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Timestamp: 2017-05-24 09:54:00+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 6 AZR 49/12
Arbeitsgericht Frankfurt, Urteil vom 06.04.2011, 2 Ca 2422/10Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 31.10.2011, 17 Sa 761/11Nachgehend Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 08.06.2016, 1 BvR 3634/13
6 AZR 49/12 17 Sa 761/11Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt Im Na­men des Vol­kes!
2. Be­klag­te zu 2., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 2. und Re­vi­si­ons­be­klag­te zu 2.,
- 2 - hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 25. April 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gall­ner und Spel­ge so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lauth und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Döpfert für Recht er­kannt:
Behörden des öffent­li­chen Sek­tors, Vor­nah­me von Ein­stel­lun­gen im öffent­li­chen Sek­tor, zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer, die mit dem Un­ter­neh­men auf­grund ei­nes abhängi­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ver­bun­den sind so­wie zu­guns­ten der in dem Un­ter­neh­men auf Ho­no­rar­ba­sis beschäftig­ten Rechts­anwälte und Rechts­be­ra­ter, de­ren Verträge wie oben dar­ge­stellt auf­gelöst oder vorläufig außer Kraft ge­setzt wer­den, wo­bei Fälle der Ver­tragskündi­gung we­gen des Be­ge­hens ei­ner Straf­tat bzw. der Fol­ge des Be­ge­hens ei­nes schwe­ren Ver­s­toßes ge­gen die ver­trag­li­chen Pflich­ten aus­ge­nom­men sind. Eben­so können die auf­grund der vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Mi­nis­te­ri­al­be­schlüsse er­grif­fe­nen Maßnah­men bei Verträgen, die bis zu sechs Mo­na­te vor Be­ginn der Son­der­li­qui­da­ti­on des Un­ter­neh­mens, wie oben aus­geführt, auf­gelöst oder vorläufig außer Kraft ge­setzt wur­den, An­wen­dung fin­den....19. Bei Vor­lie­gen ei­nes trif­ti­gen Grun­des und ins­be­son­de­re in dem Fall, in dem der Li­qui­da­tor den in dem vor­lie­gen­den Ar­ti­kel dar­ge­leg­ten Ver­pflich­tun­gen und Fris­ten nicht nach­kommt, nimmt das Efe­teio [Be­ru­fungs­ge­richt] nach ei­nem von den un­ter Punkt 2 des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels fal­len­den Per­so­nen ge­stell­ten An­trag so­fort die Ab­set­zung des Li­qui­da­tors vor und er­nennt als neu­en die­je­ni­ge Per­son, die von den vor­ste­hend erwähn­ten Gläubi­gern gemäß Punkt 1 vor­ge­schla­gen wur­de.
- 7 - auch kei­ne Flug­ver­bin­dun­gen von, in und nach Deutsch­land an, be­dien­te je­doch seit 29. Sep­tem­ber 2009 ei­ni­ge der zu­vor von der Be­klag­ten zu 1. im Aus­land an­ge­bo­te­nen Flug­ver­bin­dun­gen. Die Be­klag­te zu 2. er­warb vom grie­chi­schen Staat die Li­zenz­rech­te an der Mar­ke „0". Der Flug­ha­fen­ko­or­di­na­tor hat­te ihr An­fang Sep­tem­ber 2009 auf ih­ren An­trag sog. Slots - dh. Zeit­ni­schen für das Star­ten und Lan­den - für den Flug­ha­fen in F von der Be­klag­ten zu 1. über­tra­gen. Die­se Slots wur­den ihr am 28. Sep­tem­ber 2009 wie­der ent­zo­gen, weil in­zwi­schen be­kannt ge­wor­den war, dass sie kei­ne Flüge von und nach Deutsch­land an­bie­ten würde. Die Slots wur­den ei­ner an­de­ren Flug­ge­sell­schaft zu­ge­wie­sen.
- 8 - aus­gleich schei­ter­ten, der So­zi­al­plan vom 4. De­zem­ber 2009 kam durch Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le zu­stan­de.
- 10 - gang der An­zei­ge bei der zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit nur mit de­ren Zu­stim­mung wirk­sam; die Zu­stim­mung kann auch rück­wir­kend bis zum Tag der An­trag­stel­lung er­teilt wer­den (§ 18 Abs. 1 KSchG).
Ih­re An­zei­ge ist am 17.12.09 rechts­wirk­sam ein­ge­gan­gen. Ab die­sem Zeit­punkt dürfen Ih­rer­seits Kündi­gun­gen aus-ge­spro­chen wer­den.Die Sperr­zeit vom 18.12.09 bis 17.01.10 re­gelt, dass kein Ar­beits­verhält­nis vor dem 18.01.10 en­den darf. Ih­rer An­zei­ge kann ich er­se­hen, dass die ers­ten Be­en­di­gun­gen ab 31.03.10 vor­ge­se­hen sind. Da die Sperr­zeit aber be­reits am 17.01.10 en­det, muss ei­ne Verkürzung die­ser nicht er­fol­gen. Ich se­he ih­ren An­trag hier­mit als ge­gen­stands­los an."
- 12 - Fir­ma E S.A., ge­setz­lich ver­tre­ten durch den Vor­stand, Athen, Hel­las, als Son­der­li­qui­da­tor über das Vermögen der ,Fir­ma 0 S.A.' nach OLG Athen, Ur­teil 5714/2009, Herrn Rechts­an­walt G
Rechts­an­walt G kündig­te auch al­le an­de­ren Ar­beits­verhält­nis­se der Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten zu 1. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.Mit nicht un­ter­zeich­ne­tem Te­le­fax vom 1. April 2010, das in vollständi­ger Form am Abend des 6. April 2010 - dem Diens­tag nach Os­tern - beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist und 109 Sei­ten um­fasst, hat sich die Kläge­rin ge­gen die Kündi­gung ge­wandt. Das vom frühe­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin un­ter­schrie­be­ne Ori­gi­nal der Kla­ge­schrift vom 1. April 2010 ist am 8. April 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen. In der Kla­ge­schrift ist als Be­klag­te die „E S.A. ... als Son­der­li­qui­da­tor über das Vermögen der Fir­ma 0 S.A." an­ge­ge­ben. Der Kla­ge­schrift sind ua. Ab­lich­tun­gen des Kündi­gungs­schrei­bens vom 10. März 2010 und der zu­guns­ten von Rechts­an­walt G er­teil­ten Voll­macht vom 11. De­zem­ber 2009 bei­gefügt. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kläge­rin und die Be­klag­te zu 1. un­ter dem 25. Ju­ni 2010 auf die feh­len­de Un­ter­schrift auf dem zunächst ein­ge­gan­ge­nen Te­le­fax der Kla­ge­schrift hin­ge­wie­sen. Die­ser Hin­weis ist der Kläge­rin und der Be­klag­ten zu 1. am 29. Ju­ni 2010 zu­ge­stellt wor­den. Die Kläge­rin hat mit am sel­ben Tag beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz vom 2. Ju­li 2010 be­an­tragt, die Kla­ge nachträglich zu­zu­las­sen. Die­ser An­trag ist der Be­klag­ten zu 1. am 9. Ju­li 2010 zu­ge­stellt wor­den. Der da­ma­li­ge Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin hat den An­trag mit ei­nem im Ein­zel­nen dar­ge­stell­ten Büro­ver­se­hen sei­ner langjähri­gen Kanz­lei­an­ge­stell­ten K be­gründet und ihm ei­ne ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung die­ser Rechts­an­walts-und No­ta­ri­ats­fach­an­ge­stell­ten bei­gefügt. Frau K hat­te das Te­le­fax der Kla­ge­schrift im Auf­trag des frühe­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin ver­sandt.
C. Die ge­gen die Be­klag­te zu 1. ge­rich­te­te Kla­ge ist un­be­gründet. I. Die O S.A. als Schuld­ne­rin ist, ver­tre­ten durch die E S.A. als Son­der­li­qui­da­to­rin, als Be­klag­te zu 1. pas­siv­le­gi­ti­miert. Die Aus­wir­kun­gen der Be­stel­lung der E S.A. zur Son­der­li­qui­da­to­rin über das Vermögen der Be­klag­ten zu 1. als Schuld­ne­rin so­wie ih­re Be­fug­nis­se und ih­re Rechts­stel­lung als Li­qui­da­to­rin be­ur­tei­len sich nach grie­chi­schem Recht. Das gilt un­abhängig da­von, ob das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren ein In­sol­venz­ver­fah­ren iSv. Art. 2 Buchst. a Eulns-VO ist. Der Se­nat muss­te den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on da­her nicht nach Art. 267 Abs. 3 AEUV um Vor­ab­ent­schei­dung er­su­chen, um die Fra­ge zu klären.
- 23 - die grie­chi­sche Ver­fas­sung ver­s­toßen soll­te. Mit dem deut­schen ord­re pu­blic ist ei­ne Ent­schei­dung nicht schon dann un­ver­ein­bar, wenn der deut­sche Rich­ter - hätte er über die Fra­ge ent­schie­den - auf­grund zwin­gen­den deut­schen Rechts zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis ge­kom­men wäre. Maßgeb­lich ist viel­mehr, ob das Er­geb­nis der An­wen­dung des ausländi­schen Rechts zu den Grund­ge­dan­ken der deut­schen Re­ge­lun­gen und den in ih­nen ent­hal­te­nen Ge­rech­tig­keits­vor­stel­lun­gen in so star­kem Wi­der­spruch steht, dass es nach inländi­scher Vor­stel­lung un­trag­bar er­scheint (vgl. BGH 16. Sep­tem­ber 1993 - IX ZB 82/90 - zu B 15 der Gründe, BGHZ 123, 268). Für den deut­schen ord­re pu­blic kommt es nicht auf das grie­chi­sche, son­dern auf das deut­sche Recht an. Und auch in­so­weit ist der Ver­s­toß ge­gen ei­ne Vor­schrift mit Ver­fas­sungs­rang für sich al­lein noch kei­ne Ver­let­zung des deut­schen ord­re pu­blic, so­lan­ge kein Grund­recht des Be­trof­fe­nen berührt wird (vgl. BGH 16. Sep­tem­ber 1993 - IX ZB 82/90 - zu B 15 b der Gründe, aaO).
- 25 - Recht an­ge­nom­men, dass es sich al­len­falls um ein An­lass­ge­setz han­delt. Die Re­ge­lung ist abs­trakt for­mu­liert und be­zieht sich auf ei­ne nicht ab­sch­ließend be­stimm­te Zahl öffent­li­cher Un­ter­neh­men. Das zeigt die von der Kläge­rin zi­tier­te Par­la­ments­de­bat­te über die Gel­tung für an­de­re öffent­li­che Un­ter­neh­men (sog. D.E.K.O.). Der Um­stand, dass die Re­ge­lung auf sie der­zeit nicht an­zu­wen­den ist, be­deu­tet nicht, dass künf­ti­ge An­wen­dungsfälle bei ei­ner veränder­ten wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen sind. Nur dann wäre un­ge­ach­tet der abs­trakt-ge­ne­rel­len For­mu­lie­rung ein ver­deck­tes Ein­zel­fall­ge­setz an­zu­neh­men (vgl. BVerfG 2. März 1999 - 1 BvL 2/91 - zu C 112 der Gründe, BVerfGE 99, 367).
- 26 - des Ge­set­zes 3429/2005 nicht vollständig aus­ge­nom­men. Ihr An­trags­recht ist we­gen des Quo­rums der öffent­li­chen Hand le­dig­lich be­schränkt. Das löst den Aus­nah­me­tat­be­stand ei­nes Ver­s­toßes ge­gen den deut­schen ord­re pu­blic nicht aus.
- 29 - Buchst. m Eu­Ins­VO re­gelt das Recht des Staats der Ver­fah­ren­seröff­nung, wel­che Rechts­hand­lun­gen nich­tig, an­fecht­bar oder re­la­tiv un­wirk­sam sind, weil sie die Ge­samt­heit der Gläubi­ger be­nach­tei­li­gen. § 339 In­sO be­stimmt, dass ei­ne Rechts­hand­lung an­ge­foch­ten wer­den kann, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der In­sol­venz­an­fech­tung nach dem Recht des Staats der Ver­fah­ren­seröff­nung erfüllt sind, es sei denn, der An­fech­tungs­geg­ner weist nach, dass für die Rechts­hand­lung das Recht ei­nes an­de­ren Staats maßge­bend und die Rechts­hand­lung nach die­sem Recht in kei­ner Wei­se an­greif­bar ist. Das deut­sche Recht ak­zep­tiert da­mit feh­len­de An­fech­tungsmöglich­kei­ten.
- 30 - Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin deut­sches Recht an­zu­wen­den ist, das mit dem Grund­ge­setz in Ein­klang steht.
- 33 - aa) Der Se­nat kann of­fen­las­sen, ob für den Be­ginn der Frist nach § 4 Satz 1 KSchG auf den Zu­gang der Kündi­gung am 12. März 2010 oder nach § 4 Satz 4 KSchG auf die Be­kannt­ga­be des Be­scheids des Re­gie­rungs­präsi­di­ums Darm­stadt vom 2. März 2010 ab­zu­stel­len ist. Die Kla­ge­frist be­gann in bei­den Fällen am 12. März 2010 (vgl. BAG 9. Fe­bru­ar 2011 - 7 AZR 221/10 - Rn. 21, BA­GE 137, 113; 19. Fe­bru­ar 2009 - 2 AZR 286/07 - Rn. 23, 27; 13. Fe­bru­ar 2008 - 2 AZR 864/06 - Rn. 46, 48, BA­GE 125, 345; s. auch 23. Fe­bru­ar 2010 - 2 AZR 659/08 - Rn. 16, BA­GE 133, 249). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat un­an­ge­grif­fen fest­ge­stellt, dass der Zu­gang der Kündi­gung und die Be­kannt­ga­be des Be­scheids, mit dem die Kündi­gung nach § 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG für zulässig erklärt wur­de, zeit­gleich er­folg­ten. Zu wel­chem der bei­den Er­eig­nis­se es zu­min­dest ei­ne lo­gi­sche Se­kun­de früher kam, ist für den Be­ginn der Kla­ge­frist am 12. März 2010 un­er­heb­lich (§ 222 Abs. 1 ZPO, § 187 Abs. 1 BGB).
- 34 - aa) Nach § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG ist ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge nachträglich zu­zu­las­sen, wenn der Ar­beit­neh­mer nach er­folg­ter Kündi­gung trotz An­wen­dung al­ler ihm nach La­ge der Umstände zu­zu­mu­ten­den Sorg­falt ver­hin­dert war, die Kla­ge recht­zei­tig zu er­he­ben.
(1) Der Zu­las­sungs­an­trag ist zulässig. (a) Die Fris­ten des § 5 Abs. 3 KSchG sind ein­ge­hal­ten.
- 35 - (bb) Die sechs­mo­na­ti­ge Frist des § 5 Abs. 3 Satz 2 KSchG ist ein­ge­hal­ten. Sie be­gann mit dem En­de der Kla­ge­frist des § 4 KSchG am 6. April 2010 (§ 222 Abs. 1 und Abs. 2 ZPO, § 187 Abs. 1, § 188 Abs. 2 Alt. 1, § 193 BGB). Sie en­de­te am 6. Ok­to­ber 2010 (vgl. BAG 28. Ja­nu­ar 2010 - 2 AZR 985/08 - Rn. 10 f., BA­GE 133, 149). Der am 2. Ju­li 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­ne und der Be­klag­ten zu 1. am 9. Ju­li 2010 zu­ge­stell­te Zu­las­sungs­an­trag wahr­te da­mit die Sechs­mo­nats­frist des § 5 Abs. 3 Satz 2 KSchG.
- 36 - (a) Die Kläge­rin hat mit Schrift­satz ih­res da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 2. Ju­li 2010 dar­ge­legt, die­ser ha­be die Kla­ge­schrift am 1. April 2010 ge­fer­tigt. Er ha­be die seit vie­len Jah­ren in Voll­zeit bei ihm beschäftig­te Kanz­lei­an­ge­stell­te K ge­be­ten, dem Ar­beits­ge­richt den zwei­sei­ti­gen Schrift­satz vor­ab per Te­le­fax zu über­mit­teln und ihn da­nach mit dem um­fang­rei­chen An­la­gen­kon­vo­lut mit nor­ma­ler Post zu ver­sen­den. In der Ak­te sei für die Te­le­faxüber­mitt­lung ei­ne wei­te­re un­ter­zeich­ne­te Fas­sung der Kla­ge­schrift zurück­be­hal­ten wor­den. Der frühe­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin sei in der Fol­ge ver­reist und am 11. April 2010 zurück­ge­kehrt. Frau K ha­be ihn nach sei­ner Rück­kehr darüber in­for­miert, dass sie die Kla­ge­schrift am 1. April 2010 per Te­le­fax nicht mehr er­folg­reich ha­be ver­sen­den können. Sie ha­be meh­re­re St­un­den ver­sucht, den Schrift­satz zu über­mit­teln, je­doch kei­ne po­si­ti­ve Rück­bestäti­gung im Sen­de­pro­to­koll er­hal­ten. Ständig sei­en Feh­ler­mel­dun­gen ein­ge­gan­gen. Sie ha­be des­we­gen am 6. April 2010, dem Tag des Frist­ab­laufs, bei der Geschäfts­stel­le des Ar­beits­ge­richts an­ge­ru­fen und nach­ge­fragt, ob der Schrift­satz dort im Ori­gi­nal ein­ge­gan­gen sei. Nach­dem das ver­neint wor­den sei, ha­be sie dem Ar­beits­ge­richt den Schrift­satz am 6. April 2010 - nun er­folg­reich - per Te­le­fax über­sandt und ver­se­hent­lich ei­ne nicht un­ter­schrie­be­ne Fas­sung ver­wandt. Der da­ma­li­ge Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin hat fer­ner aus­geführt, Frau K sei sonst ab­so­lut zu­verlässig. Er könne sich nicht er­in­nern, wann ihr zu­vor je­mals ein sol­cher Feh­ler pas­siert sei.
- 37 - (aa) Das Ver­schul­den ei­nes (Pro­zess-)Be­vollmäch­tig­ten an der Versäum­ung der Kla­ge­frist ist dem Ar­beit­neh­mer nach § 85 Abs. 2 ZPO zu­zu­rech­nen (vgl. BAG 22. März 2012 - 2 AZR 224/11 - Rn. 41; 28. Mai 2009 - 2 AZR 548/08 - Rn. 18; 11. De­zem­ber 2008 - 2 AZR 472/08 - Rn. 23 ff., BA­GE 129, 32). Ein Ar­beit­neh­mer, der sich zur Kla­ge­er­he­bung ei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten be­dient, haf­tet dem­ge­genüber nicht für das Ver­schul­den von Hilfs­per­so­nen sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten. Ein Rechts­an­walt darf ein­fa­che Ver­rich­tun­gen, die kei­ne ju­ris­ti­sche Schu­lung ver­lan­gen, sei­nem ge­schul­ten und zu­verlässi­gen Büro­per­so­nal zur selbständi­gen Er­le­di­gung über­tra­gen. Ver­se­hen die­ses Per­so­nals, die nicht auf ei­ge­nes Ver­schul­den des Rechts­an­walts zurück­zuführen sind, hat die Par­tei nicht zu ver­tre­ten. Sol­che ein­fa­chen Tätig­kei­ten sind die Über­prüfung be­stim­men­der Schriftsätze auf die er­for­der­li­che Un­ter­schrift und das Ab­sen­den ei­nes Te­le­fa­xes. Der Rechts­an­walt muss al­ler­dings durch ei­ne all­ge­mei­ne An­wei­sung Vor­sor­ge dafür ge­trof­fen ha­ben, dass bei nor­ma­lem Lauf der Din­ge Frist­versäum­nis­se we­gen feh­len­der Un­ter­schrift ver­mie­den wer­den (vgl. BVerfG 14. De­zem­ber 2001 - 1 BvR 1009/01 - zu B 12 a der Gründe mwN). Den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten darf kein ei­ge­nes Or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den an der Frist­versäum­ung tref­fen, et­wa bei der Aus­wahl oder Über­wa­chung der Hilfs­per­son (vgl. BAG 28. Mai 2009 - 2 AZR 548/08 - Rn. 19).
- 38 - Wer­tungs­spiel­raum ge­hal­ten (vgl. BAG 22. März 2012 - 2 AZR 224/11 - Rn. 36).
- 43 - zur Fol­ge, dass die Be­klag­te zu 1. Kündi­gun­gen gekündig­ten Per­so­nen nicht ent­ge­gen­hal­ten könne. Ei­ne sog. Bestäti­gung der Kündi­gung ha­be den Man­gel nach grie­chi­schem Recht nicht hei­len können.
- 44 - er­ho­ben hat. Auf die Fra­ge der Ge­neh­mi­gung der Kündi­gung ist deut­sches Recht an­zu­wen­den.
- 45 - nah­me des Rechts­geschäfts zurück (vgl. BAG 6. Sep­tem­ber 2012 - 2 AZR 858/11 - aaO). Will der Erklärungs­geg­ner die­se Rechts­fol­ge ab­wen­den, muss er die Ver­tre­tungs­macht un­verzüglich iSv. § 174 Satz 1, § 121 Abs. 1 Satz 1 BGB rügen (vgl. BAG 11. De­zem­ber 1997 - 8 AZR 699/96 - zu B I der Gründe). Ge­schieht das nicht, ist die Kündi­gung dem Ar­beit­ge­ber mit Zu­gang der Ge­neh­mi­gung beim Ar­beit­neh­mer zu­zu­rech­nen (vgl. BAG 6. Sep­tem­ber 2012 - 2 AZR 858/11 - aa0; 26. März 2009 - 2 AZR 403/07 - Rn. 21 mwN).
- 47 - ein­tre­ten. Re­gelmäßig ermögli­chen oder ver­hin­dern sie den Ein­tritt ge­setz­lich an­ge­ord­ne­ter Fol­gen des Tätig­wer­dens oder Untätig­blei­bens (vgl. BAG 11. Ju­ni 2002 - 1 ABR 43/01 - zu B IV 1 b cc der Gründe, BA­GE 101, 298; s. zB auch 1. Ju­ni 2011 - 7 ABR 138/09 - Rn. 48; 10. März 2009 - 1 ABR 93/07 - Rn. 33, BA­GE 130, 1). In ers­ter Li­nie han­delt es sich da­bei um Auf­for­de­run­gen und Mit­tei­lun­gen, die auf Ansprüche oder Rechts­verhält­nis­se Be­zug neh­men und viel­fach im Be­wusst­sein der da­durch aus­gelösten Rechts­fol­gen aus­ge­spro­chen wer­den, je­doch nicht un­mit­tel­bar auf den Ein­tritt die­ser Rechts­fol­gen ge­rich­tet sind oder ge­rich­tet sein müssen (vgl. BGH 17. Ok­to­ber 2000 - X ZR 97/99 - zu II 1 b bb der Gründe, BGHZ 145, 343).
b) Die Kläge­rin hat die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Über­gangs des Be­triebs(-teils) der Be­klag­ten zu 1. in F auf die Be­klag­te zu 2. nicht dar­ge­legt.aa) Ein Be­triebs- oder Be­triebs­teilüber­gang iSv. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ver­langt, dass die Iden­tität der be­tref­fen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit ge­wahrt bleibt. Ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit be­steht aus ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ge­samt­heit von Per­so­nen und/oder Sa­chen, die auf Dau­er an­ge­legt wirt­schaft­li­che Tätig­keit mit ei­ge­ner Ziel­set­zung ausüben soll.
Fi­scher­mei­erGall­nerSpel­geLauthDöpfert
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References: Art. 2
 Art. 267
 BGH 
 BGH 
 § 339
 § 4
 § 4
 § 18
 § 187
 § 5
 § 5
 § 5
 § 4
 § 187
 § 188
 § 193
 § 5
 § 85
 § 174
 § 121
 BGH 
 § 613