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Timestamp: 2020-08-11 07:22:20+00:00

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Medizinwelt | Rettungsdienst | Rettungsdienst RS/RH | Organisation des Rettungsdienstes
MedizinweltRettungsdienstRettungsdienst RS/RHBuchkapitelOrganisation des Rettungsdienstes
B978-3-437-48043-0.00026-1
10.1016/B978-3-437-48043-0.00026-1
Verteilung der Rettungsdiensteinsätze nach Einsatzart; Angaben in Prozent und absoluter Anzahl in Millionen. Quelle: Leistungen des Rettungsdienstes 2012/2013, Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST), Mensch und Sicherheit, Heft M 260, Juni 2015
Rettungsfahrzeuge an der Einsatzstelle
[O429]
Wasserrettungsboot im Einsatz
Rettungshubschrauber EC 135
Stützpunkte der LuftrettungStützpunkteLuftrettung in Deutschland
[W947]
Geschichte des Rettungsdienstes ab 1900
Jahr Errungenschaft
1906 organisierter Rettungsdienst in Salzburg durch die Freiwillige Feuerwehr
1910 Dr. Lukas (Korpsarzt der Münchener Feuerwehr): Forderungen nach einer Ausbildung für das Sanitätspersonal
1910 Transport liegender Verwundeter mit Militärflugzeugen
1938 Prof. Kirschner, Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie: „Der Arzt muss zum Patienten kommen!“
1942 systematischer Einsatz der Infusionstherapie durch amerikanische Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg
1945 Reorganisation des Krankentransportwesens durch die Besatzungsmächte
1950 betriebsärztlicher Unfallwagen der Bergbauindustrie in Bochum
1954 erster Notarztwagen Europas für den öffentlichen Rettungsdienst in Budapest (IFA-Phänomen)
1957 erster Notarztwagen heutiger Prägung (Ford Lkw FK 2500) rückt in Köln aus
1958 erstmalige Beschreibung der eigentlichen Herz-Lungen-Wiederbelebung (Beatmung, externe Thoraxkompression und Defibrillation)
1964 Beginn des Rendezvous-Systems durch Installation des ersten Notarzteinsatzfahrzeuges Deutschlands in Heidelberg: „Heidelberg 10“
1965 Vietnamkrieg: erstmaliger Einsatz von Antischockhosen in Verbindung mit Infusionen
1965 erster Prototyp eines klassischen Rettungswagens (Citroen HY 1500) ohne Arzt in Heidelberg (liebevoller Spitzname: „Wellblechbomber“)
1966 gemeinsamer Notarztdienst der Landeshauptstadt und des Landkreises München
1967 erste Versuche einer organisierten Luftrettung in Deutschland (Mittelfranken und Frankfurt)
1969 kombiniertes Stations- und NEF-System in Köln
1970 Rettungshubschrauber „Christoph 1“ in München nimmt dauerhaft Betrieb auf
1975 Erlass von Rettungsdienstgesetzen durch die meisten Bundesländer Mitte der 1970er-Jahre
1977 unverbindliche Vereinbarung über eine bundeseinheitliche Ausbildung zum Rettungssanitäter („520-Stunden-Programm“)
1987 erstes, aus einem Großraumbus entwickeltes Spezialfahrzeug für Intensivpatienten („Intensivmobil“) in Köln
1988 Beginn der Einführung von organisierten Ersthelfersystemen
1989 Gesetz über den Beruf des Rettungsassistenten (RettAssG)
1990 Beginn der Etablierung der Frühdefibrillation durch Rettungsfachpersonal und ausgebildete Laienhelfer
1990 Beginn einer systematischen seelsorgerischen Betreuung von Betroffenen, Angehörigen, Helfern und Dritten (Psychosoziale Notfallversorgung [PSNV], u. a.: Notfallseelsorge, Krisenintervention, Mediatorenmodell)
1991 erster speziell für Intensivtransporte ausgestatteter Hubschrauber (Intensivtransporthubschrauber, ITH) wird in München in Dienst gestellt
2013 12-Kanal-EKG, externer Schrittmacher, Kapnometrie und Lyse inzwischen weitgehend präklinischer Standard, teilweise bereits Telemetrie, präklinischer Ultraschall und nach Reanimationen präklinische Hypothermie; zunehmend spezielle Transportfahrzeuge für schwergewichtige Patienten und bodengebundene Intensivverlegungen
2014 Gesetz über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters
Beteiligte Organisationen (Auswahl) im deutschen Rettungsdienst und ihre RettungsdienstOrganisationAufgaben
ADAC Luftrettung (ADAC) Luftrettung (Maschine und Pilot), weltweite Patientenrückholung
Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) bodengebundene Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport, Luftrettung (medizinisches Personal), Schnelleinsatzgruppen, Wasser-, Höhen- und Bergrettung, Rettungshundestaffeln, weltweite Patientenrückholung
Bergwacht Bergrettung
Bundespolizei (BPol) Luftrettung (Maschine und Pilot)
Bundesverband Rettungshunde (BRH) Rettungshundestaffeln (RHS) zur Flächen-, Trümmer- und Lawinensuche sowie zum Mantrailing und zur Wasserortung
Bundeswehr (BW) Luftrettung (medizinisches Personal), „Search and Rescue“ (SAR), bodengebundene Notfallrettung
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) Seenotrettung an der deutschen Nord- und Ostseeküste
Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Wasserrettung an Binnengewässern, Rettungstauchen
DRF Luftrettung (DRF) Luftrettung (gesamte Crew), weltweite Patientenrückholung
Deutsches Rotes Kreuz (DRK) bodengebundene Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport, Luftrettung (medizinisches Personal), Schnelleinsatzgruppen, Wasser-, Höhen- und Bergrettung, Rettungshundestaffeln, weltweite Patientenrückholung
Feuerwehren „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“, u. a.: Brand- und Feuerbekämpfung, Bekämpfung von und Schutz vor chemischen, biologischen und atomaren Gefahren, Personenrettung aus Gefahrenzonen, technische Hilfeleistungen, bodengebundene Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport, Luftrettung (medizinisches Personal), Wasser- und Höhenrettung, Rettungstauchen
Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) bodengebundene Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport, Luftrettung (medizinisches Personal), Schnelleinsatzgruppen, Wasser- und Höhenrettung, Rettungshundestaffeln, weltweite Patientenrückholung
Malteser Hilfsdienst (MHD) bodengebundene Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport, Luftrettung (medizinisches Personal), Schnelleinsatzgruppen, Rettungshundestaffeln, weltweite Patientenrückholung
Private Leistungserbringer bodengebundener Krankentransport und Notfallrettung
Technisches Hilfswerk (THW) technische Hilfeleistungen
Falck bodengebundene Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport, gewerblicher Rettungsdienst und Krankentransport, Offshore-Rettung, rettungsdienstliche Aus-, Fort- und Weiterbildung, „Rettung, Löschen, Bergen, Schützen“ im Bereich von Werk- und Industriefeuerwehren, Feuerwehr- und Safetytraining, weltweite Patientenrückholung
Organisationsspezifische Qualifikationsbezeichnungen des Sanitätspersonals
Organisation Lehrgangsbezeichnung Qualifikationsbezeichnung Ausbildungsumfang
ASB Erste-Hilfe-Aufbaulehrgang (EHA) --- 24 UE
Sanitätshelferlehrgang (SHL) Sanitätsersthelfer 22 UE
Sanitätsdienstlehrgang (SDL) Sanitätshelfer (SanHelf) 32 UE
DRK Sanitätsdienstausbildung1 Sanitäter 48 UE
JUH Integrierte Basisausbildung Sanität/Betreuung Sanitätshelfer der JUH 48 UE
Einführung in den Sanitätsdienst --- 33 UE
Spezielle medizinische Gerätekunde Sanitätshelfer der JUH im KatS 20 UE
MHD Modul Sanitätshelfer Sanitätshelfer (SanHelf) 24 UE
Modul Frühdefibrillation Notfallhelfer 10 UE
Allgemeine Fachausbildung Sanität2 Einsatzsanitäter 80 UE
DLRG Sanitätsausbildung A Sanitätshelfer (SanHelf) 24 UE
Sanitätsausbildung B Sanitäter 24 UE
Bundeswehr Einsatzersthelfer A Einsatzersthelfer A 30 Std.
Einsatzersthelfer B Einsatzersthelfer B 50 Std.
Sanitätsgrundlagenausbildung --- 4 Wochen
Die Sanitätsausbildungen aller Hilfsorganisationen bauen auf einer abgeschlossenen Erste-Hilfe-Ausbildung auf. Soweit nicht anders kenntlich gemacht, bauen die innerhalb einer Hilfsorganisation genannten Sanitätslehrgänge jeweils aufeinander auf. UE = Unterrichtseinheit; eine UE dauert bei allen Hilfsorganisationen 45 Minuten.
Diese Sanitätsdienstausbildung ersetzt seit 2009 die zuvor in die Abschnitte SAN A (24 UE, Sanitätshelfer, SanHelf), SAN B (24 UE) und SAN C (14 UE) aufgeteilte Sanitätsausbildung. Die Inhalte entsprechen denen des bisherigen SAN A und B mit Elementen des bisherigen SAN C.
Dieser Lehrgang baut nicht auf den vorgenannten Modulen auf. Er entspricht dem Theorieteil des „Rettungshelfer NRW“ und umfasst die Grundausbildung zum Betriebssanitäter. Die abgeschlossene Ausbildung als Einsatzsanitäter beinhaltet zusätzlich zu den 80 UE Lehrgang ein 20-stündiges Praktikum in der Notfallrettung, ersatzweise im Sanitätsdienst.
Bundesländer, in denen die Rettungssanitäterausbildung landesrechtlich geregelt ist
Bundesland Bezeichnung der Ausbildungsvorschrift
Bayern Bayerische Rettungssanitäterverordung (BayRettSanV) vom 23.4.2015
Hamburg Hamburgische Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter (HmbRettSanAPO) vom 5.2.2008
Hessen Hessische Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter (APORettSan) vom 5.5.2011, zuletzt geändert am 11.12.2012
Mecklenburg-Vorpommern Verordnung über die Ausbildung und Prüfung von Rettungssanitätern (Rettungssanitäterausbildungsverordnung – RettSanAPrV) vom 19.12.1995, zuletzt geändert durch Verordnung vom 19.2.2010
Niedersachsen Verordnung über die Ausbildung und Prüfung für Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter (APVO-RettSan) vom 17.12.2013, zuletzt geändert am21.2.2014
Nordrhein-Westfalen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter und Rettungshelferinnen und Rettungshelfer (RettAPO) vom 30.6.2012
Rheinland-Pfalz Richtlinie für die Ausbildung und Prüfung von Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern in Rheinland-Pfalz vom 10.1.1995 (Hinweis: Diese Richtlinie ist eine Verwaltungsvorschrift und hat nicht den Rechtsstatus einer Verordnung.)
Saarland Verordnung über die Ausbildung und Prüfung von Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern vom 7.7.1995, zuletzt geändert durch Verordnung vom 24.11.2015
Sachsen-Anhalt Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter im Land Sachsen-Anhalt (APORettSan LSA) vom 14.7.2014
Schleswig-Holstein Landesverordnung über die Ausbildung und Prüfung von Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter (RettSan-APVO) vom 22.2.2012
§ 4 NotSanG NotfallsanitäterAusbildungszielAusbildungsziel
§ 4 NotSanG Ausbildungsziel
(1) Die Ausbildung zur Notfallsanitäterin oder zum Notfallsanitäter soll entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermitteln. Dabei sind die unterschiedlichen situativen Einsatzbedingungen zu berücksichtigen. Die Ausbildung soll die Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter außerdem in die Lage versetzen, die Lebenssituation und die jeweilige Lebensphase der Erkrankten und Verletzten und sonstigen Beteiligten sowie deren Selbstständigkeit und Selbstbestimmung in ihr Handeln mit einzubeziehen.
Beurteilen des Gesundheitszustands von erkrankten und verletzten Personen, insbesondere Erkennen einer vitalen Bedrohung, Entscheiden über die Notwendigkeit, eine Notärztin oder einen Notarzt, weiteres Personal, weitere Rettungsmittel oder sonstige ärztliche Hilfe nachzufordern, sowie Umsetzen der erforderlichen Maßnahmen,
Auswählen des geeigneten Transportzielortes sowie Überwachen des medizinischen Zustands der Patientinnen und Patienten und seiner Entwicklung während des Transports,
sachgerechtes Übergeben der Patientinnen und Patienten in die ärztliche Weiterbehandlung einschließlich Beschreiben und Dokumentieren ihres medizinischen Zustands und seiner Entwicklung,
Mindestqualifikation der Fahrzeugbesatzungen
Bundesland Krankentransport (KTW) Notfallrettung (RTW/NAW) NEF
Fahrer Patientenbetreuer Fahrer Patientenbetreuer Fahrer
Baden-Württemberg g. P. RettSan RettSan RettAss1/NotSan RettAss/NotSan
Bayern g. P. RettSan g. P. RettAss2/NotSan RettSan
Berlin San603 RettSan RettSan RettAss g. P.
Brandenburg RettSan RettSan RettSan RettAss4/NotSan RettAss/NotSan
Bremen RettHelf RettSan RettSan RettAss RettAss
Hamburg RettSan RettSan RettSan RettAss k. R.
Hessen San485 RettSan RettSan/NotSan i. A.6 RettAss7/NotSan/NotSan i. A.8 RettAss/RettSan9
Mecklenburg-Vorpommern RettSan RettSan RettSan/NotSan i. A. RettAss10/NotSan RettAss/NotSan
Niedersachsen g. P. RettSan g. P. RettAss g. P.
Nordrhein-Westfalen RettHelf NRW11 RettSan RettSan/RettAss i. P. RettAss12/NotSan RettAss12/NotSan
Rheinland-Pfalz RettHelf Rh.-Pf.13 RettAss i. P./RettSan14 RettAss i. P./RettSan14 RettAss RettAss i. P./RettSan14
Saarland San15 RettSan San15 RettAss RettAss
Sachsen RettHelf RettSan RettSan RettAss16/NotSan RettAss/NotSan
Sachsen-Anhalt RettSan RettSan RettSan RettAss RettSan
Schleswig-Holstein RettSan/NotSan i. A.17 RettSan20018 RettSan20018/ RettAss19/NotSan RettAss/NotSan
Thüringen g. P. g. P.20 g. P. RettAss21/NotSan RettAss21/NotSan
g. P. = geeignete Person: Die landesrechtlichen Vorschriften enthalten keine konkreten Vorgaben zur Qualifikation.i. A. = in Ausbildung; soweit nicht anders angegeben, mindestens gleichwertiger Ausbildungsstand wie RettSan.k. R. = keine Regelung: Es existiert keine landesrechtliche Regelung.
RettAss nur bis 31.12.2020, bei Vorliegen besonderer Gründe im Einzelfall bis spätestens 31.12.2025.
RettAss nur bis 31.12.2023.
Sanitätsausbildung mit mindestens 60 Stunden.
RettAss nur bis 31.12.2020.
Sanitätsausbildung mit mindestens 48 Stunden (Lehrgangsinhalt ist im Einzelnen vorgegeben).
Mindestens im zweiten Ausbildungsjahr.
RettAss bis 31.12.2021, wenn sie im Rahmen der jährlichen Fortbildung gezeigt haben, dass sie in der Lage sind, eigenständig erweiterte Versorgungsmaßnahmen nach Weisung der Ärztlichen Leitung Rettungsdienst durchzuführen.
Im dritten Ausbildungsjahr, sofern das Fahrzeug daneben mit einem NotSan oder bis 31.12.2017 mit einem RettAss mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung besetzt ist.
Nur RettSan mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung in der Notfallversorgung.
RettAss nur bis 30.4.2015.
„Rettungshelfer Nordrhein-Westfalen“: 80 Stunden theoretische Ausbildung und 80 Stunden Rettungswachenp raktikum (keine klinisch-praktische Ausbildung).
RettAss nur bis 31.12.2026.
„Rettungshelfer Rheinland-Pfalz“: 80 Stunden theoretische Ausbildung, 80 Stunden klinisch-praktische Ausbildung und 100 Stunden Rettungswachenpraktikum.
Fahrer von RTW/NAW/NEF und Patientenbetreuer von KTW müssen „in der Regel“ Rettungsassistent im Praktikum (abgeschlossener RA-Lehrgang und bestandene staatliche Prüfung), „mindestens aber“ Rettungssanitäter sein.
Zumindest „eine abgeschlossene Sanitätsausbildung“ (ohne nähere Stundenangaben).
RettAss auf RTW nur bis 31.12.2023, auf NAW auch darüber hinaus.
RettSan mit mindestens 200 nach Abschluss der Ausbildung absolvierten Einsätzen, wovon mindestens 100 in der Notfallrettung absolviert sein müssen.
Bis 30.6.2009 „sollte“ nach dem früheren Thüringer Rettungsdienstgesetz (ThürRettG) mindestens ein RA den Patienten betreuen! Die aktuelle Regelung ist damit im Vergleich zur früheren eine qualitative Verschlechterung.
RettAss nur bis 31.12.2022.
(Kap. 26.1, Kap. 26.3)
Geschichte des Rettungsdienstes456
Organisation des Rettungsdienstes in Deutschland458
Definitionen458
Organisation459
Rettungskette461
Rettungsdienstfahrzeuge463
Bodengebundene Rettungsdienstfahrzeuge464
Luftfahrzeuge und Luftrettung465
Rettungsdienstpersonal466
Rettungsfachpersonal466
Ärztliches Rettungsdienstpersonal475
Schnelleinsatzgruppen, Ersthelfergruppen und Katastrophenschutz477
Schnelleinsatzgruppen477
Ersthelfergruppen477
Katastrophenschutz478
Zentraler Leitgedanke des Organisation, Rettungsdienstdeutschen RettungsdienstOrganisationRettungsdienstes ist die Forderung des Heidelberger Chirurgieprofessors Kirschner aus dem Jahre 1938, dass in medizinischen Notfällen nicht der Patient schnellstmöglich zum Arzt, sondern der Arzt schnellstmöglich zum Patienten kommen soll. Anhand dieses Leitgedankens entwickelte sich der Rettungsdienst in Deutschland. Er ist heute eine öffentliche Aufgabe der Gesundheitsvorsorge und Gefahrenabwehr und bildet einen wesentlichen Bestandteil des Gesundheitswesens. Der Rettungsdienst gliedert sich in Notfallrettung und qualifizierten Krankentransport. Die Bundesländer regeln die Organisation des Rettungsdienstes in Rettungsdienstgesetzen.
Die Geschichte des Rettungsdienstes (Tab. 26.1) und der Notfallmedizin ist RettungsdienstGeschichteeng mit der Entwicklung der Medizin verbunden. Herausragende wissenschaftliche Errungenschaften führten auch immer zu Veränderungen in der Notfallmedizin.
Bereits aus dem antiken Griechenland und aus römischer Zeit gibt es Berichte über medizinische Maßnahmen, die Ansätze einer notfallmedizinischen Versorgung, wenn auch nicht im heutigen Sinne, erkennen lassen. Von einer strukturierten Versorgung zur Rettung einzelner Menschen kann aber nicht die Rede sein. Gleiches gilt auch für die Zeit des Mittelalters, in der Krankheit und Tod als Gottes Strafe verstanden und das Leben als der Weg zur ewigen Glückseligkeit betrachtet wurden.
Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war es in vielen Ländern Europas durch die Obrigkeit streng untersagt, bei einem Verunglückten Hilfsmaßnahmen einzuleiten, ehe der Helfer nicht von der zuständigen Gerichtsbarkeit dazu autorisiert worden war. Die Ideen und wissenschaftlichen Erkenntnisse der Aufklärung gingen jedoch nicht spurlos an den Menschen vorbei. Sie brachten eine neue Wertschätzung des Individuums und eine neue Einschätzung seines Nutzens für die Gesellschaft.
Die Ursprünge der Notfallmedizin im heutigen Sinne gehen auf die Gründung der „Maatschappij tot Redding van Drenkelingen“ (Gesellschaft zur Rettung Ertrunkener) in Amsterdam im Jahre 1767 zurück. Der Leibarzt der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, der Niederländer van Swieten (1700–1772), griff deren Empfehlungen auf. Dies führte 1769 zu einer kaiserlichen Verordnung „zur Rettung ins Wasser Gefallener und darin Ertrunkener und in andere Unglücksfälle Verwickelter“. Darin forderte van Swieten die aktive Beatmung durch „Einblasung von Luft mit starker und durchhaltender Wirkung“. Es dauerte jedoch noch viele Jahrzehnte, bis sich dieser revolutionäre Gedanke durchsetzte.
Im 19. Jahrhundert wurde die Versorgung verunglückter oder erkrankter Personen im Zuge der Einrichtung eines öffentlichen Gesundheitswesens mehrheitlich den Krankenhäusern übertragen. Der Transport der Patienten in die Krankenhäuser blieb aber mehr oder weniger diesen selbst und/oder ihren Angehörigen überlassen.
Zentraler Leitgedanke des deutschen Rettungsdienstes ist bis heute das Postulat des Heidelberger Chirurgen Prof. Martin Kirschner (1879–1942) von 1938: „Nicht der Verletzte muss so schnell wie möglich zum Arzt kommen, sondern der Arzt zum Verletzten, da die Lebensgefahr in unmittelbarer Nähe des Ereignisses am größten ist.“ Bereits 1937 forderte der Ungar Körmöczy eine breite Erste-Hilfe-Ausbildung der Bevölkerung und die aktive Teilnahme von Ärzten und Medizinstudenten am Rettungsdienst. So wurde der erste Notarztwagen Europas 1954 in Budapest in Betrieb genommen.
In der Bundesrepublik Deutschland rückte 1957 der erste Notarztwagen heutiger Prägung in Köln aus. Das erste Notarzteinsatzfahrzeug rückte 1964 in Heidelberg aus und der erste Rettungswagen 1965, ebenfalls in Heidelberg. Bis Mitte der 1980er-Jahre war der Aufbau eines flächendeckenden Leitstellen- und Notarztnetzes abgeschlossen.
Durch den Erlass von Rettungsdienstgesetzen Mitte der 1970er-Jahre haben die meisten Bundesländer erstmals eine gesetzliche Grundlage für den Rettungsdienst im heutigen Sinne geschaffen. Seit 1977 gibt es mit den „Grundsätzen zur Ausbildung des Personals im Rettungsdienst“ („520-Stunden-Programm“) des damaligen Bund-Länder-Ausschusses „Rettungswesen“ eine bundeseinheitliche, wenn auch rechtsunverbindliche Grundlage zur Ausbildung von Rettungssanitätern. Mit dem 1989 in Kraft getretenen Rettungsassistentengesetz (RettAssG) wurde die zweijährige Ausbildung des Rettungsfachpersonals erstmals bundesweit gesetzlich geregelt und das Berufsbild des Rettungsassistenten geschaffen. Die bereits in den 1970er-Jahren von Prof. Friedrich-Wilhelm Ahnefeld (1924–2012) geforderte dreijährige Berufsausbildung für das Rettungsfachpersonal wird erst seit 2014 durch die Ausbildung zum Notfallsanitäter (NotSanG) umgesetzt und liegt eine Qualifikationsstufe über dem des Rettungsassistenten. Das Rettungsassistentengesetz wurde zum 31.12.2015 außer Kraft gesetzt, sodass in Deutschland zukünftig nur noch die dreijährige Berufsausbildung zum Notfallsanitäter möglich ist.
In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war zuerst das Deutsche Rote Kreuz (DRK) der DDR für den gesamten Rettungsdienst zuständig. Mitte der 1970er-Jahre begann die Umstrukturierung des Rettungswesens. Während der Krankentransport beim DRK der DDR verblieb, wurde die Notfallrettung unter der Bezeichnung „Dringliche Medizinische Hilfe“ (DMH) verstaatlicht und Teil der „Schnellen Medizinischen Hilfe“ (SMH). Außer der DMH waren noch der „Dringliche Hausbesuchsdienst“ (DHD), der dem heutigen (Kassen-)Ärztlichen Notdienst/Bereitschaftsdienst ähnlich war, und in einigen Gegenden der „Dringliche kinderärztliche Hausbesuchsdienst“ (DkHD) Bestandteil der SMH. Besetzt waren die Fahrzeuge der DMH mit einem Arzt, einem Fachkrankenpfleger für Anästhesiologie und einem Krankentransporteur als Fahrer.
In der Bundesrepublik wurde 1967 mit ersten Versuchen der Luftrettung begonnen. Der erste Rettungshubschrauber (RTH) wurde 1970 in München dauerhaft in Dienst gestellt. Seitdem wurde das Luftrettungsnetz kontinuierlich ausgebaut. Eine der letzten Lücken des deutschen Luftrettungsnetzes wurde im September 2015 mit der Inbetriebnahme der Luftrettungsstation im bayerischen Dinkelsbühl geschlossen.
Organisation des Rettungsdienstes in Deutschland
Der Begriff Rettungsdienst umfasst die RettungsdienstDefinitionenbeiden Bereiche Notfallrettung und RettungsdienstNotfallrettungqualifizierter Rettungsdienstqualifizierter KrankentransportKrankentransport.
Gegenstand der Notfallrettung ist es, bei Notfallpatienten Notfallrettungam Einsatzort Maßnahmen zur Lebensrettung und zur Verhinderung von weiteren schweren gesundheitlichen Schäden durchzuführen, ihre Transportfähigkeit herzustellen und sie unter fachgerechter Betreuung in ein für die weitere medizinische Versorgung geeignetes Krankenhaus zu befördern. Notfallpatienten sind Kranke oder Verletzte, die sich in unmittelbarer Lebensgefahr befinden oder NotfallPatientbei denen schwere gesundheitliche Schäden zu befürchten sind, wenn sie nicht unverzüglich medizinische Hilfe erhalten.
Gegenstand des qualifizierten Krankentransports ist es, KrankentransportqualifizierterKranken, Verletzten oder sonstigen hilfsbedürftigen Personen, die keine Notfallpatienten sind, sofern erforderlich, professionelle Erste Hilfe zu leisten und sie unter fachgerechter Betreuung zu befördern, wenn sie während der Fahrt einer medizinisch-fachlichen Betreuung oder der besonderen Einrichtungen eines Krankentransportwagens (26.3.1) bedürfen oder dies aufgrund ihres Zustands zu erwarten ist. Es wird dabei zwischen dringlichen und zeitlich disponiblen Krankentransporten unterschieden. Im Rahmen qualifizierter Krankentransporte sind auch Patienten mit schweren, ansteckenden Krankheiten zu befördern, wenn dadurch die Übertragung vermieden werden kann.
Zu den Aufgaben des Rettungsdienstes gehört ebenfalls die medizinisch notwendige Verlegung von Patienten in spezialisierte weiterbehandelnde Einrichtungen, falls erforderlich, unter intensivmedizinischen Bedingungen (Intensivtransporte), sowie in Notfällen auch der Transport von RettungsdienstIntensivtransportArzneimitteln, Blutkonserven, Organen für Transplantationen, medizinischen Geräten und die Beförderung von medizinischem Personal (z. B. Explantationsteams).
Dagegen gehört die Beförderung von Kranken, Verletzten oder sonst hilfsbedürftigen Personen, z. B. von körperlich Behinderten oder Rollstuhlfahrern, die während der Fahrt weder eine medizinisch-fachliche Betreuung noch die besonderen Einrichtungen eines Krankentransportwagens benötigen und bei denen dies aufgrund ihres Zustands auch nicht zu erwarten ist (unqualifizierter Krankentransport), nicht zu den Aufgaben des Rettungsdienstes. Diese sogenannten KrankentransportunqualifizierterKrankenfahrten, die auch als Liegendtaxifahrten bezeichnet werden, unterliegen nicht den strengeren Vorgaben der Landesrettungsdienstgesetze, sondern allein denen des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG). Daher muss das hierfür eingesetzte Personal keinerlei rettungsdienstliche Qualifikation aufweisen und die hierfür eingesetzten Fahrzeuge müssen nicht (notfall-)medizinisch ausgestattet sein.
Der öffentliche Rettungsdienst ist in Deutschland ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitssystems. Als Teil der durch den Staat zu gewährleistenden Daseinsvorsorge stellt er eine öffentliche Aufgabe der Gesundheitsvorsorge und (gesundheitlichen) Gefahrenabwehr dar.
Das Grundgesetz weist die Gesetzgebungskompetenz für RettungsdienstGesetzgebungskompetenzdie Organisation des Rettungsdienstes den RettungsdienstOrganisationBundesländern zu. Diese erlassen GesetzLandesrettungsdienst-Landesrettungsdienstgesetze, Verordnungen, LandesrettungsdienstgesetzRettungsdienstpläne und Verwaltungsvorschriften, sog. (Rund-)Erlasse.
Die Umsetzung dieser landesrechtlichen Rettungsdienstvorschriften ist mit Ausnahme der Luftrettung (26.3.2) eine Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung. Träger des Rettungsdienstes sind daher – außer in Baden-Württemberg – Landkreise, kreisfreie Städte oder sog. Zweckverbände, die mehrere Gebietskörperschaften umfassen. Die Rettungsdienstträger sind verpflichtet, die flächendeckende, bedarfs- und fachgerechte Versorgung der Bevölkerung mit Leistungen der Notfallrettung einschließlich einer notärztlichen Versorgung und des qualifizierten Krankentransports sicherzustellen. In der Notfallrettung sind dabei vorgegebene Hilfsfristen einzuhalten, die je nach Bundesland 8–15 Minuten betragen. In manchen Bundesländern ist auch für den qualifizierten Krankentransport eine maximale Wartezeit vorgegeben, z. B. in Rheinland-Pfalz von maximal 40 Minuten für dringliche Krankentransporte.
Für die einzelnen Rettungsdienstbereiche, die das Gebiet eines oder mehrerer Rettungsdienstträger umfassen, werden in Rettungsdienstbereichsplänen die Anzahl und Standorte der Rettungswachen sowie die Art und Anzahl der dort jeweils vorzuhaltenden Rettungsdienstfahrzeuge (Rettungswache26.3) festgelegt. Dabei sind die Bevölkerungsdichte und -entwicklung, vorhandene Verkehrserschließung, Einsatzschwerpunkte und insbesondere die Einsatzzahlen der Vergangenheit zu berücksichtigen.
Die Rettungsdienstträger müssen die Rettungsdienstbereichspläne kontinuierlich überprüfen und, falls erforderlich, an veränderte Gegebenheiten anpassen, insbesondere wenn die vorgegebene Hilfsfrist nicht mehr eingehalten werden kann. Aufgrund insgesamt deutlich gestiegener Einsatzzahlen gibt es derzeit in einigen Bundesländern bzw. Rettungsdienstbereichen massive Probleme bei der Einhaltung der Hilfsfristen, z. B. in Berlin und Hamburg. Hauptsächlich aus Kostengründen werden die Rettungsdienstkapazitäten dennoch nicht überall in dem Umfang und mit der zeitlichen Dringlichkeit erweitert, wie es erforderlich wäre.
Für jeden Rettungsdienstbereich oder für mehrere Rettungsdienstbereiche zusammen richten die Rettungsdienstträger Rettungsleitstellen (28.3) oder Leitstellegemeinsam mit der Feuerwehr Integrierte LeitstelleintegrierteLeitstellen ein. Aus Kostengründen geht der Trend dabei zur Einrichtung von sog. Integrierten Regionalleitstellen, die jeweils für eine ganze Region, also für mehrere Rettungsdienstbereiche, zuständig sind.
Die Durchführung des Rettungsdienstes können die Rettungsdienstträger übertragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Krankentransportwesen innerhalb der britischen Besatzungszone an die (Berufs-)Feuerwehren delegiert. Innerhalb der amerikanischen und französischen Besatzungszone wurde das Deutsche Rote Kreuz mit der Durchführung der Krankentransporte beauftragt. Beim Aufbau der flächendeckenden Notfallrettung ab den 1960er-Jahren wurde diese Aufgabenzuweisung beibehalten. Bis heute hat sich diese historisch gewachsene Struktur kaum geändert: So betreiben die Rettungsdienstträger selbst RettungsdienstTrägerRettungswachen (Berufsfeuerwehren, städtische bzw. kommunale Rettungsdienste) oder beziehen Leistungserbringer – z. B.RettungsdienstLeistungserbringer gemeinnützige Hilfsorganisationen wie ASB, DRK, JUH und RettungsdienstHilfsorganisationenMHD oder private Unternehmen wie Falck, Promedica, G.A.R.D. oder MKT – ein (Tab. 26.2).
Falls erforderlich, wird der reguläre Rettungsdienst durch – meist ehrenamtlich tätige – Spezialisten für Wasser-, Höhen- und Bergrettung sowie Rettungshundestaffeln (Tab. 26.2) unterstützt. Die (technische) Hilfeleistung zur Personenrettung bei Not- und Unglücksfällen, z. B. bei Verkehrsunfällen, brennenden Gebäuden, Austritt von giftigen Gasen oder Flüssigkeiten sowie Wohnungsöffnungen, fällt in den Aufgabenbereich der Feuerwehren und des THW, die hierfür speziell ausgebildet und ausgestattet sind.
Zur Unterstützung des regulär vorgehaltenen Rettungsdienstes bei einem Massenanfall an Verletzten oder Erkrankten (MANV) (28.2) werden von den gemeinnützigen Hilfsorganisationen ASB, DRK, JUH und MHD sowie von privaten Organisationen wie Falck oder MHW ehrenamtliche Schnelleinsatzgruppen (SEGen) Schnelleinsatzgruppevorgehalten (26.5.1), die bei Bedarf alarmiert werden können.
Die laufenden Kosten des Rettungsdienstes, z. B. für Personal, Verbrauchsmaterialien, Treibstoff, Fahrzeugunterhaltung sowie Ersatzbeschaffungen, werden durch die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sowie die gesetzlichen Unfallversicherungen (Kostenträger) – je nach RettungsdienstKostenträgerBundesland – über Benutzungsentgelte oder Benutzungsgebühren finanziert, die für die einzelnen Einsätze erhoben werden. Daneben werden die Kosten für die rettungsdienstliche Infrastruktur, z. B. für die Errichtung von Rettungswachen, Luftrettungszentren und Leitstellen, z. T. von den Rettungsdienstträgern und/oder Bundesländern getragen.
Schon lange spielen im Rettungsdienst wirtschaftliche Aspekte und eine effektive Leistungserbringung eine große Rolle. Die Sparmaßnahmen im deutschen Gesundheitswesen nehmen den Rettungsdienst nicht aus. Soweit es einzelne Bundesländer durch entsprechende Gesetzesregelungen im Zusammenhang mit der Organisation des Rettungsdienstes zulassen, versuchen Rettungsdienstträger und Krankenkassen zunehmend, die Kosten des Rettungsdienstes durch Ausschreibungen zu senken und die Qualität zu verbessern. RettungsdienstAusschreibungenZunehmend spielen bei Ausschreibungen neben Qualitätskriterien auch Aspekte der Verzahnung des Regelrettungsdienstes mit dem erweiterten Rettungsdienst (z. B. Spitzen- und Sonderbedarfsfahrzeuge, SEGen) und des Katastrophenschutzes eine wichtige Rolle, um entsprechende Aufwuchs- und Spezialkapazitäten beispielsweise für die Bewältigung von Massenanfällen von Verletzten (MANV) besser und zuverlässiger sicherstellen zu können. Aufgrund vielfältiger Diskussionen über die Vor- und Nachteile solcher Ausschreibungen gibt es bei einigen Rettungsdienstträgern den deutlichen Trend zur (Re-)Kommunalisierung, d. h. zur (Rück-)Verstaatlichung des Rettungsdienstes.
Die rettungsdienstlichen Organisationseinheiten Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport absolvieren jährlich mehr als zwölf Millionen Einsätze (Abb. 26.1).
Eine Hauptforderung an den Rettungsdienst ist die Ergebnisorientierung. Durch die frühzeitige Abwendung der unmittelbaren und mittelbaren Lebensgefahr noch am Einsatzort sollen insgesamt mehr Patienten überleben, die stationäre Behandlungsdauer gesenkt, die Invalidität bzw. gesundheitlichen Folgeschäden reduziert und letztlich die Lebensqualität der Patienten gesteigert werden.
Die erstmals von Prof. Friedrich W. Ahnefeld beschriebene Rettungskette (Abb. 26.2) veranschaulicht den Ablauf Rettungsketteeiner optimalen Rettung. Der Rettungsdienst wirkt dabei als ein Glied dieser Kette mit. Die Rettungskette verdeutlicht, dass eine bestmögliche Notfallversorgung das harmonische Zusammenwirken aller an der Rettungskette beteiligten Glieder erfordert. Denn wie jede Kette ist auch die Rettungskette nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
Absichern und Eigenschutz
Am Anfang der Rettungskette steht der Laien- oder LaienhelferErsthelfer. Dies sind Personen, Ersthelferdie in unmittelbarer Nähe zum Notfallort und Notfallpatienten bereit sind, Erste Hilfe zu leisten, häufig unter großem persönlichem Einsatz. Sie sind während ihrer Hilfeleistung hinsichtlich Gesundheitsschäden und Tod über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.
Der Laien- oder Ersthelfer muss erkennen, dass ein Notfallereignis und welches Notfallereignis vorliegt. Weiterhin muss er überlegen, welche Gefahren für ihn als Helfer und für den Patienten bestehen oder drohen (z. B. Straßen- oder Schienenverkehr, Explosionsgefahr, giftige Gase oder Dämpfe, Einsturzgefahr). Gegebenenfalls muss er erforderlicheEigenschutz Maßnahmen zum Eigenschutz ergreifen. Hierbei geht der Eigenschutz immer vor!
Nur ein unverletzter Helfer ist ein guter Helfer! Eigenschutz geht daher stets vor!
Falls erforderlich, ist eine Notfallstelle abzusichern, z. B. ein Verkehrsunfall durch Aufstellen eines Warndreiecks in ausreichender Entfernung.
Notruf und lebensrettende Sofortmaßnahmen
An das Absichern einer Notfallstelle und sonstige Maßnahmen zum Eigenschutz schließen sich die lebensrettenden Sofortmaßnahmen an. Die SofortmaßnahmenSofortmaßnahmen, lebensrettende sollen die lebenswichtigen Funktionen des Verletzten oder Erkrankten aufrechterhalten oder wiederherstellen sowie zusätzliche Gesundheitsschäden vermeiden. Zu den Sofortmaßnahmen gehören:
Retten des Verletzten aus einer Gefahrenzone (z. B. Verkehrsweg, Brand- oder Explosionsgefahr)
Atemwegssicherung, stabile Seitenlage
Ein frühzeitiger Notruf ist stets anzustreben, z. B. per Handy während des Aufstellens eines Warndreiecks. Der Notruf ist das Hilfeersuchen des Laien- Notrufoder Ersthelfers, das bei der Leitstelle (28.3) eingeht. Auf seiner Grundlage trifft der Disponent in der Leitstelle eine Entscheidung über die erforderlichen Rettungsmittel (26.3). Damit er die notwendigen Rettungsmittel entsenden kann, muss ein Notruf folgende Informationen enthalten (die fünf „Ws“):
Wo ist es passiert (z. B. Ort, Straße, Hausnummer oder km-Angabe, Fahrtrichtung)?
Was ist passiert (z. B. Verkehrsunfall, Sturz von Leiter, Feuer, Explosion)?
Welche Art der Verletzung oder Erkrankung?
Wer ruft an (Namen und evtl. Rückrufnummer)?
„Warten auf Rückfragen“ bedeutet, dass das Gespräch grundsätzlich von der Leitstelle beendet wird und nicht vom Anrufer. Die Leitstelle organisiert und leitet anschließend den Rettungsdiensteinsatz.
Inzwischen sind der Rettungsdienst und die Feuerwehr in allen 27 EU-Ländern über die einheitliche Notrufnummer 112 zu erreichen.
An den Notruf schließen sich weitere Maßnahmen der Ersten Hilfe an, die einer Verschlimmerung Erste Hilfeder Situation vorbeugen bzw. diese verbessern sollen, z. B. das Fortsetzen einer Reanimation oder Verbinden nicht lebensbedrohlicher Wunden und Ruhigstellen von Frakturen. Eine zentrale Stellung nimmt bei ansprechbaren Patienten das beruhigende Gespräch mit diesen ein.
Soweit es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall handelt, können in diesem Glied der Rettungskette auf Veranlassung der Leitstelle organisierte Ersthelfer (26.5.2)ErsthelfergruppenRettungskette zum Einsatz First ResponderRettungskettekommen, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Maßnahmen der erweiterten Ersten Hilfe, insbesondere mit Reanimationsmaßnahmen einschließlich einer Frühdefibrillation, zu überbrücken.
Die Leitstelle muss grundsätzlich das am schnellsten am jeweiligen Einsatzort verfügbare geeignete Rettungsmittel alarmieren. RettungsdienstRettungsketteDie alarmierten Einsatzkräfte suchen den Einsatzort – je nach Notfallmeldung – mit oder ohne den Gebrauch von blauem Blinklicht und Einsatzhorn auf.
Nach Eintreffen des Rettungsdienstes übernimmt dieser die Verantwortung für den Patienten. Ohne jeden zeitlichen Verzug werden lebensrettende Maßnahmen eingeleitet oder weitergeführt. Ziel ist die Herstellung der Transportfähigkeit und der Transport des Patienten in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus durch rettungsdienstliche Maßnahmen, z. B.:
Rettung aus Gefahrenzonen (z. B. Feuer, Strom) unter strenger Beachtung des Eigenschutzes
Schnellstmögliche notfallmedizinische Untersuchung und Versorgung
Krankenhäuser dienen der weiterführenden und Krankenhausendgültigen medizinischen Behandlung der Patienten. Dabei ist es Aufgabe des Rettungsdienstes, das für die konkrete Erkrankung bzw. Verletzung nächstgelegene geeignete Krankenhaus auszuwählen. In Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten ist eine vorherige Anmeldung sämtlicher Notfallpatienten oder jedenfalls von Patienten mit schweren Erkrankungen oder Verletzungen durch die Leitstelle erforderlich. Die Notaufnahmen und NotaufnahmeSchockräume der Krankenhäuser stellen die SchockRaumSchnittstelle zwischen präklinischer und klinischer notfallmedizinischer Versorgung dar (zur Übergabe von Patienten an weiterbehandelnde Einrichtungen ausführlich 6.3).
Rettungsdienstfahrzeuge sind die im RettungsdienstFahrzeugeRettungsdienst eingesetzten Verkehrsmittel zu Land, zu Wasser und in der Luft. Sie dienen der Versorgung und dem Transport der Patienten (Abb. 26.3 und Abb. 26.4).
Im bodengebundenen Rettungsdienst werden Krankentransportwagen (KTW), Rettungswagen (RTW)KrankentransportWagen, Notarztwagen (NAW)Rettungswagen, Intensivtransportwagen (ITW)NotarztWagen und IntensivtransportwagenNotarzteinsatzfahrzeuge (NEF) eingesetzt. Auf NotarztEinsatzfahrzeugBinnengewässern (Seen und Flüsse) werden Wasser- bzw. Motorrettungsboote, auf hoher See WasserRettungsbootSeenotrettungsboote (SRB) sowie Seenot(rettungs)kreuzer (SRK bzw. SK) verwendet. Im SeenotrettungskreuzerLuftrettungsdienst gibt es Rettungshubschrauber (RTH), RettungshubschrauberIntensivtransporthubschrauber (ITH) und Dual-Use-IntensivtransporthubschrauberHubschrauber.
Sämtliche dieser Rettungsdienstfahrzeuge sind mit Rettungsgeräten und Rettungsmaterial ausgestattet, die meisten auch mit Transportgeräten:
Rettungsgeräte wie etwa Schaufeltrage, RettungsgeräteSpineboard oder KED®-System dienen der Durchführung der technischen Rettung. Transportgeräte, z. B. Fahrgestell TransportGerätefür Krankentragen, Krankentrage und Tragesessel (27.3.2), ermöglichen die Lagerung und den Transport von Verletzten oder Erkrankten. Rettungsmaterial ist die Gesamtheit aller RettungsmaterialGe- und Verbrauchsmaterialien, die für die Rettung, die Erste Hilfe und die Herstellung der Transportfähigkeit erforderlich sind, z. B. medizinisches Gerät (Kap. 5), Arzneimittel (11.2) und Verbandmittel. Unter Rettungsmittel versteht man die RettungsmittelRettungsdienstfahrzeuge einschließlich aller Rettungs- und Transportgeräte sowie des Rettungsmaterials.
Auch für Rettungsmittel werden in DIN-Normen des Deutschen Instituts für DIN-NormenNormung e. V. die Mindestanforderungen an Konstruktion, Prüfmethoden, Betriebsverhalten und Ausrüstungen zusammengefasst. Entgegen einem weitverbreiteten Irrtum sind DIN-Normen jedoch nicht per se verbindlich, sondern nur unverbindliche Empfehlungen. Sie werden erst dann unmittelbar verbindlich, wenn der Gesetzgeber ausdrücklich auf sie verweist. Wenn die Erstellung einer DIN-Norm noch nicht zu lange her ist, gibt diese aber in der Regel den aktuellen, allgemein anerkannten Stand der Technik und Notfallmedizin wieder. Soweit die eingesetzten Rettungsmittel – je nach den unterschiedlichen Qualitätsanforderungen in den landesrechtlichen Rettungsdienstvorschriften – jederzeit oder jedenfalls zum Zeitpunkt ihrer Anschaffung dem aktuellen Stand der allgemein anerkannten Regeln der Technik und der medizinischen Wissenschaft entsprechen müssen, sind daher die Vorgaben der einschlägigen DIN-Normen als Mindeststandard einzuhalten. Somit gelten DIN-Normen im Rettungsdienst zwar nicht unmittelbar, aber – abgesehen von einzelnen Ausnahmen – zumindest mittelbar und geben so den einzuhaltenden Mindeststandard vor.
Bodengebundene Rettungsdienstfahrzeuge
Die DIN EN 1789 „Rettungsdienstfahrzeuge und deren Ausrüstung – Krankenkraftwagen“ unterscheidet drei Kategorien DIN-NormenEN 1789von Krankenkraftwagen:
Typ A (Patient Transport Ambulance, PTA): Krankentransportwagen (KTW) sind konstruiert und KrankentransportWagenausgerüstet für Patienten, die nicht vorhersehbar Notfallpatienten sind.
Krankentransportwagen vom Typ A1 sind für einen Patienten geeignet.
Krankentransportwagen vom Typ A2 dienen dem Transport eines oder mehrerer Patienten auf Trage(n) oder Sessel(n).
Typ B (Emergency Ambulance, EA): Notfallkrankenwagen sind zur NotfallKrankenwagenErstversorgung, zum Transport und zur Überwachung eines Patienten konstruiert und ausgerüstet.
Typ C (Mobile Intensive Care Unit, MICU): Rettungswagen (RTW) sind für die erweiterte RettungswagenBehandlung, den Transport und die Überwachung von Patienten konstruiert und ausgerüstet. Dabei dienen RTW der Herstellung und Aufrechterhaltung der Transportfähigkeit von Notfallpatienten vor und während der Beförderung.
Nach der DIN EN 1789 muss ein KrankentransportwagenKrankentransportWagen (KTW) heute an medizinischen Geräten (Kap. 5) eine Sauerstoffeinheit, ein Absauggerät und einen halbautomatischen Defibrillator (AED) als Mindestausstattung haben. Qualitätsbewusste Leistungserbringer statten ihre KTW darüber hinaus u. a. zusätzlich mit Notgeburtset, Pulsoxymeter, Blutzuckermessgerät, Schaufeltrage, Vakuummatratze sowie Schienungsmaterial zur Ruhigstellung von Frakturen und Halswirbelsäule aus.
Heutige RettungswagenRettungswagen (RTW) müssen über die Pflichtausstattung eines KTW hinaus an medizinischen Geräten u. a. ein EKG-Gerät, einen externen Herzschrittmacher, ein automatisches Notfall-Beatmungsgerät, ein Kapnometer, ein Pulsoxymeter, eine Spritzenpumpe, ein Thermometer und eine elektrisch betriebene Absaugeinheit aufweisen. Zudem müssen RTW zwingend mit Schaufeltrage, Vakuummatratze sowie Schienungsmaterial zur Ruhigstellung von Frakturen und Halswirbelsäule ausgerüstet sein. Ein umfangreiches Sortiment an Notfallmedikamenten und Verbandmaterial gehört ebenso selbstverständlich zur zeitgemäßen Ausstattung eines RTW wie ein Notgeburtset, ein Notfallkoffer für Säuglinge und Kleinkinder sowie ein chirurgisches Set (Thorax-Drainagen, Notkoniotomieset, Notamputationsset etc.).
Intensivtransportwagen (ITW) sind IntensivtransportwagenKrankenkraftwagen zur Durchführung von Patiententransporten unter intensivmedizinischen Bedingungen. Die Ausstattung eines ITW geht noch einmal deutlich über die eines RTW/NAW hinaus. Ein ITW hat u. a. zusätzlich ein Intensiv-Beatmungsgerät, zahlreiche Spritzenpumpen, eine Infusionspumpe, eine spezielle Intensivtransporttrage und einen deutlich größeren Vorrat an medizinischem Sauerstoff an Bord. ITW sind meist geräumiger als RTW und haben mit einer zulässigen Gesamtmasse von – je nach Modell – bis zu 7,5 t eine größere Zulademöglichkeit. Mit manchen ITW können sogar Intensivbetten transportiert werden, sodass keine Umlagerung der Patienten erforderlich ist.
Ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) dient der schnellen NotarztEinsatzfahrzeugHeranführung des Notarztes und der medizinisch-technischen Ausrüstung an den Einsatzort. Die Anforderungen an ein NEF und dessen Mindestausstattung sind in der DIN 75 079 „Notarzt-Einsatzfahrzeuge (NEF) – Begriffe, Anforderungen, Prüfung“ zusammengefasst. Mit Rettungsmaterial ist ein NEF nahezu identisch ausgestattet wie ein RTW.
Aufgrund des in den letzten Jahren überproportional gestiegenen Bedarfs werden in größeren Städten zunehmend Spezialfahrzeuge für den Transport von schwergewichtigen Patienten vorgehalten. Dadurch lassen sich die menschenunwürdigen, sonst für schwergewichtige Patienten erforderlichen Transporte auf Lkw-Ladeflächen vermeiden. Die Spezialfahrzeuge sind im Unterschied zu normalen RTW insbesondere mit speziellen Fahrtragen, Tragetüchern und Schleifkorbtragen für schwergewichtige Patienten ausgestattet.
In einigen Rettungsdienstbereichen gibt es spezielle Baby-Notarztwagen (Baby-NAW) oder Kinder-Baby-NotarztwagenNotarzteinsatzfahrzeuge (Kinder-Kinder-NotarzteinsatzfahrzeugNEF). Das sind Rettungsdienstfahrzeuge, die speziell für Frühgeborenen-, Baby- und (Klein-)Kindernotfälle sowie -transporte deutlich umfangreicher ausgestattet sind als die regulären Rettungsmittel. Üblicherweise sind Kinder-NEF mit einem früh- und neugeborenenintensivmedizinisch (neonatologisch) erfahrenen Kinderfacharzt und einem Rettungsassistenten besetzt, Baby-NAW zusätzlich mit einem intensivmedizinisch erfahrenen Kinderkrankenpfleger.
Luftfahrzeuge und Luftrettung
Deutschland verfügt über ein beinahe flächendeckendes Luftrettungsnetz. Ziele und Aufgaben der Luftrettung sind:
LuftrettungErmöglichung schneller notärztlicher Versorgung bei allen Notfällen (schneller Notarztzubringer)
Primärtransport des Patienten in das nächste geeignete Krankenhaus
Dringliche Sekundärtransporte (qualifizierte und dringliche Intensivtransporte)
Dringender Transport von Blutkonserven, Medikamenten und Transplantaten
Suchflüge und ggf. Rettung mit spezieller Ausrüstung
In der Primärluftrettung, für PrimärluftrettungNotfalleinsätze, werden heute (Stand: 2016) 55 Rettungshubschrauber (RTH) eingesetzt. Diese Rettungshubschrauberunterstützen und ergänzen den bodengebundenen Rettungsdienst (Abb. 26.5). Luftrettungsstützpunkte (Abb. 26.6) liegen meist an leistungsfähigen Kliniken und werden von unterschiedlichen Organisationen (Tab. 26.2) betrieben. Die beiden größten Leistungserbringer sind die ADAC-Luftrettung und die DRF-Luftrettung. RTH sind mit einem Piloten, einem Rettungsassistenten/Notfallsanitäter, der zusätzlich eine spezielle flugtechnische und -medizinische Ausbildung vorweisen muss, und einem erfahrenen Notarzt besetzt. Mit Rettungsmaterial sind RTH ähnlich ausgestattet wie ein RTW/NAW.
Rettungshubschrauber sind in der Regel von sieben Uhr morgens bzw. Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang einsatzbereit. Der reguläre Einsatzradius eines RTH beträgt etwa 60 km. Heutige Rettungshubschrauber haben eine Reisegeschwindigkeit von ca. 240 km/h.
Für die Sekundärluftrettung, für Sekundärluftrettungdringliche intensivmedizinische Transporte in spezialisierte weiterbehandelnde Kliniken, stehen Intensivtransporthubschrauber (ITH) zur IntensivtransporthubschrauberVerfügung. Derzeit (Stand: 2016) sind über das Bundesgebiet 14 Intensivhubschrauber verteilt. Ein Teil dieser Maschinen ist nachtflugtauglich. ITH sind meist größer als RTH. Über die Ausstattung eines Rettungshubschraubers hinaus verfügen sie u. a. über ein Intensiv-Beatmungsgerät, zahlreiche Spritzenpumpen und zunehmend über Laborgeräte zur fortlaufenden Analyse von Blut(gas)werten.
Seit Ende der 1990er-Jahre werden intensivmedizinisch ausgestattete Hubschrauber regulär je nach Bedarf als RTH oder ITH eingesetzt (Dual-Use-Hubschrauber). Seit Dual-Use-Hubschrauber2004 verfügen auch erste Dual-Use-Hubschrauber über Nachtfluggenehmigungen.
Der einzige Notarzteinsatzhubschrauber (NEH) Deutschlands NotarztEinsatzhubschrauberist in Bad Doberan, Mecklenburg-Vorpommern, stationiert. Er hat die Funktion eines schnellen Notarztzubringers und kann keine Patienten transportieren.
Das Personal im Rettungsdienst wird in Rettungsfachpersonalärztlichesärztliches Rettungsdienstpersonal (Notärzte) und Rettungsfachpersonal unterteilt. Letzteres Rettungsfachpersonalübernimmt dabei die tragende Rolle im Rettungsdienst, da Notärzte nur an ca. 23 % aller Einsätze beteiligt sind.
Ausführungen zur rechtlichen Stellung des Rettungsfachpersonals finden sich in 31.1, speziell zu den Kompetenzen des RettungsfachpersonalRettungsfachpersonals in 31.1.3.
Die Tätigkeit des Fachpersonals im Rettungsdienst kann haupt- oder nebenberuflich, ehrenamtlich oder als Freiwilliger im Rahmen eines sozialen Jahres oder des Bundesfreiwilligendienstes stattfinden. Der Einsatz kann auf allen boden- und luftgebundenen Rettungsdienstfahrzeugen erfolgen und ist ausschließlich von der erworbenen Qualifikation abhängig.
Die Ausbildung des Rettungsfachpersonals umfasst RettungsfachpersonalAusbildungfolgende Qualifikationsstufen:
RettungsfachpersonalQualifikationsstufenRettungshelfer (RettHelf)
Rettungssanitäter (RettSan)
Rettungshelfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Notfallsanitäter sind Rettungsfachpersonal.
Für die Ausbildung zum Rettungshelfer und Rettungssanitäter haben die Hilfsorganisationen Ausbildungsrichtlinien und einige Bundesländer Ausbildungsvorschriften erlassen. Nur die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist bundesgesetzlich geregelt; die Ausbildung zum Rettungsassistenten war bis Ende 2014 bundesgesetzlich geregelt.
Personal mit einer Ausbildung unterhalb der Qualifikationsstufe Rettungshelfer bezeichnet man nicht als Rettungsfachpersonal, sondern als Sanitätspersonal. Gleichwohl Sanitätspersonalwerden im Folgenden auch die Sanitätsausbildungen dargestellt, da es zahlreiche Berührungspunkte zwischen Rettungsfach- und Sanitätspersonal gibt. Auch die Ausbildung zum Betriebssanitäter ist eine Sanitätsausbildung. Aufgrund der besonderen Vorschriften für Betriebssanitäter wird diese in einem gesonderten Abschnitt behandelt.
Für die Sanitätsausbildungen, die auch als Sanitätsausbildungensanitätsdienstliche Fachausbildungen bezeichnet werden, gibt es weder gesetzliche Regelungen auf Bundes- oder Länderebene noch gemeinsame Vereinbarungen der Hilfsorganisationen über einheitliche Qualifikationsbezeichnungen, Ausbildungsdauer, -inhalte sowie Lernzielkataloge. Daher unterscheiden sich die Ausbildungen der Hilfsorganisationen in den genannten Punkten (Tab. 26.3). Für die verschiedenen organisationsspezifischen Qualifikationsstufen unterhalb des Rettungshelfers sind u. a. die Bezeichnungen Sanitätsersthelfer, Sanitätshelfer (SanHelf), Notfallhelfer, SanitätshelferSanitäter und Einsatzsanitäter Sanitätergebräuchlich (Tab. 26.3).
Bei allen diesen Qualifikationsstufen handelt es sich um erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildungen, die auf einem abgeschlossenen Erste-Hilfe-Lehrgang aufbauen. Neben sanitätsdienstlichen Kenntnissen und Fertigkeiten werden zwar auch notfallmedizinische Grundkenntnisse, u. a. in Frühdefibrillation, vermittelt. Üblicherweise beinhaltet eine Sanitätsausbildung jedoch keinerlei Klinik- oder Rettungswachenpraktika. In einem solchen Rahmen ist es daher nicht möglich, den heutigen Stand der Notfallmedizin theoretisch und praktisch in dem Umfang zu erlernen, der für die anspruchsvolle Tätigkeit im Rettungsdienst erforderlich ist. Daher zählen die Qualifikationsstufen unterhalb des Rettungshelfers nicht zum Rettungsfachpersonal, sondern werden als Sanitätspersonal bezeichnet. Sanitätspersonal darf nur noch in wenigen Bundesländern als zweites Besatzungsmitglied in der Notfallrettung oder im qualifizierten Krankentransport eingesetzt werden (Tab. 26.6).
Personal mit einer Sanitätsausbildung ist kein Rettungsfachpersonal, sondern Sanitätspersonal.
Sanitätspersonal übernimmt mit der Versorgung und Betreuung von Nichtnotfallpatienten sowie der Erstversorgung von Notfallpatienten, z. B. im Sanitätsdienst bei (Groß-)Veranstaltungen (31.5.6), in Schnelleinsatzgruppen (26.5.1) oder im Katastrophenschutz (26.5.3), wichtige Aufgaben. Es unterstützt und entlastet so das Rettungsfachpersonal. In der Regel arbeitet Sanitätspersonal eng mit Rettungsfachpersonal zusammen.
In manchen Bundesländern können die Sanitätsausbildungen im Umfang ihrer Gleichwertigkeit auf die Ausbildung zum Rettungshelfer oder -sanitäter angerechnet werden, soweit sie nicht zu lange zurückliegen.
Betriebssanitäter ist eine Qualifikation aus dem betrieblichen Sanitätswesen, jedoch kein BetriebssanitäterAusbildungsberuf. Es handelt sich ebenfalls um eine Sanitätsausbildung. Sie ist in § 27 der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV A1) in Grundzügen geregelt und in dem BG-Grundsatz 949 (BGG/GUV-G 949) „Aus- und Fortbildung für den betrieblichen Sanitätsdienst“ präzisiert. Sie umfasst:
63 Unterrichtseinheiten Grundausbildung für den betrieblichen Sanitätsdienst
32 Unterrichtseinheiten Aufbaulehrgang für den betrieblichen Sanitätsdienst
Mindestens ein Betriebssanitäter muss vor Ort sein (§ 27 Abs. 1 BGV A1), wenn
in einer Betriebsstätte mehr als 1.500 Mitarbeiter anwesend sind,
in einer Betriebsstätte 1.500 oder weniger, aber mehr als 250 Mitarbeiter anwesend sind und Art, Schwere und Zahl der Unfälle den Einsatz von Sanitätspersonal erfordern,
auf einer Baustelle mehr als 100 arbeitende Personen anwesend sind.
Hierdurch soll bei Arbeitsunfällen eine effektive Erstversorgung der Verletzten durch Maßnahmen der erweiterten Ersten Hilfe sichergestellt werden. Kleinere Verletzungen können Betriebssanitäter eigenverantwortlich versorgen.
Aktive Betriebssanitäter sind verpflichtet, mindestens alle drei Jahre einen 16 Unterrichtseinheiten umfassenden Fortbildungslehrgang zu besuchen (§ 27 Abs. 6 BGV A1).
Rettungshelferausbildung
Rettungshelfer (RettHelf) ist keine Berufsbezeichnung, sondern eine RettungshelferAusbildungQualifikationsbezeichnung. Mangels gesetzlicher Regelung haben die Hilfsorganisationen ASB, DRK, JUH und MHD im August 1995 gemeinsame Grundsätze für eine Mindestausbildung von Rettungshelfern festgelegt („Grundsätze der Hilfsorganisationen zur Ausbildung von Rettungshelfern“). Hiernach umfasst die Ausbildung zum Rettungshelfer mindestens 320 Stunden („320-Stunden-Programm“):
160 Stunden theoretische und praktische Ausbildung (Lehrgang) mit schriftlicher und praktischer Abschlussprüfung
80 Stunden klinisch-praktische Ausbildung (z. B. Notaufnahme, Anästhesie/Operationsbereich, Intensivstation, Kreißsaal)
80 Stunden praktische Ausbildung in der Notfallrettung (RTW/NAW/NEF) an einer anerkannten Lehrrettungswache
Lediglich in Nordrhein-Westfalen ist die Rettungshelferausbildung landesgesetzlich geregelt, und zwar in der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter und Rettungshelferinnen und Rettungshelfer (RettAPO NRW, Tab. 26.4). Allerdings umfasst diese Ausbildung insgesamt nur 160 Stunden, davon 80 Stunden theoretische Ausbildung einschließlich Prüfung und 80 Stunden praktische Ausbildung an einer Lehrrettungswache („160-Stunden-Programm“). In Hessen wird eine Ausbildung von 240 Stunden (160 Stunden theoretische Ausbildung und 80 Stunden Rettungswachenpraktikum), in Rheinland-Pfalz nach der Richtlinie für die Rettungssanitäter-Ausbildung eine Ausbildung von 260 Stunden (80 Stunden Theorie, 80 Stunden klinisch-praktische Ausbildung und 100 Stunden Rettungswachenpraktikum) als Rettungshelferausbildung anerkannt. Wegen der jeweils deutlich kürzeren Ausbildungsdauer im Vergleich zur Rettungshelferausbildung nach dem 320-Stunden-Programm werden diese Ausbildungen in allen anderen Bundesländern jedoch nicht als Rettungshelferausbildung, sondern nur als Sanitätsausbildung anerkannt. Zur Verdeutlichung des Qualifikationsunterschiedes werden sie in den anderen Bundesländern als „Rettungshelfer Hessen“, „RettungshelferHessenRettungshelfer NRW“ und „Rettungshelfer RettungshelferNRWRheinland-Pfalz“ bezeichnet.
RettungshelferRheinland-PfalzNach dem 320-Stunden-Programm erfolgt die Ausbildung im Rettungshelfer-Lehrgang in Anlehnung an den Lernzielkatalog der Rettungssanitäterausbildung. Dabei erhält ein Rettungshelfer die theoretische und praktische Ausbildung, die ein Rettungssanitäter im Rahmen des 160 Stunden umfassenden Rettungssanitäter-Grundlehrgangs vermittelt bekommt. Die Rettungshelferausbildung muss die fachlichen Voraussetzungen und praktischen Fertigkeiten vermitteln, die für eine notfallmedizinische Tätigkeit unter Aufsicht und Anleitung von höher qualifiziertem Rettungsdienstpersonal (Rettungssanitäter, Rettungsassistenten, Notfallsanitäter oder Notärzte) erforderlich sind. Es besteht Einigkeit, dass ein Rettungshelfer insbesondere wegen der kurzen praktischen Ausbildung nicht eigenverantwortlich notfallmedizinisch tätig werden kann (31.1.3). Daher sollte ein Rettungshelfer – abgesehen von einer Frühdefibrillation mit einem AED – aus straf- und haftungsrechtlichen Gründen (Übernahmeverschulden, 31.2.1 und 31.3.231.2.131.3.2) keine invasiven Maßnahmen an Patienten durchführen.
Rettungshelfer ist die unterste Qualifikationsstufe des Rettungsfachpersonals. Die Ausbildung richtet sich heute hauptsächlich an Freiwillige im Rahmen eines sozialen Jahres und des Bundesfreiwilligendienstes. Zudem ermöglicht sie ehrenamtlich Engagierten den Einstieg in den Rettungsdienst. Nach den landesrechtlichen Vorschriften können Rettungshelfer in einigen Bundesländern als Fahrer im qualifizierten Krankentransport sowie in einigen wenigen Bundesländern noch als Fahrer in der Notfallrettung (Tab. 26.6) tätig sein.
Eine abgeschlossene Ausbildung zum Rettungshelfer ermöglicht eine Weiterbildung zum Rettungssanitäter. Sie kann dabei regelmäßig in vollem Umfang angerechnet werden.
Rettungssanitäter (RettSan) ist eine Qualifikationsbezeichnung und – ebenso wie RettungssanitäterAusbildungKrankenpflegehelfer und Altenpflegehelfer – ein Gesundheitshilfsberuf. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist bis Rettungssanitäterheute auf Bundesebene nicht gesetzlich geregelt. Nachdem eine bundesgesetzliche Regelung in den 1970er-Jahren aus Kostengründen scheiterte, wurden im Jahr 1977 vom Bund-Länder-Ausschuss „Rettungswesen“ (heute Ausschuss „Rettungswesen“) „Grundsätze zur Ausbildung des Personals im Rettungsdienst“ („520-Stunden-Programm“) einschließlich eines Lernzielkataloges festgelegt. Diese sind allerdings rechtlich unverbindlich. Dennoch werden Rettungssanitäter bis heute von allen Leistungserbringern des Rettungsdienstes nach diesen Grundsätzen ausgebildet. Die Ausbildung umfasst mindestens:
160 Stunden theoretische und praktische Ausbildung (Grundlehrgang)
160 Stunden klinisch-praktische Ausbildung (z. B. Notaufnahme, Anästhesie/Operationsbereich, Intensivstation, Kreißsaal)
160 Stunden praktische Ausbildung in der Notfallrettung (RTW/NAW/NEF) an einer anerkannten Lehrrettungswache
40 Stunden Abschlusslehrgang mit schriftlicher, mündlicher und praktischer Prüfung
Für die Bewertung der Prüfungsleistungen gelten die sechs Notenstufen „sehr gut“ (1), „gut“ (2), „befriedigend“ (3), „ausreichend“ (4), „mangelhaft“ (5) und „ungenügend“ (6). Zum Bestehen der Abschlussprüfung ist für jeden der drei Prüfungsteile (schriftlich, mündlich und praktisch) mindestens die Note „ausreichend“ erforderlich. Die gesamte Prüfung oder einzelne Prüfungsteile können höchstens zweimal wiederholt werden.
In Anlehnung an das 520-Stunden-Programm (13 Wochen à 40 Stunden) wurde die Ausbildung zum Rettungssanitäter inzwischen in zahlreichen Bundesländern in landesrechtlichen Vorschriften rechtsverbindlich geregelt, in Rheinland-Pfalz in einer „Richtlinie“ (Tab. 26.4).
Aus diesen Ausbildungsvorschriften und aus der Möglichkeit, RettungssanitäterAusbildungsvorschriftenRettungssanitäter in den meisten Bundesländern als Fahrer in der Notfallrettung oder als Transportführer im qualifizierten Krankentransport einzusetzen (Tab. 26.6), ergeben sich die Ausbildungsziele und Aufgaben eines Rettungssanitäters:
Unterstützung des Notarztes und des Rettungsassistenten/Notfallsanitäters bei der Durchführung lebensrettender Maßnahmen und bei der Herstellung der Transportfähigkeit von Notfallpatienten
Bis zur Übernahme der Behandlung durch einen Notarzt oder bis zum Tätigwerden eines Rettungsassistenten/Notfallsanitäters selbstständige Durchführung von lebensrettenden Maßnahmen (z. B. Reanimation)
Gewährleistung einer fachgerechten Betreuung beim qualifizierten Krankentransport
Auch dürfen Rettungssanitäter in einigen Bundesländern immer noch als Leitstellendisponenten und Fahrer von Notarzteinsatzfahrzeugen (Tab. 26.6) eingesetzt werden.
Einige Bundesländer schreiben in ihren Ausbildungs- und Prüfungsordnungen für den (mittleren) feuerwehrtechnischen Dienst vor, dass angehende Feuerwehrbeamte auch eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolvieren müssen.
Bei der Bundeswehr wurde 2006 die Ausbildung zu Bundeswehr, EinsatzsanitäterEinsatzsanitätern („Einsatzsanitäter BW“) neu eingeführt. Sie dauert insgesamt 17 Wochen und Einsatzsanitäter BWbeinhaltet die zivile Rettungssanitäterausbildung nach dem 520-Stunden-Programm. In den zusätzlichen vier Wochen erlernen die angehenden Einsatzsanitäter der Bundeswehr bundeswehrspezifische Inhalte, z. B. Rettungs- und Bergemaßnahmen im Gelände.
Im September 2008 hat der Ausschuss „Rettungswesen“ nach 31 Jahren neue „Empfehlungen für die Ausbildung von Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern“ beschlossen. Diese ersetzen das sog. 520-Stunden-Programm von 1977. Auch nach diesen neuen Empfehlungen umfasst die Rettungssanitäterausbildung weiterhin 520 Stunden, aufgeteilt in 160 Stunden Grundlehrgang, jeweils 160 Stunden Klinik- und Rettungswachenpraktikum sowie 40 Stunden Abschlusslehrgang mit Prüfungen. Allerdings sind die Beschlüsse des Ausschusses „Rettungswesen“ rechtlich unverbindlich. Daher ist es derzeit noch nicht absehbar, wann bundesweit – soweit vorhanden – die landesrechtlichen Rettungssanitäter-Ausbildungsvorschriften an die neuen Ausbildungsempfehlungen des Ausschusses „Rettungswesen“ angepasst und ab wann die Leistungserbringer des Rettungsdienstes und Feuerwehren in den Bundesländern, in denen es (noch) keine landesrechtlichen Regelungen gibt, Rettungssanitäter nach den neuen Empfehlungen ausbilden werden. Bisher haben nur die Bundesländer Bayern, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein diese neuen Ausbildungsempfehlungen umgesetzt.
Eine abgeschlossene Ausbildung zum Rettungssanitäter hatte eine verkürzte weiterqualifizierende Ausbildung zum Rettungsassistenten ermöglicht. Dagegen verkürzt eine vorhandene Ausbildung zum Rettungssanitäter nicht die Ausbildung zum Notfallsanitäter.
Rettungsassistent (RettAss) ist ein als Gesundheitsfachberuf anerkannter RettungsassistentAusbildungAusbildungsberuf. Das Berufsbild des Rettungsassistenten wurde 1989 vom Bundesgesetzgeber durch das RettungsassistentBerufsbildRettungsassistentengesetz (RettAssG) geschaffen. Die GesetzRettungsassistenten-Ausbildung zum RettungsassistentGesetzRettungsassistenten war bis zum 31.12.2014 im RettAssG und der dazugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (RettAssAPrV) geregelt. Allerdings sind das RettAssG und die RettAssAPrV infolge des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG) mit Ablauf des 31.12.2014 außer Kraft getreten.
Die Berufsbezeichnung „Rettungsassistent/in“ darf nur mit behördlicher Erlaubnis geführt werden. Wer diese Erlaubnis nach den Vorschriften des RettAssG erworben hat, darf diese auch nach dem Inkrafttreten des NotSanG weiterführen (§§ 30, 32 Abs. 1 S. 2 NotSanG). Diese hat erhalten, wer neben der Erfüllung von bestimmten persönlichen Voraussetzungen (z. B. gesundheitliche Eignung und grundsätzlich keine Vorstrafen) die Regelausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte.
Die Regelausbildung dauerte zwei Jahre (2.800 Stunden) und gliederte sich in:
Ein Jahr (1.200 RettungsassistentAusbildungStunden) theoretische und praktische Ausbildung an einer staatlich anerkannten Berufsfachschule für Rettungsassistenten (Rettungsassistentenschule) mit
780 Stunden schulischem Unterricht
14 Wochen (420 Zeitstunden) theoretische und praktische Ausbildung im Krankenhaus (Allgemeine Pflegestation, Notaufnahme, Anästhesie/Operationsbereich, Intensivstation)
3 Wochen (120 Zeitstunden) Einführungspraktikum im Rettungsdienst,
Staatliche Abschlussprüfung (schriftlich, mündlich und praktisch)
Ein Jahr (1.600 Zeitstunden) praktische Ausbildung an einer Lehrrettungswache als Rettungsassistent im Praktikum (RettAss i. Rettungsassistentim PraktikumP.)
Bei Vorkenntnissen, etwa der Ausbildung als Rettungssanitäter oder Gesundheits- und Krankenpfleger, war eine verkürzte Ausbildung möglich.
Die Ausbildung soll den Rettungsassistenten insbesondere dazu befähigen (§ 3 RettAssG),
am Notfallort bis zur Übernahme der Behandlung durch den Notarzt lebensrettende Maßnahmen bei Notfallpatienten durchzuführen,
die Transportfähigkeit solcher Patienten herzustellen,
die lebenswichtigen Vitalfunktionen während des Transports zum Krankenhaus zu beobachten und aufrechtzuerhalten sowie
kranke, verletzte und sonst hilfsbedürftige Personen, auch wenn sie nicht Notfallpatienten sind, unter sachgerechter Betreuung zu befördern.
Aus diesen Ausbildungszielen und aus der bisherigen (vor Schaffung des neuen Berufsbildes des Notfallsanitäters) Funktion des Rettungsassistenten als Transportführer in der Notfallrettung (RTW/NAW/ITW), als Fahrer von Notarzteinsatzfahrzeugen (Tab. 26.6), als Besatzungsmitglied von Rettungs- und Intensivtransporthubschraubern sowie als Leitstellendisponent ergeben sich dessen Aufgaben.
Allerdings sind die notfallmedizinischen Befugnisse der Rettungsassistenten bis zum Außerkrafttreten des RettAssG nie ausdrücklich gesetzlich geregelt worden (zu den Kompetenzen des Rettungsfachpersonals 31.1.3).
Aufgrund der nicht geregelten NotfallsanitäterAusbildungnotfallmedizinischen Befugnisse der Rettungsassistenten und zahlreicher Defizite bei der Rettungsassistentenausbildung war man sich in Fachkreisen seit Mitte der 1990er-Jahre einig, dass die Ausbildung dringend reformiert werden muss. Es wurde gefordert, diese auf drei Jahre auszudehnen und eigene Fachkompetenzen der Rettungsassistenten zu schaffen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte die Vorlage eines entsprechenden Gesetzesentwurfs bereits für das Jahr 2005 angekündigt, doch diese Zusage nicht eingehalten.
Im Mai 2012 hat das Bundesgesundheitsministerium dann einen ersten Entwurf, einen sog. Referentenentwurf, eines neuen Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters (NotfallsanitätergesetzNotfallsanitäterGesetz – NotSanG) und im Oktober 2012 einen sog. Regierungsentwurf vorgelegt. Am 28.2.2013 wurde das NotSanG durch den Bundestag verabschiedet, am 22.3.2013 stimmte der Bundesrat zu. Das NotSanG trat zum 1.1.2014 in Kraft. Mit diesem Gesetz wurde das neue Berufsbild des Notfallsanitäters geschaffen.
Die Berufsbezeichnung „Notfallsanitäter/in“ (NotSan) darf nur mit behördlicher Erlaubnis geführt werden (§ 1 Abs. 1 NotSanG). Diese Erlaubnis erhält, wer neben der Erfüllung von bestimmten persönlichen Voraussetzungen (z. B. gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Berufs, grundsätzlich keine Vorstrafen, zur Berufsausübung erforderliche Deutschkenntnisse) die vorgeschriebene Ausbildungszeit abgeleistet und die staatliche Prüfung bestanden hat (§ 2 Abs. 1 NotSanG).
Für die Ausbildung gelten folgende Eckpunkte:
Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert in Vollzeit drei Jahre, in Teilzeit höchstens fünf Jahre (§ 5 Abs. 1 NotSanG).
Zugangsvoraussetzung zur Ausbildung ist grundsätzlich ein mittlerer Schulabschluss (§ 8 NotSanG).
Es gibt kein Mindestzugangsalter.
Zwischen dem Träger der Ausbildung (Hilfsorganisation, Feuerwehr, privates Rettungsdienstunternehmen) und dem Notfallsanitäterschüler muss ein schriftlicher Ausbildungsvertrag mit gesetzlich vorgeschriebenem Mindestinhalt geschlossen werden (§ 12 NotSanG).
Notfallsanitäterschüler müssen eine Ausbildungsvergütung erhalten und Ausbildungsmittel (z. B. Fachbücher) kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen (§§ 13 Abs. 1 Nr. 2, 15 NotSanG).
Die Ausbildung besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung. Sie schließt mit einer staatlichen Prüfung ab (§ 5 Abs. 1 NotSanG).
Der theoretische und praktische Unterricht wird in staatlich anerkannten Schulen durchgeführt (§ 5 Abs. 2 NotSanG).
Die Qualitätsanforderungen an Notfallsanitäterschulen sind deutlich strenger als bisher an Rettungsassistentenschulen (vgl. § 6 Abs. 2 NotSanG).
Die Notfallsanitäterschulen tragen die Gesamtverantwortung für die Ausbildung (§ 5 Abs. 3 NotSanG).
Die praktische Ausbildung wird nicht nur an Lehrrettungswachen, sondern auch in geeigneten Krankenhäusern durchgeführt (§ 5 Abs. 2 S. 3 NotSanG).
Die Ausbildungsziele sind sehr ausführlich in § 4 NotSanG (Tab. 26.5) geregelt. Hierbei wird u. a. ausdrücklich unterschieden zwischen (invasiven) medizinischen Maßnahmen, die Notfallsanitäter im Rahmen der Erstversorgung bis zur Verfügbarkeit eines (Not-)Arztes durchführen (§ 4 Abs. 2 Nr. 1 Buchstabe c NotSanG), und heilkundlichen Maßnahmen, die Notfallsanitäter unter bestimmten weiteren Voraussetzungen eigenständig durchführen (vgl. § 4 Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe c NotSanG).
Weitere Einzelheiten zur Notfallsanitäterausbildung und -prüfung sind in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (NotSan-APrV) geregelt, die ebenfalls zum 1.1.2014 in Kraft getreten ist. Hier ist auch die zeitliche Gliederung der Ausbildung im Einzelnen festgelegt (§ 1 Abs. 1 NotSan-APrV sowie Anlagen 1–3). Zur Umsetzung dieser bundesrechtlichen Vorgaben gibt es auf Länderebene weitere Regelungen wie Ausführungsbestimmungen, Lehrpläne etc. Diese unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland.
Aus den Ausbildungszielen (Tab. 26.5) ergeben sich die Aufgaben der Notfallsanitäter. Notfallsanitäter werden Rettungsassistenten in der Notfallrettung (RTW/NAW/ITW) nach längeren, noch nicht in allen Bundesländern landesrechtlich geregelten Übergangszeiträumen als Transportführer ersetzen (Tab. 26.5).
Auch langjährig tätige Rettungsassistenten werden nicht automatisch als Notfallsanitäter anerkannt. Rettungsassistenten mit mindestens fünfjähriger nachgewiesener Berufstätigkeit können jedoch bis Ende des Jahres 2020 eine staatliche Ergänzungsprüfung ablegen (§ 32 Abs. 2 S. 1 NotSanG). Rettungsassistenten mit mindestens dreijähriger nachgewiesener Berufstätigkeit können bis Ende des Jahres 2020 eine staatliche Ergänzungsprüfung nach einer Vorbereitungsausbildung von 480 Stunden ablegen. Rettungsassistenten ohne oder mit kürzerer Berufstätigkeit können bis Ende des Jahres 2020 eine stattliche Ergänzungsprüfung nach einer Vorbereitungsausbildung von 960 Stunden ablegen (§ 32 Abs. 2 S. 2 NotSanG).
Für Rettungssanitäter und/oder Gesundheits- und Krankenpfleger ist keine verkürzte Ausbildung zum Notfallsanitäter möglich.
Die Kompetenzen von Notfallsanitätern werden in 31.1.3 dargestellt.
Fachliche Mindestqualifikation der Fahrzeugbesatzungen
Von besonderer Bedeutung für das Rettungsfachpersonal sind die landesrechtlichen Regelungen, welche die fachliche FahrzeugBesatzung, fachliche MindestqualifikationMindestqualifikation der Fahrzeugbesatzungen vorschreiben. Inzwischen ist in den meisten Bundesländern vorgeschrieben, dass bodengebundene Rettungsdienstfahrzeuge in der Notfallrettung (RTW/NAW/ITW)Notfallrettungfachliche Mindestqualifikation mit mindestens einem Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter und einem Rettungssanitäter, im qualifizierten KrankentransportMindestqualifikation, fachlicheKrankentransport mit mindestens je einem Rettungssanitäter und Rettungshelfer besetzt sein müssen (Tab. 26.6). Notfallsanitäter werden Rettungsassistenten in der Notfallrettung (RTW/NAW/ITW) nach längeren, noch nicht in allen Bundesländern geregelten Übergangszeiträumen als Transportführer ersetzen. Soweit der Beifahrer (= sog. Transportführer bzw. Patientenbetreuer) höher qualifiziert sein muss als der Fahrer, sind die Patienten während des Transportes zwingend vom Beifahrer zu betreuen.
Ärztliches Rettungsdienstpersonal
Wesentlicher Bestandteil des deutschen Rettungsdienstsystems ist die Einbeziehung von Ärzten in die Notfallrettung bei vitaler Bedrohung. Dies ermöglicht eine frühzeitige differenzierte Diagnostik und Therapie. Die im Rettungsdienst eingesetzten Ärzte bezeichnet man als Notärzte. Um als solche tätig sein zu Notarztdürfen, müssen RettungsdienstNotarzt imÄrzte je nach Bundesland den Fachkundenachweis „Rettungsdienst“ oder die weiterqualifizierende Zusatz- bzw. Bereichsbezeichnung „Notfallmedizin“ vorweisen. Um die Qualifikation der eingesetzten Notärzte zu erhöhen, reicht mittlerweile in manchen Bundesländern der bisherige Fachkundenachweis „Rettungsdienst“ nicht mehr aus.
Die notärztliche Versorgung im Rettungsdienst ist fester Bestandteil des medizinischen Gesamtversorgungskonzepts.
Für die Einbindung der Notärzte in die Notfallrettung gibt es zwei Systeme:
Rendezvous-System: Ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) transportiert den Rendezvous-SystemNotarzt zur Einsatzstelle (Notarztzubringerfunktion). Rettungswagen (RTW) und NEF treffen sich am Notfallort. Dort erfolgt gemeinsam die medizinische Versorgung. Gegebenenfalls kann der Notarzt den Patienten im RTW begleiten. Sollte keine Transportbegleitung erforderlich sein, steht das NEF sofort für einen neuen Einsatz zur Verfügung.
Stationssystem/NAW-System: Der Notarzt ist einem RTW fest zugeordnet; Notarzt und StationssystemRettungswagen bilden somit eine NAW-Systemorganisatorische Einheit (Notarztwagen, NAW). Zusätzliche NotarztWagenUnterhaltungskosten für ein NEF entfallen, jedoch ist der Notarzt immer an dieses Fahrzeug gebunden und damit wenig flexibel einsetzbar. Zudem ist der räumliche Einsatzbereich, den ein NAW innerhalb der Hilfsfrist abdecken kann, geringer als bei einem NEF, da ein NAW nicht so dynamische Fahreigenschaften hat.
Welches Notarztsystem in den einzelnen Rettungsdienstbereichen eingerichtet ist, hängt von verschiedenen Gründen ab. Es existieren auch Mischformen innerhalb eines Rettungsdienstbereichs. Aufgrund der größeren Flexibilität und der damit verbundenen Vorteile überwiegt das Rendezvous-System (ca. 96,6 %) deutlich gegenüber dem Stationssystem. Insbesondere aus Effizienz- und Kostengründen haben in den letzten Jahren einige jahrzehntelange Anhänger des Stationssystems auf das Rendezvous-System umgestellt, z. B. Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg und Berlin.
Bei Ereignissen mit einer Vielzahl oder einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten (MANV bzw. Großschadensereignis, 28.2) wird die rettungsdienstliche Versorgung durch einen Leitenden Notarzt (LNA) – je nach landesrechtlichen RettungsdienstLeitender NotarztVorschriften in NotarztLeitenderZusammenarbeit mit einem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL) – geleitet und koordiniert. Im Einsatz ist ein LNA allen eingesetzten rettungsdienstlichen Kräften weisungsbefugt.
Zur Qualitätssicherung sehen die meisten Rettungsdienstgesetze einen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) vor. Dies ist ein langjährig RettungsdienstÄrztlicher Leitererfahrener Notarzt mit spezieller Weiterbildung. Er führt im jeweiligen Rettungsdienstbereich die medizinische Aufsicht über die Notärzte und das Rettungsfachpersonal. In manchen Bundesländern ist der ÄLRD diesen in medizinischen Angelegenheiten weisungsbefugt und kann insbesondere einheitliche Behandlungsleitlinien aufstellen (siehe auch § 4 Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe c NotSanG).
Schnelleinsatzgruppen, Ersthelfergruppen und Katastrophenschutz
Zu den Aufgaben des Rettungsdienstes gehört auch die Bewältigung von Notfallereignissen unterhalb der Katastrophenschwelle mit einer größeren Anzahl von Verletzten oder Erkrankten (z. B. Bus- oder Zugunfälle). Man spricht auch von einem Massenanfall an Verletzten bzw. Erkrankten (MANV) bzw. einem Großschadensereignis (28.2)Massenanfall von Verletzten.
Da ein MANV nicht Großschadensereignisallein von den regulär vorgehaltenen Rettungskräften und -mitteln bewältigt werden kann, müssen die Rettungsdienstträger entsprechende Planungen und Vorkehrungen zur Bewältigung eines solchen treffen. Hierfür werden zur Unterstützung des regulären Rettungsdienstes im Auftrag der Rettungsdienstträger von den gemeinnützigen Hilfsorganisationen sowie privaten Rettungsdienstorganisationen wie Falck, Promedica oder MKT üblicherweise ehrenamtliche Kräfte und zusätzliche Rettungsmittel vorgehalten. Diese können ähnlich den Helfern der Freiwilligen Feuerwehren im Bedarfsfall zu Hause oder bei der Arbeit alarmiert werden und bilden sogenannte Schnelleinsatzgruppen (SEGen).
Anhand der SchnelleinsatzgruppeAufgaben kann man u. a. Schnelleinsatzgruppen unterscheiden, die
primär auf die Behandlung und Versorgung von Patienten oder
primär auf den Transport von Patienten oder
primär auf die Betreuung und Verpflegung von Leicht- und Unverletzten
spezialisiert und entsprechend ausgebildet und ausgestattet sind.
Je nach Ausbildungsstand kann man u. a. rettungsdienstliche (alle Mitglieder haben eine rettungsdienstliche Ausbildung, also mindestens eine Rettungshelferausbildung) und sanitätsdienstliche Schnelleinsatzgruppen (alle Helfer haben mindestens eine sanitätsdienstliche Ausbildung) unterscheiden. Die Bezeichnung, Qualifikation, Ausstattung, Spezialisierung sowie Größe der Schnelleinsatzgruppen variiert dabei teilweise von Rettungsdienstbereich zu Rettungsdienstbereich und erst recht von Bundesland zu Bundesland. Manche Schnelleinsatzgruppen bestehen aus Teileinheiten des Katastrophenschutzes.
Ersthelfergruppen
First ResponderErsthelfergruppenErsthelfergruppen sind örtliche Einrichtungen OErsthelferrganisierter Erster Hilfe. Für deren Mitglieder sind auch die Bezeichnungen Helfer vor Ort (HvO), Voraus-Helfer, Sanitäter vor Ort (SavO) oder First Responder (FR) gebräuchlich.
Ersthelfergruppen dienen besonders in ländlichen Gegenden dazu, nach der Alarmierung von ein oder zwei ihrer Mitglieder durch die Leitstelle als notfallortnahe Ersthelfer das sog. therapiefreie Intervall zwischen dem Notfallereignis und dem Eintreffen des Rettungsdienstes durch Maßnahmen der erweiterten Ersten Hilfe zu verkürzen. In manchen Rettungsdienstbereichen existieren inzwischen nahezu flächendeckende Ersthelfersysteme. Durch das außergewöhnliche Engagement organisierter Ersthelfer konnten in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschenleben gerettet werden, insbesondere durch erfolgreiche Reanimationen.
Die Einrichtung von Ersthelfersystemen erfolgt in der Regel auf freiwilliger, meist ehrenamtlicher Basis durch die Hilfsorganisationen oder (Freiwilligen) Feuerwehren. Ihre Einrichtung zählt nicht zu den Pflichten der Rettungsdienstträger. Ersthelfersysteme sind weder organisatorisch noch rechtlich Bestandteil des Rettungsdienstes. Sie haben keinen Einfluss auf die vom Rettungsdienst einzuhaltenden Hilfsfristen. Daher stehen organisierten Ersthelfern (abgesehen von einer Ausnahmeregelung in Bayern) auch keine Sonderrechte zu (31.4.1).
Die Empfehlungen des Ausschusses „Rettungswesen“ halten für organisierte ErsthelfergruppenAusbildungErsthelfer als First ResponderAusbildungMindeststandard eine Ausbildung von 48 Unterrichtsstunden, einschließlich einer Ausbildung in der Durchführung der Frühdefibrillation mit automatisierten externen Defibrillatoren (AED), zwingend für erforderlich; mindestens 80 Unterrichtsstunden werden empfohlen. Eine regelmäßige Fortbildung mit Praxistraining von mindestens vier Stunden pro Halbjahr sollte gewährleistet sein.
Rechtsfragen, die speziell organisierte Ersthelfer betreffen, werden in 31.5.7 behandelt.
Der KatastrophenschutzKatastrophenschutz (KatS) ist nicht Teil des Rettungsdienstes, sondern für die Bewältigung eines Katastrophenfalls zuständig. Unter einer KatastropheKatastrophe in diesem Sinne versteht man ein Geschehen, das Leben oder Gesundheit zahlreicher Menschen oder Tiere, die Umwelt, erhebliche Sachwerte oder die lebensnotwendige Versorgung der Bevölkerung in so ungewöhnlichem Maße gefährdet oder schädigt, dass es geboten erscheint, ein zu seiner Abwehr und Bekämpfung erforderliches Zusammenwirken von Behörden, Stellen und Organisationen unter die einheitliche Leitung der Katastrophenschutzbehörde zu stellen.
Die Gesetzgebungszuständigkeit für den Katastrophenschutz liegt bei den Bundesländern (Art. 70 Abs. 1 GG). Daher gibt es auch hier eine Vielzahl von unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen. Der Katastrophenschutz ist teilweise im selben Gesetz wie die Feuerwehr (z. B. Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen) oder die Feuerwehr und der Rettungsdienst (z. B. Bremen und Sachsen) oder in gesonderten Katastrophenschutzgesetzen (in den restlichen Bundesländern) geregelt.
Welche Epochen haben zur Entwicklung des Rettungsdienstes entscheidend beigetragen? (26.1)
Welcher zentrale Leitgedanke prägt auch noch heute den Rettungsdienst? (26.1)
Welche Städte gelten als Motoren der rettungsdienstlichen Entwicklung im Nachkriegsdeutschland? (26.1 und Tab. 26.1)
Welche zwei zentralen Aufgaben hat der Rettungsdienst? (26.2.1)
Welche Aufgaben haben die Bundesländer bei der Organisation des Rettungsdienstes? (26.2.2)
Wer sind die Träger des Rettungsdienstes und welche Aufgaben haben sie? (26.2.2)
Wer sind die Leistungserbringer im Rettungsdienst? (26.2.2 und Tab. 26.2)
Wer trägt die Kosten des Rettungsdienstes? (26.2.2)
Nennen Sie die fünf Glieder der Rettungskette. (26.2.3)
Was sind Laienhelfer und welche Aufgaben haben sie? (26.2.3)
Woraus besteht ein strukturierter Notruf und welchem Hauptzweck dient er? (26.2.3)
Nennen Sie die Aufgaben des Rettungsdienstes im Rahmen der Rettungskette. (26.2.3)
Welche Rettungsdienstfahrzeuge können unterschieden werden? (26.3)
Wie unterscheiden sich Krankentransportwagen und Rettungswagen in ihrer Ausstattung? (26.3.1)
Beschreiben Sie das System der Luftrettung in Deutschland. (26.3.2)
Nennen Sie die fünf Hauptaufgaben der Luftrettung. (26.3.2)
Beschreiben Sie die Ausbildung zum Rettungshelfer. Welche Tätigkeitsschwerpunkte haben Rettungshelfer? (26.4.1)
Beschreiben Sie die Ausbildung zum Rettungssanitäter. Welche Tätigkeitsschwerpunkte haben Rettungssanitäter? (26.4.1)
Beschreiben Sie die Ausbildung zum Rettungsassistenten. Welche Tätigkeitsschwerpunkte haben Rettungsassistenten? (26.4.1)
Nennen Sie die gesetzlich vorgeschriebenen fachlichen Mindestqualifikationen der Fahrzeugbesatzungen für Notfallrettung, Krankentransport und NEF in Ihrem Bundesland. (Tab. 26.6)
Wie heißt in Ihrem Bundesland das Gesetz, in dem der Katastrophenschutz geregelt ist? (26.5.3)

References: § 4

§ 4
 § 27
 § 6
 § 4
 § 4
 § 4