Source: https://www.unfallrechtler-stuttgart.de/unfallschaden-a-z/fiktive-abrechnung/
Timestamp: 2020-06-03 19:06:32+00:00

Document:
fiktive Schadensabrechnung beim Unfallschaden: Fachanwalt für Verkehrsrecht Stuttgart Tilo Neuner-Jehle
fiktive Schadensabrechnung bei Verkehrsunfall: Anwalt, Rechtsanwalt, Fachanwalt Verkehrsrecht Stuttgart
Nach den neueren Entscheidungen des BGH, wie auch der Mehrzahl der Rechtsprechung, ist die Verweisung des Geschädigten durch den Versicherer auf eine sog. Billigwerkstatt bei der fiktiven Schadensabrechnung (Fahrzeug wird nicht repariert), dann weder mit den Vorgaben des BGH vereinbar noch dem Geschädigten zumutbar, wenn dessen Preise unterhalb der ortsüblichen durchschnittlichen Marktpreise liegen !
s. hierzu auch unter Stundenverrechnungssätze
Unter fiktiven Reparaturschaden versteht man den Fahrzeugschaden, den ein Sachverständiger oder eine Reparaturwerkstatt durch Kostenvoranschlag festgestellt hat, der Geschädigte sein Fahrzeug jedoch nicht reparieren lässt, sondern mit der Schädigerversicherung auf Basis des Schadensgutachtens, somit fiktiv abrechnen möchte.
In diesem Falle ergeben sich mehrere Probleme mit dem Versicherer:
- welche Stundensätze von welcher Werkstatt sind anwendbar ?
- sind Verbringungskosten entstanden ?
- sind sog. UPE-Aufschläge entstanden ?
Nach der neueren Rspr. des BGH Porsche-Urteil, BGH NJW 2003) kann der Geschädigte sich nun auf das im vorliegende Sachverständigengutachten verlassen und auch bei fiktiver Schadensabrechnung die in diesem Gutachten zugrunde gelegten Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstätte verlangen.
Dem Schädiger, bzw. dessen Versicherer ist jedoch möglich, den Geschädigten auf eine billigere freie Werkstatt zu verweisen, wenn diese einen der markengebundenen vergleichbaren Standart hat und für den Geschädigten ohne größere Schwierigkeiten zu erreichen ist. Die Beweislast hierfür trägt der Versicherer (vgl. sog. VW-Urteil, BGH NJW 2010, 606).
Nach der Rspr. des BGH ist ein Verweis auf eine günstigere Reparaturwerkstatt dann unzumutbar, wenn das Fahrzeug des Geschädigten nicht älter als 3 Jahre ist oder durchgängig in einer markengebundenen Fachwerkstätte repariert und gewartet wurde (Scheckheftgepflegt). Hierfür trägt nun der Geschädigte die Beweislast.
Der Versicherer kann den Geschädigten allerdings nur im Rahmen des Regulierungsverfahrens, nicht jedoch im laufenden Rechtsstreit auf eine Alternativwerkstatt verweisen. Den gegen seine Pflicht zur Schadensminderung kann der Geschädigte dann nicht mehr verstoßen (LG Berlin, Urt.v. 15.02.2008, 58 S 169/08)
Pflicht zur Vorlage von Belegen ?
Die fiktive Bezifferung des Schadens anhand von einem Gutachten oder Kostenvoranschlag stellt lediglich eine Schätzung des Schadens dar. Es stellt sich nun die Frage, ob der Schädiger das Recht besitzt, sich im Falle einer späteren Reparatur die Reparaturkostenrechnung vorlegen zu lassen, da sich hieraus möglicherweise ein geringerer Schaden ergibt. Dies wird von der überwiegenden Rspr. abgelehnt (BGH NJW 1989,3009).
Stundenverrechnungssätze/Materialaufschläge (UPE-Aufschläge)
Es handelt sich hier um fiktive Kosten dergestalt, als dass nicht alle Werkstätten eine Lackiererei betreiben. Im Falle der Fahrzeugreparatur müsste dieses zur Lackierei verbracht werden, hierdurch entstehen Verbringungskosten. Auch diese sind rglm. erstattungsfähig. Die überwiegende Rspr. gesteht sie dem Geschädigten zu.
Fiktive Abrechnung mit anschließender Veräußerung des Fahrzeuges
In diesem Falle besteht für den Versicherer die Möglichkeit dem Geschädigten vorzuhalten, dass er gem. der ihm obliegenden Schadensminderungspflicht auf der Basis Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert abzurechnen hat.
Daher kommt es vordringlich auf den Zeitpunkt des Enschlusses des Geschädigten an, wann er sein Fahrzeug verkaufen will.
Fasst der Geschädigte unmittelbar nach dem Unfall und vor Reparatur den Entschluß das Fahrzeug zu veräußern, wird ihm zu Recht eine Abrechnung WBW ./. RW vorgehalten.
Fasst der Geschädigte den Veräußerungsentschluß erst nach der Reparatur, z.B. weil er kein Vertrauen mehr in das Fahrzeug hat, ist dies unschädlich (OLG Karlsruhe zfs 1997,53).
Dieser Grundsatz gilt jedoch nur, wenn der WBW geringer ist als die Kosten einer fiktiven Reparatur. Ist dies nicht der Fall, kann der Geschädigte i.d.R. auf Basis der fiktiven Reparaturkosten abrechnen (BGH VersR 1985,593), selbst wenn er sich ein Ersatzfahrzeug anschafft. Dabei kann er auch die bei der Ersatzbeschaffung tatsächlich angefallene Mehrwertsteuer bis zur Höhe des Bruttobetrages der (fiktiven) Reparaturrechnung verlangen. Auch bei unterlassener Reparatur und Veräußerung des Fahrzeuges sind die Reparaturkosten nicht um den Restwert des Unfallfahrzeuges zu kürzen (LG Limburg zfs 1999,15).
Eine falsche Beratung über die möglichen Abrechnungsalternativen kann im Gegenzug zu erheblichen finanziellen Nachteilen beim Geschädigten führen.
Fiktive Abrechnung und zusätzliche Anforderung der bei der Reparatur tatsächlich entstandenen Mehrwertsteuer
Fraglich hier ist, ob der Geschädigte durch seine Wahl der fiktiven Abrechnung gebunden ist, oder ob er später die dann tatsächlich entstandene Mehrwertsteuer (Nach erfolgter Reparatur) noch verlangen kann.
In einem zunächst gestellten Verlangen nach Schadensersatz im Wege der fiktiven Abrechnung liegt jedenfalls kein Verzicht auf eine Nachforderung (BGH NJW 2004,1943).
Schadensabrechnung bei fiktiver Abrechnung einer Eigenreparatur; Ersatz der Umsatzsteuer bei Eigenreparatur; Erstattung fiktiver bei Lackierungskosten
LG Saarbrücken, Urteil vom 7.6.2019 -13 S 50/19-
Etwaige Ersparnisse des Geschädigten bei durchgeführter Eigenreparatur gegenüber den Kosten der Werkstatt sind bei fiktiver Abrechnung nicht zu berücksichtigen, dass sie auf einer über obligatorischen Tätigkeit des Geschädigten beruhen.
Bei fiktiver Schadensabrechnung sind bei Lackierung Kosten ersatzfähig, wenn nach sachverständiger Beurteilung sie zur Verhinderung von Farbunterschieden erforderlich sind.
Ist Umsatzsteuer beim Kauf von Ersatzteilen im Rahmen einer Eigenreparatur des Geschädigten eingefallen, ist die tatsächlich angefallene Umsatzsteuer ersatzfähig.
Umfang der fiktiven Schadensabrechnung
BGH Urt.v. 19.02.2013 -VI ZR 69/12- = BeckRS 2013,05652
Die erforderlichen Reparaturkosten bei der fiktiven Schadensabrechnung umfassen auch Sozialabgaben und Lohnnebenkosten
Billigreparatur im Ausland bei Abrechnung auf Gutachtenbasis
OLG Stuttgart Urt. v. 30.06.14 NJW 2014, 3317
Im Falle einer vollständigen, sach- und fachgerecht durchgeführten Reparatur des Unfallfahrzeuges im Ausland, sind sodann die Reparaturkosten des ausländischen Reparaturbetriebes der Schadensabwicklung zugrunde zu legen, im Falle diese niederer sind, als auch die Reparaturkosten einer "Billigwerkstatt" des Schädigerversicherers.
BGH –VI ZR 35/10- r+s 2011,137
Ein Unfallgeschädigter kann die vom Sachverständigen geschätzten Reparaturkosten bis zur Höhe des Wiederbeschaffungswerts in der Regel nur abrechnen, wenn er das Fahrzeug mindestens sechs Monate weiter nutzt und es zu diesem Zweck erforderlichenfalls verkehrssicher instand setzen lässt.
Vor Ablauf dieser 6-Monatsfrist, kann der Geschädigte, der sein Fahrzeug tatsächlich reparieren lässt, Reparaturkosten, die den Wiederbeschaffungswert nicht übersteigen, regelmäßig nur ersetzt verlangen, wenn er den konkret angefallenen Reparaturaufwand geltend macht.
Bei Werkstattverweis kein konkretes Angebot erforderlich
LG Düsseldorf Urt.v. 08.07.11 -22 S 8/11- NJW-Spezial 2011, 491
Zu den Voraussetzungen nach der BGH-Rechtsprechung zu den Werkstattverweisen bei fiktiver Abrechnung gehört eine konkrete Reparaturzusage der Referenzwerkstatt nicht
Abrechnung in voller Höhe auf Gutachterbasis nur bei sechsmonatiger Weiternutzung des Fahrzeuges
BGH Urt.v. 29.04.08 NJW 2008,1941
Ein Unfallgeschädigter kann (fiktiv) die vom Sachverständigen geschätzten Reparaturkosten bis zur Höhe des Wiederbeschaffungswerts in der Regel nur abrechnen, wenn er das Fahrzeug mindestens sechs Monate weiter nutzt und zu diesem Zweck –falls erforderlich- verkehrssicher (teil-)repariert.
Fiktive Abrechnung von Instandsetzungskosten eines im Ausland zugelassenen Kfz
OLG Düsseldorf Urt.v. 05.11.07 NJW 2008,530
Wird ein im Ausland zugelassenes Kfz, welches einer in Deutschland lebenden Person für längere Zeit zur alleinigen Nutzung zur Verfügung stand, unfallbedingt beschädigt, muss sich der geschädigte Halter hinsichtlich der Insatndsetzungskosten nicht auf die im Herkunftsland geltenden Stundensätze einer Werkstatt verweisen lassen. Er ist einem deutschen Geschädigten gleichzustellen und darf der Schadensberechnung die Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstätte zu Grunde legen, wenn er Reparaturkosten auf Gutachtenbasis abrechnet.
Ersatz eines den Wiederbeschaffungswert übersteigenden Reparaturaufwnds setzt grundsätzlich eine Weiterbenutzung für mindestens 6 Monate voraus.
BGH Urt.v. 13.11.2007 VersR 2008,134
Der Geschädigte, der Ersatz des Reparaturaufwandes über dem Wiederbeschaffungswert verlangt, bringt sein, für den Zuschlag von bis zu 30 % ausschlaggebenden Integritätsinteresse regelmässig dadurch zum Ausdruck, dass er das Fahrzeug nach Reparatur für einen längeren Zeitraum benutzt.
Im Regelfall wir hierfür ein Zeitraum von 6 Monaten anzunehmen sein, wenn nicht besondere Umstände eine andere Beurteilung rechtfertigen
Abgrenzung fiktive Abrechnung auf Reparaturkostenbasis und Totalschaden
BGH Urt.v. 27.11.07 VersR 2008, 1^35
Der Geschädigte kann zum Ausgleich eines Fahrzeugschadens, der den Wiederbeschaffungswert um nicht mehr als 30 % übersteigt, Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungsaufwand (Wiederbeschaffungswert minus Restwert) auch bei vollständiger und fachgerechter Reparatur im Regelfall nur verlangen, wenn er das Fahrzeug nach dem Unfall sechs Monate weiter nutzt.
Auch bei fiktiver Abrechnung Anspruch auf die Stundenverrechnungssätze einer Vertragswerkstatt
In seinem Urteil vom 12.06.2007 - Az: 6 C 1476/07 - kommt das Amtsgericht Heilbronn zu der Auffassung, dass bei einer fiktiven Schadensberechnung keine Kürzung der Stundenverrechnungssätze zu Lasten des Geschädigten durchgeführt werden muss, wenn der Hinweis auf eine kostengünstigere und gleichwertige Reparaturmöglichkeit durch die Versicherung des Schädigers erst ca. 1,5 Monate nach Übersendung des klägerischen Gutachtens und nach Reparatur des PKW erfolgt. Ein Verstoß der Geschädigten gegen ihre Schadensminderungspflicht gemäß § 254 Abs. 2 Satz 2 BGB ist abzulehnen, da nach durchgeführter Reparatur eine Schadensminderung durch Reparatur in der von der Beklagten vorgeschlagenen Werkstatt nicht mehr möglich war. Die Geschädigte war nicht verpflichtet mit der Reparatur wochenlang zu warten. Zwar wird der Haftpflichtversicherung grundsätzlich eine gewisse Prüfungsfrist zugebilligt, diese war jedoch im vorliegenden Fall überschritten.
http://verkehrsanwaelte.de/news/news12_2007_punkt3.pdf, PDF-Datei (250 KB)
Das Landgericht Frankfurt/Oder kommt in seinem Urteil vom 13.11.2007 - Aktenzeichen: 6a S 96/07 - zu der Auffassung, dass der Geschädigte auch bei einer fiktiven Abrechnung die Erstattung von Reparaturkosten in der Höhe verlangen kann, wie sie in einer Markenwerkstatt anfallen würden. Er muss sich nicht auf die abstrakte Möglichkeit einer technisch ordnungsgemäßen Reparatur in irgendeiner kostengünstigeren Fremdwerkstatt verweisen lassen. Nach Auffassung des Gerichts darf es nicht dem Schädiger überlassen bleiben, die Werkstatt auszusuchen. Die Beklagte hat im vorliegenden Fall weder vorgetragen noch bewiesen, dass die Reparatur in der konkreten von ihr benannten Werkstatt derjenigen in einer Vertragswerkstatt gleichwertig gewesen wäre.
http://verkehrsanwaelte.de/news/news02_2008_punkt2.pdf, PDF-Datei (670 KB)
Nochmals: Anspruch auf Ersatz der Reparaturkosten einer Fachwerkstatt
Das Landgericht Hamburg vertritt in seiner Entscheidung vom 10. August 2007 - Aktenzeichen: 331 S 51/07 - gleichfalls die Auffassung, dass der Geschädigte berechtigt ist, die Reparaturkosten einer Markenwerkstatt ersetzt zu verlangen. Der Geschädigte darf nach Auffassung des Landgerichts Hamburg grundsätzlich misstrauisch sein, wenn der Schädiger behauptet, die Nicht-Markenwerkstatt sei gleichwertig. Dies gelte besonders für den Fall, wenn auf Seiten des Schädigers dessen Haftpflichtversicherung auftritt, denn hier liege die Befürchtung nahe, dass die Haftpflichtversicherung dies im eigenen Interesse behauptet.
Fiktive Abrechnung – Fälligkeit
LG Hagen Urt. v. 16.05.07 VersR 2007, 1265
Liegen nach einem Verkehrsunfall die Reparaturkosten des PKW des Geschädigen unterhalb des Wiederbeschaffungswertes, aber oberhalb des Wiederbeschaffungsaufwands, wird der Anspruch auf Erstattung der fiktiven Reparaturkosten erst nach sechs Monaten fällig.
Ersatz der in einer markengebundenen Vertragswerkstatt anfallenden Reparaturkosten auch dann, wenn das Fahrzeug nicht repariert wird
In seinem Urteil vom 18.07.2007 vertritt das AG Mainz in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes die Auffassung, dass der Geschädigte den Ersatz der in einer markengebundenen Vertragswerkstatt anfallenden Reparaturkosten auch dann verlangen kann, wenn das Fahrzeug nicht repariert wird. Das Gericht weist daraufhin, dass es dem Geschädigten, als "Herrn des Restitutionsverfahrens" auch möglich sein müsse, sein Fahrzeug in einer Fachwerkstatt reparieren zu lassen, die in seiner Umgebung liegt.
http://verkehrsanwaelte.de/news/news09_2007_punkt3.pdf, PDF-Datei (490 KB)
BGH: Keine Bindung an fiktive Abrechnung
In seinem Urteil vom 17. Oktober 2006 - VI ZR 249/05 - hat der BGH entschieden, dass der durch einen Verkehrsunfall Geschädigte, der seinen Fahrzeugschaden zunächst auf der Grundlage eines von einem Sachverständigen ermittelten Aufwandes abrechnet, an diese Art der Abrechnung nicht ohne weiteres gebunden ist. Er kann im Rahmen der rechtlichen Voraussetzungen die höheren Kosten einer zwischenzeitlich tatsächlich durchgeführten Reparatur des beschädigten Fahrzeugs verlangen, wenn sich nicht aufgrund der konkreten Umstände des Regulierungsgeschehens etwas Abweichendes ergibt. Zum Urteil:
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&nr=38152
fiktive Schadensabwicklung – Stundenverechnungssätze
Auch bei einer fiktiven Schadensabrechnung ist der Geschädigte befugt, die Stundenverechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstätte anzusetzen. Er muß sich nicht auf eine kostengünstigere Reparatur verweisen lassen.
fiktive Schadensabrecnung
LG Ellwangen –1 S 2/06- MittBl. der Arge 2/2006
Eine fiktive Abrechnung ist dem Geschädigten verwehrt, wenn die Reparaturkosten zuzüglich Restwert den Wiederbeschaffungswert übersteigen, auch wenn das Unfallfahrzeug trotzt Schadens weiter benutzt wird.
fiktive Abrechnung – Reparaturkostenersatz ohne Abzug Restwert bei Weiternutzung des PKW
BGH Urt. v. 23.05.06 NJW 2006,2179
Der Geschädigte kann zum Ausgleich des durch den Unfall verursachten Fahrzeugschadens, der den Wiederbeschaffungswert nicht übersteigt, die vom Sachverständigen geschätzten Reparaturkosten bis zur Höhe des Wiederbeschaffungswertes ohne Abzug des Restwertes verlangen, wenn er das Fahrzeug –ggf. unrepariert- mindestens 6 Monate nach dem Unfall weiter nutzt.
fiktive Schadensabrechnung – markengebundene Fachwerkstatt/Verbringungskosten
AG Homburg Urt.v. 09.03.07 ARGE VerkR 2007/156
Auch bei fiktiver Abrechnung der Reparatur kann der Geschädigte die Kosten einschließlich Verbringungskosten beanspruchen, die in einer zuverlässigen und markengebundenen Werkstatt anfielen.
Ersatz der in einer markengebundenen Vertragswerkstatt anfallenden fiktiven Reparaturkosten - Anspruch auf Ersatzteilaufschläge
Das Amtsgericht Frankfurt am Main, kommt in seinem Urteil vom 15.02.2008 - Az: 31 C 2529/07-23 - zu der Auffassung, dass der Geschädigte auch bei einer fiktiven Abrechnung sich nur dann auf eine günstigere Werkstatt verweisen lassen muss, wenn es sich um eine andere Fachwerkstatt mit Markenbindung zum gleichen Hersteller handelt, die dem Geschädigten ohne weiteres zugänglich ist und günstigere Stundenverrechnungssätze, als im Gutachten angeführt, fordert. Das Amtsgericht Frankfurt ist ferner der Meinung, dass der Geschädigte, auch ohne konkreten Nachweis des Entstehens, Anspruch auf die im Sachverständigengutachten in Ansatz gebrachten Ersatzteilaufschläge hat.
http://verkehrsanwaelte.de/news/news06_2008_punkt3.pdf, PDF-Datei (600 KB)
Fiktive Schadensabrechnung – Kosten einer markengebundenen Werkstatt
AG Mannheim Urt.v. 30.11.07 –12 C 381/07- Der Verkehrsanwalt 1/2008
Der Geschädigte kann auch bei fiktiver Abrechnung des Fahrzeugschadens die Kosten einer markengebundenen Fachwerkstatt beanspruchen. Er braucht sich mithin nicht an den Stundenverrechnungssätzen eines mit dem gegnerischen KH-Versicherer verbundenen Reparaturbetrieb zu orientieren.
LG Halle Urt.v. 03.07.07 ARGE VerkR 2007,158
Auch der Geschädigte eines älteren –hier über 6 Jahre- Fahrzeuges kann im Rahmen einer fiktiven Abrechnung die Kosten einer markengebundenen Fachwerkstätte verlangen, dazu auch die UPE-Zuschläge und Verbringungskosten.
Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstätte
AG Wesel Urt.v. 13.09.07 ARGE VerkR 2007, 159
Auch bei fiktiver Abrechnung besteht Anspruch auf die Stundenverechnungs-sätze einer markengebundenen Fachwerkstätte
Vergleichbarkeit von Fachwerkstätten
AG Saarbrücken Urt.v. 19.07.07 ARGE VerkR 2007, 159
Auch bei der fiktiven Schadensabrechnung können die Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstätte verlangt werden. Nur der Verweis auf eine billigere markengebundene Fachwerkstatt wäre gleichwertig und zu berücksichtigen.
Kombination zwischen fiktiver und konkreter Schadensabrechnung nach BGH ausgeschlossen
Bei der Abrechnung eines Unfallschadens kann der Geschädigte zwischen einer fiktiven oder konkreten Abrechnung wählen. Eine Kombination aus beidem ist nicht möglich.
Wählt der Geschädigte die fiktive Schadensabrechnung, sind die im Rahmen einer tatsächlich erfolgten Reparatur angefallenen Kosten einer Reparaturbestätigung für sich allein genommen nicht ersatzfähig.
Zu dieser Entscheidung kamen die Richter des Bundesgerichtshofes in einem jetzt bekannt gewordenen Urteil vom 24. Januar 2017 (Az: VI ZR 146/16). Die Parteien des Rechtstreits stritten über die Ersatzfähigkeit der Kosten für eine einzelne Reparaturbestätigung.
Die klagende Geschädigte hatte einen Unfallschaden auf Gutachtenbasis abgerechnet, die beklagte Haftpflichtversicherung den Nettobetrag von 4.427 Euro erstattet.
Die tatsächliche Reparatur führte dann ein Bekannter durch, dessen Werk die Geschädigte wiederum von einem Sachverständigen bestätigen ließ. Dafür stellte der Gutachter 61,88 Euro in Rechnung stellte. Deren Erstattung verweigerte die Haftpflichtversicherung.
Zu Recht aus Sicht der Bundesrichter. Eine Ausnahme wäre möglich, wenn die Reparaturbestätigung aus Rechtsgründen zur Schadensberechnung erforderlich gewesen wäre, zum Beispiel zur Abrechnung eines zusätzlichen Nutzungsausfallschadens oder für den Nachweis des Integritätsinteresses bei der 130-Prozent-Grenze.
Aus Sicht der ZDK-Rechtsexperten könnte das BGH-Urteil weitergehende Konsequenzen für die Abrechnungspraxis der Versicherungen haben.
Entscheidet sich der Geschädigte für eine fiktive Abrechnung, so kommt es auf die tatsächlich aufgewendeten Beträge solange nicht an, wie diese nicht den von der Versicherung regulierten Nettobetrag übersteigen. Hat der Geschädigte mehr aufgewendet, muss er zu konkreten Abrechnung übergehen.
Mit vorstehender Entscheidung schließt der BGH an seine bestehende Rechtsprechung an. So hatte er jüngst entschieden (Az: VI ZR 654/15), dass die im Rahmen einer Ersatzbeschaffung angefallene Umsatzsteuer nicht ersatzfähig ist, wenn der Geschädigte die fiktive Schadensabrechnung wählt. Die Begründung: Es wäre eine unzulässige Kombination von fiktiver und konkreter Schadensabrechnung ist.
Markengebundene Reparaturkosten bei fiktiver Abrechnung
LG Braunschweig Urt.v. 30.03.2012 - 8 S 520/11- Der Verkehrsanwalt 2013, 70
Der Geschädigte kann auch im Rahmen der fiktiven Abrechnung grundsätzlich die von einem durch ihn beauftragten Sachverständigen ermittelten Nettoreparaturkosten einer markengebundenen Reparaturwerkstatt ersetzt verlangen, was auch für sog. UPE-Aufschläge und Verbringungskosten gilt. Dies gilt nur dann nicht, wenn im regionalen Markt solche Werkstätten existieren, bei denen entsprechende Kosten nicht anfallen. Die Darlegungs- und Beweislast trägt der Versicherer.

References: BGH 
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