Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/freiheitsstrafe-geldstrafe-gesamtstrafenbildung-2-3129451
Timestamp: 2020-04-01 12:26:12+00:00

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Frei­heits­stra­fe, Geld­stra­fe – und die nach­träg­li­che Gesamt­stra­fen­bil­dung | Rechtslupe
Frei­heits­stra­fe, Geld­stra­fe – und die nach­träg­li­che Gesamt­stra­fen­bil­dung
Hat ein Gericht gemäß § 460 StPO von Amts wegen 1 oder ein Rechts­mit­tel­ge­richt gemäß §§ 311 Abs. 1, 309 Abs. 2 StPO die Ent­schei­dung über eine nach­träg­li­che Gesamt­stra­fen­bil­dung nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen 2 zu tref­fen, so hat es unter Berück­sich­ti­gung der all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen zu prü­fen, ob vor­lie­gend eine län­ge­re Gesamt­frei­heits­stra­fe oder eine kür­ze­re Frei­heits­stra­fe neben einer Geld­stra­fe den Straf­zwe­cken eher ent­spricht 3.
Weil sich aus Wort­laut und Sys­te­ma­tik des § 53 Abs. 2 StGB ergibt, dass die selbst­stän­di­ge Ver­hän­gung einer Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe die Aus­nah­me bil­det, bedarf sie – anders als der Regel­fall der Bil­dung einer Gesamt­stra­fe – aller­dings regel­mä­ßig beson­de­rer Begrün­dung 4.
Das Ober­lan­des­ge­richt war an der Aus­übung sei­nes Ermes­sens nicht des­halb gehin­dert, weil es die Ent­schei­dung des Land­ge­richts nicht zu Las­ten des Beschwer­de­füh­rers ver­schlech­tern durf­te. Zwar mag eine Frei­heits­stra­fe im Ver­hält­nis zur Geld­stra­fe grund­sätz­lich als das schwe­re­re Übel anzu­se­hen sein und die mit einer Erhö­hung der Frei­heits­stra­fe ver­bun­de­ne Ein­be­zie­hung einer Geld­stra­fe regel­mä­ßig zu einer Ver­schlech­te­rung gegen­über dem Rechts­zu­stand vor der Bil­dung der Gesamt­stra­fe füh­ren 5. Unab­hän­gig davon, ob das Ver­schlech­te­rungs­ver­bot im Rah­men der Ent­schei­dung nach § 460 StPO über­haupt zur Anwen­dung kommt 6 und ob das Land­ge­richt in sei­nem Beschluss Rechts­fol­gen im Hin­blick auf die Gesamt­stra­fen­bil­dung gesetzt hat, die "ver­schlech­tert" wer­den konn­ten 7, ver­hin­dert die­ses die nach­träg­li­che Bil­dung einer Gesamt­stra­fe jeden­falls nicht aus­nahms­los 8. Viel­mehr erfor­dert das Ver­schlech­te­rungs­ver­bot stets eine "ganz­heit­li­che Betrach­tung" 9, ent­zieht sich einer sche­ma­ti­schen Hand­ha­bung und ist eine Vor­ga­be für die über die Gesamt­stra­fe zu tref­fen­den Ent­schei­dung. In die­sem Zusam­men­hang wäre der vom Beschwer­de­füh­rer ange­führ­te Umstand, dass die Geld­stra­fe mitt­ler­wei­le bezahlt wor­den und in einer Gesamt­frei­heits­stra­fe daher vor­lie­gend nicht das "schwe­re­re Straf­ü­bel" zu sehen sei, in die Erwä­gun­gen ein­zu­be­zie­hen und ihm auf die­se Wei­se Rech­nung zu tra­gen gewe­sen.
Die­se Ermes­sens­ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt nach­zu­ho­len. Die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung kann nicht als kon­klu­den­te Aus­übung des Ermes­sens im Sin­ne des § 53 Abs. 2 StGB ver­stan­den wer­den, weil sie das Ober­lan­des­ge­richt aus­drück­lich und aus­schließ­lich auf die feh­len­de Beschwer und die hier­aus fol­gen­de Unzu­läs­sig­keit der Beschwer­de gestützt hat.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Dezem­ber 2017 – 2 BvR 2312/​17
Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung – und die Leg­al­pro­gno­se Maß­geb­li­cher Beur­tei­lungs­zeit­punkt für das Vor­lie­gen einer Pro­gno­se im Sin­ne des § 56 Abs. 1 StGB ist der der jet­zi­gen Ent­schei­dung 10,…
Frei­heits­stra­fe, Geld­stra­fe – und die nach­träg­li­che… Hat ein Gericht gemäß § 460 StPO von Amts wegen 1 oder ein Rechts­mit­tel­ge­richt gemäß…
Ein­zel­frei­heits­stra­fe + Ein­zel­geld­straf =… Ob beim Zusam­men­tref­fen einer Ein­zel­frei­heits­stra­fe mit Ein­zel­geld­stra­fen eine Gesamt­frei­heits­stra­fe gebil­det wird oder eine Geld­stra­fe oder Gesamt­geld­stra­fe selbst­stän­dig neben der Frei­heits­stra­fe aus­ge­spro­chen wird, liegt im pflicht­ge­mä­ßen…
vgl. Graal­mann-Schee­rer, in: Löwe-Rosen­berg, StPO, 26. Aufl.2010, § 460 Rn. 44[↩][↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 07.12 2016 – 1 StR 358/​16 6; BGH, Beschluss vom 03.12 2007 – 5 StR 504/​07 4[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 07.12 2016 – 1 StR 358/​16 6; BGH, Beschluss vom 17.12 2014 – 4 StR 486/​14 6; BGH, Beschluss vom 03.12 2007 – 5 StR 504/​07 4; BGH, Beschluss vom 11.06.2002 – 1 StR 142/​02 2[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 07.12 2016 – 1 StR 358/​16 6 m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 11.02.1988 – 4 StR 516/​87 12; BGH, Beschluss vom 07.12 2016 – 1 StR 358/​16 10[↩]
ableh­nend: LG Lüne­burg, Beschluss vom 23.09.2008 – 26 Qs 192/​08 24 ff.; LG Ber­lin, Beschluss vom 25.09.2000 – 533 Qs 33/​00, NJW 2000, S. 3796; zwei­felnd etwa: Appl, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur Straf­pro­zess­ord­nung, 7. Aufl.2013, § 460 Rn. 32b[↩]
vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 11.02.1988 – 4 StR 516/​87 13 ff.; BGH, Beschluss vom 07.07.2010 – 1 StR 212/​10 40[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 07.12 2016 – 1 StR 358/​16 11; KG Ber­lin, Beschluss vom 13.03.2003 – 1 AR 224/​03 – 5 Ws 90/​03 16[↩]
Paul, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur Straf­pro­zess­ord­nung, 7. Aufl.2013, § 331 Rn. 4[↩]

References: § 460
 § 53
 § 460
 § 53
 § 56
 § 460
 § 460
 § 460
 § 331