Source: http://edv-workshop.de/nav/news/art10/art-1001-02.htm
Timestamp: 2018-01-17 05:10:58+00:00

Document:
03.01.2010 Strafrecht
Der Hintermann als Täter mittelbarer Täter
Teilen sich mehrere Täter die Tatausführung (2) so, dass sie für jeweils einen notwendigen Teil des Tatplans die Tatherrschaft übernehmen, oder handeln sie gemeinsam, werden sie alle gemäß § 25 Abs. 2 StGB als Mittäter gleich einem Einzeltäter behandelt.
Vom Mittäter unterscheidet sich der Gehilfe ( § 27 Abs. 1 StGB) dadurch, dass er nicht nach der Tatherrschaft trachtet, sondern sich mit Teilnehmerwillen der Tatherrschaft des anderen unterwirft. Das kann er nur bewusst, also mit Vorsatz machen.
Den Initiator des Täters bezeichnet das Gesetz als Anstifter ( § 26 StGB). Er fördert den Tatentschluss, hat aber keine Tatherrschaft.
Der Hintermann beeinflusst einen psychisch Kranken so, dass er die Tat als willenloses Werkzeug mit verminderter oder ohne Schuld begeht ( §§ 20, 21 StGB). (4)
Der Hintermann vorenthält Herrschaftswissen, so dass das Werkzeug unter Irrtum handelt ( §§ 16, 17 StGB). Bekannte Beispiele dafür sind der Irrtum über eine scharfe Schusswaffe, die für eine Schreckschusswaffe gehalten wird, oder über die Wirkung von Giften oder Medikamenten.
Dem Werkzeug fehlt ein persönliches Merkmal der Strafbarkeit ( § 28 StGB). Neben den Vertretungsfällen ( § 14 Abs. 1 StGB) können das auch besondere Berufspflichten als "Richter", "Rechtsanwalt" u.a. sein.
Der Hintermann bildet schuldunfähige Kinder ( § 19 StGB) für Straftaten aus, lässt sie diese ausführen und übernimmt die Beute (5).
Diese traditionellen Formen der mittelbaren Täterschaft meint der BGH (1) ( links oben), wenn er vom unmittelbar handelnden Täter mit Tatherrschaft spricht.
Missbrauch von Macht mafiöse Kriminalität
Eine so verstandene mittelbare Täterschaft wird nicht nur beim Mißbrauch staatlicher Machtbefugnisse, sondern auch in Fällen mafiaähnlich organisierten Verbrechens in Betracht kommen, bei denen der räumliche, zeitliche und hierarchische Abstand zwischen der die Befehle verantwortenden Organisationsspitze und den unmittelbar Handelnden gegen arbeitsteilige Mittäterschaft spricht. Auch das Problem der Verantwortlichkeit beim Betrieb wirtschaftlicher Unternehmen läßt sich so lösen. Darüber hinaus kommt eine so verstandene mittelbare Täterschaft auch in Fällen in Betracht, in denen, wie in dem der Entscheidung BGHSt 3, 110 (9) zugrundeliegenden Sachverhalt, der Täter bewußt einen rechtswidrig handelnden Staatsapparat für die Verfolgung eigener Ziele ausnutzt. (10)
(1) BGH, Urteil vom 26.07.1994 - 5 StR 98/94, Rn. 80
(4) Eine noch wenig betrachtete Variante betrifft Menschen, die infolge einer Gewaltanwendung oder unter Lebensbedrohung unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung - PTB - leiden. Unter dem Einfluss des Täters können sie zu Handlungen bestimmt werden, die sie sonst nicht ausführen würden. Sie erkennen zwar, dass sie falsch handeln (Einsichtsfähigkeit), können womöglich aber nicht nach dieser Einsicht handeln (Steuerungsfähigkeit).
(5) literarisches Vorbild: Oliver Twist von Charles Dickens
(8) Günther Jakobs, Zur Täterschaft des Angeklagten Alberto Fujimori Fujimori, 14.11.2009
(9) im Internet nicht verfügbar

References: § 25
 § 27
 § 26
 § 28
 § 14
 § 19
 BGH