Source: https://www.dansef.de/Finanzgericht-Muenster-Verfassungswidrige-Benachteiligung-von-Lebenspartnern%3F/?%2F
Timestamp: 2020-07-13 02:10:43+00:00

Document:
Finanzgericht Münster: Verfassungswidrige Benachteiligung von Lebenspartnern? | Deutsche Anwalts-, Notar- und Steuerberatervereinigung für Erb- und Familienrecht e.V.
Finanz­ge­richt Müns­ter: Ver­fas­sungs­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung von Lebens­part­nern?
(Stutt­gart) Grund­stücks­über­tra­gun­gen zwi­schen Part­nern einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft unter­lie­gen seit Dezem­ber 2010 nicht mehr der Grund­er­werb­steu­er. Zuvor aller­dings waren Grund­stücks­er­wer­be inner­halb einer sol­chen Lebens­ge­mein­schaft — anders als zwi­schen Ehe­gat­ten — grund­er­werb­steu­er­pflich­tig.
Die­se steu­er­li­che Benach­tei­li­gung von Lebens­part­nern gegen­über Ehe­gat­ten, so der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb- und Steu­er­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 07. Juni 2011 hält das Gericht für ver­fas­sungs­wid­rig. Dies erge­be sich aus dem Beschluss vom 24. März 2011, mit dem das Finanz­ge­richt dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Rege­lung des § 3 Nr. 4 GrEStG a.F. vor­ge­legt habe (Az. 8 K 2430/09 GrE).
Im Streit­fall hat­ten die Klä­ger, die im Jahr 2002 eine ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft begrün­det hat­ten, im Janu­ar 2009 von­ein­an­der ent­gelt­lich Grund­be­sitz erwor­ben. Das Finanz­amt setz­te hier­für jeweils Grund­er­werb­steu­er fest. Die Klä­ger hiel­ten dies für rechts­wid­rig. Sie berie­fen sich auf die bei Grund­stücks­über­tra­gun­gen zwi­schen Ehe­gat­ten gel­ten­de Steu­er­be­frei­ung des § 3 Nr. 4 GrEStG.
Zum Hin­ter­grund: Nach § 3 Nr. 4 GrEStG in der bis Dezem­ber 2010 gel­ten­den Fas­sung konn­ten ledig­lich Ehe­gat­ten von­ein­an­der grund­er­werb­steu­er­frei Grund­be­sitz erwer­ben. Durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 vom 8. Dezem­ber 2010 (BGBl I. 2010, Sei­te 1768) hat der Gesetz­ge­ber — wohl unter dem Ein­druck der kurz vor­her ergan­ge­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur ver­fas­sungs­wid­ri­gen Benach­tei­li­gung von Lebens­part­nern im Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er­recht — die Grund­er­werb­steu­er­be­frei­ung des § 3 Nr. 4 GrEStG aus­drück­lich auch auf Part­ner einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft erwei­tert. Aller­dings soll die Befrei­ung erst­mals für nach dem 13. Dezem­ber 2010 statt­fin­den­de Grund­stücks­über­tra­gun­gen gel­ten (§ 23 Abs. 9 GrEStG).
Nach Auf­fas­sung des 8. Senats ver­stößt der für „Alt­fäl­le” nach wie vor gel­ten­de Aus­schluss ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner von der Steu­er­be­frei­ung des § 3 Nr. 4 GrEStG gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 GG, so Dr. Gie­se­ler.
Die Befrei­ungs­vor­schrift knüp­fe an fami­li­en­recht­li­che Bezie­hun­gen an, die in einer Lebens­part­ner­schaft und einer Ehe in glei­cher Wei­se bestün­den. Das Lebens­part­ner­schafts­ge­setz ent­spre­che in vie­len Berei­chen — ins­be­son­de­re bei den gegen­sei­ti­gen Unter­halts- und Bei­stands­pflich­ten — den ehe­recht­li­chen Rege­lun­gen. Es sei­en daher kei­ne Grün­de mehr dafür ersicht­lich, die Lebens­part­ner­schaft gegen­über der Ehe steu­er­lich zu benach­tei­li­gen. Die für Grund­stücks­er­wer­be bis Mit­te Dezem­ber 2010 wir­ken­de Ungleich­be­hand­lung zwi­schen Ehe­gat­ten und Lebens­part­nern sei — so das Gericht — auch nicht dadurch gerecht­fer­tigt, dass nur aus einer Ehe gemein­sa­me Kin­der her­vor­ge­hen könn­ten. Denn die Vor­schrift des § 3 Nr. 4 GrEStG dif­fe­ren­zie­re nicht zwi­schen kin­der­lo­sen Ehen und sol­chen, aus denen Kin­der her­vor­ge­gan­gen sei­en.
Der 8. Senat hat das hier anhän­gi­ge Kla­ge­ver­fah­ren bis zur Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus­ge­setzt.
Gie­se­ler emp­fahl daher, den Fort­gang zu beach­ten sowie ggfs. recht­li­chen und steu­er­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

References: § 3
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