Source: http://www.schwerd.info/gmbh/die-gewinnausschuettung-der-gmbh-und-die-steuer/2482/
Timestamp: 2020-01-22 17:18:39+00:00

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Die Gewinnausschüttung der GmbH an die Gesellschafter sowie deren Besteuerung wurde durch die Unternehmenssteuerreform 2008 neu geregelt. Vor deren Inkrafttreten wurde die Gewinnausschüttung der GmbH an die Gesellschafter nach dem Halbeinkünfteverfahren besteuert. Seit Inkrafttreten der Unternehmenssteuerreform 2008 gilt das System der Abgeltungssteuer, sofern sich die Beteiligung im Privatvermögen des Empfängers befindet. Anderenfalls das Teileinkünfteverfahren.
Systemwechsel zur Abgeltungssteuer
Vergleich alte und neue Rechtslage bei der Gewinnausschüttung
Steuerfreie Gewinnausschüttung an Kapitalgesellschaften
Berechnungsbeispiel zur Besteuerung der Gewinnausschüttung
1. Unternehmenssteuerreform 2008
Mit der Unternehmenssteuerreform 2008 hat der Gesetzgeber bei der Besteuerung der Gewinnausschüttung einer GmbH an ihre Gesellschafter erneut einen Systemwechsel vorgenommen. Wieder stellte sich die Frage, wer von dem Systemwechsel profitiert und wer dadurch belastet wird. Unter dem neuen System kommt es für die Besteuerung der Gewinnausschüttung entscheidend darauf an, ob der Empfänger die Beteiligung an der GmbH im Privatvermögen oder im Betriebsvermögen hält.
2. Abgeltungssteuer ab 2009
Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen gem. § 20 EStG seit jeher der Kapitalertragsteuer. Hierunter fallen auch Gewinnausschüttungen (Dividenden) einer GmbH an ihre Gesellschafter.
Seit 01.01.2009 ist die Einkommensteuer für
Einkünfte aus der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft und
grundsätzlich mit dem Abzug der Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag abgegolten (Abgeltungssteuer), unabhängig vom individuellen Einkommensteuersatz des Empfängers. Werbungskosten sind jedoch über den Sparerfreibetrag hinaus nach § 20 Abs. 9 EStG nicht mehr abzugsfähig. Der Empfänger der Kapitalerträge kann im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung eine Günstigerprüfung beantragen, sofern der persönliche Einkommensteuersatz unterhalb dieses besonderen Steuertarifs für Kapitalerträge liegt.
3. Vergleich alte und neue Rechtslage
Vorab lässt sich schon feststellen, dass die Abgeltungssteuer bei den Empfängern einer Gewinnausschüttung in jedem Fall zu einer höheren persönlichen Steuerbelastung gegenüber dem früheren Halbeinkünfteverfahren führen wird. Während durch das Halbeinkünfteverfahren die Hälfte der Gewinnausschüttung mit dem persönlichen Steuersatz besteuert wurde, also maximal 22,5% von 100 (= 1/2 von max. 45%), beträgt nunmehr der maximale Steuersatz 25%. Die Mehrbelastung infolge der Abgeltungssteuer nimmt sogar noch verhältnismäßig zu, wenn der persönliche Steuersatz weniger beträgt. Das ist jedoch nur das halbe Ergebnis, weil in die Analyse auch die Ertragsteuern der GmbH einbezogen werden müssen, um einen vollständigen Vergleich der alten und neuen Rechtslage zur Besteuerung der Gewinnausschüttung durchzuführen. Dazu gibt es folgende Übersicht mit einem Vergleich der Besteuerung der Gewinnausschüttung der GmbH nach altem Halbeinkünfteverfahren und dem neuen Recht der Abgeltungssteuer:
System Abgeltungsteuer System Halbeinkünfte
Gewinn der GmbH vor Ertragsteuern 100,00 100,00 100,00
Steuerpflichtiger Gewinn bei Gesellschafter 70,17 30,68 30,68
Abgeltungssteuer ./. 17,54 0,00 0,00
Gewinnausschüttung netto 51,67 46,79 51,64
Steuerliche Gesamtbelastung 48,33 53,21 48,36
Anhand dieser Übersicht kann man folgende Schlüsse ziehen:
Gesellschafter mit einem Einkommensteuer-Höchstsatz werden durch das System der Abgeltungssteuer entlastet.
Gesellschafter mit einem persönlichen Einkommensteuersatz unter 30% werden durch das System der Abgeltungssteuer dagegen ungleich höher belastet.
Bei Gesellschaftern einer GmbH mit persönlichem ESt-Satz unter 30% erhöht sich insgesamt sogar die steuerliche Gesamtbelastung von GmbH und Gesellschafter.
Während also sehr gut verdienende Gesellschafter steuerlich besser gestellt wurden, müssen dies solche Gesellschafter finanzieren, die nur geringe anderweitige Einkünfte haben.
4. Teileinkünfteverfahren
Handelt es sich beim Empfänger der Gewinnausschüttung um einen Einzelunternehmer oder eine Personengesellschaft, erfolgt die dortige Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren. Hiernach bleiben 40% der Gewinnausschüttung steuerfrei, wobei umgekehrt auch nur 60% der Betriebsausgaben abzugsfähig sind, die mit der Gewinnausschüttung in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen, § 3c Abs. 2 EStG.
5. Steuerfreie Gewinnausschüttung an Kapitalgesellschaften
Erfolgt die Gewinnausschüttung an eine andere Kapitalgesellschaft, bleibt diese gem. § 8b Abs. 1 KStG grundsätzlich steuerfrei. In § 8b Abs. 5 KStG wird jedoch bestimmt, dass 5% der Gewinnausschüttung nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden dürfen.
Zur Veranschaulichung der unterschiedlichen Konzepte bezüglich der Besteuerung einer Gewinnausschüttung der GmbH soll das nachfolgende Beispiel dienen:
Abgeltungs-steuer Teileinkünfte
EU/PersG Steuerfrei KapG
Ertragsteuern (KSt, SolZ, GewSt) ./. 29,83 ./. 29,83 ./. 29,83
Gewinnausschüttung brutto 70,17 70,17 70,17
Kapitalertrag der Empfänger 70,17 70,17 70,17
davon steuerpflichtig = BMGr (100%/60%/0%) 70,17 42,10 0,00
n.abz.Betriebsausgaben 5% 3,51
KapESt (Abgeltungssteuer) ./. 17,54
persönl. ESt-Tarif, § 32a EStG (z.B. 40%) ./. 16,84
KSt-Tarif (15%) ./. 0,53
Solidaritätszuschlag (5,5%) ./. 0,96 ./. 0,93 ./. 0,03
Gewinnausschüttung netto 51,67 52,40 69,61
Steuern auf der Ebene der Empfänger 18,51 17,77 0,56
Ertragsteuern auf Ebene der GmbH 29,83 29,83 29,83
Steuerliche Gesamtbelastung 48,33 53,21 30,39
Diesen Beitrag habe ich bei Einführung der Unternehmenssteuerreform 2008 geschrieben. Daher noch die Berechnung mit einem ESt-Satz von 45%.
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References: § 20
 § 20
 § 3
 § 8
 § 8
 § 32