Source: http://www.mdr-recht.de/59621.htm
Timestamp: 2019-08-22 08:44:29+00:00

Document:
BGH v. 22.7.2019 - X ZB 8/19
Keine Beschwerde zum BGH - Gesetzgeber nimmt Divergenzen im Interesse der Beschleunigung hin
Der BGH kann auf eine Vorlage nach Â§ 124 Abs. 2 GWB aF hin jedenfalls dann nicht (erneut) Ã¼ber einen Antrag nach Â§ 118 Abs. 1 Satz 3 GWB aF entscheiden, wenn das Beschwerdegericht bereits eine diesbezÃ¼gliche Entscheidung getroffen hat. Der Gesetzgeber nimmt in solchen FÃ¤llen Divergenzen im Interesse der Beschleunigung hin. Dem steht nicht entgegen, dass der BGH gem. Â§ 124 Abs. 2 Satz 2 GWB aF (jetzt: Â§ 179 Abs. 2 Satz 4 GWB) auf eine Vorlage hin anstelle des OLG entscheidet.
Die Antragstellerin hatte sich gegen eine vom Antragsgegner im MÃ¤rz 2016 im Supplement zum Amtsblatt der EU angekÃ¼ndigte Direktvergabe von Ã¶ffentlichen Personenverkehrsdiensten gewandt. Die Vergabekammer hat daraufhin mit Beschluss vom 11.11.2016 dem Antragsgegner aufgegeben, die Einhaltung der Anforderungen aus Art. 5 Abs. 2 Satz 1 und 2 Buchst. e der Verordnung (EG) Nr. 1370/2007 sicherzustellen und den NachprÃ¼fungsantrag im Ãœbrigen abgelehnt. Dagegen haben sich beide Beteiligten mit der sofortigen Beschwerde gewandt.
Das OLG hat mit Beschluss vom 8.12.2016 gem. Â§ 118 Abs. 1 Satz 3 GWB in der fÃ¼r den Streitfall maÃŸgeblichen, bis 17.4.2016 geltenden Fassung (nachfolgend: GWB aF) die aufschiebende Wirkung der sofortigen Beschwerde der Antragstellerin verlÃ¤ngert. Mit Beschluss vom 3.5.2017 hat es dem EuGH einige Fragen zur Auslegung der Verordnung (EG) Nr. 1370/2007 vorgelegt. Der EuGH hat darÃ¼ber mit Urteil vom 21.3.2019 entschieden.
Nach einer weiteren mÃ¼ndlichen Verhandlung hat das OLG am 3.7.2019 beschlossen, die Sache gem. Â§ 124 Abs. 2 Satz 1 GWB aF dem BGH vorzulegen. Mit Beschluss vom gleichen Tag hat es den erwÃ¤hnten Beschluss vom 8.12.2016 aufgehoben und den Antrag auf VerlÃ¤ngerung der aufschiebenden Wirkung der sofortigen Beschwerde zurÃ¼ckgewiesen.
Der BGH hat den Antrag auf VerlÃ¤ngerung der aufschiebenden Wirkung der sofortigen Beschwerde zurÃ¼ckgewiesen.
Der Antrag ist nicht zulÃ¤ssig. Entgegen der Auffassung der Antragstellerin ist der BGH jedenfalls in der Konstellation des Streitfalls nicht berufen, Ã¼ber eine VerlÃ¤ngerung der aufschiebenden Wirkung der sofortigen Beschwerde zu entscheiden.
Nach Â§ 124 Abs. 2 Satz 4 GWB aF (jetzt: Â§ 179 Abs. 2 Satz 4 GWB) gilt die Vorlagepflicht nicht im Verfahren nach Â§ 118 Abs. 1 Satz 3 und nach Â§ 121 GWB aF. In diesen Eilverfahren nimmt der Gesetzgeber nÃ¤mlich Divergenzen im Interesse der Beschleunigung hin. Dahinter steht die ErwÃ¤gung, dass Divergenzen die Ausnahme bleiben werden und sich durch nachfolgende gerichtliche Entscheidungen in der Hauptsache oder in Schadensersatzprozessen auflÃ¶sen. Daraus ergibt sich, dass eine Vorlage im Vorfeld einer Entscheidung nach Â§ 118 Abs. 1 Satz 3 GWB aF ausgeschlossen ist. Sie hat des Weiteren zur Folge, dass der BGH auch auf eine zulÃ¤ssige Vorlage hin jedenfalls dann nicht (erneut) Ã¼ber einen Antrag nach Â§ 118 Abs. 1 Satz 3 GWB aF entscheiden kann, wenn das Beschwerdegericht bereits eine diesbezÃ¼gliche Entscheidung getroffen hat.
Der Gesetzgeber hat fÃ¼r das Verfahren nach Â§ 118 Abs. 1 Satz 3 GWB aF dem Gesichtspunkt der EilbedÃ¼rftigkeit den Vorrang eingerÃ¤umt. Dementsprechend wird das Beschwerdegericht typischerweise bereits eine Entscheidung Ã¼ber einen auf diese Vorschrift gestÃ¼tzten Antrag getroffen haben, bevor es dem Bundesgerichtshof die Sache vorlegt. Hat es die VerlÃ¤ngerung der aufschiebenden Wirkung abgelehnt oder wie im Streitfall einen Beschluss Ã¼ber die VerlÃ¤ngerung wieder aufgehoben, widersprÃ¤che es dem Zweck von Â§ 124 Abs. 2 Satz 4 GWB aF, wenn die Beteiligten den BGH um eine erneute Entscheidung nach Â§ 118 Abs. 1 Satz 3 GWB aF angehen und so den Ausgang des Eilverfahrens verzÃ¶gern kÃ¶nnten.
Dem steht nicht entgegen, dass der BGH gem. Â§ 124 Abs. 2 Satz 2 GWB aF (jetzt: Â§ 179 Abs. 2 Satz 4 GWB) auf eine Vorlage hin anstelle des OLG entscheidet. Aus dieser Vorschrift ergibt sich zwar, wie die Antragstellerin im Ansatz zutreffend geltend macht, dass das Beschwerdeverfahren als Einheit vor dem BGH weitergefÃ¼hrt wird und dieser deshalb grundsÃ¤tzlich auch die anfallenden Nebenentscheidungen zu treffen hat. Der Gesetzgeber nimmt in Â§ 124 Abs. 2 Satz 4 GWB aF aber das Verfahren nach Â§ 118 Abs. 1 Satz 3 GWB von dieser Wirkung aus. Auch unter diesem Aspekt kommt eine Entscheidung des BGH Ã¼ber die VerlÃ¤ngerung der aufschiebenden Wirkung jedenfalls in der im Streitfall zu beurteilenden Konstellation gerade nicht in Betracht.
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 12.08.2019 16:43

References: BGH 
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 Art. 5
 EuGH 
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