Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/branchenzuschlaege-fuer-arbeitnehmerueberlassungen-in-der-metall-und-elektroindustrie-3203238
Timestamp: 2020-07-10 04:19:00+00:00

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Branchenzuschläge für Arbeitnehmerüberlassungen in der Metall- und Elektroindustrie | Rechtslupe
Ein Leih­ar­beit­neh­mer unter­fällt nicht dem fach­li­chen und per­sön­li­chen Gel­tungs­be­reich nach § 1 Nr. 2 und Nr. 3 des zwi­schen dem Bun­des­ar­beit­ge­ber­ver­band der Per­so­nal­dienst­leis­ter e. V. (BAP) sowie der Inter­es­sen­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit e. V. (iGZ) und dem IG-Metall­vor­stand abge­schlos­se­ne Tarif­ver­trags über Bran­chen­zu­schlä­ge für Arbeit­neh­mer­über­las­sun­gen in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie vom 22.05.2012 (TV BZ ME), wenn der Betrieb der Ent­lei­he­rin weder ein Kata­log­be­trieb i.S.d. § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 1 TV BZ ME noch ein Unter­stüt­zungs­be­trieb i.S.v. § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 2 TV BZ ME.
Dies ergibt für das Bun­des­ar­beits­ge­richt die Aus­le­gung der Tarif­be­stim­mun­gen [1].
Nach § 1 Nr. 2 Satz 1 TV BZ ME gilt der Tarif­ver­trag nur für tarif­ge­bun­de­ne Mit­glieds­un­ter­neh­men des BAP und des iGZ, die im Rah­men der Arbeit­neh­mer­über­las­sung Beschäf­tig­te in einem Kun­den­be­trieb der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie ein­set­zen. Die Arbeit­ge­be­rin (Ent­lei­he­rin) setz­te den Leih­ar­beit­neh­mer im Rah­men einer Arbeit­neh­mer­über­las­sung in einem Ent­lei­her­be­trieb ein. Auf die Tarif­ge­bun­den­heit der Arbeit­ge­be­rin kommt es im Streit­fall nicht an, weil die Rege­lun­gen des TV BZ ME arbeits­ver­trag­lich in Bezug genom­men sind. Auch nicht ver­bands­mä­ßig orga­ni­sier­te Leih­ar­beit­ge­ber kön­nen die – schuld­recht­li­che – Ver­bind­lich­keit eines Tarif­ver­trags über Bran­chen­zu­schlä­ge durch Bezug­nah­me­klau­sel her­bei­füh­ren [2].
Zur Eröff­nung des fach­li­chen und per­sön­li­chen Gel­tungs­be­reichs des TV BZ ME ist erfor­der­lich, dass der Leih­ar­beit­neh­mer von der Arbeit­ge­be­rin in einem Kun­den­be­trieb der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie iSd. § 1 Nr. 2 TV BZ ME ein­ge­setzt bzw. an einen sol­chen über­las­sen wur­de (vgl. § 1 Nr. 3 TV BZ ME). Die­se Tat­be­stands­vor­aus­set­zung für den erho­be­nen Anspruch ist nicht erfüllt, weil die Ent­lei­he­rin kei­nen Kun­den­be­trieb der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie iSd. § 1 Nr. 2 TV BZ ME betreibt.
Anknüp­fungs­punkt für die Eröff­nung des fach­li­chen Gel­tungs­be­reichs des TV BZ ME ist nach dem Wort­laut des Tarif­ver­trags der Kun­den­be­trieb. Da der Tarif­ver­trag nicht näher defi­niert, was unter einem "Betrieb" zu ver­ste­hen sein soll, ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en den Fach­be­griff Betrieb in sei­ner all­ge­mei­nen recht­li­chen Bedeu­tung anwen­den woll­ten [3]. Die­ser all­ge­mei­ne arbeits­recht­li­che Betriebs­be­griff ist geprägt durch den betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Betriebs­be­griff iSd. § 1 BetrVG. Danach ist der Betrieb die orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit von Arbeits­mit­teln, mit deren Hil­fe der Arbeit­ge­ber allein oder in Gemein­schaft mit sei­nen Arbeit­neh­mern mit Hil­fe von tech­ni­schen und imma­te­ri­el­len Mit­teln einen bestimm­ten arbeits­tech­ni­schen Zweck fort­ge­setzt ver­folgt, der nicht nur in der Befrie­di­gung von Eigen­be­darf liegt [4]. Ob ein Betrieb der genann­ten Wirt­schafts­zwei­ge vor­liegt, bestimmt sich somit nach dem in die­ser orga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit ver­folg­ten arbeits­tech­ni­schen Zweck und des­sen Zuord­nung zu einer der genann­ten Bran­chen.
In § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 1 TV BZ ME wer­den Wirt­schafts­zwei­ge auf­ge­führt, deren Betrie­be als Kun­den­be­trieb der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie gel­ten, soweit sie nicht dem Hand­werk zuzu­ord­nen sind. Es han­delt sich um eine tarif­li­che Fik­ti­on, auf­grund derer es für die Zuord­nung eines Betriebs der auf­ge­zähl­ten Wirt­schafts­zwei­ge nicht mehr auf sons­ti­ge Abgren­zungs­kri­te­ri­en ankommt. Der Begriff des Wirt­schafts­zweigs umfasst nach all­ge­mei­nem Ver­ständ­nis die Gesamt­heit der Betrie­be, die auf­grund ihrer Pro­duk­ti­on zu einem bestimm­ten wirt­schaft­li­chen Bereich gehö­ren [5], also einer Bran­che oder Spar­te. Die sog. Kata­log­be­trie­be, die in den Spie­gel­stri­chen des § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 1 TV BZ ME auf­ge­führt wer­den, kenn­zeich­nen sich durch die Her­stel­lung von Pro­duk­ten bzw. Vor­stu­fen und Tei­len von Pro­duk­ten, die im wei­tes­ten Sinn der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie zuge­ord­net wer­den kön­nen.
Der Begriff Elek­tro­in­dus­trie erfasst Betrie­be, die elek­tri­sche Bedarfs­ar­ti­kel indus­tri­ell her­stel­len [6], wobei der Begriff der Indus­trie eine Mas­sen­her­stel­lung von Waren mit tech­ni­schen Mit­teln und auf­grund von Arbeits­tei­lung in Groß­be­trie­ben [7] ver­langt [8]. Unter dem Begriff der Elek­tro­tech­nik wird übli­cher­wei­se der Zweig der Tech­nik ver­stan­den, der sich mit der tech­ni­schen Anwen­dung der phy­si­ka­li­schen Grund­la­gen und Erkennt­nis­sen der Elek­tri­zi­täts­leh­re befasst [9]. Hier­von aus­ge­hend beschäf­tigt sich der Wirt­schafts­zweig der Elek­tro­tech­nik­in­dus­trie mit der Mas­sen­her­stel­lung ent­spre­chen­der Waren. Der Begriff der Hard­ware umfasst die Gesamt­heit der tech­nisch-phy­si­ka­li­schen Tei­le einer Daten­ver­ar­bei­tungs­an­la­ge [10]. Ent­spre­chend ist unter dem Wirt­schafts­zweig der Hard­ware­pro­duk­ti­on die Her­stel­lung sol­cher Tei­le zu ver­ste­hen. Anhalts­punk­te für die Annah­me, die Tarif­ver­trags­par­tei­en wären von einem ande­ren Ver­ständ­nis des­sen, was den genann­ten Wirt­schafs­zwei­gen unter­fällt, aus­ge­gan­gen, fin­den sich im TV BZ ME nicht [11].
Hier­von aus­ge­hend unter­fällt der Betrieb der Ent­lei­he­rin in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall kei­nem der Kata­log­be­trie­be der genann­ten Wirt­schafts­zwei­ge. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts sind des­sen über­wie­gend aus­ge­üb­te Tätig­kei­ten sol­che aus dem Bereich des Ver­triebs von Dru­ckern, Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­ten, Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en und Soft­ware. Die­se Fest­stel­lun­gen sind von der Revi­si­on nicht ange­grif­fen und daher für das Bun­des­ar­beits­ge­richt bin­dend (§ 559 Abs. 2 ZPO). Die von der Ent­lei­he­rin im Zusam­men­hang mit dem Ver­trieb erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen, wie War­tung und Her­stel­ler­ga­ran­tie­leis­tun­gen, Mana­ged Print Ser­vices und Pro­fes­sio­nal Ser­vices ste­hen in ihrem Anteil hin­ter den Ver­triebs­tä­tig­kei­ten deut­lich zurück. Dies kor­re­spon­diert auch mit den Mit­ar­bei­ter­zah­len der Ent­lei­he­rin, die die Arbeit­ge­be­rin (Ent­lei­he­rin) für die Jah­re 2012 bis 2015 zweit­in­stanz­lich unwi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen hat. Danach waren von den ins­ge­samt 209 Mit­ar­bei­tern der Ent­lei­he­rin 104 im Ver­trieb tätig und es wur­den ledig­lich 14 Tech­ni­ker beschäf­tigt. Die übri­gen Mit­ar­bei­ter fan­den sich im Bereich Ver­wal­tung und Per­so­nal. Eine Her­stel­lung von Elek­tro­ar­ti­keln bzw. Daten­ver­ar­bei­tungs­an­la­gen, wie sie den genann­ten Kata­log­be­trie­ben eigen sein muss, fin­det im Betrieb der Ent­lei­he­rin somit nicht, jeden­falls nicht – wie erfor­der­lich – über­wie­gend statt.
Der fach­li­che und per­sön­li­che Gel­tungs­be­reich des Tarif­ver­trags ist auch nicht auf­grund eines Ein­sat­zes des Leih­ar­beit­neh­mers in einem "zu den erwähn­ten Wirt­schafts­zwei­gen gehö­ren­den Repa­ra­tur, Zube­hör, Mon­ta­ge, Dienst­leis­tungs- und sons­ti­gem Hilfs- und Neben­be­trieb" iSv. § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 2 TV BZ ME eröff­net. Die über­wie­gen­den Tätig­kei­ten im Betrieb der Ent­lei­he­rin fin­den im Ver­trieb statt, womit der Betrieb kein sog. Unter­stüt­zungs­be­trieb ist.
Die Bestim­mung des § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 2 TV BZ ME erwei­tert durch die Kon­junk­ti­on "sowie" den fach­li­chen Gel­tungs­be­reich des Tarif­ver­trags auf Repa­ra­tur, Zube­hör, Mon­ta­ge, Dienst­leis­tungs- und sons­ti­ge Hilfs- und Neben­be­trie­be. Gemeint sind damit Betrie­be, die nicht ori­gi­när einem der in § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 1 TV BZ ME genann­ten Wirt­schafts­zwei­ge unter­fal­len, die aber nach ihren aus­schließ­li­chen oder über­wie­gen­den betrieb­li­chen Tätig­kei­ten den Fer­ti­gungs­pro­zess eines Kata­log­be­triebs unter­stüt­zen und des­halb zum ent­spre­chen­den Wirt­schafts­zweig in dem Sin­ne "gehö­ren", dass sie ihm zuzu­ord­nen sind [12]. Das folgt aus dem Ober­be­griff "Hilfs- und Neben­be­trieb" [13], für den die aus­drück­lich genann­ten Repa­ra­tur, Zube­hör, Mon­ta­ge- und Dienst­leis­tungs­be­trie­be – klar­ge­stellt durch die Ver­knüp­fung "und sons­ti­gen" – Regel­bei­spie­le sind. Kenn­zeich­nend für den Hilfs- oder Neben­be­trieb ist, dass der betref­fen­de Betrieb ein selb­stän­di­ger Betrieb ist, der für einen ande­ren Betrieb – den Haupt­be­trieb – eine Hilfs­funk­ti­on aus­übt und den dort ver­folg­ten Betriebs­zweck unter­stützt [14]. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Arbeit­ge­be­rin ist es nicht erfor­der­lich, dass Kata­log- und Unter­stüt­zungs­be­trieb iSd. § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 2 TV BZ ME den­sel­ben Inha­ber haben. Für eine sol­che – unge­schrie­be­ne – Vor­aus­set­zung bie­tet die Tarif­norm kei­nen Anhalts­punkt [15].
Gemes­sen an die­sen vom Bun­des­ar­beits­ge­richt bereits auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen ist der Ein­satz­be­trieb des Leih­ar­beit­neh­mers kein zu den Wirt­schafts­zwei­gen der Elek­tro­tech­nik, Elek­tro- und Elek­tro­tech­nik­in­dus­trie bzw. Hard­ware­pro­duk­ti­on gehö­ren­der Unter­stüt­zungs­be­trieb.
Die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt über­wie­gend fest­ge­stell­ten Tätig­kei­ten im Ent­lei­her­be­trieb sind die­je­ni­gen des Ver­triebs. Damit wird nicht die Pro­duk­ti­on von Dru­ckern, Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­ten und Ver­brauchs­ma­te­ri­al bei der L I unter­stützt. Dies ist jedoch erfor­der­lich, um Unter­stüt­zungs­be­trieb iSd. Tarif­norm zu sein. Zweck des TV BZ ME ist die Mil­de­rung der finan­zi­el­len Nach­tei­le bei einem län­ge­ren Ein­satz in einem Kun­den­be­trieb der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie, die der Leih­ar­beit­neh­mer aus Sicht der Tarif­ver­trags­par­tei­en durch das tarif­lich ermög­lich­te Abwei­chen vom Gebot der Gleich­be­hand­lung (§ 9 Abs. 1 Nr. 2, § 8 Abs. 2 AÜG) hin­neh­men muss. Sein Ent­gelt soll mit stei­gen­der Ein­satz­dau­er bis zur Gren­ze des­je­ni­gen ver­gleich­ba­rer Stamm­ar­beit­neh­mer der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie ange­ho­ben wer­den (§ 2 Abs. 4 TV BZ ME) und zugleich soll Leih­ar­beit ver­teu­ert wer­den [16].
Für die Bestim­mung, ob ein Unter­stüt­zungs­be­trieb vor­liegt oder nicht, ist ent­spre­chend die­sem Zweck zu fra­gen, ob die unter­stüt­zen­de Tätig­keit des Ein­satz­be­triebs dem Fer­ti­gungs­pro­zess eines Kata­log­be­triebs dient. Ein Unter­stüt­zungs­be­trieb iSd. § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 2 TV BZ ME liegt somit nur dann vor, wenn dort Tätig­kei­ten am Pro­dukt eines Betriebs der genann­ten Wirt­schafts­zwei­ge zum Zwe­cke sei­ner Her­stel­lung, Ver­bes­se­rung, Repa­ra­tur, Ergän­zung oder Zusam­men­fü­gung vor­ge­nom­men wer­den. Inso­weit ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts erfor­der­lich, dass der Ein­satz­be­trieb nach sei­nen aus­schließ­li­chen oder über­wie­gen­den betrieb­li­chen Tätig­kei­ten dem ent­spre­chen­den Wirt­schafts­zweig zuzu­ord­nen ist [17].
Die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­ten, im Betrieb der Ent­lei­he­rin über­wie­gend aus­ge­üb­ten Tätig­kei­ten im Ver­trieb las­sen sich nicht als eine sol­che Unter­stüt­zungs­tä­tig­keit begrei­fen. Eine über­wie­gend aus­ge­üb­te Tätig­keit an einem Pro­dukt, das der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie zuzu­ord­nen ist, lässt sich bei Ver­triebs­tä­tig­kei­ten nicht fest­stel­len. Der Ver­trieb ist auch nicht unter den Begriff des Dienst­leis­tungs­be­triebs zu fas­sen. Die Auf­lis­tung der Unter­stüt­zungs­be­trie­be in § 1 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 2 TV BZ ME zeigt, dass auch der Dienst­leis­tungs­be­trieb – eben­so wie der Repa­ra­tur, Zube­hör- und Mon­ta­ge­be­trieb, zumin­dest über­wie­gen­de Tätig­kei­ten an einem Pro­dukt der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie selbst aus­füh­ren muss.
Die­ser Sach­ver­halt ist von der Kon­stel­la­ti­on zu unter­schei­den, über die das Bun­des­ar­beits­ge­richt für den Bereich von Logis­tik­dienst­leis­tun­gen zu befin­den hat­te. Dort wur­den vom Pro­du­zen­ten ange­lie­fer­te Bau­tei­le für die Auto­mo­bil­pro­duk­ti­on im Ein­satz­be­trieb in eine vor­ge­ge­be­ne Rei­hen­fol­ge (sog. Sequen­zie­rung) gebracht und die­se "just in sequence" zur Wei­ter­ver­ar­bei­tung in ein Werk gelie­fert sowie ein­zel­ne Bau­tei­le zusam­men­ge­fügt [18]. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat für die­sen Fall erkannt, dass der Ein­satz­be­trieb durch die über­wie­gen­den Tätig­kei­ten der Sequen­zie­rung und Logis­tik die Auto­mo­bil­pro­duk­ti­on eines Kata­log­be­triebs unter­stüt­ze. Die vor­lie­gen­de Sach­ver­halts­kon­stel­la­ti­on unter­schei­det sich jedoch hier­von, weil eine Ver­triebs­tä­tig­keit nicht die Pro­duk­ti­on von Dru­ckern, Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­ten, Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en und Soft­ware unter­stützt. Eine unter­stüt­zen­de Ein­bin­dung mit Tätig­kei­ten am Pro­dukt des Kata­log­be­triebs lässt sich beim Ver­trieb nicht fest­stel­len. Die­ser knüpft viel­mehr erst an das bereits fer­tig­ge­stell­te Pro­dukt an, ist der Tätig­keit am Pro­dukt mit­hin nach­ge­la­gert.
Dabei kommt es nicht auf den Schwer­punkt der Tätig­keit des Leih­ar­beit­neh­mers an, son­dern auf die im Ent­lei­her­be­trieb über­wie­gend aus­ge­üb­ten Tätig­kei­ten. Der Leih­ar­beit­neh­mer beruft sich dar­auf, der Schwer­punkt sei­ner Arbeit habe auf der tech­ni­schen Betreu­ung der Kun­den, dem Zusam­men­set­zen der ein­zel­nen Kom­po­nen­ten der Gerä­te und der Durch­füh­rung der War­tungs­ver­trä­ge gele­gen. Dies mag der typi­schen Tätig­keit eines Tech­ni­kers im Ent­lei­her­be­trieb ent­spre­chen, jedoch stellt der TV BZ ME – wie oben aus­ge­führt – ent­schei­dend auf die im Betrieb über­wie­gend aus­ge­üb­te Tätig­keit ab. Die­se liegt nach den das Bun­des­ar­beits­ge­richt bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts im Ver­trieb.
Der Betrieb der Ent­lei­he­rin unter­fällt im hier ent­schie­de­nen Fall auch nicht auf­grund der Zwei­fels­re­ge­lung des § 1 Nr. 2 Satz 3 TV BZ ME des­sen fach­li­chem Gel­tungs­be­reich. Man­gels bestehen­der Zwei­fel in tat­säch­li­cher Hin­sicht ist für die Anwen­dung der Zwei­fels­re­ge­lung kein Raum.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. März 2020 – 5 AZR 430/​18
vgl. Nießen/​Fabritius BB 2013, 375, 377[↩]
vgl. BAG 19.05.2011 – 6 AZR 841/​09, Rn. 15 mwN[↩]
vgl. BAG 19.07.2016 – 2 AZR 468/​15, Rn. 12 mwN[↩]
Duden, Das gro­ße Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che, 3. Aufl., Stich­wort: "Wirt­schafts­zweig"[↩]
Wah­rig, Deut­sches Wör­ter­buch, 9. Aufl., Stich­wort: "Elek­tro­in­dus­trie"[↩]
Wah­rig, Deut­sches Wör­ter­buch, 9. Aufl., Stich­wort: "Indus­trie"[↩]
zur Abgren­zung zwi­schen Indus­trie und Hand­werk sie­he auch BAG 21.01.2015 – 10 AZR 55/​14, Rn. 35[↩]
Duden, Das gro­ße Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che, 3. Aufl., Stich­wort: "Elek­tro­tech­nik"[↩]
Duden, Das gro­ße Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che, 3. Aufl., Stich­wort: "Hard­ware"[↩]
vgl. für den Wirt­schafts­zweig der Auto­mo­bil­in­dus­trie BAG 22.02.2017 – 5 AZR 552/​14, Rn. 21, BAGE 158, 197[↩]
BAG 22.02.2017 – 5 AZR 252/​16, Rn.19, BAGE 158, 205; 22.02.2017 – 5 AZR 552/​14, Rn. 24, BAGE 158, 197[↩]
vgl. BAG 22.02.2017 – 5 AZR 252/​16, Rn.20, aaO; 22.02.2017 – 5 AZR 552/​14, Rn. 25, aaO[↩]
BAG 22.02.2017 – 5 AZR 252/​16, Rn. 21 ff., aaO; 22.02.2017 – 5 AZR 453/​15, Rn. 22 ff.[↩]
vgl. BAG 22.02.2017 – 5 AZR 552/​14, Rn. 23, BAGE 158, 197[↩]
vgl. BAG 22.02.2017 – 5 AZR 453/​15, Rn. 21; 22.02.2017 – 5 AZR 252/​16, Rn.19, BAGE 158, 205; 22.02.2017 – 5 AZR 552/​14, Rn. 24, BAGE 158, 197[↩]
vgl. BAG 22.02.2017 – 5 AZR 252/​16, Rn. 4, BAGE 158, 205[↩]
BranchenzuschlagElektroindustrieTarifvertragUnterstützungsbetrieb

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