Source: https://www.smartsteuer.de/online/lexikon/e/entnahme/
Timestamp: 2019-09-23 01:19:27+00:00

Document:
Entnahme ⇒ Lexikon des Steuerrechts | smartsteuer
In den Sätzen 3 und 4 des § 4 Abs. 1 EStG wird der Entstrickungstatbestand der Aufdeckung der stillen Reserven bei Wegfall des deutschen Besteuerungsrechts auf WG des BV geregelt.
Bei der → Einnahme-Überschussrechnung sind die Entnahmen als → Betriebseinnahmen zu erfassen, soweit es sich nicht um Geldentnahmen handelt. Mit Urteil vom 14.11.2007 (XI R 37/06, BFH/NV 2008, 365) beschäftigt sich der BFH mit der Ermittlung des Entnahmegewinns eines Einnahme-Überschussrechners. Dabei bestätigt der BFH seine bisherige Rspr. (z.B. BFH Urteil vom 16.1.1975, IV R 180/71, BStBl II 1975, 526) in dem er feststellt, dass auch bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG der Wert der Entnahme dem Gewinn hinzuzurechnen ist. Wegen des Prinzips der Totalgewinngleichheit ist bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG der Entnahmegewinn nach denselben Grundsätzen zu berechnen wie bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG. In beiden Fällen sind die Entnahmen nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG mit dem Teilwert anzusetzen. Diesem ist der Restwert gegenüberzustellen. Wird ein Grundstück aus dem Betriebsvermögen entnommen, ist bei einer Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG der Entnahmegewinn durch Abzug der Anschaffungskosten vom Entnahmewert (Teilwert) des Grundstücks zu ermitteln. Dies gilt auch dann, wenn es vor Jahren im Wege der Tauschs gegen ein anderes betriebliches Grundstück erworben, der hierbei erzielte Veräußerungsgewinn seinerzeit aber nicht erklärt wurde (BFH Urteil vom 6.12.2017, VI R 68/15, BStBl II 2019, 128).
Eine einkommensteuerliche Gegenstandsentnahme stellt umsatzsteuerrechtlich grundsätzlich eine unentgeltliche Wertabgabe nach § 3 Abs. 1b UStG dar. Diese unentgeltlichen Wertabgaben sind den entgeltlichen Lieferungen gleichgestellt (Abschn. 3.2 UStAE; → Unentgeltliche Wertabgabe).
In der Praxis ist es oft sehr schwierig, für jede Entnahme des Umlaufvermögens den entsprechenden Teilwert zu ermitteln und anzusetzen. So müsste z.B. ein Metzger oder ein Bäcker immer genau aufzeichnen, wie viele Entnahmen und zu welchem Wert er sie getätigt hat. Aus diesem Grund werden vom BMF Pauschbeträge für den Eigenverbrauch (Sachentnahmen) festgesetzt. Diese Pauschalregelung dient der Vereinfachung (vgl. z.B. BMF vom 12.12.2018, BStBl I 2018, 1395 betreffend Richtsatz-Sammlung und Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben für das Kj. 2019). Die Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben werden auf der Grundlage der vom Statistischen Bundesamt ermittelten Aufwendungen privater Haushalte für Nahrungsmittel und Getränke festgesetzt. Sie beruhen auf Erfahrungswerten und bieten dem Stpfl. die Möglichkeit, die Warenentnahmen monatlich pauschal zu verbuchen. Sie entbinden ihn damit von der Aufzeichnung einer Vielzahl von Einzelentnahmen. Diese Regelung dient der Vereinfachung und lässt keine Zu- und Abschläge zur Anpassung an die individuellen Verhältnisse (z.B. individuelle persönliche Ess- oder Trinkgewohnheiten, Krankheit oder Urlaub) zu. Bei Betrieben, für die eine solche Pauschalregelung nicht vorgesehen ist, müssen die Entnahmen mit den jeweiligen Teilwerten bewertet werden.
Die Umwandlung einer Betriebsschuld in eine Privatschuld ist möglich, wenn sich die ursprüngliche Veranlassung ändert. Dies ist z.B. der Fall, wenn das mit den Kreditmitteln angeschaffte WG entnommen wird. Nach dem Koppelungseffekt des R 4.2 Abs. 15 EStR folgt die Schuld dem finanzierten WG. Meiner Ansicht nach gilt dieser Grundsatz auch für Umlaufvermögen.
In der Einnahme-Überschussrechnung ist die Entnahme des WG als Betriebseinnahme i.H.v. 1 309 € zu erfassen. Die AfA i.H.v. 84 € sowie der Restwert des WG i.H.v. 916 € stellen Betriebsausgabe dar. Die Zahlung der USt auf die Entnahme stellt im Zeitpunkt des Abflusses i.H.v. 209 € eine Betriebsausgabe dar, sodass die gesamte Gewinnauswirkung auch hier 100 € beträgt.
Benecke, Entstrickung und Verstrickung bei Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens, NWB Fach 3, 14733; Sikorski, Entnahme von Grundstücken wieder umsatzsteuerfrei, NWB Fach 7, 7121.

References: § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 6
 § 4
 § 3