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Timestamp: 2016-10-21 21:58:09+00:00

Document:
U 367/06 (11.01.2007)
M.________, 1971, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Advokat Dominik Zehntner, Spalenberg 20, 4051 Basel,
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschft, Rechtsdienst, Hohlstrasse 552, 8048 Z�rich, Beschwerdegegnerin.
vom 10. M�rz 2006.
Der 1971 geborene M.________ war seit November 1997 bei der Firma Q.________ AG als Barmann angestellt und bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend Allianz) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Am 16. September 2001 erlitt er eine zweiphasige Auffahrkollision: Er befand sich auf der Autobahn, als der vor ihm fahrende Autolenker eine Vollbremsung durchf�hrte. Da der Versicherte nicht rechtzeitig zu bremsen vermochte, stiess er mit dem zum Stillstand gekommenen Auto vor ihm zusammen. Auch dem nachfolgenden Lenker gelang es nicht, sein Auto fr�h genug abzubremsen, sodass dieser ins Heck des Fahrzeugs des Versicherten prallte. Noch am Tag des Unfallereignisses begab sich M.________ ins Spital X.________, wo die �rzte ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS) diagnostizierten. Sie konnten eine leicht eingeschr�nkte Beweglichkeit der Halswirbels�ule feststellen; neurologische Auff�lligkeiten sowie oss�re L�sionen fanden sich indessen keine (vgl. Bericht vom 11. Dezember 2001). In der Folge entwickelte der Versicherte (zumindest teilweise) das nach Schleudertraumata typischerweise auftretende bunte Beschwerdebild (diffuse Nacken- und Kopfschmerzen, Konzentrations- und Ged�chtnisst�rung, rasche Erm�dbarkeit, L�rmempfindlichkeit, Aggressivit�t). Die Allianz richtete Taggelder aus und �bernahm die Heilbehandlung. Mit Verf�gung vom 12. November 2004, best�tigt mit Einspracheentscheid vom 6. Juli 2005, stellte sie ihre Leistungen ab 1. September 2004 ein, weil der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und den noch vorhandenen gesundheitlichen Beschwerden verneint werden m�sse.
Das Kantonsgericht Basel-Landschaft wies die gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 10. M�rz 2006 ab.
M.________ f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Antrag, die gesetzlichen Leistungen �ber den 31. August 2004 hinaus zu erbringen. Ausserdem l�sst er um Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung ersuchen.
W�hrend die Allianz auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, verzichtet das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
Sowohl die Allianz im Einspracheentscheid vom 6. Juli 2005 als auch der Versicherte gehen richtigerweise davon aus, dass im vorliegenden Fall der f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers zun�chst vorausgesetzte nat�rliche Kausalzusammenhang (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1, je mit Hinweisen) zwischen dem am 16. September 2001 erlittenen Unfall und den �ber den 31. August 2004 hinaus anhaltenden Beschwerden des Versicherten (namentlich Kopfschmerzen, Schmerzen lumbal sowie von der unteren Halswirbels�ule aufsteigend bis occipital, Konzentrationsst�rungen, rasche Erm�dbarkeit, deutliche L�rmempfindlichkeit) mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest im Sinne einer Teilkausalit�t gegeben ist. Zu beurteilen bleibt die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs.
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid die Rechtsprechung zum f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbels�ule ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle und den hernach andauernden Beschwerden mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit (BGE 117 V 359) zutreffend wiedergegeben. Das kantonale Gericht hat �berdies richtig dargelegt, dass die Beurteilung der Ad�quanz in denjenigen F�llen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbels�ule geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden ausgepr�gten psychischen Problematik aber unmittelbar nach dem Unfall ganz in den Hintergrund treten, nach der f�r psychische Fehlentwicklungen nach Unf�llen geltenden Rechtsprechung (BGE 115 V 133) vorzunehmen ist (BGE 123 V 99 Erw. 2a; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [U 164/01]). Hierauf wird verwiesen.
4.1 Der Versicherte erlitt anl�sslich des Unfalls vom 16. September 2001 ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule mit dem sich in der Folge (wenigstens teilweise) einstellenden typischen bunten Beschwerdebild. Der Rheumatologe Dr. S.________ stellte in seinen Berichten vom 22. September 2001 und 7. November 2001 ein posttraumatisches tendomyotisches Zervikalsyndrom nach HWS-Beschleunigungstrauma und Distorsion fest. Oss�re L�sionen konnten radiologisch keine objektiviert werden. Insbesondere wies Dr. S.________ auf einen �ngstlich gef�rbten Zustand mit Neigung zu Hyperventilation und damit bereits wenige Tage nach dem Unfallereignis auf eine psychische Fehlentwicklung hin. Bei gleicher Diagnose �usserte Dr. O.________, Facharzt f�r Rheumatologie, im Arztbericht vom 17. Dezember 2001 den Eindruck einer zunehmenden Aggravation. Bei im Wesentlichen ebenfalls gleicher Diagnose hielt auch der Neurologe Dr. L.________ in seinem Bericht vom 10. Januar 2002 fest, der objektivierbare klinische Befund sei diskret und gewisse Begehrlichkeiten seien nicht auszuschliessen. Gem�ss Bericht der �rzte der Rehaklinik Z.________ vom 8. Mai 2002 litt der Versicherte an einem "Zervikal- und Zervikozephalsyndrom, neuropsychologischen und vegetativen Funktionsst�rungen sowie an einem depressiven Syndrom". Zudem hielten sie eine fach�rztliche psychiatrische Beurteilung "f�r dringend erforderlich". Der Psychiater Dr. H.________ diagnostizierte im Bericht vom 29. Mai 2002 eine "Anpassungsst�rung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt" (ICD-10 F43.22). Auch Dr. C.________, Facharzt f�r Neurologie, f�hrte in seinem Bericht vom 23. September 2002 die geklagten Beschwerden auf dieses psychische Leiden zur�ck und betrachtete es als "vordergr�ndig". Zur gleichen Beurteilung gelangte auch der Psychiater Dr. P.________ zumal er festhielt, es stehe "zum jetzigen Zeitpunkt [...] sicherlich die psychiatrische Diagnose im Vordergrund" (Arztbericht vom 21. Oktober 2002). Auch die polydisziplin�re Begutachtung der Klinik Y.________, in deren Rahmen neuropsychologische (Bericht vom 28. August 2003), radiologische (Bericht vom 22. September 2003), neurologische (Bericht vom 11. Dezember 2003) sowie rheumatologische (Bericht 7. Juli 2004) Abkl�rungen vorgenommen wurden, f�hrte grunds�tzlich zu den gleichen Schl�ssen. So hielt etwa der Neurologe Dr. B.________ fest, es liessen sich aus rein somatischer Sicht keine sicheren Folgen des Unfalles ausmachen. Dieser Einsch�tzung schloss sich auch der Rheumatologe Dr. K.________ an. Er sah dabei ebenfalls die psychiatrische St�rung ("Anpassungsst�rung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt" sowie "deutliche Hinweise in Richtung einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung") im Vordergrund stehen.
4.2 Nach dem Gesagten ging die Vorinstanz im vorliegenden Fall zu Recht nach der Rechtsprechung zu psychischen Unfallfolgen gem�ss BGE 115 V 133 ff. vor: Denn einerseits wies die psychische Problematik schon sehr bald nach dem Unfallereignis vom 16. September 2001 eindeutige Dominanz auf, und andererseits haben die physischen Beschwerden - auch im Verlauf der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt - gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt und sind damit ganz in den Hintergrund getreten (BGE 123 V 99 Erw. 2a; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [U 164/01]). So enth�lt bereits der Arztbericht des Rheumatologen Dr. S.________ vom 22. September 2001 (mithin nur knapp eine Woche nach dem Unfall) Hinweise auf eine psychische Problematik: "Patient zeigt einen �ngstlich gef�rbten Zustand mit Neigung zu Hyperventilation". Auch die in der Folge verfassten medizinischen Berichte und Gutachten wiesen (fast ausnahmslos) auf ein psychisches Leiden des Versicherten hin. S�mtliche in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebrachten Einw�nde verm�gen an dieser Betrachtungsweise nichts zu �ndern: Der Versicherte macht namentlich geltend, es seien noch nicht s�mtliche somatischen Unfallfolgen weggefallen. Dabei st�tzt er sich im Wesentlichen auf das (letztinstanzlich erstmals vorgebrachte) Gutachten des �rztlichen Begutachtungsinstituts (ABI) vom 12. Dezember 2005. Der Einwand des Beschwerdef�hrers wird indessen im Gutachten des ABI unter dem Titel "Stellungnahme zu fr�heren �rztlichen Einsch�tzungen" gleich selbst entkr�ftet, zumal festgehalten wird, "es besteht eine gute �bereinstimmung mit dem abschliessenden Gutachten der Klinik Y.________ [...]. Aus somatischer Sicht besteht unsere �bereinstimmung mit diesem fr�heren Gutachten". Wie bereits vorne dargelegt, �usserten sich die �rzte der Klinik Y.________ zu dieser Thematik dahingehend, dass sich "aus rein somatischer Sicht [...] keine sicheren Folgen des Unfalles vom 16. September 2001" finden liessen. Ebenso wenig vermag der Kurzbericht von Dr. E.________, Facharzt f�r orthop�dische Chirurgie, vom 14. M�rz 2005 etwas an der vorgenannten Auffassung zu �ndern, zumal er (beispielsweise) die klar im Vordergrund stehende psychische Problematik mit keinem Wort anspricht.
4.3 Nach dem Gesagten ist die Ad�quanz nach Massgabe der in BGE 115 V 138 Erw. 6 und 407 Erw. 5 entwickelten und seither st�ndig angewandten Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 129 V 183 Erw. 4.1) zu beurteilen, d.h. mit der Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten der unfallbezogenen Merkmale (BGE 117 V 367 Erw. 6a in fine; SVR 2003 UV Nr. 12 S. 36 Erw. 3.2.3).
5.1 Aufgrund des augenf�lligen Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen ist die Doppelkollision vom 16. September 2001 in �bereinstimmung mit der Vorinstanz dem Bereich der mittelschweren Unf�lle zuzurechnen (vgl. RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2 am Anfang). Bei Unf�llen, die bez�glich des Schweregrades dem mittleren Bereich zuzuordnen sind, l�sst sich die Frage des ad�quaten Kausalzusammenhangs rechtsprechungsgem�ss nicht aufgrund des Unfalls allein schl�ssig beantworten; vielmehr sind weitere, objektiv erfassbare Umst�nde, die unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtw�rdigung einzubeziehen. Der ad�quate Kausalzusammenhang ist nur dann zu bejahen, wenn eines der im Zusammenhang mit dem Schleudertrauma der HWS massgebenden Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist oder mehrere Kriterien erf�llt sind (vgl. BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb). Dabei gilt es zu betonen, dass bei der Pr�fung der einzelnen Kriterien nur die organisch bedingten Beschwerden zu ber�cksichtigen sind, w�hrend die psychisch begr�ndeten Anteile, deren hinreichender Zusammenhang mit dem Unfall den Gegenstand der Pr�fung bildet, ausgeklammert bleiben (Urteil P. vom 30. September 2005, U 277/04, Erw. 4.3).
5.2 Der Unfall ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumst�nden, noch ist er als speziell eindr�cklich zu bezeichnen. Daran �ndert auch die Zweiphasigkeit des Unfallereignisses nichts. Die erlittenen (physischen) Verletzungen waren weder schwer noch von besonderer Art. Ebenso wenig ist eine �rztliche Fehlbehandlung aktenkundig, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert h�tte. Sodann kann weder von einem schwierigen Heilungsverlauf gesprochen werden, noch traten erhebliche Komplikationen auf. Ferner ist auch eine ungew�hnlich lange Dauer der �rztlichen Behandlung zu verneinen. Denn die nach dem Unfall erfolgte Behandlung beschr�nkte sich im Wesentlichen auf die Durchf�hrung medizinischer Abkl�rungen und Verlaufskontrollen (viele davon bedingt durch den h�ufigen �rztewechsel des Versicherten). Zudem unterzog sich der Beschwerdef�hrer physiotherapeutischen Behandlungen. Das polydisziplin�re Gutachten der Klinik Y.________ kam zum Schluss, dass sich aus rein somatischer Sicht keine sichere Folge des Unfalles f�nde und die geklagten Beschwerden daher auf die psychische Problematik zur�ckzuf�hren seien. Aus diesem Grund sind auch die Kriterien "k�rperliche Dauerschmerzen" und "Grad und Dauer physisch bedingter Arbeitsunf�higkeit" zu verneinen.
Die - vorinstanzlich best�tigte - Leistungseinstellung seitens der Allianz erfolgte demnach zu Recht. Daran verm�chten erg�nzende Abkl�rungen nichts zu �ndern. Es ist deshalb von den beantragten Weiterungen abzusehen.
Die Allianz hat keinen Anspruch auf Parteientsch�digung (Art. 159 Abs. 2 OG). Da die Bed�rftigkeit aktenkundig ist, die Beschwerde nicht als aussichtslos zu bezeichnen und die Vertretung geboten war (BGE 125 V 202 Erw. 4a und 372 Erw. 5b, je mit Hinweisen), kann die beantragte unentgeltliche Verbeist�ndung des Beschwerdef�hrers gew�hrt werden (Art. 152 in Verbindung mit Art. 135 OG). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 152 Abs. 3 OG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu im Stande ist.
Zufolge Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung wird Advokat Dominik Zehntner, Basel, f�r das Verfahren vor dem Bundesgericht aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) ausgerichtet.

References: BGE 
 BGE 
in fine
 BGE 
 Art. 135
 Art. 152