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Timestamp: 2019-07-21 21:13:40+00:00

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Pflichtverteidiger im Ermittlungsverfahren – aber nur auf Antrag der Staatsanwaltschaft | Rechtslupe
In der Rechtsprechung der Instanzgerichte und in der Literatur ist diese Frage umstritten. Während die wohl immer noch herrschende Meinung ein eigenes Antragsrecht des Beschuldigten unter Verweis auf die Gesetzessystematik, die der Staatsanwaltschaft die Rolle der “Herrin des Ermittlungsverfahrens” zuschreibt, verneint2, wird vielfach aus dem Grundsatz des fairen Verfahrens und der gebotene Waffengleichheit geschlossen, eines Antrags der Staatsanwaltschaft bedürfe es nicht. Das Gericht habe vielmehr aus § 141 Abs. 3 StPO eine autonome Entscheidungsbefugnis3.
Bereits der Wortlaut des § 141 Abs. 3 Satz 2 StPO, wonach die Staatsanwaltschaft den Antrag stellt, wenn “nach ihrer Auffassung” die Mitwirkung eines Verteidigers notwendig werden wird, spricht hierfür. Auch § 141 Abs. 3 Satz 3 StPO, wonach das Gericht nach Abschluss der Ermittlungen auf Antrag der Staatsanwaltschaft tätig werden muss, unterstreicht die Rolle der Staatsanwaltschaft als “Herrin des Verfahrens”. Diese differenzierte Regelung der Pflichtverteidigerbestellung des § 141 StPO steht in Einklang mit der grundsätzlichen Unterscheidung der Strafprozessordnung zwischen Ermittlungsverfahren und Verfahren ab Anklageerhebung. In dem Ermittlungsverfahren ist die Staatsanwaltschaft “Herrin des Verfahrens”. Das Gericht kann in diesem Verfahrensabschnitt keine Maßnahmen gegen den Willen bzw. ohne Antrag der Staatsanwaltschaft treffen9.
BGH, Beschluss vom 05.02.2002 – 5 StR 588/01, BGHSt 47, 233 Rdn. 8 [↩]
Meyer-Goßner/Schmitt/Schmitt, StPO, 58. Aufl., § 141 Rdn. 5; Karlsruher Kommentar zur StPO/Laufhütte/Willnow, 7. Aufl., § 141 Rdn. 6; LG Cottbus, Beschluss vom 13.05.2005 – 22 Qs 15/05, juris Rdn.19 [↩]
Löwe-Rosenberg/Lüderssen/Jahn, StPO, 26. Aufl., § 141 Rdn. 24; Köster, StV 1993, 511 ff., Neuhaus, JuS 2002, 18 ff., Klemke, StV 2003, 413 ff.; Stalinkski, StV 2008, 500 ff., LG Heilbronn, Beschluss vom 01.03.1979 – 3 Qs 148/79, Die Justiz 1979, 444; LG Bremen, Beschluss vom 25.06.1998 – 27 AR 55/98, juris [Leitsatz] [↩]
vgl. Köster, StV 1993, 511 ff., Neuhaus, JuS 2002, 18 ff., LG Heilbronn, Beschluss vom 01.03.1979 – 3 Qs 148/79, Die Justiz 1979, 444; LG Bremen, Beschluss vom 25.06.1998 – 27 AR 55/98, juris [Leitsatz]. Vertreten wird vereinzelt auch eine Zuständigkeit des Ermittlungsrichters ((vgl. Stalinkski, StV 2008, 500, 502 [↩]
vgl. Köster, StV 1993, 511, 513 [↩]
Löwe-Rosenberg/Lüderssen/Jahn, StPO, 26. Aufl., § 141 Rdn. 24 [↩]
Karlsruher Kommentar zur StPO/Laufhütte/Willnow, 7. Aufl., § 141 Rdn. 1 [↩]
so aber LG Heilbronn, Beschluss vom 01.03.1979 3 Qs 148/79, Die Justiz 1979, 444 [↩]
vgl. LG Cottbus, Beschluss vom 13.05.2005 22 Qs 15/05, juris Rdn.19 [↩]
vgl. zu letzterem: Karlsruher Kommentar zur StPO/Scheuten, 7. Aufl., Vorbem. zu §§ 7 bis 21, Rdn. 3 [↩]
so wohl: Stalinkski, StV 2008, 500, 502; vgl. auch Löwe-Rosenberg/Lüderssen/Jahn, StPO, 26. Aufl., § 141 Rdn. 24 [↩]
OLG Karlsruhe, Beschluss vom 22.12 1997 2 VAs 41/97, NStZ 1998, 315f.; OLG Oldenburg, Beschluss vom 12.11.1992 1 VAs 4/92 [↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 19.12 1983 2 BvR 1731/82, NStZ 1984, 228f.; Nichtannahmebeschluss vom 02.10.2003 – 2 BvR 660/03, NStZ 2004, 447 f. [↩]
vgl. aber Köster, StV 1993, 512, 513 [↩]
BGH, Urteil vom 25.07.2000 1 StR 169/00, BGHSt 46, 93 Rdn. 34/35 [↩]
BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/10, 2 BvR 2883/10, 2 BvR 2155/1, BVerfGE 133, 168 Rn. 59, 80, 93 [↩]
vgl. dazu Neuhaus, JuS 2002, 18, 20 unter Verweis auf eine Untersuchung von Peters [Fehler im Strafprozess II, 1972] zu Fehlerquellen im Strafprozess [↩]
vgl. dazu Klemke, StV 2003, 413, 413 [↩]
vgl. dazu auch den Diskussionsentwurf für eine Reform des Strafverfahrens der Fraktionen der SPD/Bündnis90/Die Grünen des Deutschen Bundestages und des Bundesministeriums der Justiz vom Februar 2004, in dem u.a. eine gesetzliche Verankerung des Antragsrechts des Beschuldigten im Ermittlungsverfahren vorgeschlagen und offenbar davon ausgegangen wird, de lege lata könne eine Pflichtverteidigerbestellung im Ermittlungsverfahren nur auf Antrag der Staatsanwaltschaft erfolgen, StV 2004, 228, 232 [↩]
anders: Köster, StV 1993, 512, 513 [↩]

References: § 141
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de lege lata