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Timestamp: 2020-07-07 12:28:46+00:00

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Kindergeld für ein in Polen lebendes Kind | Rechtslupe
Kin­der­geld für ein in Polen leben­des Kind
Bei EU-Bür­gern mit Wohn­sitz in Deutsch­land ist grund­sätz­lich das deut­sche Kin­der­geld­recht anwend­bar. Dies gilt nach einem Urteil des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf jedoch dann nicht, wenn der Arbeit­neh­mer nicht bei einer deut­schem Arbeit­ge­ber beschäf­tigt, son­dern von einem Unter­neh­men sei­nes Hei­mat­lan­des ent­sandt wurd und das Kind selbst noch im Aus­land (i den ent­schie­de­nen Fäl­len in Polen) wohnt. Denn in die­sem Fall sind die Bestim­mun­gen des EStG zum deut­schen Kin­der­geld neben den durch über­ge­ord­ne­tes EU-Recht als maß­geb­lich bestimm­ten pol­ni­schen Rechts­vor­schrif­ten nicht anwend­bar.
Die­se Rechts­fol­ge ergibt sich nach Ansicht der Düs­sel­dor­fer Finanz­rich­ter aus der VO (EWG) 1408/​71. Deren Anwen­dung wie­der­um ist gebo­ten, weil wegen der grenz­über­schrei­ten­de Merk­ma­le kein soge­nann­ter rei­ner Inlands­sach­ver­halt vor­liegt [1]. Der Klä­ger ist viel­mehr als Arbeit­neh­mer im Sin­ne des Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Buch­sta­be a der genann­ten VO ein­zu­stu­fen. Nach sei­nem eige­nen Vor­trag unter­liegt er näm­lich den pol­ni­schen Rechts­vor­schrif­ten über sozia­le Sicher­heit, ist aber wäh­rend des Streit­jah­res 2006 in einem ande­ren Mit­glied­staat der EU, näm­lich Deutsch­land, einer nicht­selb­stän­di­gen Tätig­keit nach­ge­gan­gen. Damit han­delt es sich aus Sicht der VO (EWG) 1408/​71 um einen inner­halb der Gemein­schaft zuge­wan­der­ten Arbeit­neh­mer. Dabei geht das FG davon aus, dass mit der Rege­lung in Anhang I Teil I E der VO (im Streit­zeit­raum: Anhang I Teil I D) kei­ne Ein­schrän­kung des all­ge­mei­nen per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reichs der VO (EWG) 1408/​71 ver­bun­den ist, son­dern ledig­lich eine Ein­schrän­kung ihres per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reichs hin­sicht­lich der Fami­li­en­leis­tun­gen. Zwar "ver­drängt" die Defi­ni­ti­on in Anhang I Teil I E die Defi­ni­ti­on in Art. 1 Buch­sta­be a VO (EWG) 1408/​71, jedoch nicht mit Wir­kung für die Bestim­mung der anzu­wen­den­den Rechts­vor­schrif­ten [2], son­dern nur für die Bestim­mung des Per­so­nen­krei­ses, der Anspruch auf Fami­li­en­leis­tun­gen hat [3]. Auch nach dem Ein­lei­tungs­satz des Anhangs I Teil I E gilt die Defi­ni­ti­on aus­drück­lich nur "für die Gewäh­rung der Fami­li­en­leis­tun­gen gemäß Titel III Kapi­tel 7 der Ver­ord­nung". Die Rege­lung in Anhang I Teil I E soll folg­lich nicht über die Anwend­bar­keit eines gesam­ten Sozi­al­ver­si­che­rungs­sys­tems eines Mit­glied­staa­tes, das heißt über den gesam­ten sach­li­chen Anwen­dungs­be­reich der VO (EWG) 1408/​71 im Sin­ne ihres Art. 4 ent­schei­den, son­dern nur über den per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich hin­sicht­lich der Leis­tungs­art "Fami­li­en­leis­tung" im Sin­ne von Art. 4 Abs. 1 Buch­sta­be h VO (EWG) 1408/​71. Damit ist vor­ran­gig zu prü­fen, wel­che Rechts­vor­schrif­ten nach den Art. 13 ff. VO (EWG) 1408/​71 anzu­wen­den sind.
Grund­sätz­lich sind dies nach Art. 13 Abs. 2 VO (EWG) 1408/​71 die Bestim­mun­gen des­je­ni­gen Mit­glieds­staa­tes der EU, in des­sen Gebiet ein Arbeit­neh­mer im Lohn- oder Gehalts­ver­hält­nis beschäf­tigt wird, hier die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Im Streit­fall wird jedoch die Grund­re­gel des Art. 13 Abs. 2 VO (EWG) 1408/​71 durch die Aus­nah­me­be­stim­mung des Art. 14 Nr. 1 Buch­sta­be a VO (EWG) 1408/​71 über­la­gert. Danach unter­liegt näm­lich eine Per­son, die im Gebiet eines Mit­glied­staats von einem Unter­neh­men, dem sie gewöhn­lich ange­hört, im Lohn- oder Gehalts­ver­hält­nis beschäf­tigt wird, zur Aus­füh­rung einer bestimm­ten Arbeit aber von die­sem Unter­neh­men für des­sen Rech­nung in das Gebiet eines ande­ren Mit­glied­staa­tes ent­sandt wird, wei­ter­hin den Rechts­vor­schrif­ten des ers­ten Mit­glied­staa­tes, hier Polen, sofern die vor­aus­sicht­li­che Dau­er die­ser Arbeit zwölf Mona­te nicht über­schrei­tet und sie nicht eine ande­re Per­son ablöst, für wel­che die Ent­sen­dungs­zeit abge­lau­fen ist.
Die­se Vor­aus­set­zun­gen haben nach der Über­zeu­gung des Gerichts (§ 96 Abs. 1 FGO) für den Streit­zeit­raum vor­ge­le­gen. Der Klä­ger hat näm­lich, ver­tre­ten durch sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, in der münd­li­chen Ver­hand­lung selbst ein­ge­räumt, dass er im Zeit­raum vom 1.1. bis 1.12. 2006 nicht von einem deut­schen Unter­neh­men als Arbeit­neh­mer ange­stellt gewe­sen sei, son­dern von einer in Polen ansäs­si­gen Fir­ma X. Die­se wie­der­um hat ihn zur Aus­füh­rung einer Arbeit für deren Rech­nung nach Deutsch­land ent­sandt. Das hat der Klä­ger schrift­sätz­lich (z. B. Schrift­satz vom 7.8.2008; Bl. 75) und auch in der münd­li­chen Ver­hand­lung selbst vor­ge­tra­gen. Zwar hat er aus­ge­führt, dass das Arbeits­ver­hält­nis zur Fir­ma X in Polen ledig­lich einen for­ma­len Cha­rak­ter gehabt habe, die­sem Vor­trag ver­mag das Gericht aber nicht zu fol­gen. Zum einen hat der Klä­ger sei­ne Dar­stel­lung des Sach­ver­halts nicht mit kon­kre­ten Tat­sa­chen unter­mau­ert, denn er hat weder mit­ge­teilt, mit wel­chem deut­schen Auf­trag­ge­ber die Fir­ma X "koope­riert" hat, noch hat er den von der Fir­ma X aus­ge­führ­ten Auf­trag nach Ort und Zeit oder die hier­bei maß­geb­li­chen Ver­trags­ver­hält­nis­se näher bezeich­net. Zum ande­ren haben sich Zwei­fel an der Rich­tig­keit des vom Klä­ger behaup­te­ten Sach­ver­halts erge­ben. So war er offen­bar nicht nur für die Zeit sei­nes Ein­sat­zes in Deutsch­land bei der Fir­ma X beschäf­tigt, son­dern bereits seit dem 19.10. 2005.
Soweit der Klä­ger sein Kla­ge­be­geh­ren dar­auf stüt­zen will, dass deut­sches Kin­der­geld­recht neben den nach Art. 14 Nr. 1 Buch­sta­be a VO (EWG) 1408/​71 anzu­wen­den­den pol­ni­schen Rechts­vor­schrif­ten ein­schlä­gig sei, folgt das Gericht dem eben­falls nicht. Nach Art. 13 Abs. 1 Satz 1 VO (EWG) 1408/​71 unter­lie­gen Per­so­nen, für die die­se VO gilt, den Rechts­vor­schrif­ten nur eines Mit­glied­staa­tes. Dadurch sol­len nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des EuGH die Kumu­lie­rung anwend­ba­rer natio­na­ler Rechts­vor­schrif­ten und die Schwie­rig­kei­ten, die sich dar­aus erge­ben kön­nen, ver­mie­den wer­den [4]. Auch das BVerfG ist im Beschluss vom 8. Juni 2004 [5] von die­sem Zweck der Bestim­mun­gen des Titels II der VO (EWG) 1408/​71 aus­ge­gan­gen.
Soweit sich der Klä­ger in die­sem Zusam­men­hang auf die Ent­schei­dung des EuGH vom 20. Mai 2008 [6] beruft, ergibt sich dar­aus für das FG eben­falls kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Die­ser Ent­schei­dung kommt näm­lich nicht die Bedeu­tung zu, die ihr der Klä­ger zumisst, denn der EUGH hat auch in die­ser Ent­schei­dung erneut betont, dass nach den Rege­lun­gen der VO (EWG) 1408/​71 Arbeit­neh­mer grund­sätz­lich nur dem sozia­len Siche­rungs­sys­tem eines Mit­glied­staa­tes unter­lie­gen sol­len und des­halb in die­sem Fall grund­sätz­lich nie­der­län­di­sches Recht anzu­wen­den sei. Aller­dings sei damit, so der EuGH, dem Wohn­sitz­staat (Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land) "nicht die Befug­nis abge­spro­chen", den in sei­nem Gebiet wohn­haf­ten Per­so­nen Fami­li­en­bei­hil­fen zu gewäh­ren. Ob das deut­sche Recht aus­ge­hend von die­ser Befug­nis, einen ent­spre­chen­den Anspruch auf Bewil­li­gung von Kin­der­geld vor­se­he, sei dann aber aus­schließ­lich nach natio­na­len Vor­schrif­ten zu ent­schei­den.
Im Streit­fall besteht ein sol­cher Anspruch nicht. Zwar mag es sein, dass nach den Aus­füh­run­gen des EuGH der deut­sche Staat durch die VO (EWG) 1408/​71 nicht gehin­dert wird, neben den nach die­ser VO anzu­wen­den­den pol­ni­schen Rechts­vor­schrif­ten auch deut­sches Kin­der­geld­recht zur Anwen­dung zu brin­gen, von die­ser Befug­nis hat der deut­sche Staat aber kei­nen Gebrauch gemacht. In den Rege­lun­gen der §§ 62 ff. EStG ist kei­ne Bestim­mung ent­hal­ten, nach deren Inhalt Kin­der­geld (auch) nach Maß­ga­be deut­scher Rechts­vor­schrif­ten bewil­ligt wer­den kann, wenn nach dem Wort­laut der VO (EWG) 1408/​71 aus­schließ­lich die Rechts­vor­schrif­ten eines ande­ren Mit­glied­staa­tes Anwen­dung fin­den. Eine sol­che Anwen­dungs­be­stim­mung zuguns­ten des natio­na­len Rechts ist jedoch erfor­der­lich [7]. Die Bestim­mun­gen der EU gehen näm­lich als über­staat­li­ches Recht regel­mä­ßig den natio­na­len Rechts­vor­schrif­ten vor und begren­zen deren Anwen­dungs­be­reich. Das gilt nach ihrem Wort­laut gera­de für die VO (EWG) 1408/​71, denn danach wer­den durch den aus­drück­li­chen Anwen­dungs­be­fehl bezüg­lich der "Rechts­vor­schrif­ten nur eines Mit­glied­staa­tes" zwangs­läu­fig die Bestim­mun­gen eines ande­ren Staa­tes gleich­sam aus­ge­schal­tet. Für des­sen wei­te­re (auch nur teil­wei­se) Anwen­dung bedarf es des­halb, zumin­dest in Deutsch­land, einer gesetz­li­chen Rege­lung, wel­che die Anwen­dung die­ser Rechts­vor­schrif­ten wie­der zulässt. Eine sol­che gesetz­li­che Rege­lung ergibt sich nach der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts nicht schon dar­aus, dass das EStG für den Regel­fall die Bewil­li­gung von Kin­der­geld nur von einem Wohn­sitz im Inland abhän­gig macht (§ 62 Abs. 1 Nr. 1 EStG) und im Übri­gen die Anwen­dung deut­schen Rechts neben aus­län­di­schem Recht nicht aus­drück­lich unter­sagt. Der Wohn­sitz ist näm­lich zunächst nur das Kri­te­ri­um, das der Gesetz­ge­ber der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für das in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich lie­gen­de Rechts­sys­tem zur Bewil­li­gung des Kin­der­gel­des vor­ge­ge­ben hat, wobei die­se Leis­tung in das gesam­te Sys­tem ein­ge­bet­tet ist, das auch Steu­ern, Sozi­al­ab­ga­ben und Sozi­al­leis­tun­gen umfasst. Soweit es um Sach­ver­hal­te mit Aus­lands­be­zug geht, sieht die­ses Sys­tem eine Rei­he von Beschrän­kun­gen vor, etwa für den Bezug von Kin­der­geld durch Aus­län­der (§ 62 Abs. 2 EStG) oder die Ver­sa­gung der Bewil­li­gung von Kin­der­geld bei ver­gleich­ba­ren Leis­tun­gen im Aus­land (§ 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Der­ar­ti­ge Beschrän­kun­gen die­nen in der Regel der Koor­di­nie­rung von Ansprü­chen, die bei grenz­über­schrei­ten­den Sach­ver­hal­ten ent­ste­hen kön­nen. In einer Viel­zahl von Staa­ten ist näm­lich im Zusam­men­hang mit der Bewil­li­gung von Kin­der­geld das soge­nann­te Beschäf­ti­gungs­land­prin­zip ver­brei­tet, das heißt, der Fami­li­en­leis­tung wird die Funk­ti­on einer Ergän­zung zum Arbeits­ein­kom­men zuge­wie­sen. Ange­sichts die­ser abwei­chen­den Rege­lun­gen kann folg­lich bei grenz­über­schrei­ten­den Sach­ver­hal­ten ein gänz­li­cher Aus­fall von Fami­li­en­leis­tun­gen oder eine dop­pel­te Begüns­ti­gung ein­tre­ten. Die­sen Schwie­rig­kei­ten begeg­net man im inter­na­tio­na­len Recht viel­fach über eine vor­ran­gi­ge Anwen­dung des Beschäf­ti­gungs­land­prin­zips, das heißt, der auf einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis beru­hen­de Anspruch auf Fami­li­en­leis­tun­gen, nament­lich Kin­der­geld, geht einem Anspruch im Wohn­land vor. Stimmt also die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in inter­na­tio­na­len Ver­trä­gen der vor­ran­gi­gen Anwen­dung des Beschäf­ti­gungs­land­prin­zips zu, führt die­se Ent­schei­dung nicht zu einer Aus­wei­tung der Bewil­li­gungs­kri­te­ri­en, das heißt, selbst für Grenz­gän­ger ist im Wohn­land Kin­der­geld regel­mä­ßig nicht zu zah­len, son­dern es ist aus­schließ­lich das Recht des Beschäf­ti­gungs­lan­des anwend­bar [8]. Das zeigt auch die bereits erwähn­te Rege­lung des § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, die eine Begren­zung deut­scher Fami­li­en­leis­tun­gen vor­sieht, wenn im Aus­land, etwa in Anwen­dung des dort gel­ten­den Beschäf­ti­gungs­land­prin­zips, Fami­li­en­leis­tun­gen zu bewil­li­gen sind.
Für das EU-Recht ist nach Ansicht des FG Düs­sel­dorf von den glei­chen Über­le­gun­gen aus­zu­ge­hen. Auch das in der VO (EWG) 1408/​71 ver­an­ker­te Beschäf­ti­gungs­land­prin­zip dient ledig­lich dazu, Fami­li­en­leis­tun­gen im EU-Raum nach mög­lichst ein­heit­li­chen Kri­te­ri­en zu gewäh­ren, nicht aber dazu, Ansprü­che aus­zu­wei­ten. Das zeigt schon die bereits erwähn­te Rege­lung in Anhang I Teil I E der VO (EWG) 1408/​71 (im Streit­zeit­raum: Anhang I Teil I D), nach deren Inhalt eine nach Art. 13 Abs. 1 VO (EWG) 1408/​71 mög­li­che (auf dem Beschäf­ti­gungs­land­prin­zip beru­hen­de) Zuwei­sung zum deut­schen Recht von wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig gemacht wird. Außer­dem wäre es kaum ver­ständ­lich, dass bei den­je­ni­gen Staa­ten der EU, die sich hin­sicht­lich der Bewil­li­gung von Fami­li­en­leis­tun­gen im jewei­li­gen Inland für das Wohn­land­prin­zip ent­schie­den haben, allein dies dafür spre­chen soll, dass sie die­se Rege­lung neben den nach der EU-VO maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen eines ande­ren Staa­tes haben bestehen las­sen wol­len, wäh­rend bei ande­ren Staa­ten, die im jewei­li­gen Inland Fami­li­en­leis­tun­gen nach dem Beschäf­ti­gungs­land­prin­zip bewil­li­gen, ein sol­cher Wil­le nicht fest­ge­stellt wer­den kann. Die­ses unter­schied­li­che Ergeb­nis ist viel­mehr nur auf die Aus­wahl der Kri­te­ri­en zur Aus­zah­lung von Fami­li­en­leis­tun­gen zurück­zu­füh­ren, nicht aber auf den Wil­len eines Staa­tes, neben dem Beschäf­ti­gungs­prin­zip auf jeden Fall auch dem Wohn­land­prin­zip Gel­tung zu ver­schaf­fen.
Soweit der Klä­ger dem­ge­gen­über gel­tend macht, dass er in Polen kei­nen Anspruch auf Bewil­li­gung von Kin­der­geld gehabt habe und sich des­halb der beschrie­be­ne Zweck der EU-Rege­lun­gen gar nicht aus­wir­ken kön­ne, folgt das Gericht sei­ner Argu­men­ta­ti­on eben­falls nicht. Auch wenn das Gericht den Kla­ge­vor­trag als rich­tig unter­stellt, kann die Bewil­li­gung von Kin­der­geld in Deutsch­land nur im Wege einer Durch­bre­chung der Rege­lun­gen der VO (EWG) 1408/​71 erfol­gen. Dies wie­der­um ist, selbst wenn die­se Durch­bre­chung nicht schon aus sich her­aus als ein Ver­stoß gegen EU-Recht ein­zu­stu­fen wäre, nur mit einer ein­deu­ti­gen gesetz­li­chen Bestim­mung mög­lich.
Rich­tig ist aller­dings, dass in zwi­schen­staat­li­chen Ver­trä­gen die im ers­ten Staat begrün­de­ten Ansprü­che in der Wei­se hin­ter die im zwei­ten Staat ent­stan­de­nen Ansprü­che zurück­ge­stellt wer­den kön­nen, dass sie wie­der "auf­le­ben", wenn Ansprü­che im zwei­ten Staat, etwa wegen des Errei­chens einer dort gel­ten­den Alters­gren­ze, fort­fal­len. Eine sol­che Mög­lich­keit sieht die VO (EWG) 1408/​71 jedoch nicht vor. Die­se koor­di­niert mög­li­che Ansprü­che viel­mehr in der Wei­se, dass die Anwen­dung von "Rechts­vor­schrif­ten nur eines Mit­glied­staa­tes" vor­ge­se­hen wird. Das aber heißt, dass in dem­je­ni­gen Staat, des­sen "Rechts­vor­schrif­ten" nicht (mehr) anwend­bar sind, Ansprü­che, die wie­der "auf­le­ben" könn­ten, gar nicht erst ent­ste­hen. Dies wird gera­de im Streit­fall in beson­de­rer Wei­se deut­lich, weil er, wie schon der unter dem 22. Dezem­ber 2008 vom erken­nen­den Senat ent­schie­de­ne Rechts­streit [9], in einem wesent­li­chen Punkt von dem Sach­ver­halt, den der EuGH beur­teilt hat, abweicht. Der Klä­ger hat näm­lich bis zu sei­ner Ent­sen­dung nach Deutsch­land aus­schließ­lich den pol­ni­schen Rechts­vor­schrif­ten unter­le­gen, ihm war in Deutsch­land also kein Kin­der­geld bewil­ligt wor­den. Folgt man dem Wort­laut der Rege­lung des Art. 14 Nr. 1 Buch­sta­be a VO (EWG) 1408/​71 hat sich an die­sem Zustand wäh­rend der Ent­sen­dung nichts geän­dert, denn der Klä­ger hat "wei­ter­hin" den pol­ni­schen Rechts­re­ge­lun­gen unter­le­gen. Durch die Anwen­dung des EU-Rechts sind ihm also kei­ne bereits erwor­be­nen Ansprü­che wie­der ent­zo­gen wor­den [10], viel­mehr ist die Ent­ste­hung von Ansprü­chen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­hin­dert wor­den. Das aber ist gera­de die von VO (EWG) 1408/​71 ange­wand­te Form der "Koor­di­nie­rung" unter­schied­li­cher Ansprü­che in ver­schie­de­nen Staa­ten, denn für Rech­te, die gar nicht erst ent­ste­hen, bedarf es kei­ner wei­te­ren Abgren­zung mehr.
Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 17. Febru­ar 2009 – 10 K 501/​08 Kg und 10 K 1810/​08 Kg
vgl. dazu Helm­ke in Helmke/​Bauer, Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich, Fach D, I. Kom­men­tie­rung Euro­pa­recht, Art. 73 Rz. 5[↩]
vergl. die Über­schrift des Titels II[↩]
vgl. dazu auch das EuGH-Urteil vom 5. März 1998 in der Rechts­sa­che C‑194/​96, Kul­zer, Slg. I 1998, 895[↩]
Urteil vom 10. Juli 1986 in der Rechts­sa­che C-60/​85, Luij­ten, Slg. 1986, 2365[↩]
2 BvL 5/​00, BVerfGE 110, 412[↩]
Rechts­sa­che C‑352/​06 Bos­mann, a.a.O.[↩]
so auch schon das FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 22. Dezem­ber 2008 – 10 K 404/​08 Kg; ande­rer Ansicht offen­bar Finanz­ge­richt Nie­der­sach­sen, Urteil vom 24. Janu­ar 2008 – 1 K 83/​07, EFG 2008, 1570, und FG Köln, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2008 – 10 K 4830/​05[↩]
vergl. auch dazu die bereits erwähn­te Ent­schei­dung des BVerfG vom 8. Juni 2004 <2 BvL 5/​00, a.a.O.>[↩]
10 K 404/​08 Kg[↩]
vgl. dazu die ergän­zen­den Aus­füh­run­gen des EuGH in der bereits erwähn­ten Ent­schei­dung vom 20. Mai 2008 in der Rechts­sa­che C‑352/​06, a.a.O.[↩]
Kei­ne Beschei­ni­gung über das an einen ande­ren Berech­tig­ten… Nach § 86 Abs. 1 FGO sind Behör­den zur Vor­la­ge von Urkun­den und Akten, zur Über­mitt­lung elek­tro­ni­scher Doku­men­te und zu Aus­künf­ten ver­pflich­tet, soweit nicht durch…

References: Art. 2
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 13
 EuGH 
 EuGH 
 EUGH 
 EuGH 
 § 65
 Art. 13
 EuGH 
 Art. 14
 Art. 73
 EuGH 
 § 86