Source: https://pot81.de/forderungskatalog/
Timestamp: 2018-04-26 06:01:24+00:00

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Forderungskatalog – POT81
Der Forderungskatalog wurde gemeinschaftlich während der 77tägigen Besetzung ausgearbeitet. Nach Fertigstellung wurde dieser im Studentenrat der TU Dresden diskutiert, leicht angepasst und beschlossen.
Es existiert eine PDF des Forderungskatalog (147 kB).
Was ist Bildung? Ist Bildung mehr als Credit-Hascherei und Prüfungslast? Ist Bildung mehr als modularisierte straffe Prüfungsordnungen und Kampf um begrenzte Studienplätze? Ist Bildung mehr als die Regelstudienzeit, vielleicht sogar mehr als Stoff zu pauken, aufzuschreiben, zu vergessen? Wir setzen uns für ein Bildungssystem ein, dass den Bedürfnissen einer pluralistischen Gesellschaft genüge tut. Dabei sollte der Mensch im Zentrum stehen, nicht ausschließlich wirtschaftliche Gedanken. Mit Sorge betrachten wir die Entwicklungen der letzten Jahre, die diese Vorstellung Stück für Stück bis zur Unkenntlichkeit verunstalten. Die Verflechtung von wirtschaftlichen Interessen mit Forschung und Lehre verankerte den Wettbewerbsgedanken in allen Bereichen der Hochschulen. Aus Bildung wurde Ausbildung. Sei belastbar, passe dich an und du wirst siegen. Höher, weiter, schneller – alles in einem Takt und schau nur nicht zurück, sonst wirst du die Gräber sehen, über welche du steigen musstest, um nicht den Anschluss zu verlieren.
Der Druck des wirtschaftlichen Wettbewerbs auf Studierende und Hochschulen führt zur Verdrängung einer ganzheitlichen Bildung zugunsten einer rein zweckorientierten Ausbildung. Bildung ist die elementare Voraussetzung für eine pluralistische Gesellschaft. Im Gegensatz zur Ausbildung beinhaltet Bildung eine umfassende kritische Auseinandersetzung mit den verschiedensten Themen, die für eine funktionierende Demokratie unerlässlich sind.
Keine Ausbildung, sondern Studium (lateinisch studere: „(nach etwas) streben“).
Keine auf Wirtschaft abgestimmte Lehre (vgl. Freiheit von Forschung und Lehre), sondern ein vielschichtiges Studium mit Möglichkeiten der fachfremden Weiterbildung.
Durch bürokratische Hindernisse und Überreglementierung ist es Bildungsinteressierten nahezu unmöglich, sich an Hochschulen lebenslang zu bilden. Die wenigen Projekte wie Senioren- und Kinderuniversitäten sind nicht der breiten Bevölkerung zugänglich und somit „Alibi“-Veranstaltungen. Die Hochschule muss Bestandteil der Gesellschaft(1) und Ort des Austausches sein. Sie darf sich nicht von ihr durch Zugangshürden absondern. Demokratie lebt von einer gebildeten, mündigen Bevölkerung. Bildung ist als Grundrecht in Art. 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Art. 14 der Grundrechtecharta der Europäischen Union verankert.
Jedem Interessierten soll es grundsätzlich möglich sein, sich gebührenfrei weiterzubilden und nach Bedarf einen Abschluss zu erreichen.
Dem Mangel an Kapazitäten der Hochschulen, hinsichtlich der Raum- und Betreuungssituation, wird zurzeit mit Zulassungsbeschränkungen begegnet. Durch diese sollen nur die „Geeignetsten“ für einen Studiengang zugelassen werden. Dabei ist weder aus einer Notenleistung noch aus einer Aufnahmeprüfung ersichtlich, ob man mit dem jeweiligen Studienfach zurechtkommt. Der NC führt vielmehr dazu, dass sich Studierende, entgegen ihrer Ursprungsmotivation, für ein alternatives Studienfach entscheiden müssen. Dementsprechend hoch ist die Abbrecherquote. Dies widerspricht dem Ziel, dem Fachkräftemangel durch eine Steigerung der Studienanfängerquote zu begegnen(2). Generell muss die Chance gegeben sein, sich nach den eigenen Interessen zu bilden.
Solange nicht genügend Studienplätze für alle vorhanden sind, sollen fächerbezogene Aufnahmeprüfungen als bessere Alternativen abgehalten werden.
Die Abschaffung der Kapazitätenverordnung (KapVO)(3) und Schaffung eines transparenten hochschulinternen Studienplatzvergabeverfahrens.
In Deutschland herrscht seit Jahrzehnten ein Akademikermangel. Durch Studiengebühren, hoch verzinste Studienkredite und den stets niedrigen BAföG-Satz werden viele Studierwillige vom Studium abgeschreckt oder sind gezwungen, neben dem Studium zu arbeiten. Im Zuge der immer straffer werdenden Stundenpläne wird es immer schwieriger, das Studium in der Regelstudienzeit zu absolvieren. Bei einer Überschreitung der Regelstudienzeit werden Bafög und viele Studienkredite nur noch in Sonderfällen bewilligt. Die Stipendien der Begabtenförderungswerke erreichen zum Großteil den Nachwuchs der Mittel- und Oberschicht, lediglich 9% der Stipendiaten kommen aus Einkommensschwachen Familien (4). Bildungschancen, unabhängig von der sozialen Herkunft, sind ein grundlegender Bestandteil einer durchlässigen Gesellschaft..
Elternunabhängiges BAföG, drastische Erhöhung des BAföG-Freibetrages und der BaföG-Sätze.
Langfristig die Einführung tilgungsfreier Studienfinanzierung.
Abkehr vom Stipendienmodell der Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU/FDP(5), welches die „Verheiratung“ der Hochschulen mit der Wirtschaft verstärkt und einen klaren Trend zur Privatisierung von Bildungsfinanzierung darstellt.
In Sachsen werden gegenwärtig für das sogenannte Erststudium keine Studiengebühren erhoben. Für ein Zweitstudium sowie für sonstige Weiterbildungsangebote wie Abendstudium, Fernstudium etc. werden Gebühren verlangt. Gemäß der Absichten der Landesregierung von Sachsen, wird es zur Einführung von Studiengebühren für Langzeitstudierende kommen. Im Gespräch mit der Staatsministerin Prof. von Schorlemer wurde uns dies nochmals bestätigt. Allgemein wirken Studiengebühren abschreckend auf potentielle Studienanfänger (Vgl. HIS-Studie). Wir sind der Meinung, dass Bildung grundsätzlich gebührenfrei sein sollte, da eine mündige Bevölkerung für die Gesellschaft unerlässlich ist.
Abschaffen von Studien- und Bildungsgebühren jeglicher Art.
Abschaffung der Sächsische Hochschulgebührenverordnung (SächsHGebVO).
Wir, die Studierenden und damit die größte Gruppe an der Hochschule, werden systematisch bei grundlegenden Entscheidungen nicht hinreichend berücksichtigt und somit übergangen. Als direkter Betroffener von Reformen ist es notwendig, dass alle Gremien ausreichend mit Studierenden besetzt sind und durch Studentische Ideen beeinflusst werden können.
Verlegung der Entscheidungsgewalt in die Organe mit Beteiligung aller Mitgliedergruppen.
Der Senat, das einzige üblich tagende Organ der Hochschule mit gesetzmäßiger studentischer Beteiligung, nimmt zur Festlegung des Fächer- und Studienangebotes gemäß § 81 Absatz 1 Nummer 16 SächsHSG oder zum Wirtschaftsplanentwurf gemäß § 81 Absatz 1 Nummer 7 SächsHSG nur Stellung.
Vetorecht der studentischen Vertretungen im Zusammenhang mit dem Studium und der studentischen Selbstverwaltung, u.a. im Senat.
Der Senat entscheidet über eine Vielzahl von grundsätzlichen Belangen bezüglich des Studiums. Diese können trotz anteiliger Reglung gemäß § 81 Absatz 4 SächsHSG gegen den Willen der Studentinnen und Studenten entschieden werden. Das gilt besonders für die Organisation der Vertreter der Mitgliedergruppen (z. B. Festlegung der Wahlordnung).
Von Dritten unabhängige Hochschulen.
Einen Offenen, konstruktiven und frühzeitigen Dialog mit den Mitgliedern der Selbstverwaltung der Studierenden.
Jegliche studentische Meinung wird derzeit eher als Störfaktor angesehen. Dabei wird übersehen, dass Studierende durchaus fähig sind, konstruktive Kritik an bestehenden Verhältnissen anzubringen. Diese wertvolle Meinung darf im hochschulpolitischen Organisationsrahmen nicht untergehen. Ein offener Dialog aller Mitglieder der Hochschule untereinander führt zu gegenseitigem Verständnis und Vertrauen, um die Hochschule im Sinne aller Beteiligten gemeinsam zu gestalten.
Eine dauerhafte studentische Vertretung im Rektorat.
Die Einflussnahme der Studierendenschaft auf das Rektorat ist nahezu nicht vorhanden. Durch die weitreichenden Aufgaben und Kompetenzen des Rektorates und die damit einhergehende Verantwortung gegenüber der Studierendenschaft, ist es ein logischer Schritt die studentischen Stimmen stärker in die Hochschulleitung einzubinden. Gemäß § 84 in Verbindung mit § 49 Absatz 2 und § 24 Absatz 2 Satz 1 SächsHSG ist die gesetzliche Grundlage dafür gegeben. Um die Umsetzung zu unterstützen ist die Landesregierung und die Hochschule gleichermaßen aufgefordert ihre Gesetzte und Ordnungen dahingehend anzupassen, dass der Einsatz eines studentischen Prorektors langfristig ermöglicht wird.
Kritik an der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).
Die HRK ist ein freiwilliger Zusammenschluss deutscher Hochschulrektoren und ein hochschulpolitischer Lobbyverband. Sie bezeichnet sich selbst als „DIE Stimme der Hochschulen“ ohne Lehrkräfte, Studierende und Mitarbeitern mit einzubeziehen. Dabei beeinflusst sie die deutsche Hochschulpolitik maßgeblich durch Empfehlungen und gemeinsame Positionierungen mit der Kultusministerkonferenz (KMK) und beruft die Mitglieder des Akkreditierungsrats. Bundesweit existiert kein von den Bundesländern in ähnlicher Weise geförderter(6) studentischer Zusammenschluss, welcher mit vergleichbaren Einfluss ausgestattet ist.
Mit der Abhängigkeit von Drittmitteln werden Wissenschaftler zu Dienstleistern, womit die Forschung zum Selbstzweck ihre Bedeutung verliert. Ein ständiges ergebnisorientiertes Arbeiten – zum Einwerben von weiteren Drittmitteln – führt zur Einschränkung des Blickwinkels und langfristig zu einer Einheitsmeinung. Kritische Forschung wird hierbei keine Berücksichtigung mehr finden. Durch die Ökonomisierung der Forschung werden Effizienz und Tempo den Platz der Qualität einnehmen, worunter auch die fundierte Lehre leiden wird. Erfahrungsgemäß versuchen Staaten ihre Ausgaben durch Privatisierung zu senken, dieser Trend lässt sich auch im Bildungssektor erkennen(7).
Kein Einfluss von Drittmittelgebern auf Lehrinhalte und Forschungsergebnisse (Vgl. § 4 Absatz 2ff HRG).
Kritische Wissenschaften sollen stärker repräsentiert werden (Vgl. § 4 Absatz 2ff HRG).
Methoden und Ergebnisse (v.a. Kritische Wissenschaften) sollen innerhalb der Hochschule grundsätzlich reflektiert werden (Vgl. § 4 Absatz 2ff HRG).
Stärkung der Open Access Bewegung.
Durch die ungenügende Grundfinanzierung der Hochschulen, sucht sie stets nach neuen Möglichkeiten, um aufwendige Forschung und Lehre zu finanzieren. Drittmittel stellen dazu ein probates Mittel dar, schaffen aber Probleme. Die Zweckbindung derer führt zur Beeinflussung von Forschung und Lehre. Die intransparente Finanzpolitik der Hochschule macht es unmöglich, eine Einsicht in die Verteilung und die Herkunft der Mittel zu nehmen. Entscheidungsgremien tagen meist fern der Öffentlichkeit und erschweren so den Einblick in die politischen Vorgänge der Hochschulen. Die Partizipationsmöglichkeiten jedes Einzelnen werden hierbei nicht hinreichend berücksichtigt. Als Betroffene der in den Gremien gefällten Entscheidungen haben die Studierenden die Aufgabe und das Recht, den politischen Diskurs zu begleiten und nachzuvollziehen. Konstruktive Kritik und Verbesserungen können auch nur stattfinden, wenn entsprechende Informationen zugänglich sind.
Offenlegung der Verwendung der Gelder des Landes für Forschung und Lehre.
Offenlegung von Herkunft und Verwendung aller Drittmittel.
Gremiensitzungen der Öffentlichkeit zugänglich machen und Veröffentlichung aller Protokolle.
Öffentliche Sitzungen des Rektorats.
Offenlegung aller Ordnungen (TUD: Gebühren-, Wahlordnung) der Hochschulen wie im §13 Absatz 6 SächsHSG gefordert.
Einen studentischen Konsul(8).
Hochschulen sind nicht ausschließlich ein Ort der Bildung, vielmehr stellen sie einen eigenen Mikrokosmos der Kulturen dar. Um die Entfaltung des kulturellen Lebens nicht zu hemmen, ist es uns wichtig, mehr selbstbestimmte Räume zu schaffen. Hier können sich Menschen treffen und gemeinsam einen Nährboden für kulturelle Vielfalt schaffen. Als ein mögliches Konzept sei ein Studenten-Café genannt, welches diese Belange erfüllen könnte.
Einen studentisch selbst verwalteten Freiraum.
Ausbau des Studiums Generale.
Interdisziplinäre Vorträge und Projekte fördern.
Die Exzellenzinitiative hat sich der Aufgabe verschrieben, einige Hochschulen mit vermarktungsfähigen Forschungsergebnissen auszuzeichnen. Jene Hochschulen erhalten zusätzliche Unterstützung durch den Bund. Andere Hochschulen gehen dabei nicht nur „leer“ aus, sie werden im Vergleich zu den „Exzellenzunis“ noch weiter degradiert. In enger Kooperation mit der Wirtschaft soll die Attraktivität einzelner Wissenschaftsstandorte und der Wettbewerb zwischen den Hochschulen gestärkt werden.
Abschaffung der Exzellenzinitiative.
Flächendeckende Hilfe zur Ausfinanzierung der Hochschulen durch den Bund.
Zur Gewährleistung eines „ordnungsgemäßen Systembetriebes“, wie z.B. zur besseren Ressourcenplanung, dem Erkennen und Beseitigen von Störungen oder der Aufklärung und Unterbindung rechtswidriger und missbräuchlicher Nutzung, beabsichtigt das ZIH (Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen) der TU Dresden ein Frühwarnsystem einzurichten. Jenes System zielt darauf ab, jegliche Informationen über die Internetkommunikation zu speichern. Dabei ist zwischen den Kommunikationsströmen, die nach zwei Tagen gelöscht werden sollen, und den daraus erstellten Meta-Events zu unterscheiden. Meta-Events(9) sind immer personenbezogen und sollen nicht gelöscht werden. Weder die Kommunikationsströme noch die Meta-Events werden anonymisiert. Von der Datenspeicherung sind alle Mitglieder der Hochschule betroffen, sowohl im universitätsinternen WLAN-Gebrauch als auch in den Studentenwohnheimen. Dabei steht massive Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer in keinem Verhältnis zur marginalen Steigerung der Sicherheit, die das Frühwarnsystem erbringen würde. Die Zahl der schweren Sicherheitsvorfälle ist in den letzten Jahren stark gesunken und das ZIH erreicht schon jetzt sehr hohe Dienstgüte im Datennetz. Dagegen wecken detaillierte Datensätze Begehrlichkeiten Dritter, wie z.B. Polizei, Medienindustrie, Marktforschung und Werbeindustrie. Die Einführung des Frühwarnsystems wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen. Die Inbetriebnahme erfolgte bereits ohne Zustimmung des Datenschutzbeauftragten.
Wir sind der Meinung, dass die Bildung von Menschen allumfassend und nicht nur verwertungsbezogen praktiziert werden sollte. Dazu ist es notwendig, dass das Bildungsangebot alle lebensgestaltenden Bereiche abdeckt. Technik und Kultur sollten nicht in Konkurrenz, sondern im aktiven Austausch zueinander stehen. Leider gibt es an der TU Dresden Tendenzen, einige Fakultäten (finanziell) zu bevorzugen und das Studienangebot zu begrenzen. Als Beispiel sei hier die Einstellung des Jura-Staatsexamens erwähnt.
Gleichwertige Finanzierung der Fakultäten, Drittmittelausgleich (z.B. bei
Um die Vergleichbarkeit und Qualität der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge zu wahren, wurde in europäischen Hochschulraum ein verbindliches Akkreditierungswesen geschaffen. Die Hochschulen stehen in der Verantwortung, ihre neu gestalteten Studiengänge bei privaten Akkreditierungsagenturen prüfen zu lassen. Die dabei entstehenden Kosten in Höhe von 10.000 € bis 15.000 € sind von den Hochschulen zu tragen. Es werden sowohl Programmakkreditierungen (einzelne Studiengänge) als auch Systemakkreditierungen (Stichproben der einzelnen Studiengänge der Hochschule mit dem Ziel, die ganze Hochschule zu akkreditieren) vollzogen werden. Neben des begrenzten Umfangs (Minimalstandards) der schlechten, schleppenden Umsetzung und der mangelnden Kontrolle in der Praxis scheitert die Akkreditierung auch an Systemfehlern. Jede Fakultät strukturiert ihren Bachelor und Master nach eigenem Ermessen. Studienordnungen und deren Änderung müssen durch den Senat im Benehmen und durch das Rektorat genehmigt werden (§ 13 Absatz 4 SächsHSG).Eine Kontrolle der weiteren Entwicklung soll durch Akkreditierung geschehen , die Überprüfung findet aber nur alle fünf bis sieben Jahre statt.
Verbesserungsvorschläge an den Studienordnungen scheiterten in einigen Studienkommissionen mit der Begründung, dass der Studiengang akkreditiert sei und dies eine nachträgliche Änderung ausschließe.
Die Akkreditierung soll gebührenfrei erfolgen.
Änderungen der Studienordnung nach der Akkreditierung müssen durch Re-Akkreditierung jederzeit möglich sein.
Die Stiftungsform des Akkreditierungsrates gilt es zu überdenken.
Mehr studentische Sitze im Akkreditierungsrat (§ 7 Absatz 2 Gesetz zur Errichtung einer Stiftung „Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland“).
Unter dem Stichpunkt „Qualitätssicherung“ wird durch das Sächsische Kompetenzzentrum für Bildungs- und Hochschulplanung (KfBH) an der TU Dresden seit 1995 die Evaluation der Lehre in Form von anonymer Datenerhebung mittels Evaluationsbögen durchgeführt. Seit 1998 gibt es ein weitestgehend einheitliches Befragungssystem, das maschinenlesbare Fragebögen nutzt. Die Art der Befragung ist aussagelos, da die Antwortmöglichkeiten subjektiv weit auslegbar sind. Dabei ist die durch die Evaluationsbögen angestrebte „Qualitätssicherung“ der Lehre eher ab- als zuträglich.
Die Probleme der Evaluation sind dabei je nach Studiengang unterschiedlich und müssen auch „individuell“ bezüglich der einzelnen Studiengänge betrachtet werden. Die Evaluation der Lehre vermittelt den Studierenden das Gefühl, über die Evaluation einen Einfluss auf die Lehre nehmen zu können. Tatsächlich werden die Evaluationsbögen lediglich statistisch ausgewertet und bleiben ohne reelle Konsequenzen. Damit werden die Studierenden daran gehindert, ihre Kritik am Lehrstil der Dozenten wirkungsvoll zur Sprache zu bringen und in einem offenen Diskurs mit den Lehrenden an einer Verbesserung der Lehre zusammenzuarbeiten.
Unterstützung und Einführung eines „Meet your Prof“-Diskussionsstammtisches: Die Erfindung des FSR Physik „Meet your Prof“ bietet Studierenden die Möglichkeit, sich mehrmals im Semester am Diskussionstisch zu treffen und dazu einen Professor einzuladen. In lockerer Atmosphäre können Studienanfänger das Gespräch mit den Dozenten suchen. Dabei gewinnen die Lehrenden und Studierenden gegenseitiges Vertrauen, welches beide Seiten für konstruktive Kritik sehr empfänglich macht und der Anonymisierung an der Universität effektiv entgegenwirkt.
An der TU Dresden herrscht Raummangel. Überfüllte Seminare werden in viel zu kleinen Räumen abgehalten, Studierende müssen nicht selten auf dem Boden sitzen. Der Geburtenrückgang wird dieses Problem nicht lösen, da die Hochschulen und das Ministerium die Studienzahlen halten wollen(10).
In den letzten Jahren wurden immer mehr Planstellen abgebaut. An der TU Dresden ist dies in der Ausgliederung des Sprachausbildungszentrums in eine private Dienstleistungsagentur (TUDIAS) als Folge der Kürzung von 500 Lehrstellen exemplarisch zu betrachten. Auf Grund der sinkenden Steuereinnahmen sind weitere Stellenkürzungen wahrscheinlich, was das Betreuungsverhältnis massiv verschlechtern wird.
Das Hochschulgesetz sieht Studienkommissionen für jeden Studiengang vor, welche die Studien- und Prüfungsordnungen konzipieren. Zusätzlich sind sie maßgeblich in die Planung der Lehrevaluation involviert. Die StuKo ist meistens für die gesamte Fakultät verantwortlich und deswegen kaum in der Lage, sich detailliert mit den einzelnen Studiengängen auseinander zu setzen. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die neu eingeführten Studiengänge gravierende Mängel aufweisen.
Die zeitnahe Einberufung einer Studienkommission für jeden Studiengang.
Regelmäßige Sitzungstermine und angemessene Aufwandsentschädigung (Gremiensemester, Entlastung in der Lehre etc.).
Die Umstrukturierung der Studiengänge hat zur Folge, dass der heute in „Workload per Credit“ gemessene Arbeitsaufwand massiv gestiegen ist. Die Anzahl der Pflichtveranstaltungen hat sich signifikant erhöht. Dadurch bleibt den Studierenden wenig Zeit, außerhochschulisch tätig zu werden oder Inhalte zu vertiefen. Die gängige Praxis, jede Vorlesung mit einer Prüfungsleistung abzuschließen, führt zu einem enormen Prüfungsdruck am Ende eines jeden Semesters.
Die Prüfungslast muss reduziert werden. Es soll mehr Gebrauch von alternativen Leistungsnachweisen (Essays, Referate etc.) gemacht werden, die flexibler über das Semester verteilt werden können.
Jede nicht bestandene Prüfung muss wiederholbar sein.
Prüfungseinschreibungen sind für die Studierenden eine verbindliche Zusage. Diese können zwar in den meisten Fakultäten bis zu 3 Werktagen vor der zu erbringenden Prüfungsleistung zurückgezogen werden, jedoch ist dazu eine gewisse Voraussicht von Nöten. Danach ist es lediglich möglich, von der Prüfung mit einem ärztlichen Attest zurückzutreten. Es soll jedem Studierenden überlassen werden, wann er sich in der Lage sieht, die erforderliche Prüfungsleistung abzulegen.
Einschreibungen zeigen nur die Absicht zur Teilnahme an der Prüfung.
Im Zuge der Bologna Reform wurde die Studienzeit des Bachelors fast überall auf 3 Jahre begrenzt. Die alten Studieninhalte mit deutlich höherer Semesteranzahl wurden dabei oft einfach übernommen, was bei den Studierenden zu einer kaum zu bewältigenden Arbeitslast führt. Andere Studiengänge wurden, um genau dieses Problem zu umgehen, viel oberflächlicher.
Ausnutzen der Ermessensspielräume der Bologna Reform, u.a. den Bachelor je nach Bedarf auch länger als 6 Semester zu gestalten.
Anrechnung von (6-monatigen) Praktikumszeiten auf die Regelstudienzeit (z.B. Dipl. Erzw./SP).
Die derzeitigen Studienordnungen sind auf den Vollzeitstudenten zugeschnitten. Dies verhindert lebenslanges Lernen und benachteiligt Studierende, die Beruf, Kinder oder Krankheit mit dem Studium vereinigen müssen(11). Das Teilzeitstudium muss ein Recht sein, welches der Studierende unbürokratisch in Anspruch nehmen kann und kein „Almosen“, das nur speziellen privilegierten Gruppen gewährt wird (vgl. Gremiensemester).
Abschaffung der Regelstudienzeit als Instrument, um die Studienzeit zu begrenzen.
Beibehaltung einer Garantie in einer bestimmten Zeit studieren zu können.
Die Motivation der Bologna Reform war es, die Flexibilität und Mobilität im europäischen Hochschulraum zu erhöhen. Leider wurde dieses Ziel weit verfehlt, da viele erbrachte Leistungen aufgrund der unflexiblen Anrechnungspraxis der Hochschulen nicht anerkannt werden. Die straff durchorganisierten Verlaufspläne lassen zu wenig Spielraum, um den persönlichen Bildungsweg flexibel zu gestalten.
Bachelor als Regelabschluss? Wir wollen Masterplätze für alle!
Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, wurden die Bachelorstudiengänge in so gut wie allen Fällen auf drei Jahre begrenzt, damit der Wirtschaft möglichst schnell neues Fachpersonal zur Verfügung steht. Dabei wurde außer Acht gelassen, dass Fachpersonal auch eine dementsprechend tiefgreifende Ausbildung braucht, die beim Bachelor meistens nicht gegeben ist. Daraus resultiert eine mangelnde Anerkennung des Bachelors seitens der Unternehmen. Die Initiative „Bachelor Welcome“(12) einiger führender deutscher Unternehmen stellt einen Versuch dar, die Anerkennung des Bachelors zu verbessern. Sie zielt jedoch lediglich auf die MINT-Fächer (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Technik) ab.
Die TU9 (die neun größten Technischen Universitäten Deutschlands) haben 2004 beschlossen, den Master als Regelstudienabschluss in den Ingenieursstudiengängen zu etablieren. In anderen Studienfächern, wie z. B. Lehramt, muss dies auch möglich sein, da der Bachelorabschluss nicht vollständig berufsqualifizierend ist. Als Beispiel sei hier der Bachelor Grundschullehramt erwähnt für den es trotz Absolventen noch keinen konsekutiven Masterstudiengang gibt.
Folglich steigt das Interesse an Masterstudienplätzen, die jedoch nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind. Der Konkurrenzkampf unter den Studierenden um die Masterplätze wird künstlich geschürt, dies führt zu erhöhtem Leistungsdruck und ist dem Lernklima an den Hochschulen nicht zuträglich.
Masterplätze für alle Interessierten.
Studierende sind in den ersten Semestern damit beschäftigt, sich an das Klima und die Arbeitsweise an der Hochschule zu gewöhnen und sich in den Studiengang, die Lehrinhalte und in die Hochschulstruktur einzuarbeiten. Die Entscheidung, welcher Studiengang der Hochschule inhaltlich, strukturell und didaktisch zu einem angehenden Studierenden passt, ist in dieser kurzen Zeit nicht zu treffen.
Da die ersten Semester dem Grundlagenstudium gewidmet sind und der Studierende so kaum Einblick in die fachspezifischen Lehrinhalte erhält, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Studiengangwechsels.Es sollte im Interesse jeder Hochschule liegen die Wechsel- und Abbruchquoten zu senken und die Studierenden optimal auf ein Hochschulstudium vorzubereiten.
Leider leisten die bestehenden Strukturen wie Sekundarstufe II nicht immer das Notwendige und sind in ihrer Ausgestaltung dem Willen der jeweiligen Landesregierung unterworfen. Die neu gewonnene Autonomie der Hochschulen stellt hier eine fantastische Möglichkeit zur Gestaltung dar und sollte genutzt werden.
Wir fordern deswegen die Erarbeitung eines einheitlichen Profilsemesters folgender Form:
Keine Anrechnung auf Regelstudienzeit, somit auch BAföG-Zahlung.
Grundstock an Pflichtveranstaltungen (Methoden, Gremien der Hochschule, Kompetenzförderung, Ringvorlesung etc.).
Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis für Profilsemesterstudierende.
Möglichkeit in einigen Lehrveranstaltungen Prüfungen abzulegen (Vgl. Orientierungssemster für ausländische Studierende an der TU Dresden).
Auf welche Weis‘ dem guten Menschen man
— frei nach Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan
Dieser Forderungskatalog erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, er erhebt nicht den Anspruch auf endgültige Lösungen.
1) „Wir werden Hochschulen als Orte der Weiterbildung stärken und die Einrichtung von Offenen Hochschulen prüfen.“ (Koalitionsvertrag aktuelle Bundesregierung) [zurück]
2) KMK: dritter Sachstandsbericht: „Zu den Zielen dieser Initiative gehören die Steigerung der Studienanfängerquote auf 40 Prozent, eine größere Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung, die Förderung von Weiterbildung und die verbesserte Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen.“ [zurück]
3) Die Kapazitätenverordnung (KapVO) zielt deutschlandweit darauf ab, im Zusammenhang des Berufsfreiheitsgesetzes einen einheitlichen Normwert zur Zulassungsbeschränkung zu schaffen. So wird für jeden Studiengang ein verbindlicher Curricular-Normwert (CNW) errechnet, der den Betreuungsbedarf oder den Personalaufwand pro Student angibt. Der angenommene Betreuungsbedarf hängt von der Zahl der Vorlesungen, Seminare und Prüfungen ab; je mehr Vorlesungen und je weniger Seminare, desto geringer der Personalaufwand, desto geringer der CNW. Die dabei eingesetzten mathematischen Formeln sind aufgrund ihrer Komplexität für die Allgemeinheit nicht nachvollziehbar. [zurück]
4) http://www.zeit.de/2009/40/C-Begabtenfoerderung?page=2 [zurück]
5) „Die Stipendien sollen ausschließlich nach Begabung einkommensunabhängig vergeben werden. Hierzu werden wir gemeinsam mit den Ländern ein nationales Stipendienprogramm ins Leben rufen, mit dem wir von Universitäten und Fachhochschulen bei Wirtschaft und Privaten eingeworbene Stipendien in Höhe von 300 Euro im Monat von der BAföG Anrechnung freistellen und bis zur Hälfte öffentlich bezuschussen. Die öffentliche Finanzierung soll dabei je zur Hälfte durch den Bund und die Länder erfolgen. Das bisherige Büchergeld der Begabtenförderungswerke wird auf 300 Euro angehoben und bleibt von der BAföG-Anrechnung befreit.“ [zurück]
6) Die sächsischen Hochschulen und der Freistaat Sachsen zahlen insgesamt 102.678 € pro Jahr an die HRK. [zurück]
7) Situation in Dresden (Quelle: www.tu-dresden.de):124,8 Mio € Drittmittel 2008, davon 25.6 Mio €(=20,5%) direkt aus der Wirtschaft (Vertragsforschung) – zum Vergleich das Gesamtbudget beträgt ca. 500 Mio. € [zurück]
8) Vgl. Uni Ilmenau [zurück]
9) Folgende Daten werden gespeichert: Quell / Ziel IP-Adresse; Quell / Ziel MAC-Adresse ; Quell / Ziel Port; IP Protokoll; Ingress Interface; IP Type of Service; Quell / Ziel VLAN; MLPS Informationen; verwedete Netzwerkinterfaces der Kommunikatiosbeziehung; Min / Max TTL des Flows; Min / Max Paketgröße des Flows [zurück]
10) Staatsministerin Prof. von Schorlemer argumentierte bezüglich dieser Forderung am Freitag, dem 20.11.2009, dass jetzt nur noch die geburtenschwachen Jahrgänge folgen, somit die Auslastung zurückginge und ein Bauvorhaben auf lange Sicht unnötig wäre. Interessanterweise meinte sie 3 Sätze davor, dass Sachsen die Menschen fördern möchte, die ein Studium in Angriff nehmen und die Zahl der Studenten auf gleicher Größe halten bzw. noch steigern möchte. [zurück]
11) Bologna-Erklärung: „Punkte sollten auch außerhalb der Hochschulen, beispielsweise durch lebenslange Lernen, erworben werden können, vorausgesetzt, sie werden durch die jeweiligen aufnehmenden Hochschulen anerkannt.“ [zurück]
12) http://www.stifterverband.org/wissenschaft_und_hochschule/hochschule_und_wirtschaft/bachelor_welcome/index.html [zurück]

References: Art. 26
 Art. 14
 § 81
 § 81
 § 81
 § 84
 § 49
 § 24
 § 4
 § 4
 § 4
 §13