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Timestamp: 2017-03-25 15:37:37+00:00

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454 Gatha-Jataka
Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 454. Die Erzählung von Ghata (Gatha-Jataka)
„Erheb dich, Kanha“ §A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen, dessen Sohn gestorben war. §D. Die Begebenheit gleicht der im Matthakundali-Jataka [1] erzählten. Als aber hier der Meister den Laienbruder gefragt hatte: „Bist du traurig, Laienbruder?“, und die Antwort erhielt: „Ja, Herr“, sprach er: „O Laienbruder, als die Weisen der Vorzeit das Wort der Weisen vernahmen, trauerten sie nicht mehr um ihren gestorbenen Sohn.“ Nach diesen Worten erzählte er auf die Bitte von jenem folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Ehedem regierte im Nordlande in der Kamsa-Gegend in der Stadt Asitanjana ein König namens Mahakamsa [2]. Dieser hatte zwei Söhne, Kamsa und Upakamsa mit Namen, sowie eine Tochter namens Devagabbha. Am Tage von deren Geburt verkündigten die der Vorzeichen kundigen Brahmanen: „Der Sohn, der in ihrem Schoße entsteht, wird das Kamsa-Land und den Kamsa-Ruhm vernichten.“ Wegen der Stärke seiner Liebe aber vermochte es der König nicht über sich, seine Tochter zu töten, sondern er beharrte zeitlebens bei der Meinung: „Ihre Brüder werden es schon sehen“; dann starb er. Nach seinem Tode wurde Kamsa König und Upakamsa wurde Vizekönig. Diese dachten bei sich: „Wenn wir unsere Schwester töten, setzen wir uns dem Tadel aus; wir werden sie niemanden geben, sondern sie unvermählt lassen und bewachen.“ Darauf ließen sie für ihre Schwester einen Palast, der auf einer einzigen Säule ruhte, erbauen und wiesen ihr diesen als Wohnung an. Sie hatte eine Dienerin namens Nandagopa und deren Gatte, der Sklave Andhakavenhu, übte die Wache aus.
Damals regierte in Uttaramadhura der König Mahasagara; dieser hatte zwei Söhne, Sagara und Upasagara. Nachdem ihr Vater gestorben war, wurde Sagara König und Upasagara wurde Vizekönig. Dieser war der Jugendfreund des Upakamsa; bei einem Lehrer hatten sie zusammen die Künste erlernt. Dieser hatte sich im Harem seines Bruders verfehlt, war dabei ertappt worden und davongelaufen. Er begab sich hierauf nach dem Lande Kamsa zu Upakamsa. Dieser stellte ihn dem Könige Kamsa vor, der ihm große Ehrung zuteil werden ließ.
Als er sich nun zur Aufwartung des Königs begab und die Wohnung der Devagabbha, den auf einer Säule ruhenden Palast, sah, fragte er, wem dieser Palast gehöre. Da er aber die Begebenheit erfuhr, verliebte er sich in Devagabbha. Auch Devagabbha fragte eines Tages, als sie jenen mit Upakamsa zur Aufwartung des Königs gehen sah, wer dies sei. Als sie von Nandagopa hörte, es sei ein Sohn des Mahasagara, Upasagara mit Namen, verliebte auch sie sich in ihn. Darauf gab Upasagara der Nandagopa ein Geschenk und sagte zu ihr: „Schwester, wirst du im Stande sein, mir Devagabbha zu zeigen?“ Sie erwiderte: „Herr, dies ist nicht schwer“, und erzählte die Sache der Devagabbha. Als aber diese, die schon vorher in Upasagara verliebt war, dies hörte, gab sie ihre Zustimmung. Darauf gab Nandagopa dem Upasagara ein Zeichen und ließ ihn zur Nachtzeit in den Palast hinein; er aber pflegte Verkehr mit Devagabbha.
Infolge ihres wiederholten Verkehrs aber empfing Devagabbha. In der Folgezeit wurde es bekannt, dass in ihrem Schoße eine Frucht entstanden sei. Ihre Brüder fragten Nandagopa. Diese bat um Straflosigkeit und erzählte ihnen, wie dies zugegangen war. Als sie es hörten, dachten sie: „Unsere Schwester können wir nicht töten. Wenn sie eine Tochter zur Welt bringt, werden wir auch diese nicht töten; wenn es aber ein Sohn wird, dann werden wir ihn umbringen“; und sie gaben Devagabbha dem Upasagara zur Ehe. Als nun die Leibesfrucht zur Reife gediehen war, gebar jene eine Tochter. Auf die Kunde hiervon gaben ihr die Brüder hocherfreut den Namen Anjanadevi; den beiden Eheleuten aber schenkten sie ein Dorf namens Govaddhamana mit seinen Einkünften. Darauf nahm Upasagara Devagabbha mit sich und wohnte im Dorfe Govaddhamana.
Auf diese Weise gebar Devagabbha zehn Söhne und Nandagopa zehn Töchter. Die Söhne wuchsen bei Nandagopa auf, die Töchter bei Devagabbha; es wusste aber niemand von der Sache. Der älteste Sohn der Devagabbha hieß Vasudeva, der zweite Baladeva, der dritte Candadeva, der vierte Suriyadeva, der fünfte Aggideva, der sechste Varunadeva, der siebente Ajjuna, der achte Pajjuna, der neunte der Ghata-Weise und der zehnte Amkura [3]. Sie waren bekannt als die zehn Sklavenbrüder, die Söhne des Sklaven Andhakavenhu. Als diese in der Folgezeit erwachsen wurden und voll Stärke und Kraft, waren sie roh und grausam und verübten beständig Räubereien; sogar wenn einer mit einem Geschenke zum König kommen wollte, beraubten sie ihn. Da versammelten sich die Leute und riefen zusammen im Hofe des Königspalastes: „Die Söhne des Sklaven Andhakavenhu, die zehn Brüder plündern das ganze Königreich aus.“ Der König ließ Andhakavenhu zu sich rufen und schüchterte ihn ein mit den Worten: „Warum lässt du deine Söhne Räubereien ausführen?“ Als so die Leute sich zum zweiten und zum dritten Male beschwerten, bedrohte jenen der König mit dem Tode. Von Todesangst ergriffen bat er den König um eine Gnade [4] und eröffnete ihm: „O Fürst, dies sind nicht meine Söhne, sondern es sind die Söhne des Upasagara“; und er teilte ihm die ganze Geschichte mit. Voll Furcht fragte nun der König seine Minister: „Durch welches Mittel können wir ihrer Herr werden?“ Sie antworteten: „Hier sind zwei starke Kämpfer, Canura und Mutthika mit Namen. Wir wollen in der Stadt einen Kampf veranstalten, und wenn dann jene auf den Kampfplatz kommen, sie ergreifen und töten lassen.“ Sie schickten nach den zwei Kämpfern Canura und Mutthika und ließen in der Stadt mit Trommelschlag verkünden: „Am siebenten Tage von heute an wird ein Kampf stattfinden.“ Darauf ließen sie am Tore des königlichen Palastes eine Arena [5] herrichten und einen Kampfplatz für die Ringer herstellen. Die Arena ließen sie schmücken und Siegesfahnen anbringen. Die ganze Stadt war in Aufregung; man stellte Reihen an Reihen und Bank an Bank.
Jene antworteten: „Gut“; ohne dass der Esel schrie, nahmen sie Pflüge mit sich, schlugen an den vier Stadttoren Pflöcke in die Erde und warteten. In diesem Augenblick schrie der Esel und die Stadt begann in die Höhe zu fliegen; da nahmen die an den vier Toren Stehenden die an den eisernen Pflügen befestigten eisernen Ketten und banden sie an den Pflöcken fest; so konnte die Stadt nicht in die Luft fliegen. Daraut drangen die zehn Brüder in die Stadt ein, töteten den König und nahmen die Herrschaft in Besitz.
§1. „Erheb dich, Kanha [9], warum liegst du, wozu bedarfst du jetzt des Schlafs?
so wie dein Herz, dein rechtes Auge, von dem ward irre der Verstand;
§3. „Was gehst du in ganz Dvaraka [10] einem Verrückten gleich umher
und lallst vor dich: ‘Ein Has', ein Hase?’ Wer hat den Hasen dir genommen?“
auch sie werd ich dir bringen lassen. Was wünschst du denn für einen Hasen?“
vom Monde wünsche ich den Hasen [12], den hol herab mir, Kesava.“
§7. „Da wirst du, lieber Bruder mein, dein süßes Leben lassen müssen [13], weil Unerreichbares du wünschst
§9. „Was man von einem Menschen nicht, noch von dem Gott erlangen kann,
§10. Mit Sprüchen, mit heilsamen Wurzeln, noch auch mit Kräutern oder Schätzen kann, Kanha, man zurück dir bringen, den als Verstorbnen du betrauerst.“
§11. „Wem doch dergleichen Männer dienten, solche Minister, solche Weisen,
wie heute dieser weise Ghata Belehrung ließ zuteil mir werden [14].
§12. Da ich vor Kummer brannt' wie Feuer, in das man flüss'ge Butter schüttet, hat er mir allen Schmerz genommen,
§13. Befreit hat er mich von dem Schwert, das tief mir in dem Herzen steckte,
§14. Jetzt bin ich frei von meinem Kummer, der Schmerz ist fort und ich bin heiter; nicht traure ich und weine fürder,
Als Vasudeva den Tod seines Bruders bemerkte, fuhr er mit seiner Schwester und dem Hauspriester die ganze Nacht hindurch weiter und kam bei Sonnenaufgang an ein Grenzdorf. Mit den Worten: „Kochet Speise und bringt sie herbei“, schickte er seine Schwester und den Hauspriester in das Dorf hinein; er selbst legte sich in einem Gebüsch versteckt nieder. Es sah aber ein Jäger, Jara (= Alter) mit Namen, wie sich das Gebüsch bewegte; er dachte, es sei wohl ein Eber dort, und schleuderte seinen Speer, mit dem er ihn am Fuße verwundete. Als Vasudeva rief: „Wer hat mich verwundet?“, merkte jener, dass er einen Menschen getroffen habe, und fing aus Furcht an davonzulaufen. Der König aber kam wieder zur Besinnung, stand auf und rief ihm nach: „Onkel, fürchte dich nicht; komme her!“ Als jener herankam und vom König gefragt wurde, wie er heiße, antwortete er: „Herr, ich heiße Jara.“ Da dachte der König: „In früherer Zeit weissagte man mir: ‘Er wird von Jara getroffen sterben’; ohne Zweifel muss ich heute sterben.“ Er sagte zu dem Jäger: „Onkel, fürchte dich nicht; komme her und verbinde mir die Wunde“; und nachdem ihm dieser die Öffnung der Wunde verbunden hatte, schickte er ihn fort. Da entstanden heftige Schmerzen und er konnte die von den anderen gebrachte Speise nicht verzehren. Darum sprach er zu ihnen: „Heute noch werde ich sterben. Ihr aber seid zart und könnt euch mit keiner andern Arbeit den Lebensunterhalt verdienen; lernet darum folgenden Spruch!“ Er ließ sie einen Zauberspruch lernen, dann entließ er sie und starb dortselbst. So stürzten alle ins Verderben außer Anjanadevi.
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen und noch hinzugefügt hatte: „O Laienbruder, so befreiten sie, nachdem sie die Worte von Weisen der Vorzeit vernommen, sich vom Kummer um ihren Sohn; sei unbekümmert!“, verkündigte er die Wahrheiten und verband (am Ende der Wahrheitsverkündigung aber gelangte jener Laienbruder zur Frucht der Bekehrung) das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war Rohineyya Ananda, Vasudeva war Sāriputta, die übrigen waren die Buddhaschar, der weise Ghata aber war ich.“
[1] Jataka 449. [2] Es muss jedenfalls heißen „Mahakamsa“ [statt „Makakamsa“, wie es eigentlich im Text steht], wie schon aus dem parallelen Namen Mahasagara hervorgeht.
[5] Wörtlich: „einen Kampfkreis“.
[8] Dieser Weise kommt auch im Jataka 444 vor.
[11] Die beiden ersten Zeilen dieser Strophe stehen auch im Jataka 449 Strophe 3, das auch sonst viel Ähnlichkeit mit dem vorliegenden zeigt.
[15] Die Stellen, wo auch die Verse vorkommen, vgl. oben Jataka 449 Strophen 8-10.

References: §1

§3

§7

§9

§10

§11

§12

§13

§14