanzierung, Marktpflege, Secondary Offering, Warehousing Risk, Roadshow, Wertpapier-Emissionen, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 24 (Risiko der Banken aus Underwriting bei Leveraged Buy-outs), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 90 (Schema der bei einer Verbriefung beteiligten Funktionsglieder).
Unfallflüchtling und Unfallflüchtiger (crash fugitive, hit-and-run-expert):
Im Jargon gesagt für einen leitenden Mitarbeiter in einem Institut und allgemein in einer Entität, der ein neues Projekt - zumeist bezogen auf ein umstrittenes und arbeitsaufwendiges Vorhaben -, in die Wege leitete. Er verabschiedet sich jedoch nach Anlauf des Ganzen in den Urlaub oder auf eine lange Dienstreise und lässt die Mitarbeiter im Regen stehen. Quite sure and beyond all doubt: executives of that kind are completely unknown in Teutonic and Helvetic entities, and in Austrian anyway not (double negative = ?).
– Siehe Alleskönner, High Flyer, Fallschirmspringer, Krokodil, Mailbomber, Tauschsieder, Totholz, Umsatzbremse, Underperformer.
Unfallversicherer (accident insurance firms):
Eine Versicherung, die Schutz vor unfallbedingten Schädigungen bietet (insurance providing compensation for accidental damage). In Deutschland unterliegen auf die Versicherung von Schäden und Unfällen ausgerichtete Unternehmen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Für den Finanzmarkt gesamthaft sind diese Firmen wegen des laufenden Prämienaufkommens und der gesetzlich im Einzelnen vorgeschriebenen Kapitalanlage von Bedeutung.
– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 165 ff., Statistik 2006 der BaFin (Erstversicherungsunternehmen), S. 57 ff. (sehr ausführliche Informationen und Nachweise), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 33, S. 84 (Statistisches), S. 90 (Bedeckungssatz), Jahresbericht 2013 der BaFin, S, 142 (Anmeldungen von Unternehmen aus dem EWR) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapital "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds". Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch Übersicht über Beiträge, Vermögensanlagen und die Ertragslage der Schaden- und Unfallversicherungs-Unternehmen in Deutschland sowie weitere Kennzahlen mit Erläuterungen.
Unfruchtbarkeits-Theorie (bareness theory):
Die selbst heute noch in Blogs und einer Reihe von Internet-Foren vertretene Lehre, Geld als ein aus Metall oder Papier bestehender Gegenstand könne niemals produktiv sein (money in form of paper or metal can not have productive power). Zins zu fordern sei daher nicht gerechtfertigt. - Falsch ist hier, dass die Gelegenheit eines Gewinnbezugs dem Geld selbst anhaftend gedacht wird. Unbeachtet bleibt die Tauschmittelfunktion des Geldes. Die Möglichkeit,
1. mit dem Geld sich an einer Investition zu beteiligen,
2. dadurch Kosten zu senken und
3. einen Gewinn zu erzielen, wird dabei gänzlich verkannt.
– Siehe Darlehn, Geldabschaffung, Geldfunktionen, primäre, Geldrechenhaftigkeit, Geldzweck, Investition, Kapital, Marktmechanismus, Regionalgeld, Schwundgeld, Symboltheorie, Tausch-Gutschein, Ungeld, Verzinsung, Wucher, Zinsallkokations-Funktion, Zinsverbot.
Ungeld auch Umgeld, Umbgeld und Omgelt (oppressed money):
1 Allgemein die frühere Bezeichnung für jederart als lästige empfundene geldliche Abgabe auf die Einfuhr und/oder den Verkauf von Lebensmitteln, eine Verbrauchssteuer.
2 Im Besonderen auch eine Getränkesteuer, die in der Regel ein Zehntel des Preises von ausgewirteten alkoholhaltigen Getränken betrug; eine solche Abgabe wurde in Österreich 1359 allgemein eingeführt.
– Siehe Akzise, Biergeld, Charadsch, Detz, Krügergeld, Octroi, Schokoladentaxe, Torgeld, Umsatzsteuer, Verzehrgeld, Zehnt.
Ungleichgewichte, EWU-interne (imbalances within the EMU):
Makroökonomische Verwerfungen (macro-economic disruption) innert der Eurozone sind die Ursache für einen starken Druck auf die gemeinsame Währung und das lange Beharren der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Ungleichgewichte früh zu erkennen und zu überwachen. Solche sind regelmässig Folge eines Verlusts der Wettbewerbsfähigkeit, hoher Leistungsbilanzdefiziten und einer Zunahme der Staatsverschuldung. - Aus dieser Einsicht wurde im Jahr 2011 beschlossen, dass die Europäische Kommission jährlich einen Frühwarnbericht (scoreboard) erstellt und veröffentlicht, in dem sämtliche Mitglieder der EU - also über die Eurozone hinausgehend - bewertet und eingestuft werden. Der erste Frühwarnbericht wurde im Februar 2012 bekanntgemacht. Er zeigt deutlich auf, dass in mehreren Ländern eine beunruhigende makroökonomische Gleichgewichtslage vorherrscht. Freilich hat die Kommission lediglich eine Feststellungs-Befugnis (competence to identify imbalances). Der jeweilige Frühwarnbericht enthält keine Vorschläge, wie allfälligen Ungleichgewichten begegnet werden könnte.
– Siehe Anleihe-Spread, Bail-out, ClubMed, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Ecofin-Rat, Erpressungspotential, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäischer Währungsfonds, EWU-Sprengsatz, Fiskalpakt, Frühwarnrecht, Government Spreads, Schuldentilgungspakt, europäischer, Ungleichgewichte, EWU-interne, Vertragstreue, Wachstumsförderung, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne, Währungsraum, optimaler.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 83 ff. (Rechtliches und Allgemeines zum Frühwarnbericht; Ergebnisse für die EU und EWU), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 63 ff. (Abbau von Ungleichgewichten in der EWU; Übersichten; Literaturverweise).
Ungleichgewichte, weltweite (global imbalances):
Nach der Definition der EZB
1. Auslandspositionen systemisch wichtiger Volkswirtschaften,
2. die Verzerrungen widerspiegeln - etwa: anhaltendes Defizit in der Zahlungsbilanz - oder
3. Risiken für die Weltwirtschaft bergen. Bei den Risiken handelt es sich in erster Linie um mögliche Verwerfungen auf den Finanzmärkten nach einem unerwarteten Schock, aber auch um zunehmenden Protektionismus.
– Siehe Event Risk, Finanzmarkt-Interdependenz, Risiko, systemisches, Systemrisiko.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 67 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung mit Übersichten und Literaturverweisen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 95 ff. (schleichender Protektionismus weltweit erhöht Ungleichgewichte; viele Übersichten).
Ungleichheits-Falle (inequality trap):
Die Tatsache, dass innert einer Gesellschaft - und sintemal in Entwicklungsländern - Personen der untersten Einkommensstufe oft erst in mehreren, in der Regel fünf Generationen in die durchschnittliche Höhe der Einkommen aufsteigen. Dies wird in der Soziologie im Einzelnen aus verschiedenen Gründen erklärt. - Es kann aber nicht, wie von manchen gefordert, Sache der Geldpolitik sein, hier Besserungen zu schaffen. Dies ist allein Aufgabe der Sozialpolitik. Was die Geldpolitik leisten kann, ist die Masstabeigenschaft des Geldes zu gewährleisten. Denn von einer Inflation werden die Ärmsten in der Gesellschaft nachweislich immer am härtesten betroffen.
– Siehe Low Income Countries, Trickle-Down-Theorem.
Ungüter (bads):
Waren und Dienstleistungen, die
1. dem Einzelnen und
2. damit immer auch der Gesellschaft
3. jetzt, also unmittelbar
4. oder später, nach einiger Zeit
5. einen Schaden zufügen.
– Es ist jedoch völlig verfehlt, das Geld den Ungütern beizuzählen, wie dies häufig genug geschieht. Denn Geld ist ein Anrechtsschein auf Güter jeder Art; es ist demzufolge in Bezug auf seine Verwendung unbestimmt, neutral, passiv, indifferent. Geld hat aus sich heraus keinerlei Antrieb, in ein Gut oder Ungut umgewandelt zu werden (since money is a means to almost any end, it necessarily can not itself be the root of evil, but it can not be the root of good either). Vielmehr liegt diese Entscheidung immer in der Verantwortung des einzelnen Menschen, der mit dem Geld umgeht.
– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Äquivalenzprinzip, Allmacht-Doktrin, Ausgangstatsache, ökonomische, Geldethik, Geldsparverhalten, Geldfunktionen, Geldzweck, Inkontinenz, finanzielle, Mammon, Pantheismus, monetärer, Sparen, Unfruchtbarkeits-Theorie, Verkehrsunfall, Wohlstand.
Unisextarif (gender neutral tariff):
Das Gebot, bei Versicherungen Männer und Frauen gleich zu behandeln.
– Siehe Bisextarif.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 126 f., S. 175 f (Fragen der Gleichbehandlung auch in der betrieblichen Altersversorgung), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 90, Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 113 f. (Judikatur des EuGH; seit Dezember 2012 ist eine geschlechtsabhängige Kalkulation nicht mehr zulässig; auch der Wechsel von einem Unisex-Tarif in einen Bisextarif ist ausgeschlossen); S. 116 f. (das Urteil des EuGH über Unisextarife betrifft nicht die betriebliche Altersversorgung).
Unit-Value-Relation (so auch im Deutschen gesagt; seltener Wertschöpfungsverhältnis):
Kennzahl gebildet aus dem Exportwert von Waren (in GE) geteilt durch die Exportmenge (in kg). Sie drückt die Wertschöpfung (net value added) der exportierenden Industriezweige aus. - Für den Wechselkurs einer Währung und die Terms of Trade ist dies ein wichtiger Indikator. Denn mit steigender Qualität eines Produktes erhöht sich das Verhältnis von Wert zu Gewicht und damit CETERIS PARIBUS die Preissetzungsmacht auf den Märkten. - Die Unit Values einzelner Wirtschafszweige unterscheiden sich stark in ihrer Höhe. Den tiefsten Rang besetzt die Nahrungsmittel- und Textilindustrie. Die Pharmabranche sowie die Herstellung von Präzisionsinstrumenten einschl. Uhren sowie die Elektronik weisen das höchste Gewicht auf. - Unternehmen mit überragender Preissetzungsmacht können im allgemeinen mit niedrigeren Zinsen für Darlehn rechnen, weil sie auch der Sicht der Bank als Schuldner ein geringeres Risiko darstellen.
– Siehe Abwertung, fiskalische, Balassa-Index, Erzeugerpreise, industrielle, EWU-Sprengsatz, Forschungsquote, Handelsbilanz, Importgehalt, Krisenanfälligkeit, Makro-Fonds, Offenheitsgrad, Strukturwandel, Terms of Trade, Wachstumsbeitrag, Wettbewerbs-Status, internationaler, Zahlungsbilanz.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 42 f. (Zusammenhang zwischen preislicher Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 102 ff. (Neuberechnung der Indices für Einfuhrpreise und Erzeugerausfuhrpreise in der Industrie; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 85 f. (Einfluss sich verändernder Exportpreise auf den Wechselkurs; Übersicht 1994 bis 2010).
Universalbank (all-purpose bank, universal bank, multi-purpose bank, general bank):
Ein Institut, das grundsätzlich sämtliche Finanzdienstleistungen anbietet. - In der Diskussion um die Ursachen der Subprime-Krise 2007 und der ihr folgenden Finanzkrise wurde von manchen Sachkennern empfohlen, Universalbanken gesetzlich zu verbieten und allgemein, weltweit das Trennbanksystem einzuführen. Dadurch soll verhindert werden, dass die Einlagen der Kunden für gewagte Geschäfte aufs Spiel gesetzt werden. Über die Vorteile und Nachteile einer solchen Trennung streiten sich die Fachleute bis heute.
– Siehe Fachbankensystem, Glass-Steagall-Gesetz, Investmentbank, Trennbanksystem.
Unkosten (costs; incidentals, unforeseen expenses):
1 In der Wirtschaftslehre heute verpönter, jedoch im älteren Schrifttum sowie teilweise auch in der Umgangssprache noch sehr häufiger Ausdruck für Kosten.
2 Das Auftreten (occurence) ausserordentlich hoher, in diesem Ausmass nicht vorhergesehener Kosten. Die Vorsilbe "Un-" wird hier nicht zur Verneinung, sondern zur Steigerung (wie etwa bei Ungewitter, Unmenge, Unsumme, Unmass) gebraucht.
3 Umgangssprachlich oft gleichgesetzt mit Auslagen, nämlich Geld, das für bestimmte Zwecke verausgabt wird.
4 Ab etwa 2007 auch wieder zumeist von Finanzjournalisten im Besonderen gesagt für
1. unvorhergesehene, unerwartete,
2. plötzlich und in der Regel zur Unzeit (mistimed, in the worst possible moment) auftretende und
3. in der Ausgabenplanung nicht eingestellte Aufwendungen eines Instituts. Beispiele für Unkosten in diesem Sinne sind Pressekonferenzen, Zeitungsinserate und persönliche Telefonate mit Käufern von Verbriefungspapieren sowie beruhigende Anschreiben an Kunden im Zuge der Subprime-Krise und der sich anschliessenden Finanzkrise.
– Siehe Auslagen, Aufwendungen, Kosten, Myriade.
Unregelmässigkeiten-Meldepflicht (obligation to report irregular practices):
In Deutschland müssen Versicherungen Unregelmässigkeiten ihrer Versicherungsvermittler und Innendienst-Mitarbeiter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht melden. In der Liste der zu meldenden Tatbestände stehen Diebstahl, Betrug, Untreue, Unterschlagung von Inkasso-Geldern, Computermanipulationen - wie vor allem die Umleitung von Geld auf Konten des Versicherungsvermittlers - und alle Arten der Provisionserschleichung (subreption of commissions), wie vor allem
1. Fälschen von Anträgen;
2. Aufnahme von Anträgen nach bewusster Fehlinformation des Versicherungsnehmers unter Inkaufnahme einer Stornierung in absehbarer Zeit;
3. Aufnahme von Anträgen nach Absprache mit dem Versicherungsnehmer, in absehbarer Zeit die Stornierung herbeizuführen;
4. Aufnahme von Anträgen nach Zusage des Vermittlers, die Zahlung der Prämie zu übernehmen und
5. Aufnahme von Anträgen, denen nur die Absicht der Teilhabe des Versicherungsnehmers an Provisionen und Courtagen zugrunde liegt. Schon der Verdachtsfall (suspected case) ist zu melden; das Ergebnis von Ermittlungen oder die endgültige Schadenshöhe sind nicht abzuwarten.
– Siehe Depekulation, Finanzpflichttreue, Finanzschurke, Geldunterschlagung, Überweisungsbetrug, Untertunnelung, Verhaltensrisiko, Veruntreuung.
Unschärfe, konstruktive (constructive vagueness):
Begriff aus dem Sprachschatz der Zentralbank. Diese erklärt und begründet in diesem Falle zwar Massnahmen, sie äussert sich aber nicht zu Einzelheiten, um den Marktteilnehmern keine falschen Signale zu vermitteln. - So gab zwar im Zuge der Griechenland-Krise die EZB im Sommer 2010 bekannt, dass sie Staatsanleihen für mehr als 40 Mio EUR aus Ländern der Eurozone auf dem Sekundärmarkt gekauft habe, um "dysfunktionale Märkte" (dysfunctional markets) liquide zu halten. In diesem Fall dienten die Käufe der Zentralbank aber wohl in erster Linie dem Zweck, Staatsanleihen von Griechenland, Spanien und Portugal nicht weiterem Marktdruck auszusetzen. Diese Papiere waren nämlich durch umfangreiche Verkäufe von verunsicherten Anlegern wie Pensionsfonds und Versicherungen im Kurs stark gesunken. Die EZB leistete also Reparaturarbeiten (repair work) auf dem Finanzmarkt. Sie verweigerte aber zunächst alle näheren Angaben zu diesen Käufen.
– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Codewörter, EZB-Sündenfall, Forward Guidance, Führung, verbale, Moral Hazard, Politik des offenen Mundes, Umverteilung, zentralbankbewirkte.
Unsicherheit (uncertainty):
1 Allgemein Zweifel in Bezug auf den Eintritt erwarteter Umstände; Ungewissheit (incertitude: doubt as a state of being unsure of something), Unklarheit (lack of clarity).
2 In der Ökonomik im Besonderen eine Gefahr, bei welcher
1. die Verteilung der Folgen möglicher Handlungen unbekannt und
2. daher auch mathematisch letztlich nicht befriedigend berechenbar ist
3. und im Unterschied zum Risiko, wo das Schadens-Ausmass eines Ereignisses in der Regel sich als genau berechenbar zeigt, die Eintritts-Wahrscheinlichkeit freilich immer auch von Erwartungen abhängt.
– Entscheidungen auf Finanzmärkten sind in fast jedem Fall mit einem mehr oder minder hohem Grad an Unsicherheit behaftet. - Die Zentralbanken unterscheiden bei ihrer Entscheidungsfindung zwischen Datenunsicherheit und Modellunsicherheit.
3 Im Besonderen auch gesagt von matten Erwartungen hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Lage. Hohe Unsicherheit in diesem Sinne wirkt sich auf das Ausgabeverhalten der Privathaushalte und auf die Investitionen der Unternehmen hemmend aus.
– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Erwartungstheorie, neue, Formeln, finanzmathematische, Geldmarkt-Volatilität, Idle money, Imponderabilien, Information, asymmetrische, Naturereignis, Normalverteilung, Restrisiko, Sparsamkeitsregel, Strukturunsicherheit, Versicherung, Versicherungsunsicherheiten, Verteilung, stabile. Volatilität.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 (Volatilität, Risiko und Unsicherheit), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 36 ff. (Messung der Unsicherheit am Aktienmarkt; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 49 ff. (Messung der wahrgenommenen gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 49 ff. (Versuch einer Messung der Unsicherheit im Sinne von 3 in Bezug auf das gesamtwirtschaftliche Umfeld im Euroraum; Übersichten; Literaturverweise).
Unsumme (enormous sum):
Von Finanzjournalisten häufig gesagt in Bezug auf einem sehr hohen Betrag (an exceedingly large quantity of money: scads); die Vorsilbe "Un-" wird hier nicht zur Verneinung, sondern zur Steigerung - wie etwa bei Ungewitter, Unmenge, Unkosten, Unmass, Untiefe - gebraucht.
– Siehe Millionengrab, Rattengeld, Ungüter.
Unterauslastung (under-utilisation of capacities):
Das Produktionspotential einer Volkswirtschaft liegt teilweise brach. Ob die Geldpolitik an diesem Zustand etwas ändern kann, ist allgemeingültig kaum zu beantworten, zumal die Ursachen einer Unterauslastung sehr verschieden sein können.
– Siehe Arbeitskräftepotential, Auslastungsgrad, Frauenarbeitsquote, Infrastruktur, Kapazitätsauslastung, Phillips-Theorem, Potentialwachstum, Produktionslücke, Saysches Gesetz, Verarbeitungsmenge.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 104 f. (Versuch einer Zuordnung verschiedener Messgrössen), Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 52 ff. (Probleme der Berechnung; Literaturverweise; Übersichten).
Unterbietung (underbidding):
Beim Zinstenderverfahren - wie im Eurosystem seit 2000 eingeführt - die Tatsache, dass die von Banken abgegebenen Gebote gesamthaft den von der EZB vorgesehenen Zuteilungsbetrag unterschreiten. Die Banken geraten dadurch in die Gefahr, am Ende der Mindestreserve-Erfüllungsperiode über zu wenig Liquidität zu verfügen. Sie müssen diesfalls die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität der EZB in Anspruch nehmen. Dadurch aber wird der Tagesgeldsatz in die Höhe getrieben.
– Siehe Tender, Überschuss-Liquidität, Zinstender, Zuteilungsverfahren, amerikanisches.
Untergewicht (underweight):
Im Jargon eine Kennzeichnung, die einer eindringlichen Ausstiegs-Empfehlung aus einem Engagement gleichkommt. Einer Kaufempfehlung entspricht andererseits die Benennung Übergewicht (a recommendation for investors to decrease their engagement in a particular security, sector, asset class, or market. The opposite it called overweight).
– Siehe Bonitätsnote, Downrating, Rating-Anpassung, Rating-Migration, Rating-Offenlegung, Shadow Rating.
Unterlegung (underlying):
1 Allgemein Sicherheiten für eine ungedeckte Schuld beibringen; einen Kredit besichern (hence: the physical or financial asset to which a creditor has a claim).
2 Der Basiswert, auf den sich eine Option oder ein Future bezieht (Bezugswert: the security or commodity that is delivered when the option contract is exercised, also called an underlier).
3 Die aufsichtsrechtlich verfügte
1. Abdeckung bank- und versicherungsgeschäftlicher Risiken jedwelcher Art durch Eigenkapital, wie bereits im Einzelnen Igenau vorgeschrieben und überwacht,
2. hohe Quote von Eigenkapital bei kreditfinanzierten Engagements. Auf diese Weise können riskante Geschäfte eingedämmt werden, die zu einem Runup auf den Märkten für Vermögenswerte führen und spekulative Blasen begründen.
4 Bei der EZB marktfähige Sicherheit, die bestimmte, für den Euro-Währungsraum gesamthaft einheitliche, von der EZB festgelegte Zulassungs-Merkmale erfüllt.
– Siehe Ausfallrate, erwartete, Ausserbilanzgeschäft, Barmarge, Cleaning up after, Immobilienblase, Internen Ratings Basierender Ansatz, Jackson Hole-Konsens, Kreditlinie, Leaning against the wind, Margendeckung, Notenbankfähigkeit, Option, Risikoprofil, Risikopuffer, Rückschlag-Effekt, Schwankungsmarge, Sicherheit, Sicherheitsmarge, Tertiarisierung, Terminspekulant, Underlying, Unterpfand, XXX-Insurance-Linked Securities.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 86 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 100 f., Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).
Unterliquidität (sub-optimal liquidity):
Bezeichnung für ein Unternehmen und besonders für eine Bank, wo die Zahlungsfähigkeit zwar jetzt und zukünftig gewahrt ist. Es fehlen aber Zahlungsmittel, um sich bietende Marktchancen zu nutzen bzw. lohnende Investitionen durchzuführen.
– Siehe Barmittelquote, Cash-Management, Finanzplanung, Insolvenz, Liquidität, optimale, Liquiditätsrisiko, Überschuss-Liquidität.
Unternehmen und Unternehmung (business, enterprise, firm, company):
Ein Betrieb - als Entität, in der ständig Produktionsfaktoren zwecks Erstellung marktgängiger Waren und/oder Dienstleistungen (marketable goods) unter Beachtung wirtschaftlicher Rationalität zusammengefügt (combined) werden - im marktwirtschaftlichen System; eine Firma, die unter der Leitung und Kontrolle von dazu bestellten Funktionsträgern steht (an establishment that operates under the ownership or control of a single organisation. In other words: a company in the market economy
1. may be a business, service, or membership organisation;
2. which consists of one or several establishments;
3. operates at one or several locations;
4. includes all subsidiary organisations as well as
5. all establishments that are majority-owned by the company or any subsidiary, and
6. all the establishments that can be directed or managed by the company or any subsidiary). Ziel des Unternehmens ist es, durch Einsatz der Produktionsfaktoren und die auf Dauer angelegte Herstellung von Gütern einen Gewinn zu erzielen.
– Siehe Geldhaus, Institut.
Unternehmen, gemischte (mixed companies):
Auf dem Finanzmarkt gemäss Definition in § 1, Abs, 1 KWG "Unternehmen, die keine Finanzholding-Gesellschaften, gemischte Finanzholding-Gesellschaften oder Institute sind und die mindestens ein Einlagenkreditinstitut, ein E-Geld-Institut, ein Wertpapierhandelsunternehmen oder eine Kapitalverwaltungsgesellschaft zum Tochterunternehmen haben. Eine gemischte Unternehmensgruppe besteht aus einem gemischten Unternehmen und seinen Tochterunternehmen".
– Siehe Kontrolle.
Unternehmen, genossenschaftliches (co-operative business):
Die von einer Kooperativen (einer Genossenschaft: an autonomous association of persons united on their own accord to meet their mutual economic targets through jointly owned and democratically controlled enterprise) betriebene Firma.
– Siehe Gewerkschaftsbank, Kreditgenossenschaften, Volksbank.
Unternehmen, kapitalmarktorientiertes (capital market orientated company):
EU-Unter¬nehmen, dessen Wertpapiere
1. zum Handel auf einem regulierten Markt an der Börse bereits zugelassen sind, oder
2. dem Publikum zum Handel auf einem regulierten Markt zur Zeichnung angeboten werden. Die EU-Kommission schreibt für diese Unternehmen seit 2005 verbindliche die Rechnungslegung nach IAS vor.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2002, S. 45 f. .
Unternehmen, öffentliches auch Staatsunternehmen (state-owned enterprise, public-owned company):
1 Betriebe im Eigentum öffentlicher Stellen, die grundsätzlich ohne Gewinnabsicht Güter anbieten, wie etwa bei der Bereitstellung von Wasser und die Entsorgung von Abwasser.
2 Nach der Legaldefinition in Art. 106, Abs. 1 AEUV "jedes Unternehmen, auf das die öffentliche Hand aufgrund Eigentums, finanzieller Beteiligung, Satzung oder sonstiger Bestimmungen, die die Tätigkeit des Unternehmens regeln, unmittelbar oder mittelbar einen beherrschenden Einfluss ausüben kann."
Unternehmen, staatlich gefördertes (government-sponsored enterprises, GSEs):
In den USA eine Firma, deren Geschäftsrisiko letztlich der Steuerzahler trägt, und die daher auch Zugang zu günstigen Darlehn hat (quasi-governmental organisation that is privately owned but was created by the government and retains certain privileges not afforded private entities). - Zu dieser Gruppe zählt beispielsweise auch die US-Hypothekenbank Federal National Mortgage Association (FNMA, meistens "Fannie Mae" genannt) sowie die Federal Home Loan Mortgage Corporation (FHLMC, zumeist "Freddie Mac" genannt). Beide gerieten im Zuge der Subprime-Krise im Herbst 2008 ins Strudeln. Sie mussten mit Hilfe öffentlicher Mittel mehrmals hintereinander gestützt werden. Seitens der Regierung der USA wurden sie unter Zwangsverwaltung (conversatorship) gestellt wurden. Die Fannie Mae und Freddy Mac zusammen betreuten zu Jahresbeginn 2008 gut vierzig Prozent aller amerikanischen Hypotheken. - Weiterhin gehört zum Kreis der staatlichen geförderten Unternehmen in den USA auch die Government National Mortgage Association (Ginnie Mae), die Federal Agricultural Mortgage Corporation (Farmer Mac) und die Student Loan Marketing Association (Sallie Mae); letztere vergibt Kredite an Schüler und Studierende. Ausser der Ginnie Mae sind die vier übrigen Hypothekenfinanzierer Aktiengesellschaften, deren Anteile an der Börse gehandelt werden.
– Siehe Moral Hazard, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 21 (statistische Zuordnung der Kredite an GSEs), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 12 ff. (in den USA kommen Fannie Mae und Freddy Mac unter staatliche Zwangsverwaltung).
Unternehmen, vergleichbare (comparable companies, oft nur comparables):
Firmen, die sich aufgrund genau bestimmbarer, eindeutiger und dauerhafter Merkmale in einzelne Gruppen gliedern lassen, wie etwa Institute nach ihrer Grösse oder ihrem Hauptgeschäftszweig.
Unternehmensanleihen (corporate bonds):
Von - grossen, emissionsfähigen - Firmen begebene, meistens festverzinsliche (fixed interest bearing) Wertpapiere. Deren Kurs folgt in der Regel eng dem Aktienkurs des jeweiligen Emittenten. Die Laufzeit erstreckt sich von drei bis dreissig Jahren. In Deutschland machten im Jahr 2005 die Unternehmensanleihen gesamthaft nur sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus, in den USA dagegen rund zwanzig Prozent. - Nominell gut ausgestattete Anleihen von Fallen Angels - in den USA: Enron, WorldCom - stürzten teilweise unter den Kurs von Penny Stocks. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise war ein Ansteigen der Emission von Unternehmensanleihen zu verzeichnen. Dabei dürfte wohl die frühzeitige Sicherung von Anschlussfinanzierungen eine Rolle gespielt haben. Firmen mit Zugang zum Kapitalmarkt können auf diesem Weg die Banken umgehen und sich unmittelbar bei Investoren wie Fonds und Versicherungen finanzieren. Dies trägt zur Festigung der Versorgung mit Fremdmitteln bei. Freilich bleibt der Weg über Unternehmensanleihen für den Grossteil der kleinen und mittleren Firmen weithin verschlossen.
– Siehe Anleihe, High Yields, Industrieanleihe, Kliff-Effekt, Rendite-Abstand, Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, Volkswirtschaft, bankbasierte, Yield-to-Call, Zeichnungsfrist.
– Vgl. ausführlich Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 15 ff., Jahresbericht 2003 der EZB, S. 32 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 45 (Statistik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 38 (Rendite-Abstand zwischen Staatsanleihen und Unternehmensanleihen), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 35 f. (Schaubilder zum Rendite-Abstand im Eurogebiet, verbunden mit der jeweiligen Bonitätseinstufung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 24 (Spreads europäischer Unternehmensanleihen seit 2005), S. 186 ff. (Marktmanipulation bei Unternehmensanleihen aufgedeckt; Übersicht; einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 49 f. (wichtige Gründe für die Renditeabstände bei Unternehmensanleihen).
Unternehmensbericht (company report):
Wer in Deutschland Wertpapiere im Segment regulierter Markt an der Börse einführen will, muss nach dem Verkaufsprospekt-Gesetz eine in Form und Inhalt vorgegebene und von den Aufsichtsbehörden kontrollierte Offenlegung aller wichtigen Gegebenheiten des Unternehmens vorlegen.
– Siehe Börsenzulassungsprospekt, Ad-hoc-Mitteilung, Emissionsprospekt, Enforcement, Finanzbericht, Prospekt-Datenbank, Wertpapier-Verkaufsprospekt.
– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 16 ff. (Anforderungen an den Bericht).
Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, UBG (holding company):
Eine Firma, die ausschliesslich dem Erwerb, dem Halten, der Verwaltung und Veräusserung von Wagniskapitalbeteiligungen dient, in Form von Aktien, Geschäftsanteilen an einer GmbH, Kommanditanteile, Beteiligung als Komplementär oder als stiller Gesellschafter. Über und durch die Holding soll nicht-börsennotierten Unternehmen indirekt der Zugang zu den Finanzmärkten geöffnet werden. Andererseits kann sich das Anlegerpublikum über die Holding mittelbar an solchen - in der Regel kleinen und mittleren - Unternehmen beteiligen. Ein eigenes Gesetz über Unternehmensbeteiligungsgesellschaften aus dem Jahr 1998 regelt in Deutschland die Geschäftstätigkeit einer Holding. - Eine UBG ist nicht mit einer Finanzholdung zu verwechseln, wiewohl dies häufig genug geschieht.
– Siehe Beteiligungsgesellschaft, Explorer-Werte, Finanzholding, Investmentfonds, alternativer, Holding, Inkubator, Innovationsfonds, Risikokapital, Seed Capital.
Unternehmensfinanzierung (corporate finance):
Als Lehre schlüssig miteinander verbundene Aussagen darüber, wie die der Geldfluss in einem Unternehmen am vorteilhaftesten zu planen und zu steuern ist (area of business science dealing with the financial decisions corporations make, and the tools used to realise, to accomplish such decisions). Als Handlungsweise alle Tätigkeiten mit dem Ziel, die Liquidität eines Unternehmens zu sichern.
– Siehe Solvenzbilanz.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 43 f. (aktuelle Lage; Übersicht der einzelnen Finanzierungsquellen seit 2006 in Deutschland und im Eurogebiet).
Unternehmensgruppe, horizontale (horizontal integrated group of companies):
Nach § 1, Abs. 21 KWG liegt eine solche auf dem Finanzmarkt vor, wenn
1. ein Unternehmen mit einem oder mehreren anderen Unternehmen in der Weise verbunden ist, dass sie gemeinsam aufgrund einer Satzungsbestimmung oder eines Vertrags unter einheitlicher Leistung stehen oder
2. sich ihre Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorgane mehrheitlich aus denselben Personen zusammensetzen.
– Siehe Holding, Konglomerat, Kontrolle, Konzern.
Unternehmenskredite (lendings to companies):
1 Von Banken eines Landes an Unternehmen gewährte Darlehn. Diese werden an die Zentralbanken gemeldet und von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet.
2 Der Anteil der Kredite an Firmen in Prozent des Bruttoinlandproduktes. Diese Rate betrug 2004 für Grossbritannien 70 Prozent, für Deutschland und Japan 56 Prozent, für die Schweiz 46 Prozent und für die USA 34 Prozent.
– Siehe Rate der Kreditkunden, Unternehmensanleihen.
– Vgl. Daten im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten" und zu den Zinssätzen die Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 20 ff. (Analyse der Angebots- und Nachfrageseite mit Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 54 ff. (Umfragedaten zur Vergabe von Unternehmenskrediten 2003 bis 2010; Übersichten).
Unternehmenskredite, verbriefte (collateralised debt obligations, CDOs):
Besondere Art der Asset-Backed Securities, die im Euro-Währungsgebiet inzwischen zu einem nicht erheblichen Teil privat plaziert werden. Es handelt sich um von Zweckgesellschaften begebene Titel, wobei die Zweckgesellschaft ihrerseits Anleihen von Unternehmen einschliesslich Banken in ihrem Portfolio hat (debt securities issued by a special purpose vehicle, often a securitisation vehicle, which buys and holds bonds issued by corporations or banks [collateralised bond obligation] or bank loans [collateralised loan obligation]. CDOs provide liquidity for securities that are not automatically liquid. It is used by banks to refinance themselves with investors wanting to take a risk on a debt portfolio. The level of the risk will depend on the nature and quality of the debts held by the vehicle and on the level of the ranking of the different debt instruments issued by the vehicle). - Weil die verbrieften Unternehmenskredite nicht über die Börse abgewickelt werden, so fällt es schwer, das Verbriefungsvolumen auf diesem Teilmarkt (sub-market) statistisch genau zu erfassen.
– Siehe Originate-to-distribute-Strategie, Privatplazierung, Tranche, Verbriefung, Verbriefungsstruktur.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 40 (Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 102 (Probleme in Bezug auf die Geldpolitik).
Unternehmensübernahme (buy-out, buyout):
Die Eingliederung eines Unternehmens in eine andere Firma (the purchase of controlling majority in one company by another firm, in order to take over assets and/or operations).
– Siehe Fusionen und Übernahmen, Totholz, Übernahme-Angebot.
– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 196 f. (EU-Übernahmerichtlinie; einzelne Fälle, S. 199: entscheidende Angebotsbedingungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".
Unternehmenswachstum (corporate growth):
Auf den Betrieb einer Bank bezogen in der Regel ein Zuwachs im Umsatz. Das wirkt sich jedoch nur dann auch steigernd auf den Gewinn aus, wenn die mit dem Wachstum zusätzlich entstehenden Kosten unter Beachtung von Zeit- und Risikopräferenzen geringer sind als das Umsatzplus. Dies wiederum kann der Fall sein, wenn bestehende und/oder zusätzliche Ressourcen besser für bestehende Verwendungsrichtungen (economics of scale: reduction in costs per unit resulting from increased production, realised through operational efficiencies) und/oder für neue Verwendungsrichtungen (economics of scope: the reduction in costs per unit through the production of a broader variety of goods) genutzt werden können. - Der Verwirklichung solcher "economics" steht erfahrungsgemäss oft entgegen, dass im Wachstumsprozess zu hohe und in der Regel nur ungenügend eingeplante Koordinationskosten (coordination costs) entstehen.
– Siehe Behauptungs-Strategie, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Gibrat-Regel, Penrose-Theorem.
Unternehmenswert (enterprise value, going concern value, firm value):
Wenn nicht anders definiert, die Summe aus Börsenkapitalisierung und verzinslichem Fremdkapital abzüglich liquider Mittel (the market value of the shareholders' equity [share market capitalisation if a company is quoted] plus the market value of the net financial debt). - Bei nicht börsennotierten Unternehmen wird meistens der Wert des Eigenkapitals oder aber der Marktwert des Anlagevermögens (market value of the enterprise's fixed assets) anstelle der Börsenkapitalisierung herangezogen. - Daneben gibt es eine Reihe weiterer, teilweise sehr umfänglicher und auch auf die Besonderheiten der jeweiligen Branche bezogener Berechnungsarten des Unternehmenswertes. Dessen Berechnung ist zu einem Sondergebiet (speciality) für Wirtschaftsprüfer und Aktuare geworden.
– Siehe Marktkapitalisierung, Verkehrswert, Wertschöpfung, Zeitwert.
Unterpfand (security):
In der älteren Finanzsprache häufig gesagt für Sicherheiten im Sinne der Hinterlegung eines Vermögenswertes, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ein Gläubiger einer Forderung diese auch nebst Zinsen zurückbezahlt bekommt.
– Siehe Kredit, besicherter, Pfand, Pfandgeld, Sicherheit, Sicherheitseinbehalt, Sicherungsgeld, Unterlegung.
Unterrichtsgeld (teaching fee):
Schulgeld, in dieser Bezeichnung heute in Deutschland meist nur auf Privatschulen und seltener auch auf Universitäten (tuition fees; Hörergeld, Studiengebühr) bezogen. In älteren Dokumenten werden Abgaben für Schulen auch Instruktionsgeld genannt.
– Siehe Beleggeld, Fremdenschulgeld, Hörergeld, Mofageld, Oppidanengeld, Schreibschulgeld.
Untersagung (prohibition):
Von der Aufsichtsbehörde verfügtes und in der Regel auch öffentlich bekanntgemachtes Verbot
1. der Tätigkeit von Personen oder Firmen auf dem Finanzmarkt gesamthaft oder in einzelnen Sektoren bzw.
2. von Fusionen und Übernahmen, die nicht den gesetzlichen Vorschriften genügen.
– In Deutschland kann ein Verbot im Sinne von 1. gemäss § 37 KWG von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verfügt werden. Bei einer Untersagungsverfügung (prohibition order) handelt es sich um die hoheitliche Massnahme einer Behörde auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts zur Regelung eines Einzelfalls mit unmittelbarer Rechtswirkung nach aussen, also um einen Verwaltungsakt mit Bestandskraft. - Die einzelnen Untersagungen der BaFin sind über deren Internetseite einsehbar. Leider aber verlegen zweifelhafte Anbieter ihre Tätigkeit an Offshore Finanzplätze und sind selbst dort in der Regel nur sehr schwer ausfindig zu machen.
– Siehe Abberufungs-Verfügung, Anweisung, Beanstandungen, aufsichtliche, Bestandskraft, International Business Company, Massnahme bei Gefahr, Sanktionskomitee, Verwarnung, Zwangsgeld, Zwangsschliessung.
– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 194 f. (Untersagungen im Sinne von 2. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft"; S. 212 (Untersagungsbescheide [prohibition decisions] im Sinne von 1. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".
Unterschriftenkarte (signature card):
Ein Dokument, das bei Geschäftseröffnung mit einem Institut auszufüllen ist und dort aufbewahrt wird. Es enthält die Unterschriftsprobe des Kunden und eines allfälligen Bevollmächtigten sowie gegebenenfalls dessen Verfügungsberechtigung (the card or electronic representation on file at a financial institution that contains the signature of the customer and potential authorised document signers).
– Siehe Zeichenunterschrift.
Unterseeboot-Effekt (submarine effect):
Ausgelagerte Risiken tauchen plötzlich und an unerwarteter Stelle wieder auf. - Dies zeigte sich sehr deutlich angesichts der Subprime-Krise im Sommer 2007. Von Banken in den USA an Zweckgesellschaften abgegebene und von diesen tranchierte Forderungen fanden sich massenweise im Bestand der Aktiva europäischer Banken wieder. Weil in den USA die Bedienung dieser Schuldverschreibungen (Credit Linked Notes, CLN) aus den Referenzaktiva unmöglich wurde, so entstand bei zahlreichen Instituten in der ganzen Welt ein hoher Abschreibungsbedarf (high level of write-offs). Verluste mussten zunächst von den Banken und bald danach von den Steuerzahlern getragen werden. Dies führte zu einer weltweiten Finanzkrise.
– Siehe Ansteckungswirkungen, Credit Default Swap, Credit Linked Notes, Finanz-Alchemie, Klumprisiken, Kreditderivat, Kreditverbriefung, Liquiditätsrisiko, Luftpapiere, Mark-to-Model-Ansatz, Ninja-Loans, Originate-to-distribute-Strategie, Panikverkäufe, Reintermediation, Retrozession, Risikominderungstechniken, erweiterte, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Subprime-Krise, Total Return Swaps, Underwriter, Verbriefungsstruktur, Warehousing Risk, Zitronenhandel.
Unterstützung, stillschweigende (implicit support):
Im Rahmen einer Verbriefung tritt jemand - in der Regel eine Bank; seltener auch ein Hedge-Fonds - über das Mass der vertraglich vereinbarter Verpflichtungen hinaus für die Verbriefungspapiere ein. Dies geschieht etwa dadurch, dass das Institut notfalls die Verbriefungspapiere kauft und in das eigene Portefeuille nimmt. Solche Käufe waren häufig im Zuge der Subprime-Krise zu beobachten, weil die originierenden Banken ein Bonitätsrisiko vermeiden wollten. - Hedge-Fonds waren darauf bedacht, dass plötzlich abgestossene Papiere nicht zu sehr an Wert verloren, wenn der Fonds selbst ein Engagement in den betreffenden - werthaltigen, durch erstklassige Hypotheken oder anstandslos bediente Leasingverträge gedeckten - Titeln eingegangen war. Der Zukauf und damit die Stabilisierung des Kurses war in solchen Fällen oft günstiger als eine hohe Verlustabschreibung (high wirte-off).
– Siehe Absenzkapitalismus, Credit Enhancement, Entwicklungsverfahren, iteratives, Geldmarktfonds mit konstantem Nettoinventarwert, Reintermediation, Reputation, Rückführungs-Option, Rückübertragungs-Klausel, Rückzahlung, vorzeitige, Structured Investment Vehicle, Verbriefungsstruktur, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.
Unterstützungslinie (stop-loss-line, signal line):
Bereich, in den der Kurs eines Wertpapiers an der Börse - seltener auch auf den Kurs einer Währung bezogen - bereits mehrmals zurückgegangen ist, um sich aber anschliessend wieder zu erholen.
– Siehe Analyse, technische, Charts, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Random-Walk-Hypothese, Widerstandlinie.
Unterstützungszahlungen (remittances):
In der Statistik häufig benutze Bezeichnung für Heimatüberweisungen (the sending of money chiefly by migrant workers to their families at a distance).
Untertunnelung, Unterhöhlung und Abzapfung (tunneling):
In der Finanzsprache die Entnahme von Vermögenswerten aus einer Gesellschaft
1. durch das betrügerische Management des Unternehmens und Einbringung dieser Werte in eine eigene Firma oder
2. mehr oder minder heimlich durch einen Grossaktionär (pumping out valuable property fraudulently, clandestinely by the own management of a company and bringing into their own private firm, or by a major shareholder who transfers the assets into an affiliated business). Bei Aktiengesellschaften geschieht dies zum Schaden der Aktionäre, und in jedem Fall auch zum Nachteil der Beschäftigten. Betriebsräte und Whistleblower haben in vielen Fällen entsprechende Machenschaften aufgedeckt.
– Siehe Depekulation, Insider, Strohmann, Verdachtsanzeige, Verhaltenskodex, Veruntreuung.
Unterwasser (underwater):
1 Im Jargon von einer Call-Option gesagt, wenn der Preis des Basiswertes am Kassamarkt unter dem Ausübungspreis liegt, die Option mit anderen Worten Aus dem Geld ist (a call option whose strike price is greater than the market price of the underlying asset).
2 In Bezug auf ein Darlehn meint diese Kennzeichnung, dass sich die Höhe des eingeräumten Kredits über dem Wert angedienter Sicherheiten bemisst (a loan where the amount owed is above the value of the asset being used for collateral for the loan).
Unveräusserlich und Unveräusserbar (inalienable):
In der Finanzsprache gesagt von allem, was nicht dem Markt zugeführt werden kann (something that may not be sold, transferred or assigned to another).
– Siehe Fideïkommiss.
Unze in älteren Dokumenten auch Once (ounce):
1 Alte Gewichtseinheit, die sich in Deutschland bis über die Metrifikation 1870 hinaus teilweise hielt. Ihr Gewicht war lokal überaus unterschiedlich und lag zwischen etwa 27 und 100 Gramm.
2 Die Troy-Unze (fine ounce; Feinunze) mit 31,1034768 Gramm wird heute noch oft beim Goldpreis zugrunde gelegt, wiewohl die Unze als Gewichtseinheit in der EU grundsätzlich verboten ist. Allerdings darf Grossbritannien seine nicht-metrischen Masse bis auf weiteres beibehalten.
3 Die Flüssigunze (fluid ounce) ist heute noch in Grossbritannien (= 0,0284 Liter) und in den USA (= 0,0296 Liter) verbreitet, aber in der EU grundsätzlich als Masseinheit im Handelsverkehr nicht gestattet. Trotzdem wird besonders bei Parfum häufig noch der Inhalt in Unzen angegeben. Einige französische Hersteller von Duftwasser haben ihren Vertrieb (PRO FORMA, auf dem Papier) daher nach England verlegt, um weiterhin in (welchen?) Unzen abfüllen und in den Handel der EU bringen zu dürfen.
– Siehe Troy-Unze.
Upside Risk (so auch im Deutschen gesagt, seltener Aufwärtsrisiko und Risiko aus Verbesserung der Lage):
1 Allgemein die Möglichkeit, dass der tatsächliche Ertrag aus einer Anlage die Erwartungen nach oben übertrifft (the possibility that the value of an engagement may increase beyond forecast level). Jedes Engagement auf dem Finanzmarkt birgt die Möglichkeit eines Downside Risk und eines Upside Risk.
2 Für einen Kreditnehmer das Risiko, dass der Marktzins während der Vertragslaufzeit unter den mit der Bank vereinbarten (höheren) Zinssatz sinkt.
– Siehe Downside Risk, Risiko, Value at Risk.
Uptick und Plus Tick (so auch im Deutschen; seltener Aufwärtsruck und Höhensprung):
In der Börsensprache ein Kauf oder Verkauf, der zu einem günstigeren Kurs abgewickelt wurde als eine unmittelbar davor stattgefundene Transaktion mit demselben Papier (an exchange transaction in which a buy or sell of a security occurs at a price higher than the previous trade).
Up-Tick Rule (so auch im Deutschen gesagt, seltener Handelsbeschränkungs-Regelung):
Blockierung des Umsatzes an der Börse in Neuyork, wenn der Dow Jones Aktienindex innert kurzer Zeit um mehr als fünfzig Punkte steigt. - Diese Einschränkung soll verhindern, dass es durch computergesteuerte Kaufprogramme, die im Takt von Bruchteilen von Sekunden entsprechende Kaufsignale auslösen, nachbörslich und weltweit zu einer raketenartig ansteigenden Nachfrage kommt. Es besteht diesfalls nämlich die Gefahr, dass dies einen Crash mit weitreichenden Folgen einmündet.
– Siehe Blase, spekulative, Devisenhandel, computerisierter, Dominostein-Effekt, Einstellung, Finanzsystem, Handelsaussetzung, Herdenverhalten, Rally, Run, Sell-Plus-Order, Uptick.
Urbarium auch Urbar (rental, rent-roll):
In früherer Zeit ein Verzeichnis der Einnahmen der Grundherrschaft mit oft über lange Zeiträume reichender Aufstellung der Pflichtigkeiten (Fronen, Lehensleistungen; soc(c)ages) und Liste der abgabepflichtigen Hörigen (villeins). Für die Wirtschaftsgeschichte allgemein und für die Finanzgeschichte im Besonderen sind die Urbarien mit ihren vielfältigen Aufzeichnungen eine Fundgrube.
Urlaubsgeld (vacation money; holiday bonus, vacation benefit):
1 Von Privatpersonen in der Ferienzeit getätigte Ausgaben; im engeren Sinne bezogen auf Reisen sowie dabei ausgegebenes Geld für Unterkunft und Verpflegung.
2 Eine tarifvertraglich (CH: gesamtarbeitsvertraglich; collectively agreed) festgeschriebene (by collective labour agreement negotiated) oder freiwillig geleistete (voluntarily) Sonderzahlung des Arbeitgebers an Beschäftigte, um deren erhöhte Aufwendungen in der Urlaubszeit (holiday season, vacation time) abzudecken.
– Siehe Gratifikation, Kirchweihgeld, Zuwendung.
Urukagina-Regel (Urukagina principle):
"Zahle in bestem Geld!"; Verfügung des sumerischen (Sumerian; Sumer = an ancient country of southern Mesopotamia in present-day southern Iraq; the Sumerians are believed to have invented the cuneiform: the wedge-shaped system of writing) Urukagina um 2500 v. Chr. an die (Aussenhandels)Kaufleute, in Kurantmünze - praktisch Goldstücken - beim Einkauf zu zahlen und sich bei Ausfuhr bezahlen zu lassen, um auf diese Weise
1. die beste Ware zu erhalten bzw.
2. in den Augen der Käufer die beste Ware zu liefern.
– Siehe Amalfiner, Florentiner, Goldmünze, Kurantgeld, Samarkander, Warengeld, Zechine.
Usance auch Usanz (usage; custom):
Allgemein die Üblichkeit im Handel, der Handelsbrauch (trade practice, trade usage)
1. an einem bestimmten Handelsplatz oder
2. in einer bestimmten Handelssparte.
– Usancen im Finanzmarkt gilt es immer dort und dann zu beachten, wo keine entsprechenden eindeutigen gesetzlichen Bestimmungen vorliegen; sowie auch dort, wo Ausnahmeregelungen - wie etwa der Gebrauch der Unze in Grossbritannien - gestattet sind.
– Siehe Geldtransfer-Vermittler, International Business Company, Offshore Finanzplätze, Underground Banking.

References: § 51
 § 49
 § 155
 § 2
 § 3
 EuGH 
 § 1
 Art. 106
 § 1
 § 37