Source: http://www.international-probate-lawyer.com/detail/article/us-trust-und-steuern-1498.html
Timestamp: 2019-09-18 03:19:48+00:00

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US-Trust und Steuern
Wir werden immer wieder gefragt, welche steuerlichen Folgen ein US-Trust hat. Der Beitrag gibt eine Einführung in die Besteuerung von US-Trusts nach deutschem Steuerrecht.
Zivilrechtliche Grundlagen zum US-trust
Trusts sind ein ursprünglich in England entwickeltes Rechtsinstitut. In den USA werden trusts oft als Mittel der Nachlassplanung genutzt.
Der trust im US-Erbrecht
Unstreitig kann an Vermögen in Deutschland kein trust-Verhältnis bestehen (KG FGPrax, 2012, 200). Dies bedeutet aber nicht, dass die Anordnung eines trust an deutschem Vermögen schlicht ohne Rechtsfolgen ist. Vielmehr ist der angeordnete trust in ein Rechtsinstitut des deutschen Rechts umzudeuten, z.B. eine Treuhand, Testamentsvollstreckung oder Vor- und Nacherbschaft (siehe hierzu Aufsatz Trust im Erbrecht der USA aus deutscher Sicht).
In Folge der Nutzung des Trusts zur Verringerung der Steuerbelastung hat der Gesetzgeber Sonderregeln geschaffen: So gilt z.B. als Schenkung die Übertragung von Vermögen auf eine „Vermögensmasse ausländischen Rechts, welche auf dauerhafte Bindung angelegt ist“.
Wie bereits erläutert, gibt es nicht "den Trust" oder "das Trust-Verhältnis". Es ist auch nicht so, dass jeder Trusts eine „Vermögensmasse ausländischen Rechts, welche auf dauerhafte Bindung angelegt ist“, ist. Steuerlich relevant ist ein Trust nur, wenn eine "Verselbstständigung des Vermögens" erfolgt. Eine Verselbstständigung des Vermögens ist bei einem Trust anzunehmen, wenn der grantor (Errichter) bestimmt hat, dass die Verwalter des Trusts das Vermögen im Interesse der später Begünstigen verwalten und auf diese im Rahmen einer sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Vermögensnachfolge übertragen sollen (BFH, Urteil vom 27.9.2012, II R 45/10).
Beispiel für steuerlich transparenten trust: Erblasser E errichtet einen widerruflichen living lrust, behält sich für seine Lebenszeit alle Rechte vor und bestimmt, dass auf seinen Tod sein Kind, K1, als successor trustee das Vermögen an die Begünstigen umgehend verteilen soll. Ein solcher Grantor Trust ist steuerlich zu Lebzeiten des Erblasser völlig ohne Folgen. Auf den Tod fallen Todesfallsteuern wie bei Vererbung über ein Testament an.
Beispiel für steuerlich intransparenten trust: E errichtet einen unwiderruflichen living trust und bestimmt, dass der trustee, das trust-Vermögen für seine Ehefrau bis zu deren Ableben verwalten und in seinem Ermesse Zahlungen an sie aus dem Vermögensstamm leisten soll. Hier liegt eine wirtschaftliche Verselbständigung des Vermögens vor, so dass der Vorgang aus deutscher Sicht steuerliche Folgen haben kann.
Der Übergang auf den trust löst nur deutsche Steuern aus, wenn der Vermögensanfall in Deutschland steuerbar ist, d.h. entweder der Errichter oder der trustee seinen Wohnsitz bzw. Geschäftssitz in Deutschland hatte. In vielen Fällen ist der Übergang daher erkennbar in Deutschland nicht steuerbar.
Beispiel: A, US-Staatsangehöriger mit Wohnsitz und ständigem Aufenthalt in den USA, errichtet einen Trust an Vermögensgegenständen in den USA. Es fehlt an einen Bezug zu Deutschland.
Ferner sind die besonderen Regelungen des deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) zu beachten. Dieses enthält u.a. besondere Regelungen für
die beschränkte Steuerpflicht (Art. 5 bis 9 DBA),
den Wohnsitz (Art. 4 DBA) und
und den trust (Art. 12 DBA).
Die Zuwendungen an die Begünstigten während des Bestehens des trusts sind nach § 7 Abs. 1 Nr. 9 Satz 2 ErbStG steuerpflichtig (BFH, Urteil vom 27.9.2012, II R 45/10). Dies gilt sowohl hinsichtlich des Kapitals des Trusts (principal) als auch der Erträgen aus diesem Kapital (income).
Tipp: Erst mit der Zuwendung wird Schenkungssteuer ausgelöst. Ist der Begünstigte kein Inländer, fällt keine (deutsche) Schenkungssteuer an. Durch Wegzug kann man daher die Schenkungssteuer vermeiden.
Auch der Erwerb bei Auflösung (final distribution) des Trusts unterliegt der Besteuerung gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 9 Satz 2 ErbStG. Für die Bestimmung der Steuerklasse und die Steuersätze ist das Verwandtschaftsverhältnis zum Errichter für die Bestimmung der Steuerklasse, § 15 Abs. 2 Satz 2 ErbStG.
Tipp: Im Hinblick auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 30.11.2009 (II R 6/07, BStBl II 2010, 237) wird die Auffassung vertreten, dass beim Erwerb von mehreren Trusts keine Zusammenrechnung nach § 14 ErbStG erfolgt. Dies kann im Hinblick auf die Freibeträge und die Steuerprogression sehr interessant sein.
Zurechnung des Vermögens und Einkommens bei einem Familien-trust
Das Vermögen und Einkommen eines (nicht steuerlich transparenten) Familien-trusts wird dem Errichter, wenn er unbeschränkt steuerpflichtig ist, sonst den unbeschränkt steuerpflichtigen Personen, die bezugsberechtigt oder anfallberechtigt sind, entsprechend ihrem Anteil zugerechnet, § 15 AStG. Familien-trusts solche Trusts, bei denen der Errichter, seine Angehörigen und deren Abkömmlinge zu mehr als der Hälfte bezugsberechtigt oder anfallberechtigt sind, § 15 (2) AStG.
BFH: Besteuerung der Ausschüttung eines US-amerikanischen Trusts an Zwischenerwerber - Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 27.9.2012, II R 45/10 einige Fragen der schenkungssteuerlichen Behandlung der Ausschüttung eines US-amerikanischen Trusts an... Mehr Die Besteuerung deutsch-amerikanischer Erbfälle nach dem deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommen - Einführung Die USA und Deutschland haben unterschiedliche nationalen Regelungen zur Steuerpflicht betreffend Erbschaften (und Schenkungen): Die USA erheben auf... Mehr Trust im Erbrecht der USA aus deutscher Sicht - Der trust im Erbrecht der USA Trusts sind ein ursprünglich in England entwickeltes Rechtsinstitut. In den USA werden trusts oft als Mittel der Nachlassplanung genutzt... Mehr
Jan-Hendrik Frank 11.09.2013

References: § 7
 § 7
 § 15
 § 14
 § 15
 § 15