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Timestamp: 2020-08-12 04:30:25+00:00

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Buchwertabspaltung bei der Veräußerung von Zuckerrübenlieferrechten | Rechtslupe
Buch­wert­ab­spal­tung bei der Ver­äu­ße­rung von Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­ten
Der Ent­nah­me­wert für nicht an Akti­en gebun­de­ne Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te ist um einen ggf. von dem Buch­wert des Grund und Bodens abzu­spal­ten­den Buch­wert zu ver­min­dern. Der abge­spal­te­ne Buch­wert unter­liegt eben­so wenig wie der Buch­wert des Grund und Bodens vor der Abspal­tung einer AfA.
Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te sind selb­stän­di­ge imma­te­ri­el­le Wirt­schafts­gü­ter [1]. Der Ver­äu­ße­rungs­er­lös für die Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te ist um einen antei­li­gen Buch­wert zu ver­min­dern, der von dem Buch­wert des Grund und Bodens abzu­spal­ten war [2].
Aus­gangs­punkt der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs Senats­recht­spre­chung zu den Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­ten ist ein Ver­gleich mit den Milch­lie­fer­rech­ten [3]. Der Buch­wert der Milch­lie­fer­rech­te ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs von dem nach § 55 Abs. 1 EStG zum 1. Juli 1970 fest­ge­stell­ten Wert des Grund und Bodens abzu­spal­ten [4]. Die Finanz­ver­wal­tung ist die­ser Beur­tei­lung (spä­ter) gefolgt [5].
Dem liegt die Ansicht zu Grun­de, dass die Mög­lich­keit, Milch zu erzeu­gen und zu ver­mark­ten, als Teil der Ertrags­fä­hig­keit des Grund und Bodens in dem mit dem Zwei­fa­chen des Aus­gangs­werts ange­setz­ten Wirt­schafts­gut Grund und Boden (§ 55 Abs. 1 Satz 1 EStG) mit­be­wer­tet wor­den sei. Die­se Mög­lich­keit habe sich dann aber durch die Milch-Garan­tie­men­gen-Ver­ord­nung vom 25. Mai 1984 [6] als Milch­re­fe­renz­men­ge (Milch­lie­fer­recht) zu einem imma­te­ri­el­len Wirt­schafts­gut ver­selb­stän­digt [7]. Dadurch habe der Grund und Boden an Wert ver­lo­ren [8]. Das ent­nom­me­ne oder ver­äu­ßer­te Wirt­schafts­gut „Grund und Boden“ sei nicht iden­tisch mit dem Wirt­schafts­gut, das mit dem Zwei­fa­chen des Aus­gangs­werts (§ 55 Abs. 1 Satz 1 EStG, ent­spre­chend dem Acht­fa­chen der Ertrags­mess­zahl, vgl. § 55 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Satz 1 EStG) ange­setzt wor­den sei; denn die­ser Wert sei nur teil­wei­se auf den „nack­ten“ Grund und Boden ent­fal­len [9].
Der Bun­des­fi­nanz­hof ist des­halb zu der Auf­fas­sung gelangt, dass nur die Ein­be­zie­hung des auf die Milch­re­fe­renz­men­gen ent­fal­len­den Teils des Ver­äu­ße­rungs­prei­ses in die Ermitt­lung des nicht abzieh­ba­ren Ver­lusts gemäß § 55 Abs. 6 Satz 1 EStG dem Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift ent­spre­che. Soweit dies nicht gewähr­leis­tet sei, ent­hal­te § 55 Abs. 6 EStG eine ver­deck­te Rege­lungs­lü­cke [10]. Denn § 55 Abs. 6 EStG sei ledig­lich eine kon­se­quen­te Ergän­zung zur pau­scha­len Wert­ermitt­lung des Grund und Bodens nach § 55 Abs. 1 EStG und sol­le ver­hin­dern, dass es zur Berück­sich­ti­gung von Ver­lus­ten kom­me, die sich allein des­halb ergä­ben, weil der Teil­wert des Grund und Bodens nicht kon­kret, son­dern pau­schal ermit­telt und des­halb zu hoch ange­setzt wor­den sei [9]. Wert­min­de­run­gen des Grund und Bodens, die ein­deu­tig auf die recht­li­che Ver­selb­stän­di­gung boden­ge­bun­de­ner Befug­nis­se wie der Milch­re­fe­renz­men­gen zurück­zu­füh­ren sei­en, sei­en daher bei Anwen­dung des § 55 Abs. 6 EStG zu berück­sich­ti­gen [11]. Dazu sei der zum 1. Juli 1970 fest­ge­stell­te Wert des Grund und Bodens im sel­ben Ver­hält­nis auf­zu­tei­len, in dem sich die Markt­prei­se für die Milch­re­fe­renz­men­gen einer­seits und den „nack­ten“ Grund und Boden ande­rer­seits nach Ent­ste­hung des Wirt­schafts­gu­tes Milch­re­fe­renz­men­ge gegen­über­stün­den [12].
Bei der Beur­tei­lung der Fra­ge, ob auch für Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te ein antei­li­ger Buch­wert von dem Pau­schal­wert für den Grund und Boden abzu­spal­ten ist, hat der Bun­des­fi­nanz­hof an die­se recht­li­che Beur­tei­lung ange­knüpft.
In dem im ers­ten Rechts­gang des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens ergan­ge­nen Urteil [13] hat der Bun­des­fi­nanz­hof unter Bezug­nah­me auf die Urtei­le zu den Milch­lie­fer­rech­ten [14] ent­schie­den, dass eine ver­deck­te Rege­lungs­lü­cke in § 55 Abs. 6 EStG bei der Ver­äu­ße­rung oder Ent­nah­me von Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­ten nur dann zu beja­hen sei, wenn sich der Wert der Anbau­flä­chen für Zucker­rü­ben nach Ein­füh­rung der Pau­schal­wer­te für den Grund und Boden (nach § 55 Abs. 1 EStG) infol­ge der Quo­ten­re­ge­lung nach­hal­tig ver­min­dert habe. Des­halb habe das Finanz­ge­richt fest­zu­stel­len, ob sich die Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te bereits am 1. Juli 1970 zu einem selb­stän­di­gen imma­te­ri­el­len Wirt­schafts­gut ver­fes­tigt hät­ten, so dass sie bei Bemes­sung der Pau­schal­wer­te des § 55 EStG Berück­sich­ti­gung fin­den, aber auch Ein­fluss auf den Wert der Anbau­flä­chen neh­men konn­ten.
Das dar­auf­hin im zwei­ten Rechts­gang ergan­ge­ne Urteil des Finanz­ge­richts (in EFG 2002, 1607)) hat der Bun­des­fi­nanz­hof auf­ge­ho­ben [15], weil das Finanz­ge­richt die dem Revi­si­ons­ur­teil [13] zu Grun­de lie­gen­de recht­li­che Beur­tei­lung nicht beach­tet habe. Soweit das Finanz­ge­richt von einem Wert­ver­lust des Grund und Bodens durch die Ein­füh­rung der Zucker­rü­ben­quo­ten aus­ge­gan­gen sei, fehl­ten nach­voll­zieh­ba­re Fest­stel­lun­gen. Das Finanz­ge­richt müs­se fest­stel­len, ob der Klä­ger auf­grund der ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen mit der von ihm belie­fer­ten Zucker­fa­brik bereits vor dem 1. Juli 1970 ein über­trag­ba­res und am Markt selb­stän­dig bewer­te­tes Wirt­schafts­gut beses­sen habe. Nur dann hät­te sich die durch die ZMO auf die Zucker­fa­bri­ken ent­fal­len­de Zucker­quo­te zu einem selb­stän­di­gen Zucker­rü­ben­lie­fer­recht ver­fes­ti­gen kön­nen [15].
Das Finanz­ge­richt müs­se die Fest­stel­lun­gen dazu, ob die Rüben­lie­fer­rech­te des Klä­gers sich bereits vor dem 1. Juli 1970 zu selb­stän­di­gen Wirt­schafts­gü­tern ver­fes­tigt hät­ten, durch Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nach­ho­len. Las­se sich zum 1. Juli 1970 die selb­stän­di­ge Bewert­bar­keit der Lie­fer­rech­te nicht fest­stel­len, kom­me es für die Ermitt­lung des vom Pau­schal­wert des Grund und Bodens abzu­spal­ten­den antei­li­gen Buch­werts der Rüben­lie­fer­rech­te dar­auf an, in wel­chem Ver­hält­nis die Teil­wer­te die­ser Lie­fer­rech­te zum Zeit­punkt ihrer Ver­fes­ti­gung am Markt zu den Teil­wer­ten für die rüben­fä­hi­gen Flä­chen stün­den, die bereits am 1. Juli 1970 zum Betriebs­ver­mö­gen des Klä­gers gehört hät­ten [16].
An die­ser recht­li­chen Beur­tei­lung hat der Bun­des­fi­nanz­hof [17] fest­ge­hal­ten.
Zwar ist die­se Recht­spre­chung auf erheb­li­che Kri­tik gesto­ßen [18]. Der Bun­des­fi­nanz­hof hält dar­an jedoch fest. Im vor­lie­gen­den drit­ten Rechts­gang ist er an die recht­li­che Beur­tei­lung gebun­den, die sei­nen Urtei­len in den vor­her­ge­hen­den Rechts­gän­gen zu Grun­de liegt [19]. Im Übri­gen ist auch der hohe Stel­len­wert einer ein­heit­li­chen und kon­ti­nu­ier­li­chen Recht­spre­chung zu berück­sich­ti­gen [20]. Hin­zu kommt, dass die ZMO nach jet­zi­gem Stand mit Ablauf des Zucker­wirt­schafts­jah­res 2014/​2015 am 30. Sep­tem­ber 2015 aus­läuft [21].
Die Fra­ge, ob eine Abspal­tung des Buch­werts auch tat­säch­lich vor­zu­neh­men ist, wenn die nach­zu­ho­len­den Fest­stel­lun­gen erge­ben wür­den, dass sich die Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te erst nach dem 1. Juli 1970 am Markt zu einem selb­stän­dig bewer­te­ten Wirt­schafts­gut ver­fes­tigt hat­ten, ist [22] nicht offen­ge­blie­ben. Denn auf die Ver­hält­nis­se an die­sem für den Ansatz der Pau­schal­wer­te nach § 55 Abs. 1 Satz 1 EStG maß­geb­li­chen Stich­tag kam es nur dann an, wenn gege­be­nen­falls eine Buch­wert­ab­spal­tung zu erfol­gen hat­te.
Aus dem­sel­ben Grund recht­fer­tigt auch der Ein­wand des Finanz­am­tes, die rüben­fä­hi­gen Acker­flä­chen hät­ten kei­nen dem Wert der ent­stan­de­nen Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te ent­spre­chen­den Wert­ver­lust erlit­ten, kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Zwar trifft es zu, dass der Bun­des­fi­nanz­hof in dem im ers­ten Rechts­gang ergan­ge­nen Urteil [13] die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, dass eine ver­deck­te Rege­lungs­lü­cke in § 55 Abs. 6 EStG nur dann zu beja­hen sei, wenn sich der Wert der Anbau­flä­chen für Zucker­rü­ben nach Ein­füh­rung der Pau­schal­wer­te für den Grund und Boden infol­ge der Quo­ten­re­ge­lung nach­hal­tig ver­min­dert habe. Auch hat er im zwei­ten Rechts­gang der vor­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung ent­ge­gen­ge­hal­ten, dass der dort ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, durch die Ein­füh­rung der Zucker­rü­ben­quo­ten im Jahr 1968 sei ein Wert­ver­lust beim Grund und Boden ein­ge­tre­ten, kei­ne nach­voll­zieh­ba­ren Fest­stel­lun­gen zu Grun­de lägen [15].
Gleich­wohl hat der Bun­des­fi­nanz­hof für die Ver­fes­ti­gung der Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te zu einem selb­stän­di­gen Wirt­schafts­gut nur auf deren Ver­selb­stän­di­gung abge­stellt und dem Finanz­ge­richt auf­ge­ge­ben, zu die­ser Fra­ge ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­zu­ho­len. Allein ent­schei­dend ist danach, dass im Pau­schal­wert die durch die Mög­lich­keit der Lie­fer­rech­te gestei­ger­te Ertrags­fä­hig­keit des Grund und Bodens mit­be­wer­tet wor­den ist, so dass sich auch bei der Auf­ga­be bzw. Ver­äu­ße­rung des Betriebs gedank­lich ein Teil des Pau­schal­wer­tes auf­wands­mä­ßig durch die steu­er­pflich­ti­ge Ver­äu­ße­rung des auf das zwi­schen­zeit­lich zu einem selb­stän­di­gen Wirt­schafts­gut erstark­te Lie­fer­recht ver­braucht hat. Der Bun­des­fi­nanz­hof ist somit davon aus­ge­gan­gen, dass sich –abs­trakt gese­hen– die Ver­selb­stän­di­gung der Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te kor­re­spon­die­rend wert­min­dernd auf den Grund und Boden aus­wirkt, eine der­ar­ti­ge Wir­kung aber durch ande­re wert­be­ein­flus­sen­de Fak­to­ren über­la­gert sein kann. Unter die­ser Vor­aus­set­zung kam es auf Fest­stel­lun­gen zur tat­säch­li­chen Wert­ent­wick­lung des Grund und Bodens nicht an.
Für die­se Ein­schät­zung spricht im Übri­gen, dass sich den Grund­stücks­prei­sen nicht ohne wei­te­res ent­neh­men lässt, ob damit auch Lie­fer­rech­te abge­gol­ten wur­den. Denn die Aner­ken­nung der Lie­fer­rech­te als imma­te­ri­el­les Wirt­schafts­gut setzt deren selb­stän­di­ge Ver­kehrsfä­hig­keit nicht vor­aus [23]. Bestä­tigt wird die­se Ein­schät­zung durch das vom Finanz­ge­richt ein­ge­hol­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten. Danach haben die Gut­ach­ter­aus­schüs­se erst in den 1990er Jah­ren eine geson­der­te Erfas­sung von Kauf­prei­sen für Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te auf­ge­nom­men. Wenn –wie der Sach­ver­stän­di­ge wei­ter fest­ge­stellt hat– der Wert der Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te zum Zeit­punkt ihrer Ver­fes­ti­gung zu einem imma­te­ri­el­len Wirt­schafts­gut nicht durch Markt­da­ten fest­stell­bar ist, dürf­te ein dem ent­spre­chen­der Wert­ver­lust der rüben­fä­hi­gen Acker­grund­stü­cke auch nicht nach­zu­wei­sen sein. Hin­zu kommt, dass eine der­ar­ti­ge Wir­kung –wie die Klä­ger zu Recht gel­tend gemacht haben– durch ande­re wert­be­ein­flus­sen­de Fak­to­ren über­la­gert sein kann. Im Übri­gen hat der Bun­des­fi­nanz­hof [24] unter Hin­weis auf die Milch­re­fe­renz­men­gen ent­schie­den, dass es nicht Vor­aus­set­zung für das Abset­zen eines antei­li­gen Buch­wer­tes ist, dass der Teil­wert des Grund und Bodens infol­ge der Ein­füh­rung der Milch­re­fe­renz­men­ge tat­säch­lich unter den Teil­wert vom 1. Juli 1970 gesun­ken ist; allein ent­schei­dend sei, dass sich bei der Auf­ga­be bzw. Ver­äu­ße­rung des Betriebs gedank­lich ein Teil des Pau­schal­wer­tes auf­wands­mä­ßig durch das zwi­schen­zeit­lich zu einem selb­stän­di­gen Wirt­schafts­gut erstark­te Lie­fer­recht ver­braucht habe.
Auch die Fra­ge, ob die regio­nal unter­schied­li­che Ent­wick­lung und Aus­ge­stal­tung der Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te es aus­schließt, dass die damit ver­bun­de­ne gestei­ger­te Ertrags­fä­hig­keit vor der Ver­fes­ti­gung zu selb­stän­di­gen Wirt­schafts­gü­tern im Pau­schal­wert des Grund und Bodens mit bewer­tet wur­de, ist bereits ent­schie­den.
Der Bun­des­fi­nanz­hof ist schon in dem im ers­ten Rechts­gang ergan­ge­nen Urteil [13] davon aus­ge­gan­gen, dass sich die Rüben­fä­hig­keit einer Acker­flä­che im Pau­schal­wert nach § 55 Abs. 1 EStG nie­der­ge­schla­gen hat. Er hat des­halb die Fra­ge bejaht, ob der Teil des zum 1. Juli 1970 gebil­de­ten Pau­schal­wer­tes, der auf die natür­li­chen Ertrags­be­din­gun­gen des Bodens zurück­zu­füh­ren ist, soweit er spä­ter Ein­gang in ein selb­stän­di­ges imma­te­ri­el­les Wirt­schafts­gut „Zucker­rü­ben­lie­fer­recht“ gefun­den hat, bei der Ermitt­lung des steu­er­pflich­ti­gen Ver­äu­ße­rungs­ge­winns abzu­set­zen ist.
Dar­über hin­aus hat der Bun­des­fi­nanz­hof in dem im zwei­ten Rechts­gang ergan­ge­nen Urteil [15] die Rechts­an­sicht ver­tre­ten, dass es für die Fra­ge der Ver­fes­ti­gung der Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te am Markt und –dar­aus fol­gend– für die Buch­wert­ab­spal­tung von dem Pau­schal­wert nach § 55 Abs. 1 EStG auf die ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen mit der belie­fer­ten Zucker­fa­brik ankommt. Dabei ist er erkenn­bar davon aus­ge­gan­gen, dass die Mög­lich­keit, Zucker­rü­ben anzu­bau­en und zu ver­mark­ten, als Teil der Ertrags­fä­hig­keit des Grund und Bodens in dem Pau­schal­wert mit ent­hal­ten war, so dass die­ser auf­zu­tei­len ist, eben­so wie ande­rer­seits nach Ver­fes­ti­gung der Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te zu einem selb­stän­di­gen Wirt­schafts­gut bei Ver­kauf eines mit einem Lie­fer­recht ver­bun­de­nen Grund­stücks ein ein­heit­li­cher Kauf­preis auf­zu­tei­len ist.
Der Auf­fas­sung, dass der Ver­äu­ße­rungs­er­lös für die Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te inso­weit nicht um den abge­spal­te­nen Buch­wert gemin­dert wer­den kön­ne, als dar­auf nicht abzieh­ba­re linea­re AfA vor­zu­neh­men sei, folgt der Bun­des­fi­nanz­hof nicht.
Zwar trifft es zu, dass betriebs­ge­bun­de­ne Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te grund­sätz­lich abnutz­ba­re (imma­te­ri­el­le) Wirt­schafts­gü­ter sind [25], deren Nut­zungs­dau­er auf 10 Jah­re geschätzt wer­den kann [26]. Dar­aus folgt jedoch nach Ansicht des Senats nicht, dass des­halb der vom Buch­wert des Grund und Bodens abge­spal­te­ne Buch­wert betriebs­ge­bun­de­ner Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te wegen des Ver­lust­ab­zugs­ver­bots des § 55 Abs. 6 EStG erfolgs­neu­tral abzu­schrei­ben wäre, mit der Fol­ge, dass die Bilanz des Klä­gers inso­weit im Hin­blick auf die Feh­ler­ur­sa­che [27] erfolgs­neu­tral zu berich­ti­gen war.
Der abge­spal­te­ne Buch­wert unter­liegt nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs eben­so wenig wie der Buch­wert des Grund und Bodens vor der Abspal­tung einer AfA. Denn der Grund und Boden stellt ein nicht abnutz­ba­res Wirt­schafts­gut dar. Der abge­spal­te­ne Buch­wert kann aber nicht los­ge­löst von sei­ner Ent­ste­hung beur­teilt wer­den.
Hin­zu kommt, dass der nach § 55 Abs. 1 EStG ermit­tel­te pau­scha­le Buch­wert bei der Gewinn­ermitt­lung weder zu Ver­lus­ten füh­ren darf noch einer Teil­wert­ab­schrei­bung zugäng­lich ist (§ 55 Abs. 6 EStG). Dar­an kann auch die Buch­wert­ab­spal­tung nichts ändern. Denn der Bun­des­fi­nanz­hof hat die Buch­wert­ab­spal­tung mit einer Rege­lungs­lü­cke bei der Ermitt­lung des nach § 55 Abs. 6 EStG nicht abzieh­ba­ren Ver­lus­tes begrün­det, die er dar­in gese­hen hat, dass die­se Vor­schrift ledig­lich sol­che Wert­min­de­run­gen aus­schlie­ßen soll­te, die auf dem pau­schal ermit­tel­ten, (zu) hohen Buch­wert­an­satz des Grund und Bodens beru­hen, nicht jedoch Wert­min­de­run­gen auf­grund der recht­li­chen Ver­selb­stän­di­gung von Lie­fer­rech­ten. Damit lie­ßen sich jedoch AfA auf den für die Lie­fer­rech­te abge­spal­te­nen pau­scha­len Buch­wert nicht ver­ein­ba­ren. Dar­über hin­aus wider­sprä­chen gewinn­min­dern­de Abschrei­bun­gen auf den abge­spal­te­nen Buch­wert dem erkenn­ba­ren Ziel des Gesetz­ge­bers, Wert­ver­lus­te außer­halb des Ver­fah­rens zur höhe­ren Teil­wert­fest­stel­lung nach § 55 Abs. 5 EStG unbe­rück­sich­tigt zu las­sen [28].
Der Über­le­gung, dass die AfA den Gewinn im Rah­men der Gewinn­ermitt­lung zwar min­dern kön­ne, die Gewinn­aus­wir­kung aber außer­halb der Gewinn­ermitt­lung zu kor­ri­gie­ren sei, schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof eben­falls nicht an. Weder ent­spricht sie dem Wort­laut des § 55 Abs. 6 Satz 1 EStG, wonach die Ver­lus­te „bei der Ermitt­lung des Gewinns“ nicht berück­sich­tigt wer­den dür­fen, noch trägt sie der Abspal­tung vom Buch­wert des nicht der AfA unter­lie­gen­den Grund und Bodens Rech­nung. Eine sol­che Auf­fas­sung lie­ße sich dar­über hin­aus auch nicht mit der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Senats zu den Milch- und Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­ten ver­ein­ba­ren. Denn da sich die Lie­fer­rech­te zu weit zurück­lie­gen­den Zeit­punk­ten –die Zucker­rü­ben­lie­fer­rech­te vor­lie­gend zum 1. Janu­ar 1976, Milch­lie­fer­rech­te in der Regel zum 1. April 1984– zu selb­stän­di­gen Wirt­schafts­gü­tern ver­fes­tigt haben, ergä­be sich dar­aus in der Regel eine Erhö­hung der nach § 55 Abs. 6 EStG nicht abzieh­ba­ren Ver­lus­te. Das lie­fe jedoch auf das genaue Gegen­teil der für die Senats­recht­spre­chung zur Buch­wert­ab­spal­tung maß­geb­li­chen ein­schrän­ken­den Aus­le­gung des § 55 Abs. 6 EStG hin­aus. Eine sol­che Wir­kung stün­de dar­über hin­aus auch der Rück­gän­gig­ma­chung der Buch­wert­auf­spal­tung nach dem Weg­fall der Lie­fer­rech­te vor­aus­sicht­lich im Jahr 2015 [29] ent­ge­gen.
Soweit das Finanz­amt auf Fol­ge­pro­ble­me hin­weist, die sich aus der Abspal­tung eines antei­li­gen Buch­werts für die Lie­fer­rech­te aus dem Pau­schal­wert des Grund und Bodens gemäß § 55 EStG erge­ben kön­nen, ist dar­über im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht zu ent­schei­den.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Sep­tem­ber 2010 – IV R 2/​10
BFH, Urteil in BFHE 226, 37, BStBl II 2010, 28, m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 189, 132, BStBl II 2003, 58; und in BFHE 203, 454, BStBl II 2010, 184[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 189, 132, BStBl II 2003, 58[↩]
vgl. u.a. BFH, Urteil vom 24.08.2000 – IV R 11/​00, BFHE 192, 547, BStBl II 2003, 64, m.w.N.[↩]
vgl. BMF, Schrei­ben vom 14.01.2003 – IV A 6 ‑S 2134- S 52/​02, BStBl I 2003, 78[↩]
BGBl I 1984, 720[↩]
BFH, Urteil vom 25.11.1999 – IV R 64/​98, BFHE 190, 214, BStBl II 2003, 61[↩]
BFH, Urtei­le vom 05.03.1998 – IV R 8/​95, BFHE 185, 434, BStBl II 2003, 54; in BFHE 192, 547, BStBl II 2003, 64[↩]
BFH, Urteil in BFHE 190, 214, BStBl II 2003, 61[↩][↩]
BFH, Urteil in BFHE 185, 434, BStBl II 2003, 54[↩]
BFH, Urteil in BFHE 192, 547, BStBl II 2003, 64[↩]
BFH, Urteil in BFHE 192, 547, BStBl II 2003, 64; BMF-Schrei­ben in BStBl I 2003, 78, Tz. 8[↩]
BFH, Urteil in BFHE 189, 132, BStBl II 2003, 58[↩][↩][↩][↩]
BFH, Urtei­le vom 05.03.1998 – IV R 23/​96, BFHE 185, 435, BStBl II 2003, 56; und in BFHE 185, 434, BStBl II 2003, 54[↩]
BFH, Urteil in BFHE 203, 454, BStBl II 2010, 184[↩][↩][↩][↩]
BFH, Urteil in BFHE 203, 454, BStBl II 2010, 184; eben­so BFH, Urteil vom 11.09.2003 – IV R 25/​02, BFH/​NV 2004, 617[↩]
im Urteil in BFH/​NV 2004, 1393[↩]
vgl. Fels­mann, Ein­kom­mens­be­steue­rung der Land- und Forst­wir­te, B Rz 576n ff.[↩]
vgl. Gräber/​Ruban, Finanz­ge­richts­ord­nung, 6. Aufl., § 126 Rz 30, m.w.N.[↩]
vgl. zu Letz­te­rem u.a. BFH (GrS), Beschluss vom 17.12.2007 – GrS 2/​04, BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608[↩]
Ver­ord­nung (EG) Nr. 318/​2006 des Rates vom 20.02.2006 über die gemein­sa­me Markt­or­ga­ni­sa­ti­on für Zucker, ABl der Euro­päi­schen Uni­on 2006, Nr. L 58, 1[↩]
in BFH, Urteil in BFHE 203, 454, BStBl II 2010, 184[↩]
BFH, Urteil in BFH/​NV 2004, 1393[↩]
in BFH, Urteil in BFHE 189, 132, BStBl II 2003, 58[↩]
BFH, Urteil in BFHE 226, 37, BStBl II 2010, 28[↩]
BFH, Urteil vom 17.03.2010 – IV R 3/​08, BFHE 229, 159[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 06.08.1998 – IV R 67/​97, BFHE 186, 402, BStBl II 1999, 14[↩]
vgl. dazu BFH, Urteil vom 10.08.1978 – IV R 181/​77, BFHE 126, 191, BStBl II 1979, 103[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 229, 159[↩]
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References: § 55
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 § 126