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Timestamp: 2017-02-21 09:48:35+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 14 Sa 18/06
Bonus, Gehalt: Bonus
Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt Ak­ten­zei­chen:14 Sa 18/06 16 Ca 4941/05 Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main Verkündet laut Pro­to­koll am 04. Mai 2006
An­ge­stell­teUr­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
Be­ru­fungskläger und KlägerPro­zess­be­vollmäch­tigt.: Geschäfts­zei­chen
Be­ru­fungs­be­klag­te und Be­klag­tePro­zess­be­vollmäch­tigt.: Geschäfts­zei­chen
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 04. Mai 2006 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt als Vor­sit­zen­den
Der An­spruch auf Zah­lung ei­nes Bo­nus entfällt, wenn Sie am 01. April des Aus­zah­lungs­jah­res nicht mehr in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis mit un­se­rem Hau­se ste­hen.Bei Be­ginn des Ver­trags­verhält­nis­ses im Lau­fe ei­nes Ka­len­der­jah­res wer­den al­le Vergütun­gen zeit­an­tei­lig be­rech­net.„
Die mit der Be­ru­fung vor­ge­brach­ten An­grif­fe, mit de­nen der Kläger sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen ver­tieft, recht­fer­ti­gen kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung. Im Ein­zel­nen gilt Fol­gen­des:1.Ent­spre­chend der durch das Ar­beits­ge­richt vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung han­delt es sich bei der strei­ti­gen Zah­lung nicht um ei­ne rei­ne Bo­nus­re­ge­lung, son­dern um ei­ne Zah­lung mit Misch­cha­rak­ter. An­knüpfend an die ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kommt es bei der Be­ur­tei­lung der Rechts­qua­lität ei­ner Son­der­vergütung nicht auf de­ren Be­zeich­nung an, son­dern dar­auf, wie die Ver­trags­par­tei­en im Ar­beits­ver­trag die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen fest­ge­legt ha­ben. Er­kenn­bar ver­folgt der Ar­beit­ge­ber mit der Son­der­zah­lung nicht al­lein nur ei­ne mögli­che Be­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers am Geschäfts­er­geb­nis - dies in Form von 40% der Son­der­zah­lung, die an das je­wei­li­ge Geschäfts­er­geb­nis des Be­reichs an­knüpft so­wie fer­ner der Ho­no­rie­rung der Leis­tung, wo­bei dies durch den 60%igen An­teil der Son­der­zah­lung aus­ge­drückt wird, der der Bo­nus­re­ge­lung auf der Grund­la­ge der mit dem Kläger ge­schlos­se­nen Ziel­ver­ein­ba­rung zu­grun­de liegt. Hin­zu kommt, wie aus dem Ar­beits­ver­trag er­sicht­lich, auch der Gra­ti­fi­ka­ti­ons­cha­rak­ter der Zah­lung, der in der Stich­tags­re­ge­lung zum Aus­druck kommt. An­spruchs­vor­aus­set­zung ist in­so­weit ein un­gekündig­tes Ar­beits­verhält­nis am 01. April des Aus­zah­lungs­jah­res. Mit der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Ur­teil vom 17.04.1996 - 10 AZR 558/95 - Ju­ris) so­wie an­sch­ließend der Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 28.11.2001 (7 Sa 1517/01) kommt es in­so­weit nicht auf die Ver­wen­dung des Be­griffs „Bo­nus„ an, son­dern auf die in der Ver­ein­ba­rung fest­ge­leg­ten An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen, die den Gra­ti­fi­ka­ti­ons­cha­rak­ter deut­lich ma­chen.
2.1Grundsätz­lich geht das Ge­richt - dem Vor­trag des Klägers fol­gend - da­von aus, dass das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB auf den vor­lie­gen­den Ver­trag an­zu­wen­den ist. Es han­delt sich bei dem Ar­beits­ver­trag des Klägers um vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gun­gen im Sinn des § 305 Abs. 1 BGB. Unschädlich ist in­so­weit, wenn ein­zel­ne Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges, so mögli­cher­wei­se die Re­ge­lung über die Höhe des Ge­halts oder die Zah­lung ei­nes leis­tungs­abhängi­gen Bo­nus im ers­ten Jahr der Be­triebs­zu­gehörig­keit, ein­zeln aus­ge­han­delt wur­den. Die fol­gen­den Re­ge­lun­gen, so die Be­stim­mun­gen über die Frei­wil­lig­keit der Bo­nus­zah­lung, die Re­ge­lung über den Stich­tag so­wie die an­tei­li­ge Vergütungs­re­ge­lung für ei­ne un­terjähri­ge Beschäfti­gung, tau­chen je­doch in Ar­beits­verträgen auf , die die Be­klag­te übli­cher­wei­se für die­sen Per­so­nen­kreis ver­wen­det. Dies ist ge­richts­be­kannt. In­so­weit ist zu über­prüfen, ob gem. § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung dar­aus fol­gen kann, dass ei­ne Be­stim­mung in den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht klar und verständ­lich ist.
2.2Die hier strei­ti­ge Re­ge­lung ist je­doch auch für ju­ris­ti­sche Lai­en nach­voll­zieh­bar und deut­lich. Zwar wird, so­weit es die Bo­nus­zah­lung be­trifft, auf ei­ne bei der Be­klag­ten übli­che Bo­nus­re­ge­lung Be­zug ge­nom­men, die selbst nicht In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges ist. Ent­schei­dend ist je­doch, dass die maßgeb­li­che Fra­ge des un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis­ses an ei­nem be­stimm­ten Stich­tag aus­rei­chend klar und über­sicht­lich so­wie sys­te­ma­tisch un­ter den Vergütungs­be­stim­mun­gen des Ver­tra­ges auf­geführt ist, we­der ist sie an ver­steck­ter Stel­le ge­re­gelt noch un­verständ­lich. Zwar mag es sein, dass die Zah­lung ei­nes Bo­nus in der Re­gel nicht vom Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Stich­ta­ges abhängig ge­macht wird, son­dern al­len­falls mit ei­nem Fällig­keits­da­tum ver­bun­den wird. Je­doch schei­det bei der Ver­trags­ge­stal­tung auch ei­ne Ver­wechs­lung mit ei­nem Fällig­keits­da­tum aus, da die Fällig­keit im vor­her­ge­hen­den Ab­satz ge­re­gelt wird, wenn dort das Frühjahr des Fol­ge­jah­res als Aus­zah­lungs­zeit­punkt be­stimmt wird.
3.Die im Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­ne Re­ge­lung stellt auch kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers im Sin­ne des § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB dar.
3.1Dem Kläger fol­gend ist die im Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­ne Re­ge­lung in­halt­lich am Maßstab des § 307 BGB dar­auf­hin zu über­prüfen, ob ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners vor­liegt. In­so­weit kann al­ler­dings weit­ge­hend auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zurück­ge­grif­fen wer­den, die die Ver­ein­bar­keit der­ar­ti­ger Stich­tags­re­ge­lun­gen mit dem Rechts­ge­dan­ken des § 622 Abs. 6 BGB so­wie mit Art. 12 GG über­prüft und er­kannt hat, dass Stich­tags­re­ge­lun­gen mit den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen nicht kol­li­die­ren.
3.2Ge­gen­stand der Über­prüfung ist ins­be­son­de­re, ob ei­ne be­stimm­te Re­ge­lung zu ei­ner übermäßig lan­gen Bin­dungs­dau­er führt. Wann ei­ne sol­che lan­ge Bin­dung an­ge­nom­men wer­den kann, hängt nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts von den Umständen des Ein­zel­falls ab.
a) Da­bei ist grundsätz­lich auf un­ter­schied­li­che Aus­wir­kun­gen ei­ner Stich­tags­re­ge­lung ge­genüber ei­ner Rück­zah­lungs­re­ge­lung ab­zu­stel­len.Im Un­ter­schied zu ei­ner Rück­zah­lungs­klau­sel bin­det ei­ne Stich­tags­klau­sel ei­nen Ar­beit­neh­mer in ge­rin­ge­rem Um­fang. Die Rück­zah­lungs­klau­sel be­deu­tet für den Ar­beit­neh­mer, dass er ei­ne be­reits er­hal­te­ne Vergütung wie­der zurück­zah­len muss, während ei­ne Stich­tags­re­ge­lung außer­halb des Be­zugs­zeit­raums le­dig­lich ei­ne Vergütungs­er­war­tung zu­nich­te macht. Hin­zu kommt, dass häufig die­se Vergütungs­er­war­tung der Höhe nach noch nicht ab­sch­ließend geklärt ist, son­dern - wie im Fall des Klägers auch - noch von ei­ner Be­ur­tei­lung der Leis­tung durch denAr­beit­ge­ber abhängig ist. Eben­so ist häufig un­be­kannt, wie sich das Geschäfts­er­geb­nis dar­stellt. Vor dem Hin­ter­grund die­ser grundsätz­lich un­ter­schied­li­chen Funk­tio­nen und Vor­aus­set­zun­gen lehnt auch die Recht­spre­chung ei­ne Gleich­stel­lung von Bin­dungs­klau­seln mit Stich­tags­re­ge­lun­gen ei­ner­seits und Rück­zah­lungs­klau­seln an­de­rer­seits ab (BAG, Ur­teil vom 30.11.1989 - 6 AZR 21/88 - Ju­ris).
3.3Be­den­ken be­ste­hen auch nicht in­so­weit, als der va­ria­ble und vom Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses abhängi­ge Vergütungs­be­stand­teil ei­ne der­ar­ti­ge Höhe er­reicht, dass dies al­lein schon zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Kündi­gungs­er­schwe­rung führt. Zunächst ist der Kläger mit ei­nem Grund­ge­halt in Höhe von € 4.600,00 mo­nat­lich ab­ge­si­chert. Der zu er­war­ten­de Bo­nus - je­den­falls so­weit es den Stan­dard­bo­nus be­trifft - stellt nicht den we­sent­li­chen Teil der Vergütung dar. Auch in­so­weit liegt durch ei­ne Stich­tags­re­ge­lung kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers vor. Mit der Recht­spre­chung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (vgl. Ur­teil vom 23.01.2006 - 7 Sa 786/05) lie­gen selbst dann kei­ne Be­den­ken ge­gen ei­ne der­ar­ti­ge Re­ge­lung vor,
4.Auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Re­ge­lung des §§ 305 ff. BGB, ins­be­son­de­re nach Durchführung ei­ner In­halts­kon­trol­le gem. § 307 BGB, er­weist sich die Re­ge­lung als zulässig - dies in Übe­rein­stim­mung mit der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts.
Im Hin­blick auf die grundsätz­li­chen Fra­gen, ins­be­son­de­re die Übe­rein­stim­mung der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung mit §§ 305 ff. BGB war die Re­vi­si­on gem. § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen.	m.hensche.de
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References: § 307
 § 305
 § 307
 § 307
 § 307
 § 622
 Art. 12
 § 307
 § 72