Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-eugh-c-46-17-28.02.2018-befristung-diskriminierung-alter.html
Timestamp: 2019-11-17 17:44:16+00:00

Document:
28. Fe­bru­ar 2018(*)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - So­zi­al­po­li­tik - Richt­li­nie 1999/70/EG - EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge - Auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge - Pa­ra­graf 5 Nr. 1 -Maßnah­men zur Ver­mei­dung des Miss­brauchs be­fris­te­ter Ar­beits­verträge - Richt­li­nie 2000/78/EG - Art. 6 Abs. 1 - Ver­bot der Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters - Na­tio­na­le Re­ge­lung, nach der die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze hin­aus­ge­scho­ben wer­den kann, nur weil der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf Al­ters­ren­te hat“
In der Rechts­sa­che C-46/17
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 23. No­vem­ber 2016, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 30. Ja­nu­ar 2017, in dem Ver­fah­ren
Hu­ber­tus John
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten C. G. Fern­lund so­wie der Rich­ter A. Ara­b­ad­jiev (Be­richt­er­stat­ter) und S. Ro­din,
– von Herrn John, ver­tre­ten durch die Rechts­anwälte H. Bu­roh und J. St­ein­hau­er,
– der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt C. Dar­ge,
– der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch T. Hen­ze und K. Stranz als Be­vollmäch­tig­te,
– der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch M. van Beek und M. Kel­ler­bau­er als Be­vollmäch­tig­te,
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung) im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (ABl. 1999, L 175, S. 43) so­wie von Art. 1, Art. 2 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. 2000, L 303, S. 16).
2 Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Hu­ber­tus John und sei­nem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber, der Frei­en Han­se­stadt Bre­men (Deutsch­land), we­gen der ver­ein­ba­rungs­gemäßen Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze und der Ab­leh­nung sei­nes An­trags auf Wei­ter­beschäfti­gung über die Re­gel­al­ters­gren­ze hin­aus.
3 Nach ih­rem Pa­ra­graf 1 soll die Rah­men­ver­ein­ba­rung durch An­wen­dung des Grund­sat­zes der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung die Qua­lität be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se ver­bes­sern und ei­nen Rah­men schaf­fen, der den Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­hin­dert.
4 Pa­ra­graf 2 („An­wen­dungs­be­reich“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­stimmt in Nr. 1:
5 Pa­ra­graf 3 („De­fi­ni­tio­nen“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­stimmt:
6 Pa­ra­graf 4 („Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­stimmt in Nr. 1:
7 Pa­ra­graf 5 („Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­stimmt:
8 Die Richt­li­nie 2000/78 berührt nach ih­rem 14. Erwägungs­grund nicht die ein­zel­staat­li­chen Be­stim­mun­gen über die Fest­set­zung der Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand.
9 Nach Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist ihr Zweck „die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“.
10 Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt:
11 Art. 6 („Ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters“) der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt in Abs. 1:
12 § 41 („Al­ters­ren­te und Kündi­gungs­schutz“) des Sechs­ten Buchs des So­zi­al­ge­setz­buchs in der seit dem 23. Ju­ni 2014 gel­ten­den Fas­sung be­stimmt in Satz 3 (im Fol­gen­den: strei­ti­ge Be­stim­mung):
13 § 44 („Son­der­re­ge­lun­gen für Beschäftig­te als Lehr­kräfte“) des Ta­rif­ver­trags für den öffent­li­chen Dienst der Länder (im Fol­gen­den: Ta­rif­ver­trag) be­stimmt in Nr. 4 zu Ab­schnitt V („Be­fris­tung und Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses“):
„Das Ar­beits­verhält­nis en­det, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf, mit Ab­lauf des Schul­halb­jah­res (31. Ja­nu­ar be­zie­hungs­wei­se 31. Ju­li), in dem die Lehr­kraft das ge­setz­lich fest­ge­leg­te Al­ter zum Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­ren­te voll­endet hat.“
14 Herr John, ge­bo­ren am 8. Ju­li 1949, wur­de von der Frei­en Han­se­stadt Bre­men am 25. Sep­tem­ber 2001 als Leh­rer an­ge­stellt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fand nach dem Ar­beits­ver­trag der Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag An­wen­dung, der mitt­ler­wei­le durch den Ta­rif­ver­trag er­setzt wor­den ist.
15 Nach dem Ta­rif­ver­trag hätte das Ar­beits­verhält­nis mit dem Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze ge­en­det. Mit Schrei­ben vom 5. Fe­bru­ar 2014 be­an­trag­te Herr John, bis zum En­de des Schul­jahrs 2014/15 wei­ter­beschäftigt zu wer­den. Am 24. Ok­to­ber 2014 schlos­sen die Par­tei­en ei­ne Ver­ein­ba­rung, in der es hieß: „Die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses … gemäß § 44 Nr. 4 [des Ta­rif­ver­trags] wird bis zum 31. Ju­li 2015 hin­aus­ge­scho­ben.“
16 Mit Schrei­ben vom 4. Fe­bru­ar 2015 be­an­trag­te Herr John, die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf des ers­ten Halb­jahrs des Schul­jahrs 2015/16 (31. Ja­nu­ar 2016) hin­aus­zu­schie­ben. Nach­dem dies ab­ge­lehnt wur­de, er­hob er Kla­ge. Er macht gel­tend, dass ei­ne Be­fris­tung auf der Grund­la­ge der strei­ti­gen Be­stim­mung eu­ro­pa­recht­lich un­zulässig sei.
17 Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men (Deutsch­land), bei dem die Be­ru­fung ge­gen ei­ne Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Bre­men (Deutsch­land) anhängig ist, hat Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit der strei­ti­gen Be­stim­mung mit Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung und mit Art. 1, Art. 2 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78. Der Ar­beits­ver­trag, um den es im Aus­gangs­ver­fah­ren ge­he, fal­le in den An­wen­dungs­be­reich der Rah­men­ver­ein­ba­rung, weil das Ar­beits­verhält­nis nach dem Ta­rif­ver­trag en­de, wenn der Leh­rer das ge­setz­lich fest­ge­leg­te Al­ter für die Gewährung ei­ner Al­ters­ren­te er­reicht ha­be. Das Hin­aus­schie­ben die­ser Be­fris­tung stel­le dem­ent­spre­chend ei­ne Verlänge­rung der Be­fris­tung dar. Es er­schei­ne frag­lich, ob die Be­stim­mun­gen des na­tio­na­len Rechts, nach de­nen die Möglich­keit der Par­tei­en, die Be­fris­tung hin­aus­zu­schie­ben, in kei­ner Wei­se be­schränkt sei, mit den Be­stim­mun­gen der Rah­men­ver­ein­ba­rung zur Ver­mei­dung des Miss­brauchs von Mehr­fach­be­fris­tun­gen ver­ein­bar sei­en. In Be­tracht kom­me auch ein Ver­s­toß ge­gen die Richt­li­nie 2000/78 und ge­gen die all­ge­mei­nen Grundsätze des Uni­ons­rechts.
18 Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men hat das Ver­fah­ren des­halb aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
1. Ist Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die es den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen zeit­lich un­be­grenzt ermöglicht, die ver­ein­bar­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze durch Ver­ein­ba­rung während des Ar­beits­verhält­nis­ses, ge­ge­be­nen­falls auch mehr­fach, hin­aus­zu­schie­ben, nur weil der Ar­beit­neh­mer durch Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­nen An­spruch auf Al­ters­ren­te hat?
Gilt die Un­ver­ein­bar­keit der in Fra­ge 1 ge­nann­ten na­tio­na­len Re­ge­lung mit Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung auch im Fall des erst­ma­li­gen Hin­aus­schie­bens der Be­en­di­gung?
3. Sind Art. 1, Art. 2 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 und/oder die all­ge­mei­nen Grundsätze des Uni­ons­rechts da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, die es den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen zeit­lich un­be­grenzt ermöglicht, die ver­ein­bar­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze durch Ver­ein­ba­rung während des Ar­beits­verhält­nis­ses, ge­ge­be­nen­falls auch mehr­fach, hin­aus­zu­schie­ben, nur weil der Ar­beit­neh­mer durch Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­nen An­spruch auf Al­ters­ren­te hat?
19 Mit sei­ner drit­ten Fra­ge, die als Ers­tes zu prüfen ist, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung ent­ge­gen­ste­hen, die wie die, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, bei Ar­beit­neh­mern, die die Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht ha­ben, das Hin­aus­schie­ben des Zeit­punkts der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von ei­ner be­fris­tet er­teil­ten Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers abhängig macht.
20 Nach Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­deu­tet „Gleich­be­hand­lungs­grund­satz“ im Sin­ne der Richt­li­nie, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe ge­ben darf, zu de­nen das Al­ter gehört.
21 Ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung liegt nach der Richt­li­nie 2000/78 vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ih­res Al­ters in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde (Art. 2 Abs. 2 Buchst. a), und ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung liegt vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen ei­nes be­stimm­ten Al­ters ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die­se Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt, und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich (Art. 2 Abs. 2 Buchst. b).
22 Mit­hin ist zu prüfen, ob ein Ar­beit­neh­mer wie Herr John im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 we­gen sei­nes Al­ters in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son bzw. ob die strei­ti­ge Be­stim­mung die Al­ters­grup­pe, der Herr John an­gehört, im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen kann.
23 Die Richt­li­nie 2000/78 berührt nach ih­rem 14. Erwägungs­grund nicht die ein­zel­staat­li­chen Be­stim­mun­gen über die Fest­set­zung der Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand. Zu­dem sol­len Re­gel­al­ters­gren­zen nach Auf­fas­sung der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on der im Al­ter ty­pi­scher­wei­se ab­neh­men­den Leis­tungsfähig­keit von Ar­beit­neh­mern Rech­nung tra­gen und auf den Wunsch und das Bedürf­nis älte­rer Ar­beit­neh­mer Rück­sicht neh­men, ih­re Zeit frei zu ge­stal­ten.
24 Der Ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung der Ar­beits­verträge von Beschäftig­ten, die die das Al­ter und die Bei­trags­zah­lung be­tref­fen­den Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te erfüllen, seit Lan­gem Teil des Ar­beits­rechts zahl­rei­cher Mit­glied­staa­ten und in den Be­zie­hun­gen des Ar­beits­le­bens weit­hin üblich ist. Die­ser Me­cha­nis­mus be­ruht auf ei­nem Aus­gleich zwi­schen po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen, so­zia­len, de­mo­gra­fi­schen und/oder haus­halts­be­zo­ge­nen Erwägun­gen und hängt von der Ent­schei­dung ab, die Le­bens­ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer zu verlängern oder, im Ge­gen­teil, de­ren frühe­ren Ein­tritt in den Ru­he­stand vor­zu­se­hen (Ur­teil vom 12. Ok­to­ber 2010, Ro­sen­bladt, C-45/09, EU:C:2010:601, Rn. 44 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
25 Zu ei­ner Be­stim­mung, die mit § 44 des Ta­rif­ver­trags ver­gleich­bar ist, hat der Ge­richts­hof in sei­nem Ur­teil vom 12. Ok­to­ber 2010, Ro­sen­bladt (C-45/09, EU:C:2010:601), ent­schie­den, dass sie nicht über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung der ver­folg­ten Zie­le er­for­der­lich ist, wenn der wei­te Er­mes­sens­spiel­raum berück­sich­tigt wird, der den Mit­glied­staa­ten und den So­zi­al­part­nern auf dem Ge­biet der So­zi­al- und Beschäfti­gungs­po­li­tik zu­steht.
26 Im Aus­gangs­ver­fah­ren geht es aber nicht um § 44 des Ta­rif­ver­trags, nach dem das Ar­beits­verhält­nis grundsätz­lich au­to­ma­tisch mit Ab­lauf des Schul­halb­jahrs en­det, in dem der Ar­beit­neh­mer die Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht hat, son­dern um ei­ne Be­stim­mung, die es den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ermöglicht, die da­mit fest­ge­leg­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses hin­aus­zu­schie­ben, und zwar, wie es in der drit­ten Fra­ge heißt, oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen, zeit­lich un­be­grenzt und ge­ge­be­nen­falls mehr­fach.
27 Zur Fra­ge et­wai­ger ungüns­ti­ger oder nach­tei­li­ger Aus­wir­kun­gen der strei­ti­gen Be­stim­mung macht die deut­sche Re­gie­rung gel­tend, sie be­tref­fe nicht die vor­ge­se­he­ne Al­ters­gren­ze für die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses als sol­che, son­dern die Möglich­keit, die Be­en­di­gung der Ar­beits­verhält­nis­se im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men hin­aus­zu­schie­ben. Das Hin­aus­schie­ben bie­te Ar­beit­neh­mern, die die Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht hätten, ei­ne wei­te­re Hand­lungsmöglich­keit, um die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit­zu­ge­stal­ten.
28 Der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber ha­be mit dem Er­lass der strei­ti­gen Be­stim­mung das Ziel ver­folgt, im Ein­klang mit den Wünschen der So­zi­al­part­ner ei­ne fle­xi­ble und rechts­si­che­re Möglich­keit zu schaf­fen, ein Ar­beits­verhält­nis im Be­darfs­fall und un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen über den Zeit­punkt des Er­rei­chens der Re­gel­al­ters­gren­ze hin­aus fort­zuführen.
Die­se Aus­le­gung wird nicht durch die Ausführun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts ent­kräftet, wo­nach die strei­ti­ge Be­stim­mung als Aus­nah­me vom Grund­satz der au­to­ma­ti­schen Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags bei Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze an­ge­se­hen wer­den kann. Denn an­ders als jünge­re Ar­beit­neh­mer kann ein Ar­beit­neh­mer, der die Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht, zwi­schen der Verlänge­rung des Ar­beits­verhält­nis­ses und dem völli­gen Aus­schei­den aus dem Be­rufs­le­ben wählen.
30 Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Par­tei­en des Ar­beits­ver­trags das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses mehr­fach hin­aus­schie­ben können, und zwar oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen und zeit­lich un­be­grenzt. Die­se As­pek­te sind viel­mehr ge­eig­net, den güns­ti­gen oder vor­teil­haf­ten Cha­rak­ter der frag­li­chen Be­stim­mung zu bestäti­gen, da sie Mo­da­litäten für die Fort­set­zung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses dar­stel­len, zu der es je­den­falls nur mit Zu­stim­mung bei­der Ver­trags­par­tei­en kom­men kann, die er­fol­gen muss, so­lan­ge das Ar­beits­verhält­nis noch be­steht.
31 Die­se Be­din­gun­gen sind grundsätz­lich ge­eig­net, es ei­nem Ar­beit­neh­mer so­wie sei­nem Ar­beit­ge­ber zu ermögli­chen, das Ar­beits­verhält­nis nur dann fort­zu­set­zen, wenn sie die­se Op­ti­on im Kon­text ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung nach dem Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze für vor­teil­haft er­ach­ten. Aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten er­gibt sich im Übri­gen, dass Herr John vor dem vor­le­gen­den Ge­richt da­ge­gen vor­ge­gan­gen ist, dass sein Ar­beit­ge­ber sei­nen An­trag, das En­de sei­ner Beschäfti­gung ein zwei­tes Mal hin­aus­zu­schie­ben, ab­ge­lehnt hat.
32 Un­ter sol­chen Umständen kann ei­ne der­ar­ti­ge Be­stim­mung nicht als Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen, die das Ren­ten­al­ter er­reicht ha­ben, ge­genüber Per­so­nen, die die­ses Al­ter noch nicht er­reicht ha­ben, im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 an­ge­se­hen wer­den.
33 So­mit ist auf die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung nicht ent­ge­gen­steht, die wie die, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, bei Ar­beit­neh­mern, die die Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht ha­ben, das Hin­aus­schie­ben des Zeit­punkts der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von ei­ner be­fris­tet er­teil­ten Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers abhängig macht.
34 Mit sei­ner ers­ten und sei­ner zwei­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung ent­ge­gen­steht, die es wie die, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen zeit­lich un­be­grenzt ermöglicht, die ver­ein­bar­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze durch Ver­ein­ba­rung während des Ar­beits­verhält­nis­ses, ge­ge­be­nen­falls auch mehr­fach, hin­aus­zu­schie­ben, nur weil der Ar­beit­neh­mer durch Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­nen An­spruch auf Al­ters­ren­te hat.
35 Die deut­sche Re­gie­rung macht gel­tend, der Aus­gangs­rechts­streit fal­le nicht in den An­wen­dungs­be­reich der Rah­men­ver­ein­ba­rung. Ein Ar­beits­ver­trag sei nicht als „be­fris­tet“ an­zu­se­hen, weil das Ar­beits­verhält­nis en­de, wenn der Ar­beit­neh­mer die Re­gel­al­ters­gren­ze er­rei­che. Durch ei­nen sol­chen Ver­trag wer­de kei­ne kurz­zei­ti­ge Beschäfti­gung be­gründet, denn zwi­schen sei­nem Ab­schluss und dem Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze lie­ge mit­un­ter ein Zeit­raum von meh­re­ren Jahr­zehn­ten. Außer­dem sei Vor­aus­set­zung für das Hin­aus­schie­ben des Zeit­punkts der Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags durch die Par­tei­en, dass das be­reits be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis naht­los wei­ter­geführt wer­de. Das Hin­aus­schie­ben könne des­halb nicht als Ab­schluss ei­nes neu­en, be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags an­ge­se­hen wer­den.
36 Das vor­le­gen­de Ge­richt führt hier­zu aus, da auf den Ar­beits­ver­trag, um den es im Aus­gangs­ver­fah­ren ge­he, § 44 Nr. 4 des Ta­rif­ver­trags An­wen­dung fin­de, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des Schul­halb­jahrs en­de, in dem der Ar­beit­neh­mer das ge­setz­lich fest­ge­leg­te Al­ter für den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te er­reicht ha­be, sei er be­fris­tet.
37 Nach dem Wort­laut von Pa­ra­graf 2 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ist ihr An­wen­dungs­be­reich weit ge­fasst und er­streckt sich all­ge­mein auf „be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Ar­beits­ver­trag oder -verhält­nis gemäß der ge­setz­lich, ta­rif­ver­trag­lich oder nach den Ge­pflo­gen­hei­ten in je­dem Mit­glied­staat gel­ten­den De­fi­ni­ti­on“. Für die De­fi­ni­ti­on der Ar­beits­verträge und -verhält­nis­se, die in den An­wen­dungs­be­reich der Rah­men­ver­ein­ba­rung fal­len, sind aber we­der die Rah­men­ver­ein­ba­rung noch das Uni­ons­recht maßge­bend, son­dern die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten (Ur­teil vom 15. März 2012, Si­bi­lio, C-157/11, nicht veröffent­licht, EU:C:2012:148, Rn. 42).
38 Der Ge­richts­hof kann dem in­ner­staat­li­chen Ge­richt je­doch im Rah­men der durch Art. 267 AEUV ge­schaf­fe­nen jus­ti­zi­el­len Zu­sam­men­ar­beit an­hand der Ak­ten Ge­sichts­punk­te für die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts lie­fern, die die­sem Ge­richt bei der Be­ur­tei­lung der Wir­kun­gen der Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts dien­lich sein könn­ten (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 21. Ju­ni 2017, W u. a., C-621/15, EU:C:2017:484, Rn. 40 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
39 Da­her ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Rah­men­ver­ein­ba­rung auf der Prämis­se be­ruht, dass un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge die übli­che Form des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses sind, und zu­gleich an­er­kennt, dass in be­stimm­ten Bran­chen oder bei be­stimm­ten Be­ru­fen und Tätig­kei­ten be­fris­te­te Ar­beits­verträge für die Beschäfti­gung cha­rak­te­ris­tisch sind.
40 Ei­nes der Zie­le der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­steht dar­in, den wie­der­hol­ten Rück­griff auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se, der als Quel­le po­ten­zi­el­len Miss­brauchs zu­las­ten der Ar­beit­neh­mer ge­se­hen wird, ein­zudämmen, in­dem ei­ne Rei­he von Min­dest­schutz­be­stim­mun­gen vor­ge­se­hen wer­den, die die Pre­ka­ri­sie­rung der La­ge der Beschäftig­ten ver­hin­dern sol­len (Ur­teil vom 14. Sep­tem­ber 2016, Pérez López, C-16/15, EU:C:2016:679, Rn. 26 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
41 Fes­te Beschäfti­gungs­verhält­nis­se stel­len so­mit ei­nen wich­ti­gen As­pekt des Ar­beit­neh­mer­schut­zes dar, während be­fris­te­te Ar­beits­verträge nur un­ter be­stimm­ten Umständen den Bedürf­nis­sen so­wohl der Ar­beit­ge­ber als auch der Ar­beit­neh­mer ent­spre­chen können (Ur­teil vom 14. Sep­tem­ber 2016, Pérez López, C-16/15, EU:C:2016:679, Rn. 27 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
42 Wie be­reits aus­geführt (sie­he oben, Rn. 24), ist aber die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung der Ar­beits­verträge von Beschäftig­ten, die die das Al­ter und die Bei­trags­zah­lung be­tref­fen­den Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te erfüllen, seit Lan­gem Teil des Ar­beits­rechts zahl­rei­cher Mit­glied­staa­ten und in den Be­zie­hun­gen des Ar­beits­le­bens weit­hin üblich.
43 Außer­dem kann, wie die deut­sche Re­gie­rung her­vor­ge­ho­ben hat, ein Ar­beits­ver­trag wie der vor­lie­gen­de, nach dem das Ar­beits­verhält­nis erst bei Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze en­den soll, meh­re­re Jahr­zehn­te Be­stand ha­ben.
44 Das au­to­ma­ti­sche En­de der Ar­beits­verträge von Beschäftig­ten, die die Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht ha­ben, bringt den Ar­beit­neh­mer zu­dem der Sa­che nach in den Ge­nuss ei­nes fes­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses. Denn ein Ar­beit­neh­mer, der die Re­gel­al­ters­gren­ze für den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te er­reicht hat, be­fin­det sich, wie das vor­le­gen­de Ge­richt aus­geführt hat, re­gelmäßig am En­de sei­nes Be­rufs­le­bens.
45 Über­dies er­scheint es nicht aus­ge­schlos­sen, die in der strei­ti­gen Be­stim­mung vor­ge­se­he­ne Ver­schie­bung als bloße ver­trag­li­che Ver­schie­bung des ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Ren­ten­al­ters auf­zu­fas­sen.
46 Aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den An­ga­ben ist so­mit nicht er­sicht­lich, dass ei­ne sol­che Be­stim­mung ge­eig­net ist, den Ab­schluss auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zu fördern, oder ei­ne Quel­le po­ten­zi­el­len Miss­brauchs zu­las­ten der Ar­beit­neh­mer dar­stellt. Je­den­falls kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Re­gel­al­ters­gren­zen sys­te­ma­tisch zu ei­ner Pre­ka­ri­sie­rung der La­ge der be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer im Sin­ne der Rah­men­ver­ein­ba­rung führen, so­fern die Ar­beit­neh­mer in den Ge­nuss ei­ner ab­schlags­frei­en Ren­te kom­men und ins­be­son­de­re wenn ei­ne Verlänge­rung des frag­li­chen Ar­beits­ver­trags durch den Ar­beit­ge­ber zulässig ist.
47 Soll­te das vor­le­gen­de Ge­richt un­ge­ach­tet der vor­ste­hen­den Erwägun­gen (Rn. 42 bis 46) zu der Auf­fas­sung ge­lan­gen, dass der Ab­schluss ei­ner Ver­ein­ba­rung wie der vom 24. Ok­to­ber 2014, mit der der Zeit­punkt der Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses – wie es hier am 25. Sep­tem­ber 2001 be­gründet wur­de und das beim Er­rei­chen der ge­setz­li­chen Al­ters­gren­ze für den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te au­to­ma­tisch en­den soll­te – hin­aus­ge­scho­ben wird, als Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung an­zu­se­hen ist, ist zu prüfen, ob die­se Be­stim­mung ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie der, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, ent­ge­gen­steht, da sie es den Par­tei­en ei­nes Ar­beits­ver­trags oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen zeit­lich un­be­grenzt ermöglicht, die ver­ein­bar­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze durch Ver­ein­ba­rung während des Ar­beits­verhält­nis­ses, ge­ge­be­nen­falls auch mehr­fach, hin­aus­zu­schie­ben, nur weil der Ar­beit­neh­mer durch Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­nen An­spruch auf Al­ters­ren­te hat.
48 Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten in sei­ner Nr. 1 da­zu, min­des­tens ei­ne der dort auf­geführ­ten Maßnah­men zu er­grei­fen, so­fern ihr in­ner­staat­li­ches Recht kei­ne gleich­wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men enthält. Die hierfür in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a bis c der Rah­men­ver­ein­ba­rung auf­geführ­ten drei Maßnah­men be­tref­fen sach­li­che Gründe, die die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­ti­gen, die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se und die zulässi­ge Zahl ih­rer Verlänge­run­gen (Ur­teil vom 14. Sep­tem­ber 2016, Martínez An­drés und Cast­re­ja­na López, C-184/15 und C-197/15, EU:C:2016:680, Rn. 35 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
49 Das Uni­ons­recht sieht zwar ei­ne Pflicht für die Mit­glied­staa­ten vor, präven­ti­ve Maßnah­men zu er­las­sen, nennt aber kei­ne spe­zi­fi­schen Sank­tio­nen für den Fall, dass Miss­bräuche fest­ge­stellt wur­den. In ei­nem sol­chen Fall ob­liegt es den na­tio­na­len Stel­len, Maßnah­men zu er­las­sen, die nicht nur verhält­nismäßig, son­dern auch ef­fek­tiv und ab­schre­ckend ge­nug sein müssen, um die vol­le Wirk­sam­keit der zur Durchführung der Rah­men­ver­ein­ba­rung er­las­se­nen Nor­men si­cher­zu­stel­len (Ur­teil vom 14. Sep­tem­ber 2016, Martínez An­drés und Cast­re­ja­na López, C-184/15 und C-197/15, EU:C:2016:680, Rn. 36 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
50 Es ist nicht Sa­che des Ge­richts­hofs, sich zur Aus­le­gung des na­tio­na­len Rechts zu äußern; die­se Auf­ga­be kommt al­lein den zuständi­gen na­tio­na­len Ge­rich­ten zu, die fest­zu­stel­len ha­ben, ob die Be­stim­mun­gen der an­wend­ba­ren na­tio­na­len Re­ge­lung die Vor­aus­set­zun­gen von Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung erfüllen (Ur­teil vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 66, und Be­schluss vom 11. De­zem­ber 2014, León Me­dial­dea, C-86/14, nicht veröffent­licht, EU:C:2014:2447, Rn. 48).
51 So­mit ob­liegt es dem vor­le­gen­den Ge­richt, zu be­ur­tei­len, in­wie­weit die ein­schlägi­gen Be­stim­mun­gen des in­ner­staat­li­chen Rechts un­ter Berück­sich­ti­gung ih­rer An­wen­dungs­vor­aus­set­zun­gen und ih­rer tatsächli­chen An­wen­dung ei­ne Maßnah­me bil­den, die ge­eig­net ist, den miss­bräuch­li­chen Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zu ver­hin­dern und ge­ge­be­nen­falls zu ahn­den (Ur­tei­le vom 7. Sep­tem­ber 2006, Mar­ro­su und Sar­di­no, C-53/04, EU:C:2006:517, Rn. 56, und vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 67 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
52 Der Ge­richts­hof kann je­doch, wenn er im Rah­men ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens ent­schei­det, Klar­stel­lun­gen vor­neh­men, um dem na­tio­na­len Ge­richt ei­ne Richt­schnur für sei­ne Be­ur­tei­lung zu ge­ben (Ur­tei­le vom 3. Ju­li 2014, Fia­min­go u. a., C-362/13, C-363/13 und C-407/13, EU:C:2014:2044, Rn. 68 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, und vom 26. No­vem­ber 2014, Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13, C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 83).
53 Im vor­lie­gen­den Fall ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass mit dem Be­griff „sach­li­che Gründe“ in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände ge­meint sind, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang den Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Die­se Umstände können sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung sol­che Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls aus der Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels durch ei­nen Mit­glied­staat er­ge­ben (Ur­teil vom 26. Ja­nu­ar 2012, Kücük, C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 27).
54 Wie das vor­le­gen­de Ge­richt aus­geführt hat, un­ter­schei­det sich ein Ar­beit­neh­mer, der das Re­gel­al­ter für den Be­zug der ge­setz­li­chen Al­ters­ren­te er­reicht, nicht nur hin­sicht­lich sei­ner so­zia­len Ab­si­che­rung von an­de­ren Ar­beit­neh­mern, son­dern auch da­durch, dass er sich re­gelmäßig am En­de sei­nes Be­rufs­le­bens be­fin­det und da­mit im Hin­blick auf die Be­fris­tung sei­nes Ver­trags nicht vor der Al­ter­na­ti­ve steht, in den Ge­nuss ei­nes un­be­fris­te­ten Ver­trags zu kom­men.
55 Zu­dem kann die strei­ti­ge Be­stim­mung, wie be­reits aus­geführt (sie­he oben, Rn. 29), als zulässi­ge Aus­nah­me vom Grund­satz der au­to­ma­ti­schen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses beim Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze an­ge­se­hen wer­den.
56 Aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten er­gibt sich über­dies, dass das Hin­aus­schie­ben des Zeit­punkts der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach der strei­ti­gen Be­stim­mung vor­aus­setzt, dass noch während des Be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses wirk­sam ver­ein­bart wird, dass es naht­los fort­ge­setzt wird und die übri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen in kei­ner Wei­se geändert wer­den. Durch die­se Be­schränkun­gen ist gewähr­leis­tet, dass der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer zu den ursprüng­li­chen Be­din­gun­gen wei­ter­beschäftigt wird und gleich­zei­tig sei­nen An­spruch auf ei­ne Al­ters­ren­te behält.
57 So­mit ist auf die ers­te und die zwei­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung nicht ent­ge­gen­steht, die es wie die, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen zeit­lich un­be­grenzt ermöglicht, die ver­ein­bar­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze durch Ver­ein­ba­rung während des Ar­beits­verhält­nis­ses, ge­ge­be­nen­falls auch mehr­fach, hin­aus­zu­schie­ben, nur weil der Ar­beit­neh­mer durch Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­nen An­spruch auf Al­ters­ren­te hat.
1. Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung nicht ent­ge­gen­steht, die wie die, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, bei Ar­beit­neh­mern, die die Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht ha­ben, das Hin­aus­schie­ben des Zeit­punkts der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von ei­ner be­fris­tet er­teil­ten Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers abhängig macht.
2. Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung nicht ent­ge­gen­steht, die es wie die, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen zeit­lich un­be­grenzt ermöglicht, die ver­ein­bar­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze durch Ver­ein­ba­rung während des Ar­beits­verhält­nis­ses, ge­ge­be­nen­falls auch mehr­fach, hin­aus­zu­schie­ben, nur weil der Ar­beit­neh­mer durch Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­nen An­spruch auf Al­ters­ren­te hat.
Fern­lund
Verkündet in öffent­li­cher Sit­zung in Lu­xem­burg am 28. Fe­bru­ar 2018.
A. Ca­lot Es­co­ba
Der Präsi­dent der Sechs­ten Kam­mer
rC. G. Fern­lund
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References: Art. 6
 Art. 267
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 6
 § 41
 § 44
 § 44
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 2
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 Art. 2
 Art. 2
 § 44
 § 44
 Art. 2
 Art. 2
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 Art. 267
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