Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Eingruppierung_AiP_LAG-Rheinland-Pfalz_9Sa114-08.html
Timestamp: 2017-01-23 14:38:56+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 9 Sa 114/08
Eingruppierung, Oberarzt: Eingruppierung, TV-Ärzte
9 Sa 114/08
Zei­ten als AiP sind nach § 16 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te als "Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit" im Ta­rif­sin­ne bei der Stu­fen­ord­nung im Sin­ne des § 16 Abs. 1 TV-Ärz­te zu berück­sich­ti­gen.
Ak­ten­zei­chen:9 Sa 114/083 Ca 1352/07ArbG MainzUr­teil vom 22.08.2008
1. Die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz vom 31.01.2008, Az.: 3 Ca 1352/07, wird auf Kos­ten des Lan­des zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um die ta­rif­ge­rech­te Ein­grup­pie­rung der Kläge­rin nach dem Ta­rif­ver­trag für Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­sitätskli­ni­ken vom 30.10.2006 (TV-Ärz­te) . Hier­bei ist zwi­schen ih­nen in recht­li­cher Hin­sicht strei­tig, ob im Rah­men der Überführung des Ar­beits­verhält­nis­ses vom Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag in den TV-Ärz­te die von der Kläge­rin ab­sol­vier­te Zeit als Ärz­tin im Prak­ti­kum (AiP) für die Stu­fen­zu­ord­nung im Rah­men der Ein­grup­pie­rung in das Ent­gelt­sys­tem des TV-Ärz­te nach § 16 Abs. 2 TV-Ärz­te zu berück­sich­ti­gen ist.
Die Kläge­rin ist auf­grund des Ar­beits­ver­trags vom 29. Au­gust 2005 seit dem 01. Sep­tem­ber 2005 bei dem be­klag­ten Land als Ärz­tin in der Wei­ter­bil­dung zur Fachärz­tin für Anästhe­sio­lo­gie in der Kli­nik für Anästhe­sio­lo­gie der Z beschäftigt.
Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­den seit dem 01. No­vem­ber 2006 der TV-Ärz­te und der Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­sitätskli­ni­ken vom 30. Ok­to­ber 2006 (TVÜ-Ärz­te) An­wen­dung.
Be­vor die Kläge­rin ih­re Tätig­keit bei dem be­klag­ten Land auf­nahm, ar­bei­te­te sie in der Zeit vom 01. Ju­li 2002 bis 31. De­zem­ber 2002 als Ärz­tin im Prak­ti­kum in der Y in B-Stadt. An­sch­ließend ar­bei­te­te die Kläge­rin vom 01. Ja­nu­ar 2003 bis zum 07. Ja­nu­ar 2004 als Ärz­tin im Prak­ti­kum in der Ab­tei­lung für Anästhe­sie des X, B-Stadt.
Die Kläge­rin er­hielt die Ap­pro­ba­ti­on am 08.01.2004 und wur­de von die­sem Tag an bis zum 31. Au­gust 2005 als As­sis­tenzärz­tin in der Wei­ter­bil­dung im X Hos­pi­tal B-Stadt beschäftigt.
In der Zeit als Ärz­tin im Prak­ti­kum war die Kläge­rin ganztägig un­mit­tel­bar in der Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung tätig. In dem ihr von den Y im Ja­nu­ar 2003 er­teil­ten Zeug­nis wird bestätigt, dass die Kläge­rin bin­nen drei Mo­na­ten die Funk­ti­on ei­ner Sta­ti­onsärz­tin ausüben konn­te. Be­reits nach ei­nem Tag Ein­ar­bei­tung durch ei­nen fachärzt­li­chen Kol­le­gen über­nahm die Kläge­rin ei­ne Zwan­zig-Bet­ten-Sta­ti­on mit Pa­ti­en­ten im Al­ter von vier Mo­na­ten bis zwei Jah­ren. Nach ih­rem ers­ten Mo­nat als Ärz­tin im Prak­ti­kum wur­de die Kläge­rin im Be­reit­schafts­dienst ein­ge­setzt. In der Zeit von 17.00 Uhr bis 24.00 Uhr war die Kläge­rin hier­bei für al­le Sta­tio­nen des Hau­ses zuständig. Ab Mit­ter­nacht bis 04.00 Uhr mor­gens war die Kläge­rin so­dann die ein­zi­ge Ärz­tin der Am­bu­lanz. Sie hat­te al­le ärzt­li­chen Ent­schei­dun­gen selbstständig zu tref­fen, zum Bei­spiel, wel­che Pa­ti­en­ten sta­ti­onär zu be­han­deln wa­ren und wel­che wie­der nach Hau­se ge­schickt wer­den konn­ten oder wel­che Me­di­ka­ti­on zu ver­ab­rei­chen war. Es be­stand die Möglich­keit zur Rück­spra­che mit ap­pro­bier­ten Ärz­ten und Fachärz­ten im Hin­ter­grund­dienst. Dies ent­band die Kläge­rin in­des nicht, im We­sent­li­chen selbstständig zu ar­bei­ten und zu ent­schei­den. Nach dem Wech­sel in die Anästhe­sio­lo­gie des Y führ­te die Kläge­rin bin­nen kürzes­ter Zeit al­le gängi­gen Anästhe­sie­ver­fah­ren selbstständig durch.
Mit Schrei­ben vom 16.12.2006 mach­te die Kläge­rin ge­genüber dem be­klag­ten Land die Ein­stu­fung in Stu­fe 5 der Ent­gelt­grup­pe Ä 1 und Aus­zah­lung des Dif­fe­renz­be­tra­ges seit dem 01.07.2006 gel­tend.
Die Be­klag­te stuft die Kläge­rin in Ent­gelt­grup­pe Ä 1, Stu­fe 4 ein, un­ter Berück­sich­ti­gung der Beschäfti­gungs­zei­ten seit Er­halt ih­rer Ap­pro­ba­ti­on (08.01.2004) bei dem Y B-Stadt und bei der Be­klag­ten. Vom 01. Ju­li 2006 bis 31. Ok­to­ber 2006 zahl­te das be­klag­te Land der Kläge­rin ei­ne Zu­la­ge auf das BAT-Ge­halt in Höhe der Dif­fe­renz zu der sich nach der von ihr vor­ge­nom­me­nen Stu­fen­zu­ord­nung nach dem TV-Ärz­te er­ge­ben­den Vergütung.
Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich die An­sicht ver­tre­ten, die Zeit als Ärz­tin im Prak­ti­kum sei nach § 16 Abs. 2 Satz 1, je­den­falls aber nach § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-Ärz­te bei der Stu­fen­ord­nung zu berück­sich­ti­gen, während das be­klag­te Land die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, ei­ne Berück­sich­ti­gung der AiP-Zei­ten nach § 16 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te käme aus recht­li­chen Gründen ins­be­son­de­re des­halb nicht in Be­tracht, weil es sich bei der Tätig­keit als AiP man­gels Vol­l­ap­pro­ba­ti­on nicht um ei­ne ärzt­li­che Tätig­keit im Ta­rif­sin­ne ge­han­delt ha­be. Ei­ne Berück­sich­ti­gung die­ser Zei­ten nach § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-Ärz­te schei­de eben­falls aus Rechts­gründen, je­den­falls aber des­halb aus, weil im Rah­men der zu tref­fen­den Er­mes­sens­ent­schei­dung die an­ge­spann­te wirt­schaft­li­che La­ge des Kli­ni­kums ha­be berück­sich­tigt wer­den dürfen.
Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des un­strei­ti­gen Sach­ver­halts und des erst­in­stanz­li­chen Sach­vor­trags der Par­tei­en wird gem. § 69 Abs. 2 ArbGG Be­zug ge­nom­men auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Mainz 31.1.2008 – 3 Ca 1352/07- Bl. 308 ff. d.A.).
Durch das ge­nann­te Ur­teil hat das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, der Kläge­rin seit dem 1. Ju­li 2006 die Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe Ä 1, Stu­fe 5 des Ta­rif­ver­trags für Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­sitätskli­ni­ken vom 30. Ok­to­ber 2006 (TV-Ärz­te) in Höhe von 4.500,00 EUR zu zah­len. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt –zu­sam­men­ge­fasst- aus­geführt:
In An­wen­dung der für die Aus­le­gung von Ta­rif­verträgen gel­ten­den Aus­le­gungs­grundsätze ergäbe sich, dass Zei­ten als AiP bei der Stu­fen­zu­ord­nung nach § 16 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te zu berück­sich­ti­gen sei­en. So­weit der Wort­laut der ta­rif­li­chen Be­stim­mung auf „ärzt­li­che Tätig­keit“ ab­stel­le, sei nicht ein­deu­tig, ob sich dies aus­sch­ließlich auf ei­ne Tätig­keit nach Er­lan­gung der Vol­l­ap­pro­ba­ti­on oder auch auf ärzt­li­che Tätig­kei­ten als AiP be­zie­he. Je­den­falls wer­de ei­ne sol­che Aus­le­gung durch den Wort­laut nicht aus­ge­schlos­sen. Ein ein­deu­ti­ger Rück­schluss auf den wirk­li­chen Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des TV-Ärz­te sei eben­falls nicht möglich. Auch der Zu­sam­men­hang mit der Über­lei­tungs­norm des zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en am glei­chen Tag un­ter­zeich­ne­ten Ta­rif­ver­trags TVÜ-Ärz­te lässt ei­nen ein­deu­ti­gen Rück­schluss auf den In­halt der An­rech­nungs­norm nicht zu. Aus § 5 Satz 1, 2 TVÜ-Ärz­te fol­ge, dass bei neu ein­ge­stell­ten Ärz­ten für den An­wen­dungs­be­reich des Ab­sat­zes 2 des § 16 TV-Ärz­te der Zeit­raum vor In­kraft­tre­ten des Ta­rif­ver­tra­ges und, so­fern die Aus­le­gung dies zulässt, vor Er­halt der Vol­l­ap­pro­ba­ti­on ver­blei­be. Für die von der Kläge­rin ver­tre­te­ne Aus­le­gung spre­che aber Auf­bau und sys­te­ma­ti­scher Zu­sam­men­hang der Absätze 1 und 2 des § 16 TV-Ärz­te. die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TV-Ärz­te.
Wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für die An­rech­nungs­norm des § 16 Ab­satz 2 Satz 1 als Vor­aus­set­zung "Zei­ten mit ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung" nor­mier­ten und durch die Ver­wen­dung des Be­griffs "ärzt­li­che Tätig­keit" in der Über­schrift klar­ge­stellt hätten, dass sie die­ses syn­onym mit ärzt­li­cher Tätig­keit be­trach­ten, wer­de ei­ne Gleich­set­zung mit dem Arzt­be­griff im Sin­ne des Me­di­zi­nal­rechts nicht her­ge­stellt. An­ders als die For­mu­lie­rung in Ab­satz 1 des § 16 und die­je­ni­ge in VergGr Ib Fall­grup­pe 7 des Ta­rif­ver­tra­ges zur Ände­rung und Ergänzung der An­la­ge 1a zum BAT/ VKA (Ärz­te, Apo­the­ker, Tierärz­te, Zahnärz­te) vom 23. Fe­bru­ar 1972 ent­hal­te die For­mu­lie­rung ei­nen stärke­ren Tätig­keits­be­zug und be­to­ne dem­ge­genüber nicht ei­ne be­stimm­te Be­rufs­be­zeich­nung und die dar­an ge­knüpften Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen. Die der Recht­spre­chung des BAG (25.9.1996 -4 AZR 200/95- AP Nr. 218 zu § 22 BAT) im Rah­men der Ein­grup­pie­rung nach Maßga­be des BAT zen­tral zu­grun­de lie­gen­de Erwägung, die Ver­wen­dung des Dop­pel­be­griffs „Arzt mit ärzt­li­cher Tätig­keit" be­gründe ei­ne Syn­ony­mität bei­der Be­grif­fe, träfe da­mit auf § 16 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te ge­ra­de nicht zu. Maßgeb­lich sei des­halb ei­ne tätig­keits­be­zo­ge­ne Be­trach­tung und die Fra­ge, ob die Zeit als Arzt im Prak­ti­kum als Zeit mit ein­schlägi­ger - ärzt­li­cher - Be­rufs­er­fah­rung im Ta­rif­sinn zu qua­li­fi­zie­ren ist. Hierfür spre­che der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch wie auch der Sprach­ge­brauch im Rechts­sin­ne. Auch ei­nem Arzt im Prak­ti­kum würden ärzt­li­che Tätig­kei­ten über­tra­gen, die die Kläge­rin im Sin­ne ei­ner Ver­sor­gung von Pa­ti­en­ten wie ei­ne As­sis­tenzärz­tin auch un­strei­tig aus­geübt ha­be. Die­ser Aus­le­gung ste­he nicht ent­ge­gen, dass § 16 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te auf das Er­for­der­nis ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung ab­stel­le, was den Be­griff des Be­rufs vor­aus­set­ze.Bei der Zeit als Arzt im Prak­ti­kum ha­be es sich um die be­ruf­li­che Pra­xis­pha­se nach er­folg­rei­chem Ab­schluss sämt­li­cher ärzt­li­cher Prüfun­gen oh­ne er­neu­te Prüfung ge­han­delt. Die­se Aus­le­gung wer­de auch da­durch bestätigt, dass in der Zeit als Arzt im Prak­ti­kum be­reits als Wei­ter­bil­dungs­zei­ten an­zu­er­ken­nen­de Zei­ten im Sin­ne der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung der Ärz­te­kam­mer Rhein­land-Pfalz für die Fach­arzt­aus­bil­dung ent­hal­ten sein konn­ten. Die ärzt­li­che Wei­ter­bil­dung set­ze aber ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Be­rufs­aus­bil­dung vor­aus. Die­se Aus­le­gung ver­die­ne auch nach Sinn und Zweck der Re­ge­lung den Vor­zug, da er­kenn­bar be­ab­sich­tigt sei, die höhe­re Leis­tungsfähig­keit und Kom­pe­tenz des Arz­tes zu ho­no­rie­ren, weil we­ni­ger An­lei­tungs- und An­wei­sungs­auf­wand so­wie Kon­troll­er­for­der­nis be­steht. Dies gel­te um­so mehr, als in § 16 Abs. 2 Satz 2 so­gar Zei­ten nicht ärzt­li­cher Tätig­keit Berück­sich­ti­gung fin­den können.
Dar­auf, ob Zei­ten als AiP ggfs. nach § 16 Abs. 2 Satz 2TV-Ärz­te zu berück­sich­ti­gen sei­en, käme es da­her nicht mehr an.
We­gen der Ein­zel­hei­ten der ausführ­li­chen erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dungs­bgründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (Bl. 313 ff. d.A.) Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen die­ses ihm am 12. Fe­bru­ar 2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat das be­klag­te Land mit ei­nem am 27. Fe­bru­ar 2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se in­ner­halb der mit Be­schluss vom 14. April 2008 bis zum 14. Mai 2008 verlänger­ten Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am 14. Mai 2008 be­gründet.
Das be­klag­te Land macht nach Maßga­be des Schrift­sat­zes vom 14.5.2008, auf den we­gen der Ein­zel­hei­ten Be­zug ge­nom­men wird (Bl. 364 ff. d.A.), zur Be­gründung der Be­ru­fung im We­sent­li­chen und zu­sam­men­ge­fasst gel­tend:
Die Ta­rif­aus­le­gung des Ar­beits­ge­richts sei un­zu­tref­fend. Es sei be­reits zwei­fel­haft, ob AiP-Zei­ten dem Wort­laut nach als Zei­ten „ärzt­li­cher Tätig­keit“ im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch ge­fasst wer­den könn­ten. Durch den Zu­satz „im Prak­ti­kum“ wer­de deut­lich, dass es sich noch nicht um ei­nen voll­wer­ti­gen Arzt han­de­le. Im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch wer­de als Arzt nur ein sol­cher mit Vol­l­ap­pro­ba­ti­on ver­stan­den. Auch un­ter Berück­sich­ti­gung des maßgeb­li­chen Sinns der Be­grif­fe „ärzt­li­che Tätig­keit“ sei ei­ne Ein­be­zie­hung von AiP-Zei­ten als Aus­bil­dungs­zei­ten nicht ge­recht­fer­tigt, da der Ter­mi­nus „ärzt­li­che“ ei­ne Ab­gren­zung ge­genüber an­de­ren nichtärzt­li­chen Tätig­kei­ten im Sin­ne des § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-Ärz­te ermögli­chen sol­le. Nach dem wirk­li­chen Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hätten die­se mit der Ver­wen­dung der Be­grif­fe „ärzt­li­che Tätig­keit“ al­lein den Be­griff des Arz­tes im Sin­ne des inländi­schen Me­di­zi­nal­rechts ver­wen­den wol­len. In Kennt­nis der Recht­spre­chung des BAG zur Berück­sich­ti­gung von AiP-Zei­ten im Rah­men der Ein­grup­pie­rung nach dem BAT hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en dar­an fest­ge­hal­ten, gleich­wohl den Be­griff „ärzt­li­che Tätig­kei­ten“ zu über­neh­men. Auch sei­en AiP-Zei­ten nicht sol­che „ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung“ im Ta­rif­sin­ne. Der Be­griff „Be­rufs­er­fah­rung“ be­din­ge, dass es sich um Er­fah­run­gen in ei­nem be­reits er­lang­ten Be­ruf han­de­le und nicht um sol­che im Rah­men ei­ner Aus­bil­dung.
Auch der Zu­sam­men­hang der bei­den Sätze des § 16 Abs. 2 TV-Ärz­te be­le­ge, dass es sich bei der „ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung“ nur um ei­ne sol­che nach er­folg­ter Vol­l­ap­pro­ba­ti­on han­deln könne. Die erst­in­stanz­li­che Be­gründung ver­ken­ne, dass Ärz­te im Prak­ti­kum nach den sei­ner­zeit maßgeb­li­chen me­di­zi­nal­recht­li­chen Be­stim­mun­gen an­de­re Tätig­kei­ten ge­leis­tet hätten und an­de­re Rech­te und Pflich­ten ge­habt hätten, als vol­l­ap­pro­bier­te Ärz­te. So­weit das Ar­beits­ge­richt ergänzend auf die Berück­sich­ti­gungsfähig­keit von AiP-Zei­ten im Rah­men der Wei­ter­bil­dung ab­stel­le, han­de­le es sich zum ei­nen in­so­weit um die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht bin­den­des be­rufsständi­sches Kam­mer­recht. Zum an­de­ren sei­en AiP-Zei­ten auch nach der rhein­land-pfälzi­schen Wei­ter­bil­dungs­ord­nung kei­nes­wegs oh­ne wei­te­res zu berück­sich­ti­gen. Sch­ließlich spre­che auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te für die vom Land ver­tre­te­ne Aus­le­gung, da sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ta­rif­re­ge­lun­gen ((§ 19 Abs. 2 TV-Ärz­te/VKA, § 51 Abs. 2 TVöD BT-K/VKA) ge­ra­de nicht auf ei­ne Ein­be­zie­hung der AiP-Zei­ten hätten ei­ni­gen können.
Auch ei­ne Berück­sich­ti­gung der AiP-Zei­ten im Rah­men ds § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-Ärz­te schei­de aus, da es sich man­gels Vol­l­ap­pro­ba­ti­on nicht um „Zei­ten von Be­rufs­er­fah­rung“ han­de­le. Un­abhängig da­von sei aber auch die Er­mes­sens­ent­schei­dung des Lan­des nicht zu be­an­stan­den, da be­rech­tig­ter­wei­se ei­ne wei­te­re fi­nan­zi­el­le Be­las­tung des Kli­ni­kums im Hin­blick auf des­sen de­fi­zitäre La­ge ha­be berück­sich­tigt wer­den dürfen und die­ses In­ter­es­se das fi­nan­zi­el­le Vergütungs­in­ter­es­se der Kläge­rin über­wie­ge.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz vom 31. Ja­nu­ar 2008, Az. 3 Ca 1352/07 ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Sie ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil nach Maßga­be ih­res Be­ru­fungs­er­wi­de­rungs­schrift­sat­zes vom 15. Ju­li 2008, auf den we­gen der Ein­zel­hei­ten Be­zug ge­nom­men wird (Bl. 389 ff. d.A.), als recht­lich zu­tref­fend.
Im Übri­gen wird ergänzend auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
I. Die Be­ru­fung des Be­klag­ten Lan­des ist zulässig. Das Rechts­mit­tel ist an sich statt­haft. Die Be­ru­fung wur­de auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet.
II. Die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt ist zu Recht und mit zu­tref­fen­der, sorgfälti­ger Be­gründung zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass das Be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, der Kläge­rin seit dem 1. Ju­li 2006 Vergütung nach Ent­gelt­grup­pe Ä 1, Stu­fe 5 des TV-Ärz­te in Höhe von 4.500 EUR brut­to zu zah­len. Die Be­ru­fungs­kam­mer folgt voll­umfäng­lich der Be­gründung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung und stellt dies hier­mit nach § 69 Abs. 2 ArbGG fest. Das Be­ru­fungs­vor­brin­gen recht­fer­tigt kei­ne ab­wei­chen­de recht­li­che Be­ur­tei­lung und ver­an­lasst le­dig­lich fol­gen­de ergänzen­de Ausführun­gen:
1. Die Par­tei­en ge­hen recht­lich zu­tref­fend und übe­rein­stim­mend da­von aus, dass in An­wen­dung der §§ 12, 16 Abs. 1 TV-Ärz­te, § 5 TVÜ-Ärz­te der Kläge­rin seit dem 1. Ju­li 2006 Vergütung nach Ent­gelt­grup­pe Ä 1 Stu­fe 5 des TV-Ärz­te in gel­tend ge­mach­ter Höhe zu zah­len ist, wenn die von der Kläge­rin ab­sol­vier­te Zeit als Ärz­tin im Prak­ti­kum nach § 16 Abs. 2 TV-Ärz­te als Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit zu wer­ten wäre. Die Aus­ein­an­der­set­zung der Par­tei­en kon­zen­triert sich da­mit auf die Fra­ge, wel­che der von ih­nen ver­tre­te­nen Aus­le­gun­gen in An­wen­dung der bei der Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils von Ta­rif­verträgen nach ständi­ger Recht­spre­chung des BAG (z.B. BAG 22.9.2005 -6 AZR 579/04- EzA § 1 TVG Aus­le­gung Nr. 42) an­zu­wen­den­den Aus­le­gungs­kri­te­ri­en zu­tref­fend ist.
So­weit für die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung von In­ter­es­se, ha­ben die maßgeb­li­chen ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen fol­gen­den Wort­laut:
§ 12 TV-Ärz­te
Ärz­te sind ent­spre­chend ih­rer nicht nur vorüber­ge­hend und zeit­lich min­des­tens zur Hälf­te aus­zuüben­den Tätig­keit wie folgt ein­grup­piert:
Ent­gelt­grup­pe: Ä1
Be­zeich­nung: Ärz­tin/Arzt mit ent­spre­chen­der Tätig­keit
Ent­gelt­grup­pe: Ä2
Be­zeich­nung: Fachärz­tin/Fach­arzt mit ent­spre­chen­der Tätig­keit
Ent­gelt­grup­pe: Ä3
Be­zeich­nung: Oberärz­tin/Ober­arzt
Ober­arzt ist der­je­ni­ge Arzt, dem die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik be­zie­hungs­wei­se Ab­tei­lung vom Ar­beit­ge­ber über­tra­gen wor­den ist.
Ober­arzt ist fer­ner der Fach­arzt in ei­ner durch den Ar­beit­ge­ber über­tra­ge­nen Spe­zi­al­funk­ti­on, für die die­ser ei­ne er­for­der­li­che ab­ge­schlos­se­ne Schwer­punkt- oder Zu­satz­wei­ter­bil­dung nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung for­dert.
Ent­gelt­grup­pe: Ä4
Be­zeich­nung: Fachärz­tin/Fach­arzt der/dem die ständi­ge Ver­tre­tung des lei­ten­den Arz­tes (Chef­arzt) vom Ar­beit­ge­ber über­tra­gen wor­den ist.
(Pro­to­kollerklärung: Ständi­ger Ver­tre­ter ist nur der Arzt, der den lei­ten­den Arzt in der Ge­samt­heit sei­ner Dienst­auf­ga­ben ver­tritt. Das Tätig­keits­merk­mal kann da­her in­ner­halb ei­ner Kli­nik nur von ei­ner Ärz­tin/ ei­nem Arzt erfüllt wer­den.)
Stu­fen der Ent­gelt­ta­bel­le
1. 1Die Ent­gelt­grup­pe Ä 1 um­fasst fünf Stu­fen; die Ent­gelt­grup­pen Ä 2 bis Ä 4 um­fas­sen drei Stu­fen. 2Die Ärz­te er­rei­chen die je­weils nächs­te Stu­fe nach den Zei­ten ärzt­li­cher (Ä 1), fachärzt­li­cher (Ä 2), oberärzt­li­cher (Ä 3) Tätig­keit be­zie­hungs­wei­se der Tätig­keit als ständi­ger Ver­tre­ter des lei­ten­den Arz­tes (Chef­arz­tes), die in den Ta­bel­len (An­la­gen A und B) an­ge­ge­ben sind.
2. 1Für die An­rech­nung von Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit gilt Fol­gen­des: Bei der Stu­fen­zu­ord­nung wer­den Zei­ten mit ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung als förder­li­che Zei­ten berück­sich­tigt. 2Zeiten von Be­rufs­er­fah­rung aus nichtärzt­li­cher Tätig­keit können berück­sich­tigt wer­den.
§ 5 TVÜ-Ärz­te
Stu­fen­zu­ord­nung der Ärz­te
Die Ärz­te wer­den der­je­ni­gen Stu­fe der Ent­gelt­grup­pe (§ 12 TV-Ärz­te) zu­ge­ord­net, die sie er­reicht hätten, wenn die Ent­gelt­ta­bel­le für Ärz­tin­nen und Ärz­te be­reits seit Be­ginn ih­rer Zu­gehörig­keit zu der für sie maßge­ben­den Ent­gelt­grup­pe ge­gol­ten hätte. Für die Stu­fen­fin­dung bei der Über­lei­tung zählen die Zei­ten im jet­zi­gen Ar­beits­verhält­nis zu dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber. Für die Berück­sich­ti­gung von Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit bei der Stu­fen­fin­dung gilt § 16 Ab­satz 2 TV-Ärz­te.
2. Die Be­ru­fungs­kam­mer ist mit dem Ar­beits­ge­richt und aus den glei­chen recht­li­chen Erwägun­gen wie das Ar­beits­ge­richt so­wie in Übe­rein­stim­mung mit dem Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt vom 24. April 2008 -9 Sa 475/07 E- der Auf­fas­sung, dass die von der Kläge­rin ab­sol­vier­te AiP-Zeit als „Vor­zeit ärzt­li­cher Tätig­keit“ im Sin­ne des § 16 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te bei der Stu­fen­ord­nung zu berück­sich­ti­gen ist.
a) Nach dem Wort­laut der §§ 5 TVÜ-Ärz­te, 16 Abs. 2 TV-Ärz­te sind „Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit“ sol­che Zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit, die der be­tref­fen­de Arzt vor der Ein­stel­lung in das im Zeit­punkt der Ein­grup­pie­rung nach den Tätig­keits­merk­ma­len des TV-Ärz­te be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis zurück­ge­legt hat. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben da­bei nicht näher de­fi­niert, was sie un­ter dem ta­rif­li­chen Be­griff „ärzt­li­che Tätig­keit“ ver­ste­hen. Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung der Be­ru­fung lässt sich ein übe­rein­stim­men­des und fest­ste­hen­des all­ge­mei­nes Sprach­verständ­nis da­hin­ge­hend, dass Arzt nur ist, wer die Vol­l­ap­pro­ba­ti­on er­langt hat, nicht fest­stel­len. So de­fi­niert et­wa Du­den, Be­deu­tungswörter­buch, 3. Auf­la­ge "Arzt" wie folgt: „Per­son, die Me­di­zin stu­diert hat und die staat­li­che Er­laub­nis hat, Kran­ke zu be­han­deln:…“. Um wel­che Art der Er­laub­nis (Vol­l­ap­pro­ba­ti­on oder Er­laub­nis zur vorüber­ge­hen­den oder auf ei­ne be­stimm­te Tätig­keit be­schränk­ten Er­laub­nis) bleibt da­bei of­fen. Dass auch Ärz­te im Prak­ti­kum dem all­ge­mei­nen Wort­sinn nach als Ärz­te ver­stan­den wer­den können, be­legt be­reits die Ver­wen­dung des Wor­tes „Arzt“ in ih­rer Be­zeich­nung und die Wahr­neh­mung ih­rer Tätig­keit durch die je­wei­li­gen Pa­ti­en­ten.
b) Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung der Be­ru­fung er­gibt sich auch dann, wenn man da­von aus­geht, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in­so­weit vom me­di­zi­nal­recht­li­chen Be­griff aus­ge­hen, kei­ne Not­wen­dig­keit, die Tätig­keits­zei­ten als AiP nicht als ärzt­li­che Tätig­keit im Ta­rif­sin­ne zu qua­li­fi­zie­ren. Im Ge­gen­teil:
Im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des TV-Ärz­te und des TVÜ-Ärz­te galt die Bun­desärz­te­ord­nung i.d.F. des Ge­set­zes zur Ände­rung der Bun­desärz­te­ord­nung und an­de­rer Ge­set­ze vom 21.7.2004 (BGBl I, 1176). Nach § 2 Abs. 1 BÄrz­teO ist die Ausübung des ärzt­li­chen Be­ru­fes die Ausübung der Heil­kun­de un­ter der Be­rufs­be­zeich­nung „Arzt“ oder „Ärz­tin“. Nach § 2 a BÄrz­teO darf die Be­rufs­be­zeich­nung „Arzt“ oder „Ärz­tin“ nicht nur der­je­ni­ge führen, wer als Arzt ap­pro­biert ist, son­dern auch ei­ne Per­son, die nach § 2 Abs. 2, 3 oder 4 BÄrz­teO zur Ausübung des ärzt­li­chen Be­rufs be­fugt ist, wo­bei nach § 2 Abs. 2 BÄrz­teO auch ei­ne vorüber­ge­hen­de oder auf be­stimm­te Tätig­keit be­schränk­te Er­laub­nis in Be­tracht kommt. Nach in der bis 30.9.2004 gel­ten­den Ap­pro­ba­ti­ons­ord­nung für Ärz­te (§ 35) hat­te der AiP die ärzt­li­chen Tätig­kei­ten auf Grund ei­ner Er­laub­nis zur vorüber­ge­hen­den Ausübung des ärzt­li­chen Be­ru­fes nach § 10 BÄrz­teO un­ter Auf­sicht aus­zuüben, um sei­ne Kennt­nis­se und prak­ti­schen Fähig­kei­ten zu ver­tie­fen. § 10 BÄrz­teO re­gel­te aber die Ein­zel­hei­ten ei­ner Er­laub­nis im Sin­ne des § 2 Abs.2 BÄrz­teO, ei­ner Er­laub­nis al­so, die nach § 2 a BÄrz­teO zum Führen der Be­rufs­be­zeich­nung „Arzt/Ärz­tin“ be­rech­tig­te. Aus § 35 der Ap­pro­ba­ti­ons­ord­nung für Ärz­te er­gibt sich da­bei, dass der AiP ärzt­li­che Tätig­kei­ten ausübte (vgl. in­so­weit BAG 8.11.2006 -4 AZR 624/05- NZA-RR 2007, 303-306, II 3 b der Gründe; LAG Sach­sen-An­halt vom 24. April 2008 -9 Sa 475/07 E-).
Dass die Kläge­rin auch tatsächlich und in wei­tem Um­fang während der AiP-Zeit ärzt­li­che Tätig­kei­ten im Sin­ne ei­ner Ausübung der Heil­kun­de an Pa­ti­en­ten aus­geübt hat, ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig.
c) Die An­er­ken­nung von AiP-Zei­ten als Zei­ten ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung im Sin­ne des § 16 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te schei­tert auch nicht dar­an, dass Be­rufs­er­fah­rung nur in ei­nem be­reits er­lang­ten Be­ruf ge­sam­melt wer­den könn­te und es sich bei der AiP-Zeit um ei­ne sol­che mit Aus­bil­dungs­cha­rak­ter vor Er­lan­gung des Be­rufs „Arzt/Ärz­tin“ han­deln würde.
Wie aus­geführt, war der AiP nach Me­di­zi­nal­recht be­rech­tigt die „Be­rufs­be­zeich­nung Arzt oder Ärz­tin zu führen, § 2 a BÄrz­teO. Das Me­di­zi­nal­recht geht in­so­weit selbst da­von aus, dass auch der AiP be­reits ei­nen Be­ruf er­langt hat und des­halb zur Führung ei­ner ent­spre­chen­den Be­rufs­be­zeich­nung be­rech­tigt ist. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt zu­dem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Zeit als Arzt im Prak­ti­kum ei­ne be­ruf­li­che Pra­xis­pha­se nach er­folg­rei­chem Ab­schluss sämt­li­cher ärzt­li­cher Prüfun­gen war. Die Pra­xis­pha­se als sol­che, nicht et­wa ein wei­te­rer Prüfungs­teil, war Vor­aus­set­zung für die un­ein­ge­schränk­te Ap­pro­ba­ti­on nach der Ap­pro­ba­ti­ons­ord­nung.
Es han­delt sich auch ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung im Ta­rif­sin­ne. Wie sich aus dem Kon­text und sys­te­ma­ti­schem Zu­sam­men­hang von § 16 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 TV-Ärz­te er­gibt, ver­ste­hen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den Be­griff „ein­schlägig“ in § 16 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te in Ab­gren­zung zu dem in § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-Ärz­te ver­wen­de­ten Be­griff „Be­rufs­er­fah­rung aus nichtärzt­li­cher Tätig­keit“. Im Um­kehr­schluss folgt dar­aus, dass es sich bei „ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung“ im Sin­ne des Sat­zes 1 um ei­ne sol­che aus ärzt­li­cher Tätig­keit han­delt. Dem ent­spricht auch der all­ge­mei­ne Wort­sinn des Be­griffs „ein­schlägig“ (LAG Sach­sen-An­halt, aaO.). Zu­tref­fend weist das LAG Sach­sen-An­halt im Ur­teil vom 24.4.2008 (aao.) im Übri­gen dar­auf hin, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en im TV-L aus­weis­lich der Pro­to­kollerklärun­gen Nr. 1, 2zu § 16 TV-L auch Be­rufs­prak­ti­ka als Zei­ten der Samm­lung „ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung“ ge­wer­tet wer­den.
d) Für die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis spre­chen wei­ter auch Sinn und Zweck der Re­ge­lung des § 16 Abs. 2 TV-Ärz­te, wor­auf das Ar­beits­ge­richt un­ter Be­zug­nah­me auf das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 23.11.2007 -27 Ca 9506/07- eben­falls zu­tref­fend ab­ge­stellt hat: Sinn der ta­rif­li­chen Re­ge­lung ist es, Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit vergütungs­erhöhend an­zu­rech­nen, weil der Arzt aus sol­chen Tätig­kei­ten in sei­ner jetzt aus­geübten Funk­ti­on be­reits über ent­spre­chen­de Er­fah­run­gen verfügt und da­her ei­ne höhe­re Leis­tungsfähig­keit und Kom­pe­tenz des Arz­tes und in Fol­ge des­sen ein ge­rin­ge­rer An­lei­tungs- und Ein­ar­bei­tungs­auf­wand und ein ge­rin­ge­res Kon­troll­er­for­der­nis be­steht. Die –wenn auch im Er­mes­sen ste­hen­de- An­rech­nung von Zei­ten der Be­rufs­er­fah­rung aus nichtärzt­li­cher Tätig­keit und die nach Auf­fas­sung des be­klag­ten Lan­des ge­bo­te­ne Nicht­berück­sich­ti­gung von AiP-Zei­ten hätte das nicht nach­voll­zieh­ba­re Er­geb­nis zur Fol­ge, dass tätig­keits­spe­zi­fi­sche und de­nen ei­nes vol­l­ap­pro­bier­ten Arz­tes ent­spre­chen­de Zei­ten der Be­rufs­er­fah­rung un­berück­sich­tigt blie­ben.
e) Auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der ta­rif­li­chen Re­ge­lung spricht nicht ge­gen die­se Aus­le­gung. Ein übe­rein­stim­men­der Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, AiP-Zei­ten von ih­rer Berück­sich­ti­gung bei der An­rech­nung aus­zu­neh­men, lässt sich nicht fest­stel­len und hat im Wort­laut des Ta­rif­ver­trags kei­nen hin­rei­chen­den Nie­der­schlag ge­fun­den. Die Be­ru­fung führt selbst aus, dass im We­ge Zu­ge der Ver­hand­lun­gen kein übe­rein­stim­men­des Er­geb­nis hin­sicht­lich der hier strei­ti­gen Fra­ge zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­zielt wer­den konn­te. Ge­nau­so we­nig wie die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Ein­be­zie­hung von AiP-Zei­ten po­si­tiv ge­re­gelt ha­ben, ge­nau­so we­nig ha­ben sie sie aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen, son­dern sich statt des­sen auf die For­mu­lie­rung des § 16 Abs. 2 TV-Ärz­te verständigt. Der Hin­weis der Be­ru­fung dar­auf, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in Kennt­nis der Recht­spre­chung des BAG zur Fra­ge der Berück­sich­ti­gung von AiP-Zei­ten im Rah­men der Ein­grup­pie­rung nach dem BAT an dem Be­griff „ärzt­li­che Tätig­kei­ten“ fest­ge­hal­ten hätten, über­zeugt nicht. Das BAG (25.9.1996 – 4 AZR 200/95-, aaO.) hat AiP-Zei­ten im Zu­sam­men­hang mit der Ein­grup­pie­rung in ei­ne Vergütungs­grup­pe des BAT, die ei­ne be­stimm­te Dau­er „ärzt­li­cher Tätig­keit als Arzt“ vor­aus­setz­te, un­berück­sich­tigt ge­las­sen, hier­bei aber ge­ra­de auf die Ver­wen­dung des Dop­pel­be­griffs „Arzt mit ärzt­li­cher Tätig­keit“ ab­ge­stellt. Zu­dem hat das BAG dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es zum Zeit­punkt der Nor­mie­rung der ent­spre­chen­den BAT-Vergütungs­grup­pe den Arzt im Prak­ti­kum noch nicht ge­ge­ben ha­be.
Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TV-Ärz­te in Kennt­nis der AiP-Pro­ble­ma­tik für die An­rech­nungs­norm des § 16 Ab­satz 2 Satz 1 als Vor­aus­set­zung "Zei­ten mit ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung" nor­miert und durch die Ver­wen­dung des Be­griffs "ärzt­li­che Tätig­keit" in der Über­schrift klar­ge­stellt ha­ben, dass sie die­ses syn­onym mit ärzt­li­cher Tätig­keit be­trach­ten. An­ders als die For­mu­lie­rung in Ab­satz 1 des § 16 und die­je­ni­ge aus dem BAT enthält die For­mu­lie­rung ei­nen stärke­ren Tätig­keits­be­zug und be­tont dem­ge­genüber nicht ei­ne be­stimm­te Be­rufs­be­zeich­nung und die dar­an ge­knüpften Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen. Dass es sich bei der Tätig­keit als AiP um die Ausübung ärzt­li­cher Tätig­kei­ten han­del­te, hat das BAG (8.11.2006 -4 AZR 624/05- aaO., II 3 b der Gründe) aus­drück­lich bestätigt.
III. Die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des war da­her mit der sich aus §§ 64 Abs. 6 ArbGG, 97 ZPO er­ge­ben­den Kos­ten­fol­ge zurück­zu­wei­sen. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on er­folgt we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Sa­che nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG. m.hensche.de
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