Source: https://www.peterlang.com/view/9783631733349/chapter01.xhtml
Timestamp: 2018-02-23 04:54:21+00:00

Document:
1. Teil: Grundlagen : Kollisionsrechtsbezogene Informationspflichten des europäischen Privatrechts aus der Perspektive des Internationalen Privatrechts
Verschiedene europäische Richtlinien verpflichten Unternehmer, Anbieter und Versicherer, ihre Kunden vor Vertragsschluss über das auf den Vertrag objektiv anwendbare Recht oder über eine in den AGB enthaltene Rechtswahlklausel zu informieren. Der Autor setzt sich umfassend mit diesen kollisionsrechtsbezogenen Informationspflichten auseinander. Er zeigt nicht nur den Bestand der Informationspflichten auf, sondern setzt diese in einen kollisionsrechtlichen Kontext. Das Buch untersucht zudem den notwendigen Inhalt und den Umfang der Informationspflichten sowie die Rechtsfolgen bei deren Verletzung und beleuchtet das Verhältnis der Informationspflichten zu Rechtswahlklauseln in AGB.
9783631733349
http://dx.doi.org/10.3726/b11711
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2017. XXXIV, 206 S.
A. Bedeutung von Information in der EU
Information und Informationspflichten im Generellen sind im Geflecht aus europäischem Primär- und Richtlinienrecht und nationaler Umsetzung in der Literatur ausführlich behandelt worden. Daher beschränken sich die Ausführungen zum Informationsmodell des europäischen Verbraucherrechts auf das Notwendigste.
Seit jeher ist es Regelungsansatz und grundlegende Vorgehensweise des europäischen Gesetzgebers in Bezug auf europäisches Verbraucherrecht, strukturellen Ungleichgewichten bei der Vertragsanbahnung mittels Informationspflichten zu begegnen. Diese Ungleichgewichtslagen und der damit verbundene Informationsbedarf lassen sich auf verschiedene Ursachen zurückführen: Sie liegen, als kollektive Ursachen, in den geänderten Bedingungen unseres Zeitalters, welches sich durch zunehmende Arbeitsteilung und andauernde Wissensspezialisierung auszeichnet7. Hiervon betroffen sind insbesondere „Rechtsprodukte“ wie Finanzprodukte oder Versicherungen8.
B. Primärrechtliches Fundament der Informationspflichten
2. Teil: Bestandsaufnahme der kollisionsrechtsbezogenen Informationspflichten
B. Fernabsatzfinanzdienstleistungsrichtlinie
I. Kollisionsrechtsbezogene Informationspflichten der FAF-RL
II. Inhalt der kollisionsrechtsbezogenen Informationspflichten
IV. Modalitäten der Informationserteilung
1. Art. 3 Abs. 1 FAF-RL
2. Art. 5 Abs. 1 i. V. m. Art. 3 Abs. 1
V. Vollharmonisierungscharakter
VII. Zwingender Charakter
VIII. Umsetzung
C. Solvabilität II
I. Kollisionsrechtsbezogene Informationspflichten
1. Nichtlebensversicherungen
a) Information über das objektiv anwendbare Recht
b) Information über die Rechtswahl
2. Information bei Lebensversicherungsverträgen
3. Information über das vorvertraglich anwendbare Recht
1. Form der Information
2. Ausführlichkeit der Information
3. Zeitpunkt der Informationserteilung
V. Sanktionierung
VI. Umsetzung in Deutschland
D. Dienstleistungsrichtlinie 2006/123/EG
I. Kollisionsrechtsbezogene Informationspflicht
II. Inhalt der Informationspflicht
III. Gesonderter Hinweis auf vorgeschlagene Rechtswahl?
V. Sanktionierung und Modalitäten der Informationserteilung
VI. Zwingender Charakter der Richtlinienbestimmungen
VII. Umsetzung in Deutschland
E. Zahlungsdienste 2007/64/EG
III. Modalitäten der Informationserteilung und Sanktionierung
IV. Umsetzung in Deutschland
F. Alternative Investmentfonds 2011/61/EU
I. Kollisionsrechtsbezogene Informationspflicht und deren Inhalt
III. Modalitäten der Informationserteilung, Sanktionierung und Umsetzung
G. Timesharing 2008/122/EG
III. Modalitäten der Informationserteilung
IV. Unabdingbarkeit
H. Verbraucherkreditrichtlinie 2008/48/EG
II. Anwendungsbereich und Verhältnis zur FAF-RL
I. Wohnimmobilienkreditrichtlinie 2014/17/EU
II. Inhalt der Informationspflicht und Verhältnis zur Richtlinie 2002/65/EG
III. Informationserteilung
J. OGAW-Richtlinie 2009/65/EG
3. Teil: Effizienz der Regelungen
A. Geeignetheit des ökonomischen Ansatzes
B. Grundlagen der ökonomischen Analyse
C. Ökonomischer Aspekt von Informationspflichten im Allgemeinen
D. Beurteilung der kollisionsrechtsbezogenen Informationspflichten aus ökonomischer Perspektive
I. Kollisionsrechtsbezogene Informationslasten
II. Bestehen einer Informationsasymmetrie
E. Grenzen der Effektivität vorvertraglicher Information
I. „Information Overload“
II. Information über den Inhalt des anwendbaren Rechts
4. Teil: Analyse der Richtlinien
A. Kategorisierung der Richtlinien
I. Aufsichtsrechtlich geprägte Richtlinien
II. Privatrechtlich geprägte Richtlinien
B. Rechtspolitische Würdigung
I. Kein einheitlicher Grundgedanke
1. Information über das Bestehen von Rechtswahlfreiheit
2. Weitere inhaltliche Abweichungen
II. Fehlende systematische Abstimmung der Richtlinien untereinander
III. Fehlen einer Informationspflicht über kollisionsrechtliche Schutzmechanismen („Abschreckungseffekt“)
5. Teil: Information über das vorvertraglich anwendbare Recht
A. Kollisionsrechtlicher Inhalt des Art. 3 Abs. 1 Nr. 3 lit. e FAF-RL
I. Einseitige Rechtswahlmöglichkeit des Anbieters
a) Vertragsakzessorische Anknüpfung
b) Parteiautonomie
c) „Evolution“ der Informationspflichten der FAF-RL
d) Nur voraussichtlich anwendbares Recht?
e) Erwägungsgrund 8 FAF-RL
II. Herkunftslandprinzip
1. Anwendbarkeit des Herkunftslandprinzips
B. Erfasste Rechtsverhältnisse
6. Teil: Rechtsfolgen der Verletzung vorvertraglicher Informationspflichten
B. Notwendigkeit der individuell-privatrechtlichen Sanktionierung („Ob“)
I. Bestehende kollektive Rechtsbehelfe
II. Unionsrechtlicher Kontext
1. Explizite Richtlinienvorgaben
2. Primärrechtliche Vorgaben und Rechtsprechung des EuGH
3. Individualschutz als ausschlaggebender Faktor?
III. Individualschutz oder Funktionsschutz
C. Verletzungsmöglichkeiten
II. Nichterfüllung
III. Fehlerhafte Erfüllung
D. Richtlinienvorgaben zu individuell-privatrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten („Wie“)
III. Ausschluss weitergehender Sanktionen?
IV. Verhältnis zwischen Widerrufsrecht und anderen Rechtsbehelfen
4. Bindung an falsche Information
b) Anwendung auf kollisionsrechtsbezogene Informationspflichten
V. Vorvertragliche Haftung – culpa in contrahendo
1. Rechtsprechung des EuGH
2. Beweislastumkehr
3. Zuverlässige Möglichkeit richtiger Informationserteilung
a) Im Falle der Wahl des Vertragsstatuts
b) Im Falle objektiver Anknüpfung des Vertrags
c) Vorvertragliches Schuldverhältnis
aa) Anknüpfung
bb) Stellungnahme des Rates
aa) Ausschließlich pflichtwidrige vorvertragliche kollisionsrechtsbezogene Information
bb) Pflichtwidrige Informierung in Verbindung mit anderen Pflichtverletzungen
b) Vertragsanpassung und Vertragsaufhebung
7. Teil: Informationsstatut
A. Qualifikation der Verletzung von Informationspflichten
II. Vertragliche Qualifikation
2. Rechtsvergleichende Auslegung
3. Funktionale Auslegung
6. Übertragbarkeit auf kollisionsrechtsbezogene Informationspflichten
III. Außervertragliche Qualifikation
2. Schuldverhältnisse aus Verhandlungen vor Vertragsschluss
4. Mögliche Ausnahmen?
IV. Verbraucherschutz bei außervertraglicher Qualifikation
2. Wahl des Deliktsstatuts
b) Tatbestand des Art. 14 Rom II-VO
c) Zeitpunkt der Rechtswahl
d) Verbraucherschutz bei unmittelbarer Wahl des Deliktsstatuts
aa) Verbot der nachträglichen Rechtswahl in AGB mit Verbrauchern?
(1) Eigenständige Bedeutung des Merkmals des freien Aushandelns
(2) Freies Aushandeln und Art. 14 Abs. 1 lit. a Rom II-VO
(3) Teleologische Reduktion
(4) fraus legis
3. Mittelbare Rechtswahl und vertragsakzessorische Anknüpfung
a) Vergleich zur Debatte um die Anknüpfung nach Art. 4 Abs. 3 Rom II-VO
aa) Beschränkung der akzessorischen Anknüpfung auf Rechtswahl ex post
bb) Ausübung richterlichen Ermessens
cc) Akzessorische Anknüpfung an Art. 6 Abs. 1 Rom I-VO
b) Ausweichen auf Art. 12 Abs. 2 Rom II-VO
aa) Anwendbarkeit des Art. 12 Abs. 2 Rom II-VO
(1) Unanwendbarkeit des Abs. 2 bei einschlägigem Abs. 1
(2) Abs. 2 als Ausweichklausel zu Abs. 1
(i) Vergleich zu Art. 10 und 11 Rom II-VO
(ii) Wortlaut
(iii) Unmöglichkeit der Bestimmung des Vertragsrechts auf Basis von Rom I?
bb) Gründe für die Anknüpfung nach Art. 12 Abs. 2 Rom II-VO
(1) Aushebeln von Informationspflichten
(2) Regulatorischer Charakter der Informationspflichten
(3) Gleichlauf des Statuts mit der Verbandsklage
cc) Gründe gegen die Anwendung des Art. 12 Abs. 2 Rom II-VO und Vertragsnähe der kollisionsrechtsbezogenen Informationspflichten
(1) Verbindung zwischen Rechtswahl- und Hauptvertrag
(2) Einfluss auf vertragliche Willensbildung
(3) Verschränkung mit dem Vertragsrecht
(4) Korrespondierende vertragliche Informationspflichten
(5) Art. 3 Abs. 4 FAF-RL
c) Anwendbarkeit des Art. 6 Abs. 2 Satz 2 Rom I-VO auf Art. 12 Abs. 1 Rom II-VO
aa) Regelung des Art. 6 Abs. 2 Satz 2 Rom I-VO
bb) Notwendigkeit der Anwendung
cc) Mittelbare Auswirkung des Günstigkeitsvergleichs im Vertragsstatut auf die akzessorische Anknüpfung
(1) Spaltung des Vertragsstatuts
(2) Verdrängung des gewählten Rechts durch das Umweltrecht des Verbrauchers
(3) Durchschlagen einzelner Bestimmungen
(i) Fallen Informationspflichten überhaupt in den Anwendungsbereich des Günstigkeitsvergleichs?
(ii) Keine Übertragung einzelner Vorschriften
(4) Günstigkeitsvergleich auf Vertragsebene ohne Auswirkung auf vertragsakzessorische Anknüpfung
dd) Direkte Anwendbarkeit des Günstigkeitsvergleichs auf deliktischer Ebene
d) Analoge Anwendung des Art. 6 Abs. 2 Rom I-VO
bb) Analogie und Unionsrecht
cc) Regelungslücke
dd) Widerspruch zu Grundgedanken des Unionsrechts
(1) Vorvertragliche Information als Grundgedanke des Unionsrechts
(2) Binnenmarkteffizienz
(3) Gleichbehandlungsgrundsatz
gg) Ausblick (lex ferenda)
B. Qualifikation der Informationspflichten selbst
8. Teil: Verhältnis der vorvertraglichen Information zu Rechtswahl und Klauselkontrolle
B. Funktionsweise der Rechtswahl in der Rom I-VO
I. Anschein der Einigung
1. Ein- oder zweiseitiger Anschein
III. Zustandekommen und Wirksamkeit
C. Verhältnis der Rechtswahl zur Klauselkontrolle
I. Einbeziehung und Transparenz
1. Vorgaben der Klausel-Richtlinie 93/13/EWG
a) Explizite Vorgaben der Richtlinie
b) Dem Regelungszweck immanente Vorgaben
aa) Zeitpunkt des Zurverfügungstellens der Geschäftsbedingungen
(1) Rechtssache „RWE“
(2) Relevanz einer Zeitvorgabe beim Policenmodell
(3) Zielsetzung der Richtlinie
(4) Klausel-Richtlinie als „Machete im Informationsdschungel“?
bb) Schlussfolgerungen bezüglich der Sanktionierung?
cc) Ergebnisse
c) Grundsätzliche Anwendbarkeit der Vorgaben auf Rechtswahlklauseln
d) Transparenzgebot der Richtlinie
e) Einzelfälle
aa) Floating Choice of Law
bb) Deutsche Regelung des § 305c BGB
2. Spezielle kollisionsrechtliche Transparenzanforderungen an die Rechtswahl
a) Deutsche Rechtsprechung
c) Informationsobliegenheit des Unternehmers
d) Stellungnahme und Formulierungsvorschlag
II. Anwendbarkeit der Inhaltskontrolle
III. Statut der Einbeziehungs- und Transparenzkontrolle von Rechtswahlklauseln
1. Art. 10 Abs. 2 Rom I-VO
2. Art. 10 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 Satz 2 Rom I-VO
b) Durchführbarkeit
c) „Externe Systematik“ des Art. 6 Abs. 2 Satz 2 Rom I-VO
d) „Interne Systematik“ des Art. 6 Abs. 2 Satz 2 Rom I-VO
e) Aufdrängen von Schutz
f) Stellungnahme und Vergleich zu Art. 12 Abs. 1 Rom II-VO
D. Einfluss der Informationspflichten auf Transparenz und Einbeziehung der Rechtswahlklausel
I. Einzubeziehende Umstände bei der Transparenzkontrolle
II. Rationalisierung von Angaben
III. Intransparenz der Rechtswahlklausel aufgrund Verletzung der Informationspflicht
IV. Rechtsfolge der Intransparenz der Rechtswahlklausel
1. Angemessenheit der Rechtsfolge
2. Vorvertragliche Information als stillschweigende Rechtswahl?
3. § 312d Abs. 1 Satz 2 BGB
4. culpa in contrahendo
5. Intransparenz der vorvertraglichen Information aufgrund der Verletzung AGB-rechtlicher Vorgaben
9. Teil: Thesen

References: Art. 3
 Art. 5
 Art. 3
 Art. 3
 EuGH

 EuGH

 Art. 14
 Art. 14
 Art. 4
 Art. 6
 Art. 12
 Art. 12
 Art. 10
 Art. 12
 Art. 12
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 12
 Art. 6
 Art. 6
 § 305
 Art. 10
 Art. 10
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 12
 § 312