Source: https://www.juracademy.de/strafrecht-bt1/toetungsdelikte/2-teil-straftaten-gegen-das-leben/g-aussetzung-221/i-ueberblick.html
Timestamp: 2019-01-21 21:17:41+00:00

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Die Aussetzung ist ein konkretes Gefährdungsdelikt. Schutzzweck des § 221 Abs. 1 ist die Verhinderung konkreter Gefahren für die körperliche Unversehrtheit oder das Leben. Auf eine Verletzung der geschützten Rechtsgüter kommt es bei § 221 nicht an.
Abs. 1 stellt das Grunddelikt dar, Abs. 2 Nr. 1 eine Qualifikation, Abs. 2 Nr. 2 und Abs. 3 sind Erfolgsqualifikationen. Bei Abs. 4 handelt es sich um eine Strafzumessungsnorm für minder schwere Fälle.
Der Versuch der Aussetzung ist nicht strafbar, da die Aussetzung ein Vergehen gem. § 12 Abs. 2 ist und der Gesetzgeber die Versuchsstrafbarkeit nicht angeordnet hat. Dies schafft Probleme, wenn der Täter bei dem Versuch der Aussetzung bereits eine der Folgen gem. § 221 Abs. 2 Nr. 2 oder Abs. 3 herbeigeführt hat (sog. erfolgsqualifizierter Versuch).
Taxifahrer T möchte seinen total betrunkenen Fahrgast F, der sich bereits in seinem Taxi übergeben hat, aus dem Wagen werfen. Bei dem Versuch, F in einem einsamen Waldstück hinauszuwerfen, schlägt F mit dem Kopf an der Karosserie an und zieht sich ein schweres Stammhirnhämatom zu.
Hier könnte sich der Taxifahrer T wegen versuchter Aussetzung mit schwerer Gesundheitsschädigung gem. §§ 221 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 2, 22, 23 strafbar gemacht haben. Voraussetzung dafür ist jedoch zunächst, dass der Versuch strafbar ist.
Nach h.M. ist dieser erfolgsqualifizierte Versuch nicht strafbar, da die Erfolgsqualifikation auf dem Grunddelikt aufbaut, das Grunddelikt aber nicht strafbar ist.
LK-Jähnke § 221 Rn. 40 m.w.N. Nach anderer Auffassung erlangt die Erfolgsqualifikation aufgrund der Straferhöhung Verbrechenscharakter, so dass der erfolgsqualifizierte Versuch möglich ist.SK-Horn/Wolters § 221 Rn. 16.
Da die meisten Grunddelikte, zu denen es Erfolgsqualifikationen gibt, im Versuch strafbar sind, stellt sich diese Problematik nur bei § 221 und bei dem neuen § 238.
Der Aufbau der Aussetzung gem. § 221 sieht wie folgt aus:
Wie prüft man: Aussetzung, § 221
Tathandlung gem. Nr. 1: Versetzen in eine hilflose Lage durch jedermann
Tathandlung gem. Nr. 2: Im-Stich-Lassen in einer hilflosen Lage trotz Obhuts- und Beistandspflicht
dadurch (kausal und unmittelbar)
Taterfolg: konkrete Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung
evtl. Qualifikation gem. Abs. 2 Nr. 1
Evtl. Erfolgsqualifikation gem. Abs. 2 Nr. 2 oder Abs. 3
Unmittelbarkeitszusammenhang
wenigstens Fahrlässigkeit gem. § 18
1.Versetzen in eine hilflose Lage durch jedermann (Nr. 1)
b)unmittelbar
a)des Todes
Im Stichlassen in einer hilflosen Lage durch Bestandspflichtigen (Nr. 2)
Die Aussetzung gem. § 221 I StGB
ist ein konkretes Gefährdungsdelikt?
ist ein Allgemeindelikt?
ist ein Sonderdelikt?
ist ein Erfolgsdelikt?
ist ein abstraktes Gefährdungsdelikt?

References: § 221
 § 221
 § 12
 § 221
 § 221
 § 221
 § 221
 § 238
 § 221
 § 221
 § 18
 § 221