Source: http://www.hensche.de/Tarifvertrag_TVUE_Strukturausgleich_nach_dem_Ueberleitungstarifvertrag_TVUE_LAG_Baden-Wuerttemberg_13Sa73-10-u.html
Timestamp: 2018-05-25 22:21:13+00:00

Document:
8 Ca 13/08 (ArbG Karls­ru­he)
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Mann-
heim - - 13. Kam­mer -
Dr. Schlünder,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Rei­n­ach­er
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schulz
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 15.12.2010
1. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Karls­ru­he vom 10.04.2008 (8 Ca 13/08) ab­geändert.
a) Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin EUR 40,00 brut­to ("Struk­tur­aus­gleich" für die Mo­na­te Ok­to­ber und No­vem­ber 2007) zu zah­len.
b) Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ab De­zem­ber 2007 für die Dau­er des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses der Kläge­rin an die­se ei­nen mo­nat­li­chen Struk­tur­aus­gleich gemäß § 12 TVÜ-Bund zu zah­len.
Die am 00.00.1966 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te und zwei Kin­dern un­ter­halts­pflich­ti­ge Kläge­rin ar­bei­tet seit dem 15.03.1989 bei der Be­klag­ten, die in Karls­ru­he ei­ne For­schungs­an­stalt be­treibt, als Che­mie­la­bo­ran­tin in der Funk­ti­on ei­ner Che­misch-Tech­ni­schen As­sis­ten­tin, zu­letzt im Um­fang der hal­ben ta­rif­li­chen Wo­chen­ar­beits­zeit. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fand kraft beid­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit zunächst der Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT), seit dem 01.10.2005 dann der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) An­wen­dung. Die Kläge­rin er­hielt auf­grund ih­rer Tätig­keit als Che­mie­la­bo­ran­tin zunächst Vergütung nach Vergütungs­grup­pe VI b Fall­grup­pe 1 der An­la­ge 1a zum BAT, Teil II Ab­schnitt L Un­ter­ab­schnitt II. Auf­grund ei­nes Zeit­auf­stiegs (vgl. Be­wer­tung des Ar­beits­plat­zes vom 16.01.1997, Bl. 69 d.A. 1. In­stanz; I/69) erhält sie seit 01.01.1997 Vergütung nach Vergütungs­grup­pe V c Fall­grup­pe 2 der An­la­ge 1a zum BAT, Teil II Ab­schnitt L Un­ter­ab­schnitt II. Zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des TVÜ-Bund am 01.10.2005 war die Kläge­rin der Le­bens­al­ters­stu­fe 39 zu­ge­ord­net. Im Rah­men der Über­lei­tung in den TVöD er­hielt die Kläge­rin Ent­gelt nach Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 6 (in­di­vi­du­el­le End­stu­fe).
Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, ihr ste­he nach der An­la­ge 3 zu § 12 TVÜ-Bund dau­er­haft ein An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich in Höhe von EUR 40,00 brut­to pro Mo­nat, be­zie­hungs­wei­se EUR 20,00 brut­to pro Mo­nat für die Dau­er ih­rer Teil­zeit­beschäfti­gung zu. Es kom­me nach dem Wort­laut der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund ins­be­son­de­re auf ih­re tatsächli­che Vergütungs­grup­pe bei In­kraft­tre­ten des TVÜ an, al­so Vergütungs­grup­pe V c BAT, an. Der TVÜ stel­le
nach sei­nem Wort­laut nicht auf ei­ne "ori­ginäre" Ein­grup­pie­rung ab. Auch die übri­gen Spal­ten der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund beträfen die zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des TVÜ ak­tu­el­len Da­ten.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, für die Dau­er des Beschäfti­gungs-verhält­nis­ses der Kläge­rin ei­nen mo­nat­li­chen Struk­tur­aus­gleich gemäß § 12 TVÜ-Bund zu be­zah­len.
Die Be­klag­te hat erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, der Kläge­rin ste­he der von ihr gel­tend ge­mach­te An­spruch nicht zu. Ins­be­son­de­re kom­me es nach der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund nicht auf die ak­tu­el­le, zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des TVÜ ge­zahl­ten Vergütungs­grup­pe an, son­dern auf die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe der Kläge­rin, al­so Vergütungs­grup­pe VI b BAT, die im kon­kre­ten Fall der Kläge­rin aber kei­nen An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich be­gründe, da ihr ein Zeit­auf­stieg möglich ge­we­sen sei. In­so­weit be­zieht sich die Be­klag­te auf ein Rund­schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­nern vom 10.08.2007 mit "Hin­wei­sen zur An­wen­dung der Re­ge­lun­gen über Struk­tur­aus­gleich gemäß § 12 TVÜ-Bund" (vgl. I/15 ff.) so­wie ein Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­nern vom 05.02.2008 (vgl. I/76 ff.) in ei­nem ähn­lich ge­la­ger­ten Fall. Die Spal­te "Vergütungs­grup­pe bei In-Kraft-Tre­ten TVÜ" in der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund müsse mit der Spal­te "Auf­stieg" als Ein­heit ge­se­hen wer­den.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit ei­nem am 10.04.2008 verkünde­ten Ur­teil die Kla­ge als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Maßgeb­lich nach der An­la­ge 3 zu TVÜ-Bund sei nicht die ak­tu­el­le Vergütungs­grup­pe der Kläge­rin bei In­kraft­tre­ten des TVÜ, son­dern ih­re ori­ginäre Vergütungs­grup­pe. Dies er­ge­be sich aus ei­nem Ver­gleich der An­la­ge 2 und der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund. An­la­ge 3 neh­me in­so­weit Be­zug auf An­la­ge 2 zum TVÜ-Bund. Un­ter "Vergütungs­grup­pe V c oh­ne Auf­stieg"
könne nur der Fall aus An­la­ge 2 zum TVÜ-Bund "Ent­gelt­grup­pe 8: (2. Fall): ori­ginäre Ein­grup­pie­rung in die Vergütungs­grup­pe V c oh­ne Auf­stieg nach V b" ge­meint sein. Die­ses er­ge­be sich auch aus ei­nem Ver­gleich mit an­de­ren in den An­la­gen ge­re­gel­ten Vergütungs­grup­pen.
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts wur­de der Kläge­rin am 15.05.2008 zu­ge­stellt. Hier­ge­gen wen­det sie sich mit ih­rer Be­ru­fung, die am 03.06.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist und die sie mit ei­nem am 14.07.2008 (Fax) / 15.07.2008 (Ori­gi­nal) ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.
Die Kläge­rin hat in der Be­ru­fungs­in­stanz zunächst vor­ge­tra­gen, nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut von Spal­te 2 der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund sei die Vergütungs­grup­pe bei In­kraft­tre­ten des TVÜ maßge­bend. Dies er­ge­be sich auch aus dem Wort­laut von § 12 Abs. 1 Satz 2 TVÜ-Bund. Dort stünden auch die Merk­ma­le "Vergütungs­grup­pe bei In-Kraft-Tre­ten des TVÜ" und "Auf­stieg", an­ders als in der An­la­ge 3, nicht ne­ben­ein­an­der. Dar­aus er­ge­be sich, dass die­se Merk­ma­le ge­trennt und nicht als Ein­heit zu be­trach­ten sei­en. Der vom Ar­beits­ge­richt an­ge­stell­te Ver­gleich der An­la­ge 2 und An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund sei nicht rich­tig. Viel­mehr sei er­kenn­bar, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Re­ge­lun­gen aus der An­la­ge 2 in der An­la­ge 3 des TVÜ-Bund ge­ra­de nicht ver­wen­det hätten. Bei­de An­la­gen hätten auch un­ter­schied­li­che Re­ge­lungs­be­rei­che. An­la­ge 2 des TVÜ-Bund ha­be die Auf­ga­be der Si­che­rung der bei der Über­lei­tung be­ste­hen­den Vergütungshöhe. Sinn und Zweck der An­la­ge 3 (Struk­tur­aus­gleich) zum TVÜ-Bund sol­le dem­ge­genüber Ver­lus­te aus­glei­chen, die sich für die Beschäftig­ten im wei­te­ren Ver­lauf ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses aus der neu­en Ta­bel­len­struk­tur ergäben. Die­se re­sul­tier­ten ins­be­son­de­re aus ei­ner Ab­sen­kung der höhe­ren Ta­bel­len­stu­fen zu Guns­ten der Ein­gangs­stu­fen, was zu Ein­kom­mens­ent­wick­lungs­nach­tei­len bei Ar­beit­neh­mern führe, die die un­te­ren Stu­fen be­reits vor der Über­lei­tung durch­lau­fen hätten. Fer­ner sei der Orts­zu­schlag der Stu­fe 2 in der neu­en Ent­gelt­ta­bel­le nur teil­wei­se ein­ge­ar­bei­tet. Auch wenn der Orts­zu­schlag Stu­fe 2 zunächst in das Ver­gleichs­ent­gelt für ei­ne in­di­vi­du­el­le Zwi­schen­stu­fe ein­ge­rech­net ge­we­sen sei, er­ge­be sich für die­se Mit­ar­bei­ter bei wei­te­rem Stu­fen­auf­stieg ein Nach­teil. Auch im Übri­gen könne der neue Stu­fen­ver­lauf zu Nach­tei­len bei den Ar­beit­neh­mern führen. Die­se Ver­lus­te bei der kom­men­den Ein­kom­mens­ent­wick­lung hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus­glei­chen wol­len. Die Auf­fas­sung, wo­nach auf die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe ab­zu­stel­len sei in Ver­bin­dung mit der Spal­te "Auf­stieg", die bei den Vergütungs­grup­pen VI b und V c BAT re­gelmäßig ein "oh­ne" vor­se­he, führe im Er­geb­nis zu ei­nem Leer­lau­fen des Struk­tur­aus­gleichs bei die­sen Vergütungs­grup­pen.
Die Be­klag­te hat im ers­ten Be­ru­fungs­ver­fah­ren das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ver-tei­digt. Es sei die Stel­lung des § 12 TVÜ-Bund im 3. Ab­schnitt "Be­sitz­stands­re­ge­lun­gen" zu be­ach­ten. Bei der Be­ur­tei­lung, ob ein Beschäftig­ter die ein­zel­nen Vor­aus­set­zun­gen erfülle, sei grundsätz­lich auf den Stich­tag 01.10.2005 ab­zu­stel­len. Da­nach fol­gen­de Verände­run­gen müss­ten un­berück­sich­tigt blei­ben. Wie das Ar­beits­ge­richt aus­geführt ha­be, sei auf die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe und nicht auf die zum 01.10.2005 er­reich­te Vergütungs­grup­pe ab­zu­stel­len. Die Kläge­rin, die bei der Über­lei­tung in die Vergütungs­grup­pe VI b BAT ein­grup­piert ge­we­sen sei, könne an dem Struk­tur­aus­gleich nicht teil­neh­men.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat mit ei­nem am 22.10.2008 verkünde­ten Ur­teil im Ver­fah­ren 13 Sa 77/08 (vgl. ZTR 2009, 28 f. und in ju­ris) die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Für die Fra­ge ei­nes An­spruchs auf Struk­tur­aus­gleich nach § 12 TVÜ-Bund kom­me es auf die "ori­ginäre" und nicht die "ak­tu­el­le" Ein­grup­pie­rung am 01.10.2005 an. Der Wort­laut von § 12 Abs. 1 Satz 2 TVÜ-Bund las­se kei­ne ein­deu­ti­ge Aus­le­gung zu. Auch sei­en nach der von der Be­klag­ten un­wi­der­spro­che­nen Mit­tei­lung der ge­werk­schaft­lich ver­tre­te­nen Kläge­rin his­to­ri­sche Ma­te­ria­li­en zu dem Ta­rif­ver­trags­ab­schluss, wel­che ergänzend her­an­ge­zo­gen wer­den könn­ten, nicht be­kannt. Die Sys­te­ma­tik der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung spre­che aber dafür, dass es im Rah­men von § 12 Abs. 1 Satz 2 TVÜ-Bund und der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund auf die "ori­ginäre" Vergütungs-
grup­pe der Kläge­rin an­kom­me. Auch aus dem Sinn und Zweck der Re­ge­lung er­ge­be sich kei­ne an­de­re, die An­sicht der Kläge­rin stützen­de Aus­le­gung.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ge­gen sein Ur­teil die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 22.04.2010 (6 AZR 962/08; ZTR 2010, 417 ff. und in ju­ris) das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 22.10.2008 auf­ge­ho­ben und die Sa­che zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung zurück­ver­wie­sen. Der Wort­laut der ta­rif­li­chen Re­ge­lung sei nicht ein­deu­tig. Auch die Ta­rif­sys­te­ma­tik führe zu kei­nem ein­deu­ti­gen Aus­le­gungs­er­geb­nis. Auch Sinn und Zweck des Struk­tur­aus­gleichs gäben kein ein­deu­ti­ges Aus­le­gungs­er­geb­nis vor. Das von der Kläge­rin befürwor­te­te Aus­le­gungs­er­geb­nis sei auch nicht nen­nens­wert prak­ti­ka­bler als die von der Be­klag­ten ver­tre­te­ne An­sicht. An­de­re Ta­rif­ver­trags­wer­ke be­tref­fend die Länder und die Kom­mu­nen ließen kei­nen Rück­schluss auf den Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TVÜ-Bund zu. Auf­grund ei­nes von der Be­klag­ten im Rechts­streit in Be­zug ge­nom­me­nen Schrei­bens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­nern an das Ei­sen­bahn-Bun­des­amt ha­be die­se sich aber die Auf­fas­sung zu Ei­gen ge­macht, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sei­en sich in den Ta­rif­ver­hand­lun­gen ei­nig ge­we­sen, dass der An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich vor­aus­set­ze, dass die für die Über­lei­tung maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe nicht im We­ge des Auf­stiegs er­reicht wor­den sei. Soll­te die­se Be­haup­tung zu­tref­fen, würde dies die Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts und der Be-klag­ten recht­fer­ti­gen. Ei­nen sol­chen übe­rein­stim­men­den Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en müsse das Lan­des­ar­beits­ge­richt prüfen und da­zu den Par­tei­en Ge­le­gen­heit ge­ben, ih­ren Sach­vor­trag zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Re­ge­lung des Struk­tur­aus­gleichs zu ergänzen. Fer­ner sei ge­ge­be­nen­falls ei­ne Ta­rif­aus­kunft ein­zu­ho­len, ins­be­son­de­re ob es Pro­to­koll­no­ti­zen oder ver­gleich­ba­re Un­ter­la­gen ge­be, aus de­nen ein übe­rein­stim­men­der Re­ge­lungs­wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­sicht­lich sei. Könne ei­ne sol­che Ei­nig­keit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht fest­ge­stellt wer­den, sei das Merk­mal "Auf­stieg - oh­ne" so aus­zu­le­gen, dass es aus­rei­che, dass am Stich­tag 01.10.2005 kein (wei­te­rer) Auf­stieg mehr möglich ge­we­sen sei. Für die­se Aus­le­gung strei­te der Ge­sichts­punkt der Nor­men­klar­heit, wie sie sich bei ei­nem "un­be­fan­ge­nen Durch­le­sen" der ta­rif­ver­trag­li­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen er­ge­be.
Den Par­tei­en wur­de vom Lan­des­ar­beits­ge­richt dar­auf­hin Ge­le­gen­heit ge­ge­ben, ergänzend zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te der ta­rif­li­chen Re­ge­lung vor­zu­tra­gen.
Die Kläge­rin hat in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf hin­ge­wie­sen, dass an­ge­sichts der von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­ab­sich­tig­ten struk­tu­rel­len Ände­run­gen im TVöD ge­genüber dem BAT, ins­be­son­de­re dem Weg­fall von Zeit-, Tätig­keits-, Bewährungs­auf­stie­gen so­wie Vergütungs­grup-
pen­zu­la­gen ei­ner­seits so­wie der Er­set­zung von Le­bens­al­ters­stu­fen durch Er­fah­rungs­stu­fen an­de­rer­seits, Aus­gleich­re­ge­lun­gen er­for­der­lich ge­we­sen sei­en. Da­bei sei­en nicht mehr rea­li­sier­ba­re Auf­stie­ge und Vergütungs­grup­pen­zu­la­gen ins­be­son­de­re im Rah­men der Re­ge­lun­gen in den §§ 8 und 9 TVÜ-Bund berück­sich­tigt wor­den, während Ver­lus­te, die durch die Um­schich­tung der Ent­gel­te von den höhe­ren Le­bens­al­ters­stu­fen hin zu den jünge­ren Beschäftig­ten ent­ste­hen würden, durch um­fang­rei­che Ver­gleichs­be­rech­nun­gen be­wer­tet wor­den sei­en, auf de­ren Grund­la­ge die Struk­tur­aus­gleich­beträge nach An­la­ge 3 zu § 12 TVÜ-Bund fest­ge­legt wor­den sei­en. Für die Re­ge­lung des Struk­tur­aus­gleichs nach der An­la­ge 3 zu § 12 TVÜ-Bund ha­be bei den Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen der Ver­lust künf­ti­ger Stei­ge­run­gen für die Beschäftig­ten we­gen des Ent­falls von Le­bens­al­ters­stu­fen im Vor­der­grund ge­stan­den, wes­halb die­se Re­ge­lun­gen auch erst zwei Jah­re nach In­kraft­tre­ten des TVöD selbst wirk­sam ge­wor­den sei­en. Des­halb wer­de in der An­la­ge 3 zu § 12 TVÜ-Bund auch auf die er­reich­te Le­bens­al­ters­stu­fe Be­zug ge­nom­men, weil es hier je nach La­ge des Falls ei­nen un­ter­schied­lich großen Aus­gleichs­be­darf für die Mit­ar­bei­ter ge­ge­ben ha­be. So erkläre sich auch die un­ter­schied­li­che Dau­er, für die je nach Fall der Struk­tur­aus­gleich ge­zahlt wer­den müsse. Die An­ga­be in der Spal­te "Auf­stieg" ha­be nichts mit ei­ner an kei­ner Stel­le des Ta­rif­ver­trags erwähn­ten "ori­ginären" Ein­grup­pie­rung zu tun, was auch nicht Ge-gen­stand der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen ge­we­sen sei. Die Re­ge­lung ge­he vom Zu­stand im Zeit­punkt der Einführung des TVöD aus und wol­le künf­ti­ge Ver­lus­te aus­glei­chen. Dies tref­fe auch ge­ra­de für den Fall der Kläge­rin zu. Die­se ha­be zwar durch die Über­lei­tung selbst kei­ne in­di­vi­du­el­len Ver­lus­te ge­habt, da sie aus Vergütungs­grup­pe V c BAT, Le­bens­al­ters­stu­fe 39 in Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 6+ (in­di­vi­du­el­le End­stu­fe) mit dem no­mi­nal sel­ben Ge­halt über­ge­lei­tet wor­den sei. Mit der Einführung des TVöD ha­be die Kläge­rin aber kei­ne Ent­gelt­stei­ge­rung mehr zu er­war­ten, während sie nach dem BAT die Le­bens­al­terststu­fe 41 er­reicht hätte. Dar­aus er­ge­be sich - auch wenn man als Be­rech­nungs­ba­sis die in­di­vi­du­el­le End­stu­fe 6+ in Ent­gelt­grup­pe 8 zu­grun­de le­ge - ge­genüber der Vergütungs­grup­pe V c BAT Le­bens­al­terststu­fe 41 ein mo­nat­li­cher Nach­teil be­zo­gen auf ei­ne Voll­zeit­stel­le von EUR 56,92. Des­halb hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­nen Struk­tur­aus­gleich von mo­nat­lich EUR 40,00 ver­ein­bart, wo­durch der Nach­teil teil­wei­se aus­ge­gli­chen wer­den sol­le. Wie die Kläge­rin in die Vergütungs­grup­pe V c BAT ge­kom­men sei, ha­be bei der Be­trach­tung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en kei­ne Rol­le ge­spielt. Die zu er­war­ten­den Nach­tei­le sei­en die glei­chen, egal ob die Kläge­rin "ori­ginär" in die Vergütungs­grup­pe ein­grup­piert ge­we­sen sei, oder ob sie dies im We­ge des Auf­stiegs er­reicht ha­be. Die Be­rech­nun­gen der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sei­en al­lein in die Zu­kunft ge­rich­tet ge­we­sen.
Die Be­klag­te be­zieht sich auf ein Rund­schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­nern vom 10.08.2007, aus der sich die Aus­le­gung der Be­klag­ten er­ge­be. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sei­en
sich ei­nig ge­we­sen, bei ty­pi­sie­ren­der Be­trach­tung Ver­gleichs­be­rech­nun­gen für die Verläufe von Le­bens­er­werbs­ein­kom­men nach BAT und TVöD an­zu­stel­len, um so ei­nen be­grenz­ten Aus­gleich oder ei­ne Ab­mil­de­rung veränder­ter Per­spek­ti­ven an­zu­stre­ben. Maßgeb­li­che Fak­to­ren sei­en hier­bei die Vergütungs­grup­pe, die Auf­stiegsmöglich­keit in ei­ne höhe­re Vergütungs­grup­pe, der Orts­zu­schlag und die Le­bens­al­ters­stu­fe ge­we­sen. Da­bei be­ein­flus­se die Möglich­keit ei­nes Auf­stiegs maßgeb­lich das Le­bens­er­werbs­ein­kom­men. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hätten für An­ge­stell­te mit ori­ginärer Ein­grup­pie­rung in die Vergütungs­grup­pen VIII bis V c BAT mit be­reits er­folg­tem Auf­stieg grundsätz­lich kei­nen Hand­lungs­be­darf für ei­nen Struk­tur­aus­gleich ge­se­hen, da die­se auf­grund der Über­lei­tung oh­ne­hin pri­vi­le­giert sei­en. Die dies­bezügli­che Ei­nig­keit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­se­he man dar­aus, dass sei­ner­zeit hier­zu kei­ne Ver­gleichs­be­rech­nun­gen durch­geführt wor­den sei­en. Für die in die Ent­gelt­grup­pen 2 bis 8 TVöD über­ge­lei­te­ten An­ge­stell­ten, die ei­nen im BAT be­gon­nen Auf­stieg vor Über­lei­tung in den TVöD nicht hätten ab­sch­ließen können, se­he § 8 TVÜ-Bund ei­ne Re­ge­lung vor. Die An­la­ge 3 zu § 12 TVÜ-Bund be­tref­fe nur die Fälle, in de­nen aus ei­ner "ori­ginären" Ein­grup­pie­rung nach Vergütungs­grup­pe IX b bis V c BAT kein Auf­stieg möglich ge­we­sen sei. Der in der An­la­ge 2 zum TVÜ-Bund ge­re­gel­te und da­mit of­fen­kun­dig von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­dach­te Fall ei­nes be­reits er­folg­ten Auf­stiegs aus ei­ner nied­ri­ge­ren Vergütungs­grup­pe, fin­de in der Nie­der­schrift über die bi­la­te­ra­le Sit­zung zwi­schen Bund und ver.di vom 10.05.2005 zum Ent­wurf TVÜ (vgl. An­la­ge B 2; Bl. 56 f. d.A.) kei­ne Erwähnung, da die­ser Fall nach dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht re­ge­lungs­bedürf­tig ge­we­sen sei. Die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en an­ge­stell­ten Be­rech­nun­gen, wel­che Grund­la­ge der Fest­set­zung der Struk­tur­aus­glei­che ge­we­sen sei­en, sei­en für die von der Kläge­rin be­gehr­te Fall­va­ri­an­te nicht ein­schlägig.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ei­ne Ta­rif­aus­kunft bei den ta­rif­sch­ließen­den Par­tei­en zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te von § 12 TVÜ-Bund und der da­zu gehören­den An­la­ge 3, ins­be­son­de­re zu ei­nem ge­mein­sa­men Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, ein­ge­holt.
Die Ge­werk­schaft ver.di teilt in die­sem Zu­sam­men­hang mit, die Re­ge­lun­gen im TVÜ hätten zum ei­nen ei­ne Be­sitz­stands­si­che­rung als auch ei­nen Schutz der Er­war­tun­gen auf zukünf­ti­ge Ent­gelt­stei­ge­run­gen be­zweckt, wo­bei es bezüglich der Ver­trau­ens­schutz­re­ge­lung ei­ne Zwei­tei­lung ge­be. Für die Er­war­tung auf ein höhe­res Ein­kom­men für im Zeit­punkt der Über­lei­tung be­gon­ne­ne aber noch nicht ab­ge­schlos­se­ne Höher­grup­pie­run­gen im We­ge des Bewährungs- oder Tätig­keits­auf­stiegs sei mit dem Bund in den §§ 8, 9 TVÜ-Bund ei­ne Re­ge­lung ge­trof­fen wor­den. Die Er­war­tung auf ein höhe­res Ein­kom­men durch Vorrücken in den Le­bens­al­ters­stu­fen der­sel­ben Vergütungs­grup­pe ha­be mit der Re­ge­lung in § 12 TVÜ-Bund teil­wei­se aus­ge­gli­chen wer­den
sol­len. Die­ses Vorrücken in den Le­bens­al­ters­stu­fen sei aber un­abhängig da­von ein­ge­tre­ten, ob die ak­tu­el­le Ein­grup­pie­rung auf ei­nem be­reits er­folg­ten Auf­stieg aus ei­ner nied­ri­ge­ren Vergütungs­grup­pe be­ru­he oder nicht. Bei den um­fang­rei­chen Ver­gleichs­be­rech­nun­gen, die ins­be­son­de­re die Fak­to­ren Vergütungs­grup­pe, Orts­zu­schlags­stu­fe und Le­bens­al­ter be­trof­fen hätten, sei es ver.di dar­auf an­ge­kom­men fest­zu­stel­len, ob es im wei­te­ren Beschäfti­gungs­ver­lauf außer den Ein­kom­mens­zuwäch­sen durch die Le­bens­al­ters­stu­fen noch an­der­wei­ti­ge Ein­kom­mens­zuwächse auf­grund be­vor­ste­hen­der Auf­stie­ge zu er­war­ten sei­en. Da­bei han­de­le es sich um rein zu­kunfts­be­zo­ge­ne Be­trach­tun­gen, die un­abhängig von der Fra­ge des bis­he­ri­gen Beschäfti­gungs­ver­laufs ge­we­sen sei­en. Für die Fra­ge der Er­for­der­lich­keit ei­nes Struk­tur­aus­gleichs sei es nicht dar­auf an­ge­kom­men, auf wel­chem Weg der An­ge­stell­te zum Zeit­punkt der Über­lei­tung in den TVöD in die in­ne­ge­hab­te Vergütungs­grup­pe ge­langt sei. Es ha­be kei­ne Ei­nig­keit mit dem Bund be­stan­den, dass die "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe für die Zah­lung ei­nes Struk­tur­aus­gleichs ha­be maßgeb­lich sein sol­len. Viel­mehr ha­be Ei­nig­keit darüber be­stan­den, dass auf die Verhält­nis­se zum Zeit­punkt der Über­lei­tung in den TVöD ab­ge­stellt wer­den sol­le, wie dies auch in der Über­schrift zur zwei­ten Spal­te der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den ha­be. Hier­aus und aus dem Auf­bau der Ver­gleichs­be­rech­nun­gen ha­be sich für ver.di er­ge­ben, dass es nur auf die Fra­ge an­kom­me, ob in Zu­kunft noch ein Auf­stieg er­fol­gen könne, nicht aber, ob ein sol­cher be­reits in der Ver­gan­gen­heit er­folgt sei. Die­se Auf­fas­sung ha­be ver.di auch im In­for­ma­ti­ons­dienst "TS-be­rich­tet" Nr. 55/2007 vom 09.11.2007 auf Sei­te 6 (vgl. Bl. 113 ff. d.A.) veröffent­licht.
Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern teilt mit, zwei Un­ter­la­gen aus den Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen be­leg­ten das ge­mein­sa­me Verständ­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, dass es in Spal­te 2 der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund auf die "ori­ginäre" Ein­grup­pie­rung und die dar­auf be­zo­ge­ne Auf­stiegsmöglich­keit an­kom­me. Zum ei­nen Fol­ge dies aus der Nie­der­schrift über die Sit­zung zwi­schen dem Bund und ver.di vom 10.05.2005, wo zum Struk­tur­aus­gleich von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en übe­rein­stim­mend ver­ein­bart wor­den sei:
"Be­trifft die Zah­lung ei­nes Struk­tur­aus­gleichs ei­ne Vergütungs­grup­pe (Fall­grup­pe) mit Bewäh-rungs- bzw. Zeit­auf­stieg, wird dies ge­ge­be­nen­falls an­ge­ge­ben. So­weit kei­ne Auf­stiegs­zei­ten an­ge­ge­ben sind, gel­ten die Aus­gleichs­beträge für al­le Auf­stie­ge."
Hier­aus sei er­sicht­lich, dass beim Struk­tur­aus­gleich ein­ver­nehm­lich und ein­heit­lich zwi­schen Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) mit Auf­stieg und sol­chen oh­ne Auf­stieg un­ter­schie­den wor­den sei, während Fälle ei­nes be­reits er­folg­ten Auf­stiegs nicht hätten er­fasst wer­den sol­len. Dar­auf sei auch mit BMI-Rund­schrei­ben vom 10.10.2005 - D II 2 - 220 210/643 (vgl. Bl. 178 ff. d.A.) hin­ge­wie­sen wor­den, wo­ge­gen ver.di sei­ner­zeit kei­ne Ein­wen­dun­gen er­ho­ben ha­be. Ei­ne ab-
wei­chen­de Stel­lung­nah­me der Ge­werk­schaft sei erst im An­schluss an die Be­kannt­ga­be des BMI-Rund­schrei­bens zur Durchführung des § 12 TVÜ-Bund vom 10.08.2007 er­folgt. Da­ne­ben be­leg­ten die zur Er­mitt­lung des Struk­tur­aus­gleichs von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­mein­sam ver­wen­de­ten Be­rech­nun­gen, dass es in Spal­te 2 der Ta­bel­le in An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund aus­sch­ließlich um die "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe ge­gan­gen sei. Die­se Be­rech­nun­gen ver­gli­chen ty­pi­sier­te Verläufe von Le­bens­er­werbs­ein­kom­men nach dem BAT mit den Eck­punk­ten Vergütungs­grup­pe, Auf­stiegsmöglich­keit, Orts­zu­schlag und Le­bens­al­ters­stu­fe. Die Be­rech­nungs­bei­spie­le gin­gen von "ori­ginären" Vergütungs­grup­pen mit Auf­stiegsmöglich­keit und sol­chen oh­ne Auf­stiegsmöglich­keit aus, was man an­hand der Verläufe in der Vergütungs­grup­pen II a BAT und I b BAT se­hen könne. Ei­ne dif­fe­ren­zier­te Be­rech­nung für Verläufe von Vergütungs­grup­pe II a BAT mit Auf­stieg nach I b BAT ei­ner­seits und Vergütungs­grup­pe I b oh­ne Auf­stiegsmöglich­keit an­de­rer­seits er­ge­be aber nur dann ei­nen Sinn, wenn es auf die "ori­ginäre" Ein­grup­pie­rung an­kom­me. Für die Vergütungs­grup­pe VI b BAT mit Auf­stieg nach V c BAT - wie im vor­lie­gen­den Fall - ge­be es al­ler­dings kein Be­rech­nungs­bei­spiel. In­so­weit ge­be es nur ein Be­rech­nungs­bei­spiel für die Vergütungs­grup­pe V c BAT, wel­ches den Ver­lauf ei­nes An­ge­stell­ten, der im Al­ter von 21 Jah­ren in die­se Vergütungs­grup­pe ein­ge­stellt wor­den ist und al­le zwei Jah­re in sei­nen Le­bens­al­ters­stu­fen auf­steigt, bis zu sei­ner letz­ten Le­bens­al­ters­stu­fe 43 ab­bil­de. Dies be­le­ge, dass die Fall­va­ri­an­te "VI b mit Auf­stieg nach V c" gar nicht Ge­gen­stand der Ver­hand­lun­gen zum Struk­tur­aus­gleich ge­we­sen sei.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist zulässig, da der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des EUR 600,00 über­steigt und die Be­ru­fung im Ur­teil des Ar­beits­ge­richts aus­drück­lich zu­ge­las­sen wur­de, § 64 Abs. 2 Buch­sta­ben a und b ArbGG. Die Be­ru­fung ist auch frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG in Ver­bin­dung mit §§ 519, 520 ZPO.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist nach Maßga­be des zwi­schen den Par­tei­en er­gan­ge­nen Ur­teils des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.04.2010 (6 AZR 962/08; ZTR 2010, 417 ff.) auch be­gründet.
1. Die Kla­ge der Kläge­rin ist zulässig. Dies gilt ins­be­son­de­re auch für ih­ren Fest­stel­lungs-an­trag zu 2.), für den nach Maßga­be des vor­an­ge­gan­ge­nen Ur­teils des Bun­des­ar­beits­ge­richts ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se an­zu­er­ken­nen ist (vgl. Ent­schei­dungs­gründe zu I.1.). Da­bei war der Fest­stel­lungs­an­trag im Zu­sam­men­hang mit dem be­zif­fer­ten Zah­lungs­an­trag für die Mo­na­te Ok­to­ber und No­vem­ber 2007 da­hin aus­zu­le­gen, dass sich die be­gehr­te Fest­stel­lung ei­nes An­spruchs auf Struk­tur­aus­gleich auf die Zeit ab De­zem­ber 2007 be­zieht (vgl. Ent­schei­dungs­gründe zu I.2.).
2. Der Kläge­rin steht ge­gen die Be­klag­te ein An­spruch auf Zah­lung ei­nes Struk­tur­aus­gleichs nach § 12 TVÜ-Bund in Ver­bin­dung mit An­la­ge 3 in Höhe von mo­nat­lich EUR 40,00 brut-to, be­zie­hungs­wei­se für die Dau­er ih­rer Teil­zeit­beschäfti­gung mit der Hälf­te der ta­rif­li­chen Wo­chen­ar­beits­zeit in Höhe von mo­nat­lich EUR 20,00 brut­to ab Ok­to­ber 2007 zu.
a) Es ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig, dass die Kläge­rin bei In­kraft­tre­ten des TVÜ-Bund Orts­zu­schlag der Stu­fe 2 zu­stand, sie zu die­sem Zeit­punkt die Le­bens­al­ters­stu­fe 39 er­reicht hat­te, von der Vergütungs­grup­pe V c BAT in die Ent­gelt­grup­pe 8 TVöD über­ge­lei­tet wur­de und im We­ge ei­nes Bewährungs-, Fall­grup­pen- oder Tätig­keits­auf­stiegs nicht mehr höher­grup­piert wer­den konn­te. Frag­lich ist al­lein, ob es sich bei der in Spal­te 2 der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund ge­nann­ten Vergütungs­grup­pe V c um die tatsächlich von der Kläge­rin zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des TVöD er­reich­te Vergütungs­grup­pe han­delt, oder ob nur ei­ne dies­bezüglich "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe ent­schei­dend ist. Nach Maßga­be der es in­so­weit bin­den­den Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts und nach Aus­le­gung der ta­rif­li­chen Re­ge­lung un­ter Berück­sich­ti­gung des Wil­lens der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en und der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Re­ge­lung nimmt das Lan­des­ar­beits­ge­richt nun­mehr an, dass es für ei­nen An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich al­lein auf die zum Zeit­punkt der Über­lei­tung in den TVöD er­reich­te Vergütungs­grup­pe an­kommt, gleichgültig ob dem ein vor­he­ri­ger Auf­stieg vor­an­ge­gan­gen ist. Da­mit steht der Kläge­rin der von ihr gel­tend ge­mach­te An­spruch zu.
b) Al­ler­dings er­gibt sich die­se Aus­le­gung der ta­rif­li­chen Norm nicht be­reits aus ih­rem Wort-laut. Die­ser ist nicht ein­deu­tig (vgl. LAG Ba­den-Würt­tem­berg 22.10.2008 - 13 Sa 77/08 - zu II.2.a) der Ent­schei­dungs­gründe; BAG 22.04.2010 - 6 AZR 962/08 - zu II.4. der Ent­schei­dungs­gründe).
c) We­der aus der Sys­te­ma­tik der ta­rif­li­chen Re­ge­lung noch aus de­ren Sinn und Zweck lässt sich ein kla­res Aus­le­gungs­er­geb­nis ab­lei­ten. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg hat in sei­nem Ur­teil vom 22.10.2008 (vgl. zu II.2.b) aa) und bb) der Ent­schei­dungs­gründe) ei­ne an­de­re Auf­fas­sung ver­tre­ten, die zu ei­nem kla­ren Aus­le­gungs­er­geb­nis zu Las­ten der Kläge­rin führ­te. An die ge­gen­tei­li­ge An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts im Ur­teil vom 22.04.2010 (vgl. zu II.5. und 6. der Ent­schei­dungs­gründe) ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt nach § 563 Abs. 2 ZPO ge­bun­den.
d) Nach die­ser bin­den­den Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts führt auch we­der der Ge-sichts­punkt der Prak­ti­ka­bi­lität oder ein Ver­gleich mit Über­lei­tungs­ta­rif­verträgen an­de­rer Ta­rif­par­tei­en zu ei­nem hier maßgeb­li­chen Aus­le­gungs­er­geb­nis, so dass es auf den übe­rein­stim­men­den Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en an­kom­me, wie er sich in der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Re­ge­lung zum Struk­tur­aus­gleich ma­ni­fes­tiert ha­ben könn­te. Ein sol­cher vom Bun­des­ar­beits­ge­richt als Aus­le­gungs­mit­tel be­nann­ter übe­rein­stim­men­der Re­ge­lungs­wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, dass es für die Gewährung ei­nes Struk­tur­aus­gleichs auf die "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe und nicht auf die zum Zeit­punkt der Über­lei­tung in den TVöD tatsächlich (ge­ge­be­nen­falls nach ei­nem vor­an­ge­gan­ge­nen Auf­stieg) er­reich­te Vergütungs­grup­pe an­kommt, be­steht aber nicht. Ins­be­son­de­re lässt sich aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der ta­rif­li­chen Re­ge­lung nichts hierfür ab­lei­ten.
aa) Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten, die auch vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern im
Rah­men der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­hol­ten Ta­rif­aus­kunft vor­ge­tra­gen wur­de, kann der "Nie­der­schrift über die bi­la­te­ra­le Sit­zung Bund und ver.di am 10. Mai 2005 zum Ent­wurf TVÜ in Ber­lin" (vgl. Bl. 56 f. d.A.) kein ge­mein­sa­mer Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ent­nom­men wer­den, dass es für ei­nen An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich im Rah­men der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund auf die "ori­ginäre" und nicht die ak­tu­el­le, tatsächli­che Ein­grup­pie­rung zum Zeit­punkt der Über­lei­tung in den TVöD an­kommt. Zwar kann aus III. vor­letz­ter Ab­satz die­ser Nie­der­schrift ab­ge­le­sen wer­den, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zwi­schen Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) mit und oh­ne Auf­stieg un­ter­schie­den ha­ben. Aus­drück­lich wer­den an die­ser Stel­le der Nie­der­schrift aber nur Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) "mit" Auf­stieg ge­nannt, nicht aber Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) "oh­ne" oder gar "nach" Auf­stieg. Die Nie­der­schrift gibt an die­ser Stel­le nichts für ei­ne Aus­le­gung her, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hätten ei­nen ge­mein­sa­men Re­ge­lungs­wil­len ge­habt, der zwi­schen Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) un­ter­schei­det, aus de­nen es von vorn­her­ein kei­nen Auf­stieg gibt und sol­chen, bei de­nen es kei­nen (wei­te­ren) Auf­stieg gibt, weil ein ge­ge­be-
nen­falls mögli­cher Auf­stieg im Zeit­punkt der Über­lei­tung schon ab­sol­viert wur­de. Die Nie­der­schrift ist an die­ser Stel­le eher all­ge­mein ge­hal­ten. Aus dem dor­ti­gen Feh­len ei­ner kla­ren Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) mit be­reits anfäng­lich feh­len­der Auf­stiegsmöglich­keit und sol­chen, bei de­nen nach er­folg­tem Auf­stieg kein wei­te­rer Auf­stieg zum Über­lei­tungs­zeit­punkt mehr möglich war, er­laubt nicht ei­nen "Um­kehr­schluss", wie ihn das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern vor­nimmt, wo­nach die Be­zeich­nung "oh­ne" in Spal­te 3 der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund nur auf sol­che Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) zu be­zie­hen sei, die be­reits anfäng­lich kei­ne Auf­stiegsmöglich­keit vor­sa­hen. Viel­mehr spricht die feh­len­de Dif­fe­ren­zie­rung in der Nie­der­schrift dafür, dass Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) "oh­ne" Auf­stieg die sein soll­ten, aus de­nen zum Zeit­punkt der Über­lei­tung tatsächlich kein Auf­stieg - gleich aus wel­chem Grund - mehr möglich ist. Hierfür spricht auch der Um­stand, dass Er­war­tun­gen der Beschäftig­ten im Zu­sam­men­hang mit dem Auf­stieg in ei­ne an­de­re Vergütungs­grup­pe (Fall­grup­pe) ge­zielt in den §§ 8, 9 TVÜ-Bund ge­re­gelt sind, wo­durch ein dies­bezügli­cher so ge­nann­ter "Ex­spek­t­anz­ver­lust" durch die dor­ti­gen Maßnah­men ge­mil­dert wer­den soll. Dies lässt es eher ver­mu­ten, dass im Rah­men des § 12 TVÜ-Bund in Ver­bin­dung mit der An­la­ge 3 von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en an­de­re "Ex­spek­t­anz­ver­lus­te" ge­mil­dert wer­den soll­ten, ins­be­son­de­re in Be­zug auf künf­ti­ge Le-bens­al­ters­stu­fen. Die von der Be­klag­ten und vom Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um in Be­zug ge­nom­me­ne Nie­der­schrift vom 10.05.2005 steht die­ser An­sicht nicht ent­ge­gen. Je­den­falls gibt ih­re of­fe­ne, zum Teil va­ge For­mu­lie­rung, die auf die hier in­ter­es­sie­ren­de Un­ter­schei­dung von Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) mit anfäng­lich feh­len­der Auf­stiegsmöglich­keit und sol­chen mit zwi­schen­zeit­lich (weil be­reits ge­sche­he­nem Auf­stieg) feh­len­der Auf­stiegsmöglich­keit nicht ein­geht, nichts für die An­nah­me ei­nes übe­rein­stim­men­den Re­ge­lungs­wil­lens der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zur Fra­ge der Maßgeb­lich­keit ei­ner ori­ginären Ein­grup­pie­rung her.
bb) Auch aus den von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en anläss­lich der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen
ver­wen­de­ten Be­rech­nungs­bei­spie­len lässt sich nicht auf ei­nen ge­mein­sa­men Re­ge­lungs­wil­len zur Maßgeb­lich­keit der "ori­ginären" Ein­grup­pie­rung schließen. Zwar ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­trenn­te Bei­spiels­be­rech­nun­gen für An­ge­stell­te in Vergütungs­grup­pe I b BAT nach Auf­stieg aus Vergütungs­grup­pe II a BAT und sol­che, die un­mit­tel­bar in Vergütungs­grup­pe I b BAT ein­grup­piert wa­ren, oh­ne die Möglich­keit ei­nes wei­te­ren Auf­stiegs, an­ge­stellt. Al­ler­dings fehlt be­reits ei­ne sol­che Be­rech­nung für die hier maßgeb­li­che Fall­va­ri­an­te ei­nes An­ge­stell­ten in der Vergütungs­grup­pe V c BAT nach Auf­stieg aus Vergütungs­grup­pe VI b BAT und sol­chen, die "ori­ginär" in Vergütungs­grup­pe V c BAT oh­ne die Möglich­keit wei­te­ren Auf­stiegs ein­grup­piert wa­ren. Dar­um sind die Be­rech­nun­gen of­fen­kun­dig nur bei­spiel­haft und ver­su­chen nicht al­le Fälle zu er­fas­sen. Die­se Bei­spiel­be­rech­nun­gen las­sen da­her kei­nen kla­ren Rück­schluss auf den
übe­rein­stim­men­den Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu. Of­fen­kun­dig wur­den hier zwar vie­le, aber doch nicht al­le, son­dern nur ei­ni­ger­maßen re­präsen­ta­ti­ve Va­ri­an­ten durch­ge­rech­net, so dass man aus die­sen Bei­spie­len nicht den Schluss zie­hen kann, nur die dort er­fass­ten Va­ri­an­ten soll­ten auch Ge­gen­stand der späte­ren ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung sein. Wie das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern mit­ge­teilt hat, war die Va­ri­an­te Vergütungs­grup­pe V c BAT nach Auf­stieg aus VI b BAT gar nicht Ge­gen­stand der Ver­hand­lun­gen zum Struk­tur­aus­gleich. Dar­um ist es um so fern­lie­gen­der, hier ei­nen ge­mein­sa­men Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en an­zu­neh­men.
(1) Wie das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern mit­ge­teilt hat, be­tref­fen die Bei­spiels­rech­nun­gen je­weils "Le­bens­er­werbs­verläufe", wo­bei zwi­schen sol­chen "mit" und "oh­ne" Auf­stieg un­ter­schie­den wor­den sei. Da es um die Er­fas­sung der ge­sam­ten Dau­er des Er­werbs­le­bens geht, kommt es auf die Va­ri­an­te "nach" Auf­stieg nicht an, so dass es verständ­lich ist, dass die­ser Be­griff hier nicht auf­taucht. Da es bei den Bei­spiels­rech­nun­gen aber um das ge­sam­te Er­werbs­le­ben der Beschäftig­ten geht ist auch nach­voll­zieh­bar, war­um in­so­weit et­wa bei den Vergütungs­grup­pen II a BAT und I b BAT ge­trenn­te Be­trach­tun­gen nach der je­weils "ori­ginären" Vergütungs­grup­pen an­ge­stellt wer­den. Dies sagt aber nichts über ei­nen ge­mein­sa­men Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu der Fra­ge aus, wie der Be­griff "oh­ne" in Spal­te 3 der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund zu ver­ste­hen ist, soll doch nach § 12 Abs. 1 Satz 2 TVÜ-Bund maßgeb­li­cher Stich­tag für die an­spruchs­be­gründen­den Vor­aus­set­zun­gen der 01.10.2005 sein - und nicht ei­ne Be­trach­tung des Le­bens­er­werbs­ver­laufs. Dann spricht aber auch mehr da­ge­gen, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in Spal­te 2 der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund den ge­mein­sa­men Wil­len ge­habt ha­ben, hier nicht auf die tatsächli­che La­ge zum Stich­tag ab­zu­stel­len.
(2) Ins­be­son­de­re kann den Bei­spiels­rech­nun­gen nicht ein dies­bezügli­cher ge­mein­sa­mer Re­ge­lungs­wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ent­nom­men wer­den, Vergütungs­grup­pen oh­ne "ori­ginären" Auf­stieg und sol­che mit feh­len­der (wei­te­rer) Auf­stiegsmöglich­keit nach be­reits ge­sche­he­nem Auf­stieg auch im Er­geb­nis un­ter­schied­lich zu be­han­deln. Selbst wenn punk­tu­ell ge­trenn­te Be­rech­nun­gen durch­geführt wer­den, kann dies eben­so gut ge­sche­hen, um ei­nen Über­blick dafür zu be­kom­men, ob und in­wie­weit sich die­se Va­ri­an­ten über­haupt wirt­schaft­lich un­ter­schei­den. Ob und in­wie­weit dar­aus in den ta­rif­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der ge­mein­sa­me Schluss ge­zo­gen wur­de, die­se Va­ri­an­ten im De­tail auch un­ter­schied­lich zu be­han­deln, ist zu­min­dest of­fen. Nach der Nie­der­schrift­erklärung Nr. 1 zu § 12 TVÜ-Bund wa­ren sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en viel­mehr darüber im Kla­ren, dass es um ei­ne Re­ge­lung ei­ner großen An­zahl von Fällen mit not­wen­di­ger­wei­se ver­ein­fa­chen­den Lösun­gen auf Kos­ten der Ein­zel­fall­be­trach­tung geht. Dies
spricht eher ge­gen die An­nah­me ei­ner fein­sin­ni­gen Un­ter­schei­dung von anfäng­lich feh­len­der und im Über­lei­tungs­zeit­punkt tatsächlich feh­len­der (wei­te­rer) Auf­stiegsmöglich­keit. Um so we­ni­ger kann aus den Bei­spiel­rech­nun­gen ein dies­bezüglich ge­mein­sa­mer Re­ge­lungs­wil­le ab­ge­lei­tet wer­den.
cc) Nach den ergänzen­den Ausführun­gen der Be­klag­ten im Schrift­satz vom 15.08.2010 (dort Sei­te 6) hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en drei Fall­va­ri­an­ten re­geln wol­len:
(1) Beschäftig­te mit noch aus­ste­hen­dem Auf­stieg; die­ser Fall sei in § 8 TVÜ-Bund ge­re­gelt wor­den. Der Auf­stieg könne nach­ge­holt wer­den
(2) Beschäftig­te oh­ne Auf­stiegsmöglich­keit; die­ser Fall wer­de von § 12 TVÜ-Bund er­fasst. In den in der An­la­ge 3 TVÜ-Bund auf­geführ­ten Fällen würden Ex­spek­t­anz­ver­lus­te durch ei­nen Struk­tur­aus­gleich ab­ge­mil­dert.
(3) Beschäftig­te nach be­reits er­folg­tem Auf­stieg; für die­se Fall­va­ri­an­te ha­be kein Re­ge­lungs­be­darf be­stan­den, da die­se Beschäftig­ten schon mit ei­ner höhe­ren Vergütungs­grup­pe in den TVöD über­ge­lei­tet wor­den sei­en und durch die Über­lei­tung kei­ne ab­zu­mil­dern­den Ex­spek­t­anz­ver­lus­te zu er­war­ten hätten.
Die­se Ausführun­gen können nicht über­zeu­gen. Wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei der Fall­grup­pe (3) kei­ne ab­zu­mil­dern­den Ex­spek­t­anz­ver­lus­te ge­se­hen ha­ben soll­ten wäre nicht verständ­lich, war­um es Sol­ches bei der Fall­grup­pe (2) ab­zu­mil­dern ge­ge­ben hätte, wo es von An­fang an nicht ein­mal die "Ex­spek­tanz" auf ei­ne höhe­re Vergütungs­grup­pe ge­ge­ben hat. So­weit die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aber bei der Fall­grup­pe (2) im Rah­men des § 12 TVÜ-Bund und der An­la­ge 3 hier­zu ei­nen Be­darf für ei­ne Ab­mil­de­rung ei­nes Ex­spek­t­anz­ver­lus­tes ge­se­hen ha­ben, kann sich die­ser of­fen­kun­dig nicht auf das Ent­ge­hen ei­ner höhe­ren Vergütungs­grup­pe im We­ge des Auf­stiegs be­zo­gen ha­ben, son­dern nur auf die höhe­re Vergütung durch das Vorrücken in den Le­bens­al­ters­stu­fen. Der dies­bezügli­chen "Ex­spek­tanz" geht ein Ar­beit­neh­mer aber ver­lus­tig, gleichgültig, ob die in An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund ge­nann­te Vergütungs­grup­pe sei­ne "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe ist, oder ei­ne im We­ge be­reits er­folg­ten Auf­stiegs er­reich­te Vergütungs­grup­pe. Wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nach den Ausführun­gen der Be­klag­ten den Wil­len ge­habt ha­ben, bei Ar­beit­neh­mern, die von vorn­her­ein kei­ne Er­war­tung auf ei­nen Auf­stieg hat­ten, et­was "ab­zu­mil­dern" spricht nichts für die An­nah­me, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hätten die­se Art von "Ab­mil­de­rung" (die dann wohl nur auf die ent­ge­hen­den Le­bens­al­ters­stu­fen be­zo­gen sein kann), nicht de­nen zu­bil­li­gen wol­len, die we­gen be­reits ge­sche­he­nen Auf­stiegs kei­ne Vergütungs­stei-
ge­rung durch ei­nen wei­te­ren Auf­stieg zu er­war­ten hat­ten und dar­um vom Ent­fal­len der Le­bens­al­ters­stu­fen in glei­cher Wei­se be­trof­fen ge­we­sen sind.
dd) Aus den Rund­schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­nern vom 10.10.2005 und vom
10.08.2007 kann ge­ra­de nicht auf ei­nen ge­mein­sa­men Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­schlos­sen wer­den, wo­nach es bei der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund auf die "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe an­kom­me. Viel­mehr ge­ben die­se Rund­schrei­ben al­lein die Sicht­wei­se ei­ner der bei­den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en wie­der. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass sich die an­de­re ta­rif­sch­ließen­de Par­tei, die Ge­werk­schaft ver.di, erst im Rah­men ei­ner Aus­ga­be von "TS Be­rich­tet" vom 09.11.2007 mit der ge­gen­tei­li­gen An­sicht an sei­ne Mit­glie­der ge­wandt hat. Da nach § 12 Abs. 2 TVÜ-Bund die Zah­lung des Struk­tur­aus­gleichs erst ab Ok­to­ber 2007 be­gann, kann aus dem zu­vor er­folg­ten Schwei­gen auf ein Rund­schrei­ben der an­de­ren ta­rif­sch­ließen­den Par­tei nichts bezüglich ei­nes ge­mein­sa­men Re­ge­lungs­wil­lens ab­ge­lei­tet wer­den. Zum Zeit­punkt der für die Mit­glie­der der Ge­werk­schaft pra­xis­re­le­van­ten Um­set­zung des Ta­rif­ver­tra­ges hat die­se je­den­falls un­mit­tel­bar ih­re ab­wei­chen­de Mei­nung be­kun­det.
ee) Wie oben be­reits erläutert kann der Be­klag­ten im Rah­men ih­rer ergänzen­den Ausführun-
gen auch nicht in der Auf­fas­sung - die auch vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern ver­tre­ten wird - ge­folgt wer­den, die feh­len­de Erwähnung der Va­ri­an­te ei­nes be­reits ge­sche­hen Auf­stiegs in der Nie­der­schrift vom 10.05.2005 spre­che dafür, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die­sen Fall für nicht re­ge­lungs­bedürf­tig ge­hal­ten ha­ben. Es spricht al­len­falls für die An­nah­me, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die­sen Fall tatsächlich nicht ge­re­gelt ha­ben, sagt aber nichts über ei­nen ge­mein­sa­men dies­bezügli­chen Wil­len aus. Das Feh­len ei­ner Re­ge­lung lässt hier viel­mehr of­fen, war­um mögli­cher­wei­se ei­ne Re­ge­lung nicht er­folgt ist. Ei­ne Re­ge­lung fehlt oft, weil es ge­ra­de an ei­nem übe­rein­stim­men­den Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en man­gelt.
ff) Un­abhängig von den vor­ste­hen­den Erwägun­gen ist ergänzend ist dar­auf hin­zu­wei­sen,
dass ein ge­mein­sa­mer Re­ge­lungs­wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zur Fra­ge, ob es im Rah­men der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund auf die "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe an­kom­men soll, auch des­halb kaum an­ge­nom­men wer­den kann, da die ta­rif­sch­ließen­de Par­tei ver.di im Rah­men der Ta­rif­aus­kunft so­gar aus­drück­lich mit­ge­teilt hat, dass sie bei den Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen aus­sch­ließlich den Zweck ver­folgt ha­be, die Enttäuschung der Er­war­tung zukünf­ti­ger Ein­kom­mens­stei­ge­run­gen ab­zu­mil­dern, während der Weg, wie man den sta­tus quo zum Über­lei­tungs­zeit­punkt er­reicht ha­be, für sie oh­ne Be­deu­tung ge­we­sen sei, so dass ge­ra­de kein ge­mein­sa­mer Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­stan­den ha­be, im Rah­men der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund auf
die "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe ab­zu­stel­len. Das ist auf­grund der von der ta­rif­sch­ließen­den Par­tei ver.di ge­schil­der­ten Be­trach­tun­gen zu den "Ex­spek­t­anz­ver­lus­ten" auch plau­si­bel. Die Fra­ge der "ori­ginären" Ein­grup­pie­rung sei auch nie Ge­gen­stand der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen ge­we­sen. Letz­te­res be­haup­tet im Er­geb­nis auch we­der die Be­klag­te, noch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern. Die Be­klag­te lei­tet nur aus dem Schwei­gen der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu ei­nem be­stimm­ten Punkt in den Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen ab, dass in­so­weit Ei­nig­keit be­stan­den ha­be. Dafür gibt es aber we­der nach­voll­zieh­ba­re In­di­zi­en, noch gibt es ei­nen dies­bezügli­chen Er­fah­rungs­satz. Für ei­nen feh­len­den ge­mein­sa­men Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, die "ori­ginäre" Vergütungs­grup­pe zum Ge­gen­stand der Re­ge­lung in Spal­te 2 der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund zu ma­chen spricht auch eher de­ren Über­schrift, wel­che die "Vergütungs­grup­pe bei In-Kraft-Tre­ten TVÜ" be­nennt.
e) Kei­ne der an­er­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den, ins­be­son­de­re auch nicht die vom Bun­des-
ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 22.04.2010 (6 AZR 962/08) an­ge­mahn­te Er­for­schung des Wil­lens der ta­rif­sch­ließen­den Par­tei­en führt zu ei­nem kla­ren Er­geb­nis. Gleich­wohl kann nach den Vor­ga­ben des ge­nann­ten Ur­teils nicht an­ge­nom­men wer­den, die Kläge­rin ha­be für den von ihr gel­tend ge­mach­ten An­spruch so­mit kei­ne An­spruchs­grund­la­ge schlüssig be­nen­nen können, so dass die Kla­ge ab­zu­wei­sen wäre. An ei­ner sol­chen Be­hand­lung des Fal­les sähe sich die er­ken­nen­de Kam­mer schon des­halb ge­hin­dert, da das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 22.04.2010 (6 AZR 962/08) un­ter 11. der Ent­schei­dungs­gründe ei­ne Aus­le­gung da­hin­ge­hend durchführt, dass dann, wenn ei­ne dies­bezügli­che Ei­nig­keit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht fest­ge­stellt wer­den könne, dass Merk­mal "Auf­stieg - oh­ne" so aus­zu­le­gen sei, dass es aus­rei­che, dass am 01.10.2005 kein (wei­te­rer) Auf­stieg mehr möglich war. Ent­schei­dend sei dann die bei der Über­lei­tung maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe des BAT oh­ne Rück­sicht auf ei­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Auf­stieg. Die­se In­ter­pre­ta­ti­on er­ge­be sich bei ei­nem "un­be­fan­ge­nen Durch­le­sen" der ta­rif­ver­trag­li­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen. Die er­ken­nen­de Kam­mer kann da­bei ein Span­nungs­verhält­nis zwi­schen der so­wohl vom Lan­des­ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 22.10.2008 (13 Sa 77/08) ver­tre­te­nen und vom Bun­des­ar­beits­ge­richt in der ge­nann­ten Ent­schei­dung bestätig­ten Auf­fas­sung, dass ei­ner­seits auch ei­ne in­ten­si­ve Wort­laut­aus­le­gung zu kei­nem kla­ren Er­geb­nis führt, an­de­rer­seits aber ein "un­be­fan­ge­nes Durch­le­sen" der ta­rif­ver­trag­li­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen, dann Maßstab der Aus­le­gung sein und sei­ner­seits zu ei­nem den Aus­schlag ge­ben­den Er­geb­nis führen soll, nicht aus­sch­ließen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt sieht sich aber an die Vor­ga­ben aus II.11. der Ent­schei­dungs­gründe des Ur­teils des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.04.2010 (6 AZR 962/08) ge­bun­den, so dass es kei­ner nähe­ren Dis­kus­si­on die­ser Fra­ge be­darf. Viel­mehr ist mit dem Bun­des­ar­beits­ge­richt an­zu­neh­men, dass der Kläge­rin - nach­dem al­le
an­de­ren Aus­le­gungs­ver­su­che oh­ne Er­folg wa­ren - der gel­tend ge­mach­te An­spruch auf Zah­lung von Struk­tur­aus­gleich ab Ok­to­ber 2007 nach nun­mehr un­be­fan­ge­nem Durch­le­sen der ta­rif­ver­trag­li­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen oh­ne Rück­sicht auf ei­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Auf­stieg zu­steht.
3. Die Höhe des An­spruchs von mo­nat­lich EUR 40,00 brut­to er­gibt sich aus § 12 Abs. 1
Satz 1 TVÜ-Bund i.V.m. der An­la­ge 3 zum TVÜ-Bund, be­zie­hungs­wei­se für die Dau­er Beschäfti­gung der Kläge­rin im Um­fang der Hälf­te der ta­rif­li­chen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit in Höhe von EUR 20,00 brut­to mo­nat­lich aus § 12 Abs. 4 TVÜ-Bund. Dies ist zwi­schen den Par­tei­en nicht strei­tig. Den erst­in­stanz­lich er­ho­be­nen Zins­an­spruch hat die Kläge­rin mit ih­ren Be­ru­fungs­anträgen nicht mehr gel­tend ge­macht.
Da die Be­klag­te un­ter­le­gen ist, hat sie die Kos­ten des Rechts­streits al­ler In­stan­zen zu tra­gen, § 91 Abs. 1 ZPO. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.
13 Sa 73/10 - Ur­teil vom 15.12.2010 -
c. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfül-len.
zur Übersicht 13 Sa 73/10

References: § 12
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 § 12
 § 12
 § 8
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 § 12
 § 12
 § 64
 § 12
 § 563
 § 12
 § 12
 § 12
 § 8
 § 12
 § 12
 § 12
 § 12
 § 12
 § 91
 § 72
 § 11