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1 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung eine Momentaufnahme aus immaterialgüter- und wettbewerbsrechtlicher Sicht G REGOR B ÜHLER Inhaltsverzeichnis Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung eine Momentaufnahme aus immaterialgüter- und wettbewerbsrechtlicher Sicht Informationsversorgung im Internet die besondere Rolle der Suchmaschinen Informationsvermittlung im Internet Wahl des Domainnamens Traditionelle Werbung Suchmaschinen Bedeutung und Funktionsweise Zum Begriff der Suchmaschinenoptimierung Die Mittel der Suchmaschinenoptimierung Meta-Tags Begriff Beispiele aus der Praxis Keyword-Dichte Brückenseiten Begriff Beispiel aus der Praxis Back-Links Cloaking Rechtliche Aspekte Versteckte Verwendung fremder Kennzeichen am Beispiel der Meta-Tags Markenrecht Bisherige Lehre: Kein kennzeichenmässiger Gebrauch Kritik an der bisherigen Lehre Exkurs: Der "Impuls"-Entscheid des BGH vom 18. Mai Kennzeichenmässiger Gebrauch bei der Verwendung in Meta-Tags Meta-Tags und Ankündigungsrecht Beurteilung der weiteren Beispiele Der Autor dankt RA lic. iur. MARCEL KÜCHLER für seine wertvollen Beiträge zu diesem Artikel. 432 G REGOR B ÜHLER Namensrecht Lauterkeitsrecht Sanktionen durch Suchmaschinenbetreiber Im Spannungsverhältnis zwischen Website- und Suchmaschinenbetreibern Die Google -Richtlinien Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Sanktionen durch Suchmaschinenbetreiber Zur Ausgangslage Kartellrechtliche Ansprüche? Schuldrechtliche Ansprüche? Ausblick Zusammenfassung Literaturverzeichnis "The really important thing about the web, which will continue through any future technology, is that it is a universal space." Tim Berners-Lee 1 1. Informationsversorgung im Internet die besondere Rolle der Suchmaschinen Erst gut 17 Jahre ist es her, seit Tim Berners-Lee die erste Verbindung von einem Browser zu einem Server herstellte. Auf dieser technischen Grundlage ist das Internet entstanden, ein Phänomen, das aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist 2. Das Internet ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Marktplatz ohne Grenzen geworden. Auf dieser universellen Plattform werden Waren, Dienstleistungen, Unterhaltung, Wissen, Korrespondenz und vieles mehr ausgetauscht. Diese Austauschhandlungen setzen den Zugang zu einschlägiger Information voraus. Information steht im Internet zwar im Übermass zur Verfügung 3, entscheidend ist aber die Frage: Wie findet ein (Informations-) 1 The Guardian vom 3. November 2006, abrufbar unter uk/news/story/0,, ,00.html. 2 Eine Einführung dazu beispielsweise L UBKOWITZ, 35 und 51 ff. 3 Einlässlich zur damit zusammenhängenden Problematik der Überinformation: WEBER, 44 Suchmaschinen, 23 ff.3 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung Angebot den potentiellen Interessenten und wie findet ein Interessent ein passendes (Informations-)Angebot? Eine zentrale Herausforderung wird die effiziente Versorgung mit nützlichen Informationen. Diese Aufgabe nehmen Suchmaschinen wahr. Die nachfolgenden Ausführungen handeln von Fragen und Problemen, die sich im Verhältnis zwischen Suchmaschinen- und Websitebetreibern und im Verhältnis zwischen Websitebetreibern und Dritten (nämlich Kennzeicheninhabern) ergeben. 1.1 Informationsvermittlung im Internet Ein Teilnehmer am Marktplatz "Internet" kann Informationen zu seinem Angebot in verschiedener Weise vermitteln: Wahl des Domainnamens Ist der Name eines Anbieters oder das Kennzeichen eines bestimmten Produktes ausserhalb des Internets bereits bekannt, wird ein potentieller Kunde zunächst diesen als Domainnamen in die Adressleiste seines Browsers eingeben. Der bekannte Anbieter schaltet seinen Auftritt im Internet deshalb in der Regel unter einem Domainnamen auf, der seinem Namen oder dem Kennzeichen seines Produktes entspricht. Der Konsument, der etwas über Nestlé oder deren Produkte erfahren will, wird es also zunächst mit oder auch nescafe.ch versuchen. Wer in Deutschland Informationen über Audi sucht, wird in die Browser-Adressleiste eingeben 4. Auf der Ebene der Domainnamen gibt es für Anbieter schliesslich noch den Weg, generische Begriffe wie Reisen, Hotel, Internet etc. zu nutzen. Aufgrund 4 Findige Zeitgenossen haben sich diese Abnehmerpräferenz zunutze gemacht, indem sie entsprechende Domainnamen für sich registriert und benutzt haben. Die Rechtsfragen, die sich im Zusammenhang mit der Registrierung von "fremden" Domainnamen ergeben, sind schon verschiedentlich behandelt worden. Vgl. etwa die Arbeit von BU - RI; ROSENTHAL, 91 ff. und 124 ff.; sowie aus der Rechtsprechung: Entscheid des OG Basel-Landschaft vom 2. Mai 2000 ("hotmail.ch"), Entscheid des OG Thurgau vom 19. Februar 2002 (Registrierung von über 300 Domainnamen wie "audi-ankauf.ch", "audi-handel.ch" etc.), Entscheid des BGer 4C ("djbobo.de"), Entscheid des BGer 4C ("riesen"), Entscheid des BGer 4C ("maggi.com"), BGE 125 III 91 ("rytz.ch"), BGE 126 III 239 ("berneroberland.ch"), BGE 128 III 353 ("montana.ch") und BGE 128 III 401 ("luzern.ch"). 454 G REGOR B ÜHLER der Architektur des Internets sind die Möglichkeiten aber auch hier begrenzt, weil etwa oder nur einmal belegt werden können Traditionelle Werbung Wer hingegen nicht über ein einprägsames Kennzeichen verfügt und auch keinen generischen Begriff als Domainnamen registrieren konnte, muss potentielle Kunden auf andere Weise ansprechen. Es stehen ausserhalb des Internets die "klassischen" Mittel des Warenabsatzes zur Verfügung: Fernseh- und Radiowerbung, Mund-zu-Mund-Propaganda, Plakate, Zeitungsinserate, Flugblätter, Einträge in Branchenverzeichnissen etc. 5. Dazu kommen internetspezifische Werbeformen wie Bannerwerbung, Pop-up- Fenster oder die (mittlerweile verpönte 6 ) Spam-Werbung. 1.2 Suchmaschinen Bedeutung und Funktionsweise Kennt der potentielle Kunde den Namen oder die Firma eines Anbieters, oder sucht er ein bestimmtes Produkt, wird die Suche mittels Domainnamen oder auf Basis von Informationen aus der Werbung in der Regel zum (Such-)Erfolg führen. Unübersichtlich wird die Situation, wenn der Nachfrager sich nicht nur für die Produkte eines bestimmten Anbieters interessiert, sondern für Produkte einer Kategorie, oder wenn er verschiedene Angebote miteinander vergleichen will. Hier füllen die Internetsuchmaschinen die Lücke in der Informationsvermittlung zwischen Anbieter und Kunde 7. Sie helfen, mittels effizienten Suchtechniken die sprichwörtliche(n) Nadel(n) im Heuhaufen zu finden 8. Ohne Suchmaschinen wären gewisse Internetseiten praktisch überhaupt nicht auffindbar 9. 5 In diesen Gefässen wird in aller Regel auf die einschlägigen (eben nicht bekannten) Domainnamen verwiesen. 6 Vgl. Art. 3 lit. o UWG, in Kraft seit dem 1. April Bei dieser Informationsvermittlung handelt es sich wiederum um eine der im Internet angebotenen Dienstleistungen. Allerdings werden die Leistungen in der Regel nicht den Kunden in Rechnung gestellt, sondern über Werbung finanziert. 8 V ARADINEK, OTT, 195 m.w.h. zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bedeutung und Verantwortung der Suchmaschinenbetreiber. Siehe auch die Beispiele bei DAY,5 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung Internetsuchmaschinen verfügen über riesige Datenbanken, deren Daten sie primär über Suchroboter erhalten. Diese Suchroboter gehen nach folgendem Grundmuster vor 10 : Sie "surfen" das Internet ab, indem sie selbständig Internetseiten aufrufen und den auf diesen Seiten enthaltenen Links folgen. Diese Suchroboter werden deshalb auch "Crawler" oder "Spider" genannt. Die Suchmaschine erfasst zunächst den Text einer Internetseite, analysiert diesen und speichert sodann die auf der Seite enthaltenen Daten in ihrer Datenbank. In einem zweiten Schritt prüft die Suchmaschine, ob in einer erfassten Seite Links zu andern Internetseiten enthalten sind. Ist dies der Fall, folgt die Suchmaschine diesen Links und analysiert und speichert wiederum die so aufgefundenen Internetseiten. 1.3 Zum Begriff der Suchmaschinenoptimierung Die Optimierung der eigenen Website im Hinblick auf (bestimmte) Suchmaschinen ist heute eines der zentralen Themen im Zusammenhang mit dem Internet; besonders im Bereich der kommerziellen Angebote 11. Damit potentielle Kunden den Weg zu einer Internetseite finden, muss diese über (bestimmte) Suchmaschinen auffindbar sein; und in den ersten Rängen der Ergebnislisten dieser Suchmaschinen figurieren. Dies hat einerseits mit der Fülle der Angebote zu tun, andererseits aber auch mit der vorrangigen Bedeutung der Suchmaschinen. Dabei kann es sich in Nischen-Bereichen um spezialisierte Suchmaschinen handeln, in aller Regel steht indes die Optimierung der Website für die Google -Suchmaschine im Vordergrund Vgl. zum Nachfolgenden z.b. LUBKOWITZ, 89 f. und 977 ff. und org/wiki/suchmaschinen. Mittlerweile ist die Funktionsweise von Internetsuchmaschinen noch komplexer geworden; diese werten weit mehr Daten aus als nur den Inhalt der einzelnen Internetseite, beispielsweise versuchen sie, die Relevanz einer Internetseite aus der Anzahl der auf sie verweisenden Links (und wiederum deren Relevanz) zu bestimmen. Vgl. auch nachfolgend. 11 Als Beispiel: Ein kommerzielles Rechtsanwaltsverzeichnis, abrufbar unter wirbt bei potentiellen Interessenten damit, die Präsenz im Internet zu optimieren. 12 Die Google-Suchmaschine (http://www.google.com) ist gemäss SonntagsZeitung vom 20. Mai 2007, 115, "Quasimonopolist" in der Schweiz. In Deutschland soll sie über 80 % aller Internetsuchabfragen abwickeln; weit abgeschlagen an zweiter Stelle folgt Yahoo (http://www.yahoo.com) mit bloss etwa 3-5 % (gemessen durch 476 G REGOR B ÜHLER Das Phänomen der "Positionsoptimierung in Datenbanken" ist nicht neu. Seit je her versuchen Anbieter, sich im Wettbewerb einen Vorteil zu verschaffen, indem sie die Architektur von Datensammlungen und Registern ausnutzen. Dies belegt ein Blick auf die ersten Einträge im gedruckten Telefonbuch: "A & A & 24 Std. Schlüsselservice", "AAA Immobilien", "AAA AAABBAA Glaserei" 13. Wie Suchmaschinen basieren auch solche Register auf der Erfassung von Daten und dem Anzeigen eines Abfrageresultats nach bestimmten Kriterien. Im Falle des Telefonbuches sind diese (alphabetischen) Kriterien allgemein bekannt. Bei der Optimierung von Websites für Suchmaschinen geht es grundsätzlich um dasselbe; die "Tricks" der Anbieter sind häufig sogar ähnlich trivial wie die angeführten Beispiele mit der Top-Positionierung bei alphabetischer Reihenfolge. 1.4 Die Mittel der Suchmaschinenoptimierung Meta-Tags Begriff Meta-Tags sind das klassische 14 Mittel der Suchmaschinenoptimierung. Meta-Tags sind in Hypertext Markup Language (HTML) codierte Informationen, die im Browser-Fenster nicht dargestellt werden. Die Meta- Tags waren anfänglich dazu bestimmt, für Suchmaschinen Schlüsselbegriffe einer Internetseite bereitzustellen 15. Weil die in den Meta-Tags enthaltenen Begriffe für den blossen Betrachter einer Seite nicht sichtbar sind, hat dies rasch dazu geführt, dass in den Meta-Tags weit mehr als nur gerade eine Beschreibung oder ein paar wenige Schlüsselbegriffe angebracht wurden, dies mit dem Ziel, bei möglichst vielen Suchmaschinenabfragen im Resultat zu erscheinen. Wegen dieses inflationären Gebrauchs webhits.de); gemäss anderer Quelle soll es Google als Suchmaschinenbetreiber in den USA auf einen Marktanteil von 48,3 %bringen, während MSN und Yahoo zusammen 38,4 % schaffen (Microsoft und Yahoo im Scheinwerferlicht, in: NZZ vom 5. Mai 2007, 23; auch vgl. auch O TT, 195 f. 13 Telefonbuch der Stadt Zürich, Ausgabe Wenigstens was die rechtliche Erfassung der Suchmaschinenoptimierung anbelangt. 15 Meta-Tags erhalten gewissermassen Informationen über Informationen. Vgl. auch RO - SENTHAL, 115; B AUDENBACHER, N231 zu Art. 3 lit. b UWG. 487 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung messen die meisten Suchmaschinen den in Meta-Tags enthaltenen Schlüsselbegriffen heute keine besondere Bedeutung mehr zu 16. Neben dem Platzieren in Meta-Tags gibt es weitere Möglichkeiten, Begriffe für den normalen Betrachter unsichtbar im Quelltext einer Internetseite unterzubringen, beispielsweise in Datei- und Pfadnamen von anzuzeigenden Grafiken oder in nicht angezeigten Parametern von Objekten. Weniger subtil ist die Methode, Text auf der Internetseite auf einem gleichfarbigen Hintergrund zu verstecken. Diese Varianten der Suchmaschinenoptimierung können ebenfalls unter den Begriff der Meta-Tags in einem weiteren Sinne subsumiert werden. Denn in all diesen Fällen geht es um dasselbe: die für den Websitebenutzer unsichtbare Platzierung von maschinenlesbaren Schlüsselbegriffen Beispiele aus der Praxis Plattform für Gebrauchtwagen Eine der grösseren Schweizer Internetplattformen für Gebrauchtwagen, verwendet in den Meta-Tags neben Schlüsselbegriffen wie Auto, Autos, Cabrio oder Gebrauchtwagen auch die Markennamen gängiger Automobile wie Audi, BMW, Ferrari, Honda, Mercedes, Porsche, Skoda etc Vgl. die Google Webmaster Guidelines, abrufbar unter support/webmasters/bin/answer.py?answer= Ähnlich D AY, Der vollständige Keyword-Tag lautet: <meta name="keywords" content="autos, Auto, Audi, BMW, Cabrio, Chevrolet, Chrysler, Citroen, Corvette, Coupe, Daimler, Fahrzeuge, Ferrari, Fiat, Finanzierung, Autos, Ford, Gebrauchtwagen, Gebrauchtwagenbörse, Geländewagen, Golf, Honda, Hummer, Hyundai, Inserate, Jaguar, Jahreswagen, Jeep, Kia, Klassiker, Kombi, Lancia, Leasing, Limousine, Mazda, Mercedes, Mitsubishi, Motorrad, Nissan, Nutzfahrzeuge, Oldtimer, Opel, Personenwagen, Peugeot, Porsche, Renault, Alfa Romeo, Seat, Skoda, Sportwagen, Subaru, Suzuki, Toyota, Tuning, Versicherung, Versicherungen, Volvo, VW">. 498 G REGOR B ÜHLER Sixt Budget (Deutschland) Der Mietwagenanbieter Sixt hatte die Namen verschiedener Konkurrenten (u.a. Budget, Hertz, Avis, EuropCar) in den Katalog seiner Meta-Tag- Schlüsselbegriffe aufgenommen. Das hatte zur Folge, dass bei jeder Suchabfrage nach einem dieser Mietwagenanbieter immer auch Sixt in der Ergebnisliste auftauchte. Dadurch wurden Kunden dazu verleitet, statt der Internetseite des effektiv gesuchten Anbieters diejenige von Sixt anzuklicken. Schliesslich klagte der Konkurrent Budget gegen Sixt vor dem Landgericht München wegen unlauteren Wettbewerbs 19. Soda Stream Zwei Unternehmen der Soda-Club Gruppe 20 verlangten klageweise vor dem Handelsgericht des Kantons Aargau, es sei einem Konkurrenten (und ehemaligen Lizenznehmer) zu verbieten, die Meta-Tags "SodaStream", "Soda Stream", "SodaClub", "Soda Club", "SodaStar" und "Soda Stream Maxi" im Quelltext der von ihm betriebenen Internetseite zu benutzen. Ihren Unterlassungsanspruch stützten sie auf Marken-, Namens- sowie auf Lauterkeitsrecht. Impuls (Deutschland) Die Impuls Finanzmanagement AG bietet unter dem Kennzeichen "Impuls" in Deutschland verschiedene Beratungsdienstleistungen im Bereich der Krankenversicherung an. Unter dem Domainnamen "impulsonline. de" ist sie auch im Internet präsent. Ein Konkurrent verwendete in den Meta-Tags seiner Internetseite den Schlüsselbegriff "Impuls". Gegen diese Verwendung ging die Impuls Finanzmanagement AG wegen Kennzeichenrechtsverletzung und Verstoss gegen das Lauterkeitsrecht gerichtlich vor W EBER, E-Commerce, 255 f. 20 Klägerin 1 war die Soda-Club CO2 Ltd., BVI, als Klägerin 2 trat die SodaStream Ltd., GB auf. Erstere war Inhaberin der Marken "Sodastream", "Sodastar" und "Sodaclub", siehe Urteil des Handelsgerichts des Kantons Aargau vom 10. April 2001, in: sic! 2001, 532 ff. 21 Siehe den Sachverhalt im Urteil des deutschen Bundesgerichtshofes vom 18. Mai 2006 (abrufbar unter xml). 509 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung Keyword-Dichte Dem (sichtbaren) Text einer Internetseite messen die Suchmaschinen nach wie vor besondere Bedeutung zu. Kommt ein Begriff häufiger vor als andere, wird ein Begriff als Überschrift verwendet oder auf andere Weise hervorgehoben, schreiben Suchmaschinen solchen Begriffen ebenfalls die Bedeutung von Schlüsselbegriffen zu. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Keyword-Dichte. Die Optimierung einer Internetseite für Suchmaschinen besteht hier darin, die gewünschten Begriffe häufig und hervorgehoben zu verwenden. Welcher Teil einer Internetseite von den Suchmaschinen tatsächlich eingelesen wird, hängt wesentlich von der Speicherkapazität und der Rechenleistung der Datenbanken und Server der Suchmaschine ab. So speichern Suchmaschinen in der Regel nicht den kompletten Quelltext der Internetseite. Bei Google sind dies beispielsweise die ersten 101 KB, bei der Yahoo-Suchmaschine immerhin die ersten 500 KB 22. Es ist damit entscheidend, die "richtigen" Begriffe am Anfang einer Website zu verwenden Brückenseiten Begriff Viele rein grafische und multimediale Elemente 23, die heute auf Internetseiten eingesetzt werden, können von Suchmaschinen nicht direkt durchsucht werden. Das führt dazu, dass Internetseiten weder im angezeigten Inhalt noch im Quelltext lesbare Begriffe enthalten, aufgrund derer Suchmaschinen diese Seiten einordnen könnten. Sogenannte Brückenseiten (engl. doorway pages ) können hier Abhilfe schaffen. Es handelt sich dabei um Internetseiten, die mit lesbaren Schlüssel- und Suchbegriffen in Textform speziell auf Suchmaschinen ausgerichtet sind. Die Besucher der Brückenseiten bekommen deren Inhalt dabei höchstens für Sekundenbruchteile zu sehen; sie werden unmittelbar zu einer Hauptseite weitergeleitet. 22 L UBKOWITZ, 990 f. 23 Beispielsweise JPEG- und GIF-Bilddateien, Java Applets oder Adobe Flash-Objekte. 5110 G REGOR B ÜHLER Beispiel aus der Praxis BMW Deutschland BMW Deutschland lieferte ein Lehrbuch-Beispiel für die Verwendung von Brückenseiten und Schlüsselbegriffen 24. Die Ausnützung der vollen grafischen und multimedialen Gestaltungsmöglichkeiten auf der BMW- Website führte dazu, dass diese weder im sichtbaren Inhalt noch im Quelltext für Suchmaschinen verwertbare Information enthielt und für Suchmaschinen damit nicht mehr indizierbar war. BMW versuchte durch das Aufschalten einer Reihe von textbasierten und für Suchmaschinen optimierte Brückenseiten Abhilfe zu schaffen. Diese leiteten den Besucher dann automatisch auf die BMW-Hauptseite weiter. Vom wenig attraktiven Inhalt der Brückenseiten bekamen die Besucher dabei kaum etwas mit Back-Links Neben Schlüsselbegriffen tragen auch die auf eine Website führenden Links zur Berechnung ihrer allgemeinen Relevanz bei. Die Idee ist einfach und rührt von der Annahme her, dass eine Internetseite, auf die viele Links verweisen, eine grosse Relevanz hat. Dabei genügt es jedoch nicht, dass die Links von irgendwelchen Seiten stammen, vielmehr wird auch die Relevanz der Ausgangsseite "gemessen". So hilft es beispielsweise nicht, selber viele Domainnamen zu registrieren und von diesen aus Links auf die Hauptseite zu setzen (sogenannte Back-Links), damit diese in der Relevanz steigt. Wenig zur Relevanz-Steigerung tragen aus dem gleichen Grund auch sogenannte "Link-Farmen" bei, d.h. Internetseiten, deren Angebot sich darauf beschränkt, Links auf andere Internetseiten aufzulisten archives/2006/02/04/google-kickt-bmw-aus-dem-index/. 25 Auszug aus der Website, welche auf die Begriffe "BMW" und "Neuwagen" hin optimiert war: "BMW Neuwagen. Sie suchen einen BMW Neuwagen? Unsere Suche nach BMW-Händlern in Ihrer Nähe bietet schnellen Zugriff auf BMW-Autohäuser in Ihrer Nähe, wo Sie sich die BMW Neuwagen in aller Ruhe und Ausführlichkeit ansehen können Sie erhalten von uns Adresse, Telefon und Website der BMW-Händler in Ihrer Nähe. Suchen Sie über Name, Postleitzahl oder Stadt des BMW-Partners. BMW Neuwagen In jeder Abteilung unserer BMW Niederlassung arbeiten Fachleute für Sie. Unsere Mitarbeiter werden durch intensive Schulungen der BMW AG immer auf dem aktuellen Stand des Wissens gehalten. BMW Neuwagen...". 5211 1.4.5 Cloaking Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung Unter Cloaking (von engl. to cloak; tarnen, verhüllen) wird eine Technik der Suchmaschinenoptimierung verstanden, bei der dem Suchroboter eine andere Seite präsentiert wird als dem normalen Besucher der Internetseite 26. Technisch erfordert dies, dass der Server, auf dem die Internetseite gespeichert ist, Suchroboter von normalen Besuchern unterscheiden kann. Auf diese Weise können z.b. auch die den Suchmaschinen gegenüber verwendeten Meta-Tags verheimlicht werden. 2. Rechtliche Aspekte 2.1 Versteckte Verwendung fremder Kennzeichen am Beispiel der Meta-Tags Die unter angeführten Beispiele machen deutlich, dass bei weitem nicht nur generische Begriffe zur Optimierung einer Internetseite für Suchmaschinen verwendet werden. Vielfach zeigt ein Blick in den Quelltext einer Internetseite die Verwendung von Begriffen, die geschützten fremden Kennzeichen entsprechen. Dabei handelt es sich bisweilen um die Kennzeichen eines Konkurrenten ( Sixt Budget, Impuls ) oder um diejenigen des Herstellers der auf der Internetseite vertriebenen Produkte ( Plattform für Gebrauchtwagen, Soda Stream ). Die Besonderheit bei dieser Kennzeichenverwendung liegt darin, dass die verwendeten Kennzeichen für den normalen Betrachter der Internetseite nicht sichtbar sind. Diese Verwendung fremder Zeichen wirft unter Schweizer Recht je nach Fallkonstellation Fragen des Markenrechts, des Firmen- und Namensrechts sowie des Lauterkeitsrechts auf Markenrecht Das Markenschutzgesetz verleiht dem Inhaber einer Marke das ausschliessliche Recht, die Marke zur Kennzeichnung der Waren und Dienstleistungen, für welche die Marke beansprucht wird, zu gebrauchen (Art. 13 Abs. 1 MSchG). Der Markeninhaber kann mithin jedem andern verbie12 G REGOR B ÜHLER ten, sein als Marke geschütztes Zeichen kennzeichenmässig zu benützen 27. Entsprechend sieht Art. 13 Abs. 2 MSchG eine Reihe von Verbietungsrechten vor. Zu prüfen ist namentlich, ob die versteckte Verwendung eines fremden Zeichens im Quelltext einer Internetseite unter einen der Tatbestände von Art. 13 Abs. 2 lit. a-e MSchG fällt Bisherige Lehre: Kein kennzeichenmässiger Gebrauch Nach bisheriger schweizerischer Lehre fehlt es bei der versteckten Verwendung fremder Kennzeichen im Quelltext von Internetseiten an einer hinreichenden Wahrnehmbarkeit des Zeichens durch die Adressaten. Deshalb könne man nicht von einer kennzeichenmässigen Verwendung solcher Zeichen sprechen 28. Argumentiert wird einerseits mit Art. 10 MSchV, wonach eine Marke grafisch darstellbar sein muss, um in das Markenregister eingetragen werden zu können. Daraus wird geschlossen, ein Kennzeichen im Sinne des Markenschutzgesetzes könne nur sein, was wahrnehmbar sei. An dieser Wahrnehmbarkeit fehle es den Meta-Tags und andern versteckten Schlüsselbegriffen wenigstens ohne Rückgriff auf den Quelltext 29. Andererseits werden auch die einzelnen Verbietungsrechte in den Tatbeständen von Art. 13 Abs. 2 lit. a-e MSchG zu Hilfe genommen: Zutreffend ist dabei, dass die Verwendung von Zeichen in Meta-Tags nicht unter Art. 13 Abs. 2 lit. a MSchG ("das Zeichen auf Waren oder deren Verpackungen anzubringen") oder lit. d ("unter dem Zeichen Waren ein- oder auszuführen") fällt. Auch unter lit. b und c ("unter dem Zeichen Waren [ ] und Dienstleistungen anzubieten [ ]") soll sich die Verwendung von fremden Kennzeichen in Meta-Tags nicht subsumieren lassen. Der Anbieter, der seine Internetseite mit einem fremden Kennzeichen unterlege, biete damit noch nicht Waren oder Dienstleistungen unter diesem Zeichen an. Er verwende das fremde 27 Das Verbot richtet sich nicht nur gegen identische Zeichen, sondern auch gegen Zeichen, die mit dem als Marke geschützten Zeichen verwechselbar sind (Art. 13 Abs. 2 i.v.m. Art. 3 Abs. 1 lit. b und c MSchG). Wie die angeführten Beispiele (vgl. oben und 1.4.3) zeigen, geht es allerdings bei Verwendung fremder Zeichen zur Suchmaschinenoptimierung in der Regel um identische Zeichen für gleiche Waren und Dienstleistungen. Fragen der Verwechslungsgefahr stehen damit in der Regel nicht im Vordergrund. 28 Vgl. W ILLI, N 16 zu Art. 13 MSchG; D AY, 1466; S PIRIG, 329 ff.; a.a. M ENN, Zum Ganzen D AY, 1466; W EBER, Suchmaschinen, 86 f. 5413 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung Kennzeichen nur dazu, Kunden auf seine eigene Internetseite zu locken 30. In dem bisher einzigen publizierten Entscheid, der sich mit der Verwendung fremder Kennzeichen in Meta-Tags befasst, hat sich das Handelsgericht des Kantons Aargau mit dieser Frage nicht ausdrücklich auseinandergesetzt und eine Kennzeichenverletzung aus andern Gründen verneint Kritik an der bisherigen Lehre Die gegen das Vorliegen eines kennzeichenmässigen Gebrauchs vorgebrachten Argumente überzeugen aus folgenden Gründen nicht: Art. 10 MSchV steht im Zusammenhang mit der Eintragung einer zu schützenden Marke. Die in dieser Bestimmung verlangte Darstellbarkeit des Kennzeichens ist eine Voraussetzung der Markeneintragung, sagt aber nichts über die Reichweite des markenrechtlichen Schutzes aus. Es würde dem Schutzgedanken des Markenrechts widersprechen, wollte man den Schutz der Marke von der Eintragungsfähigkeit des verletzenden Zeichens abhängig machen 32. Im Übrigen können Meta- Tags über den Quelltext bei jeder Website auch sichtbar gemacht und ausgedruckt werden. Als Argument dafür, dass es im Falle versteckter Verwendung von Kennzeichen an einer kennzeichenmässigen Verwendung fehle, kann Art. 10 MSchV jedenfalls nicht verwendet werden 33. Beim zweiten Argument, das sich am Wortlaut der Verbietungsrechte in Art. 13 Abs. 2 MSchG orientiert, hält die Unterscheidung von "Waren oder Dienstleistungen unter diesem Kennzeichen anbieten" und "das Kennzeichen nur dazu benützen, um Kunden auf die Internetseite zu locken" einer Prüfung nicht stand. Letztlich geht es jedem Benutzer eines fremden Kennzeichens darum, mittels dieses Kennzeichens Kun- 30 D AY, 1466 f. m.w.h. 31 Urteil des Handelsgerichts des Kantons Aargau vom 10. April 2001, in: sic! 2001, 537 ff.; immerhin bezeichnet das Handelsgericht das Setzen von fremden Zeichen als "verkaufsfördernde Massnahme", was auf Annahme eines kennzeichenmässigen Gebrauchs hindeutet. 32 DAVID, N 10 zu Art. 13 MSchG, hält mit Recht dafür, dass die Ausschliesslichkeitsrechte sehr extensiv gehandhabt werden sollen. Bereits die Botschaft zum MSchG, BBl 1991 I, 1, 17, hielt fest, dass es Ziel des neuen Gesetzes sei, die Stellung des Markeninhabers zu stärken. 33 Gleicher Auffassung: M ENN, 78, insbesondere Fn14 G REGOR B ÜHLER den anzulocken. Weiter fand, soweit ersichtlich, Art. 13 Abs. 2 lit. e MSchG in der Diskussion noch keine besondere Beachtung 34. Diese Bestimmung verbietet es andern nicht nur, ein als Marke geschütztes Kennzeichen auf Geschäftspapieren und in der Werbung zu benutzen, sondern auch, das Kennzeichen " sonstwie im geschäftlichen Verkehr zu gebrauchen ". Der Tatbestand ist jedenfalls offen genug 35, um die Verwendung eines Zeichens in Meta-Tags mit zu umfassen; es dürfte zumindest keinen Zweifel daran geben, dass eine Website als Mittel des geschäftlichen Verkehrs anzusehen ist. Mittelbar, eben durch die Verwendung als Meta-Tags, werden damit fremde Zeichen in einer Weise gebraucht, die zu Fehlzurechnung bei den einzelnen Websites führen kann Exkurs: Der "Impuls"-Entscheid des BGH vom 18. Mai 2006 Die Frage des kennzeichenmässigen Gebrauchs war auch in Deutschland lange umstritten. Während zahlreiche deutsche Gerichte schon früh die Verwendung fremder Kennzeichen in Meta-Tags als verletzenden Gebrauch im Sinne des Markenrechts beurteilten 37, hielten andere Gerichte dafür, dass kein solcher Gebrauch vorliege 38. Der BGH hatte 2006 im "Impuls"-Fall Gelegenheit, diese Frage höchstrichterlich zu beurteilen 39. Im "Impuls"-Fall hatten die unteren Instanzen einen kennzeichenmässigen Gebrauch bei der Verwendung fremder Kennzeichen in Meta-Tags noch verneint 40. Ähnlich wie die zitierten Stimmen in der Schweizer Lehre 41 argumentierte das OLG Düsseldorf damit, es fehle bei Meta-Tags an 34 Siehe aber immerhin: M ENN, DAVID, N 23 zu Art. 13 MSchG, postuliert eine weite Auslegung des Verbreitungsrechts gegen den Gebrauch in der Werbung. 36 So auch M ENN, 78 f. 37 OLG München, MMR 2000, 546; OLG Hamburg, GRUR-RR 2005, 118; LG Mannheim, CR 1998, 306; LG München I, MMR 2004, 689 f.; LG Frankfurt/M., MMR 2000, 493; LG Stuttgart, WRP 2002, 347; LG Hamburg, CR 2000, OLG Köln, GRUR-RR 2003, 42; OLG Düsseldorf, CR 2004, 462; OLG Düsseldorf, CR 2004, 936; VIEFHUES, 337 ff. m.w.h.; VARADINEK, 281 ff. m.w.h.; ROSENTHAL, 119 Fn 122 m.h. auf deutsche Entscheidungen; K AZEMI, 193 ff. m.w.h. 39 Urteil des deutschen Bundesgerichtshofes vom 18. Mai 2006 (abrufbar unter xml); zum Sachverhalt vgl Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 15. Juli 2003 (abrufbar unter siehe auch Jusletter vom 23. August 2004). 41 Vgl. Fn15 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung einem wahrnehmbaren Vorgang. Die angesprochenen Verkehrskreise, die sich einer Suchmaschine bedienten, bildeten ihre Vorstellung von der Kennzeichnung der angebotenen Dienstleistungen anhand des für sie wahrnehmbaren Teils der als Treffer aufgeführten Internetseite. Solange diese wahrnehmbare Internetseite kennzeichenrechtlich unbedenklich sei, liege keine Verletzung vor. Gemäss BGH lässt sich eine kennzeichenmässige Benutzung nicht mit der Begründung verneinen, ein Meta-Tag sei für den durchschnittlichen Internetnutzer nicht wahrnehmbar. Gebe ein Nutzer in eine Suchmaschine das Wort "Impuls" ein, bediene er sich einer technischen Einrichtung, mit deren Hilfe er in kurzer Zeit eine grosse Zahl von Internetseiten nach dem eingegebenen Wort durchsucht, um via Suchergebnis die für diesen Begriff relevanten Websites zu erhalten. Schliesse die Suchmaschine den normalerweise für den Nutzer nicht sichtbaren Quelltext der Internetseiten in die Suche ein, würden auch Seiten als Suchergebnis aufgelistet, die das Suchwort lediglich im Quelltext enthielten. Dabei sei nicht entscheidend, dass das Suchwort für den Nutzer auf der entsprechenden Internetseite nicht sichtbar werde. Massgeblich sei vielmehr, dass mit Hilfe des Suchwortes das Ergebnis des Auswahlverfahrens beeinflusst und der Nutzer auf diese Weise zu der entsprechenden Internetseite geführt werde. Das Suchwort diene somit dazu, den Nutzer auf das dort werbende Unternehmen und sein Angebot hinzuweisen Kennzeichenmässiger Gebrauch bei der Verwendung in Meta- Tags Die Argumentation des BGH überzeugt. Die unmittelbare visuelle Wahrnehmbarkeit kann nicht das entscheidende Kriterium sein. Massgebend ist vielmehr, welche Konsequenzen die Verwendung von fremden Zeichen als Meta-Tags nach sich zieht: Der Internetbenutzer, der eine Marke als Suchbegriff eingibt, wird eine Liste von Websites erhalten, die auf dieser Marken-Eingabe beruht. Erfahrungsgemäss wird er die zuerst gelisteten Websites aufrufen. Mittelbar, durch den Quelltext dieser Websites, können die zugrundeliegenden Marken wahrnehmbar gemacht werden. Der Meta-Tags-Setzer verschafft sich einen Vorteil, indem er den Suchenden auf seine Website hinweist und damit allenfalls Verkehr (sogenannten traffic) auf seiner Website erzeugt, der ohne dieses fremde Zeichen ausgeblieben wäre. 5716 G REGOR B ÜHLER Das Setzen derartiger Meta-Tags ist eine verkaufsfördernde Massnahme 42 und kann ohne Not auch bei den Verbietungsrechten des Art. 13 Abs. 2 MSchG eingereiht werden. Diese Tätigkeit qualifiziert als Gebrauch "sonstwie im geschäftlichen Verkehr" (Art. 13 Abs. 2 lit. e MSchG) und lässt sich weiter auch unter den Wortlaut von Art. 13 Abs. 2 lit. c MSchG subsumieren. Denn: Wer solche Meta-Tags setzt, tut nichts anderes, als mittelbar unter einem fremden Zeichen seine Dienstleistungen anbieten. Das Setzen von Meta-Tags mit fremden Zeichen fällt damit in den Bereich des markenrechtlichen Ausschliesslichkeitsrechts. Ob dieses Recht auch in jeder Konstellation geltend gemacht werden kann, ist im Folgenden weiter zu klären Meta-Tags und Ankündigungsrecht Eine Schranke der Geltendmachung des Markenrechts ergibt sich aus dem Prinzip der Erschöpfung, wie es im Rahmen der "Chanel"-Rechtsprechung des Bundesgerichts und der darauf beruhenden Entscheidungen entwickelt wurde 43. Auf diese Grundsätze hat sich das Handelsgericht des Kantons Aargau im "Soda Stream-Fall" gestützt 44 : Das Handelsgericht des Kantons Aargau führte aus, der Markeninhaber könne zwar anderen verbieten, ein mit seiner Marke identisches Zeichen in der Werbung und im geschäftlichen Verkehr zu gebrauchen 45, doch sei das Markenrecht erschöpft, sobald Markenprodukte mit Zustimmung des Markeninhabers in den Verkehr gelangt seien 46. Der Markeninhaber könne daher Dritten gestützt auf sein Markenrecht den weiteren Vertrieb der Markenprodukte nicht verbieten. Die zum Weiterverkauf berechtigten Dritten müssten zudem die Markenwaren auch bewerben können; der Markeninhaber könne den nicht in sein Vertriebssystem eingebundenen Händlern nicht vorschreiben, 42 Vgl. auch Urteil des Handelsgerichts des Kantons Aargau vom 10. April 2001, in: sic! 2001, BGE 122 III 469 ("Chanel"); Entscheid des BGer 4C ("Chanel IV"), in: sic! 2000, 310 ff.; Entscheid des BGer 4C ("VW Audi-Spezialist"), in: sic! 2002, 434 ff. 44 Urteil des Handelsgerichts des Kantons Aargau vom 10. April 2001, in: sic! 2001, 536 f. 45 Art. 13 Abs. 2 lit. ei.v.m. Art. 3 Abs. 1 lit. a MSchG. 46 BGE 122 III 469, E17 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung wie sie die Markenware zu vertreiben und zu bewerben hätten 47. Die dem Wiederverkäufer der Markenware zustehende Befugnis zur Verwendung der Marke gehe allerdings nicht über das hinaus, was für den Vertrieb der Markenware erforderlich sei. Eine Verwendung der Marke ohne Bezug zu der vom Wiederverkäufer angebotenen Markenware sei unzulässig 48. Gestützt auf diese Ausführungen befand das Handelsgericht in concreto, dass die Verwendung der geschützten Marken "Sodastream", "Sodastar" und "Sodaclub" in den Meta-Tags durch die Beklagte markenrechtlich zulässig sei. Es war dies in den Augen des Handelsgerichts des Kantons Aargau eine verkaufsfördernde Massnahme eines nicht in das Vertriebssystem des Markeninhabers eingebundenen Händlers, der damit auf sein Angebot an Markenprodukten hinweise. Die Beklagte erreiche nichts mehr, als dass der nach Soda-Produkten suchende Internetbenutzer überhaupt auf ihre Internetseite gelange. Diese Erwägungen sind zweifelsohne zutreffend; sie erfordern, dass sich der Richter mit dem Inhalt der mit Meta-Tags unterlegten Website befasst. Denn erst dann, wenn ein sachlicher Bezug zum tatsächlichen Angebot des Händlers fehlt, liegt eine Markenrechtsverletzung vor Beurteilung der weiteren Beispiele Nach den gleichen Kriterien sind die beiden weiter erwähnten Beispiele 50 zu beurteilen: Im Falle der Plattform für Gebrauchtwagen muss es für den Betreiber der Website möglich sein, die Marken der über die Plattform vertriebenen Fahrzeuge in den Meta-Tags der Internetseiten zu verwenden. Weiter muss es für den Betreiber der Website nicht nur zulässig sein, die Marken der sich gerade konkret im Angebot befindlichen Fahrzeuge zu verwenden, sondern die Marken aller regelmässig über die Plattform angebotenen Fahrzeuge. Die Grenze ist dort zu ziehen, wo Fahrzeuge einer bestimmten Marke gar nicht angeboten werden. Hier ist 47 Entscheid des BGer 4C ("Chanel IV"), in: sic! 2000, 312, E. 1b; DAVID, N 16 zu Art. 13 MSchG; M ARBACH, Entscheid des BGer 4C ("Chanel IV"), in: sic! 2000, 312, E. 1b und d. 49 Vgl. auch Urteil des Handelsgerichts des Kantons Aargau vom 10. April 2001, in: sic! 2001, Vgl. oben18 G REGOR B ÜHLER die Ausrichtung des Angebots in die Betrachtung miteinzubeziehen. Im Falle einer Plattform für Fahrzeuge durchschnittlicher Preisklasse dürfte es sich bei der Verwendung von Marken wie "Ferrari" oder "Hummer" um Grenzfälle handeln 51, während sie auf einer Plattform für Luxuswagen ohne weiteres zulässig sein dürften. Unzulässig bleibt dagegen die Verwendung fremder Kennzeichen, bei denen ein Zusammenhang mit dem Warenangebot des Benutzers fehlt, wie etwa bei der Verwendung der Namen von Konkurrenten in den Meta-Tags einer Internetseite (vgl. die Beispiele "Sixt Budget" und "Impuls" 52 ) Namensrecht Gemäss Art. 29 ZGB ist es untersagt, sich den Namen eines Dritten anzumassen. Die verletzte Person kann gegen solche Namensanmassungen auf Unterlassung klagen. So könnte sich z.b. Heinz Harald Frentzen daran stören, dass sein Name in Meta-Tags als Köder für eine Autovermittlungsplattform ausgelegt wird. In der Tat ist es möglich, die Verwendung des Namens für eine Sache, z.b. für ein Gerät, eine Zeitschrift oder Plakate zu untersagen 53. Eine Website ist im Grunde ein Informationsmedium wie eine Zeitschrift oder ein Plakat. Aus diesem Grunde muss auch hier ein Einschreiten des Namensinhabers möglich sein 54. Voraussetzung ist aber immer ein rechtlich geschütztes Interesse. Ein solches dürfte immer dann gegeben sein, wenn auf der Website negative Tatsachen über den Namensinhaber verbreitet werden oder nichtgewollte Bezüge zu ihm hergestellt werden Lauterkeitsrecht Die lauterkeitsrechtliche Relevanz des Setzens von Meta-Tags kann nur mit Blick auf die konkrete Website, die mit einem solchen Tag unterlegt ist, beurteilt werden. Dabei sind verschiedene rechtliche Konstellationen zu unterscheiden: 51 Vgl. Fn Vgl. oben BGE 102 II 161, 165 f.; BGE 108 II 241, 243 f. 54 So auch D AY, 1467, und W EBER, Suchmaschinen, So auch Urteil des Handelsgerichts des Kantons Aargau vom 10. April 2001, in: sic! , 537.19 Meta-Tags, Keywords und andere Mittel der Suchmaschinenoptimierung Liegt eigentlicher Behinderungswettbewerb vor, bei dem durch das Verwenden fremder Kennzeichen als Meta-Tags das Suchresultat für den Abnehmer unbrauchbar gemacht wird, mithin die Homepage des Kennzeicheninhabers nicht mehr oder nicht mehr hinreichend prominent erscheint, so kann ein solches Verhalten als unerlaubt, weil gegen die guten Sitten und Treu und Glauben verstossend, qualifiziert werden (Art. 2 UWG) 56. Solche Fälle dürften faktisch nur noch vorkommen, wenn neben den Meta-Tags weitere Methoden zu einer Rückstufung des Kennzeicheninhabers in den Trefferlisten führen 57. Ein weiterer Aspekt ist das Umleiten von Abnehmerströmen auf die eigene Website, veranlasst durch geschicktes Setzen von Meta-Tags 58. Auch dieses Verhalten wird unter Art. 2 UWG abgehandelt, wobei in der klassischen Variante verlangt wird, dass "ein bereits gefasster Kaufentschluss unmittelbar auf das eigene Angebot umgeleitet wird" 59. Wer nun aber Suchmaschinen benützt, wird seinen Kaufentscheid in aller Regel noch nicht getroffen haben. Dazu dürfte eine derartige Abfangaktion auch deshalb kaum gelingen, weil eine Trefferliste, die über Meta-Tags "manipuliert" worden ist, noch nicht direkt zu einem Kaufentscheid des Kunden führt erforderlich bleibt in jedem Falle das Aufrufen der betreffenden Websites. Bei der Schaffung von Verwechslungsgefahr mit den Angeboten anderer Anbieter (vgl. Art. 3 lit. d UWG) liegt die Wertung parallel zu den markenrechtlichen Überlegungen. Hier gilt, dass das Lauterkeitsrecht in aller Regel nicht verbieten kann, was das Markenrecht erlaubt 60. Ein Händler, der berechtigt ist, Markenprodukte zu verkaufen und zu bewerben, schafft nicht schon dadurch unlautere Verwechslungsgefahr, dass er die Internetseite mit den Markennamen der von ihm vertriebenen Produkte unterlegt und so dem Internetbenutzer die Anzeige dieses Angebots ermöglicht. Es lassen sich weitere Anwendungsfälle denken (etwa im Bereich von Art. 3 lit. a UWG Herabsetzung oder von Art. 3 lit.e UWG unlautere vergleichende Werbung); Tatsache bleibt, dass abgesehen von der zitier- 56 D AY, Zur abnehmenden Bedeutung der Meta-Tags vgl B AUDENBACHER, N 119 zu Art. 2 UWG. 59 B AUDENBACHER, a.a.o. 60 So auch das Urteil des Handelsgerichts des Kantons Aargau vom 10. April 2001, in: sic! 2001, 538. Massgeblich ist auch in lauterkeitsrechtlicher Hinsicht der Inhalt der Website. 6120 G REGOR B ÜHLER ten Entscheidung des Aargauer Handelsgerichts missliebiges Setzen von Meta-Tags oder anderes "suchergebnissteuerndes Verhalten" bisher nie in Gerichtsverfahren thematisiert worden ist. 2.2 Sanktionen durch Suchmaschinenbetreiber Im Spannungsverhältnis zwischen Website- und Suchmaschinenbetreibern Betreiber von Websites sind wie gezeigt bestrebt 61, ihre Websites so zu gestalten, dass diese möglichst häufig (und möglichst in den vorderen Rängen) in Suchresultaten von Suchmaschinen erscheinen. Dem steht das Bestreben der Suchmaschinenbetreiber gegenüber, dem Publikum möglichst relevante Suchergebnisse zu präsentieren. Von den Suchergebnissen hängt der Ruf einer Suchmaschine, die Zahl ihrer Benutzer und zentral die Möglichkeit ab, über traffic (z.b. via Verkauf von Anzeigen zu den eingegebenen Begriffen, sogenannten "AdWords") Einnahmen zu generieren. Um in diesem Spannungsverhältnis gegenüber den Websitebetreibern zu bestehen, entwickeln die Suchmaschinenbetreiber die Technologie ihrer Suchmaschinen stetig weiter und passen diese den neuesten Methoden der Suchmaschinenoptimierung an. Am Beispiel mit dem Telefonbuch 62 wird auch deutlich, dass ein vitales Interesse daran besteht, die Funktionsweise einer Suchmaschine nicht öffentlich zugänglich zu machen. Denn wäre beispielsweise im Detail dokumentiert, wie die Google -Suchmaschine funktioniert, würden sich Websitebetreiber dies zweifellos zunutze machen. In den ersten 100 Rängen der Ergebnisliste würde sich wahrscheinlich ähnlich den Verhältnissen im Bereich des Massenversandes von s nur noch Werbung für Potenzmittel, Uhrenimitationen und Ähnliches finden Die Google -Richtlinien Suchmaschinenbetreiber (insbesondere Google ) veröffentlichen seit einiger Zeit Richtlinien, die darlegen, welche Mittel der Suchmaschinenoptimierung sie als täuschend oder manipulativ betrachten. 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