Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/berliner-richterbesoldung-3216383
Timestamp: 2020-08-09 06:17:21+00:00

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Berliner Richterbesoldung | Rechtslupe
Die Rich­ter­be­sol­dung im Land Ber­lin war in den Jah­ren 2009 bis 2015 in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se zu nied­rig bemes­sen. Die Besol­dungs­vor­schrif­ten des Lan­des Ber­lin sind nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mit dem von Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip unver­ein­bar, soweit sie die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te der Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 in den Jah­ren 2009 bis 2015 sowie der Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2015 betref­fen.
Zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG zählt das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip. Es ver­pflich­tet den Dienst­herrn, Rich­tern und Staats­an­wäl­ten nach ihrem Dienst­rang, nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung der recht­spre­chen­den Gewalt und des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren. Damit wird der Bezug der Besol­dung sowohl zu der Ein­kom­mens- und Aus­ga­ben­si­tua­ti­on der Gesamt­be­völ­ke­rung als auch zur Lage der Staats­fi­nan­zen her­ge­stellt.
Die­se Gewähr­leis­tung einer recht­lich und wirt­schaft­lich gesi­cher­ten Posi­ti­on bil­det die Vor­aus­set­zung und inne­re Recht­fer­ti­gung für die lebens­lan­ge Treue­pflicht sowie das Streik­ver­bot.
Der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber ver­fügt über einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum. Dem ent­spricht eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le. Ob die Bezü­ge evi­dent unzu­rei­chend sind, muss anhand einer Gesamt­schau ver­schie­de­ner Kri­te­ri­en und unter Berück­sich­ti­gung der kon­kret in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen geprüft wer­den.
Die­se Gesamt­schau voll­zieht sich in zwei Schrit­ten: Auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe wird mit Hil­fe von fünf in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ange­leg­ten Para­me­tern ein Ori­en­tie­rungs­rah­men für eine grund­sätz­lich ver­fas­sungs­ge­mä­ße Aus­ge­stal­tung der Ali­men­ta­ti­ons­struk­tur und des Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus ermit­telt (Ver­gleich der Besol­dungs­ent­wick­lung mit der Ent­wick­lung der Tari­fent­loh­nung im öffent­li­chen Dienst, des Nomi­nal­lohn­in­dex sowie des Ver­brau­cher­preis­in­dex, sys­tem­in­ter­ner Besol­dungs­ver­gleich und Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und ande­rer Län­der).
Beim sys­tem­in­ter­nen Besol­dungs­ver­gleich ist neben der Ver­än­de­rung der Abstän­de zu ande­ren Besol­dungs­grup­pen in den Blick zu neh­men, ob in der unters­ten Besol­dungs­grup­pe der gebo­te­ne Min­dest­ab­stand zum Grund­si­che­rungs­ni­veau ein­ge­hal­ten ist. Ein Ver­stoß gegen die­ses Min­dest­ab­stands­ge­bot betrifft inso­fern das gesam­te Besol­dungs­ge­fü­ge, als sich der vom Gesetz­ge­ber selbst gesetz­te Aus­gangs­punkt für die Besol­dungs­staf­fe­lung als feh­ler­haft erweist. Die indi­zi­el­le Bedeu­tung für die ver­fas­sungs­wid­ri­ge Aus­ge­stal­tung der zur Prü­fung gestell­ten Besol­dungs­grup­pe ist dabei umso grö­ßer, je näher die­se an der Gren­ze zur Min­dest­be­sol­dung liegt und je deut­li­cher der Ver­stoß aus­fällt.
Auf der zwei­ten Prü­fungs­stu­fe sind die Ergeb­nis­se der ers­ten Prü­fungs­stu­fe mit den wei­te­ren ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung zusam­men­zu­füh­ren. Wer­den min­des­tens drei Para­me­ter der ers­ten Prü­fungs­stu­fe erfüllt, besteht die Ver­mu­tung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on, die im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung sowohl wider­legt als auch erhär­tet wer­den kann. Wer­den umge­kehrt bei allen Para­me­tern die Schwel­len­wer­te unter­schrit­ten, wird eine ange­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ver­mu­tet. Sind ein oder zwei Para­me­ter erfüllt, müs­sen die Ergeb­nis­se der ers­ten Stu­fe, ins­be­son­de­re das Maß der Über- bezie­hungs­wei­se Unter­schrei­tung der Para­me­ter, zusam­men mit den auf der zwei­ten Stu­fe aus­ge­wer­te­ten ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung ein­ge­hend gewür­digt wer­den.
Ergibt die Gesamt­schau, dass die zur Prü­fung gestell­te Besol­dung grund­sätz­lich als ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on ein­zu­stu­fen ist, bedarf es auf der drit­ten Stu­fe der Prü­fung, ob dies im Aus­nah­me­fall ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt sein kann.
Eine Gesamt­schau der für die Bestim­mung der Besol­dungs­hö­he maß­geb­li­chen Para­me­ter ergab hier­nach für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, dass die gewähr­te Besol­dung evi­dent unzu­rei­chend war. Sie genüg­te nicht, um Rich­tern und Staats­an­wäl­ten einen nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu ermög­li­chen. Der Gesetz­ge­ber des Lan­des Ber­lin hat nun­mehr ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 01.07.2021 an zu tref­fen. Eine rück­wir­ken­de Behe­bung ist hin­sicht­lich der­je­ni­gen Rich­ter und Staats­an­wäl­te erfor­der­lich, sie sich gegen die Höhe ihrer Besol­dung zeit­nah mit den statt­haf­ten Rechts­be­hel­fen gewehrt haben. Dabei ist es uner­heb­lich, ob inso­weit ein Wider­spruchs- oder ein Kla­ge­ver­fah­ren schwebt.
Mit Arti­kel 33 Absatz 5 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar sind
Anla­ge IV Num­mer 4 zu § 37 Absatz 1 Satz 2 des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes in der am 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung des Bun­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­set­zes 2003/​2004 vom 10.09.2003 [1], soweit sie gemäß Arti­kel 125a Absatz 1 Satz 1 des Grund­ge­set­zes in Ver­bin­dung mit § 85 des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes vom 01.01.2009 bis zum 31.07.2010 die Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 im Land Ber­lin betrifft,
Anla­ge 1 Num­mer 4 zu § 2 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 1 des Geset­zes zur Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­an­pas­sung für Ber­lin 2010/​2011 vom 08.07.2010 [2], Anla­ge 2 des Geset­zes zur Besol­dungs­neu­re­ge­lung für das Land Ber­lin vom 29.06.2011 [3], Anla­ge 1 Num­mer 4 zu Arti­kel I § 2 Absatz 1 Satz 1 Num­mern 1 und 2 des Geset­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2012/​2013 vom 21.09.2012 [4] und Anla­ge 16 Num­mer 4 zu Arti­kel I § 2 Absatz 3 des Geset­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2012/​2013 vom 21.09.2012 [5], soweit sie vom 01.08.2010 bis zum 31.07.2014 die Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 betref­fen, sowie
Anla­ge 1 Num­mer 4 zu Arti­kel I § 2 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 1 des Geset­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2014/​2015 und zur Ände­rung wei­te­rer besol­dungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 09. Juli 2014 [6] und Anla­ge 15 Num­mer 4 zu Arti­kel I § 2 Absatz 4 des Geset­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2014/​2015 und zur Ände­rung wei­te­rer besol­dungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 09.07.2014 [7], soweit sie vom 01.08.2014 bis zum 31.12.2015 die Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2; und vom 01.01.bis zum 31.12.2015 die Besol­dungs­grup­pe R 3 betref­fen.
Der Gesetz­ge­ber des Lan­des Ber­lin hat ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 01. Juli 2021 an zu tref­fen.
Die Ent­wick­lung der Rich­ter­ber­sol­dung im Land Ber­lin
Die Rich­ter­vor­la­ge des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
Zuläs­sig­keit der Rich­ter­vor­la­ge
Besol­dung und die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums
Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip
Der Ermes­sens­spiel­raum des Gesetz­ge­bers
Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit der Ali­men­ta­ti­on
1. Prü­fungs­stu­fe: Fünf Para­me­ter einer amts­an­ge­mes­sen Besol­dung
1. Para­me­ter: Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von den Tarif­er­geb­nis­sen im öffent­li­chen Dienst
2. Para­me­ter: Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung vom Nomi­nal­lohn­in­dex
3. Para­me­ter: Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung vom Ver­brau­cher­preis­in­dex
4. Para­me­ter: Sys­tem­in­ter­ner Besol­dungs­ver­gleich
1 Fall: Unter­schied­lich hohe oder zeit­lich ver­zö­ger­te Besol­dungs­an­pas­sung
2. Fall: Miss­ach­tung des gebo­te­nen Min­des­ab­stands zum Grund­si­che­rungs­ni­veau
5. Para­me­ter: Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und der ande­ren Län­der
2. Prü­fungs­stu­fe: Gesamt­ab­wä­gung mit wei­te­ren ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en
Kom­pe­ni­sie­rung von Defi­zi­ten in der 1. Prü­fungs­stu­fe
Wei­te­re zu berück­sich­ti­gen­de Kri­te­ri­en
Aus­nahms­wei­se Recht­fer­ti­gung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on
Rela­ti­ver Norm­be­stands­schutz
Pro­ze­du­ra­le Anfor­de­run­gen als „zwei­te Säu­le“ des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips
Über­prü­fung der Ber­li­ner Rich­ter­be­sol­dung
Ent­wick­lung der Rich­ter­be­sol­dung
Ver­gleich mit der Tarif­ent­wick­lung im öffent­li­chen Diens
Ver­gleich mit der Nomi­nal­lohn­in­dex-Ent­wick­lung
Ver­gleich mit der Ver­brau­cher­preis­in­dex-Ent­wick­lung
Ver­let­zung des Min­dest­ab­stands­ge­bots
Quer­ver­gleich mit dem Bund und ande­ren Län­dern
Zwi­schen­er­geb­nis: Ers­te Prü­fungs­stu­fe
Ver­let­zung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Kri­te­ri­en im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung
Kei­ne Recht­fer­ti­gung durch kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht
Fol­gen der ver­fas­sungs­wid­rig nied­ri­gen Rich­ter­be­sol­dung
Die Vor­la­ge betrifft die Fra­ge, ob die Besol­dung der Rich­te­rin­nen und Rich­ter sowie der Staats­an­wäl­tin­nen und Staats­an­wäl­te des Lan­des Ber­lin in den Besol­dungs­grup­pen R 1 bis R 3 in den Jah­ren 2009 bis 2015 amts­an­ge­mes­sen war.
Seit Anfang der 1970er Jah­re bis zum Jahr 2003 war allein der Bun­des­ge­setz­ge­ber für die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te zustän­dig. Er hat­te von sei­ner kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz in Art. 74a Abs. 1 GG a. F. für die Besol­dung und Ver­sor­gung der Ange­hö­ri­gen des öffent­li­chen Diens­tes [8] durch den Erlass des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes abschlie­ßend Gebrauch gemacht. Bis zum Jahr 2003 war auch die Gewäh­rung einer jähr­li­chen Son­der­zu­wen­dung (soge­nann­tes Weih­nachts­geld) und eines jähr­li­chen Urlaubs­gel­des bun­des­ein­heit­lich gere­gelt. Das Urlaubs­geld wur­de letzt­ma­lig im Jahr 2003 aus­ge­zahlt [9].
Im Anschluss dar­an wur­de das Besol­dungs­recht föde­ra­li­siert. Nach­dem der Bun­des­ge­setz­ge­ber den Län­dern bereits im Jahr 2003 die Befug­nis ein­ge­räumt hat­te, die jähr­li­che Son­der­zah­lung unter Beach­tung eines bun­des­ein­heit­li­chen Höchst­be­trags abwei­chend zu regeln [10], ging infol­ge einer Grund­ge­setz­än­de­rung die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Besol­dung und Ver­sor­gung der Lan­des­be­am­ten (ein­schließ­lich der Rich­ter) mit Wir­kung vom 01.09.2006 auf die Län­der über [11].
Die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te des Lan­des Ber­lin ent­wi­ckel­te sich im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum von 2009 bis 2015 wie folgt:
Bis zum 31.07.2010 ergab sie sich im Wesent­li­chen aus der zu § 37 Abs. 1 Satz 2 BBesG erlas­se­nen Anla­ge IV Nr. 4 in der Fas­sung des Bun­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­set­zes 2003/​2004 (BBVAnpG 2003/​2004) vom 10.09.2003 [12]. Hin­sicht­lich der Grund­ge­halts­sät­ze für die R‑Besoldung hat­te der Lan­des­ge­setz­ge­ber zunächst kei­ne Rege­lung getrof­fen, sodass die bun­des­recht­li­chen Bestim­mun­gen auf der Grund­la­ge von Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG in Ver­bin­dung mit § 85 BBesG in der am 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung des BBVAnpG 2003/​2004 fort­gal­ten. Davon aus­ge­nom­men war ledig­lich der Fami­li­en­zu­schlag, der bereits durch Art. I des Geset­zes zur Ände­rung besol­dungs- und ver­sor­gungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 01.10.2008 [13] in einer eige­nen Anla­ge III zum Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz gere­gelt wur­de, wel­che die bis dahin fort­gel­ten­de Anla­ge V zu § 40 BBesG ersetz­te.
Durch § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Geset­zes zur Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­an­pas­sung für Ber­lin 2010/​2011 (BerlB­VAnpG 2010/​2011) vom 08.07.2010 [14] wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze aller Anla­gen zum Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz in der am 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung sowie der Fami­li­en­zu­schlag zum 1.08.2010 um 1,5 % erhöht [15]. Zur Begrün­dung des Umfangs der Erhö­hung wur­de aus­ge­führt, dass auf die­se Wei­se den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen unter Berück­sich­ti­gung der wei­ter­hin ange­spann­ten Haus­halts­la­ge Ber­lins Rech­nung getra­gen wer­de. Seit den Jah­ren 2004 und 2006 leis­te­ten die Beam­ten, Rich­ter und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger des Lan­des Ber­lin wich­ti­ge Bei­trä­ge zur not­wen­di­gen Kon­so­li­die­rung des Lan­des­haus­halts [16].
Das Land Ber­lin mach­te mit Wir­kung vom 01.07.2011 von der durch Art. 125a Abs. 1 Satz 2 GG ein­ge­räum­ten Erset­zungs­be­fug­nis umfas­send Gebrauch. Durch Art. III § 1 Nr. 3 des Zwei­ten Dienst­rechts­än­de­rungs­ge­set­zes vom 21.06.2011 [17] wur­de § 1b des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes (im Fol­gen­den: LBesG BE) ein­ge­fügt. Danach gel­ten die bun­des­recht­li­chen Besol­dungs­be­stim­mun­gen (nach Maß­ga­be der bereits ange­ord­ne­ten lan­des­recht­li­chen Modi­fi­ka­tio­nen) als Lan­des­recht fort. Durch Art. I § 1 Nr. 6 Buch­sta­be a des Geset­zes zur Besol­dungs­neu­re­ge­lung für das Land Ber­lin (Berl­BesNG) vom 29.06.2011 [18] wur­de der auf die­se Wei­se in Lan­des­recht trans­for­mier­te § 37 BBesG dahin­ge­hend geän­dert, dass sich die Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R aus Anla­ge 2 zum Berl­BesNG erge­ben. Die­se fass­te die Grund­ge­halts­sät­ze zum 1.08.2011 – unter Umstel­lung auf Erfah­rungs­stu­fen – neu, wobei die Erhö­hung für die­je­ni­gen Rich­ter und Staats­an­wäl­te am höchs­ten aus­fiel, die bereits zuvor die End­stu­fe erreicht hat­ten. Beim Fami­li­en­zu­schlag ver­blieb es bei der ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Erhö­hung um 2 % [19]. Die Geset­zes­be­grün­dung erläu­ter­te ledig­lich die Über­lei­tung in Lan­des­recht [20]. Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Höhe der nun gel­ten­den Besol­dungs­sät­ze fand nicht statt.
Durch das Gesetz zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2012/​2013 (BerlB­VAnpG 2012/​2013) vom 21.09.2012 [21] wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze sowie der Fami­li­en­zu­schlag zum 1.08.2012 und zum 1.08.2013 jeweils um 2 % erhöht [22]. Die Geset­zes­be­grün­dung wies dar­auf hin, dass die Anpas­sung der Bezü­ge auch im Hin­blick auf die Ent­wick­lung im Tarif­be­reich erfol­ge. Für die Tarif­be­schäf­tig­ten sei eine Rück­kehr in den Flä­chen­ta­rif­ver­trag der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der und als ers­ter Schritt eine Anhe­bung der Ent­gel­te auf 97 % des dor­ti­gen Niveaus ver­ein­bart wor­den [23]; im Übri­gen ent­spricht die Begrün­dung der­je­ni­gen zum BerlB­VAnpG 2010/​2011.
Schließ­lich wur­den durch das Gesetz zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2014/​2015 und zur Ände­rung wei­te­rer besol­dungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten (BerlB­VAnpG 2014/​2015) vom 09.07.2014 [24] die Grund­ge­halts­sät­ze und der Fami­li­en­zu­schlag zum 1.08.2014 um 3 % erhöht, wobei beim Fami­li­en­zu­schlag Erhö­hungs­be­trä­ge für die unte­ren Besol­dungs­grup­pen ein­ge­führt wur­den [25]. Zum 1.08.2015 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze sowie der Fami­li­en­zu­schlag um wei­te­re 3,2 % erhöht. Zugleich bestimm­te Art. I § 2 Abs. 6 BerlB­VAnpG 2014/​2015 jedoch, dass die­se Erhö­hung der Bezü­ge nach Maß­ga­be des § 14a Abs. 2 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 Satz 2 BBesG in der Über­lei­tungs­fas­sung für Ber­lin ver­min­dert wer­de. Das bedeu­tet, dass die Bezü­ge effek­tiv statt um 3,2 % nur um 3 % erhöht und die Ein­spa­run­gen der Ver­sor­gungs­rück­la­ge zuge­führt wur­den. Die Höhe der Bezü­ge wur­de in Anla­ge 15 Nr. 4 und Anla­ge 16 zu Art. I § 2 Abs. 4 BerlB­VAnpG 2014/​2015 aus­ge­wie­sen. Die Geset­zes­be­grün­dung führ­te zur Höhe der Besol­dungs­an­pas­sung aus: Auf Grund des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips dürf­ten die Beam­ten­be­zü­ge gegen­über der mate­ri­el­len Aus­stat­tung der sons­ti­gen Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes nicht greif­bar zurück­blei­ben. Es bestehe jedoch kei­ne Ver­pflich­tung, die Ergeb­nis­se von Tarif­ver­hand­lun­gen spie­gel­bild­lich zu über­tra­gen. Mit Blick auf die im Grund­ge­setz ver­an­ker­te Schul­den­brem­se kom­me der­glei­chen auch nicht in Betracht. Das Besol­dungs­ni­veau in den ande­ren Län­dern und beim Bund habe im Okto­ber 2013 durch­schnitt­lich rund 7 % über dem des Lan­des Ber­lin gele­gen. Unter Berück­sich­ti­gung der Infla­ti­ons­ra­te sei die vor­ge­schla­ge­ne Anpas­sung der Bezü­ge unum­gäng­lich, um eine Wir­kung auf die Real­ein­kom­men zu erzie­len. Damit wer­de der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se unter Berück­sich­ti­gung der wei­ter­hin ange­spann­ten Haus­halts­la­ge Rech­nung getra­gen [26].
Das Recht der Son­der­zah­lung ent­wi­ckel­te sich wie folgt: Nach dem bis zum Jahr 2002 auch für die Rich­ter und Staats­an­wäl­te des Lan­des Ber­lin maß­geb­li­chen Son­der­zu­wen­dungs­ge­setz des Bun­des belief sich die Son­der­zu­wen­dung auf einen bestimm­ten Pro­zent­satz der monat­li­chen Bezü­ge. Das Gesetz über die Gewäh­rung einer jähr­li­chen Son­der­zah­lung (SZG) vom 05.11.2003 [27] redu­zier­te die­se auf ein­heit­lich 640 € (§ 5 Abs. 1 SZG). Mit dem Ers­ten Gesetz zur Ände­rung des Son­der­zah­lungs­ge­set­zes vom 01.10.2008 [28] wur­de die Son­der­zah­lung abwei­chend von die­ser Rege­lung für die Kalen­der­jah­re 2008 und 2009 auf jeweils 940 € ange­ho­ben (§ 5 Abs. 1 Satz 2 SZG). In den Jah­ren 2010 bis 2015 betrug sie wie zuvor 640 €.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat drei Ver­fah­ren zur gemein­sa­men Ver­hand­lung und Ent­schei­dung ver­bun­den. Ihnen lie­gen die fol­gen­den Sach­ver­hal­te zugrun­de:
Der Klä­ger des ers­tens Ver­fah­rens [29] trat im Jahr 2008 in den Ber­li­ner Lan­des­dienst ein und wur­de spä­ter vom Rich­ter am Amts­ge­richt (Besol­dungs­grup­pe R 1) zum Vor­sit­zen­den Rich­ter am Land­ge­richt (Besol­dungs­grup­pe R 2) beför­dert.
Der Klä­ger des zwei­ten Ver­fah­rens [30] steht seit 1995 als Rich­ter am Land­ge­richt (Besol­dungs­grup­pe R 1) im Dienst des Lan­des Ber­lin.
Die Klä­ge­rin des drit­ten Ver­fah­rens [31] ist die Erbin ihres im Juli 2015 ver­stor­be­nen Ehe­manns. Die­ser war 1988 in den Ber­li­ner Jus­tiz­dienst ein­ge­tre­ten und seit 1999 als Vor­sit­zen­der Rich­ter am Land­ge­richt Ber­lin (Besol­dungs­grup­pe R 2) tätig. Im Mai 2015 war er zum Vor­sit­zen­den Rich­ter am Kam­mer­ge­richt (Besol­dungs­grup­pe R 3) ernannt wor­den.
Die erst­mals im Jahr 2009 gegen die Besol­dungs­hö­he erho­be­nen Wider­sprü­che der Klä­ger blie­ben eben­so wie ihre nach­fol­gen­den Kla­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt erfolg­los. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg wies ihre Beru­fun­gen mit im Wesent­li­chen gleich­lau­ten­den Urtei­len vom 12.10.2016 zurück.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat mit Beschluss vom 22.09.2017 das Revi­si­ons­ver­fah­ren aus­ge­setzt, um dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge vor­zu­le­gen, ob die Besol­dung im Land Ber­lin in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 in den Jah­ren 2009 bis 2015 sowie in der Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2015 mit Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar sei [32]. Die von den Klä­gern berech­tig­ter­wei­se begehr­te Fest­stel­lung, dass dies nicht der Fall sei, kön­ne nicht getrof­fen wer­den, ohne die Gül­tig­keit der maß­geb­li­chen Besol­dungs­ge­set­ze in Fra­ge zu stel­len. Des­halb sei die Rich­ter­vor­la­ge unum­gäng­lich.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der sich für die Klä­ger im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum nach den vor­ge­leg­ten Besol­dungs­vor­schrif­ten erge­ben­den Besol­dung über­zeugt. Die jün­ge­re Besol­dungs­recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sei so zu ver­ste­hen, dass sich die Ver­mu­tung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on auch erge­ben kön­ne, wenn nur zwei der fünf vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für die Prü­fung auf der ers­ten Stu­fe benann­ten Para­me­ter erfüllt sei­en, dies aber in beson­ders deut­li­cher Wei­se. Auch dann sei eine umfas­sen­de Gesamt­ab­wä­gung gebo­ten. Im vor­lie­gen­den Fall hät­ten mit der Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung und den Tarif­er­geb­nis­sen im öffent­li­chen Dienst und der­je­ni­gen zur Ent­wick­lung der Ver­brau­cher­prei­se zwei maß­geb­li­che Para­me­ter sehr deut­lich und über Jah­re hin­weg über dem vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als maß­geb­lich erach­te­ten Grenz­wert von 5 % gele­gen. Die Gesamt­ab­wä­gung aller ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en auf der zwei­ten Prü­fungs­stu­fe erge­be ein ein­heit­li­ches Bild: Die R 1‑Besoldung sei weder in der Lage, ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on sicher­zu­stel­len oder die Ver­ant­wor­tung des Amts zu wah­ren, noch hal­te das Besol­dungs­ni­veau einem Ver­gleich mit dem Gehalts­ni­veau in der Pri­vat­wirt­schaft stand. Die­ser Befund wer­de durch Ent­wick­lun­gen im Bereich ande­rer Ali­men­ta­ti­ons­leis­tun­gen nicht ent­kräf­tet, son­dern ver­stärkt. Der Gesamt­be­fund einer Unte­rali­men­tie­rung gel­te wegen des Abstands­ge­bots eben­so für die Rich­ter der Besol­dungs­grup­pe R 2 und für das – inso­weit allein streit­be­fan­ge­ne – Jahr 2015 auch der Besol­dungs­grup­pe R 3. Anhalts­punk­te für eine ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung der Unte­rali­men­ta­ti­on sei­en nicht ersicht­lich. Es sei nicht erkenn­bar, dass die Unter­schrei­tung des amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dungs­ni­veaus Teil eines umfas­sen­den Gesamt­s­par­kon­zep­tes des beklag­ten Lan­des sei. Ent­spre­chen­des kön­ne weder den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en ent­nom­men wer­den, noch habe das beklag­te Land aus­rei­chen­de Anhalts­punk­te dafür benannt. Aus den defi­zi­tä­ren Geset­zes­be­grün­dun­gen fol­ge zugleich, dass die pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen nicht ein­ge­hal­ten wor­den sei­en, die jeden­falls seit der Klar­stel­lung in der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur W‑Besoldung hät­ten bekannt sein müs­sen. Dar­über hin­aus habe die Besol­dung den erfor­der­li­chen Min­dest­ab­stand zum Grund­si­che­rungs­ni­veau nicht gewahrt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts habe die Ein­hal­tung die­ses Min­dest­ab­stands auch bei der Prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Ali­men­ta­ti­on für Ämter aus höhe­ren Besol­dungs­grup­pen Bedeu­tung. Wegen des Abstands­ge­bots füh­re die Feh­ler­haf­tig­keit des Besol­dungs­ni­veaus in unte­ren Besol­dungs­grup­pen jeden­falls so lan­ge auch zu einem Man­gel bei den höhe­ren Besol­dungs­grup­pen, wie kei­ne gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung über eine Neu­ord­nung der Abstän­de vor­lie­ge. In den frag­li­chen Jah­ren habe das Net­to­ein­kom­men auf Grund­la­ge der nied­rigs­ten Besol­dung das zum Ver­gleich her­an­zu­zie­hen­de Grund­si­che­rungs­ni­veau einer vier­köp­fi­gen Fami­lie nur knapp über­schrit­ten, so dass der Min­dest­ab­stand deut­lich ver­fehlt wor­den sei.
Die Vor­la­ge ist zuläs­sig.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat auch sei­ne Über­zeu­gung davon, dass die Besol­dung der Klä­ger der Aus­gangs­ver­fah­ren in den streit­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht genügt, hin­rei­chend dar­ge­legt. Es hat mit aus­führ­li­chen und nach­voll­zieh­ba­ren Erwä­gun­gen begrün­det, war­um es die von Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­te amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on nicht mehr gewahrt sieht.
Die beschrie­be­nen Vor­schrif­ten sind, soweit sie die Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 in den Jah­ren 2009 bis 2015 sowie die Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2015 betref­fen, mit Art. 33 Abs. 5 GG unver­ein­bar.
Der ver­fas­sungs­recht­li­che Maß­stab, an dem die Rechts­grund­la­gen für die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu mes­sen sind, ergibt sich aus Art. 33 Abs. 5 GG. Danach ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu regeln und fort­zu­ent­wi­ckeln.
Zu den vom Gesetz­ge­ber wegen ihres grund­le­gen­den und struk­tur­prä­gen­den Cha­rak­ters nicht nur zu berück­sich­ti­gen­den, son­dern zu beach­ten­den [33] her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums zählt das auch für die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te maß­geb­li­che [34] Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip. Art. 33 Abs. 5 GG ist unmit­tel­bar gel­ten­des Recht und ent­hält einen Rege­lungs­auf­trag an den Gesetz­ge­ber sowie eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums [35]. Des Wei­te­ren begrün­det Art. 33 Abs. 5 GG ein grund­rechts­glei­ches Recht der Rich­ter und Staats­an­wäl­te, soweit deren sub­jek­ti­ve Rechts­stel­lung betrof­fen ist [36].
Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip wird von ver­schie­de­nen Deter­mi­nan­ten geprägt. Es ver­pflich­tet den Dienst­herrn, Rich­ter und Staats­an­wäl­te sowie ihre Fami­li­en lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihnen nach ihrem Dienst­rang, nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung der recht­spre­chen­den Gewalt und des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren. Damit wird der Bezug der Besol­dung sowohl zu der Ein­kom­mens- und Aus­ga­ben­si­tua­ti­on der Gesamt­be­völ­ke­rung als auch zur Lage der Staats­fi­nan­zen, das heißt zu der sich in der Situa­ti­on der öffent­li­chen Haus­hal­te aus­drü­cken­den Leis­tungs­fä­hig­keit des Dienst­herrn, her­ge­stellt [37].
Die prä­gen­den Struk­tur­merk­ma­le des Berufs­be­am­ten­tums ste­hen nicht unver­bun­den neben­ein­an­der, son­dern sind eng auf­ein­an­der bezo­gen [38]. Die Besol­dung stellt in die­sem Zusam­men­hang kein Ent­gelt für bestimm­te Dienst­leis­tun­gen dar. Sie ist viel­mehr ein „Kor­re­lat“ des Dienst­herrn für die mit der Beru­fung in das Rich­ter- und Beam­ten­ver­hält­nis ver­bun­de­ne Pflicht, unter Ein­satz der gan­zen Per­sön­lich­keit – grund­sätz­lich auf Lebens­zeit – die vol­le Arbeits­kraft zur Ver­fü­gung zu stel­len und gemäß den jewei­li­gen Anfor­de­run­gen die Dienst­pflich­ten nach Kräf­ten zu erfül­len [39]. Die Gewähr­leis­tung einer recht­lich und wirt­schaft­lich gesi­cher­ten Posi­ti­on, zu der die indi­vi­du­el­le Garan­tie einer amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung und Ver­sor­gung durch das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip und die Mög­lich­keit ihrer gericht­li­chen Durch­set­zung wesent­lich bei­tra­gen, bil­det die Vor­aus­set­zung und inne­re Recht­fer­ti­gung für die lebens­lan­ge Treue­pflicht sowie das Streik­ver­bot, wäh­rend die­se umge­kehrt eine gericht­li­che Kon­trol­le der Ali­men­ta­ti­on erfor­dern; die­se Struk­tur­prin­zi­pi­en sind untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den [40].
Im Rah­men sei­ner Ver­pflich­tung zu einer dem Amt ange­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on hat der Gesetz­ge­ber auch die Attrak­ti­vi­tät der Dienst­ver­hält­nis­se von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen des Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die vom Amts­in­ha­ber gefor­der­te Aus­bil­dung und sei­ne Bean­spru­chung zu berück­sich­ti­gen [41]. Für die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on kommt es auf deren Gesamt­hö­he an, zu deren Ermitt­lung neben dem Grund­ge­halt auch wei­te­re Besol­dungs­be­stand­tei­le wie Son­der­zah­lun­gen oder Stel­len­zu­la­gen [42] her­an­zu­zie­hen sind, auch wenn die­se für sich betrach­tet nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums gemäß Art. 33 Abs. 5 GG genie­ßen [43].
Bei der Umset­zung der aus Art. 33 Abs. 5 GG resul­tie­ren­den Pflicht zur amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on besitzt der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum [44]. Dies gilt sowohl hin­sicht­lich der Struk­tur als auch hin­sicht­lich der Höhe der Besol­dung [45]; die­se ist der Ver­fas­sung nicht unmit­tel­bar, als fes­ter und exakt bezif­fer­ba­rer Betrag, zu ent­neh­men [46]. Inso­fern stellt die in Art. 33 Abs. 5 GG ent­hal­te­ne Garan­tie eines „amts­an­ge­mes­se­nen“ Unter­halts ledig­lich eine den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber in die Pflicht neh­men­de ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve dar [47]. Inner­halb des ihm zukom­men­den Ent­schei­dungs­spiel­raums muss der Gesetz­ge­ber das Besol­dungs­recht den tat­säch­li­chen Not­wen­dig­kei­ten und der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se anpas­sen. Die von ihm jeweils gewähl­te Lösung – hin­sicht­lich Struk­tur und Höhe der Ali­men­ta­ti­on – unter­liegt aller­dings der gericht­li­chen Kon­trol­le [48].
Es ist nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu prü­fen, ob der Gesetz­ge­ber dabei die gerech­tes­te, zweck­mä­ßigs­te und ver­nünf­tigs­te Lösung gewählt hat [49]. Dem wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers ent­spricht viel­mehr eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te Kon­trol­le der ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lung [50]. Im Ergeb­nis beschränkt sich die mate­ri­el­le Kon­trol­le dabei auf die Fra­ge, ob die Bezü­ge der Rich­ter und Staats­an­wäl­te evi­dent unzu­rei­chend sind. Ob dies der Fall ist, muss anhand einer Gesamt­schau ver­schie­de­ner Kri­te­ri­en und unter Berück­sich­ti­gung der kon­kret in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen geprüft wer­den [51].
Die­se Gesamt­schau voll­zieht sich in zwei Schrit­ten: Auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe wird mit Hil­fe von aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ableit­ba­ren und volks­wirt­schaft­lich nach­voll­zieh­ba­ren Para­me­tern ein durch Zah­len­wer­te kon­kre­ti­sier­ter Ori­en­tie­rungs­rah­men für eine grund­sätz­lich ver­fas­sungs­ge­mä­ße Aus­ge­stal­tung der Ali­men­ta­ti­ons­struk­tur und des Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus ermit­telt. In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip sind fünf Para­me­ter ange­legt, denen eine indi­zi­el­le Bedeu­tung bei der Ermitt­lung des ver­fas­sungs­recht­lich geschul­de­ten Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus zukommt [52]. Die Her­an­zie­hung die­ser volks­wirt­schaft­li­chen Para­me­ter dient vor allem der Ratio­na­li­sie­rung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung, darf aber nicht dahin miss­ver­stan­den wer­den, dass sich die Höhe der amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung unter Rück­griff auf sta­tis­ti­sche Daten exakt berech­nen lie­ße. Mit der Her­an­zie­hung die­ser Para­me­ter kann es schon des­halb nicht sein Bewen­den haben, weil sich der Inhalt des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips nicht allein nach volks­wirt­schaft­li­chen Kri­te­ri­en bemisst. Die ers­te Prü­fungs­stu­fe berei­tet die auf der zwei­ten Prü­fungs­stu­fe stets gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung aller ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Aspek­te [53] vor, ersetzt sie aber nicht.
Der Gesetz­ge­ber muss den für die Bemes­sung der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on rele­van­ten Kri­te­ri­en sowohl bei struk­tu­rel­len Neu­aus­rich­tun­gen im Besol­dungs­recht als auch bei der kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schrei­bung der Besol­dung über die Jah­re hin­weg Rech­nung tra­gen [54]. Eben­so wenig wie die exak­te Höhe der amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung lässt sich dabei der Zeit­punkt, zu dem die­se als gera­de noch amts­an­ge­mes­sen anzu­se­hen ist, unmit­tel­bar der Ver­fas­sung ent­neh­men. Ob der Gesetz­ge­ber sei­ner Pflicht zur Anpas­sung der Ali­men­ta­ti­on an die all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se bei der Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he nach­kommt, zeigt sich viel­mehr erst anhand einer Gegen­über­stel­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung einer­seits mit ver­schie­de­nen Ver­gleichs­grö­ßen ande­rer­seits über einen aus­sa­ge­kräf­ti­gen Zeit­raum hin­weg.
Die hier­bei regel­mä­ßig her­an­zu­zie­hen­den Schwel­len­wer­te, bei deren Über­schrei­tung eine erkenn­ba­re Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung oder ‑höhe und der Ver­gleichs­grö­ße vor­liegt, haben ledig­lich Ori­en­tie­rungs­cha­rak­ter [55]. Sie sol­len vor allem Indi­zi­en für eine Unte­rali­men­ta­ti­on iden­ti­fi­zie­ren. Vor die­sem Hin­ter­grund haben die Erstel­lung der Indi­ces und die Berech­nung der Para­me­ter mög­lichst ein­fa­chen und kla­ren Regeln zu fol­gen. Eine „Spitz­aus­rech­nung“, bei der ins­be­son­de­re alle Ver­än­de­run­gen der Besol­dung, aber auch der Tarif­löh­ne minu­ti­ös abge­bil­det wer­den, wür­de der ers­ten Prü­fungs­stu­fe eine ver­meint­li­che Objek­ti­vi­tät zumes­sen, die ihr gera­de nicht zukommt. Die Para­me­ter sind weder dazu bestimmt noch geeig­net, aus ihnen mit mathe­ma­ti­scher Exakt­heit eine Aus­sa­ge dar­über abzu­lei­ten, wel­cher Betrag für eine ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Besol­dung erfor­der­lich ist. Ein sol­ches Ver­ständ­nis wür­de die metho­di­sche Ziel­rich­tung der Besol­dungs­recht­spre­chung des Senats ver­ken­nen.
Im Aus­gangs­punkt genügt es daher, die von den Besol­dungs­ge­setz­ge­bern im Regel­fall für alle Besol­dungs­grup­pen glei­cher­ma­ßen vor­ge­nom­me­nen linea­ren Anpas­sun­gen der Bezü­ge um einen bestimm­ten Pro­zent­wert zu erfas­sen. Es stellt die Aus­sa­ge­kraft der Para­me­ter auch nicht in Fra­ge, wenn unter­jäh­ri­ge Besol­dungs­an­pas­sun­gen dabei so behan­delt wer­den, als sei­en sie zu Jah­res­be­ginn erfolgt. Der Senat ver­kennt nicht, dass sich der Zeit­punkt der Besol­dungs­an­pas­sung dar­auf aus­wirkt, was den Rich­tern und Staats­an­wäl­ten in einem Besol­dungs­jahr zur Deckung ihres Lebens­be­darfs tat­säch­lich zur Ver­fü­gung steht. Einer ungleich auf­wen­di­ge­re „Spitz­aus­rech­nung“ bedarf es jeden­falls dann nicht, wenn die jewei­li­gen Schwel­len­wer­te ohne­hin über­schrit­ten wer­den. Wenn die­se bei einer für die Ent­schei­dung erheb­li­chen Zahl von Para­me­tern knapp unter­schrit­ten wer­den oder Beson­der­hei­ten der (Besoldungs-)Entwicklung im Raum ste­hen, kann jedoch Anlass bestehen, die­sen Umstän­den im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung der Ergeb­nis­se der ers­ten Prü­fungs­stu­fe Rech­nung zu tra­gen [56]. Aus dem glei­chen Grund sind auch sons­ti­ge Besol­dungs­ver­än­de­run­gen wie nament­lich Ver­än­de­run­gen der beson­de­ren Bezü­ge­be­stand­tei­le (Son­der­zah­lun­gen, Urlaubs­geld) sowie nicht­li­nea­re Besol­dungs­er­hö­hun­gen durch Sockel­be­trä­ge oder Ein­mal­zah­lun­gen für die hier ange­wand­ten Para­me­ter nur dann bereits auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe zu berück­sich­ti­gen, wenn von vorn­her­ein fest­steht, dass sie einen erheb­li­chen Ein­fluss auf die Besol­dungs­ent­wick­lung haben kön­nen [57]. Die not­wen­di­ge Typi­sie­rung legt es schließ­lich nahe, bei nicht­li­nea­ren Besol­dungs­ver­än­de­run­gen den in die Berech­nung des Besol­dungs­in­dex ein­zu­stel­len­den Pro­zent­wert ein­heit­lich anhand der höchs­ten Erfah­rungs­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe [42] zu ermit­teln.
Ent­spre­chen­des gilt auch für die Ermitt­lung der Ver­gleichs­grö­ßen: So erfasst der durch das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ermit­tel­te Tarif­lohn­in­dex [58] allein linea­re Tarif­er­hö­hun­gen; Sockel­be­trä­ge, Ein­mal­zah­lun­gen sowie Ver­än­de­run­gen der Son­der­zah­lun­gen blei­ben eben­so außen vor wie der Zeit­punkt der Tarif­er­hö­hung. Auch bei der Gegen­über­stel­lung des brut­to­lohn­ba­sier­ten Nomi­nal­lohn­in­dex mit der Ver­än­de­rung der Brut­to­be­sol­dung sind Ver­zer­run­gen infol­ge der Steu­er­pro­gres­si­on oder der Belas­tung mit Sozi­al­ab­ga­ben nicht aus­zu­schlie­ßen [59].
Wie bei der Ermitt­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung geht es auch hier nicht um die exak­te Berech­nung der Tarif­lohn­ent­wick­lung, son­dern um Ori­en­tie­rungs­wer­te für die erfor­der­li­che Gesamt­ab­wä­gung. Einer „genaue­ren“ Berech­nung ste­hen auch prak­ti­sche Schwie­rig­kei­ten ent­ge­gen. Woll­te man bei­spiels­wei­se die Ver­än­de­run­gen der Son­der­zah­lun­gen beim Über­gang vom Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif (BAT) zum Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) abbil­den, deren Bemes­sungs­grund­la­gen sich seit­her je nach Ent­gelt­grup­pe unter­schei­den, müss­te der zu prü­fen­den Besol­dungs­grup­pe eine kon­kre­te Tari­fent­gelt­grup­pe als Ver­gleichs­maß­stab zuge­ord­net wer­den. Eine sol­che drängt sich bei den Besol­dungs­ord­nun­gen R und W nicht auf. Aber auch für die Besol­dungs­ord­nung A kann nicht ohne Wei­te­res von einem Gleich­lauf der Besol­dungs- und Tari­fent­gelt­grup­pen aus­ge­gan­gen wer­den, unter ande­rem weil für bestimm­te Tarif­be­schäf­tig­te geson­der­te Ent­gelt­ord­nun­gen ein­schlä­gig sind (z.B. für Ärz­te, Kran­ken­pfle­ger sowie den Schul- und Erzie­hungs­dienst). Gra­vie­ren­den Ver­zer­run­gen, wel­che die Aus­sa­ge­kraft eines Ver­gleichs nach­hal­tig erschüt­tern wür­den, kann im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung Rech­nung getra­gen wer­den.
Eine deut­li­che Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung und den Tarif­er­geb­nis­sen der Beschäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst im betrof­fe­nen Land oder – bei der Bun­des­be­sol­dung – auf Bun­des­ebe­ne ist ein wich­ti­ges Indiz für eine evi­den­te Miss­ach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­ge­bo­tes (ers­ter Para­me­ter) [60].
Bezugs­rah­men für die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on sind zunächst die Ein­kom­men der Arbeit­neh­mer mit ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung und Tätig­keit inner­halb des öffent­li­chen Diens­tes [61]. Dem Ein­kom­mens­ni­veau die­ser pri­vat­recht­lich beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer kommt eine beson­de­re Bedeu­tung für die Bestim­mung der Wer­tig­keit des Amtes und damit der Ange­mes­sen­heit der Besol­dung zu [62], zumal die Tarif­ab­schlüs­se im öffent­li­chen Dienst ein gewich­ti­ges Indiz für die Ent­wick­lung sowohl der (sons­ti­gen) all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se sowie des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einer­seits als auch der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des Lan­des oder des Bun­des ande­rer­seits sind. Zwar ist der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber – auch ange­sichts der grund­sätz­li­chen Unter­schie­de zwi­schen der Tari­fent­loh­nung und der Beam­ten­be­sol­dung – von Ver­fas­sungs wegen nicht ver­pflich­tet, bei Anpas­sun­gen der Bezü­ge eine strik­te Par­al­le­li­tät zu den Tarif­er­geb­nis­sen des öffent­li­chen Diens­tes zu gewähr­leis­ten [63]. Er darf die Tarif­er­geb­nis­se bei der Fest­set­zung der Beam­ten­be­sol­dung aber nicht in einer über die Unter­schied­lich­keit der Ent­loh­nungs­sys­te­me hin­aus­ge­hen­den Wei­se außer Betracht las­sen. Wird bei einer Gegen­über­stel­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung mit der Ent­wick­lung der Tarif­er­geb­nis­se im öffent­li­chen Dienst eine Abkopp­lung der Bezü­ge der Amts­trä­ger hin­rei­chend deut­lich sicht­bar, steht dies im Wider­spruch zur Ori­en­tie­rungs­funk­ti­on der Tarif­er­geb­nis­se [64].
Dies ist in der Regel der Fall, wenn die Dif­fe­renz zwi­schen den Tarif­er­geb­nis­sen und der Besol­dungs­an­pas­sung min­des­tens 5 % des Index­wer­tes der erhöh­ten Besol­dung beträgt [65]. Aus­ge­hend vom ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Kalen­der­jahr ist die Betrach­tung dabei auf den Zeit­raum der zurück­lie­gen­den 15 Jah­re zu erstre­cken, um einer­seits zufäl­li­ge Aus­schlä­ge auf­zu­fan­gen und ande­rer­seits eine metho­di­sche Ver­gleich­bar­keit noch zu gewähr­leis­ten. Ergän­zend ist gege­be­nen­falls für einen wei­te­ren gleich­lan­gen Zeit­raum, der auch den Zeit­raum der fünf Jah­re vor Beginn des oben genann­ten 15-jäh­ri­gen Betrach­tungs­zeit­raums abdeckt und sich mit die­sem Zeit­raum über­lappt, eine Ver­gleichs­be­rech­nung durch­zu­füh­ren. Durch eine der­ar­ti­ge Staf­fel­prü­fung wird sicher­ge­stellt, dass etwai­ge sta­tis­ti­sche Aus­rei­ßer berei­nigt wer­den [66].
Eine deut­li­che Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn­in­dex im jeweils betrof­fe­nen Land ist ein wei­te­res Indiz für eine evi­den­te Miss­ach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­ge­bo­tes (zwei­ter Para­me­ter) [67].
Die Ver­pflich­tung zur Anpas­sung der Besol­dung an die Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se [68] erfor­dert, dass die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu der Ein­kom­mens­si­tua­ti­on und ‑ent­wick­lung der Gesamt­be­völ­ke­rung in Bezug gesetzt wird [69]. Zur Ori­en­tie­rung eig­net sich inso­weit der Nomi­nal­lohn­in­dex, der ein all­ge­mein aner­kann­ter Indi­ka­tor für die Ein­kom­mens- und Wohl­stands­ent­wick­lung der abhän­gig Beschäf­tig­ten in Deutsch­land ist. Die­ser Index misst die Ver­än­de­rung des durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ver­diens­tes inklu­si­ve Son­der­zah­lun­gen der voll­zeit, teil­zeit- und gering­fü­gig beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer. Er ist weit­ge­hend reprä­sen­ta­tiv für die Ver­dienst­ent­wick­lung und bil­det sie trans­pa­rent, exakt, zeit­nah und in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den ab [59]. Beträgt die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn­in­dex und der Besol­dungs­ent­wick­lung bei Zugrun­de­le­gung eines Zeit­raums von 15 Jah­ren bis zu dem ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­ab­schnitt sowie in einem über­lap­pen­den gleich­lan­gen Zeit­raum in der Regel min­des­tens 5 % des Index­wer­tes der erhöh­ten Besol­dung, ist dies ein wei­te­res Indiz für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on [70].
Eine deut­li­che Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von der Ent­wick­lung des Ver­brau­cher­preis­in­dex in dem jeweils betrof­fe­nen Land oder – bei der Bun­des­be­sol­dung – auf Bun­des­ebe­ne ist eben­falls ein Indiz für eine Ver­let­zung des Kern­ge­halts der Ali­men­ta­ti­on (drit­ter Para­me­ter) [71]. Der Ver­brau­cher­preis­in­dex bemisst die durch­schnitt­li­che Preis­ent­wick­lung aller Waren und Dienst­leis­tun­gen (Mie­ten, Nah­rungs­mit­tel, Beklei­dung, Kraft­fahr­zeu­ge, Fri­seur, Rei­ni­gung, Repa­ra­tu­ren, Ener­gie­kos­ten, Rei­sen etc.), die von pri­va­ten Haus­hal­ten für Kon­sum­zwe­cke in Anspruch genom­men wer­den [72].
Der Gesetz­ge­ber hat bei der Bemes­sung der Besol­dung zu berück­sich­ti­gen, dass die­se dem Rich­ter oder Staats­an­walt über die Befrie­di­gung der Grund­be­dürf­nis­se hin­aus einen sei­nem Amt ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt ermög­li­chen muss [73]. Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­langt – par­al­lel zu der Kon­stel­la­ti­on eines fami­li­är beding­ten Unter­halts­be­darfs [74] –, durch eine ent­spre­chen­de Bemes­sung der Bezü­ge zu ver­hin­dern, dass das Gehalt infol­ge eines Anstiegs der all­ge­mei­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten auf­ge­zehrt wird und dem Rich­ter oder Staats­an­walt infol­ge des Kauf­kraft­ver­lus­tes die Mög­lich­keit genom­men wird, den ihm zukom­men­den Lebens­zu­schnitt zu wah­ren. Zur Ermitt­lung der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on des Rich­ters oder Staats­an­walts ist der Ent­wick­lung sei­nes Ein­kom­mens die all­ge­mei­ne Preis­ent­wick­lung anhand des Ver­brau­cher­preis­in­dex gegen­über­zu­stel­len [72].
Beträgt die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung des Ver­brau­cher­preis­in­dex und der Besol­dungs­ent­wick­lung bei Zugrun­de­le­gung eines Zeit­raums von 15 Jah­ren bis zu dem ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­ab­schnitt sowie in einem über­lap­pen­den gleich­lan­gen Zeit­raum in der Regel min­des­tens 5 % des Index­wer­tes der erhöh­ten Besol­dung, ist dies ein wei­te­res Indiz für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on [75].
Der vier­te Para­me­ter ergibt sich aus einem sys­tem­in­ter­nen Besol­dungs­ver­gleich [76].
Die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on der Rich­ter und Staats­an­wäl­te bestimmt sich auch durch ihr Ver­hält­nis zur Besol­dung und Ver­sor­gung ande­rer Beam­ten­grup­pen [77]. Durch die Anknüp­fung der Ali­men­ta­ti­on an inner­dienst­li­che, unmit­tel­bar amts­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­en wie den Dienst­rang soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Bezü­ge ent­spre­chend der unter­schied­li­chen Wer­tig­keit der Ämter abge­stuft sind. Gleich­zei­tig kommt dar­in zum Aus­druck, dass jedem Amt eine Wer­tig­keit imma­nent ist, die sich in der Besol­dungs­hö­he wider­spie­geln muss. Die Wer­tig­keit wird ins­be­son­de­re durch die Ver­ant­wor­tung des Amtes und die Inan­spruch­nah­me des Amts­in­ha­bers bestimmt. Die „amts“-angemessene Besol­dung ist not­wen­di­ger­wei­se eine abge­stuf­te Besol­dung [78]. Die Orga­ni­sa­ti­on der öffent­li­chen Ver­wal­tung stellt dar­auf ab, dass in den höher besol­de­ten Ämtern die für den Dienst­herrn wert­vol­le­ren Leis­tun­gen erbracht wer­den. Des­halb muss im Hin­blick auf das Leis­tungs- und das Lauf­bahn­prin­zip mit der orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Glie­de­rung der Ämter eine Staf­fe­lung der Gehäl­ter ein­her­ge­hen. Ver­glei­che sind dabei nicht nur inner­halb einer Besol­dungs­ord­nung, son­dern gera­de auch zwi­schen den ver­schie­de­nen Besol­dungs­ord­nun­gen gebo­ten [79]. Amts­an­ge­mes­se­ne Gehäl­ter sind auf die­ser Grund­la­ge so zu bemes­sen, dass sie Rich­tern und Staats­an­wäl­ten eine Lebens­hal­tung ermög­li­chen, die der Bedeu­tung ihres jewei­li­gen Amtes ent­spricht [80].
Das Ergeb­nis des sys­tem­in­ter­nen Besol­dungs­ver­gleichs kann in zwei­fa­cher Hin­sicht indi­zi­el­le Bedeu­tung dafür haben, dass die Besol­dung hin­ter den Vor­ga­ben des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips zurück­bleibt.
Im ers­ten Fall ergibt sich die indi­zi­el­le Bedeu­tung aus dem Umstand, dass es infol­ge unter­schied­lich hoher linea­rer oder zeit­lich ver­zö­ger­ter Besol­dungs­an­pas­sun­gen zu einer deut­li­chen Ver­rin­ge­rung der Abstän­de zwi­schen zwei zu ver­glei­chen­den Besol­dungs­grup­pen kommt. Die­se Schwel­le ist nicht erst dann über­schrit­ten, wenn die Abstän­de ganz oder im Wesent­li­chen ein­ge­eb­net wer­den. Das wäre mit dem Abstands­ge­bot als eigen­stän­di­gem her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums unver­ein­bar [81]. Ein im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung zu gewich­ten­des Indiz für eine unzu­rei­chen­de Ali­men­ta­ti­on liegt viel­mehr bereits dann vor, wenn die Abstän­de um min­des­tens 10 % in den zurück­lie­gen­den fünf Jah­ren abge­schmol­zen wur­den [82].
Im zwei­ten Fall folgt die indi­zi­el­le Bedeu­tung aus der Miss­ach­tung des gebo­te­nen Min­dest­ab­stands zum Grund­si­che­rungs­ni­veau in der unters­ten Besol­dungs­grup­pe.
Beim Min­dest­ab­stands­ge­bot han­delt es sich – wie beim Abstands­ge­bot – um einen eigen­stän­di­gen, aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip abge­lei­te­ten Grund­satz. Es besagt, dass bei der Bemes­sung der Besol­dung der qua­li­ta­ti­ve Unter­schied zwi­schen der Grund­si­che­rung, die als staat­li­che Sozi­al­leis­tung den Lebens­un­ter­halt von Arbeit­su­chen­den und ihren Fami­li­en sicher­stellt, und dem Unter­halt, der erwerbs­tä­ti­gen Beam­ten und Rich­tern geschul­det ist, hin­rei­chend deut­lich wer­den muss [83]. Die­ser Min­dest­ab­stand wird unter­schrit­ten, wenn die Net­to­ali­men­ta­ti­on (unter Berück­sich­ti­gung der fami­li­en­be­zo­ge­nen Bezü­ge­be­stand­tei­le und des Kin­der­gelds) um weni­ger als 15 % über dem Grund­si­che­rungs­ni­veau liegt [84]. Man­gels gegen­tei­li­ger Anhalts­punk­te ist nach wie vor davon aus­zu­ge­hen, dass die Besol­dungs­ge­setz­ge­ber das Grund­ge­halt von vorn­her­ein so bemes­sen, dass – zusam­men mit den Fami­li­en­zu­schlä­gen für den Ehe­part­ner und die ers­ten bei­den Kin­der – eine bis zu vier­köp­fi­ge Fami­lie amts­an­ge­mes­sen unter­hal­ten wer­den kann, so dass es einer geson­der­ten Prü­fung der Besol­dung mit Blick auf die Kin­der­zahl erst ab dem drit­ten Kind bedarf [85]. Die vier­köp­fi­ge Allein­ver­die­n­er­fa­mi­lie ist dem­nach eine aus der bis­he­ri­gen Besol­dungs­pra­xis abge­lei­te­te Bezugs­grö­ße, nicht Leit­bild der Beam­ten­be­sol­dung. Auch hin­sicht­lich der Struk­tu­rie­rung der Besol­dung ver­fügt der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber über einen brei­ten Gestal­tungs­spiel­raum [86]. Es besteht ins­be­son­de­re kei­ne Ver­pflich­tung, die Grund­be­sol­dung so zu bemes­sen, dass Beam­te und Rich­ter ihre Fami­lie als Allein­ver­die­ner unter­hal­ten kön­nen. Viel­mehr steht es dem Besol­dungs­ge­setz­ge­ber frei, etwa durch höhe­re Fami­li­en­zu­schlä­ge bereits für das ers­te und zwei­te Kind stär­ker als bis­her die Besol­dung von den tat­säch­li­chen Lebens­ver­hält­nis­sen abhän­gig zu machen.
Wird bei der zur Prü­fung gestell­ten Besol­dungs­grup­pe der Min­dest­ab­stand zur Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nicht ein­ge­hal­ten, liegt allein hier­in eine Ver­let­zung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips. Hin­sicht­lich der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Ali­men­ta­ti­on einer höhe­ren Besol­dungs­grup­pe, bei der das Min­dest­ab­stands­ge­bot selbst gewahrt ist, lässt sich eine sol­che Schluss­fol­ge­rung nicht ohne Wei­te­res zie­hen. Eine Ver­let­zung des Min­dest­ab­stands­ge­bots betrifft aber inso­fern das gesam­te Besol­dungs­ge­fü­ge, als sich der vom Besol­dungs­ge­setz­ge­ber selbst gesetz­te Aus­gangs­punkt für die Besol­dungs­staf­fe­lung als feh­ler­haft erweist. Das für das Ver­hält­nis zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen gel­ten­de Abstands­ge­bot zwingt den Gesetz­ge­ber dazu, bei der Aus­ge­stal­tung der Besol­dung ein Gesamt­kon­zept zu ver­fol­gen, das die Besol­dungs­grup­pen und Besol­dungs­ord­nun­gen zuein­an­der in Ver­hält­nis setzt und abhän­gig von­ein­an­der auf­baut. Erweist sich die Grund­la­ge die­ses Gesamt­kon­zepts als ver­fas­sungs­wid­rig, weil für die unterste(n) Besoldungsgruppe(n) die Anfor­de­run­gen des Min­dest­ab­stands­ge­bots miss­ach­tet wur­den, wird der Aus­gangs­punkt für die dar­auf auf­bau­en­de Stu­fung in Fra­ge gestellt. Der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber ist danach gehal­ten, eine neue kon­sis­ten­te Besol­dungs­sys­te­ma­tik mit einem ande­ren Aus­gangs­punkt zu bestim­men.
Aller­dings hat der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum, wie er bei der Fest­set­zung der Bezü­ge den Anfor­de­run­gen des Gebo­tes eines Min­dest­ab­stands zum Grund­si­che­rungs­ni­veau Rech­nung trägt. Neben der Anhe­bung der Grund­ge­halts­sät­ze und Ver­än­de­run­gen im Bei­hil­fe­recht kommt ins­be­son­de­re auch eine Anhe­bung des Fami­li­en­zu­schlags in Betracht [87]. Ob eine zur Behe­bung eines Ver­sto­ßes gegen das Min­dest­ab­stands­ge­bot erfor­der­li­che Neu­struk­tu­rie­rung des Besol­dungs­ge­fü­ges zu einer Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze einer höhe­ren Besol­dungs­grup­pe führt, lässt sich daher nicht mit der für die Annah­me eines Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes erfor­der­li­chen Gewiss­heit fest­stel­len. Die Wahr­schein­lich­keit hier­für ist umso grö­ßer, je näher die zur Prü­fung gestell­te Besol­dungs­grup­pe selbst an der Gren­ze zur Min­dest­be­sol­dung liegt. Je deut­li­cher der Ver­stoß aus­fällt und je mehr Besol­dungs­grup­pen hin­ter dem Min­dest­ab­stands­ge­bot zurück­blei­ben, des­to eher ist damit zu rech­nen, dass es zu einer spür­ba­ren Anhe­bung des gesam­ten Besol­dungs­ni­veaus kom­men muss, um die gebo­te­nen Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen wah­ren zu kön­nen. Die Ver­let­zung des Min­dest­ab­stands­ge­bots bei einer nied­ri­ge­ren Besol­dungs­grup­pe ist daher (nur) ein Indiz für die unzu­rei­chen­de Aus­ge­stal­tung der höhe­ren Besol­dungs­grup­pe, das mit dem ihm nach den Umstän­den des Fal­les zukom­men­den Gewicht in die Gesamt­ab­wä­gung ein­zu­stel­len ist.
Das zur Bestim­mung der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on her­an­ge­zo­ge­ne Grund­si­che­rungs­ni­veau umfasst alle Ele­men­te des Lebens­stan­dards, der den Emp­fän­gern von Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen staat­li­cher­seits gewährt wird, unab­hän­gig davon, ob die­se zum von Ver­fas­sungs wegen garan­tier­ten Exis­tenz­mi­ni­mum [88] zäh­len oder über die­ses hin­aus­ge­hen und ob zur Befrie­di­gung der aner­kann­ten Bedürf­nis­se Geld­leis­tun­gen gewährt oder bedarfs­de­cken­de Sach- bezie­hungs­wei­se Dienst­leis­tun­gen erbracht wer­den.
Ist der Gesetz­ge­ber gehal­ten, den Umfang der Sozi­al­leis­tun­gen rea­li­täts­ge­recht [89] zu bemes­sen, kann dies nicht ohne ver­ein­fa­chen­de Annah­men gelin­gen. Die zu berück­sich­ti­gen­den Posi­tio­nen müs­sen not­wen­di­ger­wei­se typi­siert wer­den [90]. Weder der in ers­ter Linie zur Durch­füh­rung einer ent­spre­chen­den Berech­nung beru­fe­ne Besol­dungs­ge­setz­ge­ber noch das zur Nach­prü­fung beru­fe­ne Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss sich an aty­pi­schen Son­der­fäl­len ori­en­tie­ren. Die Her­an­ge­hens­wei­se muss jedoch von dem Ziel bestimmt sein, sicher­zu­stel­len, dass die Net­to­ali­men­ta­ti­on in mög­lichst allen Fäl­len den gebo­te­nen Min­dest­ab­stand zu dem den Emp­fän­gern der sozia­len Grund­si­che­rung gewähr­leis­te­ten Lebens­stan­dard wahrt [91]. Damit kommt eine Ori­en­tie­rung an einem Durch­schnitts­wert jeden­falls dann nicht in Betracht, wenn die Vari­anz so groß ist, dass er in einer grö­ße­ren Anzahl von Fäl­len erkenn­bar nicht aus­rei­chen wür­de [92]. Zwar hat der Senat dem Steu­er­ge­setz­ge­ber in der Ver­gan­gen­heit unter Durch­bre­chung des Grund­sat­zes, dass kein Steu­er­pflich­ti­ger infol­ge einer Besteue­rung sei­nes Ein­kom­mens dar­auf ver­wie­sen wer­den dür­fe, sei­nen exis­tenz­not­wen­di­gen Bedarf durch Inan­spruch­nah­me von Staats­leis­tun­gen zu sichern, zuge­bil­ligt, sich bei einem erheb­li­chen Preis­ge­fäl­le auf dem Woh­nungs­markt hin­sicht­lich der Wohn­kos­ten bei der Bemes­sung des Grund­frei­be­trags an einem „unte­ren Wert“ zu ori­en­tie­ren. Er hat dies aber unter der Bedin­gung getan, dass der Gesetz­ge­ber zugleich zur ergän­zen­den Deckung des Bedarfs nach dem Ein­zel­fall bemes­se­ne Sozi­al­leis­tun­gen, wie etwa ein Wohn­geld, zur Ver­fü­gung stellt [93]. Weil die Besol­dung der Beam­ten und Rich­ter nicht dem Gewähr­leis­tungs­be­reich des Art. 33 Abs. 5 GG ent­zo­gen wer­den kann, darf der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber sie, wenn es um die Ein­hal­tung der aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip fol­gen­den Min­dest­an­for­de­run­gen geht, indes nicht auf den Bezug von Sozi­al­leis­tun­gen ver­wei­sen. Allen­falls dür­fen tat­säch­lich bezo­ge­ne Sozi­al­leis­tun­gen auf die Bezü­ge ange­rech­net wer­den [94]. Ande­res gilt nur für das Kin­der­geld [95], weil mit ihm im Aus­gangs­punkt die – bei der Ermitt­lung des Net­to­ge­halts ohne­hin zu berück­sich­ti­gen­de – ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne steu­er­li­che Frei­stel­lung des Exis­tenz­mi­ni­mums des Kin­des bewirkt wird [96] und es daher nur in bestimm­ten Fäl­len und in unter­schied­li­chem Umfang den Cha­rak­ter einer Sozi­al­leis­tung hat [97].
Die nach­fol­gen­den Aus­füh­run­gen stel­len kei­ne für den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber in jeder Ein­zel­heit ver­bind­li­che Berech­nungs­grund­la­ge dar. Ihm stün­de es ins­be­son­de­re frei, die Höhe des Grund­si­che­rungs­ni­veaus mit Hil­fe einer ande­ren plau­si­blen und rea­li­täts­ge­rech­ten Metho­dik zu bestim­men [98]. Ihn trifft jedoch die Pflicht, die ihm zu Gebo­te ste­hen­den Erkennt­nis­mög­lich­kei­ten hin­sicht­lich der Höhe der Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen aus­zu­schöp­fen, um die Ent­wick­lung der Lebens­ver­hält­nis­se zu beob­ach­ten und die Höhe der Besol­dung an die­se Ent­wick­lung kon­ti­nu­ier­lich im gebo­te­nen Umfang anzu­pas­sen [99]. Stellt er dabei eine erheb­li­che (regio­na­le) Sprei­zung inner­halb sei­nes Ver­ant­wor­tungs­be­reichs fest, kann er dar­auf mit einer regio­na­len Dif­fe­ren­zie­rung der Beam­ten­be­sol­dung reagie­ren.
Gemäß § 20 SGB II wird zur Befrie­di­gung des Regel­be­darfs zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts ein monat­li­cher Pau­schal­be­trag aner­kannt, des­sen Höhe regel­mä­ßig neu fest­ge­setzt wird. Dabei wird typi­sie­rend für unter­schied­li­che Lebens­um­stän­de ein unter­schied­li­cher Regel­be­darf ange­nom­men. Für in einer Bedarfs­ge­mein­schaft zusam­men­le­ben­de Erwach­se­ne gilt gemäß § 20 Abs. 4 SGB II die Bedarfs­stu­fe 2. Für Kin­der rich­tet sich die Zuord­nung zu einer Regel­be­darfs­stu­fe nach dem Lebens­al­ter. Inso­fern kann auf die im Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt der Bun­des­re­gie­rung eta­blier­te Berech­nungs­me­tho­de zurück­ge­grif­fen wer­den, bei der die Regel­be­darfs­sät­ze mit der Anzahl der für die ein­zel­nen Regel­be­darfs­stu­fen rele­van­ten Lebens­jah­re gewich­tet wer­den [100].
Hin­sicht­lich der Kos­ten der Unter­kunft bie­tet sich ein Rück­griff auf die von der Bun­des­agen­tur für Arbeit sta­tis­tisch ermit­tel­ten Wer­te an.
Eine Über­nah­me der in den Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­ten ange­wand­ten Metho­de kommt nicht in Betracht. Im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum wur­den dar­in neben dem gesamt­deut­schen Mie­ten­ni­veau der Wohn­geld­emp­fän­ger der für die Mie­ten­stu­fen I bis IV nach Fall­zah­len gewich­te­te Durch­schnitts­wert zugrun­de gelegt [101] und damit gera­de die Mie­ten der (damals) höchs­ten Mie­ten­stu­fen V und VI nach § 12 WoGG außer Ansatz gelas­sen [102]. Dass die Auf­fas­sung der Bun­des­re­gie­rung, die­se Metho­dik sei auch für die Bestim­mung der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on her­an­zu­zie­hen, nicht zutref­fen kann, folgt schon dar­aus, dass sie in ihrer Stel­lung­nah­me die Beam­ten aus­drück­lich auf den Wohn­geld­be­zug ver­weist. Der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber kann sich sei­ner aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip erge­ben­den Ver­pflich­tung aber nicht mit Blick auf Sozi­al­leis­tungs­an­sprü­che ent­le­di­gen; die ange­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on muss durch das Beam­ten­ge­halt selbst gewahrt wer­den [103].
Um der ver­fas­sungs­recht­li­chen Ziel­set­zung, das Grund­si­che­rungs­ni­veau als Aus­gangs­punkt für die Fest­le­gung der Unter­gren­ze der Beam­ten­be­sol­dung zu bestim­men, gerecht zu wer­den, muss der Bedarf für die Kos­ten der Unter­kunft so erfasst wer­den, wie ihn das Sozi­al­recht defi­niert und die Grund­si­che­rungs­be­hör­den tat­säch­lich aner­ken­nen. Auch muss der Ansatz so bemes­sen sein, dass er auch in den Kom­mu­nen mit höhe­ren Kos­ten der Unter­kunft das Grund­si­che­rungs­ni­veau nicht unter­schrei­tet.
§ 22 Abs. 1 Satz 1 SGB II sieht vor, dass Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung in Höhe der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen aner­kannt wer­den, soweit die­se ange­mes­sen sind. Solan­ge nicht auf­grund von § 22a Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 22b Abs. 1 SGB II durch Sat­zung (oder Ver­ord­nung) bestimmt wird, wel­che Kos­ten der Unter­kunft bezie­hungs­wei­se wel­che Wohn­flä­che ent­spre­chend der Struk­tur des ört­li­chen Woh­nungs­mark­tes als ange­mes­sen aner­kannt wer­den, muss die Ange­mes­sen­heit der Kos­ten nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in einer mehr­stu­fi­gen Ein­zel­fall­prü­fung ermit­telt wer­den: Zunächst ist die soge­nann­te abs­trak­te Ange­mes­sen­heit der Mie­te zu bestim­men, für die es auf Wohn­flä­che, Wohn­stan­dard (ins­be­son­de­re Lage und Aus­stat­tung) und ört­li­ches Preis­ni­veau ankommt. Nach der soge­nann­ten Pro­dukt­theo­rie ist eine Unter­kunft ange­mes­sen, deren Kos­ten dem Pro­dukt aus ange­mes­se­ner Wohn­flä­che einer­seits und dem im Ver­gleichs­raum für Woh­nun­gen ein­fa­chen Stan­dards ermit­tel­ten Miet­zins pro Qua­drat­me­ter ande­rer­seits ent­spricht [104]. Der Ver­gleichs­raum ist aus­ge­hend vom Wohn­ort zu bestim­men, wobei es dar­auf ankommt, wel­che Orte auf­grund ihrer räum­li­chen Nähe, der Infra­struk­tur und ins­be­son­de­re ihrer ver­kehrs­tech­ni­schen Ver­bun­den­heit einen ins­ge­samt betrach­tet homo­ge­nen Lebens- und Wohn­be­reich bil­den [105]. Dabei kann der Grund­si­che­rungs­emp­fän­ger sei­nen Wohn­ort frei wäh­len: Nach einem Umzug über die Gren­zen des kom­mu­na­len Ver­gleichs­raums hin­aus sind die anzu­set­zen­den Kos­ten der Unter­kunft nicht auf die Auf­wen­dun­gen am bis­he­ri­gen Wohn­ort begrenzt [106]. Die anzu­set­zen­de Wohn­flä­che wird aus den im jeweils frag­li­chen Zeit­raum gel­ten­den lan­des­recht­li­chen Vor­ga­ben für den sozia­len Miet­woh­nungs­bau abge­lei­tet [107]. Der Qua­drat­me­ter­preis für Woh­nun­gen ein­fa­chen Stan­dards ist auf der Grund­la­ge eines über­prüf­ba­ren, schlüs­si­gen Kon­zepts zur Daten­er­he­bung und ‑aus­wer­tung zu ermit­teln, das die Gewähr dafür bie­tet, die Ver­hält­nis­se des ört­li­chen Woh­nungs­markts in einem bestimm­ten Zeit­raum wie­der­zu­ge­ben [108]. Über­schrei­ten die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen den nach die­sen Maß­ga­ben bestimm­ten abs­trakt ange­mes­se­nen Betrag, wird im Ver­fah­ren nach § 22 Abs. 1 Satz 3 SGB II geprüft, ob im kon­kre­ten Ein­zel­fall eine bedarfs­ge­rech­te und kos­ten­güns­ti­ge Woh­nung tat­säch­lich ver­füg­bar und zugäng­lich ist. Ist dies nicht der Fall, sind die höhe­ren Kos­ten anzu­er­ken­nen [109].
Die Höhe der grund­si­che­rungs­recht­li­chen Kos­ten der Unter­kunft wird rea­li­täts­ge­recht erfasst, wenn die von der Bun­des­agen­tur für Arbeit län­der­spe­zi­fisch erho­be­nen und in ihrer Aus­kunft über­mit­tel­ten Daten über die tat­säch­lich aner­kann­ten Bedar­fe (95 %-Per­zen­til) zugrun­de gelegt wer­den. Hier­bei han­delt es sich um den Betrag, mit dem im jewei­li­gen Jahr bei rund 95 % der Part­ner-Bedarfs­ge­mein­schaf­ten mit zwei Kin­dern der aner­kann­te monat­li­che Bedarf für lau­fen­de Kos­ten der Unter­kunft abge­deckt wor­den ist. Der Anteil der Haus­hal­te, bei denen ein noch höhe­rer monat­li­cher Bedarf für die lau­fen­den Kos­ten der Unter­kunft aner­kannt wor­den ist, liegt bei unter 5 %. Auf die­se Wei­se wer­den die tat­säch­lich als ange­mes­sen aner­kann­ten Kos­ten der Unter­kunft erfasst, wäh­rend zugleich die sta­tis­ti­schen Aus­rei­ßer, die auf beson­de­ren Aus­nah­me­fäl­len beru­hen mögen, außer Betracht blei­ben. Damit wird sicher­ge­stellt, dass die auf die­ser Basis ermit­tel­te Min­dest­be­sol­dung unab­hän­gig vom Wohn­ort des Beam­ten aus­reicht, um eine ange­mes­se­ne Woh­nung bezah­len zu kön­nen.
Anders als die Regie­rung des Saar­lan­des in ihrer Stel­lung­nah­me aus­führt, kann der Dienst­herr nicht erwar­ten, dass Beam­te der unters­ten Besol­dungs­grup­pe ihren Wohn­sitz „amts­an­ge­mes­sen“ in dem Ort wäh­len, der lan­des­weit die nied­rigs­ten Wohn­kos­ten auf­weist. Die­se Über­le­gung ent­fernt sich unzu­läs­sig vom Grund­si­che­rungs­recht, das die freie Wohn­ort­wahl gewähr­leis­tet, ins­be­son­de­re auch den Umzug in den Ver­gleichs­raum mit den höchs­ten Wohn­kos­ten. Unab­hän­gig davon dür­fen Beam­te weder ihre Dienst­stel­le noch ihren Wohn­ort belie­big wäh­len. Der Bestim­mung der Dienst­stel­le durch den Dienst­herrn kön­nen nur schwer­wie­gen­de per­sön­li­che Grün­de oder außer­ge­wöhn­li­che Här­ten ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den [110]. Die Beam­ten sind zudem auch ohne aus­drück­li­che Anord­nung einer Resi­denz­pflicht ver­pflich­tet, ihre Woh­nung so zu neh­men, dass die ord­nungs­mä­ßi­ge Wahr­neh­mung ihrer Dienst­ge­schäf­te nicht beein­träch­tigt wird (vgl. § 72 Abs. 1 BBG sowie § 69 LBesG BE).
Der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber ist aller­dings nicht ver­pflich­tet, die Min­dest­be­sol­dung eines Beam­ten oder Rich­ters auch dann an den regio­na­len Höchst­wer­ten aus­zu­rich­ten, wenn die­ser hier­von gar nicht betrof­fen ist. Der Gesetz­ge­ber muss nicht pau­scha­lie­ren, son­dern kann den maß­geb­li­chen Bedarf indi­vi­du­ell oder grup­pen­be­zo­gen erfas­sen [93]. Ins­be­son­de­re ist er frei, Besol­dungs­be­stand­tei­le an die regio­na­len Lebens­hal­tungs­kos­ten anzu­knüp­fen, etwa durch (Wieder-)Einführung eines an den ört­li­chen Wohn­kos­ten ori­en­tier­ten (Orts-)Zuschlags [111], wie es der­zeit regel­mä­ßig bei einer Aus­lands­ver­wen­dung (vgl. § 1b Abs. 1 Nr. 1 LBesG BE i.V.m. § 52 Abs. 1 BBesG i.d.F. vom 06.08.2002) und teil­wei­se auch inner­halb eines Lan­des (vgl. Art. 94 Bay­BesG) prak­ti­ziert wird. Eine an Wohn­sitz oder Dienst­ort anknüp­fen­de Abstu­fung ist mit dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­ein­bar, sofern sie sich vor Art. 3 Abs. 1 GG recht­fer­ti­gen lässt [112]. Mit den Mie­ten­stu­fen des Wohn­geld­ge­set­zes, denen alle Kom­mu­nen ent­spre­chend den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen des Miet­woh­nungs­mark­tes zuge­ord­net sind, stün­de ein leicht zu hand­ha­ben­des Kri­te­ri­um bereit.
Zum grund­si­che­rungs­recht­li­chen Bedarf zäh­len nach § 22 Abs. 1 Satz 1 SGB II auch Heiz­kos­ten, sofern sie ange­mes­sen sind. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts kön­nen dem bun­des­wei­ten Heiz­spie­gel, der jähr­lich nach Ener­gie­trä­ger und Grö­ße der Wohn­an­la­ge gestaf­fel­te Ver­gleichs­wer­te aus­weist, Richt­wer­te ent­nom­men wer­den. Nur wenn die Heiz­kos­ten das Pro­dukt aus der ange­mes­se­nen Wohn­flä­che und dem Höchst­wert des Heiz­spie­gels über­stei­gen, besteht Anlass dazu, die Auf­wen­dun­gen kon­kret auf ihre Ange­mes­sen­heit hin zu über­prü­fen [113].
Die Berech­nun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts beru­hen auf die­sen Vor­ga­ben und kön­nen des­halb als rea­li­täts­ge­rech­ter Ansatz über­nom­men wer­den. Dass dabei auf bun­des­ein­heit­li­che Wer­te des Heiz­spie­gels abge­stellt wird, steht nicht im Wider­spruch zur Föde­ra­li­sie­rung des Besol­dungs­rechts, weil das Grund­si­che­rungs­recht inso­fern kei­ne Regio­na­li­sie­rung vor­sieht.
Für Kin­der, Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne hat der Gesetz­ge­ber über den Regel­be­darf hin­aus Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft (im Fol­gen­den: Bil­dung und Teil­ha­be) geson­dert erfasst. Auch sie zäh­len zum sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Grund­be­darf [114].
Bis 2011 wur­den ins­be­son­de­re ein fes­ter Betrag von 100 € für den per­sön­li­chen Schul­be­darf pro Schul­jahr (§ 24a SGB II a.F.) und der Ersatz der erfor­der­li­chen Aus­ga­ben für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten (§ 23 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 SGB II a. F.) aner­kannt. Von 2011 bis 2015 wur­den in § 28 SGB II fol­gen­de Bedar­fe erfasst: Leis­tun­gen für Schul­aus­flü­ge und mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten im Rah­men der schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen (§ 28 Abs. 2 SGB II), per­sön­li­cher Schul­be­darf (§ 28 Abs. 3 SGB II), Kos­ten der Schü­ler­be­för­de­rung, soweit sie nicht von Drit­ten über­nom­men wer­den und es nicht zumut­bar ist, sie aus dem Eigen­be­darf zu bestrei­ten (§ 28 Abs. 4 SGB II), ange­mes­se­ne Kos­ten der Lern­för­de­rung, soweit die­se geeig­net und zusätz­lich erfor­der­lich ist, um die nach den schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen fest­ge­leg­ten wesent­li­chen Lern­zie­le zu errei­chen (§ 28 Abs. 5 SGB II), Mehr­auf­wen­dun­gen für die Teil­nah­me an einer gemein­schaft­li­chen Mit­tags­ver­pfle­gung von Schü­lern und von Kin­dern, die in Tages­ein­rich­tun­gen oder in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge betreut wer­den (§ 28 Abs. 6 SGB II), sowie Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit der Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft (§ 28 Abs. 7 SGB II). Pau­scha­liert sind ledig­lich der per­sön­li­che Schul­be­darf (100 € pro Schul­jahr) und die Auf­wen­dun­gen für die Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft (zehn € pro Monat bis zum 18. Lebens­jahr), wobei seit 2013 in Aus­nah­me­fäl­len auch die (höhe­ren) tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen berück­sich­tigt wer­den kön­nen (§ 28 Abs. 7 Satz 2 SGB II). Im Übri­gen wer­den im Grund­satz die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen aner­kannt.
Die Bun­des­re­gie­rung legt ihren Berech­nun­gen in den ein­schlä­gi­gen Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­ten [115] nur „typi­sche Bedarfs­po­si­tio­nen“ zugrun­de, wobei sie hier­un­ter Leis­tun­gen ver­steht, deren Höhe sich aus den ent­spre­chen­den sozi­al­recht­li­chen Rege­lun­gen erge­be. Sie berück­sich­ti­ge daher jähr­lich 100 € für den Schul­be­darf, monat­lich 3 € für Aus­flü­ge von Kin­dern in Schu­len und Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen sowie monat­lich 10 € für die Teil­nah­me an Ange­bo­ten zur Frei­zeit­ge­stal­tung. Die­ser Ansatz ist in mehr­fa­cher Hin­sicht wider­sprüch­lich: Das dort gewähl­te Kri­te­ri­um einer unmit­tel­bar im Gesetz erfolg­ten Bezif­fe­rung passt mit dem Ansatz, typi­scher­wei­se anfal­len­de Bedarfs­pos­ten zu erfas­sen, nicht zusam­men. Abge­se­hen davon, dass es mit Blick auf die Tages­aus­flü­ge nicht kon­se­quent durch­ge­hal­ten wird, ist nicht nach­voll­zieh­bar, war­um Klas­sen­fahr­ten, die auf­grund der schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen erfah­rungs­ge­mäß mehr­mals im Lau­fe der Schul­lauf­bahn anfal­len und erheb­li­che Kos­ten ver­ur­sa­chen, außer Betracht blei­ben soll­ten. Ver­gleich­ba­res gilt ange­sichts der zuneh­men­den Ganz­tags­be­treu­ung für die Mit­tags­ver­pfle­gung.
Für die Bestim­mung des Grund­si­che­rungs­ni­veaus sind viel­mehr im Aus­gangs­punkt alle Bedar­fe des § 28 SGB II rele­vant. Nur wenn fest­steht, dass bestimm­te Bedar­fe auf außer­ge­wöhn­li­che Lebens­si­tua­tio­nen zuge­schnit­ten sind und des­halb tat­säch­lich nur in Aus­nah­me­fäl­len bewil­ligt wer­den, kön­nen sie außer Ansatz blei­ben. Danach dürf­ten der per­sön­li­che Schul­be­darf, Auf­wen­dun­gen für Schul­aus­flü­ge, Klas­sen­fahr­ten und das Mit­tag­essen in Gemein­schafts­ver­pfle­gung sowie die Kos­ten der Teil­ha­be bei sozia­len, sport­li­chen und kul­tu­rel­len Akti­vi­tä­ten dem Grun­de nach zu berück­sich­ti­gen sein. Um einen rea­li­täts­ge­rech­ten Wert zu ermit­teln, sind die Aus­ga­ben mit der Zahl der­je­ni­gen ins Ver­hält­nis zu set­zen, die den jewei­li­gen Bedarf auch tat­säch­lich gel­tend machen. Fal­len bestimm­te Bedar­fe nur in bestimm­ten Alters­stu­fen an, wie etwa der Schul­be­darf oder Klas­sen­fahr­ten, ist wie bei den Regel­sät­zen ein gewich­te­ter Durch­schnitt zu bil­den.
Nach § 21 SGB II sind bestimm­te Mehr­be­dar­fe anzu­er­ken­nen, die auf beson­de­re Lebens­um­stän­de zurück­zu­füh­ren sind. Aus der Sta­tis­tik der Bun­des­agen­tur für Arbeit geht her­vor, dass seit 2011 zwar der Mehr­be­darf für dezen­tra­le Warm­was­ser­ver­sor­gung in nen­nens­wer­ter Häu­fig­keit anfällt, im Durch­schnitt aber nur mit weni­ger als 1 € monat­lich. Mehr­be­dar­fe im Baga­tell­be­reich kön­nen bei der Typi­sie­rung außer Ansatz blei­ben.
Weil die gewähr­ten Vor­tei­le über­wie­gend regio­nal und nach den Lebens­um­stän­den der Betrof­fe­nen höchst unter­schied­lich aus­fal­len, ist es für Gerich­te kaum mög­lich, hier­zu – zumal rück­wir­kend – Fest­stel­lun­gen zu tref­fen. Hin­zu kommt, dass noch auf­zu­klä­ren wäre, inwie­fern bei der Ermitt­lung der Regel­sät­ze die­se Ver­güns­ti­gun­gen berück­sich­tigt wor­den sind. Solan­ge aber auch ohne Berück­sich­ti­gung etwai­ger geld­wer­ter Vor­tei­le fest­steht, dass der Min­dest­ab­stand zum Grund­si­che­rungs­ni­veau nicht gewahrt ist, sind Fest­stel­lun­gen zu Art und Umfang der genann­ten geld­wer­ten Vor­tei­le man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit ent­behr­lich. Auch inso­weit ist in ers­ter Linie der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber gefor­dert, die Ent­wick­lung der Lebens­ver­hält­nis­se zu beob­ach­ten, um Art und Aus­maß der geld­wer­ten Vor­tei­le zu ermit­teln und die Höhe der Besol­dung die­sen kon­ti­nu­ier­lich im gebo­te­nen Umfang anzu­pas­sen [116].
Dem Grund­si­che­rungs­ni­veau gegen­über­zu­stel­len ist die Net­to­ali­men­ta­ti­on, die einer vier­köp­fi­gen Fami­lie auf Grund­la­ge der unters­ten Besol­dungs­grup­pe zur Ver­fü­gung steht.
Bezugs­punkt ist das Gehalt als Gan­zes [117]. Neben dem Grund­ge­halt sind daher sol­che Bezü­ge­be­stand­tei­le zu berück­sich­ti­gen, die allen Beam­ten einer Besol­dungs­grup­pe gewährt wer­den [118].
Maß­geb­lich ist die nied­rigs­te vom Dienst­herrn für akti­ve Beam­te aus­ge­wie­se­ne Besol­dungs­grup­pe. Sind Besol­dungs­grup­pen nur noch für die Berech­nung von Ver­sor­gungs­be­zü­gen rele­vant, weil durch gesetz­li­che Bestim­mung das Ein­gang­samt für die ers­te Lauf­bahn­grup­pe ange­ho­ben (vgl. § 2a LBesG BE) oder ein ent­spre­chen­der Ver­merk in der jewei­li­gen Besol­dungs­ord­nung auf­ge­nom­men wor­den ist [119], und sind auch tat­säch­lich kei­ne akti­ven Beam­ten mehr vor­han­den, wer­den sie nicht berück­sich­tigt.
Abzu­stel­len ist auf die nied­rigs­te Erfah­rungs­stu­fe, weil ange­sichts der Viel­ge­stal­tig­keit der Erwerbs­bio­gra­phien und im Hin­blick auf die ange­ho­be­nen Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass ein ver­hei­ra­te­ter Beam­ter mit zwei Kin­dern noch in der ers­ten Erfah­rungs­stu­fe ein­ge­ord­net ist.
Bei der Ermitt­lung des Net­to­ein­kom­mens sind die Kos­ten einer die Bei­hil­fe­leis­tun­gen des Dienst­herrn ergän­zen­den Krank­heits­kos­ten- und Pfle­ge­ver­si­che­rung in Abzug zu brin­gen [120]. Gewährt der Dienst­herr freie Heil­für­sor­ge oder erhöht er den Bei­hil­fe­satz [87], wirkt sich dies auf die Höhe des Net­to­ein­kom­mens aus.
Gemäß § 193 Abs. 3 Satz 1 des Geset­zes über den Ver­si­che­rungs­ver­trag (Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz – VVG) vom 23.11.2007 [121] ist jede Per­son mit Wohn­sitz im Inland, die nicht gesetz­lich ver­si­chert oder ander­wei­tig abge­si­chert ist, ver­pflich­tet, eine Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen. Aus § 23 Abs. 1 SGB XI folgt die Ver­pflich­tung, sich auch für das Ein­tre­ten des Pfle­ge­falls zu ver­si­chern. Gemäß § 26 SGB II sind ange­mes­se­ne Bei­trä­ge für eine Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung als Bedarf der Grund­si­che­rungs­emp­fän­ger anzu­er­ken­nen. Die Auf­wen­dun­gen für eine pri­va­te Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sind daher auch Teil des ein­kom­men­steu­er­recht­lich zu ver­scho­nen­den Exis­tenz­mi­ni­mums, soweit sie zur Erlan­gung eines von der Grund­si­che­rung gewähr­leis­te­ten Ver­sor­gungs­ni­veaus erfor­der­lich sind [122].
Eine Beschrän­kung der zu berück­sich­ti­gen­den Auf­wen­dun­gen ent­spre­chend § 26 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 Satz 1 SGB II, wonach die Bei­trä­ge zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung nur bis zur Höhe des nach § 152 Abs. 4 des Ver­si­che­rungs­auf­sichts­ge­set­zes bezie­hungs­wei­se § 110 Abs. 2 Satz 3 des Elf­ten Sozi­al­ge­setz­buchs ermä­ßig­ten Bei­trags aner­kannt wer­den, schei­det aus. Die­se Rege­lung ver­min­dert nicht den Gesamt­auf­wand, der erfor­der­lich ist, um den zum sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Bedarf zäh­len­den Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­schutz sicher­zu­stel­len, sie ver­teilt nur die Las­ten anders. Es han­delt sich um eine sozi­al­staat­li­che Indienst­nah­me der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men [123]. Hin­zu kommt, dass nur Ver­si­cher­te in den Genuss der Prä­mien­re­duk­ti­on kom­men, die tat­säch­lich grund­si­che­rungs­be­rech­tigt sind. Auch eine Beschrän­kung auf den steu­er­lich absetz­ba­ren Bei­trags­an­teil kommt nicht in Betracht. Hier­bei han­delt es sich um einen allein für die Zwe­cke der Besteue­rung ermit­tel­ten Wert, zu dem ein Ver­si­che­rungs­schutz nicht zu erlan­gen ist.
Vom Brut­to­ein­kom­men abzu­zie­hen sind die Steu­ern. Dabei ist auch die Absetz­bar­keit der Kos­ten der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zu berück­sich­ti­gen. Hin­zu­zu­rech­nen ist das Kin­der­geld [124]. In der unters­ten Besol­dungs­grup­pe wirkt sich der Kin­der­frei­be­trag nicht güns­ti­ger aus.
Als fünf­ter Para­me­ter bil­det schließ­lich der Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und der ande­ren Län­der ein wei­te­res Indiz für die Bestim­mung des Kern­ge­halts der Ali­men­ta­ti­on [125]. Durch das Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28.08.2006 [126] hat der Gesetz­ge­ber die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Besol­dung und Ver­sor­gung der Beam­ten und Rich­ter auf die Län­der (zurück-)übertragen. Der Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) hin­dert den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber zwar grund­sätz­lich nicht, eigen­stän­di­ge Rege­lun­gen zu tref­fen und dabei den unter­schied­li­chen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen Rech­nung zu tra­gen [127]. Gleich­wohl ist eine unbe­grenz­te Aus­ein­an­der­ent­wick­lung der Bezü­ge im Bund und in den Län­dern durch die infol­ge der Neu­ord­nung der Kom­pe­tenz­ver­tei­lung im Grund­ge­setz eröff­ne­te Befug­nis zum Erlass jeweils eige­ner Besol­dungs­re­ge­lun­gen nicht gedeckt. Art. 33 Abs. 5 GG setzt der Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers inso­weit Gren­zen, ohne ein besol­dungs­recht­li­ches Homo­ge­ni­täts­ge­bot zu pos­tu­lie­ren [128].
Die Ali­men­ta­ti­on muss es Rich­tern und Staats­an­wäl­ten ermög­li­chen, sich ganz dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf zu wid­men und in recht­li­cher wie wirt­schaft­li­cher Sicher­heit und Unab­hän­gig­keit zur Erfül­lung der ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben bei­zu­tra­gen. Sie dient damit nicht allein dem Lebens­un­ter­halt, son­dern hat – ange­sichts der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit – zugleich eine qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on [129]. Damit die Ent­schei­dung für eine Tätig­keit als Rich­ter oder Staats­an­walt für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te attrak­tiv ist, muss sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on auch durch ihr Ver­hält­nis zu den Ein­kom­men bestim­men, die für ver­gleich­ba­re und auf der Grund­la­ge ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung erbrach­te Tätig­kei­ten außer­halb des in Rede ste­hen­den öffent­li­chen Diens­tes erzielt wer­den [130]. Neben einem Ver­gleich mit den Ent­loh­nungs­sys­te­men in der Pri­vat­wirt­schaft, der auf der zwei­ten Prü­fungs­stu­fe in die not­wen­di­ge Gesamt­ab­wä­gung ein­be­zo­gen wird [131], ist dabei vor allem die Besol­dung in den ande­ren Län­dern und im Bund zu berück­sich­ti­gen. Die Attrak­ti­vi­tät eines Amtes bemisst sich – gera­de ange­sichts einer erfah­rungs­ge­mäß erhöh­ten Fle­xi­bi­li­tät von Berufs­ein­stei­gern – auch nach der Höhe der Bezü­ge im Ver­gleich der Län­der und des Bun­des. Eine Ver­en­gung des Blicks aus­schließ­lich auf die wirt­schaft­li­che und finan­zi­el­le Situa­ti­on des betref­fen­den Lan­des ver­lö­re aus dem Auge, dass im föde­ra­len Sys­tem des Grund­ge­set­zes die opti­ma­le Erle­di­gung der eige­nen Auf­ga­ben bei gleich­zei­tig begrenz­ten per­so­nel­len Res­sour­cen durch den Wett­be­werb mit ande­ren Dienst­her­ren bestimmt wird. Inso­weit ist neben dem eben­falls bun­des­wei­ten Ver­gleich mit der Pri­vat­wirt­schaft der Ver­gleich mit den Kon­di­tio­nen des Staats­diens­tes und der Besol­dung im Diens­te des Bun­des und ande­rer Län­der aus­sa­ge­kräf­tig [132].
Maß­geb­lich sind die Durch­schnitts­wer­te der jähr­li­chen Brut­to­be­zü­ge (ein­schließ­lich all­ge­mein gewähr­ter Stel­len­zu­la­gen und Son­der­zu­wen­dun­gen) in den ver­gleich­ba­ren Besol­dungs­grup­pen aller Län­der und (soweit dort vor­han­den) des Bun­des, die zu jeweils glei­chen Antei­len in die Berech­nung ein­flie­ßen. Weil der fünf­te Para­me­ter anzei­gen soll, wie weit sich die den Rich­tern und Staats­an­wäl­ten tat­säch­lich gewähr­ten Bezü­ge aus­ein­an­der­ent­wi­ckelt haben, wird sei­ne Bedeu­tung nicht dadurch geschmä­lert, dass die Höhe ande­rer Besol­dun­gen eben­falls ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­feln aus­ge­setzt ist. Aller­dings sind sol­che Besol­dun­gen aus dem Ver­gleich aus­ge­schlos­sen, deren Ver­fas­sungs­wid­rig­keit durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits fest­ge­stellt wor­den ist. Einer inzi­den­ten Prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­nen Besol­dun­gen bedarf es nicht. Wegen der jeweils spe­zi­fi­schen Aus­sa­ge­kraft sind sowohl das arith­me­ti­sche Mit­tel als auch der Medi­an als Bezugs­punkt her­an­zu­zie­hen.
Zeigt sich eine erheb­li­che Gehalts­dif­fe­renz im Ver­gleich zum Durch­schnitt der Bezü­ge der jewei­li­gen Besol­dungs­grup­pe im Bund und in den ande­ren Län­dern, spricht dies dafür, dass die Ali­men­ta­ti­on ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on nicht mehr erfüllt. Wann eine sol­che Erheb­lich­keit gege­ben ist, kann nicht pau­schal beant­wor­tet wer­den. Liegt das streit­ge­gen­ständ­li­che jähr­li­che Brut­to­ein­kom­men ein­schließ­lich etwai­ger Son­der­zah­lun­gen 10 % unter dem arith­me­ti­schen Mit­tel oder dem Medi­an für den glei­chen Zeit­raum, was regel­mä­ßig einem Besol­dungs­un­ter­schied von mehr als einem Monats­ge­halt ent­spre­chen dürf­te, ist dies ein wei­te­res Indiz für eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on [133].
Auf einer zwei­ten Prü­fungs­stu­fe sind die Ergeb­nis­se der ers­ten Prü­fungs­stu­fe mit den wei­te­ren ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung zusam­men­zu­füh­ren.
Dafür sind zunächst die Fest­stel­lun­gen der ers­ten Prü­fungs­stu­fe, ins­be­son­de­re das Aus­maß der Über- oder Unter­schrei­tung der Schwel­len­wer­te, im Wege einer Gesamt­be­trach­tung zu wür­di­gen und etwai­ge Ver­zer­run­gen – ins­be­son­de­re durch genaue­re Berech­nun­gen – zu kom­pen­sie­ren. Den fünf Para­me­tern der ers­ten Prü­fungs­stu­fe kommt für die Gesamt­ab­wä­gung eine Steue­rungs­funk­ti­on hin­sicht­lich der Prü­fungs­rich­tung und ‑tie­fe zu: Sind min­des­tens drei Para­me­ter der ers­ten Prü­fungs­stu­fe erfüllt, besteht die Ver­mu­tung einer der ange­mes­se­nen Betei­li­gung an der all­ge­mei­nen Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des Lebens­stan­dards nicht genü­gen­den und damit ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on. Die­se kann im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung sowohl wider­legt als auch erhär­tet wer­den [134]. Wer­den umge­kehrt bei allen Para­me­tern die Schwel­len­wer­te unter­schrit­ten, wird eine ange­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ver­mu­tet. Sind ein oder zwei Para­me­ter erfüllt, müs­sen die Ergeb­nis­se der ers­ten Stu­fe, ins­be­son­de­re das Maß der Über- bezie­hungs­wei­se Unter­schrei­tung der Para­me­ter, zusam­men mit den auf der zwei­ten Stu­fe aus­ge­wer­te­ten ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung ein­ge­hend gewür­digt wer­den.
Zu den auf der zwei­ten Stu­fe zu unter­su­chen­den ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en zäh­len neben dem Anse­hen des Amtes in der Gesell­schaft sowie der vom Amts­in­ha­ber gefor­der­ten Aus­bil­dung und Bean­spru­chung [135] vor allem die beson­de­re Qua­li­tät der Tätig­keit und Ver­ant­wor­tung eines Rich­ters oder Staats­an­walts, die Ent­wick­lung der Qua­li­fi­ka­ti­on der ein­ge­stell­ten Bewer­ber, der Ver­gleich mit den durch­schnitt­li­chen Brut­to­ver­diens­ten sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ter mit ver­gleich­ba­rer Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­ant­wor­tung sowie die Ent­wick­lun­gen im Bereich der Bei­hil­fe und der Ver­sor­gung [136].
In der Höhe der Ali­men­ta­ti­on muss sich die beson­de­re Qua­li­tät und Ver­ant­wor­tung eines Amts­trä­gers wider­spie­geln [137]. Die Ali­men­ta­ti­on bil­det die Vor­aus­set­zung dafür, dass sich der Beam­te ganz dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf wid­men und in recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Unab­hän­gig­keit zur Erfül­lung der dem Berufs­be­am­ten­tum vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, bei­tra­gen kann [138]. Inso­weit ent­fal­tet das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip (auch) eine Schutz­funk­ti­on für den Beam­ten [139]. Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für Rich­ter. Zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Rich­ter­amts­rechts, die der Gesetz­ge­ber dar­über hin­aus zu beach­ten hat, zählt ins­be­son­de­re der Grund­satz der sach­li­chen und per­sön­li­chen Unab­hän­gig­keit [140]. Nach Art. 97 Abs. 1 GG sind Rich­ter „unab­hän­gig und nur dem Geset­ze unter­wor­fen“. Die­se sach­li­che Unab­hän­gig­keit ist gewähr­leis­tet, wenn der Rich­ter sei­ne Ent­schei­dun­gen frei von Wei­sun­gen fäl­len kann [141]. Die sach­li­che Unab­hän­gig­keit wird durch die Garan­tie der per­sön­li­chen Unab­hän­gig­keit in Art. 97 Abs. 2 GG insti­tu­tio­nell gesi­chert [142]. Die rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit muss auch durch die Besol­dung der Rich­ter gewähr­leis­tet wer­den [143]. Die Art und Wei­se der Rege­lung von Besol­dung und Ver­sor­gung des Rich­ters sind von ganz erheb­li­cher Bedeu­tung für das inne­re Ver­hält­nis zu sei­nem Amt und für die Unbe­fan­gen­heit, mit der er sich sei­ne rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit bewahrt [144]. Durch die Fest­le­gung der Besol­dung in ange­mes­se­ner Höhe wird gewähr­leis­tet, dass der Rich­ter unab­hän­gig nach Gesetz und Gewis­sen ent­schei­den kann [145].
Ob die Ali­men­ta­ti­on ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on erfüllt [146], zeigt sich vor die­sem Hin­ter­grund auch dar­an, ob es in dem betref­fen­den Land gelingt, über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te für den höhe­ren Jus­tiz­dienst anzu­wer­ben. Grad­mes­ser für die fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on der ein­ge­stell­ten Rich­ter und Staats­an­wäl­te sind vor­ran­gig die Ergeb­nis­se in der Ers­ten Prü­fung und der Zwei­ten Staats­prü­fung. Sinkt – auch im Ver­gleich zu den Ergeb­nis­sen aller Absol­ven­ten im Ver­gleichs­zeit­raum – das Noten­ni­veau über einen Zeit­raum von fünf Jah­ren in erheb­li­cher Wei­se und/​oder wer­den die Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­stel­lung in den höhe­ren Jus­tiz­dienst spür­bar her­ab­ge­setzt, kann man in der Regel davon aus­ge­hen, dass die Aus­ge­stal­tung der Besol­dung nicht genügt, um die Attrak­ti­vi­tät des Diens­tes eines Rich­ters oder Staats­an­walts zu gewähr­leis­ten [147]. Das Glei­che gilt, wenn in grö­ße­rem Umfang Bewer­ber zum Zuge kom­men, die nicht in bei­den Exami­na ein Prä­di­kat­s­examen („voll­be­frie­di­gend“ oder bes­ser) erreicht haben.
Zugleich muss sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on, um ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on zu erfül­len, auch durch ihr Ver­hält­nis zu den Ein­kom­men bestim­men, die für ver­gleich­ba­re oder auf der Grund­la­ge ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung erbrach­te Tätig­kei­ten außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes erzielt wer­den [148]. Ob die Ali­men­ta­ti­on in einem Amt, das für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te attrak­tiv sein soll, ange­mes­sen ist, zeigt auch ein Ver­gleich der Besol­dungs­hö­he mit den durch­schnitt­li­chen Brut­to­ver­diens­ten sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ter mit ver­gleich­ba­rer Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­ant­wor­tung in der Pri­vat­wirt­schaft, wobei die Beson­der­hei­ten des Sta­tus und des beam­ten­recht­li­chen Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­sys­tems nicht außer Acht gelas­sen wer­den dür­fen [149].
Die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on ist fer­ner im Lich­te des Niveaus der Bei­hil­fe­leis­tun­gen zu bewer­ten [150]. Die Gewäh­rung von Bei­hil­fen fin­det ihre Grund­la­ge in der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn [151]. Das gegen­wär­ti­ge Sys­tem der Bei­hil­fe ist zwar nicht Bestand­teil der ver­fas­sungs­recht­lich geschul­de­ten Ali­men­ta­ti­on; von Ver­fas­sungs wegen muss die amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ledig­lich die Kos­ten einer Kran­ken­ver­si­che­rung decken, die zur Abwen­dung krank­heits­be­ding­ter, durch Leis­tun­gen auf­grund der Für­sor­ge­pflicht nicht aus­ge­gli­che­ner Belas­tun­gen erfor­der­lich ist [152]. Die Ali­men­ta­ti­on ist aber dann nicht mehr aus­rei­chend, wenn die Kran­ken­ver­si­che­rungs­prä­mi­en, die zur Abwen­dung krank­heits­be­ding­ter und nicht von der Bei­hil­fe aus­ge­gli­che­ner Belas­tun­gen erfor­der­lich sind, einen sol­chen Umfang errei­chen, dass der ange­mes­se­ne Lebens­un­ter­halt des Rich­ters, Beam­ten oder Ver­sor­gungs­emp­fän­gers nicht mehr gewähr­leis­tet ist. Das Prin­zip der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on ver­langt, eine Aus­zeh­rung der all­ge­mei­nen Gehalts­be­stand­tei­le durch krank­heits­be­zo­ge­ne Auf­wen­dun­gen zu ver­hin­dern [153]. Bei einer sol­chen Sach­la­ge kann daher eine ent­spre­chen­de Kor­rek­tur der Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­ge­set­ze, die das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip kon­kre­ti­sie­ren, ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten sein [154]. Glei­ches gilt, wenn eine Viel­zahl zeit­lich gestaf­fel­ter, für sich genom­men ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Ein­schnit­te des Gesetz­ge­bers im Bei­hil­fe­be­reich das für den sons­ti­gen Lebens­un­ter­halt des Rich­ters oder Staats­an­walts zur Ver­fü­gung ste­hen­de Ein­kom­men unan­ge­mes­sen redu­zie­ren [155].
Ver­sor­gung und Besol­dung sind Teil­ele­men­te des ein­heit­li­chen Tat­be­stands der Ali­men­ta­ti­on und schon bei Begrün­dung des Rich­ter- und Beam­ten­ver­hält­nis­ses garan­tiert [156]. Der Dienst­herr ist gehal­ten, den Unter­halt der Rich­ter und Staats­an­wäl­te lebens­lang – und damit auch nach Ein­tritt in den Ruhe­stand – zu garan­tie­ren [157]. Die­ser Ver­pflich­tung kommt er gegen­wär­tig durch Bereit­stel­lung einer Voll­ver­sor­gung nach. Rich­ter und Staats­an­wäl­te haben ihre Alters­ver­sor­gung und die ihrer Hin­ter­blie­be­nen nicht selbst zu ver­an­las­sen [158]; statt­des­sen sind die Brut­to­be­zü­ge der akti­ven Rich­ter und Staats­an­wäl­te von vorn­her­ein – unter Berück­sich­ti­gung der künf­ti­gen Pen­si­ons­an­sprü­che – nied­ri­ger fest­ge­setzt [159]. Kür­zun­gen im Bereich des Ver­sor­gungs­rechts haben zur Kon­se­quenz, dass die Amts­trä­ger einen grö­ße­ren Teil ihrer Bezü­ge zum Zwe­cke der pri­va­ten Alters­vor­sor­ge auf­wen­den müs­sen, um nicht über­mä­ßi­ge Ein­bu­ßen ihres Lebens­stan­dards bei Ein­tritt in den Ruhe­stand hin­neh­men zu müs­sen. Auch dies kann zu einer Unter­schrei­tung der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Ali­men­ta­ti­on füh­ren [160].
Ergibt die Gesamt­schau, dass die als unzu­rei­chend ange­grif­fe­ne Ali­men­ta­ti­on grund­sätz­lich als ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on ein­zu­stu­fen ist, bedarf es der Prü­fung, ob dies im Aus­nah­me­fall ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt sein kann.
Der Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on ist Teil der mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen ver­bun­de­nen insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG. Soweit er mit ande­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Wert­ent­schei­dun­gen oder Insti­tu­ten kol­li­diert, ist er – wie dies auch sonst der Fall ist – ent­spre­chend dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz im Wege der Abwä­gung zu einem scho­nen­den Aus­gleich zu brin­gen (drit­te Prü­fungs­stu­fe) [161].
Ver­fas­sungs­rang hat nament­lich das Ver­bot der Neu­ver­schul­dung in Art. 109 Abs. 3 Satz 1 GG. Gemäß Art. 109 Abs. 3 Satz 1 GG sind Haus­hal­te von Bund und Län­dern grund­sätz­lich ohne Ein­nah­men aus Kre­di­ten aus­zu­glei­chen (soge­nann­te Schul­den­brem­se). Aus­nahms­wei­se ist eine Neu­ver­schul­dung bei kon­junk­tu­rel­len Abwei­chun­gen von der Nor­mal­la­ge (vgl. Art. 109 Abs. 3 Satz 2 Vari­an­te 1 GG) sowie bei Natur­ka­ta­stro­phen oder außer­ge­wöhn­li­chen Not­si­tua­tio­nen zuläs­sig (vgl. Art. 109 Abs. 3 Satz 2 Vari­an­te 2 GG). Die Haus­hal­te der Län­der waren in den Haus­halts­jah­ren 2011 bis 2019 so auf­zu­stel­len, dass im Haus­halts­jahr 2020 die Vor­ga­be aus Art. 109 Abs. 3 Satz 5 GG (kei­ne struk­tu­rel­le Net­to­kre­dit­auf­nah­me) erfüllt wird (vgl. Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG). Dabei muss­ten die Haus­halts­ge­setz­ge­ber der Län­der das Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung im Jahr 2020 im Blick behal­ten. Kon­kre­te­re Ver­pflich­tun­gen zur Errei­chung die­ses Ziels erge­ben sich aus Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG nicht [162].
Der in Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG ange­leg­ten Vor­wir­kung des Ver­bots der struk­tu­rel­len Net­to­kre­dit­auf­nah­me hat der Haus­halts­ge­setz­ge­ber auch bei der Anpas­sung der Bezü­ge der Rich­ter und Staats­an­wäl­te Rech­nung zu tra­gen [163]. Unge­ach­tet der Ver­schär­fung der Regeln für die Kre­dit­auf­nah­me durch die Neu­fas­sung des Art. 109 Abs. 3 GG [164] ver­mö­gen indes allein die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te oder das Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung den Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung nicht ein­zu­schrän­ken. Andern­falls lie­fe die Schutz­funk­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG ins Lee­re [165]. Auch das beson­de­re Treue­ver­hält­nis ver­pflich­tet Rich­ter und Staats­an­wäl­te nicht dazu, stär­ker als ande­re zur Kon­so­li­die­rung öffent­li­cher Haus­hal­te bei­zu­tra­gen [163]. Eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung aus rein finan­zi­el­len Grün­den kann zur Bewäl­ti­gung einer der in Art. 109 Abs. 3 Satz 2 GG genann­ten Aus­nah­me­si­tua­tio­nen jedoch in Ansatz gebracht wer­den, wenn die betref­fen­de gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­me Teil eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung ist, das anhand einer aus­sa­ge­kräf­ti­gen Begrün­dung in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en – gege­be­nen­falls unter ergän­zen­der Her­an­zie­hung der im Rah­men eines Kon­so­li­die­rungs- oder Sanie­rungs­hil­fe­ver­fah­rens getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen – erkenn­bar sein muss [166]. Ein sol­ches Kon­zept setzt inhalt­lich wenigs­tens die Defi­ni­ti­on eines ange­streb­ten Spar­ziels sowie die nach­voll­zieh­ba­re Aus­wahl der zu des­sen Errei­chung erfor­der­li­chen Maß­nah­men vor­aus [167]. Vor dem Hin­ter­grund der Wer­tun­gen des Art. 3 Abs. 1 GG ist das not­wen­di­ge Spar­vo­lu­men dabei gleich­heits­ge­recht zu erwirt­schaf­ten [168].
Jen­seits des ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Min­dest­ma­ßes, wie es sich auf­grund der oben dar­ge­stell­ten Gesamt­schau ergibt, genießt die Ali­men­ta­ti­on einen rela­ti­ven Norm­be­stands­schutz. Der Gesetz­ge­ber darf hier Kür­zun­gen oder ande­re Ein­schnit­te in die Bezü­ge vor­neh­men, wenn dies aus sach­li­chen Grün­den gerecht­fer­tigt ist [169]. Kür­zun­gen oder ande­re Ein­schnit­te kön­nen durch sol­che Grün­de sach­lich gerecht­fer­tigt wer­den, die im Bereich des Sys­tems der Beam­ten­be­sol­dung lie­gen [170]. Zu sol­chen sys­tem­im­ma­nen­ten Grün­den kön­nen finan­zi­el­le Erwä­gun­gen zwar hin­zu­tre­ten [171]; das Bemü­hen, Aus­ga­ben zu spa­ren, kann aber nicht als aus­rei­chen­de Legi­ti­ma­ti­on für eine Kür­zung der Besol­dung ange­se­hen wer­den [172], soweit sie nicht als Teil eines schlüs­si­gen Gesamt­kon­zepts dem in Art. 109 Abs. 3 GG ver­an­ker­ten Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung dient [173].
Die Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he durch den Gesetz­ge­ber ist an die Ein­hal­tung pro­ze­du­ra­ler Anfor­de­run­gen geknüpft. Die­se tre­ten als „zwei­te Säu­le“ des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips neben sei­ne auf eine Evi­denz­kon­trol­le beschränk­te mate­ri­el­le Dimen­si­on und die­nen sei­ner Flan­kie­rung, Absi­che­rung und Ver­stär­kung [174]. Eine Ein­schrän­kung dahin­ge­hend, dass eine unzu­rei­chen­de Begrün­dung nur dann zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Geset­zes führt, wenn sich zuvor Anhalts­punk­te für eine Ver­let­zung des abso­lu­ten oder rela­ti­ven Ali­men­ta­ti­ons­schut­zes erge­ben haben [175], wür­de die Aus­gleichs­funk­ti­on der pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen, den wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers durch eine Ver­pflich­tung zur Selbst­ver­ge­wis­se­rung zu kana­li­sie­ren [176], unter­lau­fen.
Für den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber fol­gen aus dem Pro­ze­du­ra­li­sie­rungs­ge­bot in ers­ter Linie Begrün­dungs­pflich­ten [177]. Zwar schul­det der Gesetz­ge­ber nach über­kom­me­ner Auf­fas­sung von Ver­fas­sungs wegen grund­sätz­lich nur ein wirk­sa­mes Gesetz. Da aber das grund­rechts­glei­che Recht auf Gewäh­rung einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on kei­ne quan­ti­fi­zier­ba­ren Vor­ga­ben im Sin­ne einer exak­ten Besol­dungs­hö­he lie­fert, bedarf es pro­ze­du­ra­ler Siche­run­gen, damit die ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve des Art. 33 Abs. 5 GG auch tat­säch­lich ein­ge­hal­ten wird [178]. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Senats ist der Gesetz­ge­ber daher gehal­ten, bereits im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren die Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he zu begrün­den. Die Ermitt­lung und Abwä­gung der berück­sich­tig­ten und berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Bestim­mungs­fak­to­ren für den ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Umfang der Anpas­sung der Besol­dung müs­sen sich in einer ent­spre­chen­den Dar­le­gung und Begrün­dung des Gesetz­ge­bers im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren nie­der­schla­gen. Eine blo­ße Begründ­bar­keit genügt nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung. Der mit der Aus­gleichs­funk­ti­on der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung ange­streb­te Ratio­na­li­sie­rungs­ge­winn kann – auch mit Blick auf die Ermög­li­chung von Rechts­schutz – effek­tiv nur erreicht wer­den, wenn die erfor­der­li­chen Sach­ver­halts­er­mitt­lun­gen vor­ab erfol­gen und dann in der Geset­zes­be­grün­dung doku­men­tiert wer­den. Die Pro­ze­du­ra­li­sie­rung zielt auf die Her­stel­lung von Ent­schei­dun­gen und nicht auf ihre Dar­stel­lung, das heißt nach­träg­li­che Begrün­dung [179].
An die­sen Maß­stä­ben gemes­sen sind die Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 5 GG nicht erfüllt. Eine Gesamt­schau der für die Bestim­mung der Besol­dungs­hö­he maß­geb­li­chen Para­me­ter ergibt, dass die im Land Ber­lin in den Jah­ren 2009 bis 2015 in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 sowie die im Jahr 2015 in der Besol­dungs­grup­pe R 3 gewähr­te Besol­dung evi­dent unzu­rei­chend war.
Sie genüg­te nicht, um Rich­tern und Staats­an­wäl­ten nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung die­ser Ämter für die All­ge­mein­heit einen der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu ermög­li­chen. Bei der Fest­le­gung der Grund­ge­halts­sät­ze wur­de die Siche­rung der Attrak­ti­vi­tät des Amtes eines Rich­ters oder Staats­an­walts für ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen die­ses Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten gefor­der­te Aus­bil­dung, ihre Ver­ant­wor­tung und ihre Bean­spru­chung nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt.
Dies ergibt sich in ers­ter Linie aus einem Ver­gleich der Ent­wick­lung der Besol­dung mit der­je­ni­gen der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst, der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn- und des Ver­brau­cher­preis­in­dex. Auch wur­de das Min­dest­ab­stands­ge­bot in den unte­ren Besol­dungs­grup­pen durch­ge­hend deut­lich ver­letzt. Die­ser Befund wird durch die Her­an­zie­hung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Kri­te­ri­en, nament­lich der Absen­kung der Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen, im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung bestä­tigt. Kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht steht ihm nicht ent­ge­gen.
Die Ent­wick­lung der Grund­ge­halts­sät­ze zuzüg­lich der Son­der­zu­la­gen gestal­te­te sich für die hier zu betrach­ten­den Zeit­räu­me wie folgt:
Die Grund­ge­halts­sät­ze und Amts­zu­la­gen wur­den zum 1.01.1995 um 2,0 % durch § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 des Art. 2 BBVAnpG 94 vom 24.08.1994 [180], zum 1.05.1995 um 3,2 % durch § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 des Art. 2 BBVAnpG 95 vom 18.12.1995 [181], zum 1.03.1997 um 1,3 % durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 BBVAnpG 96/​97 vom 24.03.1997 [182], zum 1.01.1998 um 1,5 % durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 BBVAnpG 98 vom 06.08.1998 [183], zum 1.06.1999 um 2,9 % durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 BBVAnpG 99 vom 19.11.1999 [184], durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 BBVAnpG 2000 vom 19.04.2001 [185] zum 1.01.2001 um 1,8 % und zum 1.01.2002 um 2,2 % sowie durch Art. 1 bis 3 BBVAnpG 2003/​2004 vom 10.09.2003 [186] zum 1.07.2003 um 2,4 %, zum 1.04.2004 um 1,0 % und zum 1.08.2004 um 1,0 % erhöht [187].
Nach­dem zuletzt im Jahr 2002 auf bun­des­recht­li­cher Grund­la­ge eine Son­der­zu­wen­dung in Höhe von 86,31 % der für den Monat Dezem­ber maß­geb­li­chen Bezü­ge gewährt wor­den war, senk­te das Land Ber­lin die Son­der­zah­lung für Beam­te und Rich­ter auf ein­heit­lich 640 € (§ 5 Abs. 1 SZG) ab. Eine Gegen­über­stel­lung des Jah­res­brut­to­ge­halts – in der End­stu­fe [42] – mit dem Wert, der sich ohne die­se Neu­re­ge­lung erge­ben hät­te, zeigt, dass die Bezü­ge in der Besol­dungs­grup­pe R 1 um 5,56 %, in der Besol­dungs­grup­pe R 2 um 5,64 % und in der Besol­dungs­grup­pe R 3 um 5,72 % ver­min­dert wor­den sind. Die­se erheb­li­che Besol­dungs­kür­zung ist zu berück­sich­ti­gen [188]. Für 2008 und 2009 wur­de die Son­der­zah­lung vor­über­ge­hend auf jeweils 940 € ange­ho­ben (§ 5 Abs. 1 Satz 2 SZG). Anschlie­ßend betrug die Son­der­zah­lung wie zuvor 640 €. Dies bewirk­te in den Jah­ren 2008 bezie­hungs­wei­se 2010 in der Besol­dungs­grup­pe R 1 eine effek­ti­ve Besol­dungs­ver­än­de­rung von 0,49 %, in der Besol­dungs­grup­pe R 2 von 0,45 % und in der Besol­dungs­grup­pe R 3 von 0,41 %.
In den Jah­ren 2005 bis 2009 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze nicht ange­passt. Zum 1.08.2010 wur­den sie mit dem BerlB­VAnpG 2010/​2011 um 1,5 % erhöht. Die mit der Neu­fas­sung der Grund­ge­halts­sät­ze zum 1.08.2011 ein­her­ge­hen­de Anhe­bung fiel für die vor­han­de­nen Rich­ter und Staats­an­wäl­te der Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 je nach der von ihnen bis­her erreich­ten Dienst­al­ters­stu­fe unter­schied­lich aus. In der End­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe R 1 betrug sie 2,33 %, in der End­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe R 2 2,30 %. Die Bezü­ge in der Besol­dungs­grup­pe R 3 stie­gen um 2,01 %. Das BerlB­VAnpG 2012/​2013 bewirk­te eine Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze mit Wir­kung vom 01.08.2012 und 2013 um jeweils 2 %. Zum 1.08.2014 und zum 1.08.2015 wur­den sie – unter Berück­sich­ti­gung des Ver­sor­gungs­ab­schlags im letzt­ge­nann­ten Fall – durch das BerlB­VAnpG 2014/​2015 um wei­te­re 3,0 % ange­ho­ben.
Der Besol­dungs­in­dex wird aus der Mul­ti­pli­ka­ti­on des Index­wer­tes des Vor­jah­res mit einem die Besol­dungs­er­hö­hung abbil­den­den Fak­tor (z. B.1995: 103,20 %; 1997: 101,30 %) ermit­telt.
Für das Jahr 2009 ergibt sich gegen­über dem Basis­jahr 1994 für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 12,61 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 12,47 %. Dabei muss­te die Besol­dungs­er­hö­hung zum 1.01.1995 außer Betracht blei­ben. Sie betraf nur die Besol­dung für Beam­te und Rich­ter der Besol­dungs­grup­pen A 9 bis A 16, B, C und R. Die Besol­dung der Besol­dungs­grup­pen bis A 8 war bereits zum 1.10.1994 ange­ho­ben wor­den. Die­se Maß­nah­me wirk­te sich nach­tei­lig auf das Ali­men­ta­ti­ons­ni­veau der Betrof­fe­nen aus. Die­ser Befund darf nicht dadurch in sein Gegen­teil ver­kehrt wer­den, dass die Ver­zö­ge­rung als ver­meint­lich beson­ders hohe Besol­dungs­an­pas­sung im Jahr 1995 in die Ver­gleichs­be­rech­nung ein­fließt [189].
Besol­dungs­grup­pe R 1
Besol­dungs­grup­pe R 2
Besol­dungs­er­hö­hung
Im Zeit­raum 1995 bis 2010 stieg die Besol­dung der Besol­dungs­grup­pe R 1 um 10,22 % und die­je­ni­ge der Besol­dungs­grup­pe R 2 um 10,13 %.
Im Zeit­raum 1996 bis 2011 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 12,79 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 12,66 %.
Im Zeit­raum 1997 bis 2012 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 13,57 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 13,44 %.
Im Zeit­raum 1998 bis 2013 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 14,13 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 14,00 %.
Im Zeit­raum 1999 bis 2014 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 14,24 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 14,11 %.
Im Zeit­raum 2000 bis 2015 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 17,66 %, für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 17,53 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 3 von 17,10 %.
Besol­dungs­grup­pe R 3
- 5,72 %
Bei den Staf­fel­prü­fun­gen kann wei­test­ge­hend auf die Berech­nun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts zurück­ge­grif­fen wer­den.
Besol­dung für das Jahr
Staf­fel­prü­fung
Anstieg der Besol­dung
Weil das Land Ber­lin zwi­schen­zeit­lich eine eigen­stän­di­ge Tarif­po­li­tik betrie­ben hat, kann nur teil­wei­se auf den im Aus­gangs­ver­fah­ren bei­gezo­ge­nen Tarif­lohn­in­dex des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zurück­ge­grif­fen wer­den, um die linea­ren Ver­än­de­run­gen der Tarif­löh­ne zu ermit­teln.
Für die Ange­stell­ten des Lan­des Ber­lin, das seit 1994 nicht mehr Mit­glied der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der war, galt der Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) zunächst auf­grund dyna­mi­scher Über­nah­me­ta­rif­ver­trä­ge fort [190]. Mit dem Tarif­ver­trag zur Anwen­dung von Tarif­ver­trä­gen des öffent­li­chen Diens­tes (Anwen­dungs-TV Land Ber­lin) vom 31.07.2003 wur­de die sta­ti­sche Gel­tung des BAT in der Fas­sung vom 01.01.2003 beschlos­sen, das heißt mit den dort bereits ver­ein­bar­ten Tarif­er­hö­hun­gen von 2,4 % im Jahr 2003 und von zwei Mal 1,0 % im Jahr 2004 [191]. In Abwei­chung vom BAT wur­den die Tari­fent­gel­te – nach Ent­gelt­grup­pe gestaf­felt – um 8 bis 12 % abge­senkt. Im Gegen­zug wur­den nicht nur betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen aus­ge­schlos­sen, son­dern es wur­de auch die bezahl­te Arbeits­zeit im glei­chen Ver­hält­nis auf nun­mehr 35,42 bis 33,88 Wochen­stun­den ver­min­dert. Zwar wur­de gleich­zei­tig eine höhe­re tat­säch­lich zu erbrin­gen­de Arbeits­zeit von 37 Wochen­stun­den ver­ein­bart, der Dif­fe­renz­be­trag wur­de jedoch auf einem Arbeits­zeit­kon­to unver­fall­bar gut­ge­schrie­ben, das ent­we­der durch bezahl­ten Frei­zeit­aus­gleich oder durch direk­te finan­zi­el­le Abgel­tung aus­ge­gli­chen wer­den konn­te. Vor dem Hin­ter­grund, dass die­se Rege­lung den Stun­den­lohn unver­än­dert ließ und ein ent­gelt­li­cher Aus­gleich der Mehr­ar­beit erfolg­te, erweist sich die­se Rege­lung für die Tarif­lohn­ent­wick­lung als neu­tral.
Mit dem Tarif­ver­trag zur Anglei­chung des Tarif­rechts des Lan­des Ber­lin an das Tarif­recht der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der (Anglei­chungs-TV Land Ber­lin) vom 14.10.2010 wur­de für die Ange­stell­ten des Lan­des Ber­lin im Grund­satz das Recht des Tarif­ge­biets West des TV‑L dyna­misch zur Anwen­dung gebracht. Nach einer Über­gangs­pha­se waren ab dem 1.08.2011 im Aus­gangs­punkt die Ent­gel­te des TV‑L in der jeweils gül­ti­gen Fas­sung maß­geb­lich. Von den TV-L-Ent­gel­ten wur­de zunächst ein Betrag von 97 % gezahlt; die­ser Abschlag wur­de in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren suk­zes­si­ve ver­kürzt. Die Arbeits­zeit wur­de eben­so ange­gli­chen, wobei zwi­schen­zeit­lich erwirt­schaf­te­te Arbeits­zeit­gut­ha­ben fort­ge­schrie­ben wur­den. Bei der Über­lei­tung in die grund­le­gend umge­stal­te­te Tarif­struk­tur des TV‑L kamen Besitz­stands­wah­rungs­re­ge­lun­gen zur Anwen­dung, so dass eine rea­le Ver­min­de­rung der Ent­gel­te bei Bestands­be­schäf­tig­ten aus­ge­schlos­sen war [192].
Der Anglei­chungs-TV Land Ber­lin hat­te dar­über hin­aus zur Fol­ge, dass die in den Vor­jah­ren im Bereich des TV‑L ver­ein­bar­ten Tarif­er­hö­hun­gen (2008: 2,8 %, 2009: 3,0 % und 2010: 1,2 %) nach­ge­holt wur­den. Geht man aus Grün­den der Ver­ein­fa­chung von einer voll­stän­di­gen Anglei­chung aus, kann ab dem Jahr 2011 wie­der der vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt für den Bereich der TV‑L ermit­tel­te Tarif-index ange­setzt wer­den. Aus des­sen Ver­hält­nis zum für Ber­lin errech­ne­ten Index­stand des Vor­jah­res ergibt sich ein Stei­ge­rungs­wert von 8,87 %. Die­ser fie­le etwas nied­ri­ger und der­je­ni­ge in den Fol­ge­jah­ren etwas höher aus, wür­de man die Annä­he­rung an das TV-L-Niveau im Wege einer „Spitz­aus­rech­nung“ exakt nach­voll­zie­hen. Auf den kla­ren Befund, dass der Schwel­len­wert für die Jah­re nach 2011 über­wie­gend zwei­stel­lig über­schrit­ten wor­den ist, hät­te dies jedoch kei­nen Ein­fluss. Die Anglei­chung von Arbeits­zeit und Arbeits­lohn wirkt sich – wie die Absen­kung im Jahr 2003 – auf den Tari­f­in­dex nicht aus.
Die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung der Tarif­ein­kom­men im öffent­li­chen Dienst, des Nomi­nal­lohn­in­dex und des Ver­brau­cher­preis­in­dex (100 + x) einer­seits und der Besol­dungs­ent­wick­lung (100 + y) ande­rer­seits wird in Rela­ti­on zur Besol­dungs­ent­wick­lung in Pro­zent wie folgt ermit­telt: [(100 + x) /(100 + y)] x 100 – 100 [193]. Ver­gleicht man die Ent­wick­lung der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst mit der Besol­dungs­ent­wick­lung (ers­ter Para­me­ter), zeigt sich, dass die Tarif­ent­wick­lung die Besol­dungs­ent­wick­lung in den meis­ten ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren um mehr als 5 % über­schrit­ten hat. Nur im Jahr 2010 wur­de der Schwel­len­wert bei ver­grö­bern­der Berech­nung der Besol­dungs­ent­wick­lung für die Besol­dungs­grup­pe R 1 knapp unter­schrit­ten. Dem ist im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung nach­zu­ge­hen.
Anstieg der Tarif­ver­diens­te
1. Para­me­ter
im 15-jäh­ri­gen Betrach­tungs­zeit­raum
Ein Ver­gleich der Ent­wick­lung des vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt im Aus­gangs­ver­fah­ren über­mit­tel­ten Nomi­nal­lohn­in­dex mit der Besol­dungs­ent­wick­lung (zwei­ter Para­me­ter) ergibt, dass der Schwel­len­wert von 5 % nicht erreicht wor­den ist.
Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex
2. Para­me­ter
– 2,31 %
Eine Gegen­über­stel­lung der Ent­wick­lung des im Aus­gangs­ver­fah­ren bei­gezo­ge­nen Ver­brau­cher­preis­in­dex des Amtes für Sta­tis­tik Ber­lin-Bran­den­burg (drit­ter Para­me­ter) und der Besol­dungs­ent­wick­lung zeigt, dass die Ent­wick­lung der Ver­brau­cher­prei­se in den Jah­ren 2009 bis 2014 deut­lich über die Ent­wick­lung der Besol­dung hin­aus­ge­gan­gen ist. Nur für das Jahr 2015 bleibt die Dif­fe­renz im Ver­hält­nis zur Besol­dungs­ent­wick­lung knapp unter­halb des Schwel­len­wer­tes; auch hier­auf ist im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung ein­zu­ge­hen.
Anstieg des Ver­brau­cher­preis­in­dex
3. Para­me­ter
– 6,32 %
– 3,49 %
– 6,24 %
– 3,41 %
Wäh­rend die Abstän­de der Brut­to­ge­häl­ter in den Besol­dungs­grup­pen, wie die Berech­nun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts gezeigt haben, im Wesent­li­chen unver­än­dert geblie­ben sind, wur­de in den ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren das Min­dest­ab­stands­ge­bot nicht ein­ge­hal­ten (vier­ter Para­me­ter). Der gebo­te­ne Abstand zum Grund­si­che­rungs­ni­veau wur­de durch­ge­hend für die jeweils unters­te Besol­dungs­grup­pe bei wei­tem unter­schrit­ten.
Die Regel­sät­ze der Grund­si­che­rung sind im Vor­la­ge­be­schluss zutref­fend ermit­telt und für die Kin­der ent­spre­chend der Anzahl der Lebens­jah­re gewich­tet wor­den. Auch der Ansatz für die Heiz­kos­ten kann dar­aus ent­nom­men wer­den. Hin­sicht­lich der Kos­ten der Unter­kunft wird der von der Bun­des­agen­tur für Arbeit über­mit­tel­te sta­tis­ti­sche Wert ange­setzt, der in 95 % der Fäl­le aus­rei­chend war.
Die Bun­des­agen­tur für Arbeit und die Ber­li­ner Senats­ver­wal­tung für Inte­gra­ti­on, Arbeit und Sozia­les haben sich auf­grund unzu­rei­chen­der sta­tis­ti­scher Erfas­sung in der Ver­gan­gen­heit nur in Teil­be­rei­chen im Stan­de gese­hen, belast­ba­re Aus­künf­te zur Inan­spruch­nah­me der Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be und zur Höhe der aner­kann­ten Bedar­fe zu ertei­len. Aus den über­mit­tel­ten Daten­sät­zen geht jedoch her­vor, dass ins­be­son­de­re die Auf­wen­dun­gen für die Mit­tags­ver­pfle­gung bei so vie­len Leis­tungs­be­rech­tig­ten ange­fal­len sind, dass die­se nicht als aty­pi­sche Fäl­le außer Betracht gelas­sen wer­den dür­fen. Eine wei­te­re Auf­klä­rung ist vor­lie­gend nicht erfor­der­lich, weil auch ohne Berück­sich­ti­gung aller Bedarfs­pos­ten fest­steht, dass das Min­dest­ab­stands­ge­bot deut­lich ver­letzt wor­den ist. Des­sen unge­ach­tet obliegt es dem Besol­dungs­ge­setz­ge­ber, zukünf­tig die Erhe­bung der erfor­der­li­chen Daten zu ver­an­las­sen und hier­aus rea­li­täts­ge­rech­te Ansät­ze abzu­lei­ten.
Vor die­sem Hin­ter­grund wer­den im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nur die Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be in die Berech­nung ein­be­zo­gen, für deren Höhe sich aus dem Gesetz ein Anhalts­punkt ergibt. In den Jah­ren 2009 und 2010 war dies der per­sön­li­che Schul­be­darf von 100 € je Schul­jahr. Auf den Zeit­raum von der Geburt bis zur Voll­jäh­rig­keit umge­legt, ergibt sich ein Monats­be­trag von rund 5,56 € je Kind bezie­hungs­wei­se von rund 11,12 € für zwei Kin­der. In den Jah­ren 2011 bis 2015 wur­den dar­über hin­aus fol­gen­de Leis­tun­gen ein­ge­führt, für deren Höhe sich aus dem Gesetz ein Anhalts­punkt ergibt: Zur Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft wur­den Kin­dern aller Alters­stu­fen 10 € monat­lich gewährt. Die Mehr­auf­wen­dun­gen für die gemein­schaft­li­che Mit­tags­ver­pfle­gung wur­den zwar in tat­säch­li­cher Höhe über­nom­men, in § 77 Abs. 11 SGB II hat der Gesetz­ge­ber aber selbst zu erken­nen gege­ben, dass er bereits anfäng­lich mit zusätz­li­chen Leis­tun­gen in Höhe von 26 € monat­lich rech­ne­te. Geht man davon aus, dass Kin­der im Durch­schnitt erst mit drei Jah­ren an der gemein­schaft­li­chen Mit­tags­ver­pfle­gung in Kin­der­gar­ten und Schu­le teil­neh­men, ergibt sich ein alters­ge­wich­te­ter Betrag von rund 21,67 € je Kind. Für die Jah­re 2011 bis 2015 sum­mie­ren sich die aus dem Gesetz abge­lei­te­ten Monats­be­trä­ge (5,56 € + 10 € + 21,67 €) auf rund 37,23 € je Kind bezie­hungs­wei­se auf rund 74,46 € für zwei Kin­der.
Der grund­si­che­rungs­recht­li­che Gesamt­be­darf und die davon abge­lei­te­te Min­des­ta­li­men­ta­ti­on belie­fen sich danach min­des­tens auf die fol­gen­den Beträ­ge:
1.170,67 €
Wohn­kos­ten
Monats­be­trag
2.189,36 €
2.266,13 €
2.348,13 €
Jah­res­be­trag
25.703,04 €
26.272,32 €
27.193,56 €
28.177,56 €
Min­des­ta­li­men­ta­ti­on (115 % des Grund­sicherungsbedarfs)
2.463,21 €
2.606,05 €
2.700,35 €
29.558,50 €
30.213,17 €
31.272,59 €
32.404,19 €
2.357,73 €
2.401,81 €
2.438,48 €
28.292,76 €
28.821,72 €
29.261,76 €
2.711,39 €
2.762,08 €
32.536,67 €
33.144,98 €
33.651,02 €
Ver­gleichs­ge­gen­stand bil­det die Net­to­ali­men­ta­ti­on eines in der nied­rigs­ten Besol­dungs­grup­pe in der nied­rigs­ten Erfah­rungs­stu­fe besol­de­ten Beam­ten, der ver­hei­ra­tet ist und zwei Kin­der hat. Für das Land Ber­lin war vom 01.01.bis 28.02.2009 die Besol­dungs­grup­pe A 2 (Stu­fe 1) maß­geb­lich. Nach der rück­wir­ken­den Anhe­bung des Ein­gang­sam­tes (§ 2a LBesG BE) durch das Dienst­rechts­än­de­rungs­ge­setz vom 19.03.2009 [194] ist seit dem 1.03.2009 auf die Besol­dungs­stu­fe A 4 (Stu­fe 1) abzu­stel­len. Die anzu­set­zen­den Besol­dungs­be­stand­tei­le (hier: Grund­ge­halt, Fami­li­en­zu­schlag und Son­der­zah­lung) kön­nen im Wesent­li­chen dem Vor­la­ge­be­schluss ent­nom­men wer­den.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat sei­ne Berech­nun­gen auf den vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen im Inter­net zur Ver­fü­gung gestell­ten Lohn­steu­er­rech­ner gestützt. Die­se sind von den Betei­lig­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens und den Äuße­rungs­be­rech­tig­ten nicht bean­stan­det wor­den. Für die hier zu betrach­ten­de Beam­ten­fa­mi­lie, die über kei­ne wei­te­ren steu­er­pflich­ti­gen Ein­nah­men ver­fügt und kei­ne beson­de­ren Auf­wen­dun­gen gel­tend machen kann, erge­ben sich kei­ne Unter­schie­de zwi­schen dem Lohn­steu­er­ab­zug und der Ein­kom­men­steu­er­be­rech­nung. Vor die­sem Hin­ter­grund spricht nichts dage­gen, dass auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt so ver­fährt. Für das Jahr 2009 muss die Berech­nung wegen der abwei­chen­den Abzugs­fä­hig­keit von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen mit Hil­fe des Ein­kom­men­steu­er­rech­ners durch­ge­führt wer­den. Im Übri­gen wird der vom Ver­band der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung zu den Durch­schnitts­prä­mi­en für eine das Ber­li­ner Bei­hil­fe­re­gime ergän­zen­de pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung und die Pfle­ge­pflicht­ver­si­che­rung mit­ge­teil­te steu­er­lich absetz­ba­re Anteil berück­sich­tigt. Bei Steu­er­klas­se III und zwei Kin­der­frei­be­trä­gen fal­len weder Soli­da­ri­täts­zu­schlag noch Kir­chen­steu­er an. Des­halb kann die Fra­ge, ob wei­ter­hin ein Kir­chen­steu­er­ab­zug zu berück­sich­ti­gen ist [195], offen­blei­ben. Von den Bezü­gen in Abzug gebracht wer­den die mit­ge­teil­ten Durch­schnitts­prä­mi­en für die Kran­ken- und Pfle­ge­pflicht­ver­si­che­rung. Ob in die­sem Zusam­men­hang der Abzug einer Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le von den Bei­hil­fe­leis­tun­gen zu berück­sich­ti­gen ist, bedarf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung, weil im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum vom Land Ber­lin eine Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le erst ab der Besol­dungs­grup­pe A 7 erho­ben wur­de (vgl. § 76 Abs. 5 LBesG BE vom 19.03.2009).
Die Jah­res­net­to­ali­men­ta­ti­on berech­net sich danach wie folgt:
23.331,02 €
23.352,36 €
23.737,48 €
24.196,30 €
- Ein­kom­men­steu­er
- Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung
4.931,76 €
5.123,76 €
5.303,04 €
+ Kin­der­geld
Jah­res­net­to­ali­men­ta­ti­on
22.517,18 €
22.474,60 €
22.643,72 €
22.871,26 €
24.660,23 €
25.233,20 €
25.960,33 €
5.426,88 €
5.486,88 €
5.586,24 €
23.189,35 €
23.688,32 €
24.340,09 €
In allen ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren wur­de das Min­dest­ab­stands­ge­bot ver­letzt. Die Net­to­ali­men­ta­ti­on blieb min­des­tens 24 % hin­ter der aus dem Grund­si­che­rungs­ni­veau abge­lei­te­ten Min­des­ta­li­men­ta­ti­on zurück.
Min­des­ta­li­men­ta­ti­on
Net­to­ali­men­ta­ti­on
Fehl­be­trag (abso­lut und in % der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on)
7.041,32€
rd. 24 %
7.738,57 €
rd. 26 %
8.628,87 €
9.532,93 €
9.347,32 € rd. 29 %
9.456,66 € rd. 29 %
9.310,93 € rd. 28 %
Im Aus­gangs­ver­fah­ren wur­de ein Quer­ver­gleich mit den ande­ren Län­dern und dem Bund (fünf­ter Para­me­ter) stich­pro­ben­ar­tig für die Jah­re 2010, 2013 und 2015 durch­ge­führt. Die größ­te Abwei­chung vom Mit­tel­wert bezie­hungs­wei­se Medi­an betrug zwi­schen 5 und 8 %; der Schwel­len­wert von 10 % wur­de also deut­lich unter­schrit­ten. Des­halb bedarf es kei­ner Berech­nun­gen für die ande­ren Jah­re.
Ins­ge­samt hat die ers­te Prü­fungs­stu­fe fol­gen­de Ergeb­nis­se erbracht:
Tarif­lohn­ent­wick­lung
Nomi­nal­lohn­in­dex
Ver­brau­cher­preis­in­dex
Min­dest­ab­stands­ge­bot
Quer­ver­gleich (Maxi­mal­wert)
ver­letzt (24 %)
ver­letzt (26 %)
ver­letzt (28 %)
ver­letzt (29 %)
Die Gesamt­be­trach­tung der Para­me­ter auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe begrün­det somit die Ver­mu­tung, dass im Land Ber­lin die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 in den Jah­ren 2009 bis 2015 sowie die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2015 das Min­dest­maß amts­an­ge­mes­se­ner Ali­men­ta­ti­on unter­schrit­ten haben. Die Gesamt­ab­wä­gung unter Ein­be­zie­hung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­recht­li­cher Deter­mi­nan­ten bestä­tigt die­se Ver­mu­tung.
In allen ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren sind drei von fünf Para­me­tern der ers­ten Stu­fe erfüllt.
Für das Jahr 2009 betrug der Abstand der Besol­dungs­ent­wick­lung zum Anstieg der Tarif­löh­ne im öffent­li­chen Dienst (ers­ter Para­me­ter) und der Ver­brau­cher­prei­se (drit­ter Para­me­ter) – bezo­gen auf den Zeit­raum der vor­an­ge­hen­den 15 Jah­re – in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 jeweils rund 6 %. In den Jah­ren 2011 bis 2014 fiel die Abwei­chung von der Tarif­lohn­ent­wick­lung mit rund 12 %; und vom Anstieg der Ver­brau­cher­prei­se mit rund 7 bis 9 % deut­lich grö­ßer aus. Hin­zu kommt, dass das Min­dest­ab­stands­ge­bot als Teil des vier­ten Para­me­ters deut­lich miss­ach­tet wor­den ist.
Im Jahr 2010 wur­den in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 wie­der­um der drit­te und vier­te Para­me­ter deut­lich erfüllt, hin­sicht­lich des ers­ten Para­me­ters wur­de der Schwel­len­wert für die Besol­dungs­grup­pe R 2 knapp über­schrit­ten, für die Besol­dungs­grup­pe R 1 hin­ge­gen knapp unter­schrit­ten. Für das Jahr 2015 lässt sich für alle Besol­dungs­grup­pen neben der ekla­tan­ten Ver­let­zung des Min­dest­ab­stands­ge­bots eine beson­ders deut­li­che Abkopp­lung der Besol­dung von der Tarif­lohn­ent­wick­lung von über 9 % fest­stel­len, der Schwel­len­wert hin­sicht­lich des Ver­brau­cher­preis­in­dex wur­de hin­ge­gen knapp ver­fehlt.
Für die­se Zeit­räu­me, in denen nicht bereits auf Grund­la­ge der ver­ein­fach­ten Berech­nung der Besol­dungs­ent­wick­lung eine Ver­mu­tung für eine unzu­rei­chen­de Ali­men­ta­ti­on besteht, erscheint es daher ange­zeigt, den Zeit­punkt zu berück­sich­ti­gen, in dem die Besol­dungs­er­hö­hung tat­säch­lich erfolgt ist. Der Deut­sche Rich­ter­bund hat in sei­ner Stel­lung­nah­me eine Berech­nung vor­ge­legt, bei der er auch für die Zeit­räu­me 1994 bis 2010 und 2000 bis 2015 das in der Besol­dungs­grup­pe R 1 gewähr­te Jah­res­brut­to­ge­halt (End­stu­fe, mit allen all­ge­mei­nen Zula­gen und Son­der­zah­lun­gen, ohne Fami­li­en­zu­schlag) ermit­telt hat. Legt man die­se schlüs­si­ge und rech­ne­risch von kei­ner Sei­te in Zwei­fel gezo­ge­ne „Spitz­aus­rech­nung“ zugrun­de und berück­sich­tigt umge­kehrt, dass die Tarif­löh­ne in Ber­lin im Jahr 2015 auf­grund des Anglei­chungs-TV Land Ber­lin noch um rund 1,5 % hin­ter dem TV‑L zurück­ge­blie­ben sind, zeigt sich, dass in bei­den Jah­ren sowohl die Abwei­chung von der Tarif­lohn­ent­wick­lung als auch die­je­ni­ge vom Ver­brau­cher­preis­in­dex sehr deut­lich über dem Schwel­len­wert von 5 % lie­gen. Für das Jahr 2015 lässt sich dies über­dies für das Ver­hält­nis zum Nomi­nal­lohn­in­dex fest­stel­len:
Besol­dungs­grup­pe R 1 (2010)
Besol­dungs­ent­wick­lung
Ver­än­de­rung seit 1995
Para­me­ter 1 – 3
Besol­dungs­grup­pe R 1 (2015)
Ver­än­de­rung seit 2000
Die­se Ergeb­nis­se las­sen sich auf die Besol­dungs­grup­pen R 2 und R 3 über­tra­gen. Denn bei die­sen Besol­dungs­grup­pen blieb die Besol­dungs­stei­ge­rung hin­ter der in der Besol­dungs­grup­pe R 1 zurück, weil sich die Kür­zung der Son­der­zah­lung im Jahr 2003 stär­ker aus­wirk­te und die Über­füh­rung in die neue Besol­dungs­ta­bel­le im Jahr 2011 mit einer pro­zen­tu­al gerin­ge­ren Besol­dungs­er­hö­hung ein­her­ging. Auch in den Jah­ren 2010 und 2015 sind folg­lich für alle Besol­dungs­grup­pen (min­des­tens) drei Para­me­ter erfüllt. Die Staf­fel­prü­fun­gen geben kei­nen Anlass zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung.
Die Ver­mu­tung einer der ange­mes­se­nen Betei­li­gung an der all­ge­mei­nen Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des Lebens­stan­dards nicht genü­gen­den und damit ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on wird erhär­tet, wenn man im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung die wei­te­ren ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en ein­be­zieht.
Mit dem Amt eines Rich­ters oder Staats­an­wal­tes sind viel­fäl­ti­ge und anspruchs­vol­le Auf­ga­ben ver­bun­den, wes­halb hohe Anfor­de­run­gen an den aka­de­mi­schen Wer­de­gang und die Qua­li­fi­ka­ti­on ihrer Inha­ber gestellt wer­den [196]. Dies gilt in ver­stärk­tem Maße für die den Besol­dungs­grup­pen R 2 (u.a. Vor­sit­zen­der Rich­ter am Land­ge­richt, Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt; Ober­staats­an­walt) und R 3 (u.a. Vor­sit­zen­der Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt; Lei­ten­der Ober­staats­an­walt) zuge­ord­ne­ten Ämter.
Die Absen­kung der Ein­stel­lungs­an­for­de­run­gen zeigt, dass die Ali­men­ta­ti­on ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on, durch­ge­hend über­durch­schnitt­li­che Kräf­te zum Ein­tritt in den höhe­ren Jus­tiz­dienst in Ber­lin zu bewe­gen, nicht (mehr) erfüllt hat. Wur­de zunächst als Ein­gangs­vor­aus­set­zung noch die Note „voll­be­frie­di­gend“ in bei­den Exami­na benannt, wur­de dies seit 2007 nur noch „in der Regel“ erwar­tet. Von 2011 an wur­de in das Aus­wahl­ver­fah­ren ein­be­zo­gen, wer 7,5 Punk­te in der Ers­ten Prü­fung und 8,5 Punk­te in der Zwei­ten Staats­prü­fung erzielt hat­te. Wenn das Land Ber­lin in sei­ner Stel­lung­nah­me vor­bringt, auch zuvor sei­en Bewer­ber „nach Ange­bot und Nach­fra­ge“ ohne die gefor­der­te Qua­li­fi­ka­ti­on zum Zuge gekom­men, ändert dies nichts dar­an, dass ein vor­mals jeden­falls im Aus­gangs­punkt nicht für geeig­net erach­te­ter Bewer­ber­kreis ange­spro­chen wer­den muss­te.
Zur Qua­li­fi­ka­ti­on der Ein­ge­stell­ten hat das Land Ber­lin im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren eine Aus­wer­tung vor­ge­legt und hin­sicht­lich der Examens­er­geb­nis­se auf die Sta­tis­tik des Bun­des­am­tes für Jus­tiz ver­wie­sen. Es ergibt sich fol­gen­des Bild:
Ein­stel­lun­gen in den höhe­ren Jus­tiz­dienst des Lan­des Ber­lin
Absol­ven­ten in Ber­lin
davon mit der Note „befrie­di­gend“
mit der Note „voll­be­frie­di­gend“ und bes­ser
35 % (171)
25 % (229)
40 % (220)
21 % (190)
35 % (215)
25 % (223)
40 % (248)
28 % (257)
41 % (252)
28 % (259)
Staats­an­walt­schaft
40 % (240)
27 % (255)
45 % (303)
25 % (252)
Das Land Ber­lin hat erklärt, die Absen­kung der for­ma­len Anfor­de­run­gen sei nicht aus der Not her­aus erfolgt, son­dern fol­ge der Erkennt­nis, dass man nicht von vorn­her­ein auf die Bewer­bung ein­zel­ner her­vor­ra­gend geeig­ne­ter Bewer­ber mit befrie­di­gen­dem Examen ver­zich­ten wol­le, deren Eig­nung erst im Rah­men des struk­tu­rier­ten Aus­wahl­ge­sprächs zuta­ge tre­te. Dann wäre aber zu erwar­ten, dass in allen Jah­ren Bewer­ber ohne Prä­di­kat­s­examen in pro­por­tio­na­lem Ver­hält­nis zur Zahl der besetz­ten Stel­len zum Zuge kom­men. Das Land muss­te indes in den Jah­ren 2009 bis 2011 und 2014, in denen mehr als zwan­zig Stel­len zu beset­zen waren, in grö­ße­rem Umfang Bewer­ber ein­stel­len, die nur ein befrie­di­gen­des Ergeb­nis auf­zu­wei­sen hat­ten. Dabei über­stieg die Zahl der Absol­ven­ten, die in der Zwei­ten Staats­prü­fung ein Prä­di­kat­s­examen erreicht hat­ten, auch in die­sen Jah­ren die Stel­len­zahl um ein Mehr­fa­ches. Davon, dass es dem Land Ber­lin gelun­gen wäre, durch­ge­hend über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te für den höhe­ren Jus­tiz­dienst anzu­wer­ben [197], kann daher kei­ne Rede sein.
Gegen­über­stel­lun­gen mit Ver­gleichs­grup­pen außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes füh­ren im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung zu kei­ner ande­ren Bewer­tung. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat im Aus­gangs­ver­fah­ren eine Aus­kunft zum Ver­gleich der Besol­dung von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten in Ber­lin mit den Gehäl­tern erteilt, die mit ver­gleich­ba­rem Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veau in der Pri­vat­wirt­schaft erzielt wor­den sind. Danach hat­ten im Jahr 2006 86 % der ver­gleich­ba­ren Arbeit­neh­mer in der Pri­vat­wirt­schaft einen höhe­ren Ver­dienst als ein Berufs­an­fän­ger der Besol­dungs­grup­pe R 1; im Jahr 2010 waren es 92 %. Selbst wenn man die Besol­dung der End­stu­fe zugrun­de legt, die nach mehr als 20 Berufs­jah­ren erreicht wird, ver­füg­ten im Jahr 2006 40 % der ver­gleich­ba­ren Arbeit­neh­mer in der Pri­vat­wirt­schaft über ein höhe­res Ein­kom­men; im Jahr 2010 war der Anteil auf 51 % gestie­gen. In der Ver­gleichs­grup­pe der Ange­stell­ten mit juris­ti­schen Beru­fen ver­dien­ten 85 % (2006) bezie­hungs­wei­se 93 % (2010) mehr als ein Berufs­an­fän­ger im Bereich der Jus­tiz. In 55 % (2006) bezie­hungs­wei­se 65 % (2010) der Fäl­le lag das Ein­kom­men auch über den Bezü­gen in der End­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe R 1.
Schließ­lich sind die im Vor­la­ge­be­schluss im Ein­zel­nen auf­ge­führ­ten Ein­schnit­te im Bereich des Bei­hil­fe- und Ver­sor­gungs­rechts zu berück­sich­ti­gen, die das zum lau­fen­den Lebens­un­ter­halt ver­füg­ba­re Ein­kom­men zusätz­lich gemin­dert haben [198].
In der Gesamt­ab­wä­gung ergibt sich, dass die Bemes­sung der Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pen R 1 bis R 3 in Ber­lin im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum nicht mehr amts­an­ge­mes­sen war.
Kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht ver­mag die Unter­schrei­tung des durch Art. 33 Abs. 5 GG gebo­te­nen Besol­dungs­ni­veaus nicht zu recht­fer­ti­gen. Ins­be­son­de­re hat das Land Ber­lin weder im Aus­gangs­ver­fah­ren noch in sei­ner Stel­lung­nah­me dar­ge­tan, dass die teil­wei­se dras­ti­sche Abkopp­lung der Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te von der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung in Ber­lin, wie sie nicht zuletzt in den Tarif­ab­schlüs­sen zum Aus­druck gekom­men ist, Teil eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung gewe­sen wäre, bei dem die Ein­spa­run­gen – wie es mit Blick auf Art. 3 Abs. 1 GG gebo­ten ist [199] – gleich­heits­ge­recht erwirt­schaf­tet wer­den soll­ten. Dies ist aber Vor­aus­set­zung dafür, eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on mit Blick auf die Ver­pflich­tung zur Haus­halts­kon­so­li­die­rung (Art. 109 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Art. 143d Abs. 1 GG) zu recht­fer­ti­gen.
Es erscheint bereits zwei­fel­haft, ob die vom Land Ber­lin in Bezug genom­me­nen Doku­men­te eine hin­rei­chen­de Defi­ni­ti­on des Spar­ziels und eine nach­voll­zieh­ba­re Aus­wahl der für erfor­der­lich erach­te­ten Maß­nah­men erken­nen las­sen. In der Finanz­pla­nung des Lan­des Ber­lin 2003 – 2007 wur­de die „Stra­te­gie zur Absen­kung der Per­so­nal­aus­ga­ben“ dahin umschrie­ben, dass der Per­so­nal­be­stand glo­bal auf 100.000 Voll­zeit­äqui­va­len­te abge­baut und die Per­so­nal­aus­ga­ben um jähr­lich 250 bezie­hungs­wei­se 500 Mil­lio­nen € ver­min­dert wer­den soll­ten. Als kon­kre­te Maß­nah­men wur­den der im Anwen­dungs-TV Land Ber­lin ver­ein­bar­te „Tausch von Ent­gelt gegen Frei­zeit“ benannt, der zu einer Absen­kung der Lohn­sum­me um 10 % füh­re, sowie die Strei­chung des Urlaubs­gelds und die Absen­kung der Son­der­zu­wen­dung. Abge­se­hen davon, dass der Auf­bau erheb­li­cher Arbeits­zeit­gut­ha­ben bei den Tarif­be­schäf­tig­ten uner­wähnt blieb, wur­den die erziel­ten Ein­spa­run­gen weder quan­ti­fi­ziert noch mit­ein­an­der oder mit der Ent­wick­lung ande­rer Aus­ga­ben­pos­ten ins Ver­hält­nis gesetzt.
Jeden­falls steht einer Recht­fer­ti­gung der Unter­schrei­tung des durch Art. 33 Abs. 5 GG gebo­te­nen Besol­dungs­ni­veaus ent­ge­gen, dass nicht ein­mal der Ver­such unter­nom­men wur­de, die Ein­spa­run­gen gleich­heits­ge­recht zu erwirt­schaf­ten. Im ers­ten gemäß der Ver­ein­ba­rung zum Sanie­rungs­pro­gramm nach § 5 des Sta­bi­li­täts­rats­ge­set­zes vom 10.08.2009 [200] erstell­ten Bericht wur­de hin­sicht­lich der Begren­zung der Per­so­nal­aus­ga­ben nur mit­ge­teilt, dass am genann­ten Ziel der Absen­kung des Per­so­nal­be­stands fest­ge­hal­ten und hier­für die natür­li­che Fluk­tua­ti­on genutzt wer­de. Der zwei­te Bericht bezif­fer­te die Ein­spa­run­gen, die 2013 und 2014 durch Absen­kung des Besol­dungs- bezie­hungs­wei­se Ent­gelt­ni­veaus im Bereich der Beam­ten und der Tarif­be­schäf­tig­ten erzielt wer­den soll­ten. Wäh­rend die geplan­ten Ein­spa­run­gen bei den Beam­ten mit einer im Ver­gleich zum bun­des­wei­ten Durch­schnitt rund 6,8 % nied­ri­ge­ren Besol­dung erklärt wur­den, wur­de zugleich hin­sicht­lich der Tarif­be­schäf­tig­ten mit­ge­teilt, dass zum Okto­ber 2011 das Ent­gelt­ni­veau auf 97 % des TV‑L ange­ho­ben wor­den sei und der ver­blie­be­ne Abstand in den Fol­ge­jah­ren suk­zes­si­ve abge­baut wer­de. In den Finanz­pla­nun­gen 2010 bis 2014 und 2013 bis 2017 wur­de wie­der­um nur pau­schal ein Kon­so­li­die­rungs­bei­trag durch Redu­zie­rung der Neu­ein­stel­lun­gen bezie­hungs­wei­se durch Begren­zung der Per­so­nal­aus­ga­ben aus­ge­wie­sen. Die­se Finanz­pla­nung bestä­tigt den auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe gewon­ne­nen Ein­druck, dass das Land Ber­lin die Besol­dung sehen­den Auges hin­ter die von ihm aus­ge­han­del­ten Tarif­löh­ne hat zurück­fal­len las­sen.
Steht danach fest, dass die zur Prü­fung gestell­te Besol­dung den mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips nicht genüg­te, bedarf die Fra­ge nach der Beach­tung der pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen kei­ner Ent­schei­dung.
Der Ver­stoß einer Norm gegen das Grund­ge­setz kann ent­we­der zur Nich­tig­erklä­rung (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 78 Satz 1 BVerfGG) oder dazu füh­ren, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Unver­ein­bar­keit der Norm mit dem Grund­ge­setz fest­stellt (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 79 Abs. 1 und § 31 Abs. 2 BVerfGG). Eine Nich­tig­erklä­rung hät­te zur Fol­ge, dass es für die Besol­dung an der gesetz­li­chen Grund­la­ge fehl­te, derer es mit Blick auf den ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­nen und ein­fach­recht­lich (vgl. § 2 Abs. 1 BBesG i.d.F. der Bekannt­ma­chung vom 06.08.2002 i.V.m. § 1b Abs. 1 Nr. 1 LBesG BE) ange­ord­ne­ten Geset­zes­vor­be­halt bedarf. Damit wür­de ein Zustand geschaf­fen, der von der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung noch wei­ter ent­fernt wäre als der bis­he­ri­ge [201]. Stellt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Unver­ein­bar­keit einer Norm oder meh­re­rer Nor­men mit dem Grund­ge­setz fest, folgt dar­aus grund­sätz­lich die Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, die Rechts­la­ge rück­wir­kend ver­fas­sungs­ge­mäß umzu­ge­stal­ten. Aus­nah­men von die­ser Regel­fol­ge der Unver­ein­bar­keit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt bei haus­halts­wirt­schaft­lich bedeut­sa­men Nor­men bejaht. Spe­zi­ell bei besol­dungs­recht­li­chen Nor­men gilt es zu beach­ten, dass die Ali­men­ta­ti­on der Rich­ter und Beam­ten der Sache nach die Befrie­di­gung eines gegen­wär­ti­gen Bedarfs aus gegen­wär­tig zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haus­halts­mit­teln dar­stellt. Eine all­ge­mei­ne rück­wir­ken­de Behe­bung des Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes ist daher mit Blick auf die Beson­der­hei­ten des Rich­ter- und Beam­ten­ver­hält­nis­ses nicht gebo­ten [202]. Eine rück­wir­ken­de Behe­bung ist jedoch sowohl hin­sicht­lich der Klä­ger der Aus­gangs­ver­fah­ren als auch hin­sicht­lich etwai­ger wei­te­rer Rich­ter und Staats­an­wäl­te erfor­der­lich, über deren Anspruch noch nicht abschlie­ßend ent­schie­den wor­den ist [203]. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob inso­weit ein Wider­spruchs- oder ein Kla­ge­ver­fah­ren schwebt. Ent­schei­dend ist, dass sie sich gegen die Höhe ihrer Besol­dung zeit­nah mit den statt­haf­ten Rechts­be­hel­fen gewehrt haben, so dass der Haus­halts­ge­setz­ge­ber nicht im Unkla­ren geblie­ben ist, in wie vie­len Fäl­len es mög­li­cher­wei­se zu Nach­zah­lun­gen kom­men wird.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Mai 2020 – 2 BvL 4/​18
BGBl. I S. 1798 – Grund­ge­halts­sät­ze der Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2004[↩]
GVBl. Bln S. 362 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2010[↩]
GVBl. Bln S. 306 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2011[↩]
GVBl. Bln S. 291 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2012[↩]
GVBl. Bln S. 291 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2013[↩]
GVBl. Bln S. 250 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1. August 2014[↩]
GVBl. Bln S. 250 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2015[↩]
ein­ge­fügt durch Art. 1 Nr. 1 des Acht­und­zwan­zigs­ten Geset­zes zur Ver­än­de­rung des Grund­ge­set­zes vom 18.03.1971[↩]
vgl. zu den Ein­zel­hei­ten BVerfGE 139, 64, 73 ff. Rn. 6 ff.[↩]
vgl. zu den Ein­zel­hei­ten BVerfGE 139, 64, 76 ff. Rn. 12 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 85 f. Rn. 29 f.[↩]
BGBl I S. 1798 – Anhang 27 Nr. 4: Grund­ge­halts­sät­ze der Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab dem 1.08.2004[↩]
GVBl S. 272[↩]
GVBl S. 362[↩]
vgl. Anla­ge 1 Nr. 4 und Anla­ge 2 zu § 2 Abs. 1 Nr. 1 BerlB­VAnpG 2010/​2011[↩]
vgl. AbgH-Drs 16/​3242, S. 10[↩]
GVBl S. 306[↩]
vgl. Anla­ge 16 zu § 2 Abs. 3 BerlB­VAnpG 2010/​2011[↩]
AbgH-Drs 16/​3242, S. 10[↩]
GVBl S. 291[↩]
vgl. Anla­ge 1 Nr. 4 und Anla­ge 2 zu Art. I § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 und zu Nr. 5 BerlB­VAnpG 2012/​2013 bezie­hungs­wei­se Anla­ge 16 Nr. 4 und Anla­ge 17 zu Art. I § 2 Abs. 3 BerlB­VAnpG 2012/​2013[↩]
AbgH-Drs 17/​0450, S. 9 f.[↩]
GVBl S. 250[↩]
vgl. Anla­ge 1 Nr. 4 zu Art. I § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bezie­hungs­wei­se Anla­ge 2 zu Art. I § 2 Abs. 2 BerlB­VAnpG 2014/​2015[↩]
AbgH-Drs 17/​1677, S. 46 ff.[↩]
GVBl S. 538[↩]
GVBl S. 271[↩]
BVerwG – 2 C 56.16[↩]
BVerwG – 2 C 57.16[↩]
BVerwG – 2 C 58.16[↩]
BVerwG, Beschluss vom 22.09.2017 [in der Fas­sung des Berich­ti­gungs­be­schlus­ses vom 22.01.2018] – 2 C 56.16, 2 C 57.16, 2 C 58.16[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 117, 330, 349; 119, 247, 263, 269; 130, 263, 292; 139, 64, 111 Rn. 92; 140, 240, 277 Rn. 71; 141, 56, 69 Rn. 34; 145, 304, 324 Rn. 64; 149, 382, 391 Rn. 15; 150, 169, 178 Rn. 25[↩]
vgl. BVerfGE 12, 81, 88; 55, 372, 392; 107, 218, 238[↩]
vgl. BVerfGE 106, 225, 232; 117, 330, 344; 130, 263, 292; 139, 64, 111 Rn. 92; 140, 240, 277 Rn. 71[↩]
vgl. BVerfGE 99, 300, 314; 107, 218, 236 f.; 117, 330, 344; 119, 247, 266; 130, 263, 292; 139, 64, 111 Rn. 92; 140, 240, 277 Rn. 71[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 107, 218, 238; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72; 149, 382, 391 f. Rn. 16; 150, 169, 180 Rn. 28[↩]
zu Lebens­zeit- und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip vgl. BVerfGE 119, 247, 263; 121, 205, 221; zu Treue­pflicht und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip vgl. BVerfGE 21, 329, 345; 44, 249, 264; 130, 263, 298; zu Treue- und Für­sor­ge­pflicht vgl. BVerfGE 9, 268, 286; fer­ner auch BVerfGE 71, 39, 59 f.[↩]
vgl. BVerfGE 39, 196, 200 f.; 121, 241, 261; 139, 64, 123 Rn. 123; 140, 240, 292 Rn. 106; 145, 1, 14 Rn. 32; 150, 169, 180 Rn. 28[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 17; 44, 249, 264; 119, 247, 264; 148, 296, 347 Rn. 121; 364 Rn. 152[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 265 f.; 99, 300, 315; 107, 218, 237; 114, 258, 288; 130, 263, 292; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72; 149, 382, 392 Rn. 16[↩]
vgl. BVerfGE 99, 300, 321[↩][↩][↩]
vgl. BVerfGE 83, 89, 98; 117, 330, 350; 130, 52, 67; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 22 f.; 114, 258, 288; 117, 372, 381; 121, 241, 261; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 278 f. Rn. 73[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 375 f.; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 278 f. Rn. 73[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 264 ff.; 117, 330, 352; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 278 f. Rn. 73[↩]
vgl. BVerfGE 117, 330, 352; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 279 Rn. 73[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 279 Rn. 74[↩]
vgl. BVerfGE 103, 310, 320; 117, 330, 353; 121, 241, 261; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 95; 140, 240, 279 Rn. 75[↩]
vgl. BVerfGE 65, 141, 148 f.; 103, 310, 319 f.; 110, 353, 364 f.; 117, 330, 353; 130, 263, 294 f.; 139, 64, 113 Rn. 96; 140, 240, 279 Rn. 75[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 263, 267 f.; 114, 258, 288 f.; 130, 263, 295; 139, 64, 113 Rn. 96; 140, 240, 279 Rn. 75[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 113 Rn. 97; 140, 240, 279 f. Rn. 76[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 120 Rn. 116; 140, 240, 289 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 292 f.; 139, 64, 113 Rn. 98; 140, 240, 280 Rn. 77[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 113 f. Rn. 98; 140, 240, 280 Rn. 77[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 132 f. Rn. 148; für den Nomi­nal­lohn­in­dex BVerfGE 139, 64, 115 f. Rn. 104; 140, 240, 282 f. Rn. 83[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 129 Rn. 135[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 130 Rn. 141; 140, 240, 300 Rn. 125[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 115 f. Rn. 104; 140, 240, 282 f. Rn. 83[↩][↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 114 Rn. 99; 140, 240, 281 Rn. 78[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293; 139, 64, 114 f. Rn. 100; 140, 240, 281 Rn. 79[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 139, 64, 114 f. Rn. 100; 140, 240, 281 Rn. 79[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 114 f. Rn. 100; 140, 240, 281 Rn. 79; 145, 304, 339 Rn. 110[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 114 f. Rn. 100; 140, 240, 281 Rn. 79[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 115 Rn. 101; 140, 240, 281 f. Rn. 80[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 115 Rn. 102; 140, 240, 282 Rn. 81[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 115 Rn. 103; 140, 240, 282 Rn. 82[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 287; 119, 247, 269; 130, 263, 292[↩]
vgl. BVerfGE 107, 218, 238; 139, 64, 115 f. Rn. 104; 140, 240, 282 Rn. 83[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 116 Rn. 105; 140, 240, 283 Rn. 84[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 116 Rn. 106; 140, 240, 283 Rn. 85[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 116 f. Rn. 107; 140, 240, 283 f. Rn. 86[↩][↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 44, 249, 265 f.; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 275; 81, 363, 378; 99, 300, 316; 117, 330, 351 f.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 117 Rn. 108; 140, 240, 284 Rn. 87[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 117 Rn. 109; 140, 240, 284 Rn. 88[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 293 f.; 139, 64, 117 Rn. 110; 140, 240, 284 Rn. 89[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293; 117, 330, 355; 130, 263, 293; 139, 64, 118 Rn. 111; 140, 240, 284 f. Rn. 90[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 293; 139, 64, 118 Rn. 111; 140, 240, 285 Rn. 90[↩]
vgl. BVerfGE 117, 330, 355; 139, 64, 118 Rn. 111; 140, 240, 285 Rn. 90[↩]
vgl. BVerfGE 145, 304, 328 f. Rn. 74 ff.; 150, 169, 183 f. Rn. 34, 191 Rn. 60[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 118 Rn. 112; 140, 240, 286 Rn. 92[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 378; 99, 300, 321 f.; 140, 240, 286 f. Rn. 93 f.[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 382 f.; 99, 300, 321 f.; 140, 240, 286 f. Rn. 93 f.[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 272 f.; 81, 363, 377 f.; 99, 300, 315 f.[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 267; 81, 363, 376; 99, 300, 315[↩]
vgl. BVerfGE 140, 240, 287 Rn. 94[↩][↩]
vgl. BVerfGE 125, 175, 221 ff.; 137, 34, 72 Rn. 74[↩]
vgl. BVerfGE 66, 214, 223; 68, 143, 153; 82, 60, 88; 87, 153, 172; 99, 246, 260; 99, 300, 1. Leit­satz[↩]
vgl. BVerfGE 99, 246, 261[↩]
vgl. BVerfGE 82, 60, 91; 99, 246, 261[↩]
vgl. BVerfGE 120, 125, 160[↩]
vgl. BVerfGE 87, 153, 172[↩][↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 269 f.; 70, 69, 81[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 375 f.; 99, 300, 315, 321[↩]
vgl. BVerfGE 99, 246, 265[↩]
vgl. BVerfGE 82, 60, 78 f.[↩]
vgl. BVerfGE 137, 34, 75 f. Rn. 82 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 117, 330, 355; 130, 263, 302; 137, 34, 76 Rn. 85; 146, 164, 197 Rn. 85[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 07.11.2006 – B 7b AS 18/​06 R, Rn.20[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 19.10.2010 – B 14 AS 2/​10 R, Rn. 18 m.w.N.[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 01.06.2010 – B 4 AS 60/​09 R, Rn. 18 ff. unter Ver­weis auch auf Art. 3 Abs. 1 i.V.m. Art. 11 Abs. 1 GG[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 16.05.2012 – B 4 AS 109/​11 R, Rn. 18[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 22. Sep­tem- ber 2009 – B 4 AS 18/​09 R, Rn. 17 ff.[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 11.12.2012 – B 4 AS 44/​12 R, Rn. 21 ff.[↩]
vgl. hier­zu BVerfGE 117, 330, 345 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 107, 218, 238, 243 ff.; 117, 330, 350 f.[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 20.08.2009 – B 14 AS 41/​08 R, Rn. 30; Urteil vom 12.06.2013 – B 14 AS 60/​12 R, Rn. 22[↩]
vgl. BVerfGE 137, 34, 95 ff. Rn. 130 ff.[↩]
BT-Drs. 16/​11065, S. 5; 17/​5550, S. 5; 17/​11425, S. 5[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 272[↩]
vgl. BVerfGE 99, 300, 321; 139, 39, 112 Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72[↩]
vgl. Anla­ge I zum LBesG BE, Vor­be­mer­kung Ziff. 2[↩]
vgl. BVerfGE 140, 240, 286 f. Rn. 94 f.; vgl. auch BT-Drs. 18/​9533, S. 36 f.[↩]
vgl. BVerfGE 120, 125, 161[↩]
vgl. BVerfGE 123, 186, 249[↩]
vgl. BVerfGE 99, 300, 315, 321[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 118 f. Rn. 113; 140, 240, 287 f. Rn. 96[↩]
vgl. BVerfGE 30, 90, 103; 93, 319, 348 f.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 119 Rn. 113; 140, 240, 288 Rn. 96[↩]
vgl. BVerfGE 150, 169, 182 Rn. 30; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 117, 330, 354; 119, 247, 268; 130, 263, 293 f.; 139, 64, 119 Rn. 114; 140, 240, 288 Rn. 97[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 124 Rn. 124; 140, 240, 293 Rn. 107[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 119 f. Rn. 114; 140, 240, 288 Rn. 97[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 120 Rn. 115; 140, 240, 289 Rn. 98[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 120 f. Rn. 116; 140, 240, 289 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 265; 99, 300, 315; 114, 258, 288; 130, 263, 292; 139, 64, 120 f. Rn. 116; 140, 240, 289 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 121 Rn. 116; 140, 240, 290 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 121 Rn. 118; 140, 240, 290 Rn. 100[↩]
vgl. BVerfGE 119, 247, 264; 139, 64, 121 Rn. 119; 140, 240, 291 Rn. 104; 150, 169, 181 Rn. 29[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 299; 139, 64, 121 Rn. 119; 140, 240, 291 Rn. 104[↩]
vgl. BVerfGE 12, 81, 88; 55, 372, 391 f.; 139, 64, 121 f. Rn. 120[↩]
vgl. BVerfGE 4, 331, 346; 14, 56, 70; 17, 252, 259; 18, 241, 255; 26, 186, 198 f.; 42, 206, 209; 87, 68, 85; 139, 64, 121 f. Rn. 120[↩]
vgl. BVerfGE 26, 141, 155 f.[↩]
vgl. BVerfGE 107, 257, 274 f.; 139, 64, 122 Rn. 121; vgl. zur inter­na­tio­na­len Per­spek­ti­ve zuletzt die Stu­die der Euro­pean Com­mis­si­on for the Effi­ci­en­cy of Jus­ti­ce „Euro­pean judi­cial sys­tems – Effi­ci­en­cy and qua­li­ty of jus­ti­ce“ des Euro­pa­ra­tes Nr. 26, 2018; Daten von 2016, wonach sich die Rich­ter­be­sol­dung in Deutsch­land wie schon in den Vor­jah­ren ver­gli­chen mit dem durch­schnitt­li­chen Brut­to­jah­res­ge­halt am unte­ren Ende aller Mit­glied­staa­ten des Euro­pa­ra­tes bewegt[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 294; 130, 263, 292; 150, 169, 182 Rn. 30[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 121 Rn. 117[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 117, 330, 354; 119, 247, 268; 130, 263, 293 f.; 139, 64, 124 Rn. 124; 140, 240, 293 Rn. 107[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 294; 139, 64, 124 Rn. 124; 140, 240, 293 Rn. 107[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 122 f. Rn 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 83, 89, 99; 106, 225, 232[↩]
vgl. BVerfGE 83, 89, 98; 106, 225, 233; 139, 64, 122 f. Rn. 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 117, 330, 351 f.; 139, 64, 122 f. Rn. 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 58, 68, 78; 106, 225, 233; 139, 64, 122 f. Rn. 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 122 f. Rn. 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 298[↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 298; 114, 258, 298[↩]
vgl. BVerfGE 39, 196, 202; 114, 258, 298[↩]
vgl. BVerfGE 105, 73, 115, 125; 114, 258, 298[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 123 f. Rn. 123; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 124 f. Rn. 125; 140, 240, 293 f. Rn. 108[↩]
vgl. Kube, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 143d Rn. 16 mit Ver­weis auf BT-Drs. 16/​12410, S. 13; Rei­mer, in: Epping/​Hillgruber, Beck­OK GG, Art. 143d Rn. 9[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 125 f. Rn. 127; 140, 240, 294 f. Rn. 110; 145, 304, 325 f. Rn. 68; 149, 382, 394 Rn.19[↩][↩]
vgl. BVerfGE 129, 124, 170; 132, 195, 245[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 264 f.; 76, 256, 311; 99, 300, 320; 114, 258, 291; 117, 372, 388; 139, 64, 125 f. Rn. 127; 140, 240, 294 f. Rn. 110; 145, 304, 325 f. Rn. 68; 149, 382, 394 Rn.19; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 125 f. Rn. 127; 140, 240, 294 f. Rn. 110; 145, 304, 325 f. Rn. 68; 149, 382, 394 f. Rn.19[↩]
vgl. BVerfGE 149, 382, 399 Rn. 28[↩]
vgl. BVerfGE 149, 382, 395 Rn.19[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 295 f.; 139, 64, 126 Rn. 128; 140, 240, 295 f. Rn. 111 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 311; 114, 258, 288 f.; 139, 64, 126 Rn. 128; 140, 240, 295 f. Rn. 111[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 264 f.; 76, 256, 311; 81, 363, 378; 99, 300, 320; 114, 258, 291; 117, 372, 388; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 311; 114, 258, 291 f.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 126 Rn. 128; 140, 240, 295 f. Rn. 111[↩]
vgl. BVerfGE 149, 382, 395 Rn. 20[↩]
vgl. BVerw­GE 161, 297, 303 Rn. 19[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 302; 139, 64, 127 Rn. 130; 140, 240, 296 Rn. 113; 149, 382, 395 Rn. 21[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 302; 139, 64, 126 f. Rn. 129; 140, 240, 296 Rn. 112; 149, 382, 395 Rn. 21[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 301[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 127 Rn. 130; 140, 240, 296 Rn. 113; 149, 382, 395 f. Rn. 21; vgl. auch BVerfGE 76, 107, 121 f.; 101, 158, 216 ff.; anders für das Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums aus Art. 1 Abs. 1 GG i.V.m. Art.20 Abs. 1 GG: BVerfGE 132, 134, 162 f. Rn. 70; 137, 34, 73 f. Rn. 77; für das Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG: BVerfGE 139, 148, 180 Rn. 61; für die Dar­le­gung der Erfor­der­lich­keit einer bun­des­ge­setz­li­chen Rege­lung im Sin­ne des Art. 72 Abs. 2 GG: BVerfGE 140, 65, 79 f. Rn. 33; und für die all­ge­mein an den Gesetz­ge­ber bezüg­lich einer Sach­auf­klä­rung zu stel­len­den Anfor­de­run­gen: BVerfGE 143, 246, 343 f. Rn. 274[↩]
BGBl I S. 2229[↩]
BGBl I S.1942[↩]
BGBl I S. 590[↩]
BGBl I S. 2026[↩]
BGBl I S. 2198[↩]
BGBl I S. 1798[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 128 Rn. 134[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 129 Rn. 135; 140, 240, 300 Rn. 122[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 132 f. Rn. 148[↩]
vgl. Boch­mann, ZTR 2011, S. 459, 460[↩]
vgl. Boch­mann, ZTR 2011, S. 459, 462[↩]
vgl. Boch­mann, ZTR 2011, S. 459, 464 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 131 Rn. 144[↩]
GVBl S. 70[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 380; 99, 300, 320[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 134 Rn. 151; 135 f. Rn. 153 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 39, 121 Rn. 117[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 136 f. Rn. 158[↩]
vgl. BVerfGE 149, 382, 395 Rn. 19[↩]
BGBl I S. 2702[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 146 Rn.194; 140, 240, 315 f. Rn. 169; 150, 169, 192 Rn. 63 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 148 Rn.195; 140, 240, 316 Rn. 170; 150, 169, 193 Rn. 64 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 148 Rn.195; 140, 240, 316 Rn. 170; 150, 169, 193 Rn. 64[↩]
Das Kon­tra­zep­ti­vum als Arz­nei­mit­tel – und die Bei­hil­fe Kon­tra­zep­ti­va, deren arz­nei­mit­tel­recht­li­che Zulas­sung auf die Emp­fäng­nis­ver­hü­tung beschränkt ist, kön­nen nach der Säch­si­schen Bei­hil­fe­ver­ord­nung bei­hil­fe­fä­hig sein, wenn sie aus Anlass einer Krank­heit ver­ord­net wer­den. Das…

References: Art. 33
 Art. 33
 § 37
 § 85
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 Art. 74
 § 37
 Art. 125
 § 85
 § 40
 § 2
 Art. 125
 § 1
 § 1
 § 1
 § 37
 § 2
 § 14
 § 2
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 § 20
 § 20
 § 12

§ 22
 § 22
 § 22
 § 22
 § 72
 § 69
 § 1
 § 52
 Art. 94
 Art. 3
 § 22
 § 28
 § 28
 § 21
 § 2
 § 193
 § 23
 § 26
 § 26
 § 152
 § 110
 Art. 33
 Art. 97
 Art. 97
 Art. 33
 Art. 109
 Art. 109
 Art. 109
 Art. 109
 Art. 109
 Art. 143
 Art. 143
 Art. 143
 Art. 109
 Art. 33
 Art. 109
 Art. 3
 Art. 109
 Art. 33
 Art. 33
 § 1
 Art. 2
 § 1
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 1
 § 77
 § 76
 Art. 33
 Art. 3
 Art. 143
 Art. 33
 § 5
 § 82
 § 78
 § 82
 § 79
 § 31
 § 2
 § 1
 Art. 1
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 Art. 3
 Art. 11
 Art. 143
 Art. 143
 Art. 1
 Art.20
 Art. 5
 Art. 72