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Timestamp: 2016-10-23 03:21:51+00:00

Document:
U 419/99 (27.10.2000)
U 419/99 Vr
Bundesrichter Sch�n, Spira und Bundesrichterin Widmer; Gerichtsschreiberin Fleischanderl
Urteil vom 27. Oktober 2000
M.________, 1955, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno H�fliger, Schwanenplatz 7, Luzern,
A.- Der 1955 geborene M.________ war seit 30. September 1996 bei der Bauunternehmung A.________ AG als Bauarbeiter t�tig und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 13. November 1996 st�rzte er beim Ausladen von Sand und Kies aus einem Eisenbahnwagen rund 2 m in die Tiefe, wobei er - einen Helm tragend - zun�chst mit dem rechten Ellbogen, dann mit der rechten Kopfseite an einer Holzkiste mit Metallbeschlag aufprallte. Im Spital Y.________, wo er sich bis am 15. November 1996 aufhielt, wurde eine Ellbogen- und Knieprellung rechts sowie eine "posttraumatische unklare passagere neurologische Symptomatik mit subjektiv Hyp�sthesie im Unterarm und der rechten Wange, nicht objektivierbar" diagnostiziert. In der Folge hielt sich der Versicherte vom 2. Juni bis 18. Juli 1997 in der Rehabilitationsklinik Z.________ auf. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder).
Mit Verf�gung vom 24. Februar 1998 verneinte die SUVA, nachdem sie ab 27. Oktober 1997 noch eine Arbeitsunf�higkeit von 50 % anerkannt hatte, ab 1. Februar 1998 eine Einschr�nkung des Leistungsverm�gens und schloss auch eine Behandlungsnotwendigkeit aus, wobei namentlich die Aufenthalte im Spital X.________ vom 19. bis 26. November 1997 sowie vom 30. November bis 13. Dezember 1997 nicht mehr in urs�chlichem Zusammenhang mit dem Unfall st�nden. Hieran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 30. September 1998 fest.
B.- Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz insoweit teilweise gut, als es den Einspracheentscheid der SUVA vom 30. September 1998 aufhob und die Sache - in Bejahung des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall vom 13. November 1996 und den �ber Februar 1998 hinaus anhaltenden gesundheitlichen Beeintr�chtigungen - zur Festsetzung der Leistungen an die SUVA zur�ckwies (Entscheid vom 27. Oktober 1999). Hiebei st�tzte es sich unter anderem auf das Gutachten der Medizinischen Abkl�rungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz vom 2. August 1999 ab.
W�hrend die Vorinstanz und M.________ auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen, hat sich das Bundesamt f�r Sozialversicherung nicht vernehmen lassen.
1.- Das kantonale Gericht hat die vorliegend massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen �ber den Anspruch auf Heilbehandlung (Art. 10 UVG), Taggeld (Art. 16 UVG) und Invalidenrente (Art. 18 ff. UVG) richtig wiedergegeben. Zutreffend dargelegt ist auch die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 119 V 337 Erw. 1), zu dem im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 338 Erw. 1; vgl. auch BGE 121 V 47 Erw. 2a, 208 Erw. 6b, je mit Hinweis) sowie zum Beweiswert und zur richterlichen W�rdigung von medizinischen Berichten und Gutachten (siehe auch BGE 125 V 352 ff. Erw. 3, 122 V 160 ff. Erw. 1c). Darauf kann verwiesen werden. Gleiches gilt f�r die Ausf�hrungen zu den vom Eidgen�ssischen Versicherungsgericht entwickelten Grunds�tzen zum erforderlichen ad�quaten Kausalzusammenhang (BGE 118 V 290 Erw. 1c; vgl. auch BGE 123 III 112 Erw. 3a, 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c, je mit Hinweisen), wobei die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen hat, dass die Ad�quanzbeurteilung bei Unf�llen mit Schleudertraumen der Halswirbels�ule (HWS) nach den in BGE 117 V 359 ff. festgelegten Kriterien erfolgt, w�hrend bei psychischen Unfallfolgen bzw. in F�llen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden ausgepr�gten psychischen Problematik indes ganz in den Hintergrund treten, anhand der Regeln vorzugehen ist, wie sie in BGE 115 V 140 Erw. 6c entwickelt worden sind (vgl. auch BGE 123 V 99 Erw. 2a).
2.- Streitig und zu pr�fen ist die Leistungspflicht der SUVA f�r das Unfallereignis vom 13. November 1996.
Das kantonale Gericht gelangte gest�tzt auf die medizinische Aktenlage - namentlich das MEDAS-Gutachten vom 2. August 1999 - zur �berzeugung, der Beschwerdegegner leide in erster Linie unter einem Sch�del-Hirntrauma mit einer Commotio cerebri, wobei es zus�tzlich zu einem Abknickmechanismus an der HWS gekommen sei. Im Weiteren k�nne als erstellt gelten, dass die bestehenden gesundheitlichen Beeintr�chtigungen zumindest teilweise eine Folge des Unfalles vom 13. November 1996 darstellten, weshalb der nat�rliche Kausalzusammenhang zu bejahen sei. In Anwendung der zum Schleudertrauma der HWS entwickelten Rechtsprechung (BGE 117 V 359 ff.) hielt es sodann auch die ad�quate Kausalit�t f�r gegeben und wies die Sache zur Zusprechung der Versicherungsleistungen an die SUVA zur�ck.
In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird hiegegen insbesondere in Bezug auf die Diagnose eines Sch�del-Hirntraumas opponiert, da die vom Beschwerdegegner geklagten gesundheitlichen Probleme weder in Charakteristik noch im Verlauf typischen hirnorganischen Unfallfolgen entspr�chen. Angesichts des Umstands, dass die psychische Problematik im Vordergrund st�nde, sei ferner der ad�quate Kausalzusammenhang anhand der in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien zu pr�fen und zu verneinen, weshalb der Einspracheentscheid vom 30. September 1998, womit an der Einstellung der Versicherungsleistungen per Ende Januar 1998 festgehalten worden war, zu best�tigen sei.
3.- Uneinig sind sich SUVA und Vorinstanz zun�chst �ber die Art der Verletzungen, welche der Beschwerdegegner anl�sslich des Unfalles vom 13. November 1996 erlitten hat.
a) Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Unfall wurde im Gutachten der MEDAS vom 2. August 1999 in Abweichung zu den bisherigen medizinischen Stellungnahmen erstmals die Diagnose eines Sch�del-Hirntraumas nach Commotio cerebri gestellt. Die Experten relativierten das bis anhin seitens der behandelnden �rzte genannte Schleudertrauma der HWS in seiner Bedeutung, indem sie es als lediglich noch "wahrscheinlich" sowie als der Erfahrung entsprechend ("Zus�tzlich ist es ja bei einem solchen Unfallmechanismus immer so, dass es sekund�r auch zu einer HWS-Distorsion oder -Abknickung kommt") bezeichneten und es als bloss "m�gliche" Form eines Verletzungsmechanismus darstellten. In diesem Zusammenhang f�hrten sie weiter aus, es sei nicht belegbar, dass der Beschwerdegegner "die in den Akten erw�hnte HWSKontusion" erlitten habe, indes sei "praktisch mit Sicherheit anzunehmen, dass auch ein Abknickmechanismus an der HWS stattgefunden" habe und vom geschilderten Unfallmechanismus her "m�glich, dass es dabei auch zu einer HWS-Distorsion gekommen" sei.
b) Zun�chst ist fraglich, ob das MEDAS-Gutachten hinsichtlich der Diagnosestellung �berzeugt. Dies scheint bereits mit Blick auf die Aussage, es k�nne "mit Sicherheit festgehalten werden, dass M.________ bei seinem Unfall ein sogenanntes �Sch�del-Hirntrauma� erlitten" habe, und die gleichenorts gemachte Feststellung, die postcommotionellen wie auch die typischen Symptome einer HWS-Distorsion w�rden sich vermischen, nicht der Fall zu sein. So bleibt doch unklar, wie bei einer "Durchmischung" von Folgen verschiedener Verletzungen das Beschwerdebild letztlich eindeutig zugeordnet werden kann.
c) Der Umstand ferner, dass die �rzte der MEDAS neben
den psychischen Gesundheitsst�rungen (andauernde Pers�nlichkeitsver�nderung nach Unfall, somatoforme Schmerzst�rung) die Diagnose eines Sch�del-Hirntraumas mit m�glicherweise stattgefundener Hirnsch�digung in den Vordergrund stellten, basiert haupts�chlich auf der - ebenfalls im Gegensatz zu den bisherigen Beurteilungen stehenden - Annahme, dass der Beschwerdegegner nach dem Sturz bewusstlos gewesen war. So wird gutachtlich ausgef�hrt, die beim Unfall eingetretene Bewusstlosigkeit beweise, dass eine Hirnersch�tterung vorgelegen habe, wobei man sich bei Hirnersch�tterungen immer fragen m�sse, ob auch eine Hirnsch�digung, allenfalls eine bleibende Hirnsch�digung, anzunehmen sei. Die Schlussfolgerung, dass eine Bewusstlosigkeit vorgelegen habe, zogen die MEDAS-�rzte aus den Angaben des Beschwerdegegners ihnen und anderen gegen�ber (Bericht eines SUVA-Mitarbeiters vom 4. Februar 1997, Austrittsbericht der Rheuma- und Rehabilitationsklinik B.________ vom 12. November 1998) sowie aus einem SUVA-Bericht vom 27. M�rz 1998, worin ein gewisser Manuel Ferroz best�tigte, dass der Versicherte einige wenige Minuten bewusstlos am Boden gelegen habe, allm�hlich zu sich gekommen sei und insbesondere �ber starke Kopfschmerzen geklagt habe. An der Richtigkeit dieser Aussage bestehen indes erhebliche Zweifel. Aus dem - nicht unterschriftlich durch Manuel Ferroz best�tigten - Bericht geht zun�chst nicht hervor, inwiefern der Arbeitskollege, welcher den Sturz selber nicht beobachtet hatte, in der Lage gewesen ist, die geschilderte Bewusstlosigkeit wahrzunehmen. So bleibt insbesondere unklar, in welchem Zeitpunkt dieser sich dem Unfallort gen�hert und ob er die Bewusstlosigkeit des Beschwerdegegners mit eigenen Augen gesehen hat. Sollte Letzteres zu bejahen sein, stellt sich die Frage, ob Manuel Ferroz den Unterschied zwischen Benommenheit und Bewusstlosigkeit zu erkennen vermag und es sich nicht vielmehr um Benommenheit handelte, aus welcher der Versicherte "allm�hlich zu sich kam". Hiebei ist auffallend, dass der Beschwerdegegner selber gegen�ber den MEDAS�rzten angab, er sei erst "so halb im Firmenbus, mit dem er ins Spital Y.________ gebracht wurde, wieder zu Bewusstsein gekommen ...". Des Weitern spricht die anhand der Akten erkennbare F�higkeit des Beschwerdegegners, den Unfall in allen Einzelheiten zu schildern, eher gegen eine eingetretene Bewusstlosigkeit. Dem Austrittsbericht des Spitals Y.________ vom 4. Dezember 1996, in welches der Versicherte im Anschluss an den Unfall gef�hrt worden war, ist ferner folgendes zu entnehmen: "... Keine Bewusstlosigkeit, keine Amnesie f�r das Unfallereignis. Der Patient hat einen Helm getragen". Es besteht vorliegend keine Veranlassung, dieser Aussage keinen Glauben zu schenken. Wie die behandelnden Spital�rzte die entsprechende Feststellung getroffen haben - beispielsweise durch Befragen des Patienten oder von Personal der Arbeitgeberfirma, etwa von Arbeitskollegen, die den Beschwerdegegner ins Spital gefahren haben - geht aus dem Bericht nicht hervor. Als gleichsam aus der Luft gegriffen kann die klare �usserung jedenfalls nicht abgetan werden.
Nicht von der Hand zu weisen ist alsdann zwar der Hinweis des kantonalen Gerichts in seiner Vernehmlassung vom 13. Dezember 1999 zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde, die Beschwerdef�hrerin habe es sowohl im Administrativ- und Einspracheverfahren wie auch im kantonalen Beschwerdeprozess unterlassen, die Frage nach der Bewusstlosigkeit des Versicherten zu thematisieren. Dies vermag indes nichts am Untersuchungsgrundsatz zu �ndern, wonach der rechtserhebliche Sachverhalt durch die urteilende Instanz von Amtes wegen festzustellen ist (BGE 120 V 360 Erw. 1a, 117 V 263 Erw. 3b). Angesichts der Fragestellung zuhanden der MEDAS ("... nachtr�glich ergab sich, dass M.________ damals einige wenige Minuten nach dem Sturz bewusstlos gewesen war ...") ist vielmehr davon auszugehen, dass die Vorinstanz selber eine Bewusstlosigkeit des Beschwerdegegners als gegeben erachtet hat und diese Annahme durch die begutachtenden �rzte ohne eingehendere diesbez�gliche Abkl�rungen best�tigt wurde.
4.- a) Erscheint es nach dem Gesagten als zu wenig schl�ssig, dass ein Sch�del-Hirntrauma stattgefunden hat, stellt sich die Frage, ob auf Grund des Sturzes vom 13. November 1996 nicht doch ein Schleudertrauma der HWS oder eine Abknickverletzung derselben im Vordergrund des Beschwerdebildes standen und, bejahendenfalls, welche allf�lligen Restbeschwerden bestehen. Fraglich ist des Weitern, ob diese Restbeschwerden im Vergleich zu den psychischen Auff�lligkeiten derart in den Hintergrund r�cken, dass vorliegend bei der Ad�quanzbeurteilung die in BGE 115 V 140 Erw. 6c entwickelten Regeln (vgl. Erw. 1 hievor) anzuwenden w�ren.
Die Sache ist daher an die Vorinstanz zur�ckzuweisen, damit sie eine neue medizinische Expertise in Auftrag gibt. Vorg�ngig wird das kantonale Gericht abzukl�ren haben, ob durch Zeugenbefragung oder erg�nzende Ausk�nfte genauere Angaben hinsichtlich einer m�glichen Bewusstlosigkeit in Erfahrung zu bringen sind. Nachfolgend hat auch die begutachtende Fachstelle gest�tzt auf die Akten und auf Grund ihres Fachwissens darzulegen, ob und weshalb sie von einer Bewusstlosigkeit des Versicherten ausgeht oder nicht. Hernach wird die Vorinstanz erneut �ber die Sache befinden.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist nicht n�her auf die seitens der Beschwerdef�hrerin aufgeworfene Frage bez�glich des massgebenden Stichtages f�r die Beurteilung des Sachverhaltes einzugehen.
richts des Kantons Schwyz vom 27. Oktober 1999 aufge-
hoben und die Sache an die Vorinstanz zur�ckgewiesen
Erw�gungen, �ber die Beschwerde neu entscheide.
richt des Kantons Schwyz und dem Bundesamt f�r Sozial-
Luzern, 27. Oktober 2000

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