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Timestamp: 2018-01-23 06:06:24+00:00

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Autor: JuraForum.de-Redaktion, verfasst am 30.12.2015, 12:18| Jetzt kommentieren
Der Mundraub war bis in die Mitte der 70er Jahre strafbar. Die alte Fassung des § 370 Nr. 5 StGB [Strafgesetzbuch] sprach insoweit von einer Verbrauchsmittelentwendung, die jedoch nur mit einer geringen Strafe bedacht war. Wie ist es aber heutzutage? Ist der Mundraub verboten oder sogar weiterhin strafbar? Welche rechtlichen Konsequenzen kann eine solche Verbrauchsmittelentwendung nach sich ziehen?
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Was genau ist unter einem Mundraub bzw. einer Verbrauchsmittelentwendung zu verstehen?
Das Strafgesetzbuch von 1851 sprach von einer Entwendung von Nahrungs- und Genussmitteln in geringen Mengen oder von unbedeutendem Wert zum alsbaldigen Verzehr. Umfasst waren aber auch allgemeine Gegenstände zum hauswirtschaftlichen Gebrauch, soweit die Entwendung sich auf eine geringe Menge oder auf Gegenstände mit geringem Wert zum alsbaldigen Verbrauch bezog.
Beispiele für einen Mundraub:
Der Tatbestand des Mundraubes war immer dann erfüllt, wenn bspw. eine Person, die Früchte vom Nachbarsbaum gepflückt hat, um sie an Ort und Stelle zu verspeisen.
Eine Person, die im Supermarkt lediglich das Obst probiert hat, um sich besser vom Geschmack und der Frische überzeugen zu können, erfüllte diesen Tatbestand jedoch ebenso.
Das Gleiche galt aber auch – mit Blick auf den terminus technicus Verbrauchsmittelentwendung – bei der Entwendung von Zigaretten oder Viehfutter.
Ist die Begehung eines Mundraubes heutzutage straffrei?
Die Verbrauchsmittelentwendung wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1975 abgeschafft. Die Abschaffung dieses eigenständigen Straftatbestands führt aber gerade nicht dazu, dass der Mundraub als solcher nunmehr straflos bleibt. Vielmehr wurde die Strafbarkeit verschärft, denn heutzutage wird ein Mundraub als Diebstahl im Sinne des § 242 StGB gewertet, der immerhin mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden kann.
Ein Diebstahl ist die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache, in der Absicht sie sich selbst oder einem Dritten zuzueignen. Früchte – selbst die am Wegesrand – stehen im Eigentum eines anderen. Das Eigentum daran wird durch den Mundraub entzogen. Der Straftatbestand ist damit ohne weiteres erfüllt. Wird man erwischt, ist die Beweisbarkeit der Tat in der Regel ebenso kein Problem.
Befasst sich die Staatsanwaltschaft bzw. die Polizei tatsächlich mit jedem Mundraub?
Der Aufwand einer solchen – vergleichsweise harmlosen – Tat wäre zu groß, wenn Staatsanwaltschaft bzw. Polizei tatsächlich in jedem Fall ermitteln müssten. Deshalb sieht der § 248a StGB vor, dass ein Diebstahl [aber auch eine Unterschlagung] geringwertiger Sachen lediglich ein sog. Antragsdelikt ist. Antragsdelikte unterliegen nämlich im besonderen Maße dem Grundsatz „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ [Nullo actore, nullus iudex]. Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln also bei einem Diebstahl bzw. einer Unterschlagung geringwertiger Sache – wobei die Grenze in der Regel bei 50 Euro liegt – grundsätzlich nur, wenn ein Strafantrag vom Geschädigten gestellt worden ist. Etwas anderes gilt nur in solchen Fällen, in denen die Staatsanwaltschaft ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bejahen kann. Dies wird bei einem Mundraub allerdings regelmäßig nicht möglich sein.
Was gibt es bei einem solchen Diebstahl noch zu beachten?
Es ist zu beachten, dass derjenige, der bei einem solchen Diebstahl bewusst eine Waffe bei sich trägt – wobei ein kleines Taschenmesser genügt – sich wegen Diebstahl mit Waffen gem. § 244 StGB strafbar machen kann. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Waffe zum Einsatz kommen soll oder nicht, erforderlich ist lediglich das Beisichführen.
Ein solcher Diebstahl sieht – im Gegensatz zur einfachen Deliktsbegehung – keine Geldstrafe mehr vor, sondern eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.
Ist der Täter kein Berufswaffenträger, so wird der Vorsatz – bezogen auf das bewusste Beisichführen der Waffe – schwer nachweisbar sein.
Ein sog. tatbestandsausschließendes Einverständnis lässt einen Diebstahl ausscheiden. Eine Wegnahme liegt nämlich nur dann vor, wenn fremdes Gewahrsam gegen oder ohne den Willen des ursprünglichen Gewahrsamsinhabers gebrochen wird.
Wer für einen Mundraub eine umzäunte Fläche betritt, macht sich regelmäßig auch wegen Hausfriedensbruch gem. § 123 StGB strafbar.
Muss ich mich als Täter noch andere rechtliche Konsequenzen befürchten?
Das Eigentum ist zivilrechtlich besonders geschützt. Wer das Eigentum eines anderen entzieht, der muss Schadensersatz aus § 823 Absatz 1 BGB bzw. § 823 Absatz 2 BGB i.V.m. § 242 StGB leisten. Die Höhe des Schadensersatzes ist in einem solchen Fall allerding in der Regel verschwindend gering, sodass sich eine gerichtliche Durchsetzung dieses Anspruchs grundsätzlich nicht lohnt.
Einen Beitrag zu den arbeitsrechtlichen Konsequenzen vom Mundraub unter Kollegen finden Sie unter http://www.law-blog.de/1121/mundraub-unter-kollegen-abmahnung-oder-kuendigung/.
Der Mundraub ist nicht nur verboten, sondern strafbar. Er existiert zwar nicht mehr als eigenständiges Delikt, dafür erfüllt er heutzutage den Tatbestand des Diebstahls gem. § 242 StGB, der immerhin mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden kann. Allerdings handelt es sich in aller Regel bei einer solchen Verbrauchsmittelentwendung um einen Diebstahl geringwertiger Sachen [Geringwertigkeit liegt grundsätzlich vor bis zu einem Betrag von 50 Euro], der gem. § 248a StGB einen Strafantrag vom Geschädigten voraussetzt. In den meisten Fällen wird es also nicht zu einer Verurteilung kommen.
Schlagwörter: Strafrecht, Mundraub, verboten, strafbar § 370 Nr. 5 StGB a.F., Diebstahl, § 242 StGB, § 248a StGB, geringwertige Sache, Verbrauchsmittelentwendung, Nahrungsmittel, Genussmittel, Entwendung, Antragsdelikt
Sicherheitsfrage 92 + D.rei =
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References: § 370
 § 242
 § 248
 § 244
 § 123
 § 823
 § 823
 § 242
 § 242
 § 248
 § 370
 § 242
 § 248