Source: http://m.hensche.de/Diskriminierung_Bewerbung_Schwerbehinderung_Diskriminierung_bei_Bewerbung_BAG_8AZR180-12.html
Timestamp: 2017-03-28 17:47:43+00:00

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22.02.2013. Schwer­be­hin­der­te Stel­len­be­wer­ber dür­fen nicht we­gen ih­rer Be­hin­de­rung bei der Stel­len­be­set­zung be­nach­tei­ligt wer­den. Das ver­bie­ten § 1 All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) und § 81 Abs.2 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX). Da­bei ge­nügt es zum Nach­weis ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung ge­mäß der ge­setz­li­chen Be­wei­ser­leich­te­rung des § 22 AGG, wenn der ab­ge­lehn­te Be­wer­ber Um­stän­de nach­weist, die im All­ge­mei­nen ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen. Das kann z.B. ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Stel­len­an­zei­ge sein. Dann muss der Ar­beit­ge­ber be­wei­sen, dass der Be­wer­ber nicht auf­grund sei­ner Be­hin­de­rung ab­ge­lehnt wur­de.
Ist es ein Indiz für eine Diskriminierung, wenn der Arbeitgeber nicht begründet, warum er einen schwerbehinderten Bewerber abgelehnt hat?
Außer­dem müssen Ar­beit­ge­ber dann ein­ge­hen­de Be­wer­bun­gen schwer­be­hin­der­ter Be­wer­ber zu­sam­men mit der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung prüfen, und öffent­li­che Ar­beit­ge­ber sind so­gar darüber hin­aus ver­pflich­tet, in je­dem Fall ein Vor­stel­lungs­gespräch zu führen. Außer­dem steht in § 81 Abs.1 Satz 9 SGB IX, dass "al­le Be­tei­lig­ten" über die vom Ar­beit­ge­ber ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung "un­ter Dar­le­gung der Gründe un­verzüglich zu un­ter­rich­ten" sind. Dar­aus könn­te man den Schluss zie­hen, dass Ar­beit­ge­ber ge­ne­rell da­zu ver­pflich­tet sind, ab­ge­lehn­ten schwer­be­hin­der­ten Be­wer­bern ei­ne Be­gründung für die Ab­leh­nung zu­kom­men zu las­sen. Wenn ei­ne sol­che Pflicht be­steht, könn­te die be­gründungs­lo­se Ab­leh­nung ein In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Be­wer­bungs­ver­fah­ren sein. Der Fall des BAG: Schwerbehinderte Sekretärin wird vom Deutschen Bundestag abgelehnt - zunächst ohne Begründung
Das mit dem Fall be­fass­te Ar­beits­ge­richt Ber­lin (Ur­teil vom 19.05.2011, 59 Ca 19231/10 ) und auch das für die Be­ru­fung zuständi­ge Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ent­schie­den ge­gen die Se­kretärin (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 20.12.2011, 3 Sa 1505/11). BAG: Auch öffentliche Arbeitgeber müssen schwerbehinderten Bewerbern nicht immer eine Begründung für die Absage liefern
Zwar hat die Bun­des­tags­ver­wal­tung die Gründe für die Ab­leh­nung der Be­wer­be­rin zunächst ein­mal nicht dar­ge­legt. Das ist für sich al­lein ge­nom­men al­ler­dings noch kein In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung. Denn zu ei­ner Be­gründung der Ab­leh­nung gemäß § 81 Abs.1 Satz 9 SGB IX sind Ar­beit­ge­ber nur ver­pflich­tet, wenn sie die ih­re ge­setz­li­che Pflicht zur Beschäfti­gung von schwer­be­hin­der­ten Men­schen nicht hin­rei­chend nach § 71 SGB IX erfüllen. Über die­se Fra­ge war im Pro­zess zwar ge­strit­ten wor­den, doch hat­te die die Kläge­rin an die­ser Stel­le kei­ne aus­rei­chen­den Be­le­ge dafür an­geführt, dass der Bun­des­tag zu we­nig Schwer­be­hin­der­te beschäftigt. Da auch der Ab­lauf des Vor­stel­lungs­gespräches ei­nen Schluss auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung nicht zu­ließ, so das BAG, war die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.02.2013, 8 AZR 180/12 (BAG-Pres­se­mel­dung vom 21.02.2013) Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 20.12.2011, 3 Sa 1505/11
Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/160 Aus­kunfts­an­spruch des ab­ge­lehn­ten Stel­len­be­wer­bers? Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/081 Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Be­hin­de­rung bei der Be­wer­bung

References: § 1
 § 81
 § 22
 § 81
 § 81
 § 71