Source: http://docplayer.org/92828814-Hinweise-zum-workshop-mit-fallbeispielen-spital-stsag-20-august-2014-anton-genna-fuersprecher.html
Timestamp: 2019-01-18 04:11:32+00:00

Document:
Hinweise zum Workshop mit Fallbeispielen Spital STSAG 20. August 2014 Anton Genna, Fürsprecher - PDF
Hinweise zum Workshop mit Fallbeispielen Spital STSAG 20. August 2014 Anton Genna, Fürsprecher
Download "Hinweise zum Workshop mit Fallbeispielen Spital STSAG 20. August 2014 Anton Genna, Fürsprecher"
1 Hinweise zum Workshop mit Fallbeispielen Spital STSAG 20. August 2014 Anton Genna, Fürsprecher
2 Religion Wissenschaft, Medizin / Fortschritt Gesellschaft Erwartungen Moral Ethik Betriebswirtschaft Recht (intern.recht, Verfassung, Gesetz, Auslegung) «Kultur» CH D Politik 2
3 Urteilsfähige Patientin Art. 40 Gesundheitsgesetz BE: Informed Consent (Zustimmung nach Aufklärung) Urteilsunfähige Patientin Art. 377ff ZGB: Patientenverfügung: Anordnungen bindend! Vertretung durch Vertrauensperson nach PV, Familie (Partner, Eltern, Kinder), Beistand Entscheid KESB einholen, wenn Vertretung fehlt In dringlichen Fällen: Arzt/Aerztin entscheidet nach dem mutmasslichen Willen und dem wohlverstandenen Interesse der Patientin 3
4 Intellektuell: «versteht die Situation und kann die Folgen seines Handelns einschätzen» Voluntativ: «kann sich einen Willen bilden, diesen ausdrücken und auch danach handeln». Bei Erwachsenen: widerlegbare Vermutung Kinder / geistige Behinderung /psychische Störung/ Rausch oder ähnliche Zustände: Umkehr der Beweislast 4
5 Grundrechte des Kindes? Recht auf Leben Recht auf körperliche Unversehrtheit Recht auf Menschenwürde Grundrechte der Mutter? Recht auf körperliche Integrität: Keine medizinischen Massnahmen ohne Zustimmung Recht auf Menschenwürde / Selbstbestimmung 5
6 UNO-Konvention über die Rechte des Kindes (1997), Art. 1: Im Sinne dieses Übereinkommens ist ein Kind jeder Mensch, der das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht nicht früher eintritt. Internationale (Kindesschutz-) Konvention (Haager Uebereinkommen): Art. 2: Dieses Übereinkommen ist auf Kinder von ihrer Geburt bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs anzuwenden. 6
7 Bundesverfassung Art. 10: Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Bundesverfassung Art. 11: 1 Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung. 2 Sie üben ihre Rechte im Rahmen ihrer Urteilsfähigkeit aus. 7
8 Zivilgesetzbuch Art. 11: 1 Rechtsfähig ist jedermann. 2 Für alle Menschen besteht demgemäss in den Schranken der Rechtsordnung die gleiche Fähigkeit, Rechte und Pflichten zu haben. ZGB Art. 31: 1 Die Persönlichkeit beginnt mit dem Leben nach der vollendeten Geburt und endet mit dem Tode. 2 Vor der Geburt ist das Kind unter dem Vorbehalt rechtsfähig, dass es lebendig geboren wird. 8
9 Art. 252 ZGB: 1 Das Kindsverhältnis entsteht zwischen dem Kind und der Mutter mit der Geburt. 2 Zwischen dem Kind und dem Vater wird es kraft der Ehe der Mutter begründet oder durch Anerkennung oder durch das Gericht festgestellt. Art. 272: Eltern und Kinder sind einander allen Beistand, alle Rücksicht und Achtung schuldig, die das Wohl der Gemeinschaft erfordern. 9
10 Keine Kindesschutzmassnahmen is von Art. 307 für das ungeborene Kind, da diese nur mit einer Weisung an die Mutter durchgesetzt werden könnten. Als Kindesschutzmassnahme ist auch nicht zulässig, sich selber ärztlich oder psychiatrisch begutachten oder behandeln zu lassen. Beistand für nasciturus nur im Erbrecht (Art. 544 ZGB)! 10
11 Ausgangspunkt: Kind behindert geboren: Zivilrechtlich 2003: Arzt verurteilt zu Genugtuung an die Frau Verwaltungsrechtlich 2010: Arzt verurteilt zu Schadenersatz an das Kind. Strafrechtlich 2009: Hausgeburts-Hebamme verurteilt wegen Körperverletzung zn des Kindes (verspätete Notfalleinweisung) Voraussetzung: Verletzung der Sorgfaltspflicht; Beurteilung nach gültigen medizinischen Standards. Keine Urteile gegen die Mutter wegen allfälligem Fehlverhalten! 11
12 Keine Zwangsbehandlung, auch während der Geburt, selbst wenn das ungeborene Kind in Gefahr ist. Urteilsunfähigkeit der Mutter? Jedoch: ärztliche Aufklärungspflicht (intensiv bei akuter Gefahr!). Eventuell: Urteilsunfähigkeit der Frau abwarten? Notstand als Rechtfertigungsgrund für «Zwangsbehandlung»? Dokumentation statt Zwang! Psychologie statt Recht! 12
14 = kann Rechte und Pflichten begründen Volljährig: 18 J. und Urteilsfähig Bei Kindern und Jugendlichen Beurteilung der Urteilsfähigkeit: bis 12 Jahre: urteilsunfähig Jahre: Einzelfallprüfung ab 16 Jahre: idr urteilsfähig 14
15 = Rechte, die ihnen um ihrer Persönlichkeit willen zustehen (=höchstpersönliche Rechte) urteilsfähig: selbständige Ausübung der höchstpersönlichen Rechte, namentlich Zustimmung zu medizinischen Massnahmen urteilsunfähig: Relativ höchstpersönliche Rechte: Vertretung durch gesetzliche Vertreter absolut höchstpersönlichen Rechten (z.b. Sterilisation, rein kosmetische Operationen): keine Vertretung 15
17 Art. 14 Spitalversorgungsgesetz BE: Leistungserbringer (Spitalliste) sind: Öffentliches Spital Privates Spital Entscheidend ist nur: Leistungsauftrag 17
18 Kein Anspruch auf Durchführung von medizinischen Massnahmen, die gegen die ärztliche Sorgfaltspflicht verstossen. Detailentscheidung liegt beim Arzt / Hebamme. Schwangerschaftsunterbruch: wenn im Leistungsauftrag des Spitals, muss dies durchgeführt werden. Verbindung mit Auflage zur Empfängnisverhütung? Nicht durchsetzbar, ausser Sterilisation. Diese darf nicht als Auflage verbunden werden. Strafrechtliche Nötigung? 18

References: Art. 40
 Art. 377
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 10
 Art. 11
 Art. 11
 Art. 31
 Art. 252
 Art. 272
 Art. 307
 Art. 14