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Informationspflichten gegenüber Verbrauchern – ein zahnloser Papiertiger?
Autor: Prof. Dr. Timm Gessner
Der deutsche Verbraucherschutz ist in den letzten Jahren sowohl gesetzlich als auch durch die Judikatur deutlich gestärkt worden. Zu nennen sind beispielsweise die weitgehenden Änderungen durch die Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie im Jahr 2010 oder die vom BGH entwickelte und immer weiter ausdifferenzierte Rechtsprechung zu Aufklärungspflichten bei der Vermittlung von Finanzprodukten. Obgleich die rechtliche Position des Verbrauchers hierdurch formal deutlich verbessert wurde, stellt sich nicht selten die Frage, ob die von Legislative und Judikative entwickelten Schutzinstrumentarien tatsächlich effizient sind. Insbesondere die zunehmende gesetzliche Verpflichtung, den Verbraucher (vorvertraglich) über bestimmte Parameter zu informieren bzw. aufzuklären, stellt nicht selten einen Schwachpunkt im Verbraucherschutz dar. Nachfolgend sollen die Ineffizienz der Informationspflichten und deren juristische Achillesferse behandelt sowie die Frage nach flankierenden Schutzmechanismen gestellt werden.
Ausführlich hierzu Koch, BKR 2012, 485ff.
BGH, NJW 2008, 2026; NJW 1989, 763, 764.
Für den Bereich der Anlageberatung Eberius, Regulierung der Anlageberatung und behavioral finance, 2013, S. 29.
MünchKommBGB-Micklitz, 6. Aufl., Vorbemerkung zu §§ 13, 14 Rn. 66 ff.; Tamm/Tonner-Tamm, Verbraucherrecht, 1. Aufl., § 1 Rn. 20ff.; zu neueren Entwicklungen Kothe, VuR 2012, 338.
Das Konzept geht auf Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, von 1776 zurück. Der lateinische Begriff wurde erstmalig von Vilfredo Pareto, Manuale d’economia politica, im Jahr 1906 verwendet. Ausführlich zu dieser Figur Eberius, Regulierung der Anlageberatung und behavioral finance, 2013, S. 27.
Tamm/Tonner-Tamm, Verbraucherrecht, 1. Aufl., § 1 Rn. 21; Oehler, VuR 2006, 294, 295.
Eidenmüller, JZ 2005, 216.
Tamm/Tonner-Tamm, Verbraucherrecht, 1. Aufl., § 1 Rn. 24; Eberius, Regulierung der Anlageberatung und behavioral finance, 2013, S. 34; Koch, BKR 2012, 485; Reich, NJW 1978, 513, 519; Ackermann, ZEuP 2009, 230; Grunewald, AcP 190 (1990), 611.
Zum Beispie EuGH, DB 1990, 1179; Schwarze/Becker/Hatje/Schoo-Berg, EU-Kommentar, 3. Aufl., AEUV Art. 169 Rn. 8.
Bydlinski, AcP 204 (2004), 309, 368; Canaris, AcP 200 (2000), 320, 343.
Eberius, Regulierung der Anlageberatung und behavioral finance, 2013, S. 33; kritisch Hölzle, Verstrickung durch Desinformation, 2012, S. 25.
Tamm/Tonner-Tamm, Verbraucherrecht, 1. Aufl., § 1 Rn. 27.
MünchKommVVG-Armbrüster, 1 Aufl., § 6 Rn. 23.
MünchKommVVG-Armbrüster, 1 Aufl., § 6 Rn. 98; Prölss/Marti-Prölss, VVG, 28. Aufl., § 6 Rn. 2.
In einer Untersuchung aus 2010 kam Stiftung Warentest allerdings zu dem Ergebnis, dass in fast 40 % der untersuchten Fälle nur standardisierte Informationen dokumentiert wurden.
Möllers/Kernchen, ZGR 2011, 1, 4.
Heidel-Becker, Wertpapierhandelsgesetz, 1. Aufl., § 37 Rn. 1.
Heidel-Becker, Wertpapierhandelsgesetz, 1. Aufl., § 37 Rn. 30.
Möllers/Kernchen, ZGR 2011, 1, 5.
Möllers/Kernchen, ZGR 2011, 1, 6.
Hierzu bereits BGH, NJW 1987, 372, 373; Hölzle, Verstrickung durch Desinformation, 2012, S. 25; Koch, BKR 2012, 485ff.; Lieder, GWR 2011, 175; Derleder, NJW 2009, 3195; Eidenmüller, JZ 2005, 216, 221.
Möllers/Kernchen, ZGR 2011, 1, 8; Eidenmüller, JZ 2005, 216, 218.
Nobbe, WM 2011, 625, 627.
Ausführlich Eidenmüller, JZ 2005, 216, 218ff.; Steinbeck/Lachenmaier, NJW 2014, 2086ff.; Möllers/Kernchen, ZGR 2011, 1, 7.
So auch Steinbeck/Lachenmaier NJW 2014, 2086.
Ausführlich Paredes, Washington University Law Review 2003, 416, 435ff.; Möllers/Kernchen, ZGR 2011, 1, 8; Eidenmüller, JZ 2005, 216, 218.
So auch Koch, BKR 2012, 485, 493.
Koch, BKR 2012, 485; Möller/Kernchen, ZGR 2011, 1.
BGH, BKR 2014, 295; BGH, ZIP 2014, 1672; BGH, NJW 2012, 2427, 2429.
BGHZ, 124, 151, 161.
Vgl. BGH Hinweisbeschluss vom 12.02.2014, Az. IV ZR 409/12.
OLG Saarbrücken, VuR 2012, 75; Römer/Langheid-Rixecker, VVG, 4. Auflage 2014, § 6 Rn. 35.
Prölss/Martin-Prölss, VVG, 28. Auflage 2010, § 6 Rn. 26.
Gessner, Die rechtlichen Grenzen für restschuldversicherte Verbraucherdarlehen, 2011, S. 220.
Ausgenommen hiervon sind jedoch Umschuldungen und Überziehungskrediten, da § 495 Abs. 3 Nr. 1 BGB eine Verwendung des Musters nach Art. 247 § 3 EGBGB nicht verlangt.
Kritisch zu diesem Komplex auch Derleder, NJW 2009, 3195, 3199.
BGH, NJW 1981, 979 m. w. N.
Dies kann trotz Differenzhypothese allerdings anders sein, wenn „die Leistung für seine Zwecke nicht voll brauchbar ist“, BGH NJW 1998, 302, 304. Diese wird bei einem Verbraucher, der gerade ein Darlehen aufnehmen will, aber selten vorkommen.
Zum umgekehrten Fall der Haftungsbegrenzung durch den Schutzzweck der Norm Schäfer/Ott, Lehrbuch der ökonomischen Analyse des Zivilrechts,4. Aufl. 2005, S. 265ff.
Bt-Drucks. 16/11643, S. 94; Derleder, NJW 2009, 3195; Rühl, DStR 2009, 2256.
MünchKommBGB-Schürnbrand, 6. Aufl., Vor § 491ff. Rn. 19; Metz, NJW 2012, 1990; Derleder, NJW 2009, 3195, 3198.
Legt man einen Stundenlohn von EUR 60,00 zugrunde und unterstellt einen Zeitaufwand von einer Stunde für die vorvertragliche Aufklärung im Darlehensvertragsrechts, so würde sich nach dem eben dargestellten Beispiel eine Missachtung der Aufklärungspflicht für den Darlehensgeber sogar dann lohnen, wenn 20 % aller Verbraucher erfolgreich Schadensersatz geltend machen würden.
Art. 24ff. der Richtlinie 2008/48/EG.
Vgl. Schäfer/Ott, Lehrbuch der ökonomischen Analyse des Zivilrechts, 4. Aufl. 2005, S. 384.
So auch Mörsdorf-Schulte, NJW 2006, 1184, 1185.
Schäfer/Ott, Lehrbuch der ökonomischen Analyse des Zivilrechts, 4. Aufl. 2005, S. 380 attestieren dem deutschen Schadensersatzrecht insoweit gar ein „Funktionsdefizit“.
Zu den Formen des punitive damage in verschiedenen Ländern ausführlich Koziol/Wilcox, Punitive Damages: Common Law and Civil Law Perspectives, 2009.
Assmann, ZBB 2008, 21, 29.
Schwark/Zimmer-Koch, Kapitalmarktrechtskommentar, 4. Aufl. 2010, § 31d WpHG Rn. 66; Mock, NZG 2012, 1332.
Möllers, NJW 2011, 1697, 1699.
Ähnlich Schäfer/Ott, Lehrbuch der ökonomischen Analyse des Zivilrechts, 4. Aufl. 2005, S. 384.
Wenker, NZV 2014, 241, 243; Müller, Punitive Damages und deutsches Schadensersatzrecht, 2000, S. 7ff.; zur Historie von punitive damages Küster, Strafschadensersatz als Rechtsfolge nach § 15 AGG, 2010, S. 140.
BVerfG NJW 1995, 649.
BGHZ 18, 149.
BGH NJW 1992, 3096, 3100; BGH, NJW 1995, 861 („Caroline I“).
Wenker, NZV 2014, 241, 243; ausführlich zu unterschiedlichen Ansätzen eines pönalisierenden Schadensersatzes im deutschen Recht Müller, Punitive Damages und deutsches Schadensersatzrecht, 2000, S. 101ff.
MünchKommBGB-Thüsing, 6. Aufl., § 15 AGG Rn. 14; Däubler/Bertzbach-Däubler, AGG, 3. Aufl., § 15 Rn. 66.
Küster, Strafschadensersatz als Rechtsfolge nach § 15 AGG, 2010, S. 138.
MünchKommBGB-Thüsing, 6. Aufl., § 15 AGG Rn. 14; zu dem Ergebnis kommen auch, Koziol/Wilcox- Jansen/Rademacher, Punitive Damages: Common Law and Civil Law Perspectives, 2009, S. 75ff.; a. A. offenbar ArbG Köln, Urteil vom 12.01.2010, Az. 8 Ca 9872/09.
Zuletzt wurde die R. J. Reynolds Tobacco Company zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 23 Milliarden Dollar an die Witwe eines an den Folgen des Rauchens gestorbenen Mannes verurteilt, vgl. ZEIT vom 20. Juni 2014.
Hierzu ausführlich Klode, NJOZ 2009, 1762, 1764ff.
Nodoushani, VersR 2005, 1313.
Küster, Strafschadensersatz als Rechtsfolge nach § 15 AGG, 2010, S. 142; Müller, Punitive Damages und deutsches Schadensersatzrecht, 2000, S. 11.
Wenker, NZV 2014, 241, 243; Müller, Punitive Damages und deutsches Schadensersatzrecht, 2000, S. 9; Crawford/Pellet/Olleson-Wittich, Oxford Commentaries on International Law, 2010, S. 667.
Küster Strafschadensersatz als Rechtsfolge nach § 15 AGG, 2010, S. 142f.; Müller, Punitive Damages und deutsches Schadensersatzrecht, 2000, S. 9.
Mörsdorf-Schulte, NJW 2006, 1184, 1186, ähnlich Klode, NJOZ 2009, 1762, 1766.
Der Fall einer fahrlässigen Verletzung von Aufklärungspflichten dürfte kaum vorkommen.
Klode, NJOZ 2009, 1762, 1770; so auch Mörsdorf-Schulte, NJW 2006, 1184, 1185 unter Verweis auf die amerikanische Praxis und den McDonald’s Coffee-Spill-Case, hierzu Wenker, NZV 2014, 241, 243.
Vgl. Küster, Strafschadensersatz als Rechtsfolge nach § 15 AGG, 2010, S. 144ff.; Cooter/Ulen, Law & Economics – fourth edition, 2004, S. 371ff.; Nodoushani, VersR 2005, 1313; Buchner, VersR 2003, 1203.
BGH MDR 2011, 1438; MünchKommZPO-Wöstmann, 4. Aufl. § 3 Rn. 38.
BGH MDR 2011, 1438; BGH FamRZ 2006, 265.
Dieser Streitwert wird bei der Unwirksamkeit eines Darlehensvertrages angesetzt, MünchKommZPO-Wöstmann, 4. Aufl. § 3 Rn. 54. Eine Vergleichbarkeit mit dem vorliegenden Fall ergibt sich aus dem Umstand, dass aufgrund einer möglichen Informationspflichtverletzung u. U. Anspruch auf Rückabwicklung des Darlehensvertrages bestünde.
Als Anwaltskosten werden hier die Kosten für die Klageerstellung und -einreichung mit einer 1,3fachen Verfahrensgebühr gemäß § 2 Abs. 2 RVG i. V.m. Nr. 3100 berücksichtigt.
Müller, Punitive Damages und deutsches Schadensersatzrecht, 2000, S. 13; Klode, NJOZ 2009, 1762, 1767 verweist auf die Regelung im amerikanischen Bundesstaat Connecticut.
Kommt man auf das Beispiel unter Rn. 44 zurück, so würde sich eine Missachtung der Aufklärungspflicht für den Darlehensgeber bei dieser Strafschadensersatzberechnung nur noch lohnen, wenn weniger als 7,5 % aller Verbraucher erfolgreich Schadensersatz geltend machen würden.
Ähnlich Mörsdorf-Schulte, NJW 2006, 1184, 1186.
https://doi.org/10.1007/978-3-662-45872-3_6

References: BGH 
 § 1
 § 1
 § 1
 Art. 169
 § 1
 § 6
 § 6
 § 6
 § 37
 § 37
 BGH 
 § 6
 § 6
 § 495
 Art. 247
 § 3
 BGH 
 § 491

Art. 24
 § 31
 § 15

BGH 
 § 15
 § 15
 § 15
 § 15
 § 15
 § 15
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BGH 
 § 3

BGH 
 BGH 
 § 3
 § 2