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Timestamp: 2018-07-18 06:48:26+00:00

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Formalien und Zitierweise bei jur. Hausarbeiten
von Monika Majmunovic
A. Formalien
C. Anleitungsliteratur
Im folgenden werden die wichtigsten Regeln dargestellt, die für das äußere Bild der Hausarbeit und für die Formalien gelten, insbesondere für Literaturverzeichnis, Gliederung, Abkürzungen und Zitierweise.
Vorrangig ist der Bearbeiter einer Hausarbeit hinsichtlich solcher Regeln an die vom jeweiligen Hochschullehrer oder vom Prüfungsamt gegebenen Anweisungen gebunden. Daneben können Regeln durch Gebote der Rationalität und Wissenschaftlichkeit gerechtfertigt sein. Schließlich beruhen solche Regeln oft auch auf Konventionen: Solange der Bearbeiter keinen Grund hat, von einer Konvention abzuweichen, sollte er sich bei Formalien an das Übliche halten. Allerdings gibt es Fragen, für die es gar keine Regel gibt.
Juristische Hausarbeiten sind im Computerzeitalter erwartungsgemäß am PC zu erstellen. Dabei werden stets einfache Schriftarten gebraucht, da sie den Lesefluß fördern, während verschnörkelte Schriftarten unsachlich wirken. Jeder Prüfer erwartet 1,5 Punkte Zeilenabstand sowie 1/3 Korrekturrand, auch wenn der Verfasser die angegebene maximale Seitenanzahl um einige Seiten überschritten hat. Rechtschreibregeln – entweder alte oder neue –, Grammatik und Interpunktion müssen selbstverständlich korrekt gebraucht werden.
Der Ausdruck der gesamten Hausarbeit sollte einheitlich auf weißem DIN-A4-Schreibmaschinenpapier mit mindestens 80 g/qm ohne Lineatur erfolgen. Die Verwendung besonders hochwertigen Papiers oder einer ausgefallenen Bindetechnik hat – entgegen mancher irrtümlicher Überzeugung – keinerlei Einfluß auf die Bewertung der Arbeit und ist daher auch nicht notwendig1).
Alle Seiten werden nur einseitig beschriftet und erhalten eine fortlaufende Numerierung: Die Gutachtenseiten eine arabische Bezifferung, die dem Gutachten vorangestellten Seiten eine römische.
Eine juristische Hausarbeit besteht bei Abgabe aus:
Einem Deckblatt,
dem Originaltext des Sachverhalts,
einem Literaturverzeichnis,
evtl. einem Abkürzungsverzeichnis,
der Gliederung des Gutachtens
und dem Gutachten selbst.
Am Schluß ist die Arbeit zu unterschreiben.
Design und Layout des Deckblatts sind jedem Bearbeiter frei überlassen, solange es sachlichen und inhaltlichen Anforderungen genügt.
Auf dem Deckblatt informiert der Bearbeiter über seine Person und die verfaßte Arbeit. In der linken oberen Ecke gibt er kurze persönliche Daten an, nämlich Namen, Anschrift, Fachsemester und Matrikelnummer. In der Mitte enthält das Deckblatt Auskünfte über: Den Fachbereich, die vom Dozenten angegebene genaue Bezeichnung der Veranstaltung, Name des Dozenten, das Semester, in dem die Veranstaltung abgehalten wird, Ordnungszahl und genaue Bezeichnung der angebotenen Arbeit (z. B. 1. Hausarbeit, 1. Referat, 3. Seminararbeit etc.). Unten rechts steht der Bearbeitungszeitraum. Das Deckblatt wird i. d. R. nicht mit römischen Zahlen beziffert; die Seitenzahlangabe beginnt erstmals beim Sachverhalt2).
Ein Deckblatt könnte z. B. folgendermaßen aussehen:
Matrikel-Nr.: 111111
Musterweg 4
30154 Hannover
1. Ferienhausarbeit
05.02.2000 – 03.04.2000
Der Sachverhalt erhält die Seitenzahl römisch I. Die Prüfer fordern überwiegend, das Originalblatt mit dem Sachverhalt abzugeben. Ein abgetippter Sachverhaltstext wird daher meistens nicht mit abgeheftet.
Zur Frage, ob Literaturverzeichnis und Abkürzungsverzeichnis vor oder nach der Gliederung einzuordnen sind, herrscht Uneinigkeit.3) Das niedersächsische Justizprüfungsamt z.B. empfiehlt die erste Anordnungsweise. Beide Varianten sind m. E. gleichermaßen zulässig. Im Einzelnen sind die Bearbeitungshinweise der Dozenten selbst zu beachten.
Anhand des Literaturverzeichnisses und der Gliederung verschafft sich der Korrektor einen ersten Überblick über die gesamte Arbeit. Chancen auf eine gute Note kann der Bearbeiter also steigern, wenn er auch den Anfang seiner Hausarbeit mit höchster Sorgfalt gestaltet.
Das Literaturverzeichnis dient der Information des Lesers über die in der Arbeit zitierte Literatur. Es enthält keine umfassende Aufstellung bisher veröffentlichter Fachliteratur, sondern soll die im Text der Bearbeitung zitierte Literatur vollständig nachweisen.4) Werke, die der Verfasser nur zwar gelesen hat, aber nicht im Gutachten zitiert hat, dürfen folglich nicht im Literaturverzeichnis erscheinen.5)
Alle zitierten Schriften sind im Literaturverzeichnis alphabetisch unter Angabe des vollen Autorennamens aufzulisten, mit dem Nachnamen beginnend. Titel und akademische Grade sind wegzulassen. Eine Unterteilung nach Aufsätzen, Monographien, Lehrbüchern und Kommentaren erschwert die Suche und ist m. E. bei juristischen Hausarbeiten heute nicht mehr üblich. Gerichtsentscheidungen, herangezogene gesetzliche Vorschriften oder Gesetzessammlungen werden nicht ins Literaturverzeichnis aufgenommen. Das Auflisten und Zitieren von Lexika ist nur in absoluten Ausnahmefällen empfehlenswert, wenn es die Bearbeitung der Aufgabenstellung unbedingt erfordert. Als Literatur zitierfähig ist alles, was wissenschaftlichem Anspruch genügt und öffentlich zugänglich ist.
Das Literaturverzeichnis muß also folgende Angaben enthalten: Den Nachnamen und den Vornamen des Verfassers, den vollständigen Titel, ggf. den Herausgeber, die erschienene neuste Auflage, den Erscheinungsort und das Erscheinungsjahr. Wurde ein Werk von mehreren Autoren verfaßt, so ist es üblich, alle Autorennamen anzugeben. Bei Aufsätzen, die in Zeitschriften erschienen sind, werden der Name des Verfassers, der Titel des Aufsatzes, Fundstelle, Anfangs- bis Endseite nacheinander aufgelistet.
Studierende sollten auch bei Literaturangaben auf eine korrekte Schreibweise achten. Diesbezügliche Fehler zeugen nicht nur von Unachtsamkeit, sie erwecken beim Leser den Eindruck, der Verfasser habe unwissenschaftlich gearbeitet.
Die Zitierweise muß im Literaturverzeichnis nicht erläutert werden. Entsprechende Hinweise sind nur angebracht, wenn die gebrauchte Zitierweise nicht aus sich heraus verständlich ist und auch mit Hilfe des Abkürzungsverzeichnisses nicht deutlich wird. Das ist meistens der Fall, wenn Kommentare oder mehrere Werke desselben Autors benutzt werden. Die im Text der Arbeit gebrauchte Zitierweise erscheint dann auch im Literaturverzeichnis und zwar in Klammern gesetzt, unmittelbar nach dem jeweils vollständig aufgelisteten Werk. Z. B.:
"zit.: Erman/Bearbeiter" oder
"zit.: Coing in Staudinger" oder
"zit.: Schlüter, FamR; zit.: Schlüter, ErbR".
Interessierte finden in der Rubrik Mustertexte ein Literaturverzeichnis für den Fall Nr. 1 (Wiederrufsfall), das die vorangehenden Erörterungen beispielhaft veranschaulicht und außerdem als Vorlage für das Erstellen eigener Literaturverzeichnisse benutzt werden kann.
Ein gesondertes Abkürzungsverzeichnis ist meistens nicht erforderlich, es genügt, wenn der Bearbeiter am Ende des Literaturverzeichnisses auf das allgemeine gebräuchliche Abkürzungsverzeichnis von Kirchner6) oder eine andere Abkürzungssammlung verweist.
Um den Lesefluß des Gutachtens nicht unnötig zu beeinträchtigen und den Leser nicht zur Suche im Literatur- bzw. Abkürzungsverzeichnis zu zwingen, sollten keine ungewöhnlichen Abkürzungen benutzt werden. Zu empfehlen sind nur allgemein anerkannte – in Verzeichnissen aufgeführte – und ohne weiteres verständliche Abkürzungen.7)
Ein eigenes Abkürzungsverzeichnis sollte nur angefertigt werden, wenn die Arbeit Abkürzungen enthält, die für das jeweilige Thema (z. B. Europarecht) gebräuchlich sind, im Kirchner jedoch nicht enthalten sind. Die Abkürzungen sind dann alphabetisch geordnet anzuführen und zu erläutern.
"Abkürzungsverzeichnis
AufenthG/EWG
Gesetz über Einreise und Aufenthalt von Staatsangehörigender Mitgliedstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
BBPS, Slg.
Beutler/Bieber/Pipkorn/Streil, Textsammlung
BullEU
Coordinating Committee for East-West Trade
EuAnerkÜ
International Law Comission
Revue timestrielle de droit européen
Third United Nations Conference on the Law of the Sea"
Die Gliederung besteht aus nichts anderem als der Zusammenstellung sämtlicher Überschriften aus dem Text mit entsprechender Seitenzahl. Umgekehrt wird meist gefordert, daß alle Gliederungspunkte als Überschriften im Text wiederholt werden.8)
Die Gliederung darf aber keine Inhaltsangaben oder Auszüge aus der Bearbeitung enthalten, die über die Überschriften hinausgehen. Überschriften sollen stets kurz und prägnant sein. Sie dienen nicht dem Ersatz des Obersatzes oder der Subsumtion.
Die einzelnen Gliederungspunkte können mit dem arabischen Mischsystem oder mit dem numerischen System bezeichnet werden. Die Wahl bleibt dem Bearbeiter überlassen.
Beispiel für arabisches Mischsystem:
Beispiel für numerisches System:
Beide Systeme werden in der juristischen Literatur verwendet. Mich irritiert das numerische System etwas. M.E. ist das traditionelle Mischsystem vorzuziehen.
Seit Erscheinen der Microsoft-Schreibprogramme benutzen Studierende immer öfter das arabische Mischsystem. Dabei werden die mit kleinen Buchstaben und arabischen Zahlen gekennzeichneten Unterpunkte oft in der Weise in Klammern gesetzt, daß die Gliederungspunkte bezeichnet werden mit 1. a) (1) (a) usw. Diese Gliederungsweise ist nicht falsch, dennoch im deutschen Sprachraum in der Literatur bisher unüblich und verwirrt Korrektoren daher unnötig. Aus diesem Grund sollten Studierende diesen Stil meiden, auch wenn er ihnen im Repetitorium ständig aufs neue vorgeführt wird.
Zu beachten ist des weiteren, daß nach einem Gliederungspunkt immer ein weiterer folgt, d. h. es gilt die Regel: Wer A sagt muß auch B sagen!9) Erscheint z. B. nach dem Punkt 2. a) kein weiterer Unterpunkt b) dann liegt ein Aufbaufehler vor, weil entweder der alleinstehende Unterpunkt a) überflüssig ist oder der Bearbeiter den Punkt b) vergessen hat. Die oben genannte Regel bedeutet also nichts anderes, als daß auf jeder Gliederungsebene mehrere gleichrangige Prüfungspunkte auftauchen müssen.
Anhand der Gliederungsüberschriften zeigt der Verfasser, daß er über dogmatische Kenntnis verfügt und systematische Zusammenhänge verstanden hat.10)
Überschriften und Gliederungspunkte müssen meist nicht erfunden werden. Sie haben ihre Grundlage oft im Gesetz. Die Überschriften im Text und die entsprechenden Gliederungspunkte sollten so formuliert werden, daß der Leser sie versteht, bevor er den darunter stehenden Text gelesen hat. Deshalb ist es oft ratsam, sich bei den Überschriften an den Gesetzestext auch dann zu halten, wenn er auslegungsbedürftig ist.
Andererseits ist es falsch, die Prüfung eines Schadensersatzanspruchs aus § 480 II BGB folgendermaßen aufzubauen:
1. Kauf von Gattungen?
2. Fehlen
3. Ausschluß?
Zwar werden hier die gesetzlichen Tatbestandsmerkmale angesprochen, sie sind aber zu ungenau formuliert, da sich aus ihnen nicht ergibt, was genau geprüft wird. § 480 II BGB verlangt zunächst, daß bei Gefahrübergang ein wirksamer Kaufvertrag über eine Gattungssache vorliegt. Die zweite hier genannte Voraussetzung verschweigt, was eigentlich fehlen muß. Außerdem sind direkte Fragen in einer juristischen Arbeit unzulässig.
Richtig heißt es also:
1. Wirksamer Gattungskaufvertrag gem. § 433 I BGB
2. Haftungsgrund: Fehlen einer zugesicherten Eigenschaft, § 480 II Alt. 1 BGB
3. Ausschlußgründe
a. Kaufmännische Rügepflicht, § 377 HGB
b. Anwendung von AGB
Daher müssen in den Überschriften nicht nur einschlägige Vorschriften auftauchen, auch die übrigen Gliederungspunkte müssen sorgfältig gebildet werden.
Juristisch-fachsprachliche Ausdrücke dürfen nicht durch alltagssprachliche Synonyme ersetzt werden.
Der Bearbeiter sollte seine Hausarbeit möglichst einfach aufbauen. Bieten sich Alternativen, sollte er stets die einfachste wählen. Der Leser muß sich in der Arbeit schnell zurecht finden. Eine einfache Gliederung verschafft dem Korrektor jederzeit einen guten Überblick. Es dürfen also keine komplizierten Prüfungsfolgen oder Inzidenterprüfungen auftauchen.11)
Um dem Leser jederzeit einen Überblick über die Arbeit zu ermöglichen, ist es ratsam, nicht mehr als 7 Prüfungsschritte auf einer Ebene vorzunehmen. Die Gliederung sollte eine Struktur von übergeordneten und untergeordneten Überschriften aufweisen. Damit werden Wiederholungen vermieden und die Überschriften werden insgesamt kürzer.
Im Text der Arbeit ist jeder fremde Gedanke, gleichgültig ob wörtlich oder sinngemäß zitiert, durch Hinweis auf die Fundstelle zu kennzeichnen. Alle Fundstellen sind in Fußnoten aufzuführen, die in fortlaufender Numerierung auf dem unteren Teil der Seite erscheinen, die das Zitat enthält. Das Fußnotenzeichen gehört an die Stelle des Textes, die es kennzeichnet. Steht die Fußnote vor einem Satzzeichen (Punkt oder Komma), dann bezieht sich die Quelle nur auf diesen einen Teil des Satzes. Steht die Fußnote nach dem Punkt oder am Ende eines ganzen Absatzes, dann bezieht sich der Beleg auf den gesamten Satz bzw. Absatz. Hinweise auf Fundstellen müssen so genau sein, daß der Leser sie nachprüfen kann. Die Fußnoten dürfen nur Belege enthalten. Keinesfalls sollten Erörterungen oder Kommentierungen welcher Art auch immer in der Fußnote auftauchen.12)
In Hausarbeitszeiten tragen einige Studierende und auch Examenskandidaten untereinander Wettkämpfe aus, in denen es darum geht, die höchste Anzahl von Fußnoten in einem Text zu präsentieren. Übereifrig durchforsten sie die Bibliotheken und informieren einander durch Zurufe über den aktuellsten Stand. Zur Enttäuschung der Teilnehmer ist zu sagen, daß die Anzahl der Fußnoten keinen Maßstab bildet. Zwar müssen Rechtsprechung und Literatur gründlich verarbeitet werden. Insoweit ist auch der Umfang der Literaturverarbeitung von Bedeutung. Aber die Arbeit darf nicht durch überflüssige Literaturangaben aufgebläht werden. Nur derjenige Verfasser beweist sein Können, der Zitate bringt, wenn sie geboten sind und im Kontext eine gewisse Bedeutung aufweisen.
Ungewißheiten hinsichtlich der zu verwendenden Zitierweise können durch bewährte Hilfsmittel behoben werden. In den meisten Schriften finden sich Zitiervorschläge, die i. d. R. einfach übernommen werden sollten.
Wichtig ist allerdings, eine einmal gebrauchte Zitierweise im gesamten Gutachten einheitlich fortzusetzen. Beispielsweise sollte der Münchener Kommentar nicht abwechselnd mit "MünchKomm/Bearbeiter" oder mit "MüKo/Bearbeiter" bezeichnet werden.
Bei Kommentaren wird nach § und Rn. zitiert. Üblich sind dabei folgende Zitierweisen:
"Kommentar/Bearbeiter § Rn."; z. B.: "MüKo/Medicus § 985 Rn. 38" oder
"Bearbeiter in MüKo § Rn."; z. B.: "Medicus in MüKo § 985 Rn. 38".
Irreführend ist m. E. folgende Zitierweise:
"Soergel – Huber, § 459 BGB Rn. 143" oder
"Röhricht/Graf v. Westphalen - Röhricht, § 1 HGB Rn. 14".
Diese Zitierweise ist verwirrend, da Autoren sehr oft Doppelnamen führen und in manchen Fällen nicht unterschieden werden kann, ob der erste Name den Kommentar kennzeichnet und der zweite Name den Bearbeiter, oder ob es sich um einen Doppelnamen handelt.
Es genügt, wenn der Bearbeiter die Fundstelle in abgekürzter Form in der Fußnote wiedergibt. Exakte Bezeichnungen entnimmt der Leser schließlich dem Literaturverzeichnis.
Bei Zeitschriftenaufsätzen ist nicht der Titel des Aufsatzes anzuführen, sondern nur die Anfangsseite sowie die relevante Seite.
"Dietrich, Jura 1998, 142, 148" oder
"Dietrich, Jura 1998, 142 (148)", oder
"Dietrich, Jura 1998, 142, insb. 148".
Bei Lehrbüchern werden neben dem Autorennamen auch Paragraphen und Randnummern – soweit vorhanden – angegeben, die genaue Seite ist stets zu benennen. Verweist der Verfasser auf mehrere Seiten, muß er dies in der Fußnote kenntlich machen. Bezieht sich das Zitat auf mehrere Seiten so steht in der Fußnote nach der Seitenzahlangabe immer "ff.", während ein "f." kenntlich macht, daß das Zitat auf der folgenden Seite weitergeht.
"Fikentscher, Schuldrecht, § 8, S. 38."
"Reinicke/Tiedke, KaufR, Rn. 288, S. 121."
Für die Beantwortung einer Frage ist die Ansicht der Rechtsprechung absolut unverzichtbar und hat Vorrang vor Literaturmeinungen. Es ist daher ratsam, dem Studium der Gerichtsentscheidungen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Urteile sind den zitierten Literaturangaben voranzustellen und werden in den Fußnoten entsprechend ihrer Bedeutung aufgelistet: Höhere Gerichte sind vor unterinstanzlichen zu nennen.
Entscheidungen werden einheitlich nach der amtlichen Sammlung oder Zeitschrift zitiert. Das Urteilsdatum kann, muß aber nicht mit angegeben werden. Die Anfangsseite des Urteils sowie die Seite, auf die Bezug genommen wird, sind zu benennen.13)
"RGZ 106, 120, 125" oder
"RGZ 106, 120 (125)", oder
"RGZ 106, 120, insb. 125."
"BGH EwiR § 463 BGB 1998, 103, 104; BGH WM 1996, 1007, 1008 f.; BGH VersR 1966, 241, 242; BGHZ 48, 119, 122."
Bei der Erörterung einer Streitfrage sollten Rechtsprechung und Literatur immer in repräsentativem Umfang zitiert werden. Soll beispielsweise die h. M. zu einer Streitfrage dargestellt werden, so müssen in der Fußnote mehrere Quellen angegeben werden, denen diese Meinung entnommen werden kann. Bringt der Verfasser nur einen oder zwei Nachweise für seine Darstellung der herrschenden Meinung, so kann es sich dabei auch um einmalige Gerichtsentscheidungen handeln. Es liegt dann die Vermutung nahe, der Bearbeiter habe sich mit der Materie nicht ausreichend und keinesfalls wissenschaftlich auseinandergesetzt.
Das niedersächsische Justizprüfungsamt z.B. läßt die Benutzung des juristischen Informationssystems JURIS zwar zu, verlangt jedoch, bei anderweitig veröffentlichten Entscheidungen vorrangig die betreffende Fachzeitschrift oder Entscheidungssammlung zu zitieren. Anderweitig nicht veröffentlichte Entscheidungen empfiehlt das Prüfungsamt entsprechend den Regeln wissenschaftlicher Methodik aus JURIS wie folgt zu zitieren: Gericht, Entscheidungsdatum, Aktenzeichen, JURIS (ohne Angabe der JURIS-Dokumentennummer).
Abkürzungen und Verweisungen
Verweisungen durch Abkürzungen wie beispielsweise "aaO" oder "Ebenda" sind zulässig. Mit der ersten Abkürzung wird auf eine Quelle verwiesen, deren letzte vollständigere Angabe nicht mehr als 2 Seiten zurückliegt. "Ebenda" verweist nur auf die unmittelbar vorhergehende Fußnote.14) Diese Art von Verweisungen sind m. E. nicht besonders schön, da sie den Leser zum Zurückblättern zwingen und ihn damit unnötig aufhalten. Geschickter ist daher, sie zu vermeiden.
Der Zusatz "vgl." in der Fußnote ist ungenau, wenn nicht klar wird, was miteinander verglichen werden soll. "Vgl." kennzeichnet meistens, daß diese Quelle zwar die im Gutachten dargestellte Meinung wiedergibt, sie aber nicht zu 100 % auf die belegte Aussage paßt. Wenn man größere Distanz ausdrücken will, kann man auch schreiben: "vgl. dazu ..."
Möchte der Verfasser im Gutachten auf eine vorangegangene Prüfung verweisen, insbesondere um abgeschlossene Prüfungsfolgen nicht unnötig zu wiederholen, ist dies im Gutachtentext zum Ausdruck zu bringen. Ein solcher Verweis gehört nicht in die Fußnote. In eine Fußnote gehört in diesem Fall jedoch die genaue Angabe der Seitenzahl oder des Gliederungspunkts, auf den nach oben verwiesen wird.Verweisungen nach unten sind dagegen unzulässig.
Der Verfasser muß Hinweise auf Fundstellen stets überprüfen. Durch bloßes Abschreiben von Zitaten aus Lehrbüchern und Kommentaren kann es passieren, daß er dort enthaltene Fehler übernimmt, die bei der Korrektur zum Verhängnis werden könnten.
Die Fußnote endet entweder immer mit oder immer ohne Punkt. M. E. ist die Fußnote eine in sich geschlossene Aussage, so daß an ihrem Ende stets ein Punkt zu setzen ist.
Fallzitate
Bei der Prüfung der Voraussetzungen einer Rechtsnorm unterläuft den Kandidaten sehr oft folgender Fehler:
"Der Leim, den K von V kaufte, müßte einen Sachmangel i. S. v. § 480 II BGB aufweisen. Dann müßte V dem K eine bestimmte Eigenschaft des Leims zugesichert haben, die jedoch bei Gefahrübergang fehlte.15) Eine Eigenschaft ist ..."
Hier hat der Bearbeiter ein sog. Fallzitat gebracht, das von der Korrektur nicht verschont bleibt. Die zitierte Entscheidung des BGH hat sich nicht mit dem Fall von K und V beschäftigt, sondern durch Interpretation einer Rechtsnorm eine allgemeine, das heißt für viele Fälle geltende Voraussetzung definiert. Das gleiche gilt für das genannte Lehrbuch. Eine Quellenangabe ist nur zu abstrakten Aussagen zulässig. Zu belegen sind also nur die Meinungen zu den im Text gebrachten generellen (abstrakten) Sätzen, nämlich zu Interpretationen, nicht aber zu singulären Sätzen, also zu den Tatsachenfeststellungen oder den konkreten Subsumtionsschlüssen.
Im Übrigen wird auf die didaktischen Bemerkungen zum Widerrufsfall (Fall Nr 1, unter der Rubrik Mustertexte) verwiesen.
Bei der gutachterlichen Bearbeitung ist vorrangig auf Legaldefinitionen zurückzugreifen, sofern das Gesetz die Definition einer prüfungsrelevanten Voraussetzung enthält.
Beispielsweise enthält § 276 I S. 2 BGB die Legaldefinition der Fahrlässigkeit. Steht also ein fahrlässiges Verhalten in Frage, muß im Gutachtentext stets ein Hinweis auf die gesetzliche Definition durch Angabe der Norm und des Gesetzes erfolgen. Der Hinweis auf eine Legaldefinition gehört nicht in die Fußnote.
Wörtliches und indirektes Zitat – formale Art der Wiedergabe
Wörtliche Zitate sind in der Regel unzulässig. Ein wörtliches Zitat ist nur dann geboten, wenn es gerade auf eine bestimmte Formulierung ankommt, wenn sie Gegenstand eines Streits ist oder die Formulierung eines Gerichts oder Autors ausgelegt werden soll. Dann ist das wörtliche Zitat unbedingt stets durch Anführungszeichen als solches zu kennzeichnen. Andernfalls handelt es sich um ein Plagiat.
Die Ansicht des Gerichts oder eines Autors ist i. d. R. in indirekter Rede, und zwar mit eigenen Worten des Verfassers wiederzugeben. Das normale Zitat steht also in indirekter Rede im Konjunktiv und gibt nur den Sinngehalt der belegten Stelle wieder, ohne diese dabei wörtlich zu wiederholen.16) Die Verwendung eigener Worte zeigt, daß der Verfasser über die vergearbeitete Literatur wirklich reflektiert hat.
Beispiel, wann Konjunktiv verwendet werden muß:
"Einige Autoren sind der Ansicht, es genüge für den Zugang der Erklärung, daß diese in den Machtbereich des Empfängers gelangt sei; die Möglichkeit der Kenntnisnahme sei nur für die Wahrung von Fristen oder das Kennenmüssen von Bedeutung (Fußnote)."
Es ist stets darauf zu achten, daß klar ist, von welcher Aussage der Konjunktiv abhängt.
Der Indikativ ist dagegen zu verwenden, wenn formuliert wird: "Nach herrschender Meinung ist für dem Zugang aber darüber hinaus die Möglichkeit der Kenntnisnahme erforderlich (Fußnote)."
Die Formalien der juristischen Hausarbeit, Jura 1998, S. 142 – 151
Die juristische Fallbearbeitung in Klausur, Hausarbeit und Vortrag, 3. Aufl., Köln/Berlin/Bonn/München 1992
Typische Fehler in (Examens-) Hausarbeiten, JA 1999, S. 196 – 203
Einführung in die juristische Arbeitstechnik, 2. Aufl., München 1992
Bemerkungen zum Gutachtenstil, JuS 1996, S. 30 – 36
Zur äußeren Gestaltung und Form von Hausarbeiten – eine unendliche Geschichte?, Übungsblätter zur JA 1993, S. 155 - 159
Das Anfertigen von Übungsarbeiten – Praktische Hinweise für Anfänger-, Fortgeschrittenen- und Examensarbeiten, JuS 1990, S. 905 – 912

References: § 480
 § 480
 § 433
 § 480
 § 377
 § 985
 § 985
 § 459
 § 1
 § 8
 § 463
 BGH 
 BGH 
 § 480
 BGH 
 § 276