Source: https://www.flugrechte.eu/10460/entsch%C3%A4digung-flugversp%C3%A4tung-entsch%C3%A4digung-anschlu%C3%9Fflug
Timestamp: 2019-03-21 20:59:21+00:00

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Lufthansa Entschädigung Flugverspätung - Lufthansa weigert sich Entschädigung bei verpaßtem Anschlußflug zu bezahlen - FLUGGASTRECHTE
Lufthansa Entschädigung Flugverspätung - Ausgleichszahlung für Anschlußflug wird verweigert
ich bin Ende Juli 2017 in Florenz gewesen.
Gebucht war ich für die 18.10 Uhr Lufthansa-Maschine nach Frankfurt sowie danach die 21.20 Uhr Lufthansa-Maschine nach Bremen.
Ziemlich genau 3 Stunden vor Abflug kam die SMS: Flug ab Florenz nach Frankfurt annulliert.
Am Flughafen buchte man mich auf den folgenden Tag um.
Lufthansa behauptet jetzt, der erste Flug hätte wetterbedingt annulliert werden müssen und daher stehen mir keine 250,- Euro Entschädigung zu.
Ist das tatsächlich so ? Trotz verpaßtem Anschlußflug ?
Und wieso sind bei dem ach so furchtbarem Wetter andere Fluggesellschaften geflogen ?
Bearbeitet 26, Okt 2017 von admin
dich hat leider der blöde Fall einer Flugannullierung getroffen. Bei einer solchen haben betroffene Fluggäste allerdings bestimmte Rechte, welche in der EU-Fluggastrechteverordnung geregelt sind.
Bei Annullierungen greift Art. 5, insbesondere Abs. 1. Daraus ergibt sich, dass betroffene Passagiere Ansprüche aus Art. 7, 8 und 9 der Verordnung haben. Dies bedeutet, dass möglicherweise Ansprüche auf Ausgleichzahlungen, Betreuungs- und Unterstützungsleistungen bestehen.
Zunächst zu den Ausgleichsleistungen gem. Art. 7 EG-VO. Wie du schon richtig erkannt hast, könnten dir 250 Euro als Pauschale zustehen. Lufthansa beruft sich nun allerdings darauf, dass am Abflugort schlechte Wetterverhältnisse herrschten.
Und tatsächlich ergibt sich aus Art. 5 III der VO folgendes:
Ein ausführendes Luftfahrtunternehmen ist nicht verpflichtet, Ausgleichszahlungen gemäß Artikel 7 zu leisten, wenn es nachweisen kann, dass die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären.
Auch Wetterverhältnisse können solche Umstände begründen. Zu bedenken ist allerdings, dass bei der Beurteilung, ob das bestimmte Wetterverhältnis als außergewöhnlich gilt oder nicht, auch alle Einzelheiten bevor Ort berücksichtigt werden müsse. Das bedeutet, dass es nicht ausreicht, wenn die Airline nur auf das bloße Vorliegen von schlechtem Wetter verweist. Vielmehr muss Lufthansa auch ausdrücklich aufzählen können, was diese zur Vermeidung des Umstandes getan hat. Somit müssen zwei Voraussetzungen vorliegen:
(1) Vorliegen eines außergewöhnlichen Umstands
(2) Unmöglichkeit der Abwendung des Umstands
Es genügt somit nicht nur auf tatsächlich vorhandenes schlechtes Wetter zu verweisen, wenn nur ungünstige Wetterbedingungen vorhanden sind, aber nicht ersichtlich wird, wie diese den Flug beeinflusst haben sollen. Dies liegt insbesondere dann vor, wenn andere Airlines ihre Flüge starten konnten.
Siehe auch folgende Urteile:
OLG Koblenz, Urteil vom 11. 1. 2008 - Az.: 10 U 385/07 (einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")
Kein Anspruch des Fluggasts auf Ausgleichszahlung bei Annullierung des Flugs, wenn die Fluggesellschaft nachweist, dass die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht (hier: Flughafen wegen Nebels für das für den gebuchten Rückflug vorgesehene Flugzeug nicht anfliegbar). Es ist grundsätzlich unerheblich, ob der Annullierungsgrund möglicherweise bei Abwarten entfallen wäre, sofern nicht von vornherein mit einem kurzfristigen Wegfall des Hindernisses zuverlässig gerechnet werden konnte.
AG Offenbach, Urteil vom 06.01.2006 - Az.: 33 C 2/06 - (einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")
Die Fluggesellschaft kann sich bezüglich einer Flugannullierung exkulpieren, wenn sie am Abflughafen wegen der Wetterverhältnisse am Zielflughafen keine Starterlaubnis erhalten hat. Dass der Flugbetrieb am Zielflughafen gänzlich zum Erliegen gekommen sein muss, um den Anwendungsbereich des Art. 5 Abs. 3 der Fluggastrechteverordnung zu eröffnen, ist nicht zu verlangen.
Zuzüglich dazu hast du auch einen Anspruch auf Betreuungsleistungen gem. Art. 9 der VO, was bedeutet, dass Lufthansa dir die Kosten für die zusätzliche Übernachtung sowie die Transferkosten und Lebensmittelkosten zu ersetzen hat.
Beantwortet 27, Okt 2017 von NatalieS (15,030 Punkte)
Allerdings interessiert mich noch folgendes:
Der erste Flug von Florenz nach Frankfurt wird wegen Schlechtwetters annulliert.
Somit wahrscheinlich keine Entschädigung.
Was ist aber mit dem Anschlußflug von Frankfurt nach Bremen, den ich durch den annullierten ersten Flug verpaßt habe.
Dieser wurde ordnungsgemäß von Lufthansa durchgeführt.
Besteht für diesen nicht ein Entschädigungsanspruch ?
Kommentiert 27, Okt 2017 von ROADRUNNER (200 Punkte)
Sie haben einen Flug von Florenz über Frankfurt nach Bremen gebucht. 3 Stunden vor Abflug wurde der Flug von FLorenz nach Frankfurt jedoch annulliert, dadurch haben Sie außerdem Ihren Anschlussflug nach Bremen verpasst.
Sie könnten also 250 EUR pro Fluggast geltend machen.
Außerdem ist noch zu beachten, dass die Fluggesellschaft in bestimmten Fällen davon befreit werden kann, Ausgleichszahlungen leisten zu müssen. Das ist immer dann der Fall, wenn außergewöhnliche Umstände im Sinne des Artikel 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261/2004/EG Ursache der Verspätung waren. Ein außergewöhnlicher Umstand liegt immer dann vor, wenn die Ursache für die Verspätung nicht von der Fluggesellschaft hätte vermieden werden können. Also Umstände, auf die die Fluggesellschaft keinen Einfluss hat. Ein außergewöhnlicher Umstand kann zum Beispiel bei Streik des Bodenpersonals oder bei schlechten Wetterbedingugnen vorliegen
Fraglich ist, ob die von der FLuggesellschaft genannten widrigen Wetterbedingungen einen außergewöhnlichen Umstand i.S.d. Europäischen Fluggastrecht darstellt.
Es existieren bezüglich schlechten Wetterverhältnissen als außergewöhnliche Umstände eine Vielzahl von Urteilen. Daher ist es nötig, dass Lufthansa eine weitere Abgrenzung vornimmt, was sie mit "widrigen Wetterbedingungen" meint.
Beantwortet 24, Jan 2018 von MajorTommie (16,400 Punkte)
Nun vermuten Sie, dass die widrigen Wetterbedingungen nur ein Vorwand der Fluggesellschaft war.
AG Offenbach vom 06.01.2006 - 33 C 2/06 - (ganz einfach zu finden, wenn Du bei Google eingibst: " AG Offenbach 33 C 2/06 reise-recht-wiki.de")
Desweiteren muss der Fluggast der Fluggesellschaft oder vor Gericht nichts beweisen. Es herrscht eine Beweislastumkehr. Das bedeutet, dass die Fluggesellschaft beweisen muss, dass tatsächliche schlechte Wetterbedingungen vorlagen und wie genau sich diese auf den Flug ausgewirkt haben sollen. Sie solten sich also an die Fluggesellschaft wenden und nach den genauen Umständen der Annullierung fragen.
Beantwortet 25, Jan 2018 von MajorTommie (16,400 Punkte)

References: Art. 5
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 9