Source: https://www.juraforum.de/lexikon/korrespondenzanwalt
Timestamp: 2017-12-12 02:53:58+00:00

Document:
ᐅ Korrespondenzanwalt: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de
Erklärung zum Begriff Korrespondenzanwalt
Früher war die Einschaltung eines Korrespondenzanwalts erforderlich, wenn die Zulassung zum zuständigen Prozessgericht vor Ort fehlte. Seit der § 78 ZPO neu geregelt wurde und die Singularzulassung von Rechtsanwälten lediglich für den BGH noch vorgesehen ist, wird diese Form der anwaltlichen Zusammenarbeit heute primär genutzt, wenn der Ort der Verhandlung weit vom Heimatort des Mandanten und des Hauptbevollmächtigten entfernt ist oder der Verkehrsanwalt zeitlich verhindert ist.
Wann wird ein Korrespondenzanwalt beauftragt?
Ein Korrespondenzanwalt wird in der Regel dann beauftragt, wenn der jeweilige Rechtsfall nicht am bzw. in großer Entfernung zum Wohnsitz eines Mandanten verhandelt wird. Heute handelt es sich in der Regel um einen zwischengeschalteten Rechtsanwalt, der als Unterbevollmächtigter vor Gericht auftritt und auch Verhandlungen mit der gegnerischen Partei vor Ort führt. Da es aufgrund der räumlichen Distanz zu Kommunikationsproblemen (z. B. bei der Übersendung von Informationen, Unterlagen etc.) zwischen den beteiligten Parteien kommen kann, regelt der Korrespondenzanwalt den Schriftverkehr zwischen den Beteiligten und ist vermittelnd tätig. Er ist mit den Einzelheiten des Rechtsfalls vertraut und vertritt die Rechtsinteressen des Mandanten, er übernimmt auch die Verteidigung vor Gericht.
Wie wird ein Korrespondenzanwalt vergütet?
Der Korrespondenzanwalt erhält gemäß RVG Nr. 3400 VV für seine Tätigkeit eine Verkehrsgebühr in Höhe von max. 1,0. Diese kann sich jedoch bei einer vorzeitigen Erledigung des Verfahrens auf eine Gebühr in Höhe von 0,8 reduzieren oder bei der Vertretung von mehreren Auftraggebern entsprechend erhöhen. Hat der Korrespondenzanwalt an einer Einigung zwischen den Prozessparteien mitgewirkt, hat er zudem Anspruch auf eine Einigungsgebühr. Auch seine Auslagen sind ihm zu erstatten. Sofern ein ausländischer Korrespondenzanwalt beauftragt wird, sind die Gebühren gemäß eines BGH-Urteils (08.03.2003, VIII ZB 55/04) entsprechend den Gebühren eines deutschen Rechtsanwalts zu erstatten.
In der Praxis ist eine Gebührenteilung die Regel. Rechtsschutzversicherungen übernehmen die durch die Einschaltung eines Korrespondenzanwalts zusätzlich entstehenden Gebühren nur dann, wenn der Versicherungsnehmer vom zuständigen Prozessgericht mehr als 100 km Luftlinie entfernt wohnt.
Entscheidungen zum Begriff Korrespondenzanwalt
OLG-NAUMBURG, 03.12.2001, 8 WF 265/01
Nach dem eindeutigen Gesetzeswortlaut wird ein Korrespondenzanwalt zur Vermittlung des Verkehrs mit dem Prozessbevollmächtigten beigeordnet und ist also begrifflich derjenige, der den Kontakt mit der Partei unterhält. Der die Verhandlung wahrnehmende Anwalt kann daher schon begrifflich nicht Korrespondenzanwalt sein (vgl. auch OLG...
OLG-SCHLESWIG, 22.08.2002, 11 U 30/01
Zur Frage, inwieweit ein Rechtsanwalt seinen Mandanten gebührenrechtlich aufklären muß, wenn er einen Korrespondenzanwalt beauftragt, der aufgrund eigener Postulationsfähigkeit auch als Prozessbevollmächtigter hätte tätig werden können.
OLG-KOBLENZ, 20.10.1998, 14 W 710/98
§ 122 I 3 ZPO § 126 ZPO § 91 ZPO Korrespondenzanwalt bei nicht deutsch sprechendem Ausländer. Gebührenerstattungsanspruch trotz PKH-Bewilligung 1.) Ist ein im Ausland lebender Kläger (Kroate) der deutschen Sprache nicht mächtig und fungieren die in Deutschland ansässigen Verwandten am Sitz der Korrespondenzanwälte als Übersetzer, so...
OLG-KOBLENZ, 21.02.2001, 14 W 118/01
Wird für den Korrespondenzanwalt nur die Korrespondenzgebühr (Kostenrechnung siehe § 18 Abs.2 BRAGO ) angemeldet, so hat das Gericht nicht zu prüfen, ob daneben in dessen Person die Beweisgebühr und Verhandlungsgebühr (nachträgliche Anordnung des schriftlichen Verfahrens (gem. § 35 BRAGO) entstanden sind.
BGH, 13.02.2001, VI ZB 34/00
ZPO § 233 Fb a) Teilt der erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte dem Korrespondenzanwalt den Zeitpunkt der Zustellung eines Urteils als Grundlage für dessen Rechtsmittelfristberechnung mit, muß er die Richtigkeit dieser Angabe eigenverantwortlich überprüfen und darf sich insoweit nicht auf eine Bürokraft verlassen. b) Ebenso hat der...
OLG-KOBLENZ, 08.02.2001, 14 W 86/01
1. Ausnahmsweise können die Kosten der Zuziehung eines Verkehrsanwaltes in der Berufungsinstanz erstattungsfähig sein, wenn etwa der Streitstoff in hohem Maße schwierig, verwackelt und zweifelhaft war oder wenn der Korrespondenzanwalt über Tatsachenkenntnisse verfügt, die der Partei nicht zugänglich sind. Um solche Tatsachenkenntnisse...
OLG-KOBLENZ, 25.10.1999, 14 W 711/99
ZPO § 84 (Vertretung im Zivilprozess durch mehrere Rechtsanwälte - Zustellung - Rechtsmittelfrist) Wird die Partei im Zivilprozess von zwei Rechtsanwälten vertreten (etwa im Kostenfestsetzungsverfahren vom Hauptbevollmächtigten und vom Korrespondenzanwalt), so kann die Zustellung an jeden der Bevollmächtigten vorgenommen werden....
OLG-CELLE, 01.03.2012, 10 WF 21/12
Ist im Rahmen bewilligter PKH/VKH antragsgemäß ein auswärtiger Anwalt beigeordnet und die dabei ausgesprochene Einschränkung der Beiordnung auf die kostenrechtlichen Bedingungen eines im Bezirk des Prozeß-/Verfahrensgerichts ansässigen Anwalts bestandskräftig geworden, kommt weder die zusätzliche Beiordnung eines örtlichen...
BGH, 22.10.1997, VIII ZB 32/97
ZPO § 5I9 Abs. 2 Satz 3 Auf die Wirksamkeit einer vom Vorsitzenden fernmündlich mitgeteilten Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist ist es ohne Einfluß, daß der zugrundeliegende Verlängerungsantrag fernmündlich von einem beim Prozeßgericht nicht postulationsfähigen Korrespondenzanwalt statt vom postulationsfähigen...
OLG-NAUMBURG, 09.03.2001, 6 U 63/00
Leitsatz: Es fehlt an einer § 519 ZPO entsprechenden Berufungsbegründung, wenn der Prozessvertreter des Berufungsführers die Berufungsbegründung zwar unterzeichnet hat, aber ausdrücklich erklärt, er arbeite lediglich als Korrespondenzanwalt und habe die Schriftsätze nicht geschrieben und auch nicht gelesen. OLG Naumburg, Urt vom...
Sicherheitsfrage 69 - D,r.ei =
Korrespondenzanwalt – Weitere Begriffe im Umkreis
Das Einkommen von Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen, die ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben, unterliegen der deutschen Körperschaftsteuer . Körperschaften, Personenvereinigungen...
Eine Körperstrafe ist eine Strafe, die körperlich erfahrbar ist und meist in der Form von Schlägen mit der Hand oder einem Gegenstand verabreicht wird; dies wird dann auch als körperliche Züchtigung oder Prügelstrafe bezeichnet. Der...
Die Körperverletzung ist ein Straftatbestand aus dem 17. Abschnitt des StGB (Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit). Nach § 223 StGB wird, wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt mit...
1. Objektiver Tatbestand Die Körperverletzung mit Todesfolge erhebt die Tatbestände der §§ 223ff. durch die der Tod des Verletzen zumindest fahrlässig verursacht worden ist. Es ist ebenfalls ein erfolgsqualifiziertes Delikt. § 227...
Der Begriff Kosten erfasst ein ausgesprochen weites Feld. Ein Problem bei der Definition und Anwendung des Kostenbegriffes ist sicherlich, dass, beispielsweise in Sachverständigengutachten oder auch in gerichtlichen Beweisbeschlüssen,...
Kosten - Betriebsratsarbeit
Gemäß § 40 BetrVG ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Kosten für die Tätigkeit des Betriebsrates sowie seiner Mitglieder zu übernehmen. Diese Pflicht erstreckt sich auf die Bereitstellung von Sachmitteln, Räumen sowie Informations- und...
Eine verbindliche Einzelfallentscheidung einer Behörde wird als „Verwaltungsakt“ bezeichnet. Dieser kann beispielsweise ein Gebührenbescheid sein. Doch nicht immer ist der Empfänger mit dem Bescheid inhaltlich einverstanden oder hält diesen...
Die Kosten- und Leistungsrechnung (Betriebsbuchhaltung, kalkulatorische Buchführung oder kurzfristige Erfolgsrechnung) ist ein Teil des Rechnungswesens und dient - im Gegensatz zur Buchführung - ausschließlich der innerbetrieblichen Abrechnung...

References: § 78
 BGH 

§ 122
 § 126
 § 91
 § 18
 § 35
 § 233
 § 84
 § 5
 § 519
 § 223
 § 227
 § 40