Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-saechsisches-lag-9-sa-15-15-16.07.2015-ausserordentliche-kuendigung-geschaeftsfuehrer-u.html
Timestamp: 2020-07-02 17:42:33+00:00

Document:
Az.: 9 Sa 15/15
11 Ca 3260/13 ArbG Dres­den
Verkündet am 16. Ju­li 2015
hat das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt - Kam­mer 9 - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­den und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Frau ... und Herrn ... auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16. Ju­li 2015
1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dres­den vom 08.12.2014 – 11 Ca 3260/13 – wird
2. Auf die An­schluss­be­ru­fung des Be­klag­ten wird das erst­in­stanz­li­che Ur­teil in sei­ner Zif­fer 1
und die Kla­ge auch in­so­weit ab­ge­wie­sen.
3. Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens trägt die Kläge­rin; die erst­in­stanz­li­chen Kos­ten ha­ben die Kläge­rin zu 5/6 und der Be­klag­te zu 1/6 zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten im Be­ru­fungs­rechts­zug noch über die Wirk­sam­keit zwei­er frist­lo­ser, hilfs­wei­se or­dent­li­cher Kündi­gun­gen vom 07.10.2013 und vom 22.04.2014.
Die 1961 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist beim Be­klag­ten als Geschäftsführe­rin an­ge­stellt. Sie selbst geht von ei­ner an­re­chen­ba­ren Be­triebs­zu­gehörig­keit seit dem 01.02.2003 aus, der Be­klag­te da­ge­gen stellt in­so­weit auf das Da­tum 01.11.2011 ab. Ar­beits­ver­trag­lich ha­ben die Par­tei­en die An­wen­dung des TV-L Ost ver­ein­bart. Das mo­nat­li­che Ar­beits­ent­gelt der Kläge­rin lag zu­letzt bei 4.504,98 € brut­to. Man­gels aus­rei­chen­der Beschäftig­ten­zahl fin­det das Kündi­gungs­schutz­ge­setz vor­lie­gend kei­ne An­wen­dung.
Beim Be­klag­ten han­delt es sich um ei­nen ge­meinnützi­gen Ver­ein, des­sen Zweck die Förde­rung der Un­fall­verhütung ist.
Die Sat­zung des Be­klag­ten be­stimmt in ih­ren §§ 11 und 12 u. a. Fol­gen­des:
Präsi­di­um
(1) Das Präsi­di­um be­steht aus
- dem Präsi­den­ten
- den drei Vi­ze­präsi­den­ten
- dem Schatz­meis­ter
(2) Je zwei Mit­glie­der des Präsi­di­ums ver­tre­ten ge­mein­sam die Lan­des­ver­kehrs­wacht Sach­sen.
(3) Das Präsi­di­um lei­tet die Lan­des­ver­kehrs­wacht und be­sch­ließt über de­ren lau­fen­de Geschäfte, so­weit sie nicht nach der Sat­zung in die Zuständig­keit an­de­rer Ver­eins­or­ga­ne fal­len. Das Präsi­di­um ist be­schlussfähig, wenn drei Mit­glie­der an­we­send sind.
(4) Das Präsi­di­um bleibt bis zur Wahl von Nach­fol­gern im Amt. Zur Auf­recht­er­hal­tung sei­ner Ar­beitsfähig­keit kann der Vor­stand ei­nes sei­ner Mit­glie­der bis zur Wahl mit der Wahr­neh­mung der Geschäfte ei­nes Präsi­di­ums­mit­glie­des be­auf­tra­gen.
(1) Am Sitz der ... wird ei­ne Geschäfts­stel­le un­ter­hal­ten, die von ei­nem Geschäftsführer oder ei­ner Geschäftsführe­rin ge­lei­tet wird.
(2) Der (die) Geschäftsführer(in) wird vom Präsi­di­um an­ge­stellt und bei Er­for­der­nis vom Präsi­di­um ent­las­sen.
Zwi­schen der Kläge­rin und dem Präsi­den­ten des Be­klag­ten kam es zu Un­stim­mig­kei­ten, u. a. we­gen Rei­se­kos­ten­ab­rech­nun­gen des Präsi­den­ten so­wie von der Kläge­rin ih­rer An­sicht nach ge­leis­te­ter Über­stun­den.
Ab dem 06.08.2013 ver­sand­te die Kläge­rin an ei­nen Rechts­an­walt ... ver­schie­de­ne E-Mails, die u. a. die Tak­tik der Kläge­rin zum Ge­gen­stand hat­ten, den Präsi­den­ten zum Rück­tritt zu be­we­gen. We­gen des ge­nau­en In­halts die­ser E-Mails wird auf die An­la­gen B 1 bis B 3 ver­wie­sen (vgl. Bl. 49 bis 51 d. A.).
Mit Schrei­ben vom 09.09.2013 (vgl. Bl. 53 ff. d. A.) schrieb Rechts­an­walt ... den Präsi­den­ten des Be­klag­ten un­ter des­sen Pri­vat­an­schrift an. In dem Schrei­ben for­der­te Herr ... den Präsi­den­ten u. a. auf, um­fas­send zu den Vorwürfen Stel­lung zu be­zie­hen. Die­ses Schrei­ben er­hiel­ten auch al­le an­de­ren Präsi­di­ums­mit­glie­der der ... e. V. zur Kennt­nis.
Am 15.09.2013 mail­te die Kläge­rin an die Buch­hal­te­rin des Be­klag­ten Frau ... den Ent­wurf ei­nes Schrei­bens, wo­nach die Mit­glie­der der Ver­kehrs­wacht "..." vom Vor­stand der ... e. V. die so­for­ti­ge Ein­be­ru­fung ei­ner außer­or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung for­dern mit dem Grund Re­chen­schafts­le­gung des Präsi­di­ums und dem Zweck der Ab­wahl des Präsi­di­ums. Mit E-Mail vom 19.09.2013 teil­te die Kläge­rin den Mit­glie­dern der Lan­des­ver­kehrs­wacht noch­mals mit, sie benöti­ge bit­te von je­dem Mit­glied ein Schrei­ben, in dem man sein Un­verständ­nis über ein Schrei­ben des Präsi­den­ten zum Aus­druck brin­ge. Es blei­be nur noch die Möglich­keit, ei­ne außer­or­dent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung zu for­dern. Bezüglich des ge­nau­en In­halts
die­ses E-Mail-Ver­kehrs wird auf die An­la­gen B 6 bis B 7 a (vgl. Bl. 56 bis 58 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
In ei­ner Präsi­di­ums­sit­zung vom 25.09.2013 er­folg­te so­dann ei­ne Anhörung der Kläge­rin zu den ihr ge­mach­ten Vorwürfen.
Am 04.10.2013 trat Herr ... mit so­for­ti­ger Wir­kung von sei­ner Funk­ti­on als Vi­ze­präsi­dent des Be­klag­ten zurück. Die vier übrig­ge­blie­be­nen Präsi­di­ums­mit­glie­der, nämlich der Präsi­dent ..., die Vi­ze­präsi­den­ten ... und ... so­wie der Schatz­meis­ter ..., be­schlos­sen dann am 07.10.2013 ein­stim­mig, der Kläge­rin auf­grund der fest­ge­stell­ten gro­ben Pflicht­ver­let­zun­gen als Geschäftsführe­rin frist­los, hilfs­wei­se or­dent­lich zu kündi­gen. Das Kündi­gungs­schrei­ben sol­le durch den Präsi­den­ten ... und den Vi­ze­präsi­den­ten ... un­ter­schrie­ben wer­den. So ge­schah es dann auch. Mit Schrei­ben vom 07.10.2013, der Kläge­rin zu­ge­gan­gen am 09.10.2013, kündig­te der Be­klag­te das be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis frist­los, hilfs­wei­se or­dent­lich zum nächstmögli­chen Ter­min.
Nach­dem der Be­klag­te ei­ne Wirt­schafts­prüfungs­ge­sell­schaft mit ent­spre­chen­den Re­cher­chen be­auf­tragt hat­te, kündig­te er der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 22.04.2014, der Kläge­rin zu­ge­gan­gen am 24.04.2014, noch­mals frist­los, hilfs­wei­se or­dent­lich zum nächstmögli­chen Ter­min. Der Be­klag­te stützt die­se zwei­te Kündi­gung u. a. auf di­ver­se Verstöße der Kläge­rin ge­gen die Vor­ga­ben der Geschäfts­ord­nung.
Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die frist­lo­sen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gun­gen vom 07.10.2013 und vom 22.04.2014 sei­en be­reits un­wirk­sam, weil das Präsi­di­um in die­sem Zeit­raum auf­grund des Aus­schei­dens des Herrn ... aus dem Vor­stand nicht be­schlussfähig ge­we­sen sei. Un­strei­tig sei Herr ... be­reits am 04.10.2013 als Vi­ze­präsi­dent zurück­ge­tre­ten, eben­so un­strei­tig sei sein Nach­fol­ger Herr ... erst am 10.05.2014 be­stellt wor­den.
Un­abhängig hier­von lägen auch kei­ne Kündi­gungs­gründe vor. Al­les, was sie un­ter­nom­men ha­be, sei zum Woh­le des Be­klag­ten er­folgt. Da der Präsi­dent des Be­klag­ten die von ihr ge­leis­te­ten 270 Über­stun­den für die Buch­hal­tung nicht beim Säch­si­schen Staats­mi­nis­te­ri­um des In­nern ab­ge­ru­fen ha­be, sei dem Be­klag­ten ein wirt­schaft­li­cher Scha­den in Höhe von über 10.000,00 € ent­stan­den.
Auch ha­be sie we­der die Mit­glie­der der Lan­des­ver­kehrs­wacht noch die Mit­ar­bei­ter der Mit­glie­der­or­ga­ni­sa­tio­nen ge­gen den Präsi­den­ten des Be­klag­ten auf­ge­hetzt. Als Geschäftsführe­rin sei es viel­mehr ih­re Pflicht ge­we­sen, die Mit­glie­der zu un­ter­rich­ten, da nur die­se die Möglich­keit ge­habt hätten, dem ver­einsschädi­gen­den Ver­hal­ten des Präsi­den­ten wirk­sam ent­ge­gen­zu­tre­ten.
Die Zwei-Wo­chen-Frist für den Aus­spruch ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung ha­be der Be­klag­te eben­falls nicht ein­ge­hal­ten. Kennt­nis von den ver­meint­li­chen Kündi­gungs­gründen ha­be der Be­klag­te nicht erst am 25.09.2013 er­langt. Das Schrei­ben von Rechts­an­walt ... sei dem Be­klag­ten am 10.09.2013 be­kannt ge­we­sen und ih­re E-Mail-Kor­re­spon­denz seit dem 15.09. bzw. 19.09.2013.
Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich, so­fern für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren noch von Re­le­vanz, sinn­gemäß be­an­tragt,
fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis we­der durch die frist­lo­se, hilfs­wei­se or­dent­li­che Kündi­gung vom 07.10.2013 noch durch die frist­lo­se, hilfs­wei­se or­dent­li­che Kündi­gung vom 22.04.2014 auf­gelöst wor­den ist.
Der Be­klag­te hat, so­weit nun­mehr noch von In­ter­es­se, be­an­tragt,
Ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses auch nur bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist sei ihm nicht zu­mut­bar. Die Kläge­rin ha­be Mit­glie­der u. a. da­zu auf­ge­for­dert, den Präsi­den­ten über ei­ne außer­or­dent­li­che Mit­glie­der­ver­samm-
lung abwählen zu las­sen. Das vor­werf­ba­re Ver­hal­ten lie­ge in dem Ver­such, die Mit­glie­der zu ma­ni­pu­lie­ren und den Präsi­den­ten zum Rück­tritt zu zwin­gen. Hin­zu kom­me, dass die Kläge­rin das Präsi­di­um bei ih­rer Anhörung in der Sit­zung vom 25.09.2013 be­lo­gen ha­be.
Mit Ur­teil vom 08.12.2014 hat das Ar­beits­ge­richt in Zif­fer 1 sei­nes Ur­teils­te­nors fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die frist­lo­se Kündi­gung des Be­klag­ten vom 07.10.2013 be­en­det wor­den ist. Die Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 Abs. 2 BGB sei nicht ein­ge­hal­ten. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en sei je­doch durch die or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten vom 07.10.2013 mit Ab­lauf des 31.03.2014 be­en­det wor­den. Ein "Er­for­der­nis" i. S. d. § 12 Abs. 2 der Sat­zung lie­ge vor. Durch das il­loya­le und in­tri­gan­te Ver­hal­ten der Kläge­rin ge­genüber dem Präsi­den­ten des Be­klag­ten sei die Ba­sis für ei­ne wei­te­re für den Ver­ein ge­deih­li­che Zu­sam­men­ar­beit ir­re­pa­ra­bel zerstört. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten die­ser Ent­schei­dung wird auf das Ur­teil vom 08.12.2014 ver­wie­sen (vgl. Bl. 332 bis 345 d. A.).
Ge­gen das ihr am 15.12.2014 zu­ge­stell­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts hat die Kläge­rin am 12.01.2015 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 02.03.2015 – mit am 02.03.2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz be­gründet.
Die­se Be­ru­fungs­be­gründung ist dem Be­klag­ten am 06.03.2015 zu­ge­stellt wor­den. Die Be­ru­fungs­er­wi­de­rung ist – zu­sam­men mit der An­schluss­be­ru­fung und der Be­gründung der An­schluss­be­ru­fung – am 24.03.2015 beim Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.
Der Wirk­sam­keit der Kündi­gun­gen, so die Kläge­rin in ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung, ste­he be­reits ent­ge­gen, dass der Vi­ze­präsi­dent ... am 04.10.2013 aus sei­nem Vi­ze­präsi­den­ten­amt beim Be­klag­ten aus­ge­schie­den sei. Da so­mit – in­so­weit un­strei­tig – we­der am 07.10.2013 noch am 22.04.2014 al­le Vor­standsämter be­setzt ge­we­sen sei­en, sei­en die vom Rumpf­präsi­di­um des Be­klag­ten bezüglich der Kündi­gun-
gen der Kläge­rin ge­fass­ten Be­schlüsse von vorn­her­ein per se un­wirk­sam. Ei­ne Sat­zungs­be­stim­mung, wo­nach zur Be­schlussfähig­keit des Vor­stands die An­we­sen­heit ei­ner be­stimm­ten An­zahl oder ei­nes Bruch­teils der Vor­stands­mit­glie­der not­wen­dig sei, rei­che eben­falls nicht aus, um die Nicht­be­set­zung ei­nes Vor­stands­am­tes zu hei­len. Viel­mehr führe die Nicht­be­set­zung ei­nes Vor­stands­am­tes auch dann zur Un­wirk­sam­keit ei­nes Be­schlus­ses, wenn an­sons­ten die für die Be­schluss­fas­sung er­for­der­li­che An­zahl von Vor­stands­mit­glie­dern er­schie­nen sei.
Un­abhängig hier­von feh­le es zu­dem an ei­ner Ab­mah­nung. Ei­ne sol­che sei in kei­nem Fal­le ent­behr­lich ge­we­sen, denn sie – die Kläge­rin – ha­be nach ih­rer in­ne­ren Über­zeu­gung stets und aus­sch­ließlich zum Woh­le und Nut­zen des Be­klag­ten ge­han­delt. Um die In­ter­es­sen des Be­klag­ten zu ver­tre­ten, ha­be sie den In­ter­es­sen des Präsi­den­ten ent­ge­gen­tre­ten müssen. Das Ar­beits­ge­richt ha­be über­se­hen, dass sie sich in ei­nem In­ter­es­sen­kon­flikt be­fun­den ha­be zwi­schen den In­ter­es­sen des Be­klag­ten ei­ner­seits und den In­ter­es­sen des Präsi­den­ten des Be­klag­ten an­de­rer­seits.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dres­den vom 08.12.2014 – 11 Ca 3260/13 – teil­wei­se ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auch we­der durch die or­dent­li­che Kündi­gung vom 07.10.2013 noch durch die frist­lo­se, hilfs­wei­se or­dent­li­che Kündi­gung vom 22.04.2014 auf­gelöst wor­den ist.
die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­zu­wei­sen,
auf sei­ne An­schluss­be­ru­fung das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts in­so­weit ab­zuändern, als dort in der Zif­fer 1 des Ur­teils­te­nors die Un­wirk­sam­keit der frist­lo­sen Kündi­gung vom 07.10.2013 fest­ge­stellt wor­den sei, und die Kla­ge auch in­so­weit ab­zu­wei­sen.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts und der Kläge­rin sei vor­lie­gend die Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 Abs. 2 BGB vor Aus­spruch der Kündi­gung ge­wahrt wor­den. Je­den­falls bis zur Anhörung der Kläge­rin durch das Präsi­di­um in der Sit­zung am 25.09.2013 ha­be die Zwei-Wo­chen-Frist nicht zu lau­fen be­gon­nen.
Das Präsi­di­um sei in sei­ner Sit­zung am 07.10.2013 und bei Fas­sung des Be­schlus­ses zur Kündi­gung vom 22.04.2014 auch be­schlussfähig ge­we­sen.
Es ver­blei­be da­bei, dass der Be­klag­te in­fol­ge der un­strei­ti­gen Nicht­be­set­zung ei­nes Vi­ze­präsi­den­ten­am­tes so­wohl in sei­ner Sit­zung am 07.10.2013 als auch bei der Kündi­gung vom 22.04.2014 nicht be­schlussfähig ge­we­sen sei.
Rich­tig ha­be das Ar­beits­ge­richt da­ge­gen er­kannt, dass der Be­klag­te bei Aus­spruch der Kündi­gung vom 07.10.2013 die Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 Abs. 2 BGB nicht ein­ge­hal­ten ha­be. Die di­ver­se E-Mail-Kor­re­spon­denz, auf die der Be­klag­te die­se frist­lo­se Kündi­gung stütze, sei die­sem be­reits seit dem 15.09. bzw. dem 19.09.2013 be­kannt ge­we­sen. Mit­hin lägen min­des­tens 20 Ta­ge zwi­schen Kennt­nis und Zu­gang der Kündi­gung vom 07.10. am 09.10.2013.
We­gen des wei­te­ren tatsächli­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en wird Be­zug ge­nom­men auf ih­re wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie das Pro­to­koll der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.07.2015.
Die gemäß § 64 Abs. 1 und 2 ArbGG an sich statt­haf­te, gemäß den §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, 519, 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te, ins­ge­samt da­her zulässi­ge Be­ru­fung der Kläge­rin hat in der Sa­che kei­nen Er­folg. Da­ge­gen ist die An­schluss­be­ru­fung des Be­klag­ten nicht nur zulässig, son­dern auch be­gründet.
1. Die frist­lo­se Kündi­gung des Be­klag­ten vom 07.10.2013 ist wirk­sam. Auf die An­schluss­be­ru­fung des Be­klag­ten war das erst­in­stanz­li­che Ur­teil in sei­ner Zif­fer 1 dem­ent­spre­chend ab­zuändern und die Kla­ge auch in­so­weit ab­zu­wei­sen.
a) Der Wirk­sam­keit die­ser Kündi­gung steht zunächst nicht ent­ge­gen, dass das Präsi­di­um des Be­klag­ten zum Zeit­punkt der Be­schluss­fas­sung am glei­chen Tag an­geb­lich nicht be­schlussfähig ge­we­sen sein soll.
Die er­ken­nen­de Kam­mer folgt in­so­weit der Auf­fas­sung, wo­nach – so­fern nicht die Sat­zung ei­ne ab­wei­chen­de Be­stim­mung trifft – ein ord­nungs­gemäß be­ru­fe­ner Vor­stand auch dann be­schlussfähig ist, wenn nicht al­le Ämter be­setzt sind (vgl. statt al­ler et­wa Ot­to in ju­risPK-BGB, 7. Auf­la­ge, § 28 Rd­nr. 5; Stöber, Hand­buch zum Ver­eins­recht, 9. Auf­la­ge Rd­nr. 325; eben­so jetzt auch Sau­ter/Schw­ey­er/Wald­ner, Der ein­ge­tra­ge­ne Ver­ein, 19. Auf­la­ge Rd­nr. 245 a).
Zwar ist der Kläge­rin zu­zu­ge­ben, dass nach an­de­rer Auf­fas­sung die Be­schlussfähig­keit die vollständi­ge Be­set­zung al­ler Vor­stands­sit­ze vor­aus­setzt. Dies gilt nach völlig herr­schen­der Mei­nung al­ler­dings nur vor­be­halt­lich be­son­de­rer Re­ge­lun­gen in der Sat­zung des Ver­eins (vgl. in­so­weit statt al­ler et­wa MüKoBGB/Reu­ter, 6. Auf­la­ge, § 28 Rd­nr. 3 m. w. N.). Da­bei stellt sich die Fra­ge, ob ei­ne Sat­zungs­be­stim­mung wie vor­lie­gend § 11 Abs. 3 Satz 2 der Sat­zung, wo­nach zur Be­schlussfähig­keit des Vor­stands die An­we­sen­heit ei­ner be­stimm­ten An­zahl oder ei­nes Bruch­teils
der Vor­stands­mit­glie­der not­wen­dig ist, auch den Fall ein­sch­ließt, dass im Zeit­punkt der Be­schluss­fas­sung dem Vor­stand we­ni­ger Mit­glie­der an­gehören als dies in der Sat­zung vor­ge­schrie­ben ist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dies im Fal­le ei­nes un­ter­be­setz­ten Auf­sichts­rats ei­ner Ge­nos­sen­schaft oh­ne wei­te­res be­jaht (vgl. Ur­teil vom 15.12.1951 – II ZR 137/51 –, BGHZ 4, 224 ff.). Der vor­lie­gen­de Fall gibt kei­ne Ver­an­las­sung, von die­ser höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ab­zu­wei­chen. Die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­ho­fes kann da­ge­gen ge­ra­de nicht ent­nom­men wer­den, dass dann, wenn ein Auf­sichts­rat nicht sat­zungs­gemäß be­setzt ist, sämt­li­che Auf­sichts­rats­be­schlüsse feh­ler­haft sein sol­len (so aber – war­um auch im­mer – die Kläge­rin auf Sei­te 8 ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung).
b) Es be­stand auch ein Er­for­der­nis i. S. d. § 12 Abs. 2 der Sat­zung des Be­klag­ten für die Ent­las­sung der Kläge­rin durch das Präsi­di­um. Was ge­nau un­ter ei­nem "Er­for­der­nis" in die­sem Sin­ne zu ver­ste­hen sein soll, kann an die­ser Stel­le da­hin­ge­stellt blei­ben. Je­den­falls ist ein Er­for­der­nis ge­ge­ben, wenn auch ein frist­lo­ser Kündi­gungs­grund vor­liegt. So liegt der Fall hier.
aa) Gemäß § 626 Abs. 1 BGB kann das Ar­beits­verhält­nis aus wich­ti­gem Grund oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist gekündigt wer­den, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann.
(1) Un­ter Zu­grun­de­le­gung die­ses Prüfungs­maßstabs ist das Ver­hal­ten der Kläge­rin an sich ge­eig­net, ei­nen außer­or­dent­li­chen Kündi­gungs­grund ab­zu­ge­ben.
Dass ein il­loya­les und in­tri­gan­tes Ver­hal­ten ei­ner Geschäftsführe­rin ge­genüber dem Präsi­den­ten ih­res Ver­eins an sich ge­eig­net ist, ei­nen außer­or­dent­li­chen Kündi­gungs­grund ab­zu­ge­ben, ist of­fen­sicht­lich. Dies wird auch von der Kläge­rin nicht in­fra­ge ge­stellt.
(2) Un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände und un­ter Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen ist fest­zu­stel­len, dass auch im kon­kre­ten Fall dem Be­klag­ten die Ein­hal­tung der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist un­zu­mut­bar war. Dies gilt un­abhängig da­von, ob man mit dem Be­klag­ten von ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist zum 31.10.2013 oder mit der Kläge­rin zum 31.03.2014 aus­geht.
(a) Bei der Prüfung, ob dem Ar­beit­ge­ber ei­ne wei­te­re Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers trotz Vor­lie­gens ei­ner er­heb­li­chen Pflicht­ver­let­zung je­den­falls bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist un­zu­mut­bar ist, ist in ei­ner Ge­samtwürdi­gung das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an des­sen Fort­be­stand ab­zuwägen. Es hat ei­ne Be­wer­tung des Ein­zel­falls un­ter Be­ach­tung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes zu er­fol­gen. Die Umstände, an­hand de­rer zu be­ur­tei­len ist, ob dem Ar­beit­ge­ber die Wei­ter­beschäfti­gung zu­mut­bar ist oder nicht, las­sen sich nicht ab­sch­ließend fest­le­gen. Zu berück­sich­ti­gen sind aber re­gelmäßig das Ge­wicht und die Aus­wir­kun­gen ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung – et­wa im Hin­blick auf das Maß ei­nes durch sie be­wirk­ten Ver­trau­ens­ver­lus­tes und ih­rer wirt­schaft­li­chen Fol­gen –, der Grad des Ver­schul­dens des Ar­beit­neh­mers, ei­ne mögli­che Wie­der­ho­lungs­ge­fahr so­wie die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses und des­sen störungs­frei­er Ver­lauf (vgl. BAG, Ur­teil vom 10.06.2010 – 2 AZR 541/09 –, AP Nr. 229 zu § 626 BGB m. w. N.).
(b) Un­ter Zu­grun­de­le­gung die­ses Prüfungs­maßstabs über­wie­gen im Er­geb­nis die In­ter­es­sen des Be­klag­ten an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Zum Zeit­punkt des Kündi­gungs­aus­spruchs verfügte die Kläge­rin zwar nach ei­ge­nen An­ga­ben über ei­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit von mehr als zehn­ein­halb Jah­ren. Dem­ge­genüber ist ob­jek­tiv durch die Schwe­re der Pflicht­ver­let­zun­gen das Ver­trau­en in die Zu­verlässig­keit der Kläge­rin der­art erschüttert, dass des­sen Wie­der­her­stel­lung und ein künf­tig er­neut störungs­frei­es Mit­ein­an­der der Par­tei­en aus­ge­schlos­sen er­scheint.
(aa) In den Ent­schei­dungs­gründen sei­nes Ur­teils hat das Ar­beits­ge­richt hier­zu aus­geführt, das il­loya­le in­tri­gan­te Ver­hal­ten der Kläge­rin ge­genüber dem Präsi­den-
ten des Be­klag­ten ha­be die Ba­sis für ei­ne wei­te­re für den Ver­ein ge­deih­li­che Zu­sam­men­ar­beit ir­re­pa­ra­bel zerstört. Aus dem E-Mail-Ver­kehr der Kläge­rin mit Rechts­an­walt ... ge­he ih­re Ziel­set­zung ein­deu­tig her­vor, dass sie Gründe ge­sucht ha­be, um den Präsi­den­ten selbst zum Rück­tritt zu be­we­gen. Als die­ses An­sin­nen "oh­ne große Öffent­lich­keit" nicht ge­fruch­tet ha­be, ha­be sie sich ver­an­lasst ge­se­hen, die Mit­glie­der auf­zu­for­dern, bis zum 24.09.2013 die Ein­be­ru­fung ei­ner außer­or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung zu be­an­tra­gen und als Grund an­zu­ge­ben "Ab­wahl des Präsi­den­ten". Der In­halt der von der Kläge­rin ver­fass­ten E-Mails wei­se un­zwei­deu­tig aus, dass es der Kläge­rin nicht um die Be­sei­ti­gung oder Be­rei­ni­gung von Un­stim­mig­kei­ten zwi­schen ihr und dem Präsi­den­ten ge­gan­gen sei, son­dern ein­zig und al­lein um die In­stru­men­ta­li­sie­rung der Ver­kehrs­wach­ten, um ei­ne Lösung der be­ste­hen­den Un­stim­mig­kei­ten in ih­rem Sin­ne her­bei­zuführen, ver­bun­den mit dem un­ge­heu­er­li­chen Vor­wurf, der Präsi­dent füge dem Ver­ein Scha­den zu, weil er sich wei­ge­re, die von ihr als Buch­hal­te­rin ge­leis­te­ten St­un­den ge­genüber dem Mi­nis­te­ri­um ab­zu­rech­nen. Er­sicht­lich sei es der Kläge­rin dar­um ge­gan­gen, sich vom Präsi­den­ten 270 Über­stun­den ge­neh­mi­gen zu las­sen, um die­se dann ge­genüber dem Mi­nis­te­ri­um ge­son­dert ab­rech­nen zu können "zum Woh­le des Ver­eins". Durch die­ses Ver­hal­ten ha­be die Kläge­rin das An­se­hen des Präsi­den­ten bei den Mit­glie­dern des Be­klag­ten in Miss­kre­dit ge­bracht bzw. brin­gen wol­len. Ein sol­ches Ver­hal­ten be­le­ge, dass ei­ne wei­te­re, für den Ver­ein ge­deih­li­che Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem Präsi­den­ten und der Kläge­rin als Geschäftsführe­rin aus­ge­schlos­sen sei.
(bb) Die­se Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts macht sich die Be­ru­fungs­kam­mer aus­drück­lich zu Ei­gen. Die Kläge­rin hin­ge­gen setzt sich mit die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on des Erst­ge­richts im ge­sam­ten Be­ru­fungs­rechts­zug so gut wie gar nicht aus­ein­an­der. Je­den­falls in sei­ner Ge­samt­heit lässt der vom Be­klag­ten zur Ge­richts­ak­te ge­reich­te E-Mail-Ver­kehr der Kläge­rin auch zur Über­zeu­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts nur den Schluss zu, dass sich die­se ge­genüber dem Präsi­den­ten ih­res Ver­eins in höchs­tem Maße il­loy­al ver­hal­ten hat. Es ging ihr er­kenn­bar nicht um das Ausräum­en von Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten "mit of­fe­nem Vi­sier". Der ge­sam­te E-Mail-Ver­kehr ist viel­mehr da­von ge­kenn­zeich­net, dass es der Kläge­rin hauptsäch-
lich dar­auf an­kam, ih­ren Präsi­den­ten be­wusst in ei­ne Fal­le tap­pen zu las­sen. Et­wa die E-Mail der Kläge­rin vom 12.08.2013 an ih­ren An­walt hat­te zum Ge­gen­stand, von die­sem ei­ne Tak­tik zu er­fra­gen, auf wel­che An­fra­gen von ihr der Präsi­dent möglichst wie ant­wor­tet, da­mit die Ver­kehrs­wach­ten "rot" se­hen.
(c) Vor Aus­spruch der Kündi­gung be­durf­te es schließlich auch kei­ner vor­he­ri­gen Ab­mah­nung durch den Be­klag­ten.
Zwar setzt so­wohl die or­dent­li­che als auch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung we­gen ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung re­gelmäßig ei­ne Ab­mah­nung vor­aus. Ei­ne sol­che ist aus­nahms­wei­se aber dann ent­behr­lich, wenn es sich um ei­ne so schwe­re Pflicht­ver­let­zung han­delt, dass ei­ne Hin­nah­me durch den Ar­beit­ge­ber of­fen­sicht­lich – auch für den Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar – aus­ge­schlos­sen ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 10.06.2010 – 2 AZR 541/09 –, a. a. O. m. w. N.). So liegt der Fall hier: Die Bri­sanz ih­rer zahl­rei­chen E-Mails konn­te der Kläge­rin unmöglich ver­bor­gen ge­blie­ben sein. Es war ge­ra­de ih­re Ab­sicht, den Präsi­den­ten des Be­klag­ten durch ih­re tak­ti­schen Spiel­chen be­wusst dumm da­ste­hen zu las­sen und die­sem ei­nen gra­vie­ren­den Image­ver­lust zu­zufügen. Nicht nur aus Sicht des Be­klag­ten, son­dern auch ob­jek­tiv ist das Ver­trau­en in die Loya­lität der Kläge­rin der­art erschüttert, dass des­sen Wie­der­her­stel­lung und ein künf­tig er­neut störungs­frei­es Mit­ein­an­der der Par­tei­en aus­ge­schlos­sen er­scheint. Die Kläge­rin konn­te nicht da­mit rech­nen, der Be­klag­te wer­de ihr Ver­hal­ten auch nur ein­ma­lig hin­neh­men, oh­ne ei­ne Kündi­gung aus­zu­spre­chen.
bb) Die Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 Abs. 2 Satz 1 BGB ist eben­falls ge­wahrt.
Es ist an­er­kannt, dass die Anhörung des Ar­beit­neh­mers den Frist­ab­lauf hem­men kann (vgl. statt al­ler nur KR-Fi­scher­mei­er, 10. Auf­la­ge, § 626 BGB Rd­nr. 330; ähn­lich HWK/Sand­mann, 5. Auf­la­ge, § 626 BGB Rd­nr. 360). So liegt der Fall auch hier: Wie die Kläge­rin et­wa in ih­rem Schrift­satz vom 27.04.2015 selbst er­kennt, exis­tiert je­den­falls noch ei­ne E-Mail von ihr vom 19.09.2013, auf die der Be­klag­te die Kündi­gung stützt. Die Anhörung der Kläge­rin hat dann in­ner­halb von ei­ner Wo­che nach
die­ser Mail, nämlich am 25.09.2013, statt­ge­fun­den. Dar­auf, ob die­se Anhörung beim Be­klag­ten mit der Ge­win­nung neu­er Er­kennt­nis­se ver­bun­den war, kommt es da­ge­gen nicht an. In­ner­halb von zwei Wo­chen nach die­ser Anhörung ist der Kläge­rin dann auch die frist­lo­se Kündi­gung vom 07.10.2015 zu­ge­gan­gen, nämlich am 09.10.2015.
Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Kläge­rin ist die Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 Abs. 2 Satz 1 BGB da­her un­pro­ble­ma­tisch ein­ge­hal­ten.
2. War nach al­le­dem auf die An­schluss­be­ru­fung be­reits die frist­lo­se Kündi­gung des Be­klag­ten vom 07.10.2013 zu bestäti­gen und des­halb die Kla­ge auch in­so­weit ab­zu­wei­sen, so folgt hier­aus, dass der Be­ru­fung der Kläge­rin, die auf Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der or­dent­li­chen Kündi­gung vom 07.10.2013 so­wie der frist­lo­sen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung vom 22.04.2014 ge­rich­tet war, in Gänze der Er­folg zu ver­sa­gen war.
3. Der Kläge­rin war auch kei­ne Schrift­satz­frist zum Schrift­satz des Be­klag­ten vom 09.07.2015 mehr nach­zu­las­sen. Sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung hat das Be­ru­fungs­ge­richt kei­ner­lei Tat­sa­chen­vor­trag des Be­klag­ten zu­grun­de ge­legt, der erst­mals mit Schrift­satz vom 09.07.2015 vor­ge­bracht wor­den wäre.
4. Die Kam­mer stellt ab­sch­ließend klar, dass sie das ge­sam­te Vor­brin­gen der Kläge­rin zur Kennt­nis ge­nom­men und bei ih­rer Ent­schei­dung in Erwägung ge­zo­gen hat. Sie hat dem Vor­trag der Kläge­rin, so­weit oben nicht aus­drück­lich be­schie­den, je­doch kei­ne wei­te­re Re­le­vanz bei­ge­mes­sen.
5. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf den §§ 91, 92 und 97 ZPO.
6. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on war nicht ver­an­lasst; auf die Möglich­keit ei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de (§ 72 a ArbGG) wird hin­ge­wie­sen.
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References: § 626
 § 12
 § 626
 § 626
 § 64
 § 28
 § 28
 § 11
 § 12
 § 626
 § 626
 § 626
 § 626
 § 626
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