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Timestamp: 2019-11-13 12:38:48+00:00

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BGH, 02.06.2008 - II ZR 67/07 - dejure.org
https://dejure.org/2008,608
BGH, 02.06.2008 - II ZR 67/07 (https://dejure.org/2008,608)
BGH, Entscheidung vom 02.06.2008 - II ZR 67/07 (https://dejure.org/2008,608)
BGH, Entscheidung vom 02. Juni 2008 - II ZR 67/07 (https://dejure.org/2008,608)
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Schadensersatzpflicht eines kompetenzwidrig handelnden geschäftsführenden Gesellschafters
Haftung eines Gesellschafters bei Hinwegsetzen über die in der Gesellschaft intern zu beachtende Kompetenzordnung i.R. seines geschäftsführenden Handelns; Beurteilung einer streitigen Rechtsfrage auf Grundlage eines Privatgutachtens als qualifizierten Parteivortrag ohne ...
Haftung des Gesellschafters bei Missachtung der internen Kompetenzordnung
Zur Haftung des Gesellschafters bei Missachtung der Kompetenzordnung; zur Verpflichtung des Gerichts, trotz Vorlage eines Privatgutachtens ein gerichtliches Gutachten einzuholen
Gesellschafterhaftung - Kompetenzüberschreitung
HGB § 114 § 116 § 161; ZPO § 286
Einhaltung der gesellschaftsintern zu beachtenden Kompetenzordnung durch geschäftsführende Gesellschafter einer BGB -Gesellschaft; Rechtliche Behandlung von Privatgutachten
Verfahrensrecht - Darf Gericht sich bestrittenem Privatgutachten anschließen?
Geschäftsführungsmaßnahme, Kompetenzen, Pflichtverletzung, Sachverständiger, Schadensersatzanspruch
Darf Gericht sich bestrittenem Privatgutachten anschließen? (IBR 2008, 778)
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BGH vom 02.06.2008, Az.: II ZR 67/07 (KG: Keine automatische Schadensersatzpflicht des Komplementärs bei kompetenzwidrigem Handeln - Möglichkeit des Gegenbeweises)" von Vors. RiBGH Prof. Dr. Wulf Goette, original erschienen in: DStR ...
LG Berlin, 22.02.2006 - 105 O 18/05
NJW-RR 2008, 1252
ZIP 2008, 1431
MDR 2008, 1110
VersR 2009, 698
WM 2008, 1453
BauR 2008, 1661
NZG 2008, 622
a) Ein Gericht darf ein Privatgutachten zwar verwerten, hierbei aber nicht außer Acht lassen, dass es sich nicht um ein Beweismittel im Sinne der §§ 355 ff ZPO, sondern um (qualifizierten) substantiierten Parteivortrag handelt (BGH, Urteil vom 11. Mai 1993 - VI ZR 243/92, NJW 1993, 2382, 2383; Beschluss vom 2. Juni 2008 - II ZR 67/07, WM 2008, 1453 Rn. 3;… Zöller/Greger, ZPO, 31. Aufl., § 402 Rn. 2).
Denn § 93 Abs. 2 AktG sanktioniert nicht den Kompetenzverstoß des Vorstands an sich, sondern setzt einen dadurch verursachten Schaden voraus (vgl. BGH, Beschluss vom 2. Juni 2008 - II ZR 67/07, WM 2008, 1453 Rn. 8;… Urteil vom 11. Dezember 2006 - II ZR 166/05, ZIP 2007, 268 Rn. 10, 12;… Urteil vom 21. Juli 2008 - II ZR 39/07, ZIP 2008, 1818 Rn. 19;… Urteil vom 13. März 2012 - II ZR 50/09, ZIP 2012, 1197 Rn. 27;… Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 44).
Demgegenüber lassen andere Stimmen im Schrifttum den Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens auch bei Kompetenzverstößen des Vorstands zu (vgl. Fleischer, DStR 2009, 1204, 1208 f.; Goette, DStR 2008, 1599, 1600; Seebach, AG 2012, 70, 73; Haarmann/Weiß, BB 2014, 2115, 2117;… Hüffer/Koch, AktG, 13. Aufl., § 93 Rn. 50;… § 111 Rn. 49;… Fleischer in Spindler/Stilz, AktG, 3. Aufl., § 93 Rn. 216).
Es hätte darlegen müssen, dass es eigene Sachkunde auf dem Gebiet der Unternehmensplanung besitzt und deswegen in der Lage ist, die streitigen Fragen abschließend zu beurteilen (vgl. BGH, Beschluss vom 2. Juni 2008 - II ZR 67/07, WM 2008, 1453 Rn. 3;… Beschluss vom 30. Januar 2008 - IV ZR 9/06, NJW-RR 2008, 696 Rn. 3;… Urteil vom 23. November 2006 - III ZR 65/06, NJW-RR 2007, 357 Rn. 14).
Die Ausübung der Klagebefugnis unterliegt daher der gesellschafterlichen Treuepflicht und kann sich unter diesem Blickwinkel nach den konkreten Gesellschaftsverhältnissen, zu denen auch das Verhalten des sich auf die Befugnis berufenden Gesellschafters gehört, als rechtsmissbräuchlich darstellen (BGHZ 25, 47, 50; BGH, Sen.Beschl. v. 2. Juni 2008 - II ZR 67/07, WM 2008, 1453, 1454).
Es hätte, ohne den Anspruch der Klägerin auf rechtliches Gehör zu verletzen, nur dann gemäß § 286 ZPO zu dieser Einschätzung kommen dürfen, wenn es dargelegt hätte, dass es über hinreichende Sachkunde verfügte, um den von der Klägerin behaupteten Verstoß gegen handwerkliche Regeln und Vorschriften zu beurteilen (vgl. BGH, Beschluss vom 2. Juni 2008, - II ZR 67/07, WM 2008, 1453 Rn. 3;… Urteil vom 22. Februar 2011 - II ZR 146/09, ZIP 2011, 766 Rn. 25).
Der Außengesellschafter kann demgegenüber darlegen und gegebenenfalls beweisen, dass durch den Pflichtverstoß kein Schaden an den im Außenverhältnis von ihm in seinem Namen geführten Geschäften der Innengesellschaft eingetreten ist (vgl. BGH, Urteil vom 11. Januar 1988 - II ZR 192/87, ZIP 1988, 843, 844 f.;… Urteil vom 11. Dezember 2006 - II ZR 166/05, ZIP 2007, 268 Rn. 10, 12; Beschluss vom 2. Juni 2008 - II ZR 67/07, WM 2008, 1453 Rn. 8;… Urteil vom 21. Juli 2008 - II ZR 39/07, ZIP 2008, 1818 Rn. 19).
Zum einen ist der Vortrag des Beklagten, der wegen des ihm - auch - zu Last zu legenden Verstoßes gegen die Kompetenzordnung die Darlegungs- und Beweislast für den Nicht eintritt des klägerseits behaupteten Schadens trägt (BGH, NZG 2008, 622 Tz. 8; OLG Köln, NZG 2009, 1223 Tz. 42), nicht hinreichend substantiiert, zum anderen ist der Beklagte mangels Beweisantritts beweisfällig geblieben.
Hat, wie im vorliegenden Fall, der Gegner gegen das Gutachten Einwendungen erhoben, darf sich das Gericht ihm nicht ohne Darlegung der eigenen Sachkunde anschließen (BGH NJW-RR 2008, 1252).
Ein Verstoß gegen die innergesellschaftliche Kompetenzordnung führt zwar - worauf der Beklagte zu Recht verweist - nicht ohne weiteres zu einem Schadensersatzanspruch, vielmehr steht es dem Geschäftsführer offen, darzulegen und ggfs. zu beweisen, dass dieses Unterlassen nicht zu einem Schaden auf Seiten der Gesellschaft geführt hat (BGH DStR 2008, 1599 m. Anm. Goette; DStR 2007, 310).
Dass trotz des Verstoßes gegen die gesellschaftsrechtliche Kompetenzordnung kein Schaden entstanden ist, hat derjenige zu beweisen, der gegen die Kompetenzordnung verstoßen hat (BGH DStR 2008, 1599 m. Anm. Goette; DStR 2007, 310).
In dem BGH-Beschluss in DStR 2008, 1599 ging es um einen geschäftsführenden Gesellschafter einer KG, der sich über die in der Gesellschaft intern zu beachtende Kompetenzordnung hinweggesetzt und ohne vorherigen Gesellschafterbeschluss Grundstücke veräußert hatte.

References: § 114
 § 116
 § 161
 § 286
 BGH 
 § 402
 § 93
 § 93
 § 111
 § 93
 § 286