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Timestamp: 2019-09-15 05:39:16+00:00

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Bewertung eines mit Erbbaurecht belasteten bebauten Grundstücks für Zwecke der Schenkungsteuer für 2008 - Ebner Stolz
Bewertung eines mit Erbbaurecht belasteten bebauten Grundstücks für Zwecke der Schenkungsteuer für 2008
Der Wert eines erbbaurechtsbelasteten bebauten Grundstücks bestimmt sich für Zwecke der Schenkungsteuer für 2008 durch Abzug von 80 Prozent des im Ertragswertverfahren nach § 146 Abs. 2 bis 5 BewG ermittelten Gebäudewerts von dem Gesamtwert des unbelasteten Grundstücks, selbst wenn als Gesamtwert der Mindestwert i.S.d. § 146 Abs. 6 i.V.m. § 145 Abs. 3 BewG anzusetzen ist. Der Grundstückswert kann nicht mit 20 Prozent des Mindestwerts berechnet werden.
Die Klä­ge­rin erhielt durch Schen­kung am 13.12.2008 ein mit einem Erb­bau­recht belas­te­tes bebau­tes Grund­stück. Das Finanz­amt erließ am 7.9.2009 einen Bescheid über die geson­derte Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts auf den 13.12.2008 für Zwe­cke der Schen­kung­steuer, in dem der Wert des erb­bau­rechts­be­las­te­ten Grund­stücks mit 56.500 € fest­ge­s­tellt wurde.
Die­sen Wert berech­nete das Finanz­amt nach § 148 Abs. 4 BewG 2007, indem es einen für das unbe­las­tete Grund­stück nach § 146 Abs. 2 bis 5 BewG ermit­tel­ten Ertrags­wert von 94.255 € sowie einen als Gesamt­wert anzu­set­zen­den Min­dest­wert von 131.997 € zugrunde legte, vom Min­dest­wert einen Gebäu­de­wert von 75.404 € (= 80 Pro­zent von 94.255 €) abzog und den ver­b­lei­ben­den Betrag von 56.593 € abrun­dete.
Das FG wies die Klage, mit der die Klä­ge­rin gel­tend machte, der Wert des erb­bau­rechts­be­las­te­ten Grund­stücks betrage 20 Pro­zent des Min­dest­werts des unbe­las­te­ten Grund­stücks (131.997 € x 20 Pro­zent = 26.399 €), also abge­run­det 26.000 €, ab. Die Revi­sion der Klä­ge­rin hatte vor dem BFH kei­nen Erfolg.
Das FG hat zu Recht ent­schie­den, dass der Wert eines erb­bau­rechts­be­las­te­ten bebau­ten Grund­stücks für Zwe­cke der Schen­kung­steuer für 2008 durch Abzug von 80 Pro­zent des im Ertrags­wert­ver­fah­ren nach § 146 Abs. 2 bis 5 BewG ermit­tel­ten Gebäu­de­werts von dem Gesamt­wert des unbe­las­te­ten Grund­stücks zu ermit­teln ist, selbst wenn als Gesamt­wert der Min­dest­wert anzu­set­zen ist. Der Grund­stücks­wert kann nicht mit 20 Pro­zent des Min­dest­werts berech­net wer­den.
Gesamt­wert i.S.d. § 148 Abs. 1 BewG kann auch - wie im Streit­fall - der Min­dest­wert nach § 146 Abs. 6 BewG sein. Das ergibt sich bereits dar­aus, dass nach § 148 Abs. 1 BewG für die Ermitt­lung der Grund­be­sitz­werte von dem Gesamt­wert des unbe­las­te­ten Grund­stücks aus­zu­ge­hen ist und dies bei einem bebau­ten Grund­stück den Min­dest­wert nach § 146 Abs. 6 BewG mit ein­sch­ließt. Nach die­ser Vor­schrift darf der für ein bebau­tes Grund­stück nach den Abs. 2 bis 5 des § 146 BewG anzu­set­zende Wert nicht gerin­ger sein als der Wert, mit dem der Grund und Boden allein als unbe­bau­tes Grund­stück nach § 145 Abs. 3 BewG zu bewer­ten wäre (sog. "Min­dest­wert")
Ist der Min­dest­wert als Gesamt­wert anzu­set­zen, bestimmt sich die Auf­tei­lung auf das erb­bau­rechts­be­las­tete Grund­stück und auf das Erb­bau­recht nach § 148 Abs. 4 S. 1 1. Halbs. BewG. Der (dem Erb­bau­recht zuzu­rech­nende) Gebäu­de­wert beträgt auch in die­sem Fall 80 Pro­zent des nach § 146 Abs. 2 bis 5 BewG ermit­tel­ten Ertrags­werts. Der nach Abzug des Gebäu­de­werts ver­b­lei­bende Teil des Min­dest­werts ent­spricht dem Wert des Grund und Bodens. Die Berück­sich­ti­gung des Gebäu­de­werts mit 80 Pro­zent des Ertrags­werts und nicht mit 80 Pro­zent des Min­dest­werts folgt aus dem Wort­laut des Geset­zes. Die in § 148 Abs. 4 S. 1 1. Halbs. BewG vor­ge­nom­mene Ver­wei­sung auf § 146 BewG bezieht sich nur auf die dor­ti­gen Abs. 2 bis 5 und spart Abs. 6 als den Fall der Min­dest­be­wer­tung aus.
Dem Wert­an­satz des Grund und Bodens mit 20 Pro­zent des Min­dest­werts steht dar­über hin­aus ent­ge­gen, dass der Gebäu­de­wert nach dem Ertrags­wert gemäß § 146 Abs. 2 bis 5 BewG zu ermit­teln ist und die Ver­wen­dung unter­schied­li­cher Wer­t­er­mitt­lungs­me­tho­den ohne fes­ten Bezug zum Gesamt­wert nicht sicher­s­tel­len würde, dass die Werte der bei­den wirt­schaft­li­chen Ein­hei­ten ins­ge­s­amt den Min­dest­wert als Gesamt­wert erge­ben. Dem Geset­zes­zweck des § 148 Abs. 1 BewG und der in § 148 Abs. 4 S. 1 BewG gere­gel­ten Auf­tei­lungs­me­thode ist jedoch zu ent­neh­men, dass die Werte der wirt­schaft­li­chen Ein­hei­ten des belas­te­ten Grund­stücks und des Erb­bau­rechts zusam­men dem Gesamt­wert, also dem Wert eines unbe­las­te­ten bebau­ten Grund­stücks ent­sp­re­chen sol­len. Eine Abhilfe hätte nur der Gesetz­ge­ber durch aus­drück­li­che Ein­be­zie­hung des Min­dest­werts als Berech­nungs­größe in § 148 Abs. 4 BewG schaf­fen kön­nen.

References: § 146
 § 146
 § 145
 § 148
 § 146
 § 146
 § 148
 § 146
 § 148
 § 146
 § 146
 § 145
 § 148
 § 146
 § 148
 § 146
 § 146
 § 148
 § 148
 § 148