Source: http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/BMUB-IGI2-20170123-SF-A005.htm
Timestamp: 2018-01-23 02:04:19+00:00

Document:
BMUB-IGI2-20170123-SF-A005
BMUB-IGI2-20170123-SF-A005.htm
Zum Hauptdokument : Bundeseinheitliche Praxis bei der Überwachung der Emissionen
Anforderungen an Mess- und Auswerteeinrichtungen für Anlagen i.S.d. 17. BImSchV, Überprüfung der Verbrennungsbedingungen
Kontinuierliche Überwachung der Mindesttemperatur
(§ 16 Absatz 1 Nummer 3 i.V.m. § 6 Absatz 1 oder 2 sowie § 7 Absatz 1 oder 2 der 17. BImSchV)
Zur Überwachung der Mindesttemperatur ist die Nachverbrennungstemperatur (TNBZ) kontinuierlich zu ermitteln. Es sind an geeigneter Stelle im Nachbrennraum (z.B. Kesseldecke) mindestens zwei Messeinrichtungen gemäß Richtlinienreihe VDI/VDE 3511 (VDI/VDE 3511 Blatt 1, Ausgabe März 1996; VDI/VDE 3511 Blatt 2, Ausgabe April 1996; VDI/VDE 3511 Blatt 3, Ausgabe November 1994; VDI/VDE 3511 Blatt 4, Ausgabe Dezember 2011; VDI/VDE 3511 Blatt 4.2, Ausgabe Februar 2014; VDI/VDE 3511 Blatt 4.4, Ausgabe Juli 2005; VDI/VDE 3511 Blatt 5, Ausgabe November 1994) zu installieren. Zur Erfassung und Auswertung entsprechend Anhang B 1.1 wird der Mittelwert der jeweiligen Rohwerte verwendet.
Beschickung und Abgasreinigung
(§ 17 Absatz 3 Nummer 2 i.V.m. § 4 Absatz 8 und 9, § 21 Absatz 3 und 4 der 17. BImSchV)
Die Zeiten, in denen die Beschickung der Anlagen verriegelt oder unterbrochen war, sind für jeden Kalendertag zu registrieren und zu speichern.
Ausfallzeiten der Abgasreinigungseinrichtung (ARE) sind zusätzlich zur Klassierung nach Anhang B 2.15 je aktuellem ununterbrochenem Ereignis – (auch über Tages- und Jahreswechsel hinaus) in Sonderklasse S12 zu erfassen. Diese Klasse soll mit Beginn der nächsten Ausfallzeit automatisch gelöscht werden.
Die während der Ausfallzeiten gebildeten Halbstundenmittelwerte für Gesamtstaub sind in zwei Klassen zu erfassen, deren gemeinsame Grenze von dem für Ausfallzeiten geltenden Emissionsgrenzwert für den Halbstundenmittelwert gebildet wird.
Bildung und Klassierung der Mittelwerte
(§ 17 i.V.m. § 16 Absatz 1 und 5 der 17. BImSchV)
E 3.1.1
Die Bildung der zu klassierenden Mittelwerte ist gemäß Anhang C 1 durchzuführen.
E 3.1.2
Gültige Halbstundenmittelwerte sind entsprechend Anhang B 2.6 (Sonderklasse S1 für Überschreitungen) und B 2.7 (Klassen M1 bis M20) (siehe Bild E 1) zu klassieren. Ausgenommen davon sind gültige Halbstundenmittelwerte für Staub bei ARE-Ausfall.
E 3.1.3
Zusätzlich zu den Sonderklassen nach Anhang C 3.1 werden folgende Sonderklassen eingeführt (vgl. E 2.2):
aktueller ARE-Ausfall
Staub bei ARE-Ausfall ≤ 150 mg/m3
Staub bei ARE-Ausfall > 150 mg/m3
E 3.1.4
Die Tagesmittelwerte werden analog zu Anhang C 4.2 klassiert.
Zusätzlich zu den Klassen TS1 und TS2 wird die Klasse TS3 eingeführt:
Tagesmittelwerte, an denen die Messeinrichtung wegen Störung oder Wartung mehr als fünf Halbstundenmittelwerte außer Betrieb war (Verfügbarkeit nicht eingehalten, vgl. 2.1.4).
E 3.1.5
Der Jahresmittelwert der Messgrößen ist als arithmetischer Mittelwert aller gültigen Tagesmittelwerte des laufenden Kalenderjahres (Klassen T1 bis T10 und TS1) zu berechnen. Der Jahresmittelwert ist mit Angabe des Bezugsjahres als Massenkonzentration anzugeben. Zusätzlich ist die Anzahl der für die Bildung des Jahresmittelwertes zugrunde liegenden gültigen Tagesmittelwerte aufzuführen.
Anmerkung: Die Bildungsvorschrift für Langzeitmittelwerte nach Anhang B 3.1 gilt nicht für den Jahresmittelwert bei Anlagen der 17. BImSchV.
Überwachung der Betriebsgrößen/Bezugsgrößen
E 3.2.1
Mindesttemperatur (§ 17 Absatz 3 Nummer 1 i.V.m. § 6 Absatz 1 bis 3 und § 7 Absatz 1 bis 3 der 17. BImSchV)
Aus den Rohwerten der Nachverbrennungstemperatur sind Zehnminutenmittelwerte (10-min-MW) zu bilden.
Die gültigen 10-min-MW sind in 20 Klassen einheitlicher Breite zu erfassen (TNBZ1 – TNBZ20). Die inverse Klasseneinteilung ist so zu wählen, dass insgesamt ein Temperaturbereich von 400 K abgedeckt wird und die festgelegte Mindesttemperatur auf die Grenze zwischen der 10. und 11. Klasse fällt (siehe Bild E 1). Die niedrigste Temperatur des Temperaturbereiches wird auf die obere Grenze der Klasse TNBZ20, die höchste Temperatur auf die untere Grenze der Klasse TNBZ1 gelegt.
Wegen Störung oder Wartung der Messeinrichtung ungültige Zehnminutenmittelwerte sind in der Klasse TNBZ21 zu erfassen.
Alternativ können auch die Klassen S4 und S5 entsprechend Anhang C 3.1 belegt werden. Die Sonderklassen S2 sowie S6 bis S8 sind immer zu belegen.
E 3.2.2
Sonstige Betriebs- und Bezugsgrößen
(§ 16 Absatz 1 Nummer 4 der 17. BImSchV)
Werden weitere Betriebs- oder Bezugsgrößen (z.B. Abgasvolumenstrom oder -feuchtegehalt) kontinuierlich gemessen, so ist die Art der Auswertung von der zuständigen Behörde in Anlehnung an E 3.1.1 im Einzelfall festzulegen.
E 3.4.1
Die tägliche und jährliche Datenausgabe muss zusätzlich zu Anhang B 4.2 und B 4.4 folgende Daten umfassen:
Verriegelung oder Unterbrechung der Beschickung nach E 2.1
Zusätzlich zu den Ereignismeldungen entsprechend Anhang B 2.17 bzw. B 3.10 sind folgende Ereignismeldungen auszulösen:
bei Sonderklasse S11 (wenn Zählerstand ≥ 121):
„ARE-Ausfall > 60 h“ (Ausgabe einmalig je Tag)
bei Sonderklasse S12 (wenn ≥ 9 Einträge in Folge):
„ARE-Ausfall > 4 h“ mit Ausgabe des Zählerstandes
Beträgt bei Sonderklasse S12 der Zählerstand < 9 erfolgt keine Ereignismeldung. Bei Sonderklasse S15 entfällt die Ereignismeldung.
Die Datenausgabe zum Jahresabschluss muss zusätzlich folgende Angaben umfassen (vgl. Anhang B 4.4.1):
Jahresgrenzwerte der betreffenden Messgrößen
Jahresmittelwerte mit Angabe des Bezugsjahres (JMW-Bezugsjahr) der vergangenen fünf Kalenderjahre als Massenkonzentration sowie die Anzahl der für die Bildung des jeweiligen Jahresmittelwertes zugrunde liegenden Tagesmittelwerte (Anzahl-TMW – Bezugsjahr)
Bild E 1: Klassierung von Halbstunden- und Tagesmittelwerten und der Mindesttemperatur
Grenzwert für HMW eingehalten
Überschreitung Grenzwert für HMW
ungültig aus sonstigen Gründen
mit Ersatzwert berechnet
ungültig wegen Störung der Messeinrichtung
ungültig wegen Wartung der Messeinrichtung
ungültig anlagenbedingt
nicht beurteilungs -pflichtig sowie unplausibel
außerhalb Kalibrierbereich, Kurzzeitspeicher
außerhalb Kalibrierbereich, Langzeitspeicher
ARE-Ausfall
ARE-Ausfall und Staub ≤150 mg/m3
ARE-Ausfall und Staub >150 mg/m3
TNBZ1
TNBZ10
TNBZ11
TNBZ20
TNBZ21
TGW eingehalten
Überschreitung TGW
kein gültiger TMW
Verfügbarkeit der Messeinrichtung je Tag nicht eingehalten
ungültig wegen Störung oder Wartung der Messeinrichtung
Überprüfung der Verbrennungsbedingungen
(§ 18 Absatz 1 i.V.m. § 6 Absatz 1 bis 3 oder § 7 Absatz 1 bis 3 der 17. BImSchV)
Überprüfung der Mindesttemperatur
E 5.1.1
Festlegung der Messebenen
Eine Messebene (Messebene 1) ist am Ende der Nachbrennzone (ober-halb der Stützbrenner) für die jeweils genehmigten Betriebszustände festzulegen. Die Basis dafür sind die Auslegungsdaten des Herstellers bzw. Lieferanten. Eine weitere Messebene (Messebene 2) soll dort eingerichtet werden, wo der Beginn der Nachbrennzone definiert ist.
Diese Messebene ist nach der letzten Verbrennungsluftzuführung auf der Basis von Auslegungsdaten des Herstellers bzw. Lieferanten festzulegen.
Die Ebene, in der erstmalig von einer gleichmäßigen Durchmischung der Verbrennungsgase mit Verbrennungsluft ausgegangen werden kann, wird als Beginn der Nachbrennzone definiert.
Aufgrund örtlicher Gegebenheiten sind geringere Abweichungen der Lage der Messebene 2 vom tatsächlichen Beginn der Nachbrennzone möglich. Dies wird durch entsprechende Umrechnungen (vgl. Bild E 2) kompensiert.
E 5.1.2
Nach derzeitigem Stand der Technik sind für die messtechnische Überprüfung der Mindesttemperatur ausschließlich wassergekühlte Absaugepyrometer mit keramischer Abschirmung einzusetzen. Eine ausreichend hohe Absauggeschwindigkeit ist einzustellen. Für jede festgelegte Messachse ist gleichzeitig mindestens ein Messgerät zu verwenden. Die in den Absaugepyrometern eingesetzten Thermoelemente müssen den PTB-Anforderungen 14.2 vom Dezember 2003 entsprechen.
E 5.1.3
Festlegung der Messpunkte für die Netzmessung
Die Temperaturmessung erfolgt auf mindestens zwei Messachsen als Netzmessung im Feuerraum. Der Messquerschnitt ist in flächengleiche Teilflächen, in deren Schwerpunkten die Messpunkte liegen, zu unterteilen. Die Anzahl der Messpunkte beträgt 1 pro ca. 2 m2. Eine gleichmäßige Punktverteilung über den Messquerschnitt ist zu gewährleisten.
E 5.1.4
Die elektronische Messwerterfassung soll mit einer Abtastfrequenz von mindestens 0,1 Hz erfolgen (entspricht maximal 10 s zwischen aufeinanderfolgenden Messwerten). Die Messwerte sind auf 10-Minuten-Mittelwerte zu verdichten.
E 5.1.5
Für den Nachweis, dass die geforderte Mindesttemperatur (850 bzw. 1100 °C) eingehalten wird, ist bei betriebsmäßig verschmutztem Kessel folgende Anzahl von Netzmessungen entsprechend E 5.1.3 erforderlich:
ungestörter Dauerbetrieb (Nennlast): 3 Netzmessungen über einen Gesamtzeitraum von mindestens drei Stunden
abweichende Betriebszustände (z.B. Teillast, falls genehmigter Betriebszustand): drei Netzmessungen über einen Gesamtzeitraum von mindestens drei Stunden
Anfahren ohne Beschickung mit Einsatzstoffen (gem. § 4 Absatz 8 Nummer 1): eine Netzmessung für den Endzustand der Aufheizphase über einen Zeitraum von ca. einer Stunde (unter Beachtung von Pkt. E 6.3.1).
Für jeden nach E 5.1.3 festgelegten Messpunkt erfolgt eine Umrechnung der einzelnen Zehn-Minuten-Mittelwerte über die nach E 5.2.2 ermittelten Temperaturgradienten auf eine fiktive Messebene, die einer Verweilzeit von zwei Sekunden (Mindestverweilzeit) entspricht.
Bewertungskriterium ist die Mindesttemperatur in jedem der nach E 5.1.3 festgelegten Messpunkte für jede Einzelmessung als 10-Minuten-Mittelwert.
Überprüfung der Verweilzeit der Abgase
E 5.2.1
Zur Ermittlung der Verweilzeit, für die die Mindesttemperatur eingehalten ist, werden zwei Messebenen (Messebene 1 und Messebene 2) genutzt (vgl. E 5.1).
E 5.2.2
Ermittlung des Temperaturgradienten
Zeitgleich sind Temperatur-Netzmessungen (je drei Netzmessungen) bei gleichem Anlagen-Betriebszustand in den Messebenen 1 und 2 durchzuführen.
Messtechnische Rahmenbedingungen sind analog Pkt. E 5.1 vorgegeben. (Die gewonnenen Messergebnisse bezüglich Messebene 1 können für die Überprüfung der Mindesttemperatur nach E 5.1 verwendet werden.)
Aus den Messwerten wird die mittlere Temperaturdifferenz ΔT1,2 zwischen Ebene 1 und 2 für den jeweiligen Betriebszustand (s.a. Pkt. E 5.1.5) gebildet:
Mittelwert der Temperaturnetzmessung in der Messebene 1
Mittelwert der Temperaturnetzmessung in der Messebene 2
Anzahl der Temperaturnetzmessungen in Ebene 1 bzw. 2.
Unter Annahme eines linearen Temperaturverlaufes zwischen den Messebenen 1 und 2 bzw. darüber hinaus ist damit für jede Ebene im Feuerraum die mittlere Temperatur bestimmt, umgekehrt kann die Ebene im Feuerraum, in der die Mindesttemperatur der Abgase gerade noch eingehalten wird, rechnerisch ermittelt werden (vgl. Bild E 2).
Der mittlere Temperaturgradient errechnet sich aus ΔT1,2/Δℓ1,2.
Mittelwert der Temperatur-Netzmessungen Messebene 1
Mindesttemperatur der Abgase
Δ ℓ1,2
Abstand zwischen Messebene 1 und 2
Δ ℓT
Abstand zwischen der Ebene im Feuerraum, an der die Abgase die Mindesttemperatur im Mittel gerade noch einhalten und der Messebene 1
E 5.2.3
Ermittlung der Verweilzeit
Zur Bestimmung der Verweilzeit der Abgase im Bereich oberhalb der Mindesttemperatur ist der Abgasvolumenstrom (z.B. am Kesselende) zu messen und auf die Abgasbedingungen in der Nachbrennzone umzurechnen.
Die Volumenstrommessung erfolgt unter Beachtung der ISO 10780 (Ausgabe November 1994) zeitgleich zu den Netzmessungen zur Überprüfung der Mindesttemperatur. Bei der Berechnung der Verweilzeit wird das Verhalten eines idealen Strömungsrohres (plug flow) angenommen.
Die für den Volumenstrom zugrunde zu legende Temperatur ist der Mittelwert aus der Temperatur am Beginn der Nachbrennzone TBNBZ und der Mindesttemperatur. Unter Berücksichtigung der geometrischen Verhältnisse und des Volumenstromes errechnet sich die Verweilzeit in der Nachbrennzone
Mittelwert des Volumenstromes der Abgase im Feuerraum (im Betriebszustand, feucht)
Δ ℓ
Abstand zwischen Beginn der Nachbrennzone und Messebene 1
Querschnittsfläche Feuerraum (für A = const.)
Verweilzeit der Abgase oberhalb der Mindesttemperatur.
Bewertungskriterium ist die Mindestverweilzeit von 2 Sekunden.
Gleichmäßige Durchmischung
E 5.3.1
Ermittlung der gleichmäßigen Durchmischung
Von einer gleichmäßigen Durchmischung der Verbrennungsgase mit Verbrennungsluft ist dann auszugehen, wenn die Temperatur an jedem Messpunkt auf beiden Messebenen und damit über der gesamten Nachbrennzone eingehalten ist und die Einzelwerte für den Volumengehalt an Sauerstoff an jedem der festgelegten Messpunkte nicht mehr als 50 vom Hundert vom mittleren Volumengehalt an Sauerstoff für das jeweilige Netz abweichen.
E 5.3.2
Üblicherweise erfolgt die Sauerstoffmessung zeitgleich mit den Temperaturmessungen nach E 5.1 über die Absaugepyrometer, so dass Messebene und Messpunkte identisch sind.
Funktionsprüfung und Kalibrierung von Betriebsmessgeräten für die kontinuierliche Überwachung der Mindesttemperatur
(§ 15 Absatz 4 und 5 i.V.m. § 16 Absatz 1 Nummer 3 der 17. BImSchV)
Die Funktionsprüfung von Betriebsmessgeräten für die Mindesttemperatur ist jährlich wie nachfolgend beschrieben durchzuführen:
Plausibilitätsprüfung der Anzeige der Betriebsmessgeräte nach der Fixpunktmethode (Eispunkt in Eis-Wasser-Gemisch nach VDI/VDE 3511 Blatt 2, Ausgabe April 1996) oder alternativ: Prüfung mittels eines Vergleichselementes entweder wechselweise an den Einbaustellen der Betriebsmessgeräte oder an anderen geeigneten Messöffnungen (Basis: 1-Stunden-Mittelwert).
Überprüfung der Messwertübertragung mit einer Konstantspannungsquelle.
Überprüfung zum Erkennen eines Elementbruches durch das elektronische Auswertesystem, dazu ist jedes einzelne Betriebsmessgerät abzuklemmen.
Überprüfung der Betriebsmessgeräte bezüglich Bauausführung und Einbaulage im Vergleich zum Zeitpunkt der letzten Kalibrierung.
Die Kalibrierung ist mindestens alle drei Jahre durchzuführen.
E 6.2.1
Bestimmung des Endes der Nachbrennzone
Die Ermittlung der Feuerraumtemperaturen entsprechend E 5.2.2 (Mittelwertbildung) erfolgt jeweils bei Volllast und weiteren genehmigten Betriebszuständen. Für den Betriebszustand Anfahren wird zusätzlich auf E 6.3.1 verwiesen.
Es sind dazu mindestens sechs Netzmessungen (bei Voll- und Teillast) jeweils zeitgleich in Messebene 1 und 2 durchzuführen. Für die Zeiträume dieser Netzmessungen sind die mittleren Messwerte der Betriebsmessgeräte zu ermitteln, so dass mindestens 6 Datensätze Netzmessungen – Betriebsmessung zur Verfügung stehen.
Unter Annahme eines linearen Temperaturverlaufes zwischen den Messebenen 1 und 2 bzw. darüber hinaus ist das Ende der Nachbrennzone (definiert als Ebene im Feuerraum, an der die Mindestverweilzeit von 2 s exakt eingehalten ist) bestimmbar (vgl. Bild E 2).
tvzmin
Δ ℓHNBZ
Abstand zwischen Ebene Ende Nachbrennzone und Messebene 1
ΔT1,2
mittlere Temperaturdifferenz zwischen Messebene 1 und 2
Mittelwert der Temperatur-Netzmessung in Messebene 2
Mittelwert der Temperatur-Netzmessung in Messebene 1
Δℓ1,2
E 6.2.2
Verfahrensweise zur Kalibrierung
Mit Hilfe der Betriebsmesswerte für die Temperatur wird die mittlere Temperaturdifferenz und deren untere Vertrauensgrenze zu den umgerechneten Temperaturmesswerten der Netzmessungen in Messebene 1 berechnet:
TNBZi
umgerechneter Mittelwert der Temperatur-Netzmessung i in Messebene 1 auf die Ebene am Ende der Nachbrennzone (2 s Verweilzeit)
Mittelwert der Temperatur-Betriebsmessung für den Zeitraum der Netzmessung i
Ermittlung der Vertrauensgrenze:
Der Zusammenhang TNBZi = f (TBi) ist durch lineare Regression zu ermitteln.
Schwellenwert der t-Verteilung (für N = n′)
Streuung um die Regressionsgerade
(Gesamtzahl der Messungen)
Zur Kalibrierung der Betriebsmesswerte wird wie folgt verfahren:
ΔTNBZ =
mittlere Temperaturdifferenz zwischen Ende der Nachbrennzone und Betriebsmesswert
TKal B
kalibrierter Betriebsmesswert (Eingang Emissionswertrechner)
10-Minuten-Mittelwert der Temperatur-Betriebsmessung
Der Kalibriervorgang ist für jeden genehmigten Betriebszustand vollständig durchzuführen.
E 6.2.3
Parametrierung des elektronischen Auswertesystems
ΔTNBZ* wird für jeden genehmigten Betriebszustand festgestellt und im Auswerterechner gleitend in Abhängigkeit von der Leistung (z.B. Dampfleistung PD) ermittelt; dies gilt auch für den Betriebszustand „Abfahren“.
Parametriert wird die Funktion ΔTNBZ* = f(PD).
Bezüglich Betriebszustand „Anfahren“ vergleiche Punkt E 6.3.1
E 6.3.1
Einhaltung der Verbrennungsbedingungen im Betriebszustand „Anfahren“
Der Betriebszustand Anfahren ist nur durch Zusatzbrennerbetrieb ohne Beschickung mit Einsatzstoffen gekennzeichnet.
Der Beginn der Nachbrennzone im Betriebszustand „Anfahren“ ist per Konvention
die Zusatzbrennerebene, falls die Sekundärluftzuführung stromaufwärts erfolgt
die Ebene der letzten Luftzufuhr bei Sekundärluftzuführung stromabwärts.
Die Verbrennungsbedingungen (Mindesttemperatur, Mindestverweilzeit) sind Grundlage zur Bestimmung des Endes der Nachbrennzone beim „Anfahren“.
Beim Betriebszustand „Anfahren“ ist der Volumenstrom zur Ermittlung der Verweilzeit über den Brennstoffverbrauch und den Sauerstoff-Volumengehalt der Abgase zur berechnen bzw. zu messen.
Durch Temperatur-Messungen in einer Messebene, die mindestens 2 m stromabwärts (über der Brennerebene) liegt, ist der Gradient zur Betriebs-Temperaturmessung analog zu E 5.2.2 zu ermitteln und als Kriterium für die Freigabe (Entriegelung) der Abfallzufuhr zu verwenden.
Der Zeitraum nach Entriegelung der Abfallzufuhr bis zum Erreichen stationärer Betriebszustände ist mit der zuständigen Behörde abzustimmen; er soll 2 Stunden nicht überschreiten.
In dieser Zeit muss für die Bewertung der überwachungspflichtigen Komponenten, die einzig von der Feuerung abhängig sind, eine Sonderlösung gefunden werden. Dies betrifft insbesondere die Mindesttemperatur, Kohlenmonoxid, Gesamt-C sowie Stickoxide bei primären Minderungsmaßnahmen.
E 6.3.2
Schaltkriterien der Zusatzbrenner
Für die Zusatzbrenner werden folgende Schaltkriterien vorgeschlagen:
Einschalten: Bei Erreichen der Solltemperatur Klasse TNBZ10 (10-Minutenwert zwischen 850°C und 870°C bzw. 1100°C und 1120°C).
Ausschalten: Kann bei Erreichen der Klasse TNBZ9 und niedrigeren Klassen erfolgen (> 870°C bzw. 1120°C).
Eine Steuerung oder Regelung der Zusatzbrenner über das Leitsystem der Anlage kann zur Reduzierung des Primärenergieverbrauches beitragen.
E 6.3.3
Kriterien der Abfallbeschickung
Für die Ver- bzw. Entriegelung der Abfallzufuhr gelten folgende Kriterien:
Verriegelung: Bei Erreichen einer Temperatur in Klasse TNBZ11 oder höhere Klasse (< 850°C bzw. 1100°C).
Entriegelung: Bei Erreichen einer Temperatur in Klasse TNBZ10 oder kleiner (≥ 850°C bzw. 1100°C).
Bei der Verriegelung sind sicherheitstechnische Belange zu berücksichtigen.
Bild E 2 Darstellung der Kenngrößen am Beispiel einer Verbrennungsanlage für Siedlungsabfälle
Mittelwert der Temperatur-Netzmessungen Messebene 2
ℓBNBZ
Höhe bis zum Beginn der Nachbrennzone
ΔℓT
Abstand zwischen der Ebene im Feuerraum und der Messebene 1
Temperatur-Betriebsmesswert
ΔℓNBZ
Abstand zwischen Ebene Ende Nachbrennzone und der Messebene 1
Temperatur am Ende der Nachbrennzone
Abstand zwischen Beginn der Nachbrennzone und der Messebene 1
TBNBZ
Temperatur am Beginn der Nachbrennzone
Temperaturdifferenz zwischen Messebene 1 und Betriebsmesswert
ΔℓBNBZ
Abstand zwischen Ebene Beginn Nachbrennzone und der Messebene 2
ΔTNBZ
Temperaturdifferenz zwischen Ende der Nachbrennzone und Betriebsmesswert
tvz,min
Mindestverweilzeit = 2 s

References: § 6
 § 7
 § 4
 § 21
 § 16
 § 6
 § 7
 § 6
 § 7
 § 4
 § 16