Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BVerfG_10_06_2009_1_BvR_198_08_Teileinziehung_einer_oeffentl-d3727570.html
Timestamp: 2016-12-04 04:34:48+00:00

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BVerfG, 10.06.2009 - 1 BvR 198/08 - Teileinziehung einer öffentlichen Straße; Personenbeförderungsrechtliche Vorschriften als subjektives Recht eines Unternehmers auf Aufrechterhaltung des (uneingeschränkten) Gemeingebrauchs an bestimmten, von ihm befahrenen Straßen; Einbeziehung einer erteilten Linienverkehrsgenehmigung in den Schutz der Eigentumsgarantie unter Berücksichtigung ihrer Eigenschaft als nicht frei verfügbare Unternehmergenehmigung | Urteile auf anwalt24.de
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BVerfG, 10.06.2009 - 1 BvR 198/08 - Teileinziehung einer öffentlichen Straße; Personenbeförderungsrechtliche Vorschriften als subjektives Recht eines Unternehmers auf Aufrechterhaltung des (uneingeschränkten) Gemeingebrauchs an bestimmten, von ihm befahrenen Straßen; Einbeziehung einer erteilten Linienverkehrsgenehmigung in den Schutz der Eigentumsgarantie unter Berücksichtigung ihrer Eigenschaft als nicht frei verfügbare Unternehmergenehmigung
BundesverfassungsgerichtBeschl. v. 10.06.2009, Az.: 1 BvR 198/08Gericht: BVerfGEntscheidungsform: BeschlussDatum: 10.06.2009Referenz: JurionRS 2009, 15996Aktenzeichen: 1 BvR 198/08 Verfahrensgang:vorgehend:VG Stuttgart - 08.05.2007 - AZ: 13 K 4254/05VGH Baden-Württemberg - 19.12.2007 - AZ: 5 S 1612/07Rechtsgrundlagen:§ 2 Abs. 2 Nr. 2 PBefG§ 3 PBefG§ 9 Abs. 1 Nr. 3 PBefG§ 14 Abs. 1 Nr. 2 PBefG§ 21 Abs. 1 PBefG§ 40 PBefG§ 42 PBefG§ 45 Abs. 2 PBefGArt. 2 Abs. 1 GGArt. 31 GGFundstellen:BayVBl 2009, 690-692IR 2009, 213-214JuS 2010, 662-663NVwZ 2009, 1426-1429Verfahrensgegenstand:Verfassungsbeschwerde des Herrn B..., ... gegen a) den Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 19. Dezember 2007 - 5 S 1612/07 -, b) das Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart vom 8. Mai 2007 - 13 K 4254/05 -Redaktioneller Leitsatz:1.Art. 19 Abs. 4 GG eröffnet den Rechtsweg gegen jede behauptete Verletzung subjektiver Rechte durch ein Verhalten der öffentlichen Gewalt. Gewährleistet wird nicht nur formal die Möglichkeit, die Gerichte anzurufen, sondern auch die Effektivität des Rechtsschutzes. Der Bürger hat einen Anspruch auf eine möglichst wirksame gerichtliche Kontrolle. Der Zugang zum Gericht darf nicht in unzumutbarer, aus Sachgründen nicht mehr zu rechtfertigender Weise erschwert werden.2.Art. 19 Abs. 4 GG eröffnet nur demjenigen den Rechtsweg, der durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt ist. Es genügt weder die Verletzung nur wirtschaftlicher Interessen noch die Verletzung von Rechtssätzen, in denen der Einzelne nur aus Gründen des Interesses der Allgemeinheit begünstigt wird, die also reine Reflexwirkung haben, denn Art. 19 Abs. 4 GG garantiert dem Bürger keine allgemeine Rechtmäßigkeitskontrolle der Verwaltung, sondern trifft eine Systementscheidung für den Individualrechtsschutz.3.Für die verwaltungsgerichtliche Kontrolle reicht es aus, dass die behauptete Rechtsverletzung möglich erscheint. Dies ist bereits dann anzunehmen, wenn eine Verletzung eigener subjektiver Rechte des Klägers nicht offensichtlich und eindeutig nach jeder Betrachtungsweise ausgeschlossen ist.3.Bei der Frage, ob die streitentscheidenden Normen subjektive öffentliche Rechte verleihen, handelt es sich um eine reine Rechtsfrage, über die das Gericht auch schon im Rahmen der Zulässigkeitsprüfung entscheiden kann, ohne dass es der Ermittlung weiterer Tatsachen durch eine Beweiserhebung bedürfte und der Kläger durch die Verneinung der Zulässigkeit der Klage im Hinblick auf deren Erfolgsaussicht Nachteile erleiden würde.4.Spezifisches Verfassungsrecht ist nicht schon dann verletzt, wenn eine Entscheidung, am einfachen Recht gemessen, objektiv fehlerhaft ist; der Fehler muss gerade in der Nichtbeachtung von Grundrechten liegen.5.Die Gestaltung des Verfahrens, die Feststellung und Würdigung des Tatbestands, die Auslegung des einfachen Rechts sowie seine Anwendung auf den einzelnen Fall sind so lange der Nachprüfung des Bundesverfassungsgerichts entzogen, als nicht Fehler sichtbar werden, die auf einer grundsätzlich unrichtigen Anschauung von der Bedeutung eines Grundrechts, insbesondere vom Umfang seines Schutzbereichs, beruhen und auch in ihrer materiellen Bedeutung für den konkreten Rechtsfall von einigem Gewicht sind.6.Gegen die Einbeziehung einer erteilten Linienverkehrsgenehmigung in den Schutz der Eigentumsgarantie spricht insbesondere, dass es sich bei ihr um eine Unternehmergenehmigung handelt (vgl. § 3 PBefG), die nicht frei verfügbar ist (vgl. § 2 Abs. 2 Nr. 2 und § 19 PBefG). Darüber hinaus stellt die Genehmigung eine durch das öffentliche Recht gewährte und bestimmte Rechtsposition dar. Damit fehlt es an der für die Anerkennung öffentlich-rechtlicher Positionen als Eigentum notwendigen Voraussetzung des Beruhens auf nicht unerheblicher eigener Leistung.7.Die Nutzung einer Straße gehört zum Regelungsgegenstand des Straßenrechts. Der konkrete Rahmen der Straßennutzung wird bestimmt durch eine auf der Grundlage des Straßenrechts erlassene Widmungs- oder Einziehungsverfügung.8.Eine Genehmigung für den Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen, worunter eine zwischen bestimmten Ausgangs- und Endpunkten eingerichtete regelmäßige Verkehrsverbindung zu verstehen ist, auf der Fahrgäste an bestimmten Haltestellen ein- und aussteigen können (vgl. § 42 Satz 1 PBefG), bezieht sich nur auf die Einrichtung, die Linienführung und den Betrieb (vgl. § 9 Abs. 1 Nr. 3 PBefG). Nach ihrer einfachrechtlichen Ausgestaltung erstreckt sich die Genehmigung dagegen nicht auf die Nutzung des zum Streckenbestand gehörenden Straßenraumes. Insoweit folgt der Verkehr der Straße und nicht die Straße dem Verkehr.9.Die Eigentumsgarantie soll dem Träger des Grundrechts einen Freiheitsraum im vermögensrechtlichen Bereich sichern und ihm damit eine eigenverantwortliche Gestaltung des Lebens ermöglichen. Sie schützt den konkreten Bestand an vermögenswerten Gütern vor ungerechtfertigten Eingriffen durch die öffentliche Gewalt. Eine allgemeine Wertgarantie vermögenswerter Rechtspositionen folgt aus Art. 14 Abs. 1 GG nicht. Art. 14 Abs. 1 GG erfasst nur Rechtspositionen, die einem Rechtssubjekt bereits zustehen, nicht aber in der Zukunft liegende Chancen und Verdienstmöglichkeiten.10.Ein aus dem Personenbeförderungsrecht abgeleitetes Recht zur Nutzung einer von einer Teileinziehung betroffenen Straße, das als Teil des Rechts auf den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb geschützt sein könnte, besteht nicht.11.Der Schutz der Eigentumsgarantie beschränkt sich nur auf den konkreten Bestand an Rechten und Gütern. Bloße Umsatz- und Gewinnchancen und tatsächliche Gegebenheiten sind zwar für ein Unternehmen von erheblicher Bedeutung, sie werden jedoch nicht dem geschützten Bestand des einzelnen Unternehmens zugeordnet.12.Hinsichtlich des "Anliegergebrauchs" wird nur der Kernbereich der Erschließungsinteressen der Grundstückseigentümer von Art. 14 GG vor straßenrechtlichen Veränderungen geschützt.13.Art. 31 GG regelt als eine grundlegende Vorschrift des Bundesstaatsprinzips die Lösung von Widersprüchen zwischen Bundes- und Landesrecht. Er bestimmt das Rangverhältnis für alle Arten von Rechtssätzen jeder Rangstufe. Art. 31 GG löst die Kollision von Normen und setzt daher zunächst voraus, dass die Regelungen des Bundes- und Landesrechts auf denselben Sachverhalt anwendbar sind. Können die sich in ihrem Regelungsbereich überschneidenden Normen bei ihrer Anwendung zu verschiedenen Ergebnissen führen, so bricht Bundesrecht jeder Rangordnung eine landesrechtliche Regelung auch dann, wenn diese Bestandteil des Landesverfassungsrechts ist.In dem Verfahren ...hat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichtsdurchden Präsidenten Papier und die Richter Bryde, Schluckebier gemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG In der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl. I S. 1473) am 10. Juni 2009 einstimmig beschlossen:Tenor:Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

References: § 177
 § 54
 Art. 19
 § 3
 § 2
 § 19
 § 42
 § 9
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 31
 § 93
 § 93