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Timestamp: 2019-11-21 20:56:47+00:00

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Wem gehört das Erbe? (Erbrecht) - frag-einen-anwalt.de
Wem gehört das Erbe?
13.12.2014 13:14 |
vor fast genau 3 Jahren ist mein Schwiegervater gestorben. Er hat, wie viele Ältere Menschen einiges an Geld gespart. Da er plötzlich gestorben ist, gab es kein Testament und auch seine Frau ( meine Schwiegermutter) kannte seinen Willen nicht.
Somit wurde jeder der Erben (meine Schwiegermutter, und die erwachsenen 5 Kinder) angeschrieben von einem, wie sagt man Erbverwalter, und es wurde offen gelegt welche Geldbeträge zur Erbmasse gehören.
Jedem wurde eine Frist eingeräumt, um seinen Erbanteil einzufodern oder geltend zu machen.
Da dies niemand getan hat, ging das ganze Geld, bzw. Erbe an die Mutter (Witwe).
Nun ist die Schwiegermutter auch schon 84 Jahre und nun fangen die "Aasgeier" wenn ich das so sagen darf, an mit kreisen.
Von einem Sohn wurde der Mutter eingeredet, das ihr nur einen Teil des Geldes gehöre und der andere Teil gehört ihren Kindern und darüber kann sie sozusagen nicht verfügen.
Daher meine Frage: Ist das so? Ich dachte, das dadurch, das keines der Kinder seinen Erbteil nach dem Tod des Vaters eingefordert hat, der Mutter alles Geld gehört. Sie folglich über alles Geld in vollem Umfang verfügen kann und wenn sie möchte es noch vor ihrem Tode ausgeben kann. Ohne das sie eines ihrer Kinder fragen muss, oder für diese etwas, bzw. den Erbteil "übrig" lassen muss.
Vielen Dank für die Hilfe schon einmal im Vorraus!
Erbengemeinschaft Erbengemeinschaft BGB
Diese Antwort ist vom 13.12.2014 und möglicherweise veraltet. Stellen Sie jetzt Ihre aktuelle Frage und bekommen Sie eine rechtsverbindliche Antwort von einem Rechtsanwalt.
Ihre aufgeworfenen (Rechts-)Fragen möchte ich anhand des dargestellten Sachverhaltes wie folgt beantworten.
Im grundlegenden möchte ich Ihre Frage: "Ist das so?" mit Ja beantworten, jedoch ist auch ein aber hinzuzufügen.
Mit dem Ableben Ihres Schwiegervaters wurden dessen gesetzliche Erben die Erben seines positiven ud negativen Vermögens (§ 1922 BGB), soweit wie Sie es dargestellt haben, keine Verfügung von Todes wegen existiert.
Nach den §§ 1924, 1931 und 1371 BGB zählen dazu die Abkömmlinge (Kinder) und die Ehefrau des Verstorbenen. Diese bilden die Erbengemeinschaft und sind jeweils Eigentümer über alles, begrenzt durch das gleichrangige Recht des jeweiligen Miterben in gleicher Art und Weise.
Diese Erbengemeinschaft kann durch die Erklärung eines Miterben aufgelöst werden, dazu muss der Nachlass teilbar gemacht werden. Jedoch müssen vor der Auseinandersetzung die Verbindlichkeiten des Nachlasses bedient werden, erst der Rest kann unter den Miterben nach den jeweiligen Quoten aufgeteilt werden.
In dem von Ihnen beschriebenen Fall entfallen auf die 6 Beteiligten folgende Erbquoten. Die Ehefrau erbt nach § 1931 I BGB neben den Abkömmlingen 1/4 und ein weiteres 1/4 als pauschaler Zugewinnanteil, soweit die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt haben. Das übrige 1/2 teilt sich zu gleichen Teilen insoweit auf die Kinder des Erblassers auf.
Nun ist es aus rechtlicher Sicht tatsächlich so, dass die Mutter eigentlich nicht allein darüber entscheiden darf, was insbesondere mit dem Geld passiert. Aber der Faktische Umstand hat imenses Gewicht, so dass weg unter Umständen tatsächlich weg sein kann. Die Mutter könnte sich gegenüber der Erbengemeinschaft darüber Schadensersatzpflichtig machen, aber auch dieser Anspruch müsste von mindestens einem Miterben zugunsten der Erbengemeinschaft geltend gemacht werden.
Ein Einfordern eines Erbes ist indes nicht notwendig, da die Erbenstellung allein aufgrund gesetzlicher Regelung entsteht. Nach § 1942 BGB geht die Erbschaft auf die Erben über. Soweit die nach § 1944 BGB die 6-wöchige Frist zur Ausschlagung verstrichen ist, gilt die Erbschaft als angenommen. Was wohl hier auch so passiert ist, so dass die 6 gesetzlichen Erben hier eine Erbengemeinschaft bilden.
Ich hoffe Ihre Fragen hinreichend beantwortet zu haben und verbleibe
RA Andreas Wehle /Aachen
Nachfrage vom Fragesteller	14.12.2014 | 22:54
Guten Abend Herr Wehle,
dann versteh ich das richtig, dass meine Schwiegermutter folglich niemanden, weder einen Einzelnen noch Alle, enterben kann, in dem Sie alles Geld z.B. spendet oder jemanden zuspricht? Dies kann sie nur mir ihrem Teil des Erbes machen, der gesetzliche Anteil ist jedem Kind sicher, oder meine Schwiegermutter macht sich strafbar?
Ich dachte immer, das dadurch, das keines der Kinder sein Erbteil vor 3 Jahren eingefordert hat, die Witwe also meine Schwiegermutter allein über dieses Erbe verfügen kann!
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.12.2014 | 11:56
gern beantworte ich Ihre Nachfrage.
Ihre Schwiegermutter macht sich indes grundsätzlich nicht strafbar UND sie darf über ihr Vermögen frei bestimmen, auch soweit es sich um nicht auseinandergesetztes Vermögen innerhalb der Erbengemeinschaft handelt. Hier würden die Erben der Schwiegermutter in die Erbengemeinschaft mit den Kindern entsprechend eintreten.
Enterben von Abkömmlingen gestaltet sich unter der Maßgabe des § 2339 BGB eher schwierig, so dass zumindest den in § 2303 BGB genannten Personen ein Pflichtteil in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils zusteht. Dies ist ein schuldrechtlicher Anspruch gegen den Nachlass und unterliegt der regelmäßigen Verjährung von 3 Jahren nach Ablauf des Jahres in dem der Anspruch entstanden ist.
Im Übrigen verjähren Erbansprüche nach § 197 BGB nach 30 Jahren.
Soweit Ihre Schwiegermutter über das Nachlassvermögen ohne Zustimmung oder Genehmigung der übrigen Miterben verfügt, macht sie sich gegenüber der Erbengemeinschaft schadensersatzpflichtig.
Ich hoffe Ihre Fragen hinreichend beantwortet zu haben. Gern stehe ich Ihnen auch außerhalb dieses Portals für Fragen oder im Rahmen einer Beauftragung zur Verfügung.
RA A. Wehle
Rechtsawalt /Aachen
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References: § 1931
 § 1942
 § 1944
 § 2339
 § 2303
 § 197