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Timestamp: 2020-08-12 17:55:30+00:00

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BVerwG, 12.09.2013 - 5 C 35.12 - dejure.org
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BVerwG, 12.09.2013 - 5 C 35.12 (https://dejure.org/2013,23900)
BVerwG, Entscheidung vom 12.09.2013 - 5 C 35.12 (https://dejure.org/2013,23900)
BVerwG, Entscheidung vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 (https://dejure.org/2013,23900)
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SGB VIII § 36a Abs. 1 und 3, § 90 Abs. 3; SGB V § 13 Abs. 3; SGB IX § 15 Abs. 1
Analogie; Analogieschluss; Anspruch auf Kindergartenplatz; Anspruch auf Kindertagesbetreuung; Anspruch auf Verschaffung eines Betreuungsplatzes; Aufwendungen; Aufwendungsersatz; Aufwendungsübernahme; Bundesrecht; Elterninitiative; private Elterninitiative; Erstattung; ...
§ 36a Abs 1 SGB 8, § 36a Abs 3 S 1 SGB 8, § 79 SGB 8, § 80 SGB 8, § 90 Abs 3 SGB 8
Anspruch auf Kinderbetreuungsplatz; Ersatz der Aufwendungen für die Selbstbeschaffung
§ 36a Abs. 1 und 3, § 90 Abs. 3 SGB VIII, § 13 Abs. 2 SGB V, § 15 Abs. 1 SGB IX
Kinder- und Jugendhilferecht: Anspruch auf Übernahme der erforderlichen Aufwendungen für einen selbstbeschafften Kinderbetreuungsplatz (hier: Kindergartenrecht Rheinland Pfalz) | Analogie; Analogieschluss; Anspruch auf Kindergartenplatz; Anspruch auf ...
SGB VIII § 36a Abs. 3
faz.net (Pressebericht, 12.09.2013)
Kommunen müssen private Krippe bezahlen
Kostenübernahmepflicht des Träger öffentlicher Hand bei selbstbeschafftem Kinderbetreuungsplatz möglich
BVerwG bejaht Aufwendungsersatz für selbst beschafften Krippenplatz
Kinderbetreuung: Richterliche Hilfe zur Kita-Selbsthilfe
sueddeutsche.de (Pressebericht, 13.09.2013)
Krippenplätzen: Stadt muss Kosten für private Kita erstatten
kommunen-in-nrw.de (Ausführliche Zusammenfassung)
Bundesverwaltungsgericht zu Aufwendungen für Krippenplatz
Zum Anspruch auf Aufwendungsersatz für selbstbeschafften Krippenplatz
Stadt muss für selbst beschafften privaten Kita-Platz zahlen
Rechtsanspruch auf U3-Beutreuungsplatz
sueddeutsche.de (Pressekommentar, 13.09.2013)
Krippen-Plätze: Die Städte sind in der Pflicht
BVerwGE 148, 13
NJW 2014, 1256
DVBl 2014, 307
Diese Vorschrift bezieht sich zwar unmittelbar nur auf Hilfen im Sinne von § 2 Abs. 2 Nr. 4 bis 6 SGB VIII; sie ist jedoch auf jugendhilferechtliche Leistungen, welche die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege betreffen (§ 2 Abs. 2 Nr. 3, §§ 22 ff SGB VIII), entsprechend anzuwenden (BVerwGE 148, 13 Rn. 17 ff; Bayerischer VGH…, Beschluss vom 17. November 2015 - 12 ZB 15.1191, BeckRS 2016, 41519 Rn. 36; OVG Rheinland-Pfalz, Urteile vom 25. Oktober 2012 - 7 A 10671/12, KommJur 2013, 21, 22 f und vom 28. Mai 2014 - 7 A 10276/14, BeckRS 2014, 53254; Meysen, DJI Impulse, 2/2012, 12, 14;… Struck in Wiesner, SGB VIII, 5. Aufl., § 24 Rn. 48;… Grube in Hauck/Noftz, SGB VIII, Stand 01/14, § 24 Rn. 42;… Fischer in Schellhorn/Fischer/Mann/Kern, SGB VIII, 4. Aufl., § 24 Rn. 28; Mayer, VerwArch 2013, 344, 371 ff; Schübel-Pfister, NVwZ 2013, 385, 390 und NJW 2014, 1216 ff; Rixen, NJW 2012, 2839, 2843).
(1) Nach Wortlaut und Zweck des § 24 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII, der Systematik der §§ 22 ff SGB VIII sowie der Regelungsabsicht des Gesetzgebers steht der Förderungsanspruch zwar nicht den Kindeseltern, sondern allein dem Kind selbst zu (…Grube in Hauck/Noftz, SGB VIII, Stand 01/14, § 24 Rn. 22; Schübel-Pfister, NVwZ 2013, 385, 386 und NJW 2014, 1216, 1217; Kümper, NVwZ 2015, 1739, 1740; Pauly/Beutel, DÖV 2013, 445 f; Pernice-Warnke, FamRZ 2015, 905, 906; Mayer, VerwArch 2013, 344, 347, 362; vgl. auch BVerwGE 148, 13 Rn. 47 [zu § 24 Abs. 1 SGB VIII aF]; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 28. Mai 2014 - 7 A 10276/14, BeckRS 2014, 53254 [zu § 24 Abs. 1 SGB VIII aF] unter Aufgabe der gegenteiligen Ansicht im Urteil vom 25. Oktober 2012, KommJur 2013, 21, 24 f).
Bei der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege (§ 22 ff. SGB VIII) handelt es sich indes nicht um Hilfen im Sinne des § 2 Abs. 2 Nr. 4 bis 6 SGB VIII, sondern um Angebote gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 3 SGB VIII (BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 24).
Da das richterrechtliche Haftungsinstitut auch die sekundärrechtlichen Folgen eines enttäuschten (Primär)Anspruchs auf Kinderbetreuung umfasste, bleibt die Bestimmung hinter dem Plan des Gesetzgebers zurück (vgl. BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 35).
Entsprechendes gilt - entgegen der Auffassung der Beklagten - für den Umstand, dass der Sekundäranspruch in aller Regel die Rechtsnatur des ihm zugrunde liegenden Leistungsanspruchs teilt (BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 14).
(2) Der in § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII normierte Fall ist mit dem hier in Rede stehenden nicht geregelten Sachverhalt vergleichbar, weil es bei beiden Fallgestaltungen um einen enttäuschten gesetzlichen Primäranspruch, der keine bloße Geldleistung zum Gegenstand hat, und um den Ersatz von Aufwendungen für die Selbstbeschaffung geht (vgl. BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 36 ff.).
Voraussetzung für die Übernahme der Aufwendungen ist vielmehr allein die Dringlichkeit der Deckung des Bedarfs des Anspruchsberechtigten, die maßgeblich durch einen drohenden Verlust des Anspruchs infolge seiner mit Zeitablauf eintretenden Unerfüllbarkeit geprägt wird (BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 37 f.).
Der Analogieschluss ist auf sämtliche Tatbestandsmerkmale, an die die Bestimmung die Rechtsfolge des Übernahmeanspruchs knüpft, sinngemäß zu erstrecken (vgl. BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 39).
Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Auslegung und Anwendung einer Norm des Landesrechts, hier des Art. 45a AGSG, durch das Berufungsgericht gemäß § 137 Abs. 1 VwGO, § 173 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 560 ZPO gebunden, sofern die Vorinstanz eine irrevisible Norm des Landesrechts nicht unter Verkennung von oder im Widerspruch zu Bundesrecht ausgelegt und angewandt hat (BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 15).
Im Hinblick auf die Art und Dringlichkeit des Hilfebedarfs durfte nicht länger zugewartet werden, sondern musste der Bedarf des Klägers nach frühkindlicher Förderung sofort und ohne nennenswerten zeitlichen Aufschub gedeckt werden (vgl. BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 38).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Frage, ob im Rahmen des Übernahmeanspruchs analog § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII eine vorherige Inanspruchnahme von Eilrechtsschutz geboten ist, bislang offengelassen (BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 Rn. 51).
Der Verweis auf § 90 Abs. 3 SGB VIII stehe im Widerspruch zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. September 2013 (Az. 5 C 35/12).
a) Der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe hat dem anspruchsberechtigten Kind (und nicht den sorgeberechtigten Eltern, vgl. BVerwG, U. v. 12.9.2013 -5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1260] Rn. 47) deshalb entweder einen Platz in einer eigenen Kindertageseinrichtung zuzuweisen (zu verschaffen) oder in einer Einrichtung eines anderen (freien) Trägers bzw. einer kreisangehörigen Gemeinde oder in Kindertagespflege bei einem Tagesvater oder einer Tagesmutter nachzuweisen (bereitzustellen), der/die bereit ist, das Kind aufzunehmen (…vgl. Lakies in: Münder/Meysen/Trenczek, Frankfurter Kommentar zum SGB VIII, 7. Aufl. 2013, § 24 Rn. 12, 67; Rixen, NJW 2012, 2839 [2840];… Struck, in: Wiesner, SGB VIII, 5. Aufl. 2015, § 24 Rn. 20;… Kaiser, in: Kunkel/Kepert/Pattar, SGB VIII, 6. Aufl. 2016, § 24 Rn. 20;… Grube, in: Hauck/Noftz, a. a. O., § 24 Rn. 20; Schübel-Pfister, NVwZ 2013, 385 [387]; Wiesner, ZKJ 2014, 458), sofern ein entsprechender Bedarf gemäß den Voraussetzungen des § 24 Abs. 5 Satz 2 SGB VIII i. V. m. Art. 45a AGSG rechtzeitig geltend gemacht wird (…vgl. BayVGH, B. v. 17.11.2015 - 12 ZB 15.1191 -, BayVBl. 2016, 448 [451] Rn. 25).
§ 24 Abs. 2 SGB VIII begründet einen Verschaffungsanspruch (so ausdrücklich BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1257] Rn. 14 u. 17), nicht lediglich einen Selbstbeschaffungsanspruch.
2.) Ist der Träger der öffentlichen Jugendhilfe entgegen seiner Gewährleistungsverpflichtung (§ 79 SGB VIII) nicht imstande, entsprechend dem jeweiligen Elternwillen einen angemessenen Betreuungsplatz in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege zur Verfügung zu stellen mit der Folge, dass der Rechtsanspruch des anspruchsberechtigten Kindes aus § 24 SGB VIII leerläuft, so hat der Träger der öffentlichen Jugendhilfe Aufwendungsersatz in Form der Kostenerstattung für einen selbstbeschafften Tagesstättenplatz bzw. für entsprechende Aufwendungen im Rahmen einer privaten Elterninitiative analog § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII zu leisten, sofern dessen Voraussetzungen vorliegen (vgl. BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 - NJW 2014, 1256 [1257] Rn. 17; OVG RhPf, U. v. 25.10.2012 - 7 A 10671/12 -, JAmt 2012, 603 [604 f.]; Schübel-Pfister, NJW 2014, 1216 ff.;… Grube, in: Hauck/Noftz, a. a. O., § 24 Rn. 42;… Kaiser, in: Kunkel/Kepert/Pattar, SGB VIII, 6. Aufl. 2016, § 24 Rn. 23 ff.).
a) Einer Beachtung des allgemeinen Grundsatzes, dass Primäransprüche gegenüber Sekundäransprüchen vorrangig im Wege der Inanspruchnahme von Eilrechtsschutz (§ 123 VwGO) geltend zu machen sind, bedarf es im Rahmen der Verwirklichung des Rechtsanspruchs aus § 24 Abs. 2 SGB VIII regelmäßig nicht (vgl. BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1261] Rn. 51: "Im Wortlaut des § 36a Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 SGB VIII . hat das Erfordernis des Eilrechtsschutzes keinen Ausdruck gefunden").
Der Grundsatz der Vorrangigkeit des verwaltungsgerichtlichen Primärrechtsschutzes kommt - wenn überhaupt - nur dann zum Tragen, wenn das Nachsuchen um vorläufigen Rechtsschutz überhaupt zumutbar ist, mit anderen Worten, Abhilfe durch den Träger der öffentlichen Jugendhilfe tatsächlich erwartet werden kann (vgl. BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1261] Rn. 52).
Daran fehlt es, wenn dem Rechtsanspruch nur unter Überschreitung des von Art. 45a AGSG vorgegebenen Rahmens und damit unter einer erheblichen zeitlichen Verzögerung, teilweise auch nur mittels ad hoc angebotener Übergangsgruppen Rechnung getragen werden kann und infolgedessen nicht von vornherein absehbar ist, wann der Träger seiner Bereitstellungs- und Nachweisverpflichtung im Einzelnen wird genügen können (BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1261] Rn. 52; OVG Rheinland-Pfalz, U. v. 25.10.2012 - 7 A 10671/12 -, JAmt 2012, 603 [605];… BayVGH, B. v. 17.11.2015 - 12 ZB 15.1191 -, BayVBl. 2016, 448 [452] Rn. 37; Meysen/Beckmann, Rechtsanspruch U 3;… Rn. 444).
Maßgebend ist mithin allein, dass der Träger der öffentlichen Jugendhilfe den Bedarf des anspruchsberechtigten Kindes nicht gedeckt hat und derjenige, der sich eine unaufschiebbar notwendige Leistung, deren Gewährung zu Unrecht abgelehnt wurde oder über die nicht rechtzeitig entschieden wurde, selbst beschafft hat, nicht schlechter stehen darf, als derjenige, dessen Leistungsbegehren rechtzeitig erfüllt wurde (so ausdrückl. BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1259] Rn. 37 m. w. N.).
Es verstieße gegen die gesetzliche Gewährleistung des Rechtsanspruchs schlechthin, wenn der Hilfebedürftige seiner Rechte alleine deshalb verlustig ginge, weil er die ihm zustehende Hilfe nicht rechtzeitig vom Leistungsträger erhalten hat (vgl. BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1259] Rn. 37 a.E. m. w. N.; VG Stuttgart, U. v. 28.11.2014 - 7 K 3274/14 -, JAmt 2015, 98 [101]) und in der Folge im Wege der Selbstbeschaffung tätig werden musste (…vgl. auch bereits BayVGH, B. v. 17.11.2015 - 12 ZB 15.1191 -, BayVBl. 2016, 448 [453 f.] Rn. 43).
Das Jugendamt kann in einem solchen Fall auch später nicht als reine "Zahlstelle" in Anspruch genommen bzw. "missbraucht" werden (…vgl. Meysen, in: Münder/Meysen/Trenczek, Frankfurter Kommentar zum SGB VIII, 7. Aufl. 2013, § 36a Rn. 2 m. w. N.; siehe zum Erfordernis der "Vorbefassung des Trägers der Jugendhilfe" auch BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1260] Rn. 40).
Der Bedarf des Klägers war des Weiteren auch unaufschiebbar (§ 36a Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 SGB VIII analog), da die durch § 24 Abs. 2 SGB VIII gewährte Leistung für die Vergangenheit nicht nachholbar ist und eine Betreuung, die nicht für den Zeitraum gewährt wird, für den sie begehrt wird, in irreversibler Weise unerfüllt bliebe (vgl. BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C 35/12 -, NJW 2014, 1256 [1259] Rn. 38).
Der Grundsatz der Vorrangigkeit des Primärrechtsschutzes kommt - wenn überhaupt (vgl. BVerwG, U. v. 12.9.2013 - 5 C35/12 -, NJW 2014, 1256 [1261] Rn. 51) - nur dann zum Tragen, wenn das Nachsuchen um vorläufigen Rechtsschutz dem Betroffenen zumutbar ist, mit anderen Worten, Abhilfe auch tatsächlich erwartet werden kann und der Verweis auf dieses "Erfordernis" nicht von vornherein als rechtsmissbräuchlich (§ 242 BGB) oder gar als schikanös (§ 226 BGB) erscheinen muss.
Der vorliegende Fall gibt dem Bundesverwaltungsgericht Gelegenheit, Inhalt und Umfang des Rechtsanspruchs aus § 24 Abs. 2 SGB VIII und des auf ihn bezogenen Sekundäranspruchs analog § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII im Anschluss an seine Entscheidung vom 12. September 2013 - 5 C 35.12 -, NJW 2014, 1256 näher zu konturieren.
OVG Berlin-Brandenburg, 13.09.2016 - 6 B 87.15
Kostenbeteiligung der Eltern bei Versorgung mit Mittagessen in Kindertagesstätten
Zwar kann § 36a Abs. 3 Satz 1 SBG VIII auf jugendhilferechtliche Leistungen, welche die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege betreffen, entsprechend anzuwenden sein (vgl. BVerwG, Urteil vom 12. September 2013 - 5 C 35/12 - BVerwGE 148, 13, juris Rn. 26 ff.).
Kennzeichnend für die in § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII normierten Fälle ist, dass ein gesetzlicher Primäranspruch, der keine bloße Geldleistung, sondern eine Sach- und Dienstleistung zum Gegenstand hat, nicht erfüllt wird und diejenigen, die sich die unaufschiebbar notwendige Leistung, deren Gewährung der Jugendhilfeträger zu Unrecht abgelehnt oder über die er nicht rechtzeitig entschieden hat, selbst beschaffen, nicht schlechter stehen sollen als diejenigen, deren Leistungsbegehren rechtzeitig erfüllt worden sind (BVerwG, Urteil vom 12. September 2013, a.a.O., Rn. 37).
Dieses Ziel wird vielmehr unmittelbar und effektiv mit der Durchsetzung des Leistungsanspruchs der Eltern verfolgt (zu einem Aufwendungsersatzanspruch bei Nichterfüllung analog § 36a Abs. 3 SGB VIII vgl. BVerwGE 148, 13 ).
Ebenfalls unter dem 12.11.2013 teilte die Beklagte den Eltern des Klägers mit, dass sie wegen der geltend gemachten Kostenerstattung für die private Kindertageseinrichtung noch auf die ausführliche Begründung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 12.09.2013 (5 C 35.12) warte.
Zur Begründung hat der Kläger vorgebracht: Das Bundesverwaltungsgericht habe mit Urteil vom 12.09.2013 (5 C 35.12) entschieden, dass ein Anspruch auf Ersatz der Aufwendungen für die Selbstbeschaffung eines Kinderbetreuungsplatzes dann gegeben sei, wenn der Leistungsberechtigte den Träger der öffentlichen Jugendhilfe vor der Selbstbeschaffung rechtzeitig über den Bedarf des Kindes in Kenntnis gesetzt habe, die Voraussetzungen für die Gewährung der Leistung vorgelegen hätten und die Deckung des Bedarfs keinen zeitlichen Aufschub geduldet habe.
35 1. Rechtsgrundlage des vom Kläger geltend gemachten Anspruchs auf Aufwendungsersatz ist eine entsprechende Anwendung von § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII (vgl. zur Herleitung und Entwicklung des Anspruchs ausführlich BVerwG, Urteil vom 12.09.2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 = NJW 2014, 1256; Schübel-Pfister, NJW 2014, 1216; krit. Wiesner, ZKJ 2015, 60).
Die Vorschrift ist aber nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 12.09.2013, a.a.O.), der sich der erkennende Senat anschließt (ebenso BGH…, Urteil vom 20.10.2016 - III ZR 302/15 - juris Rn. 12; OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 20.04.2016 - 12 A 1262/14 - ZKJ 2016, 304; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 01.09.2016 - 7 A 10849/15 - juris; Bayerischer VGH, Urteil vom 22.07.2016 - 12 BV 15.719 - juris;… Struck, in: Wiesner, SGB VIII, 5. Aufl., § 24 Rn. 48;… Grube, in: Hauck/Noftz, SGB VIII, § 24 Rn. 42;… Fischer, in: Schellhorn/Fischer/Mann/Kern, SGB VIII, 5. Aufl. [2017], § 24 Rn. 40; Mayer, VerwArch 2013, 344 [371 ff.]; Schübel-Pfister, NJW 2014, 1216; Rixen, NJW 2012, 2839), analog anzuwenden, wenn der Jugendhilfeträger den Anspruch eines Kindes auf frühkindliche Betreuung nach § 24 Abs. 2 SGB VIII nicht oder nicht rechtzeitig erfüllt und der Betreuungsbedarf dann im Wege der Selbstbeschaffung eines Betreuungsplatzes gedeckt wird.
Insbesondere schließt die soziale Gesichtspunkte in den Blick nehmende Vorschrift des § 90 Abs. 3 SGB VIII die Annahme einer Regelungslücke nicht aus (vgl. auch zur Planwidrigkeit der Regelungslücke: BVerwG, Urteil vom 12.09.2013, a.a.O., Rn. 34).
Die Vorschrift weist den Anspruch mit wünschenswerter Eindeutigkeit dem Kläger - und nicht seinen Eltern (so noch OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 25.10.2012 - 7 A 10671/12 - JAmt 2012, 603 [604]) - zu (BVerwG, Urteil vom 12.09.2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 = NJW 2014, 1256 [1260]; allg. Auffassung).
46 cc) Zum anderen übersieht die Beklagte mit diesem Vorbringen in rechtlicher Hinsicht aber auch, dass der gegen den Träger der Jugendhilfe gerichtete "Verschaffungsanspruch" aus § 24 Abs. 2 SGB VIII (vgl. BVerwG, Urteil vom 12.09.2013 - 5 C 35.12 - NJW 2014, 1256 [1257] Rn. 14, 17) nicht schon dann erfüllt ist, wenn das unter drei Jahre alte Kind mit einem wie auch immer gearteten Betreuungsplatz versorgt ist.
c) Nachdem die Beklagte ihrer Gewährleistungsverpflichtung zuwider nicht imstande war, dem Kläger einen Betreuungsplatz in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege zu verschaffen mit der Folge, dass der Rechtsanspruch des anspruchsberechtigten Kindes aus § 24 SGB VIII unerfüllt geblieben ist, hat sie ihm analog § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII Aufwendungsersatz in Form der Kostenerstattung für einen selbstbeschafften Tagesstättenplatz zu leisten (vgl. BVerwG, Urteil vom 12.09.2013 - 5 C 35.12 - BVerwGE 148, 13 = NJW 2014, 1256 [1257] Rn. 17; Schübel-Pfister, NJW 2014, 1216 ff.;… Grube, in: Hauck/Noftz, a.a.O., § 24 Rn. 42;… Kaiser, in: Kunkel/Kepert/Pattar, SGB VIII, 6. Aufl. [2016], § 24 Rn. 23 ff.).
Soweit die Beklagte nunmehr meint, im vorliegenden Fall wäre es erforderlich gewesen, dass der Kläger seinen Primäranspruch im Wege des vorläufigen Rechtsschutzes geltend macht, findet dieser Einwand im geltenden Recht keine Stütze (vgl. BVerwG, Urteil vom 12.09.2013 - 5 C 35.12 - NJW 2014, 1256 [1261] Rn. 51).
Angesichts der Umstände des Falles, der durch ein bis zuletzt nachdrückliches und dauerhaftes Berufen der Beklagten auf die Unmöglichkeit der Verschaffung eines Betreuungsplatzes gekennzeichnet ist, musste der Kläger nicht um vorläufigen Rechtsschutz nachsuchen (vgl. auch BVerwG, Urteil vom 12.09.2013 - 5 C 35.12 - NJW 2014, 1256 [1261] Rn. 52; Bayerischer VGH…, Urteil vom 22.07.2016 - 12 BV 15.719 - juris Rn. 50), und es erscheint nachgerade treuwidrig, dass die Beklagte nunmehr geltend macht, im Falle einer verwaltungsgerichtlichen Verurteilung hätte dem Kläger ein Betreuungsplatz verschafft werden können.
Hierzu besteht Einigkeit in Literatur und Rechtsprechung (vgl. BVerwG, Urt. v. 12.09.2013, Az: 5 C 35/12;… OVG Rheinland-Pfalz, Urt. v. 28.05.2014, Az: 7 A 10276/14;… OVG des Landes Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 28.01.2015, Az: 12 A 2189/13, Rn. 15 am Ende;… Hauck/Noftz-Grube, SGB VIII, § 24 Rn. 22; Georgi, Rechtsanspruch auf Kita-Platz, NJW 1996, 686, 688;… Mayer, aaO., S. 357; Pauly/Beutel, Ersatzansprüche bei verwehrter Förderung in Kindertagesstätten, DÖV 2013, 445; Schübel-Pfister, Kindertagesbetreuung zwischen (Rechts-)Anspruch und Wirklichkeit, NVwZ 2013, 385, 386; Pernice-Warnke, Amtshaftungsanspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls bei Nichtbereitstellung eines Kinderbetreuungsplatzes, FamRZ 2015, 905 ff.).
Soweit im Zusammenhang mit der Frage, ob den Eltern die Kosten einer selbstbeschafften Kinderbetreuung zu erstatten sind, nunmehr das Bundesverwaltungsgericht dies unter analoger Anwendung von § 36a Abs. 3 S. 1 SGB VIII bejaht hat (vgl. BVerwG vom 12.09.2013, aaO.) hilft dies der Klägerin ebenfalls nicht.
VG Mainz, 18.06.2020 - 1 K 381/19
Kinder- und Jugendhilferecht; Kindergartenrecht
OVG Rheinland-Pfalz, 28.05.2014 - 7 A 10276/14
Anspruch auf einen Kindergartenplatz; Person des Anspruchsinhabers; …
VG Berlin, 07.07.2017 - 18 K 243.17
VGH Bayern, 17.11.2015 - 12 ZB 15.1703
Anspruch auf Krippenplatz; Sekundäranspruch; Aufwendungsersatz; Herantragen des …
VG Gelsenkirchen, 12.02.2014 - 10 K 1643/12
Folgenbeseitigungsanspruch; Träger der öffentlichen Jugendhilfe; Leistungsklage; …
OVG Sachsen, 14.03.2017 - 4 A 280/16
Kindergartenplatz, Selbstbeschaffung
VG Darmstadt, 09.11.2015 - 5 K 884/14
In Hessen besteht für Kinder vom ersten bis zum vollendeten dritten Lebensjahr …
OVG Rheinland-Pfalz, 16.04.2020 - 7 B 10222/20
VG Freiburg, 12.04.2016 - 4 K 338/16
Zuweisung eines Platzes in einer Kindertageseinrichtung; zuständige Behörde in …
VG Darmstadt, 09.11.2015 - 5 K 1331/14
Ein Bescheid, der den Adressaten - auch durch Auslegung - nicht sicher erkennen …
OVG Sachsen-Anhalt, 24.06.2015 - 4 L 32/15
Zur Erhebung von Niederschlagsgebühren von Trägern der Straßenbaulast
OVG Berlin-Brandenburg, 21.06.2016 - 6 S 12.16
Eingliederungshilfe; Hilfe zur Erziehung; einstweiliger Rechtsschutz; Beschwerde; …
OVG Nordrhein-Westfalen, 26.06.2019 - 12 A 2468/16
Klage auf Übernahme der erforderlichen Aufwendungen für den Besuch einer …
OVG Berlin-Brandenburg, 14.10.2014 - 12 N 27.13
Akteneinsicht; Ausschlussgrund; Schutz personenbezogener Daten; Einsicht in …
OVG Berlin-Brandenburg, 14.08.2019 - 6 B 13.17
Landesübergreifende Kindertagesbetreuung In Berlin und Brandenburg
VG München, 17.06.2015 - M 18 K 13.5191
Kein Anspruch auf Erstattung der Differenz zwischen den tatsächliche Kosten für …
VGH Bayern, 23.04.2014 - 12 ZB 13.2586
OVG Nordrhein-Westfalen, 15.12.2014 - 12 A 128/14
Selbstbeschaffung einer aus fachlichen Gründen abgelehnten bzw. vom Hilfeplan …
VG Neustadt, 27.11.2014 - 4 K 501/14
BVerwG, 22.02.2018 - 5 B 7.18
Kenntnisnahme des Vorbringens der Beteiligten i.R.e. Anspruchs auf Gewährung …
VG Köln, 06.05.2015 - 19 K 7757/13
VG Köln, 06.10.2016 - 19 K 135/15
VG Düsseldorf, 30.08.2016 - 19 K 4586/15
VG Köln, 22.05.2015 - 19 K 1998/14
Erstattung des Mehraufwands für die private Kinderbetreuung
VG Köln, 16.10.2017 - 19 K 7218/15
VG München, 08.01.2014 - M 18 E 13.4877
Anordnungsgrund; Herantragen des Bedarfs
VG Köln, 22.11.2015 - 19 K 6787/14
VG Köln, 20.03.2015 - 19 K 5690/13
Erstattung des Mehraufwands der Kosten der Eltern für die Kinderbetreuung durch …
VG Köln, 01.08.2017 - 7 K 2025/15

References: § 36
 § 90
 § 13
 § 15

§ 36
 § 36
 § 79
 § 80
 § 90

§ 36
 § 90
 § 13
 § 15
 § 36
 § 2
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 § 2
 § 2
 § 36
 Art. 45
 § 137
 § 173
 § 560
 § 36
 § 90
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 § 24
 Art. 45

§ 24
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 § 36
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 § 24
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 Art. 45
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 § 36
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 § 24
 § 24
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 § 90
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