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Timestamp: 2020-04-05 06:11:38+00:00

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Gesetzespaket zur Bekämpfung der Hasskriminalität | Recht | Haufe
News 20.02.2020 Meldepflicht für Plattformen und härtere Strafen
Bild: mauritius images / Ikon Images RF / Dan Mitchell Drohungen und Verunglimpfungen im Internet sollen nicht nur gelöscht, sondern auch adäquat bestraft werden.
Zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Internet hat die Bundesregierung am 19.2.2020 ein Gesetzespaket beschlossen. Zentrale Regelungen sind eine Meldepflicht der Plattformbetreiber bei Hate Speech sowie die Herausgabepflicht von Passwörtern. Außerdem höhere Strafen u. a. für Beleidigungen, sexuelle Übergriffen sowie für Straftaten mit antisemitischem Hintergrund.
Das am 1.10.2017 in Kraft getretene NetzDG war aus Sicht der Bundesregierung nur ein erster Schritt zur Bekämpfung von strafbaren Hassinhalten im Netz. Die Verpflichtung der sozialen Netzwerke, benutzerfreundliche Meldewege zur Übermittlung von Beschwerden über strafbare Inhalte einzurichten, hat erkennbare Erfolge gebracht. Dennoch sind Hasskommentare aus dem Netz bei weitem nicht verschwunden.
Zweiter Reformschritt gegen Hasskriminalität
Deshalb plant die Bundesregierung nun einen weiteren Schritt zur Bekämpfung von Hasskriminalität. Mithilfe verschiedener Änderungen und Ergänzungen des NetzDG, des StGB, des TMG sowie der StPO soll der Druck auf die „Hater“ weiter verstärkt werden. Im Zentrum der Reformen stehen die Einführung einer Meldepflicht für soziale Netzwerke sowie die Pflicht zur Herausgabe von Passwörtern bei schweren Straftaten.
Neue Meldepflicht für soziale Netzwerke soll Löschpflicht bei Hate Speech ergänzen
Die neue Meldepflicht gemäß § 3a NetzDG-E ergänzt die bisherige Pflicht zur Löschung strafrechtlicher Inhalte für Anbieter sozialer Netzwerke im Sinne von § 1 Abs. 1 NetzDG. Neben die Pflicht zur Löschung tritt künftig eine Pflicht zur Meldung strafbarer Inhalte an das BKA.
Hierzu muss der Anbieter eines sozialen Netzwerks ein wirksames Verfahren vorhalten, § 3a Abs. 1 NetzDG-E. Meldepflichtig sollen gemäß § 3a Abs. 2 NetzDG strafbare Inhalte sein, die nach Einschätzung des Anbieters strafbar sind und die anhaltende negative Auswirkungen auf die Ausübung der Meinungsfreiheit in sozialen Medien haben können.
die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen,
schwere Bedrohungen für Leib und Leben,
die Bedrohung mit einer rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Komfortable und effiziente Abwicklung von Datenabfragen
Das Verfahren im Falle einer Datenabfrage soll einfach, effektiv und schnell sein, § 3a Abs. 3 NetzDG-E. Die Übermittlung muss enthalten den Inhalt der beanstandeten Mitteilung sowie die IP-Adresse einschließlich der Portnummer des betreffenden Users. Hiermit korrespondierend wird § 15 a TMG den Anbietern künftig gestatten, persönliche Daten wie die IP-Adresse an die Strafverfolgungsbehörden weiterzugeben. Dem Schutz der User dient § 3a Abs. 6 NetzDG-E, wonach die Netzwerke innerhalb von vier Wochen nach Übermittlung von Daten an das BKA, die User hierüber informieren müssen.
Herausgabe von Passwörtern bei schweren Taten
In Fällen besonders schwerer Kriminalität, sollen die Netzwerke auch verpflichtet werden, Passwörter ihrer User herauszugeben. Geregelt werden soll dies in einem neuen - hoch umstrittenen - § 15 b TNG-E. Danach ist die Herausgabe von Passwörtern nur im Fall des Verdachts besonders schwerer Straftaten gemäß § 100 b Abs. 2 StPO gestattet, (Bildung einer terroristischen Vereinigung, schwere Bestechlichkeit, Tötungsdelikte). Die Herausgabe muss durch einen Richter angeordnet werden.
Passwortherausgabe auch zur Verbrechensprävention
Die Pflicht zur Herausgabe von Passwörtern soll nicht nur im Rahmen der repressiven Strafverfolgung, sondern auch präventiv zur Gefahrenabwehr (§ 15b Abs. 2 Ziff. 2 TMG-E) möglich sein. Im Fall einer konkreten Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit einer Person oder einer Gefahr für den Bestand der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sollen die Netzwerke zur Herausgabe des Passwortes verpflichtet werden. Auch in diesen Fällen soll die Herausgabe aber nur an die Strafverfolgungsbehörden und an die für die Gefahrenabwehr zuständigen Behörde (Polizei) zulässig sein, nicht an die Nachrichtendienste. Bei Gefahr im Verzuge würde hier der Richtervorbehalt entfallen.
Verschärfungen im StGB sollen Internet-Taten besser erfassbar machen
Der Entwurf sieht ergänzend einige nicht unerhebliche Änderungen des StGB vor:
Die Üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens gemäß § 188 StGB, die nach der Rechtsprechung nur für Politiker auf Bundes und Landesebene anwendbar ist, soll in der Weise neu gefasst werden, dass Politiker bis hin zur kommunalen Ebene erfasst werden. Die Tat kann künftig auch ohne Antrag bei Bejahung des öffentlichen Interesses verfolgt werden.
§ 241 StGB (Bedrohung) wird erweitert um die Bedrohung
mit einer rechtswidrigen Tat gegen die körperliche Unversehrtheit,
oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert erweitert.
Medizinisches Personal in ärztlichen Notdiensten und Notaufnahmen soll künftig in den Schutzbereich des § 115 Abs. 3 StGB (Gewalt gegen Rettungsdienste) aufgenommen werden.
Die Billigung schwerer Straftaten gemäß § 140 StGB soll künftig nicht nur für bereits begangene Straftaten strafbar sein, sondern auch bei öffentlicher Befürwortung künftiger Straftaten, die geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu stören.
Der Straftatbestand der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten gemäß § 146 StGB soll um das Merkmal der Androhung einer gefährlichen Körperverletzung ergänzt werden.
Personen, die in besonderer Weise von Bedrohungen, Beleidigungen oder unbefugten Nachstellungen betroffen sind, sollen durch eine Änderung des § 51 BMG künftig leichter eine Auskunftsperre ins Melderegister eintragen lassen können. Ausdrücklich erwähnt werden Personen, die aufgrund beruflicher oder ehrenamtlicher Tätigkeiten in verstärktem Maße Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt sind.
Angesichts der Vorfälle in Halle gilt ein besonderer Augenmerk des Gesetzgebers der Bekämpfung des Antisemitismus. Hierzu sollen durch eine Ergänzung des § 46 StGB antisemitische Motive des Täters einer Straftat als zusätzliches Beispiel für menschenverachtende Beweggründe im Rahmen der Strafzumessung künftig besonders berücksichtigt werden
Neue Stellen bei Polizei und Justiz, um Bekämpfung der Hasskriminalität im Internet umzusetzen
Die geplanten Reformen machen Neueinstellungen bei den Justizbehörden erforderlich. Zurzeit rechnet die Bundesregierung nach Einführung des Gesetzes mit ca. 250.000 Meldungen pro Jahr. Zu diesem Zweck soll beim BKA eine neue Zentralstelle zur Bearbeitung der Meldungen eingereicht werden.
Der Deutsche Richterbund schätzt, dass sich hieraus ca. 150.000 Ermittlungsverfahren jährlich entwickeln werden, d.h. bundesweit sind knapp 200 neue Stellen bei den Staatsanwaltschaften erforderlich sowie mindestens 75 neue Stellen in der Strafjustiz.
Das judenfeindliche Wittenberger Kirchenrelief
In Sozialen Netzwerken wabert der Hass und es wuchern Beleidigungen, es wird auch zu Straftaten animiert. Löschungen hinken hinterher. Das umstrittene, weil mit Zensurbedenken verbundene Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken sollte das ändern. Aggressiven und hasserfüllten Posts sollte damit ein Riegel vorgeschoben werden. Nun sollen weitere gesetzgeberische Bemühungen gemacht werden, um Hate Speech und ausufernden Übergriffen Herr zu werden.
Schlagworte zum Thema: Strafrecht, Sexuelle Belästigung
Medienbericht: BKA: Mehr Personal und neue Struktur

References: § 3
 § 1
 § 3
 § 3
 § 3
 § 15
 § 3
 § 15
 § 100
 § 188

§ 241
 § 115
 § 140
 § 146
 § 51
 § 46