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Timestamp: 2019-08-23 13:20:32+00:00

Document:
BPatG, 25 W (pat) 39/01: BPatG (bezeichnung, internet, unrichtige angabe, bezug, klasse, eintragung, beschwerde, begriff, stelle, verkehr)
Urteil des BPatG vom 14.03.2017, 25 W (pat) 39/01
25 W (pat) 39/01
BPatG (bezeichnung, internet, unrichtige angabe, bezug, klasse, eintragung, beschwerde, begriff, stelle, verkehr)
Bezeichnung, Internet, Unrichtige angabe, Bezug, Klasse, Eintragung, Beschwerde, Begriff, Stelle, Verkehr
25 W (pat) 39/01 _______________
betreffend die Markenanmeldung 397 60 469.6
Sitzung vom 27. September 2001 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters
ist am 17. Dezember 1997 für die Waren und Dienstleistungen "Programmdokumentationen, Handbücher, Druckschriften; Dienstleistungen eines Anbieters im Internet; Einrichtung und Betrieb eines Helpdesks im Internet; Vermittlung von Waren im Internet" zur Eintragung in das Markenregister angemeldet worden. Die Anmelderin hat im Beschwerdeverfahren das Verzeichnis der Waren und Dienstleistungen beschränkt auf "Programmdokumentationen, Handbücher, Druckschriften;
Dienstleistungen eines Providers im Internet, Einrichtung und Betrieb eines Helpdesks im Internet; Vermittlung von Waren im Internet, alle vorgenannten Waren
und Dienstleistungen nicht in Zusammenhang mit Motorsportaktivitäten".
Die Markenstelle für Klasse 42 des Deutschen Patent- und Markenamts hat - ausgehend von dem ursprünglich der Anmeldung zugrundeliegenden Waren und
Dienstleistungsverzeichnis - nach Beanstandung die Markenanmeldung wegen
fehlender Unterscheidungskraft im Sinne von § 8 Abs 2 Nr 1 MarkenG zurückgewiesen. Die angemeldete Bezeichnung stelle sich ohne weitere Überlegung als
verständliches Synonym für den Begriff "Formel 1" dar, der im Motorsport eine bestimmte Klasse von Rennwagen bezeichne. "FORMEL ONE" erschöpfe sich deshalb aus der Sicht des Verkehrs in bezug auf die beanspruchten Waren und
Dienstreistungen in einer bloßen, unmittelbar beschreibenden Sachaussage, die
auch kein Mindestmaß an phantasiervoller Eigenart aufweise.
Den beanspruchten Waren und Dienstleistungen fehle es an einem Bezug zum
Autorennsport. Es gehe vielmehr um Dienste eines Internet-Anbieters. Für diese
stelle die angemeldete Marke eine phantasievolle und unterscheidungskräftige Bezeichnung dar.
Nach Auffassung des Senats stehen der Eintragung der Bezeichnung für die angemeldeten Waren und Dienstleistungen nach dem geänderten Verzeichnis keine
Schutzhindernisse im Sinne von § 8 Abs 2 Nr 1 und Nr 2 MarkenG mehr entgegen.
Der Senat teilt die Auffassung der Markenstelle, daß die angemeldete Bezeichnung von den hier angesprochenen allgemeinen Verkehrskreisen, auch wenn sie
nicht der korrekten englischen Bezeichnung "Formula One" entspricht, im maßgebenden Inland als Synonym für den Begriff "Formel 1" verstanden wird, der im Motorsport eine bestimmte Klasse von Rennwagen bezeichnet. Dies bestätigt eine
zusätzlich durchgeführte Internet-Recherche des Senats, die eine entsprechende
Verwendung der Bezeichnung "Formel One" als übliches Synonym für "Formel 1"
bzw "Formula One" belegt. Nachdem die Anmelderin im Beschwerdeverfahren das
Waren- und Dienstleistungsverzeichnis auf solche Waren und Dienstleistungen
beschränkt hat, die nicht im Zusammenhang mit Motorsportaktivitäten stehen,
können jedoch insoweit auch unter Berücksichtigung eines derartigen Verkehrs-
verständnisses keine hinreichend konkreten Anhaltspunkte für ein Schutzhindernis
Denn jedenfalls in bezug auf die verbliebenen Waren und Dienstleistungen stellt
"FORMEL ONE" keine - insbesondere glatt - beschreibende, freihaltebedürftige
Sachangabe im Sinne von § 8 Abs 2 Nr 2 MarkenG dar. Bei der angemeldeten
Bezeichnung steht auch aus der Sicht der hier angesprochenen Verkehrskreise in
bezug auf diese Waren und Dienstleistungen der Eindruck einer sonstigen sachbezogenen Information weder im Vordergrund (vgl auch EuG MarkenR 2001, 181,
183 Ziff 31 – EASYBANK - zu Art 7 Abs 1 Buchst c GMV; Althammer/Ströbele,
MarkenG, 6. Aufl, § 8 Rdn 51) noch weist diese überhaupt einen derartigen Bezug
auf. Bei "Formel One" handelt es sich auch nicht um eine sonstige gebräuchliche
Bezeichnung, die stets nur als solche und nicht als betriebliches Unterscheidungskennzeichen verstanden wird (st. Rspr. vgl BGH MarkenR 2001, 209, 210 – Test
it; BGH BlPMZ 2000, 332, 333 – LOGO - mwN). Danach weist die angemeldete
Bezeichnung auch Unterscheidungskraft Sinne von § 8 Abs 2 Nr 1 MarkenG auf,
also die konkrete Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel für die der Anmeldung zugrundeliegenden Waren und Dienstleistungen gegenüber solchen anderer Unternehmen aufgefaßt zu werden. Hierzu bedarf es keines weiteren Phantasieüberschusses, sonstiger besonderer Auffälligkeiten oder Besonderheiten der
Markenbildung (vgl auch zu Art 7 Abs 1 Buchst c GMV EuG MarkenR 2001, 181,
184 Ziff 39 und Ziff 40 – EASYBANK) und es ist zu berücksichtigen, daß grundsätzlich bei der Beurteilung der absoluten Schutzhindernisse von einem großzügigen Maßstab auszugehen ist.
Abs 2 Nr 4 MarkenG wegen Täuschungsgefahr deshalb zu versagen, weil die nunmehr noch beanspruchten Waren- und Dienstleistungen in jedem denkbaren Fall
nicht in Zusammenhang mit Motorsportaktivitäten stehen und sich deshalb "FOR-
MEL ONE" als eine unrichtige Angabe mit wettbewerbsrechtlicher Relevanz erweisen könnte (vgl zu dieser Voraussetzung im einzelnen Althammer/Ströbele MarkenG, 6. Aufl § 8 Rdn 230 und Rdn 233). Denn der Verkehr wird außerhalb des
Bereichs des Motorsports die angemeldete Bezeichnung allenfalls als reklamehafte Übertreibung und Anpreisung ohne konkreten Aussagegehalt verstehen und unterliegt deshalb bereits keiner Irreführung (vgl hierzu auch Althammer/Ströbele
MarkenG, 6. Aufl § 8 Rdn 235).

References: § 8
 § 8
 § 8
 EuG 
 § 8
 BGH 
 BGH 
 § 8
 EuG 
 § 8
 § 8