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Timestamp: 2020-01-28 16:37:31+00:00

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BGH, 04.05.1981 - II ZR 193/80 - dejure.org
https://dejure.org/1981,376
BGH, 04.05.1981 - II ZR 193/80 (https://dejure.org/1981,376)
BGH, Entscheidung vom 04.05.1981 - II ZR 193/80 (https://dejure.org/1981,376)
BGH, Entscheidung vom 04. Mai 1981 - II ZR 193/80 (https://dejure.org/1981,376)
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Keine Haftung des Gesellschafter-Geschäftsführers einer Einmann-GmbH aus Verschulden bei Vertragsverhandlungen für unrichtige Angaben in einem Werbeprospekt über Londoner Warenterminoptionen
Einmann-GmbH - culpa in contrahendo - Gesellschafter - Geschäftsführer - Haftung - Voraussetzungen - Unrichtiger Prospektinhalt - Werbung im allgemeinen Geschäftsverkehr
Durchgriffshaftung, Ein-Mann-Gesellschaft, Ein-Personen-Gesellschaft, Haftungsdurchgriff Gesellschafter, Vermögenstrennung
NJW 1981, 2810
ZIP 1981, 1076
MDR 1982, 207
WM 1981, 1021
Der erkennende Senat hat bereits in einem Urteil vom 4. Mai 1981 (II ZR 193/80, ZIP 1981, 1076.1077) die Eigenschaft als Alleingesellschafter der am Vertrag beteiligten GmbH zur Begründung der persönlichen Haftung des Geschäftsführers nicht genügen lassen.
Im Gegensatz dazu trifft u.a. die Geschäftsleiter einer kapitalsuchenden Anlagegesellschaft, wie schon dargelegt, eine Informationspflicht gegenüber Anlageinteressenten, welche nicht eine Leistung der Gesellschaft in Anspruch nehmen, sondern ihr Kapital gewinnbringend investieren wollen (zu der Unterscheidung vgl. Sen.Urt. v. 4. Mai 1981 - II ZR 193/80, WM 1981, 1021).
Diese Grundsätze gelten gleichermaßen für den eine GmbH vertretenden Geschäftsführer (BGHZ 87, 27 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81]; BGH, Urt. v. 4. Mai 1981 - II ZR 193/80, ZIP 1981, 1076, 1077;… Urt. v. 27. Oktober 1982 - VIII ZR 187/81, ZIP 1982, 1435, 1436;… Urt. v. 23. Oktober 1985 - VIII ZR 210/84, aaO;… Urt. v. 3. Oktober 1987 - IX ZR 143/86, WM 1987, 1431, 1432;… Urt. v. 2. März 1988 - VIII ZR 380/86, ZIP 1988, 505 = BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - Vertreterhaftung 2;… Urt. v. 5. Oktober 1988 - VIII ZR 325/87, ZIP 1988, 1543 = BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - Vertreterhaftung 3;… Urt. v. 3. Oktober 1989 - XI ZR 157/88, ZIP 1989, 1455, 1457 = BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - GmbH-Geschäftsführer 1;… Urt. v. 19. Februar 1990 - II ZR 41/89, BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - Vertreterhaftung 5).
Denn die Beteiligung des Geschäftsführers und Gesellschafters einer GmbH an der von ihm vertretenen Gesellschaft reicht allein nicht aus, um seine Haftung aus Verhandlungsverschulden wegen unmittelbaren wirtschaftlichen Eigeninteresses zu begründen (BGH, Urt. v. 4. Mai 1981 - II ZR 193/80, aaO;… Urt. v. 25. Januar 1984 - VIII ZR 227/82, WM 1984, 475, 477;… Urt. v. 23. Oktober 1985 - VIII ZR 210/84, aaO unter Klarstellung der sich auf geschäftsführende Allein- oder Mehrheitsgesellschafter beziehenden Rechtsprechung, vgl. BGHZ 87, 27 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81] …und Urt. v. 27. Oktober 1982 - VIII ZR 187/81, aaO;… vgl. auch Urt. v. 3. Oktober 1989 - XI ZR 157/88, aaO).
BGH, 29.01.2009 - III ZR 74/08
Voraussetzungen einer Informationspflicht über Unrichtigkeiten des im Vertrieb …
Aus Verschulden bei Vertragsverhandlungen haftet daher insoweit, wer Vertragspartner ist oder werden soll oder - was hier allerdings von vornherein nicht in Betracht kommt - als ein für ihn auftretender Vertreter oder Beauftragter (Sachwalter) aufgetreten ist und dabei für seine Person Vertrauen in Anspruch genommen und die Vertragsverhandlungen beeinflusst hat (vgl. BGH, Urteil vom 4. Mai 1981 - II ZR 193/80 - WM 1981, 1021, 1022).
Ist ein Initiator oder Hintermann eines Kapitalanlagemodells nicht Vertragspartner des Anlegers und nimmt er nicht in besonderem Maße persönliches Vertrauen für sich in Anspruch, so kommen unter dem Gesichtspunkt der Prospekthaftung nur Ansprüche aus Prospekthaftung im engeren Sinne für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Prospektinhalts in Betracht (vgl. zu den Voraussetzungen der Prospekthaftung im engeren Sinne: BGHZ 71, 284, 286 ff.; 72, 382, 384 ff., 77, 172, 175 ff.; 79, 337, 340 ff.; 145, 187, 196; BGH, Urteil vom 1. Dezember 1994 - III ZR 93/93, WM 1995, 344, 345; zu deren Anwendungsbereich: BGHZ 111, 314, 316 ff.; 115, 213, 218 f.; 123, 106, 109; 145, 121, 125 f.; BGH, Urteil vom 4. Mai 1981 - II ZR 193/80, WM 1981, 1021, 1022).
Das Berufungsgericht lehnt eine Heranziehung des Instituts der Prospekthaftung für Geldanlagen im Devisen- und Warentermingeschäft ab mit der Begründung, ein praktisches Bedürfnis sei hierfür nicht gegeben (im Ergebnis ebenso: BGH, Urteil vom 4. Mai 1981 - II ZR 193/80 - NJW 1981, 2810).
Für die fünfjährige Verjährungsfrist des § 47 BörsG spricht, daß der gemäß § 45 BörsG haftende Personenkreis, nämlich diejenigen, die den Prospekt erlassen haben oder von denen dessen Erlaß ausgeht, demjenigen ähnlich ist, den auch der Senat aufgrund des typisierten Vertrauens für falsche oder fehlende, zur vollständigen Information aber erforderliche Prospektangaben haften läßt (vgl. SenUrt. v. 4.5.81 - II ZR 193/80, WM 1981, 1021, 1022).
Sie auf Ansprüche gegen Vertreter, Sachwalter oder sogar Garanten auszudehnen, die mit dem Anlage-Interessenten unter Inanspruchnahme persönlichen Vertrauens oder aus eigenen wirtschaftlichen Interessen verhandeln und deshalb schon nach bisheriger ständiger Rechtsprechung für Verhandlungsverschulden gehaftet haben (vgl. SenUrt. v. 4.5.81 - II ZR 193/80, WM 1981, 1021, 1022, m.w.N.), besteht selbst dann kein Grund, wenn sie über den Beitritt unter Verwendung von Prospekten verhandelt haben.
b) Sowohl der erkennende Senat (Urteile vom 19. Dezember 1962 - VIII ZR 216/61 = WM 1963, 160, 161; vom 27. Oktober 1982 - VIII ZR 187/81 = WM 1982, 1322 f. und BGHZ 87, 27, 32 f.; für die KG vgl. Urteil vom 25. Januar 1984 - VIII ZR 227/82 = WM 1984, 475, 477) als auch andere Senate den Bundesgerichtshofs (Urteile vom 3. November 1976 - I ZR 156/74 = WM 1977, 73, 75 f.; vom 5. Juli 1977 - VI ZR 268/75 = VersR 1978, 59, 60; vom 4. Mai 1981 - II ZR 193/80 = WM 1981, 1021, 1022; vgl. auch BAG, AP GmbHG § 13 Nr. 1) haben diesen Grundsatz - je nach Sachlage mit unterschiedlichem Ergebnis - auch in Fällen angewendet, in denen es um die Vertreterhaftung von (Allein-) Gesellschaftern und/oder (Allein-) Geschäftsführern einer GmbH ging.
Der Revision ist zwar einzuräumen, daß der II. Zivilsenat, der den Grundsatz der Haftung des Vertreters bei Eigeninteresse, soweit ersichtlich, erstmals auf einen (dort allerdings offenbar rechtsgeschäftlich bevollmächtigten) Vertreter einer GmbH übertragen (…Urteil vom 4. Dezember 1958 aaO.) und ihn auch später noch mehrfach bekräftigt hat (Urteil vom 4. Mai 1981 - II ZR 193/80 = WM 1981, 1021, 1022; für die KG vgl. Urteil vom 14. Dezember 1972 - II ZR 82/70 = LM HGB § 132 Nr. 3), in einigen jüngeren Entscheidungen nur noch den Fall der Eigenhaftung wegen Inanspruchnahme besonderen Verhandlungsvertrauens erwähnt (z.B. Urteile vom 14. November 1983 - II ZR 184/82 = WM 1984, 127, 128; vom 28. November 1983 - II ZR 72/83 = WM 1984, 221; vom 2. April 1984 - II ZR 122/83 = WM 1984, 766; vom 17. Mai 1984 - II ZR 275/83 und 199/83 = WM 1984, 960, 961; vom 21. Mai 1984 - II ZR 83/84 = WM 1984, 889), wobei es um die Haftung des G e s c h ä f t s f ü h r e r s oder eines Angestellten oder selbständigen Handelsvertreters einer GmbH für die Verletzung von Aufklärungspflichten beim Vertrieb von Warenterminoptionen ging und der Vertreter k e i n e n maßgeblichen Einfluß auf die Vertragsverhandlungen genommen hatte (dazu auch Bundschuh, WM 1985, 249, 251).
BGH, 04.07.1983 - II ZR 220/82
BGH, 14.01.1985 - II ZR 41/84
Verlustbeteiligung an Immobilienfonds infolge unrichtiger Prospektangaben - …
BGH, 25.06.2009 - III ZR 222/08
Anforderungen an die Risikoaufklärung im Prospekt eines Medienfonds; …
BGH, 01.10.1984 - II ZR 158/84
Haftung der Gründerkommanditisten einer Publikums-KG für unrichtige …
BGH, 25.06.2009 - III ZR 223/08
BGH, 18.04.1983 - II ZR 192/82
Schadensersatz auf Grund eines Verlustes bei einem Warenterminoptionsgeschäfts
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Wegfall der Geschäftsgrundlage bei Wegfall der Steuerbefreiung der Zinserträge …
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Voraussetzungen der Vertrauenshaftung der Bank eines Medienfonds
BGH, 29.01.2009 - III ZR 99/08
BGH, 17.12.1984 - II ZR 314/83
Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit bei Abschluß eines (gegenseitigen) …
BGH, 25.09.1985 - IVa ZR 237/83
Schadensersatz wegen unrichtiger Angaben in einem Werbeprospekt für Aktien einer …
BGH, 17.05.1982 - II ZR 9/82
BGH, 01.12.1986 - II ZR 57/86
Verschulden bei Vertragsschluss wegen Verletzung einer vorvertraglichen …
BGH, 07.07.1986 - II ZR 6/86
Haftung für Verschulden bei Vertragsschluss wegen Verletzung einer …
BGH, 11.10.1982 - II ZR 120/82
Geltendmachung eines Schadensersatzanspruches - Prämienzahlungen für den Erwerb …
BGH, 07.02.1983 - II ZR 285/81
Anspruch auf Schadensersatz bei Missbrauch der geschäftlichen Überlegenheit - …
BGH, 02.04.1984 - II ZR 122/83
Vertreter- und Vertrauenshaftung - Warenterminoptionen - Zuverlässigkeit des …
OLG Koblenz, 05.04.2001 - 5 U 1380/00
Haftung eines Anlagevermittlers aus einem Anlagegeschäft; Handeln in eigenem oder …
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Anspruch auf Schadensersatz wegen schuldhafter Verletzung einer vorvertraglichen …
BGH, 04.02.1985 - II ZR 229/84
Verjährung eines Schadensersatzanspruchs aus Prospekthaftung - Haftung eines für …
BGH, 10.10.1983 - II ZR 250/82
Verkauf von Rohstoffoption nach Werbung über einen Prospekt ohne Aufklärung über …
OLG Frankfurt, 25.08.1997 - 12 U 113/96
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Vertreter- und Vertrauenshaftung - Warenterminoptionsgeschäfte - Fehlerhafte …
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BGH, 02.04.1984 - II ZR 125/83
BGH, 02.04.1984 - II ZR 124/83

References: § 1
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 § 1
 § 1
 § 47
 § 45
 § 13
 § 132