Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHSt%2053,%20118
Timestamp: 2018-01-23 13:51:39+00:00

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BGH, 19.12.2008 - 2 StR 383/08 - dejure.org
§ 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB; § 184g StGB
Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes (Eindringen in den Körper; Ejakulation in den Mund des Tatopfers; sexuelle Handlung mit Körperkontakt)
StGB § 176 a Abs. 2 Nr. 1
Ein zum Zweck sexueller Erregung vorgenommenes Urinieren des Täters in den Mund eines Kindes oder die Veranlassung des Kindes zum Urinieren in den Mund des Täters ist eine sexuelle Handlung, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden und als beischlafähnlich zu werten ist (Fortführung von BGH, 19. Dezember 2008, 2 StR 383/08, BGHSt 53, 118).
Ausreichend ist, dass eine sexuelle Handlung die Körpergrenze durchdringt (…vgl. Frommel in Kindhäuser/ Neumann/Paeffgen, StGB, 4. Aufl. § 176a Rn. 4), weshalb sowohl das männliche Glied, andere Körperteile und feste Gegenstände als auch weiche Substanzen und Flüssigkeiten wie Sperma oder Urin vom Wortlaut erfasst sind (vgl. auch Senat, Beschluss vom 19. Dezember 2008 - 2 StR 383/08, BGHSt 53, 118, 120 f.;… vgl. auch Schönke/Schröder/Eisele, StGB 29. Aufl. § 176a Rn. 8a;… Ziegler in BeckOK StGB, Stand 22. Juli 2013, § 176a Rn. 11;… Renzikowski in Münchener Kommentar zum StGB, 2. Aufl. § 176a Rn. 22).
Anders als das Regelbeispiel des § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB stellt § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB nicht auf die besondere Erniedrigung des Opfers ab, sondern allein auf das Eindringen in den Körper, welches - soweit beischlafähnlich - als schwerwiegende Beeinträchtigung der körperlichen Integrität anzusehen ist (Senat, Beschluss vom 19. Dezember 2008 - 2 StR 282/08, BGHSt 53, 118, 120).
cc) Das gilt auch für solche Fälle, in denen das Urinieren in den Mund des Täters vorgenommen wird, denn tatbestandlich erfasst wird sowohl das Eindringen in den Körper des Opfers als auch in den des Täters (vgl. Senat, Urteil vom 16. Juni 1999 - 2 StR 28/99, BGHSt 45, 131, 133 ff. m. Anm. Hörnle, NStZ 2000, 310; Beschluss vom 19. Dezember 2008 - 2 StR 282/08, BGHSt 53, 118, 119;… vgl. Eisele in Schönke/Schröder, StGB 27. Aufl., § 176a Rn. 8a;… Renzikowski in Münchener Kommentar zum StGB, 2. Aufl. § 176a Rn. 22).
Der Begriff "Eindringen in den Körper" in § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB umschreibt besonders nachhaltige Begehungsweisen und stellt sie unter erhöhte Strafdrohung (BGH, Urteil vom 16. Juni 1999 - 2 StR 28/99, BGHSt 45, 131, 132; Beschluss vom 19. Dezember 2008 - 2 StR 383/08, BGHSt 53, 118, 119).
Erforderlich ist, dass die sexuelle Handlung mit Blick auf das geschützte Rechtsgut, nämlich die ungestörte sexuelle Entwicklung von Kindern (BGH, Beschluss vom 19. Dezember 2008 aaO), ähnlich schwer wiegt wie eine Vollziehung des Beischlafs.
Auf eine besondere Erniedrigung des Opfers stellt § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB daher nicht ab, sondern allein auf das Eindringen in den Körper, welches als schwerwiegende Beeinträchtigung der körperlichen Integrität anzusehen ist (BGH, Urteil vom 18. November 1999 - 4 StR 389/99, NJW 2000, 672 f. mit Anm. Renzikowski, NStZ 2000, 367 f.; und Beschluss vom 19. Dezember 2008 - 2 StR 383/08 aaO).
Erforderlich ist aber, dass die sexuelle Handlung mit Blick auf das geschützte Rechtsgut, nämlich die ungestörte sexuelle Entwicklung von Kindern (Senat, Beschluss vom 19. Dezember 2008 - 2 StR 383/08, BGHSt 53, 118, 119), ähnlich schwer wiegt wie eine Vollziehung des Beischlafs.
Geschütztes Rechtsgut ist in den Fällen des § 176a StGB die ungestörte sexuelle Entwicklung des Kindes (Senat, Urteil vom 16. Juni 1999 - 2 StR 28/99, BGHSt 45, 131, 132; Beschluss vom 19. Dezember 2008 - 2 StR 383/08, BGHSt 53, 118, 119).
Die Würdigung des Landgerichts, der Unrechtsgehalt der Tat 2 der Urteilsgründe komme demjenigen einer Vergewaltigung gleich, lässt keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten erkennen (vgl. BGH, Beschluss vom 19. Dezember 2008 - 2 StR 383/08, BGHSt 53, 118).

References: § 176
 § 184
 § 176
 § 176
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 § 176
 § 177
 § 176
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