Source: http://derprophet.info/inhalt/anhang23-htm/
Timestamp: 2017-11-23 03:53:44+00:00

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Art. 72 – Gesteht eine Person einen unerlaubten Geschlechtsverkehr, auf den eine hadd-Strafe steht, und bereut ihn später, so kann der Richter einen Antrag auf Begnadigung beim Herrscher 13) stellen oder die hadd-Strafe anwenden.
13) Wali I-amr. wörtlich: Sachwalter.
Art. 93 – Wird ein Kranker oder eine übermässig menstruierende Frau zum Tode oder zur Steinigung verurteilt, so wird die hadd-Strafe vollstreckt. Wurden sie aber zur Auspeitschung verurteilt, so wird die Vollstreckung aufgeschoben, bis die Krankheit bzw. Menstruation vorbei ist.
Art. 100 – Die hadd-Strafe der Auspeitschung muß ein Mann, der sich eines unerlaubten Geschlechtsverkehrs schuldig gemacht hat, im Stehen und bis auf die Schamteile unbekleidet erleiden; die Peitschenhiebe werden auf seinen ganzen Körper außer auf Kopf, Gesicht und Schamteile geschlagen.
Eine Frau, die sich eines unerlaubten Geschlechtsverkehrs schuldig gemacht hat, wird im Sitzen und bekleidet ausgepeitscht.
Art. 104 – Die Steine dürfen bei einer Steinigung nicht so groß sein, daﬂ die Person getötet wird, wenn sie von einem oder zwei davon getroffen wird und auch nicht so klein, daﬂ man sie nicht mehr als Stein ansehen kann.
Art. 115 – Ein weniger als viermaliges Geständnis zieht keine hadd-Strafe nach sich, der Gestehende wird vielmehr mit einer taczir-Strafe bestraft.
Art. 116 – Das Geständnis ist rechtserheblich, wenn der Gestehende mündig und geistig gesund ist und es freiwillig und mit Vorsatz ablegt.
Art. 132 – Bereut die Täterin der lesbischen Liebe, bevor die Zeugen ausgesagt haben, so entfällt die hadd-Strafe; bereut sie dagegen, nachdem die Zeugen ausgesagt haben, so entfällt die hadd-Strafe nicht.
Erläuterung: Wenn in den obengenannten Fällen Anzeichen dafür gegeben sind, daﬂ keine Verleumdungsabsicht bestand, so wird die hadd-Strafe nicht verhängt.
Art. 143 – Behauptet jemand gegenüber einem anderen, dieser habe mit einer Frau X unerlaubten Geschlechtsverkehr oder mit einem Mann Y homosexuellen Verkehr gehabt, so ist das eine Verleumdung des Angesprochenen, und derjenige, der sie ausspricht, wird zu einer hadd-Strafe verurteilt.
Art. 144 – Sagt jemand in der Absicht, einem anderen einen unerlaubten Geschlechtsverkehr vorzuwerfen, zu ihm z.B. Hurenweib, Hurenschwester oder Hurenmutter, so wird er in bezug auf die Person, der er den unerlaubten Geschlechtsverkehr nachsagt, zur hadd-Strafe für Verleumdung verurteilt und in bezug auf die angesprochene Person, die er mit diesem Schimpfwort beleidigt hat, zu einer taczir-Strafe von höchstens vierundsiebzig Peitschenhieben verurteilt.
„Was ich gesagt habe, ist wahr“, so wird er mit einer taczir-Strafe von bis zu vierundsiebzig Peitschenhieben bestraft.
Art. 159 – Wer jemanden mehrmals wegen derselben Sache, z.B. wegen unerlaubten Geschlechtsverkehrs, verleumdet, wird mit einer einzigen hadd-Strafe bestraft.
wenn der Verleumdete den Verleumder bestätigt;
wenn die Zeugen in der notwendigen Zahl die Tatsache, die Gegenstand der Verleumdung ist, bezeugen;
wenn der Verleumdete oder alle seine Erben dem Verleumder verzeihen;
wenn ein Mann gegen eine Frau nach der Verleumdung den lican 19) schwört.
19) Lican: Ein altertümliches Schwurverfahren, das bei dem Vorwurf des Ehebruchs angewendet wird, den ein Ehegatte gegen den anderen erhabt. Beschwört ein Ehegatte, der andere Ehegatte habe die Ehe gebrochen, und weist der andere diesen Vorwurf unter Eid zurück, so gilt die Ehe als aufgelöst. Damit ist das Verfahren erledigt, und keiner der Ehegatten wird wegen Ehebruchs oder Verleumdung bestraft.

References: Art. 93

Art. 100

Art. 104

Art. 115

Art. 116

Art. 132

Art. 143

Art. 144

Art. 159