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Timestamp: 2020-01-25 04:22:37+00:00

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Fahrlässiger Gebrauch der Sprache: Der Homo-Test - complus Akademie für Kommunikation
von Red | Dez 3, 2014 | #Know-how
Gerade bei einem Thema wie Homosexualität, das durch Vorurteile und Klischees belastet ist, kann und muss man erwarten, dass professionelle Kommunikatoren sensibel mit Sprache umgehen. Leider war das beim Bericht über die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) am 2. Dezember nicht immer der Fall.
Der EuGH hat entschieden, dass Behörden die Glaubhaftigkeit von Asylbewerbern mit einer besonderen Sensibilität und unter Wahrung der Menschenwürde prüfen dürfen, wenn diese angeben, aufgrund ihrer Homosexulaität verfolgt zu werden. Während die Richter in ihrem Urteil klar schreiben, dass es keine beweiskräftige Prüfung einer Homosexualität geben könne, hat sich in die Pressemitteilung des EuGH das Wort Test verirrt. Das Schreiben in Anführungszeichen lässt vermuten, dass dem Autor selbst unwohl bei dieser Formulierung war. Eine Quellenangabe, die das Wort Test als Zitat hätte ausgewiesen, fehlt zumindest. In der Pressemitteilung heißt es:
“[…] dass Antragsteller […], sich etwaigen „Tests“ zum Nachweis ihrer Homosexualität unterziehen oder auch Beweise wie Videoaufnahmen intimer Handlungen vorlegen […]“
Es ist die Aufgabe von Journalisten, komplexe Zusammenhänge zu verkürzen. Doch in diesem Fall haben einige Medien – ähnlich wie die Pressestelle des EuGH – wohl zu flüchtig gearbeitet. Wenn die reduzierte Aussage lautet, dass das Gericht den Test auf Homosexualität verbiete, ensteht der fatale Eindruck, es gäbe einen Test auf Homosexualität. Angesichts der Tatsache, dass Homosexualität bei vielen Menschen als eine Krankheit angesehen wird, ist die Verwendung des Begriffs Test mehr als fahrlässig. Er bestärkt nur das Vorurteil, gegen das sich der EuGH eigentlich ausspricht.
EuGH verbietet “Schwulentests” (Deutsche Welle)
EuGH untersagt Homo-Tests (taz)
Richter kippen Homo-Test für Asylbewerber (Tagesspiegel)
Wie kann ein Test verboten, untersagt oder gekippt werden, der gar nicht möglich ist? Das Wort Test nährt das Klischee, Homosexualität sei ein Zustand. Dass das Wort auch von den Journalisten in Anführungszeichen gesetzt wird, entlässt sie nicht aus der Verantwortung über die Wirkung, die sie damit erzielen. Wenn selbst professionelle Kommunikatoren nicht ausreichend Zeit haben, bei sensiblen Themen ihre Wortwahl zu überprüfen, dann kann die ARD zukünftig auf eine Themenwoche Toleranz problemlos verzichten.
Wer den beim EuGH vorgelegten Fall genauer anschaut, erkennt eigentlich sehr schnell, dass es sich bei den vermeintlichen Tests vielmehr um die Demonstration von sexuellen Praktiken im Rahmen einer amtlichen Prüfung eines Asylantrags handelt. Dass dies gegen die Würde des Menschen verstößt, dürfte wahrscheinlich so offensichtlich sein, dass es den Nachrichtenwert auf Null senkt.
Für die Ausbildung und Weiterbildung von Journalisten, PR-Schaffenden und Pressesprechern zeigt dies Beispiel eins sehr deutich: Ein sensibler Umgang mit Sprache muss erlernt und dauerhaft gepflegt werden. Dies ist auch der Grund, warum complus in den Workshops zur Medienarbeit so großen Wert auf die Verknüpfung von strategischem Denken und Schreiben legt.
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References: EuGH 
 EuGH 
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