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Timestamp: 2020-08-06 22:55:50+00:00

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Rechtsprechung: NJW 2002, 2774 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BVerfG, 17.12.2001
https://dejure.org/2002,436
BGH, 04.07.2002 - IX ZR 153/01 (https://dejure.org/2002,436)
BGH, Entscheidung vom 04.07.2002 - IX ZR 153/01 (https://dejure.org/2002,436)
BGH, Entscheidung vom 04. Juli 2002 - IX ZR 153/01 (https://dejure.org/2002,436)
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BGB §§ 675, 627 Abs. 2, §§ 123, 138 Abs. 1
Verhältnis von Drohungsanfechtung (§ 123 BGB) und Sittenwidrigkeit (§ 138 BGB); Anspruch auf Vertragsaufhebung wegen Drohung aus culpa in contrahendo (jetzt: §§ 280 I, 311 II, 241 II, 249 S. 1 BGB); Rechtswidrigkeit der Drohung
Rechtsanwalt - Kündigung des Mandates - Nichtzustandekommen einer Gebührenvereinbarung - Gesetzwidrigkeit - Vertragswidrigkeit - Abpressung - Zurückdatierung einer Urkunde - Ausnutzung einer Zwangslage - Sittenwidrigkeit - Beweiswürdigung - Verfahrensfehler - Anfechtung ...
Rechtsanwalt, Kündigungsandrohung des -s; Gebührenvereinbarung, Sittenwidrigkeit der -
Zur Frage, wann die Androhung eines Rechtsanwalts, bei Nichtzustandekommen einer Gebührenvereinbarung das Mandat zu kündigen, gesetz- oder vertragswidrig ist
§ 675 BGB, § 627 BGB
BGB §§ 675 627 Abs. 2 § § 123, 138 Abs. 1
Gesetzwidrige Drohung bei verweigerter Gebührenvereinbarung
Eingabe in der Suchmaske auf der nächsten Seite: BRAK-Mitt. 2002, 267
Berufsrecht; Durchsetzung einer Honorarvereinbarung mit Drohung der Mandatskündigung
Anwaltshonorar - Die "abgepresste" Honorarvereinbarung
Honorarsicherung - Androhung der Mandatsbeendigung zur Honorardurchsetzung - eine Honorarfalle?
Keine Sittenwidrigkeit einer "abgepressten" Gebührenvereinbarung
Schuldrecht BT, Schuldrecht AT, Androhung der Kündigung des Mandats bei Nichtabschluss einer Honorarvereinbarung
NJW 2002, 2774
MDR 2002, 1182
VersR 2003, 645
WM 2003, 89
DB 2002, 2714
AnwBl 2002, 660
Der Anwalt kann nicht gezwungen sein, eine Verteidigung auf der Basis einer von ihm in Relation zu dem voraussichtlichen Aufwand als unangemessen niedrig erachteten Vergütung durchzuführen; mit Rücksicht auf sein Recht zur fristlosen Vertragskündigung (§ 627 Abs. 1 BGB) kann er grundsätzlich die Aufnahme oder Fortsetzung seiner Tätigkeit vom Abschluss einer Honorarvereinbarung abhängig machen (vgl. BGH, Urt. v. 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, NJW 2002, 2774, 2775).
Für die Frage eines auffälligen Missverhältnisses von Leistung und Gegenleistung sind also nicht ohne weiteres die gesetzlichen Gebühren gegenüberzustellen, wenn sie den mit der anwaltlichen Tätigkeit verbundenen Aufwand nicht angemessen abdecken (BGHZ 144, 343, 346; BGH, Urt. vom 4. Juli 2002, aaO S. 2775).
Zu Recht hat das Berufungsgericht dieses Gutachten, welches die Kontrolle des anwaltlichen Billigkeitsermessens durch das Prozessgericht unterstützen soll und der freien richterlichen Würdigung unterliegt (…BGH, Urt. v. 11. Dezember 2003 - IX ZR 109/00, NJW 2004, 1043, 1046), im Rahmen der Anwendung des § 138 BGB berücksichtigt (vgl. BGH, Urt. v. 4. Juli 2002, aaO S. 2775).
Bei dieser Bewertung der Sittenwidrigkeit ist eine in Aussicht gestellte Mandatskündigung durch die Klägerin ohne Bedeutung, weil dieser Gesichtspunkt alleine eine Anfechtung nach § 123 BGB betrifft (BGH, Urt. v. 4. Juli 2002, aaO S. 2775).
Es handelte sich dabei aber nicht um verschiedene Ansprüche, weil es jeweils um die vertragliche Vergütung für ein und dieselbe anwaltliche Tätigkeit geht (BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, NJW 2002, 2774, 2776;… vom 23. Oktober 2003 - IX ZR 270/02, NJW 2004, 1169, 1171 [juris Rn. 36]).
Ist daher ein Rechtsgeschäft durch arglistige Täuschung (oder widerrechtliche Drohung) zustande gekommen, so kann § 138 BGB neben § 123 BGB nur dann anwendbar sein, wenn weitere Umstände als die unzulässige Willensbeeinflussung hinzutreten, die das Geschäft seinem Gesamtcharakter nach als sittenwidrig erscheinen lassen (BGH, Urteil vom 14. Dezember 1987 - II ZR 166/87 - NJW 1988, 902, 903; Urteil vom 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - NJW 1988, 2599, 2601 zur Drohung; Urteil vom 26. September 1995 - XI ZR 159/94 - NJW 1995, 3315; Versäumnisurteil vom 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01 - NJW 2002, 2774, 2775 ebenfalls zur Drohung).
Der Umstand, dass die Berechnung sachlich unzutreffend ist, nimmt der Berechnung nicht ihre Wirkung nach § 18 Abs. 1 Satz 1 BRAGO (BGH, Urt. v. 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, WM 2003, 89, 91, zu § 18 Abs. 1 BRAGO;… v. 24. Mai 2007 - IX ZR 89/06, NJW 2007, 2332, 2333 Rn. 7 zu § 10 Abs. 1 RVG).
Gerade bei Sachen mit niedrigem oder mittlerem Streitwert kann auch ein Honorar, das die gesetzlichen Gebühren um ein Mehrfaches übersteigt, angemessen sein (BGH…, Urteil vom 15. Mai 1997, aaO;… vom 30. Mai 2000, aaO; vom 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, WM 2003, 89, 90 f;… vom 18. März 2004, aaO unter II.3.a.).
Liegt dem Vertragsschluß eine arglistige Täuschung - wie hier über die zu erwartenden Geldgewinne - zugrunde, müssen zudem besondere Umstände zu der durch arglistige Täuschung bewirkten Willensbeeinflussung hinzukommen, die das Geschäft nach seinem Gesamtcharakter als sittenwidrig erscheinen lassen, damit § 138 Abs. 1 BGB neben § 123 BGB anwendbar ist (BGH, Urteil vom 26. September 1995 - XI ZR 159/94, WM 1995, 1950 = NJW 1995, 3315, unter II 1 b; Urteil vom 23. Februar 1995 - IX ZR 29/94, NJW 1995, 1425 = WM 1995, 1064, unter II 2 d bb; vgl. auch Urteil vom 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, NJW 2002, 2774 = WM 2003, 89, unter I 2, zur widerrechtlichen Drohung).
Dies gilt auch für die Beurteilung einer in Aussicht gestellten Mandatskündigung durch den Rechtsanwalt (BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, NJW 2002, 2774, 2775;… vom 4. Februar 2010 - IX ZR 18/09, BGHZ 184, 209 Rn. 43).
Ob eine Drohung in einem solchen Fall rechtswidrig ist, hängt von dem Verhältnis zwischen dem verfolgten Zweck und dem dazu eingesetzten Mittel ab; entscheidend ist, ob der Drohende an der Erreichung des Zwecks ein berechtigtes Interesse hat und die Drohung nach Treu und Glauben als ein angemessenes Mittel zur Erreichung dieses Zwecks anzusehen ist (BGH, Urteil vom 4. November 1982 - VII ZR 11/82, WM 1983, 90, 91; vom 4. Juli 2002, aaO;… vom 4. Februar 2010, aaO Rn. 33 ff).
Verstößt der Anwalt gegen das Verbot zur Unzeit zu kündigen, ist zwar die Kündigung regelmäßig wirksam (…MünchKomm-BGB/Henssler, aaO Rn. 34;… Zugehör/Rinkler, aaO Rn. 94), der Anwalt macht sich aber schadensersatzpflichtig (BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, NJW 2002, 2774, 2775) und handelt rechtswidrig.
Eine unter diesen Umständen zustande gekommene Abrede beruht im Hinblick auf die widerrechtliche Drohung auf einer unzulässigen Willensbeeinflussung und begründet nach § 311 Abs. 2 BGB den Anspruch auf Befreiung von der eingegangenen Verbindlichkeit (vgl. BGH, Urteil vom 4. Juli 2002, aaO).
vor einer Strafanzeige und Strafverfolgung nach dessen eigenem Vorbringen ihren Ursprung in der von ihm behaupteten Drohung der Klägerin mit einer Strafanzeige hatte und dass eine - widerrechtliche - Drohung ein Rechtsgeschäft lediglich nach § 123 BGB anfechtbar macht mit der Folge, dass es nach § 138 Abs. 1 BGB nur dann nichtig ist, wenn weitere Umstände als die unzulässige Willensbeeinflussung hinzutreten, die das Geschäft seinem Gesamtcharakter nach als sittenwidrig erscheinen lassen (vgl. etwa BAG 4. März 1980 - 6 AZR 323/78 - zu II 2 b der Gründe, BAGE 33, 27; BGH 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01 - zu I 2 der Gründe; zur arglistigen Täuschung vgl. etwa BGH 17. Januar 2008 - III ZR 239/06 - Rn. 11; 26. September 1995 - XI ZR 159/94 - zu II 1 b der Gründe) .
Mit Blick auf Sinn und Zweck der gesetzlich vorgeschriebenen Abrechnung (…Transparenzgebot, vgl. nur Riedel/Sußbauer/Fraunholz, aaO Rn 11; BGH NJW 2002, 2774, 2775 f;… Senat, Urt. v. 29.06.2006, I-24 U 196/04, aaO; Senat, Beschl. v. 04.06.2009, I-24 U 111/08, FamRZ 2009, 2029 = OLGR Düsseldorf 2009, 853 sub I.3a), wird nach herrschender Auffassung im Schrifttum auch die analoge Anwendung des § 18 Abs. 2 S. 1 BRAGO (§ 10 Abs. 2 S. 1 RVG) befürwortet, soweit die Eigenart der vereinbarten Vergütung eine nähere Spezifizierung erfordert und zulässt (…Gerold/Schmidt/Mayer aaO;… Gerold/Schmidt/Madert aaO;… Hartung/Römermann/Schons, aaO Rn 33;… Hartmann, Kostengesetze, 38. Aufl., § 4 Rn. 26, Stichwort "Zeithonorar";… Schneider/Wolf/Schneider, aaO).
Der Pflichtverteidiger kann anders als ein Wahlverteidiger (vgl. BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - IX ZR 153/01, NJW 2002, 2774, 2775;… vom 4. Februar 2010 - IX ZR 18/09, BGHZ 184, 209 Rn. 34;… vom 7. Februar 2013 - IX ZR 138/11, NJW 2013, 1591 Rn. 9) sein weiteres Tätigwerden in keinem Fall vom Zustandekommen einer Vergütungsvereinbarung abhängig machen.
AG Remscheid, 01.04.2015 - 8 C 359/14
Abrechnung, Gebührenvorschriften
BGH, 01.03.2018 - IX ZR 179/17
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OLG Hamm, 15.11.2012 - 28 U 32/12
LG Wuppertal, 07.03.2013 - 9 S 122/12
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OLG Brandenburg, 21.07.2004 - 13 U 40/04
OLG Schleswig, 02.10.2003 - 16 U 29/03
Geltendmachung eines Anspruchs aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung; …
AG Viersen, 09.09.2016 - 33 C 11/16
Anspruch auf Rückzahlung geleisteter Vergütungen aus einem Rechtsanwaltsvertrag; …
LG Bochum, 28.08.2013 - 10 T 26/13
Grundsätze zur Bestimmung der Kostentragungslast bei Erledigung des Rechtsstreits …
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BVerfG, 17.12.2001 - 2 BvR 1151/00 (https://dejure.org/2001,3946)
BVerfG, Entscheidung vom 17.12.2001 - 2 BvR 1151/00 (https://dejure.org/2001,3946)
BVerfG, Entscheidung vom 17. Dezember 2001 - 2 BvR 1151/00 (https://dejure.org/2001,3946)
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Keine Verletzung von Grundrechten oder grundrechtsgleichen Rechten durch Ablehnung einer Beamtenbeförderung wegen Engagement für die Partei "Die Republikaner"
Eignung eines Beamten für ein Beförderungsamt; Verfassungsbeschwerde eines Beamten (Kriminalkommissars) wegen der Ablehnung seiner Beförderung (zum Kriminaloberkommissar) aufgrund seines Engagements für eine rechtsextreme Partei
GG Art. 12 Abs. 1, Art. 33 Abs. 5
Versagung einer Beförderung eines Beamten wegen Zugehörigkeit zu der Partei "Die Republikaner"
VG Sigmaringen, 12.12.1996 - 9 K 1206/95
NJW 2002, 2774 (Ls.)
NVwZ 2002, 847
DVBl 2002, 471
Demgegenüber ist bei der Entscheidung über eine Dienstpostenbesetzung die Eignung des Beamten für den jeweils angestrebten Dienstposten zu prüfen, wobei dem Dienstherrn ein gerichtlich nur eingeschränkt überprüfbarer Beurteilungsspielraum zukommt (vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 17. Dezember 2001 - 2 BvR 1151/00 -, NVwZ 2002, S. 847 [848]).

References: § 675
 § 627
 § 123
 § 138
 § 123
 § 138
 § 123
 § 18
 § 18
 § 10
 § 138
 § 123
 § 311
 § 123
 § 138
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 18
 § 4
 Art. 12
 Art. 33