Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=8%20A%201126/14
Timestamp: 2019-02-22 09:30:44+00:00

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OVG Nordrhein-Westfalen, 24.11.2015 - 8 A 1126/14 - dejure.org
Anspruch eines Insolvenzverwalters gegen das Finanzamt auf Einsicht in die den Schuldner betreffenden steuerlichen Unterlagen nach dem Informationsfreiheitsgesetz; Herausgabe von Jahreskontenauszügen aller bei dem Finanzamt geführten Steuerarten für die Veranlagungszeiträume von 2009 bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens (in Form von Kopien); Erteilung steuerlicher Auskünfte durch das Finanzamt
VG Köln, 10.04.2014 - 13 K 394/13
Der Kläger ist auch in seiner Eigenschaft als Insolvenzverwalter eine natürliche Person und somit anspruchsberechtigt, Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW), Urteile vom 24. November 2015 - 8 A 1126/14 -, juris Rn. 30 m.w.N., und vom 15. Juni 2011 - 8 A 1150/10 -, juris Rn. 22 f. m.w.N.; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 12. Februar 2010 - 10 A 11156/09 -, juris Rn. 20, zu § 4 Abs. 1 Satz 1 InfFrG RP; nachgehend: Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Beschluss vom 20. Mai 2010 - 7 B 28.10 -, juris Rn. 6 f.; Verwaltungsgericht (VG) Hamburg, Urteil vom 23. April 2009 - 19 K 4199/07 -, juris Rn. 28 ff.; stRspr., vgl. etwa VG Hamburg, Urteil vom 27. August 2010 - 7 K 619/09 -, juris Rn. 25 ff.; OVG Hamburg in der dazu ergangenen Entscheidung über die Nichtzulassung der Berufung, Beschluss vom 16. April 2012 - 5 Bf 241/10.Z -, juris Rn. 10.
Die insolvenzrechtlichen Auskunftsansprüche des Klägers gegenüber der Insolvenzschuldnerin nach §§ 97, 101 der Insolvenzordnung bzw. das Auskunftsrecht nach § 242 BGB zählen nicht zu den vorrangigen Regelungen im Sinne von § 1 Abs. 3 IFG, jedenfalls stellen sie keine abschließenden Regelungen dar, vgl. im Einzelnen BVerwG, Beschluss vom 9. November 2010 - 7 B 43.10 -, juris Rn. 8; OVG NRW, Urteile vom 15. Juni 2011 - 8 A 1150/10 -, juris Rn. 29 ff., und vom 24. November 2015 - 8 A 1126/14 -, juris Rn. 33 ff. (für die entsprechende Regelung des § 4 Abs. 2 Satz 1 IFG NRW); OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 12. Februar 2010 - 10 A 11156/09 -, juris Rn. 22 ff., sowie VG Hamburg, Urteil vom 27. August 2010 - 7 K 619/09 -, juris Rn. 33 ff. m.w.N., für § 1 Abs. 3 IFG.
Fehlt es - wie hier - an entsprechenden Darlegungen des Insolvenzverwalters, ist zudem zunächst seitens der Beklagten zu prüfen, ob dem Antrag auf Informationszugang nach Abtrennung oder Schwärzung der personenbezogenen Daten stattgegeben werden kann; andernfalls ist die Einwilligung der betroffenen Person einzuholen (§ 8 Abs. 1 IFG), vgl. im Einzelnen OVG NRW, Urteil vom 24. November 2015 - 8 A 1126/14 -, juris Rn. 75 und 77.
Eine Verschiebung der Darlegungslast auf den Antragsteller kommt allenfalls dann in Betracht, wenn konkrete, über bloße Vermutungen hinausgehende Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Antragsteller über die begehrten Informationen bereits vollständig verfügt, vgl. OVG NRW, Urteil vom 24. November 2015 - 8 A 1126/14 -, juris Rn. 69, woran es hier fehlt.
Ob dies hier der Fall ist, kann jedoch dahinstehen, weil § 30 AO - wie dargelegt - jedenfalls nicht verletzt ist (vgl. hierzu OVG Münster, Urteil vom 24. November 2015 - 8 A 1126/14 - Juris Rn. 90, 92).
Zu keinem anderen Ergebnis führt schließlich der vom Beklagten in Anspruch genommene Anwendungserlass zur Abgabenordnung des Bundesministeriums der Finanzen vom 31. Januar 2014 (AEAO, Nr. 4.5), an den das Gericht mangels Rechtsnormqualität nicht gebunden ist (vgl. OVG Münster, Urteil vom 24. November 2015 - 8 A 1126/14 - Juris Rn. 124).
Diese können sich auf einhellige obergerichtliche Rechtsprechung berufen, wonach die Herausgabe der Steuerdaten an den Insolvenzverwalter nicht "unbefugt" i.S.d. § 30 Abs. 2 AO, § 355 Abs. 1 StGB ist (vgl. OVG Münster, Urteil vom 24. November 2015 - 8 A 1126/14 - Juris Rn. 139).

References: § 4
 § 242
 § 1
 § 4
 § 1
 § 30
 § 30
 § 355