Source: http://www.homeopathy.at/zeichenkombinations-homoeopathie
Timestamp: 2019-09-18 05:12:06+00:00

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Zeichenkombinations-Homöopathie | Dr. Retzek's Gesundheits-Recherchen
Zeichenkombinations-Homöopathie
erstellt von Dr.med. Helmut B Retzek am Juli 9, 2013
die verfügbaren Resourcen zur „Orginal-Arbeitsweise“ von Hahnemann sind derzeit noch begrenzt. Um sich damit auseinanderzusetzen gibt es derzeit nur die Kurse von Michael Kohl.
Hier versuche ich eine Datensammlung zur Zeichenkombinations-Homöopathie (ZKH) zu halten, um dieser fantastischen und vermutlich erfolgreichsten homöopathischen Arbeitsweise „online“ Unterstützung angedeihen zu lassen.
JEDER BEITRAG der p.t. Leser wird sehr gerne angenommen, bitte schreibt eine Email oder einen Kommentar. Jeder Fall ist hilfreich.
Aktuelle Vertreter der ZKH: Uwe Plate, Michael Kohl …..
aktuelle Vertreter der ZKH: Uwe Plate, Michael Kohl ... ....
der wichtigste Vertreter der ZKH ist sicherlich Uwe Plate.
der aktuell gekannteste Homöopath ist der HP Michael Kohl
der klassischte aller össterreichischen Homöopathien
Heli Retzek über Zeichenkombinationen
Zeichenkombinationen - die Grundlagen der klassischen Homöopathie
…die Thematik {Nosoden} ist komplexer und rührt ans Grundverständnis unserer klassischen Homöopathie.
Ich versuche es hier zusammenzufassen – das ist eine wichtige Mail, ich werde die dann auch als Artikel weiter ausführen, weil der punkt so wichtig ist.
Basis jeder Homöopathie ist die AMP. Dabei produziert eine temporäre Störung im Testanten ein bis mehrere Symptome.
Diese Symptome sind quasi immer ein „Vollständige Symptom“, denn sie haben ORT, Gefühlsqualität und Modalitäten.
1) ein Beispiel: stechen im Knie morgens beim Aufstehen die ersten Schritte
2) oder: stechen im Knie beim Stiegen runtersteigen
3) oder: Schwindel nach dem Essen, schwankend, ev. sehr müde
Diese SYMPTOME bestehen aus „Symptomen-Teilen“,
zB (Symptom 1): Stechen / Knie / Morgens / Erste Schritte / Besser Gehen / Beginn d Bewegung ….
Die Altvorderen nannten die Einzel-Teile, aus denen das Symptom zusammengesetzt wurde „ZEICHEN„.
Ein Symptom ist der INBEGRIFF ALLER SEINER ZUSAMMENSETZENDEN ZEICHEN.
Hier kam es übrigens bei der Übersetzung ins Englische zu einem Fehler, es wurden Zeichen mit Symptomen übersetzt, was überhaupt nicht stimmt – den ein ZEICHEN ist ein Symptomen-Teil, wie zB „KNIE“, oder „STECHEN“.
Stechen im Knie sind 2 Zeichen die zusammen ein unsicheres, da unvollständiges Symptom aufbauen.
Kent hatte also eine fehlerhafte Organon-übersetzung als Quelle und hat daher den grossen Fehler begangen, sein Repertorium völlig falsch aufzubauen, was uns bzw. die Homöopathie heutzutage ganz ganz ganz ganz frustriert und kastriert! Ich erkläre das weiter unten wieso.
Arznei macht Zeichen – keine Symptome
Von der ARznei wird nie das komplette Symptom induziert, das komplette Symptom ist nämlich immer eine Mischung aus Arznei-Störung sowie Empfänglichkeit des Prüfers.
D.h. der Prüfer trägt was bei.
A) Ein Prüfer hat – man kann das anhand der Prüfungsprotokolle schön zeigen, z.B. bei jeder Prüfung „Stechen“, er ist prädisponiert STECHEN zu bekommen.
B) ein anderer Prüfer hat – bei jeder Arzneiprüfung – Prostata-Beschwerden, denn das ist seine Schwachstelle. Bei ihm würde die Arznei ihre Hauptmodalität oder ihre Hauptbeschwerde an der Prostata manifestieren.
C) ein Prüfer hat fast alle Beschwerden zu einer bestimmten Tageszeit, weil er genau dann ein Energie-Tief hat.
DAHER ist ein einzelnes Prüfungs-Symptom nicht auswertbar, weil es nicht klar ist, was die Dispositions-Zeichen und was die Arzneimittel-Zeichen des Symptomes darstellen.
Erst in der Masse mehrerer Prüfungs-Symptome kann man Arznei-Spezifische Zeichen (=Symptomen-Teile) rausarbeiten, berühmt ist ja das Stechen von innen heraus von ASA FOETIDA welches auf vielen Lokalitäten auftrat.
Daher konnte man STECHEN –> aussen als ASA-FOET Teil identifizieren und kann bei fast allen Krankheiten mit dieser Qualität mit ASA heilen.
Das wusste Hahnemann, Jahr, Boenninghausen usw. Sie haben diese Themen klar und deutlich diskutiert und besprochen.
Also: ORT x QUALITÄT x MODALITÄT ( x NEBENSYMPTOM) = vollständige Symptom.
in einer AMP sind mindestens 1-2 dieser ZEICHEN des Symptoms Prüfer-Anteile, also nicht Arzneispezifisch.
Was ist denn dann das Arznei-Spezifische? Wie kann man das nun rausfinden?
Brauchbar sind sowieso nur Zeichenkombinationen, nicht Einzelzeichen, denn die differenzieren ja kaum.
Es gibt also die Kombination:
ORT x QUALITÄT
ORT x MODALITÄT
QUALITÄT x MODALITÄT
ORT x NS
QUALITÄT x NS
MODALITÄT x NS
Wenn also z.B. der ORT vom Patienten als sein Schwachpunkt eingebracht wird und nicht arzneispezifisch ist, bleiben in einem derartigen Fall z.B. nur als brauchbare Zeichen-Kombintionen:
MODALITÄT X NS übrig
Um sicher auf die Arznei schliessen zu können.
Wie kommt man nun drauf was Arznei-sichere Zeichenkombinationen und was der Prüfer-Mist ist?
Es ist klar, dass es nur über Statistik geht, man sagte: Mindestens 3 Symptome mit derselben 2er-Zeichenkombination in der Prüfung mussten aufgetreten sein um als Arznei-Spezifisches Zeichen zu dienen, alles andere ist Zufall.
Also: wenn ich
STECHEN im KNIE beim AUFSTEHEN morgens
STECHEN in BLASE beim beginnenden URINIEREN
STECHENDE KOPFSCHMERZEN beim AUFRICHTEN vom BÜCKEN
STECHEN im ZEH beim Socken-Anziehen
STECHEN im MAGEN beim Hüpfen
in einer Arznei finde, dann ist es schon sehr sehr sehr spezifisch, dass sie ein STECHER ist, und die Modalität „BEGINNENDE BEWEGUNG AGG, FORTGESETZTE BEWEGUNG AMEL“ auch sehr deutlich ausgeprägt ist.
D.h. wir haben sehr deutlich ein Stechen x Bewegungs-Anfang, aber – ganz undeutlich die Lokalisation.
Das geringst-Wertigste Zeichen eines Symptomes ist sowieso fast immer die Lokalisation, denn dort trägt der Prüfer meistens den größten Beitrag bei. Wenn ich eine Schulterverletzung hatte, und die Schulter mir sowieso weh tut, wird sie bei einer AMP durch die Arzneistörung erst recht reagieren.
Die Art des Schmerzes und die Modalitäten sind dann jedoch meistens sehr Arznei-typisch.
Nun könnt ihr euch vorstellen, wenn ich ein Repertorium konstruiere, das nur auf vollständige Symptome basiert und das noch dazu nach dem unvorteilhaftesten unsichersten Zeichen sortiert wird – der Lokalisation – dass man damit fast gar nichts findet!
Im Kent gehe ich immer von der Lokalisation aus. Alle Kapitel sind Lokalisations-Kapitel, ORTE.
Dort stehen dann die Zeichenkombinationen
ORT –> QUALITÄT (–> Modalität –> Nebensymtpom)
ORT –> MODALITÄT (–> Nebensymptom)
Wenn mein Patient also ein Stechen im Knie beim beginnenden Stiegensteigen hat, werde ich im KENT NIE UND NIMMER eine Arznei finden,
die in der PRüfung 20 x die Zeichenkombination STECHEN x Beginnende Bewegung hatte, wenn sie es grad nicht im Knie hatte.
Hahnemann, Jahr, Boenninghausen usw. wussten drüber Bescheid, die haben das alles im Schriftverkehr dokumentiert und auch klare Hinweise hinterlassen, wie ein gut funktionierendes Repertorium aufgebaut sein müsste und wie man dann vorzugehen hat.
ich bin jetzt schon so müde, ich schriebe morgen weiter, verdaut mal diese Mail und stellt dazu fragen, das hilft mir die Gedanken zu ordnen dass die Thematik klarer wird
Liebe Grüße, Dr. Helmut Retzek
Über Zeichenkombinationen, Teil 2
ihr erinnert euch, gestern hab ich auf die EMAIL über die wichtigkeit der Prüfungs-Symptome angefangen zu referieren, wie die Homöoathie eigentlich entwickelt wurde, was sich die damals gedacht haben.
Ich habe dargestellt, dass die Prüfungen nie ein gutes vollständiges Symptom geben, sondern eine Mischung aus (erratischer ) Patientendisposition sowie aus echten AMP-Zeichen.
Ich hab hingewiesen drauf, dass ein Repertorium, welches nach LOKALISATION und vollständigen Symptomen aufgebaut ist, nur sehr behelfsmässig und mässiggradigen Erfolg bringen kann – was wir in der Praxis ja erleben.
und dass man aus Verlegenheit dann alle möglichen „Schulen“ und „Auswertungs-Systeme“ benötigt, weil man mit der normalen Repertorisation der akutellen Krankheit zu keinem so guten Ergebnis kommt.
Hier ein praktischer Fall was die Zeichenkombinations-Homöopathie – d.h. Bewertung nur des aktuellen Hauptsymptoms unter Weglassen jedes konstitutionellen Zusammenhanges und Konzentration auf eine auffallendes Zeichenkombination zu leisten vermag:
Einschub: die Macht der Zeichenkombinations-Homöopathie
Mein Cousin hatte einen schweren Motorrad-Unfall, Hirnblutung tischtennisball-gross präfrontal. Mit den üblichen Verletzungsmittel rasch genesen, die später folgende tiefe suizidale Depression mit AUR verschwunden, gute Energie.
Trotzdem vor einigen Jahren: Spätfolge des Unfalls: heftiger Bandscheibenvorfall in HWS, Einengung Spinalkanal auf 1cm . Wurde OP.
Seither: heftige schmerzhafte Muskelspannungen in der Schulterregion, immer nur einseitig. Durch Massagen palliiert, wechselt aber dann aber auch gerne die Seiten. Geht alle 2 Wochen zur Massage, viel PhTh, nichts mit nachhaltigem Effekt.
Schildert das Gefühl der Nervenreizung wie „als ob der Arm auf Höhe oberarm abgeschnitten ist, der untere Teil des Armes gar nicht zu mir gehört“.
Mir fällt das Symptom für Sabadilla ein, weil ich schon mal Sabadilla ausgearbeitet habe und es genau so ein Prüfungs-Symptom produziert hatte: ein schneidegefühl bzw. abgeschnittenes gefühl – zusätzlich jede menge Verfremdungs und fast psychose-Symptome – aber egal. Die Zeichenkombination „wie ein Schnitt x gehört nicht zu mir“ hatte ich im Kopf.
Sonst gibt es keinerlei Hinweise auf Sabadilla, kein Niessen, keine weiteren Verfremdungs-Symptome ,…..
Es steht nur im Seideneder irgendein Symptom mit dem „Schnitt am Arm,wie abgetrennt“ drinnen, wie ich mich erinnert habe.
In 2 Minuten waren alle Beschwerden weg
Seit 2 Wochen anhaltend, nicht mehr wieder gekommen
War Segeln inzwischen, Vorschoter, seine Schmerzen haben seine Regatta-Teilnahme schwer gefährdet, diesmal keinerlei Beschwerden, vollständig genesen.
Wieso ist dies ein auffallender Erfolg:
Prompt – in 2 Minuten war eine jetzt 2 Jahre dauernde Beschwerde verschwunden
Geringe Potenz: eine C30 einmalig verabreicht
Schöner Effekt: bis jetzt 2 Wochen – ist zwar kurz aber doch sehr deutlich
Genau dies sind die Erfolge die man – laut der Proponenten – mit der Zeichenkombinations-Homöopathie erreichen kann.
Die Arznei hätte ich wohl ohne dieses Bauchgefühl nicht gegeben oder gefunden.
Hier habe ich genau nach dem Orginal-Wortlaut von Hahnemann §153 den „Inbegriff der wahlanzeigenden Zeichen“ – nämlich das gefühl „abgetrennt/abgeschnitten“ und der „Rest des Armes gehört nicht richtig zu mir“ verwendet.
Aus dem Bauch wohlgemerkt, weil ich diese Form der Vorgehensweise nicht ordentlich kann und auch nicht damit arbeiten kann.
Der Hauptvertreter – Michael Kohl – hat am Tag xxxx Patienten, mit schweren und auch schwersten Krankheien, und eine hohe Treffer-Rate durch diese Zeichenkombinations-Vorgehensweise, welche eben anders ist, als unsere Kent’sche v.a. Konstitutionelle Homöopathie.
Dazu später mehr – über Vorgehensweise und Repertorium, wie es Hahnemann mit Jahr ausgeheckt hatte aber aufgrund technischer schwierigkeiten nicht bekam. Wieso als „schwaches“ Ersatz-Rep dann das TTB kam und wo die Visionen (meine) hingehen.
siehe auch meine eigene Website über Boenninghausen – Symptomenlexikon nach Hahnemann
Seminarbericht Dr. Anton Rohrer über Kurse 1 & 2 bei Michael Kohl „deutliche Erhöhung der Verschreibungssicherheit …“
Gute Review über Symposium „Hahnemanns Arbeitsweise 2009“ von Carl Classen veranstaltet.
Text der Seminarrezension von Birgit Deissinger
viele wertvolle Texte sind schon aus dem Internet verschwunden. Desswegen halte ich hier eine Sicherheitskopie des oben zitierten Link-Textes. Das Copyright liegt natürlcih bei der geschätzten Homöopathie-Zeitschrift und der Autorin Birgit (du hast das super zusammengeschrieben! Danke!) – wird bei Widerspruch natürlich sofort entfernt.
Auf den Spuren von Hahnemanns Arbeitsweise – Das Hahnemann Symposium 2009 in Grötzingen, organisiert von ars curandi
Zum diesjährigen Hahnemann Symposium fanden sich namhafte Vertreter der „genuinen Homöopathen“ ein. Das Symposium war weitgehend der Denk- und Arbeitsweise Hahnemanns sowie seinen Zeitgenossen gewidmet. Dieser Seminarbericht konzentriert sich auf den Vortrag „Hahnemanns Arzneimittellehre, die
Grundlage der Homöopathie“ und „Symptomen-Lexikon nach Hahnemann, die Grundlage der Similebestimmung“ von Uwe Plate. Am diskutierten Fall setzte sich der Meister selbst provokativ mit der Frage
auseinander, was „ähnlich“ sei. Uwe Plate führte die Teilnehmer mit seinem Kommentar zu Hahnemanns
Originaltext auf die Spuren dessen Arbeitsweise. Am Beispiel des ersten Symptoms demonstrierte Plate
die Denk- und Arbeitsweise mit dem Symptomen-Lexikon. „Bei jeder Bewegung, vorzüglich bei jedem Auftreten, und am schlimmsten bei jedem Fehltritte, sticht es sie in der Herzgrube, wohin es jedes Mal aus der linken Seite kommt, wie sie sagt“, ein Symptom, welches so fast wortwörtlich als Prüfungssymptom bei Pulsatilla aufgetreten ist (RA 387: „Stiche in der Herzgrube beim Fehltreten auf ungleichem Straßenpflaster“). Warum, fragte Plate, ist Bryonia ähnlich (womit Hahnemann seine Patientin wiederherstellte) und nicht Pulsatilla, obwohl es doch eindeutig ein Stechen in der Herzgrube hervorgebracht hat? Plate vermutete, dass ein oder zwei ähnliche Prüfungssymptome Zufallsbefunde gewesen sein könnten. Erst ab mindestens drei ähnlichen Prüfungssymptomen könne man sicher davon ausgehen, dass es sich um eine echte Arzneiprüfungswirkung
handele. Nur ein ähnliches Prüfungssymptom zu finden sei „Symptomendeckerei“.Er wies darauf hin, dass jeder Prüfer seine persönlichen Schwachpunkte habe, an denen sich meistens Prüfungssymptome lokalisieren. Die Lokalisation „Herzgrube“ ist in diesem Fall weniger relevant als die Empfindung (Stechen) oder die Modalität (jede Bewegung, Auftreten, Fehltreten). Gesucht wird also eine Arznei, die mehr als zweimal
„Stechen beim Gehen“ an verschiedenen Körperstellen hervorgerufen hat. Denn dann ist wahrscheinlich,
dass es sich um eine charakteristische Zeichenkombination der Arznei handelt, die auch in der Lage ist
„Stechen beim Gehen in der Herzgrube“ zu heilen. Wäre die Arznei noch an mehreren Prüfern geprüft worden, so kann man davon ausgehen, dass irgendwann auch ein Prüfer mit dem persönlichen Schwachpunkt
Herzgrube über „Stechen beim Gehen in der Herzgrube“ berichtet hätte. Dies verdeutlicht in schöner Weise, wie ungewohnt anders die Herangehensweise der „Genuinen“ Homöopathie ist. Plate wies darauf hin, dass der Aufbau der Reinen Arzneimittellehre im Kopf-zu-Fuß-Schema die Suche nach einer Arznei, die charakteristisch mehr als zweimal an verschiedenen Körperstellen „Stechen beim Gehen“ hervorgebracht hat, schwierig mache.
Dazu müsste man die Prüfungssymptome in andere Kategorien, nämlich nach Empfindungen, Modalitäten
und Begleitbeschwerden umordnen. Die gleiche Idee habe Hahnemann gehabt, weswegen der mit der Ausarbeitung eines Symptomen-Lexikons begonnen habe, das aber nicht vollständig gewesen und auch auch nie veröffentlicht worden sei. G.H.G. Jahrs Versuch eines Symptomen-Lexikons sei dann an seinem großen Umfang von ca. 48 Bänden (für die damaligen ca. 130 Arzneimittel) gescheitert. Auch
Constantin Hering habe ein Projekt einer wissenschaftliche Bearbeitung der Reinen Arzneimittellehre nach Symptomenregistern nicht verwirklichen können. Uwe Plates inzwischen digitalisiertes Symptomen-
Lexikon (www.Symptomenlexikon.de) ermöglicht es, die Charakteristik der Zeichen und Zeichenkombinationen
zu ersehen. Wählt man z.B. die Modalität „Gehen“ und dazu die Empfindung „Stechen“, so kann man die entsprechenden Prüfungssymptome miteinander vergleichen (Bryonia – Pulsatilla). So sieht man, dass Bryonia siebenmal „Stechen beim Gehen“ in den unterschiedlichsten Körperregionen hervorgerufen hat und diese Zeichenkombination charakteristisch ist. Bei Pulsatilla dagegen nur zweimal, also nicht charakteristisch. Zudem gibt es bei Pulsatilla zweimal Prüfungssymptome, die durch Gehen gebessert wurden, wodurch die beiden Treffer quasi wieder aufgehoben wurden. D.h., wenn ein Prüfungssymptom dem Symptom eines Patienten fast
wortwörtlich entspricht, muss es noch lange nicht ähnlich sein. Aus Plates Sicht sei eine Diskussionen um das Nachtragen von Verifikationen (Heilungsymptomen) nicht relevant, wenn die charakteristische Häufung von
Symptomen zeige, dass bei der entsprechenden Zeichenkombination folgerichtig die Genesung erfolgen
müsse. Nebenbei bemerkte Plate, Bryonia sei über das TTB von Bönninghausen in den Künzli Kent mit dem Symptom „Stechen Innerer Teile“ deshalb hineingekommen, weil die Lohnwäscherin geheilt wurde. Hätte Hahnemann den Fall nicht mitgeteilt, dann wäre er eben dort nicht vertreten.
mit der Lohnwäscherin auf Hahnemanns Spuren - ausführliche Review von Birgit Deißinger
http://www.homoeopathie-zeitschrift.de/artikel_ungekuerzt.html?do=showDetail&artikel_id=2
23.09.2009 Mit der Lohnwäscherin auf den Spuren von Hahnemanns Arbeitsweise, Autorin Birgit Deißinger
„Mit der Lohnwäscherin auf den Spuren von Hahnemanns Arbeitsweise“
Beim diesjährigen Hahnemann Symposium, organisiert von ars curandi, waren am 21. und 22. März 2009 in Grötzingen bei Karlsruhe alle derzeitigen „Koriphäen“ um das Symptomen-Lexikon von Uwe Plate (u.a. auch der Herausgeber und Verleger des Symptomen-Lexikons) versammelt, wie Christian Meinhard und Michael Kohl und auch andere namhafte Vertreter der „Genuinen Homöopathen“ wie Heike Westhofen und Stefan Reis waren vertreten.
Daneben gab es Vorträge von drei weiteren Gastdozenten : Prof. Dinges (Robert Bosch Stiftung Stuttgart ),
Ralf Jeutters (Programmleiter für homöopathische Universitätskurse u. Direktor der „Society of Homoeopaths“ aus England), sowie Tjado Galic.
Folgende Beiträge gab es im Überblick
1) Uwe Plate:
a) „Hahnemanns Arzneimittellehre, die Grundlage der Homöopathie“
b) „Symptomen-Lexikon nach Hahnemann, die Grundlage der Similebestimmung“
2) Michael Kohl:
„Die Anwendung des Symptomen-Lexikon in der täglichen Praxis“
3) Heike Westhofen
„Geschichte und Entwicklung der homöopathischen Kinderheilkunde“
4) Ralf Jeutter:
„Entwicklungen von Hahnemann zu Hering zu Kent“
5) Prof. Martin Dinges (Robert- Koch- Stiftung Stuttgart):
„Samuel Hahnemanns Praxis im Vergleich zu seinen zeitgenössischen Arztpraxen“
6) Christian Meinhard :
„Betrachtungen zur Sprache in der Homöopathie“
7) Stefan Reis :
„Genuine Homöopathie in der modernen Praxis“
8) Tjado Galic :
„Charakteristika in der homöopathischen Praxis“
Das Symposium war weitgehend der Denk- und Arbeitsweise Hahnemanns sowie seinen Zeitgenossen gewidmet. Tiefgründige Theorie und Philosophie und Homöopathiegeschichte waren Hauptinhalt.
Praktische Fallbeispiele gab es zu anderen Seminaren vergleichsweise wenig, diese jedoch dafür sehr anschaulich und gut verständlich.
Den Beginn machte Uwe Plate aus Braunschweig, der sich am Beispiel von Hahnemanns Lohnwäscherin (aus dem Vorwort der Reinen Arzneimittellehre) provokativ mit der Frage auseinander setzte, was ähnlich ist und führte uns: „Mit der Lohnwäscherin auf die Spuren von Hahnemanns Arbeitsweise“
Samuel Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, Bd. 2, aus „Vorerinnerung“ S. 30 – 37
(sehr schön nachzulesen auch in dem Buch: „Hahnemanns Arbeitsweise“ von Uwe Plate)
Fall „Lohnwäscherin“
Sch…, eine etliche und 40 jährige kräftige Lohnwäscherin, war schon drei Wochen außer Stande, ihr Brod zu verdienen, da sie mich den 1. Sept. 1815 zu Rathe zog.
1. Bei jeder Bewegung, vorzüglich bei jedem Auftreten, und am schlimmsten bei jedem Fehltritte, sticht es sie in der Herzgrube, wohin es jedesmal aus der linken Seite kommt, wie sie sagt.
7. Sie ist von heftigem, zu Zorn geneigtem Gemüthe. – Bei starkem Schmerze überläuft sie Schweiß. – Ihre Monatzeit war vor 14 Tagen in Ordnung geflossen.
Was nun das Symptom 1 anlangt, so machen zwar Belladonna, China und Wurzelsumach Stiche in der Herzgrube, aber alle drei nicht bloß bei Bewegung, wie hier.
Pulsatille (m. s. Symptom 345.) macht zwar auch Stiche in der Herzgrube beim Fehltreten, aber in seltner Wechselwirkung, und hat weder dieselben Verdauungsbeschwerden, wie hier 4, verglichen mit 5 und 6, noch dieselbe Gemüthsbeschaffenheit.
Bloß Zaunreben hat in ihrer Hauptwechselwirkung, wie das ganze Verzeichniß ihrer Symptome beweiset, von Bewegung Schmerzen, und vorzüglich stechende Schmerzen, und so auch Stiche (in der Herzgrube) unter dem Brustbeine beim Aufheben des Armes (295.), bei Fehltritten aber erregt sie auch an andern Stellen Stechen (341. 400.).
Das hierzu gehörige negative Symptom 2 paßt vorzüglich auf Zaunrebe (430.); wenige Arzneien (etwa Krähenaugen ausgenommen und Wurzelsumach in Wechselwirkung – die aber beide auf unsre übrigen Symptomen nicht passen) lassen die Schmerzen in Ruhe und im Liegen gänzlich schweigen, Zaunrebe aber vorzüglich (430 und viele andre Zaunreben-Symptome).
Das Symptom 4 ist zwar, was die „Brecherlichkeit nach dem Essen“ anlangt, bei mehrern andern Arzneien (Ignazsamen, Krähenaugen, Quecksilber, Eisen, Belladonna, Pulsatille, Kanthariden), aber theils nicht so beständig und gewöhnlich, theils nicht bei Wohlgeschmack der Speisen vorhanden, wie bei der Zaunrebe (164.).
In Rücksicht des Symptoms 5 machen zwar mehre Arzneien ein Zusammenlaufen des Speichels, wie Würmerbeseigen, eben sowohl, als Zaunrebe (167.); jene andern aber bringen nicht unsre übrigen Symptome in Ähnlichkeit hervor.
Daher ist ihnen die Zaunrebe in diesem Stücke vorzuziehen.
Das leere Aufstoßen (bloß nach Luft) nach dem Essen (Symptom 6,) ist bei wenigen Arzneien vorhanden und bei keiner so beständig, so gewöhnlich und in so hohem Grade, als bei der Zaunrebe (143. 149.).
Zu 7. – eins der Hauptsymptome bei Krankheiten (s. Org. d. H. 210.) ist die „Gemüthsbeschaffenheit“ und da die Zaunrebe (533.) auch dieses Symptom in voller Ähnlichkeit vor sich erzeugt; – so ist Zaunrebe aus allen diesen Gründen hier jeder andern Arznei als homöopathisches Heilmittel vorzuziehen.
Da nun das Weib sehr robust war, folglich die Krankheitskraft sehr beträchtlich seyn mußte, um sie durch Schmerz von aller Arbeit abzuhalten, auch ihre Lebenskräfte, wie gedacht, nicht angegriffen waren, so gab ich ihr eine der stärksten homöopathischen Gaben, einen vollen Tropfen ganzen Zaunrebenwurzelsaftes sogleich einzunehmen und beschied sie nach 48 Stunden wieder zu mir.
Meinem Freunde E., der zugegen war, deutete ich an, daß die Frau binnen dieser Zeit durchaus gesund werden müsse, welcher aber (nur erst noch auf halbem Wege zur Homöopathie begriffen) dieß in Zweifel zog.
Nach zwei Tagen stellte er sich wieder ein, um den Erfolg zu vernehmen, aber das Weib kam nicht, kam auch überhaupt nicht wieder.
Meinen ungeduldigen Freund konnte ich nun bloß dadurch besänftigen, daß ich ihm das eine halbe Stunde weit entfernte Dorf, wo sie wohnte, und ihren Namen nannte und ihm rieth, sie aufzusuchen und sich selbst nach ihrem Befinden zu erkundigen.
Er that es und ihre Antwort war: „Was sollte ich denn dort? Ich war ja schon den Tag drauf gesund und konnte wieder auf die Wäsche gehen, und den andern Tag war mir so völlig wohl, wie mir noch jetzt ist.
Ich danke es dem Doctor tausendmal, aber unser Eins kann keine Zeit von seiner Arbeit abbrechen; ich hatte ja auch drei ganze Wochen lang vorher bei meiner Krankheit nichts verdienen können.
Am Beispiel des ersten Symptoms sei die Denk- und Arbeitsweise mit dem Symptomen-Lexikon demonstriert:
„Bei jeder Bewegung, vorzüglich bei jedem Auftreten, und am schlimmsten bei jedem Fehltritte, sticht es sie in der Herzgrube, wohin es jedes Mal aus der linken Seite kommt, wie sie sagt„, ein Symptom, welches so fast wortwörtlich als Prüfungssymptom bei Pulsatilla aufgetreten ist (RA 387: „Stiche in der Herzgrube beim Fehltreten auf ungleichem Straßenpflaster„).
Warum, fragt Uwe Plate, ist Bryonia ähnlich (womit Hahnemann seine Patientin schnell, sanft und dauerhaft wiederherstellte, welches kein einziges Stechen in der Herzgrube hervorgebracht hat ) und nicht Pulsatilla, obwohl es doch eindeutig ein Stechen in der Herzgrube hervorgebracht hat ?
Plate begründet die Antwort so, dass ein oder zwei ähnliche Prüfungssymptome Zufallsbefunde gewesen sein könnten. Erst ab mindestens drei ähnlichen Prüfungssymptomen kann man sicher davon ausgehen, dass es sich dabei um eine echte Arzneiprüfungswirkung handelt. Nur ein ähnliches Prüfungssymptom zu finden sei Symptomendeckerei.
Er wies darauf hin, dass jeder Prüfer seine persönlichen Schwachpunkte habe, an denen sich meistens Prüfungssymptome lokalisieren. Die Lokalisation „Herzgrube“ ist in diesem Fall weniger relevant als die Empfindung (Stechen) oder die Modalität (jede Bewegung, Auftreten, Fehltreten) .
Gesucht wird also eine Arznei, die mehr als zwei mal „Stechen beim Gehen“ an verschiedenen Körperstellen hervorgerufen hat. Ist das der Fall, so ist wahrscheinlich, dass es sich um eine charakteristische Zeichenkombination der Arznei handelt, die auch in der Lage ist „Stechen beim Gehen in der Herzgrube“ zu heilen.
Wäre die Arznei noch an mehreren Prüfern geprüft worden, so kann man davon ausgehen, dass irgendwann auch ein Prüfer mit dem persönlichen Schwachpunkt Herzgrube über „Stechen beim Gehen in der Herzgrube“ berichtet hätte.
Dies verdeutlicht in schöner Weise, wie ungewohnt anders die Herangehensweise der „Genuinen“ Homöopathie ist.
Jedoch ist der Aufbau der Reinen Arzneimittellehre, wie die meisten Materia Medicas (Sekundärbeschreibungen ), im Kopf-zu-Fuß-Schema angeordnet.
Dies macht die Suche nach einer Arznei, die charakteristisch mehr als zweimal an verschiedenen Körperstellen „Stechen beim Gehen“ hervorgebracht hat, schwierig.
Dazu müsste man die Prüfungssymptome in andere Kategorien, nämlich nach Empfindungen, Modalitäten und Begleitbeschwerden umordnen.
Die gleiche Idee trieb damals schon Hahnemann um und begann seinerzeit mit der Ausarbeitung eines Symptomen-Lexikons, „worin die Symptome aller von ihm und seinen Schülern geprüften Arzneien in alphabetischer Ordnung eingeklebt waren“ (Franz Hartmann).
Hahnemanns handschriftlicher Ansatz eines Symptomen-Lexikon, war aber bei weitem nicht vollständig und wurde deshalb auch nie veröffentlicht.
Hahnemann gab jedoch G.H.G. Jahr damals ein Symptomen-Lexikon in Auftrag. Das Werk scheiterte jedoch an seinem großen Umfang von ca. 48 Bänden (für die damaligen ca. 130 Arzneimittel). Auch Constantin Hering forderte eine wissenschaftliche Bearbeitung der Reinen Arzneimittellehre nach Symptomenregistern. Doch auch Hering konnte dieses Projekt nicht verwirklichen.
14 Jahre hat Uwe Plate gebraucht, um die ersten 5 Bände des Symptomenlexikons 2004 herauszugeben. Bis 2009 brauchte er, um das Symptomen-Lexikon digital zu erstellten, mit dem man die Zeichenkombinationen der noch fehlenden Bände bei Bedarf zusammenstellen kann (siehe : http://www.symptomenlexikon.de/ )
Dieses digitale Werk ermöglicht es erstmals auf schnellem Wege, die Charakteristik der Zeichen und Zeichenkombinationen zu ersehen.
Wählt man z.B. die Modalität „Gehen“ und dazu die Empfindung „Stechen“, so kann man die entsprechenden Prüfungssymptome miteinander vergleichen (hier Vergleich Bryonia mit Pulsatilla). Durch Kursivdruck der Arzneiabkürzung (hier bei Pulsatilla) sind dabei die gegenpolaren Modalitäten gekennzeichnet, hier also „beim Gehen besser“.
Man kann also ersehen, dass Bryonia sieben mal „Stechen beim Gehen“ in den unterschiedlichsten Körperregionen hervorgerufen hat und diese Zeichenkombination charakteristisch ist. Bei Pulsatilla dagegen nur zwei mal, also nicht charakteristisch, zudem gibt es bei Pulsatilla zwei mal Prüfungssymptome, die durch Gehen gebessert wurden, wodurch die beiden Treffer quasi wieder aufgehoben wurden.
Das zeigt :Auch, wenn ein Prüfungssymptom dem Symptom eines Patienten fast wortwörtlich entspricht, muss es noch lange nicht ähnlich sein.
Es gab lebhafte Diskussionen um das Nachtragen von Verifikationen (also Heilungsymptomen):
Aus Plates Sicht sei dies unsinnig bzw. nicht relevant, wenn die charakteristische Häufung von Symptomen zeigt, dass bei der entsprechenden Zeichenkombination folgerichtig die Genesung erfolgen muss.
Es sei denn, es handle sich um eine kleine Arznei, wie z.B. Borax, welche nur 3 Symptome aufweist, aus denen Schreckhaftigkeit durch Geräusche hervorgeht. Bönninghausen hat es nämlich als „vorzügliches Mittel […] für Jagdhunde“[verwendet], die „schussscheu sind“ (Kleine medizinische Schriften).
Interessant war allerdings noch die Bemerkung Plates ganz nebenbei……
„Wie ist Bry über das TTB von Bönninghausen in den Künzli Kent mit dem Symptom „Stechen Innerer Teile“ gekommen?“
„Die Heilsymptome aus dem Fall der Lohnwäscherin sind da reingekommen, weil die Lohnwäscherin geheilt wurde.
Hätte Hahnemann den Fall nicht mitgeteilt, dann wäre er im Künzli Kent nicht vertreten“.
Die Ausarbeitung weiterer Arzneien hält Uwe Plate durchaus für erachtenswert, doch nach langen Jahren der fleißigen Arbeit ist er mit seinem Arbeitspensum nun an gewisse Grenzen angelangt.
So verwies Uwe Plate auf das Projekt von Thorsten Stegemann. Er stellte mit SymRep den Prototypen eines Online-Programms vor, mit dem engagierte Homöopathen zukünftig gemeinsam an einem Nachschlagewerk in bewährter repertorialer Struktur arbeiten können. Dort wäre ebenso wie beim Symptomen-Lexikon jeder Eintrag durch die entsprechenden Symptome belegt (siehe http://www.jrep.de/).
Michael Kohl praktiziert seit längerem in Erlangen und arbeitet seit Anbeginn des Erscheinens mit dem Symptomen-Lexikon.
Er demonstrierte am Nachmittag sehr anschaulich seine Vorgehensweise (Erst- und Folgeverschreibung) in der Praxis anhand eines sehr akuten und dramatischen Falles von Spondylolisthesis (Wirbelgleiten). Die fast achtzigjährige, übergewichtige Patientin, die jahrelang ihren dementen Mann gepflegt hatte und als therapieresistent galt, schrie vor Schmerzen.
Nach der Fallaufnahme bestimmt Kohl zunächst mit Hilfe von Bönninghausens Therapeutischen Taschenbuch einen Mittelpool von Arzneien (Anmerkung : Manchmal tut er dies auch mit Hilfe der „Kollektaneen“ (bereits aus dem Symptomen-Lexikon ausgezählte Zeichen und Zeichenkombinationen)), welche in die nähere Auswahl kommen.
Zur weiteren Differenzierung gleicht er dann mit Hilfe des Symptomen-Lexikons die Zeichenkombinationen des Patienten mit den Zeichenkombinationen der Prüfungssymptome des jeweiligen Mittels ab. Idealerweise kommen diejenigen Arzneien weiter, die mindestens 3 Treffer aufweisen.
Als letzter Arbeitsschritt findet dann zwischen den wenigen, übrig bleibenden Arzneien eine Wortwörtlichkeitsübereinstimmung zwischen Patienten- und Prüfungssymptomen statt. Aber nicht nur auf die wörtliche Übereinstimmung kommt es an. Ein weiterer Aspekt ist die Arzneikraft des Mittels zu verstehen, um damit die Arznei auszusuchen, welche dem Patient gerecht wird. Um möglichst tiefgreifend und schnell zu wirken, ist es dabei völlig unerheblich, ob diese Arznei zur Gruppe der sog. Polychreste gehört. Einzig auf die Ähnlichkeit kommt es dabei an. Die drohende Operation konnte jedenfalls in diesem Fall trotz gewisser Heilungshindernisse (z.B. Tod des Mannes) durch die Anwendung von Rhus-tox. und nachfolgend Bell. in Q-Potenzen abgewendet werden, und die Frau konnte bald wieder ohne Stock gehen.
Heike Westhofen, vertreten als einzigste Frau unter den Dozenten, sorgte zunächst für große Enttäuschung bei vielen Seminarteilnehmer(inne)n.
Ihr angekündigter Vortrag: „Eine Woche in der homöopathischen Kinderpraxis“ wurde, weil nicht in 60 Minuten verwirklichbar, kurzfristig in einen geschichtlichen Abriss über die „Kinderheilkunde und Kinderhomöopathie zu Zeiten Hahnemanns bis in die Neuzeit“ geändert.
Sie erwähnte zitierend aus einem Brief Hahnemanns an Hufeland, dass Hahnemann selbst bei der Behandlung von Kindern und v.a. auch seinen eigenen Kindern seine liebe Mühe und Not hatte.
In den Schriften Hahnemanns nahmen die Berichte über die Behandlung der Kinder nach Ihrer Aussage einen relativ geringen Prozentsatz ein (5-10%) und eine Spezialisierung auf Kinderheilkunde und Homöopathie blieb zu dieser Zeit in der veröffentlichen Literatur eher Mangelware.
Es wurde im Laufe der Zeit nicht mehr auf die Prüfungssymptome der Reinen Arzneimittellehre hin verordnet, sondern Beobachtungen, Erfahrungs- und Heilsymptome flossen mit ein.
Später wurde z.B. in Österreich die „Kinderhomöopathie“ schon um die Zeit 1879 an ein allgemeines homöopathisches Krankenhaus angegliedert. Tuberkulöse, scrophulöse Zustände wurden nebst anderen chronischen und schweren akuten Krankheiten behandelt.
In Leipzig wurde 1880 eine Honorarprofessur für Kinderheilkunde eingerichtet.
Häufig waren die Kinder aber das Arbeitsfeld von Hebammen und Kräuterheilkundlern.
Das Schwierigste an der homöopathischen Behandlung von Kindern ist häufig das „subjektive“ Symptom und natürlich gilt dies besonders, je jünger das Kind: Das Kind kann seine Empfindungen noch nicht richtig zum Ausdruck bringen.
„Naturgemäß hat die Behandlung von Kindern die Schwierigkeit,
dass die kleinen Patienten meist wenig relevante Symptome selbst erzählen können,
so dass der Arzt in erster Linie auf die phänomenologische Beobachtung
und die Schilderung der Mutter angewiesen ist, umso mehr, je jünger das Kind ist.
Zitat von Ungern von Sternberg, 1975
Ab Mitte des 18. Jh. kam mit Grauvogel der Begriff der sog. „Konstitutionsbehandlung“ (z.B. hydrogenoide Konstitution, etc.) auf und an dieser Stelle verließen die Homöopathen z.T. den Boden der „genuinen“ Boden der Homöopathie.
Mit Beginn der antibiotischen Ära und der Einführung der Impfprogrammen in den 50er Jahren, wurde die hochakuten Fälle insgesamt weniger und wurden in den Hintergrund gedrängt. Bücher über konstitutionelle „Kinderbehandlung“ oder „Kindertypen“ werden geschrieben und die sog. Polychreste nehmen einen immer größer werdenden Stellenwert ein.
Die Sichtweise der homöopathischen Ärzte waren geprägt durch Begriffe, wie Schwäche, Reizbarkeit, Entwicklung und später durch die Erkenntnisse von Diathesen und Konstitutionen, deren Begrifflichkeiten nie ganz klar definiert waren.
Individualisierende Symptome wurden immer weniger betrachtet. Die objektiven konstitutionellen Zeichen nahmen als Teil der Konstitution immer mehr Raum ein.
Die Aufgabe des Homöopathen änderte sich im Tätigkeitsfeld, indem er zum Therapeuten einer schwächelnden, aber noch nicht pathologischen konstitutionellen Veränderung wurde. Dabei wurde die symptomenorientierte Simileregel verlassen.
So stützten sich die Kinderhomöopathen der moderneren Zeiten immer mehr auf:
– Objektive Symptome /AMP Symptome (sofern vorhanden)
– Konstitutionelle Zeichen / Einschätzungen
– Klinische Erfahrungen / geheilte Symptome / die Bestätigung der Arznei durch Heilungen
– Erwähnung in der homöopathischen Literatur, durch „Meister“
– Weitere Verbreitung durch neue Literatur.
Fazit von Heike Westhofen:
„Wir entfernen uns von der „Hahnemann’schen“ Homöopathie, wenn wir Calc. verschreiben, weil das Kind sauer riecht, am Kopf schwitzt und einen großen Kopf etc. hat.
Dies Symptome traten bei keiner Arzneimittelprüfung auf. Dennoch verschreiben wir häufig Calc. auf Grund der weitergegebenen Erfahrungswerte. z. B. auch nach Körperkonstitution, offene Fontanellen etc.
Wir tun es dennoch –
Ralf Jeutters sprach vor dem Abendessen über die Situation der Homöopathie früher und heute und wie sie in den stürmischen Zeiten der Kritiker doch immer wieder überlebt hat.
Auch wie sie nach Zeiten des Aufschwungs wieder den Niedergang erfahren hat und unter welchen Kritikern sie sowohl früher, als auch heute zu leiden hatte bzw. hat.
Dies am Beispiel von England, wo inzwischen die Homöopathie an Universitäten gelehrt wird und jetzt in Gefahr ist, diesen Status wieder aberkannt zu bekommen.
Die Kritiker sind meist Akademiker und Wissenschaftler (allesamt nicht Mediziner oder Kenner der Homöopathie) und anonyme Laienwissenschaftler, die auf Charity-Basis, finanziert von Pharma-Firmen arbeiten, sogenannte „name and shame“-Artikel gegen die Homöopathie im Internet schreiben und veröffentlichen.
Zitat Reutters: „In der Regel gehört es zum Geschäft er Homöopathiekritiker, sich in der Materie der Homöopathie nicht auszukennen.“
Kritikpunkte an die Homöopathie: Sie sei potenziell massenmörderisch, gefährlich bis hin zu tödlich. Homöopathen seien Quacksalber und betrieben Bevölkerungsausbeutung. Profitgier sei das Hauptmotiv Homöopathie zu betreiben.
So hatte es die Homöopathie immer wieder schwer. Ob damals oder heute, ob in Deutschland oder in England.
Und die Frage bleibt – sowohl in der alten, als auch in der heutigen Zeit:
„Aber, wer wird uns dann heraushelfen aus der Todtengrube ?“
(Durchaus aktuelles Zitat aus Stapfs Archiv für hom. Heilkunst, 1833)
Der „Gala-Vortrag“ von Prof. Dinges war, bevor er zum gesellschaftlichen Abend überleitete, spannend und aufschlussreich, denn er plauderte aus Hahnemann’s „Nähkästchen“.
So berichtete der Archivar, dass Hahnemann ein strenger Arzt war und seinen Patienten sehr genaue Einnahmeanweisungen gegeben hat und er seinen Patienten eine Berichtigungspflicht auferlegte.
Die ausgehändigten Arzneipäckchen (z. Teil mit Placebos) waren mit Nummern und Einnahmetagen versehen.
Hahnemanns Aufschriebe / Anamnese war in der Regel sehr kurz und er verwendete für jedes Symptom eine neue Zeile.
In seinen Krankenjournalen sind die Patienten nacheinander vermerkt, in der Reihe, wie sie ihre Konsultation hatten. Es gab also keine individuellen Krankenakten.
Melanie Hahnemann schrieb dagegen pro Patient schon 1 Seite.
Pierre Schmidt hingegen dokumentierte z.B. seine Fälle in Kurzschrift.
In der Regel hatte Hahnemann nie mehr als 2 Anamnesen pro Tag gemacht. In Paris waren es später dann zwischen 4 und 16 Patienten pro Tag.
Er war vor allen Dingen auch ein strenger Lebensberater in Sachen Verhalten, Lebensplanung (z.B. riet er Patienten zum Heiraten) und Ernährung allgemein. Und er legte Wert darauf, dass eine Reihe antidotierende Lebensmittel weggelassen wurden.
Hahnemann betrieb am frühen Morgen eine Armenpraxis, ab 10 Uhr morgens kamen dann die Reichen und da galt der Zahlungsmodus „Vorabkasse“. Das Honorar wurde unter anderem gemessen an der Schwere der Krankheit.
Das Dispenzieren von Arzneimittel machte auch ein Teil seiner Einnahmen aus.
Im Verhältnis kamen mehr Frauen und Kinder als Männer (In Bezug auf die Kinder wich die Information von Prof. Dinges von der Aussage von Heike Westhofen ab).
Eine wichtige Gruppe seiner Patienten waren Handwerker, aber auch Adel und Gewerbetreibende (kurz: zahlungskräftige Patienten), die trotz den häufigen Umzügen Hahnemanns meist aus ca. 100 km Umkreis kamen, um ihn zu konsultieren. Aber er hat sich auch an der Zahlungsfähigkeit der Patienten orientiert.
Viele der Behandlungen liefen per Briefverkehr. Hausbesuche fanden kaum statt, denn Hahnemann bestand darauf, dass Patienten so lange zu ihm kommen, so lange sie gehen können.
Erst ab 1870 installierte sich in den späteren zeitgenössischen Arztpraxen so etwas wie eine Besuchs- und Bestellpraxis, z.T. mit Jahresverträgen für regelmäßige Besuche.
Christian Meinhard hielt einen brillanten, philosophischen Vortrag über die Rolle der Sprache in der Homöopathie, welche Bedeutung sie für die Anamnese, die Aussagen der Arzneimittelprüfung etc. hat und über die Schwierigkeiten, Fehlerquellen und Unsicherheiten, die die Sprache auch bei der Kommunikation zwischen Homöopath und Patient, sowie in der Ausarbeitung der Anamnese bzw. Arbeit mit dem Repertorium bzw. der Arzneimittellehre in sich birgt.
Denn so ist die Homöopathie die einzige pharmakologische Therapie, die auf der Sprache aufbaut und als Transportmittel von Inhalten dient.
Die Sprache gibt das Erlebnisfeld z.B. subjektiven Empfindungen und Wahrnehmung des Patienten wieder, die vom Therapeuten in die schriftliche Anamnese transformiert wird, auf deren Basis wiederum die Arznei in der RAML ausgesucht wird.
Man möge sich außerdem nüchtern auf den Wahrheitsgehalt des Gesagten beschränken und sich auf gesicherte Fakten, Inhalte, Sprache und vorurteilslose Beobachtung (Originalsprache des Patienten, etc. – Originalsprache RAML) halten.
So Christian Meinhard:
„Wenn wir Sicherheit haben wollen, müssen wir wissen, was wir gewiss wissen müssen.“
Dazu gehört auch Sicherheit in der Arzneikenntnis, Sicherheit in der Krankheitskenntnis, sowie in der Heilkunst (Auswahl nach Ähnlichkeit). Auch die Frage, was sicher vorurteilslos beobachtet ist.
Zum Abschluss zitierte Meinhard sinngemäß Hering:
„Wer wenige Mittel gut beherrscht, kann weit mehr Gutes damit anrichten, als viele Mittel schlecht zu kennen.
Aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit – wenige Mittel schlecht zu kennen und viele Mittel gut. „
Stefan Reis referierte über den seltenen Fall zweier nebeneinander stehenden Krankheiten, die sich gegenseitig unähnlich sind und zusammen eine komplizierte Krankheit bilden. Er bezog sich auf §22, 40 und 276 des Organons (v. 1810) und §272 ORG V (1833)
Dabei erwähnte er vorab Arthur Lutze, der die Äera der Komplexmittelhomöopathie einleitete.
Lutze veröffentlichte 1865 eigenmächtig eine neue Ausgabe des Organons, als die Ausgabe V vergriffen war.
Darin schrieb Lutze in § 274 b, als seien es Hahnemanns eigene Worte, dass es einzelne zusammengesetzte komplizierte Krankheitsfälle gäbe, in welchen das Verabreichen eines Doppelmittels rationell sei. Sprich: Doppelgaben seien in Ausnahmefällen genehmigt.
Aegedi (Stefan Reis bezog sich auf die Aegedi-Biographie von Ralf Vigoureux) war ein weiterer Vertreter der Doppelmittelverordnung und so soll Bönninghausen als Ausdruck von Freigeist in diesem genuinen Rahmen um 1833-34 gelegentlich auch Doppelmittelverordnungen gemacht und Aegidis Anordnungen ausprobiert haben.
Aegedi empfahl eine Doppelmittelverordnung dann, wenn man den Eindruck hat, dass 2 Krankheiten unabhängig voneinander miteinander konkurrieren und sich 2 Mittel um den Rang des Simile streiten. – Aber bloß als Ausnahme von der Regel.
Hahnemann war zu dieser Abweichung zunächst ablehnend, aber dann dementsprechend wohlwollend.
Später dann aber in der Korrespondenz mit Hufeland hat er diese Meinung wieder dementiert. Hahnemann hat sich wohl nicht getraut – so Stefan Reis.
Zu diesem Thema demonstrierte Reis einen Fall einer Frau, die an 2 gleichwertigen nebeneinanderstehenden, sich unähnlichen Krankheiten bzw. Symptomenkomplexen litt und nach erfolgloser Einzelmittelbehandlung 2 LM-Potenzen parallel bekam und dann genas, wie gesagt als „genuine“ Ausnahme von der Regel.
Sicherlich fragte sich so manch eine(r), ob nicht eine ganz andere, evtl. auch eine Arznei der „Neuzeit“ hätte passender sein.
Als Abschluss polterte Tjado Galic, der beim gesamten vorherigen Seminar nicht anwesend war, in den Seminarraum und demonstrierte einen seiner Videofälle (Fall eines schwerkranken Kindes) vielleicht auf etwas flapsige, aber unterhaltsame Weise.
Tjado Galic verwendete für seine Auswertung hauptsächlich Geist bzw. Gemütssymptome (durch seine eigene Beobachtung des Kindes, sowie Beobachtung und Bestätigung der Eltern), sowie klinische Rubriken, als auch ein sichtbares körperliches Symptom.
Galic bezog sich dabei bei der Auswahl der Symtome auf § 6 des Oraganons
„Alle….. wahrnehmbaren Zeichen repräsentieren die Krankheit in ihrem ganzen Umfange….sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit.“
Sowie auf den § 7 des Organons:
„…so muß die Gesamtheit dieser ihrer Symptome, dieses nach außen reflektierende Bild des inneren Wesens der Krankheit, des Leidens der Lebenskraft…..“
Der demonstrierte Fall ist leider zur Veröffentlichung nicht frei gegeben, aber soviel sei gesagt: Dem Kind ging es nach einem Jahr sehr viel besser und war auf dem besten Wege zur Heilung.
Man hatte das Gefühl, dass Galic, dadurch, dass er vom restlichen Seminarinhalt nichts mitbekommen hatte, sehr unbekümmert seine Fall präsentierte, ohne einen Bezug zu den vorhergehenden Inhalten und Schwerpunkten herzustellen.
Der Kreis schloss sich allerdings wieder in der anschließenden Podiumsdiskussion:
U.a. wurden Tjado Galics Auswertung und Symptomenauswahl sowie z.T. auch Anamnese-Stil diskutiert.
Jedoch waren sich die „genuinen“ Teilnehmer einig, dass der Fall von Galic auf seine Weise zwar gut gelöst (wie gesagt über die Symptomenauswahl – da stritten sich manche Geister) auch mittels des Symptomen-Lexikons hätte gelöst werden können.
Doch so gilt auch hier. Wer heilt hat recht.
So war das Hahnemannsymposium rundherum eine gelungene Veranstaltung.
Schlusswort von Carl Classen (ars curandi) jedenfalls:
“ Was hier an Qualität dargestellt worden ist, lässt uns zufrieden nach Hause gehen.“
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References: §153
 §22
 §272
 § 274
 § 6
 § 7