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Timestamp: 2017-09-24 20:02:41+00:00

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BGH, 04.11.2010 - 4 StR 374/10 - Annahme von drei selbstständigen und real konkurrierenden Taten der Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger bei Gestattung der Ausübung einer Prostitutionstätigkeit im tätereigenen, als Tagesbordell organisierten Bordellbetrieb | anwalt24.de
Beschl. v. 04.11.2010, Az.: 4 StR 374/10
Annahme von drei selbstständigen und real konkurrierenden Taten der Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger bei Gestattung der Ausübung einer Prostitutionstätigkeit im tätereigenen, als Tagesbordell organisierten Bordellbetrieb
Referenz: JurionRS 2010, 28215
Aktenzeichen: 4 StR 374/10
LG Essen - 29.04.2010
§ 180 Abs. 2 Alt. 2 StGB
NStZ-RR 2011, 79-80
Erschöpft sich der Tatbeitrag des Angeklagten in einer Handlung, die für mehrere sexuellen Handlungen des Opfers während eines längeren Tatzeitraums ursächlich ist, stellt sich das Tun des Angeklagten als einheitliche Tat nach § 180 Abs. 2 2. Alt. StGB dar.
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Essen vom 29. April 2010 dahin geändert, dass der Angeklagte wegen Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger zu der Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt wird, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt ist.
Die Annahme von drei selbständigen, real konkurrierenden Taten der Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger gemäß § 180 Abs. 2 2. Alt. StGB hält einer rechtlichen Prüfung nicht stand. Die Strafkammer hat das nach § 180 Abs. 2 2. Alt. StGB tatbestandsmäßige Vorschubleisten durch Vermittlung (vgl. BGH, Urteil vom 10. März 1998 - 1 StR 745/97, BGHR StGB § 180 Abs. 2 Bestimmen 1; KG, NJW 1977, 2223, 2225 [KG Berlin 16.03.1977 - (1) Ss 440/76 (172/76)]; Perron/Eisele in Schönke/Schröder, StGB, 28. Aufl., § 180 Rn. 8; Hörnle in LK, StGB, 12. Aufl., § 180 Rn. 16 f.; MünchKommStGB/Renzikowski § 180 Rn. 29) zutreffend darin gesehen, dass der Angeklagte dem 17jährigen Tatopfer auf Betreiben des gesondert Verfolgten P. die Ausübung einer Prostitutionstätigkeit in seinem als Tagesbordell organisierten Bordellbetrieb gestattete, wodurch die zu entgeltlichen sexuellen Handlungen führenden Kontakte zwischen dem Tatopfer und den das Bordell aufsuchenden Freiern hergestellt wurden. In dieser Handlung erschöpfte sich aber der Tatbeitrag des Angeklagten, der für sämtliche sexuellen Handlungen während der an drei Tagen im Tatzeitraum entfalteten Prostitutionsausübung des Tatopfers ursächlich war. Weitere konkrete Vermittlungstätigkeiten des Angeklagten, welche sich auf die Kontakte zu einzelnen Freiern bezogen, hat die Strafkammer nicht festgestellt. Das Tun des Angeklagten stellt sich daher als einheitliche Tat nach § 180 Abs. 2 2. Alt. StGB dar (vgl. BGH, Urteil vom 20. September 1996 - 2 StR 289/96, insoweit in NStZ 1997, 145 nicht abgedruckt).
Da ergänzende tatsächliche Feststellungen, welche eine andere Beurteilung der Konkurrenzfrage rechtfertigen könnten, nicht zu erwarten sind, ändert der Senat den Schuldspruch entsprechend. § 265 StPO steht nicht entgegen, weil sich der Angeklagte gegen den geänderten Schuldvorwurf nicht wirksamer als geschehen hätte verteidigen können. Die Änderung des Schuldspruchs führt zum Wegfall der drei Einzelstrafen. Die von der Strafkammer festgesetzte Gesamtstrafe kann dagegen in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO als Strafe für die einheitliche Tat bestehen bleiben. Der Senat kann ausschließen, dass der Tatrichter bei zutreffender Bewertung des Konkurrenzverhältnisses, die den Unrechts- und Schuldgehalt der von dem Angeklagten begangenen Tat unberührt lässt (vgl. BGH, Beschluss vom 9. Mai 2010 - 4 StR 592/09), auf eine niedrigere Freiheitsstrafe erkannt hätte.

References: § 180
 § 180
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 § 180
 § 180
 § 180
 § 265
 § 354