Source: https://www.rechtslupe.de/europarecht/das-bundesverfassungsgericht-und-das-anleiheaufkaufprogramm-der-europaeischen-zentralbank-372043
Timestamp: 2019-09-15 20:09:08+00:00

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Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und das Anlei­he­auf­kauf­pro­gramm der Euro­päi­schen Zen­tral­bank | Rechtslupe
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und das Anlei­he­auf­kauf­pro­gramm der Euro­päi­schen Zen­tral­bank
Mit den Fol­gen der Euro-Kri­se (ins­be­son­de­re der Grie­chen­land-Hil­fe) muss­te sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits mehr­fach beschäf­ti­gen, und auch der­zeit sind in Karls­ru­he noch Ver­fah­ren gegen den Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, dem Fis­kal­pakt ("Ver­trag vom 2. März 2012 über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on") und das Anlei­henkauf­pro­gramm ("Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions" – OMT) der Euro­päi­schen Zen­tral­bank anhän­gig.
In den Ver­fah­ren, die die Prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des ESM und des Fis­kal­pak­tes zum Gegen­stand haben, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt den Ter­min zur Urteils­ver­kün­dung auf den 18. März 2014 bestimmt.
Soweit die Ver­fah­ren dage­gen die Prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des OMT-Beschlus­ses der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 6. Sep­tem­ber 2012 zum Gegen­stand haben, hat Karls­ru­he den Ball zunächst ein­mal nach Luxem­burg wei­ter­ge­reicht: Inso­weit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­fah­ren abge­trennt1 und – erst­ma­lig in sei­ner Geschich­te – ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on gerich­tet. Der Uni­ons­ge­richts­hof wird zunächst ins­be­son­de­re zu prü­fen haben, ob der OMT-Beschluss der EZB mit dem Pri­mär­recht der Euro­päi­schen Uni­on ver­ein­bar ist.
Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts spre­chen gewich­ti­ge Grün­de dafür, dass er über das Man­dat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank für die Wäh­rungs­po­li­tik hin­aus­geht und damit in die Zustän­dig­keit der Mit­glied­staa­ten über­greift sowie gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung ver­stößt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt neigt des­halb zur Annah­me eines Ultra-vires-Aktes, hält es aber für mög­lich, durch eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des OMT-Beschlus­ses im Lich­te der Euro­päi­schen Ver­trä­ge zu einer Kon­for­mi­tät mit dem Euro­päi­schen Pri­mär­recht zu gelan­gen.
Oder ver­ein­facht gesagt: Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hält das unbe­grenz­te Anlei­he­auf­kauf­pro­gramm der Euro­päi­schen Zen­tral­bank schlicht­weg für ver­fas­sungs­wid­rig, und fragt beim Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on an, ob der das Gan­ze noch (mit einer stark ein­schrän­ken­den Aus­le­gung) ret­ten will…
Der OMT-Beschluss der EZB
Die Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt
Die Ent­schei­dung des Bundes­verfassungs­gerichts
Die Euro­päi­sche Uni­on und die Kon­troll­auf­ga­be des Bundes­ver­fassungs­gerichts
Das Grund­ge­setz und die Recht­sprechung des Bundes­verfassungs­gerichts
Vor­beu­gen­der Rechts­schutz durch das Bundes­verfassungs­gericht
Der OMT-Beschluss der EZB als Ultra-vires-Akt
Hand­lungs- und Unter­las­sungs­pflich­ten deut­scher Staats­or­ga­ne
Inter­pre­ta­ti­on des Uni­ons­rechts durch das Bundes­verfassungs­gericht
Über­schrei­tung des Man­dats der Euro­päi­schen Zen­tral­bank
Ver­stoß gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haushalts­finanzierung
Irrele­vanz der Beru­fung auf eine "Stö­rung des geld­po­li­ti­schen Trans­missions­mechanismus"
Mög­lich­keit einer unions­rechts­konformen Aus­le­gung
Der OMT-Beschluss und die deut­sche Verfassungs­identität
Son­der­vo­tum der Ver­fas­sungs­rich­te­rin Lüb­be-Wolff
Son­der­vo­tum des Ver­fas­sungs­rich­ters Ger­hardt
Der OMT-Beschluss der EZB[↑]
Im OMT-Beschluss ist vor­ge­se­hen, dass Staats­an­lei­hen aus­ge­wähl­ter Mit­glied­staa­ten in unbe­grenz­ter Höhe auf­ge­kauft wer­den kön­nen, wenn und solan­ge die­se Mit­glied­staa­ten zugleich an einem mit der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ver­ein­bar­ten Reform­pro­gramm teil­neh­men. Erklär­tes Ziel der Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions ist die Sicher­stel­lung einer ord­nungs­ge­mä­ßen geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­on und der Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik. Im Pro­to­koll der 340. Sit­zung des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 5. und 6. Sep­tem­ber 2012 in Frank­furt am Main heißt es inso­weit:
With regard to Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions (OMT), on a pro­po­sal from the Pre­si­dent, the Gover­ning Coun­cil:
(b) appro­ved the main para­me­ters of the Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions (OMT), which would be set out in a press release to be published after the mee­ting (Thurs­day, 6 Sep­tem­ber 2012);
Die dazu ver­öf­fent­lich­te Pres­se­mit­tei­lung vom 6. Sep­tem­ber 2012 hat fol­gen­den Wort­laut:
6 Sep­tem­ber 2012 – Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions
As announ­ced on 2 August 2012, the Gover­ning Coun­cil of the European Cen­tral Bank (ECB) has today taken decisi­ons on a num­ber of tech­ni­cal fea­tures regar­ding the Eurosystem’s out­right tran­sac­tions in secon­da­ry sover­eign bond mar­kets that aim at safe­guar­ding an appro­pria­te mone­ta­ry poli­cy trans­mis­si­on and the sin­gleness of the mone­ta­ry poli­cy. The­se will be known as Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions (OMTs) and will be con­duc­ted wit­hin the fol­lo­wing frame­work:
Con­di­tio­na­li­ty
A necessa­ry con­di­ti­on for Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions is strict and effec­tive con­di­tio­na­li­ty atta­ched to an appro­pria­te European Finan­ci­al Sta­bi­li­ty Facility/​European Sta­bi­li­ty Mecha­nism (EFSF/​ESM) pro­gram­me. Such pro­gram­mes can take the form of a full EFSF/​ESM macroeco­no­mic adjust­ment pro­gram­me or a pre­cau­tio­na­ry pro­gram­me (Enhan­ced Con­di­ti­ons Credit Line), pro­vi­ded that they inclu­de the pos­si­bi­li­ty of EFSF/​ESM pri­ma­ry mar­ket purcha­ses. The invol­ve­ment of the IMF shall also be sought for the design of the coun­try-spe­ci­fic con­di­tio­na­li­ty and the moni­to­ring of such a pro­gram­me.
The Gover­ning Coun­cil will con­si­der Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions to the extent that they are war­ran­ted from a mone­ta­ry poli­cy per­spec­tive as long as pro­gram­me con­di­tio­na­li­ty is ful­ly respec­ted, and ter­mi­na­te them once their objec­tives are achie­ved or when the­re is non-com­pli­an­ce with the macroeco­no­mic adjust­ment or pre­cau­tio­na­ry pro­gram­me.
Fol­lo­wing a tho­rough assess­ment, the Gover­ning Coun­cil will deci­de on the start, con­ti­nua­ti­on and sus­pen­si­on of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions in full dis­cre­ti­on and acting in accordance with its mone­ta­ry poli­cy man­da­te.
Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions will be con­si­de­red for future cases of EFSF/​ESM macroeco­no­mic adjust­ment pro­gram­mes or pre­cau­tio­na­ry pro­gram­mes as spe­ci­fied above. They may also be con­si­de­red for Mem­ber Sta­tes cur­r­ent­ly under a macroeco­no­mic adjust­ment pro­gram­me when they will be regai­ning bond mar­ket access.
Tran­sac­tions will be focu­sed on the shorter part of the yield cur­ve, and in par­ti­cu­lar on sover­eign bonds with a matu­ri­ty of bet­ween one and three years.
No ex ante quan­ti­ta­ti­ve limits are set on the size of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions.
Credi­tor tre­at­ment
The Euro­sys­tem intends to cla­ri­fy in the legal act con­cer­ning Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions that it accepts the same (pari pas­su) tre­at­ment as pri­va­te or other credi­tors with respect to bonds issued by euro area coun­tries and purcha­sed by the Euro­sys­tem through Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions, in accordance with the terms of such bonds.
The liqui­di­ty crea­ted through Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions will be ful­ly ste­ri­li­sed.
Trans­pa­ren­cy
Aggre­ga­te Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tion hol­dings and their mar­ket values will be published on a wee­kly basis. Publi­ca­ti­on of the average dura­ti­on of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tion hol­dings and the break­down by coun­try will take place on a mon­th­ly basis.
Secu­ri­ties Mar­kets Pro­gram­me
Fol­lo­wing today’s decisi­on on Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions, the Secu­ri­ties Mar­kets Pro­gram­me (SMP) is here­with ter­mi­na­ted. The liqui­di­ty injec­ted through the SMP will con­ti­nue to be absor­bed as in the past, and the exis­ting secu­ri­ties in the SMP port­fo­lio will be held to matu­ri­ty.
Der OMT-Beschluss ist bis­lang nicht umge­setzt wor­den.
Die Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt[↑]
Die Beschwer­de­füh­rer wen­den sich im Wege von Ver­fas­sungs­be­schwer­den gemäß Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 13 Nr. 8a, §§ 90 ff. BVerfGG, eine Bun­des­tags­frak­ti­on im Wege eines Organ­streit­ver­fah­rens nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG, § 13 Nr. 5, §§ 63 ff. BVerfGG im Ergeb­nis
zum einen unter ande­rem gegen die Mit­wir­kung der Deut­schen Bun­des­bank an der Umset­zung des Beschlus­ses des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 6. Sep­tem­ber 2012 über Tech­ni­cal fea­tures of "Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions" („OMT-Beschluss“),
zum ande­ren dage­gen, dass die deut­sche Bun­des­re­gie­rung und der Deut­sche Bun­des­tag in Anse­hung die­ses OMT-Beschlus­ses des EZB-Rates untä­tig geblie­ben sind.
Die Ent­schei­dung des Bundes­verfassungs­gerichts[↑]
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat – mit einer Mehr­heit von 6:2 Stim­men – die bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren – die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sowie das Organ­streit­ver­fah­ren – aus­ge­setzt und ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Uni­ons­ge­richts­hof gerich­tet.
Die ers­te Vor­la­ge­fra­ge betrifft die Gül­tig­keit des OMT-Beschlus­ses des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank. Die­se Vor­la­ge­fra­ge ist für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schei­dungs­er­heb­lich, wobei die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit nicht des­halb ent­fällt, weil von dem OMT-Beschluss noch kei­ne Rechts­wir­kun­gen aus­ge­hen (vor­beu­gen­der Rechts­schutz). Für den Fall, dass der OMT-Beschluss in Über­schrei­tung des Man­dats der Euro­päi­schen Zen­tral­bank in die Zustän­dig­kei­ten der Mit­glied­staa­ten für die Wirt­schafts­po­li­tik über­greift und /​oder gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung ver­stößt, hät­ten die Anträ­ge Erfolg. Denn der OMT-Beschluss wäre dann nach deut­schem Ver­fas­sungs­recht als offen­sicht­li­cher und struk­tu­rell bedeut­sa­mer Ultra-vires-Akt zu qua­li­fi­zie­ren. In die­sem Fall wären die deut­schen Ver­fas­sungs­or­ga­ne auf­grund ihrer Untä­tig­keit ihrer Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung nicht gerecht gewor­den und hät­ten damit die ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rech­te der Beschwer­de­füh­rer und die von der Antrag­stel­le­rin gel­tend gemach­ten Rechts­po­si­tio­nen des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­letzt.
Die zwei­te Vor­la­ge­fra­ge betrifft eini­ge bilfs­wei­se gestell­ten Vor­la­ge­fra­gen zur Aus­le­gung ver­schie­de­ner Bestim­mun­gen des euro­päi­schen Uni­ons­rechts. Im Hin­blick auf die Ver­pflich­tung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, vor­beu­gen­den Rechts­schutz zu gewäh­ren, ist die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts für die Ent­schei­dung des vor­lie­gen­den Rechts­strei­tes auch dann erheb­lich, wenn der Uni­ons­ge­richts­hof den OMT-Beschluss nicht als taug­li­chen Gegen­stand eines Ersu­chens nach Art. 267 Abs. 1 Buch­sta­be b AEUV qua­li­fi­zie­ren soll­te. Die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung von Bun­des­re­gie­rung und Deut­schem Bun­des­tag wür­de auch im Hin­blick auf ange­kün­dig­te, in ihrem Inhalt aber bereits hin­rei­chend bestimm­te Ultra-vires-Akte Platz grei­fen. Für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt stell­te sich dann die Vor­fra­ge, ob die Durch­füh­rung des OMT-Beschlus­ses mit dem euro­päi­schen Uni­ons­recht ver­ein­bar wäre. Hier­zu unter­brei­tet das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die hilfs­wei­sen Vor­la­ge­fra­gen zur Aus­le­gung der Art. 119, 123 und 127 AEUV sowie der Art. 17 bis 24 der ESZB-Sat­zung.
Gemäß Arti­kel 19 Absatz 3 Buch­sta­be b des Ver­tra­ges über die Euro­päi­sche Uni­on und Arti­kel 267 Absatz 1 Buch­sta­ben a und b des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on wer­den dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
Ist der Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 6. Sep­tem­ber 2012 über Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions mit Arti­kel 119 und Arti­kel 127 Absät­ze 1 und 2 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on sowie mit Arti­kel 17 bis 24 des Pro­to­kolls über die Sat­zung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank unver­ein­bar, weil er über das in den genann­ten Vor­schrif­ten gere­gel­te Man­dat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zur Wäh­rungs­po­li­tik hin­aus­geht und in die Zustän­dig­keit der Mit­glied­staa­ten über­greift?
Ergibt sich eine Über­schrei­tung des Man­da­tes der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ins­be­son­de­re dar­aus, dass der Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 6. Sep­tem­ber 2012
an wirt­schafts­po­li­ti­sche Hilfs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus anknüpft (Kon­di­tio­na­li­tät)?
den Ankauf von Staats­an­lei­hen nur ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten vor­sieht (Selek­ti­vi­tät)?
den Ankauf von Staats­an­lei­hen der Pro­gramm­län­der zusätz­lich zu Hilfs­pro­gram­men der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus vor­sieht (Par­al­le­li­tät)?
Begren­zun­gen und Bedin­gun­gen der Hilfs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus unter­lau­fen könn­te (Umge­hung)?
Ist der Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 6. Sep­tem­ber 2012 über Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions mit dem in Arti­kel 123 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on ver­an­ker­ten Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung unver­ein­bar?
Steht der Ver­ein­bar­keit mit Arti­kel 123 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on ins­be­son­de­re ent­ge­gen, dass der Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 6. Sep­tem­ber 2012
kei­ne quan­ti­ta­ti­ve Begren­zung des Ankaufs von Staats­an­lei­hen vor­sieht (Volu­men)?
kei­nen zeit­li­chen Abstand zwi­schen der Emis­si­on von Staats­an­lei­hen am Pri­mär­markt und ihrem Ankauf durch das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken am Sekun­där­markt vor­sieht (Markt­preis­bil­dung)?
es zulässt, dass sämt­li­che erwor­be­nen Staats­an­lei­hen bis zur Fäl­lig­keit gehal­ten wer­den (Ein­griff in die Markt­lo­gik)?
kei­ne spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen an die Boni­tät der zu erwer­ben­den Staats­an­lei­hen ent­hält (Aus­fall­ri­si­ko)?
eine Gleich­be­hand­lung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken mit pri­va­ten und ande­ren Inha­bern von Staats­an­lei­hen vor­sieht (Schul­den­schnitt)?
Hilfs­wei­se für den Fall, dass der Gerichts­hof den Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 6. Sep­tem­ber 2012 über Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions als Hand­lung eines Organs der Euro­päi­schen Uni­on nicht als taug­li­chen Gegen­stand eines Ersu­chens nach Arti­kel 267 Absatz 1 Buch­sta­be b des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on anse­hen soll­te:
Sind Arti­kel 119 und Arti­kel 127 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on sowie Arti­kel 17 bis 24 des Pro­to­kolls über die Sat­zung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank so aus­zu­le­gen, dass sie es dem Euro­sys­tem – alter­na­tiv oder kumu­la­tiv – gestat­ten,
den Ankauf von Staats­an­lei­hen von der Exis­tenz und Ein­hal­tung wirt­schafts­po­li­ti­scher Hilfs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus abhän­gig zu machen (Kon­di­tio­na­li­tät)?
Staats­an­lei­hen nur ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten anzu­kau­fen (Selek­ti­vi­tät)?
Staats­an­lei­hen von Pro­gramm­län­dern zusätz­lich zu Hilfs­pro­gram­men der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus anzu­kau­fen (Par­al­le­li­tät)?
Begren­zun­gen und Bedin­gun­gen der Hilfs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zu unter­lau­fen (Umge­hung)?
Ist Arti­kel 123 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on mit Blick auf das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung so aus­zu­le­gen, dass es dem Euro­sys­tem – alter­na­tiv oder kumu­la­tiv – erlaubt ist,
Staats­an­lei­hen ohne quan­ti­ta­ti­ve Begren­zung anzu­kau­fen (Volu­men)?
Staats­an­lei­hen ohne zeit­li­chen Min­dest­ab­stand zu ihrer Emis­si­on von Staats­an­lei­hen am Pri­mär­markt anzu­kau­fen (Markt­preis­bil­dung)?
sämt­li­che erwor­be­nen Staats­an­lei­hen bis zur Fäl­lig­keit zu hal­ten (Ein­griff in die Markt­lo­gik)?
Staats­an­lei­hen ohne Min­dest­an­for­de­rung an die Boni­tät zu erwer­ben (Aus­fall­ri­si­ko)?
eine Gleich­be­hand­lung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken mit pri­va­ten und ande­ren Inha­bern von Staats­an­lei­hen hin­zu­neh­men (Schul­den­schnitt)?
durch die Äuße­rung von Kauf­ab­sich­ten oder auf ande­re Wei­se in zeit­li­chem Zusam­men­hang mit der Emis­si­on von Staats­an­lei­hen von Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes Ein­fluss auf die Preis­bil­dung zu neh­men (Ermu­ti­gung zum Erst­erwerb)?
Die Euro­päi­sche Uni­on und die Kon­troll­auf­ga­be des Bundes­ver­fassungs­gerichts[↑]
Die Kon­troll­auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erstreckt sich nach stän­di­ger Recht­spre­chung dar­auf, ob Hand­lun­gen von Orga­nen und Ein­rich­tun­gen der Euro­päi­schen Uni­on auf ersicht­li­chen Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen beru­hen oder den nicht über­trag­ba­ren Bereich der durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes betref­fen.
Das Grund­ge­setz und die Recht­sprechung des Bundes­verfassungs­gerichts[↑]
Für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist sedes mate­riae sei­ner Prü­fung Art.20 Abs. 1-3, Art. 23 Abs. 1, Art. 38 Abs. 1, Art. 79 Abs. 2 und 3 sowie Art. 88 GG. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt legt die genann­ten Vor­schrif­ten in stän­di­ger Recht­spre­chung so aus, dass sie der Mit­wir­kung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land an der Euro­päi­schen Inte­gra­ti­on Schran­ken auf­er­le­gen, deren Ein­hal­tung – auch auf die Beschwer­den ein­zel­ner Bür­ger hin – vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kon­trol­liert wer­den kann. Nach der mit dem Maas­tricht, Urteil2 im Jahr 1993 begrün­de­ten Recht­spre­chung umfasst das Wahl­recht des Ein­zel­nen aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG auch einen mate­ri­el­len Gehalt:
Art. 38 GG ver­bürgt nicht nur, dass dem Bür­ger das Wahl­recht zum Deut­schen Bun­des­tag zusteht und bei der Wahl die ver­fas­sungs­recht­li­chen Wahl­rechts­grund­sät­ze ein­ge­hal­ten wer­den. Die Ver­bür­gung erstreckt sich auch auf den grund­le­gen­den demo­kra­ti­schen Gehalt die­ses Rechts: Gewähr­leis­tet wird den wahl­be­rech­tig­ten Deut­schen das sub­jek­ti­ve Recht, an der Wahl des Deut­schen Bun­des­ta­ges teil­zu­neh­men und dadurch an der Legi­ti­ma­ti­on der Staats­ge­walt durch das Volk auf Bun­des­ebe­ne mit­zu­wir­ken und auf ihre Aus­übung Ein­fluss zu neh­men. (…) Art. 38 GG schließt es im Anwen­dungs­be­reich des Art. 23 GG aus, die durch die Wahl bewirk­te Legi­ti­ma­ti­on von Staats­ge­walt und Ein­fluss­nah­me auf deren Aus­übung durch die Ver­la­ge­rung von Auf­ga­ben und Befug­nis­sen des Bun­des­ta­ges so zu ent­lee­ren, dass das demo­kra­ti­sche Prin­zip, soweit es Art. 79 Abs. 3 i.V.m. Art.20 Abs. 1 und 2 GG für unan­tast­bar erklärt, ver­letzt wird.
Dies hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in wei­te­ren Ent­schei­dun­gen bestä­tigt und kon­kre­ti­siert3.
Die­ser mate­ri­el­le Gewähr­leis­tungs­ge­halt ist nur, aber immer dann ver­letzt, wenn das Wahl­recht in einem für die poli­ti­sche Selbst­be­stim­mung des Vol­kes wesent­li­chen Bereich leer­zu­lau­fen droht, das heißt, wenn die demo­kra­ti­sche Selbst­re­gie­rung des Vol­kes – mit­tels des Deut­schen Bun­des­ta­ges – dau­er­haft der­art ein­ge­schränkt wird, dass zen­tra­le poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen nicht mehr selb­stän­dig getrof­fen wer­den kön­nen4. Dage­gen gewährt Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG kei­nen Anspruch auf eine über die Siche­rung der oben genann­ten Rech­te hin­aus­ge­hen­de Recht­mä­ßig­keits­kon­trol­le demo­kra­ti­scher Mehr­heits­ent­schei­dun­gen durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Das Wahl­recht dient nicht der inhalt­li­chen Kon­trol­le demo­kra­ti­scher Pro­zes­se, son­dern ist auf deren Ermög­li­chung gerich­tet5.
Das Han­deln der Orga­ne und Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on fin­det sei­ne demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on – soweit es Deutsch­land angeht – in dem auf der Grund­la­ge von Art. 23 Abs. 1 GG erlas­se­nen Zustim­mungs­ge­setz zum Ver­trag über die Euro­päi­sche Uni­on und zum Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on und dem dar­in nie­der­ge­leg­ten Inte­gra­ti­ons­pro­gramm. Wesent­li­ches Ele­ment die­ses Inte­gra­ti­ons­pro­gramms ist das in Art. 5 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 EUV nie­der­ge­leg­te Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung.
Hand­lun­gen von Orga­nen und Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on sind vor die­sem Hin­ter­grund in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nur inner­halb bestimm­ter Gren­zen ver­bind­lich6:
Weil der wahl­be­rech­tig­te Deut­sche sein Recht auf Teil­nah­me an der demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on der mit der Aus­übung von Hoheits­ge­walt betrau­ten Ein­rich­tun­gen und Orga­ne wesent­lich durch die Wahl des Deut­schen Bun­des­ta­ges wahr­nimmt, muss der Bun­des­tag auch über die Mit­glied­schaft Deutsch­lands in der Euro­päi­schen Uni­on, ihren Fort­be­stand und ihre Ent­wick­lung bestim­men. Ent­schei­dend ist, dass die Mit­glied­schaft der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und die dar­aus sich erge­ben­den Rech­te und Pflich­ten – ins­be­son­de­re auch das rechts­ver­bind­li­che unmit­tel­ba­re Tätig­wer­den der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten im inner­staat­li­chen Rechts­raum – für den Gesetz­ge­ber vor­aus­seh­bar im Ver­trag umschrie­ben und durch ihn im Zustim­mungs­ge­setz hin­rei­chend bestimm­bar nor­miert wor­den sind7. Das bedeu­tet zugleich, dass spä­te­re wesent­li­che Ände­run­gen des im Uni­ons-Ver­trag ange­leg­ten Inte­gra­ti­ons­pro­gramms und sei­ner Hand­lungs­er­mäch­ti­gun­gen nicht mehr vom Zustim­mungs­ge­setz zu die­sem Ver­trag gedeckt sind8. Wür­den etwa euro­päi­sche Ein­rich­tun­gen oder Orga­ne den Uni­ons-Ver­trag in einer Wei­se hand­ha­ben oder fort­bil­den, die von dem Ver­trag, wie er dem deut­schen Zustim­mungs­ge­setz zugrun­de liegt, nicht mehr gedeckt wäre, so wären die dar­aus her­vor­ge­hen­den Rechts­ak­te im deut­schen Hoheits­be­reich nicht ver­bind­lich. Die deut­schen Staats­or­ga­ne wären aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den gehin­dert, die­se Rechts­ak­te in Deutsch­land anzu­wen­den. Dem­entspre­chend prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, ob Rechts­ak­te der euro­päi­schen Ein­rich­tun­gen und Orga­ne sich in den Gren­zen der ihnen ein­ge­räum­ten Hoheits­rech­te hal­ten oder aus ihnen aus­bre­chen9.
Die Kon­troll­auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erstreckt sich dar­auf,
ob Hand­lun­gen euro­päi­scher Orga­ne und Ein­rich­tun­gen auf ersicht­li­chen Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen beru­hen
oder den nicht über­trag­ba­ren Bereich der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät betref­fen (Art. 79 Abs. 3 i.V.m. Art. 1 und Art.20 GG)10
und es des­halb Ver­fas­sungs­or­ga­nen, Behör­den und Gerich­ten unter­sagt ist, an der Umset­zung sol­cher Maß­nah­men mit­zu­wir­ken
Auf die zuläs­si­ge Rüge einer Ultra-vires-Hand­lung hin sind Akte von Orga­nen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf ihre Anwend­bar­keit und Bin­dungs­wir­kung in Deutsch­land hin zu über­prü­fen, soweit sie Grund­la­ge von Hand­lun­gen deut­scher Staats­or­ga­ne sind.
Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ultra-vires-Kon­trol­le wur­den in der Honey­well, Ent­schei­dung11 näher kon­tu­riert:
Die Ultra-vires-Kon­trol­le darf nur euro­pa­rechts­freund­lich aus­ge­übt wer­den12. Die Uni­on ver­steht sich als Rechts­ge­mein­schaft; sie ist ins­be­son­de­re durch das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung und die Grund­rech­te gebun­den und ach­tet die Ver­fas­sungs­iden­ti­tät der Mit­glied­staa­ten (vgl. im Ein­zel­nen Art. 4 Abs. 2 Satz 1, Art. 5 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1, Art. 6 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 EUV). Nach der Rechts­ord­nung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist der Anwen­dungs­vor­rang des Uni­ons­rechts anzu­er­ken­nen und zu gewähr­leis­ten, dass die dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­fas­sungs­recht­lich vor­be­hal­te­nen Kon­troll­be­fug­nis­se nur zurück­hal­tend und euro­pa­rechts­freund­lich aus­ge­übt wer­den. Das bedeu­tet für die vor­lie­gend in Rede ste­hen­de Ultra-vires-Kon­trol­le, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ent­schei­dun­gen des Gerichts­hofs grund­sätz­lich als ver­bind­li­che Aus­le­gung des Uni­ons­rechts zu beach­ten hat. Vor der Annah­me eines Ultra-vires-Akts der euro­päi­schen Orga­ne und Ein­rich­tun­gen ist des­halb dem Gerichts­hof im Rah­men eines Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 AEUV die Gele­gen­heit zur Ver­trags­aus­le­gung sowie zur Ent­schei­dung über die Gül­tig­keit und die Aus­le­gung der frag­li­chen Rechts­ak­te zu geben. Eine Ultra-vires-Kon­trol­le durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kommt dar­über hin­aus nur in Betracht, wenn ersicht­lich ist, dass Hand­lun­gen der euro­päi­schen Orga­ne und Ein­rich­tun­gen außer­halb der über­tra­ge­nen Kom­pe­ten­zen ergan­gen sind13. Ersicht­lich ist ein Ver­stoß gegen das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung nur dann, wenn die euro­päi­schen Orga­ne und Ein­rich­tun­gen die Gren­zen ihrer Kom­pe­ten­zen in einer das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung spe­zi­fisch ver­let­zen­den Art über­schrit­ten haben (Art. 23 Abs. 1 GG), der Kom­pe­tenz­ver­stoß mit ande­ren Wor­ten hin­rei­chend qua­li­fi­ziert ist14. Dies bedeu­tet, dass das kom­pe­ten­z­wid­ri­ge Han­deln der Uni­ons­ge­walt offen­sicht­lich ist und der ange­grif­fe­ne Akt im Kom­pe­tenz­ge­fü­ge zwi­schen Mit­glied­staa­ten und Uni­on im Hin­blick auf das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung und die rechts­staat­li­che Geset­zes­bin­dung erheb­lich ins Gewicht fällt15.
Das ist nicht nur dann der Fall, wenn sich eigen­mäch­ti­ge Kom­pe­tenz­er­wei­te­run­gen auf Sach­be­rei­che erstre­cken, die zur Ver­fas­sungs­iden­ti­tät der Mit­glied­staa­ten rech­nen oder beson­ders vom demo­kra­tisch dis­kur­si­ven Pro­zess in den Mit­glied­staa­ten abhän­gen16; aller­dings wie­gen hier Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen beson­ders schwer17.
Die­se Kon­trol­le ist im Hin­blick auf Art.20 Abs. 1 und 2 GG nicht ver­zicht­bar. Andern­falls wäre die Dis­po­si­ti­on über die ver­trag­li­chen Grund­la­gen auch inso­weit auf die Orga­ne und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on ver­la­gert, als deren Rechts­ver­ständ­nis im prak­ti­schen Ergeb­nis auf eine Ver­trags­än­de­rung oder Kom­pe­tenz­aus­wei­tung hin­aus­lie­fe18. Dass in den – nach den insti­tu­tio­nel­len und pro­ze­du­ra­len Vor­keh­run­gen des Uni­ons­rechts nur sel­ten zu erwar­ten­den – Grenz­fäl­len mög­li­cher Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen sei­tens der Orga­ne und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on die ver­fas­sungs­recht­li­che und die uni­ons­recht­li­che Per­spek­ti­ve dabei nicht voll­stän­dig har­mo­nie­ren, ist unver­meid­bar und dem Umstand geschul­det, dass in der Euro­päi­schen Uni­on die Mit­glied­staa­ten unver­än­dert Her­ren der Ver­trä­ge sind19. Anders als der Gel­tungs­vor­rang des Bun­des­rechts in einem Bun­des­staat kann der auf einem natio­na­len Rechts­an­wen­dungs­be­fehl beru­hen­de Anwen­dungs­vor­rang des Uni­ons­rechts nicht umfas­send sein20.
Hat die Maß­nah­me eines Organs oder einer sons­ti­gen Stel­le der Euro­päi­schen Uni­on Aus­wir­kun­gen, die die durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­te Ver­fas­sungs­iden­ti­tät berüh­ren, so ist sie in Deutsch­land von vorn­her­ein unan­wend­bar. Auf einer pri­mär­recht­li­chen Grund­la­ge kann eine der­ar­ti­ge Maß­nah­me nicht beru­hen, weil auch der mit der Mehr­heit des Art. 23 Abs. 1 Satz 3 GG in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 2 GG ent­schei­den­de Inte­gra­ti­ons­ge­setz­ge­ber der Euro­päi­schen Uni­on kei­ne Hoheits­rech­te über­tra­gen darf, mit deren Inan­spruch­nah­me eine Berüh­rung der von Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Ver­fas­sungs­iden­ti­tät ein­her­gin­ge. Eine ent­spre­chen­de Fort­bil­dung ursprüng­lich ver­fas­sungs­mä­ßi­ger Ein­zel­er­mäch­ti­gun­gen erfolg­te ultra vires. Ob die durch Art. 79 Abs. 3 GG für unan­tast­bar erklär­ten Grund­sät­ze durch eine Maß­nah­me der Euro­päi­schen Uni­on berührt sind, prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Rah­men der Iden­ti­täts­kon­trol­le21. Dabei legt es sei­ner Prü­fung die Aus­le­gung der Maß­nah­me zugrun­de, die in einem Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren gemäß Art. 267 Abs. 2 und 3 AEUV durch den Gerichts­hof vor­ge­ge­ben wird. Im Rah­men des bestehen­den Koope­ra­ti­ons­ver­hält­nis­ses obliegt dem Gerichts­hof die Aus­le­gung der Maß­nah­me. Dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt obliegt dem­ge­gen­über die Fest­stel­lung des unan­tast­ba­ren Kern­be­stan­des der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät und die Prü­fung, ob die Maß­nah­me (in der vom Gerichts­hof fest­ge­stell­ten Aus­le­gung) in die­sen Kern­be­stand ein­greift.
Eine Iden­ti­täts­kon­trol­le kann sich ins­be­son­de­re auf die Wah­rung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges bezie­hen22:
Art. 38 Abs. 1 GG wird nament­lich ver­letzt, wenn sich der Deut­sche Bun­des­tag sei­ner par­la­men­ta­ri­schen Haus­halts­ver­ant­wor­tung dadurch ent­äu­ßert, dass er oder zukünf­ti­ge Bun­des­ta­ge das Bud­get­recht nicht mehr in eige­ner Ver­ant­wor­tung aus­üben kön­nen23. Die Ent­schei­dung über Ein­nah­men und Aus­ga­ben der öffent­li­chen Hand ist grund­le­gen­der Teil der demo­kra­ti­schen Selbst­ge­stal­tungs­fä­hig­keit im Ver­fas­sungs­staat24. Der Deut­sche Bun­des­tag muss des­halb dem Volk gegen­über ver­ant­wort­lich über Ein­nah­men und Aus­ga­ben ent­schei­den. Inso­fern stellt das Bud­get­recht ein zen­tra­les Ele­ment der demo­kra­ti­schen Wil­lens­bil­dung dar25
Eine not­wen­di­ge Bedin­gung für die Siche­rung poli­ti­scher Frei­räu­me im Sin­ne des Iden­ti­täts­kerns der Ver­fas­sung (Art.20 Abs. 1 und Abs. 2, Art. 79 Abs. 3 GG) besteht dar­in, dass der Haus­halts­ge­setz­ge­ber sei­ne Ent­schei­dun­gen über Ein­nah­men und Aus­ga­ben frei von Fremd­be­stim­mung sei­tens der Orga­ne und ande­rer Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on trifft und dau­er­haft ‚Herr sei­ner Ent­schlüs­se‘ bleibt. Aus der demo­kra­ti­schen Ver­an­ke­rung der Haus­halts­au­to­no­mie folgt, dass der Bun­des­tag einem inter­gou­ver­ne­men­tal oder supra­na­tio­nal ver­ein­bar­ten, nicht an strik­te Vor­ga­ben gebun­de­nen und in sei­nen Aus­wir­kun­gen nicht begrenz­ten Bürg­schafts- oder Leis­tungs­au­to­ma­tis­mus nicht zustim­men darf, der – ein­mal in Gang gesetzt – sei­ner Kon­trol­le und Ein­wir­kung ent­zo­gen ist26.
Es dür­fen zudem kei­ne dau­er­haf­ten völ­ker­ver­trags­recht­li­chen Mecha­nis­men begrün­det wer­den, die auf eine Haf­tungs­über­nah­me für Wil­lens­ent­schei­dun­gen ande­rer Staa­ten hin­aus­lau­fen, vor allem wenn sie mit schwer kal­ku­lier­ba­ren Fol­ge­wir­kun­gen ver­bun­den sind. Jede aus­ga­ben­wirk­sa­me soli­da­ri­sche Hilfs­maß­nah­me des Bun­des grö­ße­ren Umfangs im inter­na­tio­na­len oder unio­na­len Bereich muss vom Bun­des­tag im Ein­zel­nen bewil­ligt wer­den."27.
Da Art. 79 Abs. 3 GG eine "abso­lu­te Gren­ze"28 auch für die Anwend­bar­keit des Uni­ons­rechts im Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes mar­kiert, sind die dort zugrun­de­ge­leg­ten Prin­zi­pi­en einer Abwä­gung nicht zugäng­lich29. Damit unter­schei­det sich die Iden­ti­täts­kon­trol­le im Rah­men des Art. 79 Abs. 3 GG durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wesent­lich von der Über­prü­fung des Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EUV durch den Gerichts­hof. Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EUV ver­pflich­tet die Orga­ne der Uni­on, die natio­na­le Iden­ti­tät zu ach­ten. Dem liegt ein Begriff der natio­na­len Iden­ti­tät zugrun­de, der dem Begriff der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät im Sin­ne von Art. 79 Abs. 3 GG nicht ent­spricht, son­dern weit dar­über hin­aus­reicht30. Auf die­ser Grund­la­ge qua­li­fi­ziert der Gerichts­hof den gemäß Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EUV gebo­te­nen Schutz der natio­na­len Iden­ti­tät als "legi­ti­mes Ziel", das bei der Abwä­gung der vom Uni­ons­recht gewähr­ten Rech­te auf der einen Sei­te und legi­ti­mer Belan­ge auf der ande­ren Sei­te zu berück­sich­ti­gen sei31. Als abwä­gungs­fä­hi­ger Belang aber genügt die nach Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EUV gebo­te­ne Ach­tung der natio­na­len Iden­ti­tät nicht dem Anspruch auf Schutz des unan­tast­ba­ren und nicht abwä­gungs­fä­hi­gen Kern­be­stands des Grund­ge­set­zes im Sin­ne von Art. 79 Abs. 3 GG. Die­ser obliegt allein dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt.
Die dar­ge­stell­ten Grund­sät­ze zum Schutz der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät und der Gren­zen der Über­tra­gung von Sou­ve­rä­ni­täts­rech­ten auf die Euro­päi­sche Uni­on fin­den sich, mit Modi­fi­ka­tio­nen in Abhän­gig­keit von der Exis­tenz oder Nicht­exis­tenz von unab­än­der­li­chen Gehal­ten der jewei­li­gen natio­na­len Ver­fas­sun­gen, auch im Ver­fas­sungs­recht zahl­rei­cher ande­rer Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on32. Sie haben inner­staat­li­che Kon­se­quen­zen nicht nur für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, son­dern auch für ande­re Orga­ne des Staa­tes. Deut­sche Staats­or­ga­ne dür­fen am Zustan­de­kom­men und der Umset­zung von Ultra-vires-Akten33 und von sol­chen Maß­nah­men nicht mit­wir­ken, die die durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­te Ver­fas­sungs­iden­ti­tät berüh­ren. Das gilt für alle Ver­fas­sungs­or­ga­ne, Behör­den und Gerich­te. Dies ergibt sich sowohl aus den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­zen der Demo­kra­tie (Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG) und des Rechts­staats (Art.20 Abs. 3 GG) als auch aus Art. 23 Abs. 1 GG und wird uni­ons­recht­lich durch das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 EUV) und die Pflicht der Euro­päi­schen Uni­on, die natio­na­le Iden­ti­tät der Mit­glied­staa­ten zu ach­ten (Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EUV)34, abge­si­chert.
Die deut­schen Ver­fas­sungs­or­ga­ne tra­gen – neben den Orga­nen der Euro­päi­schen Uni­on – Ver­ant­wor­tung für die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms. Das Lis­sa­bon, Urteil35 hat inso­weit fest­ge­stellt36:
Wenn im euro­päi­schen Inte­gra­ti­ons­pro­zess das Pri­mär­recht durch Orga­ne ver­än­dert oder erwei­ternd aus­ge­legt wird, ent­steht eine ver­fas­sungs­recht­lich bedeut­sa­me Span­nungs­la­ge zum Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung und zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des ein­zel­nen Mit­glied­staa­tes. Wenn Gesetz­ge­bungs- oder Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten nur unbe­stimmt oder zur dyna­mi­schen Fort­ent­wick­lung über­tra­gen wer­den oder wenn die Orga­ne Zustän­dig­kei­ten neu begrün­den, erwei­ternd abrun­den oder sach­lich aus­deh­nen dür­fen, lau­fen sie Gefahr, das vor­her­be­stimm­te Inte­gra­ti­ons­pro­gramm zu über­schrei­ten und außer­halb ihrer Ermäch­ti­gung zu han­deln. Sie bewe­gen sich auf einem Pfad, an des­sen Ende die Ver­fü­gungs­ge­walt über ihre ver­trag­li­chen Grund­la­gen steht, das heißt die Kom­pe­tenz, über ihre Kom­pe­ten­zen zu dis­po­nie­ren. Eine Über­schrei­tung des kon­sti­tu­ti­ven Prin­zips der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung und der den Mit­glied­staa­ten zuste­hen­den kon­zep­tio­nel­len Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung droht, wenn Orga­ne der Euro­päi­schen Uni­on unbe­schränkt, ohne eine – sei es auch nur sehr zurück­ge­nom­me­ne und sich als exzep­tio­nell ver­ste­hen­de – äuße­re Kon­trol­le dar­über ent­schei­den kön­nen, wie das Ver­trags­recht aus­ge­legt wird. Es ist des­halb von Ver­fas­sungs wegen gefor­dert, ent­we­der dyna­mi­sche Ver­trags­vor­schrif­ten mit Blan­kett­cha­rak­ter nicht zu ver­ein­ba­ren oder, wenn sie noch in einer Wei­se aus­ge­legt wer­den kön­nen, die die natio­na­le Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung wahrt, jeden­falls geeig­ne­te inner­staat­li­che Siche­run­gen zur effek­ti­ven Wahr­neh­mung die­ser Ver­ant­wor­tung zu tref­fen. Das Zustim­mungs­ge­setz und die inner­staat­li­che Begleit­ge­setz­ge­bung müs­sen dem­nach so beschaf­fen sein, dass die euro­päi­sche Inte­gra­ti­on wei­ter nach dem Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung erfolgt, ohne dass für die Euro­päi­sche Uni­on die Mög­lich­keit besteht, sich der Kom­pe­tenz-Kom­pe­tenz zu bemäch­ti­gen oder die inte­gra­ti­ons­fes­te Ver­fas­sungs­iden­ti­tät der Mit­glied­staa­ten, hier des Grund­ge­set­zes, zu ver­let­zen. Für Grenz­fäl­le des noch ver­fas­sungs­recht­lich Zuläs­si­gen muss der deut­sche Gesetz­ge­ber gege­be­nen­falls mit sei­nen die Zustim­mung beglei­ten­den Geset­zen wirk­sa­me Vor­keh­run­gen dafür tref­fen, dass die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung der Gesetz­ge­bungs­or­ga­ne sich hin­rei­chend ent­fal­ten kann.
Zu den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­la­gen der Mit­glied­schaft Deutsch­lands in der Wäh­rungs­uni­on und der Über­tra­gung von Kom­pe­ten­zen auf die Euro­päi­sche Zen­tral­bank hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt schließ­lich fest­ge­stellt37:
Die Ein­fluss­mög­lich­kei­ten des Bun­des­ta­ges und damit der Wäh­ler auf die Wahr­neh­mung von Hoheits­rech­ten durch euro­päi­sche Orga­ne sind aller­dings nahe­zu voll­stän­dig zurück­ge­nom­men, soweit die Euro­päi­sche Zen­tral­bank mit Unab­hän­gig­keit gegen­über der Euro­päi­schen Gemein­schaft und den Mit­glied­staa­ten aus­ge­stat­tet wird (Art. 107 EGV). Ein wesent­li­cher Poli­tik­be­reich, der mit dem Geld­wert die indi­vi­du­el­le Frei­heit stützt und mit der Geld­men­ge auch das öffent­li­che Finanz­we­sen und die davon abhän­gi­gen Poli­tik­be­rei­che bestimmt, wird der Wei­sungs­be­fug­nis von Hoheits­trä­gern und – außer­halb einer Ver­trags­än­de­rung – zugleich der gesetz­ge­be­ri­schen Kon­trol­le von Auf­ga­ben­be­rei­chen und Hand­lungs­mit­teln ent­zo­gen. Die Ver­selb­stän­di­gung der meis­ten Auf­ga­ben der Wäh­rungs­po­li­tik bei einer unab­hän­gi­gen Zen­tral­bank löst staat­li­che Hoheits­ge­walt aus unmit­tel­ba­rer staat­li­cher oder supra­na­tio­na­ler par­la­men­ta­ri­scher Ver­ant­wort­lich­keit, um das Wäh­rungs­we­sen dem Zugriff von Inter­es­sen­ten­grup­pen und der an einer Wie­der­wahl inter­es­sier­ten poli­ti­schen Man­dats­trä­ger zu ent­zie­hen38.
Die­se Ein­schrän­kung der von den Wäh­lern in den Mit­glied­staa­ten aus­ge­hen­den demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on berührt das Demo­kra­tie­prin­zip, ist jedoch als eine in Art. 88 Satz 2 GG vor­ge­se­he­ne Modi­fi­ka­ti­on die­ses Prin­zips mit Art. 79 Abs. 3 GG ver­ein­bar. Die im Blick auf die Euro­päi­sche Uni­on vor­ge­nom­me­ne Ergän­zung des Art. 88 GG gestat­tet eine Über­tra­gung von Befug­nis­sen der Bun­des­bank auf eine Euro­päi­sche Zen­tral­bank, wenn die­se den ‚stren­gen Kri­te­ri­en des Maas­trich­ter Ver­tra­ges und der Sat­zung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken hin­sicht­lich der Unab­hän­gig­keit der Zen­tral­bank und der Prio­ri­tät der Geld­wert­sta­bi­li­tät‘ ent­spricht39. Der Wil­le des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers zielt also ersicht­lich dar­auf, für die im Uni­ons-Ver­trag vor­ge­se­he­ne Wäh­rungs­uni­on eine ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge zu schaf­fen, die Ein­räu­mung der damit ver­bun­de­nen, in der dar­ge­leg­ten Wei­se unab­hän­gig gestell­ten Befug­nis­se und Insti­tu­tio­nen jedoch auch auf die­sen Fall zu begren­zen. Die­se Modi­fi­ka­ti­on des Demo­kra­tie­prin­zips im Diens­te der Siche­rung des in eine Wäh­rung gesetz­ten Ein­lö­sungs­ver­trau­ens ist ver­tret­bar, weil es der – in der deut­schen Rechts­ord­nung erprob­ten und, auch aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht, bewähr­ten – Beson­der­heit Rech­nung trägt, dass eine unab­hän­gi­ge Zen­tral­bank den Geld­wert und damit die all­ge­mei­ne öko­no­mi­sche Grund­la­ge für die staat­li­che Haus­halts­po­li­tik und für pri­va­te Pla­nun­gen und Dis­po­si­tio­nen bei der Wahr­neh­mung wirt­schaft­li­cher Frei­heits­rech­te eher sichert als Hoheits­or­ga­ne, die ihrer­seits in ihren Hand­lungs­mög­lich­kei­ten und Hand­lungs­mit­teln wesent­lich von Geld­men­ge und Geld­wert abhän­gen und auf die kurz­fris­ti­ge Zustim­mung poli­ti­scher Kräf­te ange­wie­sen sind. Inso­fern genügt die Ver­selb­stän­di­gung der Wäh­rungs­po­li­tik in der Hoheits­kom­pe­tenz einer unab­hän­gi­gen Euro­päi­schen Zen­tral­bank, die sich nicht auf ande­re Poli­tik­be­rei­che über­tra­gen lässt, den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen, nach denen das Demo­kra­tie­prin­zip modi­fi­ziert wer­den darf40.
Vor­beu­gen­der Rechts­schutz durch das Bundes­verfassungs­gericht[↑]
Für die Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­den kommt es nicht dar­auf an, ob der OMT-Beschluss bereits als außen­wirk­sa­me Maß­nah­me der Euro­päi­schen Zen­tral­bank im Sin­ne von Art. 288 Abs. 4 AEUV zu ver­ste­hen ist oder nur als Ankün­di­gung einer sol­chen Maß­nah­me. Es ist für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren auch ohne Bedeu­tung, ob die Beschwer­de­füh­rer und die Antrag­stel­le­rin durch den OMT-Beschluss im Sin­ne von Art. 263 Abs. 4 AEUV unmit­tel­bar betrof­fen sind41. Umfang und Vor­aus­set­zun­gen des Rechts­schut­zes nach natio­na­lem Recht gegen Hand­lun­gen oder Unter­las­sun­gen natio­na­ler Stel­len im Zusam­men­hang mit dem OMT-Beschluss wer­den dadurch nicht prä­ju­di­ziert42. Nach deut­schem Recht sind die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung vor­beu­gen­den Rechts­schut­zes erfüllt. In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist aner­kannt, dass zur Ver­mei­dung nicht mehr kor­ri­gier­ba­rer Fol­gen vor­beu­gen­der Rechts­schutz auch im Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gebo­ten sein kann43.
Dass von einem Voll­zug des OMT-Beschlus­ses sol­che nicht mehr kor­ri­gier­ba­ren Fol­gen aus­ge­hen könn­ten, haben die Beschwer­de­füh­rer plau­si­bel dar­ge­legt. Das Ankauf­pro­gramm erfor­dert zwar wei­te­re Durch­füh­rungs­maß­nah­men44. Es ist durch den Beschluss vom 06.09.2012 jedoch hin­rei­chend bestimmt und bedarf nach Aus­kunft der Euro­päi­schen Zen­tral­bank nur mehr einer Kon­kre­ti­sie­rung im Detail, die – wie der Ver­tre­ter der Euro­päi­schen Zen­tral­bank in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­ge­führt hat – jeder­zeit und inner­halb kür­zes­ter Fris­ten erfol­gen kann.
Der OMT-Beschluss der EZB als Ultra-vires-Akt[↑]
Ver­stie­ße der OMT-Beschluss gegen das geld- und wäh­rungs­po­li­ti­sche Man­dat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank oder gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung, läge dar­in ein Ultra-vires-Akt im Sin­ne der oben dar­ge­stell­ten Honey­well-Ent­schei­dung.
Ein hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ter Ver­stoß setzt vor­aus, dass das kom­pe­ten­z­wid­ri­ge Han­deln der Uni­ons­ge­walt offen­sicht­lich ist und der ange­grif­fe­ne Akt im Kom­pe­tenz­ge­fü­ge zu einer struk­tu­rell bedeut­sa­men Ver­schie­bung zulas­ten der Mit­glied­staa­ten führt45. Struk­tu­rell bedeut­sam sind Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen ins­be­son­de­re dann aber nicht nur, wenn sie sich auf Sach­be­rei­che erstre­cken, die zur durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Iden­ti­tät der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land rech­nen oder beson­ders vom demo­kra­tisch dis­kur­si­ven Pro­zess in den Mit­glied­staa­ten abhän­gen46.
Ein Han­deln der Euro­päi­schen Zen­tral­bank
außer­halb ihres geld- und wäh­rungs­po­li­ti­schen Man­dats oder
ein Ver­stoß gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung durch das OMT-Pro­gramm
wür­de eine offen­sicht­li­che und struk­tu­rell bedeut­sa­me Kom­pe­tenz­über­schrei­tung bedeu­ten.
Über­schrit­te die Euro­päi­sche Zen­tral­bank mit dem OMT-Beschluss ihr geld- und wäh­rungs­po­li­ti­sches Man­dat, grif­fe sie damit in die wirt­schafts­po­li­ti­sche Kom­pe­tenz der Mit­glied­staa­ten ein. Die Wirt­schafts­po­li­tik im Sin­ne des Titels VIII des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on ist, soweit sie über der Uni­on aus­drück­lich zuge­wie­se­ne Son­der­zu­stän­dig­kei­ten (z.B. Art. 121, 122, 126 AEUV) hin­aus­geht, ein­deu­tig dem Kom­pe­tenz­be­reich der Mit­glied­staa­ten zuge­ord­net. Die Euro­päi­sche Uni­on ist – abge­se­hen von ein­zel­nen ins­be­son­de­re im Drit­ten Teil des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on gere­gel­ten Aus­nah­men – im Bereich der Wirt­schafts­po­li­tik im Wesent­li­chen auf eine Koor­di­nie­rung der Wirt­schafts­po­li­tik der Mit­glied­staa­ten beschränkt (Art. 119 Abs. 1 AEUV). Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank darf die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on ledig­lich unter­stüt­zen (Art. 119 Abs. 2, Art. 127 Abs. 1 Satz 2 AEUV; Art. 2 Satz 2 ESZB-Sat­zung). Zu einer eigen­stän­di­gen Wirt­schafts­po­li­tik ist sie nicht ermäch­tigt. Geht man – vor­be­halt­lich der Aus­le­gung durch den Gerichts­hof – davon aus, dass der OMT-Beschluss als eigen­stän­di­ge wirt­schafts­po­li­ti­sche Maß­nah­me zu qua­li­fi­zie­ren ist, ver­stößt er offen­sicht­lich gegen die­se Kom­pe­tenz­ver­tei­lung.
Ein sol­cher Akt wäre auch struk­tu­rell bedeut­sam. Dies folgt ins­be­son­de­re aus dem Umstand, dass der – inso­weit funk­tio­nal äqui­va­len­te – OMT-Beschluss Hilfs­maß­nah­men im Rah­men der "Euro­ret­tungs­po­li­tik" über­la­gern kann, wel­che auf­grund ihrer erheb­li­chen finanz- und all­ge­mein­po­li­ti­schen Reich­wei­te zum Kern­be­reich der wirt­schafts­po­li­ti­schen Kom­pe­tenz der Mit­glied­staa­ten zu rech­nen sind (vgl. Art. 136 Abs. 3 AEUV). Ent­schei­dun­gen über die Aus­wahl von Instru­men­ten zur Sta­bi­li­sie­rung der Wäh­rungs­uni­on oder über die Zusam­men­set­zung des Euro-Wäh­rungs­ge­biets hän­gen in beson­de­rer Wei­se vom demo­kra­ti­schen Pro­zess in den Mit­glied­staa­ten ab. Dar­über hin­aus könn­ten Hand­lun­gen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank in die­sem Bereich gegen­läu­fi­ge Ent­schei­dun­gen der Mit­glied­staa­ten poli­tisch nicht mehr umsetz­bar oder jeden­falls nicht mehr sinn­voll erschei­nen las­sen.
Struk­tu­rell bedeut­sam sind Maß­nah­men der im OMT-Beschluss ange­kün­dig­ten Art ins­be­son­de­re des­halb, weil sie zu einer erheb­li­chen Umver­tei­lung zwi­schen den Haus­hal­ten und damit den Steu­er­zah­lern der Mit­glied­staa­ten füh­ren kön­nen und damit Züge eines Finanz­aus­gleichs tra­gen, den die euro­päi­schen Ver­trä­ge nicht vor­se­hen. Kon­sti­tu­tiv für die Aus­ge­stal­tung der Wäh­rungs­uni­on ist gera­de die Eigen­stän­dig­keit der natio­na­len Haus­hal­te, die einer direk­ten oder indi­rek­ten gemein­sa­men Haf­tung der Mit­glied­staa­ten für Staats­schul­den ent­ge­gen­steht (vgl. Art. 125 AEUV)47.
Soll­te der OMT-Beschluss gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung ver­sto­ßen, läge auch dar­in eine offen­sicht­li­che und struk­tu­rell bedeut­sa­me Kom­pe­tenz­über­schrei­tung.
Der Ver­stoß wäre offen­sicht­lich, weil im Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on ein aus­drück­li­ches Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung nor­miert ist und der Ver­trag Kom­pe­ten­zen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank inso­weit zwei­fels­frei aus­schließt48. Der Ver­stoß wäre auch struk­tu­rell bedeut­sam. Das gel­ten­de Inte­gra­ti­ons­pro­gramm gestal­tet die Wäh­rungs­uni­on als Sta­bi­li­täts­ge­mein­schaft aus. Dies ist, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt her­vor­ge­ho­ben hat49, wesent­li­che Grund­la­ge für die Betei­li­gung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land an der Wäh­rungs­uni­on. Das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung ist eine der zen­tra­len Regeln, die eine Aus­ge­stal­tung der Wäh­rungs­uni­on als Sta­bi­li­täts­uni­on gewähr­leis­ten. Dane­ben sichert es die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges ab50.
Hand­lungs- und Unter­las­sungs­pflich­ten deut­scher Staats­or­ga­ne[↑]
Ein Ultra-vires-Akt im obi­gen Sin­ne löst Unter­las­sungs- und Hand­lungs­pflich­ten deut­scher Staats­or­ga­ne aus. Die­se sind vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jeden­falls inso­weit ein­klag­bar, als sie sich auf Ver­fas­sungs­or­ga­ne bezie­hen.
Han­delt ein Organ oder eine sons­ti­ge Stel­le der Euro­päi­schen Uni­on in dem dar­ge­leg­ten Sin­ne ultra vires, so dür­fen des­we­gen deut­sche Ver­fas­sungs­or­ga­ne, Behör­den und Gerich­te an der kom­pe­tenz­über­schrei­ten­den Hand­lung nicht mit­wir­ken. Das gilt auch für die Deut­sche Bun­des­bank.
Der Deut­sche Bun­des­tag und die Bun­des­re­gie­rung dür­fen dar­über hin­aus eine offen­sicht­li­che und struk­tu­rell bedeut­sa­me Usur­pa­ti­on von Hoheits­rech­ten durch Orga­ne der Euro­päi­schen Uni­on nicht ein­fach gesche­hen las­sen.
Die Mit­glied­staa­ten und ihre Ver­fas­sungs­or­ga­ne tra­gen – neben den Orga­nen der Euro­päi­schen Uni­on – Ver­ant­wor­tung für die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms (Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung)51. Die­se Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men, ist in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Auf­ga­be aller Ver­fas­sungs­or­ga­ne.
Der Wah­rung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung dient unter ande­rem der beson­de­re Geset­zes­vor­be­halt des Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG, wonach Hoheits­rech­te nur durch Gesetz und mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes über­tra­gen wer­den kön­nen52. Das Grund­ge­setz ermäch­tigt die deut­schen Staats­or­ga­ne auch nicht Hoheits­rech­te der­art zu über­tra­gen, dass aus ihrer Aus­übung her­aus eigen­stän­dig wei­te­re Zustän­dig­kei­ten für die Euro­päi­sche Uni­on begrün­det wer­den kön­nen. Es unter­sagt die Über­tra­gung der Kom­pe­tenz-Kom­pe­tenz53. Das Par­la­ment darf des­halb die Befug­nis zur Ent­schei­dung dar­über, ob und in wel­chem Umfang Hoheits­rech­te über­tra­gen wer­den sol­len, nicht auf­ge­ben oder Orga­nen der Euro­päi­schen Uni­on zur Aus­übung über­las­sen. Es ist viel­mehr ver­pflich­tet, selbst und in einem förm­li­chen Ver­fah­ren über die Über­tra­gung von Kom­pe­ten­zen im Rah­men der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on zu ent­schei­den, damit das ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung nicht unter­lau­fen wer­den kann.
Aus der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung erwächst für den Deut­schen Bun­des­tag und die Bun­des­re­gie­rung die Pflicht, über die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms zu wachen und bei offen­sicht­li­chen und struk­tu­rell bedeut­sa­men Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen durch Orga­ne der Euro­päi­schen Uni­on nicht nur Mit­wir­kungs- und Umset­zungs­hand­lun­gen zu unter­las­sen, son­dern aktiv auf die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms hin­zu­wir­ken. Sie kön­nen dafür die Kom­pe­tenz­an­ma­ßung nach­träg­lich legi­ti­mie­ren, indem sie eine – die Gren­zen von Art. 79 Abs. 3 GG wah­ren­de – ent­spre­chen­de Ände­rung des Pri­mär­rechts ansto­ßen und die in Anspruch genom­me­nen Hoheits­rech­te im Ver­fah­ren nach Art. 23 Abs. 1 Sät­ze 2 und 3 GG förm­lich über­tra­gen. Soweit dies nicht mög­lich oder nicht gewollt ist, sind sie dage­gen grund­sätz­lich ver­pflich­tet, im Rah­men ihrer jewei­li­gen Kom­pe­ten­zen mit recht­li­chen oder mit poli­ti­schen Mit­teln auf die Auf­he­bung vom Inte­gra­ti­ons­pro­gramm nicht gedeck­ter Maß­nah­men hin­zu­wir­ken sowie – solan­ge die Maß­nah­men fort­wir­ken – geeig­ne­te Vor­keh­run­gen dafür zu tref­fen, dass die inner­staat­li­chen Aus­wir­kun­gen der Maß­nah­men so weit wie mög­lich begrenzt blei­ben.
Ein Ver­stoß gegen die­se aus der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung resul­tie­ren­den Pflich­ten von Deut­schem Bun­des­tag und Bun­des­re­gie­rung ver­letzt sub­jek­ti­ve, mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rüge­fä­hi­ge Rech­te der Wahl­be­rech­tig­ten und kann Gegen­stand eines Organ­streits sein.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erschöpft sich das dem Ein­zel­nen garan­tier­te Wahl­recht zum Deut­schen Bun­des­tag aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG nicht in einer for­ma­len Legi­ti­ma­ti­on der (Bundes-)Staatsgewalt, son­dern umfasst auch den grund­le­gen­den demo­kra­ti­schen Gehalt des Wahl­rechts54. Die­ses ver­mit­telt dem Ein­zel­nen einen Anspruch dar­auf, mit sei­ner Wahl­ent­schei­dung Ein­fluss auf die poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung neh­men und etwas bewir­ken zu kön­nen. Es schützt die wahl­be­rech­tig­ten Bür­ger im Anwen­dungs­be­reich von Art. 23 GG davor, dass die durch die Wahl bewirk­te Legi­ti­ma­ti­on von Staats­ge­walt und Ein­fluss­nah­me auf deren Aus­übung durch die Ver­la­ge­rung von Auf­ga­ben und Befug­nis­sen des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf die euro­päi­sche Ebe­ne so ent­leert wird, dass das Demo­kra­tie­prin­zip ver­letzt wird55.
Die­ser mate­ri­el­le Gewähr­leis­tungs­ge­halt ist ver­letzt, wenn das Wahl­recht in einem für die poli­ti­sche Selbst­be­stim­mung des Vol­kes wesent­li­chen Bereich leer­zu­lau­fen droht, das heißt, wenn die demo­kra­ti­sche Selbst­re­gie­rung des Vol­kes – ver­kör­pert vor allem durch den Deut­schen Bun­des­tag – dau­er­haft der­art ein­ge­schränkt wird, dass zen­tra­le poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen nicht mehr selb­stän­dig getrof­fen wer­den kön­nen56. Dage­gen gewährt Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG kei­nen Anspruch auf eine über die Siche­rung der oben genann­ten Rech­te hin­aus­ge­hen­de Recht­mä­ßig­keits­kon­trol­le demo­kra­ti­scher Mehr­heits­ent­schei­dun­gen durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Das Wahl­recht dient nicht der inhalt­li­chen Kon­trol­le demo­kra­ti­scher Pro­zes­se, son­dern ist auf deren Ermög­li­chung gerich­tet57.
Gegen­über offen­sicht­li­chen und struk­tu­rell bedeut­sa­men Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen durch die Euro­päi­schen Orga­ne hat die­ser Schutz vor einer Ero­si­on der sub­stan­ti­el­len Gestal­tungs­macht des Par­la­ments nicht nur eine inhalt­li­che, son­dern auch eine ver­fah­rens­mä­ßi­ge Kom­po­nen­te. Der wahl­be­rech­tig­te Bür­ger hat zur Siche­rung sei­ner demo­kra­ti­schen Ein­fluss­mög­lich­keit im Pro­zess der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG grund­sätz­lich ein Recht dar­auf, dass eine Ver­la­ge­rung von Hoheits­rech­ten nur in den dafür vor­ge­se­he­nen For­men von Art. 23 Abs. 1 Sät­ze 2 und 3, Art. 79 Abs. 2 GG geschieht. Der demo­kra­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zess, den die­se Rege­lun­gen neben der gebo­te­nen Bestimmt­heit der Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten58 gewähr­leis­ten, wird bei einer eigen­mäch­ti­gen Kom­pe­tenz­an­ma­ßung von Orga­nen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on unter­lau­fen. Der Bür­ger kann des­halb ver­lan­gen, dass Bun­des­tag und Bun­des­re­gie­rung sich aktiv mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen, wie die Kom­pe­tenz­ord­nung wie­der­her­ge­stellt wer­den kann, und eine posi­ti­ve Ent­schei­dung dar­über her­bei­füh­ren, wel­che Wege dafür beschrit­ten wer­den sol­len.
Ent­spre­chen­des gilt für den Organ­streit. Die in Art. 23 GG ver­an­ker­te Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung umfasst Rech­te und Pflich­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges, deren Ver­let­zung die Frak­tio­nen im Wege der Pro­zess­stand­schaft (§ 64 Abs. 1 BVerfGG) im eige­nen Namen auch gegen­über dem Par­la­ment selbst gel­tend machen kön­nen59. Der Deut­sche Bun­des­tag darf auf die Rech­te und Pflich­ten, die ihn im Rah­men der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on tref­fen, nicht ver­zich­ten und gegen­über einer dro­hen­den Ero­si­on sei­ner Gestal­tungs­macht durch Kom­pe­ten­zu­sur­pa­tio­nen von Orga­nen und Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on nicht untä­tig blei­ben. Wird er sei­ner Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung nicht gerecht, kön­nen die Frak­tio­nen – im Wege der Pro­zess­stand­schaft – dage­gen vor­ge­hen.
Inter­pre­ta­ti­on des Uni­ons­rechts durch das Bundes­verfassungs­gericht[↑]
Der OMT-Beschluss stellt sich als Ent­schei­dung über ex ante nicht begrenz­te, poli­tisch kon­di­tio­nier­te Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes dar, deren vor­ran­gi­ges Ziel (oder zumin­dest not­wen­di­ges Zwi­schen­ziel) die Sen­kung der von den begüns­tig­ten Mit­glied­staa­ten auf den Kapi­tal­märk­ten zu zah­len­den Zin­sen für neue Staats­an­lei­hen ist. Vor­be­halt­lich der Aus­le­gung durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ist er nach Ein­schät­zung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mit Art. 119 und Art. 127 Abs. 1 und Abs. 2 AEUV und Art. 17 ff. der ESZB-Sat­zung unver­ein­bar,
weil er über das in den genann­ten Vor­schrif­ten gere­gel­te Man­dat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank hin­aus­geht und in die Zustän­dig­kei­ten der Mit­glied­staa­ten für die Wirt­schafts­po­li­tik über­greift.
Er erscheint fer­ner mit dem in Art. 123 AEUV ver­an­ker­ten Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung unver­ein­bar.
An bei­dem dürf­te die Beru­fung der Euro­päi­schen Zen­tral­bank auf eine "Stö­rung des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus" nichts ändern. Dem­ge­mäß hät­ten die Anträ­ge vor­aus­sicht­lich Erfolg. Eine ande­re Ein­schät­zung könn­te hin­ge­gen gebo­ten sein, wenn der OMT-Beschluss pri­mär­rechts­kon­form aus­ge­legt wer­den könn­te.
Über­schrei­tung des Man­dats der Euro­päi­schen Zen­tral­bank[↑]
Art. 119 und Art. 127 ff. AEUV und Art. 17 ff. ESZB-Sat­zung ent­hal­ten grund­sätz­lich ein auf die Wäh­rungs­po­li­tik beschränk­tes Man­dat für das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken im All­ge­mei­nen und die Euro­päi­sche Zen­tral­bank im Beson­de­ren60. Dane­ben ist es dem Euro­päi­schen Sys­tem der Zen­tral­ban­ken ledig­lich erlaubt, die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on zu unter­stüt­zen. Nach die­sen Grund­sät­zen dürf­te der OMT-Beschluss nicht vom Man­dat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank gedeckt sein.
Für die Zustän­dig­kei­ten des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken gilt das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung. Nach dem Ver­trag über die Euro­päi­sche Uni­on und dem Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on ist die Euro­päi­sche Zen­tral­bank für die Wäh­rungs­po­li­tik zustän­dig. Die Zustän­dig­keit für die Wirt­schafts­po­li­tik liegt bis auf ein­zel­ne Fäl­le hin­ge­gen bei den Mit­glied­staa­ten.
Die Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und den Mit­glied­staa­ten folgt dem Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung (Art. 5 Abs. 1 und Abs. 2 EUV). Das gilt auch für Auf­ga­ben und Befug­nis­se, die die Ver­trä­ge dem Euro­päi­schen Sys­tem der Zen­tral­ban­ken zuwei­sen, das aus der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und den natio­na­len Zen­tral­ban­ken besteht (Art. 282 Abs. 1 Satz 1 AEUV). Die­ses Man­dat muss, um demo­kra­ti­schen Anfor­de­run­gen zu genü­gen, eng begrenzt sein. Die Beach­tung sei­ner Gren­zen unter­liegt in vol­lem Umfang gericht­li­cher Kon­trol­le; die­se obliegt zuvör­derst dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, des­sen Auf­ga­be es ist, die Wah­rung des Rechts bei der Aus­le­gung und Anwen­dung der Ver­trä­ge zu sichern (Art.19 Abs. 1 EUV).
Die Unab­hän­gig­keit, die die Euro­päi­sche Zen­tral­bank und die natio­na­len Noten­ban­ken bei der Aus­übung der ihnen über­tra­ge­nen Befug­nis­se genie­ßen (Art. 130, Art. 282 Abs. 3 Sät­ze 3 und 4 AEUV), stellt eine Durch­bre­chung der vom Grund­ge­setz for­mu­lier­ten Anfor­de­run­gen an die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on poli­ti­scher Ent­schei­dun­gen dar. Für Deutsch­land hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass die mit der Über­tra­gung wäh­rungs­po­li­ti­scher Kom­pe­ten­zen auf eine unab­hän­gi­ge Euro­päi­sche Zen­tral­bank ein­her­ge­hen­de Ein­schrän­kung der von den Wäh­lern in den Mit­glied­staa­ten aus­ge­hen­den demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on das Demo­kra­tie­prin­zip berührt. Sie ist jedoch mit demo­kra­ti­schen Grund­sät­zen noch ver­ein­bar, weil sie der erprob­ten und wis­sen­schaft­lich beleg­ten Beson­der­heit der Wäh­rungs­po­li­tik Rech­nung trägt, dass eine unab­hän­gi­ge Zen­tral­bank den Geld­wert und damit die all­ge­mei­ne öko­no­mi­sche Grund­la­ge für die staat­li­che Haus­halts­po­li­tik eher sichert als Hoheits­or­ga­ne, die in ihrem Han­deln von Geld­men­ge und Geld­wert abhän­gen und auf die kurz­fris­ti­ge Zustim­mung poli­ti­scher Kräf­te ange­wie­sen sind. Die so begrün­de­te ver­fas­sungs­recht­li­che Bil­li­gung der Unab­hän­gig­keit einer Euro­päi­schen Zen­tral­bank ist jedoch auf den Bereich einer vor­ran­gig sta­bi­li­täts­ori­en­tier­ten Geld­po­li­tik beschränkt und lässt sich auf ande­re Poli­tik­be­rei­che nicht über­tra­gen (vgl. dazu für die deut­sche Ver­fas­sung Art. 88 Satz 2 GG)61.
Die Unab­hän­gig­keit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank steht einer gericht­li­chen Kon­trol­le bei der Abgren­zung ihrer Zustän­dig­kei­ten nicht ent­ge­gen62. Die von Art. 130, Art. 282 Abs. 3 Sät­ze 3 und 4 AEUV gewähr­leis­te­te Unab­hän­gig­keit bezieht sich nur auf die der Euro­päi­schen Zen­tral­bank durch die Ver­trä­ge ein­ge­räum­ten Befug­nis­se und deren inhalt­li­che Aus­ge­stal­tung, nicht aber auf die Bestim­mung von Umfang und Reich­wei­te ihres Man­dats. Es wäre mit dem Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung (Art. 5 Abs. 2 EUV) nicht ver­ein­bar, wenn ein Organ der Euro­päi­schen Uni­on die ihm über­tra­ge­nen Kom­pe­ten­zen selbst fest­le­gen könn­te. Über­dies kann die Abgren­zung der Zustän­dig­kei­ten der Euro­päi­schen Zen­tral­bank auch des­halb nicht von gericht­li­cher Kon­trol­le frei­ge­stellt sein, weil die Euro­päi­sche Zen­tral­bank sonst über die Mög­lich­keit ver­füg­te, ihre eige­nen Kom­pe­ten­zen nach Belie­ben zu erwei­tern.
Nach Art. 3 Abs. 1 Buch­sta­be c AEUV besitzt die Euro­päi­sche Uni­on für die Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes die aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit im Bereich der Wäh­rungs­po­li­tik. Zwar defi­nie­ren die Ver­trä­ge weder den Begriff der Wäh­rungs­po­li­tik noch den Begriff der Geld­po­li­tik63. Die­se Zustän­dig­keit wird jedoch durch den Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on und die ESZB-Sat­zung kon­kre­ti­siert.
Vor­ran­gi­ges Ziel des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken ist es, die Preis­sta­bi­li­tät zu gewähr­leis­ten (Art. 127 Abs. 1 Satz 1, Art. 282 Abs. 2 Satz 2 AEUV). Grund­le­gen­de Auf­ga­ben des Sys­tems sind nach Art. 127 Abs. 2 AEUV
die Fest­le­gung und Aus­füh­rung der Geld­po­li­tik (1. Spie­gel­strich),
die Durch­füh­rung von Devi­sen­ge­schäf­ten (2. Spie­gel­strich),
das Hal­ten und Ver­wal­ten der offi­zi­el­len Wäh­rungs­re­ser­ven der Mit­glied­staa­ten (3. Spie­gel­strich) sowie
die För­de­rung des rei­bungs­lo­sen Funk­tio­nie­rens der Zah­lungs­sys­te­me (4. Spie­gel­strich).
Die Sat­zung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank kon­kre­ti­siert in ihrem Kapi­tel IV die wäh­rungs­po­li­ti­schen Auf­ga­ben und Ope­ra­tio­nen des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken und ermäch­tigt die­ses
zur Eröff­nung von Kon­ten (Art. 17 ESZB-Sat­zung),
Offen­markt- und Kre­dit­ge­schäf­ten (Art. 18 ESZB-Sat­zung),
zur Fest­le­gung von Min­dest­re­ser­ven (Art. 19 ESZB-Sat­zung) und
zur Anwen­dung ande­rer Instru­men­te der Geld­po­li­tik (Art.20 ESZB-Sat­zung).
Nach Art. 22 ESZB-Sat­zung kön­nen die Euro­päi­sche Zen­tral­bank und die natio­na­len Zen­tral­ban­ken fer­ner Ein­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung stel­len bezie­hungs­wei­se die Euro­päi­sche Zen­tral­bank Ver­ord­nun­gen erlas­sen, um effi­zi­en­te und zuver­läs­si­ge Ver­rech­nungs- und Zah­lungs­sys­te­me inner­halb der Uni­on und im Ver­kehr mit drit­ten Län­dern zu gewähr­leis­ten. Art. 23 ESZB-Sat­zung ermäch­tigt sie zu Geschäf­ten mit Dritt­staa­ten und inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, Art. 24 ESZB-Sat­zung zu sons­ti­gen fis­ka­li­schen Hilfs­ge­schäf­ten.
Die Wäh­rungs­po­li­tik ist nach Wort­laut, Sys­te­ma­tik und Ziel­set­zung der Ver­trä­ge ins­be­son­de­re von der pri­mär den Mit­glied­staa­ten zuste­hen­den Wirt­schafts­po­li­tik abzu­gren­zen und erfährt dadurch ihre nähe­re Bestim­mung. Für die Abgren­zung kommt es auf die objek­tiv zu bestim­men­de unmit­tel­ba­re Ziel­set­zung einer Maß­nah­me, die zur Errei­chung die­ses Ziels gewähl­ten Mit­tel sowie ihre Ver­bin­dung zu ande­ren Rege­lun­gen an64.
Für die kom­pe­ten­zi­el­le Ein­ord­nung ist dem­nach zum einen ent­schei­dend, ob die Maß­nah­me unmit­tel­bar wirt­schafts­po­li­ti­sche Zie­le ver­folgt. In der Rechts­sa­che Pring­le hat der Gerichts­hof dies für den Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus bejaht, weil die­ser die Sta­bi­li­sie­rung des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes ins­ge­samt zum Ziel habe. Eine sol­che Maß­nah­me kön­ne nicht allein des­halb einer wäh­rungs­po­li­ti­schen Maß­nah­me gleich­ge­stellt wer­den, weil sie mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf die Sta­bi­li­tät des Euro haben kön­ne65. Bei Zugrun­de­le­gung die­ser Recht­spre­chung kön­nen Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen nicht allein des­halb als wäh­rungs­po­li­ti­sche Maß­nah­men qua­li­fi­ziert wer­den, weil sie mit­tel­bar auch Zie­le der Wäh­rungs­po­li­tik ver­fol­gen.
Es kommt jedoch nicht nur auf die Ziel­set­zung, son­dern auch auf die zur Ziel­er­rei­chung gewähl­ten Mit­tel und ihre Effek­te an. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­ho­fes sind Maß­nah­men der Wäh­rungs­po­li­tik etwa die Fest­set­zung der Leit­zins­sät­ze für das Euro-Wäh­rungs­ge­biet und die Aus­ga­be von Euro-Mün­zen oder –bank­no­ten66. Dage­gen gehört die Gewäh­rung von Finanz­hil­fen "offen­kun­dig" nicht zur Wäh­rungs­po­li­tik67. Soweit das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken daher Finanz­hil­fen gewährt, betreibt es eine der Euro­päi­schen Uni­on unter­sag­te Wirt­schafts­po­li­tik.
Schließ­lich kommt es auf die Ver­bin­dung der ein­zu­ord­nen­den Maß­nah­me zu sons­ti­gen Rege­lun­gen an. Ins­be­son­de­re kön­nen Bezug­nah­men einer Maß­nah­me auf ande­re Rege­lun­gen und die Ein­bet­tung der Maß­nah­me in eine aus meh­re­ren Ein­zel­maß­nah­men bestehen­de Gesamt­re­ge­lung die Zuge­hö­rig­keit zur Wirt­schafts- bezie­hungs­wei­se Wäh­rungs­po­li­tik indi­zie­ren. So hat der Gerichts­hof mit Blick auf den Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus dar­auf abge­stellt, dass der auf den Abschluss des ESM-Ver­tra­ges gerich­te­te Beschluss 2011/​199 des Euro­päi­schen Rates vom 25.03.2011 wegen sei­ner Bezug­nah­me auf die wirt­schafts­po­li­ti­schen Bestim­mun­gen des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on sowie die Sekun­där­rechts­ak­te des soge­nann­ten Six-Packs als ein ergän­zen­der Teil des neu­en Rege­lungs­rah­mens für die Ver­stär­kung der wirt­schafts­po­li­ti­schen Steue­rung der Uni­on anzu­se­hen ist und für eine Zuge­hö­rig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zum Bereich der Wirt­schafts­po­li­tik spricht68.
Die Kon­trol­le der Haus­halts­po­li­tik ist jeden­falls nicht Bestand­teil der Wäh­rungs­po­li­tik. Die Ver­trä­ge sehen eine Ein­bin­dung des Sys­tems der Euro­päi­schen Zen­tral­ban­ken in die Wirt­schafts- und Haus­halts­po­li­tik nur in sehr begrenz­tem Umfang vor, näm­lich bei der Anhö­rung im Defi­zit­ver­fah­ren (Art. 126 Abs. 14 Uabs. 2 AEUV). Ver­gleich­ba­res gilt, soweit im Zuge der Finanz- und Staats­schul­den­kri­se auf sekun­där­recht­li­cher Ebe­ne (vgl. Art. 11 Abs. 3 VO (EU) Nr. 1175/​2011 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.11.2011 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG Nr.) 1466/​97 des Rates über den Aus­bau der haus­halts­po­li­ti­schen Über­wa­chung und der Über­wa­chung und Koor­di­nie­rung der Wirt­schafts­po­li­ti­ken69; Art. 13 Abs. 3 VO (EU) Nr. 1176/​2011 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.11.2011 über die Ver­mei­dung und Kor­rek­tur makro­öko­no­mi­scher Ungleich­ge­wich­te70; Art. 10a Abs. 3 VO (EU) Nr. 1177/​2011 des Rates vom 08.11.2011 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1467/​97 über die Beschleu­ni­gung und Klä­rung des Ver­fah­rens bei einem über­mä­ßi­gen Defi­zit71) sowie außer­halb des Uni­ons­rechts (vgl. Art. 12 Abs. 1 Satz 2 des Ver­tra­ges über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on) Mög­lich­kei­ten geschaf­fen wor­den sind, einen Ver­tre­ter der Euro­päi­schen Zen­tral­bank an Über­wa­chungs­mis­sio­nen der soge­nann­ten Troi­ka zu betei­li­gen. Auf die pri­mär­recht­li­che Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen der Uni­on und den Mit­glied­staa­ten hat dies jedoch offen­kun­dig kei­ne Aus­wir­kun­gen.
Die Zustän­dig­keit für die Wirt­schafts­po­li­tik im Sin­ne des Titels VIII des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on liegt – soweit sie über der Uni­on aus­drück­lich zuge­wie­se­ne Son­der­zu­stän­dig­kei­ten (z.B. Art. 121, 122, 126 AEUV) hin­aus­geht – viel­mehr bei den Mit­glied­staa­ten. Sie sind nament­lich für die Fest­le­gung der Zie­le und die Wahl der Instru­men­te der Wirt­schafts­po­li­tik zustän­dig (Art. 5 Abs. 1, Art. 120 ff. AEUV). Die Rol­le der Uni­on ist inso­weit gemäß Art. 2 Abs. 3 und Art. 5 Abs. 1 AEUV auf den Erlass von Koor­di­nie­rungs­maß­nah­men beschränkt72. Das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken ist ledig­lich befugt, die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on zu unter­stüt­zen, soweit dies ohne Beein­träch­ti­gung des Ziels der Preis­sta­bi­li­tät mög­lich ist (Art. 119 Abs. 2, Art. 127 Abs. 1 Satz 2, Art. 282 Abs. 2 Satz 3 AEUV). Die Befug­nis zur Unter­stüt­zung der all­ge­mei­nen Wirt­schafts­po­li­tik der Mit­glied­staa­ten auf unio­na­ler Ebe­ne (Art. 127 Abs. 1 Satz 2 AEUV) recht­fer­tigt eine len­ken­de Gestal­tung der Wirt­schafts­po­li­tik durch das Sys­tem der Euro­päi­schen Zen­tral­ban­ken nicht.
Nach die­sen Grund­sät­zen dürf­te der OMT-Beschluss – legt man sei­nen Wort­laut zugrun­de – nicht vom Man­dat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank gedeckt sein. Er stellt sich auf der Grund­la­ge einer Gesamt­schau der nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts maß­geb­li­chen Abgren­zungs­kri­te­ri­en nicht mehr als wäh­rungs­po­li­ti­sche, son­dern als über­wie­gend wirt­schafts­po­li­ti­sche Maß­nah­me dar. Hier­für spre­chen
sei­ne unmit­tel­ba­re Ziel­set­zung,
sei­ne Selek­ti­vi­tät,
die Par­al­le­li­tät mit Hilfs­pro­gram­men der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät bezie­hungs­wei­se des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus sowie
das Risi­ko, deren Ziel­set­zung und Auf­la­gen zu unter­lau­fen.
Der OMT-Beschluss dürf­te sich daher auch nicht als Maß­nah­me zu Unter­stüt­zung der Wirt­schafts­po­li­tik der Uni­on recht­fer­ti­gen las­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund bestehen erheb­li­che Zwei­fel an sei­ner Gül­tig­keit.
Mit dem OMT-Beschluss sol­len Zins­auf­schlä­ge auf Staats­an­lei­hen ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes neu­tra­li­siert wer­den, die sich an den Märk­ten her­aus­ge­bil­det haben und die die Refi­nan­zie­rung die­ser Mit­glied­staa­ten belas­ten73.
Nach Auf­fas­sung der Euro­päi­schen Zen­tral­bank beru­hen die­se Zins­auf­schlä­ge teil­wei­se auf einer – als irra­tio­nal bezeich­ne­ten – Furcht der Anle­ger vor einer Rever­si­bi­li­tät des Euro. Nach der über­zeu­gen­den Exper­ti­se der Bun­des­bank spie­geln sol­che Zins­auf­schlä­ge aller­dings nur die Skep­sis der Markt­teil­neh­mer wider, dass ein­zel­ne Mit­glied­staa­ten eine hin­rei­chen­de Haus­halts­dis­zi­plin ein­hal­ten kön­nen, um dau­er­haft zah­lungs­fä­hig zu blei­ben. Sie sind nach der Kon­zep­ti­on des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on durch­aus beab­sich­tigt. Denn sie sind Aus­druck der auf Markt­an­rei­ze set­zen­den Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der natio­na­len Haus­hal­te, wie sie auch der Gerichts­hof in sei­ner Pring­le-Ent­schei­dung betont hat, und kön­nen nicht durch Anlei­hen­käu­fe der Noten­ban­ken gesenkt wer­den, ohne dass die­se Eigen­ver­ant­wort­lich­keit außer Kraft gesetzt wird74. Jeden­falls las­sen sich nach den Aus­füh­run­gen der Bun­des­bank Zins­auf­schlä­ge in der Pra­xis nicht in einen ratio­na­len und einen irra­tio­na­len Teil tren­nen75.
Soweit sich die Euro­päi­sche Zen­tral­bank dar­auf beruft, mit dem OMT-Beschluss die aktu­el­le Zusam­men­set­zung des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes sicher­zu­stel­len76, ist dies offen­kun­dig kei­ne Auf­ga­be der Wäh­rungs­po­li­tik, son­dern der in der Zustän­dig­keit der Mit­glied­staa­ten ver­blie­be­nen Wirt­schafts­po­li­tik. Die Ent­schei­dun­gen über die Zusam­men­set­zung des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes oblie­gen nach Art. 140 AEUV dem Rat, dem Euro­päi­schen Par­la­ment, der Kom­mis­si­on und den Mit­glied­staa­ten; der Euro­päi­schen Zen­tral­bank kommt inso­weit ledig­lich ein Anhö­rungs­recht bei Ent­schei­dun­gen über die Auf­he­bung der Aus­nah­me­re­ge­lun­gen nach Art. 139 AEUV, also für den Bei­tritt eines wei­te­ren Mit­glied­staats zum Euro-Wäh­rungs­ge­biet (Art. 140 Abs. 3 AEUV), zu. Die­ser Zustän­dig­keits­ver­tei­lung ent­spre­chend haben die Mit­glied­staa­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren viel­fäl­ti­ge Maß­nah­men ergrif­fen, um die öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen für einen dau­er­haf­ten Zusam­men­halt des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes sicher­zu­stel­len. Sie haben ein­an­der bila­te­ra­le Hil­fen gewährt, die Euro­päi­sche Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät errich­tet77 und schließ­lich auf der Grund­la­ge des neu in den Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on auf­ge­nom­me­nen Art. 136 Abs. 3 AEUV den Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus geschaf­fen. Des­sen wesent­li­che Ziel­set­zung besteht dar­in, durch die Kom­bi­na­ti­on von Hilfs­maß­nah­men und Reform­auf­la­gen für ein­zel­ne Mit­glied­staa­ten eine Rever­si­bi­li­tät des Euro zu ver­hin­dern78. Auch der Euro-Plus-Pakt79 und der Ver­trag über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on80 die­nen die­sem Ziel.
Dass dem OMT-Beschluss kei­ne wäh­rungs­po­li­ti­sche Ziel­set­zung zugrun­de liegt, wird fer­ner durch sei­ne Selek­ti­vi­tät nahe­ge­legt. Nach den von der Euro­päi­schen Zen­tral­bank beschlos­se­nen Leit­li­ni­en ist dem geld­po­li­ti­schen Hand­lungs­rah­men des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken eine geziel­te und damit not­wen­di­ger­wei­se zwi­schen ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten dif­fe­ren­zie­ren­de Vor­ge­hens­wei­se grund­sätz­lich fremd (Anhang I Nr. 1.1 der Leit­li­nie EZB/​2011/​1481). Wäh­rungs­po­li­ti­sche Maß­nah­men wie die Ver­än­de­rung der Leit­zin­sen oder des Min­dest­re­ser­ve­sat­zes gel­ten für alle Mit­glied­staa­ten bezie­hungs­wei­se die dort ansäs­si­gen Geschäfts­ban­ken glei­cher­ma­ßen. Hier­aus fol­gen­de unter­schied­li­che Effek­te sind eine Fol­ge der vom Uni­ons­recht vor­aus­ge­setz­ten offe­nen Markt­wirt­schaft (Art. 127 Abs. 1 Satz 3 AEUV) und ein vom Euro­päi­schen Sys­tem der Zen­tral­ban­ken nur bedingt steu­er­ba­rer, mit­tel­ba­rer Effekt. Indem der OMT-Beschluss jedoch einen gezielt-selek­ti­ven Ankauf von Staats­an­lei­hen ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten vor­sieht, wer­den die Zins­auf­schlä­ge für die von die­sen Staa­ten bege­be­nen Staats­an­lei­hen durch Ände­rung der Markt­be­din­gun­gen nivel­liert und die Staats­an­lei­hen der übri­gen Mit­glied­staa­ten poten­ti­ell benach­tei­ligt.
Gegen eine Zuord­nung des OMT-Beschlus­ses zu den in Art. 119 Abs. 2, Art. 127 Abs. 1 und Abs. 2 AEUV zuge­wie­se­nen Befug­nis­sen des Sys­tems der Euro­päi­schen Zen­tral­ban­ken spricht fer­ner die Anknüp­fung an die wirt­schafts­po­li­ti­sche Kon­di­tio­na­li­tät von Hilfs­pro­gram­men der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät bezie­hungs­wei­se des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (Par­al­le­li­tät).
Nach dem OMT-Beschluss soll ein Ankauf von Staats­an­lei­hen nur unter der Bedin­gung erfol­gen, dass die begüns­tig­ten Mit­glied­staa­ten die Auf­la­gen eines Hilfs­pro­gramms, das von der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus bereit­ge­stellt wird und die Mög­lich­keit des Ankaufs von Staats­an­lei­hen die­ses Mit­glied­staats am Pri­mär­markt vor­sieht, voll­stän­dig erfül­len. Die ent­spre­chen­den Auf­la­gen des Hilfs­pro­gramms betref­fen neben der all­ge­mei­nen Wirt­schafts- und Sozi­al­po­li­tik vor allem die Haus­halts­po­li­tik der Mit­glied­staa­ten. Deren Über­wa­chung aber ist, wie sich aus Art. 126 AEUV ergibt, Sache der Kom­mis­si­on (Art. 126 Abs. 2 Satz 1 AEUV) bezie­hungs­wei­se des Rates (Art. 126 Abs. 5 bis Abs. 14 AEUV).
Gegen eine Ver­ein­bar­keit des OMT-Beschlus­ses mit dem Man­dat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank spricht daher nament­lich, dass die­se mit den beab­sich­tig­ten Ankäu­fen eine Tätig­keit aus­üben will, wel­che sowohl die Euro­päi­sche Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät (Art. 2 Abs. 1 Buch­sta­be b, Art. 3 Abs. 1, Art. 10 Abs. 5 Buch­sta­be a EFSF-Ver­trag) als auch der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (Art. 18 ESM-Ver­trag) wahr­neh­men und bei der es sich – wie der Gerichts­hof in der Rechts­sa­che Pring­le ent­schie­den hat – wegen sei­ner Ziel­set­zun­gen und Mecha­nis­men um eine dem Bereich der Wirt­schafts­po­li­tik zuzu­ord­nen­de Tätig­keit han­delt82.
Indem die Euro­päi­sche Zen­tral­bank den Ankauf von Staats­an­lei­hen ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten an die voll­stän­di­ge Erfül­lung der Auf­la­gen aus den Hilfs­pro­gram­men von Euro­päi­scher Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät und Euro­päi­schem Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus bin­det und sich inso­weit eine eige­ne, gewis­sen­haf­te Prü­fung vor­be­hält, macht sie den Ankauf von Staats­an­lei­hen auf der Grund­la­ge des OMT-Beschlus­ses zu einem wirt­schafts­po­li­ti­schen Instru­ment. Dies wird auch dadurch bestä­tigt, dass sie von einem Ankauf von Staats­an­lei­hen abse­hen will, wenn der betrof­fe­ne Mit­glied­staat die wirt­schafts­po­li­ti­schen Auf­la­gen nicht (mehr) erfüllt ("as long as pro­gram­me con­di­tio­na­li­ty is ful­ly respec­ted, and ter­mi­na­te them once their objec­tives are achie­ved or when the­re is non-com­pli­an­ce with the macroeco­no­mic adjust­ment or pre­cau­tio­na­ry pro­gram­me”).
Der vom OMT-Beschluss vor­ge­se­he­ne Ankauf von Staats­an­lei­hen zur Ent­las­tung ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten, ein­sei­tig gekop­pelt an wirt­schafts­po­li­ti­sche Auf­la­gen der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, erscheint vor die­sem Hin­ter­grund als funk­tio­na­les Äqui­va­lent zu einer Hilfs­maß­nah­me der oben­ge­nann­ten Insti­tu­tio­nen – aller­dings ohne deren par­la­men­ta­ri­sche Legi­ti­ma­ti­on und Kon­trol­le.
Auch dürf­te die von der Euro­päi­schen Zen­tral­bank beab­sich­tig­te Vor­ge­hens­wei­se die in den bei­den "Ret­tungs­schir­men" vor­ge­se­he­nen Auf­la­gen und Kon­di­tio­na­li­tä­ten für Ankauf­pro­gram­me von Staats­an­lei­hen am Sekun­där­markt unter­lau­fen (Umge­hung). So kann der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus eine Sekun­där­markt-Unter­stüt­zungs­fa­zi­li­tät nur dann beschlie­ßen, wenn nicht nur die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung einer Sta­bi­li­täts­hil­fe nach Art. 12 Abs. 1 ESMV erfüllt sind (Unab­ding­bar­keit zur Wah­rung der Finanz­sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes ins­ge­samt und sei­ner Mit­glied­staa­ten), son­dern auch "außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de auf dem Finanz­markt und Gefah­ren für die Finanz­sta­bi­li­tät" vor­lie­gen (Art. 18 Abs. 2 ESMV, Art. 1 der "Gui­de­li­ne on the Secon­da­ry Mar­ket Sup­port Faci­li­ty"). Hier­mit kor­re­spon­diert eine ver­schärf­te Kon­di­tio­na­li­tät gegen­über den betrof­fe­nen Staa­ten: Wäh­rend etwa eine "Kre­dit­li­nie mit erwei­ter­ten Bedin­gun­gen" schon in Betracht kommt, wenn der Mit­glied­staat gewis­se "kor­rek­ti­ve Maß­nah­men" ergreift (vgl. Art. 2 Abs. 4 der "Gui­de­li­ne on Pre­cau­tio­na­ry Finan­ci­al Assi­s­tan­ce"), bedingt eine Sekun­där­markt-Unter­stüt­zungs­fa­zi­li­tät, dass sich der Mit­glied­staat ent­we­der einem makro­öko­no­mi­schen Anpas­sungs­pro­gramm unter­wirft oder zumin­dest eine Rei­he stren­ger Kri­te­ri­en erfüllt (vgl. Art. 2 der "Gui­de­li­ne on the Secon­da­ry Mar­ket Sup­port Faci­li­ty"). Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen am Sekun­där­markt darf der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nach Art. 18 ESMV somit nur in einer zuge­spitz­ten Kri­sen­si­tua­ti­on und in engen Gren­zen täti­gen, wäh­rend vor­sorg­li­che Finanz­hil­fen im Sin­ne von Art. 14 ESMV sol­che Kri­sen­si­tua­tio­nen gera­de ver­hin­dern sol­len und daher unter deut­lich groß­zü­gi­ge­ren Bedin­gun­gen gewährt wer­den. Ver­gleich­ba­re Anfor­de­run­gen sieht der OMT-Beschluss für ein Tätig­wer­den der Euro­päi­schen Zen­tral­bank nicht vor.
Der Ankauf von Staats­an­lei­hen auf der Grund­la­ge des OMT-Beschlus­ses geht nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts über die dem Sys­tem der Euro­päi­schen Zen­tral­ban­ken gestat­te­te Unter­stüt­zung der Wirt­schafts­po­li­tik in der Euro­päi­schen Uni­on (Art. 119 Abs. 2, Art. 127 Abs. 1 Satz 2 AEUV) hin­aus.
Zum einen könn­te das Volu­men der Hilfs­maß­nah­men, wel­ches ein zen­tra­ler Gesichts­punkt für die Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ist, durch par­al­le­le Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen durch das Euro­sys­tem de fac­to erheb­lich aus­ge­wei­tet, unter Umstän­den sogar ver­viel­facht wer­den. Eini­gen sich die Mit­glie­der des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus auf ein bestimm­tes Hilfs­vo­lu­men und dar­an geknüpf­te Auf­la­gen, so kann die­se Ent­schei­dung kon­ter­ka­riert wer­den, wenn das Euro­sys­tem das Hilfs­vo­lu­men ein­sei­tig deut­lich erhöht. Als "Unter­stüt­zung" lässt sich dies nicht qua­li­fi­zie­ren.
Zum ande­ren will und muss der Rat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank wegen der in Art. 130 Satz 1 AEUV nie­der­ge­leg­ten Unab­hän­gig­keit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank selb­stän­dig und letzt­lich ohne Bin­dung an die Beschlüs­se der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ent­schei­den, ob, in wel­chem Umfang und unter wel­chen Bedin­gun­gen er im Ein­zel­fall Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen tätigt83 und /​oder ein begon­ne­nes Ankauf­pro­gramm wie­der ein­stellt. Das setzt zwangs­läu­fig eigen­stän­di­ge wirt­schafts­po­li­ti­sche Bewer­tun­gen vor­aus, die die Ent­schei­dun­gen der Kom­mis­si­on, der soge­nann­ten Troi­ka oder ande­rer Insti­tu­tio­nen nicht nur nach­voll­zie­hen dür­fen und schon des­halb über eine blo­ße "Unter­stüt­zung" der Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on hin­aus­ge­hen.
Die vom OMT-Beschluss vor­ge­se­he­nen Ankäu­fe lie­ßen sich nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts allen­falls dann als Unter­stüt­zung der von den Mit­glied­staa­ten im Rah­men der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät und des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ver­ant­wor­te­ten wirt­schafts­po­li­ti­schen Hilfs­maß­nah­men (Art. 119 Abs. 2, Art. 127 Abs. 1 Satz 2 AEUV) ver­ste­hen, wenn sie hin­sicht­lich ihres Volu­mens so begrenzt wären, dass par­al­le­le Hilfs­pro­gram­me der Mit­glied­staa­ten und die die­sen zugrun­de lie­gen­den poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen nicht kon­ter­ka­riert wer­den könn­ten. Die – von der Euro­päi­schen Zen­tral­bank im Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt her­vor­ge­ho­be­ne – "fak­ti­sche" Begren­zung des Volu­mens der Anlei­he­käu­fe durch die Sum­me der bis­her emit­tier­ten Staats­an­lei­hen im der­zeit vor­ge­se­he­nen Lauf­zeit­spek­trum von einem bis zu drei Jah­ren dürf­te inso­weit nicht genü­gen, um eine hin­rei­chen­de volu­men­mä­ßi­ge Begren­zung sicher­zu­stel­len. Die begüns­tig­ten Mit­glied­staa­ten kön­nen durch eine Umstel­lung ihrer Refi­nan­zie­rungs­po­li­tik das Volu­men der der­zeit vom OMT-Beschluss erfass­ten Staats­an­lei­hen ver­grö­ßern; wel­che Kon­se­quen­zen die von der Euro­päi­schen Zen­tral­bank geäu­ßer­te Absicht der Beob­ach­tung des Emis­si­ons­ver­hal­tens der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten hät­te, ist offen. Dar­über hin­aus müss­ten die Ankäu­fe von den Mit­glied­staa­ten auch dem Grun­de nach bewil­ligt und legi­ti­miert wer­den.
Ver­stoß gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haushalts­finanzierung[↑]
Das in Art. 123 AEUV ver­an­ker­te Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung beinhal­tet auch ein Umge­hungs­ver­bot. Hier­ge­gen dürf­te der OMT-Beschluss eben­falls ver­sto­ßen.
Art. 123 AEUV und Art. 21.1. ESZB-Sat­zung ver­bie­ten den Erwerb von Staats­an­lei­hen "unmit­tel­bar" von den emit­tie­ren­den Mit­glied­staa­ten, also den Erwerb am Pri­mär­markt. Dar­auf beschränkt sich das Ver­bot jedoch nicht, son­dern ist Aus­druck eines umfas­sen­de­ren Ver­bo­tes der mone­tä­ren Haus­halts­fi­nan­zie­rung84. Wie die natio­na­len Rechts­ord­nun­gen, so kennt auch das Uni­ons­recht die Rechts­fi­gur des Umge­hungs­ver­bo­tes. Es wur­zelt letzt­lich im Gebot der prak­ti­schen Wirk­sam­keit ("effet uti­le") und ist wie­der­holt Gegen­stand der Recht­spre­chung des Gerichts­ho­fes gewe­sen85.
Auch im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang hat der Gerichts­hof in der Rechts­sa­che Pring­le für die Aus­le­gung des Art. 125 AEUV maß­geb­lich auf den Zweck der Vor­schrift abge­stellt86 und damit eine teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung vor­ge­nom­men. Es liegt daher auf der Hand, dass dies auch für die Aus­le­gung von Art. 123 AEUV gel­ten muss und das Ver­bot des Erwerbs von Staats­an­lei­hen unmit­tel­bar von den emit­tie­ren­den Mit­glied­staa­ten nicht durch funk­tio­nal äqui­va­len­te Maß­nah­men umgan­gen wer­den darf. Davon gehen auch die – vor­wie­gend an die Mit­glied­staa­ten gerich­te­te – Ver­ord­nung Nr. 3603/​93 (7. Erwä­gungs­grund der Ver­ord­nung (EG) Nr. 3603/​93 des Rates vom 13.12.199387) und nicht zuletzt die Euro­päi­sche Zen­tral­bank selbst aus88.
Neben den oben bereits genann­ten Gesichts­punk­ten
der Neu­tra­li­sie­rung von Zins­auf­schlä­gen,
der Selek­ti­vi­tät sowie
der Par­al­le­li­tät mit EFSF- und ESM-Hilfs­pro­gram­men
spre­chen auch fol­gen­de Aspek­te – jeden­falls in ihrer Gesamt­schau – dafür, dass der OMT-Beschluss auf eine Umge­hung von Art. 123 AEUV zielt und gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung ver­stößt:
Die Bereit­schaft, sich bei den erwor­be­nen Anlei­hen an einem Schul­den­schnitt zu betei­li­gen,
das erhöh­te Risi­ko, dass es bei den erwor­be­nen Staats­an­lei­hen zu einem sol­chen Schul­den­schnitt kom­men kann,
die Mög­lich­keit, die erwor­be­nen Staats­an­lei­hen bis zur End­fäl­lig­keit zu hal­ten,
der Ein­griff in die Preis­bil­dung am Markt und
die Ermu­ti­gung der Markt­teil­neh­mer zum Erwerb der in Rede ste­hen­den Anlei­hen am Pri­mär­markt.
Ein (teil­wei­ser) Ver­zicht des Euro­sys­tems auf in Staats­an­lei­hen ver­brief­te For­de­run­gen gegen ein­zel­ne Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes lie­fe auf eine unzu­läs­si­ge mone­tä­re Haus­halts­fi­nan­zie­rung die­ser Staa­ten hin­aus. Bei den auf der Grund­la­ge des OMT-Beschlus­ses zu erwer­ben­den Staats­an­lei­hen soll das Euro­sys­tem kei­nen bevor­rech­tig­ten Gläu­bi­ger­sta­tus in Anspruch neh­men. Das bedeu­tet in der Sache, dass es sich an einem – von der Mehr­heit der Gläu­bi­ger beschlos­se­nen (Art. 12 Abs. 3 ESMV) – Schul­den­schnitt betei­li­gen und in die­sem Fall auf einen ent­spre­chen­den (sub­stan­ti­el­len) Teil der in den erwor­be­nen Staats­an­lei­hen ver­brief­ten For­de­run­gen ver­zich­ten muss. Mit Art. 123 Abs. 1 AEUV dürf­te dies nicht ver­ein­bar sein. Denn zwi­schen dem Erlass der Rück­zah­lungs­pflicht aus einer Dar­le­hens­for­de­rung und einer von Anfang an gegen­leis­tungs­frei­en und end­gül­ti­gen Zur­ver­fü­gung­stel­lung finan­zi­el­ler Mit­tel wird man einen im Hin­blick auf den Rege­lungs­zweck des Art. 123 Abs. 1 AEUV rele­van­ten Unter­schied jeden­falls dann nicht sehen kön­nen, wenn der Ankauf von vorn­her­ein mit der Aus­sicht auf spä­te­re Ein­be­zie­hung in einen etwai­gen Schul­den­schnitt ver­bun­den wird.
Auch ein Ankauf von Staats­an­lei­hen, mit denen ein erhöh­tes Aus­fall­ri­si­ko oder sogar die Gefahr eines Schul­den­schnit­tes ver­bun­den ist, dürf­te gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung ver­sto­ßen. Auf der Grund­la­ge des OMT-Beschlus­ses sol­len – wie auch das Vor­gän­ger­pro­gramm SMP belegt89 – Staats­an­lei­hen, die wegen ihrer gerin­ge­ren Boni­tät und ihres nied­ri­ge­ren Ratings ein erhöh­tes Aus­fall­ri­si­ko beinhal­ten; vom Euro­sys­tem erwor­ben wer­den; gleich­zei­tig sol­len sich die Ban­ken in den Pro­gramm­staa­ten von die­sen risi­ko­rei­chen Wert­pa­pie­ren ent­las­ten kön­nen. Damit wür­de das Euro­sys­tem nicht nur die Funk­ti­on einer "Bad Bank" für die Ban­ken in den Pro­gramm­staa­ten über­neh­men, son­dern auch indi­rekt zur Finan­zie­rung von deren Haus­hal­ten bei­tra­gen. Zwar ent­hält das Uni­ons­recht kei­ne Bestim­mun­gen, die dem Euro­sys­tem die Ein­ge­hung von poten­ti­ell ver­lust­träch­ti­gen wäh­rungs­po­li­ti­schen Ope­ra­tio­nen gene­rell unter­sa­gen: an Bestim­mun­gen über den Aus­gleich von Ver­lus­ten des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken wie Art. 33.2. ESZB-Sat­zung wird viel­mehr deut­lich, dass des­sen Tätig­keit immer auch mit Ver­lus­ten ver­bun­den sein kann und dies vom Ver­trags­ge­ber auch grund­sätz­lich gebil­ligt wor­den ist. Damit ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts jedoch nicht die Ermäch­ti­gung ver­bun­den, ver­meid­ba­re Ver­lust­ri­si­ken in erheb­li­chem Umfang ein­zu­ge­hen.
Auch ein Hal­ten von Staats­an­lei­hen bis zur End­fäl­lig­keit kann unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen mit dem Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung (Art. 123 Abs. 1 AEUV) kol­li­die­ren (Ein­griff in die Markt­lo­gik). Zwar gestat­tet Art. 18.1.1. Spie­gel­strich ESZB-Sat­zung dem Euro­sys­tem auch einen "end­gül­ti­gen" Ankauf von bör­sen­gän­gi­gen Wert­pa­pie­ren. Ein dau­er­haf­ter Erwerb von Staats­an­lei­hen durch das Euro­sys­tem, die bis zur End­fäl­lig­keit gehal­ten wer­den, kann jedoch Aus­wir­kun­gen auf die mone­tä­re Haus­halts­fi­nan­zie­rung haben. Nament­lich kön­nen, wenn ein sub­stan­ti­el­ler Teil der von ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten bege­be­nen Staats­an­lei­hen dau­er­haft vom Markt genom­men wird, Effek­te nicht ein­tre­ten, die aus einem Ver­kauf der Anlei­hen vor Fäl­lig­keit resul­tie­ren. Damit wür­de das Euro­sys­tem nicht nur eine unbe­ein­fluss­te Kurs­er­mitt­lung ver­hin­dern; es wür­de auch zur Finan­zie­rung des betref­fen­den Haus­hal­tes bei­tra­gen. Wer­den Staats­an­lei­hen bis zur End­fäl­lig­keit gehal­ten, so hat dies jeden­falls eine Ver­knap­pung des Ange­bo­tes der am Sekun­där­markt zir­ku­lie­ren­den Anlei­hen zur Fol­ge, was auf eine Umge­hung von Art. 123 AEUV hin­aus­lau­fen kann.
Der OMT-Beschluss bezieht sich auf Staats­an­lei­hen mit einer Lauf­zeit von ein bis zu drei Jah­ren. Er ent­hält kei­ne Rege­lun­gen zu der Fra­ge, wie lan­ge die unter dem Pro­gramm erwor­be­nen Anlei­hen gehal­ten wer­den sol­len und schließt es damit nicht aus, dass sie auch bis zur End­fäl­lig­keit vom Markt genom­men wer­den. Dass dies – gera­de auch zur Ver­mei­dung oder zumin­dest Ver­zö­ge­rung – des bilan­zi­el­len Aus­wei­ses von tat­säch­lich ent­stan­de­nen Ver­lus­ten auf der Grund­la­ge des Beschlus­ses durch­aus in Betracht kommt, ergibt sich aus den vom Rat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank beschlos­se­nen Bilan­zie­rungs­re­ge­lun­gen, die für den Ansatz der Staats­an­lei­hen die Anschaf­fungs­kos­ten und nicht die aktu­el­len Markt­prei­se vor­se­hen (vgl. 1. Erwä­gungs­grund sowie Anhang IV, Bilanz­po­si­ti­on Akti­va 7.1. der Leit­li­nie EZB/​2009/​1890).
Für eine Umge­hung des Ver­bo­tes der mone­tä­ren Haus­halts­fi­nan­zie­rung spricht fer­ner, dass es dem unmit­tel­ba­ren Erwerb von Staats­an­lei­hen gleich­kommt, wenn durch das Euro­sys­tem am Sekun­där­markt Staats­an­lei­hen in erheb­li­chem Umfang und in gerin­gem zeit­li­chen Abstand zur Emis­si­on erwor­ben wer­den (Markt­preis­bil­dung).
Ver­gleich­ba­re Effek­te kön­nen auch ent­spre­chen­de Ankün­di­gun­gen des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ent­fal­ten (Ermu­ti­gung zum Erst­erwerb). Die Ankün­di­gung unmit­tel­bar bevor­ste­hen­der Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen aus­ge­wähl­ter Mit­glied­staa­ten vor einer Neu­emis­si­on kann pri­va­te und insti­tu­tio­nel­le Erst­erwer­ber ver­an­las­sen – los­ge­löst von Markt­be­din­gun­gen -, das zu tun, was dem Euro­päi­schen Sys­tem der Zen­tral­ban­ken durch Art. 123 Abs. 1 AEUV ver­bo­ten ist. Denn das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken stellt ihnen damit in Aus­sicht, das wirt­schaft­li­che Risi­ko die­ses Erwerbs zu über­neh­men.
Der OMT-Beschluss und die ihn beglei­ten­de Kom­mu­ni­ka­ti­on des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank91 ermu­ti­gen Drit­te zum Erwerb der in Rede ste­hen­den Staats­an­lei­hen am Pri­mär­markt indem sie die Über­nah­me des mit dem Erwerb ver­bun­de­nen Risi­kos in Aus­sicht stel­len. Aus­drück­lich wer­den zwar weder zum Volu­men mög­li­cher Ankäu­fe noch zum not­wen­di­gen zeit­li­chen Abstand zwi­schen der Emis­si­on und mög­li­chen Ankäu­fen durch das Euro­sys­tem detail­lier­te Anga­ben gemacht. Gleich­wohl hat die Ankün­di­gung – wie auch in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 11. und 12.06.2013 deut­lich gewor­den ist – bei den Markt­teil­neh­mern den Ein­druck erweckt, dass das Euro­sys­tem als "len­der of last resort" für die in Rede ste­hen­den Staats­an­lei­hen in jedem Fall zur Ver­fü­gung ste­hen wird. Das dürf­te mit Art. 123 Abs. 1 AEUV nicht ver­ein­bar sein.
Irrele­vanz der Beru­fung auf eine "Stö­rung des geld­po­li­ti­schen Trans­missions­mechanismus"[↑]
Die von der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zur Recht­fer­ti­gung des OMT-Beschlus­ses ange­führ­te Ziel­set­zung, eine Stö­rung des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus zu behe­ben, ver­mag nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts weder an der oben dar­ge­leg­ten Über­schrei­tung des Man­dats der Euro­päi­schen Zen­tral­bank noch an dem Ver­stoß gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung etwas zu ändern.
Dass der Ankauf von Staats­an­lei­hen unter Umstän­den auch dazu bei­tra­gen kann, die wäh­rungs­po­li­ti­schen Ziel­set­zun­gen des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken zu unter­stüt­zen, macht den OMT-Beschluss selbst noch nicht zu einer wäh­rungs­po­li­ti­schen Maß­nah­me. Inso­fern gilt das, was der Gerichts­hof zur Zuord­nung der Hilfs­maß­nah­men des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus gesagt hat, auch umge­kehrt92. Auf die (öko­no­mi­sche) Rich­tig­keit oder Plau­si­bi­li­tät der Begrün­dung des OMT-Beschlus­ses kommt es inso­fern nicht an.
Dar­über hin­aus ist in prak­tisch jeder Schul­den­kri­se eines Staa­tes eine erheb­li­che Ver­schlech­te­rung des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus zu erwar­ten. Denn eine kri­ti­sche Ver­schlech­te­rung der Sol­venz eines Staa­tes geht typi­scher­wei­se ein­her mit einer ent­spre­chen­den Ver­schlech­te­rung der Sol­venz des natio­na­len Ban­ken­sek­tors (sog. Ban­ken-Staa­ten-Nexus). Infol­ge des­sen schla­gen sich in die­ser Situa­ti­on Sen­kun­gen des Leit­zin­ses regel­mä­ßig kaum mehr in der Kre­dit­ver­ga­be­pra­xis der Ban­ken nie­der; der geld­po­li­ti­sche Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus ist gestört. Wür­de man den Kauf von Staats­an­lei­hen des­we­gen bei jeder Stö­rung des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus für zuläs­sig erach­ten, käme dies einer Befug­nis der Euro­päi­schen Zen­tral­bank gleich, jede Ver­schlech­te­rung der Boni­tät eines Euro-Mit­glied­staa­tes durch den Kauf von Staats­an­lei­hen die­ses Staa­tes behe­ben zu dür­fen. Dies wür­de das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung außer Kraft set­zen.
Unmaß­geb­lich erscheint inso­weit schließ­lich, dass die Euro­päi­sche Zen­tral­bank eine Stö­rung des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus nur inso­weit anneh­men möch­te, als die Höhe der Refi­nan­zie­rungs­zin­sen eines Mit­glied­staa­tes des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes "irra­tio­nal" sei. Zins­auf­schlä­ge sind immer nur Fol­ge von Erwar­tun­gen der Markt­teil­neh­mer und unab­hän­gig von ihrem Ratio­na­li­täts­ge­halt für die markt­wirt­schaft­li­che Preis­bil­dung maß­geb­lich. Ver­meint­lich iden­ti­fi­zier­ba­re Ein­zel­ur­sa­chen her­aus­zu­grei­fen und neu­tra­li­sie­ren zu wol­len, käme einem will­kür­li­chen Ein­griff in das Markt­ge­sche­hen gleich. Letzt­lich ist die Unter­schei­dung rational/​irrational in die­sem Zusam­men­hang aus­sa­ge­los und jeden­falls nicht ope­ra­tio­na­li­sier­bar.
Mög­lich­keit einer unions­rechts­konformen Aus­le­gung[↑]
Die geschil­der­ten Beden­ken gegen die Gül­tig­keit des OMT-Beschlus­ses in der hier zugrun­de geleg­ten Aus­le­gung lie­ßen sich nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts durch eine uni­ons­rechts­kon­for­me Aus­le­gung aus­räu­men. Das setz­te vor­aus, dass der Inhalt des OMT-Beschlus­ses bei wer­ten­der Gesamt­be­trach­tung den oben genann­ten Anfor­de­run­gen im Wesent­li­chen ent­spricht.
Der OMT-Beschluss wäre aus Sicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mög­li­cher­wei­se dann nicht zu bean­stan­den, wenn er im Lich­te der Art. 119 und Art. 127 ff. AEUV sowie Art. 17 ff. ESZB-Sat­zung so aus­ge­legt oder in sei­ner Gül­tig­keit beschränkt wür­de, dass er die Kon­di­tio­na­li­tät der Hilfs­pro­gram­me von Euro­päi­scher Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät und Euro­päi­schem Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nicht unter­läuft und einen die Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on nur unter­stüt­zen­den Cha­rak­ter hat. Mit Blick auf Art. 123 AEUV setz­te dies vor­aus, dass ein Schul­den­schnitt aus­ge­schlos­sen wer­den muss, Staats­an­lei­hen ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten nicht in unbe­grenz­ter Höhe ange­kauft wer­den und Ein­grif­fe in die Preis­bil­dung am Markt soweit wie mög­lich ver­mie­den wer­den. Erklä­run­gen der Ver­tre­ter der Euro­päi­schen Zen­tral­bank im ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren zu den Rah­men­be­din­gun­gen beim Voll­zug des OMT-Beschlus­ses (begrenz­tes Volu­men eines mög­li­chen Ankaufs von Staats­an­lei­hen; kei­ne Betei­li­gung an einem Schul­den­schnitt; Ein­hal­tung von zeit­li­chen Abstän­den zwi­schen der Emis­si­on einer Staats­an­lei­he und ihrem Ankauf; kein Hal­ten der Anlei­hen bis zur Fäl­lig­keit) deu­ten dar­auf hin, dass eine sol­che uni­ons­rechts­kon­for­me Aus­le­gung auch mit Sinn und Zweck des OMT-Beschlus­ses noch ver­ein­bar sein dürf­te.
Der OMT-Beschluss und die deut­sche Verfassungs­identität[↑]
Ob der OMT-Beschluss und sein Voll­zug auch die Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes ver­let­zen kön­nen, ist für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der­zeit nicht sicher abseh­bar und hängt nicht zuletzt von Inhalt und Reich­wei­te des – pri­mär­rechts­kon­form aus­ge­leg­ten – OMT-Beschlus­ses ab.
Ob das durch Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­te Bud­get­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges und des­sen haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung durch den OMT-Beschluss oder sei­ne Umset­zung im Hin­blick auf mög­li­che Ver­lus­te der Bun­des­bank berührt wer­den kön­nen, ist der­zeit nicht sicher abseh­bar. Eine Ver­let­zung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes durch den OMT-Beschluss käme in Betracht, wenn hier­durch ein Mecha­nis­mus begrün­det wür­de, der auf eine Haf­tungs­über­nah­me für Wil­lens­ent­schei­dun­gen Drit­ter mit schwer­kal­ku­lier­ba­ren Fol­ge­wir­kun­gen hin­aus­lie­fe93, so dass auf­grund die­ses Mecha­nis­mus der Deut­sche Bun­des­tag nicht "Herr sei­ner Beschlüs­se" blie­be und sein Bud­get­recht nicht mehr in eige­ner Ver­ant­wor­tung aus­üben könn­te94. Ob dies der Fall ist, ist abhän­gig von der Beach­tung des der Euro­päi­schen Zen­tral­bank über­tra­ge­nen Man­da­tes und dem Inhalt und der Reich­wei­te des unter Beach­tung die­ses Man­da­tes pri­mär­rechts­kon­form aus­ge­leg­ten OMT-Beschlus­ses. Hier­über wird der Senat auf der Basis der Beant­wor­tung der Vor­la­ge­fra­gen zu ent­schei­den haben.
Ob sich dar­über hin­aus durch ein­zel­ne Umset­zungs­maß­nah­men des OMT-Beschlus­ses im Hin­blick auf mög­li­che Ver­lus­te der Bun­des­bank und sich dar­aus erge­ben­de Fol­ge­wir­kun­gen auf den Bun­des­haus­halt Aus­wir­kun­gen auf das Bud­get­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges in einer Art. 79 Abs. 3 GG berüh­ren­den Wei­se erge­ben kön­nen, ist gegen­wär­tig nicht abseh­bar. Gege­be­nen­falls hät­te der Senat dies auf der Grund­la­ge der Aus­le­gung des OMT-Beschlus­ses durch den Uni­ons­ge­richts­hof ohne erneu­te Vor­la­ge zu prü­fen und die Unan­wend­bar­keit ent­spre­chen­der Umset­zungs­maß­nah­men für den Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes fest­zu­stel­len, weil die Iden­ti­täts­kon­trol­le kei­ne Prü­fung am Maß­stab des Uni­ons­rechts, son­dern aus­schließ­lich am Maß­stab des deut­schen Ver­fas­sungs­rechts dar­stellt.
Son­der­vo­tum der Ver­fas­sungs­rich­te­rin Lüb­be-Wolff[↑]
Der Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist nicht ein­stim­mig son­dern mit 6:2 Stim­men ergan­gen; die Rich­ter am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Lüb­be-Wolff und der Ger­hardt hal­ten bei­de die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sowie das anhän­gi­ge Organ­streit­ver­fah­ren jeweils für unzu­läs­sig.
Die Rich­te­rin Lüb­be-Wolff hat dem Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluss ein Son­der­vo­tum bei­gefügt:
In dem Bemü­hen, die Herr­schaft des Rechts zu sichern, kann ein Gericht die Gren­zen rich­ter­li­cher Kom­pe­tenz über­schrei­ten. Das ist mei­ner Mei­nung nach hier gesche­hen. Die Anträ­ge hät­ten als unzu­läs­sig abge­wie­sen wer­den müs­sen. Die Fra­ge, wie Bun­des­tag und Bun­des­re­gie­rung auf eine Ver­let­zung von Sou­ve­rä­ni­täts­rech­ten der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, sei sie krie­ge­ri­scher oder nicht krie­ge­ri­scher Art, zu reagie­ren haben, ist nicht sinn­voll im Sin­ne der Auf­er­le­gung bestimm­ter posi­ti­ver Hand­lungs­pflich­ten ver­re­gel­bar. Die Aus­wahl zwi­schen den viel­fäl­ti­gen Mög­lich­kei­ten der Reak­ti­on, die von blo­ßen Miss­fal­lens­be­kun­dun­gen bis hin zum Aus­tritt aus der Wäh­rungs­ge­mein­schaft rei­chen, kann nur Sache des poli­ti­schen Ermes­sens sein. Es ver­wun­dert des­halb nicht, dass sich dies­be­züg­li­che Regeln weder dem Ver­fas­sungs­text noch der Recht­spre­chungs­tra­di­ti­on ent­neh­men las­sen.
Die Annah­me, dass unter näher bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht nur posi­tiv-sou­ve­rä­ni­täts-beschrän­ken­de Akte deut­scher Bun­des­or­ga­ne, son­dern auch eine blo­ße Untä­tig­keit bei qua­li­fi­zier­ten Über­grif­fen der Uni­on unter Beru­fung auf Art. 38 Abs. 1 GG ange­grif­fen wer­den kön­nen, weicht von erst jüngst bekräf­tig­ter Recht­spre­chung ab, nach der ein Unter­las­sen von Bun­des­tag oder Bun­des­re­gie­rung mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nur gerügt wer­den kann, wenn sich der Beschwer­de­füh­rer auf einen aus­drück­li­chen Auf­trag des Grund­ge­set­zes beru­fen kann, der Inhalt und Umfang der als ver­letzt behaup­te­ten Hand­lungs­pflicht im Wesent­li­chen umgrenzt. Auch für Anträ­ge im Organ­streit­ver­fah­ren hat der Senat noch kürz­lich fest­ge­stellt, dass sie nur gegen ein kon­kre­tes Unter­las­sen zuläs­sig sind, das heißt gegen das Unter­las­sen einer kon­kre­ten als gebo­ten dar­stell­ba­ren Hand­lung. Die Annah­me, dass unter ande­rem ein blo­ßes Unter­las­sen der Bun­des­re­gie­rung, sich auf der Ebe­ne der Uni­on in bestimm­ter Wei­se zu ver­hal­ten, zuläs­si­ger Gegen­stand einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de sein kann, stün­de zudem in Gegen­satz dazu, dass selbst posi­ti­ve Mit­wir­kungs­hand­lun­gen der Bun­des­re­gie­rung an Beschlüs­sen von Orga­nen der Uni­on oder inter­gou­ver­ne­men­ta­len Beschlüs­sen in Ange­le­gen­hei­ten der Uni­on noch vor kur­zem zu untaug­li­chen Angriffs­ge­gen­stän­den erklärt wor­den sind.
Son­der­vo­tum des Ver­fas­sungs­rich­ters Ger­hardt[↑]
Der Rich­ter am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Ger­hardt hält die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und den Antrag im Organ­streit­ver­fah­ren, soweit sie den OMT-Beschluss betref­fen, für unzu­läs­sig. Der vor­lie­gen­de Beschluss erwei­tert die Mög­lich­keit des Ein­zel­nen, über Art. 38 Abs. 1 GG – ohne Rück­an­bin­dung an ein mate­ri­el­les Grund­recht – eine ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le in Bezug auf Akte von Uni­ons­or­ga­nen zu initi­ie­ren. Mit der Zulas­sung einer sol­chen Ultra-vires-Kon­trol­le wird die Tür zu einem all­ge­mei­nen Geset­zes­voll­zie­hungs­an­spruch geöff­net, den das Grund­ge­setz nicht kennt.
Die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung der deut­schen Ver­fas­sungs­or­ga­ne besteht gegen­über der All­ge­mein­heit, und aus ihr folgt nichts für die Kon­struk­ti­on eines sub­jek­ti­ven Rechts eines jeden Wahl­be­rech­tig­ten auf Tätig­wer­den von Ver­fas­sungs­or­ga­nen. Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag muss bezüg­lich der Fra­ge, ob ein qua­li­fi­zier­ter Ultra-vires-Akt vor­liegt, ein vom Bür­ger hin­zu­neh­men­der Ein­schät­zungs- und Beur­tei­lungs­spiel­raum zukom­men. Der Beschluss geht davon aus, dass eine Kom­pe­tenz­über­schrei­tung auch dann offen­sicht­lich sein kann, wenn dem ein län­ge­rer Klä­rungs­pro­zess vor­aus­geht. Wie schwie­rig das Kri­te­ri­um der Offen­sicht­lich­keit zu hand­ha­ben ist, zeigt der Fall über­deut­lich. Wäh­rungs- und Wirt­schafts­po­li­tik sind auf­ein­an­der bezo­gen und kön­nen nicht strikt unter­schie­den wer­den. In der Gesamt­schau erscheint mir das Vor­brin­gen, es gehe in ers­ter Linie um die Wie­der­her­stel­lung des mone­tä­ren Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus, nicht mit der zu for­dern­den Ein­deu­tig­keit wider­leg­bar.
Dass der Ein­zel­ne das Selbst­be­fas­sungs­recht des Bun­des­tags mit Hil­fe des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in eine bestimm­te Rich­tung len­ken kann, fügt sich nicht in die grund­ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen par­la­men­ta­ri­scher Arbeit. Der Bür­ger kann mit­tels Ein­ga­ben, über die Par­tei­en und Abge­ord­ne­ten sowie ins­be­son­de­re über die Medi­en auf Art und Ziel der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung Ein­fluss neh­men. Der Bun­des­tag hät­te ohne wei­te­res auf poli­ti­schem Wege den OMT-Beschluss miss­bil­li­gen, gege­be­nen­falls auch eine Nich­tig­keits­kla­ge andro­hen, die Reak­ti­on der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und der Finanz­märk­te abwar­ten und dann wei­te­re Kon­se­quen­zen zie­hen kön­nen. Dass er all dies nicht getan hat, indi­ziert kein Demo­kra­tie­de­fi­zit, son­dern ist Aus­druck einer Mehr­heits­ent­schei­dung für eine bestimm­te Poli­tik zur Bewäl­ti­gung der Staats­schul­den­kri­se im Euro-Wäh­rungs­raum.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluss vom 14. Janu­ar 2014 – 2 BvR 2728/​13 – 2 BvR 2729/​13 – 2 BvR 2730/​13 – 2 BvR 2731/​13 – 2 BvE 13/​13
Alters­dis­kri­mi­nie­rung, der EuGH und die Ultra-vires-Dok­­trin Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­wei­gert die von vie­len erwar­te­te Kon­fron­ta­ti­on mit dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on. Anlass hier hät­te aktu­ell eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen ein Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts…
BVerfG, Beschluss vom 17.12.2013 – 2 BvR 1390/​12, 2 BvR 1421/​12, 2 BvR 1438/​12, 2 BvR 1439/​12, 2 BvR 1440/​12, 2 BvR 1824/​12, 2 BvE 6/​12 [↩]
BVerfGE 89, 155, 171 f. [↩]
vgl. nur BVerfGE 123, 267, 330 ff.; 340 ff.; 129, 124, 167 ff. [↩]
vgl. BVerfGE 129, 124, 168 ff.; BVerfG, Beschluss der 1. Kam­mer des Zwei­ten Senats vom 17.04.2013 – 2 BvQ 17/​13 -, NVwZ 2013, S. 858, 859 [↩]
BVerfGE 89, 155, 187 f. [↩]
vgl. BVerfGE 58, 1, 37; 68, 1, 98 f. [↩]
vgl. schon BVerfGE 58, 1, 37; BVerfGE 68, 1, 98 f.; Mos­ler in: Hand­buch des Staats­rechts, Band VII [1992], § 175 Rdnr. 60 [↩]
vgl. BVerfGE 58, 1, 30 f.; 75, 223, 235, 242 [↩]
BVerfGE 75, 223, 235, 242; 89, 155, 188; 113, 273, 296; 123, 267, 353 f.; 126, 286, 302; BVerfG, Urteil des Ers­ten Senats vom 24.04.2013 – 1 BvR 1215/​07 -, NJW 2013, S. 1499, 1501 Rn. 91 [↩]
BVerfGE 126, 286, 303 f. [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 353, 400 [↩]
vgl. zur For­mu­lie­rung hin­rei­chend qua­li­fi­ziert als Tat­be­stands­merk­mal im uni­ons­recht­li­chen Haf­tungs­recht etwa EuGH, Urteil vom 10.07.2003 – C‑472/​00 P [Fresh Mari­ne], Slg. 2003, I‑7541, Rn. 26 f. [↩]
vgl. Kokott, Deutsch­land im Rah­men der Euro­päi­schen Uni­on – zum Ver­trag von Maas­tricht, AöR 1994, S.207, 220: ‚erheb­li­che Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen‘ und, 233: ‚dras­ti­sche‘ Ultra-vires-Akte [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 357 f. [↩]
BVerfGE 126, 286, 307 [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 354 f.; 126, 286, 302 ff. [↩]
vgl. BVerfGE 75, 223, 242; 89, 155, 190; 123, 267, 348 f., 381 ff.; 126, 286, 302 f. [↩]
vgl. BVerfGE 73, 339, 375; 123, 267, 398; 126, 286, 302 [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 353 f. [↩]
BVerfGE 132, 195; BVerfGE 132, 195, 240 f., Rn. 109 f. [↩]
BVerfGE 129, 124, 177 [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 359 [↩]
vgl. BVerfGE 70, 324, 355 f.; 79, 311, 329; 129, 124, 177 [↩]
BVerfGE 129, 124, 180 [↩]
vgl. auch schon BVerfGE 129, 124, 177 ff. [↩]
BVerfGE 123, 267, 348 [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 343 [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 22.12 2010 – C‑208/​09, Sayn-Witt­gen­stein, Slg. 2010, S. I‑13693, Rn. 83 – "Adels­auf­he­bungs­ge­setz" als Teil natio­na­ler Iden­ti­tät [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 02.07.1996 – C‑473/​93, Kom­mis­si­on ./​. Luxem­burg, SIg. 1996, S. I‑3207, Rn. 35; Urteil vom 14.10.2004 – C‑36/​02, Ome­ga, SIg. 2004, S. I‑9609, Rn. 23 ff.; Urteil vom 22.12 2010 – C‑208/​09, SIg. 2010 S. I‑13693, Rn. 83; Urteil vom 12.05.2011 – C‑391/​09, Runevic-Var­dyn und War­dyn, SIg. 2011, S. I‑3787, Rn. 84 ff.; Urteil vom 24.05.2011 – C‑51/​08, Kom­mis­si­on ./​. Luxem­burg, SIg. 2011, S. I‑4231, Rn. 124; Urteil vom 16.04.2013 – C‑202/​11, Las, SIg. 2013, S. I‑0000, Rn. 26, 27 [↩]
vgl. etwa für das König­reich Däne­mark: Hojes­te­ret, Urteil vom 06.04.1998 – I 361/​1997 -, Abschn.09.08.; für die Repu­blik Est­land: Riigi­ko­hus, Urteil vom 12.07.2012 – 3−4−1−6−12 -, Abs.-Nr. 128, 223; für die Fran­zö­si­sche Repu­blik: Con­seil con­sti­tu­ti­on­nel, Ent­schei­dung Nr.2006 – 540 DC vom 27.07.2006, 19. Erwä­gungs­grund; Ent­schei­dung Nr.2011 – 631 DC vom 09.06.2011, 45. Erwä­gungs­grund; für Irland: Supre­me Court of Ire­land, Crot­ty v. An Tao­i­se­ach,, 1987, I.R.713, 783; S.P.U.C. (Ire­land) Ltd. v. Gro­gan,, 1989, I.R. 753, 765; für die ita­lie­ni­sche Repu­blik: Cor­te cos­ti­tu­zio­na­le, Ent­schei­dung Nr. 183/​1973; Ent­schei­dung Nr. 168/​1991; für die Repu­blik Lett­land: Sat­vers­mes tie­sa, Urteil vom 07.04.2009 – 2008−35−01 -, Abs.-Nr. 17; für die Repu­blik Polen: Try­bu­nal Kon­sty­tu­cy­j­ny, Urtei­le vom 11.05.2005 – K 18/​04 -, Rn.04.01., 10.02.; vom 24.11.2010 – K 32/​09 -, Rn.02.01. ff.; vom 16.11.2011 – SK 45/​09 -, Rn.02.04., 2.05., m.w.N.; für das König­reich Schwe­den: Kapi­tel 10 Art. 6 Satz 1 Regie­rungs­form; für das König­reich Spa­ni­en: Tri­bu­nal Con­sti­tu­cio­nal, Erklä­rung vom 13.12 2004, DTC 1/​2004; für die Tsche­chi­sche Repu­blik Ústav­ni Soud, Urteil vom 31.01.2012 – 2012/​01/​31 – Pl. ÚS 5/​12 -, Abschn. VII [↩]
vgl. BVerfGE 89, 155, 188; 126, 286, 302 ff. [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 352 [↩]
BVerfGE 123, 267, 352 f. [↩]
vgl. auch BVerfGE 129, 124, 180 f.; 132, 195, 238 f., Rn. 105 [↩]
BVerfGE 89, 155, 207 ff. [↩]
so bereits Regie­rungs­ent­wurf zum Bun­des­bank­ge­setz, BT-Drs. 2/​2781 S. 24 f. [↩]
BVerfG, Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Son­der­aus­schus­ses ‚Euro­päi­sche Uni­on [Ver­trag von Maas­tricht]‘ vom 01.12 1992, BT-Drs. 12/​3896 S. 21 [↩]
vgl. BVerfGE 30, 1, 24; 84, 90, 121 [↩]
vgl. EuG, Beschluss vom 10.12 2013 – T‑492/​12, von Storch u.a. ./​. EZB, Slg. 2013, II-0000, Rn. 35 ff. [↩]
vgl. EuG, Beschluss vom 10.12 2013, a.a.O., Rn. 46 und 48 [↩]
vgl. BVerfGE 1, 396, 413; 74, 297, 318 ff.; 97, 157, 164; 108, 370, 385; 112, 363, 367; 123, 267, 329; BverfG, Beschluss vom 11.03.1999 – 2 BvQ 4/​99, NJW 1999, 2174, 2175 [↩]
vgl. EuG, Beschluss vom 10.12 2013, a.a.O., Rn. 38 [↩]
vgl. BVerfGE 126, 286, 304 f. m.w.N. [↩]
sie­he BVerfGE 126, 286, 307 [↩]
EuGH, Urteil vom 27.11.2012 – C‑370/​12, Pring­le, Slg. 2012, I‑0000, Rn. 135; BVerfGE 129, 124, 181 f. [↩]
vgl. Art. 123 Abs. 1 AEUV [↩]
vgl. BVerfGE 89, 155, 205; 97, 350, 369; 129, 124, 181 f.; 132, 195, 243, Rn. 115 [↩]
näher vgl. BVerfGE 129, 124, 181; 132, 195, 243 f., Rn. 115 f. [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 352 ff., 389 ff., 413 ff.; 126, 286, 307; 129, 124, 181; 132, 195, 238 f., Rn. 105 [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 355 [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 349; 132, 195, 238 f., Rn. 105 [↩]
vgl. BVerfGE 89, 155, 171; 129, 124, 168 [↩]
vgl. BVerfGE 89, 155, 172; 123, 267, 330 [↩]
vgl. BVerfGE 129, 124, 168 ff.; BVerfG, Beschluss vom 17.04.2013 – 2 BvQ 17/​13, NVwZ 2013, 858, 859 [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 351 ff. [↩]
vgl. BVerfGE 123, 267, 337; 132, 195, 247, Rn. 125 [↩]
vgl. BVerfGE 89, 155, 208 f. [↩]
BverfGE 89, 155, 208 f.; 97, 350, 368 [↩]
EuGH, Urteil vom 10.07.2003 – C‑11/​00, Kommission/​EZB, Slg. 2003, I‑7147, Rn. 135 ff. [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012 – C‑370/​12, Pring­le, Slg. 2012, I‑0000 Rn. 53 [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012 – C‑370/​12, Pring­le, Slg. 2012, I‑0000, Rn. 53 ff., zusam­men­fas­send bei Rn. 60 [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012, a.a.O., Rn. 56 und 97 [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012, a.a.O., Rn. 95 f. [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012, a.a.O., Rn. 57 [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012, a.a.O., Rn. 58 – 60 [↩]
Abl.EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, 12, 23 [↩]
Abl.EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, 25, 31 [↩]
Abl.EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, 33, 39 [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012, a.a.O, Rn. 64 [↩]
so EZB, Monats­be­richt Sep­tem­ber 2012, 7; EZB, Monats­be­richt Okto­ber 2012, 7 f. [↩]
vgl. im Hin­blick auf Art. 125 AEUV: EuGH, Urteil vom 27.11.2012, a.a.O., Rn. 135; EZB, Stel­lung­nah­me vom 16.01.2013, 13: "Das Ver­bot der mone­tä­ren Haus­halts­fi­nan­zie­rung, … unter­sagt, … [es], die auf Markt­an­rei­ze set­zen­de Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der natio­na­len Haus­hal­te außer Kraft zu set­zen, …" [↩]
vgl. auch Jah­res­gut­ach­ten 2013/​2014 des Sach­ver­stän­di­gen­ra­tes, Rn.200, zur Bedeu­tung fun­da­men­ta­ler Fak­to­ren für die Ren­di­te­dif­fe­ren­zen auf Staats­an­lei­hen [↩]
vgl. Pres­se­mit­tei­lung der EZB vom 26.07.2012 [↩]
vgl. BVerfGE 129, 124, 133 f. [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012, a.a.O., Rn. 56, 60, 96; BVerfGE 132, 195, 249, Rn. 130 [↩]
Schluss­fol­ge­run­gen des Euro­päi­schen Rates vom 24./25.03.2011, EUCO 10/​11, Anla­ge I [↩]
BGBl II 2012 S. 1006, 1008 ff. [↩]
Leit­li­nie der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 20.09.2011 über geld­po­li­ti­sche Instru­men­te und Ver­fah­ren des Euro­sys­tems, EZB/​2011/​14, Abl EU Nr. L 331 vom 14.12 2011, 1, in der Fas­sung der Leit­li­nie der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 26.11.2012 zur Ände­rung der Leit­li­nie EZB/​2011/​14 über geld­po­li­ti­sche Instru­men­te und Ver­fah­ren des Euro­sys­tems, EZB/​2012/​25, Abl EU Nr. L 348 vom 18.12 2012, 30 [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012, a.a.O., Rn. 60 [↩]
BVerfG, Beschluss vom 06.09.2012, "in full dis­cre­ti­on" [↩]
vgl. Bor­ger, Ger­man Law Jour­nal 2013, 113, 119, 134; de Gre­go­rio Meri­no, CMLR 2012, 1613, 1625, Fn. 36, 1627; Lenaerts/​van Nuf­fel, European Uni­on Law, 3. Aufl.2011, Rn. 11 – 037 [↩]
vgl. zuletzt EuGH, Urteil vom 20.06.2013 – C‑259/​12, Rodopi‑M 91, Slg. 2013, I‑0000, Rn. 41 [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012 – C‑370/​12, Pring­le, Slg. 2012, I‑0000, Rn. 133 ff. [↩]
ABl.EG Nr. L 332 vom 31.12 1993, 1 [↩]
EZB, Monats­be­richt Okto­ber 2012, 8 [↩]
vgl. EZB, Beschluss vom 14.05.2010 zur Ein­füh­rung eines Pro­gramms für die Wert­pa­pier­märk­te, EZB/​2010/​5, ABl EU Nr. L 124 vom 20.05.2010, 8 [↩]
Leit­li­nie der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 17.07.2009 zur Ände­rung der Leit­li­nie EZB/​2006/​16 über die Rech­nungs­le­gungs­grund­sät­ze und das Berichts­we­sen im Euro­päi­schen Sys­tem der Zen­tral­ban­ken, EZB/​2009/​18, ABl EU Nr. L 202 vom 04.08.2009, 65 [↩]
vgl. Pres­se­mit­tei­lung der EZB vom 26.07.2012; EZB-Prä­si­dent Draghi [↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012 – C‑370/​12, Pring­le, Slg. 2012, I‑0000, Rn. 56 [↩]
vgl. BVerfGE 129, 124, 179 ff. [↩]
vgl. BverfGE 129, 124, 177; 132, 195, 239 [↩]
ESMEurokriseEuropäische ZentralbankEuropäischer RettungsschirmEuropäischer Stabilitätsmechanismus

References: Art. 93
 § 13
 Art. 93
 § 13
 Art. 267
 Art. 119
 Art. 17
 Art. 79
 Art.20
 Art. 23
 Art. 38
 Art. 79
 Art. 88
 Art. 38

Art. 38
 Art. 38
 Art. 23
 Art. 79
 Art.20
 Art. 38
 Art. 23
 Art. 5
 Art. 1
 Art.20
 Art. 4
 Art. 5
 Art. 6
 Art. 267
 Art.20
 Art. 79
 Art. 23
 Art. 79
 Art. 79
 Art. 79
 Art. 267

Art. 38
 Art. 79
 Art. 79
 Art. 79
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 79
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 79
 Art. 79
 Art. 23
 Art. 88
 Art. 79
 Art. 88
 Art. 288
 Art. 263
 Art. 79
 Art. 121
 Art. 127
 Art. 2
 Art. 136
 Art. 125
 Art. 23
 Art. 79
 Art. 23
 Art. 38
 Art. 23
 Art. 38
 Art. 38
 Art. 23
 Art. 79
 Art. 23
 Art. 119
 Art. 127
 Art. 17
 Art. 123

Art. 119
 Art. 127
 Art. 17
 Art. 282
 Art. 88
 Art. 130
 Art. 282
 Art. 3
 Art. 282
 Art. 127
 Art. 22
 Art. 23
 Art. 24
 Art. 11
 Art. 13
 Art. 10
 Art. 12
 Art. 121
 Art. 120
 Art. 2
 Art. 5
 Art. 127
 Art. 282
 Art. 140
 Art. 139
 Art. 136
 Art. 119
 Art. 127
 Art. 126
 Art. 3
 Art. 10
 Art. 12
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 18
 Art. 14
 Art. 127
 Art. 130
 Art. 127
 Art. 123

Art. 123
 Art. 21
 Art. 125
 Art. 123
 Art. 123
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 Art. 119
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 Art. 17
 Art. 123
 Art.20
 Art. 79
 Art. 79
 Art. 38
 Art. 38
 EuGH 
 § 175
 Art. 6
 Art. 123
 Art. 125