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Timestamp: 2018-07-15 23:00:58+00:00

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Mattheson: Orchestre 1 - Teil 1
Mattheson: Orchestre 1
PARS PRIMA, DESIGNATORIA.
Oder Von den Dingen und Zeichen / die zu einer MUSICALIschen COMPOSITION gehören.
Von den TONIS, ihrer PROPORTION nach.
<39> [...]
Von den SIGNATUren überhaupt / insonderheit von den CLAVIBUS oder Schlüsseln in der MUSIC.
<65> [...]
Vom TACTE insonderheit.
<76> § 1. Alle und jede MUSIC / sie werde auf INSTRUMENTEN oder mit singender Stimme hervorgebracht / erfordert hauptsächlich zu ihrer EXISTENTZ 3. Stücke / nemlich (1) das hohe und niedrige / (2) das langsame und hurtige (3) das lange und kurtze. Ich sage mit gutem Vorbedacht / hauptsächlich / denn sonst gehörte das sanffte und laute / &c. auch daher.
<78> § 5. Dieses Zeichen nun 2 [...] <79> bedeutet / daß die MENSUR, welche dadurch angewiesen wird, nicht mehr Glieder als Theile / und deren nur 2. überall habe / und zwar wie sich das verstehet / 2. halbe und folglich / gleiche. Ihr Gebrauch ist / zu Anfang der OUVERTUREN, zu GAVOTTEN, RIGAUDONS, ENTRÉEN, und anderer Frantzösischen Arten.
§ 6. 2/4. Ist ein sehr beliebtes MOUVEMENT, und bringt fast von selbst singende Sachen hervor / dahero es denn auch durchgehends APPROBATION findet / weil keinem ein Ding mehr gefällt / als das / so er begreiffen kan / und seinen HORIZONT nicht übersteiget. Es hat sonst gleiche Bewandniß mit den den zwey halben.
§ 7. C. Bedeutet / daß die MENSUR 4. SUBDIVISIONES und vier viertel habe / deren zwey im Nieder= und 2. im Aufschlage gehen. Ihr Gebrauch ist groß in ARIEN, ALLEMANDEN, BOURÉEN &C. und fast durchgehends die gewöhnliche / deswegen sie auch der schlechte TACT genennet wird.
§ 8. 6/4. Zeiget sechs viertel / als so viel MEMBRA des <80> TACTS an / welche per THESIN & ARSIN in zwey gleiche Theile gehen / so daß der Niederschlag 3. Und der Aufschlag eben so viel bekommt. Es wird diese MENSUR zu SERIEUsen Sachen / IN SPECIE aber zu GRAVItätischen GIQUEN, die man LOUREN nennet / gebrauchet.
§ 9. 6/8. Ist eben der vorige TACT, nur daß die Glieder kleiner sind. Sein Gebrauch ist bey heutiger COMPOSITION fast der schönste / und schickt sich zu allerhand COULANTEN, MELODIEUSEN auch frischen und hurtigen Stücken sehr wol.
§ 10. 12/4. Zwölff viertel / ist zwar etwas rar im Gebrauch; hat aber zu rechter Zeit einen artigen EFFECT. Der zwölff viertel Tact theilet sich in zwey Theile / wie alle gerade MENSUREN, hat 6. Glieder in THESI oder Nieder= und sechs in ARSI oder Aufschlag.
§ 11. 12/8. [...] ist sehr geschickt vor die Sachen À LA MODERNE, weil darinnen / obgleich <81> die Glieder mit dem 6/8. in gleicher Geltung sind das verlängte MOUVEMENT und die doppelte Anzahl eine gewisse Ernsthafftigkeit / mit der / den achteln sonst anhängenden / Hurtigkeit / dermaaßen verbindet / daß man die sonst hüpffende MENSUR zu den aller TENDREsten und beweglichsten Sachen gar wol / es sey in Kirchen / oder THEATRAL-VOCAL-MUSIC wie auch in CANTATEN &c. zu gebrauchen weiß. Vorzeiten hat man nach dieser MENSUR nichts anders / als gar geschwinde Sachen / wie es denn noch gewisser massen geschieht / gesetzet / als nemlich in GIQUEN und dergleichen; heutiges Tages aber dienet dieselbe vielmehr traurige und TOUCHANTE AFFECTEN denn lustige zu EXPRIMIren. Hiebey kan ich nicht umhin / eine längst gemachte OBSERVATION bekant zu machen / welche darinn bestehet / daß der GOUT UNIVERSEL in der MUSIC seit einigen Jahren dermassen verändert und solide geworden ist / daß man fast durchgehends langsame und traurige Sachen den geschwinden und lustigen weit vorziehet. [...] <82> Gewiß ist es / daß dieser GOUT zu ernsthafften Sachen in der MUSIC, wenn er klug und bescheidentlich SECUNDIret wird / der gantzen Wissenschaft zu sonderlicher Aufnahm gereichen / und zu ihrem Endzweck / nemlich der Bewegung der AFFECTEN, mehr helffen kan / als alle Sprünge und Täntze. Mir scheinet unter andern eine Ursache dieser Veränderung zu seyn / die DOCILITÉ wozu die heutige POLIRTE Welt von Jugend auf / immer mehr als vorhin / angeführet wird; denn das stehet wol fest: Eine schöne Sache findet nirgend bessern INGRES als in einem gleichfals schönen Gemüthe; wird aber hingegen übel TRACTirt / verachtet und verspottet von einem tölpischen Sinn. Man betrachte nur / wenn ein lustiges MENUET gefiddelt / und etwann dazu auf dem Becken geschlagen wird / ob nicht fast ein jeder Bauer / wenn er Freyheit hat / darnach herum springet. Singt ihm aber eine AFFECTUEUSE CANTATA vor / oder spielet ihm eine SUONATA, tantzen wird er zwar wol eben nicht / aber warhafftig auch keine traurige Empfindung davon haben; Ja es ist noch ein Glück / wenn er in der INACTION bleibet / und nicht gar saget / das Stück tauge nicht; denn seine SENSIBILITÉ / steckt <83> nicht in der Seelen / sondern im Leibe; der Klang, den er höret / gehet ihm zu einem Ohr hinein und zum andern wieder heraus / das macht / er ist nicht DOCILIS, und nicht angeführet einer Sache recht nachzusinnen. Man erwege ferner / welcher Unterscheid unter der vor einigen Jahren und itzo üblichen EDUCATION auch bey verständigen und vornhemen Leuten sey; [...] / ist so eine handgreifliche DIFFERENTZ in der Erziehung / und wird von Tage zu Tage die Welt so viel POLIret / durch den unabläßlichen Fleiß gelehrter und geschickter Männer [...] . Aus diesem Fundament sehe man an / [...] wie sehr vor einigen Jahren die geschwinde und über grosse Fertigkeit / insonderheit auf INSTRUMENTEN ADMIRIret worden / so daß fast allezeit daß ALLEGRO in einer SONATA oder andern SPECIE, des COMPONISTEN so wol / als des EXECUTORIS eintziges FORT und Absehen war / das übrige aber <84> ziemlich NEGLIGENT und höckericht TRACTIret wurde; daher es denn auch noch kommt / daß ihrer etliche / die etwann dergleichen Meister gehabt / welche der Geschwindigkeit mehr / als der Zier= und Annehmligkeit obgelegen / kein recht sauberes ADAGIO hervorbringen können / und wenn sie auch darüber zerreissen möchten. Man erwege aber hingegen / ob nicht bey jetziger Zeit sich der GOUT gantz und gar verändert / zum wenigsten / so viel die Lust betrifft / die man von einer MUSIC geniesset / und wol zu verstehen / so viel die annoch geringe Anzahl der DELICATEN ohren ausmachet / also daß man eine schöne singende MANNIER den geschwinden BROUILLERIen weit zu PRAEFERIren einen guten Anfang gemacht hat. Ich lasse es dahin gestellet seyn / ob die Geschwindigkeit auf einem INSTRUMENT eine ADMIRATION, oder wol gar eine Erstaunung / zu wege bringen könne / so viel ist bekannt / daß die Erstaunung und Verwunderung nicht der MUSIC Endzweck seyn / und daß / wovor sich einer entsetzet / solches nicht allemahl / oder doch selten ergetzet; Item daß / was man ADMIRIret / nicht allezeit darum CHARMIret; solcher Taschenspielerey und Gaukeley wegen / auf Instrumenten, insonderheit auf dem CLAVIER, <85> hat GOtt keine Music gegeben / eben so wenig als er die Füsse zum Seiltanzen gemacht; sondern daß seine / in solcher Gabe steckende Weißheit / uns Menschen zur Andacht und zur wolerlaubten Lust / ja zum Vorgeschmack des ewigen / harmonischen / ebenträchtigen / friedlichen / ordentlichen und ruhigen Wollebens dienen möchte.
<86> § 14. 3/1. Bedeutet drey gantze Schläge / davon / wie in allen andern ungeraden MENSUREN, zwey Glieder im Nieder= und eins im Aufschlage gehören. Ist sonst eine gar GRAVItätische PROPORTION, und wird / ausser in alten Sachen / die jetzt aus der Mode sind / gar selten angetroffen.
§ 15. 3/2. [...] Es lässet sich diese MENSUR zu vielen Sachen / insonderheit aber zu TRISTEN ARIEN, IT. IN SONATEN, zum ADAGIO, zu SARABANden u.d.gl. gar geschickt gebrauchen / wiewol solches viel von der COMPONIsten FANTASIE DEPENDIret / welche sich heutigen Tages dieses TACTES nicht offte bedienen.
§ 16. 3/4. [...] Ist der allergebräuchlichste unter den TRIPLEN, und läst sich zu vielen / doch mehrentheils lustigen Sachen APPLICIren / darunter die MENUETTEN den grösten Theil ausmachen.
§ 17. 3/8. Dieser will offtmahls PAR AFFECTATION dem vorhergehenden ins Amt fallen / hat sich auch schon so beliebt gemacht / daß man ihn in einer ARIE, jedoch mit beygesetztem ADAGIO oder dergleichen / wol vorziehet / wiewol ihm sonsten die PASSEPIEDS, CANARIES, und andere hüpfende SPECIES [...] eigenthümlich SUBJECT sind.
Von den NOTEN, PAUSEN, und übrigen SIGNATUren.
<89> [...]

References: § 1
 § 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11
 § 14

§ 15

§ 16

§ 17