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Timestamp: 2018-04-21 15:42:32+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 7 ABR 79/08
Schlag­worte: Betriebsrat: Internetzugang, Betriebsratsbüro
Akten­zeichen: 7 ABR 79/08
Ent­scheid­ungs­datum: 20.01.2010
Leit­sätze: Der Be­triebs­rat darf ei­nen Zu­gang zum In­ter­net zur sach­ge­rech­ten Wahr­neh­mung der ihm ob­lie­gen­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­ga­ben re­gelmäßig nach § 40 Abs. 2 Be­trVG für er­for­der­lich hal­ten, so­fern dem kei­ne be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ent­ge­gen­ste­hen. Zur Be­gründung des An­spruchs be­darf es nicht der Dar­le­gung kon­kre­ter, ak­tu­ell an­ste­hen­der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­ga­ben, zu de­ren Er­le­di­gung In­for­ma­tio­nen aus dem In­ter­net benötigt wer­den.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 5.12.2007, 30 BV 7578/07
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 9.07.2008, 17 TaBV 607/08
17 TaBV 607/08
20. Ja­nu­ar 2010
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 20. Ja­nu­ar 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Kiel so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kroll­mann und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Schuh für Recht er­kannt:
Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 9. Ju­li 2008 - 17 TaBV 607/08 - wird zurück­ge­wie­sen.
A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet ist, dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­zu­gang für den ihm über­las­se­nen PC zur Verfügung zu stel­len.
Die zu 2) be­tei­lig­te Ar­beit­ge­be­rin be­treibt Baumärk­te. In ih­rem Bau­markt in T sind ca. 50 Ar­beit­neh­mer beschäftigt. Der dort er­rich­te­te, aus drei Mit­glie­dern be­ste­hen­de Be­triebs­rat verfügt über ei­nen Per­so­nal­com­pu­ter (PC) mit Netz­werk­an­schluss, mit dem er an das un­ter­neh­mens­wei­te In­tra­net an­ge­schlos­sen ist und E-Mails ver­sen­den und emp­fan­gen kann. Er hat - an­ders als die Markt­lei­tung - kei­nen Zu­gang zum In­ter­net.
Mit dem am 7. Mai 2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­lei­te­ten Be­schluss­ver­fah­ren hat der Be­triebs­rat von der Ar­beit­ge­be­rin die Be­reit­stel­lung ei­nes In­ter­net­an­schlus­ses für den ihm über­las­se­nen PC ver­langt. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ein In­ter­net­an­schluss sei zur Erfüllung der ihm ob­lie­gen­den Auf­ga­ben er­for­der­lich. Das In­ter­net stel­le ei­ne wich­ti­ge In­for­ma­ti­ons­quel­le dar, die die Ar­beit­ge­be­rin auch in be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen nut­ze. Der In­ter­net­zu­gang sei nicht mit ei­ner zusätz­li­chen Kos­ten­be-
las­tung für die Ar­beit­ge­be­rin ver­bun­den. Es sei le­dig­lich die Frei­schal­tung des ihm über­las­se­nen PC durch die zen­tra­le EDV-Ab­tei­lung er­for­der­lich.
die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­zu­gang für des­sen in­tern ver­netz­ten Com­pu­ter (Frei­schal­tung des In­ter­net) zur Verfügung zu stel­len.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat die Ab­wei­sung des An­trags be­an­tragt und ge­meint, der Be­triebs­rat benöti­ge zur Erfüllung der ihm ob­lie­gen­den Auf­ga­ben kei­nen ständi­gen In­ter­net­zu­gang. Bei Be­darf könne er ei­nen In­ter­net­an­schluss außer­halb des Be­triebs nut­zen. Es sei nicht fest­ge­stellt, ob das vom Be­triebs­rat gel­tend ge­mach­te In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis nach den kon­kre­ten be­trieb­li­chen Verhält­nis­sen be­ste­he und nur durch das In­ter­net ge­deckt wer­den könne. Zu­dem sei der Be­triebs­rat an­walt­lich be­ra­ten, so dass er In­for­ma­tio­nen recht­li­cher Art aus dem In­ter­net nicht benöti­ge. Ein be­trieb­li­cher In­ter­net­zu­gang sei mit er­heb­li­chen Kos­ten ver­bun­den. Außer­dem könne es durch die Ver­net­zung mit dem In­tra­net zu Störun­gen durch Vi­ren und Störpro­gram­me kom­men. Es sei auch nicht möglich zu über­prüfen, wel­che In­hal­te auf­ge­ru­fen würden.
Das Ar­beits­ge­richt hat dem An­trag statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin zurück-ge­wie­sen. Mit der Rechts­be­schwer­de be­gehrt die Ar­beit­ge­be­rin wei­ter­hin die Ab­wei­sung des An­trags. Der Be­triebs­rat be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Rechts­be­schwer­de.
B. Die Rechts­be­schwer­de ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben dem An­trag des Be­triebs­rats zu Recht ent­spro­chen. Die Ar­beit­ge­be­rin ist ver­pflich­tet, dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­zu­gang zur Verfügung zu stel­len.
I. Der An­trag ist zulässig. Er ist ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Be­triebs­rat die zur Erfüllung des An­spruchs not­wen­di­gen tech­ni­schen Maßnah­men nicht näher be­zeich­net hat. Es ist Sa­che des Ver­pflich­te­ten zu ent­schei­den, auf wel­che
Wei­se er das ge­schul­de­te Er­geb­nis her­beiführt (vgl. BAG 9. Ju­ni 1999 - 7 ABR 66/97 - zu B I der Gründe, BA­GE 92, 26).
II. Der An­trag ist be­gründet. Der Be­triebs­rat kann nach § 40 Abs. 2 Be­trVG von der Ar­beit­ge­be­rin die Ein­rich­tung ei­nes In­ter­net­zu­gangs zur Nut­zung ver­lan­gen.
1. Nach § 40 Abs. 2 Be­trVG hat der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat für die Sit­zun­gen, die Sprech­stun­den und die lau­fen­de Geschäftsführung in er­for­der­li­chem Um­fang Räume, sach­li­che Mit­tel, Büro­per­so­nal so­wie In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik zur Verfügung zu stel­len. Zur In­for­ma­ti­ons­tech­nik iSv. § 40 Abs. 2 Be­trVG gehört auch das In­ter­net (BAG 23. Au­gust 2006 - 7 ABR 55/05 - zu II 2 der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 88).
a) Der Be­triebs­rat kann nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats (vgl. et­wa 16. Mai 2007 - 7 ABR 45/06 - Rn. 21 mwN, BA­GE 122, 293; 3. Sep­tem­ber 2003 - 7 ABR 8/03 - zu B II 2 a der Gründe, BA­GE 107, 231) ei­nen In­ter­net­zu­gang al­ler­dings - eben­so wie die an­de­ren in § 40 Abs. 2 Be­trVG ge­nann­ten Mit­tel - nur ver­lan­gen, wenn dies zur ord­nungs­gemäßen Wahr­neh­mung der ihm nach dem Ge­setz ob­lie­gen­den Auf­ga­ben er­for­der­lich ist. Auch nach der am 28. Ju­li 2001 in Kraft ge­tre­te­nen Neu­fas­sung des § 40 Abs. 2 Be­trVG, mit der der Ge­setz­ge­ber klar­ge­stellt hat, dass der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik in er­for­der­li­chem Um­fang zur Verfügung zu stel­len hat (BT-Drucks. 14/5741 S. 41), kann bei der Nut­zung die­ser Tech­nik durch den Be­triebs­rat von der Prüfung der Er­for­der­lich­keit nicht ab­ge­se­hen wer­den. Dies er­gibt sich be­reits aus dem Wort­laut des § 40 Abs. 2 Be­trVG. Da­nach ste­hen In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik gleich­ran­gig ne­ben Räum­en, sach­li­chen Mit­teln und Büro­per­so­nal. Die Be­schränkung des Sach­mit­tel­an­spruchs des Be­triebs­rats auf den er­for­der­li­chen Um­fang dient da­zu, ei­ne übermäßige fi­nan­zi­el­le Be­las­tung des Ar­beit­ge­bers zu ver­hin­dern. Da­mit ließe sich nicht in Ein­klang brin­gen, ge­ra­de in dem kos­ten­in­ten­si­ven Be­reich mo­der­ner Büro­tech­nik, an­ders als bei den übri­gen Sach­mit­teln, auf die Prüfung der Er­for­der­lich­keit zu ver­zich­ten (BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 45/06 - aaO; 3. Sep­tem­ber 2003 - 7 ABR 8/03 - aaO). An die­ser Recht­spre­chung hält
der Se­nat auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Ausführun­gen des Be­triebs­rats im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren fest.
b) Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats ob­liegt dem Be­triebs­rat die Prüfung, ob ein von ihm ver­lang­tes Sach­mit­tel zur Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben er­for­der­lich und vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung zu stel­len ist. Die Ent­schei­dung hierüber darf er nicht al­lein an sei­nen sub­jek­ti­ven Bedürf­nis­sen aus­rich­ten. Von ihm wird viel­mehr ver­langt, dass er die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und die sich ihm stel­len­den Auf­ga­ben berück­sich­tigt. Da­bei hat er die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft an ei­ner sach­ge­rech­ten Ausübung des Be­triebs­rats­amts ei­ner­seits und be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers, auch so­weit sie auf ei­ne Be­gren­zung der Kos­ten­tra­gungs­pflicht ge­rich­tet sind, ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen (BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 45/06 - Rn. 22, BA­GE 122, 293). Die­se Grundsätze gel­ten auch für das Ver­lan­gen des Be­triebs­rats auf Über­las­sung von In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik (vgl. BAG 3. Sep­tem­ber 2003 - 7 ABR 8/03 - zu B der Gründe, BA­GE 107, 231).
c) Die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats über die Er­for­der­lich­keit des ver­lang­ten Sach­mit­tels un­ter­liegt der ar­beits­ge­richt­li­chen Kon­trol­le. Die­se ist auf die Prüfung be­schränkt, ob das ver­lang­te Sach­mit­tel auf­grund der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on der Er­le­di­gung der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben des Be­triebs­rats dient und der Be­triebs­rat bei sei­ner Ent­schei­dung nicht nur die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft berück­sich­tigt, son­dern auch be­rech­tig­ten Be­lan­gen des Ar­beit­ge­bers Rech­nung ge­tra­gen hat. Dient das je­wei­li­ge Sach­mit­tel der Er­le­di­gung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­ga­ben und hält sich die In­ter­es­sen­abwägung des Be­triebs­rats im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­raums, kann das Ge­richt die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats nicht durch sei­ne ei­ge­ne er­set­zen (BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 45/06 - Rn. 23 mwN, BA­GE 122, 293; 23. Au­gust 2006 - 7 ABR 55/05 - Rn. 9, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 88).
d) Die im Rah­men der ar­beits­ge­richt­li­chen Kon­trol­le er­ge­hen­de Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, ob der Be­triebs­rat ein Sach­mit­tel zur Er­le­di­gung der ihm ob­lie­gen­den Auf­ga­ben für er­for­der­lich hal­ten durf­te und die­ses des­halb vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung zu stel­len ist, kann im Rechts-
be­schwer­de­ver­fah­ren eben­falls nur ein­ge­schränkt dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob Rechts­be­grif­fe ver­kannt, Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungssätze ver­letzt oder we­sent­li­che Umstände bei der Würdi­gung über­se­hen wor­den sind (BAG 16. Mai 2007 - 7 ABR 45/06 - Rn. 23 mwN, BA­GE 122, 293; 23. Au­gust 2006 - 7 ABR 55/05 - Rn. 9, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 88).
2. Die­sem ein­ge­schränk­ten Prüfungs­maßstab hält die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung stand.
a) Die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, der Be­triebs­rat ha­be die Aus­stat­tung mit ei­nem In­ter­net­an­schluss als sei­ner Auf­ga­ben­erfüllung dien­lich an­se­hen dürfen, ist rechts­be­schwer­de­recht­lich nicht zu be­an­stan­den.
aa) Die Auf­ga­ben des Be­triebs­rats er­ge­ben sich aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz und an­de­ren Ge­set­zen (zB § 17 Abs. 2 und 3 KSchG, § 93 SGB IX, §§ 9, 11 ASiG), ggf. auch aus Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und Ta­rif­verträgen. § 80 Abs. 1 Be­trVG nennt zahl­rei­che all­ge­mei­ne Auf­ga­ben des Be­triebs­rats. Vor al­lem ob­liegt dem Be­triebs­rat die Wahr­neh­mung der ge­setz­li­chen Mit­be­stim­mungs- und Mit­wir­kungs­rech­te in so­zia­len, per­so­nel­len und ggf. auch in wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten (§§ 87 ff., 92 ff. und 111 ff. Be­trVG) so­wie der Auf­ga­ben bei der Ge­stal­tung von Ar­beits­platz, Ar­beits­ab­lauf und Ar­beits­um­ge­bung (§§ 90 f. Be­trVG). In den in § 87 Be­trVG auf­geführ­ten An­ge­le­gen­hei­ten hat er ein Initia­tiv­recht und kann von sich aus ei­ne Re­ge­lung der mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen An­ge­le­gen­hei­ten vor­schla­gen (BAG 28. No­vem­ber 1989 - 1 ABR 97/88 - BA­GE 63, 283). In be­stimm­ten An­ge­le­gen­hei­ten sind die Ar­beit­neh­mer be­rech­tigt, ein Mit­glied des Be­triebs­rats ih­rer Wahl hin­zu­zu­zie­hen (§ 81 Abs. 4 Satz 3, § 82 Abs. 2 Satz 2, § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG); es gehört da­her auch zu den Auf­ga­ben je­des ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glieds, die Ar­beit­neh­mer zu be­ra­ten (BAG 27. No­vem­ber 2002 - 7 ABR 45/01 - zu B III 2 b bb der Gründe).
bb) Die­se Auf­ga­ben kann der Be­triebs­rat sach­ge­recht nur wahr­neh­men, wenn er über die er­for­der­li­chen recht­li­chen und tatsächli­chen In­for­ma­tio­nen verfügt. Die Ein­ho­lung die­ser In­for­ma­tio­nen ist für sei­ne Auf­ga­ben­erfüllung
mit­hin not­wen­dig. Bei der Fra­ge, auf wel­chem We­ge ei­ne In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung er­folgt und wel­che Sach­mit­tel hierfür ge­nutzt wer­den, steht dem Be­triebs­rat ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu. Ent­schei­det er sich zur In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung durch das In­ter­net, ist dies in der Re­gel nicht er­mes­sens­feh­ler­haft. Durch das In­ter­net können Sach­in­for­ma­tio­nen zu je­dem nur denk­ba­ren The­men­be­reich ein­ge­holt wer­den. So wird der Stand der ar­beits- und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung in unzähli­gen Quel­len des In­ter­net fast ta­ges­ak­tu­ell wie­der­ge­ge­ben. Home­pages der Ge­setz­ge­bungs­or­ga­ne und ver­schie­de­ner Ge­rich­te ge­ben wich­ti­ge Ge­set­zes­vor­ha­ben und Ent­schei­dun­gen wie­der. Der Be­triebs­rat kann sich mit Hil­fe der im In­ter­net zur Verfügung ste­hen­den Such­ma­schi­nen zu ein­zel­nen be­trieb­li­chen Pro­blem­stel­lun­gen um­fas­send in­for­mie­ren, oh­ne auf Zu­falls­fun­de in Zeit­schrif­ten oder Zei­tun­gen, ver­al­te­ten Kom­men­tie­run­gen oder Ge­richts­ent­schei­dun­gen an­ge­wie­sen zu sein (BAG 3. Sep­tem­ber 2003 - 7 ABR 8/03 - zu B II 2 b der Gründe, BA­GE 107, 231). Da­bei be­schränkt sich der Be­zug zu den Auf­ga­ben des Be­triebs­rats nicht auf Rechts­fra­gen. Auch In­for­ma­tio­nen von pri­va­ten oder staat­li­chen - für die Wahr­neh­mung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben re­le­van­ten - In­sti­tu­tio­nen, die in al­ler Re­gel über ei­nen In­ter­net­auf­tritt verfügen, können ein­ge­holt und ge­nutzt wer­den. Des Wei­te­ren sind zB For­mu­lie­rungs­hil­fen zu Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen oder not­wen­di­ge Adres­sen von Behörden zugäng­lich. Die auf­ga­ben­be­zo­ge­nen Be­rei­che, in de­nen sich der Be­triebs­rat im In­ter­net In­for­ma­tio­nen be­schaf­fen kann, sind na­he­zu all­um­fas­send.
cc) Da­her kann in der Re­gel da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Nut­zung des In­ter­net der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben­erfüllung des Be­triebs­rats dient. Ei­ne ent­spre­chen­de An­nah­me des Be­triebs­rats ist im Rah­men des ihm zu­ste­hen­den Be­ur­tei­lungs­spiel­raums nicht zu be­an­stan­den. Dies gilt je­den­falls dann, wenn der Be­triebs­rat sei­ne Auf­ga­ben über­haupt wahr­nimmt. In An­be­tracht der of­fen­kun­di­gen Dien­lich­keit des In­ter­net zur Auf­ga­ben­erfüllung des Be­triebs­rats ist es auch nicht er­for­der­lich, dass die­ser im Rechts­streit kon­kre­te, sich ihm ak­tu­ell stel­len­de be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­ga­ben dar­legt, zu de­ren Er­le­di­gung er In­for­ma­tio­nen aus dem In­ter­net benötigt. Viel­mehr ist be­reits dann, wenn er über­haupt be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­ga­ben
wahr­nimmt, da­von aus­zu­ge­hen, dass das In­ter­net der Erfüllung die­ser Auf­ga­ben dient. So­weit der Se­nats­ent­schei­dung vom 23. Au­gust 2006 (- 7 ABR 55/05 - Rn. 16, 17, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 88) et­was An­de­res zu ent­neh­men ist, hält der Se­nat dar­an nicht fest.
Der Be­triebs­rat muss auch nicht dar­le­gen, dass und in­wie­weit er oh­ne In­ter­net­zu­gang die Wahr­neh­mung ihm ob­lie­gen­der Rech­te und Pflich­ten ver­nachlässi­gen müss­te. Zu sei­nem Be­ur­tei­lungs­spiel­raum gehört es gleich­falls, darüber zu be­fin­den, auf wel­che Wei­se er sei­ne Auf­ga­ben am wir­kungs­volls­ten er­le­di­gen kann. Die vom Be­triebs­rat zu be­ur­tei­len­de Dien­lich­keit ei­nes Sach­mit­tels zu sei­ner Auf­ga­ben­erfüllung ist da­her nicht erst dann ge­ge­ben, wenn er oh­ne den Ein­satz des Sach­mit­tels sei­ne ge­setz­li­chen Pflich­ten ver­nachlässi­gen müss­te. Dies stellt der Se­nat in Ab­gren­zung zu frühe­ren Ent­schei­dun­gen (vgl. et­wa 16. Mai 2007 - 7 ABR 45/06 - Rn. 26 mwN, BA­GE 122, 293) aus­drück­lich klar. Da­durch wer­den die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers nicht außer Acht ge­las­sen. Die­se muss der Be­triebs­rat viel­mehr in der un­abhängig von der Be­ur­tei­lung der Dien­lich­keit des Sach­mit­tels vor­zu­neh­men­den Würdi­gung ge­genläufi­ger In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers berück­sich­ti­gen.
dd) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Ar­beit­ge­be­rin muss sich der Be­triebs­rat nicht dar­auf ver­wei­sen las­sen, sich er­for­der­li­che In­for­ma­tio­nen durch die Nut­zung ei­nes In­ter­net­zu­gangs außer­halb des Be­triebs, ggf. auf ei­ge­ne Kos­ten, zu be­schaf­fen. Nach § 40 Abs. 2 Be­trVG ist es Sa­che des Ar­beit­ge­bers, dem Be­triebs­rat die zur Durchführung sei­ner Auf­ga­ben er­for­der­li­chen Hilfs­mit­tel zur Verfügung zu stel­len und die da­durch ent­ste­hen­den Kos­ten zu tra­gen.
b) Die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, dass be­rech­tig­te In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin ei­nem In­ter­net­zu­gang im Streit­fall nicht ent­ge­gen­ste­hen, lässt kei­ne Rechts­feh­ler er­ken­nen.
aa) Bei der For­de­rung nach ei­nem In­ter­net­an­schluss können für die vom Be­triebs­rat im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­raums zu tref­fen­de Ent­schei­dung - in Abhängig­keit vom Ein­zel­fall und der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on - ne­ben der Be­gren­zung der Kos­ten­tra­gungs­pflicht wei­te­re Ge­sichts­punk­te Be­deu­tung er­lan­gen. So kann die kon­kre­te Möglich­keit der Gefähr­dung be­son­de­rer Ge­heim­hal­tungs­in­ter­es­sen ge­gen ei­nen In­ter­net­zu­gang spre­chen. Auch dann, wenn der Ar­beit­ge­ber greif­ba­re An­halts­punk­te für die Ge­fahr des Miss­brauchs des ver­lang­ten Sach­mit­tels vor­bringt, kann dies je nach den Ein­zel­fal­l­umständen dem Sach­mit­tel­ver­lan­gen ent­ge­gen­ste­hen. Be­deut­sam im Rah­men der Berück­sich­ti­gung be­trieb­li­cher In­ter­es­sen können schließlich auch das be­triebsübli­che und das auf Ar­beit­ge­ber­sei­te vor­han­de­ne Aus­stat­tungs­ni­veau sein (BAG 23. Au­gust 2006 - 7 ABR 55/05 - Rn. 16, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 88; 3. Sep­tem­ber 2003 - 7 ABR 8/03 - zu B II 2 b der Gründe, BA­GE 107, 231).
bb) Hier­nach ist es rechts­be­schwer­de­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt kei­ne der In­ter­net­nut­zung durch den Be­triebs­rat ent­ge­gen­ste­hen­den be­rech­tig­ten Be­lan­ge der Ar­beit­ge­be­rin an­ge­nom­men hat. Der Be­triebs­rat verfügt be­reits über ei­nen PC, mit dem der Zu­griff auf das un­ter­neh­mens­wei­te In­tra­net und der Emp­fang und Ver­sand von E-Mails möglich sind. Nach den mit Ver­fah­rensrügen nicht an­ge­grif­fe­nen, für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts (§ 559 Abs. 2 ZPO) ent­ste­hen we­der durch das Frei­schal­ten des In­ter­net für den PC des Be­triebs­rats noch durch die späte­re Nut­zung des In­ter­net durch den Be­triebs­rat zusätz­li­che Kos­ten für die Ar­beit­ge­be­rin. Ein In­ter­net­zu­gang ent­spricht dem Aus­stat­tungs­ni­veau der Markt­lei­tung. So­weit die Ar­beit­ge­be­rin Störun­gen durch Vi­ren und Störpro­gram­me befürch­tet, kann dem in glei­cher Wei­se vor­ge­beugt wer­den wie bei den an­de­ren mit In­ter­net­an­schlüssen aus­ge­stat­te­ten PCs im Un­ter­neh­men. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auch zu Recht an­ge­nom­men, dass die rein theo­re­ti­sche Möglich­keit der sach­frem­den Nut­zung des In­ter­net­an­schlus­ses durch Be­triebs­rats­mit­glie­der dem An­spruch des Be­triebs­rats nicht von vorn­her­ein ent­ge­gen­steht. Während der von der Ar­beit­ge­be­rin nach § 37
Abs. 2, § 38 Abs. 1 Be­trVG zu vergüten­den Zei­ten dürfen die Be­triebs­rats­mit­glie­der den In­ter­net­zu­gang oh­ne­hin nicht zu pri­va­ten Zwe­cken ver­wen­den. Ei­ne Pri­vat­nut­zung außer­halb die­ser Zei­ten kann die Ar­beit­ge­be­rin un­ter­sa­gen und bei Verstößen die zu Ge­bo­te ste­hen­den Sank­tio­nen er­grei­fen.
zur Übersicht 7 ABR 79/08

References: § 40
 § 253
 § 40
 § 40
 § 40
 § 40
 § 40
 § 40
 § 40
 § 40
 § 40
 § 17
 § 93
 § 80
 § 87
 § 82
 § 83
 § 40
 § 40
 § 40
 § 37
 § 38