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Timestamp: 2019-12-09 07:58:01+00:00

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Das handelsrechtliche Wahlrecht zur Aktivierung von Entwicklungskosten | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
2.2 Handelsrecht - HGB
2.3 Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz - BilMoG
3. Entwicklungskosten – Darstellung Aktivierungswahlrecht
3.1 Begriffliche Abgrenzung Entwicklungskosten
3.2 Begriffliche Abgrenzung der Forschungskosten
3.3 Aktivierungswahlrecht – Entwicklungskosten
3.4 Selbstgeschaffene immaterielle Vermögengenstände
5. Fazit – Ausblick
Abbildung 1 - Trennung Forschungs- und Entwicklungsphase (Quelle: Bertram Haufe Verlag 255 Rz. 166)
Abbildung 2 - Trennung Forschungs- und Entwicklungsphase (Quelle: Dipl. Finanzwirt Wolfgang Börstinge, S.25 )
Abbildung 3 - Darstellung Aktivierung der F&E laut §255 Abs. 2 HGB Quelle:
Das deutsche Handelsrecht divergiert aufgrund des Gläubigerschutzgedankens sehr von den Internationalen Rechnungslegungsstandards. Das ist die Folge, da das deutsche Bilanzrecht auf dem Vorsichtsprinzip aufbaut. Die Politik setzte im Zuge der Modernisierung des Handelsgesetzbuches im Rahmen des BilMoG – Bilanzierungsmodernisierungsgesetz, das am 29. Mai 2009 inkraftgetreten ist, auch EU-Richtlinien um, die zu einer Harmonisierung bzw. Angleichung des HGB an die internationale Rechnungslegungsstandards beitragen soll. Im Rahmen der Bilanzrechtsmodernisierung haben Unternehmen seither ein Wahlrecht eingeräumt bekommen, um Entwicklungskosten z.B. für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens zu aktivieren und somit zu bilanzieren. Vorher bestand ein Bilanzierungsverbot für die Aktivierung von Entwicklungskosten im Anlagevermögen. Diese zu aktivieren war vor der Bilanzrechtsmodernisierung im Jahre 2009 nicht möglich. Diese Seminarhausarbeit beschäftigt sich daher mit der Darstellung und kritischer Analyse der Möglichkeit Entwicklungskosten zu bilanzieren. Diese Neuerung wirkt sich somit auf den Jahresabschluss aus, deshalb ist es von besonderer Bedeutung für Unternehmen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um das Aktivierungswahlrecht zu nutzen. Das neue Aktivierungswahlrecht wird aus Sicht der Gläubiger kritisch betrachtet.[1]
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das handelsrechtliche Wahlrecht des §255 Abs. 2a HGB zur Aktivierung von Entwicklungskosten darzustellen und eine kritische Analyse vorzunehmen. Hierbei soll dargestellt werden, was Entwicklungskosten sind und wann es sinnvoll ist diese zu bilanzieren und welche Vor- oder Nachteile daraus resultieren können. Diesbezüglich wird auf die Auswirkungen auf den Jahresabschluss eingegangen und wie die Aktivierung von Entwicklungskosten die Bilanz eines Unternehmens beeinflussen kann.
Die gesetzlichen Grundlagen, die in dieser Seminarhausarbeit, für die Erarbeitung des Themas zum Tragen kommen, sind das Handelsgesetzbuch, das Bilanzierungsmodernisierungsgesetz (BilMoG), IFRS/IAS und das Einkommenssteuergesetz. In den folgenden Abschnitten wird auf den strukturellen Aufbau des HGB und die Ziele des BilMoG näher eingegangen.
Die gesetzliche Grundlage für die Bilanzierung bildet das Handelsgesetzbuch (HGB) gültig seit 01.01.1900. Der Aufbau des HGB gliedert sich in eine Struktur von fünf Büchern:
1 Buch: Handelsstand (§§1-104a)
2 Buch: Handelsgesellschaften und stille Gesellschaft (§§ 105 – 237)
3 Buch: Handelsbücher (§§ 238 – 342e)
4 Buch: Handelsgeschäfte (§§ 343 – 475h)
5 Buch: Seehandel (§§ 476 ff)
Im Rahmen dieser Seminararbeit befassen wir uns mit den §§ 248 Abs. 2 und 255 Abs. 2a im dritten Buch des HGB.
Bis 2009 galt nach Handelsrecht ein generelles Aktivierungsverbot für die selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens laut § 248 Abs.2 HGB. Es bestand nur eine Aktivierungspflicht für entgeltlich erworbene immaterielle Vermögengegenstände und selbstgeschaffenen immaterielle Vermögenswerte im Umlaufvermögen, wenn die Entwicklung beauftragt war. Der § 255 Abs. 2a HGB definiert die bilanzierungstechnischen Voraussetzungen für die Aktivierung von Entwicklungskosten.[2]
Das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, BilMoG) ist ein deutsches Artikelgesetz zur Reform des Bilanzrechts, das am 29. Mai 2009 inkraftgetreten ist. Zu erwähnen wäre auch, dass mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz zwei Rechtsakte der Europäischen Union umgesetzt wurden. Es handelt sich hierbei um die Abänderungsrichtlinie[3], welche die Bilanz-, die Konzernbilanz-, die Bankbilanz- und die Versicherungsbilanzrichtlinie in mehreren Punkten mit dem Ziel der Stärkung des Vertrauens in die Richtigkeit, Vollständigkeit und Transparenz der Rechnungslegung optimiert.[4] Des Weiteren wurde die Abschlussprüferrichtlinie[5] im Rahmen der EU-Harmonisierungsbestrebungen angepasst. Die politische Intention in Deutschland war es, das HGB an den internationalen Standard, den IFRS, anzunähern, um die erwähnte Harmonisierung voran zu treiben.
Die wesentlichen Ziele des BilMoG sind:
- Verbesserung und Modernisierung der Aussagekraft des handelsrechtlichen Jahresabschlusses
- Das HGB soll an internationale Normen angenähert werden und einhergehend damit soll eine kostengünstigeren Alternative geschaffen werden
- Abschaffung von anachronistischen Wahlrechten
- Erleichterungen für Unternehmen und damit einhergehend Kostenersparnisse
- Umsetzung von zwei EU-Richtlinien (Abschlussprüfer- und Abänderungsrichtlinie)
- Einführung eines Ansatzwahlrechts für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (u. a. Patente, Know-how), sofern sich die Herstellungskosten auf die Entwicklungsphase beziehen (§ 248 HGB und § 255 HGB)
- Veränderte Bewertung von Rückstellungen (insbesondere Pensionsrückstellungen)
- Verbot für Bildung von bestimmten Aufwandsrückstellungen
- Aktivierungspflicht eines entgeltlich erworbenen Goodwills im Einzelabschluss
- Anpassung der Herstellungskosten an die international üblichen produktionsbezogenen Vollkosten
- Veränderte Vorschriften zur Währungsumrechnung
- Neukonzeption von der Abgrenzung latenter Steuern
- Einbeziehungspflicht besteht für Zweckgesellschaften in den Konzernabschluss und somit mehr Transparenz
- Verpflichtende Anwendung der Neubewertungsmethode[6]
- Aktivierungspflicht des Goodwills (Firmenwertes) im Konzernabschluss und planmäßige Abschreibung
In dieser Seminarhausarbeit betrachten wir die für uns wichtigen §§ 248 Abs. 2 und 255 Abs. 2a HGB, die sich auf die Aktivierung von Entwicklungskosten beziehen.
Wie im oberen Abschnitt erläutert bezieht sich diese Seminarhausarbeit explizit auf die Darstellung des Wahlrechtes zu Aktvierung von Entwicklungskosten:
Unter dem Begriff Entwicklung wird gem. § 255 Abs. 2a S.2 HGB folgendes verstanden. Entwicklung ist die Anwendung von Forschungsergebnisse oder von anderem Wissen für die Neuentwicklung von Gütern oder Verfahren oder die Weiterentwicklung von Gütern oder Verfahren mittels wesentlicher Änderungen. Als Güter versteht man Materialien, Produkte, geschützte Rechte oder auch ungeschütztes Know-how oder Dienstleistungen. Diesbezüglich versteht man unter Verfahren neben den typischen Produktions- und Herstellungsverfahren auch entwickelte Systeme.[7]
Entwicklungskosten sind von den Forschungskosten strickt zu trennen. Darunter versteht man, dass es einen Unterschied zwischen Forschung und Entwicklungsphase gibt. Es dürfen laut 255 Abs. 2a HGB nur Kosten der Entwicklungsphase aktiviert werden.
Der genaue Wortlaut § 255 Abs. (2a) HGB „Herstellungskosten eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstands des Anlagevermögens sind die bei dessen Entwicklung anfallenden Aufwendungen nach Absatz 2. Entwicklung ist die Anwendung von Forschungsergebnissen oder von anderem Wissen für die Neuentwicklung von Gütern oder Verfahren oder die Weiterentwicklung von Gütern oder Verfahren mittels wesentlicher Änderungen. Forschung ist die eigenständige und planmäßige Suche nach neuen wissenschaftlichen oder technischen Erkenntnissen oder Erfahrungen allgemeiner Art, über deren technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten grundsätzlich keine Aussagen gemacht werden können. Können Forschung und Entwicklung nicht verlässlich voneinander unterschieden werden, ist eine Aktivierung ausgeschlossen“
Dies hat den Grund, dass im Zeitraum der Forschungsphase die Verwertbarkeit sowie der wirtschaftliche Erfolg der Erkenntnisse nicht hinreichend sicherzustellen ist. Der Ansatz der Kosten aus der Forschungsphase würde somit zu einer Verzerrung der Herstellungskosten führen und den GoB (Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung) widersprechen. Deshalb ist die Aktivierung von Aufwendungen während der Forschungsphase gemäß § 255 Abs. 2 S 4 HGB nicht den Herstellungskosten hinzuzurechnen.[8] Das bedeutet, dass eine Aktivierung ausgeschlossen ist, wenn man die Kosten zwischen der Forschungs- und Entwicklungsphase nicht zu trennen vermag.
Der Eintritt der Entwicklungsphase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Tätigkeit statt auf Erlangung neuer Kenntnisse auf wesentliche konkrete Ziele, wie nachfolgend beschrieben wird.
Die Vorgänge, die sich auf die Entwicklungsphase beziehen lassen, sind wie folgt charakterisierbar:
- Der Entwurf, die Konstruktion und das Testen von Prototypen und Modellen vor Aufnahme der eigentlichen Produktion oder Nutzung
- Der Entwurf, die Konstruktion und der Betrieb einer Pilotanlage, die von ihrer Größe her für eine kommerzielle Produktion wirtschaftlich ungeeignet ist,
- der Entwurf, die Konstruktion und das Testen einer gewählten Alternative für neue oder verbessere Materialien, Vorrichtungen, Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen.
Der Arbeitskreis „Immaterielle Werte im Rechnungswesen“ der Schmalenbach Gesellschaft hat dazu bereits 2001 folgende kumulative Anforderungen formuliert ab welchem Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Entstehung eines immateriellen Vermögensgegenstandes zu rechnen ist:
1. Das Projekt wurde initiiert. Dies hat auf der Basis eines dokumentierten Geschäftsführungsbeschlusses zu geschehen. Die Budgetfreigabe ist zudem erfolgt.
2. Das Projekt muss einen Nutzen im Sinne der selbständigen Verwertbarkeit besitzen und dieser potentielle Nutzen muss darstellbar sein.
3. Die aktive fortlaufende Projektverfolgung ist sichergestellt.[9]
Diese nachfolgende Grafik soll die Trennung zwischen Forschungs- und Entwicklungsphase anhand der drei Kriterien illustrieren:
Als Forschung gilt die eigenständige und planmäßige Suche nach neuen wissenschaftlichen oder technischen Erkenntnissen oder Erfahrungen allgemeiner Art, über deren technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten grundsätzlich keine Aussage gemacht werden darf. Aufgrund dieser Unsicherheit handelt es sich bei den Aufwendungen um nicht aktivierbare Werte. Auch wenn entgegen dieser Annahme die Entstehung eines Vermögensgegenstandes direkt aus den Forschungsergebnissen resultieren sollte, liegt trotzdem ein Aktivierungsverbot der Aufwendungen vor.[10] Diesbezüglich gilt es im Rahmen der Aktivierung von Entwicklungskosten den Zeitpunkt innerhalb der Forschungsphase zum Übergang in die Entwicklungsphase genau zu bestimmen. In Anlehnung an die Gesetzesbegründung des BilMoG werden wie in IAS 38.56 ff. beispielhaft Aktivitäten aufgeführt, die charakteristisch für die Forschungs- sowie die Entwicklungsphase sind und für eine Zuordnung herangezogen werden können.[11] Forschungsaktivitäten sind danach z.B.
- Aktivitäten die auf Erlangung neuer Erkenntnisse ausgerichtet sind,
- Die Suche nach sowie die Abschätzung und endgültige Auswahl von Anwendungen für Forschungsergebnisse und anderem Wissen
- Die Suche nach Alternativen für Materialien, Vorrichtungen, Produkte, Verfahren, Systeme oder Dienstleistungen
- Der Entwurf sowie die Abschätzung und endgültige Auswahl von möglichen Alternativen für neue oder verbesserte Materialien, Vorrichtungen, Produkte, Verfahren, Systeme oder Dienstleistungen.
Die Kosten, die in der Forschungsphase angefallen sind, sind als Aufwand in der Buchhaltung zu erfassen und dürfen nicht aktiviert werden.
Für die Unternehmen besteht nach BilMoG ein Aktivierungswahlrecht die die angefallenen Entwicklungskosten zu bilanzieren, wenn es diese eindeutig an Hand der im oberen Abschnitt beschriebenen Charakteristika von der Forschungskosten zu trennen vermag. Dem Wortlaut des § 255 Abs. 2a HGB kann man entnehmen, dass eine Aktivierung der Herstellungskosten nicht erst mit der Fertigstellung einhergeht, sondern schon bereits ab dem Eintritt in die Entwicklungsphase.
Ab Eintritt dieses Zeitpunkts muss von einer künftigen Vermögensgegenstandseigenschaft ausgegangen werden können. Zu Beginn der Entwicklung muss man diesbezüglich eine Zukunftsprognose über künftige Vermögensgegenstandseigenschaft abgeben. Das bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Aktivierung mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass ein einzelner zu verwertender immaterieller Vermögensgegenstand des Anlagevermögens entstehen kann. Lässt sich die Vermögensgegenstandseigenschaft nicht eruieren, dann kommt eine Aktivierung der Entwicklungskosten nicht in Betracht. Im deutschem Bilanzrecht ist ein Vermögensgegenstand an folgenden Merkmalen zu identifizieren: selbständige Verkehrsfähigkeit (Einzelveräußerbarkeit) und Bewertbarkeit (Anschaffungs- oder Herstellungskosten) rechtliche oder wirtschaftliches Eigentum.
Zum Vergleich an die Anlehnung an die IFRS (IAS 38) werden dabei keine besonderen Anforderungen an die Aktivierbarkeit im HGB gestellt.
Bezüglich dem IAS 38.57 sind folgende Voraussetzungen für Aktivierung von Entwicklungskosten kumulativ obligatorisch:
- Dass die technische Realisierbarkeit belegt werden kann,
- das Unternehmen die Absicht hat, die Ressourcen und die Fähigkeit, um den Vermögensgegenstand fertigzustellen und zu nutzen,
- ein Nachweis von dem zu erwartenden wirtschaftlichen Nutzens erbracht wird,
- eine verlässliche Ermittlung der in der Entwicklungsphase angefallenen Kosten besteht.[12]
Können Forschung und Entwicklung nicht verlässlich voneinander unterschieden werden, ist eine Aktivierung ausgeschlossen. Die folgende Grafik soll die Abtrennungsthematik zu den Forschungskosten verdeutlichen:
Entwicklungsprojekte dürfen erst als Anschaffungs-/Herstellungskosten aktiviert werden wenn sie nach dem 31.12.2009 begonnen wurden (Art.66 Abs. 7 EGHGB). Dies bedeutet, dass ein Unternehmen von dem Aktivierungswahlrecht erst ab 01.01.2010 begonnene Entwicklungsprojekte Gebrauch machen darf. Die Forschungskosten dürfen mangels Objektivierbarkeit nicht aktiviert werden sondern sind als Aufwand in der jeweiligen Periode zu erfassen.
Diesbezüglich besteht eine Verpflichtung, den Gesamtbetrag der Forschungs- und Entwicklungskosten sowie den davon selbstgeschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens entfallenden Betrag im Anhang anzugeben §285 Satz 1 Nr.22, §314 Abs. 1 Nr. 14 HGB.
Das BilMoG sieht in der Abschaffung des Bilanzierungsverbots für selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens eine „Anhebung des Informationsniveaus“[13] Seit dem Inkrafttreten des BilMoG im Mai 2009 gilt künftig ein Aktivierungswahlrecht für die in der Entwicklungsphase anfallenden Herstellungskosten (u.a. in Verbindung mit der Anwendung von Forschungsergebnissen).
Die Neufassung des § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB lautet seitdem:
"Selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens können als Aktivposten in die Bilanz aufgenommen werden"[14] Nicht aufgenommen werden dürfen selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens.“
Es ist somit grundsätzlich eine bilanzielle gleiche Behandlung von selbstgeschaffenen und erworbenen immateriellen Vermögensgegenständen möglich.
Es besteht ein Aktivierungsverbot für die auf die Forschungsphase entfallenden Herstellungskosten, da noch keine Aussagen über technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten in diesem Stadium möglich sind.
Der Begriff Vermögensgegenstand lässt sich im Handelsrecht keine schlussfolgernde Definition finden. Eine inhaltliche Konkretisierung ist aus dem übergeordneten Bilanzzweck abzuleiten.[15] Die übergeordneten Bilanzzwecke sind erheblich von den Prinzipien der Vorsicht und des Gläubigerschutzes geprägt.[16] Es dürfen, bezüglich des Objektivierungsgebots, nur die Vermögensvorteile in die Bilanz aufgenommen werden.
Der § 248 Abs.2. S.2 HGB entspricht fast IAS 38.63, womit die intendierte Annäherung zur IFRS festzustellen wäre. Daraus folgt ein Aktivierungswahlrecht für die in der Entwicklungsphase anfallenden Herstellungskosten. Es besteht also ein Aktivierungswahlrecht und keine Aktivierungspflicht. Ein Aktivierungsverbot besteht für die auf die Forschungsphase entfallenden Aufwendungen. Diesbezüglich ist laut § 246. Abs. 1 S.1 HGB auf Vorliegen eines Vermögensgegenstands zu prüfen. Der Grund für die Einschränkung besteht darin, dass die Herstellungskosten für solche selbstgeschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände nicht zweifelsfrei zugerechnet werden können (Vorsichtsprinzip).[17]
Laut HGB müssen immaterielle Vermögensgegenstände folgende Kriterien erfüllen damit das Aktivierungswahlrecht Anwendung findet. Wenn dieser einzeln verwertbar ist wie durch
- Verbrauch,
- Verarbeitung oder
- Nutzungsüberlassung
Zu beachten ist gemäß § 255 Abs. 2 S. HGB in diesem ein explizites Aktivierungsverbot gilt für die Einbeziehung der Herstellungskosten für Forschung und Vertrieb.[18]
Das Aktivierungswahlrecht wirkt sich auch ab sofort auf die Steuerbilanz aus. Denn laut § 5 Abs. 2 EStG besteht für selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens ein Aktivierungsverbot. Dieses Aktivierungsverbot ging bislang für bilanzierende Kaufleute ins Leere, da die Aktivierung dieser Vermögensgegenstände in der Handelsbilanznach § 248 Abs. 2 HGB ausgeschlossen ist und daher nach § 5 Abs. 1 S. 1 EStG eine Aktivierung auch in der Steuerbilanz ausscheidet. Mit der Änderung des § 248 HGB-E ist nun der § 5 Abs. 2 EStG eine wichtige Vorschrift zur Vermeidung steuerlicher Nachteile. Die aktivierten immateriellen Vermögensgegenstände in der Handelsbilanz sind jetzt grundsätzlich nach § 5 Abs. 1 S. 1 EStG auch in die Steuerbilanz zu übertragen. Denn laut § 5 Abs. 2 EStG verbietet dieser den Ansatz in der Steuerbilanz (Durchbrechung der Maßgeblichkeit). Die Aktivierung selbstgeschaffenen immaterielle Vermögenswerte löst in der Handelsbilanz keine Steuerbelastung aus. Der handelsrechtliche Ansatz der immateriellen Vermögenswerte ist somit höher als der Ansatz in der Steuerbilanz. In dem Fall handelt es sich um eine vorübergehende Abweichung, die dazu führt, dass in der Handelsbilanz eine passive latente Steuer berücksichtigt werden muss.
Die Darstellung der gesetzlichen Vorrausetzungen in den obigen Abschnitten zeigt auf an welche Vorrausetzungen die Aktivierung der Entwicklungskosten geknüpft sind. Die Unternehmen haben somit die Möglichkeit ihre Bilanz zu erweitern und den handelsrechtlichen Jahresabschluss zu beeinflussen.
Wie die Darstellung der Aktivierung von Entwicklungskosten zeigt, bestehen mögliche Abgrenzungsschwierigkeiten für Unternehmen in Bezug auf Forschungs- und Entwicklungsphase. Desweitern besteht eine Nachweispflicht für die Aktivierungsvoraussetzung, in den Punkten, dass es eine Nachweispflicht und Dokumentationspflicht für die angefallenen Kosten und Indikatoren gibt. Diese Unsicherheit wird durch das Aktivierungsverbot nach „§ 255 Abs. 2a S4 HGB“ hervorgerufen, falls das Unternehmen nicht in der Lage ist die Forschungs- und Entwicklungsphase voneinander zu trennen. Aufgrund der Möglichkeit zur Aktivierung der Entwicklungskosten haben Unternehmen ein bilanzpolitisches Instrument, das sich auf das Jahresergebnis auswirken kann. Denn werden die Entwicklungskosten aktiviert, führt das dazu, dass das Jahresergebnis positiver ausfällt als wenn diese als Periodenaufwand erfasst wurden. Wird das Aktivierungswahlrecht nicht in Anspruch genommen, erspart es dem Unternehmen die Aufwandserfassung der erhöhten Aufzeichnungs-, Darlegungs- und Nachweispflichten zur Trennung von Forschungs- und Entwicklungskosten.[19]
Entscheidet sich ein Unternehmen die Entwicklungskosten zu bilanzieren bedeutet das in der Praxis, dass geeignete Vorkehrungen zu treffen sind, um die für die Aktivierung von selbstgeschaffenen immateriellen Vermögenswerten anfallenden Forschungs- und Entwicklungskosten gesondert zu ermitteln. Das führt dazu, das handelsrechtliche Vollkosten wie Einzel- und Gemeinkosten laut (§ 255 Abs. 2 HGB-E) projektbezogen in der Kostenrechnung zu erfassen sind. Unterstützend eignet sich dazu eine Kostenstelle „Forschung & Entwicklung“ einzurichten[20]. Somit ergibt sich für alle bilanzierungspflichtigen Unternehmen eine Dokumentationspflicht für die Nutzung des Aktivierungswahlrechts.
Der Gesetzgeber lässt einige Begriffe wie hohe Wahrscheinlichkeit offen, dies bedeutet, das Unternehmen einen hohen Spielraum haben diesbezüglich Zukunftsprognosen zustellen.
Den Unternehmen und gerade den KMUs wird mit dem im BilMoG reformierten Paragraphen § 248 Abs. 2 ein Werkzeug in die Handgegeben ihre Kapitalstruktur durch Aktivierung der Entwicklungskosten zu stärken, was sich positiv auf den Periodengewinn auswirkt. Dies kann jungen und innovativen Unternehmen in der Aufbauphase zugutekommen. Der Informationsgehalt aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird durch die Aktivierung und vor allem durch die periodengerechtere Verteilung der entwicklungsbezogenen Herstellungskosten unzweifelhaft verbessert. Das kann zum Wachstum der Unternehmen beitragen indem Investoren dazu geneigt sind aufgrund der sich in der Bilanz abzeichnenden Entwicklung weiteres Kapital zu investieren. Die Kapitalbeschaffung am Markt kann für Unternehmen somit erleichtert werden.
[1] Vgl. Scherrer, Gerhard (2011)
[2] Vgl.Philipps (2011) S 203 f.
[3] Vgl. sog. Abänderungsrichtlinie. Es handelt sich hierbei um die Richtlinie 2006/46/EG S.1
[4] Vgl. BilMoG RegE, S. 84.
[5] Vgl. sog. Abschlussprüferrrichtlinie, welche die Richtlinie 2006/43/EG, S. 87.
[6] vgl. Felice-Alfredo Avella (2010) S.
[7] Vgl. BR Drucksache (344/08), S. 130
[8] Vgl. Schmidt/Auer (2012) S. 203
[9] Vgl. Schmalenbach (DB 2001),S 992 f.
[10] Vgl. K.Küting/D. Ellmann (2009), S.270
[11] Vgl. BR- Drucksdache (344/08) S.131
[12] Vgl. Hoffmann/Lüdenbach IFRS/IAS (2013)
[13] Vgl BR- Drucksache (344/08) S.107
[14] Vgl. Beck'scher (2010)
[15] Vgl. Hommel,m. (1997), S 347
[16] Vgl. Beisse, H (1993), S.80
[17] Vgl. BilMoG RegE, S. 109.
[19] Spingler, (2012) S.637f.
[20] Vgl. BRZ /BVBC Stiftung (2010) S.43 f.
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Hagen (Fernuniversität Hagen)
V315806
9783668149939
9783668149946
Bilanzierung Forschung & Entwicklungskosten;, Wahlrecht;, Bilanzierung Forschungskosten;
Felix Sauerhöfer (Autor), 2014, Das handelsrechtliche Wahlrecht zur Aktivierung von Entwicklungskosten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315806
Bewertungseinheiten nach deutschem Ha...

References: §255
 §255
 § 248
 § 255
 § 255
 § 255
 § 255
 § 255
 § 255
 §285
 §314
 § 248
 § 248
 § 246
 § 255
 § 5
 § 248
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 § 248
 § 5
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 § 248