Source: http://phaidon.philo.at/asp/zeidler2.htm
Timestamp: 2017-10-23 22:16:51+00:00

Document:
2. überarb. Aufl.: Cuxhaven-Dartford 1997, 218 S. ISBN 3-926848-23-5
3., ergänzte Aufl.: Wien (Ferstl&Perz) 2017, 330 S. ISBN 978-3-902803-22-1
aus der Einleitung, S. 13ff. [15ff.]:
„Philosophie ist radikale Reflexion und hat als solche, selbst wenn sie alle sonstige Bedeutung verloren hätte, zumindest ihre kritische Funktion. Sie ist darum gegenwärtig auch nur ‚im Gespräch‘, soweit sie den universellen Ideologieverdacht ausmünzt, auf den sich seit Bacons Idolenlehre das Programm jeglicher ‚Moderne‘ gründet. Eine Gegenwartsphilosophie, die sich nur als Analyse der idola tribus, specus, fori et theatri - also nur evolutionstheoretisch, psychoanalytisch, sprachanalytisch oder ideologiekritisch - meint legitimieren zu können, reduziert sich jedoch zwangsläufig auf den meta-empirischen Überbau ihrer Legitimationsbasis und wird selbst in dem Maße dogmatisch, in dem sie, vom eigenen Wissenschaftsanspruch oder moralischen Pathos ausgehend, die ‚fundamentalistischen‘ Begründungsansprüche einer vormaligen Philosophie bloß distanziert. Hat man die Reduktion des Subjekts möglicher Prädikation auf seine, als Faktum bereits beschreibbaren Rollen (seine biologisch oder zivilisatorisch erworbenen Kompetenzen), erst einmal als beschlossene Sache vorausgesetzt, dann fällt es nicht mehr sonderlich schwer, das metaphysische Denken als systemerhaltenden Objektivismus oder die Transzendentalphilosophie als subjektivistische Bewußtseinstheorie und mythologisierende Psychologie zu entlarven, ist man damit doch von vornherein an der Fragestellung dieser einstigen Philosophie vorbeigegangen: an der Frage nach dem Subjekt möglicher Prädikation oder, anders formuliert, an der Frage nach demjenigen, was nicht bloß vermittelt, sondern die Vermittlung selbst ist. [...]
Hat man im Sinne des empiristischen Credo erst einmal vorausgesetzt, daß ‚wir‘ Produkte biologischer und historischer Entwicklungen sind, die sich sinnvollerweise nur in biologischen und historischen Kategorien beschreiben lassen, dann läßt sich tatsächlich nicht unabhängig vom jeweiligen Stand dieser Entwicklungen argumentieren. Ein Denken, das auf der Höhe seiner Zeit steht und dort auch stehenbleiben will, kann sich darum in aporetischen Einsichten dieser Art einnisten und durch keinen noch so fein gesponnenen Beweis daraus vertrieben werden: es hat sein Selbstverständnis nun einmal in animalischen, ökonomischen, sozialen und politischen Gegebenheiten und hat daran genug, obwohl es dieses Selbstverständnis als Denken nie tatsächlich haben, sondern es bloß im Für und Wider eines lauen Skeptizismus suchen kann.
Dieser Skeptizismus ist unwiderleglich, denn was er in seiner Inkonsequenz sucht, ist seine Widerlegung. Er sucht ein unbezweifelbares Fundament des Wissens außerhalb des Wissens, eine Grundlage, die nicht seine Grundlegung, sondern ein ihm schlechthin Vorgegebenes sein soll. Statt der gesuchten Einfalt eines absoluten Grundes, findet er aber tausenderlei Gründe in denen er sich einnisten und sein Spiel weitertreiben kann. Eben darum liegt in der Inkonsequenz dieses Skeptizismus seine ganze Stärke und Unwiderleglichkeit: er ist der Widerspruch der sich negiert und dadurch als Widerspruch erhält. Dieser Widerspruch ist die Gegenstandserkenntnis. Sie hält daran fest, daß die Erkenntnis des Gegenstandes nicht der Gegenstand des Erkennens ist und will sich dennoch selbst als Gegenstand erkennen. Während die empirische Erkenntnis sich in diesem Widerspruch hält und in ihrer Rastlosigkeit durch ihn gehalten ist, muß die Philosophie - so sie keine empirische Wissenschaft sein soll - durch diesen Widerspruch hindurch. Es genügt nicht, daß sie bei ihm stehenbleibt, bloß eine der beiden Seiten der Gegenstandserkenntnis negiert, und dann so tut als verfüge sie über besondere Gegenstände, die jeden Gegenstand der Erkenntnis, oder über Erkenntnisse, die alle Erkenntnis des Gegenstandes entwerten. Die Philosophie braucht sich bei diesem possierlichen Wechselspiel metaphysischer und skeptizistischer Anmaßungen nicht aufzuhalten, denn sie hat nicht die Aufgabe, die Gegenstandserkenntnis zu entwerten. Sie hat vielmehr die Aufgabe der Begründung. Begründendes Denken aber hat die Aufgabe der Selbstbegründung.
Die spekulative Frage, wie das Denken sich und somit ein Selbst denken kann, ist die prinzipientheoretische Grundfrage der Philosophie. In ihr ist auch die transzendentale Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit des Denkens eines Gegenstandes überhaupt enthalten. Wie sie darin enthalten ist und inwiefern die transzendentale Fragestellung auf die spekulative verweist und ihrer bedarf, wird im Anschluß an Kant zu zeigen sein, denn die spekulative Frage ist nicht die Ausgangsfrage Kantens. Kant geht aus von der Antinomie von empiristischem Skeptizismus und ontologischem Dogmatismus und spielt sie an der Differenz von Ding und Denken durch, die dieser Antinomie zugrundeliegt. Die Ontologie wird darum von ihm belehrt, daß sie das Gedankending nicht mit dem Gegenstand der Erfahrung und das Denken nicht mit dem Erkennen verwechseln dürfe. Der Empirismus wird hingegen belehrt, daß die Gegen-stände der Erfahrung und ihre Zusammensetzungen kein Gegebenes, sondern ein vom Denken mit Bezug auf das Anschauungsmaterial Gemachtes sind. Die Differenz von Ding und Denken bleibt solcherart in Kants transzendentaler Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit des Denkens eines Gegenstandes überhaupt aufbewahrt. Sie macht sich in Kants Antworten auf diese Frage aber auch geltend und bleibt als bloße Differenz von Verstandesspontaneität und rezeptiver Sinnlichkeit der blinde Fleck, um den seine Argumentationen kreisen.
Die ersten vier Kapitel des vorliegenden Buches folgen diesem Kreisgang der Kantischen Beweisführung. Das Beweisziel: die transzendentallogische Entdeckung der Formen des Denkens eines Gegenstandes überhaupt, versuchen die Kapitel 5 und 6 einzulösen, indem - im Gegensatz zur ‚exoterischen‘ Lehre Kantens und zur nach-idealistischen Standardinterpretation des Kritizismus - die Vereinbarung von transzendentalem Idealismus und empirischem Realismus nicht in einem Apriori gesucht wird, das schlechterdings mit dem ‚Verstande‘ zu identifizieren wäre, sondern das gegenstandskonstitutive Verstandesapriori vielmehr aus ursprünglichen - die Differenz von Verstand und Sinnlichkeit allererst ermöglichenden - Weisen der Synthesis entwickelt wird. Diese genetische Grundlegung des Apriori ist anhand der Prinzipien der klassischen Logik und einer Analyse des Seinssinnes der Kopula “ist” als transzendentallogische Differenzierung der Urteilssynthesis durchzuführen und mit Bezug auf die Gegebenheitsweisen Raum und Zeit durch eine korrespondierende transzendental-phänomenologische Analyse zu vervollständigen. Da das genetische Apriori aber nicht unmittelbar, sondern nur vermittels der reflexiv-synthetischen Bewußtseinsstruktur auf die Kantischen Gegenstandskategorien bezogen werden kann, bleibt in Fortführung des Nachweises der Vollständigkeit der Kantischen Kategorientafel die spekulative Frage zu beantworten, wie Synthesis (Vermittlung) und damit das Denken selbst zu denken ist. Dieser Aufgabe und den damit untrennbar verbundenen Problemen der Verhältnisbestimmung von transzendentaler und formaler Logik, sowie von regulativer und konstitutiver Apriorität, sind die letzten vier Kapitel gewidmet, wobei in diesem Problemzusammenhang der Begriff der Transzendentalphilosophie in Auseinandersetzung mit einigen ihrer vor- und nach-kantischen Positionen noch näher zu klären sein wird. Wollte man das Ergebnis dieser Klärung vorweg zusammenfassen, dann ließe sich in Abwandlung eines oft zitierten Kantischen Satzes sagen, daß die transzendentale Logik seit Platon keinen Schritt rückwärts und mit Kant erst einen Schritt vorwärts hat tun dürfen und folglich schon von den ältesten Zeiten her nahezu vollendet sei. Vordergründig betrachtet, relativiert dieses Resultat den historischen Anspruch, den Kant an seine ‚Revolution der Denkungsart‘ geknüpft hat, es bekräftigt dafür jedoch um so mehr den systematischen Anspruch, den die Transzendentalphilosophie als Prinzipientheorie erheben und auch einlösen muß.“
INHALTSVERZEICHNIS [3. Aufl.]
[Vorwort zur dritten Auflage 5]
Vorwort zur zweiten Auflage 7 [6]
Einleitung 13 [15]
1. Exposition der Erfahrungs- und Prinzipienproblematik 19 [23]
§ 1. Objektivität und subjektive Konstitution der Erfahrung 19 [23]
§ 2. Der prinzipientheoretische Zirkel 23 [27]
§ 3. Dimensionierung oder Definition des Erfahrungsbegriffs? 27 [34]
§ 4. Kritik und System der reinen Vernunft 32 [39]
2. Der ostensive Beweis 35 [44]
§ 5. Vernunft und Erfahrung 35 [44]
§ 6. Die Voraussetzungen der Deduktion 39 [49]
§ 7. Exemplarische Verdeutlichung oder Begründung der Prinzipien? 42 [54]
§ 8. Apagogische Rekonstruktion oder ostensiver Beweis? 46 [59]
§ 9. Formale und transzendentale Logik 51 [65]
3. Deduktion und Schematismus – Verstand und innerer Sinn 54 [69]
§ 10. Die Transzendentale Deduktion 54 [69]
§ 11. Das Schematismuskapitel 59 [76]
§ 12. Die subjektive Deduktion 62 [80]
§ 13. Der Paralogismus des inneren Sinns 66 [85]
4. Das Leitfadenkapitel und die Problematik des Dings an sich 69 [89]
§ 14. Die Problematik des Leitfadenkapitels 69 [89]
§ 15. Der Beweisgang des Leitfadenkapitels 73 [95]
§ 16. Form und Inhalt der Erscheinung 80 [103]
5. Entfaltung der kategorialen Systematik 83 [108]
§ 17. Die Funktionen der Einheit unter unseren Vorstellungen 83 [108]
§ 18. Verstandesfunktion und Urteilsform 87 [114]
§ 19. Der Satz der Identität 91 [118]
§ 20. Der Satz vom Widerspruch 98 [127]
§ 21. Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten 103 [135]
6. Die Vollständigkeit der Kantischen Kategorientafel 110 [142]
§ 22. Einheit von Verstandes- und Gegebenheitsformen 110 [142]
§ 23. Reines Schema und Gegenstandsschema 114 [149]
§ 24. Die Einheit der Reflexion 119 [155]
§ 25. Die reflexiv-synthetische Fundierung der Gegenstandskategorien 128 [167]
7. Idee und Schluß 132 [173]
§ 26. Vernunftidee und Vernunftgebrauch 132 [173]
§ 27. Aristotelische und aristotelisch-scholastische Logik 136 [179]
§ 28. Frage nach der Einheit der Vernunft 143 [187]
§ 29. Durchgang durch den Skeptizismus 145 [190]
§ 30. Platons Begründung der transzendentalen Logik 152 [199]
8. Transzendentaler Syllogismus und Raumschematismus 156 [204]
§ 31. Der vollständig gesetzte Begriff - Hegel 156 [204]
§ 32. Die Einheit der Zeichenrepräsentation - Peirce 159 [209]
§ 33. Einheit von Subjektivität und Objektivität 164 [215]
§ 34. Der Raumschematismus 167 [219]
9. Idee und Wahrheitswert 176 [231]
§ 35. Der Logos des Seins: Kant und Platon 176 [231]
§ 36. Der Wahrheitswert 182 [239]
§ 37. Selbstreflexion des Logikkalküls 187 [246]
10. Die Selbstobjektivierung der Vernunft 195 [256]
§ 38. Zusammenfassung 195 [256]
§ 39. Erneute Frage nach der Einheit der Vernunft 197 [259]
§ 40. Die Maximen der Vernunft 200 [263]
§ 41. Was heißt: Sich im Denken orientieren? 204 [268]
§ 42. Der reine Idealismus 209 [275]
Tafel der Funktionen und Kategorien 184 [280]
[Nachtrag zur Metaphysischen Deduktion 283]
Literaturverzeichnis 214 [325]
Prolegomena zur Wissenschaftstheorie, Würzburg (Königshausen & Neumann) 2000, 184 S.
ISBN 3-8260-1863-X
aus der Einleitung, S. 8ff.:
„Überblickt man die gegenwärtige Lage in der theoretischen Philosophie, muß man [...] Paul Feyerabend rechtgeben, wenn er feststellt, daß die meisten „Philosophen, die sich heute mit den Wissenschaften befassen, [...] logische Prinzipien und wenige erkenntnistheoretische Annahmen [verwenden]. Das ist alles. Der Rest wurde von der Wiener ‚Revolution in der Philosophie‘ beseitigt.“
Tatsächlich verstanden sich die Neopositivisten des Wiener Kreises als Totengräber und Testamentsvollstrecker aller bisherigen Philosophie und Erkenntnistheorie. Und tatsächlich ist es der neopositivistischen Wissenschaftstheorie im Verein mit der sprach-analytischen Philosophie gelungen, die vormalige Erkenntnistheorie weitgehend zu verdrängen. Da nun aber mittlerweile auch die Wissenschaftstheorie zunehmend verdrängt und durch einen erkenntnistheoretischen Nihilismus abgelöst wird, erscheint es angebracht, die logischen Prinzipien und erkenntnistheoretischen Annahmen zu überprüfen, von denen die „Wiener ‚Revolution in der Philosophie‘“ ausging und einige Stationen des Weges nachzuzeichnen, den die Wissenschaftstheorie seither zurückgelegt hat. Nachdem am Ende dieses Weges die mehr oder minder unverhohlene Absage an alle Prinzipien und die scheinbare Einsicht in die Beliebigkeit aller erkenntnistheoretischen Annahmen stehen, kann zunächst nur ein betrübliches Bild vom Entwicklungsgang der neueren Wissenschaftstheorie gezeichnet werden: man muß konstatieren, daß es weder den Vertretern des Wiener Kreises und der analytischen Wissenschaftsphilosophie, noch deren bekanntesten Kritikern gelungen ist, eine wissenschaftstheoretische Konzeption zu entwickeln, die den von ihnen selbst aufgestellten Rationalitätsstandards genügt. Im Gegensatz zu den derzeit modischen Verabschiedungen der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie zieht die vorliegende Untersuchung aus diesem negativen Ergebnis freilich nicht den Schluß, daß alle Rationaltätsstandards über Bord zu werfen seien. Sie setzt auch nicht auf irgendeine der allzeit gängigen Naturalisierungsstrategien, die ihren Mangel an Gedanken durch den Überfluß an empirischen Fakten wettmachen wollen, der sich nach Belieben aus den verschiedensten Wissenschaften herauskramen läßt. Die vorliegende Untersuchung fragt vielmehr nach den Gründen, warum es den neueren wissenschaftstheoretischen Ansätzen nicht gelingt, ihre eigenen Ansprüche einzulösen. Sie hat daher zunächst die Widersprüche aufzuzeigen, an denen das neopositivistische Konzept krankt (S. 13ff.), sie hat sodann Schritt für Schritt zu verfolgen, inwieweit die nämlichen Widersprüche auch an den diversen analytischen Reparaturversuchen aufbrechen, die am ursprünglichen Konzept des Wiener Kreises vorgenommenen wurden (S. 35ff.), und sie hat schließlich auch die Tauglichkeit der Konzepte zu überprüfen, die sich als Alternativen zur analytischen Wissenschaftstheorie anbieten (S. 63ff., 82ff.).
Als Ergebnis dieser kritischen Musterung kann vorweg festgehalten werden, daß die meisten wissenschaftstheoretischen Ansätze ein und dem selben Irrtum unterliegen: sie halten die hehren Vorstellungen, die sie sich von wissenschaftlicher Rationalität gemacht haben, für die rationalen Voraussetzungen der Wissenschaft und begehen somit genau den Fehler, den man gemeinhin ‚idealistischen‘ Philosophen vorwirft – sie verwechseln ihr Ideal mit der Wirklichkeit. Die mit dieser Verwechslung einhergehende Konzentration auf ein einseitiges Methodenideal entfachte den missionarischen Eifer mit dem die ‚wissenschaftliche Weltauffassung‘ gegen die ‚traditionelle Philosophie‘ ins Feld zog, sie erstickte darum aber auch alle Hoffnung auf theoretische Einsicht: denn sobald die Verwechslung unter den Anhängern der neueren Wissenschaftstheorie ruchbar wurde und sie zu ahnen begannen, daß es sich bei der ‚wissenschaftlichen Weltauffassung‘ um ein Stück Gegenwartstheologie handelt, verloren sie mit ihrem Glauben auch alle Hoffnung auf eine systematische Begründbarkeit der wissenschaftlichen Erkenntnis. Dadurch traten an die Stelle der theoretischen Einsichten, die man sich von einer neuen Wissenschaftslogik erhofft hatte, zunehmend skeptizistische Diskurse über die Wissenschaften und wurde das ‚Faktum‘ Wissenschaft zunehmend zu einem Gegenstand empirischer Beschreibungen. Die Tatsachen, die durch die empirische Wissenschaftsforschung und die Wissenschaftsgeschichte an den Tag gebracht werden, liefern aber weder eine Theorie der Wissenschaften, noch bieten sie einen Ersatz für die erkenntniskriische Reflexion, die vordem durch die Wissenschaftstheorie ersetzt werden sollte. Auf solche Weise führten die unerhörten Erwartungen, die man in die wissenschaftstheoretische Neuorientierung der Philosophie gesetzt hatte, geradewegs in die Orientierungslosigkeit, die das Signum der Gegenwartsphilosophie ausmacht und von ihr teils unter dem Schlagwort „anything goes“ akklamiert und teils mit geschäftigem Gerede von Interdisziplinarität, Interkulturalität und Intersubjektivität überspielt wird, sofern sie sich nicht von den Problemen der Gegenwart überhaupt abwendet und nur noch der greisenhaften Erinnerung an einstige Taten lebt.
Sollte der Gegenwart eine lebendige Erinnerung an das, was Systematische Philosophie bedeuten könnte, zu vermitteln sein, wird man daher den Faden der systematischen Überlegungen dort aufgreifen müssen, wo er der Philosophie des 20. Jahrhunderts verloren ging: in der Wissenschaftstheorie, die als einziger legitimer Erbe aller wissenschaftlich-systematischen Ansprüche der Philosophie antrat, dieses Erbe aber alsbald verspielte, weil sie auf ein idealisches Wunschbild von Wissenschaft und ein einseitiges Methodenideal gesetzt hatte. Im systematischen Teil der vorliegenden Untersuchung werden daher ein wissenschaftstheoretisches Modell der Theoriendynamik und die Grundzüge einer allgemeinen Methodenlehre zu entwickeln sein (S. 102ff.); ein Modell der Theoriendynamik und eine allgemeine Methodenlehre, die sich von den in der heutigen Wissenschaftstheorie gängigen Vorstellungen unterscheiden, weil sie sich nicht die spezifischen Methoden einzelner Wissenschaften zum Vorbild nehmen, sondern den Gegensatz von normativer Wissenschaftslogik und deskriptiver Wissenschaftsgeschichte zu überwinden trachten. Da der Gegensatz von Wissenschaftslogik und Wissenschaftsgeschichte vor allem durch das deduktiv-axiomatische Logikverständnis der analytischen Wissenschaftstheorie provoziert wurde, ist freilich nicht nur der Methodenbegriff zu differenzieren, sondern es werden auch verschiedene Arten des Logikverständnisses zu unterscheiden sein (S. 125ff.). Diese Differenzierungen verlangen den Überstieg von der Wissenschaftstheorie und der allgemeinen Methodenlehre in die Philosophie, da ein differenzierter Methodenbegriff und ein Logikverständnis, das der Theoriendynamik gerecht wird, nur im Horizont der erkenntniskritischen Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit der wissenschaftlichen Erkenntnis entwickelt werden können (S. 143ff.). Im Horizont dieser Frage und speziell im Hinblick auf den kritischen Anspruch, der an den Titel Prolegomena zur Wissenschaftstheorie gebunden ist, wird schlußendlich auch eine pünktliche Bestimmung des Verhältnisses von Philosophie, allgemeiner Methodenlehre und Wissenschaftstheorie zu formulieren sein.“
Der Wiener Kreis - Zwischen Empirismus und Konventionalismus 13
Semantik, Semiotik und Falsifikationismus 35
Wissenschaftsgeschichte versus Wissenschaftslogik 63
Konstruktivistische und hermeneutisch-dialektische Wissenschaftskritik 82
Theoriendynamik und Methodenlehre 102
Universale, spezielle und spezifische Methoden 125
Die Logik der Wahrheit 143
Grundlegungen sind die Beiträge dieses Bandes in zwei­facher Hinsicht, denn sie sind allesamt Sondierungen zum Thema Vernunft und Begrün­dung. Von dem einleiten­den Originalbeitrag (Vernunft und Letztbe­grün­dung) ab­ge­sehen, han­delt es sch um Aufsätze aus den Jahren 1981 bis 1996, die Vor­arbei­ten leisten und Ergänzungen lie­fern zu den systema­tischen Mono­graphi­en, dem Grundriß der tran­szendentalen Logik (1992) und den Pro­le­go­­mena zur Wissenschafstheorie (2000). Die vorliegenden Arbei­ten doku­men­tie­ren somit zum einen über den Zeitraum von fünf­zehn Jahren meine Be­mühun­gen, im Dickicht der philo­sophischen Lehr­mei­nun­gen und Über­liefe­rungen einen gang­baren Weg zu finden, zum anderen stehen sie alle im Dienste der Aufgabe, die der frühe­ste Bei­trag Trans­for­ma­tionen der Logik (1981) in die Worte faßt: „ein am Kan­ti­schen Anspruch einer Ver­­mitt­lung von Vernunft- und Er­fahrungs­erkennt­nis fest­haltendes Phi­lo­so­phie­ren [steht] vor der Aufgabe, die bei Kant noch urteils­logisch (kate­­go­rial) aufgefaßte (damit aber bereits ver­nunft­kritisch ‚auf­­ge­löste‘) Ver­mitt­lung selbst zu thema­ti­sieren".
Vernunft und Letztbegründung 11
Transformationen der Logik 61
Urteil und Schluß
Anmerkungen zur Kritik der reinen Vernunft 85
Reflexivität und Begründung
Zur Frage nach den Voraussetzungen
rationaler Argumentation 105
Die transzendentale Geschichte der Ichs
Deduktion und Schematismus
der reinen Verstandesbegriffe 141
Zeichen und Schluß: Peirce und Hegel 197
Die Dialektik der praktischen Vernunft
und ihre Maximen 217
Die Heautonomie der Vernunft 249
Die Kopernikanische und die semiotische
Wende der Vernunft 275
Nachweise 307
Vermittlungen. Zum antiken und neueren Idealismus, Wien (Ferstl & Perz) 2016, 370 S.
Vermittlungen zwischen antikem und neuerem Idealismus, sowie zwischen Transzendentalphilosophie und Phänomenologie und mit ihnen das Idealismus-Realismus-Problem, sind das Leitthema der in diesem Band gesammelten Beiträge. Dabei geht es in Auseinandersetzung mit dem antiken und dem neueren Idealismus vor allem darum, den scheinbaren Gegensatz zwischen dem Idealismus Platons und dem Realismus des Aristoteles ebenso zu überwinden, wie die fruchtlosen und polemischen Entgegensetzungen von kritischem (Kant), subjektivem (Fichte), objektivem (Schelling) und absolutem (Hegel) Idealismus. Soll das gro﬇e Versprechen des antiken und des neueren Idealismus: die Prin­zipien­bestimmtheit von Allem und damit die Philosophie als Prinzipienwis­sen­scha﬎ zu erweisen, eingelöst werden, ist es wenig hilfreich wenn man nur Gegensätze beschwört, statt ihnen auf den Grund zu gehen.
Die Beiträge dieses Bandes suchen die Lösung in der in den GRUNDLEGUNGEN (Wien 2016) entwickelten elementaren Begriﬀs- und Schlu﬇logik, d.h. im Lichte der Einsicht, daß die Vernun﬎ wirklich ist in der schlu﬇logischen Vermittlung der drei Weisen auf die das Wirkliche an der Idee Teil hat. Wie diese Formel zu verstehen ist, wie sie sich an verschiedenen historischen Ausprägungen des Idealismus und inwieweit an den Sachproblemen bewährt, sollen die vorliegenden Untersuchungen zeigen.
Genetischer Naturalismus und Idealismus
Überlegungen zum genetischen Naturalismus
von Günter Dux 11
Natur und Freiheit, mit Blick auf
Cassirer und Heidegger 43
Die Wesentlichkeit einer
subjektiven Deduktion 59
Hat Platons Höhle einen Ausgang? 75
Unerledigte Probleme der Vernunftkritik 91
Syllogismus est principium Idealismi 109
Die Antinomien in der
"Kritik der Urteilskraft" 129
Die Logik der Gottesbeweise und
die Logik der (Post-)Moderne 157
Der logische Ort der Freiheit 175
Platons Antizipation und Überwindung
des Universalienstreites 191
Elementarlehre oder
Transzendentale Phänomenologie 209
Letztbegründung als transzendentale
Theorie konstitutiver Relationalität 299
Monade und System oder
Perspektivismus versus System? 317
Zu Kants Deduktion der
Ideen der reinen Vernunft 333
Nachweise 367

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11

§ 12

§ 13

§ 14

§ 15

§ 16

§ 17

§ 18

§ 19

§ 20

§ 21

§ 22

§ 23

§ 24

§ 25

§ 26

§ 27

§ 28

§ 29

§ 30

§ 31

§ 32

§ 33

§ 34

§ 35

§ 36

§ 37

§ 38

§ 39

§ 40

§ 41

§ 42