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Timestamp: 2017-04-28 03:28:13+00:00

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aps Magazin 01/2013 by undefined - issuu
Gewerkschaft Öffentlicher Dienst / Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer; Schenkenstraße 4/5, 1010 Wien, Österreich; Tel.: +43 (0)1 / 534 54-435, Fax: +43 (0)1 / 534 52 – 452; kontakt@pflichtschullehrer.at; www.pflichtschullehrer.at1/2013_FebruarHelmut Gretschel, „Farbenspiel“1. GÖD-Fotowettbewerb: die sieger!
Christian Sporer, „Kreuzspinne“jetztInformation
online (ab Seite(Seite
5)APS – ein neuer
GesamtauftrittWerner Schübl, „Spuren im Schnee“Aufgepasst (Seite 14)Angeschaut (Seite 18)KorridorpensionGÖD-FotowettbewerbInfoGewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­licht­schul­leh­rer in der
Ge­werk­schaft Öf­fen­t­­licher Dienst, 1010 Wien, Schenken­straße 4/V
Te­l.: 01/534 54-435, Fax: 01/534 54-452, E-­Ma­il: aps@goed.at
Bü­ro­zei­ten: Mon­tag bis Do­nner­s­­tag von 7.30 bis 16.30 Uhr,
Frei­tag von 7.30 bis 13.30 Uhr
Ko­sten­lo­se In­for­ma­tion für Mitglie­der der GÖD, Gewerkschaft Pf­licht­schul­lehrerinnen
und Pflichtschullehrer.editorial
–2–mit leidenschaft für unsere
HöflehnerLiebe Leserin, lieber Leser!
„Das heimische Bildungssystem ist teuer und
zugleich ineffizient. Seit dem Jahr 2000 sind die Bildungsausgaben pro Kopf um 25 Prozent gestiegen.“
(„Die Presse“, „Für Hauptschulen gibt es mehr Geld
als für AHS“, Print-Ausgabe, 15. 1. 2013)
Diese Zeilen waren nach der Veröffentlichung des
Nationalen Bildungsberichtes zu lesen. Setzte ich
die Gehaltstabellen in Beziehung zur Altersstruktur (Zitat aus der Presseaussendung des Parlaments – Parlamentskorrespondenz Nr. 34 vom
22. 1. 2013 – zum Bildungsbericht: Neben der ungleichen Geschlechterverteilung weist der österreichische Lehrkörper einen relativ hohen Altersdurchschnitt auf. Im Schuljahr 2010/11 waren rund 43 Prozent des aktiven Lehrpersonals über 50 Jahre alt, mit
jeder zweiten Lehrkraft über 50 sind die Hauptschulen am ältesten besetzt, während an Volks- bzw.
Sonderschulen das Durchschnittsalter des Lehrpersonals bei 44 bzw. 45 Jahren liegt.), bin ich über die
gestiegenen Bildungsausgaben nicht verwundert.
Als ein Mittel gegen die Ineffizienz wird in derselben Presseaussendung der Ausbau der ganztägigen Schulen gefordert. (Argumentiert wird, dass
bei ganztägigen Schulformen durch die erweiterten Fördermöglichkeiten von Schüler/innen mit Bildungsdefiziten und von Risikoschüler/innen „soziale Herkunftseffekte“ abgeschwächt werden sowie
interkulturelle und sprachliche Kompetenzen besser zu vermitteln sind.)
In einem Interview von Gerald John („Der Standard“,
„Kinder werden völlig unnötig behindert“, Dezember 2012) mit Univ.-Prof. Dr. Stefan Hopmann (Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien)
antwortete dieser auf die Frage, ob die Ganztagsschule also zur Regel werden sollte, mit: „Das wird
sich Österreich nicht leisten können, weil es dafür
um 20 bis 30 Prozent mehr Lehrkräfte bräuchte.“
Wie wird die Lösung aussehen?Ihr Martin Höflehnerinhalt
3	Seite des Vorsitzenden	5	service
Dienstrechts-Novelle 2012aktuell	aktuell
9	Lehrer/innenausbildung neu –
wenn nicht jetzt, wann dann?	10	Musik beflügelt. Kooperation mit Musikschulen
13	Auf dem Weg zur Dokumentationsgesellschaft?
14	Korridorpension
information	16	Im Westen nichts Neues
18	GÖD-Fotowettbewerb
21	Aggression – Licht und Schatten	24	IV Teacher’s Award
24	DiensttauschOFFENLEGUNG GEMÄSS MEDIENGESETZ § 25
Wirtschaftsbetriebe Ges. m. b. H. der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, 1010
Wien, Teinfaltstraße 7. Unternehmens­gegenstand: Führung der wirtschaftlichen
Tätigkeiten, insbesondere der Wirtschaftsbetriebe der Gewerkschaft Öffentlicher
Dienst. Geschäftsführung: Otto Aiglsperger. Einziger Gesellschafter: Bildungsund Presseverein der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. Sitz: Wien. Betriebsgegenstand: Herstellung und Verarbeitung sowie Verlag literarischer Werke
aller Art. Die Blattlinie entspricht jenen Grundsätzen, die in den Statuten und
der Geschäftsordnung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (Fassung gemäß
Beschluss durch den 16. Bundeskongress der GÖD) festgehalten sind.Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 12. 3. 2013
Beiträge senden Sie bitte per E-Mail (aps@goed.at) an die Redaktion.Impressum„aps“ ist die Zeitschrift der Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und
Pf­lichtschul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fent­licher Dienst.
He­raus­ge­ber: Ge­werk­schaft Öf­fent­licher Dienst. Medieninha­ber und Ver­leger:
GÖD Wirtschaftsbetriebe GmbH., Teinfaltstraße 7, 1010 Wien.
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Na­ment­lich ge­kenn­­zeich­nete Bei­trä­ge stel­len die Mei­nung des Au­tors dar, die
sich nicht mit der Mei­nung der Re­dak­tion dec­ken muss.Paul Kimberger
Pflichtschullehrerinnenund
seite des vorsitzendenmit leidenschaft für unsere lehrer/innenBeschränkt, verschränkt, …
Wieder einmal ist die Diskussion um ganztägige Schulformen entbrannt, die heutzutage nicht zuletzt durch
die Berufstätigkeit vieler Eltern verstärkt nachgefragt
werden. Viele von ihnen wünschen sich, aus einem breiten Angebot flexibler Modelle mit einer qualitativ hochwertigen Betreuung am Nachmittag wählen zu können,
während andere für die Verschränkung von Unterricht
und Freizeit sind. Ob letztere Form – ganz zu schweigen
von der fehlenden Infrastruktur an den meisten Schulen – mit dem Zwang zur ganztägigen Anwesenheit dem
stets beschworenen Ziel einer Individualisierung besser
gerecht wird, mag dahingestellt bleiben. Schließlich ist
auch bei Kindern die Leistungskurve während des Tages
unterschiedlich ausgeprägt.
Jedenfalls bedarf die Einführung einer solchen Schulform
der Zweidrittelmehrheit im Schulforum bzw. Schulgemeinschaftsausschuss. Der Präsident des Gemeindebundes, Helmut Mödlhammer, quasi der Oberbürgermeister Österreichs, und unsere Unterrichtsministerin
Claudia Schmied sind jedoch ein Herz und eine Seele,
wenn es um die Beschränkung schulpartnerschaftlicher
Mitbestimmung geht. Keine Angst, unsere Schulforen
und Schulgemeinschaftsausschüsse sollen nicht abgeschafft werden. Mödlhammer und Schmied wollen nur
ein wenig mitbestimmen, wer in Zukunft weniger mitreden darf – nämlich wir Lehrerinnen und Lehrer.Basisdemokratie abschaffen
Das Thema Ganztagsschule vereint die rote Unterrichtsministerin und den schwarzen Bürgermeister im Bestreben, endlich mit der lästigen schulischen Basisdemokratie aufzuräumen. Wo kommen wir schließlich hin,
wenn Kleinigkeiten wie eine fehlende Schulküche, nichtexistente Freizeiträumlichkeiten und fehlende Sportinfrastruktur daran hindern, eine Schule per Dekret zur
Ganztagsschule zu erklären? Kreative Geister wie Claudia Schmied und Helmut Mödlhammer haben jetzt die
Patentlösung parat: Sie wollen den lästigen Lehrerinnen
und Lehrern, die vor Einführung des Ganztagsbetriebes
auf einen Ausbau der Infrastruktur bestehen, ganz einfach das Mitbestimmungsrecht entziehen. Wer ein solches Demokratieverständnis an den Tag legt, hat Demokratie allerdings nicht verstanden.
Aber zurück zu Claudia Schmied. Ihre Kreativität geht
noch weit über die Helmut Mödlhammers hinaus: „Nicht
jede Schule benötigt ein Konferenzzimmer im klassischen Sinn. Eine Konferenz lässt sich auch in der Aula
oder im Gemeindesaal abhalten“, ließ sie uns in einem
„Presse“-Interview (Presse Online am 13. 11. 2012) wissen. Ob sie diesen Vorschlag mit ihrem neuen Gesinnungsgenossen Mödlhammer abgestimmt hat, ist nicht
überliefert. Vielleicht hat sie ihm ja angeboten, dass er
seinen Gemeinderat in ihrem feudalen Büro am Minoritenplatz versammeln darf, wenn sein Gemeindesaal
durch eine Lehrerkonferenz besetzt ist. Und eines muss
man Claudia Schmied auch noch zugestehen: Wenn sie
ihr neues Lehrerdienstrecht so durchbringt, wie es der
Entwurf vorsieht, über den wir seit Mai verhandeln, werden Lehrerinnen und Lehrer in Zukunft so viel unterrichten, dass sie ohnehin kein Konferenzzimmer mehr
benötigen.Mangelnde Infrastruktur
Eine winzige Kleinigkeit haben allerdings beide übersehen: Verantwortungsbewusste Eltern würden ihre
Kinder niemals den ganzen Tag in Gebäuden mit einer– 3 –-„Apropos Ganztagsschule: Die Diskussion darüber ist eine rein akademische,
gibt es doch bislang keinen einzigen Fall, in dem Lehrerinnen und Lehrer die
Einführung der Ganztagsschule verhindert hätten.“–4–seite des vorsitzendenInfrastruktur einsperren, die man in Österreich nicht einmal Gewaltverbrechern zumutet. „Durchschnittlich stehen einem Gefangenen in Österreich 7,7 Quadratmeter
Haftraum zur Verfügung“ (Pilotbericht über den Strafvollzug 2008). Als Lehrergewerkschafter darf ich mir wohl
erwarten, dass die Republik Lehrerinnen und Lehrer
sowie Schülerinnen und Schüler nicht schlechter behandelt als Gewaltverbrecher.
Erst Infrastruktur ausbauen und dann Ganztagsschulen
anbieten! Daran führt kein Weg vorbei, nicht einmal ein
autoritärer.sonst noch etwas?
Wenn „Experten“ vom finnischen Schulsystem schwärmen, „vergessen“ sie gerne zwei Bereiche – einen wohl
aus Ignoranz, den anderen wahrscheinlich aus ideologisch motivierter Absicht:
• Finnische Kinder lesen beim Fernsehen, und zwar
nicht, weil sie begeisterte „Multi-Tasker“ wären, sondern zwangsweise. Die US-Massenware an mehr oder
weniger dümmlichen TV-Serien wird in Finnland nämlich
nicht synchronisiert, sondern mit finnischen Untertiteln
• Finnische Lehrer/innen sind Weltmeister im „Frontalunterricht“.
Auch bei uns ist die direkte Instruktion seit Langem verpönt. Insbesondere in der Aus- und Fortbildung werden
alle möglichen anderen didaktischen Konzepte gepriesen, um der Gruppenarbeit ein Monopol auf pädagogische Fortschrittlichkeit und Sinnhaftigkeit zu sichern. „Das
Image des Frontalunterrichts ist so schlecht, dass Lehrer
nur mit schlechtem Gewissen auf diese Weise Stoff vermitteln“*, stellt der Bildungsökonom Guido Schwerdt
vom Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo fest.
Guido Schwerdt hat sich zusammen mit seiner Kollegin Amelie Wuppermann von der Ludwig-MaximiliansUniversität München auf ideologisch spiegelglattes Parkett gewagt und „den Frontalunterricht rehabilitiert“*.
In einer groß angelegten Analyse wurde nachgewiesen,
„dass Schüler in Tests umso besser abschneiden, je mehr
Zeit der Lehrer für die frontale Vermittlung des Stoffs auf-gewendet hat“*. Die „Neue Zürcher Zeitung“ zitiert Guido
Schwerdt weiter: „Wenden Lehrer nur 10 Prozent mehr
Zeit für Frontalunterricht auf, zeigen die Schüler einen
Leistungsvorsprung, der einem Wissenszuwachs von 1
bis 2 Monaten Schulbildung entspricht.“*
Die Analyse räumt auch mit einem weiteren Märchen auf:
„Mehr Frontalunterricht verbessert die schulische Leis­
tung sowohl von schwächeren als auch von begabteren
Schülern.“* Endgültig schwarz vor Augen wird manchem
Schreibtisch-„Experten“ wohl bei der Lektüre des folgenden Satzes: „Von den modernen Ansätzen profitierten vor
allem die Schüler aus bildungsnahen Gesellschaftsschichten.“* Die direkte Instruktion verhilft also besonders Kindern mit benachteiligendem sozioökonomischem Hintergrund zu besseren Lernerfolgen.
Im Gegensatz zu den „Experten“ wundern uns Lehrerinnen und Lehrer diese Erkenntnisse wohl wenig. Wir
haben längst erkannt, dass ein sinnvoller Methodenmix,
angepasst an die jeweilige Klasse, den optimalen Lern­
erfolg sichert.Ihr	Paul KimbergerReaktionen bitte an: paul.kimberger@goed.at* „Eintrichtern ist besser“, NZZ am 6. Jänner 2013–5–ServiceDienstrechts-Novelle 2012
(Quelle: BGBl. I Nr. 120/2012 – Dienstrechts-Novelle 2012)Die Dienstrechts-Novelle 2012 wurde mit dem Bundesgesetzblatt I Nr. 120/2012 am 28. 12. 2012 veröffentlicht.
Sie enthält für den Bereich der Pflichtschullehrer/innen
unter anderem folgende wichtige Neuerungen:
1. Textänderungen in den §§ 59b Abs. 1a Gehaltsgesetz
und 44b Abs. 1a Vertragsbedienstetengesetz (Zulage
für den Unterricht in D, M und lebenden Fremdsprachen in Neuen Mittelschulen)
2. „Papamonat“
3. Pflegefreistellung
4. Teilzeitbeschäftigung für Personen in Leitungsfunk-	tionen
6. Verbesserung der Entgeltfortzahlung im Krankheits-	fall
7. Klarstellung im Mutterschutz- und Väterkarenzgesetz
betreffend Vertragslehrer/innen
8. Mitwirkungsrecht der Personalvertretung im Rahmen
des „Qualitätsmanagements“
9. Ex-Lege-Auflösung des Dienstverhältnisses bei
besonders schwerwiegenden Delikten1) Die §§ 59b Abs. 1a GehG bzw. 44b Abs. 1a VBG
enthalten folgende fett gedruckte Änderungen:
„(1a) An Neuen Mittelschulen gebührt den Lehrpersonen
der Verwendungsgruppen L 2a für die Dauer einer der
nachstehenden Verwendungen eine Dienstzulage. Die
Dienstzulage beträgt für
1. Lehrpersonen in den Unterrichtsgegenständen
Deutsch, Mathematik bzw. lebende Fremdsprache
a) 59,60 €, wenn sie einen dieser Gegenstände in einer
Klasse im vollen oder überwiegenden Ausmaß der
dafür in der Stundentafel des von der Bundesministerin oder vom Bundesminister verordneten Lehrplans
vorgesehenen Anzahl an Wochenstunden unterrichten,b) 74,20 €, wenn sie denselben Gegenstand in mehreren Klassen oder mehrere dieser Gegenstände in einer
Klasse oder in mehreren Klassen jeweils im vollen oder
überwiegenden Ausmaß der dafür in der Stundentafel des von der Bundesministerin oder vom Bundesminister verordneten Lehrplans vorgesehenen
Anzahl an Wochenstunden unterrichten,
3. […] An Schulen, an denen im Zeitraum vom 1. September 2012 bis 31. August 2018 sowohl Hauptschulklassen als auch Klassen der Neuen Mittelschulen geführt
werden, findet dieser Absatz anstelle des Abs. 1 Z 1
bis 3 Anwendung. Bei der Anwendung der Z 1 zählen
Leistungsgruppen als Klassen. Für die an Neuen Mittelschulen für Kinder mit sonderpädagogischem
Förderbedarf zusätzlich eingesetzten Lehrpersonen
gilt Z 1 mit folgender Maßgabe: die Zulage gemäß
lit. a gebührt auch dann, wenn sie in den Unterrichtsgegenständen Deutsch, Mathematik bzw. lebende
Fremdsprache insgesamt mindestens drei Wochenstunden unterrichten; die Zulage gemäß lit. b gebührt
auch dann, wenn sie in den genannten Gegenständen
mindestens insgesamt sechs Wochenstunden unterrichten.“2) „Papamonat“
Bisherige Rechtslage: Einem öffentlich Bediensteten ist auf sein Ansuchen für den Zeitraum von der
Geburt seines Kindes bis längstens zum Ende des
Beschäftigungsverbotes der Mutter ein Urlaub unter
Entfall der Bezüge (Karenzurlaub) im Ausmaß von bis
zu vier Wochen zu gewähren, wenn er mit dem Kind
und der Mutter im gemeinsamen Haushalt lebt und keine wichtigen dienstlichen Interessen entgegenstehen.
Der Bediens­tete hat Beginn und Dauer des Karenzurlau-–6-Servicebes spätes­tens zwei Monate vor dem voraussichtlichen
Geburts­termin bekanntzugeben und in weiterer Folge
die anspruchsbegründenden sowie die anspruchsbeendenden Umstände darzulegen. Die Zeit des Karenzurlaubes ist in dienst-, besoldungs- und pensionsrechtlicher
Hinsicht wie eine Karenz nach dem VKG zu behandeln.
Ab 1. Jänner 2013 besteht ein Rechtsanspruch auf die
Inanspruchnahme eines „Papamonats“. (Die Wortgruppe „wenn […] keine wichtigen dienstlichen Interessen entgegenstehen“ entfällt.) Die Antragsfrist
wird von zwei Monaten auf eine Woche verkürzt.3) Pflegefreistellung (§ 59 LDG)
Ab sofort haben öffentlich Bedienstete auch Anspruch
auf Pflegefreistellung für eigene Kinder, wenn diese
nicht im gemeinsamen Haushalt leben. Der Anspruch auf
Pflegefreistellung wird außerdem auf die Begleitung von
Kindern während eines stationären Aufenthalts in einer
Heil- und Pflegeanstalt ausgedehnt, sofern das Kind das
zehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat.
4) Teilzeitbeschäftigung für Personen in
Leitungsfunktionen (§§ 49a und 106 LDG)
Ab 1. September 2013 ist es auch Personen in Leitungsfunktionen gestattet, die Lehrverpflichtung wegen der
Betreuung eines Kindes (§ 46 LDG) zu reduzieren.
Wird für eine Leiterin oder für einen Leiter die Jahresnorm oder die Lehrverpflichtung herabgesetzt, ist eine
geeignete Landeslehrperson mit der (dem Ausmaß der
Herabsetzung entsprechenden) Vertretung der Leiterin
oder des Leiters zu betrauen. Die mit der Leitung teilbetraute Landeslehrperson hat während der Abwesenheit
der Leiterin oder des Leiters – gegebenenfalls entsprechend den von der Leiterin oder von dem Leiter erteilten
Weisungen – die an der Schule anfallenden Leitungsaufgaben wahrzunehmen.
Die der Leiterin oder dem Leiter zukommenden Stunden
der Verminderung der Unterrichtsverpflichtung sowie
die Stunden der von ihr oder ihm wahrzunehmenden
Unterrichtsverpflichtung sind auf die Leiterin oder den
Leiter und die teilbetraute Landeslehrperson entsprechend dem Ausmaß der Herabsetzung der Jahresnorm
oder der Lehrverpflichtung anteilig aufzuteilen. Im Rahmen dieser Aufteilung sind als Abzugsstunden ferner alle
sonstigen aus Anlass der Leitung der Schule vorgesehenen Stunden zu berücksichtigen. Allfällige bei dieser Auf-teilung sich ergebende Bruchteile einer Unterrichtsverpflichtung sind bei gleichzeitiger Anpassung der Abzugsstunden zulasten der teilbetrauten Landeslehrperson auf
ganze Unterrichtsstunden aufzurunden.
Der mit Leitungsaufgaben teilbetrauten Landeslehrperson gebührt für die Dauer dieser Teilbetrauung eine
Vergütung. Diese ist nach den Bestimmungen über die
Dienstzulage nach § 57 GehG, allenfalls iVm § 106 Abs. 2
Z 9 und dem Ausmaß der Teilbetrauung zu bemessen.5) Fahrtkostenzuschuss
Dem Bediensteten, der durch Erklärung beim Arbeitgeber ein Pendlerpauschale in Anspruch nimmt, gebührt ab
dem Tag der Abgabe dieser Erklärung bei seiner Dienstbehörde ein Fahrtkostenzuschuss. Der Fahrtkostenzuschuss beträgt ab 1. Jänner 2013 für jeden vollen Kalendermonat (in EUR):
einfache Fahrtstrecke überAnspruch auf das
„kleine“ Pendlerpauschale2 km„große“ Pendlerpauschale–10,1420 km18,6340,2340 km36,8470,0260 km55,08100,00Das Pendlerpauschale steht dann zu, wenn
• entweder der Arbeitsweg eine Entfernung von mindestens 20 Kilometer aufweist („kleines“ Pendlerpauschale) oder
• die Benützung eines Massenbeförderungsmittels
zumindest hinsichtlich des halben Arbeitsweges nicht
möglich oder nicht zumutbar ist und der Arbeitsweg
mindestens zwei Kilometer beträgt („großes“ Pendlerpauschale).
Die Benützung des Massenbeförderungsmittels ist
jedenfalls zumutbar, wenn die Wegzeit für die einfache
Wegstrecke mit dem Massenbeförderungsmittel nicht
mehr als 90 Minuten beträgt. Die Benützung des Massenbeförderungsmittels ist jedenfalls unzumutbar, wenn
die Wegzeit für die einfache Wegstrecke mit dem Massenbeförderungsmittel mehr als 2,5 Stunden beträgt.
Beträgt die Wegzeit für die einfache Wegstrecke mit
dem Massenbeförderungsmittel mehr als 90 Minuten,Serviceaber nicht mehr als 2,5 Stunden, ist die Benützung des
Massenbeförderungsmittels zumutbar, wenn die Wegzeit für die einfache Wegstrecke mit dem Massenbeförderungsmittel höchstens dreimal so lange dauert wie die
Fahrzeit mit dem KFZ.6) Verbesserung der Entgeltfortzahlung im
Nach der bisherigen Rechtslage haben Vertragsbediens­
tete keinen Anspruch auf Fortzahlung des Monatsentgelts, wenn sie früher als 14 Tage nach Dienstantritt
durch Krankheit an der Dienstleistung verhindert sind.
Die Fortzahlung im Falle einer Dienstverhinderung durch
andere wichtige, die Person betreffende Gründe setzte eine mindestens einmonatige Dienstleistung voraus.
Diese Wartefristen entfallen nun zur Gänze. Voraussetzung für den Anspruch auf Entgeltfortzahlung bleibt
jedoch wie bei der Dienstverhinderung durch Unfall,
dass der Dienst angetreten wurde.
7) Klarstellung im Mutterschutz- und
Väterkarenzgesetz betreffend VertragslehrerInnen
BeamtInnen, deren Wochendienstzeit nach MSchG oder
VKG herabgesetzt ist, dürfen über die für sie maßgebende Wochendienstzeit hinaus zur Dienstleistung nur
herangezogen werden, wenn die Dienstleistung zur Vermeidung eines Schadens unverzüglich notwendig ist und
Bedienstete, deren Wochendienstzeit nicht herabgesetzt
ist, nicht zur Verfügung stehen. Diese Bestimmung ist
auf LehrerInnen nicht anzuwenden, deren Unterrichtsverpflichtung um höchstens 25 % herabgesetzt ist. Diese
Regelungen werden nun explizit auch auf Vertragsbedienstete ausgeweitet, womit klargestellt ist, dass
auch Vertragsbedienstete bei Inanspruchnahme von
Elternteilzeit nicht zu Mehrdienstleistungen herangezogen werden dürfen.
8) Mitwirkungsrecht der Personalvertretung im
Rahmen des „Qualitätsmanagements“
Im heurigen Schuljahr können Schulen freiwillig am
„Qualitätsmanagement“ gem. § 18 Bundes-Schulaufsichtsgesetz teilnehmen. Ab 1. September 2013 ist es
an allen Schulen umzusetzen. Kernstück des Qualitätsmanagements ist ein Nationaler Qualitätsrahmen, der
neben allgemeinen Bestimmungen auf die Besonderheiten der einzelnen Schularten Bedacht zu nehmen undmit leidenschaft für unsere lehrer/inneninsbesondere zu enthalten hat:
1. Eine Definition und Beschreibung von Schulqualität,
die Verpflichtung zu einem periodischen (schulartenspezifisch ein- bis dreijährigen) Planungs- und
Berichtswesen auf allen Ebenen der Schulverwaltung
und der Schulen (Entwicklungspläne, Qualitätsberichte, Qualitätsprogramme),
3. die Verpflichtung zu periodischen Zielvereinbarungen
auf allen Ebenen der Schulverwaltung und der Schulen über bundesweite Ziele und deren Konkretisierung
unter Bedachtnahme auf regionale und standortspezifische Gegebenheiten auf Landes-, Bezirks-und Schul­
ebene sowie die für deren Erreichung zu treffenden
Maßnahmen und zu erbringenden Leistungen sowie
4. die Verpflichtung zur Bereitstellung von Instrumenten
für die Steuerung und (Selbst-)Evaluierung anhand
der für die Schulqualität maßgeblichen Faktoren
sowie von Unterstützungsangeboten für die Schulen.
Die Entwicklungspläne der Schulen haben insbesondere
1. Schwerpunktthemen,
2. Zielsetzungen in Hinblick auf die Schwerpunktthemen,
3. Rückblick und Ist-Stand-Analysen zu den Schwerpunktthemen,
4. Maßnahmen zur Umsetzung der Zielsetzungen,
5. Maßnahmen zur Überprüfung der Zielerreichung,
6. Fortbildungspläne sowie
7. Angaben zum strategischen und operativen Qualitätsmanagement der Schule.
Bei der Umsetzung und Evaluierung der Zielvereinbarungen sind externe Rückmeldungen (z. B. von Einrichtungen des Bildungswesens) vorzusehen. Seit 29. Dezember
2012 spricht § 9 Abs. 1 lit. p PVG dem jeweils zuständigen Personalvertretungsorgan (PVO) ein Mitwirkungsrecht bei Entwicklungsplänen und Zielvereinbarungen
gemäß § 18 Bundes-Schulaufsichtsgesetz zu. Aus dem
Mitwirkungsrecht des zuständigen PVO, in der Regel des
Dienststellenausschusses (DA), ergibt sich aber auch
eine Mitwirkungspflicht.
Der DA ist spätestens zwei Wochen vor der geplanten Durchführung der Maßnahme nachweislich davon
in Kenntnis zu setzen. Wenn der DA gemäß § 10 PVG
dagegen Einspruch erhebt, hat der Dienststellenleiter
mit dem Ziel einer Verständigung eingehend mit dem
DA zu verhandeln.
Kommt keine Verständigung über die Entwicklungsplä-–7––8–Servicene und Zielvereinbarungen zustande, haben, wenn es
der DA fordert, die darin vorgesehenen Maßnahmen so
lange zu unterbleiben, bis über die Angelegenheit endgültig entschieden ist.9) Ex-Lege-Auflösung des Dienstverhältnisses bei
besonders schwerwiegenden Delikten (§ 16 Abs. 1
Z 3a, § 80 Abs. 1 Z 2 LDG, § 34 Abs. 3 VBG)
In § 16 Abs. 1 wird nach Z 3 folgende Z 3a eingefügt:
„3a. rechtskräftige Verurteilung durch ein inländisches
Gericht ausschließlich oder auch wegen eines Vorsatzdelikts gemäß den §§ 92, 201 bis 217, 312 und 312a StGB“,
§ 80 Abs. 1 lautet:
„(1) Die landesgesetzlich zuständige Behörde hat die
vorläufige Suspendierung einer Landeslehrperson zu
1. wenn über sie die Untersuchungshaft verhängt wird
2. wenn gegen sie eine rechtswirksame Anklage wegen
eines in § 16 Abs. 1 Z 3a angeführten Delikts vorliegt
3. wenn durch ihre Belassung im Dienst wegen der Art
der ihr zur Last gelegten Dienstpflichtverletzungen
das Ansehen des Amtes oder wesentliche Interessen
des Dienstes gefährdet würden.
Die Staatsanwaltschaft hat die landesgesetzlich zuständige Behörde umgehend vom Vorliegen einer rechtswirksamen Anklage gegen eine Landeslehrperson
wegen eines in § 16 Abs. 1 Z 3a angeführten Delikts zu
verständigen.“VBG
§ 34 Abs. 3 lautet:
„(3) Ist ein strafgerichtliches Urteil gegen eine Vertragsbedienstete oder einen Vertragsbediensteten ergangen,
das bei einer Beamtin oder einem Beamten
1. den Amtsverlust gemäß § 27 StGB zur Folge hätte oder
2. gemäß § 16 Abs. 1 Z 3a LDG zur Auflösung des Beamtendienstverhältnisses führen würde,
so gilt das Dienstverhältnis mit dem Zeitpunkt des Eintritts der Rechtskraft des strafgerichtlichen Urteils als
aufgelöst, sofern es nicht bereits nach Abs. 2 vorzeitig aufgelöst wurde. Dies ist für aus der Auflösung des
Dienstverhältnisses resultierende Ansprüche einer Entlassung gemäß Abs. 2 gleichzuhalten.
Ausgangspunkt waren Aufhebungen von erstinstanzlichen Entlassungen im Instanzenzug bei besonders verwerflichen Vorsatzdelikten (Kinderpornografie, Folter,
etc.). In der Dienstrechtsnovelle ist nun in solchen Fällen
bei Vorliegen einer rechtskräftigen Verurteilung durch
ein inländisches Gericht – im Interesse des guten Rufes
des öffentlichen Dienstes – eine „Ex-lege-Beendigung“
des Dienstverhältnisses vorgesehen.
Bei rechtskräftiger Verurteilung durch ein inländisches
Gericht wegen
• einer mit Vorsatz begangenen strafbaren Handlung
gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung
(§§ 201 bis 217 StGB) oder
• wegen vorsätzlichen Quälens oder Vernachlässigens
unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen (§ 92
StGB) oder eines Gefangenen (§ 312 StGB) oder wegen
Folter (§ 312a StGB).
Bei den o. a. Vorsatzdelikten ist nach bisheriger Rechtslage jetzt schon die Suspendierung vorgesehen (wenn
durch ihre oder seine Belassung im Dienst wegen der Art
der ihr oder ihm zur Last gelegten Dienstpflichtverletzungen das Ansehen des Amtes oder wesentliche Interessen des Dienstes gefährdet würden).
Neu dazu kommt eine verpflichtende Suspendierung bei
Vorliegen einer rechtswirksamen Anklage wegen o. a.
verwerflicher Vorsatzdelikte.VON CHRISTOPH LIEBHART
MEDIENREFERENT DER GEWERKSCHAFT
ZENTRALAUSSCHUSS APS OBERÖSTERREICH
–9-aktuellLehrer/innenausbildung neu –
„Nichts auf Erden ist so wichtig als die
höchste Kraft und die vielseitigste Bildung
der Individuen.“ Wilhelm von Humboldt
stellte bereits im 19. Jahrhundert fest, dass
Bildung uns hilft, aus dem eigenen Leben
etwas zu machen.Foto: contrastwerkstatt - Fotolia.comBildung öffnet uns Türen zu neuen Chancen im Leben
und hilft uns, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Bildung bestimmt auch die Zukunft aller, denn sie
hilft, Anschluss zu halten, Veränderungen mitzugestalten
und Chancen zu nutzen. Außerdem sind gut ausgebildete
und qualifizierte Frauen und Männer die Voraussetzung für
wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Sie sichern unseren
Wohlstand und ermöglichen den gesellschaftlichen Fortschritt. Eines sollten wir nie vergessen: Der wichtigste „Rohstoff“, den wir haben, sind die Fähigkeiten unserer Kinder
und Jugendlichen.Abschluss aller Lehramtsstudien auf
Um diese Bildung im umfassenden Sinn bestmöglich zu
gewährleisten, braucht es aber unbedingt bestausgebildete Pädagog/innen. Daher fordern wir Lehrervertreter/innen
seit Langem eine Master-wertige Ausbildung aller Lehrer/
innen. „Eine neue Pädagogenausbildung sollte ein Bachelorstudium, direkt daran anschließend ein Masterstudium und
dann eine Induktionsphase vorsehen“, betonen Gewerkschaftsvertreter/innen („Kleine Zeitung“, 20. 9. 2012).
Bei einer gemeinsamen Lehrer/innenausbildung könnten
sowohl die Stärken der Universitäten als auch die der Pädagogischen Hochschulen genutzt werden. Die Stärken der
PH liegen sicherlich in der Praxisanbindung und der besseren Logistik in der Ausbildung, die der Universitäten dort,
wo es um die Anbindung an die Forschung geht, denn eine
wissenschaftliche Fundierung ist für die Lehrer/innenausbildung unabdingbar.Im Interesse der Gesellschaft
Leider haben wir derzeit aber den Eindruck, dass den Regierungsparteien die oben vorgeschlagene Form der Ausbildung nicht ein ebenso großes Anliegen wie der Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer ist,
und es liegt der Verdacht nahe, dass dies an dem damit verbundenen finanziellen Mehraufwand aufgrund der masterwertigen Bezahlung auf L1-Basis liegt.
Die Zukunft unserer Kinder und der Gesellschaft darf aber
nicht am Altar der Budgetnotwendigkeiten geopfert werden! Es muss uns allen ein Anliegen sein, dass Lehrer/innenbildung grundsätzlich umfassend und professionell erfolgt.
Ein Zurückdrehen der Entwicklung, ein „Master light“ oder
eine Beibehaltung der derzeitigen Ausbildungsschienen
können nicht im Interesse der Gesellschaft liegen und werden daher von der Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer nicht unterstützt.
Reaktionen bitte an:
christoph.liebhart@fcg-wien-aps.at bzw.
michael.weber@ooe.gv.atProf. Mag. Walter Rehorska
Präsident der AGMÖ und
in der BMUKK-AG „Schule und Musikschule“ aktiv*– 10
– –Musik beflügeltKooperation
mit MusikschulenIm Zuge der Diskussion um ganztägige
Schulformen spielen die Musikschulen
eine wichtige Rolle. Der Grund ist, dass
der Musikschulunterricht bisher an
Nachmittagen stattfindet und es zu zeit­
lichen Überschneidungen von Musikschulund Pflichtschulunterricht kommt.
Unabhängig davon sehen Pädagoginnen
und Pädagogen beider Schultypen in der
Kooperation große Vorteile für Kinder und
Eltern und einen möglichen Quantensprung
im musikalisch-kreativen Bildungssegment.
Mit 200.000 Schülerinnen und Schülern, betreut von rund
7.000 Lehrkräften an 420 Musikschulen in Österreich, stellt
das Musikschulwesen eine beachtliche Größe dar. Experten
rechnen mit mehr als 50.000 Musikschülerinnen und Musikschülern, die nach derzeitiger Ausbauplanung der Ganztagsangebote von zeitlichen Überschneidungen betroffen sein
Rechtlich gesehen sind Musikschulen Privatschulen nach
dem Privatschulgesetz 1962, die bei der Schulbehörde
gemeldet sind und nach Erfüllung gesetzlicher Voraussetzungen das Öffentlichkeitsrecht erlangen können. Sie unterstehen der Fachaufsicht der Schulbehörde, was die Zusammenarbeit mit dem Schulwesen wesentlich erleichtern kann.
Die Schulträger sind zum allergrößten Teil Länder, Gemeinden oder landesnahe Institutionen. Entsprechend unterschiedlich ist auch das Dienstrecht in den Bundesländern.Trotzdem ist es den Musikschulen gelungen, unter Federführung ihrer „Konferenz der österreichischen Musikschulwerke“ (KOMU), einen gemeinsamen Österreichischen Lehrplan
für Musikschulen zu entwickeln (www.komu.at).
Die bildungspolitischen Anforderungen an die Musikschulen
sind weit gespannt. Einerseits geht es um die Heranbildung
des Nachwuchses für das Amateurmusikwesen, für die vielen Blasmusikvereine und musikalischen Vereinigungen in
Stadt und Land. Andererseits sind Musikschulen die bedeutendsten Talenteschmieden für den künstlerischen Nachwuchs in der voruniversitären Ausbildung.
Von den Musikschullehrkräften werden hohe pädagogische und künstlerische Kompetenzen erwartet. Das Studium der Instrumental-/Gesangspädagogik (IGP) gliedert sich
in ein 8-semestriges Bachelorstudium mit 240 ECTS; für den
Master/Magistergrad sind weitere 120 ECTS an einer Musikuniversität (Graz, Linz, Salzburg oder Wien) zu absolvieren.
Neben der instrumentalen oder vokalen künstlerischen Spezialisierung ist ein Bündel an pädagogischen, wissenschaftlichen und berufsspezifischen Studienfächern abzuschließen.
Dabei wird auch auf die Musik der Jugendkulturen Bedacht
genommen. Pop, Rock und Jazz kommen nicht zu kurz. Weitere Fachrichtungen, wie z. B. „Elementare Musikpädagogik“
(EMP) oder „Musik- und Bewegung“, ergänzen das Ausbildungsspektrum. Es liegt nahe, dieses Potenzial im Bildungskonzept des Schulwesens zu nutzen.Kooperation – aber wie?
Obwohl derzeit ca. 25.000 Schülerinnen und Schüler von
Musikschulen in Kooperationen mit Pflichtschulen unterrichtet werden, steht die schulgesetzliche Absicherung in diesem
Bereich noch aus. Die bisher erzielten Ergebnisse innovativer Projekte, die sich oft im rechtlichen Graubereich befinden, sind so erfreulich, dass die Zusammenarbeit in vielfäl-Fotos: Walter Rehorska, Silvia Humertiger Weise von Lehrkräften beider Schultypen gesucht und
geschätzt wird. Es gibt z. B. Musikklassen mit rein vokalen
Schwerpunkten oder mit dem Einsatz von Musikinstrumenten bis zur vollen Orchesterbesetzung, in denen die Kinder
von Musikschul- und Pflichtschullehrkräften im Teamteaching Unterricht erhalten. Dabei werden sowohl die Lehrpläne der Musikschule als auch der Pflichtschule mehr als
erfüllt. Auch die musikkundlichen Inhalte kommen nicht zu
kurz und sind – sich selbst erklärend – immer mit der klingenden Umsetzung verbunden. Zusätzlich bereichern die Musikschullehrkräfte als kompetente Instrumentalisten und Liedbegleiter die Musikstunden. Ein weiteres Modell nennt sich
„Instrumentenkarussell“; es bringt im Rotationsprinzip alle
Musikinstrumente und vokalen Stimmlagen in die Klassen.
In den Klassenmodellen wird Musikbildung zum lustbetonten
Erlebnis und die Kinder entdecken eigenständig ihre musikalische Eignung und Neigung. Kinder aus Kooperationsklassen
wissen bei einem eventuellen Eintritt in eine Musikschule
schon genau, was sie können und wollen. Ihnen bleibt eine
manchmal einsame und kostspielige Recherchephase mitDie innovative Schulszene in Oberwart
Begeisterung der Kinder
Volksschule und Landesmusikschule Andorf
Kreativität und Vielfalteinem vielleicht nicht optimal geeigneten Musikinstrument
erspart. Stellvertretend für hunderte gelungene Kooperationen seien hier Oberwart und Andorf kurz vorgestellt.Beispiel Oberwart, Burgenland
Die besonders innovative Schulszene in Oberwart nutzt das
Musikschul-Know-how in allen Ausbildungsstufen. Man
legt großen Wert auf den durchgängigen Aufbau und hat
mit Musikschuldirektor Josef Baumgartner einen zentralen
Partner gefunden, dem die Sache ein großes Anliegen ist.
Bereits im Kindergarten ist die Kooperation mit der Musikschule Prinzip. An der Volksschule hat man Musikklassen eingerichtet, die mit der „Elementaren Musikpädagogik“ starten. In der 3. und 4. Schulstufe gibt es Musikklassen und ein
vollständiges instrumentales Fächerangebot. Das Kooperationsprinzip wird auch an der Neuen Mittelschule fortgesetzt
und ermöglicht die kontinuierlich aufbauende Musikbildung,
teilweise bis zur Matura. Trotzdem kommen andere Fächer
nicht zu kurz und die Musik wirkt sich auf den ganzen Schultag positiv aus! „Die Kinder sind einfach glücklicher und des-* Mitglieder der AG Schule und Musikschule:
MMag. Ferdinand Breitschopf, Fachinspektor/Musik (Wien); MMag. Klaus Dorfegger, Fachinspektor/Musik (Steiermark);
Gerhard Gutschik, Musikschulwerk Burgenland/KOMU; Dr. Harald Huber, Österreichischer Musikrat; Mag. Walter Rehorska,
AG Musikerziehung Österreich; Mag. Michael Seywald, Musikum Salzburg;
Mag. Brigitte Weißengruber, BMUKK-Koordinationsstelle für Musik– 12 –Aktuellv. l. n. r.: Walter Rehorska, Gerhard Gutschik,
Brigitte Weißengruber, Ferdinand Breitschopf, Paul
halb lernen sie besser“, meint VS-Direktorin Roswitha Imre.
Das bestätigen auch Eltern, die über die anhaltende Begeis­
terung ihrer Kinder sehr glücklich sind und eine positive Förderung der Entwicklung durch die Musik beobachten.Beispiel Andorf, Oberösterreich
Volksschule und Landesmusikschule Andorf setzen seit
drei Jahren mit ihrem Kooperationsprojekt auf kreative Vielfalt. Seit drei Jahren gibt es jeden Donnerstag zwei Stunden Musik im Team mit zwei Volksschul- und vier Musikschullehrkräften in zwei Regelklassen. Man arbeitet mit
Erlebniselementen, mit dem experimentellen Erfahren von
Musik, Improvisation, Kinderstimmbildung und Solmisation
sowie mit darstellendem Spiel und mit Tanz und Bewegung.
Ab der 3. Schulstufe gibt es das Orchester mit nahezu allen
Musikinstrumenten, die sich die Kinder selbst nach Eignung
und Neigung aussuchen dürfen. Das bedeutet intensive Vorbereitungsarbeit für das ganze pädagogische Team. Allein
das Arrangieren eines dreiminütigen Musikstücks, das den
Kindern individuell „auf den Leib geschrieben“ ist, dauert
viele Stunden. LMS-Direktorin Silvia Humer: „Wir machen
das gerne, weil auch jede Stunde für die Kinder ein ‚Highlight‘ ist. Und wir alle sind begeistert über den pädagogisch
fruchtbaren Austausch zwischen Musik- und Volkschullehrkräften!“ VS-Direktor Hubert Salletmaier sieht das Projekt
als überaus gelungen und hofft auf eine Weiterführung in
Zukunft, auch weil Musik eine nonverbale Kommunikationsart ist, die alle Kinder, auch jene mit Migrationshintergrund,
von Anfang an voll in das Klassengeschehen einbindet.BMUKK-Arbeitsgruppe
Dem Zug der Zeit hat auch das BMUKK Rechnung getragen und eine Arbeitsgruppe „Musikschule und Schule“
eingerichtet, die sich mit der Sondierung des Problems
befasst und nach intensiver Arbeit etliche visionäre, aber
auch pragmatische Vorschläge vorgelegt hat. Auch in
der ­BAGME, der Bundes-AG Musikerziehung des BMUKK
(www.bagme.at) wurden akkordierte Konzepte und Vorschläge ausgearbeitet und harren der Umsetzung. Die
Wünsche zur Zusammenarbeit finden in der Fachszene
breite Unterstützung: Österreichischer Musikrat, AGMÖ,
KOMU, Konservatorien, Musikuniversitäten und viele
andere musikalische Institutionen unterstützten einmütig
das Vorhaben. Eine bundesweite Regelung wäre natürlich
für die Verschränkung äußerst wünschenswert, bemerkt
dazu Fachinspektor für Musik Klaus Dorfegger (Stmk.).
Zur konkreten Umsetzung fehlt aber noch immer der bildungspolitische Auftrag. Bis es so weit ist, werden alle
noch so wunderbaren Modelle immer wieder mit Problemen rechtlicher und organisatorischer Art konfrontiert. Für
die engagierten Lehrkräfte, Eltern und Kinder wirkt das leider oft frustrierend. Schulrechtlich spießt es sich bei neuen,
innovativen Unterrichtsformen, wie z. B. bei der flexiblen
Aufteilung einer Klasse in Gruppen. Problematisch sind
auch Elterntarife, die von den Musikschulträgern (Länder
und Gemeinden) eingehoben werden und die mit dem
kostenlosen Pflichtschulbesuch nicht vereinbar sind. Ferdinand Breitschopf, Fachinspektor für Musik (Wien), bringt
es auf den Punkt: Im Sinne der Kinder ist die Anpassung
der rechtlichen Rahmenbedingungen an die gelebte Realität unverzichtbar!
Wenn es gelingt, Barrieren abzubauen und die Bildungsleistung der Musikschulen sinnvoll ins Schulwesen zu integrieren, sehen die Fachleute der AG die Chance eines päda­
gogisch-kreativen Quantensprungs für das gesamte Bildungssystem. Andernfalls wird das „Musikland Österreich“
den Anschluss an die internationale Entwicklung verpassen, befürchtet man in der AG Musikerziehung Österreich
(www.agmoe.at). So ist z. B. in Südtirol das Musikschulwesen schon längst gesetzlich im Bildungssystem verankert,
in Bayern gibt es die rechtlich geregelte Nutzung der Musikschulleistungen und in der Schweiz wurde das Recht auf
Musikerziehung sogar in der Verfassung verankert.
Reaktionen bitte an: Prof. Mag. Walter Rehorska
rehorska@gmx.at, 0664/406 33 00von LAbg. Claudia Wolf-Schöffmann
Mitglied der Bundesleitung 10
Aktuell– 13 –Auf dem Weg zur
Dokumentationsgesellschaft?
Wir analysieren, dokumentieren und
­tabellarisieren jede Kleinigkeit.
Laufen wir Gefahr, unser Bildungssystem
zu Tode zu benchmarken?
Haben wir zu viele Geografen in unserem Bildungssystem?
Ich meine nicht jene Kolleginnen und Kollegen, die das Lehrfach der Geografie unterrichten. Nein, ich meine Geografen
im Sinne des „Kleinen Prinzen“.Foto: coramax - Fotolia.comErinnern Sie sich noch? „Der Geograph ist zu wichtig, um
herumzustreunen. Er verlässt seinen Schreibtisch nicht.
Aber er empfängt die Forscher. Er befragt sie und schreibt
sich ihre Eindrücke auf. Und wenn ihm die Notizen eines Forschers beachtenswert erscheinen, lässt der Geograph über
dessen Moralität eine amtliche Untersuchung anstellen.“
Erinnern Sie sich noch an diesen emsig arbeitenden Mann,
der dicke Bücher schreibt, in denen jedoch die wirklich wichtigen Dinge nicht beschrieben werden, wie der kleine Prinz
bedrückt feststellen muss?Der Blick fürs Wesentliche
Hand aufs Herz – haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl,
dass in unserem Bildungssystem zu viele „Geografen“ am
Werk sind? Buchstäblich jede Kleinigkeit wird analysiert
und fein säuberlich dokumentiert, Problemfelder werden
erstellt, Problemfälle in Problemfelder eingeordnet, Bildungsstandards werden entwickelt und getestet, Förderstandards werden festgelegt. Unsere Kinder sind angeblich
überfordert und die Lehrer klagen über einen überbordenden administrativen Aufwand, der kaum mehr in einem
gesunden Verhältnis zur praxisbezogenen Arbeit im Klassenzimmer steht. Sind wir auf dem Weg zu einer Dokumentationsgesellschaft, die den Blick für das Wesentliche
Denn, was nützt die ganze dokumentierte Theorie, wenn
die Praxisergebnisse nicht stimmen? Mehr als die Hälfte der
Pflichtschüler in Wien erreichen die Bildungsstandards nicht.
Immer wieder hört man von Maturanten, die an der Uni BWLstudieren wollen, aber nicht bruchrechnen können. Personalchefs beklagen nicht die mangelnden Fremdsprachenkenntnisse der Pflichtschulabsolventen, die sich um einen
Lehrplatz bewerben, sondern ihre schlechten Rechtschreibkenntnisse in der eigenen Muttersprache. Und nicht selten
können Verkäuferinnen kein Wechselgeld geben, ohne die
Anzeige auf dem Kassendisplay zu lesen.Benchmarks und Excel-Tabellen
Früher brauchten wir keine Excel-Tabellen, um zu wissen,
was gut für unsere Schüler ist. „Das sagt doch der Hausverstand!“ ist eine Phrase, die der Generation meiner eigenen
Eltern noch sehr glaubwürdig über die Lippen kommen mag,
den Schülern von heute dagegen immer seltener. Woran
kann das liegen? Wann und wo ist uns dieser Bezug zur Praxis verloren gegangen? Politische Verantwortung wird man
dafür kaum ausmachen können. Doch schon die Beschäftigung eines jeden von uns mit der Thematik kann ein wichtiges Problembewusstsein schaffen. Passen wir auf, dass wir
uns auf dem Weg zur Dokumentationsgesellschaft nicht zu
Tode benchmarken. Denn im Gegensatz zum kleinen Prinzen können wir nicht einfach
besuchen, weil uns der
letzte enttäuscht hat.von Martin Höflehner
der gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen
und PFlichtschullehrer
– 14 –aktuellKorridorpensionBenachteiligung der Frauen im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis
Die Änderung im § 13c des Landeslehrer-Dienstrechtsgesetzes durch das am 24. 4. 2012 kundgemachte 2. Stabilitätsgesetz 2012 (BGBl. I Nr. 35/2012) hatte zur Folge, dass
im Jahr 2012 noch die 37,5 Jahre, 2013 38 Jahre, 2014 38,5,
Jahre, 2015 39 Jahre und ab 2017 40 Jahre ruhegenussfähige Gesamtdienstzeiten notwendig sind, um mit 62 Jahren
die Korridorpension in Anspruch zu nehmen.
Trotz einer Entschärfung durch die Übergangsbestimmungen kommt es zu einer gravierenden Benachteiligung all
jener Frauen (vereinzelt auch Männer), die im Laufe ihres
Erwerbslebens Karenzurlaube unter Entfall der Bezüge zurBetreuung ihrer Kinder in Anspruch genommen haben. Bei
Frauen im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis wirkt
sich diese Änderung im Vergleich zu Dienstnehmerinnen
im ASVG nachteilig aus. Alle anderen Frauen gehen mit 60
Jahren in Pension und sind nicht auf eine Korridorpension
Bisher blieben alle Versuche (u. a. das am Weltfrauentag
2012 gesendete E-Mail, siehe Kasten), Änderungen für
den betroffenen Personenkreis herbeizuführen, erfolglos
(obwohl die zuständige Ministerin auch „Frauenministerin“ ist)!Sehr geehrte Frau BM Heinisch-Hosek!
Ich nehme den Weltfrauentag zum Anlass, Ihnen im Namen und im Auftrag aller Kolleginnen im Bereich der Pflichtschullehrerinnen, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis stehen, Kinder geboren haben und nach 1954
geboren sind, völliges Unverständnis zu übermitteln.
Niemand kann verstehen, wie Sie als Frauenministerin es zulassen konnten, dass man viele pragmatisierte Kolleginnen, die Kinder erzogen haben, durch das Anheben der notwendigen ruhegenussfähigen Zeiten auf 40 Jahre von der
Korridorpension mit 62 Jahren ausschließt!
Es kann niemand einsehen, dass man den Kolleginnen, die bis Ende 1953 geboren wurden und mit einer langen Versicherungsdauer von 40 Jahren („Hacklerregelung“) in den Ruhestand gehen und eine Pension ohne Abzüge bekommen,
bis zu 60 Monate Kindererziehungszeiten anrechnet und den Kolleginnen, die die Korridorpension in Anspruch nehmen
wollen, bei der sie ohnehin massive Abzüge haben, Kindererziehungszeiten überhaupt nicht angerechnet werden.
Man kann diesen Kolleginnen schon schwer erklären, warum die Frauen im ASVG- (bzw. APG-)Bereich schon mit
60 Lebensjahren gehen können und eine volle Pension bekommen, völlig unerklärbar ist jedoch die oben genannte
In der Hoffnung, dass es vielleicht doch möglich ist, die gesetzlichen Änderungen zur Anrechnung von Kindererziehungszeiten für die Korridorpension herbeizuführen und damit den Frauen und Müttern in unserem Beruf wieder eine
etwas bessere Zukunftsperspektive zu geben,
Martin Höflehneraktuellmit leidenschaft für unsere lehrer/innenGünter Wick
„Die Stimmung im Kreis unserer Kolleginnen in NÖ über die Benachteiligung der
pragmatisierten Lehrerinnen bezüglich der Anrechnung der Kindererziehungszeiten ist klarerweise denkbar schlecht. Eine Lösung im Sinne der Gleichbehandlung
öffentlich-rechtlicher Bediensteter und Bediensteter im ASVG ist ein Gebot der Stunde. Eine rechtzeitige Lösung ist dringend erforderlich, da die derzeitige Benachteiligung dem verfassungsmäßigen Gleichheitsgrundsatz möglicherweise zuwiderläuft.“Mag. Romana Deckenbacher
Bundesfrauenreferentin der Gewerkschaft
„Der GÖD-Bundesfrauenausschuss unter dem Vorsitz von Monika Gabriel, in dem ich
die Lehrerinnen an allgemeinbildenden Pflichtschulen vertrete, fordert bereits seit
geraumer Zeit vehement die Anrechnung von Kindererziehungszeiten für die Korridorpension bzw. eine bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten für Dienstnehmerinnen im öffentlichen Dienst. Derzeit werden Karenzurlaube im Anschluss an
Karenzurlaube nach MSchG/VKG nicht als ruhegenussfähige Dienstzeiten berücksichtigt. Um diese Diskriminierung zu beseitigen, müssen Kindererziehungszeiten
(analog zum ASVG) in einem weit größeren Ausmaß als ruhegenussfähige Zeiten angerechnet werden. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass viele pragmatisierte
­Kolleginnen, die Kinder erzogen haben und für die Familie wertvolle Zeit­
aufgebracht haben, eine derartige Ungleichbehandlung erfahren müssen.
Diese Benachteiligung ist ehestens zu bereinigen, bevor die ersten Kolleginnen
Opfer der derzeitigen Rechtslage werden.“Walter Wernhart
der Lehrerpersonalvertretung OÖ
„Die überfallsartige Anhebung der für die Korridorpension notwendigen ruhegenussfähigen Dienstzeiten von 37,5 auf 40 Jahre stellt nicht nur einen eklatanten
Bruch des Vertrauensschutzes dar, sondern ist vor allem eine krasse Benachteiligung
der Lehrerinnen im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis.
Während bei ASVG-Versicherten Kindererziehungszeiten zusätzlich zum gesetzlichen
Mutterschaftskarenzurlaub selbstverständlich angerechnet werden, lässt die Regierung ihre eigenen Dienstnehmerinnen im Regen stehen. Viele Kolleginnen können durch diese frauenfeindliche Maßnahme die Korridorpension nicht in Anspruch
­nehmen und sind gezwungen, bis zum 65. Lebensjahr im Dienst zu bleiben. Kindererziehungszeiten dermaßen zu ignorieren ist eine ungeheure Zumutung gegenüber
unseren Kolleginnen und ich fordere die sofortige Anerkennung dieser Zeiten
für die Korridorpension.“– 15 –von MMag. Dr. Thomas Bulant
– 16 –Information„Im Westen nichts Neues“ oder: warum kaum
eine Lehrerin von den Ergebnissen der ersten
Bildungsstandards-testung überrascht war
Was hat der berühmte Antikriegsroman
von Erich Maria Remarque mit dem
österreichischen Bildungssystem zu tun?
Einerseits nichts, wenn man die desillusionierenden Auswirkungen des Krieges
auf die Psyche der Soldaten und die
grausame Darstellung der Schrecken des
Krieges betrachtet. Andererseits sehr viel,
wenn man das ernüchternde Urteil „nichts
Neues“ über die als Offensiven verkauften Studien und Reformen als Teil des bildungspolitischen Grabenkampfes an unseren Schulen hört. Damals Stellungskrieg
in den Schützengräben, heute minimale
Bewegung statt umwälzender Reformen.
Die Sonderschulpädagogik wankt zwischen Integration und Inklusion ohne Ressourcenzusagen. Der Vorbildungswert der polytechnischen Schulen für die europaweit gerühmte duale Berufsausbildung wird in den Familien oft unterschätzt. Die Neue Mittelschule wurde per
Gesetz zu etwas anderem, als die Projektschulen ersehnt
und erarbeitet haben. Die NMS ist als großes Reformprojekt aus der Taufe gehoben worden, wird sich aber anstatt
einer gemeinsamen Mittelstufe schlussendlich als wieder
einmal veränderte Hauptschule wiederfinden. Die Volksschulen sind in der Bewältigung sprachlicher Defizite ihrer
Schüler/innen zwischen Vorschulkonzept und dem Projekt der flexiblen Schuleingangsphase seit vielen Jahren
in ideologischen Wellen auf die Reise geschickt worden.
Der österreichische, nationale Bildungskonsens orientiert
sich am Minimalismus.Engagement verheizen
Erich Maria Remarque kritisierte das deutsche Militärsystem, das den Glauben, die Zukunft und die Hoffnung junger Menschen missbrauchte. Heute ist zu bekritteln, dass
das Engagement reformpädagogischer Lehrer/innen stets
„verheizt“ wird, bevor die Politik einen Kompromiss über
das kleinste gemeinsame Vielfache hinaus gefunden hat.
Entmutigung und Hoffnungslosigkeit waren und sind die
Die deutsche Kriegspropaganda wusste die Sensationslust
nach jedem Meter Raumgewinn wachzuhalten. Das Projekt Bildungsstandards versucht der Öffentlichkeit „bahnbrechende Erkenntnisgewinne“ zu vermitteln, auch wenn
jede Mathematiklehrerin in den Pflichtschulen der Ballungsräume das Ergebnis schon zuvor kannte: Ihre Schüler/innen schneiden schlechter ab als die vorab segregierte
AHS-Klientel. Beim rein operationalen Arbeiten mit Zahlen können sie mit dem Durchschnitt mithalten. Sobald
das Sprachverständnis eine Rolle spielt, gehören sie zu
den Verlierern. Die Spitzenleistungen der Gesamtpopulation waren als insgesamt eher mäßig zu erwarten, da sich
das österreichische Schulsystem großteils am Mittelmaß
orientiert. Schmerzhaft ist die Bestätigung des Wissens
um viele Risikoschüler/innen. Für dieses Analyseergebnis hätte es die kostenintensive Bildungsstandards-Messung nicht gebraucht. Für einen nach Lösungen ringenden
Systemwechsel steht die Bewährungsprobe noch aus. Darüber entscheidet nicht das Ergebnis an sich, sondern der
Remarque schildert aus der Sicht eines jungen Soldaten
die Schrecken des ersten Weltkrieges. Seine Kritik gilt nicht
den Leistungen der Soldaten, sondern dem System, das
jene Rahmenbedingungen zu verantworten hat, innerhalb derer die Jugend ihr Tagwerk zu verrichten hatte. Es
wäre eine klare Missinterpretation der BildungsstandardsErgebnisse, würde man die Mankos in den einzelnen Klas-Foto: JWS - Fotolia.com– 17 –sen bis ins Detail verfolgen und die einzelne Lehrerin über
ihr Mikrosystem „Klasse“ hinaus für das Makrosystem
„Schulbildung“ mitverantwortlich machen. Vielmehr ist die
Frage zu stellen, wer die Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten der untergeordneten Standorte, die zu den schlechten Ergebnissen geführt haben, konzipiert, verwaltet und
daher zu verantworten hat. In Ministerium und Landesschulbehörden müssen Reflexionen angestellt werden,
inwieweit man Ressourcen, Dienstpostenpläne, Reformprojekte zielorientiert zum Einsatz gebracht hat. Eine Evaluation der Leitorgane ist ausständig.
Es greift nämlich zu kurz, Lehrer/innen in ihrer Verantwortung für das Sprachverständnis der Schüler/innen mit
Fördersystemen allein zu lassen, die bei jeder Grippewelle
in Richtung Supplierreserve „ausbluten“. Warum muss die
Pflichtschule akzeptieren, dass ihre Schüler/innen außerhalb des Unterrichts in Parallelgesellschaften leben, in
denen der Alltag mittels nicht deutschsprachiger Medien, Kaufhäuser, Ärzte und Bankinstitute bewältigt werden
kann? Warum muss die Pflichtschule allein das Subs­titut für
gesellschaftliche Untätigkeit sein, wenn Eltern ihre Kinder
auf das Leben nicht vorbereiten? Natürlich ist die Schule
eine Institution, in der Defizite auszugleichen und Begabungen zu fördern sind. Bildungswissenschaftlich abgesicherte Konzepte wie Schuleingangsmodelle werden
jedoch nicht greifen, wenn Begleitlehrer/innen zur ersten
Supplierreserve werden oder standortspezifische Förderkonzepte dem Ressourcenmangel oder tagespolitisch
motivierten Projekten der Landesschulbehörden geopfert werden. Es wird abzuwarten sein, inwieweit SQA ab
dem September 2013 zur Beruhigung und Konstanz in den
Schulentwicklungsprozessen beitragen kann.Betreuung als einzige Alternative
2014 wird zu einem wesentlichen Jahr für die Pflichtschulen. Der nächste Finanzausgleich wird darüber entscheiden, inwieweit die unseligen Schüler-Lehrer-Schnittzahlen
aus der Regierungszeit Schüssel/Riess-Passer Fortbestandhaben oder von einer bedarfsorientierten Dienstpostenbewirtschaftung abgelöst werden. Die Volksschule hat zum
Beispiel in den letzten Jahren viele Aufgaben den Familien
abgenommen. Die Lehrpläne und die Schulwegentscheidung mit 10 Jahren haben die Ansprüche gesteigert. Die
Volksschullehrerin bzw. der Volkschullehrer steht alleine
in der Klasse, managt soziale und interkulturelle Differenzen und sollte mit ihrem Klassenergebnis 2013 den externen Zielvorgaben der Bildungsstandards entsprechen. Die
Lösung: Um allen individuellen Bedürfnissen in einer Klasse gerecht werden zu können, ist die Betreuungsdichte um
100 Prozent zu erhöhen! Begleit- und Förderlehrer/innensysteme dürfen nicht nur in Schulportfolios aufscheinen,
sondern müssen auch tatsächlich in den Klassen zum Einsatz kommen! Mit dem nächsten Finanzausgleichsgesetz
zwischen den Bundesländern und dem Finanzministerium
müssen dafür die Entscheidungen fallen!Der Mensch hinter der Lehrerin
Alle Testergebnisse zeigen, dass in jenen Schulen, in denen
eine hohe Betreuungsdichte herrscht, die Schüler/innen
vom erhöhten zwischenmenschlichen Kontakt profitieren.
Unsere Schüler/innen brauchen neben der Lernanleitung
und Lernbegleitung Beziehungen. Gerade in Ballungsräumen treffen auf die volle Ausnützung der Klassenschülerhöchstzahlen sozialpsychologische, motorische und
sprachliche Defizite. Entwicklungen am Sektor „Lehren
und Lernen“ infolge der Bildungsstandards werden Innovationen mit sich bringen, vor allem einen Wechsel vom
„Bulimielernen“ (Inhalte für Prüfungen lernen und wieder
vergessen) zum Aneignen von Kompetenzen. Aber allein
der Mensch, der unsere Jugend unterrichtet, zählt. In seine Ausbildung, sein Dienstrecht und seine Arbeitsbedingungen muss ein nationaler Kraftakt investieren! Ansons­
ten bleibt nach der vollen Implementierung der Bildungsstandards wieder einmal als Schlusssatz: „An Österreichs
Schulen nichts Neues.“
Reaktionen bitte an: thomas.bulant@goed.at– 18 –1. GÖD-Fotowettbewerb
Die ersten 10 – Experimente1 Helmut Gretschel, „Farbenspiel“6 Walter Riegler, „Storchair“2 Christian Sporer, „Relaxed“7 Alfred Effenberger, „Rote Göttin“3 Helmut Gretschel, „Zeit ist relativ“8 Christoph Wörle, „Into the dark“4 Helmut Gretschel, „spektrum“5 Dr. Franz Pacher, „face abstract“9 Ulrike Eidenberger,
„Nächtliche Besucherin“10 Johann Hölblinger, „Huskys Traum“Aus dem geplanten 5. Fotowettbewerb der Gewerkschaft
und Pflichtschullehrer ist in
Absprache mit der Gewerkschaft
Öffentlicher Dienst der gemeinsame 1. GÖD-Fotowettbewerb
geworden. Die drei von uns ausgewählten Themen waren: Tiere
in Schwarz-Weiß, Farbbilder
ohne vorgegebenes Thema und
Laut Aussagen unserer drei Experten, die
wie immer die Jury bildeten, war auch in
diesem Jahr eine Steigerung in der Qualität
der eingereichten Bilder zu bemerken. Frau
Elisabeth Liedl und die Herren Franz Matzner und Manfred Lang haben sich nach dem
Einsendeschluss am 13. Dezember ausführlich den Fotos gewidmet und zunächst aus
jedem der drei Themenbereiche eine Liste
der besten fünfzig Fotos erstellt. Klar ist,
dass trotz all der Kriterien, die in so einemit leidenschaft für unsere lehrer/innenDie ersten 10 – FarbbilderFoto: Gerhard Wanzenböck - Fotolia.com1 Werner Schübl, „Spuren im Schnee“Bildbeurteilung einfließen, das Ergebnis
auch noch eine persönliche Komponente
der Jury beinhaltet. Und so wird vielleicht
mancher von Ihnen beim Betrachten der
Fotos auf der Webseite der Pflichtschullehrerschaft zu einer anderen Reihung
kommen, aber auch dieses Ergebnis wäre
ja ein persönlich geprägtes.
Aus den besten fünfzig Fotos hat die Jury
dann in einem zweiten Wertungsgang die
jeweils ersten zehn Fotos gewählt. Diese
jeweils zehn Bestplatzierten darf ich Ihnen
hiermit vorstellen.
Den Gesamtsieger unseres Wettbewerbes
verraten wir allerdings erst in der nächs­
ten Ausgabe dieser Zeitschrift. Ermittelt
wurde er (oder sie), indem für jeden Teilnehmer die Gesamtpunktezahl seiner eingereichten Fotos ermittelt wurde.
Unterstützt wurden wir auch dieses Mal
von der Merkur-Versicherung sowie der
Österreichischen Beamten-Versicherung
(ÖBV). Ihnen, aber auch allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern möchte ich für
Ihren Beitrag zum Gelingen dieses Fotowettbewerbes recht herzlich danken.2 Christian Sporer, „Nico“6 Christian Sporer, „Brustschwimmer“7 Sepp Welzmüller, „Mohnblüte“8 Christian Sporer, „Ivica Kostelic“
3 Johann Hölblinger, „Kaktus“9 Alfred Effenberger, „Prochl“
4 Elisabeth Laimer, „traurige Inderin“Walter Riegler
10 Christian Sporer, „Sarah“
5 Hermann Reichebner,
„Licht und Schatten“– 19 –1. GÖD-Fotowettbewerb
– 20 –Die ersten 10 – Tiere in schwarz-weiSS1 Christian Sporer, „Kreuzspinne“4 Alfred Effenberger, „Sprint“2 Johann Hölblinger, „Europäischer Seeadler“3 Johann Hölblinger, „WeiSSkopfseeadler“5 Dr. Franz Pacher, „Bullenkampf“6 Walter Riegler, „Uhu“7 Christian Sporer, „Seeadler“9 Franz Oppenauer, „Schwarzes Biest“8 Christian Sporer, „Löwe“10 Ulrike Gaderer, „Hypnotic Eyes“SObl Wolfgang Weissgärber
SPZ 22, Lorenz Kellner Gasse 15
Information– 21 –AGGRESSION – LICHT UND SCHATTENWarum sich Schule und Gesellschaft doch damit
beschäftigen sollteDer Duden sagt:
„Aggression – 1. rechtswidriger Angriff auf ein
Staatsgebiet, 2. a) affektbedingtes Angriffsverhalten, b) feindselige Haltung eines Menschen
oder Tieres auf eine vermeintliche Minderung der
Macht mit dem Ziel, die eigene Macht zu steigern
oder die Macht des Gegners zu mindern“ (Quelle:
Duden, Band 5 – Fremdwörterbuch, 5. neu bearbeitete Auflage, 1990, Dudenverlag – Mannheim/
Wien/Zürich, S. 36)Foto: rolffimages - Fotolia.comTERMINUS AUSSCHLIESSLICH NEGATIV BESETZT
Wie schon aus der Dudendefinition ersichtlich, ist
der Terminus „Aggression“ gesellschaftspolitisch,
aber auch psychologisch rein negativ besetzt und
assoziiert. Kein Durchschnittsbürger möchte sich
„aggressives Verhalten“ vorwerfen lassen – schon
gar nicht von ihm nahestehenden Menschen – oder
würde es sich selbst als eine seiner Verhaltensweisen zuschreiben. Jeder Politiker würde „Aggres-„… um sich selbst und den ihnen anvertrauten Schüler/Innen beizubringen, damit umzugehen, das ungeheure Potenzial (von Aggression)
zielgerichtet zu kanalisieren, und darüber hinaus auch, um endlich den
Vorwurf der Kritiker zu entkräften, Schule sei weltfremd.“– 22 –Informationsion“ im Zusammenhang mit seiner Person, mit seinem
Kommunikations- und Auftrittsverhalten brüsk zurückweisen und eine Unzahl von Pädagogen geben alles dafür,
um nur ja keine aggressiven Schüler in ihrer Klasse sitzen
zu haben bzw. ersticken augenblicklich jeglichen Ansatz
von wirklicher oder vermeintlicher Aggressivität. Die gleichen Verhaltensmuster treten im Übrigen auch bei allen
anderen gesellschaftspolitisch sensiblen Termini wie etwa
„Macht“ oder „Autorität“ auf! Niemand will sie für sich in
Anspruch nehmen, aber doch sind sie allgegenwärtig und
werden beinhart genutzt!!DOPPELMORAL – WIE SCHON SO OFT?
Persönlich gesehen ein klares „Ja“ mit jener Einschränkung, dass besonders der Terminus „Aggression“ leider
ein hohes Maß an Subjektivität mit sich führt. Abgesehen von eindeutig aggressivem Verhalten – Angriff auf
ein anderes Land, Körperverletzung oder Mord, eindeutige Raufhandlungen, Verbalinjurien u. Ä. – gibt es dann
doch noch eine persönliche Empfindungsebene, was nun
eigenes oder erlebtes Verhalten betrifft. Wir alle kennen
doch auch aus dem Privatleben Aussagen wie etwa „Ich
bin doch gar nicht aggressiv“ oder „Sei nicht so aggressiv“.
Abgesehen aber von den eindeutig abzulehnenden
Aggressionshandlungen und der subjektiven Empfindungsbandbreite ergibt sich jedoch wie so oft das Phänomen der (nicht nur typisch österreichischen) Doppelmoral:
Während nämlich im Privatleben, im alltäglichen Kommunikationsverhalten und besonders in der Schule „Aggression“ zutiefst abgelehnt, bekämpft oder von sich gewiesen wird, existieren doch gesellschaftliche Parallelwelten,
in welchen wir fast alle – auch jene, die „Aggression“ nur
negativ sehen – bereitwilligst diesen Terminus in den Mund
nehmen und ihn ins Positive umkehren.
zwei Beispiele seien gestattet:
Ist einerseits aggressives Kommunikationsverhalten in
Schule und Privatleben verpönt, so finden wir es völlig
normal, dass dem amerikanischen Präsidenten in der
ersten TV-Konfrontation vorgeworfen wurde, „zu wenig
aggressiv“ gegenüber seinem Herausforderer aufgetreten
zu sein bzw. dass sein Gegenspieler eben „aggressiver“
war und somit eine höhere Zustimmung beim Publikum
Sind Buben und männliche Jugendliche im Schulbereich
wegen „aggressiven Verhaltens“ schnell etwa mit diesemEtikett behaftet, findet es so ziemlich jeder an Sport interessierte Mensch gleichzeitig völlig in Ordnung, dass eine
Fußballmannschaft durch aggressives „forechecking“ den
Gegner frühzeitig stört und mehr Ballbesitz erkämpft. Auch
scheint es völlig normal, dass ein Fernando Alonso durch
„aggressives Fahrverhalten“ die letzten Tausendstel aus
seinem sehr oft schwierig zu fahrenden Ferrari herausholt.
Diese Paradoxa ließen sich endlos fortsetzen und persönlich neige ich dazu – wieder einmal – zu behaupten, dass
gerade sensible Termini wie „Aggression“, „Macht“, „Autorität“ oder „Integration“ Menschen dazu verleiten, sich
bewusst oder unbewusst „nach dem Wind zu drehen“ und
je nach Bedürfnislage oder vermeintlichem Mainstream
(dies gilt besonders für bildungspolitische Sachverhalte)
dem Ausdruck eine negativere oder positivere Besetzung
Einfach ausgedrückt: drehen und wenden, wie man es
eben gerade braucht!!GRENZGANG SCHULE
Zweifelsohne, denn momentan entsteht in Österreich der
Eindruck, dass das oberste Ziel von Schule „Lust“, „Spaß“,
„Fremdmotivation“, „Stress- und Selektionsfreiheit“ und –
ganz besonders – „Problemlosigkeit“ zu sein hat.
Und „Problemlosigkeit“ heißt offenbar für viele auch
„aggressionsfrei“! (Wobei gerade im Schulbereich unter
Pädagogen eine sehr große Bandbreite in der subjektiven
Wahrnehmung von „aggressivem Verhalten“ existiert.)
Es gibt keine Probleme, es darf keine Probleme geben,
und wenn es welche gibt, decken wir sie schnell zu oder
schauen, dass es möglichst wenige erfahren, denn eine
gute Schule, ein guter Schulleiter, ein guter Lehrkörper hat
eben keine Probleme. (Es gibt natürlich viele rühmliche
Ausnahmen!)
Mitnichten! „Gute Schule“, aber auch „gute Bildungspolitik“ deckt nicht zu, sondern konfrontiert sich selbst und
andere mit diesen Problematiken. Nicht aus Schwäche
oder Unfähigkeit heraus, sondern um sich selbst und den
ihnen anvertrauten Schüler/innen beizubringen, damit
umzugehen, das ungeheure Potenzial (von Aggression)
zielgerichtet zu kanalisieren, und darüber hinaus auch, um
endlich den Vorwurf der Kritiker zu entkräften, Schule sei
weltfremd. Was könnte denn weniger weltfremd sein, als
„Aggression“, „Macht“ oder „Autorität“ in all ihren Facetten, mit allen hellen und dunklen Seiten altersadä­quat
anzusprechen und aufzuarbeiten??InformationAGGRESSION IST
NICHT DA, UM GELEUGNET ZU WERDEN
Die Strategie, sensible, komplexe, negativ besetzte
Themata nicht oder zu wenig anzusprechen oder sich
abzeichnende Dynamiken nicht zu nutzen („Buben müssen wieder raufen dürfen“, Zitat Jan-Uwe Rogge), ist
Wo denn sonst, außer in der Schule und bei sich kümmernden Erziehungsberechtigten soll die nächste Generation über diese Lebensrealitäten lernen und erfahren?
Wo denn sonst können sie dauerhaft hören, dass das
Leben aus viel komplexeren Licht- und Schattenseiten
besteht, als es die – sicher essenziell wichtigen – Grundrechnungsarten jemals sein werden? Wo denn sonst
haben viele Schüler zumindest die marginale Möglichkeit mit professioneller Hilfe zu lernen, dass man seine
„Aggression“ etwa auch in sportliche (oder künstlerische) Aktivitäten umlegen kann??
Die Fokussierung von Schule, Unterricht und Gesellschaft
auf die augenscheinlich aggressiven Schüler, Schülerinnen oder Mitmenschen, die Zeit, die man jenen offensichtlichen Verhaltensmustern widmet, die Nerven und
die Energie, die man dabei einbringen muss, lassen darüber hinaus viele Pädagogen, Behörden und Mitmenschen fatalerweise auch „blind“ werden für versteckt
liegende, latent schlummernde Gefahrenpotenziale!!
DIE STILLEN UND LEISEN SIND OFT DIE
GEFÄHRLICHSTEN ODER GEFÄHRDETSTEN!
Während so mancher im Schulbetrieb oder Gesellschaftsleben seine Konzentration auf augenscheinliche Aggression legt (denn die macht ja tatsächlich einen Großteil
der Alltagsprobleme aus), vergisst man oft völlig auf
die stillen und leisen (Schüler), auf jene, die niemals ein
lautes Wort sagen, niemals schreien, geschweige denn
jemals raufen würden, hilfsbereit sind, kurz: in Summe
eben „nicht auffallen“.
Wie schockiert und fassungslos sind dann oft Schule
und Gesellschaft, wenn so ein Mitmensch dann plötzlich
aggressives Verhalten gegen sich selbst richtet (Selbstverletzungen bis hin zum Suizid) oder gerade „der Stille
und Ruhige“ wie ein Vulkan ausbricht und im Extremfall
Amokhandlungen wie in den Vereinigten Staaten ihren
Lauf nehmen!!
„Man habe es nicht kommen sehen“, „Das war nicht so
zu erwarten“, „Es gab keinerlei Probleme“ sind dann lei-mit leidenschaft für unsere lehrer/innender bei solchen Tragödien fassungslose Statements, um
das Erlebte zu erklären, zu verarbeiten, nicht selten aber
auch, um sich selbst und andere zu rechtfertigen.REALISMUS, MUT UND SELBSTREFLEXION
Unabhängig von solchen Extremtragödien sollten Gesellschaft, Bildungspolitik, aber auch Schule vielleicht doch
noch mutiger und realistischer psychologischen Phänomenen gegenübertreten. Lieber ein lautes Wort zu viel,
lieber eine Turnstunde mehr, in der Burschen und Mädchen körperlich wirklich gefordert werden, lieber beim
Beratungslehrer oder Psychagogen ein Einschlagen auf
einen Punchingball oder Boxsack, lieber ein Rollenspiel
mehr, in dem Mädchen ein wenig auch von Anpassung
und Zurückhaltung abrücken dürfen, lieber eine emotionale verbale Auseinandersetzung, lieber ein kleiner Konflikt, lieber eine Meldung mehr an vorgesetzte Dienstbehörde oder Amt für Jugend und Familie als zu wenig
(schon alleine aus formalrechtlichem Selbstschutz), als
unter Umständen vor den Trümmern vermeintlich „problemloser Fälle“ zu stehen.
Realismus und Mut aber auch für Situationen, welche
gesellschaftspolitisch-schulisch nicht mehr tragbar sind!
Konfrontation mit Aggression bedeutet nicht, Grenzen
ständig zu erweitern, alles zu entschuldigen oder ungeteiltes Verständnis zu zeigen. Junge Generationen mit
Aggression zu konfrontieren, heißt auch als Schule und
Behörde, den Mut zu haben, untragbare Situationen aufzuzeigen und im Notfall jene, welche untragbar „gegen
Leib, Seele und Besitz“ geworden sind, entgegen allen
Unkenrufen und entgegen jenen, die dann noch immer
ständig Toleranz, Verständnis und Menschenrechte
predigen, zumindest aus der gefährdeten Gruppe zu
nehmen und – falls noch möglich – ihnen schnellstens
(außerschulische) professionelle Hilfe zuteil werden zu
lassen. (Genau jene Kritiker würden sich das nämlich in
ihrem eigenen Leben, bei eigener Betroffenheit gar nicht
so einfach gefallen lassen!!) Mut auch, zu erkennen, dass
Schule nicht alles alleine lösen kann und muss, sondern
nur ein Zusammenspiel aller Fachbereiche sich selbst
oder Mitbürger gefährdenden Menschen professionell
Eine Bringschuld der Gesellschaft für den Einzelnen,
aber auch eine Bringschuld des Einzelnen gegenüber
der Gesellschaft, der Gruppe, der Klassengemeinschaft
ist dabei unabdingbar und untrennbar!– 23 –diensttausch
Wien ins Burgenland od. SteiermarkPragm. HS-Lehrerin sucht TP per
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Salzburg in die SteiermarkIV-TEACHER’S AWARD
Bereits zum 5. Mal verleiht die Industriellenvereinigung heuer
den IV-TEACHER’S AWARD an heimische Pädagogen, die herausragende pädagogische und fachliche Leistungen erbringen
und Vorbilder für die Schulentwicklung Österreichs sind.Vertragl. VS-Lehrerin sucht TP ab
2013/14. Tel.: 0650/235 33 32Die Festveranstaltung mit feierlicher Preisverleihung findet am Dienstag, 23. April 2013,Steiermark nach OÖUnter Mitwirkung u. a. von:Pragm. HS-Lehrerin (L2a2) sucht TP per
Tel.: 0664/522 70 42
Kärnten nach Wienum 17.00 Uhr im Haus der Industrie (Festsaal), Schwarzenbergplatz 4, 1030 Wien, statt.
Dr. Claudia SCHMIED (Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur)
Mag. Christoph NEUMAYER (Generalsekretär der Industriellenvereinigung)
Mag. Dr. h. c. Monika KIRCHER (Vorstandsvorsitzende, Infineon Technologies Austria AG)Pragm. ASO-Lehrerin sucht TP ab
Tel.: 0660/354 00 15Moderation: Mag. Lisa NIMMERVOLL („Der Standard“)
Künstlerische Performance: „Christian Christian“ – Zauberkünstler
Nähere Informationen unter: www.iv-teachersaward.atTelefonische Adressenberichtigung: 01/534 54-131 oder 132
P. b. b., Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1010 Wien, GZ 03Z035304MAll pages:123456789101112131415161718192021222324InfoSaveLikeShareDownloadMoreaps Magazin 01/2013 Published on Feb 19, 2013 aps Magazin Februar 2013pflichtschullehrerFollowAdvertisementRead moreRead moreSimilar toPopular nowJust for youGo explore

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 § 80
 § 34
 § 16

§ 80
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§ 34
 § 27
 § 16
 § 13