Source: https://der-privatier.com/kap-9-3-2-8-hinweise-zum-dispositionsjahr-rentenversicherung/?replytocom=20581
Timestamp: 2020-06-03 12:07:22+00:00

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Kap. 9.3.2.8: Hinweise zum Dispositionsjahr: Rentenversicherung — 42 Kommentare
Bruno sagte am 21.Jan.2020 um 15:16 :
Ich kann nur empfehlen sich so lange wie möglich bei AfA „angemeldet“ zu lassen. Das erhöht die Anzahl der Monate in der Anrechnungszeit.
Gemäß § 58 SGB VI, Absatz 1, Satz 3:
„(1) Anrechnungszeiten sind Zeiten, in denen Versicherte …..
3. wegen Arbeitslosigkeit bei einer deutschen Agentur für Arbeit als Arbeitsuchende gemeldet waren und … oder nur wegen des zu berücksichtigenden Einkommens oder Vermögens nicht bezogen haben“
Also nach der ALG-I-Zeit kein ALG-II bekommen, weil Ihr Eigenkapital zu hoch ist.
Und diese Anrechnungszeit ist bei der DRV u.a. für die „beitragsfreien Zeiten“ wichtig. Dies erhöht die eigene Rente in nicht unerheblichem Maß!
eSchorsch sagte am 23.Jan.2020 um 00:18 :
Ich habe jetzt mal (ungläubig wie ich bin) nach der Grundlage für die Anrechnung der Zeiten von „Arbeitslos ohne Leistungsbezug“ gesucht. Was ich gefunden habe, war etwas ernüchternd.
Der VdK schreibt https://www.vdk.de/rheinland-pfalz/pages/76521/arbeitslos_ohne_leistungsanspruch :
„Arbeitslosigkeit ohne Bezug von Arbeitslosengeld wird dagegen als Anrechnungszeit für die Rente gewertet, wenn davor und danach eine versicherte Beschäftigung liegt und man aufgrund von Einkommen oder Vermögen keinen Anspruch auf Leistungen hat.“
Die gleiche Aussage habe ich auch im ELO-Forum gefunden.
Und nach weiterem Suchen auch in der Broschüre „Arbeitslos, was Sie beachten sollten“ von der DRV. Bei letzterer lautet die Beschreibung „… dass Sie eine versicherte Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit unterbrochen haben und bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet sind.“
Und um Mitternacht auch den Gesetzestext, Grundlage ist §58 SGB VI und dort die Punkte
„(1) Anrechnungszeiten sind Zeiten, in denen Versicherte
3 – wegen Arbeitslosigkeit bei einer deutschen Agentur für Arbeit als Arbeitsuchende gemeldet waren und eine öffentlich-rechtliche Leistung bezogen oder nur wegen des zu berücksichtigenden Einkommens oder Vermögens nicht bezogen haben,“
Die Einschränkung folgt in Punkt
„(2) Anrechnungszeiten nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 bis 3a liegen nur vor, wenn dadurch eine versicherte Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit oder ein versicherter Wehrdienst oder Zivildienst oder ein versichertes Wehrdienstverhältnis besonderer Art nach § 6 des Einsatz-Weiterverwendungsgesetzes unterbrochen ist;“
Das hört sich so an, dass es für die Anrechnungszeit nichts bringt nach dem ALG1 Bezug noch weiter Arbeitslos ohne Leistungsbezug zu sein.
Vermute ich (nach meinem obigen Sermon).
Gibt es diesbezügliche Erfahrungen? Wie seht Ihr das?
Ob man das „heilen“ kann, indem man im Anschluß noch einen Monate selbst den Mindesbetrag an die DRV zahlt, würde ich bezweifeln.
Vielleicht, wenn man nach ALG1 einen Monat selbst DRV bezahlt, sich dann Arbeitslos ohne Leistungsbezug meldet, und danach wieder einen letzten Monat selbst bezahlt und somit eine selbstständige Tätigkeit simuliert.
Privatier sagte am 23.Jan.2020 um 08:22 :
Danke für die Unterstützung, eSchorsch. Irgendwie hatte ich so eine dunkle Erinnerung, dass es mit diesen Zeiten von Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug nicht ganz so einfach ist. War aber gestern zu faul, das noch einmal konkret nachzusehen.
Das habe ich dann eben nachgeholt und kann für alle, die ein tieferes Interesse haben, das Rechtsportal der DRV als recht umfangreiche Quelle angeben (sehr ergiebig und empfehlenswert, auch für andere Fälle!).
Für die hier anstehende Frage findet man ausführliche Definitionen und „wunderbare“ Sätze, wie diesen z.B., der den Begriff der „Unterbrechung“ erläutert:
„Für die Unterbrechung einer versicherten Beschäftigung oder Tätigkeit im Sinne des § 58 Abs. 2 SGB VI genügt es, wenn vor der betreffenden Anrechnungszeittatsache irgendeine andere Anrechnungszeit beziehungsweise Anrechnungszeittatsache oder eine Kette aneinander gereihter Anrechnungszeiten oder Anrechnungszeittatsachen im Sinne des § 58 Abs. 1 SGB VI, § 252 SGB VI beziehungsweise § 252a Abs. 1 SGB VI liegt und die erste dieser Zeiten eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit unterbricht (BSG vom 25.02.1971, AZ: 5/12 RJ 8/68, SozR Nr. 32 zu § 1259 RVO). Der Tatbestand der Unterbrechung ist auch erfüllt, wenn vor der betreffenden Anrechnungszeittatsache eine Ersatzzeit im Sinne des § 250 Abs. 1 SGB VI oder eine Kette aneinander gereihter Anrechnungszeiten beziehungsweise Anrechnungszeittatsachen und Ersatzzeiten liegt und die erste dieser Zeiten eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit unterbricht (BSG vom 07.12.1977, AZ: 1 RA 59/76, SozR 2200 § 1259 Nr. 23).“
Ähm…ja. Gut zu wissen. 😉
Weitere Fragen bitte direkt anhand des obigen Dokumentes zu klären.
Bruno sagte am 23.Jan.2020 um 11:50 :
Hallo eSchorsch, hallo Privatier,
OK, aber wo liegt das Problem, im letzten Monat vor der Rente noch mal für 1 Monat (als was auch immer) arbeiten zu gehen.
Bei mir macht das in 6 Jahren (nach ALG-I)250,- € mehr Altersrente aus.
Dafür lohnt sich doch wohl der Aufwand.
eSchorsch sagte am 23.Jan.2020 um 12:34 :
Mir ging es im obigen Beitrag darum, ob man nach ALG1 noch ein paar Monate Arbeitslos ohne Leistungsbezug dranhängen kann, um die 35 Jahre für die Rente mit 63 vollzukriegen.
Ich habe keine Ahnung, wie mir da ein Monat arbeiten gehen die Rente um 250€ erhöhen soll.
Privatier sagte am 23.Jan.2020 um 18:10 :
Das Problem dürfte da ja auch weniger der eine Monat sein, den man irgendwann noch hinten dran hängt. Für die meisten (mich eingeschlossen) wäre wohl die Vorstellung, sechs Jahres lang die Pflichten gegenüber der Agentur erfüllen zu müssen, mehr als unangenehm.
Natürlich kann man Situationen nicht verallgemeinern, aber ich kenne auch Fälle, in denen die Agentur nicht bereit war, sechs Jahre lang still zu halten. Irgendwann wird die Ernsthaftigkeit der Stellensuche auf die Probe gestellt bzw. massive Fördermaßnahmen ergriffen.
Insgesamt eine Situation, die von meiner Vorstellung her nichts mehr mit „Privatier“ zu tun hat.
eSchorsch sagte am 23.Jan.2020 um 21:58 :
Schluck, da soll einer durchsteigen bei des Privatiers Link https://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/rvRecht/01_GRA_SGB/06_SGB_VI/pp_0051_75/p_0058/gra_sgb006_p_0058.html
O Privatier! Mein Privatier! Die grause Fahrt beginnt
Nun wandere ich im finsteren Tal
und kein Stecken und Stab trösten mich
Weder der tote Walt noch der 23. Psalm helfen mir weiter, also entsperre ich mein Häendi und erteile den Befehl:
„Siri, starte den Übersetzungsmodus, ich benötige Fremdsprachenunterstützung. Wähle als Ausgangssprache ‚Amtsschimmlig‘, ich werde Dir gleich was längeres vorlesen.
Mein treues Nokia 6131 Klapptelefon starrt mich ebenso verständnis- wie sprachlos an.
Also weiter zu Fuß, ich beschränke mich in dem Riesenwust (ojemine … bis ich da durch war) auf das was ich im letzten Kommentar als Pferdefuß benannt habe, nämlich den §58 (2) SGB VI, welcher eine „Unterbrechung“ fordert.
Die DRV schreibt unter Punkt 3.4 Begriffsbestimmung „Unterbrechung“
„Der Begriff der Unterbrechung im Sinne des § 58 Abs. 2 SGB VI setzt voraus, dass vor Beginn einer Anrechnungszeittatsache eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit – gegebenenfalls vorübergehend – beendet sein muss. Nicht erforderlich ist, dass die Anrechnungszeittatsache (zum Beispiel Arbeitsunfähigkeit) von einer versicherten Beschäftigung oder Tätigkeit umschlossen ist.
Eine „Unterbrechung“ liegt auch vor, wenn nach dem Ende der Anrechnungszeittatsache eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit nicht mehr aufgenommen wurde, aber aufgrund des Gesundheitszustandes die Möglichkeit zur Aufnahme einer solchen Beschäftigung oder Tätigkeit bestand.“
Puh, also eigene Bedenken widerlegt. Die DRV interpretiert den Gesetzestext so, dass „Arbeitslos ohne Leistungsbezug“ doch als Anrechnungszeit für die Rente zählt.
Wie immer, alles ohne Gewehr. Wer selbiges benötigt, möge sich selbst bewaffnen.
Privatier sagte am 24.Jan.2020 um 12:58 :
😀 Tja, manche Texte sind wirklich schwer verdaulich. Aber wie ich weiter oben schon geschrieben habe, würde ich diesen Weg für mich selber ohnehin ablehnen. Aber das muss (wie so oft) jeder für sich selber entscheiden.
Bruno sagte am 24.Jan.2020 um 17:55 :
Ja, und genauso wurde es mir bei der Rentenberatung auch bestätigt.
Natürlich ist die eigentliche Herausforderung die ganze Zeit bei der AfA „gemeldet“ zu bleiben.
Aber da ich (seit 5 Monate arbeitssuchend und -los) bisher KEINERLEI Auflagen, weder Eigeneinitiative, Stellenvorschläge, Weiterbildung, etc bekommen habe, werde ich dies so lange wir möglich auch nach dem ALG-I aufrecht erhalten.
Wenn Sie sich mal Ihre Renteninfo im Bezug auf die beitragsfreien Zeiten anschauen, sehe Sie auch die Möglichkeit die eigene Rente durch „Nichts“ zu erhöhen.
ratatosk sagte am 25.Jan.2020 um 09:44 :
11Nikolaus hat ja „Seinen“ Weg inzwischen gefunden….
Wem bis zum 63. Lebensjahr noch (theoretisch !!! erwerbbare) Beitragszeiten bis 35y-Wartezeit fehlen, kann den RM-Ausgleich aber auch für eine SPAETER einsetzende vorgezogene Rente beantragen.
Wer also die 35 Beitragsjahre (vom Zeitpunkt der Antragstellung aus gerechnt) erst mit 64 erreichen KOENNTE, beantragt eben den Ausgleich für eine Rente ab 64….
Bei einer Prognose des bis dahin erreichbaren Punktestandes von vielleicht 60 Pkt. und einem Regelrentenalter von 67 Jahren, ergibt die Minderung von 10,8% immerhin knapp 6,5 Pkt., geteilt durch den Zugangsfaktor (0,892) also gut 7 „auszugleichende“ Punkte.
Bei aktuell >7,5 k€/Pkt. schon mehr als ein Ehepaar pro Jahr ueberhaupt steuerlich angerechnet bekommt.
Was man tatsaechlich einzahlt, bleibt dann wieder jedem selbst ueberlassen.
Ebenso die Entscheidung ob man noch laufende Beiträge (BeitragsZEITEN) zahlt, oder der Zeitpunkt zu dem dann tatsaetzlich ein Rentenantrag gestellt wird.

References: § 58
 §58
 § 6
 § 58
 § 58
 § 252
 § 252
 § 1259
 § 250
 § 1259
 §58
 § 58