Source: http://m.hensche.de/Diskriminierung_Bewerbung_Auskunftsanspruch_Stellenbewerber_Votum_Generalanwalt_Mengozzi_C-415-10_Meister.html
Timestamp: 2016-12-09 15:27:41+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: Diskriminierung bei der Bewerbung
17.01.2012. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ver­bie­tet un­ge­recht­fer­tig­te Schlech­ter­stel­lun­gen im Er­werbs­le­ben we­gen be­stimm­ter Merk­ma­le. Ver­bo­ten sind z.B. Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen der eth­ni­schen Her­kunft, we­gen des Ge­schlechts, oder we­gen des Al­ters (§§ 7 Abs.1, 1 AGG). Das gilt auch bei der Stel­len­be­set­zung, an­ge­fan­gen bei der Aus­schrei­bung bis hin zur Aus­wahl zwi­schen ver­schie­de­nen Be­wer­bern. Der Nach­weis ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung bei der Be­wer­bung fällt Be­trof­fe­nen nor­ma­ler­wei­se schwer, da sie ja kei­nen Ein­blick in die Ent­schei­dungs­pro­zes­se beim Ar­beit­ge­ber ha­ben. Da­her sieht § 22 AGG vor, dass es ge­nügt, wenn ein Be­nach­tei­lig­ter In­di­zi­en ("Ver­mu­tungs­tat­sa­chen") be­wei­sen kann, die ei­nen Ver­stoß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ver­mu­ten las­sen. Der Ar­beit­ge­ber muss ei­ne sol­che Ver­mu­tung dann wi­der­le­gen, d.h. be­wei­sen, dass die Stel­len­be­set­zung dis­kri­mi­nie­rungs­frei war.
Ges­tern ver­öf­fent­lich­te der an dem Ver­fah­ren vor dem EuGH be­tei­lig­te EuGH-Ge­ne­ral­an­walt Pao­lo Men­goz­zi sei­ne Ent­schei­dungs­vor­schlä­ge (Schluss­an­trä­ge des Ge­ne­ral­an­walts Pao­lo Men­goz­zi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meis­ter). Sei­ne Ant­wor­ten auf die Vor­la­ge­fra­gen des BAG lau­ten: "1. We­der Art. 8 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/43/EG des Ra­tes vom 29. Ju­ni 2000 zur An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes oh­ne Un­ter­schied der Ras­se oder der eth­ni­schen Her­kunft noch Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Be­schäf­ti­gung und Be­ruf noch Art. 19 Abs. 1 der Richt­li­nie 2006/54/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 5. Ju­li 2006 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Män­nern und Frau­en in Ar­beits- und Be­schäf­ti­gungs­fra­gen sind da­hin aus­zu­le­gen, dass ei­nem Stel­len­be­wer­ber im Fall sei­ner Nicht­be­rück­sich­ti­gung ein An­spruch ge­gen den Ar­beit­ge­ber auf Aus­kunft ein­ge­räumt wer­den muss, ob und auf­grund wel­cher Kri­te­ri­en er ei­nen an­de­ren Be­wer­ber ein­ge­stellt hat, auch wenn der be­tref­fen­de Be­wer­ber dar­legt, dass er die Vor­aus­set­zun­gen für die vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­schrie­be­ne Stel­le er­füllt. 2. Nach Art. 8 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/43, Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 und Art. 19 Abs. 1 der Richt­li­nie 2006/54 muss das vor­le­gen­de Ge­richt das Ver­hal­ten ei­nes Ar­beit­ge­bers, das in der Wei­ge­rung liegt, die von ei­nem ab­ge­lehn­ten Stel­len­be­wer­ber er­be­te­nen Aus­künf­te über das Er­geb­nis der Ein­stel­lung und über die vom Ar­beit­ge­ber bei der Ein­stel­lung be­folg­ten Kri­te­ri­en zu er­tei­len, be­ur­tei­len, in­dem es nicht nur al­lein das Feh­len ei­ner Ant­wort des Ar­beit­ge­bers be­rück­sich­tigt, son­dern die­ses viel­mehr in sei­nen wei­te­ren tat­säch­li­chen Zu­sam­men­hang stellt. In­so­weit kann das vor­le­gen­de Ge­richt Ge­sichts­punk­te her­an­zie­hen wie die of­fen­sicht­li­che Ent­spre­chung von Be­wer­ber­qua­li­fi­ka­ti­on und Ar­beits­stel­le, die un­ter­blie­be­ne Ein­la­dung zu ei­nem Vor­stel­lungs­ge­spräch und das even­tu­el­le er­neu­te Un­ter­blei­ben ei­ner Ein­la­dung des­sel­ben Be­wer­bers sei­tens des Ar­beit­ge­bers zu ei­nem Vor­stel­lungs­ge­spräch, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne zwei­te Be­wer­be­r­aus­wahl für die­sel­be Stel­le durch­ge­führt hat."
Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/244 Frist zur Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz bei Dis­kri­mi­nie­rung Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/160 Aus­kunfts­an­spruch des ab­ge­lehn­ten Stel­len­be­wer­bers?

References: § 22
 EuGH 
 Art. 8
 Art. 10
 Art. 19
 Art. 8
 Art. 10
 Art. 19