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Timestamp: 2017-06-23 20:40:28+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 4 Sa 311/10
Ausschlussfrist, Betriebsübergang, Betriebsübergang: Widerspruch
1. Teilt der Ar­beit­ge­ber im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Be­triebsüber­gang im In­for­ma­ti­ons­schrei­ben gem. § 613 a Abs. 5 BGB mit, dass der Ar­beit­neh­mer im Fall des Wi­der­spruchs we­gen Weg­fall sei­nes Ar­beits­plat­zes auf­grund des Be­triebsüber­gangs mit sei­ner Kündi­gung rech­nen müsse, be­fin­det er sich bei Wi­der­spruch oh­ne wei­te­res - oh­ne die Not­wen­dig­keit ei­nes An­ge­bots nach §§ 294, 295 BGB - ab Be­triebsüber­gang in An­nah­me­ver­zug mit der Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers (§ 296 BGB).
2. Ei­ne, hier ar­beits­ver­trag­li­che, Aus­schluss­frist, die die Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen in­ner­halb von drei Mo­na­ten ab Fällig­keit ver­langt, fin­det auch bei später erklärtem Wi­der­spruch ge­gen ei­nen Be­triebsüber­gang(§ 613 a Abs. 6 BGB) und da­mit rück­wir­kend fest­ste­hen­den Fort­be­stan­des des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem "al­ten" Ar­beit­ge­ber An­wen­dung - auch in die­sem Fall ist die "Fällig­keit" von Vergütungs­ansprüchen nicht erst mit Erklärung des Wi­der­spruchs ge­ge­ben.
Arbeitsgericht München, Urteil vom 23.02.2010, 27 Ca 14014/09
4 Sa 311/10 27 Ca 14014/09(ArbG München)
T a t b e s t a n d : Die Par­tei­en strei­ten noch über Vergütungs­ansprüche der Kläge­rin ge­genüber der Be­klag­ten als ih­rer frühe­ren Ar­beit­ge­be­rin.
Die Be­klag­te trägt zur Be­gründung ih­res An­trags auf Zurück­wei­sung der Be­ru­fung vor, dass die­se mit den zunächst an­gekündig­ten Anträgen als sol­che un­zulässig, je­den­falls un­be­gründet sei, da Ansprüche der Kläge­rin auf Zah­lung der Ar­beits­vergütung für den Zeit­raum vom 16.01.2009 bis zunächst 31.05.2009 im Hin­blick auf die, rechts­wirk­sa­me, Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung un­ter § 13 des Ar­beits­ver­tra­ges be­reits auf de­ren ers­ter Stu­fe ver­fal­len sei­en. Es ent­spre­che ein­heit­li­cher Auf­fas­sung, dass die Fällig­keit des An-nah­me­ver­zugs­lohns sich nach dem Zeit­punkt be­stim­me, zu dem die Vergütung bei ord­nungs­gemäßer Ab­wick­lung des Ar­beits­ver­tra­ges fällig ge­wor­den wäre, wo­von auch im Fal­le des Be­triebsüber­gangs aus­zu­ge­hen sei. Der Fällig­keits­zeit­punkt von An­nah­me­ver-zugs­lohn­ansprüchen nach § 271 BGB müsse grundsätz­lich ob­jek­tiv be­stimmt wer­den, auch im Hin­blick auf die An­wen­dung ei­ner Aus­schluss­frist. Die rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung des Wi­der­spruchs ge­gen ei­nen Be­triebsüber­gang tre­te ex tunc, mit rück­wir­ken­der Um­ge­stal­tung der Rechts­la­ge, ein. Da­mit sei­en mögli­che Ansprüche der Kläge­rin für die­sen Zeit­raum be­reits man­gels je­weils recht­zei­ti­ger schrift­li­cher Gel­tend­ma­chung ver­fal­len. Es lie- - 7 -
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e : Die zulässi­ge Be­ru­fung hat in der Sa­che teil­wei­se Er­folg.
1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist un­be­gründet, so­weit sie Ansprüche auf Zah­lung derAr­beits­vergütung für den Zeit­raum vom 16.01.2009 (Be­triebsüber­gang) bis 30.06.2009 gel­tend macht, da die­se Ansprüche - die ma­te­ri­ell­recht­lich wohl be­stan­den hätten (sie­he die Ausführun­gen zum nach­fol­gen­den Zeit­raum un­ter 2.) - auf­grund der ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung ver­fal­len sind.
cc) Der Be­klag­ten ist es auch nicht nach den Grundsätzen von Treu und Glau­ben(§ 242 BGB) ver­wehrt, sich auf die ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist zu be­ru­fen.
(1) Die Be­ru­fung auf ei­ne Aus­schluss­frist kann zwar im Ein­zel­fall nach § 242 BGB treu­wid­rig sein und da­mit ei­ne un­zulässi­ge Rechts­ausübung dar­stel­len. Dies kann dann ge­ge­ben sein, wenn die zum Ver­fall des An­spru­ches führen­de Untätig­keit des Gläubi­gers hin­sicht­lich der er­for­der­li­chen Gel­tend­ma­chung des An­spruchs durch ein Ver­hal­ten des Schuld­ner ver­an­lasst wor­den ist, die­ser den Gläubi­ger von der Gel­tend­ma­chung des An­spruchs bzw. der Ein­hal­tung der Ver­fall­frist ab­ge­hal­ten hat, was et­wa vor­liegt, wenn der Ar­beit­ge­ber durch po­si­ti­ves Tun oder durch pflicht­wid­ri­ges Un­ter­las­sen dem Ar­beit­neh­mer die Gel­tend­ma­chung des An­spruchs oder die Ein­hal­tung der Frist er­schwert oder unmöglich ge­macht bzw., an ob­jek­ti­ven Maßstäben ge­mes­sen, den Ein­druck er­weckt hat, der Ar­beit­neh­mer könne dar­auf ver­trau­en, dass der An­spruch auch oh­ne Wah­rung ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist erfüllt wer­de. In sol­chen Fällen würde sich der Ar­beit­ge­ber in Wi­der­spruch zu sei­nem ei­ge­nen frühe­ren Ver­hal­ten set­zen, wenn er den Ar­beit­neh­mer zunächst zu Untätig­keit ver­an­lasst und dann, in­dem er den Ver­fall gel­tend macht, aus die­ser Untätig­keit ei­nen Vor­teil für sich ab­lei­ten will (vgl. et­wa BAG, U. v. 22.01.2008, aaO, Rz. 39 der Gründe; BAG, U. v. 13.12.2007, aaO, Rz. 32 d. Gr.; BAG, U. v. 17.01.2006, 9 AZR 558/04, Rz. 23; BAG, U. v. 10.03.2005, 6 AZR 217/04, AP Nr. 38 zu § 70 BAT; BAG, U. v. 10.03.2005, 6 AZR 217/04, ZTR 2005, S. 366 - II. 1. d. Gr. -; BAG, U. v. 10.10.2002, 8 AZR 8/02, AP Nr. 169 zu § 4 TVG Aus­schluss­fris­ten - II. 2. e) bb) (3) d. Gr. -; BAG, U. v. 05.08.1999, 6 AZR 752/97, ZTR 2000, S. 36 f - 2. a) der Gründe -).(2) Vom Vor­lie­gen sol­cher Vor­aus­set­zun­gen kann hier je­doch kei­ne Re­de sein:
bb) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts muss­te die Kläge­rin zum Er­halt ih­rerVer­zugs­lohn­ansprüche ih­re Ar­beits­leis­tung nicht noch ent­we­der tatsächlich (§ 294 BGB) oder je­den­falls wört­lich (§ 295 BGB) an­bie­ten:
Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Kläge­rin Re­vi­si­on ein­le­gen.Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
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References: § 613
 § 13
 § 271
 § 242
 § 70
 § 4