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Timestamp: 2020-07-16 16:44:26+00:00

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Hinreichende Bestimmtheit der Klage - und die einzelnen unselbständigen Rechnungsposten | Rechtslupe
Hinreichende Bestimmtheit der Klage - und die einzelnen unselbständigen Rechnungsposten
Hin­rei­chen­de Bestimmt­heit der Kla­ge – und die ein­zel­nen unselb­stän­di­gen Rech­nungs­pos­ten
Gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift die bestimm­te Anga­be des Gegen­stan­des und des Grun­des des erho­be­nen Anspruchs sowie einen bestimm­ten Antrag ent­hal­ten.
Die Kla­ge­par­tei muss ein­deu­tig fest­le­gen, wel­che Ent­schei­dung sie begehrt. Sie hat den Streit­ge­gen­stand dazu so genau zu bezeich­nen, dass der Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) kei­nem Zwei­fel unter­liegt und die eigent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann (§ 322 ZPO).
Sowohl bei einer der Kla­ge statt­ge­ben­den als auch bei einer sie abwei­sen­den Sach­ent­schei­dung muss zuver­läs­sig fest­stell­bar sein, wor­über das Gericht ent­schie­den hat. Bei meh­re­ren im Wege einer objek­ti­ven Kla­ge­häu­fung gemäß § 260 ZPO in einer Kla­ge ver­bun­de­nen Ansprü­chen muss erkenn­bar sein, aus wel­chen Ein­zel­for­de­run­gen sich die "Gesamt­kla­ge" zusam­men­setzt [1]. Genügt die Kla­ge die­sen Anfor­de­run­gen nicht, ist sie unzu­läs­sig [2].
Im vor­lie­gen­den Fall hat­te der Klä­ger auch den von ihm mit dem Kla­ge­an­trag gefor­der­ten Betrag in einer Wei­se auf­ge­schlüs­selt, der sich noch nach­voll­zieh­bar ent­neh­men lässt, wie sich die Gesamt­sum­me auf die ver­schie­de­nen Ein­zel­an­sprü­che ver­teilt [3]. Die tabel­la­ri­sche Dar­stel­lung der For­de­rung in der Excel-Tabel­le auf Sei­te 3 des Schrift­sat­zes genügt unter Berück­sich­ti­gung ihrer Erläu­te­rung im sel­ben Schrift­satz § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, weil ihr ent­nom­men wer­den kann, wel­che Beträ­ge für die ein­zel­nen Mona­te des Kla­ge­zeit­raums bean­sprucht wer­den [4]. In der Zei­le "mtl. Dif­fe­renz" ist in der Tabel­le die sich nach Auf­fas­sung des Klä­gers jeweils erge­ben­de monat­li­che Dif­fe­renz bezif­fert auf­ge­führt. In der dar­un­ter ste­hen­den Zei­le "Gesamt­be­trag" ist der sich jeweils für das gesam­te Jahr errech­nen­de For­de­rungs­be­trag genannt. Eine der­ar­ti­ge Hoch­rech­nung und Zusam­men­fas­sung in Jah­res­be­trä­ge steht im Ein­klang mit § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO [5]. Ob die Ein­satz­be­trä­ge zutref­fen und die Berech­nung rech­ne­risch rich­tig ist, ist kei­ne Fra­ge der hin­rei­chen­den Bestimmt­heit der Kla­ge­for­de­rung, son­dern der Begründ­etheit der Kla­ge.
Die Kla­ge ist auch nicht des­halb unbe­stimmt, weil der Klä­ger den Betrag, um den er mit dem Schrift­satz vom 31.07.2013 die Kla­ge erwei­tert hat, durch ein­fa­che Sub­trak­ti­on des bereits ein­ge­klag­ten Betrags von der sich aus der Excel-Tabel­le erge­ben­den Gesamt­for­de­rung errech­net hat. Unge­ach­tet des­sen lässt sich der Tabel­le ent­neh­men, wel­chen Teil des erst mit der Kla­ge­er­wei­te­rung in den Pro­zess ein­ge­führ­ten Streit­zeit­raums die wei­te­re For­de­rung von 1.977, 44 Euro mit wel­chen Beträ­gen abde­cken soll. Der gesam­te mit dem Antrag zu 2. gefor­der­te Betrag soll mit den aus der Excel-Tabel­le ersicht­li­chen ein­zel­nen Monats- und dar­aus errech­ne­ten Jah­res­be­trä­gen aus­schließ­lich auf den mit der Kla­ge­er­wei­te­rung in den Pro­zess ein­ge­führ­ten Streit­zeit­raum ent­fal­len. Auch inso­weit füh­ren etwai­ge Rechen­feh­ler allein zur teil­wei­sen Unbe­gründ­etheit der Kla­ge, haben aber nicht ihre man­geln­de Bestimmt­heit zur Fol­ge.
Aller­dings hät­te der Klä­ger sein Rechen­werk deut­lich über­sicht­li­cher gestal­ten kön­nen, wie es den Bevoll­mäch­tig­ten in Par­al­lel­ver­fah­ren ohne Wei­te­res gelun­gen ist. Dem Klä­ger ist jedoch zugu­te­zu­hal­ten, dass sei­ne Kla­ge einen lan­gen Streit­zeit­raum umfass­te und zahl­rei­che Rechen­schrit­te erfor­der­te. Die per­sön­li­che Zula­ge war auf­grund der Dyna­mi­sie­rung ins­ge­samt acht­mal zu erhö­hen, wobei die Her­ab­grup­pie­rung ab dem 1.03.2013 und die dadurch ein­ge­tre­te­ne Erhö­hung der Zula­ge zu berück­sich­ti­gen war. Der so gefun­de­ne Betrag muss­te der tat­säch­lich gezahl­ten Zula­ge gegen­über­ge­stellt wer­den, was zu zahl­rei­chen unter­schied­li­chen Dif­fe­renz­be­trä­gen wäh­rend des Streit­zeit­raums führ­te. Eine Par­tei ist nicht gehal­ten, von der Erhe­bung einer Kla­ge abzu­se­hen, weil ihre For­de­rung ihrer Ent­ste­hung und/​oder Höhe nach wegen der Anzahl der erfor­der­li­chen Rechen­schrit­te nicht ein­fach dar­zu­stel­len ist. In einem sol­chen Fall muss sich viel­mehr das Gericht der Mühe unter­zie­hen, den Vor­trag der Betei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men, wenn die­ser, wie vor­lie­gend, noch den Anfor­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ent­spricht [6]. Es bleibt aller­dings dem Tat­sa­chen­ge­richt unbe­nom­men, dem Klä­ger auf­zu­ge­ben, sein Rechen­werk zu kon­kre­ti­sie­ren und über­sicht­li­cher dar­zu­stel­len.
Die Kla­ge ist im vor­lie­gen­den Fall auch nicht wegen feh­len­der Schlüs­sig­keit als unbe­grün­det abzu­wei­sen. Sach­vor­trag zur Begrün­dung des Kla­ge­an­spruchs ist schlüs­sig, wenn der Klä­ger Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net und erfor­der­lich sind, die gel­tend gemach­ten Rech­te als in der Per­son des Klä­gers ent­stan­den erschei­nen zu las­sen. In wel­chem Maße die Par­tei ihr Vor­brin­gen durch die Dar­le­gung kon­kre­ter Ein­zel­tat­sa­chen sub­stan­ti­ie­ren muss, hängt vom Ein­zel­fall ab [7]. Der Sub­stan­ti­ie­rungs­pflicht ist nur dann nicht genügt, wenn das Gericht auf­grund des Vor­brin­gens nicht beur­tei­len kann, ob die Vor­aus­set­zun­gen der an eine Behaup­tung geknüpf­ten Rechts­fol­ge erfüllt sind [8]. Dabei muss sich das Gericht den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt nicht selbst aus Anla­gen her­aus­su­chen, die der Klä­ger ledig­lich in Bezug nimmt [9]. Anla­gen kön­nen den schrift­sätz­li­chen Vor­trag ledig­lich erläu­tern, die­sen aber nicht erset­zen [10]. Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te das Vor­brin­gen des Klä­gers noch.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Febru­ar 2016 – 6 AZR 629/​14
BAG 24.03.2011 – 6 AZR 691/​09, Rn. 21[↩]
BAG 24.09.2014 – 5 AZR 593/​12, Rn. 18[↩]
zu die­ser Anfor­de­rung BAG 24.03.2011 – 6 AZR 691/​09, Rn. 23[↩]
vgl. BAG 24.03.2011 – 6 AZR 691/​09, Rn. 24; BGH 17.07.2015 – V ZR 84/​14, Rn. 33[↩]
vgl. BAG 24.09.2014 – 5 AZR 593/​12, Rn. 21[↩]
vgl. BVerfG 30.06.1994 – 1 BvR 2112/​93, zu III 2 a der Grün­de[↩]
vgl. BAG 18.09.2014 – 6 AZR 145/​13, Rn. 23; 17.04.2013 – 10 AZR 185/​12, Rn. 14[↩]
BGH 10.06.2002 – II ZR 68/​00, zu II 3 der Grün­de[↩]
BGH 17.07.2015 – V ZR 84/​14, Rn. 34[↩]
BAG 16.05.2012 – 5 AZR 347/​11, Rn. 29, BAGE 141, 330[↩]
ArbeitsgerichtsverfahrenKlageantragParteimaximeSchlüssigkeit

References: § 253
 § 260
 § 253
 § 253
 § 253
 BGH 

BGH 

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