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Timestamp: 2018-11-17 10:56:02+00:00

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Reichs-Kammergerichts-Ordnung vom 7. 8. 1495
Ordnung des Camergerichts. (Reichskammergerichtsordnung vom 7. 8. 1495) (Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Reichsverfassung, hg. v. Zeumer, K., 2. A. 1913, Neudruck 1987, 284).
Wir Maximilian von Gots Gnaden Römischer Konig etc. embieten allen und yegklichen Unsern und des Hailigen Reichs Churfürsten, Fürsten, gaistlichen und weltlichen, Prelaten, Graven, Freyherrn, Rittern, Knechten, Hauptlüten, Vitzthumben, Vögten, Pflegern, Verwesern, Amptlüten, Schuldthaissen, Burgermaister, Richtern, Räten, Burgern und Gemainden und sunst allen andern Unsern und des Hailigen Reichs Undertanen und Getrewen, in was Wirden, Stats oder Wesens die sein, Unser Gnad und alles Gut.
Erwirdigen, hochgeporn, wolgeporn, ersamen, edlen, lieben Neven, Öhemen, Churfürsten, Fürsten, andechtigen und des Reichs lieben Getrewen. Wir haben auß beweglichen Ursachen ainen gemainen Landtfriden durch das Römische Reych und Teutsch Nacion auffgericht und zu halten gebotten, und nachdem derselbig on redlich, erber und furderlich Recht schwarlich in Wesen besteen möcht, darumb auch gemainem Nutz zu Fürdrung und Notturften ewer aller Unser und des Hailigen Reichs Camergericht mit zeytigem Rat ewer der Churfürsten, Fürsten und gemainer Besambnung uff Unser und des Hailigen Reichs Tag hie zu Worms aufgericht und zu halten fürgenomen und geordnet in Form und Maß, als hernach volgt.
§ 1..Zum Ersten das Camergericht zu besetzen mit ainem Richter, der ain gaistlich oder weltlich Fürst oder ain Grave oder ain Freyherr sey, und XVI Urtailer, die alle Wir mit Rat und Willen der Besamnung yetzo hie kießen werden auß dem Reich Teutscher Nacion, die redlichs, erbers Wesens, Wissens, Übung und ye der halb Tail der Urtailer der Recht gelert und gewirdiget, und der ander halb Tail auf das geringest auß der Ritterschafft geborn sein söllen. Und was die XVI Urtailer oder der merer Tail in Sachen erkennen, und ob sy spennig und auf yegklichem Tail gleich wärn, welchem dann der Richter ain Zufall tut, dabey sol es beleiben, und sol sy an dem rechtlichen Erkennen kain ander Pflicht verhindern oder irren. Es söllen auch der Camerrichter und die XVI Urtailer des Camergerichts allain außwarten und mit andern Hendeln unbeladen beleiben, sich auch ir kainer dem Camergericht entziechen oder abwesig sein one sonderliche Erlaubung, die der Camerrichter von den Urtailern und die Urtailer von dem Camerrichter erlangen söllen. Doch söllen uf kain Mal me dann vier Urtailer vom Gericht sein, und weder dem Camerrichter oder den Urtailern uß der Stat, da das Camergericht zu Zeyten gehalten wirdet, erlaubt werden, on mercklich swär Eehafft. Und so der Camerrichter durch Kranckhait oder mercklich Eehaft des Camergerichts zu warten ain zimlich Zeite verhindert wirdet, so sol er seinen Gewalt mit Wissen und Willen der Urtailer bevelchen der Urtailer ainem, und sonderlich ainem Graven oder Freyherrn, so der ainer am Camergericht ain Urtailer wäre, und in des Camerrichters, auch der vermelten ains, zwayer, dreyer oder vierer Urtailer Abwesen söllen die andern Urtailer dannoch Urtail zu sprechen und in Recht zu handeln Macht haben, als ob sy alle entgegen wärn. Allain so ain oder mer Sach am Camergericht wurden gehandelt ain Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen für sich selbs antreffend, in den oder denselben Sachen sol der Camerrichter selbs sitzen, oder so er das nit tun möchte auß Eehafften obgemelt, auch mit Wissen und Willen der Urtailer ainen andern Fürsten, Graven oder Freyherrn an sein Stat setzen, derselb Fürst, Grave oder Freyherr auch den nachvolgenden Aid swern, der in binden sol, dieweyl er den Camerrichter wirdt verwesen.
§ 2. Item so der Urtailer ainer oder mer abkäm, so wöllen Wir zu yeder Zeyt mit Rat und Willen Churfürsten, Fürsten und der Samblung, die desselben Jars tzusamen komen werden, oder irer Anwält an des oder derselben Stat ander tugenlich Personen setzen. Sturbe aber der Camerrichter und verordnet bey seinem Leben mit Rat und Willen der Urtailer kainen an sein Stat bis auf die nechsten Versamblung, wärn Wir dann nit in der Nähe, umb daß dann daß Camergericht nit feyrn bedörfft, so söllen die Urtailer ainen auß inen zu Camerrichter kiesen, sonderlich ainen Graven oder Freyherrn, so ainer unter inen wäre, der sol das Ampt verwesen bis auf die nechst Versambnung, das Wir oder Unser Anwälte mit Rat und Willen der Churfürsten, Fürsten und Stende oder irer Anwalte ainen andern Camerrichter an des abgegangen Stat setzen.
Des Richters und der Beysitzer Ayde.
§ 3. Item die alle söllen zuvor Unser Koniglicher oder Kaiserlicher Majestät geloben und zu den Hailigen swern: Unserm Koniglichen oder Kaiserlichen Camergericht getrewlich und mit Vleis ob sein und nach des Reichs gemainen Rechten, auch nach redlichen, erbern und leidlichen Ordnungen, Statuten und Gewonhaiten der Fürstenthumb, Herrschaften und Gericht, die für sy pracht werden, dem Hohen und dem Nidern nach seinem besten Verstentnus gleich zu richten und kain Sach sich dagegen bewegen zu lassen, auch von den Partheyen oder yemand anders kainer Sach halben, so in Gericht hanget oder hangen wurden, kain Gab, Schenck oder ainichen Nutz durch sich selbs oder ander, wie das Menschen Synn erdencken möcht, tzu nemen oder nemen lassen; auch kain sonder Parthey oder Anhang und Zufell in Urtailn zu suchen oder zu machen und kainer Parthey raten oder warnen, und was in Ratschlegen und Sachen gehandelt wirdet, den Partheyen oder niemands zu offnen, vor oder nach der Urteil, auch die Sachen auß böser Mainung nit aufhalten oder verziechen, one alles Geverde.
§ 4. Item es sol kain Citacion oder Ladung außgeen, sy sey dann auf Ansuchen des Principals oder seins gemächtigten Anwalts durch den Camerrichter erkant und durch den Schreiber, der zum Lesen am Camergericht aufgenomen und verordnet wirdet, registriert; und söllen dieselben Citacion oder Ladung durch niemand den Partheyen exequirt werden, dann durch offenbar Notarien oder die geswornen des Camergerichts Botten. Dieselben söllen ir yeder schreiben und lesen künnen und dem Cleger die Execution auf die Copi der Citacion oder Ladung, auch die Zeit und Stat der Verkündung und iren Namen schreiben; und den Antwurtern söllen sy die Citacion oder Ladung lassen, und der Notarius oder Bott, der sy antwurt, die Execucion mit sampt Benennung seins Namens auch darauf schreyben.
Gerichtschreyber Ayd.
§ 5. Item an das Camergericht söllen geordnet werden zwen glaubhafftig Gerichtschreiber und ain Leser, der die Gerichtshändel bewar, die söllen Unser Koniglichen oder Kaiserlichen Majestät oder dem Camerrichter an Unser Stat geloben und zu den Hailigen swern: irem Ampt getrewlichen obzusein mit Auffschreiben, Lesen und anderm; auch die Brief und Urkünd, die in Gericht pracht werden, getrewlich bey dem Gericht zu verwarn und den Partheyen oder niemands anders zu offnen, was von den Sachen in Ratschlegen des Richters und Urtailer gehandelt wirdt; auch die haimlichen Gerichtshandel niemand zu offnen, lesen oder hörn lassen und kain Copi von den eingelegten Briefen und Schriften den Partheyen geben on Urlaub und Erkantnus des Gerichts; auch kainer Parthey wider die andern raten noch warnen und kain Schenck nemen noch inen zu Nutz nemen lassen, wie Menschen Synn das erdencken möcht; sonder sich irs Lons, der durch Camerrichter und Urtailer gesatzt wirdet, in yeder Sach lassen benügen, alles on Arglist.
Der Redner Ayd.
§ 6. Item die Redner, so das Camergericht in solchem Ampt aufnimbt, söllen verstendig sein und Unser Königlichen oder Kaiserlichen Majestät oder dem Camerrichter an Unser Stat geloben und tzu den Hailigen swärn: das si die Partheyen, der Sachen zu handeln sy annemen, in denselben Sachen mit gantzen und rechten Trewen mainen und solch Sachen nach irm besten Verstentnus den Partheyen zu gut mit Vleys fürbringen und handeln und darinn wissentlich kainerlay Valsch oder Unrecht geprauchen oder gevarlich Schub und Dilation zu Verlengerung der Sachen suchen und des die Partheyen zu thun oder zu suchen underweisen; auch mit den Partheyen kainerley Fürgeding oder Fürwort machen, ain Tail von der Sach, der sy im Rechten Redner sein, zu haben oder zu warten; auch Haimlichait und Behelff, so sy von den Partheyen empfahen, oder Underrichtung der Sach, die sy von inen selbs mercken werden, iren Partheyen tzu Schaden nyemand offenbarn, das Gericht und Gerichts Personen eern und fürdern und vor Gericht Erberkait geprauchen und Lestrung, bey Pene nach Messigung des Gerichts, sich enthalten; dartzu auch die Partheyen über den Sold oder Lon, der inen nach Laut der Ordnung über das Camergericht gepüret, mit Merung oder anderm Geding nit beswern oder erhöhen wöllen; und ob Soldes und Lons halben zwischen inen und den Partheyen Irrung oder Spenn entstünden, desselben zu beleiben bey dem Camerrichter und den Urtailer, die er zu im nemen oder den er das bevelchen wurd, und wie sy durch dieselben entschaiden werden, des benügig zu sein und es dabey beleiben zu lassen. Das sy sich auch der Sachen, so sy angenomen haben, on redlich Ursach und des Rechten Erkantnus nit wöllen entschlagen sonder iren Partheyen getrewlich bis zu End des Rechten warten und handeln, alles ungevarlich.
§ 7. Item solicher Massen söllen auch die Advocaten swern: iren Partheyen zum Rechten getrewlichen zu raten und zu handeln mit verrerm Anhang obgeschribens Aids, sovil sy auch berürn mag.
§ 8. Item damit auch der gemain Man unbillicher Weis durch Advocaten und Redner nit beswert werd, so söllen Camerrichter und Urtailer zu ermessen haben, was nach Gestalt der Sach und Parthey sol von yeder gegeben werden.
§ 9. Item kain Parthey sol mer dann ain Advocaten und Redner, dem Camergericht verwant, in ainer Sach aufnemen und bestellen, damit die ander Parthey müge auch Advocaten und Redner bekomen; und sol darinn kain Gevarlichait gepraucht werden. Darumb sol auch kain Advocat oder Redner ainicher Parthey in iren Sachen raten, dieselb Parthey wöll in dann zu Advocaten oder Redner in der Sach aufnemen.
§ 10. Item ob Fürsten, Prelaten, Graven, Herrn, Ritterschaft oder Stet durch ir Anwält oder Redner, die si mit inen brechten oder schickten, oder ander Personen in ir selbs Sachen welten reden und handeln, des söllen sy zu tun Macht haben; doch das dieselben globen und swern de calumpnia et malicia vitanda prout de jure, denselben Aid yede Parthey oder ir Anwält auf des Widertails oder des Richters Gesynnen auch thun söllen.
§ 11. Item die gesworn Botten söllen schreiben künnen und die Gerichtsbrief den jhenen, die die berüren, ob sy fügklich mügen zu Handen oder aber in ir gewonlich Behawsung oder Haimwesen oder an die Ende, in den Brieven angezaigt, oder wie si durch den Camerrichter und Urtailer beschaiden werden, getrewlich antwurten und es mit der Execucion handeln und halten, wie hievor bey dem Artickel, wie die Citacion und Ladung außgeen und verkündt werden söllen, angezaigt und gesetzt ist, und das sy solichs, auch die Relacion dem Gericht und Gerichtschreyber getrewlich selbs thun und niemand anders bevelchen. Dieselben Gerichtsbotten söllen sich auch von yeder Meyl ainer zimlichen Belonung benügen lassen. Wurden aber des zwischen inen und den Partheyen Irrung, wie sy dann der Camerrichter und die Urtailer, den das bevolchen wirdet, darumb entschaiden, dabey söllen es die Partheyen und sy beleiben lassen und dem also nachkomen. Des alles sol durch den Camerrichter und Urtailer ain Form ains Aids gestelt, den die Botten, so zum Camergericht aufgenomen werden, sweren söllen. Ob aber yemands durch offen Notarien wölt die Citacion oder Ladung exequieren lassen, der mag das thun in der Form, wie in dem Artickel hievor davon begriffen ist.
§ 12. Item dieselben geschworn Botten, auch die Notarien, so Execucion thun, söllen allenthalben im Reich Unser Koniglichen oder Kaiserlichen Majestät und in allen Churfürstenthumben, Fürstenthumb, Grafschafften, Herrschafften, Oberkaiten yegklichs Churfürsten, Fürsten, Prelaten, Graven, Herrn und ander Glait, Sicherhait und Schirm haben.
§ 13. Item es sol auch kain Appellacion angenomen werden, die nit gradatim geschehen wär, das ist an das nechst ordenlich Obergericht.
§ 14. Item zu furderlicher Vertigung, auch Gewißhait der Partheyen Fürbringens und Irrung, die zu Zeyten sich erzaigt hat, zu verhüten, söllen hie voran ainem yedem zugelassen werden, sein Sachen, die betreffen vil oder wenig, in Schrifften fürzubringen, und welche Parthey des wurde begern, das sol die ander Parthey nit zu verhindern haben; doch das dem Widertail des Abschrifft und Schub gegeben werd, wie die Notturfft das ervordern wurd.
§ 15. Item alle Citacion und Gerichtsbrieff söllen außgeen in Unserm Namen und Tittel Koniglicher und Kaiserlicher Majestät. Aber in den Gerichtsbrieven söllen Camerrichter und die Urtailer mit namlichen Worten gesetzt werden.
§ 16. Item das Camergericht sol in der ersten Instantz oder Rechtvertigung auf niemands Clag oder Ansuchen Ladung erkennen oder geben gegen den jhenen, die Unser Koniglichen oder Kaiserlichen Majestät und dem Reich nit on Mitel underworffen sein und doch sonst iren ordentlichen Richter haben; es wär dann Sach, das er vor denselben ordentlichen undern Gerichten Recht ersucht, und kondtlich versagt oder mit Geverd verzigen wäre. Und ob yemand soliche Ladung oder Citacion erlangt, solt mit sampt allem Handel darauff gevolgt nulla und uncrefftig, und der darüber Ladung außprecht, Cost und Schäden, ob die dem Widertail darauf gangen wären, abzulegen schuldig sein.
§ 17. Item in den Ladungsbriefen söllen die Sachen, darumb yemand gevordert oder gehaischen wurd, bestimbt werden, dermaß das der Antwurter zu der Sach uf gesatzt Täg bericht sey oder seinen Anwalt mit Underrichtung schicken müg, Lengerung der Sach und Costen, der auf das Bedencken und Hinderbringen geen wurde, damit abtzuschneiden.
§ 18. Item das Camergericht sol gehalten werden im Reich an ainer fügklichen Stat, und söllen daselbs Camerrichter, Urtailer, Advocaten, Redner, Schreiber, Botten und all ander Personen zum Camergericht gehörende und ir aller Diener und ungevarlich Haußgesünd Ungelts und Beswärung, auch ander Gericht Zweng frey sein. Doch söllen sy nit Gastung oder Kaufmanschaft geprauchen ungevarlich. Auch die Partheyen, ire Anwält und Geschickten, die am Camergericht zu handeln Sicherhait und Glait haben. So sich aber von den Personen zum Camergericht gehörende oder den Partheyen, iren Anwälten oder Geschickten, die am Camergericht zu handeln hetten, Frevel oder Malefitz begeben, die söllen der Richter desselben Ends alsbald annemen lassen und zu yeder Zeyt on Verzug dem Camerrichter und Urtailern bestellen zu antwurten. Denselben sol ain Thurn oder Gefencknus zugegeben werden, darinn sy solch Mißhandler enthalten oder sunst nach Maß irer Verhandlung straffen mügen. Auch sol den Belaidigten durch den Camerrichter und Urtailer Vergnügung werden verholffen, oder ob die Sach Leib Straff erhaischt, zu straffen dem Rat gemelter Stat bevelchen.
§ 19. Item nach Ansehen dis Fürnemens ist Not, Camerrichter, Urtailer und ander Personen, die dem Gericht verpflicht und zu warten verbunden sein söllen, redlich zu versolden, deßhalben sollen sportule auf die Sachen gesetzt werden. Namlich sol ain yeder Cleger in Anfang des Rechten nach Achtung seiner Clag von yedem C reinisch Guldin zwen Guldin geben, bis auf tausent Guldin, und darnach von tausent Guldin bis in zway tausent Guldin von yedem C ain Guldin; verrer von zway tausent Guldin bis in drewtausent Guldin von yedem C ain halben Guldin; darnach von drewtausent Guldin für und für, so vil es sich treffen wirdet, ye von C Reinischen Guldin ain Ort ains Guldin, und also nach Anzal der Summ, wie sich dann das von ir yedem nach zimlicher Rechnung in obgeschribner Maß nach seiner Anzal treffen wurd. Solich Gelt, sportule genant, die Parthey, die nach der entlichen Urtail in die Costen und Schäden geurtailt wurd, der behabende Parthey wider geben und außrichten, von demselben Gelt den Gerichts Personen ir Sold volgen und außgericht werden sol. Ob aber solichs davon nit bekomenlich beschehen möcht, so sol das übrig von des Reichs Gefellen entricht werden.
§ 20. Item es sol auch für ain schlecht Citacion ain Guldin und ain Ort; für ain Citacion, darinn ain Inhibicion inßeriert wirdt, zwen Guldin ain Ort; für ain Compulsorial oder Zwangs Brieff zwen Guldin ain Ort; für ain Comission, Kuntschaft oder Zücknus zu verhörn VI Guldin ain Ort; für ein Comission, in welcher ain gantz Sach mit allen Angehengen und Umbstenden zu entlichem Entschaid bevolchen wirdet, VII Guldin ain Ort; für ain Comission in Appellacion Sachen X Guldin ain Ort, und für die Urtailbrieff sol gegeben und genomen werden nach Grösse der Sach und Erkantnus des Camergerichts.
Item ob auch Gebot oder ander Brief durch rechtlich Erkantnus zu geben gepürn oder sunst auf Ansuchen und zu Notturfft der Partheyen ausserhalb rechtlicher Erkantnus gegeben und außgeen wurden, dieselben söllen auch nach zimlicher, leydenlicher Weise und nach Erkantnus des Camergerichts taxiert und die Partheyen darinn nit übersatzt oder beswert werden.
Wie man auf Ungehorsam ainichs Tails volfar.
§ 21. Item so die Partheyen zu Recht anfencklich gevordert und vertagt sind, erscheint der Cleger nit oder niemand von seinen wegen, so die Sach mit Clag und Antwurt unverfaßt ist, so sol auf des Antwurters Anrüffen der Cleger ungehorsam und den Gerichts Costen abzulegen erkent und der Antwurter auf sein Beger ab instancia iudicii, das ist von der Ladung, absolviert werden. Wäre aber die Sach mit Clag und Antwurt verfaßt, so möcht das Gericht volfarn und urtailen für den Cleger oder Antwurter nach Gestalt des Gerichtshandels. Doch sölt der gehorsam Tail, ob derselb die Urtail verloren het, den Gerichts Costen abzulegen nit schuldig sein.
§ 22. Item wurde auch der Antwurter in der ersten Rechtvertigung oder in der Appellacion-Sach vor Bevestigung des Kriegs ungehorsam, so sölt doch auf des Clegers Anrüffen durch das Gericht zu der Acht und Aberacht, auch zu dem Einsatz ex primo decreto wider den ungehorsamen Antwurter procedirt werden, oder sol das Gericht auf Begern des Clegers Kuntschafft und ander Fürbringen hörn und volfarn und entlich Urtail geben. Welchen Weg der Cleger fürnemen wirdt, und ob vor den ungehorsamen Tail Urtail gesprochen wurd, so sol doch der gehorsam Cleger der Cost und Scheden entledigt werden.
§ 23. Item der Camerrichter und Urtailer söllen Macht haben, uf Anrüffen der Parthey in die Acht zu erkennen, und der Camerrichter die Erkanten darein zu sprechen und notturfftig Executorial und Proceß darüber zu geben erkennen, alles in Namen Unser Koniglichen oder Kaiserlichen Majestät.
§ 24. Item als täglich durch unnotturfftig und frevelich Appellacion, die von Beyurtailn, interlocutorie genant, gevarlich umb Verlengirung des Rechten beschehen, auch vil Costen und Schäden erliten werden, so sol hinfüro an das Camergericht die Appellacion von solichen Interlocutorien nit annemen, wa die Beswerung in der Appellacion bestimbt durch die Appellacion von der Endurtail der Hauptsach möcht erstattet und widerbracht werden, wie das in Kaiserlichen Rechten geordnet und begriffen ist.
§ 25. Item das Camergericht sol seinen gestrackten Lauff haben, unverhindert ainicher Restitucion, Suplicacion, Advocacion oder in ander Weg Aufschleg, die auß ordenlicher Form oder Erkantnus des Camergerichts auf sonderlich Comission nit erlangt weren.
§ 26. Item das Camergericht sol drey Tag in der Wochen gehalten werden, außgeschaiden, was Got zu Lob oder zu Notturfft der Menschen gebant Feyren seyn, dieselben Feyren sich Camerrichter und Urtailer mit ainander verainigen und darinn Ordnung machen, die sy auch furter offenlich verkünden söllen.
§ 27. Item auf das niemand Armut halben rechtlos gelassen werd, so sol der Camerrichter, so ye zu Zeiten sein wirdet, die Sachen der Armen, die ir Armut mit iren Aiden, ob der gesunnen wurde, erweisen, den Advocaten und Redner empfelchen, darinn zu raten und zum besten in Recht fürzubringen. Und welchem Redner oder Advocaten solich Sachen von dem Camerrichter empfolhen werden, der sol schuldig und pflichtig sein, bey Pene und Entsatzung seins Ampts, die on Widerred, wie vorgemelt, anzunemen. Doch so sol der Camerrichter, ob der Sachen mer wurden dann aine, die gleich under die Advocaten und Redner tailen, alles ungevarlich, und das auch der Weg frevenlichs und mutwilligs Umbtreibens, das die Armen zu Zeyten fürnemen, fürkomen wurd, so sol der Arm, von dem das begert wurde, dem Camergericht an Aids Stat geloben, so bald er durch Behabung gegen seinen Widertail oder sunst zu solicher Narung komen, das er die Redner und Advocaten irs Solds entrichten müg, das er dasselb thun wöl.
§ 28. Item mit Rechtvertigung Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen, gaistlichen oder weltlichen, umb Sprüch und Vordrung, die ir ainer zu dem andern het oder gewunn, sol es also gehalten werden: Welche sonderlich gewilkürte rechtlich Außtreg gegen ainander haben, der söllen sy sich laut derselben gegenainander geprauchen. Welche aber dieselben Außtreg gegen ainander nit hetten, so sol der clagend Churfürst, Fürst oder Fürstmässig den Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen, gaistlichen oder weltlichen, an den er Spruch oder Vordrung vermaint zu haben, beschreiben und im sein Sprüch oder Vordrung in solcher Schrifft anzaigen, mit Ersuchung, im darumb Rechts zu pflegen. Darauf sol der beschriben und ervordert Churfürst, Fürst oder Fürstmässig, gaistlich oder weltlich, in vier Wochen, den nechsten nach solicher Ervordrung, dem Clager vier regierend Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen, halb gaistlich und halb weltlich, die nit auß ainem Haws geborn sein, ungevarlich benennen, darauß der Cleger ainen zu Richter kiesen und denselben dem angesprochen Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen auch in vier Wochen, nechsten nach der Benennung obgemelt, ungevarlich durch sein kundtlich Schrift an seinen Hof verkünden, und sy von baiden Tailen, alsdann denselben in XIIII Tagen, den nechsten darnach, umb Annemen und Tagsatzung biten, des auch derselb anzunemen und zu volfüren schuldig sein sol, als Unser Koniglicher oder Kaiserlicher Comissarius in Crafft der Comission, die Wir als Römischer König hiemit ainem yeden getan haben wöllen, und sol derselb gekorn Comissarius furderlich Rechttag setzen in ain sein Stat ungevarlich, und mit sampt seinen unpartheyschen Räten der Sach zu Recht Verhörung, und wie sich in Recht gepüren wirdet, Entschaid thun. Doch sol kainer Parthey die Appellacion für Unser Konigliches oder Kaiserliches Camergericht benomen oder abgestelt sein, nach laut des Artickels von den Appellacionen, welche angenomen werden söllen oder nit, hievor begriffen. Und ob der erkorn Comissarius abgieng, ee die Sach zu End kam, sol der Cleger auß den andern dreyen fürgeschlagen Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen ainen andern kiesen, der sol es auch anzunemen und zu volfüren schuldig sein als Unser Koniglicher oder Kaiserlicher Comissarius, wie der Artickel hievor angezaigt, und das für denselben pracht werd, was vor dem abgegangen Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen in Recht gehandelt worden ist, und verrer in der Sach ergee und geschech, was Recht ist, und söllen der vorgemelten Comissarien yeder, so es an in komet, zum furderlichisten in den Sachen handeln, und kain gevarlicher Auszug gepraucht oder zugelassen werden. Ob aber der Antwurter der Benennung der vier Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen in obbestimbter Zeyt nit täte oder dem, so obstat, nit nachvolgte, so sol er dem Cleger umb sein Vordrung vor Unserm Koniglichen oder Kaiserlichen Camergericht furderlichs Rechtens pflegen.
§ 29. Item ain yeder sol sein Undertanen in sein ordenlichen Gerichten, Rechten und Oberkaiten beleiben lassen und halten nach ains yeden Fürstenthumbs, Graveschafft, Herrschafft und Oberkait loblichem Herkomen und Geprauchungen. § 30. So aber Prelaten, Graven, Herren, Ritter oder Knecht oder des Reichs Frey- oder Reichs-Stet ain Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen, gaistlichen oder weltlichen, mit Recht wolten beclagen, berürten dann die Sachen verbrieft und unverbrieft Schuld, Zusagung oder Verhaiß, Betrang oder Entsetzung, oder so sich ainer beclagt, der Churfürst, Fürst oder Fürstmässig, gaistlich oder weltlich, irre oder verhindere in an Geprauch seins Wiltpans, Zoll, Gelait, Gericht oder andern herbrachten Nutzungen oder Gerechtikaiten, in yedem disen oder dergleichen Fellen ungevarlich sol der Cleger den Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen obgemelt ersuchen, im darumb Rechtens vor seinen Räten zu pflegen. Alsdann in dem nechstvolgenden Monat sol der ervordert Churfürst, Fürst oder Fürstmässig den Cleger vor seinen Räten an seinen Hof ungevarlich zu Recht für beschaiden und auf denselben und andern nachvolgenden Gerichts Tägen newn seiner treffenlichen Rät an seinem Hof zu Recht nidersetzen, die auß dem Adel und auß den Gelerten genomen werden söllen, ungevarlich. Doch das der Amptman, der in der Sach wider den Cleger mit der Tat gehandelt het, nit nidergesetzt werd, und sol ainer auß den VIIII Räten, den der beclagt für ainen Richter ernennen wirdet, in Beywesen des Clegers oder seins Anwalts von den acht Räten, und der eltest under den acht Räten widerumb von im empfahen ainen Aide, das sy in solicher Sach nach baidertail Fürbringen und irer besten Verstentnus Recht sprechen und darinn kainerlay Gevarlichait geprauchen oder sich daran nit verhindern lassen wöllen. Dieselben IX Rät söllen auch aller Glübd und Aide in der Sach oder Sachen, die für sy in Recht gepracht werden, so lang die unentschaiden hangen, ledig sein und beleiben, sovil sie solich Glübd und Aide darinn Recht zu sprechen verhindern sölt oder möcht. Auch sol die clagend Parthey nit in Widerrecht für die Räte gezogen werden, und sol solch Recht von dem Gerichtstag an zu rechnen, als die Clag in Gericht pracht wirdet, im nechstvolgenden halben Jar zu End komen; es begeb sich dann durch rechtlich Schub und Erkantnus verrer Verlengerung, so sol es doch in Jar und Tag zu End raichen und sol yedem Tail zugelassen sein, ob er sich mit gesprochen Urtailen beswert bedeuchte, das er sich an Unser Konigliches oder Kaiserliches Camergericht berüffen und appelliern mag, laut des Artickels von den Appellacion vorgemelt, des Clagers halb on Ungnad und on Verhinderung des Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen und menigklichs von seinen Wegen. Es sol auch der beclagt Churfürst, Fürst oder Fürstmässig dem Cleger und den, so er ungevarlich mit im bringen oder von seinen Wegen schicken wurd, zu den Gerichts Tagen zu komen, dabey zu sein und wider an ir Gewarsami sein ungevarlich Glait zuschreiben, doch sol der Clager niemands mit im bringen oder schicken, der ain Verbrecher wär Unsers Koniglichen Landtfridens oder des selben Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen offner, entsagter Veind oder Beschediger. Wölt aber der Churfürst, Fürst oder ander Fürstmässig, gaistlich oder weltlich vor seinen Räten obgemelter Massen nit zu Recht komen oder wurde des, wie obsteet, nit verhelffen, so sol dem Cleger zugelassen sein, denselben Churfürsten, Fürsten oder Fürstmässigen mit Unserm Koniglichen oder Kaiserlichen Camergericht fürzunemen nach diser Ordnung über das Camergericht gemacht. § 31. Item mit disen Ordnungen und Satzungen sol sunst niemand sein Oberkait, Privilegia, Freyhait benomen und abgeschniten, sonder vorbehalten sein, yedoch ob yemand begnadet wäre, des Reichs Ächter zu halten, söllen dieselben Freyhait wider Volstreckung der Urtail Unsers Koniglichen oder Kaiserlichen Camergerichts nit gepraucht und die Ächter söllen dawider nit geschützt oder enthalten werden.
§ 32. Item so hienach am Camergericht fürfiel, das verrer Versehung, Ordnung oder Satzung oder Declaracion bedörffen wurd, dasselb söllen Camerrichter und Urtailer yegklichs Jars an Uns, auch Unser Churfürsten, Fürsten und Samblung, die desselben Jars durch sich selbs oder ir Anwalt bey ainander komen werden, bringen, das Wir mit Rat und Willen derselben Samblung darinn zu handeln haben zu Fürdrung und Aufnemen des Camergerichts und Erfindung des Rechten und Gerechtigkait.
Mit Urkund dis Brifs, besigelt mit Unserm Koniglichen anhangendem Insigel. Geben in Unser und des Hailigen Reichs Stat Worms, am sibenden Tag des Monets Augusti, nach Cristi Geburt im vierzehenhundert und fünfundneunzigsten, Unser Reiche des Römischen im X. und des Hungrischen im VI. Jarn.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11

§ 12

§ 13

§ 14

§ 15

§ 16

§ 17

§ 18

§ 19

§ 20

§ 21

§ 22

§ 23

§ 24

§ 25

§ 26

§ 27

§ 28

§ 29
 § 30
 § 31

§ 32