Source: http://m.hensche.de/Einteilung_der_Rufbereitschaft_von_Aerzten_im_Krankenhaus_Verpflichtung_eines_leitenden_Arztes_selbst_an_der_Rufbereitschaft_teilzunehmen_LAG_Baden-Wuerttemberg_3Sa30-04-u.html
Timestamp: 2017-01-19 10:41:06+00:00

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Auf die Aus­le­gung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges hat zwar auch die auf den Ver­trags­schluss fol­gen­de zwi­schen den Be­tei­lig­ten ein­ver­nehm­lich geübte Pra­xis Ein­fluss (vgl BAG, Ur­teil vom 23.5.1984 - 5 AZR 476/81). Enthält der Ar­beits­ver­trag ei­nes Chef­arz­tes aber ei­ne Re­ge­lung über die Teil­nah­me an der Ruf­be­reit­schaft der Lei­ten­den Ärz­te, wo­nach die­ser die Ein­tei­lung vor­zu­neh­men und er­for­der­li­chen­falls selbst Ruf­be­reit­schaft zu über­neh­men hat, kann der seit Ver­trags­be­ginn prak­ti­zier­ten Teil­nah­me des Chef­arz­tes an der Ruf­be­reit­schaft kei­ne still­schwei­gen­de ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung ent­nom­men wer­den, auf je­den Fall in ei­nem be­stimm­ten Um­fang selbst Ruf­be­reit­schaft zu leis­ten und dies nicht nur dann zu tun, wenn ei­ne an­der­wei­ti­ge Ein­tei­lung der ihm un­ter­stell­ten Oberärz­te nicht möglich oder zulässig ist.
am 16.De­zem­ber 2004
6 Ca 247/04Ar­beits­ge­richt Heil­bronn
Motsch, An­ge­stell­teUr­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
N.N.- Be­klag­te/Be­ru­fungskläge­rin -Proz.-Bev.: Rechts­anwälte N.N. u. Koll.,
ge­gen N.N.,- Kläger/Be­ru­fungs­be­klag­ter -Proz.-Bev.: Rechts­anwälte N.N. u. Koll.,
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 3. Kam­mer - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Pfit­zer, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Die­ner und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sto­cker auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16. De­zem­ber 2004
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Heil­bronn vom 17. Mai 2004 – 6 Ca 247/04 – wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Streit­wert im zwei­ten Rechts­zug: 53.620,99 EUR
Die Par­tei­en strei­ten über den Um­fang der Be­fug­nis des Klägers, die ihm nach­ge­ord­ne­ten Oberärz­te zu Ruf­be­reit­schaf­ten ein­zu­tei­len, und da­mit im Zu­sam­men­hang ste­hend über den Um­fang der Ver­pflich­tung des Klägers, selbst Ruf­be­reit­schaf­ten ab­zu­leis­ten.
Der Kläger ist seit dem 01. Mai 1984 als Chef­arzt der In­ter­nis­ti­schen Ab­tei­lung am Kran­ken­haus M. beschäftigt. Die Be­klag­te ist die Träge­rin die­ses Kran­ken­hau­ses.
Das Ar­beits­verhält­nis be­stimmt sich nach dem Dienst­ver­trag vom „17.4.84“ (AnI. K1 - Bl. 10 - 23 der Ak­te des Ar­beits­ge­richts). Außer­dem ha­ben die Par­tei­en ei­nen Zu­satz­ver­trag vom sel­ben Tag (AnI. K2 - Bl. 24 - 28 der Ak­te des Ar­beits­ge­richts) ge­schlos­sen, der sich auf die Mo­da­litäten der nach § 16 des Ar­beits­ver­trags zu­ge­las­se­nen Ne­bentätig­kei­ten des Klägers be­zieht.
Der Dienst­ver­trag enthält un­ter an­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen:
Dienst­ver­trag Zwi­schen dem Land­kreis H.,ver­tre­ten durch Herrn Land­rat W. (Kran­ken­haus)undHerrn Dr. med. N.N. ...§ 1 - Dienst­verhält­nis(1) Herr Dr. med. N.N., geb. am ... Arzt für In­ne­re Me­di­zinwird mit Wir­kung vom o1. Mai 1984als lei­ten­der Ab­tei­lungs­arzt der in­ne­ren Ab­tei­lungdes Kreis­kran­ken­hau­ses M. an­ge­stellt.(2) Das Ar­beits­verhält­nis ist bürger­lich-recht­li­cher Na­tur.Ne­ben den Re­ge­lun­gen die­ses Ver­tra­ges: fin­den auf das Dienst­verhält­nis die §§ 6-10, 13, 14, 18 Abs. 2+3, 52, 6o, 66: und 7o des Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trags (BAT} vom 23.o2.61 so­wie die vom Kran­ken­haus­träger er­las­se­nen Sat­zun­gen, Dienst­an­wei­sun­gen und Haus­ord­nun­gen in der je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung
§ 2 - Stel­lung des lei­ten­den Arz­tes(1) Herr Dr. med. N.N. führt die Dienst­be­zeich­nung "Lei­ten­der Arzt der Ab­tei­lung in­ne­re Me­di­zin".(2) Der lei­ten­de Arzt ist ver­pflich­tet, in M. zu woh­nen. (3) Dienst­vor­ge­setz­ter des lei­ten­den Arz­tes ist der Land­rat.(4) Der lei­ten­de Arzt ist in sei­ner ärzt­li­chen Ver­ant­wor­tung bei der Dia­gnos­tik und The­ra­pie un­abhängig nur dem Ge­setz ver­pflich­tet. (5) Der lei­ten­de Arzt ist zur ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kran­ken­haus­träger, den Kran­ken­hausärz­ten, den Be­legärz­ten, der lei­ten­den Pfle­ge­kraft und der Ver­wal­tungs­lei­tung ver­pflich­tet.(6) Können Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten im Rah­men die­ses Ver­tra­ges un­ter den Kran­ken­hausärz­ten oder zwi­schen ih­nen und den übri­gen lei­ten­den Mit­ar­bei­tern des Kran­ken­hau­ses nicht bei­ge­legt wer­den, ent­schei­det der Dienst­vor­ge­setz­te nach Anhörung der Be­tei­lig­ten.(7) An­ge­le­gen­hei­ten von grundsätz­li­cher Be­deu­tung oder auf­tre­ten­de Mißstände in sei­ner Ab­tei­lung hat der lei­ten­de Arzt un­verzüglich dem Land­rat mit­zu­tei­len.(8) Der Kran­ken­haus­träger hört den lei­ten­den Arzt vor wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen in des­sen Auf­ga­ben­be­reich.
§ 3 - Dienst­auf­ga­ben Rech­te und Pflich­ten des lei­ten­den Arz­tes...(5) Der lei­ten­de Arzt ist zu aus­rei­chen­der, zweckmäßiger und wirt­schaft­li­cher Be­hand­lungs­wei­se ver­pflich­tet. Er trägt auch beim nach­ge­ord­ne­ten ärzt­li­chen Dienst die Ver­ant­wor­tung für ei­ne spar­sa­me Ver­wen­dung der zur Verfügung ste­hen­den Mit­tel....
§ 6 - Per­so­nal(1) Der lei­ten­de Arzt hat in ärzt­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten das Wei­sungs­recht ge­genüber dem Per­so­nal sei­ner Ab­tei­lung. Die Be­fug­nis­se der an­de­ren lei­ten­den Mit­ar­bei­ter des Kran­ken­hau­ses blei­ben un­berührt.(2) Bei der Dienstein­tei­lung und bei der Zu­tei­lung von Auf­ga­ben und Tätig­kei­ten an nach­ge­ord­ne­tes Per­so­nal hat der lei­ten­de Arzt den Aus­bil­dungs­stand die­ser Per­so­nen und das Ver­trags­verhält­nis des Kran­ken­haus­trägers mit ih­nen zu be­ach­ten. Er hat auch dafür zu sor­gen, daß die ver­trag­li­che oder ta­rif­li­che Ar­beits­zeit des Heil- und Heil­hilfs­per­so­nals sei­ner Ab­tei­lung ein­ge­hal­ten wird. (3) Per­so­nen, die der Kran­ken­haus­träger nicht an­ge­stellt oder zur Aus­bil­dung zu­ge­las­sen hat, dürfen im Kran­ken­haus nicht beschäftigt oder ver­wen­det wer­den. Aus­nah­men kann der Dienst­vor­ge­setz­te ge­neh­mi­gen. Das Zu­zie­hen von Kon­si­li­arärz­ten bleibt hier­von un­berührt.(4) Ar­beits­zeug­nis­se für nach­ge­ord­ne­te Ärz­te, med.-techn. Per­so­nal, Pfle­ge­kräfte und phy­sio­the­ra­peu­ti­sches Per­so­nal wer­den vom Kran­ken­haus­träger im An­schluß an ei­ne fach­li­che Be­ur­tei­lung durch den lei­ten­den Arzt aus­ge­stellt.(5) Zeug­nis­se für nach­ge­ord­ne­te Ärz­te zum Zwe­cke der Fach­arz­ta­n­er­ken­nung oder ähn­li­che Be­schei­ni­gun­gen stellt der lei­ten­de Arzt aus. Sie sind vor Aushändi­gung mit ei­ner Mehr­fer­ti­gung für die Per­so­nal­ak­ten dem Kran­ken­haus­träger zur Kennt­nis vor­zu­le­gen. § 7 - Mit­wir­kung bei der Be­triebsführung(1) Der lei­ten­de Arzt ist ver­pflich­tet, auf Ver­lan­gen des Kran­ken­haus­trägers, an der Be­triebsführung des Kran­ken­hau­ses mit­zu­wir­ken.(2) Der lei­ten­de Arzt ist für den ge­ord­ne­ten Dienst­be­trieb und für die all­ge­mei­ne Hy­gie­ne in sei­ner Ab­tei­lung ver­ant­wort­lich.(3) An der Fest­le­gung von Grundsätzen für die Be­triebsführung des Kran­ken­hau­ses und für den Be­triebs­ab­lauf im me­di­zi­ni­schen und pfle­ge­ri­schen Be­reich hat der lei­ten­de Arzt auf Ver­lan­gen des Kran­ken­haus­trägers mit­zu­wir­ken.(4) Die Be­stim­mun­gen des Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg blei­ben un­berührt.
§ 8 - Vergütung(1) Der lei­ten­de Arzt erhält für sei­ne Tätig­keit im dienst­li­chen Auf­ga­ben­be­reich:a) Grund­ge­halt, Orts­zu­schlag und Kin­der­zu­schlag ent­spre­chend der Be­sol­dungs­grup­pe A 16 des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes Ba­den-Würt­tem­berg in der je­wei­li­gen Fas­sung. Der Be­ginn des Be­sol­dungs­dienst­al­ters wird auf den Mo­nat der Voll­endung des 21. Le­bens­jah­res fest­ge­setzt.b) An­tei­le aus den Li­qui­da­ti­ons­erlösen des Kran­ken­hau­ses für die ärzt­li­chen Leis­tun­gen bei der sta­ti­onären oder halb­sta­ti­onären Be­hand­lung der Pa­ti­en­ten, die die Wahl­leis­tung "ärzt­li­che Leis­tung" be­an­tragt ha­ben, je­doch nur für die in § 13 Abs. 1 Buchst. b) ge­nann­te Zeit. An den Li­qui­da­ti­ons­erlösen aus dem sta­ti­onären und halb­sta­ti­onären Be­reich des Kreis­kran­ken­hau­ses M. erhält der lei­ten­de Arzt den nach Ab­zug des Nut­zungs­ent­gelts von 25 v.H. und der An­tei­le für nach­ge­ord­ne­te Ärz­te ver­blei­ben­den An­teil.Die­se An­tei­le wer­den in mo­nat­li­chen Teil­beträgen auf der Grund­la­ge von 9o v.H. der im vor­aus­ge­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr ein­ge­gan­ge­nen Li­qui­da­ti­ons­erlöse ge­zahlt. Et­wai­ge Über­zah­lun­gen sind in­ner­halb von 4 Wo­chen nach Auf­for­de­rung zurück­zu­zah­len.c) Das Li­qui­da­ti­ons­recht für die ärzt­li­chen Leis­tun­gen bei sta­ti­onären Gut­ach­ter- und Be­ob­ach­tungsfällen, so­weit ei­ne ge­son­der­te Be­rech­nung nach dem Pfle­ge­kos­ten­ta­rif des Kran­ken­hau­ses zulässig ist.(2) Mit der Vergütung nach Abs. 1 ist ab­ge­gol­tena) Mehr-, Sonn-, Fei­er­tags- und Nacht­ar­beit je­der Artb) Be­reit­schafts­dienst und Ruf­be­reit­schaft für mo­nat­lich 15 Ta­ge.(3) Be­reit­schafts­dienst und Ruf­be­reit­schaft ab dem 16. Tag im Ka­len­der­mo­nat wird mit den ta­rif­li­chen Sätzen, die für die nach­ge­ord­ne­ten Ärz­te gel­ten, ent­spre­chend der Vergütungs­grup­pe BAT I vergütet.(4) Der Kran­ken­haus­träger behält sich vor, die An­tei­le nach Abs. 1 Buchst. b) im Rah­men der Kran­ken­haus-Ge­setz­ge­bung zu ändern, wo­bei als Nut­zungs­ent­gelt min­des­tens 25 v.H. der Li­qui­da­ti­ons­erlöse ver­blei­ben müssen.
§ 18 - Or­ga­ni­sa­ti­ons­recht.(1) Un­be­scha­det der Be­stim­mun­gen in § 7 kann der Kran­ken­haus­träger im Rah­men sei­nes Or­ga­ni­sa­ti­ons­rech­tes Sat­zun­gen, Dienst­an­wei­sun­gen, Haus­ord­nun­gen und der­glei­chen er­las­sen.
(2) Wer­den da­durch die ver­trag­li­chen Rech­te des lei­ten­den Arz­tes ge­schmälert oder sei­ne ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen er­wei­tert, ist ei­ne vor­he­ri­ge Ei­ni­gung er­for­der­lich.
§ 19 - Ände­run­gen (1) Ände­run­gen und Ergänzun­gen des Ver­tra­ges müssen schrift­lich nie­der­ge­legt wer­den. Münd­li­che Ne­ben­ab­re­den sind nich­tig.(2) Durch ei­ne vom Ver­trags­text ab­wei­chen­de Übung wer­den Rech­te und Pflich­ten nicht be­gründet.
§ 20 – Erfüllungs­ortErfüllungs­ort ist M..
Das Ar­beits­verhält­nis ist nach § 613a BGB auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen. Seit Be­ginn sei­ner Chef­arzttätig­keit am 01. Mai 1984 bis ein­sch­ließlich 30. Ok­to­ber 2003 war in der Ab­tei­lung des Klägers le­dig­lich ein Ober­arzt beschäftigt. Die­ser leis­te­te in die­sem Zeit­raum re­gelmäßig 15 Ruf­be­reit­schafts­diens­te mo­nat­lich. Die ver­blei­ben­den Ruf­be­reit­schafts­diens­te deck­te der Kläger selbst ab. Seit dem 01. No­vem­ber 2003 ist in der Ab­tei­lung des Klägers ei­ne wei­te­re Oberärz­tin tätig. Seit­her be­steht zwi­schen den Par­tei­en Streit über den Um­fang der vom Kläger selbst zu leis­ten­den Ruf­be­reit­schaf­ten, da die­ser nur noch so vie­le Ruf­be­reit­schaf­ten über­nahm, wie sie nicht von den bei­den Oberärz­ten ab­ge­deckt wer­den konn­ten. Mit "Ak­ten­ver­merk" vom 08.10.03 un­ter­brei­te­te die Be­klag­te dem Kläger das aus AnI. K2 (Bl. 29 der Ak­te des Ar­beits­ge­richts) er­sicht­li­che An­ge­bot. Da­nach soll­te, nach­dem seit 01. No­vem­ber 2003 die Ruf­be­reit­schaft durch drei Per­so­nen ge­leis­tet wur­de, der Kläger nur noch ein Drit­tel des Ruf­be­reit­schafts­diens­tes ab­de­cken; die Dif­fe­renz zu 15 Ruf­be­reit­schafts­diens­ten soll­te der Kläger aber wertmäßig durch ei­nen Ab­zug von der Pool­z­ah­lung in Höhe von 1.095,20 Eu­ro mo­nat­lich aus­glei­chen. Der Kläger lehn­te die­ses An­ge­bot mit Schrei­ben vom 14.10.03 (AnI. K3 - Bl. 30 der Ak­te des Ar­beits­ge­richts) ab. Die Be­klag­te ord­ne­te hier­auf mit Schrei­ben vom 22.12.2003 (Anl. K5 - Bl. 35 der Ak­te des Ar­beits­ge­richts) an, dass sich der Kläger bei der Ein­tei­lung der Ruf­be­reit­schafts­diens­te wei­ter­hin mit 15 Diens­ten im Mo­nat zu­be­tei­li­gen ha­be.
Mit sei­ner am 13. April 2004 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge will der Kläger sei­ne Auf­fas­sung ge­richt­lich bestätigt er­hal­ten, er sei nicht ver­pflich­tet, wie bis­her 15 Ruf­be­reit­schafts­diens­te pro Mo­nat zu leis­ten. Nach­dem seit dem 01. No­vem­ber 2003 zwei qua­li­fi­zier­te Oberärz­te zur Verfügung stünden, könn­ten die­se bis zur ta­rif­li­chen Ober­gren­ze von re­gelmäßig ma­xi­mal zwölf Ruf­be­reit­schafts­diens­ten pro Ka­len­der­mo­nat ein­ge­teilt wer­den. Sei­ne ei­ge­ne Teil­nah­me an der Ruf­be­reit­schaft sei des­halb nur noch für die ver­blei­ben­den 6 bis 7 Diens­te mo­nat­lich er­for­der­lich.
Es wird fest­ge­stellt, dass der Kläger die bei­den Oberärz­te sei­ner Ab­tei­lung zu ma­xi­mal zwölf Ruf­be­reit­schaf­ten pro Mo­nat ein­tei­len darf und selbst nur noch die dann ver­blei­ben­den Ruf­be­reit­schaf­ten ab­leis­ten muss.
Sie hat wei­ter­hin die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kläger sei ver­trag­lich ver­pflich­tet, mo­nat­lich 15 Ruf­be­reit­schafts­diens­te zu leis­ten, wie es fast zwan­zig Jah­re zu­vor auch der Fall ge­we­sen sei.
Das Ar­beits­ge­richt hat im an­ge­foch­te­nen Ur­teil der Kla­ge statt­ge­ge­ben, weil der Kläger nach dem Ar­beits­ver­trag be­rech­tigt sei, die Ruf­be­reit­schaf­ten in den ta­rif­ver­trag­li­chen Gren­zen den bei­den Oberärz­ten auf­zubürden und selbst nur noch die rest­li­chen Ruf­be­reit­schaf­ten (mo­nat­lich sechs bis sie­ben) aus­zuführen.
Hier­ge­gen rich­tet sich die Be­ru­fung der Be­klag­ten, mit der sie ih­ren erst­in­stanz­li­chen Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter­ver­folgt. Der Kläger bit­tet um die Zurück­wei­sung der Be­ru­fung und ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. We­gen des Vor­trags der Par­tei­en in sei­nen Ein­zel­hei­ten wird auf die im zwei­ten Rechts­zug ge­wech­sel­ten Schriftsätze, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren, wie auch das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil Be­zug ge­nom­men.
Die an sich statt­haf­te und auch sonst zulässi­ge Be­ru­fung ist in der Sa­che nicht ge­recht­fer­tigt. Der Kläger kann je nach den Umständen die bei­den Oberärz­te sei­ner Ab­tei­lung je­weils zu bis zu zwölf Ruf­be­reit­schaf­ten im Mo­nat ent­spre­chend den ein­schlägi­gen ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen ein­tei­len, ist aber selbst nicht ver­pflich­tet, dem Grund­satz nach ein Drit­tel der mo­nat­lich an­fal­len­den Ruf­be­reit­schaf­ten zu über­neh­men. Der Fest­stel­lungs­an­trag wird da­bei so ver­stan­den, dass der Kläger fest­ge­stellt ha­ben möch­te, dass er nur zur Über­nah­me so vie­ler Ruf­be­reit­schaf­ten ver­pflich­tet sei, wie sie nicht durch die ma­xi­mal von den Oberärz­ten zu leis­ten­den Diens­te er­bracht wer­den könn­ten, al­so mo­nat­lich nur dann von sechs bis sie­ben Ruf­be­reit­schaf­ten, wenn bei­de Oberärz­te je zwölf Ruf­be­reit­schaf­ten im Mo­nat er­brin­gen können und dürfen.
1. Mit die­ser Maßga­be und in die­sem Verständ­nis ist die Kla­ge zulässig, weil sich die Be­klag­te wei­ter­hin des­sen berühmt, dass der Kläger selbst min­des­tens 15 Ruf­be­reit­schaf­ten im Mo­nat zu leis­ten ha­be. So­weit zwi­schen den Par­tei­en Ver­gleichs­vor­schläge aus­ge­tauscht wor­den sind, er­gibt sich aus ih­nen noch nicht, dass sich die Be­klag­te endgültig und auf Dau­er von der Rechts­auf­fas­sung dis­tan­ziert hätte, wie sie in dem Schrei­ben vom 22.12.2003 (Anl. K5 - Bl. 35 der Ak­te des Ar­beits­ge­richts) zum Aus­druck kommt. Der Kläger hat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an ei­ner als­bal­di­gen Fest­stel­lung, weil er auf die Klärung sei­ner Ver­trags­pflich­ten in die­sem Punkt an­ge­wie­sen ist. Er muss wei­ter­hin die Ein­tei­lung vor­neh­men. Es ist ihm nicht zu­zu­mu­ten, ständig un­ter dem Ri­si­ko zu han­deln, dass sei­ne Auf­fas­sung über den Ver­trags­in­halt nicht zu­trifft. Die Al­ter­na­ti­ve wäre, dass er sich ent­ge­gen sei­ner Über­zeu­gung der Rechts­auf­fas­sung des Ar­beit­ge­bers un­ter­wirft. An­sons­ten bestünde die Ge­fahr, dass ihn die Be­klag­te zum Er­satz des erhöhten fi­nan­zi­el­len Auf­wands nach Maßga­be des ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­nen § 14 BAT her­an­zieht. Der An­trag ist auch aus­rei­chend be­stimmt. Da­bei wird dem An­trags­teil, dass der Kläger be­rech­tigt ist, die bei­den frag­li­chen Oberärz­te mo­nat­lich zu je­weils zwölf Ruf­be­reit­schaf­ten her­an­zu­zie­hen, in­halt­lich ent­nom­men, dass es sich nur um ei­ne Be­stim­mung des Rah­mens han­delt und dass der Kläger in­halt­lich nicht in Ab­re­de stel­len will, dass sich für die Oberärz­te Umstände er­ge­ben können, die ta­rif­lich zwölf Ruf­be­reit­schaf­ten im Mo­nat nicht zu­las­sen (vgl. et­wa SR 2c Nr. 8 Abs. 6 BAT, Ur­laub, Krank­heit usw.). Al­ler­dings be­gibt sich der Kläger in­so­weit auch der Möglich­keit, die in den ein­schlägi­gen ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen ent­hal­te­nen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen aus­zu­nut­zen. So­weit bei­de Oberärz­te nicht zu­sam­men 24 Ruf­be­reit­schaf­ten im Mo­nat er­brin­gen können oder dürfen, lässt der An­trag die Aus­le­gung zu, dass der Kläger die je­weils rest­li­che An­zahl der Ruf­be­reit­schaf­ten zu über­neh­men hat, wie dies der bis­he­ri­gen Pflich­ten­la­ge ent­spro­chen ha­be, als nur ein Ober­arzt in der Ab­tei­lung zur Verfügung stand.
a) Der Kläger ver­langt nicht die Fest­stel­lung, dass er nur zur Leis­tung von sechs bis sie­ben Ruf­be­reit­schaf­ten ver­pflich­tet ist. Viel­mehr er­gibt sich aus sei­nem An­trag, dass er einräumt, die je ver­blei­ben­den Ruf­be­reit­schaf­ten über­neh­men zu müssen. So­weit er mit­hin mit der Fest­stel­lungs­kla­ge den In­halt des Ar­beits­ver­trags da­hin­ge­hend be­stimmt wis­sen möch­te, dass er nicht ver­pflich­tet ist, auf je­den Fall ei­ne be­stimm­te (Min­dest-)An­zahl an Ruf­be­reit­schaf­ten über­neh­men zu müssen, so­lan­ge er die Oberärz­te zu die­sen Ruf­be­reit­schaf­ten ein­tei­len kann, ist die Kla­ge be­gründet. In die­sem Sin­ne wird sei­ne Kla­ge aus­ge­legt. Sei­ne Pflicht, ge­ge­be­nen­falls durch persönli­chen Ein­satz die Ruf­be­reit­schaft während des ge­sam­ten Mo­nats zu gewähr­leis­ten, ist da­mit nicht in Fra­ge ge­stellt. Dies be­ruht auf fol­gen­den Erwägun­gen:
Was die Fra­ge des bil­li­gen Er­mes­sens bei der Ein­tei­lung der Ruf­be­reit­schaft an­geht, ist zu un­ter­schei­den, ob der Kläger als Ver­tre­ter des Ar­beit­ge­bers han­delt oder ob das Ver­trags­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en be­trof­fen ist. Als Ver­tre­ter des Ar­beit­ge­bers hat er bei der An­ord­nung der Diens­te den ihm un­ter­stell­ten Oberärz­ten ge­genüber nach § 315 BGB die Ein­tei­lung nach Bil­lig­keit vor­zu­neh­men. Dies steht aber nicht im Streit, weil auch die Be­klag­te nicht sub­stan­zi­ell vor­ge­tra­gen hat, die bei­den Oberärz­te fühl­ten sich un­bil­lig be­han­delt, wenn sie bis zur recht­lich zulässi­gen Gren­ze zur Ruf­be­reit­schaft ein­ge­teilt wer­den. Sie ar­gu­men­tiert nur von ei­nem abs­trak­ten Prin­zip her. Das Merk­mal der Bil­lig­keit lässt ja nicht nur ei­ne Lösung, nämlich die von der Be­klag­ten rich­tig ge­hal­te­ne, zu. Viel­mehr sind die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen zu berück­sich­ti­gen. Die mit der lei­ten­den Tätig­keit ei­nes Chef­arz­tes ver­bun­de­ne erhöhte Ar­beits­be­las­tung und Ver­ant­wor­tung lässt es aber nicht von vorn­her­ein als un­bil­lig er­schei­nen, sich selbst in ge­rin­ge­rem Maße mit Ruf­be­reit­schaf­ten zu be­las­ten, zu­mal die be­tei­lig­ten Oberärz­te ih­re Tätig­keit nicht un­ent­gelt­lich zu er­brin­gen hätten. Wird, wie es die Be­klag­te tut, auf die Stel­lung des Ar­beit­ge­bers ab­ge­stellt, gibt es kei­ne Grund­la­ge für die An­nah­me, der Ar­beit­ge­ber selbst müss­te sich bei der Ver­tei­lung der Ar­beit selbst ein­be­zie­hen. Al­ler­dings wäre die Gren­ze der Bil­lig­keit ei­ne Schran­ke, die der Kläger zu be­ach­ten hätte. Vor­lie­gend ist aber das Ver-trags­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en im Streit. Hier steht die Pflich­ten­la­ge des Klägers als Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten zu Dis­kus­si­on. Und hier kommt es bezüglich der Durchführung der Ver­trags­pflich­ten des Klägers im Verhält­nis zur Be­klag­ten nicht auf sein bil­li­ges Er­mes­sen an, son­dern dar­auf, wo­zu er ver­trag­lich ver­pflich­tet ist und ob er ge­ge­be­nen­falls sei­ne Pflich­ten kon­kre­ti­sie­ren­de Wei­sun­gen des Ar­beit­ge­bers zu be­fol­gen hat.
b) Auch im vor­lie­gen­den Fall sind bei der Aus­le­gung des Ver­trags wie auch der Be­stim­mung der Ver­trags­pflich­ten die Grundsätze an­zu­wen­den, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 23. Mai 1984 (5 AZR 476/81 - nicht amt­lich veröffent­licht), auf das die Par­tei­en be­reits vor dem Ver­hand­lungs­ter­min hin­ge­wie­sen wur­den, zu ei­ner Strei­tig­keit her­aus­ge­ar­bei­tet hat, die im Sach­ver­halt, so­weit hier von In­ter­es­se, mit dem vor­lie­gen­den Rechts­streit große Ähn­lich­kei­ten auf­weist. Der vor­lie­gen­de Fall un­ter­schei­det sich aber von dem der Ent­schei­dung des Bun-des­ar­beits­ge­richts zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­halt dar­in, dass hier in § 3 Abs. 13 und § 8 Abs. 2 Buch­sta­be b des Ar­beits­ver­trags aus­drück­li­che Be­stim­mun­gen über die Re­ge­lung der Ruf­be­reit­schaft vor­lie­gen. Die­se sind zwar nicht erschöpfend, las­sen aber er­ken­nen, dass die Teil­nah­me an der Ruf­be­reit­schaft, so­weit sie in der Ver­gan­gen­heit zu glei­chen Tei­len vom Kläger und dem Ober­arzt auf­ge­teilt wur­de, nicht auf­grund ei­ner un­ge­schrie­be­nen Ver­pflich­tung, sich gleichmäßig an den Ruf­be­reit­schaf­ten zu be­tei­li­gen, er­folgt ist, son­dern im Hin­blick auf die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung, dass die Teil­nah­me an der Ruf­be­reit­schaft zu er­fol­gen hat, wenn sie er­for­der­lich ist.
- 8 - Das Merk­mal „er­for­der­lich“ hat das Ar­beits­ge­richt sinn­gemäß so aus­ge­legt, dass die Über­nah­me der Ruf­be­reit­schaft durch den Kläger nur dann Ver­trags­pflicht sei, wenn die Über­tra­gung auf ei­nen Drit­ten nicht möglich, wenn sie „zwangsläufig“ sei. Dies ist zu­tref­fend. Er­for­der­lich be­deu­tet in die­sem Zu­sam­men­hang ei­ner­seits, dass ei­ne Hand­lung oder ein Ver­hal­ten über­haupt not­wen­dig oder ge­bo­ten ist, an­de­rer­seits, dass dem nur auf ei­ne be­stimm­te Wei­se Rech­nung ge­tra­gen wer­den kann. Dass die Ein­tei­lung zur Ruf­be­reit­schaft als sol­che er­for­der­lich ist, ist von der Sa­che her un­strei­tig. Soll­te sich die­ses Merk­mal im Ar­beits­ver­trag auf die Tat­sa­che der Ruf­be­reit­schaft an sich be­zo­gen ha­ben, wäre es sinn­los, weil von vorn­her­ein klar war, dass ei­ne Ruf­be­reit­schaft ein­zu­rich­ten und un­aus­weich­lich ist. Die­ses Merk­mal kann sich so­nach nur dar­auf be­zo­gen ha­ben, dass ge­ra­de der Kläger und nicht ein Drit­ter die Ruf­be­reit­schaft zu leis­ten hat. Ist dies aber der Fall, ist es dem Kläger ver­trags­recht­lich er­laubt, die ihm zur Verfügung ge­stell­ten Res­sour­cen so aus­zuschöpfen, wie es nach den ein­zu­hal­ten­den recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen im Hin­blick auf al­le Be­tei­lig­ten möglich ist. Da es aber an ei­ner aus­drück­li­chen ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung fehlt, ei­ne be­stimm­te An­zahl von Ruf­be­reit-schaf­ten im Mo­nat zu er­brin­gen, kommt es für das Merk­mal der Er­for­der­lich­keit dar­auf an, wel­che Möglich­kei­ten zur Ein­tei­lung der in Be­tracht kom­men­den Ärz­te zur Ruf­be­reit­schaft be­ste­hen.
c) Auch der wei­te­re Wort­laut der Ver­trags­be­stim­mung stützt die­ses Er­geb­nis: In ers­ter Li­nie hat nämlich der Kläger nach § 3 Abs. 13 des Ar­beits­ver­trags die Ruf­be­reit­schaft si­cher­zu­stel­len. Die Rei­hen­fol­ge, in der die Pflich­ten des Klägers auf­geführt sind, in­ten­diert die Aus­le­gung, dass es in ers­ter Li­nie dar­auf an­kommt, dass der Kläger in wel­cher Wei­se auch im­mer die Ruf­be­reit­schaft zu gewähr­leis­ten hat. Wenn sich dar­an die Wen­dung an­sch­ließt, dass er er­for­der­li­chen­falls auch an sol­chen Diens­ten selbst teil­neh­men muss, zeigt dies, dass es sich in-so­weit um ei­nen Auf­fang­tat­be­stand han­delt, der dem Kläger die Ent­schei­dung ermöglicht, sich nur dann selbst zur Ruf­be­reit­schaft ein­zu­tei­len, wenn ei­ne an­de­re Möglich­keit nicht be­steht. An­ders kann das Wort „auch“ und das Wort „selbst“ in die­sem Zu­sam­men­hang nicht ver­stan­den wer­den. Die Ver­wen­dung die­ser Wor­te setzt vor­aus, dass der persönli­che Ein­satz des Klägers in die­sem Punkt nicht die Re­gel zu sein hat. Da­mit ist die Ver­pflich­tung des Klägers in die­sem Punkt hin­rei­chend kon­kret be­schrie­ben.
d) Auf­grund die­ser Umstände können im Un­ter­schied zu dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hier auch nicht an­de­re Ver­trags­be­stim­mun­gen zur Be­gründung der von der Be­klag­ten für rich­tig er­ach­te­ten Ver­trags­pflicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Die Pflicht zur spar­sa­men Ver­wen­dung der Mit­tel nach § 3 Abs. 5 des Ar­beits­ver­trags kann nicht die Ver­ein­ba­rung in Abs. 13 be­ein­flus­sen. Dar­aus er­gibt sich kei­ne nähe­re Be­stim­mung der Re­ge­lung hin­sicht­lich der Ruf­be­reit­schaft. Die­se Be­stim­mung mag ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts
um­fas­send al­le Be­rei­che ärzt­li­chen Han­delns be­tref­fen. Auf­grund der spe­zi­el­len Re­ge­lung in Abs. 13 kann aber hier­aus nicht her­ge­lei­tet wer­den, das Ge­bot der spar­sa­men Ver­wen­dung der Mit­tel könne das Wort „er­for­der­li­chen­falls" prägen. Denn dann hätte es na­he ge­le­gen, auch den fi­nan­zi­el­len As­pekt in die­sem Zu­sam­men­hang an­zu­spre­chen und ei­ne Re­ge­lung zu fin­den, die auch auf ei­ne kostengüns­ti­ge Ver­fah­rens­wei­se ab­stellt. Ei­ne sol­che kann nämlich nicht oh­ne wei­te­re An­halts­punk­te, die es nicht gibt, un­ter den Be­griff „er­for­der­lich" sub­su­miert wer­den, der ei­ne ge­wis­se Zwangs­la­ge be­inhal­tet. Die Fra­ge der Spar­sam­keit be­trifft aber ein öko­no­mi­sches Ziel und nicht die phy­si­ka­li­sche Not­wen­dig­keit.
e) Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt auch dar­auf ab­ge­ho­ben, dass aus den Vergütungs­re­ge­lun­gen in § 8 des Ar­beits­ver­trags nur die fi­nan­zi­el­len Fol­gen der Leis­tung von Ruf­be­reit­schaft ge­re­gelt sind, dass sie aber kei­nen Ver­pflich­tungs­tat­be­stand ent­hal­ten. Die dort ver­wen­de­ten Be­grif­fe „Ent­gelt“ oder „Vergütung“ be­zie­hen sich, be­zo­gen auf den Ar­beit­neh­mer, nicht auf die Leis­tung, son­dern auf die Ge­gen­leis­tung. In die­ser Be­stim­mung wird nur ge­re­gelt, für wel­che Leis­tun­gen der Ar­beit­neh­mer die Ge­gen­leis­tung in wel­cher Höhe for­dern kann. Ein Pflich­ten­tat­be­stand wird dort für den Ar­beit­neh­mer nicht be­gründet.
f) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten hat sich die Ver­trags­la­ge auch nicht durch die Tat­sa­che verändert, dass sich der Kläger vie­le Jah­re die Zahl der Ruf­be­reit­schaf­ten mit dem ein­zi­gen Ober­arzt der Ab­tei­lung gleichmäßig auf­ge­teilt hat. Hat die Be­klag­te al­so schon all die Jah­re ge­dul­det, dass der ta­rif­li­che Aus­nah­me­fall zum tatsächli­chen Nor­mal­fall wur­de, wenn der Ober­arzt mo­nat­lich bis zu 15 Ruf­be­reit­schaf­ten zu leis­ten hat, kann hier­aus auch nicht ge­schlos­sen wer­den, dass durch ei­nen sol­chen Zu­stand die Ver­trags­pflich­ten kon­klu­dent präzi­siert oder verändert wor­den wären. An­ders als in dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt in der vor­ste­hend zi­tier­ten Ent­schei­dung zur Be­ur­tei­lung an­ste­hen­den Sach­ver­halt sind ja vor­lie­gend aus­drück­li­che Re­ge­lun­gen im Ar­beits­ver­trag, die die Leis­tung von Ruf­be­reit­schaft be­tref­fen, ge­trof­fen wor­den. Des­halb kann der jah­re­lang geübten Ver­fah­rens­wei­se nichts an­de­res ent­nom­men wer­den, als dass der Ver­trag voll­zo­gen wer­den soll­te, der vor­sah, dass der Kläger, so­weit er­for­der­lich, selbst die Ruf­be­reit­schaf­ten zu über­neh­men hat­te. Wenn aber kein an­de­rer Ober­arzt zur Verfügung stand, muss­te er eben selbst die Ruf­be­reit­schaft über­neh­men. Dem­ge­genüber könn­te viel­mehr auch die­ser Ver­trags­pra­xis ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass schon da­mals der Kläger - oh­ne dass dies von der Be­klag­ten gerügt wor­den wäre - nicht sei­ner vol­len Pflicht nach­kam. Denn für den Re­gel­fall hätte ja dem al­lein vor­han­de­nen Ober­arzt nur die Ruf­be­reit­schaft für ma­xi­mal 12 Ta­ge im Mo­nat über­tra­gen wer­den dürfen. Schon da­mals war al­so dem Kläger nach­ge­las­sen wor­den, die ihn nach dem Ver­trag tref­fen­de Pflicht nicht voll erfüllen zu müssen. Wenn es al­so zu ei­ner kon­klu­den­ten Ver­tragsände­rung ge­kom­men wäre, dann in die­sem und nicht im Sin­ne der Be­klag­ten.
g) Das Recht des Klägers, die Oberärz­te bis zu zwölf Mal im Mo­nat zur Ruf­be­reit­schaft her­an­zu­zie­hen, kann ihm von der Be­klag­ten nicht ge­ne­rell durch Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts ab­ge­spro­chen wer­den. Die­se Ein­tei­lung un­ter­liegt ei­ner be­stimm­ten Re­ge­lung im Rah­men sei­ner Ver­trags­pflich­ten. Für ei­ne nähe­re Leis­tungs­be­stim­mung im Sin­ne des § 106 Ge­wO durch die Be­klag­te ist dies­bezüglich kein Raum. Auch das Wort „er­for­der­lich“ lässt al­len­falls ei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum of­fen bei der Fra­ge, ob ein be­stimm­tes Ver­hal­ten ver­trags­ge­recht ist, bie­tet aber kei­nen Raum für ein kon­kre­ti­sie­ren­des Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers. Die­se be­schränkt sich in die­sem Punkt auf die Ein­hal­tung der Ver­trags­pflich­ten und die et­wai­ge Be­an­stan­dung ei­nes pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­tens im Ein­zel­fall, kann aber dem Ver­trags­in­halt kei­ne neue oder be­son­de­re Be­deu­tung im Sin­ne ei­ner ver­bind­li­chen In­ter­pre­ta­ti­on zu­schrei­ben. Auch un­ter die­sem Ge­sichts­punkt ist die Fest­stel­lungs­kla­ge be­gründet. Ei­ne Wei­sung, die den Ver­trag zu Un­guns­ten des Klägers veränder­te, wäre nach § 18 Abs. 2 des Ar­beits­ver­trags eben­falls von der Zu­stim­mung des Klägers abhängig.
3. Nach al­lem ist die Be­ru­fung der Be­klag­ten mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 Abs. 1 ZPO zurück­zu­wei­sen.
Die Fest­set­zung des Gebühren­werts nach § 25 Abs. 2 GKG a.F. (die Be­ru­fung ist noch vor dem 01. Ju­li 2004 ein­ge­legt wor­den) er­folgt nach Maßga­be des § 3 ZPO in Ver­bin­dung mit § 14 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 GKG a.F. Bei der Be­stim­mung des Gebühren­werts im ers­ten Rechts­zug nach § 25 Abs. 2 GKG hat das Ar­beits­ge­richt al­ler­dings zu Un­recht auf die fi­nan­zi­el­le Be­las­tung ab­ge­stellt, die der Be­klag­ten durch die Ver­fah­rens­wei­se des Klägers ent­steht. Maßgeb­lich ist, an­ders als beim Streit­wert, der nach § 61 Abs. 1 ArbGG fest­zu­set­zen ist und die Be­schwer für den Un­ter­le­ge­nen be­stimmt, das An­grei­fer­in­ter­es­se, hier als der Wert, den der Kläger in ei­ner sinn­vol­le­ren Ge­stal­tungsmöglich­keit sei­ner Frei­zeit auf­grund ei­ner Ein­schränkung der Be­las­tung sieht, die aus der Leis­tung von Ruf­be­reit­schaft folgt. In­so­weit auf die Kos­ten der Be­klag­ten ab­zu­stel­len, ist er­mes­sens­feh­ler­haft, weil die­sen Kos­ten nicht, wie et­wa bei ei­ner Zah­lungs­kla­ge, ein ent­spre­chen­der Vor­teil des Klägers kor­re­spon­diert. Es wird aber von ei­ner an­der­wei­ti­gen Fest­set­zung nach 25 Abs. 2 Satz 2 GKG a.F. ab­ge­se­hen, weil sich der Ge­gen­stands­wert in Be­zug auf das In­ter­es­se des Klägers für die wei­te­re Dau­er des Ver­trags­verhält­nis­ses, au­to­nom über sei­ne außer­halb des Kran­ken­hau­ses zu ver­brin­gen­de Zeit verfügen zu können, in die­ser Di­men­si­on be­we­gen kann. Hin­zu kommt das In­ter­es­se, von Er­satz­for­de­run­gen der Be­klag­ten frei­ge­hal­ten zu wer­den. Hierfür sind wie­der­um die Be­rech­nun­gen der Be­klag­ten maßgeb­lich. Für das im zwei­ten Rechts­zug maßgeb­li­che In­ter­es­se der Be­ru­fungskläge­rin kann des­halb auf die­se Be­rech­nung zurück­ge­grif­fen wer­den. Die Gren­ze des § 14 Abs. 2 GKG a.F. steht der Fest­set­zung in die­ser Höhe dann nicht ent­ge­gen.
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 § 3
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 § 3
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