Source: http://bidok.uibk.ac.at/library/norz-integration.html
Timestamp: 2019-11-12 18:54:31+00:00

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Eine Qualitative Befragung "...sonst bist dein lebtaglang ein Dodel"
AutorIn: Karin Norz
Schlagwörter: Sonderpädagogischer Förderbedarf (SpF), Berufliche Integration, Selbstbestimmung, Projekt, Inklusion, Studie, Tirol
Releaseinfo: Ein von Sozialstaatssekretär Sigisbert Dolinschek unterstütztes Projekt, gefördert/finanziert aus Mitteln der Beschäftigungsoffensive der österreichischen Bundesregierung (Behindertenmilliarde) für Menschen mit Behinderungen und des Europäischen Sozialfonds.
Copyright: © Karin Norz 2006
1 Einstieg ins Thema
2 Equal Projekt
2.1 Beschreibung Unternehmen 2010
3 Theoretische Begriffe
3.1 Geistig behindert
3.1.1 Definition der WHO
3.1.2 Weitere Definitionen
3.2 Integration - Inklusion
3.2.1 Integration
3.2.2 Inklusion
3.3 Arbeit
3.3.1 Die Bedeutung von Arbeit
3.3.2 Arbeit und Lebensqualität
3.4 Normalisierungsprinzip
3.5 Selbstbestimmung
3.6 Unterstützung
3.6.1 Supported Employment
3.6.2 Empowerment
3.7 Berufsqualifizierung
3.7.1 Begleitungsmöglichkeiten
3.7.2 Berufsausbildung
4 Methodisches Herangehen
4.1 Qualitative Untersuchung
4.2 Offenes Leitfadeninterview
4.4 Literaturrecherchen
5 Untersuchungsmethode
5.2 Das Interview
5.3 Interviewleitfaden
5.4 Auswahl der InterviewpartnerInnen Für die Auswahl der InterviewpartnerInnen wurden drei Hauptkriterien festgelegt:
5.5 Verlauf der Gespräche
5.6 Das Vorgehen bei der Auswertung
5.6.1 Die Analyse
Arbeit ist aufregend,
Arbeit macht Freude.
Arbeit bringt mir Geld,
Arbeit macht mich selbstständig.
Arbeit macht manchmal müde,
Arbeit ist lustig.
Arbeit füllt mein Leben aus,
Arbeit bringt mir Anerkennung.
Menschen ohne Arbeit sind sehr arm
und sie tun mir von Herzen leid.
Das schreibt Michaela Koenig, eine junge Frau mit Down-Syndrom. Sie ist Schriftstellerin und Mitarbeiterin des Magazins Ohrenkuss ...da rein, da raus.
(http://www.ohrenkuss.de/heft/nr05/gedichte, Abfrage April 2006)
Ich hätte vielleicht ein sehr langweiliges Leben,
wenn ich nicht behindert wäre. (...)
Die Behinderung hat mein Leben sehr spannend gemacht,
und ich denke, die Behinderung hat mich auch dazu gebracht,
Sachen zu überdenken, die ichsonst nicht überdenken würde,
weil ich keine Veranlassung dazu hätte. (...)
Ich lebe nun einmal mit diesem Körper
und ich bin mit diesem Körper sehr zufrieden,
auch wenn er immer schwächer wird."
Ursula Eggli (Weiberzeit Nr. 6, Januar 2005, S.8)
Die Entwicklungspartnerschaft (EP) "Unternehmen 2010" ist ein Projekt im Rahmen der europäischen Gemeinschaftsinitiative EQUAL mit dem Ziel der Bekämpfung von Diskriminierung und Ungleichheiten im Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt. Die Finanzierung dieses Projektes erfolgt durch das Bundessozialamt Landesstelle Tirol sowie dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Im Rahmen des Equal Projektes wird im "Modul 1" am Aufbau von "Unternehmen integrativ" gearbeitet - einer Institution, die durch kompetente Beratung von Unternehmen die Möglichkeiten zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen in Tirol nachhaltig verbessern, und Firmen diesbezüglich sensibilisieren soll.
Partner im Modul 1sind:
Zentrum für Beschäftigung und Bildung,
Verein Start,
Aufbauwerk der Jugend,
Verein Tafie,
Lebenshilfe Tirol,
Volkshilfe Tirol sowie
die Universität für Medizin
Das Modul 1 erarbeitet dazu unterstützende Tools für Unternehmen und BeraterInnen und sammelt relevante Daten, die für eine fundiertes Consulting von Unternehmen in Bezug auf Möglichkeiten und Rahmenbedingungen der Anstellung von Menschen mit Behinderungen notwendig sind:
Es werden Anforderungs- und Fähigkeitsprofile in Bezug auf Menschen mit besonderem Förderbedarf erstellt. Um Betroffene selbst zu Wort kommen lassen, wurde eine qualitative Befragung von Menschen mit besonderem Förderbedarf durchgeführt, deren Ergebnisse in diesem Bericht dargestellt werden. Um Erkenntnisse aus einer Beschäftigung von Menschen mit Schwer-Mehrfach- Behinderung zu erhalten, wurde speziell für drei Menschen mit Schwer-Mehrfachbehinderung ein Pilotprojekt gestartet, woraus in weiterer Folge ein Handbuch entwickelt wird. Seit Dezember 2005 sind drei BeraterInnen für Unternehmen 2010 zum Thema "Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen" angestellt und wurden in den verschiedenen, spezialisierten Einrichtungen - in enger Verknüpfung mit Betroffenen - geschult (Traineeprogramm). Die Koordination der Schulungen findet modulintern statt. In Modul 1 wurde eine Homepage erstellt (www.unternehmen2010.at), die die Kommunikation innerhalb der Entwicklungspartnerschaft (EP) wesentlich erleichtert. Neben der funktionalen Anwendung steht in weiterer Folge das Thema "Barrierefreiheit der Homepage" im Mittelpunkt.
Ziel dieses Projektes ist es, laut Mag. Walter Guggenberger, Leiter des Bundessozialamtes Tirol, in den nächsten Jahren weit aus mehr Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsprozess zu integrieren. Laut Gesetz sollten derzeit 5.000 Menschen mit Behinderung in Tiroler Unternehmen beschäftigt sein. Tatsächlich sind es 2.200. Diese Quote soll mit diesem Projekt eindeutig verbessert werden. (vgl. WK-Bericht, http://www.unternehmen2010.at, Abfrage Mai 2006) Es sollen rund 700 Kontakte mit Firmen geknüpft werden, die diesbezüglich beraten werden. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist die Erhebung von Wünschen und Bedürfnissen, aber auch von Befürchtungen oder Ängsten von Menschen mit Behinderung zum Thema Arbeit und persönlicher beruflicher Integration. Im Sinne der Nachhaltigkeit liegt die Intention des Gesamtprojektes darin, ein Kompetenzzentrum für Tiroler Unternehmen zum Thema "Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen" zu etablieren, mit dem Ziel, auch nach Ablauf der Entwicklungspartnerschaft (EP) fortgeführt zu werden.
Ein schlimmer Streit
Zwei Idioten stritten sich:
Du bist ja normal, sagte der erste.
Du bist ja selber normal, erwiderte der zweite.
Du bist ja sehr normal, schrie der erste.
Und du bist ja total normal, der zweite.
Du bist irrsinnig normal, der erste.
Du bist schaurig normal, der zweite.
Du bist ganz und gar normal, wiederum der erste.
Da wusste sich der zweite nicht mehr zu halten:
Du bist NORMAL normal, sagte er.
(http://www.lebendiger-leben-ev.de/sites/ziele.html)
"Ich bin in erster Linie Mensch, und erst viel später behindert."
(http://www.arbeitundbehinderung.at/ge/content.asp?CID=10003%2C10035%2C10049, Abfrage Mai 2006)
"Es gibt Menschen, die WIR aufgrund UNSERER Wahrnehmung ihrer menschlichenTätigkeit, im Spiegel der Normen, in dem WIR sie sehen, einem Personenkreis zuordnen, den WIR als "geistigbehindert" bezeichnen". (http://bidok.uibk.ac.at/library/feuser-geistigbehinderte.html, (15.01.2007, Link aktualisiert durch bidok) Abfrage Mai 2006)
Auf internationaler Ebene konnte man in den letzten Jahrzehnten einen Wandel des Behinderungsbegriffs feststellen. Weg von einem stark medizinisch geprägten engen Behinderungsbegriff hin zu einem umfassenden Behinderungsbegriff, der Behinderung als Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit sieht und dabei Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren mit einbezieht. Es wird die Situation einer Person mit einer Beeinträchtigung in ihrer Umwelt gesehen und nicht als Eigenschaft einer Person.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahre 2001 eine neue Definition vorgestellt, die die alte Klassifikation - "International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps" (ICIDH) - aus dem Jahr 1980 ablöste.
Diese neue Definition "International Classification of Functioning, Disabilities and Health (ICF)" beinhaltet ein erweitertes Spektrum und einen fortschrittlichen Rahmen mit einem umfassenden Verständnis von Behinderung und Funktionsfähigkeit und ersetzt das stark defizitorientierte Modell.
Schon die neue Bezeichnung ermöglicht die Lebenswirklichkeit von beeinträchtigten Menschen besser zu erfassen, die Menschen werden ganzheitlich mit den positiven und negativen Aspekten ihrer Körperfunktionen, ihrer Aktivitäten unter Berücksichtigung von Umweltfaktoren und persönlichen Faktoren beschrieben.
(vgl.http://bidok.uibk.ac.at/library/doose-verbleibsstudie.html, (15.01.2007, Link aktualisiert durch bidok) Abfrage Mai 2006)
Nach einer Definition des Deutschen Bildungsrates aus dem Jahre 1974 wird "geistig behindert" folgendermaßen definiert:
"...wer infolge einer organisch-genetischen oder anderweitigen Schädigung in seiner psychischen Gesamtentwicklung und seiner Lernfähigkeit so sehr beeinträchtigt ist, dass er voraussichtlich lebenslanger sozialer und pädagogischer Hilfen bedarf. Mit den kognitiven Beeinträchtigungen gehen solche der sprachlichen, sozialen, emotionalen und der motorischen Entwicklung einher. Die Ergebnisse von validen Intelligenztests, motorischen Tests und Sozialreifeskalen können Orientierungsdaten für die Abgrenzung der geistigen Behinderung zur Lernbehinderung liefern. Die Grenze wird in der Regel bei drei Standardabweichungen unterhalb des Mittelwertes zu ziehen sein". (vgl. http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/Sven.Bielski/Wasist.htm, Abfrage Mai 2006)
Nach Bach (1974) liegt geistige Behinderung dann vor, "...wenn geringe Intelligenz (IQ <60±5) im Verhältnis zur lebensaltersgemäßen Durchschnittserwartung im Sinne eines dauernden Vorherrschens anschaulich-vollziehenden Lernens trotz optimaler Erziehungsbemühungen unter Berücksichtigung eventuell vorhandener sensorieller oder motorischer Beeinträchtigungen des Lernens festzustellen ist".
Nach Büttner (1984) liegen, "...nach der in der Bundesrepublik Deutschland gebräuchlichen schulorganisatorischen Einteilung (...) die IQ Werte bei Lernbehinderung etwa zwischen 85 und 70 (...), bei geistiger Behinderung unter 70". (vgl. http://bidok.uibk.ac.at/library/erlinger-selbstbestimmung.html, (15.01.2007, Link aktualisiert durch bidok) Abfrage Mai 2006)
Feuser beschreibt "geistig behindert" folgend:
"Geistige Behinderung kennzeichnet für mich auf einer ersten Ebene einen phänomenologisch-klassifikatorischen Prozeß, also einen Vorgang der Registrierung von an anderen Menschen beobachteten "Merkmalen", die wir, in Merkmalsklassen zusammengefaßt, zu "Eigenschaften" des anderen machen." (vgl. http://bidok.uibk.ac.at/library/feuser-geistigbehinderte.html, (15.01.2007, Link aktualisiert durch bidok) Abfrage Mai 2006)
Für Feuser ist "geistige Behinderung" ein Konstrukt unserer Normen, unserer Klassifizierung der Menschen, unserer Wahrnehmung und diese Probleme spiegeln sich in der Integration sowie der Inklusion wieder.
"Inclusion means WITH - not just IN!"
(http://www.inclusion.com, Abfrage Juni 2006)
Der wesentliche Unterschied beider Begriffe liegt darin, dass es bei der Integration von Menschen darum geht zuerst Getrenntes wieder zu vereinen.
Bei der Inklusion hingegen geht es darum Gemeinsamkeiten zu sehen und die Vielfalt der Menschheit zu akzeptieren.
Das Wort Integration stammt vom lateinischen "integratio" und heißt "Herstellung zu einem Ganzen".
Mit Integration wird die gemeinsame Teilnahme von behinderten und nicht behinderten Menschen in der Gesellschaft gesehen. Doch bereits die Differenzierung in "behindert" und "nicht behindert" bedeutet eine Kategorisierung der Menschen und verkörpert somit Diskriminierung und Ausgrenzung.
Bereits durch die Sprache - behindert und nicht behindert - die einen und die anderen - kommt das Gefühl von zwei unterschiedlichen Gruppen, einer Trennung auf. Hinz spricht hier von einer "Zwei-Gruppen-Theorie", wo es gilt durch aufeinander Zugehen Grenzen zu durchbrechen und Barrieren abzubauen.
Integration bedeutet nicht eine Anpassung an die Normen unserer Gesellschaft, sondern vielmehr ein aufeinander Zugehen von Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung. (vgl.http://bidok.uibk.ac.at/library/abram-theoriediskussion-dipl.html, Abfrage Mai 2006)
Inklusion bedeutet ein verändertes Menschen- und Weltbild. Der Wert eines Menschen wird nicht aufgrund üblicher Leistungskriterien als "defekt" und "defizitär" kategorisiert.
Die Inklusion sieht die Unterschiedlichkeit der Menschen als Normalität an.
Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch:
als Mensch vollwertig ist - unabhängig von irgendwelchen Leistungen, die ihn für die Gesellschaft wertvoll erscheinen lassen
die Verpflichtung hat, alle anderen Menschen als Gleichberechtigte
anzuerkennen -das Recht hat, als Gleichberechtigter anerkannt zu werden -auf die menschliche Gemeinschaft - auf Dialog, Kooperation und Kommunikation - angewiesen ist, um sich als solcher zu entwickeln
das Recht auf "Mitsein", Teilhabe und Nicht-Aussonderung hat
(vgl. http://bidok.uibk.ac.at/library/abram-theoriediskussion-dipl.html, Abfrage Mai 2006)
Inklusion meint, dass der Blickwinkel nicht auf die Homogenität gerichtet wird, sondern dass alle Menschen ihre Vielfalt, ihre Unterschiedlichkeit beibehalten und diese auch ausleben dürfen.
Es sind oftmals unsere Denkweisen über Andersartigkeit, Unterschiedlichkeit und Vielfalt, die eine Trennlinie spürbar und sichtbar machen. Nicht der Mensch, der anders ist, muss verändert werden oder angepasst werden, sondern unsere Denkweise und Sichtweise muss sich verändern.
Erst wenn wir die Vielfalt akzeptieren können, können wir den Menschen als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft sehen, den Menschen als Menschen wertschätzen und ihn nicht durch Fähigkeiten und Unfähigkeiten, nicht durch Stärken und Schwächen klassifizieren.
(vgl. http://bidok.uibk.ac.at/library/abram-theoriediskussion-dipl.html, Abfrage Juni 2006)
Ein wesentliches Merkmal der Arbeit ist die persönliche wirtschaftliche Sicherstellung; also auch für die der behinderten Menschen, um selbständig, unabhängig von Eltern oder diversen Institutionen zu leben. "Behinderte" erleben durch Arbeit bewusst das Gefühl des "Nicht-mehr-so-behindert-seins". (vgl. http://bidok.uibk.ac.at/library/haidlmayr-enthinderung.html, (15.01.2007, Link aktualisiert durch bidok) Abfrage Juni 2006)
Doch Arbeit bedeutet nicht nur eine Frage der Sicherung ökonomischen Überlebens, sondern hat eine wichtige Funktion für die Menschen, deren Identität und deren Potentiale. (vgl.Bieker, 2005b, S. 15f) Arbeit bedeutet für die Menschen eine tägliche Zeitstruktur zu haben und nicht nur "in den Tag hinein zu leben" ohne jegliche Aufgabe. Arbeit hat eine wesentliche Rolle bei der Zuweisung eines sozialen Status. Arbeit spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Identität der Menschen.
Arbeit trägt zur sozialen Anerkennung bei und ist ein wichtiger Faktor, ob eine Person als "vollwertiges" Mitglied der Gesellschaft angesehen werden kann. Durch Arbeit werden die Menschen zur Aktivität angehalten.
(vgl. Hinz, 2005, S. 24)
Die Vorstellung ein Leben ohne Arbeit geht einher mit dem Verlust der Lebensperspektive. Soziale Isolation und finanzielle Entbehrungen sind die Folge von Dauerarbeitslosigkeit.
Die starke identitäts- und sinnstiftende Funktion der Erwerbsarbeit hat sich durch die umfangreiche Forschung zur Arbeitslosigkeit bestätigt.
In ihrer Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal" haben Jahoda, Lazersfeld u. Zeisel aufgezeigt, dass Erwerbslosigkeit zum sozialen Rückzug, zur Abnahme an geselligen Aktivitäten, zum Zerfall von Zeitstrukturen und von Zukunftsperspektiven beiträgt. Arbeitslosigkeit bedeutet ausgeschlossen sein vom gesellschaftlichen Leben. Wesentliche Erfahrungen wie eine Aufgabe zu haben, KollegInnen zu haben und sozial anerkannt zu sein, Geld zu verdienen und darüber selbst zu bestimmen, fallen weg. Diese Punkte treffen auch auf Menschen mit Behinderungen zu und werden von ihnen in gleicher Weise erlebt.
"In seinem Sein bestätigt
will der Mensch durch den Menschen werden
und will im Sein des anderen eine Gegenwart haben.
Die menschliche Person bedarf der Bestätigung,
weil der Mensch als Mensch Ihrer bedarf."
(Buber, 2000, S. 25)
Die Grundlage der Normalisierungstheorie beruht auf dem Gleichheitsprinzip - alle Menschen, seien sie behindert oder nicht, haben die gleichen Rechte. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass alle Menschen verschiedenartig sind, dass sie verschiedene Bedürfnisse haben, so dass Gleichheit lediglich bedeutet, jedem einzelnen Menschen Hilfe und Unterstützung anzubieten, die seinen individuellen Bedürfnissen anzupassen sind. Der Behinderte ist in gesetzlicher und humaner Hinsicht als gleichgestellter Bürger zu betrachten, auch wenn die verschiedenen Formen von Therapiebehandlungen die Behinderung nicht zu beseitigen vermögen. Es ist keine neue Ideologie, sondern an und für sich ein Antidogma, das sich gegen die Diskriminierung behinderter Personen wehrt. (Bank-Mikkelsen/Berg, 1982, S. 109) Das Normalisierungsprinzip ist der Grundgedanke der Integration und Inklusion.
In den späten 60er Jahren wurde in den USA die "Independent-Living-Bewegung" gegründet. Diese Bewegung wurde zunächst vorwiegend von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung getragen und sah sich als Bestandteil der gesamten Bürgerrechtsbewegung in den USA. Mehr Demokratie, mehr Emanzipation für die Frauen, gegen Rassismus waren die Hauptmerkmale.
Im Jahre 1974 wurde in Oregon in den USA der Name People First ("Mensch zuerst") geboren. Damals bereitete eine Gruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten, die nicht länger geistig behindert genannt werden wollten, eine Selbstbestimmungstagung vor. Seitdem entstanden Selbstbestimmungsgruppen und Selbstvertretungsgruppen in den USA und Kanada.
Die erste People First-Konferenz mehrerer Länder fand 1981 in Oregon statt. Dazu kamen mehr als 1.000 Menschen mit Lernschwierigkeiten. Im Jahre 1991 wurde bei einer Konferenz in Tennessee die Dachorganisation "Self-Advocates Becoming Empowered" ("Betroffene machen sich stark ") ins Leben gerufen. Die dritte People First-Konferenz mehrere Länder fand im Jahre 1993 in Toronto in Kanada statt. Aus aller Welt reisten wieder über 1.000 Menschen mit Lernschwierigkeiten und viele UnterstützerInnen, Fachleute und Eltern an. Bei dieser Konferenz war zum ersten Mal eine Unterstützungsperson aus Deutschland dabei. Der Name weist darauf hin, dass zuerst der Mensch gesehen werden soll und nicht die geistige Behinderung. Die Betroffenen möchten folgende Ziele verwirklichen: für eigene Rechte eintreten, sich gegenseitig unterstützen und die Lebensqualität verbessern. Die Selbstverantwortungsfähigkeit wächst mit gelebter Selbstverantwortung. Nur wer Verantwortung für sich übernehmen darf und muss, lernt an den Folgen seines Handelns und erweitert dadurch seine Fähigkeit der Selbstwahrnehmung und Selbstverantwortung. (vgl. Ratzka, 1998, S. 186).Auch in Österreich gibt es in der Zwischenzeit die "People First" Bewegung. (vgl. http://www.zfk.at, Abfrage Juni 2006)
bildet den eigentlichen Kern unserer Natur.
Mögen wir uns oft auch isoliert fühlen,
ist es die Natur unserer Seele, anzugehören.
(http://www.ifs.at/jahresbericht2001/seite24.html, Abfrage Mai 2006)
Supported Employment bzw. Unterstützte Beschäftigung zeichnet sich durch verschiedene Kriterien aus:
Unterstützte Beschäftigung ist bezahlte Arbeit. Der eine Schwerpunkt liegt auf bezahlt. Der andere Schwerpunkt liegt auf Arbeit, also eine sinnvolle Tätigkeit, die auch wirklich gebraucht wird und nicht Beschäftigung mit Legosteinen, die am Tag zu irgendwelchen Dingen zusammengesetzt, am Abend wieder zerstört und in Kisten gepackt werden.
Es geht um bezahlte Arbeit in integrierter Arbeitsumgebung, also dort, wo andere Menschen auch arbeiten.
Es ist gedacht für Menschen mit Behinderungen, die bisher als nicht vermittlungsfähig galten und die langfristige Unterstützung benötigen, um erfolgreich arbeiten zu können.
(http://bidok.uibk.ac.at/library/doose-vergleich.html, (15.01.2007, Link aktualisiert durch bidok) Abfrage Juni 2006)
Unterstützte Beschäftigung ist auch eine methodische Vorgehensweise und umfasst z.B. individuelle Berufsplanung, Arbeitsplatzsuche, Arbeitsplatzanalyse, Anpassung des Arbeitsplatzes, sowie die Begleitung und Qualifizierung am Arbeitsplatz.
Es stehen die Fähigkeiten und Talente eines jobsuchenden Menschen mit Behinderung im Vordergrund, nicht seine Defizite.
Das "Training on the job" wird von externen Jobcoaches bzw. IntegrationsassistentInnen durchgeführt. Sukzessive reduzieren diese die Unterstützung. Die Reduktion wird durch das MentorInnenprinzip kompensiert und dadurch "natürliche Unterstützungsressourcen" aufgebaut.
Empowerment steht einerseits für die Überwindung sozialer und gesetzlicher Ungleichheiten und Diskriminierungen, anderseits für "einen Prozess, in dem Betroffene ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, sich dabei ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst werden, eigene Kräfte entwickeln und soziale Ressourcen nutzen." (Theunissen/Plautezit: in "Buch der Begriffe", 2003, S. 38) Der Begriff "Empowerment" ("Ermächtigung") wurde im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegungen der 1970er Jahre geprägt. Das sprachliche Äquivalent zu "Black Power" oder "Women Power" ist der provokante Ausdruck "Krüppelpower". Unter Empowerment ist die Emanzipation gesellschaftlich benachteiligter Gruppen zu verstehen. Dieses neue Bewusstsein für die eigenen Stärken ist Ursprung und Antriebsfeder sowohl der Independent Living Bewegung als auch der People First Bewegung.
Empowerment meint alle Unterstützungsmöglichkeiten, die es Menschen ermöglicht, in machtlosen Situationen ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Wesentlich dabei ist, dass sie ihre eigenen Stärken im Austausch mit anderen erkennen und sich gegenseitig ermutigen, ihr eigenes Leben und ihre soziale Umwelt zu gestalten. (vgl. Firlinger, 2003, S. 38f)
Unter dem Begriff "Berufsqualifizierung" werden allgemein arbeitsmarktpolitische Projekte und diverse Maßnahmen zusammengefasst, die sich die berufliche Integration von Menschen mit besonderem Förderbedarf zum Ziel gesetzt haben.
(vgl. Firlinger, 2003, S. 48).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Unterstützungsmodelle.
Der Übergang von einem Qualifizierungsprojekt oder der Schule zu einem Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt, ist für Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf ein großer Schritt. Es gibt verschiedene Modelle, die den Einstieg in die Berufswelt begleiten und die betroffenen Personen unterstützen.
3.7.1.1 Arbeitsassistenz
"Menschen mit Behinderung verfügen über individuelle Fähigkeiten, die sie auch in den Arbeitsmarkt einbringen können. Unser Ziel ist die Integration von Arbeitsuchenden mit Behinderung in den freien Arbeitsmarkt bei mindestens kollektivvertraglicher Entlohnung."
"Viele Jugendliche mit Behinderung brauchen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben Unterstützung, um ihre individuellen Fähigkeiten in den Arbeitsmarkt einzubringen."
(http://www.arbas.at, Abfrage Mai 2006)
Die Jugendarbeitsassistenz Tirol ist ein Angebot für Jugendliche mit Behinderung
mit sonderpädagogischem Förderbedarf und/oder
mit erhöhter Familienbeihilfe und/oder
mit einem (fach-)ärztlichen oder psychologischen Befund über einen Behinderungsgrad von mindestens 50 %.
Das Angebot richtet sich an Jugendliche, die eine körperliche, psychische, geistige oder eine Sinnesbeeinträchtigung haben. Die Arbeitsassistenz begleitet Jugendliche mit Behinderung zwischen 14 und 19 Jahren. In der Regel wird mit der Betreuung im letzten Schuljahr begonnen.
Nur in Ausnahmefällen können Jugendliche mit Behinderung bis zu einem Alter von 24 Jahren in Betreuung genommen werden. Ziel der Begleitung durch die Jugendarbeitsassistenz Tirol ist, den einzelnen Jugendlichen eine Orientierung über die verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten zu geben und einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Ausbildungs - oder Arbeitsplatz zu finden - mit dem Ziel der dauerhaften Integration ins Berufsleben. (vgl. ebd., Abfrage Juni 2006)
3.7.1.2 Integrationsassistenz
Auch die Integrationsassistenz ist an der Schnittstelle Schule/Beruf tätig. Sie umfasst Betreuung und Begleitung von Menschen mit erhöhtem Förderbedarf mit dem Ziel der beruflichen Integration.
Die Begleitung der IntegrationsassistentInnen umfasst Berufsorientierung, Bewerbungsschulung, Praktikumsaquise und die berufliche Integration von Menschen mit besonderem Förderbedarf. Die IntegrationsassistentInnen begleiten das Praktikum sowie die Vermittlung an den Arbeitsplatz, arbeiten jedoch nicht unmittelbar am Arbeitsplatz mit.
3.7.1.3 Jobcoaching
Jobcoaches unterstützen Menschen mit Behinderungen bei der Arbeitsplatzsuche und begleiten sie auf dem Arbeitsplatz. Die Jobcoaches arbeiten direkt am Arbeitsplatz mit. Die Dauer dieses "Mitarbeitens" wird individuell vereinbart, eine Nachbetreuung ist gewährleistet.
Jobcoaches haben die Aufgabe, die beteiligten PartnerInnen in wirtschaftlichen, pädagogischen, administrativen, juristischen und sozialpolitischen Fragen zu beraten.
Die Arbeitsplatzentwicklung im Rahmen der Tätigkeit von Menschen mit Behinderungen in einem Betrieb ist ebenso notwendig, wie die Entwicklung des sozialen Umfelds im Betrieb. Mit den damit geschaffenen Perspektiven wird Einsicht und Verständnis geweckt und Menschen mit Unterstützungsbedarf können die schwierige Situation an dieser Schnittstelle besser bewältigen.
(vgl. http://www.tirol.lebenshilfe.at/lebenshilfe/dienstleistung/arbeit.html, Abfrage Mai 2006)
3.7.1.4 Mentoring
Beim Mentoring weist nicht ein externer Assistent die Betroffenen in die Arbeitswelt ein, sondern ein/e KollegIn im Betrieb nimmt sich der Person an. Meist geht dem Mentoring ein Arbeitstraining voran, in Folge übernimmt ein/e KollegIn die weitere Begleitung der Person mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Das Modell "Mentoring wird auch als "Natural Support" bezeichnet und ist eine Variante des Supported Employment. (vgl. Firlinger, S. 40)
In Tirol startete das Jobcoaching, die Arbeitsassistenz der Lebenshilfe, 2004 mit einer Konzeptphase und schloss eine Pilotphase mit 13 MentorInnen ab. (vgl. "Mentoring", Lebenshilfe Tirol, http://www.unternehmen2010.at, Abfrage Juni 2006)
Die Anforderungen an die Fachkräfteausbildung im Rahmen einer Lehre nehmen ständig zu. Es gibt aber auch Jugendliche, die mit einer anspruchsvollen Lehrlingsausbildung überfordert sind. So besteht seit 1. September 2003 im Rahmen des Berufsausbildungsgesetzes gemäß § 8b die Möglichkeit einer integrativen Berufsausbildung.
Für folgende Jugendliche besteht diese Möglichkeit:
Jugendliche, die vom Arbeitsmarktservice (AMS) nicht in eine Lehrstelle vermittelt werden können und entweder
am Ende der Schulpflicht die Sonderschule besuchten bzw. sonderpädagogischen Förderbedarf hatten,
keinen positiven Hauptschulabschluss aufweisen,
Behinderungen im Sinne des Behinderteneinstellungsgesetzes aufweisen oder aus sonstigen in der Qualifikation des Jugendlichen liegenden Gründen bei der Lehrplatzsuche erfolglos bleiben.
Folglich bedeutet dies, dass Verträge über Teilqualifikationen oder verlängerbare Lehrausbildung ausschließlich über das AMS vermittelt werden können.
(vgl. http://portal.wko.at/wk/dok_detail_html.wk?AngID=1&DocID=219847, Abfrage Mai 2006)
3.7.2.1 Verlängerte Lehre
Die verlängerte Lehre ist für Jugendliche gedacht, die vom AMS für eine integrative Berufsausbildung vorgesehen sind und bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie grundsätzlich in der Lage sind, die Lehre positiv abzuschließen, jedoch mehr Zeit dafür benötigen. Es besteht die Möglichkeit die Lehre um ein bis maximal zwei Jahre zu verlängern.
3.7.2.2 Teilqualifizierung
Die Teilqualifizierung ist für Jugendliche gedacht, die vom AMS für eine integrative Berufsausbildung vorgesehen sind, und bei denen angenommen wird, dass sie nicht in der Lage sind eine Lehre positiv abzuschließen. Die Ausbildung beschränkt sich auf bestimmte Teile des Berufsbildes. Die Dauer dieser Ausbildung kann ein bis drei Jahre betragen. (vgl. http://portal.wko.at/wk/dok_detail_html.wk?AngID=1&DocID=219847, Abfrage Mai 2006 )
Die qualitative Analyse rühmt sich,
die Komplexität der Dinge erfassen zu können,
während die quantitative ihren Gegenstand zerstückle
und ihm seine eigentliche Bedeutung nehme.
(vgl. http://mosaikum.org/g/excerpte/mayring_qualitative_inhaltsanalyse.html, Abfrage Juni 2006)
Am Beginn der Arbeiten zu dieser Studie standen grundsätzliche Überlegungen bezüglich der methodischen Herangehensweise im Raum. Wie sollen die Interviews durchgeführt werden? Wie soll in Folge die Auswertung aussehen? Was wollen wir mit dieser Studie überhaupt herausfinden bzw. erreichen?
Auf Grund dieser Fragen wurden die verschiedensten Methoden untersucht und analysiert, wobei durch die Komplexität des Themas eine qualitative Methode besser geeignet schien.
Die qualitative Analyse verliert niemals den Menschen selbst aus dem Blickfeld, sondern er ist und bleibt Mittelpunkt der Analysen.
Die vorliegende Untersuchung ist qualitativ ausgerichtet.
Die Untersuchung beschäftigt sich mit folgenden Fragestellungen:
Welche Anforderungen werden seitens der einzelnen Zielgruppen an einen Arbeitsplatz, an die Arbeitsumgebung, die Rahmenbedingungen gestellt?
Welche Art der Unterstützung, in welcher Form und welchem Umfang ist erwünscht?
Welche Ängste, Vorurteile und Sorgen sind mit einem Übertritt in die Arbeitswelt verbunden?
Welche Ängste haben Menschen mit besonderem Förderbedarf aus verschiedenen Kulturkreisen?
Die Ergebnisse sind für die Beratungen des Unternehmerservices Tirol wesentlich, da die Beratung von Unternehmen bezüglich der Einstellung von Menschen mit Behinderungen nur dann Qualität und Professionalität für sich reklamieren kann, wenn der Fokus der Beratung - der Mensch mit besonderem Förderbedarf mit seinen Fähigkeiten, seinen Bedürfnissen, Wünschen und Ängsten - in alle Ebenen der Beratung einfließen und entsprechende Berücksichtigung finden kann.
Das Interview spielt in der qualitativen Forschung eine besondere Rolle. Es stellt die befragte Person ins Zentrum der Untersuchung und gewährleistet einen empirischen Zugang zur sozialen Wirklichkeit des/der Betroffenen. Die Rollenverteilung im Interview sichert der befragten Person die Möglichkeit, Antworten sehr persönlich und subjektiv zu formulieren.
Der/die Befragte - dominant in der Rolle des Antwortenden - kann seine/ihre Gedanken in eigenen Worten darlegen, untermauert durch die ihm/ihr eigene Mimik und Gestik und vermittelt dadurch einen weiten Einblick in die ihm/ihr als subjektiv empfundene Wirklichkeit, in sein/ihr Weltbild. Das Gespräch, der Dialog vermittelt mehr Persönliches und unterstreicht die subjektive Bedeutung des/der Interviewten.
Auf Grund der unterschiedlichsten Leistungsniveaus der Befragten, war es eine besondere Herausforderung den Fragenkatalog zu erstellen. Hierbei hat sich die qualitative Methode als die am besten geeignete herausgestellt.
Durch ein qualitatives Interview hat der/die Befragte die Möglichkeit frei zu antworten und mit den Leitfadenfragen kann der Befragte wieder zum Thema geführt werden. Auch auf Verständnisprobleme kann bei einem qualitativen Interview sofort reagiert werden.
Die durchgeführten Interviews wurden nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Bei der qualitativen Inhaltsanalyse geht es um das Verstehen menschlichen Verhaltens und nicht dieses zu erklären. Der Focus der Befragung sowie in Folge der Auswertung lag nicht darin zahlenmäßige Zusammenhänge zu entdecken, wie in einer quantitativen Analyse, sondern die qualitative Inhaltsanalyse steht in der Tradition der Hermeneutik, die menschliches Verhalten verstehen und nicht erklären will. Das hermeneutische Verstehen geht von Offenheit, Uneindeutigkeit und der prinzipiellen Unabgeschlossenheit des Verstehens aus. Besonders bei Äußerungen, wie in Interviewform, bietet die Hermeneutik immer mehr Sinn-Schichten als auf den ersten Blick tatsächlich erkennbar sind.
Diese Form der Auswertung konnte der Interpretationsbedürftigkeit und Bedeutungsfülle des vorliegenden umfassenden sprachlichen Materials am besten gerecht werden und verlor dabei niemals den Menschen selbst aus den Augen. (vgl. de.wikipedia.org/wiki/Qualitative_Inhaltsanalyse, Hermeneutik, Abfrage Juni 2006) 4.3.2 Computerunterstützte qualitative Analyse
Die vorliegenden Daten wurden mit Hilfe speziell entwickelter Programme computerunterstützt ausgewertet. Folgende grundlegende Prozeduren waren für die Datenaufbereitung erforderlich:
Markieren von Textbestandteilen und Kennzeichnung mit einer Auswertungskategorie (Kodierung)
Zusammenstellung aller Zitate pro Kodierung
Rückverfolgung aller Textstellen in ihrem Kontext
Veränderbarkeit der Kategorien im Analyseablauf
Suchfunktion nach zentralen Begriffen im Text
Kommentierung von Kategorien
Schnelles Finden von typischen Beispielzitaten
(vgl. Mayring, König, Birk in Wilfried Bos & Christian Tarnai: computergestützte Inhaltsanalyse in den Empirischen Sozialwissenschaften, Waxmann Verlag, Münster/New York 1996)
Zwecks Einführung in die Thematik wurde einschlägige Sekundärliteratur für die Bereiche der Integrationspädagogik, der beruflichen Integration und der Erwerbsarbeit erhoben und bearbeitet.
Betrachtest du den Einzelnen an sich,
dann siehst du vom Menschen gleichsam
nur so viel wie wir vom Mond sehen;
erst der Mensch mit dem Menschen
ist ein rundes Bild.
Betrachtest du die Gesamtheit an sich,
nur soviel wie wir von der Milchstraße sehen;
erst der Mensch mit dem Menschen ist umrissene Form.
(Martin Buber, 2000, S.7)
Es wurde ein Konzept auf Basis qualitativer Sozialforschung erarbeitet und ein entsprechender Interviewleitfaden für die konkreten Befragungen konzipiert. Im Anschluss daran erfolgte die Suche nach geeigneten InterviewpartnerInnen, die den Kriterien, welche nachstehend erläutert werden, entsprechen. Weiters wurde der Gesprächsverlauf dargestellt und analysiert und schlussendlich wurden die Interviews ausgewertet und interpretiert.
Durch das Interview mit Betroffenen selbst, sollte versucht werden, einen empirischen Zugang zur sozialen Wirklichkeit zu erlangen und die Einzelperson ins Zentrum der Untersuchung zu stellen. Er/Sie sollte zu "verbalen" Informationen bewegt werden, da für die Untersuchung solche Informationen sehr wichtig sind. Der Befragte konnte seine Gedanken mit eigenen Worten und eigenen Gesten zum Ausdruck einbringen und vermittelte dabei direkt einen Einblick in seine Wirklichkeit. Die Themen wurden mittels offener Fragen gestellt und durch erzählende oder berichtende Antworten behandelt. Der/ die Interviewte konnte frei antworten, ohne vorgegebene Antwortalternativen. Ziel war es, die subjektiven Erfahrungen der befragten Personen in bestimmten Situationen zu erfassen. Die Interviews wurden im Zeitraum von September 2005 bis Mai 2006 durchgeführt. In Absprache und mit Einwilligung der InterviewpartnerInnen wurden die Interviews mittels Tonband aufgezeichnet. Durch eine audiovisuelle Aufzeichnung erfolgte die Datenerfassung, ganzheitlich ohne Reduktion auf verbale Äußerungen. Damit wurden auch Lachen, Räuspern, Zögern, Redepausen aufgezeichnet. Die aufgezeichneten Daten konnten beliebig reproduziert werden und nonverbale Elemente konnten ebenso zur Interpretation herangezogen werden.
Der Interviewleitfaden wurde sehr ausführlich gestaltet und beinhaltete zu Beginn Fragen zur Person und der momentanen beruflichen und persönlichen Lebenssituation. Diese Einstiegsfragen dienten dem Aufbau einer Vertrauensbasis, führten das Gespräch sukzessive auf das beabsichtigte Thema hin und stellten somit sicher, dass sich der/die InterviewpartnerIn nicht aus einem Gefühl der Überforderung heraus aus dem Gespräch "verabschiedet". Die Vielzahl der Fragen, insbesondere Fragen, die in leichter Abwandlung auf den gleichen oder ähnlichen Themenbereich abzielten, dienten dazu, den/die InterviewpartnerIn im Falle abschweifender Antworten wieder auf das eigentliche Thema zurückzuführen bzw. unpräzise oder fehlende Antworten durch Änderung der Fragestellung zu korrigieren, zu erhalten oder zu präzisieren. Diese Vorgangsweise hat sich in vielfacher Weise in den konkreten Interviewsituationen als äußerst positiv erwiesen.
Anzahl: Alter: Geschlecht:
1. Wann und wo sind Sie geboren?
2. Welche Sprache wird bei Ihnen in der Familie gesprochen?
3. Welchen Beruf hat Ihr Vater/Ihre Mutter?
4. Wie viele Geschwister haben sie?
Fragen zur aktuellen Situation
5. Wie ist ihre Lebenssituation zurzeit?
6. Wo wohnen Sie?
7. Wo sind Sie zurzeit beschäftigt?
8. Welche Hobbys haben sie? Was machen Sie in ihrer Freizeit.
Fragen zur Schulzeit
9. In welche Schule(n) sind Sie gegangen?
10. Sind Sie gern zur Schule gegangen?
11. Haben Sie noch Freunde aus der Schulzeit?
12. Hatten Sie bereits als Schüler einen Berufswunsch? Welchen?
13. Welche Art von Berufsberatung hatten sie in der Schule?
14. Warum besuchten Sie eine Sonderschule?
Fragen zurzeit in der Berufsvorbereitung
15. Wann kamen Sie in diese Institution?
16. Wer oder Was war ausschlaggebend bei der Auswahl?
17. Welches Gefühl hatten Sie am Beginn des Arbeitstrainings?
18. Was haben Sie sich am Anfang des Arbeitstrainings vorgestellt?
19. Wie sind Sie mit der Berufsvorbereitung zufrieden?
20. Wie ist das Essen-Arbeitsplatz- Wohnen?
21. Was wissen Sie über die Berufsvorbereitung?
22. Was gefällt Ihnen? Was gefällt Ihnen besonders gut?
23. Was würden Sie verbessern?
24. In welchen Arbeitsbereichen waren Sie tätig?
25. Wie war/ist ihr AssistentIn? Freundlich? Unterstützend?
26. Was wünschen Sie sich zusätzlich von Ihren AssistentInnen?
27. Was an Unterstützung benötigen sie?
28. Wie kommen Sie mit den anderen TeilnehmerInnen aus?
29. Haben Sie neue Freunde/Freundinnen gefunden?
30. Wünschen Sie sich einen Praktikumsplatz?
31. Wünschen Sie sich einen Arbeitsplatz? Welchen?
32. Wie sieht ihre Mitbestimmung/Selbstbestimmung aus?
33. Welche Ängste begleiten Sie bei einem Berufseintritt?
34. Wie sieht die finanzielle Situation aus? Bzgl. Arbeitseintritt?
35. Wie war das Praktikum? Ihre Aufgabenliste?
36. Durften Sie bei der Auswahl mitbestimmen?
37. Was hat Ihnen gefallen/nicht gefallen?
38. Wie wurden Sie vorbereitetet bzw. unterstützt?
39. Was könnte an Unterstützung verbessert werden?
40. Wie war Ihr Chef/Ihre Chefin?
41. Wie waren Ihre KollegInnen? Das Arbeitsklima?
42. Welche Probleme gab es? Wer hat Ihnen geholfen?
43. Wie hoch ist Ihre Motivation in die Arbeitswelt einzusteigen?
44. Welche Ängste begleiten Sie?
44a. Wie war der erste Arbeitstag? Ihr Gefühl?
44b. Wie war der erste Arbeitstag? Gefühl? Begleitung?
45. Wo arbeiten Sie zurzeit?
46. Wie sieht Ihre derzeitige Aufgabe aus?
47. Wie gefällt Ihnen Ihre Tätigkeit?
48. Wie gefällt Ihnen "Arbeiten"? Wie ist das Gefühl?
49. Haben Sie Freunde/FreundInnen am Arbeitsplatz gefunden?
50. Wie ist Ihr Verhältnis zum Chef/zur Chefin?
51. Wie ist Ihr Verhältnis zu den KollegInnen?
52. Wer unterstützt Sie in Ihrer Arbeit?
53. Wenn es Probleme gibt, wohin wenden Sie sich? An wen?
54. Was würden Sie an Ihrer Situation am Arbeitsplatz ändern bzw. verbessern?
55. Wie kommen Sie zu Ihrem Arbeitsplatz?
56. Wie lange ist Ihre Arbeitszeit?
57. Wie viel ist das Gefühl Geld zu verdienen Sie?
58. Sind Sie mit Ihrem Verdienst und Ihrer Arbeit zufrieden?
59. Würden Sie sich mehr Unterstützung wünschen? Welche?
60. Wie fühlen Sie sich in Ihrer Arbeit?
61. Was hat sich für Sie alles verändert?
62. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Situation?
Welche Wünsche haben Sie an die Zukunft?
a) berufliche Situation:
dabei sollten Menschen mit besonderem Förderbedarf in drei Kategorien erfasst werden:
1. Personen in Qualifizierungsprojekten
2. Personen in integrativer Berufsausbildung
3. bereits in den Arbeitsmarkt integrierte Personen
b) Geschlecht:
das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen InterviewpartnerInnen sollte weitestgehend ausgeglichen sein
c) Kulturkreis:
die Auswahl erfasst Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen
Es bestand zunächst die Annahme, dass auf Grund der unterschiedlichen persönlichen Ausgangslage auch die erlebten Erfahrungen und Vorstellungen bezüglich beruflicher Integration unterschiedlich sein können.
Bei der konkreten Auswahl der InterviewpartnerInnen lag der Fokus zunächst bei den verschiedenen Qualifizierungsprojekten. Die Vernetzung innerhalb des Moduls und auch auf EP-Ebene erwies sich diesbezüglich als sehr hilfreich, wodurch entsprechende Kontakte rasch hergestellt und geeignete GesprächspartnerInnen gefunden werden konnten.
Es wurden im Zeitraum von August 2005 bis Juni 2006 70 Interviews geführt. Die Geschlechterausgewogenheit ist mit 36 weiblichen und 34 männlichen InterviewpartnerInnen gegeben.
Zwei Drittel der Befragten nehmen an Qualifizierungsprojekten teil, ein Drittel der Interviewten ist bereits beruflich integriert, entweder in einer integrativen Berufsausbildung oder an einem Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt. 46 Personen, jeweils 23 junge Männer bzw. Frauen wurden in den verschiedenen Qualifizierungsprojekten befragt.
Bereits in der Arbeitswelt integriert - entweder in integrativer Berufsausbildung oder an einem Arbeitsplatz - wurden 24 Personen befragt. Davon waren 13 weiblich und 11 männlich, beziehungsweise befanden sich jeweils 12 Personen in integrativer Berufsausbildung und in einem festen Arbeitsverhältnis. Aus verschiedenen Kulturkreisen wurden 8 Personen befragt - 4 weiblich, 4 männlich.
Es zeigte sich, dass in Abhängigkeit von der Persönlichkeit des/der Befragten unterschiedlich gestaltete Interviewsituationen ganz wesentlich den Erfolg eines Gespräches sicherstellen können.
Die Anwesenheit einer Person des Vertrauens (BetreuerIn, TrainerIn) wirkte sich auf die Gesprächssituation durchaus positiv aus. Der/Die BetreuerIn konnte zusätzliche Motivationshilfen anbieten, Verständnisprobleme rascher erkennen und gegebenenfalls durch Änderung der Fragestellung als "ÜbersetzerIn" für Klarheit sorgen und damit die Beantwortung einer Frage ermöglichen. Prinzipiell bietet zunächst eine vertraute Umgebung - das Gespräch im tagtäglich gewohnten Umfeld - die ideale vertrauensbildende Voraussetzung für ein erfolgreiches Interview.
Die InterviewpartnerInnen waren durchwegs sehr aufgeschlossen und in der Beantwortung der gestellten Fragen offen und ehrlich. Es bereitete ihnen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum Probleme über ihre persönlichen Gefühle und Ängste bezüglich Arbeitplatz und Beruf zu sprechen. Bei sehr zurückhaltenden, introvertierten/schüchternen InterviewpartnerInnen war in besonderer Weise die oben beschriebene Interviewgestaltung von enormer Bedeutung. Das Gefühl der Unterstützung durch den/die anwesenden BetreuerIn, die Gruppensituation, in der die übrigen GesprächspartnerInnen gerne bereit waren von ihrer Situation zu berichten, sowie wiederholtes Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, führte in der überwiegenden Mehrzahl auch bei diesen InterviewpartnerInnen zu einer Entspannung der ungewohnten Situation, sodass sie sich letztlich ebenso öffnen und aktiv mitarbeiten konnten.
Bei der Gruppe - Menschen, die sich in einer integrativen Berufsausbildung befinden -wurden die meisten Interviews in Form von Einzelgesprächen, meist ohne Anwesenheit einer Vertrauensperson geführt. Der Kontakt erfolgte in der Regel über ehemalige BetreuerInnen vorangegangener Qualifizierungsprojekte, durch die oftmals die Vermittlung der betreffenden Gesprächspartner in die IBA erfolgte. Ein zweiter Schwerpunkt der Kontaktaufnahme lag im Projekt "Betreutes Arbeiten" des Aufbauwerkes der Jugend.
Die Auswahl der GesprächspartnerInnen in der Gruppe von jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf, die bereits in den ersten Arbeitsmarkt integriert sind, erfolgte ebenso zum überwiegenden Teil über Bezugspersonen vorangegangener Qualifizierungsprojekte. Bezüglich der Interviewsituation gab es sowohl Einzel- als auch Gruppengespräche. Letztere ergaben sich vor allem aus praktischen Überlegungen. Große geographische Entfernungen und Schwierigkeiten bei der gemeinsamen Terminfindung führten dazu, dass einige Interviews in Kleingruppen von 2 - 3 mit einander bekannten Personen arrangiert werden mussten. Der erlebte gemeinsame und vielfach erstmalige Erfahrungsaustausch im Zuge der im Interview gestellten Fragen kann als zusätzlicher Benefiz gesehen werden.
Auf Grund der sehr unterschiedlichen Charaktere beantworteten einige die gestellten Fragen sehr bereitwillig, gerne und ohne jegliche Aufforderung und mussten in ihren manchmal überbordenden Ausführungen etwas "eingebremst" werden, während andere dagegen sehr nüchtern und sachlich eine Frage nach der anderen "abarbeiteten" oder sehr zaghaft und schüchtern erst nach mehreren Anläufen vage zur gestellten Frage Stellung bezogen.
Als erstes wurden die geführten Interviews transkribiert. Das Material wurde in eine lesbare Form gebracht. Es erfolgte eine gemäßigte Übertragung in die Umgangssprache. Pausen, Änderung der Sprechweise, Lachen Gesichtsausdruck und andere nonverbale Äußerungen wurden ebenso festgehalten. Sämtliche sensiblen Daten wurden im Sinne des Datenschutzes anonymisiert.
Die Interviews wurden nun analysiert und interpretiert. Die Auswertung stützte sich auf die qualitative Inhaltsanalyse. Es wurden dabei Kategorien gebildet, Ankerbeispiele gesucht, das heißt konkrete Textstellen angeführt, die unter eine Kategorie fallen und als Beispiel dafür gelten Kodierregeln. Dort wo Abgrenzungsprobleme zwischen Kategorien bestanden, wurden Regeln formuliert, um eine eindeutige Zuordnung zu ermöglichen.
Weiters wurden die Interviews mit Betroffenen aus anderen Kulturkreisen nochmals getrennt voneinander analysiert, ebenso wie die Interviews mit Lehrlingen, die sich in einem "üblichen" Lehrverhältnis befinden.
Folgende Kategorien wurden gebildet:
Unterstützung/Begleitung
Selbst/Mitbestimmung
Selbstsicherheit/Selbstbewusstsein
5.6.1.1 Kategorie 1: Unterstützung
Unterstützung: Ja
Der grundsätzliche Tenor des weitaus größten Teils der Befragten war ein klares JA für den Wunsch nach Unterstützung. Nur vereinzelt - 6 von 70 befragten Personen - verneinten den Bedarf nach Unterstützung.
Bezüglich des Unterstützungsbedarfes zwischen den einzelnen Interviewgruppen (in Qualifizierungsprojekten, in integrativer Berufsausbildung, in Arbeit stehend) gab es keine auffälligen Unterschiede. Das grundsätzliche "Ja" für eine Unterstützung war in allen befragten Gruppen gleich ausgeprägt.
Die Vorstellungen, in welcher Form diese Unterstützung erfolgen sollte, waren hingegen unterschiedlich. Für viele war es auch schwer, sich vorzustellen, wie es denn sein wird, wenn ich "arbeiten" gehen werde und welche Veränderungen dieser doch wesentliche Einschnitt für das eigene Leben mit sich bringen wird. In welcher Form Unterstützung benötigt wird, wie diese aussehen kann oder soll, war oft schwer vorstellbar und auch schwer zu artikulieren.
Ganz wesentlich ist den Befragten, dass die ersten Schritte in die Arbeitswelt von einer Vertrauensperson begleitet werden. Der Anfang, irgendwo ganz neu zu beginnen, ist für jeden von uns ein großer Schritt und bringt viele Veränderungen in den verschiedensten Bereichen des Lebens mit sich. Menschen mit besonderem Förderbedarf fühlen sich in solchen Situationen schneller verunsichert und hilflos. Die Begleitung durch eine vertraute Person gibt den Betroffenen das Gefühl von Sicherheit, das Gefühl neuen Herausforderungen nicht alleine gegenüber zu stehen. Durch die Anwesenheit einer vertrauten Person werden die Betroffenen gestützt und gestärkt und können sich so in einer neuen Umgebung und mit neuen Begebenheiten besser zurechtfinden und diese Situationen sehr gut meistern.
"Niemanden zu kennen", "ganz fremd zu sein", löst Ängste und Verunsicherung aus.
§ 30 "jeder Anfang ist schwer, es war schwierig, jeder Anfang ist - war sehr schwer für mich (...)." (Z200)
§ 20 " am Anfang wäre es schon gut, wenn jemand mitkommt" (Z 54f)
§ 21 "...da sind alles fremde Leute, kenne ich niemanden. Ist gut wenn noch jemand mit ist, um alles zu erklären, ist besser als ganz alleine" (Z 55f)
§ 18 "ja, am Anfang schon, da kenne ich ja niemanden und bin ganz fremd. Die erste Zeit wäre das schon gut und dann nur mehr hin und wieder" (Z56f)
§ 19 "..am Anfang will ich nicht alleine hingehen, sondern einer soll mitgehen" (Z59f)
§ 3 "..ich wünsche mir, dass jemand vom Schloss mitgeht, weil so allein, da kenne ich keinen und so, gerade am Anfang..." (Z71f)
§ 4 "...dass jemand mitkommt, am Anfang, wenn man niemanden kennt." (Z55f)
§ 33 " ..am Anfang habe ich ihn halt öfter braucht,..." (Z149)
Eine wesentliche Rolle spielt auch die Unterstützung innerhalb des Arbeitsplatzes. Wenn eine Ansprechperson vorhanden ist, fällt den Jugendlichen die Einstiegsphase leichter und sie fühlen sich schneller "heimisch" im Betrieb. Das Gefühl zu haben "für mich ist immer einer da", gibt Sicherheit und erleichtert die Eingewöhnungsphase immens. Eine große Rolle spielen auch die KollegInnen, wie diese die neuen MitarbeiterInnen aufnehmen. Stoßen die Betroffenen auf Akzeptanz und Respekt, fühlen sie sich in ihrer neuen Umgebung in der Arbeitswelt schnell wohl. Jeder Mensch möchte von seinen Mitmenschen akzeptiert und respektiert werden, dies ist ein Grundbedürfnis aller und somit keine Besonderheit bei Jugendlichen mit besondere m Förderbedarf.
§ 40 "ja, es wäre schon gut, wenn mich in der Firma jemand unterstützt." (Z 297f)
§ 42 ".. brauche nichts, vielleicht jemanden in der Firma." (Z305f)
§ 49 "..wichtig ist eine gute Teamarbeit, am Anfang braucht man sicher viel Unterstützung, aber das wird in der Firma schon sein." (Z90)
§ 48 "...mir sind nette Leute wichtig, die alles in Ruhe erklären, und ich in Ruhe nachfragen kann." (Z92f)
§ 44 "..nette Menschen sind wichtig, die man jederzeit fragen kann, und keine, die einen gleich anschreien." (Z110f)
§ 29 "..die helfen mir schon. Man muss halt hineingehen zu den Leuten und mit den Leuten reden." (Z193f) § 29 "..die Kollegen waren fein." (Z182)
§ 51 "... die Leute sind alle nett, wenn ich eine Frage habe, dann bekomme ich eine ordentliche Antwort und höre nicht du Lappin, wie daheim." (Z79)
§ 30 mehr Unterstützung? "ja von den anderen Mitkollegen, die sollen mich besser aufnehmen." (Z209)
Eine regelmäßige Unterstützung durch eine v e r t r a u t e Bezugsperson ist den meisten Befragten wichtig. Dabei spielt das aus der bisherigen Zusammenarbeit aufgebaute Vertrauensverhältnis eine zentral e Rolle. Probleme und Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, persönliche Sorgen und Ängste können dadurch viel leichter und freier an/ausgesprochen werden. Die Aussage von InterviewpartnerInnen zeigen, dass sich die Befragten nicht "irgendeiner" BetreuerIn anvertrauen könne n, sondern ein persönlicher Bezug un d Vertrau en z u der Person, die sie betreut, wesentlich ist.
§ 35 "..regelmäßig soll jemand vorbeikommen, so einmal in der Woche soll jemand schauen, mit mir reden und mit dem Chef reden." (Z161)
§ 59 "ja, die sehe ich immer noch." (Z78)
§ 12 "ab und zu hat er dann noch vorbeigeschaut, ja, das war gut." (Z30)
§ 5 "ja, da soll oft einmal jemand vorbeischauen." (Z59)
§ 33 " mein Jobcoach. Am Anfang hat er mich unterstützt, jetzt kommt er einmal die Woche hinauf." (Z137)
§ 51 "da ist der F. gewesen, aber wie er gesehen hat, dass es gut lauft ist er nicht mehr gekommen." (Z108)
§ 13 "sie war nicht meine Betreuerin, schon Betreuerin, aber nicht fix, da habe ich mich nicht getraut." (Z162)
Auch eine regelmäßige Betreuung wünschen sich die interviewten Personen. Einige wenige hatten d a s Gefühl "es hätte ein bisschen mehr sein können." In den Interviews h a t sich gezeigt, da ss der kontinuierliche Kontakt zum/zur BetreuerIn sehr hilfreich ist. Trennungsängste, das Herangehen an neue Herausforderungen und die Besprechung von konkreten Problemen am Arbeitsplatz können dadurch effizienter und rascher besprochen werden.
§ 55 "ich hätte mir schon gedacht, dass sie öfter kommen würde." (Z74)
§ 14 "da ist niemand gekommen, das wäre schon gut gewesen, wenn einmal jemand gefragt hätte, wie es so geht." (Z95)
§ 54 "ja, aber nicht mehr regelmäßig. Am Anfang wars einmal die Woche und jetzt ist es, wenn ich Probleme habe oder so, dann rufe ich an oder geh im Büro vorbei." (Z47)
§ 11 "ja, um diverse Sachen zu reden, ja, auch wenn ich oben die Möglichkeit gehabt habe, aber er ist meine Bezugsperson. Ich kann mit dem Chef reden, ja, hätte ich schon können. Aber wenn ich den Chef erst zwei Tage kenne und den B. schon 6-7 Jahre kenne, dann habe ich zu ihm mehr Bezug, in dem Fall." (Z96ff) Eine Ansprechperson in der Firma, "das habe ich ein bisschen vermisst, meine Ansprechperson war der B. Da hat man auch nicht so das Vertrauen am Anfang." (Z108f)
§ 48 "Und wenn es einmal Schwierigkeiten gibt, hole ich mir Verstärkung von einem Betreuer, das wäre auch später noch gut." (Z97)
§ 63 "ja, am Anfang hat er mich noch betreut, und wegen verlängerter Lehre oder so, und dann haben wir noch auf das Halbjahreszeugnis gewartet, aber wir haben uns für drei Jahre entschieden, weil ich kann es auch in drei Jahren schaffen. Wenn es Probleme gibt, kann ich jederzeit bei ihm anrufen." (Z131ff) "...war sehr gut, eine tolle Chance, und die habe ich genützt." (Z137)
Einige der Befragten, waren sich sicher, dass sie keinerlei Unterstützung benötigen, hauptsächlich trafen di ese Aussagen auf Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und junge Menschen, die ein Lehrverhältnis nicht beendet hatten, zu. Eine Interviewte äußerte sic h eindeutig, dass sie n u r bei der Suche einer Arbeitsstelle Hilfe und Unterstützung benötigt. Hilfe annehmen oder eine Unterstützung zu benötigen, ist für diese Jugendliche ein Zeichen von Schwäche und Hilflosigkeit. "Es selber z u schaffen" ist wichtig, man ist doch "alt genug" und "eh schon erwachsen".
§ 41 "na, ich brauche niemanden." (Z300)
§ 49 "von außerhalb brauche ich niemanden, das will ich alleine schaffen..." (Z91)
§ 47 "Unterstützung brauche ich keine, weil ich einen Mund zum Reden habe,
und wenn ich einmal Hilfe brauche, dann hole ich den Chef oder die
Chefin." (Z100)
§ 64 "nein, nicht so, da unterstütze ich mich selber." (Z74)
§ 38 "mit dem Suchen brauche ich Hilfe, aber dann, wenn ich wo bin, dann nicht." (Z281)
§ 47 "... Unterstützung wäre schon fein, bin aber alt genug, um es selber zu schaffen, da hat man ein besseres Gefühl." (Z95)
Manchen fällt es schwer die Art und Weise der Unterstützung in Worte zu fassen. Die Bedeutung des Wortes wird von de n Interviewten verschieden verstanden.
§ 68 "... ja, eine Unterstützung halt, ja irgendeine Hilfe." (Z32) § 67 "... so eine kleine Unterstützung wäre schon gut." (Z122)
Bei den Lehrlingen, welche sich in verlängerter Lehre oder Teilqualifizierung befinden, war die Lernunterstützung ei n wesentlicher Punkt. Mit Schule bzw. Lernen verbinden viele Interviewten Angst vor Versagen und negative Erfahrungen mit Lehrpersonen. Nachhilfe erleben die SchülerInnen als große Hilf e und Erleichterung um d e n Schulalltag bewältigen zu können.
§ 63 " Man kann schon sagen gut, aber halt - es kommt auf die Fächer darauf an." (Z48)
" in der Schule nicht, nur die Nachhilfe" (Z54)
§ 59 " kommt darauf an. so mit Lernen und Nachhilfe, manchmal kann ich am Nachmittag nicht weggehen. Ich habe mit dem Chef geredet, er ist schon einverstanden, aber ich kann nicht immer weggehen unter der Arbeitszeit. Er versteht es schon bei mir. Ich muss die Stunden, dann am Freitag nachholen. Am Freitag habe ich von acht bis drei Arbeitszeit, ganz normal und dann noch nachholen die Stunden von der Nachhilfe. Ja, es geht so, ist schon anstrengend." (Z110ff) "manchmal bin ich unsicher, ob das kann, ob ich -, ich bin schon sehr unsicher wegen Schule und Arbeit. Manchmal fühle ich mich durcheinander..." (Z85ff) "..helfen mir, und der Chef hilft mir mit Buchhaltung und hat mir Sachen ausgedruckt und Tests gemacht." (Z89ff)
§ 58 "ja, ja, ich tue mich ein bisschen schwerer. Sie ist ziemlich schwer, ich bekomme Nachhilfe weiter oben, zweimal in der Woche. Hilft aber auch nicht viel. Ja, es geht schon, halbwegs,(...) aber ich muss etwas tun, damit ich positiv bin." (Z98ff)
§ 54 " ich habe einen Stützlehrer in Buchhaltung und Kaufmännisch Rechnen. Die Lehrer gehen mehr auf uns mehr ein, da sind noch zwei, die eine verlängerte Lehre machen. (...) Am Dienstagnachmittag habe ich Nachhilfe." (Z22ff)
§ 35 " vor der Schule (größte Angst) (...) vor der Berufsschule, dass ich sie nicht schaffe, davor habe ich die meiste Angst. Vorm Chef habe ich keine Angst, aber vor der Schule." (Z165f)
§ 24 " am Anfang war es schon ziemlich zach vom Stoff. Aber wenn man voll mittut, geht's schon. War schon ziemlich viel. Nachhilfe haben wir gehabt, war gut, hat schon etwas gebracht, viel nicht - für mich halt nicht so." (Z3f)
§26 "Die Schule war so schwer. Ich habe daheim auch viel gelernt, am Wochenende und so und wenn dann ein anderes Beispielt gekommen ist, war es schwer." (Z26)
"Ja, man kann schon sagen, dass es genützt hat, aber irgendwie auch nicht, weil ich nicht durchgekommen bin.Aber vielleicht besser als ohne." (Z66f)
Die Schule wird von allen Befragten als ein notwendiges Übel gesehen. Es muss sein, weil die Schule zum Abschluss dazugehört. Das Thema "Schule" ist für die meisten Interviewten mit Problemen behaftet. Die Arbeit hingegen macht allen Spaß. Die Lehrlinge, die in einem Block die Schule absolvieren mussten, waren sehr froh, endlich wieder arbeiten zu dürfen. Sie fühlten sich in der Arbeitswelt wesentlich wohler als im Schulalltag.
Viele der Befragten fühlen sich gut unterstützt bzw. begleitet und sind sehr zufrieden mit ihrer derzeitigen Situation. Die meisten Antworten diesbezüglich waren kurz und prägnant. "passt alles", "alles sehr gut", "ich bin sehr zufrieden", "alles okay". Die Unterstützung vor, während und nach einem Eintritt in die Arbeitswelt ist ein wesentlicher Wunsch meiner InterviewpartnerInnen.
5.6.1.2 Kategorie 2: Selbstbestimmung/Mitbestimmung
Das Herausfiltern von haltbaren Informationen bezüglich Selbst-, Fremd- oder Mitbestimmung ist nicht umfassend gelungen. Viele der Befragten konnten nicht aussagekräftig beurteilen, ob bestimmte Veränderungen oder Ereignisse ihres Lebens selbst-, fremd- oder mitbestimmt waren.
Wenige InterviewpartnerInnen sagten klar aus, dass sie nicht direkt gefragt wurden, sondern die/der BetreuerIn für sie die Auswahl getroffen haben bzw. hätten. Es bleibt auch hier die Frage offen, ob es nicht ein individuelles Empfinden ist, und die Entscheidung bezüglich des Arbeitsplatzes zumindest gemeinsam mit der/dem BetreuerIn getroffen wurde. Auch waren die Befragten sehr zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz und mit ihrer Gesamtsituation.
§ 1 "da habe ich mir nicht viel können aussuchen" (Z105)
§ 51 "aber es heißt, da hast du eine Arbeit und nimm und du wirst nicht gefragt" (Z 70)
Einige InterviewpartnerInnen waren sehr selbstbewusst und selbstständig und konnten ihre Wünsche und Vorstellungen klar artikulieren. Eine Befragte organisierte sich alleinverantwortlich eine Arbeitsstelle, eine Wohnung und die Begleitung durch den Verein "Selbstbestimmt Leben Initiative". Dieses Gefühl, das Leben "selbst" gestalten zu können, gab ihr unheimlich viel Kraft und Selbstvertrauen. Durch die positive Unterstützung durch ihre Betreuer, durch die Umwelt und vor allem der Eltern sah sie sich trotz aller Schwierigkeiten in der Lage, ein unabhängiges, selbständiges Leben zu führen.
§ 53 " habe ich dort die Ausschreibung gesehen und gelesen und mich beworben für die Stelle" (Z59)
§ 53 "die habe ich mir selbst organisiert, ich habe dort einfach angerufen und gesagt, ich brauche jemanden" (Z 28)
§ 53 "die eigenen vier Wände zu haben und alleine zu wohnen. Ich kann alles selber entscheiden und bin viel unabhängiger" (Z 52)
5.6.1.3 Kategorie 3: Ängste
"Welche Ängste begleiten dich bei einem Berufseintritt?" Von dieser Frage wurde ausgegangen, wobei die Formulierung je nach kognitivem Leistungsniveau der Befragten umformuliert bzw. vereinfacht wurde. Viele der Befragten gaben an, keine Ängste, Befürchtungen bzw. Bedenken bezüglich der Thematik "Arbeit" zu kennen.
§ 8 "Angst habe ich keine" (Z50)
§ 9 "na! Angst keine" (Z55)
§ 43 "keine" (Z19)
§ 51 "da war nichts" (Z104)
§ 54 " keine, es ist mir gut gegangen" (Z32)
§ 55 "na, da habe ich keine Angst gehabt, da habe ich keine Sorgen gehabt"
§ 56 "na, da war nichts" (Z93)
§ 58 "nichts" (Z151)
§ 64 "da gibt es eigentlich nichts" (Z99)
Nur wenige InterviewpartnerInnen äußerten diverse Bedenken. Auffallend dabei war die Angst Fehler zu machen. Einige Befragten fühlten sich in solchen Situationen hilflos und verunsichert.
§ 42 "Angst vor Fehler machen." (Z276)
§ 45 "ich habe Angst Fehler zu machen..." (Z115)
§ 48 "ich möchte keine Fehler machen, da steht man gleich blöd da." (Z125)
§ 49 "wenn man Fehler macht, ist man hilflos, es ist ein Desaster." (Z127)
§ 50 "ich habe auch Angst vor Fehler, hier hilft uns der F. bei Fehler." (Z127)
Eine Tätigkeit die keinen Spaß macht, Vorgesetzte und KollegInnen mit zu wenig Verständnis, werden als weitere mögliche Ursachen für Ängste formuliert.
§ 66 " vor der Küche"(Z107)
§ 65 " ein strenger Chef" (Z109)
§ 67 "am meisten Angst hätte ich vor Mobbing" (Z119)
§ 44 "dass ich zu langsam bin" (Z115)
Manche konnten ihre Ängste nicht genauer beschrieben, es fiel ihnen schwer die erlebten Gefühle in Worte zu fassen. Sie antworteten auch nach mehrmaligem Nachfragen sehr allgemein:
§ 30 "rasende Angst" (Z203) § 30 " jeder Anfang ist schwer" (Z200)
Bei einem Interviewpartner stand der unmittelbare Wechsel in die Arbeitswelt bevor und er beschrieb seine Gefühle:
§ 2 "wie soll ich das beschreiben, momentan geht's mir wie ein Vulkanausbruch. Irgendwie freu ich mich total, irgendwie habe ich Angst. (...)ich weiß nicht, ob ich gehen will, aber es ist eine große Chance, die muss ich nützen." (Z62f)
Der Wechsel in die Arbeitswelt bedeutet einen enormen Einschnitt und ist mit großen Veränderungen verbunden. Raus aus der gewohnten Umgebung, weg von vertrauten Personen und Freunden, hin zu Neuem und vielfach Unbekannten ist zwangsläufig mit viel Unsicherheit und Ängsten verbunden. Der Wechsel in die Arbeitswelt bedeutet eine große Veränderung: raus aus der gewohnten Umgebung; weg von den Freunden, die man in den Qualifizierungsprojekten gefunden hat; weg von der gewohnten und vertrauten Umgebung. Ein neuer Anfang steht bevor und bringt viel Unsicherheit mit sich. Das Loslassen von Gewohntem hin zu Neuem ist ein Einschnitt und bringt gewisse Ängste mit sich.
Auch der Verlust von Arbeit ist ein Thema und macht Angst. Eine neue Arbeitsstelle heißt wieder neu anfangen, neue Situation, neue Leute, wieder eine große Umstellung.
§ 51 "dass ich meine Arbeit behalten kann. Wenn er zusperrt, wird er es mir wohl früh genug sagen, dass ich etwas anderes suchen kann."(Z142)
§ 33 "dass ich einmal länger bleiben kann, nicht nur ein halbes Jahr, sondern länger. Immer die Umstellung ist auch nichts." (Z264)
Wenige der Befragten kannten ihre Situation bezüglich Finanzierung, Förderungen und Unterstützung. Nur ein einziger Interviewpartner erklärte mir, dass seine Arbeitsunfähigkeitspension seine Lebensversicherung ist, er jedoch dadurch nur noch ein geringfügiges Dienstverhältnis eingehen kann. Die Suche nach einem Arbeitsplatz wird dadurch erschwert.
§ 28 "da muss man eine Lösung finden, dass ich geringfügig eine Beschäftigung bekomme. Weil die Pension meine Lebensversicherung ist, wenn ich die aufgibt, die Pension, und der Arbeitsplatz, er sagt..., er braucht mich nicht mehr, dann stehe ich ohne alles da..."(Z32)
5.6.1.4 Kategorie 4: Motivation
Wollen Menschen mit erhöhtem Förderbedarf überhaupt in den ersten Arbeitsmarkt? Und wenn ja, warum? Welche Vorstellungen stecken dahinter?
Ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt in der Frage der Motivation kristallisierte sich gleich zu Beginn heraus und wurde während des gesamten Interviewprozesses immer wieder bestätigt. Es kristallisierte sich gleich zu Beginn ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt heraus und bestätigte sich durchgehend. "Eigenes Geld verdienen", ist für den Großteil der Befragten sehr wichtig. Geld bedeutet Unabhängigkeit, Selbständigkeit und bringt somit auch mehr Selbstbewusstsein. Ei genes Geld zu verdienen heißt, sic h "normal" zu fühlen, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein.
§ 13 "eine Arbeitsstelle täte ich mir gern wünschen" (Z181) "ja, dings da krieg ich nur € 22,-- in der Woche und draußen bekomme ich mehr, einen richtigen Lohn" (Z182 f)
§ 33 "ich möchte mein eigenes Geld verdienen, da kann ich machen was ich will, mir leisten was ich will, dann kann ich auf Urlaub fahren." (Z265)
§ 48 "Geld ist etwas vom wichtigsten, das braucht man" (Z141)
§ 54 "ich will Geld verdienen, Geld macht unabhängiger, und man muss auch Verantwortung tragen im Umgang mit Geld." (Z58)
§ 55 "ist schon gut, ein eigenes Geld zu verdienen" (Z174)
§ 65 "Geld verdienen. Es verändert sich dann wohl einiges und meine Zähne werden operiert und wenn ich arbeiten gehe, dann kann ich auch reisen, auf Urlaub fahren und dann eine eigene Wohnung und ein Auto..." (Z137)
§ 68 "das Leben wird besser, dass ich mehr Geld habe" (Z130)
§ 67 "dann kann ich später einmal mein Leben selber in die Hand nehmen, ich finde das irgendwie besser" (Z133)
§44 "Geld verdienen ist nicht der wichtigste Grund für eine Arbeit, sondern viel mehr, dass man eine Aufgabe hat und eine Beschäftigung." (Z136)
Einen Arbeitsplatz zu haben bedeutet den Befragten sehr viel. Geprägt von unserer Leistungsgesellschaft, d a ss nur ein "arbeitender" Mensch ein vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft ist, streb en auch die Befragten auf d e n ersten Arbeitsmarkt.
Arbeit ist identitätsstiftend und das Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft ist wichtig, um sich nicht mehr so "Behindert" zu fühlen, sich nicht mehr so als "Außenseiter" zu fühlen, nicht mehr so am Rande zu stehen und ausgegrenzt zu werden.
§ 35 "ich täte sogar auf Weihnachts- verzichten,..., auf Weihnachten und Geschenke und alles..."(Z 188)
§ 64 "aus ganzem Herzen"(Z60)
Jugendliche, in integrativer Berufsausbildung, waren sich des Stellenwertes einer Ausbildung, der erfolgreichen Absolvierung der Berufsschule sehr bewusst. Alle Befragten äußerten sich positiv über Nachhilfeangebote aller Art.
§ 61 "sehr wichtig, weil sonst bist dein lebtaglang ein Dodel" (Z45)
§ 59 "man braucht die Ausbildung, einen Abschluss, das ist schon wichtig." (Z57)
§ 54 "mir ist es extrem wichtig, die Lehre gut abzuschließen und hoffe, dass ich danach leichter einen Job bekomme" (Z60)
§ 60 "Ich wollte arbeiten, ich kann nicht daheim sitzen, ich bin ein Arbeitstier, ich bin gewöhnt zu arbeiten. Ich habe in die Schulferien gearbeitet." (Z107)
5.6.1.5 Kategorie 5: Akzeptanz
Das Gefühl von Akzeptanz und Annerkennung ist für das eigene ICH, das Selbstbewusstsein jedes einzelnen ganz wesentlich. Werde ich als Person akzeptiert, stärkt das auch mein Selbstbewusstsein. Auch die Freude am Arbeitsplatz mit der Arbeit geht Hand in Hand mit der Akzeptanz durch meine Chefleute, durch meine KollegInnen. Einige der InterviewpartnerInnen haben die Akzeptanz direkt angesprochen. Nicht akzeptiert zu werden verursacht auch Angst und Unsicherheit und n a gt am Selbstbewusstsein.
§ 2 "ich wünsche mir von meinen neuen Kollegen, dass sie mich so akzeptieren, wie ich bin." (Z90)
§ 51 " da werde ich so genommen, wie ich bin, ganz normal" (Z97)
§ 33 " am Anfang habe ich mir schon gedacht, wie wird das gehen, wie nehmen
mich die Leute auf? Aber die Leute haben mich ganz normal
aufgenommen." (Z123)
§ 33 "super, so bärig, der Chef hat gesehen, dass ich nicht so lang stehen kann, hat er mir extra einen Sessel hinein gestellt..." (Z143)
§ 55 "ich habe zu meine Chefleute schon gesagt, da gehe ich nicht mehr weg, da passt es mir, das habe ich ihnen schon gesagt." (Z97)
Sobald sich das Gefühl einstellt, nicht so angenommen zu werden, wie man das gerne hätte, entwickeln sich Probleme, die oftmals in einen Arbeitsplatzwechsel
§ 49 "es waren zu viele Frauen und die ständigen Nörglereien von den Frauen waren schwer auszuhalten" (Z35)
5.6.1.6 Kategorie 6 : Selbstsicherheit/Selbstbewusstsein
Bei jenen Befragt e n, die sich bereits in der Arbeitswelt befanden, war ein größere s Maß an Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein eindeutig feststellbar. Auch wen n einigen die Begriffe Selbstsicherheit /Selbstbewusstsein nicht unmittelbar geläufig waren, konnte durch ihr Auftreten, ihre Mimik und Gestik eindeutig darauf geschlossen werden.
§ 8 "super" (grinst) (Z44) § 9 "gut" (strahlt) (Z165)
§ 53 "aber ich bin jetzt unabhängiger und habe mehr Geld und bin nicht mehr auf die Eltern angewiesen!" (Z48)
§ 64 "ich fühle mich gut, habe mehr Respekt seit der Arbeit und auch die anderen haben mehr Respekt." (Z96)
§ 13 "eine richtige Arbeit ist halt doch mehr!" (Z254)
Anhand der folgenden Interviewpassage lässt sich gut ableiten, dass eine zufriedenstellende Arbeitssituation das Selbstbewusstsein stärken und die Person sich weiterentwickeln lassen kann. Erfolgreiche Problemlösungen geben Sicherheit und Mut und helfen die Angst und Scheu vor neuen Kontakten oder Gespräch e n zu reduzieren.
§ 33 "wie ich beim ersten Job angefangen habe, habe ich schon Probleme gehabt, aber mit Problemen lernt man, da bin ich einfach hineingekommen. Dann beim jetzigen Job haben's mich ganz lieb aufgenommen. Da habe ich überhaupt keine Probleme, man muss einfach mit die Leute zusammenkommen und reden mit die Leute, so lernt man einfach Leute kennen, immer wieder neue Leute." (Z127)
§ 33 "alle so nett, so nett, alle, normalerweise gehört Privates nicht in die Arbeit. Aber wenn mein Chef sieht, dass es mir nicht gut geht, kommt er her und redet mit mir, weil er möchte, dass es mir gut geht, auch wenn es nicht hinein gehört in die Arbeit." (Z163)
§24 "wir sind jetzt viel selbständiger. Die ersten drei vier Monate haben immer fragen müssen und wir haben uns nicht ausgekannt." (Z20f)
Selbständigkeit und damit verbunden Selbstsicherheit stellen sich mit der Zeit ein. Es ist ein Prozess, dem die positive Aufnahme in der Firma, sowie die persönliche positive Einstellung zur Arbeit vorausgehen. Das Wissen Arbeiten eigenständig und ohne laufende Hilfe verrichten zu können, gibt viel Selbstsicherheit und stärkt das Selbstbewusstsein.
5.6.1.7 Kategorie 7: Persönliche Veränderungen
Es ist den meisten Befragten schwer gefallen zu berichten, was sich in ihrem Leben durch den Berufseintritt verändert hat. Alle Befragten empfanden diesen Schritt einheitlich als gut und fühlen sich mit der momentanen Arbeitssituation sehr wohl. Die Verbalisierung war für die meisten Interviewten sehr schwer.
"Es ist super", "passt so", "alles in Ordnung", lautete der Tenor.
Wie bereits in der Kategorie "Motivation" ausgeführt, spielt das Geld auch hier eine zentrale Rolle. Eigenes Geld zu verdienen führt zu positiv empfundenen Veränderungen. Man betrachtet sich als unabhängig, kann kaufen was, man will, ist selbständig und hat somit irgendwie das Gefühl, "normal" zu sein.
§ 53 "ich bin froh um diese Veränderung, es war ein großer Schritt und es ist super hier." (Z43)
§ 65 "ich muss nicht mehr um Geld betteln," (Z65)
Aber die Selbständigkeit, die die Jugendlichen durch die Arbeit aufbauen, bringt auch gewisse Nachteile mit sich. So vermissen einige der Jugendlichen den
sozialen Kontakt von früher.
Der Kontakt zur "Peergroup", den sie in den Qualifizierungsprojekten täglich erlebten, fällt in der Arbeitswelt größtenteils weg. Die sonstigen sozialen Kontakte sind jedoch meist sehr spärlich.
§ 57 "die Jugendlichen sind nicht mehr" (Z212)
§ 56 "ja, manchmal gehen mir die Freunde von hier ab" (Z232)
Lehrlinge, in einer integrativen Berufsausbildung, erleben beim Übergang von Schule ins Berufsleben, dass sich die persönliche Freizeit reduziert und das "Arbeiten" viel Platz einnimmt.
§ 59 "weniger Freizeit, nur mehr am Wochenende." (Z105)
5.6.1.8 Verschiedene Kulturkreise im Vergleich
Es gibt kaum Unterschiede hinsichtlich des Vergleiches der verschiedenen
Kulturkreise.
Das Thema Unterstützung wurde ebenso bejaht, wie beim Großteil der übrigen Befragten.
§21 "da sind alles fremde Leute, kenne ich niemanden. Ist gut wenn noch jemand mit ist, um alles zu erklären, ist besser als ganz alleine." (Z55)
§ 22 "ich will auch, dass jemand mitgeht" (Z57)
Ebenso ist die Angst Fehler zu machen ist im gleichen Maß vorhanden.
§ 45 "ich habe Angst Fehler zu machen, beim Buchbinden war ich zu langsam" (Z117)
§48 "ich möchte keine Fehler machen, da steht man gleich blöd da." (Z125)
Die Wünsche für die Zukunft blieben bei allen Befragten offen. Es gab nur vage und diffuse Vorstellungen, wie ihre Zukunft aussehen sollte. Nur ein Mädchen äußerte den Wunsch zurück in die alte Heimat zu wollen und sich um die Familie zu kümmern.
§ 45 "Heiraten ist noch zu früh, möchte in der Türkei mit eigener Familie leben, und mich um Eltern und Schwiegereltern kümmern." (Z150)
5.6.1.9 Vergleich mit Lehrlingen
Der erste Eindruck bei den Interviews mit Lehrlingen ergab keine wesentlichen Unterschiede zu anderen Befragten. Eine gute Lehrstelle zu finden, die einem Spaß und Freude bereitet ist wichtig, aber auch schwierig. Bei kaum einem der Befragten stand ein konkreter Berufswunsch im Vordergrund. Die Hauptgründe einen Lehrplatz anzunehmen, lagen nicht nur in der Verfügbarkeit, sondern ganz wesentlich in der Erreichbarkeit des zukünftigen Arbeitsplatzes. Häufig wurde es auch mehr dem Zufall überlassen: "probieren wir es einmal, dann werden wir schon sehen". Ob es das Richtige war, stellte sich immer erst nach einiger Zeit heraus.
Unterstützung wurde auch von den Lehrlingen begrüßt. Chefleute bzw. KollegInnnen, die die Jugendlichen je nach Bedarfsfall mehr oder weniger unterstützen, waren notwendig und wichtig. In der Anlernphase bzw. beim Neueinstieg war jeder von ihnen auf einem einfühlsamen Lehrherrn angewiesen und die Jugendlichen schätzten auch die Unterstützung, die sie bekamen. Bei Problemen können sich diese Jugendlichen selbst besser vertreten. Sie gehen direkt zu ihrem Vorgesetzten und reden Dinge an oder besprechen es im elterlichen Umfeld und suchen mit Hilfe der Eltern eine Lösung. Sie sind diesbezüglich selbstbewusster und selbstsicher er als Jugendliche mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Eine Hilf e von außen ist meist nicht notwendig.
L1 "dadurch dass wir für die HTL immer ein Praktikum gebraucht haben für die Schule. Da war ich immer bei der Firma gewesen und dann habe ich gesagt, dass ich es lassen möchte. Dann bin ich in die Firma fragen gegangen. Ich habe mir gedacht, ich lasse es, wenn ich anfangen kann.(...) Dann haben sie gesagt ich kann anfangen, weil sie mich eh schon kenne. Und das war gut so, es war fein, dadurch dass ich alle gekannt habe, weil erst mit 18 eine Lehre anfangen, ist nicht so leicht. Aber es hat gleich gut gepasst und habe mich gleich eingelebt." (Z34ff)
" ja, schon die Schule hat mich schon interessiert, ich wollte zuerst schon Schule gehen und dann ist mir das Lernen zuviel geworden. Und das war nicht das erste Mal, wo ich so ein Tief hatte, die sind immer mehr geworden. Die zweite Alternative wäre Koch gewesen, da hätte ich auch ein Angebot gehabt, aber von der Schule her, hatte ich in der Baubranche schon Vorkenntnisse, wo ich schon etwas weiß. Ich habe für mich das Richtige getan, ich möchte auch nicht mehr zurück in die Schule, na ich möchte nicht mehr tauschen, um kein Geld der Welt." (Z79ff)
"wenn es was gibt, gehe ich zum Bauleiter, gleich ausreden und ein bisschen herumkopfen und dann kommt man schon auf einen grünen Zweig." (Z134f)
"Ja, die Gesellenprüfung machen und Baras ist auch noch und dann einmal alle Führerscheine machen und dann ein paar Jahre am Bau arbeiten und Erfahrung sammeln. Und dann wird man sich sicher weiterentwickeln oder dazwischen einmal etwas ganz anderes tun." (Z228)
L 2 "Zuerst wollte ich Mechaniker werden und wie ich dann in der Landwirtschaftlichen Schule war, haben wir Haus gebaut und da habe ich mir gedacht, das gefällt mir." (Z62)
"Ich bin gleich gut hineingekommen, den Gesell auf dem Bau habe ich vorher noch nicht gekannt, aber ich bin gleich gut aufgenommen worden." (Z66f)
"Angst? Ja, dass ich nicht hineinkomme in die Arbeit, dass ich kein Handwerker bin. Ich habe ja nicht gewusst, ob das für mich das Richtige ist oder ob ich mich ins Büro setzen soll. Oder ob mich Arbeitskollegen als Volltrottel hinstellen." (Z108f) Bei Problemen: "zum Gesellen als erster" (Z172)
"Wenn ich fertig gelernt habe, dann mache ich nur noch Zimmerer. Das weiß ich schon und dann vielleicht Polier und wer weiß vielleicht die Meisterprüfung. Aber zuerst brauche ich sowieso zwei Jahre Praxis, dass ich dann die Polierschule machen kann. Irgendwo in ein Büro sitzen und Bauleiter, das glaube ich nicht. Ich werde am Bau bleiben" (Z218)
5.6.1.10 Vergleich unter dem Aspekt Gen der Mainstreaming
Auffallend bei der Auswertung war, dass bezüglich beruflicher Integration ,keinerlei geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt werden konnten.Auf ihren Weg in den ersten Arbeitsmarkt begleiten beiderlei Geschlecht dieselben Wünsche, Ängste und Sorgen. Ebenso der Wunsch selbständig zu sein, eine Arbeit zu haben, und selbständig zu leben, in einer eigenen Wohnung, war bei beiden Geschlechtern im gleich en Maße g e geben.Überrascht hatte auch das Ergebnis, dass unabhängig vom Geschlecht der größte Teil der Be fragten eine eigene Familie gründen möchte.
Das ist die Kernaussage aller Interviews. Die Motivation für den Wunsch nach Arbeit, nach einen festen Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt, ist bei allen Befragten sehr hoch. In unserer Gesellschaft hat die bezahlte Arbeit einen sehr hohen Stellwert. Sie öffnet das Tor zu Anerkennung und Akzeptanz und Teilhabe an der Gesellschaft. Unbezahlte Arbeit, in welcher Form auch immer und sei es als Klient in einer Unterstützungseinrichtung, hat nur wenig Wert und Anerkennung, oftmals gar keine.
Selbst wenn vereinzelt versucht wird dieses verhärtete Bild in unserer Gesellschaft etwas aufzuweichen und den Betroffenen selbst ein anderes Wertesystem zu vermitteln, so ist dies nur schwer möglich. Das Geschehen rund um uns und die Wirkung von Medien und Werbung haben enormen Einfluss auf unser Leben und prägen dadurch das Bild unserer Leistungsgesellschaft in besonderer Weise. Das geht auch an den Betroffenen selbst nicht vorbei.
Die Wünsche von Menschen mit besonderem Förderbedarf an einen Arbeitsplatz unterscheiden sich nicht wesentlich von den Wünschen aller Menschen. Sie erleben die gleichen Ängste, die gleichen Befürchtungen, wie jeder andere Mensch, wie jede/r andere ArbeitnehmerIn.
Eine "richtige" Arbeit zu haben, geht einher mit Motivation, mit Akzeptanz, mit gesteigertem Selbstbewusstsein. Eine geeignete Arbeit zu finden, die Spaß macht und einem erfüllt, ist für jeden von uns ein Anliegen. Eine Kategorisierung vorzunehmen ist sehr schwierig, die einzelnen Punkte gehen fließend ineinander über.
Lediglich der Wunsch/Bedarf hinsichtlich Unterstützung beim Einstieg in den Arbeitsmarkt ist ein anderer. Der Großteil erkennt, dass sie Unterstützung benötigen, um den Weg in die Arbeitswelt zu schaffen. Dass sie diesen Weg nur mit Unterstützung schaffen werden, ist den meisten sehr genau bewusst und sie möchten, dass sie von einer vertrauten Person auf ihrem Weg in die Arbeitswelt begleitet und unterstützt werden. Kontinuität in der Begleitung und Unterstützung - vom Qualifizierungsprojekt bis zum Arbeitsplatz - ist ein großer Wunsch und gibt viel mehr Sicherheit als ein ständiger Wechsel von Bezugspersonen. Der Wunsch über die Art und Weise der Unterstützung subsidiär zu entscheiden, ist bei vielen gegeben.
Um die Eingliederung in die Arbeitswelt, in das MitarbeiterInnenteam zu optimieren, ist es genauso wichtig direkt am Arbeitsplatz eine Ansprechperson zu finden, zu der eine Vertrauensbasis aufgebaut werden kann. Wenn sich im Betrieb so eine Person findet, die den/die neue(n) MitarbeiterIn begleitet und betreut, dann benötigen die Betroffenen auch weniger Unterstützung von externen Betreuungspersonen. Mit so einem/r "MentorIn" direkt am Arbeitplatz wird der nachhaltige Erfolg der beruflichen Integration erheblich erleichtert und verbessert. Arbeitsverhältnisse, die bereits lange andauern, gehen einher mit einfühlsamen KollegInnen und verständnisvollen Vorgesetzten.
Ist der Unterstützungsbedarf optimal auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt, sind die Betroffenen einmal gut aufgenommen worden und fühlen sich wohl auf ihrem Arbeitsplatz, dann sind diese MitarbeiterInnen sehr loyal und verrichten ihre Arbeit zur Zufriedenheit aller. Viele Menschen mit besonderem Förderbedarf entwickeln einen sehr innigen, gewinnbringenden Bezug zum Arbeitsplatz.
Bei Lehrlingen, die sich in Teilqualifizierung bzw. verlängerter Lehre befinden, ist der größte Unterstützungsbedarf in der Berufsschule gegeben. Sie wünschen sich eine verlässliche Begleitung in ihrem Schulalltag. Ihnen ist bewusst, dass ohne Lernunterstützung, die Schule nur schwer zu schaffen wäre und nehmen daher jede Hilfestellung gerne an. Die Schule wird als Belastung erlebt, das Arbeiten hingegen bereitet ihnen große Freude, vorausgesetzt sie haben einen guten Lehrplatz gefunden. Diese Suche gestaltet sich nicht leicht, da die Jugendlichen immer wieder auf Grenzen stoßen; Grenzen im persönlichen Bereich, durch mangelnde Mobilität, aber auch durch die angespannte wirtschaftliche Situation der Betriebe.
"Richtiges Geld" zu verdienen ist für den Großteil der Befragten sehr, sehr wichtig und nicht nur eine Nebenerscheinung. Geld, das bedeutet unabhängig sein, selbst entscheiden zu können, somit gewinne ich mehr Autonomie und das Selbstwertgefühl der Person wird enorm aufgewertet. Da sich der größte Teil der Befragten wünscht selbst bestimmt zu leben, in einer eigenen Wohnung mit einem Partner, einer Partnerin und sich nach einem "normalen" Leben sehnt, ist das Thema Geld sehr zentral. Ohne Geld kann ich mein Leben nicht selbst in die Hand nehmen. In irgendeiner Form abhängig zu sein, widerstrebt den meisten. Daher auch der Wunsch selbst über die Form der Unterstützung, auch außerhalb des Betriebes, wie viel, in welchem Ausmaß, zu bestimmen und zu entscheiden.
Der finanzielle Aspekt ist immer wieder Thema. Nicht alle Befragten sind ausreichend über ihre finanzielle Situation und die Möglichkeiten von Förderungen, Unterstützungen, Pflegegeld, etc. informiert. Einige der Interviewten erzählten, dass ihre finanziellen Belange durch einen Sachwalter geregelt werden. Bei diesen Befragten spielte Geld nicht diese zentrale Rolle, jedoch "Arbeit" an sich - eine Aufgabe zu haben - war sehr wichtig.
Doch der Wechsel aus einer vertrauten Umgebung heraus in die Arbeitswelt ist auch von Befürchtungen und Ängsten begleitet. Jede Veränderung im Leben bringt etwas Ungewisses und Unsicheres mit sich, das beängstigt und verunsichert. Die Ungewissheit, ob die Arbeit auch das Richtige ist, ob sie mir überhaupt Spaß macht, ob die KollegInnen nett sind und die Vorgesetzten angenehm, belastet Menschen mit erhöhtem Förderbedarf mehr als andere.
Auffallend bei den Befragungen war, dass es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt. Männliche wie weibliche Befragte begleiten hinsichtlich der beruflichen Integration die gleichen Wünsche, Sorgen und Ängste. Ebenso wurde festgestellt, dass es bei den Betroffenen aus anderen Kulturkreisen keine wesentlichen Unterschiede gibt. Ihre Wünsche, ihre Ängste bezüglich beruflicher Integration sind sehr ähnlich.
Lehrlinge, die sich in einem "normalen" Dienstverhältnis befinden, werden von den gleichen Ängsten und Wünschen begleitet, wie die Betroffenen. Beim Einstieg in die Berufswelt, sind auch diese Lehrlinge auf Unterstützung innerhalb der Firma angewiesen, allerdings ist eine Unterstützung von außen nicht notwendig. Bei Problemen können sich diese Jugendlichen besser sich selbst helfen und sich besser selbst vertreten.
Die Suche nach einem geeigneten Lehrplatz ist gleichsam nicht einfach. Grenzen sind durch mangelnde persönliche Vorstellungen sowie wirtschaftlichen Gegebenheiten gesetzt. Die wenigsten jungen Menschen haben bereits in ihrer Schulzeit einen ausgeprägten Berufswunsch, den sie zielsicher verfolgen. Meistens ist die Suche nach einem adäquaten Arbeits- bzw. Lehrplatz von Zufällen gekennzeichnet.
Ein wesentlicher Punkt, der gerne aus den Augen verloren wird, ist die soziale Integration. Berufliche Integration geht in den meisten Fällen nicht Hand in Hand mit sozialer Integration. Jugendliche, die an internen Qualifizierungsprojekten teilgenommen haben, vermissen sehr stark den Kontakt zu den Jugendlichen, zu ihrer "Peergroup". Die sozialen Kontakte im Heimatort sind kaum ausgeprägt und gehen meist über die Familie nicht hinaus.
Für eine erfolgreiche berufliche Integration ist es von großem Vorteil, wenn die soziale Inklusion einhergeht. Nicht nur, dass die Betroffenen bei der sozialen
Integration auf Widerstände von außen stoßen, so ist oftmals die Fähigkeit selbst soziale Kontakte zu knüpfen nicht gegeben bzw. nicht ausgeprägt.
Arbeit bringt ein Stück "Normalität" in das Leben der Befragten und ermöglicht sehr stark das Gefühl des "nicht mehr ausgegrenzt Seins".
Ihr Wunsch nach Anerkennung, Akzeptanz und Wertschätzung unterscheidet sich in keinster Weise von den Wünschen aller Menschen.
Jeder Mensch - egal welcher Hautfarbe, welcher Herkunft, welcher Mängel und Fehler, möchte so wie er ist, akzeptiert werden von seinem Gegenüber. Denn welcher Mensch ist ohne jegliches Handicap, ohne jeden Fehler?
Das Grundwort Ich-Du
zum ganzen Wesen kann nie durch mich,
Ich werdend spreche ich Du;
(Martin Buber, 1997, S. 18)
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Qualfizierungsprojekte
in Qualifizierungsprojekten
davon aus anderem Kulturkreis
Lehrlinge in "üblichen"
Die Kernkompetenz unseres Vereins, der seit 1953 besteht, liegt in der Berufsvorbereitung für Menschen mit besonderem Förderbedarf mit dem Ziel der sozialen und beruflichen Integration.
An mehreren Standorten in Tirol begleiten wir mehr als 200 Menschen mit besonderem Förderbedarf. Unsere Begleitung und Unterstützung setzt dort ein, wo Menschen in ihrer Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Unabhängigkeit Grenzen erfahren.
Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen unsere TeilnehmerInnen und MitarbeiterInnen. Unser Handeln bezüglich unsere Strukturen, Regeln und Grenzen beruht auf Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit, Vorbildwirkung sowie Transparenz und wird begleitet von Humor, Begeisterung und Freude.
Unser Ziel, die berufliche und soziale Integration, erreichen wir durch individuelle, ganzheitliche Förderung und Begleitung, offene Lernformen und die Einbeziehung aller SystempartnerInnen.
Mag.a Karin Norz, Jhg. 1969, verheiratet, 2 Söhne Tätigkeiten: Veranstaltungs- Konzeption, Umsetzung und Management im Dienstleistungssektor (Tourismus, Sport und Soziales) Studium der Erziehungswissenschaften an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck 1999 - 2003 Mitarbeiterin im Equal-Projekt "Unternehmen 2010" seit Juli 2005
Tel. 0512/585814
Fax 0512/585814-53
<c> by Aufbauwerk der Jugend, 2005 - 2006
Logo: Bundessozialamt Landesstelle Tirol
Logo: Europäischer Sozialfonds
Logo: Unternehmen 2010
Logo: Aufbauwerk der Jugend
Karin Norz: Berufliche Integration von Menschen mit besonderem Förderbedarf. Eine Qualitative Befragung "...sonst bist dein lebtaglang ein Dodel"
Ein von Sozialstaatssekretär Sigisbert Dolinschek unterstütztes Projekt, gefördert/finanziert aus Mitteln der Beschäftigungsoffensive der österreichischen Bundesregierung (Behindertenmilliarde) für Menschen mit Behinderungen und des Europäischen Sozialfonds.

References: § 8

§ 30

§ 20

§ 21

§ 18

§ 19

§ 3

§ 4

§ 33

§ 40

§ 42

§ 49

§ 48

§ 44

§ 29
 § 29

§ 51

§ 30

§ 35

§ 59

§ 12

§ 5

§ 33

§ 51

§ 13

§ 55

§ 14

§ 54

§ 11

§ 48

§ 63

§ 41

§ 49

§ 47

§ 64

§ 38

§ 47

§ 68
 § 67

§ 63

§ 59

§ 58

§ 54

§ 35

§ 24

§26

§ 1

§ 51

§ 53

§ 53

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§ 8

§ 9

§ 43

§ 51

§ 54

§ 55

§ 56

§ 58

§ 64

§ 42

§ 45

§ 48

§ 49

§ 50

§ 66

§ 65

§ 67

§ 44

§ 30
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§ 2

§ 51

§ 33

§ 28

§ 13

§ 33

§ 48

§ 54

§ 55

§ 65

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§ 67

§44

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§ 64

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§ 59

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§ 60

§ 2

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§ 33

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§ 55

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§ 8
 § 9

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§ 13

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§24

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§ 56

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§21

§ 22

§ 45

§48

§ 45