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Timestamp: 2018-01-23 11:51:01+00:00

Document:
Entscheidungsdatum: 23.10.2017
Aktenzeichen: 4 K 419/17.NW
ECLI: ECLI:DE:VGNEUST:2017:1023.4K419.17.00
Normen: § 34 Abs 1 BauGB, § 34 Abs 2 BauGB, § 14 BauNVO, § 15 BauNVO, § 5 Abs 1 BauNVO ... mehr
Hühnerstall im Dorfgebiet - Fenster in der Grenzwand
1. Ein Hühnerstall zur Haltung von einem Hahn und zehn Hühnern ist in einem faktischen Dorfgebiet planungsrechtlich zulässig.(Rn.19)
2. Sind Fenster in der grenzständigen Wand eines Nachbargebäudes gemäß § 30 Abs. 8 Satz 1 LBauO (juris: BauO RP) unzulässig, so muss bei der Nutzung des Hühnerstalls keine weitergehende Rücksicht auf diese Öffnungen genommen werden.(Rn.28)
3. Vielmehr ist der Nachbar gehalten, durch das Schließen der Fenster oder durch sonstige architektonische Selbsthilfe die Beeinträchtigungen zu minimieren.(Rn.28)
4. Ein möglicher Bestandsschutz der Fenster ist insoweit unerheblich.(Rn.29)
Die Klägerin begehrt die Aufhebung einer der Beigeladenen erteilten Baugenehmigung zur Errichtung eines Hühnerstalls.
Die Klägerin ist Eigentümerin des Grundstücks A-Straße ..., Flurstück-Nr. ... in der Ortsgemeinde A-Dorf. Diese Ortsgemeinde hat ca. 125 Einwohner und ist umgeben von landwirtschaftlichen Flächen und Wald. In der Ortsgemeinde sind viele Grundstücke außer mit Wohngebäuden auch mit landwirtschaftlichen Nebengebäuden bebaut. Die Landwirtschaft, die früher dominierend war, hat sich aber zwischenzeitlich auf drei Betriebe in der Ortslage reduziert.
Das Grundstück der Klägerin Flurstück-Nr. ... ist mit einem denkmalgeschützten Wohnhaus aus dem Jahr 1818 bebaut, dessen Nord-, West- und Südwand auf den Grenzen zu den Nachbargrundstücken Flurstück-Nr. ... (B-Straße ..) und Flurstück-Nr. ... (A-Straße ..) stehen. Das Anwesen B-Straße .. ist seit dem Jahr 2000 im Eigentum der Beigeladenen und mit einem Wohnhaus und zwei Scheunen bebaut. Die Beigeladene hält rd. 50 Mutterschafe nebst Jährlingen und Lämmern in einer Herde, die ganz überwiegend außerhalb des Dorfes auf wechselnden Weiden untergebracht ist. Weiter werden 24 Ponys gehalten, die die Beigeladene zum Teil zu reittherapeutischen Zwecken verwendet. Dazu nutzt sie einen Reitplatz auf ihrem Grundstück Flurstück-Nr. ..., das - getrennt durch einen Weg - westlich ihres Grundstücks Flurstück-Nr. ... liegt. Auf dem Grundstück Flurstück-Nr. ... züchtet die Beigeladene außerdem Border Collies und hält seit dem Erwerb des Grundstücks im südlichen Teil zur Eiergewinnung auch einige Hühner. Dazu nutzt sie einen 3,30 m x 2,00 m großen Hühnerstall, der an ihre Scheune grenzt. Er ist ca. 3 m von der grenzständigen Hauswand der Klägerin entfernt, in der sich vier Fenster befinden. Entlang dieser Hauswand wurde von der Beigeladenen eine Bretterwand aus Schaltafeln errichtet. Dies geht zurück auf eine Vereinbarung zwischen der Klägerin und der Beigeladenen, die am 28. November 2014 in einem Sühnetermin vor dem zuständigen Schiedsmann als Vergleich geschlossen wurde. Darin verpflichtete sich die Beigeladene nicht nur zur Errichtung der fraglichen Bretterwand, sondern auch zur Entfernung eines zweiten Hahns von ihrem Grundstück. Die Klägerin erklärte sich im Gegenzug mit dem Verbleib des weiteren Hahns vor Ort einverstanden und nahm „die weiteren Anschuldigungen, wie Gerüche etc.“ im Interesse eines gut nachbarlichen Verhältnisses zurück.
Auf Antrag der Beigeladenen genehmigte der Beklagte im vereinfachten Genehmigungsverfahren mit Bescheid vom 17. November 2016 den Hühnerstall auf dem Grundstück Flurstück-Nr. .... der Beigeladenen, wobei die Hühnerhaltung – wie beantragt – auf 10 Hühner und einen Hahn beschränkt wurde.
Die Klägerin legte gegen diesen Bescheid am 2. Dezember 2016 Widerspruch ein, den der Kreisrechtsausschuss mit Widerspruchsbescheid vom 14. März 2017 zurückwies. Die Klägerin hat daraufhin am 11. April 2017 Klage erhoben, zu deren Begründung sie im Wesentlichen vorträgt:
Die Baugenehmigung verstoße gegen das bauplanungsrechtliche Gebot der Rücksichtnahme, weil das Vorhaben zu unzumutbaren Geruchsimmissionen auf ihrem Grundstück führe. Die von der Federviehhaltung ausgehenden Immissionen beeinträchtigten nicht nur die Nutzung ihrer Wohnräume. Auch die Nutzung des Gewölbekellers werde ganz erheblich eingeschränkt. Namentlich sei eine Lagerung von Lebensmitteln in dem Keller nicht mehr möglich. Gerüche gelangten durch die Auslassungen in der Wand nach innen, setzen sich auf den Lebensmitteln ab und machten diese ungenießbar.
Für die Bewertung der Zumutbarkeit von Geruchsimmissionen könne die „Geruchsimmissions-Richtlinie - GIRL" als Anhaltspunkt und Orientierungshilfe herangezogen werden, wobei ein Immissionswert von 0,10 zugrunde zu legen sei. Das Vorhaben der Beigeladenen befinde sich nämlich nicht in einem faktischen Dorf-, sondern in einem faktischen Mischgebiet. Die Ortsgemeinde ... möge zwar in der Vergangenheit ein faktisches Dorfgebiet dargestellt haben, inzwischen seien jedoch landwirtschaftliche Betriebe nicht mehr in einem hinreichenden Maße vorhanden, um die näher Umgebung zu prägen. Ungeachtet dessen sei der Immissionswert von 0,15 in Dorfgebieten ohnehin nur für Geruchsimmissionen anzuwenden, die durch landwirtschaftliche Tierhaltungsanlagen verursacht würden, nicht aber bei privater Hobbytierhaltung.
Die genehmigte Hühnerhaltung führe außerdem zu unzumutbaren Lärmimmissionen. Der Hahn krähe mehrmals des Nachts und störe so die Nachtruhe. Die Hühner verursachten zudem ein langanhaltendes, sehr lautes Gackern. Erschwert werde die Situation durch Lärmimmissionen, die von der Hunde- und Lämmerhaltung auf dem Grundstück ... und von der Reitanlage der Beigeladenen auf dem Grundstück Flurstück-Nr. ... ausgingen. Schließlich erreiche die von der Beigeladenen errichtete Bretterschalung entlang ihrer Sandsteinmauer nicht den angestrebten Zweck, nämlich ihre Sandsteinmauer zu schützen. Zwischen Mauer und Bretterschalung sammelten sich nämlich Stroh, Hühnerexkremente sowie Federn.
die Baugenehmigung des Beklagten vom 17. November 2016 in der Gestalt des Widerspruchsbescheids vom 15. März 2017 aufzuheben.
und erwidert im Wesentlichen:
Der genehmigte Hühnerstall sei planungsrechtlich zulässig. Trotz der zwischenzeitlich überwiegend vorhandenen Wohnbebauung habe die Ortsgemeinde ... einen dörflich-ländlichen Charakter. Die Nutztierhaltung und damit verbunden auch das Krähen eines Hahnes seien seit Jahrzehnten nichts Untypisches oder gar Ortsfremdes in der näheren Umgebung der Klägerin. In einem solchen ländlichen Bereich, der baulich durch „Hofanlagen“ mit Scheunen und anderen ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Nebengebäuden geprägt sei, müsse mit derartigen Immissionen gerechnet werden. Ein Hühnerstall in den Ausmaßen, wie er sich auf dem Grundstück der Beigeladenen befinde, verstoße daher nicht gegen das Rücksichtnahmegebot.
Auch sie hält ihren Hühnerstall für planungsrechtlich zulässig. Hühner würden seit jeher an mehreren Stellen in A-Dorf gehalten, so z.B. derzeit auch auf dem nahegelegen Anwesen A-Straße ... (Flurstück-Nr. ...).
Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird verwiesen auf die Schriftsätze der Beteiligten und die Verwaltungsakten. Diese waren Gegenstand der mündlichen Verhandlung.
Die zulässige Klage ist gemäß § 113 Abs. 1 Satz 1 Verwaltungsgerichtsordnung - VwGO - unbegründet, denn die angefochtene Baugenehmigung des Beklagten vom 17. November 2016 und der hierzu ergangene Widerspruchsbescheid vom 15. März 2017 sind rechtmäßig und verletzen die Klägerin nicht in ihren Rechten.
Die gemäß §§ 70 Abs. 1, 66 Landesbauordnung - LBauO - im vereinfachten Verfahren genehmigte Errichtung eines Hühnerstalls auf dem Grundstück der Beigeladenen Flurstück-Nr. ... verstößt nicht gegen von der Bauaufsichtsbehörde zu prüfende baurechtliche oder sonstige öffentlich-rechtliche Vorschriften, die auch dem Schutz der Klägerin als Nachbarin zu dienen bestimmt sind. Das Vorhaben ist planungsrechtlich zulässig und verletzt dabei insbesondere nicht das Gebot der Rücksichtnahme.
Die planungsrechtliche Zulässigkeit des genehmigten Hühnerstalls beurteilt sich nach seiner Art gemäß § 34 Abs. 2 Baugesetzbuch - BauGB - nach § 5 Baunutzungsverordnung - BauNVO -, denn die Eigenart der näheren Umgebung entspricht einem Dorfgebiet im Sinne dieser Vorschrift. Solche Dorfgebiete dienen neben dem Wohnen sowie der Unterbringung von nicht wesentlich störenden Gewerbebetrieben und der Versorgung der Bewohner des Gebiets dienenden Handwerksbetrieben insbesondere auch der Unterbringung der Wirtschaftsstellen land- und forstwirtschaftlicher Betriebe, auf deren Belange einschließlich ihrer Entwicklungsmöglichkeiten gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 BauNVO vorrangig Rücksicht zu nehmen ist. Dabei hängt der Charakter eines Dorfgebiets nach § 5 BauNVO nicht davon ab, dass die dort zulässigen Hauptnutzungen in einem annähernd gleichen Verhältnis oder jedenfalls in einem bestimmten prozentualen Verhältnis zu einander stehen. Es reicht vielmehr aus, dass Wirtschaftsstellen landwirtschaftlicher Betriebe neben Wohngebäuden und Gewerbe- oder Handwerksbetrieben (noch) vorhanden sind und das Gebiet dörflich prägen (OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 30. April 2010 – 1 A 11294/09.OVG – m.w.N.). Dies ist vorliegend der Fall.
Die Ortsgemeinde A-Dorf, die nur 125 Einwohner zählt, ist umgeben von landwirtschaftlichen Flächen und nach wie vor geprägt von Grundstücken, die nicht nur mit Wohngebäuden, sondern auch mit landwirtschaftlichen Nebengebäuden bebaut sind. Aktive landwirtschaftliche Nutzung gibt es dabei in der Ortslage von A-Dorf nicht nur auf den Grundstücken der Beigeladenen Flurstück-Nrn. ... und .... Vielmehr befinden sich auch ca. 100 m nordwestlich auf dem Grundstück Flurstück-Nr. ... und ca. 90 m nordöstlich auf den Grundstücken Flurstück-Nrn. ... und ... die Wirtschaftsstellen zweier größerer landwirtschaftlicher Betriebe, die dem Gebiet ein dörfliches Gepräge geben.
Entspricht damit die nähere Umgebung einem Dorfgebiet im Sinne von § 5 Abs. 1 BauNVO, so ist dort ein Hühnerstall planungsrechtlich zulässig, denn dieses Gebiet dient gerade (auch) der Unterbringung solcher Tierhaltungsanlagen. Die mit dem angefochtenen Bescheid genehmigte Haltung von 10 Hühnern und einem Hahn auf dem Grundstück der Beigeladenen muss daher in dem faktischen Dorfgebiet grundsätzlich als ortstypisch hingenommen werden. Dabei ist unerheblich, ob es sich dabei um landwirtschaftliche oder hobbymäßige Tierhaltung handelt, denn in Baugebieten mit dörflichem Charakter sind auch gewisse Geruchs- und Lärmbelästigungen durch eine gebietstypische Hobbytierhaltung als ortsüblich in Kauf zu nehmen (vgl. für ein allgemeines Wohngebiet mit dörflichem Charakter: OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 30. April 2010 - 1 A 11294/09.OVG).
Die genehmigte Errichtung eines Hühnerstalls zur Haltung von maximal zehn Hühnern und einem Hahn wahrt gegenüber der Klägerin auch die Grenzen des nachbarschaftlichen Rücksichtnahmegebotes.
Dieses Gebot der Rücksichtnahme, das für das im faktischen Dorfgebiet nach § 34 Abs. 2 BauGB zu beurteilende Vorhaben aus § 15 BauNVO analog zu entnehmen ist, soll gewährleisten, dass Nutzungen, die geeignet sind, Spannungen und Störungen hervorzurufen, einander in rücksichtsvoller Weise so zugeordnet werden, dass Konflikte möglichst vermieden werden. Erforderlich ist stets eine einzelfallbezogene Beurteilung. Das Rücksichtnahmegebot ermöglicht und gebietet damit eine „Feinabstimmung“ der konkreten Nutzungsverhältnisse mit der Folge, dass die grundsätzlich nach Baugebieten zusammengefassten Zulässigkeitsmaßstäbe, je nach Lage des Einzelfalles, durch situationsbezogene Zumutbarkeitskriterien ergänzt werden (vgl. BVerwG, Urteil vom 23. September 1999, BVerwGE 109, 314). Welche Anforderungen sich hieraus im Einzelnen ergeben, hängt maßgeblich davon ab, was dem Rücksichtnahmebegünstigten einerseits und dem Rücksichtnahmeverpflichteten andererseits nach Lage der Dinge zuzumuten ist. Dabei kann bei der Bemessung dessen, was den durch ein Vorhaben Belästigten zugemutet werden kann, auch auf die Begriffsbestimmungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes zurückgegriffen werden. (vgl. BVerwG, Urteil vom 25. Februar 1977, BVerwGE 52,122).
Daran gemessen vermag die Kammer einen Verstoß gegen das Rücksichtnahmegebot nicht zu erkennen.
Unzumutbare Geruchsimmissionen für das Anwesen der Klägerin sind mit der genehmigten Errichtung eines Hühnerstalls zur Haltung von maximal zehn Hühnern und einem Hahn nicht verbunden. Dieses geringe Ausmaß der Kleintierhaltung sprengt nicht den Rahmen der für eine Wohnnutzung typischen Freizeitbetätigung und ist daher gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 und 2 BauNVO selbst in einem Wohngebiet als der Wohnnutzung zu- und untergeordnete Geflügelhaltung regelmäßig zulässig (vgl. OVG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 2. Oktober 2006 - 8 B 11048/06.OVG). Umso mehr sind die mit dieser untergeordneten Tierhaltung verbundenen Geruchsimmissionen in einem faktischen Dorfgebiet als im Bereich der Bagatellgrenze einzustufen und daher von der Klägerin als ortstypisch hinzunehmen, zumal diese in einem Vergleich, den sie in einem Sühnetermin vor dem zuständigen Schiedsmann mit der Beigeladenen am 28. November 2014 geschlossenen hat, die jetzt genehmigte Hühnerhaltung mit einem Hahn akzeptierte.
Die von der Klägerin unter Beweis gestellte Behauptung, die genehmigte Hühnerhaltung bewirke auf ihrem Grundstück Geruchsimmissionen, die den Grenzwert von 0,1 der Geruchsimmissions-Richtlinie - GIRL - überschreiten, ist insoweit hingegen unbehelflich. Zwar kann die GIRL als Entscheidungshilfe, ob Geruchsbelästigungen zu unzumutbaren Beeinträchtigungen führen, grundsätzlich herangezogen werden. Sie ist aber - ebenso wie die Regelung zum Mindestabstand in Nr. 5.4.7.1. der TA Luft - für einen Kleinstgeflügelbestand von insgesamt nur 11 Tieren und für den Nahbereich einer solchen Tierhaltungsanlage nicht aussagekräftig (vgl. OVG für das Land Nordrhein-Westfalen Urteil vom 25. Juni 2003 - 7 A 4042/00 - BauR 2003, 293 - und VG München, Urteil vom 30. November 2005 - M 9 K 00.2353 -; beide juris).
Auch der Umstand, dass sich Hühnerstall und Auslauf vor der grenzständigen, mit vier Fenstern und einer Kelleröffnung versehenen Westwand des Gebäudes der Klägerin befinden, macht die ortsübliche Tierhaltung der Beigeladenen nicht rücksichtslos. Zwar erhöhen die grenzständigen Öffnungen auf dem Grundstück der Klägerin die Wahrnehmbarkeit der genehmigten Tierhaltung. Dies ist der Klägerin aber nach Lage der Dinge zuzumuten. Die vier Fenster und die Kelleröffnung sind nämlich gemäß § 30 Abs. 8 Satz 1 LBauO unzulässig und damit materiell rechtswidrig, weil die fragliche Hauswand gemäß § 30 Abs. 2 Nr. 1 LBauO als Brandwand herzustellen ist, da sie in einem Abstand bis zu 2,50 m von der Nachbargrenze errichtet ist. Dies bedingt aus Sicht der Kammer, dass nicht die Beigeladene bei der Nutzung ihres Grundstücks weitergehende Rücksicht auf die grenzständigen Öffnungen nehmen muss, sondern vielmehr die Klägerin gegebenenfalls gehalten ist, durch das Schließen der Fenster oder durch sonstige „architektonische Selbsthilfe“ die Beeinträchtigungen zu minimieren.
Ein möglicher Bestandschutz der Fenster, für dessen Existenz die Klägerin die materielle Beweispflicht trägt, ist insoweit unerheblich. Der Bestandsschutz ist nämlich wegen seiner grundrechtlichen Verankerung in Art. 14 Abs. 1 Satz 1 Grundgesetz - GG - vorrangig ein Abwehrmittel gegen bauaufsichtsbehördliche Eingriffe, nicht aber gegen die Bebauung und Nutzung des Nachbargrundstücks als - ihrerseits durch Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG geschützte - Rechtsausübung eines privaten Dritten (vgl. OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 15. Juli 2013 – 2 A 969/12 – , BauR 2014, 667, m.w.N.).
Mit der genehmigten Errichtung eines Hühnerstalls zur Haltung von maximal zehn Hühnern und einem Hahn sind für das Anwesen der Klägerin auch keine unzumutbaren Lärmbelästigungen verbunden. Es ist nämlich nicht ersichtlich, dass durch diese Geflügelhaltung die maßgeblichen Immissionsrichtwerte der TA Lärm überschritten sein könnten.
Ausgehend von der Einstufung des maßgeblichen Gebiets als Dorfgebiet gelten für das Grundstück der Klägerin die Immissionsrichtwerte nach Nr. 6.1 Buchst. c der TA Lärm, so dass die Immissionen tagsüber einen Beurteilungspegel von 60 dB(A) und nachts einen solchen von 45 dB(A) nicht überschreiten dürfen, wobei einzelne Geräuschspitzen am Tag maximal 90 dB(A) und nachts maximal 65 dB(A) erreichen dürfen (Nr. 6.1 Satz 2 der TA Lärm). Eine Überschreitung dieser Richtwerte ist nicht anzunehmen, ohne dass es hierzu der Einholung eines Sachverständigengutachtens bedarf. Zwar macht die Klägerin insoweit geltend, der Hahn krähe mehrmals des Nachts und die Hühner verursachten zudem ein langanhaltendes, sehr lautes Gackern. Da sich aber Hahn und Hühner zur Nachtzeit in dem geschlossenen Hühnerstall befinden, kann ohne weiteres ausgeschlossen werden, dass die oben genannten Immissionsrichtwerte überschritten werden. Dies gilt umso mehr, als die Klägerin auch insoweit im Hinblick auf die materielle Rechtswidrigkeit der grenzständigen Fenster gehalten ist, durch das Schließen dieser Fenster oder durch sonstige „architektonische Selbsthilfe“ die Lärmbeeinträchtigungen zu minimieren.
Schließlich rechtfertigen auch die Einwände der Klägerin gegen die Ausführung der von der Beigeladenen errichteten Bretterschalung keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der angefochtenen Baugenehmigung. Eine solche Bretterschalung entlang der Hauswand der Klägerin begegnet nämlich keinen bauplanungsrechtlich Bedenken und entspricht im Übrigen auch der in dem Vergleich vom 28. November 2014 in einem Sühnetermin vor dem zuständigen Schiedsmann getroffenen Vereinbarung zwischen der Klägerin und der Beigeladenen.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1, 162 Abs. 3 VwGO. Die vorläufige Vollstreckbarkeit des Urteils wegen der Kosten beruht auf § 167 Abs. 2 VwGO.
Der Wert des Streitgegenstandes wird auf 7.500,- € festgesetzt (§§ 52, 63 Abs. 2 GKG).

References: § 34
 § 34
 § 14
 § 15
 § 5
 § 30
 § 113
 § 34
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 34
 § 15
 § 14
 § 30
 § 30
 Art. 14
 Art. 14
 § 154
 § 167