Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Naumburg&Datum=18.06.2010&Aktenzeichen=10%20U%2061/09
Timestamp: 2019-05-27 02:30:59+00:00

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OLG Naumburg, 18.06.2010 - 10 U 61/09 (Hs) - dejure.org
OLG Naumburg, 18.06.2010 - 10 U 61/09 (Hs)
https://dejure.org/2010,8128
OLG Naumburg, 18.06.2010 - 10 U 61/09 (Hs) (https://dejure.org/2010,8128)
OLG Naumburg, Entscheidung vom 18.06.2010 - 10 U 61/09 (Hs) (https://dejure.org/2010,8128)
OLG Naumburg, Entscheidung vom 18. Juni 2010 - 10 U 61/09 (Hs) (https://dejure.org/2010,8128)
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§ 1 UWG, § 4 Nr 11 UWG, § 8 Abs 1 UWG, § 8 Abs 4 UWG, § 263 ZPO
Wettbewerbsstreitigkeit: Bestimmungskriterium für den Streitgegenstand; Berufungsverfahren: Annahme einer Beschwer; Zulassung einer Klageerweiterung bei Einführung eines völlig neuen Streitstoffes; rechtsmissbräuchliche Ausnutzung der Verbandsklagebefugnis gegen die Internetwerbung einer staatlichen Lotto-Totogesellschaft
Erschöpfung des Streitgegenstandes in Wettbewerbssachen
§§ 263, 264, 533 ZPO
Streitgegenstand in Wettbewerbssachen
LG Koblenz, 27.04.2009 - 4 HKO 74/09
LG Koblenz, 02.03.2010 - 4 HKO 121/09
Die Vorschrift des § 533 ZPO verhindert deshalb, dass sich das Berufungsgericht im Rahmen neuer Streitgegenstände mit neuem Streitstoff befassen und hierzu im Berufungsrechtszug erstmalig eine Sachentscheidung treffen muss (OLG Naumburg BeckRS 2010, 20441; BGH NJW-RR 2008, 262, 263 Tz. 9).
Hinzu kommt, dass der Kläger auch noch Rückstellungen für den Fall vorhalten muss, dass bereits entschiedene Verfahren (z.B. OLG Naumburg, Urt. v. 18.6.2010 - 10 U 61/09) im möglichen Revisionsverfahren zu seinen Ungunsten ausgehen.
Zur Verteidigung dieses Standpunkts wird angeführt, dass eine planmäßige Verschonung eigener Mitglieder jedenfalls missbräuchlich sei, wenn daraus erkennbar werde, dass das Vorgehen maßgeblich von der Absicht geprägt ist, den Verletzer im Wettbewerb zu behindern (…OLG Saarbrücken, Urt. v. 23.06.2010 - 1 U 365/09-91, S. 5) oder das staatliche System der Glücksspielorganisation anzugreifen, obgleich dieses Lizenzsystem gerade den vom BVerfG aufgestellten verfassungsrechtlichen Anforderungen genügt (OLG Naumburg, Urt. v. 18.6.2010 - 10 U 61/09, S. 20).
Denn die Frage, ob dem Kläger die Geltendmachung seiner Unterlassungsansprüche wegen Rechtsmissbrauchs gemäß § 8 Abs. 4 UWG zu versagen ist, wird in der obergerichtlichen Rechtsprechung unterschiedlich beurteilt (Rechtsmissbrauch verneint: OLG Koblenz, GRUR-RR 2010, 16 und Urteil v. 1.12.2010, BeckRS 2010, 29407; OLG Frankfurt, GRUR-RR 2010, 301 und GRUR-RR 2011, 14; Rechtsmissbrauch bejaht: OLG Naumburg, Urteil v. 6.11.2009, BeckRS 2010, 20441; OLG Saarbrücken, GRUR-RR 2011, 20; OLG Hamm, GRUR-RR 2011, 17 ), so dass die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert (§ 543 Abs. 2 ZPO ).
Der Einsatz der Klagebefugnis gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG zu dem Zweck, den DLTB-Mitgliedern entgegenzuwirken, wird von einem sachfremden Motiv getragen und ist daher missbräuchlich (vgl. OLG Hamm GRUR-RR 2011, 17 [19 f.] - Glücksspielverband ; OLG Saarbrücken GRUR-RR 2011, 20 [21] - Behinderungsabsicht ; OLG Naumburg, Urt. v. 18. Juni 2010 - 10 U 61/09, [...], dort Tz. 82 ff.).
Die Frage der Zulässigkeit der Klageerweiterung hindert die Zulässigkeit der Berufung nicht (vgl. OLG Sachsen-Anhalt 18.06.2010 - 10 U 61/09 - zu II 1 a der Gründe).
Die Vorschrift des § 533 ZPO verhindert deshalb, dass sich das Berufungsgericht im Rahmen neuer Streitgegenstände mit neuem Streitstoff befassen und hierzu im Berufungsrechtszug erstmalig eine Sachentscheidung treffen muss (BGH NJW-RR 2008, 262, 263 Tz. 9; OLG Naumburg BeckRS 2010, 20441).
Der Einsatz der Klagebefugnis gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG zu dem Zweck, den DLTB-Mitgliedern entgegenzuwirken, wird von einem sachfremden Motiv getragen und ist daher missbräuchlich (vgl. OLG Hamm GRUR-RR 2011, 17 (19 f.) - Glücksspielverband ; OLG Saarbrücken GRUR-RR 2011, 20 (21) - Behinderungsabsicht ; OLG Naumburg, Urt. v. 18. Juni 2010 - 10 U 61/09, juris, dort Tz. 82 ff.).

References: § 1
 § 4
 § 8
 § 8
 § 263
 § 533
 BGH 
 § 8
 § 8
 § 533
 § 8