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Timestamp: 2020-04-01 18:49:43+00:00

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BISS-aktuell 3|2017
ein erfolgreiches Jahr 2017 liegt hinter uns!
In diesem Rundbrief informieren wir über die Veröffentlichung unserer Kampagne "Endlich rehabilitiert!" auf gleichnamiger Fachtagung am 27.11.2017 in Berlin, unsere zurückliegende Jahrestagung, Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen und geben einen Ausblick auf 2018.
Wir wünschen Euch einen besinnlichen Jahresausklang und einen guten Start ins neue Jahr!
Vorstandswahlen und Mitgliederversammlung
Am 31. Oktober 2017 fand in Köln die 4. Ordentliche Mitgliederversammlung statt. Auf der Tagesordnung standen auch Vorstandswahlen. Angesichts seines stark angewachsenen Engagements in der schwulen Seniorenarbeit vor Ort in Hamburg – erfolgreich und wegweisend die Gründung einer neuen Gruppe, das Café Laubfrosch , als Seniorenbüro – kandidierte Klaus-Dieter Begemann (Foto links) nicht erneut. Georg Roth und Georg Härpfer dankten Klaus-Dieter Begemann für sein Engagement im Gründungsvorstand von BISS und überreichten ein Buch von Ralf König als Dankeschön. Klaus-Dieter Begemann wurde mit großem Applaus aus dem Vorstand verabschiedet.
Im Vorstand bestätigt wurden für weitere zwei Jahre: Sigmar Fischer, Georg Härpfer, Reinhard Klenke, Georg Roth, Markus Schupp, Wolfgang Vorhagen.
Neu in den Vorstand gewählt wurde BISS-Gründungsmitglied Percy Rooks (Foto rechts), der BISS bereits vor der Verbandsgründung in juristischen Fragen mit seiner Expertise begleitete. Percy Rooks leistet mit seiner Dresdner Gruppe in Sachsen erfolgreiche Vernetzungsarbeit, die sich unter anderem in einem erfolgreichen Workshop mit BISS im Rahmen der Vor-Ort-Arbeit niederschlug und 2018 fortgesetzt wird (Mehr weiter unten: Workshops Vor Ort Arbeit stärken).
Auf seiner konstituierenden Sitzung wählte der Vorstand aus seiner Mitte Georg Roth zum Vorsitzenden gem. § 11 (2) der Satzung. Am 25. und 26. Januar 2018 findet die Vorstandsklausur statt.
Jean-Claude-Letist-Preis geht an BISS e.V.
v.l.n.r.: BISS-Vorstände Georg Härpfer, Klaus-Dieter Begemann, Sigmar Fischer, Reinhard Klenke, Georg Roth, Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, Bundesminister Heiko Maas.
Die Aidshilfe Köln zeichnete BISS e.V. für den Einsatz zur Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer des § 175 StGB am 30. Oktober 2017 mit dem Jean-Claude-Letist-Preis aus. Die Laudatio hielt Bundesjustizminister Heiko Maas:
"Ich bin überzeugt: Ohne BISS hätte es die Rehabilitierung der Opfer des 175 nicht gegeben. Dieses Gesetz ist auch ihr Erfolg, und deshalb ist die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren ein würdiger Träger des Jean-Claude-Letist-Preises!"
In seiner Dankesrede dankte Georg Roth im Namen des Vorstands von BISS e.V. der Aidshilfe Köln für die Preisverleihung:
"Wir sind stolz, dass wir eine Auszeichnung erhalten, die seinen Namen trägt. Wir nehmen den Jean-Claude-Letist-Preis auch und gerade im Namen all der Männer an, für die Rehabilitierung und Entschädigung eine späte persönliche Genugtuung sind. So wie sie für uns alle eine Bestätigung unserer Emanzipations- und Bürgerrechtsarbeit ist. Jetzt wo viele sagen, was wollt ihr denn noch, jetzt dürft ihr doch sogar heiraten, ist unser Motto: Nach der Gleichberechtigung muss die Gleichstellung, die Chancengleichheit, kommen. Wir werden uns weiter dafür einsetzen. Alt, selbstbewusst und selbstbestimmt."
v.l.n.r. Georg Härpfer, Georg Roth, Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek, Marcus Velke, Sigmar Fischer, Reinhard Klenke, Christian Naumann.
Wie im Vorjahr war auch die Jahrestagung 2017 ein voller Erfolg. Georg Roth begrüßte für den Vorstand die mehr als 80 Teilnehmenden. Die Jahrestagung beschäftigte sich mit den Inhalten und Schlussfolgerungen des 7. Altenberichts der Bundesregierung „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“. Damit rückte die fachliche Arbeit von BISS in den Themenfeldern Teilhabe und Versorgung in den Mittelpunkt.
Darauf wies Vorstand Georg Roth in seiner Begrüßungsrede hin: „Uns interessiert insbesondere, welche Rolle wir älteren Schwulen Männer und lesbischen Frauen in diesen Sorgenden Gemeinschaften und ihren Strukturen spielen, als Akteure und als Zielgruppe. Wie steht es also um die Vielfalt in der Altenhilfe- und Seniorenarbeit?“ Im Zusammenhang mit den im Bericht aufgezeigten Zugangsbarrieren warf er als leitende Frage für die Jahrestagung auf: „Wie können die Teile des Berichtes von uns so gelesen werden, dass wir mit unseren Forderungen nach Sensibilisierung der Dienste, der Träger und Verantwortlichen nachhaltig als Akteure mit gleichen Chancen einbezogen sind?"
Prof. Dr. Thomas Klie, Mitglied der Altenberichtskommission, ging auf die Bedeutung der funktionierenden Gemeinschaften auf kommunaler Ebene ein. Demnach seien Sorgende Gemeinschaften ein „Zuversicht zeichnendes Gesellschaftsbild gegen apokalyptische Zukunftsbilder“ und weiter: „Sorgende Gemeinschaften sind keine Romantisierung von Familie und Gemeinschaft, vielmehr Gegenentwürfe zur Verbetriebswirtschaftlichung und Taylorisierung.“
Der Vortrag von Michael Schuhmacher, Geschäftsführer der Aidshilfe Köln, zeigte Möglichkeiten auf, aus den Erfahrungen der Aidsarbeit mögliche Anregungen für die Seniorenarbeit zu gewinnen. „Die Aidshilfe Köln will sich verstärkt der Situation älterer schwuler Männer mit und ohne HIV widmen“.
In drei anschließenden Workshops wurden die Chancen und Herausforderungen von sorgenden Gemeinschaften zu den Themen Pflege, Offene Seniorenarbeit und HIV/Aids diskutiert. Die Ergebnisse dienen jetzt der weiteren Arbeit in den BISS-Facharbeitskreisen und der fachlichen Vorbereitung unseres Auftritts beim Deutschen Seniorentag 2018 in Dortmund (Motto: BRÜCKEN BAUEN).
In seinem Grußwort zum Beginn des zweiten Tags bedankte sich Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek für die erfolgreiche Arbeit von BISS. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass das BMFSJ die Arbeit des Verbandes bis 2019 durch eine Grundförderung gesichert hat. Schwerpunkt des zweiten Tages war die Rehabilitierung und Entschädigung von Menschen, die nach § 175 StGB und § 151 StGB-DDR verurteilt wurden. Projektmitarbeiter Marcus Velke stellte hierzu das Beratungstelefon und die Herausforderungen bei der Unterstützung der Betroffenen vor. Sigmar Fischer ergänzte für den Vorstand die politischen Forderungen nach einem Härtefallfonds, einer Opferrente und einer Kollektiventschädigung.
BISS besucht das Bundesamt für Justiz
v.l.n.r. unten: Reinhard Klenke (BISS), Sigmar Fischer (BISS), Präsident Heinz-Josef Friehe (Bundesamt für Justiz).
v.l.n.r. oben: Andreas Folb (BfJ), Christian Naumann (BISS), Dr. Christian Johnson (BfJ), Dr. Yvonne Wilms (BfJ).
Workshops Vor-Ort-Arbeit stärken!
Unter dem Motto "Sichtbarkeit, Partizipation und Selbstorganisation auf kommunaler und regionaler Ebene" führte BISS mit regionalen und lokalen Kooperationspartnern Workshops zur Stärkung der Vorort-Arbeit durch. Die von BISS im Frühjahr 2017 herausgegebene Broschüre zur Stärkung der Arbeit in den Gruppen für ältere schwule Männer wurde vorgestellt. Die Bedeutung dieser Gruppenangebote als Teil der offenen Seniorenarbeit in den Kommunen wurde deutlich und auf die jeweilige lokale und regionale Situation bezogen. Ein wichtiges Ziel war, Angebote auf kommunaler oder Landesebene zu verbessern und die Beteiligten miteinander in einen fachlichen Austausch zu bringen. In Kiel und Nürnberg kamen Aktivist_innen aus der Community mit Verantwortlichen aus Seniorenarbeit, Altenpflege und Pflegeberatung zusammen.
Workshop in den Räumen der HAKI e.V. in Kiel.
In Leipzig war der Workshop die zweite gemeinsam mit BISS durchgeführte Veranstaltung. Ziel in Sachsen ist, die Interessen der älteren Schwulen und Lesben in die Realisierung des Sächsischen Aktionsplans einzubringen. Mit den Workshops wurden die Gruppen und Mitgliedsorganisationen vor Ort aktiv unterstützt, zum Praxisaustausch und zur Vernetzung angeregt. Aufgrund der erfolgreichen Arbeit wird 2018 ein weiterer Workshop folgen.
BISS veröffentlicht Kampagne "Endlich rehabilitiert!"
Peter B., 69 Jahre - "„Es hat mich gefreut, als die Rehabilitierung beschlossen wurde. Endlich wurde dieser Makel von mir genommen.“
Auf der Fachtagung "Endlich rehabilitiert! Und jetzt?" am 27. November 2017 in Berlin veröffentlichte BISS die Kampagne "Endlich rehabilitiert!" zur Bekanntmachung des Rehabilitierungsgesetzes und der Beratungshotline.
Ziel der Kampagne ist es, die Betroffenen über das Rehabilitierungsgesetz und unser Beratungstelefon zu informieren. Dies wird vor allem in Altersheimen, Seniorenbüros und überall da, wo ältere Menschen sich aufhalten, geschehen.
Für die Kampagne zeigen Peter B., Dierk K. und Werner G., die mittlerweile alle ihre Rehabilitierung erhalten haben, ihr Gesicht. Sie wollen anderen Betroffenen Mut geben, selbst von ihrem Recht auf Rehabilitierung und Entschädigung Gebrauch zu machen.
Die beiden Rollenmodelle Dierk K. und Peter B. im Gespräch mit BISS-Vorstand Reinhard Klenke und Georg Härpfer über ihre Motivation, die Kampagne von BISS zu unterstützen.
Die Materialien der Kampagne können in der Geschäftsstelle von BISS bestellt werden: biss@schwuleundalter.de. Link zu den Materialien auf der BISS-Webseite.
Es besteht die Möglichkeit, das Beratungstelefon auch auf Webseiten mit dem Logo des Beratungstelefons bzw. mit den Kampagnenmaterialien zu bewerben. Das nordrhein-westfälische Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) bewirbt bspw. auf seiner Webseite die Hotline von BISS. Link zur Meldung.
Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, hielt das Grußwort.
Die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS e.V.) führte am 27. November 2017, Berlin, einen Fachtag zum aktuellen Stand der Rehabilitierung und Entschädigung durch. BISS stellte sein Beratungstelefon vor und berichtete von der Unterstützung der Betroffenen bei der Rehabilitierung. Das Bundesamt für Justiz informierte über die Umsetzung der Entschädigungsansprüche der Betroffenen. Der Fachtag diente der Diskussion weitergehender Forderungen der Betroffenen, bspw. einen Härtefallfonds.
Polit-Diskussion, v.r.n.l.: Sven Lehmann MdB (Bündnis 90/ Die Grünne), Karl-Heinz Brunner MdB (SPD), Sigmar Fischer (BISS), Dr. Stefan Kaufmann MdB (CDU/ CSU), Sebastian Ahlefeld (FDP Berlin).
Der Fachtag wurde durch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Hannchen-Mehrzweck-Stiftung und Homosexuelle Selbsthilfe e.V. gefördert.
Vom 29.11.-01.12.2017 fand in der Akademie Waldschlösschen das Seminar "Ressourcen und Bewältigungsstrategien schwulen Alterns mit und ohne HIV unter Leitung von BISS-Vorstand Wolfgang Vorhagen, mit Vorträgen von Prof. Dr. Martin Dannecker und in Kooperation mit der Deutschen AIDS-Hilfe statt.
Trotzdem hat diese Generation, die die erste ist, die nun auch selbstbewusst – mit und ohne HIV – schwul alt wird, Bewältigungsstrategien entwickelt, um ihre Situation zu meistern. Das Seminar ging der Frage nach, wie diese Ressourcen und Strategien aussehen und wie wir sie nutzen können bzw.ws wir tun können, um andere heute ältere Schwule zu unterstützen.
Mit großer Bestürzung haben wir die Nachricht vom Tod von Friedrich Schmehling und Wolfgang Lauinger aufgenommen. Beide verkörperten für uns die Gründungsidee unseres Verbands. Unsere Vision ist eine Gesellschaft der Vielfalt, in der Menschen selbstbestimmt und selbstbewusst ihr Leben gestalten und durch bürgerschaftliches Engagement zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft beitragen.
Friedrich Schmehling wurde Ende der 1950er Jahre als Jugendlicher zu vier Wochenenden Freizeitarrest verurteilt - weil er homosexuell ist - auf Grundlage des § 175 StGB. Friedrich Schmehling wurde durch das neue Gesetz rehabilitiert und entschädigt. Er verstarb am 02. Dezember 2017 nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren.
Wolfgang Lauinger war mit 99 eines der ältesten schwulen Opfer des § 175 StGB. Nun ist er gestorben - ohne rehabilitiert und entschädigt worden zu sein. Wolfgang Lauinger war in den 1940er Jahren in der Swing-Jugend aktiv und wurde daraufhin und aufgrund seiner jüdischen Wurzeln von den Nazis verfolgt und misshandelt. 1951 wurde Wolfgang Lauinger wegen § 175 StGB angezeigt und im Rahmen der berüchtigten Frankfurter Prozesse zu Unrecht inhaftiert. Wolfgang Lauinger hat sich sehr dafür engagiert, dass die Opfer des §175 rehabilitiert und für ihr erlittenes Unrecht entschädigt würden. Ihm selbst standen nach dem letztlich verabschiedeten Entschädigungsgesetz keine Leistungen zu: Er wurde freigesprochen, für die erlittene Untersuchungshaft sieht das Gesetz keine Entschädigung vor. Wolfgang Lauinger verstarb in der Nacht vom 20. Dezember 2017.
Vorstandsklausur in Berlin
Vernetzungstreffen mit Dachverband Lesben und Alter in Köln
Treffen "Wir haben noch viel Saft!" im Waldschlösschen
Vorstand: Sigmar Fischer, Georg Härpfer, Reinhard Klenke, Percy Rooks, Markus Schupp, Wolfgang Vorhagen
gettyimages.com / gilaxia

References: § 11
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 § 175
 § 151
 § 175
 § 175
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