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Timestamp: 2019-05-23 03:28:17+00:00

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MH-Hannover: Suchtprobleme
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UMGANG MIT SUCHTPROBLEMEN AM ARBEITSPLATZ
Dienstvereinbarung zur Vorbeugung von und zum Umgang mit Suchtproblemen am Arbeitsplatz in der Medizinischen Hochschule Hannover [33 KB]
Diese Dienstvereinbarung gilt für alle Beschäftigten der Medizinischen Hochschule Hannover.
die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern,
den Missbrauch von Suchtmitteln (z.B. Alkohol, Medikamente und Drogen) und süchtiges Verhalten zu vermeiden bzw. abzubauen,
den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rechtzeitig Hilfe anzubieten,
für alle Betroffenen ein durchschaubares und einheitliches Handlungskonzept sicherzustellen.
(1) Bei arbeits- oder disziplinarrechtlichen sowie sonstigen Verfahren sind die Zielsetzungen dieser Vereinbarung zu beachten.
(2) Die Vertragsparteien wirken darauf hin, dass
wegen des Gebrauchs von Sucht- und Rauschmitteln ergriffene dienst- und arbeitsrechtliche Maßnahmen, unabhängig von Status, Geschlecht und Ansehen der Betroffenen in gleicher Weise erfolgen,
den Betroffenen der Arbeitsplatz nach Möglichkeit erhalten bleibt.
§ 3 Gebrauch, Ausschank u. Abgabe von Suchtmitteln
(1) Der verantwortungsbewusste Umgang mit Alkohol und Medikamenten wird erwartet.
(2) In den Diensträumen und während der Dienstzeit gilt für alle Beschäftigten der Medizinischen Hochschule Hannover das Verbot, alkoholische Getränke zu sich zu nehmen.
(3) Zur Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol unterbleibt
die Abgabe von alkoholischen Getränken in Kantine und/oder Automaten,
der Ausschank bei dienstlichen Anlässen durch den Dienstherrn.
(4) Die Selbstmedikation, die insbesondere im Klinischen Bereich durch die Verfügbarkeit von Medikamenten erleichtert wird, ist untersagt.
Medikamente können stimmungs- und wahrnehmungsverändernde Substanzen enthalten. Diese können zu erhöhten Unfallgefahren und Leistungseinschränkungen führen (siehe § 4).
§ 4 Arbeitssicherheit
(1) Für den Konsum von Alkohol gilt der § 38 der Unfallverhütungsvorschrift “Allgemeine Vorschriften” (UVV), wonach Beschäftigte sich nicht durch Alkoholgenuss in einen Zustand versetzen dürfen, durch den sie sich oder andere gefährden können.
(2) Diese Vorschrift ist auch für den Konsum von Drogen und Medikamenten vor Arbeitsbeginn und während der Pausen zu beachten.
(3) Im Falle akuter Alkoholisierung oder Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch andere berauschende Mittel, wird folgendes Vorgehen vereinbart:
(4) a) Bei begründeten Verdacht darauf, dass Beschäftigte unter Einfluss von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln stehen, muss der oder die Vorgesetzte entscheiden, ob sie ohne Gefahr für sich oder andere ihre Arbeit fortsetzen können (§ 38 UVV).
b) Vorgesetzte sind gehalten, auch den Hinweisen aus dem Kreis der Beschäftigten nachzugehen.
c) Der oder die Vorgesetzte zieht möglichst eine weitere Person hinzu (Beweishilfe).
d) Der oder die Beschäftigte hat die Möglichkeit, sich zum Gegenbeweis einem Alkohol-/Drogentest in der Rechtsmedizin zu unterziehen.
e) Wird der oder die Beschäftigte nach Hause entlassen, trägt die Dienststelle die Verantwortung für den sicheren Heimweg.
f) Veranlasst der oder die Vorgesetzte einen Heimtransport, hat der oder die Betroffene alle Kosten zu tragen, die durch den Transport entstehen.
g) Wegen des Verstoßes gegen arbeitsvertragliche Pflichten besteht für die ausgefallene Arbeitszeit kein Anspruch auf Arbeitsentgelt
§ 5 Information der Beschäftigten
(1) Die Beschäftigten werden regelmäßig über die Wirkung verschiedener Suchtmittel, die Ursachen und Auswirkungen des Missbrauchs und möglichen Folgen der Abhängigkeit sowie Hilfsmöglichkeiten informiert. Ihnen wird die Teilnahme an Schulungen ermöglicht.
(2) Der Schulung von Vorgesetzten, die die Gespräche mit Betroffenen zu führen haben, kommt eine besondere Bedeutung zu. Deshalb werden die Vorgesetzten und die Sachbearbeiter/innen im Personalrecht verpflichtet, an den Schulungen über den Suchtmittelmissbrauch, seine Folgen und Hilfsmöglichkeiten teilzunehmen.
§ 6 Arbeitssituation u. Missbrauch v. Suchtmitteln
(1) Treten in Abteilungen oder Beschäftigungsgruppen verstärkt Suchmittelmissbrauch und/oder deren Folgen auf, erfolgt gemeinsam mit den Betroffenen, der Personalvertretung, den Vorgesetzten und der Einrichtung für Suchtprävention und Suchthilfe eine Untersuchung der Arbeitssituation, mit dem Ziel, eine adäquate Verbesserung zu erreichen.
(2) Zur fachlichen Unterstützung können weitere betriebliche (und externe) Einrichtungen hinzugezogen werden (z. B. Soziale Beratungsstelle für Mitarbeiter/innen, Personalrat, Betriebsärztlicher Dienst, Schwerbehindertenvertretung, Arbeitssicherheit).
§ 7 Arbeitskreis “Suchtprävention und Suchthilfe”
(1) Dem Arbeitskreis obliegt die langfristige konzeptionelle und inhaltliche Planung der betrieblichen Suchtprävention- und -hilfe.
(2) Dem Arbeitskreis gehören an:
Personalvertretung,
Soziale Beratungsstelle,
Abhängigenambulanz
Weitere interne und externe Beteiligte oder Fachkräfte können bei Bedarf hinzugezogen werden. Die zentrale Koordination liegt bei der Sozialen Beratungsstelle. Dem Arbeitskreis sind im Rahmen des Haushalts die für die Erfüllung seiner Aufgaben erforderlichen Mittel bereitzustellen.
§ 8 Verantwortung, Zuständigkeit, Vertraulichkeit
(1) Die Soziale Beratungsstelle organisiert in Abstimmung mit dem Arbeitskreis die präventiven Maßnahmen, ist an der Aufklärung über Suchtgefährdung und -erkrankung tätig und unterbreitet Vorschläge zur Gesundheitsförderung und zur Beseitigung von (in der Arbeit liegenden) Ursachen eines erhöhten Suchtmittelkonsums.
(2) Sie berät Beschäftigte bei Suchtgefährdung oder Problemen in ihrem Umfeld. Sie kooperiert hierzu mit den Beratungsstellen und therapeutischen Einrichtungen in der Region.
(3) Sie berät und unterstützt die Vorgesetzten bei der Einleitung von Maßnahmen nach den Grundsätzen dieser Vereinbarung.
(4) Sie übernimmt die Geschäftsführung des Arbeitskreises und koordiniert dessen Arbeit.
(5) Sofern darüber hinaus nebenamtliche betriebliche Suchtkrankenhelfer und -helferinnen eingesetzt sind, koordiniert sie deren Arbeit und stehen ihnen beratend zur Seite.
§ 9 Nebenamtlich tätige Suchtkrankenhelfer/innen
Der Einsatz ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer und -helferinnen ist grundsätzlich geplant.
(1) Betriebliche Suchtkrankenhelfer- und helferinnen, sofern sie über eine Ausbildung verfügen, sind im Rahmen des betrieblichen Hilfsangebotes in der Beratung von Beschäftigten mit Suchtproblemen und deren Umfeld tätig. Sie arbeiten hierzu mit den Suchtberatungsstellen und therapeutischen Einrichtungen in der Region zusammen.
(2) Nebenamtliche Kräfte üben ihre Tätigkeit in der Suchthilfe grundsätzlich während der Dienstzeit aus. Sofern in Ausnahmefällen ein Tätigwerden außerhalb der Dienstzeit erforderlich ist, ist ein entsprechender Zeitausgleich zu gewähren. Dies gilt auch für die Teilnahme an Schulungs- und Informationsveranstaltungen sowie eigener Fortbildung und Supervision.
§ 10 Hauptamtlich besetzte Einrichtungen
(1) Die soziale Beratungsstelle ist Ansprechpartner für Vorgesetzte und Betroffene.
(2) Sie arbeitet auf der Grundlage dieser Vereinbarung. Sie ist in der individuellen Beratung unabhängig, fachlich weisungsfrei und unterliegt der gesetzlichen Schweigepflicht. Schriftliche Aufzeichnungen sind unter Verschluss zu halten.
(3) Den in der betrieblichen Suchtarbeit tätigen Personen ist die Möglichkeit zur fachbezogenen Fort- und Weiterbildung und Supervision zu geben.
§ 11 Ansprache und Hilfe bei Suchtgefährdung
(1) Wenn Beschäftigte wiederholt im Arbeitsalltag so auffallen, dass ein unmittelbarer Suchtmittelmissbrauch nahe liegt, sind grundsätzlich alle Beschäftigten aufgerufen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten tätig zu werden. Dies kann geschehen, indem auch Sie Betroffene auf ihr Verhalten ansprechen und auf Hilfsmöglichkeiten hinweisen. Wenn Sie Suchtmittelmissbrauch tolerieren und/oder decken, tragen Sie vielfach zur Entstehung und zur Verlängerung der Krankheit bei. Die jeweiligen Vorgesetzten sind verpflichtet, den Stufenplan einzuleiten.
(2) Liegen Vorgesetzten Hinweise auf Suchtmittelgebrauch von Beschäftigten vor, so sind sie verpflichtet, die Beschäftigten daraufhin anzusprechen. Den Betroffenen ist aufzuzeigen, wo sie sich kompetente Beratung und Hilfe holen können.
§ 12 Stufenplan
(1) Entsteht bei unmittelbaren Vorgesetzten der Eindruck, dass bei Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen ein Suchtmittelge- oder Missbrauch besteht, sind sie verpflichtet, nach dem Stufenplan vorzugehen.
Der Stufenplan ist Bestandteil dieser Vereinbarung.
§ 13 Vertraulichkeit/Tilgung
(1) Gespräche, Notizen und Protokolle, die im Zusammenhang mit einer Suchtgefährdung oder -erkrankung eines/einer Beschäftigten anfallen, sind vertraulich zu behandeln. Die gefertigten Notizen, Protokolle und alle weiteren im Zusammenhang mit der Suchtgefährdung- oder -erkrankung stehenden Aufzeichnungen sind bei der Einleitung der Stufe drei (3) an die Personalabteilung (0200) weiterzuleiten. Sie werden dann zu gegebener Zeit getilgt.
(2) Für die vorgesehene Tilgung von Vermerken in der Personalakte, gelten die festgelegten Fristen. Beginn und Umfang des Tilgungszeitraums sind im Vermerk festzuhalten und werden von der Personalabteilung überwacht.
§ 14 Geltungsdauer, Kündigung
Die Dienstvereinbarung tritt mit Wirkung vom 12. November 1997 in Kraft. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Bei Kündigung wirkt die Dienstvereinbarung weiter, bis eine neue Regelung getroffen wurde.
Hannover, den 12. November 1997
gez. Dr. Franke-Stehmann
gez. Simon Brandmaier

References: § 3
 § 4

§ 4
 § 38

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11

§ 12

§ 13

§ 14