Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20StR%20707/94
Timestamp: 2019-11-20 21:42:34+00:00

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BGH, 24.01.1995 - 1 StR 707/94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,4269
BGH, 24.01.1995 - 1 StR 707/94 (https://dejure.org/1995,4269)
BGH, Entscheidung vom 24.01.1995 - 1 StR 707/94 (https://dejure.org/1995,4269)
BGH, Entscheidung vom 24. Januar 1995 - 1 StR 707/94 (https://dejure.org/1995,4269)
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NStZ 1995, 287
Wenn der Arzt unter solchen Vorzeichen lediglich nach Prüfung der "Vitalparameter" mit seinem Tun fortfährt, so liegt der Todeseintritt aufgrund mitwirkender Vorschädigung der betroffenen Person nicht so sehr außerhalb der Wahrscheinlichkeit, dass die Voraussehbarkeit für den "erfahrenen Facharzt" und den Angeklagten persönlich in Zweifel zu ziehen wäre (vgl. auch BGH, Urteile vom 24. Januar 1995 - 1 StR 707/94, BGHR StGB § 226 aF Todesfolge 9 ["medizinische Rarität"], vom 26. Februar 1997 - 3 StR 569/96, BGHR StGB § 226 aF Todesfolge 12 [Herzinfarkt infolge Herzvorschädigung] und vom 10. Juni 2009 - 2 StR 103/09, NStZ-RR 2009, 309).
Auch die weiteren tatbestandlichen Voraussetzungen des § 227 StGB, nämlich die Begehung einer vorsätzlichen Körperverletzung, der das Risiko eines tödlichen Ausgangs anhaftet, sofern sich das der Handlung eigentümliche Risiko im Eintritt des Todes des Angegriffenen verwirklicht und dem Täter hinsichtlich der Verursachung des Todes zumindest Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist (BGHSt 31, 96, 98; BGH NStZ 2001, 478 f.; BGHR StGB § 226, Todesfolge 9 und 12.), liegen vor.
Dies gilt sowohl für die gegen den Kopf geführten Schläge als auch für die gegen den Kopf geführten Tritte, da Verletzungen des Kopfes das Risiko eines tödlichen Ausgangs in sich bergen (vgl. hierzu BGHR StGB § 226, Todesfolge 9).
Verübt der Täter eine Körperverletzung, die erkennbar todesursächlich sein kann, muss er sich untypische medizinische Folgen zurechnen lassen, soweit diese nicht außerhalb jeglicher Lebenserfahrung liegt (BGHR StGB § 226, Todesfolge 9 "medizinische Rarität" und 12 "psychogener Tod").
Seine Vorhersehbarkeit braucht sich nicht auf alle Einzelheiten des zum Tode führenden Geschehensablaufs zu erstrecken, insbesondere nicht auf die durch die Gewalthandlungen ausgelösten im einzelnen ohnehin nicht einschätzbaren somatischen und psychischen Vorgänge, die den Tod schließlich herbeigeführt haben (vgl. BGHR StGB § 226 Todesfolge 9 - "medizinische Rarität").
Hierfür reicht es aus, dass der Erfolg nicht außerhalb aller Lebenswahrscheinlichkeit liegt; alle konkreten Einzelheiten brauchen dabei nicht voraussehbar sein; es genügt die Vorhersehbarkeit des Erfolgs im Allgemeinen (BGH, Urteil vom 30.6.1982 - 2 StR 226/82 = BGHSt 31, 96, 101 [BGH 30.06.1982 - 2 StR 226/82] - "Hochsitz-Fall"; BGH, Urteil vom 24.1.1995 - 1 StR 707/94 , NStZ 1995, 287 - "medizinische Rarität-Fall"; BGH, Urteil vom 9.10.2002 - 5 StR 42/02 , StraFo 2003, 23, 25 - "Gubener-Hetzjagdt-Fall").
Die leichte Alkoholisierung des Angeklagten ändert hieran nichts (vgl. BGH, Urteil vom 24.1.1995 - 1 StR 707/94 , NStZ 1995, 287; BGH, Beschl. vom 26.2.2003 - 5 StR 27/03 ).
Deshalb liegt es fern, daß das Herzversagen gerade im unmittelbaren Anschluß an die massive Gewaltanwendung des Angeklagten allein aufgrund des vorhandenen Krankheitsbildes zur Tatzeit eingetreten sei (vgl. Senatsurteil NStZ 1997, 341; BGHR StGB § 226 Todesfolge 9 - "medizinische Rarität" ).

References: § 226
 § 226
 § 227
 BGH 
 § 226
 § 226
 § 226
 § 226
 § 226