Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/marktmanipulationen-und-die-hoehe-des-subprime-anteils-338258
Timestamp: 2019-10-22 11:49:42+00:00

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Markt­ma­ni­pu­la­tio­nen und die Höhe des Sub­prime-Invest­ments | Rechtslupe
Markt­ma­ni­pu­la­tio­nen und die Höhe des Sub­prime-Invest­ments
§ 20a WpHG, durch den Markt­ma­ni­pu­la­tio­nen ver­bo­ten wer­den, bezweckt in ers­ter Linie, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Wert­pa­pier­märk­te zu gewähr­leis­ten, und ist daher kein Schutz­ge­setz im Sin­ne von § 823 Abs. 2 BGB.
Die Höhe des Sub­prime-Anteils der unmit­tel­bar eige­nen Invest­ments einer Bank sowie der­je­ni­gen der mit der Bank ver­bun­de­nen Zweck­ge­sell­schaf­ten ist eine kon­kre­te, zur Kurs­be­ein­flus­sung geeig­ne­te Infor­ma­ti­on im Sin­ne von § 13 Abs. 1 Satz 1 WpHG. Auch die Höhe des Sub­prime-Anteils der von den Zweck­ge­sell­schaf­ten getä­tig­ten Invest­ments ist eine Infor­ma­ti­on, die die Bank unmit­tel­bar im Sin­ne von § 15 Abs. 1 Satz 1 und 3 WpHG betrifft und die daher in einer Ad-hoc-Mit­tei­lung ver­öf­fent­licht wer­den muss.
Ob § 20a Abs. 1 Nr. 1 WpHG als Schutz­ge­setz i.S.v. § 823 Abs. 2 BGB zu qua­li­fi­zie­ren ist, ist umstrit­ten. Teil­wei­se wird der Schutz­ge­setz­cha­rak­ter der Vor­schrift unter Hin­weis auf den in der Geset­zes­be­grün­dung des 4. FFG und des Anle­ger­schutz­ver­bes­se­rungs­ge­set­zes (AnS­VG) 1 ange­spro­che­nen Gedan­ken des Anle­ger­schut­zes bejaht 2. Die herr­schen­de Gegen­an­sicht 3, 2006, S. 363 ff.; Jung­mi­chel, Haf­tung und Scha­dens­kom­pen­sa­ti­on bei Ver­stö­ßen gegen Adhoc­Pu­bli­zi­täts­pflich­ten, 2007, S.196 ff.; Schwark in Schwark/​Zimmer, Kapi­tal­markt­rechts­kom­men­tar, 4. Aufl., § 20a WpHG Rn. 7; Barn­ert, WM 2002, 1473, 1481; MaierReimer/​Webering, WM 2002, 1857, 1864; Rüt­zel, AG 2003, 69, 79; Holzborn/​Foelsch, NJW 2003, 932, 938; Spind­ler, WM 2004, 2089, 2091; Edel­mann, BB 2004, 2031, 2032)) ver­neint die Schutz­ge­set­z­ei­gen­schaft haupt­säch­lich des­halb, weil die Norm ledig­lich öffent­li­chen Inter­es­sen die­ne. Die letzt­ge­nann­te Ansicht ist zutref­fend.
Eine Norm ist nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes dann Schutz­ge­setz i.S.v. § 823 Abs. 2 BGB, wenn sie nach Zweck und Inhalt zumin­dest auch dazu die­nen soll, den Ein­zel­nen oder ein­zel­ne Per­so­nen­krei­se gegen die Ver­let­zung eines bestimm­ten Rechts­guts zu schüt­zen. Dafür kommt es nicht auf die Wir­kung, son­dern auf Inhalt und Zweck des Geset­zes sowie dar­auf an, ob der Gesetz­ge­ber bei Erlass des Geset­zes gera­de einen Rechts­schutz, wie er wegen der behaup­te­ten Ver­let­zung in Anspruch genom­men wird, zu Guns­ten von Ein­zel­per­so­nen oder bestimm­ten Per­so­nen­krei­sen gewollt oder doch mit gewollt hat. Es genügt, dass die Norm auch das in Fra­ge ste­hen­de Inter­es­se des Ein­zel­nen schüt­zen soll, mag sie auch in ers­ter Linie das Inter­es­se der All­ge­mein­heit im Auge haben. Ande­rer­seits soll der Anwen­dungs­be­reich von Schutz­ge­set­zen nicht aus­ufern. Des­halb reicht es nicht aus, dass der Indi­vi­du­al­schutz durch Befol­gung der Norm als ihr Reflex objek­tiv erreicht wer­den kann; er muss viel­mehr im Auf­ga­ben­be­reich der Norm lie­gen 4. Zudem muss die Schaf­fung eines indi­vi­du­el­len Scha­dens­er­satz­an­spruchs sinn­voll und im Lich­te des haf­tungs­recht­li­chen Gesamt­sys­tems trag­bar erschei­nen, wobei in umfas­sen­der Wür­di­gung des gesam­ten Rege­lungs­zu­sam­men­hangs, in den die Norm gestellt ist, geprüft wer­den muss, ob es in der Ten­denz des Gesetz­ge­bers lie­gen konn­te, an die Ver­let­zung des geschütz­ten Inter­es­ses die delik­ti­sche Ein­stands­pflicht des dage­gen Ver­sto­ßen­den mit allen damit zuguns­ten des Geschä­dig­ten gege­be­nen Beweis­erleich­te­run­gen zu knüp­fen 5.
Misst man § 20a Abs. 1 WpHG an die­sen Maß­stä­ben, so hat das Beru­fungs­ge­richt zu Recht ange­nom­men, dass § 20a Abs. 1 WpHG kein Schutz­ge­setz i.S.v. § 823 Abs. 2 BGB ist.
Dem Wort­laut der Bestim­mun­gen des Wert­pa­pier­han­dels­ge­set­zes lässt sich nicht all­ge­mein ent­neh­men, ob und wel­chen Vor­schrif­ten Schutz­ge­setz­cha­rak­ter im Sin­ne von § 823 Abs. 2 BGB zukommt. Es bedarf daher einer kon­kre­ten Ein­zel­norm­be­trach­tung 6. Aus dem Wort­laut des § 20a WpHG las­sen sich indes – neben der für sich allein genom­men wenig aus­sa­ge­kräf­ti­gen Abwe­sen­heit einer § 15 Abs. 6 WpHG ent­spre­chen­den Aus­schluss­klau­sel – kei­ne Rück­schlüs­se auf die Reich­wei­te des vom Gesetz­ge­ber beab­sich­tig­ten Schut­zes zie­hen.
Im Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zum 4. FFG fin­det sich zwar im all­ge­mei­nen Teil der Pas­sus, Ziel des Ent­wurfs sei (auch) die Stär­kung des Anle­ger­schut­zes 7; jedoch wird im glei­chen Atem­zug betont, eine Über­re­gu­lie­rung des Anle­ger­schut­zes sei zur Ver­hin­de­rung der Ein­schrän­kung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu ver­mei­den 8. Zudem wird bei der Begrün­dung der kon­kre­ten Norm selbst ent­we­der nur auf die auf­sichts­recht­li­che Kom­po­nen­te der Ände­rung hin­ge­wie­sen 9 oder allein die durch § 20a WpHG bezweck­te Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Wert­pa­pier­märk­te betont 10. Da des Wei­te­ren der sach­li­che Schutz­be­reich der Vor­schrift mit der Zuver­läs­sig­keit und Wahr­heit der Preis­bil­dung an Märk­ten und Bör­sen umschrie­ben wird 11, spre­chen die Mate­ria­li­en eher gegen einen inten­dier­ten Indi­vi­du­al­schutz. Dies kor­re­spon­diert mit der durch das AnS­VG umge­setz­ten 12Richt­li­nie 2003/​6/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 28.01.2003 über Insi­der­Ge­schäf­te und Markt­ma­ni­pu­la­ti­on 13, in deren Erwä­gungs­grün­den eben­falls haupt­säch­lich auf den Schutz der Markt­in­te­gri­tät abge­stellt wird 14.
Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm bestä­tigt die­ses Ergeb­nis. Nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers soll­te § 20a WpHG näm­lich die bis­he­ri­ge Rege­lung des § 88 BörsG aF ablö­sen 15. Jener kam indes nach über­ein­stim­men­der Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 16 und des Bun­des­ge­richts­ho­fes 17 kei­ne Schutz­ge­set­z­ei­gen­schaft zu. Begrün­det wur­de dies u.a. mit dem – auch auf § 20a WpHG über­trag­ba­ren – Gedan­ken der sonst dro­hen­den Aus­höh­lung des § 15 Abs. 6 WpHG aF. Die­ser wür­de umgan­gen, käme man über die Ein­stu­fung des § 20a WpHG als Schutz­ge­setz i.S.v. § 823 Abs. 2 BGB den­noch zu einer Haf­tung, die vom Gesetz­ge­ber gera­de nicht beab­sich­tigt war. Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Tat­sa­che, dass der Gesetz­ge­ber anders als bei § 15 WpHG 18 für § 20a WpHG des­sen feh­len­den Schutz­ge­setz­cha­rak­ter in der Geset­zes­be­grün­dung nicht klar­ge­stellt hat, als Ver­se­hen 19 ein­zu­stu­fen.
Der Gesetz­ge­ber hat sich in sys­te­ma­ti­scher Hin­sicht gegen eine all­ge­mei­ne delik­ti­sche Haf­tung für Ver­mö­gens­schä­den und für eine Anknüp­fung an die Ver­let­zung beson­ders auf­ge­führ­ter Rechts­gü­ter ent­schie­den. Die im delik­ti­schen Haf­tungs­sys­tem auf § 826 BGB beschränk­te Gewähr­leis­tung eines Ver­mö­gens­schut­zes darf daher nicht durch eine aus­ufern­de Aner­ken­nung von Schutz­ge­set­zen unter­lau­fen wer­den 20. Nach der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung kommt den in ers­ter Linie auf­sichts­recht­li­chen Regeln des WpHG folg­lich kei­ne eigen­stän­di­ge scha­dens­er­satz­recht­li­che Bedeu­tung zu 21. Berück­sich­tigt man fer­ner, dass seit Ein­füh­rung der §§ 37b, 37c WpHG auto­no­me Anspruchs­grund­la­gen in Fäl­len der Ver­let­zung von Ver­öf­fent­li­chungs­pflich­ten exis­tie­ren, die gezielt nur für den Bereich der Adhoc­Mit­tei­lun­gen geschaf­fen wur­den, kann auch nicht mehr argu­men­tiert wer­den, der gesetz­ge­be­risch mit­be­ab­sich­tig­te Anle­ger­schutz las­se sich effek­tiv nur durch eine (wei­te­re) delik­ti­sche Haf­tung ver­wirk­li­chen 22.
Bei der Höhe des Sub­pri­me­En­ga­ge­ments han­delt es sich um eine Insi­der­tat­sa­che, die die Beklag­te in einer Adhoc­Mit­tei­lung zeit­lich vor dem Erwerbs­ge­schäft der Klä­ge­rin hät­te ver­öf­fent­li­chen müs­sen.
Zutref­fend hat das Beru­fungs­ge­richt ange­nom­men, dass es sich bei der Höhe des Sub­prime-Anteils der unmit­tel­bar eige­nen Invest­ments der Beklag­ten sowie der­je­ni­gen der mit der Beklag­ten ver­bun­de­nen Zweck­ge­sell­schaf­ten um kon­kre­te Infor­ma­tio­nen i.S.v. § 13 Abs. 1 Satz 1 WpHG han­delt 23. Denn sie bezie­hen sich auf Tat­sa­chen, die jeden­falls prä­zi­se genug sind, um den Schluss auf die mög­li­che Aus­wir­kung die­ser Umstän­de auf die Kur­se von Finanz­in­stru­men­ten zuzu­las­sen 24.
Hin­sicht­lich bei­der Invest­ments ist der in § 13 Abs. 1 Satz 1 WpHG wei­ter gefor­der­te Selbst­be­zug gege­ben, da die­ser sowohl ein direk­ter wie auch ein indi­rek­ter sein kann, sodass auch eine bloß mit­tel­ba­re Betrof­fen­heit – wie durch das über Liqui­di­täts­li­ni­en und Bera­tungs­man­da­te bewirk­te Enga­ge­ment der Beklag­ten in die Zweck­ge­sell­schaf­ten – aus­reicht 25.
Die­se Infor­ma­tio­nen betref­fen ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­ons­er­wi­de­rung auch nicht öffent­lich bekann­te Umstän­de im Sin­ne von § 13 Abs. 1 Satz 1 WpHG. Denn nach den unan­ge­grif­fe­nen und rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts lässt sich zwar die (direk­te und indi­rek­te) Tätig­keit der Beklag­ten auf dem ver­brief­ten inter­na­tio­na­len Kre­dit­port­fo­lio­markt aus den Geschäfts­be­rich­ten der Jah­re 2002 bis 2007 erse­hen, die genaue Zusam­men­set­zung die­ser Enga­ge­ments und ins­be­son­de­re der ent­schei­den­de, dar­in jeweils ent­hal­te­ne Sub­pri­me­An­teil geht dar­aus jedoch nicht her­vor. Die­ser ergibt sich erst aus dem nach der Kri­se im Febru­ar 2008 ver­öf­fent­lich­ten "Geän­der­ten Geschäfts­be­richt". Soweit die Revi­si­ons­er­wi­de­rung fer­ner auf die vom Beru­fungs­ge­richt erör­ter­te, nach dama­li­gen Stan­dards ord­nungs­ge­mä­ße Bilan­zie­rungs­pra­xis der Beklag­ten und die Aus­wei­sung der aus den Bera­tungs­man­da­ten und dem Stel­len der Liqui­di­täts­li­ni­en erwach­se­nen Ver­bind­lich­kei­ten in der Bilanz abhebt, geht auch dar­aus der jeweils kon­kre­te Sub­pri­me­An­teil nicht her­vor.
Bei der Höhe des Sub­prime-Anteils der von den Zweck­ge­sell­schaf­ten getä­tig­ten Invest­ments han­delt es sich – anders als die Revi­si­ons­er­wi­de­rung meint – auch um eine die Beklag­te unmit­tel­bar betref­fen­de Infor­ma­ti­on (§ 15 Abs. 1 Satz 1 WpHG). Eine Insi­der­infor­ma­ti­on betrifft den Emit­ten­ten ins­be­son­de­re dann unmit­tel­bar, wenn sie sich auf Umstän­de bezieht, die in sei­nem Tätig­keits­be­reich ein­ge­tre­ten sind (§ 15 Abs. 1 Satz 3 WpHG). Das nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts den ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­sen bekann­te Enga­ge­ment über Bera­tungs­man­da­te und die Gewäh­rung von Liqui­di­täts­li­ni­en in den RFCCC, der sei­ner­seits wie­der­um nahe­zu aus­schließ­lich in ver­brief­te inter­na­tio­na­le For­de­rungs­port­fo­li­en inves­tier­te, geht auf eine Unter­neh­mens­ent­schei­dung der Beklag­ten zurück und hat bei Zie­hen der gestell­ten Liqui­di­täts­li­ni­en direk­te Aus­wir­kung auf das Ergeb­nis der Beklag­ten. Damit bezieht sich der Aus­fall der Sub­pri­mes auf Umstän­de aus dem Tätig­keits­be­reich des Emit­ten­ten i.S.v. § 15 Abs. 1 Satz 3 WpHG. Wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat, kommt es für den Anle­ger nicht ent­schei­dend dar­auf an, ob sich die exis­ten­ti­el­le Kri­se der Beklag­ten aus eige­nen Invest­ments oder denen des ver­trag­lich mit ihr ver­bun­de­nen RFCCC ergibt.
Die Infor­ma­ti­on über die Höhe des Sub­prime-Anteils der Invest­ments der Beklag­ten war auch geeig­net, bei ihrem Bekannt­wer­den den Kurs der Aktie der Beklag­ten erheb­lich zu beein­flus­sen i.S.v. § 13 Abs. 1 Satz 1 WpHG.
Das Kurs­be­ein­flus­sungs­po­ten­ti­al einer Infor­ma­ti­on ist in objek­tiv­nach­träg­li­cher, auf den Zeit­punkt des Insi­der­han­delns abstel­len­der Exan­te­Pro­gno­se zu ermit­teln 26. Maß­geb­lich ist danach weder, ob der Han­deln­de die Infor­ma­ti­on für kurs­er­heb­lich hielt oder nicht, noch, ob der Kurs des betrof­fe­nen Papiers nach Bekannt­wer­den der Infor­ma­ti­on tat­säch­lich eine Ver­än­de­rung erfährt. Zwar kann der fak­ti­sche Kurs­ver­lauf des Insi­der­pa­piers nach Ver­öf­fent­li­chung dann Indi­zwir­kung haben, wenn ande­re Umstän­de als das öffent­li­che Bekannt­wer­den der Insi­der­infor­ma­ti­on für die erheb­li­che Kurs­än­de­rung prak­tisch aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen 27. Der Revi­si­ons­er­wi­de­rung ist aber zuzu­ge­ben, dass es dar­an hier schon des­halb fehlt, weil mit der zwi­schen­zeit­lich erfolg­ten Sper­rung der Kre­dit­li­nie durch die Bank und dem Zusam­men­bruch des ABCP­Mark­tes wei­te­re Ursa­chen für den tat­säch­li­chen Wert­ver­lust der Aktie der Beklag­ten nach Ver­öf­fent­li­chung der Infor­ma­ti­on durch die Adhoc­Mit­tei­lung vom 30.07.2007 vor­han­den sind. Aus­schlag­ge­bend ist nach § 13 Abs. 1 Satz 2 WpHG viel­mehr, ob ein ver­stän­di­ger – also mit den Markt­ge­ge­ben­hei­ten ver­trau­ter, bör­sen­kun­di­ger 28 – Anle­ger die Infor­ma­ti­on über den Sub­pri­me­An­teil der Invest­ments der Beklag­ten bei sei­ner Anla­ge­ent­schei­dung berück­sich­tigt hät­te.
Zu den in die­se Anla­ge­ent­schei­dung ein­zu­stel­len­den Markt­ver­hält­nis­sen gehör­te schon vor dem 26.07.2007 die – unstrei­ti­ge – Exis­tenz einer sub­stan­ti­el­len Kri­se auf dem Sub­pri­me­Markt sowie die gera­de des­we­gen schon erfolg­ten und der Beklag­ten bekann­ten objek­ti­ven Markt­re­ak­tio­nen.
Nach den unan­ge­grif­fe­nen und rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts wur­den näm­lich seit Mit­te Juli 2007 Sub­pri­mes von den Rating­Agen­tu­ren her­ab­ge­stuft. Es kamen Gerüch­te auf, denen zufol­ge die Beklag­te gera­de wegen ihres Enga­ge­ments auf dem USSub­pri­me­Markt ein sub­stan­ti­el­les Risi­ko tref­fe. Zugleich fiel der Akti­en­kurs der Beklag­ten, wäh­rend die Auf­schlä­ge auf die varia­ble Grund­ver­zin­sung der Beklag­ten (die sog. Bond-Spreads) wegen eines ver­mu­te­ten erhöh­ten Aus­fall­ri­si­kos stie­gen. Die Prei­se für von der Beklag­ten emit­tier­te Anlei­hen san­ken hin­ge­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund kann die wei­te­re Fest­stel­lung des Beru­fungs­ge­richts, dass das eige­ne Enga­ge­ment der Beklag­ten "nach damals gän­gi­gen Kri­te­ri­en nicht sehr ris­kant" und "der Anteil an Sub­pri­mes in den Port­fo­li­en nach damals gän­gi­ger Auf­fas­sung und Ein­schät­zung für das in dem kon­kre­ten Invest­ment lie­gen­de Risi­ko nicht von beson­de­rer Aus­sa­ge­kraft" gewe­sen sei, weil man sich an der Ein­schät­zung von Rating­Agen­tu­ren ori­en­tiert habe, jeden­falls nicht mehr für den Zeit­punkt der Pres­se­mit­tei­lung vom 20.07.2007 gel­ten, weil sie inso­weit über­holt ist.
Danach erhielt die Höhe des Sub­pri­me­En­ga­ge­ments ihre Kurs­re­le­vanz und damit auch ihren Cha­rak­ter als ver­öf­fent­li­chungs­pflich­ti­ge Insi­der­infor­ma­ti­on im Sin­ne von § 13 WpHG nicht – wie die Revi­si­ons­er­wi­de­rung mit ihrem Hin­weis auf die unge­fähr­de­te Boni­tät der Beklag­ten wohl gel­tend machen will – erst durch die kon­kre­te Wahr­schein­lich­keit eines bevor­ste­hen­den Markt­zu­sam­men­bruchs und einer der Beklag­ten dar­aus dro­hen­den Exis­tenz­kri­se, son­dern viel­mehr aus den schon Mit­te Juli 2007 erfolg­ten all­seits nega­ti­ven Markt­re­ak­tio­nen hin­sicht­lich der Sub­pri­mes. Ein ver­stän­di­ger Anle­ger – der auch irra­tio­na­le Reak­tio­nen ande­rer Markt­teil­neh­mer zu berück­sich­ti­gen hat 29 – hät­te daher bei einem der­art hoch­sen­si­blen Markt bereits seit Mit­te Juli 2007, spä­tes­tens jedoch am 20.07.2007 dem – vom Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­ten – Sub­pri­me­An­teil von 38,5% bei den eige­nen Invest­ments der Beklag­ten bzw. rund 90% bei denen der mit der Beklag­ten ver­bun­de­nen Zweck­ge­sell­schaf­ten ein erheb­li­ches Kurs­be­ein­flus­sungs­po­ten­ti­al zuge­schrie­ben. Damit kor­re­spon­diert auch der – eine nor­min­ter­pre­tie­ren­de Ver­wal­tungs­vor­schrift dar­stel­len­de 30 – Emit­ten­ten­leit­fa­den der BaFin 31, der zu den ver­öf­fent­li­chungs­pflich­ti­gen Insi­der­infor­ma­tio­nen u.a. den Aus­fall wesent­li­cher Schuld­ner und erheb­li­che außer­or­dent­li­che Auf­wen­dun­gen zählt.
Die jedem Emit­ten­ten im Rah­men des Tat­be­stands­merk­mals der Unver­züg­lich­keit (§ 15 Abs. 1 Satz 1 WpHG) zuzu­bil­li­gen­de Prüf­frist, ob tat­säch­lich eine Adhoc­Pu­bli­zi­täts­pflicht besteht 32, war jeden­falls am 20.07.2007 abge­lau­fen. Wie das Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt hat, wur­de an die­sem Tag vom Vor­stands­vor­sit­zen­den der Beklag­ten die Pres­se­mit­tei­lung gera­de wegen der Gerüch­te um eine sub­stan­ti­el­le Betrof­fen­heit der Beklag­ten von der USHy­po­the­ken­kri­se und zur Beru­hi­gung der ner­vö­sen Situa­ti­on ver­öf­fent­licht. Den­noch fin­den sich dort kei­ner­lei Anga­ben zur genau­en Höhe des Sub­prime-Anteils der von der Beklag­ten direkt oder indi­rekt getä­tig­ten Invest­ments.
Zwar wird unter Hin­weis auf eine Stu­die der Rating­agen­tur Moody’s ein­ge­räumt, von den "Unsi­cher­hei­ten im USHy­po­the­ken­markt" in einem ein­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich betrof­fen zu sein, sodann aber eine wei­te­re Stu­die von Stan­dard & Poor’s ange­führt, nach der die Beklag­te "in kei­ner­lei Hin­sicht" Aus­wir­kun­gen zu befürch­ten habe. Begrün­det wird dies im fol­gen­den Satz damit, dass den Schwer­punkt der Enga­ge­ments der Beklag­ten Invest­ments in Port­fo­li­en von Unter­neh­mens­kre­di­ten bil­de­ten. Abge­se­hen davon, dass nach dem oben Aus­ge­führ­ten gera­de der genaue Anteil der hoch markt­sen­si­blen Sub­pri­mes zu ver­öf­fent­li­chen gewe­sen wäre – der bei den unmit­tel­ba­ren Enga­ge­ments bei 38,5% lag – ver­mit­telt die­ser Nach­satz noch dazu den unzu­tref­fen­den Ein­druck, auch bei den mit­tel­ba­ren Enga­ge­ments betra­ge der Sub­pri­me­An­teil weit weni­ger als der kon­ser­va­ti­ver Invest­ments, wäh­rend er tat­säch­lich bei rund 90% lag.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Dezem­ber 2011 – XI ZR 51/​10 – OLG Düs­sel­dorf
Gesetz vom 28.10.2004, BGBl. I S. 2630 ff.[↩]
Mock/​Stoll/​Eufinger in KKWpHG, § 20a Rn. 427 ff.; Grund­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl. § 20a WpHG Rn. VI 156; Fuchs/​Dühn, BKR 2002, 1063, 1066; Alten­hain, BB 2002, 1874, 1875; Zio­u­vas, ZGR 2003, 113, 142; Ekken­ga, ZIP 2004, 781, 792; wohl auch Leisch, ZIP 2004, 1573, 1578[↩]
Vogel in Assmann/​Schneider, WpHG, 5. Aufl., § 20a Rn. 27 ff.; Möl­lers in Derleder/​Knops/​Bamberger, Hand­buch zum deut­schen und euro­päi­schen Bank­recht, 2. Aufl., § 69 Rn. 37; Fuchs/​Fleischer, WpHG, § 20a Rn. 154; MaierReimer/​Paschos in Habersack/​Mülbert/​Schlitt, Hand­buch der Kapi­tal­markt­in­for­ma­ti­on, § 29 Rn. 160; Schön­höft, Die Straf­bar­keit der Markt­ma­ni­pua­ti­on gemäß § 20a WpHG, 2006, S. 11 ff.; Eichel­ber­ger, Das Ver­bot der Markt­ma­ni­pu­la­ti­on ((§ 20a WpHG[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 18.11.2003 – VI ZR 385/​02, NJW 2004, 356, 357 und vom 22.06.2010 – VI ZR 212/​09, BGHZ 186, 58 Rn. 26, jeweils mwN[↩]
BGH, Urteil vom 22.06.2010 – VI ZR 212/​09, BGHZ 186, 58 Rn. 26, 29 zu § 34a Abs. 1 Satz 1 WpHG und BGH, Urteil vom 19.02.2008 – XI ZR 170/​07, BGHZ 175, 276 Rn. 18 mwN zu § 32 Abs. 2 Nr. 1 WpHG[↩]
BGH, Urteil vom 22.06.2010 – VI ZR 212/​09, BGHZ 186, 58 Rn. 27[↩]
BT-Drucks. 14/​8017 S. 1, 62; vgl. inso­weit auch BT-Drucks. 15/​3174 S. 1, 26 zum AnS­VG[↩]
BT-Drucks. 14/​8017 S. 62[↩]
BT-Drucks. 14/​8017 S. 64[↩]
BT-Drucks. 14/​8017 S. 89, 99[↩]
BT-Drucks. 14/​8017 S. 89, 98[↩]
BT-Drucks. 15/​3174 S. 1, 37[↩]
Markt­miss­brauch; ABl.2003 EG Nr. L 96/​03 S. 16[↩]
vgl. Grün­de (2), (11), (12), (15), (24), (34), (37) und (43) [↩]
BT-Drucks. 14/​8017 S. 64, 89[↩]
BVerfG, Beschluss vom 24.09.2002 – 2 BvR 742/​02, WM 2002, 2207, 2209[↩]
BGH, Urteil vom 19.07.2004 – II ZR 218/​03, BGHZ 160, 134, 139 f.[↩]
BT-Drucks. 14/​8017 S. 87[↩]
Flei­scher, NJW 2002, 2977, 2979: "Unter­las­sungs­sün­de"[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 19.02.2008 – XI ZR 170/​07, BGHZ 175, 276 Rn.20[↩]
BGH, Urtei­le vom 19.12.2006 – XI ZR 56/​05, BGHZ 170, 226 Rn. 18 und vom 19.02.2008 – XI ZR 170/​07, BGHZ 175, 276 Rn. 16[↩]
zu die­sem Kri­te­ri­um als Vor­aus­set­zung für die Aner­ken­nung einer Norm als Schutz­ge­setz i.S.v. § 823 Abs. 2 BGB: BGH, Urteil vom 22.06.2010 – VI ZR 212/​09, BGHZ 186, 58 Rn. 29[↩]
vgl. dazu auch Ass­mann in Assmann/​Schneider, WpHG, 5. Aufl., § 13 Rn. 7 f., 11; Paw­lik in KK-WpHG, § 13 Rn. 12, 23[↩]
BT-Drucks. 15/​3174 S. 34[↩]
vgl. BT-Drucks. 15/​3174 S. 33; Emit­ten­ten­leit­fa­den der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht, Stand 15.07.2005, S. 21; dazu Ass­mann in Assmann/​Schneider, WpHG, 5. Aufl., § 13 Rn. 43; Paw­lik in KK-WpHG, § 13 Rn. 39 f.[↩]
so auch die herr­schen­de Mei­nung, vgl. Ass­mann in Assmann/​Schneider, WpHG, 5. Aufl., § 13 Rn. 54 f.; Paw­lik in KK-WpHG, § 13 Rn. 42 f. jeweils mwN[↩]
Ass­mann in Assmann/​Schneider, WpHG, 5. Aufl., § 13 Rn. 55; Paw­lik in KK-WpHG, § 13 Rn. 42[↩]
Ass­mann in Assmann/​Schneider, WpHG, 5. Aufl., § 13 Rn. 58; Paw­lik in KK-WpHG, § 13 Rn. 87[↩]
vgl. Fuchs/​Mennicke/​Jakovou, WpHG, § 13 Rn. 142, 149[↩]
BGH, Urteil vom 25.02.2008 – II ZB 9/​07, WM 2008, 641 Rn. 24[↩]
Stand 15.07.2005, S. 43 f.[↩]
dazu Set­he in Assmann/​Schneider, WpHG, 5. Aufl., §§ 37b, 37c Rn. 43a; Ass­mann, ebd., § 15 Rn. 249; Möllers/​Leisch in KK-WpHG, §§ 37b, 37c Rn.200; Zimmer/​Grotheer in Schwark/​Zimmer, Kapi­tal­markt­rechts­kom­men­tar, 4. Aufl., § 37c WpHG Rn. 66; Fuchs/​Pfüller, WpHG, § 15 Rn. 261[↩]
MarktmanipulationSchutzgesetzUnerlaubte HandlungWertpapiermarkt

References: § 20
 § 823
 § 13
 § 15
 § 20
 § 823
 § 20
 § 823
 § 20
 § 20
 § 823
 § 823
 § 20
 § 15
 § 20
 § 20
 § 88
 § 20
 § 15
 § 20
 § 823
 § 15
 § 20
 § 826
 § 13
 § 13
 § 13
 § 15
 § 13
 § 13
 § 13
 § 20
 § 20
 § 20
 § 69
 § 20
 § 29
 § 20
 § 34
 § 32
 § 823
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 15
 § 37
 § 15