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Timestamp: 2017-10-24 07:36:20+00:00

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User:Austrian Atrocities/Nationalrat
Dringlicher Antrag und Diskussion zur Kriminalisierung von TierrechtsaktivistInnen im Parlament
12. July 2008 http://antirep2008.lnxnt.org/?p=153#more-153
Mittwoch den 9. Juli gab es aus aktuellem Anlass einen dringlichen Antrag der Abgeordneten Weinzinger (Grüne) im österreichischen Nationalrat. Der Antrag zielte auf eine Abänderung des §278a ab, damit dieser in Zukunft nicht mehr gegen politische AktivistInnen eingesetzt werden kann. Der Antrag fand zwar keine Unterstützung bei den anderen Parlamentsparteien, trotzdem war er Auslöser für eine Diskussion zur Kriminalisierung von TierrechtsaktivistInnen. Wir waren vor Ort anwesend und dokumentieren im folgenden die interessantesten Diskussionsbeiträge der Abgeordneten, sowie von Justizministerin Berger (SPÖ) ausschnittweise als O-Töne.
Schauen wir uns noch genauer an, wie diese Hausdurchsuchungen und Festnahmen abgelaufen sind. Glauben Sie, entspricht es einem modernen Rechtsstaat mit korrektem Vorgehen, mit klaren Bestimmungen für das Vorgehen, wenn man einem Beschuldigten bei einer Hausdurchsuchung erstens einmal gleich ungeschaut die Tür eintritt, nicht einmal fragt, ob er aufmacht, nicht sagt, er möge gesuchte Gegenstände freiwillig herausgeben – was auch nicht geht, weil der Durchsuchungsbescheid so formuliert ist, dass relevante Informationen gesucht werden, und das kann man schlecht herausgeben –, wenn man dann den Beschuldigten in der Unterhose in Handschellen auf den öffentlichen Gang vor seine Wohnung zerrt und dort eine Stunde lang abstellt, während in seiner Abwesenheit die Hausdurchsuchung durchgeführt wird? Das spottet nicht nur jeder Beschreibung, sondern das widerspricht vor allem den Rechtsvorschriften für die Vorgangsweise bei solchen Hausdurchsuchungen. Das ist glatt rechtswidrig! Dass das rechtswidrig ist, ist im Übrigen eine Behauptung, die nicht nur ich aufstelle, sondern die Oberstaatsanwaltschaft hat das inzwischen bestätigt: Die Art und Weise, Hausdurchsuchungen durchzuführen, einfach mit dem Rammbock Türen aufzubrechen und so mit Menschen, die keinen gröberen Vergehen verdächtigt werden konnten, umzugehen, ist klar rechtswidrig und im Übrigen jedenfalls menschenrechtswidrig.
Es gab, glaubt man den Schriften der Staatsanwaltschaft, in den letzten elf Jahren 33 einzelne Straftaten von sogenannten Gasanschlägen, gemeint sind Stinkbomben, nichts sonst. Brandstiftungen wurden genannt, bis zu gelinderen Sachbeschädigungen. Wenn man das alles durchgeht und sich das anschaut, nachdem die Oberstaatsanwaltschaft das überprüft hat, stellen wir fest, dass von den 33 einzelnen Straftaten nur noch – je nachdem, ob man Geltung des Gesetzes dazunimmt oder nicht – vermutlich 22 Straftaten übrigbleiben, davon mehrere Schmierereien an Hauswänden, mehrere eingeschlagene Fensterscheiben, es war in den Unterlagen uneindeutig, ob zwei oder fünf beschädigte Hochstände, und besagte Stinkbomben. Das sind die konkreten Straftaten, um die es geht.
Spannend finde ich, wie mit diesen Vorwürfen umgegangen wird. Da wird behauptet, es hätte eine Brandstiftung gegeben. Klingt ziemlich dramatisch, das ist natürlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wenn man sich die Unterlagen anschaut, was im Übrigen die HaftprüfungsrichterInnen machen sollten, was inzwischen die Oberstaatsanwaltschaft gemacht hat, geht schon aus den Unterlagen selber hervor, dass eine behauptete Brandstiftung einer Jagdhütte in Zurndorf nichts anderes war als ein Brand, durch einen defekten Ofen verursacht, was die Jäger zuerst nicht und dann doch zu Protokoll gegeben und der Versicherung gemeldet haben. Das geht allein schon aus dem Polizeiakt hervor.
Zweites Beispiel: Einem Beschuldigten wurde vorgeworfen, persönlich verantwortlich zu sein für eine Stinkbombenaktion in einem Kleidergeschäft in Graz, weil der Betroffene zufällig im selben Zeitraum in der Steiermark anwesend war. Als Tierschützer in der Steiermark aufhältig zu sein heißt in diesem Fall, verantwortlich zu sein für einen Stinkbombenanschlag auf ein Geschäft in Graz. Noch dazu hat der Beschuldigte in der Zeit an der Fernsehsendung „Tausche Familie“ teilgenommen und ziemlich eindeutige Alibis dafür gehabt.
Wir haben mehrere Beispiele, die ich Ihnen jetzt nennen könnte, wo der Staatsanwalt aus Material, das relativ harmlos ist, versucht, Tatvorwürfe zu konstruieren. Zum Beispiel Falschübersetzungen; ob es versehentlich oder absichtlich passiert ist, kann ich jetzt überhaupt nicht beurteilen. In der Originalübersetzung müsste es heißen: Wir haben gemeinsam Jagden auf Nerze sabotiert. Was so viel heißt wie Jagdhörner gespielt, damit die Jagdmeute verwirrt war. Daraus wurde in der Falschübersetzung im Akt plötzlich: Wir haben gemeinsam Nerzfarmen sabotiert. Also das ist zumindest eine Besitzstörung, wenn nicht sogar eine Sachbeschädigung. Das ist keine Lappalie, das ist keine Schlamperei, die man sich so nebenbei erlauben darf – und schon gar nicht, wenn das quer durch den Akt immer wieder auftritt! Das ist eine strafrechtlich relevante Informationsverfälschung.
Aber jetzt komme ich zum Gipfel der Beweisführung, der an Absurdität nicht mehr zu überbieten ist. Hätte mir das irgendjemand als Drehbuch für einen Film vorgelegt, hätte ich ihm gesagt: Das ist so an den Haaren herbeigezogen, vergessen Sie das wieder, das glaubt Ihnen kein Mensch! Mehrere von Ihnen werden sicher die Kontrollstelle für artgerechte Tierhaltung kennen. Das sind diejenigen, die die Eierproduktion kontrollieren und dieses Gütesiegel vergeben. Daran sind mehrere Tierschutzorganisationen und die produzierenden Betriebe, die sich kontrollieren lassen wollen und das Gütesiegel haben wollen, beteiligt. Legebatterien sind davon ausgeschlossen. Wussten Sie, dass die Kontrollstelle eine kriminelle Organisation ist, die Schutzgelderpressung betreibt? Seitens der Staatsanwaltschaft wurde tatsächlich zu argumentieren versucht, die Tierschützer sind eine kriminelle Organisation, und mit dieser Kontrollstelle setzen sie die produzierenden Betriebe unter Druck, damit sie ihnen Schutzgeld zahlen. Das hat dann selbst die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage wieder fallen lassen müssen, weil es so abwegig ist. Das sind simple Beiträge, die der Kontrollstelle nur für die Kontrollarbeit zugute kommen. Da ist keine Bereicherung oder sonst etwas dahinter.
Das zeigt nur, wie abwegig hier die Interpretationen sind. Und da darf es einen dann nicht wundern, dass als belastendes beschlagnahmtes Material schon Dinge gelten wie – das wurde gefunden in den Haushalten oder bei den Organisationen – Handys, Spritzen, Spraydosen, Leiberl mit Tierschutzorganisationsaufdruck, Holzsägen. Das hätten Sie bei mir daheim auch alles finden können, ganz ehrlich. Bin ich deswegen eine kriminelle organisierte Tierschützerin, weil ich Spritzen besitze, Einwegspritzen ohne Nadel noch dazu, weil ich eine Holzsäge besitze? Das ist ja absurd. Ich habe sogar zwei Handys, nicht nur eines, hochgradig verdächtig, und einen Laptop mit mehreren USB-Sticks. All das wurde und wird den Beschuldigten noch immer ausgelegt als ein Beweis dafür, dass ihre Tätigkeit nicht einfach normale Tierschutzarbeit ist, nicht einfach normale NGO-Tätigkeit ist, sondern den Tatbestand der kriminellen Organisation erfüllt.
Was den Einfluss betrifft, den die Organisationen versuchen auf die Politik zu nehmen, versucht vermutlich die Industriellenvereinigung zwanzig bis dreißig Mal mehr, Einfluss auf die Politik zu nehmen, und ist vermutlich auch erfolgreicher dabei – und im Übrigen nicht nur auf die Politik, sondern auch auf die Wirtschaft. Also da wären ÖVP oder Industriellenvereinigung oder Gewerkschaft oder SPÖ oder auch die Grünen mindestens so verdächtig mit ihren versuchten Einflussnahmen auf die Politik und die Wirtschaft. Das kann man nicht wirklich behaupten, das sei eine kriminelle Tätigkeit.
Es muss sich die kriminelle Organisation der Strafverfolgung entziehen wollen. – Hört, hört, die haben tatsächlich ihre E-Mails verschlüsselt! Mit PGP, dem, was jede Zeitungsredaktion in Österreich heute hat, dem, was jede Bank einem dringend anrät zu verwenden, wenn nicht als Voraussetzung für E-Banking einfordert, dass man eine PGP-Verschlüsselung hat.
Letzter Punkt: Es müssen schwerwiegende Straftaten begangen werden durch diese kriminelle Organisation. – Und jetzt schaue ich mir an, was da noch übergeblieben ist nach Prüfung durch die Oberstaatsanwaltschaft: eingeschlagene Fensterscheiben, umgeschnittene Hochstände, Schmierereien, Stinkbomben. – Wo war da jetzt die schwerwiegende Straftat?
Apropos schwerwiegende Straftat, besonders skurriles Detail: Es gibt tatsächlich einen sogenannten Anfallsbericht der Polizei an die Staatsanwaltschaft, nach § 100 StPO, also schwerwiegende Straftat, in dem inkriminiert werden einerseits Missfallensäußerungen über die Festnahmen der Tierschützer in Internetforen und andererseits eine Presseaussendung der Rechtshilfe gemeinsam mit der Grün-Alternativen Jugend, wo eine Pressekonferenz angekündigt wird, an der ich auch teilgenommen habe. Die Presseaussendung lag vor, die können Sie sich jederzeit alle im Netz anschauen, sie ist vom 23. Mai. Ist es schon kriminell, den Satz zu schreiben: Egal, ob ihr antifeministisch, gegen Atomkraftwerke, für die Umwelt oder sonst etwas seid, es kann euch alle treffen: Solidarisiert euch!? Ist das schon der Tatbestand einer kriminellen Organisation? Was bitte soll dieser Anfallsbericht der Polizei an den Staatsanwalt? Das soll ein schwerwiegendes Verbrechen sein? Und, liebe Polizei, gibt es einen Anfallsbericht auch zu meinen Presseäußerungen vielleicht? Ich habe nicht viel anderes gesagt. Ist das schon kriminell?
Wenn das Schule macht, was man hier versucht als Präzedenzfall mit einigen Tierschützern durchzuführen, dann ist in Hinkunft jede Aktivität einer Nichtregierungsorganisation davon bedroht, abgedreht zu werden, wenn es jemandem politisch unbequem wird, politisch gegen den Strich geht, weil man sagt, das ist jetzt nach § 278a StGB kriminell. Konsumentenaktionen – geht nicht mehr; unlauterer Einfluss auf Politik und Wirtschaft. Demonstrationen gegen eine Firma – geht nicht mehr; Einflussnahme. Also wenn das zum Maßstab wird, wie jetzt vorgegangen wird, kann man Greenpeace, Attac, Clean Cloth-Kampagne, vermutlich die Katholische Frauenaktion zusperren und in Untersuchungshaft nehmen.
Warum wendet die Polizei zwei Jahre lang ich weiß nicht wie viele Ressourcen für den vermutlich bislang größten dagewesenen Lauschangriff auf, zum Teil rechtswidrig, nicht genehmigt, gegen Tierschützer?
Justizministerin Berger (SPÖ)
Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, allgemein zum § 278a Strafgesetzbuch. Der Tierschutz ist auch mir ein wichtiges Anliegen. Ich empfinde Hochachtung für jeden, der sich hier aktiv einsetzt, zum Beispiel illegale und tierquälerische Aktivitäten und Praktiken aufzudecken. Allerdings kann kein noch so ehrenwertes Motiv einen Rechtfertigungsgrund für schwerwiegende Straftaten bieten, wenn das nicht ausdrücklich im Gesetz vorgesehen ist.
Ich möchte Sie hierzu auch auf einen Vergleich mit § 278c Abs. 3 StGB aufmerksam machen, der klarstellt, dass eine Tat nicht als terroristische Straftat gilt, wenn sie auf die Ausübung von Menschenrechten ausgerichtet ist. Friedliche Proteste bis hin zu Maßnahmen, die ein Einschreiten der zuständigen Organe zur Verfolgung tierquälerischer Aktivitäten ermöglichen, sind sicher durch die Grundrechte der Meinungsfreiheit und der Versammlungsfreiheit gedeckt. Tierschutz darf sich daher aktiv an Protestmaßnahmen und Blockaden oder Ähnlichem beteiligen, nicht jedoch fortgesetzt fremdes Eigentum beschädigen oder andere Straftaten begehen. Andererseits ergibt sich daraus völlig eindeutig, dass die dort aufgezählten Straftaten, wie etwa schwere Nötigung oder schwere Sachbeschädigung, auch dann strafbar sind, wenn sie an sich einem achtenswerten Zweck dienen.
Ich möchte, dass Sie berücksichtigen, dass jede andere Auffassung eine grundlegende Änderung des Prinzips darstellen würde, wonach Gewaltausübung staatlicher Autorität vorbehalten ist.
Natürlich möglicherweise, denn in Österreich gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Vielleicht nicht bei Ihnen – aber das ist ein Rechtsgrundsatz! Natürlich möglicherweise! Das ist in einem Verfahren zu klären. Aber eines ist klar: möglicherweise Sachbeschädigung, aber sicher nie die Erfüllung des Straftatbestandes „Bildung einer kriminellen Organisation“ gemäß § 278a Strafgesetzbuch. Das ist ein klarer Missbrauch! Und er hat auch ein Vorbild, meine Damen und Herren, es ist ja nicht der erste Fall. Es gibt einen ähnlichen Fall in Deutschland – dort ist der § 129 zur Anwendung gekommen –, und zwar war 2007, wie vielleicht einige hier wissen werden, der G8-Gipfel in Deutschland, und dort hat es natürlich jede Menge Widerstand gegeben, denn was die G8 auf einem Gipfel macht, das gefällt nicht allen, das ist nachvollziehbar. Was hat damals dort die Polizei gemacht? – Man hat in Deutschland den § 129 angewendet, hat behauptet, es gäbe da eine militante Kampagne zur Verhinderung der G8, das sei eine kriminelle Organisation, hat Hausdurchsuchungen durchgeführt und eine Untersuchungshaft verhängt. Dies war offensichtlich das Vorbild für die Vorgangsweise in Österreich.
Warum wurde der § 278a Strafgesetzbuch angewendet? Das ist eine spannende Frage! Warum ist man nicht einfach hergegangen und hat gesagt: Okay, da gibt es ein Graffiti an der Wand, und man schaut sich an, wer das war, und macht dann ein Verfahren wegen Sachbeschädigung und entscheidet für eine Lösung in Form einer Diversion oder auch nicht. Das sind ganz normale Dinge, die immer wieder vorkommen. Es gibt einen Grund: Polizei und Staatsanwaltschaft konnten offensichtlich die Delikte einzelnen Personen nicht zuordnen und damit auch keine Strafverfolgungshandlungen setzen. Das war das Problem der Polizei! Und da ist man auf die gute Idee gekommen, da gäbe es ja den § 278a Strafgesetzbuch, da kommt es gar nicht auf die Begehung strafbarer Handlungen an. Da kommt es nämlich nur darauf an, dass man Mitglied einer kriminellen Organisation ist. Und somit war der Mythos der kriminellen Organisation konstruiert, und plötzlich hat man eine Personengruppe herausgegriffen. Die hat man ja gekannt, das BVT hat sie überwacht und gesagt: Das ist die Personengruppe, die strafbare Handlungen gesetzt hat, wir können sie zwar niemandem zuordnen, aber weil sie Mitglied einer kriminellen Organisation sind, wird jetzt über sie die Untersuchungshaft verhängt und gibt es Hausdurchsuchungen!
§ 278a StGB ist ein Vehikel, er wird als Ermittlungsparagraph missbraucht – das ist jetzt der Vorwurf –, dann kommt es zu den Hausdurchsuchungen, man kommt so möglicherweise an belastendes Material heran, das man dann in Einzelverfahren gegen einzelne Personen einsetzt, und der § 278a wird fallen gelassen. Diese Vorgangsweise ist eines Rechtsstaates schlichtweg unwürdig. So geht das nicht! Man kann nicht beliebig einen strafbaren Vorwurf erheben, ohne ihn zu beweisen, nur um zu Ermittlungsergebnissen zu kommen!
Kollegin Weinzinger hat in Ansätzen oder sogar sehr ausführlich, muss ich sagen, dargelegt, dass die Begründung des § 278a StGB hinten und vorne nicht passt. Unternehmensähnliche Struktur, das wird einfach behauptet, es wird gar nicht belegt, wo da die geforderte hierarchische Kommandostruktur ist. Nein, man nimmt eine beliebige Gruppe und sperrt sie ein. Es ist auch darauf hingewiesen worden, rein zufällig sind es zehn Personen, weil das Gesetz zehn Personen für die Bildung einer kriminellen Organisation verlangt. Dann der Vorwurf schwerwiegender strafbarer Handlungen – auch diesbezüglich hat Kollegin Weinzinger schon gut ausgeführt, dass letztendlich gar nichts übrig geblieben ist. Es fehlt auch jede Konkretisierung, warum diese Personengruppe die strafbaren Handlungen begangen hat. Wir wissen, es gibt strafbare Handlungen, und wir wissen, es gibt Tierschützer, und das genügt schon. – Aber das genügt eben nicht in einem Rechtsstaat. Der dritte Punkt ist der erhebliche Einfluss auf Wirtschaft und Politik – das ist eine ganz wichtige Bestimmung in diesem § 278a StGB. Da fragen wir uns: Wo ist der Einfluss auf Wirtschaft und Politik bei den Tierschützern? – Wissen Sie, wie das untermauert wird? Es wird behauptet, dass diese Tierschützer Unternehmen in den wirtschaftlichen Ruin treiben würden, indem sie Kampagnen gegen den Pelzhandel veranstalten würden. Wenn das nicht so gefährlich wäre, würde ich lachen. Das ist ja schlichtweg lächerlich, denn politische Kampagnen in eine bestimmte Richtung führen Sie alle, meine Damen und Herren, führt jede NGO. Das allein kann und darf in einem Rechtsstaat nicht zur Anwendung des § 278a StGB führen!
Ich lade Sie wirklich ein, einmal durchzulesen, was die Voraussetzung sein soll und sein muss, um diese Bestimmung anzuwenden. Neben der unternehmensähnlichen Verbindung sind das natürlich auch noch die schwerwiegenden strafbaren Handlungen, die dann – nicht taxativ, aber beispielsweise – aufgezählt werden. Und wenn wir hier im Gesetz schwerwiegende strafbare Handlungen im Bereich der sexuellen Ausbeutung von Menschen, der Schlepperei, von Kampfmitteln, Kernmaterial, radioaktiven Stoffe haben, meine Damen und Herren, dann ist das schon ein Kaliber – es heißt ja nicht umsonst Killer-Paragraph, Mafia-Paragraph –, wo schon etwas Besonderes vorliegen muss und darüber hinaus auch noch die Absicht der Bereicherung im großen Umfang – die ist da überhaupt auszuschließen; ich glaube, das wissen wir – oder erheblicher – meine Damen und Herren, erheblicher! – Einfluss auf Politik oder Wirtschaft angestrebt werden muss.
Es ist so, § 105 StGB – ich möchte jetzt nicht zu fachlich werden, aber ich glaube, es ist wichtig, darauf hinzuweisen –, die Nötigung, einer der Tatbestände, die vorgeworfen werden, nämlich unterhalb dieser §-278a-Bestimmung, sieht eine Regel vor, die sagt: Auch wer eine Nötigung begeht, macht sich dann nicht strafbar, wenn sie zur Herbeiführung oder zur Durchsetzung eines sittlich nachvollziehbaren Wertes dient. Im gegenständlichen Fall geht es um Tiere. Ich sage noch einmal, ich verteidige nicht, wenn hier Sachbeschädigungen, Brandstiftung – das wurde ja zurückgezogen – stattgefunden haben, das ist zu bestrafen, aber wir haben hier eine ganz andere Bestimmung.
Versetzen Sie sich einmal in die Lage, dass Sie anlässlich von Recherchen, von Protestaktionen damit konfrontiert werden, dass irgendwo ein derartiger Zustand besteht, Sie dann eine Anzeige erstatten – und es passiert nichts. Es ist daher, glaube ich, wichtig, in weiterer Folge an den oder die – wer immer das nach der Wahl auch ist – Innenminister/Innenministerin heranzutreten und zu sagen, dass solche Anzeigen unverzüglich zu verfolgen sind und dass hier Rechtsklarheit zu schaffen ist, weil sich natürlich durch die Kenntnis, dass sich wo derartige rechtswidrige Verhältnisse abspielen und keiner etwas dagegen macht, ein enormes Spannungsfeld aufbauen kann. Und ich weiß nicht, wer von uns wie damit umgeht, wenn wo derartige tierquälerische, wirklich unerträgliche Zustände herrschen. Daher gibt es hier eine Abwägung, meine Damen und Herren: Was ist das Rechtsziel, das man erreichen möchte?
Es ist bedauerlich, und ich denke und hoffe, dass die Justiz feststellt, dass die Norm hier nicht anzuwenden ist. Wenn es nicht so sein sollte, werden wir, glaube ich, einen Diskurs darüber führen müssen, ob es wirklich so sein soll, dass die Bestimmung auf diese Sachverhalte anzuwenden ist. Ich hoffe allerdings, dass der Oberste Gerichtshof hier entsprechende Klarheit schafft.
Abgeordneter Mag. Heribert Donnerbauer (ÖVP)
Wir sind hier im Nationalrat, hier ist nicht das Oberlandesgericht oder der Oberste Gerichtshof, der jetzt einen Strafakt zu beurteilen hat. Dazu fehlt uns ja auch die Information.
Was stellt denn dieser Paragraph unter Strafe? – Es heißt: „Wer eine auf längere Zeit angelegte unternehmensähnliche Verbindung einer größeren Zahl von Personen gründet oder sich an einer solchen Verbindung als Mitglied beteiligt“, „die, wenn auch nicht ausschließlich, auf die wiederkehrende und geplante Begehung schwerwiegender strafbarer Handlungen, die das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die Freiheit oder das Vermögen bedrohen, oder schwerwiegender strafbarer Handlungen im Bereich der sexuellen Ausbeutung von Menschen, der Schlepperei oder des unerlaubten Verkehrs mit Kampfmitteln, Kernmaterial und radioaktiven Stoffen, gefährlichen Abfällen, Falschgeld oder Suchtmitteln ausgerichtet ist“, ist zu bestrafen. Wollen Sie das ändern, meine sehr geehrten Damen und Herren der Grünen?
Abgeordneter Mag. Gernot Darmann (BZÖ)
Aber, wie gesagt, wenn sich die Vorwürfe der grünen Fraktion bewahrheiten sollten, dass es bewusst Maßnahmen in eine Richtung gegeben hat, nämlich speziell auch, hier ohne entsprechende Tatbestandsmerkmale vorzugehen, dann ist das natürlich ein Skandal. Bis jetzt ist nur der Schutzmantel der Grünen über diverse Tatverdächtige der eigentliche Skandal.
Meine Damen und Herren, ich möchte jetzt durch Bilder einiges in Erinnerung rufen. Hätten diese Tierschützer nicht Sachbeschädigungen begangen, in Höfen, bei Stallungen Fotos gemacht und sie uns hier im Parlament präsentiert – wir hätten nicht das Käfighalteverbot von Hühnern. Auf Grund dieser Fotos haben wir es gemacht, meine Damen und Herren! Schauen Sie sich diese Bilder an, wir haben sie hier im Plenum schon einmal präsentiert. Wir hätten in dieser Gesetzgebungsperiode nicht das Halten von Kaninchen in Käfigen verboten, wenn wir nicht diese Fotos gehabt hätten, meine Damen und Herren, weil die Tierschützer sie gemacht haben.
Genau auf Grund dieser Zustände haben wir ein Bundestierschutzgesetz verabschiedet, wobei die Tierschützer als Experten geladen waren. Alle fünf Parlamentsparteien – damals vier – waren mit diesen Experten in Verbindung, und die Experten waren genau diese, die jetzt inhaftiert sind! Das war zum Beispiel Dr. Balluch, der als Experte hier im Parlament war und uns erklärt hat, was wir als Parlamentarier machen müssen, damit diese tierschutzrelevanten Maßnahmen von uns als Gesetzgeber gesetzt werden können.
Die Zerstörung eines Autos wird einem Beklagten angelastet. Er war drei Monate vorher in der Gegend; sie wurden über Handy-Abhörung abgehört. Das sind für mich wirklich Dinge, die sehr an den Haaren herbeigezogen sind. Aber, wie gesagt, da muss man schauen, was wirklich dahintersteckt.
Das für mich ganz Wichtige ist: Ist die lange Untersuchungshaft vielleicht ein Versuch der Einschüchterung, meine Damen und Herren? – Denn eines ist vollkommen klar: Leicht haben es die Tierschützer nicht. Ich bin Tierschützer, ich bin auch aktiver Tierschützer, und ich trete für den Tierschutz ein. Da wird man natürlich eingeschüchtert, weil Lobbying hinter diesen Maßnahmen steht.
Kollege Steinhauser hat am Anfang seiner Rede gemeint, dass es beim § 278a StGB vor allem auch um Menschenhandel geht und dessen Organisierung, also darum, wie die Behörden gegen Menschenhandel vorgehen können. Da ist mir eingefallen, was in diesem Bereich in Österreich eigentlich passiert ist. Da hat es doch einen Erlass des Bundesministeriums gegeben, dass für gewisse Firmen die Tänzerinnen-Visa möglichst schnell auszustellen sind. Besonders spannend finde ich: Ich habe einen Paragraphen, bei dem es um Drogenhandel, Menschenhandel, Mafia, Mord, Totschlag, also wirklich das Böseste vom Bösen im Verbrecherwesen geht. In der Praxis gibt es einen Erlass, dass man möglichst schnell diese Visa verteilt. Von Untersuchungen in dem Zusammenhang weiß ich nichts. Und auf der anderen Seite, wenn es um den Bereich der Tierschützer geht, dann bildet da angeblich das BVT – ich weiß auch nicht genau, ob es das BVT, das BIA oder was auch immer ist, aber ich habe gehört, das BVT, also das Büro für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung – eine SOKO Pelz und eine SOKO Bekleidung, also Sonderkommissionen, um mit jahrelangen Überwachungen, Belauschungen, was auch immer gegen Tierschützer vorzugehen. Also, da scheint mir durchaus ein gewisses Ungleichgewicht zu herrschen.
Was mir in dem Zusammenhang noch eingefallen ist, sind die berühmten Jagdeinladungen eines gewissen Mensdorff-Pouilly. Einmal im Jahr wird das Kabinett des Innenministers nach Schottland zur Jagd eingeladen. Es kann sich heute zwar keiner mehr genau daran erinnern, ob er dabei war oder nicht, aber wie dem auch sei. Sie haben recht, es war nicht nur das Kabinett des Innenministers, es war auch das Kabinett des Landwirtschaftsministers. – Danke, dass Sie mich erinnern! – Die sind also einmal im Jahr auf diese Jagd gefahren, und öfters war man eben auch noch so zwischendurch, denn ein Jahr ist doch relativ lang, in Luising, im Burgenland, auch auf einem Jagdgut des Mensdorff-Pouilly. Dort waren allerdings nicht nur die Kabinettsmitglieder. Man kann dazusagen, dass das ein Betrieb ist, wo im Jahr zirka 25 000 Fasane gezüchtet werden, um nachher gejagt zu werden. Man kann dort für 12 500 € am Tag ein paar Freunde einladen und bekommt dann dort 200 bis 400 Fasane, die gefüttert und dann aufgescheucht werden – „Schupffasane“ sagt man dazu – zum Jagen. Was das alles mit Jagd zu tun hat, das lassen wir hier einmal dahingestellt. Es sind jedenfalls nicht nur die Kabinettsmitglieder des Innenministers dort, sondern es sind eben auch so böse Menschen wie Balluch dort, der bereits erwähnte Dr. Balluch und andere Tierschutzorganisationen – VGT, „Vier Pfoten“ et cetera. Die gehen dorthin und filmen das. Sie machen Fotografien von den Volieren, in denen die Fasane gezüchtet werden. Sie filmen die Schupffasantechnik von Luising, ja, machen Fotos, dokumentieren, wie viele gleich sterben, wie viele an Bleivergiftungen sterben und so weiter. Ich meine, da ist der Weg nicht mehr weit, sage ich einmal. Natürlich stört ihn das, denn das steht dann plötzlich im „NEWS“, das steht im Internet, dass er damit so viel Geld verdient. Und eine Woche später sind die vom Innenministerium bei ihm, und da erzählt er eben, wie unangenehm die sind. Und plötzlich wird ermittelt, aber nicht irgendwie ermittelt. Nein, volle Länge, alles, der Rechtsstaat packt seine größten Waffen aus, die er hat, die Waffen, die wir hier ihm gegeben haben.
Es sollten sich alle überlegen, die in leitenden Positionen in einem Ministerium oder in einem Kabinett sind, ganz genau überlegen, ob sie Jagdeinladungen oder irgendwelche Einladungen annehmen, noch dazu, wo doch Mensdorff-Pouilly bekanntlich einer der größten Waffenhändler Österreichs ist und das Innenministerium für das Kriegsmaterialiengesetz zuständig ist. Da gibt es ja Vorwürfe en masse! Das sollte man sich also genau überlegen, weil sich ein Unbeteiligter natürlich dann genau diese Fragen stellt, die ich mir hier stelle.
Abgeordneter Bernhard Vock (FPÖ)
In den letzten Wochen haben mich zahlreiche besorgte Tierschutzaktivisten und besorgte Tierschützer angerufen, was denn hier im Justizbereich geschehen ist. Man hat gelesen, wie brutal unsere Polizei vorgegangen sein soll. Man hat davon gelesen oder gehört davon, dass die Haftbedingungen unzumutbar sind, dass auf eine vegane Ernährung der Tierschützer nicht Rücksicht genommen wird und so weiter. Insgesamt also zahlreiche Vorwürfe, die Polizei und Justiz gelten. Die Vorwürfe der Bildung einer kriminellen Organisation scheinen auf den ersten Blick auch absurd, denn unter Mafia-ähnlichen Verbindungen mit schwerer organisierter Kriminalität stellt man sich als normaler Bürger doch etwas anderes vor. Es ist auch unverständlich, warum diese Bürger, die ja in Österreich bekannt und wohnhaft sind, nicht auf freiem Fuß angezeigt werden, sondern in Untersuchungshaft sitzen.
Allerdings gibt es schon auch ein paar Bereiche, wo ich als Tierschützer Ja sage, andere Kollegen hingegen, die im Justizbereich tätig sind, da schon eher sagen, das ist ein Graubereich; das könne man daher nicht mehr mittragen. Ich erwähne in diesem Zusammenhang zum Beispiel diese Aktion betreffend Fiaker, wo sich Aktivisten in die Stallungen eingeschlichen haben. Da geht es schon um Besitzstörung. Oder: Wenn man sich vor ein Geschäft stellt und dort Folder gegen eben dieses Geschäft verteilt, so stellt das den Tatbestand der Geschäftsschädigung dar. – Ich würde das als Tierschützer auch noch begrüßen und sagen, da kann ich noch mitgehen; da ist eben das Interesse des Tierschutzes wichtiger als das Interesse des Geschäftsablaufes.
Abgeordnete Dr. Elisabeth Hlavac (SPÖ)
Das Zweite ist, dass einmal grundsätzlich überprüft werden muss, ob die Maßnahmen, die wir im Kampf gegen den Terrorismus und gegen die organisierte Kriminalität setzen, auch treffsicher und zielsicher sind. Wenn ich zum Beispiel höre, dass der E-Mailverkehr untersucht wird, dass versucht wird, in Daten hineinzugehen, die eigentlich persönlich sind, dann ist das vielleicht in bestimmten Bereichen zulässig, aber man sollte sich schon überlegen, ob das nicht in einem viel zu großen Maße geschieht und ob nicht die Freiheitsrechte des Einzelnen dadurch zu sehr eingeschränkt werden.
Meine Damen und Herren, über den § 278a StGB ist schon viel gesagt worden. Wie gesagt, man soll in ein Verfahren nicht eingreifen. Es ist aber von Seiten des Parlaments schon angebracht zu erheben, ob dieser Paragraph so interpretiert wird, wie wir uns das vorstellen und erwarten, denn er ist sicherlich nicht dafür gedacht, bei gewöhnlicher Sachbeschädigung oder auch Drohung und ähnlichen Delikten angewandt zu werden, sondern nur in einem ganz bestimmten Zusammenhang, eben mit organisierter Kriminalität. (….)
Die Volksanwaltschaft hat eine Prüfung eingeleitet, am 18. Juni 2008 ein schriftliches Ersuchen an das Innenministerium zur Stellungnahme in dieser Causa gerichtet und bis heute keine Antwort vom Innenministerium bekommen.
Zweitens zu den Fakten selbst und zu dem, was da passiert ist: Stellen Sie sich einmal vor, die Wiener Kriminalpolizei ermittelt in einer Causa – und das ist nicht an den Haaren herbeigezogen! – Raiffeisen, Geldwäsche in Osteuropa, insbesondere in Russland, und setzt durch, dass zum Zwecke der weiteren Aufklärung der Vorstand des Bauernbundes in Untersuchungshaft genommen wird. Ich rechne nicht damit, dass das auf große Zustimmung der Österreichischen Volkspartei stoßen würde und glaube kaum, dass ein Abgeordneter der ÖVP uns dann zurufen würde, lassen Sie die Finger von diesem rechtsstaatlichen Verfahren, das Parlament soll sich nicht einmischen! Stellen wir uns vor – ich hoffe nicht, dass das passiert! –, ein antifaschistisches Denkmal würde irgendwo in Österreich verunziert und ein Staatsanwalt käme auf die Idee, einen Untersuchungsrichter zu ersuchen, Führungspersönlichkeiten der Freiheitlichen Partei in Untersuchungshaft zu nehmen. – Ich glaube nicht, dass Kollege Haimbuchner ans Rednerpult treten würde und sagen würde, Finger weg von diesem Verfahren, auf den österreichischen Rechtsstaat ist Verlass! Warum ist das bei den Tierschützern dann ganz anders?
Wissen Sie, dass es seit den beiden Schriftsätzen der Oberstaatsanwaltschaft Wien keinen schwerwiegenden konkreten Tatverdacht gegen auch nur einen einzigen der inhaftierten Tierschützer mehr gibt? Der Verdacht der Brandstiftung wird nicht mehr aufrechterhalten, der Verdacht der schweren Sachbeschädigung ebenfalls nicht. Meine Herren Justizexperten von ÖVP, FPÖ und vermutlich auch BZÖ! Sie wissen doch, dass eine der wesentlichen Voraussetzungen zur Erfüllung des Tatbilds nach § 278a des Strafgesetzbuches die fortgesetzte und planmäßige Begehung eines schweren Delikts nach dem Strafgesetzbuch ist. – Das fällt weg.
Jetzt haben wir es zum ersten Mal in der Geschichte dieses Paragraphen mit einer kriminellen Organisation ohne Kriminelle zu tun. – Das ist eine strafrechtlich bemerkenswerte Situation.
Ich habe das vor eineinhalb Stunde mit einer sehr bekannten Richterin besprochen. Sie hat mich darauf hingewiesen, dass die österreichische Richtervereinigung bei der Einführung des § 278a StGB vor genau dieser Situation gewarnt hat, weil es nämlich möglich ist – und das haben Sie von der ÖVP immer bestritten! –, eine kriminelle Organisation ohne ein einziges schweres Delikt, ohne einen einzigen schweren Tatverdacht gegen eine konkrete Person zu konstruieren und daraufhin alle Maßnahmen bis hin zur Untersuchungshaft zu verhängen.
Es gibt ein völlig erfolgloses Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Der Rechungshof hat festgestellt, dass es bis zum Endpunkt der Prüfung, also bis 2006, nur eine einzige operative Analyse gab – das heißt, ein polizeilich und gerichtlich verwertbares Ergebnis. Wir haben gefragt, in welchem Bereich: im Bereich Extremismus. – Also kein verwertbares Ergebnis im Bereich Terrorismusbekämpfung, kein verwertbares Ergebnis in einer Sondereinheit des österreichischen Verfassungsschutzes, die seit mehr als zehn Jahren eine österreichische Spezialität ist, nämlich eine eigene Verfassungsschutzeinheit zur Bekämpfung des organisierten Tierschutzes in Österreich. – Das ist etwas Einmaliges in ganz Europa! Das ist eine Eigenart des österreichischen Verfassungsschutzes.
Was ist jetzt passiert? – Der Verfassungsschutz hat Spitzel – Vertrauenspersonen – in alle Tierschutzorganisationen eingeschleust. Er hat Peilsender an Fahrzeugen montiert. Er hat optisch und akustisch überwachen lassen und keinen einzigen konkreten Tatverdacht aktenmäßig festhalten können. Und dann hat es eine politische Entscheidung gegeben: Wir wollen einen Erfolg! Die politische Entscheidung war eine von Innenminister Platter, der sagte, ja, es gibt alle möglichen Anschuldigungen, setzen wir eine Sonderkommission ein. Und ganz oben an den Betreff der Sonderkommission hat man willkürlich einen grünen Funktionär aus Niederösterreich gesetzt, bei dem sich nach wenigen Monaten herausgestellt hat, dass er mit vielem zu tun hatte, nur Tierschützer war er nie. Er hat absolut nichts mit Tierschutz zu tun, und im Betreff der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt war er die Nummer eins.
Dann ist ein Anfallsbericht der Sonderkommission unter Leitung von Oberstleutnant Böck gekommen: Mitteilung an die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wegen des Verdachts der Begehung eines schweren Verbrechens nach dem Strafgesetzbuch – also eine StPO-mäßige Anzeige. Inhalt ist eine Pressekonferenz im Grünen Klub zur Unterstützung der Rechtshilfe. Oberstleutnant Böck verweist darauf – ich werde Ihnen dieses Dokument öffentlich vorlegen –, dass Missfallenskundgebungen von Tierschützern und Grünen strafrechtlich geprüft werden sollen. Da sind wir jetzt beim Kern des § 278a StGB angelangt, nämlich bei der politischen Absicht. Können Sie sich vorstellen, wie es heute Menschen in Bürgerinitiativen, Menschen bei Global 2000, Anti-AKW-Aktivisten und -Aktivistinnen und vielen anderen mehr geht?
Sie sehen einerseits, dass unbescholtene Tierschützer, gegen die es keinen konkreten schweren Tatverdacht gibt, in Untersuchungshaft sitzen, andererseits aber Menschenhändler und ihre Unterstützer im Außenministerium und im Innenministerium nach wie vor Karriere machen und hochrangige wirtschaftliche Persönlichkeiten wie Julius Meinl und Karlheinz Grasser nach wie vor von den Millionen geprellter Kleinanleger und Kleinanlegerinnen einen beträchtlichen Teil – nämlich hunderte Millionen – in die eigenen Kassen umleiten können. – Die stehen aber alle unter dem Schutz der Österreichischen Volkspartei! Diejenigen, die Bordelle mit Visa des Außenministeriums in Linz und in Wien beliefern, stehen unter dem Schutz der Österreichischen Volkspartei! Die, die Kleinanleger mit Hilfe der Meinl Bank prellen, stehen unter dem Schutz der Österreichischen Volkspartei! Die, die im Bereich Raiffeisen Geldwäsche in Russland vertuschen, stehen unter dem Schutz der Österreichischen Volkspartei! – Aber die Tierschützer, die stehen nicht unter dem Schutz der Österreichischen Volkspartei! (…) Deswegen haben wir ja auch Untersuchungsausschüsse eingesetzt, die genau Missbrauch dieser Art untersuchen. Eines mussten wir bis jetzt aber noch nie untersuchen: Dass Unschuldige möglicherweise auch aus politischen Motiven mit Unterstützung eines bereits abgewanderten Innenministers willkürlich ihrer Freiheit beraubt werden.
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References: §278
 § 100
 § 278
 § 278
 § 278
 § 278
 § 129
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 § 278
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§ 278
 § 278
 § 278
 § 278
 § 278
 § 105
 § 278
 § 278
 § 278
 § 278
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