Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_13/vo/1/81150000088.htm
Timestamp: 2018-11-19 10:11:43+00:00

Document:
1.15.088 Grafenau
Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Grafenau" vom 18.10.1995 (Amtsblatt Grafenau v. 30.11.1995).
Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 07.02.1994 (GBl. S. 73) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Grafenau mit den Gemarkungen Döffingen und Dätzingen werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Landschaftsschutzgebiet Grafenau".
(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rd. 322 ha.
(2) Das Schutzgebiet besteht aus 4 Teilgebieten. Es umfaßt nach dem Stand vom 18. Oktober 1995 folgende Landschaftsteile:
Die südlich von Döffingen gelegene streuobstbestandene Waldwiese im Gewann "Baumberg".
Die Schwippe-Talaue mit Einhängen von der Markungsgrenze zu Sindelfingen-Darmsheim bis zur Markungsgrenze von Weil der Stadt-Schafhausen mit den Gewannen "Breitwiesen", "Zurkwasser", "Neue Graben", "Wannen", "Happen", "Gartenwiesen", "Nonnenäcker", "Waldäcker", "Brühl", "Hanfberg", schließlich der angrenzenden Talhänge und Hochflächen mit den Gewannen ”Obere Straße", "Täle", "Hamberg' ,"Holzberg", "Tälesberg" und "Wiedberg".
Die nördlich von Döffingen gelegenen Gewanne "Allmend", "Langer Berg" und "Erschel".
Landschaftsteile westlich von Dätzingen zwischen der Markungsgrenze zu Ostelsheim im Westen, dem Gewann Kuhwald im Süden und dem Naturschutzgebiet Hacksberg/Steckental im Norden. Im einzelnen umfaßt das Teilgebiet folgende Gewanne: "Neuland", "Am Weilemer Weg", "Hacksberg", "Ostelsheimer Tal", "Langenäcker", "Häslach", "Ameisenhalde", "Wolfentäle", "Fürschel", "Brühl", "Langental", "Rot", "Teufelsgrund", "Am Emezer Weg", "Ochsenstraße", "Füllesäcker", "Schecken­häule", "Obere Füttere", "Untere Füttere", "Schimmeläcker", "Beim Hohlsteigle", "Axthalde" und "Sol".
(3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in 3 Detailkarten im Maßstab 1 : 5 000 des Landratsamtes Böblingen vom 18.10.1995 mit durchgezogener grüner, grau hinterlegter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Böblingen als Untere Naturschutzbehörde in 71034 Böblingen, Parkstr. 16, und bei der Gemeinde Grafenau, Wittumstr. 1 in 71120 Grafenau-Döffingen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.
(4) Unberührt bleiben die Bestimmungen der Naturdenkmalverordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutz von Naturdenkmalen auf der Gemarkung der Gemeinde Grafenau vom 23.01.1992.
(1) Schutzzweck ist die Erhaltung und Sicherung des ursprünglichen Charakters einer vielgestaltigen Kulturlandschaft in ihrer Funktion für den Naturhaushalt, als Lebensraum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere auch als deren genetisches Reservoir und als größerer, zusammenhängender Erholungsraum. Das Landschaftsschutzgebiet soll vor störenden und beeinträchtigenden Veränderungen bewahrt werden.
5. Teilgebiet I:
Erhaltung der landschaftsprägenden Streuobstbestände und Grünlandflächen sowie Sicherung dieses charakteristischen Landschaftsteils. Schutz vor Zersiedelung.
6. Teilgebiet II:
Offenhaltung und Erhaltung der Talauen mit bachbegleitenden Gehölzsäumen und hohem Grünlandanteil. Sicherung und Entwicklung der angrenzenden charakteristischen Heckengäulandschaft mit ausgeprägten Magerrasen, Wacholderheiden, Feldgehölzen, Hecken, Waldflächen, Steinriegeln sowie Streuobstbeständen. Schutz vor weiterer Zersiedlung.
7. Teilgebiet III:
Sicherung und Erhaltung des reizvollen, reichhaltig strukturierten Talzugs mit Feldgehölzen, Hecken, Waldsäumen und Magerrasen mit wertvollen Pflanzengesellschaften. Schutz vor Zersiedelung.
8. Teilgebiet IV:
Erhaltung der typischen Heckengäulandschaft mit Steinriegeln, Hecken, Feldgehölzen und Magerrasen mit wertvollen Pflanzenbeständen sowie der Streuobstwiesen in der reizvoll geschwungenen Hügellandschaft. Schutz vor Zersiedelung.
9. der Naturhaushalt geschädigt,
10. die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,
11. eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,
12. das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder
13. der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.
9. Betrieb von Motorsport, von motorgetriebenen Schlitten sowie Betrieb von Maschinen, Geräten und Einrichtungen aller Art, soweit sie lästigen Lärm verursachen;
12. Errichtung oder Veränderung von Stegen oder sonstiger wasserbaulicher Einrichtungen;
15. Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten, Anpflanzung standortfremder Gehölze oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise.
17. Beseitigung von Streuobstbeständen. ausgenommen die Beseitigung von Einzelbäumen, wenn innerhalb eines Jahres ein hochstämmiger Obstbaum nachgepflanzt wird;
18. Umwandlung von Grünland in Acker.
(6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 3 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 3 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.
1. für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 14, 15, 16, 17 und 18;
6. entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes i. V. m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,
7. entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.
(2) Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde über Landschaftsschutzgebiete vom 10.10.1974 (Ratberg und Umgebung) für die Gemarkungen Dätzingen und Döffingen außer Kraft.
Böblingen, den 18.10.1995

References: § 64
 § 2
 § 5
 § 22
 § 4
 § 5