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Timestamp: 2019-05-27 09:13:20+00:00

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Rechtsformen. Gegenüberstellung von Personen- und ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
2.5 GmbH & Co.KG
3.2 Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
3.3 Unternehmergesellschaft (UG)
3.4 Aktiengesellschaft (AG)
4. Wichtige Aspekte bei der Rechtsformwahl
Abbildung 1: Eigene Darstellung, Anzahl der Unternehmen nach Rechtsform in Deutschland - Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/237346/umfrage/unternehmen-in-deutschland-nach-rechtsform-und-anzahl-der-beschaeftigten/
Die Anzahl der Unternehmensneugründungen in Deutschland war in den vergangenen Jahren stets rückläufig. „Insgesamt wurden im 1. Halbjahr 2016 in Deutschland 293.000 Unternehmen neu gegründet.“[1] Heutzutage spielen neben der am häufigsten vertretenen Gesellschaftsform, den Einzelunternehmen, auch Personen- und Kapitalgesellschaften eine große Rolle. Ständige Innovationen und Investitionen sind unabdingbar, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig in einer sozialen Marktwirtschaft sowie dem Weltmarkt zu sein. „Das Gesellschaftsrecht bietet eine breite Palette von Möglichkeiten für die Wahl der betrieblichen Rechtsform.“[2] Viele Unternehmensneugründer beschäftigen sich im Vorfeld langwierig mit der Frage, welche die für sie am besten geeignete Rechtsform darstellt. Dafür werden unter anderem Unternehmens- oder Steuerberater engagiert, um Informationen über steuerliche Aspekte oder eine persönliche Inanspruchnahme hinsichtlich der Haftung zu erhalten.
Diese wissenschaftliche Ausarbeitung befasst sich speziell mit der Frage, welche Rechtsform bei einer Unternehmensneugründung die sinnvollste ist. Im Detail werden die Merkmale der gängigsten Gesellschaftsformen innerhalb Deutschlands sowie deren Vor- und Nachteile analysiert und verglichen. Dabei wird der Gegenüberstellung von Kapital- und Personengesellschaften besondere Bedeutung geschenkt.
Zunächst werden theoretische Begriffe voneinander abgegrenzt, um ein Grundverständnis der überhaupt in Deutschland vorhandenen Rechtsformen zu schaffen. Anschließend werden die einzelnen Gesellschaften genauer untersucht und deren jeweilige Auffälligkeiten und Eigenarten argumentativ aufgeführt. Hierbei beschränkt sich die Ausarbeitung auf die Gesellschaftsformen, welche hierzulande am weitesten verbreitet sind. Im Anschluss werden die wichtigsten Aspekte genannt, die generell bei der Wahl einer Rechtsform zu berücksichtigen sind. Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, durch das Abwägen von Pro- und Contra-Argumenten zu untersuchen, ob es wirklich die eine ‚perfekte Rechtsform‘ gibt. Infolgedessen wird ein grober Überblick über die Thematik geschaffen und daraus resultierend eine Entscheidungshilfe für eine der möglichen Gesellschaftsformen abgeleitet. Bevor die genauere Untersuchung der einzelnen Gesellschaften beginnt, werden zur besseren Übersicht als erstes die beiden Oberbegriffe ‚Personengesellschaft‘ und ‚Kapitalgesellschaft‘ voneinander getrennt und erläutert.
Dieses Kapitel ist in fünf Unterpunkte aufgeschlüsselt. Beginnend mit einer allgemeinen Definition einer Personengesellschaft werden die verschiedenen Gesellschaftsformen wie die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die Offene Handelsgesellschaft, die Kommanditgesellschaft sowie die GmbH & Co.KG nacheinander untersucht und gegenübergestellt. Während in anderen Ländern viele weitere Gesellschaftsformen gesetzlich ermöglicht werden, sind in Deutschland die Personengesellschaften unter Freunden und sonstigen engen Vertrauten besonders beliebt.
Eine Personengesellschaft entsteht durch den Zusammenschluss von mindestens zwei natürlichen und/oder juristischen Personen (=anerkannte rechtliche Selbstständigkeit). Diese verfolgen einen bestimmten gemeinsamen Zweck in der Form einer Gesellschaft. Dabei handelt es sich nicht um eine juristische Person, sondern vielmehr um eine sogenannte Personenvereinigung, die Träger von Rechten und Pflichten sein und am Rechtsverkehr teilnehmen kann. Bei den Personengesellschaften stehen die Gesellschafter selbst im Mittelpunkt, eine konkrete Trennung von Gesellschaft und Gesellschaftern findet im Gegensatz zu den Kapitalgesellschaften nicht statt. Die Gesellschaft unterliegt dem Prinzip der Selbstorganschaft, das bedeutet, dass nur die persönlich haftenden Gesellschafter Geschäftsführer und Vertreter sein können.[3] Es gilt zu beachten, dass bei dieser Art von Gesellschaft grundsätzlich mindestens ein Gesellschafter unbeschränkt und unmittelbar mit seinem gesamten Privatvermögen haftet. Des Weiteren fällt die Formfreiheit des Gesellschaftsvertrages auf. Dieser kann sogar mündlich ohne schriftliche Vereinbarungen rechtskräftig abgeschlossen werden, wovon jedoch abzuraten ist.[4] Die Gründe dafür werden im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch genauer erläutert.
Dieses teils abänderbare Recht mit vielerlei Gestaltungsfreiheit erleichtert eine Unternehmensgründung erheblich. Den Grundtyp der Personengesellschaften stellt die Gesellschaft bürgerlichen Rechts gemäß §705 BGB dar, weshalb sie auch als BGB-Gesellschaft bezeichnet wird. Diese Tatsache wird dadurch ersichtlich, dass die gesetzlichen Vorschriften der GbR oftmals Grundlage für weitere Personengesellschaften sind.[5] Zur Gründung ist ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag zwar empfehlenswert, da er bei eventuellen Streitigkeiten für Klarheit sorgt, aber nicht zwingend erforderlich. Für eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts werden mindestens zwei Parteien benötigt, die sowohl natürliche und juristische Personen als auch sonstige Personenzusammenschlüsse wie eine Offene Handelsgesellschaft oder eine Kommanditgesellschaft sein können. Beispiele für die Gesellschaften des täglichen Lebens sind Fahr- und Lottotippgemeinschaften sowie in der Karnevalszeit diverse Karnevalsgruppen, die gemeinsame Auftritte haben.[6] Generell reichen eine mündliche Einigung und sogar lediglich konkludentes Handeln aus, um eine GbR zu gründen. Die einzige Ausnahme dabei bilden die Grundstücksgesellschaften, bei denen gemäß §311b Abs. 1 BGB ein notariell beurkundeter Vertrag erforderlich ist. Das dispositive Recht sorgt im Innenverhältnis dafür, dass der Gesellschaftsvertrag stark abgeändert werden darf und nicht lediglich auf den gesetzlichen Vorschriften des BGB basieren muss.
Die Gesellschafter verfolgen einen gemeinsamen beliebigen Zweck und sind zur Förderung der Erreichung dessen verpflichtet. Sie klären vorab, wer welche Leistungen in die Gesellschaft mit einbringt. Zu unterscheiden sind Geld- und Sachleistungen, bei denen letztere in der Überlassung von Grundstücken oder Maschinen bestehen können. Außerdem sind sonstige Dienste als Leistungsausgleich möglich.
Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts verfügt laut Legaldefinition über eine Teilrechtsfähigkeit, was bedeutet, dass sie Träger von Rechten und Pflichten sein kann. Neben dem Gesellschaftsvermögen haften alle Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen persönlich, unbeschränkt und gesamtschuldnerisch. Über das Gesellschaftsvermögen können die Gesellschafter nur gemeinsam verfügen, weshalb man auch von gesamthänderischer Bindung spricht. Die Gewinn- bzw. Verlustverteilung erfolgt nach Köpfen, wobei diese Regelung durch den oben beschriebenen Gesellschaftsvertrag abgeändert werden kann. Die Geschäftsführung im Innenverhältnis sowie die Vertretung der Gesellschaft im Außenverhältnis unterliegen dem Einstimmigkeitsprinzip.[7] Diese Vorschrift wird jedoch meist umgangen, indem man Alleinvertretung der Gesellschafter vereinbart, um möglichst flexibel und handlungsfähig zu sein. Eine Ausnahme dazu bilden die Grundlagengeschäfte, die die Grundlagen der Gesellschaft als solche sowie die Beziehungen der Gesellschafter untereinander betreffen. Diese sehen zum Beispiel eine Änderung des Gesellschaftsvertrages oder des Zwecks der Gesellschaft vor und sind daher immer einstimmig zu entscheiden. Das Auflösen der Gesellschaft kann verschiedene Ursachen haben. Einerseits ist das Ausscheiden eines Gesellschafters durch Tod oder Kündigung denkbar, wobei das Fortbestehen vertraglich vereinbart werden kann.[8] Andererseits ist es möglich die Gesellschaft bereits im Voraus nur für einen bestimmten Zeitraum zu gründen, wie zum Beispiel beim Zusammenschluss einer Musikantengruppe in der Karnevalssaison. Eine weitere Möglichkeit liegt in dem Eintritt der Zweckerreichung beziehungsweise der Unmöglichkeit der Zweckerreichung.
Insgesamt weist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts durch die unkomplizierte Gründung, das Vertragsgestaltungsrecht und die hohe Kreditwürdigkeit wegen der unbeschränkten Haftung der Gesellschafter einige Vorteile auf. Des Weiteren ist kein Mindestkapital erforderlich. Demgegenüber stehen jedoch auch Nachteile, nämlich die unbeschränkte Haftung sowie das dadurch notwendige hohe gegenseitige Vertrauen der Gesellschafter untereinander. Außerdem kann das Betreiben einer GbR äußerst arbeitsintensiv sein. Die Gewinnteilung und die nicht alleinige Entscheidungsfreiheit sind ebenfalls zu erwähnen.
Während die Gesellschaft bürgerlichen Rechts keine Kaufmannseigenschaft besitzt und somit nicht den Vorschriften des Handelsgesetzbuches unterliegt, bietet das Gesellschaftsrecht eine weitere Möglichkeit, um am Rechtsverkehr als Kaufmann teilnehmen zu können. Die Offene Handelsgesellschaft stellt als Personenhandelsgesellschaft eine kaufmännische Variante zur GbR dar. Sie erlangt ihre Kaufmannseigenschaft als Formkaufmann gemäß §6 HGB und wird unter gemeinschaftlicher Firma gemäß §17 HGB geführt. Zur Gründung sind mindestens zwei natürliche oder juristische Personen erforderlich, die im weiteren Verlauf zur Förderung eines gemeinsamen Zwecks bezüglich des Betriebs eines Handelsgewerbes verpflichtet sind (Vgl. §105 Abs. 1 HGB). Im Innenverhältnis entsteht die Gesellschaft durch den Abschluss des Gesellschaftsvertrages. Im Außenverhältnis dahingegen ist die Aufnahme der Geschäftstätigkeit ausschlaggebend, spätestens jedoch die Eintragung ins Handelsregister bei dem Gericht, in dessen Bezirk die OHG ihren Sitz hat.[9] In der Regel sind die Gesellschafter zur Einzelgeschäftsführung berechtigt, jedoch können davon abweichende Regelungen getroffen werden (Vgl. §§114+115 HGB). Da die Gesellschaft nicht selbst handeln kann, wird sie durch ihre Gesellschafter vertreten. Diese Vertretungsbefugnis ist Dritten gegenüber zum Schutz von Gläubigern nicht beschränkbar. Neben dem Gesellschaftsvermögen haften die Gesellschafter unbeschränkt, unmittelbar und gesamtschuldnerisch. Ähnlich wie bei der GbR können sie über das Gesellschaftsvermögen nur gemeinsam verfügen.[10]
Den Gesellschaftern stehen sowohl eine Gewinnbeteiligung als auch ein Entnahmerecht zu, wobei dieses beschränkt ist auf vier Hundertstel des eigenen Kapitalanteils des vergangenen Geschäftsjahres. Der Gewinn eines jeden Gesellschafters beträgt vier Prozent seines jeweiligen Kapitalanteils, eventuelle Überschüsse werden nach Köpfen verteilt.[11] Die Gesellschafter sind zur Verlustbeteiligung verpflichtet und müssen ihre festgelegten Beiträge leisten. Weiterhin unterliegen sie der Treuepflicht und gemäß §112 HGB dem gesetzlichen Wettbewerbsverbot. Aufgelöst wird die OHG vorwiegend durch einen Gesellschafterbeschluss oder die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens (Vgl. §131 Abs. 1 HGB).
Zusammenfassend sind die Teilung von Arbeit und Risiko, die hohe Kreditwürdigkeit, die Möglichkeit zur Einzelgeschäftsführung und -vertretung sowie die Nichterfordernis eines Mindestkapitals als positive Merkmale zu nennen. Auf der anderen Seite fallen die persönliche Haftung der Gesellschafter, die teils strengeren Vorschriften des HGB sowie der höhere Gründungsaufwand im Vergleich zur Gesellschaft bürgerlichen Rechts negativ ins Gewicht.
Die bisher kennengelernten Gesellschaftsformen zeichnen sich besonders durch die nicht beschränkbare Haftung der beteiligten Gesellschafter aus. Genau diese Tatsache hindert viele Neugründer daran, sich für eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder eine Offene Handelsgesellschaft zu entscheiden. Allerdings bietet das Gesetz auch hier weitere Varianten, mit denen diese als negativ empfundene persönliche Haftung teilweise umgangen werden kann. Eine Sonderform der Offenen Handelsgesellschaft ist die sogenannte Kommanditgesellschaft, die zwingend auf ein Handelsgewerbe unter gemeinschaftlicher Firma gerichtet ist (Vgl. §161 Abs. 1 HGB). Zur Gründung sind mindestens ein Komplementär (Vollhafter) und ein Kommanditist (Teilhafter) erforderlich. Dafür kommen natürliche und juristische Personen sowie Personenvereinigungen infrage. Im Innenverhältnis entsteht die
Gesellschaft durch Vertragsabschluss und im Außenverhältnis durch die Aufnahme der Geschäftstätigkeit, sofern alle Gesellschafter zustimmen. Für diesen Fall wirkt die Eintragung ins Handelsregister nur noch deklaratorisch, also rechtserklärend. Die KG ist ebenfalls teilrechtsfähig und kann somit sowohl klagen als auch verklagt werden. Es handelt sich um eine Personenhandelsgesellschaft, die den Rechtszusatz KG oder Kommanditgesellschaft erfordert und nach §6 HGB Formkaufmann ist.
Durch den Gesellschaftsvertrag und die Eintragung ins Handelsregister muss klar ersichtlich sein, wer Komplementär und wer Kommanditist ist.[12] Des Weiteren sind die Einlagen, die Angabe des Namens des Kommanditisten sowie dessen Haftungssumme einzutragen. Die Haftung des Komplementärs entspricht exakt der eines OHG-Gesellschafters, weshalb die Regelungen aus dem OHG-Recht anzuwenden sind. Für den Teilhafter dahingegen wurden andere gesetzliche Regelungen vereinbart. Die Haftung des Kommanditisten ist ausgeschlossen, sofern er die vereinbarte Einlage vollständig geleistet hat (Vgl. §171 Abs. 1 HGB). Folglich wird an dieser Stelle die Gesellschaft für weniger risikofreudige Personen interessant. Falls die Geschäfte bereits vor Eintragung ins Handelsregister aufgenommen werden, haftet der Kommanditist jedoch unbeschränkt und persönlich, wenn dem Geschäftspartner die Rolle des Kommanditisten nicht bekannt war (Vgl. §176 Abs. 1 HGB).
Die alleinige Geschäftsführungsbefugnis obliegt dem Komplementär. Die gesetzliche Regelung kann jedoch durch die Erteilung einer Vollmacht oder Prokura umgangen werden. Ansonsten stehen dem Kommanditisten lediglich ein Kontrollrecht (Vgl. §166 HGB) und ein Widerspruchsrecht bei außergewöhnlichen Geschäften zu (Vgl. §164 HGB).[13] Er wird zunächst mit vier Prozent seines Kapitalanteils am Gewinn und Verlust der Gesellschaft beteiligt. Darüber hinaus ist ihm ein angemessener Anteil zu zahlen. Da der Begriff ‚angemessen‘ nicht klar definiert ist, sollte die Gewinnverteilung vorab eindeutig im Gesellschaftsvertrag geregelt werden.
Die Auflösung einer Kommanditgesellschaft verläuft generell kongruent zur OHG. Es ist zu beachten, dass die Gesellschaft bei Versterben eines Kommanditisten fortbesteht. Sofern jedoch der einzige Komplementär verstirbt, kann die Gesellschaft nicht als KG fortgeführt werden und erlischt als solche.[14]
Als Vorteile einer Kommanditgesellschaft sind das kalkulierbare Risiko für die Kommanditisten aufgrund des Haftungsausschlusses beziehungsweise der Haftungsbeschränkung, die hohe Kreditwürdigkeit und die alleinige Leistungsbefugnis des Komplementärs zu nennen. Negativ behaftet sind der hohe Gründungsaufwand, die unbeschränkte Haftung des Komplementärs sowie die geringen Entscheidungsmöglichkeiten des Kommanditisten.
Neben der beschriebenen Vollhaftung des Komplementärs und dem Haftungsausschluss des Kommanditisten nach erfolgter Einlage findet man im Gesellschaftsrecht sogar die Möglichkeit, eine Personengesellschaft zu gründen, bei der keine natürliche Person zur persönlichen Inanspruchnahme herangezogen werden kann. Der komplette Ausschluss der persönlichen Haftung führt zur weiten Verbreitung und Beliebtheit der GmbH & Co.KG in Deutschland. Sie stellt eine besondere Form der Personengesellschaften dar, weil keine natürliche Person unbeschränkt haftet. Dies wird dadurch erreicht, dass eine GmbH, die in Kapitel 3.2 noch genauer analysiert wird, die Stellung des Komplementärs einnimmt. Somit ist die gesamte Haftung auf das KG-Vermögen, das GmbH-Vermögen sowie die Einlage des Kommanditisten beschränkt. Bezüglich des Gesellschaftsvertrages sind wiederum individuelle Regelungen möglich.[15]
Vorteile dieser Gesellschaftsform sind daher die erwähnte Haftungsbeschränkung, die Möglichkeit der Fremdorganschaft, das bedeutet, dass externe Nicht-Gesellschafter Geschäftsführer der GmbH werden können, und die Kapitalbeschaffungsmaßnahme durch Aufnahme weiterer Kommanditisten. Die nicht zu vernachlässigenden Nachteile sind die hohen Gründungskosten, die komplizierte Vertragsgestaltung durch die zwei wählbaren Gesellschaftsformen KG und GmbH sowie die niedrige Kreditwürdigkeit aufgrund der beschränkten Haftung.
Nachdem in Kapitel 2 die verschiedenen Arten der Personengesellschaften sowie deren Eigenarten untersucht wurden, widmet sich diese wissenschaftliche Ausarbeitung im folgenden Kapitel ihrem Pendant: Den Kapitalgesellschaften. Im Kreise der Unternehmer gilt diese Art von Rechtsform als äußerst lukrativ. Sie verringert das persönliche Risiko und vermeidet einen kompletten Existenzverlust im Falle eines nicht eintretenden Geschäftserfolges.
Im Gegensatz zu den Personengesellschaften kann eine Kapitalgesellschaft von einer oder mehreren Personen gegründet werden. Das Ziel dieser Gesellschaft besteht in der Verfolgung eines beliebigen Zwecks. Die Kapitalgesellschaft als solche, deren Gründung auf dem Gesellschaftsvertrag basiert, wird als juristische Person bezeichnet. Das Besondere hierbei ist, dass sie nicht eigenständig am Rechtsverkehr teilnehmen kann. Daher wird die Kapitalgesellschaft durch ihre Organe vertreten. Diese Stellung obliegt nicht zwingend den Gesellschaftern, sie kann auch von Nicht-Gesellschaftern ergriffen werden. Anders als bei den Personengesellschaften steht hier das Kapital im Vordergrund und die damit einhergehende Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen.[16] Je nach Gesellschaftsform ist bereits vor der Gründung ein vorgeschriebenes Mindestkapital einzubringen. Es kommt zu einer strikten Trennung von Gesellschaftern und Gesellschaft. Die Kapitalgesellschaft unterliegt den strengeren Gesetzen des Handelsgesetzbuches bzw. des GmbH-Gesetzes oder des Aktiengesetzes und ist Formkaufmann kraft Rechtsform gemäß §6 HGB.
Trotz der im Vergleich zu den Personengesellschaften strengeren und größtenteils komplizierteren Gesetzen sowie der damit verbundenen kostenintensiven Gründung sind die Kapitalgesellschaften deutschlandweit äußerst beliebt. Die Hauptursache dafür liegt in der Möglichkeit der Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen. Die am weitesten verbreitete Kapitalgesellschaft ist die Gesellschaft mit beschränkter Haftung, kurz GmbH. Für sie gelten als Formkaufmann neben den Vorschriften des HGB zusätzlich die Regelungen des GmbHG. Die Gründung der Gesellschaft ist ziemlich zeit- und kostenintensiv und läuft in folgenden Schritten ab: Fassung des Gründungsbeschlusses, notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrages, Bestellung der Geschäftsführung (Vgl. §6 GmbHG), Leistung der Stammeinlagen, Anmeldung beim Handelsregister sowie Eintragung und Bekanntmachung.[17] Die GmbH als solche verfügt über eine eigene Rechtspersönlichkeit und wird als juristische Person mit Träger von Rechten und Pflichten bezeichnet. Sie kann durch ihre Organe Eigentum erwerben, vor Gericht klagen und selbst verklagt werden. Der Gesellschaftsvertrag muss folgende Mindestanforderungen erfüllen: Nennung der Firma und des Sitzes der Gesellschaft, des Unternehmensgegenstandes sowie der Gesamthöhe des Stammkapitals und der Stammeinlagen (Vgl. §3 Abs. 1 GmbHG). Die Gesellschafter können sowohl natürliche als auch juristische Personen sein (Beachte: 1-Mann-GmbH möglich). Die GmbH ist nicht zwingend ein Handelsgewerbe, sie kann jeden gesetzlich zulässigen Zweck verfolgen. Als Körperschaft wird die Gesellschaft durch die folgenden Organe vertreten:
- Geschäftsführung (Vgl. §§6 und 35 GmbHG) à der oder die Geschäftsführer werden in das Handelsregister eingetragen, laut Fremdorganschaft können externe Dritte als Geschäftsführer eingestellt werden, die keine Gesellschafter sind, sie sind weisungsgebunden und übernehmen Aufgaben im Innen- und Außenverhältnis, bei Pflichtverletzungen haften sie für den entstandenen Schaden.
- Gesellschafterversammlung (Vgl. §§46ff. GmbHG) à sie wird durch die Geschäftsführer einberufen und führt als oberstes Willens- und Beschlussorgan folgende Aufgaben aus: Bestellung der Geschäftsführer, Feststellung des Jahresabschlusses sowie der Ergebnisverwendung, Einforderung von Nachschüssen bei Fehlbeständen, Vornahme von Satzungsänderungen, Auflösungsentscheidungen treffen.
- Aufsichtsrat (Vgl. §52 GmbHG) à internes Kontrollorgan, das die Geschäftsführung überwacht und erst ab einer Arbeitnehmeranzahl von mehr als 500 zwingend erforderlich ist.[18]
Im Vergleich zu den bisher vorgestellten Gesellschaften ist das Mindeststammkapital der GmbH mit 25.000 Euro relativ hoch angesiedelt (Vgl. §25 Abs. 1 GmbHG). Die einzelnen Stammeinlagen können aus Geld- oder Sachleistungen bestehen.[19] Vor der Registeranmeldung müssen die Sacheinlagen gemäß §7 Abs. 3 GmbHG vollständig erbracht sein und die Bareinlagen jeweils zu mindestens 25 Prozent des Nennbetrages eingezahlt sein, wobei die Gesamtsumme 12.500 Euro nicht unterschreiten darf (Vgl. §7 Abs. 2 GmbHG). Die GmbH entsteht als solche erst mit Eintragung in das Handelsregister (Vgl. §11 Abs. 1 GmbHG). Folgende Gründungsstadien sind zu unterscheiden:
- Vorgründergesellschaft (vor Beurkundung)
- Vor-GmbH (nach Beurkundung, vor Eintragung)
- endgültige GmbH (nach Eintragung)
Der Kapitalerhaltungsgrundsatz besagt, dass das Gründungskapital nicht unterschritten werden darf, um die Gläubiger zu schützen. „Die Haftung der Gesellschafter der GmbH ist ausgeschlossen, es haftet ausschließlich die juristische Person. Somit wird bei Zahlungsunfähigkeit das Privatvermögen der Gesellschafter nicht angetastet und das Risiko ist auf die Kapitaleinlage beschränkt.“[20] Die Gesellschafter unterliegen der Treuepflicht und sind durch die Leistung ihrer Stammeinlage für die Versorgung der GmbH mit Kapital verantwortlich. Sie sind teilnahme- und stimmberechtigt auf der Gesellschafterversammlung (Vgl. §47 GmbHG), haben Auskunfts- und Einsichtsrechte (Vgl. §51a GmbHG) und unterliegen keinem Wettbewerbsverbot. Die Gewinnverteilung erfolgt, sofern ein Gewinnverwendungsbeschluss vorliegt, nach Geschäftsanteilen, während bei Verlusten eine Nachschusspflicht der Gesellschafter vereinbart werden kann.[21] Im Rahmen der Auflösung der GmbH sind vorrangig der Gesellschafterbeschluss und die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu nennen.
Insgesamt zeichnet sich die GmbH durch die nicht vorhandene persönliche Haftung der Gesellschafter bei geleisteter Einlage, die Möglichkeit der Entscheidungsfreiheit bei einer 1-Mann-GmbH und die Option der Fremdorganschaft aus. Negative Aspekte sind das hohe Mindeststammkapital, die geringe Kreditwürdigkeit, die teure und komplizierte Gründung sowie die erforderlichen Buchführungs- und Bilanzierungspflichten. Infolgedessen ist nach wie vor keine Aussage möglich, welche denn nun die beste aller Rechtsformen darstellt.
Wem als Unternehmer das nötige Geld zur Gründung einer GmbH fehlt, kann sich dennoch für eine ähnliche Rechtsform mit gegebener Haftungsbeschränkung entscheiden. Die Unternehmergesellschaft ist eine Unterform der GmbH, die für Personen ohne viel Kapital geeignet ist. Das Mindestkapital beträgt lediglich einen symbolischen Euro. Im Firmennamen muss zwingend die Bezeichnung ‚UG (haftungsbeschränkt)‘ enthalten sein. Die bereits erläuterten Vorschriften der GmbH sind in ähnlicher Weise anzuwenden. Von dem erwirtschafteten Jahresüberschuss sind 25 Prozent als gesetzliche Rücklage einzubehalten, bis das Stammkapital der GmbH in Höhe von 25.000 Euro erreicht wird. Danach besteht die Möglichkeit zur Umfirmierung einer GmbH oder der Fortführung der bestehenden Firma. Bei drohender Zahlungsunfähigkeit ist die Versammlung der Gesellschafter unverzüglich einzuberufen.[22]
[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/73666/umfrage/neugruendung-von-unternehmen-in-deutschland/.
[2] Eugen Klunzinger, 2012, S.7.
[3] Vgl. http://www.rechtslexikon.net/d/selbstorganschaft/selbstorganschaft.htm.
[4] Vgl. Ulrich Prinz; Wolf-Dieter Hoffmann, 2014, S.3.
[5] Vgl. Rainer Wörlen; Axel Kokemoor, 2012, S.68.
[6] Vgl. André Niedostadek, 2013, S.173.
[7] Vgl. Eugen Klunzinger, 2012, S.32.
[8] Vgl. Dirk Güllemann, nwb Textausgabe, 2016, §§723-725 BGB.
[9] Ebd. Vgl., §§123-125 HGB.
[10] Vgl. Rainer Wörlen; Axel Kokemoor, 2012, S.82.
[11] Vgl. Eugen Klunzinger, 2012, S.79.
[12] Vgl. Eugen Klunzinger, 2012, S.108.
[13] Vgl. Ulrich Prinz; Wolf-Dieter Hoffmann, 2014, S.168.
[14] Ebd. Vgl., S.253.
[15] Vgl. https://www.fuer-gruender.de/wissen/existenzgruendung-planen/recht-und-steuern/rechtsform/gmbh- co-kg/.
[16] Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/kapitalgesellschaften.html.
[17] Vgl. Rainer Wörlen; Axel Kokemoor, 2012, S.92.
[18] Vgl. André Niedostadek, 2013, S.236-238.
[19] Ebd. Vgl., S.239-241.
[20] http://www.rechnungswesen-verstehen.de/bwl-vwl/bwl/gmbh-haftung.php.
[21] Vgl. Dirk Güllemann, nwb Textausgabe, 2016, §26 GmbHG.
[22] Ebd. Vgl., §5a GmbHG.
V369612
9783668477711
9783668477728
Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften, Rechtsformen, Gegenüberstellung, GmbH, Kommanditgesellschaft, GbR, OHG, Unternehmergesellschaft, Wahl, Gesellschaften, Gesellschaftsformen, Gründung
Christian Kerzmann (Autor), 2017, Rechtsformen. Gegenüberstellung von Personen- und Kapitalgesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369612
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References: §705
 §311
 §6
 §17
 §105
 §112
 §131
 §161
 §6
 §171
 §176
 §166
 §164
 §6
 §6
 §3
 §52
 §25
 §7
 §7
 §11
 §47
 §51
 §26
 §5