Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NStZ%201989,%20375
Timestamp: 2017-12-18 11:02:50+00:00

Document:
BGH, 17.02.1989 - 2 StR 402/88 - dejure.org
Voraussetzungen für das Vorliegen eines absoluten Revisionsgrundes - Abgrenzung des absoluten vom relativen Revisionsgrund - Pflicht des Gerichts zur Pflicht zur Aufklärung der Vernehmungs- und Verhandlungsunfähigkeit
Verstoß gegen § 169 Satz 2 GVG als relativer Revisionsgrund
GVG § 169 S. 2; StPO § 102, § 103, § 105
BGHSt 36, 119
NJW 1989, 1741
NStZ 1989, 375
Rpfleger 1989, 253
ZUM 1989, 576
JR 1990, 385
Die Erwägungen des 2. Strafsenats (NStZ 1989, 375, 376) zum hypothetischen Ersatzeingriff waren für die Entscheidung nicht tragend (…vgl. Roxin NStZ 1989, 376, 378).
c) Dem - für andere Fallgestaltungen zur Einschränkung der Annahme von Beweisverwertungsverboten entwickelten - Aspekt eines möglichen hypothetisch rechtmäßigen Ermittlungsverlaufs (BGH, Urteil vom 17. März 1983 - 4 StR 640/82, BGHSt 31, 304, 306; Urteil vom 15. Februar 1989 - 2 StR 402/88, NStZ 1989, 375, 376;… Beschluss vom 18. November 2003 - 1 StR 455/03, BGHR StPO § 105 Abs. 1 Durchsuchung 4) kann bei solcher Verkennung des Richtervorbehalts keine Bedeutung zukommen (BGH, Urteil vom 18. April 2007 - 5 StR 546/06, BGHSt 51, 285, 295 f.).
Demgegenüber bezieht sich § 169 Satz 1 GVG auf die unmittelbare Öffentlichkeit im Sinne einer - hier nicht in Rede stehenden - Möglichkeit der Teilnahme an der Verhandlung vor dem erkennenden Gericht (vgl. BGH, Urteil vom 17. Februar 1989, 2 StR 402/88, BGHSt 36, 119, 122;… Diemer in KK-StPO, 6. Aufl., § 169 GVG Rn. 1).
Es hat insbesondere auf BGH, NJW 1989, S. 1741 verwiesen, wo angenommen worden war, ein formaler Fehler bei der Durchsuchung - in jenem Fall fehlte die richterliche Gestattung einer erneuten Durchsuchung - hätte die Beweiserlangung bei hypothetisch rechtmäßiger Vorgehensweise nicht gehindert.
Sein Vortrag erschöpft sich in der Behauptung der Unverwertbarkeit der erlangten Erkenntnisse, ohne sich mit der einschlägigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs auseinanderzusetzen, die bei einer formell fehlerhaft angeordneten Wohnungsdurchsuchung nur ausnahmsweise ein Verwertungsverbot in Betracht zieht (…vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 12. April 2005 - 2 BvR 1027/02 -, NJW 2005, S. 1917 ; Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17. Februar 1989 - 2 StR 402/88 -, NJW 1989, S. 1741 ;… Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 13. Januar 2005 - 1 StR 531/04 -, NJW 2005, S. 1060; Urteil des Bundesgerichtshofs vom 18. April 2007 - 5 StR 546/06 -, juris).
Dabei ist nach bisheriger Rechtsprechung auch von Bedeutung, ob ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss erlassen worden wäre und das Beweismittel somit auch auf rechtmäßige Weise hätte erlangt werden können ("hypothetischer Ersatzeingriff"; BGH StV 89, 289, 290 a. E.; a. A. BGHSt 31, 304, 306 für den Fall, dass das Gesetz, wie § 100 b Abs. 1 StPO, eine polizeiliche Anordnungskompetenz überhaupt nicht vorsieht).
Dabei ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auch von Bedeutung, ob ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss erlassen worden wäre und das Beweismittel somit auch auf rechtmäßige Weise hätte erlangt werden können ("hypothetischer Ersatzeingriff"; BGH NStZ 1989, 375, 376; BGH StV 1999, 185, 187).

References: § 169
 § 169
 § 102
 § 103
 § 105
 § 105
 § 169
 § 169
 BGH 
 § 100
 BGH 
 BGH