Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsrat_Schriftlichkeit_LAG-Baden-Wuerttemberg_4Sa10-08.html
Timestamp: 2017-01-20 07:45:13+00:00

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3 Ca 260/07 (ArbG Pforz­heim)
- Kläge­rin/Be­ru­fungskläge­rin -ge­gen- Be­klag­te/Be­ru­fungs­be­klag­te -hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 4. Kam­mer - durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dr. Nat­ter, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bi­schof und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lutzauf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 08.09.2008 für Recht er­kannt:
I. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pforz­heim vom 13.12.2007 - 3 Ca 260/07 - ab­geändert und wie folgt neu ge­fasst: 1. Es wird fest­ge­stellt, dass das zwi­schen der Kläge­rin und den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung der Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 vom 27.06.2007 nicht mit Ab­lauf des 08.08.2007, son­dern erst mit Ab­lauf des 31.08.2007 ge­en­det hat.
II. Die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung der Kläge­rin wird zurück­ge­wie­sen.
III. Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen die Kläge­rin zu 9/10 und die Be­klag­te zu 1/10.*)- Be­rich­tigt gemäß Be­schluss vom 29.09.2008 -
*) Ziff. III:Die Ge­richts­kos­ten tra­gen die Kläge­rin zu 95 % und die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 als Ge­samt­schuld­ner zu 5 %. Die Kläge­rin trägt die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Be­klag­ten Ziff. 3 und 4 voll; die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 tra­gen die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Kläge­rin als Ge­samt­schuld­ner zu 5 %. Im übri­gen tra­gen die Par­tei­en ih­re außer­ge­richt­li­chen Kos­ten selbst.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob das zwi­schen den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 be­ste­hen­de Ar-beits­verhält­nis durch die Kündi­gung die­ser Be­klag­ten vom 27.06.2007 mit Ab­lauf des 08.08.2007 ge­en­det hat.
Die im Zeit­punkt der Kündi­gung 53 Jah­re al­te, ver­hei­ra­te­te und zwei Kin­dern un­ter­halts­ver-pflich­te­te Kläge­rin war bei den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 seit 01.04.2004 als MTRA beschäftigt. Der Ehe­mann der Kläge­rin er­litt im Jahr 2006 ei­nen Schlag­an­fall und war im Zeit­punkt der Kündi­gung noch ar­beits­unfähig. Der Sohn der Kläge­rin ist be­hin­dert und nicht aus­bil­dungs-fähig. Das mo­nat­li­che Brut­to­ein­kom­men der Kläge­rin be­lief sich zu­letzt auf ca. € 3.200,00. Ob auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en das Kündi­gungs­schutz­ge­setz An­wen­dung fin­det, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 be­trei­ben in N. ei­ne Pra­xis für Strah­len­the­ra­pie. Im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ar­beits­ver­trags am 13.02.2004 war der Be­klag­te Ziff. 1 In­ha­ber der Pra­xis und Ver­trags­part­ner des Ar­beits­verhält­nis­ses. Nach Ab­schluss des Ar­beits­ver­trags trat die Be­klag­te Ziff. 2 in die Pra­xis ein. Der Be­klag­te Ziff. 3 ist der Geschäftsführer der Be­klag­ten Ziff. 4. Geschäfts­zweck der Be­klag­ten Ziff. 4 ist die Ver­mie­tung bzw. Ver­pach­tung von Arzt­pra­xen ein­sch­ließlich der Durchführung des Pra­xis­ma­nage­ments. Bei der Be­klag­ten Ziff. 4 sind der­zeit neun Ar­beit­neh­mer, dar­un­ter zwei ge­ringfügig Beschäftig­te tätig. Die Be­klag­te Ziff. 4 ver­mie­te­te bzw. ver­pach­te­te zu ei­nem nicht näher vor­ge­tra­ge­nen Zeit-punkt Räum­lich­kei­ten so­wie die Be­triebs- und Geschäfts­aus­stat­tung für den Be­trieb ei­ner Strah­len­pra­xis an den Be­klag­ten Ziff. 1. Darüber hin­aus schloss der Be­klag­te Ziff. 1 mit der Be­klag­ten Ziff. 4 am 28.12.2003 ei­nen so­ge­nann­ten Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trag ab. Hier­in be­vollmäch­tig­te der Be­klag­te Ziff. 1 die Be­klag­te Ziff. 4, ihn in den Be­rei­chen Fi­nanz­we­sen, Per­so­nal­we­sen, Ma­te­ri­al­be­schaf­fungs­we­sen, Rechts­ver­tre­tung und all­ge­mei­ne Ver­wal­tung voll umfäng­lich zu ver­tre­ten. Die Ziff. 10 - 12 des Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trags lau­ten wie folgt:
„ 2. Ge­ne­ral­voll­machtDie Pra­xis­ma­na­ge­rin ist be­vollmäch­tigt, die Pra­xis in fol­gen­den An­ge­le­gen­hei­ten voll-umfäng­lich zu ver­tre­ten: Fi­nanz­we­sen, Per­so­nal­we­sen, Ma­te­ri­al­be­schaf­fungs­we­sen, Rechts­ver­tre­tung, All­ge­mei­ne Ver­wal­tung. Die Pra­xis­ma­na­ge­rin ist hier al­lein und in vol­lem Um­fang hand­lungsfähig. Sie han­delt bei Durchführung des Ver­trags stets im Na­men und für Rech­nung der Pra­xis.
10. Wei­sungs­be­fug­nisa) Die PM ist be­rech­tigt, dem Pra­xis­per­so­nal ge­genüber Wei­sun­gen zu er­tei­len. Dies gilt nicht bzgl. der Be­hand­lung von Pa­ti­en­ten.b) Die PM kann zur Er­le­di­gung des Pra­xis­ma­nage­ments auch das Pra­xis­per­so­nal ein-set­zen.
11. Aus­sch­ließlich­keits­rechtDie In­ha­ber der Pra­xis grei­fen nicht ei­genmäch­tig in das Pra­xis­ma­nage­ment ein. Sie wi­ckeln in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung und oh­ne Mit­wir­kung der PM aus­sch­ließlich die ärzt­li­che Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten ab. An­sons­ten wird das Aus­sch­ließlich­keits­recht der PM für die Dau­er des Ver­trags ak­zep­tiert. 12. Kündi­gunga) Wird der Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trag von der Pra­xis gekündigt, so er­folgt gleich­zei­tig au­to­ma­tisch auch die Kündi­gung der Miet- und Pacht­verträge mit der I.-GmbH bzgl. des Gebäudes und der Be­triebs- und Geschäfts­aus­stat­tung.b) Der Ver­trag ist mit ei­ner Frist von 6 Mo­na­ten auf das En­de ei­nes Ka­len­der­jah­res künd­bar. Die Kündi­gung be­darf der Schrift­form. „
Auf­grund des Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trags un­ter­zeich­ne­te der Be­klag­te Ziff. 3 in sei­ner Ei-gen­schaft als Geschäftsführer der Be­klag­ten Ziff. 4 und Ge­ne­ral­be­vollmäch­tig­ter des Be­klag-ten Ziff. 1 den mit der Kläge­rin ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag ein­sch­ließlich ei­nes Nach­trags. Der Ar­beits­ver­trag enthält un­ter Ziff. 8 fol­gen­de Re­ge­lung:
„1. Der Ver­trag ist von bei­den Ver­trags­par­tei­en nach den ta­rifübli­chen Be­din­gun­gen zu be­en­den.“
Die Be­klag­te Ziff. 4 war des Wei­te­ren zuständig für das ge­sam­te Qua­litäts­ma­nage­ment. Des wei­te­ren muss­ten al­le Ur­laubs­anträge der Pra­xis­mit­ar­bei­te­rin­nen von Ver­tre­tern der Be­klag-ten Ziff. 4 ab­ge­zeich­net wer­den. Im Zeit­punkt der Kündi­gung wa­ren bei den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 sechs Voll­zeit­kräfte und zwei ge­ringfügig beschäftig­te Rei­ni­gungs­kräfte im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses tätig. Zur Durchführung des Pra­xis­ma­nage­ments wa­ren in der Pra­xis des Wei­te­ren Frau N.H., Frau S.S. und Frau S.K. tätig. Die ge­nann­ten Mit­ar­bei­ter stan­den bzw. ste­hen noch in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten Ziff. 4. Ei­nen in­halt­lich na­he­zu gleich­lau­ten­den Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trag schloss die Be­klag­te Ziff. 4 mit ei­ner Ge­mein­schafts­pra­xis für Strah­len­the­ra­pie A.V., E.F., A.B. am 15.12.2006 ab.
Der Sitz der Pra­xis be­fin­det sich in B. Dort sind in et­wa die glei­che Zahl von Per­so­nen beschäftigt wie in der Pra­xis in N. Auch in der Pra­xis in B. setzt die Be­klag­te Ziff. 4 Per­so­nal zur Durchführung des Pra­xis­ma­nage­ments ein. Mit Schrei­ben vom 27.06.2007 kündig­ten die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin „ent­spre­chend den ta­rifübli­chen Be­din­gun­gen mit ei­ner Frist von 6 Wo­chen“ zum 08.08.2007. Das Schrei­ben ist von den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 so­wie von dem Be­klag­ten Ziff. 3 als Ge­ne­ral­be­vollmäch­tig­ter der Ge­mein­schafts­pra­xis un­ter­zeich­net. Mit ih­rer am 12.07.2007 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat sich die Kläge­rin ge­gen die­se Kündi­gung ge­wandt. Sie hat im We­sent­li­chen vor­ge­tra­gen, auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­de das Kündi­gungs­schutz­ge­setz An­wen­dung, weil die Strah­len­pra­xen in N. und in B. in­fol­ge der durch den Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trag her­bei­geführ­ten ein­heit­li­chen Lei­tung ei­nen ge­mein­schaft­li­chen Be­trieb bil­de­ten. Die Be­klag­ten sind die­ser Rechts­auf­fas­sung ent­ge­gen­ge­tre­ten. Sie ha­ben aus­geführt, der Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trag ha­be le­dig­lich zur Fol­ge, dass die Ver­wal­tungs­auf­ga­ben durch die Be­klag­te Ziff. 4 in Ver­tre­tung für die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 durch­geführt würden. Mit Ur­teil vom 13.12.2007 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Zur Be-gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Kläge­rin ha­be die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes ein­heit­li­chen Lei­tungs­ap­pa­rats nicht mit der nöti­gen Sub­stanz vor­ge­tra­gen. Die bei­den Strah­len­pra­xen verfügten über ge­trenn­te Mit­ar­bei­terstämme und nutz­ten un­ter­schied­li­che Pra­xisräume. Ein Aus­tausch von Mit­ar­bei­tern sei nicht hin­rei­chend be­legt. Die Kam­mer fol­ge da­her dem Vor­trag der Be­klag­ten, wo­nach die Aus­la­ge­rung der Ver­wal­tung auf ei­nen ex­ter­nen Drit­ten nur die Fol­ge ha­be, dass die Ver­wal­tungs­auf­ga­ben in Ver­tre­tung für die Pra­xis­in­ha­ber durch­geführt würden. Ge­gen das ihr am 04.03.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin am 27.03.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am 02.06.2008 be-gründet. Sie trägt vor, der ab­ge­schlos­se­ne Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trag führe da­zu, dass sich die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 sämt­li­cher Ar­beit­ge­ber­funk­tio­nen entäußert hätten. Prak­tisch al­le Ar­beit­ge­ber­funk­tio­nen sei­en auf die Be­klag­ten Ziff. 3 und 4 über­tra­gen. Über die im We­sent­li­chen gleich­lau­ten­den Pra­xis­ma­nage­ment­verträge sei­en die Strah­len­pra­xen in N. und in B. über die Klam­mer der Be­klag­ten Ziff. 3 und 4 zu ei­nem ge­mein­schaft­li­chen Be­trieb ver­bun­den. Sie ha­be die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes ein­heit­li­chen Lei­tungs­ap­pa­rats hin­rei­chend dar­ge-legt. Hin­zu­wei­sen sei ins­be­son­de­re auf das Aus­sch­ließlich­keits­recht nach Ziff. 11 und die Re­ge­lung über die Kündi­gung nach Ziff. 12 des Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trags. Es fin­de auch
ein Aus­tausch von Mit­ar­bei­tern statt, weil die in der Pra­xis B. beschäftig­te Ar­beit­neh­me­rin M.A. in die Pra­xis N. ver­setzt wor­den sei. Die Kläge­rin be­an­tragt:
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pforz­heim - Az.: 3 Ca 260/07 - vom 13.12.2007 wird auf­ge­ho­ben und wie folgt ab­geändert:
Es wird fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung vom 27.06.2007 zum 08.08.2007 be­en­det wor­den ist, son­dern fort­be­steht. Die Be­klag­ten be­an­tra­gen,
die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­zu­wei­sen. Sie tra­gen vor, zwi­schen den Strah­len­the­ra­pie­pra­xen in N. und B. be­ste­he kein ge­mein­sa­mer Be­trieb. Bei­de Strah­len­pra­xen verfügten über ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter, die nur dort tätig sei­en. Ein Per­so­nal­aus­tausch fin­de nicht statt. Die Ar­beit­neh­me­rin A. sei am 15.08.2007 aus persönli­chen Gründen durch Auf­he­bungs­ver­trag aus der Pra­xis B. aus­ge­schie­den und ha­be an­sch­ließend mit den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 ein Ar­beits­verhält­nis be­gründet. Ent­ge­gen dem Vor­trag der Kläge­rin sei der Be­klag­te Ziff. 3 nicht der „al­lei­ni­ge Chef und In­ha­ber“ der ge­sam­ten Lei­tungs­macht. Die Be­klag­te Ziff. 4 (bzw. de­ren Geschäftsführer) tre­te nach außen als Ver­tre­te­rin und nicht im ei­ge­nen Na­men auf, so dass der je­wei­li­ge In­ha­ber der Strah­len­pra­xis ver­pflich­tet wer­de. Auf die Auf­la­ge des Ge­richts an die Be­klag­te mit­zu­tei­len, auf wel­che ta­rifübli­chen Be­din­gun-gen die ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lung über die Kündi­gungs­frist ver­wei­se, hat die Be­klag­te er-gänzend mit­ge­teilt, dass es ei­nen Ta­rif­ver­trag, der un­mit­tel­bar auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­de, nicht ge­be. Der Ver­weis hier­auf im Kündi­gungs­schrei­ben sei oh­ne kon­kre­ten Be­zug. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stands wird gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Pro­to­kol­le über die münd­li­chen Ver­hand­lun­gen ver­wie­sen.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist gemäß § 64 Abs. 2 Buchst. c) statt­haft. Sie ist auch gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG, §§ 519, 520 ZPO in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be-gründet wor­den. II.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist, so­weit sie sich ge­gen die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 rich­tet, über-wie­gend un­be­gründet. Die Kündi­gung der Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 be­durf­te kei­ner so­zia­len Recht­fer­ti­gung, weil das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin mit den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 nicht dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz un­ter­liegt (da­zu 1.). Die Kündi­gung vom 27.06.2007 wur­de al­ler­dings zu ei­nem ge­setz­lich nicht vor­ge­se­he­nen Kündi­gungs­ter­min aus­ge­spro­chen, wes­halb das Ar­beits­verhält­nis erst mit Ab­lauf des 31.08.2007 ge­en­det hat (da­zu 2.). 1. Die Kündi­gung vom 27.06.2007 be­durf­te nicht der so­zia­len Recht­fer­ti­gung, weil das Ar-beits­verhält­nis der Kläge­rin mit den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 nach § 23 Abs. 1 Satz 3 KSchG nicht dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz un­ter­liegt. a) Die ge­gen die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 oh­ne nähe­re Be­zeich­nung er­ho­be­ne Kündi-gungs­schutz­kla­ge ist da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass sich die Kla­ge in Wirk­lich­keit ge­gen die Ge­sell­schaft des bürger­li­chen Rechts wen­det, die von den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 un­strei­tig ge­bil­det wird. Nach der geänder­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind nicht mehr die ein­zel­nen Ge­sell­schaf­ter ei­ner Ge­sell­schaft des bürger­li­chen Rechts je­weils Ar­beit­ge­ber. Viel­mehr ist ei­ne (Außen)ge­sell­schaft des bürger­li­chen Rechts selbst Ar­beit­ge­ber, weil sie im Zi­vil­pro­zess ak­tiv und pas­siv par­teifähig ist (BAG 01.12.2004 - 5 AZR 597/03 - AP ZPO § 50 Nr. 14; Schaub-Vo­gel­sang, Ar­beits­rechts-Hand­buch, 12. Aufl., § 17 Rz. 2).
b) Nach § 23 Abs. 1 Satz 3 KSchG gilt die Vor­schrift des § 1 KSchG zur so­zia­len Recht­fer­ti­gung von Kündi­gun­gen nicht für Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis nach dem 31.12.2003 be­gon­nen hat, so­fern in dem be­tref­fen­den Be­trieb in der Re­gel 10 oder we­ni­ger Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließlich der zu ih­rer Be­rufs­bil­dung Beschäftig­ten beschäftigt wer­den (bis 31.12.2003: fünf oder we­ni­ger Ar­beit­neh­mer). Da die Kläge­rin erst am 01.04.2004 da­mals noch bei dem Be­klag­ten Ziff. 1 als Ar­beit­neh­me­rin ein­trat,
ist der an­ge­ho­be­ne Schwel­len­wert auf das Ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den. Zwi­schen den Par­tei­en steht außer Streit, dass der Schwel­len­wert von 10 Ar­beit­neh­mern nicht über­schrit­ten wird, wenn man aus­sch­ließlich die bei den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer her­an­zieht. Die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 beschäftig­ten im Zeit­punkt der Kündi­gung 6 Voll­zeit­ar­beit­neh­mer und 2 ge­ringfügig beschäftig­te Rei­ni­gungs­kräfte. Rech­ne­risch er­ge­ben sich da­mit sie­ben Ar­beit­neh­mer. c) Der maßgeb­li­che Schwel­len­wert ist auch nicht des­we­gen über­schrit­ten, weil die Strah­len­pra­xis der Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 in N. mit der von drei an­de­ren Ärz­ten be­trie­be­nen Strah­len­pra­xis in B. ei­nen ge­mein­sa­men Be­trieb bil­det. Die von bei­den Strah­len­pra­xen mit der Be­klag­ten Ziff. 4 ab­ge­schlos­se­nen Pra­xis­ma­nage­ment­verträge führen nicht da­zu, dass die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Ge­mein­schafts­be­trieb bei­den Strah­len­pra­xen vor­lie­gen. aa) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind bei der Be­rech­nung des Schwel­len­werts nach § 23 Abs. 1 KSchG die von an­de­ren Ar­beit­ge­bern beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich nicht ein­zu­be­zie­hen. Der Kündi­gungs­schutz nach dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz ist nicht ar­beit­ge­berüberg­rei­fend aus­ge­stal­tet. Ei­ne Aus­nah­me gilt nur dann, wenn sich zwei oder meh­re­re Un­ter­neh­men zur ge­mein­sa­men Führung ei­nes Be­trie­bes - zu­min­dest kon­klu­dent - recht­lich ver­bun­den ha­ben. Von ei­nem ge­mein­sa­men Be­trieb meh­re­rer Un­ter­neh­men ist aus­zu­ge­hen, wenn die in ei­ner Be­triebsstätte vor­han­de­nen ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel für ei­nen ein­heit­li­chen ar­beits­tech­ni­schen Zweck zu­sam­men­ge­fasst, ge­ord­net und ge­zielt ein­ge­setzt wer­den und der Ein­satz der men­sch­li­chen Ar­beits­kraft von ei­nem ein­heit­li­chen Lei­tungs­ap­pa­rat ge­steu­ert wird. Die ein­heit­li­che Lei­tung muss sich auf die we­sent­li­chen Funk­tio­nen des Ar­beit­ge­bers in per­so­nel­len und so­zia­len An­ge­le­gen­hei­ten er­stre­cken. Ei­ne le­dig­lich un­ter­neh­me­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit genügt nicht (zu § 23 KSchG: BAG 18.01.1990 - 2 AZR 355/89; BAG 29.04.1999 - 2 AZR 352/98 und BAG 13.02.2002 - 2 AZR 327/01 - AP KSchG 1969 Nr. 9, 21 und 29; zu § 1 Be­trVG zu­letzt: BAG 22.10.2003 - 7 ABR 18/03; BAG 11.02.2004 - 7 ABR 27/03 und BAG 22.06.2005 - 7 ABR 57/04 - AP Be­trVG 1972 § 1 Ge­mein­sa­mer Be­trieb Nr. 21 bis 23; KR-Wei­gand, 8. Aufl. § 23 Rz. 49; APS-Moll, 3. Aufl. § 23 Rz. 15). bb) Nach die­ser Be­griffs­de­fi­ni­ti­on des Ge­mein­schafts­be­triebs bil­den die bei­den Strah­len­pra­xen in B. und N. kei­nen ge­mein­sa­men Be­trieb, und zwar auch nicht mit­tels
der durch die Be­klag­te Ziff. 4 ver­mit­tel­ten „Klam­mer“. Es trifft zwar zu, dass die ab­ge­schlos­se­nen Pra­xis­ma­nage­ment­verträge dar­auf ab­zie­len, ei­ne möglichst ein­heit­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on der be­tei­lig­ten Strah­len­pra­xen in den Be­rei­chen des Fi­nanz-, Per­so­nal- und Ma­te­ri­al­be­schaf­fungs­we­sens, der Rechts­ver­tre­tung und der all­ge­mei­nen Ver­wal­tung her­bei­zuführen. Es ist der zen­tra­le In­halt der Geschäfts­idee des Be­klag­ten Ziff. 3, den be­tei­lig­ten Pra­xis­in­ha­bern ein al­le Fra­gen der Pra­xis­ver­wal­tung ab­de­cken­des Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept an­zu­bie­ten. Die Be­klag­ten stel­len auch nicht in Ab­re­de, dass es ge­ra­de Sinn des Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trags ist, die Ar­beit­ge­ber­funk­tio­nen in den vom Ver­trag er­fass­ten Be­rei­chen in vol­lem Um­fang auf die Be­klag­te Ziff. 4 als Ge­ne­ral­be­vollmäch­tig­te zu über­tra­gen.
Gleich­wohl lässt sich aus die­sem Um­stand al­lein noch kein maßgeb­li­cher Ge­sichts­punkt für das Vor­lie­gen ei­nes Ge­mein­schafts­be­trie­bes der bei­den Strah­len­pra­xen her­lei­ten. Denn es fehlt im vor­lie­gen­den Fall an der wei­te­ren maßgeb­li­chen Vor­aus­set­zung, dass die in ei­ner Be­triebsstätte vor­han­de­nen ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel für ei­nen ein­heit­li­chen ar­beits­tech­ni­schen Zweck zu­sam­men­ge­fasst, ge­ord­net und ge­zielt ein­ge­setzt wer­den. Es han­delt sich hier­bei um ei­ne zusätz­li­che Vor­aus­set­zung, die ne­ben dem Er­for­der­nis steht, dass der Ein­satz der Ar­beit­neh­mer von ei­nem ein­heit­li­chen Lei­tungs­ap­pa­rat ge­steu­ert wer­den muss. Im vor­lie­gen­den Fall gibt es für ei­ne der­ar­ti­ge Zu­sam­men­fas­sung der ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel kei­ne An­halts­punk­te. Die ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel, ins­be­son­de­re die Be­triebsräum­lich­kei­ten und die Be­triebs­aus­stat­tung wer­den von den bei­den Strah­len­pra­xen nicht un­ter­neh­mensüberg­rei­fend ge­nutzt. Je­de Pra­xis nutzt nur die je­weils ei­ge­nen Räum­lich­kei­ten und Aus­stat­tung. Glei­ches gilt für den Per­so­nal­ein­satz, was das bei den Pra­xis­in­ha­bern an­ge­stell­te me­di­zi­ni­sche Per­so­nal an­geht. Das me­di­zi­ni­sche Fach­per­so­nal ist nicht zum Teil in B. und zum Teil in N. ein­ge­setzt. So­weit die Kläge­rin auf den Fall der Ar­beit­neh­me­rin A. hin­ge­wie­sen hat, die im Au­gust 2007 von der Pra­xis B. in die Pra­xis N. ge­wech­selt ist, so liegt nach den vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen kein un­ter­neh­mensüberg­rei­fen­der Per­so­nal­ein­satz, son­dern ein Ar­beit­ge­ber­wech­sel vor. Frau A. schied am 15.08.2007 aus persönli­chen Gründen (Wohn­ort in der ar­beits­ortnähe­ren Stadt M.) aus der Pra­xis B. aus und trat am 16.08.2007 bei den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 in ein Ar­beits­verhält­nis. Es trifft in die­sem Zu­sam­men­hang zwar zu, dass - ver­mut­lich auf­grund des persönli­chen Kon­takts zwi­schen den Pra­xis­in­ha­bern - ein Weg­fall der Pro­be­zeit ver­ein­bart wur­de. Hätte es sich - wie die Kläge­rin meint -
aber um ei­ne „Ver­set­zung“ ge­han­delt, so wäre mit Si­cher­heit zusätz­lich ver­ein­bart wor­den, dass die in der Pra­xis B. er­wor­be­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit an­ge­rech­net wird. Hier­an fehlt es je­doch.
Dass die von der Be­klag­ten Ziff. 4 ab­ge­schlos­se­nen Pra­xis­ma­nage­ment­verträge nicht „als Klam­mer“ zur Gründung von Ge­mein­schafts­be­trie­ben zwi­schen den be­tei­lig­ten Arzt­pra­xen führen können, lässt sich auch an­hand fol­gen­den Bei­spiels ver­an­schau­li­chen: Würde die Be­klag­te Ziff. 4 gleich­ar­ti­ge Verträge mit ei­ner Viel­zahl von Arzt­pra­xen ab­sch­ließen, hätte dies nach der kläge­ri­schen Auf­fas­sung zur Fol­ge, dass sämt­li­che Arzt­pra­xen zu­sam­men ei­nen Ge­mein­schafts­be­trieb bil­den würden. Dies würde kon­se­quen­ter­wei­se selbst dann gel­ten, wenn kei­ner­lei persönli­cher Kon­takt zwi­schen den Pra­xis­in­ha­bern bestünde. Es drängt sich auf, dass bei die­ser Be­trach­tungs­wei­se die Rechts­fi­gur des Ge­mein­schafts­be­triebs über­stra­pa­ziert wird. d) Es liegt aber auch kein Ge­mein­schafts­be­trieb zwi­schen der Strah­len­pra­xis (Be­trieb) der Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 und dem Be­trieb der Be­klag­ten Ziff. 4 vor. aa) Ein Ge­mein­schafts­be­trieb in die­ser Form liegt zu­min­dest näher als ein Ge­mein­schafts­be­trieb der bei­den Strah­len­pra­xen. Denn im­mer­hin ver­bin­det die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 mit der Be­klag­ten Ziff. 4 ein Ver­trags­verhält­nis, auf­grund des­sen der Be­klag­ten Ziff. 4 um­fang­rei­che recht­li­che Be­fug­nis­se ein­geräumt sind. Zu­dem sind in der Strah­len­pra­xis der Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 ständig drei Mit­ar­bei­te­rin­nen der Be­klag­ten Ziff. 4 tätig. Dem äußeren Er­schei­nungs­bild nach ist es für außen­ste­hen­de Per­so­nen nicht er­kenn­bar, dass es sich hier­bei um Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten Ziff. 4 han­delt. Das Kündi­gungs­schutz­ge­setz ist gleich­wohl aber nicht an­wend­bar. Würde man die drei in der Strah­len­pra­xis N. beschäftig­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen der Be­klag­ten Ziff. 4 bei der Be­rech­nung des Schwel­len­werts mit berück­sich­ti­gen, so wäre die er­for­der­li­che Zahl von zehn Ar­beit­neh­mer oh­ne­hin noch nicht über­schrit­ten. Die Zu­sam­men­rech­nung ist aber schon im Grund­satz un­zulässig, weil die durch den Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trag be­gründe­te un­ter­neh­me­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 und der Be­klag­ten Ziff. 4 nicht zu ei­nem ge­mein­sa­men Be­trieb zwi­schen der Strah­len­pra­xis und der Pra­xis­ma­na­ge­rin führt.
bb) Bei der vor­lie­gen­den Ver­trags­ge­stal­tung han­delt es sich um ei­ne re­la­tiv neue Er­schei­nungs­form der Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten und
Drit­ten. Wie der Be­klag­te Ziff. 3 in der Ver­hand­lung erläutert hat, stand am Be­ginn der Zu­sam­men­ar­beit zunächst das Ver­mie­tungs- und Ver­pach­tungs­geschäft. Erst zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt ent­stand die Über­le­gung, dass die Über­nah­me des Pra­xis­ma­nage­ments durch die Be­klag­te Ziff. 4 für bei­de Sei­ten Vor­tei­le hat. Die Pra­xis­in­ha­ber können sich voll und ganz auf die ärzt­li­che Tätig­keit kon­zen­trie­ren, weil die Pra­xis­ma­na­ge­rin als Ge­ne­ral­be­vollmäch­tig­te die ge­sam­te Or­ga­ni­sa­ti­on der Arzt­pra­xis über­nimmt. Bei der Pra­xis­ma­na­ge­rin las­sen sich Sy­ner­gie­ef­fek­te da­durch er­zie­len, dass das Geschäfts­mo­dell in meh­re­ren Arzt­pra­xen durch­geführt wird. Im sta­ti­onären Be­reich sind der­ar­ti­ge Ko­ope­ra­ti­ons­mo­del­le nach den Ausführun­gen des Be­klag­ten Ziff. 3 be­reits weit ver­brei­tet (sog. MVZ = me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­zen­tren). Das Kran­ken­haus stellt hier­bei ei­ner Grup­pe von Ärz­ten sächli­che Mit­tel ein­sch­ließlich des Pra­xis­ma­nage­ments zur Verfügung; die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung ob­liegt den be­tei­lig­ten Ärz­ten in selbständi­ger Tätig­keit. cc) Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, durch den Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trag sei der Be­weis er­bracht, dass die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 ih­re Ar­beit­ge­ber­funk­tio­nen in vol­lem Um­fang an die Be­klag­te Ziff. 4 de­le­giert hätten. Be­son­ders au­genfällig sei das in Ziff. 11 des Ver­trags nie­der­ge­leg­te Aus­sch­ließlich­keits­recht, wo­nach die Ge­sell­schaf­ter der Arzt­pra­xis nicht ei­genmäch­tig in das Pra­xis­ma­nage­ment ein­grei­fen dürf­ten. Des Wei­te­ren wer­de die Abhängig­keit der Pra­xis­in­ha­ber aus der Kündi­gungs­re­ge­lung in Ziff. 12 des Ver­trags do­ku­men­tiert. Hier­nach führt die Kündi­gung des Pra­xis­ma­nage­ment­ver­trags au­to­ma­tisch zur Kündi­gung der Miet- und Pacht­verträge hin­sicht­lich der Räum­lich­kei­ten und der Be­triebs­aus­stat­tung.
Die­se Auf­fas­sung teilt die Kam­mer nicht. Un­ge­ach­tet der star­ken Rechts­po­si­ti­on der Be­klag­ten Ziff. 4 bleibt zu be­ach­ten, dass die­se das ge­sam­te Pra­xis­ma­nage­ment für die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 in de­ren Ver­tre­tung wahr­nimmt. Die Rech­te und Pflich­ten aus dem Han­deln der Be­klag­ten Ziff. 4 tref­fen aus­sch­ließlich die Pra­xis­in­ha­ber. Da­her trifft es ge­ra­de nicht zu, dass sich die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 ih­rer Ar­beit­ge­ber­stel­lung recht­lich „entäußert“ ha­ben. Die Pra­xis­in­ha­ber blei­ben Ar­beit­ge­ber, auch wenn die Be­klag­te Ziff. 4 für sie han­delt. Dass die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 das Kündi­gungs­schrei­ben mit un­ter­zeich­net ha­ben, war un­ter den ge­ge­be­nen Umständen schlicht überflüssig, aber auch nicht schädlich.
Es kommt hin­zu, dass die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 ei­ner­seits und die Be­klag­te Ziff. 4 an­de­rer­seits kei­nen ge­mein­sa­men ar­beits­tech­ni­schen Zweck ver­fol­gen. An­ders
als bei dem oben an­geführ­ten Ko­ope­ra­ti­ons­mo­dell im sta­ti­onären Be­reich han­delt es sich bei der Be­klag­te Ziff. 4 um ei­ne rei­ne Dienst­leis­te­rin. Sie stellt aus­sch­ließlich die sächli­chen und per­so­nel­len Mit­tel für den Be­trieb der Arzt­pra­xis und für das Pra­xis­ma­nage­ment zur Verfügung, während sich die Pra­xis­in­ha­ber aus­sch­ließlich der ärzt­li­chen Ver­sor­gung wid­men. Die Auf­ga­ben­be­rei­che sind hier­bei klar ge­trennt. Nach Ziff. 10 a des Ver­trags ist die Be­klag­te Ziff. 4 zwar be­rech­tigt, dem Pra­xis­per­so­nal ge­genüber Wei­sun­gen zu er­tei­len. Dies gilt je­doch nicht bezüglich der Be­hand­lung von Pa­ti­en­ten. Die wei­te­re Be­stim­mung in Ziff. 10 b des Ver­trags, wo­nach die Be­klag­te Ziff. 4 zur Er­le­di­gung des Pra­xis­ma­nage­ments auch das Pra­xis­per­so­nal ein­set­zen kann, könn­te zwar zu ei­ner Ver­men­gung der Auf­ga­ben­be­rei­che führen (wes­halb die Be­stim­mung der Kam­mer als be­denk­lich er­scheint). Es ist aber nichts dafür er­sicht­lich, dass die Be­klag­te Ziff. 4 das von den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 an­ge­stell­te Pra­xis­per­so­nal in nen­nens­wer­tem Um­fang mit dem Pra­xis­ma­nage­ment be­traut hat. Im Ge­gen­teil hat die Be­klag­te Ziff. 4 et­wa im Fall der bei den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 beschäftig­ten Ar­beit­neh­me­rin P. auf ei­ne kla­re Tren­nung Wert ge­legt, in­dem Frau P. für Auf­ga­ben des Pra­xis­ma­nage­ment im Rah­men ei­ner zusätz­li­chen ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung her­an­ge­zo­gen wur­de. Da­her ist der in Ziff. 11 Satz 2 des Ver­trags ge­re­gel­te Grund­satz, wo­nach die Pra­xis­in­ha­ber in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung und oh­ne Mit­wir­kung der Be­klag­ten Ziff. 4 die ärzt­li­che Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten ab­wi­ckeln, nicht durch die prak­ti­sche Durchführung des Ver­trags­verhält­nis­ses aus­gehöhlt wor­den.
dd) Die Schwel­le zum ge­mein­sa­men Be­trieb wäre erst dann über­schrit­ten, wenn die Be­klag­te Ziff. 4 dau­er­haft und schwer­punktmäßig auch das Pra­xis­per­so­nal zur Durchführung des Pra­xis­ma­nage­ments ein­set­zen würde und / oder das von ihr an­ge­stell­te Per­so­nal auch mit me­di­zi­ni­schen Auf­ga­ben be­trau­en würde. In die­sem Fall läge ein ar­beit­ge­berüberg­rei­fen­der Per­so­nal­ein­satz vor, der für ei­nen Ge­mein­schafts­be­trieb ty­pisch ist. Für ei­ne sol­che Fall­ge­stal­tung gibt es aber im Vor­brin­gen der Kläge­rin kei­ne An­halts­punk­te. In der vor­lie­gen­den Form ist das ver­ein­ba­re Pra­xis­ma­nage­ment nur ei­ne Art der un­ter­neh­me­ri­schen Zu­sam­men­ar­beit.
2. Das Ar­beits­verhält­nis hat je­doch erst mit Ab­lauf des 31.08.2007 ge­en­det.
a) Be­durf­te die Kündi­gung vom 27.06.2007 so­mit kei­ner so­zia­len Recht­fer­ti­gung, so hat das Ar­beits­verhält­nis nach Ab­lauf der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist ge­en­det. Die Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 ha­ben das Ar­beits­verhält­nis „ent­spre­chend den ta­rifübli­chen
Be­din­gun­gen“ mit ei­ner Frist von sechs Wo­chen zum Ab­lauf des 08.08.2007 gekündigt. Nach den in der Be­ru­fungs­in­stanz ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen exis­tiert je­doch für die Be­rufs­grup­pe der me­di­zi­nisch-tech­ni­schen As­sis­ten­ten kein ein­schlägi­ger Ta­rif­ver­trag. Der ent­spre­chen­de Ver­weis auf die ta­rifübli­chen Be­stim­mun­gen in § 8 des Ar­beits­ver­trags geht ins Lee­re. Her­an­zu­zie­hen ist da­her die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 622 Abs. 2 Ziff. 2 BGB, wo­nach die Kündi­gungs­frist im vor­lie­gen­den Fall ei­nen Mo­nat zum En­de ei­nes Ka­len­der­mo­nats be­trug. b) Die sich wei­ter er­ge­ben­de Fra­ge, wel­che Rechts­fol­ge ein­tritt, wenn der Ar­beit­ge­ber ir­ri­ger­wei­se zwar die maßgeb­li­che Kündi­gungs­frist ein­ge­hal­ten, nicht aber den maß-geb­li­chen Kündi­gungs­ter­min be­ach­tet hat, ist durch die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 18.04.1985 (2 AZR 197/84 - AP BGB § 622 Nr. 20) und vom 12.07.2007 (2 AZR 699/05 - Ju­ris) geklärt. Da­nach sol­len die in § 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bis 7 BGB nie­der­ge­leg­ten Kündi­gungs­ter­mi­ne gewähr­leis­ten, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht zu ei­nem für den Gekündig­ten ungüns­ti­gen Zeit­punkt en­det. Die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zu ei­nem „krum­men Da­tum“ deu­tet re­gelmäßig auf ei­ne frist­lo­se Kündi­gung hin, was für den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer bei der Su­che nach ei­nem neu­en Ar­beits­verhält­nis Pro­ble­me auf­wer­fen kann. Vor die­sen mögli­chen nach­tei­li­gen Fol­gen will die ge­setz­li­che Fris­ten­re­ge­lung die Ar­beit­neh­mer schützen. Dies führt im Er­geb­nis da­zu, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zu dem vom Ar­beit­ge­ber mut­maßlich ge­woll­ten späte­ren Kündi­gungs­ter­min, al­so erst mit Ab­lauf des 31.08.2007 ge­en­det hat. III.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist un­be­gründet, so­weit sie sich ge­gen die Be­klag­ten Ziff. 3 und 4 rich­tet. We­der der Be­klag­te Ziff. 3 noch die Be­klag­te Ziff. 4 ste­hen in ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zie­hung zur Kläge­rin. 1.Was den Be­klag­ten Ziff. 3 an­geht, so er­gibt sich dies schon dar­aus, dass sich die­ser als Geschäftsführer der Be­klag­ten Ziff. 4, selbst wenn die­se Ar­beit­ge­be­rin sein soll­te, nicht persönlich ver­pflich­tet hat. 2. Die Be­klag­te Ziff. 4 wäre selbst dann nicht Ar­beit­ge­be­rin der Kläge­rin, wenn sie sich mit den Be­klag­ten Ziff. 1 und 2 zur Führung ei­nes Ge­mein­schafts­be­triebs zu­sam­men­ge­schlos­sen hätte. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts führt ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Führung ei­nes Ge­mein­schafts­be­triebs nicht zwangsläufig da-
zu, dass die be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men auch Ar­beit­ge­ber al­ler in dem ge­mein­sam geführ­ten Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer wer­den. Die Be­son­der­heit des Ge­mein­schafts­be­triebs be­steht al­lein dar­in, dass ver­schie­de­ne Ar­beit­ge­ber ge­mein­sam ei­nen Be­trieb führen. Hier­an sind die be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men im Re­gel­fall mit je­weils aus­sch­ließlich ei­ge­nen Ar­beit­neh­mern be­tei­ligt. Ein un­mit­tel­ba­rer An­spruch ge­genüber dem an­de­ren Un­ter-neh­men kann aus der Rechts­fi­gur des Ge­mein­schafts­be­triebs da­her nicht her­ge­lei­tet wer­den (BAG 17.01.2002 - 2 AZR 57/01 - BB 2003, 209; BAG 05.03.1987 - 2 AZR 623/85 - AP KSchG 1969 § 15 Nr. 30). Ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Be­zie­hung ver­bin­det den Ar­beit­neh­mer nur mit sei­nem Ver­trags­ar­beit­ge­ber (BAG 12.12.2006 - 1 ABR 38/05 - AP Be­trVG 1972 § 1 Ge­mein­sa­mer Be­trieb Nr. 27; BAG 23.09.2003 - 1 ABR 35/02 - AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­grup­pie­rung Nr. 28). IV.
Die Kos­ten des Rechts­streits wa­ren gemäß § 92 Abs. 1 ZPO verhält­nismäßig zu tei­len (wo­bei die Kos­ten­ent­schei­dung of­fen­sicht­lich un­vollständig ist und da­her ei­ner Be­rich­ti­gung nach § 319 ZPO be­darf). Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.
Die Re­vi­si­on und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen: a. Rechts­anwälte,b. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol-cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,c. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfüllen.
Dr. Nat­ter Bi­schof
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 § 622
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