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Timestamp: 2016-10-26 15:29:40+00:00

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139 V 34645. Auszug aus dem Urteil der I. sozialrechtlichen Abteilung i.S. IV-Stelle des Kantons Aargau gegen H. (Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten)
Art. 4 et 28 al. 2 LAI; art. 6, 7 et 8 LPGA; fatigue li�e au cancer (Cancer-related Fatigue). Les principes concernant le caract�re surmontable de la douleur au sens de la jurisprudence relative aux troubles somatoformes douloureux, expos�e � l'arr�t ATF 130 V 352, ne sont pas applicables par analogie pour trancher la question des effets invalidants d'une Cancer-related Fatigue (consid. 3). Consid�rants � partir de page 346
2. Der Geltungsbereich der zun�chst auf die somatoforme Schmerzst�rung (ICD-10 F45.4) bezogenen Rechtsprechung nach BGE 130 V 352 wurde sukzessive auf weitere pathogenetisch-�tiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder ausgedehnt. Zun�chst wurde die Fibromyalgie (ICD-10 M79.0) unterstellt (BGE 132 V 65), sodann die dissoziative Sensibilit�ts- und Empfindungsst�rung (ICD-10 F44.6; SVR 2007 IV Nr. 45 S. 149, I 9/07 E. 4), das chronische BGE 139 V 346 S. 347M�digkeitssyndrom (CFS) und die Neurasthenie (SVR 2011 IV Nr. 26 S. 73, 9C_662/2009 E. 2.3; SVR 2011 IV Nr. 17 S. 44, 9C_98/2010 E. 2.2.2; Urteil I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5), die Folgen von milden Verletzungen der Halswirbels�ule ("Schleudertrauma"; BGE 136 V 279) sowie die nichtorganische Hypersomnie (BGE 137 V 64).
3. 3.1 Die Beschwerde f�hrende IV-Stelle vertritt die Auffassung, die invalidisierende Wirkung des von den Gutachtern diagnostizierten Leidens einer tumorassoziierten Fatigue (Cancer-related Fatigue [CrF]) beurteile sich - entgegen den Erw�gungen der Vorinstanz - sinngem�ss nach der Rechtsprechung zu den anhaltenden somatoformen Schmerzst�rungen und sei im Lichte der dort herangezogenen Kriterien zu verneinen.
3.2 Krebsbedingte Fatigue ist ein multidimensionales Syndrom, unter dem die Mehrheit der Krebspatientinnen und -patienten w�hrend der Therapie leidet. Die CrF kann viele Jahre nach Therapieabschluss andauern und wird durch physische, psychologische und auch soziale Faktoren beeinflusst. Alle Erkl�rungsmodelle zur Ursache und Entstehung von M�digkeits- und Ersch�pfungssyndromen gehen von komplexen und multikausalen Vorg�ngen aus. Bei der CrF k�nnen diese durch den Tumor bedingt oder Folge der Therapie, aber auch Ausdruck einer genetischen Disposition, begleitender somatischer oder psychischer Erkrankungen, wie auch verhaltens- oder umweltbedingter Faktoren sein. So besteht Evidenz f�r metabolische Ursachen, endokrinologische und neurophysiologische Ver�nderungen und Cytokine. Chemo- und radiotherapeutische Behandlungsschemata scheinen eine Rolle zu spielen, wobei der Toxizit�t der Behandlung selbst, wie auch der Akkumulation zerst�rter Tumorzellprodukte �tiologische Bedeutung zukommt. Diskutiert wird auch die These, dass die Energieanforderungen durch die Tumorerkrankung oder durch die Begleitsymptomatik einen Einfluss haben oder die m�glicherweise durch den Tumornekrosefaktor mitbedingte Verminderung der Skelettmuskelmasse eine Rolle spielen kann (BRUMMER/FLADUNG/CONNEMANN, Tumorassoziierte Fatigue, Onkologische Welt 5/2011 S. 223 ff.; HEIM/FEYER, Das tumorassoziierte Fatigue-Syndrom, Journal Onkologie 1/2011 S. 42-47). Es werden verschiedene pathophysiologische Faktoren diskutiert und bei der h�ufig stark verminderten k�rperlichen Leistungsf�higkeit als Ursachen vornehmlich Ver�nderungen in kortikalen und spinalen Zentren der Sensomotorik wie auch solche des muskul�ren BGE 139 V 346 S. 348Erregungs- und Energiestoffwechsels beschrieben (HORNEBER UND ANDERE, Tumor-assoziierte Fatigue, Epidemiologie, Pathogenese, Diagnostik und Therapie, Deutsches �rzteblatt, 109 9/2012 S. 161-171).
3.3 Ursachen und Entstehung der CrF sind demnach nach derzeitigem Forschungsstand nicht ganz gekl�rt. Es besteht in der medizinischen Fachwelt aber Einigkeit dar�ber, dass sie komplex sind und, wie dargelegt, somatische, emotionale, kognitive und psychosoziale Faktoren zusammenspielen. Die CrF kann - auch wenn zugrunde liegende internistische oder psychiatrische Erkrankungen behandelt worden sind - in 30 bis 40 % noch l�ngere Zeit nach Therapieabschluss andauern. Diese (hier vorliegende) chronische Fatigue wird in Zusammenhang gebracht mit der Krankheitsverarbeitung oder langfristigen Anpassungsproblemen. Sie wird aber auch als m�gliche Sp�tfolge der Therapie im Bereich von St�rungen des Stoffwechsels oder der psychovegetativen Selbstregulation des K�rpers gesehen.
3.4 Definitionsbedingt tritt diese Form der Fatigue zwingend in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung auf. Ein Hinweis auf die Einordnung in die somatoformen St�rungen findet sich in der medizinischen Literatur nicht. Damit grenzt sich die tumorassoziierte Fatigue auch klar vom Chronic Fatigue Syndrome (CFS; ICD-10 G93.3) als eigenst�ndiges Krankheitsbild ab, wenngleich die CrF noch nicht als eigene Krankheitsentit�t Eingang in die ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) gefunden hat. Es bestehen aber von der Fatigue-Coalition definierte Diagnosekriterien analog zu ICD-10-Kriterien (HEIM/FEYER, a.a.O., S. 42).
art. 6, 7 et 8 LPGA

References: Art. 4
 art. 6
 BGE 
 BGE 
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art. 6