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Timestamp: 2020-07-02 17:53:34+00:00

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1. Die Planungen für den Feldzug
2. Die Erste Phase des Feldzuges
3. Die Zweite Phase / Wende
4. Napoleons Rückkehr nach Paris
Nachdem in Direktoriumskreisen im Jahre 1797 die Idee für eine mögliche französische Intervention in Ägypten aufkam, die laut Cronin[1] schon 1777 durch den Ägyptenbesuch de Totts geboren worden war, wurde diese Idee immer wieder verworfen und neu geplant.
Am 26. März 1798 erhielt der Minister des Innern jedoch einen endgültigen Beschluss des Vollziehungsdirektoriums sowie ein an ihn persönlich gerichtetes Begleitschreiben, in dem auf einer unfangreichen Liste die Namen der Bürger vermerkt waren, deren besondere berufliche Qualifikation, wie beispielsweise Ingenieure, sie unentbehrlich für die Ägyptenexpedition machten. Neben den „ Spezialisten“ wie Wissenschaftlern ( 167) und Ingenieuren sollte eine ausgesuchte Truppe von 40. 000 Mann, zusammengestellt aus Infanterie, Kavallerie aber auch schwerer Artillerie, die erste „ Ägyptische Expedition“ bilden, für deren Auffrischung eine gesicherte Nachschublinie sorgen sollte.
Der Oberbefehl über die „ Armee gegen England“ wurde Napoleon Bonaparte am 5. März 1798 übertragen, da dieser sein militärisch- strategisches Können im Verlauf des Ersten Koalitionskrieges ( 1792- 1797)[2] wiederholt unter Beweis gestellt hatte.
In dem Beschluss erörtert das Direktorium die Dringlichkeit eines Eingreifens im Nahen Osten das durch die „ innigsten Verbindungen [ der Beys] mit den Engländern“[3] und durch die „ offenbarsten Feindseligkeiten und die schrecklichsten Grausamkeiten gegen die Franzosen“ die unvermeidbare Reaktion der französischen Außenpolitik sein müsse, die damit nur auf eine Reihe britischer Provokationen und unfreundlicher Akte reagiere.
Weiterhin beschließt das Direktorium unter der Rücksichtnahme, es sei seine Pflicht, „ die Feinde der Republik überall, wo sie sich befinden und an welchem Ort sie ihre Feindseligkeiten begehen, zu verfolgen […]“, mehrere Richtlinien für eine Einnahme Ägyptens:
„ Art.1: Der Obergeneral der orientalischen Armee soll die Land- und Seetruppen, deren Oberbefehl ihm anvertraut ist, nach Ägypten führen und sich dieses Landes bemächtigen.
Art.2: Er soll die Engländer aus allen orientalischen Besitzungen vertreiben, in die er gelangen kann, und namentlich soll er alle ihre Niederlassungen am Roten Meer zerstören.
Art.3: Er soll die Landenge von Suez durchstechen lassen und alle notwendigen Maßregeln ergreifen, um der französischen Republik den freien und ausschließlichen Besitz des Roten Meeres zu sichern.
Art.4: Er soll mit allen in seiner Macht liegenden Mitteln das Los der Eingeborenen in Ägypten bessern.
Art.5: Er soll, soweit es von ihm abhängt, ein gutes Vernehmen mit dem Großherrn und seinen unmittelbaren Untertanen aufrechterhalten.
Art.6: Gegenwärtiger Beschluß soll nicht gedruckt werden.“[4]
Da die strategisch wichtigen Gewässer wie das Mittelmeer mehr denn je von den Briten kontrolliert wurden, formulierte die französische Führung mit dem Beschluss vom 26. März eine aggressive Präventionspolitik in Ägypten, die parallel dazu auch dahingehend ausgelegt war, die Vormachtstellung des British Empire im Mittelmeer zu brechen und den britischen Levantehandel zu zerstören.[5] So malte man sich aus, die britische Präsenz auf den Meeren durch die Eroberung der dafür notwendigen Stützpunkte zu beenden. Die Insel Malta sollte erobert und eine Verwaltung nach dem Vorbild der französischen Départements eingeführt werden. Desweiteren stellte Malta, durch seine geographische Lage begünstigt, einen wichtigen Versorgungsstützpunkt zwischen Frankreich und Ägypten dar.
Der entscheidende Schlag sollte allerdings gegen die britische Musterkolonie Indien geführt werden. Die dafür notwendige Route an der Südspitze Afrikas, dem Kap Horn, wurde jedoch von den Briten kontrolliert, sodass für einen reibungslosen Transfer der auf circa 40. 000 Mann bezifferten Truppenstärke zur Invasion Indiens nur der direkte östliche Weg über das Mittelmeer und durch das osmanische Reich als mögliche Option übrig blieb. Durch den „ Griff“ nach Ägypten sollte allerdings, so die allgemeine französische Auffassung, das diplomatische Verhältnis zu den Türken nicht beeinträchtigt werden, obwohl Ägypten formal dem Sultan gehörte. Nach der Eroberung sollte eine Delegation unter der Führung Talleyrands- eines der fähigsten Männer in Napoleons Umfeld, der schon früher durch sein diplomatisches Feingefühl brilliert hatte- aus einer „ Position der Stärke“[6] heraus einen für Frankreich günstigen Vertrag aushandeln.
Die „ Einverleibung“ Ägyptens ist jedoch nur als eine Etappe im Kampf gegen England anzusehen: Im Gespräch mit seinem Außenminister Talleyrand lokalisiert Napoleon Bonaparte das „ Juwel“ des britischen Reiches in Indien, das aber gleichzeitig eine strategische Schwachstelle darstellte:
„ Pour détruire l´Angleterre, il faut nous emparer de l`Égypte et y fermer la route des Indes !"[7]
Für diesen entscheidenden Schlag hielt man sich die Option eines gemeinsamen Vorgehens mit den Türken oder Persien offen.
Artikuliert durch den Artikel 4 der vom Direktorium verfassten Richtlinien kommt zudem eine Art französisches Sendungsbewusstsein zur Sprache, demzufolge man sich auch als „ Kulturbringer“[8] zur Bereicherung der ägyptischen Bevölkerung durch „ die neuesten medizinischen, wissenschaftlichen und technologischen Kenntnisse“ sah. Wissenschaftliche Entdeckungen hingegen sollten zurück nach Frankreich importiert werden. Dies zieht die Frage nach dem Ägyptenfeldzug als präkoloniales Konstrukt nach sich.
Am 19. Mai 1798 verließ Napoleon Bonaparte an Bord des Flaggschiffes „ L`Orient “ und mit etwa 400 weiteren Schiffen den Hafen von Toulon, um Malta anzusteuern- die Truppenstärke war nach der Bewilligung des Direktoriums auf 55. 000 Mann aufgestockt worden.
Vor Malta angelangt bittet Napoleon Anfang Juni um die Erlaubnis, auf der Insel die Vorräte der Expedition aufzufrischen. Als im dies verwehrt wird, sendet er ein Schreiben an den Großmeister des Malteserordens, mit dem Verweis, ähnliche Gesuche seien den Engländern stets gewährt worden. Weiter lässt Napoleon verkünden, er sei entschlossen, „ sich mit Gewalt das zu verschaffen, was man ihm hätte bewilligen sollen […]“[9] und beschließt so, Malta einzunehmen. Er erteilt jedoch den Befehl, „ daß die Religion, die Sitten und das Eigentum der Malteser gewissenhaft geachtet werden“. Diese Art, Zugeständnisse an die Bevölkerung zu machen, deren Land zu okkupieren bereits von Napoleon beschlossen wurde, findet sich auch während der Besatzung Ägyptens wieder. Napoleon versuchte so, die Bevölkerung durch die Beibehaltung der traditionellen Kultur und die gewährte Religionsfreiheit zu binden und einen Import europäischer Ideen und Sitten zu vermeiden, die den Schein einer sozialen und kulturellen Unterdrückung fördern und eine Widerstandsbewegung entstehen lassen könnten. Diese im Grunde genommen einer friedlichen Okkupation nur förderlichen Überlegungen mündeten jedoch in einem Antagonismus zwischen Theorie und Praxis: Angefacht nicht zuletzt durch die eigene Wahrnehmung der Franzosen als Befreier und Retter der Ägypter, wirkten die Aufstände der Stadtbevölkerung von Kairo im Oktober 1798 ernüchternd auf die Besatzer, die diese Fehleinschätzung mit einem harten Durchgreifen gegen die Aufständischen beantworteten.
[1] Cronin, Vincent: Napoleon. Stratege und Staatsmann, Augsburg 1988, S. 185- 212.
[2] Der Grosse Ploetz, Revolutionskriege und französisches Hegemonialstreben (1791- 1815), S. 701.
[3] Goetz, Wolfgang: Napoleon. Eine Auswahl seiner Briefe, Proklamationen und Gespräche, Berlin 1925, S. 139/140.
[4] Ebd., S. 140. Insbesondere Artikel 6 hebt die Brisanz des Direktoriumsbeschlusses hervor, der unter strengster Geheimhaltung erfolgte. So wurde auch das eigentliche Ziel Ägypten erst nach Verlassen des französischen Hoheitsgebietes bekanntgegeben.
[5] Chandler, David: Napoleon, Ulm 1974, S.43.
[6] Cronin, S. 185.
[7] Bainville, Jacques: Bonaparte en Égypte. Suivi de Napoléon en Égypte, Lonrai 1998.
[8] Cronin, S. 186.
[9] Goetz, S.142.
9783638467834
9783638790840
Napoleons Gedächtnis Mittelmeeres

References: Art.1

Art.2

Art.3

Art.4

Art.5

Art.6