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Timestamp: 2019-10-14 06:15:41+00:00

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Für und wider der Quartalsberichterstattung. Eine kritische ...
Für und wider der Quartalsberichterstattung. Eine kritische Analyse der aktuellen Änderungen
Projektarbeit 2017 25 Seiten
2.1 Begriffliche und inhaltliche Abgrenzungen
2.2 Historie und Gesetzgebung der Quartalsberichterstattung in Deutschland
2.3 Adressaten
2.4 Prinzipal-Agenten-Theorie
3 Kritische Analyse von Für und Wider der Quartalsberichterstattung
3.1 Die Sicht der Adressaten
3.2 Die Sicht der Emittenten
3.3 Der Funktionsschutz des Kapitalmarkts
Abbildung 1: Finanzmarktkommunikation
Die Kapitalstruktur ist für jedes Unternehmen die Grundlage zur Ausführung von unterneh­merischen Tätigkeiten. Um genügend Kapital zur Verfügung zu haben, bedienen sich die Un­ternehmen neben Fremdkapital auch an Eigenkapital. Um sich Kapital zu beschaffen, bietet sich für Unternehmen bspw. die Möglichkeit, sich an einer Börse listen zu lassen. Mit dem Börsengang ist für die Unternehmen eine große Offenlegungspflicht verbunden, um die Transparenzanforderungen am Kapitalmarkt zu erfüllen. Die Vorgaben, die es von Unterneh­men zu beachten gilt, können sich auf supranationale, nationale und lokale Pflichten aufteilen. Im Verlauf dieser Arbeit soll neben lokalen Änderungen auf regionaler Ebene ausschließlich auf Pflichten der Frankfurter Wertpapierbörse eingegangen werden.
Die Transparenzanforderungen für Unternehmen, die sich durch den Europäischen Gesetzge­ber mit der Transparenzrichtlinie auf nationaler Ebene im Wertpapierhandelsgesetz 2007 zu­nächst verschärft haben, sind seit 2015 wieder gelockert. Die zwischenzeitlich zu veröffent­lichten Quartalsfinanzberichte zum ersten und dritten Quartal des Jahres sind durch die Um­setzung der Transparenzrichtlinie-Änderungsrichtlinie entfallen. Stattdessen legte die Frank­furter Wertpapierbörse in ihrer Börsenordnung Offenlegungspflichten fest. Für den Prime Standard sind weiterhin quartalsweise Berichte in Form von Quartalsmitteilungen zu veröf­fentlichen, für den General Standard entfallen Quartalsberichte gänzlich.
Die Quartalsberichterstattung ist in Deutschland mit einer dynamischen Entwicklung und Kri­tik verbunden. Nicht zuletzt war es die Porsche AG, die sich durch Quartalsberichte in einer langfristigen Unternehmensausrichtung behindert sah.[1] Kritiker unterstützen diese Meinung und erkennen zusätzlich erhöhte Kosten einerseits auf Unternehmensseite, andererseits auch auf Anlegerseite. Dabei seien die Kosten für kleine und mittelgroße Unternehmen besonders hoch. Von großer Bedeutung am Kapitalmarkt ist neben der Wirtschaftlichkeit auch der An­legerschutz. Dieser ist durch Quartalsberichte beeinflussbar, was im weiteren Verlauf Analy­segegenstand werden soll.
Im Folgenden werden zunächst einige theoretische Grundlagen dargelegt. Zu diesen gehören begriffliche Abgrenzungen, ein kurzer Einblick in die historische Entwicklung der quartals­weisen Berichterstattung in Deutschland sowie deren Gesetzesgrundlagen und Inhalte. Im Anschluss werden die Adressatengruppen näher betrachtet. Diese Abgrenzung ist von Bedeu­tung, um die Sicht der Adressaten spezifizieren zu können. Innerhalb dieser Gruppe können sich unterschiedliche Vor- und Nachteile bilden, die später aus deren Sicht genauer analysiert werden sollen. Auch die Prinzipal-Agenten-Theorie soll zunächst theoretisch abgebildet wer­den, um im Anschluss die Auswirkungen auf diese Problematik beziehen zu können. Auf Ba­sis der theoretischen Grundlagen soll die Analyse der aktuellen Änderungen aus Sicht der Adressaten und der Emittenten folgen. Neben ausgewählten Kriterien, auf die Quartalsberich­te Einfluss haben, sollen Änderungen des Prime Standards, sowie des General Standards ganz speziell analysiert werden.
Die Quartalsberichterstattung spielt aus Adressaten- und Emittentensicht im Hinblick auf den Funktionsschutz des Kapitalmarkts eine wichtige Rolle. Dieser Wirkungskreis wird im An­schluss genauer erläutert. Abschließend werden die analysierten Auswirkungen von Quartals­berichten in Form der thesenförmigen Zusammenfassung kritisch gewürdigt.
Im weiteren Verlauf der Seminararbeit werden wiederholt die Begriffe Quartalsberichterstat­tung, Zwischenmitteilung der Geschäftsführung, Quartalsfinanzbericht und Quartalsmittei­lung verwendet. Diese sollen zunächst voneinander abgegrenzt und eingeordnet werden.
Der Ausdruck Quartalsbericht wird im Folgenden zur allgemeinen Beschreibung dienen. Er beinhaltet keine inhaltlichen Anforderungen und meint lediglich Berichte, welche nach dem ersten und dritten Quartal erstellt und veröffentlicht werden.
Zur Erstellung von Zwischenmitteilungen der Geschäftsführung sind von 2007 bis 2015 alle Unternehmen, die im General Standard gelistet sind, verpflichtet. Freiwillig können diese immer noch zusätzlich zu den Mindestanforderungen erstellt werden. Zwischenmitteilungen der Geschäftsführung wurden gem. § 37x Abs. 1-2 WpHG a.F. erstellt. Konkretisierend dazu war DRS 16 zu berücksichtigen.[2] Die im Vergleich zu Quartalsfinanzberichten deutlich knap­pere Ausgestaltungsmöglichkeit verlangte Inhalte über die Tätigkeiten des Mitteilungszeit­raums sowie deren Auswirkungen und einen Überblick über die Finanzlage und das Ge- schäftsergebnis.[3]
Der Quartalsfinanzbericht fand in den beiden Qualitätssegmenten der Frankfurter Wertpa­pierbörse Prime Standard und General Standard Anwendung.[4] Für Unternehmen des Prime Standards waren Quartalsfinanzberichte verpflichtend, für Unternehmen des General Stan- dards freiwillig anstelle von Zwischenmitteilungen zu erstellen.[5] Für Emittenten mit Deutsch­land als Herkunftsstaat galten neben der Verpflichtung in § 37w BörsO FWB a.F. bis 2015 die Mindestbestandteile für Konzerne nach IAS 34.[6] Konkretisierend galten die Anforderun­gen des DRS 16.[7] [8] Mindestbestandteile nach IAS 34 sind neben ergänzenden Erläuterungen im Angang überwiegend quantitative Bestandteile wie eine verkürzte Bilanz, eine verkürzte Ge­winn- und Verlustrechnung, eine verkürzte Kapitalflussrechnung und eine verkürzte Eigenka­pitalveränderungsrechnung. Zusätzlich zur Erstellung gab es eine Publizitätspflicht, nach der die Konzerne in einer nach nationalem Recht festgelegte Frist von zwei Monaten nach Been­digung der Berichtsperiode ihre Quartalsfinanzberichte ungeprüft offenlegen mussten.[9] Nach DRS 16 bestanden die Inhalte aus einer verkürzten Bilanz, einer verkürzten Gewinn- und Ver­lustrechnung sowie einem verkürzten Anhang.[10]
Inhaltlich sind die Quartalsfinanzberichte deutlich umfangreicher als Quartalsmitteilungen, in denen gänzlich auf quantitative Bestandteile verzichtet werden darf. Quartalsmitteilungen sind seit 2015 für Emittenten des Prime Standards statt Quartalsfinanzberichten verpflichtend zu erstellen und zu veröffentlichen. Eine freiwillige Erstellung von Quartalsfinanzberichten ist weiterhin möglich, diese würde von der Erstellung von Quartalsmitteilungen befreien. Die in § 51a BörsO FWB geregelten Quartalsberichte bestehen gem. § 51a Abs. 2 BörsO FWB aus der Beschreibung von Ereignissen und Geschäften, ihren Auswirkungen sowie einem Prognoseveränderungsbericht.
Die erste Idee zu einer quartalsweisen Berichterstattung entstand 1967 von dem Arbeitskreis zur Förderung der Aktie[11], welcher auf nationaler Ebene mit dem „Gesetz über Maßnahmen auf dem Gebiet des Börsenwesens“ die Pflicht zur unterjährigen Publizität[12] anregte. Auf­grund eines schwierigen Prozesses des Gesetzgebungsverfahrens[13] und wegen starker Ableh­nung[14] verwarf man diesen Gesetzesentwurf. Drei Jahre später gab es einen nächsten Geset­zesentwurf, der in den „Regeln für die Zwischenberichterstattung“ den nationalen Unterneh­men freiwillige Publizität empfahl.[15] Durch mangelndes Interesse, Zwischenmitteilungen zu publizieren, fand eine freiwillige Offenlegungspflicht keine Anwendung.[16] Die erste europa­rechtliche Einwirkung auf das nationale Börsengesetz folgte 1986 mit der Umsetzung der Zwischenberichtsrichtlinie im § 44b BörsG zur Veröffentlichungspflicht eines Halbjahresbe­richts.[17] Der Quartalsbericht fand erstmals im Freiverkehr[18] 1998 verpflichtende Anwen­dung.[19]
Im Jahr 2003 strukturierte die Frankfurter Börse ihre Börsensegmente um und unterteilte im Zuge dessen den regulierten Markt in General Standard und Prime Standard.[20] Der europäi­sche Gesetzgeber konkretisierte 2004 im Rahmen der Transparenzrichtlinie 2004/109/EG einige Anforderungen zur Transparenz an Kapitalmärkten. Diese Richtlinie setzte man 2007 als Durchführung der Transparenzrichtlinie 2007/14/EG mit Aufnahme im Wertpapierhan­delsgesetz in nationales Recht um. Der § 40 BörsG wurde aufgehoben und es entstand nach § 37x Abs. 3 i.V.m. § 37w WpHG a.F. die Veröffentlichungspflicht eines Quartalsfinanzbe­richts für das erste und dritte Quartal.[21] Ebenso waren fortan Zwischenmitteilungen der Ge­schäftsführung gem. § 37x Abs. 1-2 WpHG a.F. seit 2007 zu erstellen.[22] Diese finden sich auch in der Richtlinie 2004/109/EG Art. 6 Abs. 1-3 wieder.
Im Jahr 2013 entstand mit der Verkündung der Transparenzrichtlinie-Änderungsrichtlinie 2013/50/EU eine neue Wende. Die am 26.11.2015 im deutschen Recht in Kraft getretene Richtlinie zielt, wie in der Richtlinie nach Erwägungsgrund Nr. 4 erkennbar, auf längerfristige Investitionen ab und soll zudem den Aufwand für kleine und mittelgroße Emittenten schmä­lern. Die Abschaffung der gesetzlichen Pflicht im Wertpapierhandelsgesetz wurde durch die Reaktion der Frankfurter Wertpapierbörse kompensiert. Sie nahm eine entsprechende Rege­lung in § 51a BörsO FWB auf.[23] Die Unternehmen des Prime Standards sind mit den Ände­rungen statt zur Veröffentlichung von Quartalsfinanzberichten nur noch mindestens zu Quar­talsmitteilungen verpflichtet.[24] Die im General Standard gelisteten Unternehmen haben seit­her keine Quartalsberichterstattung mehr verpflichtend zu erstellen.
Die quartalsweise Berichterstattung stellt kurzfristige Informationen für aktuelle und potenzi­elle Anleger, Investoren, Analysten und Finanzinstitute, sowie für Personen mit geschäftli­chem Bezug bereit.[25] Die primäre Zielgruppe der Anleger ist in private und institutionelle Anleger zu differenzieren.[26] Die privaten Anleger gelten als eine Gruppe, die in der Regel kein Expertenwissen besitzen. Durch einen geringen Perfomancedruck und deren niedrigen Investitionssummen tragen sie trotz geringem Anteil zu einer beständigen und langfristigen Sicherung des Kapitals bei.[27] Ergänzend dazu sind institutionelle Anleger anzuführen. Die juristischen Personen verfügen über Fachwissen und haben aufgrund hoher Investitionssum­men einen hohen Performancedruck.[28] Auch die Gruppe der Finanzanalysten soll in dieser Arbeit betrachtet werden. Diese Adressatengruppe hat sehr gute Analysemöglichkeiten und -fähigkeiten, um Finanzberichte zu verarbeiten.[29] Ihr breites Expertenwissen nutzen andere Adressaten, um ihre eigene Informationssuche zu fundieren und zu erweitern, und auf Basis dessen ihre Investitionsentscheidungen zu optimieren.[30] Durch ihren Einfluss auf die Ent­scheidungen der Kapitalgeber ist diese Adressatengruppe folglich von hoher Bedeutung für Unternehmen.
Die Prinzipal-Agenten-Theorie beschreibt die Beziehung zwischen Prinzipalen, den Auftrag­gebern, und Agenten, den Auftragnehmern, am Kapitalmarkt. In diesem Fall sind die Prinzi­pale die Adressaten der Quartalsberichterstattung, insbesondere Anleger. Das Management, also die Emittenten, stellen die Gruppe der Agenten dar. Die Theorie basiert auf der Annah­me, dass die Prinzipale nur auf eine begrenzte Menge an Informationen bei der Beurteilung des Agenten zurückgreifen. Sie stehen insofern in Beziehung zueinander, als dass der Prinzi­pal den Agenten mit etwas beauftragt, wobei beide Parteien eigene Ziele verfolgen. Die unter­schiedliche Zielorientierung führt zu Konflikten. Diese Entstehen dadurch, dass die Agenten das Kapital der Prinzipale zu ihrer Verfügung haben. Durch die Machtstellung der Agenten bleibt den Anlegern ein unbegrenzter Informationszufluss der Entscheidungen des Manage­ments verwehrt, und deren ökonomische Risiken bleiben für Anleger unkalkulierbar.[31] In die­ser Beziehung geht jedoch der Prinzipal davon aus, dass der Agent in seinem Interesse han- delt.[32] Da der Prinzipal die Handlungsweise des Agenten nur begrenzt beurteilen kann, und somit wiederkehrende Informationsasymmetrien entstehen, hat der Agent die Möglichkeit sich einen Informationsvorsprung durch Expertenwissen gegenüber dem Prinzipal zu ver­schaffen.[33]
Aus Informationsasymmetrien resultieren die vier Probleme hidden characteristics i.V.m. hidden intention, hidden information und hidden action. Hidden characteristics meint das vor Vertragsabschluss zustande kommende Problem, dass Prinzipale die Qualitäten der Agenten nicht einschätzen können.[34] Damit geht auch die hidden intention einher, was die Absichten der Agenten meint, die für Prinzipale zunächst nicht erkennbar sind.[35] Eine sich daraus entwi­ckelnde Folge sind zustande kommende Verträge mit Parteien, die unerwünscht sind. Dieses ist die sog. adverse Selektion.[36] Die hidden action stellt ein weiteres Problem der Informati­onsasymmetrien dar. Es beinhaltet das Problem des Prinzipals, dass die direkten Handlungen der Agenten nicht bekannt sind, sondern nur dessen Auswirkungen anhand des Ergebnisses.[37] Ist der Informationsgehalt zu niedrig, entsteht bei den Anlegern ein Qualitätsrisiko, die sog. hidden information.[38] Hier sind zwar die Handlungen bekannt, den Prinzipalen ist es jedoch wegen fehlendem Expertenwissen nicht möglich, das Verhalten der Agenten einzuschätzen.[39] Zudem resultiert aus den letzten beiden Problemen ein Vorteil für den Agenten, denn der Prinzipal kann an den Ergebnissen nicht erkennen, inwieweit der Agent oder externe Faktoren daran beteiligt waren.[40] Dieses Unwissen kann der Agent für sich nutzen, für den Prinzipal entsteht ein Moral Hazard[41]
Die Prinzipal-Agenten-Problematik wird besonders aus der Adressatensicht eine wichtige Rolle spielen. Es soll gezeigt werden, wie sich dieses Verhältnis durch Berichterstattung be­einflussen lässt.
Der dritte Teil dieser Seminararbeit beinhaltet eine kritische Analyse von Für und Wider der Quartalsberichterstattung, die nacheinander aus Adressatensicht, aus Emittentensicht und zu­letzt im Bezug auf den Funktionsschutz des Kapitalmarkts betrachtet werden soll.
Wie in dem Abschnitt der Prinzipal-Agenten-Theorie dargestellt, sind am Kapitalmarkt In­formationsasymmetrien zwischen Prinzipalen und Agenten möglich. Durch ein hohes Ausmaß an Publizität können Asymmetrien der Prinzipal-Agenten-Problematik entgegenge­wirkt werden. Anleger erlangen einen größeren Einfluss auf das Handeln des Managements und nutzen die bereitgestellten Informationen dahingehend, die Entscheidungen des Manage­ments kontrollieren und beurteilen zu können und mögliche Fehlentscheidungen zu erkennen. Das Management wird dadurch diszipliniert und ist gezwungen, zumindest begrenzt im Inte­resse der Anleger zu handeln.[42]
Eine weitere Folge von Informationsasymmetrien ist, dass Anleger durch Informationsmangel nicht zwischen optimalen und weniger optimalen Anlageentscheidungen differenzieren kön­nen. Damit einhergehend entsteht die Gefahr, dass das Risiko-Rendite-Verhältnis nicht stimmt.[43] Stehen also nicht ausreichend Informationen zur Verfügung, entscheiden sich die Prinzipale nie zugunsten des Managements. Die Gefahr für Unternehmen, nicht genügend Kapital zu erhalten oder mehr Anteile für das selbe Kapital verkaufen zu müssen, entsteht.[44] Zudem ist das Informationsbedürfnis der Anleger ohnehin hoch. Ihnen reicht es nicht, den Wert ihrer Investition lediglich anhand der Preisbildung auf dem Kapitalmarkt zu erkennen. Durch quartalsweise Berichterstattung ist es möglich, den Informationsasymmetrien zwischen Prinzipalen und Agenten entgegenzuwirken, was schon als Erwägungsgrund Nr. 1 der Richt­linie 2004/109/EG angeführt wurde.
Des Weiteren können Informationsasymmetrien innerhalb der Adressaten auftreten. Durch verstärkte Kommunikation in Form quartalsweiser Berichte soll den Asymmetrien ent­gegengewirkt werden, eine Chancengleichheit wird angestrebt. Private Anleger sind durch begrenzte Möglichkeiten der Informationsaufbereitung im Nachteil gegenüber institutionellen Anlegern und Finanzanalysten. Diese haben sowohl durch bessere Analysemöglichkeiten und -fähigkeiten, als auch durch größere zeitliche und finanzielle Ressourcen einen Vorsprung bei der Informationsgewinnung.[45] Dieser Asymmetrie ist mit öffentlich zugänglichen Informatio­nen entgegenzuwirken, die private Informationssuche wird verringert. Wollen Anleger jetzt einen Wettbewerbsvorteil erlangen, ist dieser mit zusätzlichen Kosten verbunden.[46]
Zudem hat die Offenlegung von Unternehmensinformationen Auswirkungen auf die Kosten der Anleger. Besonders für private Anleger ist eine Informationssuche mit hohen Kosten ver­bunden, welche durch höhere Transparenz dahingehend optimiert werden, dass sie durch eine Bereitstellung von Informationen nicht mehr dazu gezwungen sind, finanzielle Mittel zur In­formationsbeschaffung aufzuwenden. Diese Kosten der privaten Informationssuche sind in Summe sehr hoch, denn alle Anleger wenden parallel viele Ressourcen zur Aufbereitung der selben Informationen auf.[47] Die Markteintrittskosten lassen sich also durch Quartalsberichte verringern.[48] Eine hohe Informationspublizität optimiert auch die Höhe der Transaktionskos­ten, weil informierte Anleger schnelllebige Transaktionen und damit einhergehende Transak­tionskosten vermeiden können.[49] Für institutionelle Anleger mit höheren Investitionssummen ist es rentabler, ein höheres Maß an Ressourcen zur Informationsaufbereitung aufzuwenden. Auch für Finanzanalysten ist ein hoher Ressourcenaufwand rentabel, weil sie ihre Analyseer­gebnisse im großen Umfang für Anleger aufbereiten.
In Bezug auf die aktuellen Änderungen lässt sich zunächst für den Prime Standard anmer­ken, dass für private Anleger die Quartalsmitteilungen aufgrund ihres geringeren Umfangs und des deskriptiveren Ansatzes besser zu verarbeiten sind. Dieses belegt eine Umfrage der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management. Demnach ist für 49,3% der Befragten eine weniger umfangreiche Version von Quartalsberichten ausreichend.[50] Aus Quartalsfinanzberichten ließ sich besonders für private Anleger trotz der hohen Transparenz wenig Nutzen ziehen, denn mit vielen Informationen kann auf Anlegerseite ein information overload[51] verbunden sein.[52] Ein hohes Ausmaß an Transparenz ist folglich nicht immer posi­tiv zu bewerten.[53] Kritisch sind in diesem Zusammenhang die Änderungen des General Stan­dards zu sehen. Hier kann es dazu kommen, dass die Information-Overload-Schwellenoch[54] nicht erreicht ist, also die Menge der Informationen, die maximal zu verarbeiteten sind.[55] Auch das wird durch die Umfrage widergespiegelt, in der sich insgesamt 87,5% der befragten Adressaten für eine quartalsweise Berichterstattung ausgesprochen haben.[56] Hinsichtlich der zeitlichen Nähe muss angemerkt werden, dass Quartalsfinanzberichte und Quartalsmitteilun­gen zwar zusätzlichen unterjährigen Informationsgehalt bieten, es jedoch noch zeitnähere Publizität, bspw. die Ad-hoc--Mitteilung, gibt.
Außerdem kann die Umstellung von Quartalsfinanzberichten auf Quartalsmitteilungen in Be­zug auf die freien Gestaltungsmöglichkeiten[57] für Adressaten problematisch sein. Die Unter­nehmen nutzen diese Möglichkeit ganz individuell, wodurch den Investoren eine leichte Ver­gleichbarkeit verwehrt wird.[58] Dazu kommt, dass die Quartalsberichte aufgrund anderer In­halts- und Ausgestaltungsvorschriften nicht mehr mit Jahres- und Halbjahresfinanzberichten vergleichbar sind.[59] Außerdem haben Anleger, insbesondere Finanzinstitute und institutionel­le Investoren, sich auf die Ausgestaltung der Quartalsberichterstattung vorbereitet und ihre Art der Informationsverarbeitung darauf ausgelegt, diese sind durch den Wegfall von quanti­tativen Größen unbrauchbar geworden.[60] Entgegen dessen lässt sich als Vorteil anführen, dass eine Reduzierung der Menge und den gesetzten Schwerpunkten in Quartalsmitteilungen eine adressatenfreundlichere Ausgestaltung genutzt werden kann.[61]
Da weder für Quartalsfinanzberichte, noch für Quartalsmitteilungen eine prüferische Durch­sicht oder Prüfung vorgesehen ist, ändert sich hinsichtlich der Verlässlichkeit für die Adressa­ten zunächst nichts. Bei der Erstellung beider Quartalsberichte sind die Kennzahlen ohnehin kritisch zu betrachten, weil Unternehmen Kennzahlen durch Manipulation hinsichtlich ihrer eigenen Interessen beeinflussen können. Zudem würde eine Prüfung zusätzliche Zeit in An­spruch nehmen und die Quartalsberichte würden noch später veröffentlicht, was sich somit negativ auf die zeitliche Nähe auswirken würde.[62]
Die Kosten der Emittenten lassen sich in direkte und indirekte Kosten differenzieren.[63] Die direkten Kosten, zu denen Kosten in Verbindung mit der Sammlung, Verarbeitung und Ver­breitung von Informationen zählen, sollen zuerst genauer betrachtet werden.[64] Der Kosten­aufwand erscheint wegen der Verminderung des Umfangs und des Inhalts der Quartalsberich­te zunächst verringert.
[1] Vgl. o.V. (2013).
[2] Vgl. Ull/Abée (2014), S. 664.
[3] Vgl. Berninger/Schiereck (2016), S. 557 f.
[4] Vgl. Buck-Heeb (2014), S. 37.
[5] Vgl. Grothe (2011), S. 52 f.
[6] Vgl. Ull/Abée (2014), S. 667.
[7] Vgl. ebd., S. 664.
[8] Vgl. Grüning (2011), S. 55.
[9] Vgl. ebd., S. 55.
[10] Vgl. Grothe (2011), S. 55.
[11] Vgl. Grüning (2011), S. 48.
[12] Vgl. Berninger/Schiereck (2016), S. 555.
[13] Vgl. ebd., S. 555.
[14] Vgl. Grüning (2011), S. 48.
[15] Vgl. Berninger/Schiereck (2016), S. 555.
[16] Vgl. Grüning (2011), S. 49.
[17] Vgl. Berninger/Schiereck (2016), S. 558.
[18] Seit 2005 nennt sich der Freiverkehr aufgrund einer Internationalisierung Open Market. Siehe hierzu Buck- Heeb (2014), S. 40.
[19] Vgl. Berninger/Schiereck (2016), S. 556.
[20] Vgl. Buck-Heeb (2014), S. 37.
[21] Vgl. Böckem/Rabenhorst (2016), S. 89 f.
[22] Vgl. Ull/Abée (2014), S. 664.
[23] Vgl. Oser/Staß (2015), S. 2825.
[24] Vgl. Böckem/Rabenhorst (2016), S. 90.
[25] Vgl. Ull/Abée (2014), S. 665.
[26] Vgl. Grothe (2011), S. 17.
[27] Vgl. ebd., S. 17.
[28] Vgl. ebd., S. 17.
[29] Vgl. ebd., S. 19.
[30] Vgl. ebd., S. 19.
[31] Vgl. ebd., S. 69.
[32] Vgl. Heyd/Beyer (2011), S. 17.
[33] Vgl. ebd., S. 21.
[34] Vgl. ebd., S. 25.
[35] Vgl. ebd., S. 26.
[36] Vgl. Clement (2005), S. 361.
[37] Vgl. Heyd/Beyer (2011), S. 28; Clement (2005), S. 361.
[38] Vgl. Clement (2005), S. 361 f.
[39] Vgl. Heyd/Beyer (2011), S. 27 f.
[40] Vgl. Clement (2005), S. 362.
[41] Vgl. ebd., S. 362.
[42] Vgl. Grothe (2011), S. 75.
[43] Vgl. ebd., S. 69.
[44] Vgl. ebd., S. 69.
[45] Vgl. ebd., S. 70 f.
[46] Vgl. ebd., S. 73.
[47] Vgl. Grothe (2011), S. 75.
[48] Vgl. Alvarez/Wotschofsky (2000), S. 107.
[49] Vgl. Grothe (2011), S. 76.
[50] Vgl. DVFA (2014a).
[51] Vgl. Volnhals (2010), S. 64.
[52] Vgl. Ganzer/Borsch (2003), S. 485.
[53] Vgl. Clement (2005), S. 363.
[54] Vgl. Volnhals (2010), S. 62.
[55] Vgl. ebd., S. 61.
[56] Vgl. DVFA (2014a).
[57] Die Ausgestaltungsmöglichkeiten der Quartalsmitteilungen sollen zum Ende des Kapitels 3.2 näher betrachtet werden.
[58] Vgl. Eisenschmidt (2016), S. 469.
[59] Vgl. Alvarez/Wotschofsky (2000), S. 89.
[60] Vgl. Böckem/Rabenhorst (2016), S. 93.
[61] Vgl. ebd., S. 93.
[62] Vgl. Dirksen (2014), S. 97.
[63] Vgl. Grothe (2011), S. 97.
[64] Vgl. ebd., S. 97.
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9783668492356
v371188
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References: § 37
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 Art. 6
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