Source: https://www.jusmeum.de/gesetz/segelmausbv
Timestamp: 2020-01-18 01:11:07+00:00

Document:
SegelmAusbV
Verordnung über die Berufsausbildung zum Segelmacher und zur Segelmacherin
Auf Grund des § 25 Absatz 1 Satz 1 in Verbindung mit § 26 Absatz 1 und Absatz 2 Satz 1 Nummer 2, 3, und 7 der Handwerksordnung, von denen § 25 Absatz 1 zuletzt durch Artikel 146 der Verordnung vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407) geändert und § 26 zuletzt durch Artikel 2 Nummer 4 des Gesetzes vom 23. März 2005 (BGBl. I S. 931) neu gefasst worden ist, verordnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung:
Der Ausbildungsberuf des Segelmachers und der Segelmacherin wird nach § 25 der Handwerksordnung zur Ausbildung für das Gewerbe Nummer 23, Segelmacher, der Anlage B 1 der Handwerksordnung staatlich anerkannt.
(2) Die Berufsausbildung zum Segelmacher und zur Segelmacherin gliedert sich wie folgt (Ausbildungsberufsbild):
Anfertigen und Umsetzen von technischen Unterlagen,
Verhalten auf dem Wasser und an Bord, Sicherheit und Gewässerschutz,
Messen und Aufschnüren von Flächen,
Auswählen und Einsetzen von Werk- und Hilfsstoffen sowie von Zubehör,
Handhaben und Instandhalten von Werkzeugen, Geräten, Maschinen und Anlagen,
Zuschneiden und Vorrichten,
Herstellen von Profilierungen,
Ausführen von Näh-, Schweiß- und Klebearbeiten,
Fertigstellen und Anschlagen von Segeln,
Arbeiten an Rigg und Takelage,
Fertigstellen und Montieren von Bezügen, Planen, Zelten und Markisen,
Durchführen von Reparatur- und Wartungsarbeiten;
(1) Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sollen so vermittelt werden, dass die Auszubildenden zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit im Sinne von § 1 Absatz 3 des Berufsbildungsgesetzes befähigt werden, die insbesondere selbstständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren einschließt. Diese Befähigung ist in den Prüfungen nach den §§ 5 bis 7 nachzuweisen.
§ 5 Gesellenprüfung
(1) Die Gesellenprüfung besteht aus den beiden zeitlich auseinander fallenden Teilen 1 und 2. Durch die Gesellenprüfung ist festzustellen, ob der Prüfling die berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat. In der Gesellenprüfung soll der Prüfling nachweisen, dass er die dafür erforderlichen beruflichen Fertigkeiten beherrscht, die notwendigen beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und mit dem im Berufsschulunterricht zu vermittelnden, für die Berufsausbildung wesentlichen Lehrstoff vertraut ist. Dabei sollen Prüfungsinhalte, die bereits Gegenstand von Teil 1 der Gesellenprüfung waren, in Teil 2 der Gesellenprüfung nur insoweit einbezogen werden, als es für die Feststellung der Berufsbefähigung erforderlich ist.
§ 6 Teil 1 der Gesellenprüfung
(1) Teil 1 der Gesellenprüfung soll zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.
(3) Teil 1 der Gesellenprüfung findet im Prüfungsbereich Arbeitsauftrag I statt.
(4) Für den Prüfungsbereich Arbeitsauftrag I bestehen folgende Vorgaben:
technische Unterlagen anwenden, Maße nehmen, Skizzen erstellen und Berechnungen durchführen,
Fertigungsverfahren auswählen,
Werk- und Hilfsstoffe sowie Zubehör auswählen und einsetzen,
Werkzeuge, Maschinen und Anlagen auswählen und einsetzen,
Teile zuschneiden und zuordnen,
Näh-, Schweiß-, Klebe- und Seilarbeiten ausführen,
fachliche Hintergründe aufzeigen sowie die Vorgehensweise bei der Durchführung der Arbeitsprobe begründen
dem Prüfungsbereich sind die Tätigkeiten Planen und Herstellen eines Produktes unter Anwendung von verschiedenen Verbindungstechniken zugrunde zu legen;
der Prüfling soll eine Arbeitsprobe durchführen und hierüber ein situatives Fachgespräch führen sowie Aufgabenstellungen, die sich auf die Arbeitsprobe beziehen, schriftlich bearbeiten;
die Prüfungszeit beträgt insgesamt sieben Stunden; innerhalb dieser Zeit soll das situative Fachgespräch in höchstens zehn Minuten sowie die Bearbeitung der schriftlichen Aufgabenstellungen in 90 Minuten durchgeführt werden.
§ 7 Teil 2 der Gesellenprüfung
Art und Umfang von Aufträgen erfassen, Arbeitsabläufe planen,
Anforderungsprofile von Produkten erstellen,
Produkte konstruieren,
Einfluss von Werkstoffeigenschaften und verschiedener Ausrüstungen auf Produkte berücksichtigen,
Anwenderprogramme nutzen,
Schnittschablonen anfertigen,
Profilierungen herstellen,
Verstärkungen, Schlaufen und Gurte bestimmen und anbringen,
Drahtseile konfektionieren,
Befestigungsarten und -mittel festlegen,
Segel fertigstellen,
Bezüge, Planen, Zelte oder Markisen fertigstellen,
Funktionalität der Produkte prüfen,
fachliche Hintergründe aufzeigen sowie die Vorgehensweise bei der Durchführung der Arbeitsaufgaben begründen
dem Prüfungsbereich sind die Tätigkeiten Herstellen eines Segels und Herstellen eines Bezuges, einer Plane, eines Zeltes oder einer Markise zugrunde zu legen;
der Prüfling soll zwei Arbeitsaufgaben durchführen und mit betriebsüblichen Unterlagen dokumentieren sowie hierüber ein auftragsbezogenes Fachgespräch führen;
die Prüfungszeit beträgt insgesamt 16 Stunden; innerhalb dieser Zeit soll das auftragsbezogene Fachgespräch in höchstens 20 Minuten durchgeführt werden. Dem Prüfling muss für die einzelnen Arbeitsaufgaben eine Prüfungszeit von mindestens sechs Stunden eingeräumt werden;
bei der Erstellung der Arbeitsaufgaben ist der Bereich, in dem der Auszubildende schwerpunktmäßig ausgebildet wurde, zu berücksichtigen.
Auftragsdaten bearbeiten und technische Informationen auswerten,
Bedingungen für den Einsatz von Produkten erfassen,
Werkstoffeigenschaften bestimmen und Fertigungsverfahren festlegen,
Aufbau und Funktion von Maschinen und Anlagen beschreiben,
Art und Einsatzzweck von Profilierungen beschreiben,
Umsetzungsvorschläge zur Herstellung und Reparatur von Produkten entwickeln,
Umsetzungsvorschläge zum Anschlagen und zur Montage entwickeln,
Serviceleistungen dem Kunden anbieten sowie
qualitätssichernde Maßnahmen festlegen
1. Prüfungsbereich Arbeitsauftrag I 30 Prozent,
2. Prüfungsbereich Arbeitsauftrag II 40 Prozent,
Planung und Fertigung 20 Prozent,
in mindestens zwei Prüfungsbereichen von Teil 2 mit mindestens „ausreichend“ und
Auf Antrag des Prüflings ist die Prüfung in einem der in Teil 2 der Gesellenprüfung mit schlechter als „ausreichend“ bewerteten Prüfungsbereiche, in denen Prüfungsleistungen mit eigener Anforderung und Gewichtung schriftlich zu erbringen sind, durch eine mündliche Prüfung von etwa 15 Minuten zu ergänzen, wenn dies für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis von 2:1 zu gewichten.
Berufsausbildungsverhältnisse, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bestehen, können unter Anrechnung der bisher zurückgelegten Ausbildungszeit nach den Vorschriften dieser Verordnung fortgesetzt werden, wenn die Vertragsparteien dies vereinbaren und die Zwischenprüfung noch nicht abgelegt wurde.
Anlage (zu § 3 Absatz 1)Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zum Segelmacher und zur Segelmacherin
(Fundstelle: BGBl. I 2010, 567 - 572)
1 Anfertigen und Umsetzen von technischen Unterlagen
Arten und Aufbau von Segeln unter Berücksichtigung von aerodynamischen Gesichtspunkten unterscheiden
Takelungsarten unterscheiden
Arten, Aufbau und Funktion von Planen, Bezügen, Markisen und Zelten unterscheiden
Skizzen und Fachzeichnungen erstellen und anwenden
technische Unterlagen, insbesondere Vermessungsvorschriften, Normen, Sicherheitsbestimmungen, Arbeitsanweisungen, Merkblätter und Richtlinien, anwenden
Funktion und Proportion von Produkten in ihrer Umgebung unter Einbeziehung von Wind-, Licht- und Witterungsverhältnissen berücksichtigen
Umsetzungsvorschläge unter Berücksichtigung von technischen Vorgaben, Einsatz, Materialeigenschaften und Profilgebung erarbeiten
2 Verhalten auf dem Wasser und an Bord, Sicherheit und Gewässerschutz
Boote am Liegeplatz wenden und verholen
Gebrauchsknoten, insbesondere Kreuzknoten, Pahlstek, Webeleinstek und Schotstek, ausführen
mit Tauen und Segeln umgehen
Rettungsmittel und persönliche Schutzausrüstungen einsetzen
erforderliche Maßnahmen in Notfällen ergreifen
Vorschriften zum Gewässerschutz anwenden
3 Messen und Aufschnüren von Flächen
Maße vor Ort nehmen
Maße aufzeichnen, aufschnüren und übertragen
Maße in Anwenderprogramme eingeben und bearbeiten
4 Auswählen und Einsetzen von Werk- und Hilfsstoffen sowie von Zubehör
Werk- und Hilfsstoffe nach Art und Struktur bestimmen und auswählen
Verarbeitungs- und Gebrauchsanforderungen nach Verwendungszweck unterscheiden und beachten
textile Flächengebilde, Verbundstoffe und Folien nach Eigenschaften auswählen und einsetzen
Natur-, Chemiefaser- und Drahtseile nach Eigenschaften und Konstruktion auswählen und einsetzen
Zubehör, insbesondere nach technischen Vorgaben, auswählen und einsetzen
Metalle, Hölzer und Kunststoffe bearbeiten
Einfluss von Werkstoffeigenschaften auf Produkte berücksichtigen
Auswirkungen verschiedener Ausrüstungen, insbesondere Elastizität, Reißfestigkeit und UV-Beständigkeit, berücksichtigen
5 Handhaben und Instandhalten von Werkzeugen, Geräten, Maschinen und Anlagen
Werkzeuge, Geräte, Maschinen und Anlagen, insbesondere nach Materialbeschaffenheit und Einsatzgebieten, auswählen und einsetzen
Werkzeuge, Geräte, Maschinen und Anlagen warten und instand halten
Geräte, Maschinen und Anlagen einrichten und unter Berücksichtigung der Sicherheitsbestimmungen in Betrieb nehmen und bedienen
Störungen feststellen und Maßnahmen zur Störungsbeseitigung ergreifen
vorbeugende Instandhaltung durchführen, insbesondere Verschleißteile ersetzen
6 Zuschneiden und Vorrichten
textile Flächengebilde, Verbundstoffe und Folien, insbesondere nach Lastorientierung, legen und ablängen
Schnittformen übertragen, Schnittmaße kontrollieren
textile Flächengebilde, Verbundstoffe und Folien materialgerecht zuschneiden
ausgeschnittene Teile kontrollieren, kennzeichnen und zuordnen
Schnittschablonen anfertigen, Zuschnitt optimieren
7 Herstellen von Profilierungen
Art und Einsatzzweck von Profilierungen unterscheiden und auswählen
Abnähergrößen unter Berücksichtigung von Profiltiefe und Profillage ermitteln, Anwenderprogramme nutzen
Daten übernehmen, Abnäher, insbesondere mit Straklatte und Schlagschnur, anzeichnen
Außenkanten unter Berücksichtigung der Abnäher einrichten und straken
mehrdimensionale gewölbte Flächen aus glatten Flächen herstellen
8 Ausführen von Näh-, Schweiß- und Klebearbeiten
Verfahren zur Herstellung von Verbindungen auswählen und festlegen, Materialkombinationen berücksichtigen
Schnittteile, Verbindungsteile und Zubehör nach Arbeitsauftrag bereitstellen, Nähmaterialien, Naht- und Sticharten sowie Klebstoffe auswählen
ergonomische Körperhaltung einnehmen, Grifftechniken anwenden
manuelle Näharbeiten, insbesondere Kreuz-, Liek- und Lappstich, ausführen
maschinelle Näharbeiten, insbesondere Sechs- und Vierstich-Nähte sowie Zick-Zack-Nähte, ausführen
Klebe- und Schweißverfahren anwenden
Schlaufen und Gurte bestimmen und anbringen
Verstärkungen, insbesondere Eckverstärkungen, aufbringen, Lastkonzentrationen berücksichtigen
9 Fertigstellen und Anschlagen von Segeln
Zubehör, insbesondere Kauschen, Beschläge, Ösen und Knöpfe, anbringen
Kennzeichnungen, insbesondere Klassenzeichen, anbringen
Segellatten einführen, einstellen und sichern
Segel unter Berücksichtigung von technischen Vorgaben, insbesondere Rollrichtung, Kundenanforderungen und Sicherheitsbestimmungen, an- und abschlagen sowie sichern
Segel trimmen, Schotwinkel kontrollieren
technische Funktionen der Anschlagmittel prüfen
10 Arbeiten an Rigg und Takelage
Natur- und Chemiefaserseile, insbesondere durch Knoten und Spleißen, verbinden, Taklinge aufsetzen, Normen beachten
Zubehör, insbesondere Kauschen, Ringe und Beschläge, einarbeiten
Drahtseile, insbesondere durch Pressen und Spleißen, konfektionieren, Normen beachten
Reff- und Rollanlagen auf Funktion prüfen
Korrosionsschutz, insbesondere bei Materialkombinationen, beachten und Maßnahmen durchführen
Masten, insbesondere durch Einstellen der Wanten und Stage, trimmen
11 Fertigstellen und Montieren von Bezügen, Planen, Zelten und Markisen
Zubehör, insbesondere Beschläge, Ösen und Beriemung, vorbereiten und anbringen
Bezüge, Planen, Zelte und Zubehör unter Berücksichtigung von technischen Vorgaben, Kundenanforderungen und Sicherheitsbestimmungen montieren
Untergründe prüfen und bearbeiten, Befestigungsart und Befestigungsmittel festlegen
Markisen unter Berücksichtigung von technischen Vorgaben, Kundenanforderungen und Sicherheitsbestimmungen montieren
12 Durchführen von Reparatur- und Wartungsarbeiten
(§ 3 Absatz 2 Abschnitt A Nummer 12)
Ursachen von Störungen, Fehlern und Schäden ermitteln
Reparaturarbeiten durchführen und dokumentieren
Maßnahmen zur Lagerung von Produkten durchführen
Durchführbarkeit von Reparaturen beurteilen, Reparaturvorschläge erarbeiten und mit dem Kunden, insbesondere unter Kostenaspekten, erörtern
Auftragsunterlagen prüfen und bearbeiten
Arbeitsschritte unter Berücksichtigung betrieblicher Abläufe und Fertigungsunterlagen festlegen
Werk- und Hilfsstoffe sowie Arbeitsmittel den einzelnen Arbeitsschritten zuordnen, kennzeichnen und auftragsbezogen bereitstellen
Materialbedarf berechnen und Bedarfslisten erstellen
Arbeitsabläufe unter Beachtung wirtschaftlicher und terminlicher Vorgaben planen, mit vor- und nachgelagerten Bereichen abstimmen, festlegen und dokumentieren
berufsbezogene Bestimmungen und Normen, insbesondere Zollvorschriften, Segelvermessungsvorschriften und kommunales Baurecht, anwenden,
(§ 3 Absatz 2 Abschnitt B Nummer 6)
auftragsbezogene Daten erstellen, auswerten und dokumentieren, Datenschutz beachten
Gespräche mit Vorgesetzen, Mitarbeitern und im Team situationsgerecht führen, Sachverhalte darstellen, fremdsprachliche Fachbegriffe anwenden
Arbeitsaufgaben mit Hilfe von Informations- und Kommunikationssystemen bearbeiten, Anwenderprogramme einsetzen
(§ 3 Absatz 2 Abschnitt B Nummer 7)
Gespräche mit Kunden und weiteren Beteiligten führen und dabei kulturelle Besonderheiten und Verhaltensregeln berücksichtigen
durch eigenes Verhalten zur Kundenzufriedenheit und zum wirtschaftlichen Betriebserfolg beitragen
Kundenwünsche ermitteln und mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen
Kundenanforderungen auf Umsetzbarkeit prüfen, bei der Durchführung von Aufträgen beachten, Kosten abschätzen
Produkte übergeben, Kunden in Bedienung, Wartung und Pflege einweisen
Kunden über Serviceleistungen informieren, Serviceleistungen anbieten
Perspektiven, Voraussetzungen, Rahmenbedingungen, Chancen und Risiken von Selbständigkeit aufzeigen
(§ 3 Absatz 2 Abschnitt B Nummer 8)
Produkte kunden- und normgerecht verpacken sowie versandfertig machen
Kriterien für das Lagern von Werk- und Hilfsstoffen sowie von Produkten berücksichtigen
Zusammenhänge von qualitätssichernden Maßnahmen, insbesondere zwischen Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Kundenzufriedenheit, erkennen
2010, 564: BGBl I

References: § 25
 § 26
 § 25
 § 26
 § 25
 § 1

§ 5

§ 6

§ 7
 § 3