Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Geschaeftsfuehrer_Haftung.html
Timestamp: 2018-07-18 08:36:05+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: Geschäftsführerhaftung
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In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ge­schäfts­füh­rer­haf­tung: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Auf die­ser Sei­te fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, wel­che Haf­tungs­ri­si­ken den Ge­schäfts­füh­rer ei­ner GmbH tref­fen, d.h. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er der GmbH (In­nen­haf­tung) und wann er Drit­ten (Au­ßen­haf­tung) zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist.
Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se da­zu, wann der Ge­schäfts­füh­rer für das Nicht­ab­füh­ren von So­zi­al­ab­ga­ben haf­tet und wann für die Nicht­er­fül­lung steu­er­li­cher Pflich­ten, so­wie zu den Haf­tungs­ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit ei­ner In­sol­venz der GmbH.
Welche Haftungsrisiken treffen Sie als Geschäftsführer?
Als Geschäftsführer haf­ten Sie je nach­dem, ge­gen wel­che recht­li­chen Pflich­ten Sie ver­s­toßen ha­ben, der GmbH oder auch drit­ten Per­so­nen ge­genüber persönlich, d.h. mit Ih­rem pri­va­ten Vermögen auf Scha­dens­er­satz. Die Haf­tung ge­genüber der GmbH wird als Inn­haf­tung be­zeich­net, die Haf­tung ge­genüber drit­ten Per­so­nen (z.B. Fi­nanz­amt, Kran­ken­kas­sen, Gn­bH-Gläubi­ger) als Außen­haf­tung.
Die­se Haf­tung ist ei­ne Ergänzung der durch das Ge­setz von vorn­her­ein be­schränk­ten Haf­tung der GmbH. Sie dient dem Schutz der (Min­der­heits-)Ge­sell­schaf­ter und dem Schutz der Gläubi­ger der GmbH.
Wann haftet der Geschäftsführer gegenüber der GmbH (Innenhaftung)?
Rechts­grund­la­ge für die In­nen­haf­tung des Geschäftsführers § 43 Abs.1 GmbH-Ge­setz (Gmb­HG), wo­nach der Geschäftsführer in den An­ge­le­gen­hei­ten der Ge­sell­schaft die "Sorg­falt ei­nes or­dent­li­chen Geschäfts­man­nes an­zu­wen­den" hat. In § 43 Abs.2 Gmb­HG heißt es dann:
"Geschäftsführer, wel­che ih­re Ob­lie­gen­hei­ten ver­let­zen, haf­ten der Ge­sell­schaft so­li­da­risch für den ent­stan­de­nen Scha­den."
An­wen­dungsfälle die­ser Haf­tung sind zum Bei­spiel:
Schuld­haf­te Ver­let­zung der Pflicht, bei Geschäfts­ab­schlüssen kei­ne völlig un­verhält­nismäßigen Ri­si­ken ein­zu­ge­hen; ris­kan­te Geschäfte sind aber bei ent­spre­chend ho­hen Ge­winn­chan­cen er­laubt;
Mißach­tung von Wei­sun­gen der Ge­sell­schaf­ter;
Mißach­tung der ge­genüber der GmbH zu be­ach­ten­den Gren­zen der Ver­tre­tungs­macht; Bei­spiel: Ob­wohl dem Geschäftsführer kraft An­stel­lungs­ver­tra­ges die Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern oh­ne vor­he­ri­ge Zu­stim­mung der Ge­sell­schaf­ter nicht er­laubt ist, stellt er zu­stim­mungs­los ei­nen Mit­ar­bei­ter ein; die dar­aus für die GmbH ent­ste­hen­den Per­so­nal­kos­ten muß er er­set­zen;
Schuld­haf­te Ver­let­zung von ge­setz­li­chen Pflich­ten, die die GmbH tref­fen, mit der Fol­ge fi­nan­zi­el­ler Nach­tei­le für die GmbH; Bei­spiel: Der Geschäftsführer läßt Ar­beit­neh­mer der GmbH länger ar­bei­ten, als nach dem Ar­beits­zeit­ge­setz er­laubt ist, wes­halb die GmbH ei­ne Geld­buße zah­len muß; die­se muß der Geschäftsführer der GmbH er­set­zen.
Da­ne­ben haf­tet der Geschäftsführer - selbst­verständ­lich - auch nach an­de­ren ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten auf Scha­den­er­satz (Bei­spiel: Schädi­gung der GmbH durch Be­trug oder Un­treue).
Vor­aus­set­zung für den recht­li­chen Be­stand von Reg­reßansprüchen der GmbH ge­gen den Geschäftsführer ist ein Be­schluß der Ge­sell­schaf­ter, den Geschäftsführer we­gen ei­nes Scha­dens in An­spruch zu neh­men (§ 46 Nr.8 Gmb­HG).
Ob­wohl die hier ge­nann­ten Ansprüche auf Scha­den­er­satz recht­lich der GmbH und nicht et­wa an­de­ren Per­so­nen wie den Ge­sell­schaf­tern oder den Gläubi­gern der GmbH zu­ste­hen, können an­de­re Per­so­nen mit­tel­bar auf die der GmbH zu­ste­hen­den Scha­den­er­satz­ansprüche zu­grei­fen: Wenn nämlich ein Gläubi­ger der GmbH sei­nen An­spruch ti­tu­liert hat, kann er im We­ge der Zwangs­voll­stre­ckung den der GmbH ge­gen ih­ren Geschäftsführer zu­ste­hen­den An­spruch auf Scha­den­er­satz pfänden und zur Ein­zie­hung über­wei­sen las­sen. In die­sem Fall ist ein vor­he­ri­ger Be­schluß der Ge­sell­schaf­ter gemäß § 46 Nr.8 Gmb­HG, den Geschäftsführer auf Scha­den­er­satz in An­spruch zu neh­men, nicht er­for­der­lich.
Scha­den­er­satz­ansprüche der GmbH können da­her, weil sie ei­nen der GmbH zu­ste­hen­den Vermögens­wert dar­stel­len, auch für Gläubi­ger der GmbH, d.h. als Haf­tungs­ob­jekt bzw. als Ge­gen­stand der Zwangs­voll­stre­ckung ei­ner ge­gen die GmbH ge­rich­te­ten For­de­rung von In­ter­es­se sein.
Wann haftet der Geschäftsführer Dritten (Außenhaftung)?
An­ders als bei der In­nen­haf­tung wer­den im Fal­le der Außen­haf­tung Ansprüche auf Scha­den­er­satz nicht ge­gen die GmbH, son­dern un­mit­tel­bar ge­gen de­ren Geschäftsführer gel­tend ge­macht. Die in der Pra­xis wich­tigs­ten Fälle der Außen­haf­tung sind
das Vor­ent­hal­ten von So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben,
die Nich­terfüllung von steu­er­li­chen Pflich­ten.
Wann haftet der Geschäftsführer für das Nichtabführen von Sozialabgaben?
Nach § 266a Abs.1 Straf­ge­setz­buch (StGB) macht sich straf­bar, wer den fol­gen­den Tat­be­stand erfüllt:
"§ 266a Vor­ent­hal­ten und Ver­un­treu­en von Ar­beits­ent­gelt
(1) Wer als Ar­beit­ge­ber der Ein­zugs­stel­le Beiträge des Ar­beit­neh­mers zur So­zi­al­ver­si­che­rung ein­sch­ließlich der Ar­beitsförde­rung, un­abhängig da­von, ob Ar­beits­ent­gelt ge­zahlt wird, vor­enthält, wird mit Frei­heits­stra­fe bis zu fünf Jah­ren oder mit Geld­stra­fe be­straft."
"Ar­beit­ge­ber" der bei der GmbH beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist zwar nicht der Geschäftsführer, son­dern die GmbH, doch be­stimmt das StGB für sol­che Fälle die Straf­bar­keit des Geschäftsführers (§ 14 Abs.1 Nr.1 StGB). Straf­bar ist im übri­gen nur das Vor­ent­hal­ten des auf den Ar­beit­neh­mer ent­fal­len­den An­teils am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag, d.h. die Nicht­abführung des Ar­beit­ge­ber­an­teils ist straf­los.
Da § 266a StGB ein sog. "Schutz­ge­setz" zu­guns­ten der Kran­ken­kas­se ist und § 823 Abs.2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) bei schuld­haf­ten Verstößen ge­gen Schutz­ge­set­ze ei­ne Haf­tung auf Scha­den­er­satz an­ord­net, hat die Kran­ken­kas­se aus § 823 Abs.2 BGB in Ver­bin­dung mit § 266a StGB ei­nen Reg­reßan­spruch ge­gen den Geschäftsführer der GmbH, wenn die­ser die von den Ar­beit­neh­mern der GmbH zu tra­gen­den An­tei­le am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag der Kran­ken­kas­se vor­enthält. Das heißt im Er­geb­nis, dass der Geschäftsführer für die nicht ab­geführ­ten Ar­beit­neh­mer­an­tei­le am SV-Bei­trag persönlich, d.h. mit sei­nem Pri­vat­vermögen auf­kom­men muss.
Wann von ei­ner sol­chen "Vor­ent­hal­tung" ge­spro­chen wer­den kann, ist im ein­zel­nen um­strit­ten. Klar ist aber je­den­falls, daß Ar­beit­neh­mer­an­tei­le an der So­zi­al­ver­si­che­rung "vor­ent­hal­ten" wer­den, wenn die Ar­beit­neh­mer der GmbH ih­re Ar­beit er­bracht und dafür auch den ih­nen zu­ste­hen­den Net­to­lohn er­hal­ten ha­ben, die Ar­beit­neh­mer­an­tei­le am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag aber nicht oder nicht vollständig ent­rich­tet wur­den. Aber auch dann, wenn die Ar­beits­leis­tung fak­tisch er­bracht, al­ler­dings nicht be­zahlt wur­de, sind die Ar­beit­neh­mer­an­tei­le als "vor­ent­hal­ten" an­zu­se­hen, wenn sie nicht ab­geführt wer­den. Auch ein "Phan­tom­lohn", d.h. ein an die Ar­beit­neh­mer nicht ge­zahl­ter Lohn, un­ter­liegt da­her der So­zi­al­ab­ga­ben­pflicht.
Prak­tisch folgt dar­aus fol­gen­de Emp­feh­lung: Wur­de die Ar­beits­leis­tung be­reits er­bracht und reicht das Geld nicht für die vollständi­ge Abführung der So­zi­al­ab­ga­ben, soll­te zu­min­dest der Ar­beit­neh­mer­an­teil am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag möglichst vollständig ge­zahlt und der Kran­ken­kas­se bei der Zah­lung mit­ge­teilt wer­den, daß hier­mit vor­ran­gig die Ar­beit­neh­mer­an­tei­le und nicht die Ar­beit­ge­ber­an­tei­le ge­zahlt wer­den sol­len (Til­gungs­be­stim­mung).
Reicht das Geld nur für die Net­tolöhne oder nur für ei­nen Teil der Net­tolöhne, soll­ten die zur Verfügung ste­hen­den Beträge nicht vollständig an die Ar­beit­neh­mer aus­ge­zahlt wer­den. Viel­mehr soll­ten die vor­han­de­nen Beträge teil­wei­se an die Ar­beit­neh­mer und teil­wei­se an die Kran­ken­kas­se und das Fi­nanz­amt ge­zahlt wer­den - auch um den Preis des ge­genüber den Ar­beit­neh­mern dann be­ste­hen­den Zah­lungsrück­stan­des. In Zwei­felsfällen soll­te man sich als Geschäftsführer an­walt­lich be­ra­ten las­sen.
Nähe­re In­for­ma­tio­nen hier­zu fin­den Sie un­ter Lohnrück­stand - Ar­beit­ge­ber­pflich­ten.
Wann haftet der Geschäftsführer für die Nichterfüllung steuerlicher Pflichten?
Nach § 34 Ab­ga­ben­ord­nung (AO) hat der GmbH-Geschäftsführer als ge­setz­li­cher Ver­tre­ter der GmbH de­ren steu­er­li­che Pflich­ten zu erfüllen und ins­be­son­de­re dafür zu sor­gen, daß die von der GmbH zu zah­len­den Steu­ern aus den vom Geschäftsführer ver­wal­te­ten Mit­teln ent­rich­tet wer­den.
Darüber hin­aus be­stimmt § 69 AO:
"§ 69 Haf­tung der Ver­tre­ter. Die in den §§ 34 und 35 be­zeich­ne­ten Per­so­nen haf­ten, so­weit Ansprüche aus dem Steu­er­schuld­verhält­nis (§ 37) in­fol­ge vorsätz­li­cher oder grob fahrlässi­ger Ver­let­zung der ih­nen auf­er­leg­ten Pflich­ten nicht oder nicht recht­zei­tig fest­ge­setzt oder erfüllt oder so­weit in­fol­ge­des­sen Steu­er­vergütun­gen oder Steu­e­r­er­stat­tun­gen oh­ne recht­li­chen Grund ge­zahlt wer­den. Die Haf­tung um­faßt auch die in­fol­ge der Pflicht­ver­let­zung zu zah­len­den Säum­nis­zu­schläge."
Aus § 69 AO er­gibt sich un­mit­tel­bar ei­ne Haf­tung des Geschäftsführers der GmbH ge­genüber dem Fi­nanz­amt.
Die­se Haf­tung kommt vor al­lem bei der Nicht­abführung von Lohn­steu­er­schul­den der GmbH zum tra­gen. Hier soll­te der Geschäftsführer eben­so vor­sich­tig sein wie bei dem Ar­beit­neh­mer­an­teil am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag: Ha­ben die Ar­beit­neh­mer der GmbH ih­re Ar­beit er­bracht und dafür den ih­nen zu­ste­hen­den Net­to­lohn er­hal­ten, muß die dar­auf ent­fal­len­de Lohn­steu­er in vol­lem Um­fang ab­geführt wer­den. Rei­chen die vor­han­de­nen Mit­tel da­zu nicht aus, soll­ten die zur Aus­zah­lung ge­brach­ten Net­tolöhne gekürzt und die hier­auf ent­fal­len­den (ge­rin­ge­ren) Lohn­steu­er­beträge vollständig ge­zahlt wer­den. Nähe­re In­for­ma­tio­nen hier­zu fin­den Sie un­ter Lohnrück­stand - Ar­beit­ge­ber­pflich­ten.
Wann haftet der Geschäftsführer für die nicht rechtzeitige Insolvenzanmeldung?
Für den Fall der In­sol­venz der GmbH schreibt § 15a Abs.1 Satz1 In­sol­venz­ordd­nung (In­sO) dem Geschäftsführer vor:
"Wird ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son zah­lungs­unfähig oder über­schul­det, ha­ben die Mit­glie­der des Ver­tre­tungs­or­gans oder die Ab­wick­ler oh­ne schuld­haf­tes Zögern, spätes­tens aber drei Wo­chen nach Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit oder Über­schul­dung, ei­nen In­sol­venz­an­trag zu stel­len."
Eben­so wie § 266a StGB ist auch die­se Vor­schrift ein Schutz­ge­setz im Sin­ne von § 823 Abs.2 BGB, so daß die durch die nicht recht­zei­ti­ge In­sol­venz­an­mel­dung geschädig­ten Gläubi­ger der GmbH aus § 823 Abs.2 BGB in Ver­bin­dung mit § 15a Abs.1 Satz1 In­sO ei­nen An­spruch auf Scha­den­er­satz ge­gen den Geschäftsführer der GmbH her­lei­ten können. Außer­dem ist die Nich­terfüllung der In­sol­venz­an­trags­pflicht straf­bar. Hier­zu schrei­ben § 15a Abs.4 und 5 In­sO vor:
"(4) Mit Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe wird be­straft, wer ent­ge­gen Ab­satz 1 Satz 1, auch in Ver­bin­dung mit Satz 2 oder Ab­satz 2 oder Ab­satz 3, ei­nen In­sol­venz­an­trag nicht, nicht rich­tig oder nicht recht­zei­tig stellt.
(5) Han­delt der Täter in den Fällen des Ab­sat­zes 4 fahrlässig, ist die Stra­fe Frei­heits­stra­fe bis zu ei­nem Jahr oder Geld­stra­fe."
§ 15a Abs.1 Satz1 In­sO un­ter­schei­det zwi­schen dem Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit und der Über­schul­dung der GmbH.
Zah­lungs­unfähig­keit liegt vor, wenn die GmbH nicht mehr in der La­ge ist, ih­re fälli­gen Zah­lungs­pflich­ten zu erfüllen, was ins­be­son­de­re bei Ein­stel­lung der Zah­lun­gen an­zu­neh­men ist. Da­bei kommt es al­lein auf die fälli­gen Ver­bind­lich­kei­ten GmbH an. St­un­dungs­ver­ein­ba­run­gen oder die Gewährung oder Er­wei­te­rung ei­nes Kre­dits können da­her den Ein­tritt der dro­hen­den Zah­lungs­unfähig­keit hin­aus­schie­ben oder ei­ne be­reit ein­ge­tre­te­ne Zah­lungs­unfähig­keit wie­der ent­fal­len las­sen. Am Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit ist al­ler­dings spätes­tens dann nicht mehr zu zwei­feln, wenn der Geschäftsführer im Rah­men der von ei­nem Gläubi­ger der GmbH be­trie­be­nen Zwangs­voll­stre­ckung die ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung ab­ge­ge­ben hat.
Über­schul­dung liegt da­ge­gen vor, wenn das Vermögen der GmbH ih­re be­ste­hen­den Ver­bind­lich­kei­ten nicht mehr deckt. Da die Über­schul­dung der GmbH nur auf Grund­la­ge ei­nes bi­lanzmäßigen Ver­gleichs der Ak­ti­va und Pas­si­va der GmbH fest­ge­stellt wer­den kann und da die Re­geln, nach de­nen ei­ne sol­che "Über­schul­dungs­bi­lanz" auf­zu­stel­len ist, um­strit­ten sind und im Ein­zel­fall oft zu kei­ner ein­deu­ti­gen Ent­schei­dung führen, ist die Zah­lungs­unfähig­keit der GmbH für die In­sol­venz­an­mel­dungs­pflicht des Geschäftsführers von größerer prak­ti­scher Be­deu­tung. Trotz­dem soll­te je­der Geschäftsführer in der wirt­schaft­li­chen Kri­se ei­ne Über­schul­dungs­bi­lanz auf­stel­len und sich da­bei recht­lich be­ra­ten las­sen. Die Pflicht zur Er­stel­lung und Fort­schrei­bung ei­ner sol­chen Bi­lanz (sog. Be­ob­ach­tungs­pflicht) trifft nämlich nach der Recht­spre­chung je­den Geschäftsführer un­abhängig von ei­ner Res­sort­auf­tei­lung.
So­wohl im Fal­le der Zah­lungs­unfähig­keit als auch bei Über­schul­dung muss der Geschäftsführer spätes­tens bin­nen drei Wo­chen bei dem zuständi­gen In­sol­venz­ge­richt (Amts­ge­richt) die Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Vermögen der GmbH be­an­tra­gen. Die­se Pflicht be­steht auch dann, wenn ein In­sol­venz­an­trag be­reits von drit­ter Sei­te, et­wa von ei­ner Kran­ken­kas­se, ge­stellt wor­den ist.
Stellt der Geschäftsführer trotz ein­ge­tre­te­ner Zah­lungs­unfähig­keit und/oder Über­schul­dung kei­nen In­sol­venz­an­trag, droht ei­ne ihm In­nen­haf­tung ge­gen über der GmbH so­wie zusätz­lich ei­ne Außen­haf­tung ge­genüber den Gläubi­gern der GmbH.
In­nen­haf­tung: Gemäß § 64 Satz 1 und 2 GmbH ist der Geschäftsführer der GmbH zum Er­satz von Zah­lun­gen ver­pflich­tet, die nach Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit der Ge­sell­schaft oder nach Fest­stel­lung ih­rer Über­schul­dung ge­leis­tet wer­den. Zah­lun­gen, die auch nach die­sem Zeit­punkt mit der Sorg­falt ei­nes or­dent­li­chen Geschäfts­manns ver­ein­bar sind, sind nicht zu er­stat­ten. Prak­tisch heißt das, dass der Geschäftsführer nach ein­ge­tre­te­ner In­sol­venz im All­ge­mei­nen kei­ne Zah­lun­gen mehr leis­ten darf, ab­ge­se­hen von Aus­nah­mefällen, in de­nen die Nicht­zah­lung ei­nen noch größeren Scha­den für die GmbH bzw. späte­re In­sol­venz­mas­se nach sich zie­hen würde (Bei­spiel: Zah­lung von Strom- und Te­le­fon­rech­nun­gen, um die Fortführung des Be­triebs zu si­chern).
Außen­haf­tung: Ge­hen Drit­te nach ein­ge­tre­te­ner In­sol­venz Verträge mit Zah­lungs­pflich­ten der GmbH ein, die die­se in­sol­venz­be­dingt nicht erfüllen kann, muss der Geschäftsführer die­sen GmbH-Gläubi­gern den Scha­den er­set­zen, den sie in­fol­ge ih­res Ver­trau­ens in die Zah­lungsfähig­keit der GmbH er­lit­ten ha­ben. Die­se Grup­pe von Geschädig­ten nennt man "Neugläubi­ger". Die GmbH-Gläubi­ger, die be­reits vor Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit For­de­run­gen ge­genüber der GmbH hat­ten (die "Altgläubi­ger") können durch die Ver­spätung des In­sol­venz­ver­fah­rens da­duch ei­nen Scha­den er­lei­den, dass bis zum ver­späte­ten Be­ginn des Ver­fah­rens neue Schul­den auf­lau­fen und da­her ihr An­teil an der zur Ver­tei­lung verfügba­ren In­sol­venz­mas­se klei­ner wird (sog. Quo­ten­scha­den).
Vermindert eine Aufgabenteilung zwischen mehreren Geschäftsführern Haftungsrisiken?
Sind meh­re­re Geschäftsführer be­stellt, be­steht zwi­schen die­sen oft ei­ne Auf­ga­ben­tei­lung, nach der der ei­ne zum Bei­spiel für Fi­nan­zen, der an­de­re für Tech­nik und Pro­duk­ti­on und der Drit­te für den Ver­trieb zuständig ist. Wird ein für das The­ma Fi­nan­zen nicht zuständi­ger Geschäftsführer auf­grund in­sol­venz­be­ding­ter Nicht­abführung von Steu­ern und/oder So­zi­al­ab­ga­ben vom Fi­nanz­amt oder ei­ner Kran­ken­kas­se in die Haf­tung ge­nom­men, wen­det er verständ­li­cher­wei­se ein, ihn träfe kein Ver­schul­den, da er auf die Erfüllung der die GmbH tref­fen­den Pflich­ten durch den "zuständi­gen" Geschäftsführer­kol­le­gen ver­trau­en konn­te.
Ei­ne sol­che Auf­ga­ben­tei­lung, nach der nur be­stimm­te Geschäftsführer für die Erfüllung steu­er­li­cher Pflich­ten zuständig sind und die übri­gen dem­gemäß nicht, wird von der Fi­nanz­ver­wal­tung und den Fi­nanz­ge­rich­ten un­ter der Be­din­gung ak­zep­tiert,
dass die Auf­ga­ben­tei­lung vor­ab und
schrift­lich fest­ge­hal­ten wur­de, et­wa in ei­ner Geschäfts­ord­nung der Geschäftsführer oder in ei­nem Ge­sell­schaf­ter­be­schluss.
Ei­ne rein prak­ti­sche Auf­ga­ben­tei­lung genügt da­her nicht. Im übri­gen muß in der fi­nan­zi­el­len Kri­se auch der ei­gent­lich nicht zuständi­ge Geschäftsführer den Geschäftsführer­kol­le­gen, der für Steu­ern zuständig ist, kon­trol­lie­ren.
Die­se für die steu­er­li­che Haf­tung ent­wi­ckel­ten Grundsätze gel­ten sinn­gemäß für die Haf­tung auf Zah­lung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben. Auch hier hilft ei­ne Res­sort­ver­tei­lung, wenn sie vor­ab schrift­lich ver­ein­bart wur­de, und auch hier tref­fen den un­zuständi­gen Geschäftsführer Über­wa­chungs­pflich­ten.
Kei­ne Be­deu­tung hat ei­ne sol­che Res­sort­ver­tei­lung zwi­schen meh­re­ren Geschäftsführern beim The­ma In­sol­venz­an­trags­pflicht. Sie trifft je­den Geschäftsführer spätes­tens drei Wo­chen nach Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit oder Über­schul­dung.
Wo finden Sie mehr zum Thema Geschäftsführerhaftung?
Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Geschäftsführer­haf­tung in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:
Hand­buch Ar­beits­recht: Ar­beits­ver­trag und all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) - Man­ko­ab­re­de
Tipps und Tricks: Geschäftsführer­ver­trag - Check
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Ar­beits­recht ak­tu­ell: 07/38 BAG: Ent­we­der Geschäftsführer oder Ar­beit­neh­mer
Bewertung: Ge­schäfts­füh­rer­haf­tung 4.0 von 5 Sternen (8 Bewertungen)

References: § 43
 § 43
 § 46
 § 266
 § 266
 § 823
 § 823
 § 266
 § 34
 § 69
 § 69
 § 15
 § 266
 § 823
 § 823
 § 15
 § 15

§ 15
 § 64