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Timestamp: 2019-02-22 16:43:56+00:00

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Lotterie Klassifizierung: 336.1 Nichtsteuerliche Einnahmen Klassifizierung: 795 Glücksspiele , die, im Plur. die -- n, bedeutet eine Art Glücksspiele, wo der Gewinn und Verlust der Spielenden durch das Loos entschieden wird; *
Das Wort kommt von dem Ital. Lotteria, und dieß von Lotto, ein Loos, daher auch eine Lotterie in Italien, aus welchem Lande diese Erfindung zu uns gekommen ist, ein Lotto genannt wird, obgleich wir im Deutschen unter Lotto, wie es weiter unten berührt werden wird, ausschließlich die Zahlenlotterie verstehen.
doch ist es jetzt gewöhnlich, solche Glücksspiele, wo der Spielende gegen ein gewisses Geld ein oder mehrere Loose aus einem Gefäße selbst heraus nehmen darf, die denn entweder leer, oder mit dem Gewinne beschrieben sind, Glückshafen oder Glückstopf (s. den Art. Glücksbude, Th. 19. S. 211.) zu nennen, wogegen man unter Lotterie vorzüglich solche Veranstaltungen versteht, wo diese Loose von dazu bestellten Knaben für diejenigen gezogen werden, die ein bestimmtes Geld hergegeben haben, in Hoffnung, dafür etwas zu gewinnen. Da die Lotterien verschiedener Art in den neueren Zeiten in <81, 14> vielen Ländern sehr gemein geworden sind, und sie in manchem kleinen und großen Staate als eine ergiebige Quelle, die Einkünfte zu vermehren, oder vielmehr als bequeme Veranstaltungen betrachtet werden, die Unterthanen auf eine wenig drückende Weise zu besteuern; und da ferner die Spielenden nicht selten fast alle ihre Hoffnung auf die Lotterie setzen, darüber gleichgültig gegen ihre Berufsgeschäfte werden, weil dieser Weg des Erwerbs ihnen zu beschwerlich und zu langweilig vorkommt, durch das ungünstige Glück getäuscht, aber immer tiefer in Armuth und Verzweiflung sinken: so wird es nöthig seyn, diesen Gegenstand von mehreren Seiten zu beleuchten, um das, was sich für und und gegen die Sache sagen läßt, zu eines jeden Beherzigung offen darzulegen. Vorher wird es aber nöthig seyn, die Einrichtung der gewöhnlichsten Lotterien zu beschreiben, weil sich ohne Kenntniß des Gegenstandes kein richtiges Urtheil fällen läßt.
Man kann die Lotterien in zwey Hauptarten eintheilen, nähmlich in die alten und in die neuen, oder in die Classen= und Zahlenlotterien. Beyde haben ihren Ursprung aus Italien, *
Das Jahr der Erfindung der Classenlotterie, so wie der Nahme des Erfinders sind nicht bekannt. So viel sich aber aus einer alten Schrift, welche unter dem Titel: Sigism. Suevi Glückstöpfe, wie die bey der jetzigen Welt im Brauch sind etc. etc. am Ende des 16ten Jahrhunderts, und zwar im Jahr 1582 herauskam, vermuthen läßt, so muß sie nothwendig schon zu Anfange des genannten Jahrhunderts, und vielleicht noch früher existirt haben. Und wie Klock (vid. ejusd, tractatus de aerario Lib. II. c. 118.) anmerkt, so hat 1521 der Senat zu Osnabrück eine Lotterie errichtet. Aus dem Klock, l. c. läßt sich aber vermuthen, daß die ersten Lotterien nicht in baarem Gelde, sondern in allerhand brauchbaren Sachen bestanden. Auch bemerkt er, daß die Kaufleute in Italien auf diese Art ihren Waarenabsatz zu befördern gewohnt gewesen wären. S. Roscher vom verderblichen Einfluß des Lotteriewesens. S. 6. die Anmerk.
und zwar suchte man in den Lotterien zuerst ein Mittel, wenn auch nur ein Palliativ=Mittel, die Hasardspiele, die so sehr eingerissen <81, 15> waren, zu verdrängen, da man sie durch Gesetze nicht unterdrücken konnte. Da die alten oder die Classenlotterien indeß am häufigsten in Holland gebraucht worden sind, indem daselbst während des Krieges mit Spanien große Abgaben aufgelegt werden mußten, und man mithin alle mögliche Mittel hervor suchte, um Geld aufzubringen, so daß fast in jeder ansehnlichen holländischen Stadt eine Lotterie angelegt wurde: so pflegt man die alte Art auch die holländischen Lotterien zu nennen. Die neue Art der Lotterien oder die Zahlenlotterie, welche bey uns auch ausschließlich das Lotto heißt, ist erst gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts zu Genua erfunden worden, daher man sie auch in ganz Italien Lotto di Genova, oder die genuesische Lotterie zu nennen pflegt. Allein in andern Ländern von Europa erhält sie gemeiniglich den Nahmen der italienischen oder wälschen. Lotterie.
Bey der Classenlotterie ist in der Folge beständig gekünstelt worden. Man hat Lotterien errichtet, wo die Gewinnste nicht in bloßem Gelde, sondern in Gelde und Grundstücken zugleich, als Häusern und dergleichen, oder auch wohl in bloßen Waaren bestehen; ja man hat sie auch mit Tontinen und Leibrenten verbunden. Man hat sogenannte periodische Lotterien errichtet, welche <81, 16> das ganze Jahr hindurch, und zwar alle Monath gezogen werden.
Selbst die Zahlenlotterie hat an verschiedenen Orten eine veränderte Einrichtung erhalten, indem man statt eines Glücksrades zwey angeordnet hat, die zugleich gezogen werden, da man denn in beyde zugleich einsetzen kann. So wird auch bey einigen die Quine, d. i. wenn alle 5 heraus gezogene Nummern getroffen haben, und wo 5 Quaternen bezahlt werden, noch besonders zugelassen, wie es unter andern in Augsburg der Fall ist. Wir wollen indessen diese verschiedenen Arten der Lotterien etwas näher betrachten.
Von der Einrichtung der Classenlotterie.
Nachdem das Capital oder die Summe der Lotterie festgesetzt ist, so wird die Anzahl Loose oder Lotterie=Billets bestimmt, durch deren Verkaufung dieses Kapital zusammen gebracht werden soll. Um den Verkauf dieser Billets oder die Einlage in die Lotterie zu erleichtern, werden gemeiniglich verschiedene Classen gemacht, und zwar so, daß die Einlage in der ersten Classe nur wenig beträgt, in den folgenden Classen aber immer höher steigt. Die festgesetzte Summe wird dergestalt zu Gewinnsten bestimmt und vertheilt, daß ein, zwey, oder mehr Nieten, oder nicht gewinnende Loose gegen ein gewinnendes oder einen Treffer heraus kommen. Man läßt dieses durch das Glück entscheiden, indem man zu gleicher Zeit aus zwey besonderen Gefäßen, in deren einem die Lotterieloose nach ihren verschiedenen Nummern, oder auch die bloßen Nummern allein, in dem andern aber die <81, 17> Gewinnste und Fehler befindlich sind, zwey Zettel heraus zieht, da denn die aus dem einen Gefäße heraus gezogenen Lotterienummer entweder gewinnt oder verliert, nach Maßgabe des Zettels, der aus dem andern Gefäße heraus gezogen ist. Diese Gewinnste werden hernach mit zehen oder zwölf vom Hundert Abzug an den Inhaber des Billets ausgezahlt, der Abzug aber wird theils zu den Lotteriekosten, theils aber zu dem Endzweck, zu welchem die Lotterie errichtet worden, verwendet, oder er fällt dem Unternehmer der Lotterie anheim.
Soll eine solche Lotterie zu Stande gebracht werden, und einen guten Fortgang haben, so wird es bey der Einrichtung derselben auf nachfolgende Maßregeln ankommen.
I. Muß der Staat, unter dessen Autorität eine Lotterie errichtet wird, einen guten Credit, so wohl im Lande selbst, als auswärts haben, weil man sonst die bestimmte Anzahl Loose natürlich nur mit Mühe oder zum Theil gar nicht unterbringen kann, und die Spieler alles Verbots ungeachtet lieber bey ihren sonstigen Lotterien bleiben, die einmahl im Rufe stehn. Dieser Lotterie=Credit besteht besonders darin, daß alles ehrlich und redlich zugehe, und daß alles und jedes, was man in dem Plane versprochen hat, auf das genaueste erfüllt werde. Die Lotterie=Direction muß unter keinerley Vorwand die Auszahlung der Gewinnste, sonderlich der Hauptgewinnste, schwer machen oder verweigern, noch einen größern Abzug verlangen, als der Plan mit sich bringt. Beydes ist zuweilen bey einigen deutschen Lotterien geschehen, so daß derjenige, welcher ein ansehnliches Loos gewonnen, den Gewinnst nicht eher, als nach vielen ver<81, 18>drießlichen Klagen oder gar durch Processe hat erhalten können. Eben so wenig muß gestattet werden, daß die Collecteurs von den Gewinnenden einige Geschenke als ein ihnen zukommendes Recht verlangen, und wenn sie ihnen geweigert werden, allerley Chicanen machen dürfen.
Die Lotterie=Direction muß für ihre Collecteurs, wenn diese bankerot werden, oder die Lotteriegelder in ihren eigenen Nutzen verwenden, und solche hernach nicht auszahlen können, haften, und in dergleichen Fällen die Gewinner nicht an die Collecteurs verweisen, oder sie auf die Auszahlung der Gewinnste lange warten lassen. Die Lotterie Direction hat demnach alle Ursache bey der Wahl ihrer Collecteurs alle Behutsamkeit anzuwenden. Sie sollte billig keine andere als rechtschaffene Kaufleute darzu erwählen, wenn diese dazu Zeit haben sollten, weil diesen an Erhaltung ihres eignen Credits viel gelegen seyn muß.
Außerdem verschafft die Garantie des Landesherrn oder der Landstände einer Lotterie einen großen Credit, wenn sonst die Staatswirthschaft eines Landes auch bey den Ausländern einen guten Nahmen hat. Lotterien, die ohne solche Garantie, und auf die bloße Concession des Landesherrn errichtet werden, kommen selten zu Stande, und gehet eine Lotterie wegen schlechter Einrichtung oder Mangel an Redlichkeit zu Grunde, so wird es schwer halten, in einigen Jahren eine andere in Gang zu bringen.
II. Muß man in Deutschland den Plan nicht auf eine allzugroße Anzahl Loose einrichten. Eine Lotterie von 50000 Loosen ist, nach des Herrn von Justi Meinung, vielleicht die stärkste, auf deren Completirung man sich in Deutsch<81, 19>land Rechnung machen könne, und das nun zwar wohl nicht aus dem Grunde, wie er und Bergius es meint, weil in Deutschland die Neigung zu den Lotterien nicht so groß, als in andern Theilen von Europa sey, womit es sich jetzt vielleicht umgekehrt verhalten möchte; sondern wahrscheinlicher deswegen, weil die deutschen Staaten großentheils nur klein sind, und eine Lotterie immer durch die andere beschränkt wird. Daß in größeren Staaten auch größere Lotterien zu Stande gebracht werden können, sieht man an der Berlinischen Lotterie, die vor 4 Jahren 55000, und jetzt 66000 Loose absetzt, wogegen die vielen kleinen Lotterien in Sachsen, die Dresdner und Leipziger ausgenommen, welche 34 und 30000 Loose stark sind, nur zwischen 10 und 20000, und die Meißner gar nur 6000 Loose enthalten. -- Diejenigen Unternehmer, welche einen sehr großen Plan, öfters auf 100000 Loose entworfen haben, sind daher mit ihrem Nachtheile überzeugt worden, daß es nicht leicht ist, eine so große Anzahl Loose an den Mann zu bringen, und noch weniger kommen die Lotterien zu Stande, die noch aus mehreren Loesen bestehen. Es ist vielleicht nie ein so großes und ungeheures Project zu einer Lotterie gemacht worden, als die so genannte Millionen=Lotterie in den österreichischen Staaten, unter der Regierung Carl des Sechsten. Man weiß aber auch, daß die letzten Classen nicht gezogen wurden, weil die Lotterie=Direction die Einlage in dieselbe nicht zu Stande bringen konnte, so daß die Lotterie scheitern mußte. Man kann hierin sich nicht nach England und nach der vormahligen großen holländischen Lotterie richten. In England hat das Parlament schon lange <81, 20> durch Lotterien jährlich 1 Million Pf. Str. zu den Staatsbedürfnissen aufgebracht. Die Einlage ist sehr ansehnlich, und ein Loos kostet öfters 50 und mehr Pf. Strl. Die Bedingungen dabey sind, daß die Gewinnste in Credit=Billets verwandelt, und die Zahlung der Interessen von dem Parlament auf einen gewissen Fond oder Casse versichert werden. Es sind gemeinhin auch gar keine Nieten in diesen Lotterien, sondern diejenigen, die verspielen, verlieren nur etwas von ihrem Einsatze. Alle diejenigen also, welche Capitalien besitzen und geneigt sind, dem Staate ihr Geld vorzuschießen, interessiren sich sehr stark bey diesen Lotterien, und ein einziger Capitalist nimmt öfters 100 Loose in einer solchen Lotterie, um die darauf gesetzten Prämien zu genießen, die er theils selbst behält, theils wieder an andere, und zwar mit Vortheil verkauft, weil die Loose einer solchen Lotterie öfters binnen kurzer Zeit vergriffen sind. Dieses geht in England an, wo die vielen Reichen öfters nicht mit ihrem Gelde zu bleiben wissen; in Deutschland hat dieses alles bekanntlich indessen eine ganz andere Gestalt.
III. Um sich nach den Vermögensumständen der größeren Menge, für die man eine Lotterie berechnet, zu richten, wird es in Deutschland zweckmäßig seyn, wenn man doch einmahl eine Lotterie errichten will, die Einlage nicht sehr stark zu machen. Die Einlage von 50, 80 und mehr Thalern für ein Loos findet bey uns wenig Beyfall, und man würde eine große Lotterie von diesem Einsatze schwerlich completiren, da den meisten der Einsatz von 15, 20 oder 30 Thalern schon zu hoch ist. Bey allem diesen hat man es noch nöthig gefunden, nicht lauter ganze <81, 21> Loose, sondern auch halbe und viertel Loose zu machen, um denjenigen, die nicht viel wagen wollen und können, den Einsatz zu erleichtern. *
Von dem Nachtheile, der hieraus für die ärmere Volksklasse entsteht, die sich dadurch zum Spielen verleiten läßt, wird weiter unten gehandelt werden.
In der holländischen Generalitäts=Lotterie hat man sogar Achtel= und Sechzehentel=Loose.
IV. Die alten oder holländischen Lotterien bestehen, wie schon oben gedacht, aus verschiedenen Classen. Diese werden gemacht, um den Verkauf der Billets oder die Einlage in die Lotterie zu erleichtern. In diese Classen werden die Gewinnste der ganzen Lotterie vertheilt, und gemeiniglich wird die Einlage der ersten Classe nicht sämmtlich in Gewinnste vertheilt, sondern ein ansehnlicher Theil davon zu den Gewinnsten der letzten Classe aufbehalten, damit die Spielenden durch die größeren Gewinnste der letzten Classe desto mehr angereitzt werden, nicht heraus zu treten, sondern ihr Glück bis zuletzt zu verfolgen. So wie die Gewinnste von Classe zu Classe steigen, so steigt gewöhnlich auch die Einlage. Für den Fortgang der Lotterie ist es der Erfahrung zu Folge gut, wenn die Einlage in die erste Classe nicht zu niedrig und geringe bestimmt, und hernach bey den folgenden gar zu ungleich erhöhet wird, denn dadurch werden viele Einleger, wenn sie in der ersten Classe nicht heraus kommen, von ferneren Beyträgen abgeschreckt. -- Die Einlagen in den verschiedenen Classen müssen in einer guten Proportion stehen; z. B. bey einer Lotterie, deren Capital aus einer Million Thaler besteht, und fünf Classen hat, würde das Loos in der ersten Classe 2 Rthl. <81, 22> in der zweyten 3, in der dritten 4, in der vierten 5, und in der fünften 6 Rthl. kosten. Diese Eintheilung ist viel proportionirlicher, als wenn man in der ersten Classe 1 Loos nur 1 Rthl. gelten läßt, und hernach die folgenden Classen gar zu ungleich erhöhet. Viele lassen sich alsdann bey einer solchen Lotterie in der Hoffnung ein, mit der kleinen Einlage einen Gewinn in der ersten Classe zu erhalten, um mit demselben die Einlage in den folgenden Classen bestreiten zu können; wenn nun diese Hoffnung nicht erfüllt wird, so können und wollen viele ihre Loose in den folgenden Classen nicht erneuern, und treten daher aus.
V. Für eine jede Classe wird eine Anzahl Gewinnste bestimmt, und die Verfertiger der Lotterieplane richten ihr Augenmerk gewöhnlich dahin, in jeder Classe wenigstens einige ansehnliche Gewinnste, nach Proportion der Einlage heraus zu bringen. Allein da die Gewinnste das Lotterie=Capital nicht übersteigen können, so ist es natürlich, daß nur wenige Gewinnste von mittler Größe, die übrigen aber nur klein eingerichtet werden müssen. In eben dem Grade, als die Zahl der beträchtlichen Gewinnste vermindert wird, wird aber auch die Anreitzung für diejenigen geschwächt, welche die Wahrscheinlichkeit zu berechnen wissen. Wenn z. B. nur fünf große Gewinnste in einer Lotterie von 50000 Loosen vorhanden sind, so ist die Hoffnung eines Lotterielooses zu einem großen Gewinnste, äußerst unwahrscheinlich, indem unter 10000 Loosen nur einem ein solches zufallen kann. Sind einige Hundert Gewinne von mittler Größe vorhanden, so kann etwa unter 200 Loosen eins auf ein solches Rechnung machen.
<81, 23>
Die vielen kleinen Gewinne in einer Lotterie, die ungefähr nur so viel als die Einlage oder noch weniger betragen, werden von verschiedenen getadelt und ein bloßes Blendwerk genannt, um es zu verbergen, daß die Lotterie so oder so viele Nieten gegen einen Treffer enthalte. Das ist in gewissem Sinne allerdings gegründet. Wenn man aber doch einmahl auf den Vortheil der Lotterie bedacht ist, so läßt sich indessen nicht leugnen, daß die vielen kleinen Gewinnste zur Erweiterung einer Lotterie in Deutschland vieles beytragen, weil eine große Anzahl Interessenten sich dadurch bewegen läßt, Loose zu nehmen, indem die Gefahr, den Einsatz zu verlieren, nach Verhältniß der Vermehrung der kleinen Gewinne immer vermindert wird, und dabey doch die Möglichkeit bleibt, ein größeres Loos zu erhalten. In einem Lande, wo es viele Capitalisten gibt, würde es freylich nicht zweckmäßig seyn, viele kleine Gewinne zu machen, sondern man würde besser thun, die kleinen Gewinne in größere zu vereinigen und mehrere Nieten einzurichten, weil ein Reicher für die Hoffnung einen ansehnlichen Gewinn zu machen, seinen Einsatz vielleicht mehrere Mahle wagt, ohne dadurch in Verlegenheit gesetzt zu werden.
VI. Um die Lotterie desto anreitzender zu machen, pflegt man auch für jede Classe eine gewisse Anzahl Prämien, z. B. für das erste und letzte Loos, vor und nach dem höchsten Gewinnste etc. etc. zu bestimmen. Diese Prämien haben das Gute, daß sie die Möglichkeit der günstigen Zufälle vermehren, indem nun auf ein Loos zwey oder gar drey Gewinne fallen können. Doch machen sie den Plan öfters fast zu künstlich und geben zu manchen Weitläuftigkeiten <81, 24> Anlaß. Andere Arten der Prämien, z. B. wenn man denjenigen, die 20 oder 25 Loose nehmen, eine Belohnung zugesteht, können leicht einen Verdacht gegen die Redlichkeit der Lotterie=Direction erwecken, und dem guten Fortgange der Lotterie nachtheilig seyn.
VII. Die meisten Lotterien haben die Einrichtung, daß ein jedes Loos, das in den ersten Classen heraus kommt, sich aus der Lotterie spielt, und folglich bey den folgenden Classen der Gewinner auf keine andere Art mitspielen kann, als wenn er ein neues Loos, das entweder noch nicht debitirt gewesen, oder von dem Eigenthümer nicht erneuert, sondern verlassen worden ist, kauft, und alle Einlagen der vorhergehenden bereits gezogenen Classen dafür bezahlt. Diese Einrichtung wird von einigen nicht sehr angerathen, weil sie zu nichts dienen soll, als um die Lotterie gehörig übersehen zu können, und die Directeurs nebst den Hauptcollecteurs Gelegenheit fänden, Unterschleif zu machen. Man hätte auch gemeiniglich die Absicht dabey, sagen sie, den Plan desto scheinbarer zu machen, und es desto mehr zu verhehlen, daß so viele Nieten in der Lotterie wären, da die Gewinnste in den ersten Classen gemeiniglich so klein wären, daß sie die Einlage kaum überstiegen. Es wäre auch noch eine andere betrügerische, und dem Publicum gar nicht vortheilhafte Absicht bey dieser Einrichtung vorhanden. Man eilte nähmlich mit der Ziehung der ersten Classen, obgleich öfters nicht der zehnte Theil von den Lotterieloosen verkauft wäre. Es wäre leicht einzusehen, daß alsdann die meisten Gewinnste auf diejenigen Loose fallen müßten, die noch nicht verkauft wären, und welche mithin der Lotterie, oder den Haupt<81, 25>collecteurs anheim fielen, da es in verschiedenen Städten, welche Lotterien unterhielten, gewöhnlich wäre, daß einige Hauptcollecteurs angenommen würden, welche gleich Anfangs alle Lotterieloose unter sich vertheilten, und solche hernach zu debitiren suchten. Diese Hauptcollecteurs hätten also bey den ersten Classen nichts zu verlieren, und die wahrscheinlichste Hoffnung zu gewinnen, daher dergleichen Hauptcollecteurs gemeiniglich auch großes Vermögen erwütben. Wenn man also mit vollkommner Redlichkeit zu Werke gehen wollte, so sollte man keine Ziehung der ersten Classe vornehmen, bis alle Lotterieloose verkauft wären, und man sollte den Plan der Lotterie so einrichten, daß die Loose, welche in den ersten Classen gewinnen, sich nicht ausspielen, sondern durch die bloße Einlage zu den folgenden Classen renovirt würden. *
S. von Justi System des Finanzwesens. §. 1023.
Gegen diese Beschuldigungen, die bey verschiedenen Lotterien zum Theil gegründet genug seyn mögen, wendet Bergius, *
Polizey= und Cameral=Magazin, VI. Band. S. 212. etc. etc.
der die Lotterien überhaupt sehr in Schutz nimmt, der Hauptsache nach ein, daß die Directeurs wohl mit Unrecht des Unterschleifes beschuldigt würden, da diese ordentlicher Weise mit dem Debit der Loose nichts zu thun hätten. Und wenn die Collecteurs auch den Vortheil hätten, daß die nach der Ziehung der ersten Classen von den Spielern aufgegebenen Loose, wenn sie wieder an andere verkauft würden, wieder von Anfange <81, 26> an nachbezahlt werden müßten, welches der Lotterie nicht berechnet wird; ferner wenn solche Loose, die in den ersten Classen gar nicht verkauft wären, und also auf ihr Risco liefen, in diesen ersten Classen mit Gewinnen heraus kämen: so müßte man ihnen diesen Nutzen gönnen, da sie öfters mit so vielen Loosen sitzen blieben, die am Ende großentheils Nieten bringen möchten. Der Lotterie=Direction könnte dieses gleichgültig seyn, da die Lotterie keinen Schaden litte, weil die Hauptcollecteurs alle Loose, die sie einmahl übernommen hätten, bezahlen müßten. Uebrigens ließe sich das Fehlerhafte bey dieser Einrichtung, nähmlich das Eilen mit der Ziehung der ersten Classen etc. etc. leicht abstellen, und man dürfte deshalb den Umstand, daß die in den ersten Classen gezogenen Loose sich aus der Lotterie spielen, nicht geradezu verwerfen. -- Es bleibt nach allem diesem indessen wohl ausgemacht, daß die letztgenannte Einrichtung bey Lotterien, die unter keiner strengen Aufsicht stehen, manches nachtheilige hervorbringen kann, welches sich einem jeden, der unpartheyisch über die Sache nachdenkt, leicht zeigen wird, so wenig man dieselbe an sich, wenn alles ehrlich zugeht, auch zu tadeln Ursache haben möchte.
VIII. Wenn der Plan eingerichtet ist, so wird derselbe durch die Intelligenzblätter und Zeitungen möglichst bekannt gemacht; um aber den Lotterieliebhabern die Einlage bequem zu machen, und die Loose desto eher zu debitiren, werden an allen Orten Haupt= oder Unter=Collecteurs bestellt, welche denn auch nach der Ziehung einer jeden Classe die eingelaufenen Ziehungslisten den Interessenten mittheilen, und ih<81, 27>nen die Gewinnste auszahlen, wie solches alles bekannt ist. Zuweilen läßt man die Ziehungslisten nicht in derjenigen Ordnung der Nummern, wie solche nach einander heraus gezogen worden, sondern in der Ordnung drucken und bekannt machen, wie die Nummern ihrer Quantität nach auf einander folgen, um den Interessenten das Nachsuchen ihrer Loose zu erleichtern. Es ist indessen vielleicht besser, die erstere Art, die auch die gemeinste ist, beyzubehalten, weil die andere so leicht Verdacht erwecken kann, daß mit Fleiß oder aus Versehen nicht alles gehörig nachgesehen sey. Auch müssen keine andere Ziehungslisten ausgegeben werden, und für ächt und zuverlässig passiren, als diejenigen, welche die Lotterie=Direction unter ihrer eignen Aufsicht und Autorität drucken lassen; und sie sollte, wegen ihres eignen Credits, auch alle Exemplare derselben eigenhändig unterschreiben, um dadurch allen betrüglichen Nachdruck zu verhindern. Es ist deshalb gar nicht zu billigen, wenn die Lotterie=Direction nur ein Exemplar der Ziehungs=Listen den Collecteurs zuschickt, und ihnen gestattet, die übrigen, so viel sie nöthig haben, bey sich nachdrucken zu lassen, weil dieses den Collecteurs die beste Gelegenheit gibt, Gewinne zu unterschlagen, wenn diese auf Loose gefallen sind, deren Inhaber sich nicht damit abgeben können, sich die ächten Listen kommen zu lassen.
IX. Der Vortheil bey dergleichen Lotterien für den Staat besteht in dem Abzuge, den man von den Gewinnsten macht; und wenn die Lotterien verpachtet sind, so bezahlt der Pächter eine gewisse Summe oder gewisse Procente an den Staat, und zieht dafür die Abzüge von den Gewinnsten. Dieser Abzug beträgt gemei<81, 28>niglich zehen vom hundert, und wenn einige Lotterien angefangen haben, entweder überhaupt, oder nur von den mittlern und großen Gewinnsten zwölf Procent abzuziehen, so ist dieses schon ein Anstoß gewesen, welcher die Lotterie gar nicht beliebt gemacht hat. Von diesem Abzuge muß der Staat alle Unkosten der Lotterie bestreiten, welche gemeiniglich an 5 Procent betragen, indem man den Collecteurs 4 Procent zugestehet und 1 Procent zu den übrigen Lotteriekosten erfordert wird. Der eigentliche Gewinn des Staats bey einer solchen Lotterie beträgt demnach nur 5 Procent, und folglich von einer Lotterie, deren Capital 1 Million Thaler ausmacht, 50000 Thaler. In den mehrsten Ländern hat man in neueren Zeiten angefangen, diesen Abzug zu wohlthätigen Zwecken, z. B. zur Unterhaltung der Armen=, Kranken= und Waisenhäuser etc. etc. zu verwenden, welches einen Theil des üblen Eindrucks, den eine Lotterie immer auf den Nachdenkenden machen muß, wie davon weiter unt+en gehandelt werden wird, auslöschen oder gutmachen soll.
X. Um so wohl einen Theil der Lotterie=Kosten zu ersparen, als auch der Mühe und Umstände, die mit der Ziehung der Lotterie verbunden sind, überhoben zu seyn, hat man auch Lotterien errichtet, die an dem Orte ihrer Errichtung gar nicht gezogen werden, sondern, wobey man sich nach der Ziehung einer auswärtigen und fremden Lotterie richtet. Man erwählt sich nähmlich eine große ausländische Lotterie, die in gutem Credit stehet, und behält derselben Einrichtung in der Anzahl der Loose und den festgesetzten Classen so wohl, als den in jeder bestimmten Gewinnsten bey; nur mit dem Unter<81, 29>schiede, daß die Gewinnste, und folglich auch die Einlage, auf einen gewissen Theil der Gewinnste und der Einlage solcher fremden Lotterie reducirt werden können, wenn man solches für nöthig hält. Wenn nun solche fremde Lotterie gezogen worden, läßt man derselben Ziehungslisten sehr genau, mit Beysetzung der reducirten Gewinnste abdrucken, und zahlet letztere den Gewinnern aus.
Um endlich auch das Ziehungsgeschäft selbst abzukürzen und Kosten zu ersparen, da besonders die letzte Classe bey großen Lotterien mehrere Wochen wegzunehmen pflegt, hat man vorgeschlagen, nur bloß Gewinne in das eine Gefäß zu thun, und die Nieten ganz zurück zu lassen, da es ja einerley ist, ob die Nieten ausgezogen oder durch ihr übergehen stillschweigend angezeigt werden. Diese Einrichtung hätte für die Orte, wo das Assecuriren der Loose sehr üblich ist, als in London, auch das Gute, daß dieses Wagespiel, das zu so vielen Betrügereyen Anlaß gibt, und für die ärmere Classe so verführerisch wird, und sie unmerklich zum Elende, zur Verzweiflung oder zu Verbrechen führt, beträchtlich beschränkt werden würde. Denn wenn man die Zahl der Loose, die gezogen werden, bis auf ein Drittel vermindert, und dabey an einem Tage mehrere Loose wie sonst gebräuchlich war, zieht, so daß die Zahl der Tage also bis auf 1/4 oder 1/5 verkürzt wird, so folgt, daß der Spielraum der Assecuranz bis auf 1/15 seines gegenwärtigen Umfanges beschränkt, d. i. fast ganz aufgehoben wird. Bey der bisherigen Einrichtung hatten die Assecuradeurs in London, wenn das Ziehen der letzten Classe z. B. 35 Tage dauert, am ersten Tage 34 gegen 1 zu ihrem Vortheile. Die<81, 30>ses setzt sie in den Stand, besonders die Volksclasse, die nur mit wenigem spielt, mit einer niedrigen Prämie für die tägliche Assecurirung der Loose zu locken, etwa 12 Schilling für 20 Pfund, welche der Assecuradeur für ein verlierendes Loos bezahlen muß. Diese nimmt aber täglich um ein geringes zu, so daß am Ende, wenn das Loos lange ausbleibt, die Summe dieser täglich bezahlten Prämien, die Einlage für das Loos weit übersteigt. Bey dem angegebenen Plane der Verkürzung der Ziehungszeit hätten die Assecuradeurs nur etwa 6 Tage an dem ersten zu ihrem Vortheile; sie müßten also gleich mit einer höheren Prämie anfangen, als die meisten vom gemeinen Volke aufbringen können, und diese Prämie müßte überdieß täglich in sehr großen Verhältnissen steigen. Diese Bemerkung würde bey den meisten Assecuradeurs völlig die Stelle der Verbote vertreten. Ueberdieß würde die Wahrscheinlichkeit, daß jeden Tag eine Menge versicherter Loose herauskäme, sie abhalten, sich so tief und weitumfassend, als sie bis jetzt gewohnt waren, mit dem Geschäfte einzulassen.
Die Einschränkung der Assecuranz würde freylich vielleicht die Folge haben, daß wenigere Loose abgesetzt würden; dagegen hätte der Staat den Vortheil, manchen seiner Bürger vor dem Verderben zu bewahren, das ihn jetzt unvermerkt in seine Strudel reißt. Der Vorschlag, statt der Zulassung der Assecuranz die Loose, die bis jetzt in England, wo die Einlage für ein Loos, wie oben bemerkt, sehr hoch ist, nur bis auf 10 Theile theilbar sind, bis auf 64 Theile zu zerstückeln, und davon besondere Exemplare abdrucken zu lassen, wie es Colquhoun angibt, damit auch die ärmere Volksclasse ohne viele Ge<81, 31>fahr sich mit dem Spiele einlassen könnte, würde vielleicht keinen allgemeinen Beyfall finden, da man, wenn einem das Wohl der Aermeren am Herzen liegt, gerade dahin arbeiten muß, daß diese so wenig Gelegenheit wie möglich zum Spiele haben mögen, weil sie zwischen Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit keinen gehörigen Unterschied zu machen wissen, und ein geringer Verlust sie schon in Verlegenheit setzt und Veranlassung gibt, ihre Treue und Ehrlichkeit wankend zu machen.
Was den letzten Punct betrifft, so sehe man P. Colquhoun' s Werk über Londons Polizey, besonders in Bezug auf Verbesserungen und Verhütungsmittel der Verbrechen. Aus dem Englischen von J. W. Volkmann. Leipzig 1800. 8. S. 459. und folg.
In Ansehung der übrigen im Vorstehenden berührten allgemeinen Grundsatze über die Einrichtung der Lotterien bin ich großentheils der Abhandlung des Herrn Bergius gefolgt, ohne einigen, wie es mir scheint, zu partheyischen Meinungen von dem Nutzen der Lotterie beyzupflichten. S. dessen Polizey= und Cameral=Magazin. VI. Band. S. 207 bis 215.
Von der besonderen Einrichtung der wirklich bestehenden Lotterien kann ich hier keine vollständige Uebersicht geben, da die Zahl der Lotterien so groß ist, und ihre geringeren oder größeren Verschiedenheiten von einander so sehr mannigfaltig sind, je nachdem man an dem Plane zu künsteln und nach den besonderen Verhältnissen des Landes zu ändern nöthig fand. Doch halte ich es für zweckmäßig, hier die Plane von ein Paar angesehenen Lotterien mitzutheilen, die in ihrer Einrichtung beträchtlich von einander abweichen, um dadurch die nähere Ansicht dieses Gegenstandes zu erleichtern. Hier folgt
<81, 32>
I. Der Plan der Berliner 13ten Classen=Lotterie, zum Besten der Invaliden= und Wittwen=Versorgungs=auch Schul= und Armen=Anstalten, von 66000 Loosen und 36100 Gewinnen, in 5 Classen, à 21 Rthl. Einsatz in Golde.
Erste Classe à 2 Rthl. Einsatz
1 Gewinn à -- 4000 Rthl.
1 -- -- à -- 2000
3 à1000 -- 3000
6 à 500 -- 3000
12 à 300 -- 3600
25 à 200 -- 5000
40 à 100 -- 4000
60 à 50 -- 3000
100 à 16 -- 1600
352 à 10 -- 3520
1900 à 7 -- 13300
2500 Gewinne. -- 46020
Zweyte Classe à 3 1/2 Rthl. Einsatz
1 Gewinn à -- 5000 Rthl.
1 -- -- à -- 2500
4 à1000 à -- 4000
8 à 500 à -- 4000
20 à 300 à -- 6000
30 à 200 à -- 6000
60 à 100 à -- 6000
100 à 50 à -- 5000
376 à 15 à -- 5640
2000 à 12 à -- 24000
2600 Gewinne. -- 68140
<81, 33>
Dritte Classe à 4 1/2 Rthl. Einsatz
1 Gewinn à -- 6000 Rthl.
1 -- -- à -- 3000
5 à1000 -- 5000
10 à 500 -- 5000
15 à 400 -- 6000
35 à 200 -- 7000
75 à 100 -- 7500
100 à 50 -- 5000
177 à 25 -- 4425
291 à 20 -- 5820
2090 à 18 -- 37620
2800 Gewinne. -- 92365
Vierte Classe à 5 Rthl. Einsatz
1 Gewinn à -- 7000 Rthl.
1 -- -- à -- 4000
2 à 2000 -- 4000
6 à 1000 -- 6000
12 à 500 -- 6000
25 à 300 -- 7500
60 à 200 -- 12000
100 à 100 -- 10000
150 à 50 -- 7500
3643 à 25 -- 91075
4000 Gewinne. -- 155075
Fünfte Classe à 6 Rthl. Einsatz
1 Gewinn à -- 30000 Rthl.
1 -- -- à -- 20000
1 -- -- à -- 10000
4 à 5000 -- 20000
6 à 2500 -- 15000
8 à 2000 -- 16000
<81, 34>
50 à 1000 -- 50000
60 à 500 -- 30000
70 à 300 -- 21000
100 à 200 -- 20000
448 à 100 -- 44880
749 à 50 -- 37450
22702 à 25 -- 567550
24200 Gewinne. -- 881800
1ste Classe 66000 Loose à 2 Rthl. 132000
2te 63500 à 3 1/2 222250
3te 60900 à 4 1/2 274050
4te 58100 à 5 290500
5te 54100 à 6 324600
Summa 1243400
1ste Classe 2500 Gewinne 46020
2te 2600 68140
3te 2800 92365
4te 4000 155075
5te 24200 881800
36100 Gewinne Summa 1243400
1) Der vorstehende Plan bestehet aus 66000 Loosen und 36100 in 5 Classen vertheilten Gewinnen.
2) Die Loose sind mit der Nummer gedruckt, mit den Unterschriften der Classen=Lotterie=Direction bezeichnet, und durch den nebenstehenden Stempel der Königl. General=Lotterie=Administration authorisiret; bloß die Nummer im Loose, und der Nahme des Einnehmers unten zur Seite des Looses sind geschrieben, und nur ein solches Loos ist gültig.
<81, 35>
3) Die Classen=Lotterie=Direction, so wie das Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir, stehen nur für die Richtigkeit der ganzen auf die §. 2 beschriebene Weise von den wirklichen Einnehmern ausgefertigten Loose den Inhabern derselben ein.
4) Der Einsatz geschiehet in guten vollwichtigen Friedrich Wilhelms=, Friedrichs= und Carlsd' or, oder in andern gleichen Werth habenden Goldsorten, und zwar zur 1sten Classe mit 2 Rthl., zur 2ten Classe mit 3 1/2 Rthl., zur 3ten Classe mit 4 1/2 Rthl., zur 4ten Classe mit 5 Rthl. und zur 5ten Classe mit 6 Rthl., daß also ein ganzes Loos durch alle 5 Classen 21 Rthl. in Gold beträgt.
Wenn die Sätze nicht einen halben oder ganzen Friedrichsd' or betragen, so sollen selbige zwar in Courant angenommen werden, jedoch muß solchenfalls von demjenigen, was nicht in Gold bezahlt werden kann, das coursmäßige Agio vergütet werden.
5) Nimmt die Collecte und Einschreibung der Loose sogleich ihren Anfang.
Die Ziehung der 1sten Classe ist auf den 30. Junii 1800, der 2ten Classe auf den 4ten August, der 3ten Classe auf den 8. Septb., der 4ten Classe auf den 13. Octob., und der Anfang der Ziehung 5ter Classe auf den 10. Novbr festgesetzt worden.
Sowohl die Nachsehung, Wickelung und Mischung der Loose, als auch die Ziehung der Nummern und Gewinne durch 2 Waisenknaben, geschiehet auf dem Berlinischen Rathhause, unter gerichtlicher Aufsicht.
6) Die in einer Classe gezogenen Loose spielen in der folgenden Classe nicht mehr mit Indessen kann ein jeder Spieler bey seinem Einnehmer Kaufloose, wenn dergleichen vorräthig sind, gegen Bezahlung der Einsatzgelder, der vorher schon gezogenen, und zur Ziehung bevorstehenden Classen erhalten.
7) Muß die Renovation eines nicht herausgekommenen Looses bey Verlust des weitern Anrechts, spätestens vierzehn Tage vor Adlauf des in §. 5. bekannt gemachten Ziehungs=Termins einer jeden Classe, bey demjenigen Einnehmer geschehen, von dem das <81, 36> Loos genommen worden, und zwar mit Vorzeigung des Looses der vorigen Classe.
8) Die Classen=Lotterie=Direction und das Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir erkennen nur diejenigen als Einnehmer, welche mit Bestallungen und Instruktion von der Ersteren versehen worden sind, und ganze Loose in der §. 2. beschriebenen Art debitirt haben.
Für die von gedachten Einnehmern angenommenen Untereinnehmer und deren Handlungen aber haften sie gar nicht, sondern bloß für die Einnehmer, welche sie angenommen haben. Sind von dergleichen Untereinnehmern nicht ganze, sondern nur Antheilloose debitirt worden, so müssen bloß die Einnehmer auch dafür, jedoch nur in sofern einstehen, als sie erweislich, entweder selbst die Antheilloose ausgefertiget, oder ihren Untereinnehmern dazu schriftliche Vollmacht ertheilt haben. Uebrigens wird ein Jeder, welcher nur einen Antheil eines Looses spielt, wohl thun, wenn er in seiner Gegenwart auf dem Original=Loose, diesen seinen Antheil nebst seinem Nahmen, von dem Einnehmer notiren läßt.
9) Die bestallten Einnehmer müssen Sorge tragen, daß die nicht verkauften oder nicht renovirten Loose, wenigstens 8 Tage vor der Ziehung jeder Classe, bey dem Königlichen Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir eingehen, widrigenfalls solche auf Rechnung und Gefahr der Einnehmer bleiben.
10) Die Gewinne sollen in der Residenzstadt Berlin, gleich nach Publication der Gewinnliste, außerhalb Berlin aber, 3 Wochen nach Publication der Gewinnliste, gegen Auslieferung des Originallooses, dem Inhaber, nach Abzug von 10 pro Cent, und wenn die Einnehmer Nachschuß erhalten, nach Abzug des Postporto, welches dieser dem Spieler proportionirlich in Abzug zu bringen hat, von demjenigen Einnehmer, bey welchem er das Loos genommen, richtig und promt ausgezahlt werden. Die Zahlung geschieht an den Präsentanten des Looses. Sollte dieses seinem wahren Eigenthümer abhänden gekommen seyn, so muß dieser deshalb diejenige Vorsicht nehmen, welche die Gesetze bey Papieren, welche auf den Inhaber lauten, vorschreiben.
11) Für die Gewinne jeder Classe stehen die Classen=Lotterie=Direction, und die von derselben <81, 37> bestallten Einnehmer nicht länger als 3 Monath nach dem letzten Ziehungstage jeder Classe. Nach Verlauf dieser 3 Monathe aber fällt der Gewinn der Königlichen General=Lotterie=Casse zu, und hat das gewonnene Loos seinen Werth verlohren.
12) So wenig die Einsatzgelder als die Gewinne können mit Arrest belegt werden, vielmehr wird dem Inhaber des Looses der Gewinn ohne Weitläuftigkeit ausbezahlt.
13) Die Einnehmer sind berechtigt, für jedes Loos in jeder Classe zwey Groschen Schreibgebühren, und von jedem Gewinn acht Pfennige pro Thaler zu nehmen.
14) Die Einnehmer erhalten die Loose von dem Königl. Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir zu Berlin, mit welchem sie sich auch nach der ihnen ertheilten Instruction zu berechnen haben.
15) Ist der Einnehmer verbunden, die ihm ertheilte Instruction jedem Spieler vorzulegen, damit derselbe, die dem Einnehmer gegebenen Vorschriften daraus ersehen könne; wornach ein jeder Spieler sich zu erkundigen haben wird.
Berlin, den 8ten Februar 1800.
Königl. Preuß. Classen=Lotterie=Direction.
G. Bertram. Forckert. Grothe. Limmer.
Instruction für die bestallten Einnehmer der Königlich Preußischen zum Besten der Invaliden= und Wittwen=Versorgungs=auch Schul= und Armen=Anstalten errichteten Classen=Lotterie.
1. Die von der Königl. Classen=Lotterie=Direction auf den Antrag des dem Banquier Herrn Liepmann Meyer Wulff anvertrauten Königl. Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoirs, bestallten Classen=Lotterie=Einnehmer, erhalten die ihnen von demselden zugebilligte Provision, und die im Plane festgesetzten Vortheile.
2) Jeder Einnehmer bescheinigt den Empfang der ihm anvertrauten Loose eigenhändig folgendergestalt:
<81, 38>
Ich Endesunterschriebener bescheinige hiermit, von dem Königl. Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir .. Stück Loose à .. Rthl. zur .. Classe von Nro. .. bis Nro. .. betragend die Summe von .. Thalern auf meine Rechnung zum Verkauf in Commission genommen zu haben.
und darf nur die im zweyten Abschnitt des hinter dem Plan stehenden Avertissements beschriebenen Loose verkaufen.
3) Unter 50 Loose werden von dem Königlichen=Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir nicht ausgegeben. Diejenigen also, welche nicht eine solche Anzahl von Loosen absetzen, müssen sich an die Lotterie=Einnehmer wenden.
4) Das Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir erwartet längstens Acht Tage vor der Ziehung, Nachricht von jedem Einnehmer, wie viel Loose er abgesetzt hat, und was für Nummern selbige führen.
Die nicht verkauften Loose müssen bey dieser Gelegenheit an das Königliche Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir zurückgeschickt, oder gegentheils von dem Einnehmer als debitirt bezahlt werden.
5) Sofort nach erhaltenen Gewinnlisten, welche der Einnehmer dem Spieler, der sich bey ihm dazu meldet, vorzulegen verbunden ist, und längstens binnen Acht Tagen, muß die Rechnung angefertigt, mit den etwanigen Bestandgeldern eingesandt, und damit unter keinerley Vorwand Anstand genommen werden, widrigenfalls die Lotterie=Direction, auf die Anzeige des Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoirs, in dieser keiner Dilation fähigen Sache, sofort die Execution gegen die Säumigen verfügt.
Die nöthigen Nachschüsse sollen dagegen dergestalt überschickt werden, daß die Auszahlung der Gewinne binnen der im Avertissement festgesetzten Zeit unfehlbar geschehrn kann.
6) Die Loose, worauf ein Gewinn von 50 Rthl. und darüber fällt, müssen nach geschehener Befriedigung der Gewinner, dem Einnehmer ausgehändigt, und von diesem statt Quittung über den Empfang des Gewinnes eingeschickt werden.
7) Kein Einnehmer darf bey Verlust seines Comptoirs den Spielern irgend etwas weiteres, als wozu <81, 39> er nach dem Avertissement berechtigt ist, in Abzug bringen.
8) Die Einnahme=Ueberschüsse müssen an das Königl. Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir in vollwichtigem Golde eingesandt werden, widrigenfalls der, bey der Verwechselung des zu leichten Goldes entstehende Ausfall, dem Einsender zur Last fällt; wenn aber die Ueberschüsse unter 2 1/2 Rthl. betragen, so sind sie in Courant mit dem coursmäßigen Agio einzuschicken.
9) Alle, die Classen=Lotterie betreffende Briefe und Gelder, müssen an das Königliche Haupt=Classen=Lotterie=Einnahme=Comptoir addressirt werden.
10) Jeder Einnehmer ist verbunden, diese Instruction jedem Spieler auf dessen Verlangen zur Einsicht vorzulegen.
Berlin, den 23sten October 1794.
G. Bertram. Forckert. Grothe. Limmer. *
S. Nachricht von der Königl. Preuß. Zahlen= und Classen=Lotterien etc. etc. auf das Jahr 1800. Berlin gedruckt bey Georg Decker. kl. 8. S. 42 -- 44.
II. Plan der von dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Carl Wilhelm Ferdinand, regierenden Herzoge zu Braunschweig=Lüneburg etc. etc. dem hiesigen großen Waisenhause B. M. Virg. gnädigst verwilligten Acht und Vierzigsten Lotterie.
Erste Casse à 1 Rthl. Einsatz.
1 Gewinn à -- -- 1000 Rthl.
5 200 1000
961 4 3844
1000 Gewinne 7704 Rthl.
<81, 40>
Zweyte Classe à 2 1/2 Rthl. Einsatz.
2 Gewinne à 1000 2000 Rthl.
955 9 8594
1000 Gewinne 13935 Rthl.
Dritte Classe à 4 Rthl. Einsatz.
3 Gewinne à 1000 3000 Rthl.
7 200 1400
14 100 1400
946 14 13244
1000 Gewinne 20244 Rthl.
Vierte Classe à 4 1/2 Rthl. Einsatz.
1 Gewinn à -- -- 2000 Rthl.
8 200 1600
34 40 1360
939 19 17841
1000 Gewinne 27301 Rthl.
Fünfte Classe à 4 1/2 Rthl. Einsatz.
1 Gewinn à -- -- 3000 Rthl.
16 100 1600
41 40 1640
929 24 22296
1000 Gewinne 34336 Rthl.
<81, 41>
Sechste Classe à 4 1/2 Rthl. Einsatz.
1 Gewinn à -- -- 5000 Rthl.
1 Gewinn à -- -- 2500 Rthl.
45 40 1800
920 27 24840
1000 Gewinne 42040 Rthl.
Siebente Classe à 2 Rthl. Einsatz.
1 Gewinn à -- -- 30000 Rthl.
1 Gewinn à -- -- 15000 Rthl.
1 Gewinn à -- -- 8000 Rthl.
1 Gewinn à -- -- 4000 Rthl.
14 1000 14000
25 400 10000
3605 28 100940
4000 Gewinne 214940 Rthl.
19000 Loose 1ster Cl. betr. à 1 Rthl. Einf. 19000 Rthl.
18000 2ter à 2 1/2 45000
17000 3ter à 4 68000
16000 4ter à 4 1/2 72000
15000 5ter à 4 1/2 67500
14000 6ter à 4 1/2 63000
13000 7ter à 2 26000
19000 Loose betragen in Summa 360500 Rthl.
<81, 42>
1000 Gewinne 1ster Classe betragen 7704 Rthl.
1000 2ter 13635
1000 3ter 20244
1000 4ter 27301
1000 5ter 34336
1000 6ter 42040
4000 7ter 214940
10000 Gewinne betragen in Summa 360500 Rthl.
1) Von unsers Herrn Herzogs Durchlaucht ist die Direction dieser Lotterie dem Finanz=Rath Johann Christian Teichs und das Con=Directorium dem Lotterie=Inspector Franz Schweer gnädigst anvertrauet, durch deren Nahmens=Unterzeichnung die Loose beglaubiget oder gültig gemacht werden.
2) Der Einsatz geschieht in Konventionsmünze, jedoch nicht unter 2 ggl. St. und nimmt die Kollection sogleich ihren Anfang.
3) Diese Lotterie besteht aus 7 Classen und aus 19000 Loosen; in der ersten Classe ist der Einsatz 1 Rthl., in der zweyten 2 1/2 Rthl., in der dritten 4 Rthl., in der vierten 4 1/2 Rthl., in der fünften 4 1/2 Rthl., in der sechsten 4 1/2 Rthl. und in der siebenten 2 Rthl.
4) Die mit Gewinnen gezogenen Loose fallen aus der folgenden Classe heraus; indessen kann sich jeder Spieler bey seinem Kollecteur in Zeiten nach Kaufloosen zu den folgenden Classen erkundigen, da es sich denn von selbst versteht, daß bey einem solchen Kaufloose, auch die Sätze der bereits gezogenen Classen mit bezahlt werden müssen; so kostet ein Kaufloos in der zweyten Classe 3 1/2 Rthl., in der dritten 7 1/2 Rthl. u. s. w., außer den, dem Collecteur für das Billet zu einer jeden Classe festgesetzten Schreibgebühren.
5) Es werden auch auf Verlangen Viertel=Loose ausgegeben, und beträgt ein solches Viertel=Loos durch alle 7 Classen nicht mehr als 5 Rthl. 18 Gr. Angebrochene Loose nimmt die Direction nicht zurück, <81, 43> unter 25 Loose werden im Haupt=Comptoir nicht ausgegeben.
6) Die Gewinne sollen zu der in den Ziehungslisten jedesmahl bekannt zu machenden Frist, nach Abzug 10 Prozent, von demjenigen Collecteur, von welchem der Gewinner das Loos genommen, richtig und promt ausgezahlet werden, und zwar einzig und allein gegen Auslieferung des Original Looses.
7) Die Erneuerung zur folgenden Classe, der in der vorhergehenden Classe nicht herausgekommenen Loose, muß bey unfehlbarem Verlust derselben, innerhalb der Zeit und vor Ablauf des Tages, welcher in den Ziehungslisten bekannt gemacht werden soll, geschehen.
8) Wenn jemand von dem Collecteur, von dem er sein Loos genommen, seinen Gewinn zu empfangen Bedenken trägt, und sein Geld von der Lotterie=Direction selbst bezahlt zu haben verlangt: so muß derselbe sich dieserhalb binnen 14 Tagen nach Endigung der gezogenen Classe unmittelbar bey derselben melden, und zwar so zeitig, daß die Nachricht vor Ablauf dieser 14 Tage eintreffen kann, weil nach Verlauf dieser Zeit die Gelder an die Collecteurs abgeschickt werden, und die Lotterie=Direction sich alsdann auf keine andere Zahlung mehr einlassen kann, sondern der Interessent wegen aller an seinem Loose habenden Anrechte und Foderungen lediglich an den Collecteur, von welchem er sein Loos genommen, sich halten, und daran verwiesen bleiben muß.
9) Die Collecteurs, so von der Direction die Loose erhalten, müssen für ihre Subkollecteurs einstehen, denen sie Loose zum Debit anvertrauen, und durch Uebernahme einer Collecte leistet der Collecteur stillschweigend mit seinem Vermögen, sowohl dem Directorio wegen seines für erhaltene Loose restirenden Saldo, als auch dem Inhaber wegen des aus seiner Collecte abgegebenen Looses, eine den Rechten gemäße Caution.
10) Kein Loos ist länger als ein Vierteljahr, von dem letzten Ziehungstage der letzten Classe zu rechnen, gültig; ein jeder Gewinner hat sich also binnen dieser Zeit am gehörigen Orte zu melden, und zwar bey Verlust des Beneficii seines Looses. Sollte durch einen Zufall ein Loos abhänden gekom<81, 44>men seyn, so muß solches zeitig vor Ziehung einer jeden Classe am gehörigen Orte gemeldet werden.
11) Auf die Gewinne wird gar kein Arrest, auch über die bey der Lotterie etwa vorkommenden Differenzien überall kein Prozeß verstattet, und alle Differenzien, die von der Direction mit Zuziehung der Collecteurs nicht können verglichen werden, wird Hochfürstl. Geheime Rathsstube in der Kürze untersuchen und entscheiden.
12) Da die Bücher den 25sten Julius 1800 geschlossen werden, so müssen vor diesem Termine alle Devisen eingesandt seyn, und werden nach Verfließung desselben keine mehr angenommen.
13) Die Misch= und Ziehung der Loose geschiehet öffentlich auf dem großen Lotterie=Saale auf dem Neuenhofe hieselbst durch 2 Waisenknaben in Gegenwart derer Herren Collecteurs und Interessenten, welche dabey zu erscheinen Belieben tragen.
14) Die Ziehung der ersten Classe ist auf den 25sten August, der 2ten auf den 22sten September, der 3ten auf den 20sten Oktober, der 4ten auf den 17ten November, der 5ten auf den 15ten December 1800, der 6ten auf den 12ten Januar, und der 7ten und letzten auf den 9ten Februar 1801 festgesetzt.
15) Zur Vermeidung derer zwischen den Interessenten und Collecteurs wegen der bey gefallenen Gewinnen von diesen verlangten Douceurs und Schreibgelder oft entstehenden Irrungen, wird hiemit festgesetzet, daß den Collecteurs von jedem auf ein Loos gefallenen Gewinn=Thaler ein Mariengroschen oder acht Pennig, wie auch zu mehrerer Bequemlichkeit der Interessenten, statt der sonst gezahlten Aufgelder, in dieser Lotterie aber bey der Nenovation derer Loose zu der 2ten, 3ten, 4ten, 5ten, 6ten und 7ten Classe, für ein ganzes Loos jedesmahl 4 Gutegroschen an Schreibgebühr bezahlt werde.
Braunschweig, den 21sten März 1800.
Loose sind zu haben beym Kaufmann L. A. Weddy hieselbst.
III. In den vereinigten Provinzen werden die Lotterien schon lange als eine Art von Steuer zur Vermehrung der Staatseinkünfte benutzt, <81, 45> die 10 bis 12 Procent von den Gewinnen beträgt, wovon jedoch noch die Kosten bestritten werden müssen. Es werden alle Jahre Lotterien in den einzelnen Provinzen gezogen, die meistens alle nach einem Plane eingerichtet sind. Die Generalitäts=Lotterie im Haag ist die vornehmste, und für den Spieler die vortheilhafteste darunter, und es folgt unten der Plan von dieser, weil die Einrichtung der vielen Prämien wegen sehr gekünstelt ist, und von den mehrsten deutschen Lotterien beträchtlich abweicht. Gewöhnlich sind die Hälfte Nummern Gewinner, und die andere Hälfte Nieten, wovon noch die Prämien vor und nach den großen Loosen, für das erste und letzte Loos, so wie für das letzte in jeder Woche der Ziehung der letzten Classe abgehen. Gemeiniglich sind 6 Classen, und die Loose, folglich auch die Prämien werden mit jeder Classe ansehnlicher. In der Generalitäts=Lotterie ist das größte Loos in der ersten Classe gemeiniglich 20000, und in der sechsten 100000 Gulden. Man kann nie unter dem Einsatz einer Classe gewinnen. Die Loose werden einer gewissen Anzahl geschworner Collecteurs übergeben. Die Hälfte davon wird in einer bestimmten Zeit für den ganzen Werth eines Looses, nähmlich 75 Gulden, verkauft; wenn die Zeit verflossen ist, so machen die Collecteurs ihren Profit, und verkaufen keins unter 83 Gulden. Die andere Hälfte der Loose wird classenweise verkauft, auch von den Collecteurs in halbe, viertel, sechzehntel und 32stel Loose getheilt. Dieses veranlaßt einen großen Handel mit Loosen, vornähmlich unter den Juden. Sie verhandeln und vermiethen die Loose auf Tage, auf Ziehungen einer Classe etc. vermehren die Loose auch wohl, indem sie zwey, <81, 46> drey von einer Nummer verkaufen, daher man sich vor Betrügereyen hüten muß. Die geschwornen Collecteurs vervielfältigen zwar auch zuweilen eine Nummer, das Publicum verliert aber nichts dabey, weil sie Caution stellen, und wenn die Nummer gewinnt, den Gewinn so oft bezahlen müssen, als sie die Nummer vervielfältigt haben. -- Hier folgt nun der Plan der Haager Generalitäts=Lotterie, so wie er zu der letzten 91sten Lotterie unterm 2ten Julii 1799 ausgegeben ist, welchen ich unübersetzt mittheile, da er wahrscheinlich keinem Deutschen unverständlich seyn wird, indem fast alle holländischen Ausdrücke, die hier vorkommen, mit den gleichbedeutenden deutschen, vorzüglich aber mit den niedersächsischen, ziemlich übereinstimmend sind.
Generaliteits Een en Negentigste LOTERY, Van twee millioen zes honderd negen en vyftig duizend Guldens, Gearresteert den 2. July 1799.
Deeze Loterye bestaat uit 45000 Loten, uit 24750 Prysen, en uit 507 Praemien, verdeelt in de volgende ses Classen.
Eerste Classe. Beginnt te trekken den 14ten October.
Den Inleg is 5 gl. en de Agio, oder zwischen 18 und 24 mk. Cour.
1 Prys van 20000 is f. 20000
5 1250 6250
15 1000 15000
<81, 47>
25 200 5000
1000 20 20000
1750 15 26250
3000 Prysen bedragen f. 127350
1 Praem v. 10000 voor' t eerste Lot 1000
1 10000 voor' t laatste Lot 10000
1 1000 v.en na de 20000 2000
2 500 10000 1000
2 250 5000 500
2 150 3000 300
2 100 2000 200
10 75 v.en na ieder 1250 750
30 50 1000 1500
3052 Prysen en Praemien bedragen f 144500
Tweede Classe. Beginnt te trekken den 18. November.
Den Inleg is 10 gl. oder 15 mk. Cour.
1 Prys van 25000 is f. 25000
1 12510 12510
150 35 5250
1000 30 30000
1750 25 43750
3000 Prysen bedragen f. 168750
<81, 48>
1 Praem v. 1000 voor' t eerste Lot 1000
2 1250 v.en na de 25000 2500
2 625 12500 1250
2 375 7500 750
2 125 2500 250
30 50 1000 5000
3052 Prysen en Praemien bedragen f 187250
Derde Classe. Beginnt te trekken den 23sten December.
Den Inleg is 14 gl. oder 21 mk. Cour.
1 Prys van 30000 is f. 30000
2250 40 90000
3500 Prysen bedragen f. 239750
2 1500 v.en na de 30000 3000
2 750 15000 1500
<81, 49>
3552 Prysen en Praemien bedragen f 259000
Vierde Classe. Beginnt te trekken den 17ten Febr. 1800.
Den Inleg is 16 gl. oder 24 mk. Cour.
1 Prys van 40000 is f. 40000
2750 60 165000
4000 Prysen bedragen f. 355250
2 2000 v.en na de 30000 4000
2 1000 15000 2000
2 500 7500 1000
4052 Prysen en Praemien bedragen f 376250
<81, 50>
Vyfde Classe. Beginnt te trekken den 24. März.
Den Inleg is 20 gl. oder 30 mk. Cour.
1 Prys van 50000 is f. 50000
150 90 13500
1000 85 85000
3250 80 260000
4500 Prysen bedragen f. 495750
2 2500 v.en na de 50000 5000
2 1250 25000 2500
4552 Prysen en Praemien bedragen f 519000
Sesde Classe. Beginnt te trekken d. 28. April.
Den Inleg is 10 gl. en 2 gl. Praemie voor' t Land oder 18 mk. Cour.
1 Prys van 100000 f 100000
1 80000 80000
<81, 51>
1 Prys van 30000 30000
100 1000 100000
100 200 20000
180 110 19800
1000 95 95000
4750 90 427500
6750 Prysen bedragen f 1075000
1 P.v. 1000 voor' t eerste Lot f 1000
1 5000 v.l. Lot v.d. 1ste week 5000
1 5000 2de 5000
1 5000 3de 5000
1 5000 4de 5000
1 7500 5de 7500
1 15000 voor' t allerlaatste Lot 15000
2 5000 voor' t en na de 100000 10000
2 4000 80000 8000
2 3000 60000 6000
2 1500 30000 3000
2 1000 20000 2000
6 150 voor en na ieder 2000 900
20 115 1250 2309
200 200 1000 20000
6997 Prysen en Praemien bedragen f 1088100
<81, 52>
TAFEL of BALANCE deezer LOTERYE.
Classe. Loten Inleg. Ontfang Uitgave Pr.enPrae.
1 45000 f 5 f 225000 f 144500 3052
2 42000 10 420000 187250 3052
3 39000 14 546000 259000 3552
4 35500 16 568000 376250 4052
5 31500 20 630000 519000 4552
6 27000 10 270000 1173000 6997
f 75 f 2659000 f 2659000 25257
Die in der 6ten Classe vorkommenden zwey Gulden sind zur Vermehrung der Staatseinkünfte bestimmt; außerdem werden, wie es sich aus der dem Plane angehängten Nachricht ergibt, von den Gewinnen von 1000 Gulden und darüber 12, und von den geringeren 10 Procent abgezogen.
Die so genannten periodischen Lotterien sind auch nach Art der Classenlotterien eingerichtet, und haben ihre Benennung daher erhalten, weil sie das ganze Jahr hindurch, und zwar alle Monath einmahl gezogen werden. Es sind gemeinhin nur ganz kleine Lotterien, in welchen der höchste Gewinn nicht über 3000 fl zu betragen pflegt, hingegen sind eine Menge der allergeringsten Gewinnste darin, und die Loose, deren eines monathlich ungefähr 15 Kreutzer kostet, sind auch in so großer Anzahl, daß viele Nieten gegen einen Treffer kommen, zumahl da alle heraus gezogene Loose in den folgenden Classen wieder mitspielen. Diese Lotterien finden aber keinen sonderlichen Beyfall, und sind deshalb nicht gemein.
Diejenigen Lotterien, in welchen die Gewinnste nicht in bloßem Gelde bestehen, sondern <81, 53> wo Häuser oder Grundstücke zu Hauptgewinnsten gemacht werden, haben in allen übrigen Stücken mit den Classenlotterien einerley Einrichtung, und man hat bloß die Absicht dabey, solche Häuser und Grundstücke, die man gern los seyn möchte, auf eine geschwinde und gute Art, und um einen guten Preis an den Mann zu bringen. Ja man richtet sich bey dem Ausspielen eines solchen Grundstückes öfters auch nach einer fremden Lotterie, ohne eine eigne Ziehung zu veranstalten. Um ein Beyspiel einer solchen Ausspielung anzuführen, theile ich den nachfolgenden Plan mit.
Plan und Avertissement.
1) Die Debettirung der Loose zu dem auszuspielenden Frey=Guthe haben die Herren Inspectoren, Gebrüder Heine, und der Hamburger Stadt=Collecteur, Herr Heinrich Haupt hieselbst, übernommen, und sind die Loose durch deren beyderseitige eigenhändige Nahmens=Unterschrift gültig.
2) Der Einsatz eines Guths=Looses ist 2 Friedrichsd' or in Golde, oder in andern diesem Betrag gleichkommenden Münzsorten. Diejenigen Loose aber, welche vor Ultimo Februar von jetzt an genommen werden, kosten nur 1 Friedrichsd' or.
3) Das Loos derjenigen Numro zu diesem Frey=Guthe, worauf in der Fürstl. 47sten Braunschweigischen Lotterie, deren letzte Ziehung den 19ten May 1800 anfängt, der größte Gewinn von 30,000 Rthl. gewonnen wird, erhält dieses ansehnliche Frey=Guth, wovon die Documente am höhern Orte deponirt sind, mit dem lebenden und todten Inventarium, ganz schuldenfrey, oder 60,000 Mk. Hamburger Courant, 4 Wochen nach geendigter Ziehung besagter letzten Classe.
4) Dieses Frey=Guth, welches jeder Stand als Eigenthümer besitzen darf, liegt in einer der anmuthigsten und fruchtbarsten Gegenden, in der Nähe einer großen Handlungs=Stadt und eines schiffbaren Flusses, wohin der Absatz des Getreides etc. gemacht <81, 54> wird. Es hat ein neues, sehr gut eingerichtetes Herrschaftliches Wohngebäude von 2 Etagen, mit mehrern gemahlten Zimmern, verschiedenen Cabinetten und Kammern, guter Küche und Keller. Ferner alle nöthige Wirthschafts=Gebäude, mit einer Wohnung für das Gesinde und den Verwalter; ein Magazin zur Aufschüttung des Getreides, und unter demselben Wagen= und Holz=Remisen, und vier ganz neu erbaute Scheunen. Das lebende Inventarium bestehet aus 12 Pferden, 30 Kühen etc., und können deren, da in den Stallungen Raum genug vorhanden ist, mehrere gehalten werden. Das Dorf hat außer dem Hofe noch 8 Gebäude, die an so viel Cossäten gehören, welche dem Guthe dienstbar sind, und von der Herrschaft angenommen werden. Das Ackerland enthält 380 Scheffel Aussaat, oder circa 7 große Hufen, durchgängig des vorzüglichsten Weitzen=Bodens. Nach Abzug aller Kosten trägt dieses Frey=Guth 4000 Mark jährlich ein; und da dasselbe noch vieler Verbesserung fähig ist; so können die Einkünfte leicht um ein Ansehnliches vermehrt werden.
Für die in den vorletzten Classen herauskommenden Guths=Loose erhalten die Interessenten zur letzten Classe Frey=Loose unentgeldlich.
6) Soll die Numro, worauf dieses Frey=Gut gewonnen wird, in der Zeitung des Hamburger Correspondenten angezeigt werden.
Hamburg. den 29. November, 1799.
Wie vortheilhaft dieser Plan für den Verkäufer angelegt ist, kann man gleich sehen, wenn man nur nachfolgende Umstände erwägt. Die Braunschweigsche Lotterie, nach welcher man sich richtet, hat 19000 Loose. 6000 Loose, die in den ersten 6 Classen heraus kommen, gehen aber ab, und werden gegen Freyloose zur letzten Classe umgetauscht. Es bleiben also 13000 Loose zum Gute übrig. Setzte der Verkäufer sie alle ab, und erhielte für das Stück nur 1 Louisd' or, so wären das 65000 Rthl. Gold, wogegen das Gut nach den Angaben vielleicht nur 80000 Mark hamb. Cour. werth ist. Setzt der Ver<81, 55>käufer aber nur die Hälfte der Loose ab, so erhält er den Werth des Gutes bezahlt, und behält noch eine Wahrscheinlichkeit, wie 1 zu 2, daß er das Gut selbst wieder gewinnen wird.
Auch die so genannten Commerce=Lotterien oder Waaren=Lotterien sind auf den Fuß der Classenlotterien eingerichtet, und der Unterschied zwischen beyden bestehet hauptsächlich darin, daß in den Commerce=Lotterien die Gewinnste entweder aus Geld und Waaren zugleich, oder auch aus bloßen Waaren von allerley Art, bestehen. Der Herr v. Griesheim *
S. dessen kurze Erinnerungen von Commerce=Lotterien, im XIten Bande der Leipziger Sammlungen, S. 742.
setzt die Eigenschaften der Lotterie in folgenden Stücken:
1) Die Waaren müssen tüchtig und gut,
2) nicht übermäßig angesetzt, und
3) die Einlagen nicht allzu hoch seyn.
5) Müssen allerley Waaren, auch für kleine Gewinnste, und von verschiedenen Fabriken vorkommen.
5) Müssen die beträchtlichen Gewinnste in gangbaren und jedem angenehmen Effecten bestehen.
6) Müssen gar keine Nieten in der Lotterie seyn. (Dieser Punct ist wohl so nothwendig nicht, da alsdann viele kleine Gewinnste, von geringerem Werthe, als der Einsatz ist, vorkommen müssen, welche ja fast so gut wie Nieten sind, wenn man nicht etwa bloß durch den Ausdruck die geringere Volksclasse blenden zu können glaubt. Dieses wird einer Lotterie aber eben nicht zur Empfehlung gereichen.)
7) Muß dem Gewinner frey stehen, so fort bey dem Entreprenneur seinen Gewinnst zu ver<81, 56>tauschen und zu verkaufen, wenn ihm die Waare nicht anständig wäre, worüber der Gewinner und der Entreprenneur sich jedoch besonders zu vergleichen haben. (Wenn man den Entreprenneur contractmäßig verpflichten wollte, die Waaren wieder anzunehmen, und baar Geld dafür zu geben, so würde dieses gegen den Endzweck der Commerce=Lotterie laufen, da die Fabricanten oder Entreprenneurs dabey die Absicht haben, eine große Parthie ihrer Waaren mit einmahl los zu werden, und dadurch eine ansehnliche Summe Geldes in die Hände zu bekommen, um ihre Manufacturen und Fabriken zu erweitern, und in Aufnahme zu bringen.)
8) Muß der Plan mehr einem Glückskaufe als einem Hazardspiele gemäß eingerichtet werden, und das Publicum die Versicherung erhalten, daß der beabsichtigte Vortheil der Unternehmer nicht im Anschlage der Waaren über den currenten Werth, sondern in gewisser Abnahme im Ganzen und in promter Bezahlung bestehe.
Die Anstalten zur Lotterie selbst sind nach des Herrn v. Griesheim Anweisung.
1) Von der hohen Obrigkeit zu bestätigen, und eben dieselbe garantirt solche nach vorher gegangener Untersuchung des Plans, und dirigirt sie.
2) Die Lotteriewaaren werden inventirt, von den Manufacturämtern gewürdigt, und von der Deputation in Verwahrung und Administration genommen.
3) Der Plan wird ein ganzes Jahr vor der Ziehung im Lande und auswärts durch die Intelligenz=Blätter bekannt gemacht.
<81, 57>
4) Die Collecteurs sind die Manufacturämter, Intelligenzhäuser und die Börsen, welche für ihre Commissionen sorgen und stehen müssen.
5) Zum Collectore perpetuo der auswärtigen Einleger bestellt man ein Waisenhaus, welches die gewöhnlichen Collecteur=Douceurs genießt.
6) Die Collecteurs müssen von Zeit zu Zeit mit der Lotterie=Deputation correspondiren.
7) Hätten sie lange vor der Ziehung ihre Nummern voll, so könnten Erweiterungen von der Lotterie gemacht werden, doch so, daß der angesetzte Ziehungstermin durchaus nicht verändert werde. etc. etc.
Der Herr v. Griesheim gibt noch viele andere Grundsätze an, die bey der Einrichtung einer solchen Lotterie befolgt werden müßten; da sich diese großentheils aber von selbst verstehen, oder auch wohl von der Art sind, daß sie sich nicht ins Werk setzen lassen, ohne die Lotterie höchlich in Mißcredit zu bringen, so lasse ich sie hier weg. Dahin gehört unter andern sein Vorschlag, daß man solche Einwohner, die im Reiche mehr gewinnen als einbringen, z. B. die Canonici von reichen Pfründen, die Klosterpersonen und die Juden zwingen sollte, Loose zu nehmen; ferner daß die Interessenten von jedem Gewinne, er sey klein oder groß, 3 Gr. vom Thaler geben und von allen Unkosten frey seyn sollten; und daß die Deputation, wenn alles aus ist, der hohen Obrigkeit 12 1/2 Procent für die Gewinne, und für die Entreprenneurs 3 Procent zu berechnen hätte. *
S. Bergius Polizey= und Cameral=Magazin, Th. VI. S. 215. u. flg.
<81, 58>
Um von der Einrichtung einer solchen Waarenlotterie ein Beyspiel zu geben, so füge ich hier das wesentliche aus dem, im Novemb. 1799 von dem Herrn Johann David Haas in Nürnberg bekannt gemachten Plane einer Waarenverlosung hinzu, ohne die weitläufige Specification der Gewinne der einzelnen Loose herzusetzen, worauf es hier weniger ankommt.
Jeder billigdenkende und unbefangene Mann, -- so heißt es im Plane, -- wird von selbst einsehen, daß sich dieser Plan schon dadurch von allen Lotterien unterscheidet, weil mit einer so geringen Einlage von fl. 6, -- 460 anfehnliche Preise gewonnen werden, welche zusammen fl. 7671 -- also die Hälfte der ganzen Einlage betragen, und noch über dieses fl. 1500 -- den Einsatz von fl. 6 selbst ersetzen, wo hingegen bey andern Lotterien mit beträchtlichen Einlagen von 50 und mehr Gulden -- über die Hälfte ganz leer ausgeht. Bey diesem uneigennützigen und nur auf eine billige Provision gegründeten Unternehmen; werden aber auch noch 1690 Gewinnste zu fl. 3 Jeder befriediget, daß also keine Niete statt findet, und alle Genstände sind um den gewöhnlichen Verkaufspreiß angeschlagen.
Diese Waaren verloosung besteht aus 2400 Billetten, und jedes Original=Billet kostet fl. 6 rheinisch. So bald aber diese 2400 Billette verschlossen sind, geschieht die Ziehung auf einmahl, unter der Direction und versiegelten Aufsicht -- eines Kaiserlich geschwornen Herrn Notars, und zwey Herrn genannte des größern Raths. Durch ein besonderes Blatt wird alsdann der Ziehungstag -- allen respective Herrn Interessenten geziemend angezeigt.
1stes Loos, gewinnt einen englischen vortreflichen Rosetten=Ring fl. 400
Eine englische Thee=Urne mit plattirtem Zierrath 48
An baarem Gelde 152
<81, 59>
2tes Loos, Ein sehr gutes Fortepiano in Flügel=Form fl. 300
Einen carmusirten weißen Saphyr=Ring 100
An baarem Gelde 100
3tes Loos, Ein Tafel=Service von Landschaften auf Personen fl. 266
Eine englische Thee=Urne 48
An baarem Gelde 86
28stes Loos, * Eine Toilette 9
Die Loose von Num. 4 bis 27 incl. enthalten allerley ähnliche Galanterie= und Mode=Sachen, wie die ausgehobenen Loose, nur immer von geringerem Werthe, so daß die Gewinne sich von 300 Gulden bis auf 18 fortschreitend vermindern. Die Zulagen zu den Gewinnen an baarem Gelde hören mit dem 12ten Loose auf, welches 100 Gulden an Werth beträgt, worunter noch 12 Gulden baar Geld befindlich sind. S. den Verkündiger. Nürnberg 1800. 6tes Stück. Col. 43 bis 48.
Einen andern Plan einer Kunstwaarenlotterie findet man im Art. Kunsthandel, Th. 55. S. 366 u. flg.
Eine silberne Uhrkette 7
29stes Loos, eine Pariser vergoldete Uhrkette fl. 5
Ein Paar plattirte englische Patent=Schnallen 6
Eine vergold=beschlagene ovale Dose 3
30stes Loos, eine Pariser vergoldete Uhrkette fl. 5
Ein Eventail 4
Eine oval=garnirte Dose 3
250 Loose, jedes im Werth à fl. 10. Kaffeebretter, gold= und silberplattirte Schnallen, stählerne und fein vergoldete Uhrketten, Kupferstiche, Landschaften, Eventails, <81, 60> seidene Handschuh, goldene Uhr und Stockbänder, spanische Röhre, englische Zäume, Dosen, Etuis von Elfenbein, feine Pariser Perlen etc. fl. 2500
180 Loose, jedes im Werth à fl. 8. Komodbeschläge, Kleiderknöpfe, Dosen aller Art, nebst oben bemerkten verschiedenen Artikeln fl.1440
250 Loose, jedes à fl. 6 wie obige Artikel zu fl. 8 und 10 bemerkt sind. fl. 1550
1690 Loose, jedes à fl. 3 Detto, Detto Artikel fl. 5070
2400 Loose betragen fl. 14228
Für Unkosten und Druckerlohn fl. 172
Summa fl. 14400
Einnahme 2400 Loose à fl. 6 fl. 14400:-
Nürnberg, im Monath November 1799.
Johann David Haas.
Kleinere Waarenlotterien, wo man gegen einen gewissen Einsatz ein oder mehrere Loose aus dem Glückshafen ziehet, werden unter dem Nahmen Glücksbude begriffen, wovon Th. 19. S. 211. u. flg. nachzusehen ist.
Noch ist hier der so genannten Uhrenlotterien zu erwähnen, die man hier und da etablirt findet. Die Einrichtung derselben bestehet darin, daß eine gewisse Anzahl Loose gegen eine geringe Einlage ausgegeben wird, von denen man wöchentlich eins ausziehet, und dme Inhaber desselben eine Uhr, oder andere Waare von etwa gleichem Werthe gibt. Alle übrigen Loose müssen wöchentlich aber durch Bezahlung der Einlage erneuert werden, so lange bis sie heraus kommen, oder sie verlieren ihr Recht, und die bisher gemachte Einlage ist gleichfalls verloren. Im Durchschnitt genommen wird aber jede Uhr oder andere Waare, die man gewinnen kann, <81, 61> bey den mehrsten Lotterien der Art viel zu theuer bezahlt, als daß es rathsam wäre, sich damit einzulassen. Wir wollen annehmen, daß eine solche Lotterie aus 600 Loosen bestehe, von welchen wöchentlich eins gezogen wird, wofür aber, so lange es nicht heraus kommt, wöchentlich 12 Kreutzer oder etwa 3 Gr. an die Unternehmer bezahlt werden muß. Wie theuer bey diesen Voraussetzungen jede Uhr oder andere Waare bezahlt wird, läßt sich nun durch Hülfe der arithmetischen Progression finden. Wenn bey 600 Loosen der Einsatz wöchentlich um 12 Kreutzer oder um einen Dreybätzner abnimmt, so werden die zweyte Woche 599 Dreybätzner bezahlt, die dritte, 598 und so weiter. Man addire nun das erste und letzte Glied, 600 † 1 = 601. Man multiplicire diese Summe mit der Hälfte der Glieder, oder 600/2 = 300.
Da 5 Dreybätzner 1 fl. ausmachen, so dividire man die 180300 mit 5
5 | 180300
Die ganze Einlage in den 600 Wochen ist also 36060. Wie hoch wird demnach ein Gewinnst angeschlagen? Dieß findet man, wenn man dividirt mit
600 | 36060
60 fl. 6 Kr.
Für eine solche Uhr oder gewonnene Sache bekommt also der Unternehmer 60 fl. und 6 Kr. Wie geringe aber der wahre Werth der Ge<81, 62>winnste gemeinhin ist, werden die Interessenten am besten wissen.
Hierbey ist noch nicht in Anschlag gebracht,
1) Daß viele Interessenten ihr Loos nicht mehr erneuern, weil sie sterben oder des Nachsetzens müde werden.
2) Daß die Unternehmer gleich anfangs ein beträchtliches Kapital in die Hände bekommen, und davon nur langsam etwas wieder abgeben. *
S. den Verkündiger, 8tes Stück. Nürnberg 1800. S. 62.
Man hat an verschiedenen Orten übrigens auch die alte Art der Lotterie mit Leibrenten und Tontinen vereinigt, um Personen aufzumuntern, sich durch eine geringe Einlage eine lebenslängliche Unterstützung zu erkaufen, nach Verhältniß, wie das Glück ihr Loos begünstiget. Ich finde es indessen überflüssig, diese Einrichtungen ausführlich zu beschreiben, da im Art. Leibrente, Th. 71. S. 287 und 308. von einigen Anstalten der Art schon gehandelt ist.
Von der Einrichtung der Zahlenlotterie.
Diese Lotterie, die man bekanntlich auch die neue oder genuesische Lotterie; so wie auch bloß das Lotto zu nennen pflegt, ist ihrer Einrichtung nach folgender Gestalt beschaffen. Man nimmt 90 Zahlen von 1 -- 90. Fünf von diesen sind die gewinnenden Zahlen, indem an dem bestimmten Ziehungstage, der gemeiniglich alle 3 oder 4 Wochen einfällt, öffentlich auf einem dazu erbaueten Gerüste, oder in einem öffentlichen Hause, alle 90 Zahlen jede in eine <81, 63> besondere Kugel, oder andere Kapseln von gleicher Größe und Gewicht, *
Man schreibt die Zahlen auch auf kleine hölzerne Kugeln.
in ein Glücksrad gethan, und alsdann durch einen Knaben *
Die 90 Nummern werden bey der Ziehung gewöhnlich nach der Reihe den Zuschauern vorgezeigt, weil sonst manche Zahlen, die sehr hoch besetzt sind, betrüglich zurück behalten werden könnten, wie dieses wohl zuweilen an einigen Orten geschehen seyn mag. Alsdann steckt man sie in die Kapseln, und wenn die 90 Kapseln in dem Glücksrade durch Umdrehen gemengt sind, tritt ein Knabe hervor, der mit verbundenen Augen, und mit einem Handschuh an der Hand, zu fünf wiederhohlten Mahlen, zwischen welchen die Kapseln immer aufs neue gemischt werden, in das Glücksrad greift, und also fünf Kapseln nach und nach heraus ziehet.
fünf Kugeln, eine nach der andern herausgezogen werden. Die in den Kugeln befindlichen Zahlen werden öffentlich ausgerufen, und die Zettel unter das umher stehende Volk geworfen. Diese heraus gezogenen fünf Zahlen bestimmen nun die Gewinnste in dieser Lotterie, indem denjenigen Personen, die eine oder mehrere von diesen Zahlen besetzt haben, die nach den unten zu beschreibenden Anordnungen der Lotterie festgesetzten Preise für diesen oder jenen Fall, wie die Zahlen heraus kommen, von dem Unternehmer der Lotterie ausbezahlt werden.
Nach den verschiedenen Zufällen, wie eine oder mehrere von den Spielern aus den 90 Nummern gewählte Zahlen unter den herausgezogenen fünf Zahlen befindlich seyn können, lassen sich aber verschiedene Spielarten und darnach bestimmte Gewinnste denken. Gewöhnlich sind fünferley Arten der Gewinnste im Gebrauche.
1) Die erste Art, oder ein so genanntes Estrado simplice, oder simpler Auszug, wird <81, 64> gewonnen, wenn ein Spieler eine Zahl besetzt, die hernach unter den fünf herausgezogenen befindlich ist. In Deutschland wird alsdann der Einsatz 14 oder 15 mahl von den Zahlen, die getroffen sind, an den Spieler bezahlt.
2) Die zweyte Art, oder ein Estrado determinato, oder ein bestimmter Auszug bestehet darin, daß man sich eine oder mehrere einzelne Nummern wählt, und mit der Lotterie gleichsam wettet, daß eine gewisse Nummer die erste, zweyte, dritte, vierte oder fünfte Stelle in der Ordnung der Herausziehung haben werde; wenn dieses so zutrifft, so bekommt man 67 oder 75 mahl so viel, als man auf diese Zahl gesetzt hat.
3) Die dritte Art des Gewinnstes ist eine so genannte Ambe, dazu wird erfordert, daß man zwey Zahlen unter den herausgezogenen fünfen getroffen habe, und wenn dieses der Fall ist, wird der Einsatz 240 oder 270 mahl wieder bezahlt.
4) Die vierte Art ist eine so genannte Terne, und wird gewonnen, wenn man drey Zahlen von den herausgezogenen fünfen getroffen hat Bey einer Terne gewiunt man 4800, 5200, oder 5300 mahl so viel als man eingesetzt hat.
5) Die fünfte Art ist eine Quaterne, wenn man vier Zahlen getroffen hat. Man bekommt alsdann 60000mahl so viel als man einsetzte.
In Italien, zu Wien und Paris wird, nach Bergius, die Quaterne gar nicht zugelassen, theils weil die Lotterien mehrere Unfälle gehabt haben, theils auch, weil es an einem hinlänglichen Fond gefehlt hat. An einigen Or<81, 65>ten wird auch bey einer Quine, d. i., wenn alle fünf Zahlen getroffen haben, und wo alsdann fünf Quaternen gewonnen werden, außer diesem noch eine besondere Prämie bezahlt, die ehedem in Berlin 48000 mahl den Einsatz der Quaterne betragen hat. Die Quine wird jetzt aber an den wenigsten Orten zugelassen, und auch in Berlin nicht.
Man hat bey der Zahlenlotterie nun übrigens die Freyheit, so wohl nach einer Art des Einsatzes allein, als nach mehreren zugleich zu spielen; das ist, man kann auf funfzehenerley Art zu Werke gehen und spielen, als
1) Entweder auf den Auszug allein,
2) oder auf die Ambe allein,
3) oder auf die Terne allein,
4) oder auf die Quaterne allein.
5) Entweder auf den Auszug und Ambe zugleich,
6) oder auf den Auszug und die Terne zugleich,
7) oder auf den Auszug und die Quaterne zugleich.
8) oder auf die Ambe und Terne zugleich.
9) oder auf die Ambe und Quaterne zugleich.
10) oder auf die Terne und Quaterne zugleich.
11) Entweder auf den Auszug, Ambe und Terne zugleich,
12) oder auf den Auszug, Ambe und Quaterne zugleich,
13) oder auf den Auszug, Terne und Quaterne zugleich,
14) oder auf die Ambe, Terne und Quaterne zugleich,
<81, 66>
15) oder endlich auf den Auszug, Ambe, Terne und Quaterne zugleich.
Der bestimmte Auszug macht in Absicht auf die funfzehenerley Arten des Spiels eine Ausnahme, indem er, wegen der Einschränkung der Zahlen in eine gewisse Ordnung der Herausziehung mit den übrigen Arten des Einsatzes, welche dieser Ordnung nicht unterworfen sind, nicht verbunden werden kan, sondern allezeit ein eignes Billet erfordert. Will also jemand die durch den bestimmten Auszug gespielten Zahlen zugleich nach einer der funfzehenerley Arten von Veränderungen versuchen, so muß er ein zweytes oder abgesondertes Billet dazu haben.
Es wird gemeiniglich bestimmt, wie hoch der Einsatz auf jede Art gesehen kann; z. B. bey der Zahlenlotterie in Berlin
1) auf eine Nummer des simplen Auszugs, von einem Groschen bis 1000 Rthl.
2) auf eine Nummer der Ambe, von 1 Gr. bis 75 Rthl.
3) auf eine Nummer der Terne, von 1 Gr. bis 25 Rthl.
4) auf eine Nummer der Quaterne, von 6 Pf. bis 1 Rthl.
5) auf eine Nummer des bstimmten Auszugs, von 6 Gr. bis 200 Rthl.
Wenn man viele Zahlen auf einen Zettel oder Lotterieloos setzen läßt, so muß man den Einsatz so vielmahl bezahlen, als mögliche Fälle der Gewinnste darin sind; z. B. fünf erwählte Zahlen halten 5 Auszüge, 10 Amben, 10 Ternen, und 5 Quaternen in sich; so viele Fälle muß man also bezahlen, wenn man auf solche <81, 67> 5 Zahlen obige 4 erste Spielarten zugleich erwählt hat.
Wer in die Zahlenlotterie einlegen will, meldet sich bey einem Collecteur, macht daselbst seinen Einsatz nach seinem Belieben, und empfängt eine Quitung über das gezahlte Geld, ein paar Tage darauf aber ein gedrucktes Lotterieloos, worin das Versprechen der Lotterie enthalten ist, daß sie so und so viel auszahlen wolle, im Fall die erwählten Zahlen unter den fünf gewinnenden befindlich seyn würden. Und wenn hernach ein Gewinnst erfolgt, so wird solcher gleich nach der Ziehung ohne Abzug, oder an einigen Orten mit Abzug gewisser Procente an den Spieler ausbezahlt.
In den allermehrsten Fällen ist eine Zahlenlotterie, die einmahl stark im Gange ist, für den Unternehmer derselben ungemein vortheilhaft, wenn sich auch einzelne Fälle denken lassen, wo die Lotteriecasse eine Einbuße leiden kann. Die näheren Berechnungen des wahrscheinlichen Vortheils, den eine Zahlenlotterie dem Unternehmer gewähret, verspare ich indessen bis weiter unten, wo ich von dem Einflusse der Lotterien auf den Staat etc. etc. handeln werde.
Dieses Vortheils ungeachtet ist es gleichwohl nicht wahrscheinlich, daß man in Zukunft viele neue Zahlenlotterien anlegen werde, weil man durch den gegenseitigen überwiegenden Nachtheil, den die Zahlenlotterien hier und da für die geringere Volksclasse hervor brachten, schon bewogen worden ist, viele der bisher eingeführten Lotterien wieder aufzuheben. Doch läßt sich ein möglicher Fall denken, wo ein Staat es rathsam finden möchte, eine Zahlenlotterie zu errichten, nähmlich wenn viele Einwohner durch <81, 68> benachbarte ausländische Lotterien der Art schon zum Spiele verführt, und so hingerissen wären, daß sie sich durch keine Gesetze mehr abhalten ließen, ihrer Leidenschaft zu folgen. Statt daß man es leidet, daß so viel Geld heimlich aus dem Lande geht, würde es allerdings rathsamer seyn, im Lande selbst ein Lotto anzulegen, wenn eine Classenlotterie die Stelle desselben nicht ersetzen sollte; man hätte es dabey wenigstens in seiner Gewalt, die einmahl eingerissene Spielwuth, die sich so leicht nicht dämpfen läßt, zu einigen guten Zwecken zu benutzen, so beklagenswerth es auch seyn würde, daß man nun auch den arbeitsamen und ordentlichen Landeseinwohnern die verführerische Gelegenheit näher brächte, ihren häuslichen Wohlstand einer unglücklichen, täuschenden Hoffnung aufzuopfern.
Soll übrigens eine neue Zahlenlotterie bestehen, so muß man Zutrauen zu dem Staate haben, welcher sie einrichtet, oder welcher andern die Erlaubniß dazu ertheilt. Wenn es zweifelhaft ist, ob man große Gewinnste ohne Schwierigkeit ausbezahlt bekommen werde, so kann die Begierde dazu nicht groß seyn. Daher hat in Italien in allen Hauptstädten, wo diese Lotterien eingeführt sind, eine Bank die Gewährleistung von den auszuzahlenden Gewinnsten übernommen. Auch in Wien hat man vordem diese Vorsicht bey Einführung dieser Lotterie nicht außer Acht gelassen. Es wurden öffentlich vor den Augen des Volks, zur Sicherheit der Gewinnenden, 300000 Rthl. in die Wiener Stadtbank gelegt, und zu Mannheim ließ der Churfürst zu gleicher Sicherheit 300000 Gulden deponiren.
<81, 69>
Da die Zahlenlotterien für den Unternehmer so vortheilhaft sind, so werden sie gewöhnlich auf Rechnung des Landesherrn verwaltet, statt daß man sie sonst zu verpachten pflegte. Der Landesherr ist auch am besten im Stande die Einkünfte aus dieser Lotterie durch Bestreitung der Ausgaben des Staats, oder durch Beförderung verschiedener nützlicher Zwecke wieder in Circulation zu bringen; dahingegen eine Privatperson den Vortheil dieser Lotterie sehr kärglich an sich halten, oder gar aus dem Lande schicken könnte. Das Letztere ist in vorigen Zeiten öfters geschehen, als noch mehrere Italiener sich das Privilegium zu einer Zahlenlotterie hier und da zu erschleichen wußten, und am Ende mit ihren gesammelten Schätzen in ihr Vaterland zurück kehrten. Aus der einzigen Stadt Prag sollen auf diese Art vordem an 4 Millionen nach Italien gegangen seyn, und aus München jährlich 200000 Gulden, als der reine Ueberschuß, der den Unternehmern nach Bestreitung aller Unkosten jährlich übrig blieb. *
S. Ueber das Lotto, Träumereyen eines Wachenden zum Aufwecken der Schlafenden. Ohne Druckort. (München) 1784. 8. S. 107 und 108.
Nach diesen allgemeinen Bemerkungen über die Einrichtung der Zahlenlotterien füge ich hier, um das Vorstehende zum Theil zu erläutern, theils zu ergänzen, da ich noch mancherley unberührt gelassen habe, die Beschreibang der Berliner Zahlenlotterie hinzu, so wie diese seit dem Jahre 1794, nach der Veränderung, die damahls mit dem Lotteriewesen, dem unten zu erwähnenden Königl. Edicte zu Folge, vorgenommen wurde, hier besteht.
<81, 70>
Plan der Königl. Preuß. Zahlen=Lotterie, zum Besten der Invaliden= und Wittwen=Versorgungs=auch Schul= und Armen=Anstalten zu Berlin. *
S. Nachricht von den Königl. Preußl. Zahlen= und Classen=Lotterien. Berlin, gedruckt bey Decker. Auf das Jahr 1800. kl. 8. S. 11 u. flg.
1) Die Königl. Preußische Zahlen=Lotterie besteht aus 90 Nummern, von 1 bis 90 incl. von welchen bey jeder Ziehung Fünf heraus gezogen werden.
Der Ausfall derselben kann vielen Tausenden günstig seyn, nämlich allen denen, die eine, zwey, drey oder mehrere dieser fünf Zahlen getroffen haben. Da sie nicht mehr als eine einzige Classe ausmacht, bey welcher das Glück eines jeden Interessenten in der kurzen Zeit von drey Wochen entschieden wird; so wird niemahls ein Nachschuß oder eine Erneuerung eines Billets erfordert.
2) Es giebt fünferley Haupt=Spielarten, oder Arten des Einsatzes und Gewinnes: selbige sind
1) der bestimmte Auszug;
2) der unbestimmte oder simple Auszug;
3) die Ambe;
4) die Terne, und
5) die Quaterne.
Das Spiel durch den bestimmten Auszug erfordert sein eigenes besonderes Billet. Die übrigen Spielarten, als der simple Auszug, die Ambe, Terne und Quaterne, werden sowohl allein, als vermischt zugelassen, nach der Willkühr eines Jeden, so wie annoch jedermann auf welche, und so viel Nummern er will, seine Einlage machen kann.
Die geringste Einlage auf einen simplen Auszug, Ambe und Terne ist 1 Groschen; auf <81, 71> eine Quaterne hingegen 6 Pfennige. Auf den bestimmten Auszug kann nicht unter 6 Groschen gesetzt werden.
3) Es ist oben gesagt worden, daß man sich auf so viele Zahlen, wie man will, interessiren kann. Wenn aber natürlicherweise für so viele Auszüge, Amben, Ternen und Quaternen, als man spielet, der Werth zu erlegen ist, ehe man an einen darinn enthaltenen Gewinn Anspruch machen kann; so ist es nöthig zu wissen, wie viel Extracte, Amben, Ternen und Quaternen in einer Reihe von Zahlen enthalten sind. Dieses erfährt man aus folgender Fortschreitungstabelle.
Extract. Ambe. Terne. Quaterne.
2 1 -- --
3 3 1 --
8 28 56 70
9 36 84 126
11 55 165 330
12 66 220 495
13 78 286 715
14 91 364 1001
15 105 455 1365
16 120 560 1820
17 136 680 2380
18 153 816 3060
19 171 969 3876
20 190 1140 4845
<81, 72>
Das heißet, eine Nummer enthält 1 Extract und keine Ambe; zwey Nummern enthalten 2 Extracte und 1 Ambe, aber keine Terne; drey Nummern enthalten 3 Extracte, 3 Amben und 1 Terne, aber keine Quaterne; vier Nummern enthalten 4 Extracte, 6 Amben, 4 Ternen und 1 Quaterne u. s. w.
Um die Gewinne berechnen zu können, muß man wissen:
a) daß der Einsatz auf den Auszug 15mahl wieder gegeben wird. Also bekommt man für 1 Groschen 15 Groschen, für 2 Groschen 1 Rthl. 6 Gr., für 1 Rthl. 15 Rthl., und für 10 Rthl. 150 Rthl. wieder.
b) daß der Einsatz auf die Ambe 270mahl wieder gegeben wird. Also bekommt man für 1 Groschen 11 Rthl. 6 Gr., für 2 Groschen 22 Rthl. 12 Gr., für 1 Rthl. 270 Rthl., und für 2 Rthl. 540 Rthl.
c) daß der Einsatz auf die Terne 5300 mahl wieder gegeben wird. Also bekommt man für 1 Groschen 220 Rthl. 20 Gr., für 2 Groschen 441 Rthl. 16 Gr., für 8 Groschen 1766 Rthl. 16 Gr. wieder.
d) daß der Einsatz auf die Quaterne 60000 mahl wieder gegeben wird. Also bekommt man für 1 Groschen 2500 Rthl.
Wenn jemand eine Favorit=Zahl im Sinne hat, und solche mit den übrigen 89 ambenweise verbindet, so gewinnt derselbe 4 Amben, wenn selbige heraus kommt.
4) Hier folgen allerhand Exempel von Einsätzen:
<81, 73>
I. Auf den simplen Auszug allein.
a) Kosten 5 Zahlen à 20 Rthl. 100 Rthl.
b) Gewinn 1 Zahl giebt 300
2 Zahlen geben 600
3 Zahlen geben 900
4 Zahlen 1200
5 Zahlen 1500
II. Auf den bestimmten Auszug.
a) Kosten 5 Zahlen: die erste auf den 1sten Zug, die zweyte auf den 2ten Zug, die dritte auf den 3ten, die vierte auf den 4ten, und die fünfte auf den 5ten, jede zu 1 Rthl.
b) Gewinn 1 Zahl giebt 75
2 Zahlen geben 150
3 Zahlen geben 225
4 Zahlen 300
5 Zahlen 375
III. Auf die Ambe allein.
a) Kosten 6 Zahlen durch 15 Amben à 2 Rt. 30 Rt.
b) Gewinn 2 Zahlen geben 1 Ambe von 540
3 Zahlen geben 3 Amben 1620
4 Zahlen 6 Amben 3240
5 Zahlen 10 Amben 5400
IV. Auf die Terne allein.
a) Kosten 6 Zahlen durch 20 Ternen à 8 Ggr. --
6 Rthl. 16 Ggr.
b) Gewinn 3 Zahlen geben 1 Terne à 8 Ggr. --
1766 Rthl. 16 Ggr.
4 Zahlen geben 4 Ternen à 8 Ggr. --
7066 Rthl. 16 Ggr.
5 Zahlen geben 10 Ternen à 8 Ggr. --
17666 Rthl. 16 Ggr.
V. Auf die Quaterne allein.
a) Kosten 6 Zahlen durch 15 Quaternen à 1 Ggr. --
b) Gewinn 4 Zahlen geben 1 Quaterne à 1 Ggr. --
2500 Rthl.
5 Zahlen geben 5 Quaternen à 1 Ggr. --
12500 Rthl.
VI. Auf Auszug und Ambe.
a) Kosten 2 Auszüge à 3 Ggr. -- 6 Ggr. 8 Ggr.
1 Ambe à 2 Ggr. -- 2 Ggr.
<81, 74>
b) Gewinn 1 Zahl giebt 1 Auszug à 3 Ggr. -- 1 Rt. 21 G.
2 Zahlen geben 2 Auszüge -- 3 -- 18 --
1 Ambe -- 22 -- 12 --
betragen 26 Rt. 6G.
VII. Auf Auszug, Ambe und Terne.
a) Kosten 3 Auszüge à 4 Ggr. 12 Ggr. 16 Ggr.
3 Amben à 1 3
1 Terne à 1 1
b) Gewinn 1 Auszug giebt 2 Rtl. 12 Ggr.
2 Auszüge und 1 Ambe 16 -- 6 Ggr.
3 Ausz. 3 Amben u. 1 Terne 262 -- 2 Ggr.
VIII. Auf Auszug, Ambe, Terne und Quaterne.
a) Kosten 5 Auszüge à 3 Ggr. 15 Ggr. 1 Rthl. 16 Ggr.
10 Amben à 1 10
10 Ternen à 1 10
5 Quaternen à 1 5
b) Gewinn 1 Auszug giebt 1 Rtl. 21 Ggr.
2 Auszüge und 1 Ambe 15 --
3 Auszüge, 3 Amben und 1 Terne geben 260 Rthl. 5 Ggr.
4 Auszüge, 6 Amben, 4 Ternen und 1 Quaterne geben 3458Rthl. 8 Ggr.
5 Auszüge, 10 Amben, 10 Ternen und 5 Quaternen geben 14830 Rthl. 5 Ggr.
Die hierzu gehörige Gewinntabelle so wohl im Amben= als Ternenspiele sehe man auf dem anliegenden Blatte.
[Tabelle 1 in Lotterie]
5) Der Einsetzer erhält von dem Einnehmer über den geschehenen Einsatz, ein nach Anleitung der Instruction, unter der Nummer sowohl der Liste des Einnehmers als der Ziehung ausgefertigtes Billet. Für die richtige Auszahlung des darauf fallenden Gewinns haftet der Einnehmer in jedem Falle. Auch die General=Lotterie=Casse ist dafür in so weit verhaftet, als der Inhalt des Billets in der, vor der Ziehung der Lotterie=Direction zugekommenen Liste des Einnehmers, richtig übertragen ist, indem es zum festen und unwandelbaren Grundsatz angenommen worden, daß die General=Lotterie=Casse sämmtliche, auf die, wie vorgedacht, eingekom<81, 75>menen Listen der Einnehmer fallende Gewinne, aber auch keine andere bezahlt. Es ist daher jedes Einsetzers Schuldigkeit, beym Empfang des Billets nachzusehen, ob dasselbe nach obiger Vorschrift seiner Absicht gemäß ausgefertigt und in der Liste des Einnehmers richtig eingetragen worden.
6) Es trägt sich öfters zu, daß bey der Concurrenz vieler Spieler auf eine Zahl oder Spielart, solche dergestalt beschweret wird, daß entweder kein weiterer Einsatz auf selbige zugelassen werden kann, welches man streichen oder sperren nennet, oder, daß wenigstens der weitere Einsatz auf selbige eingeschränkt werden muß, welches man moderiren oder heruntersetzen nennet. Von beyden Handlungen wird denjenigen Einnahme=Comtoren, in welchen die Sperrung oder Heruntersetzung geschehen ist, vor der Ziehung Nachricht gegeben, so wie das Verzeichniß der gesperrten oder moderirten Sätze, bey dem jedesmahligen Ziehungs=Commissarius vor der Ziehung niedergelegt wird. Die Inspicirung dieses Verzeichnisses ist jedermann erlaubt.
7) Uebrigens betrifft das Sperren oder Moderiren entweder ganze Billets, oder nur einzelne Zahlen desselben, und es entstehen folgende Fälle:
a) Wenn ein ganzes Billet gestrichen, und nicht zum Spielen zugelassen wird;
der Einnehmer zahlet alsdann an den Spieler den ganzen Betrag des Billets zurück, und dieser hat nicht den geringsten Anspruch auf irgend einen Gewinn, wenn auch eine oder mehrere Zahlen des gestrichenen Billets getroffen werden sollten.
b) Wenn das Streichen nicht ein ganzes Billet, sondern nur einzelne Zahlen desselben betrifft;
<81, 76>
so zahlet der Einnehmer an den Spieler nur so viel zurück, als das Streichen der einzelnen Zahlen oder Verbindungen, beträgt, der Spieler kann übrigens auf alle Zahlen und Verbindungen, welche nicht gestrichen worden, gewinnen. Z. E. wenn das Billet aus den fünf Zahlen 1. 2. 3. 4. 5. besteht, und in selbigem der Auszug 4. gestrichen worden, so kann er an= noch 4. Auszüge auf die Zahlen 1. 2. 3. 5. gewinnen; wird in diesem Billet die Ambe 1. 2. gestrichen, so kann er annoch die übrigen 9 Amben 1. 3., 1. 4., 1. 5., 2. 3., 2. 4., 2. 5., 3. 4., 3. 5. und 4. 5. gewinnen. Wird die Terne 1. 2. 3. gestrichen, so kann er annoch die übrigen 9 Ternen 1. 2. 4., 1. 2. 5., 1. 3. 4., 1. 3. 5., 1. 4. 5., 2. 3. 4., 2. 3. 5., 2. 4. 5. und 3. 4. 5. gewinnen, und wird die Quaterne 1. 2. 3. 4. gestrichen, so kann er annoch die übrigen 4 Quaternen 1. 2. 3. 5., 1. 2. 4. 5., 1. 3. 4. 5. und 2. 3. 4. 5. gewinnen. Würden also auf einem Billet von fünf Zahlen 2 Auszüge, oder 3 Amben, oder 2 Ternen, oder 2 Quaternen gestrichen, so können annoch 3 übrige Auszüge, 7 übrige Amben, 8 übrige Ternen und 3 übrige Quaternen gewonnen werden, u. s. w.
c) Wenn auf einem Billet eine Zahl oder Verbindung nicht ganz gestrichen, sondern nur herunter gesetzt wird;
so zahletder Einnehmer an den Spieler von dem geschehenen Einsatz nur so viel zurück, als durch die Heruntersetzung von selbigem abgenommen worden. Der Spieler kann übrigens auf alle treffende Zahlen und Verbindungen gewinnen, mit dem bloßen Unterschied, daß die auf die herabgesetzten Auszüge und Verbindungen fallenden Ge<81, 77>winne, nach dem Verhältniß der Herabsetzung bezahlt werden. Z. E. wenn in einem Billet, das aus den fünf Zahlen 11. 12. 13. 14. 15. bestehet, der Auszug zu 2 Rthl. von dem Spieler beliebet, die Zahl 13. aber auf 1 Rthl. herabgesetzt, und die Zahlen 11. 12. 13. getroffen worden, so gewinnt der Spieler zwar auf die Zahlen 11. und 12. jedesmahl 30 Rthl.; auf die Zahl 13. aber nur 15 Rthl. Wenn in eben demselben Billet die Amben zu 2 Rthl. von dem Spieler beliebet, die Ambe 12. 13. aber auf 1 Rthl. herabgesetzt worden, so gewinnt der Spieler zwar 3 Amben, hingegen wird ihm die auf 1 Rthl. herabgesetzte Ambe 12. 13., nur mit 270 Rthl. bezahlet, da ihm jede der übrigen, nähmlich 11. 12. und 11. 13. 540 Rthl. bringet, mithin wird der ganze Gewinn in Amben 1350 Rthl. seyn. Die Anwendung ist leicht weiter auf Ternen und Quaternen zu machen.
8) Jeder Gewinner bezahlt an seinen Einnehmer, von allen Gewinnen, die Ein Hundert Rthl. und darüber betragen, 5 pro Cent; von denen zwischen Eilf und Neunzig, Acht Pfennige vom Thaler, von denen unter Eilf Thalern hingegen nichts.
9) Endlich ist zu merken, daß kein Billet länger als drey Monathe, vom Tage der Ziehung an gerechnet, gültig ist, und alle Gewinner sind, bey Verlust ihres Rechts zum Besten der General=Lotterie=Casse, verbunden, in diesem Zwischenraum ihre Billets zurück zu geben, und das Geld dafür in Empfang zu nehmen.
10) Sollte einem Einsetzer durch einen Zufall ein Billet abhänden gekommen seyn, so hat er solches seinem Einnehmer anzuzeigen, und überhaupt diejenige Vorsicht zu nehmen, welche <81, 78> die Gesetze, bey Papieren, die auf den Inhaber lauten, vorschreiben.
11) Der Ertrag der Lotterie ist zum Besten der Invaliden= und Wittwen=Versorgungs=auch Schul= und Armen=Anstalten, ingleichen der Aussteuer armer Mädchen gewidmet; und die Lotterie wird in Gegenwart einiger zu dieser Handlung von Sr. Majestät ernannten Commissarien auf dem Berlinischen Rathhause gezogen.
Unterricht für die Einnehmer wegen des Einsatzes auf die 90 Zahlen bey der Königl. Lotterie zum Besten der Invaliden= und Wittwen=Versorgungs=auch Schul= und Armen=Anstalten zu Berlin.
Art. 1. Die Verrichtungen eines Einnehmers sind:
a) Die Zahlen und die Größe eines Einsatzes aufzuschreiben.
Das hierzu gewidmete linlirte Blatt wird eine Liste genannt.
b) Ueber den geschehenen Einsatz einen Schein an den Einsetzer auszustellen, und
c) gleich nach erhaltener Ziehungs=Nachricht, die Gewinnste und das eingenommene Geld zu berechnen.
Art. 2. Die Zahlen werden auf der Liste und den Scheinen, nach ihrer natürlichen Ordnung, die kleinen immer voran, aufgeschrieben.
Art. 3. Um zu wissen, was ein Einsetzer zu bezahlen hat, der die Zahlen: 20. 30. 40. durch Auszug, Ambe und Terne, jede Art à 1 Gr. spielen will; so geben 3 Zahlen
3 Amben und
1 Terne.
[Tabelle 2 in Lotterie]
<81, 79>
Folglich ist die ganze dafür zu entrichtende Summe 7 Gr.
Wie dieser Satz sowohl auf der Liste als auf dem Schein zu Papier gebracht werden müsse, siehet man bey No. 1. auf der beygefügten Liste.
Art. 4. Um zu wissen, wie viel man zu bezahlen hat, wenn man auf 4 oder mehrere Zahlen setzen will: so sehe man die in der Folge dieses Unterrichts befindliche Fortschreitungs=Tabelle, und das zu Ende des Unterrichts befindliche Listen=Formular nach.
Art. 5. Um die Gewinne berechnen zu können, darf man nur den 3ten Art. des Plans nachsehen.
Art. 6. Zur Erläuterung des Vorhergehenden sehe man folgenden Plan!
Einsatz=Plan auf fünf beliebige Zahlen.
5 Auszüge à 6 Gr. 1 Rthl. 6 Gr.
10 Amben à 2 20
Summa 2 Rthl. 17 Gr.
Mögliche Gewinne.
Eine Zahl giebt einen Auszug à 3 Rthl. 18 Gr.
Erster Gewinn.
Zwey Zahlen geben
2 Auszüge 7 Rthl. 12 Gr.
1 Ambe 22 12
Summa 30 Rthl. -- Gr.
Zweyter Gewinn.
Drey Zahlen geben
2 Auszüge 11 Rthl. 6 Gr.
3 Amben 67 12
1 Terne 220 20
Summa 229 Rthl. 14 Gr.
Dritter Gewinn.
<81, 80>
Vier Zahlen geben
4 Auszüge 15 Rthl. -- Gr.
6 Amben 135 --
4 Ternen 883 8
1 Quaterne 2500 --
Summa 3533 Rthl. 8 Gr.
Vierter Gewinn.
Fünf Zahlen geben
5 Auszüge 18 Rthl. 18 Gr.
10 Amben 225 --
10 Ternen 2228 8
5 Quaternen 12500 --
Summa 14952 Rthl. 2 Gr.
Fünfter Gewinn.
Art. 7. Hier folget die oben S. 71. gedachte Fortschreitungs=Tabelle, aus welcher man sehen kann, wie viel Auszüge, Amben, Ternen und Quaternen, in einer, zwey, drey, vier bis zwanzig Zahlen enthalten sind.
Ausz. Amb. Tern. Quat.
Eine Zahl enthält 1
Zwey Zahlen enthalten 2 1
Drey Zahlen 3 3 1
Vier Zahlen 4 6 4 1
Fünf Zahlen 5 10 10 5
Sechs Zahlen 6 15 20 15
Art. 8. Eine Liste enthält auf jeder Seite zwanzig Zeilen, hinfolglich Raum für zwanzig Billets.
Art. 9. Wenn eine Seite voll ist, so fängt man die zweyte Seite mit 21. an, und endiget sie mit 40. u. s. w.
Art. 10. Wenn eine Liste nicht voll wird, so schließet der Einnehmer solche mit dem letzten Einsatz.
Art. 12. Weder auf den Scheinen noch Listen muß die Anzahl der Ziehung, z. E. ob es die 1ste, 2te u. s. w., die Nummer des Ein<81, 81>nahme=Comtors, die Stadt, das Datum und die Unterschrift des Einnehmers, die neben der Jahrszahl, und nicht unter die Hauptsumme zu setzen ist, vergessen werden.
Art. 13. Der Einnehmer thut wohl, die Zahlen auf dem Schein mit rother oder blauer Dinte, und die Summe des Einsatzes mit Buchstaben niederzuschreiben, damit deren Abänderung oder Rasur, wodurch böse Leute Gewinne zu erschleichen suchen, schwerer fallen möge.
Art. 14. Jede Liste wird zweymahl geschrieben. Ein Exemplar schickt der Einnehmer an die Lotterie=Direction, das zweyte Exemplar aber behält er bey sich. Auf jedem abzuliefernden Listen=Blatt muß bey jedem Register=Satz, wenn die gespielten Zahlen mit einer einzelnen Ziffer, z. E. 1. 2. 3. bis 9. anfangen, vor der ersten Zahl und hinter der letzten Zahl bis ans Ende der Rubrik ein Strich gezogen, auch unter dem Schluß=Satze alle ledige Fächer durchstrichen werden, wie die Probe=Liste nachweiset. Aber in den Scheinen muß der Einnehmer zwischen jeder Zahl einen Strich -- -- ziehen, sonst riskirt er, daß einer Zahl, z. E. der 6, noch eine 1. oder 2, welche aus dem Glücksrade gezogen worden, vom Inhaber des Scheins, fälschlich vorgesetzt wird.
Art. 15. Die gespielten Zahlen müssen in den Listen deutlich, nach ihrer natürlichen Folge, unbefleckt und ungekratzt, mit guter schwarzer, niemahls aber mit rother, grüner oder blauer Dinte geschrieben seyn. Sollte es sich zutragen, daß eine Zahl unrichtig geschrieben wird, so muß solche am Rande des Register=Satzes mit Buchstaben berichtiget werden. Schlechterdings muß keine Zahl zweydeutig oder undeutlich seyn.
<81, 82>
Art. 16. Unter einerley Register=Nummer müssen Sätze von einerley Art des Einsatzes, und nicht einzelne Auszüge, einzelne Amben mit Auszügen, trockene Ternen mit Amben ohne Auszüge u. s. w. eingetragen werden: auch müssen die gespielten Zahlen nie bis in die Einsatz=Rubriken hineingeschrieben werden.
Art. 17. Jede Listen=Seite wird für sich summirt, ohne die Summe von der einen zur andern Seite überzutragen. Die Recapitulation dieser Seiten muß auf der einzusendenden Berechnung, wie das Schema auf der nachfolgenden Tabelle nachweiset, gemacht werden.
Art. 18. Die Listen sind nach der Folge der Register=Sätze zusammen zu heften, und hiernächst breit gebrochen zu couvertiren; bey dem Einsiegeln derselben aber, so wie bey dem Beschneiden des Couverts ist dahin zu sehen, daß sie weder eingeschnitten noch angesiegelt werden.
Art. 19. In den Briefen, mit welchen Listen gesandt werden, ist die Anzahl der Listen=Blätter, der Register=Sätze, und der volle Betrag der Einnahme anzuzeigen.
Art. 20. Jedem Einnehmer wird auf das allerernstlichste befohlen, die Briefe mit den Listen so zeitig zur Post abzugeben, daß solche mit eben der Post, mit welcher sie abgehen sollen, auch abgehen können, damit die Postämter nicht von daher Gelegenheit nehmen zu sagen: daß die Listen zu spät zur Post gekommen, und deshalb nicht hätten abgeschickt werden können. Auch muß jeder Einnehmer auf das Couvert, worin Listen befindlich sind, die Worte schreiben:
Listen zur==den==vor sich gehenden Ziehung; zur Post gegeben den==
damit die Königlichen Postämter, sowohl am <81, 83> Orte des Abgangs und auf der Route, als auch vorzüglich in Berlin, auf die promteste Beförderung der Briefe mit dergleichen Listen, desto aufmerksamer gemacht werden.
Deswegen müssen
Art. 21. diejenigen Briefe, welche Listen enthalten, und mit den letzten Posten vor der Ziehung hier eintreffen, niemahls mit Gelde beschwert werden, weil solches wegen der darüber auf der Post auszufertigenden Geldscheine, unausbleibliche Verzögerung verursacht.
Art. 22. Es giebt die Natur der Sache, daß keine, nach der Ziehung bey der Lotterie=Direction eingehende Listen, zum Spiel zugelassen werden können, sondern daß solche ohne allen Unterschied zurückgesandt oder cassirt werden müssen: wobey sich die Einnehmer den allergefährlichsten Processen mit ihren Spielern aussetzen, wenn auf solche, durch ihr Verschulden zu spät eingegangene Listen, Gewinne fallen
Art. 23. Um dieses zu vermeiden, muß jeder Cinnehmer darauf Vedacht nehmen, daß seine Listen ganz sicher 3 Tage vor der Ziehung bey der Lotterie=Direction eintreffen und gehörig castelletirt werden können, indem dem Ziehungs=Commissario jedesmahl vor der Ziehung das Verzeichniß der gestrichenen und moderirten Sätze zugestellet werden muß, und es unmöglich fallen würde, die allenfalls nöthigen Abänderungs=Anzeigen von den später eingegangenen Listen vor der Ziehung zur Post zu liefern.
Art. 24. Da verschiedene Einnehmer auf ihre eigene Gefahr das Lotterie=Geschäft auch noch durch andere Personen verwalten lassen; so muß ein jedes Blatt von dergleichen Listen, die zum Unterschied mit Register=Nummer I. anzu<81, 84>fangen sind, von dem bestallten Einnehmer neben dem Nahmen des die Lotterie=Einnahme besorgenden contrasigniret, und dergestalt eingeschickt werden.
Art. 25. Uebrigens betrifft das Sperren oder Moderiren entweder ganze Billets, oder nur einzelne Zahlen desselben, und es entstehen folgende Fälle:
a) Wenn ein ganzes Billet gestrichen, und nicht zum Spielen zugelassen wird.
Der Einnehmer zahlet alsdann an den Spieler den ganzen Betrag des Billets zurück, und dieser hat nicht den geringsten Anspruch auf irgend einen Gewinnst, wenn auch ein oder mehrere Zahlen getroffen werden sollten.
so zahlet der Einnehmer an den Spieler nur so viel zurück, als das Streichen der einzelnen Zahlen oder Verbindungen beträgt. Der Spieler kann übrigens auf alle Zahlen und Verbindungen, welche nicht gestrichen worden, gewinnen. Z. E. wenn das Billet aus den 5 Zahlen 1. 2. 3. 4. 5. besteht, und in selbigem der Auszug 4. gestrichen worden; so kann er annoch 4 Auszüge auf die Zahlen 1. 2. 3. 5. gewinnen. Wird in diesem Billet die Ambe 1. 2. gestrichen, so kann er annoch die übrigen 9 Amben 1. 3., 1. 4., 1. 5., 2. 3., 2. 4., 2. 5., 3. 4., 3. 5. und 4. 5. gewinnen. Wird die Terne 1. 2. 3. gestrichen, so kann er annoch die 9 übrigen Ternen 1. 2. 4., 1. 2. 5., 1. 3. 4., 1. 3. 5., 1. 4. 5., 2. 3. 4., 2. 3. 5., 2. 4. 5. und 3. 4. 5. gewinnen, und wird die Quaterne 1. 2. 3. 4. gestrichen; so kann er annoch die 4 übrigen <81, 85> Quaternen 1. 2. 3. 5., 1. 2. 4. 5., 1. 3. 4. 5. und 2. 3. 4. 5. gewinnen. Würden also auf einem Billet von 5 Zahlen zwey Auszüge, oder drey Amben, oder zwey Ternen, oder zwey Quaternen gestrichen; so können annoch 3 übrige Auszüge, 7 übrige Amben, 8 übrige Ternen und 3 übrige Quaternen gewonnen werden u. s. w. Die Anwendung ist leicht weiter auf Billets von mehr oder weniger Zahlen verhältnißmäßig zu machen.
c) Wenn auf einem Billet eine Zahl oder Verbindung nicht ganz gestrichen, sondern nur herunter gesetzt wird,
so zahler der Einnehmer an den Spieler von dem geschehenen Einsatz nur so viel zurück, als durch die Heruntersehung von selbigem abgenommen worden. Der Spieler kann übrigens auf alle treffende Zahlen und Verbindungen gewinnen, mit dem bloßen Unterschied, daß die auf die herabgesetzten Auszüge und Verbindungen fallenden Gewinnste nach dem Verhältniß der Herabsetzung bezahlt werden. Z. E. wenn in einem Billet, das aus den 5 Zahlen, 11. 12. 13. 14. 15. bestehet, der Auszug zu 2 Rthl. von dem Spieler beliebet, die Zahl 13. aber auf 1 Rthl. herabgesetzt, und die Zahlen 11. 12. 13. getroffen worden; so gewinnt der Spieler zwar auf die Zahlen 11. und 12. jedesmahl 30 Rthl., auf die Zahl 13. aber nur 15 Rthl. Wenn in eben demselben Billet die Amben zu 2 Rthl. von dem Spieler beliebet, die Ambe 12. 13. aber auf 1 Rthl. herabgesetzt worden; so gewinnt der Spieler zwar 3 Amben, hingegen wird ihm die auf 1 Rthl. herabgesetzte Ambe 12. 13. nur mit 270 Rthl. bezahlt, da ihm jede der übrigen, nämlich 11. 12, und 11. 13. 540 Rthl. brin<81, 86>get. Mithin wird der ganze Gewinn in Amben 1350 Rthl. seyn. Die Anwendung ist leicht weiter auf Ternen und Quaternen zu machen.
Art. 26. Sollte es auch geschehen, daß einige Einnehmer, ihrer Instruction zuwider, auf gewissenlose Art den Spielern
a) den Betrag solcher, nach der Ziehung einlaufenden, und ihnen remittirt werdenden Listen, nicht zurück geben, auch wohl
b) den Spielern diejenigen Sätze vorenthalten, welche vom Castellet moderirt, oder gestrichen worden;
so wird ein jeder vor dergleichen gewissenlosem Benehmen hiermit wiederholend gewarnet, mit dem Bedeuten, daß diejenigen, die sich dennoch eines solchen Vergehens schuldig machen sollten, außer der vom Königl. Ober=Lotterie=Gericht zu erkennenden Strafe, noch von der Lotterie=Direction mit Cassation und Bekanntmachung ihres Nahmens in den Warnungs=Anzeigen bestraft werden sollen.
Da als bekannt angenommen werden muß, daß die Einnehmer ihre Einsetzer nicht kennen: so hat
Art. 27. ein jeder Einnehmer das ihm gewordene Verzeichniß der moderirten und gestrichenen Sätze wenigstens auf 8 Tage in seinem Comtor zu affigiren, damit die Spieler von dem Schicksal ihres Satzes unterrichtet werden können.
Eben also muß
Art. 28. jeder Einnehmer, wenn der Fall sich ereignet, daß ihm eine zu spät bey der Lotterie=Direction eingegangene Liste zurück geschickt worden, diese Anzeige ebenfalls 8 Tage in sei<81, 87>nem Comtor affigiren, damit die Spieler ihre Einlage zurück nehmen können.
Art. 29. Bey dem Auszugsspiel ist dahin zu sehen, daß die Spieler, die ihr Augenmerk bloß auf einzelne Zahlen richten, und solche nach ihrem Vermögen auch wohl gar auf Credit fort erhöhter spielen zu können vermeinen, davon so viel als möglich abgebracht, und auf die vermischen Spielarten von Amben, Ternen und Quaternen gewiesen werden, weil der Interessent bey den vermischten Spielarten weniger Gefahr läuft, daß ihm die Einsätze gestrichen werden, als bey dem Auszugsspiel.. *
Gegen dieses Verfahren der Lotterie=Direction ist in den Denkwürdigkeiten der Mark Brandenburg etc. etc., von Kosmann und Heinsius. Berlin, bey Belitz und Braun. März, 1800. S. 350 -- 52 ein Aufsatz, unter dem Titel: Ueber das Streichen in den Zahlenlotterien vorhanden, welchen diejenigen, die es interessirt, daselbst nachsehen mögen.
Art. 30. Wenn jemand eine ununterbrochene Reihe, von Zahlen, z. E. von 1 bis 15, oder von 33 bis 40 u. s. w. spielen will, so braucht der Einnehmer solches sowohl auf dem Schein, als auf der Liste nur auf folgende Art anzuzeigen: von 1 bis 15 incl. oder von 33 bis. 40 incl. ohne alle zwischen den Anfangs= und Ende=Zahlen, enthaltene Mittel=Zahlen, zu specificiren.
Art. 31. Ohnerachtet die Zahlen allezeit nach ihrer natürlichen Folge aufgeschrieben werden; so bleiben dennoch 2 Zahlen, z. E 20. und 30. allezeit eine Ambe, und die 3 Zahlen 20. 30. 40. allezeit eine Terne, die Zahlen mögen bey der Ziehung herauskommen, in was für einer Ordnung sie wollen.
<81, 88>
Art. 32. Man kann spielen wie man will, auf Auszug allein wie bey No. 5. auf der beygehenden Liste, oder auf Amben allein wie bey No. 6, oder auf Ternen allein, oder auf Auszug und Ambe zugleich u. s. w.
Diejenige Spielart, welche nicht Statt findet, wird auf dem Schein ausgestrichen, und auf der Liste durch einen Strich bemerkt, wie aus den Exempeln zu ersehen ist.
Art. 33. Von Listen hat man 4 Stück, und von Scheinen 12 Stück auf einem Bogen drucken lassen, welche also zerschnitten werden können.
Art. 34. Von den Listen und Scheinen muß kein Gebrauch zu anderm Behuf als zur Einnahme gemacht werden, auch darauf nicht im voraus die Comtor=Nummer, Zahl der Ziehung, Ort, Tag und Nahme des Einnehmers eingezeichnet werden, weil es ungewiß ist, ob solche für die bezeichnete Ziehung Abgang finden, und, wenn besonders einer von solchen Scheinen verlohren ginge, eine unrechte und betrügerische Hand die herausgekommenen Zahlen eintragen, und hiernächst dem Einnehmer Schaden und Verdruß damit machen könnte. Wenn keine Listen und Scheine mehr in einem Einnahme=Comtor vorräthig sind, so werden neue gefordert.
Art. 35. Wenn jemand eine Favorit=Zahl im Sinne hat, und solche mit den übrigen 89 Ambenweise verbindet; so gewinnt derselbe 4 Amben, wenn selbige herauskömmt. Diese Spielart braucht nur kurz, wie bey No. 8. und 9. angezeigt zu werden. Ein gleiches geschieht auf dem Schein.
Art. 36. Wer außer den obbeschriebenen vier Einsatz=Arten annoch auf
<81, 89>
Bestimmte Auszüge
zu spielen, Lust bezeigen dürfte, kann solches, doch nicht unter 6 Gr. Einsatz auf eine Nummer thun. Der Zug, für welchen eine oder mehrere Zahlen bestimmt werden, wird so wohl auf der Liste, als auf dem Schein deutlich angezeigt, damit durch diese Anzeige der bestimmte Auszug, dessen Einsatz 75 mahl wieder gegeben wird, von dem unbestimmten oder simplen Auszug unterschieden werde. Wird die Bestimmung anzuzeigen unterlassen; so wird der Satz für einen simplen Auszug angenommen. Es versteht sich hierbey von selbst, daß so oft eine oder mehrere Zahlen auf mehrere Züge gespielt werden, der Einsatz darauf eben so oft bezahlt werden müsse.
Art. 37. Wenn ein Einsetzer sehr viele Zahlen auf einem Billet belegt, so können solche in eben der Zeile der Liste klein und deutlich übereinander geschrieben werden, wie bey No. 7.
Art. 38. Das Einsatz=Quantum ist bey jeder Spielart in den Listen, nach dessen eigentlichen Werth mit Rthl. Gr. Pf. Zeichen zu bemerken, damit solche von einander unterschieden werden, und keine Zweydeutigkeiten und Dispüte darüber entstehen können. Demjenigen Einnehmer, welcher einen Satz ohne Einzeichnung der Größe des Einsatzes einschickt, wird solcher gestrichen, und wenn der Auswurf unter der Hauptsumme, den eingezeichneten Spielarten nicht angemessen ist, wird das Fehlende dem Einnehmer zugesetzt.
Art. 39. Jeder Einnehmer muß gleich nach erhaltenen Ziehungs=Nummern, seine Berechnung über Einnahme und Ausgabe, nach Anleitung des beygefügten Formulars, anfertigen, und <81, 90> solche nebst den Bestandgeldern sofort an die Königl. Lotterie=Direction einsenden, damit er nicht in den Fall gerathe, daß ihm die Bestallung abgenommen, und sein Einnahme=Comtor cassirt werde. Die Berliner=Einnehmer aber geben gleich wie bishero nach der Ziehung bis zum andern Morgen ihre Rechnungen ein, erhalten nach Verificirung derselben ihren Nachschuß und saldiren binnen acht Tagen.
Art. 40. Es ist zwar im Königl. Lotterie=Edict vom 20. Juny 1794. §. 7. den Lotterie=Einnehmern nachgegeben, den etwa creditirten Einsatz gegen den Spieler einklagen zu können; da aber Se. Königl. Majestät mittelst Allerhöchst erlassenen Cabinets=Ordre vom 16. July c. zu befehlen geruhet haben, daß creditirte Einsätze zur Zahlen=Lotterie gerichtlich nicht eingeklagt werden dürfen, und darüber kein rechtliches Gehör gestattet werden soll: so wird solches den Lotterie=Einnehmern zur Nachricht und Achtung hierdurch bekannt gemacht.
Art. 41. Jeder Einnehmer ist schlechterdings verbunden, vorstehendem Unterricht in allem genau nachzukommen, widrigenfalls er es sich selbst beyzumessen hat, wenn ihm das Einnahme=Geschäft untersagt wird.
Hierbey das Formular zur Anfertigung einer Liste, eines Scheins oder Einsatz=Billets, auch zu einer nach jeder Ziehung anzufertigenden Balance. S. den anliegenden halben Bogen.
[Tabelle 3 in Lotterie]
Königl. Preuß. Churmärk. Lotterie=Direction.
Noch einige Bemerkungen über das Lotteriewesen überhaupt, und dessen Einfluß auf den Staat.
Da durch die Theilnehmung an auswärtigen Lotterien dem Staate viel Geld entzogen <81, 91> werden kann, so wird es heut zu Tage fast als ein allgemeiner Grundsatz angenommen, daß man die Einlage in fremde Lotterien gänzlich verbieten müsse; wie solches aus verschiedenen Landesgesetzen zu ersehen, in welchen solche Einlagen sehr scharf, und zuweilen bey 100 Rthl. fiscalischer Strafe und Verlust des Einsatzes verboten worden. *
In dem allgemeinen Landrechte für die Preuß. Staaten heißt es, im II. Th. 20 Tit. §. 249. „Wer in auswärtige vom Staate nicht besonders genehmigte Lotterien einsetzt, muß den Betrag des Einsatzes, und noch über dieses hundert Thaler, dem Fisco zur Strafe erlegen.” Damit stimmen auch schon ältere Verordnungen überein, z. B. das Circulare vom 3ten Jul. 1751 und das Edict vom 24. Oct. 1755.
Dieser Grundsatz leidet indessen vielleicht nur in großen Staaten völlige Anwendung, wo große und angesehene Lotterien selbst zu Stande gebracht werden können. In kleinen Staaten, besonders wenn es der Regierung darum zu thun ist, eine Landeslotterie in Gang zu erhalten, und man deshalb mit darauf rechnet, daß auch Ausländer eine beträchtliche Anzahl Loose nehmen sollen, würde es vielleicht nicht angebracht seyn, das Einsetzen in benachbarte Lotterien zu verbieten, weil die Nachbaren es dann eben so machen würden, wodurch die einheimische Lotterie zu Grunde gehen möchte.
Nach einem andern Grundsatze wird keiner Privatperson verstattet, ohne landesherrliche Erlaubniß eine Lotterie, sie sey so klein als sie wolle, auch keine Glücksbude zu errichten. *
In dem allgemeinen Landrechte, a. a. O. §. 248. ist hierüber folgendes Gesetz vorhanden: „Wer ohne besondere Erlaubniß des Staats eine öffentliche Lotterie unternimmt, der soll um 50 bis 100 Thaler; fiscalisch bestraft werden; und außerdem den dop= pelten Betrag des dadurch gezogenen Vortheils der Armencasse des Orts entrichten.” S. auch Königl. Preuß. Avertissement vom 19ten Jan. 1752.
<81, 92> Dieses ist sehr billig und gerecht. Es ist eine Pflicht der hohen Landesobrigkeit, dafür zu sorgen, daß die Unterthanen nicht betrogen werden. Was für Betrügereyen können aber nicht bey den Lotterien vorkommen, wenn die Errichtung derselben den Privatpersonen, ohne vorher gegangene obrigkeitliche Untersuchung des Plans, und ohne Direction überlassen wird? *
S. Bergius Polizey= und Cameral=Magazin. VI. S. 225.
Wenn man übrigens die Frage untersucht, ob Lotterien nützlich oder nachtheilig für einen Staat sind, so könnte es jetzt vielleicht gleichgültig seyn, wozu man zuerst Lotterien erfand und einführte, und ob man im Anfange den beabsichteten Zweck erreicht habe oder nicht. Zur richtigen Beurtheilung der Sache muß indessen angemerkt werden, daß man anfänglich bloß die Absicht hatte, durch die Lotterie die eingerissenen Hazardspiele zu verdrängen, und wenn man sie auch bey ihrem Entstehen vielleicht schon mehr schädlich als nützlich fand, (wiewohl dieses einigen Zweifeln unterworfen ist) so nahm man sie wenigstens für ein nothwendiges kleineres Uebel, um ein ungleich größeres damit zu tilgen. In dieser Hinsicht ward die Lotterie ein vermeintes Staatsbedürfniß, welches ein zureichender Grund zu ihrer Duldung war. Der Bewegungsgrund zur der allmählichen Erweiterung des Lotteriewesens scheint indessen nicht in dieser ursprünglichen Absicht, sondern in mehreren Nebenabsich<81, 93>ten zu liegen, welche jetzt indessen vielleicht die Hauptabsicht bey fast allen existirenden Lotterien ausmachen. Hiermit hat es folgende Bewandtniß.
Das beträchtliche Proviso, welches aller Wahrscheinlichkeit nach der Dircction der zuerst fixirten Lotterie zufloß, die mit keinem Rifico, sondern mit der Zuverlässigkeit, daß die erforderliche Anzahl von Käufern sich gewiß finden würde, ihre Waare *
Die ersten Lotterien waren, wie oben bemerkt, Waarenlotterien.
feil bot, war ohne Zweifel einer der wichtigsten Beweggründe zur Nachahmung und Errichtung mehrerer Lotterien. Man ward nun aufmerksamer auf das Lotteriewesen, als man es vielleicht vorher gewesen war. Für die feilgebotene Waare hatten sich nicht nur die nöthigen, sondern auch noch so viel Käufer gefunden, daß man sie mit der einmahl festgesetzten Anzahl von Loosen bey weitem nicht zu befriedigen vermögend war. Dieser Umstand veranlaßte nicht bloß eine Vermehrung der Loose, sondern gab auch Gelegenheit zu Erhöhung der Einlage und überhaupt zur gänzlichen Reform des vorigen Lotterieplans. Anfangs erschien er in einem einfachen Gewande, ohne Schmuck und erkünstelte Reitze, und ohne Absicht zu gefallen. In der Folge hingegen trat er ins Publicum wie eine Buhlschwester, die mit ängstlich gesuchten Reitzen und mit stark beworfenen Wangen nothgedrungene Anschläge auf des lüsternen Wollüstlings gefüllte Börse macht.
Jeder Plan einer neuangelegten Lotterie erschien in einem neuen Gewande, jeder prangte mit anlockenden Scheinvorzügen, die dem Publicum bisher fremd und schimmernd genug wa<81, 94>ren, die Augen desselben nur noch mehr zu blenden. Hin und wieder war einem und dem andern ein nicht unbedeutender Gewinn zugefallen; dieß wurde allgemein bekannt, denn das schmetternde Hüfthorn des Collecteurs verkündete weit und breit, daß gegenwärtig sich die gnädige Göttinn des Glücks mit Sack und Pack in seiner glücklichen Collecte einlogirt habe, und das verblindete Publicum strömte in dicht gedrängten Haufen zu dem posaunenden Gaukler hin.
So kam es denn dahin, daß man die Lotterien nach und nach ganz wie eine Finanzsache, oder wie eine Contribution zu betrachten anfing, die man für den Staat benutzen zu müssen glaubte, und man errichtete daher an vielen Orten Lotterien, um mit dem Ueberschusse derselben Staatsschulden zu tilgen, oder allerley andere Anstalten zu treffen, zu denen die Staatscasse sonst keine Mittel aufzubringen wußte.
Diese Art und Weise den Fiscus zu bereichern findet selbst in den neueren Zeiten bey einigen Lotterivertheidigern noch großen Beyfall, und das vorzüglich aus dem Grunde, weil, wie sie sich ausdrücken, „das Proviso der Lotterie eine Contribution sey, welcher jeder freywillig, und zwar mit Lust und freudigem Herzen seinem Landesherrn darbrächte; folglich könnte sich die Staatsregierung hierdurch die unangenehme Nothwendigkeit, die Unterthanen mit höheren Abgaben zu belasten, auf die bequemste Art ersparen” *
S. Bergius Polizey= und Cameral=Magazin. VIter Bd. S. 223. §. 22.
Bey genauerer Ansicht läßt sich die Lotterie, im allgemeinen, als eine Contribution aber nicht <81, 95> vertheidigen, wenn man diese als eine gleiche und billige Abgabe ansehen will.
1) Ist diese so genannte freywillige Contribution sehr ungleich, und muß allerdings sehr ungleich seyn, weil nur ein Theil der Einwohner sich mit dem Spiele einläßt, während die Vernünftigeren und Klügeren keinen Antheil daran nehmen.
2) Kommt noch dazu, daß bey der gegenwärtigen Einrichtung, die die Lotterien in den mehrsten Ländern haben, diese so genannte freywillige Contribution größtentheils nur von der arbeitenden und erzielenden Volksclasse, öfters nur von den einfältigen Armen eriegt wird, welche durch die Lotterie ihre dürftigen Glücksumstände zu verbessern wünschen, und unvermerkt sich ruiniren. Folglich wird ein Theil des Volks zu Bettlern, wenn der andere noch keinen Scherf gegeben. Der Beweis hiervon liegt in den Folgen, die sich bereits in vielen Ländern geäußert haben.
3) Gesetzt aber, es wäre ein Staat so unglücklich, daß seine Einwohner alle, von der Leidenschaft des Spiels angesteckt, von der Lotterie Gebrauch machten, und folglich alle auf dieselbe Art besteuert werden könnten: so würde dieses dennoch eine sehr ungleiche Contribution seyn, und nicht einmahl den Nahmen Contribution verdienen. Jede Auflage oder Taxe setzt einen billigen Maßstab voraus, so daß auf die Verschiedenheit der Vermögensumstände der Unterthanen möglichst genaue Rücksicht genommen wird. Dieses geht aber bey der Lotterie nicht an, und wenn man auch 8tel, 16tel, 32stel, und 64stel Loose machen wollte; das Verhältniß <81, 96> zwischen dem Millionär und dem armen Tagelöhner würde dadurch nicht hergestellt. *
S. Roscher von dem verderblichen Einfluß des Lotteriewesens auf den Staat. S. 29 -- 32. die Note.
Der Begriff einer eigentlichen Contribution verschwindet deshalb mehr oder weniger bey den Lotterien. Dieses ist wahrscheinlich auch der Grund, daß man in neueren Zeiten die daher fließenden Vortheile nur wie eine außerordentliche Einnahme betrachtete, und sie zu besonderen wohlthätigen Zwecken, zur Unterstützung der Axmen, der Wittwen und Waisen etc. etc. verwendete. Nur schade, daß man in manchen kleinen und größeren Staaten erst eine Menge Familien durch das Uebel der Lotterie ruinirte, um mit dem Ueberschusse einige wenige zu erhalten. *
Zu Amsterdam hat man ohne Zweifel den Anfang gemacht, die Lotterie als ein erlaubtes und taugliches Mittel zur Beförderung eines gemeinnütziges Zweckes zu betrachten; denn schon 1561 wurde daselbst zur Unterstützung des kurz zuvor errichteten Waisenhauses eine Lotterie angeordnet. S. Io. Isaac Pontanus in descriptione urbis Amstelodami Lib. II. c. 2. p. 96. et c. 6. p. 87. und Roscher a. a. O. S. 33.
Andere glauben, die Lotterien aus dem Grunde als ein Staatsbedürfniß vertheidigen zu müssen, weil sie das in den Kisten der Reichen verschlossene Geld ins Publicum bringen, und dadurch den Umlauf des Geldes, und mithin Nahrung, Gewerbe, Fleiß und Betriebsamkeit aller Art in einem Staate befördern sollen. Dieses hat dem ersten Anscheine nach etwas wahrscheinliches; bey genauerer Betrachtung bemerkt man indessen, daß bey der gegenwärtigen Verfassung der allermehrsten Lotterien gerade das Gegentheil statt <81, 97> findet. Es ist nähmlich nicht zu leugnen, daß dieselben mehr für die größere Menge der Landeseinwohner, nähmlich für die arbeitende und erzielende Volksclasse, als für die wenigeren Reichen berechnet sind. Bey der Zahlenlotterie, wo man Kreutzer und Sechser einsetzen kann, ist diese Behauptung so einleuchtend, daß sie keines Beweises bedarf; bey den Classen=Lotterien ergibt es sich daraus:
1) Daß die Einlage in den ersten Classen fast allenthalben viel geringer als in den folgenden ist, wodurch die Unvermögenden sich anlocken lassen, wenigstens in die erste Classe zu setzen, in Hoffnung, einen kleinen Gewinn zu erhalten, um damit die Einlage der folgenden zu bestreiten.
2) Daß man die Loose noch in halbe, viertel etc. etc. theilet, um auch den Aermeren die Einlage möglich zu machen.
3) Daß man an vielen Orten außerdem noch sogenannte Compagnie=Scheine eingeführt hat, welche gleichfalls dazu dienen, die Loose, und überhaupt den Antheil, den jemand an der Lotterie nehmen will, noch mehr theilen zu können, und zugleich die wahrscheinliche Hoffnung eines mäßigen Gewinnstes zu vermehren, so wie die Gefahr, seinen ganzen Einsatz zu verlieren, zu vermindern. *
Mit den Compagnie=Scheinen hat es überhaupt folgende Bewandtniß. Wenn ein Collecteur z. B. 10 oder 20 Loose zum Debitiren übernommen hat, sovereinigen sich mehrere Personen, welche den ganzen Betrag der Einlage für diese Loose, nach den Verhältnissen, wie sie Antheil daran zu nehmen für gut finden, an den Collecteur entrichten. Die Gewinne, die nun auf eins oder mehrere dieser Loose fallen, wer= den hernach verhältnißmäßig unter alle vertheilt. Man sieht leicht, daß es hierbey ganz auf den Collecteur ankommt, in wie viele Theile er die ganze Masse vertheilen wolle. Wenn die Einlage für 10 Loose z. B. zusammen 200 Rthl. beträgt, und jemand bezahlt ihm 1 Rthl., so gibt er dem einen Schein, daß er 1/200 von den Gewinnen haben solle, die durch alle Classen der Lotterie, auf eins oder mehrere dieser 10 Loose fallen würden.
<81, 98>
Wenn die Lotterien vorzüglich für die untere Volksclasse bestimmt zu seyn scheinen, und diese nach allen Erfahrungen auch mehr als die reicheren Einwohner in Lotterien setzen: so wird wohl niemand zu behaupten wagen, daß sie die Circulation des Geldes, und mithin Betriebsamkeit und Gewerbe in einem Lande zu befördern vermöchten, da es ja einleuchtend ist, daß alles, was der arbeitenden und erzielenden Volksclasse die baare Münze aus den Händen lockt, und dieselbe in irgend eine Casse auf eine kürzere oder längere Zeit verschließt, wie es bey den Lotteriecassen ganz der Fall ist, die Lebhaftigkeit des Verkehrs in einem Lande nicht vermehrt, sondern geradezu beschränkt.
Ich kann nicht umhin, hier als Belag des Gesagten noch eine Stelle aus dem vorhin schon genannten Werke des Herrn Roscher, S. 131 u. flg. anzuführen. die, ob sie gleich sich vorzüglich nur auf Sachsen bezieht, doch wohl in manchem andern Lande, wo verhältnißmäßig eben so viele Lotterien, als in Sachsen sind, Anwendung finden dürfte. Nachdem er die Plane von 10 Classenlotterien vorgelegt, und daraus eine General=Bilance gezogen hat, sagt er nähmlich:
Wenn man also bedenkt, daß, wie aus der General=Bilance sich ergibt, von zehen Lotterien weniger nicht als 175000 Loose untergebracht, oder <81, 99> 2,187750 Rthl. Einlags=Gelder von einem so kleinen Lande in Zeit von 9 Monathen zu 9 Monathen oder wenigstens von Jahr zu Johr erhoben werden sollen: so wird man nicht mehr nach der Ursache nahrungsloser Zeiten, nicht mehr nach der des Geldmangels in der arbeitenden und erzielenden Volksclasse forschen. Sehr gern wird man nunmehr zugestehen, daß die Lotterien es waren, die so geraume Zeit daher den verspürten Geldmangel dewirkten, oder vielmehr den Umlauf der klingenden Münze hemmten. Und wie kann es auch anders seyn, wenn ununterbrochen die Summen, welche circuliren sollten, bey den Lotteriedirectionen müßig liegen. Schon eine Lotterie ist nach der gegenwärtigen Einrichtung, in Absicht auf die Zerstückelung der Loose und der anfangs so gemäßigten und in der Folge steigenden Einlagsgelder, hinreichend, in einer Gegend die klingende Münze aus der arbeitenden Volksclasse zu verbannen, und nahrungslose Zeiten zu verursachen; und was für eine Wirkung wird man von so vielen Lotterien sich versprechen können? Denn was der arme Landmann und Professionist durch den Fleiß seiner Hände sich erworben, und durch kummervolle Lebensart zu Befriedigung dringender Bedürfnisse sich aufgespart hat, das raubt ihm die Lotterie durch das unbarmherzige Bemühen der kleinen Lotteriesammler oder so genannten Lotterietrödler, welche auf der Armen dürftiges Vermögen ununterbrochen Jagd machen; und das kümmerlich erwordene und aufgesparte Geld, das der Dürftige weit nützlicher und zweckmäßiger verwenden könnte, muß er gleichsam als eine Beysteuer hingeben, um vielleicht die Habsucht eines Reichen in dem größten Gewinne zu befriedigen.
Nur eine lange Reihe fruchtbarer Jahre --nur viele der gesegnetesten Aernten, welche Sachsens Fluren wurden, haben den Grundeigner noch aufrecht erhalten: -- Diese nur haben wieder etwas Geld auf dem Lande ausgestreut, außerdem würden längst schon die Folgen sichtbar geworden seyn, die künftig zu befürchten sind, wenn in Hinsicht auf das Lotteriewesen die so höchst nothwendige Abänderung nicht getroffen werden sollte. Schon mehrere Jahre hindurch bemerkte man einige Uebel, deren Ursache vielen ein Räthsel war, von vielen aber falsch er<81, 100>klärt wurde. Bey den fruchtbarsten Jahren und bey den gesegnetesten Aernten war dennoch der Landmann immer ohne Geld, und anstatt daß er von den Einkünften seiner Ländereyen und von dem Ertrage seiner Aecker, der gegen vormahlige Zeiten wirklich immer der reichlichste war, etwas hätte hinterlegen, und mit dem Hinterlegten seine Ländereyen und seine Aecker verbessern, seinen Viehbestand vermehren, seine verschuldeten Güter befreyen, und so seinen Vermögenszustand zu dem besten umschaffen sollen -- blieb aufs höchste alles in dem hergebrachten Zustande. Immer blieb der Gang des Feldbaues der vorige, --nützliche Verbesserungen und Versuche fanden trotz aller Landesväterlichen Fürsorge, Bemühung und Aufmunterung nicht statt, -- die Viehzucht wurde nicht vermehrt, -- die verschuldeten Güter wurden nicht frey, -- mit einem Worte; -- die Vermögenszustände der Feldbebauer wurden nicht die besseren. „Wenn bey so fruchtbaren Jahren, sagte jeder, wenn jetzt der Landmann nicht empor sich schwingt, so wird es nie geschehen.”
Ein ähnliches Verhältniß nahm man auch in andern arbeitenden und producirenden Volksclassen war. Die städtische Nahrung war gleichfalls verschwunden, das Gewerbe der Künstler und Professionisten lag darnieder, und man machte so gar die Bemerkungen, daß binnen einer langen Reihe fruchtbarer und glücklicher Jahre, Fabriken und Manufacturen nicht nur abgenommen, sondern auch viele so gar eingegangen waren. Hierzu kam außerdem, daß Handel und Wandel sich zum Untergange neigten, denn noch nie waren so viele und schimpfliche Banqueroute ausgebrochen, als in dem letzten Jahrzehend.
Man muß indessen die ganze Folge von Beweisen lesen, die der Herr Roscher über diesen Punct zusammen stellt, besonders auch das, was er über Waarenlotterien S. 250 etc. sagt, um es ganz einzusehen, wie schädlich die Lotterien in der angegebenen Hinsicht für den Staat sind.
Man könnte übrigens aber vielleicht einwenden, daß die Lotterien bey dem Schädlichen, daß <81, 101> sie haben, doch auch manchen durch beträchtliche Gewinne beglücken, und ihn der Armuth entheben. Mancher Arme, sagt man, würde seine ganze Lebenszeit hindurch im Elende schmachten müssen, wenn ihm nicht Wege offen ständen, auf eine leichte und bequeme Art sein Glück zu machen; denn Fleiß und Arbeit allein bahnt nie den Weg zu großen Reichthümern, es müssen wirkliche Glücksumstände eintreten, wenn ein Armer zum Besitz von Tausenden gelangen soll. Das nächste und bequemste Mittel sein Glück zu machen, findet er in der Lotterie, er ergreift es und wird es wirklich, und das für ein kleines Risiko von wenigen Thalern.
Dieser Vortheil, welchen man der Lotterie beylegt, verdient im Ganzen genommen durchaus nicht in Betracht gezogen zu werden, weil die Menge derer, die durch die Lotterie unglücklich werden, dagegen viel zu groß ist. Gern kann man zugeben, daß man durch saure Mühe und Arbeit nicht Tonnen Goldes erwirbt, und daß nur außerordentliche Glücksumstände dieses alles bewirken können; aber ein zweckmäßiges, sicheres und minder gefährliches Mittel, Reichthümer zu erwerben, findet man in den Lotterien wirklich nicht. Unter Tausenden macht vielleicht Einer durch die Lotterie sein Glück; aber dieses wird immer nur ein so genanntes blindes Ungefähr, oder eine Bestätigung der Regel seyn, daß mehrere Tausenden verlieren, ehe einem nur ein großer Gewinn zu Theil wird. Ein billigeres Verhältniß kann der Unbefangene bey Lotterien wirklich nicht finden. Und nun bedenke man, wie mancher Fluch und Seufzer auf einer solchen Summe ruht, woran so mancher Tropfen Schweiß der Armen klebt. Denn Tausende der Dürfti<81, 102>gen reitzte das Blendende der Lotterie, in Schulden sich zu stecken. Tausende vermochten es, den ohnehin schon äußerst dürftigen Lebensunterhalt zu kürzen; ja sie sahen sich vielleicht genöthiget, die letzte und unentbehrlichste Habe zu veräußern, um nur die Lotterie zu renoviren und Theil zu nehmen an jenem großen Werden, worauf so mancher schon mit starren Blicken hinsahe und unvermerkt darüber in den tiefsten Abgrund stürzte.
Das Schicksal eines Lotteriespielers bleibt überhaupt das traurigste in jeder Hinsicht. Mit dem Gedanken, durch Zufall reich zu werden, ändert sich auf einmahl seine ganze Stimmung. Hin ist die Ruhe seiner Seele, und ängstliches Hoffen tritt an ihre Stelle. In der mühsamen und ängstlichen Verfolgung einer Art von Gewinn, welchen weder Mühe noch Angst, weder Erfindung noch Kunst versichern oder befördern kann, verdirbt der Lotteriespieler die kostbare Zeit, welche durch eine gebührende Aemsigkeit gewiß, obgleich mäßigerweise, seine Glücksumstände verbessert haben würde. Sieht er vollends am Ende seine Hoffnung vereitelt, und sein Vermögen aufgeopfert, dann bleibt dieses immer noch die geringste Folge, daß Trübsinn seiner Seele sich bemächtigt. Nun grämt er sein Leben hinweg aus Reue über eine Handlung, gegen welche die Reue keine andere Sicherheit geben kann, als daß sie die Gelegenheit meiden lehrt, jene zu begehen.
Aus alle dem ergibt sich so viel, daß die Lotterie in aller Hinsicht das gefährlichste und unsicherste Mittel sey, sein Glück zu machen, weil so mancher unglücklich wird, der es ergreift, und der es außerdem auf keinen Fall geworden wäre. <81, 103> Daher kann man der Behauptung auch keinesweges beystimmen, daß man gegen ein so kleines Risiko einen großen Gewinn erlangen könne.
Nur auf den höchst unwahrscheinlichen, obgleich möglichen Fall kann man dieses zugeben, wenn gleich das erste Risiko dem Spieler einen großen Gewinn einhändiget. Allein in was für ungleichem Verhältnisse steht hier nicht die Wahrscheinlichkeit mit der Möglichkeit! Und nur mögliche Fälle setzen die Partheygänger der Lotterie voraus, wenn sie dieses behaupten, und verlieren dabey immer das Wahrscheinliche aus den Augen. Das ist es ja, was man beklagen muß, und was schon so viele beklagt haben, daß fast jeder Lotteriespieler es nicht bey dem ersten Wagen bewenden läßt. Verblindet durch das Anlockende eines jeden Plans schreckt ihn nicht die erste Niete. Er will die Gesinnungen seines Glücks noch ferner prüfen, und alles daran wagen, bis das Glück ihm lächelt, ist sein fester Entschluß. Der übel angewandte Grundsatz des gemeinen Mannes -- ein Baum fällt nicht vom ersten Hiebe, -- hat so viele Kraft in ihm gewonnen, daß seinen Entschluß nichts erschüttern kann. Ihm wird zum zweyten, dritten und vierten Mahle eine Niete, und noch läßt er nicht ab, sein Glück zu proben, ob schon in seinem häuslichen Zustande das wachsende Elend sichtbar ist. Nun hat er alles aufgeopfert, riskirt hat er nun seine ganze Habe, und noch hat das Glück ihm nicht wohl gewollt. Schon ist kein Brot im Hause, schon klagt ihn Weib und Kinder an, und jetzt erst fängt es vor seinen Augen an zu tagen, erst jetzt lernt er einsehen, wie groß die Thorheit sey, den Versicherungen eines <81, 104> Lotterieplans Glauben beyzumessen, und einer unglücklichen Hoffnung, seinen ganzen Wohlstand aufzuopfern. Verschwunden sind nun aber vielleicht die Mittel, wodurch er ehedem sich redlich nährte. Verscheucht hat seinen guten Ruf die große Schuldenlast, woran die Lotterie Schuld war. Alle Schrecknisse menschlichen Elends treten ein, und stürmende Verzweiflung bemächtigt sich seiner Seele. Aus einem guten Gatten wird ein böslicher Verlasser, der sonst so gute Vater sieht fühllos jetzt seine Kinder hungern, der treue Diener des Staates wird ein Schurke, der nützliche Bürger ein Vagabond, der redliche Mann ein schändlicher Betrüger, der Ehrliebende ein Selbstmörder, der Minderschamhafte bettelt vor den Thüren, nach der Habe seines Nebenmenschen strebt der Wollüstling, und der Verschwender kennt nunmehr kein besseres Feld zur Bühne seines ihm noch übrigen Lebens, als die offene Heerstraße, wo der Dolch des neu geschaffnen Bösewichts so lange dem Leben seiner Nebenmenschen droht, bis endlich Galgen, Rad und Rabenstein natürlichen Beweis führen, daß die Spielsucht und die dabey zum Grunde liegende Begierde reich zu werden, fast allgemein die Menschen einem schrecklichen Ende entgegen führen.
Heißt das auch durch ein kleines Risiko sein Glück machen, wenn der Lotteriespieler, gereitzt durch das Blendende der Lotterie, sein ganzes Vermögen aufopfert? Heißt das auch durch die Lotterie glücklich werden, wenn der sonst so arbeitsame und nützliche Bürger das Schrecken seiner Nebenmenschen wird, und sich zu Thaten verleiten läßt, vor denen die Natur zurück bebt? Gesetzt aber auch, man könnte das Mögliche dem Wahrscheinlichen vorziehen und zuge<81, 105>daß gleich mit dem ersten oder zweyten Risiko der Spieler wirklich einen nicht unbedeutenden Gewinn erhielte, würde bewiesen werden können, daß der Gewinner dadurch wirklich glücklich sey?
Nicht durch den Verlust allein, den die Lotterie dem Spieler zufügt, nicht bloß dadurch äußert die Lotterie ihre schädlichen Folgen, daß sie den Menschen reitzt, eher nicht vom Wagen und Versuchen abzustehen, bis sein Vermögen aufgeopfert ist, und nur der Wanderstab ihm übrig bleibt, auf den gestützt er nun sein Vaterland verläßt; sondern auch die Gewinnste, die das Glücksrad einem oder mehreren zuwirft, werden im Staate keinen Nutzen stiften, ihre Wirkungen werden vielleicht fast eben so schädlich als jene seyn. Der Grund hiervon liegt in dem schädlichen Einflusse, welchen Reichthümer überhaupt auf einen unvorbereiteten Charakter haben. Die Folgen drückender Armuth sind traurig; aber die Folgen übel angewendeter Reichthümer sind in jeder Betrachtung es noch weit mehr. Denn welche Laster sind wohl den Verschwendern unbekannt? Wie viele bleiben nicht andern ein ewiges Geheimniß, worin der Verschwender es schon bis zur höchsten Vollkommenheit gebracht hat?
Nun könnte man, um den vorliegenden Punct desto bestimmter zu beantworten, eigentlich mehrere Fälle annehmen, je nachdem das Glücksrad einem Reichen, einem mittelmäßig Wohlhabenden, oder einem Dürftigen einen beträchtlichen Gewinn zuwendet. In den allermehrsten Fällen wird es als ein Abfall von der Regel anzusehen seyn, wenn der Gewinn auf eine zweckmäßige Art verwendet wird. Da der Reiche indessen schon so viel besitzt als er bedarf, <81, 106> und also durch die Lotterie eben nicht viel glücklicher, wohl aber unglücklicher werden kann: so will ich es hier der Kürze wegen bloß untersuchen, ob ein Lotteriegewinn in der Regel den Armen glücklich machen werde?
Man sollte vielleicht glauben, daß niemand den Werth des Geldes besser kenne als der Arme, der kaum so viel in in Händen hat, als erfordert wird, die dringendsten Bedürfnisse des Lebens zu befriedigen; allein damit verhält es sich ganz anders. Sehr ökonomisch muß er freylich die geringe Summe eintheilen, die er mit seinen Händen erwarb, wenn er nicht wirklichen Mangel leiden will; wenn das blinde Ungefähr ihm aber größere Summen in die Hände gibt, die er vielleicht noch nie beysammen, wenigstens nicht in seinen Händen sahe, dann wird er sich wenig von einem Wahnsinnigen unterscheiden. Verschwunden ist gleichsam mit einem Mahle seine ganze Besinnungskraft, und der Gebrauch seines Verstandes, und er wird sich nicht viel besser benehmen, als der Knabe, der eine volle Börse auf die Gasse streut, um seine Gespielen zu vergnügen. Fast eben so kaltblütig und mit fast gleicher Geringschätzung streuet auch der Arme das Vermögen aus, welches ihm ein unverhoftes Glück zuwendete, weil er von dessen Größe sich ganz übertriebene Vorstellungen macht, und es vielleicht nie verzehren zu können wähnt. Kaum sieht er sich aber im Besitz desselben, so werden seine bisher bezähmten Leidenschaften des Zwanges entbunden, und spornen ihn, um den Vergnügungen und Ergötzlichkeiten der Wohlhabenderen, auf die er bisher mit neidischen und sehnenden Augen hinblickte, sich unbeschränkt zu ergeben; ja es quält ihn auch schon seine erwa<81, 107>chende Phantasie mit vorgespiegelten Bedürfnissen, die er vorher nicht kannte. Nun nimmt er für Bedürfniß, was nur im Reiche des Luxus und der Moden als Bedürfniß gilt, und äfft dem Reichen, der sein Geld nicht besser als durch Verschwendung und Tändeley los zu werden weiß, in allen Stücken nach. Sein gegenwärtiges Loos ist ein beständiger Streit mit unnatürlichen Wünschen und Begierden. Immer steigen neue Vorstellungen von nie empfundenen Vergnügungen in seiner Seele auf, weil nach einer so plötzlichen Veränderung in seinem Zustande das Herz einer jeden neuen Art des Ergötzens offen steht. Umsonst warnt ihn die Stimme des Freundes, aus seinem Wonnetaumel zu erwachen; umsonst bemüht sie sich, denselben an das traurige Ende aller Verschwender zu erinnern. Er selbst der Wonnetrunkene kennt mehrere solche Beyspiele, aber er dreht sich mit zu vieler Geschwindigkeit in dem Zirkel des Vergnügens, als daß er sie in den Augen behalten, oder in seiner Seele die Empfindung seines herannahenden Untergangs aufkeimen lassen sollte. Die einzige Vorsorge für die Zukunft, die er nimmt, besteht vielleicht darin, sein Glück durch wiederhohlte und verdoppelte Einlagen in der Lotterie noch weiter zu verfolgen, da es ihm schon einmahl günstig war. *
Dieses ist ein sehr gemeiner Fehler bey denen, die einmahl eine kleine Summe gewannen. Die mehrsten Menschen machen sich fast immer gewisse Vorstellungen, daß sie Glück oder kein Glück im Spiele haben, je nachdem die Zufälle des Spiels öfter günstig oder ungünstig für sie waren. Das traurigste dabey ist aber nur das, daß sie, wenn sie einst Glück hatten, dasselbe auch in der Zukunft mit größerer Hoffnung für sich erwarten, und in dieser täuschenden Voraussetzung ihren Wohlstand aufopfern, um etwas größeres zu erhalten.
Und auf solche Weise verläßt ihn die Betäubung, in welche ihn der Zufall versetzte, nicht eher, bis die Ursache, durch <81, 108> welche sie entstand, gänzlich aus dem Wege geräumt ist. Dann erst, wenn ihm selbst der Heller nicht mehr übrig ist, lernt er erst einsehen, wie thöricht er gehandelt; dann erst, wie wohl zu spät, begreift er ungefähr, wie die Verwendung hätte beschaffen seyn müssen, um von einer Summe der Art einen dauernden Genuß zu haben. Er faßt den Vorsatz, sich für die Zukunft weiser zu benehmen, aber das Glück hat ihm den Rücken gewandt. Jeder Versuch, ein ähnliches Glück zu erhaschen, mißlingt ihm, und mit jedem Schritte, den er in dieser Absicht wagt, kommt er dem gänzlichen Verderben immer näher. Die regelmäßigen und erlaubten Mittel, wodurch er ehedem sein Brot und die Befriedigung dringender Bedürfnisse redlich sich erwarb, -- Fleiß, Mühe und Thätigkeit, als die besten Vorsehungsmittel wider Dürftigkeit und Schande, sind ihm jetzt verhaßt, und die Bequemlichkeit, die er auf eine kurze Zeit genoß, hat ihn derselben entwöhnt. Er will durchaus nicht wieder in die Sphäre zurück, in welcher er sich sonst befand, und in welcher er dem Staate ein guter Bürger war. Das unthätige Leben hat er auf einmahl zu lieb gewonnen, so daß alle seine Wünsche auf eine Fortsetzung desselben gerichtet sind. Die Plane, die er sich zur Erreichung dieser Absicht entwirft, sind gemeinhin eben so sträflich, als gefährlich und schwindelnd. Er führt sie aus, und müßten dabey alle seine Nebenmen<81, 109>schen leiden; denn so verderbt ist gegenwärtig sein Charakter, daß er sich kein Gewissen daraus macht, die blühenden Glücksumstände anderer zu untergraben, den redlichsten Mann zu hintergehen, Wittwen und Waisen zu betrügen, und damit so lange fortzufahren, bis aller Augen sich auf einen Menschen heften, der aus einem guten Bürger für den Staat das schädlichste und gefährlichste Mitglied ward, und mit schnellen Schritten sich den Augenblicken nähert, in welchen ihm der Lohn für seine Frevelthaten werden soll.
Nichts ist häufiger und länger bemerkt worden, als daß eine Veränderung des Glücks eine Veränderung der Sitten nach sich ziehe, und es ist schon zum Grundsatze geworden, daß selten Leute durch Ueberfluß gebessert werden, und daß die Seelenkräfte, wenn sie durch den Sonnenschein des Glücks losgebunden und ausgespannt werden, häufiger in Thorheiten ausschweifen, als zum Guten fruchtbar sind. Ein plötzlicher, unvorhergesehener Uebergang von der Armuth zum Reichthum wird also selten ohne Nachtheil für die Moralität geschehen können. Wer lange seine Augen sehnend auf den gemächlicheren Zustand seiner Nebenmenschen, und auf ihre Vergnügungen und Ergötzlichkeiten gerichtet hat, wird mehr als gemeine Mäßigung nöthig haben, seine Wünsche in Ordnung zu halten, wenn unerwartet der Fall eintritt, daß er die Mittel bekommt, sie auf alle Art zu befriedigen; denn es ist fast unmöglich, daß ein Mensch, der lange dürftig war, mit den glücklicheren äußern Verhältnissen nicht einen größeren Begriff von Glückseligkeit verbinden sollte, als die gesunde Beurtheilungskraft ihnen wirklich zugestehen kann. Soll ein <81, 110> unvermuthetes Glück keinen schädlichen Eindruck auf das Herz eines Menschen machen, so wird schlechterdings erfordert, daß durch gesammelte Erfahrung über die Angelegenheiten des menschlichen Lebens sein Charakter jene Festigkeit erhalten habe, die den Mann unter allen Vorfällen, es sey im Glück oder Unglück, immer gleichmüthig und gelassen, immer als denselben aufstellt. Wie wenige sind aber fähig, dieses kostbare Gut zu erringen? Wie viele werden nicht muthlos, wenn sie schon auf halben Wege sind?
Gibt es wirklich Fälle, daß ein Dürftiger von dem unerwartet gewonnenen Gelde einen vernünftigen Gebrauch machte, und in der Folge nicht noch dürftiger als vorher wurde, so sind sie immer nur als Abfälle von der Regel zu nehmen. Die gute und zweckmäßige Verwendung eines Lotteriegewinnstes bleibt demnach immer zwar möglich; aber wahrscheinlich und zu hoffen ist sie der Natur der Sache nach, wie es sich aus den vorausgeschickten Gründen ergibt, nicht. Wenigstens wird sich die Wahrscheinlichkeit zur Möglichkeit nach allen Erfahrungen nur wie fünf zu hundert verhalten; ein billigeres Verhältniß kann man nicht zugestehn.
Nur der stufenweise sich vermehrende Wohlstand eines Menschen, bewirkt durch seinen Fleiß und seine Thätigkeit, wird einen weniger schädlichen Einfluß auf seinen Charakter haben, und ein solcher Reichthum wird seine Tugend, und seine Betriebsamkeit nicht unterdrücken, sondern ihn um so mehr zu allem Guten ausmuntern, als er seinen Wohlstand nur durch eigne An<81, 111>strengungen erhalten und vermehren zu können einsieht. *
S. besonders Roscher S. 66 -- 99.
Was ich im Vorstehenden großentheils im Allgemeinen von dem nachtheiligen Einflusse der Lotterien gesagt habe, gilt in den mehrsten Stücken ganz besonders auch von den Zahlenlotterien; ja man hat es schon lange mit Recht eingestanden, daß man kein verderblicheres Spiel, um den großen wenig bemittelten Haufen des Volks zu ruiniren, hätte erfinden können, als dieses. Der Grund hiervon liegt darin, weil das Lotto jedem die Möglichkeit vorhält, für eine geringe Einlage eine große Summe zu gewinnen, und weil der Natur der Sache nach doch nur so äußerst selten der Fall eintreten kann, daß jemand diesen seinen ersehnten Endzweck erreicht. Das gemeine Volk, das sich wenig mit dem Rechnen abgibt., hält sich daher immer an der Möglichkeit, einen großen Gewinn zu erlangen, ohne es zu überschlagen, wie oft man erst die Summe, die man sich wünscht, verlieren müßte, ehe man nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit darauf rechnen darf, sie einmahl wieder zu gewinnen. Von den glänzenden Hoffnungen, sich mit einem Mahle aus dem Staube der Dürftigkeit empor zu heben, und aller Arbeit und Sorge auf immer überhoben zu seyn, verblendet, läßt sich der zum Spiel verleitete deshalb immer weiter ein, in der Hoffnung, doch einmahl seinen Wunsch zu erreichen, und darüber bringt das verrätherische Glück ihn nicht selten an den Bettelstab, oder stürzt ihn in Verzweiflung und Verbrechen.
<81, 112>
Um das Gesagte anschaulicher zu machen, wird es nöthig seyn, die Grade der Wahrscheinlichkeit, die auf Seiten des Spielers und des Unternehmers einer Zahlenlotterie bey den verschiedenen Spielarten sind, etwas aus einander zu setzen, wobey ich vom Auszuge bis zu den höchsten Spielarten fortgehe.
1. Auf einen unbestimmten Auszug bezahlt die Direction dem Gewinner die Einlage 14 oder 15 mahl wieder. Wenn es also nur 15 mahl wahrscheinlicher wäre, zu verlieren als zu gewinnen, so würde bey dieser Spielart eine natürliche Billigkeit auf beyden Seiten obwalten. Ist es aber mehr als 15 mahl wahrscheinlicher, daß der Einsetzende verlieren als gewinnen werde, so ergibt sich, daß er in einem gewissen Grade übervortheilt ist. Um dieses heraus zu bringen, setze man folgende kleine Berechnung an.
Es ist bekannt, daß die ersten 90 Zahlen bey einer Ziehung in dem Glücksrade liegen, und daß fünf Zahlen aus demselben gehoben werden. Wenn nun die erste Zahl herausgehoben wird, so verhält sich die Wahrscheinlichkeit, daß es irgend eine andere, als eine gewisse bestimmte Zahl seyn werde, wie 89 zu 1. Bey der zweyten Glückszahl ist diese Wahrscheinlichkeit wie 88 zu 1; bey der dritten wie 87 zu 1; bey der vierten wie 86 zu 1, und bey der fünften wie 85 zu 1. Der Grad der Wahrscheinlichkeit für den Spieler zu gewinnen ist also wie die Summe der Brüche 1/89, 1/88, 1/87, 1/86, 1/85, das ist sehr nahe wie 5/87, oder kürzer wie 1/177 4 ... Er sollte aber seyn wie 1/15. Deshalb verhält sich bey einfachen Auszügen der Vortheil des Lottounternehmers gegen den Vortheil des Spie<81, 113>lers, wie 87 zu 75; oder das Lotto ist so eingerichtet, daß, wenn ich nur auf einfache Auszüge spiele, es wahrscheinlich ist, daß das Lotto=Comptoir 87 Einlagen gewinnen werde, bis ich 75 Einlagen wieder gewinne. Bey dieser Art zu spielen gewinnt das Lotto=Comptoir, wenn die Anstalt in vollem Gange ist, durch die Bank genommen 13 69/87 Procent von der ganzen Einlage; -- ein Vortheil, der zwar beträchtlicher ist, als bey irgend einer Classenlotterie, der aber in dem Falle, wenn von den Gewinnen sonst kein Abzug statt fände, dem Comptoir vielleicht noch zugestanden werden möchte, da es mancherley Kosten zu bestreiten hat, und möglichen Falles einem größeren Risico, als die mehrsten Spieler unterworfen ist, da gleich anfänglich viele Treffer ausgehoben werden könnten. Je mehr indessen ein Lotto in Gang kommt, desto weniger Risico ist für das Comtoir dabey.
2. Eben dieses Verhältniß der Wahrscheinlichkeit findet auch bey dem bestimmten Auszuge statt; denn da ein Treffer dieser Art mit 75 bezahlt wird, da er nach der natürlichen Billigkeit eigentlich mit 87 bezahlt werden müßte, wie man es aus dem vorhergehenden ohne Schwierigkeit berechnen kann: so ergibt sich, daß die Direction bey diesem Spiele ebenfalls 13 69/87 Procent von allen Einlagen durch die Bank genommen gewinnen muß.
3. Wer eine Ambe gewinnt, dem bezahlt die Lotterie=Direction seine Einlage 270 mahl wieder. Wenn das Spiel nach gleichen Vortheilen auf beyden Seiten berechnet wäre, so müßte es 270 mahl wahrscheinlicher seyn, daß ich eine Ambe nicht errathen, als errathen oder gewinnen würde. Nun sind aber in 90 Zahlen 4005 <81, 114> mögliche Amben enthalten. *
In der Analysis ist die allgemeine Formel dieser Berechnung m/1· m -- 1/2· m -- 2/3· m -- 3/4· m -- n + 1/n in welcher Form m die Zahl bedeutet, deren mögliche Comdination man sucht; n aber bedeutet im letzten allgemeinen Gliede die Zahl des Gliedes, welches man ausdrücken will. Man wählt aber so viel Glieder als Zahlen combinirt werden sollen. Man fragt in unserm Falle, wie viel Amben, das ist, wie viel Combinationen aus je zwey und zwey Zahlen in 90 Zahlen möglich sind. Es ist also in diesem Falle m=90; und weil von der Combination auf Amben die Rede ist, so wählt man nur die ersten zwey Glieder der allgemeinen Formel. Dieses gibt 90. (90 -- 1) : 2 = 90. 89 : 2= 4005.
Für diejenigen, denen diese Art der Bezeichnung vielleicht nicht geläufig ist, füge ich noch hinzu, daß man, um z. B. zu berechnen, wie viele Amben in 90 Zahlen enthalten sind, man 90/1 und 89/2 mit einander multipliciren müsse. 90 mahl 89 macht 8010, und dieses mit 1 mahl 2, oder 2 dividirt, gibt die vorstestehenden 4005.
Bey Ternen, welches ich hier im voraus gleich anmerken will, multiplicirt man 90/1 mahl 89/2 mahl 88/3; oder man multiplicirt die drey Zähler und dividirt hernach mit 6, als dem Product der 3 Nenner.
Bey Quaternen werden die vier Zahlen 90. 89. 88. 87 mit einander multiplicirt, und hernach wird das Product mit 24, als dem Product aus 1. 2. 3. 4. dividirt.
Ueberhaupt findet man immer die in einer angenommenen Zahl befindliche Anzahl möglicher Combinationen, wenn man auf ähnliche Art verfährt. Wollte ich z. B. wissen, wie viel mögliche Ternen in 11 Zahlen wären, so würde ich 11. 10 und 9 mit einander multipliciren und das Product mit 1. 2. 3. oder 6 dividiren. Bey Quaternen müßte ich 11. 10. 9. und 8 mit einander multipliciren, und das Product mit 1. 2. 3. 4 oder 24 dividiren etc. etc.
Wenn daher nur zwey Zahlen aus dem Glücksrade gehoben würden, so wäre die Wahrscheinlichkeit, daß ich mit zwey gewählten Zahlen eine Ambe errathen würde, zur Wahrscheinlichkeit, daß ich sie nicht errathen würde, wie 1 zu 4005. Folglich müßte auch nach der Billigkeit, wenn die Gefahr auf <81, 115> beyden Seiten gleich seyn sollte, der Gewinn 4005 mahl so groß als die Einlage seyn. Weil aber in den fünf Zahlen, welche ausgehoben werden, selbst zehn Amben möglich sind, so fällt die Unwahrscheinlichkeit des Verlustes bis auf den zehnten Theil herunter; und es ist nur 400 1/2 mahl unwahrscheinlicher, daß ich gewinnen, als daß ich verlieren werde. *
Weil die fünf Loose nicht auf einmahl, sondern einzelu aus dem Glücksrade gehoben werden, so hat man nach dem Ausheben des ersten Looses noch 89. 88 : 2, nach dem zweyten ausgehobenen Loose noch 88. 87 : 2 mögliche Amben u. s. f. vor sich. Man sollte auch in diesem Falle so, wie zuvor bey den einfachen Auszugen rechnen. Allein weil dadurch die Rechnung ohne Noth weitläufig, und durch die Fälle, daß man bey dem ersten, zweyten, dritten oder vierten Loose schon eine Zahl errathen oder nicht errathen haben kann, zu mannigfaltig wird: so habe ich die hier gewählte Rechnung, welche zu unserer Absicht hinlänglich ist, vorgezogen.
Daher müßte ein Spieler, der eine Ambe trifft, eigentlich an 400 mahl so viel erhalten als er einsetzte. Da man ihm die Einlage aber nur 270 mahl wieder bezahlt, so ergibt sich, daß das Lotto=Erablissement gegen den Spieler einen Vortheil habe, der sich wie 400 1/2 zu 270, oder beynahe wie 3 zu 2 verhält. Das heißt, das Lotto=Etablissement hat die Wahrscheinlichkeit für sich, immer 3 Einlagen zu gewinnen, ehe der Spieler 2 wieder erhält; oder mit andern Worten, es gewinnt bey dem Ambenspiele durch die Bank genommen 32 1/2 Procent von allen Einlagen.
4. Ternen sind in 90 Zahlen 117480 enthalten. Wenn also nur 3 Zahlen aus dem Glücksrade gehoben würden, so wäre es 117480 mahl wahrscheinlicher, daß ich diese 3 Zahlen nicht er<81, 116>rathen, als daß ich sie errathen würde. Das Lotto sollte daher auf diesen Fall eine getroffene Terne auch 117480 mahl bezahlen. Weil aber in den fünf Zahlen, welche ausgehoben werden, zehn Ternen enthalten sind, so fällt wie bey den Amben die Wahrscheinlichkeit zu verlieren bis auf den zehnten Theil herunter, und der gewinnende Spieler sollte seine Einlage eigentlich 11748 mahl wieder haben, welche die Lotterie=Direction aber nur 5400 mahl zu bezahlen sich anheischig macht. Dieses Verhältniß läßt sich aber in kleineren Zahlen ungefähr durch 100 zu 47 ausdrücken, und das Lotto=Etablissement gewinnt nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit immer 100 Einlagen gegen 47, die der Spieler wieder erhält. Von allen Einlagen auf Ternen gewinnt das Contov durch die Bank also 53 Procent.
5. Eine Quaterne wird 60000 mahl so hoch, als die Einlage ist, bezahlt. Es sind aber unter 90 Zahlen 2,555190 Quaternen, und davon 5 unter den 5 aus dem Glücksrade gehobenen Zahlen enthalten. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen zur Wahrscheinlichkeit zu verlieren, wie 1 zu 511038. Da aber das Lotto bey einer gewonnenen Quaterne die Einlage nur 60000 mahl wieder bezahlt: so ist der Spieler in dem Verhältniß wie 511038 zu 60000 übervortheilt, welches sich fast wie 17 zu 2 verhält. Daraus folgt also, daß das Lotto=Etablissement die Einlage des Quaternenspielers 8 1/2 mahl gewinnt, bis dieser sie (wohlgemerkt, die Einlage, nicht die Quaterne) einmahl gewinnt. Oder mit andern Worten, wenn jemand immerfort auf Quaternen spielte, so würde er im Durchschnitt genommen der Wahrscheinlich<81, 217>keit nach immer 8 1/2 mahl so viel verlieren als er gewinnen könnte. *
Da die Quine sehr selten zugelassen wird, so kann sie hier übergangen werden. Für eine gewonnene Quine wird die Eininge sonst 100000 mahl bezahlt.
Wenn man nun die Verhältnisse der Wahrscheinlichkeit des Verlustes auf der Seite des Spielers bey den verschiedenen Spielarten neben einander setzt, nähmlich beym Auszuge 87 zu 75, bey der Ambe 3 zu 2, bey der Terne 100 zu 47 und bey der Quaterne 17 zu 2, so kann man daraus einen Ueberschlag machen, wie viel ein Lotto=Etablissement durch die Bank genommen von allen Einlagen bey vermischten Spielen wahrscheinlicher Weise gewinnen werde. Man setze an 87/75 + 3/2 + 100/47 + 17/2, addire diese Brüche und dividire die Summe hernach mit 4, als der Anzahl der Glieder. Dieses gibt 15613/4700, d. i., das Lotterie=Etablissement wird durch die Bank genommen, wenn von vielern Spielern immer vermischt sowohl Aufsätze, Amben, Ternen als Quaternen besetzt werden, immer etwa 3 1/3 mahl so viel gewinnen, als die Spieler zu gewinnen Hoffnung haben, und die letztern müssen sich von ihrem Gewinnste bey vielen Zahlenlotterien noch gewisse Procente abziehen lassen, worauf hier keine Rücksicht genommen ist.
Das einzige, was sich zur Entschuldigung dieses enormen Ueberschusses sagen läßt, ist vielleicht das, daß ein Lotto=Etablissement einige Vortheile haben muß, weil es, besonders wenn das Lotto noch nicht stark im Gange ist, durch unerwartete glückliche Treffer große Einbuße leiden möchte. Man beurtheile es aber, ob dieses ein billiger Ueberschuß sey, und ob man mit <81, 118> Bedacht handle, wenn man sein Geld gegen einen Spieler wagt, der auf seiner Seite immer 3 1/3 Treffer gegen einen Fehler hat!
Doch muß dieses Verhältniß der Wahrscheinlichkeit zu gewinnen im Ganzen genommen bey den wirklich bestehenden Lotterien für die Lotto=Cassen jetzt lange nicht so günstig seyn, weil manche Lottospieler es immer mehr einsehen lernen, daß es höchst thörigt sey, auf Ternen und Quaternen zu rechnen, und deshalb lieber bey dem Auszugspiele bleiben. Man mag aber spielen, wie man will, so ist aus dem Vorstehenden klar, daß der Einsetzer immer die Unwahrscheinlichkeit in einem geringeren oder größeren Grade für sich habe, zu verlieren, und zwar in einem größeren, je mehr er sich durch die blendenden Aussichten auf hohen Gewinn für eine kleine Einlage reitzen läßt. Am sichersten für den Spieler ist gewissermaßen noch der simple Auszug, weshalb einige nach jedem Fehler ihren Satz zu erhöhen pflegen. Wenn die Zahl einmahl kommt, so erlangen sie das verlorne mit Ueberschuß wieder; allein dieses steigende Spiel wird von den allermehrsten Lotto=Directionen gewöhnlich gestrichen, und wenn es auch nicht gestrichen würde, so ist es ja doch gleichwohl so äußerst ungewiß, ob die Zahl im 10, 15 oder 20sten Rufe einmahl kommen werde oder nicht, daß ein nicht sehr bemittelter Spieler darüber schon arm werden kann.
Das Schlimme bey dem Lotto ist auch noch dieß, daß man bey manchem Spiele nach der gewöhnlichen Einschränkung des menschlichen Lebens den Zeitpunct gar nicht erleben kann, da die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen mit der Wahrscheinlichkeit zu verlieren gleich groß würde. Bey <81, 119> einfachen Auszügen ist es 17 bis 18 mahl wahrscheinlicher, daß das Lotto=Comptoir, als daß der Spieler gewinnen werde. Ein Zyklus von 17 bis 18 Ziehungen läßt also Einen Glücksfall für den Lottofreund hoffen. Dieser Zyklus aber wird jährlich einmahl vollendet. Bey einer Ambe begreift dieser Zyklus einen Umfang von 400 Ziehungen, weil es 400 mahl wahrscheinlicher ist, zu verlieren, als zu gewinnen. Rechnet man nun jährlich 18 Ziehungen, so hat man Hoffnung, in ungefähr 22 Jahren einmahl eine Ambe zu gewinnen. Der Zyklus der Terne vollendet sich nach 11748 Ziehungen, oder nach siebenthalb hundert Jahren. Man kann also wahrscheinlicher Weise in seinem ganzen Leben auf keine Terne rechnen, wenn man das Spiel nicht sehr forciren, sich dabey aber desto eher zu Grunde richten will. Bey Quaternen kommt der Zyklus der Wahrscheinlichkeit gar erst nach 28391 Jahren zu Ende, in welcher Zeit man wahrscheinlich eine Quaterne gewinnen wird.
Dieser Wahrscheinlichkeitsberechnung scheint zwar die Erfahrung zu widersprechen, indem sie uns Lottospieler aufweiset, welche nicht nur Ternen, sondern auch Quaternen gewonnen haben. Es läßt sich dieser scheinbare Widerspruch aber leicht widerlegen. Man hat bey der Berechnung der Wahrscheinlichkeit einen einzelnen Spieler, und eine einzelne einfache Einlage auf einen Auszug, eine Ambe, Terne oder Quaterne angenommen, welches die angegebenen Reihen von Ziehungen zur Vollendung erfordert. Da inzwischen aber viele Tausend Menschen ins Lotto setzen, da die meisten sich mit einzelnen Einlagen nicht begnügen, da man einen großen Theil aller möglichen Vorfälle durch die Menge der Ein<81, 120>lagen erschöpft: so ist es offenbar, daß eine einzige Lottoziehung sich in Rücksicht auf die Menge der Spielenden eben so verhalte, wie sich eine eben so große Menge Lottoziehungen in Rücksicht auf einen Spieler verhalten würde. Gesetzt also, es würden auf jede Lottoziehung 511083 verschiedene Einlagen auf Quaternen gemacht, so wäre es wahrscheinlich, daß in jeder Ziehung eine Quaterne zum Vorschein käme, wobey das Lotto=Comptoir noch seine gute Rechnung fände. Denn angenommen, daß man aus allen Einlagen auf Quaternen eine Mittelzahl machte, und daß nach diesem Maße auch die Bezahlung der gewonnenen Quaterne geschähe, so hätte das Comptoir, welches bey der Quaterne 60000 für 511083 bezahlt, das 451083fache der mittlern Einlage zum Gewinnste. --
Aus allem bisher gesagten läßt sich nun abnehmen, wie verderblich das Lotto für den großen Haufen des Volks werden mußte, das diese Berechnungen nicht machen konnte, und wenn andere sie machten, gleichwohl ungläubig blieb, weil der schimmernde Glanz der Ternen und Quaternen, die doch wenigstens nicht unmöglich sind, seinen Kopf einmahl zu sehr eingenommen hatte. Zu der Zeit, als das Lotto in den mehrsten deutschen Staaten am stärksten im Gange war, und am mehrsten Elend anrichtete, schrieb daher der nun verstorbene Büsch: *
Jobann Georg Büsch, vermischte Abhandlungen. II. Theil. Hamburg bey Herold, 1777. 8. S. 504 etc. Ich behalte seine eignen Worte, mit einigen unwesentlichen Abänderungen bey.
Der Mensch, dem vier gute Groschen des Tages immer wichtig genug bleiben sollen, um den gan<81, 121>zen Tag dafür zu arbeiten, muß auch nicht einmahl die Möglichkeit kennen, diese vier gute Groschen durch irgend einen Weg ohne Arbeit zu bekommen; vielweniger muß ihm die Idee von einem Glückscoup entstehen, durch den er einer größeren Summe, ohne Arbeit habhaft werden könne, die ihn in Ueberfluß, wenigstens auf eine Weile setzen könnte. Das kannten auch diese guten Leute alles nicht. Die Spielsucht der Großen konnte zu keinem Exempel für sie werden. Die ordentlichen Lotterien waren ihnen im Einsatze viel zu hoch; und wenn sie von jemanden hörten, der durch dieselben glücklich geworden war: so hörten sie auch zugleich, daß das, was er daran gewaget hatte, mehr wäre, als was sie jemahls daran würden wagen können. Und nun sendet man mitten unter ihre Hütten Menschen, die ihnen die Möglichkeit zeigen, mit Anwendung eines Groschens, wie sie es wählen, 15, 270, 5300, ja gar 60000 Groschen, ohne Arbeit, zu erlangen. Sie sind Menschen und haben eine Einbildungskraft, die ihnen so gut, als unser einem das mögliche als wirklich, das wahrscheinliche als bald gewiß, das gehoffte als bald erlangt vormahlt. Und nun verlangt man noch von dem, der morgen mit einem Groschen Tausende zu gewinnen hofft, daß er heute um einiger Groschen willen bis zur gewohnten Ermüdung arbeiten soll? Erwartet noch, daß es ihn heute nicht um die Arbeit verdrieße, wenn er morgen ohne Arbeit Ueberfluß zu haben erwartet? Glaubt man, daß ihn auch der anfangende Mangel bald zur Arbeit zurück treiben werde, ihn, der auch bey der Arbeit oft Mangel empfand, aber nun einem Ueberflusse in Hoffnung entgegen sieht, den ihm doch nie die Ar<81, 122>beit allein verschaffen konnte? Auch die Arbeit betrog oft seine Hoffnung Aber so lohnte sie dagegen niemahls, als ihn diese Hoffnung, seiner Einbildung nach, lohnen wird, wenn sie zuletzt einmahl eintrifft. Seht, so greift man die Industrie, die man so ernsthaft in allen übrigen Anschlägen zu befördern sucht, in ihrem ersten Keime an. So nimmt man dem arbeitsamsten Theile des Volks die erste Reitzung zum Fleiße, die Genügsamkeit, die Freude an dem sparsam ihm zugetheilten Lohne seiner sauren Arbeit, und die Beruhigung, die es ihm bis dahin gab, nur dieses kleinen Lohns gewiß zu seyn, und das dafür zu genießen, was er nach den Umständen dafür genießen konnte. Hatte er einen Ueberfluß davon, so wandte er ihn sparsam und bedächtlich an den Genuß eines Wohllebens, wie es sich für seine eingeschränkten Umstände schickte. Er genoß doch noch etwas dafür, da er jetzt durch das Lotto erst dieses kleinen Wohllebens Genuß, und dann die nothwendigsten Bedürfnisse des Lebens entbehrt, und nichts dafür genießt, als getäuschte Hoffnungen.
Im Grunde aber muß der größte Theil aller übrigen Classen dasjenige, was er nach seinen Umständen zu seinem Auskommen nöthig hat, nicht minder mühselig, als die niedrigste Volksclasse erwerben. Er merkt diese Mühseligkeit nicht, so lange er keinen andern Weg, als Arbeit kennt, um sein Auskommen zu gewinnen. Arbeit und Auskommen begleiten bey ihm sich einander so, daß, wenn er in jener nachläßt, er schon den Abgang in diesem fühlt. Eben dieß treibt ihn zur Arbeitsamkeit zurück, und erhält ihn in der Reihe der nützlichen Glieder des Staats. Aber frage man doch einmahl nach der <81, 123> Wirkung der ihm vorgesteckten Hoffnung, durch Spielen reich zu werden. Sie ist ganz derjenigen gleich, die sie auf jenen niedern Arbeiter hat. Sein kleines Amt, seine kleine Krämerey, in welcher er Summen anlegen, und bey einzelnen Groschen wiedersammeln muß, sein abgemessener Verdienst, in des reichern Kaufmanns Solde, dem er mit der Feder dient, ekelt ihn, seitdem ihm die Aussicht plötzlich zu erwerbender Summen, und die Gelegenheit, im Jahre achtzehnmahl den Versuch darauf zu thun, angeboten ist. Ihm schwindelt des Tages der Kopf, ihm träumt davon des Nachts. Seine Geschäfte liegen, sein Gewerbe verfällt. Nicht die Klagen einer nothleidenden Frau, wenn diese nicht durch ähnliche Bethörung hingerissen ist; nicht der Anblick seiner in aller Absicht vernachläßigten Kinder heilt den Schwindel, oder stört den Traum, der ihm den Ueberfluß vormahlt, in den ihn das Glück bald setzen, und ihm einen ganz andern Wohlstand schenken wird, als den er je mahls sonst gekannt hat. etc. etc.
Es würde leicht seyn, dieses Bild des verderblichen Einflusses des Lottowesens noch weiter auszuführen, und es mit Beyspielen zu bereichern, wie das Gesinde sich dadurch zu Betrügereyen und Diebstahl verleiten, und in manchen deutschen Staaten der Landmann so weit fortreißen ließ, daß man sein Haus und Hof verkaufen mußte, um nur die rückständigen Landesherrlichen Taxen und die Lottoschulden zu bezahlen. Auch an solchen Beyspielen fehlt es nicht, wo die wenigen, denen ein großer Gewinn zufiel, dadurch höchst verdorben wurden, und bald, nachdem sie ihren Reichthum mit Leichtsinn und Lastern verschwendet hatten, in größere Durftig<81, 124>keit als vorher geriethen, wie ich es oben schon geschildert habe. Da ich indessen das nöthige über diesen Gegenstand beygebraucht zu haben glaube, so begnüge ich mich damit, zum Schlusse noch mancherley vermischte Nachrichten über das Lotto anzufügen, und dadurch eine kurze Uebersicht zu geben, wie es mit dem Lotto in verschiedenen Ländern steht, da ich mich hierauf nicht mit Ausführlichkeit einlassen kann.
In Neapel, wo das Lotto unter Garantie des Königs berechnet wurde, betrug der jährliche Ueberschuß an neun mahl hunderttausend Ducaten, und zwar nach Abzug aller Kosten der Besoldung der Collecteure und Lottobedienten etc. etc. Dieses war dabey mehr als die Hälfte der ganzen Einlage, also mehr als 50 Procent. S. von Justi, im Anhange zu Marpergers Montes Pietatis.
Der päbstliche Hof, besonders unter Benedict XIIII, setzte sich der Lottowuth unter Bedrohung der Excommunication und Galeerenstrafe entgegen, und die Edicte wurden mit solcher Strenge befolgt, daß man so gar die Briefe auf der Post untersuchte, um die päbstlichen Unterthanen von dem Einsetzen in die Zahlenlotterien der benachbarten Länder abzuhalten. Allein dieses half alles nicht, und man suchte alle mögliche Schleichwege auf, um sein Geld dem Lotto zu übergeben. Von den übrigen römischen Lottogesetzen sind Grellmanns italienische Staatsanzeigen I. S. 20. und Brunn' s Magazin II. Bd. 3. St. S. 435. nachzusehen.
Auf den Neuburgischen Gebirgen in Helvetien hatte sich die Lottopest eingeschlichen. Man schrieb dagegen, und warnte, aber vergeblich. Ein Mann zu Locle kam auf den Einfall, sei<81, 125>nen Mitbürgern eine andere Warnung zu geben. Er errichtete ein Lotto, worin man nur mit Nüssen spielte, und er hatte bald alle Nüsse der ganzen Nachbarschaft gewonnen. Gleichwohl hatte das Lotto bey dem allen seinen Fortgang.
Man glaubte, daß in den österreichischen Staaten das Lotto 1787, beym Ausgange der bis dahin bestandenen Verpachtung abgeschafft werden würde; allein der Verordnung vom 21. Oct. 1787 zu Folge wurde die Verwaltung dem Aerarium übertragen. Diese Verordnung begriff alle österreichische deutsche und ungarische Erbländer. S. Leipziger allgem. Handlungszeitung. 1787. S. 786. -- Nicolai Reise. III Th. S. 272. Was das wienerische Lotto von 1750 bis 1769 gewonnen, findet man im Journal von und für Deutschland. 1787. 7 und 8 St. S. 82. Weimar. Magazin 1786. S. 158.
In München machte das Lotto=Etablissement, ehe noch jenes zu Stadt am Hof errichtet wurde, eine jährliche Rente von 324000 Gulden aus. In der Folge, da diese Rente durch die Etablissements von Stadt am Hof und Manheim verstärkt wurde, wurde sie wenigstens auf eine Million Gulden, oder ungefähr auf den 8ten bis 9ten Theil der Staatseinkünfte von Pfalzbaiern angeschlagen. S. über das Lotto, (München) 1784. S. 55 -- 56.
In Frankreich wurden durch ein Arret des Staatsraths vom 30. Jun. 1776 die bisherigen Lotterien in Paris aufgehoben, und dagegen eine neue unter dem Nahmen Loterie de l' Ecole Royale de France errichtet. Dieses war eine Zahlenlotterie nach Art derer zu Genua, Wien, Berlin etc. etc., sie war aber noch manigfaltiger eingerichtet. Man konnte auch auf bestimmte <81, 126> Amben und Quinen setzen. Auf die letzte wurde aber nur von 6 Deniers bis auf 3 Livres angenommen, hingegen der Einsatz 1 Millionen mahl dafür ausbezahlt. Sie wurde unter dem Befehl des General=Controlleurs verwaltet, und der Sicherheits=Fond betrug 3 Millionen 600000 Livres. Alle Monathe wurde selbige zweymahl in Paris und in den vornehmsten Städten des Reichs gezogen. Während der Revolution, 1794 oder 1795, wie es Mercier in seinem neuen Gemählde von Paris erwähnt, hob der Convent diese Lotterie aber wieder auf. -- In Paris hat man übrigens, welches ich hier gelegentlich bemerke, zuweilen auch Ehemänner an heirathslustige Mädchen ausgespielt, so wie man sonst Waaren verlooset.
In England haben die Zahlenlotterien noch keinen Eingang gefunden; auch sind die churfürstlich=braunschweig=lüneburgischen Länder fast die einzigen in Deutschland, die von dem Lotto frey geblieben sind, wenn auch gleich die Lotto Comptoirs der benachbarten Länder manche Reitzung für die Einwohner abgegeben haben. Ueber das letzte S. Hanöverisches Magazin, 1789. Col. 49.
Ueber das Lotto in Kopenhagen, Altona und Wandsbeck s. allgem. Handlungszeitung 1790. S. 68. Haubert Beschreibung von Kopenhagen, S. 55. -- Nach Anzeige des Herrn Grafen von Schmettau, in seinem erklärenden Commentar zu den patriotischen Gedanken eines Dänen etc. etc. 1793. 8. haben die Zahlenlotterien in Dänemark von 1773 bis 1787 jährlich eingetragen 212103 Rthl.; nach der Zeit trugen sie jährlich noch 135000 Rthl., beydes nach Abzug aller Kosten.
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Von der Berliner Zahlenlotterie geschaben seit 1763 d. 31. Aug. bis 1794 d. 28. May 524 Ziehungen. Zufolge einer Königl. Bekanntmachung vom 16. Aug. 1793 wurde die Verfügung angezeigt, daß sowohl die Classen= als Zahlenlotterien, die bis dahin an Privatpersonen verpachtet waren, nach Trinitatis 1794, als dem Ablauf dieser Pachtzeit, durch ein besonderes General=Lotterie=Administrations=Collegium zum Besten der Invaliden= und Wittwen Versorgungs=auch Schul= und Armen=Anstalten administrirt werden sollten. Wenn es vielleicht unmöglich ist, die Gewohnheit vieler Menschen, in Lotterien zu setzen, zu unterdrücken, so ist es ein Glück für ein Land, wenn die Ueberschüsse solcher Spiele zur Unterstützung verdienter und nothleidender Personen benutzt werden, die dem Staate sonst auf andere Art zur Last fallen würden. -- Die erste Ziehung dieser neu eingerichteten Classenlotterie geschahe den 18. Jun. 1794. und am 17. Dezemb. dieses Jahrs 1800 wird die 114te Ziehung seyn. *
Von jeder Ziehung werden auch 2000 Rthl. zur Unterhaltung der Academie Milit. abgegeben. S. Winkopps Bibliothek für Denker. I. S. 390.
Das Königl. Lotterie=Edict, worin diese Veränderung völlig bestätigt wurde, ist vom 20. Jun. 1794 und ist an mehreren Orten abgedruckt, z. B. auch in der Nachricht von den Königlich Preuß. Classen= und Zahlenlotterien, welche alle Jahre bey Decker von neuen gedruckt wird.
Zufolge eines Edicts vom 4. May 1797 ist auch für die Fürstenthümer Ansbach und Bayreuth zu Ansbach, wo das Lotto seit dem Jahre 1769 bis 1788 bestanden, eine ähnliche <81, 128> Veränderung wie die vom Jahre 1794 für die übrigen Königl. Preußl. Staaten mit der Zahlenlotterie und dem Lotteriewesen überhaupt vorgegangen. Auch haben diese Fürstenthümer eine eigne Lotterie=Direction, so wie Danzig und Warschau erhalten, welche indessen unter der Berlinischen General=Lotterie=Administration stehet. --
Für diejenigen, die über diesen ausgebreiteten Gegenstand noch mehrere Materialien zu kennen wünschen, will ich hier noch ein Verzeichniß der vorzüglichsten Schriften, so wohl über das Lotteriewesen überhaupt, als die einzelnen Arten der Lotterien insbesondere, hersetzen, woxauf eine Reihe von Verordnungen, besonders die Aufhebung der Zahlenlotterie in vielen deutschen Staaten betreffend, folgen soll.
Io. Casp. Bernardi, diss. de justitia et utilitate lottariae sive ollae fortunae. Herbip. 1724. 4to.
Christ. Widvogel. diss. de eo, quod justum est circa lottarias. lenae 1718. 4.
Geo. Ios. Wagner, diss. de lotteriae natura et proprietatibus. Mogunt. 1714. 4.
Em. Io. Frid. Manzel, diss. de lottariis Rostochii 1725 4.
Ioh. Eberhard Loefler, de Loteriis.
G. Wegner, de Lottariis. Regiomont. 1718.
Des Lotteries par Ms. l' Eveque d' Autun à Paris 1787.
Io. Frid. Wucherer, meditationes de eo, quod justum est circa lottarias. Ienae, 4.
Casp. Klock, de Aerario lib. II. Norimb. 1671.
Sigism. Suevi Glückstöpfe, wie die bey der jetzigen Welt im Brauch sind. 1582.
Friedrich Wilhelm Marpurgs Kunst, sein Glück spielend zu machen, oder ausführliche Nachricht von den Zahlenlotterien.
Johann Stephan Pütters Abhandlung über die Rechtmäßigkeit der Lotterie, insonderheit der Zahlenlotterieen; im Göttingischen Magazin der <81, 129> Wissenschaften, Jahrg. 1. St. 3. (Göttingen 1780. 8.) Nachgedruckt zu Frankfurth am Mayn 1780. 8.
Johann Heinrich Ludwig Bergius, Polizeo= und Cameral=Magazin, 6. Bd. §. 1. pag. 207. Frankf. am Mayn 1771.
v. Justi, System des Finanzwesens. §. 1010.
Das Lotto di Genova in seiner wahren Größe. Philadelphia 1771. 8.
Von Lotterien; im Copenhagenschen Magazin, 1. Bd. 2. Th. p. 63.
Das Lottorecht, oder rechtliche Betrachtung über diejenigen Vorfälle, so sich bey dem Zahlenspiel oder sogenannten Lotto theils schon zugetragen haben, und theils in der Zukunft noch zutragen möchten. Codurg 1771. 8. (Autore Ge. Lud. Eckardo.)
Was ist nach den Grundsätzen der Vernunft und Christenthums von Spiel= und Zahlen=Lotterien zu halten? Hamburg 1786. 8.
Ob öffentliche Lotterien des Landes allgemeine Beste befördern. 1753. (Zu finden in den Eisenachischen vermischten Nachrichten N. 29.)
Johann Friedrich Schulz über die Lotterien. Leipzig 1794. 8.
Präservativ wider die Lotteriesucht oder richtige Beurtheilung der Lotterien, besonders der Genuesischen Erfindung. Gedruckt im Jahr, da die ganze Welt spielt. 1778
Das entdeckte Geheimniß der Italienischen Zahlenlotterie oder des sogenannten Lotto di Genova, nebst einem gründlichen Unterricht der innern Verfassung und Einrichtung der in Deutschland errichteten Hauptlotterien. Prag 1770. 8.
Lottobüchlein, oder gründliche und nöthige Belehrung für jeden, der sein Glück im Lotto machen will. Germanien, 1800. 8
Von dem verderblichen Einfluß des Lotteriewesens auf den Staat in vorzüglichster Hinsicht auf die arbeitende und productive Volksclasse. Von Christian Friedrich Roscher. Leipzig, 1795. 8.
Lotterien und Kunst zu gewinnen. Frankfurt und Leipzig, 1796. 8.
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Ueber das Lotto, Träumereyen eines Wachenden zum Aufwecken der Schlafenden. Ohne Druckort. 1784. 8.
Der glückliche Lottospieler. Grätz 1794. 8.
Beyträge über Kindermord, Lotterieseuche und Prachtaufwand, von J. Casp. Velthusen. Wien 1785. 8.
Die guten Folgen der Zahlenlotterien. Ein Versuch gegen Herrn Pütter. Cöln, 1780. 8.
Predigt an die Deutschen über das Lotto= oder Zahlenspiel. Gedruckt in Deutschland 1777. 8. 2 1/2 Bog. Diese Predigt ist zu Eberstadt, eine Stunde von Darmstadt vom Herrn Pfarrer May gehalten, und auf Veranstaltung des Ministers gedruckt und unentgeltlich in dem Lande ausgetheilt worden. S. Journal für Prediger. 8. B. S. 489.
Fragment einer Predigt über die Lottosucht, und deren Verwüstung bey dem Landvolke. Gehalten am Sonntag Lätare 1780, über die Worte, Joh. 6, 12. Sommlet die übrigen Brocken. Darmstadt 1790, 8. 1 Bog. Siche auch das 77 und 78ste Stück der Hamburg. Addreß=Comtoir=Nachrichten, vom Jahre 1780. und Journal für Prediger II B. S. 145.
Prediger sollten wider den Aberglauben vom Träumen der Nummern predigen. S. Göckings Journal von und für Deutschland 1784, S. 409. *
Bey dieser Gelegenheit muß ich auf ein kleines Buch aufmerksam machen, das ich in Berlin auf der Straße für ein paar Groschen gekauft habe. Es führt folgenden verworrenen Titel: Allerneuestes Zahlen=Lotterie= und Traumbuch=Spiel, worin ein jeder auf die leichteste und gewisseste Art nach alphabetischer Ordnung und beygefügten Liste der geschehenen Ziehungen, und wie vielmahl jede Nummer bisher herausgekommen, überzeugt wird, um sich darin glücklich zu machen; nebst vorangedruckten Lotterie=Wahrsager, welcher zeiget, wie man durch Hülfe zweyer Würfel sein Glück in der Zahlenlotterie bey jeder Ziehung sicher machen kann. Aufs neue aus dem italienischen übersetzt. Wahrscheinlich Berlin 1796.) Von S. 5 -- 31 ist das Traumregister mit beygefügten Zahlen enthalten. Die unselige Tendenz dieses sinnlosen Machwerks liegt zu klar am Tage, als daß man darüber etwas sagen dürfte. Wundern muß man sich nur, daß der große Haufe noch in einem solchen Grade bethört ist, an solche Dinge zu glauben. -- Von ähnlichem Gelichter, wie dieses, sind ein paar andere Büchlein, die ich hier doch auch nennen will. Der Lotterieprophet oder die Kunst, in allen Zahlenlotterien sein Glück zu machen. Nach den zwölf himmlischen Zeichen des Thierkreises aufs sorgfältigste berechnet und mit geomantischen Figuren erörtert. II Theile Kabakkakuhah, im 1718sten Jahre des alten und im 1769sten des neuen Reichs. -- Und ein Holländisches: Planeetkundige Lotterie Spiegel, waar in door de Berekening van de Regeering der Planeeten de gelukkige of ongelukkige dagen en uuren, tot nut der ondernemingen op de Minuit of worden aangewezen, om im Staat de weezen van op eene byna onfeilbare wyze in de Lotterie in te leggen. Opgesteld door W, R. Koster, Liefhebber der Wiskunde, onontbeerlyk vor de Bezitters van de Werken van l. C. Ludemann, by I. P. Kraft. 1789. 4. 154 S.
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Meißners Apollo. Octob. 1793. S. 177 u. flg. (Vom Träumen der Nummern.)
Das Lotto durch eine Thatsache bekämpft. Steht im 9ten und 10ten Stück der Buchhändlerzeitung, vom Jahr 1779; desgleichen in N. I. der Olla Potrida, vom April 1778, S. 102 -- 107.
Wie der Ertrag der Lotterien zur bessern Beförderung des Ackerbaues, der Manufacturen, Fabriken, Commercien und Künste verwendet werden könnte. S. Patriotische Briefe über verschiedene Gegenstände, den Reichthum etc. etc. Nürnberg 1779, 8. S. 287, u flg.
Ein Fragment über das Lotto, sehr brauchbar, um künftigen Ausgaben des Buch: L' an deux mille quatre cens quarante, beygefügt zu werden; in J. G. Büsch vermischten Abhandlungen. II Th. Hamburg 1777, S. 485.
Joh. Carl May Lottologie 2 Bände, Altona 1770. 8.
Verschiedene andere Aufsätze kommen noch in folgenden Werken vor.
Fabricii Polizeyschriften. II B. S. 53.
Volkmann' s Italien II. Th. S. 341. III. Th. S. 419.
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Hannöver. Magazin in den Jahrgängen 1770. 1771. 1772.
(Richters) Beyträge zur Finanzgelahrheit. 2ter Jahrg. S. 113.
Ehlers, über die Sittlichkeit der Vergnügungen. II. S. 207.
Michelsen, juristische, politische und ökonomische Rechenkunst II. S. 65.
Wittenberg. Wochenblatt 1784. S. 33.
Von Eintheilung der Gewinnste bey Lotterien. 47 St. des Leipzig. Intellig. Blattes vom Jahr 1783. S. 398. -- Ein anderer Aufsatz stehet schon 1773 S. 547 und 582.
Sander, von der Vorsehung, II. S. 58.
Gothaisches Taschenbuch, auf das Jahr 1780, S. 97 u. flg.
Mösers patriotische Phantasien, I. S. 161.
Beyträge zur populären Rechtsgelahrheit II. S. 381.
v. Vrocke Forstwissenschaft, IV. S. 253. cf. Beckmann' s Bibliothek, VI. S. 524.
Wendeborn, Zustand von Großbritannien. II. S. 201. (Von der Staatslotterie in England.)
Gothaische Handlungszeitung 1790, S. 106. (Von den Lotterien in Frankreich.)
Ephemeriden der Menschheit 1778, 7tes und 12tes Stück.
Binders patriotischer Menschenfreund, S. 533. und 711.
Königs Freund der Aufklärung. I. Heft S. 36. II. Heft S. 80. (Zeigt die vernünftigste Art zu setzen.)
Berlinische Monathsschrift, Octob. 1793, S. 360.
Heinze, Kielisches Magazin II B. S. 328. (Von der Berlinischen Zahlenlotterie.)
Journal von und für Deutschland, 1786, VI St. S. 566. 1787. Jan. S. 53. 1790. X. Stück. S. 390.
Hieroglyphen, V. S. 39. flg. (Ueber den Gebrauch, durch Lotterien Mädchen auszustatten.)
Lotterie=Streitigkeiten. Reinholds Arithmet. Forens. II Th. S. 193. *
In den Königl. Preußl. Staaten sind alle bey Lotterien vorfallenden Streitigkeiten, so wie auch die Ue= bertretungen der bestehenden Lotteriegesetze, durch ein Publicandum vom 13ten August 1800 ganz dem Ober=Lotterie=Gerichte zur Untersuchung und Entscheidung unterworfen.
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Auszug aus den gedruckten Manual=Acten in Sachen der Kaufleute Oelze und Nootnagel in Braunschweig, wider die Administration der Zahlenlotterie daselbst. S. Journal von und für Deutschl. 1787. 7 u. 8 Stück S. 118.
Patriotische Betrachtungen bey Gelegenheit eines Churfürstl. Sächsischen Mandats wider das Ausspielen, vom 18ten Febr. 1784. S. Ephemerid. der Menschheit. May 1784. S. 513.
Biendwerk wegen Angabe der nach entlegenen Ländern gegangenen großen Gewinnste. Journal von und für Franken III. S. 221.
Von dem Ausspielen der Ehemänner und Mädchen in Paris, s. Fabri Neues geographisches Magazin, IV. S. 509.
Von einer hundertfachen Lotterie in Wien, s. Nicolai Reisen etc. IV. S. 394.
Von Lotterien in London sehe man auch noch Uffenbachs Reisen etc. II. S. 595.
Entwurf einer Lotterie, nach Art des genueser Lotto, s. Fuß Entwurf einer allgemeinen Leihebank. S. 74.
Engelhardt Reise in Italien, III B. S. 119. 131. (Vom Lotto in Rom.)
Hier folgen nun noch einige kurze Nachrichten, so wie ein Verzeichniß verschiedener merkwürdiger Lotterie=Verordnungen, besonders die Aufhebung des Lotto' s in verschiedenen deutschen Staaten betreffend.
Im Jahre 1770 wurde in Sachsen die Zahlenlotterie aufgehoben. S. Reichsanzeiger 1794. II B. Col. 725. flg.
Im Würtembergischen ist unter dem 13ten August 1779, auf ein von der Regierung erstattetes gründliches Gutachten, das genueser Lotto auf immer aufgehoben. Schon am 19ten April in demselben Jahre ward diese Absicht bekannt gemacht.
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1780, den 30sten Jun. erging zu Fulda eine Verordnung gegen das Lottospiel, welche den 8ten Jul. 1783 auch auf die Classenlotterie ausgedehnt wurde.
1780 den 4ten Decemb. wurde das Lotto, welches seit einigen Jahren zum Besten der Armenanstalten angelegt war, in den Herzogl. Sachsen=Gothischen Landen aufgehoben, und dagegen eine Classenlotterie unter Herzogl. Garantie errichtet.
1781 wurde das Lotto aus den Löwenstein=Werthheimschen Landen verbannt.
1783 zog der Churfürst von Trier das ertheilte Lotterieprivilegium ein, und untersagte das Lottospiel ganz in seinen Staaten.
1784 hob das Domcapitel zu Lüttich, Kraft seiner Gewalt während des Interregnums das Lotto auf.
1784 hob die Reichsstadt Windsheim das Lotto auf. S. die Verordnung darüber im Journal von und für Franken. II. S. 432.
In eben diesem Jahre hat der Churfürst von Cöln in sienen Churlanden dies= und jenseit des Rheins das Lottosptel durch ein Edict verbothen, und zugleich die Einschleichung fremder Classen= oder Zahlenlotterien dadurch untersagt. Wer einsetzte, sollte in eine Geldstrafe von 50, und ein Collecteur von 100 Goldgulden verfallen.
1785 ward es vom Grafen von Reuß in Gera verbothen
1785 den 12ten Septbr. erging in der Reichsstadt Hamburg ein Verboth, in Zahlenlotterien zu setzen. S. Königs Freund der Aufklärung 1785. Heft V. oder Novemb. S. 294. und Bergius Landesgesetze, Th. IX. S. 95. Ephemerid. der Menschh. 1786. S. 24.
1785 den 12ten Decemb. in Hessen=Cassel. S. Journal von für Deutschland 1785. 10 Stück, S. 351.
1786. Bischöflich=Bamberg= und Würzburgische Verordnung wider die Zahlenlotterie vom 14ten Decemb. 1786. S. Ephemeriden der Menschheit 1786, S. 428. Niederelbisches Magazin I. S. 63.
Würzburgisches Verboth, vom 21. Decemb. 1786. S. Bergius Landesgesetze, Th. XII. S. 113. cf. Journal von und für Franken. I. S. 257. und <81, 135> Journal von und für Deutschland 1788. 6 St. S. 590 u. flg.
Verboth im Hildesheimischen vom 26sten März 1786. S. Weimarsches Wochenblatt 1786. S. 181. Journal von und für Deutschland 1786. St. 2. S. 188.
Nordhausensches Verboth vom 28sten Jan. 1786. Journal von und für Deutschland 1786, 6 St. S. 551.
1787. Salzburgisches Lottoverboth vom 22sten Jan. 1787. S. Journal von und für Deutschland. Jan. 1787. S. 60. Niederelbisches Magazin. I. S. 164.
Gräflich Schwarzenbergisches Verboth, vom 8ten Jan. 1787. S. Journal v. u. f. Deutschl. a. a. O. S. 62.
Brandenburg=Ansbach. Verboth vom 19ten Sept. 1787. Journal v. u. f. D. 1787. 7 u. 8tes St. S. 142. Schlözers Staatsanzeigen, 46 Heft, S. 251. Politisches Journal. 1789. S. 512.
Im ganzen Fränkischen Kreise sind alle Lotterien und Lotto' s seit 1787 aufgehoben. Das fränkische Kreisedict, Nürnberg vom 18ten December 1787 verbiethet nicht nur Lotto, Classenlotterien und Wettlotterien, sondern überhaupt alles, was diesen Spielen unter einem andern Nahmen ähnlich ist. S. Journal von u. für Deutschl. 1787. II St. S. 439.
Für die Königl. Preußl. Fürstenthümer in Franken ist 1797. (S. oben, S. 127.) indeß hierin eine Abänderung getroffen, um das viele heimliche Einsetzen in fremde Lotterien zu verhindern, und das Geld im Lande zu erhalten.
Das Herzoglich Braunschweigsche Lotto wurde nach der, im Jun. 1787 zu Ende gegangenen Pachtzeit nicht weiter fortgesetzt. Die Herzogl. Verordnung, die Collectur zu auswärtigen Classen= und Zahlenlotterien betreffend, vom 2ten Jul. 1787. S. Journal. von und für Deutschland, 1787. IItes Stück. S. 438.
1788. Hochfürstlich Turn=Taxisches Circulare an die Postofficianten im Fränkischen Kreise, das Lotto betreffend, d. d. Nürnberg den 3ten Febr. 1788. Journal v. u. f. Deutschl. 1788. I St. S. 93.
<81, 136>
1789. Gräflich Reußplauisch=Lobensteinisches Mandat, das Lotto betreffend; vom 2ten Jan. 1789. Journal v. u. f. Deutschl. 1789. 4 St. S. 395.
1790. Der Churfürst von Mainz beschloß sie mit dem Ende des Jahrs 1790 aufzuheben. Siehe Neue Deutsche Zuschauer, 6 Heft. S. 331.
Der Herzog von Zweybrücken hat das Lotto in seiner Hauptstadt mit dem 1sten April 1790 aufgehoben, zufolge einer Verordnung vom 4ten Febr. 1790. S. Journal von und für Deutschl. 1790. 3 St. S. 250. 10tes St. S. 351. Schlözers Briefwechsel, Heft 40, S. 246.
1792. Für die Oesterreichischen Vorlande ist das Lotto mit dem Ende des März 1792 eingestellt.
Am 14ten Sept. 1792 geschahe die letzte Ziehung der Zahlenlotterie in Darmstadt. Man vergleiche auch schon die Ephemeriden der Menschheit von 1777, 12tes Stück. S. 325.
1793. Gleich nach dem Tode des Fürsten von Anhalt=Zerbst, im März 1793 wurde das daselbst bestehende, und sich mit auf die Herrschaft Jever erstreckende Lotto aufgehoben.
Churfürstlich Sächsisches Mandat vom 30sten Aug. 1793 das Lotto betreffend. S. Leipziger Intelligenz=Blatt, 1793, S. 367.
Von den noch bestehenden deutschen Zahlenlotterien sind vielleicht die Augsburger, die zu Stadt am Hof und die Pappenheimer diejenigen, die auf ihre Gegend am stärksten wirken. Ich erinnere mich wenigstens in diesen Gegenden noch im Jahre 1798 sehr viele von diesem Spiele hingerissene Leute gesehen zu haben.

References: Art. 1

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Art. 6

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Art. 9

Art. 10

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