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Timestamp: 2020-02-18 23:09:46+00:00

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Grundlagen des Kinder- und Jugendhilferechts - § 35a SGBVIII ... | Hausarbeiten publizieren
1. § 35a SGB VIII
3. Seelische Behinderung – ja oder nein?
4. Überprüfung dieses Sachverhaltes
5. Antrag, Anspruch, Verfahren
6. Bedeutung der Eingliederungshilfe
7. Formen der Eingliederungshilfe
7.1 Hilfe in ambulanter Form
7.2 Tageseinrichtungen / Teilstationäre Einrichtungen
7.3 Einrichtungen über Tag und Nacht / Stationäre Einrichtungen
8. Aufgaben der Eingliederungshilfe
9. Ziele der Eingliederungshilfe
10. Einbeziehung der Hilfe zur Erziehung (HzE)
(3) Aufgabe und Ziel der Hilfe, die Bestimmung des Personenkreises sowie die Art der Leistungen richten sich nach §39 Abs. 3 und 4 Satz 1, den §§ 40 und 41 des
Bundessozialhilfegesetzes, soweit diese Bestimmungen auch auf seelisch behinderte und von einer solchen Behinderung bedrohte Personen Anwendung finden.
(4) Ist gleichzeitig Hilfe zur Erziehung zu leisten, so sollen Einrichtungen, Dienste und Personen in Anspruch genommen werden, die geeignet sind, sowohl die Aufgaben der Eingliederungshilfe zu erfüllen als auch den erzieherischen Bedarf zu decken. Sind heilpädagogische Maßnahmen für Kinder, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind, in Tageseinrichtungen für Kinder zu gewähren und lässt der Hilfebedarf es zu, so sollen Einrichtungen in Anspruch genommen werden, in denen behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam betreut werden.
Der § 35a des SGB VIII regelt die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche.
Dieser Anspruch steht dem behinderten Kind oder Jugendlichen selbst zu und nicht den erziehungsberechtigten Personen.
Jedoch muss erst die Frage gestellt werden, was eine seelische Behinderung eigentlich ist. Wie kann sie festgestellt werden und durch wen?
Nachdem wir uns mit dem Krankheitsbild und der Diagnose beschäftigt haben, wird auf den kommenden Seiten näher darauf eingegangen warum überhaupt eine Eingliederungshilfe angeboten wird und wie sie aussehen kann.
„Voraussetzung für den Anspruch nach § 35a ist das Abweichen der seelischen Gesundheit des Minderjährigen von dem für sein Lebensalter typischen Zustand, das mir hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate anhalten wird und die Teilhabe das Betroffenen am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt oder eine solche Beeinträchtigung erwarten lässt.“ (zit. Münder, 2003, S. 331)
Diese Definition ist auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurück zu führen, welche eine Internationale Klassifikation für Krankheiten führt.
Die ICD-10 (International Classification of Diseases and Related Health Problems) enthält Diagnosen zu Krankheiten und ist in 191 Ländern weltweit anerkannt. Die 10 steht für die mittlerweile 10. Auflage. Aus dem englischen ins deutsche übersetzt das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI).
Aber was ist eine seelische Behinderung?
Wie man der o. g. Definition entnehmen kann, liegt eine Behinderung vor, wenn ein „untypischer“ Zustand mindestens über einen Zeitraum von sechs Monate anhalten wird. Es ist schwierig eine solche Behinderung festzustellen, da Kinder unterschiedliche Entwicklungstempi aufweisen und eine Behinderung nicht als Krankheit, sondern als Abweichung vom Normalzustand bezeichnet wird.
Bevor der Paragraph 35a mit dem KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) in Kraft getreten ist, war die Eingliederungshilfe auch für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche im BSHG verankert, neben der körperlich und auch der geistigen Behinderung; es wurde kaum ein Unterschied gemacht zwischen behinderten Kindern und Jugendlichen und behinderten Erwachsenen. Probleme treten auf, bei der Feststellung der Zuständigkeit (BSHG oder KJHG), da für körperliche und geistige Behinderung weiterhin das BSHG (Bundessozialhilfegesetz) zuständig bleibt.
Es ist oft schwer eine Abgrenzung zwischen seelischer und körperlicher Behinderung aufzuzeigen. Erst recht problematisch wird es bei einer Mehrfachbehinderung. Daher steht die Frage „seelische Behinderung – ja oder nein?“ vor einer größeren Problematik.
Im Zweifel soll die Jugendhilfe vorrangig handeln.
Es liegt an den Fachkräften, den Ärzten und Psychotherapeuten ihre Diagnose zu stellen, jedoch bei den Sozialpädagogen der Jugendhilfe in den jeweiligen Fällen auf eine seelische Behinderung bzw. eine solche Bedrohung zu entscheiden.
Die verschiedenen Stellen müssen sich hier kooperativ und kompetent zeigen und am besten zur Hilfeplanung an einem Tisch sitzen um eine Zuordnung zu treffen.
(Münder, 2003, S. 328 – 333)
Es sind mehrere Fachgruppen an der Prüfung beteiligt, ob ein Kind oder Jugendlicher nach
§ 35a als seelisch behindert bezeichnet werden kann und demnach Anspruch auf Förderung nach § 35a KJHG besitzt. Ärzte und Psychotherapeuten müssen versuchen festzustellen, ob der Gesundheitszustand des betroffenen Menschen von einem dem Alter typischen Zustand abweicht.
Schwierig ist besonders die ärztliche Feststellung, ob ein Mensch von einer seelischen Behinderung bedroht ist. Seelische Probleme können sich zu Störungen verfestigen, wenn Bewältigungsversuche, das heißt das Bemühen mit einer unerträglichen Situation umzugehen, durch auffälliges Verhalten wie Einkoten, Weglaufen, Autoaggressivität u. ä. als solche nicht erkannt werden.
Bedroht sind Kinder und Jugendliche von einer seelischen Behinderung, bei denen der Eintritt der Behinderung nach medizinischer oder sonstiger fachlicher Erkenntnis mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist.
Demnach werden also körperlich und geistig Behinderte dem BSHG zugeordnet. Schwierig ist die Zuordnung bei Mehrfachbehinderten, oft ist es da Auslegungssache. Die mögliche Zuordnung zu oder Ausschließung von der seelischen Behinderung muss unter anderem durch neutrale Gutachten erfolgen (vom Jugendamt anerkannte Gutachter sind für die betroffenen Personen meist kostenfrei). Ein Intelligenztest dient als Entscheidungsgrundlage.
Das Gutachten soll (nicht abschließend) beinhalten:
- Lerngeschichte
- aktuelle psychische Situation (Ängste,…)
- aktuelle Leistungsfähigkeit
- schulische Lern- und Fördersituation
- körperliche und neurologische Untersuchungsbefunde
- eine persönliche Anamnese, Entwicklung ab Schwangerschaft.
Der § 35a SGB VIII erfordert also eine fachkompetente Einschätzung einer spezifischen psychischen Problemlage eines Kindes oder Jugendlichen.
Auf Grundlage der ICD-10 kann vom Arzt / Psychotherapeuten letztendlich untersucht werden, ob eine Störung der dortigen Definition vorliegt. Wenn ja, ist eine Prognoseentscheidung zu treffen, ob die Abweichung mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate andauert und ob es sich definitiv um eine (drohende) Behinderung nach § 35a handeln könnte.
Jedoch ist es schwer, die Störung des Kindes und / oder des Jugendlichen den Diagnosekategorien der ICD-10 zuzuordnen, vor allem bei typischen Krankheitsbildern des Kindes- und Jugendlichen-Alters. Die seelische Behinderung fällt der dortigen Beschreibung nach unter den früher gängigen Begriff der Neurosen und Persönlichkeitsstörungen.
Das ärztliche Gutachten dient nicht allein als Grundlage zur Entscheidung.
Besonders wichtig sind auch Befunde und Meinungen von Schule bzw. Kindergarten, Verwandten, Freunden, Untersuchungen durch das Jugendamt (z.B. eine Familienanamnese, Verhaltensbeobachtungen, Fragebögen, u.s.w.) um eine Diagnose zu stellen.
(vgl. Münder, 2003, S. 328 – 337 / Kunkel, 2003, S. 111)
Grundlagen Kinder- Jugendhilferechts SGBVIII Eingliederung Kinder Jugendliche
Julia Babucke (Autor), 2005, Grundlagen des Kinder- und Jugendhilferechts - § 35a SGBVIII "Eingliederung für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/72356
Mit welchen Maßnahmen werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachse...

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