Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=15.01.1992&Aktenzeichen=7%20ABR%2024%2F91
Timestamp: 2019-03-23 01:21:57+00:00

Document:
BAG, 15.01.1992 - 7 ABR 24/91 - dejure.org
Wahl des Betriebsratsvorsitzenden - Gesetzesverstöße - Wahlanfechtung - Pattsituation - Vorschlagsrecht
Betriebsverfassung; Anfechtung betriebsratsinterner Wahl
ArbG Essen, 05.09.1990 - 4 BV 46/90
LAG Düsseldorf, 22.01.1991 - 6 TaBV 108/90
BAGE 69, 228
NZA 1992, 1091
BB 1992, 2007
DB 1993, 334
Soweit die Klägerin seine ordnungsgemäße Wahl bestritten hat, hat sie weder deren erfolgreiche Anfechtung analog § 19 BetrVG (vgl. BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - zu B II 2 der Gründe, BAGE 69, 228) noch das Vorliegen solch schwerwiegender und offensichtlicher Gesetzesverstöße behauptet, dass ausnahmsweise von einer nichtigen Wahl auszugehen wäre (vgl. Fitting BetrVG 27. Aufl. § 26 Rn. 60) .
Zu berücksichtigen ist nämlich, dass die Fehlerhaftigkeit betriebsratsinterner Wahlen, zu denen auch die Wahl der freizustellenden Betriebsratsmitglieder gehört, grundsätzlich in entsprechender Anwendung von § 19 BetrVG nur durch Anfechtung innerhalb der Zwei-Wochen-Frist des § 19 Abs. 2 Satz 2 BetrVG geltend gemacht werden kann (BAG 20 April 2005 - 7 ABR 47/04; BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91).
Weil eine solche Anfechtung nicht erfolgte, gilt nunmehr die Freistellungswahl aus dem Jahr 2014 als wirksam (BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91).
Der Senat wendet zwar auf die Anfechtung derartiger Wahlen grundsätzlich § 19 BetrVG entsprechend an (BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 ff. = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10, zu B II 2 der Gründe).
Die Wahl der nach § 47 Abs. 2 BetrVG (in der vorliegend maßgeblichen, am 6. Mai 1998 geltenden Fassung - aF) in den Gesamtbetriebsrat zu entsendenden Gruppenvertreter ist als betriebsratsinterne Wahl in entsprechender Anwendung des § 19 BetrVG einer gerichtlichen Überprüfung zugänglich (vgl. BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 ff. = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10, zu B II 2 der Gründe).
Dies gilt sowohl für Freistellungsentscheidungen nach § 38 Abs. 2 Satz 4 BetrVG (aF) (vgl. BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 ff. = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10, zu B III 3 b der Gründe; ferner zu § 38 Abs. 2 Satz 3 BetrVG in der bis 31. Dezember 1988 geltenden Fassung BAG 26. Februar 1987 - 6 ABR 54/85 - BAGE 55, 90 ff. = AP BetrVG 1972 § 38 Nr. 7, zu B II 3 der Gründe), als auch für das Vorschlagsrecht nach § 26 Abs. 2 Satz 1 BetrVG (aF) (vgl. BAG 26. Februar 1987 - 6 ABR 55/85 - AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 5 = EzA BetrVG 1972 § 26 Nr. 4, zu B II 4 der Gründe; 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - aaO, zu B III 1 b der Gründe) als auch für die Entsendung von Betriebsratsvertretern in Ausschüsse, die nicht im Betriebsverfassungsgesetz vorgesehen sind, sondern auf einer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber beruhen (BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - aaO, zu B III 4 der Gründe).
Hierbei handelt es sich um das demokratisch übliche, vielfach gesetzlich ausdrücklich legitimierte Mittel (vgl. nur § 23 Abs. 1 und 2, § 25 Abs. 4 WO BetrVG 1972), um Patt-Situationen bei Wahlen aufzulösen (BAG 26. Februar 1987 - 6 ABR 54/85 - BAGE 55, 90 ff. = AP BetrVG 1972 § 38 Nr. 7, zu B II 3 d der Gründe; 26. Februar 1987 - 6 ABR 55/85 - AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 5, zu B II 4 d der Gründe; 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 ff. = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10, zu B III 1 b der Gründe).
Denn auch wenn hiervon ausgegangen wird und die Vereinbarung keine ausdrückliche § 47 Abs. 2 BetrVG (aF) entsprechende Regelung enthalten sollte, so mußte die Bildung des sog. Unterkonzernbetriebsrats den Grundprinzipien des Betriebsverfassungsgesetzes genügen (vgl. zu einer ähnlichen Fallgestaltung eines im Betriebsverfassungsgesetz nicht vorgesehenen, auf Grund einer Vereinbarung mit der Arbeitgeberin eingerichteten Koordinationsausschusses BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 ff. = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10, zu B III 4 der Gründe).
a) Die Wahl der freizustellenden Betriebsratsmitglieder kann in entsprechender Anwendung von § 19 BetrVG durch ein einzelnes oder mehrere Betriebsratsmitglieder angefochten werden (st. Rspr., vgl. etwa BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10 = EzA BetrVG 1972 § 19 Nr. 37; 11. März 1992 - 7 ABR 50/91 - BAGE 70, 53 = AP BetrVG 1972 § 38 Nr. 11 = EzA BetrVG 1972 § 38 Nr. 12, zu B II 1 der Gründe).
Die Wahl der freizustellenden Betriebsratsmitglieder kann in entsprechender Anwendung von § 19 BetrVG innerhalb von zwei Wochen nach Abschluss der Wahl durch ein einzelnes oder mehrere Betriebsratsmitglieder angefochten werden (st. Rspr., vgl. etwa BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10 = EzA BetrVG 1972 § 19 Nr. 37; 11. März 1992 - 7 ABR 50/91 - BAGE 70, 53 = AP BetrVG 1972 § 38 Nr. 11 = EzA BetrVG 1972 § 38 Nr. 12, zu B II 1 der Gründe).
Zur Anfechtung betriebsratsinterner Wahlen ist jedes einzelne Betriebsratsmitglied berechtigt (BAG 13. November 1991 - 7 ABR 8/91 - BAGE 69, 41 = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 9 = EzA BetrVG 1972 § 26 Nr. 5, zu B 1 der Gründe; 13. November 1991 - 7 ABR 18/91 -BAGE 69, 49 = AP BetrVG 1972 § 27 Nr. 3 = EzA BetrVG 1972 § 27 Nr. 7, zu B II 2 b der Gründe; 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - aaO, zu B II 2 der Gründe; 28. Oktober 1992 - 7 ABR 2/92 - BAGE 71, 286 = AP BetrVG 1972 § 38 Nr. 16 = EzA BetrVG 1972 § 38 Nr. 14, zu B I der Gründe).
Für die Anfechtung betriebsratsinterner Wahlen ist zwar § 19 BetrVG entsprechend anzuwenden (BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10 = EzA BetrVG 1972 § 19 Nr. 37, zu B II 2 der Gründe).
Die Wahl der freizustellenden Betriebsratsmitglieder kann in entsprechender Anwendung von § 19 BetrVG durch ein einzelnes oder mehrere Betriebsratsmitglieder angefochten werden (BAG…, Beschluss vom 20.04.2005 - 7 ABR 47/04 -, BAGE 114, 236 - 242, Rn. 11; BAG…, Beschluss vom 20.04.2005 - 7 ABR 44/04 -, BAGE 114, 228 - 236, Rn. 20; BAG…, Beschluss vom 25.04.2001 - 7 ABR 26/00 -, BAGE 97, 340 - 350, Rn. 14; BAG…, Beschluss vom 11.03.1992 - 7 ABR 50/91 -, BAGE 70, 53 - 62, Rn. 22; BAG, Beschluss vom 15.01.1992 - 7 ABR 24/91 -, BAGE 69, 228 - 242, Rn. 25;… ErfK/Koch BetrVG § 38 Rn. 12;… Richardi BetrVG/Thüsing BetrVG § 38 Rn. 69).
In entsprechender Anwendung des § 19 BetrVG muss die Wahl innerhalb von zwei Wochen nach Abschluss der Wahl angefochten werden (BAG…, Beschluss vom 20.04.2005 - 7 ABR 47/04 -, BAGE 114, 236 - 242, Rn. 11; BAG, Beschluss vom 15.01.1992 - 7 ABR 24/91 -, BAGE 69, 228 - 242, Rn. 26).
Dies ist ein Umstand, der zwar die Anfechtbarkeit, nicht aber die Nichtigkeit der Wahl zur Folge haben könnte, die nur ausnahmsweise bei schwerwiegenden, offensichtlichen Gesetzesverstößen anzunehmen ist, wenn nicht einmal der Anschein einer dem Gesetz entsprechenden Wahl vorliegt (BAG 15. Januar 1992 - 7 ABR 24/91 - BAGE 69, 228 = AP BetrVG 1972 § 26 Nr. 10 = EzA BetrVG 1972 § 19 Nr. 37).
Ergibt sich bei einer derartigen betriebsratsinternen Wahl innerhalb der Gruppe der Angestellten eine Pattsituation, so geht das Wahlrecht nicht auf das Betriebsratsplenum über (im Anschluß an BAG 15.01.1992 - 7 ABR 24/91 - AP Nr. 10 zu § 26 BetrVG 1972).
Auch hier ist im Interesse einer funktionierenden Betriebsverfassung in Übereinstimmung mit der ständigen Spruchpraxis des Bundesarbeitsgerichts davon auszugehen, die Anfechtungsregelung des § 19 BetrVG auf die die Funktionsfähigkeit des Betriebsrats herstellenden betriebsratsinternen Wahlen entsprechend anzuwenden, so daß die Gewählten solange im Amt bleiben, bis die Wahl aufgrund einer fristgebundenen Anfechtung durch rechtskräftige gerichtliche Entscheidung für unwirksam erklärt worden ist (BAG 13.11.1991 - 7 ABR 8/91 - EzA § 26 BetrVG 1972 Nr. 5 = AP Nr. 9 zu § 26 BetrVG 1972; BAG 13.11.1991 - 7 ABR 18/91 - AP Nr. 3 zu § 27 BetrVG 1972 = NZA 1992, 989; BAG 15.01.1992 - 7 ABR 24/91 - AP Nr. 10 zu § 26 BetrVG 1972 = NZA 1992, 1091).
Der Losentscheid ist nach ständiger Spruchpraxis der Gerichte das demokratisch übliche Mittel, um Pattsituationen bei Wahlen aufzulösen (vgl. nur §§ 23 Abs. 1 und 2, 25 Abs. 4 WO BetrVG 1972; BAG 26.02.1987 - 6 ABR 54/85 - NZA 1987, 750 = DB 1987, 1995; BAG 15.01.1992 - 7 ABR 24/91 - NZA 1992, 1091 = AP Nr. 10 zu § 26 BetrVG 1972; BVerwG 15.05.1991 - 6 P 15/89 - DVBl 1992, 153; BayVerw 13.02.1991 - 17 P 90.3560 - NJW 1991, 2306; HessVerw 29.11.1989 - HPV TL 1366/89 - AuR 1991, 62; OVG Münster 06.07.1987 - CB 30/85 - PersR 1988, 196), wenn das Losverfahren als solches nicht zu beanstanden ist.
LAG Bremen, 22.02.2000 - 1 TaBV 15/99
Ersatzfreistellung für ein ausgeschiedenes Betriebsratsmitglied - …
LAG Rheinland-Pfalz, 03.11.1997 - 9 TaBV 30/97
Anfechtungsfrist bei Freistellungsentscheidung; Unwirksamkeit der Wahl eines …
LAG Nürnberg, 19.11.1997 - 4 TaBV 15/96
Betriebsrat: Nachwahl freigestellter Mitglieder - Wahlgrundsätze - Beratung mit …
LAG Berlin, 12.05.1995 - 16 TaBV 8/94
Betriebsrat: Nachwahl eines freigestellten Mitglieds
LAG Nürnberg, 19.11.1997 - 4 (7) TaBV 24/96
Verzicht eines Betriebsratsmitglieds auf Freistellung; Automatisches Nachrücken …
LAG Sachsen, 25.10.2001 - 6 TaBV 15/01
Nachwahl eines Betriebsratsmitgliedes in die Freistellung; Nichtbeachtung der …

References: § 19
 § 26
 § 19
 § 19
 § 19
 § 26
 § 47
 § 19
 § 26
 § 38
 § 26
 § 38
 § 38
 § 26
 § 26
 § 26
 § 23
 § 25
 § 38
 § 26
 § 26
 § 47
 § 26
 § 19
 § 26
 § 19
 § 38
 § 38
 § 19
 § 26
 § 19
 § 38
 § 38
 § 26
 § 26
 § 27
 § 27
 § 38
 § 38
 § 19
 § 26
 § 19
 § 19
 § 38
 § 38
 § 19
 § 26
 § 19
 § 26
 § 19
 § 26
 § 26
 § 27
 § 26
 § 26