Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202003,%203058
Timestamp: 2019-08-26 01:52:41+00:00

Document:
BGH, 26.06.2003 - I ZR 269/00 - dejure.org
https://dejure.org/2003,1255
BGH, 26.06.2003 - I ZR 269/00 (https://dejure.org/2003,1255)
BGH, Entscheidung vom 26.06.2003 - I ZR 269/00 (https://dejure.org/2003,1255)
BGH, Entscheidung vom 26. Juni 2003 - I ZR 269/00 (https://dejure.org/2003,1255)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2003,1255) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Umfang der materiellen Rechtskraft: Begriff des Streitgegenstands, Zweigliedrigkeit des Streitgegenstandsbegriffs; keine Erstreckung der Rechtskraft auf präjudizielle Rechtsverhältnisse
Bindungswirkung rechtskräftiger Urteile auf präjudizielle Rechtsverhältnisse; Präklusion von Einwendungen des Vorprozesses; Umfang der Rechtskraft des eine negative Feststellungsklage aus Sachgründen abweisenden Urteils; Identität der Streitgegenstände bei Begehren des "kontradiktorischen Gegenteils"; Auslegung des Formerfordernis "mittels eingeschriebenem Brief"
Verfahrensrecht - Bindungswirkung eines Urteils
Erstreckung der Rechtskraft auf präjudizielle Rechtsverhältnisse
NJW 2003, 3058
MDR 2003, 1247
Die Bestimmung des § 322 Abs. 1 ZPO setzt aber der Rechtskraft eines Urteils bewusst in der Weise enge Grenzen, dass diese sich auf den unmittelbaren Gegenstand des Urteils, das heißt die Rechtsfolge beschränkt, die den Entscheidungssatz bildet, nicht aber auf einzelne Urteilselemente, tatsächliche Feststellungen und rechtliche Folgerungen, auf denen die betroffene Entscheidung aufbaut (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2003 - I ZR 269/00, NJW 2003, 3058, 3059).
Dies setzt der Rechtskraft eines Urteils bewusst enge Grenzen; sie beschränkt sich auf den unmittelbaren Gegenstand des Urteils, das heißt die Rechtsfolge, die den Entscheidungssatz bildet, erstreckt sich aber nicht auf einzelne Urteilselemente, tatsächliche Feststellungen und rechtliche Folgerungen, auf denen die getroffene Entscheidung aufbaut (BGH, Urteil vom 26. Juni 2003 - I ZR 269/00, NJW 2003, 3058, 3059 unter II.1.a. mwN;… vom 5. November 2009 - IX ZR 239/07, BGHZ 183, 77 Rn. 9 mwN).
Auf die Verneinung dieser Vorfrage erstreckt sich daher die Bindungswirkung der Abschlußerklärung nicht (eingehend dazu BGH, Urt. v. 26.6.2003 - I ZR 269/00, NJW 2003, 3058, 3059).
Eine Identität der Streitgegenstände, die zur Unzulässigkeit eines erneuten Verfahrens führt, ist nicht nur dann anzunehmen, wenn im zweiten Verfahren der nämliche Streitgegenstand nochmals rechtshängig gemacht wird, sondern auch dann, wenn dort das mit dem Rechtsausspruch im ersten Verfahren unvereinbare "kontradiktorische Gegenteil" begehrt wird (BGH 26. Juni 2003 - I ZR 269/00 - zu II 1 a der Gründe, NJW 2003, 3058) .
In Rechtskraft erwachsen gemäß § 322 ZPO lediglich die im Hinblick auf den Streitgegenstand ausgesprochenen Rechtsfolgen, nicht jedoch die einzelnen Tatsachen, präjudiziellen Rechtsverhältnisse und sonstigen Vorfragen, aus welchen das Gericht diese Rechtsfolge abgeleitet hat (RGZ 120, 317, 319; BGHZ 13, 265, 279; 43, 144, 145; 94, 29, 33; 123; 137, 140; 124, 86, 95; BGH, Urt. v. 26. Juni 2003 - I ZR 269/00, NJW 2003, 3058, 3059;… v. 23. Juli 2008 - XII ZR 158/06, NJW 2008, 2922 Rn. 22;… Stein/Jonas/Leipold, aaO § 322 Rn. 77 ff;… MünchKomm-ZPO/Gottwald, 3. Aufl. § 322 Rn. 101 ff;… Zöller/Vollkommer, ZPO 27. Aufl. Vor § 322 Rn. 32 ff;… Musielak, ZPO 7. Aufl. § 322 Rn. 17, 26 f;… Hk-ZPO/Saenger, 3. Aufl. § 322 Rn. 23;… Völzmann-Stickelbrock in Prütting/Gehrlein, ZPO § 322 Rn. 33).
Diese erhebliche Rechtskrafterweiterung hat der jetzt zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes jedoch wieder aufgegeben und eine Präjudizialität von Schadensersatz- und Unterlassungsklage bei teilidentischen Anspruchsvoraussetzungen in beiden Richtungen abgelehnt (BGHZ 150, 377, 383; BGH, Urt. v. 26. Juni 2003 - I ZR 269/00, NJW 2003, 3058, 3059; ebenso BGHZ 160, 67, 71).
Einzelne Urteilselemente, tatsächliche Feststellungen und rechtliche Folgerungen, auf denen die getroffene Entscheidung aufbaut, werden dagegen von der Rechtskraft nicht erfasst (BGH 26. Juni 2003 - I ZR 269/00 - zu II 1 a der Gründe, NJW 2003, 3058) .
Der Umfang der materiellen Rechtskraft ist beschränkt auf den Streitgegenstand, über den im Erstprozess entschieden worden ist (BGHZ 85, 367, 374; 93, 287, 288 f.; BGH, Urt. v. 26.6.2003 - I ZR 269/00, NJW 2003, 3058, 3059).
Einzelne Begründungselemente nehmen grundsätzlich nicht an der materiellen Rechtskraft teil (vgl. nur BAG 25. August 2010 - 10 AZR 275/09 - Rn. 16, BAGE 135, 239; BGH 26. Juni 2003 - I ZR 269/00 - Rn. 22, NJW 2003, 3058) .
BGH, 23.07.2008 - XII ZR 158/06
Umfang der Rechtskraft eines Zivilurteils hinsichtlich eines abgetretenen …
Eine materielle Rechtskraft tritt insoweit nicht ein, weil sie sich auf präjudizielle Rechtsverhältnisse und bestehende Sinn- und Ausgleichszusammenhänge nicht erstreckt (BGH Urteil vom 26. Juni 2003 - I ZR 269/00 - NJW 2003, 3058, 3059;… Zöller/Vollkommer aaO vor § 322 Rdn. 28;… Musielak ZPO 6. Aufl. § 322 Rdn. 26, 27).
BGH, 23.05.2007 - IV ZR 3/06
Zivilverfahrensrecht - Auf Berufsunfähigkeitsrentenzahlung beschränktes Urteil
OLG Brandenburg, 15.07.2009 - 7 U 166/08
Mietvertrag über mehrere Sachen: Kündigung des gesamten Vertrages bei …
KG, 20.08.2007 - 12 U 127/06
Zivilprozess: Rechtskraft und Bindungswirkung einer gerichtlichen Entscheidung …
LAG Düsseldorf, 08.07.2005 - 9 Sa 262/05

References: § 322
 § 322
 § 322
 § 322
 § 322
 § 322
 § 322
 § 322
 BGH 
 § 322
 § 322